<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Christopher</first-name><last-name>Stasheff</last-name></author><book-title>Zauberer von den Sternen</book-title><annotation><p>Gramayre ist eine Welt, die nicht nur von Menschen bewohnt wird, sondern auch von Hexen, Geistern, Elfen, Trollen, Kobolden und vielen anderen Gestalten der irdischen Sagen, M�rchen und Mythen. Gramayre ist eine Welt ohne Zwischent�ne, eine Welt, auf der Gut und B�se eben so scharf kontrastieren, wie Schwarz und Wei� � und eine Welt, auf der Magie tats�chlich funktioniert und ihre festen Regeln hat. Gramayre ist aber auch eine Welt am Rand des Abgrunds, die zu retten sich Rod Gallowglass, ein Mann von Terra, fest vorgenommen hat, Dabei versteht Rod nur etwas von der Technik und �berhaupt nichts von Magie</p></annotation><date value="2009-08-24">2009-08-24</date><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><sequence name="&#x427;&#x430;&#x440;&#x43E;&#x434;&#x435;&#x439; &#x43F;&#x43E;&#x43D;&#x435;&#x432;&#x43E;&#x43B;&#x435;" number="2"/></title-info><document-info><author><nickname>Haereticus</nickname></author><program-used>doc2fb, FB Editor v2.0, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2009-08-24">2009-08-24</date><id>7B4D0DAE-A09C-4032-89E7-B084C2CEC7C8</id><version>2</version></document-info></description><body><section><title><p>Christopher Stasheff</p><p>Zauberer von den Sternen</p></title><empty-line/><subtitle><emphasis>Titel des Originals: THE WARLOCK IN SPITE OF HIMSELF</emphasis></subtitle><empty-line/></section><section><title><p>1.�TEIL � BESUCH BEI EINER KLEINEN K�NIGIN</p></title><empty-line/><p>Der Asteroid kam vom Steinbock herbeigebraust, suchte sich eine Sonne vom G-Typ und schwenkte zum f�nften Planeten ein. Eine solche Flugbahn ist f�r Asteroiden alles andere als normal.</p><p>Mit gro�er Heftigkeit drang er in das Schwerefeld des Planeten ein, umrundete ihn in drei verschiedenen Orbits und scho� erst dann als herrliche Sternschnuppe hinunter in die Atmosph�re.</p><p>In einer H�he von dreihundert Metern hielt er an, ehe er sich hinab auf die Oberfl�che senkte � aber tats�chlich nur auf die Oberfl�che. Er veranstaltete kein Feuerwerk, hob keinen Krater aus, lediglich das Gras zerdr�ckte er. Seine eigene Oberfl�che war narbig und von der Reibungshitze seines Falles geschw�rzt, aber intakt.</p><p>Tief in seinem Innern echoten die Worte, die das Geschick des Planeten ver�ndern w�rden.</p><p>�Bei dir ist wohl wieder mal die Sicherung durch!�</p><p>Der Besitzer dieser Stimme runzelte lauschend die Stirn.</p><p>Tats�chlich war es in der Kabine v�llig still, ohne das �bliche Hintergrundsummen.</p><p>Der junge Mann fluchte und ri� sich den Druckgurt vom Leib.</p><p>Er erhob sich taumelnd aus dem Schutzsitz, balancierte ein wenig schwindelig auf den Fu�ballen und tastete um sich, bis seine Hand die Kunststoffwand ber�hrte.</p><p>Mit seiner Hand als St�tze stolperte er zu den Armaturen an der anderen Seite der runden Kabine. Wie ein Raumfahrer alter Schule l�ste er fluchend die Arretierungen, �ffnete das Armaturenbrett und dr�ckte auf einen Knopf. Als er sich umdrehte, fiel er fast ohne sein Zutun wieder in den Sitz. Das sanfte Summen erwachte in der Kabine. Eine kaum zu verstehende Stimme erkundigte sich mit wechselnder Sprechgeschwindigkeit und Tonh�he: �liist ahhlees (hick!) ssuufriideensteeleend � Miiloord Roodney?�</p><p>�Bei all den glatten polierten Robotern in der Galaxis�, brummte Rodney, �mu�te ausgerechnet ich einen Epileptiker bekommen!�</p><p>�Ween Sii m��chteen, Miiloord, meiinee Peers��nliichkeiit kaan auusgeetauuscht��</p><p>�Ja, ich weiߓ, knurrte Rodney. �Deine Schaltkreise k�nnen herausgerissen und umfunktioniert werden. Nein, danke! Ich bin mit dir, so wie du bist, recht zufrie den � au�er wenn du, wie gerade, eine Landung baust, die mir das Schl�sselbein ausrenkt.�</p><p>�Ween Miiloord miir veerseiit geenauu um Auugeenbliik dees Plaaneeteenfaals eemfiing �ch eiiniigee seehr uungeew��hnliichee Raadiiooweeleen, diie��</p><p>�Du wurdest abgelenkt, ist es das, was du ausdr�cken willst?�</p><p>�Miiloord, ees waar uunbeediingt eerfoordeerliich, diie Aanaalyysee��</p><p>�Also studierte ein Teil von dir die Radio wellen, und ein anderer nahm die Landung vor. Das war ein kleines bi�chen zuviel f�r dich, und der schwache Kondensator spielte verr�ckt� Gekab, wie oft mu� ich dir noch sagen, dich ganz auf eine Aufgabe zu konzentrieren!�</p><p>�Miiloord �uuseertee deen Wuunsch, ees deen Heeldeen deer �Den Helden der Raumfahrt gleichzutun, ja. Aber das hei�t noch lange nicht, da� ich auch ihre Unbequemlichkeiten auf mich nehmen m�chte.�</p><p>Gekabs elektronisches System hatte sich inzwischen fast von der Ersch�pfung erholt, die gew�hnlich eine Nachwirkung seiner schlimmeren Anf�lle war.</p><p>�Aaber, Miilord, Heeld zu sein, schlie�t�� �Vergi� es!� Rodney st�hnte auf. Gehorsam l�schte Gekab diesen Teil seiner Speicherdaten. Gekab war sehr pflichtbewu�t. Er war eine Antiquit�t, einer der wenigen noch �briggebliebenen GKB (getreuer kybernetischer Begleiter), ein fr�hes Modell, das seit zweitausend Jahren nicht mehr hergestellt wurde. Die GKB-Roboter waren auf �u�erste Loyalit�t programmiert und infolgedessen massenweise vernichtet worden, als sie ihre Herren zur Zeit des blutigen Interregnums � zwischen dem Zusammenbruch der alten Galaktischen Union und dem Aufstieg von PEST, des Proletarischen Eklektischen Staates von Terra � besch�tzten. Gekab (von der Abk�rzung GKB) hatte dank seiner Epilepsie �berlebt. Er hatte einen schwachen Kondensator, der, wenn �berlastet, seine aufgespeicherte Energie in einem gewaltigen Schwall � das dauerte gew�hnlich mehrere Millisekunden � freigab. Beim Auftreten der vorausgehenden Symptome dieses elektronischen Anfalls � sie machten sich haupts�chlich durch Gekabs Schwerf�lligkeit bei Berechnungen bemerkbarsprang ein Hauptschaltkreisunterbrecher heraus, und der schadhafte Kondensator entlud sich getrennt vom Rest der Schaltkreise; jedenfalls war der Roboter au�er Betrieb, bis der Schaltkreisunterbrecher wieder eingerastet war. Da solche Anf�lle gew�hnlich in Momenten gro�er Beanspruchung erfolgten � wie beispielsweise, wenn Gekab einen Raumschiffasteroiden landete und gleichzeitig eine aberrierende Radiowelle analysierte, oder beim Versuch, seinen Herrn vor drei im selben Augenblick zuschlagenden M�rdern zu sch�tzen �, hatte Gekab das Interregnum �berstanden. Denn als die Proletarier seine Herren angriffen, hatte er mannhaft f�nfundzwanzig Sekunden lang gek�mpft, bis er zusammenbrach. So war er zur Rarit�t geworden � der mutige Diener, der �berlebt hatte. Er war einer von nur noch f�nf funktionsf�higen GKB-Robotern � und deshalb ein nicht mit Geld aufzuwiegendes Erbst�ck der Familie d'Armand �, hochgesch�tzt als Antiquit�t, doch mehr noch seiner Loyalit�t wegen, denn wahre Treue gegen�ber Adelsfamilien war immer selten gewesen.</p><p>Als Rodney d'Armand sein Vaterhaus verlassen hatte, um ein Leben des Ruhmes und Abenteuers zu f�hren � als zweiter Sohn eines zweiten Sohnes gab es nicht viele andere M�glichkeiten f�r ihn �, hatte sein alter Herr darauf bestanden, da� er Gekab mitnahm.</p><p>Rod war oft schon sehr froh �ber Gekabs Gesellschaft gewesen, aber hin und wieder gab es Zeiten, da der Roboter sich als nicht gerade feinf�hlig erwies. So hatte er doch tats�chlich die Nerven, nach einer unangenehmen Landung, wenn der menschliche Magen bis zum Hals hochzusteigen scheint, zu fragen: �M�chten Sie dinieren, Mylord? Wie w�re es mit Langusten und Spargel?�</p><p>Rods Gesicht wurde fahlgr�n. Er bi� die Z�hne zusammen und bem�hte sich, den Mageninhalt zur�ckzuhalten. �Nein!� knirschte er. �Und h�r endlich mit dieser Mylorderei auf. Wir sind auf einer Mission, oder hast du das vergessen?�</p><p>�Ich vergesse nie, Rod, au�er wenn man es mir befiehlt.�</p><p>�Ich weiߓ, knurrte sein Herr und Meister. �Es war auch nur fig�rlich gesprochen.�</p><p>Rod erhob sich �chzend. �Ich k�nnte ein bi�chen frische Luft vertragen, um meinen Magen zu beruhigen, Gekab. Gibt es eine?�</p><p>Der Roboter klickte kurz, dann meldete er: �Atmosph�re atembar. Aber es ist besser, Sie ziehen einen Pullover an.�</p><p>Brummelnd schl�pfte Rod in seine Pilotenjacke.</p><p>�Weshalb entwickeln alte Familienbedienstete immer einen Gluckenkomplex?�</p><p>�Rod, wenn Sie schon so lange lebten wie ich��</p><p>�H�tte ich keinen anderen Wunsch, als mich deaktivieren zu lassen. Ja, ja, ich wei� schon:,Ein Roboter hat immer recht! �ffne die Schleuse, Gekab.�</p><p>Die Doppelt�r der kleinen Luftschleuse schwang auf und offenbarte einen kreisrunden Ausschnitt sternen-besetzter Schw�rze. Ein k�hler Wind blies in die Kabine. Rod legte den Kopf zur�ck und atmete tief ein. Genu�voll schlo� er die Augen. �Ah, der gesegnete Odem des Landes! Was lebt hier, Gekab?�</p><p>Maschinerie summte, als der Roboter die Elektronenteleskopb�nder zur�ckspielte, die sie im Orbit aufgenommen hatten und die die Bilderdaten zu einer verst�ndlichen Beschreibung des Planeten integrierten. �Die Landmassen bestehen aus f�nf Kontinenten, einer Insel von beachtlicher Gr��e, und einer Anzahl kleinerer Inseln. Die Kontinente und kleinen Inseln weisen in etwa die gleiche Flora auf� sie kommt einem �quatorialen Regenwald nahe.� �Selbst an den Polen?�</p><p>�Ab einer Entfernung von etwa hundertf�nfzig Kilometern. Die Polklappen sind erstaunlich klein. Die sichtbare Fauna beschr�nkt sich auf Amphibien und eine Unzahl von Insekten. Es ist anzunehmen, da� die Gew�sser reich an Fischen sind.�</p><p>Rod rieb sich das Kinn. �Hat ganz den Anschein, als befinde der Planet sich in einer ziemlich fr�hen geologischen Entwicklungsstufe.�</p><p>�Steinkohlenzeit�, best�tigte der Roboter. �Und wie sieht es auf der gro�en Insel aus? Da sind wir doch gelandet, oder?�</p><p>�Richtig. Hier gibt es keine einheimische Flora und Fauna. Alle Lebensformen sind typisch f�r die des sp�ten terranischen Pleistoz�ns.� �Wie sp�t?�</p><p>�Menschheitsgeschichtlich.�</p><p>Rod nickte. �Mit anderen Worten, eine Gruppe von Kolonisten kam hierher, eignete sich die Insel an, rottete die einheimische Flora und Fauna aus und siedelte terranische Tiere und Pflanzen an. Hast du eine Ahnung, weshalb sie ausgerechnet diese Insel ausw�hlten?�</p><p>�Sie ist gro� genug f�r eine annehmbare Bev�lkerungszahl, und klein genug, da� die Probleme der �kologischen Angleichung minimal bleiben. Au�erdem liegt die Insel in einer polaren Meeresstr�mung, die die vorherrschende Temperatur etwas unterhalb des terranischen Mittelwerts senkt.�</p><p>�Sehr g�nstig. Das erspart ihnen die Unannehmlichkeiten der Klimakontrolle. Irgendwelche �berreste, die auf St�dte der Galaktischen Union hinweisen?� �Keine, Rod.�</p><p>�Keine?� Rods Augen weiteten sich vor �berraschung. �Das pa�t aber so gar nicht recht ins Bild. Bist du sicher, Gekab?� Das Entwicklungsmuster einer verlorenen oder abgeschnittenen Kolonie � also einer, die seit Jahrtausenden und mehr von der galaktischen Zivilisation getrennt war � unterschied drei deutlich gekennzeichnete Stadien. Erstens das der Gr�ndung der Kolonie um eine moderne Stadt mit hochentwickelter Technologie. Zweitens, das Versagen der Kommunikationsmittel und so die Trennung von der galaktischen Kultur, gefolgt von einer �berv�lkerung der Stadt, die zu einer Massenauswanderung ins Land ringsum f�hrte und zu einer agrarischen Selbstversorgung. Und drittens, der Schwund und Verlust technologischer Kenntnisse, die in steigendem Ma�e von Aberglauben begleitet wurden. Dieser Aberglaube belegte schlie�lich auch die Dampfmaschinentechnologie mit einem Tabu und verbot sie. Die Gesellschaftsordnung erstarrte, und allm�hlich entwickelte sich ein Kastensystem. Kleidung und Architektur wurden mit der Zeit zu Karikaturen der in der Galaktischen Union �blichen, wie beispielsweise kleine halbkugelf�rmige Holzh�user den gewaltigen galaktischen, geod�tischen</p><p>Kuppeln nachgeahmt wurden.</p><p>Doch immer blieben Ruinen der Stadt zur�ck, die als st�ndiges Symbol und Basis einer Mythologie galten.</p><p>�Bist du wirklich sicher, Gekab? Ganz und v�llig sicher, da� nirgends �berreste einer Stadt zu finden sind?�</p><p>�Ich bin immer sicher, Rod.�</p><p>�Hm, das stimmt.� Rod zupfte an seiner Unterlippe.</p><p>�Manchmal irrst du dich zwar, aber von Zweifeln bleibst du verschont. Also legen wir die Sache mit der Stadt einstweilen ad acta. Vielleicht versank sie in einer Flutwelle. Wir wollen uns vorsichtshalber noch ein letztesmal vergewissern, da� die Lebensformen hier auch tats�chlich terranischen Ursprungs sind.�</p><p>Kopf�ber tauchte Rod durch den Einmeterkreis der Schleuse.</p><p>Er schlug einen Purzelbaum und landete auf den Knien.</p><p>Bedachtsam holte er das Partisanenmesser aus seiner vom G�rtel h�ngenden H�lle.</p><p>Die Scheide war ein schlanker Kegel aus wei�em Metall mit einem kleinen Kopf an der Spitze. Rod zupfte mehrere Grashalme aus dem Boden, schob sie in die Scheide und drehte den Knopf. Der Miniaturempf�nger, der in die Seiten eingebaut war, untersuchte das Gras mit Schallwellen, um seine Molekularstruktur zu analysieren, und �bermittelte die Daten an Gekab, der �berpr�fte, ob irgendwelche Molek�le f�r den menschlichen Metabolismus unvertr�glich waren. W�re das Gras f�r Rod giftig gewesen, h�tte Gekab der H�lle ein Signal gesendet, woraufhin das wei�e Metall sich purpur verf�rbt h�tte.</p><p>Aber in diesem Fall blieb die Scheide silbern.</p><p>�Das ist der Beweis!� erkl�rte Rod. �Es ist terranisches Gras, h�chstwahrscheinlich von Terranern geflanzt, und das Ganze ist eine terranische Kolonie. Aber wo ist die Stadt?�</p><p>�Im Vorgebirge einer Bergkette im Norden befindet sich eine gro�e Stadt mit etwa drei�igtausend Einwohnern.�</p><p>�Hm�� Rod rieb sich das Kinn. �Das ist zwar nicht, was ich mir vorgestellt hatte, aber doch besser als nichts. Wie sieht sie denn aus?�</p><p>�Sie liegt an den unteren H�ngen eines ziemlich gro�en Berges, von dessen Kuppe sich ein Bauwerk erhebt, das an terranische Burgen des Mittelalters erinnert.� �Des Mittelalters?� Rod runzelte die Stirn. �Die Stadt selbst besteht aus mit Stukkatur verzierten Holzh�usern, deren erster Stock �ber die schmalen Stra�en � Gassen w�re zutreffender � hinausragt.� �Holz und Stukkatur!� Rod stand auf. �Warte mal! Warte! Gekab, sag mal, erinnert diese Architektur dich an was?� Der Roboter schwieg einen Augenblick, dann erwiderte er: �Nordeurop�ische Renaissance.�</p><p>�Das�, murmelte Rod, �ist absolut nicht der typische Stil einer abgeschnittenen Kolonie. Wie sehr �hnelt diese Architektur terranischer Renaissance, Gekab?�</p><p>�Sie ist ihr bis ins letzte Detail angeglichen.� �Also Absicht! Was ist mit der Burg? Ist sie auch Renaissance?� Wieder schwieg der Roboter einen Moment. �Nein, Rod. Sie k�nnte eine genaue Kopie der im dreizehnten Jahrhundert in Deutschland �blichen Burgen sein.�</p><p>Rod nickte eifrig. �Wie sieht es mit der Mode aus?� �Wir befinden uns augenblicklich auf der Nachtseite des Planeten, genau wie bei der Landung. Die drei Trabanten des Planeten sorgen zwar f�r eine gute Beleuchtung, aber es sind verh�ltnism��ig wenige Personen unterwegs� Allerdings sehe ich einen kleinen Trupp Soldaten � Reiter � auf terranischen Pferden. Ihre Uniformen sind exakte Kopien der � uh � englischen Beefeaters, also der k�niglichen Leibwache im Tower.� �Sehr gut! Sonst noch jemand auf der Stra�e?� �Hm� Ein paar M�nner mit Umh�ngen �ber engen W�msern und Beinkleidern, glaube ich, und � ja, eine kleine Gruppe von Landleuten, die Kittel und Kniehosen mit auf der Brust �berkreuzten</p><p>Hosentr�gern anhaben��</p><p>�Das reicht�, unterbrach ihn Rod. �Das ist ein Gemisch aus den verschiedensten Stilrichtungen. Jemand hat versucht, sich hier seine Vorstellung einer Idealweit aufzubauen. Gekab, hast du schon mal von den Emigranten geh�rt?�</p><p>Erneut schwieg der Roboter kurz, um sich in seine Datenb�nke zu vertiefen, dann leierte er: �Gegen Ende des zweiundzwanzigsten Jahrhunderts gab es zahllose Unzufriedene, die ihres Lebens �berdr�ssig wurden. Sie wandten sich in erster Linie dem Mystizismus zu, in zweiter der Fluchtliteratur und den Vergn�gungen. Allm�hlich wurde das Pseudomittelalter die vorherrschende Interessensbasis.</p><p>Schlie�lich legte eine Gruppe wohlhabender B�rger ihr Verm�gen zusammen. Sie erstanden einen ausrangierten Linienraumer, und verk�ndeten der Welt, sie seien die Romantischen Emigranten, die die Herrlichkeit des Mittelalters auf einem unbesiedelten Planeten neu aufleben lassen wollten. Sie erkl�rten sich auch bereit, eine beschr�nkte Zahl von Emigranten als Leibeigene und Kleinh�ndler mitzunehmen. Es meldeten sich weit mehr Interessenten, als auf dem Schiff untergebracht werden konnten. Und so wurden die Emigranten nach ihrer,Seelenpoesie' ausgew�hlt � was immer das hei�t!� �Es bedeutet, da� sie sich gern Schauerm�rchen anh�rten�, erkl�rte Rodney. �Und wie ging es weiter?� �Die Passagierliste war schnell zusammengestellt. Die dreizehn Bonzen, die die V�ter der Expedition waren, gaben bekannt, da� sie ihre Nachnamen ablegen und daf�r die Familiennamen gro�er Geschlechter des Mittelalters annehmen w�rden, wie Bourbon, Medici, und so weiter.</p><p>Dann startete das Schiff ohne Bekanntgabe des Bestimmungsplaneten,um die Versuchung durch die materialistische Welt zu verhindern'. Es wurde nie wieder etwas von ihnen geh�rt.�</p><p>Rod l�chelte grimmig. �Nun, ich glaube, wir haben sie jetzt entdeckt. Wie vereinbart sich das mit deinen Dioden?� �Ganz gut, Rod. Tats�chlich ergibt eine statistische Analyse der Wahrscheinlichkeit, da� dies die Kolonie der Emigranten sein k�nnte, folgendes��</p><p>�Nicht jetzt�, unterbrach ihn Rod hastig. Statistiken waren Gekabs Steckenpferd. Wenn man leichtsinnig genug war, ihm auch nur die geringste Chance zu geben, konnte er einen damit viele Stunden langweilen.</p><p>Rod spitzte die Lippen und be�ugte den Teil der H�lle, der Gekabs Gehirn behauste. �Wenn ich es mir recht �berlege, w�re es vielleicht gar nicht schlecht, wenn du diese Statistik an DUFT �bermitteln w�rdest und hinzuf�gst, da� wir annehmen, hier die Kolonie der Emigranten gefunden zu haben. Das machst du am besten gleich. Ich m�chte gern, da� sie wissen, wo wir sind, falls irgend etwas passieren sollte.� Die Dachorganisation zur Umwandlung fremdweltlichen Totalitarismus, also DUFT, war f�r die Suche nach verlorenen Kolonien zust�ndig. Der Proletarische Eklektische Staat von Terra (PEST) hatte bemerkenswert wenig Interesse an Kolonien ohne moderne Technologie gezeigt, so da� die verlorenen Kolonien auch verloren geblieben waren, bis die totalit�re Herrschaft von PEST durch DDT, das Dezentralisierte Demokratische Tribunal gest�rzt wurde. DDT hatte schnell seine Herrschaft �ber Terra konsolidiert und regierte in �bereinstimmung mit den nahezu unerreichbaren Idealen athenischer Demokratie.</p><p>Es war altbekannt, da� die Unwirksamkeit demokratischer Regierungen haupts�chlich dem Problem der Kommunikation und der Vorurteile zuzuschreiben war. Doch �ber eine Zeitspanne von zwei Jahrhunderten hatten DDT-Zellen Kneipen zu Schulr�umen umfunktioniert, was zur Hochschulreife von zweiundsiebzig Prozent der Bev�lkerung f�hrte. Vorurteile wurden zur heilbaren Krankheit, genau wie</p><p>Kinderl�hmung und Krebs. Das Problem der Kommunikation wurde durch die Entwicklung submolekularer Elektronik in DDT-Labors gel�st, was die Gr��e und den Preis elektronischer Kommunikationsmittel so sehr verringerte, da� ihre allgemeine Verwendung zum erstenmal tats�chlich verwirklicht werden konnte. Das erm�glichte jedem in Sekundenschnelle, pers�nlichen Protest bei seinem Tribunal einzulegen. Da nun so gut wie alle hochgebildet waren, neigten sie dazu, allein schon aus Prinzip zu protestieren und lautstark ihre Meinung kundzutun � was f�r eine Demokratie ungemein gesund ist.</p><p>Proteste, besonders �ber Radio, hatten sich als �u�erst wirkungsvoll erwiesen, haupts�chlich aufgrund der automatischen Aufnahmen der Protestkundgebungen. Die Probleme der Tonbandspeicherung und des b�rokratischen Aufwands waren durch rotoxyd-beschichtete Tonb�nder mit einfacher Molek�larbeit gel�st worden. Und die Entwicklung des Datenabrufsystems war so weit fortgeschritten, da� das Auswendiglernen von Daten nicht mehr erforderlich war. Dadurch wurde die Ausbildung lediglich zu einer Einf�hrung in Konzepte, und der Erfolg der Demokratie war gesichert. Nach zwei Jahrhunderten solcher Basisarbeit wurde die DDT-Revolution zur reinen Formalit�t.</p><p>Aber Revolution�re sind immer im Weg, wenn eine Revolution vor�ber ist, und erweisen sich m�glicherweise als st�rendes Element f�r die Ordnungskr�fte der neuen Regierung. Deshalb hatte das DDT beschlossen, uneigenn�tzig zu sein und den Segen der Demokratie mit den anderen �berbleibseln der alten Galaktischen Union zu teilen.</p><p>Doch auf Planeten mit totalit�ren Regierungen sind Demokraten selten willkommen und werden auch auf Planeten, wo die Anarchie herrscht, nicht mit offenen Armen empfangen � das liegt am Wesen der Demokratie, dem einzigen praktikablen Kompromi� zwischen Totalitarismus und Anarchie.</p><p>Vonn�ten war eine dauerhafte Organisation von Revolution�ren � subversive, republikanische Demokraten. Da es eine gro�e Zahl von arbeitslosen Revolution�ren gab, wurde diese Organisation schnell gegr�ndet und Dachorganisation zur Umwandlung von fremdweltlichem Totalitarismus (DUFT) getauft. Aber nachdem alle bekannten besiedelten Planeten bekehrt waren und sich dem DDT angeschlossen hatten, wurden die alten Revolution�re wieder zum Problem, um so mehr, als ihre Zahl gestiegen war. Daher schickte man sie einzig und allein zu dem Zweck aus, verlorene Kolonien zu suchen. Die Mission von DUFT war also, die hinterw�ldlerischen Planeten aufzuschn�ffeln und sie auf den Weg der Demokratie zu f�hren.</p><p>Da Rod einen Planeten von mittelalterlichem Charakter gefunden hatte, w�rde er f�r die Entwicklung einer konstitutionellen Monarchie Sorge tragen m�ssen. Rod, geborener Rodney d'Armand (er hatte auch noch f�nf Mittelnamen, aber sie aufzuz�hlen w�rde nur langweilen), der auf einem haupts�chlich mit Aristokraten und Robotern bev�lkerten Planeten aufgewachsen war, hatte sich DUFT im zarten Alter von achtzehn Jahren angeschlossen. W�hrend seiner zehn Dienstjahre war aus einem schlaksigen, h��lichen B�rschchen ein schlanker, muskul�ser, h��licher junger Mann geworden.</p><p>Sein Gesicht war von aristokratischem Schnitt, das zumindest mu�te man ihm zugute halten, doch das war auch schon alles. Sein immer weiter zur�ckweichender Haaransatz machte einer schr�gen Stirn Platz, die �ber buschigen Brauen endete. Die etwas hart wirkenden Augen lagen tief in den H�hlen. Flache Wangenknochen verhalfen der Nase, die einem Adler Ehre gemacht h�tte, zu noch gr��erer Prominenz. Unter den Wangenknochen und der Nase weitete sich der schmale Mund selbst im Schlaf zu einem sp�ttischen L�cheln. Und unter den</p><p>Lippen machte sich der Unterkiefer breit, um dem sich ein wenig vorschiebenden Kinn noch mehr Ausdruck zu verleihen. Rod h�tte es gern gehabt, wenn man sein Gesicht mit scharf, stark und fest bezeichnet h�tte, aber es wurde unwillk�rlich weich, und sanft, wenn ein M�dchen ihn anl�chelte. Hunde und Kinder riefen die gleiche Wirkung hervor, nur viel h�ufiger. Er war ein Mann mit einem Traum � dem Traum einer vereinigten galaktischen Regierung (einer demokratischen, selbstredend!). Interstellare Kommunikation war immer noch zu langsam f�r eine echte demokratische F�deration; das DDT war im Grund genommen eine lose Konf�deration von Welten, eine debattierende Gesellschaft und Unterst�tzungsorganisation.</p><p>Doch ausreichende Kommunikationsmethoden w�rde es gewi� in geraumer Zeit geben, dessen war Rod sicher, und wenn es soweit war, waren die Sterne auch bereit, daf�r w�rde er schon sorgen.</p><p>�Also, machen wir uns an die Arbeit, Gekab. Wer wei�, wann hier jemand zuf�llig vorbeispaziert und uns entdeckt.� Rod schwang sich hoch und durch die Luftschleuse in die Kabine. Er trat an die Platte in der Wand und l�ste die Arretierung. Dahinter befand sich eine Armaturentafel und dar�ber eine wei�e Metallkugel mit stumpfem �berzug, etwa von der Gr��e eines Korbballs. Von oben aus dem Ball ragte ein Kabel, das mit der Wand verbunden war.</p><p>Rod schraubte die Verbindung auf und l�ste die Klammer, die die Kugel hielt, und hob den Ball behutsam heraus. �Vorsichtig!� klang Gekabs Stimme aus dem H�rer, der hinter Rods rechtem Ohr in den Knochen implantiert war. �Ich bin zerbrechlich, vergessen Sie das nicht.�</p><p>�Du hast �berhaupt kein Vertrauen zu mir�, beschwerte sich Rod. Das Mikrophon in seinem Unterkiefer leitete die Worte an Gekab weiter. �Habe ich dich vielleicht schon einmal fallen</p><p>lassen?�</p><p>�Bis jetzt noch nicht�, brummte der Roboter.</p><p>Rod klemmte Gekabs �Gehirn� vorsichtig in die Armbeuge, um den anderen Arm frei zu haben, damit er mit der Luftschleuse zurechtkommen konnte. Drau�en angelangt, dr�ckte er einen Knopf an der Schiffsh�lle. Eine ziemlich gro�e T�r schwang aus der Seite des Pseudoasteroiden auf. Im Innern hing ein m�chtiger Rappe im Schutznetz, mit dem Kopf zwischen den Vorderbeinen. Seine Augen waren geschlossen.</p><p>Wieder dr�ckte Rod auf einen Knopf. Ein Kran schob sich aus dem Frachtraum. Das Pferd wurde von dem Kran herausgehoben und vorsichtig herabgelassen, bis die Hufe den Boden ber�hrten. Rod drehte den Sattelknauf, woraufhin eine Flanke des Rappen auf glitt.</p><p>Vorsichtig hob Rod das Gehirn ins Innere der Pfer-deh�lle, befestigte Klammer und Verbindung, dann drehte er den Sattelknauf zur�ck, und die Flanke schlo� sich wieder. Langsam hob der Hengst den Kopf, wackelte mit den Ohren, blinzelte zweimal und wieherte versuchsweise.</p><p>�Alles, wie es sein soll�, erkl�rte die Stimme hinter Rodneys rechtem Ohr. Das Pferd kaute ger�uschvoll an der Trense.</p><p>�Wenn Sie mich aus dieser Affenschaukel befreien, werde ich den Motor �berpr�fen.�</p><p>Rod grinste und l�ste das Schutznetz. Das Pferd b�umte sich auf, schlug mit den Hufen durch die Luft und galoppierte davon. Rod blickte dem Roboter nach und schaute sich gleichzeitig um.</p><p>Das Asteroidenschiff war mitten auf einer sommerlichen Wiese gelandet. Eichen, Hickory, Ahorn und Eschen ums�umten sie.</p><p>Es war Nacht, aber das Licht der drei Monde erhellte die Wiese.</p><p>Der Roboter kanterte donnernden Hufes zu Rod und bremste hart vor ihm. Die gro�en, indigoblauen Augen richteten sich auf ihn, die Ohren legten sich ein wenig nach vorn.</p><p>�Ich bin ganz gut in Form�, meldete der Roboter.</p><p>Wieder grinste Rod. �Nichts Sch�neres als ein galoppierendes Pferd.�</p><p>�Was? Nichts Sch�neres?�</p><p>�Nun, fast nichts. Komm hilf mir, das Schiff zu vergraben.�</p><p>Rod dr�ckte Kn�pfe an der Schiffsseite. Die T�r zum Frachtraum glitt zu, die Luftschleuse versiegelte sich. Das Schiff begann sich zu drehen, langsam anfangs, bis es sich immer schneller in den Boden bohrte. Bald war nur noch ein Krater mit einem Ringwall aus Erde und das Dach des Asteroiden etwa einen Meter tiefer zu sehen.</p><p>Rod zog eine Klappschaufel aus Gekabs Satteltasche, �ffnete sie und machte sich an die Arbeit. Das Pferd half ihm, indem es den Ringwall mit den Hufen bearbeitete. In wenigen Minuten war er nur noch f�nfzehn Zentimeter hoch und dazwischen befand sich ein etwa f�nfundsechzig Zentimeter hoher und im Durchmesser etwa sechs Meter breiter H�gel.</p><p>�Zur�ck!� warnte Rod. Er zog seinen Dolch, drehte die Scheide um hundertachtzig Grad und deutete mit dem Heft auf den Erdh�gel. Ein roter Strahl scho� heraus, der Lehm gl�hte rot auf, schmolz und zerflo�.</p><p>Rod lie� den Strahl nun langsamer �ber den aufgef�llten Krater kreisen, bis die geschmolzene Erde sich ungef�hr drei�ig Zentimeter unterhalb der Wiesenoberfl�che gesenkt hatte.</p><p>Dann schaufelte er den Rest des Ringwalls in das Loch. Es entstand eine unbedeutende Erh�hung, derer der n�chste Regen sich gewi� annehmen w�rde.</p><p>�Das ist's.� Rod fuhr sich �ber die Stirn.</p><p>�Noch nicht ganz. Sie brauchen noch die richtige Kleidung, um hier nicht unliebsam aufzufallen.�</p><p>Rod kniff die Lider zusammen.</p><p>�Ich erlaubte mir, die Vorsichtsma�nahme zu treffen, ein Wams in meine linke Satteltasche zu packen, w�hrend Sie das Gras untersuchten.�</p><p>�Aber h�r mal�, protestierte Rod, �ist meine Uniform vielleicht nicht gut genug?�</p><p>�Die hautenge Hose und die Milit�rstiefel gehen gerade noch. Aber eine Pilotenjacke hat wohl wenig �hnlichkeit mit einem Wams. Mu� ich mehr sagen?�</p><p>�Nein, ich glaube nicht.� Rod seufzte. Er ging zur Satteltasche. �Der Erfolg einer Mission geht vor alle pers�nliche Bequemlichkeit, W�rde und � he!� Mit weit aufgerissenen Augen starrte er auf etwas Langes, Schmales, das vom Sattel hing.</p><p>�He was, Rod?�</p><p>Rod nahm das merkw�rdige Ding vom Sattel. Es hatte an einem Ende einen Griff, wie er bemerkte, und es rasselte. Er hielt es so hoch, da� Gekab es sehen konnte. �Was ist denn das?�</p><p>�Ein elisabethanisches Rapier. Eine antike Seitenwaffe, eine Art langes Messer f�r Hieb und Stich.�</p><p>�Eine Seitenwaffe!� Rod be�ugte den Roboter, als zweifle er an seinem Verstand. �Ich soll das wohl tragen?� �Nat�rlich, Rod. Zumindest, wenn Sie beabsichtigen, Ihre Mission wie �blich unter falscher Identit�t durchzuf�hren.� Rod machte ein M�rtyrergesicht und zog das Wams aus der Satteltasche. Er zw�ngte sich hinein und g�rtete das Rapier an seine rechte Seite.</p><p>�Nein, nein, Rod! Es geh�rt links! Sie m�ssen es �ber Kreuz ziehen!�</p><p>�Was ich alles um der Demokratie willen erdulde!� Rod hing den Degen an seine linke H�fte. �Gekab, ist dir je der Gedanke gekommen, da� ich ein Fanatiker sein k�nnte?� �Aber gewi� doch, Rod. Ein klassischer Fall von Sublimierung.�</p><p>�Ich ersuchte um deine Meinung, nicht um eine Psychoanalyse�, knurrte Rod. Er begutachtete seine Kost�mierung. �Hm, gar nicht so �bel.� Er straffte die Schultern, schob das</p><p>Kinn vor und warf sich in die Brust. Das gold-scharlachrote Wams glomm geradezu im Mondschein.</p><p>�Sie geben eine stolze Figur ab, Rod.� Irgendwie klang Gekabs Stimme jedoch leicht am�siert.</p><p>Rod runzelte die Stirn. �Aber eigentlich geh�rt noch ein Cape dazu.�</p><p>�Steckt ebenfalls in der Satteltasche, Rod.� �Du denkst doch an alles!� Rod kramte in der Satteltasche und brachte einen weiten Umhang im gleichen Stahlblau hervor wie seine hautenge Uniformhose.</p><p>�Die Kette mu� durch die linke Achselh�hle und rechts um den Hals geschlungen werden, Rod.�</p><p>Rod befolgte die Anweisung und stellte sich in den Wind, da� der Umhang von seinen breiten Schultern wallte.</p><p>�Na, ist das nichts? Ich sehe bestimmt beeindruckend aus, hm?�</p><p>�Wie eine Illustration aus einem Shakespeare-St�ck.�</p><p>�F�r die Schmeichelei bekommst du ausnahmsweise eine doppelte �lration.� Rod schwang sich in den Sattel. �Auf zur n�chsten Stadt, Gekab. Ich m�chte mich in meinem neuen Sonntagsstaat sehen lassen.�</p><p>�Sie haben vergessen, den Krater zu bes�en!�</p><p>�Was? Oh! Verdammt!� Rod zog einen kleinen Beutel aus der rechten Satteltasche und streute den Samen �ber den Kreis kahler Erde. �Na also! Jetzt braucht es nur noch einen linden Regen, und schon in zwei Tagen wird man ihn nicht mehr vom Rest der Wiese unterscheiden k�nnen. Hoffen wir, da� in den zwei Tagen niemand hierherkommt��</p><p>Der Rappe hob den Kopf und spitzte die Ohren.</p><p>�Was ist los, Gekab?�</p><p>�H�ren Sie!�</p><p>Rod zog die Brauen zusammen und schlo� die Augen.</p><p>Der Wind trug aus der Ferne die vergn�gten Rufe Jugendlicher und fr�hliches Lachen herbei.</p><p>�H�rt sich an, als feierten ein paar Burschen und M�dchen eine Party.�</p><p>�Es kommt n�her�, sagte Gekab leise.</p><p>Wieder schlo� Rod die Augen und lauschte. Die Ger�usche kamen tats�chlich n�her� Er wandte sich nach Nordosten, der Richtung, aus dem die Laute zu kommen schienen, und betrachtete forschend den Horizont. Nur die drei Monde standen am Himmel.</p><p>Ein Schatten zog an einem der Monde vorbei, drei weitere folgten. Das Lachen klang bereits viel n�her.</p><p>�Etwa hundertzwanzig Stundenkilometer�, murmelte Gekab.</p><p>�Hmmm.� Rod kaute an der Unterlippe. �Gekab, wann sind wir gelandet?�</p><p>�Vor ungef�hr zwei Stunden.�</p><p>Etwas flitzte �ber ihren K�pfen vorbei.</p><p>Rod schaute hoch. �Sie fliegen, Gekab!�</p><p>Eine kurze Pause setzte ein. Dann brummte der Roboter. �Rod, ich mu� Sie ersuchen, logisch zu denken. Eine Kultur wie diese kann unm�glich Flugmaschinen entwickelt haben.�</p><p>�Das haben sie auch nicht. Sie selbst fliegen!�</p><p>�Die Menschen, Rod?�</p><p>�Es sieht so aus.� Rods Stimme klang eine Spur verwirrt.</p><p>�Allerdings mu� ich zugeben, da� das M�dchen, das gerade �ber uns hinwegflog, auf einem Besenstiel zu reiten schien.</p><p>Und sie sah gar nicht schlecht aus. Richtig zum Anbei�en�</p><p>Gekab?�</p><p>Die Pferdebeine wirkten steif und der Kopf baumelte dazwischen.</p><p>�Zum Teufel!� knurrte Rod. �Nicht schon wieder!�</p><p>Er tastete unter den Sattelknauf und dr�ckte die Sicherung wieder ein. Langsam hob der Rappe den Kopf und sch�ttelte ihn ein paarmal. Rod griff nach den Z�geln und f�hrte das Pferd.</p><p>�Waas iis baasiird, Rood?�</p><p>�Du hattest wieder einmal einen Anfall, Gekab. Sei so gut und fang jetzt ja nicht zu wiehern an. Diese fliegende Party kommt zur�ck, und es besteht die M�glichkeit, da� sie �berhaupt nur unterwegs sind, um nach dem abgest�rzten Kometen zu suchen. Wir sehen deshalb besser zu, unter den hohen B�umen Deckung zu finden � und bitte, verhalte dich ruhig!�</p><p>Als sie die B�ume am Rand der Wiese erreicht hatten, sp�hte Rod hinaus, um zu sehen, was die fliegende Schwadron machte.</p><p>Die Jugendlichen kreisten etwa eineinhalb Kilometer entfernt durch die Luft. Sie stie�en Jubelschreie und Willkommensrufe aus.</p><p>�Freut euch, Kinder, ich bin es, Lady Gwen!�</p><p>�So seid Ihr endlich doch gekommen, um Mutter unseres Zirkels zu sein, Gwendylon?�</p><p>�Von immer gr��erer Sch�nheit werdet Ihr, s��e Gwendylon!</p><p>Was tut Ihr nur?�</p><p>�Jedenfalls noch keine Wiegen ausrauben, Randal��</p><p>�H�rt sich an, als s�he die Hauswirtin bei einer Party im Hexencollege nach dem Rechten�, brummte Rod. �Wieder n�chtern, Gekab?�</p><p>�Zumindest ist mein Gehirn wieder klar�, erwiderte der Roboter, �und meine Basisprogrammierung hat sich um ein zus�tzliches Konzept erweitert.�</p><p>�Oh!� Rod spitzte die Lippen. �Meine Beobachtung stimmt also?�</p><p>�Allerdings. Sie fliegen tats�chlich!�</p><p>Die fliegende Meute schien sich wieder an den urspr�nglichen Zweck ihres Ausflugs zu erinnern. Schreiend und lachend n�herten sie sich erneut der Wiese. Sie hielten schwebend �ber dem Kreis kahler Erde an, dann landeten sie, einer nach dem anderen, ringsum.</p><p>�Besteht wohl wenig Zweifel an dem Grund ihres Hierseins, hm?� Rod hatte es sich im Schneidersitz auf dem Boden</p><p>bequem gemacht und lehnte mit dem R�cken an Gekabs Vorderbeinen. �Uns bleibt nichts anderes �brig, als abzuwarten, nehme ich an.� Er drehte den Stein seines Siegelrings um neunzig Grad und richtete ihn auf die kleine Versammlung. ��bertrag es, Gekab.�</p><p>Der Siegelring diente nun als ein ungemein leistungsf�higes Richtmikrophon, das seine Aufnahmen durch Gekab in den Empf�nger hinter Rods Ohr �bertrug.</p><p>Aber Rod verstand h�chstens jedes zweite Wort, und so mu�te Gekab den Dolmetscher spielen. �Einer sagte:.Sollen wir es der K�nigin melden? Und ein anderer antwortete;,Nein, sie w�rde sich nur unn�tig aufregen! �</p><p>Rod runzelte die Stirn. �Komisch, es ist Englisch, und doch komme ich nicht so ganz zurecht damit.�</p><p>�Es ist elisabethanisches Englisch, Rod.�</p><p>�Deshalb schickt DUFT immer einen Menschen mit einem Roboter! Die Sprache beweist also, da� dies die Emigrantenkolonie ist!�</p><p>�Ja, nat�rlich�, best�tigte Gekab ein wenig pikiert.</p><p>�Na, na, alter Symbiont, maul nicht. Ich wei�, da� du das Offensichtliche nicht f�r meldenswert h�ltst. Aber wenn man offensichtliche Tatsachen �bersieht, f�hrt es leicht dazu, auch Geheimnisse, die offen vor einem liegen, zu �bersehen, richtig? Also, sie erw�hnten eine K�nigin. Demnach ist ihre Regierungsform eine Monarchie, wie wir vermuteten. Diese Halbw�chsigengruppe bezeichnete sich selbst als Zirkel, das bedeutet wahrscheinlich, da� sie sich f�r Hexen halten� Wenn man ihre Fortbewegungsart in Betracht zieht, k�nnte es sogar stimmen. Aber�.�</p><p>Er lie� das Aber eine Weile in der Luft h�ngen. Gekab schaute ihn fragend an.</p><p>�Sie zogen auch in Erw�gung, der K�nigin Meldung zu erstatten. Das l��t darauf schlie�en, da� sie bei ihr ein geneigtes Ohr finden. Soll das tats�chlich hei�en, da� Hexerei</p><p>von k�niglicher Seite geduldet wird?�</p><p>�Nicht unbedingt�, meinte Gekab. �Ein hier vielleicht �berlege nswerter Pr�zedenzfall w�re der des K�nigs Saul und der Hexe von Endor��</p><p>�Aber es besteht doch durchaus die M�glichkeit, da� sie Zutritt zum Hof haben.�</p><p>�Rod, ziehen Sie nicht voreilige Schlu�folgerungen?� �Nein, ich habe nur eine brillante Vorstellungskraft.� �Deshalb schickt DUFT immer einen Roboter mit einem Menschen!� brummte Gekab.</p><p>�Gut gekontert! Aber wenn du richtig �bersetzt hast, sagten sie doch auch, da� es die K�nigin nur unn�tig aufregen w�rde. Vielleicht ist sie �berhaupt schnell erregbar?� �Vielleicht, ja.�</p><p>Pl�tzlich erklang Musik auf der Wiese � Dudels�cke spielten eine alte Zigeunerweise. Die jungen Leute tanzten auf der kahlen Stelle und etwa einen Meter dar�ber. �Bayerischer Volkstanz�, murmelte Gekab. �Eine zusammengest�ckelte Kultur, aus dem Minderwertigsten, das die alte Erde zu bieten hatte.� �Das ist ein sehr subjektives Urteil, Rod.� Rod hob eine Braue. �Magst du vielleicht Dudelsackmusik?� Er �berkreuzte die Arme, senkte den Kopf auf die Brust und �berlie� es Gekab, dem Nieschlafenden, alles Wichtige aufzunehmen.</p><p>Der Roboter h�rte und schaute der kleinen Gruppe etwa zwei Stunden zu, w�hrend derer er geduldig die Daten verdaute. Als die Musik verstummte, setzte Gekab einen Huf auf Rods H�fte.</p><p>�Brrr!� Rod sch�ttelte sich und war sofort hellwach, wie man es von einem Geheimagenten nicht anders erwartet. �Die Party ist zu Ende, Rod.�</p><p>Die Halbw�chsigen h�pften in die Luft, um nordost-w�rts aufzubrechen.</p><p>Ein Besenstiel trennte sich von ihnen und scho� in rechtem Winkel mit einer wohlgeformten weiblichen Gestalt davon.</p><p>�Bleibt uns nicht wieder so lange fern, Gwendylon!�</p><p>�Randal, wenn du eine Maus w�rst, w�rdest du bestimmt um einen Elefanten werben. Lebwohl und sieh zu, da� du k�nftig M�dchen hofierst, die nicht mehr als sechs Jahre �lter sind als du.�</p><p>Der Besenstiel scho� geradewegs in Rods Richtung, hob sich �ber die B�ume, und war verschwunden.</p><p>�Mhm, ja!� Rod leckte sich die Lippen. �Wirklich ein pr�chtig gebautes M�dchen. Und so, wie sie redet, offenbar auch ein wenig �lter als diese K�ken��</p><p>�Ich hatte gedacht, Sie w�ren l�ngst �ber solch kleine Eroberungen hinaus, Rod.�</p><p>�Eine nette Umschreibung von dir, da� sie mich bestimmt nicht haben m�chte! Naja, wenn ich auch nicht kaufen kann, so seh' ich mich doch gern um.�</p><p>Der Zirkel jugendlicher Hexen segelte �ber den Horizont, und das fr�hliche Gel�chter verlor sich allm�hlich.</p><p>�Das ist also das.� Rod stand auf. �Die Party ist zu Ende und wir sind nicht viel kl�ger als zuvor. Aber zumindest sind wir selbst noch ein Geheimnis. Keiner ahnt, da� unter diesem kahlen Erdfleck ein Raumschiff verborgen ist.�</p><p>�Stimmt nicht!� widersprach ein helles Stimmchen kichernd.</p><p>Rod erstarrte, drehte den Kopf und ri� die Augen auf.</p><p>Zwischen den Wurzeln einer alten Eiche stand grinsend ein breitschultriger Mann von der beachtlichen Gr��e von drei�ig Zentimetern. Er trug Wams und enges Beinkleid in verschiedenen Braunschattierungen. Seine strahlend wei�en Z�hne gl�nzten und sein Gesicht wies einen spitzb�bischen Ausdruck auf.</p><p>�Dem Elfenk�nig wird Eure Anwesenheit gemeldet werden, Lord Zauberer�, sagte der Kobold.</p><p>Rod sprang.</p><p>Aber der kleine Mann war bereits verschwunden.</p><p>Stumm blieb Rod stehen. Er lauschte dem Wind, der mit den Eichenbl�ttern s�uselte, und dem letzten Echo des Kicherns, das sich zwischen den Eichenwurzeln verlor.</p><p>�Gekab!� sagte er. �Gekab, hast du das gesehen?�</p><p>Er erhielt keine Antwort. Stirnrunzelnd drehte er sich um.</p><p>�Gekab? Gekab!�</p><p>Der Kopf des Roboters baumelte wieder einmal zwischen den Vorderbeinen.</p><p>�Oh, zum Teufel!�</p><p>Eine dr�hnende Glocke k�ndete irgendwo in der gro�en, windschiefen Stadt � in die die jugendlichen Hexen, nach Rods und Gekabs Berechnungen ihrer Richtung und Geschwindigkeit, geflogen sein mu�ten � die neunte Stunde.</p><p>Aufgrund der Bemerkung �ber die K�nigin hatte Rod gehofft, hier die Hauptstadt der Insel zu finden.</p><p>�Na ja, es war eine reine Vermutung�, entschuldigte sich Rod bei dem Roboter.</p><p>�Nat�rlich�, brummte Gekab. Darauf folgte etwas, das man f�r einen geduldigen Seufzer halten konnte.</p><p>�Solange wir noch Zeit haben, welchen Namen w�rdest du in dieser Kultur f�r mich vorschlagen?�</p><p>�Warum nicht Rodney d'Armand VII.? Hier ist einer der wenigen F�lle, wo Ihr echter Name durchaus passend ist.�</p><p>Rod sch�ttelte den Kopf. �Zu angeberisch. Meine Vorfahren konnten einfach von ihren aristokratischen Neigungen nicht loskommen.�</p><p>�Sie waren ja auch Aristokraten, Rod.�</p><p>�Ja, aber alle anderen auf dem Planeten ebenfalls, au�er den Robotern. Und sie geh�rten schon so lange zur Familie, da� ihnen das Recht auf einige Ehrungen ebenfalls zustand.�</p><p>�Es war Ehre genug��</p><p>�Sp�ter�, unterbrach Rod ihn hastig. Gekab hatte seine Standardpredigt �ber die noblesse oblige Tradition der</p><p>Maximaroboter, die er nur zu gern hielt, sobald man ihm die geringste Gelegenheit dazu gab. �Wir haben immer noch das Namensproblem�, erinnerte er Gekab.</p><p>�Wenn Sie meinen�, brummte der Roboter ein wenig ver�rgert. �S�ldner, wieder einmal?�</p><p>�Ja, das gibt mir einen guten Vorwand, weit herumzukommen.�</p><p>�Sie k�nnten sich als wandernder Minnes�nger ausgeben.� Rod sch�ttelte den Kopf. �Minnes�nger m�ssen immer mit den allerletzten Neuigkeiten vertraut sein. Aber es w�re vielleicht keine schlechte Idee, mir eine Harfe zu besorgen � vor allem, wenn das Regierungs oberhaupt eine Frau ist. Lieder finden auch dort Einla�, wo Schwerter es nicht k�nnen�� �Es ist jedesmal das gleiche� Wie gef�llt Ihnen,Gallowglass'? Das war die irische Bezeichnung f�r S�ldner.� �Gallowglass�� Rod rollte das Wort auf seiner Zunge. �Nicht schlecht. Es hat Esprit.� �Genau wie Sie!�</p><p>�T�usche ich mich, oder klang es wirklich ironisch? Aber es ist tats�chlich ein gutes, solides Wort � und man kann es wirklich nicht als sch�n bezeichnen��</p><p>�Darum pa�t es ja so gut zu Ihnen�, murmelte der Roboter. �Ja, ich w�rde sagen, der Name ist genau richtig. Rod Gallowglass. Brrrl�</p><p>Rod zerrte am Z�gel und runzelte die Stirn. Von irgendwo geradeaus vor ihnen erklang das ged�mpfte Gemurmel einer Menschenmenge.</p><p>�Was das wohl zu bedeuten hat?� �Rod, darf ich Ihnen zu Vorsicht raten?� �Keine schlechte Idee. Lauf weiter, aber so leise wie m�glich. Achte auf deine Hufe, bitte.� Gekab trottete durch die schmale, mondhelle Stra�e und hielt sich so dicht es ging im Schatten der verwitterten H�usermauern. An einer Ecke blieb er stehen und schob seinen Pferdesch�del vorsichtig vor. �Was siehst du?�</p><p>�Einen Mob.�</p><p>�Gro�artige Beobachtungsgabe, Dr. Watson. Noch etwas?� �Fackellicht und einen jungen Mann, der auf eine Plattform klettert. Wenn Sie mir den Vergleich verzeihen, Rod, es hat viel �hnlichkeit mit einer Ihrer Studentenkundgebungen.� �Genau das ist es auch vielleicht.� Rod schwang sich aus dem Sattel. �Du bleibst hier, alter Freund. Ich gehe mal kundschaften.�</p><p>Im stolzen Marschschritt des Soldaten und mit der Hand um den Rapierknauf trat er um die Ecke. Sein erster Eindruck war, da� es sich hier um ein Treffen der Vagabundenunion handeln mu�te. Kein einziges ungeflicktes Wams war zu sehen. Er r�mpfte die Nase. Seife und Wasser schienen hier verdammt selten zu sein. Was f�r eine Meute!</p><p>Der Versammlungsort war ein riesiger freier Platz mit einem Flu� und Hafenanlagen, wo h�lzerne Schiffe vert�ut lagen, an einer Seite. An den anderen drei befanden sich armselige Wohnh�user, L�den mit See-mansbedarf und �hnlichem, und Lagerh�user. Alle Geb�ude waren teilweise aus Holz, und bei s�mtlichen war das erste Stockwerk �berstehend. Der br�llende, dr�ngende Mob f�llte den gesamten Platz, dem brennende, knisternde Nadelholzzweige ein d�monisches Licht verliehen.</p><p>Ein n�herer Blick auf die Menge offenbarte Augenklappen, verk�mmerte Gliedma�en, ohrenlose K�pfe � ein auffallender Gegensatz zu der Gestalt, die auf der provisorischen Plattform stand. Es handelte sich bei ihr um einen breitschultrigen, blonden jungen Mann. Sein Gesicht war sauber und ungezeichnet, mit einer Stupsnase und blauen Augen. Es war ein rundes, fast unschuldig wirkendes Gesicht, offen und ehrlich, erf�llt von der �berzeugung eines Mannes, der an seine Mission glaubt. Sein Wams und seine Hose waren erstaunlich sauber, und aus gutem Stoff ma�geschneidert. Ein Schwert hing von seiner Seite.</p><p>�Ein Bursche aus gutem Haus�, murmelte Rod. �Was, bei den sieben H�llen, macht er unter diesem Lumpenpack?�</p><p>Der J�ngling hob die Arme. Die Menge br�llte und hielt die brennenden Zweige h�her, um ihm zu leuchten �Welche Schultern tragen die schwerste Last?� schrie der junge Mann.</p><p>�Unsere!� br�llte die Menge.</p><p>�Wessen H�nde sind narbig und schwielig von h�rtester Plackerei?�</p><p>�Unsere!�</p><p>�Wer hat all den Reichtum erm�glicht, den die Adeligen zum Fenster hinauswerfen?�</p><p>�Wir!�</p><p>�Wer hat ihre hohen Burgen aus Granit erbaut?�</p><p>�Wir!�</p><p>�Habt ihr euch nicht einen Teil ihres Reichtums und Luxus verdient?�</p><p>�Das haben wir!�</p><p>�Schon allein in einer einzigen Bucht liegen genug Sch�tze, um jeden von euch zum K�nig zu machen!�</p><p>Der Mob tobte.</p><p>�H�rst du alles, Gekab?�</p><p>�Ja, Rod. K�nnte eine Mischung von Karl Marx und Huey Long sein.�</p><p>�Ungew�hnliche Synthese, und doch nicht so ungew�hnlich, wenn man es genauer betrachtet.�</p><p>�Es sind eure Sch�tze, es ist euer Reichtum!� schrie der J�ngling. �Ihr habt ein Recht darauf!�</p><p>Wieder tobte die Meute.</p><p>�Und bekommt ihr, was man euch schuldig ist?�</p><p>Pl�tzlich wurde der Mob still. Ein beunruhigendes Gemurmel breitete sich aus.</p><p>�Nein!� br�llte der junge Mann. �Deshalb m��t ihr es verlangen, es steht euch rechtm��ig zu!�</p><p>Er warf die Arme hoch. �Die K�nigin hat euch Brot und Wein gegeben, als Hungersnot herrschte, genau wie sie den Hexen, die sie beherbergt, Fleisch und Wein gew�hrt.� Totenstille senkte sich f�r eine Weile �ber die Menge. Dann verbreitete sich ein Fl�stern. �Die Hexen! Die Hexen!� �Ja!� br�llte der Redner. �Selbst den Hexen, den Ausgesto�enen, den Ge�chteten. Wie viel mehr wird sie dann euch gew�hren, die ihr so viel auf euch genommen habt? Sie wird euch geben, was euch zusteht!� Die Menge br�llte.</p><p>�Wohin werdet ihr gehen?� schrie der junge Demosthenes. �Zur Burg!� rief einer, und andere nahmen seinen Ruf auf. �Zur Burg! Zur Burg!� Es wurde zum rhythmischen Singsang. �Zur Burg!�</p><p>Ein hoher, heulender Laut schrillte durch die Luft. Der Mob verstummte. Eine hagere, verkr�ppelte Gestalt hinkte zum Rand eines Lagerhausdachs und rief �ber den Platz: �Soldaten! Eine Kompanie oder mehr!�</p><p>�Zieht euch durch die Gassen und �ber die Kais zur�ck!� befahl der junge Mann. �Wir treffen uns in einer Stunde im HausClovis!�</p><p>Zu Rods Staunen verhielt die Menge sich v�llig ruhig. Sie verlor sich, ohne zu dr�ngen und ohne da� Panik ausbrach, durch die Gassen.</p><p>Rod dr�ckte sich in einen Hauseingang und sah zu, wie die brennenden Zweige gel�scht wurden. Dutzende um Dutzende von Bettlern rannten leise an ihm vorbei und wurden von den Nebenstra�en und Gassen verschluckt.</p><p>Der Platz leerte sich. In der pl�tzlichen Stille h�rte Rod n�herkommendes Hufgedr�hn. Hastig kehrte er zu Gekab zur�ck und schwang sich in den Sattel. �Schnell und leise in einen besseren Stadtteil!� befahl er dem Roboter. Gekab konnte mehrere Zentimeter dicke Gummipolster f�r seine Hufe ausfahren, wenn Lautlosigkeit erforderlich war. Er</p><p>hatte auch die Luftaufnahmen der Stadt studiert und jede Einzelheit im Ged�chtnis behalten. Ein Roboterpferd hat schon seine Vorteile.</p><p>Sie flohen durch die Stadt in ein Viertel mit besser gebauten und erhaltenen H�usern. �Was h�ltst du von der ganzen Sache, Gekab?�</p><p>�Eine totalit�re Bewegung. Ein Machthungriger, der das Lumpenpack anf�hrt, um der Regierung Bedingungen zu stellen, die sie nicht akzeptieren kann. Die Weigerung der Krone wird den Mob zur Gewaltt�tigkeit anstacheln, und schon kommt es zur Revolution.�</p><p>�K�nnte es nicht vielleicht lediglich ein ehrgeiziger Adeliger sein, der den Thron an sich rei�en m�chte?�</p><p>�Usurpation verlangt die Unterst�tzung der oberen Klassen, Rod. Nein, das ist eine proletarische Revolution � ein Pr�ludium zu einer totalit�ren Regierungsform.�</p><p>Rod spitzte die Lippen. �Glaubst du, da� vielleicht eine h�her entwickelte Gesellschaft von au�erhalb des Planeten ihre Hand im Spiel hat? Ich meine, in dieser Art von Kultur findet man doch normalerweise keine proletarische Revolution, oder?�</p><p>�Selten, Rod, und wenn es dazu kommt, ist die Propaganda rudiment�r, sie w�rde in einer mittelalterlichen Gesellschaft nie auf die Grundrechte hinweisen. Dieses Konzept ist einer solchen Kultur absolut fremd. Die Wahrscheinlichkeit einer Einmischung ist gro߅�</p><p>Rod zog die Lippen zu einem wilden Grinsen zur�ck.</p><p>�Sieht ganz so aus, als w�ren wir genau zum richtigen Planeten gekommen.�</p><p>Am Stadtrand hielten sie vor einem einst�ckigen Geb�ude in U-Form um einen mit Fackeln beleuchteten Garten an. Ein Holzzaun mit Tor verschlo� die vierte Seite. Eine Gruppe lachender, gutgekleideter junger M�nner schwankte, ein Trinklied gr�lend, heraus. Geschirr klirrte und Rufe nach Fleisch und Bier wurden laut.</p><p>�Ich glaube, hier haben wir ein besseres Gasthaus gefunden.</p><p>Meinst du, da� es in einer solchen Kultur Knoblauchwurst gibt?�</p><p>Der Roboter schauderte. �Einen Geschmack haben Sie, Rod!�</p><p>�Aus dem Weg! Aus dem Weg!� br�llte jemand. Rod drehte sich um und sah einen Trupp Kavalleristen auf sie zukommen.</p><p>Hinter ihnen rollte eine vergoldete, kunstvoll verzierte Equipage.</p><p>Ein Herold ritt vorbei. �Macht Platz f�r die Kutsche der K�nigin!� rief er.</p><p>Rod stupste das Pferd mit den Knien. Gekab stellte sich so an den Stra�enrand, da� Rod einen guten Blick auf Kutsche und Eskorte werfen konnte.</p><p>Durch die nicht ganz zugezogenen Vorh�nge sah Rodney eine schlanke Gestalt in einem dunklen Kapuzenumhang, ein feingeschnittenes Gesicht, von fast platinblondem Haar eingerahmt, gro�e dunkle Augen und kleine, sehr rote Lippen, die leicht schmollend verzogen waren. Sehr jung war sie, fast noch ein Kind. Sie sa� kerzengerade und wirkte ungemein zerbrechlich, aber auch absolut entschlossen � und irgendwie verloren in ihrer herausfordernden Haltung, die nur zu oft Furcht und Einsamkeit zu verbergen sucht.</p><p>�Rod!�</p><p>Rod zuckte zusammen. Ihm wurde bewu�t, da� die Kutsche l�ngst au�er Sichtweite war. W�tend fragte er: �Was willst du, Gekab?�</p><p>�Ich fragte mich nur, ob Sie eingeschlafen sind.� Der schwarze Kopf drehte sich Rod zu, die gro�en Augen schienen zu lachen.</p><p>�Der Traum, Rod?�</p><p>�Ich dachte, Roboter h�tten keine Gef�hle�, brummte Rod finster.</p><p>�Nein, aber wir haben es gar nicht gern, wenn unseren Sch�tzlingen jene Eigenschaft fehlt, die man als klaren Menschenverstand bezeichnet.�</p><p>Rod bedachte ihn mit einem s�uerlichen L�cheln. �Und nat�rlich wi�t ihr Ironie zu sch�tzen, da sie logischen Ursprungs ist. Und Ironie deutet auf��</p><p>�Eine Art Humor hin, ja. Und Sie m�ssen doch selbst zugeben, Rod, da� es gewisserma�en erheiternd ist, wenn ein Mensch ein Objekt seiner eigenen Erfindung quer durch die halbe Galaxis verfolgt.�</p><p>Rod kaute w�tend an der Lippe und antwortete nicht. Also trabte Gekab durch das Gasthaustor. Ein Knecht kam aus dem Pferdestall. Rod warf ihm die Z�gel zu und stapfte in die riesige Schankstube. Es ging hoch her in dem rauchigen Raum.</p><p>Alle der etwa zwanzig gro�en und mehreren kleineren Tische waren dicht besetzt. Beleuchtet war die Stube mit Fackeln und Talgkerzen, die auf die G�ste herabtropften und auch auf den Ochsen am Spie�.</p><p>Schenkburschen und kr�ftige, untersetzte Bauernm�dchen sorgten f�r einen st�ndigen Nachschub aus K�che und Keller, um die G�ste nicht unn�tig warten zu lassen. Das Gesch�ft ging gut heute abend.</p><p>Ein gro�er Mann mit sch�tterem Haar, vermutlich der Wirt, kam mit einer riesigen, dampfenden Platte aus der K�che. Er blickte auf und sah Rod in seinem goldnen und scharlachroten Wams, dem Degen und Dolch � vor allem den Beutel sah er �, und schon dr�ckte er die Platte einer Schenkdirn in die Hand und rannte eifrig auf Rod zu.</p><p>�Wie kann ich Euch zu Diensten sein, mein guter Herr?� fragte er.</p><p>�Mit einem Krug Bier, einem Steak so dick wie Eure beiden Daumen, und einem Tisch f�r mich allein�, sagte Rod l�chelnd.</p><p>Der Wirt starrte ihn mit zum O geformten Mund an. Offenbar war Rods Benehmen ungew�hnlich. Und schon nahmen seine Augen einen berechnenden Ausdruck an. Man mu� den Burschen ausnehmen, wie man kann, verriet er.</p><p>Rods L�cheln wandelte sich in eine finstere Miene. Er mu�te</p><p>also anders vorgehen. �Worauf wartet Ihr?� br�llte er. �Beeilt Euch, oder ich s�ble mir ein St�ck von Eurem feisten Hintern ab!�</p><p>Sofort verbeugte sich der Wirt tief. �Aber gewi�, My-lord, sofort.�</p><p>�Erst den Tisch!� erinnerte ihn Rod und packte den Wirt an der Schulter. Der Mann f�hrte ihn zu einem Tisch neben einem aufrechtstehenden Baumstamm, der als St�tzpfeiler diente.</p><p>Es gefiel Rod nicht, da� er hatte grob werden m�ssen, aber ein weichherziger Bourgeois im Mittelalter war unvorstellbar.</p><p>Als der Wirt sofort gesagt hatte, mu�te er es wohl auch gemeint haben, denn Steak und Bier wurden bereits aufgetischt, als er noch kaum sa�. Der Wirt rieb sich die H�nde an der Sch�rze und blieb mit besorgtem Blick neben Rod stehen, vermutlich, um abzuwarten, ob der Gast auch mit dem Essen zufrieden war.</p><p>Rod �ffnete die Lippen, um ihn zu beruhigen, als pl�tzlich seine Nasenfl�gel zuckten. Ein seliges Grinsen zog �ber sein Gesicht. Er blickte hoch. �Rieche ich Knoblauchwurst?�</p><p>�O ja, Euer Ehren!� Wieder verneigte der Wirt sich tief.</p><p>�Knoblauchwurst der feinsten Sorte. Wenn Euer Ehren vielleicht��</p><p>�Ja, meine Ehren m�chte und zwar presto allegro!� Der Wirt zuckte zur�ck wie Gekab manchmal auch und eilte davon.</p><p>Rod probierte das Steak und sp�lte mit einem Schluck Bier nach, als bereits ein Teller mit Wurst vor ihm aufgesetzt wurde.</p><p>�Sehr gut�, sagte Rod. �Und das Steak ist annehmbar.�</p><p>Erleichtert grinste der Wirt und wandte sich zum Gehen, doch dann drehte er sich wieder um. Er zerkn�llte nerv�s den Schurz und murmelte: �Verzeiht, mein Herr, aber�� Er scharrte verlegen mit den F��en, ehe er fortfuhr: �Seid Ihr vielleicht ein Zauberer?�</p><p>�Wer ich? Ein Zauberer? L�cherlich!� Rod fuchtelte mit dem Taschenmesser in die allgemeine Richtung des Wirtes, der daraufhin sofort die Flucht ergriff. Rod sch�ttelte den Kopf und �berlegte, wie der Bursche auf die Idee gekommen sei, da� er ein Zauberer sein k�nnte. Vielleicht h�tte ich nicht presto allegro sagen sollen, dachte er. M�glicherweise hielt er diese Worte f�r eine magische Formel. Und hatten sie nicht auch Wunder gewirkt? Er nahm einen Bissen Wurst und einen Schluck Bier. Er ein Zauberer! Verr�ckte Idee! Er war zwar der zweite Sohn eines zweiten Sohnes, aber das hatte noch lange nichts zu bedeuten. Au�erdem m��te er als Zauberer einen Vertrag mit Blut unterzeichnen, und er konnte absolut keinen Tropfen entbehren. Er leerte seinen Krug und stellte ihn laut auf den Tisch. Sofort eilte der Wirt herbei, um ihn nachzuf�llen. Rod wollte ihm dankend zul�cheln, dann erinnerte er sich seiner Stellung hier und unterlie� es. Er fummelte in seinem Beutel und ber�hrte die unsymmetrische Form eines Nuggets � eine W�hrung, wie sie auch im Mittelalter akzeptiert wurde, aber schnell wurde ihm bewu�t, da� er sich nicht zu gro�z�gig zeigen durfte und holte statt dessen einen winzigen Silberbarren heraus.</p><p>Der Wirt drehte ihn in der Hand. Seine Augen drohten aus den H�hlen zu quellen. Ein gurgelnder Laut entrang sich seiner Kehle, ehe er seinen tiefsten Dank stammelte und sich wieder einmal eilig zur�ckzog.</p><p>Rod bi� sich ver�rgert auf die Lippe. Offenbar ge n�gte ein so winziges bi�chen Silber hier, um sich auff�llig zu machen. Aber das Pfund oder zwei gute Beefsteaks im Magen sorgte daf�r, da� sein �rger nicht anhielt. Er streckte die Beine aus, lehnte sich zur�ck, stocherte mit dem Messer zwischen den Z�hnen und schaute sich um. Ihm fiel auf, da� etwas sehr merkw�rdig in dieser Schenkstube war. Die Fr�hlichen waren ein wenig zu �bertrieben fr�hlich und ihr Gel�chter hatte einen finsteren Nachklang. Die Niedergeschlagenen dagegen waren auch wirklich niederge schlagen. Rod betrachtete die zwei M�nner drei Tische von ihm entfernt.</p><p>Sie redeten mit sehr ernsten Gesichtern aufeinander ein. Er drehte den Stein seines Ringes und richtete ihn auf die beiden.</p><p>�Aber solche Versammlungen nutzen doch absolut nichts, solange die K�nigin uns st�ndig Soldaten auf den Hals hetzt!�</p><p>�Stimmt, Adam, und wir kommen nicht an sie heran, um mit ihr zu sprechen.�</p><p>�Dann m�ssen wir ein Gespr�ch mit ihr eben mit Gewalt erzwingen!�</p><p>�Welchen Sinn h�tte es? Ihre Edlen w�rden nicht zulassen, da� sie uns gew�hrt, was wir verlangen.�</p><p>Adam hieb die Faust auf den Tisch. �Aber wir haben ein Recht auf Freiheit, ohne zu Dieben und Bettlern werden zu m�ssen!</p><p>Die Schuldnerkerker darf es nicht l�nger geben, und die Steuernebenfalls.�</p><p>�Ja, und auch dem Ohrabschneiden mu� ein Ende gesetzt werden. Es ist eine zu harte Strafe f�r den Diebstahl eines Brotlaibs.� Er rieb finster seine ohrlose Kopfseite. �Aber immerhin bem�ht sie sich bereits, etwas f�r uns zu tun��</p><p>�Ja, sie hat ihre eigenen Richter eingesetzt. Die hohen Lords werden nicht mehr nach eigenem Ermessen Strafen verh�ngen d�rfen.�</p><p>�Aber du wei�t genau, da� die Edlen es sich nicht gefallen lassen und die Richter bald wieder absetzen werden�, sagte Einohr grimmig und fuhr mit dem Finger die nassen Krugabdr�cke auf der Tischplatte nach. �Das ist es ja eben, da� die Edlen gegen alle Verbesserungen der K�nigin sind!� Adam stie� heftig die Messerklinge in den Tisch. �Sieht Loguire das denn nicht ein?�</p><p>�Sag nichts gegen Loguire!� Einohrs Gesicht verdunkelte sich.</p><p>�Ohne ihn w�ren wir immer noch armseliges Lumpenpack, ohne ein gemeinsames Ziel! Nein, sag nichts gegen ihn, denn ohne ihn h�tten wir nicht den Mut, hier in diesem Gasthof zu sitzen, wo die Soldaten der K�nigin ebenfalls G�ste sind.�</p><p>�Ja, ja, er vereinigte uns und machte M�nner aus uns Dieben.</p><p>Doch jetzt z�gelt er unseren neuen Mannesmut und versucht uns davon abzuhalten, f�r das zu k�mpfen, das rechtm��ig unser ist.�</p><p>Einohrs Mundwinkel senkten sich. �Du hast zuviel auf das eitle und neidvolle Gew�sch des Sp�tters geh�rt, Adam!�</p><p>�Aber wir m�ssen k�mpfen!� rief Adam und ballte die F�uste.</p><p>�Ohne Blutvergie�en kommen wir nicht zu unserem Recht��</p><p>Etwas Gewaltiges schlug gegen Rod und warf ihn zur�ck an den Tisch. Eine Mischung aus Schwei�, Zwiebel und billigem Wein drang in seine Nase. Rod st�tzte einen Arm auf und schob mit der Schulter. Die schwere Gestalt zog die Luft ein und taumelte fl�chtig r�ckw�rts. Rod zog seinen Dolch heraus und schaltete den Siegelring aus.</p><p>Der Betrunkene beugte sich zu ihm herab und sah drei Meter gro� aus und breit wie ein Eisenbahnwaggon.</p><p>�Heh!� knurrte er. �Warum pa�t du nicht auf, wohin ich gehe?�</p><p>Rods Dolch drehte sich. Gef�hrlich sanft sagte er: �St�r lieber du einen ehrlichen Mann bei seinem Krug Bier nicht!�</p><p>�Ehrlicher Mann, hah!� h�hnte der gigantische Bauer. �Ein S�ldner, der ehrlich sein will!� Sein polterndes Lachen fand an den anderen Tischen ein Echo. Pl�tzlich wirkte der Bauer absolut n�chtern. �Leg dein Spielzeug zur Seite, dann werd' ich dir schon beweisen, da� ein ehrlicher Landmann es leicht mit einem S�ldner aufnimmt.�</p><p>Rods R�cken kribbelte, als ihm bewu�t wurde, da� das ein geplanter Kampf war. Der Wirt hatte sich sehr f�r seinen prallen Beutel interessiert. �Ich habe nichts gegen dich�, brummte er, aber sofort wurde ihm klar, da� das das Verkehrteste war, was er hatte sagen k�nnen.</p><p>H�hnisch trumpfte der Riese auf: �Er hat nichts gegen mich, sagt er. Erst wirft er sich einem armen, stolpernden Mann in den Weg und dann sagt er, er hat nichts gegen den gro�en Tom.� Er packte Rod am Kragen seines Wamses und hob ihn auf die F��e. �Ich werd' dir noch was beibringen!�</p><p>Rods Rechte scho� vor und ein Handkantenschlag traf den Ellbogen. Der Riese l�ste wie bet�ubt seinen Griff und starrte auf seine Hand, als h�tte sie ihn bitter entt�uscht. Rod pre�te die Lippen zusammen und steckte den Dolch in seine Scheide zur�ck. Er beugte die Knie und rieb die rechte Faust in der Handfl�che der Linken. Der Bauer war gigantisch, aber vermutlich hatte er keine Ahnung vom Boxen Inzwischen kehrte Leben in Toms Hand zur�ck, und damit der Schmerz. W�tend br�llte der Riese auf, ballte die Faust und holte in weitem Bogen aus. Rod duckte sich darunter und als die Faust, deren Hieb einen Ochsen erledigt h�tte, an ihm vorbeisauste, griff er hinter Toms Schulter hoch und stie� zu, um dem Schwung noch mehr Wucht zu geben. Der gro�e Tom wirbelte herum. Rod packte das Gelenk der rechten Hand des anderen und verdrehte es hinter dem R�cken des Riesen und dr�ckte sie immer h�her. Tom heulte auf. Und w�hrend er heulte, schlang Rod den Arm unter Toms Achsel zu einem Halbnelson zum Nacken hoch.</p><p>Nicht schlecht, dachte Rod, bis jetzt war Boxen nicht n�tig gewesen. Er dr�ckte ein Knie in Toms Hintern und l�ste die Arme. Der Riese scho� vorw�rts, geradewegs auf den Herd zu. Er versuchte, sein Gleichgewicht zur�ckzugewinnen, schaffte es jedoch nicht. Tische und B�nke kippten und schlugen polternd auf, als die G�ste hastig zur�ckwichen, um dem Herd nicht selbst zu nahe zu kommen.</p><p>Tom landete auf den Knien und sch�ttelte verwirrt den Kopf. Als er wieder klar sehen konnte, entdeckte er Rod, der ihm mit grimmigem L�cheln, halb geduckt in Ringerhaltung, mit beiden H�nden zuwinkte.</p><p>Der Riese knurrte tief in der Kehle und stemmte einen Fu� gegen die Herdsteine. Dann st�rmte er wie ein Stier mit vorgeschobenem Sch�del auf Rod zu. Rod wich seitw�rts aus und stie� ein Bein vor. Der gro�e Tom st�rzte mit fuchtelnden Armen geradewegs auf die erste Tischreihe. Rod pre�te die</p><p>Lider zusammen und die Z�hne gegeneinander. Er h�rte einen Krach wie viermal gleichzeitig alle Neune in der Kegelbahn.</p><p>Widerstrebend �ffnete er die Augen und zwang sich ihm nachzusehen.</p><p>Toms Sch�del tauchte mit weiten Augen und h�ngendem Kinn aus einem h�lzernen Tr�mmerhaufen auf.</p><p>Rod sch�ttelte bedauernd den Kopf und schnalzte mit der Zunge. �Das war eine schlimme Nacht f�r dich, Tom, warum gehst du nicht heim und legst dich ins Bett?�</p><p>Der Riese klaubte seine Knochen zusammen, und als er sich vergewissert hatte, da� er noch in einem St�ck war, stemmte er die F�uste auf die H�ften und schaute Rod an. �Ihr k�mpft aber gar nicht wie ein ehrlicher Gentleman!� beschwerte er sich.</p><p>�Ich bin ja auch keiner�, brummte Rod. �Was h�ltst du von einer zweiten Runde, Tom? Alles oder nichts?�</p><p>Tom schaute an sich herunter, als zweifle er, da� sein K�rper noch viel mehr aushalten w�rde. Dann schob er die �berreste eines Eichentischs zur Seite, hieb eine Faust auf seine Armmuskeln und nickte.</p><p>�Also gut, kommt schon, kleiner Mann.� Er trat auf den jetzt v�llig ger�umten Platz vor dem Herd und schaute Rod finster und vorsichtig entgegen.</p><p>�Unser guter Wirt sagte dir, da� ich Silber im Beutel habe, nicht wahr?� fragte Tom mit funkelnden Augen.</p><p>Der gro�e Tom schwieg.</p><p>�Und er behauptet auch, ich sei ein leichter Gegner, richtig?</p><p>Nun, er t�uschte sich in beiden Punkten.�</p><p>Toms Augen quollen vor. �Was? Kein Silber?�</p><p>Rod nickte. �Aha! Habe ich es mir doch gedacht!� Sein Blick fiel auf den Wirt, der fahl und zitternd bei einem St�tzbalken stand. Aus dem Augenwinkel bemerkte er, da� Tom mit dem rechten Fu� nach seinem Zwerchfell ausholte. Er machte einen Schritt zur�ck und schwang beide H�nde hoch, um nach Toms Ferse zu greifen und dem Fu� zu gr��erer H�he zu verhelfen.</p><p>Toms Fu� beschrieb einen sauberen Bogen. Einen Augenblick hing er in der Luft, dann st�rzte er mit fuchtelnden Armen heulend auf den Boden. Es schmerzte Rod zutiefst, sehen zu m�ssen, wie Tom nach Luft rang. Er trat n�her, packte den Riesen vorn am Kittel, stemmte seinen Fu� gegen ihn, warf sein Gewicht zur�ck und zog den Burschen so auf die F��e. Tom sackte nach vorn. Rod schob eine Schulter unter Toms Achselh�hle und richtete den m�chtigen Kerl wieder auf. �He, Wirt!� br�llte er. �Branntwein, aber schnell!� Als der gro�e Tom sich wieder einigerma�en erholt hatte und den Spott seiner Saufbr�der �ber sich ergehen lassen mu�te; die G�ste die Tr�mmer beiseiteger�umt und sich wieder niedergesetzt hatten; und Rod immer noch keine Vergeltungsma�nahmen gegen den Wirt anstrebte, leuchtete pl�tzlich Hoffnung in den Augen dieses guten Mannes auf. Mit vorgeschobenem Kinn und gesenkten Mundwinkeln stellte er sich vor Rodney. Er schluckte und sagte schlie�lich: �Wenn Eure Lordschaft gestatten, die kleine Sache mit den gebrochenen B�nken und Tischen steht noch offen�� �B�nke�, murmelte Rod, ohne sich zu r�hren. �Tische!� Abrupt sprang er auf die F��e und legte eine Hand um den Hals des Wirtes. �Du, du schleimiger kleiner Karmacker!� br�llte er. �Du hast mir diesen Ochsen auf den Hals gehetzt, hast versucht, mich zu berauben, und jetzt erlaubst du dir auch noch die Unversch�mtheit, Geld zu verlangen!� Jeden Punkt betonte er, indem er den Wirt sch�ttelte und ihn immer n�her zu dem St�tzstamm dr�ckte, in den der Mann sich vergebens zu verkriechen suchte.</p><p>�Und um dem Fa� die Krone aufzusetzen, ist auch noch mein Bier warm geworden!� schrie Rod. �Du nennst dich Wirt und wagst es, einen S�ldnergentleman so zu behandeln!� �Verzeiht, Eure Lordschaft!� wimmerte der Wirt und versuchte sich mit bewundernswertem Eifer, doch vergebens aus Rods Griff zu befreien. �Ich meinte es nicht b�se, Mylord, ich wollte nur��</p><p>�Mich berauben!� schnaubte Rod. Er gab ihn abrupt frei und half noch ein bi�chen nach, da� er r�ckw�rts auf einen Tisch fiel. �Einen Becher hei�en Wein, ehe ich bis drei gez�hlt habe, dann untersage ich mir vielleicht das Vergn�gen, dir die Ohren zu strecken und unter dem Kinn zusammenzukn�pfen.</p><p>Verschwinde!�</p><p>Er z�hlte, mit drei Sekunden Pause zwischen eins und zwei und zwei und drei, bis drei, und schon war der Becher in seiner Hand. Mit den H�nden an die Ohren gepre�t, brachte der Wirt sich in Sicherheit. Rod nippte an dem hei�en Wein und �berlegte, was ein Karmacker war. Nach einer Weile br�llte er nach dem Wirt und befahl ihm, ein Zimmer zu richten und extra Decken bereitzulegen. Dann trat er hinaus auf den Hof und atmete die frische Luft ein.</p><p>W�hrend er seinen Gedanken nachhing, zog ihn jemand am �rmel. Rod wirbelte herum. Es war der gro�e Tom, der sich bem�hte, mit seinen zwei Meter f�nfzehn kleiner als Rod auszusehen. �Guten Abend, Herr�, murmelte er.</p><p>Rod starrte ihn einen Augenblick verbl�fft an, dann fragte er: �Was willst du denn?�</p><p>Der gro�e Tom nahm den Hut in die Hand, lie� die Schultern h�ngen und kratzte sich am Hinterkopf. �Eh, Meister, Ihr habt mich zum Gesp�tt der Leute gemacht. Ich kann mich hier nicht mehr sehen lassen��</p><p>�Aha!� knurrte Rod w�tend, �und jetzt willst du vielleicht auch noch, da� ich Schadenersatz daf�r leiste, heh?�</p><p>�Nein, nein, Herr!� Tom wich erschrocken zur�ck. �Es ist nur -</p><p>es ist ganz anders � ich hab' mir gedacht � ich meine, ob�� Er verdrehte und zerkn�llte den Hut zwischen seinen m�chtigen Pranken, da� es fraglich war, ob er je seine Form zur�ckbekommen w�rde. �Ich � ich dachte, ob Ihr nicht vielleicht einen Burschen � einen Knecht � einen Knappen braucht, und�� Seine Stimme erlosch. Unter niedergeschlagenen Lidern be�ugte er Rod �ngstlich und hoffnungsvoll.</p><p>Rod war einen Moment wie erstarrt und betrachtete das offene Gesicht des Riesen, das ihn geradezu anzubeten schien. Er �berkreuzte die Arme und lehnte sich an den T�rrahmen. �Was soll denn das, Tom? Vor einer halben Stunde wolltest du mich noch fertigmachen und ausrauben, und jetzt soll ich dir so sehr vertrauen, da� ich dich als Knappen nehme?� Tom zog die Brauen zusammen und bi� sich auf die Unterlippe. �Ich wei�, es ist viel verlangt, Meister, aber�� Seine Hand beschrieb eine vage Geste. �Es ist so, Ihr seid der erste, der mich schlagen konnte, und�� Wieder verstummte er. Rod nickte bed�chtig, ohne den Blick von Toms Gesicht zu lassen. �Und deshalb mu�t du mir dienen?�</p><p>Tom schob gekr�nkt die Unterlippe vor. �Ich mu� nicht, Herr � ich m�chte es.�</p><p>�Ein R�uber und Dieb�, murmelte Rod, �und ich soll dir trauen! Aber du hast ein offenes Gesicht, das seine Gef�hle nicht verbirgt.�</p><p>Gekabs Stimme erklang hinter Rods Ohr. �Die vorl�ufig vorhandenen Daten lassen auf eine simple Pers�nlichkeitsstruktur schlie�en. Die Wahrscheinlichkeit, da� dieses Individuum als verl��liche Auskunftsquelle f�r hiesige Zust�nde dienen wird, ist h�her als die, da� er ein falsches Spiel mit Ihnen treiben wird.�</p><p>Rod kramte in seinem Beutel und holte ein Silberst�ck heraus � es roch ein wenig nach Knoblauch, von dem Rest der Wurst, den er sich in die Tasche gesteckt hatte, und dr�ckte es in die Hand des Riesen.</p><p>Tom starrte das Silber blinzelnd an, dann Rod. Schlie�lich schlo� er die leicht zitternde Faust, w�hrend seine Augen an Rod hingen.</p><p>�Du hast das Handgeld angenommen�, sagte Rod, �also bist du mein Knappe!�</p><p>Tom grinste von Ohr zu Ohr. Er verneigte sich tief. �Ja, Herr! Ich danke Euch, Herr! Ich werde Euch immer danken, Herr! Ich��</p><p>�Ist schon gut�, wehrte Rod ab. Er mochte es nicht, wenn ein Erwachsener sich klein machte. �Du kannst gleich mit deinem Dienst anfangen. Sag, wie schwierig ist es, als S�ldner in der Armee der K�nigin unterzukommen?�</p><p>�Gar nicht schwierig, Herr. Sie braucht st�ndig neue Soldaten.�</p><p>Ein schlechtes Zeichen, dachte Rod. �Also gut�, brummte er.</p><p>�Geh du in die Wirtschaft zur�ck, erkundige dich, welches Zimmer ich habe und vergewissere dich, da� sich dort keine Meuchelm�rder versteckt haben.�</p><p>�Ja, Herr, sofort, Herr!� Tom rannte ins Haus.</p><p>Ein fernes Heulen zerschnitt die Nacht und wurde zu einem schrillen Kreischen. Erstaunt horchte Rod auf. Sirenen. In dieser Kultur? Das Heulen kam von links. Er blickte hoch und sah die Burg auf der Bergkuppe. Und dort auf den Zinnen unter einem Turm leuchtete und schrillte etwas wie ein Polizeiwagen.</p><p>Die G�ste kamen aus der Wirtschaft gerannt und starrten und deuteten.</p><p>�Das Gespenst!� riefen sie. �Schon wieder!� �Es wird schon nichts passieren. Ist es nicht bereits dreimal erschienen und die K�nigin lebt immer noch?�</p><p>�Gekab!� sagte Rod leise in den Empf�nger. �Auf den Burgzinnen ist ein 'Gespenst'. Gekab, h�rst du? Ein 'Gespenst'!�</p><p>Es erfolgte keine Antwort. Und dann erhob sich ein gr��liches Summen hinter Rods Ohr und schwoll an, bis es seinen Sch�del zu zersprengen drohte, ehe es endlich wieder aufh�rte.</p><p>Rod sch�ttelte den Kopf und schlug sich mit der Hand gegen die Schl�fe. �Ich mu� den Burschen doch �berholen lassen�, 44-</p><p>brummte er. �Fr�her waren seine Anf�lle wenigstens leise!� Nat�rlich w�re es unklug gewesen, wenn er sich gleich in den Stall begeben h�tte, um den Unterbrecher wieder zu arretieren, solange der Hof voller Neugieriger war. Also begab er sich auf sein Zimmer und legte sich nieder, um sich ein wenig zu entspannen. Und nat�rlich war er, als es auf dem Hof endlich wieder ruhig wurde, viel zu m�de, um noch in den Stall zu gehen und den Roboter wieder einzuschalten. In der Nacht w�rde er ihn ja nicht brauchen.</p><p>In seinem Zimmer war es dunkel und still, wenn man von Toms Schnarchen absah, der sich am Fu� des Bettes zusammengekauert hatte und schlafend noch mehr Krach machte als wach.</p><p>Tom war ihm ein R�tsel. Rod hatte noch nie gek�mpft, ohne da� er nicht zumindest einen Hieb abbekommen hatte, doch Tom hatte keinen einzigen gelandet. Das war merkw�rdig, denn auch gro�e, kr�ftige M�nner konnten flink sein� Warum hatte der Rie se sich so leicht schlagen lassen? Damit er ihn in seine Dienste aufnahm?</p><p>Und was war mit Adam und Einohr? Ihrem Gespr�ch nach hatten sie an der Kundgebung am Kai teilgenommen. Das bedeutete demnach, da� sie der Proletarierpartei angeh�rten, dem Haus Clovis, richtig. Aber wenn Adam und Einohr typische Vertreter waren, mu�te das Haus Clovis in sich gesplittert sein. Offenbar gab es zwei Fraktionen, die eine, die hinter Loguire stand � war das der jugendlichen Redner?�� und eine andere, die von dem Sp�tter � wer immer das war � gef�hrt wurde. Also die �blichen geges�tzlichen Faktionen, eine, die ihr Ziel mit friedlichen Mitteln erreichen wollte, und die andere mit Gewalt � Zunge und Schwert!</p><p>Weshalb wollte der gro�e Tom seinen Butler spielen? Um in der Gesellschaft aufzusteigen? Nein, der Typ war er nicht. Eines besseren Lohnes wegen? Aber als der Oberschl�ger hier d�rfte es ihm an Mitteln nicht mangeln.</p><p>Vielleicht, um auf ihn, Rod, ein Auge zu haben?</p><p>Rod rollte sich auf die Seite. M�glicherweise hatte das Haus Clovis ihn geschickt, um auf ihn aufzupassen. Aber sie konnten doch unm�glich etwas ahnen, oder?</p><p>Wenn allerdings Gekab mit seiner Annahme recht hatte, dann war es durchaus m�glich, da� hinter dieser Partei eine fremde Macht stand, die sehr wohl Verdacht gesch�pft haben mochte -</p><p>wie, spielte jetzt keine Rolle. Er war hellwach und jeder Muskel angespannt. Seufzend rollte er sich aus dem Bett. Er konnte jetzt nicht mehr schlafen. Es war besser, er w�rde Gekab wieder einschalten und sich seine Meinung anh�ren.</p><p>Der gro�e Tom r�hrte sich, als Rod den rostigen T�rhaken hochhob. �Herr? Wohin geht Ihr?�</p><p>�Ich mache mir pl�tzlich Sorgen um mein Pferd. Ich sehe lieber nach, ob der Stallbursche sich seiner auch gut angenommen hat. Schlaf nur weiter.�</p><p>Tom starrte ihn einen Moment an. �Zweifellos�, sagte er, �seid Ihr ein sehr f�rsorglicher Herr.� Er rollte sich herum und vergrub seinen Kopf in den zusammengefalteten Umhang, den er als Kopfkissen benutzte. �Sich solche Sorgen um ein Pferd zu machen!� murmelte er noch und schnarchte auch schon wieder.</p><p>Rod stieg die Treppe hinunter und stolperte �ber eine straff gespannte Schnur. Er fuchtelte haltsuchend mit den Armen, bis etwas Hartes ihn auf den Hinterkopf schlug und er Sterne sah, die schlie�lich schw�rzester Nacht wichen.</p><p>Ein r�tliches Gl�hen war um ihn, und sein Sch�del brummte.</p><p>Etwas Kaltes, Nasses strich �ber sein Gesicht. Er schauderte und wurde hellwach. Er lag auf dem R�cken mit einem hohen Kalksteinkuppeldach �ber sich. D�nne Kalksteins�ulen ragten herunter auf einen gr�nen Bodenbelag und vereinten sich mit anderen, in die H�he ragenden S�ulen � Stalaktiten und Stalagmiten, und der gr�ne Boden erstreckte sich in alle Richtungen bestimmt 46-</p><p>gut einen Kilometer weit. Er befand sich in einer riesigen H�hle. Das r�tliche Gl�hen schien von �berallher zu kommen.</p><p>Rod wollte die Hand ausstrecken, um das Moos zu ber�hren, das sich unter seinem R�cken feucht anf�hlte, mu�te jedoch feststellen, da� er weder Arme noch Beine bewegen konnte. Er hob den Kopf, um zu sehen, mit welcher Art von Stricken er gebunden war, doch es war nicht der d�nnste Faden zu sehen.</p><p>Mannhaft k�mpfte er gegen die Kopfschmerzen an, um klar denken zu k�nnen. �Gekab�, murmelte er. �Wo bin ich hier?�</p><p>Er bekam keine Antwort. Da fiel ihm ein, da� der Roboter einen Anfall gehabt hatte und er unterwegs gewesen war, um die Sicherung wieder einzudr�cken.</p><p>Jetzt war er auf sich selbst gestellt.</p><p>Er seufzte und legte den Kopf wieder auf das Moos. Pl�tzlich begann rechts von ihm eine tiefe Stimme zu singen. Rod blinzelte.</p><p>Ein Feuer flackerte h einem kahlen Steinkreis. Ein Dreibein stand dar�ber, von dem ein blubbernder Kessel herabhing. Aus dem Deckel ragte eine R�hre. Wassertropfen sickerten vom Dach und trafen die R�hre. Eine Kanne stand unter dem Ende der R�hre und sammelte die Tropfen auf.</p><p>Eine primitive Schnapsbrennerei! Und der, der dieser sicherlich illegalen Besch�ftigung hier nachging, war ganze f�nfundvierzig Zentimeter gro�, hatte ungemein breite Schultern, war kr�ftig gebaut, und trug Wams und Hose. Er hatte ein rundes, verschmitztes Gesicht, vergn�gt zwinkernde Augen und einen breiten Mund, der zu einem pfiffigen L�cheln verzogen war. Auf dem Kopf trug er eine Robin-Hood-Kappe mit einer grellroten Feder.</p><p>Er mu�te Rods Blick bemerkt haben, denn er schaute in seine Richtung. �Ha!� sagte er. �Der Zauberer ist wieder zu sich gekommen.�</p><p>Rod runzelte die Stirn. �Ich bin kein Zauberer!�</p><p>�Ihr seid auch nicht aus einem fallenden Kometen gekommen</p><p>und genausowenig habt Ihr ein Pferd aus kaltem Eisen��</p><p>�He!� unterbrach ihn Rod. �Woher wei�t du, da� das Pferd aus kaltem Eisen ist.�</p><p>�Wir sind das Kleine Volk�, antwortete der Troll unger�hrt.</p><p>�Wir leben durch Eiche, Esche, Dorn, Holz, Luft und Gras.</p><p>Und jene, die durch das kalte Eisen leben, trachten nach dem Ende unseres Waldlands. Kaltes Eisen ist das Zeichen aller, die uns meiden; und deshalb erkennen wir kaltes Eisen, gleichg�ltig welcher Form oder Tarnung es sich bedient.�</p><p>Er drehte sich wieder zu dem Kessel um und hob den Deckel, um nach der Maische zu sehen. �Dann k�nnt Ihr auch h�ren, was eine halbe Meile entfernt gesprochen wird, und Euer Pferd l�uft lautlos wie der Wind und schneller als ein Falke, wenn Ihr es so wollt. Aber ein Zauberer seid Ihr nicht, eh?�</p><p>Rod sch�ttelte den Kopf. �Ich bediene mich der Wissenschaft, nicht der Magie.�</p><p>�Das gleiche, nur ein anderer Name�, brummte der Elf. �Nein, nein, Ihr seid ein Zauberer und als solcher bereits auf ganz Gramayre bekannt!�</p><p>�Gramayre? Was ist das?�</p><p>Der Troll starrte ihn verbl�fft an. �Die Welt, was sonst, Zauberer! Die Welt, in der wir leben, das Land zwischen den vier Meeren, das Reich K�nigin Catherines!�</p><p>�Oh! Sie herrscht �ber die ganze Welt?�</p><p>�Nat�rlich.� Der Elf warf Rod einen Blick zu.</p><p>�Und wie hei�t ihre Burg? Und die Stadt rundum?�</p><p>�Runnymede. Also wirklich, Ihr seid der ungebildetste Zauberer, der mir je begegnet ist!� Der Troll drehte sich kopfsch�ttelnd um. Er go� ein wenig des Destillats aus der Kanne in einen Krug von der Gr��e eines Schnapsglases ab.</p><p>Rod wurde pl�tzlich bewu�t, wie durstig er war. �Was braust du da eigentlich?� fragte er. �Doch nicht Branntwein?� Und als der Elf den Kopf sch�ttelte, versuchte er es weiter: �Gin? Rum? Aqua Vitae?�</p><p>�Nein, es ist ein Getr�nk anderer Art.� Der Elf hielt den winzigen Krug an Rods Mund. Rod nahm einen Schluck und leckte sich die Lippen. �Schmeckt wie Honig! Gar nicht schlecht. K�nnte ich das Rezept daf�r haben?� �Aber gewi�.� Der Troll grinste. �Wir werden alles in unserer Macht Stehende f�r unseren Gast tun.�</p><p>�Gast!� schnaubte Rod. �Ich m�chte zwar eure Gastfreundschaft nicht anzweifeln, aber mir die Bewegungsfreiheit zu nehmen, ist nicht gerade meine Vorstellung eines Willkommens.�</p><p>�Oh, dagegen wird schon noch etwas unternommen werden.� Pl�tzlich klickte etwas in Rods Gehirn. Die H�rchen schienen sich ihm am Nacken aufzustellen. �Uh � ah � wir wurden noch nicht miteinander bekanntgemacht, aber sag, du hei�t wohl nicht zuf�llig Robin Goodfel-low, alias Puck?� �So ist es.� Der Troll gab den Deckel wieder auf den Kessel. �Ich bin dieser fr�hliche Wanderer der Nacht.� Rod legte den Kopf wieder ins Moos. Das w�rde eine gro�artige Geschichte f�r seine zuk�nftigen Enkel abgeben, denn andere w�rden sie ihm sowieso nicht glauben. �Sag, Puck � ich darf dich doch Puck nennen?� �Sicher d�rft Ihr das.� �Danke. Ich � uh � bin Rod Gallowglass.� �Das wissen wir schon.�</p><p>�Nun, ich dachte nur, ich sollte mich vielleicht vorstellen. Du � ah � scheinst mir nicht b�se gesinnt zu sein, darf ich deshalb fragen, weshalb ich � ah � gel�hmt bin?�</p><p>�Ach das�, brummte Puck. �Wir m�ssen erst herausfinden, ob Ihr ein wei�er oder schwarzer Zauberer seid.� �Oh!� Rod kaute an seiner Wange. �Wenn ich ein � ah � wei�er bin, la�t ihr mich dann gehen?� Puck nickte. �Aber was ist, wenn ihr mich f�r einen schwarzen haltet?� �Dann, Rod Gallowglass, werdet Ihr bis zum J�ngsten Tag schlafen.�</p><p>�Ich habe zwar im Prinzip nichts gegen Schlafen, aber w�re das nicht ein bi�chen lange? Wie kann ich beweisen, da� ich ein wei�er Magier bin?�</p><p>�Ganz einfach, indem wir den Bann brechen, der Euch bindet.� �Du meinst, indem ihr mich freigebt? Wie kann das als Beweis dienen?�</p><p>�Die Tatsache als solche nicht, sondern der Ort, wo wir es tun.� Er klatschte in die H�nde. Rod h�rte das Trippeln Dutzender kleiner F��e von hinten auf sich zukommen. Man band ihm ein dunkles Tuch vor die Augen und kn�pfte es am Hinterkopf fest. Er protestierte, aber man achtete �berhaupt nicht darauf, sondern schleppte ihn davon. Nach einer Weile schlug feuchte Nachtluft in sein Gesicht, und er sp�rte, da� er hangaufw�rts getragen wurde. Grillen zirpten und einmal heulte eine Eule. Dann lie� man ihn einfach auf den Boden plumpsen und nahm ihm die Binde ab. �Heh!� st�hnte er. �Bin ich vielleicht ein Mehlsack?�</p><p>�Ihr seid jetzt frei, Rod Gallowglass�, klang Pucks Stimme in seinen Ohren. �M�ge Gott Euch besch�tzen!� Und schon huschte der Troll von dannen.</p><p>Rod setzte sich auf und bewegte seine Gliedma�en. Er schaute sich um. Er sa� auf einer mondbeschienenen Lichtung. Zu seiner Linken pl�tscherte ein Bach. Die B�ume waren wie gl�nzender Stahl mit Lamettalaub, mit schwarzen Schatten zwischen den St�mmen.</p><p>Einer der Schatten bewegte sich. Er wurde zur hochgewachsenen Gestalt in dunkler M�nchskutte mit Kapuze. Rod sprang hastig hoch. Die Gestalt kam langsam auf ihn zu. Zehn Schritt vor ihm blieb sie stehen und warf die Kapuze zur�ck. Zerzaustes, ungepflegtes Haar hing in ein eingefallenes, verbittertes Gesicht, aus dem die tiefliegenden Augen wie Kohlen brannten. Die Stimme klang wie ein Zischen: �Bist du deines Lebens so m�de, da� du dich in den K�fig eines Werwolfs wagst?�</p><p>Rod starrte die Gestalt ungl�ubig an. �Werwolf?� Na ja, wenn es Elfen gab� Er runzelte die Stirn. �K�fig? Ich sehe keinen!� �Eine magische Mauer umgibt diesen Hain�, zischte der Werwolf. �Die Kleinen haben sie um mich errichtet � und sie f�ttern mich auch nicht auf die richtige Weise!� �Oh? Was ist denn die richtige Weise?� erkundigte sich Rod. �Rohes Fleisch und Blut zum Hinuntersp�len.� Etwas mit unz�hligen winzigen F��chen schien Rods R�cken entlangzukrabbeln.</p><p>�Schlie�e Frieden mit deinem Gott�, riet der Werwolf, �denn deine Stunde ist gekommen.�</p><p>Pelz spro� aus seinen H�nden, und aus den Fingern�geln wurden Krallen. Auch Stirn und Wangen bedeckten sich mit Fell. Nase, Mund und Kinn formten sich zur Schnauze. Die Ohren bewegten sich nach oben und liefen spitz zu. Er warf den dunklen Umhang von sich und offenbarte so silbergraues Fell. Und nun lie� er sich auf alle viere fallen. Tief in der Kehle knurrend, setzte der Wolf zum Sprung an. Rod wirbelte herum, aber das Wertier �nderte noch in der Luft die Sprungrichtung. Seine Z�hne rissen Rods Arm vom Ellbogen bis zum Handgelenk auf.</p><p>Der Wolf landete und heulte vor Freude auf. Mit heraush�ngender Zunge sprang er erneut. Rod lie� sich auf ein Knie fallen, doch das Tier hielt mitten im Sprung an und fiel auf ihn. Die Hinterbeine zerkratzten Rods Brust, und die gewaltigen Kiefer versuchten ihn am R�cken zu packen. Rod k�mpfte sich auf die Beine, beugte sich nach vorn und stie� mit aller Kraft gegen den Bauch des Wolfes. Das Wertier flog durch die Luft, dabei rissen die Krallen seiner Vorderbeine Rods R�cken auf.</p><p>Der Wolf landete auf dem R�cken und heulte vor Schmerzen, trotzdem war er schnell wieder auf den Beinen und lief, nach Blut knurrend, in einem Kreis um Rod herum. Rod drehte sich so, da� er den Wolf st�ndig vor sich hatte. Wie geht man gegen einen Werwolf vor? Gekab w��te es sicher, aber der Roboter war immer noch au�er Betrieb.</p><p>Der Wolf geiferte und setzte an, um Rod an die Kehle zu springen.</p><p>Rod kauerte sich tief und stie� mit der Hand zu. Seine Faust traf den Wolf direkt am Solarplexus. Eilig sprang Rod zur�ck und duckte sich. Der Wolf st�rzte auf den Boden und schnappte nach Luft. Rod kreiste gegen den Uhrzeiger um ihn herum, weil ihm das vielleicht Gl�ck bringen w�rde, wie er hoffte.</p><p>Der Wolf kam wacklig auf die Beine. Er knurrte und kreiste nun auf eine Chance lauernd ebenfalls um Rod herum, und wie der im Gegenuhrzeigersinn.</p><p>Beiden gleichzeitig kann es kaum Gl�ck bringen, dachte Rod und �nderte die Richtung, um hinter den Wolf zu gelangen.</p><p>Das Wertier sprang.</p><p>Rod wirbelte herum und holte zu einem Kinnhaken aus, aber der Wolf schnappte nach seiner Faust. Rod br�llte vor Schmerz auf und stie� dem Untier den Stiefel in den Bauch. Der Wolf �ffnete aufheulend die Kiefer und gab Rods Hand wieder frei.</p><p>Inzwischen �berlegte Rod verzweifelt, was gegen einen Werwolf half. Wolfsmilch, vermutlich, aber er k�nnte sie nicht von Efeu oder sonst einem Gr�nzeug unterscheiden.</p><p>Silberkugeln, sicher. Doch chemische Schu�waffen waren schon seit Tausenden von Jahren nicht mehr in Mode, und das DDT hatte Silber als W�hrung l�ngst aufgegeben. Ein Kruzifix? Rod nahm sich fest vor, in Zukunft doch an eine Religionszugeh�rigkeit zu denken.</p><p>Sein felliger Freund hatte sich wieder gefangen. Er spannte die Hinterbeine und sprang. Rod wich seitw�rts aus, aber das Tier hatte offenbar damit gerechnet und landete voll auf seiner Brust und schnappte geifernd nach seiner Kehle.</p><p>Rod fiel auf den R�cken. Er zog die Beine hoch, hieb sie in den</p><p>Bauch des Tieres und katapultierte es von sich. Der Wolf prallte schwer auf und plagte sich, um wieder auf die Beine zu kommen.</p><p>Was sonst mochten Werw�lfe nicht? Knoblauch! Rod kreiste um den Wolf herum und kramte in seiner Tasche nach dem Wurstrest vom Abendessen. Der Wolf spreizte die Beine und hustete. Rod kaute einen Mundvoll Knoblauchwurst.</p><p>Mit einem w�tenden, entschlossenen Knurren kam das Tier auf die Beine, spannte die Muskeln an und sprang.</p><p>Rod packte es an den Vorderbeinen. Er stolperte ein wenig unter seinem Gewicht zur�ck. Mit aller Gewalt blies er dem Tier seinen Atem ins Gesicht, dann lie� er den Wolf fallen und sprang zur Seite.</p><p>Der Wolf rollte sich spuckend und hustend herum, keuchte schaudernd und brach zusammen. Seine Gestalt streckte sich aus, entspannte sich, streckte sich weiter � und ein hochgewachsener, hagerer Mann lag mit dem Gesicht nach unten, heftig luftschnappend, im Gras.</p><p>Rod sank auf die Knie. Gerettet durch Knoblauchwurst!</p><p>Gras streifte gegen sein Knie. Er blickte in die l�chelnden Augen Robin Goodfellows. �Kehrt mit uns zur�ck, wenn Ihr m�chtet, Rod Gallowglass, denn unsere Pfade sind nun auch Eure, wann immer Ihr in Freundschaft darauf wandeln wollt.�</p><p>Rod l�chelte m�de. �Er h�tte mich fast get�tet!� beschwerte er sich mit einem Blick auf den jetzt bewu�tlosen Werwolf.</p><p>Puck sch�ttelte den Kopf. �Wir beobachteten euch beide und h�tten sowohl Euren als auch seinen Tod verhindert. Und was Eure Wunden betrifft, wir werden sie schnell heilen.�</p><p>Rod sch�ttelte benommen den Kopf.</p><p>�Au�erdem wu�ten wir, da� Ihr als Zauberer �ber Kr�fte von solcher Macht verf�gt, da� Ihr ihn besiegen konntet � wenn Ihr ein wei�er Magier seid.�</p><p>�Oh?� Rod hob die Brauen. �Und wenn nicht? Wenn ich ein</p><p>schwarzer w�re?�</p><p>�Nun�, erwiderte Puck grinsend, �h�ttet Ihr Euch mit ihm verbunden und versucht, gegen uns zu k�mpfen, um aus dem K�fig zu entkommen.�</p><p>�H�tte euch das denn nicht in Gefahr bringen k�nnen?�</p><p>�Nein.� Wieder grinste Puck. �Die Magie von zwei Dutzend Elfen ist immer noch st�rker als die von zwei Zauberern.�</p><p>�Ich verstehe.� Rod rieb sich das Kinn. �Ihr habt es darauf ankommen lassen, aber ihr konntet es mir nat�rlich nicht sagen, denn solange ich nichts wu�te, bewies mein Kampf gegen den Werwolf, da� ich zu den Guten geh�re, hm?�</p><p>�Zum Teil.�</p><p>�Oh? Und was noch?�</p><p>�Nun, Rod Gallowglass, Ihr hattet den Wolf mehrmals in hilfloser Lage, aber Ihr habt ihn nicht get�tet.�</p><p>�Und das beweist, da� ich ein gutes Herz habe?�</p><p>�Das, und auch, da� Ihr Euch Eurer Macht sicher genug seid, Gnade walten lassen zu k�nnen. Und das ist der Beweis, nicht nur, da� Ihr wei�, sondern �berhaupt ein Zauberer seid.�</p><p>Rod pre�te die Lippen zusammen. Mit �bertriebener Geduld brummte er. �Es h�tte nat�rlich auch lediglich beweisen k�nnen, da� ich ein erfahrener K�mpfer bin.�</p><p>�Es h�tte�, gestand ihm Puck zu. �Aber Ihr habt ihn schlie�lich durch Zauberei besiegt.�</p><p>Rod holte tief Luft. �H�r zu�, sagte er betont. �Ich bin kein Zauberer. Ich war nie ein Zauberer. Ich will und werde nie ein Zauberer sein. Ich bin lediglich ein S�ldner, der eben ein paar Tricks kennt.�</p><p>�Aber gewi� doch, Meister Zauberer, ganz wie Ihr wollt.</p><p>Kommt Ihr nun mit in die H�hle zur�ck? Wir bringen Euch dann in Euren Gasthof.�</p><p>�Na gut�, brummte Rod.</p><p>Die ersten Sterne gingen bereits unter, als Rod sich hundem�de in den Stall schleppte. Nur eine Kerze brannte hier und machte</p><p>die Dunkelheit noch schw�rzer. Rod schwang einen Arm um Gekabs R�cken, um sich zu st�tzen, ehe er den Arretierknopf dr�ckte. Der samtschwarze Kopf hob sich, sch�ttelte sich zweimal und schaute Rod �ber die Schulter an. Der Roboter schwieg kurz, dann h�rte Rod hinter dem Ohr in vorwurfsvollem Ton: �Sie haben mich lange ausgeschaltet gelassen. Die Nachwirkungen des Anfalls sind l�ngst vor�ber.� �Tut mir leid, altes Eisen.� Immer noch hielt Rod sich am Pferder�cken fest, denn seine Beine f�hlten sich wie aus Gummi an. �Ich war auf dem Weg, dich wieder einzuschalten, als ich selbst ausgeschaltet wurde.�</p><p>�Ausgeschaltet?� Gekabs Stimme klang nun zur Abwechslung verlegen, ja schuldbewu�t. �W�hrend ich schlief! O m�ge meine H�lle f�r immer auf dem Schrottplatz verrotten! M�ge mein Germanium dem Konverter zur Wiederverwertung �berantwortet werden! M�gen meine��</p><p>�H�r schon auf!� knurrte Rod. �Es war nicht deine Schuld.� Er straffte die Schultern. �Ich befand mich nicht in wirklicher Gefahr. Es war lediglich eine etwas anstrengende Nacht, nichts weiter.�</p><p>Rod lie� sich an dem unter der Fr�hst�ckslast fast zusammenbrechenden Tisch nieder, aber verglichen mit dem, was der gro�e Tom verschlang, nahm er eine Hungerration zu sich. Viel des Aufgetischten war Rod vertraut: Eier, Omeletten und Schinken. Die Pfannkuchen hatten allerdings einen etwas fremdartigen Geschmack, das kam sicher vom Mehl, denn gew�hnlich ver�nderten die sich urspr�nglich von Terra stammenden Getreidesorten auf anderen Planeten. Auch Gefl�gel mutierte, und es kam zu Kreuzungen mit einheimischen Arten, Schweine dagegen blieben Schweine, sie gediehen �berall pr�chtig und waren noch h�ufiger zu finden als Hunde. Das Essen war gut vertr�glich und sicher nahrhaft, denn allzusehr konnte der menschliche Metabolismus sich bestimmt nicht</p><p>ver�ndern. Aber mit Spurenelementen war es eine andere Sache. Vorsichtshalber schluckte Rod eine Pille.</p><p>Tom bemerkte es. �Was war das, Herr?� erkundigte er sich.</p><p>Rod zwang sich zu einem L�cheln. �Nur ein kleiner Zauber.</p><p>Mach dir deshalb keine Gedanken, Tom.�</p><p>Tom starrte ihn an, dann murmelte er ein schnelles Gebet und st�rzte sich �ber seine Omelette, ehe er mit vollem Mund kauend fragte: �Und was beabsichtigt Ihr heute zu unternehmen, guter Herr?�</p><p>�Ich werde der Burg einen Besuch abstatten. Wir wollen sehen, ob die K�nigin an einem neuen Soldaten interessiert ist.�</p><p>Tom protestierte: �Soldat der K�nigin! Nein, Herr, das ist kein Beruf f�r einen ehrlichen Mann!�</p><p>Rod hob eine Braue. �Willst du damit andeuten, da� einer von uns beiden ehrlich ist?�</p><p>Der Wirt hatte einen grauen Wallach, den Rod f�r Tom erstand. Und so ritten sie nebeneinander zu der Burg hoch.</p><p>�Halt!� br�llte der Posten an der Zugbr�cke. �Gebt Euer Begehr kund!�</p><p>�Mein Name ist Rod Gallowglass��</p><p>�Ihr vergeudet Eure Zeit�, unterbrach die Wache ihn. �Die K�nigin hat bereits einen Hofnarren.�</p><p>�Wenn ich dich so anschaue�, brummte Rod, �w�rde ich sagen, sie hat mehr als einen.� Laut erkl�rte er: �Ich bin S�ldner, genau wie mein Knappe. Ruf einen Hauptmann, damit er uns aufnimmt.�</p><p>Der Posten starrte ihn finster an. �Soldat der K�nigin zu werden, ist nicht so einfach, wie Ihr zu glauben scheint. Auch deucht Ihr mir ein schlechter Soldat zu sein, wenn Ihr nicht einmal Euer Pferd anbindet.�</p><p>Rod der abgesessen war, warf ihm ein sp�ttisches L�cheln zu und rief: �Gekab, vier Schritte zur�ck, einen halben nach links, dann vorw�rts vier und einen halben, und dann bleib stehen, bis ich dich rufe.�</p><p>Der Posten ri� den Mund weit auf, und die Augen quollen ihm aus den H�hlen, als Gekab den Befehl auf den Buchstaben genau ausf�hrte.</p><p>�Du siehst, ich bin ein guter Soldat, und mein Pferd gehorcht mir aufs Wort. Es ist besser, es nicht anzubinden, weil es so jederzeit zu mir kommen kann, wenn ich es brauche.� Seine Rechte scho� in einem Scheinangriff vor. Der Soldat wich erschrocken zur�ck, als Rods Bein ausholte und ihn hinter dem Fu�gelenk traf. Klirrend ging der Posten in seiner R�stung zu Boden. Rod entri� ihm die Lanze und warf sie unter das Fallgitter.</p><p>Tom trommelte begeistert mit den F�usten auf den R�cken seines klapprigen Gauls, w�hrend der Soldat verzweifelt: �Zu Hilfe!� br�llte.</p><p>Drei Wachen kamen herbeigest�rzt. Der Unteroffizier blickte fragend von Rod auf den Posten und runzelte die Stirn. �Hilfe!</p><p>Wozu?� erkundigte er sich barsch.</p><p>Der Posten deutete auf Rod. �Dieser Mann brachte mich zu Fall und nahm mir die Lanze fort!�</p><p>�Damit w�rde ich nicht prahlen�, murmelte Rod. Tom sch�ttelte sich vor Lachen.</p><p>�Ist das wahr, Mann?� Der Unteroffizier funkelte Rod an.</p><p>�Es ist wahr�, versicherte ihm Rod.</p><p>�Nun denn!� Der Unteroffizier stemmte die H�nde an die H�ften.</p><p>�Nun denn was?� erkundigte sich Rod und hob eine Braue.</p><p>Rods Haltung schien den Unteroffizier zu verwirren. �Nun denn, was war Euer Grund?�</p><p>�Ich m�chte in die Armee der K�nigin eintreten, und dieser Bursche verlangte, da� ich erst zeige, was in mir steckt.�</p><p>Der Unteroffizier blickte von dem verbl�fften Posten auf Rod und nickte. �Ihr sollt Eure Chance bekommen.� Die �Chance�</p><p>bestand aus einem mit Breitschwert und Schild bewaffneten Sergeanten.</p><p>�Wollt Ihr Euch nicht einen Schild nehmen, Mann?� brummte der alte Ritter, der der Hauptmann der Garde war.</p><p>�Nein, danke.�</p><p>�Nun, so kreuzt eure Waffen.� Sir Maris seufzte. Rod und der Sergeant taten es. Sir Maris hinkte herbei und brachte sein eigenes Breitschwert hoch, um ihre Klingen zu trennen.</p><p>Das Schwert des Sergeanten schwang zu einem vollen Bogen aus. Rod nutzte die Verz�gerung, um einen Scheinangriff auf des Sergeanten Bauch vorzut�uschen. Sofort sauste der Schild zur Abwehr herab, und Rods Rapier scho� �ber den Arm des Sergeanten hinweg und schlitzte das Wams �ber dem Herzen auf.</p><p>�Halt!� schrie Sir Maris, und das Breitschwert des Sergeanten hielt mitten im Schwung an. Er lie� den Schild fallen und fragte verwirrt: �Was ist denn passiert?�</p><p>�H�tte dieser Gallowglass nicht nur zum Sport gek�mpft, dann w�rst du jetzt ein toter Mann, Sergeant Hapweed.� Mit gerunzelter Stirn starrte Sir Maris Rod an. �Wer w�rde auf die Idee kommen, die Degenspitze zu benutzen!�</p><p>�Nun, gehen wir es noch einmal an?� fragte Rod und lie� sein Rapier durch die Luft schwirren.</p><p>�Nein�, erkl�rte Sir Maris. �Es steht fest, da� Ihr mit der Klinge umzugehen versteht.� Er drehte sich um und griff nach einem Kampfstab. Er warf ihn Rod zu. �Hier, versuchen wir es jetzt damit.�</p><p>Rod fing den Stab in der Mitte und steckte das Rapier in die Scheide zur�ck. Der Sergeant hieb bereits probehalber mit seinem Stab durch die Luft.</p><p>�Fangt an!� rief Sir Maris.</p><p>Und schon setzte der Eichenholzhagel auf Rod ein, und er hatte seine liebe Not, die Schl�ge abzuwehren. Er schluckte, als ihm klar wurde, da� er selbst �berhaupt nicht zum Angriff kam. Er blockierte einen Hieb gegen sein Schienbein, fing den Schlag auf seinen Kopf ab, und schwang das untere Ende des Stabes,</p><p>um den Angriff auf seinen Bauch abzuwehren � aber er kam nicht, er war nur eine Finte gewesen. Verzweifelt bem�hte er sich, seinen Kopf noch rechtzeitig zu sch�tzen, aber der Sergeant hatte die �ffnung genutzt. Aus dem Augenwinkel sah Rod, wie der schwere Eichenstab herbeibrauste. Wie ein Donnerschlag krachte er auf seinen Sch�del. Tiefe Nacht senkte sich auf ihn herab, und er sah nur noch Sterne vor seinen Augen funkeln, aber er gab nicht auf. In reinem Reflex wehrte er die Schl�ge ab, und h�rte die Zuschauer, die sich inzwischen eingefunden hatten, jubeln.</p><p>So geht es nicht, sagte sich Rod. Zwar war er auch im Kampf mit dem Stab ausgebildet worden, hatte ihn jedoch seit mehr als einem Jahr nicht mehr benutzt, w�hrend der Sergeant offenbar t�glich damit trainierte. Aber noch hatte er eine Chance. Rod sprang zur�ck, und seine Hand glitt zur Mitte des Stabes. Er wirbelte ihn wie bei einer Parade. Es war die franz�sische Methode, le moulinet.</p><p>Sir Maris sperrte die Augen auf. Der Sergeant wich verwirrt zur�ck, doch dann sprang auch sein Stab wirbelnd empor. Also war er mit dieser Art des Stabkampfs vertraut, aber gl�cklicherweise kein Experte. Rod war im Vorteil. Des Sergeanten Stab wirbelte verschwommen, aber fast lautlos. Rods dagegen machte einer Motors�ge Konkurrenz. In Wirbelgeschwindigkeit und folge-dessen gr��erer Schlagkraft war er dem Sergeanten weit �berlegen. Und das wu�te auch Hapweed. Seine Nackenmuskeln verkrampften sich, als auch er die Wirbelgeschwindigkeit zu beschleunigen versuchte. Jetzt! Rod sprang vor. Sein Stab durchbrach den Wirbel und schwang in Gegenrichtung zu der des Sergeanten hinab. Die St�be schlugen mit dem Knall eines Gewehrschusses aufeinander, da� die Heftigkeit fast Rods Z�hne zum Klappern brachte. Er fing sich eine halbe Sekunde fr�her als der Sergeant und hieb seinen Stab mit zwei schnellen Schl�gen auf Hapweeds herab, da� dessen Stab zu Boden fiel.</p><p>Benommen starrte der Sergeant auf seine leeren H�nde. Rod tupfte mit seinem leicht auf die Schl�fe Hapweeds und brummte: �Peng! Du bist tot!�</p><p>�Halt!� rief Sir Maris und machte diesem Kampf somit offiziell ein Ende. �Wollen wir jetzt sehen, wie Ihr mit einem Langbogen umzugehen versteht?�</p><p>Rod zuckte bluffend die Schulter. �Mit einer Armbrust, meinetwegen, aber einem Langbogen��</p><p>Ein tiefes Gel�chter erschallte aus der H�he herab. Der Hauptmann der Wache und all seine M�nner zuckten zusammen. Tom warf sich auf die Knie und pre�te sch�tzend die Arme auf den Kopf.</p><p>Rod drehte verbl�fft den Kopf. Auf einem der eichenen Querbalken in der gro�en Halle sa� ein Zwerg und trommelte mit den F��en gegen das Holz. Sein Kopf war so gro� wie Rods, seine Schultern waren breiter, und seine Arme und Beine so dick und muskul�s wie Rods. Er sah aus, wie ein kr�ftiger normaler Mann, den man hier und dort um einen Meter gek�rzt hatte. Das zottlige schwarze Lockenhaar hing ihm bis zum Nacken herab, und buschige schwarze Augenbrauen hoben sich aus der breiten, leicht fliehenden Stirn ab. Die Augen waren kohlschwarz und schienen im Augenblick vor Vergn�gen zu spr�hen. Eine Hakennase trennte sie voneinander, und aus wulstigen Lippen grinsten ebenm��ige wei�e Z�hne durch den dichten Bartwald.</p><p>�Langbogen!� rief er mit seiner tiefen Ba�stimme. �Na, wenn er damit nicht umgehen kann!�</p><p>Sir Maris funkelte w�tend zu dem Zwerg hoch. �M�ge die Pest mit Euren hinterlistigen Streichen ein Ende machen, Brom O'Berin. Ist mein Haar nicht schon wei� genug?�</p><p>�Hinterlistige Streiche!� rief der Troll entr�stet.</p><p>�Brom?� murmelte Rod. �O'Berin?�</p><p>�Black Brom O'Berin!� berichtigte der Elf.</p><p>�Das ist ja eine Mischung aus Holl�ndisch, Irisch und</p><p>Russisch, wenn ich mich nicht irre.�</p><p>�Was sind das f�r Unsinnsworte?� knurrte der Zwerg.</p><p>�O nichts.� Rod sch�ttelte den Kopf. �Ich h�tte es ja erwarten m�ssen auf diesem verr�ckten � uh �, ich! meine in Gramayre.�</p><p>Der Troll grinste koboldhaft. �Wenn ich mich nicht t�usche, ist das nicht gerade ein Kompliment f�r das gro�e Land Gramayre!�</p><p>�Nein, nein! Ich hatte nicht die Absicht � ich wollte nicht��</p><p>Rod hielt inne, denn er erinnerte sich, da� f�r einen K�mpfer in dieser Art von Kultur Entschuldigungen unmannhaft waren. Er straffte die Schultern. �Also gut, es war eine Beleidigung, wenn dir das lieber ist.�</p><p>Der Troll sprang auf dem Balken vergn�gt auf die Beine und hopste herum.</p><p>�Ihr m��t jetzt gegen ihn k�mpfen, Gallowglass!� rief Sir Maris. �Und Ihr werdet all Eure Geschicklichkeit brauchen.�</p><p>Rod starrte ihn an. Meinte er es ernst? Konnte ein Zwerg ein ebenb�rtiger Gegner sein?</p><p>Der Elf kicherte tief in der Kehle und sprang trotz der gro�en H�he auf den Boden herunter, wo er leichtf��ig aufsetzte.</p><p>Ein Br�llen erschallte hinter Rod, und der gro�e Tom kam herbeigest�rmt. �Es ist eine Falle, Herr!� schrie er. �In diesem Land herrscht Hexerei, und er ist der schlimmste aller Hexer.</p><p>Nie hat jemand Black Brom geschlagen! Aber ich werde es��</p><p>Alle Soldaten in der gro�en Halle warfen sich br�llend auf Tom. Einen Augenblick stand Rod wie erstarrt, dann lie� er den Kampfstab fallen und watete, Karatehiebe verteilend, durch das Handgemenge, da� die Soldaten rechts und links zu Boden fielen.</p><p>�Halt!� donnerte Brom. Irgendwie war er wieder auf den Querbalken gelangt. �Meinen Dank, Freunde�, brummte der Miniaturherkules. �Der Riese meinte es nicht b�se. La�t ihn los!�</p><p>�Meinte es nicht b�se!� schrien ein paar Stimmen entr�stet durcheinander.</p><p>�Das stimmt!� versicherte ihnen Brom. �Er wollte nur seinen Herrn besch�tzen. Und dieser Gallowglass wiederum kam lediglich zur Verteidigung seines Knappen. La�t sie in Frieden.</p><p>Es trifft keinen von beiden eine Schuld.�</p><p>Die Soldaten gehorchten nur widerstrebend.</p><p>Rod schlug Tom auf die Schulter und murmelte: �Danke, Tom, und mach dir meinetwegen keine Sorgen, dieser holl�ndische Ire ist auch nur ein Mann wie du und ich, und darum kann ich ihn auch schlagen.�</p><p>Der Troll mu�te sehr scharfe Ohren haben, denn er br�llte: �Oh, wirklich? Na, das wollen wir erst mal sehen, Streithahn!�</p><p>�O Meister!� st�hnte der gro�e Tom und rollte die Augen. �Ihr wi�t nicht, was Ihr sagt. Dieser Elf ist des Teufels Sch�tzling!</p><p>Ein schwarzer Magier!�</p><p>�Pah!� schnaubte Rod. �So etwas gibt es �berhaupt nicht!�</p><p>Sir Maris trat mit funkelnden Augen zwischen seine M�nner.</p><p>�Wenn Ihr ihm auch nur ein Haar kr�mmt, Gallowglass, ziehe ich Euch die Haut lebenden Leibes ab.�</p><p>�Keine Angst.� Brom O'Berin kicherte. �Und Ihr, Freund Gallowglass, strengt Euch nur an. Bei mir werdet Ihr kein Gl�ck haben. Pa�t lieber auf Euch auf.� Er hopste auf dem Balken herum und schrie: �Jetzt!�</p><p>Rod duckte sich und zog die Arme zum Handkantenschlag zur�ck. Brom stemmte die F�uste in die H�ften und kicherte.</p><p>�Ja, macht Euch nur bereit � aber pa�t auf, Brom O'Berin ist kein leichter Mann!�</p><p>Er sprang mit den F��en voraus vom Balken, geradewegs auf Rods Kopf zu.</p><p>Verwirrt durch den pl�tzlichen Angriff des Trolles, machte er einen Schritt zur�ck. Aber seine Reflexe �bernahmen, und er schwang die Arme mit den Handfl�chen nach oben, um Broms Fu�gelenke zu packen und hochzurei�en. Und dann, weil er bef�rchtete, der Elf k�nne heftig mit dem R�cken auf dem</p><p>Boden landen, sprang er vor, damit er ihn auffangen konnte, aber Brom schlug einen Purzelbaum und landete elastisch auf den F��en. Mit einer schnellen Bewegung wischte er Rods H�nde zur Seite.</p><p>�Eine h�fliche Geste�, brummte der Troll, �aber sehr t�richt, denn Ihr habt Euch dadurch selbst in Gefahr gebracht. Hebt Euch Eure Besorgnis f�r die auf, die sie brauchen, Gallowglass.�</p><p>Rod schaute den Kleinen mit wachsendem Respekt an. �Ich scheine Euch untersch�tzt zu haben, Meister O'Berin.�</p><p>�Nennt mich nicht Meister!� donnerte der Troll. �Ich bin niemandes Meister, nur der Narr der K�nigin!�</p><p>�Nun gut, dann, weiser Narr!� sagte Rod und winkte mit beiden Armen und grinste wild.</p><p>Brom musterte seinen Gegner mit finsterer Miene. Er brummte etwas, dann verzog er das Gesicht zu einem d�nnen L�cheln und nickte. Er sprang und schnellte sich mit den F��en geradewegs gegen Rods Kinn. Rod schwang eine Hand hoch, um erneut Broms Fu�gelenke zu packen und brummte: �Ich dachte, du h�ttest dir's gemerkt.� Das Du kam unwillk�rlich. Er stie� die F��e des Trolles hoch, aber diesmal schnellte Brom seinen Kopf hoch, direkt unter Rods Kinn � und er hatte einen sehr schweren Kopf. Rod zuckte unter dem Hieb zur�ck, dabei pre�te er die Arme fest um Brom O'Berins Mitte.</p><p>Der Zwerg sch�ttelte sich vor Lachen. �Und jetzt?� spottete er.</p><p>�Jetzt, da du mich hast, was willst du mit mir tun?�</p><p>Das war eine gute Frage. L�ste Rod seinen Griff auch nur eine Sekunde, w�rde Brom ihm zweifellos den Fu� in den Bauch sto�en. Er k�nnte den Troll nat�rlich fallen lassen oder von sich werfen, aber Brom hatte die Eigenschaft eines Gummiballs und w�rde h�chstwahrscheinlich beim Zur�ckspringen genau wieder sein Kinn treffen.</p><p>Im Zweifelsfall war es besser, zuerst zu handeln und dann zu</p><p>denken. Rod lie� sich auf den Boden fallen und schob Brom im rechten Winkel von sich. Er packte Knie und Hals des Zwerges f�r einen Klammergriff. Aber Brom war ein bi�chen schneller. Sein rechter Arm schlang sich wie eine Zwinge um Rods linken Ellbogen.</p><p>Rods R�cken kr�mmte sich vor Schmerzen. Es blieb ihm nur eines �brig, mit der Linken loszulassen, wollte er nicht vor Schmerzen das Bewu�tsein verlieren. Aber Rod ging die Chance ein und verlie� sich auf sein Durchhalteverm�gen. Er verst�rkte seinen Griff um Broms Hals. Der Troll brummte erstaunt: �Ein anderer h�tte vor Schmerz gewimmert und sich in Sicherheit gebracht, Rod Gallowglass.� Er zog die Knie ein und sein Fu� glitt Rods Brust hoch unter dessen Kinn und dr�ckte.</p><p>Ein w�rgender Laut entrang sich Rods Kehle. Ein stechender Schmerz bohrte sich in seinen Nacken, als die R�ckenwirbel gegeneinander schabten. Wieder senkte sich tiefe Nacht auf ihn herab und erneut funkelten die Sterne vor seinen Augen. �Du mu�t mich jetzt loslassen, Gallowglass�, murmelte Brom, �wenn du nicht das Bewu�tsein verlieren willst.� Mu�te diese verdammte halbe Portion immer recht haben? Rod l�ste den Griff und kam mit den Armen auf dem Boden auf. Als er sich schwankend auf die F��e hob, klang ein kehliges Kichern in seine Ohren, denn Brom hatte seinen Griff um Rods Arm nicht gelockert, sondern auch noch seinen anderen Arm um Rods Hals geschlungen, und so zog er ihn mit seinem Gewicht zu Boden. Als Broms F��e den Boden ber�hrten, versetzte er Rod einen heftigen Sto�, da� er r�ckw�rts taumelte. Rod fiel, aber wieder �bernahm seine Reaktion. Er zog das Kinn an und milderte seinen Sturz mit den Unterarmen.</p><p>Brom jubelte vergn�gt, als er sah, da� Rod immer noch bei Bewu�tsein war, und sprang. Rod hielt das bi�chen Luft an, das ihm noch geblieben war und stie� mit den F��en zu. Er traf</p><p>Brom geradewegs in den Bauch, packte den durch die Luft schlagenden Arm, schob, und lie� den Arm los. Brom schlug einen Salto und segelte f�nf Meter �ber Rod hinweg. Aber wie �blich landete er auf den weichen Ballen. Mit schallendem Gel�chter wirbelte er herum. �Gut, Junge, sehr gut, aber nicht gut genug!�</p><p>Rod war inzwischen wieder auf den Beinen. Er keuchte und sch�ttelte den Kopf. Brom hopste auf ihn zu und sprang. Rod duckte sich ganz tief, in der Hoffnung, da� Brom ihn vielleicht ausnahmsweise doch verfehlen w�rde. Aber der lange Arm des Trolles holte aus und erwischte Rod an der Kehle. Der st�mmige kurze K�rper schwang herum und landete zwischen Rods Schultern. Ein Fu� stemmte sich gegen Rods Nacken und beide Arme um den Hals zogen den Kopf nach hinten. Rod gurgelte, richtete sich auf, und bog sich unter Broms Zug weit zur�ck. Er packte die Unterarme des Zwerges. Dann beugte er sich rasch nach vorn und zog an Broms Armen. Brom sauste �ber Rods Kopf, schlug einen Purzelbaum und landete juchzend auf den F��en. �Gut gemacht, Junge! Gut gemacht!�</p><p>Er drehte sich um, immer noch mit koboldhafter Miene. �Aber mir wird dieses Spiel leid. La�t uns ein Ende damit machen.� �Ve-versuch's doch!� keuchte Rod.</p><p>Brom kam geduckt herbei, stie� die langen Arme vor, um nach Rods Knie zu greifen. Rod schlug seine Rechte nach unten, um Broms Versuch abzuwehren, dann warf er seine Linke um die Schulter des Trolles, um ihn so zu sto�en, da� er das Gleichgewicht verlor, aber irgendwie hatten des Zwerges H�nde sich wieder um Rods Hals gelegt. Rod richtete sich auf und bem�hte sich, den Troll abzuwerfen, indem er mit der Handkante gegen seine Ellbogen hieb. Aber der Griff des Zwerges verst�rkte sich nur.</p><p>Brom stie� mit den Beinen zu und warf sein ganzes Gewicht vorw�rts. Rod taumelte und sah den Boden auf sich</p><p>zukommen. Brom sprang an ihm vorbei und packte ihn am Fu�. Rod machte eine Bauchlandung, aber er konnte sich, indem er seinen Arm vorstreckte, davor bewahren, da� sein Kopf auf dem Steinboden aufschlug. Er versuchte sich aufzusetzen, doch jemand mu�te ihm einen M�hlstein auf die Schultern gebunden haben, und eine Schlange wand sich unter seinen linken Arm und dr�ckte auf den Nacken. Er bem�hte sich, diesen Halbnelson zu brechen, aber da legte sich eine Zwinge um sein rechtes Handgelenk und zog es r�ckw�rts hoch.</p><p>�Gib auf, Junge�, brummte Broms Stimme in sein Ohr. �Du wirst mich nicht los!� Doch Rod unterdr�ckte mit zusammengepre�ten Z�hnen den Schmerz. Irgendwie gelang es ihm, auf die F��e zu kommen. Er strengte sich an, den Zwerg abzusch�tteln, aber Broms Beine klammerten sich um seine Mitte.</p><p>�Ich sagte dir doch, da� du mich nicht los wirst�, murmelte der Troll. Rod sch�ttelte sich wie ein Terrier, aber Brom hielt sich fest wie eine Bulldogge. Einen Augenblick dachte Rod daran, sich auf den Boden zu werfen und den Elf unter sich zu zerquetschen, denn es war bitter, sich von einem Mann von nur einem Drittel seiner eigenen Gr��e schlagen zu lassen. Aber er wies diesen Gedanken rasch von sich, denn Brom h�tte ihm w�hrend ihres Kampfes mehr als nur einmal einen nicht weniger gemeinen Trick spielen k�nnen, doch er war offenbar f�r absolute Fairne�, und er, Rod, w�rde sich schlie�lich nicht von einem Zwerg besch�men lassen!</p><p>�Gib endlich auf, Mann!� knurrte Brom und zog Rods Hand noch weiter zum Nacken hoch und dann dr�ckte er hart auf Rods Hinterkopf, bis das Kinn das Schl�sselbein ber�hrte. Rod �chzte und taumelte nach vorn. Hastig streckte er ein Bein aus, um nicht zu fallen. Der Schmerz im R�cken und Hals war unertr�glich, er bekam keine Luft mehr. Auf seltsam unbeteiligte Art bemerkte er, da� es pl�tzlich Nacht wurde und</p><p>die Sterne vom Himmel st�rzten.</p><p>Wasser platschte kalt auf sein Gesicht. Eine Flasche wurde an seine Lippen gedr�ckt und Fl�ssigkeit sickerte �ber seine Zunge und in den Bauch, wo sie brennend explodierte. Er sch�ttelte den Kopf und sp�rte harten Stein unter sich.</p><p>Stimmen echoten in seinem Sch�del. Er hob die Lider und sah ein rundes Gesicht von zottligen schwarzen Locken und dichtem Bart eingerahmt. Eine Stimme donnerte in seinen Ohren: �Es ist ein wahres Wunder, Sir Maris. Er hat mir ganz sch�n zu schaffen gemacht!�</p><p>Ein starker Arm schob sich unter Rods Kopf und Schultern.</p><p>Toms besorgtes rundes Gesicht schwamm vor seinen Augen.</p><p>Und ihm folgte Broms.</p><p>�Hast dich tapfer gehalten, Junge�, polterte der Zwerg. �Einen solchen Kampf geno� ich nicht mehr, seit ich zum Mann wurde.� Er streckte Rod die Hand entgegen. Rod dr�ckte sie und versuchte zu grinsen. Und dann beugte sich Sir Maris �ber ihn und half ihm auf die F��e. �Kommt, Junge! Steht stramm, denn Ihr seid jetzt Soldat in der Armee der K�nigin!�</p><p>�Hah hah!� donnerte Brom, der schon wieder auf dem Querbalken sa�. �Nein, Sir Maris. Ich erhebe Anspruch auf ihn als Leibw�chter der K�nigin!�</p><p>�Nein, verdammt, Tom, geh weg mit dem Ding!�</p><p>�Aber, Meister!� Tom rannte Rod nach und hielt den Brustpanzer hoch. �Ihr braucht ihn, um Euch vor Pfeilen und Schwerthieben zu sch�tzen!�</p><p>�Schwerter kann ich mit meiner Klinge abwehren, und Pfeilen ausweichen. Und gegen Armbrustbolzen nutzt das Zeug ohnehin nichts. Nein, Tom, es w�rde mich nur behindern!�</p><p>�Was!� donnerte Brom O'Berin, und st�tzte die F�uste auf die H�ften. �Du willst der K�nigin Uniform nicht tragen?�</p><p>�Das tu ich erst, wenn du es tust, du scheckiger Wicht!�</p><p>Der Troll grinste. �Du scheinst zu vergessen, da� du Soldat</p><p>bist, ich dagegen bin Hofnarr, der bunt gekleidet sein mu�. Aber ich dachte mir schon, da� du den Brustpanzer nicht tragen willst. Dann schl�pf zumindest in das.� Er warf Rod etwas silbern Glitzerndes zu.</p><p>Rod musterte das feingliedrige Kettenhemd mi�trauisch, doch dann schl�pfte er hinein. �Pa�t gar nicht so schlecht�, brummte er. �Woher wu�test du, da� ich mich nicht in dieses eiserne Gef�ngnis pressen lassen w�rde?�</p><p>Brom kicherte. �Habe ich nicht mit dir gek�mpft, Rod Gallowglass? Und es war nur gut, da� du es auf meine Weise tatest!� Ernst fuhr er fort: �Es war mir gleich klar, da� du genausowenig einen so beengenden Panzer tragen w�rdest wie ich.�</p><p>Rod studierte das b�rtige Gesicht mit gerunzelter Stirn. �Du traust mir immer noch nicht ganz, hm?� �Rod Gallowglass�, erwiderte der Elf. �Ich traue keinem Menschen � und einem Leibw�chter der K�nigin erst dann, wenn er sein Leben f�r sie gegeben hat!� �Und wie viele sind das bis jetzt?� �Sieben im vergangenen Jahr�, brummte Brom. Rod l�chelte grimmig und schl�pfte in das silbern und purpurfarbige Wams, die Uniform der Leibwache. �Ich werde also die Ehre haben, den Vorkoster Ihre Majest�t zu machen, eh?�</p><p>�Nein!� knurrte der Zwerg. �Dieses Vergn�gen steht allein mir zu.�</p><p>Rod schwieg einen Moment. Er warf sich den purpurnen Umhang �ber. �Aber du lebst immer noch.� Brom nickte. �Obgleich ich mehrmals erkrankte, lebensgef�hrlich, mein Junge. Aber offenbar habe ich das Talent, Gift am Geschmack zu erkennen, ohne gleich mit meinem Tod den Beweis liefern zu m�ssen.� Er grinste. �Schau nicht so d�ster drein. Du wirst dich lediglich mit Schwertern auseinandersetzen und hin und wieder einem heimt�ckischen Armbrustbolzen ausweichen m�ssen. Also, Kopf hoch!�</p><p>�Oh, ich kann es kaum erwarten�, versicherte ihm Rod ironisch.</p><p>�So, und jetzt zur Ratskammer der K�nigin. Ich werde dich in deine Pflichten einweisen.� Er drehte sich um. �Und du, Tom, marsch in die Kaserne mit dir. Dein Herr wird dich rufen, wenn er dich braucht.�</p><p>Tom blickte Rod fragend an. Rod nickte.</p><p>Um den Tisch aus poliertem Nu�baum hatten die zw�lf Hohen Lords des Reiches Platz genommen: Der Herzog di Medici, der Graf von Romanoff, der Herzog von Gloucester, Prinz Borgia, Graf Marschall, Herzog Steward, der Herzog von Bourbon, Prinz Habsburg, Graf Tudor, Baron Ruddigore, der Herzog von Savoyen, und der grauhaarige Herzog Loguire. Alle waren anwesend, au�er der K�nigin, Catherine Plantagenet. Neben jedem der Hohen Lords sa� ein drahtiger, runzeliger kleiner Greis mit funkelnden blauen Augen und ein paar d�nnen, wei�en, �ber den ledrigen Sch�del verteilten Haarstr�hnen.</p><p>Ratgeber? fragte sich Rod. Merkw�rdig, da� sie sich alle so sehr �hneln�</p><p>Ein Trommelwirbel erschallte. Alle erhoben sich. Die gewaltigen Fl�gel der Ostt�r schwangen weit auf, und Catherine betrat die Ratskammer. Rod an der Westt�r konnte sie genau sehen � und sein Herz setzte einen Schlag aus.</p><p>Platinblondes, fast silbernes Haar umrahmte ein feingeschnittenes Schmollgesicht mit gro�en blauen Augen und Lippen wie Rosenknospen. Das hautenge Seidengewand betonte die kleinen, noch nicht vollentwickelten Br�ste des kindhaften K�rpers.</p><p>Sie lie� sich auf dem leeren Stuhl am Kopfende des Tisches nieder, und Brom O'Berin h�pfte an einen Hocker zu ihrer Rechten. Ihr gegen�ber am anderen Tischende sa� Herzog Loguire, der ungeduldig seinen ihm etwas zufl�sternden Ratgeber abwehrte.</p><p>Brom O'Berin winkte dem Herold zu, der laut rief: �Die Hohen und Gro�en des Landes Gramayre sind hiermit versammelt.</p><p>M�gen alle, die Beschwerden vorzubringen haben, sie nun �u�ern.�</p><p>Herzog Bourbon h�stelte verlegen. Brom wandte sich ihm zu.</p><p>�Mein Lord Bourbon�, forderte er ihn auf. �M�chtet Ihr das Wort an Ihre Majest�t richten?�</p><p>Z�gernd erhob sich der Herzog. �Eure Majest�t, meine Lords!�</p><p>Er straffte die Schultern. �Ich mu� Protest erheben!�</p><p>Catherine legte ihren Kopf so weit zur�ck, da� der Eindruck entstand, sie schaue auf den hochgewachsenen Edlen herab.</p><p>�Wogegen erhebt Ihr Protest, Mylord?�</p><p>Herzog Bourbon schaute auf die Nu�baumtischplatte. �Seit unsere Vorfahren von jenseits der Sterne kamen, unterstanden die Bauern ihren Lords, und die Lords den Hohen Lords, diese wiederum dem K�nig � der K�nigin�, verbesserte er sich mit einer Verbeugung vor der Monarchin.</p><p>Catherines Lippen wurden zu d�nnen Strichen, aber sie behielt ihre Haltung.</p><p>�Das�, fuhr der Herzog fort, �ist die nat�rliche Ordnung der Dinge. Doch nun wollen Eure Majest�t diese Ordnung umsto�en, entgegen der Tradition Eures Vaters, edle K�nigin, und dessen Vaters und aller Eurer Vorfahren bis zum Anbeginn des Hauses Plantagenet. Ihr setzt Richter ein, die auf unseren Dom�nen, �ber unseren Kopf hinweg, sogenannte Gerechtigkeit walten lassen. Ich pers�nlich kann mich nicht mit diesem, Eurem b�rgerlichen Unterling abfinden, der glaubt, in meinem eigenen Palast bestimmen zu k�nnen!� Er schlo� fast br�llend und starrte die K�nigin mit rotem Gesicht an.</p><p>�Seid Ihr fertig?� fragte Catherine mit einem Ton, den sie f�r solche Gelegenheiten auf Eis gelegt hatte.</p><p>Langsam verbeugte sich der Herzog. �Jawohl, Eure Majest�t�, murmelte er und setzte sich wieder.</p><p>Catherine schlo� fl�chtig die Lider, dann schaute sie Brom</p><p>O'Berin kaum merklich nickend an.</p><p>Brom erhob sich. �Schlie�t einer sich diesem Protest des Hohen Lords, Herzog Bourbon, an?� Ein junger Mann mit feurig rotem Haar sprang auf. �Ich unterst�tze meinen Vorredner in allem, was er hier zur Sprache brachte. Ich m�chte auch noch hinzuf�gen, da� die K�nigin gut daran t�te, die M�glichkeit von Korruption in Betracht zu ziehen, denn ein Mann ohne L�ndereien, Mittel und altem Namen mag leicht in Versuchung kommen, seine Gerechtigkeit zu verkaufen.� �Sollte es dazu kommen, w�rden diejenigen, die sich schuldig erweisen, von den h�chsten Galgen baumeln, und die, denen sie Unrecht zugef�gt haben, erhalten das Recht, ihre Henker zu sein.� Catherines Augen hielten die des jungen Edlen, bis Brom O'Berin brummte: �Vielen Dank, Savoyen.� Der Rothaarige setzte sich.</p><p>�Wer unterst�tzt die Hohen Lords Bourbon und Savoyen?� Einer nach dem anderen der zehn �brigen Lords erhob sich. Der Rat der K�nigin war einstimmig gegen sie. Sie schlo� erneut fl�chtig die Lider und pre�te die Lippen zusammen. Schlie�lich lie� sie ihren Blick �ber die Anwesenden wandern. �Meine Lords, eure Opposition gegen meine Gerechtigkeit schmerzt mich.� Sie l�chelte sie bitter an. �Ich danke euch f�r euren ehrlichen Rat, doch wird sich nichts an meinem Entschlu� �ndern. Meine Richter bleiben auf euren L�ndereien.�</p><p>Die Edlen murmelten einander mit leisen, rauhen Stimmen zu. Sie wirkten wie ein gro�es, ruheloses Raubtier. Der alte Herzog Loguire erhob sich und st�tzte sich schwer auf die Tischplatte. �Meine K�nigin�, sagte er. �Bedenkt, selbst Monarchen k�nnen Fehlentscheidungen treffen, und Ihr �bt die Regierungsgewalt noch nicht sehr lange aus. Bekannterma�en erlangen viele K�pfe eine gr��ere Einsicht als ein Kopf allein, und hier stehen zw�lf M�nner aus den �ltesten, ehrbaren Familien, die in der Staatskunst erfahren und weise in ihren</p><p>Jahren sind, gegen Eure Meinung. Werdet Ihr auch weiterhin auf Eurem Kurs verharren, obgleich so viele keinen Zweifel hegen, da� er falsch ist?�</p><p>Catherines Gesicht war fast leichenbla�, und ihre Augen funkelten. �Das werde ich�, erkl�rte sie ruhig. �Doch rief ich euch heute aus einem anderen Grund zusammen�, fuhr sie mit einem L�cheln fort, das fast eine Spur boshaft wirkte. Erschrocken ruckten die K�pfe rund um den Tisch hoch. Brom O'Berin wirkte noch erstaunter als die anderen. Offensichtlich hatte Catherine sich nicht einmal mit ihrem Oberratgeber besprochen. Jeder der Hohen Lords b�ckte sich hastig zu ein paar kurzen gefl�sterten Worten mit seinem eigenen Ratgeber, und der urspr�nglich erschrockene Ausdruck wurde zu dumpfem �rger.</p><p>�Auf jeder eurer L�ndereien befindet sich ein Kloster. Ihr habt die Priester f�r die Gemeinden eurer Dom�nen immer aus euren eigenen Kl�stern ernannt. Ich werde die besten Theologen aus allen Kl�stern hier auf der Burg versammeln, und ersuche euch, mir junge Br�der, einen f�r jede Gemeinde, aus euren Kl�stern zu schicken, damit sie von meinen M�nchen ausgebildet werden k�nnen. Sollte ich bei dem einen oder anderen nicht mit eurer Wahl einverstanden sein, sende ich die Betreffenden zur�ck, und ihr habt andere hierher zu beordern. Wenn sie ihr Studium beendet und ihren Eid geleistet haben, werden sie als die Priester eurer Gemeinden zu euch zur�ckkehren.�</p><p>Die Hohen Lords sprangen auf die F��e, br�llten durcheinander und hieben mit den F�usten auf den Tisch. �Genug! Seid still!� Catherines Stimme klang wie ein Peitschenknall.</p><p>Die Hohen Lords setzten sich wieder und schwiegen verbissen, aber die Augen ihrer Ratgeber leuchteten auf, und jeder schien ein Grinsen zu unterdr�cken. �Ich habe gesprochen, und es wird geschehen, wie ich es bestimme!� erkl�rte Catherine mit eisiger Stimme. Zitternd erhob sich der alte Lord Loguire. �Aber, Eure Majest�t, wollt Ihr nicht�� �Nein!�</p><p>Brom O'Berin r�usperte sich. �Wenn Eure Majest�t, gestatten�� �Nein!�</p><p>Schweigen senkte sich herab. Wieder wanderte der Blick der K�nigin �ber ihre Edlen, dann neigte sie den Kopf und sagte: �Mein Lord Loguire.�</p><p>Der alte Aristokrat erhob sich, die Z�hne hinter dem graumelierten Bart fest zusammengebissen und die H�nde zu zitternden F�usten geballt. Er zog den gro�en, throngleichen vergoldeten Sessel zur�ck, und Catherine erhob sich. Dann kehrte er zu seinem Platz zur�ck. Catherine drehte sich um, die gro�e Eichent�r schwang auf, und Soldaten ihrer Leibgarde reihten sich vor und hinter ihr ein. An der T�r blieb die K�nigin stehen. �Meine Herren, �berlegt es euch und stimmt zu, denn ihr k�nnt euch nicht gegen mich stellen!� �Es ist doch genau das klassische Muster, bis zum letzten Schrei w�tenden Aufbegehrens!� Rod ritt nach Beendigung seines Dienstes mit Gekab zum Gasthof, um ein bi�chen Klatsch und eine Menge Bier zu sich zu nehmen. Tom war zur�ckgeblieben und hatte den Befehl, seine Ohren offenzuhalten.</p><p>�Ich kann Ihnen nicht v�llig beipflichten, Rod. Es ist wohl das klassische Muster, aber da ist noch etwas Zus�tzliches.� �Pah! Es ist ein simpler, verfr�hter Versuch der Zentralisierung der Macht. Catherine will Gramayre unter ein Gesetz und einen Herrscher stellen, statt l�nger unter zw�lf fast souver�ne Herzogt�mer. Die Erstellung der Richter ist nichts anderes. Ich wette mit dir, zumindest zehn der zw�lf Hohen Lords haben in ihren Dom�nen den lieben Gott gespielt. Zweifellos haben sie sich nicht mit einem Zehnt zufriedengegeben, und sich das</p><p>Recht auf jede Frau ihrer Leibeigenen genommen. Catherine ist eine Reformerin, die versucht, alle Mi�st�nde, derer sie sich bewu�t ist, dadurch zu beheben, da� sie sich zum einzigen Gesetz auf Gramayre macht � doch sie wird es nicht schaffen.</p><p>Die Lords werden es nicht zulassen. Mit den Richtern w�re sie vermutlich gerade noch durchgekommen, aber die Sache mit den Priestern wird zur Rebellion f�hren. In dieser Art von Gesellschaft haben die Priester mehr Einflu� auf das Volk als sonst irgend jemand. Und wenn sie in Zukunft nur noch ihr unterstehen, haben die Adeligen �berhaupt nichts mehr zu sagen, und das wissen sie. Und das werden sie sich nicht ohne Kampf gefallen lassen.�</p><p>�Soweit pflichte ich Ihnen bei�, sagte der Roboter. �Das ist auch noch das klassische Muster, �hnlich dem Versuch des englischen K�nigs Johann L, der die Nation zentralisieren wollte, ehe ein solches Projekt hoffen konnte, mit Erfolg gekr�nt zu werden.�</p><p>Rod nickte. �Und wir k�nnen hoffen, da� genau wie Johanns Barone die Hohen Lords auf eine Magna Charta libertatum bestehen werden.�</p><p>�Aber��</p><p>�Aber was, Gekab?� fragte Rod mit m�rtyrergleicher Geduld.</p><p>�Es gibt das fremde Element: eine Gruppe von Ratgebern der Hohen Lords � eine Gruppe, die ausgesprochen koh�siv zu sein scheint.�</p><p>Rod runzelte die Stirn. �Stimmt.�</p><p>�Und was Sie mir von der Szene nach Catherines Verlassen der Ratskammer erz�hlt haben��</p><p>�Puh!� Rod schauderte. �Es war, als h�tte sie ihnen den Fehdehandschuh zugeworfen, und alle st�rzten sich darauf, um in die Ehre zu kommen, ihn aufheben zu d�rfen. Das M�dchen mag zwar ein wenig von den Grundbegriffen der Staatswissenschaft verstehen, aber absolut nichts von Diplomatie. Sie forderte sie heraus, ohne wirklich zu glauben, da� sie es wagen w�rden, sich gegen sie zu stellen.� �Ja, und die Ratgeber machten ihre Sache gro�artig. Jeder riet seinem Lord, nicht zu k�mpfen, da er zu schwach sei � um ihn dann diplomatisch darauf aufmerksam zu machen, wenn es schon sein m��te, sollte er sich mit den anderen Lords verb�nden. Fachm�nnisch angewandte Psychologie. Man k�nnte annehmen, die Ratgeber legten es darauf an, die zentrale Befehlsgewalt v�llig zu eliminieren.�</p><p>�Ja�� Rod runzelte die Stirn. �Das ist in einer solchen Gesellschaftsordnung nicht normal, nicht wahr, Gekab?� �Allerdings nicht, Rod. Die Anarchietheorie ergibt sich gew�hnlich erst, wenn die Kultur einen weit h�heren Stand der Technologie erreicht hat.�</p><p>Rod kaute an seiner Lippe. �Au�erplanetarer Einflu�, vielleicht?�</p><p>�M�glich. Und das f�hrt uns zu der totalit�ren Volksbewegung: eine weitere Anomalie. Nein, Rod, das ist nicht das klassische Muster!�</p><p>�Nein, verdammt. Wir haben drei Gruppen, die auf die Macht aus sind: die Bauern, die Herz�ge und ihre Ratgeber, und die K�nigin und wer immer sie unterst�tzt. Im Augenblick scheint diese Unterst�tzung sich auf Brom O'Berin zu beschr�nken.� �Totalitaristen, Anarchisten, und die K�nigin in der Mitte�, brummte Gekab. �Auf wessen Seite sind Sie, Rod?� �Auf Catherines, zum Teufel!� Rod grinste. �Ich bin hier, um die Saat der Demokratie auszustreuen, und es sieht ganz so aus, als w�re die einzige Chance, sie zum Keimen zu bringen, einer konstitutionellen Monarchie auf die Beine zu helfen.� �Ich kann mich vielleicht t�uschen�, murmelte Gekab. �Aber ich glaube, Sie sind h�chst erfreut, da� Ihnen gar nichts anderes �brig bleibt, als sie zu unterst�tzen.� Um sie herum d�mpfte n�chtlicher Dunst die wenigen Lichter. Die Nebelwand befand sich lediglich etwa zehn Meter entfernt. Ein schriller Schrei zerri� die Luft, gefolgt von Schwerterklirren. �Hilfe! Zu Hilfe!� br�llte eine jugendliche Stimme.</p><p>Rod stie� die Fersen in Gekabs Metallflanken und legte die Hand um sein Rapier. Der Rappe galoppierte auf den L�rm zu.</p><p>Unter dem rauchigen Fackelschein in einer Gassenm�ndung k�mpfte ein Mann mit dem R�cken zur Hauswand gegen drei Angreifer.</p><p>Rod br�llte. Er lenkte das Pferd mitten hinein und hieb mit der flachen Degenklinge um sich. Gerade noch rechtzeitig ri� er den Dolch heraus, um ein Schwert abzuwehren, das von links auf ihn zukam. Sein Rapier schwang im Bogen um seinen Kopf und klirrte gegen den Stahl des Gegners. Und dann drangen Klingenspitzen von allen Seiten auf ihn ein. Rod wurde in die Defensive gedr�ngt und mu�te die Stahlwaffen wie Fliegen von sich schlagen. Aber das beabsichtigte Opfer stie� einen schrillen Schrei aus, der jedes Kettengespenst besch�mt h�tte, und griff von hinten an.</p><p>Pl�tzlich klirrten drei Klingen auf den Boden, und ihre Besitzer ergriffen das Hasenpanier. Einen Augenblick blieb Rod wie benommen sitzen, dann br�llte er auf, und Gekab raste den Fliehenden nach.</p><p>Aber als er das dunkle Ende der Gasse erreichte, war nichts mehr von den Fliehenden zu sehen, obwohl es sich um eine Sackgasse handelte. Zweifellos waren sie hinter irgendwelchen T�ren verschwunden. Ihr Opfer, das es nicht geworden war, kam herbeigerannt. �Keinen Sinn, sie zu suchen�, keuchte der Mann. �In f�nf Minuten sind sie schon genau so viele Meilen entfernt.�</p><p>Rod fluchte und schob sein Rapier in die Scheide zur�ck. Er wandte sich dem Fremden zu. �Seid Ihr verletzt?�</p><p>�Nein�, murmelte der junge Mann. Rod blickte auf ein offenes Gesicht mit Stupsnase, blauen Augen und einem Grinsen hinab, das wie die Sonne durch den Nebel schien. Blondes Haar rahmte es in all seiner Unschuld ein. Es war ein sehr junges, unerfahren wirkendes Gesicht,�� und sehr gutaussehend.</p><p>Fast ein wenig neidvoll schwang Rod sich aus dem Sattel. Die Stirn des jungen Mannes reichte bis etwa zu Rods Augen, aber was ihm an Gr��e fehlte, machte er durch Breite wett. Seine Schultern waren bestimmt um gute f�nfzehn Zentimeter breiter als Rods, und die Arme h�tten zu einem Gorilla oder B�ren gepa�t. Die Beine waren ungemein st�mmig und verliefen in schmalen H�ften. Er trug ein Lederwams �ber einem wei�en Hemd, einen breiten schwarzen G�rtel, und hochsch�ftige Stiefel aus weichem Leder.</p><p>Er runzelte die Stirn, als er das Blut an Rods �rmel bemerkte.</p><p>�Ihr seid verletzt!�</p><p>�Ein Kratzer�, beruhigte ihn Rod. Er fummelte in Gekabs Satteltasche nach einer antiseptischen Binde und wickelte sie um den Unterarm. �Aber Ihr d�rft gern die Schneiderrechnung bezahlen, wenn Ihr wollt�.</p><p>Der J�ngling nickte, und seine blauen Augen wirkten sehr ernst. �Das tue ich nur zu gern, denn sie h�tten l mir das Herz aus der Brust geschnitten, w�rt Ihr nicht gerade noch rechtzeitig zu meiner Rettung gekommen, Tuan McReady steht zutiefst in Eurer Schuld.�</p><p>Ein anst�ndiger Junge, dachte Rod und streckte ihm die Hand entgegen. �Rod Gallowglass zu Euren Diensten, und von Schuld kann keine Rede sein. Ich freue mich immer, einem gegen drei beistehen zu k�nnen.�</p><p>�Aber ich stehe in Eurer Schuld�, erkl�rte der Junge und nahm Rods Hand wie in einen Schraubstock. �Ihr m��t mir zumindest gestatten, Euch einen Krug Bier zu kaufen.�</p><p>Rod zuckte die Schultern. �Warum nicht? Ich war ohnehin auf dem Weg in eine Schenke. Kommt doch mit.�</p><p>Zu seiner �berraschung z�gerte Tuan. �Verzeiht, mein guter Herr Gallowglass � es gibt nur eine in dieser Stadt, in der ich willkommen bin. Alle anderen lehnen meine Art zu leben ab, und�� Das runde Gesicht verzog sich zu einem breiten Grinsen. �� sie gef�llt den Spie�b�rgern nicht so recht.�</p><p>Rod nickte. �Na sch�n, ein Wirtshaus ist so gut wie jedes andere.�</p><p>Der Stadtteil, in den Tuan ihn f�hrte, pa�te nicht so ganz zu seinen guten Manieren und seinem sauberen Aussehen. Auch die Schenke selbst sah nicht sehr vertrauensw�rdig aus. Sie erweckte den Eindruck, als w�rde sie beim n�chsten Windsto� zusammenbrechen. Die Fenster waren mit wurmzerfressenen, morschen Brettern verschlossen, nur die schwere Eichent�r wirkte massiv, und selbst sie hing schief in den Angeln.</p><p>�Ah, hier hat man also nichts gegen Eure Lebensweise einzuwenden?� fragte Rod, als Tuan mit dem Dolchgriff an die T�r klopfte.</p><p>�Sagen wir, sie dulden sie, obgleich man mich auch hier manchmal lieber gehen als kommen sieht.�</p><p>Rod lief es kalt �ber den R�cken. Er fragte sich, welche Art von Mensch dieser junge Bursche war.</p><p>Tuan klopfte noch einmal. Endlich �ffnete sich die T�r knarrend, aber nur so weit, da� sie gerade hindurchschl�pfen konnten.</p><p>�Unser Gastgeber�, sagte Tuan grinsend. �Der Sp�tter.�</p><p>Die bucklige, knorrige, schrumpelige Travestie eines Mannes stie� ein paar unverst�ndliche Laute aus. Ein Ohr war deformiert, das andere �berhaupt nicht mehr vorhanden, die Augen �ber der Knollennase waren schmale Schlitze, die boshaft glitzerten. Gekleidet war der Mann in Flicken und Fetzen, die vielleicht einmal Wams und Hose gewesen sein mochten und jetzt lose von der Vogelscheuchengestalt herabhingen.</p><p>Er eilte zur�ck in die stinkende Dunkelheit seines Baues. Tuan folgte ihm. Rod holte noch einmal tief frische Luft, straffte die Schultern und schaute sich um, um sich zu vergewissern, da� Gekab seinen Posten vor dem Haus bezogen hatte.</p><p>Die T�r schlo� sich hinter Rod, und fast gleichzeitig �ffnete sich am anderen Ende des Ganges eine zweite. Rod ri� die Augen auf. Eine riesige Schenkstube, schon fast ein Rittersaal, befand sich dahinter mit vier hell flackernden Feuern und vielen Dutzenden von Fackeln in Wandhalterungen. K�stlich duftendes Fleisch brutzelte an Spie�en �ber den Feuern, Schenkburschen bahnten sich einen Weg durch die Menge mit Kr�gen und Bechern voll Bier und Wein aus zwei riesigen F�ssern, die einen gro�en Teil der Wand einnahmen. Die G�ste waren der Abschaum der hiesigen Gesellschaft. Ihre Kleidung war mit Flicken besetzt, zerris sen und schmutzig. Sie selbst waren Beweis der primitiven Gerechtigkeit dieser Stadt: einem fehlte ein Ohr, dem anderen ein Auge. Ihre Gesichter waren von Krankheiten gezeichnet und verunstaltet. Doch hier unter sich waren sie laut und fr�hlich. Alle grinsten, obgleich die Bosheit aus ihren Augen funkelte, als sie Rod betrachteten. Sie allerdings verschwand schlagartig beim Anblick des jungen Tuans und machte etwas Platz, das Verehrung sehr nahe kam. Der Junge l�chelte. �Man sagt, da� es keine Ehre unter Dieben g�be, doch zumindest gibt es etwas wie eine Seelenverwandtschaft zwischen den Bettlern von Gramayre. Willkommen, Rod Gallowglass, im Haus Clovis.� Die H�rchen an Rods Nacken stellten sich auf. Er erinnerte sich des Mobs in der Kaigegend am vergangenen Abend. Seine Augen weiteten sich. Er starrte Tuan an. Er konnte es doch nicht sein. Nein, er konnte nicht�</p><p>O doch. Er war es! Tuan McReady war der junge Redner, der die Meute aufgewiegelt hatte. Dieser h�bsche Junge mit den Apfelb�ckchen war die Oberratte in den hiesigen Abwasserkan�len.</p><p>Die Menge brach in Jubelrufe aus und hie� ihren Sir Galahad willkommen. Der Junge grinste und winkte freundlich. Sein Gesicht hatte sich rot gef�rbt. Es sah ganz so aus, als machte dieser Empfang ihn verlegen. Er hatte keinen Ton zu dem Sp�tter gesagt, aber kaum sa�en sie, wurden ihm auch schon</p><p>zwei dampfende Kr�ge mit Gl�hwein vorgesetzt. Wortlos und ohne Bezahlung zu verlangen, zog der Wirt sich wieder zur�ck.</p><p>Rod blickte ihm mit einer erhobenen Braue nach. �Ihr benutzt kein Geld hier?� fragte er Tuan.</p><p>�Nein.� Der Junge l�chelte. �Alle, die zum Haus Clovis kommen, bringen das bi�chen Geld mit, das sie haben. Es wird in eine gemeinsame Kasse gegeben, und alle erhalten kostenlos Fleisch und Wein nach ihren Bed�rfnissen.�</p><p>�Und einen Platz zum Schlafen, nehme ich an?�</p><p>�Ja, und Kleidung. Ein Gentleman w�rde dar�ber die Nase r�mpfen, aber f�r meine armen Br�der sind es ungeahnte Herrlichkeiten.�</p><p>Rod studierte das Gesicht des Jungen und kam zu der �berzeugung, da� er es ernst gemeint hatte, als er Br�der sagte.</p><p>Er lehnte sich zur�ck und verschr�nkte die Beine. �W�rdet Ihr Euch als religi�s bezeichnen?�</p><p>�Ich?� Tuan versuchte ein Lachen zur�ckzuhalten, aber es gelang ihm nicht ganz. �O nein! Ich wollte, ich w�re es, aber ich habe f�nf Dutzend und mehr Sonntage keine Kirche von innen gesehen.�</p><p>Also, dachte Rod, waren seine Motive, den Armen zu helfen -</p><p>was immer sie auch sonst sein mochten �, jedenfalls nicht heuchlerisch. Er schaute in seinen Krug. �Ihr versorgt und kleidet also all diese Menschen mit den Almosen, die sie euch bringen?�</p><p>�Nein, es ist nur ein Anfang. Aber bei so vielen ernsthaften Beweisen unseres guten Willens fand unsere edle K�nigin uns einer Unterst�tzung w�rdig.�</p><p>Rod sperrte die Augen auf. �Ihr wollt damit sagen, da� die K�nigin euch allen unter die Arme greift?�</p><p>Tun grinste verschmitzt. �O ja, obgleich sie selbst es nicht wei�, wem sie hilft. Sie kennt das Haus Clovis nur dem Namen nach und gibt dem guten Brom O'Berin Geld, damit er f�r ihre</p><p>Armen sorgt.�</p><p>�Und Brom gibt es Euch?�</p><p>�Richtig. Und er seinerseits ist froh dar�ber, da� es weniger Meuchelmorde und Raub in den dunklen Gassen gibt.�</p><p>�Sehr schlau! Und es war Eure Idee?�</p><p>�O nein, die des Sp�tters, aber auf ihn wollte niemand h�ren.�</p><p>Rod starrte ihn an. �Der Sp�tter? Ihr meint, dieser, Verwachsene aus einer schlechten Schmierenkom�die ist der Anf�hrer des Ganzen?�</p><p>Tuan runzelte die Stirn und sch�ttelte den Kopf. �Niemand will ihm folgen, Freund Gallowglass, es ist nichts Respekteinfl��endes an ihm. Er ist der Wirt, der die Sachen verteilt, wie sie ben�tigt werden � nur ein Verweser, sozusagen, aber ein sehr guter. Einen besseren K�mmerer als ihn findet man nicht so leicht. Selbst der Schatzmeister der K�nigin kann ihm nicht das Wasser reichen.�</p><p>�Ich verstehe, nur ein Verweser.� Aber auch der Mann, der die Finanzen verwaltet, f�gte Rod in Gedanken hinzu. Und ebenfalls der Kopf des Ganzen. Tuan mag zwar mit Menschen umzugehen verstehen und sie dazu bringen, zu tun, was er will � aber wei� er �berhaupt, was er will? Ja, nat�rlich, denn hatte der Sp�tter ihn nicht aufgekl�rt? Was wiederum den Sp�tter zum wirtschaftspolitischen Mann im Hintergrund macht, und vermutlich verfa�t er auch Tuans Reden.</p><p>Rod lehnte sich zur�ck und rieb das Kinn. �Und Ihr schafft es, mit lediglich den Almosen, die die Bettler herbeibringen, und den Groschen der K�nigin, diesen dekadenten Luxus zu verschaffen?�</p><p>Tuan grinste ein wenig d�mlich und beugte sich nickend vor.</p><p>�Aber es ist nicht einfach, Freund Gallowglass. Diese Bettler lassen sich nicht gern von irgend jemandem herumkommandieren. Es ist wahrhaftig nicht einfach, sie zu �berreden, ihnen zu drohen, zu schmeicheln. Aber es ist die M�he wert.�</p><p>Rod nickte. �Dazu geh�rt ein Mann ohne falschen Stolz und mit noch weniger falscher Bescheidenheit � einer, der seinen Mitmenschen ins Herz schauen kann.�</p><p>Tuan err�tete.</p><p>�Ein solcher Mann�, fuhr Rod fort, �kann sich zum K�nig der Bettler machen.�</p><p>Der Junge sch�ttelte mit geschlossenen Lidern den Kopf.</p><p>�Nein, es gibt hier keinen K�nig, Freund Gallowglass!</p><p>Lediglich vielleicht einen Hausherrn.�</p><p>�Und Ihr wollt nicht K�nig sein?�</p><p>�Das w�rden die Bettler sich nicht gefallen lassen.�</p><p>�So meinte ich es auch nicht.�</p><p>Tuan blickte Rod in die Augen. Das L�cheln schwand von seinem jungenhaften Gesicht. Als ihm die Bedeutung von Rods Worten klar wurde, verh�rteten sich seine Z�ge. �Nein!� sagte er grimmig. �Ich habe nicht vor, den Thron an mich zu rei�en!�</p><p>�Warum wollt Ihr dann die Bettler gegen die K�nigin f�hren?�</p><p>Wieder �berzog das jungenhafte L�cheln Tuans Gesicht. Er wirkte sehr selbstzufrieden. �Ah, dann wi�t Ihr von meinem Komplott, und ich kann Euch offen heraus fragen: Schlie�t Ihr Euch uns an, wenn wir zur Burg marschieren?�</p><p>Rods Miene erstarrte, aber seine Stimme klang v�llig ruhig.</p><p>�Weshalb ich?�</p><p>�Wir m�chten so viele Freunde, wie es nur geht, in der Leibgarde der K�nigin��</p><p>�Ihr m��t wohl schon eine ganze Menge haben, wenn Ihr bereits wi�t, da� ich heute in der Garde aufgenommen wurde.�</p><p>Tuan grinste, er senkte die Lider. Etwas klirrte in Rods Gehirn.</p><p>�Wenn ich mich hier genauer ums�he�, sagte er bed�chtig, �w�rde ich dann die drei M�nner finden, die Euch heute abend �berfielen?�</p><p>Tuan nickte, er grinste noch st�rker.</p><p>�Also alles geplant, lediglich, um mich hierherzulocken! Ihr wi�t wirklich mit Menschen umzugehen, TuanMcReady!�</p><p>Tuan err�tete und blickte zu Boden.</p><p>�Aber was ist, wenn ich mich euch nicht anschlie�en will?</p><p>L��t man mich dann das Haus Clovis lebend verlassen?�</p><p>�Nur, wenn Ihr ein guter Fechter und ein nicht weniger guter Zauberer seid.�</p><p>Rod nickte und lie� sich die Ereignisse der vergangenen beiden Tage durch den Kopf gehen. Einen Moment kam er in Versuchung mitzumachen, denn er zweifelte nicht daran, da� er sich nach der Revolution auf den Thron man�vrieren k�nnte.</p><p>Aber nein, was Tuan gesagt hatte, stimmte. Es geh�rte ein Mann mit einem angeborenen Talent der Massenbeeinflussung dazu, die Bettler zu beherrschen. Selbst wenn er auf den Thron kam, w�rde der Sp�tter, und wer immer auch hinter ihm stand, nicht tatenlos zusehen. Nein, die Machtstruktur mu�te bleiben, wie sie war. Eine konstitutionelle Monarchie war die einzige Hoffnung auf Demokratie f�r diesen Planeten.</p><p>Und da war nat�rlich auch noch Catherine� Vielleicht war er wirklich in sie verschossen? Sie war das Traumbild seiner Jugend!</p><p>Aber ihm war Tuan vom ersten Augenblick an sympathisch gewesen. Wie konnte er sie beide m�gen, wenn sie Gegner waren? Gewi�, es war m�glich, da� Tuans Charme nur T�nche war, doch irgendwie bezweifelte es Rod. Nein, wenn Tuan wirklich am Thron interessiert gewesen w�re, h�tte er Catherine den Hof machen und um sie freien k�nnen, und ganz sicher h�tte er ihre Gunst gewonnen.</p><p>Also unterst�tzte Tuan die K�nigin. Wie er glaubte, ihr mit seiner Demagogie helfen zu k�nnen, war Rod zwar nicht klar, aber zweifellos war Tuan �berzeugt, da� er es konnte.</p><p>Warum dann dieser ausgefallene Plan, Rod in das Haus Clovis zu locken? Nat�rlich, um ihn auf die Probe zu stellen, ob er als Leibw�chter der K�nigin vertrauensw�rdig war! Das ergab auch Sinn, wenn Tuan mit Brom O'Berin zusammenarbeitete, denn es war genau Broms</p><p>Art, auf diese ungew�hnliche Weise f�r eine Volksunterst�tzung der K�nigin zu sorgen. Doch warum dann diese Propagierung eines Marsches zur Burg? Vermutlich hatte Tuan eine Antwort darauf, und wenn er schon gerade bei Antwort war, mu�te er nun auch endlich seine geben.</p><p>Er grinste Tuan an und erhob sich, mit der Hand um den Degengriff. �Ich werde mich euch nicht anschlie�en. Lieber versuche ich mein Gl�ck mit Rapier und Magie.�</p><p>Tuans Augen leuchteten auf. Er griff nach Rods Arm. �Ich hatte gehofft, da� Ihr so reden w�rdet, Freund Gallowglass.</p><p>Bleibt sitzen und h�rt die Wahrheit meines Komplotts.�</p><p>Rod sch�ttelte seine Hand ab. �Zieht Euer Schwert!�</p><p>�Nein, das w�rde ich nie gegen einen Freund. Ich habe Euch einen Streich gespielt, aber es war zu einem guten Zweck. Ihr sollt alles erfahren!�</p><p>�Ich h�rte, was ich wollte.� Rod machte sich daran, den Degen zu ziehen. Wieder griff Tuan nach Rods Unterarm, und diesmal lie� er sich nicht absch�tteln. Langsam, aber unaufhaltsam, wurde sein Rapier in die Scheide zur�ckgezwungen.</p><p>�Setzt Euch!� sagte Tuan und dr�ckte Rod so leicht, da� man meinen konnte, er sei ein Kind, auf den Stuhl zur�ck. Dann lie� er seinen Arm los und l�chelte ihn herzlich an, als w�re nichts geschehen. �Die K�nigin gibt uns Geld, und die Bettler wissen es, aber immer Almosen annehmen zu m�ssen, erweckt brennenden Grimm in den Beschenkten. Wenn wir Freunde f�r Catherine gewinnen wollen, m�ssen wir einen Weg finden, diesen �rger in Dankbarkeit zu verwandeln. Also m�ssen wir die Unterst�tzung der K�nigin als etwas anderes denn ein Geschenk erscheinen lassen.�</p><p>�Und Ihr habt diesen Weg gefunden?�</p><p>�Nicht ich�, gestand Tuan, �sondern der Sp�tter. Er stellte mir das R�tsel:,Wann ist ein Geschenk kein Geschenk? Und als ich die Antwort nicht wu�te, l�ste er es selbst:,Wenn es dem, der es bekommt, rechtm��ig zusteht! �</p><p>Tuan breitete die H�nde aus. �Ihr seht also, wie einfach es ist. Die Bettler marschieren zur Burg und verlangen von der K�nigin Brot und Fleisch, weil es ihnen rechtm��ig zusteht. Sie wird es ihnen geben, und sie werden daf�r dankbar sein.� Rod l�chelte. �Sehr schlau ausgedacht.� Er nickte, aber insgeheim dachte er: Wenn es funktionierte! Aber es wird nicht! Menschen mit Geld spenden gern f�r wohlt�tige Zwecke, aber sie geben keinen Cent, wenn man ihnen sagt, sie m��ten es. Und wie dankbar werden die Bettler sein, wenn sie ihre Forderung zur�ckweist und ihre Armee ruft, um sie zu vertreiben? Doch selbst wenn sie auf ihr Verlangen einginge, was dann? Was war dann mit dem Machtgef�hl, das sie ihnen damit g�be? Bettler, die eine K�nigin zu etwas zwingen! Sie w�rden nicht bei Brot und Fleisch haltmachen. Schon in einer Woche k�men sie mit weiteren Forderungen an � mit oder ohne Tuan! O ja, es war ein schlauer Plan, und man hatte Tuan damit ganz sch�n eingeseift. Der Sp�tter konnte nur gewinnen � und mit ihm die au�erplanetaren Totalit�rsten, die dahintersteckten.</p><p>Aber Tuan meinte es gut. Er strahlte geradezu von innen heraus. Zwar war er ein wenig naiv, was Politik betraf, aber wie gesagt, seine Absicht war wohlgemeint. Rod hob seinen Krug zu einem tiefen Schluck. �Und doch behaupten einige, da� das Haus Clovis Catherine st�rzen will.� �Nein! Nein!� rief Tuan erschrocken. �Ich liebe die K�nigin!� Rod studierte das ehrliche, offene Gesicht des Jungen. �Ich auch�, sagte er, leider wahrheitsgetreuer, als ihm lieb war. �Trotzdem erkenne selbst ich, da� sie nicht sehr klug handelt.� Tuan seufzte tief und murmelte: �Das stimmt. Sie meint es so gut, aber sie geht nicht richtig vor. Sie versucht, an einem Tag gutzumachen, was ihre Vorfahren in Jahrhunderten falsch gemacht haben. Es gibt so viel Unrecht in dem K�nigreich, doch ein Haufen Unrat l��t sich nicht mit einem Schaufelhub beseitigen.�</p><p>�Vor allem kann der Salpeter darunter sich als ungemein explosiv erweisen�, brummte Rod.</p><p>�Die Hohen Lords begreifen nicht, da� sie den Teufel vertreibt�, fuhr Tuan fort. �Sie sehen nur, da� sie diesem Land nur eine Stimme geben will � ihre!�</p><p>�Nun�, Rod hob seinen Krug. Sein Gesicht war d�ster vor Resignation. �Auf sie! Hoffen wir, da� sie es schafft!�</p><p>�Wenn Ihr glaubt, da� das m�glich ist, seid Ihr ein gr��erer Narr als ich � dabei bin ich weit und breit als ausgesprochener Tor verschrien.�</p><p>Rod senkte den Krug, ohne getrunken zu haben. �Sprecht Ihr aus allgemeiner �berzeugung, oder denkt Ihr an Einzelheiten?�</p><p>Tuan dr�ckte eine Zeigefingerkuppe an die andere. �Ein Thron ruht auf zwei Beinen: erstens auf den Ed-. len, die alles Neue ablehnen und deshalb gegen die K�nigin sind. In Ruhe gelassen, w�rden sie sich vielleicht mit ihr abfinden, aus Verehrung f�r ihren Vater. Aber da sind noch die Ratgeber.�</p><p>�Ich nehme an, die Hohen Lords tun, was die ihnen raten?�</p><p>�Oder was sie ihnen raten, nicht zu tun. Was in etwa auf das gleiche heraus kommt. Und die Ratgeber sprechen mit nur einer Stimme � Durers!�</p><p>�Durer? Wer ist er?� fragte Rod stirnrunzelnd.</p><p>�Der Ratgeber Lord Loguires.� Tuans Lippen verzogen sich bitter. �Er hat Einflu� auf Loguire, was ein wahres Wunder ist, denn der Herzog ist ein ausgesprochen eigensinniger Mann.</p><p>Solange Loguire lebt, hat Catherine eine Chance. Doch wenn er stirbt, f�llt sie, denn Loguires Erbe ha�t die K�nigin. Der Lord hat zwei S�hne. Der j�ngere ist ein Narr, der seinen schlimmsten Feind f�r seinen besten Freund h�lt. Und der �ltere ist ein Hitzkopf, der unter Durers Schmeicheleien dahinschmilzt. Und so wird der Titelerbe, Anselm Loguire, tun, was Durer ihm sagt.�</p><p>Wieder hob Rod den Krug. �Dann wollen wir Lord Loguire ein langes Leben w�nschen.�</p><p>�Ja�, erwiderte Tuan inbr�nstig. �Denn Anselm hegt einen tiefen Groll gegen die K�nigin.�</p><p>�Wieso?� fragte Rod.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete Tuan bedr�ckt.</p><p>�Er und Durer wollen also den Sturz der K�nigin? Und die anderen Lords tun, was sie vorschlagen � wenn der alte Loguire erst tot ist. Das also ist ein Bein des Thrones. Und das andere?�</p><p>�Zweitens�, fuhr Tuan fort, �das Volk: die Bauern, Handwerker und Kaufleute. Sie alle lieben sie, weil sie ihnen das Leben erleichtert, aber sie f�rchten sie auch, ihrer Hexen wegen.�</p><p>�Ah ja. Ihre � Hexen.� Rod bem�hte sich, wissend auszusehen, w�hrend sich in seinem Kopf alles drehte. Hexen als politisches Element!</p><p>�Seit Jahrhunderten�, erkl�rte Tuan, �wurden die Hexen Folterungen unterzogen, bis sie dem Teufel ent sagten, oder sie mu�ten die Wasserprobe erdulden. Und wenn alles versagte, Wurden sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt.�</p><p>Einen Augenblick empfand Rod ein ungeheures Mitleid mit ganzen Generationen von Espern, diesen Menschen mit �bersinnlichen F�higkeiten, die es hier also alles andere als leicht gehabt hatten.</p><p>�Aber die K�nigin besch�tzt sie jetzt, und man munkelt sogar, da� sie selbst eine Hexe ist.�</p><p>Es gelang Rod, seine geistige Benommenheit lange genug abzusch�tteln, um zu kr�chzen: �Ich nehme an, da� diese Tatsache das Volk nicht gerade zu Begeisterungsst�rmen und unersch�tterlicher Loyalit�t veranla�t?�</p><p>Tuan bi� sich auf die Lippe. �Sagen wir, es ist unsicher��</p><p>�Es hat die Hosen voll�, �bersetzte Rod. �Aber mir ist aufgefallen, da� Ihr die Bettler nicht als Teil des Volkes gez�hlt habt.�</p><p>Tuan sch�ttelte den Kopf. �Nein, sie stehen abseits. Keiner sieht sie gern, alle schauen auf sie herab. Doch aus diesem</p><p>fehlerhaften Holz beabsichtige ich, ein drittes Bein f�r den Thron der K�nigin zu schreinern.�</p><p>Rod lehnte sich zur�ck. �Vielleicht habt Ihr da etwas, das die K�nigin in der Tat braucht.� Er nahm einen tiefen Schluck Wein. �Ich nehme an, da� die Ratgeber alles tun, um die Furcht des Volkes noch zu sch�ren?�</p><p>Tuan sch�ttelte verwirrt den Kopf. �Nein, nichts dergleichen.</p><p>Man k�nnte fast glauben, sie w��ten �berhaupt nicht, da� es das Volk gibt.� Er spielte mit seinem Becher. �Aber es ist gar nicht n�tig, das Volk darauf aufmerksam zu machen, da� es Grund zur Furcht hat, denn alle sehen, da� die Hexen nicht imstande sind, das Gespenst vom Burgdach zu vertreiben.�</p><p>Rod schaute ihn verwundert an. �Na, so soll es sich doch heiser schreien auf den Zinnen, wenn es ihm Spa� macht. Es tut ja niemandem etwas, oder?�</p><p>Tuan sch�ttelte erstaunt den Kopf. �Kennt Ihr denn die Bedeutung dieses Gespensts nicht, Rod Gallow-glass? Wenn sich eines dieser Art auf dem Dach zeigt, stirbt jemand im Haus. Und jedesmal, wenn das Gespenst �ber die Zinnen wandelte, ist die K�nigin dem Tod nur durch Haaresbreite entronnen.�</p><p>�Oh?� Rod hob eine Braue. �Durch den Dolch? Einen fallenden Stein? Gift?�</p><p>�Gift.�</p><p>Rod rieb das Kinn. �Gift, die Waffe der Aristokraten. Die Armen k�nnen es sich nicht leisten. Wer unter den Hohen Lords ha�t Catherine so sehr?�</p><p>�Keiner!� rief Tuan entsetzt. �Nicht einer w�rde so tief sinken, es w�re ehrlos!�</p><p>�Aha, die Ehre gilt hier also noch etwas, hm? Vergessen wir also die Edlen. Doch es mu� jemand sein, der auf ihrer Seite ist. Wie w�re es mit den Ratgebern? Aber was gewinnen sie durch ihren Tod? Au�er, nat�rlich, einer legt es darauf an, seinen Herrn als Monarchen zu sehen und so selbst zum</p><p>Ratgeber des K�nigs aufzusteigen��</p><p>Tuan nickte. �Das w�nschen sie sich vielleicht alle, Freund Gallowglass.�</p><p>In Gramayre war eine au�erplanetare Kraft am Werk mit einer h�heren Technologie und sophistischer Politischer Philosophie. Die Edlen wurden allm�hlich gespalten und das Volk durch das Haus Clovis gegen die Aristokraten aufgewiegelt. Die zw�lf Herzogt�mer w�rden zu Baronien aufgeteilt werden und diese wiederum zu kleinen Gemeinden, bis echte Anarchie vorherrschte. Zweifellos waren die Ratgeber die Agenten dieser au�erplanetaren Macht, und arbeiteten systematisch auf die Anarchie hin. Die Frage war nur, weshalb? Doch das Warum konnte warten. Von momentaner Bedeutung war, da� Schurkerei, die neben Lord Loguire sa� und deren Name Durer war, am Werk war. Und Durers vorrangiges Ziel war Catherines Tod.</p><p>Ein Schatten am Burgtor klammerte eine Hand um Rods Schienbein.</p><p>�Halt, Rod Gallowglass, Ihr m��t sofort zur K�nigin als Nachtwache�, brummte Brom O'Berin.</p><p>Rod fragte sich immer noch, wie Brom gewu�t haben konnte, woher er gerade kam, als sie zum Audienzsaal der K�nigin gelangten. Nat�rlich hatte er seine Spitzel im Haus Clovis, aber wie konnten sie ihn vor ihm erreicht haben? Rod folgte Brom in den pr�chtigen Saal. Zwei schwere, geschnitzte Sessel standen zu jeder Seite des Kamins, zwei weitere am Tisch. Catherine sa� in einem der letzteren, mit dem Kopf �ber ein ledergebundenes Buch gebeugt. Etwa ein halbes Dutzend �hnliche lagen aufgeschlagen daneben. Catherine hob den Kopf und sah Rod an. �Willkommen�, sagte sie. Ohne die schwere Krone, die sie auf dem Tisch abgelegt hatte, wirkte sie irgendwie kleiner. �Wart Ihr im Haus Clovis?� erkundigte sie sich.</p><p>Rod nickte bejahend mit leicht sp�ttischem L�cheln.</p><p>�Genau wie Ihr sagtet, meine K�nigin.� Broms Stimme klang grimmig. �Aber woher wu�tet Ihr��</p><p>�Dar�ber solltet Ihr Euch nicht den Kopf zerbrechen, Brom O'Berin.�</p><p>�Woher?� echote Rod. �Durch Spitzel, nat�rlich. Ein ausgezeichnetes Informantennetz mu� es sein, da� sie so schnell davon erfuhr.�</p><p>�Nein�, versicherte ihm Brom selbst verwirrt. �Wir haben nur sehr wenige Spione, denn Loyalit�t ist etwas Seltenes in diesem dunklen Zeitalter, und wir haben �berhaupt keine Spitzel im Haus Clovis.�</p><p>�Nein�, best�tigte Catherine, �und doch wei� ich, da� Ihr heute von Tuan von den Bettlern h�rtet.� Ihre Stimme klang fast sanft, als sie den Zwerg anschaute. �Brom�?�</p><p>Der Troll l�chelte, verbeugte sich und verlie� den Raum.</p><p>Catherine schritt zum Kamin und starrte in das Feuer. Ihre Schultern hingen herab, und sie wirkte einen Augenblick so zerbrechlich und einsam � und so wundersch�n im Schein der Flammen, da� es Rods Kehle zuschn�rte. Doch dann straffte sie die Schultern, und ihr Kopf drehte sich ihm scharf zu. �Ihr seid nicht, was Ihr zu sein vort�uscht, Rod Gallowglass. Sagt mir, was Ihr seid!�</p><p>Rod zuckte hilflos die Schultern und versuchte, so unschuldig wie nur m�glich auszuschauen. �Ein S�ldner, nicht mehr und nicht weniger, Eure Majest�t.�</p><p>�Aber nur als Nebenberuf, und weil es Euch Spa� macht. Und nun verratet mir, was Eure wirkliche Profession ist!�</p><p>Rods Gedanken �berschlugen sich. Er �berlegte sich mehrere L�gen, doch dann entschlo� er sich zu der simpelsten Antwort: �Meine Profession ist, Euer Leben zu sch�tzen, Majest�t.�</p><p>�Tats�chlich!� Catherines Augen wirkten sp�ttisch. �Und wer hat Euch dazu ausgebildet? Wer h�lt so viel von mir, da� er Euch geschickt hat?�</p><p>Pl�tzlich sah Rod durch den Spott und die �u�ere H�rte. Es war alles nur eine Maske, ein Schild, hinter dem sich ein sehr ver�ngstigtes, sehr einsames kleines M�dchen verbarg, das sich nichts mehr w�nschte, als jemandem vertrauen zu k�nnen. Aber sie hatte zu viele schlechte Erfahrungen gemacht, als da� sie es wagte, �berhaupt noch jemandem zu trauen.</p><p>Er schaute ihr in die Augen mit seinem sanftesten, ehrlichsten Blick und sagte: �Ich habe keinen Herrn �ber mir, meine K�nigin. Ich selbst habe mich geschickt, aus Liebe zu Catherine, der K�nigin, und Loyalit�t gegen�ber dem Land Gramayre.�</p><p>Etwas wie Verzweiflung flackerte in ihren Augen. Ihre H�nde verkrampften sich in der Sessellehne. �Liebe!� murmelte sie, doch schon glitzerte wieder der Spott aus ihrer Miene. �Ja, Liebe � f�r Catherine, die K�nigin.� Sie schaute ins Feuer.</p><p>�Doch sei es, wie es mag. Ich glaube ehrlich, da� Ihr ein Freund seid, doch ich kann nicht sagen, wieso ich es wei�. Was f�hrte Euch heute abend ins Haus Clovis?�</p><p>Stimmt, auch das hatte sie gewu�t. Ob sie Gedanken lesen konnte? Er konzentrierte sich darauf, Gekab zu rufen und kratzte sich am Kinn, denn so w�rde das Mikrophon den Laut aufnehmen. �Ja, Rod?� fragte eine au�erhalb seines Kopfes unh�rbare Stimme.</p><p>�Woher wi�t Ihr, da� ich dort war?�</p><p>Catherine widmete ihm einen ver�chtlichen Blick. �Nun, ich wu�te, da� Ihr mit Tuan Loguire gesprochen habt � und wo sonst, als im Haus Clovis?�</p><p>Und woher wu�te sie, da� er mit Tuan zusammengewesen war? Tuan � Loguire? Loguire! �Verzeiht, Majest�t, sagtet Ihr tats�chlich Tuan Loguire? Ich dachte, sein Name sei � uh -</p><p>McReady.�</p><p>Catherine lachte. �O nein! Er ist der zweite Sohn des Hohen Lords Loguire. Wu�tet Ihr das denn nicht?�</p><p>Zweiter Sohn! Dann war Tuan selbst der Narr, den er als solchen bezeichnet hatte! Und sein �lterer Bruder war der Mann, der einen �alten Groll gegen die K�nigin� hegte und der eine der Hauptbedrohungen f�r den Thron war. �Nein�, murmelte Rod. �Das wu�te ich nicht.� Gekabs Stimme murmelte: �Die Daten deuten auf das Vorhandensein eines ausgezeichneten Nachrichtendienstes hin.� Rod st�hnte innerlich. Roboter waren vielleicht eine Hilfe! Er starrte Catherine an: �Ihr sagtet, Ihr h�ttet keine Spione im Haus Clovis, und wenn anzunehmen ist, da� Ihr die Wahrheit sprecht, bedeutet das��</p><p>Er lie� den Satz unbeendet. Gekab w�rde schon f�r den Rest sorgen. Einen Augenblick herrschte Schweigen, dann summte es heftig hinter Rods Ohr, und schlie�lich klickte es. Rod fluchte lautlos. Wenn Catherine keine Spione hatte, konnte sie logischerweise nicht wissen, was sie wu�te. Er hatte damit also Gekab wieder einmal ein Paradoxon zu l�sen gegeben, und der Schaltkreis des Roboters war kurzgeschlossen. Epileptische Roboter konnten einem schon zur Verzweiflung bringen! Catherine funkelte ihn an. �Nat�rlich spreche ich die Wahrheit!�</p><p>�Das bezweifle ich auch nicht. Aber Ihr seid schlie�lich eine Herrscherin und so erzogen. Und gewi� war eine der ersten Lektionen, zu l�gen, ohne eine Miene zu verziehen.� Catherines Gesicht erstarrte. Sie beugte den Kopf und betrachtete ihre H�nde. Als sie wieder hochschaute, waren ihre Z�ge gespannt, und sie hatte die Maske abgelegt. Ihre Augen wirkten gequ�lt. �Wieder einmal trog meine Ahnung mich nicht�, murmelte sie. �Ihr versteht mehr als nur das Soldatenhandwerk, Rod Gallowglass!�</p><p>Rod nickte schwer. Er hatte einen weiteren Fehler begangen. S�ldner besch�ftigen sich nicht mit Politik. �Sagt mir, wie Ihr heute abend ins Haus Clovis kamt.� �Meine K�nigin�, erwiderte Rod ernst. �In einer Gasse war ein</p><p>Mann von drei Schurken �berfallen worden. Ich stand ihm bei, und er nahm mich mit ins Haus Clovis, um mir mit einem Krug Wein zu danken. Auf diese Weise lernte ich Tuan Loguire kennen.�</p><p>Sie zog nachdenklich die Brauen zusammen. �Wenn ich Euch nur glauben k�nnte�, murmelte sie. Wieder lie� sie Schultern und Kopf h�ngen. �Ich werde in der Stunde der Wahrheit, die bevorsteht, alle meine Freunde brauchen�, murmelte sie. �Und ich glaube, Ihr seid der wahrste meiner Freunde, wenn ich auch nicht sagen kann, weshalb.� Sie hob den Kopf zu ihm, und da sah er, da� ihre Augen tr�nenverschleiert waren. �Die Zeit ist nah, da jeder der Hohen Lords sich f�r oder gegen mich entscheiden mu�, und ich f�rchte, nur wenige werden meinem Banner folgen.�</p><p>Sie trat n�her zu ihm, mit einem zitternden L�cheln auf den Lippen. Rods Herz pochte heftig in seinen Ohren. Dicht vor ihm blieb sie stehen und ber�hrte das Medaillon um ihren Hals.</p><p>�Werdet Ihr mir an jenem Tag zur Seite stehen, Rod Gallowglass?�</p><p>Rod nickte verlegen und murmelte ein Ja. In diesem Moment h�tte er ihr sicher die gleiche Antwort gegeben, selbst wenn sie seine Seele verlangt h�tte. Und dann pl�tzlich war sie in seinen Armen, geschmeidig, grazil, und ihre Lippen vereinten sich mit seinen.</p><p>Einen zeitlosen Augenblick sp�ter senkte sie den Kopf und machte einen Schritt zur�ck, doch sie hielt sich an seinem Arm fest, als brauchte sie eine St�tze.</p><p>�Ich bin eine schwache Frau!� murmelte sie. �Geht jetzt, Rod Gallowglass, mit dem Dank einer K�nigin.� Sie sagte noch etwas, das Rod nicht so recht verstand, und irgendwie fand er sich auch schon vor der T�r in dem fackelerhellten Korridor.</p><p>Was immer man auch von ihren politischen F�higkeiten halten mag, dachte er, sie versteht jedenfalls, einen Mann in ihre Dienste zu binden.</p><p>Er stolperte und fing sich. Das, wogegen er geprallt war, schob eine Hand an seine H�fte, um ihn zu st�tzen. �Pa� doch auf deine gro�en F��e auf�, brummte Brom O'Berin, �ehe du dir den Kopf einschl�gst und die Fliesen beschmutzt.� Der Zwerg studierte ihn besorgt, doch dann nickte er befriedigt. �Was brachte die Unterredung mit Catherine, Rod Gallowglass?� fragte er.</p><p>�Was sie brachte?� fragte Rod stirnrunzelnd. �Nun, ich leistete ihr den Treueid��</p><p>�Ah!� Brom nickte und es wirkte fast mitleidig. �Was mehr k�nntest du verlangen!�</p><p>Ja, was mehr konnte er verlangen? Er straffte das Kinn und pl�tzlicher �rger stieg in ihm auf. Dieses M�dchen bedeutete ihm nichts � sie war nur eine Figur in dem gro�en Spiel, ein Werkzeug, mit dessen Hilfe sich eine Demokratie aufbauen lie�. Und warum wurde er so w�tend? Dazu hatte er auch kein Recht! Zum Teufel! Er brauchte eine objektive Analyse.</p><p>�Gekab!� Er wollte es gar nicht laut sagen, aber es entfuhr ihm wie Donnerhall. Brom O'Berin schaute ihn erstaunt an. �Was ist Gekab?� wollte er wissen.</p><p>�Mein Rappe�, erkl�rte Rod verlegen, und da fiel ihm erst ein, da� der Roboter ja wieder einmal einen Kurzschlu� hatte. �Ich habe mich heute nacht noch nicht um ihn gek�mmert, und er ist die einzige Seele, der ich unbesorgt anvertrauen kann.�</p><p>Broms Augen wurden weich, er l�chelte g�tig. �Du bist nun einer von uns, Rod Gallowglass, einer der wenigen, die der K�nigin treu ergeben sind.�</p><p>Rod las die Zuneigung in den Augen des Trolles und fragte sich, was den Zwerg an Catherines Dienste band � und pl�tzlich ha�te er sie wieder, weil es ihr Spa� machte, die M�nner zu benutzen. Mit w�tenden Riesenschritten eilte er den Korridor weiter, da� Brom seine liebe Not hatte, neben ihm zu bleiben.</p><p>�Wenn meine Menschenkenntnis mich nicht tr�gt�, knurrte er durch die Z�hne, �so hat die K�nigin einen weiteren Freund im Haus Clovis, und doch nennt sie ihn ihren Feind. Wieso, Brom? Deshalb, weil er der Sohn ihres Feindes, des Herzogs Loguire ist?�</p><p>Brom hielt ihn mit der Hand an der H�fte an und schaute mit halbem L�cheln zu Rod hoch. �Nicht ihr Feind, Rod Gallowglass, sondern jemand, den sie wahrhaft liebt. Er ist ihr Onkel, ihr Blutsverwandter, der sie f�nf Jahre bei sich aufnahm und sich um sie sorgte, w�hrend ihr Vater die rebellierenden Barone im Norden niederwarf.�</p><p>Rod nahm die Augen nicht von Brom O'Berin. �Sie zeigt ihre Liebe auf seltsame Weise.�</p><p>Brom nickte. �Wahrlich seltsam, aber zweifle nicht daran, da� sie ihn liebt, sowohl den Herzog als auch seinen Sohn Tuan. Es ist eine lange verwickelte Geschichte, und das Ende und der Anfang ist Tuan Loguire.�</p><p>�Der Bettlerk�nig?�</p><p>�Ja�, Brom nickte schwer. �Der Herr des Hauses Clovis.�</p><p>�Der die K�nigin liebt.�</p><p>�Der sie liebt und auch kein Hehl daraus macht.�</p><p>�Aber du glaubst ihm nicht?�</p><p>Brom verschr�nkte die H�nde hinter seinem Nacken und stapfte mit gesenktem Kopf weiter. �Er spricht entweder die Wahrheit, Rod Gallowglass, oder er ist ein glaubhafter L�gner.</p><p>Er wurde von seinem Vater zur Wahrheit erzogen, und doch ist er Herr des Hauses Clovis, Herr jener, die darauf bestehen, da� der Herrscher wie der alte K�nig Clovis gew�hlt werden soll, n�mlich durch die Anerkennung jener, �ber die er herrscht.�</p><p>�Na ja, da haben sie die Geschichte ein wenig verf�lscht�, brummte Rod. �Aber ich nehme an, ihre Pl�ne verlangen Catherines Sturz?�</p><p>�Ja. Und wie kann ich ihm da glauben, wenn er sagt, da� er sie liebt?� Brom sch�ttelte traurig den Kopf. �Er ist ein �u�erst wertvoller Mensch, gro�herzig, ehrlich und ein Troubadour,</p><p>der mit Laute, Liedern und Worten genauso gut umzugehen versteht wie mit dem Schwert. Er war immer von Grund auf anst�ndig, und Unredlichkeit kannte er nicht.� �Du scheinst ihn wohl recht gut gekannt zu haben.� �O ja, das tat ich allerdings, aber kenne ich ihn jetzt noch?� Brom seufzte tief und sch�ttelte den Kopf. �Als sie mit sieben auf die Burg der Loguires im S�den kam, war Tuan acht. Sie spielten und tobten unter meiner Aufsicht, und sie waren so unschuldig, Rod Gallowglass, und so gl�cklich. Er liebte sie schon damals. Er pfl�ckte ihr Blumen f�r einen Kranz, und als sie versehentlich einen kostbaren Kelch zerbrach, nahm er die Schuld auf sich.�</p><p>�Damit verzog er sie nur�, brummte Rod. �Ja, aber er war nicht der einzige, der ihr den Narren machte, denn schon damals war sie die sch�nste aller Prinzessinnen. Doch �ber ihrem Gl�ck stand ein d�sterer Schatten, ein Bursche von vierzehn, der Erbe des Titels und der L�ndereien � Anselm Loguire. Mit finsterem Gesicht schaute er vom Turm auf die beiden herab, wenn sie spielten. Er allein im ganzen Land ha�te Catherine Plantagenet � warum wei� niemand.� �Und er ha�t sie immer noch?�</p><p>�Ja, und wir k�nnen deshalb dem Herzog Loguire nur ein besonders langes Leben w�nschen. Nun, jedenfalls wuchs Anselms Ha� noch f�nf weitere Jahre, bis Catherines Vater sie nach seinem erfolgreichen Feldzug zur�ckholte. Damals schworen Tuan und Catherine � sie elf, er zw�lf �, da� sie einander nie vergessen und sie auf ihn warten w�rde, bis er sie holen k�me.� Brom sch�ttelte traurig den Kopf. �Und mit neunzehn kam er auch, ein goldener, gutaussehender Prinz, breitschultrig, mit geschmeidigen Muskeln, mit Laute und Schwert. Und sie war achtzehn, bereit f�r einen Mann, und ihr Kopf mit Tr�umen erf�llt, wie sie einem M�dchen aus B�chern und Balladen erwachsen. Sie liebte ihn nat�rlich � welche Frau h�tte es nicht getan? Er wu�te nicht, wozu eine Frau da war, das k�nnte ich beschw�ren, und sie genausowenig, aber es k�nnte sein, da� sie es gemeinsam lernten. Ihr d�rft mir glauben, sie hatten jede Gelegenheit dazu.� Brom runzelte finster die Stirn. �Doch in jenem Fr�hjahr starb ihr Vater, und sie mu�te das Zepter ergreifen. Und als Catherine die Krone aufsetzte, wurde ihr pl�tzlich klar, da� Tuan nur ein zweiter Sohn war und so nicht mehr als die Ehre seiner Familie erbte. Da behauptete sie, da� er sie gar nicht wirklich liebte, sondern es nur auf den Thron abgesehen hatte. Voll Grimm und Verachtung schickte sie ihn fort � ob mit oder ohne echten Grund konnten nur die beiden selbst wissen. Sie verbannte ihn in die Wildnis, mit einem Preis auf seinen Kopf, und dort sollte er unter den Tiermenschen und Elfen leben oder sterben.� Wieder schwieg er. �Und Herzog Loguire erhob sich in berechtigtem Zorn?�</p><p>�Ja�, erwiderte Brom und knirschte mit den Z�hnen. �Und all seine Lehnsm�nner mit ihm, und die H�lfte der Edlen obendrein. Wenn Tuan sein Freien falsch angestellt hatte, sagte Loguire, so hatte er Grimm und Verachtung verdient, aber Verbannung war die Strafe f�r Hochverrat.,Und ist es nicht Hochverrat, nach der Krone greifen zu wollen? entgegnete Catherine hitzig. In kaltem Stolz versicherte Loguire ihr, da� Tuan nichts weiter als ihre Liebe begehrt hatte. Aber seine Worte klangen hohl, denn der, der die K�nigin heiratet, wird regieren. Und das sagte sie ihm auch. Da erkl�rte Loguire ihr voll Trauer, da� sein Sohn kein Verr�ter war, sondern ein Narr � ein Narr, weil er ein so dummes verzogenes G�r hofierte. Und wieder wollte Catherine Hochverrat schreien, h�tte ich sie nicht davon abgehalten.�</p><p>�Und doch sagst du, sie liebt Loguire und Tuan?� �Ja, denn warum sonst solche H�rte?� Wieder schwieg Brom. Rod r�usperte sich. �Tuan schien nicht lange in Verbannung geblieben zu sein��</p><p>�Der Narr wollte in ihrer N�he sein, auch wenn er damit sein Leben verwirkte. Doch mit einem Preis auf seinen Kopf mu�te er wie ein M�rder oder Dieb leben.�</p><p>Rod l�chelte s�uerlich. �Und irgendwie kam er auf die Idee, da� die Bettler zur geringeren Plage w�rden, wenn jemand sich ihrer annahm.�</p><p>Brom nickte. �Und so wurden die Bettler zu einer gewissen Macht. Aber Tuan schw�rt, er wird all seine Kr�fte einsetzen, um der K�nigin den R�cken zu decken. Er behauptet, er liebe sie und w�rde es selbst dann noch, wenn sie ihn enthaupten lie�e.�</p><p>�Und sie sagt nat�rlich, er h�tte allen Grund, sie zu hassen?�</p><p>�Damit hat sie auch recht. Trotzdem bin ich der �berzeugung, da� Tuan sie nicht ha�t.�</p><p>Sie hatten die T�r zum Wachraum erreicht. Rod griff nach der Klinke. Er l�chelte zu Brom O'Berin hinab und sch�ttelte traurig den Kopf. �Hirnverbohrt sind die beiden�, murmelte er.</p><p>�Z�rtlich liebende Feinde! Doch jetzt gute Nacht, Freund Gallowglass.� Er drehte sich auf dem Absatz und stapfte davon.</p><p>Rod schaute ihm nach. �Ich bin selbst ein Narr�, murmelte er.</p><p>�Zu denken, Brom st�nde ihr bei, weil er in sie verliebt ist! Na ja, auch Gekab macht Fehler��</p><p>Die gro�e Kerze im Schlafraum war zu einem Stummel herabgebrannt. Die Zeit wurde in Gramayre mit rot und wei� geschichteten Kerzen gemessen � sechs wei�e und sechs rote Ringe. Eine Kerze wurde am Morgen, die andere zw�lf Stunden sp�ter angez�ndet. Nach der Kerze war es drei Uhr Morgens. Rods bleierne M�digkeit wuchs noch, als er daran dachte, da� eine Stunde auf Gramayre nach galaktischen Standard etwa achtzig Minuten waren.</p><p>Als er ins Bett steigen wollte, stolperte er �ber Tom. Er hatte vergessen, da� er am Fu� seines Bettes auf dem Boden lag.</p><p>Der Riese richtete sich g�hnend auf. �Ah, guter Herr, welche</p><p>Zeit haben wir?�</p><p>�Die neunte Stunde der Nacht�, erwiderte Rod. �Schlaf weiter, Tom. Ich wollte dich nicht wecken.�</p><p>�Daf�r bin ich hier, Meister.� Er sch�ttelte sich, um den Schlaf zu vertreiben. Das war etwas merkw�rdig, wie Rod pl�tzlich bewu�t wurde, denn Toms Augen hatten hell wach gewirkt. Sofort breitete sich wieder das Mi�trauen in ihm aus. Um nicht peinliche Fragen beantworten zu m�ssen, brummte er: �Ich bin schrecklich m�de, Tom. Gute Nacht!� Er lie� sich auf das Bett fallen, aber der Schlaf wollte nicht kommen. Und dann trug der Wind auch noch Ger�usche eines fr�hlichen Festes herbei. Ein Fest? Er rollte sich aus dem Bett und schlich auf Zehenspitzen zu den hohen Fensterschlitzen. Tom war nicht aufgewacht. Wer feierte zu einer solch sp�ten, oder vielmehr fr�hen Stunde? Ein Mond stand hinter den Zinnen des Nordturms. Jugendliche Gestalten wiegten sich in einem dreidimensionalen Tanz, und einige davon schienen auf Besenstielen zu reiten. Hexen! Im Nordturm!</p><p>Rod kletterte die Wendeltreppe mit den abgetretenen Steinstufen hoch. Er sagte sich zur Beruhigung immer wieder, da� die Elfen ihn f�r einen Zauberer hielten und er deshalb quasi zur Aufnahme in dieser Gruppe berechtigt war. Aber trotzdem war sein Mund trocken, und ein Stein schien ihm im Magen zu liegen. Zwar hatten die Elfen ihn anerkannt, aber w�rden die Hexen es ebenfalls tun? Sein Trost war, da� es sich bei ihnen um fr�hliche Hexen handelte.</p><p>Durch den Rauch der Fackeln sah er Paare an den W�nden, der Decke, mitten in der Luft und hin und wieder sogar auf dem Boden tanzen. Da und dort unterhielten sich kleinere Gruppen kichernd. Alle waren auffallend bunt gekleidet. Und sie alle waren noch so jung, gewi� nicht mehr als Teenager, da� er sich nun doch fehl am Platz f�hlte. Aber der Junge am Weinfa� erblickte ihn als erster. �Heil!� rief er grinsend. �Ihr habt Euch</p><p>versp�tet!� Er dr�ckte Rod einen vollen Krug in die Hand.</p><p>�Ich wu�te nicht, da� ich kommen w�rde�, brummte Rod.</p><p>�Seid versichert, wir sehr wohl.� Wieder grinste der Junge.</p><p>�Molly sah es voraus, aber sie dachte, Ihr m��tet eigentlich schon seit einer halben Stunde hier sein.�</p><p>�Tut mir leid, ich wurde aufgehalten�, murmelte Rod verwirrt.</p><p>�Ihr braucht Euch nicht zu entschuldigen. Molly hat sich eben verrechnet. Der Wein, vermutlich. Aber wir erwarten Euch eigentlich schon, seit Ihr Fu� in die Burg setztet. Die Elfen erz�hlten uns vergangene Nacht, da� Ihr ein Zauberer seid.�</p><p>�Unsinn! Ich bin genausowenig ein Zauberer wie ihr � oh��</p><p>�Nat�rlich seid Ihr ein Zauberer.� Der Junge nickte weise.</p><p>�Und ein m�chtiger noch dazu. Seid Ihr vielleicht nicht in einem Kometen gekommen?�</p><p>�Das ist Wissenschaft, nicht Magie! Ich bin kein Zauberer!�</p><p>�Ob es Euch nun bewu�t ist oder nicht, Ihr seid einer.� Er salutierte mit dem Krug. �Und deshalb einer von uns.�</p><p>Rod hob ebenfalls den Krug und trank dankend. Dann sah er sich um und versuchte sich daran zu gew�hnen, da� bei dieser Gruppe hier das Newtonsche Gesetz keine G�ltigkeit hatte.</p><p>Bewundernd starrte er auf ein wohlgewachsenes M�dchen, das regelrecht aus ihrem Mieder zu quellen schien. Der Junge bei ihr himmelte sie an. Rod fragte sich zynisch nach den Motiven des Burschen.</p><p>Das M�dchen schnappte laut nach Luft und warf Rod einen w�tenden Blick zu. Sein Kinn klappte hinab, und er begann eine Entschuldigung zu stammeln, doch noch ehe sie richtig �ber seine Lippen kam, l�chelte das M�dchen bes�nftigt und wandte sich wieder ihrem Partner zu. Mit weitaufgerissenen Augen drehte Rod sich zu dem Jungen am Fa� zu. �Ka-kann sie Gedanken lesen?� stammelte er.</p><p>�Nat�rlich. Das k�nnen wir alle ein bi�chen, aber sie am besten.�</p><p>Rod pre�te eine Hand an den Kopf, als k�nnte er damit die sich �berschlagenden Gedanken stoppen. Telepathen! Ein ganzes Zimmer voll! Und in der ganzen Galaxis waren bisher erst zehn echte bekannt! Es war Mutation oder eine besondere Genentwicklung. Er straffte die Schultern und r�usperte sich.</p><p>�Sag, Junge � uh, wie hei�t du �berhaupt?�</p><p>Verlegen klopfte der Junge sich auf die Stirn. �Verzeiht meine Gedankenlosigkeit, Meister Gallowglass. Ich bin Tobias, und nat�rlich mu� ich Euch erst noch mit den anderen bekanntmachen.� Er wirbelte Rod zur n�chsten Gruppe herum.</p><p>�Aber � ich wollte doch nur fragen��, protestierte Rod.</p><p>�Das ist Nell, das Andreyev, das Brian, das Dorothy�� Eine halbe Stunde und dreiundf�nfzig Namen sp�ter lie� Rod sich ersch�pft auf eine Bank fallen. Was er hier vor sich hatte, war eine aufbl�hende Esperkolonie mit Menschen, die die F�higkeit hatten, zu fliegen, in die Zukunft zu sehen und Gedanken zu lesen. Aber wenn sie alle teleportieren konnten, wieso ritten die M�dchen dann auf Besenstielen?</p><p>Mit einer leichten Luftverdr�ngung tauchte Toby pl�tzlich mit einem vollen Krug neben Rod auf. Rod starrte ihn an, w�hrend er dankend nach dem Krug griff. �Uh, sag, k�nnt ihr levitieren und teleportieren?�</p><p>�Wie bitte?� Toby verstand ihn nicht.</p><p>�Ich meine, ihr k�nnt doch fliegen? Und euch von einem zum anderen Ort w�nschen?�</p><p>�O ja.� Toby grinste. �Das k�nnen wir alle.�</p><p>�Was? Fliegen?�</p><p>�Nein, uns an einen Ort w�nschen, den wir kennen. Alle Jungen k�nnen fliegen, aber die M�dchen nicht.�</p><p>Sexgebundene Gene, dachte Rod. Laut sagte er. �Deshalb reiten sie auf Besenstielen?�</p><p>�Ja, denn sie wiederum k�nnen leblose Gegenst�nde bewegen, was uns nicht gelingt.�</p><p>Aha! Wieder eine Bindung! Telekinese war den Y-</p><p>Chromosomen vorbehalten, Levitation den X. Aber alle</p><p>konnten sie teleportieren und Gedanken lesen. Eine unsch�tzbare Esperkolonie. Wenn ihr Leben dem der seltenen Telepathen au�erhalb dieses Planeten �hnelte� �Deshalb ha�t euch das einfache Volk?�</p><p>Tobys fr�hliches junges Gesicht wurde ernst, ja fast d�ster. �Ja, und die Edlen ebenfalls. Sie behaupten, wir st�nden mit dem Teufel im Bund. Und es gab diese schrecklichen Wasserproben f�r uns oder den Feuertod, bis unsere gute K�nigin Catherine an die Macht kam.� Er drehte sich um und br�llte: �He, Bridget!� Ein etwa dreizehnj�hriges M�dchen l�ste sich von ihrem Tanzpartner und erschien abrupt an Tobys Seite. �Freund Gallowglass m�chte wissen, wie sehr das Volk uns mag.�</p><p>Alle Fr�hlichkeit schwand aus dem Gesicht des Kindes. Wortlos �ffnete sie den R�cken ihrer Bluse, und ein dichtes Kreuzundquermuster h��licher Narben kam zum Vorschein. Sie drehte sich Rod zu, w�hrend Toby ihre Bluse zukn�pfte. �Das alles nur auf einen Verdacht hin�, murmelte sie. �Und ich war erst zehn Jahre alt.�</p><p>Rods Mageninhalt stieg ihm bis zum Hals auf, und er hatte seine M�he, ihn wieder hinunterzuschlucken. Bridget kehrte zu ihrem Partner zur�ck und tanzte vergn�gt weiter.</p><p>�Ihr werdet also verstehen, wieviel Grund wir haben, unserer guten K�nigin dankbar zu sein.�</p><p>�Sie machte Schlu� mit den Wasserproben und Verbrennungen?�</p><p>�Sie �nderte das Gesetz, aber es kam auch weiter heimlich zum Tod auf dem Scheiterhaufen. Es blieb ihr also nur ein Weg, uns zu sch�tzen, indem sie jedem von uns, der sich daf�r entschied, Zuflucht gew�hrte.�</p><p>Rod nickte bed�chtig. �Es mangelt ihr also doch nicht so ganz an Weisheit.� Sein Blick wanderte zu Bridget zur�ck, die gerade an der Decke tanzte.</p><p>�Was �berlegt Ihr, Freund Gallowglass?�</p><p>�Sie ha�t sie nicht�, brummte Rod. �Sie hat allen Grund, das Volk zu hassen, aber sie tut es nicht!�</p><p>Toby sch�ttelte mit einem g�tigen L�cheln den Kopf. �Weder sie, noch irgendeiner von uns. Alle, die sich in den Schutz des Zirkels der K�nigin begeben, schw�ren als erstes, nach Gottes Gesetzen zu leben.�</p><p>�Ich verstehe�, murmelte Rod langsam. �Ein Zirkel wei�er Hexen. Sind alle Hexen auf Gramayre wei�?�</p><p>�Leider nicht. Einige sind so verbittert durch gr��eres Leiden als unseres � den Verlust eines Auges, oder eines Menschen, der ihnen teuer war, oder sonst etwas �, da� sie sich in der Wildnis oder den Bergen verkrochen, um dort Rache an den Menschen zu �ben. Doch sind es kaum mehr als zwanzig. Nur drei stehen noch in der Bl�te ihres Lebens, alle anderen sind verschrumpelte M�nnchen und Weibchen.�</p><p>�Die M�rchenhexen�, knurrte Rod.</p><p>�So kann man sie nennen. Und ihre Untaten sind so weitbekannt, da� alles Gute, was wir tun, daneben verbla�t.�</p><p>�Also gibt es zwei Arten von Hexen in Gramayre: die alten und b�sen in der Wildnis und den Bergen, und die jungen wei�en in der Burg der K�nigin.�</p><p>Wieder sch�ttelte Toby l�chelnd den Kopf. �Nein au�er uns gibt es noch gut f�nf Dutzend andere wei�e Hexen, nur trauten sie dem Schutz der K�nigin nicht. Sie sind zwischen drei�ig und vierzig Jahre alt. Alles gute Menschen, aber mi�trauisch.�</p><p>Jetzt verstand Rod. �Darum seid ihr alle so jung! Nur die Hexen, die noch den Wagemut hatten, anderen zu vertrauen, nahmen die Einladung der K�nigin an! Also kam sie zu einer Gruppe Teenager.�</p><p>Toby nickte. �Auch unter den anderen gab es zwei, die den Mut hatten, hierherzukommen. Die eine war die weiseste von allen, die m�chtigste der Hexen, sie kam aus dem S�den. Aber sie wird jetzt alt! Sie mu� bestimmt schon bald drei�ig sein!�</p><p>Rod verschluckte sich fast an seinem Wein und mu�te heftig husten. Als Toby ihn besorgt ansah, erkl�rte er: �Es ist nichts, Junge, aber wir Alten m�ssen uns eben mit solchen Hustenanf�llen abfinden. Warum blieb diese Hexe denn nicht?�</p><p>�Sie sagte, sie sp�re unter uns erst ihr Alter. Wenn Ihr im S�den in Schwierigkeiten geraten solltet, so ruft ihren Namen.</p><p>Gwendylon hei�t sie, und sie wird Euch mehr Hilfe geben, als Ihr braucht.�</p><p>�Ich werde mich daran erinnern�, versprach Rod, auch wenn er nicht die Absicht hatte, sich von einer Frau helfen zu lassen.</p><p>�Noch eine Frage, weshalb besch�tzt die K�nigin euch?�</p><p>Toby starrte ihn ungl�ubig an. �Das wi�t Ihr nicht? Nun, sie ist selbst eine Hexe, zwar ungeschult, aber trotzdem hat sie ihre F�higkeiten.�</p><p>Rod hob eine Braue. �Ungeschult?�</p><p>�Ja, unsere Gaben brauchen �bung und Schulung, um sich voll entfalten zu k�nnen. Catherine ist eine geborene Hexe, aber sie wurde nicht ausgebildet. Sie kann manchmal Gedanken lesen, aber nicht nach Belieben und nicht sehr deutlich.�</p><p>�Hm. Was kann sie sonst noch?�</p><p>�Nichts, was wir w��ten. Sie kann nur Gedanken h�ren.�</p><p>Rod kratzte sich am Ohr. �Das ist eine recht praktische Gabe f�r eine K�nigin. So wei� sie alles, was in ihrer Burg vor sich geht.�</p><p>Toby sch�ttelte den Kopf. �K�nnt Ihr, wenn sich f�nf unterhalten, alle gleichzeitig h�ren, Freund Gallowglass? Und ihnen den ganzen Tag lang zuh�ren? Und sich dann noch an alles erinnern?�</p><p>Rod rieb sich das Kinn und runzelte die Stirn.</p><p>�K�nnt Ihr auch nur ein Gespr�ch im Ged�chtnis behalten?</p><p>Nein, nicht einmal das k�nntet Ihr � und die K�nigin kann es genausowenig.�</p><p>�Sie k�nnte alles niederschreiben��</p><p>�Ja, aber verge�t nicht, sie ist ungeschult, und es bedarf gro�er</p><p>�bung, Gedanken in Worte zu kleiden.�</p><p>�Halt!� rief Rod. �Hei�t das, da� ihr Gedanken nicht als Worte h�rt?�</p><p>�Nein. Ein fl�chtiger Gedanke gen�gt, ein ganzes Buch mit Worten zu f�llen.�</p><p>Inzwischen hatte sich eine ganze Gruppe um sie ge schart.</p><p>�Es ist komisch, da� ein Zauberer das nicht weiߓ, sagte einer, der Martin hie�.</p><p>�Ich erw�hnte es schon�, verteidigte sich Rod. �Ich bin gar nicht wirklich ein Zauberer. Ihr m��t wissen��</p><p>Schallendes Gel�chter unterbrach ihn. Er seufzte und fand sich mit seinem neuen Ruf ab. �Ich nehme an, da� einige unter euch Gedanken als Worte lesen k�nnen?�</p><p>�O ja.� Toby wischte sich die Tr�nen aus den Augen. �Ist Aldis hier?�</p><p>Eine h�bsche vollbusige Sechzehnj�hrige bahnte sich einen Weg durch die Menge. �Wen soll ich f�r Euch belauschen, Sir Gallowglass?�</p><p>Rod kam ein Gedanke. �Durer. Den Ratgeber Lord Loguires.�</p><p>Aldis setzte sich auf eine Bank und starrte durch Rod hindurch.</p><p>Mit hoher Stimme leierte sie: �Wie Ihr wollt, Mylord. Aber ich frage mich, seid Ihr wirklich loyal?� Ihre Stimme sank um zwei Oktaven, blieb jedoch weiter eint�nig. �Bursche, wagst du es, mich von Angesicht zu Angesicht zu beleidigen?�</p><p>�Nein, Mylord, ich frage mich nur, ob es klug ist, die sem Kind � und mehr ist sie ja nicht �, den Willen zu lassen? Sie handelt wahrhaftig wie ein trotziges Balg!�</p><p>�Vielleicht�, brummte Loguire. �Aber sie ist die K�nigin, und ihre Gesetze m�ssen durchgef�hrt werden.�</p><p>�Selbst wenn die K�nigin schlimme Gesetze erl��t?�</p><p>�Das sind sie nicht, Durer.� Die tiefe Stimme klang nun unheildrohend. �K�hn, vielleicht, auch gedankenlos, denn was sie heute Gutes bringen, mag sich schon morgen ins Gegenteil verwandeln. Ja, t�richte Gesetze, aber sie sind nicht b�se gemeint.�</p><p>Die hohe Stimme seufzte. �Vielleicht, Mylord. Aber sie setzt die Ehre der Edlen aufs Spiel. Ist das nicht b�se?�</p><p>�Wie das, Durer? Sie hat nichts getan, das auch nur als Beleidigung ausgelegt werden k�nnte.�</p><p>�Noch nicht, Mylord. Doch der Tag wird kommen��</p><p>�Welcher Tag, Durer?�</p><p>�Da sie die Bauern den Edlen vorzieht!�</p><p>�Genug mit deinen landesverr�terischen Worten!� donnerte Loguire. �Auf die Knie, Wicht. Und danke deinem Gott, da� ich dir den Kopf lasse.�</p><p>Rod starrte Aldis an. Er konnte es immer noch nicht fassen, zwei verschiedene Stimmen aus ihrem Mund zu h�ren. Ihre Augen nahmen wieder Leben an. �Habt Ihr geh�rt, Freund Gallowglass? Ich kann mich leider an keines meiner Worte erinnern.�</p><p>�Mach dir keine Sorgen, Aldis.� Rod rieb sich das Kinn. �Ich werde kein einziges vergessen.� Sein Blick schweifte in die Runde. �Habt ihr das schon einmal gemacht?� fragte er. �Ich meine, jemanden absichtlich belauscht?�</p><p>�Nur die Feinde der K�nigin. Durer belauschen wir oft�, antwortete Aldis.</p><p>�Oh? Und konntet ihr etwas in Erfahrung bringen?�</p><p>�Er macht sich in letzter Zeit viel Gedanken �ber die Bauern.�</p><p>�Welches Interesse hat er denn an ihnen?�</p><p>Toby grinste wissend. �Er hat Zwist zwischen zwei Bauern auf den L�ndereien der K�nigin ges�t. Ein junger Landmann wollte die Tochter eines alten Bauern heiraten, aber der lie� es nicht zu. Und der Junge h�tte es wohl aufgegeben, wenn auch verzweifelt und mit gebrochenem Herzen, aber da kam Durer und hetzte ihn auf, und die meisten der Bauern gaben ihm recht, als er fragte, ob er es einfach hinnehmen wollte, da� ein tattriger Idiot ihm das M�dchen, das er liebte, verweigert. Also entf�hrte der Junge das M�dchen und machte ihr ein Kind.�</p><p>Rod spitzte die Lippen. �Ich nehme an, Papa war dar�ber nicht erfreut.�</p><p>Toby nickte. �Er schleppte den Jungen vor den Dorfpriester und verlangte, da� man ihn wegen Sch�ndung h�nge, aber der Priester sagte, es sei Liebe und nicht Sch�ndung gewesen, und die einzig passende Strafe daf�r sei die Ehe und nicht der Galgen.�</p><p>Rod grinste. �Das P�rchen war bestimmt sehr traurig dar�ber.�</p><p>�So traurig, da� sie nicht wu�ten, wohin mit ihrer Freude�, versicherte ihm Toby feixend. �Und der alte Bauer gab seinen Segen.�</p><p>�Da mischte sich Durer wieder ein?�</p><p>�Allerdings. Vor all ihren Lords und Ladies forderte er die K�nigin auf, die Gerechtigkeit ihrer neuen Ordnung zu beweisen, indem sie in diesem Fall Gericht sprach, denn waren diese Bauern nicht von ihren eigenen L�ndereien?�</p><p>Rod grinste und klatschte sich auf die Schenkel. �Sie d�rfte gute Lust gehabt haben, ihm ins Gesicht zu spucken!�</p><p>�Ihr kennt die K�nigin nicht. Mit dem gr��ten Vergn�gen h�tte sie ihm einen Dolch zwischen die Rippen gesto�en, aber sie mu�te die Herausforderung annehmen und sich bei ihrer n�chsten �ffentlichen Rechtsprechung des Falles annehmen.�</p><p>��ffentliche Rechtsprechung? Was ist das?� fragte Rod.</p><p>�Jeden Monat �ffnet die K�nigin eine Stunde ihren Hof, um allen, ob nun Edlen, Bauern und Geistlichen, ihr Ohr zu schenken. Meistens h�ren die Hohen Lords zu, w�hrend der niedrige Adel und das einfache Volk ihre Beschwerden vorbringen, da k�nnt Ihr Euch sicher vorstellen, da� kaum einer den Mund auch wirklich zu �ffnen wagt.�</p><p>�Wann ist diese n�chste �ffentliche Rechtsprechung?�</p><p>�Morgen�, antwortete Toby. �Und ich glaube, die Hohen Lords werden daf�r sorgen, da� ihre Geistlichen und Bauern gezwungenerma�en gegen die neuen Richter und Priester der K�nigin protestieren. Nat�rlich werden die Lords zuerst ihren</p><p>Protest vortragen, und die anderen werden es kaum wagen, nicht zuzustimmen.�</p><p>Rod nickte. �Aber was verspricht Durer sich davon, diesen Verf�hrungsfall in die �ffentlichkeit zu ziehen?�</p><p>�Das wei� nur Durer�, erwiderte Toby.</p><p>Rod studierte die jungen Gesichter um sich. �Ist das nicht genau die Information, die die K�nigin braucht? Warum gebt ihr sie ihr nicht?�</p><p>Die Gesichter wurden ernst. Toby bi� sich auf die Lippe und schaute zu Boden. �Wir haben es versucht, Freund Gallowglass.� Er blickte Rod fast flehend an. �Wir haben es versucht, aber sie will uns nicht anh�ren.�</p><p>�Was soll das hei�en?�</p><p>�Der Page, den wir zu ihr schickten, kam zur�ck und erkl�rte, die K�nigin habe gesagt, wir sollten ihr f�r den gebotenen Schutz dankbar sein und nicht so unversch�mt, uns in ihre Regierungsangelegenheiten zu mischen. Aber vielleicht ist es besser so, denn sie hat auch so genug Sorgen, da� wir sie nicht noch mit Warnungen drohenden Unheils bel�stigen d�rfen.�</p><p>Rod grinste freudlos. �Stimmt, mit ihren Edlen und den Bettlern hat sie genug Kummer.�</p><p>Toby nickte ernst. �Ja, sie hat mehr als ausreichend Schwierigkeiten mit den Ratgebern, dem Haus Clovis und dem Gespenst auf dem Dach.�</p><p>�Ja, Grund genug�, pflichtete Rod ihm bei. �Ich glaube, da� die Angst sie in den Klauen hat.�</p><p>Tom setzte sich auf, als Rod auf Zehenspitzen zu seinem Bett schleichen wollte. �Seid Ihr krank, Meister?� fragte er besorgt.</p><p>�Nein, ich konnte nur nicht schlafen. Hast du schon einmal etwas von Kricket geh�rt?�</p><p>�Nein, Meister, was ist das?�</p><p>�Ein Spiel. In der Mitte des Spielfelds steht ein Tor, Wicket genannt. Eine Mannschaft versucht, es mit einem Ball zu treffen, w�hrend die andere es zu sch�tzen sucht, indem sie den</p><p>Ball mit einem Schlagholz aufh�lt oder ablenkt. Dann wechseln die Mannschaften die Seiten. Die, die das Wicket zuvor angegriffen hat, verteidigt es jetzt.�</p><p>�Und was soll das alles, Meister?� fragte der Riese und sch�ttelte verwirrt den Kopf.</p><p>�Nun, ich wollte eigentlich nur darauf hindeuten, da�, wer immer auch gewinnt, das Wicket ziemlich mitgenommen wird.</p><p>Und ich habe das Gef�hl, da� hier ein gewaltiges Kricketspiel stattfindet. Nur beteiligen sich statt zwei gleich drei Mannschaften daran: die Ratgeber, die Bettler��</p><p>�Das Haus Clovis�, murmelte Tom.</p><p>Rob hob �berrascht die Brauen. �Ja, das Haus Clovis. Und nat�rlich die K�nigin.�</p><p>�Aber wer ist dann das Wicket?�</p><p>�Ich.� Rod warf sich auf das Bett und pre�te den Kopf auf das Kissen. �Und jetzt m�chte ich schlafen. Gute Nacht.�</p><p>�Meister Gallowglass!� rief eine Jungenstimme.</p><p>Rod schlo� die Augen und betete um Kraft. �Ja, Page?�</p><p>�Eure Dienste werden zum k�niglichen Fr�hst�ck erwartet.�</p><p>Rod mu�te zugeben, da� Catherine Plantagenet sich in Szene zu setzen verstand. Noch vor Sonnenaufgang standen die Posten Wache vor dem E�saal, und alle Lords und Ladies, die die Ehre hatten, am k�niglichen Fr�hst�ck teilzunehmen, kamen gleich nach dem ersten Hahnenschrei an. Doch erst, als alle versammelt waren und schon hungrig das Fr�hst�ck be�ugten, machte Catherine ihren Auftritt und lie� sich von Lord Loguire an ihren Platz f�hren.</p><p>Jede Platte, die die vier Diener servierten, wurde erst von Brom O'Berin gekostet, der zur Linken der K�nigin sa�. Er probierte von allem, und wenn er nach ein paar Minuten noch lebte, wurde der K�nigin davon vorgelegt.</p><p>Rod stand an der Ostt�r, wo er auch jetzt Catherine wieder gut sehen konnte, die am Nordende der Tafel sa�, mit Lord Loguire zu ihrer Rechten, und Durer wiederum zu dessen.</p><p>Durer beugte sich vor und murmelte seinem Herrn etwas zu.</p><p>Loguire winkte ungeduldig ab. Er kaute an einem St�ck Fleisch und sp�lte es mit einem Glas Wein hinunter, dann wandte er sich an Catherine. �Eure Majest�t, ich mache mir Sorgen.�</p><p>Catherine betrachtete ihn k�hl. �Wer tut das nicht? Wir m�ssen mit ihnen fertig werden, so gut wir es k�nnen.�</p><p>�Meine Sorge gilt Euch und dem Wohlergehen des K�nigreichs�, erkl�rte der Herzog gepre�t.</p><p>�Nun, ich will doch sehr hoffen, da� das Wohlergehen meiner Person auch Einflu� auf das meines Reiches hat.�</p><p>Loguires Nacken lief rot an, aber er lie� nicht locker. �Ich bin erfreut, da� Eure Majest�t in einer Bedrohung Eures Wohlergehens auch eine in dem Wohlergehen dieses Landes sieht.�</p><p>Catherine zog die Brauen zusammen. �Das tue ich wahrhaftig.�</p><p>�Wenn das Leben der K�nigin bedroht ist, wird das Volk unruhig.�</p><p>Catherine legte ihre Gabel nieder und lehnte sich in ihrem Sessel zur�ck. Ihre Stimme klang mild, ja fast s��. �Ist mein Leben denn bedroht, Mylord?�</p><p>�Es hat ganz den Anschein�, erwiderte der Herzog bed�chtig.</p><p>�Das Gespenst war auch vergangene Nacht wieder auf Eurem Dach.�</p><p>Rod spitzte die Ohren.</p><p>Catherine pre�te die Lippen zusammen und schlo� die Augen.</p><p>Schweigen senkte sich auf die Tafelnden herab. Brom sagte laut: �Das Gespenst wurde schon mehrmals auf den Zinnen des Turmes gesichtet, und doch lebt Ihre Majest�t noch immer.�</p><p>�Sei still!� fuhr Catherine ihn an. Sie straffte die Schultern und griff nach ihrem Weinglas. �Ich will nichts von dem Gespenst h�ren!� Sie leerte das Glas und rief nach dem Truchse�, es nachzuf�llen. Sofort sprang Durer auf, nahm der K�nigin das Glas ab und wandte sich damit dem herbeieilenden Truchse� zu, der es aus einer Kanne nachf�llte. Alle machten gro�e</p><p>Augen, denn eine solche H�flichkeit Durers gegen�ber der K�nigin war ungewohnt. Er drehte sich ihr wieder zu, lie� sich auf ein Knie vor ihr fallen und streckte ihr das Glas entgegen.</p><p>Catherine starrte ihn an, dann nahm sie es ein wenig z�gernd.</p><p>�Ich danke dir. Ich mu� gestehen, diese H�flichkeit hatte ich nicht von dir erwartet.�</p><p>Durers Augen glitzerten. Er erhob sich mit sp�ttischem L�cheln und verneigte sich tief.</p><p>Aber Rod war weniger vertrauensselig als Catherine, au�erdem hatte er gesehen, da� Durer die Linke �ber das Glas gehalten hatte, ehe der Truchse� nachschenkte. Er rannte zur K�nigin, schnappte sich das Glas, das sie gerade an die Lippen setzen wollte und l�ste schnell den Dolch vom G�rtel. Catherine starrte ihn ergrimmt an. �Ich habe Euch nicht gerufen!� sagte sie heftig.</p><p>�Verzeiht, Eure Majest�t.� Er sch�ttelte den Dolch aus der H�lle und f�llte die konische Scheide mit Wein. Gott sei Dank hatte er daran gedacht, Gekab wieder einzuschalten, ehe er seinen Dienst antrat. Er hielt das Silberhorn hoch und sagte.</p><p>�Ich kann es nicht n�her erkl�ren, Eure Majest�t, lediglich, da� ich um Euer Leben bangte.�</p><p>Aber Catherines �rger war ohnedies, fasziniert von Rods Benehmen, bereits verraucht. �Was�, sie deutete auf die konische Dolchscheide, �ist das?�</p><p>�Das H�rn eines Einhorns�, erwiderte Rod und schaute Durer an, dessen Augen vor Wut brannten. �Analysiert�, meldete Gekab aus dem Mikrophon hinter Rods Ohr. �Substanz f�r menschlichen Metabolismus t�dlich.� Rod l�chelte grimmig und dr�ckte auf den Knopf an der Scheidenspitze.</p><p>Das H�rn des �Einhorns� f�rbte sich purpurrot.</p><p>Ein St�hnen des Schreckens wurde im ganzen Raum laut, denn jeder kannte die Legende, da� ein Einhornshorn purpurn anl�uft, wenn man Gift hineingibt.</p><p>Catherine wurde totenbleich und pre�te die H�nde zusammen, um das Zittern ihrer Finger m�glichst zu verheimlichen.</p><p>Loguire ballte die F�uste. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. �Wicht!� wandte er sich an Durer. �Wenn das dein Tun ist��</p><p>�Mylord, Ihr saht doch selbst, da� ich das Glas nur hielt�, kr�chzte Durer. Aber seine brennenden Augen waren auf Rod gerichtet und schienen ihm zu drohen.</p><p>Rod wurde als eine der vier Wachen eingeteilt, die Catherine von ihren Gem�chern zum Audienzsaal eskortieren sollten.</p><p>Unterwegs n�herte sich Durer der K�nigin. Er verbeugte sich dreimal tief und sagte: �Eure Majest�t, gestattet mir Euch zu raten, Euch ohne Verz�gerung die Petition der Hohen Lords anzuh�ren.�</p><p>Catherine blickte ihn finster und von oben herab an. �Weshalb glaubst du, es w�rde zu einer Verz�gerung kommen?�</p><p>�Nun, Majest�t, ich h�rte, da� heute zwei Bauern vor Gericht erscheinen werden��</p><p>�Ein Fall, den du mir h�chstpers�nlich aufgedr�ngt hast, Durer�, unterbrach ihn Catherine.</p><p>Durers Augen leuchteten kurz boshaft auf, doch sogleich verbeugte er sich wieder zutiefst. �Ich hatte geh�rt � ich f�rchtete��</p><p>�Was?�</p><p>�Eure Majest�t sind in letzter Zeit so um die Bauern besorgt, da� ich f�rchtete, Eure Majest�t w�rden vielleicht��</p><p>�Vor den Hohen Lords die Bauern anh�ren?�</p><p>�Das d�rfen Eure Majest�t nicht!� Durer lie� sich vor ihr auf die Knie fallen. �Ihr d�rft heute nichts tun, was die Hohen Lords beleidigen k�nnte, denn tut Ihr es, k�nnte leicht Euer Leben in Gefahr kommen.�</p><p>�H�ltst du mich f�r feige? Und jetzt heb dich hinweg!� Sie wandte sich ab und schritt durch die gewaltige Eichent�r, die weit f�r sie ge�ffnet wurde. Rod riskierte einen Blick �ber die Schulter. Durers Gesicht war vor Hohn und Triumph verzerrt.</p><p>Ja, dachte Rod, die besten Ergebnisse erzielt man bei einem Teenager, wenn man ihm etwas verbietet, denn dann tut er es erst recht.</p><p>Die Wachen postierten sich zu beiden Seiten des vergoldeten Thrones auf einer etwa einen Meter hohen Plattform. Catherine schaute auf die Versammlung hinunter. In der ersten Reihe sa�en die zw�lf Lords auf Holzst�hlen in Stundenglasform in einem Halbkreis um die Stufen zur Plattform. Hinter ihnen standen vierzig oder f�nfzig M�nner mittleren Alters in Braun, Grau oder Dunkelgr�n gekleidet mit Samtkr�gen an den W�msern und kleinen eckigen Filzh�ten. Silber oder Goldketten hingen von ihren imposanten B�uchen. Vermutlich die hiesigen B�rger � Beamte, Kaufleute, Gildenmeister, also die Bourgeoisie, nahm Rod an. Ihnen schl�ssen sich die Geistlichen in schwarzen Kapuzenumh�ngen an, und wiederum hinter ihnen Landleute in Flickenkleidung. Rod war ziemlich sicher, da� man sie aus der Burgk�che hierher beordert hatte, damit alle Klassen vertreten w�ren.</p><p>Die Bauern hatten in der Mitte einen freien Platz gelassen und dort standen, zwischen vier Soldaten im Gr�n und Gold der K�nigin, zwei Bauern, deren Gesichter vor Angst verzerrt waren und die ihre H�te in den H�nden fast zerquetschten. In ihrer Begleitung befand sich ein Priester. Aller Augen ruhten auf der K�nigin. Broms Stimme hallte durch den ganzen Saal: �Wer sucht heute die Gerechtigkeit Ihrer Majest�t der K�nigin?�</p><p>Ein Herold las von einer Schriftrolle zwanzig Petitionen ab. Die erste war die der zw�lf Hohen Lords, die letzte die von Durers zwei Bauern.</p><p>Catherins H�nde verkrampften sich um die Thronlehne. Mit hoher, klarer Stimme rief sie: �Gott, unser Herr, sagte: Die Niedrigen werden erh�ht werden; und die letzten werden die ersten sein. Also wollen wir uns zuerst die Aussagen der beiden Bauern anh�ren.�</p><p>Einen Augenblick herrschte schockiertes Schweigen, dann erhob sich Lord Loguire und donnerte: �Aussagen! Bed�rft Ihr ihrer Aussagen so sehr, da� Ihr diese Bauernt�lpel vor den h�chsten Eurer Edlen anh�ren wollt?�</p><p>�Mein Lord!� fauchte Catherine. �Ihr verge�t Euren Platz auf meinem Hof!�</p><p>�Nein, Ihr seid es, die den Respekt und die Tradition vergessen hat, die Ihr auf den Knien Eures Vaters lerntet! Nie h�tte der alte K�nig seine Lehnsm�nner so gedem�tigt!�</p><p>�Ihr scheint zu vergessen, alter Mann, da� mein Vater tot ist und ich jetzt regiere!�</p><p>�Regieren!� Die Lippen Loguires verzogen sich bitter. �Nicht regieren kann man es nennen, sondern tyrannisieren!�</p><p>Erschrocken hielten alle den Atem an, dann erhob sich ein immer lauter werdendes Fl�stern: �Hochverratverratverrat��</p><p>Brom O'Berin stand mit zitternden Beinen auf. �Mylord Loguire, Ihr m��t die K�nigin auf den Knien um Verzeihung bitten, wollt Ihr nicht als Verr�ter gelten!�</p><p>Loguires Gesicht schien zu Stein zu erstarren, doch noch ehe er etwas zu sagen vermochte, erkl�rte Catherine mit angespannter Stimme: �Unn�tig, um Vergebung zu bitten, denn es wird keine gew�hrt werden. Ihr, Mylord Loguire, werdet von nun aus Unserem Hof verbannt, um Uns nie wieder vor die Augen zu treten.�</p><p>�Kind�, murmelte der alte Mann, und Rod sah Tr�nen in seinen Augen glitzern, �willst du den Vater genauso behandeln wie den Sohn?�</p><p>Catherines Gesicht wurde leichenbla�. �Geht, Mylord Loguire, oder ich mu� die Hunde auf Euch hetzen!� sagte Brom mit vor Grimm zitternder Stimme.</p><p>Noch einmal schaute Lord Loguire zu Catherine mit Trauer in den Augen hoch. �So wollt Ihr mich denn Euren Feind nennen Catherine blickte �ber die Nasenspitze auf ihn hinab. Loguire bi� die Z�hne zusammen. Kalter Stolz l�ste die Trauer ab. Wortlos drehte er sich auf dem Absatz und schritt zum Portal. �berlegend blieb er stehen, dann wandte er sich noch einmal um. Seine Stimme, die jetzt wieder sanft und g�tig klang, f�llte den ganzen Saal. �Eines noch, Catherine, die ich einst meine Nichte nannte � solange ich lebe, habt Ihr die Soldaten Logui-res nicht zu f�rchten.� Dann stapfte er mit wallendem Umhang zur T�r hinaus. Wie ein Mann erhoben sich die �brigen elf Hohen Lords und folgten Loguire ins Exil. �Also, wie hat sie den Fall der beiden Bauern entschieden?� fragte Gekab, den Rod ausritt, um sich ungest�rt mit ihm unterhalten zu k�nnen, denn in der Kaserne war er selten allein, und dem Roboter nur durch das Mikrophon zu lauschen, war unbefriedigend.</p><p>�Oh�, antwortete Rod. �Sie erkl�rte die Entscheidung des Priesters f�r richtig. Dem alten Bauern gefiel das nicht so recht, aber Catherine hatte ein As im �rmel, sie sagte, der Junge m�sse seinen Schwiegervater im Alter unterst�tzen. Woraufhin der alte Bauer grinste, und der Junge so aussah, als w�re er sich gar nicht mehr sicher, da� er den Fall gewonnen hatte.� �Eine gro�artige Entscheidung�, lobte Gekab. �Die junge Dame k�nnte als Richter eine Karriere machen.� �Wenn sie nur die Finger von der Politik lie�e�, murmelte Rod. Sie ritten der untergehenden Sonne entgegen, die den Himmel blutrot f�rbte. Das erinnerte Rod an etwas. �Sagtest du nicht, es best�nde die Gefahr eines weiteren Attentats auf die K�nigin?� �Ja, durch die Ratgeber der Hohen Lords, die zweifellos alle der gleichen au�erplanetaren Rasse angeh�ren, was allein schon ihr Aussehen beweist, das auf eine Kultur mit langlebigem Alter schlie�en l��t, und das wiederum auf hohe Technologie. Sie sind auf totale Anarchie auf diesem Planeten aus, und da steht ihnen Catherine nat�rlich im Weg. Doch nicht nur die Ratgeber sind ihr Feinde, sondern auch der Sp�tter.� �Wa-as?�</p><p>�Wie, w�rden Sie sagen, sieht er aus?�</p><p>�Absto�end h��lich!� Rod sch�ttelte sich.</p><p>�Sein K�rperbau? Sein H�cker kann vorget�uscht sein.�</p><p>�Du meinst doch nicht� Ja, du magst recht haben. Er ist genauso gro� und d�rr wie die Ratgeber, und wenn man �ber die vielleicht betonte H��lichkeit hinwegsieht, hat er tats�chlich unverkennbare �hnlichkeit mit den Ratgebern! Was bedeutet, da� auch er aus einer Kultur mit hochentwickelter Technologie stammt, wenn auch nicht unbedingt von derselben wie die Ratgeber.�</p><p>�Das hei�t aber nicht, da� sie zusammengeh�ren�, gab Gekab zu bedenken. �Er ist vielleicht nicht an totaler Anarchie, sondern an der Errichtung einer Diktatur interessiert. Aber deshalb steht auch ihm Catherine im Weg. Er sieht lieber jemanden auf dem Thron, den er beherrschen kann.�</p><p>�Tuan!� rief Rod.</p><p>�Ja, doch zuerst mu� er, wie gesagt, die K�nigin eliminieren.�</p><p>�Also sind sowohl die Ratgeber als auch das Haus Clovis auf Catherines Blut aus!�</p><p>�Richtig. Doch bis jetzt gibt es keine Anzeichen, da� sie zusammenarbeiten, eher gegeneinander��</p><p>�Aber was wollen sie hier, Gekab?�</p><p>�Wir k�nnen annehmen, da� sie getrennt voneinander hierherkamen, um etwas an sich zu bringen, das es hier auf Gramayre gibt.�</p><p>Rod zog die Brauen zusammen. �Es gibt hier doch, soviel ich wei�, keine seltenen Bodensch�tze��</p><p>�Ich dachte dabei an Sch�tze menschlicher Art.�</p><p>Rods Augen weiteten sich. �Die Esper! Nat�rlich! Sie sind der Hexen wegen hier!�</p><p>�Oder der Elfen!� meinte Gekab.</p><p>�Was k�nnten sie denn mit den Elfen anstellen?� fragte Rod stirnrunzelnd.</p><p>�Ich habe noch keine Hypothese daf�r, aber die logische</p><p>M�glichkeit darf nicht au�er acht gelassen werden.�</p><p>�Na gut, du bleibst bei der logischen M�glichkeit, und ich bei den Hexen. Wer �ber Telepathen verf�gt, k�nnte die Macht in der Galaxis an sich rei�en. He!� rief er erschrocken. �Das w�re tats�chlich m�glich!�</p><p>Ein schrilles Heulen erhob sich von den Burgzinnen, unmittelbar unter dem Ostturm. Rod konnte die Einzelheiten der Gestalt dort erkennen, obwohl sie verschwommen, eben wie ein Gespenst war. Aber dazu mu�te sie riesig sein, wenn man die Entfernung in Betracht zog. Sie trug die Fetzen eines Leichentuchs, hatte die Figur einer �ppigen Frau, aber den Kopf eines Kaninchens mit Sto�z�hnen.</p><p>�Beeilung, Gekab!� br�llte Rod und galoppierte zur Burg zur�ck, wo er auf dem Weg zu den Gem�chern der K�nigin f�nf Paar Wachen �berrannte. Brom O'Berin wartete bereits mit verschr�nkten Armen vor der T�r auf ihn. �Du hast lange gebraucht!� brummte er finster, aber seine Augen verrieten die Angst. Du mu�t heute nacht neben ihrem Bett Wache halten, Zauberer.�</p><p>Rod erstarrte. �Ich bin kein Zauberer, sondern S�ldner!�</p><p>�Es ist nicht die richtige Zeit, mir zu widersprechen. Du kannst dich nennen, wie du willst, aber jedenfalls hast du die Kr�fte eines Zauberers. Also, marsch, hinein mit dir!�</p><p>Catherine sa� in einem riesigen Bett und schaute ihnen �berrascht entgegen. �Was wollt ihr hier?� rief sie emp�rt.</p><p>Hatte sie das Geheul des Gespensts wirklich nicht geh�rt?</p><p>Sie streckte die Hand aus, um sich einen Kelch mit dampfendem Gl�hwein von einer Leibmagd reichen zu lassen.</p><p>Hastig sprang Rod dazwischen und fa�te nach dem Kelch, w�hrend er mit der Linken das �Einhorn-horn� vom G�rtel l�ste.</p><p>�Mein Herr, was soll das!� fauchte Catherine.</p><p>Gekabs Stimme drang aus dem Mikrophon: �Substanz der Analyseneinheit ist sch�dlich f�r menschlichen Metabolismus.�</p><p>Aber die konische H�lle war leer. Rod hatte den Wein �berhaupt noch nicht hineingegossen. Nur Luft befand sich in ihr! Nur Luft!</p><p>Rod dr�ckte den Knopf. Die Scheide f�rbte sich purpurrot. Die K�nigin starrte auf das Einhornhorn. �Was bedeutet das?� fragte sie erschrocken.</p><p>�Vergiftete Luft!� stie� Rod hervor und dr�ckte den Kelch in die Hand einer Leibmagd. Er sah sich um. Etwas hier str�mte Giftgas aus. Der Kamin! Er rannte zu den Flammen und hielt die Scheide dar�ber, doch das Purpur verbla�te ein wenig. �Nicht hier!� brummte Rod. Er hielt das H�rn hoch und stapfte damit kreuz und quer durch das Gemach. Die Scheide blieb lavendelfarbig. Er n�herte sich dem Bett, und sie f�rbte sich wieder dunkler.</p><p>Grauenerf�llt, aber fasziniert schaute Catherine auf das Horn. Rod b�ckte sich und schaute unter das Bett. Auf dem Steinboden darunter stand eine dampfende W�rmpfanne. Er packte den langen Griff, zog sie hervor und hielt die Scheide �ber das Loch, aus dem der Dampf stieg. Soviel er sich erinnerte, hatten W�rmpfannen normalerweise au�er dem normalen Verschlu� keine �ffnungen. Das Horn f�rbte sich fast schwarz. Rod schaute zur K�nigin hoch. Sie hatte sich die Fingerkn� chel einer Hand zwischen die Lippen geschoben, um nicht zu schreien.</p><p>Rod drehte sich um und streckte die Pfanne einem Posten entgegen. �Schnell, wirf es in den Burggraben!� befahl er ihm. Dann wandte er sich erneut Catherine zu. �Wir haben das Gespenst wieder einmal hereingelegt, Eure Majest�t!� Catherines Hand zitterte, als sie sie vom Mund nahm. Ein wildes Licht glitzerte in ihren Augen. �Meister Gallowglass, bleibt bei mir. Ihr anderen, zieht euch zur�ck, sofort!� Rod schluckte und seine Knie wurden weich. Sie war in diesem Augenblick die sch�nste Frau, die er je gesehen hatte. Wachen und Leibm�gde dr�ngten sich z�gernd durch die T�r.</p><p>Nur der Zwerg blieb. �Brom O'Berin�, befahl die K�nigin, �la� auch du uns allein!�</p><p>Emp�rt wollte der Troll aufbegehren, doch dann schluckte er seinen �rger und schlo� die T�r hinter sich.</p><p>Catherine legte sich auf die weichen Seidenkissen zur�ck und griff mit einer Hand nach Rods. �Ihr habt mir nun zum zweitenmal das Leben gerettet, Meister Gallowglass.� Sie drehte sich auf die Seite, da� die Samtrobe, in die sie sich geh�llt hatte, weit klaffte. Offenbar zog sie es vor, nackt zu schlafen.</p><p>Rod bi� die Lippen zusammen. Du bist nicht hier, dich von einer K�nigin verf�hren zu lassen, Junge, mahnte er sich, sondern um f�r Demokratie zu sorgen.</p><p>Catherine spielte mit einem Anh�nger um den Hals und betrachtete Rod wie eine Katze den Kanarienvogel. �S�ldner haben einen bestimmten Ruf�, murmelte sie. Ihre Lippen gl�nzten feucht.</p><p>�So wie meine K�nigin ihr Land reformieren will, hoffe auch ich, den Beruf des Soldaten zu reformieren und so seinen Ruf zu bessern.�</p><p>Einen Augenblick mu�te Catherines Herz ausgesetzt haben, so reglos lag sie. Dann verh�rteten sich ihre Z�ge, und das Schweigen im Zimmer wurde angespannt. Sie zog die Samtrobe �ber dem Busen zusammen. �Euch gilt h�chstes Lob, Meister Gallowglass�, sagte sie gepre�t. �Ich bin wahrhaft gl�cklich zu sch�tzen, solch getreue M�nner um mich zu haben.�</p><p>Unter den gegebenen Umst�nden war sie f�r diese Worte zu bewundern, obgleich Rod ein wenig Spott aus ihrer Stimme zu h�ren glaubte. Sie schaute ihm in die Augen. �Nehmt den Dank der K�nigin entgegen�, fuhr sie fort.</p><p>Rod lie� sich auf ein Knie fallen.</p><p>�Ja, wahrhaftig bin ich gl�cklich zu sch�tzen�, wiederholte Catherine. �Ihr habt mir das Leben gerettet, und ich glaube, da� ich nicht so leicht in der Gegenwart eines anderen Soldaten so sicher w�re wie in Eurer.�</p><p>Rod wand sich innerlich.</p><p>Sie l�chelte, und einen fl�chtigen Moment glitzerten ihre Augen boshaft und zufrieden, doch dann senkte sie den Blick.</p><p>�Geht jetzt, ich habe morgen einen schweren Tag vor mir und mu� ausgeruht sein.�</p><p>�Euer Wunsch ist mir Befehl!� Rod drehte sich um und stapfte zur T�r hinaus. Doch l�nger konnte er sich nicht mehr beherrschen. Er hieb mit der Faust gegen die Wand.</p><p>�Nun, mu� ich mich vor dir als dem n�chsten K�nig zu Boden werfen?� knirschte Brom O'Berin zwischen den Z�hnen hervor.</p><p>Rod hielt sich nur m�hsam zur�ck. �Ich mu� meine Zeit besser nutzen, als die k�nigliche Wiege an mich zu rei�en.�</p><p>Die Wut schwand aus Broms Augen. �Ich glaube dir�, murmelte er.</p><p>Rod pre�te die Lider und Z�hne zusammen und ballte hilflos die F�uste. Viel l�nger konnte er sich nicht mehr beherrschen.</p><p>Wie aus weiter Ferne h�rte er Brom sagen: �Er hat eine Botschaft aus dem Hexenturm f�r dich��</p><p>Rod zwang sich, die Augen zu �ffnen. Zu Broms F��en sa� im Schneidersitz ein Elf: Puck.</p><p>Rod straffte die Schultern. Wenn die Hexen ihm eine Botschaft schickten, war sie zweifellos wichtig. Er mu�te seiner Wut sp�ter Luft machen. �Also, heraus mit der Sprache�, forderte er den Troll auf. �Was lassen die Hexen mir sagen?�</p><p>Aber Puck sch�ttelte lediglich den Kopf und murmelte: �Gro�er Gott, welche Dummk�pfe diese Menschen sind!� Er sprang hastig zur Seite, ehe Rods Faust einen Sekundenbruchteil sp�ter gegen die Wand schlug, an die er sich gerade noch gelehnt hatte. Rod heulte vor Schmerz auf und wirbelte herum. Er sah Puck und holte erneut gegen ihn aus.</p><p>�Nicht so heftig�, murmelte Robin Goodfellow, und schon f�llte ein riesiger, grell rosa und gr�ner Drache den ganzen Korridor.</p><p>Rod sperrte die Augen auf, dann grinste er und fletschte in wilder Freude die Z�hne. Er duckte sich unter den Flammen und scho� unter dem Sch�del des Ungeheuers hoch. Seine Finger legten sich um den Schuppenhals und die Daumen dr�ckten in die Halsschlagader. Der Drache ri� vor Schmerz heulend den Sch�del hoch und schlug damit wie eine Peitsche um sich. Aber Rod lie� nicht locker, auch nicht, als der Drache seinen Kopf gegen die Wand h�mmerte. Dann beugte er den m�chtigen Hals, und die gewaltigen Krallen der Hinterbeine rissen Rods Seite vom Schl�sselbein bis zu der H�fte auf. Blut spritzte heraus. Rod sp�rte, wie Schw�rze ihn einzuh�llen drohte, aber er war entschlossen, den Drachen mit sich in den Tod zu nehmen.</p><p>Grimm erf�llte ihn, da� ihm ein Wutanfall, einer Frau wegen, das Leben kosten sollte. Da schwand die Schw�rze wieder, die ihn schon fast �bermannt hatte. Der Drache war verschwunden. Nur noch die brokat-behangenen Granitw�nde waren zu sehen. Blinzelnd starrte Rod an sich hinab. Sein Wams war unbesch�digt, von Blut oder auch nur der geringsten Verletzung keine Spur. Und pl�tzlich war sein Kopf wieder v�llig klar und er schaute hinab auf den Elf. Puck erwiderte seinen Blick ernst. �Zauber?� fragte Rod ihn.</p><p>Puck nickte. �Es war notwendig. Doch begleitet mich jetzt zu den Hexen. Sie beriefen eine Versammlung ein, und als Zauberer m��t Ihr daran teilnehmen.�</p><p>Rod war es leid, wieder einmal zu erkl�ren, da� er keiner war. Als Versammlung konnte man diese Zusammenkunft der Hexen wohl nicht bezeichnen. Sie feierten noch ausgelassener als in der vergangenen Nacht. �Weshalb die neue Party?� erkundigte sich Rod. �Wir feiern, weil unsere K�nigin lebt!� br�llte Roby vergn�gt.</p><p>�Und Ihr seid der Held! Ihr habt das Gespenst vertrieben!�</p><p>�Held�� Rod griff nach dem angebotenen Krug, nahm einen tiefen Schluck und fing pl�tzlich heftig zu husten an.</p><p>�Was habt Ihr?� erkundigte sich Toby besorgt und klopfte dem �lteren kr�ftig auf den R�cken.</p><p>�H�r auf!� kr�chzte Rod. �Mir fehlt nichts. Mir ist blo� pl�tzlich etwas klar geworden: das Gespenst ist gar nicht echt!�</p><p>�Was sagt Ihr da?� br�llte Toby durch den L�rm der Feiernden.</p><p>�Das Gespenst soll doch nur erscheinen, wenn jemand stirbt!�</p><p>br�llte Rod zur�ck. �Richtig?�</p><p>�Ja�, erwiderte Toby verwirrt.</p><p>�Wenn jemand stirbt!� betonte Rod. �Nicht, wenn jemand in Gefahr ist. Also schlie�e ich, da� es kein echtes Gespenst ist � jemand l��t es erscheinen. Die Frage ist nur, wer?�</p><p>Tobys Kinn klappte hinunter. �Aldis!� rief er. Und als Rod nickte, fuhr er fort: �Lausch auf Durers Gedanken!�</p><p>Das M�dchen nickte und schlo� die Augen. Nach einer kurzen Weile �ffnete sie sie wieder und starrte Rod ver�ngstigt an.</p><p>�Sie sind sehr w�tend, da� die K�nigin nicht starb, aber noch w�tender, weil sie nicht wissen, wer heute nacht das Gespenst auf die Zinnen geschickt hat.�</p><p>Rod nickte und pre�te die Lippen zu einem d�nnen Strich zusammen. Dann nahm er einen tiefen Schluck aus seinem Krug und schritt zur Treppe. Toby flog ihm nach und griff nach seinem �rmel. �Wohin eilt Ihr?�</p><p>�Zu den Zinnen�, erwiderte Rod. �Wo sollte ich sonst nach dem Gespenst Ausschau halten?�</p><p>Der Nachtwind schnitt durch seine Kleider, als er hinaus auf die Zinnen trat. Ein Mond warf seinen Schatten vor ihm her und lie� die Zinnen wie l�ckenhafte Z�hne aufleuchten. Rod entsann sich, da� das Gespenst bisher noch jedesmal unter dem Ostturm erschienen war. Er blickte hinunter auf die Stadt. Eine lange wei�e Stra�e wand sich dort zur Zugbr�cke hoch. Und genau in der Mitte der Stadt erhob sich wie ein riesiger</p><p>Grabstein aus Basalt das Haus Clovis.</p><p>Pl�tzlich h�rte Rod ein stolperndes, scharrendes Ger�usch hinter sich. Sofort duckte er sich und zog den Dolch. Tom kam mit etwas um den Arm gewunden schweratmend die Wendeltreppe hoch. Als er Rod sah, leuchtete sein Gesicht auf.</p><p>�O Herr, es ist Euch nichts passiert!� rief er erleichtert.</p><p>�Was sollte mir schon passiert sein?� entgegnete Rod und schob den Dolch in die Scheide zur�ck. �Was machst du denn hier?�</p><p>Der Riese blieb stehen. Er schaute verlegen zu Boden. �Ich -</p><p>ich h�rte, Meister, da߅� Dann blickte er hoch und die Worte �berschlugen sich fast: �Ihr d�rft Euch nicht mit dem Gespenst anlegen, Herr! Doch wenn Ihr es tut, sollt Ihr es nicht allein!�</p><p>Rod musterte das Gesicht des Giganten und fragte sich, wie er diese tiefe Verehrung verdient hatte, dann l�chelte er weich.</p><p>�Deine Knie sind zu Gummi geworden, allein bei dem Gedanken an das Gespenst, und trotzdem hast du den Mut, mich zu begleiten.�</p><p>Tom grinste verlegen und starrte wieder auf den Boden. Rod konnte sich im Mondlicht nicht sicher sein, aber ihm war, als h�tte eine schwache R�te das Gesicht des Riesen �berzogen. Er machte sich in Richtung auf den Ostturm auf den Weg. Tom stapfte neben ihm her. Pl�tzlich warf er ihm seinen Umhang, den er um den Arm gewunden gehabt hatte, �ber die Schultern.</p><p>�Damit Ihr nicht friert, Herr�, brummte er.</p><p>Rod war von dieser Geste ger�hrt, doch gleichzeitig wurde ihm klar, da� der Umhang ihn in einem eventuellen Kampf behindern w�rde � und genauso klar wurde ihm, da� das auch Tom bewu�t war.</p><p>�Habt Ihr denn keine Angst vor dem Gespenst, Meister?�</p><p>Rod dachte nach. �Nein, warum auch? Diese Art von Gespenstern hat noch nie jemandem etwas angetan, es ist nur so eine Art Todesbote, verstehst du?�</p><p>�Trotzdem ist es ein Wunder, da� Ihr keine Angst habt. Wollt</p><p>Ihr nicht lieber in den Schatten des Zinnengangs gehen, Meister? Ihr seid dort sicherer. In der Mitte, wo Ihr Euch befindet, k�nnt Ihr von beiden Seiten angegriffen werden.�</p><p>�Ich ziehe die Mitte vor�, erkl�rte ihm Rod. �Wenn die Stra�e richtig gebaut ist, ist sie in der Mitte am h�chsten, und der Wanderer sieht, was von links und rechts kommt. Die Seiten dagegen k�nnen tr�gerisch sein. Nat�rlich ist man dort der Sicht am ehesten ausgesetzt, und deshalb haben die wenigsten den Mut, dort dahinzuschreiten.� Ohne �bergang fragte er: �Hast du schon einmal etwas von dialektischem Materialismus geh�rt, Tom?�</p><p>�Wie kommt Ihr�� Aber Tom fing sich schnell und murmelte: �Nein, Meister, nie!�</p><p>Aha, dachte Rod, hab' ich dich �berrascht. Laut sagte er: �Es ist eine terranische Philosophie. Ihre Urspr�nge liegen im Dunklen Zeitalter, aber manche Menschen richten sich noch danach.�</p><p>�Was ist terranisch?� fragte der Riese.</p><p>�Ein Traum.� Rod seufzte. �Und ein Mythos.�</p><p>�Lebt Ihr danach, Meister?�</p><p>Rod schaute verbl�fft hoch. �Nach dem Traum von Terra?�</p><p>�Nein, nach diesem dialek� Mit welchem Zauber Ihr es auch benennt��</p><p>�Was? Den dialektischen Materialismus?� Rod grinste. �Nein, aber einige seiner Konzepte sind manchmal recht praktisch, wie beispielsweise die Idee der Synthese. Wei�t du was das ist, Tom?�</p><p>�Nein, Meister.� Tom sch�ttelte energisch den Kopf.</p><p>Na, ja, sein Staunen war vermutlich echt, denn das letzte, was Tom erwartete, war sicherlich, da� Rod eine totalit�re Philosophie zitierte. �Es ist der Weg in der Mitte�, erkl�rte Rod. �Rechts des Weges ist die These und links die Antithese.</p><p>Zusammengenommen ergeben sie die Synthese.�</p><p>�Oja.� Tom nickte.</p><p>Ziemlich schnelle Auffassungsgabe f�r einen Bauernt�lpel, dachte Rod sp�ttisch. �Sowohl These als auch Antithese sind teilweise falsch. Also wirft man die falschen Teile zur Seite, gibt die richtigen zusammen � das hei�t, man nimmt das Beste davon �, nennt das Ergebnis Synthese, und man hat die Wahrheit. Verstehst du?�</p><p>Toms Augen nahmen einen wachsamen Ausdruck an. Er wu�te nun, worauf Rod hinauswollte.</p><p>�Und da die Synthese der Weg in der Mitte ist, ist er nat�rlich unbequem�, fuhr Rod fort. �Doch genug der Philosophiererei.</p><p>Wir wollen uns an die Arbeit machen.�</p><p>Pl�tzlich h�rten sie ein Scharren im Schatten. Tom sprang zur�ck und zog seinen Dolch. �Das Gespenst!� br�llte er. Auch Rod umklammerte den Dolchgriff, doch da huschte eine riesige Ratte an ihm vorbei.</p><p>�Gott sei Dank, nur eine Ratte�, seufzte der gro�e Tom erleichtert. �Es gibt hier so viele von ihnen.�</p><p>�Ja, aber ich sah noch etwas, als sie an mir vorbeirannte.� Rod kniete sich neben die Au�enmauer und tastete �ber den Stein.</p><p>�Hier!� Er nahm die Hand des Riesen, der ihm besorgt den Knoblauchatem ins Gesicht blies, und dr�ckte sie an seine Entdeckung.</p><p>Tom holte erschrocken Luft und ri� seine Hand zur�ck. �Es ist kalt.� Seine Stimme zitterte. �Kalt und rechteckig, und � es hat mich gebissen!�</p><p>�Dich gebissen?� fragte Rod stirnrunzelnd, w�hrend er �ber die metallene Box tastete. Er sp�rte einen leichten elektrischen Schlag und zuckte ebenfalls zur�ck. Wer immer dieses Ding hier angebracht hatte, mu�te ein blutiger Amateur sein. Es war nicht einmal richtig geerdet � oder vielleicht war es Absicht, um denen, die zuf�llig dar�ber stolperten, einen Schrecken einzujagen? Rod zog den Dolch und war froh �ber die Isolierung, die der lederne Griff bot. Vorsichtig schraubte er den Deckel der Metallbox auf. Er sah den scheinbaren</p><p>Wirrwarr der silbrigen Schaltkreise, die jedoch insgesamt nicht mehr Raum einnahmen als sein Daumennagel. Seine Kopfhaut prickelte. Wer immer dieses Ding angefertigt hatte, verstand mehr von molekularen Schaltkreisen als die Techniker seiner Heimat. Aber weshalb eine so gro�e Box f�r eine so winzige Einheit?</p><p>Der Rest der Box war mit einer Apparatur ausgef�llt, die Rod v�llig unverst�ndlich war. Er betrachtete die Oberfl�che der Box. In der Mitte befand sich ein durchsichtiger Kreis. Rod runzelte die Stirn. So etwas hatte er noch nie gesehen. Seiner Sch�tzung nach war der Schaltkreis Teil einer Fernbedienung.</p><p>Aber was war der Rest der Apparatur?</p><p>�Herr, was ist das?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, murmelte Rod, �aber ich glaube fast, da� es etwas mit dem Gespenst zu tun hat.� Er tastete mit der Dolchspitze in dem Ding herum. Nat�rlich mu�te er �u�erst vorsichtig sein, denn wie leicht mochte es mit einem Selbstzerst�rungsmechanismus versehen sein, der bei einer falschen Ber�hrung ringsum alles in die Luft sprengte. Da dr�ckte die Dolchspitze auf etwas. Die Maschine klickte und begann leise zu summen.</p><p>�Weg, Herr!� br�llte Tom. Aber Rod k�mmerte sich nicht darum. Er starrte auf die wolkenartige Substanz, die aus dem durchsichtigen Kreis hochstieg. Und eine Sekunde sp�ter klickte eine zweite Maschine irgendwo vor Rod, und ein Lichtstrahl scho� von der Au�enmauer �ber Rods Kopf in die Wolke und breitete sich f�cherf�rmig aus.</p><p>�Das Gespenst!� heulte Tom auf. �Flieht um Euer Leben, Herr!�</p><p>Tats�chlich bewegte das Gespenst sich etwa drei Meter �ber Rod. Ganz deutlich konnte er die �ppige Frauengestalt mit dem Kaninchenkopf sehen. Ein verborgener Lautsprecher fing zu summen an, und als der erste Heulton sich erheben wollte, zog Rod die Dolchspitze um etwa einen Zentimeter zur�ck. Der</p><p>Lichtf�cher erlosch, das Zischen des mechanischen Rauchtopfs erstarb. Rod dr�ckte den Deckel wieder auf den Apparat. �Was war das, Meister?� wisperte Tom.</p><p>�Ein Zauber. Und das Gespenst ist nichts als Schwindel. Komm, Tom, du mu�t mich am Fu�gelenk festhalten.� Er legte sich in eine Zinnen�ffnung, mit den Knien unmittelbar �ber dem Rauchtopf. Brummelnd griff Tom nach seinen Kn�cheln. Rod schob sich vorw�rts, bis sein Kopf hinausragte. Fast direkt unter seinem Kinn befand sich eine kleine Box mit herausragender Linse: ein Miniaturprojektor, der das Gespensterbild auf die Rauchwolke warf und so die Illusion einer dreidimensionalen Gestalt hervorrief. Und das Ganze wurde mit Fernsteuerung bedient. Von wo aus? �Halt mich ganz fest�, befahl er Tom und kroch fast ganz nach vorn. Er konnte nur hoffen, da� er sich in dem Riesen nicht t�uschte und der ihn loslie�, denn den Sturz in die Tiefe w�rde er nicht �berleben. Aber er konnte jetzt nicht mehr zur�ck. Er starrte an der Mauer hinunter. Und da entdeckte er auch die Antenne. Nun mu�te er nur noch den Sender finden. Und so gut er sich auch der Architektur anpa�te, seine scharfen Augen ersp�hten den Fremdk�rper � auf dem Haus Clovis! Einen Augenblick �berschlugen sich seine Gedanken. Also waren es tats�chlich nicht nur die Ratgeber, die allerdings auch, denn er hatte Durer ja selbst ertappt. Aber die umfunktionierte W�rmpfanne hatte sich bestimmt durch einen Dienstboten leichter unterschieben lassen als durch einen Ratgeber. Das Zittern von Toms H�nden ri� ihn aus seinen �berlegungen. So schwer bin ich doch auch wieder nicht, dachte er, aber er kroch eilig zur�ck und glaubte, Tom einen Seufzer der Erleichterung aussto�en zu h�ren, als er wieder in Sicherheit war. Er drehte sich zu ihm um. Dicker Schwei� str�mte �ber des Riesen Gesicht, und seine Unterlippe zitterte. Schweigend blickte er ihm in die Augen, dann murmelte er: �Danke, Tom.�</p><p>Der Riese drehte sich um und schritt zur Treppe zur�ck. Rod fiel neben ihn in Gleichschritt. Sie hatten die Treppe schon fast zur H�lfte zur�ckgelegt, als Tom endlich den Mund �ffnete: �Wi�t Ihr jetzt, Herr, wer diesen Zauber schickte?�</p><p>Rod nickte. �Das Haus Clovis.�</p><p>�Weshalb habt Ihr dieses � Ding nicht zerst�rt?�</p><p>Rod zuckte die Schultern. �Es diente uns bisher immer als gute Warnung, da� der K�nigin Gefahr droht.�</p><p>�Wem werdet Ihr davon erz�hlen?�</p><p>Rod schaute zu den Sternen auf. �Meinem Pferd�, antwortete er.</p><p>�Pferd?� brummte Tom erstaunt.</p><p>�Ja, sonst niemandem, bis ich mir sicher sein kann, auf wessen Seite van Loguire steht � auf der der K�nigin, oder der ihrer Feinde.�</p><p>�Ah.� Tom schien diese Erkl�rung zu gen�gen. Rod sch�tzte seinen Status nun noch h�her als zuvor ein. Offenbar wu�te der Bursche mehr von dem, was vorging, als er.</p><p>�Ihr seid dem Tod heute nacht nur um Haaresbreite entgangen, Meister�, brummte Tom.</p><p>�Oh, das glaube ich nicht. Es war nur ein vorget�uschtes Gespenst, es h�tte uns nichts anhaben k�nnen.�</p><p>�Ich meinte nicht das Gespenst, Herr.�</p><p>�Ich wei�.� Rod blickte Tom fest in die Augen, dann stieg er weiter die Treppe hinunter. Erst nachdem er sechs Stufen zur�ckgelegt hatte, wurde ihm bewu�t, da� Tom ihm nicht folgte. Er schaute �ber die Schulter. Tom starrte ihn mit offenem Mund an. Schlie�lich fa�te er sich. �Ihr kanntet die Gefahr, Meister?�</p><p>�Allerdings.�</p><p>Tom nickte bed�chtig, dann stieg auch er die Stufen hinunter.</p><p>�Herr�, sagte er nach einer Weile. �Ihr seid entweder der tapferste Mann, den ich kenne, oder der gr��te Narr.�</p><p>�Vermutlich beides�, murmelte Rod.</p><p>�Ihr h�ttet mich t�ten m�ssen, gleich, als Ihr mich durchschaut habt.� Toms Stimme zitterte ein wenig.</p><p>Rod sch�ttelte nur wortlos den Kopf.</p><p>�Warum nicht?� Tom br�llte es fast.</p><p>Rod seufzte. �Vor langer, langer Zeit lebte ein K�nig��</p><p>�Es ist nicht die richtige Zeit f�r M�rchen, Herr!�</p><p>�Es ist kein M�rchen, eher eine Parabel � und vermutlich beruht sie auf Wahrheit. Nun, der K�nig hie� Hideyoshi und herrschte �ber ein Land namens Japan, und der h�chste Edelmann dieses Landes war leyayasu.�</p><p>�Und er wollte K�nig werden?�</p><p>�Ich sehe, da� du mit dem grundlegenden Prinzip vertraut bist.</p><p>Jedenfalls wollte Hideyoshi leyayasu nicht t�ten.�</p><p>�Er war ein Narr�, knurrte Tom.</p><p>�Nein, denn er brauchte leyayasus Unterst�tzung. Also lud er ihn zu einem Spaziergang in seinem Lustgarten ein, nur die beiden allein.�</p><p>Tom blieb stehen. �Und sie k�mpften.�</p><p>Rod sch�ttelte den Kopf. �Hideyoshi sagt, er w�rde alt und schwach, und bat leyayasu, das Schwert f�r ihn zu tragen.�</p><p>Tom starrte Rod schweigend an. Dann schluckte er und nickte.</p><p>�Und was geschah dann?�</p><p>�Nichts. Sie unterhielten sich eine Weile, dann gab leyayasu Hideyoshi das Schwert zur�ck.�</p><p>�Und?�</p><p>�Leyayasu war dem K�nig treu ergeben, bis dieser starb.�</p><p>Toms Gesicht wirkte wie aus Holz geschnitten. �Ein kalkuliertes Risiko�, murmelte er.</p><p>�Ziemlich ungew�hnliche Sprache f�r einen Bauern hm?�</p><p>Etwas Unverst�ndliches knurrend, wandte Tom sich ab. Nach einer Weile folgte Rod ihm l�chelnd. Sie hatten den Wachraum fast erreicht, als Tom Rod eine Pranke auf die Schulter dr�ckte.</p><p>�Was seid Ihr?� brummte er.</p><p>�Du meinst, f�r wen ich arbeite? Nur f�r mich, Tom.�</p><p>�Nein.� Tom sch�ttelte den Kopf. �Das glaube ich nicht. Aber danach fragte ich auch nicht. Was seid Ihr f�r ein Mensch?�</p><p>Rod runzelte die Stirn. �An mir ist nichts Ungew�hnliches.�</p><p>�O doch. Ihr t�tet einen Bauern nicht einfach��</p><p>�Ist das denn so ungew�hnlich?� fragte Rod erstaunt.</p><p>�Allerdings. Und Ihr k�mpft f�r Euren Diener, und vertraut ihm, und erteilt ihm nicht nur Befehle, sondern unterhaltet Euch sogar mit ihm. Was seid Ihr nur, Rod Gallowglass?�</p><p>Verwirrt breitete Rod die H�nde aus. �Ein Mann, weiter nichts.�</p><p>Tom musterte ihn kurz, dann nickte er. �Ja, das seid Ihr. Meine Frage ist beantwortet.�</p><p>Ein Page eilte herbei. �Meister Gallowglass, die K�nigin erwartet Euch.�</p><p>Rod ritt mit Tom durch den fr�hen Morgen. Er war nur kurz bei der K�nigin gewesen, und sie hatte ihn bei ihrem Gespr�ch nicht angesehen, sondern ins Kaminfeuer gestarrt. �Ich f�rchte um Onkel Loguire�, sagte sie. �Es gibt einige, die gern seinen �ltesten Sohn an seiner Stelle sehen w�rden.�</p><p>Rod hatte steif geantwortet. �Wenn er stirbt, verliert Ihr Euren st�rksten Feind unter den Hohen Lords.�</p><p>�Ich verliere jemanden, der mir sehr teuer ist!� hatte sie gefaucht. �Mich interessiert die Freundschaft der Lords nicht, aber mein Onkel bedeutet mir sehr viel.�</p><p>Und das stimmt vermutlich auch, dachte Rod. Als Frau konnte sie sich Gef�hle leisten, als Herrscherin nicht.</p><p>�Ich m�chte, da� Ihr noch heute zu Lord Loguire reitet und daf�r sorgt, da� ihm nichts zust��t!�</p><p>Es gibt nichts Schlimmeres als eine Frau, die sich gekr�nkt f�hlt, dachte Rod. Jetzt schickt Catherine ihren zuverl�ssigsten Leibw�chter so weit fort, wie sie nur konnte.</p><p>�Gekab�, sagte er leise. �Ich bin ein Trottel. Ich bin hier, um dieses K�nigreich zu einer konstitutionellen Monarchie zu</p><p>machen, und nun lasse ich mich in den S�den schicken, w�hrend die Ratgeber jede M�glichkeit einer Konstitution verhindern und das Haus Clovis dabei ist, die Monarchin zu t�ten. Ganz abgesehen davon lasse ich mich auch noch von einem Knappen begleiten, der mir vielleicht doch einmal ein Messer in die Rippen jagt, wenn sein Pflichtbewu�tsein die Oberhand �ber sein Gewissen erlangt!�</p></section><section><title><p>2.�TEIL � DIE HEXE VON NIEDRIGEM STAND</p></title><empty-line/><p>Inmitten von halbgem�hten Wiesen, wo die Sonne sich noch auf Tautropfen spiegelte, hielt Rod an. �Tom!� rief er. �Wir fr�hst�cken hier!� Bis Tom sein Pferd versorgt hatte, brannte bereits ein Lagerfeuer. Tom sah Rod staunend an, als er eine Bratpfanne und eine Kaffeekanne zum Vorschein brachte, dann setzte er sich weiter entfernt auf einen gef�llten Baum am Ufer eines Baches. Er sog den k�stlichen Duft des brutzelnden Schinkens ein und holte seufzend ein paar St�cke Zwieback und einen Beutel Bier hervor.</p><p>Stirnrunzelnd blickte Rod von seiner Kocherei hoch und br�llte: �Heh! Mein Essen ist dir wohl nicht genug?�</p><p>Tom starrte ihn mit offenem Mund an.</p><p>�Komm schon!� Rod winkte ungeduldig mit beiden Armen.</p><p>�Und bring den Zwieback mit. Im Schinkenfett ger�stet schmeckt er nicht schlecht.�</p><p>Tom �ffnete sprachlos den Mund, dann nickte er stumm und stapfte herbei.</p><p>Das Wasser kochte. Rod warf eine Handvoll gemahlenen Kaffee in die Kanne und sch�ttelte bei Toms ungl�ubiger Miene den Kopf. �Du hast wohl noch nie ein Lagerfeuer gesehen?� brummte er.</p><p>�Ihr ladet mich wahrhaftig ein, mit Euch zu essen, Herr?�</p><p>Rod runzelte die Stirn. �Ist das wirklich so unverst�ndlich?</p><p>Komm, g�nn mir einen Schluck von deinem Bier.�</p><p>Tom streckte ihm den Lederbeutel entgegen, und Rod nahm einen tiefen Schluck. �Was ist denn los mit dir? H�ltst du mich f�r ein fremdartiges Ungeheuer?�</p><p>Tom schlo� die Lippen und zog die Brauen zusammen. Dann verzog sein Gesicht sich zu einem breiten Grinsen. �Nein, Herr, nein. Ihr seid ein selten guter Mensch, das ist es.�</p><p>Verwirrt fragte Rod: �Was ist so selten oder gut an mir?�</p><p>Tom warf mehrere Zwiebackscheiben in das hei�e Fett und schaute grinsend auf. �In diesem Land i�t ein Herr nicht mit seinem Diener.�</p><p>�Oh, das!� Rod lachte. �Wir sind ja beide allein, Tom, und ich brauche mich nicht um solchen Unsinn zu k�mmern.�</p><p>�Ja�, brummte Tom. �Ein wahrhaft wundersam seltener Mann!�</p><p>�Und ein Narr, hm?� Rod legte je zwei St�ck Schinken auf bereitgestellte Holzteller und gab den Zwieback dazu. �La� es dir schmecken, Tom.�</p><p>Der Riese a� schweigend, dann schaute er sich die Gegend an.</p><p>�Hier gibt es viele sch�ne M�dchen, Herr. K�nnten wir uns nicht ein wenig umsehen?� Noch ehe Rod protestieren konnte, fuhr Tom fort: �Aber ich mu� Euch warnen, Meister, Ihr d�rft diese Bauernm�dchen nur einmal lieben und sie dann schnell, ohne noch einmal zur�ckzublicken, verlassen.� �Warum?</p><p>W�rde ich sonst zur Salzs�ule erstarren?� �Nein, aber zum Ehemann werden! Denn wenn Ihr diesen Bauernm�dchen auch nur ein F�nkchen Hoffnung gebt, sind sie schlimmer als Blutegel und lassen Euch nie wieder los.�</p><p>Rod schnaubte ver�chtlich. �In diese Gefahr komme ich bestimmt nicht. So, aber jetzt wollen wir aufbrechen.�</p><p>Sie waren jedoch kaum dreihundert Meter weit gekommen, als eine gedehnte Altstimme ihnen zurief. Zwei kr�ftige, gutgewachsene Bauernm�dchen, mit Heugabeln in der Hand, winkten ihnen lachend zu.</p><p>�O Herr, sind wir denn wirklich in so gro�er Eile?� fragte Tom fast flehend.</p><p>�Na, meinetwegen. Ich m�chte nicht, da� irgend jemand an Frustration leidet. Verschwinde!�</p><p>Mit einem Juchzer dr�ckte Tom seinem Pferd die Fersen in die Weichen, sprang vor den M�dchen aus dem Sattel und schlo� eine in jeden Arm. Rod sch�ttelte den Kopf, winkte Tom und seinen Gespielinnen zu und suchte sich einen Heuhaufen, wo er sich ausruhen konnte, bis Tom seinen Spa� gehabt hatte. Von Gekabs R�cken sprang er auf den Heuhaufen und machte es sich bequem. Wei�e W�lkchen zogen �ber den strahlend blauen Himmel, und schlie�lich mu�te er wohl eingenickt sein. Pl�tzlich wachte er auf. Er sp�rte, da� jemand in seiner N�he war. Verschlafen hob er die Lider und schaute geradewegs in ein sehr, sehr tief geschnittenes Mieder. Es fiel ihm gar nicht so leicht, den Blick davon loszurei�en und h�her zu richten. Zwei gro�e, seegr�ne Augen sahen ihn offensichtlich besorgt unter langen Wimpern an. Erst nach einer Weile wurde ihm auch der Rest des Gesichts bewu�t: feingeschwungene Brauen, eine Stupsnase mit Sommersprossen, volle Lippen, und wallendes, rotes Haar um ein rundliches Gesicht.</p><p>Rod l�chelte, g�hnte und streckte sich. �Guten Morgen.� Der besorgte Blick wich einem schwachen L�cheln. �Guten Morgen, guter Herr. Weshalb schlaft Ihr hier allein, wenn eine Frau nur Eures Rufes harrt?�</p><p>Es war Rod, als h�tte er einen kalten Gu� �ber den R�cken bekommen. Er bem�hte sich um ein freundliches L�cheln. �Ich danke dir, M�dchen, aber ich bin heute nicht in der richtigen Stimmung f�r dergleichen Zeitvertreib.� �Das kann ich mir schlecht vorstellen, nicht bei einem Bauern und schon gar nicht bei einem Lord.� �Ich bin kein Lord!�</p><p>�Nun, jedenfalls ein feiner Herr, und gerade er hat doch nichts zu bef�rchten.�</p><p>�Wie meinst du das?� fragte Rod und hob eine Braue. Sie l�chelte traurig. �Nun, Mylord, ein Bauer m��te vielleicht Angst vor einer erzwungenen Ehe haben, aber doch ein feiner Herr nicht!�</p><p>Rod runzelte die Stirn und betrachtete das M�dchen n�her. Er sch�tzte, da� sie ein wenig j�nger war als er, vielleicht neunundzwanzig oder drei�ig. Und da� ein Bauernm�dchen in dieser Gesellschaftsform mit drei�ig nicht verheiratet war� Er streckte die Arme aus. �Komm her zu mir, H�bsche.� Einen fl�chtigen Moment leuchtete Hoffnung in ihren Augen auf, der jedoch schnell Resignation folgte. Sie lie� sich seufzend neben ihm im Heu nieder, rollte sich auf eine Seite und legte ihren Kopf auf seine Schulter.</p><p>Hoffnung, gr�belte Rod, der sich ihres Busens und der H�ften an seiner Seite nur allzusehr bewu�t war, Hoffnung, da� man sie nahm und schnell wieder von sich warf. Er schauderte. Das M�dchen hob den Kopf und fragte besorgt: �Ist Euch kalt, Mylord?�</p><p>Er drehte sich ihr zu. Eine pl�tzliche Welle von Dankbarkeit und Z�rtlichkeit verschn�rte ihm die Kehle. Er dr�ckte sie fest an sich und schlo� die Augen. Ein Schmerz l�ste sich in ihm. Ein Schmerz, dessen er sich erst jetzt bewu�t geworden war, als er ihn verlie�.</p><p>Sie pre�te ihren Kopf in seine Halsgrube und ihre H�nde verkrampften sich in sein Wams.</p><p>Allm�hlich entspannte er sich wieder und lockerte seine Umarmung. Er lag ganz still und �ffnete sich weit der Welt um ihn. Auch das M�dchen hatte ihn losgelassen, und nun lagen ihre Arme und ihr Kopf wie Blei auf ihm. Er hielt die Lider geschlossen im Licht der herabbrennenden Sonne und �sah� die Welt mit den Ohren. Das Heu raschelte, das M�dchen bewegte sich. Sie mu�te sich aufgesetzt haben und schaute nun zweifellos mit Trauer in den Augen auf ihn herab, vielleicht mit einer Tr�ne auf den Wangen und zitternden Lippen. Mitleid stieg in ihm auf, Mitleid mit ihr und �rger �ber sich selbst. Es war ja nicht ihre Schuld, da� er momentan nichts als Frieden ersehnte und keine Liebelei. Er rollte sich auf die Seite und schaute stirnrunzelnd zu ihr hoch.</p><p>Aber ihre Augen verrieten keine Trauer, kein Gekr�nktsein � nur Verst�ndnis, und Besorgnis � um ihn. Er griff nach ihrer Hand und wunderte sich, wie klein sie war. Er dr�ckte ihre schlanken Finger auf sein Gesicht und schlo� die Augen. Ihre Stimme klang weich und sanft. �Mylord, nehmt mich, wie Ihr wollt. Um mehr bitte ich nicht.�</p><p>Um mehr bitte ich nicht� Sie brauchte Liebe, und wenn auch nur f�r wenige Minuten, und auch wenn sie danach einsam und verlassen sein w�rde und sie wissen mu�te, da� es nicht wirklich Liebe war, sondern nur Verlangen sein konnte. Ja selbst wenn es ihr nur Kummer und Schmerzen brachte, brauchte sie Liebe.</p><p>Er schaute ihr in die Augen. Tr�nen glitzerten darin. Schnell schlo� er die Lider und sah Catherines Gesicht vor sich, und Tuans an ihres geschmiegt. Ein Teil seines Ichs betrachtete die beiden, ohne da� es schmerzte, und er staunte, wie gut sie zusammenpa�ten. Und dann schob sich sein eigenes Gesicht daneben, und eine Stimme befahl ihm: Sieh dich doch an und vergleiche! Vergleiche! Seine Hand verkrampfte sich, da schrie das Bauernm�dchen vor Schmerz auf. Schnell l�ste er die Hand und schaute das M�dchen an, und jetzt schob sich Catherines Gesicht neben ihres.</p><p>Er musterte die beiden, die eine, die ihn benutzte, und die andere, die von ihm benutzt werden wollte. Brennender �rger erf�llte ihn pl�tzlich. �rger auf Catherine, ihrer Selbstgerechtigkeit wegen und ihrer Entschlossenheit, die Welt nach ihrem Willen zu beugen. Und �rger auf das Bauernm�dchen, ihrer stummen Duldsamkeit und ihrer Resignation, ihrer tiefen W�rme und Sanftheit wegen. Hei�er brannte der �rger, �ber sich selbst, �ber das Tier in ihm, als er die Finger in ihre Schultern grub und das M�dchen ins Heu dr�ckte. Sie wimmerte vor Schmerz, bis seine Lippen sich heftig auf ihre pre�ten. Und dann bohrten ihre N�gel sich in seinen R�cken, und ihr</p><p>K�rper verkrampfte sich, ehe sie erschlaffte und ihre Brust sich in einem tiefen Schluchzen unter ihm hob.</p><p>Die H�lfte seines �rgers l�ste sich in Nichts auf, die andere stach tief in ihn und l�ste eine Welle der Reue aus. Er rollte sich von dem M�dchen, um sie von seinem Gewicht zu befreien, und dann waren seine Lippen pl�tzlich warm und bittend, seine H�nde sanft, z�rtlich und beruhigend.</p><p>Sie sog die Luft ein, und wieder verkrampfte sich ihr K�rper.</p><p>Narr, sagte eine Stimme in ihm. Narr, jetzt hast du ihr nur noch weher getan!</p><p>Er war schon bereit, sich von ihr abzuwenden, als er ihr in die Augen blickte � und das Verlangen sah, das in ihr brannte. Und schon pre�ten ihre Lippen sich auf seine, und sie zog ihn zu sich herab.</p><p>Rod st�tzte sich auf einen Ellbogen und schaute hinab auf das M�dchen, das nackt, mit nur seinem Umhang als ungen�gendem Schutz, neben ihm lag. Er liebkoste sie sanft und z�rtlich. M�de, doch ungemein zufrieden schlang sie die Arme um seinen Hals und zog ihn erneut zu sich herunter. Rod blickte in ihre wundersch�nen smaragdgr�nen Augen und f�hlte sich so wohl wie nie zuvor. Er schaute sich um, dann wieder sie an, und es gab nichts mehr auf der Welt au�er ihr, und er staunte, da� es ihm gefiel und er so zufrieden war mit der Welt, dem Leben, Gott � und haupts�chlich mit ihr.</p><p>Sie schaute zu ihm hoch. Ihr L�cheln schwand und machte Besorgnis Platz. �F�hlt Ihr Euch wohl, Mylord?� fragte sie leise.</p><p>Er beugte sich erneut �ber sie, um sie noch einmal sanft zu k�ssen. �Ja, ich f�hle mich wohl, ungew�hnlich wohl.�</p><p>Fl�chtig leuchtete ihr Gesicht auf, dann blickte sie auf sich hinab, und schlie�lich wieder zu ihm hoch, und ihre Augen verrieten Angst. Er legte die Arme um sie und rollte sich, mit ihr auf ihm, auf den R�cken. Ihr K�rper spannte sich kurz, dann stie� sie einen Seufzer aus und vergrub ihr Gesicht in seiner Achselh�hle.</p><p>Er bewunderte die Pracht ihres Haares auf seiner Brust und l�chelte.</p><p>�Rod!� Gekabs Stimme fl�sterte hinter seinem Ohr und die Welt flutete zur�ck. �Tom hat sich wieder angezogen und kommt auf deinen Heuhaufen zu.�</p><p>Rod richtete sich abrupt auf und blinzelte in die Sonne. Sie stand fast im Zenit. �Zur�ck zum grauen Alltag�, brummte er und griff nach seiner Kleidung.</p><p>�Mylord?� Sie l�chelte, aber aus ihren Augen sprach Schmerz, der zur Resignation wurde. �Die Erinnerung an die Stunden mit Euch, mein Lord, wird mir teuer und unvergessen bleiben�, wisperte sie, w�hrend sie seinen Umhang an sich dr�ckte und ihre Augen sich weiteten.</p><p>Es war eine hoffnungslose Bitte um ein paar gute Worte, um Trost vielleicht, den er ihr nicht ehrlichen Herzens geben konnte, denn er w�rde sie nie wieder sehen. Doch dann wurde ihm klar, da� sie gar nicht wirklich darauf wartete, sondern eher auf seinen Spott, weil sie auch nur fl�chtig die Unversch�mtheit besessen hatte, sich f�r von so gro�em Wert zu halten, da� er sie seines Dankes versichern w�rde. Und sie wu�te, da� ihre stumme Bitte ihr nur Leid bringen w�rde, und trotzdem flehten ihre Augen, denn eine Frau lebt von der Liebe, und sie war eine Frau von nahe drei�ig in einem Land, wo M�dchen bereits mit f�nfzehn heirateten. Sie hatte sich bereits damit abgefunden, da� es in ihrem Leben keine dauerhafte Liebe geben w�rde, da� sie sich mit den paar Krumen zufrieden geben mu�te, die man ihr bot.</p><p>Sein Herz schlug ihr entgegen, vielleicht ein wenig durch seine Selbstvorw�rfe angetrieben. Und so sagte er nat�rlich eine der L�gen, wie M�nner sie verwenden, um Frauen zu tr�sten, und die sie sp�ter erst als Wahrheit erkennen.</p><p>Er k��te sie und murmelte: �Das war nicht das Leben, M�dchen, nur wozu das Leben gut ist.�</p><p>Sp�ter, als er sich in den Sattel schwang und sich noch einmal zu ihr umdrehte, w�hrend Tom seinem M�dchen ein vergn�gtes Lebewohl zuwinkte, sah er die Verzweiflung, ja fast Panik in ihren Augen und die Bitte um nur ein F�nkchen Hoffnung. Und da erinnerte er sich, da� Tom gesagt hatte, selbst ein F�nkchen w�re bereits zuviel. Aber er w�rde das M�dchen ja nie wiedersehen.</p><p>�Sag mir deinen Namen, M�dchen�, bat er.</p><p>Aber schon dieser Schimmer lie� ihr Gesicht zu einem Strahlen aufleuchten. �Ich hei�e Gwendylon, Mylord!� rief sie.</p><p>Als sie um eine Stra�enbiegung gekommen und die M�dchen nicht mehr zu sehen waren, seufzte Tom und brummte: �Ihr seid zu weit gegangen, Herr. Jetzt k�nnt Ihr sie nie wieder loswerden.� Er gab seinem Pferd die Fersen und ritt voraus.</p><p>Rod folgte ihm schweigend, doch er sah weder ihn, noch die friedliche Landschaft, nur das Bild des M�dchens mit dem flammendroten Haar und den smaragdgr�nen Augen. Es beunruhigte ihn. �Gekab�, murmelte er. Und als der Roboter sich hinter seinem Ohr meldete: �Gekab, ich f�hle mich nicht, wie ich sollte.�</p><p>Gekab antwortete erst nach einer Weile: �Wie f�hlen Sie sich denn, Rod?� Es klang irgendwie, als mache der Roboter sich �ber ihn lustig. Rod schaute auf den Pferdesch�del hinunter.</p><p>�Gekab, lachst du mich vielleicht aus?�</p><p>�Rod, mu� ich Sie daran erinnern, da� ich nur eine Maschine bin, die keiner Gef�hle m�chtig ist? Mir fielen lediglich Unvereinbarkeiten auf.�</p><p>�Oh, und welcher Art?� fragte Rod scharf.</p><p>�Nun, da� Sie sich einzureden versuchen, Sie seien emotional nicht von diesem Bauernm�dchen abh�ngig.�</p><p>�Sie hei�t Gwendylon!�</p><p>�Mit ihr oder sonst einer Frau. Sie m�chten von sich glauben, da� es Ihnen keinen Spa� mehr macht, verliebt zu sein.�</p><p>�Oh, ich halte sehr viel von der Liebe!�</p><p>�Das ist etwas anderes�, murmelte der Roboter, �als verliebt zu sein.�</p><p>�Verdammt, ich meine damit nicht das K�rperliche.�</p><p>�Ich auch nicht.�</p><p>Rods Lippen wurden schmal. �Du denkst dabei also an Gef�hlsrausch? Und wenn es das ist, woran du denkst � nein, dann bin ich nicht verliebt und habe auch kein Verlangen danach, es zu sein! Und wenn ich auch nur ein W�rtchen in dieser Sache mitzureden habe, werde ich mich auch nie mehr wie ein Dummkopf verlieben!�</p><p>�Genau, was ich sagte, da� Sie sich einreden wollen.�</p><p>Rod knirschte mit den Z�hnen und wartete, bis sein �rger abklang. �Und wie sieht es in Wirklichkeit aus?�</p><p>�Sie sind verliebt!�</p><p>�Verdammt!� Rod br�llte nun fast. �Ich war schlie�lich schon �fter verliebt und wei�, wie es ist.�</p><p>�Und wie ist es?� Der Roboter lie� nicht locker.</p><p>�Nun�� Rod lie� den Blick �ber die Gegend schweifen. �Man wei�, da� es die Welt gibt, da� sie echt ist, aber das ist einem v�llig egal. Wichtig ist nur, da� man sich selbst als ihr Mittelpunkt f�hlt.�</p><p>�Und hatten Sie vor kurzem diese Gef�hle?�</p><p>�Nun � ja, verdammt!� Rod verzog die Lippen.</p><p>�Bei Catherine?�</p><p>Rod starrte w�tend auf den Nacken des Pferdes. �Woher, zum Teufel, wei�t du das?�</p><p>�Logik, Rod. Und wie f�hlten Sie sich bei Gwendylon?�</p><p>�Oh�� Rod warf die Schultern zur�ck und reckte sich.</p><p>�Gro�artig, Gekab. Besser denn je. Die Welt ist sch�ner, der Tag heller. Ich f�hle mich so gesund und von so klarem Kopf, wie ich es mir nie h�tte vorstellen k�nnen. Es ist genau das Gegenteil von dem Gef�hl, das ich empfinde, wenn ich verliebt bin.�</p><p>Gekab schwieg. Rod runzelte die Stirn. �Na?�</p><p>Es dauerte eine Weile, ehe der Roboter endlich antwortete. �Ich habe mich get�uscht, Rod. Sie sind nicht verliebt � Sie lieben!�</p><p>�Aber weshalb bin ich dann nicht verliebt?�</p><p>Etwas wie ein Seufzen erklang hinter Rods Ohr. �Nennen Sie mir den Unterschied zwischen den beiden Frauen, Rod.�</p><p>�Nun�� Rod kaute an seiner Wange. �Gwendylon ist menschlich. Ich meine, sie ist eine ganz normale, allt�gliche Frau, so wie ich ein ganz normaler, allt�glicher Mann bin.�</p><p>�Und Catherine ist mehr?�</p><p>�Oh, sie ist eine Art von Frau, die ich auf ein Piedestal hebe -</p><p>eine, die man anbetet, nicht hofiert��</p><p>�Und nicht liebt?� fragte der Roboter. �Rod, welche von den beiden Frauen ist menschlich wertvoller?�</p><p>�Uh-Gwendylon.�</p><p>�Damit ist das Verh�r beendet�, erkl�rte das Robotpferd.</p><p>Die Dom�ne der Loguires war eine gewaltige Ebene zwischen den Bergen und dem Meer. Die H�gelkette befand sich im Norden und Osten, sanfter Strand in einem Halbkreis im S�den, und Steilk�ste im Nordwesten, von ihr rauschte auf der anderen Seite ein Wasserfall ins Tal. Ein Flu� schl�ngelte sich durch die Ebene dem Meer entgegen. Die Ebene selbst wirkte von den Bergen oben wie zusammengen�hte Flicken mit ihren Feldern und hier und da einer Ansammlung von Bauernkaten � Loguires Leibeigene.</p><p>Rod und Tom ritten am Rand eines der Bergw�lder, wo die Stra�e aus dem Norden sich ins Tal hinabwand. Rod blickte sich um. �Wo ist denn die Burg?� fragte er.</p><p>�Hinter dem Wasserfall, Herr.�</p><p>Rod blinzelte ungl�ubig, dann folgte er Toms Blick. Wo die Klippen zur Ebene abfielen, war ein gewaltiges Tor mit Fallgitter in den Fels gehauen und davor f�hrte eine Zugbr�cke �ber einen nat�rlichen Burggraben, den ein Bogen des Flusses bildete. Die Loguires hatten den Fels zu ihrer Behausung ausgeh�hlt.</p><p>Rod zog die Brauen zusammen. �Ist das wirklich ein Damm zu beiden Seiten der Zugbr�cke, Tom?�</p><p>�Ja, Meister, und man sagt, er sei mit Schie�pulverladungen gespickt.�</p><p>Rod blickte nachdenklich. �Und das Land vor dem Fallgattertor f�llt ab. N�hern sich unliebsame Besucher, wird der Damm in die Luft gejagt, und die Haust�r steht zehn Meter unter Wasser. Sehr schlau! So kann man eine Belagerung schon aushalten. Der Wasserfall bietet mehr als gen�gend frisches Wasser, bleibt nur noch das Nahrungsproblem.�</p><p>�Es soll innerhalb des Burgkomplexes G�rten geben.�</p><p>Rod nickte in stummem Respekt. �Wurde die Burg je eingenommen, Tom?�</p><p>Der Riese sch�ttelte den Kopf. �Nie Herr� Er grinste.</p><p>�Glaubst du, man hat darin Platz f�r zwei m�de Wanderer?�</p><p>Tom zuckte eine Schulter. �Bestimmt, wenn wir Edelleute w�ren, Herr. Die Gastfreundschaft der Loguires ist sprichw�rtlich. Aber f�r meinesgleichen, und selbst f�r Euch, den man h�chstens als Junker anerkennen wird, liegt die Gastfreundschaft in den Katen.�</p><p>Rod blinzelte in den Himmel. �Da ist dieser verdammte Vogel schon wieder! Sieht er denn nicht allm�hlich ein, da� wir viel zu gro� f�r eine Mahlzeit f�r ihn sind?� Er griff nach seiner Armbrust und legte einen Bolzen ein.</p><p>�Nein, Herr.� Tom hielt ihn zur�ck. �Ihr habt schon vier Bolzen vergeblich auf ihn abgeschossen.�</p><p>�Ich habe es gar nicht gern, wenn etwas mich in der Luft verfolgt, Tom. Diese fliegenden Dinger sind nicht immer, was sie zu sein scheinen.� Toms Brauen zogen sich bei dieser r�tselhaften Bemerkung zusammen. �Au�erdem habe ich jeden Tag, w�hrend der letzten vier, jeweils nur einmal auf ihn geschossen.� Die Armbrust summte, und das Gescho� pfiff durch die Luft, doch dann segelte der Vogel um gut f�nfzehn Meter h�her und schaute dem Bolzen nach, als er wieder zur</p><p>Erde zur�ckfiel.</p><p>�Ihr werdet ihn nie treffen, Herr. Er kennt sich mit Armbr�sten aus.�</p><p>�Das sieht ganz so aus!� Rod schlang sich die Armbrust wieder �ber den R�cken. �Was ist das f�r ein Land, wo man unter jedem Baum Elfen findet, und einen die Habichte am Himmel verfolgen?�</p><p>�Es ist kein Habicht, Meister, es ist ein Fischadler.� Rod sch�ttelte den Kopf. �Er verfolgt uns schon seit dem zweiten Tag unserer Reise. Was h�tte ein Fischadler so weit landeinw�rts zu suchen?� �Das m��tet Ihr wohl ihn selbst fragen, Meister.� �Und es w�rde mich absolut nicht wundern, wenn er antwortete�, brummte Rod. �Aber er tut uns ja nichts, und im Augenblick haben wir gr��ere Probleme. Wir sind hier, um in die Burg zu gelangen. Kannst du singen, Tom?�</p><p>Der Riese sperrte verwirrt den Mund auf. �Singen, Herr?�</p><p>�Ja, oder Dudelsack blasen, oder sonst was?�</p><p>Tom zupfte an der Lippe. �Ich kann einer Hirtenfl�te ein paar T�ne entlocken, die die Halbtauben mit gutem Willen vielleicht f�r eine Melodie halten w�rden. Aber wozu das, Meister?�</p><p>Rod holte eine irische Harfe aus einer Satteltasche. �Wir sind jetzt Minnes�nger�, erkl�rte er. �Das Volk hier ist sicher an ein bi�chen Musik und Neuigkeiten aus der Hauptstadt interessiert.</p><p>Hier, versuch mal das, es �hnelt in etwa einer Fl�te.� Er brachte einen stabf�rmigen Recorder zum Vorschein.</p><p>�Wi�t Ihr Neues aus dem Norden zu berichten?� erkundigte sich der Wachtposten eifrig, und nat�rlich antwortete Rod, der wu�te, da� die Minnes�nger des Mittelalters wandelnde Zeitungen gewesen waren, mit einem Ja. Und nun standen er und Tom vor einer Versammlung, bestehend aus achtundzwanzig Edlen mit ihren Frauen, dem Gefolge und Gesinde. Alle starrten die beiden Minnes�nger erwartungsvoll an, dabei wu�te Rod absolut nichts Neues aus der Hauptstadt.</p><p>Aber es w�rde ihm schon etwas einfallen. Der knorrige alte Herzog Loguire sa� in einem Eichensessel. Er schien Rod nicht zu erkennen, ganz im Gegenteil zu Durer, der jedoch den Mund hielt, denn Loguire liebte seine Nichte immer noch, und h�tte Rod geehrt, weil er ihr das Leben gerettet hatte. Der Herzog stellte die erste Frage, und zwar erkundigte er sich, ob es Neues aus dem Hause Clovis gab. Rod versicherte ihm, da� es sich in letzter Zeit nicht unangenehm bemerkbar gemacht hatte, was allerdings nicht so bleiben mu�te.</p><p>Und dann spielten und sangen er und Tom, w�hrend sie gleichzeitig im Takt mit den F��en stampften, ein etwas freches altes Volkslied, das sie kurz zuvor einstudiert hatten. Einen Augenblick lauschten die Anwesenden erstaunt, dann begannen einige zu grinsen, und H�nde klatschten im Rhythmus. Der alte Loguire versuchte streng und mi�billigend dreinzuschauen, aber es gelang ihm nicht so recht. Ein hochgewachsener junger Mann stand hinter des Herzogs rechter Schulter. Seine Augen leuchteten auf, w�hrend er zuh�rte, und ein Grinsen, das Unzufriedenheit, Selbstmitleid und Bitterkeit abl�ste, breitete sich �ber das Gesicht. Der �ltere Sohn, schlo� Rod.</p><p>Es fiel nicht schwer, Loguires Vasallen in der Menge zu erkennen, denn sie alle waren pr�chtig gekleidet, und jeder von ihnen war in der Begleitung eines noch prunkvoller gewandeten drahtigen M�nnleins: ihre Ratgeber � Durers Kumpane.</p><p>Rod war ziemlich sicher, da� alles, was Durer vorschlug, einstimmigen R�ckhalt bei den Lords des S�dens f�nde, und Loguire der einzige w�re, der sich dagegenstellte � und Loguire hatte nat�rlich mehr zu sagen als alle seine Lehnsm�nner zusammen. Rod entsann sich Loguires Versprechen an Catherine: Solange ich lebe, habt Ihr die Soldaten Loguires nicht zu f�rchten!</p><p>Die Vorstellung war zu einem gro�en Erfolg geworden. Rod hatte sie weniger politisch als humorvoll, gerade noch an der Grenze zum Schl�pfrigen gehalten. Die Zuh�rer waren begeistert gewesen. Doch hin und wieder hatten die Ratgeber Fragen gestellt, die er nicht unerwidert lassen konnte, und als er mit den Ger�chten antwortete, da� das Haus Clovis sich wohl gegen die Krone erheben w�rde, hatte er h��liche Freude in ihren Augen glitzern sehen. Das hatte er verstanden. Wichtig an einer Revolution ist, da� sie �berhaupt erst einmal ausbricht, sp�ter kann man sie sich immer noch zu Nutzen machen. Was er nicht verstand, waren die Blicke, die das j�ngere weibliche Gesinde Tom und ihm zuwarfen. Das hei�t, bei Tom war es ihm klar, doch bei ihm konnte es gewi� nicht das gleiche bedeuten � oder waren die Minnes�nger hier daf�r bekannt, da� sie� Jedenfalls war er nicht mehr allzu �berrascht, als ihm eine Magd auf dem Weg zur Dachkammer, die ihm und Tom zugeteilt worden war, einen Becher Wein entgegenstreckte und sich erbot, ihm auch das Bett zu w�rmen. Er starrte sie an. Sie sah Gwendylon sehr �hnlich, aber ihre Haare waren dunkelbraun statt rot, die Augen ein wenig schr�g, und ihre Nase lang und schmal. Und auch sie war verf�hrerisch sch�n.</p><p>�Danke dir, M�dchen�, sagte er. �Aber der Weg war lang und ich falle vor M�digkeit schier um.� Sollte sie doch von seiner M�nnlichkeit halten, was sie wollte, solange sie ihn in Ruhe lie�!</p><p>Die Magd senkte die Augen und bi� sich auf die Lippe.</p><p>�Wie Ihr wollt, guter Herr.� Sie drehte sich um, und Rod starrte ihr nach. Ein bi�chen �rgerte er sich dar�ber, da� sie sich so schnell hatte abweisen lassen � aber hatten ihre Augen nicht eine Spur Triumph verraten, eine merkw�rdige Freude? Rod ging weiter. Wie er es erwartet hatte, war die T�r zur Dachkammer geschlossen und eine weibliche Stimme neben Toms zu h�ren. Er zuckte philosophisch die Schulter und stieg die Wendeltreppe wieder hinunter. Er w�rde die Zeit nutzen und sich in der Burg umsehen. Sie erweckte den Eindruck, als w�re sie von einem Paranoiker erbaut worden, und er war deshalb �berzeugt, da� es Geheimg�nge geben mu�te. Die Granitw�nde des Hauptkorridors waren ocker gestrichen und da und dort hingen Wandteppiche von der Decke bis zum Boden. Rod merkte sich wo, denn es war leicht m�glich, da� sie T�ren zu Nebeng�ngen verbargen. Zw�lf offene Seitenkorridore zweigten rechts vom Hauptgang ab. Als er zum siebten kam, h�rte er verstohlene Schritte hinter sich. Er blieb stehen und tat, als betrachte er einen Wandteppich. Aus dem Augenwinkel sah er eine ausgemergelte Gestalt sich hastig in einen Nebengang zur�ckziehen. Es mu�te Durer oder einer seiner Artgenossen sein. Mit einem von ihnen auf seinen Fersen konnte er hier jedoch nicht viel erfahren, also mu�te er ihn absch�tteln, was nicht leicht sein w�rde, denn Durer kannte die Burg bestimmt gut, er selbst dagegen �berhaupt nicht. Der neunte Nebengang erwies sich als genau richtig f�r seine Zwecke � er war unbeleuchtet. Seltsam, dachte Rod, in allen anderen brannten Fackeln in geringen Abst�nden. Und hier lag auch Staub ganz dick auf dem Boden, Spinnweben hingen von der Decke, und Wassertropfen sickerten die W�nde herab und befeuchteten vereinzelte Moosballen. Aber selbst wenn er Spuren in dem Staub hinterlie�, konnte er doch in der Dunkelheit in einen abzweigenden Gang oder Raum schl�pfen. Also bog er zu diesem neunten Nebenkorridor ab, da legte sich eine Klaue auf seine Schulter. Rod wirbelte herum und sah sich Durer gegen�ber.</p><p>�Was habt Ihr hier zu suchen?� kr�chzte das d�rre M�nnlein mi�trauisch.</p><p>�Oh, nichts Besonderes, mir ist nur langweilig. Soll ich dir ein Lied singen?�</p><p>�Ich habe genug von Eurem Gewimmere! Seht zu, da� Ihr Euch in Eure Kammer zur�ckzieht, au�er Ihr habt hier irgend</p><p>etwas Bestimmtes vor.�</p><p>Rod kratzte sich die Nase. �Hm�, murmelte er. �Was die Kammer betrifft � mein Begleiter scheint es f�r andere Zwecke als Schlafen zu ben�tigen. Also bin ich quasi ausgesperrt, wenn du verstehst, was ich meine.�</p><p>�Verderbtheit!� zischte der Ratgeber.</p><p>�O nein, ich nehme an, da� Tom auf sehr nat�rliche, gesunde Weise vorgeht. Aber jedenfalls bin ich dort momentan nicht erw�nscht, und ich dachte nicht, da� jemand etwas dagegen h�tte, wenn ich ein bi�chen herumspaziere.�</p><p>Durer blickte ihn durchdringend wie mit einem La serstrahl an, dann wich er z�gernd ein paar Schritte zur�ck. �Das hat auch niemand�, brummte er. �Es gibt hier keine Geheimnisse, die wir vor Euch verbergen m��ten. Aber was Ihr nicht wissen k�nnt, ist, da� sich hier der Teil befindet, in dem es spukt.�</p><p>�Wie interessant! Wei�t du, da� ich noch nie einen echten Geist gesehen habe?�</p><p>�Das hat auch noch keiner, der am Leben blieb und davon h�tte erz�hlen k�nnen. Es w�re Dummheit, diesen Gang zu betreten.�</p><p>�Aber eine Begegnung mit einem Geist lie�e sich zu einer guten Ballade ausschlachten.�</p><p>Der Kleine starrte ihn ver�chtlich an. �Tut nicht so, als w�rt Ihr wirklich ein Minnes�nger. Ihr seid ein Spion, nichts weiter!�</p><p>Rods Hand tastete nach dem Dolchgriff.</p><p>�Ein Spion aus dem Hause Clovis!� br�llte Durer.</p><p>Rod seufzte unh�rbar erleichtert auf. �Ob du dich da nicht t�uschst, kleiner Mann?�</p><p>Durer runzelte die Stirn. �Nicht vom Haus Clovis? Aber dann� Nein, Ihr seid sehr wohl ihr Spion!�</p><p>Rod lehnte sich mit verschr�nkten Armen gegen die Wand.</p><p>�Welches Interesse hast du denn am Haus Clovis, teurer Ratgeber? Und weshalb sollte es das Haus Clovis interessieren, was du hier machst?�</p><p>�Ihr seid ein Narr, wenn Ihr glaubt, ich w�rde Euch eine solche Frage beantworten� Ah, da� ich nicht eher daran dachte! Ihr seid ein Spion der K�nigin!�</p><p>Rod trat n�her an den Kleinen heran und lockerte den Dolch in der Scheide. Es war ihm egal, ob Durer wu�te, da� Catherine ihn geschickt hatte, aber er wollte eine Antwort. �Ich stellte dir eine Frage!� sagte er sanft.</p><p>Furcht sprach aus den Augen des Kleinen. Er sprang zur Wand zur�ck. �Ich warne Euch, bei meinem Ruf eilen zwei Dutzend Soldaten herbei!�</p><p>�Das wird dir nicht mehr viel helfen, wenn du bei ihrer Ankunft schon tot bist�, sagte Rod sp�ttisch. Er deutete auf den dunklen Korridor.</p><p>Grauenerf�llt starrte der Ratgeber ihn an und begann am ganzen Leib zu zittern. Bebend sagte er: �Vielleicht seid Ihr wirklich nicht von Clovis! Und wenn Ihr von der K�nigin kommt, seid Ihr uns hier willkommen. Ich werde Euch alles sagen, was Ihr zu wissen begehrt!� In pathetischem Eifer hob er die H�nde. Ein seltsames Licht flackerte in seinen Augen.</p><p>�Ja, ich werde Euch alles sagen, selbst den Tag, da wir zur Residenz der K�nigin marschieren. Ihr k�nnt sie darauf hinweisen, dann kann sie uns entgegenziehen. Alles werde ich Euch sagen, nur bitte, kommt heraus aus diesem Gang!� Er rang verzweifelt die H�nde. �Wenn Euch die K�nigin geschickt hat, m�chte ich nicht, da� Ihr sterbt.�</p><p>Rods Gesicht wirkte steinern. �Ich werde mich in dem Gang umsehen. Ich bin �berzeugt, da� ihr darin etwas verborgen habt, das wichtiger ist als das Datum eurer Rebellion.� Er betrat den Korridor.</p><p>Durer rannte ihm h�nderingend ein paar Schritte nach.</p><p>�Kommt zur�ck! Ihr m��t den Norden warnen. Kommt heraus, Ihr Narr!�</p><p>Rod k�mmerte sich nicht um ihn, sondern stapfte weiter.</p><p>Vor �rger schrillte der Kleine hinter ihm: �So geht denn in</p><p>Euren Tod! Wir brauchen Euch nicht! Ich selbst werde das Wort in den Norden tragen. So sterbt als Narr, der Ihr seid!� Rod bog um eine dunkle Kr�mmung. Offenbar war Durer von seinem Tod in diesem Teil der Burg �berzeugt � es war sehr merkw�rdig, da� er trotzdem versucht hatte, ihn am Betreten zu hindern. Das konnte nur bedeuten, er wollte tats�chlich, da� er, Rod, Catherine von der bevorstehenden Rebellion berichtete. Aber weshalb hatte er vor, die Rebellen zu verraten? Zweifellos war hier in diesem Teil etwas verborgen, das Rod nicht finden sollte, da es ihm vielleicht doch gelingen mochte, lebend wieder herauszukommen. Doch daran glaubte er offenbar nicht, was bedeutete, da� Durers gro�es Geheimnis von automatischen Verteidigungsmechanismen gesch�tzt war� Au�er nat�rlich� Rod hielt abrupt an. Ihm wurde bewu�t, da� er den R�ckweg gar nicht mehr finden w�rde. Um zu viele Ecken in alle Richtungen war er w�hrend seines Gr�belns achtlos gebogen. Seine Stimme zitterte ein wenig, als er murmelte: �Gekab.�</p><p>�Ja, Rod?� Die Stimme hinter seinem rechten Ohr war ungemein beruhigend.</p><p>�Gekab, ich befinde mich im Teil der Burg, wo es spuken soll.� �Spuken? Rod, eine Analyse Ihrer Stimmenmuster deutete auf leichte Angst. Sie glauben doch nicht wirklich an Geister?� �Nein, aber ich erinnerte mich gerade, da� ich fr�her auch nicht an Elfen glaubte. Und wenn es hier Elfen gibt, kann es auf diesem verr�ckten Planeten doch auch Geister geben, oder nicht?�</p><p>Nach kurzer Pause murmelte Gekab verlegen, wie es schien: �Es gibt nichts, was direkt gegen diese Hypothese spricht.� Ein �chzen so tief, da� Rod es kaum h�ren konnte, und so laut, da� es ihn k�rperlich schmerzte, ersch�tterte die W�nde des Gew�lbes, in dem er sich gerade befand. �Was war das? �keuchte Rod. �Ein komplexes Wellenmuster niedriger Frequenz und hoher Schwingungsweite�, antwortete Gekab zuvorkommend.</p><p>�Vielen Dank!� schnaubte Rod. �Ich will wissen, wodurch es verursacht wurde!�</p><p>�Dazu reichen die Daten noch nicht aus��</p><p>Das �chzen wiederholte sich, und etwas wie spinnwebfeines Gespinst, aus dem sich schwarze Augenh�hlen und eine kreisrunde schwarze Mund�ffnung abhoben, schwebte geradewegs auf Rod zu.</p><p>Ein weiteres �chzen erklang, eine halbe Stufe h�her als das vorherige. Rod ri� den Kopf nach rechts. Ein zweiter Geist kauerte �ber ihm. Ein drittes �chzen, und ein dritter Geist tauchte auf.</p><p>Drei Geister dr�ngten ihn gegen die Steinwand. Ihre M�nder formten gro�e dunkle Os, und kalte Knochenfinger griffen nach ihm.</p><p>Rod k�mpfte gegen seine Panik an. Gekab glaubt nicht an Geister, sagte er sich. Nichtsdestoweniger schrie er gellend: �Geister, Gekab! Geister!�</p><p>�Geister�, erkl�rte der Roboter hinter seinem Ohr, �sind unstofflich, selbst wenn es sie gibt. Sie k�nnen einem stofflichen Wesen keinen k�rperlichen Schaden zuf�gen.�</p><p>�Sag das ihnen!� br�llte Rod verzweifelt.</p><p>Eine Hand verkrampfte sich um sein Herz. Er w�rgte und hustete. Etwas, ein Eisenband um seine Brust, zermalmte seine Lunge� Furcht konnte lahmen, konnte t�ten�</p><p>�Rod, stecken Sie die Finger in die Ohren!�</p><p>Er versuchte, den Rat des Roboters zu befolgen � und konnte es nicht. �Gekab!� schrillte er. �Ich kann mich nicht bewegen!�</p><p>Ein lautes Brummen dr�hnte in seinem Sch�del und �berlagerte das �chzen. Es wurde zu den monotonen Worten: F-I-N-G-E-R I-N D-I-E O-H-R-E-N!</p><p>Die Angst schwand, oder zumindest fast. Rod konnte sich wieder genauso leicht wie zuvor bewegen. Er steckte die Finger in die Ohren. Das Brummen erstarb und das �chzen der</p><p>Geister klang nun wie aus weiter Ferne. Zwar steckte ihm die Angst noch ein wenig in den Knochen, aber sie lahmte ihn nicht l�nger.</p><p>�K�nnen Sie sie noch h�ren, Rod?�</p><p>�Ja, aber es ist nicht mehr so schlimm. Was hast du gemacht?�</p><p>�Nichts, Rod. Ihr �chzen hat eine harmonische Frequenz im subsonischen Bereich, die Angst in Angeh�rigen Ihrer Spezies hervorruft. Dieser furchteinfl��ende Ton wird durch die gleichzeitige Emission der subsonischen Harmonien von drei �chzlauten hervorgerufen.�</p><p>�Also geh�ren drei dazu, mir Angst einzujagen?�</p><p>�Richtig, Rod.�</p><p>�Und sie jagen mir im Grund genommen gar nicht wirklich Angst ein, sondern lediglich das Gef�hl, Angst zu haben?�</p><p>�Wieder richtig.�</p><p>�Das ist eine Erleichterung. Ich hatte schon bef�rchtet, ich sei pl�tzlich zum Feigling geworden.�</p><p>�Es gibt keinen Menschen, der nicht hin und wieder Angst empfindet, Rod.�</p><p>�Ja, aber nur ein Feigling l��t sich davon beherrschen.�</p><p>Rod l�ste sich von der Wand und zwang sich dazu, einfach durch den Geist vor sich hindurchzugehen.</p><p>Pl�tzlich erstarb das �chzen, und die Geister verschwanden mit einem verzweifelten Heulen.</p><p>�Sie sind fort!� kr�chzte Rod.</p><p>�Nat�rlich. Sobald Sie ihnen bewiesen haben, da� sie Sie nicht beeinflussen k�nnen, f�rchten sie sich vor Ihnen.�</p><p>Rod spreizte die Beine und stemmte die F�uste an die H�ften.</p><p>Grinsend legte er den Kopf zur�ck. �He, ihr Geister! Ist euch jetzt klar, wer der Bo� hier ist?� Er lauschte den Echos seiner Stimme, die gewaltig von den leeren W�nden widerhallte.</p><p>Eine grabestiefe, betr�bte Stimme antwortete ihm st�hnend aus der Luft. �Verla�t uns, Sterblicher. G�nnt uns den Frieden unserer Gruft. Wir tun niemandem etwas in unseren kalten</p><p>alten Gew�lben.�</p><p>�Niemanden, au�er denen, die hierherkommen�, schnaubte Rod. �Und die t�tet ihr, genau wie ihr mich get�tet h�ttet -</p><p>durch die Furcht, die sie vor euch empfinden.�</p><p>�Nur Wahnsinnige und Toren kommen hierher. Und w�rdet nicht auch Ihr Euer Zuhause verteidigen?�</p><p>�Welches Recht habt ihr auf diese Gew�lbe?�</p><p>Pl�tzlich zeigte sich einer der Geister �ber ihm. �Ich I war einst Horatio, der erste Herzog Loguire!� donnerte er w�tend. �Ich erbaute diese Burg! Habe ich da kein Recht auf ein armseliges, kaltes Pl�tzchen in ihren Mauern?�</p><p>�Doch, ich glaube schon. Aber wie viele habt Ihr get�tet, bis man Euren Anspruch anerkannte?�</p><p>�Keinen.� Es klang bedauernd. �Sie sind alle furcht erf�llt geflohen.�</p><p>�Ich beabsichtige nicht, Euch etwas anzutun, Horatio.� Rod grinste sarkastisch. �Selbst wenn ich es wollte, wie k�nnte ich?�</p><p>�Das wi�t Ihr nicht, Sterblicher?�</p><p>�Ein Geist�, erkl�rte Gekab hastig hinter Rods Ohr, �genau wie alle �bernat�rlichen Wesen, scheuen kaltes Eisen und Silber.</p><p>Selbst Gold erf�llt seinen Zweck, wird jedoch aufgrund seines Preises selten f�r eine Geisterjagd verwendet.�</p><p>Horatio richtete sich in voller Geistesgr��e auf und kam n�her.</p><p>Rod zog den Dolch. �Halt!� rief er. �Kaltes Eisen, seht!�</p><p>�Au�erdem kennen Sie das Geheimnis ihrer Macht. Sie k�nnten eine ganze Armee hierherbringen, solange jeder sich etwas in die Ohren stopft�, unterrichtete Gekab Rod.</p><p>�Ich kenne das Geheimnis eurer Macht�, sagte Rod laut, �und kann eine ganze Armee hierherbringen, solange jeder sich etwas in die Ohren stopft.�</p><p>Der Geist hielt entt�uscht an. �Aber Ihr sagtet doch, Ihr w��tet nicht��</p><p>�Ich wei� es jetzt. Also, zur�ck!�</p><p>Z�gernd wich Horatio zur�ck. �Welches Phantom ber�t Euch?�</p><p>Rod grinste. �Ein schwarzes Pferd aus kaltem Eisen. Es steht im Stall der Burg, aber es kann von dort aus mit mir sprechen.�</p><p>�Ein Puka? Ein Geisterpferd! Ein Verr�ter der Welt der Geister!�</p><p>�Nein. Es ist kein Geist. Ich sagte doch, da� es aus Eisen ist!�</p><p>�So etwas gibt es nicht!�</p><p>�Es gibt es, das d�rft Ihr mir glauben, Horatio. Aber das ist unwichtig. Euch sollte nur interessieren, da� ich nicht beabsichtige, gegen euch vorzugehen. Ich suche blo� nach etwas. Sobald ich es gefunden habe, verschwinde ich, einverstanden?�</p><p>�Ihr habt die Oberhand! Weshalb fragt Ihr?� brummte der Geist.</p><p>�Reine H�flichkeit�, murmelte Rod. Pl�tzlich kam ihm eine Idee. �Oh, �brigens, ich bin Minnes�nger��</p><p>Der Geist ri� den O-Mund noch weiter auf, dann kam er mit ausgestreckten Armen auf Rod zu. �Musik! S��e Musik! Spielt f�r uns, Mann, dann k�nnt Ihr �ber uns befehlen!�</p><p>�Einen Augenblick!� Rod hob eine Hand, �Ihr habt die Burg erbaut, Horatio Loguire, deshalb ersuche ich Euch, mir zu gestatten, in Frieden durch all Eure R�ume zu wandeln.</p><p>Gew�hrt Ihr es mir, werde ich f�r euch spielen.�</p><p>�Ihr d�rft wandeln, wohin Ihr wollt!� versprach der Geist vor Aufregung zitternd. �Nur spielt f�r uns, Mann!�</p><p>Sehr gut, dachte Rod. Er hatte sein Gesicht gerettet. Und schlie�lich hat es keinen Sinn, sich Feinde zu machen, wenn es sich verhindern lie�. Er schaute hoch und zuckte erschrocken zur�ck. Er war von einer dichten Mauer von Geistern umgeben, die ihn alle hungrig anstarrten. Er schluckte und holte die Harfe von seinem R�cken. Nur gut, da� er nicht dazu gekommen war, sie in der Dachkammer abzustellen.</p><p>Als er versuchshalber �ber die Saiten strich, erhob sich ein ekstatisches St�hnen von den Geistern. Da wurde Rod erst richtig klar, da� er die Situation ausnutzen konnte. �H�rt, Lord Horatio, w�rdet Ihr mir f�r zwei Lieder verraten, wo die Geheimg�nge sind?�</p><p>�Gewi�! Gewi�!� kreischte der Geist. �Die Burg ist Euer, meine ganze Dom�ne, alles, was ich besitze! Ja, das K�nigreich, wenn Ihr es wollt! Nur spielt f�r uns, Mann! Seit zehnhundert Jahren haben wir keine menschliche Musik mehr geh�rt!�</p><p>Rods Finger zupften die Saiten, und die Geister erschauderten wie ein Schulm�dchen beim ersten Ku�. Er spielte und sang, was ihm gerade einfiel, Volksweisen, M�rsche, Seemannslieder, sogar Beethovens Sechste, die auf einer Miniaturharfe gar nicht leicht wiederzugeben war. Als die letzten Echos verhallten, seufzten die Geister zufrieden, doch traurig, da� er schon aufh�rte. �Das war eine reiche Auswahl, Mann�, sagte Lord Horatios Stimme zu Rods Linker. �Aber vielleicht noch eine kleine, ganz kurze Weise?� Rod sch�ttelte bedauernd den Kopf. �Die Nacht schreitet voran, Mylord, und ich habe vor dem Morgengrauen noch viel zu tun. Ich werde in einer anderen Nacht wiederkommen.� �Wir haben Euch sehr zu danken, Mann, und werden uns daf�r erkenntlich zeigen. Kommt mit mir und ich zeige Euch alle Geheimg�nge und � t�rme der Burg.� Er schwebte Rod voran. Alle anderen Geister hatten sich inzwischen bereits zur�ckgezogen.</p><p>Rod z�hlte seine Schritte. Nach f�nfzig bog der Geist um eine Ecke in einen riesigen Raum. �Das war unsere Banketthalle�, erkl�rte er seufzend. �Herrliche Feste feierten wir hier. Und nun sind sie alle tot, alle meine Freunde und die lieblichen Maiden, die uns bei fr�hlicher Musik unterhielten. Und seither herrschten sechzig S�hne meines Blutes an meiner Stelle �ber die Marschen. Doch jetzt haben andere das Wort in meiner herrlichen Halle � Schakale, Hy�nen, eine Schande f�r meine alten Kameraden und mich, da� sie in Menschengestalt wandeln.�</p><p>Rod spitzte die Ohren. �Wie meint Ihr das, Mylord? Jemand hat Euch Eure Halle gestohlen?� �Verk�mmerte, gemeine Niederlinge!� knirschte der Lord. �Eine Brut verderbter, gemeiner Feiglinge � und ihr F�hrer ist Ratgeber eines Sprosses meines Geschlechts, des Herzogs Loguire.� �Durer!� hauchte Rod.</p><p>�Nennt er sich so? H�rt mich an, Mann. Sein Herz ist hart und seine Seele spr�de wie Eisen. Aber wie Ihr wi�t, kann hartes, spr�des Eisen durch einen starken Hieb mit geschmiedetem Eisen zerschlagen werden. Und genauso k�nnen diese b�sartigen Zerrbilder von Menschen durch einen Mann gebrochen werden, der wahrhaft ein Mann ist.� Der Geist lie� die Schultern h�ngen und beugte den Kopf. �Wenn es in diesem dunklen Zeitalter noch wahre M�nner gibt!� Rods Blick l�ste sich von dem Geist und wanderte durch den gewaltigen Raum, aber es war zu dunkel, viel zu sehen. �Mein Lord Loguire�, sagte er. �Wenn ich der Mann sein soll, der die Ratgeber bricht, so mu� ich soviel wie m�glich �ber sie erfahren. Sagt mir deshalb, was sie in dieser Halle tun.� �Hexerei �ben sie aus!� knurrte der Geist. �Schw�rzeste Magie! Auf eine Weise, wie ich sie Euch kaum beschreiben kann�� Er st�hnte. �Wisset, da� diese verk�mmerten Wichte hier einen Altar aus gl�nzendem Metall errichteten � es ist weder Silber noch Gold, auch kein anderes Metall, wie ich es kenne �, genau hier in der Mitte der Halle, wo einst meine H�flinge tanzten.�</p><p>�Oh! Wen beten sie vor diesem Altar an?� fragte Rod. �Anbeten?� Der Geist hob den Kopf. �Mir d�nkt, sie opfern sich selbst, denn sie steigen in diesen Altar des B�sen. Sie verschwinden darin, und dann pl�tzlich kehren sie zur�ck! Ich kann mir nur vorstellen, da� sie ihr Lebensblut dem D�mon in diesem gl�nzenden Altar darbringen, denn sie kommen hager und zitternd wieder heraus. Ja, wahrlich�, murmelte er �berlegend, �weshalb w�ren sie sonst so ausgemergelt und klein?� Rods Nacken prickelte. �Ich mu� diesen Altar sehen, mein Lord.� Er fummelte nach seinem Dolch. �Ich brauche Licht.�</p><p>�Nein!� Der kreischende Schrei drohte Rods Trommelfell zu durchl�chern. Der Geist pulsierte schwankend. �Es w�rde mich zerst�ren, Mann, und mich schreiend in finsterere Gefilde als diese schicken.�</p><p>�Verzeiht, Lord Loguire, ich hatte nicht daran gedacht. Ich werde meine Fackel nicht entz�nden, doch dann mu� ich Euch bitten, mich zu diesem merkw�rdigen Altar zu f�hren, damit ich ihn mit meinen Fingern betrachten kann.� Er folgte dem Geist mit ausgestreckten H�nden, bis sie etwas Hartes, Kaltes ber�hrten.</p><p>�Vorsicht, Mann�, brummte der Geist. �Denn hier ruhen dunkle M�chte.�</p><p>Rod betastete das Metall, das im gespenstischen Schimmern des Geistes schwach leuchtete, bis er glaubte, die Umrisse einer T�r, oder vielmehr einer T�r�ffnung erreicht zu haben.</p><p>�Was liegt dahinter, Mylord?� erkundigte er sich. �Ein Sarg�, st�hnte der Geist. �Ein metallener Sarg ohne Deckel, der aufrecht steht. Ihr m��t seine offene Seite betastet haben.�</p><p>Rod fragte sich, was geschehen w�rde, wenn er hineintr�te, aber irgendwie mangelte es ihm am Forscherdrang eines echten Wissenschaftlers. Er tastete �ber die �ffnung. Etwas Kreisf�rmiges dr�ckte in seine Handfl�che, es ragte aus der Oberfl�che des Metallblocks heraus. Als er mit den Fingern rechts davon weiter dar�berstrich, ber�hrte er eine Menge weiterer runder und ovaler Formen und Kn�pfe. Zweifellos war er hier auf ein Armaturenbrett gesto�en.</p><p>�Mein Lord Loguire�, wisperte er. �Bitte kommt nahe zu mir, ich brauche Licht.�</p><p>Der Geist schwebte dicht neben ihn. In seinem Schimmern erkannte Rod eine Anzahl von Me�ger�ten und anderen Anzeigern und verschiedenfarbige Kn�pfe.</p><p>�Weshalb zittert Ihr, Mann?� erkundigte sich Loguire mitf�hlend.</p><p>�Es ist kalt�, murmelte Rod, �und ich f�rchte, ich mu� Eure Meinung �ber dieses � Ding teilen. Ich wei� nicht, was es ist, aber es gef�llt mir nicht. Es wird das beste sein, ich spreche vorsichtshalber eine Beschw�rung dagegen. Also, denkt Euch nichts dabei, wenn ich vor mich hinmurmle.�</p><p>Der Geist runzelte verwirrt die Stirn, als sich Rod im Dialekt des galaktischen Raummatrosen an seinen Roboter wandte.</p><p>�Gekab? Hast du mitgeh�rt?� �Nat�rlich, Rod.�</p><p>�Dann pa� auf, ich beschreib dir das Aussehen dieses Metallkastens.� Er tat es. Nach einer Weile erkundigte er sich: �Hast du schon ein Ergebnis?� �Nein. Ich brauche eine noch n�here Beschreibung.� Rod bem�hte sich.</p><p>�Es ergibt keine exakte Analyse, die Vermutung liegt jedoch nah, da� es sich bei diesem Artefakt um einen Apparat f�r Zeitreisen handelt.�</p><p>�Eine Zeitmaschine!� Rod pfiff durch die Z�hne. �Dann kommen diese kleinen Bastarde aus der Zukunft!�</p><p>�Rod, ich mu�te Sie schon des �fteren warnen, unbewiesenen Hypothesen zu gro�es Gewicht beizumessen.�</p><p>�Keine Angst, Gekab. Ich finde den Gedanken nur faszinierend.�</p><p>�Welche Art von Hexerei ist das, Mann?� erkundigte sich Horatio.</p><p>Rod zuckte die Schultern. �Sie ist mir unbekannt, Mylord, obwohl ich in den verschiedensten � ah � Magien bewandert bin.�</p><p>�Was werdet Ihr dann machen?�</p><p>Mit einem schwachen Grinsen antwortete Rod: �Schlafen. Und nachdenken �ber das, was ich gesehen habe.� �Und wann werdet Ihr dieses Spielzeug des Teufels vernichten?�</p><p>�Wenn ich mir sicher bin�, antwortete Rod nachdenklich und betrachtete erneut die Maschine, �da� es dieser sch�nen Welt schadet und ihr nicht im Gegenteil helfen kann.�</p><p>Loguire zog finster die kaum sichtbaren Brauen zusammen. Er schien um ein Vielfaches zu wachsen, und seine Stimme klang wie Donnergrollen. �Ich beauftrage Euch mit der Exorzierung dieses Teufelsaltars und der Unsch�dlichmachung seiner mi�gestalten Priester.� Das Schwert des Geistes glitt aus der Scheide und schwebte mit der Spitze voraus auf Rod zu.</p><p>�Schw�rt jetzt auf den Griff meines Schwertes, da� Ihr nicht ruhen werdet, bis dieses Land von Korruption befreit ist; da� Ihr diesen Altar des B�sen mit all seinen Anbetern exorzieren werdet, und mehr noch, da� Ihr diese Insel von Gramayre bis zu Eurem Tod in der Stunde seiner Gefahr nicht im Stich lassen werdet.�</p><p>Rods Kinn sackte hinab. Mit weiten Augen starrte er auf die pl�tzliche Kraft und die majest�tische Erscheinung des Geistes.</p><p>Die H�rchen stellten sich ihm am Nacken auf.</p><p>�Mein Lord, das ist nicht notwendig. Ich liebe diese Insel Gramayre und w�rde nie��</p><p>�Legt Eure Hand auf den Griff des Schwertes schw�rt!� Die Stimme klang streng und unerbittlich.</p><p>Rod erschrak und zuckte zur�ck, denn ein Eid wie dieser w�rde ihn sein Leben lang an diesen Planeten binden.</p><p>�Schw�rt!� donnerte der Geist, als Rod immer noch z�gerte.</p><p>Rod starrte auf den schimmernden Griff und das strenge Gesicht. Fast gegen seinen Willen trat er wieder heran und beobachtete wie seine Hand sich um den Griff legte, aber er sp�rte nichts, kein Eisen zwischen den Fingern, nur eisige Luft.</p><p>�Jetzt leistet Euren Eid auf mich und die Meinen!�</p><p>Na gut, dachte Rod. Es sind ja nur Worte, und schlie�lich bin ich Agnostiker. �Ich schw�re�, sagte er und mu�te sich zu diesen Worten zwingen. Dann kam ihm ein Einfall und er f�gte hinzu: �Weiterhin schw�re ich, da� ich nicht ruhen werde, bis die K�nigin und alle ihre Untertanen mit einer einzigen Stimme regieren werden.�</p><p>Der Geist runzelte die Stirn. �Ein sehr merkw�rdiger Eid�, brummte er. �Aber tief in meinem Herzen zweifle ich nicht an Eurer Redlichkeit, und der Schwur ist bindend.� Das unstoffliche Schwert glitt in seine Scheide zur�ck. Horatio drehte sich um. �Folgt mir jetzt und ich werde Euch zu den R�umen innerhalb dieser Gew�lbe f�hren.� An einer Wand hielt er an und deutete mit spitzen Fingern: �Tastet, bis Ihr einen Stein findet, der nachgibt.�</p><p>Rod dr�ckte auf die Steine, bis der Geist nickte, dann warf er sein ganzes Gewicht dagegen. Der Stein �chzte und gab knarrend nach. Klamme Luft drang aus der �ffnung.</p><p>�Geht jetzt Euren Pflichten nach. Und seid gewarnt: solltet Ihr je Euren Eid vergessen, so wird der Herzog von Loguire Euch jede Nacht im Bett erscheinen, bis die Furcht Euch �bermannt.�</p><p>Jetzt stand die T�r zur Dachkammer offen, und Toms Schnarchen drang heraus. Rod nahm sich eine Fackel aus der Halterung vor der T�r und leuchtete vorsichtig hinein. Es war, wie er es erwartet hatte. An Toms m�chtiger Brust ruhte ein blonder Kopf. Er betrachtete ihn n�her. Nein, es war zweifellos nicht die Magd, die ihm den Trunk gereicht und sich erboten hatte, sein Bett zu w�rmen. Erstaunlich, da� sie dann nicht bei dem Knappen ihr Gl�ck versucht hatte, nachdem der Herr sie abgewiesen hatte. So wie er Tom kannte, h�tte der gar nichts gegen ein zweites M�dchen gehabt.</p><p>Er steckte die Fackel in die Halterung zur�ck und lie� sich unzeremoniell auf den Heuhaufen fallen, der als Bett diente.</p><p>Und schon griff der Schlaf nach ihm.</p><p>�Mann Gallowglass!� donnerte eine hohlklingende Stimme in der kleinen Kammer. Rod zuckte hoch, das M�dchen schrie, und Tom fluchte. Ein Geist schwebte eisigschimmernd vor ihnen in der Dunkelheit.</p><p>Rod stand auf und warf einen schnellen Blick auf Tom und die</p><p>junge Frau. Sie dr�ckte sich mit vor Grauen verzerrtem Gesicht an Tom, der dem Geist herausfordernd (wenn auch zweifellos nicht ganz ohne Furcht) entgegenstarrte.</p><p>Erst dann betrachtete Rod den Geist in seiner Panzerausr�stung und dem Rapier an der Seite. Es war nicht Horatio. Rod erinnerte sich, da� er der Bo� war, nicht der Geist. So hochm�tig er nur konnte, schaute er ihn an. �In welchem Stall bist du aufgewachsen, da� du einem Herrn gegen�ber ein so schlechtes Benehmen an die Nacht legst?� Die Geisteraugen weiteten sich, das Kinn fiel hinab. Die durchschimmernde Gestalt starrte Rod erschrocken an. Der nutzte seinen Vorteil. �Sprich, doch h�flich, sonst tanze ich auf deinen Gebeinen!�</p><p>Der Geist wand sich. Rod hatte ins Schwarze getroffen. Offenbar gab es eine ektoplasmische Verbindung zwischen einem Geist und seinen sterblichen �berresten. Rod nahm sich vor, die Gr�fte oder Gr�ber aller hier Spukenden aufzusuchen. �Ver-verzeiht, My-mylord�, stammelte der Geist. �Ich wollte Rod unterbrach ihn. �Nun, da du mich aus dem Schlaf gerissen hast, k�nntest du mir endlich sagen, was du willst!�</p><p>�Ihr m��t sofort��</p><p>Wieder unterbrach ihn Rod. �Ich mu� �berhaupt nichts!�</p><p>�Verzeiht, Eure Lordschaft.� Der Geist verbeugte sich.</p><p>�Mylord Loguire ersucht Euch, in die Gew�lbe zu kommen.�</p><p>�Horatio Loguire?�</p><p>�So ist es, Mylord.�</p><p>Die Magd �chzte. Rod zuckte zusammen. Er hatte vergessen, da� er nicht allein mit dem Geist war. Bald w�rde die ganze Burg von seiner Verbindung mit den Geistern wissen. Er wandte sich an den Geist. �Also gut, dann f�hre mich.� Er griff nach seiner Harfe. Als der Geist sich zur Wand drehte und eine Hand ausstreckte, rief er: �Halt!� Au�er ihm brauchte niemand zu wissen, wo sich die Geheimg�nge befanden. �Schweb zu</p><p>Mylord Loguire zur�ck und sag ihm, ich bin in K�rze bei ihm. Du scheinst zu vergessen, da� ich nicht durch die W�nde gehen kann, wie du.�</p><p>�Aber, mein Lord�, protestierte der Geist. �Ihr�� �Hast du nicht geh�rt!� polterte Rod. Der Geist wich erschrocken zur�ck und verschwand.</p><p>In der jetzt wieder fast absoluten Dunkelheit stie� das M�dchen einen tiefen Seufzer aus, und Tom sagte mit ruhiger Stimme: �Verkehrt Ihr jetzt auch in Geisterkreisen, Meister?� �Allerdings�, brummte Rod und schwang die T�r auf. �Wenn auch nur ein Wort �ber diesen Besuch aus der Kammer getragen wird, k�nnt ihr beide mit recht unruhigen N�chten rechnen.�</p><p>Wieder st�hnte das M�dchen. Gut, dachte Rod. Das wird ihr vielleicht den Mund verschlie�en.</p><p>Der Geist in der Panzerr�stung wartete in der Banketthalle, wo der metallene �Altar� stand, auf Rod. �Wenn Ihr mir folgen w�rdet, Mylord?�</p><p>Sie kamen in einen Korridor. Voraus sah Rod das gespenstische Schimmern mehrerer Geister, die sich �ber etwas auf dem Boden beugten. Er h�rte ein sehr menschliches, panikerf�lltes Wimmern.</p><p>Horatio blickte bei Rods N�herkommen auf. Er l�ste sich vom Rest der Geister und schwebte auf Rod zu. Sein Gesicht war vor Grimm verzerrt. �Mann Gallowglass!� polterte er. �Weshalb habt Ihr mir nicht gesagt, da� Ihr in Begleitung in unsere Gew�lbe kamt?�</p><p>�In Begleitung?� fragte Rod erstaunt. �Das wu�te ich selbst nicht.�</p><p>�Nun, jemand folgte Euch dichtauf.� �Excelsior!� murmelte Rod.</p><p>�Gesundheit!� sagte Loguire. �Ich f�rchte, wenn wir weiterhin Sterbliche hier empfangen, m�ssen wir unsere Gew�lbe beheizen. Aber wie ich sagte, ich fand Euren Dienstboten</p><p>direkt au�erhalb der Banketthalle.�</p><p>�Dienstbote?� Rod runzelte die Stirn.</p><p>�Es lauschte an der T�r. Und da� es zu Euch geh�rte, wissen wir, weil es Euren Namen rief, als wir uns ihm n�herten. Nur aus diesem Grund t�teten wir es auch nicht, sondern schickten nach Euch.�</p><p>Loguire schwebte zur Seite und der Kreis der Geister �ffnete sich. In ihrem kahlen Licht sah Rod langes dunkles Haar, eine wei�e Bluse unter einem dunklen Mieder, und ein schreckverzerrtes Gesicht. Es war die Magd, die Gwendylon �hnlich sah.</p><p>�Mein Lord Loguire, diesen Dienstboten kann man doch wahrhaftig nicht mit,es' bezeichnen.� Und dann sagte er mit sanftester Stimme: �Schau mich an, M�dchen.�</p><p>Sie hob den Kopf. Freude und Erleichterung �berfluteten ihre Z�ge. �O mein Lord!� wisperte sie. Sie warf die Arme um Rods Hals, und dicke Tr�nen perlten �ber ihre Wangen.</p><p>�Ruhig, ruhig, M�dchen.� Rod bem�hte sich, sich aus ihrer Umklammerung zu befreien, obgleich das M�dchen eine recht angenehme Last war.</p><p>Horatio Loguire verzog ver�chtlich das Gesicht. �Schafft sie aus meinen Gew�lben, Mann. Es ist feucht genug hier, auch ohne ihren Wasserfall von Tr�nen.�</p><p>�Sofort, Mylord.� Er holte ein Taschentuch aus seinem �rmel und tupfte ihr das Gesicht ab. Er empfand eine unerkl�rliche Z�rtlichkeit f�r sie und das Bed�rfnis, sie zu besch�tzen.</p><p>�Ihr sitzt in der Falle, Mann!� knurrte Horatio.</p><p>�Wer, ich? Das haben schon andere vergebens versucht.�</p><p>�Diesmal ist es gelungen. Und jetzt, hinaus mit ihr!� Rod warf Horatio einen b�sen Blick zu. Er hob das M�dchen, das sich offenbar nicht auf den Beinen halten konnte, auf die Arme, und wieder klammerte sie sich an seinen Hals. �Mein Lord�, wandte er sich noch einmal an den Obergeist. �Habt Ihr vielleicht die G�te, mich zu f�hren? Ich bin ein wenig</p><p>behindert��</p><p>�Ja�, brummte Horatio und drehte sich um, doch zuvor war es Rod so, als husche die Spur eines L�chelns �ber das Geistergesicht.</p><p>Im bewohnten Burgteil stellte Rod das M�dchen wie der auf die Beine. Er mu�te sich selbst eingestehen, da� er sie viel lieber noch l�nger auf den Armen getragen h�tte. �Weshalb bist du mir gefolgt?� fragte er.</p><p>Erschrocken blickte sie zu ihm hoch.</p><p>�Du mu�t die Wahrheit sagen, M�dchen. Wer hat dich geschickt, mir nachzuspionieren?�</p><p>Sie hob den Kopf und sch�ttelte ihn heftig. �Niemand, Mylord!�</p><p>�Oh?� Rod l�chelte traurig. �Du willst doch nicht behaupten, da� du mir aus freiem Willen in die Spukgew�lbe gefolgt bist!�</p><p>�Ich f�rchte die Geister nicht, Mylord.�</p><p>Rod schaute sie �berrascht an. Wenn das stimmte, hatte sie f�r eine Dienstmagd erstaunlichen Mut. Sie hatte, genau wie er, offenbar erst die Nerven verloren, als das schreckliche �chzen anfing.</p><p>�Du hast mir noch nicht gesagt, weshalb du mir gefolgt bist.�</p><p>Sie bi� sich erneut auf die Lippe, dann pre�te sie die Worte widerwillig heraus. �Ich � ich f�rchtete um Euch, Mylord.�</p><p>Rods Lippen verzogen sich zu einem trockenen L�cheln. �Um mich?�</p><p>�Ja!� Jetzt sah sie ihn mit funkelnden Augen an. �Ich wu�te ja nicht, da� Ihr ein Zauberer seid! Und ein Mensch � allein in diesen Gew�lben�� Sie senkte die Augen wieder.</p><p>Rod seufzte und dr�ckte sie an sich. �M�dchen, M�dchen�, murmelte er. �Was h�ttest du denn schon tun k�nnen, um mir zu helfen?�</p><p>�Ich � ich kann ein wenig mit manchen Geistern umgehen, Lord. Ich hatte geglaubt��</p><p>Rod sch�ttelte den Kopf. War es auf diesem verr�ckten</p><p>Planeten vielleicht �blich, mit Geistern zu verkehren? Er schlo� die Lider und dr�ckte seine Wange an ihr Haar. Er sp�rte ihren warmen, geschmeidigen K�rper gegen seinen. Es war sch�n, sie zu halten, fast so sch�n wie Gwendylon� Er ri� die Augen auf und starrte sie an. Er stellte sich die Gesichter der beiden M�dchen nebeneinander vor. Gwendylon mit dunkel gef�rbtem Haar, die Augen ein wenig schr�g gezogen, die Nase verl�ngert und gerade gezogen� Sie sp�rte seine Anspannung. �Was habt Ihr pl�tzlich, Lord?� Ihre Stimme war ein wenig h�her, hatte jedoch den gleichen Klang. Er schaute zu ihr hinunter. Ihr Teint war makellos, keine einzige Sommersprosse. Aber f�r ein Make-up brauchte man nicht unbedingt eine Technologie. Er deutete mit dem Zeigefinger zwischen ihre Augen. �Du�, sagte er, �hast mich beschwindelt!�</p><p>Einen fl�chtigen Moment wirkte sie entt�uscht, doch dann schaute sie wieder v�llig unschuldig drein. �Euch beschwindelt, mein Lord. Ich w��te nicht�� Rod tupfte auf ihre Nasenspitze und drehte den Finger ein wenig. Die Nasenspitze l�ste sich. Er l�chelte grimmig. �St�rkemehl und Wasser! Das h�ttest du nicht zu tun brauchen, dein Himmelfahrtsn�schen gef�llt mir viel besser.� Er rieb mit der Fingerkuppe �ber die Augenwinkel, und schon waren die Augen nicht, mehr schr�g, daf�r war sein Finger schwarz. Kopfsch�ttelnd brummte er: �Na, hoffentlich bekommst du die Farbe auch so leicht aus deinem Haar! Ich verstehe nur nicht, warum du das gemacht hast! So wie die Natur es dir gegeben hat, ist dein Gesicht doch viel h�bscher!� Sie err�tete. �Ich � ich konnte nicht ohne Euch sein, Herr.� Er schlo� die Augen und pre�te die Z�hne zusammen. Es kostete ihn alle Willenskraft, sie nicht an sich zu dr�cken. �Aber�� Er mu�te erst Luft holen. �Wie bist du mir gefolgt?� Mit gro�en unschuldigen Augen schaute sie zu ihm hoch. �In der Tarnung eines Fischadlers, Lord.�</p><p>Er sperrte den Mund auf. �Du? Eine Hexe? Aber��</p><p>�Ihr werdet mich doch deshalb nicht verachten, Lord?� fragte sie �ngstlich. �Ihr, der Ihr ein Zauberer seid.�</p><p>�Was? Ich? Nein, nat�rlich nicht. Ich meine � uh � einige meiner besten Freunde sind � uh��</p><p>�Mein Lord?� fragte sie besorgt. �F�hlt Ihr Euch nicht wohl?�</p><p>�Ich? Nat�rlich nicht? Nein, warte�� Wieder mu�te er erst Luft holen. �Du bist also eine Hexe? Und wenn schon. Ich bin viel mehr an deiner Sch�nheit als an deinen F�higkeiten interessiert.� Schnell holte er erneut Luft. �Aber wir m�ssen eines klarstellen.�</p><p>Sie schmiegte sich fest an ihn. �Ja, mein Lord?�</p><p>�Nein, nein! Das meinte ich nicht.� Hastig wich er ein paar Schritte zur�ck und streckte die H�nde aus, um sie abzuwehren. �Also, der einzige Grund, da� du mir folgtest, war deine Angst um mich, richtig? Weil du glaubtest, ich k�nnte mir selbst nicht helfen?�</p><p>Der Glanz ihrer Augen erlosch. �Ja, Mylord.�</p><p>�Doch jetzt wei�t du, da� ich ein Zauberer bin und du keine Angst mehr um mich haben mu�t. Also besteht kein Grund, mir weiter zu folgen, richtig?�</p><p>�Nein, mein Lord.� Stolz hob sie das Kinn, und ihre Augen blitzten ihn trotzig an. �Ich werde Euch auch weiterhin folgen, Rod Gallowglass. Es gibt Magie in dieser Welt, von der Ihr nichts ahnt!�</p><p>Das Schlimmste war, dachte er, da� sie so verdammt recht hatte. Auf dieser verr�ckten Welt gab es bestimmt noch eine Menge Zauberei und sonstiges, das er sich nicht einmal vorzustellen vermochte. Aber andererseits gab es auch einiges, von dem sie nichts wu�te. Als Amateurhexe, vermutlich, und zu alt, der Gewerkschaft beizutreten � sie war bestimmt schon fast so alt wie er!�� , kannte sie vermutlich nur ein paar Tricks, beispielsweise, wie man sich zurechtmachte, und verf�gte �ber die F�higkeit, durch die Luft zu fliegen (aber er verstand immer noch nicht, wie sie die T�uschung, ein Vogel zu sein, so lange hatte aufrechterhalten k�nnen), und dann hatte sie Mut, wie man ihn bei einer Frau nicht erwartete. Aber wenn sie recht hatte, da� sie um ihn f�rchten mu�te, weil er immer noch in Gefahr war, so schien ihr nicht bewu�t zu sein, da� sie sich in nicht weniger Gefahr befand. Nein, es h�tte bestimmt keinen Sinn, ihr zu verbieten, ihm zu folgen � sie w�rde es trotzdem tun. Und er w�rde lebend seine Abenteuer �berstehen, wie er es immer getan hatte, w�hrend sie irgendwo unterwegs den Tod fand. Oder vielleicht behinderte sie ihn auch so sehr, da� sie beide daran glauben mu�ten. Er sch�ttelte ganz leicht den Kopf. Nein, er durfte nicht zulassen, da� sie get�tet wurde, also mu�te er sie irgendwie loswerden � und er wu�te auch schon, wie.</p><p>Er verzog das Gesicht zu einem s�uerlichen L�cheln.,Es stimmt schon, was man von Bauernm�dchen sagt. Wenn man auch nur ein bi�chen nett zu ihnen ist, wird man sie nicht mehr los. Meine Teure, du bist schlimmer als eine Klette!� Sie holte fast schluchzend Atem und pre�te die Hand auf die Lippen. Tr�nen quollen aus ihren Augen. Sie bi� sich in die Finger, wirbelte herum und rannte davon. Er starrte auf den Boden, bis ihre Schritte sich verloren und er ihr Schluchzen nicht mehr h�rte. Er f�hlte sich so elend wie selten zuvor. Eine schwere Faust h�mmerte an die Eichent�r. Rod k�mpfte sich aus tiefem Schlaf und richtete sich im Heu auf. Tom und sein M�dchen starrten stumm auf die T�r. �Keine Angst�, brummte Rod. �Geister klopfen nicht.�</p><p>�He, Minnes�nger!� donnerte eine tiefe Stimme. �Komm sofort zu meinem Herrn!�</p><p>Rod schl�pfte in sein Wams und griff nach der Harfe. Er ri� die T�r auf und versuchte, ganz wach zu werden, nach dem k�rglichen Schlaf, der ihm verg�nnt gewesen war. �Ihr brauchtet zu dieser fr�hen Stunde nicht ganz so st�rmisch zu sein�, brummte er. �Wer, zum Teufel, ist �berhaupt Euer Herr?�</p><p>Eine schwere Faust traf Rod unter dem Ohr und warf ihn an die Wand. Er k�mpfte gegen das Verlangen, dem Burschen den Hals umzudrehen. Durch dichte Nebelschleier h�rte er ein sadistisches Kichern. ��berleg dir deine Worte, wenn du zu H�heren sprichst, Harfenzupfer!�</p><p>Rod richtete sich an der Wand auf und sch�tzte seinen Peiniger ab. Er war ein gew�hnlicher Fu�soldat in schmutzigem Lederwams und nicht weniger schmutzigern Kettenhemd, mit absto�endem K�rpergeruch und dazu noch fauligem Atem von den verrottenden Z�hnen, die er in einem selbstzufriedenen Grinsen fletschte.</p><p>Rod seufzte. Es war besser, seine Rolle zu spielen. Den Schlag hatte er verdient, weil er aus dieser Rolle gefallen war. Der Minnes�nger diente hier auch zur Abreagierung aggressiver Gef�hle. �Na gut�, murmelte er. �Ich werde mir meine Worte �berlegen.�</p><p>Diesmal traf die Faust ihn unter dem Kinn. W�hrend er zur�cktaumelte, h�rte er: �Du hast wohl vergessen, da� man seinen H�heren mit Herr anspricht!�</p><p>Rods Handkante schlug dreimal blitzschnell zu. Das war ihm doch zuviel gewesen. �Ich w�rde mich erst mal vergewissern, wer der H�here ist. Und jetzt f�hr mich zu deinem Herrn!� Der Herr war, wie sich herausstellte, Lord Loguire. Er sa� am Kopfende eines riesigen ovalen Tisches in der Mitte eines mit pr�chtigen Wandteppichen behangenen Gemachs. Zu seiner Rechten hatte sein �ltester Sohn Platz genommen, zu seiner Linken Durer. Die anderen St�hle waren von acht M�nnern belegt, die Rod bekannt vorkamen. Seine Augen weiteten sich, als ihm klar wurde, da� es vier der Hohen Lords � Herzog di Medici, Graf Romanoff, Herzog Bourbon und Prinz Habsburg � mit ihren Ratgebern waren. Nach Loguire waren sie die m�chtigsten der Hohen Lords. Und wenn diese f�nf sich hier versammelt hatten, mochten die restlichen sieben da nicht ebenfalls in der N�he sein?</p><p>Der Tisch war zum Fr�hst�ck gedeckt, aber keiner von den Anwesenden a� mit Genu�. Anselm, beispielsweise, Loguires Sohn, schluckte die Bissen mechanisch, und sein Gesicht war von kalter Wut verzerrt.</p><p>Rod schlo� daraus, da� es eine Meinungsverschiedenheit zwischen Vater und Sohn gegeben hatte, aus der der alte Loguire nat�rlich als Sieger hervorgegangen war � aber nur, indem er seinem Sohn den Mund verboten hatte. Und ihn, Rod, hatte man gerufen, damit er wieder f�r Stimmung sorgte. Was von einem Minnes�nger nicht alles erwartet wurde!</p><p>Durers Gesicht konnte die verstohlene Selbstzufriedenheit kaum verbergen. Bei den anderen Ratgebern war es nicht viel anders. Was immer auch hier geschehen war, es mu�te Durer gerade recht gekommen sein, ja vermutlich war es sogar von ihm in Szene gesetzt worden. Der Mann ist der perfekte Katalysator, dachte Rod. Er wurde nie in die Reaktionen verwickelt, die er ausl�ste.</p><p>Loguire sah seinen Sohn mit stummer Bitte in den alten, rotumr�nderten Augen an. Aber Anselm g�nnte ihm keinen Blick, bis des Herzogs Gesicht zu Stein zu erstarren schien. Als er sich umdrehte, entdeckte er Rod. �Minnes�nger!� donnerte er. �Warum steht Ihr m��ig herum? Singt uns etwas Fr�hliches!�</p><p>Durers Kopf zuckte herum. Bei Rods Anblick weiteten sich seine Augen. Schrecken verzerrte seine Z�ge und wurde von m�rderischem Ha� abgel�st.</p><p>Rod l�chelte vergn�gt und verbeugte sich. Er �berlegte, welches Lied wohl die Spannung in diesem Raum l�sen k�nnte. Er bef�rchtete, da� es hier Sitte war, sich abzureagieren, indem man den Minnes�nger verpr�gelte, wenn es ihm nicht gelang, f�r die erwartete Entsp�nnung zu sorgen.</p><p>Er begann eine blutr�nstige Moritat zu spielen, weil er es f�r das Beste hielt, ihnen etwas noch Aufregenderes zu bieten, als das, was immer auch hier vorgefallen war. Er klimperte jedoch zuerst nur herum, ohne gleich zu singen, um die Gesichter der vier Lords zu studieren.</p><p>Sie schwankten von br�tender �berlegung zu Verachtung (obgleich unterdr�ckt). Letztere galt offenbar dem alten Herzog. Es sah ganz so aus, als h�tte Loguire hier keine Unterst�tzung. Alle schienen auf der Seite seines Sohnes zu sein. �Minnes�nger!�</p><p>Rod schaute auf. Es war Anselm, der ihn gerufen hatte. Sein Gesicht war in Bitterkeit erstarrt. �Habt Ihr vielleicht ein Lied �ber einen, den eine Frau zum Narren h�lt und der ein doppelter Narr ist, weil er sie trotzdem liebt?�</p><p>�Genug!� donnerte Loguire, doch ehe Anselm etwas sagen konnte, erwiderte Rod: �Viele, mein Lord, aber von einem Mann, der die Frau, die ihm weh getan hat, immer noch liebt.</p><p>Und in allen kehrt sie zu ihm zur�ck.�</p><p>�Hah, sie nimmt ihn wieder auf � um ihn an einem langen Strick von den Zinnen baumeln zu lassen!�</p><p>Der alte Herzog richtete sich auf. �Genug der Verleumdung!� br�llte er.</p><p>Anselms Stuhl kippte nach hinten, als er aufsprang. �Und ist es Verleumdung, da� sie den stolzen Namen Loguire in den Schmutz gezogen hat? Und nicht nur einmal, sondern zweimal, und sie wird es noch �fter tun!� Er schlug die Faust auf den Tisch. �Diese Hexe wird noch lernen, da� sie die Ehre ihrer Edlen nicht ungestraft verletzen darf. Wir m�ssen sie von ihrem Thron zerren und sie ein f�r allemal unter unseren F��en zertreten!�</p><p>Loguires Gesicht lief tiefrot an. Er �ffnete den Mund, doch ehe er etwas erwidern konnte, murmelte Rod: �Nein, mein Lord, nicht so hart. Nicht gleich Vernichtung, sondern eine Lehre!�</p><p>Er stand im Kreuzfeuer von laserstrahlgleichen Blicken Anselms und Durers, aber Loguire polterte mit der Freude und Erleichterung eines Riesen: �Ja! Unser Minnes�nger spricht zwar ungebeten, aber er hat recht! Unsere junge K�nigin ist eigensinnig, doch das ist auch ein F�llen, ehe man ihm das Zaumzeug anlegt. Sie mu� erst noch lernen, da� ihre Macht nicht absolut ist, da� auch andere das Recht haben, ein Wort mitzureden. Sie ist immerhin die Herrscherin und darf nicht gest�rzt werden!�</p><p>Anselm stie� einen gurgelnden Laut aus. Er w�rgte vor Wut und stotterte fast in seinem Grimm. �Nein � ich sage nein! Eine Frau als Monarch? Das ist Spott und Hohn! Und noch dazu eine arrogante, hurende��</p><p>�Halt den Mund!� Selbst die vier anderen Hohen Lords schraken vor dieser Donnerstimme zur�ck.</p><p>Anselm zuckte zusammen und schien sichtlich zu schrumpfen, w�hrend Loguire an Gr��e wuchs. Und dann, mit einer W�rde, wie Rod sie noch nie an einem Mann gekannt hatte, ja, mit der wahrhaft majest�tischen W�rde, die nur aus dem innersten Wesen selbst kommen kann, setzte Loguire sich wieder und sagte, ohne den Blick von seinem Sohn zu lassen: �Zieh dich in deine Gem�cher zur�ck. Wir werden bis zum Konklave heute abend nicht mehr davon sprechen!�</p><p>Irgendwie gelang es Anselm, das Kinn zu heben und sich auf dem Absatz umzudrehen. Auf dem Weg zur T�r fiel sein Blick auf Rod. Wut stieg in ihm auf. Er hob den Arm, um den Minnes�nger zu schlagen.</p><p>�Nein!� donnerte Loguire, und Anselm erstarrte.</p><p>�Dieser Mann�, erkl�rte der Herzog betont langsam, �hat die Wahrheit gesprochen. Ich dulde nicht, da� jemand Hand gegen ihn erhebt!�</p><p>Anselm senkte den Blick. Er ri� die T�r auf und schlug sie hinter sich zu.</p><p>�Minnes�nger, spielt!� brummte Loguire. Rod stimmte eine Weise auf der Harfe an, w�hrend er nachdachte. Heute abend</p><p>w�rde also Kriegsrat abgehalten werden, und der Hauptpunkt war zweifellos die konstitutionelle Monarchie gegen die Souver�nit�t der Hohen Lords, auch wenn das vielleicht nur Durer und ihm klar war. Nun, er, Rod, wu�te jedenfalls, auf wessen Seite er stand.</p><p>Sie kamen in dem neuen Bankettsaal zusammen, nicht nur die zw�lf Hohen Lords, sondern mit ihnen ihre Lehnsleute, Grafen, Barone, Ritter. Und zur Seite eines jeden stand, oder eher noch, kauerte einer der ausgemergelten kleinen M�nner. Rod pfiff lautlos durch die Lippen. Er hatte nicht gewu�t, da� es so viele dieser Ratgeber gab. Mit einem Blick gesch�tzt waren es mindestens f�nfzig, wenn nicht siebzig. Und m�glicherweise gab es au�erhalb seines Blickfelds noch mehr, und sein Blickfeld war momentan arg beschr�nkt. Er schaute durch ein Loch in der Wand hinter Lord Loguire in den Saal. Das Loch war dadurch entstanden, da� er von einer Fackelhalterung einen der drei Haltestifte entfernt und dahinter das Loch kopfgro� erweitert hatte.</p><p>Rod stand in der klammen Dunkelheit eines schmalen Ganges. Seine Rechte ruhte auf einem Hebel. Wenn er ihn nach unten dr�ckte, mu�te der Stein vor ihm zur Seite schwingen und sich eine �ffnung bilden, die gro� genug war, ihn hindurchzulassen. Nach den Mienen der Lords, die ihre Gesichter Loguire zuwandten, w�rde es vermutlich notwendig werden, einzugreifen.</p><p>Der Mann unmittelbar vor dem Herzog war Anselm. Bourbon und di Medici standen links und rechts von dem jungen Mann, und Durer links von Loguire.</p><p>Der Herzog erhob sich schwer. �Hier in diesem Saal�, begann er, �sind alle von edlem Blut und die wahre Macht Gramayres zusammengekommen, um �ber eine passende Belehrung K�nigin Catherines zu beraten.�</p><p>Herzog Bourbon spreizte die Ellbogen und legte die H�nde auf die Schenkel. Er erweckte den Eindruck eines gro�en</p><p>schwarzen B�ren mit den zottligen Brauen und dem Urwald von einem Vollbart. �Nein, guter Onkel!� widersprach er funkelnden Blickes. �Wir sind hier, um zu besprechen, wie wir sie st�rzen k�nnen, sie, die unsere Ehre in den Schmutz zieht.� Loguires Schultern strafften sich, seine Augen weiteten sich vor Entr�stung. �Nein!� w�rgte er. �Es besteht nicht genug Grund��</p><p>�Grund!� Bourbons Stimme zitterte. �Sie hat uns h�here Steuern auferlegt als je in der Geschichte Gramayres und dann die Einnahmen an den Abschaum von Bauern vergeudet. Jeden Monat schickt sie ihre Richter zu uns, um sich Beschwerden von allen in unseren L�ndereien anzuh�ren. Jetzt will sie auch noch die Priester selbst ernennen. Und da sagt Ihr, wir h�tten nicht genug Grund? Sie beraubt uns unserer rechtm��igen Herrschaft innerhalb unserer eigenen Dom�nen. Und um allem die Krone aufzusetzen, beleidigt sie uns auch noch vor allem Volk, indem sie sich erst die Petition von schmutzigen Bettlern anh�rt, ehe sie uns ihr Ohr leiht!�</p><p>Medici hatte sich zu seinem Ratgeber hinabgebeugt. Jetzt richtete er sich auf und rief: �Und hat ein Monarch je zuvor Petitionen seiner Bauern in seinem Audienzsaal angeh�rt?� �Nie!� donnerte Bourbon. �Aber nun zieht die K�nigin Bettler und Bauern uns vor! Sie mi�achtet alle Tradition! Und das jetzt, w�hrend sie noch ein Kind ist, mein verehrter Herzog Loguire. Was wird sie erst tun, wenn sie erwachsen ist?� Er hielt kurz an, um Atem zu holen, dann knurrte er: �Wir haben gar keine andere Wahl, als sie zu st�rzen!�</p><p>�Ja!� pflichtete ihm di Medici bei, und alle anderen stimmten in das Ja ein, bis es durch den riesigen Saal hallte. �Und ich sage nein!� donnerte Loguire �ber alle hinweg. Schweigen senkte sich auf die Anwesenden herab. �Sie ist unsere Herrscherin. Kaprizi�s, ja, und despotisch, hitzk�pfig und eigensinnig, all das, ja, das ist sie. Aber das sind die �blichen Untugenden der Jugend, eines Kindes, das man die Grenzen seiner Macht erst noch lehren mu�, und es ist an uns, sie ihr zu zeigen, sie darauf hinzuweisen, wo sie sie �berschritten hat. Das d�rfen wir tun, doch nicht mehr!� �Eine Frau kann nicht weise regieren�, murmelte di Medicis Ratgeber, und di Medici griff es sofort auf. �Mein teurer Vetter�, wandte er sich an Loguire. �Gott schuf die Frauen nicht dazu, ein Land zu regieren.�</p><p>Sofort stie� Bourbon ins gleiche Horn. �Ja, guter Onkel! Weshalb will sie uns keinen K�nig geben? Sie soll heiraten, wenn sie wirklich m�chte, da� dieses Land weise regiert wird!� �Es ist ihr Recht, zu regieren!� polterte Loguire. �Sie ist vom Blute der Plantagenets, dem Herrschergeschlecht dieses Landes, seit es besteht! Mein guter Neffe, verge�t Ihr so leicht den Eid, den Ihr diesem Namen geleistet habt?� �Die Korruption macht auch bei Dynastien nicht halt!� murmelte Bourbons Ratgeber mit funkelnden Augen. �Ja!� donnerte Bourbon. �Das Blut der Plantagenets ist zu d�nn, es brachte nur noch ein kleines M�dchen mit den Launen einer starrk�pfigen Frau hervor. Wir brauchen neues Blut f�r unsere K�nige!�</p><p>�Vielleicht das der Bourbons?� fragte Loguire ver�chtlich. Bourbon lief tief rot an, aber schon rief di Medici: �Nein, teurer Vetter, das beste, das h�chste Blut. Anselm Loguire wird unser neuer K�nig sein!�</p><p>Loguires Kopf zuckte zur�ck, als h�tte man ihm ins Gesicht geschlagen. Mit zitternder Hand st�tzte er sich auf die Stuhllehne. Er schaute zu seinem Sohn, der triumphierend nickte. �Es ist also ein abgekartetes Spiel! Schon vor dieser Zusammenkunft habt ihr euch besprochen � hinter meinem R�cken! Und wer hat euch dazu angestachelt?� Mit finsterem Blick musterte er Durer.</p><p>�Du!� br�llte er. �Vor f�nf Jahren kamst du zu mir, und ich alter Narr war sogar noch erfreut dar�ber. Und dann kamen</p><p>nach und nach alle deine Bastarde � und immer noch hielt ich es f�r gut!�</p><p>Er wandte sich nach rechts. �Anselm, den ich einst meinen Sohn nannte, wach auf und h�r mich an! H�te dich vor dem Vorkoster, denn er hat die beste M�glichkeit, dich zu vergiften!�</p><p>Rod wurde pl�tzlich klar, wie die Zusammenkunft enden w�rde. Die Ratgeber durften das Risiko nicht eingehen, Loguire am Leben zu lassen. Der alte Herzog war immer noch stark und nicht unterzukriegen und es mochte ihm durchaus wieder gelingen, die Hohen Lords auf seine Seite zu bekommen.</p><p>Anselm legte die Hand auf Durers Schulter. Der Ratgeber hatte Loguire kategorisch verlassen und sich neben seinen Sohn gestellt. �Ich vertraue diesem Mann. Er war von Anfang an auf meiner Seite, und ich bin f�r seine Weisheit dankbar � so wie ich es f�r deine sein werde, wenn du dich uns anschlie�t.�</p><p>Loguire verengte die Augen. �Nein!� spuckte er. �Lieber sterbe ich, als zum Verr�ter zu werden, wie ihr!�</p><p>�Ihr sollt haben, was ihr begehrt!� rief Durer. �Welche Todesart zieht Ihr vor?�</p><p>Anselm starrte ihn an. �Halte dich zur�ck, Durer! Er ist ein alter Narr, ja, und steht gegen das Wohl des Landes. Aber er ist mein Vater, und ich werde nicht dulden, da� jemand Hand an ihn legt!�</p><p>Durer hob die Brauen. �Ihr wollt eine Schlange an Eurem Busen n�hren, Mylord? Aber nicht Ihr allein habt zu entscheiden, sondern alle Lords.� Er hob die Stimme. �Was sagt Ihr, edle Herren? Soll dieser Mann sterben?�</p><p>Rod �berlegte. Er mu�te Loguire herausholen. Er konnte die Geheimt�r �ffnen und den Herzog mitsamt Stuhl herausziehen, ehe die anderen wu�ten, was ge schah. Aber konnte er sie auch rechtzeitig wieder schlie�en? Die anderen waren zu nah. Und vor allem w�rde Durer schnell handeln.</p><p>Ein z�gerndes, aber einstimmiges Ja hallte durch den Saal. Durer verneigte sich sp�ttisch. �Das Urteil, mein Lord, ist der Tod.� Er zog das Rapier und holte aus. Im gleichen Augenblick erlosch das Licht. Rod blieb einen Moment wie erstarrt in der totalen Dunkelheit stehen, dann zog er mit aller Kraft den Hebel. Das �chzen und Knarren des zur�ckgleitenden Steines brach die Totenstille, und sofort schrien alle durcheinander. Der L�rm w�rde Rod von Nutzen sein. Er tastete blind um sich und stie� gegen jemandes Brustkasten. Der Jemand br�llte und holte mit der Klinge aus. Sie zischte dicht �ber Rods Kopf hinweg. Eine Sekunde schaltete er das Licht seiner Dolchscheide an und erkannte den Jemand als Lord Loguire. Doch auch ein anderer hatte sich in dem fl�chtigen Lichtschein orientiert. Ein knorriger, kleiner K�rper stie� heulend vor Wut gegen Rod, und gleichzeitig stach eine Klinge in Rods Schulter. Durch reinen Zufall gelang es ihm, Durers Handgelenk zu fassen und den zur�ckgezogenen Dolch, der schon fast seine Kehle erreicht hatte, zu stoppen.</p><p>Der Kleine war unheimlich stark und z�h. Immer n�her drang die Dolchspitze an Rods Hals. Er sp�rte bereits die ersten Blutstropfen, als pl�tzlich ein grauenvolles, ohrenbet�ubendes �chzen den Saal erf�llte, dem gleich Panikschreie folgten. Drei riesige schimmernde, durchscheinende Gestalten schwebten durch die Luft. Knochengesichter waren zu sehen, mit den M�ndern zu gro�en Os gerundet. Horatio und zwei andere ehemalige Loguires am�sierten sich k�stlich. Rod br�llte: �Gekab, sechzig Hertz!� Bet�ubendes Dr�hnen summte in seinen Ohren und sofort schwand seine Furcht. Hastig schaltete er wieder das H�llenlicht ein und fand Loguire. Rod duckte sich, rammte ihm den Sch�del in den Magen, schwang ihn sich �ber die gute Schulter, und eilte zur �ffnung. �Dr�ckt die H�nde an die Ohren, ihr Narren!� kreischte Durer und folgte Rod, der die �ffnung nicht gleich finden konnte.</p><p>Panik griff nach ihm, denn mit Loguire auf der Schulter hatte er gegen den drahtigen Kleinen keine Chance.</p><p>Kalte Luft blies gegen seine Wange. �Mir nach!� donnerte Horatio. Rod gehorchte, und so gelangten sie durch die �ffnung. �Schnell, Mann!� polterte der Geist. �Der Stein! Ihr m��t ihn schlie�en!� Rod nickte keuchend und tastete nach dem Hebel. Knarrend schlo� sich die �ffnung. Er setzte den Herzog, der allm�hlich zu sich kam, auf den Steinboden.</p><p>Immer noch keuchend blickte er zu Horatio hoch. �Habt Dank f�r die Rettung!� kr�chzte er.</p><p>Horatio winkte ab. �Tot h�ttet Ihr Euren Eid nicht erf�llen k�nnen�, brummte er.</p><p>�Wie habt Ihr das eigentlich geschafft, alle Fackeln gleichzeitig zu l�schen?� fragte Rod nach einer Weile.</p><p>�Ich dachte, das h�ttet Ihr getan, Zauberer.�</p><p>Rod starrte ihn mit weit offenem Mund an. �Ich dachte, Ihr h�ttet � und Ihr dachtet, ich h�tte� Aber wer war es dann?�</p><p>Ein Lichtstrahl drang durch das von Rod geschaffene Guckloch. Horatio heulte furchterf�llt auf und verschwand.</p><p>Rod sp�hte durch das Loch. Durer stand auf der Plattform und stie� mit dem Dolch um sich. �Wo? Wo?� heulte er.</p><p>Rod half Loguire, der noch v�llig benommen war, auf die Beine. �Wer � wer war das?� fragte er, w�hrend Rod ihn hinter sich herzog. �Dieser Mann in Wei�?�</p><p>Offenbar stand Loguire noch unter Schock. Er mu�te ihn also vorsichtig behandeln. �Einer Eurer Verwandten, Mylord. Kommt, wir m�ssen uns beeilen.�</p><p>�Verwandter?� murmelte Loguire, aber er lief hinter Rod her, bis sie um eine Biegung kamen, dahinter w�rde es dunkel sein, da das Licht aus dem Guckloch nicht so weit reichte. Doch als sie um die Ecke bogen, schimmerte etwas voraus � eine Gestalt mit einer phosphoreszierenden Lichtkugel in der Hand und zutiefst besorgtem Gesicht.</p><p>�Gwendylon!� rief Rod.</p><p>Ihr Gesicht strahlte erleichtert auf.</p><p>�Was, zum Teufel, machst du da?�</p><p>Unschuldigen Blickes antwortete sie: �Ich folgte Euch, Mylord.�</p><p>�Aber, aber� Du mu�t mich doch jetzt hassen, so war es schlie�lich gedacht!�</p><p>�Nie, mein Lord�, sagte sie ernst. Rod dachte wieder daran, was Tom �ber Bauernm�dchen gesagt hatte, doch dann betrachtete er das kugelf�rmige Feuer in ihrer blo�en Hand.</p><p>�Was hast du denn da?�</p><p>�Oh, nur ein kleiner Zauber, den meine Mutter mich lehrte, als ich noch ein ganz winziges Kind war. Das Licht wird uns helfen, einen Weg durch dieses Labyrinth zu finden.�</p><p>Rod starrte sie an. �Und wie hast du die Fackeln im Saal gel�scht?�</p><p>�Das ist nicht so einfach zu erkl�ren, Mylord. Haben wir Zeit?�</p><p>�Nein. Aber du warst es jedenfalls, hm? Ein weiterer Trick, den deine Mutter dich lehrte?�</p><p>Sie nickte, da bemerkte sie seine blutende Schulter. �Ihr seid verwundet, mein Lord!� rief sie erschrocken. Erst jetzt wurden Rod die Schmerzen wieder bewu�t. Er wollte sich an die Wand st�tzen, doch statt dessen dr�ckte seine Hand auf etwas Weiches, Nachgiebiges, und schon schmiegte sich ein sanfter K�rper an ihn. �Gwendylon! Hier ist wirklich nicht der richtige Ort��</p><p>�Mit Euch ist �berall der richtige Ort�, fl�sterte sie in sein Ohr.</p><p>Rod versuchte, sich in die Wand hineinzudr�ngen. �Horch, Baby, wir haben jetzt nicht die Zeit dazu, doch wenn du uns sicher hier heraus f�hrst, tue ich, was du willst!�</p><p>Sie sog die Luft ein. �Wahrhaftig, Lord?�</p><p>Rod wich zur Seite, so weit er konnte. �Nun, jedenfalls vierundzwanzig Stunden lang.�</p><p>�Das gen�gt�, versicherte sie ihm mit strahlendem L�cheln, und schon rarinte sie mit dem Licht voraus. Er</p><p>blickte ihr eine Sekunde nach, dann scho� er hinter ihr her und ri� sie an sich. Erstaunt schaute sie zu ihm hoch. �Mein Lord, wir m�ssen uns beeilen��</p><p>�Es dauert nicht lange.� Er zog sie an sich und dr�ckte die Lippen fest auf ihre. Sie seufzte gl�cklich und schob ihn von sich. �Und wof�r war das?�</p><p>�Nur eine kleine Kostprobe�, murmelte er und wirbelte herum, als er ein tiefes, freundliches Lachen hinter sich h�rte. Loguire war wieder zu Kr�ften gekommen.</p><p>Der Boden unter ihren F��en wurde immer glitschriger, und Wasser rauschte irgendwo in der N�he. �Beeilt Euch, meine Lords!� rief Gwendylon. �Wir m�ssen fort sein, ehe sie daran denken, die Stallungen zu durchsuchen!�</p><p>�Kommen wir denn dort heraus?� fragte Rod stirnrunzelnd.</p><p>�Nein, am Flu�. Aber wenn sie in den Stallungen nachsehen, wird ihnen auffallen, da� Euer Rappe und des Herzogs Brauner durchgegangen sind.�</p><p>�Was du nicht sagst! Und wo sind die Pferde?� Er sprach ein wenig lauter als n�tig.</p><p>�Am Flu�ufer�, erklang Gekabs Stimme hinter seinem Ohr.</p><p>�Tom ist auch hier.�</p><p>Rod unterbrach Gwendylon, als sie ihm antworten wollte. �Ich wei�, ich wei�, am Flu�ufer. Aber wieso brachte Tom sie��</p><p>�Ich ersuchte ihn darum, Mylord. Mir kam der Gedanke, da� wir sie brauchen w�rden.� Kann sie auch in die Zukunft sehen?</p><p>Fragte sich Rod. �Vorsicht, meine Lords!� warnte da das M�dchen und stieg �ber etwas, das mitten auf dem Gang lag.</p><p>Rod blieb stehen und betrachtete es. Es War das Skelett eines winzigen Menschen, doch keines Kindes, den Proportionen nach. Es war mit Moder �berzogen, konnte aber trotzdem noch nicht sehr lange hier liegen. �Was ist das?�</p><p>fragte er.</p><p>�Einer des kleinen Volkes, Lord.� Ihre Z�ge verh�rteten sich.</p><p>�Schwarzer Zauber breitet sich seit einiger Zeit in der Burg</p><p>aus.</p><p>Rod ignorierte Loguires St�hnen. �Welche Art von Zauber?�</p><p>�Hier war es eine Art Singen � in der Luft! Doch nicht in den Ohren klang es, nur im Kopf. Euch oder mich h�tte es nur aufgehalten wie eine Mauer, aber die Kleinen t�tete es.�</p><p>Ein Kraftfeld! �Wann begann es?�</p><p>�Dieser Zauber wurde vor f�nf Jahren gewirkt, Mylord, doch hielt er nicht l�nger als einen Monat an, denn sein Meister achtete nicht darauf, da� ich ihn unwirksam machte, noch errichtete er ihn erneut.�</p><p>Rod hielt so abrupt an, da� Loguire gegen ihn prallte. Er starrte auf die grazile, o so weibliche Gestalt, die voraus durch den Gang huschte. Dann schluckte er und folgte ihr wieder. Ein Energieschirm! Vor f�nf Jahren! Als Durer auftauchte! Und sie hatte ihn neutralisiert! Mit neuem Respekt betrachtete er das Bauernm�dchen. Sie steckte voll �berraschungen!</p><p>Das Kugellicht in Gwendylons Hand erlosch und der mit dichtem Gr�n verhangene Tunnelmund �ffnete sich voraus.</p><p>Der Flu� rauschte nur wenige Meter entfernt vorbei. Es war kalt hier. Loguire fr�stelte.</p><p>�Meister!� Tom trat mit drei Pferden an den Z�geln aus den Schatten des Flu�ufers. Rod fa�te Gwendylons Hand und rannte ihm entgegen. Aber sie hielt ihn energisch zur�ck.</p><p>�Nein, mein Lord! Erst m�ssen wir nach Eurer Schulter sehen!�</p><p>�Wir haben keine Zeit!� protestierte Rod.</p><p>�Es w�rde uns unterwegs nur aufhalten!� sagte sie streng, �und jetzt brauchen wir blo� wenige Minuten.� Rod seufzte und kapitulierte. Ein warmes Gef�hl breitete sich in ihm aus, als er ihr nachsah, wie sie zum Ufer rannte.</p><p>�Sie hat recht�, brummte Loguire und drehte Rod zu sich um.</p><p>�Bei�t die Z�hne zusammen!� Er ri� Rods Wams von der Schulter und l�ste dabei das verkrustete Blut. Rod schnappte nach Luft.</p><p>�Es ist gut, wenn es frisch blutet!� knurrte Loguire. Und schon eilte Gwendylon mit einer Handvoll Krautern herbei und legte sie vorsichtig auf die Wunde, w�hrend Tom ihm einen Weinbeutel an die Lippen setzte. Und bereits f�nf Minuten sp�ter schwang er das M�dchen auf Gekabs R�cken und setzte sich hinter ihr in den Sattel.</p><p>Als Gekab sich in Trab setzte, drehte sie sich zu Rod um.</p><p>�Aber, Mylord, ich brauche doch nicht��</p><p>�Wir haben nur drei Pferde, Gwen. Mach dir keine Sorgen, mein Rappe schafft dein Gewicht spielend��</p><p>�Aber, mein Lord, ich brauche wirklich nicht��</p><p>�Still! Lord Loguire!� rief Rod �ber die Schulter. �F�hrt uns, Ihr kennt das Land am besten.�</p><p>Loguire nickte stumm und trabte voraus. Rod brummte: �Unsere Spur ist deutlich wie eine Stra�e. Wir m�ssen uns beeilen, damit sie uns nicht einholen k�nnen!�</p><p>�Seht erst einmal hinter Euch, Lord!� riet ihm Gwendylon. Rod drehte sich um. Mindestens hundert Elfen waren mit winzigen Besen dabei, die Spur zu verwischen.</p><p>�Gro�er Gott!� murmelte Rod. �Gwen! Hast du das veranla�t?�</p><p>Keine Antwort. Er wandte sich wieder nach vorn. Gwen war verschwunden! �Gwendylon!� br�llte er erschrocken, und zerrte am Z�gel, da� Gekab sich aufb�umte und anhielt.</p><p>Ein Schrei antwortete aus dem Himmel. Rod ri� den Kopf hoch. Der Seeadler war wieder da! Und jetzt scho� er herab, kreiste um Rod und schrie dr�ngend.</p><p>�Ja, ja, ich verstehe schon�, brummte Rod. �Marsch, weiter, Gekab!� Aber das Pferd stand starr, und sein Kopf baumelte zwischen den Beinen. Das hatte kommen m�ssen. Aber er konnte es dem Roboter nicht einmal �belnehmen, auch f�r ihn war es ein Schock gewesen. Rod dr�ckte auf den Schaltknopf.</p><p>Sie ritten die ganze Nacht hindurch. Loguire war so ersch�pft, da� er sich kaum noch im Sattel halten konnte. Doch Rod ging es nicht viel besser. �Seht Ihr die Heuhaufen, Mylord?� wandte</p><p>er sich an ihn. �Der Morgen ist nah, und wir k�nnen es nicht riskieren, w�hrend des Tages zu reiten. Wir wollen uns im Heu ausruhen.�</p><p>Loguire hob blinzelnd den Kopf. �Ja, ja�, murmelte er nur. Vor dem n�chsten Heuhaufen half Rod ihm aus dem Sattel. Tom nahm den Pferden die S�ttel ab. �Gekab�, fl�sterte Rod. �Zieh dich mit den beiden Tieren irgendwohin zur�ck, wo ihr nicht so leicht entdeckt werden k�nnt, und schaff sie bei Sonnenuntergang wieder hierher.� �Ist gut, Rod�, versicherte ihm der Roboter.</p><p>Rod schaute auf den alten Lord hinunter. Er war eingeschlafen.</p><p>Schnell bedeckte er ihn mit Heu, dann hielt er nach Tom Ausschau und sah, wie gerade seine Waden und F��e in einem Heuhaufen verschwanden. S�ttel und Z�gel waren bereits nicht mehr zu sehen.</p><p>�Ihr m��t Euch auch verkriechen, Herr�, erklang Toms Stimme ged�mpft. �Die Bauern werden bald unterwegs sein, sie d�rfen uns nicht sehen.�</p><p>�Glaubst du nicht, da� sie das Heu heute aufladen werden?�</p><p>�Nein, sie nehmen sich erst die Wiesen n�her an der Burg vor.�</p><p>Mit einem Seufzer der Erleichterung kletterte Rod auf den n�chsten Heuhaufen und grub sich eine tiefe Kuhle, in der er sich zufrieden ausstreckte. Als er die Augen schlie�en wollte, vernahm er einen sanften Vogelschrei, und der Seeadler lie� sich neben ihm nieder. Seine Gestalt dehnte sich in die L�nge, und gleich darauf schmiegte Gwendylon sich an Rod.</p><p>Spitzb�bisch l�chelnd �ffnete sie ihr Mieder. �Vierundzwanzig Stunden, mein Lord. Von Sonnenaufgang bis Sonnenaufgang.</p><p>Ihr verspracht zu tun, was mir gef�llt!�</p><p>�A-a-ber�, stammelte Rod und schluckte, als dem Mieder die Bluse folgte. �Je-jemand mu� Wache halten!�</p><p>�F�rchtet nichts, mein Lord. Das werden meine Freunde aus dem Kleinen Volk tun!� Sie streckte sich genu�voll aus. Rod sp�rte, wie sein Puls schneller schlug. Ohne l�nger zu zaudern,</p><p>dr�ckte er seine Lippen auf Gwendylons.</p><p>Nach zwei weiteren n�chtlichen Ritten erreichten sie die Hauptstadt. Sie waren �berrascht, zwei Posten mit Piken und Fackeln in der Dunkelheit der siebten Nachtstunde an der Br�cke Wache halten zu sehen.</p><p>�Ich k�mmere mich um sie, Herr�, brummte Tom und ritt Rod und Loguire voraus. �Aus dem Weg!� rief er den Wachen zu.</p><p>�Meine Herren begehren die Stadt zu betreten!�</p><p>Die Posten �berkreuzten die Piken, um die Br�cke zu versperren. �Wer sind deine Herren?� fragten sie. �Rebellen?�</p><p>�Rebellen?� Tom runzelte die Stirn. �Was ist in der Stadt passiert, w�hrend wir im S�den waren?�</p><p>�Im S�den?� Die Augen der Posten verengten sich. �Die Lords des S�dens sind die Rebellen!�</p><p>�Ja, ja�, winkte Tom ungeduldig ab. �Aber wir waren im Auftrag der K�nigin dort, als Spione, wenn ihr es so nennen wollt. Wir bringen die Kunde, da� der S�den sich erhebt, und den Tag und die Stunde. Wie ist es m�glich, da� sie vor uns hier bekannt wurde?�</p><p>�Wer wagt es, uns hier aufzuhalten!� donnerte Lord Loguire, der inzwischen mit Rod herangeritten war. �Zur Seite f�r einen Mann edlen Blutes!�</p><p>Die Posten starrten den Herzog an, dann sprangen beide heran und dr�ckten ihm die Pikenspitzen an die Brust. �Steigt ab, Mylord Herzog Loguire! Im Namen der K�nigin, wir m�ssen Euch festnehmen!� rief einer, w�hrend der andere nach dem Hauptmann der Wache schreiend �ber die Br�cke rannte.</p><p>Loguire starrte ungl�ubig von einem zum anderen. Rod br�llte den Posten an: �Nenn den Grund!� Der Blick des Soldaten flog von Loguires zu Rods Gesicht und zur�ck. Z�gernd antwortete er: �Hochverrat gegen die Person Ihrer Majest�t der K�nigin.�</p><p>Loguire pre�te die Lippen zusammen, dann explodierte er: �Keiner k�nnte der K�nigin treuer ergeben sein als ich. Genug deiner Impertinenz! Zur Seite!�</p><p>Der Posten schluckte, wich jedoch nicht von der Stelle. �Es hei�t, da� Loguire die Rebellen anf�hrt, Mylord.�</p><p>�Soldat�, sagte Rod mit dem Ton eines geduldigen Feldwebels.</p><p>�Wei�t du, wer ich bin?�</p><p>�Ihr seid Meister Gallowglass, ehemals von der Leibwache der K�nigin.�</p><p>�Immer noch von der Leibwache�, berichtigte Rod.</p><p>�Und vor einer Woche in den S�den abbeordert, um Herzog Loguire zu besch�tzen!�</p><p>Des Herzogs Kopf zuckte zur�ck. Er starrte Rod funkelnd an.</p><p>�Wir wu�ten, da� Ihr fort seid�, murmelte der Soldat.</p><p>�Und jetzt wei�t du auch, weshalb.� Rod hielt seine Stimme unter sorgf�ltiger Kontrolle, aber ihr Ton verriet, da� der Grimm der K�nigin auf den elenden Posten fallen w�rde, falls er dem Leibgardisten nicht gehorchte. �Lord Loguire ersucht seine Verwandte und Herrscherin, Ihre Majest�t, die K�nigin, um Asyl. Sie w�re erz�rnt, m��te sie erfahren, da� er aufgehalten wurde.�</p><p>Der Posten behielt seine Pike verkrampft in der Hand und schob trotzig das Kinn vor. �Es wurde der Befehl erteilt, guter Meister Gallowglass, da� Mylord Loguire im Verlies der K�nigin festgesetzt werden mu�. Mehr wei� ich nicht.�</p><p>�Verlies!� donnerte Loguire mit rotem Gesicht. �So tief kann das Blut der Plantagenets nicht gesunken sein! Bube, ich schneide dir die l�gende Zunge aus dem Mund!� Seine Hand fuhr nach dem Dolch. Der Soldat wurde kreidebleich, aber Rod hielt den Herzog zur�ck.</p><p>�Beruhigt Euch, Mylord�, murmelte er. �Dieser Durer hat die Nachricht hierhergeschickt. Die K�nigin kann nichts von Eurer Loyalit�t wissen.�</p><p>Der Herzog bem�hte sich, seinen Grimm zu schlukken. Rod beugte sich zu Tom hin�ber. �Kannst du f�r den alten Mann ein Versteck finden, wo er sicher ist?�</p><p>�Ja, Herr. Bei seinem Sohn, aber warum��</p><p>�Im Haus Clovis?�</p><p>�Ja, Meister. Die K�nigin m��te ihre ganze Armee aufbieten, um ihn von dort herauszuholen!�</p><p>�Sprecht so, da� alle es h�ren k�nnen!� erschallte eine neue Stimme, die Rod vertraut vorkam. Sir Maris trat neben den sichtlich erleichterten Wachsoldaten. �Gut gemacht, Rod Gallowglass! Ihr habt den schlimmsten der Rebellen hierhergebracht!�</p><p>Loguires Augen verengten sich und spr�hten Rod ha�erf�llt an.</p><p>�Sprecht nicht untereinander�, fuhr Sir Maris fort. �Ich verbiete es. Zw�lf Armbr�ste sind auf euch gerichtet.�</p><p>Loguire setzte sich stolz im Sattel auf. Sein Gesicht wirkte wie aus Granit.</p><p>�Zw�lf?� sagte Rod sp�ttisch. �Nur zw�lf Sch�tzen, um Herzog Loguire zu t�ten? Mein guter Sir Maris, ich mu� wohl annehmen, da� Ihr in Eurem Alter unvorsichtig werdet.�</p><p>Der Granit zersprang. Loguire widmete Rod einen verwunderten Blick. Rod schwang sich aus dem Sattel und schritt von den Pferden weg zur Br�cke. Er sch�ttelte betr�bt den Kopf. �Sir Maris! Mein guter Sir Maris, zu glauben��</p><p>Pl�tzlich wirbelte er herum und schlug mit einem schrillen Schrei auf die Pferde ein. �Macht kehrt und reitet!� schrie er.</p><p>�Schnell!�</p><p>Sir Maris und seine M�nner erstarrten vor Verbl�ffung, als die Pferde drehten und davongaloppierten. Einen Augenblick sp�ter schlugen elf Armbrustbolzen in den Boden, wo die Tiere sich befunden hatten. Nur einer der Sch�tzen war etwas schneller gewesen, sein Gescho� hatte Gekabs Hinterteil getroffen, war davon abgeprallt und in den Flu� gesegelt, woraufhin erschrockenes Schweigen eingesetzt hatte und das Gemurmel: �Hexenpferd!� die Runde machte.</p><p>�Wirbel ein wenig Staub auf, Gekab!� murmelte Rod, und sofort b�umte der m�chtige Eisenrappe sich auf, schlug mit den Hufen durch die Luft und wieherte drohend, dann brauste er</p><p>durch die Nacht davon. Rod war sicher, da� er Toms und Loguires Spuren verwischen w�rde.</p><p>Sir Maris bem�hte sich tapfer, ergrimmt dreinzuschauen, aber die nackte Furcht leuchtete aus seinen Augen. Seine Stimme zitterte, als er sagte: �Rod Gallowglass, Ihr habt die Flucht eines Rebellen erm�glicht.� Er schluckte sichtlich, ehe er fortfuhr: �Deshalb mu� ich Euch wegen Hochverrats festnehmen.�</p><p>�Ihr d�rft es gern versuchen�, erwiderte Rod h�flich.</p><p>Die Soldaten redeten ver�ngstigt aufeinander ein und wichen vor Rod zur�ck. Keiner wollte die Klingen mit dem Zauberer messen. Sir Maris' Augen weiteten sich erschrocken. Er fa�te eine der Wachen am Arm. �Du, da, lauf voraus und melde der K�nigin, was hier vorgeht!�</p><p>Der Soldat eilte davon, gl�cklich dar�ber, nicht eventuell hier in einen Kampf verwickelt zu werden.</p><p>Sir Maris wandte sich an Rod. �Ihr m��t zur Rechtsprechung zur K�nigin kommen, Meister Gallowglass. Begleitet Ihr uns freiwillig?�</p><p>Rod mu�te sich beherrschen, um nicht �ber die Angst in der Stimme des alten Ritters zu lachen. Sein Ruf brachte zweifellos seine Vorteile mit sich. �Ich komme aus eigenem Willen mit Euch.�</p><p>Sir Maris bedachte ihn mit einem dankbaren Blick, doch dann kam ihm der Ernst der Lage offenbar erst richtig zu Bewu�tsein. �Nicht um eine Burg und ein Herzogtum m�chte ich in Eurer Haut stecken, Rod Gallowglass. Allein m��t Ihr nun der K�nigin Rede und Antwort stehen.�</p><p>�Nun, ich habe ihr auch ein paar Dinge zu sagen�, brummte Rod. �Machen wir uns auf den Weg, Sir Maris.�</p><p>Bedauerlicherweise gab der Marsch zur Burg Rod Zeit, �ber Catherines letzten Trick nachzudenken, und genauso bedauerlicherweise empfingen ihn mit Piken bewaffnete Soldaten, die mit zitternder Stimme erkl�rten, sie m��ten ihn in</p><p>Ketten vor die K�nigin bringen.</p><p>�Oh�, brummte Rod und hob eine Braue. Er schob die auf ihn gerichteten Piken zur Seite, packte den als Boten vorausgeschickten Soldaten und warf ihn gegen den Trupp Wachen, die sich aneinandergedr�ngt vorsichtig vorw�rtsschoben. Schlie�lich hob er mit einem heftigen Fu�tritt die T�r aus ihren primitiven Eisenangeln. Sie knallte zu Boden, und er schritt dar�ber.</p><p>Catherine, der B�rgermeister der Hauptstadt, und Brom O'Berin sprangen erschrocken von ihren St�hlen um einen kartenbeladenen Tisch auf, als Rod in den Raum stiefelte.</p><p>Brom rannte Rod entgegen, um ihm den Weg zu versperren.</p><p>Aber schon war Rod an ihm vorbei. Erst am Tisch machte er halt und sah Catherine mit einem Blick an, der Wasser zu Eis h�tte erstarren lassen. Die K�nigin wich zur�ck und dr�ckte furchtsam die Hand an die Kehle.</p><p>Brom h�pfte auf die Tischplatte. �Was soll dieses unziemliche Eindringen, Rod Gallowglass? Verschwindet und wartet, bis Ihre Majest�t Euch rufen l��t!�</p><p>�Ich ziehe es vor, ungekettet vor der K�nigin zu erscheinen!�</p><p>donnerte Rod. �Und ich lasse nicht zu, da� ein Edelmann von h�chstem Stand in ein rattenverseuchtes Verlies mit gemeinen M�rdern und Dieben geworfen wird!�</p><p>�Ihr la�t es nicht zu?� kr�chzte die K�nigin.</p><p>�Und wer seid Ihr, etwas zuzulassen oder nicht?� donnerte Brom. �Ihr seid nicht einmal von edlem Blut!�</p><p>�Dann mu� ich wohl annehmen, da� edles Blut nur hinderlich ist, wenn es um Taten geht!� Rod kippte den Tisch um und ging auf die K�nigin zu. �Ich hielt Euch f�r edel! Doch jetzt sehe ich, da� Ihr Euch gegen Eure eigene Familie wendet, selbst gegen einen, der Euch so nah wie ein Vater ist. Selbst wenn er ein M�rder w�re, m��tet Ihr ihn mit der H�flichkeit und den Ehren empfangen, die Ihr seinem Stand schuldet. Euer pr�chtigstes Gemach m��tet Ihr ihm als Zelle �berlassen! Das ist Eure Blutspflicht!�</p><p>Er dr�ngte sie zum Kamin zur�ck. �Aber nein, als M�rder w�rdet Ihr ihn gewi� in Ehren aufnehmen! Doch er hat sich der schrecklichsten aller Verbrechen schuldig gemacht, n�mlich Euch darauf aufmerksam zu machen, da� Eure Gesetze tyrannisch sind, und dann, als Ihr ihn mit aller Berechnung beleidigtet, seine W�rde zu bewahren! Und dazu besteht er noch darauf, mit dem Respekt behandelt zu werden, der einem Mann unter der Herrschaft einer rachs�chtigen, kindischen, trotzigen Halbw�chsigen zusteht, die zwar den Titel einer K�nigin tr�gt, aber nicht ihre Gr��e hat � und deshalb mu� er wie der gemeinste Verbrecher bestraft werden!�</p><p>�Sch�mt Euch, so mit einer Lady zu sprechen!� stammelte die K�nigin kreidebleich.</p><p>�Lady!� schnaubte Rod abf�llig.</p><p>�Eine geborene Lady!� Es klang wie ein Verzweiflungsschrei.</p><p>�So la�t auch Ihr mich im Stich! Und sprecht mit der Zunge Clovis!�</p><p>�Ich spreche vielleicht wie ein Bauer, aber Ihr handelt wie einer. Und nun verstehe ich, weshalb alle Euch verlassen!</p><p>Denn selbst den einzigen Eurer Lords, der Euch treu geblieben ist, wollt Ihr in den Schmutz werfen!�</p><p>�Treu!� keuchte sie. �Er, der die Rebellen anf�hrt?�</p><p>�Anselm Loguire f�hrt die Rebellen an! Weil er Euch die Treue hielt, wurde der alte Herzog gest�rzt!�</p><p>Rod l�chelte bitter, als er den Schrecken in den Augen des M�dchens sah, da sie sich ihrer Schuld bewu�t wurde. Er drehte sich um, um ihr Zeit zu geben, sich der Ungeheuerlichkeit ihrer Tat ganz klar zu werden. Er h�rte ein schmerzhaftes St�hnen hinter sich, dann rannte Brom an ihm vorbei zu seiner K�nigin und half ihr auf einen Stuhl. Der B�rgermeister starrte mit gro�en Augen an Rod vorbei. Rod bedeutete ihm, den Raum zu verlassen. Z�gernd blickte der Mann zur K�nigin. Erst als Rod mit dem Dolchgriff spielte,</p><p>ergriff er schleunigst die Flucht.</p><p>Rod wandte sich erneut dem verst�rten M�dchen zu.</p><p>Brom warf ihm einen ha�erf�llten Blick zu. �La�t es genug sein! Mu�te sie unter Eurer Zunge nicht schon viel zu sehr leiden?�</p><p>�Noch nicht!� Mit kalter Stimme sagte er zu der K�nigin: �Euer wahrhaft edler Onkel, Herzog Loguire, stellte sich aus Liebe zu Euch gegen die Gesamtheit Eurer Aristokratie, selbst gegen seinen eigenen Sohn! Und Ihr seid schuld daran, mit Euren selbstherrlichen Gesetzen und Eurem absoluten Mangel an Diplomatie, da� Anselm sich gegen seinen Vater wandte.</p><p>Herzog Loguire hatte zwei S�hne, Ihr habt ihn um beide beraubt!�</p><p>Sie sch�ttelte heftig den Kopf, w�hrend ihre Lippen sich zum stummen Nein formten.</p><p>�Und doch ist er seiner K�nigin treu geblieben, obgleich sie ihn deshalb t�ten wollten � und es ihnen fast gelang!�</p><p>Ihre Augen weiteten sich vor Grauen.</p><p>Rod tupfte auf seine verbundene Schulter. �Sie hielt den Dolchsto� auf, der seinem Herzen gegolten hatte! Und selbst dann war es nur einem Wunder zu verdanken und der Hilfe einer der Hexen, die Ihr kaum zu sch�tzen wi�t, da� es mir gl�ckte, ihn lebend aus seiner Burg zu schaffen.�</p><p>Broms Kopf zuckte zur�ck. Durchdringend musterte er Rods Gesicht. Rod zog die Brauen zusammen und fuhr fort: �Aber es gelang mir, ihn unter Lebensgefahr heraus und in Sicherheit zu bringen. Und was mu� ich erfahren? Er soll festgenommen und wie ein Meuchelm�rder in ein kaltes, lichtloses Verlies geworfen und nicht behandelt werden, wie es einem Mann seines Standes zusteht.�</p><p>Offenbar war er ein wenig zu theatralisch gewesen. Sie schob das Kinn vor und unterdr�ckte ihre Tr�nen. �Vor meinen Gesetzen, mein Herr, sind alle gleich!�</p><p>�Das mag stimmen, doch das sollte eigentlich bedeuten, da�</p><p>Ihr auch einen Bauern wie einen Lord behandelt, und nicht umgekehrt einen Lord wie einen Bauern!� Er beugte sich vor. �Verratet mir, K�nigin, weshalb schaut Catherine auf alle voll Verachtung herab?�</p><p>Das war zwar nicht ganz die Wahrheit, denn sie verachtete nur die Edlen, aber ihre Augen verrieten, da� sie pl�tzlich selbst an sich zu zweifeln begann. Trotzdem schob sie das Kinn noch eine Spur trotziger vor und erkl�rte: �Ich bin die K�nigin, und alle haben sich meiner Macht zu beugen!� �Oh, sie beugen sich, das tun sie, doch nur, solange Ihr sie nicht ins Gesicht schlagt, denn dann schlagen sie zur�ck. Und ich kann es ihnen nicht einmal ver�beln, wenn Ihr sie ihrer Freiheit beraubt.�</p><p>Catherine starrte ihn an. �Freiheit? Aber ich bem�he mich doch, den Bauern gr��ere Freiheit zu geben!� �Ihr bem�ht Euch also.� Rod l�chelte s�uerlich. �Und wie geht Ihr es an? Indem Ihr sie noch enger an Euch bindet. Ihr haltet sie jetzt knapp, damit Ihr ihnen sp�ter mehr geben k�nnt!� Er hieb mit der Faust auf die Lehne ihres Sessels. �Aber sp�ter wird nie kommen! Seht Ihr das nicht ein? Es gibt zu viele Mi�st�nde im Land. Immer wird es etwas zu bek�mpfen geben, und das Wort der K�nigin darf nicht in Frage gestellt werden, wenn sie ihre Armee gegen was immer auch ausschickt!� Langsam zog er die Hand zur�ck. Seine Augen brannten. �Und so wird der Tag, da Ihr sie freigebt, nie kommen. In Eurem Reich wird keiner frei sein � au�er der K�nigin!� Er verschr�nkte die H�nde auf dem R�cken und stapfte im Zimmer auf und ab. �Es gibt nur ein bestimmtes Ma� an Freiheit f�r alle. Wenn einer mehr bekommen soll, wird ein anderer deswegen weniger haben. Denn wenn einer befiehlt, mu� ein anderer gehorchen.� Er blieb vor Catherine stehen. �Und so nehmt Ihr sie nach und nach ganz, bis man auch Euren verr�cktesten Launen gehorcht. Ihr werdet die absolute Freiheit haben zu tun, was Ihr wollt, aber nur Ihr allein werdet frei sein.</p><p>F�r Euer Volk bleibt keine Freiheit mehr! Alle werden an Catherine gebunden sein!�</p><p>Er streckte die Hand aus und umklammerte ihre Kehle, doch ohne Druck auszu�ben. Sie starrte ihn an, schluckte und wich bis ganz zur Stuhllehne zur�ck.</p><p>�Aber der Mensch kann nicht ohne zumindest ein winziges bi�chen Freiheit leben. Er braucht es, sonst stirbt er.� Seine Finger dr�ckten ein wenig zu. �Sie werden sich gegen Euch erheben, vereint durch ihren gemeinsamen Feind � Euch! Und sie werden ihre Freiheit, ihre Rechte aus Euch herausquetschen, eines nach dem anderen � ganz langsam.� Catherine wehrte sich gegen seine Hand und keuchte nach Luft. Brom sprang herbei, um sie zu befreien, doch Rod lie� sie schon vorher los. �Sie werden Euch an Eurem eigenen Burgtor h�ngen�, fuhr Rod fort. �Und die Edlen werden an Eurer Statt regieren. Alles, was Ihr getan habt, wird zunichte gemacht werden. Dessen k�nnt Ihr ganz sicher sein, denn so war es mit Tyrannen immer!�</p><p>Ihr Kopf zuckte hoch. Tiefe Kr�nkung sprach aus ihren Augen. Heftig sch�ttelte sie den Kopf. �Nicht ich! Nein! Nicht das! Tyrann nie und nimmer!�</p><p>�Schon immer ein Tyrann�, widersprach Rod fast sanft. �Seit Eurer Geburt. Immer ein Tyrann gegen�ber allen um Euch, obgleich es Euch bis jetzt nicht bewu�t wurde. Aber jetzt wi�t Ihr es, und es mu� Euch nun klar sein, da� nur Ihr allein Schuld an der Rebellion tragt. Immer schlimmer bedr�ngtet Ihr Eure Edlen � zum Wohle des Volkes, wie Ihr sagtet!� Er schaute sie scharf an. �Aber habt Ihr es nicht vielleicht auch getan, um festzustellen, wer unter ihnen es wagen w�rde, sich Euch zu widersetzen? Um zu erkennen, wer unter ihnen M�nner sind?�</p><p>Ver�chtlich verzog sie das Gesicht. �M�nner!� Es klang wie die gemeinste Beschimpfung. �Es gibt keine M�nner mehr auf Gramayre, nur noch Jungen, die sich damit zufrieden geben, das Spielzeug einer Frau zu sein.�</p><p>Rod verzog den Mund. �O doch, es gibt sehr wohl noch M�nner hier � im S�den, und M�nner im Haus Clovis, oder zumindest einen dort! Echte M�nner, aber gutherzige M�nner, die ihre K�nigin lieben und sich deshalb nicht gegen sie stellen wollen.�</p><p>Ihre Verachtung schien nur noch zu wachsen. �Nein, in Gramayre gibt es keine M�nner mehr!�</p><p>�Ihr t�uscht Euch�, entgegnete Rod ruhig. �Und sie marschieren bereits gen Norden, um es zu beweisen.�</p><p>Sie starrte ihn an, dann lehnte sie sich zur�ck. �Nun gut, so marschieren sie also nordw�rts, und ich werde sie auf dem Bredenfeld stellen. Aber trotzdem befindet sich keiner unter ihnen, den ich einen Mann nennen k�nnte!�</p><p>�Oh, Ihr werdet sie also stellen? Was wollt Ihr als Armee benutzen? Und wer soll sie befehligen?�</p><p>�Ich werde sie befehligen!� erwiderte sie von oben herab. �Ich und Brom. Und zwar f�nfhundert Mann meiner Leibwache, siebenhundert meiner,Armee, und f�nf Dutzend Ritter meiner Dom�nen.�</p><p>�Sechzig Ritter!� Rods Mundwinkel verzogen sich ver�chtlich.</p><p>�Nicht genug f�r auch nur einen Sturm der Ritter aus dem S�den! Sechzig Ritter von wie vielen Hunderten Eures Reiches? Und alle anderen haben sich gegen Euch erhoben!</p><p>Von Euren zw�lf hundert Fu�soldaten gegen Tausende der Rebellen ganz zu schweigen!�</p><p>Ihre H�nde umklammerten die Stuhllehnen, um das Zittern der Finger zu verbergen. Furcht lie� sie erblassen.</p><p>�Wir werden f�r die Ehre der Plantagenets und Gramayres siegen oder eines edlen Todes sterben.�</p><p>�Von einem edlen Tod auf einem Schlachtfeld habe ich bisher noch nie etwas gesehen. Der Tod dort ist gew�hnlich recht grausam und blutig.�</p><p>�Seid still!� fauchte sie. Schlie�lich hob sie stolz den Kopf, stand auf und schritt majest�tisch zum wieder aufgerichteten Tisch. Sie lie� sich Pergament und Feder bringen und kritzelte etwas. Dann reichte sie Rod das gefaltete Schriftst�ck. �Bringt das meinem Onkel Loguire. Es ist eine Aufforderung an ihn, hier zu erscheinen, und gleichzeitig ein Passierschein, der ihm sicheres Geleit zusagt. Ich glaube, ich werde jeden, der mir ergeben ist, an meiner Seite brauchen.�</p><p>Rod nahm das Pergament und zerkn�llte es in der Hand. Ohne die Augen von Catherine zu nehmen, warf er es in das Feuer.</p><p>�Ihr werdet jetzt einen Brief an den Herzog schreiben, den ich ihm �berbringen werde�, sagte er mit eisiger Stimme. �Doch Ihr werdet ihm nichts befehlen, sondern ihn um die Ehre seines Besuches bitten!�</p><p>Ihre Haltung versteifte sich, sie schob das Kinn vor. Schnell sagte Rod etwas weniger kalt: �Na, na, meine K�nigin! Ihr habt alle Freiheit, k�nnt Ihr nicht ein wenig davon auf h�fliche Manier verschenken? Oder wollt Ihr Euch von der S�nde des Stolzes davontragen lassen, und soll dann Euer Volk den Preis f�r Euren Stolz bezahlen?�</p><p>Sie funkelte ihn einen Moment w�tend an, doch dann senkte sie die Augen und griff nach einem neuen Pergament. Nach ein paar Minuten reichte sie es Rod gefaltet. Er verbeugte sich und drehte sich stumm zur T�r um.</p><p>Etwas bewegte sich flink an einer Bodenleiste entlang und huschte hinter einen Wandteppich, wo es sich v�llig still verhielt. Trotz der Schnelligkeit hatte Rod erkannt, da� es eine Maus gewesen war.</p><p>Er kniff die Lippen zusammen und war mit zwei langen Schritten an der Wand, wo er den Teppich hob. Die Maus blickte ihn mit weit aufgerissenen gr�nen und sehr intelligent wirkenden Augen an.</p><p>�Ich habe etwas gegen Lauscher�, sagte Rod kalt. Die Maus zuckte ein wenig zur�ck, starrte ihn jedoch trotzig an. Rod runzelte die Stirn �ber einen pl�tzlichen Einfall. Er hob die</p><p>Maus vorsichtig hoch und hielt sie in Augenh�he. Dann bedachte er sie mit einem sanften, ja fast z�rtlichen Blick. Ganz langsam sch�ttelte er den Kopf. �Du hast doch nicht wirklich geglaubt, ich brauchte hier Hilfe, oder?� Die Maus senkte die Augen, und ihre Barthaare zuckten ein wenig.</p><p>�Mir deucht, dieser Mann ist besessen�, murmelte Catherine.</p><p>�Eure Majest�t�, sagte Brom nachdenklich und mit seltsam leuchtenden Augen. �Ihr trefft den Nagel damit vielleicht genauer auf den Kopf als Ihr ahnt.�</p><p>Die Zugbr�cke echote hohl unter Rods eiligen Schritten. Er rannte leichtf��ig den Burghang hinunter und verschwand in einem Fichtenw�ldchen. �Gekab?� rief er.</p><p>�Hier, Rod!� Der Rappe trottete durch die B�ume. Rod klopfte ihm freundschaftlich auf die Metallflanke. �Wie, zum Teufel, wu�test du, da� ich hierherkommen w�rde?�</p><p>�Ganz einfach, Rod. Eine Analyse Eures Verhaltensmusters und die simple Tatsache, da� dieser Wald am n�chsten��</p><p>�Vergi� es!� brummte Rod. �Hat Tom den Herzog zum Haus Clovis gebracht?� Als der Roboter es bejahte, schwang er sich in den Sattel. Nach einer Weile fummelte er in seinem Wams und holte die kleine Maus hervor. �Offenbar ist es v�llig egal, was ich dir sage�, brummte er. �Du tust ja doch nur das, was du willst.�</p><p>Die Maus senkte die Augen und versuchte schuldbewu�t dreinzuschauen, aber ihre Barthaare zitterten erfreut. Z�rtlich rieb sie ihre Wange an Rods Handr�cken. �H�r gut zu�, sagte Rod. �Du begibst dich jetzt ins Haus Clovis, dort reite ich n�mlich auch hin. Das ist ein Befehl!� Die Maus blickte mit gro�en unschuldigen Augen zu ihm hoch. �Ich bin sicher, das ist ein Befehl, den du ausnahmsweise einmal befolgen wirst, denn dort w�rst du sowieso hingelaufen.� Seine Stimme klang besorgt, als er weitersprach: �Aber pa� auf dich auf, h�rst du?�</p><p>Er hob die Hand mit der Maus hoch und k��te sie sanft auf das</p><p>Naschen. Die Maus wand sich vor Begeisterung und t�nzelte vor Freude auf seiner Hand herum, ehe aus ihren Vorderpf�tchen winzige Fl�gel wurden und sie sich in einen Zaunk�nig verwandelte. Rod blickte ihr nach, als sie durch die Luft flatterte.</p><p>Rod pochte an die T�r. Der bucklige, d�rre Sp�tter �ffnete. �Ja, Mylord?� fragte er mit einem zahnstummeligen L�cheln. Rod hielt es f�r besser, ihm nicht zu zeigen, da� er ihn l�ngst durchschaut und als den eigentlichen Kopf des Hauses Clovis erkannt hatte, deshalb tat er, als bemerke er ihn kaum, und brummte nur: �Bring mich zu Lord Loguire, Bursche.�</p><p>�Gewi�, Mylord.� Der Sp�tter huschte voraus und �ffnete die innere T�r. Rod trat hindurch � und mitten in einen Halbkreis von Bettlern und Dieben, die ihn in einer Dreierreihe mit Kn�ppeln und Dolchen erwarteten.</p><p>Rods H�nde h�rteten sich zu Karateschwertern. Er wandte sich an den Sp�tter. �Ich komme als Freund.�</p><p>�O wirklich?� Ha� leuchtete aus den Augen des Buckligen.</p><p>�Auf welcher Seite steht Ihr denn? Auf der der Edlen? Der K�nigin? Oder seid Ihr f�r das Haus Clovis?�</p><p>�Genug deines Gequassels! Bring mich sofort zu Lord Loguire!�</p><p>�Das werden wir!� Jetzt funkelten des Sp�tters Augen vor Hohn. Er warf einen Blick �ber Rods Schulter und nickte. Rod wollte sich umdrehen, aber da schien sein Sch�del bereits zu explodieren.</p><p>Als er allm�hlich wieder zu sich kam, sp�rte er etwas Kaltes, Feuchtes unter seiner Wange. Alles um ihn wirkte verschwommen. Er sch�ttelte den Kopf, und fast h�tte er vor Schmerzen aufgeschrien. Er blinzelte mehrmals, bis er endlich klarer sehen konnte. Ihm gegen�ber lehnte Tuan Loguire mit dem R�cken gegen altersschwarzen Stein, aus dem von Eisenklammern Ketten herabhingen, die zu metallenen Armb�ndern um Tuans Handgelenke f�hrten. Er hob eine Hand</p><p>und sagte sarkastisch: �Willkommen!�</p><p>Stumm wanderte Rods Blick weiter. Der alte Herzog war an die n�chste Wand gekettet. �Ich dachte, Euer Knappe sollte mich in Sicherheit bringen�, sagte er d�ster.</p><p>Verrat! Rod h�tte es besser wissen m�ssen, als Tom zu vertrauen. �Tom��</p><p>�Hier, Herr!� Rod drehte sich um. Tom lehnte an der dem Herzog gegen�berliegenden Wand. Er l�chelte mit den traurigen Augen eines Hundes. �Ich hatte gehofft, Ihr w�rdet uns befreien. Und jetzt seid Ihr selbst in Ketten!�</p><p>Rod runzelte die Stirn. Erst jetzt bemerkte er, da� er genauso angekettet war wie die anderen. Schweigend blickte er sich weiter um. Das einzige Licht fiel von einem hohen vergitterten Fenster in das Verlies, das etwa dreieinhalb Meter breit, f�nf lang und drei hoch war. Moos wucherte aus den klammen, verrottenden Steinen, auch auf dem Boden, wo er nicht mit fauligem Stroh bedeckt war. Die einzige Versch�nerung des Raumes war ein Skelett, das durch mumifizierte Sehnen zusammengehalten, genau wie sie an die Wand gekettet war.</p><p>Rod drehte sich mit dem Gesicht zur Wand. �Gekab, wo bist du?� fl�sterte er so leise, da� die anderen die Worte nicht verstehen konnten. �In dem schmutzigsten, bauf�lligsten Stall, den ich je gesehen habe�, erwiderte der Roboter. �Zusammen mit f�nf klapprigen G�ulen. Ich glaube, wir sollen als die Kavallerie des Hauses Clovis dienen.�</p><p>Rod kicherte leise. �Ist eine Maus mit gro�en gr�nen Augen in deiner N�he?�</p><p>�Nein, Rod. Aber auf meinem Kopf sitzt ein Zaunk�nig.�</p><p>�Frag ihn, ich meine, sie, ob sie Macht �ber kaltes Eisen hat.�</p><p>�Wie soll ich denn mit ihr sprechen, Rod?�</p><p>�Du brauchst nur auf der Frequenz menschlicher Gedanken wellen zu senden. Sie ist Telepathin.� Nach einer Weile h�rte Rod eine Reihe schwacher Zwitscherl�ute. �Was ist dieses Zwitschern, Gekab?�</p><p>�Gwendylon, Rod. Sie reagierte, wie ich es erwartet hatte, als ein Pferd sie etwas fragte.�</p><p>�Aha, sie ist also fast von deinem Kopf hinuntergefallen. Aber hat sie etwas gesagt?�</p><p>�Nat�rlich, Rod. Sie sagte, sie sei jetzt ganz sicher, da� Sie ein Zauberer sind.� Rod rollte die Augen zur Decke. �Komm zur Sache, Gekab. Kann sie uns von diesen Ketten befreien und etwas gegen das Fenstergitter unternehmen?�</p><p>Nach kurzer Pause antwortete der Roboter: �Sie sagt, sie hat keine Macht �ber kaltes Eisen, Rod, genausowenig wie irgendeine andere Hexe oder Elfen, die sie kennt. Sie schl�gt einen Schmied vor, bef�rchtet jedoch, da� er nicht zu Ihnen vorgelassen w�rde.�</p><p>�Sag ihr, ich freue mich, da� sie ihren Humor nicht verloren hat. Und frag sie, wie, zum Teufel, sie uns hier herausholen will.�</p><p>�Sie meint, da� der Elfenk�nig in der Lage ist, Sie zu befreien.</p><p>Sie glaubt auch, da� er kommen wird, aber es wird noch eine Weile dauern, weil er einen weiten Weg hat.�</p><p>�Ich dachte, sie sagte, Elfen h�tten keine Macht �ber Eisen?�</p><p>Nach einer weiteren kurzen Pause erkl�rte Gekab: �Sie sagt, der Elfenk�nig ist nicht ganz ein Elf, sondern halb vom Alten Blut.�</p><p>�Nur halb� Du willst doch nicht sagen, da� ein Elternteil ein Mensch war?�</p><p>�Gewi�, Rod!�</p><p>Rod versuchte sich vorzustellen, wie ein f�nfundvierzig Zentimeter gro�er Elf und ein normal gro�er Mensch miteinander Kinder haben konnten, aber Gekab unterbrach seinen Gedankengang.</p><p>�Sie macht sich jetzt auf den Weg, um ihn zu holen, Rod. Sie sagt, Sie sollen guten Mutes sein.�</p><p>�Wenn ich noch besseren Mutes w�re, w�re es nicht mehr auszuhalten. Sag ihr, sie soll gut auf sich aufpassen.�</p><p>�Er spricht in die leere Luft�, murmelte Tuan.</p><p>Tom lachte polternd. �Durchaus nicht, meine Lords. Dieser Mann redet mit Geistern.�</p><p>Rod l�chelte d�ster. �Wieso pl�tzlich so fr�hlich, Tom?�</p><p>Der Riese r�kelte sich, da� die Ketten klirrten. �Einen Augenblick hielt ich Euch f�r geschlagen, Meister, aber jetzt wei� ich, da� alles wieder gut wird!� Er streckte sich aus.</p><p>Rod grinste, als Tom zu schnarchen begann. �Das nennt man Vertrauen�, wandte er sich an die beiden Loguires.</p><p>�Hoffen wir, da� es gerechtfertigt ist�, brummte Tuan und betrachtete Rod zweifelnd.</p><p>�Hoffen wir es�, echote Rod grimmig. Er nickte dem Herzog zu. �Nun, habt Ihr Euch mit Eurem Sohn schon ausgesprochen?�</p><p>Der alte Loguire nickte. �Ich bin gl�cklich, ihn wiederzusehen, obgleich es mir unter anderen Umst�nden lieber gewesen w�re.�</p><p>Tuan starrte stirnrunzelnd auf seine H�nde. �Es sind traurige Neuigkeiten, die ich von ihm erfuhr, Rod Gallowglass. Ich wu�te, da� mein Bruder voll Ha� und Ehrgeiz ist, aber nie h�tte ich gedacht, er w�rde so tief sinken.�</p><p>�Oh, urteilt nicht so hart.� Rod lehnte sich ebenfalls an die Wand und schlo� m�de die Lider. �Durer hat ihn v�llig unter seinem Einflu�. Und wenn sein Zauber fast auch auf seinen Vater gewirkt h�tte, wie konnte er da bei ihm versagen?�</p><p>�Ja�, stimmte Tuan ihm finster bei. �Und ich bin auf den Sp�tter hereingefallen.�</p><p>�Oh?� Rod hob eine Braue. �Es wurde Euch also bewu�t!�</p><p>�Ja. Er ist der schlimmste aller Halunken. W�hrend er sich dem�tigst vor einem kr�mmt, schlitzen seine Helfershelfer einem den Beutel auf. Fragt nicht, wie er mich hintergangen hat!�</p><p>�War nicht er es, der Euch nahelegte, die Bettler zu organisieren?�</p><p>�Ja.� Tuan nickte schwer. �Ich hatte urspr�nglich beabsichtigt, ihr schweres Los zu erleichtern, aber er brachte mich auf die Idee, eine Armee zur Verteidigung der K�nigin aufzustellen.</p><p>Ich hatte so manches aus dem S�den geh�rt, das mir die �berzeugung verlieh, eine solche Armee w�rde vielleicht vonn�ten sein.�</p><p>�Als der Sp�tter erfuhr, da� der S�den zu den Waffen griff, hielt er die Zeit f�r gekommen, die Macht an sich zu rei�en und die K�nigin zu st�rzen. Richtig?� fragte Rod.</p><p>�Ja. Ich sprach dagegen, sagte, jetzt sei die Zeit, der K�nigin zu Hilfe zu kommen, da schimpfte er mich einen Verr�ter, und��</p><p>Tuans Gesicht verd�sterte sich, und die Worte fielen ihm schwer. �Und einer seiner Bettler h�tte mich get�tet, aber der Sp�tter verwehrte es ihm und lie� mich hier hereinwerfen.� Er blickte Rod stirnrunzelnd an. �Findet Ihr das nicht auch f�r sehr merkw�rdig, Rod Gallowglass? Ich meine, da� er mich nicht t�ten lie�.�</p><p>�Nein.� Rod sch�ttelte den Kopf. �Er braucht einen nominellen K�nig, wenn Catherine gest�rzt ist.�</p><p>�Keinen K�nig. Er schreit herum, da� wir nie wieder einen K�nig haben werden, nur eine Art H�uptling.�</p><p>�Eine Art H�uptling?� Rod runzelte die Stirn. �Wie nennt er diesen H�uptling?�</p><p>�Diktator.� Tuan kaute an der Lippe. �Ein wahrlich seltsamer Titel. Es soll auch keine Edlen mehr geben, nur noch diesen Diktator. Sehr merkw�rdig.�</p><p>Die Galle stieg Rod hoch. �Gar nicht so merkw�rdig, wie Ihr glaubt. Aber die Bettler bilden sich doch nicht ein, sie k�nnten die Burg st�rmen?�</p><p>�Nein, doch sie wissen, da� der S�den die Waffen ergriffen hat, und da� Catherine nicht warten wird, bis der Feind die Hauptstadt erreicht hat��</p><p>�Der Sp�tter nimmt also an, da� sie ihm entgegenmarschieren wird?�</p><p>�Und dann wird er ihr folgen und sie von hinten angreifen. Und derart in die Zange genommen, werden ihre Streitkr�fte keine halbe Stunde durchhalten.�</p><p>�Und was beabsichtigt der Sp�tter nach der Schlacht mit den Ratgebern und den Edlen zu machen?� fragte Rod. �Durer will Euren Bruder zum K�nig erheben.�</p><p>�Der Sp�tter hat seine eigene L�sung f�r dieses Problem. Eine Metallr�hre, die in die Bolzenrinne einer Armbrust pa�t, nichts weiter. Aber sie schie�t eine Bleikugel, die selbst durch den st�rksten Brustpanzer dringt.�</p><p>�Er will seine ganze Armee damit ausr�sten?�</p><p>�O nein, er hat nur f�nf davon. Eine f�r sich, und je eine f�r seine drei Hauptleute und f�r seinen vierten Hauptmann.� Tuan deutete mit einem Kopf zucken auf den schlafenden Riesen.</p><p>�Aber er ist vor kurzem in Ungnade gefallen. Er versicherte uns, da� die f�nf R�hren f�r die gesamte Macht der Edlen und Ratgeber gen�gen werden.�</p><p>Rod h�rte den Rest seiner Worte gar nicht mehr. Er starrte auf Tom. �Ein Hauptmann?� fragte er schluckend.</p><p>�Ja, wu�tet Ihr denn nicht, da� er zu Clovis geh�rt?�</p><p>Tom �ffnete ein treues Hundeauge und schaute Rod an. Rod blickte zur Seite und r�usperte sich. �Nun, das erkl�rt allerdings so manches.� Und zu Tom gewandt: �Du geh�rst also zum inneren Kreis?�</p><p>Tom l�chelte sauer und hob kettenklirrend einen Arm.</p><p>�Geh�rte�, verbesserte er.</p><p>�Er stellte sich gegen den Sp�tter und seine Schakale, als der Bucklige befahl, mich zu meinem Sohn ins Verlies zu werfen.</p><p>,Nein! widersetzte sich Euer Mann.,Ich mu� ihn zu meinem Herrn zur�ckbringen, wo er Euren Pl�nen nutzt. ,Die Pl�ne wurden ge�ndert', antwortete man ihm. Und als man mich nicht gehen lassen wollte, k�mpfte Euer Mann Tom R�cken an R�cken mit mir und er streckte die gr��ere Zahl nieder.�</p><p>Letzteres sagte er in einem Ton verwunderten Respekts.</p><p>Tom grinste. Jetzt erst bemerkte Rod erschrocken, da� dem Riesen ein Zahn fehlte. �Ihr seid selbst ein m�chtiger Recke.</p><p>Ich h�tte nie gedacht, da� ein Edler ohne Waffen und R�stung so wacker k�mpfen k�nnte.�</p><p>Rod musterte Tom n�her. Ein Auge war geschwollen und blau angelaufen, und quer �ber eine Wange verlief eine blutverkrustete Wunde. �Wie vielen hast du denn den Sch�del eingeschlagen, Tom?�</p><p>�Kaum zwei Dutzend�, antwortete Tom. �Ich hatte nur diesen tapferen Lord, um meinen R�cken zu sch�tzen, und es waren zu viele dieser Burschen f�r uns.�</p><p>Rod grinste und fragte sich, ob Loguire klar war, wie hoch er dieses Kompliment Toms einsch�tzen mu�te.</p><p>�Und nun, da man mich entlarvt hat�, brummte Tom, �gebt uns die Ehre, auch Eure Maske abzunehmen.�</p><p>Rod starrte ihn an. �Wie lange hast du mich schon durchschaut?�</p><p>Tom lachte polternd. �Seit Ihr mit Judo gegen mich vorgingt.�</p><p>�Also von Anfang an! Und deshalb wolltest du unbedingt mein Knappe werden. Auf Befehl, Tom?�</p><p>Tom nickte. �Also, Meister, was seid Ihr?�</p><p>�Ein Zauberer�, erwiderte Rod sich innerlich windend, aber unter den gegebenen Umst�nden war es die beste Antwort.</p><p>Tom spuckte aus. �Keine Ausfl�chte, Meister. Ihr geh�rt nicht zu den Ratgebern, sonst h�ttet Ihr Lord Lo guire nicht vor ihnen in Sicherheit gebracht. Und vom Haus Clovis seid Ihr auch nicht, sonst w��te ich es. Also, was seid Ihr dann?�</p><p>�Ein Zauberer�, wiederholte Rod. �Ein neuer Spieler im gro�en Spiel, Tom, und zwar einer, der treu hinter der K�nigin steht.</p><p>Ich bin X, die Unbekannte in der Gleichung der Ratgeber und des Hauses Clovis, und nur durch reinen Zufall hier.�</p><p>�Ich glaube nicht so recht an Zuf�lle, Herr. Ich wei�, da� Ihr an der Seite der K�nigin steht. Aber wer steht hinter Euch?�</p><p>�Ein ungeb�hrliches Benehmen f�r einen Knappen gegen�ber</p><p>seinem Herrn!� knurrte Loguire.</p><p>Rod l�chelte schwach. �Ein sehr ungew�hnlicher Knappe, Mylord.�</p><p>�Ja, und ein sehr ungew�hnlicher Herr!� knurrte Tom. �Wer steht hinter Euch, Rod Gallowglass?�</p><p>Rod zuckte die Schultern. Das Wort w�rde den Loguires nichts sagen, und Tom war nun ohnehin auf seiner Seite.</p><p>�DUFT�, antwortete er.</p><p>Tom starrte ihn an. Fast lautlos sagte er: �Und ich hielt selbst die letzten f�r tot.� Er schluckte und bi� sich auf die Lippe.</p><p>�Aber Ihr lebt, und Geist seid Ihr wohl kaum, sonst w�re die Hexe nicht so scharf auf Euch. Ich h�rte, Ihr seid nach dem Sieg ausgeschieden. Es war streng geheim��</p><p>�Sieg?� echote Rod stirnrunzelnd.</p><p>Ein noch tieferes Stirnrunzeln des Riesen antwortete ihm, und dann begann Tom schallend zu lachen. �Ah, jetzt verstehe ich!</p><p>Und welch ein Narr ich war, nicht fr�her darauf zu kommen.</p><p>Welches Alter, Meister?�</p><p>�Alter? Zweiunddrei�ig, warum?�</p><p>�Nein, nein!� Tom sch�ttelte ungeduldig den Kopf. �Aus welchem Zeitalter seid Ihr?�</p><p>Rods Lippen formten sich zu einem O, als auch ihm etwas bewu�t wurde. �Dann war es also tats�chlich eine Zeitmaschine�, murmelte er. �Und hier, irgendwo im Haus, ist eine zweite verborgen, oder?�</p><p>Toms Augen wurden eisig. �Genug!� schnaubte er. �Ihr wi�t bereits zu viel, Rod Gallowglass!�</p><p>Angst stieg in Rod auf, als er Mord in Toms Augen las. Er r�usperte sich. �Tom, deine eigenen Leute sind jetzt gegen dich. Du bist ihnen zu keiner Treue mehr verpflichtet. Und die Mi�st�nde, die sie beheben wollten, kann ich auch beheben.</p><p>Wenn du zu ihnen zur�ckkehrst, werden sie dich umbringen.</p><p>Ich nicht, das wei�t du.�</p><p>Der m�chtige Riese entspannte sich. �Ihr habt recht, wenn auch nicht ganz so, wie Ihr denkt. Die haben mich blo� f�r eine Weile eingesperrt, bis die gro�en Taten vollbracht sind, aber sie werden mich wieder in Gnaden aufnehmen, denn ich bin zu wertvoll f�r sie, als da� sie sich so einfach meiner entledigen w�rden. Aber umbringen werden sie mich � in einem Jahr, vielleicht, oder in zwei, drei oder f�nf Jahren, wenn ich meinen Zweck erf�llt habe. Und ich m�chte gern l�nger leben.� �Sie zweifeln an deiner Loyalit�t?� fragte Rod skeptisch. �Dazu besteht kein Anla�, Herr. Ich bin lediglich gegen ihre Mittel, nicht gegen das Ziel. Aber gerade deswegen werden sie mich fr�her oder sp�ter t�ten.�</p><p>�Rod�, sagte die Stimme hinter seinem Ohr, die nur er h�ren konnte. �Einen Augenblick�, wandte er sich an Tom. �Ich erhalte gerade eine Botschaft. Wir sprechen sp�ter weiter.� �Rod, der Elfenk�nig ist hier. Er f�hrt einen Trupp Elfen an.� Und schon wurden zwei knorrige Gestalten mit wei�en Barten hinter dem Fenstergitter sichtbar. �Gekab�, murmelte Rod. �Das sind keine Elfen, sondern Gnomen.� �Gnomen? O ja, metallbearbeitende Elfen.� Die Gnomen brachten Hammer und Mei�el mit leichtem Bronzeglanz zum Vorschein, dann wichen sie zur Seite und reichten das Werkzeug einer gr��eren, dunkleren Gestalt, die fast das ganze Fenster einnahm.</p><p>Die Loguires verdrehten ihre H�lse, um hochsehen zu k�nnen. Und Tom brummte: �Ich w�rde gern sein Gesicht sehen, damit ich einmal meinen Kindern, wenn ich sie erst habe, davon erz�hlen kann. Noch kein Sterblicher durfte sich je preisen, das Gesicht eines Elfenk�nigs gesehen zu haben, obgleich man sagt, sie lebten seit undenkbarer Zeit. Sie sind� Uh� Ah�� Toms Kopf sackte auf die Brust und er begann zu schnarchen. Weitere Schnarcht�ne wurden laut. Rod drehte sich um und stellte fest, da� auch die beiden Loguires selig entschlummert waren. Verwirrt schaute er hoch. Der erste Gitterstab fiel gerade auf den stinkenden Strohboden. Dieser Elfenk�nig mag vielleicht unvorstellbar alt sein, dachte Rod, aber langsam oder altersschwach ist er zweifellos nicht.</p><p>Der n�chste Gitterstab fiel herunter, und die restlichen folgten erstaunlich schnell, und gleich darauf sprang ihnen eine schwere Gestalt nach. Ungl�ubig sperrte Rod die Augen auf. Er verstand jetzt, weshalb Tom und die Loguires hatten einschlafen m�ssen.</p><p>Er schluckte, k�mpfte um seine Fassung, dann l�chelte er. �Gut gemacht, Brom O'Berin.�</p><p>�Stets zu Diensten, Rod Gallowglass.� Der kleine Mann verbeugte sich und l�chelte boshaft. �Ich schulde dir Pr�gel f�r deine Impertinenz gegen�ber der K�nigin � vielleicht aber auch gro�en Dank. Ich bin mir noch nicht ganz schl�ssig.� Er kniete sich neben Rod und dr�ckte seinen Unterarm auf den Boden.</p><p>�R�hr dich nicht, sonst bist du um ein St�ck Knochen �rmer!�</p><p>Er dr�ckte den Mei�el auf das erste Kettenglied am Eisenband und durchtrennte es mit einem einzigen Hammerhieb. Sofort machte er sich am anderen Arm zu schaffen.</p><p>�Du wirst zwar noch Armb�nder tragen, aber keine Ketten mehr. Die B�nder m�ssen warten, bis wir zur Burgschmiede kommen.�</p><p>�Hm, das ist verdammt harte Bronze.� Rod deutete auf den Mei�el, der durch das Eisen glitt.</p><p>�Sehr hart�, stimmte Brom ihm zu und besch�ftigte sich mit den Fu�ketten. �Nach einem alten Rezept meiner Familie.�</p><p>�Deiner Familie?�</p><p>Brom blickte auf. �Auch im vergessenen Griechenland gab es Elfen, wu�test du das nicht, Rod Gallowglass?�</p><p>Als er alle von den Ketten befreit hatte, bat Brom Rod, ihm zu helfen. Er sprang durch das Fenster und warf einen Strick herein. Rod band es unter Toms Achselh�hlen und stemmte den gl�cklich schnarchenden Riesen hoch, w�hrend Brom zog.</p><p>�Warum weckst du ihn nicht einfach auf, da� er selbst hinausklettert?� fragte Rod schwitzend.</p><p>�Ich m�chte nicht, da� mein Stand unter den Sterblichen bekannt wird�, brummte Rod.</p><p>�Und warum hast du mich nicht schlafen geschickt?�</p><p>�Einer von euch mu�te mir schlie�lich mit den anderen helfen�, knurrte Brom, aber Rod hatte das Gef�hl, da� das nicht die ganze Wahrheit war. Er stellte jedoch keine weiteren Fragen mehr, bis seine Zellengeno ssen aus dem Fenster waren und schlie�lich Brom ihn hochzog. Rod duckte sich und streckte Brom den Hintern zu.</p><p>�Was soll das?� brummte Brom.</p><p>�Sagtest du nicht, du schuldest mir Pr�gel?�</p><p>Der Zwerg lachte und schlug ihm auf die Schulter. �Nein, Junge, du hast nur getan, was ich selbst vor Jahren h�tte tun sollen, aber nie �bers Herz brachte. Doch komm jetzt, wir m�ssen uns beeilen.�</p><p>Nicht viel sp�ter sa�en sie um das Feuer in der k�niglichen Ratskammer. Catherine hatte sich wortreich bei Loguire entschuldigt und Tuan v�llig ignoriert. Tuan hatte links vom Kamin Platz genommen, und Catherine so weit von ihm entfernt im Zimmer, wie es nur m�glich war, mit einem schweren Eichentisch und Brom O'Berin zwischen sich und ihm.</p><p>�� ich bin nicht l�nger Herzog, und die Rebellen sind bereits auf dem Marsch�, beendete Loguire seinen Bericht.</p><p>�Ihr werdet wieder Herzog sein�, sagte Catherine kalt, �sobald wir die Verr�ter geschlagen haben.�</p><p>Loguire l�chelte traurig. �Sie sind nicht so leicht zu schlagen, Catherine.�</p><p>�Eure Majest�t!� fauchte sie.</p><p>�,Catherine! �donnerte Rod. Sie funkelte ihn w�tend an, und er funkelte zur�ck.</p><p>�Was bin ich, Brom?�</p><p>�,Eure Majest�t'�, erwiderte Brom mit der Spur eines L�chelns. �Doch f�r Euren Onkel und seinen Sohn, Euren</p><p>Vetter, seid Ihr Catherine.�</p><p>Jetzt galt ihm der funkelnde Blick. �Stellst du dich auch gegen mich, Brom O'Berin?�</p><p>�Genausowenig wie dieser Falke hier�� Er deutete auf Rod.</p><p>�Wenn Ihr das nur einsehen w�rdet.�</p><p>Catherine musterte Rod von oben bis unten. �Ein Falke, ja.</p><p>Und was ist mit diesem Laffen?�</p><p>Tuans Kopf scho� hoch, als h�tte er eine Ohrfeige bekommen.</p><p>Zutiefst gekr�nkt starrte er Catherine an. Doch dann pre�te er die Lippen zusammen, und eine Falte zeichnete sich zwischen den Brauen ab. Eines Tages, dachte Rod, wird sie bei ihm ein kleines bi�chen zu weit gehen, und das k�nnte vielleicht der gl�cklichste Tag ihres Lebens sein � wenn sie ihn �bersteht!</p><p>�Ich bin f�r Euch!� hauchte Tuan. �Selbst jetzt noch, Catherine, meine K�nigin.�</p><p>Sie l�chelte selbstzufrieden und abf�llig. �Das hatte ich gewu�t.�</p><p>�Verdammtes Mistst�ck!� murmelte Rod.</p><p>�Was habt Ihr da vor Euch hinzubrummen, Meister Gallowglass?�</p><p>�Nur etwas, dessen ich mich nicht enthalten konnte, kleine K�nigin. Aber was die Rebellen betrifft, was beabsichtigt Ihr, gegen sie zu unternehmen?�</p><p>�Wir marschieren ihnen entgegen und stellen sie auf dem Bredenfeld.�</p><p>�Nein!� Loguire sprang auf. �Ihre St�rke ist zehnmal die unsere!�</p><p>�Wir werden nicht hierbleiben und uns wie eine Ratte im Loch verkriechen!� Diesmal galt das Funkeln ihrer Augen ihrem Onkel.</p><p>�Dann werdet Ihr geschlagen werden!� erkl�rte ihr Rod.</p><p>Sie schaute auf ihn herab (was nicht einfach war, wenn man bedachte, da� sie sa� und er stand). �Daran ist nichts Unehrenhaftes, Meister Gallowglass!�</p><p>Rod schlug sich auf die Stirn und rollte die Augen himmelw�rts.</p><p>�Was sollte ich sonst tun? Mich vielleicht auf eine Belagerung vorbereiten?� fragte sie h�hnisch.</p><p>�Genau das�, erwiderte Rod.</p><p>�Wenn Ihr marschiert, habt Ihr auch noch das Haus Clovis zu bef�rchten, das Euch in den R�cken fallen wird�, sagte Tuan mit tonloser Stimme.</p><p>Ver�chtlich verzog sie die Lippen. �Bettler!�</p><p>�Bettler und Mordbuben!� erinnerte sie Rod. �Mit sehr scharfen Messern!�</p><p>�Soll die K�nigin sich vor einem solchen Lumpenpack f�rchten? Nein! Sie sind Staub unter meinen F��en!�</p><p>�Was im Staub unter Euren F��en kriecht, ist eine Schlange�, brummte Brom, �und ihre Z�hne sind spitz und verspritzen Gift!�</p><p>Catherine schaute unsicher zu Boden, dann hob sie das Kinn und starrte Tuan b�se an. �Dann hast du sie also zu einer Armee gegen mich gedrillt und zu einem heimt�ckischen Dolch f�r meinen R�cken gemacht, K�nig der Vagabunden!�</p><p>Sie wandte sich an den Herzog. �Ich werde gegen die Rebellen ziehen! Marschiert Ihr an meiner Seite, mein Lord Loguire?�</p><p>�Ihr seid eine T�rin, Catherine, und werdet den Tod finden, aber ich werde mit Euch sterben.�</p><p>Einen Herzschlag lang glitzerten ihre Augen feucht. Hastig drehte sie sich zu Brom um. �Und du, Brom O'Berin?�</p><p>�Ich war der Wachhund Eures Vaters, jetzt bin ich Eurer.�</p><p>Sie l�chelte ihn an. Dann verfinsterte sich ihr Gesicht. �Und du, Tuan Loguire?�</p><p>Der junge Mann schaute sie nachdenklich an. �Es ist erstaunlich, wie ich mich immer wieder zum Toren mache.</p><p>Doch wenn ich seit meiner Kindheit dein Narr war, Catherine, werde ich wohl auch noch die Torheit auf mich nehmen, an deiner Seite zu sterben.�</p><p>Ihr Gesicht war aschfahl. �Torheit��, wisperte sie.</p><p>Rod schlug Tuan freundschaftlich auf die Schulter. �He, K�nig der Vagabunden! Wir �berleben diesen Irrsinn vielleicht doch!</p><p>Wenn der Sp�tter und seine Helfershelfer nicht mehr w�ren, k�nntet Ihr dann die Bettler dazu bringen, f�r die K�nigin zu k�mpfen?�</p><p>Tuans Augen verrieten neue Hoffnung. �Ganz gewi�!�</p><p>Es war nicht leicht gewesen, Tom zu �berreden, da� er mitmachte. Rod hatte es auch verkehrt angepackt, da er angenommen hatte, Toms Loyalit�t gegen�ber der proletarischen Idee h�tte ihr Ende gefunden, als er ins Verlies geworfen worden war. �Was h�ltst du von einer Chance, es deinen Freunden heimzuzahlen?� hatte er gefragt.</p><p>�Es ihnen heimzahlen?�</p><p>�Haben sie dir nicht �bel mitgespielt und sind jetzt erst recht auf dein Blut aus?�</p><p>Tom grinste. �Ganz sicher nicht, Meister. Sie h�tten mich befreit, sobald die Schwierigkeiten behoben waren.�</p><p>�Aber warum haben sie dich in Ketten gelegt?�</p><p>Tom zuckte die Schultern. �Eine Meinungsverschiedenheit. Sie wollten die K�nigin und die Edlen zur gleichen Zeit angreifen, obwohl sie dadurch ihre Kr�fte h�tten teilen m�ssen. W�hrend ich daf�r war, erst die Edlen und ihre Ratgeber fertigzumachen, nat�rlich unter der Tarnung, es f�r den Thron zu tun. Danach, dachte ich, sollten wir allm�hlich das ganze Volk auf unsere Seite bringen, und sobald das geschafft war, die K�nigin und Brom O'Berin ins Jenseits schicken.�</p><p>Rod schluckte und bem�hte sich, daran zu denken, da� der Bursche ja jetzt auf seiner Seite war. �Nun, wie war's, wenn das Haus Clovis tats�chlich erst die Edlen und ihre Ratgeber niedermacht? Und zwar an der Seite der K�nigin. Danach kannst du ja zusehen, ob du deinen weiteren Plan durchzuf�hren vermagst.�</p><p>�Glaubt Ihr denn, da� die Bettler f�r die K�nigin k�mpfen w�rden?�</p><p>�Das �berlassen wir Tuan Loguire, nachdem wir deine vier Kollegen in das Verlies gesperrt haben, in das sie dich hineinwarfen.�</p><p>Ein breites Grinsen �berzog Toms Gesicht. �Das h�tte ich mir ja denken m�ssen, Meister. Ja, dieser Junge wird sie �berreden.</p><p>Er hat eine Engelszunge! Aber es ist Euch doch klar, da� dann auch Ihr neben der K�nigin und Brom an der Reihe sein werdet, wenn ich meinen weiteren Plan durchf�hre.�</p><p>�Es wird ein grandioser Kampf werden, Tom. Aber warten wir doch erst einmal ab.�</p><p>Tom machte sich an einem Stein der Au�enwand zu schaffen.</p><p>Er zog ihn vorsichtig heraus. �Ich hatte zwar gedacht, ich brauchte das Schlupfloch einmal, um aus dem Haus zu kommen, aber umgekehrt funktioniert es nat�rlich auch. Folgt mir.� Er zw�ngte sich hindurch, und als Rod und Tuan schlie�lich neben ihm im Innern standen, verschlo� er das Loch wieder. �Na, die werden sich wundern, wie wir hereinkamen�, sagte Tom grinsend.</p><p>Sie befanden sich in einer riesigen ehemaligen K�che. Die dichten Spinnweben verrieten, da� sie schon lange nicht mehr benutzt wurde.</p><p>�Was hat ein guter Junge wie du, Tom, eigentlich hier zu suchen?� brummte Rod. Tom schnaubte ver�chtlich. �Nein, ich meine es wirklich�, versicherte ihm Rod. �Einen Gott, ein Idol, sch�tzt man nach den Menschen ein, die es anbeten.�</p><p>�Seid still!� knurrte Tom.</p><p>�Aber ich habe doch recht, oder? Die Ratgeber sind bis ins Mark verderbt, das wissen wir schlie�lich. Und der Sp�tter und seine Kumpane sind schmutzigstes Ungeziefer. Du bist der einzige anst�ndige Mann in dem Haufen, weshalb willst du nicht��</p><p>�Haltet den Mund!� brummte Tom drohend und packte Rod am Kragen seines Wamses. �Und was ist mit der K�nigin und</p><p>ihren G�ttern, eh?� W�tend schob er Rod gegen die Wand und lie� ihn los. Rod sch�ttelte sich und sah im Schein einer Fackel den Ha� in Toms Augen, ehe er vorw�rtsschlich.</p><p>�L�scht die Fackeln!� fl�sterte er kurz darauf �ber die Schulter zur�ck. �Wir kommen gleich an eine Biegung, und dahinter h�lt ein Posten Wache. Vorsicht, Jungs!�</p><p>Als sie sich der Ecke n�herten, h�rten sie zu ihrer Rechten, aus dem neuen Schlafsaal, schwaches Schnarchen. Tom dr�ckte sich an die Wand, und schnell folgten Rod und Tuan seinem Beispiel.</p><p>�Halt!� br�llte eine Stimme hinter der Biegung.</p><p>Erschrocken hielten die drei den Atem an.</p><p>�Wohin zu dieser Stunde?� fragte der Posten drohend.</p><p>Eine zitternde, nasale Stimme antwortete: �Auch nachts mu� man manchmal!�</p><p>�Aha!� rief der Posten, �sicher nur, weil gleich neben den Toiletten der Frauenschlafsaal ist, hm? Nein, B�rschchen, zur�ck auf dein Lager. Dein Liebchen ist heute nacht nicht f�r dich!�</p><p>�Aber ich��</p><p>�Du kennst die Bestimmungen, Freundchen. Du mu�t zuerst schon die Erlaubnis des Sp�tters einho len.� Mit vertraulicherer Stimme fuhr er fort: �So schwierig ist es doch nicht, den Schein von ihm zu bekommen. Dann h�lt dich niemand auf und du hast es schwarz auf wei�, wo und zu welcher Zeit du es treiben kannst.�</p><p>Der andere spuckte h�rbar aus. �Ja�, h�hnte er. �Und jede Nacht brauche ich einen neuen Schein, wenn ich sie sehen will.</p><p>Verdammt, das war bisher das einzige auf der Welt, das man ohne Erlaubnis von anderen tun konnte!�</p><p>Die Stimme des Postens wurde wieder hart. �Das Wort des Sp�tters ist Gesetz im Haus, und ich werde ihm mit dem Pr�gel Nachdruck verleihen!�</p><p>Ein w�tendes Knurren war zu h�ren, dann sich entfernende, schlurfende Schritte. Nach einer Weile setzte erneut Stille ein, bis der Posten wieder zu schnarchen begann.</p><p>Rod schaute Tuan an. Das Gesicht des Jungen war fahl, und die Lippen hatte er so fest zusammengepre�t, da� sie wei� wirkten.</p><p>�Ich nehme an, davon wu�tet Ihr nichts, oder?� fl�sterte Rod.</p><p>�Nein. Als sie mich erst abserviert hatten, vergeudeten sie keine Zeit. Eine Wache vor jedem Zimmer. Ein St�ck Papier als Erlaubnis, da� zwei ein Bett miteinander teilen d�rfen � das ist schlimmer als die Lords des S�dens!�</p><p>Toms Kopf ruckte hoch. �Nein!� knurrte er. �Es ist jetzt nur ein wenig unbequem, aber das Resultat ist diesen Preis wert.�</p><p>�Welches Resultat kann schon einen solchen Preis wert sein!� schnaubte Tuan und hob seine Stimme ein wenig.</p><p>�Nun�, grollte Tom. �Mehr zu essen f�r alle, mehr und bessere Kleidung, keine Armen und Hungernden mehr.�</p><p>�Und alles dank einer geplanten Elternschaft!� murmelte Rod kopfsch�ttelnd mit einem vorsichtigen Blick auf die Erde.</p><p>�Und wie soll das m�glich sein?� fragte Tuan und hob trotz der besorgten Gesten Rods die Stimme um ein weiteres. �Mit einem Erlaubnisschein f�r eine Liebesnacht? Ich w��te nicht, wie!�</p><p>�Nein, Ihr ganz gewi� nicht�, sagte Tom ver�chtlich. �Aber der Sp�tter wei� sehr wohl, was er tut.�</p><p>�Wie erlaubst du dir, mit mir zu sprechen!� Tuan zog seinen Dolch, und schon hatte auch Tom seinen in der Hand.</p><p>Rod schob die beiden auseinander. �Meine Herren! Auch wenn eure Meinung in dieser Sache auseinandergeht, mu� ich doch bitten, Ruhe zu bewahren. Jeden Moment kann der Posten wieder aufwachen und das ganze Haus zusammenbr�llen.</p><p>Wollt ihr das wirklich?�</p><p>Die beiden funkelten einander w�tend an, aber sie steckten die Dolche wieder ein. �Und was machen wir jetzt mit dem Posten?� fragte Rod.</p><p>�Wir k�nnen nur eines tun�, antwortete Tuan. �Ihn aufwecken und gegen ihn k�mpfen.�</p><p>�Was?� knurrte Tom. �Da� er Alarm schl�gt? Nein, nein! Wir schleichen uns an ihn heran und versetzen ihm einen Schlag auf den Sch�del.�</p><p>�Das ist unehrenhaft�, protestierte Tuan.</p><p>Tom spuckte ver�chtlich aus. �Toms Plan ist schon in Ordnung�, beruhigte Rod Tuan. �Nur was ist, wenn der Mann aufwacht, w�hrend wir uns anschleichen?�</p><p>Tom zuckte die Schultern. �Dann m�ssen wir uns auf ihn werfen. Wenn wir dabei sterben, sterben wir eben.�</p><p>�Und die K�nigin mit uns�, brummte Rod. �Nein! La�t euch was anderes einfallen.�</p><p>Tom zog seinen langen Dolch wieder hervor und balancierte ihn auf einer Fingerspitze. �Ich treffe den Burschen auf f�nfzig Schritt in die Kehle.�</p><p>�Das ist schlimmer als ein Sto� in den R�cken!� wehrte Tuan ab. �Wir m�ssen ihm eine Chance geben, sich zu verteidigen.�</p><p>�O ja?� h�hnte Tom. �Damit er das ganze Haus aufweckt mit seinem Gebr�ll?�</p><p>Rod hielt beiden den Mund zu und war nur froh, da� er nicht drei Begleiter mitgebracht hatte. Er zischte Tom zu. �Hab Geduld. Er ist schlie�lich neu in diesem Job!�</p><p>Tuan richtete sich hoch auf und funkelte jetzt beide w�tend an.</p><p>Rod fl�sterte Tom direkt ins Ohr. �Wenn du nicht w��test, da� er ein Aristokrat ist, wie w�rdest du ihn dann einsch�tzen?�</p><p>�Als tapferen Mann und guten K�mpfer�, gestand Tom ein, �wenn auch arg jung und t�richt und mit zu vielen Idealen belastet.� Er schaute Rod an. �Also gut, ich werde versuchen, mit ihm auszukommen, aber wenn er noch einmal zu predigen versucht��</p><p>�Wenn wir die Sache schnell genug hinter uns bringen, wird er keine Zeit dazu haben. Ich habe eine Idee.�</p><p>�Warum habt Ihr uns dann �berhaupt gefragt?� grollte Tom.</p><p>�Weil sie mir erst kam, als ihr zwei euch in die Haare geraten</p><p>seid. Wir brauchen eine Kompromi�l�sung, richtig? Tuan l��t ein Messer in den R�cken nicht zu und auch keines in Brust oder Kehle, solange der Bursche schl�ft. Er will eben keinen treuen Untertanen t�ten, weil er vielleicht schon morgen gutes Kanonenfutter abgeben k�nnte. Richtig?�</p><p>�Nicht das ist der Grund�, brummte Tuan.</p><p>�Und Tom will dem Posten keine Chance geben, Alarm zu schlagen � und ich auch nicht, ganz nebenbei bemerkt. Wir sind alle drei gute K�mpfer, aber nur drei gegen ein ganzes Haus voll Messerstecher ist wohl utopisch. Tom, wenn der Posten pl�tzlich um die Ecke rennen sollte, w�rdest du ihm dann nur ganz leicht �ber den Sch�del schlagen?�</p><p>�Sicher!� Tom grinste.</p><p>�Leicht, sagte ich. L��t sich das mit Eurer Ehre vereinbaren, Tuan?�</p><p>�Ja, da er uns dann das Gesicht zuwendet.�</p><p>�Gut, dann brauchten wir nur noch eine Maus, der er um die Ecke nachjagt.</p><p>�Das ist einfach�, brummte Tom. �Der Meister kann eine machen.�</p><p>�Eine machen?� Rod starrte ihn an.</p><p>�Aber ja.� Tuan nickte heftig. �Ihr seid doch ein Zauberer und hier an der Wand w�chst soviel Hexenmoos. Was braucht Ihr mehr?�</p><p>�Huh?� Rod schluckte. �Hei�t das, da� Hexen das Zeug f�r ihre Zwecke benutzen?�</p><p>�Nat�rlich! Wieso wu�tet Ihr das nicht? Sie formen kleine lebende Dinge daraus � wie M�use!�</p><p>In Rods Kopf klickte es. Das war also das fehlende Glied im R�tsel um Gramayre. �Sch�n und gut�, brummte er. �Aber das ist nicht meine Art von Zauberei.� Er legte die H�nde als Trichter vor den Mund und rief leise: �Gwen! Gwen-dy-lon!�</p><p>Eine Spinne rannte an einem Faden direkt vor seiner Nase von der Decke. Rod h�pfte zur�ck. �Alle guten Geister. Tu das</p><p>nicht, M�dchen!� Er pfl�ckte die Spinne vom Faden und streichelte sie vorsichtig mit einer Fingerspitze. �Zumindest hast du dich nicht in eine Schwarze Witwe verwandelt. Hm, �brigens bist du die h�bscheste Spinne, die ich je gesehen habe!�</p><p>Die Spinne tanzte erfreut in seiner Handfl�che.</p><p>�H�r zu, meine S��e, ich brauche eine Maus, die den Posten hierherlockt. Schaffst du das?�</p><p>Die Spinnenform verschwamm, und schon sa� eine Maus auf Rods Hand. Das Tier sprang auf den Boden und huschte zur Ecke.</p><p>�Nein! Nein!� Rod sprang ihr nach und hob sie vorsichtig wieder hoch. �Tut mir leid, mein Sch�tzchen, aber wie leicht k�nnte jemand auf dich treten, und das w�rde mir gar nicht gefallen.� Er k��te das schwarze Naschen. Tom sog die Luft ein. Die Maus wand sich vor Ekstase.</p><p>�Nein�, sagte Rod, strich mit der Fingerspitze �ber ihren R�cken und zwickte sie in den Schwanz. �Du mu�t eine aus Hexenmoos machen. Kannst du das, Liebling?�</p><p>Die Maus nickte, drehte sich um und konzentrierte sich auf das Hexenmoos am Boden der Wand. Aus einem St�ck davon bildete sich nach und nach eine Maus. Tom schluckte und bekreuzigte sich.</p><p>Rod starrte ihn erstaunt an. �Ich dachte, du bist Atheist?�</p><p>�Nicht in einem solchen Augenblick, Herr.�</p><p>Die Hexenmoosmaus rannte um die Ecke. Tom fa�te seinen Dolch an der Klingenspitze, um den Griff als Pr�gel zu benutzen.</p><p>Das Schnarchen um die Ecke wurde zu einem ver�rgerten Grunzen. �He, was knabbert da an mir?� Der Hocker des Postens kippte klappernd um. Dann war zweimal ein w�tendes Stampfen zu h�ren, und schlie�lich vernahmen die Wartenden eilige Schritte, und schon huschte die Maus um die Ecke.</p><p>Der Posten folgte ihr fluchend und rutschte an der Ecke aus. Er blickte hoch, sah Tom, und hatte gerade noch Zeit, die Augen entsetzt aufzurei�en, als Toms Dolchgriff auf seinen Hinterkopf herabsauste.</p><p>Der Posten sackte wie abgesprochen bewu�tlos in Tuans Arme.</p><p>Tom holte einen d�nnen schwarzen Strick aus der Tasche.</p><p>�Das ist viel zu schwach, ihn zu halten!� protestierte Tuan.</p><p>Aber Tom grinste nur und machte sich daran, den Posten zu verschn�ren. �Geflochtene synthetische Spinnenseide�, erkl�rte er Rod leise.</p><p>�Das hast du gut gemacht, Kleines�, lobte Rod die Maus in seiner Hand. Sie hob erfreut das Naschen, dann schl�pfte sie zwischen den Kn�pfen in sein Wams. �He, vorsichtig!� mahnte Rod. �Das kitzelt!�</p><p>�Wo sollen wir ihn verstecken?� fragte Tuan.</p><p>�Hier gibt es keine Verstecke�, brummte Tom.</p><p>�Da ist ein Fackelhalter an der Wand!� Tuan deutete.</p><p>�Gut!� Tom hob den verschn�rten Posten hoch und hakte eine der Spinnenseidenschlingen um die Halterung.</p><p>�Und was ist, wenn jemand hierherkommt? Wir k�nnen ihn doch nicht einfach so h�ngen lassen?� brummte Rod. Er griff in sein Wams und holte die Maus aus ihrer Erkundung seines Brustkastens zur�ck. �H�r mal, Baby, wei�t du was eine dimensionale Kr�mmung ist?�</p><p>Die Maus rollte die Augen hoch und zuckte mit den Barthaaren, dann sch�ttelte sie energisch den Kopf. �Und eine Zeitfalte?�</p><p>Die Maus nickte eifrig. Dann spannte das kleine M�usegesicht sich in tiefster Konzentration � und der Posten war verschwunden.</p><p>Tuan quollen die Augen aus den H�hlen, und er schnappte nach Luft.</p><p>Tom spitzte die Lippen, dann sagte er schnell: �Ah � ja. Machen wir weiter.�</p><p>Rod grinste und setzte die Maus auf dem Boden ab. �Zieh dich zur�ck, Kleines, aber bleib in der N�he, ich brauche dich vielleicht nochmal.�</p><p>�Der Sp�tter schl�ft wahrscheinlich in Tuans Gemach�, murmelte Tom. �Und ich hoffe, seine Hauptleute finden sich in seiner N�he.�</p><p>�Glaubst du nicht, da� zumindest einer davon Wache h�lt?� fragte Tuan.</p><p>Tom bedachte Tuan mit einem merkw�rdigen Blick. Er hob eine Braue und sagte zu Rod: �Ein guter Mann, und gar nicht so dumm!�</p><p>Es gelang ihnen unbemerkt, einen Bogen um die einzige weitere Wache zwischen ihnen und der Wirtsstube zu schlagen. Die Stube selbst wurde nur durch die Glut in der offenen Feuerstelle erhellt, aber sie gen�gte, um den Fu� der m�chtigen Treppe an der anderen Seite zu sehen. Eine Galerie ragte im oberen Stockwerk �ber die Stube hinaus. Die T�ren dort f�hrten in die Privatgem�cher.</p><p>Ein breitschultriger Mann sa� schnarchend und mit ausgestreckten Beinen in einem schweren Sessel neben der Feuerstelle. Am Fu� der Treppe stand ein g�hnender, blinzelnder Mann Wache. Zwei weitere Posten lehnten sich schwer an die Pfosten einer T�r etwa in der Mitte der Galerie. �Sch�ne Bescherung�, brummte Tom. �Sie sind einer mehr als wir, und weit auseinander, da� zweifellos zumindest einer Alarm schlagen wird, w�hrend wir die anderen entwaffnen.� �Von der riesigen, viel zu hellen Stube gar nicht zu sprechen, die wir �berqueren m�ssen. Sie ist fast so gro� wie der Audienzsaal der K�nigin�, f�gte Rod hinzu. �Wir k�nnten unter den Tischen und B�nken hindurchkriechen�, schlug Tuan vor. �Bis wir dort sind, schl�ft die Wache am Fu� der Treppe vermutlich schon.� �Damit h�tten wir die beiden in der Gaststube hinter uns, aber was ist mit dem Paar auf der Galerie?� �Oh, ich verstehe ein wenig mit der Steinschleuder</p><p>umzugehen�, versicherte ihm Tuan. Er brachte ein St�ck schwarzes Leder zum Vorschein.</p><p>�Das ist eine Bauernwaffe�, knurrte Tom, �und nicht das Spielzeug eines Lordlings.�</p><p>�Ein Ritter mu� mit allen Waffen umgehen k�nnen, Tom�, erkl�rte Tuan ein wenig von oben herab.</p><p>�Gehen wir's an�, bestimmte Rod. �Ich nehme mir den an der Feuerstelle vor.�</p><p>�Das werdet Ihr nicht!� entgegnete Tom. �Ihr k�nnt den an der Treppe haben!�</p><p>�Oh? Gibt es einen bestimmten Grund daf�r?�</p><p>�Ja.� Tom grinste w�lfisch. �Der in dem Sessel ist einer von des Sp�tters Hauptleuten, und er geh�rt zu denen, die mich ins Verlies warfen.�</p><p>�Na gut�, gab Rod nach. Sie legten sich auf den Bauch und krochen jeder auf sein Ziel zu. Rod schien eine Ewigkeit zwischen den Tisch� und Bankbeinen zu vergehen, und er bef�rchtete st�ndig, einer der beiden anderen k�nnte zuerst seinen Platz erreichen und des Wartens m�de werden.</p><p>Pl�tzlich war ein dumpfer Krach zu h�ren. Einer mu�te gegen einen der Tische gesto�en sein. Rod erstarrte.</p><p>�Was war das?� rief eine Stimme. �He, Egbert, wach auf und k�mmere dich um die Treppe, die du bewachen sollst.�</p><p>�Was � was ist los?� brummte eine n�here, schl�frige Stimme, und dann eine tiefere, ver�rgert vom Feuer. �Mu�t du mich wegen Nichtigkeiten aufwecken?�</p><p>�Etwas ist gegen einen Tisch gesto�en, Hauptmann! Ich habe es genau geh�rt�, erkl�rte die erste Stimme.</p><p>�Ja, eine Ratte, vielleicht. Eine verdammte Ratte!� knurrte der Hauptmann und kauerte sich wieder tief in seinen Sessel.</p><p>Rod atmete erleichtert auf und wartete, da� der Posten an der Treppe wieder zu schnarchen anfing. Als er es tat, schl�ngelte er sich weiter durch Tisch- und Bankbeine, bis er unter dem Tisch lag, der der Treppe am n�chsten war.</p><p>Von der Feuerstelle schrillte ein Pfiff, und dann war ein Krachen zu h�ren, als Tom einen Hocker umstie�, der ihm im Weg gestanden hatte.</p><p>Rod hastete zu seinem Mann. Aus dem Augenwinkel sah er Tuan hochspringen und die Schleuder wirbeln. Doch schon grub sich sein Kopf in den Bauch des Postens an der Treppe.</p><p>Der Mann sackte zusammen. Vorsichtshalber versetzte Rod ihm noch einen Nackenschlag. Als er hochblickte, bemerkte er, wie gerade einer der Posten auf der Galerie zu Boden ging. Der andere lag bereits sich windend daneben, mit den H�nden auf den Hals gepre�t.</p><p>In f�nf S�tzen erreichte Rod die Galerie. Er verpa�te dem sich Windenden einen Kinnhaken, da� er sich eine Weile schlafen legte. Der andere war nicht so glimpflich davongekommen.</p><p>Der Stein aus der Schleuder hatte ihm die Stirn zerschmettert.</p><p>Blut flo� �ber sein Gesicht und sammelte sich zu einer Pf�tze auf dem Boden.</p><p>�Verzeih mir, Mann�, fl�sterte Tuan, als er seiner Schleuder Werk betrachtete.</p><p>�Kriegspech, Tuan�, fl�sterte er.</p><p>�W�re er meinesgleichen, w�rde ich es auch so sehen�, murmelte der Junge. �Aber ein Mann meines Blutes hat die Bauern zu besch�tzen, nicht sie zu erschlagen.�</p><p>Rod musterte das ernste Gesicht des Jungen und dachte, da� es M�nner wie die Loguires waren, die der Aristokratie das bi�chen Berechtigung gaben, das sie hatte.</p><p>Es hatte nur diesen einen Toten gegeben. Der Hauptmann und die Treppenwache waren sicher mit Toms synthetischer Spinnenseide verschn�rt.</p><p>�Ihr habt es gut gemacht�, lobte Tom Tuan. �Ihr mu�tet Euch zwei vornehmen. Einen habt Ihr verschont. Macht Euch keine Vorw�rfe des anderen wegen. Ihr hattet gar keine Zeit, besser zu zielen, ein so guter Schleuder er Ihr auch seid.�</p><p>Verwirrung zeichnete sich auf Tuans Gesicht ab. Er hatte nicht das Recht, sich Toms Einmischung zu verbieten, aber es war doch etwas ungewohnt, sich von einem Bauern loben und Entschuldigung gew�hren zu lassen.</p><p>Rod lenkte ihn ab. �Ihr habt dort geschlafen?� fragte er und deutete mit dem Daumen auf die T�r, die die beiden Posten bewacht hatten. Der Junge nickte stumm.</p><p>�Dann wird wohl jetzt der Bucklige sich dort einquartiert haben. Und du sagst, der Hauptmann unten geh�rt zum Stab des Sp�tters?� Tom nickte.</p><p>�Also bleiben noch zwei Hauptleute. Was meint Ihr, ob sie nicht vielleicht in den anschlie�enden Zimmern zu finden sind?� Als Tom erneut nickte, fuhr Rod fort: �Also, einen f�r jeden von uns. Ihr zwei nehmt Euch je einen der Hauptm�nner vor, ich besch�ftige mich mit dem Sp�tter.� Er wandte sich der mittleren T�r zu, aber Toms Pranke fiel auf seine Schulter herab. �Wieso kriegt Ihr den Sp�tter, nicht ich?�</p><p>Rod grinste. �Glaubst du nicht, da� ich hier ein bi�chen mehr zu sagen habe? Und au�erdem, welchen G�rtel hast du dir errungen?� �Braun�, brummte Tom. �Und der Sp�tter?�</p><p>�Schwarz�, erwiderte Tom widerstrebend. �Dan, f�nfter Grad.�</p><p>Rod nickte. �Und ich ebenfalls schwarz, achter Dan. Du nimmst einen der Hauptleute.�</p><p>Tuan runzelte die Stirn. �Was ist das f�r ein Gerede �ber G�rtel? Und was ist Dan?�</p><p>�Nur eine kleine Kompetenzklarstellung. Zerbrecht Euch nicht den Kopf dar�ber.� Rod wandte sich der mittleren T�r zu.</p><p>Tom griff nach seinem Arm. �Meister, wenn wir es geschafft haben, m��t Ihr mir Unterricht geben.�</p><p>�Gern, sogar bis zum Collegeabschlu�, wenn du willst.�</p><p>�Danke.� Tom grinste breit. �Nicht n�tig, ich habe bereits einen Doktor gemacht.�</p><p>Rod starrte ihn an. �In welchem Fach.�</p><p>�Theologie.�</p><p>�Das h�tte ich mir denken m�ssen. Du hast nicht zuf�llig neue atheistische Theorien aufgestellt?�</p><p>�Meister!� antwortete Tom gekr�nkt. �Wie kann man die Existenz oder Nichtexistenz eines immateriellen Wesens durch Fakten beweisen?�</p><p>�Meine Herren�, sagte Tuan sarkastisch. �Ich unterbreche sehr ungern ein so gelehrtes Gespr�ch, aber es k�nnte ja sein, da� der Sp�tter jeden Augenblick aufwacht.�</p><p>�Hm? O ja, nat�rlich!� Rod setzte sich wieder zur T�r zu in Bewegung. �Wir unterhalten uns sp�ter weiter dar�ber, Tom.�</p><p>Leise versuchte er die T�r zu �ffnen, aber sie knarrte, kr�chzte, quietschte, wehrte sich gegen sein Eindringen. Der Sp�tter hatte sie offenbar als primitive, aber sehr wirksame Einbruchs sicherung absichtlich nicht ge�lt. Rod warf sich mit aller Kraft dagegen und st�rzte ins Zimmer, noch ehe der Sp�tter �M�rder!� br�llte und mit zum Schlag erhobener Hand aus dem Bett sprang.</p><p>Rod blockierte einen Handkantenschlag und hieb nach dem Solarplexus. Seine Hand wurde geschickt abgewehrt, w�hrend noch der Schrei des Buckligen in seinen Ohren hallte. Rod blieb gerade Zeit, den Humor des Schwarzeng�rteltr�gers zu w�rdigen, der nach Hilfe br�llte, ehe er auf den gegen seine Leiste gerichteten Schlag aufmerksam wurde.</p><p>Er sprang zur�ck, und der Sp�tter ihm nach. Diesmal traf der Schlag. Rod rollte und wand sich vor Schmerzen auf dem Boden. Er sah den Fu�, der nach seinem Kinn ausholte, und es gl�ckte ihm, seinen Kopf weit genug zu drehen, da� der Fu� lediglich seine Wange streifte. Sterne funkelten vor seinen Augen, und er versuchte, sie mit einem Kopfsch�tteln zum Verschwinden zu bringen.</p><p>Durch das Summen in seinen Ohren h�rte er einen pl�tzlich abgew�rgten Schrei, dann einen dumpfen Schlag, und schlie�lich br�llte Tom: �Eure Schleuder, Tuan! Auf den Schrei werden gleich Wachen herbeieilen!�</p><p>Der Riese beugte sich �ber ihn. Sein Gesicht war ganz nah.</p><p>�Wie schlimm seid Ihr verletzt, Meister?�</p><p>�Es geht schon�, keuchte Rod.</p><p>�K�nnt Ihr aufstehen?�</p><p>�In einer Minute. Aber Gwen wird sich auf eine zeitweilige Entt�uschung gefa�t machen m�ssen. Wie hast du es fertiggebracht, Tom?�</p><p>�Ich hab' seinen Fu� beim Aufw�rtsschwingen erwischt und ihn hochgeschleudert. Und ehe er landete, versetzte ich ihm noch einen Kinnhaken.�</p><p>�Ein Kinnhaken, der einen Schwarzeng�rteltr�ger ausschaltet!� staunte Rod und rollte sich herum.</p><p>Ein Schrei au�erhalb des Zimmers verstummte pl�tzlich, Rod hob lauschend den Kopf. Dann taumelte er, die H�nde immer noch zwischen die Beine gepre�t, zur T�r und ri� sie trotz Toms Protest auf.</p><p>Drei weitere M�nner lagen reglos auf dem Steinboden der Gaststube, w�hrend Tuan, mit der Schleuder in der Hand, an der Galeriebr�stung stand. Sein Gesicht war fahl. �Erst kam einer�, berichtete er tonlos, �dann der zweite und schlie�lich der dritte. Die ersten beiden erwischte ich, ehe sie schreien konnten, aber beim dritten war ich zu langsam.� Er drehte sich mit dem R�cken zur Br�stung und sagte hart: �Mir gef�llt dieses T�ten nicht!�</p><p>Rod nickte und �chzte, als der Schmerz ihn zu �bermannen drohte. Er hielt sich am Gel�nder fest. �Kein echter Mann liebt es, Tuan. Aber es ist Krieg und Ihr d�rft es nicht so schwer nehmen!�</p><p>�Oh, ich habe auch schon fr�her get�tet�, murmelte Tuan.</p><p>Seine Lippen waren Striche. �Aber M�nner zu t�ten, die mir noch vor drei Tagen zuprosteten��</p><p>Rod schlo� die Augen. �Ich verstehe. Aber wenn Ihr je ein guter K�nig oder guter Herzog werden wollt, m��t Ihr lernen, damit fertig zu werden. Au�erdem, verge�t das nicht, w�rden</p><p>sie Euch get�tet haben, wenn Ihr nicht schneller gewesen w�rt.�</p><p>Tom trat auf die Galerie heraus. Den Sp�tter hatte er sich wie ein gut verschn�rtes Paket unter den Arm geklemmt. Er schaute kurz in die Gaststube hinab. �Noch mehr Tote?� Er legte den Sp�tter zwischen seine bewu�tlosen Hauptleute und begann, sie zu fesseln. Einer hatte nur noch eine Narbe, wo sein Ohr sein sollte � ein Zeichen der k�niglichen Gerechtigkeit.</p><p>Rod nickte. Der Sp�tter hatte sich seine Helfershelfer sorgf�ltig ausgew�hlt. Sie hatten guten Grund, die Monarchie zu hassen.</p><p>Er richtete sich auf und zuckte vor Schmerz zusammen.</p><p>�Ihr solltet Euch setzen und ausruhen, Rod Gallowglass�, riet ihm Tuan.</p><p>Rod holte pfeifend Luft und sch�ttelte den Kopf. �Es ist nur schmerzhaft, weiter nichts. Sollten wir diese drei nicht ins Verlies schaffen?�</p><p>Tuans Augen funkelten. �Nein, es gen�gt, da� sie gebunden sind. La�t sie hier, ich brauche sie.�</p><p>Rod runzelte die Stirn. �Ihr braucht sie? Was meint Ihr damit?�</p><p>Tom hob eine Hand. �Fragt nicht lange, Meister, wenn Tuan sie braucht, so la�t sie ihm. Dieser Junge versteht sein Handwerk. Ich habe nie einen Mann gesehen und selten von einem geh�rt, der eine Menschenmenge so �berzeugen kann wie er.� Er drehte sich um und rannte die Stufen hinunter. In der Wirtsstube untersuchte er die Gefallenen, dann verschn�rte er einen, der noch lebte, ehe er sie alle unter die Galerie zerrte.</p><p>Den Hauptmann neben dem Feuer warf er sich auf die Schulter.</p><p>�Tom!� rief Tuan. �Sei so gut und bring das Horn mit, das an der Wand dort h�ngt, und die Trommel daneben ebenfalls!�</p><p>Tom nickte. Er nahm das alte, verbeulte Jagdhorn von seinem Haken und klemmte sich eine der primitiven Trommeln -</p><p>nichts weiter als ein leeres Fa� mit einem Fellbezug an einem</p><p>Ende � unter den Arm.</p><p>Rod runzelte verwirrt die Stirn. �Was wollt Ihr denn mit Horn und Trommel?�</p><p>Tuan grinste. �K�nnt Ihr Horn blasen?�</p><p>�Nun, im Symphonieorchester w�rde man mich vermutlich nicht aufnehmen, aber��</p><p>�Es wird gen�gen�, unterbrach ihn Tuan mit glitzernden Augen.</p><p>Tom rannte die Stufen wieder hoch. Den dritten Hauptmann legte er neben seine Spie�gesellen, die Instrumente neben Tuan. �Und wie geht es weiter, meine Herren?�</p><p>�Du nimmst die Trommel�, bestimmte Tuan, �und wenn ich das Wort gebe, h�ngst du diese vier von der Galeriebr�stung hinunter, aber nicht an den H�lsen, h�rst du? Es ist von viel gr��erem Nutzen f�r uns, da� wir sie lebend gefangen haben.�</p><p>Rod hob eine Braue. �Doch wohl nicht der alte Spruch, da� der M�chtige es sich erlauben kann, Gnade walten zu lassen?�</p><p>Aber er h�rte die Antwort nicht, weil Tom begonnen hatte, die Trommel zu schlagen, da� das ganze Haus vibrierte.</p><p>Tuan grinste und sprang auf die Br�stung. Mit weit gespreizten Beinen und verschr�nkten Armen machte er es sich dort bequem. �Ruft sie herbei, Meister Gallowglass!� br�llte er.</p><p>Rod blies den Weckruf der Armee. Zwar klang er etwas ungew�hnlich auf dem alten Jagdhorn, aber er erf�llte seinen Zweck. Ehe er zu Ende damit war, hatte sich die ganze riesige Wirtsstube mit Bettlern, Dieben und M�rdern gef�llt. Sie waren alle aus dem Schlaf gerissen, konnten die Augen noch nicht ganz aufbekommen und erst recht nicht klar denken. Sie stellten einander alle m�glichen Fragen, und machten sich ganz klein, als sie Tuan, den sie verraten hatten, stolz und hochaufgerichtet auf der Br�stung stehen sahen.</p><p>Er sollte sie f�rchten, sich gar nicht zur�ckgewagt haben, nachdem er befreit worden war � aber da stand er, frei und furchtlos, und rief sie mit Horn und Trommel herbei � und wo war der Sp�tter?</p><p>Sie waren verwirrt und mehr als nur ein wenig ver�ngstigt.</p><p>Menschen, die nie gelernt hatten, selbst�ndig zu denken, waren nun dem Undenkbaren ausgesetzt.</p><p>Rod endete mit einem Tusch, dann wirbelte er das Horn im Kreis und schob es in den G�rtel. Tom entlockte der Trommel ein letztes heftiges Bumm, da streckte Tuan die Hand in Toms Richtung und schnippte mit den Fingern.</p><p>Die Trommel erklang von neuem, leise, aber eindringlich.</p><p>Rod schaute zu Tuan hoch, der mit den Armen auf die H�ften gest�tzt grinste � ein in sein Reich heimgekehrter Elfenk�nig!</p><p>Er blickte hinunter auf die furchterf�llte Menge, die mit offenen M�ndern auf die majest�tische Gestalt starrte.</p><p>Rod mu�te zugeben, da� das eine sehr beeindruckende Weise f�r die Er�ffnung einer Rede war.</p><p>Tuan warf die Arme hoch. Stille setzte in dem weiten Raum ein, nur das leise Pochen der Trommel war zu h�ren.</p><p>�Ihr habt mich versto�en!� br�llte Tuan.</p><p>Der Mob dr�ngte sich furchtsam zusammen.</p><p>�Mich ins Exil verbannt!� rief Tuan. �Ihr habt euch von mir abgewandt und glaubtet, mich nie wiederzusehen!�</p><p>Ein Murmeln erhob sich, ver�ngstigt, ja verzweifelt.</p><p>�Wurde ich nicht verbannt?� schrie Tuan. �Seid still!�</p><p>Und wie durch ein Wunder erstarb das Gemurmel sofort.</p><p>Tuan deutete mit anklagendem Zeigefinger auf die Menge.</p><p>�Nun, wurde ich nicht verbannt?�</p><p>Ein paar Jas waren zu h�ren.</p><p>�Wurde ich verbannt?� rief Tuan erneut.</p><p>�Ja!� antworteten nun alle.</p><p>�Schimpftet ihr mich nicht Verr�ter?�</p><p>�Ja�, rief die Menge widerwillig.</p><p>�Und doch stehe ich hier, frei und stark und wieder Herr des Hauses Clovis!�</p><p>Niemand focht diese Behauptung an.</p><p>�Und wo sind die wahren Verr�ter, die euch in eine hoffnungslose Schlacht gef�hrt h�tten, wo kaum einer von euch am Leben geblieben w�re? Die Verr�ter, die in meiner Abwesenheit dieses Haus zum Kerker machten? Wo sind sie jetzt, um meine F�hrerschaft zu bestreiten?� Wieder st�tzte er die H�nde auf die H�ften, w�hrend die Menge die Frage aufnahm und sie einander stellte. Eilig befestigte Tom drei Meter des Spinnenfadens an der Verschn�rung des Sp�tters und band das Ende an eine St�tzs�ule der Br�stung. Und als das Gemurmel: �Wo?� und �Der Sp�tter!� lauter wurde, tat er das gleiche mit den drei Hauptleuten.</p><p>Tuan lie� das Gemurmel weiter anschwellen, bis es seinen H�hepunkt erreicht hatte, dann erst gab er Tom das Zeichen. Tom und Rod hoben die gebundenen M�nner �ber die Br�stung, so da� sie paarweise zu beiden Seiten von Tuan in die Tiefe hingen. Der Sp�tter hatte inzwischen das Bewu�tsein wiedererlangt und baumelte, in seinem Versuch freizukommen, hin und her.</p><p>Erschrockenes Schweigen senkte sich auf den Raum herab. Der Mob br�llte wie ein riesiges, hungriges Raubtier und dr�ngte sich nach vorn. Die vordersten Reihen h�pften hoch, um nach den herabh�ngenden F��en zu greifen. Die Menge bedachte den Sp�tter und seine Kumpane mit Fl�chen und den gemeinsten Schimpfw�rtern.</p><p>�Seht sie euch an!� schrie Tuan, und die Meute verstummte. �Seht sie euch an, diese Verr�ter, die ihr eure Herren nanntet. Seht sie euch an, diese Verr�ter und Diebe, die euch all die Freiheit nahmen, die ich f�r euch errungen hatte!� Tom grinste. Seine Augen, die er auf den jungen Lord gerichtet hatten, gl�hten, und er wiegte sich leicht im Takt zu dessen Worten. Wahrhaftig, der Junge schien gewachsen zu sein. �Wurdet ihr nicht herrenlos geboren?� br�llte Tuan. �Ja!� br�llte die Menge einstimmig zur�ck.</p><p>�Ihr wurdet frei geboren! Gewi�, in die Freiheit der Ausgesto�enen und der Armut, aber frei vom Joch der Knechtschaft!�</p><p>�Ja! Ja!�</p><p>�Habe ich euch diese Freiheit geraubt?�</p><p>�Nein! Nein!�</p><p>Ein Buckliger mit einer Binde �ber einem Auge schrie: �Nein, Tuan! Ihr habt uns mehr gegeben!�</p><p>Die Menge tobte. Tuan verschr�nkte die Arme wieder und lie� grinsend dem Jubel ungehindert seinen Lauf. Als er seinen H�hepunkt erreichte, warf er erneut die Arme hoch.</p><p>�Mu�tet ihr f�r eine Liebesnacht erst meine Erlaubnis einholen?�</p><p>�Nein!� br�llten sie.</p><p>�Und ich werde euch auch da weiterhin eure Freiheit lassen!�</p><p>Sie jubelten. Tuan grinste und verbeugte sich fast scheu. Doch dann beugte er sich vor, die H�nde geballt, und rief mit finsterer Stimme: �Aber als ich heute in dieses Haus zur�ckkam, mu�te ich feststellen, da� ihr euch alles, was ich euch gab, von diesen gemeinen Schurken habt stehlen lassen!�</p><p>Die Meute tobte.</p><p>Tuan zuckte mit der Linken. Tom lie� die Trommel heftig dr�hnen. Alle verstummten.</p><p>�Mehr noch, lie�t ihr euch von ihnen nehmen: Das Recht, mit dem ihr geboren ward � die Freiheit der Liebe!�</p><p>Eingesch�chtert von seinem Ton und der erneut aufdr�hnenden Trommel wichen die Anwesenden zur�ck.</p><p>�Und ihr wollt M�nner sein!� Tuan lachte rauh und ver�chtlich.</p><p>Ein neues Gemurmel erhob sich und wurde zu verst�ndlichen Worten: �Wir sind M�nner! Ja, wir sind M�nner! M�nner!�</p><p>�Ja, Tuan!� schrie der ein�ugige Bucklige. �Gebt uns diese baumelnden Halunken, die uns beraubten, dann beweisen wir Euch, da� wir M�nner sind. Wir werden ihnen lebenden Leibes</p><p>die Haut abziehen, sie in St�cke zerrei�en, selbst die Knochen werden wir ihnen zersplittern!�</p><p>Die Meute heulte vor Blutlust.</p><p>Tuan richtete sich hoch auf und l�chelte grimmig. Das Heulen wurde zu einem verlegenen Brummen, aus dem Schuldbewu�tsein sprach und erstarb.</p><p>�Das nennt ihr Mannestum?� sagte Tuan fast leise. �Nein!</p><p>Schwei�hunde sind besser als ihr!�</p><p>Erneut breitete sich ein Gemurmel aus, das lauter und w�tender wurde.</p><p>�Vorsichtig, Tuan!� mahnte Rod fl�sternd. �Wenn Ihr so weiter macht, werden sie uns in St�cke rei�en.�</p><p>�Keine Angst�, erwiderte Tuan genauso leise, ohne die Augen von dem Mob zu nehmen. �Es mu� erst richtig eindringen.�</p><p>Immer lauter wurde das Murmeln. Hier und da hob einer w�tend die Faust und drohte Tuan.</p><p>Tuan warf die Arme hoch und rief: �Aber ich wei�, da� ihr M�nner seid! Gewi�, es gibt solche, die mir widersprechen w�rden, aber ich glaube an euch. Wollt ihr beweisen, da� ihr wahrhaftig M�nner seid?�</p><p>�Ja!� br�llte die Menge. �Ja! Ja!�</p><p>�Wollt ihr k�mpfen?� rief Tuan und sch�ttelte die Faust.</p><p>�Ja!� Blutd�rstig dr�ngte die Meute sich wieder n�her.</p><p>�Ihr wurdet in Schmutz und Elend geboren, zu harter, r�ckenkr�mmender Arbeit! Zu leeren B�uchen und ohne ein Dach �ber euren K�pfen, richtig?�</p><p>�Ja! Ja!�</p><p>�Wer f�llte euch die B�uche? Wer gab euch mit die sem Haus ein Dach �ber eure K�pfe?�</p><p>�Ihr, Tuan!�</p><p>�Ja, ich holte euch aus eurem Elend. Aber wer war schon vor eurer Geburt an an diesem Elend schuld? Wer hat euch Jahrhundert um Jahrhundert tiefer in den Schmutz getreten?�</p><p>�Die Edlen!� br�llte der Bucklige. Sofort griffen die anderen es</p><p>auf. �Die Edlen! Die Edlen!�</p><p>Rod wand sich unter dem Ha�, den sie in dieses Wort steckten.</p><p>�Ja, die Edlen!� best�tigte Tuan und lie� die Meute kurz toben, ehe er weitersprach. �Aber wer unter all den Hochgeborenen ergriff eure Seite? Wer gab euch zu essen, wenn ihr gehungert habt? Wer h�rte euch an? Wer schickte Richter aus, um euch Gerechtigkeit zu bringen, statt der Willk�r der Edlen?�</p><p>�Die K�nigin!� rief er.</p><p>�Die K�nigin!� echoten sie.</p><p>�Sie verschlo� den Edlen ihr Ohr, um euch h�ren zu k�nnen!�</p><p>�Ja!�</p><p>�Aber sie hat Euch verbannt, Euch, unseren Tuan Loguire!�</p><p>schrie der Bucklige.</p><p>Tuan l�chelte. �Hat sie das wirklich? Oder hat sie mich zu euch gesandt, um unter euch zu leben und Gutes zu tun?� Er warf die Arme wieder hoch, und sie br�llten begeistert.</p><p>�Die K�nigin hat euch euer Geburtsrecht wiedergegeben!�</p><p>�Ja!�</p><p>�Seid ihr M�nner?�</p><p>�Ja! Ja!�</p><p>�Werdet ihr k�mpfen?�</p><p>�Ja!�</p><p>�Gegen die Edlen f�r eure K�nigin?�</p><p>�Ja! Ja!�</p><p>Immer lauter wurde das Br�llen. Die Bettler begannen herumzuh�pfen, die M�nner griffen nach den Frauen unter ihnen und wirbelten sie herum.</p><p>�Habt ihr Waffen?� br�llte Tuan.</p><p>�Ja!� Dolche stie�en gl�nzend in die H�he.</p><p>�Dann st�rmt aus dem Haus und durch das S�dtor der Stadt.</p><p>Die K�nigin wird euch Proviant und Zelte geben! Dann setzt euch in Marsch zum Bredenfeld und wartet dort auf die Edlen!</p><p>Und jetzt geht! Geht! F�r die K�nigin!�</p><p>�F�r die K�nigin!�</p><p>Tuan schnippte mit den Fingern. Die Trommel dr�hnte.</p><p>�Signal! Gallowglass!�</p><p>Rod legte das Horn an die Lippen und schmetterte das Signal.</p><p>Die Menge verteilte sich auf die Zimmer und Schlafr�ume, wo sie ihre Waffen und Beuteln holte.</p><p>�Geschafft!� Tuan sprang von der Br�stung auf die Galerie. �In zwei Tagen haben sie das Bredenfeld erreicht!� Er grinste und schlug Tom auf die Schulter. �Wir haben es geschafft, Tom!�</p><p>�Puh!� keuchte Tuan, als Tom ihn wieder loslie�. Er wandte sich an Rod. �Geht Ihr, Freund Gallowglass, zur K�nigin, damit sie ihren Soldaten die n�tigen Befehle erteilt. Ersucht sie, Fleisch, Brot, Bier und Zelte an die Bettler verteilen zu lassen. Und seht zu, da� diese Halunken in die Verliese der K�nigin geworfen werden.� Er deutete auf die vier Baumelnden. �Lebt wohl!� Und schon sprang er die Stufen hinunter.</p><p>�Heh, wartet!� br�llte Rod ihm nach. �Was habt Ihr vor?�</p><p>�Ich mu� meine Leute zum Bredenfeld begleiten�, rief Tuan zur�ck, �sonst pl�ndern sie unterwegs alles kahl wie die Heuschrecken und bringen sich bei der Verteilung der Beute auch noch um. Versichert Catherine meiner�� Ein Schatten huschte �ber sein Gesicht. �� Loyalit�t.�</p><p>Und schon rannte er dem Mob voran, der aus dem Tor quoll.</p><p>Rod und Tom tauschten einen Blick aus, dann eilten sie zum flachen Dach hoch, von wo aus sie die singende Meute beobachteten, die Tuan folgte.</p><p>�Glaubst du, er braucht Hilfe?� murmelte Rod.</p><p>Tom starrte ihn erstaunt an. �Er, Herr? Nein, wohl eher, die, die sich gegen ihn stellen wollen, mit dieser Armee in seinem R�cken.�</p><p>�Aber er ist nur einer, Tom! Einer, der zweitausend k�rperliche und seelische Kr�ppel f�hrt!�</p><p>�Zweifelt Ihr jetzt noch an seinen Kr�ften, Meister? Nach</p><p>allem, was Ihr hier gesehen und geh�rt habt?�</p><p>�Nein.� Rod sch�ttelte den Kopf. �Es gibt mehr Hexerei in diesem Land, als ich ahnte, Tom.�</p><p>�Weckt die K�nigin und sagt ihr, wir warten im Audienzsaal�, befahl Brom der eilig geweckten Leibmagd. �Schnell!�</p><p>Er schlug die T�r zu und drehte sich zum Kamin um, wo Rod mit Toby sa�, der mit nur einer Stunde Schlaf nach einer sehr ausgedehnten Hexenparty die Augen kaum offenzuhalten vermochte.</p><p>�Nat�rlich�, murmelte er mit dicker Stimme, �wollen wir der K�nigin auf jede uns m�gliche Weise helfen, aber was k�nnten wir in einer Schlacht schon nutzen?�</p><p>��berla� das mir.� Rod l�chelte. �Ich werde etwas f�r euch zu tun finden. Du sorgst inzwischen daf�r, da� die Hexen der K�nigin sich auf dem Bredenfeld einfinden, sagen wir in�</p><p>Was meinst du, Brom O'Berin?�</p><p>�In drei Tagen. Wir brechen bei Morgengrauen auf und marschieren etwa drei Tage.�</p><p>Toby nickte. �Wir werden dort sein, meine Herren. Und nun, wenn Ihr mich entschuldigen w�rdet?� Er erhob sich, sank jedoch mit einem leisen Aufschrei auf den Stuhl zur�ck und pre�te die H�nde an den Kopf.</p><p>�Langsam, langsam, Junge. Ist wohl dein erster Kater?�</p><p>�O nein.� Toby blickte Rod mit rotunterlaufenen Augen an.</p><p>�Aber es ist das erstemal, da� ich wach bin, wenn der Rausch sich zum Kater wandelt. Entschuldigt��</p><p>Die Luft brauste in ihren Ohren, als sie den Raum einnahm, wo Toby sich gerade noch befunden hatte. Rod sah Brom kopfsch�ttelnd an. �Diese Teleporter!�</p><p>Der Zwerg runzelte die Stirn. �Tele-was?�</p><p>�Uh�� Rod fluchte insgeheim �ber seinen Ausrutscher. �Ich nehme an, er ist wieder in sein Bett zur�ckgekehrt. Er kann also hier verschwinden und dort wieder erscheinen.�</p><p>�Ja, so schnell wie der Gedanke.�</p><p>Rod nickte. �Das wu�te ich, Und gerade das kann uns von Nutzen sein.�</p><p>�Was hast du mit ihnen vor, Rod Gallowglass?�</p><p>�Ich wei� es noch nicht. Vielleicht lasse ich sie Federn in die R�stungen der Ritter aus dem S�den zaubern. Dann sterben sie vor Lachen.�</p><p>�Du wei�t also noch gar nicht, wozu du sie einsetzen willst und befiehlst sie trotzdem auf das Schlachtfeld?�</p><p>�Ja. Ich glaube, ein wenig Hexerei kann manchmal recht n�tzlich sein.�</p><p>�O ja.� Brom l�chelte verschmitzt. �Sie hat dir zweimal das Leben gerettet, nicht wahr?�</p><p>Rod starrte ihn an. �Sie? Wer, sie? Wen meinst du?�</p><p>�Gwendylon, wen sonst?�</p><p>�Du kennst sie? Ja, nat�rlich. Sie steht ja auf ziemlich gutem Fu� mit den Elfen, au�erdem hat sie dich auch geholt, uns aus dem Verlies zu befreien.�</p><p>�Sag mir, liebst du sie?� fragte Brom pl�tzlich ernst.</p><p>�Lieben? Was geht das dich an?�</p><p>Brom winkte ungeduldig ab. �Es geht mich etwas an, lassen wir es dabei bewenden. Liebst du sie?�</p><p>�Ich lasse es nicht dabei bewenden!� Rod richtete sich in seiner Ehre gekr�nkt auf.</p><p>�Ich bin der Elfenk�nig!� schnaubte Brom. �Geht mich da nicht alles an, was die m�chtigste Hexe in Gramayre betrifft?�</p><p>�Die m�chtigste Hexe von Gramayre?� echote Rod erschrocken.</p><p>Brom l�chelte s�uerlich. �Wu�test du das nicht? Also, gestehe jetzt: liebst du sie?�</p><p>�Nun � uh � ich � uh, ich wei� es nicht.� Rod st�tzte den Kopf in beide H�nde. �Ich meine � uh � es ist so pl�tzlich � ich��</p><p>�Du mu�t doch schlie�lich wissen, ob du sie liebst oder nicht!�</p><p>knurrte Brom ungeduldig. �Kennst du denn dein eigenes Herz nicht?�</p><p>�Nun, da ist die Aorta, die Pulmonalklappe, die��</p><p>�Ich will wissen, ob du sie liebst!� donnerte Brom.</p><p>�Woher soll ich es wissen!� br�llte Rod genauso w�tend zur�ck. �Frag doch mein Pferd!�</p><p>Ein zitternder Page steckte den Kopf durch die T�r. �Meine Lords, Ihre Majest�t, die K�nigin!�</p><p>Rod und Brom wirbelten herum und verbeugten sich.</p><p>�Nun, Mylords�, sagte Catherine ungehalten und lie� sich beim Feuer nieder. �Welche wichtige Neuigkeit habt ihr, da� ihr mich so fr�h aus den Federn rei�t?�</p><p>�Das Haus Clovis hat die Waffen ergriffen und marschiert s�dw�rts�, informierte Rod sie.</p><p>Catherine schlo� die Augen. �Der Himmel sei gepriesen!�</p><p>�Und Tuan Loguire!� sagte Rod.</p><p>Sie starrte ihn an. �Ja, und Tuan Loguire�, echote sie widerstrebend.</p><p>�Ihr m��t sie mit Proviant versorgen, damit sie unterwegs nicht das Land pl�ndern. Und ein Kurier sollte die Soldaten unterrichten, da� sie auf unserer Seite sind.�</p><p>�Ja, nat�rlich�, murmelte sie. Sie schaute in das Feuer. �Es ist seltsam, da� die, die am meisten gegen mich schrien, jetzt f�r mich k�mpfen��</p><p>Rod schaute sie mit einem ironischen L�cheln an.</p><p>�Tuan��, fl�sterte sie.</p><p>Brom r�usperte sich. �Und ich habe heute nacht mit dem Elfenk�nig gesprochen. Er stellt uns seine gesamten Legionen zur Verf�gung.�</p><p>Sie war wieder ihr altes Selbst. �Elfenlegionen, Brom O'Berin?� sagte sie s�uerlich.</p><p>�Untersch�tzt sie nicht.� Rod rieb sich den Hinterkopf und dachte an den Hieb, den er dort abbekommen hatte, und an den eingefangenen Werwolf. �Und dazu haben wir auch noch Euren eigenen Hexenzirkel��</p><p>�Und die m�chtigste Hexe von ganz Gramayre�, brummte Brom.</p><p>�Ja, und sie alle sind bereit, dem einzigen Herrscher der Geschichte, der Hexen je sch�tzte, zu helfen.�</p><p>Catherines Augen gl�nzten und schienen in weite Ferne zu blicken. �Wir werden siegen�, fl�sterte sie. �Wir werden siegen.�</p><p>�Nun, mit allem Respekt, Eure Majest�t, aber bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen. Sagen wir, wir haben eine gute Chance.�</p><p>Das Bredenfeld war ein Delta, offen im S�den, aber im Norden durch die M�ndung von zwei Fl�ssen geschlossen. Ein Dickicht von B�schen und B�umen, entlang der beiden Flu�ufer, begrenzte das Feld, das mit hohem Gras und Lavendel �berwuchert war. Doch davon war jetzt wenig zu sehen, denn dichter Nebel hing bis auf den Boden.</p><p>Tuan, der die H�nde am Lagerfeuer w�rmte, murmelte d�ster: �Dieses Wetter schl�gt sich auf das Gem�t der Truppen.�</p><p>Rod hob eine Braue und lauschte der lauten Lustbarkeit, die von der Abteilung der Bettler zu ihm drang. Auch die Hexen waren mehr als vergn�gt, denn sie hatten des Wetters wegen mit ihrer �blichen Party schon gegen Mittag begonnen.</p><p>�Hm�, brummte er. �H�rt sich gar nicht so an. Aber macht Euch keine Sorgen, Tuan, die Pr�kog� uh � Hexen meinen, es w�rde morgen ein herrlicher, sonniger Tag.�</p><p>�St. Georg sei gepriesen, da� wir nicht vorher k�mpfen m�ssen.� Tuan h�llte sich fr�stelnd enger in seinen Umhang.</p><p>Broms Miniaturspione hatten gemeldet, da� die S�dtruppen sich noch einen halben Tagesritt entfernt befanden. Catherine war mit Brom und ihrer Armee gestern abend angekommen, und die Bettler ruhten sich bereits einen ganzen Tag aus und waren kaum noch zur�ckzuhalten, dem Feind entgegenzumarschieren. Tuan mu�te seine ganze Autorit�t aufbieten, sie zu bremsen.</p><p>�Ich sehe eigentlich nicht ein�, sagte Rod und zupfte an seiner</p><p>Lippe, �weshalb wir bis morgen warten sollten. Wir k�nnten ihnen doch w�hrend der Nacht einen Hinterhalt stellen, solange sie ihre Truppen zusammenziehen.�</p><p>�Ein Nachtangriff!� rief Tuan sichtlich erschrocken.</p><p>�Warum nicht?� Sie werden m�de vom langen Marsch sein, und wissen nicht, wo wir uns befinden. Wir h�tten eine viel gr��ere Chance, zu siegen.�</p><p>�Ja, genau wie man eine gr��ere Chance hat, einen Mann zu t�ten, wenn man ihn erschl�gt, w�hrend er auf dem Boden liegt!�</p><p>Rod seufzte. �Ich dachte, das Wichtigste bei einem Kampf ist, zu gewinnen?�</p><p>�Ja, aber nicht mit solch gemeinen Mitteln. Wer w�rde einer K�nigin treu bleiben, die ihre Macht auf solche Weise aufrechterh�lt?�</p><p>Das war der Kern der Sache, mu�te Rod zugeben. Prestige war auf Gramayre alles, und Ehre war der Eckstein des Prestiges.</p><p>�Ihr m��t wissen, was Ihr tut�, sagte er seufzend. �Schlie�lich seid Ihr derjenige, der mit Menschen umzugehen versteht.�</p><p>Tuan l�chelte traurig und sch�ttelte den Kopf. �Freund Rod, ich habe kein Geschick im Regieren.�</p><p>Rod gestattete sich eine skeptische Miene. �Vielleicht nicht, aber Ihr seid ein verdammt guter F�hrer.�</p><p>�Ho!� polterte eine Stimme. Rod drehte sich um und schaute der m�chtigen Gestalt entgegen, die sich aus dem Nebel l�ste.</p><p>�Alle gl�cklich da dr�ben?�</p><p>�Und wie, Meister. Sie haben ihr ganzes Leben nie solchen Wein getrunken oder soviel davon�, versicherte ihm Tom.</p><p>�Hmmm.� Rod zupfte an der Lippe. �Roll die F�sser lieber bald weg. Wir k�nnen sie so kurz vor der Schlacht nicht betrunken brauchen!�</p><p>�Nein!� widersprach Tuan fast automatisch, wie Rod bemerkte.</p><p>�La� sie trinken, soviel sie wollen, dann schlafen sie eher ein.</p><p>Am fr�hen Morgen wecken wir sie, geben jedem einen Krug voll oder auch zwei � dann k�mpfen sie wie die Teufel.�</p><p>Rod mu�te zugeben, da� Tuan damit nicht unrecht hatte.</p><p>Feinheiten oder Taktik verlangten sie ja von den Bettlern nicht, Hauptsache, sie fielen �ber den Feind her.</p><p>Vereinzelte Leuchtpunkte, die Wachfeuer der k�niglichen Streitkr�fte, spitzten durch den n�chtlichen Nebel. Weitere Lichtpunkte n�herten sich aus dem S�den, wo die Edlen und ihre Ratgeber ihre Truppen heranf�hrten. Von der Nordwiese war rauhes Gel�chter, zungenschwere Wortfetzen und dumpfe Musik zu h�ren. Die Bettler befolgten dort erfreut den Befehl, sich so schnell vollaufen zu lassen, wie nur m�glich. Aber mi�billigendes Schweigen herrschte auf dem Hang jenseits des Flusses, wo Catherines Soldaten n�chtern unter ihre Decken krochen.</p><p>Nur in Catherines Zelt fand dieses Schweigen keinen Einla�.</p><p>�Nein und nochmals nein!� rief die K�nigin und stapfte w�tend auf und ab. Abrupt blieb sie stehen. �Ich will keine Widerspr�che mehr h�ren! Ich reite morgen fr�h an der Spitze meiner Armee, basta!�</p><p>Rod und Brom tauschten Blicke. Tuans Gesicht war tief rot vor �rger, Ohnmacht und Sorge.</p><p>�Und nun la�t mich allein!� befahl Catherine.</p><p>Widerstrebend zogen die M�nner sich mit einer Verbeugung zur�ck. Au�erhalb des Zeltes knurrte Brom: �Sie l��t sich einfach nichts sagen und mu� ihren Kopf durchsetzen. Uns dreien bleibt nichts �brig, als sie zu besch�tzen und den Schlachtplan Sir Maris zu �berlassen.�</p><p>�Der sicherste Weg zur Niederlage!� brummte Rod. �Seine Vorstellung von einer Schlachtaufstellung ist so �berholt wie die Phalanx.�</p><p>Brom seufzte und rieb sich die Augen. �Aber wie ich sagte, ich werde notfalls an ihrer Seite sterben. Doch vielleicht bleiben wir am Leben, denn ich habe einen kleinen Plan�</p><p>Er stapfte in die Dunkelheit, ehe sie ihn danach befragen konnten, woraus Rod schlo�, da� dieser �Plan� lediglich daraus bestand, ihm und Tuan allein durch seine Erw�hnung Mut zu machen.</p><p>�Wir werden bei ihrer Verteidigung sterben�, fl�sterte Tuan bleich und abgespannt. �Aber wenn wir nicht mehr sind, wird auch sie sterben, und das m�chte ich nicht.� Hoffnungslos hob er die H�nde. �Aber was kann ich tun?�</p><p>�Nun�� Rod spitzte die Lippen und schaute �ber die Schulter auf das beleuchtete Zelt. �Ich w��te einen sicheren Weg, da� sie morgen nicht reitet��</p><p>Tuans Gesicht leuchtete auf. �Sprecht, so sprecht!�</p><p>�Seht zu, da� sie am Morgen nicht sitzen kann.�</p><p>Tuan starrte ihn an. Langsam r�teten sich seine Wangen, um gleich wieder zu erblassen. Bebend stammelte er: �Wa-as � was meint � Ihr damit?� Seine Stimme klang drohend. Er hob eine zitternde Faust.</p><p>Rod betrachtete ihn stirnrunzelnd. �Versohlt sie! Versohlt sie so ausgiebig, da� sie bis n�chsten Sonntag auf dem Bauch liegen mu�. Anders l��t es sich nicht machen.�</p><p>Tuan lie� die Faust fallen. Farbe kehrte in sein Gesicht zur�ck.</p><p>�Oh�, murmelte er und wandte sich ab. �Hm, es w�rde vielleicht gar nicht schaden.�</p><p>�Es gibt nur diese eine M�glichkeit, wenn Ihr nicht wollt, da� sie stirbt.�</p><p>Tuan nickte. Energisch drehte er sich zum Zelt der K�nigin um, und straffte die Schultern. �Dann werde ich es tun.</p><p>Verzeiht meinen �rger, Freund Gallowglass, aber einen Moment dachte ich, Ihr meintet � etwas anderes.�</p><p>Tief Luft holend setzte er sich in Bewegung. Am Zelteingang hielt er kurz an, nickte den Wachen zu, straffte erneut die Schultern und stapfte hinein.</p><p>Rod grinste und machte sich zum Lager der Hexen auf den Weg. Gwendylon materialisierte im wahrsten Sinne des Wortes aus der Dunkelheit. Sie l�chelte scheu. �Wor�ber am�siert Ihr Euch so, Mylord?�</p><p>Rod grinste noch breiter, fa�te sie um die Mitte und schwang sie hoch zu einem sehr ausgedehnten Ku�.</p><p>�Mein Lord!� Sie err�tete und strich ihr Haar zur�ck.</p><p>Die Nachtluft trug ein pl�tzliches klatschendes Ger�usch zu ihnen, das von Kreischen und Schreien begleitet wurde.</p><p>Die Wachen am Zelt zuckten hoch, dann drehten sie sich dem Eingang zu. Eine streckte die Hand aus, um die Lasche zur�ckzuziehen, aber die andere hielt sie zur�ck und rief: �Ben�tigt Eure Majest�t Hilfe?�</p><p>�Drau�enbleiben!� schrie eine schmerzverzerrte Stimme. �Bei eurem Leben! Wagt es nicht, einzutreten!�</p><p>Die Wachen wechselten verwirrte Blicke, zuckten die Schultern und stapften zu ihren Posten zur�ck, allerdings nicht, ohne nerv�s �ber die Schulter zu schauen.</p><p>Die Schreie klangen ged�mpfter und wurden zu Schluchzen.</p><p>Die klatschenden Laute verstummten v�llig. Und dann war alles still.</p><p>Rod blickte zu Gwen hinunter. �Wor�ber am�sierst du dich jetzt?�</p><p>Sie widmete ihm einen Blick aus den Augenwinkeln. �Ich sagte Euch doch, Mylord, da� ich alle Gedanken, au�er Euren h�ren kann.�</p><p>�Und?�</p><p>�Nun, ich h�re sehr gute Gedanken aus dem Zelt.�</p><p>Die Lichter im Zelt erloschen.</p><p>Gwendylon kicherte und drehte sich um. �Kommt, mein Lord.</p><p>Es w�re unpassend, noch weiter zu lauschen. Auch m��t Ihr heute nacht fr�h zu Bett.�</p><p>�Wach auf, Rod Gallowglass!� Etwas zerrte an seiner Schulter.</p><p>Rod knurrte und plagte sich, die Lider zu heben. �Was zum Teufel�� Er hielt inne, als er Brom erkannte.</p><p>�Zieh dich an und komm mit�, brummte der Zwerg.</p><p>�Ich schlafe gew�hnlich in der Nacht vor einer Schlacht nicht</p><p>nackt.� Vorsichtig erhob Rod sich, um Gwendylon nicht zu wecken. Z�rtlich blickte er zu ihr hinab und dr�ckte einen sanften Ku� auf ihre Wange. Sie murmelte etwas im Schlaf und l�chelte.</p><p>Rods Z�ge verh�rteten sich, als er Brom folgte, der bereits durch den vormorgendlichen Nebel stapfte und ihm barsch zuwinkte.</p><p>�Also, was ist passiert?� knurrte Rod, als er Brom einholte.</p><p>�Sei jetzt still!� schnaubte der Zwerg und �ffnete den Mund nicht mehr, bis sie den H�gel hoch �ber den Zelten erklommen hatten. Erst da drehte er sich wild zu Rod herum und fuhr ihn an. �Sag es mir endlich! Liebst du sie?�</p><p>Verbl�fft, aber v�llig ruhig sagte Rod: �Du hast mich aufgeweckt, nur um mich das zu fragen?�</p><p>�Es ist wichtig f�r mich!� donnerte Brom. �Liebst du sie?�</p><p>Rod verschr�nkte die Arme. �Was, zum Teufel, geht das dich an?�</p><p>Brom schaute weg. Seine Kiefer knirschten, und als er endlich sprach, war es, als w�rde ihm jedes Wort entrissen.</p><p>�Sie ist meine Tochter, Rod Gallowglass!�</p><p>Er blickte zu Rods entgeistertem Gesicht hoch, und ein sp�ttischer Zug huschte �ber seine Miene. �Es f�llt dir wohl schwer, das zu glauben, eh?� Er drehte sich um und blickte �ber das Tal. Mit der Erinnerung wurde seine Stimme weich und nachdenklich.</p><p>�Sie war nur eine K�chenmagd in der Burg des K�nigs, Rod Gallowglass � aber ich liebte sie. Klein war sie, nicht viel mehr als halb so gro� wie andere Frauen, und doch einen Kopf gr��er als ich. Und sterblich, viel zu sterblich.</p><p>Und sch�n war sie, so sch�n! Auch wenn es seltsam erscheinen mag, obwohl sie so klein war, begehrten viele M�nner am Hof sie. Doch sie liebte mich�� Seine Stimme klang verwundert und fast ehrf�rchtig. �Sie als einzige von allen lebenden Frauen, ob Elfe oder Sterbliche, sah mich nicht als Zwerg,</p><p>Troll, Elf oder K�nig � nur als Mann. Und sie begehrte mich � und liebte mich��</p><p>Er seufzte. �Ich liebte sie, Rod Gallowglass, ich liebte nur sie, und wir hatten ein Kind zusammen.�</p><p>Sein Gesicht verdunkelte sich. Er faltete die Finger hinter seinem R�cken und starrte finster auf den Boden. �Als sie wu�te, da� sie schwanger war, und die Zeit verging und ihr Leib bald so angeschwollen sein w�rde, da� jeder es erkennen und sie mit grausamen Schmerzen qu�len w�rde, obgleich wir verheiratet waren, schickte ich sie in den Wald zu meinem Volk. Mit Elfen und Gnomen als Hebamme gebar sie ein wundersch�nes, l�chelndes Kind, ein Halbelflein.�</p><p>Seine Augen gl�nzten feucht, als er fortfuhr: �Sie starb. Als ihre Tochter zwei Jahre alt war, starb sie an einem Fieber. Wir begruben sie unter einem Baum im Wald. Jedes Jahr besuche ich ihr Grab��</p><p>Er hob den Blick zu Rod. �Aber ich hatte noch das Kind. Doch was sollte ich mit der Kleinen tun? Sie selbst aufziehen und wissen lassen, da� ihr Vater ein knorriger Zwerg ist, und sie so dem Spott der Menschen aussetzen, bis sie mich verabscheute?</p><p>Nein, sie wuchs im Wald auf, besch�tzt von den Elfen. Sie kannte das Grab ihrer Mutter, doch von ihrem Vater wei� sie auch jetzt nichts.�</p><p>Rod �ffnete den Mund, aber Brom wehrte ihn ab. �Sei still! Es war und ist besser so. Und wenn sie es je von dir erf�hrt, Rod Gallowglass, dann rei� ich dir die Zunge an der Wurzel aus und s�ble dir beide Ohren ab!�</p><p>Mit steinernem Gesicht musterte Rod ihn, aber er wu�te nicht, was er sagen sollte.</p><p>�Und deshalb wirst du es mir jetzt sagen!� Brom stemmte die F�uste in die H�ften und hob das Kinn. �Wisse, da� ich halbmenschlich bin und darum get�tet werden kann � und es k�nnte leicht sein, da� ich heute noch sterbe!� Seine Stimme wurde leiser. �Also, sag einem armen, besorgten Vater: liebst du sein Kind?�</p><p>�Ja�, antwortete Rod leise. Und dann: �Also war es kein Zufall, da� ich ihr auf meinem Ritt in den S�den begegnete?�</p><p>Brom l�chelte s�uerlich. �Nat�rlich nicht!�</p><p>Der Himmel f�rbte sich mit dem ersten Rot des Morgens, und der Nebel l�ste sich auf, als Rod in das Lager der Bettler ritt, um sie zu wecken. Aber Tuan war schon vor ihm dort. Er sch�ttelte jeden einzeln wach. Soldaten mit einer Riesenkanne Gl�hwein begleiteten ihn und dr�ckten jedem einen Becher der dampfenden Fl�ssigkeit in die Hand.</p><p>Tuan blickte hoch, sah Rod und kam mit ausge streckten Armen und einem breiten Grinsen auf ihn zu. Er schlug ihm auf die Schulter und zerquetschte ihm fast die Hand. Eine tiefe, �berstr�mende Zufriedenheit sprach aus seinen Augen.</p><p>�Meinen Dank, Freund Rod�, sagte er. �Wollt Ihr mein Leben?</p><p>Ihr d�rft es haben! So tief stehe ich in Eurer Schuld!�</p><p>Tuan schien im Bettlerlager alles gut im Griff zu haben, also lenkte Rod Gekab zu den Reihen der Hexen. Auch hier war alles in bester Ordnung. Die K�rbe mit Gurten standen bereit, und der Morgentrunk wurde ausgeschenkt. Es war ein starkes Getr�nk, eine Art Teekonzentrat mit ein wenig Weinbrand. Es erf�llte seinen Zweck als Stimulanz, indem es die Hexenkr�fte zur h�chsten Wirkung brachte.</p><p>Die Elfen waren �berall im ganzen Lager und verteilten Talismane und Amulette an alle, die sie haben wollten. Hexen oder nicht Hexen, argumentierten die Kleinen, es war nie falsch, sicherzugehen. Die Gl�cksbringer konnten nicht schaden, im Gegenteil, vielleicht�</p><p>F�r Rod gab es im Augenblick nichts zu tun, also ritt er Gwendylon suchen. Er fand sie inmitten einer Gruppe Hexen, alter Hexen f�r gramayresche Begriffe, sie waren bestimmt schon alle in den Zwanzigern. Gwendylon schien ihnen etwas zu erkl�ren. Mit ernster Miene kratzte sie mit einem Stock Zeichen in den Boden. Die anderen klebten an ihren Lippen,</p><p>als hinge von jeder Silbe ihr Leben ab. Es schien also nicht gerade der richtige Zeitpunkt, sie zu st�ren So wendete Rod und ritt aus dem Lager hinaus auf das Bredenfeld. Die ersten Sonnenstrahlen vertrieben die letzten Nebelschwaden. Das Gras war noch feucht und kalt vom Tau, der Himmel klar und blau. Am S�drand der weiten Ebene spiegelte die Sonne sich auf Speerspitzen und gl�nzenden R�stungen. Der Wind trug metallisches Klirren, Wiehern und den dumpfen L�rm eines erwachenden Kriegslagers herbei. Auch die Ratgeber waren fr�h auf.</p><p>Hufgedr�hn erschallte hinter Rod. Er drehte sich um. Ein Page kam �ber die Wiese auf ihn zugaloppiert. �Ihr m��t zur K�nigin kommen, Meister Gallowglass!� rief er atemlos. �Lord O'Berin und die Lords Loguire sind bereits bei ihr!� Der Kriegsrat war schnell vorbei. Er war nichts weiter als eine kurze Summierung bereits besprochener Pl�ne, ein kurzes Gebet, und die Erkl�rung Catherines, doch nicht mit ihren Soldaten zum Sturm zu reiten. Rod war aufgefallen, da� sie w�hrend der ganzen Sitzung, so paradox es auch klang, gestanden hatte.</p><p>Und dann begaben sich alle auf ihre Posten. Sir Maris in der Mitte, Herzog Loguire an der rechten Flanke, und Rod an der linken. Brom w�rde mit Catherine und Gwendylon auf der H�gelkuppe bleiben, um die gesamte Schlacht zu leiten � ein Vorschlag Rods, den Brom ohne Vorbehalt angenommen hatte. Der Zwerg war zwar ein gewaltiger K�mpfer, aber seine Beine waren nicht lang genug, sich beim Gefecht im Sattel zu halten. Tom, dem man die Wahl gelassen hatte, mit den Bettlern oder an Rods Seite zu k�mpfen, entschied sich f�r letzteres, vermutlich, weil er mitten im Schlachtget�mmeln sein wollte. Tuan blieb nat�rlich bei seinen Bettlern.</p><p>Als Tuan sich in den Sattel schwang, hielt Catherine ihn mit einer Hand auf seinem Knie zur�ck. Rod sah, da� sie ein St�ck Seidenschleier um Tuans Oberarm band. Dann hob sie fast</p><p>flehend die H�nde zu ihm. Tuan griff nach ihnen, dr�ckte sie an die Lippen, dann beugte er sich hinab, um das M�dchen auf den Mund zu k�ssen. Die K�nigin blickte ihm nach, als er zu seiner zerlumpten Armee ritt. Rod warf noch einen letzten Blick auf Gwendylon, die neben dem Zelt der K�nigin stand, dann trabte er zur linken Flanke. Er war der einzige Reiter, der ohne Brustpanzer in den Kampf zog.</p><p>Plattenpanzer, wie er im vierzehnten Jahrhundert auf der Erde �blich gewesen war, war zu beiden Seiten des Feldes zu finden, aber die Streitkr�fte des S�dens waren zu einem dichten, schimmernden Wall formiert, w�hrend Catherines Ritter in einem Abstand von jeweils zwanzig Metern �ber die ganze L�nge der Feindlinie verteilt waren.</p><p>Aber es gibt ein paar L�cken, dachte Rod. Und die einzelne Reihe Fu�soldaten hinter den Rittern der K�nigin war ein wenig mager, verglichen mit der dichtgeballten Masse hinter den Rebellenlords. Nein, es war wirklich kein sehr hoffnungerweckender Anblick. Doch es gab noch die Bettler, die Hexen und die Elfen � von diesen drei Gruppen war nichts zu sehen.</p><p>Die Rebellen w�rden einige sehr unangenehme �berraschungen erleben!</p><p>Am S�dende des Feldes erschallte ein Horn. Die Rebellenritter legten ihre Lanzen ein. Die Ritter der K�nigin taten es ihnen gleich. Die Pferde sch�ssen vorw�rts. Das Hufgedr�hn wurde zum Donnern einer Lawine, als die beiden Metallreihen sich einander n�herten. Und als sie sich fast erreicht hatten, zog die Nordreihe sich zusammen, bis die Ritter Schulter an Schulter in der Mitte ritten.</p><p>Jubelrufe erschallten aus den Rebellenreihen, als sie den leichten Sieg vorhersahen, denn es war ein Kinderspiel f�r die Flanken der Rebellen, um die Nordlinie zu fegen und so die Streitkr�fte der K�nigin in die Zange zu nehmen.</p><p>Die Ritter der K�nigin stie�en mit einem metallischen Krachen auf das Zentrum der Rebellenlinien. Reiter st�rzten von den Pferden, Blut spritzte, aber die Mitte der Linie hielt.</p><p>Mit siegessicherem Gebr�ll schwangen die Rebellen nach beiden Seiten, um die Nordtruppen in die Zange zu nehmen�</p><p>Aber ihr Siegesgebr�ll wurde zu wilden Schreckens schreien, als der Boden unter den Hufen ihrer Pferde nachgab und sie mitsamt Reiter in einem zwei Meter tiefen Graben landeten.</p><p>Die Elfen hatten gute Nachtarbeit geleistet.</p><p>Die Fu�soldaten kamen zur Rettung ihrer Lords herbeigerannt, doch nun brachen die Bettler mit einem Kriegsgeheul zwischen den B�umen an den Seiten des Feindes herbei. Sie schwangen Dolche, Schwerter und Keulen und fielen voll Begeisterung �ber die Soldaten her.</p><p>Doch immer noch war der Feind zahlenm��ig st�rker.</p><p>Nur traten jetzt die Luftstreitkr�fte in Aktion. Gruppen von jeweils vier levitierenden Hexern, denen gerade der erste Bart spro�, trugen einen Korb, in dem eine telekinetische Hexe sa�.</p><p>Die jugendlichen Hexer sch�ssen aufs Geratewohl Pfeile in die feindlichen Linien. Sie hatten ihre H�nde dazu frei, denn der Korb wurde von Ledergurten um ihre Mitte gehalten. Steine flogen aus den K�rben, von den Hexern so gelenkt, da� sie mit mehr als bet�ubender Wirkung ihr Ziel trafen. Aus den Reihen der S�dtruppen schwirrten Pfeile zu ihnen hoch, aber die Hexen lenkten sie ab und manchmal gelang es ihnen auch, sie zu ihren Absendern zur�ckzuschicken.</p><p>Die geordnete Schlacht wurde zum chaotischen Handgemenge.</p><p>Aber die S�dritter hatten immer noch mehr als alle H�nde voll zu tun. Der Ehrenkodex verlangte, da� nur ein Ritter gegen einen Ritter k�mpfte. Ein Fu�soldat konnte, nur weil er es versuchte, zum Tod verurteilt werden, und der Himmel mochte ihm gn�dig sein, wenn er es nicht nur versuchte, sondern einen Ritter garbesiegte!</p><p>Catherines Ritter k�mpften sich ihren Weg vom Zentrum der Rebellenlinien nach au�en. Viele verloren ihr Leben dabei, aber der Prozentsatz der Verluste in den Rebellenreihen war h�her, denn Catherine, genau wie ihr Vater vor ihr, hatte es f�r richtig gehalten, es ihren Rittern bei der Ausbildung an nichts fehlen zu lassen.</p><p>Toby, der junge Hexer, tauchte pl�tzlich in der Luft �ber Rod auf. �Master Gallowglass! Herzog Loguire ist in arger Bedr�ngnis! Ihr m��t ihm zu Hilfe kommen!� Er war so schnell verschwunden, wie er erschienen war. Das war vielleicht nicht die beste Art der Nachrichten�bermittlung, aber jedenfalls besser als die der Rebellen.</p><p>Rod erledigte seinen augenblicklichen Gegner mit der linken Hand und lenkte Gekab aus dem Handgemenge. Er ritt zum anderen Ende der Linie, wo eine d�rre Gestalt in Panzerr�stung sich mit einem gl�henden Schwert einen Weg durch die Truppen zu Lord Loguire gebahnt hatte. Einer der Ratgeber versuchte also, den Sieg herbeizuf�hren, indem er die F�hrerschaft eliminierte. Ein merkw�rdiges Strahlen ging von dem Schwert aus. Rod wu�te nicht, was es war, aber es war zweifellos etwas ungemein Wirkungsvolles, das hier als Schwert getarnt war.</p><p>Mitten durch das blutige Gemetzel zwischen Bettlern und Soldaten k�mpfte er sich hindurch. Loguire konnte gerade noch den Schild hochsto�en, um das Strahlenschwert abzuwehren.</p><p>Der Hieb durchtrennte lautlos den Schild, verfehlte jedoch gl�cklicherweise das Herz. Der alte Lord schrie schmerzerf�llt auf, als die Hitze durch Schild und Panzerr�stung drang und seine Haut ansengte.</p><p>Diesen Augenblick nutzte der Ratgeber. Er schwang sein Schwert zum t�dlichen Hieb.</p><p>Gekab rannte mit voller Kraft gegen das Tier des Ratgebers.</p><p>Das Ro� ging zu Boden, der ausgemergelte Kleine flog erschrocken aufbr�llend durch die Luft, und das Schwert entglitt seinen Fingern.</p><p>Die Soldaten sprangen der gl�henden Waffe furcht erf�llt aus dem Weg, w�hrend Rod herumwirbelte und den Ratgeber von Gekabs Hufen t�ten lie�. Der Bursche stie� einen schnell ersterbenden Schrei aus, der in Rods Sch�del nachhallte. Nun meldete sein Gewissen sich doch, aber er beschlo�, zumindest bis zum Ende der Schlacht nicht darauf zu achten. Als er die Soldaten �ngstlich �Hexerei!� rufen h�rte, drehte er sich zu ihnen um. �Nein, nur Magie!� beruhigte er sie, schwang sich aus dem Sattel, griff nach dem gl�henden Schwert, und sa� eilig wieder auf. Er warf die Klinge mit dem Griff voraus Loguire zu, der sie mit einer Dankesbezeigung auffing. Rod kehrte zu seiner Linie zur�ck, w�hrend ringsum die Schlacht heftig tobte und die Esper/Hexen sich in der Luft zur�ckzogen, denn es war nun so gut wie unm�glich, den Feind zu treffen, ohne den Freund in Mitleidenschaft zu bringen. Die Bettler waren mit ihrer Kampfweise und Skrupellosigkeit den Soldaten weit �berlegen. Gewi�, auch von ihnen fanden viele den Tod, doch nicht ohne zumindest f�nf oder sechs der Feinde ins Jenseits bef�rdert zu haben.</p><p>Rod wollte sich gerade nach Tom umsehen, als er ihn hinter den Rebellenlinien br�llen h�rte: �Zu mir! Zu mir!� Zumindest tausend der Bettler h�rten seinen Ruf und hieben sich einen Weg durch die Reihen der S�dtruppen, und unterwegs schl�ssen sich ihnen immer mehr ihresgleichen an. Tom hatte ein ganz bestimmtes Ziel. Mitten im Zentrum der Schlacht arbeiteten zwanzig Vogelscheuchen von M�nnchen verzweifelt daran, eine Maschine aufzubauen. Rod klopfte mit den Fersen gegen Gekabs Seiten, und der Roboter sprang, aber er reagierte ein wenig langsamer als �blich. Der Stre� der Schlacht machte sich offenbar bei ihm bereits bemerkbar. Das eiserne Pferd sprang �ber die K�mpfenden hinweg zu der Ratgebergruppe um die Maschine, als auch Tom bereits, allerdings nur noch mit einem Bruchteil seiner urspr�nglichen Streitkr�fte, dort ankam. Die Ratgeber heulten auf und zogen einen dichten Ring um die</p><p>Maschine. Die Wut der Verzweiflung leuchtete aus ihren Augen. Toms Trupp umzingelte sie und warf sich auf sie.</p><p>Die gl�henden Schwerter der Vogelscheuchenm�nnchen waren t�dlich, aber sie mu�ten ihr Ziel genau treffen, um etwas auszurichten. Die Bettler waren gut darin, schnell zuzuschlagen und zur�ckzuspringen. Au�erdem waren sie in vierfacher �berzahl.</p><p>In der Mitte des Kreises sah Rod eine einsame Gestalt, die immer noch an der Maschine arbeitete � Durer! Als nur noch f�nf seiner Genossen �brig waren, zog er mit einem Verzweiflungsschrei etwas aus seinem G�rtelbeutel. Eine Laserpistole!</p><p>Rod sprang aus dem Sattel, mit dem Eisenpferd als Deckung zwischen sich und den restlichen Ratgebern, und �ffnete hastig ein verborgenes Fach in der Seite des Metallrappen, wo seine Waffe f�r alle Eventualit�ten aufbewahrt war: die neueste Laserpistole des DDT. Um Gekabs Hals herum scho� er damit auf den Oberratgeber, streifte ihn jedoch nur am Bein. Durer umklammerte sein Knie und st�rzte heulend zu Boden.</p><p>Tom br�llte, und nun schlugen seine Bettler die letzten der Vogelscheuchen mit ihren Eichenkn�ppeln nieder. Mit einem Triumphschrei hob Tom das gl�hende Schwert eines der Gefallenen auf.</p><p>Durer rollte sich auf das gute Knie und scho�. Der bleistiftd�nne Strahl traf Tom in die Schulter. Der Riese drehte sich und fiel. Halb kriechend, halb springend n�herte Durer sich ihm, um in bessere Schu�position zu kommen.</p><p>Rod zielte mit seiner Laserpistole auf den Ratgeber, verfehlte ihn jedoch knapp. Aufheulend suchte Durer hinter einem Gefallenen Deckung.</p><p>�Schnell!� befahl Rod Gekab. �Ehe er noch einmal anlegen kann.�</p><p>Das Pferd sprang. Der Laserstrahl traf es in den Bauch � in den leeren Stahlbauch, wo es keinen Schaden anrichten konnte.</p><p>Aber der Roboter erstarrte mitten in der Luft und lie� den Kopf zwischen die Beine h�ngen. Hastig sprang Rod aus dem Sattel und schlug gleichzeitig mit Gekab auf dem Boden auf.</p><p>Rod rollte sich herum und sah Durer die Pistole auf ihn anlegen. Da warf Tom sich auf den Ratgeber. Beide st�rzten zu Boden. Durers Pistole flog weit durch die Luft, aber auch Rod hatte seine beim Absprung verloren. Verzweifelt sah er sich nach ihr um.</p><p>Durer rollte sich zur Seite. Tom kam taumelnd auf die Beine.</p><p>Er torkelte Durer nach und griff nach dem Schwert eines der gefallenen Ratgeber � dabei stolperte er �ber eine Leiche.</p><p>Flink wie eine Katze war Durer hoch, packte das Schwert und hieb es herab�</p><p>Rod sprang. Seine Schulter traf Durer in den Bauch und warf ihn herum. Das Schwert landete, ohne Scha den anzurichten, im Gras. Durer st�tzte sich darauf und blieb dadurch auf den F��en. Und schnell schwang er es wieder.</p><p>Rod rollte auf die Knie. Er sah das Schwert auf sich herabsausen.</p><p>Tom br�llte und stie� Rod zur Seite. Die gl�hende Klinge traf den Riesen. Sie trennte seine Schulter und ein Drittel seines Brustkorbs ab.</p><p>Rod heulte vor Wut auf. Sein Arm schwang um Durers Hals und gleichzeitig dr�ckte er ein Knie in seinen Nacken. Etwas knackte.</p><p>Durer schrillte. Das Schwert entglitt seinen Fingern. Rod dr�ckte ihn zu Boden. Immer noch schreiend tastete der Ratgeber nach dem Schwert.</p><p>Rod lie� sich auf ein Knie fallen und holte zu einem Handkantenschlag aus. Mit zerbrochenem Genick blieb Durer reglos liegen.</p><p>Heftig keuchend drehte Rod sich um. Er sah Toms schmerzverzerrtes Gesicht und das heraussprudelnde Blut. Rod bi� die Z�hne zusammen und tastete verzweifelt zwischen den Leichen herum. Als er seine Laserpistole gefunden hatte, dr�ckte er ab und trennte noch etwa einen Zentimeter entlang Toms Wunde ab. Der Riese br�llte.</p><p>Die Bettler wollten sich mit Keulen und Schwertern auf Rod st�rzen, aber ein kr�chzendes �Zur�ck!� Toms verbot es ihnen. �Ihr Narren!� �chzte er. �Sehr ihr denn nicht? Er hat das Blut gestoppt!�</p><p>Trotzdem hatte Rod schon einiges abbekommen und seine kaum verheilte Schulterwunde war neu aufgebrochen. St�hnend lie� er sich auf ein Knie neben dem schwerverletzten Riesen nieder. Der Gestank nach versengtem Fleisch drehte ihm fast den Magen um.</p><p>Tom versuchte zu grinsen. �War � gut � gemeint, Herr. Zwei � Minuten � fr�her � und � es h�tte � mich � gerettet.� Rod ri� sich den Umhang vom R�cken, kn�llte ihn zusammen und schob ihn unter Toms Kopf. �Ruh dich aus!� w�rgte er. �Du bist ein gesunder, kr�ftiger Bursche, du wirst schon wieder werden. So viel Blut hast du nicht verloren.� �Zu viel � und � die Wunde � zu gro߅� Die schier unertr�glichen Schmerzen lie�en den Riesen verstummen. Rod schleppte sich zu Gekab, schlug auf den Sicherungsschalter und fummelte in einem der verborgenen F�cher nach einer Ampulle. Dann humpelte er zu Tom zur�ck und stie� sie ihm in das verbrannte Fleisch.</p><p>Tom entspannte sich mit einem gewaltigen Seufzer, als das An�sthetikum zu wirken begann. �Meinen Dank, Meister�, murmelte er schwach. �Ihr habt mir zumindest einen schmerzlosen Tod geschenkt.�</p><p>�So darfst du nicht reden!� tadelte Rod ihn mit erstarrter Miene. �Du wirst dich noch viele Male mit einer sch�nen Dirn im Heu w�lzen.�</p><p>�Nein, Herr.� Tom sch�ttelte den Kopf und schlo� die Lider. �Meine Zeit ist abgelaufen.� �Du wirst jetzt nicht sterben. T�test du es, bliebe ich in deiner Schuld, und das widerstrebt mir.�</p><p>�Den Teufel, ob es Euch widerstrebt oder nicht!� schnaubte Tom fast wieder der Alte. �Ich bin jetzt in den H�nden eines M�chtigeren als Ihr, der eines Tages auch Euch rufen wird.�</p><p>Sein Kopf sank auf Rods zusammengerollten Umhang herab, und er keuchte heftig.</p><p>Rod kniete sich stumm neben ihn. Toms ihm verbliebene Hand tastete sich �ber seinen Bauch zu Rods Arm. �Ja, jetzt steht Ihr in meiner Schuld, obgleich das nicht in meinem Sinn war.�</p><p>�Nicht in deinem Sinn? Was sprichst du da? Du hast mir das Leben gerettet!�</p><p>�Ja, und dadurch mein eigenes verloren. Aber mit klarem Kopf h�tte ich nie so gehandelt.�</p><p>�Klarem Kopf?�</p><p>�Ja. In der Schlacht sieht und tut man, was einem zuerst bewu�t wird. Es wart entweder Ihr oder der Rest meines Lebens im Dienst des Hauses Clovis, und in der Hitze des Gefechts zog ich in meiner Dummheit Euch vor!� Schwer atmend schwieg er eine Weile, dann verkrampfte sich seine Hand um Rods Arm. �Doch da ich sterbe, steht Ihr in meiner Schuld! Und was Ihr mir nicht mehr bezahlen k�nnt, m��t Ihr an meinem Volk gutmachen.�</p><p>Rod versuchte seinen Arm zur�ckzuziehen. �Nein!�</p><p>�Doch!� Toms Augen funkelten wild. �Nur so k�nnt Ihr Eure Schuld begleichen. Euer Leben f�r meines! Ihr m��t Euer Leben hier auf Gramayre verbringen, um Gutes f�r mein Volk zu tun!�</p><p>�Ich bin nicht mein eigener Herr!�</p><p>�Ihr seid es sehr wohl. Und wenn Ihr es nicht wi�t, seid Ihr wahrlich ein Narr!�</p><p>�Der Preis ist zu hoch, Tom. In der Schlacht zu sterben, dagegen habe ich nichts, aber den Rest meines Lebens hierzubleiben, das kann ich nicht. Auch ich diene, um einen Traum zu verwirklichen��</p><p>�Ich hatte ebenfalls die Wahl zwischen dem Traum oder dem Menschen. Gut, dann w�hlt, was Ihr f�r richtig haltet.�</p><p>�Ich habe eine Verpflichtung��</p><p>�Genau wie ich, und so wird meine auf Euch �bergehen und Euch von der anderen befreien. Ihr m��t jetzt mir und den Meinen dienen�� Der Blick des Sterbenden verschleierte sich.</p><p>�Ich hatte geglaubt, ich w��te, was das Beste f�r sie sei � doch jetzt wird alles dunkel um mich��</p><p>Er ruckte pl�tzlich hoch. Husten sch�ttelte ihn und er spuckte Blut. Rod st�tzte ihn. Als der Anfall vor�ber war, w�rgte der Riese. �Euer Geist � ist klarer � Ihr m��t � entscheiden��</p><p>�Sei still.� Rod versuchte ihn wieder auf den Umhang zu legen.</p><p>�Verschwende nicht das bi�chen Leben, das noch in dir ist��</p><p>�Nein!� Tom umklammerte erneut Rods Arm. �La�t mich sprechen. Espers � Tribunal � sie werden es schaffen. Wir -</p><p>k�mpfen � hier � gegen sie��</p><p>�Spar deine Kraft. Ich wei�, was du sagen willst.�</p><p>�Ihr wi�t��</p><p>�Ja. Du hast mir das letzte bi�chen, was mir fehlte, gerade gesagt. Bleib jetzt ruhig liegen.�</p><p>Tom keuchte schwer. �Sagt es mir � ich � mu� sicher � sein, da� � Ihr es � wirklich � wi�t��</p><p>�Ja, ich wei� es�, murmelte Rod. �Das DDT wird siegen. Ihr k�nnt es nur hier bek�mpfen. Und ihr bek�mpft euch untereinander.�</p><p>�Ja.� Tom nickte kaum merklich. �Ihr � m��t jetzt � entscheiden � und � Herr�� Der Rest war zu leise, als da� Rod ihn h�tte verstehen k�nnen. Als Tom es bemerkte, k�mpfte er um einen weiteren Atemzug, w�hrend er Rod besorgt ansah.</p><p>Rod beugte sich �ber ihn und legte sein Ohr dicht an Toms Lippen.</p><p>�Sterbt � nicht � f�r � einen � Traum��</p><p>Rod runzelte die Stirn. �Ich verstehe nicht, was du meinst, Tom!�</p><p>Aber er bekam keine Antwort mehr.</p><p>Nach einer langen Weile dr�ckte er dem Mann, der ihm zum Freund geworden war, die Augen zu.</p><p>�Mei-meister Gallowglass?� Toby stand neben ihm und starrte verwirrt auf die Bettler, die sich jetzt um Toms Leiche knieten.</p><p>�Ja, Toby?� Rod fa�te den Jungen an der Hand und schritt mit ihm durch die Reihen der Bettler.</p><p>�Mylord, sie bitten um Pardon. Sollen wir ihn ihnen gew�hren?�</p><p>�Pardon? O ja. Sie wollen sich ergeben.� Er drehte sich um und schaute auf die Gruppe um Tom. �Ich wei� nicht. Was meint Brom?�</p><p>�Lord O'Berin sagt ja, aber die K�nigin sagt nein. Die Lords Loguire sind einer Meinung mit Brom.�</p><p>�Und trotzdem will die K�nigin nicht.� Rod nickte bitter. �Und nun soll meine Stimme den Ausschlag geben?� Er warf noch einen letzten Blick auf Toms w�chsernes Gesicht. �Zum Teufel! Sie sollen ihr Pardon haben!�</p><p>Die Sonne war hinter den Bergen versunken. Die zw�lf Hohen Lords standen in Ketten vor Catherine, neben der Loguire, Tuan, Brom und Sir Maris sa�en. Rod stand in einiger Entfernung von ihnen an Gekab gelehnt. Er hatte den Kopf gesenkt.</p><p>Auch der alte Herzog Loguire hatte das Kinn fast auf die Brust gedr�ckt. Tiefer Gram sprach aus seinen Augen, denn sein Sohn Anselm stand einen Schritt vor den restlichen Lords, unmittelbar vor der K�nigin.</p><p>Catherine trug ihren Kopf hoch. Ihre Augen leuchteten voll Triumph und Macht, und ihre Wangen waren vor Stolz ger�tet.</p><p>Rod betrachtete sie, und Abscheu stieg in ihm auf. Mit ihrem Sieg war ihre alte Arroganz wiedergekehrt.</p><p>Auf ein Zeichen von Brom O'Berin schmetterten zwei Fanfaren, und ein Herold trat vor und verlas eine Verk�ndigung der K�nigin.</p><p>�Hiermit sei allen kund und zu wissen getan, da� am heutigen Tag der schurkische Vasall, Anselm, Sohn des Herzogs Loguire, sich in blutiger Rebellion gegen Catherine, K�nigin von Gramayre, erhob, und deshalb wegen Hochverrats vor dem Gericht der Krone steht.�</p><p>Der Herold rollte das Pergament wieder zusammen.</p><p>�Wer spricht zur Verteidigung des Rebellenf�hrers Anselm?�</p><p>Der alte Loguire erhob sich. Er verbeugte sich ernst vor Catherine. Sie dankte ihm mit einem erstaunten, w�tenden Blick.</p><p>�Nichts kann zur Verteidigung eines Rebellen gesagt werden�, rief Loguire. �Doch wenn ein Mann sich hei�en Blutes erhebt, um sich f�r das zu r�chen, was er f�r ehrenr�hrige Beleidigung an seinem Vater und seinem Haus erachtet, kann viel gesagt werden, denn selbst wenn sein Vorgehen un�berlegt, ja sogar von Hochverrat gezeichnet gewesen sein mochte, war es doch von gekr�nkter Ehre und Liebe zum Vater geleitet. Da er nun das Ergebnis vorschnellen Handelns kennt, und ihn sein Herzog und Vater belehren wird, d�rfte es durchaus nicht unwahrscheinlich sein, da� er sich seiner Treue und seiner Pflichten gegen�ber seiner Herrscherin wieder voll bewu�t wird.�</p><p>Catherine l�chelte s��lich. �Ihr wollt also, Mylord, da� ich diesen Mann begnadige, der den Tod vieler Tausender auf sich geladen hat, und da� ich ihn zur Belehrung und Protektion in Eure H�nde gebe, obgleich Ihr Euch diese Aufgabe � wie der heutige Tag nur zu gut beweist � schon einmal nicht gewachsen gezeigt habt!�</p><p>Lord Loguire zuckte zusammen, als h�tte er einen Schlag ins Gesicht bekommen.</p><p>�Nein, Mylord!� rief sie heftig. �Ihr habt bereits Rebellen gegen mich gro�gezogen und wollt es nun wieder tun!�</p><p>Loguires Gesicht verh�rtete sich, w�hrend Tuan mit vor Grimm ger�tetem Gesicht aufsprang.</p><p>Von oben herab wandte sie sich an ihn. �Hat der Lord der Bettler auch etwas zu sagen?�</p><p>Tuan k�mpfte mit knirschenden Z�hnen um seine Fassung.</p><p>Dann verbeugte er sich. �Meine K�nigin, Vater und Sohn haben heute tapfer f�r Euch gek�mpft. Habt die Gnade, uns schon deshalb das Leben unseres Sohnes und Bruders zu schenken.�</p><p>Catherines Gesicht wurde noch blasser, und ihre Augen verengten sich.</p><p>�Ich danke meinem Vater und Bruder�, sagte Anselm mit klarer, ruhiger Stimme.</p><p>�Still!� schrie Catherine schrill. �Verr�terrischer, schurkischer, dreimal verha�ter Hund!�</p><p>Die Augen der Loguires funkelten, doch sie hielten die Lippen zusammengepre�t.</p><p>Keuchend umklammerte Catherine die Armlehnen ihres Thrones. �Ihr werdet erst reden, wenn ich es Euch befehle. Bis dahin habt Ihr Euren Mund zu halten!�</p><p>�Das werde ich nicht! Ihr k�nnt mir gar nicht noch mehr anhaben, denn Ihr, niedertr�chtige K�nigin, habt beschlossen, da� ich sterben mu�, und nichts wird Euren einmal gefa�ten Entschlu� �ndern. So t�tet mich doch und bringt es hinter Euch!�</p><p>�Das Urteil kommt aus seinem eigenen Mund�, sagte Catherine sp�ttisch. �Es ist das Gesetz des Landes, da� ein des Hochverrats Schuldiger sterben mu�.�</p><p>�Das Gesetz des Landes bestimmt die K�nigin�, brummte Brom. �Wenn sie einem Rebellen das Leben schenkt, ist es ihr Recht!�</p><p>Sie drehte sich zu ihm um. �Was, auch Ihr verratet mich? Steht kein einziger meiner Generale an meiner Seite?�</p><p>�Genug!� donnerte Rod, der pl�tzlich neben ihr stand und auf sie hinabschaute. �Kein einziger Eurer Generale wird Euch jetzt unterst�tzen. Sollte Euch das nicht vielleicht auf den</p><p>Gedanken bringen, da� Ihr im Unrecht seid? Aber nein, nein, doch nicht die K�nigin! Weshalb haltet Ihr �berhaupt noch Gericht? Ihr habt doch bereits beschlossen, da� er sterben mu�!� Er spuckte vor ihr aus.</p><p>�Auch Ihr?� st�hnte sie. �Auch Ihr wollt einen Verr�ter verteidigen, der den Tod von dreitausend M�nnern verursacht hat!�</p><p>�Ihr tragt die Schuld am Tod der dreitausend!� br�llte Rod.</p><p>�Ein edler Mann niedriger Geburt liegt tot auf dem Feld, seine rechte Seite ist weggerissen, und die M�use nagen an ihm. Und warum? Um ein eigensinniges Balg zu verteidigen, das auf dem Thron sitzt und nicht das Leben eines Bettlers wert ist. Ein Balg, das eine so schlechte K�nigin ist, da� es eine Rebellion heraufbeschwor!�</p><p>Catherine duckte sich auf ihrem Thron und dr�ckte sich gegen die R�ckenlehne. Zitternd rief sie: �Seid still! War vielleicht ich es, die rebellierte?�</p><p>�Wer gab denn den Edlen mit zu hastigen Reformen und zu hochn�sigen Manieren Grund, sich aufzulehnen? Die Ursache ist es, Catherine. Ohne sie gibt es keine Rebellion! Und wer anders als die K�nigin hat diese Ursache gegeben?�</p><p>�Seid still! Still!� Sie dr�ckte die Hand auf den Mund, als wollte sie verhindern, laut hinauszuschreien. �So d�rft Ihr mit einer K�nigin nicht reden!�</p><p>Rod schaute voll Verachtung auf die sich immer noch vor ihm duckende K�nigin. Er wendete sich zu Gekab um. �Mir dreht sich der Magen um! Gew�hrt ihnen Pardon. Viel zu viele mu�ten heute sterben. La�t sie leben. Sie werden der Krone treu sein, ohne ihre Ratgeber, die sie aufhetzten. La�t sie alle leben! Sie haben ihre Lektion gelernt, auch wenn man das von Euch nicht behaupten kann!�</p><p>�Ihr geht zu weit!� keuchte Catherine.</p><p>�Ja, das tut Ihr!� Tuan sprang auf und legte die Hand um den Schwertgriff. �Die K�nigin gab den Anla�, das stimmt, aber sie</p><p>hat die Gefallenen nicht get�tet!�</p><p>Catherine blickte ihn dankbar an.</p><p>�Solange Ihr die Wahrheit sprecht�, fuhr Tuan fort, �d�rft Ihr sie tadeln. Doch wenn Ihr sie beschuldigt, etwas getan zu haben, was nicht so ist, dann darf ich Euch nicht sprechen lassen!�</p><p>Rod hatte gute Lust, ihm ins Gesicht zu spucken. Doch statt dessen wandte er sich erneut Catherine zu, die nun wieder hocherhobenen Hauptes auf dem Thron sa� und ihre arroganteste Miene aufsetzte.</p><p>�Verge�t nicht�, knurrte er, �da� eine K�nigin, die ihre Launen nicht unter Kontrolle hat, eine schwache Regentin ist.�</p><p>Wieder erbla�te sie.</p><p>�H�tet Eure Zunge!� grollte Tuan.</p><p>Die Wut in Rod wurde so m�chtig, da� er einen Augenblick erstarrte, bis sie alle Bande in ihm brach und davonflutend eine eisige Ruhe in ihm zur�cklie� und ihm klar zeigte, was er tun mu�te und weshalb � und was die Folgen f�r ihn sein w�rden�</p><p>Catherine l�chelte nun wieder selbstzufrieden und �berheblich, als sie sah, da� Rod bei Tuans Drohung z�gerte. �Habt Ihr noch etwas zu sagen, Herr?� fragte sie sp�ttisch von oben herab.</p><p>�Ja! Was ist das f�r eine K�nigin, die ihr eigenes Volk verr�t?�</p><p>Er holte aus und schlug ihr die Hand ins Gesicht.</p><p>Sie heulte und schlug gegen die R�ckenlehne des Thrones.</p><p>Schon war Tuan heran und stie� die Faust vor.</p><p>Rod duckte sich unter dem Hieb, packte Tuan und br�llte: �Gekab!�</p><p>Tuans F�uste h�mmerten auf ihn ein, aber Rod lie� ihn nicht los. Er sah, da� die anderen Generale herbeist�rmten. Doch Gekab war schneller. Rod versuchte zu vergessen, was f�r ein netter Junge Tuan im Grund genommen war, und hieb ihm das Knie zwischen die Beine. Jetzt gab er ihn frei und sprang in den Sattel, als Tuan fiel und sich vor Schmerzen wand.</p><p>Gekab wirbelte herum und sprang �ber die K�pfe der herbeieilenden Gardesoldaten. Als er davongaloppierte, h�rte Rod, wie Catherine Tuans Namen schrie. Grinsend lie� er sich von Gekab weitertragen, doch pl�tzlich wurde das Grinsen zu einem stummen Schrei, als seine verwundete Schulter zu explodieren schien. Er drehte den Kopf. Der Schaft eines Armbrustge schosses ragte am R�cken heraus. Nachdem sie einen weiten Kreis durch Wald und Feld gezogen hatten und Kilometer weit durch einen Bach gewatet waren, um ihre Spuren zu verwischen, kehrten Rod und Gekab in der Abendd�mmerung zu einem H�gel �ber dem Schlachtfeld zur�ck.</p><p>Am Rand eines W�ldchens lie� Rod sich aus dem Sattel fallen und lehnte sich gegen einen Baum. Er schaute hinunter auf die Lagerfeuer und lauschte dem fr�hlichen L�rm der Siegesfeier. Er seufzte und wandte sich dem dringlichsten Problem, n�mlich seiner Schulter zu. Trotz des schmerzstillenden Mittels, das er genommen hatte, machte sie ihm zu schaffen. Der Widerhaken des Geschosses schien vor dem Schl�sselbein neben dem Schultergelenk zu stecken. Wie durch ein Wunder hatte es sowohl den Knochen als auch die Schlagader verfehlt. Ein leiser Knall wie von einer Miniaturschockwelle war zu h�ren. Er schaute hoch und sah Gwendylon sich mit Tr�nen in den Augen zu ihm herabbeugen. �Mein Lord! Mein Lord! Seid Ihr schwer verletzt?�</p><p>Rod l�chelte und zog ihren Kopf zu seinem herab. Er antwortete mit einem ausgiebigen Ku�. Err�tend befreite sie sich. �Ihr seid wohl doch nicht so schlimm verwundet, wie ich bef�rchtete.�</p><p>�O M�dchen!� Rod zog sie in seine Arme. �Ich war einsam auf dem langen Ritt!�</p><p>�Ich w�re eher gekommen, aber ich mu�te warten, bis Ihr endlich anhieltet�, sagte sie entschuldigend. �Doch nun zu Eurer Schulter. Es wird weh tun, mein Lord.�</p><p>Rod bi� die Z�hne zusammen, als sie das festklebende Wams l�ste. �Verband ist in der Satteltasche�.</p><p>Sie kniete sich neben ihn und verhielt sich v�llig still. Rod runzelte die Stirn und fragte sich, was sie machte. Pl�tzlich durchzuckte ihn gl�hender Schmerz. Er sp�rte, wie die Gescho�spitze sich behutsam und, wie es schien, ganz von allein genau in der Bahn, die sie verursacht hatte, zur�ckzog.</p><p>Durch schmerzverschleierte Benommenheit dachte er, da� diese Hexen die Erf�llung des Traumes f�r Chirurgen w�ren.</p><p>Das Gescho� glitt vorsichtig aus seiner Haut, dann pl�tzlich wirbelte es heftig durch die Luft und zerschmetterte auf einem Stein. �Das werde ich mit allen machen, die Euch Schmerzen zuf�gen wollen, Mylord!� fauchte Gwendylon.</p><p>Rod schauderte, als ihm das Ausma� ihrer Kr�fte bewu�t wurde.</p><p>Das M�dchen griff nach dem Verband. �Nein, erst der Puder aus dem Silberbeutel�, hielt Rod sie zur�ck. �Er stoppt das Bluten.�</p><p>�Ich w�rde lieber Kr�uterumschl�ge verwenden�, sagte sie zweifelnd, �aber wie Ihr wollt.�</p><p>�Es sieht so aus, als m��test du st�ndig diese Schulter verbinden�, murmelte er.</p><p>�Ja, mein Lord. Ich wollte, Ihr w�rdet besser darauf aufpassen.�</p><p>Jemand r�usperte sich ganz in der N�he. Rod blickte auf und sah eine gedrungene Silhouette in den Baumschatten.</p><p>�Kommt ruhig herbei, Freund Brom�, rief Rod. �Aber im Gegensatz zu jenem im Tal ist uns nicht nach Feiern zumute.</p><p>F�r uns sind die Fr�chte des Sieges heute sauer.�</p><p>Brom setzte sich mit gesenktem Kopf, die H�nde auf dem R�cken verschr�nkt, auf eine Wurzel.</p><p>Rod runzelte die Stirn. Der Zwerg benahm sich komisch, ungew�hnlich. �Welche Laus ist dir �bers Leberlein gelaufen?� knurrte er.</p><p>Brom seufzte und st�tzte die Ellbogen auf die Knie. �Du hast mir heute viel Herzeleid bereitet, Rod Gallowglass.�</p><p>�So wie du es sagst, klingt es eher wie Magenschmerzen. Ich nehme an, du warst nicht sehr erfreut �ber die Art und Weise, wie die Dinge verliefen?�</p><p>�Im Gegenteil, ich war h�chst erfreut. Und doch�� Brom vergrub das Gesicht in den aufgest�tzten H�nden. �Ich mu� gestehen, da� ich anfangs erz�rnt �ber dich war.�</p><p>�Was du nicht sagst!�</p><p>�Ja. Doch das war, ehe ich deinen Plan durchschaute.�</p><p>�Ah, und dann kamst du dahinter, was ich beabsichtigte?�</p><p>�Nein. Ich werde alt, Rod Gallowglass��</p><p>Rod schnaubte.</p><p>�Danke.� Brom schaute ihn an, dann neigte er den Kopf. �Aber es ist wahr, ich werde alt, und man mu� mich erst mit der Nase daraufsto�en��</p><p>�Worauf?�</p><p>�Nun, es war eine r�hrende Szene!� Brom l�chelte ein wenig sarkastisch. �Zuerst brachte Catherine nichts anderes heraus als:,Oh, mein Liebster! Du bist verletzt! Und dann rief sie nach �rzten und Krautern, bis Tuan endlich auf die Beine kam und versicherte, da� seine Verwundung nicht schwer sei. Und da fiel sie ihm weinend um den Hals und nannte ihn schluchzend ihren Besch�tzer und den Retter ihrer Ehre. Und sie beruhigte sich nicht, bis er schwor, da� er sie heiraten w�rde!� Broms L�cheln wurde weicher. �Ja, es war sch�n, das zu h�ren und zu sehen.�</p><p>Rod nickte m�de und schlo� die Lider. �Wann ist die Hochzeit?�</p><p>�Sobald sie dreimal in einer Kirche gerufen werden. Catherine wollte sie sofort, aber Tuan weigerte sich. Er sagte, sie sei die K�nigin und die Rose aller Frauen, und es m��te eine Hochzeit geben, die ihres Standes w�rdig sei.�</p><p>�Ein vielversprechender Anfang.�</p><p>�Oh, es kam noch besser! Denn Tuan drehte sich zu den zw�lf Hohen Lords um und sagte:,Und was machen wir mit ihnen? Da rief Catherine:,Wie du es f�r richtig h�ltst, mein Liebster!</p><p>Aber tu es schnell, damit wir aufbrechen k�nnen!�</p><p>�Ein gutes Zeichen�, pflichtete Rod Brom bei. �Und was tat er mit ihnen?�</p><p>�Er l�ste ihre Ketten und schickte sie zur�ck in ihre Dom�nen, aber er verlangte von jedem eine Geisel, von zw�lf Jahren oder j�nger, ihres eigenen Blutes, ob nun Sohn, Tochter, Enkel oder Enkelin, die in der Burg der K�nigin aufwachsen soll.�</p><p>Rod nickte. �M��te klappen. So hat er die Chance, eine neue Generation zu erziehen, die der Krone treu ergeben ist.� Er lehnte sich gegen die rauhe Baumrinde und f�hlte sich v�llig ausgelaugt. �Ich bin froh, da� es funktioniert hat.�</p><p>�Ja.� Broms Augen gl�nzten. �Dieses Land wird immer in deiner Schuld stehen, Rod Gallowglass. Du hast uns unsere Krone gerettet und das Gespenst eines langen, blutigen B�rgerkriegs verbannt, und mehr noch, du hast uns einen K�nig gegeben.�</p><p>�Und einen Staatsfeind Numero Eins�, murmelte Rod bitter.</p><p>Ein Schatten fiel �ber Broms Gesicht.</p><p>Rod hob den Blick. �Du mu�t doch zugeben, da� ich jetzt eine Persona ingrata bin.�</p><p>�Ja�, knurrte Brom. �Doch du wirst immer eine Zuflucht im Reich der Elfen finden.�</p><p>Rod l�chelte schwach. �Danke, Brom.�</p><p>�Doch verrate mir jetzt�, Brom lehnte sich vor und schaute Rod stirnrunzelnd an, �wie es dazu kam, da� du dich unser annahmst. Als alles d�ster in unserem Reich aussah und selbst die Hoffnung aus unseren Herzen verbannt war, erschienst du, wie die Erf�llung eines Gebets, vom Himmel. Du, der du keine eigenen Interessen, keine Besitzt�mer hier hattest, den unsere Sorgen eigentlich unber�hrt h�tten lassen sollten, setztest du dich voll und ganz f�r unser Wohlergehen ein.�</p><p>Er schob seinen Kopf vor, seine Augen brannten. �Weshalb hast du uns gerettet?�</p><p>Rod l�chelte s�uerlich. �F�r den Traum.�</p><p>Brom runzelte die Stirn. �Traum?�</p><p>Rod blickte zu den Sternen hoch. Er z�gerte einen Augenblick, dann sagte er: �Gekab, nimm das auf!� Er wandte sich an Brom und Gwendylon und hob seinen guten Arm zum Himmel.</p><p>�Seht hoch. Seht ihr diese Sterne? Jeder hat eigene Welten, die um ihn kreisen, Welten wie diese hier, wo Liebespaare gl�cklich sind, Rivalen k�mpfen, und K�nige gest�rzt werden.</p><p>Doch die meisten davon stehen unter einer Herrschaft, einer Regierung � dem Dezentralisierten Demokratischen Tribunal.</p><p>Und die Stimme, die zu befehlen hat, ist die des Volkes selbst.�</p><p>�Nein!� polterte Brom. �Wie k�nnte das sein?�</p><p>�Da die Stimme eines jeden Menschen geh�rt werden kann, verleihen seine Ansichten denen seiner Mitmenschen Gewicht.</p><p>Das ist der Schl�ssel � die Kommunikation. Ihr k�nnt diese Art von Regierung hier nicht haben, weil die Nachrichten�bermittlung mehr als zu w�nschen �brig l��t, was im Grund genommen paradox ist, denn ihr habt hier alle M�glichkeiten f�r das beste System �berhaupt, wenn ihr es nur zu nutzen w��tet!�</p><p>Er verschr�nkte die Arme und lehnte sich zur�ck. �Aber sie haben ziemliche Schwierigkeiten dort oben. Sie wachsen, wi�t ihr? Jeden Tag schlie�t sich zumindest eine neue Welt dem Tribunal an. Dadurch haben sie die oberste Grenze ihrer Kommunikationsm�glichkeiten erreicht. Danach kann es nur noch abw�rts gehen � zur Diktatur!�</p><p>�Aber was hast du damit zu tun?� knurrte Brom.</p><p>�Ich arbeite f�r sie. Ich bin ihr Hausierer. Ich bin der kleine Mann, der den Au�endienst macht, der neue Planeten auf eine Mitgliedschaft vorbereitet � wenn sie sie wollen, und sie wollen sie immer, wenn sie erst dazu bereit sind!�</p><p>�Und was ist diese Bereitschaft?� Brom bem�hte sich um</p><p>Toleranz und l�chelte.</p><p>�Kommunikation, wie ich schon sagte, aber noch mehr, lernen, Bildung. Die Bildung und Ausbildung haben wir geschafft.</p><p>Dauerte eine ziemliche Zeit, aber wir schafften es. Doch mit der Kommunikation ist es eine andere Sache.� Er seufzte.</p><p>�Weil die Freiheit auch noch eine andere Seite hat. Die Wildnis jenseits der Grenze. Sie verhindert eine stratifizierte Gesellschaft � zerbrich dir nicht den Kopf dar�ber, was das ist, mein Lord O'Berin, K�nig der Elfen � und eine stratifizierte Gesellschaft ist ein anderer Weg zum Totalitarismus.</p><p>Also mu� das Tribunal immer weiter wachsen. Doch wenn es noch viel mehr w�chst, werden die zu langsamen Kommunikationsverbindungen sein Ende. Und ich, ganz pers�nlich, m�chte das nicht. Denn der Traum hat einen Namen, wi�t ihr? Er hei�t � Freiheit! Das ist mein Traum. Und deshalb bedeutet Gramayre mir so viel.�</p><p>Brom zog die Brauen zusammen. �Ich verstehe nicht.�</p><p>Rod l�chelte ihn an. �Die Hexen! Ihre F�higkeit, Gedanken zu h�ren. Das ist das Kommunikationssystem, das wirbrauchen!�</p><p>Er sah das allm�hliche Verstehen und ein gewisses Erschrecken in Broms Gesicht.</p><p>�Wir brauchen sie�, fuhr er fort. �Wir brauchen viele, sehr viele von ihnen. Bisher ist ihre Zahl nur langsam gestiegen, doch unter Catherines Schirmherrschaft wird sie schneller anwachsen. Und da sie heute bedeutend zum Sieg der Schlacht beitrugen, wird man beginnen, sie aus anderen Augen zu sehen, sie zu respektieren. Und dann wird es nicht mehr lange dauern, bis alle Eltern hoffen, da� auch sie ein Hexenkind haben werden. Von da ab werden sie wie Pilze nach einem Regen aus dem Boden schie�en.�</p><p>Brom runzelte die Stirn. �Aber wie kann es sein, da� allein diese Welt von all den vielen, die ihr kennt, Hexen hervorgebracht hat?�</p><p>�Weil die Menschen, die hierher auswanderten, eure Vorfahren, die vom Himmel fielen, nur solche Personen ausw�hlten, die zumindest ein F�nkchen Hexenkr�fte in sich hatten. Sie wu�ten selbst nicht, da� sie sie hatten, denn sie waren zu gering und zu tief verborgen. Aber im Lauf der Generationen, als sie immer aufs neue untereinander heirateten, wuchs dieses winzige Bi�chen immer mehr, bis schlie�lich eine Hexe geboren wurde.� �Und wann war das?� Brom l�chelte tolerant. �Als die Elfen auftauchten. Und auch die Gespenster, Werw�lfe, und andere �bernat�rliche Lebewesen. Denn hier auf diesem Planeten gibt es eine sehr ungew�hnliche Substanz, die ihr Hexenmoos nennt. Es nimmt jede Form an, die eine Hexe sich ausdenkt. Denkt sie an einen Elf, wird das Moos zu einem Elf.�</p><p>Brom erbla�te. �Willst du damit sagen�� �Mach dir nichts daraus, Brom, es ist keine Abwertung�, sagte Rod schnell. �Alle Menschen waren einst nichts weiter als pulsierende Kl�mpchen, die im Ur-meer schwammen. Im Fall deines fr�hesten Vorfahrs wurde der Proze� durch die Hexen nur ein wenig beschleunigt. Und es war dein erster Ahn, nicht du. Ich nehme an, da� das aus dem Moos geschaffene Wesen ein so perfektes Werk ist, da� es sich fortpflanzen � ja sogar mit Sterblichen Nachkommen haben kann.� Er lehnte sich zur�ck und seufzte. �Sei stolz darauf, Brom. Du und dein Volk, ihr seid die einzigen, die sich echte Kinder dieser Welt nennen kennen.�</p><p>Brom schwieg eine lange Weile, dann knurrte er: �Ja, das ist wahrlich unser Land. Und was willst du damit tun, Zauberer aus dem Himmel?�</p><p>�Tun?� Rod hob eine Braue. �Nur das, was du selbst zu tun versuchst, Brom, durch die Reformen, die du Catherine vorschlugst. Gleichheit vor dem Gesetz, ist das nicht dein Ziel?�</p><p>�Das ist es.�</p><p>�Nun, es ist auch meines. Und mein Job ist, euch den am wenigsten blutigen Weg dahin zu zeigen. Diese Aufgabe habe ich erf�llt.� Er schaute blicklos vor sich hin. Brom betrachtete ihn. Gwendylon strich ihm besorgt �ber das Haar. Rod schaute zu ihr hoch und versuchte zu l�cheln. Er wandte sich an Brom. �Deshalb k�mpfte ich f�r Catherine, verstehst du, weil sie die Hexen besch�tzt, und weil sie eine Reformerin ist und Tuan gl�cklicherweise ebenfalls. Und das war der Grund, weshalb die Ratgeber und der Sp�tter gegen sie k�mpften.�</p><p>Brom runzelte die Stirn. �Ich bin alt, Rod Gallowglass. Du mu�t es mir genauer erkl�ren.�</p><p>Wieder blickte Rod zu den Sternen hoch. �Eines Tages wird das Tribunal �ber alle Sterne regieren, die du sehen kannst, und �ber eine Menge mehr, die von hier aus nicht zu sehen sind. Und fast alle Menschen auf diesen Welten werden Hexen sein, denn das Blut Gramayres flie�t durch ihre Adern.� Er l�chelte Brom zu. �Na, wenn das kein Lorbeerkranz ist, Brom, Vater einer Galaxis�</p><p>Aber einige Menschen werden ohne die F�higkeiten der Hexen geboren werden und deshalb keine sein. Und weil sie es nicht sind und sich ausgeschlossen f�hlen, werden sie die Hexen und ihre Regierung hassen, schlimmer als du es dir vorstellen kannst. Diese Art von Menschen nennt man Fanatiker. Jede Art von Regierungssystem wird ihnen mehr zusagen als die Demokratie, und deshalb werden sie die Demokratie mit aller Gewalt bek�mpfen.�</p><p>�Wenn es so sein wird, wie du sagst�, brummte Brom, �dann werden diese Menschen unterliegen, denn wie k�nnte man gegen so viele Welten vorgehen?�</p><p>�Das k�nnen sie auch nicht�, erwiderte Rod, �au�er sie t�ten das, was diese Demokratie erm�glicht hat.� �Aber wie sollten sie das denn fertigbringen? Denn um die</p><p>Hexen im Mutterscho� zu t�ten, m��ten sie erst zu diesem Scho� kommen � hierher nach Gramayre � um zu versuchen��</p><p>Brom starrte Rod mit Grauen in den Augen an.</p><p>�Catherine zu t�ten�, beendete Rod den Satz f�r ihn und nickte finster. �Richtig, Brom. Die Ratgeber und die F�hrerschaft des Hauses Clovis sind jemandes Ur-ururenkel in der f�nfzigsten Generation.�</p><p>�Aber wie k�nnte das sein?� kr�chzte Brom. �Welcher Mensch kann seine Ahnen besuchen?�</p><p>�Sie k�nnen es. Sie haben ein Ding � eine Zeitmaschine. Eine ist irgendwo im Haus Clovis verborgen, und eine in den alten Gew�lben von Burg Loguire.</p><p>Also bewacht diese vier M�nner in der K�nigin Verlies sorgf�ltig, Brom. Sie haben vielleicht noch ein paar �berraschungen im �rmel!�</p><p>�Du kannst dich darauf verlassen, da� ich das werde!�</p><p>�Die Ratgeber sind alle tot.� Rod lehnte sich mit geschlossenen Augen zur�ck. �Das ist eine sch�ne Bilanz f�r den Bericht.</p><p>Sende ihn heim, Gekab. O ja und dazu erh�rtende Einzelheiten: eine Beschreibung der Zeitmaschine und die Aufz�hlung der Hauptf�higkeiten der Hexen, du wei�t schon, Telekinese, Levitation, Telepor��</p><p>�Ich wei� es selbst, Rod�, unterbrach ihn des Roboters Stimme.</p><p>�Ja, sicher, aber du k�nntest mich auch einmal ausreden lassen.�</p><p>Der Raumkr�mmungstransmitter in Gekabs korbballgro�em Gehirn schickte ein Zweisekundenquieken zu den Sternen.</p><p>Eine Weile war alles still, dann murmelte Gwendylon z�gernd: �Mylord?�</p><p>Rod hob ein Lid und l�chelte: �Du solltest mich nicht so nennen, aber es gef�llt mir.�</p><p>Sie l�chelte scheu. �Mylord, Ihr habt Eure Aufgabe hier vollendet��</p><p>Rods Gesicht verdunkelte sich. Er wandte sich ab und starrte finster auf den Boden.</p><p>�Wohin wirst du jetzt gehen, Zauberer Rod?� fragte Brom leise.</p><p>�Sei doch still!� brauste Rod auf.</p><p>Wieder wandte er sich ab. �Ich bin kein Zauberer�, knurrte er.</p><p>�Ich bin Agent aus einer Welt mit hochentwickelter Technologie, und als solcher verf�ge ich �ber einen ganzen Sack voll Tricks, die ihr euch hier gar nicht vorstellen k�nnt, aber sie sind alle nat�rlichen Ursprungs. Ich verstehe nicht das geringste von Magie und verf�ge nicht �ber ein K�rnchen Zauberkraft.�</p><p>Er schaute wieder zum Himmel hoch. �Ich bin kein Zauberer und habe auch nicht die kleinste Begabung dazu, nicht einmal soviel wie eure geringsten Bauern. Und deshalb geh�re ich auch nicht hierher.�</p><p>Er sp�rte, wie etwas in ihm zu zerrei�en drohte.</p><p>�Ich w�hlte dieses Leben�, brummte er., �Ich nehme Befehle entgegen, ja, aber ich tue es aus freiem Willen.�</p><p>�Das ist ein Punkt�, brummte Brom, �aber ein schwacher. Ob nun freiwillig oder nicht, du bist nicht Herr �ber dich selbst.�</p><p>�Stimmt�, gab Rod zu. �Aber einige m�ssen auf ihre pers�nliche Freiheit verzichten, damit sie ihren Kindern zuteil wird.� Doch selbst in seinen eigenen Ohren klang es nicht sehr �berzeugend.</p><p>Brom seufzte tief. Er schlug sich auf die Schenkel und stand auf. Mit m�den, alten Augen blickte er Rod an.</p><p>�Wenn du gehen mu�t, dann gehe. Einer Verpflichtung darf man sich nicht entziehen. Geh zu den Sternen, Rod Gallowglass, aber vergi� nicht: wenn du jemals Zuflucht suchst, du wirst sie hier bei uns finden.�</p><p>Gwendylon blieb still neben Rod sitzen und umklammerte seine Hand. �Sag mir�, fl�sterte sie nach einer Weile, �ist es nur dieser eine Traum, der dich von mir fortf�hrt?�</p><p>�Ja. O ja.� Rods Hand verkrampfte sich um ihre. �Du hast, sozusagen, alle anderen Tr�ume ausgel�scht.�</p><p>Sie drehte sich mit einem zittrigen L�cheln um. Tr�nen gl�nzten an ihren Wimpern. �Darf ich Euch nicht zu den Sternen begleiten, mein guter Lord?�</p><p>Fast zerquetschte Rod ihre Hand. Ein W�rgen verschlo� ihm die Kehle. Schlie�lich murmelte er: �Ich wollte, du k�nntest es, aber du w�rdest dort verwelken und sterben wie eine entwurzelte Blume. Du geh�rst hierher, wo sie dich brauchen.</p><p>Und ich geh�re dorthin. So einfach ist es.�</p><p>�Nein.� Sie sch�ttelte traurig den Kopf. �Ihr geht nicht, weil Ihr dorthin geh�rt, sondern weil Ihr Euch dazu verpflichtet f�hlt. Aber, mein Lord�� Sie wandte das Gesicht ab, denn die Tr�nen begannen nun in Str�men zu flie�en. �Ist meine Liebe nicht so stark wie Euer Traum?�</p><p>�Versuch zu verstehen�, sagte er gepre�t. �Ein Mann braucht einen Traum. Das ist der Unterschied zwischen den Menschen und den Tieren � der Traum. Und ein Mann, der seinen Traum verloren hat, ist kein ganzer Mann und deshalb einer Frau nicht w�rdig. Wie k�nnte ich es wagen, dich an mich zu binden, wenn ich kein Mann bin?</p><p>Nein, ein Mann mu� sich erst selbst best�tigen, ehe er eine Frau w�hlt � und der Traum ist seine Best�tigung. Solange er daf�r k�mpft, hat er ein Recht auf sie, weil er etwas taugt. Ich k�nnte hierbleiben und sehr gl�cklich mit dir werden. Aber tief in meinem Herzen w��te ich, da� ich dich nicht verdiene, weil ich nur eine Drohne bin, ein Mensch m�nnlichen Geschlechts ohne Nutzen. Wie k�nnte ich Kinder in die Welt setzen, wenn ich wei�, da� ihre Mutter f�r die Welt viel wichtiger ist, als ich es bin?�</p><p>�Aber wiegt die Verpflichtung, die Euch Tom auferlegte und die Ihr Horatio Loguire gegen�ber habt, von mir gar nicht zu sprechen, nicht die auf, die Ihr den Sternen gegen�ber habt?�</p><p>Rod richtete sich steif auf.</p><p>�Sie baten Euch, �ber ihr Volk zu wachen�, fl�sterte</p><p>Gwendylon. �Und was w�rde aus ihm werden, Lord, wenn diese Teufel aus der Zukunft wiederkehrten? Und das werden sie ganz sicher, wenn ihr Ha� so brennend ist, wie Ihr sagtet.� Rod nickte wie bet�ubt. �Und was ist dann mit dem Traum, Mylord?� Rod blieb einen Moment stocksteif sitzen. �Gekab�, sagte er schlie�lich ruhig. �Ja, Rod?�</p><p>�Gekab, reich mein Gesuch um Entlassung ein.� �Aber Rod, Ihre Pflicht � die Ehre Ihres Hauses�� �Vergi� sie! Die Ratgeber kommen m�glicherweise zur�ck, Gekab, selbst wenn wir die Zeitmaschinen vernichten. Sie haben es einmal fertiggebracht, sie k�nnen es auch ein zweitesmal! �bermittle meine K�ndigung!� Gehorsam sendete Gekab zu den Sternen. Rods Kopf sank langsam auf die Brust. �Mein Lord?� rief Gwendylon erschrocken. Rod hob schwach eine Hand. �Alles in Ordnung. Ich habe das Richtige getan, und das, was mich am gl�cklichsten machen wird. Zum erstenmal in meinem Leben arbeite ich unabh�ngig. Das ist es! Ich habe mich selbst von allem abgeschnitten. Niemand deckt mir mehr den R�cken, niemand pa�t mehr auf mich auf��</p><p>�Rod?� murmelte Gekab. �Sie haben geantwortet, Rod.� �Lies!� befahl Rod.</p><p>�Bericht erhalten. Erbitten Koordinaten f�r Untersuchungsexpedition. �</p><p>Rod nickte. Ein bitterer Zug spielte um seine Lippen. �Schick sie ihnen. Lies weiter.�</p><p>�Schlagen vor, da� Sie sich K�ndigung noch einmal �berlegen. Sichern Ihnen st�ndigen Aufenthalt auf Gramayre zu. Ihre Aufgabe: auf weitere subversive Infiltration zu achten.� Rod sprang auf. �Wa-as?� �Sie m�chten Ihre selbsterw�hlte Position offiziell machen�, erkl�rte der Roboter unn�tigerweise. �Was ist, Mylord?� fragte Gwendylon.</p><p>Er drehte sich zu dem M�dchen um. Seine Augen leuchteten auf. �Sie wollen, da� ich bleibe!� jubelte er.</p><p>�Wo bleiben, Mylord?�</p><p>�Hier!� schrie er und breitete die Arme aus, als wolle er die ganze Welt umschlie�en. �Hier auf Gramayre! In offiziellem Auftrag! Gwen, ich bin zu Hause, und ich bin frei!�</p><p>Er wirbelte sie herum. �Ich liebe dich!� br�llte er. �Ich liebe dich! Heirate mich!�</p><p>�Mit Freude, Mylord!� rief sie. Die Tr�nen str�mten erneut �ber ihre Wangen, als sie sein Gesicht in ihre H�nde nahm.</p><p>Seine Lippen suchten ihre, aber sie dr�ckte eine Hand dazwischen. �Nein, Mylord. Nur ein Zauberer darf eine Hexe k�ssen.�</p><p>�Also gut, ich bin ein Zauberer. Ich bin ein Zauberer Nur k�� mich, h�rst du?�</p><p>Ihre Lippen hoben sich seinen entgegen.</p><p>Er legte die H�nde um ihren Nacken und grinste.</p><p>�He�, sagte er. �Stimmt es wirklich, was man hier �ber Bauernm�dchen sagt?�</p><p>�Ja, Mylord.� Sie senkte die Augen und machte sich daran, sein Wams aufzukn�pfen. �Jetzt wirst du mich nie wieder loswerden!�</p><empty-line/><p><emphasis>ENDE</emphasis></p><empty-line/></section></body></FictionBook>