<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>child_tale</genre><author><first-name>&#x410;&#x43B;&#x435;&#x43A;&#x441;&#x430;&#x43D;&#x434;&#x440;</first-name><middle-name>&#x41C;&#x435;&#x43B;&#x435;&#x43D;&#x442;&#x44C;&#x435;&#x432;&#x438;&#x447;</middle-name><last-name>&#x412;&#x43E;&#x43B;&#x43A;&#x43E;&#x432;</last-name></author><book-title> Der Feuergott der Marranen</book-title><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>ru</src-lang><sequence name="smaragdenstadt" number="4"/></title-info><document-info><author><nickname>lange97</nickname></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.5, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2010-09-29">29 September 2010</date><id>33A65AED-3001-44C9-A7FC-FBB01A8755B5</id><version>1.0</version><history><p>1.0 � &#x441;&#x43E;&#x437;&#x434;&#x430;&#x43D;&#x438;&#x435; &#x444;&#x430;&#x439;&#x43B;&#x430;</p></history></document-info><publish-info><book-name> Der Feuergott der Marranen</book-name><publisher>&#x41F;&#x440;&#x43E;&#x433;&#x440;&#x435;&#x441;&#x441;</publisher><city>&#x41C;&#x43E;&#x441;&#x43A;&#x432;&#x430;</city><year>1974</year></publish-info></description><body><title><p>Der Feuergott der Marranen</p></title><section><empty-line/><image l:href="#1"/></section><section><title><p>DER AUSGESTOSSENE</p></title><p>Lieber Freund, reich mir deine Hand, damit ich dich in das Zauberland f�hre, das durch eine gro�e W�ste und gewaltige Berge von der �brigen Welt getrennt ist. Dort leben unter der ewig hei�en Sonne gar liebliche Menschlein: die K�uer, die Zwinkerer, die Schw�tzer und noch viele andere.</p><p>Einmal beschwor die Hexe Gingema ein Gewitter herauf, das ein H�uschen aus Kansas mit dem M�dchen Elli und ihrem H�ndchen Toto in das Land der K�uer verschlug. Gingema kam um, f�r Elli und Toto aber beg�nnen ganz ungew�hnliche Abenteuer. In der Mitte des Landes, in der sch�nen Smaragdenstadt, lebte damals ein gro�er Zauberer namens Goodwin. Elli beschloss, zu ihm zu gehen, damit er ihr helfe, in die Heimat zur�ckzukehren.</p><p>Unterwegs schlossen sich ihr ein Strohmann namens Scheuch, ein Mann aus Eisen namens Eiserner Holzf�ller und der Feige L�we an. Ein jeder von ihnen hatte einen sehnlichen Wunsch. Der Scheuch tr�umte von einem klugen Gehirn f�r seinen Strohkopf, der Eiserne Holzf�ller von einem liebenden Herzen und der Feige L�we von Mut und Tapferkeit. Obwohl Goodwin ein falscher Zauberer war, konnte er ihre W�nsche erf�llen. Dem Scheuch gab er ein kluges Gehirn aus S�gesp�nen, die mit Nadeln und Stecknadeln vermischt waren, dem Eisernen Holzf�ller ein liebevolles Herz aus Holzwolle in einem seidenen S�ckchen und dem Feigen L�wen eine Portion Mut auf einem goldenen Tellerchen.</p><p>Goodwin hatte das Leben im Wunderland satt, und er verlie� es mit einem Luftballon. Vor dem Abflug ernannte er den Scheuch zu seinem Nachfolger, und dieser wurde zum Herrscher der Smaragdenstadt. Den Holzf�ller w�hlten die K�uer, die das Violette Land bev�lkerten, zu ihrem Herrscher, und der Feige L�we wurde K�nig der Tiere. Nachdem die sehnlichen W�nsche der drei Freunde in Erf�llung gegangen waren, kehrten Elli und Toto in ihre Heimat zur�ck. Dazu verhalfen ihnen die silbernen Zauberschuhe Gingemas, die das H�ndchen in der H�hle der Hexe gefunden hatte.<a l:href="#n_1" type="note">[1]</a> Es war dem Scheuch nicht beschieden, lange Herrscher der Smaragdenstadt zu bleiben. Im Lande der K�uer lebte ein b�ser und t�ckischer Tischler namens Urfin Juice, dem ein Zauberpulver in die H�nde fiel, das allerlei Dinge beleben konnte. Der Tischler fertigte Holzsoldaten an, fl��te ihnen Leben ein und stellte aus ihnen ein m�chtiges Heer auf, mit dem er die Smaragdenstadt eroberte. Der Scheuch und der Eiserne Holzf�ller, der ihm zu Hilfe geeilt war, wurden von Urfin gefangengenommen und in einen Turm gesperrt.</p><p>Hilfesuchend schrieben der Scheuch und der Holzf�ller an Elli einen Brief, den die Kr�he Kaggi-Karr, die ihnen wohlgesonnen war, nach Kansas brachte. Das M�dchen lie� ihre Freunde nat�rlich nicht im Stich und machte sich zum zweitenmal in das Zauberland auf, diesmal in Begleitung ihres Onkels Charlie Black, eines einbeinigen Seemanns, der viele gute Einf�lle hatte und sie geschickt zu verwirklichen wu�te. Er baute zum Beispiel ein Schiff auf R�dern, mit dem er und Elli die W�ste durchquerten. Der Kampf mit Urfin Juice und seinen Holzsoldaten war nicht leicht, aber Elli und ihre Freunde gingen aus ihm siegreich hervor.</p><p>Urfin wurde vor Gericht gestellt.<a l:href="#n_2" type="note">[2]</a></p><p>Er hatte eine harte Strafe verdient, aber der einbeinige Seemann Charlie Black wandte sich an die Richter mit den Worten:</p><p>�Freunde! T�ten wir nicht besser, diesen Mann sich selbst und seinem Schicksal zu �berlassen?"</p><p>Elli unterst�tzte ihren Onkel:</p><p>�Das wird f�r ihn gewi� die schlimmste Strafe sein!"</p><p>Der Scheuch, der Eiserne Holzf�ller und der Tapfere L�we waren der gleichen Ansicht, und der ehemalige K�nig der Smaragdenstadt wurde unter Schm�hrufen der B�rger und Farmer aus der Stadt gef�hrt. Unterwegs dr�ckte ihm jemand spa�eshalber den Holzclown in die Hand, den er seinerzeit belebt und der ihm als Horcher und Spion gedient hatte.</p><p>�Jetzt geh, wohin du willst", sagte Faramant, der H�ter des Stadttores, �und versuch, ein guter Mensch zu werden. Das wird vor allem dir selbst n�tzen!" Auf diese guten Worte erwiderte Urfin nur mit einem giftigen Blick auf Faramant. Hastig entfernte sich Urfin von dem Tor und beschritt den Weg, der mit gelbem Backstein gepflastert war.</p><p>,Alle haben mich verlassen", dachte er grimmig. Alle, die mir schmeichelten, als ich m�chtig war, die an meinem Tisch a�en und tranken und mich �berschwenglich lobten. Jetzt huldigen sie der kleinen Elli und dem Riesen von jenseits der Berge (so nannte man Charlie Black im Zauberland).</p><p>Als er sich aber umblickte, erkannte Urfin, da� er sich geirrt hatte. Es gab ein Wesen, da� ihm treu geblieben war: der B�r - Meister Petz-, der ihm in einiger Entfernung folgte. Meister Petz wird mich nicht verlassen, wie schlecht es mir auch gehen mag. Ich habe ihm seinerzeit mit Hilfe des Zauberpulvers Leben eingefl��t, da er noch als verstaubtes B�renfell auf der Diele lag. Daf�r ist er mir zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet...'</p><p>Milder gestimmt, rief Urfin leise: �Meister Petz, komm her!" Freudig lief der B�r auf seinen Herrn zu.</p><p>�Da bin ich, Gebieter! Was befiehlst du mir?"</p><p>Das Wort �Gebieter" war wie Balsam auf der Wunde, die in Urfins Herz klaffte. Noch bin ich Herr und Gebieter, wenn auch nur f�r einen bescheidenen Diener und nichtsw�rdigen Clown. Eine leise Hoffnung regte sich in Urfin: ,Feiern meine Feinde nicht zu fr�h ihren Sieg? Noch bin ich jung und wieder frei! Niemand hat mir den unbeugsamen Willen rauben k�nnen! Noch besitze ich meinen schlauen Kopf und geschickte H�nde, die ich unter g�nstigen Umst�nden zu gebrauchen wissen werde!'</p><p>Urfin straffte seine gebeugten Schultern, ein schwaches L�cheln trat in sein dunkles</p><p>Gesicht mit den buschigen Brauen und den Raubtierlippen.</p><p>Er wandte sich nach der Smaragdenstadt um und sch�ttelte die Faust:</p><p>�Ihr werdet es noch bereuen, erb�rmliche Dummk�pfe, da� ihr mich freigelassen habt!"</p><p>�Sie werden es bereuen", piepste der Clown. Urfin schwang sich auf den R�cken des B�ren.</p><p>�Trag mich, wackerer Diener, in die Heimat, zu den K�uern", befahl er. �Dort steht mein Haus, ich will hoffen, da� es unversehrt ist. Dort werden wir vorerst Zuflucht finden!"</p><p>*All das ist ausf�hrlich im Buch �Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten" beschrieben.</p><p>�Dort liegt auch unser Garten, Herr und Gebieter!" sagte der B�r beflissen, �und im Nachbarwald gibt es viele fette Kaninchen. Die werde ich f�r dich jagen." Das einf�ltige Gesicht des B�ren strahlte vor Freude: ,Jetzt werde ich wieder mit meinem geliebten Herrn in stiller Zur�ckgezogenheit und unbeschwert leben.' Doch Urfin dachte anders:</p><p>,Das Haus soll mir nur eine zeitweilige Zuflucht sein, ich werde mich darin verbergen, bis man mich vergessen hat. Dann aber werden wir sehen!'</p><p>Urfins Heimweg war eine einzige Qual. Er wollte unerkannt zur�ckkehren, aber Kaggi-Karr duldete das nicht. Mit Hilfe ihrer zahlreichen Verwandtschaft beobachtete die Kr�he jeden Schritt des Ausgesto�enen. Alle, die an der Gelben Backsteinstra�e lebten, wurden von den Abgesandten Kaggi-Karrs �ber das Nahen Urfins unterrichtet. M�nner und Frauen, Greise und Kinder standen entlang der Stra�e Spalier und warfen Urfin ver�chtliche Blicke zu. Dieser h�tte es leichter ertragen, wenn sie geschimpft oder mit Steinen und Kn�ppeln nach ihm geworfen h�tten. Aber die Grabesstille, der Ha�, der in ihren Gesichtern stand, die eiskalten Augen - das war viel, viel schlimmer. Die rachs�chtige Kr�he hatte alles genau berechnet. Urfins Weg in die Heimat war eine endlose Qual.</p><p>Mit welcher Wonne h�tte er sich auf jeden seiner Feinde gest�rzt, ihn an der Kehle gepackt und gew�rgt! Das R�cheln des Opfers w�re Musik in seinen Ohren. Doch das konnte sich Urfin jetzt nicht leisten. Die Z�hne zusammengepresst und den Kopf gesenkt, ritt er auf seinem B�ren, ohne nach links oder rechts zu schauen. Der Clown Eot Ling sa� auf seiner Schulter und fl�sterte ihm ins Ohr: �Mach dir nichts draus, Gebieter, alles geht vor�ber! Wir werden es ihnen heimzahlen!" Urfin schlief im Wald unter einem Baum. Er wu�te, da� kein Einwohner des Smaragdenen oder des Blauen Landes ihm ein Obdach f�r die Nacht angeboten h�tte. Der Ausgesto�ene ern�hrte sich von Fr�chten, die er von den B�umen pfl�ckte, und magerte schnell ab. Als er sich dem Wald der S�belzahntiger n�herte, w�nschte er fast, da� eine dieser Bestien ihn �berfalle und seinen Qualen ein Ende mache. Aber der Lebensdrang und der Wunsch, sich f�r die erlittenen Kr�nkungen zu r�chen, waren in ihm st�rker, und Urfin kam unbemerkt durch den gef�hrlichen Wald. Da stand auch schon sein Haus. Mit Erleichterung stellte der Ausgesto�ene fest, da� die K�uer es nicht anger�hrt hatten. Er holte den Schl�ssel aus dem Versteck, sperrte die T�r auf und ging durch die d�steren Zimmer, in denen sich w�hrend seiner langen Abwesenheit viel Staub angesammelt hatte.</p></section><section><title><p>ERSTER TEIL</p><p>Der Riesenvogel</p></title><subtitle>DIE SCHLACHT IN DER LUFT</subtitle><p>Sieben Jahre waren nach der Vertreibung Urfins aus der Smaragdenstadt vergangen, und vieles hatte sich in der Welt ge�ndert. Elli Smith hatte die Schule beendet und ein p�dagogisches College in der Nachbarstadt belegt, um Lehrerin zu werden. Ihre j�ngere Schwester, Arm (sie wurde geboren, als Elli sich im unterirdischen K�nigreich befand), ging in die 1. Klasse und lernte das Abc. Der einbeinige Seemann Charlie Black hatte ein Schiff gekauft und mehrere Reisen nach den Inseln Kuru-Kusu unternommen, deren Bewohner ihn jedesmal freudig empfingen.</p><p>Wie aber sah es im Wunderland aus?</p><p>Die Zwinkerer und die K�uer lebten wie eh und je, doch v�llig ver�ndert hatte sich das Leben der unterirdischen Erzgr�ber, bei denen sich Elli w�hrend ihrer letzten Reise im Zauberland aufhielt.</p><p>In einer riesigen H�hle dieses Landes hatten Elli und ihr Cousin Fred Cunning viele wunderbare Abenteuer erlebt. Es war ihnen gelungen, die Schlafwasserquelle wieder sprudeln zu lassen und die sieben unterirdischen K�nige einzuschl�fern, die abwechselnd das Land regiert hatten. Das Merkw�rdigste an der Sache war, da� die Monarchen nach ihrem Erwachen ihre k�nigliche W�rde v�llig verga�en und sich in Hufschmiede, Bauern und Weber verwandelten. Wie ihre ehemaligen Untertanen arbeiteten sie jetzt, um sich und ihre Familien redlich zu ern�hren. Nach dem Sturz der K�nige waren die Einwohner des unterirdischen Landes in die obere Welt gezogen, wo sie sich auf brachliegenden B�den in der Nachbarschaft der K�uer niederlie�en. Sie s�ten Weizen und Flachs, trieben Gartenbau, m�steten Vieh und bearbeiteten Metalle. Lange Zeit trennten sie sich nicht von den Sonnenbrillen, denn ihre an das Halbdunkel gew�hnten Augen konnten das Tageslicht nur schlecht vertragen.</p><p>In Urfins Leben hatte sich w�hrend der langen Jahre der Abgeschiedenheit nichts ge�ndert. Er zog in seinem Garten Gem�se, von dem er j�hrlich drei Ernten einbrachte. Beim Umgraben der Beete untersuchte der ehemalige K�nig sorgf�ltig den Boden seines Gartens. Er lechzte danach, K�rnchen von der wunderbaren Pflanze zu entdecken, aus der er das lebenspendende Pulver gewonnen hatte. Jetzt w�rde er gewi� nicht mehr Holzsoldaten damit beleben, o nein! Er w�rde ein eisenbeschlagenes Ungeheuer anfertigen, unverwundbar gegen Pfeile und Feuer, und erneut Herrscher des Wunderlandes werden!</p><p>Aber all sein Suchen war vergeblich und obendrein sinnlos.</p><p>*Von der dritten Reise Ellis erz�hlt das Buch ,,Die sieben unterirdischen K�nige".</p><p>W�re auch nur ein einziger Keim der ungew�hnlichen Pflanze der Vernichtung entgangen, so h�tte sie doch den ganzen Garten �berwuchert! Jeden Abend und jeden Morgen blickte Urfin zum Himmel, in der Hoffnung, da� wieder ein Gewitter k�me, wie einst, das die Samen der ungew�hnlichen Pflanze hierher verweht hatte, Es gingen zwar Gewitter �ber das Land nieder, aber sie hinterlie�en nichts als w�ste Zerst�rung.</p><p>Urfin, der im Bewu�tsein seiner Macht �ber Tausende und aber Tausende Menschen geschwelgt hatte, mu�te sich jetzt mit dem bescheidenen Los eines G�rtners zufriedengeben. Nat�rlich brauchte er sich unter dem segensreichen Himmel des Zauberlandes nicht um Essen zu sorgen, um so mehr, als der B�r ihm oft fette Kaninchen und Hasen aus dem Walde brachte.</p><p>Aber nicht darauf waren die Sinne des Ausgesto�enen gerichtet. Jede Nacht tr�umte er von einem k�niglichen Gewand, und jeden Morgen erwachte er entt�uscht und mit klopfendem Herzen.</p><p>In den ersten Monaten seines Einsiedlerlebens traf Urfin bei seinen Spazierg�ngen oft K�uer, besonders, wenn er in Richtung des kleinen Dorfes Kogida ging, in dem er geboren worden und aufgewachsen war. Die Landsleute mieden ihn aber und wichen seinen Blicken aus. Selbst ihre R�cken schienen Ha� gegen ihn auszustrahlen. Aus den Wochen wurden Monate und aus den Monaten Jahre. Mit der Zeit legte sich der Ha�, und die Erinnerung an Urfins Verbrechen verbla�te. Nach etlichen Jahren begannen die Einwohner Kogidas den Ausgesto�enen freundlich zu gr��en, H�tte Urfin jetzt in das Dorf umziehen wollen, so h�tte ihn niemand daran gehindert. Aber Urfin erwiderte nur trocken die Gr��e der Leute und lie� sich mit niemandem in ein Gespr�ch ein. Sein ganzes Gebaren zeigte, da� die Gesellschaft der Menschen ihm unangenehm sei. Die K�uer zuckten mit den Schultern und lie�en den menschenscheuen G�rtner zufrieden. Urfin aber spann weiter seine rachgierigen Tr�ume.</p><p>Als er einmal um die Mittagszeit in seinem Garten grub, h�rte er �ber sich ein wildes Geschrei. Aufblickend gewahrte er im azurblauen Himmel drei Adler, die erbittert miteinander k�mpften. Zwei schlugen mit ihren Schn�beln und Schwingen wild auf einen dritten ein, der sich verzweifelt wehrte. Zuerst schienen die Adler nicht besonders gro� zu sein, aber als sie tiefer herabstiegen, erkannte Urfin, da� es ungeheuer gro�e V�gel waren.</p><p>Das Geschrei der Riesenv�gel wurde, je mehr sie sich der Erde n�herten, immer durchdringender, Einer, offenbar schwer verwundet, denn seine Bewegungen wurden immer langsamer, faltete pl�tzlich die Schwingen, �berschlug sich mehrmals und st�rzte.</p><p>Mit einem dumpfen Aufschlag fiel der Vogel auf die kleine Wiese vor Urfins Haus. Urfin n�herte sich ihm zaudernd, denn der Vogel konnte, selbst wenn er t�dlich verwundet war, mit einem einzigen Fl�gelschlag einen Mann umwerfen, Aus der N�he erkannte Urfin, da� es ein Vogel von gewaltigem Ausma� war. Seine ausgebreiteten Schwingen reichten von einem Ende der Wiese bis zum anderen, und das waren immerhin an die 30 Schritt. Mit Staunen gewahrte Urfin, da� der Vogel noch lebte. Sein K�rper bebte kaum merklich, und in seinen Augen mischten sich Stolz und Demut. Die zwei anderen Adler n�herten sich in der offenkundigen Absicht, den Feind v�llig zu vernichten. �Hilf mir!" wimmerte der Riesenvogel.</p><p>Urfin ergriff einen dicken Kn�ppel, der am Zaun lehnte, und schwang ihn drohend in der Luft. Die Angreifer stiegen wieder in die H�he und begannen um Urfins Garten Kreise zu ziehen.</p><p>�Sie wollen mir den Garaus machen", sagte der verwundete Adler. �Bitte, grabe ein Loch neben mir aus und tu so, als wolltest du mich begraben. Meine Feinde werden diesen Ort nicht eher verlassen, als bis sie sich �berzeugt haben, da� ich verscharrt bin. In der Dunkelheit werde ich mich in die B�sche schleppen und mich dort verbergen, w�hrend du die Erde in die leere Grube schaufelst." Nachts wurde die List ausgef�hrt. Am Morgen kreisten die Riesenadler eine Zeitlang �ber dem leeren Grab, und als sich nichts darin regte, flogen sie in n�rdlicher Richtung fort.</p><subtitle>DIE GESCHICHTE KARFAX'</subtitle><p>Die Wunder des Zauberlandes sind so zahlreich, da� ein ganzes Menschenleben nicht ausreichen w�rde, sie alle zu erz�hlen.</p><p>In einem abgelegenen Tal der Weltumspannenden Berge, in ihrem Norden, lebte ein Stamm gigantischer Adler, zu dem Karfax, Urfins unerwarteter Gast, geh�rte. Als er sich von seinen Wunden erholt hatte, erz�hlte Karfax</p><p>�Unser Stamm lebt in den Weltumspannenden Bergen seit unvordenklichen Zeiten. Wir sind nicht sehr zahlreich, denn wir ern�hren uns nur von Wildziegen und Steinb�cken, die die H�nge und Schluchten bev�lkern. Die Ziegen k�nnten sich vermehren und ein sorgenfreies Leben f�hren, w�rden wir Adler sie nicht daran hindern. Mit unserem scharfen Blick, unserer Kraft und Geschwindigkeit k�nnten wir alle Ziegen und Steinb�cke ausrotten. Doch wir tun es nicht, da wir wissen, da� wir dann Hungers sterben m��ten. Ein altes Gesetz befiehlt, da� die Zahl unsrer Stammesgenossen 100 nicht �berschreite." �Wie gelingt euch das?" fragte Urfin neugierig.</p><p>�Unser Gesetz ist in dieser Hinsicht sehr streng", erwiderte Karfax. �Eine Adlerfamilie darf nur dann ein Junges ausbr�ten, wenn einer der alten Stammesangeh�rigen eines nat�rlichen Todes stirbt oder bei einem Unfall umkommt, zum Beispiel, wenn er durch Unvorsichtigkeit auf der Jagd an einem Felsen zerschellt." �Wer hat dann das Recht, den Ersatz f�r den Toten zu stellen?" �Dieses Recht haben in strenger Reihenfolge alle Familien, die das Adlertal bev�lkern, Der Brauch, der viele Jahrhunderte lang genau befolgt wurde, ist aber unl�ngst verletzt worden, und das brachte viel Unheil �ber uns. Wir leben sehr lange, 150 bis 200 Jahre, und deshalb kommt in unserem Tal l�ngst nicht jedes Jahr ein Junges zur Welt. W�rdest du sehen, wie unsere Adlerfrauen das Junge hegen und pflegen, wie sie sich streiten, wer es f�ttern oder unter seinen Fittichen w�rmen soll! Oft dr�ngen sie sogar die eigene Mutter von dem Jungen ab. �Ja", seufzte Karfax, �die m�tterlichen Gef�hle unserer Frauen sind sehr stark, und das Gl�ck, ein Junges ausbr�ten zu d�rfen, wird ihnen nur zwei - bis dreimal im Laufe ihres langen Lebens zuteil!"</p><p>,Bei uns Menschen ist das viel einfacher', dachte Urfin. ,Ein jeder darf so viel Kinder haben, wie er will, allerdings ist das keine geringe B�rde.' Karfax fuhr fort:</p><p>�Ich bin 80 Jahre alt, Bei uns Riesenadlern ist man in diesem Alter im Vollbesitz seiner Kr�fte und Gesundheit. In diesem Jahr kamen meine Frau Araminta und ich zum erstenmal an die Reihe, ein Junges auszubr�ten. Hoffnungsvoll warteten wir auf den Tag, da es meiner Frau verg�nnt sein w�rde, ein Ei zu legen! Wir hatten in einer</p><p>Felsvertiefung ein warmes Nestchen aus d�nnen Zweigen und Laub gebaut... Da brach der niedertr�chtige. Arraches, unser Stammes�ltester, das alte Gesetz und erkl�rte, da� jetzt seine Familie ein Junges ausbr�ten werde! Er brauchte einen Erbfolger, denn, sein einziger Sohn war kurz vorher auf der Jagd umgekommen.,." Karfax bebte vor Zorn, als er das ehrlose Vorgehen des Stammes�ltesten schilderte. Urfin aber dachte sp�ttisch, da� er sich �ber eine solche Kleinigkeit gewi� nicht aufgeregt h�tte. �Sag, durfte Arraches nach einem solchen Versto� gegen den Brauch unserer V�ter noch Stammes�ltester bleiben? Ich zumindest hielt es f�r eine Schande, ihm weiter zu gehorchen. Es fanden sich Artgenossen, die genauso dachten wie ich, und wir bereiteten einen Aufstand vor, um Arraches zu st�rzen. Zum Ungl�ck hatte sich ein Verr�ter in unsere Reihen eingeschlichen, der Arraches alles hinterbrachte und ihm die Namen der Verschw�rer nannte. Eines Tages fielen Arraches und seine Anh�nger �ber uns her. Ein jeder meiner Kameraden sah sich zwei bis drei Gegnern gegen�ber. Araminta kam gleich in den ersten Minuten des Kampfes um. Auf mich st�rzten sich Arraches und der Adler, der uns verraten hatte. Ich wollte mich durch Flucht retten, �berquerte die Weltumspannenden Berge und flog tief in das Zauberland hinein. Die Feinde folgten mir.,, Das weitere ist dir bekannt", schlo� Karfax m�de seinen Bericht. Es trat ein langes Schweigen ein. Dann fuhr der Adler fort:</p><p>�Mein Leben liegt jetzt in deiner Hand, In die Berge kann ich nicht zur�ck. Selbst wenn ich mich in ihren entlegensten Winkel niederlasse, werden Arraches und seine Spione mich ausfindig machen und t�ten. In euren W�ldern kann ich nicht jagen. Du f�tterst mich mit kleinen Tieren, die du Hasen und Kaninchen nennst. Sie sind schmackhaft, Aber kann ich sie im dichten Wald ersp�hen, geschweige denn mit den Krallen packen?"</p><p>Nach kurzem Nachdenken sagte Urfin:</p><p>�Meister Petz jagt Wild f�r dich, und er wird es solange tun, bis du wieder gesund bist. Das weitere wird sich finden, vielleicht f�llt mir noch etwas ein," In Urfins finsterer Seele keimte ein Plan. ,Wie', dachte er, soll ich den Riesenvogel meinen Zielen dienstbar machen?' Bot sich ihm da vielleicht das langersehnte Mittel, aus seinem ruhmlosen Dasein wieder hervorzutreten und �das Schicksal an den H�rnern zu packen", wie er sich auszudr�cken pflegte?</p><p>,Allerdings mu� ich sehr vorsichtig sein', dachte Urfin. ,Dieser Vogel mit seiner seltsamen Auffassung von Gerechtigkeit wird mir gewi� nicht helfen wollen, wenn meine Handlungen ihm unehrlich vorkommen... Nun, ich will nichts �berst�rzen, ich habe noch Zeit genug, mir alles gr�ndlich zu �berlegen.'</p><subtitle>DIE PL�NE DES SCHLAUEN URFIN</subtitle><p>Durch unauff�llige Fragen �berzeugte sich Urfin da� man im Adlertal von den Angelegenheiten der Menschen nichts wisse. Karfax hatte weder von dem schnellen Aufstieg Urfins noch von seinem schm�hlichen Sturz etwas geh�rt. Dem B�ren verbot der Ausgesto�ene, die Vergangenheit auch nur mit einem Wort zu erw�hnen, und dem Clown befahl er, darauf zu. achten, da� der Vogel und der B�r, der gerne schwatzte, niemals allein blieben. Er selbst begann k�hner vorzugehen. W�hrend der langen Gespr�che, die er mit dem genesenden Adler f�hrte, sagte er einmal wie nebenbei, da� er von dem Wunsch beseelt sei, unter den Menschen Gutes zu stiften. �Warum lebst du dann im Wald, weit von der Schar deiner Stammesgenossen?" fragte Karfax verwundert. �Siehst du, ich m�chte nicht nur einem Dorf helfen", erwiderte Urfin schlau. �Gel�nge es mir, mich an die Spitze eines ganzen Volkes zu stellen, dann k�nnte ich alle meine F�higkeiten entfalten und zeigen, was in mir steckt." �Wer hindert dich denn daran, Stammes�ltester zu werden?" fragte der vertrauensselige Adler. �Meine Mitb�rger verstehen mich nicht", erwiderte Urfin listig. �Sie denken, ich begehre die Macht aus Ehrgeiz, und begreifen nicht, da� ich mir ein viel h�heres und edleres Ziel gesteckt habe."</p><p>Schlie�lich glaubte der Adler, da� Urfin wirklich ein edler Mensch sei, und erkl�rte sich bereit, ihm zu helfen, eine hohe Stellung unter den Menschen einzunehmen, damit er recht viel Gutes tun k�nne.</p><p>,So, das w�re nun geschafft', dachte Urfin. Jetzt mu� ich mir nur noch einfallen lassen, wie ich mit Hilfe des Riesenvogels die Macht zur�ckerobere.'</p><p>,Ein Krieg kommt nicht in Frage... W�rde ich Karfax um meiner Erh�hung willen bitten, auch nur einen Menschen zu t�ten, dann w�re ihm meine Absicht sofort klar.</p><p>Wer wei�, ob er mich dann wegen des Betrugs nicht zerfleischt...' Urfin stellte sich mit Grauen vor, wie der ungeheure Vogel �ber ihn herfallen w�rde. Ich mu� mir eben etwas Gescheiteres einfallen lassen. Wie, wenn ich mich mit Hilfe des Adlers zum Herrscher eines r�ckst�ndigen Volkes mache? Habe ich das Volk einmal in meiner Hand, so werde ich auch eine Armee und Waffen besitzen... Oh, dann h�tet euch, Scheuch und Holzf�ller!'</p><p>Urfin �berlegte, in welchem Teil des Landes er am leichtesten die Herrschaft erringen k�nnte. Da kamen ihm die Springer in den Sinn.</p><p>Das kriegerische Volk der Springer lebte in den Bergen zwischen dem Gro�en Flu� und dem Besitztum Stellas. Noch war es niemandem gelungen, das Land der Springer zu durchqueren, denn sie lie�en niemanden ein.</p><p>Als Elli w�hrend ihres Aufenthaltes im Zauberland in Begleitung ihrer Freunde - des Scheuchs, des Eisernen Holzf�llers und des Tapferen L�wen - in das Gebiet der guten Fee Stella zogen, lag ihnen das von Bergen umgebene Land der Springer als un�berwindliches Hindernis im Wege. Der Scheuch und der L�we versuchten, die Berge zu besteigen, wurden aber von den m�chtigen F�usten der Springer niedergeschlagen. Elli und ihre Gef�hrten h�tten das rosa Schlo� Stellas niemals erreicht, bes��e Elli nicht den Goldenen Hut, der ihr Macht �ber die Fliegenden Affen verlieh. Das M�dchen rief die Fliegenden Affen herbei, und diese trugen es mit seinen Gef�hrten durch die Luft zu Stella.<a l:href="#n_3" type="note">[3]</a></p><p>Vor vielen Jahrhunderten lebten die Marranen (so nannten sich die Springer) in einem unterirdischen Land am Ufer eines Flusses, der in den Mittelsee m�ndete. Der �berlieferung nach hatten sie dort Zuflucht gefunden vor starken Feinden, die sie von allen Seiten bedr�ngten. Dort, zwischen den Felsen, hatten die Marranen eine Stadt erbaut, deren Ruinen Elli Smith und Fred Cunning sahen, als sie ihre lange und gef�hrliche Reise im Scho� der Erde beendeten.</p><p>In jener weit zur�ckliegenden Zeit wu�ten die Marranen noch, wie man Feuer erzeugt. Sie fertigten eiserne Werkzeuge an, trieben Fischfang und jagten Sechsf��er, die in der Umgebung in �berflu� vorhanden waren. Mit der Zeit hatten sich die Marranen aber so stark vermehrt, da� ihre Nahrung - Fisch und Wildfleisch - nicht mehr ausreichte. Ackerbau konnten sie aber nicht treiben, weil dies auf dem felsigen Boden nicht m�glich war.</p><p>Da verlie�en die Marranen unter der F�hrung des F�rsten Gron ihr d�steres Land. Sie versuchten zuerst, den unterirdischen Erzgr�bern einen Teil ihrer weitr�umigen Ebene abzuringen, aber die Krieger der Sieben K�nige schlugen den �berfall der Springer zur�ck, und diesen blieb nichts anderes �brig, als auf der Erdoberfl�che ihr Heil zu suchen.</p><p>Das Leben in der oberen Welt war f�r die Marranen nicht leicht. Ihre an das ewige Halbdunkel der H�hle gew�hnten Augen konnten sich monatelang dem grellen Tageslicht nicht anpassen. Deshalb bewegten sie sich nur nachts. Halb blind irrten sie lange durch das Zauberland, kamen in Schlachten mit der eingeborenen Bev�lkerung um, fielen wilden Tieren zum Opfer, starben vor Hunger und ertranken beim �berqueren der Fl�sse. So vergingen mehrere Jahre. Auf ihrer Wanderschaft verwilderten die Marranen, verloren ihr Handwerkszeug und verlernten es, das Feuer zu nutzen. Schlie�lich kam F�rst Gron mit einer kleinen Gruppe von Fl�chtlingen in ein verlassenes Tal, das ihnen auf Jahrhunderte als Zufluchtsst�tte dienen sollte, Hier vermehrten sie sich wieder, blieben aber auf einer sehr niedrigen Entwicklungsstufe.</p><p>Die Erinnerung, da� ihre Ahnen einst in einer d�steren Welt gelebt hatten, wurde zuerst den Kindern �berliefert und verwandelte sich dann in Sagen, die nach und nach in Vergessenheit gerieten. Die Marranen hatten so lange in v�lliger Abgeschiedenheit gelebt, da� die Menschen in anderen Teilen des Zauberlandes �ber sie nur sehr wenig wu�ten.</p><p>Auch Urfin Juice hatte nur eine vage Vorstellung von den Marranen. Er wu�te nicht, wie ihre H�user aussahen, wovon sie sich ern�hrten, welchen Leidenschaften sie fr�nten und womit man auf sie Eindruck machen konnte, Vor ein starkes und unabh�ngiges Volk konnte er aber nicht hintreten, ohne zu wissen, was ihn dort erwarte. ,Ich werde alles genau auskundschaften m�ssen', dachte Urfin. Aber wer sollte ihm Kundschafterdienste leisten? Er selbst konnte nicht hingehen, denn er mu�te unerwartet vor den Springern auftauchen, als ihr Herr und Gebieter. Sollte er Meister Petz hinschicken? Das ging nicht. Der B�r war zu schwerf�llig und ungeschickt, zudem fehlte ihm die Gabe, sich zu verbergen und zu verstellen, was f�r einen guten Kundschafter unerl��lich ist. Da fiel Urfins Auge auf den Holzclown. Der ist der Richtige', dachte Juice.</p><p>Er erinnerte sich, wie der Clown ihm bei der Belagerung der Smaragdenstadt geholfen hatte. Mehrere Angriffe der Holzsoldaten waren damals zur�ckgeschlagen worden, und Urfin befand sich in einer sehr schwierigen Lage. Da hatte er den Einfall, den Clown �ber die Mauer zu werfen. Der listige Eot Ling konnte einen reichen B�rger zum Verrat �berreden, und der �ffnete den Belagerern nachts das Stadttor. �Eot Ling, komm her!" befahl Urfin. Der Clown trippelte beflissen auf seinen Herrn zu. �Da bin ich, Gebieter!"</p><p>�H�r zu. Ich habe einen sehr wichtigen Auftrag f�r dich."</p><p>Urfin weihte den Clown in seine Pl�ne ein und erkl�rte ihm, was er zu tun habe. Eot Ling aber wandte ein: �Das Land der Springer liegt sehr weit von hier, Herr! Es wird eine lange und gef�hrliche Reise sein."</p><p>�Karfax braucht f�r den Weg nur ein paar Stunden. Er wird dich hintragen, und du wirst alles ausspionieren." Von nun an warteten Urfin und sein Diener Eot Ling ungeduldig auf die Genesung des Adlers. Der Riesenvogel fra� jetzt die Kaninchen und Hasen, die</p><p>der B�r regelm��ig herbeischaffte, bis auf das letzte Kn�chelchen. Karfax hatte den gutm�tigen B�ren, der ihn so wacker versorgte, liebgewonnen. Schlie�lich kam der Tag, an dem der Adler zum erstenmal nach seinem Sturz einen Flugversuch unternahm. Als er in geringer H�he �ber dem Wald flog, zitterten unter seinen riesigen Schwingen die Wipfel der B�ume so heftig, da� die entsetzten Eichh�rnchen auseinanderstoben. Mit jedem Tag flog nun Karfax immer weiter und h�her, seine Kr�fte nahmen zu, und bald war er so gut bei Kr�ften, da� er Urfin zu einem Spazierflug einlud.</p><p>Urfin willigte nur zaudernd ein. Er stellte sich vor, wie schrecklich es sein m�sse, hoch in der Luft ohne eine andere St�tze als den R�cken des Adlers zu fliegen. ,Aber', dachte er, wenn ich mich dazu nicht entschlie�e, werde ich niemals das Land der Springer sehen, niemals die Macht erobern und mich niemals an meinen Feinden r�chen k�nnen.' Urfin �berwand seine Angst und gab seine Zustimmung.</p><p>Der erste Schritt ist immer schwer. Bald war Urfin soweit, da� er sein Gesicht mit Vergn�gen dem Wind entgegenhielt und stolz auf die unter ihm vorbeirasenden Felder und W�lder blickte.</p><p>�Das alles wird bald mir geh�ren!" brummte er leise, damit Karfax ihn nicht h�re. Urfin teilte dem Adler mit, da� er sich an die Spitze des Volkes der Springer zu stellen beabsichtige.</p><p>�Das sind dumpfe, unwissende Menschen", sagte er, �sie f�hren ein schweres Leben. Ich will ihnen alle Freuden bieten, die ein Mensch unter der Sonne unseres Landes erlangen kann."</p><p>Karfax erkl�rte sich bereit, Eot Ling zu den Springern zu fliegen. Urfin n�hte f�r den Clown ein Kleid aus Kaninchenfell, in dem Eot wie ein kleines flinkes Tierchen aussah. Selbst wenn ihn jetzt ein Springer entdeckte, w�rde er ihn nicht f�r den Kundschafter eines fremden Landes halten.</p><p>Eines Morgens erhob sich Karfax von der kleinen Wiese vor Urfins Haus in die Luft und nahm Kurs auf das Land der Springer, das westw�rts lag. Am Hals des Adlers hing als Proviant ein B�ndel Kaninchen. Auf seinem R�cken lag der Clown, der sich an den Federn festhielt.</p><p>Am Abend des folgenden Tages kehrte der Adler zur�ck, Er erz�hlte, da� er nachts, als die Springer schliefen, Eot Ling �ber die Berge getragen und an einem verlassenen Ort abgesetzt habe. Dort w�rde der Clown ihn in zehn Tagen erwarten. Diese zehn Tage kamen Urfin wie eine Ewigkeit vor. Als sie um waren, flog Karfax wieder nach dem Westen und kehrte mit dem Clown zur�ck, der unversehrt war und recht zufrieden aussah. Eot Ling zog das l�stige Kaninchenfellkleid aus und warf seinem Herrn einen vielsagenden Blick zu. Urfin verstand, da� er mit ihm unter vier Augen sprechen wolle, und trug ihn in das Haus.</p><p>Als sie allein waren, rief Eot Ling fr�hlich: �Diese Dummk�pfe! Ach, Herr, w��test du, wie einf�ltig sie sind. Freilich k�nnen sie auch gef�hrlich sein, und man mu� sich deshalb vor ihnen in acht nehmen", f�gte er hinzu. �Na, erz�hl schon!" brummte Juice ungeduldig.</p><p>Der Clown begann zu erz�hlen, was er in den zehn Tagen seines Aufenthaltes im Lande der Marranen gesehen und geh�rt hatte.</p><subtitle>LEBEN UND SITTEN DER SPRINGER</subtitle><p>Eot Ling hatte vieles ausgekundschaftet. In seinem grauen Kleid, das ihn einer gro�en Ratte �hnlich machte, war er um die D�rfer gestrichen und in H�user eingedrungen, hatte gelauert und gehorcht, Nur einmal erwischte ihn ein Junge (Kinder passen gew�hnlich sch�rfer auf als Erwachsene), doch der Clown bi� ihn so stark in den Finger, da� der Kleine vor Schmerz aufschrie und ihn loslie�.</p><p>Eot Ling erz�hlte: Das Volk der Springer sei zahlreich, es besitze allein an erwachsenen M�nnern mehrere Tausend. Bei dieser Nachricht nickte Urfin freudig mit dem Kopf: ,Aus ihnen wird eine starke Armee', dachte er bei sich.</p><p>Das Land der Springer liege in einer runden Ebene, die von steilen Bergen umgeben sei, fuhr der Clown fort, welche das Tal gegen Winde sch�tzen. Tags sei es dort immer warm, nachts aber kalt. Die Einwohner bauen keine H�user, dazu fehle es ihnen an Geschick. Sie leben in Strohh�tten oder begn�gen sich einfach mit Strohd�cher, die auf Pf�hlen ruhen, und kleiden sich leicht. Die M�nner tragen lange Hosen und �rmellose R�cke, die Frauen kurze Kleider. Bei den Schw�tzern, den Untertanen Stellas, tauschen, die Marranen Edelsteine, die sie in den Bergen gewinnen, gegen Kleider, �xte, Messer und Spaten.</p><p>Die Marranen seien klein von Wuchs, aber gedrungen, haben gro�e K�pfe, lange, starke Arme mit m�chtigen F�usten und sehr kr�ftige Beine, die sie bef�higen, gewaltige Spr�nge zu machen. Deshalb nennen die Einwohner der Nachbarl�nder sie auch Springer. Allerdings m�gen die Marranen diesen Namen nicht. Ihr Herrscher sei F�rst Torm...</p><p>�Wohl ein ehrw�rdiger Greis mit einem langen, grauen Bart?" unterbrach Urfin seinen Diener.</p><p>�Nein, Herr", entgegnete Eot Ling. �Diese Leute tragen keine B�rte, nicht einmal Schnauzb�rte. Das Haar im Gesicht ist ihnen l�stig, und sie befreien sich davon auf eine merkw�rdige Art. In ihrem Land gibt es eine Quelle, die von �tzendem braunen Schlamm umgeben ist. Wenn einem Marranenj�ngling der Bart zu wachsen beginnt, begibt er sich zu dieser Quelle, schmiert das Gesicht mit Schlamm ein und l��t es in der Sonne trocknen. Nach einigen Stunden f�llt die Schlammkruste st�ckweise ab und nimmt f�r immer die Haare mit. Nach dieser Operation wird der J�ngling von seinen Angeh�rigen mit Liedern und T�nzen empfangen, Erst dann erh�lt er die B�rgerrechte und darf heiraten." �Wirklich merkw�rdig", murmelte Urfin. Eot Ling setzte seinen Bericht fort.</p><p>Im Land der Marranen gebe es oft Gewitter. In den zehn Tagen seines dortigen Aufenthaltes hatten sich zwei Gewitter entladen.</p><p>Die Gewitter im Springerland seien schrecklich. Ununterbrochen blitze und donnere es. Das Krachen des Donners, von den H�ngen zur�ckgeworfen, vermische sich mit dem eigenen Echo zu einem ohrenbet�ubenden Get�se. Dabei gie�e es in Str�men. Die Blitze schlagen oft in die Strohh�tten ein und setzen sie in Brand, Dann st�rzen die Einwohner hinaus und blicken mit schreckgeweiteten Augen in die lodernden Flammen, die sie nicht zu l�schen wagen, da sie das Feuer f�r eine strafende Gottheit halten, vor der sie sich verneigen. Es sei noch keinem Marranen eingefallen, das Feuer in seinem bescheidenen Haushalt zu nutzen.</p><p>,Gro�artig', dachte Urfin. Damit l��t sich allerhand anfangen!' In der Mitte des Tals liege ein gro�er, aber seichter See, auf dem �ppig Schilfrohr wachse, f�hr Eot Ling fort. Im Schilf hausen unz�hlige Enten. Nach der Brutzeit, solange die Entenjungen noch nicht fliegen k�nnen, veranstalten die Marranen</p><p>Massenjagden auf sie, bei denen sie Schleudern benutzen. Die Beute werde eingesalzen und in nat�rlichen Kellern aufbewahrt - das sind H�hlen, die tief in die Berge hineinreichen.</p><p>Um den See breiten sich fruchtbare Felder, die die Springer mit Weizen bebauen. Sie backen kein Brot, weil sie kein Feuer zu machen verstehen, Sie zermahlen die K�rner mit M�hlsteinen, und aus dem Mehl, das sie mit kaltem Wasser anr�hren, bereiten sie einen Brei, den sie essen. �Sie sind mein!" rief Urfin. �Wenn ich ihnen beibringe, wie man Enten br�t und Brot b�ckt, werden sie mich f�r einen gro�en Wundert�ter halten und mir �berallhin folgen." Trotz dieser kargen Nahrung seien die Marranen kerngesund und sehr kr�ftig. Sie haben viel freie Zeit, die sie dem Sport widmen: dem Springen, Laufen und vor allem dem Faustkampf.</p><p>Die Boxk�mpfe seien dort sehr beliebt. Die furchtbaren Hiebe k�nnten einen Stier umwerfen, ihnen aber machen sie nichts aus. Die Marranen haben eine komische Art, den Sieger auszuzeichnen. Er darf seine blauen Flecke mit dunklem Lehm untermalen und sie stolz zur Schau tragen. Der Besiegte hingegen ist verpflichtet, die Spuren zu verbergen und sie so schnell wie m�glich zu heilen. Einen Besiegten, dem es einfallen w�rde, sich mit seinen Verletzungen zu br�sten, w�rde man als schamlos bezeichnen. Die Marranen seien leidenschaftliche Zuschauer der Sportk�mpfe, richtige Fans, die oft wetten, welcher Boxer oder L�ufer gewinnen werde. Da sie Geld nicht kennen, zahle derjenige, der die Wette verloren hat, mit der eigenen Freiheit. Im Laufe eines oder zweier Monate, manchmal auch l�nger, m�sse er dann f�r den gl�cklichen Gewinner arbeiten: Ihm eine neue H�tte bauen, f�r ihn das Feld bestellen, Getreide mahlen oder Enten fangen und einsalzen.</p><p>Wer f�r eine Zeitlang die Freiheit verloren habe, werde durch ein besonderes Mal gezeichnet: Mit dem �tzenden Saft der Wolfsmilch werde auf seiner Stirn ein senkrechter Strich gezogen, der lange haftenbleibt. Vergeht das Zeichen, ehe die Frist der Unfreiheit abgelaufen ist, so wird es erneuert. Mancher Tropf, der es mit dem Wetten zu weit treibe, bleibt jahrelang in Unfreiheit, und das Zeichen der Sklaverei fri�t sich f�r immer in seine Haut ein.</p><p>Selbst der m�rrische Urfin mu�te schmunzeln, als er diese Einzelheiten aus dem Leben der Springer h�rte. Sie best�rkten ihn in der �berzeugung, da� er sich diese albernen Menschen leicht unterwerfen w�rde. Eot Ling schlo� jedoch seinen Bericht mit eirrer Warnung:</p><p>�Die Marranen sind gef�hrliche Leute, Herr! Sie sind j�hzornig und lassen sich leicht zu 'T�tlichkeiten hinrei�en. Wenn einer von ihnen sich betrogen oder gekr�nkt f�hlt, f�ngt er eine Schl�gerei an, bei der er weder sich noch den Gegner schont." �Schon gut, mein treuer Diener. Das sind sehr wertvolle Ausk�nfte", sagte Urfin. �Aus den Marranen werden sich gute Krieger machen lassen, freilich nicht mit Gewalt, sondern mit Schlauheit. Ich wei�, was ich zu tun habe."</p><p>Urfin ging auf den Hinterhof, go� Wasser und Krappwurzelsaft in einen Kessel und z�ndete darunter ein Feuer an. Mit der L�sung wollte er seinen besten Anzug rot f�rben. Damit begann er die Vorbereitungen zu seinem riskanten Unternehmen.</p><subtitle>EINE UNGEW�HNLICHE ERSCHEINUNG</subtitle><p>Urfin Juice war davon �berzeugt, da� die Vorsehung ihm Karfax eigens geschickt habe, um ihm, Urfin, bei der Verwirklichung seiner ehrgeizigen Pl�ne zu helfen. Er beschlo�, in einer mondlosen Nacht, von zuckenden Flammen umgeben, mit dem Riesenvogel zu den Marranen hinabzusteigen, die bei diesem Wunder erbeben und ihn f�r einen Gott halten w�rden.</p><p>Der Ausgesto�ene traf Vorbereitungen zum Verlassen der Heimat, der er schon lange �berdr�ssig war, Karfax war mittlerweile mit dem Clown mehrmals in das Land der Marranen geflogen, wo Eot Ling nachts das Tischlerwerkzeug und die allernotwendigsten Haushaltsger�te versteckte. Dann brachte der Adler auch den B�ren dorthin. Der B�r, sagte sich Urfin, dem Pfeile und Lanzen nichts anhaben k�nnen und der weder Schlaf noch Essen braucht, w�rde ihm ein zuverl�ssiger Besch�tzer sein inmitten der starken und gef�hrlichen Springer, seiner zuk�nftigen Untertanen. Wichtig war auch, da� die Springer, in deren Land es keine B�ren gab, Meister Petz f�r ein Wunder halten mu�ten.</p><p>Bei der Abreise schlo� Urfin sein Haus nicht ab, wie das letztemal, sondern legte trocknes Laub und Zweige in ein Zimmer und z�ndete sie an. Ob er nun die Herrschaft �ber die Springer erringen werde oder nicht, hierher wollte er nie mehr zur�ckkehren, denn er hatte das G�rtnerleben satt. ,Was immer auch kommen m�ge, ich stelle mich dem Schicksal!' entschied er.</p><p>Im Glanz des Feuers wollte er vom alten Leben Abschied nehmen und ein neues beginnen.</p><p>Urfins Haus brannte lichterloh. Die Einwohner Kogidas sahen, wie der Himmel sich r�tete und im Widerschein des Feuers ein riesiger Schatten nahte. Seit dem Auszug der Marranen aus dem unterirdischen Land waren Hunderte von Jahren vergangen, in denen es viele Naturkatastrophen gegeben hatte: Br�nde, �berschwemmungen, Erdrutsche. Aber noch nie hatten die Marranen solche Aufregung erlebt wie an jenem denkw�rdigen Abend. Es begann damit, da� in dem Ort, in dem F�rst Torm regierte, nach Anbruch der Dunkelheit ein braunes zottiges Tier auftauchte, das keinem der von ihnen bisher gesehenen glich.</p><p>�Achtung, Marranen, Achtung!" br�llte es. �Heute abend wird euch am Himmel der m�chtige Feuergott Urfin Juice erscheinen, euer k�nftiger Herrscher!"</p><p>Dann begann das kleine Holzmenschlein, das auf dem R�cken des Tieres sa�, mit schriller Stimme zu rufen: �Menschen des Marranenlandes, freut euch und frohlocket, der Feuergott Urfin Juice wird jetzt vom Himmel zu euch herabsteigen!"</p><p>Die herbeieilenden Marranen fragten F�rst Torm best�rzt, was das zu bedeuten habe. Der F�rst konnte ihnen aber auch keine Antwort geben.</p><p>Da zeigte sich �ber dem Dorf ein riesiger Schatten, von zuckenden Flammen umgeben. �Blitze!" raunten entsetzt die Marranen. W�hrend der Schatten immer tiefer sank, ert�nte eine Donnerstimme: �Ich begr��e euch, meine geliebten Marranen!"</p><p>Auf den Platz ging ein riesiger Vogel nieder, von dessen R�cken ein Mann in rotem Gewande sprang. Er trug einen grellroten Hut mit wei�en Federn und hielt in der hocherhobenen Hand eine brennende Fackel, von der nach allen Seiten hin Funken stoben.</p><p>Urfin Juices Erscheinen war au�erordentlich effektvoll. Die Springer sanken auf die Knie und schlugen die H�nde vors Gesicht, um sich vor den Flammen zu sch�tzen. Da rief der Herabgestiegene mit schallender Stimme:</p><p>�F�rchtet euch nicht! Ich bin nicht mit b�sen, sondern mit guten Absichten zu euch gekommen! Vor allem sollt ihr euch davon �berzeugen, da� die Flamme, die bisher Tod und Verderben �ber euch brachte, von jetzt an euer Diener ist. Meister Petz", wandte sich Urfin an den B�ren, �bring Stroh herbei!"</p><p>In der N�he lag ein Haufen Stroh, das jemand f�r den Bau einer H�tte vorbereitet hatte.</p><p>Der B�r schleppte es heran, und Juice z�ndete es an. Eine Flamme scho� empor, vor der die Marranen scheu zur�ckwichen. Urfin brach in ein schallendes Gel�chter aus.</p><p>�Habt keine Angst, Eure Durchlauchten F�rst Torm und F�rstin Juma, und ihr ehrw�rdigen �ltesten - Grem, Laks und Wenk - f�rchtet euch nicht und tretet n�her!"</p><p>Ein Raunen ging durch die Menge:</p><p>�Er kennt alle beim Namen! O Wunder! Das ist ein Gott!"</p><p>Das Geraune wurde von Eot Lings schriller Stimme �bert�nt:</p><p>�Der gro�e Urfin ist allm�chtig, Himmel und Erde sind ihm untertan!"</p><p>Und der arglose Karfax f�gte mit kr�chzendem Ba� hinzu:</p><p>�Urfin Juice ist edel, er f�hrt nur Gutes im Sinn!"</p><p>Als die Flamme erlosch, traten die Marranen n�her, Die Nacht war k�hl, wie immer in diesem Tal, und die Menschen froren. Die glimmende Asche strahlte wohlige W�rme aus, und Torm und die Stammes�ltesten wandten ihr bald die eine, bald die andere Seite ihrer K�rper zu. Ei, dachten sie, dieser Abgesandte des Himmels hat uns die W�rme und das Licht der Sonne gebracht!</p><p>Alle glaubten jetzt an die Zauberkraft Urfin Juices und waren bereit, ihn nicht nur als K�nig, sondern auch als Gott zu verehren.</p><subtitle>CHARLIE BLACKS FEUERZEUG</subtitle><p>Unter den Sachen Urfin Juices befand sich ein Gegenstand, der ihm besonders teuer war. In der Welt jenseits der Berge konnte man dieses zierliche Ding f�r wenig Geld kaufen, im Zauberland aber hielt man es f�r ein Wunder.</p><p>Dabei war es nur ein einfaches, flaches Feuerzeug. Urfin hatte es ergattert, als er, vom Thron gest�rzt, im Gef�ngnis sa� und auf die Gerichtsverhandlung wartete. Damals war der einbeinige Seemann Charlie Black zu ihm gekommen und hatte ihm lange zugeredet, er solle seine Verbrechen bereuen. Urfin war jedoch zu verstockt, um Reue zu �ben.</p><p>Ver�rgert wandte sich der Seemann ab und ging, In diesem Augenblick glitt das Feuerzeug aus seiner Tasche und fiel auf das Stroh, das den Boden bedeckte. Kaum war Black aus der T�r, sprang Urfin auf und steckte das Feuerzeug ein, da er dessen Wert kannte.</p><p>Er verbarg das Feuerzeug in seinen Kleidern und nahm es in die Verbannung mit. Das schmucke Ding str�mte einen Geruch aus, der Urfin gefiel, wenngleich er keine Ahnung hatte, was Benzin ist. Als das Benzin verdunstete, machte sich Urfin zun�chst gro�e Sorgen, aber dann trieb er eine Flasche leichten Petroleums auf, das ihm das Benzin ersetzte.</p><p>Viele Jahre lang bewahrte Juice das Feuerzeug, das er von Zeit zu Zeit hervorholte, um sich an seinem Anblick zu erg�tzen. Als er die Rolle des Feuergottes der Marranen zu spielen beschlo�, erwies ihm das Feuerzeug einen gro�en Dienst, denn damit konnte er den Springern vorgaukeln, da� das Feuer ihm auf den Wink gehorche. Fr�her pflegte er, um Feuer zu erzeugen, ein Stahlpl�ttchen an einem Feuerstein zu reiben, bis ein Funken auf den Zunder fiel, und dann auf diesen zu blasen, bis er zu glimmen anfing. Das forderte Zeit und machte keinen starken Eindruck. Anders, wenn</p><p>das Feuer aus der ausgestreckten Hand hervorspringt und augenblicklich ein B�ndel Stroh entz�ndet, das lichterloh brennt und W�rme verbreitet.</p><p>Nat�rlich h�tte Urfin im Dorfladen Streichh�lzer kaufen k�nnen, doch sagte er sich, mit einem Feuerzeug werde er sich viel besser als Gott aufspielen k�nnen. Gleich nach seiner Ankunft versetzte Urfin die Marranen in gewaltiges Staunen, als er aus der ausgestreckten Hand viele Male hintereinander Feuer aufblitzen lie�, wor�ber die Zuschauer jedesmal in helle Begeisterung ausbrachen.</p><subtitle>WIE DIE G�TTER LEBEN</subtitle><p>Urfins Wunsch so schnell wie m�glich Herrscher des Wunderlandes zu werden, war so st�rk, da� er keinen Tag verlieren wollte,</p><p>Die erste Nacht verbrachte Urfin in der H�tte Torms auf dessen Lager, und am n�chsten Morgen erkl�rte er dem F�rsten, man m�sse sofort darangehen, einen Palast f�r ihn, den Feuergott, zu bauen. In seinen himmlischen Besitzt�mern, sagte Urfin, habe er herrliche Pal�ste zur�ckgelassen. Tausende Menschen begannen aus den Bergen Steine zu einem H�gel zu schleppen, den Urfin sich f�r seinen Palast ausgew�hlt hatte. Arbeiter sch�pften Schlamm aus dem See, der als Zement dienen sollte. Urfin lehrte die Marranen, wie man Fundamente baut. Er zeigte ihnen, wie sie die Steine bearbeiten und mit Zement zusammenf�gen sollten. Die Marranen erwiesen sich als sehr gelehrig, und die Arbeit ging ihnen flott von der Hand. Die Geschicktesten wurden von Urfin zu Vorarbeitern gemacht. Sein Werkzeug hatte er w�hrend des Gewitters aus dem Versteck geholt, als es donnerte und blitzte und die entsetzten Marranen, die Augen fest geschlossen und die H�nde an den Kopf gepre�t, in ihren H�tten lagen.</p><p>Eot Ling, der den Herold spielte, verk�ndete den Springern, die Gegenst�nde, mit denen ihr Gebieter arbeite, seien heilig. Die Sonne, die Herrin und Gebieterin des Himmels, sagte er, habe sie dem gro�en Urfin geschickt, und wer sie ohne dessen Erlaubnis anr�hre, begehe eine schreckliche S�nde.</p><p>Urfin begann an den T�r - und Fensterst�cken zu arbeiten, die Balken f�r Decken und Dachstuhl zu behobeln und die Fensterrahmen zu zimmern. Alles gedieh unter seinen geschickten H�nden. Die Arbeit machte ihm jetzt besondere Freude, hatte er doch seit Jahren weder Axt noch Mei�el in die Hand genommen.</p><p>Ein anderer h�tte dabei seine ehrgeizigen Pl�ne gewi� vergessen. Urfin dachte aber nur an die Schmach, die man ihm in der Smaragdenstadt angetan hatte, und die Verachtung, die ihm ihre Einwohner zeigten, als sie annahmen, er werde keinen Schaden mehr stiften k�nnen.</p><p>�Die Feinde sollen keine Gnade bei mir finden! Ich will Rache, nur Rache!" zischte er.</p><p>Um Urfin dr�ngten sich respektvoll Gaffer und bestaunten die Gegenst�nde, die aus seinen H�nden hervorgingen. Das Quietschen des Hobels, der �ber das Brett strich, das Klopfen des Mei�els und das Surren der S�ge kamen den Springern wie Wunder vor, die nur ein Gott vollbringen kann.</p><p>F�rst Torm war au�erordentlich erfreut, als der Feuergott ihm erlaubte, mit dem Hobel mehrmals �ber ein Brett zu streichen. Er las die Hobelsp�ne von der Erde auf und trug sie als ein Zeichen g�ttlicher Gnade feierlich in seine H�tte. Die W�nde des Palastes wuchsen, und der Bau wurde immer imposanter. Die Marranen schauten voller Ehrfurcht darauf.</p><p>Diese Leute hatten eine seltsame Eigenschaft: Nachdem sie am Tag viel gelaufen und gesprungen waren, schliefen sie nachts so fest, da� selbst ein Kanonenschu� sie nicht h�tte wecken k�nnen. Urfin wu�te das zu nutzen. Durch Eot Ling lie� er den Springern sagen, da� eine jede Familie dem Gott einen Edelstein zum Geschenk machen m�sse, sonst w�rde schon in allern�chster Zeit ein Ungl�ck �ber sie hereinbrechen. Die erschrockenen Marranen schleppten ihre sch�nsten Edelsteine herbei. Eines Nachts, als die Einwohner schliefen, flog Urfin mit dem Adler in das Land der Schw�tzer. In der Rosa Stadt fand er einen Kaufmann, der sich f�r zwei Dutzend Edelsteine bereit erkl�rte, ihm sch�ne M�bel, Teppiche, Fenstervorh�nge, Kochgeschirr, Fensterglas und viele andere Gegenst�nde zu besorgen.</p><p>In der folgenden Nacht wurde alles in das Tal der Marranen bef�rdert und in einer H�hle versteckt. Karfax mi�fiel diese Geheimnistuerei. �Warum machst du deine Eink�ufe nicht bei hellichtem Tage?" fragte der Adler, Urfin erwiderte schlau:</p><p>�Mein lieber Freund Karfax, versteh doch, wenn ich die Marranen bel�ge, so tu ich es doch mit einem edlen Ziel. Haben sie sich �berzeugt, da� ich zaubern kann, werden sie mir williger in ein gl�ckliches Leben folgen."</p><p>Der Palast war mittlerweile fertig geworden. Das Dach bestand aus Ziegeln, die die Frauen aus Lehm gemacht und Urfin selbst gebrannt hatte. Drinnen aber war es leer, die Fenster waren unverglast. Am Abend sagte Urfin zu Torm:</p><p>�Ich lade Eure Durchlaucht mit Gemahlin und R�ten morgen zu einem Fest ein, da� ich aus Anla� meines Einzugs in den Palast gebe."</p><p>Torm entgegnete verwundert:</p><p>�Gro�er Urfin, dein Palast ist doch leer!"</p><p>�Macht Euch keine Sorge", l�chelte Urfin �berheblich. �Ihr einfachen Sterblichen habt keine Ahnung, was ein Gott alles vermag."</p><p>Die ganze Nacht arbeiteten Urfin und der B�r im- Schwei�e ihres Angesichts. Als Torm und die �ltesten am Morgen vor dem Palast erschienen, wollten sie ihren Augen nicht trauen.</p><p>Der Palast funkelte sie mit frischgeputzten Fenstern an, und in den Gem�chern empfing sie eine ungew�hnliche Pracht. Auf den. Dielen lagen dicke Teppiche, vor den Fenstern hingen bunte Vorh�nge, elegante M�bel standen in den Zimmern, und der Speisesaal str�mte den Duft erlesener Gerichte aus, �Oh, Wunder!" riefen die Marranen und sanken in die Knie.</p><p>Die auf dem Feuer bereiteten Speisen schmeckten dem F�rsten, seiner Gemahlin und den W�rdentr�gern au�erordentlich. Auf dem Tisch standen Sch�sseln mit frischem E</p><p>Brot, gebratenen Enten, gebackenem Obst und anderen Delikatessen, deren Geschmack die Springer bisher nicht gekannt hatten.</p><p>�So leben die G�tter!" rief Torm begeistert aus, lehnte sich in seinem Sessel zur�ck und streichelte seinen prallen Bauch.</p><p>, Ja, so leben die G�tter", sagte Urfin. �Aber von heute an werdet auch ihr Marranen so leben, wenn ihr meinen Befehlen gehorcht."</p><p>�Wir sind dazu bereit, gro�er Gott!" riefen die Springer. �Vor allem m��t ihr euch H�user bauen", sagte Juice. �H�user f�r uns?" riefen die Marranen entsetzt. �Sollen sie vielleicht so sein wie deines?"</p><p>�Nicht ganz so", sagte Urfin herablassend. �Sie sollen einfacher und kleiner sein, aber immerhin H�user. Au�erdem sollt ihr euer Essen auf dem Feuer bereiten, Ihr seht ja, da� es so besser schmeckt,"</p><p>In den Gesichtern der Marranen spiegelte sich die alte Angst vor dem Feuer, das sie noch immer f�r eine drohende und strafende Gottheit hielten. �Folgt mir!" befahl Urfin.</p><p>Er f�hrte die G�ste in die K�che und zeigte ihnen das Feuer, das friedlich im Herde brannte.</p><p>�Seht, wie ich das Feuer bezwungen habe", sagte Juice. �Genauso zahm soll es in euren Herden brennen. Es wird eure Wohnungen erw�rmen., und eure Frauen werden darauf Suppe kochen und Semmeln backen."</p><p>�Oh, du bist g�tig und gro�, Feuergott der Marranen!" riefen Torm und seine R�te. Im Tal der Marranen begann nun ein gro�es Bauen. Die ganze Last der Arbeit hatte nat�rlich das einfache Volk zu tragen. Die Adligen taten nichts, als die Maurer und Zimmerleute anzutreiben, die Urfin angelernt hatte und die mit kurzen E�pausen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang arbeiteten. Mit Wehmut gedachten die Arbeiter der fr�hlichen Boxk�mpfe, der sch�nen Lauf - und Springwettbewerbe, und manchem d�nkte es, da� das Erscheinen des Feuergottes vielleicht gar nicht so erfreulich sei, wie es ihnen anfangs geschienen hatte. Aber aus Furcht wagte niemand, bei solchen Gedanken l�nger zu verweilen.</p><p>Der Umzug Torms, Wenks, Grems und der anderen W�rdentr�ger in die neuen H�user vollzog sich mit gro�em Pomp. Das Volk, das sich vor den mit Glimmer bespannten Fenstern dr�ngte, sah die Silhouetten der Zecher und h�rte ihre trunkenen Stimmen (Urfin hatte die Marranen gelehrt, aus Weizenkorn ein berauschendes Getr�nk zu bereiten).</p><p>Die vornehmen Marranen waren von Urfin ganz eingenommen. Selbst wenn sie jetzt darauf gekommen w�ren, da� Urfin ein ganz gew�hnlicher Mensch war, der sich nur als Gott aufspielte, w�rden sie ihm trotzdem �berallhin folgen, und sei es bis ans Ende der Welt. Sie erinnerten sich nur ungern an die alte Zeit, da sie in H�tten lebten wie das gemeine Volk und sich wie dieses von Brei und Salzenten ern�hrten. Bei den Aristokraten hatten sich seit alters viele Edelsteine angesammelt: Amethyste, Rubine und Smaragde. Schon fr�her pflegten sie einen bescheidenen Handel mit den Schw�tzern zu f�hren, bei denen sie gegen Edelsteine die allernotwendigsten Waren eintauschten. Jetzt bl�hte dieser Handel auf, der sich ungef�hr so abwickelte: Die Marranen bestiegen den Berg, der dem Besitztum Stellas zugewandt war, gestikulierten und schrien so lange, bis sie die Aufmerksamkeit der Schw�tzer auf sich lenkten, Dann kamen diese herbei, bewunderten die Edelsteine und boten f�r sie H�hner und Hammel, Milch und Butter, Obst, Stoffe und sch�ne M�bel an. Als Torm einen geschnitzten Tisch mit den dazugeh�rigen St�hlen erwarb, die genauso aussahen wie die im Palast des Gottes, begann er die Wahrheit zu ahnen, doch er sagte niemandem ein Wort davon.</p><p>Nat�rlich waren die H�user, die die einfachen Leute f�r sich bauten, nicht aus Stein. Wie sollte ihnen auch der Sinn danach stehen, wo sie f�r die Stammes�ltesten so schwer arbeiten mu�ten. Als die H�user fertig waren, begannen die Marranen, die Saatfl�chen auszudehnen. F�r das Brotbacken und die sich schnell entwickelnde Weinbrennerei brauchten sie jetzt viel mehr Getreide als fr�her. Zum Heizen der �fen in den H�usern der Aristokraten war Holz notwendig, und jeden Morgen zog ein Trupp Marranen in den Wald und kehrte abends, mit schweren Holzb�ndeln beladen, zur�ck. Fr�her hatte das einfache Volk viel leichter gelebt.</p><p>Es vergingen drei Monate, als neue Lasten die Untertanen des F�rsten Torm zu dr�cken begannen.</p><p>Die Adligen, die miteinander wetteiferten, wer sein Haus prunkvoller einrichte, hatten die von ihren Vorfahren ererbten Kostbarkeiten verschwendet und besa�en jetzt nichts, wof�r sie sch�ne Teppiche, teure M�bel und elegante Kleider h�tten kaufen k�nnen, Also befahlen sie den armen Leuten, neue Smaragde und Diamanten f�r sie zu beschaffen.</p><p>Die Edelsteinvorkommen an der Erdoberfl�che waren aber versiegt, und deshalb mu�te man Gruben bauen, Damit diese nicht einst�rzten, mu�te man sie mit St�tzen versehen, f�r die das Holz aus dem fernen Wald herbeigeschafft wurde. Damit die Bergleute die gefundenen Sch�tze nicht verheimlichten, lie�en die Reichen sie von Aufsehern �berwachen, und damit diese ihre Pflichten redlich erf�llten, wurden ihnen hohe Geh�lter ausgesetzt, was wiederum auf Kosten der armen Leute ging.</p><p>Der weise Karfax beobachtete diese unerfreulichen Zust�nde mit Entr�stung. Er selbst hatte es nicht schlecht im Land der Marranen. In den Bergen gab es gen�gend Ziegen und auf dem See viele Enten, die gleichfalls gut schmeckten. Aber angesichts der Ungerechtigkeit im Lande wurde er immer trauriger.</p><p>An den Abenden stellte er Urfin oft zur Rede:</p><p>�Sag, wo ist das Gl�ck, das du diesem armen Volk versprochen hast?" Urfin erwiderte mit gespielter Begeisterung:</p><p>�Schau doch, wie F�rst Torm lebt und wie gut es Wenk, Grem und den anderen geht!" �Solcher Leute gibt es nur wenige in diesem Land", entgegnete Karfax, �die Mehrheit aber lebt viel schlechter als fr�her."</p><p>�Es geht doch nicht alles auf einmal!" wehrte Urfin ab. �Die anderen werden sp�ter an die Reihe kommen."</p><p>�Ich glaube dir immer weniger", sagte der edle Vogel traurig. ,,Der F�rst und seine R�te leben in Saus und Braus, weil Tausende Menschen f�r sie arbeiten." Um mit dem Adler nicht zu streiten, mied Urfin ihn jetzt. Im Land der Marranen aber ging alles weiter nach den Pl�nen des schlauen und ehrgeizigen Schwindlers.</p></section><section><title><p>ZWEITER TEIL</p><p>Die Macht!</p></title><subtitle>DER SCHEUCH ALS INGENIEUR</subtitle><p>Nach dem dritten Abschied von Elli kehrte der Scheuch verstimmt in die Smaragdenstadt zur�ck. Der Titel eines Dreimalweisen, auf den er fr�her so stolz war, machte ihm keine Freude mehr, die Berichte �ber die guten Getreide und Obsternten lie�en ihn gleichg�ltig und die von Lan Pirot, dem ehemaligen General der Holzarmee und heutigen Tanzlehrer, veranstalteten Vergn�gungen erheiterten ihn nicht.</p><p>Beim Abschied von Elli hatte der Scheuch seine feste �berzeugung ausgesprochen, das M�dchen werde in das Zauberland zur�ckkehren. Jetzt f�hlte er aber, da� es eine Trennung f�r ewig sei, und das bedr�ckte ihn sehr. Dar�ber hinaus hatte es der Eiserne Holzf�ller jetzt sehr eilig mit seiner Heimkehr, denn er versp�rte heftige Sehnsucht nach dem Violetten Land. �Bleib wenigstens noch einen Monat bei mir!" bat der Scheuch. �La� uns �ber die Vergangenheit sprechen, uns daran erinnern, wie wir mit dem Menschenfresser gek�mpft und den L�wen und Elli aus dem giftigen Mohnfeld hinausgetragen haben..." �Ich kann einfach nicht l�nger bleiben, glaub mir!" erwiderte der Eiserne Holzf�ller, auf und ab gehend und mit Besorgnis horchend, ob das Herz in seiner Brust noch schlage. �Du wei�t, da� das Leben im unterirdischen Land meine Gesundheit untergraben hat. Auch werden wir beide alt, lieber Freund, wir werden alt! Ich mu� mich schon wieder an den Arzt wenden."</p><p>Die Behandlung des Holzf�llers bestand darin, da� ein geschickter Handwerker den Flicken an dessen eiserner Brust l�pfte, das seidene Herz mit frischen S�gesp�nen nachf�llte und den Flicken wieder zul�tete, worauf das Herz erneut kr�ftig zu schlagen begann. Dann wurden die Gelenke des Eisernen Mannes ge�lt und der ganze K�rper aufpoliert.</p><p>Der Eiserne Holzf�ller ging. Aber in der Smaragdenstadt verblieben die anderen G�ste des Scheuchs, n�mlich der Tapfere L�we und die Kr�he Kaggi-Karr. Die drei Freunde sprachen stundenlang �ber ihre gemeinsamen Erlebnisse, erinnerten sich an die vergangenen Tage, verurteilten das Verhalten des t�ckischen Urfin Juice und freuten sich f�r die unterirdischen K�nige, die der weise Scheuch in arbeitsfreudige Handwerker verwandelt hatte.</p><p>Dann zog auch der L�we fort, weil er seine L�win und die L�wenjungen nicht l�nger vermissen konnte. Jetzt war nur noch Kaggi-Karr da, und der arme Scheuch verging fast vor Langeweile. Er h�tte sich gerne �fter mit Faramant, dem H�ter des Tores, und mit dem langb�rtigen Soldaten Din Gior getroffen, aber die waren jetzt zur Aus�bung ihrer Pflichten zur�ckgekehrt.</p><p>Faramant hatte erneut das Wachh�uschen am Stadttor bezogen und setzte einem jeden Ank�mmling die gr�ne Brille auf, damit er �ber die Herrlichkeiten der Smaragdenstadt nicht erblinde.</p><p>�Ich f�hre den Befehl des Gro�en Goodwin aus", sagte der gute Mann zu den Leuten, �und werde ihn ausf�hren, so lange ich lebe. Dann wird mein Nachfolger dasselbe tun... "</p><p>Der ehemalige Feldmarschall Din Gior hatte erneut seinen Posten auf dem hohen Turm bezogen, blickte oft in den Handspiegel und k�mmte mit einem goldenen Kamm seinen wallenden Bart. Wenn er dieser angenehmen Besch�ftigung nachging, konnten die</p><p>Besucher stundenlang vergeblich pfeifen und schreien, er m�ge die Zugbr�cke herablassen. Din Gior sah und h�rte sie nicht.</p><p>Der Scheuch beschlo�, etwas Gro�es zu unternehmen, um die zehrende Langeweile zu vertreiben. Zu diesem Zweck zog er sich in den Thronsaal zur�ck und begann zu �berlegen. Er dachte so angestrengt nach, da� sein Kopf sich riesig aufbl�hte und die Nadeln und Stecknadeln hervortraten (Goodwin hatte sie den S�gesp�nen beigemischt, damit das Gehirn sch�rfer sei), was ihn einem gewaltigen Igel �hnlich machte. Im Kopf des Scheuches entstand ein wunderlicher Plan-n�mlich die Smaragdenstadt in eine Insel zu verwandeln. Als er Din Gior und Faramant seine Absicht mitteilte, dachten diese, er sei verr�ckt.</p><p>�Mitnichten", entgegnete der Scheuch. �Ich wei� nicht, ob euch bekannt ist, da� man einen von Wasser umgebenen Teil des Festlandes Insel nennt. Das hat mir Elli gesagt, als sie mich Erdkunde lehrte. Unsere Stadt kann nicht zum Flu� gehen, damit dieser sie umgebe, weil St�dte eben nicht gehen k�nnen. Daf�r aber kann der Flu� zu uns kommen, denn sein Wasser flie�t. Ich werde befehlen, einen Kanal um die Stadt zu graben, und der Flu� Affira, der uns mit Wasser versorgt, wird den Kanal f�llen." Nach dieser langen Rede mu�te der Scheuch innehalten, um Atem zu sch�pfen. Die Zuh�rer blickten ihn erstaunt an. Faramant fragte: �Wozu soll sich die Smaragdenstadt in eine Insel verwandeln?" �Das wird unsere Wehrf�higkeit f�r den Fall eines feindlichen �berfalls verst�rken", kl�rte der Scheuch ihn auf. Din Gior, Faramant und Kaggi-Karr betrachteten voller Achtung den Strohmann. Sie fragten sich, woher er nur die langen und gelehrten W�rter nehme.</p><p>�Und wer wird den Kanal graben?" wollte Din Gior wissen. �Da mu� wohl eine ungeheure Menge Erde ausgehoben werden, und diese Arbeit wird Jahre dauern." �Das ist ja gut", sagte der Scheuch erfreut. �Da werde ich zumindest eine Besch�ftigung haben und mich nicht zu langweilen brauchen. Mit dem Graben werde ich die Holzk�pfe beauftragen, die haben sowieso nichts zu tun."</p><p>Der Scheuch und seine Gehilfen machten einen Rundgang um die Stadt. Es wurden Pfl�cke in den Boden geschlagen, die die Grenzen des k�nftigen Kanals markierten, und der gro�e Bau begann. Der Kanal sollte 4 Meilen lang und 500 Fu� breit sein. F�r einen Feind, dem es einfallen w�rde, die Smaragdenstadt anzugreifen, konnte es nicht leicht sein, ein solches Wasserhindernis zu nehmen,</p><p>Tag und Nacht arbeiteten die unerm�dlichen Holzk�pfe, Tag und Nacht fra�en sich die Spaten in den Grund ein und quietschten die Schubkarren, mit denen die Erde wegtransportiert wurde. (Man sch�ttete sie auf felsige B�den aus, damit diese sich in fruchtbare Felder verwandelten.)</p><p>�ber die viele Arbeit verga� der Scheuch seine Langeweile. Von fr�h bis sp�t, manchmal auch nachts, wenn der Mond schien, konnte man ihn auf dem Baugel�nde antreffen, wo er sich um alles k�mmerte, Messungen vornahm und �berall nach dem Rechten sah. Der Scheuch war der Oberingenieur des Vorhabens. Ihn begleiteten st�ndig h�lzerne Boten, schnellf��ige Melder, die mit seinen Auftr�gen hin und her flitzten und die Umgebung mit fr�hlichem L�rm erf�llten.</p><p>Zu gleicher Zeit entstand an den Mauern der Stadt ein gro�er Park. Entlang der breiten Alleen wurden die sch�nsten B�ume verpflanzt, die man nur in den weiten W�ldern des Landes auftreiben konnte. Dank dem milden Klima konnten die B�ume zu jeder Jahreszeit umgepflanzt werden, und sie gediehen pr�chtig am neuen Ort. In den Lichtungen des Parks entstanden schmucke Pavillons und Lauben und an den Kreuzungen der Alleen Springbrunnen.</p><p>Am Parkbau nahmen alle B�rger teil, wu�ten sie doch, da� die Anlage eine herrliche Erholungsst�tte sein werde, Es vergingen Monate und Jahre, und der Graben wurde immer breiter und tiefer. Dann kam die feierliche Stunde des Wassereinlasses. Der Zuleitungsgraben, der den Kanal mit dem Flu� Affira verband, war fertig, nur ein schmaler Sperrdamm hinderte das Wasser, sich in das vorbereitete Bett zu ergie�en. Dem Scheuch wurde die Ehre des ersten Schlages zuteil. Er nahm die Axt in seine schwachen H�nde und schlug sie gegen die Wand, worauf kr�ftige Holzk�pfe herbeieilten und ihr den Rest gaben. Das Wasser der Affira str�mte in den Graben. Die Menge, die sich am Ufer versammelt hatte, brach in Jubel aus. Die vornehmsten B�rger hoben den Scheuch empor und trugen ihn um die Stadt. W�hrend dieser Ehrenrunde befahl der Herrscher, von Zeit zu Zeit zu halten, nahm den mit goldenen Gl�ckchen behangenen breitkrempigen Hut ab und sprach �ber die Wehrbedeutung des Kanals.</p><p>Die B�rger h�rten die Reden des Scheuchs mit gro�er Aufmerksamkeit an und zollten ihm st�rmischen Beifall. Sie waren schon fr�her stolz darauf gewesen, da� es au�er ihrem Herrscher keinen anderen in der Welt gab, der mit Stroh ausgestopft ist und ein Gehirn aus S�gesp�nen, vermischt mit Nadeln und Stecknadeln, hat. Jetzt, da er obendrein ein solch ungew�hnliches Ingenieurtalent gezeigt hatte, steigerte sich ihre Achtung zu heller Begeisterung.</p><p>Im Park fand ein gro�es Volksfest statt, bei dem Berge von Torten und Kuchen verzehrt und 140 gro�e Limonadenf�sser ausgetrunken wurden.</p><p>Zum Fest hatten sich nat�rlich der Eiserne Holzf�ller, Ingenieur Lestar, der Tapfere L�we, der Herrscher des Blauen Landes Prem Kokus, der Herrscher der Erzgr�ber Ruschero und die Kr�he Kaggi-Karr eingefunden. Man erwies ihnen alle Ehren, die ihrem hohen Stande geziemten. Zeremonienmeister waren der langb�rtige Soldat Din Gior und der H�ter des Tores Faramant, der f�r alle G�ste gr�ne Brillen vorbereitet hatte.</p><p>Die ausf�hrliche Beschreibung des Festes ist in die Chronik der Smaragdeninsel eingegangen, wie von jetzt an die Hauptstadt des Gr�nen Landes genannt wurde. Jedermann kann diese Beschreibung in der Stadtbibliothek lesen. Sie ist in Schrank Nr. 7, Regal 4 aufbewahrt und tr�gt die Nummer 1542.</p><p>Binnen wenigen Wochen hatte die Affira den Graben bis zum Rand gef�llt. Bald sah man auf dem Kanal die schmucken Boote der reichen B�rger gleiten, und es kam der Brauch auf, Ruder- und Segelwettbewerbe zu veranstalten. Auf Befehl des Scheuchs wurde auch eine Rettungsstation eingerichtet, denn die Kinder badeten im Kanal von fr�h bis sp�t, und da konnten nat�rlich Unf�lle passieren.</p><p>Zur Verbindung mit dem Mutterland wurde gegen�ber dem Stadttor eine F�hrstation eingerichtet, die Tag und Nacht funktionierte. Als F�hrleute dienten Holzk�pfe. Wenn jemand auf die Insel gelangen oder sie verlassen wollte, winkte er den F�hrleuten, und diese schleppten die F�hre an einem Seil heran, das �ber dem Wasser gespannt war. F�r den Fall, da� Feinde auftauchten, hatten die F�hrleute Order, die F�hre sofort an die Insel zu ziehen und Alarm zu schlagen.</p><subtitle>DER ZAUBERFERNSEHER</subtitle><p>Arbeit ist eine ganz famose Sache! Wer vern�nftig und nutzbringend arbeitet, hat ein ausgef�lltes und freudiges Leben, w�hrend Nichtstuer vor Langeweile vergehen und nicht wissen, wie sie die Zeit totschlagen sollen.</p><p>Von dieser unstrittigen Wahrheit �berzeugte sich der Scheuch, als die gro�en Arbeiten am Kanal und im Park zu Ende waren, Jetzt wu�te er wieder nicht, womit er seine langen Tage und nicht weniger langen N�chte ausf�llen solle. Allerdings war noch das Kopfrechnen da, aber damit konnte er sich doch nicht 24 Stunden t�glich besch�ftigen. In diesen f�r den Scheuch so schweren Tagen trat eine unerwartete Begebenheit ein, die viele B�rger in Schrecken versetzte: S�dlich der Smaragdeninsel tauchte n�mlich hoch in der Luft eine Schar Fliegender Affen auf.</p><p>Die B�rger hatten diese furchtbaren Tiere noch gut in Erinnerung. Mit ihnen hatte Goodwin, der Gro�e und Schreckliche, gek�mpft und eine Niederlage erlitten. Elli hatte sie in den Palast gerufen, als sie noch den goldenen Hut besa�, die ihr Macht �ber die Affen gab. Das M�dchen w�nschte damals, da� die Affen sie in ihre Heimat, nach Kansas, fl�gen. Die Fliegenden Affen konnten aber das Wunderland nicht verlassen, denn das stand nicht in ihrer Macht.</p><p>Die Ungeheuer waren friedlich gestimmt. Sie gingen auf den Platz vor dem Palast nieder, und ihr Anf�hrer, der ein Paket trug, bat um eine Unterredung mit dem Herrscher. Ein H�fling eilte mit der Meldung zum Scheuch, und dieser befahl, die Besucher sofort vorzulassen.</p><p>Der Anf�hrer der Fliegenden Affen und der Strohmann waren alte Bekannte. Der Anf�hrer hatte einst auf Bastindas Befehl den Scheuch zerfetzt, sein Stroh in den Wind gestreut und Kopf und Kleid auf den Gipfel eines hohen Berges geschleudert. Wozu aber alte Erinnerungen auffrischen? Jetzt hatten die beiden keinen Grund zur Fehde, um so mehr, als der Affenh�uptling mit einem angenehmen Auftrag gekommen war. Nach liebensw�rdigen Verbeugungen beiderseits sagte der Anf�hrer der Affen: �Eure Majest�t, Dreimalweiser Herrscher der Smaragdeninsel! Ich habe die hohe Ehre, Euch ein Geschenk von unserer gemeinsamen Bekannten zu �berbringen, der m�chtigen Fee Stella, der Herrscherin des Rosa Landes. Sie hat von Eurer schlechten Stimmung erfahren und �bersendet Euch dieses Ding zur Zerstreuung." Bei diesen Worten packte der Affe vorsichtig das Paket aus, und zum Vorschein kam ein sch�ner Kasten aus rosa Holz, dessen Vorderwand aus dickem Mattglas bestand. �Woher wei� denn Frau Stella von meiner �blen Laune?" fragte der Scheuch verwundert.</p><p>�Das hat ihr dieser Kasten verraten", antwortete der Affenh�uptling, neigte sich zum Scheuch hinab und fl�sterte ihm ins Ohr, damit die H�flinge es nicht h�rten: �Ihr braucht nur die Zauberworte zu sagen: ,Birelija-turelija, buridakl-furidakl, es r�te sich der Himmel, es gr�ne das Gras-Kasten, K�stchen, zeig mir bitte dies und das... Dann wird der Kasten Euch zeigen, was Ihr zu sehen w�nscht. Falls Ihr aber die Worte nicht in der richtigen Reihenfolge sprecht oder auch nur einen Buchstaben verwechselt, bleibt die Beschw�rung wirkungslos. Habt Ihr Euch satt gesehen, so saget: K�stchen, mach Schlu�, es war mir ein Genu�!"</p><p>Der Affenh�uptling lie� den Scheuch die Beschw�rung so lange wiederholen, bis er sie auswendig kannte.</p><p>Dann sprach der Scheuch die Zauberworte und bat: �Kasten, K�stchen, sei so lieb, zeige mir die Fee Elli!" Die Mattscheibe blieb jedoch finster.</p><p>�Das geht nicht", lachte der Anf�hrer. �Auch ich w�rde gern die Fee Elli sehen, aber der Zauber wirkt nur in den Grenzen unseres Landes."</p><p>Da bat der Scheuch den Kasten, ihm den Eisernen Holzf�ller zu zeigen. Und siehe, der Bildschirm begann zu leuchten und zeigte den Holzf�ller! Der gute Mann befand sich wieder einmal in Behandlung. Er stand mit erhobenen Armen da, w�hrend ein Meister den Flicken an seiner Brust zul�tete. Als es soweit war, machte der Holzf�ller ein paar Schritte im Zimmer, Die Figuren waren zwar klein, aber sehr deutlich. Mehr noch: aus dem Kasten drang sogar die Stimme des Holzf�llers, die zwar leise, aber gut zu verstehen war. Er sagte:</p><p>�Ich danke Euch, Freund Lestar, mein Herz schl�gt wieder in der Brust, und wieder erf�llen es Liebe und Z�rtlichkeit." Der Scheuch h�pfte vor Begeisterung.</p><p>�Das ist ja ein famoses Mittel gegen die Langeweile!" rief er und w�nschte sogleich, den L�wen zu sehen.</p><p>Sein Wunsch ging prompt in Erf�llung. Der L�we lag, wahrscheinlich nach einem ausgiebigen Fr�hst�ck, in einer ger�umigen H�hle, neben ihm die L�win und die L�wenjungen.</p><p>�O Wunder, o Wunder!" rief der entz�ckte Scheuch und befahl, man solle die Abgesandten Stellas mit den sch�nsten Fr�chten seines Gartens bewirten. Dann bat er den Anf�hrer des Rudels, er m�ge Frau Stella seinen allerherzlichsten Dank ausrichten. Beim Abschied sagte der Anf�hrer leise zum Scheuch: ,,Frau Stella hat mir aufgetragen, Euch vor Urfin Juice zu warnen. Ihr sollt aufpassen, was er treibt." Zu jener Zeit lebte Urfin noch griesgr�mig in der Verbannung, aber Stella, die die Gabe der Voraussicht besa�, wu�te, da� man von ihm die schlimmsten �berraschungen zu gew�rtigen habe.</p><p>Der Scheuch war �ber die Warnung der guten Fee beunruhigt. Kaum hatten die Affen die Smaragdeninsel verlassen, sprach er die Beschw�rung und bat: �Kasten, K�stchen, bitte zeig mir Urfin Juice!"</p><p>Da zeigten sich auch schon auf der Mattscheibe das ferne westliche Land, das trostlose Haus Urfins und dieser selbst, wie er verdrossen in seinem Garten grub, Vor dem Haus sa� Meister Petz und zankte sich mit dem Holzclown, An diesem Bild gab es jedoch nichts Verd�chtiges, und der Scheuch schaltete um.</p><p>Tagelang sa� er nun vor dem Zauberkasten. Stellas Warnung beherzigend, beobachtete er von Zeit zu Zeit, was Urfin trieb, Es gab jedoch keinen Grund zur Beunruhigung. Einmal sah er Urfin im Garten graben, ein andermal ein gebratenes Kaninchen essen oder spazierengehen.</p><p>Ich kann nicht begreifen, welche Gefahr mir von diesem Ausgesto�enen drohen soll, brummte der Scheuch, Mehrere Monate lang war er von seinem Zauberkasten wie berauscht, doch dann verlor er die Lust daran und schaltete ihn immer seltener ein. Er war von dem Kasten entt�uscht, und in diesem Gef�hl best�rkte ihn noch die Kr�he Kaggi-Karr:</p><p>�Ist dir das Ding noch nicht zuwider?" fragte sie, �Sch�n, du hast den Eisernen Holzf�ller gesehen und den L�wen! Und was weiter? Kannst du sie vielleicht umarmen? Kannst du mit ihnen sprechen? Na, siehst du! Da ist es doch besser, wir statten dem Violetten Palast mal wieder einen Besuch ab." Zweimal im Jahr pflegten der Scheuch und der Holzf�ller einander zu besuchen und l�ngere Zeit beisammen zu sein. Dann und wann kam auch der Tapfere L�we, obwohl seine Reisefreudigkeit mit der Zeit merklich abgenommen hatte.</p><p>Bei den Zusammenk�nften f�hrten die Freunde endlose Gespr�che dar�ber, was besser sei: ein Gehirn, ein Herz oder Mut, und gedachten der gl�cklichen Zeit, da ihre geliebte Elli im Zauberland weilte und man gemeinsam viele spannende Abenteuer erlebte. Bei diesen Begegnungen verga� der Scheuch v�llig, den t�ckischen Urfin zu beobachten. Das h�tte er aber tun sollen! Denn nach sieben Jahren erzwungener Unt�tigkeit machte sich jetzt Urfin daran, seine neuen ehrgeizigen Pl�ne in die Tat umzusetzen.</p><subtitle>DAS GL�CK LIEGT HINTER DEN BERGEN!</subtitle><p>Es waren etliche Monate vergangen, nachdem Urfin Juice im Lande der Marranen als Feuergott erschienen war.</p><p>Im Volk wuchs die Unzufriedenheit mit jedem Tag. Die B�rger dachten mit Sehnsucht an die sch�ne Zeit zur�ck, da sie das Feuer noch nicht kannten, aber auch nicht so schwer f�r die Adligen zu arbeiten brauchten. Zu murren wagten die Marranen jedoch selbst im engsten Familienkreis nicht. Es kam jetzt oft vor, da� eine Schm�hung wider den Feuergott, die au�er der Frau und den Kindern eines B�rgers niemand geh�rt hatte, der Obrigkeit bekannt wurde, die den Schuldigen grausam bestrafte. Wenn der �rmste dann im funkelnagelneuen Gef�ngnis sa� und sich die zerschlagenen Rippen rieb, mu�te er sich fragen:</p><p>,Wer mag wohl meine dreisten Worte geh�rt haben? Hat vielleicht die Ratte, die in den Abf�llen vor meiner H�tte w�hlte, sie dem Gro�en Urfin hinterbracht?' Die vermeintliche Ratte war in Wirklichkeit der Spion Eot Ling, der im Kaninchenfellkleid �berall herumschn�ffelte.</p><p>Urfin f�hlte, da� die Emp�rung des Volkes sich bald in einem Aufruhr entladen w�rde, den die drei Dutzend Polizisten, die F�rst Torm aus den Reihen verl��licher Untertanen rekrutiert hatte, nicht w�rden unterdr�cken k�nnen,</p><p>�Es ist h�chste Zeit, die erbitterten Marranen �ber die bl�henden St�tten der Zwinkerer und K�uer herfallen zu lassen!" entschied Urfin. �Durch Hunger und Wut aufgestachelt, werden sie sich wie eine Lawine �ber das Zauberland w�lzen und alles zerst�ren!" Eot Ling billigte den Beschlu� seines Herrn.</p><p>�Wenn wir l�nger zaudern, kann ein Aufstand ausbrechen", sagte der Clown. �Ich habe schon in vielen H�tten Kn�ppel unter dem Stroh versteckt gesehen." �Diese Kn�ppel sollen jetzt auf die K�pfe der Untertanen des Scheuchs und des Eisernen Holzf�llers niederprasseln", sagte Urfin grimmig.</p><p>Am folgenden Tag versammelten sich auf Befehl des Feuergottes alle Einwohner des Marranenlandes auf einer gro�en Wiese am See. In den ersten Reihen standen die kr�ftigen M�nner, hinter ihnen dr�ngten sich Greise, Frauen und Kinder. Urfin bestieg einen gro�en Stein, den der B�r herbeigew�lzt hatte. Im roten Mantel, den roten Federhut auf dem Kopf, sah er im funkelnden Sonnenlicht wie ein echter Feuergott aus. Urfin erhob die Hand und alles verstummte.</p><p>�Meine geliebten Marranen!" begann er. �Ich wei�, da� viele von euch schlecht leben und mir die Schuld daf�r geben,.." Die M�nner senkten die K�pfe, w�hrend Urfin fortfuhr: �Eure Herzen liegen offen vor mir, ich sehe genau, was in ihnen vorgeht. Sag, Bois, und du, Hart, und du, Klem, gegen wen wollt ihr die Kn�ppel erheben, die ihr in euren H�tten versteckt habt?"</p><p>Auf den Stirnen der M�nner, die Juice genannt hatte, r�teten sich die senkrechten Furchen, die Male ihrer ehemaligen Unfreiheit. Die Polizisten wollten sich auf sie</p><p>st�rzen, um sie ins Gef�ngnis zu schleppen, aber eine gebieterische Handbewegung Urfins hielt sie zur�ck.</p><p>�Halt!" rief er. �Ich verzeihe ihnen, weil sie aus Unvernunft handelten. Marranen, meine geliebten Kinder! Ja, ihr habt es schwer. Aber wer ist daran schuld? Vielleicht euer guter F�rst Torm und seine edlen R�te? O nein! Sie m�chten euch alle Wohltaten des Lebens geben, aber sie k�nnen es nicht, und schuld daran ist das Schicksal! Ja, das Schicksal!" wiederholte Urfin mit markiger Stimme. �Seht euch doch um!" Mit einer weit ausholenden Armbewegung wies er ringsum, und die Marranen schauten auf ihre Ebene, als s�hen sie sie zum erstenmal.</p><p>�Diese enge und k�mmerliche Landschaft hat viele Steine und sehr wenig fruchtbare Erde! Hier gibt es nicht einmal die herrlichen Obstb�ume, die im �brigen Teil des Landes in �berflu� vorhanden sind. Hier gibt es keine Wiesen, auf denen man fette Schafe und Milchk�he z�chten k�nnte. Und jetzt schaut einmal nach dem Norden und dem Westen!"</p><p>Die Blicke der Zuh�rer folgten den' Bewegungen seiner Hand.</p><p>�W�rden euch die Berge nicht die Sicht nehmen, ihr w�rdet dort fruchtbare Ebenen mit Obsthainen und bl�henden Feldern und vielen warmen und behaglichen H�usern sehen. Dorthin will ich euch f�hren, meine Kinder, dort werdet ihr alle Lebensg�ter in �berflu� vorfinden! Euer Gl�ck liegt hinter den Bergen!"</p><p>Ein Jubel brach unter den Zuh�rern aus.</p><p>�F�hre uns, Vater!" riefen die erregten Marranen, und am lautesten schrien diejenigen, die mit dem Mal der Unfreiheit gezeichnet waren. �F�hre uns, gro�er Gott!" Urfin stellte mit einer Handbewegung die Ruhe wieder her. �Dort leben schwache, verz�rtelte Wesen, die von Schlagen und Raufen nichts verstehen... "</p><p>�Wir werden's ihnen schon beibringen!" br�llte der b�renstarke Bois, der in seiner H�tte einen Kn�ppel versteckt hatte. �Wir werden es diesen Waschlappen zeigen, ha-ha-ha!" Ein Chor kriegerischer Stimmen unterst�tzte ihn.</p><p>So lenkte Urfin den Zorn des Volkes gegen die v�llig unschuldigen Zwinkerer und K�uer.</p><p>Nach der Versammlung begann Urfin, Befehle zu erteilen. Er ernannte Boris, Klem, Hart und andere Raufbolde, alles kr�ftige Kerle und Draufg�nger, zu F�hrern der Hundertschaften, die er aufstellen wollte.</p><p>�Nehmt in eure Hundertschaften nur junge kr�ftige Burschen auf. Altes Ger�mpel brauchen wir nicht, mag es zu Hause bleiben und sich auf den Empfang der Kriegsbeute vorbereiten."</p><p>An jenem Morgen hatte sich Karfax auf die Jagd in die Berge begeben. Zur�ckgekehrt gewahrte er mit Staunen die ungew�hnliche Gesch�ftigkeit. Auf den Stra�en marschierten Trupps. Auf festgestampften Pl�tzen exerzierten Marranen mit Kn�ppeln. �berall waren kriegerische Stimmen zu h�ren. �Was ist los?" fragte der verwunderte Adler.</p><p>�Die Marranen wollen gegen die Zwinkerer und K�uer in den Krieg ziehen, und ich kann sie, auf Ehr und Gewissen, nicht davon abhalten", erwiderte Urfin unverfroren. �Die �rmsten leben ja so schlecht in ihrem Jammertal!" �O du Nichtsw�rdiger!" rief Karfax . �Du hast sie dazu aufgestachelt, weil du die Fr�chte eines Eroberungskrieges einheimsen willst!"</p><p>Mit weit aufgesperrtem Schnabel bewegte sich der riesige Vogel auf Urfin zu. Dieser</p><p>aber entbl��te seine Brust und sagte:</p><p>�Da, t�te mich, wenn du kannst!" Karfax wich zur�ck.</p><p>�Schurke!" rief er. �Du wei�t, da� ich meinem Retter kein Leid zuf�gen kann. Das hast du schon immer gewu�t, Elender! Hast hinter meinem R�cken R�nke geschmiedet, und ich habe dir dabei sogar geholfen. O ich Ungl�cklicher! Ich war ein nichtsw�rdiges Werkzeug in den H�nden eines Schurken! Aber ich will meine S�nde durch den Tod b��en. Nur merke dir, Urfin! Du wirst kein gutes Ende nehmen, das sage ich dir in der Stunde der Voraussicht, die uns Riesenadler manchmal erleuchtet!" Nach dieser Prophezeiung schwang sich Karfax in die L�fte und flog in Richtung des Adlertals seinem Schicksal entgegen. Er wu�te, da� Arraches, sein �rgster Feind, ihn t�ten w�rde. Aber er wollte nicht l�nger bei Urfin bleiben, damit niemand denke, da� er die t�ckischen Pl�ne des B�sewichts guthei�e.</p><p>AUF DEM MARSCH</p><p>Urfins Armee bestand aus 20 Kompanien, jede 100 Mann stark. Juice dachte, da� 2000 Soldaten f�r die Eroberung des Violetten und des Blauen Landes sowie der Smaragdeninsel ausreichen w�rden. Um die Mittagszeit setzte sich die Armee in Marsch. Bis zu den Bergen gab ihr die Bev�lkerung des Tals das Geleit. Jeder Soldat trug eine Schleuder mit Steinen als Munition, einen dicken Kn�ppel und einen Ranzen mit Proviant.</p><p>Als die Marranen vom Berg hinabstiegen, kostete es die Obersten gro�e M�he, die Marschordnung aufrechtzuerhalten. Immer wieder gerieten die Kolonnen in Unordnung, weil bald ein Soldat, bald ein anderer aus der Reihe lief, um nach einem Schmetterling oder einem Vogel zu haschen oder ein Bl�mchen zu bestaunen, -das alles gab es n�mlich in ihrer Heimat nicht.</p><p>Urfin sa� rittlings auf seinem B�r und dachte mit Kummer an seine ehemaligen disziplinierten Holzk�pfe. Es sollte aber noch schlimmer kommen. Als es dunkelte, entstand ein wirres Durcheinander, weil sich die Soldaten des Schlafs nicht erwehren konnten. Urfin konnte gerade noch Posten aufstellen, da versank die ganze Armee in tiefen Schlaf. Nach einer halben Stunde ging er die Posten inspizieren und fand sie alle schlafend, obwohl sie strengen Befehl hatten, das Lager zu bewachen. Manche lagen zusammengerollt auf der Erde, andere schnarchten sitzend, andere wieder waren stehend eingeschlafen und hielten sich an den B�umen fest. Zornig befahl Urfin dem B�ren, sie auf den Kopf zu stellen und an die B�ume anzulehnen. Keiner der Schlafenden wachte dar�ber auf.</p><p>Bei einem n�chtlichen �berfall h�tte ein Feind alle diese �Helden" wie K�ken abschlachten k�nnen. In der N�he gab es aber keinen Feind, und Urfin beschlo�, es mit den Dienstvorschriften nicht so genau zu nehmen. Er ging in sein Zelt und legte sich schlafen. �ber seine Ruhe wachte der nimmerm�de B�r.</p><p>Ein k�hler Morgenwind weckte die Marranen. Fr�stelnd liefen sie zum nahen Bach, um sich zu waschen. Nach einem kargen Fr�hst�ck setzte sich die Armee wieder in Marsch. Einige Stunden sp�ter stand sie vor dem gro�en Flu�, an dem einst das Hochwasser Elli und ihre Freunde �berrascht hatte. Das Wasser hatte damals den Scheuch fortgerissen, und der L�we und das M�dchen waren beinahe in den Wellen ertrunken. �ngstlich blickten die Marranen jetzt auf den Flu�. In ihrem Tal hatten sie niemals so viel flie�endes Wasser gesehen. Die B�che, die dort den H�ngen entsprangen, str�mten schnell dem Mittelsee zu und bildeten keine Fl�sse.</p><p>Der Flu� hielt die Armee lange Zeit auf, denn die Marranen konnten nicht schwimmen. Es mu�ten Fl��e gezimmert werden, mit denen der Feldherr selbst die Soldaten �ber das Wasser setzte. Schlie�lich war dieses Hindernis �berwunden, und die ungeordneten Kolonnen marschierten weiter. Die Soldaten waren hungrig, denn schon am zweiten Tag des Feldzuges hatten sie den ganzen Proviant verzehrt. Der Weg f�hrte durch einen Obsthain, in dem ein schrecklicher Tumult entstand. Hungrig st�rzten sich die Soldaten auf die B�ume, schlugen die Fr�chte ab, die reifen wie die gr�nen, und begannen sie wahllos in sich hineinzustopfen. Vergeblich hielt Urfin sie zur M��igung an - niemand h�rte auf ihn. Am Abend bekam die ganze Armee Bauchschmerzen. Davon blieben weder der Oberste Feldgeistliche Krag noch die Kompanief�hrer verschont.</p><p>Drei Tage w�lzte sich die Armee in Kr�mpfen, und wenn niemand starb, so war das nur den starken Magen der Marranen zu verdanken. Als sie sich zu erholen begannen, sch�rfte ihnen Urfin stundenlang ein, da� sie strengste Disziplin wahren und seinen Befehlen blindlings zu gehorchen h�tten.</p><p>Aber wer h�tte diese unwissenden Menschen, die zwar schnell begriffen, was man von ihnen wollte, aber ebenso schnell wieder alles verga�en, in so kurzer Zeit umerziehen k�nnen?</p><p>Am zehnten Tag tauchte abseits von der Stra�e ein Dorf der Zwinkerer auf. Es kostete Urfin gro�e M�he, seine Krieger davon abzuhalten, das kleine Dorf mit der ganzen Armee anzugreifen. Als sie schlie�lich begriffen hatten, erteilte der Feldherr der Kompanie Bois' Befehl, das Dorf zu nehmen.</p><p>Selbstverst�ndlich kam es nicht zu einer Schlacht. Kaum sahen die Zwinkerer die Rotte br�llender, gro�k�pfiger Menschen auf ihr kleines Dorf zurennen, ergaben sie sich und wurden augenblicklich aus ihren H�usern gejagt. Es begann ein w�stes Pl�ndern. Das Dorf z�hlte 23 H�user, und in jedem rauften und balgten sich die Eroberer untereinander.</p><p>�Das geh�rt mir!" schrie ein w�tender Marrane, dem ein anderer irgendeinen Gegenstand zu entrei�en suchte - einen Stuhl, ein Handtuch oder ein Kissen - ,und dabei bearbeiteten sie sich gegenseitig mit ihren F�usten, da� es krachte. Bald da, bald dort flog durch ein Fenster oder eine offene T�r ein K�mpfer auf die Stra�e, w�hrend die anderen zum Entsetzen der umstehenden Zwinkerer wild aufeinander eindroschen. Das dauerte so lange, bis im Zimmer nur ein Mann �brigblieb, der im Raufen die anderen �bertraf. Triumphierend sah er sich um und br�llte:</p><p>�Das ist jetzt mein Haus. Noch heute will ich meine Familie holen!"</p><p>Als Bois' Kompanie zur Truppe zur�ckkehrte, fehlten der Kommandeur und zweiundzwanzig Mann.</p><p>�Wo sind die �brigen?" fragte Urfin. �Sind sie im Kampf gefallen?" �Nein, Herr", erwiderte ein Soldat, �sie sind im Dorf geblieben." �Was hei�t das?" Urfin zog seine schwarzen Brauen zusammen.</p><p>�Du hast doch gesagt, wir werden in warmen, bequemen H�usern wohnen, wenn wir sie erobern", sagte der Soldat. �Jetzt haben sie sie erobert und wollen in ihnen wohnen." �Das hat gerade noch gefehlt!" entschl�pfte es Urfin. �Wenn ich nicht eingreife, verstreut sich meine Armee �ber die eroberten D�rfer, und dann kommen wohl nur ich und der B�r bis zum Violetten Palast. Nein, so geht es nicht!" Urfin kehrte in das Dorf zur�ck, um Bois mit seinen Soldaten zur�ckzuholen.</p><p>Eine geschlagene Stunde redete der Feldherr auf die Dicksch�del ein. Er malte ihnen aus, welch herrliche Sch�tze ihrer harrten und wie verlockend die Smaragdenstadt sei. Aber das konnten die Marranen mit ihren unentwickelten Hirnen nicht begreifen. Wie sollten sie auch, wenn vor ihnen die H�user der Zwinkerer so sch�n und einladend standen!</p><p>Nur mit M�he gelang es Urfin, die Soldaten doch zu �berreden. Als sie fort waren, gingen die Zwinkerer daran, ihre verw�steten Behausungen wieder herzurichten. Aber wie sah die Kompanie Bois' nach diesem ersten �Gefecht" aus! Der eine hatte sich einen Kochtopf auf den Kopf gest�lpt, ein anderer hielt viele Messer und Gabeln in den H�nden, ein dritter hatte sich einen gewaltigen Waschtrog auf den R�cken geschnallt, und zwei Riesenkerle schleppten ein Bettgestell mit Federbett, Kissen und Decke mit sich.</p><p>�ber dieses komische Bild mu�te selbst der m�rrische Urfin lachen. �brigens wurden die Soldaten ihrer Beute bald �berdr�ssig. Zuerst warfen sie das Bett fort, diesem folgte der Trog und dann alles andere. Sie taten wie Kinder, die ihre Spielsachen schnell satt haben und liegenlassen.</p><subtitle>DIE GEFANGENNAHME DES EISERNEN HOLZF�LLERS</subtitle><p>Urfins Armee bewegte sich schnell vorw�rts. Die Zwinkerer, friedliche Handwerker und Bauern, konnten der Rotte kraftstrotzender Burschen keinen Widerstand leisten. Die Marranen hatten Urfins Lehren beherzigt. Jetzt blieben sie nicht mehr in den eroberten H�usern, r�hrten auch Geschirr und M�bel nicht an und nahmen nur Kleidung und Decken mit. Allerdings raubten sie alles E�bare: Milch und Butter, K�se und Mehl, H�hner und G�nse und schlachteten K�he und Schafe. Nach ihrem Abzug sahen die D�rfer wie Felder nach einer Heuschreckenplage aus. Kein Zwinkerer konnte den Eisernen Holzf�ller vor der nahenden Gefahr warnen, denn Urfin handelte nach allen Regeln der Kriegskunst. Er schickte der Truppe eine Schar Sp�her voran, die alle Einwohner, die nach Nordost zu entweichen suchten, abfingen. Deshalb traf der Herrscher des Violetten Landes keine Vorsichtsma�nahmen.</p><p>Als die Armee sich dem Schlo� des Eisernen Holzf�llers auf einige Meilen gen�hert hatte, befahl Urfin zu halten, w�hrend er selbst mit etwa zwei Dutzend Aufkl�rern, dem B�ren und dem Clown weiter vorstie�.</p><p>Die Kundschafter bewegten sich sehr vorsichtig. Sie krochen auf dem Bauch und horchten nach allen Seiten. Als ein verd�chtiges Ger�usch an ihr Ohr drang, legte sich Urfin auf die Erde und machte den Soldaten und dem B�ren ein Zeichen, dasselbe zu tun. Nur Eot Ling, der in seinem Kaninchenfellkleid von der grauen Erde nicht zu unterscheiden war, pirschte sich weiter vor. Nach wenigen Minuten kam er zur�ck und sagte leise: �Ich habe den Eisernen Holzf�ller gesehen. Er rodet Wurzeln."</p><p>Das Wurzelroden war die Lieblingsbesch�ftigung des eisernen Mannes. Sie erinnerte ihn an die Vergangenheit, da er noch ein Mensch war wie jeder andere und im Walde arbeitete, denn er wollte sich ein Heim bauen und das M�dchen heiraten, das er liebte. Das M�dchen hatte aber eine b�se Tante, die sich bei der Hexe Gingema lieb Kind machte und sie anstiftete, die Axt des Holzf�llers zu verzaubern. Die Axt hieb dem �rmsten zuerst die Beine ab, dann die Arme und zuletzt auch den Kopf. Ein geschickter Schmied machte dem Mann neue Beine und Arme und einen Kopf aus Eisen, nur ein Herz konnte er f�r ihn nicht anfertigen. Das bekam der Holzf�ller sp�ter vom Zauberer Goodwin und war damit sehr zufrieden.</p><p>Das Wurzelroden brachte auch gro�en Nutzen, denn der Holzf�ller �bergab die ges�uberten Felder den Zwinkerern, die auf ihnen Weizen s�ten. Nicht umsonst waren diese so stolz auf den eisernen Mann und liebten ihn wie einen Vater, war er doch der einzige Herrscher auf der Welt, der f�r seine Untertanen arbeitete. Urfin fragte den Clown: �Ist er allein?" �Ja."</p><p>�Und wo ist seine schreckliche Axt?" �Sie liegt zwanzig Schritt weit von ihm." �Oh, dann ist er in unserer Hand!" frohlockte Urfin. Er befahl den Marranen, den Holzf�ller einzukreisen und sich von allen Seiten auf ihn zu st�rzen. Der B�r sollte indessen auf die Axt zulaufen und sie mit seinem schweren Leib bedecken. Der Holzf�ller, sagte er, d�rfe auf keinen Fall die Axt in seine Hand bekommen, andernfalls k�nnte er mit seiner gewaltigen Kraft die Angreifer zur�ckschlagen, wie zahlreich sie auch sein mochten.</p><p>Nichtsahnend dr�ckte der eiserne Mann auf seinen dicken Kn�ppel, den er unter eine Wurzel geschoben hatte, w�hrend in seinem Kopf freudige Gedanken umgingen. Er hatte vor kurzem die Nachricht erhalten, da� der Scheuch und die Kr�he Kaggi-Karr ihn demn�chst besuchen wollten, und jetzt schwelgte er im Vorgef�hl der Gespr�che �ber die Vergangenheit, die sie f�hren w�rden.</p><p>Mit einemmal ver�nderte sich das friedliche Bild: Hinter Wurzeln und kleinen Erdh�geln sprangen grimmige Gestalten hervor, die sich br�llend auf den Holzf�ller st�rzten. Der Mann war so �berrascht, da� er nicht einmal den Kn�ppel ergriff, der in seinen H�nden eine furchtbare Waffe sein konnte.</p><p>,Die Axt, nur die Axt kann mich retten!' scho� es dem Holzf�ller durch den Kopf. Er sch�ttelte die Angreifer ab und machte ein paar S�tze auf die Axt zu, die in diesem Augenblick unter dem m�chtigen Leib des B�ren verschwand.</p><p>Marranen hingen am R�cken des Holzf�llers und umklammerten seine Arme und Beine. Urfin hatte f�r seinen Kundscha^ertrupp die kr�ftigsten und flinksten Soldaten ausgesucht. Der Kampf dauerte nicht lange. Bald lag der eiserne Mann gefesselt auf dem Boden. Es fehlte nicht viel, da� Tr�nen ohnm�chtiger Wut aus seinen Augen rannen, aber zum Gl�ck fiel ihm rechtzeitig ein, da� er dann verrosten und niemand sich finden w�rde, ihm die Glieder einzu�len.</p><p>Mit der ganzen Kraft seines Willens dr�ngte der Holzf�ller die Tr�nen zur�ck und hob die Augen. Vor ihm stand, den Mund zu einem h�hnischen Grinsen verzogen, Urfin Juice.</p><p>�Ihr... Ihr seid es!" entfuhr es dem Holzf�ller. �Wie ist das m�glich? Der Scheuch hat doch gesagt, Ihr lebt zur�ckgezogen in Eurem Haus im Blauen Land..." �Woher wu�te er das?" fragte Urfin argw�hnisch.</p><p>Der Holzf�ller h�tte sich beinahe versprochen und vom Zauberkasten erz�hlt, besann sich aber, da� er dieses Geheimnis dem Feind nicht verraten durfte. �brigens half Urfin selbst ihm aus der Verlegenheit.</p><p>�Oh, ich verstehe! Das haben ihm nat�rlich die K�uer hinterbracht. Ja, ich habe dort lange Jahre gelebt, aber, wie Ihr seht, bin ich jetzt hier, und mir gehorchen nicht zweihundert steife Holzsoldaten, sondern Tausende kr�ftiger und flinker Springer!" �Wie konntet Ihr nur die Macht �ber sie erringen?" fragte der Holzf�ller. �Die haben doch niemals jemanden an sich herangelassen!"</p><p>�Bei mir haben sie eben eine Ausnahme gemacht", prahlte Urfin. �Die wissen ja, wer ich bin. Aber zur Sache. Ich schlage Euch wieder vor: Wollt Ihr mein Statthalter im Violetten Lande werden und die Zwinkerer in meinem Namen regieren?" Juice konnte sich nat�rlich einen anderen Statthalter nehmen, aber er wollte, da� ein so ber�hmter Mann wie der Eiserne Holzf�ller ihm diene und seine Befehle ausf�hre.</p><p>Aber der Holzf�ller erwiderte stolz: �Nein, niemals!" �Ihr werdet es noch bereuen!" drohte Urfin. �Diesmal werde ich Euch nicht in den Turm sperren, sondern in einen finsteren Keller, wo Euch die Feuchtigkeit rasch den Garaus machen wird!" Der Holzf�ller erschauerte beim Gedanken an ein so schreckliches Ende, wiederholte aber mit fester Stimme: �Nein, tausendmal nein!"</p><p>,Oh, w�rde der Scheuch doch einen Blick auf den Zauberkasten werfen!' w�nschte er sich. Mir wird das freilich nicht mehr n�tzen, aber er selbst k�nnte sich retten!' Zum Gl�ck flog gerade eine Meise vorbei. Als sie den Herrscher des Landes in einer so �blen Lage sah, stieg sie hinab und begann, um den gefesselten Mann zu kreisen. Da rief der Holzf�ller, so laut er konnte:</p><p>�Sag dem Scheuch in der Smaragdenstadt, er soll auf den Kasten gucken!" ,Er redet wirr vor Schreck', dachte Urfin.</p><p>Die Meise fuhr fort, ihre Kreise �ber dem Holzf�ller zu ziehen, der ihr wieder und wieder zurief, der Scheuch sollte unbedingt auf den Kasten gucken, davon hinge sein Schicksal ab. �rgerlich warf Urfin einen Stein nach dem Vogel, doch dieser wich geschickt aus und piepste im Davonfliegen:</p><p>�Hab verstanden! Der Scheuch soll auf den Kasten gucken, das ist sehr wichtig!" Beruhigt legte sich der Holzf�ller hin und verstummte. Bald r�ckte das Gros der Truppe heran, und der Holzf�ller sah, da� es eine schreckliche Streitmacht war. Nicht zu vergleichen mit den dummen Holzk�pfen, die man mit einem einzigen Schu� aus der Holzkanone hatte ins Bockshorn jagen k�nnen!</p><p>Da der eiserne Mann sehr schwer war, zimmerte Urfin f�r ihn eine feste Trage, die vier Springer auf ihre Schultern nahmen. Die Armee setzte sich in Marsch zum Violetten Palast.</p><p>Nat�rlich war nicht zu erwarten, da� die Zwinkerer, ihres F�hrers beraubt, den Palast w�rden verteidigen k�nnen. Urfin nahm ihn ohne jeden Widerstand ein. Seinen siegestrunkenen Soldaten verbot er, den Palast zu betreten, weil er bef�rchtete, sie w�rden die Einrichtung demolieren. Die Kommandeure quartierte er in den Wirtschaftsbauten ein, und dem Feldgeistlichen, Krag, wies er den Eisenk�fig zu, in dem die Zauberin Bastinda einst den L�wen gefangengehalten hatte. Krag gefiel der K�fig, obwohl es ihm darin etwas zu eng war.</p><p>Die gemeinen Soldaten lagerten im Freien. F�r die Nacht h�llten sie sich in die Decken, die sie den Zwinkerern entwendet hatten.</p><p>Der Eiserne Holzf�ller wurde in einen tiefen Keller gesperrt. Dort lag er nun in einer feuchten Ecke und fragte sich verzweifelt:</p><p>,Was wird nun geschehen? Wird der Scheuch die Smaragdeninsel halten k�nnen, oder wird er wie ich ein Gefangener des grausamen Landr�ubers werden?'</p><subtitle>DIE DIENSTE DES ZAUBERKASTENS</subtitle><p>Der Scheuch bereitete sich auf die Reise in das Land der Zwinkerer vor. Er reiste gew�hnlich in einer S�nfte, die von Holzk�pfen getragen wurde, die jetzt die nettesten und flei�igsten Arbeiter im Smaragdenland waren.</p><p>Der Scheuch gab dem langb�rtigen Soldaten gerade die letzten Weisungen f�r die Zeit seiner Abwesenheit, als durch das offene Fenster die zerzauste Kaggi-Karr in den Thronsaal flatterte. Als alte Freundin des Herrschers durfte sie jederzeit unangemeldet vor ihm erscheinen, denn ihr hatte er ja das hohe Amt zu verdanken, das er jetzt einnahm. Sie war es auch, die ihm geraten hatte, sich nach einem Gehirn umzusehen, als er, auf einem Pfahl aufgesteckt, das Weizenfeld h�tete.</p><p>�Alarm", schrie Kaggi-Karr. ��ber die Vogelstaffel ist eine sehr wichtige Meldung eingetroffen!"</p><p>�Was f�r eine Meldung? Von wem?" fragte der Scheuch. �Von unserem Freund, dem Eisernen Holzf�ller", erwiderte die Kr�he. �Er befiehlt, du sollst sofort in den Zauberkasten gucken, das sei sehr wichtig!"</p><p>�Wo ist der Zauberkasten?" fragte der Scheuch beunruhigt. �Man bringe ihn her!" Der Zauberkasten stand nicht auf seinem alten Platz. Die Putzfrau, die es m�de war, jeden Tag den Staub von ihm zu wischen, hatte ihn in die Rumpelkammer gestellt.</p><p>Als der Kasten schlie�lich hereingetragen wurde, stellte sich der Scheuch vor ihm und stie� aufgeregt die magischen Worte hervor:</p><p>�Birelija-turelija, buridakl-furidakl, es r�te sich der Himmel, es gr�ne das GrasKasten, K�stchen, bitte zeig mir den Eisernen Holzf�ller!"</p><p>Als die Mattscheibe aufleuchtete, schlugen der Scheuch und Din Gior die H�nde �ber den K�pfen zusammen, und die Kr�he stie� einen Schrei des Entsetzens aus, denn was sie auf dem Bildschirm sahen, war der gro�e Saal des Violetten Palastes, in dem Urfin Juice auf dem Thron sa�, w�hrend der Eiserne Holzf�ller gefesselt vor ihm stand. �O weh!" rief der Scheuch. �Der Holzf�ller gefangen! Jetzt wei� ich, warum Stella mir geboten hat, auf Urfin, diesen Schuft, aufzupassen. Pst! H�rt einmal zu!" Aus dem Fernseher drang die Stimme Urfins:</p><p>�Ihr weigert Euch also zum f�nftenmal, mir im Violetten Land zu dienen?"</p><p>�Zum f�nften Male sage ich Euch: Nein, abscheulicher Landr�uber, und ich werde es zum hundertsten und zum tausendsten Male sagen!"</p><p>Dem Scheuch schwoll die Brust vor Stolz �ber den wackeren Freund, w�hrend die Kr�he zornig aufschrie: �Urfin, du Lump!" Urfin befahl eben den Wachen:</p><p>�F�hrt den Verhafteten ab und sperrt ihn in den tiefsten Keller des Palastes!" Der Scheuch zitterte vor Wut. Oh, wie gern wollte er jetzt an der Seite seines Freundes stehen! Selbst wenn er ihm nicht helfen konnte, w�rde er zumindest sein Schicksal teilen. Kaggi-Karr stie� zornig ihren Schnabel in das verha�te Gesicht Urfins auf dem Bildschirm. Nur gut, da� das Glas nicht zerbrach. Wahrscheinlich hatten die Leute, die es hergestellt hatten, mit solchen Vorf�llen gerechnet. �Nicht so st�rmisch!" rief der Scheuch.</p><p>Emp�rt beobachteten die Zuschauer, wie die Marranen den Holzf�ller durch halbdunkle G�nge abf�hrten. Dann erlosch der Bildschirm, weil es im finsteren Keller keinen Lichtstrahl gab, den er h�tte auffangen k�nnen. �Was fangen wir jetzt blo� an?" fragte Kaggi-Karr aufgeregt.</p><p>�Ich will es mir �berlegen", antwortete der Herrscher der Smaragdeninsel und versank in tiefes Nachdenken.</p><p>Wie immer in solchen F�llen, schwoll ihm der Kopf und bl�hte sich auf, und die Nadeln und Stecknadeln des Gehirns kamen zum Vorschein.</p><p>�Tut es weh?" fragte die Kr�he voller Mitgef�hl. �Schweig, bitte", brummte der Scheuch, �wenn du mich st�rst, kann ich mich nicht sammeln." Eine geschlagene Stunde br�tete der Scheuch vor sich hin und sagte schlie�lich mit blitzenden Augen:</p><p>�Ich hab's! Du mu�t zur Truppe Urfins fliegen!" �Wozu?" fragte die Kr�he verwundert, �soll ich es vielleicht mit einer ganzen Armee aufnehmen?"</p><p>�Das habe ich nat�rlich nicht gemeint", entgegnete der Scheuch, und f�gte belehrend hinzu: �Du sollst nur mein Informator sein im Lager des Feindes." �Informator?" fragte Kaggi-Karr verdutzt. �Das verstehe ich nicht." �Siehst du, der Kasten wird uns wenig nutzen, solange der Holzf�ller im finsteren Keller sitzt. Du aber wirst im Violetten Land �berall sp�hen und horchen k�nnen und folglich �ber alles Bescheid wissen. Jeden Tag, Punkt zw�lf auf der Sonnenuhr, werde ich den Kasten bitten, dich mir zu zeigen, und du wirst uns mitteilen, was du ausgekundschaftet hast."</p><p>Die Kr�he war von diesem Einfall begeistert. �Ich soll also Aufkl�rerin sein im Lager Urfins?" �Genau!"</p><p>�Das h�ttest du doch gleich sagen k�nnen! Woher soll ich denn wissen, was Informator bedeutet? Wo nimmst du nur all die kniffligen Worte her?"</p><p>�Da, M�tterchen, da!" tippte sich der Scheuch auf den s�gesp�negef�llten Kopf, in den die Nadeln und Stecknadeln langsam zur�ckkrochen.</p><p>�Oh, nicht umsonst nennt man dich den Dreimalweisen", sagte die Kr�he respektvoll. �Na, siehst du!" nickte der Scheuch geschmeichelt. Man durfte keine Zeit verlieren, denn ein Vogelflug nach dem Violetten Lande dauerte volle 24 Stunden. Vor dem Aufbruch sagte die Kr�he:</p><p>�Falls ich etwas besonders Wichtiges erfahre, werde ich es �ber die Vogelstaffel weitergeben. Du aber halte die Fenster des Thronsaales Tag und Nacht offen." Der Hofuhrmacher erhielt Order, den Herrscher jeden Tag kurz vor 12 an die Sendezeit zu erinnern.</p><p>Am ersten Tag blieb die Sendung aus, weil die Kr�he sich noch im Vorgel�nde des Violetten Landes befand.</p><p>Am folgenden Tag aber klappte es. Kaggi-Karr hatte offenbar die genaue Zeit erfahren, denn Punkt 12 sah der Scheuch sie auf dem Dach des Schlosses sitzen, die Augen der Smaragdeninsel zugewandt.</p><p>�Lieber Freund", sprach die Kr�he langsam, so, da� jedes ihrer Worte deutlich zu verstehen war. �Die Lage ist schlimmer, als wir dachten. Urfin Juice hat sich zum Herrscher der Springer erhoben und eine gro�e Armee aufgestellt. Wie er es geschafft hat, wei� ich nicht. Auch kann ich dir nicht sagen, wie viele Soldaten er hat, denn sie halten keine Minute still, rennen hin und her und springen wie toll herum, da� es unm�glich ist, sie zu z�hlen. Aber es sind gewi� viel mehr als tausend. Sie haben das ganze Violette Land erobert, die Zwinkerer ausgepl�ndert und ihnen alles E�bare genommen. Die Einwohner hungern. Sie essen wilde Kr�uter und sammeln die Getreidek�rner ein, die nach der Ernte auf den Feldern geblieben sind. In ein paar Tagen will Urfin gegen die Smaragdeninsel ziehen. Vorerst exerziert er mit den Soldaten, die, das mu� man sagen, recht dumm sind. Ich wollte den Eisernen Holzf�ller aufsuchen, konnte aber nicht in sein Gef�ngnis eindringen. Ich f�rchte, der �rmste rostet ein. Dies w�r's f�r heute. Bis morgen zur selben Stunde!" Die Kr�he machte eine Verbeugung zu den unsichtbaren Zuh�rern hin und flog in einen nahen Obstgarten, um etwas zu sich zu nehmen. Der Scheuch wunderte sich, wie klar Kaggi-Karr, trotz der K�rze ihres Berichts, die Vorg�nge im Lager des Feindes geschildert hatte. Er h�tte ihr gern sein Lob ausgesprochen, aber das war leider �ber den Fernseher nicht m�glich.</p><subtitle>DIE ERST�RMUNG DER SMARAGDENSTADT</subtitle><p>Die Fernsehverbindung wurde wie verabredet jeden Tag um 12 Uhr hergestellt. Aber es gab nichts Neues zu melden. Der Holzf�ller sitze nach wie vor im Keller, erz�hlte die Kundschafterin, aber nichtsdestoweniger sehe sie ihn jeden Tag. Er werde t�glich Urfin vorgef�hrt, der ihn zu �berreden versuche, sich ihm zu unterwerfen. Doch der eiserne Mann sei unersch�tterlich. Nachdem er Kaggi-Karr im Fenster des Palastes gesehen und begriffen habe, da� der Scheuch gewarnt sei, habe sich sein Wille noch mehr gefestigt, und er ertrage jetzt die qualvolle Gefangenschaft leichter als fr�her.</p><p>Das Exerzieren der Marranen nahm seinen Fortgang. Die Rekruten lernten Marschieren in Reih und Glied, Ausschw�rmen, Wendungen und �hnliche milit�rische Weisheiten. Urfin verbrachte alle Tage von fr�h bis sp�t bei seinen Soldaten. Vom Dienstpersonal des Violetten Palastes hatte er nur die K�chin Fregosa behalten, weil sie so gut kochte. Sie diente schon viele Jahre im Palast und wu�te von Bastinda zu erz�hlen, die eine Schlemmerin gewesen war, aber alles Fl�ssige, z. B. Mus oder Kompott, verabscheute. Trotz aller Vorsicht war die Hexe durch eine Fl�ssigkeit umgekommen. Als Elli einen Eimer Wasser auf sie ausgo�, zerschmolz sie und war auf der Stelle tot.</p><p>Von allen Herrschaften, denen sie gedient hatte, liebte Fregosa den Holzf�ller am meisten, weil er so anspruchslos war. Nun war der sanfte Mann vom grausamen Urfin abgel�st worden. Fregosa hatte sich viele Male vorgenommen, ein giftiges Kraut in die Suppe des B�sewichts zu sch�tten, gab es aber auf, weil Urfin zu jeder Mahlzeit den Oberpriester an den Tisch rief und ihn jedes Gericht zuerst probieren lie�. Fregosa beruhigte sich, als die Armee mit Urfin an der Spitze auszog, die Smaragdeninsel zu erobern. Im Violetten Lande lie� Urfin den Statthalter Bois zur�ck, der sich unter allen Mannschaftsf�hrern als der aufgeweckteste erwiesen hatte. Die Garnison bestand aus einer halben Hundertschaft. Diese, dachte Urfin, reiche v�llig, um die �ngstlichen Zwinkerer in Botm��igkeit zu halten.</p><p>W�hrend des Marsches fiel es Kaggi-Karr sehr schwer, ihren Auftrag zu erf�llen. Die Verbindung mit dem Scheuch durfte nicht abbrechen, aber wie sollte die Kr�he die genaue Zeit erfahren, wo es weit und breit keine Sonnenuhr gab? Beim Nahen der Mittagszeit beobachtete die Kundschafterin die Sonne und die Schatten der B�ume, um an ihrer L�nge die Zeit zu bestimmen. Sie fa�te ihre Berichte sehr kurz und wiederholte sie mehrmals in der Hoffnung, da� wenigstens einer den Scheuch erreichen w�rde. Das traf auch zu, denn der Herrscher der Smaragdeninsel sa� jedesmal lange vor dem Fernseher und wartete geduldig auf die Sendung. Aus den t�glichen Meldungen erfuhr der Scheuch, da� Kaggi-Karr nachts, wenn die Marranen fest schliefen, lange Gespr�che mit dem Holzf�ller f�hrte und ihn nicht verzagen lie�. Sie erbot sich sogar, mit ihrem starken Schnabel seine Fesseln zu zerschlagen, damit er entfliehe. Er lehnte jedoch ab mit der Begr�ndung, da� die kurze Nacht f�r eine Flucht nicht ausreiche. Am n�chsten Tag, sagte er, w�rden die schnellf��igen Marranen ihn bestimmt einholen und zur�ckf�hren. Immerhin erwies Kaggi-Karr</p><p>dem Holzf�ller einen guten Dienst, indem sie aus dem Proviantlager der Armee �l entwendete, das sie in die eingerosteten Gelenke des Mannes tr�uf elte. Der Scheuch beschr�nkte sich nicht auf die Fernsehverbindung mit der Kr�he. Oft drehte er an den Kn�pfen des Kastens so lange, bis er auch den finsteren Urfin ins Bild bekam.</p><p>Einmal sah er ihn an der Spitze der Truppe marschieren, ein andermal erblickte er einen Zug Soldaten, der �ber steiniges Gel�nde zog, ein drittes Mal die S�nfte, auf der die Marranen den gefesselten Holzf�ller trugen.</p><p>Die Smaragdeninsel bereitete sich unter der F�hrung des Scheuchs, Din Giors und Faramants tatkr�ftig auf die Verteidigung vor.</p><p>Der langb�rtige Soldat, den der Scheuch wieder zum Feldmarschall ernannt hatte, k�mmerte sich jetzt nicht mehr um seinen Bart, Faramant nicht mehr um seine Tasche mit den gr�nen Brillen. Zu dritt bildeten sie den Obersten Stab. Sie wu�ten, da� der Kanal die Angreifer eine Zeitlang aufhalten werde. Alle B�rger lobten den Scheuch, der die Smaragdenstadt in eine Insel verwandelt hatte.</p><p>�Unser Herrscher", sagten sie stolz, �sieht die Zukunft um Jahre voraus."</p><p>Trotzdem war es klar, da� der Feind so oder so �ber den Kanal setzen werde, und dann mu�ten die Stadtmauern als Hauptverteidigungslinie dienen.</p><p>Unter Anleitung des Feldmarschalls schleppten die Einwohner Steine und Kessel mit Wasser herbei, unter die sie Stroh legten. Beim Anr�cken des Feindes sollte es angez�ndet und das kochende Wasser auf die K�pfe der Angreifer ausgesch�ttet werden.</p><p>Die Waffenschmiede schliefen jetzt nicht mehr als zwei bis drei Stunden t�glich. Sie fertigten straffe Bogen und Pfeile mit Eisenspitzen an. Auf den Zufahrtsstra�en zur Stadt konnte man zahllose, von kleinen Pferden gezogene Wagen und von Menschen geschleppte Handkarren mit Proviant sehen, der f�r eine lange Belagerung reichen sollte. Die Einwohner der Smaragdenstadt hatten die Herrschaft Urfins noch gut in Erinnerung und wollten nicht ein zweites Mal unter sie geraten. Als die Springerarmee sich dem Smaragdenland auf drei Tagesm�rsche gen�hert hatte, traf �ber die Vogelstaffel eine wichtige Nachricht ein. Ein Eichelh�her �berbrachte sie. �Im Auftrag der Kr�he Kaggi-Karr melde ich Euch, Dreimalweiser Herrscher", kr�chzte der H�her, der vor Ersch�pfung kaum atmen konnte, �da� die Armee Urfin Juices von den Farmen Bretter und Balken mitnimmt, die die Soldaten tragen m�ssen. Den Zweck dieser Handlungen wei� Frau Kaggi-Karr nicht zu erkl�ren, darum l��t sie es Euch mitteilen."</p><p>Der Scheuch berief sofort einen Kriegsrat ein. Feldmarschall Din Gior �u�erte die Vermutung, der Feind wolle die Balken zum Rammen des Stadttores verwenden. Wozu er aber die Bretter brauche, konnte Din Gior nicht sagen. Der Leiter des Versorgungsdienstes, Faramant, meinte, die Bretter und Balken w�rden f�r Lagerfeuer verwendet werden, damit die Soldaten sich nachts w�rmen und ihr Essen darauf kochen k�nnten. Die vornehmen B�rger schwiegen. Dann ergriff der Scheuch das Wort.</p><p>�Und ihr wollt Strategen sein?" sagte er ver�chtlich. �ist es euch denn nicht klar, da� Urfin von unserem Kanal wei�? Damit Menschen �ber ein Wasser gehen, m�ssen sie doch eine Br�cke bauen. Zu diesem Zweck schleppen die Feinde die Bretter und Balken mit!"</p><p>Die Ratsmitglieder schwiegen besch�mt.</p><p>Am dritten Tag nach der Ratssitzung �berschwemmten Urfins Horden das Vorland der Smaragdeninsel.</p><p>Auf ihrem Marsch hatten die Marranen die Bev�lkerung ausgepl�ndert, und jetzt stolzierten sie in den violetten Kleidern der Zwinkerer und den gr�nen M�nteln der Farmer des Smaragdenlandes einher. Die mit Schleudern und Kn�ppeln bewaffnete Truppe sah bedrohlich aus.</p><p>Urfin lie� seine Augen �ber das breite Wasser schweifen. Er hatte nat�rlich vom Bau des Kanals um die Smaragdenstadt geh�rt, denn das Ger�cht hatte sich �berall verbreitet und war bis zu den Zwinkerern gedrungen. Aber der Eroberer hatte sich die Breite des Kanals nicht vorgestellt. Er hatte nicht gedacht, da� es ein so ernstes Hindernis sein w�rde. Jetzt lobte er sich in Gedanken daf�r, da� er f�r Baumaterial vorgesorgt hatte.</p><p>Beim Auftauchen der Feinde wurde die F�hre sofort zur Stadtseite abgeschleppt und auf Befehl Faramants mit Stroh gef�llt, das der H�ter des Tores ansteckte. Der Bretterbelag verbrannte binnen wenigen Minuten, und kurze Zeit sp�ter versanken die angekohlten Tragboote. Nach der F�hre wurden auch alle Segel- und Ruderboote verbrannt.</p><p>Urfin hatte vorausgesehen, da� die Verteidiger gerade so verfahren w�rden, und wunderte sich daher nicht �ber die F�hrenverbrennung. Er beschlo�, sofort mit dem Br�ckenbau zu beginnen, obwohl er wu�te, da� das viel M�he kosten werde. Urfin war aber nicht der Mann, der so schnell vor Schwierigkeiten zur�ckwich. Am Tag arbeiteten die Marranen, nachts aber schliefen sie wie bet�ubt. Oh, h�tte der F�hrungsstab der Belagerten das gewu�t! Kaggi-Karr hatte nichts davon erw�hnt-viel-leicht, weil sie diesen todes�hnlichen Schlaf der Marranen f�r normal hielt. Auch ist es fraglich, ob die Belagerten einen Ausfall versucht h�tten, denn f�r sie war der Kanal doch auch ein Hindernis.</p><p>Bangen Herzens sahen die Verteidiger, wie die schmale Br�cke mit jedem Tag l�nger wurde, sie konnten aber nichts dagegen tun, denn zwischen der Stadtmauer und dem Kanal lag der breite Park, in dem sich ihre Pfeile verfingen. So verging ein Monat. Die Br�cke zog sich jetzt von einem Ufer des Kanals zum anderen. Der erste Zug der Marranen passierte sie im G�nsemarsch, ihm folgten andere. Mit Schleudern bewaffnete Soldaten trugen lange Bretter und zers�gte Baumst�mme. Bald f�llten sie den ganzen Park. Unter dem Schutz der B�ume stie�en sie bis zur Stadtmauer vor, doch hier prasselte ein Hagel von Pfeilen auf sie nieder, der viele Soldaten verwundete. Die Getroffenen krochen st�hnend zur�ck. Da lie� Urfin die Trompeter zum R�ckzug blasen. Die Soldaten verschanzten sich in Stellungen, in denen die Pfeile sie nicht erreichen konnten.</p><p>Urfin schickte mehrere Hundert Marranen nach Ruten in den Wald, aus denen die Soldaten Schilde zu flechten begannen. Am Abend befiel sie wie gew�hnlich der Schlaf, wor�ber der Feldherr sehr besorgt war, da die Belagerung daran scheitern konnte. Da rief er den B�ren, und w�hrend die Armee schlief, machten sich beide an die Arbeit...</p><p>Aber auch Din Gior und Faramant schliefen nicht in dieser Nacht. Sie hatten sich einen k�hnen Plan ausgedacht. Als es finster wurde, schlichen sie sich ger�uschlos aus der Stadt. Mit Stroh und brennenden Fackeln in den H�nden liefen die beiden zur Br�cke, um sie anzuz�nden. Am Ufer blieben sie jedoch wie angewurzelt stehen, denn was sich ihnen darbot, war nicht das Br�ckenende, sondern der Widerschein der Fackeln im dunklen Wasser. Urfin und der B�r hatten n�mlich das Ende der Br�cke abgetragen! Am Morgen stie�en die Angreifer unter dem Schutz ihrer Schilde bis zur Mauer vor. Es begann ein erbitterter Kampf. Urfins Schleuderer schickten einen Hagel von Steinen gegen die Mauer, und die Verteidiger mu�ten hinter den Zinnen Deckung suchen. Von</p><p>dort aus schossen sie ihre Pfeile ab und warfen Steine und brennendes Stroh auf die K�pfe der Angreifer.</p><p>Durch die Schilde gedeckt, w�lzten die Marranen Kl�tze heran, auf die sie lange Bretter legten. Der Scheuch und sein Stab beobachteten dieses Treiben, das sie nicht verstehen konnten.</p><p>Als entlang der Wand etwa 100 Bretter auf Kl�tzen lagen, ert�nte ein Trompetensignal, worauf mit Keulen bewaffnete Soldaten sich aufje ein Brettende stellten, wodurch das andere, freie Brettende sich anhob. Bei diesem Anblick wurde Feldmarschall Din Gior leichenbla�.</p><p>�Wir sind verloren... Das sind Schleudervorrichtungen!" murmelte er. �Ich habe davon in alten Chroniken gelesen. Aber wie ist blo� Urfin daraufgekommen?" Die Marranen waren sehr behende. Aufjedes freie Brettende sprangen auf einmal zwei oder drei Soldaten, wodurch das entgegengesetzte Ende hochschnellte und die darauf stehenden M�nner emporschleuderte.</p><p>Mehrere Dutzend Marranen erreichten das Ziel. Sie klammerten sich an den Mauersims, zogen sich hoch und fielen �ber die Verteidiger her.</p><p>Unter den B�rgern brach eine Panik aus. Viele sprangen von der Mauer und eilten auf ihre H�user zu, in denen sie Schutz zu finden hofften. Faramant und Din Gior k�mpften wie L�wen. Selbst der Scheuch versuchte, mit seinen weichen Stroharmen einen gro�en Stein aufzuheben, den er den Angreifern entgegenschleudern wollte. Die �bermacht war aber zu gro�. Im Nu hatte man den Oberkommandierenden und seinen Stab gefesselt. Der Scheuch wurde wieder Urfins Gefangener. Der Eroberer bot ihm auf der Stelle das Amt eines Statthalters an. Wie der Holzf�ller, schlug aber auch der Strohmann das Angebot aus.</p><p>�Man f�hre diesen Dicksch�del und seinen eisernen Freund in den Turm, wo sie schon einmal lagen!" befahl Urfin.</p><p>�Sperrt sie aber nicht in das obere Gela�, sondern in den nassen Keller! Wollen mal sehen, wie lange sie es dort aushalten werden!"</p><p>Trotz des Ungl�cks, das �ber ihn hereingebrochen war, freute sich der Scheuch �ber das Wiedersehen mit seinem Freund.</p><p>Der Holzf�ller begr��te ihn nur mit einem Kopfnicken, denn er konnte vor Schw�che kein Wort hervorbringen.</p><p>Der Scheuch watschelte hinter dem Holzf�ller her und dachte voller Gram an den herrlichen Kasten: Wenn Urfin das Geheimnis des Kastens err�t, wird er noch m�chtiger sein als bisher', sagte er sich. Da fiel ihm jedoch ein, da� au�er ihm niemand die magischen Worte kannte. Ohne diese Worte ist der Kasten aber nur ein M�belst�ck. Mir wird Urfin die Beschw�rung bestimmt nicht entlocken', entschied der Strohmann.</p><p>Man brachte' die Gefangenen in den Keller, in dem der Scheuch einst an einem Haken aufgeh�ngt worden war, weil er gegen Urfin gemeutert hatte. Der Haken stak noch in der Wand, nur da� er jetzt verrostet war.</p><p>�Von hier bin ich schon einmal ausgebrochen, das wird mir wohl auch ein zweites</p><p>Mal gelingen!" rief der Scheuch munter.</p><p>Der Eiserne Holzf�ller sch�ttelte nur den Kopf.</p><p>Nach der Eroberung des Smaragdenlandes beschlo� Urfin, die Holzk�pfe wieder in seine Dienste zu nehmen. Da sie unverwundbar waren und niemals m�de wurden, konnten sie ihm gewaltigen Nutzen bringen. Kaggi-Karr machte dem Eroberer jedoch einen Strich durch die Rechnung. Kaum war die Stadt gefallen, rief sie die Holzk�pfe zu einer Versammlung in einer Lichtung des Waldes. Da eine Trib�ne nicht vorhanden war, setzte sich die Kr�he auf den Kopf eines hochaufgeschossenen Holzkopfs und hub an:</p><p>�H�lzerne Leute! H�rt, was ich euch zu sagen habe! Ich er�ffne euch, da� ich, Kaggi-Karr, anstelle unseres guten Herrschers, des Weisen Scheuchs, die Regierung im Smaragdenland �bernommen habe! Wollt ihr schw�ren, da� ihr mir als eurer rechtm��igen Gebieterin gehorchen werdet?" �Wir schw�ren!" riefen die Holzk�pfe.</p><p>�Sch�n. Und jetzt pa�t mal auf: Als man eure grimmigen Fratzen in freundlich l�chelnde Gesichter verwandelte, ver�nderte sich euer Charakter. Ihr konntet den Menschen nichts B�ses mehr antun, und jedermann achtete euch als wackere und flei�ige Arbeiter. Jetzt will der grausame Urfin Juice euch wieder mit seinem Mei�el bearbeiten und erneut in Scheusale und B�sewichter verwandeln. Wollt ihr das?" �Nein, nein! Wir wollen gut sein!"</p><p>�Dann m��t ihr in den Tigerwald fliehen und dort in tiefen Schluchten abwarten, bis Urfins Macht zu Ende ist. Ich, die Gebieterin des Landes, verspreche euch, da� ihr nicht lange werdet warten m�ssen."</p><p>Grinsend stapfen die Holzk�pfe dem Tigerwald zu. Urfins Hoffnungen brachen zusammen. Nur unter den ehemaligen Polizisten fanden sich etliche, denen es einerlei war, wem sie gehorchten, und die in Urfins Dienste traten.</p><subtitle>DIE N�SSE DES NUCH-NUCH-BAUMS</subtitle><p>Als die Stadt gefallen war, str�mten die Springer in die H�user und Gesch�fte und in den Palast. Alles rief bei ihnen Staunen und Begeisterung hervor. Lachend rissen die Soldaten den B�rgern die gr�nen Brillen von den Nasen und setzten sie sich auf. Wie staunten sie aber erst, als pl�tzlich alles ringsum gr�n wurde!</p><p>�ber die Smaragde zwischen den Pflastersteinen und in den D�chern und W�nden der H�user wunderten sie sich nicht, denn Smaragde gab es ja auch in den Bergen ihrer Heimat. Daf�r aber starrten sie mit offenen M�ulern die H�user an, deren D�cher sich oben fast ber�hrten, und die pr�chtigen Zimmer mit den weichen Teppichen und sch�nen M�beln. Beim Anblick dieser Herrlichkeiten gingen den Strohh�ttenbewohnern die Augen �ber.</p><p>�Jetzt haben sich die gro�herzigen Versprechungen des Feuergottes erf�llt!" jubelten die Marranen. Br�llend st�rzten sie in die H�user der reichen Handwerker und Kaufleute und jagten die Einwohner auf die Stra�e. Jammernd verlie�en diese die Insel. Jetzt sehnten sie sich sogar nach der Zeit zur�ck, da Urfin mit seinen Holzk�pfen die Stadt zum erstenmal erobert hatte. Die Holzk�pfe hatten wenigstens fremdes Eigentum nicht geraubt, denn sie brauchten weder ein Dach, noch Essen, noch Kleidung. Zwar hatte Urfin den B�rgern schwere Steuern auferlegt, aber aus den H�usern hatte er sie nicht vertrieben.</p><p>Urfin begann, Ordnung in der Stadt zu schaffen. Vor allen Dingen befahl er den Soldaten, den Palast zu r�umen. �Der Palast ist die Wohnst�tte des Gottes!" rief er. �Hier d�rfen sich nur die Leibwachen des gro�en Urfin aufhalten - er wird sie aus den</p><p>Reihen der wackersten K�mpfer ausw�hlen. Wer den Herrscher besuchen will, mu� sich vorher anmelden lassen."</p><p>Die Leibwachen rechtfertigten aber nicht sein Vertrauen. Schon in der ersten Nacht fielen sie in einen bleiernen Schlaf. W�ren Din Gior und Faramant nicht in Gefangenschaft, h�tten sie Urfin schon in dieser ersten Nacht �berrumpeln k�nnen. Erst bei Tagesanbruch atmete Urfin, der die ganze Nacht kein Auge zugemacht hatte, erleichtert auf.</p><p>Wie erstaunt aber war er, als durch das offene Fenster des Thronsaals seine alte Freundin und Zaubergehilfin, die Eule Guamokolatokint, hereinflatterte. �Guam!" rief Urfin aus.</p><p>�Guamoko!" korrigierte ihn streng die Eule. �Wenn mich mein Ged�chtnis nicht tr�gt, haben wir vereinbart, da� du mich zumindest beim halben Namen nennst." Urfin wunderte sich �ber den Starrsinn des Vogels, der trotz der vergangenen zehn Jahre nichts von seiner Gespreiztheit eingeb��t hatte.</p><p>�Meinetwegen, Guamoko!" sagte Urfin. �Jedenfalls freut es mich, dich wieder wohlauf zu sehen, alte Freundin!"</p><p>�Wei�t du �brigens, da� ich gleich an dem Tag, an dem deine Armee die Insel belagerte, von deinem Eintreffen erfuhr?"</p><p>�Warum bist du nicht gleich zu mir gekommen?" wollte Urfin wissen.</p><p>�Ich bin eben alt und nicht mehr so reisefreudig wie fr�her. Jeden Tag nahm ich mir</p><p>vor, dich zu besuchen, und schob es immer wieder auf."</p><p>In Wirklichkeit hatte die schlaue Eule nur abgewartet, wie die Belagerung ausgehen werde. W�re Urfin zur�ckgeschlagen worden, h�tte Guamoko ihn gewi� nicht besucht, jetzt aber, da er gesiegt hatte, beschlo� sie, die alte Freundschaft wiederaufzunehmen. �Ich habe f�r dich ein nettes Geschenk", fuhr die Eule fort. �Wei�t du, da� ich jetzt die Gebieterin aller Eulen und Uhus der Umgebung bin? Aus Achtung vor meinem Wissen und meiner Erfahrung f�ttern sie mich mit M�usen und kleinen V�geln..." �Na, sag schon, worauf du hinauswillst", unterbrach Urfin die Eule ungeduldig. �La� mich doch ausreden. Einmal konnten meine Untergebenen die f�llige Portion M�use nicht aufbringen und boten mir statt dessen N�sse des Nuch-Nuch-Baums an. S��e N�sse sind f�r unsereins nat�rlich kein Essen, wie du wei�t, aber ich mu�te mich eben zufriedengeben. Ich hatte nur eine Handvoll davon gegessen, und - stell dir vor? -einen ganzen Tag und eine ganze Nacht konnte ich dann kein Auge schlie�en." Urfins Gesicht hellte sich auf. �Nuch-Nuch-N�sse, sagst du?" �Das w�re etwas f�r deine Wachen. Ich bin seit gestern in der Stadt und habe deine Posten mehrmals auf die Probe gestellt. Aufrichtig gesagt, habe ich solche Schlafm�tzen in meinem Leben noch nicht gesehen. Selbst, wenn du sie totschie�t, wachen die nicht auf."</p><p>�N�sse gegen Schlaf, das ist ja gro�artig", sagte Urfin. �Ich will sogleich ein Dutzend meiner Leute mit K�rben in den Wald schicken. Zeige ihnen, liebe Guamokolatokint, den Nuch-Nuch-Baum, tu mir bitte den Gefallen. Im Lande der K�uer habe ich von einem solchen Baum nichts geh�rt." �Der w�chst freilich nur in der Umgebung der Smaragdeninsel", sagte die Eule, der es schmeichelte, da� Urfin sie beim vollen Namen nannte.</p><p>�Falls es sich mit der Nuch-Nuch-Nu� wirklich so verh�lt, wie du sagst, will ich meinen J�gern befehlen, dir jeden Tag frisches Wild zu beschaffen", sagte Urfin gro�m�tig. Wenige Stunden sp�ter waren die N�sse im Palast. Urfin befahl, aus den Kernen einen kr�ftigen Lik�r mit Vanille und anderem Gew�rz zu brauen und jedem Wachsoldaten am Abend eine Tasse voll zu geben.</p><p>Jetzt schliefen die Wachen in der Nacht nicht mehr, und der Thronr�uber f�hlte sich sicher. Allerdings erwiesen sich die N�sse als nicht so unsch�dlich, wie er gedacht hatte. Die Springer, die den Sud tranken, sahen bei hellichtem Tag Gespenster, rollten die Augen, stotterten und f�hlten sich elend. Dieser Zustand verging nicht eher, als bis sie eine neue Portion des Lik�rs getrunken hatten.</p><p>Da aus dem Violetten Lande keine Nachrichten eintrafen, meinte Urfin, seine Macht dort sei gesichert, und wollte nunmehr auch den Westen erobern. Zu diesem Zweck schickte er drei seiner besten Einheiten unter der F�hrung Harts, den er zum Obersten ernannt hatte, gegen die K�uer und Erzgr�ber aus. �In drei Wochen sollst du mir das Blaue Land erobern", befahl der K�nig. Urfins Freude kannte jetzt keine Grenzen. Ihm schien, er habe alle seine Pl�ne mit bewundernswerter Schlauheit ausgef�hrt, ungeachtet dessen, da� der Riesenadler ihn verlassen hatte.</p><p>�Gut, da� Karfax gegangen ist", murmelte er, w�hrend die Kolonne unter der F�hrung Harts auf der gelben Backsteinstra�e davonzog. �Es war eine Plage mit diesem Vogel, dem es die Ehrlichkeit angetan hatte. Er duldet keinen Betrug, ha, ha, ha! W�re ich vielleicht ohne Betrug K�nig und Gott geworden? Jetzt verhei�t mir die Zukunft Sieg und Ruhm... "</p></section><section><title><p>DRITTER TEIL</p><p>Die wunderbaren Maultiere</p></title><subtitle>ANNS UND TIMS WUNSCHTR�UME</subtitle><p>Als Elli von ihrer dritten Reise aus dem Zauberland nach Kansas zur�ckkehrte; fand sie zu Hause ein Schwesterchen vor. Man hatte es nach der Mutter auf den Namen Anna getauf, aber alle nannten es z�rtlich Ann. �ber die Freude an dem Kind, das ihr wie ein kleines, lebendiges Wunder vorkam, verbla�ten Ellis Erinnerungen an ihre ungew�hnlichen Abenteuer.</p><p>Die ersten M�rchen, die die kleine Ann von ihrer Schwester h�rte, handelten von der Smaragdenstadt und dem falschen Zauberer Goodwin, vom Scheuch und dem Eisernen Holzf�ller, vom Feigen L�wen und der Kr�he Kaggi-Karr, von Urfin Juice, seinen Holzsoldaten und den sieben unterirdischen K�nigen. Elli wu�te sehr spannend von den grusligen und drolligen Begebenheiten zu erz�hlen, die sie in dem wunderbaren Land erlebt hatte, das durch eine Sandw�ste und hohe Berge von der �brigen Welt getrennt war. Anns bester Freund wurde Tim O'Kelli von der Nachbarfarm, die nur eine Viertelmeile vom H�uschen John Smiths lag. Tim war anderthalb Jahre �lter als Ann, und seine Freundschaft zu ihr hatte etwas G�nnerhaftes. Es war drollig und r�hrend, wie der Knirps, der selbst noch nicht fest auf den Beinen stand, seine kleine Freundin vor kollernden Truth�hnen und �berm�tigen K�lbern sch�tzte. Die Kinder waren unzertrennlich. Die beiden M�tter, Frau Anna Smith und Frau Margaret O'Kelli, machten keinen Unterschied zwischen dem eigenen und dem Nachbarkind. Sie streichelten beide mit der gleichen Liebe, und auch Klapse gaben sie ihnen, wenn sie's verdienten, mit der gleichen Strenge, einerlei, ob es das eigene Kind oder dag der Nachbarin war. Der kleine Tim war immer dabei, wenn Elli dem Schwesterchen ihre wunderbaren Geschichten erz�hlte. Als Tim und Ann gr��er wurden, w�nschten sie sich nichts so sehnlich, als das Zauberland und dessen liebe und fr�hliche Einwohner kennenzulernen.</p><p>Ann und Tim wu�ten, da� der Anla� der zweiten Reise Ellis die Botschaft Kaggi-Karrs gewesen war. Die Kr�he hatte dem M�dchen die Bitte des Scheuchs und des Eisernen Holzf�llers �berbracht, sie aus der Gefangenschaft des t�ckischen Urfin Juice zu befreien. In Begleitung des einbeinigen Seemanns Charlie Black hatte Elli, die im Zauberland die Fee des T�tenden H�uschens genannt wurde, die gef�hrliche Reise angetreten und den b�sen Urfin besiegt.</p><p>Jetzt hielten Ann und Tim jede Kr�he im Umkreis f�r Kaggi-Karr. W�rden sie eine Botschaft aus dem geheimnisvollen Lande erhalten, sie w�rden keinen Augenblick z�gern, gegen die t�ckischen Zauberer und b�sen Hexen in den Kampf zu ziehen! Leider erwiesen sich die Kr�hen, mit denen sie sich anzufreunden suchten, nur als einfache V�gel und nicht als Boten des Scheuchs.</p><p>Die Kr�hen nahmen die Bewirtungen Anns und Tims gerne an und verbreiteten in ganz Kansas das Ger�cht von den zwei guten Kindern. Unz�hlige Kr�henschw�rme gingen auf die D�cher der H�user und Schuppen nieder und stritten sich um jedes freie Pl�tzchen auf den Zweigen der umstehenden B�ume, um etwas von den Leckerbissen zu ergattern, die Tim und Ann f�r sie bereithielten...</p><p>Das war den Farmern der Umgebung denn doch zuviel. Sie sahen das reife Korn auf ihren Feldern von den frechen V�geln bedroht und beschlossen, sie zu vertreiben. Mit Steinen und St�cken, Flinten und Pistolen zogen sie gegen die Schw�rme los, und der alte Rolf hatte sogar aus seinem Schuppen die kleine Kanone geholt, die noch aus der Zeit des B�rgerkrieges stammte. Er f�llte sie mit Pulver und Schrot und feuerte auf den gr��ten Schwarm.</p><p>Zu seinem Entsetzen platzte aber die Kanone, und Gro�v�terchen Rolf kam nur wie durch ein Wunder mit dem Leben davon. Allerdings erschraken auch die Kr�hen so sehr, da� sie nach allen Seiten auseinanderstoben.</p><p>�Vielleicht war Kaggi-Karr unter diesen Kr�hen?" seufzten die Kinder.</p><p>Zu ihrem siebenten Geburtstag bekam Ann von ihrer Schwester die Trillerpfeife geschenkt, die diese von Ramina, der K�nigin der Feldm�use, bekommen hatte. Es tat Elli nicht leid, sich von diesem Andenken zu trennen, denn in Kansas, sagte sie, g�be es doch keine Wunder. Ann war freilich anderer Meinung. Noch am selben Abend ging sie mit Tim hinter den Gefl�gelstall und blies dreimal in die Pfeife. Und siehe -das Wunder geschah!</p><p>Wie aus dem Boden gestampft, standen pl�tzlich unz�hlige M�use da! Beim Anblick der grauen Tierchen h�tte manches andere M�dchen sicher zu schreien angefangen und w�re davongelaufen. Nicht aber Ann Smith. Sie stand ruhig da und betrachtete neugierig die winzigen Gesch�pfe.</p><p>Den M�usen gefiel die Beherztheit Anns. Sie rollten einen gro�en grauen Teppich auf, den eine gro�e Maus, anscheinend die K�nigin, betrat. Sie richtete sich auf den Hinterpfoten auf, musterte mit ihren schwarzen �uglein das M�dchen und piepste etwas, was die Kinder nicht verstanden. Leider haben Menschen und Tiere nur im Zauberland eine gemeinsame Sprache!</p><p>�Vielleicht �berbringt uns die K�nigin Neuigkeiten aus dem Zauberland, oder sie will uns einen Rat geben, wie wir hingelangen k�nnten. Wie schade, da� wir ihre Sprache nicht verstehen!" sagte Ann zu Tim.</p><p>Dann winkte die M�usek�nigin zum Abschied dreimal mit den Vorderpfoten und verschwand mit ihren Untertanen. Das einzige, was von ihnen �brigblieb, waren die Spuren der kleinen F��e im Staub.</p><p>Ann und Tim trafen sich mehrmals mit den M�usen, denn sie hofften, die M�usek�nigin werde einmal vielleicht doch eine menschliche Sprache sprechen. Das trat aber nicht ein.</p><p>Eines Morgens, als Ann und Tim sich in einem Winkel des Hofes erneut abm�hten, aus der Sprache der M�usek�nigin klug zu werden, tauchte unerwartet Frau Anna auf. Sie war nicht so mutig wie ihre Tochter und stie� einen gellenden Schrei aus. Es fehlte nicht viel, und sie w�re in Ohnmacht gefallen, aber die M�use verschwanden, als h�tte sie die Erde verschlungen.</p><p>�Oh, ihr schlimmen Kinder!" schrie Frau Anna zornig. �Nicht genug, da� ihr Schw�rme gefr��iger Kr�hen auf die Farm gelockt habt, z�chtet ihr jetzt noch eine Million M�use... Die werden uns noch eines Tages die Eier im Gefl�gelstall austrinken und das Korn in den Speichern aufessen." �Aber es sind ja viel weniger als eine Million, Mutti", entgegnete Ann. �Diese lieblichen Tierchen kommen nur, wenn man sie herbeipfeift. Sie r�hren auf der Farm nichts an." �Genug!" schrie Frau Anna. �Gib die Pfeife her!" Ann mu�te die Pfeife hergeben. Von diesem Tag an h�rten die Begegnungen der Kinder mit den M�usen auf.</p><p>Jetzt konnten Tim und Ann nicht mehr auf eine Begegnung mit Kaggi-Karr oder auf die Hilfe der M�usek�nigin hoffen. Da fiel ihnen der unterirdische Flu� ein, der einst Elli und ihren Cousin, Fred Cunning, in das Reich der Sieben Unterirdischen K�nige gef�hrt hatte. Eine solche Reise unter der Erde, meinten die Kinder, sei gewi� leicht zu verwirklichen.</p><p>,Wenn wir uns ein Boot verschaffen und viel Proviant, Kerzen, Fackeln und Streichh�lzer mitnehmen, k�nnten wir in einigen Tagen das unterirdische Land erreichen. Dann w�re es ein leichtes, in das Zauberland hinaufzusteigen', �berlegten die</p><p>Kinder. Sie dachten lange nach, ob sie Toto mitnehmen sollen. Das H�ndchen wu�te nat�rlich Bescheid im Zauberland und w�rde ihnen dort gewi� n�tzlich sein. Aber Hunde altern schnell, und Toto war jetzt nicht mehr so flink und unternehmungslustig wie einst. Au�erdem hatte er auch schon Enkel. Ann und Tim beschlossen, einen dieser Enkel, das H�ndchen Arto, mitzunehmen.</p><p>Arto sah jetzt fast genauso aus wie Toto, als der noch jung war: Dasselbe schwarze, seidige Fell, dieselben klugen �uglein, dieselbe Treue und Bereitschaft, jederzeit das Leben f�r seinen Herrn hinzugeben.</p><p>Ann erz�hlte dem kleinen Arto, was sie beschlossen hatte. Verstand sie das H�ndchen? Wahrscheinlich, denn es wedelte lustig mit dem Schw�nzchen: Im Herbst wurden Ann Smith und Tim O'Kelli auf die Schule geschickt. Tim h�tte eigentlich schon ein Jahr fr�her in die Schule gehen sollen, doch ohne Ann wollte er's nicht. Er schrie und heulte so lange, bis die Eltern ihm erlaubten, noch ein Jahr zu Hause zu bleiben.</p><p>Jetzt �berragte er Ann und die anderen Abc-Sch�tzen um einen ganzen Kopf. Rotb�ckig, blond, breitschultrig und mit kr�ftigen F�usten ausgestattet, konnte er jetzt Ann gegen jeden Buben sch�tzen, der sie h�tte kr�nken wollen. Selbstverst�ndlich sa�en Tim und Ann in einer Bank und machten auch die Hausaufgaben zusammen.</p><p>�Seht euch nur dieses unzertrennliche P�rchen an!" lachten die Erwachsenen. Schon in den ersten Schulferien fuhren Ann und Tim mit Erlaubnis der Eltern in den Staat Iowa zu Fred Cunning. Als John Smith seine j�ngere Tochter ziehen lie�, konnte man an seinem Schmunzeln erkennen, da� er wohl wu�te, was die beiden Kinder in die Ferne lockte. Er tat aber so, als merke er nichts, und w�nschte ihnen angenehme Erholung. Fred Cunning, Student der Technischen Universit�t, empfing seine kleine Cousine und ihren Freund sehr herzlich.</p><p>Als Ann ihn aber sch�chtern bat, er m�chte sie, Tim und Arto zur H�hle mit dem unterirdischen Flu� f�hren, erwiderte er lachend:</p><p>�Hat dir denn Elli nicht gesagt, Kindchen, da� der Eingang zur H�hle eingest�rzt ist? Deshalb mu�ten wir ja damals unsere abenteuerliche Reise unternehmen..." Ann entgegnete:</p><p>�Ich wei�, aber ich dachte, der Eingang zur H�hle sei mittlerweile freigelegt worden." �Wozu sollte man ihn freilegen?" fragte der Student. �Das ist doch leicht zu verstehen", erwiderte das M�dchen. �Damit ein jeder in das Zauberland reisen kann!" Fred bog sich vor Lachen.</p><p>�Du meine G�te! Du willst vielleicht, da� man hier ein Reiseb�ro er�ffnet und Touristen haufenweise in das Zauberland str�men?"</p><p>�Ist denn das so schlimm?" fragte Tim O'Kelli. �Gewi�", sagte der Student ernst. �Das Zauberland ist gerade deshalb so reizend, weil es von der �brigen Welt v�llig abgeschieden ist. Nur deshalb leben dort gute Zauberinnen wie Willina und Stella, sprechen die Tiere und herrscht ewiger Sommer in diesem Land. Stellt euch einmal vor, aus den Staaten k�men l�rmende, freche Gentlemen und Ladies her. Das w�rde doch das Ende der braven Zwinkerer und K�uer bedeuten! Hier war schon einmal so ein unternehmungslustiger Gesch�ftsmann, der mir viele Dollar anbot, damit ich ihm den Zugang zur H�hle zeige. Ich nahm nat�rlich das Geld nicht an und zeigte ihm eine falsche Stelle. Zwei Wochen lang lie� er dort ein Dutzend Arbeiter graben und zog dann unverrichteterdinge fort.</p><p>�Du meinst, wir sollen nicht mehr davon tr�umen, dieses Land jemals zu sehen", sagte Ann, und Tr�nen traten ihr in die Augen.</p><p>�Du bist nat�rlich eine Ausnahme", tr�stete sie Fred. �Du bist Ellis Schwester, und Elli achtet man im Zauberland als eine m�chtige Fee, die viel Gutes getan hat. Ich glaube, der Scheuch und seine Freunde w�rden sich sehr freuen, wenn du, Ann, und dein Freund Tim �ber die Gro�e W�ste und die Weltumspannenden Berge hinweg in ihr sch�nes Land k�met." �Aber wie schaffen wir das blo�?" seufzte Ann. �Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", sagte Fred. �Wenn ihr angestrengt nachdenkt, werdet ihr schon ein Mittel finden, wie ihr in das Land eurer Tr�ume kommen k�nnt. Auch ich will nachdenken, vielleicht f�llt mir etwas ein."</p><p>Das Gespr�ch mit Fred gab den Kindern Hoffnung, und sie kehrten beruhigt nach Kansas zur�ck.</p><subtitle>EINE SENDUNG VON FRED</subtitle><p>Die Ferien n�herten sich ihrem Ende, als eines Tages die Postkutsche mit zwei gro�en Kisten auf dem Dach vor der Farm John Smiths hielt. Der Postillon und der Kutscher hoben mit gro�er M�he die Kisten vom Dach und trugen sie in das Haus. Auf den Kisten stand in gro�en Buchstaben die Adresse John Smiths und die des Absenders: Alfred Cunning aus dem St�dtchen New-Ville, Staat Iowa. �Von unserem Neffen Fred", sagte Frau Anna. �Er schickt uns wahrscheinlich Obst. Aber warum sind die Kisten so gro�?"</p><p>�Mutti, es r�hrt sich etwas drin", sagte Ann, die das Ohr an eine Kiste gelegt hatte. �Unsinn!" sagte die Farmerin.</p><p>Nichtsdestoweniger beschlo� sie, mit dem �ffnen der Kisten zu warten, bis ihr Mann vom Feld gekommen war. Ann, Tim und die Nachbarkinder, die von der ungew�hnlichen Postsendung erfahren hatten, warteten ungeduldig auf die Heimkehr des Farmers. Alle sagten, in den Kisten scharre und klopfe es. Sie hielten es vor Neugier fast nicht mehr aus, da kam endlich der Farmer. Mit Mei�el und Zange begann er, eine Kiste zu �ffnen. Kaum hatte er den Deckel angehoben, da drang aus ihr ein lautes Wiehern. John wich zur�ck und Frau Anna bekreuzigte sich, w�hrend die umstehenden Jungen und M�dchen vor Freude jauchzten.</p><p>�Ein Pferdchen!" rief der dreij�hrige Bob. �Unm�glich", brummte Farmer John. �Welches Pferd k�nnte es drei Tage in diesem Sarg ohne Luft und Futter aushalten?" Wie staunte er aber, als aus der Kiste ein kleines, braunes Maultier kletterte, mit einem Huf stampfte und zu wiehern begann.</p><p>�Bei allen Heiligen!" rief der verdutzte Farmer und ergriff das Maultier am Halfer, damit es nicht davonlaufe. �Man k�nnte meinen, da� das Tier aus dem Zauberland kommt, w�re nicht Fred Cunning der Absender."</p><p>Des Vaters Worte machten auf Ann einen starken Eindruck. Sie ahnte, da� dieses Maultier das Mittel sei, mit dem sie ins Zauberland gelangen w�rde. Umsonst suchte Farmer John in der Holzwolle nach einem Brief von Fred. Statt dessen fand er einen sch�nen Sattel mit weichem Sitz und versilberten Steigb�geln. Ein Brief lag in der anderen Kiste, in der sich gleichfalls ein Maultier, allerdings ein graues, befand, das nur wenig kleiner war als das erste. Auch ein zweiter Sattel lag bei. Im Brief Alfred Cunnings stand:</p><p>�Meine liebe Cousine Ann! Dein Wunsch, das Zauberland zu sehen, ist so gro�, da� ich mir den Kopf zerbrach, um dir zu helfen. Ich habe den ganzen Sommer an diesen zwei mechanischen Maultieren gearbeitet, die ich dir und deinem Freund Tim O'Kelli �bersende."</p><p>John mu�te das Lesen unterbrechen, weil Tim einen Jauchzer ausstie� und einen Purzelbaum schlug, wie ihn gewi� kein zweiter Junge h�tte machen k�nnen. Als Tim sich wieder beruhigte, fuhr der Farmer zu lesen fort:</p><p>�Diese Maultiere brauchen weder Futter noch Wasser. Energie erhalten sie von den Sonnenbatterien, die ich ihnen eingebaut habe... In der gro�en W�ste gibt es reichlich Sonne, und ihr werdet nicht zu bef�rchten brauchen, da� die Tiere aus Futtermangel schwach werden."</p><p>Weiter enthielt der Brief Anweisungen, wie die Tiere zu steuern seien. In der M�hne jedes Tiers sei ein verstellbarer Stift verborgen. Schiebe man ihn r�ckw�rts, st�nden die Tiere still, bringe man ihn in Mittelstellung, bewegten sie sich im Trab, und schiebe man den Stift bis zum Anschlag vor, gingen sie, in Galopp �ber. Zum Wenden nach rechts oder links brauche man nur das Halfter in die gew�nschte Richtung zu ziehen. Es gen�ge, hie� es weiter im Brief, die Maultiere zwei bis drei Stunden t�glich in der Sonne zu halten. Bei heiterem Wetter l�den sich die Batterien von selbst auf. Der Erfinder teilte ferner mit, er schicke die Tiere unaufgeladen, damit unterwegs nichts passieren k�nne.</p><p>�Warum haben sie aber gewiehert und sind von selbst aus den Kisten gestiegen?" fragte Tim O'Kelli, der sich f�r sein Alter erstaunlich gut in Mechanik auskannte. Farmer John erwiderte nach kurzem Nachdenken: �Wahrscheinlich hat die Sonne die Kisten w�hrend der Reise so erw�rmt, da� die Batterien sich aufgeladen haben. Aber hol mich der Teufel, wenn das nicht eine ganz ungew�hnliche Erfindung ist! Auf diese Maultiere kann man sich, allem Anschein nach, verlassen!" �Und folglich k�nnt ihr mich und Tim unbesorgt in das Zauberland ziehen lassen!" f�gte Ann munter hinzu.</p><p>�Das ist noch lange nicht entschieden", entgegnete der Vater mit gespielter Strenge. Am Ende des Briefes stand ein wichtiger Hinweis f�r Ann und Tim. Sie sollten, schrieb Fred, auf der Reise niemandem das Geheimnis der Wundertiere verraten. Sollten die Leute sie f�r einfache Maultiere halten, von denen sie sich dem Aussehen nach auch nicht unterscheiden. Das verringere die Gefahr, da� irgend jemand sie ihnen raube. ,,Fred scheint �berzeugt zu sein, da� Tim und Ann schon heute oder morgen aufbrechen", brummte der Farmer. �Er hat wohl vergessen, da� bald das Schuljahr beginnt."</p><p>Unerwartet setzte sich Frau Anna f�r die Kinder ein. �Elli ist doch viel l�nger als ein Jahr der Schule ferngeblieben", sagte sie, �dabei h�tten sich viele Kinder, was das Lernen angeht, ein Beispiel an ihr nehmen k�nnen! Was sie gesehen und erlebt hat, wiegt gewi� viele Schuljahre auf..."</p><p>�Hast du denn keine Angst, Ann und Tim ins Zauberland ziehen zu lassen?" fragte John erstaunt.</p><p>Frau Anna wies diesen Einwand zur�ck, denn sie glaubte, da� eines jeden Menschen Schicksal vorbestimmt sei.</p><p>�Der eine st�rzt von der Treppe und bricht sich das Genick", sagte Frau Smith, �w�hrend ein anderer von abenteuerlichen Reisen heil und gesund zur�ckkehrt wie unsere Elli."</p><p>Am n�chsten Tag traf Elli ein, die gleichfalls f�r Tim und Ann Partei ergriff. Mit solchen Bundesgenossen setzten die Kinder nat�rlich ihren Wunsch durch. Selbst die O'Kellis willigten in die Reise ihres Jungen ein.</p><p>Es wurde beschlossen, da� Ann und Tim gleich am folgenden Sonntag aufbrechen, da Farmer John seinen Ruhetag hatte und ihnen mindestens zwei Meilen weit das Geleit geben konnte.</p><p>Elli war von den Maultieren entz�ckt.</p><p>�Oh, h�tten ich und Toto solche Rappen gehabt, als wir uns m�de auf dem Gelben Backsteinweg dahinschleppten!" sagte sie. �Erinnerst du dich noch an jene Zeit, Totochen?"</p><p>Toto erinnerte sich nat�rlich an jene Zeit. Er wu�te auch, da� man ihn jetzt nicht in das Zauberland mitnehmen werde, und gab sich damit zufrieden. Da l��t sich eben nichts machen, bei meinem Alter!' dachte das H�ndchen. Soll Arto nur ruhig ziehen. Schlie�lich mu� man ja auch den Jungen eine Chance geben.' Elli dachte sich f�r die Maultiere Namen aus. Sie hatte im letzten Semester Altertumsgeschichte studiert und nannte das Tier mit dem grauen Fell C�sar und das mit dem braunen Hannibal. Das waren klingende Namen, die den Kindern sehr gefielen.</p><subtitle>DER AUFBRUCH</subtitle><p>An einem fr�hen Augustmorgen nahmen Ann und Tim Abschied von ihren Eltern. Ihre Reiseausr�stung war bis ins einzelne durchdacht, was sie vor allem Elli zu verdanken hatten. Der Proviant war in den ledernen Satteltaschen verstaut, die die Tiere trugen. In zwei Rucks�cken lagen f�r jedes Kind zwei Paar Unterw�sche, Seife, Zahnb�rste und Zahnpulver, Messer, L�ffel und was man sonst noch f�r eine lange Reise braucht. Ann trug an einem Schulterriemen das Fernrohr, das seinerzeit der einbeinige Seemann Charlie Black Elli geschenkt hatte. Am linken Handgelenk hatte jedes Kind einen Kompa�, am rechten eine Armbanduhr. In Tims Reisetasche lag ferner ein unaufgeblasener Volleyball. Der Junge hatte sich n�mlich vorgenommen, die K�uer und Zwinkerer das sch�ne Spiel zu lehren. Tim selbst war ein ausgezeichneter Volleyballspieler, den sogar die gr��eren Jungen gern in ihre Mannschaft nahmen. Au�erdem besa� er noch einen keulenartigen Kn�ppel, der an seinem G�rtel hing. Aus einem Anns Sattel angeh�ngten Sack ragte die Schnauze Artos hervor, dessen schwarzen �uglein erwartungsvoll gl�nzten. Die Reise gefiel ihm au�erordentlich. Wenn ihm das Sitzen im Sack l�stig wurde, kl�ffte er kurz, und Ann setzte ihn ab, damit er hinter den Maultieren laufen konnte. John Smith begleitete die Kinder auf seiner braunen Stute Mary. Obwohl Hannibal und C�sar auf den langsamsten Gang geschaltet waren, konnte das St�tlein mit den sonnenenergiegeladenen Maultieren kaum Schritt halten.</p><p>�Pr�chtige Rappen", brummte John zufrieden. �Vor einen Pflug gespannt, w�rden sie Gott wei� wie viele Acker t�glich bearbeiten."</p><p>Als verst�nden sie die Worte des Farmers, wackelten die Maultiere �ber dieses Ansinnen �rgerlich mit den langen Ohren.</p><p>Beim Abschied umarmte der Farmer Ann und Tim, w�nschte ihnen eine gl�ckliche Reise und ermahnte sie, vorsichtig zu sein. �Ihr sollt euch nicht allzu lange im Zauberland aufhalten", sagte er. �Denkt daran, da� eure Eltern euch sehnsuchtsvoll zur�ck erwarten werden."</p><p>Tim und Ann schalteten auf Galopp, worauf die Hufen der Maultiere hochschnellten und eine m�chtige Staubwolke aufwirbelten. F�nf Minuten sp�ter waren von ihnen nur noch zwei P�nktchen am Horizont zu sehen.</p><p>�Donnerwetter", murmelte John, �das nenne ich Galopp! Bei diesem Tempo wird ihnen kein Feind etwas anhaben k�nnen... "</p><p>Auf dem Heimweg dachte der Farmer �ber die wunderlichen Begebenheiten nach, die seine Familie von dem denkw�rdigen Tag an erlebte, da die Hexe Gingema das schreckliche Gewitter �ber Kansas heraufbeschworen hatte.</p><p>Ann und Tim freuten sich �ber den schnellen Ritt. Felder und Fl�sse und Fuhren mit Getreide flogen an ihnen vorbei, und die seltenen Fu�g�nger sprangen entsetzt zur Seite und blickten ihnen entgeistert nach.</p><p>Am Abend hatten unsere Reisenden viele Meilen hinter sich gebracht. Sie beschlossen, in einem W�ldchen, fern von jeder Behausung, zu �bernachten. Ann nahm aus ihrem Sack das Zaubertuch Charlie Blacks heraus, das sich auf Wunsch des Besitzers in ein Boot oder ein Zelt verwandeln konnte. Jetzt diente es den Kindern als Zelt, in dem sie unter der Obhut des treuen Arto ruhig die Nacht verbrachten. Die Tage vergingen schnell. Ann und Tim hielten Kurs auf Nordost und mieden die bewohnten St�tten. An den B�chen, an denen sie vorbeikamen, f�llten sie ihre dickb�uchigen Flaschen mit Wasser nach. Die Maultiere brauchten sie nicht zu tr�nken und auch nicht in die Sonne zu stellen, denn das Wetter war sonnig, so da� C�sar und Hannibal sich im Lauf mit Energie aufluden.</p><p>Am ersten breiten Flu� mu�ten die Reisenden haltmachen. Ann wollte das Zaubertuch zu einem Flo� aufblasen, aber Tim meinte, die Tiere w�rden darauf ausgleiten, weil es kein Gel�nder habe, und ins Wasser fallen.</p><p>�Ich schlage vor, den Flu� reitend zu �berqueren!" sagte der Junge.</p><p>Die Kinder stellten die Stifte auf �Langsam" und lenkten die Tiere beherzt ins Wasser.</p><p>Und siehe, C�sar und Hannibal schwammen, als h�tten sie es seit eh und je getan! In ihren B�uchen war gen�gend Hohlraum, und sie hielten sich pr�chtig auf dem Wasser. Ihre muskul�sen Beine ruderten so schnell, da� sie in wenigen Augenblicken das andere Ufer erreichten.</p><p>�Hurra!" frohlockte Tim. �Mit solchen Rappen k�nnen wir auch �ber ein Meer schwimmen!"</p><p>Eine gro�e Gefahr erwartete die Kinder in der Steppe, in der es unz�hlige W�lfe gab. Zu einem Rudel zusammengerottet, versperrten sie den Reisenden den Weg. Ann und Tim wollten umkehren, aber da erblickten sie auch in ihrem R�cken viele W�lfe. �Vorw�rts! Galopp!" kommandierte Tim. Die Maultiere st�rmten wie im Sturm dahin. Mehrere W�lfe st�rzten mit eingeschlagenen K�pfen und zerbrochenen Rippen zu Boden. Ein gro�er Wolf, anscheinend der Anf�hrer des Rudels, wollte Tim aus dem Sattel rei�en, aber der mutige Junge versetzte ihm mit seiner Keule einen solch wuchtigen Hieb, da� der R�uber zur�ckflog und sich r�cklings �berschlug. Eine Minute sp�ter waren die Reiter in Sicherheit. Tim strahlte vor Freude. �Hast du gesehen, wie ich's ihm gegeben hab!" rief er. �Mein Schlag hat ihn bestimmt erledigt!"</p><p>Da Ann daran zweifelte, schlug Tim vor, umzukehren und nachzusehen. Das M�dchen versp�rte aber keine Lust auf ein Wiedersehen mit den W�lfen und beeilte sich, dem Jungen zuzustimmen. Tim spitzte die Lippen und begann einen Marsch zu pfeifen. Erst jetzt wagte es Arto, seinen Kopf, den er beim Anblick der grimmigen W�lfe in den Sack eingezogen hatte, wieder zu zeigen. Das H�ndchen war zwar mutig, hatte aber auch Verstand genug, sich nicht in einen ungleichen Kampf einzulassen. Ein Wolf h�tte ihm ja mit Leichtigkeit das R�ckgrat zerbrechen oder den Bauch aufrei�en k�nnen! Als jetzt, da die Gefahr vorbei war, Arto ein ver�chtliches Gebell anstimmte, sagte Ann zu ihm neckend: �Gro�artig, du Maulheld!"</p><subtitle>DIE GROSSE W�STE</subtitle><p>Mit Hilfe der Kompasse hielten unsere Reisenden den richtigen Kurs ein, obwohl die auch ohne Kompa� den Weg nicht verfehlt h�tten. Ann hatte von ihrer Schwester so oft die Geschichte der Reise mit dem einbeinigen Seemann geh�rt, da� ihr jetzt schien, als sei sie selbst schon einmal hier gewesen, habe selbst den hei�en Atem des Windes gesp�rt, der aus der W�ste blies, und die garstigen K�pfe der Echsen gesehen, die sich in den D�nen verbargen. Da war auch schon der Wald, hinter dem die gro�e W�ste lag.</p><p>�Guten Tag, alter Freund!" rief Ann freudig. �Aus deinen B�umen hat Onkel Charlie einst das W�stenschiff gebaut, das noch jetzt irgendwo am Waldessaum steht. Aber wir wollen es nicht suchen, nicht wahr, Tim?"</p><p>�Wozu auch?" erwiderte der Junge. �C�sar und Hannibal sind bestimmt besser als jedes Schiff, mag es ein W�sten- oder Meeresschiff sein." Tim und Ann bereiteten sich gr�ndlich, auf die riskante W�stenreise vor. Sie beschlossen, schon in der D�mmerung aufzubrechen, solange es noch k�hl war. Zun�chst f�llten sie ihre Flaschen an einer Quelle. und tranken so viel Wasser, wie sie konnten. Dann begossen sie sich und das H�ndchen von Kopf bis Fu� und setzten dunkle Netzbrillen auf, um ihre Augen gegen den Flugsand zu sch�tzen. Arto, dem es bange wurde, kauerte sich tief in seinen Sack, was seine Herrin sehr vern�nftig fand. Nat�rlich trank sich auch das H�ndchen vor der Reise ausgiebig satt.</p><p>Die Stimmung der beiden Kinder war sehr ernst. Scherz und Mutwillen waren verflogen, und ihre Herzen schlugen laut. Die bisherigen Erlebnisse kamen ihnen jetzt unbedeutend vor im Vergleich zu dem, was ihrer harrte.</p><p>Gro� und unheimlich lag die W�ste in ihrer feierlichen Stille da.</p><p>�Nun aber los!" sagte Tim entschlossen. Wenn es sein mu�, werde ich mein Leben ohne Zaudern f�r Ann hingeben', dachte er bei sich.</p><p>�Du hast recht: Wer auf der Stelle tritt, kommt nicht vom Fleck', wie der Weise Scheuch sagte", erwiderte Ann, die von ihrer Schwester viele Ausspr�che des dreimalweisen Herrschers der Smaragdenstadt geh�rt hatte. Die Kinder ritten im Trab. An Galopp war hier nicht zu denken, denn die Hufen der Maultiere w�rden tief im Sand versinken. Trotzdem konnte Ann, als sie sich eine halbe Stunde sp�ter umwandte, kaum noch den Saum des Waldes erkennen. W�hrend die elektrisch geladenen Tiere Meile um Meile hinter sich brachten, dachte Ann nur an eins: Wie umgehen wir nur die schrecklichen schwarzen Steine Gingemas? Sie wu�te n�mlich von ihrer Schwester, da� die b�se Hexe lange vor ihrem Tod das Zauberland mit Steinen umgeben hatte, die eine geheimnisvolle Anziehungskraft besa�en. An einem solchen Stein waren Elli und Charlie Black beinahe umgekommen, weil der Stein ihr W�stenschiff festhielt und die Bewegungsfreiheit der Insassen auf hundert Schritt im Umkreis bannte. Zum Gl�ck hatten die beiden damals die Kr�he Kaggi-Karr ziehen lassen, die mit einer Weintraube im Schnabel zur�ckkehrte, welche den Zauber des Steins brach.</p><p>Die Zauberkraft der Steine konnte in den verflossenen Jahren zwar versiegt oder schw�cher geworden sein, dennoch war es besser, nicht zu riskieren. Ann befolgte den Rat ihrer Schwester, stoppte alle halbe Stunde den Lauf ihres C�sar und hielt mit dem Fernrohr Ausschau. Als die Kleider der Kinder schon l�ngst trocken</p><p>waren (sie hatten unterdessen mindestens dreimal Wasser getrunken), ersp�hte Ann in der Ferne einen schwarzen Fleck.</p><p>�Der schwarze Stein Gingemas!" rief das M�dchen aufgeregt. �Wo siehst du ihn?" fragte Tim.</p><p>Das Fernrohr ans Auge setzend, gewahrte auch er den Stein.</p><p>Ein Plan gegen die b�se Zauberkraft Gingemas war schon zu Hause ausgearbeitet worden. Die Idee stammte von Elli: Wenn zwei Menschen einen Gegenstand, zum Beispiel einen Tisch, in entgegengesetzte Richtungen ziehen, bleibt er auf der Stelle stehen, hatte Elli gesagt. Wenn man sich in gleicher Entfernung zwischen zwei schwarzen Steinen bewege, w�rde der eine die Reisenden nach rechts, der andere nach links ziehen, und die Kr�fe w�rden sich gegenseitig aufheben.</p><p>Nach dem Auftauchen des ersten Steins schwenkten Ann und Tim seitw�rts ab und ritten langsam, bis sie den zweiten erblickten. Jetzt, dachten sie, sei es ein leichtes, den Weg mitten zwischen die beiden Steine zu nehmen, und lie�en die Z�gel schie�en. Die Maultiere sausten, Sandwolken aufwirbelnd, im gestreckten Galopp dahin.</p><p>Als sich die Reisenden zwischen den beiden Steinen befanden, f�hlten sie sich nach links gezogen. Ob sie nun die Mitte falsch bestimmt hatten und dem linken Stein n�her waren, oder ob die magische Kraft des letzteren gr��er war - das wu�ten Ann und Tim nicht. Sie f�hlten nur, da� die Hexerei Gingemas sie aus den Satteln zerrte.</p><p>Anns Kr�fte versagten, und sie fiel mit einem leisen Aufschrei aus dem Sattel. Zum Ungl�ck kam sie auf die Beine zu stehen, und die b�se Kraft, die von dem Stein ausging, zog sie unwiderstehlich an.</p><p>Das Maultier Tims, das kr�ftiger war als Anns, hatte die Gefahrenzone fast �berwunden, als der Junge den Aufschrei des M�dchens h�rte und C�sar mit leerem Sattel hinter sich hertraben sah.</p><p>Tim war fast schon in Sicherheit, aber angesichts der Gefahr, in der Ann schwebte, schwankte er keinen Augenblick: Er ri� seinen Hannibal herum, erreichte im Nu das M�dchen und zog es mit kr�ftigem Ruck zu sich hinauf.</p><p>Sp�ter konnten sich die Kinder an die Einzelheiten dieser schrecklichen Minuten, die ihnen wie eine Ewigkeit vorkamen, nicht mehr erinnern. Sie entsannen sich nur, wie das Maultier unter der doppelten Last gekeucht und der Sand unter seinen Hufen gespritzt hatte.</p><p>Zoll um Zoll entrang sich Hannibal der unheimlichen Kraft, bis sie zu wirken aufh�rte. Ein siegreiches Wiehern verk�ndete, da� der Bann gebrochen war, und frei st�rmte das edle Tier dahin.</p><p>Bald war auch C�sar eingefangen. Die v�llig ersch�pfte</p><p>Ann blieb aber, von ihrem Gef�hrten gest�tzt, noch lange im Sattel Hannibals sitzen. Als sie zu sich kam, dankte sie, Tr�nen in den Augen, dem tapferen Jungen. �La� nur", wehrte Tim ab, �nicht mir, sondern Hannibal hast du deine Rettung zu verdanken."</p><p>Die schwarzen Steine Gingemas lagen jetzt weit hinter ihnen, und die Maultiere trabten schnell dahin. Tiere aus Fleisch und Blut w�ren l�ngst ermattet, die mechanischen Rappen aber schienen genau so frisch wie zu Beginn der Reise. In der Ferne tauchten die schneebedeckten Gipfel der Weltumspannenden Berge auf. Jetzt, da sie nicht mehr zu eilen brauchten, beschlossen die Reisenden, Rast zu machen. Von der �berstandenen Gefahr noch ganz benommen, konnten Tim und Ann aber keinen Bissen herunterbringen, nur ihr Durst war schier unstillbar, und sie tranken sehr viel Wasser.</p><subtitle>DURCH DIE BERGE</subtitle><p>Die beiden Kinder wollten in das Tal mit den wunderbaren Weintrauben gelangen, in dem einst Elli und Charlie Black nach ihrer W�stenreise ausgeruht hatten. Wegen der schwarzen Steine waren aber Tim und Ann vom Kurs abgekommen und erreichten die Berge an einer anderen Stelle. Allerdings sprudelte auch dort ein Bach, an dem Obstb�ume standen, aber Reben waren da nicht zu sehen. Kaum hatten Ann und Tim auf einer kleinen Wiese ein Lager aufgeschlagen, da begannen auch schon die Wunder. Den Anfang machte Arto. Als Ann ihn aus dem Sack nahm, g�hnte er, holte tief Atem und sagte mit klarer Stimme: �Uh, war das eine Qual in dem stickigen Loch! Endlich kann ich mir die Pfoten vertreten!"</p><p>Obwohl die Kinder l�ngst wu�ten, da� im Zauberland auch die Tiere sprechen, blickten sie ihren vierbeinigen Gef�hrten voller Staunen an. Wie steigerte sich aber erst ihre Verwunderung, als das H�ndchen um die Maultiere zu h�pfen begann und Anstalten machte, sie in die Beine zu bei�en, und pl�tzlich C�sar mit angenehmer Baritonstimme sagte:</p><p>�Nicht so �berm�tig, Freundchen, oder du bekommst meine Hufe zu sp�ren!" Hannibal f�gte in tiefem Ba� hinzu:</p><p>�W�rde ihm nur recht geschehen! Diese H�ndchen sind ja unausstehlich..."' �Wieso, Freunde, auch ihr habt das Sprechen erlernt?" rief Ann verdutzt. �Warum denn nicht?" erwiderte C�sar.</p><p>In der Tat: Warum sollten sich Maultiere im Zauberland nicht wie lebende Wesen verhalten und nicht sprechen, wo doch eine Vogelscheuche aus Stroh und ein Mann aus Eisen hier lebten und sprachen?!</p><p>C�sar war anscheinend neugieriger als sein Gef�hrte, denn er fragte: �Sag, bitte, Ann, was bedeuten unsere Namen? Warum hei�en wir eigentlich C�sar und Hannibal und nicht anders?" Ann und Tim wu�ten zun�chst nichts zu antworten. Sie hatten ja erst die erste Klasse abgeschlossen, in der es noch keinen Geschichtsunterricht gab. Allerdings hatte Elli, als sie den Tieren die Namen gab, dem Schwesterchen ihre Bedeutung erkl�rt, und Ann hatte einiges behalten.</p><p>�Wie soll ich's euch erkl�ren?" sagte das M�dchen, die Brauen zusammenziehend. �Hannibal und C�sar waren im Altertum ber�hmte Leute. Ich wei� nicht mehr, ob Pr�sidenten oder Generale, aber jedenfalls etwas in dieser Art..."' Mit dieser Erkl�rung gaben sich die Tiere zufrieden und sagten, da� sie gern auf ihre Namen h�ren wollten.</p><p>Nach dem Abendbrot schliefen Ann, Tim und Arto sofort ein, w�hrend die Rappen unter einem Baum standen und ruhig auf den Sonnenaufgang warteten. In der Sonne w�rden sie sich wieder mit Energie aufladen, denn die Sonne ersetzte ihnen Speise und Trank.</p><p>Am Morgen nahm Tim aus seinem Sack die Hufeisen, die er mitf�hrte, und schraubte sie C�sar und Hannibal an die F��e. Im Sand h�tten die Eisen den Lauf der Tiere nur gehemmt, auf den steinigen Bergpfaden aber waren sie unentbehrlich. An diesem Morgen ging unseren Reisenden der Proviant aus. Es war erstaunlich, wie genau Elli den Vorrat berechnet hatte. Die Kinder pfl�ckten Obst von den B�umen und stopften es in die Reisetaschen, f�llten die Feldflaschen mit Wasser und zogen weiter.</p><p>Der Weg war jetzt sehr m�hselig. Er f�hrte �ber schwindelerregende H�nge, �ber schmale Felsvorspr�nge, unter denen Abgr�nde g�hnten, �ber Ger�ll, das schreckliche Lawinen entfesseln konnte, und �ber tiefe Schluchten. Manchmal brauchte die kleine Schar Stunden, um nur hundert Fu� hinter sich zu bringen. Erst jetzt wurde es Ann und Tim bewu�t, welch unsch�tzbare Dienste ihnen C�sar und Hannibal leisteten. Nat�rlich waren die mechanischen Maultiere nicht mit den Steinb�cken zu vergleichen, die �ber die Felsen fegten, aber auch sie vollbrachten wahre Wunder an Geschicklichkeit.</p><p>Unerm�dlich, furchtlos und flink wie Katzen kletterten sie die steilen H�nge hinan, die Reiter ermahnend, sie sollen sich fest in den Satteln halten. Wenn es zu Tal ging, zogen sie die Hinterbeine an und rutschten fast auf den B�uchen hinab, und beim Aufstieg n�tzten sie jeden Felsvorsprung, der etwas Halt bot. �ber Felsspalten setzten sie, die sehnigen Hinterbeine gestreckt, in sch�nem Sprung hinweg, w�hrend die Reiter die H�lse der edlen Tiere umklammerten, um nicht aus den Satteln zu fliegen.</p><p>Nach einiger Zeit tauchte eine breite Schlucht auf, die selbst das beste Pferd der Welt nicht h�tte �berspringen k�nnen. Aus dem Abgrund stiegen Nebel und das Rauschen eines Wildbachs auf.</p><p>An ein Umreiten des Hindernisses war nicht zu denken, denn rechts und links t�rmten sich m�chtige Felsen, die selbst f�r C�sar und Hannibal un�berwindlich waren. Best�rzt blickten sich die Kinder an. Um hier herauszukommen, h�tten sie umkehren und einen Steg im Labyrinth der Berge suchen m�ssen.</p><p>Pl�tzlich h�rten sie Fl�gelschl�ge �ber ihren K�pfen und sahen einen riesigen Schatten auf sich zukommen. Aufblickend gewahrten sie einen ungeheuren Adler. Ann stie� einen Schrei des Entsetzens aus und bedeckte das Gesicht mit den H�nden, w�hrend Tim drohend seinen Kn�ppel schwang, obwohl ihm klar war, da� er mit dieser Waffe gegen den Vogel nichts ausrichten werde.</p><p>Der Adler (es war Karfax) ging vor den Reisenden nieder und sagte mit angenehmer Stimme: �Keine Angst, Kinder! Schwachen und Hilflosen tue ich nichts zuleide!" Tim runzelte beleidigt die Brauen, w�hrend Ann die H�nde vom Gesicht nahm und den Vogel anblickte. Karfax sah so edel und gutm�tig aus, da� das M�dchen sofort Vertrauen zu ihm fa�te.</p><p>�Ich sehe, Kinder, da� ihr aus der gro�en Welt kommt und ins Zauberland wollt", fuhr der Adler fort. �Ihr habt einen weiten und gef�hrlichen Weg zur�ckgelegt, aber dieses Hindernis �bersteigt eure Kr�fte."</p><p>�Ja, Herr Adler", sagte Ann, �diesen Abgrund k�nnen unsere Maultiere nicht �berspringen. Seid doch so g�tig, und tragt uns hin�ber."</p><p>�Das l��t sich machen", sagte der Adler sanft. �Halt dich am Sattel fest, M�dchen..." W�hrend Ann sich an den ' Sattel klammerte, fa�te Karfax mit seinen m�chtigen Krallen behutsam C�sar unter, und noch ehe das M�dchen erschrecken konnte, schwebte es schon �ber dem rauchenden Abgrund. Einen Augenblick sp�ter wurde Ann mit dem munter wiehernden Maultier auf der anderen Seite abgesetzt, und noch bevor sie den Kopf wenden konnte, standen auch Hannibal und Tim an ihrer Seite. �Von hier ist der Weg nicht mehr gef�hrlich, und ihr werdet meiner Dienste wohl nicht bed�rfen", sagte der Adler und schwang sich in die L�fe.</p><p>�Sch�nen Dar k, lieber Freund!" riefen die Kinder dem in einer Wolke entschwindenden Vogel nach. Wie war Karfax am Leben geblieben? Wir wissen doch, da� er Urfin verlassen und in die Heimat geflogen war, wo ihn der sichere Tod erwartete. Wie kam es, da� Arraches, der Anf�hrer der Adlerschar, und seine Anh�nger ihn nicht get�tet hatten?</p><p>Das kam so:</p><p>Drei Tage vor der R�ckkehr Karfax' war Arraches im Kampf mit dem Schlangenk�nig gefallen, den er aus �ber m��igem Ehrgeiz zum Streit herausgefordert hatte. Karfax wurde von den Adlern zum Anf�hrer erw�hlt und fand bald eine neue Lebensgef�hrtin, mit der er nun gl�cklich lebte.</p><p>H�tten Tim und Ann gewu�t, was sich erst k�rzlich im Zauberlande zugetragen hatte, h�tten sie gewu�t, da� dieser selbe Adler, ohne es zu wollen, dem b�sen Urfin geholfen ,selbe die Macht �ber die Springer zu erringen, sie h�tten Karfax gewi� gebeten, das �bel, das er ungewollt so vielen Menschen zugef�gt hatte, wiedergutzumachen! Ann und Tim wu�ten aber das alles nicht. Karfax mied jetzt die Menschen, besonders, nachdem der t�ckische Urfin ihn so bitter entt�uscht hatte. Ohne zu ahnen, welch m�chtigen Bundesgenossen sie in Karfax hatten, blickten die Kinder lange auf die Wolke, die den Vogel verschlungen hatte. Als erster fa�te sich Tim:</p><p>�Das nenne ich ein Abenteuer!" rief er. �Dergleichen hat selbst Elli nicht erlebt!" �Ja", sagte Ann, �sie hat nicht einmal geh�rt, da� es im Zauberland solche Adler gibt."'</p><p>�Das nenne ich Gl�ck", sagte der Junge. �Wer wei�, wie lange wir in den Bergen umhergeirrt w�ren, wenn nicht dieser Vogel uns geholfen h�tte."' Der schwerste Teil der Reise war jetzt zu Ende. Am leichtesten hatte sie Arto �berstanden, der in seinem Sack gekauert und nur die Schnauze herausgesteckt hatte. Wenn es brenzlig wurde, hatte er sie eingezogen und die Augen zugedr�ckt, denn er glaubte, eine Gefahr sei weniger schrecklich, wenn man sie nicht sehe. Die Nacht �berraschte die Wanderer auf einem Gletscher hoch in den Bergen. Das Zelt konnten sie da nicht aufschlagen, und die K�lte drang ihnen durch alle Kleider. C�sar hatte einen guten Einfall. Auf seinen Rat hin falteten die Kinder das Zelt zu einem Rechteck zusammen und breiteten es auf dem Eis aus. Ann und Tim legten sich zwischen die Maultiere, deren K�rper die W�rme ausstrahlten, die sie am Tag aufgespeichert hatten. Auf diese Weise verbrachten die Kinder und Arto, den sie in die Mitte genommen hatten, die Nacht ganz ertr�glich. Am folgenden Tag wurde der Weg besser. Die Auf- und Abstiege waren jetzt weniger steil, an den H�ngen zeigte sich Gras und dann tauchten auch Str�ucher und B�ume auf.</p><p>Die Weltumspannenden Berge lagen jetzt weit zur�ck. Ann sagte feierlich: �Das ist das Land der K�uer!"</p><subtitle>SEINE FUCHSMAJEST�T, K�NIG NASEFEIN XVI.</subtitle><p>Ann hatte sich aber geirrt, als sie das sagte. Die Kinder waren in der gro�en W�ste von dem Weg abgekommen, den Elli und der einbeinige Seemann einst gegangen waren, und hatten die Weltumspannenden Berge an einer anderen Stelle �berquert. Das Land der K�uer lag jetzt rechts von ihnen. Die beiden Kinder sahen, da� der Steg, der durch den Wald f�hrte, nicht von Menschenf��en, sondern von den F��en wilder Tiere herr�hrte.</p><p>Der Steg wurde breiter, doch kein Mensch war weit und breit zu sehen. Nur die geschw�tzigen Elstern auf den B�umen unterhielten sich laut �ber die Kleider und das Aussehen der Wanderer.</p><p>Nach zwei strapazenreichen Tagen f�hlten sich Ann und Tim v�llig ersch�pft. Da das Wetter sch�n war, schlugen sie nicht das Zelt auf, sondern legten sich unter einen Strauch ins weiche Gras. Tim schlief augenblicklich ein. Auch Ann fielen die Augen zu, als pl�tzlich ein vielstimmiges Geheul und zwischendurch ein Schmerzensschrei: �Helft mir! Ach, helft mir doch! Ich sterbe...", an ihr Ohr drang. Ann versuchte, Tim zu wecken, doch da ihr das nicht gelang, beschlo� sie, allein nachzusehen, was los war. Als sie aus den B�schen trat, bot sich ihr folgender Anblick: Mitten in einer Lichtung lag, eine Pfote in einem Fangeisen eingeklemmt, ein gro�er, brauner Fuchs und wimmerte. Um ihn standen mehrere kleine F�chse, die aus Mitleid mit ihm gleichfalls wimmerten und heulten.</p><p>Beim Auftauchen Anns verstummte das Konzert, und die F�chse verkrochen sich im Dickicht. Nur der Gefangene schaute das M�dchen aus flehenden Augen an. Ann versp�rte Mitleid mit dem ungl�cklichen Fuchs, trat n�her und fragte ihn sanft: �Wie bist du in diese Falle geraten, du �rmster?" Noch bevor das braune Tier etwas erwidern konnte, sprang aus den B�schen eine Silberf�chsin und rief: �Wie wagst du es, M�dchen, so unh�flich mit dem Herrscher dieses Landes zu sprechen? Wei�t du, wen du vor dir hast? Seine Fuchsmajest�t Nasefein XVI., den K�nig des Fuchslandes."</p><p>�Oh, bitte um Verzeihung, Eure Fuchsmajest�t!" wandte sich Ann an den K�nig. �Ich komme aus einem fernen Lande und wu�te nicht, da� Ihr ein so hohes Amt bekleidet." K�nig Nasefein XVI. nickte gn�dig und erz�hlte, wie er in diese schlimme Lage geraten war. Er war einem Hasen nachgejagt und hatte die Falle nicht gesehen, die ein J�ger aus dem Nachbarland der K�uer vor langer Zeit hier aufgestellt hatte. Das Fangeisen hatte ihm die Pfote eingeklemmt. Das geschah vor einer Woche, und in dieser Zeit hatte sich kein Mensch auf der Wiese gezeigt. H�tten Ihre Fuchsmajest�t, die K�nigin Schnellfu�, mit ihren H�flingen und Hofdamen ihn nicht gefunden, er w�re vor Hunger und Durst gestorben. Nasefein sagte, er habe schon ernsthaft nachgedacht, ob er sich nicht die Pfote abbei�en solle, um die Freiheit wiederzuerlangen. Aber dann h�tte er seinen Thron verloren, denn nach den Gesetzen des Landes durfte ein Kr�ppel nicht K�nig sein. Das M�dchen aus dem fernen Lande sei gerade noch rechtzeitig gekommen: Wenn sie ihn befreie, werde sie ihm mehr als das Leben retten - sie werde ihm die k�nigliche Macht erhalten.</p><p>Ann wollte dem K�nig helfen, aber ihre Kr�fte reichten nicht, das Fangeisen wegzudr�cken, das die Pfote festhielt. Da entschied sie, Tim herbeizuholen, doch als sie einen Schritt in Richtung der B�sche tat, begannen die F�chse so j�mmerlich zu heulen, da� sie stehenblieb.</p><p>,Warum bin ich nur so unbeholfen', dachte das M�dchen mi�mutig. Elli h�tte an meiner Stelle bestimmt einen Ausweg gefunden. Da erblickte sie einen starken Ast, den ein Sturm vom Baum gerissen hatte. �Oh, das brauche ich gerade!" rief sie freudig.</p><p>Sie steckte das Astende zwischen die Z�hne des Fangeisens und stemmte sich mit aller Kraft dagegen. Durch die Hebelwirkung �ffnete sich das Eisen, und der Fuchs zog die Pfote heraus. Als die umstehenden F�chse das sahen, brachen sie in ein Lobgeheul auf die Befreierin ihres K�nigs aus. Nasefeins Pfote war geschwollen und blutete. Hilfe tat not. Mit gro�er Anstrengung hob Ann den Fuchs auf und trug ihn zu der Stelle, wo Tim schlief. Die anderen F�chse folgten ihr ehrerbietig.</p><p>Beim Anblick des Rudels erhob Arto ein ohrenbet�ubendes Gebell, wor�ber Tim aufwachte. Er war sehr verwundert, Ann in solch ungew�hnlicher Gesellschaft zu sehen. Als sie ihm erz�hlte, was vorgefallen war, billigte er ihre Tat und lobte sie. Ann nahm die Reiseapotheke aus dem Rucksack, strich Jod auf die Wunde und legte einen Verband an. Dem K�nig wurde es sofort besser, doch gehen konnte er nicht.</p><p>�Wohin befehlen Eure Fuchsmajest�t, Euch zu tragen?" fragte das M�dchen. �Nach Fuchsstadt - in meinen Palast", erwiderte der K�nig mit schwacher Stimme. Als Ann und Tim den Fuchs auf C�sars R�cken setzten, streckte Arto den Kopf aus dem Sack und begann w�tend zu bellen. Ein Nasenst�ber Tims belehrte ihn jedoch, da� man seine Gef�hle nicht immer so laut hinausschreien d�rfe. Der Hund zog den Kopf wieder ein und knurrte nur leise:</p><p>�Warum machen sie nur so viel Aufhebens von diesem Knallprotz? K�nig hin, K�nig her - ein anst�ndiger Hund hat die Pflicht, so einen zu jagen und zu hetzen... "</p><p>Die Maultiere setzten sich in Trab, das Gefolge lief hinterher. Die K�nigin hatte der beflissene Tim neben sich auf Hannibals R�cken gesetzt. Nasefein XVI. wies den Weg durch den dichten Wald.</p><p>�Wie viele Untertanen besitzen Eure Fuchsmajest�t?" fragte Ann den K�nig. �Oh, viele Tausende. Allerdings wurden sie das letztemal vor f�nf Jahren gez�hlt, und jetzt wei� ich nicht mehr genau, wie viele es sind."'</p><p>�Und wo nehmt Ihr das Essen f�r sie her?" fragte Ann. �Ihr braucht wahrscheinlich sehr viele Hasen und Kaninchen, um eine solche Menge Esser satt zu machen!" �Daf�r hat die Natur gesorgt", sagte der K�nig. �Wir pflanzen B�ume, deren Fr�chte so gro� sind wie ausgewachsene Kaninchen und deren Fleisch ebenso schmackhaft ist wie das der Kaninchen. Wir nennen sie Kaninchenb�ume." ,Wie viele Wunder gibt es doch im Zauberland!' dachte Ann. Selbst Elli hat von den riesigen Adlern, dem K�nigreich der F�chse und den Kaninchenb�umen nichts geh�rt, obwohl sie doch dreimal hier war.' �Warum seid Ihr denn auf die Jagd gegangen, wo in Eurem Lande doch so herrliche B�ume wachsen?" wollte das M�dchen wissen.</p><p>�Ihre Fr�chte sind schmackhaft", erwiderte Nasefein, �aber wir �berlassen sie dem einfachen Volk. Soll ich etwa dasselbe essen, was der Ackerbauer und Tagel�hner i�t? Pfui!" Der K�nig verzog angewidert das Gesicht. �Und die Lust, einen Hasen zu zerfleischen!" Nasefeins Augen gl�nzten gierig. �Bei uns darf nur die k�nigliche Familie jagen. Den einfachen Leuten ist die Jagd unter Todesstrafe verboten."' Jetzt bereute Ann fast, da�. sie den K�nig aus dem Fangeisen befreit hatte. Aber,' dachte sie, wenn er umgekommen w�re, h�tte sein Nachfolger. die Regierung des Landes �bernommen, und im K�nigreich der F�chse h�tte sich nichts ge�ndert.' Eine Frage des K�nigs lenkte Ann von ihren Gedanken ab: �Was sind das f�r Tiere, auf denen wir reiten? Ich war in vielen Teilen unseres Landes, aber solche Tiere habe ich nirgends gesehen."</p><p>�Die gibt es sogar auf der anderen Seite der Berge nicht", sagte Ann.</p><p>Sie versuchte, dem K�nig zu erkl�ren, wie die mechanischen Maultiere funktionierten, aber da sie es selbst nicht genau wu�te, blieben ihre Erkl�rungen unverstanden. Der K�nig.begriff nur eins: da� die sogenannten Maultiere sich von Sonnenstrahlen ern�hren. Und das wunderte ihn nicht sehr.</p><p>,Ein jeder i�t, was er kann', dachte er bei sich. Unser gemeines Volk i�t die Fr�chte des Kaninchenbaums, unsre Adligen ern�hren sich von Kaninchen und Hasen, die mechanischen Maultiere - von Sonnenstrahlen. Aber Hasenfleisch schmeckt doch am besten!'</p><subtitle>EIN KOSTBARER TALISMAN</subtitle><p>Das Land der F�chse war sehr gro�, und die Maultiere brauchten gut zwei Stunden, bis sie die Hauptstadt erreichten.</p><p>Fuchsstadt bestand aus zahllosen H�geln, die eine breite Stra�e s�umten. Es war leicht zu erkennen, da� es k�nstliche Baue waren, doch wer sie geschaffen hatte - ob F�chse in alten Zeiten oder sonst jemand -,das konnte selbst K�nig Nasefein nicht sagen. In jedem H�gel waren viele �ffnungen zu sehen. Sie bildeten die Eing�nge zu den Fuchsbauen. Davor tummelten sich braune und silbergraue kleine F�chse. K�nig Nasefein erkl�rte:</p><p>�Unser Volk besteht aus zwei St�mmen, einem mit braunem und einem mit silbergrauem Pelz. In alten Zeiten lebten diese St�mme getrennt und befehdeten sich. Aber vor hundert Jahren schlossen sie sich zusammen und siedelten in diese Gegend �ber, wo sie die H�gel vorfanden, die f�r Baue wie geschaffen waren. Von jener Zeit r�hrt der Brauch her, da� ein K�nig aus dem braunen Stamm seine Gattin unbedingt aus dem Stamm der Silberf�chse nimmt. Und umgekehrt: Wenn der K�nig ein Silberfuchs ist, mu� die K�nigin eine braune F�chsin sein."</p><p>Die Kinder h�rten nur zerstreut zu, denn ihre Aufmerksamkeit -galt dem Treiben in Fuchsstadt, wo es wirklich viel Merkw�rdiges gab. Hinter den H�geln zogen sich Plantagen mit den B�umen hin, von denen Nasefein erz�hlt hatte. An den Zweigen hingen gro�e l�ngliche Fr�chte mit dicker Schale. Da und dort l�ste sich eine reife Frucht und fiel zu Boden. Beim Aufschlag platzte die Schale, und das appetitliche rosa Fleisch kam zum Vorschein.</p><p>Den abgefallenen Fr�chten n�herten sich auf den Hinterbeinen F�chse, die sie mit den Vorderpfoten aufhoben und in Vorratslager trugen.</p><p>Alle Plantagenarbeiter gingen auf den Hinterbeinen. Die einen lockerten mit spitzen St�cken den Boden zwischen den B�umen auf, andere trugen in gro�en Nu�schalen Wasser zum Gie�en, dritte klaubten sch�dliche Insekten und Larven aus den Ritzen der Rinde heraus. Auf allen vieren liefen nur die jungen F�chse, die Handlangerdienste versahen.</p><p>Unseren Reisenden fiel eine seltsame Prozession auf. Vier F�chse trugen eine mit Seide ausgeschlagene schmucke S�nfte, in der eine Silberf�chsin sa�. Die F�chsin und der K�nig tauschten Verbeugungen aus.</p><p>�Das ist meine Tante, Prinzessin Spitzohr. Sie macht gerade ihre Besuchsrunde", sagte der K�nig zu Tim. Ann fragte:</p><p>�Fertigen Eure Handwerker so sch�ne Dinge an?" �Leider nicht", erwiderte Nasefein. �Unsere Ahnen haben solche Luxusgegenst�nde f�r Fr�chte der Kaninchenb�ume bei den Menschen erworben."' �Treibt ihr auch heute Handel?"</p><p>�O nein", erwiderte der K�nig unwillig mit einer verneinenden Bewegung seiner gesunden Vorderpfote. �Fragt nicht, warum der Handel aufgeh�rt hat, ich werde es Euch ein andermal sagen."' Ann schwieg betroffen.</p><p>Auf der Stra�e schob eine braune F�chsin einen Kinderwagen mit drei Jungen vor sich her, die sich �berm�tig balgten und nicht auf die Amme h�rten, die ihnen ruhig zu liegen befahl und sie mit Klapsen traktierte.</p><p>Der Palast K�nig Nasefeins XVI. sah genau so aus wie die anderen -Fuchsbaue, nur war der Eingang so hoch, da� Tim und Ann sich beim Eintreten nicht zu b�cken brauchten. Staunend gewahrten die Kinder, da� der Innenraum hell erleuchtet war. Das Licht strahlten Kugeln aus, die an der Decke hingen. Aus den Berichten ihrer Schwester wu�te Ann, da� die Leuchten im unterirdischen Land mit dem Saft von Sechsf��erfellen aus dem Reich der Erzgr�ber getr�nkt waren. Anscheinend hatten die F�chse auch diese Lampen bei den Menschen erworben. Den K�nig danach zu fragen, wagte das M�dchen jedoch nicht, nachdem sie den Unmut Nasefeins bei ihrer letzten Frage bemerkt hatte.</p><p>An der R�ckwand der H�hle standen zwei Throne, von denen einer etwas h�her war als der andere. W�rdevoll nahmen der K�nig und die K�nigin auf den Thronen Platz, w�hrend die H�flinge sich auf den Hinterbeinen an den W�nden reihten. ,Genau wie bei den Menschen', dachte Ann.</p><p>K�nig Nasefein hielt eine Rede. Er erz�hlte kurz von dem Ungl�ck, das ihn heimgesucht hatte, und sprach Ann seinen tiefen Dank f�r die Rettung aus. �Ihr sollt nicht meinen, da� ich Euch meine Erkenntlichkeit lediglich in Worten bezeigen will", fuhr er, zu Ann gewandt, fort. �Ich will Euch etwas schenken, das Euch in unserem Lande von gro�em Nutzen sein wird." Dann rief er in den Saal hinein: �Minister Langschwanz!"</p><p>Ein Silberfuchs mit einem herrlichen flauschigen Schwanz trat bed�chtig auf den Thron zu. Der Minister schien auf diesen Schwanz sehr stolz zu sein, denn er war sorgf�ltig gek�mmt und geb�rstet und roch nach Parf�m. �Was befehlen Eure Fuchsmajest�t?" fragte der W�rdentr�ger. �Geh in unsere k�nigliche Schatzkammer und hole den Silberreif!" befahl der K�nig. Diese Worte schlugen wie ein Blitz unter die H�flinge ein. Die einen st�hnten, w�hrend andere flehend die Pfoten erhoben. Der Reif, von dem der K�nig sprach, mu�te sehr kostbar sein. Doch niemand wagte zu widersprechen, denn seine Majest�t Nasefein XVI. verstand keinen Spa�. Nach wenigen Minuten kehrte Langschwanz mit einem breiten, rubinbesetzten Silberreif zur�ck, der ungew�hnlich sch�n war. Ann erschauerte bei dem Gedanken, da� es ihr zuge- dacht sein konnte. Da sie sehr bescheiden war, meinte sie, es gezieme sich nicht, ein teures Geschenk f�r eine gute Tat anzunehmen, und sei es auch f�r die Rettung eines Lebens. Sie sagte:</p><p>�Eure Fuchsmajest�t �bersch�tzen meine Verdienste um Eure Rettung."' �Wieso?" wunderte sich der K�nig. �Habt Ihr mir nicht den Thron erhalten?" �Den h�ttet Ihr auch ohne meine Hilfe bewahren k�nnen."' �Auf welche Weise?"'</p><p>�Ihr h�ttet einen Boten in das Land der K�uer schicken k�nnen, dann w�ren Menschen gekommen und h�tten Euch geholfen, wie es Eurer k�niglichen W�rde geb�hrt." Der K�nig lachte bitter.</p><p>�Untersch�tzet nicht unseren Verstand, M�dchen! Wir haben drei Boten nacheinander zu den K�uern geschickt, und alle sind f�r ihren Monarchen gefallen!" �Gefallen, warum?"</p><p>�Auf dem einzigen Weg, der von uns in das Land der K�uer f�hrt, hat sich ein wilder, ewig hungriger S�belzahntiger niedergelassen, der jeden Fuchs, der ihm in die Pranken f�llt, zerrei�t und auffri�t. Aus diesem Grunde hat auch der Handel zwischen uns und den Menschen vor acht Jahren aufgeh�rt." Ann fragte betroffen:</p><p>�Ein S�belzahntiger, sagt Ihr? Hat denn der Weise Scheuch den Holzk�pfen nicht befohlen, alle diese Tiger auszurotten?"</p><p>Jetzt war es Nasefein, der staunte. Er erhob sich von seinem Thron und sagte feierlich: �Ihr kennt den Scheuch, die Holzk�pfe und die S�belzahntiger? Und Ihr kommt von der anderen Seite der Berge? Dann will ich Euch sagen, wer Ihr seid! Ihr seid Durchlaucht Elli, die Fee des T�tenden H�uschens. Wir hei�en Euch willkommen in Fuchsstadt, liebe Fee!"</p><p>Nach diesen Worten setzte er das verwirrte M�dchen auf den Thron und verbeugte sich tief. Das gleiche taten die K�nigin und alle H�flinge. Nur Tim stand aufrecht und verstand nicht, warum man seiner Freundin solche Ehren bezeigte. Arto, den er auf dem Arm hielt, begann beim Anblick der vielen katzbuckelnden F�chse zu knurren. Ann aber stieg vom Thron hinab und sagte:</p><p>�Eure Fuchsmajest�t irren. Nehmt wieder den Platz ein, der Euch zu Recht geb�hrt, und h�ret mich an. Elli ist meine �ltere Schwester. Sie war wirklich mehrmals im Zauberland und hat hier viel R�hmliches vollbracht. Ich aber hei�e Ann Smith, bin kaum zwei Tage in diesem wunderbaren Land und habe nichts getan, was des Lobes wert w�re." Der K�nig entgegnete:</p><p>�Eure Verdienste sind sehr gro�. Ihr habt das Land vor einem Dynastiewechsel bewahrt, vielleicht sogar vor einem B�rgerkrieg. Euch geb�hrt dieser silberne Reif, dessen Zauberkraft ich Euch sogleich vorf�hren will."</p><p>K�nig Nasefein stieg wieder auf den Thron, setzte den Reif auf und ber�hrte mit der Pfote den gr��ten Rubin des Geschmeides. Im n�chsten Augenblick verschwand er mitsamt dem massiven Thron. Ann und Tim standen mit weitaufgerissenen Augen da, w�hrend Arto laut zu bellen anfing, wor�ber die F�chse nicht wenig erschraken. Eine Minute sp�ter tauchte der Thron mit dem K�nig wieder auf. Beim Anblick der vor Staunen erstarrten Ann brach Nasefein in ein schallendes Gel�chter aus. �Wie Ihr seht, Durchlaucht, macht dieser Reif seinen Tr�ger unsichtbar, wenn er diesen Rubin da" - der K�nig wies auf den gr��ten Stein - �ber�hrt. Dabei werden auch alle Dinge, mit denen der Tr�ger des Reifs in Ber�hrung ist, unsichtbar. Au�erdem pa�t der Reif aufjeden Kopf, denn er dehnt sich nach der Gr��e des Kopfes aus oder zieht sich zusammen."</p><p>Ann zauderte, das kostbare Geschenk anzunehmen, aber der K�nig dr�ckte ihr den Reif fast gewaltsam in die Hand und schien die hei�en Dankesworte des M�dchens gar nicht zu h�ren.</p><p>�Ihr k�nnt ihn ruhig annehmen", sagte er zu Ann, �ich brauche ihn nicht. Wenn ich mich allzu oft unsichtbar mache, werden meine Untertanen bald vergessen, wie ich aussehe, was einem K�nig bestimmt nicht n�tzen kann, ha, ha, ha!"</p><p>Ann setzte sch�chtern den Reif auf, der genau auf ihren Kopf pa�te, als h�tte ihn ein geschickter Goldschmied angefertigt.</p><p>�Er steht dir gro�artig, Ann!" rief Tim strahlend. �Einfach wunderbar! Und jetzt verschwinde mal!"</p><p>Das M�dchen ber�hrte den gro�en Rubin, wie der Fuchsk�nig es getan hatte, und war im Nu verschwunden. Tim staunte nicht wenig, als der Platz, wo sie gestanden hatte, v�llig durchsichtig wurde. Arto aber bat:</p><p>�La� diese Sp��e, Ann, dar�ber mu� ja jeder anst�ndige Hund erschrecken!"</p><p>Von dem Platz.. 'wo Ann gestanden hatte, erklang ein lautes Lachen, dem die Worte folgten:</p><p>�He, Tim, fang mich mal!"</p><p>Tim lief auf die Stimme zu, aber kaum hatte er Anns Arm ber�hrt, entschl�pfte sie ihm auch schon, und ihre Stimme erklang aus einer anderen Ecke der H�hle. Nach mehreren vergeblichen Versuchen sagte der Junge �rgerlich:</p><p>�Jetzt hab ich's aber satt! Das ist hundertmal schlimmer als Blindekuh spielen."' Da tauchte Ann wieder auf. K�nig Nasefein sagte:</p><p>�Ich finde es nur gerecht, da� der Silberreif Eurer Durchlaucht geh�ren soll. Ihr seid die Schwester Ellis, der Fee, die Bastinda get�tet hat, der dieser Zaubertalisman einmal geh�rt hat. Die b�se Hexe hatte mich aus dem Mutterbau genommen, als ich noch ein kleines F�chslein war, und mich als Geschenk f�r ihre Schwester in den Violetten-Palast bringen lassen. Im Land der Zwinkerer gibt es keine F�chse, und alle starrten mich dort wie ein Wunder an. Bastinda hielt mich mehrere Jahre gefangen. Elli hat Euch gewi� erz�hlt, wie schwer es war, aus dem Palast der b�sen Hexe zu fliehen. Mir aber ist es gelungen!" sagte Nasefein stolz. �Ich hatte herausbekommen, wie die Hexe den Reif benutzte, stahl ihn aus ihrer Schatzkammer und machte mich davon. Dieser Talisman hat mich auf dem Heimweg vor vielen Gefahren bewahrt. Er hat mir auch geholfen, die Macht im Reich der F�chse zu erringen. Aber jetzt trenne ich mich ohne Bedauern von ihm, weil..."-bei diesen Worten trat er ganz nahe an Ann heran und fl�sterte ihr ins Ohr: �Ich f�rchte n�mlich, da� der Silberfuchs Prinz, Krummbein mir den Reif entwendet. Er hat es auf meinen Thron abgesehen..."' Als Ann dieses Gest�ndnis h�rte, sagte sie sich, es sei wohl eine gute Tat, Nasefein von dem Talisman zu befreien. Mit reinem Gewissen werde sie Fuchsstadt verlassen, um sich mit ihren Gef�hrten in das Land der K�uer und von dort in die Smaragdenstadt zu begeben.</p><p>Vor dem Abschied gab K�nig Nasefein XVI. zu Ehren Anns, Tims und Artos ein Festessen. Die Kaninchenbaumfr�chte, mit denen man sie bewirtete, schmeckten ausgezeichnet. Mehrere davon bekamen sie mit auf den Weg. Zum Dank schenkte Ann dem K�nig ihren blauen Umhang. Nasefein war sehr stolz, als er ihn anzog, und sagte, von jetzt an solle dieser Umhang im Lande der F�chse als K�nigsgewand dienen.</p><subtitle>IM LANDE DER K�UER</subtitle><p>Abgesandte des K�nigs Nasefein geleiteten Tim und A nn bis an die Grenze des Landes, wo der Steg begann, der in das Land der K�uer f�hrte. Sie beschrieben den Kindern auch genau die Stelle, wo der letzte S�belzahntiger auf der Lauer lag. Der Steg war gewunden und stellenweise von Gras �berwuchert, so da� die Kinder ihre Maultiere z�geln mu�ten. C�sar und Hannibal schnaubten unwillig, denn w�hrend der Rast in Fuchsstadt hatten sie sich mit Energie vollgeladen, die sie jetzt so schnell wie m�glich loswerden wollten.</p><p>Als die Wanderer an einer Wegkr�mmung das gestreifte Fell des Tigers erblickten, lie�en sie die Z�gel locker. Das Raubtier, das die Hufschl�ge schon aus der Ferne vernommen hatte, war aus den B�schen getreten und hatte sich zum Sprung geduckt, aber in diesem Augenblick schalteten Tim und Ann auf H�chstgeschwindigkeit, und die Maultiere sausten wie der Wind an dem Tiger vorbei.</p><p>�Ich werde wohl alt und schwerf�llig", brummte der S�belzahntiger, �da ich nicht einmal unterscheiden konnte, was so schnell an mir vorbeigesaust ist. Jedenfalls waren es keine F�chse."</p><p>Ann und Tim ritten mehrere Stunden, bis sich vor ihnen das herrliche Blaue Land auftat, das das M�dchen aus den Geschichten seiner Schwester so gut kannte. Ein seltsames Gef�hl bem�chtigte sich Anns: Ihr war, als habe sie diese wunderbare Landschaft mit dem smaragdgr�nen Gras, diese B�ume mit den ungew�hnlichen Fr�chten und diese rauschenden B�che mit den unz�hligen Gold- und Silberfischlein schon einmal gesehen.</p><p>Hinter den B�umen traten liebliche Menschlein mit breitkrempigen, silberschellenbehangenen H�ten hervor.</p><p>Sie hatten blaue M�ntel und enge Hosen an und bewegten ununterbrochen die Kiefern. Am Rande der Lichtung blieben sie stehen und betrachteten �ngstlich den Jungen und das M�dchen auf den hohen Maultieren.</p><p>�Guten Tag, liebe K�uer!" sagte das M�dchen, das vom Maultier stieg und mehrere Schritte zu den Menschlein hin machte, w�hrend Tim mi�trauisch im Sattel blieb. �Guten Tag, m�chtige Fee", erwiderte ein beherzter K�uer und verbeugte sich vor den Ank�mmlingen. Seinem Beispiel folgten die anderen, wobei die Schellen auf ihren H�ten gar lieblich l�uteten.</p><p>�Warum meint ihr, da� ich eine Fee bin?" fragte Ann l�chelnd.</p><p>�Weil nur eine Fee einen solch sch�nen Silberreif auf dem Haupt tr�gt. Auch siehst du der Fee des T�tenden H�uschens sehr �hnlich, die uns von der b�sen Gingema befreit und den t�ckischen Urfin Juice mit seinen Holzsoldaten besiegt hat."</p><p>Bei diesen Worten fingen die K�uer zu schluchzen an, und damit das Gebimmel der Schellen sie dabei nicht st�re, nahmen sie die H�te ab und legten sie auf die Erde.</p><p>�Warum weint ihr denn, liebe Freunde?" fragte Ann verwundert.</p><p>�Wir weinen, weil der b�se Urfin das Zauberland erneut unterjocht und den Weisen Scheuch gefangengenommen hat", erwiderte ein K�uer.</p><p>Ann und Tim traten vor Staunen die Augen fast aus den H�hlen.</p><p>�Aber wie konnte das geschehen?" fragte das M�dchen. �Ich will es euch erz�hlen",</p><p>sagte eine kleine alte Frau, die aus der Menge hervortrat. Sie trug ein wei�es, mit funkelnden Sternchen besetztes Gewand.</p><p>�Guten Tag, Frau Willina!" sagte das M�dchen. �Ihr kommt wohl aus dem Gelben Lande?" �Ja, mein Kind", erwiderte die Frau und umarmte Ann. �Seit mehreren Tagen verfolge</p><p>ich deine Abenteuer und freue mich sehr, da� du die Zeit nicht vertr�delst."'</p><p>Bei diesen Worten ber�hrte Willina den Zauberreif des M�dchens.</p><p>�Das ist ein Geschenk des K�nigs der F�chse", sagte das M�dchen sch�chtern.</p><p>�Ich wei�, meine Liebe, und gratuliere dir dazu. Dieser Talisman wird dir und deinem Freund im Kampf mit Urfin Juice helfen."'</p><p>�Werden auch wir mit dem grausamen Urfin k�mpfen m�ssen?" fragte Ann erschrocken.</p><p>�Ja, das werdet ihr, mein Kind", erwiderte die Zauberin. �Deine Schwester Elli und ihre Freunde sind zu milde mit diesem t�ckischen Mann verfahren, und jetzt hat er wieder die Macht erobert, ein Heer der Springer auf die Beine gebracht und den Scheuch und den Eisernen Holzf�ller gefangengenommen."' �Auch den Holzf�ller?"</p><p>�Ja, auch ihn hat Urfin �berrumpelt. Von den drei wackeren Freunden Ellis lebt nur noch der Tapfere L�we frei in seinem fernen Wald. Siehst du, mein liebes M�dchen, ich darf mein Land nicht f�r lange Zeit verlassen und kann dir nur mit einem Rat behilflich sein, aber ich werde alles tun, was in meinen Kr�ften steht."'</p><p>�Ich danke Euch, liebe Frau", sagte Ann. �Hat das Schicksal mich und Tim hergef�hrt, um den Scheuch und den Eisernen Holzf�ller zu retten, so werden wir unsere Pflicht tun."</p><p>�Ich denke genau wie Ann", sagte Tim.</p><p>�Ich will mein Zauberbuch um Rat fragen", sagte Willina und zog aus den Falten ihres Gewandes ein winziges B�chlein hervor.</p><p>Sie legte es auf einen Stein, blies darauf und sprach ein paar Zauberworte, worauf es sich in ein dickes Buch verwandelte. Willina bl�tterte darin, bis sie das Wort �Gefangene" fand, erhob die Augen und sprach die Beschw�rung: �Bambara-tschufara, skoriki-moriki, turabo-furabo, lorikijoriki..." Mit geschlossenen Augen wiederholten die schreckensbleichen K�uer: �Bambara-tschufara, loriki-joriki..."</p><p>Auf einem leeren Blatt des Buches traten Worte hervor, die Willina feierlich verlas:</p><p>�Das M�dchen Ann und ihr Gef�hrte, die rittlings auf wunderbaren Tieren, die von Sonnenstrahlen gespeist werden,- in unser Land gekommen sind, m�gen auf dem gelben Backsteinweg in die Zauberstadt ziehen... "</p><p>�Seltsam", sagte die Zauberin, �vor zehn Jahren hat dieses Buch deine Schwester Elli auf diesen Weg geschickt, und siehe, jetzt ist die Reihe an dir... Aber la�t uns weiter lesen."</p><p>�Im ehemaligen Palast Goodwins sollen Ann und ihr Freund den Zauberkasten des Scheuchs, dessen sich Urfin bem�chtigt hat, an sich nehmen. Dabei wird ihnen der Silberreif helfen. Der Zauberkasten wird das �brige tun..." �Hm, das Ende ist nicht klar. Aber das Buch will wohl nicht mehr aussagen", meinte die Zauberin. �Das Weitere wird sich an Ort und Stelle zeigen. Nun denn, macht euch auf den Weg, meine lieben Kinder, ich w�nsche euch Erfolg, lebt wohl!..."' Das Buch schrumpfte wieder zusammen und verschwand in den Falten des Gewandes. Eine Sekunde sp�ter war auch die Zauberin verschwunden. Wo sie gestanden hatte, erhob sich ein Wirbel, der �ber die Wiese fegte und sich in der Ferne verlor. Verbl�fft betrachteten die K�uer die Stelle, wo eben noch Willina gestanden hatte. Da kam Ann ein kecker Gedanke: Sie wollte diesen scheuen Menschlein zeigen, da� auch sie Wunder tun k�nne wie die Zauberin aus dem Gelben Lande. Sie ber�hrte den gro�en Rubin auf dem Reif und war im n�chsten Augenblick verschwunden. Zwei solcher Kunstst�cke hintereinander - das war mehr, als die �ngstlichen K�uer vertragen konnten. Mit Schreien des Entsetzens stoben sie auseinander und verbargen sich in den B�schen. Ann, die nach wenigen Sekunden wieder auftauchte, und Tim, der ihren Scherz mi�billigte, mu�ten den K�uern lange zureden, bis sie sich ein Herz fa�ten und aus den B�schen hervortraten.</p><p>Als sie erfuhren, da� es der Silberreif war, der den Zauber bewirkt hatte, waren sie �berzeugt, da� Ann eine noch m�chtigere Fee sei als ihre Schwester.</p><p>Sie baten das M�dchen inst�ndig, den grausamen Urfin und die Springer zu vertreiben und den guten Scheuch wieder als Herrscher einzusetzen. Dann schafften sie eine Menge Proviant f�r die Kinder herbei. Zum Dank gab Ann ihnen Fr�chte des Kaninchenbaums. Die kleinen Menschlein freuten sich sehr �ber das Geschenk und sagten:</p><p>�Wir haben diese herrlichen Fr�chte seit dem Tag nicht mehr gegessen, da der blutr�nstige Tiger uns den Weg in das K�nigreich der F�chse verlegt hat." �Warum t�tet ihr ihn denn nicht?" fragte Tim.</p><p>�ber diese Frage waren die K�uer so verwundert, da� die Schellen an ihren H�ten von selbst zu bimmeln anfingen. �Wie sollen wir ihn t�ten, wo wir doch so klein und schwach sind?" riefen sie. Tim l�chelte nachsichtig.</p><p>�Ich habe leider keine Zeit, euch zu zeigen, wie man das macht. Aber ihr werdet es wohl auch ohne mich schaffen, wenn ich es euch erkl�re. Grabt 300 Fu� von der H�hle des Raubtiers entfernt eine tiefe Grube aus, bedeckt sie mit Zweigen und Laub und bindet davor an einen Pflock zwei L�mmer an. Diese werden durch ihr Bl�cken den Tiger anlocken, der herbeieilen und sich auf sie st�rzen wird. Dabei wird er in die Grube fallen, und dort wird er _ verrecken."</p><p>�ber diese Worte gerieten die K�uer in Entz�cken. Sie h�pften und tanzten so lange, bis sie ersch�pft umfielen. Wenige Tage sp�ter taten die Einwohner des Blauen Landes, wie Tim ihnen geraten hatte, und wie erwartet fand der Tiger in der Grube seinen Tod. Die K�uer schlugen neben der Grube einen Pflock in die Erde, an den sie ein T�felchen mit der Aufschrift anbrachten:</p><p>Hier sind die �berreste des letzten Tigers des Zauberlandes begraben. Wir haben ihm</p><p>den Garaus gemacht, wie der wunderbare Tim, ein Junge von der anderen Seite der Berge, es uns gelehrt hat. Wir loben und preisen ihn!</p><p>Auf dem Weg in die Smaragdenstadt, sagten die K�uer, w�rden die Kinder durch ein gro�es Dorf der Unterirdischen Erzgr�ber kommen. Es seien zwar viele Jahre vergangen, seitdem die Erzgr�ber ihre H�hle verlassen und sich in der oberen Welt angesiedelt hatten, aber aus Gewohnheit nenne man sie bis auf den heutigen Tag die Unterirdischen. �Werden sie uns nichts B�ses antun?" fragte Arto. �O nein, das sind herzensgute Menschen", versicherten die K�uer. �Freilich haben sie die Gewohnheit, beim Sprechen zu Boden zu blicken, was nicht einem jeden gef�llt. Aber sie k�nnen nicht anders, weil das grelle Tageslicht sie immer noch st�rt." Beim Abschied versprachen Tim und Ann, auf dem Heimweg wieder bei den K�uern einzukehren.</p><p>C�sar und Hannibal waren froh �ber den Aufbruch, denn Bewegung war ihnen das liebste auf der Welt. - das lag eben in ihrer Natur.</p><p>An diesem Tag kamen die Kinder durch mehrere K�uerd�rfer. Alles war dort blau: die H�user mit den Spitzd�chern, die Tore und Z�une, die Einfriedungen der G�rten und Felder und die Kleider der Einwohner. Unsere Reisenden wurden �berall freundlich begr��t. Auf eine geheimnisvolle Weise hatten die Leute erfahren, da� die kleine Schwester der Fee des T�tenden H�uschens eingetroffen sei und den Kampf mit dem grausamen Urfin Juice aufnehmen wolle.</p><p>Im letzten blauen Dorf zeigte man Tim und Ann die Richtung, die sie einschlagen mu�ten, um auf den gelben Backsteinweg zu gelangen. Bald erreichten die Kinder die Lichtung, in der die H�tte John Smith' nach der wunderbaren Luftreise gelandet war. Der Wohnwagen stand noch immer da, allerdings geschw�rzt von Wind und Wetter. Auf der T�r war noch die halbverwischte Aufschrift zu lesen: �Ich bin nicht zu Hause", die Elli hingekritzelt hatte, als sie noch ein kleines M�dchen war.</p><p>Nat�rlich traten die Kinder in den Wagen ein.</p><p>Drinnen herrschte eine gro�e Unordnung. Die St�hle waren umgefallen, und ein Teil des Geschirrs, das aus dem K�chenschrank gerutscht war, lag zerbrochen auf den Dielen. Ann nahm zum Andenken ein mit Blumen bemaltes Tellerchen mit, Tim stellte die St�hle um den Tisch auf und staubte sie ab.</p><p>Schweigend verlie�en die Kinder das H�uschen, das seit zehn Jahren keines Menschen Fu� betreten hatte.</p><p>�Da mu� irdendwo in der N�he die H�hle Gingemas sein", sagte Ann leise. �Mir ist so bange... "</p><p>�Hab keine Angst", beruhigte sie Tim. �Mit unseren Maultieren und dem Silberreif brauchen wir nichts zu f�rchten... Au�erdem bin ich ja auch noch da!" Bei diesen Worten richtete sich der Junge im Sattel auf und machte ein grimmiges Gesicht. �Prahlhans!" l�chelte Ann. �Du vergi�t anscheinend, da� wir noch sehr klein sind, lieber Tim."'</p></section><section><title><p>VIERTER TEIL</p><p>Der Silberreif</p></title><subtitle>BEI DEN ERZGR�BERN</subtitle><p>Bald kamen die Reisenden an eine Kreuzung, von der drei Wege abzweigten. Auf dem Wegweiser waren drei Schildchen angebracht. Eines trug die Aufschrift �WEG DORTHIN", das andere �WEG HIERHER", das dritte �GBP-WEG". �Das ist der richtige!" rief Ann. �Was bedeutet diese Aufschrift?" fragte Tim.</p><p>�Das ist doch leicht zu verstehen: Gelber Backsteinpflasterweg", erkl�rte das M�dchen. �Genauso habe ich ihn mir vorgestellt. Mir ist, als sehe ich Elli in ihren silbernen Zauberschuhen diesen Weg gehen, gefolgt vom treuen Toto..." �Gut, da� du es sagst", rief Arto aus dem Sack. �Es mu� sehr angenehm sein, auf diesem glatten Weg zu laufen, mir sind vom Liegen die Pfoten schon ganz geschwollen."</p><p>Tim und Ann stiegen von den Maultieren und lie�en den Hund aus dem Sack. Es war angenehm zu gehen auf den gelben Backsteinen, die von der Zeit schon abgewetzt waren. Die Maultiere folgten ihnen, w�hrend Arto in den B�schen schn�ffelte und die Eichh�rnchen anbellte, die von den Zweigen zur�ckschimpften. Mit einem sonderbaren Gef�hl beschritt Ann den m�rchenhaften Weg, von dem sie getr�umt hatte, als sie noch ganz klein war. Auf diesem Weg hatte Elli einst den Scheuch, den Eisernen Holzf�ller und den Feigen L�wen kennengelernt... Ann erschauerte bei dem Gedanken, da� hinter den B�schen der schreckliche Menschenfresser lauern k�nnte, der einst ihre Schwester entf�hrt hatte. Sie beruhigte sich jedoch bald, wu�te sie doch, da� der Menschenfresser schon vor zehn Jahren vom Eisernen Holzf�ller erschlagen worden war.</p><p>Am n�chsten Tag, als die Sonne bereits hoch Himmel stand, tauchte in der Ferne das Dorf der Erzgr�ber auf. Der Weg hatte sich in eine breite Stra�e verwandelt, zu deren beiden Seiten Weizenfelder rauschten und G�rten bl�hten. Auf einem Stoppelfeld war ein Bauer mit einem Pflug zu sehen, den ein Sechsf��er zog. Die Augen des Tieres waren verbunden - wahrscheinlich, weil es sich an das grelle Sonnenlicht noch immer nicht gew�hnt hatte.</p><p>Neugierig betrachteten Tim und Ann das seltsame Tier mit dem struppigen wei�en Fell, dem gro�en runden Kopf und dem runden K�rper, der sich auf sechs runden F��en vorw�rtsbewegte. Das Tier mu�te sehr stark sein, denn es zog mit Leichtigkeit den gro�en Pflug, der breite Furchen in der schwarzen fetten Erde hinterlie�. Der Bauer betrachtete verwundert die Ank�mmlinge, die auf hochbeinigen Tieren ritten, wie man sie im Zauberlande nicht kannte.</p><p>Am Rande des Dorfes lag eine kleine Fabrik, aus der das Rattern von Maschinen und das Klopfen von H�mmern zu h�ren war. Die Erzgr�ber, die sich auf der Erdoberfl�che angesiedelt hatten, fuhren fort, das Metall zu bearbeiten, das aus der H�hle kam. Tims und Anns Erscheinen rief im Dorf gro�es Aufsehen hervor. Aus den sch�nen hohen H�usern mit den roten D�chern kamen Kinder und Erwachsene gelaufen, die die kleine Schar neugierig umringten. Die Erzgr�ber hatten lange fahle Gesichter. Sie hoben ihre Augen nur f�r kurze Zeit zu den Reisenden empor und senkten sie sofort wieder. Ein hagerer alter Mann mit einem langen grauen Bart trat aus der Menge und sagte: �Ich hei�e Ruschero und bin der Herrscher im Lande der Erzgr�ber." �Oh, meine Schwester hat mir viel �ber Euch erz�hlt", sagte Ann erfreut. �Ihr wart doch der letzte H�ter der Zeit im unterirdischen Lande, nicht wahr?" Ruschero schmunzelte:</p><p>�Ich wu�te nicht, da� man sich jenseits der Berge noch meiner erinnert. Das habe ich wohl Elli zu verdanken?" �Wem sonst?" sagte Tim. �Bei uns kennen alle Kinder auf den Farmen die Namen der unterirdischen K�nige. Euren nat�rlich auch", f�gte er h�flich hinzu.</p><p>Ruschero lud Ann und Tim zu sich ein. Die Maultiere wurden in die Sonne gestellt, damit sie sich aufluden, und Arto blieb bei ihnen als W�chter zur�ck.</p><p>Das Haus Ruscheros hatte viele, sch�n ausgestattete Zimmer, an deren Decken kleine Kugeln hingen, die, wie der Herrscher sagte, nachts das Haus beleuchteten. Der Anstrich der W�nde und M�bel war �berwiegend von einem grellen Gr�n, Hellblau und Orange.</p><p>Die Erzgr�ber mochten jetzt nicht mehr die blassen und tr�ben Farben, die sie in den Jahrhunderten ihres unterirdischen Lebens umgeben hatten.</p><p>Zu Ehren der G�ste gab Ruschero ein gro�es Festessen. Bevor man sich an die Tafel setzte, sagte er zu Ann und Tim:</p><p>�Die Reden einiger meiner Stammesgenossen werden euch vielleicht sonderbar vorkommen, aber ich bitte euch inst�ndig, ernst zu bleiben, selbst wenn es euch schwerfallen sollte."'</p><p>In dem gro�en Saal nahmen an langen Tischen mehrere Dutzend Menschen Platz. In dem halbdunklen k�hlen Raum f�hlten sich die Erzgr�ber ungezwungen, und Ann bemerkte, da� sie k�hne Augen und w�rdevolle Gesichter hatten.</p><p>Der Hausherr setzte das M�dchen zwischen zwei �ltere M�nner. Der Nachbar links, der beleibt und rothaarig war, stellte sich vor:</p><p>�Barbedo!"</p><p>Der andere, zur Rechten, ein Mann mit dichten Brauen, dem eine schwarze Haarstr�hne in die Stirn fiel, sagte: �Mein Name ist Mentacho!"</p><p>Es waren zwei der letzten unterirdischen K�nige. Ann hatte beinahe aufgelacht, aber der Bitte Ruscheros eingedenk, unterdr�ckte sie das Lachen.</p><p>Auf den Tischen standen viele Leckerbissen: Torten auf gro�en Tellern, Zuckergeb�ck, Kuchen, dampfende Schildkr�tensuppe, Schalen mit herrlichem Obst, Pfannkuchen mit Honig und Limonade.</p><p>Die Tischnachbarn unterhielten Ann, wie sie nur konnten. Der ehemalige K�nig Mentacho lobte eifrig seinen jetzigen Beruf, das Weben.</p><p>�Ich bin so stolz darauf, liebe Ann, da� ich Weber bin wie meine Vorfahren", sagte Mentacho. �Ich glaube, das Weben ist die allerwichtigste Besch�ftigung auf der Welt. Stellt Euch einmal vor, es g�be keine Weber. Dann w�rden die Menschen in Tierfellen umherlaufen, wie vor tausend Jahren, und ihr Verstand w�rde gewi� auf den Stand der Tiere herabsinken!"</p><p>�Oh, Mentacho", rief einer der G�ste fr�hlich. �Du vergi�t diejenigen, die Flachs bauen!"</p><p>Ein anderer sagte:</p><p>�Sag, Freundchen, was w�rden deine Stoffe n�tzen, wenn wir Schneider nicht w�ren?" Die G�ste lachten und scherzten ausgelassen.</p><p>Mit besonderer Aufmerksamkeit h�rte Ann Barbedo zu. �Ich kann es nicht begreifen", sagte er erregt, �wie unsere V�ter und Gro�v�ter die Macht der K�nige so lange geduldet haben. H�tte ich damals gelebt, ich h�tte mich sicher als erster gegen die Tyrannen erhoben!"</p><p>Die flammenden Reden Mentachos und Barbedos kamen Tim und Ann l�cherlich vor. Jetzt verstanden sie, warum der Hausherr sie gebeten hatte, ernst zu bleiben. Am meisten staunten sie aber dar�ber, da� die vielen Tischg�ste mit ernsten Mienen</p><p>den gest�rzten K�nigen zuh�rten. Nicht nur, da� niemand schmunzelte, man nickte sogar beif�llig und machte ermunternde Zwischenrufe. Diese Menschen, die viele Jahrhunderte lang in ihrem unterirdischen Reich gedarbt hatten, besa�en reine und edle Herzen. Nachdem sie ihre ehemaligen K�nige umerzogen und aus Schmarotzern und Gewaltt�tern in flei�ige Handwerker umgewandelt hatten, wollten sie sie mit keinem Wort an die Vergangenheit erinnern, um sie nicht zu erniedrigen. Dieses feinf�hlige Volk hatte alles verstanden und alles verziehen. Tim und Ann bewunderten den Edelmut der Erzgr�ber. Nach dem Essen, als der Hausherr die G�ste verabschiedet hatte, teilte Tim ihm mit, da� Urfin die Smaragdenstadt erneut erobert habe.</p><p>�Dar�ber haben mich die K�uer l�ngst unterrichtet", sagte Ruschero. �Wir haben mit ihnen ein B�ndnis �ber gegenseitigen Beistand geschlossen." �Wie gedenkt ihr, euch der Feinde zu erwehren?" fragte Ann besorgt. �Meine Schwester hat erz�hlt, die Springer seien ein sehr starkes und kriegerisches Volk." �Wir haben f�r sie etliche �berraschungen parat", erwiderte schmunzelnd Ruschero, �aber davon darf niemand etwas erfahren."</p><p>Tim und Ann waren bereits mehrere Stunden unterwegs, als aus einem Seitenweg eine sonderbare Gestalt hervortrat. Es war ein h�lzernes Menschlein, das jedoch anders aussah als die Holzk�pfe, die man den Kindern beschrieben hatte. Es hatte lange d�rre Arme mit vielen Fingern, hohe L�uferbeine und eine lange spitze Nase, mit der es in einem fort schnupperte.</p><p>Ann begriff, da� es ein ehemaliger Polizist war, der nach Urfins Sturz das Amt eines Boten und Brieftr�gers versah.</p><p>�Halt!" rief sie laut und stellte sich dem M�nnchen in den Weg. Das blieb wie angewurzelt stehen. �Wer bist du?" fragte das M�dchen. �Ich hei�e Rellem und bin der Eilbote des Herrschers der Smaragdenstadt, des Dreimalweisen Scheuchs."</p><p>�Also ist der Scheuch frei?" fragte Ann erfreut. �Hat er dir eine Botschaft aufgetragen?" �O nein, gn�dige Frau, leider! Die Smaragdenstadt ist von Feinden besetzt, und unser Herrscher ist gefangen. Man hat die Einwohner aus ihren H�usern vertrieben, und jetzt irren sie, elend und hungrig, auf den Feldern umher." �Wohin eilst du?" fragte Tim.</p><p>�Zum ehrenwerten Prem Kokus, dem Herrscher der K�uer, und zum ehrenwerten Ruschero, dem Herrscher der Erzgr�ber. Ich soll sie vor der Gefahr warnen, hat mir Frau Kaggi-Karr aufgetragen, die zeitweilige Herrscherin der Smaragdeninsel. Nat�rlich werden die K�uer und die Erzgr�ber gegen die kriegerischen Springer nichts ausrichten, aber zumindest werden sie bis zu deren Ankunft ihr Hab und Gut und ihren Lebensmittelvorrat in Sicherheit bringen k�nnen."</p><p>�Ein guter Einfall von Kaggi-Karr", bemerkte Tim. �Oh, Frau Kaggi-Karr ist der kl�gste Vogel im Zauberland", sagte Ann. �Ich bin �berzeugt, da� sie uns im Kampf mit Urfin Juice beistehen wird. Sag, Rellem, sind die Springer weit von hier?" wandte sie sich an den Boten. �Einen Tagesmarsch entfernt", antwortete das Holzm�nnchen. �Das ist allerdings nicht nahe, denn ihr m��t bedenken, ich laufe sehr schnell. In unserem Lande gehe ich aus jedem Wettlauf als Sieger hervor."</p><p>�Und was gibt es im Lande der Zwinkerer?" fragte Ann. �Hat der b�se Urfin auch sie unterworfen?"</p><p>�Ja, aber nicht f�r lange", erwiderte das M�nnchen. �Kaggi-Karr hat mir von einer Begebenheit erz�hlt, �ber die die V�gel sie unterrichtet haben. Ich glaube, Urfin wei� noch nichts davon."</p><p>Rellem erz�hlte folgendes:</p><p>Nach dem Abzug der Hauptkr�fte Urfins f�hren die Zwinkerer, ohne zu murren, alle Befehle Bois' aus, des Kommandanten der kleinen Marranengarnison. Aber Lestar, der Freund und oberste Berater des Eisernen Holzf�llers, sei ein erfinderischer Kopf. Er hat die Holzkanone hergestellt, die durch einen einzigen Schu� Urfins Armee in die Flucht geschlagen habe. Dieser Lestar habe das Leben und Verhalten' der Marranen aufmerksam beobachtet und bald herausgefunden, da� sie nach dem Einschlafen v�llig hilflos seien.</p><p>Aus Angst vor n�chtlichen �berf�llen schlafen die Marranen in Zimmern mit dicken T�ren, die mit gro�en Schl�ssern und Riegeln versehen sind. Aber was bedeuten schon Schl�sser f�r die t�chtigen Handwerker des Violetten Landes! Einmal seien die Springer mit gefesselten Armen und Beinen aufgewacht. Die Aufst�ndischen hatten sie in einen Keller eingesperrt, wo sie reichlich Zeit hatten, die Torheit zu bereuen, da� sie den Versprechungen des Feuergottes geglaubt hatten. Lestar wei� nat�rlich, da� er mit diesem leichten Erfolg noch nicht gesiegt hat. Er sei sicher, da� Urfin ein gro�es Soldatenaufgebot ausschicken werde, und treffe Vorkehrungen. Vor allem habe er die Mobilisierung aller M�nner im Alter von 18 bis 30 Jahren verk�ndet, was eine Truppe von insgesamt 3000 Mann ergab. Die �lteren Jahrg�nge haben Schwerter und Dolche, Lanzen-und Pfeilspitzen angefertigt, und jetzt l�gen in der gro�en Halle des Palastes ein Haufen von Waffen und Schilden bereit. Die Zwinkerer, die Din Gior seinerzeit milit�risch ausgebildet hat, seien auf Befehl des jetzigen Oberkommandierenden, Lestar, zu Korporalen, Leutnanten und Hauptm�nnern bef�rdert worden. Sie unterweisen die Jugend in der Handhabung der Waffen. Das Volk sei k�mpferisch gestimmt, sagte der Bote, es rufe: �Sieg oder Tod!" Tim und Ann waren �ber Rellems Bericht sehr erfreut. Jetzt wu�ten sie, da� die Springer nicht so schrecklich w�ren, wie sie gedacht hatten, und da� man auch ihnen beikommen k�nne.</p><p>�Hab Dank f�r die gute Nachricht, Freund Rellem", sagte Tim. �Mach dich auf den Weg und bestelle den K�uern und Erzgr�bern, da� sie ihr Hab und Gut und ihren E�vorrat gut verbergen sollen. Noch besser w�re es, sie gingen in den Wald. Wenn die Eroberer leere D�rfer vorfinden, wird ihr Mut sinken. Prem Kokus hat von uns nat�rlich geh�rt. Bestelle ihm einen Gru� und sage ihm, da� Ann und Tim alles tun werden, um dem t�ckischen Urfin das Handwerk zu legen."' Rellem nahm Haltung an:</p><p>�Ich werde alle Eure Befehle genau ausf�hren, gn�diger Herr!" sagte er. ,Und noch eins: Am GBP-Weg stehen. feindliche Posten, und der �bergang �ber den Gro�en Flu� wird von einem Zug Springer bewacht, die nachts nicht schlafen, weil sie einen Lik�r aus Nuch-Nuch-N�ssen trinken."'</p><p>Der h�lzerne Bote erkl�rte den Kindern, was das f�r N�sse seien und wie sie wirkten. Nach diesen wertvollen Ausk�nften wandte sich der Abgesandte Kaggi-Karrs mit einem Ruck um, setzte sich in Trab und war im n�chsten Augenblick verschwunden. Schlimme Vorahnungen bem�chtigten sich Anns und Tims. Der Weg lag nach wie vor friedlich vor ihnen, aber die Nachricht, da� irgendwo Feinde lauerten, hatte ihre Stimmung ver�ndert. Die Unruhe sch�rfte alle Sinne der Kinder, die jetzt wachsam in die Ferne blickten.</p><p>Nach einem langen Marsch �bernachteten sie in einer H�tte, die einzust�rzen drohte. Hier hatte einst der Eiserne Holzf�ller gewohnt. Auf einem Wandbrett stand noch die verstaubte Kanne mit dem �l, das er zum Schmieren seiner eisernen Gelenke benutzt hatte.</p><subtitle>DER REIF BEGINNT ZU WIRKEN</subtitle><p>Am folgenden Tag setzten die Kinder den Weg mit gro�er Vorsicht fort. Wo er gerade war, hielten sie mit dem Fernrohr Ausschau, und an den Kr�mmungen schickten sie Arto voraus, der sich ger�uschlos durch die B�sche pirschte und die Lage auskundschaftete.</p><p>Nach einem dieser Aufkl�rungsunternehmen kehrte Arto hechelnd und mit gestr�ubtem Fell zur�ck.</p><p>�Feinde!" meldete er kurz. �Ein volles Dutzend. Sie lagern am Stra�enrand!" Es wurde sofort ein Kriegsrat abgehalten, an dem auch die Maultiere teilnahmen, weil Hannibal gesagt hatte: �Da wir die Namen ber�hmter Feldherren tragen, ist es nur gerecht, da� wir in milit�rischen Angelegenheiten mitreden", wogegen Tim und Ann nichts einzuwenden hatten.</p><p>�Wie sind die Springer bewaffnet?" fragte das M�dchen. �Sie haben Schleudern und schwere Keulen", erwiderte das H�ndchen. C�sar sagte:</p><p>�Hannibal und ich k�nnen an den Wachen so schnell vorbeisprengen, da� sie nicht dazukommen, die Waffen zu heben. Wollt ihr euch davon �berzeugen?"</p><p>�Um einen Stein in den R�cken zu bekommen, ja? Danke sch�n!" sagte Ann.</p><p>�Au�erdem darf Urfin nicht erfahren, da� wir im Zauberland sind, sonst wird er sich in acht nehmen und wir werden es viel schwerer haben, die Vorhersage des Zauberbuchs in Erf�llung gehen zu lassen."</p><p>�Wir k�nnten einen Bogen um den Feind machen", sagte Tim.</p><p>�Das geht nicht, weil der Wald zu dicht ist", entgegnete Arto.</p><p>Alle dachten angestrengt nach, dann rief Ann aus: �Ei, wie dumm wir doch sind! Wir haben den Reif v�llig vergessen! Er kann uns ja unsichtbar machen!"</p><p>Damit die Marranen nichts h�rten, zogen die Kinder ihre Schuhe aus und h�llten die Hufe der Maultiere in Bl�tter, die sie mit Lianen umwanden.</p><p>Um den Plan auszuprobieren, nahmen sich die Kinder bei den H�nden und f�hrten die Maultiere am Halfter hinter sich. Als sie sich Arto n�herten, der den Beobachter spielte, ber�hrte Ann den gro�en Rubin des Reifs.</p><p>�Nichts zu sehen und nichts zu h�ren!" rief Arto freudig. Hatte der Hund mit seinen scharfen Augen und der feinen Nase nichts gemerkt, so konnte die Vorhut der Springer erst recht nichts sehen oder h�ren. Die List hatte sich bew�hrt. Kurze Zeit sp�ter h�rten Ann und Tim das Getrampel zahlreicher F��e und den L�rm vieler Stimmen. In der Ferne wurde der gro�e Marranentrupp sichtbar, den Urfin gegen die K�uer und Zwinkerer ausgeschickt hatte. Der Weg war hier viel zu schmal, als da� die Kinder den Soldaten h�tten ausweichen k�nnen. Zum Gl�ck hatten sie etwa 50 Schritt vorher einen Pfad in den Wald abbiegen sehen. Auf diesen zogen sie sich nun zur�ck, und Ann ber�hrte erneut den Rubin.</p><p>Drei Z�ge von Urfins Armee zogen lachend und schw�tzend an der kleinen Schar vorbei, und keiner der Soldaten ahnte, da� sich in der N�he Feinde verbargen. Am Abend des n�chsten Tages erreichten die Kinder den Gro�en Flu�. Da die �berfahrt, wie sie von Rellem wu�ten, bewacht war, bogen sie vom Weg ab und ritten am Ufer entlang, bis sie eine Stelle fanden, die sie, ohne absteigen zu m�ssen, leicht �berquerten.</p><p>Bis zur Smaragdeninsel waren es jetzt zwei Tagereisen zu Fu�, aber nur ein paar Stunden zu Pferd. In dieser dicht bev�lkerten Gegend mu�te man gut aufpassen, denn �berall trieben sich Springer herum, denen unter die Augen zu kommen nicht ratsam war. Selbst die Einwohner des Smaragdenlandes w�rden, wenn sie einem M�dchen begegneten, das Elli wie aus dem Gesicht geschnitten war, �berall davon erz�hlen, was Urfin zu Ohren kommen konnte. Deshalb beschlossen die Kinder, den Weg zu Fu� zur�ckzulegen, um die Zauberkraft des Reifs besser nutzen zu k�nnen. Sie �berlegten, was sie mit den Maultieren anfangen sollten. Sie in die Sonne zu stellen war gef�hrlich, denn die Tiere w�rden sich so sehr aufladen, da� keine Fessel sie w�rde halten k�nnen.</p><p>Tim legte C�sar und Hannibal ins schattige Dickicht, band ihnen auf alle F�lle die Beine zusammen und bedeckte sie mit Zweigen und Laub, damit kein Vor�bergehender sie bemerke.</p><p>Dann legten die Kinder das Allernotwendigste in ihre Rucks�cke und baten die Tiere, so lange auf sie zu warten, bis sie zur�ckkehrten, selbst wenn das eine geraume Weile dauern sollte.</p><p>Nach dem Abschied von den treuen mechanischen Gef�hrten kehrten Ann und Tim auf die GBP-Stra�e zur�ck und nahmen, unsichtbar f�r die Umgebung, Kurs auf die Smaragdeninsel.</p><p>Hier war alles gr�n. In gr�nen Hainen standen Farmerh�user mit grellgr�nen W�nden und bla�gr�nen D�chern. Die Einfriedungen der G�rten und Felder waren meergr�n und die Wegweiser hatten einen dunkelgr�nen Anstrich.</p><p>Von ihrer Schwester wu�te Ann, da� auch in der Kleidung der Einwohner die gr�ne Farbe vorherrschte. Aber die wenigen Farmer, denen die Kinder begegneten, hatten nur Fetzen am Leibe, deren Farbe schwer zu erkennen war. Die Marranen hatten ihnen nicht nur Hab und Gut, sondern auch die letzten Kleider geraubt.</p><subtitle>OICHOS KAMPFTATEN</subtitle><p>Das von Urfin zur Eroberung des Blauen Landes ausgesandte Marranenregiment befehligte Oberst Chart, ein breitschultriger, gedrungener Kerl mit riesigen F�usten. Die tiefe Furche in seiner Stirn verriet, da� er viele Jahre Sklave gewesen war -wahrscheinlich hatte er es mit dem Wetten zu weit getrieben.</p><p>Vor dem Erzgr�berdorf stellten sich die Kolonnen auf. Chart schickte Kundschafter aus, die bald mit der Meldung zur�ckkehrten, da� sie niemandem begegnet seien. Nur habe ihnen eine Anlage, sagten sie, die sie sich nicht zu erkl�ren wu�ten, den Weg versperrt. Das Regiment r�ckte gegen das Dorf vor, aber hinter einer Wegkr�mmung stie� es auf eine Barrikade, die ihm Einhalt gebot. Die Erzgr�ber hatten in Erwartung des Feindes die Zeit nicht vertr�delt.</p><p>Am Dorfrand erhob sich ein Wall aus Baumst�mmen, eisernen Pfl�gen, umgekippten scharfz�hnigen Eggen, massiven Wandschr�nken und Gartenb�nken.</p><p>Zu beiden Seiten des Walls klafften tiefe Gr�ben, aus deren Boden spitze Pf�hle ragten.</p><p>W�hrend Chart �berlegte, was er unternehmen solle, erschien auf der Barrikade ein hagerer Mann mit wallendem wei�em Bart. Es war Ruschero.</p><p>�Menschen aus fernem Lande, was sucht ihr hier?" fragte er laut.</p><p>Da trat Oberst Chart vor und rief</p><p>�Im Namen seiner Majest�t K�nigs Urfin I. fordere ich euch auf, die Waffen zu strecken und euch zu ergeben!"</p><p>�Welchen Nutzen werden wir davon haben?' fragte Ruschero. �Na, welchen..." In diplomatischen Verhandlungen unerfahren, stockte Chart. �Ihr werdet dem Gro�en Urfin Steuern entrichten und daf�r wird er euer Land vor Feinden sch�tzen..."'</p><p>Ruschero lachte schallend:</p><p>�Wir leben seit acht Jahren hier, und es ist das erstemal, da� wir Feinde sehen. Diese Feinde seid ihr! Ihr werdet uns doch nicht vor euch selbst sch�tzen wollen, wie?"</p><p>Der Oberst sah, da� er im Wortgefecht den k�rzeren zog, und wurde w�tend. �Halt den Mund!" br�llte er, und, zu den Soldaten gewandt, �schlagt ihn tot, Leute!"</p><p>Aber ehe die Soldaten die Waffen erheben konnten, verschwand Ruschero hinter der Barrikade, aus der pl�tzlich kalte Wasserstrahlen hervorschossen, die die verdutzten Marranen umwarfen und sie bis auf die Haut durchn��ten.</p><p>Das war die erste �berraschung der Erzgr�ber, die aus ihren G�rten Pumpen herbeigeschafft und F�sser mit Wasser bereitgestellt hatten, das jetzt den kriegerischen Eifer der Marranen abk�hlte.</p><p>Die Soldaten glitten in den Pf�tzen aus, stolperten �bereinander, fielen, erhoben sich wieder und wichen entsetzt zur�ck. Chart und seine Zugf�hrer hatten M�he, die Reihen ihrer M�nner leidlich wieder in Ordnung zu bringen. W�tend sch�ttelte der Oberst die F�uste.</p><p>�Das sollt ihr mir b��en!" drohte er den unsichtbaren Verteidigern.</p><p>Die hei�e Sonne des Zauberlandes trocknete rasch die Kleider der Marranen, und die Truppe ging erneut zum Angriff �ber.</p><p>Der Wasservorrat der Erzgr�ber war verbraucht, und die d�nnen Strahlen, die stellenweise noch hervorsickerten, konnten den Angreifern nichts anhaben. An Baumzweigen, Pfluggriffen und anderen Vorspr�ngen kletterten die Marranen die Barrikade hinauf. Doch als sie sie fast erklettert hatten, setzte die zweite �berraschung Ruscheros ein.</p><p>Aus dem nahen Dickicht scho� mit gefletschten Z�hnen ein riesiger Drache hervor, der sich auf den Feind st�rzte. Der uralte Stamm der fliegenden Drachen war zu jener Zeit fast ausgestorben. Nur im feuchten Halbdunkel des unterirdischen Landes hatten sich einige Exemplare erhalten, die von den Erzgr�bern noch unter der Regierung der K�nige gez�hmt und von den k�niglichen Wachen beim Patrouillendienst benutzt worden waren. Der zahmste und aufgeweckteste unter den Drachen war Oicho, der Elli nach ihrem dritten Besuch im Zauberland heimgeflogen hatte. Diesen Oicho hatten die Erzgr�ber nun aus der H�hle geholt und in den Kampf geschickt. Auf seinem R�cken sa� Mentacho. Mentacho war jetzt zwar Weber, aber als Spro� eines K�nigsgeschlechts hatte er seinerzeit eine gute milit�rische Ausbildung erhalten. Als die Erzgr�ber in h�chster Gefahr schwebten, traten seine alten milit�rischen Erfahrungen wieder zutage.</p><p>Das Ungeheuer h�tte die Marranen haufenweise vernichten k�nnen, doch einen solchen Befehl hatte man ihm nicht gegeben. Der kluge Ruschero wu�te, da� allein der ehrgeizige Urfin die Schuld an allem Unheil im Zauberland trug und die Springer lediglich seine betrogenen Opfer waren. Deshalb hatte der Herrscher der Erzgr�ber dem Drachen und seinem Reiter Befehl erteilt, unter den Scharen der Feinde Panik zu entfachen und sie in die Flucht zu schlagen.</p><p>Mentacho f�hrte seinen Auftrag gl�nzend aus. Er begriff, da� die Angreifer vor allem ihrer F�hrung beraubt werden mu�ten. Mit seinem ge�bten Auge ersp�hte er im feindlichen Heerhaufen den Obersten, der seine Kolonnen wieder zu ordnen suchte. Auf Mentachos Befehl packte der Drache mit seinen m�chtigen Tatzen den Obersten und setzte ihn auf dem Wipfel einer hohen Palme ab. Dasselbe tat er mit den Hauptleuten</p><p>und Zugf�hrern. Da die St�mme der Palmen astlos waren, konnten die Ungl�cklichen nicht hinabklettern. Erst als die Soldaten sich verlaufen hatten, holten die Erzgr�ber den Obersten und seine Offiziere von den B�umen herunter.</p><p>Oicho fegte �ber die Stra�e, auf der die Marranen entsetzt flohen. Wie ein Pfeil scho� er im Sturzflug auf den einen oder anderen Soldaten zu und tat so, als wolle er ihn zerrei�en.</p><p>Dann traten aus den B�schen br�llende Sechsf��er hervor, auf deren R�cken M�nner sa�en. Das war- die dritte und letzte �berraschung Ruscheros.</p><p>Die feindliche Truppe hatte eine vernichtende Niederlage erlitten. Hunderte Marranen warfen ihre Waffen fort und verkrochen sich in den W�ldern.</p><p>Noch lange Zeit sp�ter trieben sich halbnackte Gestalten auf den Stra�en des Blauen Landes.herum. Manche klopfen an die T�ren der Farmerh�user und baten mit zitternder Stimme, man m�ge ihnen etwas zu essen und ein Obdach f�r die Nacht geben.</p><p>Nach der Schlacht schickte Ruschero einen Boten mit der Siegesnachricht zu Prem Kokus. Die K�uer, die ihre H�user verlassen und im wilden Wald Zuflucht gefunden hatten, kehrten freudig wieder heim.</p><p>Versprengte Marranen schleppten sich auf dem GBP-Weg nach Osten in Richtung der Smaragdeninsel. Sie beeilten sich nicht, denn als geschlagene Krieger f�rchteten sie, dem grimmigen Urfin unter die Augen zu treten.</p><subtitle>URFINS NEUE SORGEN</subtitle><p>Als Urfin die Smaragdenstadt zum erstenmal erobert hatte, fanden sich unter ihren Einwohnern �berl�ufer, die ihm zu dienen bereit waren. Der erste unter ihnen war Ruf Bilan, den Urfin in den Rang des obersten Zeremonienmeisters erhob. Nach Urfins Sturz floh Ruf Bilan in das unterirdische Land, wo er neue Verbrechen beging, f�r die er zu 10 Jahren Schlaf verurteilt wurde. Die Strafe wurde mit Hilfe des Zauberwassers vollstreckt.</p><p>In der Stadt verblieben jedoch Kabr Gwin, der ehemalige Statthalter des Blauen Landes, Enkin Fled, der in Urfins Namen die Zwinkerer regierte, und andere Verr�ter. Man hatte ihnen das Leben geschenkt und das Eigentum zur�ckgegeben, ja, der sanftm�tige Scheuch duldete sie sogar bei Hofe, was gewi� ein gro�er Fehler war. Kaum hatte sich Urfin wieder der Smaragdenstadt bem�chtigt, da traten die ehemaligen Minister und R�te vor ihn und sagten, sie seien �ber seine R�ckkehr sehr erfreut. Urfin nahm sie alle wieder in seine Dienste und verlieh ihnen hohe �mter. Der reiche Kaufmann Kabr Gwin wurde zum obersten Zeremonienmeister und Enkin Fled zum Chef der Polizei ernannt.</p><p>Als Urfin die Sachen des Scheuchs in Augenschein nahm, fiel ihm der sch�ne rosa Kasten mit der Mattscheibe auf. Er versuchte ihn zu �ffnen, was ihm jedoch mi�lang.</p><p>W�hrend er sich damit abm�hte, trat Kabr Gwin ins Zimmer.</p><p>�Dieser Kasten �ffnet sich nicht, Majest�t", sagte Gwin ehrerbietig. �Niemand wei�, was drinnen liegt, aber es ist ein magisches Ding."'</p><p>�Magisch, sagst du?"</p><p>Urfins Augen gl�nzten. �Ist das vielleicht ein neues Wunder, von dem ich nichts wu�te, ein Zaubermittel, das mir n�tzen k�nnte?" fragte er.</p><p>�Ich habe mehrmals beobachtet", sagte Gwin, wie unser fr�herer Herrscher allerlei Worte murmelte, worauf sich verschiedene bewegliche Gestalten auf der Scheibe zeigten. Bald war es der Eiserne Holzf�ller, bald der Tapfere L�we, manchmal wart auch Ihr darauf..."' ,Ein Zauberspiegel!' ging es Urfin durch den Sinn. Jetzt verstehe ich, woher der</p><p>Scheuch wissen konnte, wo ich mich nach meiner Vertreibung aufhielt. Der Spiegel hat es ihm gesagt. Ich mu� unbedingt hinter sein Geheimnis kommen!'</p><p>�Was f�r Worte hat der Scheuch gesprochen?" fragte Juice.</p><p>�Niemand hat sie geh�rt. Er fl�sterte nur." �Holt den Scheuch!"</p><p>Eine Stunde sp�ter stand der ehemalige Herrscher der Insel wieder vor Urfin. Der Scheuch sah j�mmerlich aus: seine Gesichtsz�ge waren verwaschen, und die Beine knickten unter dem aufgedunsenen K�rper ein. Allein sein Wille war ungebrochen.</p><p>�Was wollt Ihr von mir?" fragte er heiser.</p><p>�Ich will, da� Ihr mir das Geheimnis des rosa Kastens verratet. Sagt die magischen Worte - und ich lasse Euch frei. Mehr noch: Ich werde auch Euren Freund, den Holzf�ller, freilassen. Ich wei�, wie er unter der Gefangenschaft leidet." ,Ich werde ihm die Freiheit geben, aber er soll unter strenger Aufsicht bleiben', dachte Urfin bei sich.</p><p>�Und wenn ich mich weigere?"</p><p>�Dann lasse ich Euch verbrennen und die Asche in den Wind streuen!"</p><p>�Tut es doch, verbrennt mich! Vielleicht wird der Wind, der meine Asche zerweht,</p><p>Euch die magischen Worte verraten!"</p><p>Weder g�tiges Zureden noch Drohungen konnten den Scheuch dazu bringen, das Geheimnis zu verraten.</p><p>In den Keller zur�ckgebracht, teilte er dem Holzf�ller die magischen Worte mit, damit das Geheimnis des Zauberkastens nicht verlorengehe, falls der erboste Urfin ihn, den Scheuch, verbrennen sollte.</p><p>Urfin wollte aber das Geheimnis des Kastens um jeden Preis erfahren. Das war f�r ihn sehr wichtig, da der Strahlenglanz des Feuergottes, mit dem er sich umgeben hatte, in den Augen der Marranen allm�hlich verbla�te. Zwar konnte der gro�e Urfin nach wie vor durch eine Handbewegung Feuer erzeugen, doch mittlerweile hatten die Marranen gesehen, da� auch die Einwohner des Violetten Landes und der Smaragdenstadt dieses Zaubers m�chtig waren. Sie brauchten nur ein Holzst�bchen an die geschw�rzte Seite eines kleinen Sch�chtelchens zu reiben, damit das Ende des St�bchens zu brennen begann. Die K�uer nannten diese geheimnisvollen St�bchen Streichh�lzer. Sind denn die Untertanen des Holzf�llers und des Scheuchs auch Feuerg�tter?' frugen sich die Marranen, unter denen es bereits einige beherzte M�nner gab, die mit Streichh�lzern gleichfalls Feuer zu erzeugen wu�ten.</p><p>Zwar ahnten die Marranen noch nicht, da� man sie betrogen hatte, aber dieser Gedanke keimte in ihnen bereits. Das konnte Urfin fast jeden Abend von seinem Hauptspion, dem Clown Eot Ling, h�ren. Es bestand aller Grund, eine Erhebung dieses mutigen Volkes zu bef�rchten.</p><p>Aller dieser Sorgen w�re Urfin enthoben, w��te er das Geheimnis des rosa Kastens. Dann k�nnte er jedem seiner Untertanen sagen, was dieser, ganz gleich, zu welcher Stunde oder an welchem Ort, getan habe. Durch diese Allwissenheit w�rde er die Marranen in ihrem Glauben an seine Gottheit best�rken. Urfin verfiel auf den t�richten Gedanken, er k�nnte das Geheimnis des Kastens ergr�nden, wenn er viele Worte in verschiedener Reihenfolge spreche. So setzte er sich denn vor den Fernseher und murmelte:</p><p>�H�te-Zelte, Morgenr�te-D�mmerung, Pufiki-Mufiki, Zug-Ruck... Kasten, Liebchen, zeig mir ein Bildchen!... Kalamas-palamas, trala-la-lalala... Kl�tzchen-Klotz, rosarotes Holz, Kasten, Freundchen, zeige mir die Leutchen!..." Der Kasten blieb jedoch stumm und finster.</p><p>Urfin wollte nicht begreifen, da� er, selbst wenn er Millionen Jahre diese sinnlosen Worte murmelte, seinem Ziel genau so fern bleiben w�rde wie ein Wanderer, der es sich in den Kopf gesetzt h�tte, auf Schusters Rappen ans Ende der Welt zu gelangen. Als alle Beschw�rungen nichts fruchteten, warf Urfin den Kasten zu Boden und begann ihn mit den F��en zu treten. Der Kasten blieb jedoch unversehrt. In blinder Wut nahm Urfin einen Hammer und schlug ihn mit aller Wucht gegen die Scheibe. Der Hammer aber prallte zur�ck und traf Urfin in die Stirn. �Man hole den Scheuch!" br�llte er.</p><p>Wieder versuchte Urfin, den ehemaligen Herrscher der Smaragdeninsel zu �berreden. Er schmeichelte und drohte ihm-doch alles vergeblich.</p><p>Tapfer wahrte der Scheuch sein Geheimnis. Selbst das Angebot Urfins, sich mit ihm in der Herrschaft zu teilen, wies er zur�ck.</p><p>Wie einfach und leicht w�re es f�r Urfin, den Strohmann zu vernichten, aber auf diese Weise w�rde er das Geheimnis des Kastens niemals erfahren, und so mu�te er denn den Scheuch verschonen.</p><p>Wieder und wieder stellte er sich vor die Mattscheibe, starrte sie aus seinen entz�ndeten Augen an und murmelte sinnlose Worte...</p><subtitle>DIE BEGEGNUNG MIT KAGGI-KARR</subtitle><p>Ann und Tim erreichten unversehrt die Smaragdeninsel. Durch den Zauberreif unsichtbar gemacht, gingen sie Hand in Hand und trugen abwechselnd das H�ndchen. Unsichtbar f�r die Umgebung beobachteten sie aufmerksam alles, was ringsum geschah. Eine verlassene Farm, unweit des Kanals, bot ihnen Unterschlupf. �ber die Verwandlung der Smaragdenstadt in eine Insel wunderten sich die Kinder nicht, denn sie waren von den K�uern dar�ber unterrichtet worden. Im H�uschen nahm Ann den Reif ab - sie konnte ihn ja jederzeit wieder aufsetzen, wenn sich ein Fremder in der N�he zeigen sollte.</p><p>Die Kinder a�en das trockene Brot, das sie noch von den Erzgr�bern hatten, und warfen die Kr�mmel zum Fenster hinaus - f�r die V�gel. Pl�tzlich h�rten sie Fl�gel rauschen, und auf dem Fensterbrett zeigte sich eine gro�e Kr�he, die sie aus schwarzen �uglein verschmitzt anblickte.</p><p>�Endlich seid ihr da!" rief sie. �Ich erwarte euch schon sehns�chtig!"' �Ihr seid wohl Kaggi-Karr?" fragte das M�dchen.</p><p>Ann wagte es nicht, die Kr�he zu duzen, denn diese trug doch den Titel eines Herrschers der Smaragdeninsel, wenn auch nur zeitweilig. Die Kr�he nickte.</p><p>�Woher wu�et Ihr, da� wir im Zauberland sind?" Kaggi-Karr lachte. �Meine liebe Ann! Du hast gar keine Ahnung, was f�r Kundschafter die V�gel sind! Als ihr am Lagerfeuer sa�est und �ber eure Angelegenheiten spracht, trieb sich in der N�he ein unscheinbarer Spatz herum. Ihr konntet nat�rlich nicht ahnen, da� dieser Spatz sich jedes eurer Worte einpr�gte. Dann flog das V�gelchen zum n�chsten Posten und erz�hlte Wort f�r Wort, was es geh�rt hatte. So wurde die Nachricht auf schnellen Fl�geln weitergetragen, und ehe der Tag um war, wu�te ich als Leiterin der Vogelstaffel - heute bin ich stellvertretend auch zeitweilige Herrscherin der Smaragdeninsel-�ber alles Bescheid."' Ann und Tim waren starr vor Staunen.</p><p>�Hat dir deine Schwester denn nicht erz�hlt", f�hr die Kr�he fort, �welche Dienste die Vogelstaffel ihr und dem</p><p>Riesen von der anderen Seite der Berge im Krieg mit Urfin Juice und seinen Holzk�pfen erwiesen hat?"</p><p>�Ich kann mich nicht mehr erinnern", murmelte das M�dchen.</p><p>�Da habt ihr die menschliche Dankbarkeit!" sagte KaggiKarr vorwurfsvoll.</p><p>�Aber lassen wir das. Ich bin sehr froh, da� du, Ann, dein Freund Tim und das</p><p>H�ndchen Arto endlich da seid. Nur eins kann ich nicht verstehen: Wie habt ihr in</p><p>Kansas erfahren, da� wir wieder in Not sind und Hilfe brauchen?"</p><p>Bei diesen Worten sprang Kaggi-Karr dem M�dchen auf den Scho� und schmiegte sich</p><p>an, als erwarte sie, liebkost zu werden. Ergriffen von dieser Z�rtlichkeit, streichelte Ann</p><p>das glatte Gefieder des Vogels.</p><p>�Das kam zuf�llig", sagte sie. �Wir hatten keine Ahnung, da� der b�se Urfin die Macht wieder an sich gerissen und den Scheuch und den Eisernen Holzf�ller erneut gefangenhielt."</p><p>Ann erz�hlte ausf�hrlich von ihrem Wunschtraum, das Zauberland zu besuchen, von den mechanischen Maultieren, die Fred Cunning angefertigt hatte, und davon, wie sie und Tim die schwarzen Steine Gingemas �berlistet hatten... Zuletzt f�hrte Ann der Kr�he noch den Zauber des Silberreifs vor.</p><p>�Bei allen Segeln der Welt, h�tte dein Onkel, der Riese von der anderen Seite der Berge, gesagt", rief die Kr�he aus, als das niedliche Gesichtchen Anns wieder auftauchte. �Das ist die wunderbarste Geschichte, die ich jemals geh�rt habe! Vom Silberreif hatten die V�gel mir erz�hlt, aber eins ist es, zu h�ren, etwas ganz anderes aber, selbst zu sehen. Mit dem Reif werden wir den t�ckischen Landr�uber bestimmt besiegen und unsere Freunde befreien! In der N�he des Stadttores steht ein alter Turm, in dessen Keller der Eiserne Holzf�ller und der Scheuch eingesperrt sind. Noch wei� ich nicht, wo sich Faramant und Din Gior befinden, aber mit Hilfe des Zauberkastens werden wir auch das herausbekommen."</p><p>In wenigen Worten unterrichtete Kaggi-Karr ihre neuen Freunde �ber den rosa Kasten und seine Eigenschaften. Man beschlo�, da� die Kr�he auskundschaften solle, wo sich der Fernseher befinde. Zu bedenken war freilich, da� Urfin die Kr�he kannte und bei ihrem Anblick Verdacht sch�pfen w�rde.</p><p>�Ihr k�nnt ja unsichtbar hinfliegen", sagte. Ann. Kaggi-Karr plusterte sich auf vor Stolz. Das M�dchen legte ihr den Silberreif auf, der sich sogleich zusammenzog und genau auf den Hals der Kr�he pa�te. Dann ber�hrte Ann den Rubinstern, worauf der Vogel verschwand. Nur am Fl�gelschlag war zu erkennen, da� er fortflog. Eine geschlagene Stunde blieb Kaggi-Karr weg, und diese Stunde kam Ann und Tim schrecklich lange vor. Dann k�ndigte der bekannte Fl�gelschlag die R�ckkehr der Kundschaferin an. Den Reif absetzend, erstattete Kaggi-Karr Bericht. Der Kasten, sagte sie, stehe in einer Wandnische des Thronsaales. H�tten ihre Kr�fte ausgereicht, sie h�tte ihn mitnehmen und herbringen k�nnen, denn der Thronsaal war v�llig leer.</p><p>An diesem Tag war an einen erneuten Flug in den Palast nicht mehr zu denken, denn die Sonne ging bereits unter. Tim sagte, er wolle am n�chsten Morgen selbst hingehen, nur m�sse ihm Kaggi-Karr den Weg zeigen.</p><subtitle>DIE K�NIGIN DER FELDM�USE</subtitle><p>Den Talisman auf dem Kopf und die Kr�he auf der Schulter, machte sich Tim am n�chsten Morgen auf den Weg. Ann blieb unter dem Schutz Artos zur�ck. Falls ihnen Gefahr drohen sollte, sagte Tim, sollten sie sich sofort im Keller verstecken. Fr�her war jeder, der in die Smaragdenstadt kam, verbl�fft gewesen von ihrer Pracht: den sch�nen H�userfassaden, den Springbrunnen, den wehenden Fahnen, den funkelnden Smaragden und dem wogenden Strom der Menschen in den bunten, sch�nen Kleidern...</p><p>Die Herrschaft Urfins hatte all dem ein Ende gemacht. Die Fahnen waren eingezogen, die Springbrunnen versiegt, die Smaragden waren aus den Fassaden herausgebrochen und in der k�niglichen Abstellkammer versteckt, die Einwohner aus der Stadt vertrieben worden. In den Stra�en konnte man lediglich Marranen mit ihren gro�en K�pfen sehen. Tim pa�te auf, da� es zu keiner unerw�nschten Begegnung kam. Er hatte mit der Kr�he ausgemacht, da� sie mit dem Schnabel sein rechtes oder linkes Ohr ber�hre, wenn er nach rechts oder links einschwenken solle. Das war ein guter Einfall, den die kr�chzende Stimme der Kr�he, die beim besten Willen nicht leise sprechen konnte, w�re der Umgebung bestimmt aufgefallen.</p><p>Von der Kr�he geleitet, erreichte Tim ohne Zwischenfall den Thronsaal, der gl�cklicherweise leer war. Augenblicklich nahm der Junge den magischen Kasten aus der Nische und wandte sich dem Ausgang zu. In diesem Augenblick wurden Schritte h�rbar. Tim blieb wie angewurzelt stehen, da trat Urfin in den Saal. Der Junge erkannte ihn an den grellen Kleidern, den buschigen schwarzen Brauen und dem b�sen Blick. Dem Jungen kam der verwegene Gedanke, der Herrschaft des B�sewichts mit einem Schlag ein Ende zu machen.</p><p>,Wenn ich ihn erschlage, sind wir alle Sorgen los... Zwar habe ich keine Waffe, aber mit diesem schweren Kasten wird es sich doch auch machen lassen!' ging es ihm durch den Kopf.</p><p>Ohne lange zu �berlegen, erhob der kr�ftige Junge den Fernseher und schlug ihn mit aller Wucht auf den Kopf des K�nigs. Urfin fiel mit einem Aufschrei zu Boden. Sein Sch�del war jedoch viel h�rter, als Tim gedacht hatte, und au�erdem hatte der Kasten ihn nicht voll getroffen, sondern nur gestreift.</p><p>Auf den Schrei hin st�rzten Kabr Gwin, Enkin Fred und Wachen in den Saal.</p><p>�Alle T�ren und Fenster schlie�en! Feinde sind in den Palast eingedrungen!" br�llte der</p><p>K�nig.</p><p>Um die Aufmerksamkeit Urfins und seines Gefolges abzulenken, l�ste sich Kaggi-Karr von Tims Schulter und flog kreischend durch den Saal. Gwin und die Marranen st�rzten ihr nach, und es entstand ein entsetzlicher Tumult.</p><p>Unterdessen rannte der unsichtbare Tim durch Fluren und Hallen in der Hoffnung, den Ausgang zu finden. Etwa f�nf Minuten narrte die umherflatternde Kaggi-Karr die H�scher und entkam schlie�lich durch eine offene Fensterklappe. Aufgeregt und zerzaust kehrte sie in das H�uschen zur�ck, in dem sich Ann und Arto verbargen. �Was ist geschehen? Wo ist Tim? Habt ihr den Kasten gefunden?" rief das M�dchen entsetzt.</p><p>Als die Kr�he ihr den Vorfall erz�hlte, schlug es die H�nde �ber den Kopf zusammen: �Oh, der Ungl�ckliche! Er ist verloren!"</p><p>�M�glich", sagte Kaggi-Karr trocken. �Ich habe die Leute zwar eine Zeit lang abgelenkt, aber Tim konnte sich verirrt haben und ihnen in die H�nde gefallen sein..."' Ann begann bitter zu weinen.</p><p>�Heule nicht, da bin ich!" h�rte sie pl�tzlich Tims Stimme.</p><p>Da stand er nun im T�rrahmen, den rosa Kasten in den H�nden. Er war gerade in dem Augenblick aus dem Fenster gesprungen, als der Herrscher es zuschlagen wollte. Das M�dchen freute sich sehr, obwohl es Tim wegen seines Leichtsinns schalt. �Was hast du nur angerichtet!" rief Ann. �Jetzt wei� Urfin, da� Freunde des Scheuchs auf der Insel sind, und er wird bestimmt seine Vorkehrungen treffen." Tim wurde abwechselnd rot und bla� vor Reue. Doch dann entgegnete er: �Nach dem Verschwinden des Kastens h�tte Urfin sowieso Verdacht gesch�pft." �Ja, aber das h�tte noch eine Weile gedauert. Au�erdem h�tte er ja alles m�gliche annehmen k�nnen, jetzt aber wei� er, woran er ist."</p><p>�Und ob-nach dieser Kopfnu�!" rief die Kr�he. �ber diese Worte begannen unsere Freunde schallend zu lachen. Sie stellten sich lebhaft das Entsetzen Urfins vor, als ihn der Schlag aus dem Nichts traf. Tim sagte:</p><p>�Ich h�tte nicht gedacht, da� dieser Schuft einen so harten Sch�del hat!"</p><p>Diese Worte l�sten wieder Heiterkeit aus.</p><p>�Jetzt m�ssen wir aber handeln", sagte Ann besorgt.</p><p>�Ich f�rchte, Urfin wird den Scheuch in ein anderes Gef�ngnis bringen lassen, und wir werden den Kasten nicht nutzen k�nnen, weil wir die magischen Worte nicht kennen." �Sagt einmal, ist das nicht Raminas Pfeife?" fragte die Kr�he, auf die Silberpfeife am Hals des M�dchens weisend. �Ja", antwortete Ann. �Die hat mir meine Schwester geschenkt."</p><p>�Warum zauderst du dann?" rief die Kr�he ungeduldig. �Ruf doch die K�nigin der Feldm�use! Ramina wird uns bestimmt helfen!"</p><p>Ann sch�mte sich, nicht selbst daraufgekommen zu sein. Sie blies dreimal in die Pfeife, worauf ein Scharren h�rbar wurde... Tim konnte Arto, dessen Jagdinstinkt pl�tzlich erwachte, gerade noch am Halsband packen, da stand schon die M�usek�nigin vor ihnen.</p><p>�Verzeiht, Eure Majest�t, die Unh�flichkeit des Hundes", sagte Ann zu der K�nigin. �Ich habe Euch gerufen, weil wir dringend Eure Hilfe brauchen." Ramina erkannte sofort, da� es nicht Elli war, die zu ihr sprach. �Guten Tag, meine Liebe", sagte sie. �Ich bin �ber Eure Ankunft l�ngst unterrichtet, nur geziemte es meiner W�rde nicht, ungerufen zu kommen. Ihr seid nat�rlich Ellis Schwester. Wie hei�t Ihr doch?"</p><p>Ann nannte ihren Namen und stellte der- K�nigin auch Tim und Arto vor. In wenigen Worten erkl�rte sie, was sie von der K�nigin begehrte. Ramina �berlegte. �Der Scheuch ist im Keller eines alten Turms eingesperrt. Ihr wollt die Worte wissen, die den rosa Kasten in Wirkung setzen, nicht wahr? Nun, Ihr sollt sie erfahren!" Die K�nigin verschwand so pl�tzlich, da� Arto, der sich losgerissen hatte, mit den Z�hnen nur die Luft schnappte. Ramina, eine m�chtige Fee, besa� unter anderem die F�higkeit, sich augenblicklich an jeden beliebigen Ort zu versetzen. Eine Sekunde sp�ter befand sie sich schon in dem Keller, in dem der Holzf�ller und der Scheuch lagen. Ungest�m begr��ten sie die K�nigin. Als sie erfuhren, wer sie zu ihnen geschickt hatte, kannte ihre Freude keine Grenzen.</p><p>�Ann Smith, die Schwester unserer lieben kleinen Elli, ist von der anderen Seite der Berge mit einem wunderbaren Pferd, das Sonnenstrahlen fri�t, zu uns gekommen! Oh-hoho-ho, wie ich mich freue!"</p><p>Der Scheuch sang und h�pfte, obwohl seine schwachen Beine ihm kaum gehorchten. Der Holzf�ller aber legte die Hand auf die Brust und rief: �Oh, wieviel Liebe und Z�rtlichkeit birgt meine Brust! Ich will meine Gef�hle unserer neuen Freundin schenken, der Schwester unserer lieben Elli!" Auf Raminas Bitte sprach der Scheuch die magischen Worte. �Werden Eure Majest�t sie auch nicht vergessen?" fragte er. �Keine Sorge, ich habe ein gutes Ged�chtnis", kicherte die K�nigin und verschwand. Das geschah keinen Augenblick zu fr�h, denn hinter der T�r wurden laute Stimmen h�rbar. Sie r�hrten von den Marranen her die gekommen waren, um die H�ftlinge in ein anderes Gef�ngnis zu �berf�hren. Allerdings konnte das Urfin jetzt nichts mehr n�tzen. Ramina kehrte zu Ann und Tim zur�ck. Alle Anwesenden, einschlie�lich der Kr�he und des H�ndchens, lernten die Zauberworte auswendig, denn man konnte nicht wissen, ob dem einen oder anderen nicht etwas zusto�en werde. Die K�nigin erkundigte sich nach dem Schicksal ihrer Bekannten im Lande, jenseits der Berge, wobei die meisten Fragen nat�rlich Elli betrafen.</p><p>�Ich habe ihr prophezeit, da� sie in das Zauberland nicht mehr zur�ckkehren wird, und meine Vorhersage hat sich bewahrheitet", sagte Ramina stolz. �Wir Feen haben die Gabe, die Zukunft vorauszusehen."</p><p>Auf die Frage, wie der Kampf Anns und ihrer Freunde gegen Urfin ausgehen werde, blieb Ramina jedoch die Antwort schuldig.</p><p>Ann erz�hlte, da� Elli im College studiere und bald Lehrerin sein w�rde, was die K�nigin sehr l�blich fand. �Elli ist so z�rtlich und lieb zu den Kindern, da� sie bestimmt eine hervorragende Lehrerin sein wird", versicherte Ramina. Dann fragte sie noch, wie es dem einbeinigen Seemann Charlie Black und dem wackeren Fred Cunning gehe. �Pr�chtige Burschen - sie verdienen es, gl�cklich zu sein", sagte Ramina.</p><p>Als sie erfuhr, da� Fred die wunderbaren Maultiere hergestellt hatte, mit denen Ann und Tim in das Zauberland gekommen waren, begehrte Ramina, sie zu sehen. Ann versprach, ihren Wunsch zu erf�llen.</p><p>Man trennte sich sehr freundschaftlich. Die Abschiedsszene wurde allerdings von Arto verdorben, der sich wieder losgerissen hatte und laut bellte.</p><subtitle>IM NEUEN GEF�NGNIS</subtitle><p>Nach dem Abgang der M�usek�nigin beschlo� Ann den Fernseher auszuprobieren, da sie bef�rchtete, da� er beim Handgemenge im Palast besch�digt worden sei. Sie stellte den Kasten auf den wackligen Tisch, der im Zimmer stand, und sprach erregt die Zauberworte: �Birelija-turelija, buridakl-furidakl,</p><p>Es r�te sich der Himmel, es gr�ne das Gras, Kasten, K�stchen, zeig mir bitte dies und das!"</p><p>Die Mattscheibe begann zu flimmern und zeigte einen Weg, auf dem der Holzf�ller und der Scheuch, von Wachen umgeben, dahinwankten. �Man bringt sie in ein anderes Gef�ngnis!" rief. Ann. Auf den Holzf�ller gest�tzt, schleppte sich der Scheuch m�hsam dahin. Seine Beine knickten bei jedem Schritt ein, und der Kopf lag ihm fast auf der Brust. Man sah, da� er v�llig ersch�pft war. Nicht viel besser stand es um den Holzf�ller. Selbst im Apparat konnte man seine unge�lten Gelenke knacken h�ren.</p><p>Obwohl Ann den Scheuch zum erstenmal sah, erkannte sie ihn sofort - nicht umsonst hatte die Schwester ihr so oft von ihm erz�hlt. Ja, ihr schien sogar, als</p><p>habe sie viele Male neben ihm gesessen, seine molligen H�nde gehalten und ihm den klugen, s�gesp�negef�llten Kopf gestreichelt...</p><p>�Du Armer", fl�sterte Ann unter Tr�nen. �Was haben sie nur aus dir gemacht!"' Man h�rte, wie der Holzf�ller seinem Gef�hrten Mut zusprach. Als dies nicht half, nahm der eiserne Mann den Scheuch auf die Arme und trug ihn, wie eine liebevolle Mutter ein krankes Kind.</p><p>Wackerer Holzf�ller! Dein liebevolles Herz war immer treu, selbst in den schwersten Stunden... Ach, w�rden die Menschen aus. Fleisch und Blut sich so verhalten wie du, wieviel sch�ner w�re das Leben auf Erden! Die zeitweilige Herrscherin der Smaragdeninsel, die weniger empfindlich war als die anderen Zuschauer, beobachtete k�hl, wohin die Marranen die H�ftlinge f�hrten. Von Zeit zu Zeit kr�chzte sie leise:</p><p>�Kreuzung der zwei Eichen... Erdbeerh�gelfarm.. . Und jetzt? Ach so, da ist ja die Verliebtenbr�cke... Oh, nun wei� ich, wohin man sie f�hrt", rief sie pl�tzlich freudig: �Auf das Gut von Ol Burn!"</p><p>�Wor�ber freut ihr Euch denn?" fragte Ann mi�mutig. �Wie soll ich mich nicht freuen",</p><p>erwiderte die Kr�he, �wo ich doch jeden Stein und jeden Strauch dort kenne. Wenn man sie jetzt in den Gem�sekeller sperrt... Ganz richtig, da ist er ja schon!"</p><p>Kaggi-Karr bog sich vor Lachen.</p><p>Auf die stumme Frage ihrer Freunde sagte sie:</p><p>�Das Dach dieses Kellers hat ein Loch, durch das ich schon eine Menge �pfel und Birnen geklaut habe. Ha, ha, ha!"</p><p>Anns und Tims Gesichter hellten sich auf. Aus den Worten der Kr�he wurde ihnen klar, da� sie von nun an eine Verbindung mit dem Holzf�ller und dem Scheuch haben w�rden. Ihre Freude steigerte sich noch mehr, als der Bildschirm einen Schuppen zeigte, in dem sie Din Gior und Faramant erblickten. Die Kinder erkannten den einen am langen Bart, den anderen an der gr�nen Brille, die er niemals absetzte. �Hurra!" frohlockte Tim. �Jetzt werden wir sie alle auf einmal befreien!" In der Tat, jetzt war ihre Aufgabe viel leichter. Das Schicksal des langb�rtigen Soldaten und des H�ters des Tores hatte ihnen gro�e Sorgen bereitet, um so mehr, als sie nicht wu�ten, wo sie die beiden suchen sollten. Nun aber hatten sie die M�glichkeit, alle vier mit einem Schlag zu befreien.</p><p>Die Kinder baten den Kasten, er m�ge ihnen auch Urfin Juice zeigen, und im Nu ging ihr Wunsch in Erf�llung. Urfin sa� finsteren Angesichts auf seinem Thron. Tim versp�rte gro�e Genugtuung, als er eine riesige Beule auf dessen Kopf sah, die der Verband nur schlecht verdeckte. Vor Urfin stand der Polizeichef, der dicke, rotschopfige Enkin Fled.</p><p>�Ich f�hle", sagte Urfin und rieb sich die Beule, �da� auf der Smaragdeninsel Freunde des Scheuchs, die ich nicht kenne, ihr Unwesen treiben. Vor acht Jahren h�tte ich geschworen, da� wir es mit dem M�dchen Elli zu tun haben."'</p><p>Um nicht loszuprusten, hielt Ann die Hand vor den Mund.</p><p>�Bring die Polizei und alle meine R�te und Anh�nger auf die Beine!" fuhr Urfin fort.</p><p>�La� ausrufen, da� ich auf die K�pfe der unbekannten Feinde zehn ... nein, f�nf, der gr��ten Smaragde aus meiner Schatzkammer setze!"</p><p>Die Kr�he bat, auf das Violette Land umzuschalten, denn sie w�nschte Lestar zu sehen, den kleinen ruhigen Alten, der, wie Ann aus den Berichten Ellis wu�te, ein sehr findiger Ingenieur war.</p><p>Der Bildschirm zeigte Lestar auf einem riesigen Erdhaufen, um den sich ein tiefer Graben hinzog, hinter dem steinerne T�rmchen mit Schie�scharten ragten.</p><p>�Sie bauen Befestigungen!" rief Tim. �Rellem hat die Wahrheit gesagt."</p><p>,,Habt ihr denn daran gezweifelt?" fragte Kaggi-Karr. �Diese Information hat er doch von mir bekommen!"</p><p>Die Kr�he hatte vom Scheuch viele unbekannte W�rter �bernommen, mit denen sie von Zeit zu Zeit ihre Rede ausschm�ckte.</p><p>Anns Herz begann heftig zu klopfen, als sie hinter dem Erdhaufen den L�wen hervortreten sah. Er sagte zum Ingenieur:</p><p>�Freund Lestar, Euer Werk macht gute Fortschritte. Aber seid Ihr sicher, da� Urfin uns nicht �berrascht, bevor es fertig ist?"</p><p>�Ich habe Vorkehrungen getroffen", erwiderte Lestar. �Die ganze Stra�e bis zur Smaragdeninsel wird von V�geln �berwacht, denen h�lzerne Boten beigegeben sind. Sobald Urfins Armee sich in Marsch setzt, werden wir in wenigen Stunden dar�ber unterrichtet sein. Vorl�ufig gibt es keinen Grund zur' Aufregung." �Man sieht, da� er durch die Schule des Feldmarschalls Din Gior gegangen ist", sagte die Kr�he voller Hochachtung. �Ich werde Lestar zum zeitweiligen Herrscher des Violetten Landes ernennen. Ich glaube, er ist der geeignete Mann f�r dieses hohe Amt. Gleich heute will ich den Befehl �ber die Vogelstaffel weitergeben. Wie ich sehe, ist auch der L�we eingetroffen. Das lob ich mir. Und jetzt la�t uns mal sehen, wie es bei den K�uern steht. Wie weit mag wohl Oberst Chart gekommen sein?" Wieder hatten die Zuschauer Grund zum Staunen: Der Bildschirm zeigte ein heiteres blaues Dorf. Vor blauen H�usern spielten auf der Stra�e Kinder in blauen Hemden und blauen H�schen.</p><p>Zwei Frauen in blauen Kleidern, die Kr�ge auf den K�pfen trugen, f�hrten ein Gespr�ch. Eine von ihnen beendete gerade einen Satz: �... jetzt verstehen Sie, wie ich mich freue, da� wir nicht mehr in dem alten Loch wohnen. Meine kleine Rin hat so schrecklich gehustet..." �Das haben wir den tapferen Erzgr�bern zu verdanken", sagte die andere. �Ei, wie sie die frechen, Eroberer verdroschen haben!"</p><p>�Ja, es war unser Gl�ck, da� sie die H�hle verlassen und sich in der oberen Welt angesiedelt haben", beendete die erste Frau das Gespr�ch und ging, den blauen Krug auf ihrem Kopf festhaltend, weiter. Anns und Tims Augen gl�nzten vor Freude.</p><p>�Es sieht aus, als seien die Marranen auch dort besiegt worden. Unfa�bar...", sagte Tim. Ann schaltete den Apparat auf andere K�uerd�rfer, und �berall konnte man ein Bild friedlicher Arbeit und froher Gesch�ftigkeit sehen. �Oh, da ist ja die Erzgr�berstadt!" rief Ann.</p><p>Der Bildschirm zeigte eine Stra�e mit einem Wall, den Erzgr�ber auseinandernahmen. Unter ihnen befanden sich gefangene Marranen, die emsig mithalfen. �Hurra! Der Sieg ist unser!" rief Tim ungest�m. Es bestand kein Zweifel mehr, da� Urfins Eroberungspl�ne sowohl im Osten als auch im Westen gescheitert waren. Die Kinder frohlockten. Nur die Kr�he �u�erte ihre Unzufriedenheit �ber die schlecht funktionierende Verbindung auf dieser Linie.</p><p>�Ich werde wohl eine Reform durchf�hren m�ssen", sagte Kaggi-Karr mit wichtiger Miene. �Man wird ihnen dort einen Verweis erteilen und ' die F�hrung absetzen m�ssen."</p><p>Ja, die Zeiten hatten sich ge�ndert. Jetzt war es nicht mehr wie vor neun Jahren, als Urfin mit seinen Holzk�pfen wie ein Sturm �ber das Land fegte und sich alles unterwarf.</p><p>Die schweren Pr�fungen hatten die V�lker vieles gelehrt. Die Menschen hatten ihr Schicksal in ihre eigenen H�nde genommen und' trotzten dem Eroberer. Auch waren sie jetzt im Kampf gegen den Feind nicht mehr so sehr auf fremde Hilfe angewiesen. Die Aufgabe Anns und ihrer Freunde war nun viel einfacher: Sie mu�ten vor allen Dingen die Gefangenen befreien und dann Urfin den letzten Schlag versetzen. Es dunkelte, als die Kinder sich vom Fernseher l�sten. Zum letztenmal warfen sie noch einen Blick auf den Scheuch und seine Freunde, die in der Gefangenschaft schmachteten. Din Gior und Faramant legten sich schlafen, w�hrend der Holzf�ller den Scheuch zum Trocknen unter die Strahlen der untergehenden Sonne stellte, die durch das kleine Fenster hereinschien. Ann sagte:</p><p>�Kasten, K�stchen, mach jetzt Schlu�, wir danken dir f�r den Genu�!" Der Fernseher erlosch.</p><p>�Morgen bei Tagesanbruch", sagte die Kr�he, �werde ich zu den Gefangenen fliegen und sie tr�sten. Ich werde ihnen erz�hlen, was ich heute gesehen habe." Pl�tzlich machte sie eine tiefe Verbeugung vor dem Kasten und murmelte: �Verzeih mir dummem Vogel, da� ich so respektlos von dir sprach. Jetzt habe ich mich �berzeugt, da� du das gr��te Wunder in unserem Lande bist!"</p><subtitle>DAS SCHLAFWASSER WIRD WIEDER GEBRAUCHT</subtitle><p>Am Morgen besuchte Kaggi-Karr die Gefangenen im Schuppen Ol Burns. Eine Flucht war unm�glich, weil der Schuppen dicke W�nde und feste T�ren hatte, vor denen schlaflose Nuch-Nuch-Trinker Tag und Nacht Wache hielten. Zur�ckgekehrt erz�hlte die Kundschafterin, was sie gesehen hatte. Sie beschlo� ihren Bericht mit den Worten: �Solange wir die Wachen nicht einschl�fern, werden wir unsere Freunde nicht befreien k�nnen. Da kann uns nur die Heilige Quelle helfen."'</p><p>�Ihr meint die Zauberquelle, mit deren Wasser die unterirdischen K�nige eingeschl�fert wurden?" fragte Ann. �Genau", erwiderte Kaggi-Karr. �Der Weg ist zwar lang und beschwerlich, aber ich sehe kein anderes Mittel." Das war einleuchtend.</p><p>Man beschlo�, noch am selben Tag aufzubrechen. KaggiKarr suchte erneut die Gefangenen auf und sagte ihnen, sie sollten sich noch ein paar Tage gedulden. Vor dem Aufbruch wollte Ann noch einmal das Land der unterirdischen Erzgr�ber sehen, aber der Kasten blieb finster und stumm. Er konnte die H�hle nicht zeigen, weil sie tief unter der Erde lag und keinen Lichtstrahl einlie�. Um den schweren Fernseher nicht mitschleppen zu m�ssen, beschlo� man, ihn neben dem Haus zu vergraben. Die Maultiere lagen dort, wo man sie zur�ckgelassen hatte. Drei Stunden lang hatte sie die Sonne beschienen und derart aufgeladen, da� sie beim Anblick Anns und Tims wie wild zu schnauben und zu wiehern begannen. Ann und Tim, die die Gefangenen m�glichst schnell befreien wollten, lie�en jede Vorsicht au�er acht und ritten in rasendem Galopp. Wie der Wind brausten sie an den Wachtposten vorbei, die kaum die Umrisse der seltsamen Tiere erkennen konnten. Die Disziplin der Wachen hatte stark nachgelassen, woran die versprengten Soldaten aus dem Regiment Charts schuld waren, die schreckliche Geschichten von fliegenden Ungeheuern und sechsf��igen Tieren erz�hlten, die immer n�her kamen und gewi� bald dasein w�rden.</p><p>Tim war voller Zuversicht. Noch bevor die nicht allzu eifrigen Boten die Smaragdeninsel erreichen und Urfin von der nahenden Gefahr benachrichtigen konnten, w�rden die Kinder in der H�hle gewesen und mit dem Schlafwasser zur�ckgekehrt sein. Drei Tage sp�ter standen unsere Freunde vor dem Tor des unterirdischen Reichs. Kaggi-Karr sagte, sie wolle lieber drau�en warten.</p><p>�Ich versp�re keine Lust, mich in dieser H�hle herumzutreiben. Ich habe genug von ihr gesehen, als ich mit dem Scheuch und dem Holzf�ller da war", sagte die Kr�he m�rrisch. �Lieber w�rme ich mich derweilen in der Sonne." Ann erschauerte bei dem Gedanken, da� sie bald das wunderbare Land betreten werde, wo ihre Schwester so viele spannende Abenteuer erlebt hatte.</p><p>Ewiger Herbst lag �ber den Fluren und H�geln des riesigen Reichs, das sich vor den Kindern auftat. Da war alles rot, gelb und braun. Hoch oben rauchten goldgelbe Wolken unter steinernem Gew�lbe. Ein majest�tisches, aber trauriges Reich... Eiskalt lief es Ann �ber den R�cken.</p><p>�Stell dir nur vor", sagte sie leise zu Tim, �wie viele Geschlechter hier ihr Leben verbracht haben, ohne auch nur einmal das Licht der Sonne zu sehen... Die Armen!" Still und leer lag das Land vor ihnen. Aus weiter Ferne drang der ged�mpfte L�rm einer Fabrik, in der Metalle bearbeitet wurden.</p><p>Die Maultiere rasten �ber eine ausgefahrene Stra�e dahin. Nach und nach begannen sich die Kinder an die Umgebung zu gew�hnen. In der Ferne gewahrten sie die Stadt, in deren Mitte sich der Palast der unterirdischen K�nige erhob. Die in allen Farben des Regenbogens gestrichenen T�rme waren verbla�t, der Verputz von den Mauern abgebr�ckelt und viele Ziegel herausgefallen. Die unterirdische Stadt verfiel... Ein Ger�usch lie� die Kinder aufblicken. Voller Entsetzen gewahrten sie �ber ihren K�pfen ein Ungeheuer, das mit ausgebreiteten Fl�geln auf sie zukam. Ein Drache!</p><p>Ann und Tim schlossen die Augen und bedeckten ihre Gesichter mit den H�nden. Ihnen war, als w�rde der aufgesperrte Rachen des Ungeheuers sie im n�chsten Augenblick verschlingen. Da h�rten sie eine heisere, aber freundliche Ba�stimme, und als sie in die Richtung blickten, aus der sie kam, gewahrten sie einen Mann, der ihnen aus dem Fabriktor entgegenlief. Er fuchtelte mit den H�nden und rief �Keine Angst, der Drache tut euch nichts, es ist Oicho!" Ja, das war Oicho, der ganz allein ein Marranenregiment in die Flucht geschlagen hatte. Jetzt kam er aber in freundlicher Absicht. Er hatte n�mlich sogleich erkannt, da� die Reiter ein Junge und ein M�dchen waren und da� das M�dchen genau wie Elli aussah, die er einst in ihre Heimat geflogen hatte.</p><p>Die Kinder betrachteten neugierig den Drachen, der wie zum Gru� �ber ihren K�pfen kreiste. Pl�tzlich wurde der Schritt ihrer Maultiere immer langsamer. C�sar und Hannibal bewegten sich kaum noch, stolperten einmal �ber das andere und sanken schlie�lich seufzend zu Boden.</p><p>Die Kinder konnten gerade noch aus den Satteln springen. Verwundert starrten sie die unbeweglichen Tiere an. C�sar konnte gerade noch sagen: �Alle Energie ver... "</p><p>Er konnte den Satz nicht zu Ende sprechen. Die wunderbaren Tiere waren in der dunklen Unterwelt, in die kein Sonnenstrahl drang, v�llig hilflos. �Was fangen wir jetzt nur an?" fragte Ann.</p><p>Tim zuckte mit den Schultern. In diesem Augenblick trat der Mann, den sie aus dem Fabriktor hatten laufen sehen, auf sie zu. Er war hochgewachsen und hatte ein sch�nes blasses Gesicht.</p><p>�Elgaro, Gehilfe des Herrschers Ruschero", stellte er sich vor. �Ich nehme an, da� Ihr die Schwester Ellis seid, die vor acht Jahren bei uns war."'</p><p>�Genau", sagte Ann und nannte ihren und ihres Freundes Namen.</p><p>�Es freut mich, Euch und Euren Freund in der H�hle willkommen zu hei�en. Sie ist heute zwar nicht mehr so belebt, wie zu der Zeit, als Eure Schwester bei uns weilte. Das kommt daher, da� wir jetzt in der oberen Welt leben und jedes Jahr nur f�r einen Monat abwechselnd herkommen, um in der Fabrik oder in der Grube zu arbeiten."'</p><p>�Ich wei� es, das hat mir Euer Herrscher Ruschero erz�hlt."'</p><p>�Ich sehe, Ihr seid in Verlegenheit", fuhr Elgaro fort. �Ist den Tieren etwas zugesto�en? Kann ich Euch vielleicht helfen?"</p><p>Ann begann zu erz�hlen. �ber die Niederlage der Marranen war Elgaro bereits unterrichtet, nur wu�te er nicht, da� der Scheuch und der Eiserne Holzf�ller gefangen waren.</p><p>�Das tut mir schrecklich leid", sagte der Erzgr�ber. �Ich habe den Scheuch und den Eisernen Holzf�ller gesehen, als sie vor acht Jahren hier waren, und sie in bester Erinnerung behalten. Sie traten sehr w�rdevoll auf, als w�ren sie die geborenen Herrscher ihrer V�lker."'</p><p>�Ihr k�nnt sie aus der Not befreien helfen", sagte Ann, �wenn Ihr uns ein Paar Flaschen Schlafwasser gibt." �Das Schlafwasser wird nur mit schriftlicher Erlaubnis unseres Herrschers Ruschero ausgegeben", sagte Elgaro. �Aber angesichts der besonderen Umst�nde will ich eine Ausnahme machen. Ich m�chte Euch auch sagen, meine lieben Ann und Tim, da� das Wasser seine Eigenschaften nicht lange bewahrt. Ihr m��t die Flaschen gut verkorken und das Wasser so schnell wie m�glich seinem Zweck zuf�hren."'</p><p>�Wir werden uns die gr��te M�he geben", versicherte Tim.</p><p>Auf Elgaros Befehl trug der Drache die Maultiere, eines nach dem anderen, behutsam zum Ausgang der H�hle. Dorthin brachte er auch Tim, damit dieser die Tiere in die Sonne stelle, wo sie sich wieder aufladen konnten. Als der Drache zur�ckkehrte, band Elgaro ihm eine S�nfe auf den R�cken (es war dieselbe, in der einst Elli und Fred gereist waren) und kommandierte: �Zur Schlafwasserquelle! "'</p><p>Ann stockte das Herz, als sich der Drache mit rauschendem Fl�gelschlag in die Luft erhob.</p><p>Nach kurzer Zeit kehrten die Kinder mit zwei Flaschen Schlafwasser in das H�uschen zur�ck.</p><p>Die Reise hatte alles in allem nur eine Woche gedauert.</p><subtitle>DIE BEFREIUNG</subtitle><p>Nach Anns und Tims R�ckkehr flog die Kr�he wieder zu Din Gior und Faramant und sagte ihnen, sie sollten sich in der kommenden Nacht nicht schlafen legen und auch das Wasser nicht anr�hren, das die Aufseher mitbringen w�rden.</p><p>Dem Scheuch und dem Holzf�ller brauchte Kaggi-Karr das nicht zu sagen, denn die beiden hatten niemals das Bed�rfnis, zu schlafen, zu essen oder zu trinken.</p><p>In der Nacht l�ste der Scheuch gew�hnlich arithmetische Aufgaben. Er hatte es darin so weit gebracht, da� er im Kopf eine beliebige dreistellige Zahl mit einer anderen multiplizieren konnte. Allerdings waren jetzt seine geistigen F�higkeiten geschw�cht, da man ihm schon lange das Gehirn nicht gewaschen hatte. Der Holzf�ller wiederum dichtete jede Nacht r�hrende Briefe an Elli. Da er aber nicht schreiben konnte, blieben die Briefe unabgesandt.</p><p>Tim begann die Befreiung der Gefangenen vorzubereiten. Vor allem mu�te das Wasser, das die Wachen tranken, gegen Schlafwasser vertauscht werden. In einer verlassenen Farm fand Tim einen Krug, der genau so aussah wie der, den die Wachen benutzten. Es gelang dem Jungen, sich unbemerkt in die Wachstube zu schleichen und die Kr�ge zu vertauschen.</p><p>Nach einem kr�ftigen Abendessen pflegten die Marranen immer viel zu trinken. Das taten auch die Wachsoldaten. Ein jeder nahm ein paar t�chtige Z�ge aus dem Krug, worauf ihnen die K�pfe schwer wurden und sie in einen todes�hnlichen Schlaf fielen. �Vor denen haben wir eine Weile Ruhe!" frohlockte Tim, der die Szene durch das kleine Fenster beobachtet hatte. �Jetzt darf ich mich wieder sichtbar machen." Er schob den Riegel an der Au�enseite der Gef�ngnist�r zur�ck und trat in das Gela�. �Freunde, ihr seid frei, folgt mir!" rief Tim.</p><p>Der Holzf�ller lief auf ihn zu und schlo� ihn in seine eisernen Arme. W�re das fr�her geschehen, als der Herrscher der Zwinkerer noch bei voller Kraft war, h�tte der Junge diese Umarmung kaum �berstanden. Jetzt kam er lediglich mit ein paar Quetschungen und blauen Flecken davon.</p><p>Die Befreiten folgten Tim zu dem H�uschen, das gl�cklicherweise in der N�he lag. Der Eiserne Holzf�ller trug den Scheuch auf der linken Schulter: In der rechten Hand hielt er eine schwere Keule, die er einem schlafenden Aufseher abgenommen hatte. Din Gior machte weit ausholend Schritte und streichelte seinen 'pr�chtigen Bart, Faramant trippelte keuchend hinter ihm her.</p><p>Die Aufseher erwachten schon am fr�hen Morgen, weil das Zauberwasser, das sie getrunken hatten, bereits drei Tage alt war, weshalb es nicht so lange wirken konnte wie frisches.</p><p>Zu ihrem Entsetzen gewahrten die Marranen, da� die Gefangenen geflohen waren. Aus Angst vor der Strafe, die Urfin ihnen f�r den Fall eines Ausbruchs der Gefangenen angedroht hatte, flohen die Wachsoldaten in ihre Heimat.</p><p>Das Merkw�rdigste an dieser Geschichte aber war, da� diese Marranen nach ihrer Heimkehr kein Verlangen nach dem Nuch-Nuch-Getr�nk versp�rten, das sie fr�her nicht entbehren konnten. Das Schlafwasser hatte sie von der Trunksucht geheilt. Sie hatten jetzt weder Schwindelanf�lle noch sahen sie Gespenster, waren wieder guter Stimmung und schliefen nachts wie alle anderen Menschen. Die Heilkraft des Schlafwassers sprach sich bald im ganzen Zauberland herum, und leidenschaftliche Nuch-NuchTrinker zogen jetzt in Scharen zur H�hle, um sich von der verderblichen Angewohnheit zu heilen.</p><p>Die Maultiere erwarteten, energiegeladen, Tim und die befreiten Gefangenen vor dem H�uschen, in dem Ann, Arto und Kaggi-Karr sich verbargen. Man beschlo�, sofort weiterzuziehen. Tim nahm den Scheuch, Ann Faramant in den Sattel. Der langbeinige Din Gior, der ein guter Geher war, blieb hinter den anderen nicht zur�ck, ebensowenig wie der Eiserne Holzf�ller, der, nebenbei gesagt, so schwer war, da� ihn weder ein lebendes noch ein mechanisches Maultier h�tte tragen k�nnen. Der silberne Reif ruhte wieder auf Anns K�pfchen. Sie konnte ihn jetzt allerdings nicht benutzen, um sich und ihre Gef�hrten unsichtbar zu machen, denn die Schar war mittlerweile recht gro� geworden. Unsere Freunde verlie�en sich also auf ihren gl�cklichen Stern und zogen beherzt nach S�dost, wo das Land der Zwinkerer lag, in dem sie der Tapfere L�we und Lestar erwarteten. Dort w�rden sie es mit Urfin aufnehmen k�nnen, falls er sich erdreisten sollte, ihnen ins Gehege zu kommen. Am Morgen hatten die Reisenden bereits ein gutes St�ck Weges hinter sich gebracht, und da sie m�de waren, beschlossen sie, im Walde Rast zu machen. Erst jetzt hatten der Scheuch und der Eiserne Holzf�ller die M�glichkeit, sich ihre Befreierin genauer anzusehen. Dem eisernen Holzf�ller begann das Herz in der Brust laut zu pochen, und der Scheuch f�hlte, wie seine Kr�fe wuchsen. Allerdings konnte das auch davon kommen, da� der Strohmann auf dem warmen R�cken Hannibals gesessen hatte und wieder fast trocken war.</p><p>Die beiden Freunde konnten sich an Ann gar nicht satt sehen. Sie versicherten ihr ein �ber das andere Mal, da� sie Elli wie aus dem Gesicht geschnitten sei. �Ihr erinnert uns lebhaft an die alte gl�ckliche Zeit", sagten sie. Als Ann ihnen einen herzlichen Gru� von ihrer Schwester bestellte und beteuerte, da� Elli sie niemals vergessen habe, war der Holzf�ller so ger�hrt, da� die Tr�nen in Str�men aus seinen Augen zu flie�en begannen. Nat�rlich rosteten seine Kiefern sofort ein. Zum Gl�ck hatte Tim in seinem Rucksack eine Flasche mit �l, das er dem eisernen Mann in die Kiefern tr�ufelte. Faramant und Din Gior �bersch�tteten ihre Retterin mit Dank. Wegen der schlechten Gef�ngniskost waren die beiden sehr abgezehrt, doch sie hielten sich wacker, scherzten und waren guter Laune. Die ganze Gesellschaft brach in ein schallendes Gel�chter aus, als Faramant dem H�ndchen eine gr�ne Brille aufsetzte, die er hinten einschnappen lie�. Arto blickte verwundert um sich. Er konnte nicht begreifen, warum pl�tzlich alles gr�n war. Dann begann er zu knurren und nach Faramant zu schnappen. Erst als man ihm die Brille wieder abnahm, beruhigte er sich.</p><p>�Toto hat die gr�ne Brille gern getragen", sagte Faramant tadelnd.</p><p>Bei der langen Fu�wanderung war Din Giors wallender Bart durch und durch verstaubt. Ann klopfe mit einem Ast den Staub aus dem Bart, k�mmte ihn sorgf�ltig und flocht aus ihm drei Z�pfe. Der Feldmarschall lie� sich diese Liebensw�rdigkeit gern gefallen. Nach einem bescheidenen Fr�hst�ck legte sich die Schar im Schatten der Str�ucher nieder.</p><p>W�hrend Tim, Din Gior und Faramant schliefen, mu�te Ann unz�hlige Fragen des Holzf�llers und des Scheuchs �ber sich ergehen lassen. Die beiden wollten wissen, wie es Elli gehe, wie sie lerne, ob sie schon erwachsen sei, usw. usf. Dann begannen sie Ann �ber den guten Riesen von der anderen Seite der Berge und �ber Fred auszufragen. Erst als sie bemerkten, da� dem M�dchen die Augen zufielen und ihre Zunge sich kaum noch bewegte, hielten sie versch�mt inne. Ann fiel sofort in einen tiefen Schlaf. Den ganzen Tag wurden der Holzf�ller und der Scheuch nicht m�de, die beiden Schwestern zu loben. Allerdings mu�te der Scheuch das Gespr�ch in einer recht unbequemen Lage f�hren, denn der Eiserne Holzf�ller hatte ihn, damit er schneller trockne, mit dem Kopf nach unten an Hannibals R�cken geschnallt. Am Abend f�hlten sich unsere Freunde wie neugeboren. Zum Aufbruch war es noch zu fr�h. Da erinnerte sich Ann, da� sie der M�usek�nigin versprochen hatte, ihr die mechanischen Maultiere zu zeigen. Sie blies in die Pfeife, und in der Lichtung erschien Ramina mit mehreren Hofdamen.</p><p>�Guten Tag, Eure Majest�t", sagte Ann. �Ich habe Euch gerufen, damit Ihr die Tiere sehen k�nnt, die uns hergebracht haben. Wir nennen sie Maultiere. Sind sie nicht sch�n?"</p><p>Ramina bewunderte die pr�chtigen Rappen mit dem gl�nzenden Fell. �Ihr sagt, sie brauchen kein anderes Futter als Sonnenstrahlen? Das ist freilich ein Wunder!"' 1 �Wir nennen das nicht Wunder, sondern Erfindung", entgegnete Ann. �Echte Wunder gibt es nur in eurem Land. Das sind die Silberschuhe Gingemas, der Zauber kasten Stellas, das magische Buch Willinas, der Silberreif Bastindas ... auch die Zauberpfeife, auf deren Ruf</p><p>Ihr an jedem beliebigen Ort erscheint. Das nenne ich Wunder!" Ramina lachte:</p><p>�F�r uns sind das ganz gew�hnliche Dinge. �brigens habt Ihr lange nicht alles aufgez�hlt, was Ihr unsere Wunder nennt. Ja, so hat Hurrikap, der gro�e Zaubermeister, unser Land erschaffen. Er hat unseren Tieren die Gabe der Rede verliehen, hat uns den ewigen Sommer geschenkt und diese Erde durch Berge und W�ste von der �brigen Welt abgeschieden. Daf�r geb�hrt ihm Lob und Preis!" �Lob und Preis!" echote die Schar der Zuh�rer.</p><p>Die Maultiere begannen zu wiehern und mit den Hufen zu scharren, als wollten sie ihre Reiter zum Aufbruch mahnen.</p><p>�Wirklich fabelhafte Tiere, obwohl sie von der anderen Seite der Berge kommen!" sagte Ramina beim Abschied. �Ich w�nsche euch -allen eine recht gute Reise, meine Lieben, und merkt euch, falls ihr mich braucht, stehe ich euch jederzeit zur Verf�gung." Nach diesen Worten verschwand die K�nigin mit ihrem Gefolge.</p><p>Unsere Reisenden kamen wohlbehalten im Violetten Lande an. Die verstreuten Marranentrupps, denen sie begegneten, wagten nicht, die achtunggebietende Schar anzugreifen. Der Holzf�ller und Din Gior, die ihre schweren Keulen schwangen, und die stampfenden und z�hneknirschenden Maultiere fl��ten ihnen Furcht ein. Bei ihrem Anblick machten die Marranen einen weiten Bogen und eilten, so schnell sie konnten, Urfin Meldung zu erstatten. Ein von Urfin ausgeschickter Soldatentrupp unter Hauptmann Klems Kommando konnte die Schar nicht einholen und kehrte unverrichteterdinge zur�ck.</p><p>Schlie�lich kam der Augenblick des langersehnten Wiedersehens. Der L�we, der mit fortschreitendem Alter sehr empfindlich geworden war, konnte beim Anblick seiner alten Freunde - des Scheuchs, des Holzf�llers, Din Giors und Faramants-vor R�hrung kein Wort hervorbringen.</p><p>�Ist es m�glich, da� ich zehn Jahre geschlafen habe und erst jetzt erwacht bin?" fragte der L�we. �Elli, Toto, seid ihr es wirklich? Unm�glich!"</p><p>Als man ihm alles erkl�rte, trat er an Ann heran und schmiegte sich an sie wie ein gro�er gutm�tiger Kater. Und als das M�dchen mit seiner Schwanzquaste zu spielen begann, kollerten Tr�nen des Gl�cks aus den Augen des alten L�wen.</p><p>Die Freude, die die Zwinkerer �berkam, als sie ihren Herrscher, von neuen Freunden umringt, wieder vor sich sahen, ist nicht zu beschreiben.</p><p>Sie f�hrten einen feurigen Tanz auf, bei dem ihre violetten Kleider wallten und wirbelten, da� es Ann und Tim fast schwindlig wurde. Die drolligen Menschlein schnippten mit den Fingern und riefen voller Stolz, da� alles bei ihnen zum besten stehe und jedes Unbill sie meide, weil sie sich zu Ehren der Fee des rettenden Wassers dreimal t�glich wuschen.</p><p>Auch gelobten sie, ihren Nachkommen einzusch�rfen, diesen heiligen Brauch streng zu befolgen.</p><p>Die Zwinkerer waren keineswegs betr�bt, als sie erfuhren, da� das M�dchen, das der Eiserne Holzf�ller und der Scheuch mitgebracht hatten, nicht die Fee des rettenden Wassers, sondern deren Schwesterchen sei. Sie nannten sie kurzweg die Fee des k�nftigen Sieges und f�hrten sie zu Fregosa, der K�chin.</p><p>Die gute Frau brachte Ann ins Badezimmer, wo sie sie wusch und ihr das violette Kleid anzog, das Elli im Violetten Palast zur�ckgelassen hatte. Nach Ann nahm Fregosa sich Tim und Arto vor.</p><p>Der Scheuch und der Eiserne Holzf�ller wurden einer General�berholung unterzogen.</p><p>Da man es nicht wagte, das kostbare Gehirn des Scheuchs herauszunehmen, h�ngte man seinen Kopf, ganz wie er war, zum Trocknen auf. Seine Kleider wurden gewaschen, gepl�ttet und mit frischem Stroh ausgestopft und die Stiefel blankgeputzt.</p><p>Einen herben Wiesengeruch ausstr�mend, trat der Scheuch vor Ann. Da seine Gesichtsz�ge ganz verschwommen waren, lie� sich das M�dchen Pinsel und Farbe bringen und malte ihm Augen, Nase und Mund auf.</p><p>Noch ehe sie damit fertig war, begann der Strohmann laut zu singen:</p><p>�O-ho-ho-ho, ich bin wieder bei Ann, der lieben Ann, o-ho-ho-ho." Trunken vor Gl�ck, sang und h�pfte er, ohne sich vor den Um stehenden zu genieren, denn die Zwinkerer waren ja nicht seine Untertanen. Den Eisernen Holzf�ller nahmen die besten Meister des Landes unter Anleitung Lestars in Arbeit. Sie legten ihn auf einen Werktisch und dokterten einen vollen Tag an ihm herum. Er wurde in seine Bestandteile zerlegt, gel�tet, geschmiert, wieder zusammengef�gt und auf Hochglanz poliert. Sein Herz, mit frischen S�gesp�nen gef�llt und zugen�ht, war jetzt wieder das g�tigste und z�rtlichste Herz im ganzen Zauberland. Als der eiserne Mann vor sein Volk trat, gl�nzte er so stark, da� die Augen der Umstehenden zu tr�nen begannen. Die Schmiede hatten ihm eine neue Axt gemacht, da die alte bei Urfin geblieben war. Der Holzf�ller schwang sie mit solcher Wucht empor, da� es in der Luft pfiff, und rief drohend: �Jetzt wollen wir sehen, wer sich mit mir zu messen wagt!"</p><subtitle>DER SCHRECKLICHE BETRUG</subtitle><p>Obwohl Urfin die Macht im Zauberlande erobert hatte und sein sehnlichster Traum damit in Erf�llung gegangen war, f�hlte er sich ebensowenig gl�cklich wie zur Zeit seiner ersten Herrschaft. Der ehrgeizige Diktator wollte, da� alle Menschen ihn anbeteten, da� das Volk bei seinem Erscheinen in den Stra�en und auf den Pl�tzen die H�te in die Luft warf und in Jubelrufe ausbrach.</p><p>Das geschah jedoch nicht. Bei den Festgelagen bekam er immer dieselben Loblieder der wenigen Speichellecker zu h�ren, deren Anf�hrer der Oberste Zeremonienmeister Kabr Gwin und der fette Oberpriester Krag waren. Auf die Stra�e aber wagte sich Urfin nicht mehr seit dem Tage, da ein von einem Dach fliegender Stein ihn beinahe erschlagen h�tte. Urfin hegte den Verdacht, da� dieser Stein aus der Schleuder eines Marranen gekommen war. Und die Macht? Wo blieb die Macht?</p><p>Aus dem Blauen Lande, zu dessen Eroberung er das Eliteregiment des Obersten Chart ausgeschickt hatte, trafen versprengte Soldaten ein, ausgezehrte und abgerissene Gestalten, die dem K�nig das Bild einer so schrecklichen Niederlage schilderten, da� er mehrere N�chte kein Auge schlie�en konnte und bei jedem Ger�usch aufsprang und zum Fenster st�rzte, um sich zu vergewissern, da� Ruscheros Drachen nicht die Stadt angriffen.</p><p>Die gefl�chteten Soldaten untergruben mit ihren Schauergeschichten den Kampfgeist des Milit�rs, und Urfin beeilte sich, sie fortzuschicken, weil sie, wie er sagte, nicht w�rdig seien, ihm zu dienen.</p><p>Nicht viel besser waren die Nachrichten, die aus dem Land der Zwinkerer im Osten kamen. Besorgt wegen des Ausbleibens jeder Meldung von Hauptmann Bois, schickte Urfin einen h�lzernen Boten zu ihm. Dieser Bote, Veres, erz�hlte bei seiner R�ckkehr, da� die Zwinkerer kurz nach dem Abzug der Truppe den Hauptmann und dessen Soldaten gefangengenommen und eingesperrt hatten. �brigens, f�gte der Bote hinzu, habe er gesehen, da� man mit den Gefangenen milde umgehe, ihnen drei Mahlzeiten t�glich gebe und sie sogar spazierenf�hre.</p><p>Der Scheuch und seine Freunde, fuhr Veres fort, seien aus dem Gef�ngnis geflohen und im Violetten Land eingetroffen. Dort bef�nden sich jetzt auch Menschen von der anderen Seite der Berge: ein M�dchen, das die Zwinkerer Fee des k�nftigen Sieges nannten, und ein Knabe, der jeden Einwohner des Zauberlandes um einen Kopf �berrage. Die beiden seien rittlings auf Tieren angekommen, die, wie es hei�t, Sonnenstrahlen fressen.</p><p>Der Bericht versetzte Urfin in schreckliche Wut. Er gebot Veres, niemandem zu verraten, was er im Lande der Zwinkerer gesehen habe, und setzte ihn sicherheitshalber hinter Schlo� und Riegel.</p><p>Tr�be Gedanken bem�chtigten sich des Feuergottes. Nicht nur der Westen und der Osten waren f�r ihn verloren - auch im Smaragdenland selbst standen die Dinge bei weitem nicht zum besten. Freilich wagten es die Bewohner nicht, gegen ihn aufzubegehren. Von der Insel vertrieben, hatten sie sich auf den paar Farmen, die die Marranen ihnen gelassen hatten, leidlich eingerichtet, und f�hrten jetzt ein j�mmerliches Leben. Von ihnen drohte keine Gefahr.</p><p>Urfin machte jedoch die Armee Sorge, seine einzige St�tze, die jetzt zu wanken begann. Das wu�te er von Eot Ling, dem Kundschafter, der ihm selbstlos ergeben war. Der Holzclown, der Tag und Nacht herumspionierte und sich nichts entgehen lie�, berichtete seinem Herrn und Gebieter folgendes:</p><p>In der Armee g�re es. Die unbest�ndigen Marranen haben den Milit�rdienst satt. Sie dr�cken sich vor den Waffen�bungen und dem Wachdienst, manche seien desertiert. Einige Soldaten haben Farmerst�chter geheiratet und erkl�rt, sie verlassen die Armee, um sich friedlicher Arbeit zuzuwenden. Viele Marranen beneideten sie deshalb und wollten ihrem Beispiel folgen.</p><p>Urfin war sehr besorgt, da� seine Soldaten der Trunksucht verfielen. Er wollte, da� das Nuch-Nuch-Getr�nk nur an diejenigen ausgegeben werde, die nachts Wach- oder Kundschafterdienst versahen. Wenn zu viele Soldaten der Trunksucht verfielen, w�rde es bald keine Nuch-Nuch-N�sse mehr im Walde geben. Das konnte schreckliche Folgen haben. (Urfin wu�te nicht, da� diese �ble Angewohnheit durch das Schlafwasser geheilt werden konnte.)</p><p>Mit seinem scharfen Verstand begriff er nat�rlich, was die Ursache der Zersetzung war, die in der Armee um sich griff. Disziplin l��t sich leicht aufrechterhalten, wenn die Soldaten st�ndig unter der Aufsicht der Vorgesetzten stehen, solange sie von fr�h bis sp�t gedrillt werden, haben sie keine Zeit, sich mit sch�dlichen Gedanken abzugeben. Jetzt aber, da alle ihre W�nsche in Erf�llung gegangen waren, da sie wie G�tter in behaglichen H�usern lebten und sich der Sch�tze der reichen Kaufleute und Handwerker der Smaragdeninsel bem�chtigt hatten, versp�rten die Marranen keine Lust auf weitere Eroberungen. Wozu sollten sie auch mit Tornistern auf den R�cken und schweren Keulen in den H�nden auf staubigen Stra�en marschieren? Um die Kampfeslust der Soldaten wieder anzustacheln, mu�te man ihnen neue gro�e Ziele zeigen, Ziele, um derentwillen diese leichtgl�ubigen Menschen alle Annehmlichkeiten aufgeben w�rden. Dazu dachte sich Urfin erneut einen schlauen Plan aus.</p><p>Er ging zum eingesperrten Veres und sagte zu ihm: �Morgen werde ich meine Soldaten versammeln und zu ihnen sprechen. Selbst wenn es dir scheinen sollte, da� das, was ich sage, nicht ganz der Wahrheit entspricht, hast du jedes meiner Worte unter Eid zu bekr�ftigen. Sonst lasse ich dich im Ofen verbrennen!"</p><p>Das eingesch�chterte Holzm�nnchen versprach, alles zu tun, was von ihm verlangt werde.</p><p>�ber die ganze Smaragdeninsel und ihre Umgebung verbreitete sich das Ger�cht, da� der Gro�e Urfin (Juice nannte sich jetzt nicht mehr Feuergott) seiner Armee eine ungew�hnliche Mitteilung machen werde. Sie gehe alle Soldaten an, und wer nicht erscheine, werde es zu bereuen haben.</p><p>Zur festgesetzten Stunde versammelten sich die Marranen auf einer gro�en Wiese vor der Smaragdeninsel. Urfin begleiteten Meister Petz und der Holzbote Veres. Als er die hohe Trib�ne bestieg, dr�ckte sein Gesicht tiefen Gram aus. Er schwieg zun�chst, um die Neugier der Anwesenden anzufachen, und begann dann mit dr�hnender Stimme: �Weh, weh! Oh, meine hei�geliebten Marranen, ich mu� euch etwas Schreckliches mitteilen!" Bei diesen Worten ging ein Schauer durch die Reihen der Zuh�rer.. �Wisset, meine Lieben, da� der F�hrer des Trupps, den ich im Violetten Lande zur�ckgelassen habe, gefallen ist! Er ist tot, unser tapferer Bois, der Meister im Springen und un�bertroffene Faustk�mpfer! Friede seiner Asche!"</p><p>Die Menge wartete stumm, was folgen werde. Viele fragten sich: Hat uns Urfin vielleicht deshalb versammelt, um uns vom Tod nur eines Springers zu benachrichtigen?' Urfin, ein gewandter Redner, fuhr im gleichen Ton fort:</p><p>�Das ist noch nicht alles! Mit Bois ist der ganze Trupp umgekommen, f�nfzig Helden, die das eroberte Land in Botm��igkeit halten sollten! Sie sind bis auf den letzten Mann erschlagen worden von den Zwinkerern, den Verr�tern! Man hat sie aus dem Hinterhalt ermordet!"</p><p>Diese Nachricht machte einen starken Eindruck. Viele Soldaten, die in Bois' Truppen Verwandte und Freunde hatten, sch�ttelten die F�uste und stie�en Drohungen aus.</p><p>�Aber auch das ist noch nicht alles, meine hei�geliebten Marranen! Die blutr�nstigen Zwinkerer haben die Leichen der Ermordeten gesch�ndet und sie den Schweinen zum Fra�e vorgeworfen!"</p><p>Die Menge raste. Nur einer fand sich, der zu fragen wagte: �Vielleicht sind das nur Ger�chte?"</p><p>�Nur Ger�chte? O nein!" entgegnete Urfin und hob Veres zu sich auf die Trib�ne empor. �Da ist ein Zeuge, mein Bote Veres - er kommt gerade aus dem Lande der Zwinkerer. Sprich, Veres!" Veres stammelte:</p><p>�Was der Gro�e Urfin sagt, ist die reinste Wahrheit!" Etwa zur gleichen Stunde hatte Ann den Zauberfernseher eingeschaltet, um nachzusehen, was Urfin trieb. Das tat sie jeden Tag um die Mittagszeit. Vor dem Bildschirm versammelten sich gew�hnlich Tim, der Scheuch, der Holzf�ller und alle anderen Freunde. Was sie jetzt sahen und h�rten, lie� sie vor Zorn erbeben.</p><p>Die Marranen geb�rdeten sich wie die Wilden. Mit einer Handbewegung stellte Urfin die Ruhe wieder her und wandte sich erneut an den Boten:</p><p>�Was hast du au�erdem noch geh�rt? Sprich, mein guter Veres, hab keine Angst!" �Ich habe geh�rt, mein Herr und Gebieter", sagte Veres mit zitternder Stimme, �da� die Zwinkerer das Land der Marranen mit Krieg �berziehen wollen, um dort alle Greise, Frauen und Kinder zu t�ten..."</p><p>Veres sprach, wie Urfin ihn gelehrt hatte.</p><p>�Wir wollen Rache, Rache!" br�llten die Marranen.</p><p>Ihr Gebr�ll drang weit �ber den Platz hinaus und ersch�tterte die Luft. Die wutverzerrten Gesichter und die geballten F�uste waren schrecklich anzusehen. Mit einem hinterlistigen L�cheln beobachtete Urfin die Szene.</p><p>Voller Zorn blickten der Scheuch und seine Freunde auf den Bildschirm. Ein jeder von ihnen w�rde, h�tte er die M�glichkeit, auf die Trib�ne springen, den gemeinen L�gner an der Brust packen und ihn sch�tteln, bis er die Wahrheit sagte! Die Kom�die ging mittlerweile weiter. In einer schwungvollen Ansprache - Urfin konnte sehr beredsam sein - forderte er die Marranen auf, ihre Br�der zu r�chen und das Volk der Springer vor dem Untergang zu bewahren. Er rief die Verwandtschaftsgef�hle der Marranen an, die, obwohl ein kriegerisches Volk, ihre alten Eltern, ihre Frauen und Kinder sehr liebten.</p><p>Die Armee erkl�rte sich bis auf den letzten Mann bereit, ins Feld zu ziehen. Selbst diejenigen, die erst k�rzlich geheiratet hatten, wollten nicht zur�ckbleiben. Nur mit gro�er M�he konnte Urfin eine Kompanie �berreden, auf der Insel zu bleiben, um die Macht des K�nigs hier zu sch�tzen.</p><p>�Wir werden uns auf den �berfall des Feindes vorbereiten m�ssen", bemerkte der Scheuch finster, als der Bildschirm erlosch.</p><p>Nach der Gefangenschaft wurde der Scheuch, wie man leicht verstehen wird, erneut zum Herrscher des Smaragdenlandes ausgerufen. Kaggi-Karr trat ihm ihre Vollmachten ab und begl�ckw�nschte ihn zur Wiedereinsetzung in das hohe Amt.</p><p>Der Scheuch dankte ihr ger�hrt f�r die unsch�tzbaren Dienste, die sie dem Land in der Zeit seiner Abwesenheit erwiesen hatte.</p><p>Seine Stimme bebte, als er die Gro�taten der Kr�he aufz�hlte.</p><p>�Ich stifte den Orden des Goldenen Zweiges', sagte er, �und als erste soll ihn unsere</p><p>liebe und hochverehrte Kaggi-Karr bekommen. Sobald wir Urfin besiegt haben, werden die besten Juweliere des Landes den Orden pr�gen und ihn mit den sch�nsten Diamanten besetzen, damit er auf dem Haupt unserer lieben Freundin erstrahle."</p><p>Kaggi-Karr war �ber diese Worte so ger�hrt, da� zwei Tr�nen aus ihren schwarzen �uglein kollerten. �Au�erdem", fuhr der Scheuch fort, �verspreche ich im Namen der Bewohner der Smaragdeninsel, da� in Erinnerung an die Verdienste Kaggi-Karrs einer jeden Kr�he in unserer Stadt herzlichste Gastfreundschaft zuteil werden soll!"</p><p>Dieses Versprechen wird auf der Smaragdeninsel bis auf den heutigen Tag gehalten.</p><subtitle>DAS ENDSPIEL</subtitle><p>Urfins Armee bewegte sich schnell auf das Violette Land zu. Die Marranen wichen kein einziges Mal vom Wege ab und machten keine Abstecher auf die naheliegenden Farmen, denn sie wollten so schnell wie m�glich ihre gefallenen Kameraden r�chen und einen �berfall des Feindes auf ihre Heimat vereiteln.</p><p>In den Kolonnen wurde weder gesprochen noch gesungen. Die Gesichter der Soldaten waren grimmig. Um die kriegerische Stimmung aufrechtzuerhalten und es zu vermeiden, da� die Marranen die Wahrheit erfuhren, hatte Urfin folgenden Befehl ausgegeben. �Mit dem Feind wird nicht verhandelt! Was euch im Wege steht, wird zerschlagen und zertr�mmert! Jeder Feind wird erbarmungslos get�tet!"</p><p>Eot Ling, der wie eine Ratte unter den von Ha� geblendeten Marranen schn�ffelte, konnte seinem Herrn jeden Abend hoffnungsvolle Meldungen machen: �Die Soldaten kochen vor Wut. Die werden alles kurz und klein schlagen. Sie drohen, f�r jeden Gefallenen hundert Feinde umzulegen!"</p><p>Urfin rieb sich die H�nde. Nach dem Sieg �ber die Zwinkerer wollte er mit seiner ganzen Streitmacht gen Westen ziehen und sich die Erzgr�ber und K�uer unterwerfen. Ich werde schon ein Mittel finden, den Drachen und Sechsf��ern beizukommen. Wehe dem, der es wagen sollte, sich mir in den Weg zu stellen!' dachte er. In der Ferne zeigten sich die violetten T�rme des Palastes, der vor unvordenklichen Zeiten erbaut worden war und viele Male den Besitzer gewechselt hatte. Als Bastinda sich des Palastes bem�chtigte, lie� sie ihn mit einer Mauer umgeben, die ein eisernes Tor hatte, das immer verschlossen war. Den Schl�ssel pflegte sie tags�ber in der Tasche zu tragen und nachts unter ihr Kissen zu legen.</p><p>Als der Eiserne Holzf�ller die Herrschaft im Violetten Lande �bernahm, befahl er, vor allem die Mauer zu schleifen und einen Park um den Palast anzupflanzen. Der Mann mit dem liebevollen Herzen brauchte seine Untertanen nicht zu f�rchten. Der Au�enschmuck des Palastes und der Anstrich wurden unter seiner Herrschaft sorgf�ltig gepflegt, und als die Marranen dieses sch�ne und friedliche Bauwerk sahen, mu�ten sie sich fragen: Wie konnten nur seine Bewohner die sch�ndlichen Missetaten begehen, von denen man uns erz�hlt hat?</p><p>Urfin lie� seinen Soldaten jedoch keine Zeit zum Nachdenken. �Vorw�rts, marsch, marsch!" kommandierte er. �Gep�ck am Stra�enrand ablegen! Ausschw�rmen und angreifen!" Einer Lawine gleich, w�lzte sich die Armee auf den Palast zu. Doch pl�tzlich verlangsamte sich ihr Schritt, die Reihen stockten.. Das hatte zwei Ursachen.</p><p>Die erste war ein tiefer Graben, dessen R�ckseite steinerne T�rmchen s�umten, aus deren Schie�scharten unz�hlige Pfeile ragten.</p><p>Die zweite Ursache war so verwunderlich, da� selbst der mit allen Wassern gewaschene Urfin, der seinerzeit in der Bibliothek der Smaragdenstadt eine Menge kriegsgeschichtlicher B�cher gelesen hatte, seinen Augen nicht traute: Im Lande der Zwinkerer wurde ein Wettspiel ausgetragen.</p><p>War das Heer des Holzf�llers und des Scheuchs so sehr von der Uneinnehmbarkeit der Befestigungen �berzeugt, da� es dem Feind keine Beachtung schenkte, oder brachten es die Spieler nicht �ber sich, den Wettkampf vorzeitig abzubrechen? Die Springer, die selbst leidenschaftliche Spieler waren, verstanden und sch�tzten solche Gef�hle. In unordentlichen Haufen dr�ngten sie sich vor den Graben und verfolgten, die Kn�ppel und Lanzen gesenkt, mit ungeheurem Interesse das Spiel, das ihnen v�llig unbekannt war.</p><p>Der Leser wird sich erinnern, da� Tim O'Kelli, der ein leidenschaftlicher Volleyballspieler war, einen Ball mitgenommen hatte. Wegen der vielen Abenteuer, in die das Schicksal ihn verstrickte, war er aber nicht dazugekommen, den Ball zu benutzen. Erst im Violetten Lande, wo er mit seinen Freunden lange Zeit auf den �berfall der Feinde warten mu�te, kam ihm der Ball wieder in den Sinn. Im Kampf, wenn man den Feind vor sich hat und seinen Mann stehen mu�, ist es wohl leicht, ein Held zu sein. Viel schwerer ist es, tagaus, tagein dazusitzen und zu warten, wann die Gefahr endlich hereinbricht.</p><p>Die F�hrer der Armee bemerkten, da� die Kampfstimmung der Zwinkerer nachlie�, da� die Leute mit jedem Tag tr�ger und tr�ger wurden. Tim dachte nach, wie man sie aufmuntern k�nnte, und verfiel auf das Volleyballspiel.</p><p>Er stellte mehrere Mannschaften auf, erkl�rte ihnen die Spielregeln und f�hrte etliche Trainings durch (das Netz hatten Zwinkererfrauen gekn�pft; es wurde nat�rlich viel niedriger aufgeh�ngt als in der gro�en Welt).</p><p>Zuerst wurden Ausscheidungsspiele ausgetragen, die gro�en Zuspruch fanden. Man spielte von fr�h bis sp�t und ging erst am Abend auseinander. Die Zahl der Spielbegeisterten wuchs von einem Tag zu dem anderen, und die Lederarbeiter mu�ten sich t�chtig anstrengen, um die Nachfrage nach neuen B�llen zu befriedigen. Es wurden Mannschaften mit h�chst wunderlichen Namen gebildet: �L�wen", �Lieblinge des Schicksals", �S�belzahntiger", �Wackere Burschen", �Fliegende Affen" und viele andere. Dann begann ein Turnier um die Landesmeisterschaft. Die Angst vor dem �berfall des Feindes war wie weggeblasen. Die Zwinkerer waren jetzt springlebendig, ja sie zwinkerten auch nicht mehr soviel wie fr�her, denn dazu reichte ihnen einfach nicht die Zeit.</p><p>Um den Spielplatz dr�ngten sich unz�hlige Fans. Tim war jetzt wieder guter Dinge. �Nicht umsonst sagte mein Vater, da� Sport eine famose Sache ist", dachte er vergn�gt. �Nat�rlich versteht er was davon, wo er doch in der Auswahl von Kansas gespielt hat!" Der Wettstreit, dem die Marranen zusahen, war wirklich fesselnd. Es war das Endspiel um die Landesmeisterschaf, das zwischen den �Fliegenden Affen" (Kapit�n: Din Gior) und �Anus Unbesiegbaren Freunden" (Kapit�n: Tim O'Kelli) ausgetragen wurde. Als die Springer ankamen, stand es gerade 13:13, und jede Mannschaft hoffte auf den Sieg. 14: 13. Die �Affen" in F�hrung!... 14: 14.</p><p>Sekunden sp�ter stand es 15: 14 zugunsten der �Unbesiegbaren"! Eine halbe Minute danach folgte der Ausgleich: 15: 15.</p><p>Selbst wenn der Himmel einst�rzen w�rde, h�tte in diesen spannenden Minuten niemand das Spiel verlassen?</p><p>Jede Mannschaft tat das �u�erste. Die Spieler zeigten Wunder an Geschicklichkeit. Sie sprangen hoch in die Luft, drehten sich wie Kreisel und nahmen die unwahrscheinlichsten B�lle.</p><p>Die Marranen jauchzten vor Begeisterung: Das war ein Spiel nach ihrer Art. Verz�ckt stellten sie sich vor, welche Spr�nge sie bei einem solchen Spiel vollf�hren und wie sie den Ball ins gegnerische Feld hineinschmettern w�rden! Bald hatten sich unter ihnen zwei Parteien gebildet, von denen eine den �Affen", die andere den �Unbesiegbaren" den Daumen dr�ckte. Man begann auch wieder Wetten zu schlie�en. Die Zuschauer quittierten jeden Schmetterball mit brausendem Beifall. 16: 15 - die �Unbesiegbaren" wieder in F�hrung. Noch ein Schlag, und sie hatten gewonnen! Aber was war das denn? Fassungslos gewahrten die Marranen eine vertraute Gestalt, die einen Spieler am Netz abl�ste. Es war kein anderer als Bois, ihr Bois, der angeblich erschlagene, den Schweinen zum Fra� vorgeworfene Bois! Ging das mit rechten Dingen zu? Ja, es war ihr Bois, der jetzt einen Schmetterball gl�nzend parierte..</p><p>Hatte sie der Gro�e Urfin zum besten gehalten? Oder hatte vielleicht der kleine h�lzerne Lump ihn selbst betrogen? Vielleicht war �berhaupt alles Lug und Trug?</p><p>Jetzt hatte ein Spieler den Ball so ungeschickt zugepa�t, da� die Zuschauer in schallendes Gel�chter ausbrachen.</p><p>17: 15! Die �Unbesiegbaren" hatten gewonnen, sie waren jetzt Landesmeister. Bois st�rzte auf den Graben zu, hinter dem er seine Landsleute erblickt hatte, begr��te sie herzlich �ber den Graben hinweg und machte ihnen Zeichen, herunterzukommen. Die Marranen erhoben die Augen zu Urfin. Zuerst waren es fragende, verst�ndnislose Blicke, die sie ihm zuwarfen, dann begannen ihre Augen zornig zu funkeln. Entsetzt schlug Urfin die H�nde vor die Augen, dann wandte er sich j�hlings um und ergriff die Flucht.</p><p>Er lief, stolperte und fiel, erhob sich und rannte weiter. Sein Herz h�mmerte zum Zerspringen, unausstehliche Angst zerri� seine Brust. Ihm schien, als sause ein Hagel von Steinen ihm nach, als� schwingen ergrimmte R�cher ihre schweren Keulen �ber seinen Kopf...</p><p>Indes hatte kein Marrane die Verfolgung des gest�rzten Gottes aufgenommen. In seinem R�cken donnerte es:</p><p>�L�gner! Gauner! Gemeiner Verleumder! Falscher Gott!" Das war das Ende. Der weise Karfax hatte sich in seiner Vorhersage nicht geirrt. Alle hatten sich von Urfin abgewandt, selbst der sanfte Meister Petz. Eine solche Schmach ist schlimmer als der Tod.</p><p>�ber den Graben wurden Bretter gelegt, �ber die die ehemaligen Feinde aufeinander zuliefen. Schon entstanden gemischte Volleyballmannschaften, B�lle flogen in die Luft und Rufe erklangen: �Schlag! ... Aus! ... Zu... "</p><p>Hannibal und C�sar aber scharrten mit den Hufen und schnaubten, ihre Herren zum Aufbruch mahnend.</p><p>Bald kam auch die Stunde, da die wunderbaren Maultiere Ann und Tim in sausendem Galopp nach Hause trugen.</p><empty-line/><p><emphasis>Otdych bei Moskau 1967-1969</emphasis></p><image l:href="#2"/></section><section><title><p>MEINE LIEBEN LESER!</p></title><empty-line/><p>Mit diesen Abenteuern Urfin Juices, der sich T�ckisch und schwindlerisch zum Feuergott ausriefen lie�, wollte ich die Geschichten �ber das Zauberland und seine wunderbaren Bewohner beenden. Da ich aber von euch viele Briefe bekomme, in denen ihr fragt, was aus den Helden geworden ist, entschlo� ich mich, erneut zur Feder zu greifen und ein f�nftes M�rchen zu schreiben.</p><p>Dieses M�rchen hei�t �Der gelbe Nebel". Darin werdet ihr den Scheuch und den Eisernen Holzf�ller, Ann und Tim, Charlie Black und die Kr�he Kaggi-Karr, den Drachen Oicho und ihre Kameraden wiederfinden. �ber das Zauberland ist ein Ungl�ck hereingebrochen. Arachna, eine Riesenhexe, hatte 5000 Jahre in einer H�hle der Weltumspannenden Berge geschlafen. Als sie erwachte, wollte sie sich das Zauberland unterwerfen und zu dessen Kaiserin ausrufen lassen. Die freiheitliebenden V�lker wiesen jedoch ihr Ansinnen zur�ck. Da beschwor sie einen giftigen gelben Nebel herauf, der das ganze Land �berzog.</p><p>Um Hilfe gebeten, nahmen Ann, Tim und der einbeinige Seemann, der zuf�llig wieder in Kansas weilte, den Kampf gegen die Hexe auf. Um der m�chtigen Zau berin eine ebenb�rtige Kraft entgegenzustellen, fertigte Charlie Black einen eisernen Riesen namens Tilli-Willi an. Nach einem langen und erbitterten Kampf, in dem das . Zauberland schier zugrunde ging, trug die Tapferkeit und Freundschaft unserer Helden den Sieg davon.</p><p>Mut und Freundschaft haben immer gesiegt. Sie werden auch in Zukunft aus jeder Pr�fung siegreich hervorgehen.</p><p><strong><emphasis>Alexander Wolkow</emphasis></strong></p><empty-line/></section></body><body name="notes"><title><p>&#x41F;&#x440;&#x438;&#x43C;&#x435;&#x447;&#x430;&#x43D;&#x438;&#x44F;</p></title><section id="n_1"><title><p>1</p></title><p>Das ist ausf�hrlich im Buch �Der Zauberer der Smaragdenstadt" geschildert worden.</p></section><section id="n_2"><title><p>2</p></title><p><emphasis>All das ist ausf�hrlich im Buch �Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten" beschrieben.</emphasis></p></section><section id="n_3"><title><p>3</p></title><p>*Das ist ausf�hrlich im Buch �<emphasis>Der Zauberer der Smaragdenstadt</emphasis>" erz�hlt worden.</p></section></body><binary id="cover" 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