<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>det_classic</genre><author><first-name>Agatha</first-name><last-name>Christie</last-name></author><book-title>Hercule Poirots Weihnachten</book-title><annotation><p>Eine Leiche zum Heiligen Abend, das ist nicht die feine englische Art... Der Alte war reich � und ein Ekel, das die ganze Familie tyrannisierte. Ein Motiv, ihn umzubringen, h�tte also jeder aus dem Clan gehabt. Poirots kleine graue Zellen m�ssen ganz sch�n arbeiten, bis klar ist, wer daf�r gesorgt hat, dass der Alte den Weg zur Erbschaft freigab... </p><empty-line/><p>Die Originalausgabe erschien unter dem Titel</p><p>HERCULE POIROT�S CHRISTMAS</p><p>� 1939 Agatha Christie Limited,</p><p>a Chorion Company.</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang></title-info><document-info><author><nickname>lange97</nickname></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2010-12-19">19.12.2010</date><id>facaf333-c7d6-43be-b8b0-8b76b1279609</id><version>1.0</version><history><p>1.0</p></history></document-info><publish-info><year>2009</year></publish-info></description><body><section><title><p><strong>22. Dezember </strong></p></title><p>Stephen schlug den Mantelkragen hoch, w�hrend er eilig �ber den Bahnsteig ging. Dichter Nebel h�llte den Bahnhof ein. Schwere Lokomotiven zischten und stie�en Rauchwolken in die raue, kalte Luft. Alles war schmutzig und voll von Ru�.</p><p>�Ein tr�bsinniges Land�, murmelte Stephen angewidert vor sich hin, �und eine trostlose Stadt!�</p><p>Seine erste Begeisterung �ber London, mit seinen Restaurants, seinen Gesch�ften und den gut angezogenen, h�bschen Frauen, hatte sich gelegt. Nun kam ihm die Stadt nur noch wie ein nassgl�nzender Rinnstein vor, unansehnlich, schmutzig braun.</p><p>Zu Hause, in S�dafrika. Er wurde pl�tzlich von einem heftigen Heimweh gepackt. Sonnenschein, blauer Himmel, G�rten voller Blumen � blaue Blumen �, Pelargonien, bunte Winden, die sich an jedem noch so �rmlichen Blockhaus rankten�</p><p>Und hier � Schmutz, Ru� und endlose, riesige Menschenmassen, Gedr�nge, Bewegung, Hektik. Gesch�ftige Ameisen, die st�ndig in ihrem Ameisenhaufen herumwimmelten. Sekundenlang dachte er: W�re ich doch nie hergekommen!</p><p>Dann aber fiel ihm der Grund seines Hierseins wieder ein. Hart pressten sich seine Lippen aufeinander. Nein, zum Teufel, er konnte nicht mehr zur�ck. Jahrelang hatte er diesen Vorsatz nun ausgebr�tet. Was er vorhatte, war seit langem zum Entschluss gereift, und er w�rde ihn jetzt durchf�hren.</p><p>Dieses vor�bergehende Z�gern, diese pl�tzliche innere Frage: �Wozu? Lohnt es sich �berhaupt? Warum die Vergangenheit wieder aufw�hlen, warum nicht alles vergeben und vergessen sein lassen?� � Das war Schw�che. Er war doch kein kleiner Junge mehr, den die Stimmung des Augenblicks einmal hierhin und dann wieder dorthin treiben konnte, sondern ein Mann von vierzig Jahren, bewusst und seiner selbst sicher. Er w�rde den Plan ausf�hren, um dessentwillen er nach England gekommen war.</p><p>Er stieg in den Zug und suchte einen Platz. Die Gep�cktr�ger hatte er entschieden abgewiesen und trug seinen Koffer selber. Der Zug war sehr voll. Kein Wunder, drei Tage vor Weihnachten. Stephen sah missmutig in die besetzten Abteile.</p><p>Menschen. Unfassbare Massen von Menschen. Und alle sahen so � wie hie� das Wort? � so grau, so verwaschen aus. Sie hatten keine eigenen Gesichter, sondern glichen einer dem anderen, wie Kaninchen oder Schafe. Manche schwatzten und lachten. Andere, dicke M�nner mittleren Alters, unterhielten sich knurrend, um nicht zu sagen: grunzend wie Schweine. Und sogar die jungen M�dchen, schlanke Gesch�pfe mit ovalen Gesichtern und rot geschminkten Lippen, wirkten entsetzlich gleichf�rmig.</p><p>Er dachte pl�tzlich sehns�chtig an das weite, offene Grasland zu Hause, an die sonnenwarme, einsame Landschaft�</p><p>Doch dann hielt er den Atem an, als er in ein neues Abteil blickte. Dieses M�dchen war anders. Schwarzes Haar, gebr�unte, gesunde Haut, Augen, in denen die Tiefe und Dunkelheit der Nacht lag � die schwerm�tigen, stolzen Augen des S�dens. Irgendwie mutete es ganz verkehrt an, dass das M�dchen inmitten dieser grauen Menschen sa� und in das nasskalte, graue Mittelengland fuhr. Sie h�tte auf einem Balkon sitzen sollen, eine Rose zwischen den Lippen, ein St�ck schwarze Spitze um den sch�nen Kopf geschlungen, und Staub und Hitze h�tte sich rings um sie mit Blutgeruch vermischen m�ssen � die Atmosph�re der Stierkampfarena �, aber in einen englischen Drittklasswagen geh�rte sie nie und nimmer.</p><p>Er war ein guter Beobachter. Die �rmlichkeit ihres d�nnen schwarzen M�ntelchens, die billige Qualit�t der Baumwollhandschuhe und der Schuhe entgingen ihm ebenso wenig wie die sch�bige Eleganz der feuerroten Handtasche. Trotzdem empfand er ihre Erscheinung als auffallend sch�n. Sie war h�bsch, zart und exotisch.</p><p>Was um alles in der Welt tat sie in diesem Land der Nebelschwaden, kalten Winde und emsigen Ameisen?</p><p>Ich muss herausbekommen, wer sie ist und was sie hier tut, d�chte er. Ich muss es unbedingt wissen.</p><p>Pilar sa� eng in die Fensterecke gedr�ckt und dachte, wie eigenartig dieses England doch rieche. Das war ihr bis dahin am meisten aufgefallen an England � dieser merkw�rdige Geruch. Es roch nicht nach Knoblauch, auch nicht nach Staub und kaum nach Parf�m. In diesem Eisenbahnwagen zum Beispiel roch es nach abgestandener, kalter Luft � wie in allen Z�gen �, und zu dem Geruch nach Seife gesellte sich noch ein anderer, weit unangenehmerer, der offensichtlich aus dem Pelzkragen der dicken Frau neben ihr aufstieg. Pilar schnupperte unauff�llig und atmete den Geruch von Mottenkugeln ein. Wie konnte man sich nur mit so etwas parf�mieren, dachte sie erstaunt.</p><p>Ein Pfeifsignal, eine schrille Stimme, die irgendeinen Befehl schrie, und der Zug rollte langsam aus der Halle. Nun war sie also unterwegs.</p><p>Ihr Herz klopfte schneller. W�rde alles gut gehen? W�rde sie erreichen, was sie sich vorgenommen hatte? Sicher! Ganz sicher! Sie hatte doch alles so sorgf�ltig �berlegt. Sie war auf jede M�glichkeit vorbereitet. O ja, sie w�rde, sie musste Erfolg haben!</p><p>Pilars sch�n geschwungene Lippen verzogen sich pl�tzlich. Mit einem Schlag wurde der Mund grausam. Grausam und l�stern � wie der eines Kindes oder einer jungen Katze �, ein Mund, der nur seine eigenen Begierden kannte und der nichts von Mitleid wusste.</p><p>Sie betrachtete die Menschen ringsum mit der Neugier eines Kindes. Komisch sahen sie alle aus, diese Engl�nder. Beg�tert, erfolgreich, jedenfalls nach ihren Schuhen und Kleidern zu schlie�en. Zweifellos war England ein sehr reiches Land, das hatte sie ja immer sagen h�ren. Aber fr�hlich waren diese Leute nicht, ganz und gar nicht fr�hlich.</p><p>Im Seitengang stand ein h�bscher Mann. Pilar fand ihn ausgesprochen h�bsch. Sein tief braunes Gesicht mit der scharf geschnittenen Nase und die breiten Schultern gefielen ihr. Viel rascher als jede junge Engl�nderin so etwas bemerkt h�tte, waren Pilar die bewundernden Blicke des Mannes aufgefallen, ohne dass sie je direkt in seine Richtung sah.</p><p>Nicht, dass diese Tatsache sie sonderlich erregt h�tte. Sie kam aus einem Land, wo M�nner Frauen unverhohlen bewundernd betrachten d�rfen. Sie fragte sich, ob er wohl Engl�nder sei.</p><p>Nein, dazu ist er viel zu lebendig, zu real, entschied sie. Andererseits ist er fast blond. Wahrscheinlich ein Amerikaner. Tats�chlich erinnerte er sie an einige der Helden aus Wildwestfilmen.</p><p>Ein Kellner schob sich durch den Seitengang.</p><p>�Erstes Mittagessen! Bitte Platz zu nehmen zum ersten Mittagessen!�</p><p>Die sieben Mitreisenden aus Pilars Coupe, die alle Karten f�r das erste Mittagessen hatten, erhoben sich wie ein Mann, und pl�tzlich war das Abteil leer und still.</p><p>Als Erstes schob Pilar das Fenster zu, das von einer kriegerisch aussehenden grauhaarigen Dame einige Zentimeter ge�ffnet worden war. Dann kuschelte sie sich behaglich in die Fensterecke und lie� die n�rdlichen Vorst�dte Londons an sich vorbeiziehen. Als die T�r zu ihrem Abteil aufging, brauchte sie nicht einmal den Kopf zu wenden, um zu wissen, dass nun der Mann aus dem Korridor hereingekommen war, um sie anzusprechen.</p><p>Sie fuhr fort, gedankenverloren aus dem Fenster zu sehen.</p><p>�Soll ich es vielleicht herunterlassen?�, fragte Stephen.</p><p>Pilar antwortete mit damenhafter Zur�ckhaltung: �Im Gegenteil. Ich habe es eben erst zugemacht.�</p><p>Sie sprach flie�end Englisch, aber mit einem leichten Akzent.</p><p>W�hrend des Schweigens, das nun eintrat, dachte Stephen: eine s��e Stimme. Sonne liegt darin, die W�rme einer Sommernacht.</p><p>Pilar dachte: Ich mag seine Stimme. Eine kraftvolle, sch�ne Stimme. Er sieht �berhaupt gut aus � au�erordentlich gut sogar.</p><p>�Der Zug ist ziemlich �berf�llt�, sagte Stephen.</p><p>�Allerdings. Die Leute fahren aus London fort, wahrscheinlich weil es dort so schwarz ist.�</p><p>Pilar war nicht in dem Glauben erzogen worden, mit unbekannten M�nnern zu sprechen sei ein Verbrechen. Sie konnte sehr gut auf sich aufpassen, aber ein strenger Sittenkodex war ihr fremd.</p><p>W�re Stephen in England aufgewachsen, dann h�tte er sich vermutlich bei diesem Gespr�ch mit einer jungen Frau denkbar unbehaglich gef�hlt. Aber Stephen war ein liebensw�rdiger Mensch, und so fand er es durchaus nat�rlich, dass man miteinander redete, wenn man Lust dazu hatte.</p><p>Er l�chelte verst�ndnisinnig. �London ist eine gr�ssliche Stadt, oder finden Sie das vielleicht nicht?�</p><p>�O doch! Ich mag sie gar nicht.� Pilar sah ihn an. �Sie sind kein Engl�nder, nicht wahr?�</p><p>�Ich bin Brite, aber aus S�dafrika.�</p><p>�Ach so. Das erkl�rt alles.�</p><p>�Und Sie kommen auch aus dem Ausland?�</p><p>Pilar nickte. �Ich komme aus Spanien.�</p><p>�Aus Spanien?� Stephen war sehr interessiert. �Dann sind Sie also Spanierin?�</p><p>�Halb und halb. Meine Mutter war Engl�nderin. Deshalb spreche ich Englisch.�</p><p>�Wie steht es mit dem Krieg in Spanien?�</p><p>�Es ist schrecklich, sehr, sehr traurig. So viele Zerst�rungen �berall.�</p><p>�Auf welcher Seite stehen Sie?�</p><p>Pilars politische Anschauungen schienen reichlich unklar zu sein. In dem Dorf, aus welchem sie komme, erkl�rte sie, habe sich niemand viel um den Krieg gek�mmert. �Er spielt sich nicht in unserer N�he ab, wissen Sie. Der B�rgermeister ist nat�rlich ein Regierungsbeamter, und der Pfarrer ist f�r General Franco, aber die meisten Leute haben mit ihren Weinbergen und den Feldern zu tun und zerbrechen sich nicht den Kopf �ber solche Fragen.�</p><p>�Also haben Sie keine direkten Kampfhandlungen erlebt?�</p><p>�Daheim nicht. Aber dann fuhr ich im Auto durch das Land, und dort sah ich viele Zerst�rungen. Und eine Bombe kam herunter, direkt auf ein anderes Auto, und eine zweite fiel in ein Wohnhaus. Es war alles sehr aufregend.�</p><p>Stephen l�chelte verstohlen.</p><p>�Aufregend ist es Ihnen vorgekommen?�</p><p>�Ja, aber auch �rgerlich. Weil ich doch vorw�rts kommen wollte, und dann wurde der Chauffeur meines Wagens get�tet.�</p><p>�Und hat Sie das nicht sehr bek�mmert?�</p><p>Pilars gro�e dunkle Augen weiteten sich erstaunt. �Jeder muss einmal sterben. Wenn es so schnell geschieht, aus heiterem Himmel � bums! �, dann ist das ein ebenso sch�ner Tod wie jeder andere. Eine Zeit lang lebt man, und dann ist man tot. Das ist der Lauf der Welt.�</p><p>Stephen lachte. �Pazifistin sind Sie also nicht.�</p><p>�Ich bin keine � was?� Das Wort war noch nicht in Pilars Vokabular gedrungen.</p><p>�Sie vergeben Ihren Feinden nicht, Se�orita?�</p><p>Pilar sch�ttelte den Kopf. �Ich habe keine Feinde, aber wenn ich welche h�tte��</p><p>Er betrachtete sie, von neuem gefesselt von dem grausam emporgezogenen Mund.</p><p>�Wenn ich einen Feind h�tte, der mich hasste und den ich hassen w�rde, dann w�rde ich ihm die Gurgel durchschneiden � so!� Sie unterstrich ihren Gedanken mit einer beredten Bewegung.</p><p>Diese schnelle, erbarmungslose Geste lie� Stephen sekundenlang zur�ckfahren. �Sie sind eine blutr�nstige junge Frau.�</p><p>�Was w�rden denn Sie einem Feind antun?�, fragte Pilar sachlich.</p><p>Er sah sie verbl�fft an, musste dann lachen und sagte: �Ich wei� es nicht� Ich wei� es wirklich nicht.�</p><p>Pilar blickte ihn missbilligend an. �Aber das m�ssen Sie doch wissen.�</p><p>Er h�rte zu lachen auf, holte tief Atem und sagte leise: �Ja. Ich wei� es��</p><p>Dann wechselte er rasch das Thema und fragte obenhin: �Was hat Sie denn nach England gef�hrt?�</p><p>�Ich besuche meine englischen Verwandten�, antwortete Pilar, nun wieder etwas zur�ckhaltender.</p><p>Stephen lehnte sich in seinem Sitz zur�ck und stellte sich vor, wer ihre Verwandten wohl sein mochten und wie sich dieses hei�bl�tige Gesch�pf inmitten eines steifen englischen Familienkreises beim Weihnachtsfest ausnehmen werde.</p><p>�S�dafrika muss sch�n sein�, sagte Pilar pl�tzlich.</p><p>Er begann von S�dafrika zu erz�hlen. Sie h�rte ihm freudig gespannt zu wie ein Kind, dem man M�rchen erz�hlt. Ihre naiven, aber scharfsinnigen Fragen am�sierten ihn, und er machte sich einen Spa� daraus, seine Schilderungen bunt und packend zu gestalten.</p><p>Die R�ckkehr der eigentlichen Platzinhaber des Abteils bereitete ihrer Unterhaltung ein Ende. Stephen erhob sich, l�chelte ihr zu und trat wieder in den Seitengang hinaus.</p><p>Als er etwas sp�ter unter die Abteilt�r treten musste, um einer alten Dame Platz zu machen, fielen seine Blicke zuf�llig auf das Etikett an Pilars fremdl�ndisch anmutendem Strohkoffer. Schnell und interessiert las er den Namen: Miss Pilar Estravados. Doch als er auch die Adresse gelesen hatte, weiteten sich seine Augen in ungl�ubigem Erstaunen � Gorston Hall, Longdale, Addlesfield.</p><p>Er starrte das M�dchen an, als h�tte er es noch nie gesehen. Verbl�ffung, Ver�rgerung, Misstrauen spiegelten sich in seinen Augen.</p><p>W�hrend er drau�en im Korridor eine Zigarette rauchte, war seine Stirne tief gerunzelt�</p><p>Im gro�en, in den Farben Blau und Gold gehaltenen Wohnzimmer von Gorston Hall sa�en Alfred Lee und Lydia, seine Frau, und machten Pl�ne f�r Weihnachten. Alfred war ein etwas vierschr�tiger Mann mittleren Alters mit einem angenehmen Gesicht und sanften braunen Augen. Seine Stimme klang ruhig und sicher, und er sprach �berlegen und deutlich. Gerade jetzt war sein Kopf tief zwischen die Schultern gezogen, und das gab seiner Haltung etwas unbeweglich Starres. Lydia sah aus wie ein edles, kraftvolles Rennpferd. Sie war erstaunlich schlank, und ihre Bewegungen hatten eine nerv�se Grazie. Sch�n konnte man ihr hageres Gesicht nicht nennen, aber es wirkte distinguiert, und ihre Stimme war bezaubernd.</p><p>�Vater besteht darauf�, sagte Alfred eben, �und da kann man gar nichts machen.�</p><p>Lydia wollte auffahren, beherrschte sich aber. �Musst du ihm denn immer nachgeben?�, fragte sie.</p><p>�Er ist ein sehr alter Mann, meine Liebe��</p><p>�Ja, ich wei�! Ich wei�!�</p><p>�Er nimmt es f�r selbstverst�ndlich, dass alles nach seinem Willen geht.�</p><p>�Begreiflich! Es war ja immer so�, erwiderte Lydia trocken. �Aber fr�her oder sp�ter wirst du doch einmal Widerstand leisten m�ssen, Alfred.�</p><p>�Was willst du damit sagen, Lydia?�</p><p>Sie zuckte die zarten Schultern und versuchte ihre Worte sehr sorgf�ltig zu w�hlen. �Nun, dein Vater hat manchmal recht tyrannische Anwandlungen. Und je �lter er wird, desto herrschs�chtiger wird er. Wo soll das enden? Schon jetzt schreibt er uns unser Leben vor. Wir k�nnen nie von uns aus etwas beschlie�en, und wenn wir es trotzdem einmal tun, regt er sich auf.�</p><p>�Vater ist eben gewohnt, immer der Erste zu sein. Er ist sehr gut zu uns, vergiss das nicht.� Alfred sagte dies mit harter Unnachgiebigkeit.</p><p>�Finanziell, meinst du?�, fragte Lydia ruhig.</p><p>�Ja. Er selber ist ziemlich anspruchslos; aber noch nie hat er uns das Geld vorgeworfen, das wir ausgeben. Du darfst an Kleidern oder Einrichtungen f�r dieses Haus anschaffen, was du nur willst, und die Rechnungen werden anstandslos bezahlt. Erst letzte Woche hat er uns den neuen Wagen gekauft.�</p><p>�Ich gebe zu, dass er in Gelddingen sehr gro�z�gig ist. Aber er erwartet, dass wir uns wie seine Sklaven benehmen.�</p><p>�Sklaven?�</p><p>�Jawohl, so sagte ich. Du bist sein Sklave, Alfred. Wenn wir eine Reise planen und dein Vater pl�tzlich w�nscht, dass wir hier bleiben sollen, dann sagst du alles ab und bleibst. Wenn ihn aber zuf�llig die Laune packt, uns wegzuschicken, dann gehen wir. Es gibt f�r uns kein eigenes Leben, keine Unabh�ngigkeit.�</p><p>�Bitte, Lydia, red nicht so!�, sagte Alfred verzweifelt. �Es ist wirklich undankbar. Mein Vater hat alles f�r uns getan.�</p><p>Lydia unterdr�ckte die Antwort, die schon auf ihren Lippen lag, und zuckte nur wieder die schmalen Schultern.</p><p>�Vater hat dich n�mlich wirklich sehr gern, Lydia��</p><p>Klar kam die Antwort: �Ich kann ihn nicht ausstehen.�</p><p>�Lydia! Wie kannst du das sagen! Es ist so lieblos. Wenn Vater das w�sste.�</p><p>�Dein Vater wei� ganz genau, dass ich ihn nicht mag. Ich glaube, es am�siert ihn.�</p><p>�Nein, da irrst du dich, ganz bestimmt! Er hat mir oft gesagt, wie reizend du immer zu ihm seist.�</p><p>�Nat�rlich bin ich h�flich zu ihm, werde es immer sein. Meine ehrlichen Gef�hle sage ich nur dir. Ich kann deinen Vater nicht ausstehen, Alfred. F�r mich ist er ein alter, tyrannischer, b�ser Mann. Dich sch�chtert er einfach ein und erwartet daf�r noch deine Kindesliebe. Schon vor Jahren h�ttest du dich dagegen auflehnen sollen.�</p><p>�Das gen�gt, Lydia.�, sagte Alfred scharf. �Bitte, red nicht mehr in diesem Ton weiter.�</p><p>Sie seufzte. �Verzeih, vielleicht habe ich Unrecht. Also, sprechen wir von den Weihnachtsvorbereitungen. Glaubst du, dass dein Bruder David wirklich kommt?�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>Sie wiegte zweifelnd den Kopf hin und her. �David ist ein komischer Kauz. Er hat so sehr an eurer Mutter gehangen - und jetzt mag er das Haus nicht mehr leiden.�</p><p>�David ist Vater immer auf die Nerven gegangen�, sagte Alfred, �mit seiner Musik und seinen Tr�umereien. Dabei war Vater sicher manchmal zu streng mit ihm. Aber ich glaube, dass Hilda und David dennoch kommen werden. Wegen Weihnachten, wei�t du?�</p><p>�Friede und den Menschen ein Wohlgefallen.�, zitierte Lydia ironisch. �Wir werden ja sehen. Magdalene und George kommen jedenfalls, wahrscheinlich morgen, haben sie geschrieben. Ich f�rchte, Magdalene wird sich entsetzlich langweilen.�</p><p>�Warum mein Bruder ein M�dchen heiraten musste, das zwanzig Jahre j�nger ist als er�, warf Alfred ein wenig gereizt ein, �wird mir ewig ein R�tsel bleiben. George ist und bleibt ein Narr.�</p><p>�Aber er macht Karriere�, sagte Lydia. �Seine W�hler lieben ihn. Ich glaube, dass Magdalene ihm bei seiner politischen Arbeit ziemlich viel hilft.�</p><p>�Ich mag sie nicht sonderlich�, murmelte Alfred. �Sie sieht sehr gut aus, aber manchmal werde ich das Gef�hl nicht los, sie sei wie eine jener Birnen mit der rosigen Haut und dem flaumigen Schimmer�� Er brach ab.</p><p>�Die innen dann faul sind?�, beendete Lydia seinen Satz fragend. �Komisch, dass du das sagst. Du bist doch sonst so umg�nglich und sagst nie etwas Abf�lliges �ber jemanden. Manchmal regt mich das f�rmlich auf, weil mich d�nkt, du seist nicht � wie soll ich mich ausdr�cken �, nicht misstrauisch, nicht weltgewandt genug!�</p><p>Ihr Gatte l�chelte. �Die Welt, glaube ich, ist immer so, wie man sie selber sieht.�</p><p>�Nein�, antwortete Lydia scharf. �Das B�se lebt nicht nur in unseren Gedanken. Das B�se existiert. Du scheinst das nicht zu wissen � ich wei� es! Ich f�hle es, habe es immer gef�hlt � in diesem Haus�� Sie biss sich auf die Lippen und wandte sich ab.</p><p>Doch ehe Alfred etwas antworten konnte, hob sie warnend die Hand und sah �ber seine Schulter. Hinter Alfred stand ein dunkler Mann mit glatt rasiertem Gesicht in ehrerbietiger Haltung.</p><p>�Was gibt�s, Horbury?�, fragte Lydia kurz.</p><p>Horbury sprach sehr leise, so dass es eher ein Murmeln war.</p><p>�Mr Lee hat mir aufgetragen, Ihnen auszurichten, Madame, dass noch zwei weitere G�ste zum Weihnachtsfest kommen, und Sie zu bitten, Zimmer f�r sie bereitmachen zu lassen.�</p><p>�Zwei weitere G�ste?�</p><p>�Jawohl, Madame � ein Herr und eine junge Dame.�</p><p>�Eine junge Dame?�, fragte Alfred verwundert.</p><p>�So hat es mir Mr Lee aufgetragen�, best�tigte Horbury.</p><p>�Ich gehe zu ihm hinauf�, sagte Lydia schnell.</p><p>Doch eine kleine, kaum wahrnehmbare Bewegung von Horbury, die Andeutung eines Schritts nach vorn, hielt sie auf.</p><p>�Verzeihung, Madame, aber Mr Lee h�lt gerade sein Nachmittagsschl�fchen. Er w�nschte ausdr�cklich, nicht gest�rt zu werden.�</p><p>�Ach so�, fiel Alfred ein, �dann werden wir ihn selbstverst�ndlich nicht wecken.�</p><p>�Danke, Sir.� Horbury ging hinaus.</p><p>�Wie ich den Kerl hasse!�, brach Lydia aus. �Schleicht durch das Haus wie eine Katze. Nie h�rt man ihn kommen oder gehen.�</p><p>�Mir ist er auch nicht sympathisch, aber er versteht seinen Beruf. Es ist gar nicht so leicht, einen guten Diener und Krankenpfleger zu finden. Und Vater hat ihn gern, das ist die Hauptsache.�</p><p>�Das ist die Hauptsache, sehr richtig! Aber wer kann die junge Dame sein, Alfred?�</p><p>�Keine Ahnung. Ich kann es mir wirklich nicht vorstellen.�</p><p>Eine Weile blickten sich die beiden schweigend an. Dann kr�uselten sich Lydias ausdrucksvolle Lippen ein wenig. �Wei�t du, was ich glaube, Alfred? Vermutlich hat sich dein Vater in letzter Zeit ziemlich gelangweilt, und nun plant er irgendeine Weihnachts�berraschung f�r sich.�</p><p>�Indem er zwei Fremde zu einem Familienfest einl�dt?�</p><p>�Nun, die Einzelheiten kenne ich nicht, aber ich habe das Gef�hl, dass dein Vater Abwechslung sucht.�</p><p>�Hoffentlich macht ihm die Sache dann auch wirklich Spa߻, sagte Alfred ernst. �Armer alter Mann, und erst noch invalide - nach dem abenteuerlichen Leben, das er fr�her gef�hrt hat.�</p><p>�Nach dem abenteuerlichen Leben, das er fr�her gef�hrt hat�, wiederholte Lydia langsam. Die Pause, die sie vor dem Eigenschaftswort machte, gab dem Satz eine besondere, d�stere Bedeutung. Alfred schien das zu sp�ren, denn er err�tete und sah ungl�cklich aus.</p><p>Sie rief pl�tzlich unbeherrscht: �Wie er jemals einen Sohn wie dich haben konnte, ist mir schleierhaft! Ihr seid zwei vollkommen entgegengesetzte Pole! Und dabei fasziniert er dich, du verehrst ihn!�</p><p>Alfred war nun wirklich ver�rgert. �Du gehst ein bisschen zu weit, Lydia. Es ist nat�rlich, dass ein Sohn seinen Vater liebt. Unnat�rlich w�re nur, wenn er das nicht t�te.�</p><p>�Dann sind die meisten Mitglieder dieser Familie unnat�rlich�, sagte Lydia langsam. �Ach, entschuldige, jetzt habe ich deine Gef�hle verletzt, ich wei�! Das wollte ich nicht, Alfred, bitte glaub mir das. Ich bewundere dich sehr um deiner, deiner Treue willen. Treue ist sehr selten in unseren Tagen. Vielleicht bin ich eifers�chtig! Man sagt doch, Frauen seien immer auf ihre Schwiegerm�tter eifers�chtig � warum nicht auch auf ihre Schwiegerv�ter?�</p><p>Er legte z�rtlich den Arm um sie. �Deine Zunge geht wieder einmal mit dir durch, Liebling. Du hast wei� Gott keine Ursache, eifers�chtig zu sein.�</p><p>Sie k�sste ihn schnell und reuevoll auf das Ohrl�ppchen. Es war eine zarte Liebkosung.</p><p>�Ich wei�, Alfred. Und dennoch glaube ich, dass ich auf deine Mutter nie eifers�chtig gewesen w�re. Ich w�nschte, ich h�tte sie gekannt.�</p><p>Er seufzte. �Sie war eine arme Kreatur.�</p><p>Seine Frau sah ihn gro� an. �So hast du sie gesehen, als eine arme Kreatur. Seltsam.�</p><p>�Ich habe sie fast nur krank gekannt�, sagte er vertr�umt. �Sie hat viel geweint.� Er sch�ttelte den Kopf. �Nein, sie hatte keinen Mut.�</p><p>Noch immer sah sie ihn voll an und murmelte leise: �Merkw�rdig��</p><p>Aber als er sich ihr fragend zuwandte, wechselte sie das Thema. �Wenn wir also nicht erfahren d�rfen, wer unsere geheimnisvollen G�ste sind, dann gehe ich hinaus und mache meine Gartenarbeit fertig.�</p><p>�Es ist sehr kalt, Liebling, der Wind ist eisig.�</p><p>�Ich werde mich warm anziehen.�</p><p>Alfred sah ihr nach, als sie hinausging, blieb eine Weile reglos stehen, in tiefes Nachdenken versunken, und trat dann an das gro�e Fenster. Eine Terrasse zog sich an der L�ngsseite des Hauses hin. Nach ein, zwei Minuten erschien Lydia, in einen dicken Wollmantel geh�llt, einen flachen Korb in der Hand, und machte sich an einer kleinen, viereckigen Grube zu schaffen. Ihr Mann sah ihr einen Augenblick zu. Dann verlie� auch er das Zimmer, holte sich einen Mantel und ging seinerseits durch eine Seitent�r auf die Terrasse hinaus. W�hrend er zu Lydia hin�berging, kam er an zahlreichen steinumrandeten Erdvertiefungen vorbei, lauter kleinen Miniaturg�rten, die alle das Werk von Lydias geschickten H�nden waren.</p><p>Einer davon stellte eine W�stenlandschaft dar: gelber Sand, ein kleiner Palmenhain, eine Kamelkarawane mit zwei winzigen arabischen Treibern. Aus Plastilin waren Lehmh�tten nachgebildet worden. Dann gab es einen italienischen Garten mit Terrassen und kunstvollen Blumenbeeten, in denen eine ganze Bl�tenpracht aus Siegellack-Blumen leuchtete. Ein anderer der kleinen G�rten zeigte eine Polarlandschaft mit gr�nen Glasst�cken als Eisberge und Gruppen von Pinguinen. Auch ein japanischer Garten fehlte nicht: Kleine, verkr�ppelte B�umchen standen darin, Glasscheiben stellten Teiche dar, �ber die sich Br�cken schwangen, von Lydia ebenfalls aus Plastilin angefertigt.</p><p>Alfred sah ihr zu. Sie hatte in die kleine Grube blaues Papier gelegt und es mit Glas bedeckt. Ringsum ragten Felsbl�cke auf. In diesem Augenblick sch�ttete sie groben Schotter aus, um ein Ufer daraus zu bilden. Zwischen den gro�en Steinen standen ein paar kleine Kaktuspflanzen.</p><p>�Ja, genauso habe ich es mir vorgestellt, ganz genauso�, murmelte Lydia vor sich hin.</p><p>�Was stellt dein neuestes Kunstwerk dar?�, fragte Alfred.</p><p>Sie erschrak, denn sie hatte ihn nicht kommen h�ren.</p><p>�Das? Das Tote Meer, Alfred. Gef�llt es dir?�</p><p>�Ist es nicht ein wenig zu d�rr und unfruchtbar? Ich meine, sollte die Vegetation nicht etwas reicher sein?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Nein, so stelle ich mir das Tote Meer vor � wirklich tot, wei�t du.�</p><p>Schritte auf der Terrasse. Ein �lterer, wei�haariger Butler kam leicht gebeugt auf sie zu.</p><p>�Mrs George Lee ist am Telefon, <emphasis>madam. </emphasis>Sie l�sst fragen, ob es Ihnen passen w�rde, wenn sie und Mr George mit dem F�nf-Uhr-zwanzig-Zug k�men.�</p><p>�Ja, sagen Sie ihr, das sei uns sehr recht.�</p><p>Der Butler verschwand. Lydia sah ihm mit einem fast liebevollen Blick nach. �Guter alter Tressilian. Ich wei� nicht, was wir ohne ihn t�ten.�</p><p>�Ja�, stimmte ihr Alfred bei, �er ist noch einer von der alten Schule. Vierzig Jahre ist er nun schon bei uns, und ich glaube, er liebt uns alle, jeden Einzelnen.�</p><p>Lydia nickte. �Ich glaube, er w�rde sich um Ehre und Seligkeit l�gen, wenn es darum ginge, jemanden der Familie zu sch�tzen.�</p><p>�Das w�rde er�, sagte Alfred leise, �ich glaube, das w�rde er wirklich.�</p><p>Lydia ebnete ihren Kieselsteinstrand und sagte dann: �So, jetzt ist es bereit.�</p><p>�Bereit? Wof�r?�, fragte Alfred erstaunt.</p><p>�F�r Weihnachten, du Dummer�, lachte sie. �F�r unser gef�hlvolles Familienfest.�</p><p>David las den Brief. Darauf ballte er erst das Blatt Papier zu einem Klumpen zusammen und warf es weg, dann holte er den Kn�uel wieder, gl�ttete den Bogen sorgf�ltig und las ihn noch einmal durch.</p><p>Seine Frau, Hilda, sah ihm wortlos zu. Sie bemerkte den zuckenden Muskel (oder war es ein Nerv?) an seiner Schl�fe, das leise Zittern der langen, ausdrucksvollen H�nde und die nerv�se Angespanntheit seines K�rpers. Als er wieder einmal die Str�hne blonden Haars aus der Stirn strich und zu ihr hin�bersah, war sie ruhig und gefasst.</p><p>�Hilda, was sollen wir tun?�</p><p>Hilda z�gerte lange, ehe sie antwortete. Sie hatte den Hilferuf vernommen, und sie wusste, wie abh�ngig David von ihr war, immer schon, seit dem Tag ihrer Hochzeit, sie wusste, dass sie seinen letzten Entschluss ma�geblich beeinflussen konnte. Aber gerade deshalb scheute sie davor zur�ck, irgendetwas Endg�ltiges zu sagen.</p><p>Ihre Stimme klang weich und z�rtlich, als ob sie zu einem Kind spr�che.</p><p>�Das kommt ganz darauf an, wie dir zumute ist, David.�</p><p>Hilda war eine stattliche Frau, nicht sch�n, aber irgendwie anziehend. Sie erinnerte an die Frauenbilder niederl�ndischer Meister. Ihre Stimme war warm und voll. Sie wirkte kr�ftig, ruhig und verf�gte �ber jene vitale Sicherheit, die schwache Menschen unweigerlich anzieht. Eine etwas zu dicke, nicht gro�e Frau mittleren Alters, nicht intelligent, nicht charmant, aber dennoch jemand, den man unm�glich �bersehen konnte. Hilda Lee hatte Kraft!</p><p>David stand auf und begann im Zimmer auf und ab zu gehen. Sein Haar wies noch keinen grauen Schimmer auf, und sein Gesicht wirkte unwahrscheinlich knabenhaft.</p><p>�Du wei�t, wie mir zumute ist, Hilda, du musst es wissen�, sagte er ernst.</p><p>�Ich bin nicht so sicher.�</p><p>�Aber ich habe es dir doch oft und oft gesagt. Wie ich alles hasse � dieses Haus und die Landschaft und alles. Es bringt nur das alte Elend wieder zur�ck. Ich war keine Stunde gl�cklich dort, keine Einzige. Wenn ich daran denke � wie sehr sie litt � meine Mutter.�</p><p>Seine Frau nickte ihm beruhigend zu.</p><p>�Sie war so lieb, Hilda, und so geduldig. Wie sie dalag, oft mit gro�en Schmerzen, immer geduldig, immer ergeben. Und wenn ich an meinen Vater denke.� Sein Gesicht verdunkelte sich. �Wie elend er sie machte, wie er sie dem�tigte, indem er mit seinen Liebesabenteuern prahlte, wie er sie dauernd betrog und es nicht einmal zu verbergen suchte!�</p><p>�Sie h�tte es nicht auf sich nehmen, sie h�tte ihn verlassen sollen�, sagte Hilda.</p><p>�Dazu war sie zu gut�, wies er sie mit leisem Tadel zurecht. �Sie hielt es f�r ihre Pflicht, auszuharren. Au�erdem � dort war ihr Zuhause. Wohin h�tte sie gehen sollen?�</p><p>�Sie h�tte sich ein eigenes Leben aufbauen k�nnen.�</p><p>�Zu jener Zeit? Ausgeschlossen!�, erwiderte er gereizt. �Das verstehst du nicht. Frauen benahmen sich damals anders. Sie nahmen ihre Last auf sich, sie ertrugen vieles mit Geduld. Und dann hatte sie auf uns R�cksicht zu nehmen. Wenn sie sich von Vater h�tte scheiden lassen, was w�re geschehen? Vermutlich h�tte er sofort wieder geheiratet, und daraus w�re vielleicht eine zweite Familie entstanden. Damit w�ren <emphasis>unsere </emphasis>Interessen wahrscheinlich aufs Spiel gesetzt worden, und auch das musste Mutter damals in Erw�gung ziehen.�</p><p>Hilda blieb stumm.</p><p>�Nein, sie tat das Richtige. Sie war eine Heilige. Sie trug ihr bitteres Los ohne Klagen � bis zum Ende.�</p><p>�Doch wohl nicht ganz, ohne zu klagen, David�, wandte Hilda ein. �Sonst k�nntest du nicht soviel von ihren Leiden wissen.�</p><p>Sein Gesicht erhellte sich, und er sagte weich: �Ja, sie hat mir manches anvertraut. Weil sie wusste, wie sehr ich sie liebte. Und als sie starb�� Er unterbrach sich. Seine Hand fuhr durch sein Haar. �Hilda, es war entsetzlich! Dieses Leid! Sie war noch jung, sie h�tte nicht sterben m�ssen. Er brachte sie um � mein Vater! Er war schuld an ihrem Tod, er hat ihr das Herz gebrochen. Damals fasste ich den Entschluss, nie wieder in seinem Haus zu wohnen. Ich lief fort � fort von allem.�</p><p>�Das war sehr gut�, stimmte sie ihm bei. �Du hast ganz Recht gehabt.�</p><p>�Vater wollte mich in die Werke stecken. Das h�tte f�r mich bedeutet, zu Hause leben zu m�ssen. Ich h�tte es nicht ertragen. Ich begreife nicht, dass Alfred es aushalten kann - wie er es all die Jahre aushalten konnte.�</p><p>�Hat er sich denn nie dagegen aufgelehnt?�, fragte Hilda interessiert. �Du hast mir doch einmal erz�hlt, dass er eine andere Laufbahn aufgeben musste.�</p><p>�Ja, Alfred wollte zur Armee. Das hat Vater �brigens auch arrangiert. Alfred, als �ltester, sollte in irgendein Kavallerieregiment eintreten. Harry und ich sollten in die Fabrik kommen und George eine politische Karriere einschlagen.�</p><p>�Und dann kam doch alles anders?�</p><p>�Ja. Harry brannte durch. Er war immer ein Wildfang. Machte Schulden und war dauernd in Schwierigkeiten. Schlie�lich lief er eines Tages mit ein paar hundert Pfund, die nicht ihm geh�rten, davon und hinterlie� nur die Mitteilung, dass ein B�rostuhl nichts f�r ihn sei und dass er sich jetzt die Welt anschauen wolle.�</p><p>�Und seither habt ihr nichts mehr von ihm geh�rt?�</p><p>�O doch�, lachte David, �sehr oft sogar. Er telegrafierte aus allen vier Himmelsrichtungen um Geld. Hat es �brigens auch immer bekommen.�</p><p>�Und Alfred?�</p><p>�Vater zwang ihn, den Milit�rdienst aufzugeben und in die Fabrik einzutreten.�</p><p>�War Alfred ungl�cklich dar�ber?�</p><p>�Anfangs schon, sehr sogar. Er war verzweifelt. Aber Vater hat Alfred immer um den Finger wickeln k�nnen, auch heute noch, glaube ich.�</p><p>�Und du bist ihm davongelaufen.�</p><p>�Jawohl. Ich fuhr nach London und st�rzte mich ins Kunststudium. Vater hat mir zwar sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass er mir f�r solche Kinkerlitzchen h�chstens eine kleine Zuwendung zu seinen Lebzeiten geben werde, dass ich aber nach seinem Tod leer ausginge. Seit jener Auseinandersetzung sah ich ihn nie mehr. Trotzdem habe ich nie etwas bereut. Ich wei� zwar, dass ich nie ein gro�er Maler sein werde; aber wir sind doch hier gl�cklich, in unserem Haus, wo wir alles haben, was man zum Leben braucht. Und wenn ich sterben sollte, f�llt dir meine Lebensversicherung zu.� Er schwieg eine Weile. Dann schlug er mit der Hand auf den Brief. �Und jetzt � das! Vater, der mich bittet, mit meiner Frau bei ihm Weihnachten zu feiern, damit wir alle wieder einmal beisammen seien, eine geeinte Familie. Was bezweckt er nur damit?�</p><p>�Muss er denn etwas damit bezwecken?�, fragte Hilda. �Kann es nicht nur hei�en, dass dein Vater �lter wird und langsam sentimentale Anwandlungen seiner Familie gegen�ber versp�rt? Das kommt manchmal vor, wei�t du.�</p><p>�Vielleicht�, antwortete David z�gernd. �Er ist alt und allein. Du m�chtest, dass ich hingehe, nicht wahr, Hilda?�</p><p>�Nun, ich f�nde es hart, einer solchen Bitte nicht zu entsprechen. Ich bin altmodisch und glaube an die Weihnachtsbotschaft von Frieden und Vers�hnung auf Erden.�</p><p>�Nach allem, was ich dir erz�hlt habe?�</p><p>�Ich wei�, Lieber, ich wei�. Aber das liegt doch nun lange zur�ck. Es sollte jetzt vergeben und vergessen sein.�</p><p>�Ich kann nicht vergessen.�</p><p>�Weil du nicht vergessen willst, David. Habe ich nicht Recht?�</p><p>Sein Mund verzog sich zu einer harten Linie.</p><p>�So sind wir Lees. Wir erinnern uns jahrelang an etwas, gr�beln dar�ber nach, halten das Ged�chtnis frisch.�</p><p>Nun schwang auch in Hildas Stimme leichte Ungeduld mit.</p><p>�Und ist das eine so erhebende Eigenschaft, auf die man stolz sein kann? Ich finde nicht.�</p><p>Er sah sie nachdenklich und verschlossen an. Dann sagte er lauernd: �Dann misst du also der Treue � der Treue gegen�ber einem Andenken � keinen gro�en Wert bei?�</p><p>�Ich glaube an die Gegenwart, nicht an die Vergangenheit. Wenn wir versuchen, die Vergangenheit lebendig zu erhalten, dann muss das mit Verzerrung enden, da wir sie in �bertriebenen Umrissen, aus einer falschen Perspektive sehen.�</p><p>�O nein! Ich erinnere mich an jedes Wort, an jedes Ereignis aus jenen Tagen, ganz klar und deutlich�, stie� David erregt hervor.</p><p>�Ja, aber das solltest du eben nicht, Lieber, weil es nicht nat�rlich ist. Du denkst mit der Urteilsf�higkeit eines Knaben statt mit der Reife eines Mannes daran zur�ck.�</p><p>Hilda stockte. Sie f�hlte, dass es unklug war, noch weiter zu reden, und doch ging es hier um Dinge, die sie schon so lange hatte aussprechen wollen.</p><p>�Ich glaube�, fuhr sie nach einer Weile fort, �dass du deinen Vater f�r einen Teufel h�ltst! Du verzerrst sein Bild zu einer Art Abbild alles B�sen. Wenn du ihn jetzt wiedersiehst, wirst du erkennen, dass er ganz einfach ein Mann ist � ein Mann vielleicht, mit dem seine Leidenschaften oft durchgingen, ein Mann, dessen Leben beileibe nicht makellos verlaufen ist, aber eben doch einfach ein Mann � nicht ein unmenschliches Ungeheuer.�</p><p>�Das verstehst du eben nicht. Wie er meine Mutter behandelt hat.�</p><p>�Es gibt eine Art von Unterw�rfigkeit, von Schw�che, die die niedrigsten Instinkte in einem Mann wecken, wo Entschlossenheit und Mut einen ganz anderen Menschen aus ihm machen k�nnten.�</p><p>�Willst du damit sagen, dass es Mutters Schuld war.�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht! Ich bin �berzeugt, dass dein Vater sie sehr schlecht behandelt hat. Aber eine Ehe ist etwas sehr Seltsames, und ich bezweifle, dass ein Au�enstehender, selbst ein Kind dieser Ehe, das Recht hat, �ber sie zu urteilen. Au�erdem kann all dein Hass deiner armen Mutter nicht mehr helfen. Das alles ist vor�ber. Geblieben ist nur ein alter Mann, der nicht mehr ganz gesund ist und der dich um deinen Besuch zu Weihnachten bittet.�</p><p>�Und du willst, dass ich hingehe?�</p><p>Hilda dachte sekundenlang erst nach; dann sagte sie entschlossen: �Ja. Ich m�chte, dass du hingehst und diesem Gespenst ein f�r alle Mal den Garaus machst.�</p><p>George Lee, Abgeordneter von Westeringham, war ein korpulenter Mann von einundvierzig Jahren. Seine hellblauen Augen standen leicht vor und trugen immer einen lauernden Ausdruck. Er hatte massige Kiefer, und seine Redeweise war ebenso langsam wie pedantisch.</p><p>Eben sagte er bedeutungsvoll: �Ich hab dir gesagt, Magdalene, dass ich es f�r meine Pflicht halte, hinzugehen.�</p><p>Seine Frau, eine gertenschlanke, platinblonde Erscheinung mit gezupften Augenbrauen in dem ovalen Gesicht, zuckte ungeduldig die Achseln. Sie konnte, wenn sie wollte, eine v�llig ausdruckslose Miene zeigen, und das tat sie eben jetzt. �Liebling, es wird ganz und gar gr�sslich werden.�</p><p>�Au�erdem�, �berging George Lee ihren Einwurf, �k�nnen wir dadurch allerhand sparen. Weihnachten ist immer eine teure Zeit. Die Dienstboten k�nnen wir mit einem Trinkgeld abfertigen.�</p><p>�Wie du meinst. Weihnachten ist so oder so schlie�lich immer und �berall langweilig.�</p><p>�Nat�rlich erwarten sie ein Weihnachtsessen�, fuhr George fort. �Ein anst�ndiges St�ck Braten muss gen�gen; kein Truthahn.�</p><p>�Wer? Die Dienstboten? O George, h�r doch auf! Immer machst du dir Sorgen wegen des Geldes.�</p><p>�Jemand muss sie sich schlie�lich machen.�</p><p>�Gut, aber doch nicht in einer so kleinlichen und l�cherlichen Weise. Warum verlangst du nicht einfach mehr Geld von deinem Vater?�</p><p>�Sein monatlicher Zuschuss ist sehr anst�ndig.�</p><p>Magdalene sah ihn an. Ihre hellbraunen Augen blickten pl�tzlich wach und scharf, und das Gesicht war nicht mehr ausdruckslos.</p><p>�Er ist enorm reich, George. Million�r oder noch reicher!�</p><p>�Doppelter Million�r, wenn nicht mehr.�</p><p>�Wie ist er blo� zu so viel Geld gekommen?�, seufzte Magdalene neiderf�llt. �In S�dafrika?�</p><p>�Er hat in jungen Jahren dort unten ein Verm�gen verdient - haupts�chlich mit Diamanten. Und als er nach England zur�ckkam, investierte er sein Geld sehr klug, so dass sich sein Verm�gen noch verdoppelte oder verdreifachte.�</p><p>�Und was wird damit, wenn er einmal stirbt?�</p><p>�Dar�ber hat Vater noch nie gesprochen. Und offen danach fragen kann man schlie�lich nicht. Ich vermute, dass der Gro�teil des Geldes an Alfred und mich fallen wird � an Alfred wahrscheinlich mehr als an mich. David wird bestimmt nicht viel bekommen. Vater hat ihm seinerzeit gedroht, er werde ihn enterben, wenn er ernstlich bei seiner Malerei, oder was er treibt, bleiben wolle; aber David k�mmerte sich nicht darum.�</p><p>�Dumm von ihm!�, sagte Magdalene ver�chtlich.</p><p>�Und dann meine Schwester Jennifer. Sie ging mit einem Ausl�nder, mit einem spanischen K�nstler, einem von Davids Freunden, durch. Vor einem Jahr ist sie gestorben, hat aber eine Tochter hinterlassen, soviel ich wei�. Vielleicht wird Vater dieser Enkelin auch etwas vermachen, aber bestimmt nicht viel. Ja, und dann nat�rlich Harry�� Er stockte leicht verlegen.</p><p>�Harry? Wer ist Harry?�, fragte Magdalene erstaunt.</p><p>�Mein � hm � mein Bruder.�</p><p>�Ich wusste nicht, dass du noch einen Bruder hast!�</p><p>�Nun, er ist nicht gerade eine Ehre f�r die Familie, meine Liebe. Wir sprechen nicht von ihm. Er hat sich unglaublich benommen. Nachdem wir nun schon seit einigen Jahren nichts mehr von ihm geh�rt haben, kann man wohl annehmen, dass er gestorben ist.�</p><p>Magdalene lachte pl�tzlich hell auf. Auf Georges fragendes Stirnrunzeln antwortete sie: �Ich musste nur eben daran denken, wie komisch es ist, dass du � du, George � einen verrufenen Bruder haben sollst! Du bist so ungemein respektabel!�</p><p>�Das will ich hoffen�, erwiderte er kalt.</p><p>Sie kniff die Augen zusammen: �Dein Vater ist nicht, ist kein sehr achtbarer Mann, George, nicht wahr?� � �Ich bitte dich, Magdalene!�</p><p>�Manchmal sagt er Dinge, die mir ziemlich wider den Strich gehen, das kannst du mir glauben.�</p><p>�Magdalene! Wirklich! Denkt Lydia auch so wie du?�</p><p>�Mit Lydia redet er ganz anders�, fuhr Magdalene gereizt auf. �Sie verschont er mit seinen sonderbaren Bemerkungen, obwohl ich nicht einsehe, weshalb!�</p><p>George sah sie rasch an und blickte sofort wieder weg.</p><p>�Nun�, sagte er ausweichend, �wir m�ssen nachsichtig sein. Vater wird alt, und seine Gesundheit ist auch nicht die beste.�</p><p>�Ist er wirklich sehr krank?�, fragte sie.</p><p>�Das m�chte ich nicht sagen. Er ist ungemein z�h. Aber wenn er nun einmal zu Weihnachten seine Familie um sich sehen will, dann finde ich, dass wir seiner Bitte entsprechen sollten. Es k�nnte doch sein letztes Weihnachtsfest sein.�</p><p>�Sagst du, George�, fiel sie scharf ein, �aber ich glaube, dass er noch Jahre zu leben hat.�</p><p>Verwirrt, beinahe erschrocken, stotterte George: �Ja, ja, nat�rlich. Bestimmt kann er noch lange leben.�</p><p>�Na, dann werden wir wohl gehen m�ssen�, murmelte Magdalene verstimmt. �Es wird qualvoll sein. Alfred ist wortkarg und stumpf, und Lydia sieht auf mich herab. Doch, das tut sie. Und dann hasse ich diesen gr�sslichen Diener.�</p><p>�Den alten Tressilian?�</p><p>�Nein, Horbury. Der ewig im Haus herumschleicht und schn�ffelt. Ich kann dir nicht sagen, wie sehr mir das auf die Nerven geht. Aber wir werden eben hinfahren. Ich m�chte den alten Mann nicht beleidigen.�</p><p>�Siehst du. Und wegen dem Weihnachtsessen f�r die Dienstboten ��</p><p>�Das hat jetzt Zeit, George. Ich werde Lydia anrufen und ihr sagen, dass wir morgen um f�nf Uhr zwanzig ankommen.�</p><p>Magdalene ging schnell aus dem Zimmer. Nachdem sie telefoniert hatte, setzte sie sich vor ihren Schreibtisch und kramte in den vielen kleinen Schubladen herum. Aus jeder einzelnen zog sie Rechnungen � ganze Berge von Rechnungen. Erst versuchte sie, die verschiedenen Formulare und Bl�tter zu ordnen; doch bald gab sie das mit einem ungeduldigen Seufzer auf und warf die Papiere wieder in ihre F�cher zur�ck. Sie fuhr sich mit der Hand �ber das platinblonde Haar.</p><p>�Was um alles in der Welt soll ich nur tun?�, murmelte sie.</p><p>Im ersten Stock von Gorston Hall f�hrte ein langer Korridor zu dem gro�en Raum oberhalb des Haupteingangs. Es war ein unwahrscheinlich reich und altmodisch eingerichtetes Zimmer. Die schweren Brokattapeten, die riesigen Lederfauteuils, die gro�en, mit Drachenmustern verzierten Vasen und die Bronzeskulpturen, alles mutete gro�artig, kostbar und stabil an.</p><p>Im gr��ten und imposantesten aller St�hle, einem alten Gro�vaterlehnstuhl, sa� ein magerer alter Mann. Seine langen, klauenartigen H�nde lagen auf den Armlehnen. Ein Stock mit Goldknauf stand neben ihm. Bekleidet war er mit einem alten, abgeschabten Schlafrock, und dazu trug er bestickte Pantoffeln. �ber dem gelblichen Gesicht leuchteten schlohwei�e Haare.</p><p>Eine armselige, unbedeutende Erscheinung, mochte man im ersten Moment denken. Aber die stolze Adlernase, die dunklen, lebhaften Augen mussten einen Beobachter bald eines Besseren belehren. In diesem Menschen waren Feuer, Leben und Kraft. Der alte Simeon Lee kicherte pl�tzlich am�siert vor sich hin.</p><p>�Sie haben es Mrs Alfred also ausgerichtet?�</p><p>Horbury stand neben dem Lehnstuhl. Er antwortete in seinem weichen, ehrerbietigen Tonfall: �Jawohl, Sir.�</p><p>�Ganz genauso, wie ich es Ihnen aufgetragen habe? H�ren Sie: genauso?�</p><p>�Gewiss, ich habe bestimmt keinen Fehler gemacht.�</p><p>�Nein, Sie machen keine Fehler. Ich w�rde es Ihnen auch nicht raten. Und? Was sagte sie, Horbury? Was sagte Mrs Alfred?�</p><p>Ruhig, unger�hrt wiederholte Horbury, welchen Effekt seine Botschaft ausgel�st hatte. Der alte Mann lachte und rieb sich vergn�gt die H�nde.</p><p>�Gro�artig! Nun werden sie sich den ganzen Nachmittag die K�pfe zerbrochen haben. Ausgezeichnet! Jetzt k�nnen sie heraufkommen.�</p><p>Horbury machte kehrt und ging lautlos zur T�r. Als der alte Mann ihm noch etwas sagen wollte, war er bereits im Korridor verschwunden.</p><p>�Der Kerl bewegt sich wie eine Katze�, brummte Simeon Lee. �Man wei� nie, ob er noch da ist oder schon drau�en.�</p><p>Er sa� still in seinem Stuhl und strich sich �ber die Wange, bis ein Klopfen ert�nte und Alfred und Lydia eintraten.</p><p>�Ach, da seid ihr ja! Komm, Lydia, meine Beste, setz dich zu mir. Was f�r rosige Wangen du hast.�</p><p>�Ich war drau�en, in der K�lte. Da brennt einem nachher das ganze Gesicht.�</p><p>�Wie geht�s dir, Vater?�, fragte Alfred. �Hast du gut geschlafen?�</p><p>�Sehr gut, sehr gut. Ich habe von alten Zeiten getr�umt, von meinem Leben, bevor ich eine St�tze der Gesellschaft wurde und mich h�uslich niederlie�.�</p><p>Er lachte laut auf. Seine Schwiegertochter verzog den Mund zu einem h�flich-aufmerksamen L�cheln.</p><p>�Vater, was bedeutet das, dass zwei weitere G�ste zum Fest kommen?�, fragte Alfred.</p><p>�Ja, richtig! Das muss ich euch ja erkl�ren. Es soll ein grandioses Weihnachtsfest werden. Also: George und Magdalene kommen. Armer George, korrekt, steif, und doch nur ein aufgeblasener Ballon. Immerhin ist er mein Sohn. Seine W�hler lieben ihn, weil sie wahrscheinlich denken, er sei ehrlich. Noch nie war ein Lee wirklich ehrlich. Mit Ausnahme von dir, mein Junge, selbstverst�ndlich mit Ausnahme von dir.�</p><p>�Und David?�, fragte Lydia.</p><p>�David? Ich bin gespannt, ihn nach all den Jahren wiederzusehen. Er war ein exaltiertes Kind. Ich frage mich, wie seine Frau aussieht. Jedenfalls hat er nicht ein M�dchen geheiratet, das zwanzig Jahre j�nger ist als er, wie dieser Narr George.�</p><p>�Hilda hat einen sehr netten Brief geschrieben�, schaltete sich Lydia hier ein, �und eben kam ein Telegramm, das ihre Ankunft f�r morgen Nachmittag best�tigt.�</p><p>Ihr Schwiegervater sah sie scharf und durchdringend an. Dann lachte er. �Dich werde ich nie aus der Fassung bringen k�nnen, Lydia. Ich meine das als Kompliment. Du bist sehr wohlerzogen, und Erziehung ist wichtig, das wei� ich. Aber Vererbung ist geheimnisvoller. Nur eines meiner Kinder ist mir wirklich nachgeraten, nur eines von der ganzen Brut.�</p><p>Seine Augen funkelten.</p><p>�Erratet jetzt, wer noch kommt. Dreimal d�rft ihr raten, aber ich wette, dass ihr nicht draufkommt.�</p><p>Er sah von einem zum anderen. Alfred runzelte die Stirn. �Horbury sagte, dass du eine junge Dame erwartest.�</p><p>�Und das beunruhigt euch jetzt, wie? Pilar wird gleich hier sein. Ich habe bereits den Wagen geschickt, damit man sie vom Bahnhof abholt.�</p><p>�Pilar?�, fragte Alfred scharf.</p><p>�Ja, Pilar Estravados � Jennifers Tochter. Meine Enkelin. Ich bin so neugierig, wie sie aussieht.�</p><p>�Um Himmels willen, Vater, du hast mir nie gesagt��</p><p>�Um dir die �berraschung nicht zu verderben, lieber Sohn�, erwiderte der alte Lee mit einem b�sen Grinsen. �Ich wei� schon kaum mehr, wie es ist, wenn junges Blut unter diesem Dach lebt. Ihn, Estravados, habe ich nie gesehen. Ob die Kleine wohl ihm nachschl�gt oder ihrer Mutter?�</p><p>�H�ltst du es wirklich f�r klug�, begann Alfred wieder, �angesichts der Umst�nde ��</p><p>Der alte Mann unterbrach ihn.</p><p>�Sicherheit! Sicherheit! Du suchst immer und �berall zuerst nach Sicherheit, Alfred. Das war nie meine Art. Das M�dchen ist mein Gro�kind, das einzige unserer Familie! Mir ist es v�llig einerlei, was ihr Vater war oder tat. Sie ist mein Fleisch und Blut. Und sie wird hier in meinem Haus leben.�</p><p>�Sie soll hier leben?�, fragte Lydia verbl�fft.</p><p>Er streifte sie mit einem Blick. �Hast du etwas dagegen einzuwenden?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf und sagte l�chelnd: �Ich k�nnte doch nicht gut Einw�nde dagegen erheben, dass du sie in dein eigenes Haus einl�dst. Nein, ich dachte eigentlich eher an sie. Ob sie hier gl�cklich sein wird��</p><p>Der alte Simeon richtete sich etwas auf.</p><p>�Sie hat keinen roten Heller. Also wird sie mir dankbar sein.�</p><p>Lydia zuckte die Achseln.</p><p>�Du siehst�, wandte sich Simeon wieder an seinen Sohn, �es wird ein gro�es Weihnachtsfest werden. All meine Kinder um mich versammelt � alle. Und jetzt, Alfred, rate, wer der andere Gast sein wird.�</p><p>Alfred sah ihn verwirrt an.</p><p>�Herrschaft, Junge! <emphasis>Alle </emphasis>meine Kinder! Kommst du nicht drauf? Harry, nat�rlich, dein Bruder Harry!�</p><p>Alfred wich das Blut aus dem Gesicht.</p><p>�Harry? Nein�, stammelte er. �Wir dachten, er sei tot.�</p><p>�O nein! Der nicht!�</p><p>�Und du l�sst ihn heimkommen? Nach allem, was er��</p><p>�Der verlorene Sohn, wie? Ganz richtig. Das gem�stete Kalb. Wir m�ssen ein gem�stetes Kalb f�r ihn schlachten, Alfred. Er muss eine gro�artige Begr��ung haben!�</p><p>�Er hat uns sch�ndlich behandelt. Er hat ��</p><p>�Du brauchst mir seine Untaten nicht aufzuz�hlen. Eine lange Liste, ich wei�. Aber Weihnachten, wei�t du, ist das Fest der Vers�hnung, und darum werden wir den Verlorenen zu Hause willkommen hei�en.�</p><p>Alfred erhob sich. �Das war ein ziemlicher Schock�, murmelte er. �Ich h�tte mir nie tr�umen lassen, dass Harry jemals hierher zur�ckk�me.�</p><p>Simeon lehnte sich vor.</p><p>�Du hast Harry nie leiden k�nnen, nicht wahr?�, fragte er sanft.</p><p>�Nach allem, was er dir angetan hat��</p><p>Simeon lachte. �Nun, was vorbei ist, ist vorbei. Das ist der Sinn der Weihnachtsbotschaft, wie, Lydia?�</p><p>Lydia war ebenfalls blass geworden. Sie sagte trocken: �Du scheinst dieses Jahr viel �ber Christfest und Weihnachtsbotschaft nachgedacht zu haben.�</p><p>�Ich will meine Familie um mich haben. Friede und Vergebung auf Erden. Ich bin ein alter Mann. Gehst du auch schon, meine Liebe?�</p><p>Alfred war aus dem Zimmer gest�rzt. Lydia z�gerte noch, ehe sie ihm folgte. Simeon deutete mit dem Kopf zur T�r.</p><p>�Es hat ihn aufgeregt. Er und Harry haben sich nie vertragen. Harry hat Alfred immer ausgelacht. Nannte ihn immer Herr Langsam-aber-Sicher.�</p><p>Lydia �ffnete den Mund; doch als sie den gierigen, gespannten Ausdruck auf dem Gesicht des alten Mannes sah, schwieg sie. Ihre Selbstbeherrschung �rgerte ihn sichtlich. Diese Tatsache gab ihr die �berlegenheit, leichthin zu sagen: �Der Hase und der Igel. Nun, der Igel gewinnt den Lauf.�</p><p>�Nicht immer�, kicherte der Alte. �Nicht immer, meine liebe Lydia.�</p><p>Sie l�chelte. �Entschuldige, aber ich sollte Alfred nachgehen. Pl�tzliche Aufregungen machen ihn immer ganz krank.�</p><p>Simeon kicherte. �Ja, der arme Alfred liebt weder �berraschungen noch Ver�nderungen. Er war von jeher ein langweiliger Mensch!�</p><p>�Alfred ist dir sehr ergeben.�</p><p>�Und das kommt dir komisch vor, nicht wahr?�</p><p>�Manchmal�, sagte Lydia langsam, �kommt es mir wirklich komisch vor.�</p><p>Damit verlie� sie den Raum; Simeon Lee sah ihr nach. Er lachte leise und schien sehr zufrieden zu sein. �Das wird ein Hauptspa߻, sagte er. �Ein Hauptspa�! Dieses Weihnachtsfest wird mir gefallen!�</p><p>Er stand m�hsam von seinem Stuhl auf und humpelte mit Hilfe des Stocks durch das Zimmer. Vor einem gro�en Safe in einer Ecke blieb er stehen und drehte am Kombinationsschloss. Die T�r �ffnete sich. Er griff mit zitternden H�nden ins Innere des Safes, zog einen Lederbeutel heraus, �ffnete ihn und lie� eine Unmenge ungeschliffener Diamanten durch seine Finger gleiten.</p><p>�Nun, meine Sch�nen. Immer noch die gleichen, meine alten Freunde! Das war eine gl�ckliche Zeit � eine sehr gl�ckliche Zeit! Euch wird man nicht schleifen und schneiden, Freunde. Ihr werdet nicht um Frauenh�lse h�ngen, an ihren Fingern kleben oder in ihren Ohren stecken. Ihr geh�rt <emphasis>mir. Meine </emphasis>alten Freunde. Wir wissen allerhand voneinander, ihr und ich. Ich sei alt, sagen sie, und krank. Aber mit mir ist es noch lange nicht aus. Noch viel Leben in dem alten Hund. Und noch viel Freude aus diesem Leben herauszuholen. Noch viel Freude!��</p></section><section><title><p><strong>23. Dezember </strong></p></title><p>Tressilian ging zur Eingangst�r. Es war auf eine �u�erst aufdringliche und ungeh�rige Art gel�utet worden, und jetzt eben, ehe er noch die Eingangshalle hatte durchqueren k�nnen, erklang das durchdringende Schrillen schon wieder.</p><p>Tressilian �rgerte sich. So unh�flich, ungeduldig l�utete man nicht an der Haust�r seines Herrn. Wenn es vielleicht wieder eine Gruppe dieser Weihnachtss�nger war, dann wollte er ihnen seinen Standpunkt deutlich klar machen.</p><p>Durch die Milchglasscheibe sah er eine Silhouette � einen gro�en Mann mit einem Schlapphut. Er �ffnete. Wie er gedacht hatte: ein unordentlich gekleideter, auff�lliger Fremder - gr�sslich schreiender Anzug �, ein aufdringlicher Bettler.</p><p>�Donnerwetter! Das ist doch Tressilian!�, rief der Fremde. �Wie geht es Ihnen, Tressilian?�</p><p>Tressilian starrte ihn an, holte tief Atem, starrte noch einmal. Diese scharf geschnittene, arrogante Wangen- und Kinnpartie, die schmale Nase, die vergn�gten Augen�</p><p>�Mr Harry�, stie� er hervor.</p><p>Harry Lee lachte. �Habe ich Sie erschreckt? Warum? Ich werde doch erwartet, oder etwa nicht?�</p><p>�Doch, Sir. Nat�rlich, Sir.�</p><p>�Also! Weshalb dann diese �berraschung?� Harry Lee trat ein paar Schritte zur�ck und sah sich das Haus, einen soliden, aber fantasielosen Ziegelbau, von au�en an.</p><p>�Immer noch der alte Gr�uel�, sagte er, �aber es steht jedenfalls noch, das ist die Hauptsache. Wie geht�s meinem Vater?�</p><p>�Er ist leicht invalid, Sir. Muss das Zimmer h�ten und kann sich nicht bewegen. Aber den Umst�nden entsprechend, geht es ihm sehr gut.�</p><p>�Der alte Halunke!� Harry Lee trat ein und �berlie� Tressilian seinen Schal und den theatralischen Hut.</p><p>�Und mein lieber Bruder Alfred? Geht es ihm auch gut? Freut er sich, mich zu sehen?�</p><p>�Ich glaube schon, Sir.�</p><p>�Na, ich nicht. Im Gegenteil! Wahrscheinlich hat er Zust�nde gekriegt, als er h�rte, dass ich komme. Wir haben uns nie ausstehen k�nnen. Lesen Sie manchmal die Bibel, Tressilian?�</p><p>�Gewiss, von Zeit zu Zeit lese ich darin.�</p><p>�Dann kennen Sie doch die Geschichte vom verlorenen Sohn. Der brave Bruder freute sich gar nicht dar�ber, dass der andere zur�ckkam, erinnern Sie sich? Der brave Stubenhocker Alfred freut sich bestimmt auch nicht �ber meine R�ckkehr.�</p><p>Tressilian sah wortlos zu Boden. Sein steifer R�cken dr�ckte Protest aus. Harry schlug ihm auf die Achsel.</p><p>�Los, alter Knabe. Das gem�stete Kalb erwartet mich! F�hren Sie mich sofort zu ihm.�</p><p>�Wollen Sie mir bitte zuerst ins Wohnzimmer folgen, Mr Harry. Ich wei� nicht, wo die Herrschaften alle sind. Man konnte Ihnen den Wagen nicht entgegenschicken, weil niemand Ihre genaue Ankunftszeit wusste.�</p><p>Harry blickte sich nach allen Seiten um.</p><p>�Alle alten Schaust�cke noch am alten Platz�, stellte er fest. �Ich glaube, es hat sich �berhaupt nichts ver�ndert, seit ich vor zwanzig Jahren fortging.�</p><p>Er trat ins Wohnzimmer. Der alte Diener murmelte: �Ich werde nun Mr oder Mrs Alfred suchen gehen�, und entfernte sich eilig.</p><p>Harry Lee hatte ein paar Schritte getan, als er pl�tzlich wie angewurzelt stehen blieb. Fassungslos und ungl�ubig starrte er die Gestalt an, die dort auf dem Fenstersims sa�. Seine Augen �berflogen das schwarze Haar und die gebr�unte Haut.</p><p>�Allm�chtiger!�, stie� er endlich hervor. �Sind Sie vielleicht die siebente und sch�nste Frau meines Vaters?�</p><p>Die Gestalt glitt von ihrem Sitz und trat auf ihn zu.</p><p>�Ich bin Pilar Estravados�, stellte sie sich vor. �Und du musst mein Onkel Harry sein, Mutters Bruder.�</p><p>�Dann bist du also Jennys Tochter?�</p><p>Pilar �berh�rte diese Frage. �Warum hast du mich gefragt, ob ich die siebente Frau deines Vaters sei? Hatte er wirklich sechs Frauen?�</p><p>Harry lachte. �Nein, ich glaube, er hatte nur eine � offiziell wenigstens. Nun, Pilar, es ist wirklich kaum zu glauben, so etwas Bl�hendes wie du in diesem Mausoleum anzutreffen.�</p><p>�Diesem Maus� was?�</p><p>�In diesem Wachsfigurenkabinett. Ich habe dieses Haus immer gr�sslich gefunden; aber heute kommt es mir lausiger vor denn je.�</p><p>�O nein�, wandte Pilar hier entschieden, wenn auch mit einer fast ehrf�rchtig ged�mpften Stimme ein, �es ist sehr sch�n hier. Die M�bel aus schwerem Holz und die Teppiche � dicke, weiche Teppiche �berall � und die vielen, vielen Ornamente. Alles ist von so guter Qualit�t und so kostbar.�</p><p>�Das stimmt allerdings.� Er sah sie belustigt an. �Trotzdem finde ich es sehr witzig, dich hier inmitten ��</p><p>Er brach ab, denn Lydia hatte eben das Zimmer betreten.</p><p>�Guten Tag, Harry. Ich bin Lydia � Alfreds Frau.�</p><p>�Guten Tag, Lydia.� Er sch�ttelte ihr die Hand, wobei er ihr intelligentes, ausdrucksvolles Gesicht mit einem kurzen Blick musterte und gleichzeitig befriedigt wahrnahm, wie elegant sie sich bewegte. Nur wenige Frauen wussten sich so zu bewegen. Lydia ihrerseits versuchte schnell, sich �ber den Eindruck klar zu werden, den er ihr machte. Er sieht angeberisch aus, aber nicht absto�end. Trotzdem w�rde ich ihm nicht von hier bis da trauen, dachte sie. Laut sagte sie l�chelnd: �Nun, wie sieht es hier nach so vielen Jahren aus? Sehr ver�ndert?�</p><p>�Ziemlich unver�ndert.� Er sah sich um. �Dieses Zimmer wurde umgestellt.�</p><p>�O ja, verschiedentlich, und zwar durch mich.�</p><p>Er lachte ihr mit einem pl�tzlichen, koboldartigen Grinsen zu, das sie an den alten Mann im oberen Stock erinnerte.</p><p>�Es hat jetzt viel mehr Klasse. Man hat mir ja seinerzeit berichtet, der gute alte Alfred habe ein M�dchen geheiratet, dessen Vorfahren mit dem Eroberer her�berkamen.�</p><p>Lydia l�chelte. �Ja, ich glaube. Aber sie haben sich enorm vermehrt seit jenen Tagen.�</p><p>�Und wie geht es Alfred?�, fragte Harry. �Ist er immer noch der gleiche Reaktion�r?�</p><p>�Ich habe keine Ahnung, ob du ihn ver�ndert finden wirst.�</p><p>�Und was machen all die anderen? Sind sie �ber ganz England verstreut?�</p><p>�Nein � sie werden zu Weihnachten alle hier sein.�</p><p>Harry riss die Augen weit auf. �Was? Ein richtiggehender Familientag? Fr�her war er doch gar nicht sentimental. Hat sich nie einen Deut um seine Familie gek�mmert. Er muss sich sehr ver�ndert haben.�</p><p>�Vielleicht.� Lydias Stimme klang trocken.</p><p>Pilar h�rte wortlos und interessiert zu.</p><p>�Und George? Noch immer ein alter Geizkragen? Wie der sich aufregen konnte, wenn er einmal einen halben Penny von seinem Taschengeld hergeben musste.�</p><p>�George ist Parlamentsmitglied, Abgeordneter f�r Westeringham.�</p><p>Harry warf den Kopf zur�ck und lachte schallend.</p><p>�Unser Dickerchen im Parlament? Das ist ja komisch!�</p><p>Sein hemmungsloses Lachen klang fast brutal und schien den Raum zu sprengen. Pilar hielt den Atem an, und auch Lydia zuckte leicht zusammen.</p><p>Dann, als Harry eine Bewegung hinter sich h�rte, brach seine laute Heiterkeit j�h ab. Alfred stand hinter seinem Bruder und musterte ihn mit einem eigent�mlichen Gesichtsausdruck.</p><p>Zuerst starrte Harry ihn bewegungslos an; doch dann �berflog ein L�cheln sein Gesicht. Er trat einen Schritt vor.</p><p>�Nein, so etwas! Das ist ja Alfred!�</p><p>Alfred nickte. �Hallo, Harry�, sagte er steif.</p><p>Wie absurd, dachte Lydia. Da stehen sie sich gegen�ber wie zwei Hunde, die sich beschn�ffeln.</p><p>Pilars Augen waren weit aufgerissen. Wie bl�d sich die beiden anstarren, dachte sie. Warum k�ssen sie sich nicht? Ach nein, das tun Engl�nder ja nicht. Aber sie k�nnten doch irgendetwas reden. Warum sehen sie einander nur an?</p><p>Harry brach schlie�lich das Schweigen. �Ein komisches Gef�hl, wieder da zu sein, wirklich.�</p><p>�Begreiflich. Es sind ja auch ein paar Jahre vergangen, seit du �seit du von hier fortgingst.�</p><p>Harry fuhr sich mit dem Zeigefinger �bers Kinn � eine Bewegung, die bei ihm immer auf Kampfbereitschaft schlie�en lie�.</p><p>�Ja�, sagte er. �Ich bin froh, dass ich��, er machte eine Pause, um dem Wort gr��eren Nachdruck zu verleihen, �heimgekommen bin.�</p><p>�Ich bin wahrscheinlich ein sehr verworfener Mensch gewesen�, sagte Simeon Lee. Er lehnte sich in seinem Stuhl zur�ck und strich sich mit einem Finger �ber das herausfordernd vorgereckte Kinn. Vor ihm brannte und tanzte das Feuer im Kamin. Pilar sa� daneben und sch�tzte ihr Gesicht mit einem kleinen Papierf�cher vor der Glut. Manchmal f�chelte sie sich damit Luft zu. Simeon beobachtete ihre weiche, anmutige Handbewegung mit gro�er Genugtuung. Mehr zu sich selber als zu der jungen Frau meinte er dann: �Jawohl, ein schlechter Mensch. Oder was meinst du dazu, Pilar?�</p><p>Pilar zuckte die Achseln. �Alle M�nner sind schlecht, sagen die Nonnen, und deshalb m�ssen sie f�r sie beten.�</p><p>�Aber ich bin noch viel schlechter gewesen als die meisten anderen.� Simeon lachte. �Ich bereue es nicht, wei�t du. Nichts bereue ich. Es hat mir Spa� gemacht � jede Minute habe ich genossen. Man sagt, im Alter bereue man manches. Das ist Quatsch! Ich bereue nichts, und dabei habe ich wie gesagt so ziemlich alle S�nden begangen. Ich habe betrogen, gestohlen und gelogen. Herrgott, ja! Und Frauen � immer Frauen! Jemand hat mir k�rzlich von einem Araberscheich erz�hlt, der vierzig S�hne als Leibwache hatte � alle ungef�hr gleichaltrig. Vierzig! Ich wei� zwar nicht, ob ich es auf vierzig br�chte, aber ich k�nnte ebenfalls eine ganz anst�ndige Leibwache zusammenstellen, wenn ich alle meine Unehelichen um mich versammelte. Nun, Pilar? Was sagst du dazu? Bist du entsetzt?�</p><p>�Nein, warum sollte ich entsetzt sein?�, fragte Pilar verwundert. �M�nner sind immer hinter den Frauen her. Mein Vater auch. Deshalb sind doch Frauen oft so ungl�cklich und gehen in die Kirche, um zu beten.�</p><p>Der alte Simeon runzelte die Stirne. �Ich habe Adelaide ungl�cklich gemacht�, murmelte er. �Gott, war das eine Frau! Rosig, gesund und h�bsch, als ich sie heiratete. Und sp�ter? Immer jammernd und weinend. Es macht einen Mann verr�ckt, wenn seine Frau dauernd weint. Sie hatte keinen Mut, das war es. Wenn sie mir nur ein einziges Mal widersprochen h�tte. Aber sie hat immer nachgegeben, immer. Als ich sie heiratete, glaubte ich, dass ich sesshaft werden, eine Familie gr�nden, mein altes Leben vergessen k�nnte��</p><p>Er verstummte und starrte in das Feuer.</p><p>�Eine Familie gr�nden! Und was f�r eine Familie!� Er stie� ein schrilles, ver�chtliches Lachen aus. �Schau sie dir an! Nicht <emphasis>ein </emphasis>Kind dabei, das mir gleicht! Haben sie eigentlich nichts von meinem Blut mitbekommen? Nicht ein wirklicher Sohn unter all den ehelich und unehelich geborenen! Alfred zum Beispiel � um Himmels willen! Ich habe so genug von ihm! Wenn er mich mit seinen treuen Hundeaugen ansieht, immer bereit, mir gehorsam zu sein! Dieser Trottel! Seine Frau � Lydia mag ich gern. Lydia ist gescheit, aber sie kann mich nicht ausstehen, ganz und gar nicht ausstehen. Sie findet sich nur wegen Alfred mit mir ab.�</p><p>Er sah auf das M�dchen hinab. �Pilar, merk dir eins: Nichts ist so aufreizend wie Ergebenheit.�</p><p>Sie l�chelte ihn an. Ihre junge, lebensvolle Weiblichkeit gefiel ihm.</p><p>�Und George?�, fuhr er fort. �Was ist George? Ein fetter Stockfisch! Ein aufgeblasener Windbeutel! Keinen Verstand, keinen Mut und knauserig in Geldsachen! David ist ein Narr und ein Tr�umer, immer gewesen. Ein Mutters�hnchen. Das einzige Vern�nftige, was er jemals getan hat, ist, dass er diese energische, zuverl�ssige Frau geheiratet hat.� Er schlug pl�tzlich mit der Hand auf die Armlehne. �Harry ist noch der Beste! Der arme alte Harry, der Schandfleck der Familie! Aber er ist wenigstens lebendig!�</p><p>Pilar nickte. �Ja, er ist nett. Er lacht, und dabei wirft er den Kopf so zur�ck� O ja, ich mag ihn auch sehr gern.�</p><p>Der alte Mann sah sie an. �So, du magst ihn gern? Harry hat immer Gl�ck bei den Frauen, darin schl�gt er mir nach.� Er kicherte. �Ich habe ein gutes Leben gehabt � ein sehr gutes Leben. Von allem habe ich bekommen.�</p><p>�In Spanien haben wir ein Sprichwort, das hei�t: Nimm dir, was du willst, und bezahle daf�r, sagt Gott.�</p><p>�Das ist ausgezeichnet.� Simeon Lee horchte ihren Worten nach. �Nimm dir, was du willst. Das habe ich mein Leben lang getan, genommen, was ich wollte.�</p><p>�Und hast du daf�r bezahlt?� Pilars Stimme klang pl�tzlich hell und eindringlich.</p><p>Simeon fuhr auf und starrte sie an. �Was sagst du da?�</p><p>�Ich fragte: Hast du daf�r bezahlt, Gro�vater?�</p><p>�Das wei� ich nicht�, antwortete der alte Mann z�gernd. Dann schlug er wieder mit der Hand auf die Armlehne. �Wie kommst du dazu, mich das zu fragen?�</p><p>�Ich habe eben dar�ber nachgedacht�, sagte Pilar sanft.</p><p>�Du kleiner Teufelsbraten!�</p><p>�Aber du hast mich trotzdem gern, Gro�vater, nicht wahr?�</p><p>�Ja, ich habe dich gern, ich sitze gern hier mit dir. Ich habe lange niemand so Junges und Sch�nes mehr um mich gehabt. Es tut mir gut, und es w�rmt meine alten Knochen. Du bist mein Fleisch und Blut. Das rechne ich Jennifer hoch an. Sie war noch die Beste von allen.�</p><p>Pilar l�chelte weich, aber undurchdringlich.</p><p>�Dabei kannst du mich nicht etwa hinters Licht f�hren, kleine Katze. Ich wei� genau, weshalb du so geduldig hier sitzt und mir zuh�rst. Geld! Immer geht es um Geld! Oder willst du mir vielleicht weismachen, dass du deinen alten Gro�vater liebst?�</p><p>�Nein, das nicht. Aber ich mag dich gern. Das musst du mir glauben, denn es ist wahr. Wahrscheinlich warst du ein skrupelloser Mann, aber sogar das gef�llt mir. Und du hast Interessantes erlebt, du bist viel gereist und hast ein Abenteuerleben gef�hrt. Wenn ich ein Mann w�re, wollte ich genauso leben.�</p><p>Simeon nickte. �Jawohl, das w�rdest du vermutlich. Wir h�tten Zigeunerblut in uns, sagt man. In meinen S�hnen, mit Ausnahme von Harry, scheint es nicht mehr wirksam zu sein; aber ich glaube, in dir ist es wieder lebendig geworden. Man muss nur warten k�nnen. Ich habe einmal f�nfzehn Jahre lang gewartet, um mit einem Mann, der mich gekr�nkt hatte, eine Rechnung zu begleichen. Das ist ein weiteres Merkmal von uns Lees � dass wir nichts vergessen! Wir r�chen alles B�se, und wenn es Jahre dauert. Jenen Mann habe ich nach f�nfzehn Jahren gefasst � und ich habe ihn zertreten, ruiniert, ausgel�scht. Das war in S�dafrika. Ein gro�artiges Land!�</p><p>�Bist du noch einmal dort gewesen?�</p><p>�Ja, die f�nf Jahre nach meiner Heirat verbrachte ich noch unten. Nachher bin ich nie mehr zur�ckgefahren.� Seine Stimme wurde leiser. �Wart, ich will dir was zeigen.�</p><p>Er stand m�hsam auf, nahm seinen Stock und humpelte an den Safe, �ffnete ihn und winkte sie zu sich.</p><p>�Da! Schau dir die an! Sp�re sie! Lass sie durch deine Finger laufen!� Er lachte �ber ihr erstauntes Gesicht. �Das sind Diamanten, Kind! Diamanten!�</p><p>Pilars Augen weiteten sich. �Aber das sind ja nur kleine Kieselsteine!�</p><p>�Es sind ungeschliffene Diamanten. So findet man sie.�</p><p>�Und wenn sie geschliffen w�rden, w�rden sie funkeln und blitzen wie richtige Diamanten? Nein! Das glaube ich nicht!�</p><p>Er am�sierte sich k�niglich. �Trotzdem ist es wahr. Und diese Hand voll Kieselsteine ist viele tausend Pfund wert.�</p><p>Pilar wiederholte seine Worte, stockend, mit Pausen dazwischen.</p><p>�Ist� viele� tausend� Pfund� wert?�</p><p>�Sagen wir neun � oder zehntausend mindestens. Es sind gro�e Steine, wei�t du.�</p><p>�Warum verkaufst du sie dann nicht?�</p><p>�Weil ich sie gerne hier behalte. Ich brauche kein Geld.�</p><p>�Ah! Darum!� Pilar schien tief beeindruckt zu sein. �Und warum l�sst du sie nicht schleifen, damit sie sch�n werden?�</p><p>�Weil sie mir so besser gefallen.� Sein Gesicht verd�sterte sich pl�tzlich. Er wandte sich um und sprach wie zu sich selber weiter. �Weil sie mir alles zur�ckbringen, wenn ich sie ber�hre � die helle Sonne, den Geruch der weiten Weiden, die Rinderherden, den alten Eb, die Freunde, die Abende��</p><p>Es wurde leise an die T�re geklopft.</p><p>�Schnell, leg sie zur�ck und schlag die T�r zu!�, zischelte Simeon. Dann rief er: �Herein!�</p><p>Horbury trat ein und meldete ehrerbietig: �Der Tee, Sir.�</p><p>Hilda sagte: �Ach, da bist du, David. Ich hab dich �berall gesucht. Aber hier wollen wir nicht bleiben. Es ist scheu�lich kalt hier drinnen.�</p><p>David antwortete ihr nicht sofort. Er stand vor einem tiefen Fauteuil mit verblichenem Bezug. Pl�tzlich stie� er hervor: �Das ist ihr Stuhl � hier sa� sie immer, in diesem Stuhl. Nur der Satin ist ein wenig verschossen.�</p><p>Hilda runzelte leicht die Stirn.</p><p>�Ich verstehe. Aber komm jetzt, David. Es ist kalt hier.�</p><p>Doch David schien sie nicht zu h�ren. Er sah sich um.</p><p>�Ja, hier sa� sie meistens. Ich wei� noch, wie ich auf jenem Schemel dort sa�, wenn sie mir vorlas. <emphasis>Jack, der Riesent�ter � </emphasis>ja, das war es, das hat sie mir vorgelesen, als ich etwa sechs Jahre alt war.�</p><p>Hilda schob ihre Hand unter seinen Arm.</p><p>�Komm jetzt wieder ins Wohnzimmer, Lieber. In diesem Zimmer ist ja nicht einmal eine Heizung.�</p><p>Er wandte sich gehorsam um, aber sie f�hlte, dass er am ganzen Leib zitterte. �Genau wie damals�, murmelte er, �genau wie damals. Als w�re die Zeit stillgestanden��</p><p>Hilda war besorgt; aber sie sprach fr�hlich und entschlossen weiter. �Wo nur die anderen alle stecken? Es muss doch schon Teezeit sein.�</p><p>David machte sich frei und �ffnete die T�r zu einem anderen Zimmer. �Da drinnen war ein Klavier. Ja, da steht es noch. Ob es auch noch klingt?�</p><p>Er setzte sich davor, �ffnete den Deckel und spielte eine Tonleiter. �Tats�chlich! Es scheint sogar gestimmt worden zu sein.� Er begann zu spielen. Sein Anschlag war weich und voll.</p><p>�Was spielst du da?�, fragte Hilda. �Es kommt mir bekannt vor, aber ich wei� nicht, was es ist.�</p><p>�Ich habe es seit vielen Jahren nicht mehr gespielt. Sie hat es besonders geliebt. Eines von Mendelssohns Liedern ohne Worte.�</p><p>Die s��e, fast zu s��e Melodie flutete durch den Raum.</p><p>Pl�tzlich lie� David die H�nde in schrillem Missakkord auf die Tasten fallen. Er stand auf. Sein Gesicht war totenblass, und er zitterte.</p><p>�David!�, sagte Hilda beschw�rend. �David!�</p><p>�Lass nur, es ist nichts � wirklich nicht.�</p><p>Die T�rglocke schrillte. Tressilian stand in der K�che von seinem Stuhl auf und ging gemessenen Schritts zum Eingang.</p><p>Die Glocke schrillte noch einmal. Tressilian runzelte die Stirn. Durch die Milchglasscheibe erblickte er die Silhouette eines Mannes im Schlapphut. Tressilian fuhr sich mit der Hand �ber die Augen. Es war gespenstisch. Alles schien sich zweimal abzuspielen. Das hatte er doch bereits einmal erlebt, bestimmt�</p><p>Er schob den Riegel zur�ck und �ffnete die T�re. Da zerbrach der Zauber. Der Mann sagte laut und deutlich:</p><p>�Wohnt hier Mr Simeon Lee? Ich m�chte ihn sprechen.� Seine Stimme rief eine Erinnerung in Tressilian wach. Sie glich derjenigen seines Herrn, als dieser in alten Tagen nach England zur�ckgekommen war.</p><p>Er sch�ttelte zweifelnd den Kopf. �Mr Lee ist invalide, Sir. Er empf�ngt nicht oft Besuche. Wenn Sie ��</p><p>Der Fremde unterbrach ihn, indem er einen Briefumschlag hervorzog und dem Butler aush�ndigte. �Geben Sie das bitte Mr Lee.�</p><p>Simeon Lee entnahm dem Umschlag einen einfachen Bogen Papier. Er sah erstaunt aus, aber er l�chelte.</p><p>�Das ist ja herrlich�, sagte er. Und zum Butler gewandt: �F�hren Sie Mr Farr sofort herauf, Tressilian. Eben habe ich an Ebenezer Farr gedacht. Er war mein Gesch�ftspartner unten in Kimberley. Und jetzt taucht pl�tzlich sein Sohn hier auf.�</p><p>Tressilian verschwand und meldete kurze Zeit sp�ter Mr Farr.</p><p>Stephen Farr trat nerv�s ein, versuchte das aber durch ein betont forsches Gehabe zu verstecken. Sein leichter S�dafrika-Akzent klang noch deutlicher durch als zuvor.</p><p>�Ich freue mich, Sie zu sehen�, rief ihm Simeon Lee entgegen. �Also Sie sind Ebs Sohn?�</p><p>Stephen lachte verlegen. �Mein erster Besuch im Mutterland. Vater hat mir immer gesagt, ich sollte Sie aufsuchen, wenn ich einmal her�berk�me.�</p><p>�Bravo! Darf ich bekannt machen? Meine Enkelin � Pilar Estravados.�</p><p>�Sehr erfreut�, sagte Pilar unbefangen.</p><p>Raffinierte kleine Hexe, dachte Farr. Sie ist �berrascht, mich wiederzusehen, aber sie kann es gro�artig verbergen.</p><p>Er sagte bedeutungsvoll: �Ich bin gl�cklich, Ihre Bekanntschaft zu machen, Miss Estravados.�</p><p>�Setzen Sie sich, und erz�hlen Sie mir von sich�, befahl der alte Lee. �Bleiben Sie lange in England?�</p><p>�Nun, ich werde mir Zeit lassen, wenn ich jetzt schon mal hier bin.� Er lachte und warf den Kopf zur�ck.</p><p>�Da haben Sie Recht. Sie m�ssen vorerst eine Weile bei uns bleiben.�</p><p>�Aber Sir, ich kann doch nicht einfach so hereinschneien. Es ist schlie�lich Weihnachten und��</p><p>�Sie werden Weihnachten bei uns verbringen � wenn Sie nichts anderes vorhaben. Nein? Gut, dann ist das abgemacht. Pilar! Geh und sag Lydia, dass wir noch einen weiteren Gast haben. Sie soll heraufkommen.�</p><p>Pilar ging. Stephen sah ihr nach. Simeon beobachtete es mit diebischem Vergn�gen.</p><p>Bald waren die beiden M�nner in ein Gespr�ch �ber S�dafrika vertieft. Lydia trat ein paar Minuten sp�ter ein.</p><p>�Das ist Stephen Farr, der Sohn meines alten Freundes Ebenezer Farr. Er wird �ber Weihnachten bei uns bleiben. Bitte lass ihm ein Zimmer richten.�</p><p>Lydia l�chelte. �Selbstverst�ndlich, gerne.� Sie betrachtete den Fremden, seine bronzefarbene Haut, die blauen Augen und den leicht nach hinten geworfenen Kopf.</p><p>�Meine Schwiegertochter�, stellte Simeon vor.</p><p>�Es ist mir gar nicht recht, dass ich derart ins Haus platze�, sagte Stephen, �mitten in ein Familienfest ��</p><p>�Sie geh�ren zur Familie, mein Lieber�, unterbrach der alte Lee seine Entschuldigungen, �merken Sie sich das.�</p><p>�Sie sind zu g�tig, Sir.�</p><p>Pilar war wieder hereingekommen. Sie lie� sich gelassen neben dem Feuer nieder und nahm ihren F�cher auf. Geschmeidig bewegte sie ihn aus dem Handgelenk hin und her. Ihre Augen waren niedergeschlagen, und sie sah sehr sittsam aus.�</p></section><section><title><p><strong>24. Dezember </strong></p></title><p>�Willst du wirklich, dass ich hier bleibe, Vater?�, fragte Harry. Er warf den Kopf zur�ck. �Ich stochere hier n�mlich in einem Wespennest herum, wei�t du.�</p><p>�Inwiefern?�, fragte Simeon Lee scharf.</p><p>�Bruder Alfred�, antwortete Harry, �mein lieber Bruder Alfred missbilligt meine Anwesenheit.�</p><p>�Soll er doch, zum Teufel�, schnaubte Simeon. �Ich bin hier Herr im Haus!�</p><p>�Trotzdem, alter Herr. Du bist irgendwie von Alfred abh�ngig. Ich will ihn nicht aufbringen.�</p><p>�Du wirst tun, was ich dir befehle!�</p><p>Harry g�hnte. �Ich wei� auch gar nicht, ob ich es aushalten werde, ein h�usliches Leben zu f�hren. Kommt einen Menschen ziemlich hart an, wenn er bis dahin dauernd in der Welt herumgesto�en worden ist.�</p><p>�Du solltest heiraten und dich sesshaft machen.�</p><p>�Wen sollte ich heiraten? Schade, dass man nicht seine Nichte heiraten kann. Die kleine Pilar ist bezaubernd.�</p><p>�Das hast du also doch bemerkt?�</p><p>�Apropos: sesshaft werden. Unser dicker George scheint gar keine schlechte Wahl getroffen zu haben, was? Wo kommt seine Frau her? Was war sie fr�her?�</p><p>�Was wei� denn ich�, brummte der Alte. �Ich glaube, George hat sie bei einer Modenschau als Mannequin entdeckt. Sie behauptet, ihr Vater sei ein pensionierter Marineoffizier.�</p><p>�Wahrscheinlich zweiter Maat auf einem K�stendampfer�, grinste Harry. �George k�nnte noch seine Wunder mit ihr erleben, wenn er nicht vorsichtig ist!�</p><p>Simeon zuckte die Achseln. Dann griff er pl�tzlich nach der Klingel, die auf dem Tisch neben ihm stand. Horbury erschien augenblicklich.</p><p>�Bitten Sie Mr Alfred, sofort herzukommen!�</p><p>Sobald der Diener verschwunden war, fragte Harry gedehnt: �Horcht der Bursche eigentlich an der T�r?�</p><p>Wieder hob Simeon die Schultern und lie� sie fallen.</p><p>Alfred kam eilends herein. Als er seinen Bruder sah, zuckte er leicht zusammen.</p><p>�Setz dich, Alfred�, befahl der Alte. �Wir m�ssen unseren Haushalt ein wenig umorganisieren, nachdem wir nun zwei Familienmitglieder mehr haben werden. Pilar bleibt selbstverst�ndlich jetzt bei uns, und auch Harry hat sich entschlossen, daheim zu bleiben.�</p><p>�Harry wird hier wohnen?�, fragte Alfred starr.</p><p>�Ja, warum nicht, alter Knabe?�, lachte Harry.</p><p>Alfred fuhr herum und sah ihn zornig an. �Mich d�nkt, das solltest du selber sp�ren!�</p><p>�Ich bedaure unendlich, aber ich sp�re gar nichts.�</p><p>�Nach allem, was geschehen ist? Nach deinem schandbaren Verhalten? Nach dem Skandal?�</p><p>�Aber, aber das ist doch l�ngst vergangen, Bruderherz!�</p><p>�Du hast dich Vater gegen�ber abscheulich benommen!�</p><p>�Nun h�r mich mal an, Alfred! Das geht nur Vater etwas an, nicht wahr? Wenn er bereit ist, mir zu vergeben ��</p><p>�Jawohl, dazu bin ich bereit�, mischte sich Simeon ein. �Harry ist mein Sohn, und er wird hier bleiben, weil ich es will.� Er legte Harry liebevoll die Hand auf die Schulter. �Ich habe Harry sehr gerne!�</p><p>Alfred stand auf und ging aus dem Zimmer. Er war totenblass. Harry erhob sich ebenfalls und ging ihm lachend nach. Simeon kicherte vor sich hin. Dann schreckte er zusammen und sah sich um. �Wer zum Teufel ist da? Ach, Sie sind es, Horbury! Schleichen Sie doch nicht so herum!�</p><p>�Verzeihen Sie, Sir.�</p><p>�Schon gut. �brigens habe ich Auftr�ge f�r Sie. Ich w�nsche, dass nach dem Mittagessen alle zu mir kommen. Alle, verstanden? Und noch etwas: Sie werden die Herrschaften herauff�hren, und sobald Sie ungef�hr in der Mitte des Korridors angekommen sind, werden Sie sich irgendwie bemerkbar machen, husten, etwas rufen, was Sie wollen. Ist das klar?�</p><p>�Gewiss, Sir.� Horbury ging die Treppe hinunter. Dort sagte er zu Tressilian: �Wenn Sie mich fragen � das wird ein sch�nes Weihnachtsfest werden!�</p><p>�Was wollen Sie damit sagen?�, fragte der alte Diener scharf.</p><p>�Na, warten Sie�s ab. Heute ist Heiliger Abend. Aber die Stimmung im Haus ist gar nicht danach.�</p><p>Als sie ins Zimmer kamen, war Simeon gerade am Telefon; er winkte ihnen, einzutreten.</p><p>�Setzt euch! Ich bin gleich fertig.� Dann telefonierte er weiter: �Ist dort Charlton? Hier spricht Simeon Lee. Ja, nicht wahr? Ja. Nein, ich m�chte nur, dass Sie ein neues Testament f�r mich aufsetzen. Jawohl, die Verh�ltnisse haben sich ge�ndert, so dass mein erstes Testament �berholt ist. Nein, nein, so eilt es auch wieder nicht. Weihnachten will ich Ihnen doch nicht verderben. Sagen wir, am zweiten Weihnachtstag, ja? Oder am Tag danach, wie Sie wollen. Kommen Sie zu mir, dann besprechen wir alles. Nein, keine Angst, ich werde nicht vorher sterben.�</p><p>Er legte den H�rer auf und sah seine Familie, alle acht Anwesenden, der Reihe nach an. Dann lachte er und sagte:</p><p>�Ihr seht alle so verdattert aus! Was ist denn los?�</p><p>�Du hast uns rufen lassen, Vater ��, begann Alfred, doch Simeon unterbrach ihn sofort.</p><p>�Ja, richtig. Aber es ist eigentlich nichts Wichtiges. Ich bin nur m�de und m�chte nach dem Abendessen allein sein. Ich will fr�h zu Bett gehen, damit ich morgen zum Fest ganz frisch bin. Eine gro�artige Einrichtung, Weihnachten. F�rdert das Zusammengeh�rigkeitsgef�hl, nicht wahr, Magdalene?�</p><p>Magdalene Lee fuhr zusammen. Ihr d�mmlicher kleiner Mund klappte auf und schloss sich wieder. Dann sagte sie: �O ja.�</p><p>Simeons Augen schweiften zu George.</p><p>�Ich will zwar nicht von unerfreulichen Dingen reden, aber ich f�rchte, George, dass ich deinen Zuschuss ein wenig werde beschneiden m�ssen. Mein Haushalt wird mich in Zukunft etwas teuer zu stehen kommen.�</p><p>George wurde dunkelrot. �Aber Vater! Das kannst du doch nicht tun!�</p><p>�Ach, glaubst du?�, fragte Simeon sanft.</p><p>�Meine Auslagen sind sehr gro�. Ich wei� schon jetzt manchmal kaum, wie ich mit meinem Geld zurechtkommen soll. Ich muss mich an allen Ecken und Enden einschr�nken.�</p><p>��berlass die Sparsamkeit doch deiner Frau�, riet der alte Lee l�chelnd. �Frauen sind so geschickt im Sparen. Ihnen fallen oft Sparm�glichkeiten ein, die ein Mann einfach �bersieht. Zum Beispiel k�nnte sie ihre Kleider selber machen. Meine Frau hat alles selber gemacht, war sehr geschickt in allen Handarbeiten � eine gute Frau war sie, wirklich, nur langweilig -�</p><p>David sprang auf. �Meine Mutter -�</p><p>�Setz dich!�, sagte Simeon barsch. �Deine Mutter hatte ein Hasenherz und ein H�hnerhirn. Und ich glaube, beides hat sie euch allen vererbt.� Er erhob sich pl�tzlich. Auf seinen Wangen bildeten sich rote Flecken, und seine Stimme klang nun laut und schrill. �Keiner von euch ist einen Penny wert! Keiner! Ich habe so genug von euch allen! Schw�chlinge seid ihr � alberne Schw�chlinge! Pilar ist mehr wert als zwei von euch zusammengenommen. Ich schw�re zu Gott, dass ich irgendwo auf der Welt einen besseren Sohn habe, auch wenn er vielleicht nicht im rechten Ehebett geboren ist.�</p><p>�Jetzt ist es genug, Vater!�, rief Harry.</p><p>Er war aufgesprungen, und �ber sein sonst heiteres Gesicht legte sich Zornesr�te.</p><p>�Das alles gilt ebenso gut f�r dich!�, schnauzte Simeon ihn an. �Was hast du denn jemals getan? Mich dauernd um Geld angewinselt! Mich aus allen vier Himmelsrichtungen angebettelt! Ich sag euch noch einmal: Ich habe genug von euch allen! Hinaus!�</p><p>Der alte Lee sank in seinen Stuhl zur�ck. Langsam, eines nach dem anderen, verlie�en seine Kinder das Zimmer. George war rot und entsetzt, Magdalene sah erschrocken aus, David war leichenblass und zitterte, Harry trug den Kopf hoch, und Alfred schob sich wie ein Traumwandler Schritt f�r Schritt vorw�rts. Lydia folgte ihm, sicher, gefasst, wie immer. Nur Hilda blieb auf der Schwelle stehen und ging dann zu ihrem Schwiegervater zur�ck. Die Art, wie sie ruhig und unbeweglich dicht vor seinem Sessel stehen blieb, hatte etwas Drohendes.</p><p>�Als dein Brief kam�, sagte sie, �habe ich wirklich geglaubt, was darin stand: dass du zu Weihnachten deine Familie um dich haben wolltest. Und darum habe ich David �berredet, herzukommen. Aber du willst deine Kinder nur hier haben, um sie alle bei den Ohren zu nehmen, nicht wahr? Wei� Gott, was dir daran Spa� macht.�</p><p>Simeon kicherte. �Ich habe eben von jeher einen ganz besonderen Sinn f�r Humor gehabt. Ich verlange gar nicht, dass man ihn versteht! <emphasis>Ich </emphasis>am�siere mich!�</p><p>Da sie nichts erwiderte, begann Simeon sich pl�tzlich unbehaglich zu f�hlen.</p><p>�Nun, was sagst du dazu?�, fragte er scharf.</p><p>�Ich f�rchte�� Dann stockte sie.</p><p>�Was f�rchtest du? Mich?�</p><p>�Nein, ich f�rchte <emphasis>f�r </emphasis>dich�, entgegnete sie. Wie ein Richter, der eben ein Urteil gef�llt hatte, wandte sie sich um und schritt langsam, schwer aus dem Zimmer.</p><p>Simeon starrte die T�r an, durch die sie verschwunden war. Dann stand er auf und ging zu seinem Safe hin�ber. Er murmelte: �Sehen wir uns lieber meine Sch�nen an.�</p><p>Um ungef�hr ein Viertel vor acht Uhr klingelte es an der T�r. Tressilian �ffnete. Als er in die K�che zur�ckkam, stand dort Horbury, der Kaffeetassen von einem Servierbrett nahm.</p><p>�Wer war das?�, fragte Horbury.</p><p>�Polizeiinspektor Sugden � Mensch, passen Sie doch auf!�</p><p>Aber schon hatte Horbury eine der Tassen fallen lassen, sie zersplitterte auf dem Boden.</p><p>�Sehen Sie sich das an�, jammerte Tressilian. �Elf Jahre lang haben wir dieses Service nun schon, immer habe ich es abgewaschen, und nie ist eine Tasse zerbrochen! Und kaum r�hren Sie etwas an, wovon Sie �berhaupt die Finger lassen sollen, und schon passiert�s.�</p><p>�Es tut mir au�erordentlich Leid, Mr Tressilian�, entschuldigte sich der andere. Gro�e Schwei�tropfen standen ihm auf der Stirn. �Ich wei� gar nicht, wie das geschehen konnte. Sagten Sie, ein Polizeiinspektor habe vorhin gel�utet?�</p><p>�Ja � Mr Sugden.�</p><p>Der Diener befeuchtete seine bleichen Lippen. �Was� was wollte er?�</p><p>�Er sammelt f�r das Polizeiwaisenhaus. Ich habe das Sammelbuch Mr Lee hinaufgebracht, aber er hat mir befohlen, Mr Sugden zu ihm zu schicken und Sherry bereitzustellen.�</p><p>�Nichts als Bettelei um diese Jahreszeit�, bemerkte Horbury. �Der alte Teufel ist freigebig, das muss man sagen, trotz seiner anderen Schw�chen!�</p><p>�Mr Lee war von jeher sehr gro�z�gig�, antwortete Tressilian w�rdevoll.</p><p>Horbury nickte. �Jawohl, das ist seine beste Seite. Nun, ich gehe jetzt.�</p><p>�Ins Kino?�</p><p>�Wahrscheinlich. <emphasis>Bye-bye, </emphasis>Mr Tressilian.�</p><p>Er verschwand durch die T�r, die in den Aufenthaltsraum der Dienstboten f�hrte.</p><p>Tressilian sah auf die Wanduhr. Dann ging er ins Speisezimmer und legte auf jede Serviette ein Br�tchen. Nach einem letzten pr�fenden Blick �ber die lange Tafel trat er zum Gong und l�utete.</p><p>W�hrend der letzte Ton verklang, kam Inspektor Sugden die Treppe herunter. Er war ein gro�er, gut aussehender Mann, trug einen eng gekn�pften blauen Anzug und bewegte sich etwas wichtigtuerisch.</p><p>�Ich glaube, wir bekommen Frost heute Nacht�, sagte er leutselig. �Gl�cklicherweise, denn das Wetter war ja unnat�rlich warm in der letzten Zeit.�</p><p>Tressilian bemerkte, dass die Feuchtigkeit seinen Rheumatismus f�rdere, worauf der Inspektor feststellte, Rheumatismus sei eine sehr schmerzhafte Sache, und dann mit einem freundlichen Gru� ging.</p><p>Der alte Butler sperrte die Haust�r hinter ihm wieder ab und ging langsam in die Halle zur�ck. Er fuhr sich mit der Hand �ber die Augen und seufzte. Doch als er Lydia ins Wohnzimmer gehen sah, richtete er sich steif auf. George Lee kam eben die Treppe herunter. Sobald der letzte Gast, Magdalene, im Wohnzimmer verschwunden war, trat Tressilian ein und murmelte:</p><p>�Das Nachtessen ist serviert.�</p><p>Tressilian war in seiner Art ein Kenner von Damenmode. Wenn er, die Weinflasche in der Hand, jeweils um den Tisch ging und die Gl�ser nachf�llte, betrachtete und kritisierte er insgeheim die Kleider der Damen. Mrs Alfred trug ihr neues wei�-schwarzes Taftkleid mit den gro�en Blumen. Ein sehr auff�lliger Stoff, aber sie konnte ihn tragen. Mrs George trug ein Designerkleid, dessen war er ganz sicher. Musste eine Menge Geld gekostet haben. Mrs David� nun, sie war eine reizende Frau, aber sie verstand es wirklich nicht, sich anzuziehen. Bei ihrer Figur w�re schwarzer Samt eventuell noch angegangen; doch sie trug einen bunten, vorwiegend knallroten Stoff, und das war entschieden eine Geschmacklosigkeit. Miss Pilar konnte tragen, was sie wollte, sie sah in allem bezaubernd aus. Immerhin war ihr wei�es, leichtes Kleidchen doch wohl ein bisschen gar zu billig. Nun � dem w�rde Mr Lee ja in Zukunft abhelfen! Er war ja f�rmlich verliebt in seine Enkelin. So waren �ltere Herren nun einmal: Ein junges, frisches Gesicht verhexte sie!</p><p>�Wei�wein oder Rotwein?�, fl�sterte Tressilian Mrs George ins Ohr. Dabei beobachtete er aus dem Augenwinkel, wie Walter, der zweite Diener, schon wieder das Gem�se vor der Bratensauce servierte � nach allem, was er ihm eingesch�rft hatte!</p><p>Tressilian reichte das Souffle herum. Nun, da sein Interesse an den Kleidern der Damen und Walters Ungeschicklichkeiten abgeflaut war, fiel ihm erst auf, wie still heute Abend jedermann war. Das hei�t, nicht eigentlich still. Der s�dafrikanische Herr zum Beispiel redete f�r drei, und auch die anderen Herrschaften sprachen miteinander, aber alles wirkte so krampfhaft. Es herrschte eine seltsame Atmosph�re.</p><p>Mr Alfred sah richtiggehend krank aus, als h�tte er einen Schock gehabt. Er stocherte auf seinem Teller herum, ohne zu essen. Seine Frau machte sich sichtlich Sorgen um ihn. Sie sah ihn dauernd an � unauff�llig nat�rlich. Mr George war sehr rot im Gesicht. Er verschlang sein Essen, ohne �berhaupt wahrzunehmen, was er a�. Mrs George a� wie ein V�gelchen. Miss Pilar hingegen schien es herrlich zu schmecken, und sie unterhielt sich gro�artig mit dem S�dafrikaner. Er war offensichtlich in sie verliebt. Die beiden schien nichts zu bedr�cken.</p><p>Mr David? Tressilian tat er Leid. Er glich so sehr seiner Mutter, und er sah noch so jung aus. Aber ein Nervenb�ndel. Da � jetzt hatte er sogar sein Glas umgeworfen. Tressilian trocknete schnell auf und stellte ein neues Glas hin. Mr David schien gar nichts von dem Zwischenfall bemerkt zu haben, sondern starrte mit leichenblassem Gesicht vor sich hin.</p><p>�brigens komisch, wie bleich Horbury vorhin geworden war, als er h�rte, dass ein Polizeiinspektor ins Haus gekommen sei. Fast als ob �</p><p>Tressilian wurde j�h aus seinen �berlegungen gerissen. Walter hatte eine Birne von der Platte fallen lassen, die er eben herumreichte. Diener nannte sich so etwas. Stallburschen sollten diese Jungen werden.</p><p>Da � Mrs Alfred war aufgestanden. Sie glitt um den Tisch. Wirklich eine elegante Erscheinung in dem extravaganten Taftkleid. Eine sch�ne und bezaubernde Frau.</p><p>Tressilian servierte den Herren Portwein und verlie� dann das Speisezimmer. Gleich darauf trug er das Tablett mit dem Kaffee ins Wohnzimmer. Die vier Damen sa�en schweigsam und eher gezwungen beisammen.</p><p>Als Tressilian wieder herauskam, h�rte er, wie die T�r zum Speisezimmer ge�ffnet wurde. David Lee trat in die Halle und ging hin�ber ins Wohnzimmer.</p><p>In der K�che setzte sich Tressilian m�de auf einen Stuhl. Er war bedr�ckt. Heiliger Abend, und all diese Spannung und Unrast. Es gefiel ihm ganz und gar nicht. Nach einer Weile erhob er sich m�hsam, um im Wohnzimmer die Kaffeetassen abzur�umen. Der Raum war jetzt leer. Nur Lydia stand, halb versteckt durch den Vorhang, am Fenster vorn und sah in die Nacht hinaus. Nebenan wurde Klavier gespielt.</p><p>Aber warum spielte Mr David den �Totenmarsch�? Denn das klang ged�mpft her�ber, ein Trauermarsch. Irgendetwas Bedrohliches entwickelte sich, ganz bestimmt. Tressilian sch�ttelte betr�bt den Kopf und ging langsam mit dem Kaffeegeschirr hinaus.</p><p>Erst als er wieder in der K�che stand, h�rte er den L�rm von oben: ein Splittern von Porzellan, umst�rzende M�belst�cke, eine ganze Reihe von schweren St��en und krachenden Ger�uschen.</p><p>�Allm�chtiger!�, dachte Tressilian. �Was um Gottes willen treibt denn der alte Herr? Was ist da oben los?�</p><p>Und dann ert�nte ein Schrei � hell und schrill �, ein entsetzliches, angsterf�lltes Aufheulen, das in einem erstickten Gurgeln erstarb.</p><p>Tressilian blieb einen Augenblick wie gel�hmt stehen; aber dann rannte er in die Halle hinaus und die Treppe empor. Andere stie�en zu ihm. Der f�rchterliche Schrei schien im ganzen Haus geh�rt worden zu sein. Alles hastete die geschwungene Treppe hinauf, an der gro�en Nische vorbei, in der wei�e, unheimliche Statuen leuchteten, und durch den langen Korridor auf Simeon Lees Zimmert�r zu. Mr Farr und Mrs David standen bereits dort. Sie lehnte sich gegen die Wand, und er versuchte; die Klinke herunterzudr�cken.</p><p>�Die T�r ist abgeschlossen�, fl�sterte er. �Abgeschlossen.� Harry Lee dr�ngte sich vor, schob ihn beiseite und versuchte seinerseits, die T�r zu �ffnen. �Vater!�, schrie er. �Vater! Lass uns doch hinein!�</p><p>Er hob die Hand, und alle horchten bewegungslos; es kam keine Antwort. Kein Laut drang aus dem Zimmer.</p><p>Die T�rglocke schrillte, aber es achtete niemand darauf.</p><p>Stephen Farr sagte: �Wir werden die T�r aufbrechen m�ssen. Anders kommen wir nicht hinein.�</p><p>�Das wird nicht so leicht sein�, keuchte Harry. �Diese T�ren sind sehr solid. Komm, Alfred!�</p><p>Sie warfen sich gegen das feste Holz, stie�en, m�hten sich ab; schlie�lich holte man eine schwere Eichenbank als Prellbock. Endlich gab die T�r nach und brach aus den Angeln.</p><p>W�hrend mindestens einer Minute standen alle dicht gedr�ngt und starrten ins Zimmer. Was sie sahen, pr�gte sich allen tief ins Ged�chtnis ein.</p><p>Es musste ein erbitterter Kampf stattgefunden haben. Schwere M�bel waren umgeworfen. Porzellanvasen lagen in Scherben auf dem Boden. In der Mitte des Teppichs vor dem hell flackernden Feuer lag Simeon Lee in einer gro�en Blutlache. Blut war im ganzen Raum herum verspritzt. Das Zimmer glich einem Schlachthaus.</p><p>Jemand seufzte tief, und dann ert�nten nacheinander zwei Stimmen. Eigent�mlicherweise sprachen beide Zitate aus.</p><p>David Lee sagte: �Die M�hlen Gottes mahlen langsam.�</p><p>Und Lydia fl�sterte zitternd: �Wer konnte denken, dass der alte Mann noch so viel Blut in sich gehabt�?�</p><p>Inspektor Sugden hatte schon dreimal gel�utet. Nun setzte er verzweifelt den T�rklopfer in Bewegung. Nach langer Zeit erschien endlich ein v�llig verst�rter Walter und �ffnete ihm.</p><p>�Ach�, sagte er nur und schien erleichtert zu sein. �Ich wollte eben die Polizei anrufen.�</p><p>�Weswegen?�, fragte Inspektor Sugden scharf.</p><p>�Der alte Mr Lee�, fl�sterte Walter. �Jemand hat ihn erledigt.�</p><p>Sugden stie� den Diener beiseite und rannte die Treppe hinauf. Er betrat das Zimmer, ohne dass jemand seine Anwesenheit bemerkt h�tte. Im Moment seines Eintretens sah er, dass Pilar sich b�ckte und etwas vom Boden aufhob. Auch nahm er sofort wahr, dass David Lee die H�nde vors Gesicht geschlagen hatte. Die anderen standen in einer Gruppe beisammen. Nur Alfred Lee war totenblass neben den Leichnam des Vaters getreten und sah auf ihn hinunter.</p><p>George Lee befahl wichtigtuerisch: �Es darf nichts ber�hrt werden, merkt euch das, nichts! Bis die Polizei kommt.�</p><p>�Erlauben Sie�, sagte Sugden und dr�ngte sich h�flich an den Damen vorbei.</p><p>�Ach! Inspektor Sugden?�, sagte Alfred, der ihn kannte. �Sie waren aber rasch hier!�</p><p>�Jawohl, Mr Lee!� Sugden verschwendete keine Zeit mit Erkl�rungen. �Was ist geschehen?�</p><p>�Mein Vater ist get�tet, ermordet worden�, antwortete Alfred erstickt.</p><p>Magdalene begann pl�tzlich hysterisch zu schluchzen.</p><p>Inspektor Sugden bat mit einer Handbewegung um Ruhe. �Ich bitte alle Anwesenden, au�er Mr George Lee, das Zimmer zu verlassen.�</p><p>Wortlos wandten sich alle zum Gehen, willenlos wie Schafe. Sugden hielt Pilar zur�ck.</p><p>�Verzeihen Sie, Miss�, sagte er freundlich. �Es darf nichts ber�hrt oder von der Stelle ger�ckt werden.�</p><p>Sie starrte ihn an. Stephen Farr sagte ungeduldig:</p><p>�Das ist wohl klar! Das wei� Miss Estravados!�</p><p>Inspektor Sugden fuhr im gleichen liebensw�rdigen Ton fort: �Sie hoben doch eben etwas vom Boden auf.�</p><p>Pilar riss die Augen auf. �Ich?�, fragte sie ungl�ubig.</p><p>�Ja. Sie. Ich habe Sie dabei beobachtet. Bitte, geben Sie�s mir.�</p><p>Langsam �ffnete Pilar die Hand. Sie hatte ein kleines Gummist�ck und einen winzigen h�lzernen Gegenstand darin verborgen gehalten. Sugden nahm beides an sich, steckte es in einen Umschlag und lie� diesen in seiner Brusttasche verschwinden. �Danke�, sagte er h�flich und wandte sich um.</p><p>Stephen Farr sah ihn respektvoll an. Es war, als ob er den h�bschen jungen Polizeiinspektor bis dahin untersch�tzt h�tte. Dann gingen auch er und Pilar langsam hinaus. Hinter sich h�rten sie die sachlichen Worte des Inspektors: �Und jetzt, bitte��</p><p>�Es geht doch nichts �ber ein Kaminfeuer�, sagte Colonel Johnson als er einen neuen Buchenklotz in die Flammen legte und seinen Stuhl n�her zum flackernden Feuer zog. �Bitte, bedienen Sie sich�, forderte er seinen Gast auf, indem er auf die Flasche wies, die auf dem Tischchen stand.</p><p>Nun, Colonel Johnson, Polizeichef von Middleshire, mochte ein Kaminfeuer f�r das h�chste der Gef�hle halten, aber Hercule Poirot, sein Gast, war der Meinung, eine gute Zentralheizung, die einem auch den R�cken und nicht nur die Schuhsohlen w�rmt, sei weit angenehmer.</p><p>�Ja, das war ein eigenartiger Fall, die Sache mit Cartwright�, bemerkte der Gastgeber nachdenklich. �Ein erstaunlicher Mann, charmant, gute Manieren� Tats�chlich, wir haben ihm doch alle aus der Hand gefressen, als er neu hierher kam. Und dann das! Einmalig! Nikotin als Gift ist wirklich selten � gl�cklicherweise!�</p><p>�Es gab eine Zeit, da taten Sie jegliche Art von Giftmord als unenglisch ab�, warf Hercule Poirot ein. �Teufelei von Ausl�ndern, unsportlich.�</p><p>�Nun, das kann ich heute nicht mehr sagen�, meinte der Colonel. �Wir haben ziemlich viele Arsenmorde � vielleicht mehr, als angenommen. �berhaupt sind Giftmorde immer eine unangenehme Sache. Die Zeugen widersprechen sich meistens, die �rzte sind �bervorsichtig in ihren Aussagen, und man wei� manchmal kaum, wie man den Fall vor ein Geschworenengericht bringen soll. Nein, wenn schon Mord, dann irgendetwas Klares, etwas, das keine Zweifel �ber die Todesursache offen l�sst!�</p><p>Poirot nickte. �Also die Schusswunde, die durchschnittene Kehle, der eingeschlagene Sch�dell? Ziehen Sie solche Tatsachen vor?�</p><p>�Vorziehen ist wohl nicht das richtige Wort. Bitte, glauben Sie ja nicht, dass ich Mordf�lle liebe. Ich m�chte, wenn m�glich, nie mehr einen behandeln m�ssen. Nun, w�hrend Ihres Aufenthalts bei mir d�rften wir wohl sicher sein. Weihnachten - Friede auf Erden. Liebet einander und all das, wissen Sie.�</p><p>Hercule Poirot lehnte sich in seinem Lehnstuhl zur�ck und betrachtete seinen Gastgeber nachdenklich.</p><p>�Sie glauben also�, murmelte er nach einer Weile, �dass die Weihnachtszeit keine Saison f�r Morde sei?�</p><p>�Ja, das glaube ich.� Johnson war leicht aus dem Konzept gebracht. �Eben, wie ich sagte, wegen der allgemeinen Vers�hnlichkeit und so��</p><p>�Die Engl�nder sind so sentimental�, bemerkte Poirot leise.</p><p>�Na und?�, fragte Johnson hochm�tig. �Wir sind eben traditionsbewusst. Wem schadet das?�</p><p>�Niemandem. Es ist im Gegenteil sehr sympathisch. Aber wenn wir es n�chtern betrachten: Ist Weihnachten nicht auch das Fest der Freude? Pflegt man zu Weihnachten nicht reichlich zu essen und zu trinken? Sich vielleicht zu �beressen? Nun, der �bervolle Magen f�hrt zu Magenverstimmung, und die Magenverstimmung zu Reizbarkeit.�</p><p>�Verbrechen�, warf der Colonel ein, �werden nicht aus Reizbarkeit begangen.�</p><p>�Ich bin nicht so sicher. Und noch was: Weihnachten ist das Fest der Vers�hnung, sagten Sie. Alte Streitigkeiten werden vergessen und vergeben, Menschen, die sich nicht mehr vertragen haben, sind bereit, sich wieder gut zu sein � wenn auch vielleicht nur vor�bergehend.�</p><p>Johnson nickte. �Man begr�bt die Kriegsbeile.�</p><p>�Und Familien�, fuhr Poirot unbeirrt fort, �die jahrelang getrennt waren oder sich das Jahr hindurch nie sahen, vereinigen sich wieder. Das, mein Freund, f�hrt zu Spannungen, glauben Sie mir. Menschen, die keineswegs nett voneinander denken, geben sich M�he, nett zu scheinen. Deshalb ist Weihnachten auch eine Zeit der Heuchelei, gut gemeinter Heuchelei, in der besten Absicht,<emphasis>c�est entendu,</emphasis> aber eben doch Heuchelei!� Er l�chelte Johnson strahlend an. �Wohlverstanden, <emphasis>mon cher</emphasis>, das ist meine Ansicht! Ich versuche Ihnen begreiflich zu machen, dass es unter diesen Umst�nden � seelische Spannung und k�rperliche <emphasis>malaise</emphasis> � durchaus m�glich ist, dass Abneigungen, die bisher gering, Zwistigkeiten, die bisher ziemlich bedeutungslos waren, pl�tzlich viel ernsteren Charakter annehmen. Das Resultat dieser vorgespiegelten Vers�hnlichkeit und Gro�m�tigkeit muss fr�her oder sp�ter zur Explosion von Hassgef�hlen und Rachsucht f�hren, die viel intensiver sind, als sie es das ganze Jahr hindurch waren. Wenn Sie den Strom nat�rlicher Regungen eind�mmen, mon ami, dann muss dieser Damm einmal brechen, und dann gibt�s eine �berschwemmung!�</p><p>Colonel Johnson sah seinen Gast zweifelnd an.</p><p>�Ich wei� nie, wann Sie ernsthaft reden und wann Sie mich auf den Arm zu nehmen versuchen�, brummte er.</p><p>Poirot l�chelte. �Ich meine es nicht ernst, ganz und gar nicht. Trotzdem ist es wahr: K�nstlich gez�chtete und erzeugte Stimmungen f�hren zwangsl�ufig zu bestimmten Reaktionen.�</p><p>Colonel Johnsons Diener erschien unter der T�r.</p><p>�Inspektor Sugden ist am Telefon, Sir.�</p><p>�Ja, ich komme.� Mit einer Entschuldigung Poirot gegen�ber ging Johnson hinaus, kam aber schon nach kaum drei Minuten wieder zur�ck. Er sah ernst und verst�rt aus.</p><p>�Der Teufel hol�s!�, stie� er hervor. �Ein Mord! Am Heiligen Abend � ein Mord!�</p><p>Poirot hob erstaunt die Augenbrauen. �Sind Sie ganz sicher? Ich meine, dass es Mord ist?�</p><p>�Wie? Ach so. Ja, es ist gar nichts anderes m�glich. Ein absolut klarer Fall. Mord � und ein sehr brutaler dazu!�</p><p>�Wer ist das Opfer?�</p><p>�Der alte Simeon Lee, einer der reichsten M�nner dieser Gegend. Machte in S�dafrika ein Verm�gen. Mit Gold, nein, mit Diamanten, wenn ich nicht irre. Und au�erdem verdiente er Unsummen mit technischen Verbesserungen der Bergbaumaschinen � irgendetwas, das er selber erfunden hat, soviel ich wei�. Man sagt, dass er mindestens doppelter Million�r sei.�</p><p>�Und war er sehr beliebt?�</p><p>�Ich glaube nicht, dass jemand ihn liebte�, erwiderte Johnson langsam. �Ein eigent�mlicher Kauz. Er war seit Jahren invalide. Ich selber habe ihn nicht n�her gekannt, aber er war zweifellos eine der auffallendsten Erscheinungen weit und breit.�</p><p>�So dass dieser Fall also ziemlich Staub aufwirbeln wird?�</p><p>�Allerdings! Ich muss sofort nach Longdale hin�ber.�</p><p>Poirot stellte die unausgesprochene Frage von sich aus.</p><p>�M�chten Sie, dass ich Sie begleite?�</p><p>Johnson sagte ein wenig betreten: �Nun, ich darf es Ihnen wirklich kaum zumuten. Aber Sie wissen ja, wie das ist: Inspektor Sugden ist ein guter Polizist, genau, sorgf�ltig, durch und durch verl�sslich, nur � Fantasie hat er nicht viel. Da Sie zuf�llig hier sind, w�rde ich nat�rlich gerne von Ihrer Ansicht und Ihrem Rat profitieren.�</p><p>Er hatte vor lauter Verlegenheit fast abgehackt gesprochen. Poirot erwiderte schnell:</p><p>�Ich komme mit Begeisterung. Sie k�nnen auf meine Mithilfe rechnen. Aber wir d�rfen den guten Inspektor nicht beleidigen. Das ist sein Fall � nicht der meine. Ich werde lediglich als sachverst�ndiger Beobachter fungieren.�</p><p>�Sie sind wirklich ein Freund, Poirot�, sagte Johnson warm.</p><p>Ein Polizist �ffnete ihnen die Eingangst�r und salutierte stramm. Hinter ihm kam Inspektor Sugden durch die Halle.</p><p>�Ich bin froh, Sie hier zu sehen, Sir. Wollen wir in den Raum gleich links gehen � Mr Lees Arbeitszimmer? Ich m�chte den Fall kurz mit Ihnen durchgehen. Das Ganze ist eine scheu�liche Sache.�</p><p>Er f�hrte die beiden Herren in ein kleines Zimmer auf der linken Seite der Halle. Ein gro�er, mit Papieren bedeckter Schreibtisch nahm die Mitte des Raums ein; die W�nde waren von B�cherschr�nken verdeckt.</p><p>Der Colonel stellte vor: �Sugden, das ist Hercule Poirot, von dem Sie bestimmt schon geh�rt haben. Er war zuf�llig bei mir. Inspektor Sugden.�</p><p>Poirot machte eine kleine Verbeugung und betrachtete den andern. Er sah einen gro� gewachsenen Mann mit breiten Schultern, milit�rischem Gehabe, einer schmalen, langen Nase, k�hner Kinnpartie und einem gro�en, dichten braunen Schnurrbart. Sugden starrte Hercule Poirot an, Hercule Poirot starrte fasziniert Sugdens Schnurrbart an.</p><p>�Gewiss habe ich schon von Ihnen geh�rt, Mr Poirot�, sagte der Inspektor. �Sie waren doch vor einigen Jahren hier in England, nicht wahr? Der Fall von Sir Bartholemew Strange. Giftmord, Nikotin. Nicht in meinem Distrikt, aber nat�rlich wei� ich davon.�</p><p>�Also, Sugden, was ist hier passiert?�, unterbrach ihn sein Vorgesetzter. �Ein ganz klarer Fall, sagten Sie.�</p><p>�Jawohl, Sir, Mord, ganz ohne Zweifel. Mr Lees Kehle ist durchschnitten und die Halsschlagader dabei verletzt worden, stellte der Arzt fest. Aber irgendetwas stimmt bei der Sache nicht. Die Umst�nde liegen folgenderma�en: Heute Nachmittag um f�nf Uhr erhielt ich im Addlesfielder Polizeib�ro einen Anruf von Mr Lee. Er schien verwirrt, bat mich, um acht Uhr abends vorbeizukommen und dem Butler zu sagen, ich sammelte f�r irgendeine unserer Wohlt�tigkeitsinstitutionen.�</p><p>�Er suchte also nach einem plausiblen Grund, um Sie ins Haus zu bekommen?�</p><p>�Jawohl, Sir. Nun, Mr Lee ist eine so wichtige Pers�nlichkeit, dass ich nat�rlich zu kommen versprach. Kurz vor acht war ich hier und sagte, ich k�me f�r die Sammlung zugunsten des Polizeiwaisenhauses. Der Butler meldete mich an und f�hrte mich dann in das Zimmer von Mr Lee im ersten Stock, das direkt �ber dem Speisezimmer liegt.�</p><p>Sugden machte eine Pause, holte Atem und fuhr dann mit seinem Rapport fort.</p><p>�Mr Lee sa� in einem Lehnstuhl vor dem Kamin. Er trug einen Schlafrock. Mr Lee bot mir dicht neben sich Platz an und sagte dann ziemlich z�gernd, dass er mir einen Diebstahl zu melden habe. Er habe Grund, anzunehmen, dass Diamanten - ungeschliffene Diamanten, sagte er, wenn ich mich recht erinnere � im Wert von mehreren tausend Pfund aus seinem Safe entwendet worden seien.�</p><p>�Diamanten?�, warf der Colonel ein.</p><p>�Jawohl, Sir. Ich stellte ihm ein paar sachliche Fragen, aber er beantwortete sie unsicher, ausweichend. Schlie�lich sagte er: �Sehen Sie, Inspektor, ich k�nnte mich ja auch irren.� � �Wieso?� fragte ich. �Entweder sind die Diamanten verschwunden; oder sie sind nicht verschwunden.� Darauf antwortete er: �Die Diamanten sind verschwunden, aber es k�nnte sich dabei ja auch um einen dummen Scherz handeln.� Das habe ich nicht begriffen. Und er fuhr fort: �Soweit ich es beurteilen kann, k�nnen nur zwei Menschen die Steine genommen haben. Eine dieser Personen d�rfte es wirklich aus Jux getan haben. Wenn aber die andere Person sie haben sollte, dann liegt ein Diebstahl vor. Ich bitte Sie nun, Inspektor, in einer Stunde, oder sagen wir um Viertel nach neun, wieder herzukommen. Dann werde ich in der Lage sein, Ihnen mit Bestimmtheit zu sagen, ob man mich bestohlen hat oder nicht.� Darauf versprach ich ihm wiederzukommen und ging.�</p><p>Colonel Johnson sah Poirot gro� an. �Merkw�rdig � sehr sonderbar, nicht wahr, Poirot?�</p><p>�Darf ich wissen, welche Schlussfolgerungen Sie selber aus alldem ziehen, Inspektor?�, fragte Poirot.</p><p>Sugden rieb sich nachdenklich das Kinn, w�hrend er vorsichtig antwortete: �Nun, mir kamen viele Gedanken in den Sinn, aber eines steht f�r mich ganz fest: dass niemand an einen Scherz gedacht hat und dass die Diamanten tats�chlich gestohlen worden sind; nur war sich der alte Herr noch nicht im Klaren, wer der T�ter sein k�nnte. Ich vermute, dass von den beiden Personen, die er erw�hnte, eine der Dienerschaft und eine der Familie angeh�rt.�</p><p>Poirot nickte anerkennend. <emphasis>�Tr�s bien! </emphasis>Das w�rde seine undurchsichtige Haltung erkl�ren.�</p><p>�Deshalb wahrscheinlich auch seine Bitte, ich m�chte sp�ter noch einmal zur�ckkommen. Er wollte in der Zwischenzeit mit der betreffenden Person reden und ihr sagen, dass er bereits mit der Polizei Kontakt aufgenommen habe, eine Untersuchung aber noch aufhalten k�nne, sofern die Steine sofort zur�ckgegeben w�rden.�</p><p>�Und wenn der oder die Schuldige leugnete?�, warf Colonel Johnson ein.</p><p>�In diesem Fall wollte er die ganze Sache der Polizei �bergeben, Sir.�</p><p>�Das h�tte er doch von Anfang an tun k�nnen, ohne Sie herzubestellen.�</p><p>�Nein, Sir�, wandte der Inspektor eifrig ein. �Das h�tte wie eine leere Drohung ausgesehen und w�re nicht halb so �berzeugend gewesen. Die schuldige Person h�tte sich vielleicht gesagt: �Der Alte wird die Polizei doch nicht rufen, es sind ja blo�e Vermutungen!� Aber wenn ihm nun der alte Herr sagen konnte, dass er bereits mit der Polizei gesprochen, dass der Inspektor eben fortgegangen sei, und wenn der Butler das noch best�tigte, falls der Dieb ihn danach fragte � dann musste das den T�ter �berzeugen, dass Mr Lee handeln w�rde, und dann h�tte es ihn vermutlich bewogen, die Diamanten zur�ckzugeben.�</p><p>�Hm � ja. Das hat etwas f�r sich�, brummte Colonel Johnson. �Haben Sie eine Ahnung, Sugden, wer dieses Familienmitglied sein k�nnte?�</p><p>�Nein, Sir.�</p><p>�Keinerlei Anhaltspunkte?�</p><p>�Nein, Sir.�</p><p>Johnson sch�ttelte den Kopf. Dann sagte er verdrie�lich: �Sch�n, dann fahren Sie fort.�</p><p>�Ich kam also um genau neun Uhr f�nfzehn wieder her. Im Moment, wo ich l�uten wollte, h�rte ich von innen einen Schrei und dann ein ged�mpftes Rufen und Rennen. Ich l�utete wiederholt und ben�tzte sogar den T�rklopfer. Es dauerte mindestens drei Minuten, wenn nicht vier, bis mir jemand �ffnete. Der Diener zitterte am ganzen Leib und sah aus, als werde er ohnm�chtig zusammenbrechen. Er stammelte, Mr Lee sei ermordet worden. Ich rannte die Treppe hinauf. Mr Lees Zimmer war in einem unbeschreiblichen Zustand. Es hatte dort ganz offensichtlich ein schwerer Kampf stattgefunden. Mr Lee lag vor dem Kaminfeuer � mit durchgeschnittener Kehle in einer Blutlache.�</p><p>�Selbstmord ist also ausgeschlossen?�, fragte der Colonel scharf.</p><p>�Ausgeschlossen, Sir. Erstens: die umgeworfenen St�hle und Tische, die zerbrochenen Vasen und Statuetten, und zweitens: das Fehlen irgendeines Messers oder Rasiermessers, mit welchem das Verbrechen begangen wurde.�</p><p>�Ja, das ist aufschlussreich. War jemand im Zimmer?�</p><p>�Fast die ganze Familie, Sir. Alle standen beisammen.�</p><p>Colonel Johnson sah den Inspektor scharf an. �Irgendeinen Verdacht, Sugden?�</p><p>�Es ist eine schlimme Sache, Sir�, antwortete der Inspektor bed�chtig. �Es sieht aus, als m�sse jemand von ihnen es getan haben. Ich kann mir nicht vorstellen, wie irgendein Fremder hereinkommen, den Mord begehen und rechtzeitig wieder h�tte fliehen k�nnen.�</p><p>�Waren die Fenster offen oder geschlossen?�</p><p>�Es sind zwei Fenster in dem Zimmer, Sir. Eines war geschlossen und verriegelt. Das andere stand einen Spaltbreit offen, war aber durch einen Sicherheitsriegel gehalten. Ich habe sofort versucht, es zu �ffnen, aber es steckte fest, wurde seit Jahren nicht weiter ge�ffnet, glaube ich. Au�erdem ist die Hauswand sehr glatt, kein Efeu, keine Kletterpflanzen. Ich glaube nicht, dass jemand auf diesem Weg fliehen konnte.�</p><p>�Wie viele T�ren hat das Zimmer?�</p><p>�Nur eine. Und die war von innen abgesperrt. Als die Hausbewohner den Schrei des alten Herrn h�rten und hinaufrannten, mussten sie zuerst die T�r aufbrechen.�</p><p>�Und? Wer war im Zimmer?� Gespannt stie� Johnson diese Frage hervor.</p><p>�Niemand, Sir. Niemand au�er dem alten Mann, den man f�nf Minuten zuvor get�tet hatte.�</p><p>Colonel Johnson starrte Sugden sekundenlang fassungslos an. Dann �berst�rzten sich seine Worte. �Wollen Sie mir vielleicht weismachen, Inspektor, dass hier einer jener bl�dsinnigen F�lle vorliegt, die sonst nur in Kriminalromanen vorkommen, wo jemand in einem verschlossenen Raum durch irgendwelche �bernat�rlichen M�chte umgebracht wird?�</p><p>Ein kaum wahrnehmbares L�cheln brachte Sugdens Schnurrbart leise zum Zittern.</p><p>�Ich glaube, gar so geheimnisvoll ist es nicht, Sir.�</p><p>�Also Selbstmord! Es <emphasis>muss </emphasis>Selbstmord sein!�</p><p>�Wo ist dann die Waffe, das Instrument, Sir?�</p><p>�Und wie w�re Ihr M�rder entkommen? Durchs Fenster?�</p><p>Sugden sch�ttelte den Kopf. �Nein Sir, ich k�nnte beschw�ren, dass er das nicht getan hat.�</p><p>�Aber die T�r war von innen abgesperrt?�</p><p>Der Inspektor nickte. Er zog einen Schl�ssel aus der Tasche und legte ihn auf den Tisch. �Fingerabdr�cke sind keine darauf�, gab er bekannt. �Aber sehen Sie sich bitte diesen Schl�ssel einmal durchs Vergr��erungsglas an.�</p><p>Poirot und der Colonel beugten sich beide vor und unterzogen den Schl�ssel einer eingehenden Pr�fung.</p><p>�Bei Gott!�, rief Johnson pl�tzlich. �Jetzt verstehe ich! Diese leichten Kratzer am Bart! Sehen Sie sie, Poirot?�</p><p>�Gewiss sehe ich sie. Das bedeutet, dass der Schl�ssel von au�en gedreht wurde, nicht wahr? Mittels irgendeines Instruments, das durch das Schl�sselloch gesteckt wurde und den Bart fassen konnte. Dazu k�nnte unter Umst�nden schon eine Pinzette gen�gen.�</p><p>Der Inspektor nickte.</p><p>�Und das alles�, fuhr Poirot fort, �damit der Tod wie ein Selbstmord aussehen sollte, nachdem die T�r abgesperrt und niemand im Zimmer war?�</p><p>�Das war vermutlich die Absicht, Mr Poirot.�</p><p>Poirot sch�ttelte den Kopf. �Aber die Unordnung im Zimmer. Der M�rder h�tte doch bestimmt zuallererst die Spuren eines Kampfs verwischt.�</p><p>�Dazu blieb ihm gar keine Zeit, Mr Poirot�, erkl�rte Inspektor Sugden. �Das ist der springende Punkt � er hatte keine Zeit. Nehmen wir an, dass er den alten Herrn �berraschen wollte. Das gelang ihm nicht. Es fand ein Kampf statt � ein Kampf, den man im Zimmer unterhalb genau h�ren musste. Und mehr noch: Der alte Herr rief um Hilfe. Alles rannte die Treppe hinauf. Da blieb dem M�rder wirklich nur noch knapp Zeit, aus dem Zimmer zu schl�pfen und den Schl�ssel von au�en umzudrehen.�</p><p>�Das stimmt�, gab Poirot zu. �So mag sich Ihr M�rder benommen haben. Aber warum, warum in aller Welt lie� er die Waffe nicht liegen? Denn wo keine Waffe ist, kann kein Selbstmord stattgefunden haben. Das ist ein sehr verh�ngnisvolles Versehen.�</p><p>Inspektor Sugden sagte barsch: �Verbrecher machen meistens irgendeinen Fehler. Das erfahren wir immer wieder.�</p><p>Poirot seufzte leise. Dann murmelte er: �Und trotz dieses Fehlers ist er entwischt, der Verbrecher.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass er wirklich entkommen ist�</p><p>�Sie glauben, dass er sich noch in diesem Haus befindet?�</p><p>�Ich w�sste nicht, wo er sonst sein k�nnte. Das Verbrechen ist hier im Haus geschehen.�</p><p>�Aber <emphasis>tout de m�me�, </emphasis>beharrte Poirot liebensw�rdig, �er ist insofern entwischt, als Sie nicht wissen, wer er ist.�</p><p>Inspektor Sugden sagte fest, aber ebenso h�flich: �Ich habe das Gef�hl, dass wir das sehr bald wissen werden. Wir haben noch niemand verh�rt.�</p><p>�H�ren Sie, Sugden�, mischte sich Johnson nun wieder ins Gespr�ch, �etwas will mir nicht in den Kopf: Wer immer den Schl�ssel von au�en im Schloss drehte, muss genau gewusst haben, wie man das macht. Das hei�t, er muss sozusagen Einbrechererfahrung haben, denn diese Spezialwerkzeuge sind gar nicht leicht zu handhaben.�</p><p>�Sie denken an einen Berufsverbrecher, Sir?�</p><p>�Genau das denke ich.�</p><p>�Es sieht wirklich so aus�, gab Sugden zu. �Ich habe mich auch schon gefragt, ob vielleicht unter dem Personal ein professioneller Dieb sei. Das w�rde das Verschwinden der Diamanten erkl�ren, und der Mord w�re dann lediglich eine logische Folge. Aber diese Theorie greift nicht. Von den acht Angestellten sind sechs Frauen, von denen f�nf schon vier Jahre und l�nger im Haus sind. Dann ist da ein Butler und ein Diener. Der Butler ist seit fast vierzig Jahren in der Familie � ein Rekord, m�chte ich sagen. Der Diener ist ein Einheimischer, Sohn des G�rtners und hier aufgewachsen. Ich w�sste nicht, wie und wo er sich Einbrecherkenntnisse h�tte aneignen k�nnen. Und dann ist noch ein weiterer Diener da, der pers�nliche Kammerdiener des alten Herrn. Er ist verh�ltnism��ig neu hier, aber er war nicht im Haus � ist es �brigens noch jetzt nicht �, sondern ist kurz vor acht Uhr ausgegangen.�</p><p>�Haben Sie eine Liste der derzeitigen Bewohner des Hauses?�</p><p>�Jawohl, Sir. Ich habe den Butler nach den Namen gefragt.� Er zog sein Notizbuch hervor. �Soll ich sie Ihnen vorlesen?�</p><p>�Bitte, Sugden.�</p><p>�Mr und Mrs Alfred Lee. Mr George Lee, Abgeordneter, und seine Frau. Mr Harry Lee. Mr und Mrs David Lee. Miss ��, der Inspektor machte eine kleine Pause und nahm dann das Wort sorgf�ltig in Angriff, �Pilar ��, wieder ein Anlauf, �Estravados. Mr Stephen Farr. Dann die Dienerschaft: Edward Tressilian, Butler. Walter Champion, Diener. Emily Reeves, K�chin. Queenie Jones, K�chenm�dchen. Gladys Spent, erstes Hausm�dchen. Grace Best, zweites Hausm�dchen. Beatrice Moscombe, drittes Hausm�dchen. Joan Kench, Haushalthilfe. Dann Sydney Horbury, Kammerdiener.�</p><p>�Und wo befanden sich die Herrschaften Lee alle zur Zeit des Mordes?�</p><p>�Das wei� ich nicht im Detail. Wie ich schon sagte, habe ich noch niemanden verh�rt. Laut Tressilian waren die Herren noch im Speisezimmer, die Damen bereits ins Wohnzimmer gegangen. Tressilian hatte den Kaffee serviert. Er sagt aus, dass er eben in die K�che zur�ckgekommen war, als er den L�rm von oben h�rte, dem fast unmittelbar der Schrei folgte. Er ist dann mit und hinter den anderen die Treppe hinaufgerannt.�</p><p>�Wer von der Familie wohnt hier im Haus, und wer ist nur besuchsweise da?�, fragte Colonel Johnson.</p><p>�Mr und Mrs Alfred Lee wohnen st�ndig hier. Alle andern kamen nur zu Besuch.�</p><p>�Und wo befinden sie sich jetzt?�</p><p>�Ich bat sie, im Wohnzimmer zu bleiben, bis ich bereit sei, ihre Aussagen aufzunehmen.�</p><p>�Gut. Dann wollen wir jetzt hinaufgehen und den Tatort inspizieren.�</p><p>Als sie das Zimmer betraten, in welchem der Mord stattgefunden hatte, pfiff der Colonel leise durch die Z�hne.</p><p>�Ziemlich scheu�lich�, murmelte er.</p><p>Er blieb lange stehen und betrachtete die umgest�rzten St�hle, die Scherben und die blutbefleckten Tr�mmer. Ein magerer �lterer Mann erhob sich n�chst der Leiche von den Knien und nickte kurz.</p><p>�Abend, Johnson�, sagte er. �Nettes Schlachthaus, wie?�</p><p>�Das kann man wohl sagen! Wie lautet Ihr Befund, Doktor?� Der Arzt zuckte die Achseln und l�chelte. �Den wissenschaftlichen Ausdruck daf�r werde ich Ihnen bei der gerichtlichen Totenschau sagen. Es ist ein klarer Fall: Gurgel durchgeschnitten, wie bei einem Schwein. Hat sich binnen weniger Minuten zu Tod geblutet. Keine Waffe vorhanden.� Poirot ging zu den Fenstern. Wie der Inspektor gesagt hatte, war das eine geschlossen und verriegelt. Das andere stand wenige Zentimeter offen, war aber durch einen starken Sicherheitsriegel in dieser Position fixiert.</p><p>�Der Butler behauptet, dass dieses Fenster bei keiner Witterung ganz geschlossen werde�, erkl�rte Sugden. �F�r den Fall, dass Regen hereinpeitschen w�rde, ist der Linoleumbelag darunter angebracht worden, obwohl das �berh�ngende Dach so ziemlich jedes Unwetter abh�lt.�</p><p>Poirot nickte. Er trat wieder zum Leichnam und blickte auf den alten Mann hinunter.</p><p>Die Lippen hatten sich von dem blutleeren Zahnfleisch zur�ckgezogen, so dass es aussah, als ob Simeon Lee die Z�hne fletschte. Die Finger waren gebogen wie Vogelklauen.</p><p>�Er scheint kein kr�ftiger Mann gewesen zu sein�, sagte Poirot.</p><p>�Nun, er war trotzdem sehr widerstandsf�hig�, widersprach der Arzt. �Er hat ein paar Krankheiten �berstanden, die den meisten Menschen zum Verh�ngnis geworden w�ren.�</p><p>�Ich meinte es nicht in diesem Sinn. Ich wollte sagen, dass er physisch kein Riese gewesen ist.�</p><p>�Das stimmt, gewiss. Er war ziemlich zart gebaut.�</p><p>Poirot wandte sich ab und beugte sich forschend �ber einen umgest�rzten Stuhl, einen schweren Mahagonisessel. Daneben stand ein Mahagonitisch mit den Scherben einer gro�en Porzellanlampe. Zwei kleinere St�hle waren ebenfalls umgeworfen, Splitter einer zerbrochenen Flasche und zweier Gl�ser lagen herum, ferner ein unversehrt gebliebener gl�serner Briefbeschwerer, B�cher, eine zertr�mmerte gro�e japanische Vase und die Bronzestatuette eines nackten jungen M�dchens.</p><p>Poirot beugte sich �ber all diese Zeugen eines heftigen Kampfs, ohne jedoch irgendetwas zu ber�hren. Er hob erstaunt die Augenbrauen.</p><p>Colonel Johnson bemerkte das. �F�llt Ihnen etwas Besonderes auf, Poirot?�</p><p>Hercule Poirot seufzte. �Ein so schw�chlicher alter Mann und doch all dies Durcheinander�, murmelte er. Johnson sah ihn erstaunt an. Dann fragte er den Inspektor: �Sind Fingerabdr�cke vorhanden?�.</p><p>�Viele, Sir, �berall im Zimmer.�</p><p>�Und am Safe?�</p><p>�Nur diejenigen des alten Herrn.�</p><p>Johnson wandte sich an den Arzt.</p><p>�Wie steht es mit Blutflecken? Wer immer ihn umgebracht hat, muss doch Blut an sich haben, oder nicht?�</p><p>�Nicht unbedingt�, antwortete der Arzt z�gernd. �Die Blutung erfolgte fast ausschlie�lich durch die Halsschlagader, und die pulsiert weniger stark als etwa eine Arterie.�</p><p>Poirot warf pl�tzlich ein: �Und darum ist das viele Blut verwunderlich, sehr verwunderlich.�</p><p>�K�nnen Sie daraus irgendwelche Schl�sse ziehen?�, fragte Sugden sch�chtern und sehr respektvoll.</p><p>Poirot sah ihn an und sch�ttelte betr�bt den Kopf. �Irgendetwas, Heftigkeit, �bergro�e Gewalt �� Er unterbrach sich und dachte lange nach, ehe er weitersprach. �Ja, das ist es: brutale Gewalt! Und dann das Blut. Es ist hier � wie soll ich mich ausdr�cken? � es ist hier zu viel Blut. Blut auf den St�hlen, auf den Tischen, auf den Teppichen. Ein Blutgericht? Ein Blutopfer? Vielleicht. Dieser zerbrechliche alte Mann, so mager, so eingeschrumpft und vertrocknet und doch vor seinem Sterben so viel Blut in ihm��</p><p>Er verstummte. Sugden, der ihn mit gro�en, erstaunten Augen ansah, fl�sterte fast ehrf�rchtig:</p><p>�Seltsam � genau das hat sie auch gesagt � die Dame.�</p><p>�Welche Dame?�, fragte Poirot scharf. �Was hat sie gesagt?�</p><p>�Mrs Lee � Mrs Alfred Lee. Stand dort an der T�re und murmelte es halblaut. Ich wusste nicht, was sie damit meinte.�</p><p>�Was murmelte sie?�</p><p>�Irgendetwas, dass niemand gedacht h�tte, dass der alte Herr noch so viel Blut in sich h�tte.�</p><p>�Wer konnte denken, dass der alte Mann noch so viel Blut in sich gehabt?�, zitierte Poirot leise. �Die Worte der Lady Macbeth. Eigenartig, dass sie das sagte.�</p><p>Alfred Lee und seine Frau traten in das kleine Arbeitszimmer, wo Poirot, Sugden und der Colonel warteten. Colonel Johnson ging ihnen entgegen.</p><p>�Guten Abend, Mr Lee. Wir sind uns noch nie begegnet, aber Sie werden vermutlich wissen, dass ich Polizeichef der Grafschaft bin. Johnson ist mein Name. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie sehr mich der Vorfall hier ersch�ttert.�</p><p>Alfred, dessen braune Augen an die eines traurigen Hundes erinnerten, sagte heiser: �Ich danke Ihnen. Es ist entsetzlich! Entsetzlich! Meine Frau.�</p><p>Lydias Stimme klang ruhig.</p><p>�Es war ein furchtbarer Schock f�r meinen Mann � f�r uns alle �, aber f�r ihn ganz besonders.�</p><p>Sie legte die Hand auf Alfreds Schulter.</p><p>�Bitte, setzen Sie sich, Mrs Lee�, sagte Johnson. �Darf ich Ihnen Monsieur Hercule Poirot vorstellen?�</p><p>Poirot verbeugte sich. Seine Augen huschten interessiert zwischen den Ehegatten hin und her.</p><p>Lydia dr�ckte Alfred sanft auf einen Stuhl nieder. �Setz dich, Alfred!�</p><p>Alfred gehorchte wortlos. �Hercule Poirot? Wer?� Er fuhr sich benommen �ber die Stirn.</p><p>�Colonel Johnson wird dich vieles fragen wollen, Alfred�, sagte Lydia Lee beherrscht.</p><p>Der Colonel warf ihr einen bewundernden Blick zu. Er war froh, dass Mrs Alfred Lee sich als vern�nftige, gefasste Frau herausstellte.</p><p>�Ja, nat�rlich� gewiss, nat�rlich��, stammelte Alfred.</p><p>Der Schock hat ihn vollkommen erledigt, dachte Johnson. Hoffentlich wird er sich zusammennehmen.</p><p>Laut sagte er: �Ich habe hier eine Liste mit den Namen aller heute Abend im Haus Anwesenden. W�rden Sie mir best�tigen, dass sie stimmt, Mr Lee?�</p><p>Er gab Sugden einen Wink, worauf dieser noch einmal sein Notizbuch hervorzog und s�mtliche Namen herunterlas.</p><p>Die Sachlichkeit, mit welcher hier vorgegangen wurde, schien Alfred Lee zu beruhigen. Er hatte seine Selbstbeherrschung wiedergefunden, und seine Augen blickten nicht mehr verst�rt und gehetzt. Als Sugden geendet hatte, nickte er zustimmend.</p><p>�Die Liste ist korrekt.�</p><p>�W�rden Sie mir Ihre G�ste n�her schildern? Die Ehepaare George Lee und David Lee sind vermutlich Verwandte?�</p><p>�Es sind meine beiden j�ngeren Br�der und ihre Frauen.�</p><p>�Sie sind nur zu Besuch hier?�</p><p>�Ja, sie kamen zur Weihnachtsfeier her.�</p><p>�Mr Harry Lee ist ebenfalls ein Bruder?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und die beiden anderen G�ste? Miss Estravados und Mr Farr?�</p><p>�Miss Estravados ist meine Nichte. Mr Farr ist der Sohn des ehemaligen Gesch�ftspartners meines Vaters in S�dafrika.�</p><p>�Also ein alter Freund?�</p><p>�Nein, wir haben ihn erst jetzt kennen gelernt�, warf Lydia ein.</p><p>�Ach so? Aber Sie haben ihn �ber Weihnachten eingeladen?�</p><p>Alfred z�gerte und sah seine Frau hilflos an. Sie antwortete klar und ruhig auf die Frage. �Mr Farr tauchte gestern recht unerwartet auf. Er war zuf�llig in der Gegend und wollte meinem Schwiegervater einen Besuch machen. Als mein Schwiegervater begriff, dass es sich um den Sohn eines alten Freundes und Gesch�ftspartners handelte, beharrte er darauf, dass Mr Farr Weihnachten mit uns verbringen sollte.�</p><p>�Ich verstehe. Soweit also die Familie. Was nun die Dienerschaft betrifft, Mrs Lee, vertrauen Sie allen Ihren Angestellten?�</p><p>Lydia dachte eine Weile nach, ehe sie antwortete. �Ja. Ich bin sicher, dass sie alle durchaus vertrauensw�rdig sind. Die meisten sind seit Jahren im Haus. Tressilian, der alte Butler, sogar schon seit der Kindheit meines Mannes. Die einzigen, die noch nicht lange hier sind, sind Joan, die Haushalthilfe, und der pers�nliche Kammerdiener und Pfleger meines Schwiegervaters.�</p><p>�Und was halten Sie von den beiden?�</p><p>�Joan ist nicht �berm��ig intelligent. Das ist das Schlimmste, was man von ihr sagen kann. Horbury kenne ich eigentlich kaum. Er ist seit etwas �ber einem Jahr hier. Seiner Arbeit scheint er zuverl�ssig nachzukommen, denn mein Schwiegervater war sehr zufrieden mit ihm.�</p><p>�Aber Sie, Madame, sind nicht dieser Ansicht?�, warf Poirot hier blitzschnell ein.</p><p>Lydia zuckte die Achseln. �Ich habe nichts mit Horbury zu tun.�</p><p>�Immerhin sind Sie die Hausherrin, Madame, und die Dienerschaft untersteht Ihrem Befehl.�</p><p>�Gewiss, aber Horbury war ausschlie�lich zur Bedienung meines Schwiegervaters da und unterstand mir in keiner Weise.�</p><p>�Ach so.�</p><p>Colonel Johnson wurde leicht ungeduldig. �Wir kommen nun zu den Ereignissen des heutigen Abends. Ich f�rchte, dass dies f�r Sie schmerzlich ist, Mr Lee, aber ich bitte Sie, mir genau zu schildern, was eigentlich geschah.�</p><p>Alfred nickte wortlos.</p><p>�Wann sahen Sie zum Beispiel Ihren Vater zum letzten Mal?�, fuhr Johnson rasch fort.</p><p>Alfreds Gesicht verzog sich schmerzlich, und er antwortete sehr leise: �Nach dem Tee. Ich war kurze Zeit bei ihm. Dann sagte ich ihm gute Nacht und verlie� ihn um � wie sp�t mag es gewesen sein? Ungef�hr um ein Viertel vor sechs.�</p><p>�Sie sagten ihm gute Nacht?�, warf Poirot fragend ein. �Setzten Sie denn voraus, dass Sie Ihren Vater heute Abend nicht mehr sehen w�rden?�</p><p>�Ja. Mein Vater speiste sehr leicht am Abend, und sein Nachtessen wurde ihm um sieben Uhr auf seinem Zimmer serviert. Danach pflegte er oft gleich zu Bett zu gehen; manchmal sa� er noch eine Weile in seinem Stuhl, aber er wollte niemanden von der Familie sehen, wenn er nicht ausdr�cklich nach jemandem schickte.�</p><p>�Tat er das �fter?�</p><p>�Es kam vor, wenn er Lust darauf hatte.�</p><p>�Aber es war nicht eigentlich �blich?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Bitte, fahren Sie fort, Mr Lee.�</p><p>�Wir a�en um acht Uhr. Das Essen war vor�ber, und meine Frau war mit den anderen Frauen ins Wohnzimmer gegangen.� Seine Stimme schwankte, und seine Augen starrten wieder gehetzt aus dem fahlen Gesicht. �Wir waren am Tisch sitzen geblieben. Pl�tzlich h�rten wir von oben einen entsetzlichen L�rm. Fallende St�hle, das Splittern von Holz, Glas und Porzellan und dann � mein Gott!� Er schauerte zusammen � �Ich h�re es noch jetzt, dann schrie mein Vater! Ein grauenvoller, lang gezogener Schrei, der Schrei eines Menschen in h�chster Todesangst.�</p><p>Er verbarg sein Gesicht in den zitternden H�nden. Lydia zog ihn beruhigend am �rmel. Colonel Johnson fragte behutsam: �Und dann?�</p><p>�Ich glaube � wahrscheinlich waren wir sekundenlang einfach wie gel�hmt�, sagte Alfred mit erstickter Stimme. �Aber dann sprangen wir auf, rannten zur T�r hinaus und die Treppe zu Vaters Zimmer hinauf. Die T�r war verschlossen. Wir konnten nicht hinein. Mit vereinten Kr�ften mussten wir sie erst aufbrechen. Und dann, als wir ins Zimmer traten, sahen wir��</p><p>Seine Stimme erstarb.</p><p>�Das gen�gt, Mr Lee�, sagte Johnson schnell. �Bitte, gehen wir noch ein paar Minuten zur�ck, also zu dem Zeitpunkt, als Sie noch im Speisezimmer sa�en. Wer war mit Ihnen dort, als der Schrei ert�nte?�</p><p>�Wer? Nun, wir alle. Nein, warten Sie. Mein Bruder war bei mir, mein Bruder Harry.�</p><p>�Sonst niemand?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wo waren denn die anderen Herren?�</p><p>Alfred runzelte die Stirne und bem�hte sich, nachzudenken. �Wo waren sie? Es scheint alles so weit zur�ckzuliegen. Jahre zur�ck. Wie war es? Ja, richtig, George war zum Telefon gegangen. Wir begannen Familienangelegenheiten zu besprechen, und Mr Farr sagte, dass er uns dabei nicht st�ren wollte, und empfahl sich, sehr liebensw�rdig und taktvoll.�</p><p>�Und Ihr Bruder David?�</p><p>�David? War er nicht da? Nein, nat�rlich nicht. Ich wei� wirklich nicht, wann er aus dem Zimmer ging.�</p><p>�Sie hatten also Familienangelegenheiten zu diskutieren?�, wiederholte Poirot fragend.</p><p>�J-ja, ja, gewiss.�</p><p>�Hei�t das, dass Sie eine Auseinandersetzung mit <emphasis>einem </emphasis>Mitglied Ihrer Familie hatten?�</p><p>�Was wollen Sie damit sagen?� Lydias Frage kam rasch.</p><p>Poirot wandte sich ihr fast heftig zu. �Madame, Ihr Gatte sagt aus, dass Mr Farr sich entfernte, weil Familienangelegenheiten besprochen werden sollten. Es kann sich jedoch nicht um einen Familienrat gehandelt haben, nachdem sowohl Mr David als auch Mr George nicht anwesend waren. Also war es eine Auseinandersetzung zwischen nur zwei Mitgliedern der Familie, nicht wahr?�</p><p>�Mein Schwager Harry war jahrelang verreist gewesen. Es ist wohl nat�rlich, dass er und mein Mann sich manches zu sagen hatten.�</p><p>�Ach, ich verstehe. So war das.�</p><p>Sie warf ihm einen schnellen Blick zu und schlug dann die Augen nieder.</p><p>�Nun, das scheint ja klar zu sein�, stellte Johnson fest. �Bemerkten Sie, ob au�er Ihnen noch jemand die Treppe zum Zimmer Ihres Vaters hinauf rannte?�</p><p>�Ich � ich wei� nicht. Ich glaube schon. Wir kamen alle aus den verschiedensten Richtungen. Aber ich habe nichts klar erfasst � ich war so aufgeregt. Dieser entsetzliche Schrei��</p><p>Colonel Johnson ging schnell zu einem anderen Thema �ber. �Danke, Mr Lee. Nun ist da noch ein Punkt: Wenn ich recht unterrichtet bin, besa� Ihr Vater einige sehr wertvolle Diamanten.�</p><p>Alfred sah ihn erstaunt an. �Ja, das stimmt.�</p><p>�Wo pflegte er die aufzubewahren?�</p><p>�In dem Safe in seinem Zimmer.�</p><p>�K�nnen Sie mir die Steine beschreiben?�</p><p>�Es waren rohe Diamanten, also ungeschliffene Steine.�</p><p>�Warum bewahrte Ihr Vater sie in seinem Zimmer auf?�</p><p>�Sie waren sein Steckenpferd. Er hatte die Steine aus S�dafrika mitgebracht. Nicht, um sie schleifen zu lassen, sondern einfach, um sie zu besitzen. Ein Hobby, wie ich schon sagte.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Johnson, aber aus seinem Ton ging klar hervor, dass er gar nichts begriff. �Und waren diese Steine sehr wertvoll?�</p><p>�Mein Vater sch�tzte sie auf ungef�hr zehntausend Pfund.�</p><p>�Also waren sie sogar ungemein wertvoll. Merkw�rdige Idee, sie im Schlafzimmer aufzubewahren.�</p><p>Wieder griff Lydia in das Gespr�ch ein. �Mein Schwiegervater war in mancher Hinsicht ein merkw�rdiger Mann, Colonel Johnson. Seine Ansichten und Ideen waren oft sehr unkonventionell. Er liebte es, diese Steine zu ber�hren.�</p><p>�Vielleicht erinnerten sie ihn an die Vergangenheit�, warf Poirot ein.</p><p>Sie sah ihn bewundernd an. �Ja�, sagte sie, �das taten sie wahrscheinlich.�</p><p>�Waren diese Diamanten versichert?�, fragte Johnson.</p><p>�Ich glaube nicht.�</p><p>Johnson beugte sich vor und fragte ruhig: �Wissen Sie, Mr Lee, dass diese Steine gestohlen worden sind?�</p><p>�Was?� Alfred Lee starrte ihn an.</p><p>�Hat Ihr Vater Ihnen gegen�ber ihr Verschwinden nicht erw�hnt?�</p><p>�Mit keinem Wort!�</p><p>�Sie wussten also nicht, dass er Inspektor Sugden hatte kommen lassen, um ihm den Verlust zu melden?�</p><p>�Ich hatte nicht die leiseste Ahnung von alldem!�</p><p>Der Colonel lie� seinen Blick zu Lydia gleiten.</p><p>�Und Sie, Mrs Lee?�</p><p>Lydia sch�ttelte den Kopf. �Auch ich habe nichts davon gewusst.�</p><p>�Sie waren also beide der Meinung, dass die Steine sich noch im Safe bef�nden.�</p><p>�Ja.�</p><p>Nach einigem Z�gern fragte sie: �Ist er darum umgebracht worden? Der Steine wegen?�</p><p>�Das herauszufinden wird jetzt unsere Aufgabe sein�, antwortete Colonel Johnson. �W�ssten Sie, Mrs Lee, wer von den Hausbewohnern einen solchen Diebstahl h�tte bewerkstelligen k�nnen?�</p><p>�Nein, keine Ahnung. Ich glaube, dass alle Dienstboten ehrlich sind. Au�erdem w�re es f�r sie �u�erst schwierig gewesen, jemals an diesen Safe zu kommen. Mein Schwiegervater hat sein Zimmer nie verlassen. Er kam nie die Treppe herunter.�</p><p>�Wer r�umte sein Zimmer auf?�</p><p>�Horbury. Er machte das Bett und staubte ab. Das zweite Hausm�dchen besorgte nur den Kamin und feuerte morgens an, alles andere erledigte Horbury.�</p><p>�Dann h�tte also Horbury am leichtesten den Safe �ffnen k�nnen?�, fragte Poirot.</p><p>�Ja.�</p><p>�Glauben Sie, dass er es war, der die Diamanten stahl?�</p><p>�Es ist m�glich. Wahrscheinlich. Er hatte die beste Gelegenheit dazu. Ach! Ich wei� nicht, was ich denken soll!�</p><p>Colonel Johnson lie� sich nicht verwirren. �Ihr Mann hat uns vorhin die Begebenheiten des Abends geschildert. W�rden Sie das nun auch tun, Mrs Lee? Wann sahen Sie Ihren Schwiegervater zuletzt?�</p><p>�Wir waren heute Nachmittag vor dem Tee alle in seinem Zimmer. Damals habe ich ihn zum letzten Mal gesehen.�</p><p>�Sie haben ihm nicht mehr gute Nacht gew�nscht?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Sind Sie sonst f�r gew�hnlich noch zu ihm gegangen, um ihm gute Nacht zu sagen?�, fragte Poirot.</p><p>�Nein�, sagte Lydia scharf.</p><p>Der Colonel fuhr fort: �Wo waren Sie, als das Verbrechen stattfand?�</p><p>�Im Wohnzimmer.�</p><p>�H�rten Sie den L�rm?�</p><p>�Ich glaube, dass ich etwas Schweres fallen h�rte. Das Zimmer meines Schwiegervaters liegt �ber dem Speisezimmer, nicht �ber dem Wohnzimmer, das hat die Ger�usche ged�mpft.�</p><p>�Aber den Schrei haben Sie auch geh�rt?�</p><p>Lydia zuckte zusammen. �Ja, den h�rte ich. Es war scheu�lich � wie eine Seele im Fegefeuer. Ich wusste sofort, dass irgendetwas Gr�ssliches geschehen sein musste. Ich rannte hinaus und folgte meinem Mann und Harry die Treppe hinauf.�</p><p>�Wer war zu jener Zeit au�er Ihnen im Wohnzimmer?�</p><p>Lydia dachte nach.</p><p>�Das � das wei� ich tats�chlich nicht. David war nebenan und spielte Mendelssohn. Ich glaube, Hilda war zu ihm hin�bergegangen.�</p><p>�Und die beiden anderen Damen?�</p><p>�Magdalene ging telefonieren�, antwortete Lydia langsam, �aber ich kann mich nicht erinnern, ob sie zur�ckkam oder nicht. Und wo Pilar war, wei� ich ebenfalls nicht.�</p><p>�Sie k�nnten also ebenso gut ganz allein im Wohnzimmer gewesen sein�, stellte Poirot sanft fest.</p><p>�Ja. Ja, das war ich wahrscheinlich auch.�</p><p>�Nun zu den Diamanten�, sagte Johnson. �Diese Sache m�ssen wir besonders sorgf�ltig untersuchen. Kennen Sie das Kombinationsschloss am Safe Ihres Schwiegervaters, Mrs Lee? Es scheint ein ziemlich altmodisches Modell zu sein.�</p><p>�Er hat das Kennwort in einem kleinen Notizbuch notiert, das er immer in der Tasche seines Schlafrocks trug.�</p><p>�Gut. Wir werden das sofort pr�fen. Aber vielleicht sollten wir zuerst die �brigen Herrschaften verh�ren, damit die Damen zu Bett gehen k�nnen.�</p><p>Lydia erhob sich sofort.</p><p>�Komm, Alfred.� Und zu den Herren gewandt: �Ich werde sie Ihnen schicken.�</p><p>�Einen nach dem anderen, wenn ich bitten darf, Mrs Lee.�</p><p>�Gewiss.� Sie ging auf die T�r zu. Alfred folgte ihr.</p><p>Pl�tzlich drehte er sich j�h um.</p><p>�Nat�rlich!�, sagte er. Er kam rasch auf Poirot zu. �Sie sind Hercule Poirot. Wo habe ich blo� meine Gedanken gehabt? Dass ich das nicht sofort erfasste.� Er sprach schnell, mit leiser, erregter Stimme. �Sie kommen wie vom Himmel geschickt. Sie m�ssen die Wahrheit herausfinden, Mr Poirot. Scheuen Sie keine Ausgaben, ich komme f�r alles auf! Aber finden Sie die Wahrheit! Mein armer Vater! Get�tet! Mit �u�erster Brutalit�t get�tet! Sie <emphasis>m�ssen </emphasis>den T�ter finden, Mr Poirot! Mein Vater soll ger�cht werden!�</p><p>Poirot erwiderte: �Ich versichere Ihnen, Monsieur Lee, dass ich tun werde, was in meinen Kr�ften steht, um Colonel Johnson und Inspektor Sugden behilflich zu sein.�</p><p>�Ich m�chte aber, dass Sie in meinem Auftrag arbeiten!�, stie� Alfred erregt hervor. �Mein Vater muss ger�cht werden!� Er begann heftig zu zittern. Lydia kam zur�ck und nahm ihn beim Arm. �Komm, Alfred. Wir m�ssen jetzt die anderen rufen.�</p><p>Sie sah Poirot fest in die Augen, aber diese Augen wussten ihre Geheimnisse zu wahren. Ihr Blick schwankte nicht.</p><p>Poirot sagte leise: �Wer konnte denken, dass der alte Mann��</p><p>Sie fiel ihm ins Wort.</p><p>�Nein! Sagen Sie das nicht!�</p><p><emphasis>�Sie </emphasis>haben es gesagt, Madame�, gab Poirot sanft zu bedenken.</p><p>�Ich wei߻, fl�sterte sie. �Ich erinnere mich. Es war � so grauenvoll.�</p><p>Dann verlie� sie mit ihrem Mann eilends den Raum.</p><p>George Lee war ernst und steif-korrekt.</p><p>�Eine entsetzliche Sache�, sagte er und sch�ttelte den Kopf. �Eine ganz und gar scheu�liche Sache. Ich kann mir nur denken, dass es � hm � die Tat eines Wahnsinnigen gewesen ist.�</p><p>Colonel Johnson h�rte ihn h�flich an.</p><p>�Das ist also Ihre Ansicht?�</p><p>�Ja, allerdings. Ein blutr�nstiger Verr�ckter. Vielleicht aus einem Irrenhaus der Umgebung entflohen.�</p><p>�Und wie, glauben Sie, h�tte dieser Verr�ckte Zutritt zu diesem Haus erlangen k�nnen, Mr Lee?�, fragte hier Inspektor Sugden.</p><p>George sch�ttelte den Kopf. �Es ist Sache der Polizei, das herauszubekommen�, bemerkte er k�hl.</p><p>�Wir haben sofort das ganze Haus inspiziert�, verteidigte sich Sugden eifrig. �Alle Fenster waren geschlossen und verriegelt. Der Nebeneingang und die Vordert�r waren zugesperrt. Niemand h�tte durch die K�chent�r kommen k�nnen, ohne vom Personal bemerkt zu werden.�</p><p>�Das ist doch Unsinn!�, schrie George Lee. �Vielleicht wollen Sie auch noch behaupten, dass mein Vater gar nicht ermordet worden ist!�</p><p>�Doch, er wurde ermordet, daran ist nicht zu zweifeln�, gab Sugden ruhig zur Antwort.</p><p>Colonel Johnson r�usperte sich und �bernahm die Leitung des Verh�rs wieder.</p><p>�Wo waren Sie im Augenblick des Mordes, Mr Lee?�</p><p>�Im Speisezimmer. Es war kurz nach dem Nachtessen. Nein, ich glaube, ich war in diesem Zimmer hier. Ich hatte eben ein Telefongespr�ch beendet.�</p><p>�Sie haben telefoniert?�</p><p>�Ja. Ich habe einem Mitarbeiter in Westeringham etwas Dringendes mitteilen m�ssen.�</p><p>�Und nachdem Ihr Gespr�ch beendet war, h�rten Sie den Schrei?�</p><p>George Lee zuckte leicht zusammen. �Ja, scheu�lich. Er fuhr mir durch Mark und Bein. Und dann erstarb er in einem Gurgeln oder erstickten Keuchen.� Er zog ein Taschentuch hervor und wischte sich die feuchtgl�nzende Stirne ab. �Scheu�liche Sache�, murmelte er.</p><p>�Und dann liefen Sie also die Treppe hinauf?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Haben Sie Ihre Br�der, Mr Alfred und Mr Harry, dabei gesehen?�</p><p>�Nein, sie m�ssen kurz vor mir hinaufgerannt sein.�</p><p>�Wann haben Sie Ihren Vater zum letzten Mal gesprochen?�</p><p>�Heute Nachmittag. Wir waren alle bei ihm.�</p><p>�Nach diesem Beisammensein sahen Sie ihn nicht mehr?�</p><p>�Nein.�</p><p>Der Colonel machte eine Pause, dann fragte er:</p><p>�Wussten Sie, dass Ihr Vater eine Reihe wertvoller ungeschliffener Diamanten im Safe seines Schlafzimmers aufbewahrte?�</p><p>George Lee nickte.</p><p>�Ein �u�erst unvorsichtiger Zustand�, sagte er hochtrabend. �Das habe ich ihm auch wiederholt klar gemacht. Er h�tte um dieser Steine willen ermordet werden k�nnen � ich meine � ich wollte sagen ��</p><p>Colonel Johnson unterbrach ihn. �Wissen Sie, dass diese Diamanten verschwunden sind?�</p><p>George blieb der Mund offen stehen. Seine vortretenden Augen glotzten.</p><p>�Dann ist er also tats�chlich der Steine wegen ermordet worden?�</p><p>Der Colonel antwortete langsam:</p><p>�Er hatte den Verlust entdeckt und ihn wenige Stunden vor seinem Tod der Polizei gemeldet.�</p><p>�Ja, aber � dann begreife ich nicht ��, stotterte George.</p><p>Und Hercule Poirot sagte freundlich: �Wir auch nicht, wir begreifen es auch nicht.�</p><p>Harry Lee trat schwungvoll ins Zimmer, Poirot betrachtete ihn stirnrunzelnd. Diesen Mann hatte er doch schon irgendwo gesehen. Diese lange, schmale Nase, das hochm�tige Hochwerfen des Kopfes, das scharfe Profil�</p><p>Es fiel ihm auch auf, dass Harry trotz seines forschen Auftretens nerv�s war. Er versuchte das hinter unbefangener Sicherheit zu verbergen, aber Poirot sp�rte die dahinter liegende Angst.</p><p>�Nun, meine Herren, was kann ich f�r Sie tun?�</p><p>�Wir w�ren Ihnen sehr verbunden�, antwortete Johnson, �wenn Sie uns die Ereignisse des heutigen Abends aufkl�ren helfen k�nnten.�</p><p>Harry Lee sch�ttelte bedauernd den Kopf.</p><p>�Ich wei� leider von gar nichts. Die ganze Sache ist ziemlich scheu�lich, und sie ist so unerwartet gekommen.�</p><p>�Sie sind erst k�rzlich vom Ausland zur�ckgekehrt, nicht wahr, Monsieur Lee?�, fragte Poirot.</p><p>Harry fuhr herum. �Jawohl. Vor einer Woche in London an Land gegangen.�</p><p>�Und waren Sie lange abwesend?�</p><p>Harry Lee reckte das Kinn vor und lachte.</p><p>�Sie sollen lieber gleich die ganze Wahrheit erfahren � sonst erz�hlt sie Ihnen irgendein anderer! Ich bin der verlorene Sohn, meine Herren! Es sind bald zwanzig Jahre her, seit ich dieses Haus verlie�.�</p><p>�Aber jetzt sind Sie zur�ckgekehrt. W�rden Sie uns sagen, warum?�, fragte Poirot.</p><p>Mit der gleichen Unbefangenheit antwortete Harry sofort: �Es ist wie im guten, alten Gleichnis. Die Treber, die die S�ue essen � oder nicht essen, ich habe vergessen, wie es genau hei�t �, waren mir verleidet. Und da dachte ich, dass ein gem�stetes Kalb eine angenehme Abwechslung w�re. Fast gleichzeitig bekam ich einen Brief meines Vaters, in dem er mich heimzukommen bat. Ich gehorchte seinem Befehl, und da bin ich. Das ist alles.�</p><p>�Sind Sie auf kurzen oder l�ngeren Besuch hier?�</p><p>�Ich bin f�r immer heimgekommen�, sagte Harry Lee knapp.</p><p>�War Ihr Vater damit einverstanden?�</p><p>�Der alte Herr war hocherfreut!� Harry lachte wieder, und um seine Augen bildeten sich vergn�gte F�ltchen. �Scheu�lich langweilig f�r ihn, dieses Leben mit Alfred. Alfred ist ein trostlos steifer Knabe � sehr anst�ndig nat�rlich �, aber kein unterhaltsamer Gespr�chspartner. Mein Vater dagegen war in jungen Jahren ein ziemlicher Windbeutel, und darum sagte ihm meine Art mehr zu.�</p><p>�Und Ihr Bruder, Ihre Schw�gerin � haben sie sich auch dar�ber gefreut, Sie k�nftig im Haus zu haben?�</p><p>Diese Frage stellte Poirot mit einem leichten Heben der Augenbrauen.</p><p>�Alfred? Alfred tobte. Wie Lydia reagierte, wei� ich nicht. Wahrscheinlich hat sie sich Alfreds wegen ge�rgert. Aber wir werden uns gro�artig verstehen. Lydia gef�llt mir. <emphasis>Ich </emphasis>h�tte sie heiraten sollen. Aber Alfred ist eine ganz andere W�hrung.� Er lachte laut auf. �Alfred war von jeher eifers�chtig auf mich. Er war immer der brave, gehorsame, unterw�rfige Sohn. Und was hat er schlie�lich daf�r bekommen? Was der brave Stubenhocker einer Familie immer zu bekommen pflegt: einen Tritt in den Hintern. Glauben Sie mir, meine Herren, Tugend lohnt sich nicht.� Er sah seine Zuh�rer der Reihe nach an. �Hoffentlich entsetzt Sie meine Offenheit nicht, aber das ist die Wahrheit. Sie werden ja die Schmutzw�sche des Hauses Lee doch �ber kurz oder lang am hellen Tageslicht ausbreiten, also kann ich meine pers�nliche geradeso gut jetzt und hier zur Schau stellen. Ich bin nicht besonders verzweifelt �ber den Tod meines Vaters. Schlie�lich habe ich ihn nie mehr gesehen, seit ich ein ganz junger Bursche war. Aber er war trotz allem mein Vater, und jetzt ist er ermordet worden. Mir liegt daran, dass sein Tod ger�cht wird.� Er strich sich �bers Kinn. �Wir sind eine ziemlich rachs�chtige Familie. Keiner der Lees vergisst leicht. Ich m�chte sicher sein, dass der M�rder meines Vaters gefasst und geh�ngt wird.�</p><p>�Wir werden tun, was in unseren Kr�ften steht�, sagte Sugden.</p><p>�Falls nicht, w�rde ich die Vergeltung selber in die Hand nehmen�, gab Harry Lee scharf zur�ck.</p><p>�Haben Sie einen Verdacht, wer der T�ter sein k�nnte, Mr Lee?�, fragte Colonel Johnson schnell.</p><p>Harry sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nein�, antwortete er langsam, �nein, das habe ich nicht. Wissen Sie, irgendwie ist es ein Schlag. Ich habe lange dar�ber nachgedacht � und mich d�nkt, dass niemand von drau�en als T�ter in Frage kommen kann.�</p><p>�Aha�, warf Sugden hier kopfnickend ein.</p><p>�Und wenn ich Recht habe, dann hat ihn einer der Hausbewohner umgebracht! Aber wer zum Teufel? Ein Dienstbote doch bestimmt nicht. Tressilian ist seit ewigen Zeiten hier. Der halbidiotische Diener? Kaum. Horbury? Ein kaltschn�uziger Kerl, aber Tressilian sagte mir, dass er ins Kino gegangen sei. Und wer bleibt dann? Wenn man Stephen Farr ausscheidet - und warum sollte Farr eigens von S�dafrika hergekommen sein, um einen vollkommen Fremden umzubringen? Dann bleibt nur noch die Familie, und da kann ich mir um die Welt nicht vorstellen, wer von uns in Frage k�me. Alfred? Er verg�tterte unsern Vater. George? Viel zu feig dazu. David? Nein. David war von jeher ein Tr�umer. Der wird ohnm�chtig, wenn er sich nur in den Finger schneidet. Und die Frauen? Keine von ihnen w�rde hingehen und einem alten Mann die Kehle durchschneiden. Wer also tat es? Ich will verdammt sein, wenn ich es wei�.�</p><p>Colonel Johnson r�usperte sich � eine sozusagen amtliche Angewohnheit von ihm � und stellte seine stereotype Frage: �Wann haben Sie Ihren Vater zum letzten Mal gesehen?�</p><p>�Nach dem Tee. Er hatte eben Streit mit Alfred gehabt - wegen mir. Der alte Mann hatte eine diebische Freude an dem Krach. Er liebte es, seine Umgebung zu ver�rgern. Meiner Ansicht nach hatte er nur darum meine Ankunft vor den anderen verborgen gehalten. Er wollte sehen, wie sie in die Luft gingen, wenn ich pl�tzlich hier auftauchte. Und nur darum hat er auch davon gesprochen, sein Testament zu �ndern.�</p><p>Poirot hob den Kopf und murmelte:</p><p>�Ihr Vater hat also sein Testament erw�hnt?�</p><p>�Ja. Vor uns allen. Und dabei hat er uns beobachtet wie eine lauernde Katze, um zu sehen, wie wir reagierten. Er rief seinen Anwalt an und bat ihn, nach Weihnachten in dieser Sache zu ihm zu kommen.�</p><p>�Welche �nderungen wollte er vornehmen lassen?�</p><p>Harry Lee grinste.</p><p>�Das hat er uns nicht gesagt, der alte Fuchs! Ich nehme an - oder sagen wir lieber: ich hoffte �, dass sie zugunsten meiner Wenigkeit ausgehen w�rden. Ich vermute, dass ich aus allen fr�heren Testamenten gestrichen worden war und jetzt wieder aufgenommen werden sollte. Ziemlich �rgerlich f�r die anderen. Und Pilar, die er sehr gern mochte, h�tte sicher auch etwas bekommen sollen. Haben Sie sie schon gesehen? Meine spanische Nichte, ein bezauberndes Gesch�pf, mit aller W�rme des S�dens und mit all seiner Grausamkeit. Ich wollte, ich w�re nicht blo� ihr Onkel.�</p><p>�Ihr Vater hatte sie lieb gewonnen?�</p><p>Harry nickte. �Sie verstand es, den alten Herrn zu nehmen. Sa� lange hier bei ihm. Ich wette, dass sie ganz genau wusste, was sie damit bezweckte. Nun, jetzt ist er tot. Kein Testament kann mehr zu Pilars Gunsten abge�ndert werden � zu meinen auch nicht, leider!�</p><p>Er gr�belte sekundenlang �ber etwas nach und fuhr dann in ver�ndertem Ton fort: �Aber ich bin vom Thema abgewichen. Sie fragten mich, wann ich Vater zuletzt gesehen habe? Wie gesagt, nach dem Tee, ungef�hr kurz nach sechs. Der alte Mann war sehr vergn�gt, wenn auch ein wenig m�de. Ich ging bald und lie� ihn mit Horbury allein. Dann habe ich ihn nicht mehr gesehen.�</p><p>�Wo waren Sie, als der Mord geschah?�</p><p>�Im Speisezimmer, mit Bruder Alfred. Wir waren mitten in einer ziemlich scharfen Auseinandersetzung, als wir den L�rm von oben h�rten. Es t�nte, als w�rden zehn M�nner miteinander ringen. Und dann schrie der arme alte Vater. Ein Aufkreischen, als ob ein Schwein abgestochen w�rde. Dieser Schrei schien Alfred vollst�ndig zu l�hmen. Er blieb wie angewurzelt sitzen. Ich r�ttelte ihn wach und rannte mit ihm die Treppe hinauf. Die T�r zu Vaters Zimmer war verschlossen. Wir mussten sie aufbrechen. Ziemlich m�hsame Sache. Wie zum Teufel konnte die T�r �berhaupt verschlossen sein? Es war niemand in dem Zimmer au�er Vater, und ich kann mir nicht denken, dass jemand durch die Fenster entflohen ist!�</p><p>�Die T�r war von au�en versperrt worden�, sagte Sugden.</p><p>�Was?� Harry starrte ihn an. �Ich k�nnte doch schw�ren, dass der Schl�ssel innen steckte.�</p><p>�Das haben Sie also bemerkt?�, murmelte Poirot.</p><p>Harry Lee sah ihn scharf an. �Ich bemerke manches, das ist so meine Art.� Dann flogen seine Augen von einem zum andern. �Haben Sie mich sonst noch etwas zu fragen, meine Herren?�</p><p>Johnson sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Danke, Mr Lee, im Augenblick nicht. W�rden Sie bitte das n�chste Familienmitglied hereinschicken?�</p><p>�Nat�rlich.� Harry verlie� das Zimmer, ohne sich noch einmal umzusehen.</p><p>�Was halten Sie von ihm, Sugden?�, fragte Johnson.</p><p>Der Inspektor hob zweifelnd die Schultern und lie� sie wieder fallen.</p><p>�Er hat Angst vor irgendetwas. Ich frage mich, warum?�</p><p>Magdalene Lee hielt auf der Schwelle effektvoll inne, um sich mit der langen, schmalen Hand �ber das platinblonde Haar zu streichen. Sie trug ein eng anliegendes blattgr�nes Samtkleid, das ihre schlanke Figur voll zur Geltung brachte. Sie sah sehr jung und ein wenig ver�ngstigt aus.</p><p>Die drei M�nner waren sekundenlang von ihrem Anblick wie gefesselt. Johnsons Augen sprachen von �berraschter Bewunderung, w�hrend Sugden eher den Ausdruck eines Menschen zeigte, der gerne ungehindert mit seiner Arbeit vorw�rts kommen m�chte. Hercule Poirot hingegen leuchtete die Anerkennung f�rmlich aus dem Gesicht � wie Magdalene sofort bemerkte �, aber sie galt nicht so sehr ihrer Sch�nheit als vielmehr dem geschickten Gebrauch, den sie davon zu machen verstand.</p><p><emphasis>Joli mannequin, la petite. Mais elle a les yeux durs, </emphasis>dachte Hercule Poirot.</p><p>Colonel Johnson dachte: Sieht verdammt gut aus, das M�dchen. George Lee wird es nicht leicht mit ihr haben, wenn er nicht gut aufpasst. Sie wei�, was M�nner anzieht. Inspektor Sugden dachte: Eitle, leerk�pfige Person! Hoffentlich haben wir nicht lange mit ihr zu tun!</p><p>�Bitte nehmen Sie doch Platz, Mrs George Lee?�</p><p>Sie setzte sich mit einem warmen, dankbaren L�cheln, das ungef�hr besagte: Sie sind zwar ein Polizist, aber doch letzten Endes ein <emphasis>Mann </emphasis>und also gar nicht so furchterregend.</p><p>Ein wenig galt dieses L�cheln auch Poirot. Ausl�nder waren doch so ritterlich Frauen gegen�ber. Inspektor Sugden schien sie nicht zu beachten. Mit reizender Verzweiflung rang sie die H�nde und murmelte: �Es ist alles so schrecklich. Ich habe furchtbare Angst.�</p><p>�Aber, aber, Mrs Lee�, sagte Johnson kurz, jedoch nicht unfreundlich. �Es war ein Schock f�r Sie alle, aber jetzt ist er vor�ber. Wir m�chten Ihren Bericht �ber das h�ren, was sich heute Abend zugetragen hat.�</p><p>�Ich wei� von nichts�, rief sie, �wirklich nicht!�</p><p>Die Augen des Colonels verengten sich pl�tzlich. �Nein, nat�rlich nicht�, sagte er langsam.</p><p>�Wir sind erst gestern angekommen. George hat mich gezwungen, mit ihm hier Weihnachten zu feiern. W�ren wir blo� nicht hergekommen. Ich werd es nie vergessen k�nnen. Ich kenne Georges Familie fast nicht. Mr Lee habe ich nur ein- oder zweimal gesehen � bei unserer Hochzeit und sp�ter noch einmal. Alfred und Lydia kenne ich etwas besser, aber im Grunde genommen sind sie alle Fremde f�r mich.�</p><p>Wieder der gro�e, erschrockene Kinderblick, und wieder dachte Hercule Poirot voll Bewunderung: <emphasis>Elle joue tr�s bien la comedie, cette petite�</emphasis></p><p>�Gewiss, gewiss�, erwiderte Johnson. �Nun sagen Sie mir, wann Sie Ihren Schwiegervater zum letzten Mal sahen � ich meine, lebend sahen.�</p><p>�Heute Nachmittag. Es war scheu�lich.�</p><p>�Scheu�lich? Warum?�</p><p>�Alle waren so w�tend. Nein, George nicht. Zu ihm hatte sein Vater nichts gesagt� aber alle anderen.�</p><p>�Was ist denn geschehen?�</p><p>�Nun, als wir hinaufkamen � er hatte nach uns schicken lassen �, war er am Telefon und sprach mit einem Anwalt �ber sein Testament. Und dann sagte er Alfred, er s�he so ver�rgert aus. Das war bestimmt nur wegen Harrys Heimkehr. Das regte Alfred so auf. Wissen Sie, Harry hat einmal etwas Schreckliches getan! Und dann redete er von seiner Frau � sie ist seit vielen Jahren tot �, sie habe das Gehirn eines Huhns gehabt, sagte er, und dann sprang David auf und starrte ihn an, als ob er ihn umbringen wollte � oh!� Sie brach pl�tzlich ab. �Ich wollte damit nicht sagen, das habe ich nicht damit gemeint!�</p><p>�Ich verstehe, es war nur eine Redensart�, beruhigte sie Johnson.</p><p>�Mr Lee sagte, er wolle niemanden von uns mehr sehen an diesem Abend, und dann gingen wir alle wieder hinaus. Hilda, Davids Frau, blieb kurz zur�ck und versuchte, ihn wieder zu beruhigen und � nun, das ist eigentlich alles.�</p><p>�Und wo waren Sie um die Zeit, da der Mord geschah?�</p><p>�Ich? Warten Sie. Wahrscheinlich im Wohnzimmer.�</p><p>�Sind Sie nicht ganz sicher?�</p><p>Magdalenes Augen begannen zu zucken und wurden sofort durch die Lider bedeckt.</p><p>�Wie dumm ich doch bin! Ich war ja zum Telefon gegangen. Ich bin so durcheinander.�</p><p>�Sie haben also telefoniert? In diesem Zimmer?�</p><p>�Ja, das ist das einzige Telefon im Haus, au�er demjenigen im Zimmer meines Schwiegervaters.�</p><p>Sugden warf eine Frage ein. �War noch jemand in diesem Zimmer?�</p><p>Ihre Augen weiteten sich. �Nein, ich war ganz allein.�</p><p>�Wie lange waren Sie hier?�</p><p>�Ziemlich lang. Am Abend dauert es endlos lang, bis man eine Verbindung bekommt.�</p><p>�Sie f�hrten also ein Ausw�rtsgespr�ch?�</p><p>�Ja, mit Westeringham.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Dann ert�nte ein f�rchterlicher Schrei � und alle rannten �, und die T�r war verschlossen und musste eingedr�ckt werden. O Gott! Es war wie ein Albtraum! Ich werde ihn nie, nie vergessen k�nnen!�</p><p>�Doch, doch.� Colonel Johnsons Ton war von mechanischer Tr�stlichkeit. Dann fragte er weiter: �Wussten Sie, dass Ihr Schwiegervater eine Reihe wertvoller Diamanten in seinem Safe aufbewahrte?�</p><p>�Nein, wirklich?� Ihre �berraschung schien ehrlich zu sein. �Echte Diamanten?�</p><p>�Diamanten im Wert von zehntausend Pfund�, warf Hercule Poirot ein.</p><p>�Nein!� Es klang wie ein ersticktes Fl�stern und dr�ckte pure weibliche Begierde aus.</p><p>�Ich glaube, das ist alles f�r den Augenblick. Wir m�ssen Sie nicht l�nger bel�stigen, Mrs Lee.�</p><p>Sie stand auf, l�chelte erst Johnson, dann Poirot zu � das L�cheln eines kleinen, dankbaren M�dchens � und ging hocherhobenen Hauptes aus dem Zimmer.</p><p>Colonel Johnson rief ihr nach: �W�rden Sie bitte Ihren Schwager, Mr David Lee, hereinschicken?� Nachdem er die T�r hinter ihr zugemacht hatte, trat er an den Tisch zur�ck.</p><p>�So, jetzt kommen wir den Dingen schon etwas n�her, meinen Sie nicht auch? Halten wir fest: George Lee hat telefoniert, als der Schrei ert�nte. Seine Frau hat auch telefoniert, als der Schrei ert�nte. Da stimmt doch etwas ganz und gar nicht.� Er sah Sugden fragend an. �Nun, was halten Sie davon, Sugden?�</p><p>�Ich m�chte nicht abf�llig von der Dame reden�, sagte Sugden langsam, �aber mich d�nkt, dass sie zwar von der Sorte ist, die einem Mann das Geld aus den Taschen ziehen kann, dass sie aber nicht hingehen w�rde und einem Mann die Gurgel durchzuschneiden verm�chte. Das liegt nicht auf ihrer Linie.�</p><p>�Das kann man nie wissen, <emphasis>mon vieux�, </emphasis>wandte Poirot leise ein.</p><p>Colonel Johnson drehte sich zu ihm um.</p><p>�Und Sie, Poirot, was denken Sie von der Sache?�</p><p>Hercule Poirot strich �ber die L�schblattunterlage vor sich und wischte ein winziges St�ubchen von einem Kerzenhalter.</p><p>�Ich denke, dass der Charakter des Herrn Simeon Lee selig langsam Form anzunehmen beginnt, und ich glaube, dass darin der springende Punkt des ganzen Falles liegt � im Charakter des Toten.�</p><p>Sugden sah ihn erstaunt an. �Ich verstehe nicht ganz, Mr Poirot. Was hat der Charakter des Verstorbenen mit diesem Mord zu tun?�</p><p>�Der Charakter des Opfers hat immer mit seiner Ermordung zu tun�, sagte Poirot nachdenklich. �Das klare, offene Wesen Desdemonas war die direkte Ursache ihres Todes. Eine misstrauische Frau h�tte Jagos R�nke durchschaut und vereitelt. Marats Hautausschlag f�hrte zu seinem Tod im Bad. Und Mercutios zorniges Temperament f�hrte zu seinem Ende durch eine Degenspitze.�</p><p>�Was meinen Sie damit, Poirot?�</p><p>�Ich will damit sagen, dass die besonderen Eigenarten von Simeon Lee in anderen Menschen besondere Kr�fte in Bewegung brachten und dass diese Kr�fte schlie�lich seinen Tod verursachten.�</p><p>�Also setzen Sie voraus, dass die Diamanten nichts damit zu tun hatten?�</p><p>Poirot l�chelte �ber die unverhohlene Verbl�ffung, die Johnsons Gesicht widerspiegelte.</p><p><emphasis>�Mon cher, </emphasis>auch dass Simeon Lee ungeschliffene Diamanten im Wert von zehntausend Pfund in seinem Safe aufbewahrte, geh�rt zu den Absonderlichkeiten seines Charakters. Ein normaler Mensch h�tte das nicht getan.�</p><p>�Das ist sehr richtig, Mr Poirot�, nickte Sugden heftig Zustimmung. Er schien endlich zu begreifen, worauf Poirot hinauswollte. �Sonderbar, das war er, der alte Mr Lee. Er hat diese Steine nur hier aufbewahrt, damit er sie herausnehmen und betasten konnte, weil ihm das die Erinnerung an fr�here Zeiten zur�ckbrachte. Glauben Sie mir, nur deshalb hat er sie nie schleifen lassen.�</p><p>�Ganz richtig�, rief Poirot eifrig. �Ich bewundere Ihren Scharfsinn, Inspektor.�</p><p>Sugden quittierte dieses Kompliment mit einem etwas unsicheren Blick, aber Colonel Johnson unterbrach das Gespr�ch.</p><p>�Da ist etwas anderes, Poirot, das mir aufgefallen ist.�</p><p>�Ich wei�, <emphasis>mais oui, </emphasis>ich wei�, was Sie meinen. Mrs George Lee hat ziemlich r�ckhaltlos von dieser Familienzusammenkunft geplaudert, nicht wahr? Sie schildert � ach, so naiv! �, wie b�se Alfred auf seinen Vater war und dass David aussah, als wollte er den alten Herrn umbringen. Diese beiden Behauptungen k�nnen stimmen. F�r uns sind sie Anlass zu weiteren �berlegungen. Warum hat Simeon Lee seine Familie zusammenrufen lassen? Warum just in dem Augenblick, da er mit seinem Anwalt telefonierte? Das kann doch kein Zufall gewesen sein. <emphasis>Farbleu, </emphasis>er wollte, dass sie dieses Gespr�ch h�ren sollten. Der arme Alte! Seit er an seinen Stuhl gefesselt ist, langweilt er sich und denkt sich immer neue Zerstreuungen f�r sich aus. Es am�siert ihn, die menschliche Geldgier zu kitzeln und alle mit ihr verbundenen Leidenschaften und Neidgef�hle wachzurufen. Aber daraus ergibt sich eine neue Perspektive. Wenn ihm daran lag, in seinen Kindern Neid und Gier zu wecken, dann hat er bestimmt keines von ihnen verschont und also ganz sicher auch auf Mr George seine Pfeile abgeschossen. Dar�ber schweigt sich seine Frau geflissentlich aus. Auch sie selber hat er vielleicht mit seinen merkw�rdigen Liebensw�rdigkeiten bedacht. Wir werden hoffentlich von anderen erfahren, was Simeon Lee seinem Sohn George und dessen Frau zu sagen hatte��</p><p>Er schwieg, denn die T�r �ffnete sich, und David Lee trat ins Zimmer.</p><p>David Lee hatte sich in der Hand. Er war ruhig � fast unnat�rlich ruhig. Er trat an den Tisch; schob sich einen Stuhl zurecht, setzte sich und sah Colonel Johnson ernst und fragend an.</p><p>�Bitte? Was wollen Sie von mir wissen?�</p><p>�Wenn ich recht unterrichtet bin, Mr Lee, so fand im Zimmer Ihres Vaters heute Nachmittag so etwas wie ein Familienrat statt, nicht wahr?�, leitete Johnson das Gespr�ch ein.</p><p>�Jawohl, aber es war ein zwangloses Beisammensein, kein Familienrat.�</p><p>�Und wie verlief dieses Beisammensein?� David antwortete ruhig.</p><p>�Mein Vater war schlechter Laune. Er war ein alter Mann und hatte das Recht auf Nachsicht, das ist klar. Heute hatte er uns wohl nur kommen lassen, um uns die Leviten zu lesen.�</p><p>�Erinnern Sie sich, was er sagte?�</p><p>�Eigentlich lauter konfuses Zeug. Er warf uns vor, Versager zu sein � alle zusammen �, und in unserer ganzen Familie sei nicht ein einziger wirklicher Mann. Er sagte, Pilar � das ist meine spanische Nichte � sei mehr wert als zwei von uns. Und �� Hier unterbrach sich David.</p><p>�Bitte, die genauen Worte, wenn es Ihnen m�glich ist, Mr Lee�, bat Poirot.</p><p>�Er wurde fast grob�, sprach David z�gernd weiter, �und sagte, er hoffe, dass er irgendwo in der Welt bessere S�hne habe � selbst wenn sie vielleicht nicht im rechten Ehebett geboren seien.�</p><p>Seine empfindsamen Z�ge widerspiegelten den Abscheu, mit welchem er diese Worte wiederholte. Inspektor Sugden blickte auf und schien pl�tzlich sehr interessiert. Er fragte: �Hat Ihr Vater auch Ihrem Bruder George etwas gesagt?�</p><p>�George? Das wei� ich nicht mehr. O doch, ich glaube, er stellte ihm in Aussicht, seinen Monatszuschuss zu k�rzen. George war au�er sich, wurde rot wie ein Puter und stotterte, er k�nne unm�glich mit weniger auskommen. Aber Vater sagte ihm sehr k�hl, er werde es gleichwohl m�ssen. Er habe ja eine Frau, die ihm beim Sparen helfen k�nne. Eine h�hnische Bemerkung. George war von jeher knauserig, und er rechnet heute noch mit jedem Penny � aber Magdalene ist ziemlich verschwenderisch und hat einen teuren Geschmack.�</p><p>�So dass also auch sie, Mrs George Lee, sehr unangenehm ber�hrt war?�, fragte Poirot.</p><p>�Ja.�</p><p>�Und dann�, sagte Poirot, �kam Ihr Vater auf Ihre verstorbene Mutter zu sprechen.�</p><p>Das Blut schoss David in Wellen ins Gesicht. Seine H�nde umklammerten die Tischkante und zitterten merklich.</p><p>�Ja. In beleidigenden Worten!�, stie� er hervor.</p><p>�Was sagte er?�, fragte Colonel Johnson.</p><p>�Ich wei� es nicht mehr�, gab David kurz zur�ck. �Irgendwelche ver�chtlichen Bemerkungen.�</p><p>�Ihre Mutter ist vor einigen Jahren gestorben, nicht wahr?�, fragte Poirot behutsam.</p><p>�Sie starb, als ich ein Kind war.�</p><p>�Und sie war vielleicht nicht sehr gl�cklich in ihrem Leben?�</p><p>David lachte bitter auf. �Wie h�tte sie mit einem Mann wie meinem Vater gl�cklich sein k�nnen? Meine Mutter war eine Heilige. Sie hat sich nie beklagt. Sie starb an gebrochenem Herzen.�</p><p>�Und war Ihr Vater sehr betr�bt �ber ihren Tod?�, fragte Poirot weiter.</p><p>�Das wei� ich nicht�, sagte David, �ich verlie� dieses Haus.� Nach einer Pause fuhr er fort: �Vielleicht wissen Sie nicht, dass ich meinen Vater zwanzig Jahre lang nicht gesehen hatte, bis ich nun zu diesem Besuch hierher kam. Ich kann Ihnen also gar nichts �ber seine Gewohnheiten, seine Feinde oder Freunde sagen.�</p><p>�Wussten Sie, dass Ihr Vater eine Menge wertvoller Diamanten im Safe seines Schlafzimmers aufbewahrte?�, fragte Johnson.</p><p>�In seinem Schlafzimmer?�, fragte David uninteressiert. �Eine komische Idee.�</p><p>�W�rden Sie uns bitte noch genau sagen, was Sie selber heute Abend alles taten, wo Sie sich aufhielten.�</p><p>�Ich? Nun, ich stand sofort nach dem Essen auf. Mich langweilen diese Plaudereien beim Port. Au�erdem bemerkte ich, dass Harry und Alfred in gereizter Stimmung waren, und ich hasse Auseinandersetzungen. Ich ging ins Musikzimmer und spielte Klavier.�</p><p>�Das Musikzimmer liegt direkt neben dem Wohnzimmer, wenn ich nicht irre�, warf Poirot ein.</p><p>�Ja. Ich spielte, bis � bis es geschah.�</p><p>�Und was h�rten Sie?�</p><p>�Einen ged�mpften L�rm, st�rzende M�bel und dann einen gr�sslichen Schrei.� Er verkrampfte seine H�nde. �Wie eine Seele im Fegefeuer. Gott, es war entsetzlich.�</p><p>Johnson fragte: �Waren Sie allein im Musikzimmer?�</p><p>�Wie bitte? Nein, meine Frau, Hilda, war bei mir. Sie war aus dem Wohnzimmer gekommen. Wir gingen mit den anderen die Treppe hinauf.� Nerv�s und fr�stelnd f�gte er noch bei: �Und was wir dort gesehen haben, muss ich Ihnen wohl nicht wiederholen.�</p><p>�Nein, gewiss nicht, durchaus nicht notwendig�, beeilte sich Johnson zu versichern. �Ich danke Ihnen, Mr Lee, das ist alles. Eine Frage noch: K�nnen Sie sich vorstellen, wer Ihrem Vater nach dem Leben h�tte trachten k�nnen?�</p><p>�Sicher eine ganze Reihe von Leuten�, antwortete David kalt, �aber jemand Bestimmtes w�sste ich nicht.�</p><p>Dann ging er rasch aus dem Zimmer und zog die T�r ger�uschvoll hinter sich ins Schloss.</p><p>Colonel Johnson hatte kaum Zeit f�r sein obligates R�uspern gefunden, als die T�r wieder aufging und Hilda Lee eintrat.</p><p>Hercule Poirot betrachtete sie interessiert. Er dachte bei sich, dass die Br�der Lee in der Wahl ihrer Frauen einen eigenartig verschiedenen Geschmack bekundet hatten. Die wache Intelligenz und windhundartige Grazie Lydias, die berechnend-verf�hrerische Anmut Magdalenes, und nun die beruhigende, sichere Kraft Hildas. Sie war j�nger, als ihre unvorteilhafte Frisur und Kleidung vermuten lie�en, das erkannte er sofort. Ihr Haar wies keinen grauen Schimmer auf, und die klaren Haselnussaugen leuchteten wie freundliche, warme Sterne aus dem rundlichen Gesicht. Sie war eine charmante, anziehende Frau.</p><p>Colonel Johnson sprach in den nettesten T�nen.</p><p>�� ein Schlag f�r Sie alle gewesen sein�, sagte er eben. �Ihr Gatte hat mir erz�hlt, Mrs Lee, dass dies Ihr erster Besuch in Gorston Hall ist.� Sie nickte.</p><p>�Haben Sie Ihren Schwiegervater fr�her schon kennen gelernt?�</p><p>�Nein�, antwortete sie mit ihrer ruhigen, angenehmen Stimme, �wir haben geheiratet, bald nachdem David sein Vaterhaus verlassen hatte. Er wollte nichts mehr mit seiner Familie zu tun haben, und bis jetzt haben wir auch niemanden von ihnen gesehen.�</p><p>�Und wie kam es nun zu Ihrem gegenw�rtigen Besuch?�</p><p>�Mein Schwiegervater schrieb an David, er f�hle sein Alter und m�chte alle seine Kinder zu Weihnachten um sich versammelt sehen.�</p><p>�Und Ihr Mann kam dieser Bitte gerne nach?�</p><p>�Dass er die Einladung annahm, ist leider meine Schuld! Ich � ich habe die Situation gr�ndlich missverstanden!�</p><p>�Was meinen Sie damit, Mrs Lee?�, warf hier Poirot ein. �Bitte, erkl�ren Sie sich deutlicher, es k�nnte f�r uns von gro�er Wichtigkeit sein.�</p><p>Sie wandte sich ihm sofort zu.</p><p>�Ich hatte zu jenem Zeitpunkt meinen Schwiegervater noch nie gesehen, und deshalb konnte ich nicht wissen, was er mit dieser Einladung bezweckte. Ich stellte mir vor, dass ein alter Mann tats�chlich Vers�hnung mit seinen Kindern suchte.�</p><p>�Und welches war sein wirklicher Beweggrund, Madame?�</p><p>Hilda z�gerte eine Sekunde und sagte dann langsam:</p><p>�Jetzt steht f�r mich fest � absolut und ohne Zweifel �, dass mein Schwiegervater nicht Frieden stiften, sondern Unfrieden sch�ren wollte. Es machte ihm Spa�, an die niedrigsten Instinkte des Menschen zu appellieren. Er war erf�llt von einer wie soll ich sagen? � von einer teuflischen Freude am B�sen, und er wollte, dass sich alle Familienmitglieder untereinander verfeinden sollten.�</p><p>�Und ist ihm das gelungen?�, fragte Johnson scharf.</p><p>�O ja, das ist ihm gelungen.�</p><p>�Man hat uns erz�hlt, Madame�, sagte Poirot, �dass es heute Nachmittag zu einer ziemlich heftigen Auseinandersetzung kam. W�rden Sie uns die so wahrheitsgetreu wie nur m�glich schildern?�</p><p>Sie dachte eine Weile nach.</p><p>�Als wir sein Zimmer betraten, war mein Schwiegervater am Telefon und sprach mit einem Anwalt. Er bat diesen Mr Charlton � oder lautet der Name anders? �, er m�chte zu ihm kommen, da er ein neues Testament aufsetzen wollte. Das alte sei nicht mehr zweckentsprechend.�</p><p>�Denken Sie gr�ndlich nach, Madame, und sagen Sie uns, ob Sie glauben, dass Ihr Schwiegervater <emphasis>wollte, </emphasis>dass Sie alle dieses Gespr�ch h�ren sollten, oder ob Sie es in diesem Augenblick nur zuf�llig mitbekamen.�</p><p>�Ich bin fast sicher, dass er wollte, wir sollten es h�ren.�</p><p>�In der Absicht, Zweifel zwischen Ihnen zu s�en?�</p><p>�Ja.�</p><p>�So dass er vielleicht gar nicht beabsichtigte, sein Testament zu �ndern?�</p><p>Dar�ber dachte sie sekundenlang nach.</p><p>�Doch, ich glaube, diese Bemerkung war echt�, sagte sie schlie�lich. �Wahrscheinlich wollte er ein neues Testament aufsetzen � aber er freute sich dar�ber, diese Absicht vor allen zu unterstreichen.�</p><p>�Madame�, sagte Poirot feierlich, �ich bin nicht offiziell hier, und meine Fragen entsprechen vielleicht nicht denjenigen, die ein englischer Kriminalbeamter Ihnen stellen w�rde. Aber ich w�sste gerne, ob Sie sich Gedanken dar�ber machten, wie dieses neue Testament ausgefallen w�re. Verstehen Sie mich bitte recht, ich frage nicht, ob Sie das <emphasis>wissen, </emphasis>sondern nur, wie Sie dar�ber denken. Frauen bilden sich im Allgemeinen sehr schnell eine eigene Meinung, <emphasis>Dieu merci!�</emphasis></p><p>Hilda Lee l�chelte ihn an.</p><p>�Nun, meine pers�nliche Meinung kann ich Ihnen sagen. Die Schwester meines Mannes, Jennifer, heiratete einen Spanier, Juan Estravados. Ihre Tochter, Pilar, ist vor wenigen Tagen hier angekommen. Sie ist ein reizendes M�dchen, und vor allen Dingen ist sie das einzige Enkelkind in der Familie. Der alte Mr Lee war begeistert von ihr und liebte sie hei�. Meiner Ansicht nach wollte er ihr testamentarisch eine gr��ere Summe vermachen, nachdem er sie bis dato in seinem letzten Willen kaum oder gar nicht bedacht hatte.�</p><p>�Kannten Sie Ihre Schw�gerin?�</p><p>�Nein. Ihr Mann starb unter tragischen Umst�nden bald nach ihrer Hochzeit. Jennifer selber starb vor einem Jahr. Pilar blieb als Vollwaise zur�ck. Deshalb hatte Mr Lee sie eingeladen, k�nftig bei ihm hier in England zu leben.�</p><p>�Und haben die �brigen Familienmitglieder die neue Hausgenossin gerne willkommen gehei�en?�</p><p>�Ich glaube, dass alle sie gut leiden k�nnen�, sagte Hilda ruhig. �Es ist begl�ckend, einen jungen, lebensvollen Menschen im Haus zu haben.�</p><p>�Und Pilar, scheint es ihr hier zu gefallen?�</p><p>�Ich wei� nicht recht. Es muss ihr doch recht kalt und fremd vorkommen. Das M�dchen ist im S�den, in Spanien, aufgewachsen.�</p><p>�Gerade jetzt d�rfte es ja in Spanien auch nicht angenehm sein�, bemerkte Johnson sachlich. �Und nun m�chten wir Ihren Bericht der heutigen Auseinandersetzung h�ren, Mrs Lee.�</p><p>�Entschuldigen Sie�, murmelte Poirot, �ich bin vom Thema abgewichen!�</p><p>�Nachdem mein Schwiegervater sein Telefongespr�ch beendet hatte, sah er uns alle an und bemerkte lachend, wir s�hen so verdattert aus. Dann sagte er, er sei m�de und werde fr�h zu Bett gehen. Es solle niemand mehr heraufkommen heute Abend. Er wolle zu Weihnachten ausgeruht und frisch sein, oder so �hnlich.� Hier machte sie eine Pause und dachte angestrengt nach. �Und dann sagte er irgendetwas wie � es sei wichtig, dass eine gro�e Familie zusammen Weihnachten feiere, und dann sprach er von Geldsachen. Er betonte, dass ihn die F�hrung seines Haushalts in Zukunft bedeutend mehr kosten werde, und stellte George und Magdalene in Aussicht, dass sie sparsamer werden m�ssten. Magdalene sagte er, sie k�nnte sich ihre Kleider selber machen. Eine reichlich altv�terische Idee, finde ich, und ich verstehe, dass Magdalene sich �ber diesen Vorschlag aufregte. Aber er hob besonders hervor, wie geschickt seine Frau mit Nadel und Faden gewesen sei.�</p><p>�Hat er seine Frau noch sonst wie erw�hnt?�, fragte Poirot. Hilda err�tete.</p><p>�Er machte eine ver�chtliche Bemerkung �ber ihre Intelligenz. Mein Mann hat seine Mutter abg�ttisch geliebt, und diese Anspielung brachte ihn sehr auf. Und dann schrie Mr Lee uns pl�tzlich alle an. Ich verstehe nat�rlich, was ihn so sehr erregte ��</p><p>�Was denn?�, fiel ihr hier Poirot ins Wort.</p><p>Sie richtete ihren ruhigen Blick auf ihn.</p><p>�Er war entt�uscht, dass er keine Enkel hatte, die den Namen Lee weitertragen konnten. Ich glaube, dass das seit langem in ihm bohrte, und pl�tzlich konnte er nicht mehr an sich halten. Er schrie seine S�hne an, sie seien alle alte Waschweiber. Das ungef�hr war der Sinn seiner Worte. Er tat mir Leid, weil ich f�hlte, wie tief sein Stolz durch das Fehlen einer Nachkommenschaft verletzt war. Und dann gingen wir alle aus dem Zimmer.�</p><p>�Damals haben Sie ihn also zum letzten Mal gesehen?�</p><p>Sie nickte.</p><p>�Wo hielten Sie sich auf, als der Mord geschah?�</p><p>�Ich war mit meinem Mann im Musikzimmer. Er spielte f�r mich.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Dann h�rten wir, dass oben M�belst�cke umfielen und Porzellan zersplitterte � einen schrecklichen L�rm. Und dann der grauenvolle Schrei, als man ihm die Kehle durchschnitt.�</p><p>�War der Schrei so grauenvoll?�, fragte Poirot. �Erinnerte er Sie ��, er besann sich eine Weile, �an eine Seele im Fegefeuer?�</p><p>�Es war viel �rger. Mir schien, es schreie jemand, der �berhaupt keine Seele hat. Unmenschlich, wie ein Tier.�</p><p>�So also beurteilten Sie ihn, Madame?� Poirot sah sie ernst an.</p><p>Sie hob verwirrt die Hand, wollte etwas erwidern, und schlug dann wortlos die Augen nieder.</p><p>Pilar trat mit der wachen Aufmerksamkeit eines Tieres ein, das irgendwo eine Falle wittert. Sie sah nicht so sehr �ngstlich als vielmehr sehr misstrauisch von einem zum andern.</p><p>Colonel Johnson schob ihr einen Stuhl zurecht.</p><p>�Sie verstehen Englisch, nicht wahr, Miss Estravados?�</p><p>Pilar riss die Augen auf.</p><p>�Nat�rlich! Meine Mutter war Engl�nderin. Und ich selber f�hle mich sehr englisch.�</p><p>Johnson betrachtete ihr gl�nzendes schwarzes Haar, die dunklen, stolzen Augen und vollen roten Lippen und musste l�cheln. Sehr englisch. Kein �berzeugendes Eigenschaftswort, wenn man es auf Pilar Estravados anwandte. �Mr Lee war Ihr Gro�vater, nicht wahr? Er lie� Sie aus Spanien kommen, und Sie sind vor einigen Tagen hier eingetroffen.�</p><p>Pilar nickte. �Ja, das stimmt. Ich hatte einige Abenteuer zu bestehen, ehe ich aus Spanien fortkam. Eine Bombe fiel auf unseren Wagen, und der Chauffeur wurde get�tet. Wo sein Kopf gewesen war, sah man nur noch Blut. Und weil ich nicht Auto fahren kann, musste ich zu Fu� weitergehen. Ich hasse es zu gehen! Meine F��e waren ganz wund.�</p><p>�Nun, Sie sind jedenfalls gl�cklich hier angekommen�, l�chelte Colonel Johnson. �Hatte Ihnen Ihre Mutter viel von Ihrem Gro�vater erz�hlt?�</p><p>Pilar nickte strahlend. �O ja, sie sagte oft, er sei ein alter Teufel.�</p><p>Hercule Poirot hob am�siert die Augenbrauen.</p><p>�Und wie gefiel er Ihnen, Mademoiselle, als Sie ihn kennen lernten?�</p><p>�Er war nat�rlich alt, sehr alt und vertrocknet, und er m�sste immer im Stuhl sitzen. Aber ich mochte ihn gern. Ich glaube, dass er in jungen Jahren sehr gut aussah, so wie Sie�, und damit sah sie Inspektor Sugden unverhohlen und naiv bewundernd an. Der Polizeibeamte wurde feuerrot.</p><p>Colonel Johnson unterdr�ckte ein Lachen. Es kam sehr selten vor, dass der stoische Inspektor vor Verlegenheit err�tete.</p><p>�Nur ist er nat�rlich nie so gro� gewesen wie Sie�, f�gte Pilar bedauernd hinzu.</p><p>Hercule Poirot seufzte leise. �Sie m�gen also gro�e M�nner, Se�orita?�</p><p>�O ja�, gab Pilar begeistert zu, �M�nner m�ssen gro� sein und breite Schultern haben und viel, viel Kraft!�</p><p>�Waren Sie oft bei Ihrem Gro�vater, seit Sie hier sind?�, lenkte Johnson das Gespr�ch wieder in offiziellere Bahnen.</p><p>�Ja, ich sa� viel bei ihm. Er erz�hlte mir manches � wie durchtrieben er gewesen sei und was er in S�dafrika alles getan hat.�</p><p>�Sprach er jemals von den Diamanten, die er in seinem Safe hatte?�</p><p>�Er hat sie mir sogar gezeigt. Aber sie sahen gar nicht wie Diamanten aus. Nur wie Kieselsteine, h�ssliche Kieselsteine.�</p><p>�Er hat sie Ihnen gezeigt?�, fragte Sugden scharf. �Hat er Ihnen vielleicht einen davon geschenkt?�</p><p>Pilar sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nein. Aber ich dachte, dass er mir vielleicht einmal einen schenken w�rde, wenn ich recht nett zu ihm w�re und oft bei ihm s��e. Alte Herren haben junge M�dchen n�mlich sehr gerne.�</p><p>�Wissen Sie, dass diese Diamanten gestohlen worden sind?�</p><p>Pilar starrte Colonel Johnson an. �Gestohlen?�</p><p>�Ja. Wissen Sie, wer sie genommen haben k�nnte?�</p><p>�Gewiss�, sagte Pilar kopfnickend. �Sicher Horbury.�</p><p>�Wie kommen Sie darauf?�</p><p>�Weil er ein Diebesgesicht hat. Er schielt immer so aus den Augenwinkeln, schleicht herum und horcht an den T�ren. Er kommt mir vor wie eine Katze, und alle Katzen stehlen.�</p><p>�Hm�, r�usperte sich Johnson, �lassen wir das vorl�ufig. Man hat uns gesagt, dass die ganze Familie am Nachmittag bei Ihrem Gro�vater versammelt war und dass dabei einige � einige gereizte Worte fielen.�</p><p>Pilar l�chelte.</p><p>�Das ist wahr, es war sehr lustig. Gro�vater machte sie so w�tend.�</p><p>�Und das gefiel Ihnen?�</p><p>�Ja! Ich mag es, wenn Leute w�tend werden. Aber hier in England ist das ganz anders als in Spanien. In Spanien ziehen die Leute die Messer und fluchen und schreien; aber hier werden sie nur rot im Gesicht und verkneifen den Mund.�</p><p>�K�nnen Sie sich erinnern, was Ihr Gro�vater sagte?�</p><p>Pilar schien an ihrem Erinnerungsverm�gen zu zweifeln.</p><p>�Ich bin nicht sicher. Gro�vater warf ihnen vor, keine Enkelkinder auf die Welt gesetzt zu haben. Ich sei ihm lieber als alle anderen. Er hatte mich sehr gern.�</p><p>�Sprach er von einem Testament?�</p><p>�Testament? Nein, ich glaube nicht.�</p><p>�Und was geschah dann?�</p><p>�Dann gingen alle aus dem Zimmer, au�er Hilda, die Dicke, Davids Frau, die blieb zur�ck. David sah komisch aus. Er zitterte und war so wei�, dass ich dachte, er werde sich erbrechen m�ssen.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Sp�ter war ich mit Stephen zusammen. Wir legten Platten auf und tanzten.�</p><p>�Stephen Farr?�</p><p>�Ja. Er kommt aus S�dafrika und ist der Sohn von Gro�vaters Freund. Stephen ist auch sehr gut aussehend, gro� und braun, und er hat nette Augen.�</p><p>�Wo waren Sie, als der Mord geschah?�</p><p>�Wo ich war? Ich war mit Lydia ins Wohnzimmer gegangen. Dann ging ich in mein Zimmer, um mich zu pudern. Ich wollte wieder mit Stephen tanzen. Aber da h�rte ich weit entfernt einen Schrei, alles rannte, und ich lief hinterdrein. Man versuchte Gro�vaters Zimmert�r einzuschlagen. Harry hat es dann schlie�lich mit Stephen fertig gebracht. Sie sind beide gro�e, starke M�nner. Und dann � krach! � gab die T�r nach, und wir sahen alle ins Zimmer. Was f�r ein Anblick! Alles zerschmettert und �ber den Haufen geworfen, und Gro�vater in einer Blutlache. Seine Gurgel war durchgeschnitten � so� � sie beschrieb mit einer dramatischen Geb�rde an ihrem eigenen Hals, was sie gesehen hatte � �bis unter sein Ohr!�</p><p>Sie unterbrach sich, und es war offensichtlich, dass sie ihre eigene Schilderung genossen hatte.</p><p>Johnson fragte: �Ist Ihnen beim Anblick des Bluts nicht �bel geworden?�</p><p>�Nein, warum? Es flie�t gew�hnlich Blut, wenn jemand umgebracht wird. Da war wirklich viel Blut � �berall.�</p><p>�Hat jemand etwas gesagt in diesem Augenblick?�, fragte Poirot.</p><p>�David sagte etwas so Komisches � was war es nur? Ach ja. Die M�hlen Gottes �� Sie wiederholte jedes Wort mit pathetischem Nachdruck. �Die M�hlen Gottes. � Was hei�t das �berhaupt? In M�hlen wird doch Mehl gemahlen, oder nicht?�</p><p>�Sie k�nnen jetzt gehen, Miss Estravados�, schnitt Colonel Johnson weitere Fragen ab.</p><p>Pilar erhob sich sofort. Sie bedachte jeden der drei M�nner mit einem bezaubernden L�cheln.</p><p>�Gut, dann gehe ich�, sagte sie folgsam und verschwand.</p><p>�Die M�hlen Gottes mahlen langsam, aber sehr fein�, murmelte Johnson. �Und das hat David Lee gesagt!�</p><p>Colonel Johnson sah erst auf, als sich die T�r wieder �ffnete. Im ersten Moment glaubte er, dass Harry Lee zur�ckgekommen sei; doch als Stephen Farr n�her trat, bemerkte er seinen Irrtum.</p><p>Stephen Farr setzte sich. Seine k�hlen, intelligenten Blicke schweiften von einem der drei M�nner zum anderen. Dann sagte er: �Ich werde Ihnen leider nicht viel wertvolle Ausk�nfte geben k�nnen, aber bitte fragen Sie mich, was Sie wollen. Vielleicht sollte ich Ihnen zuerst erkl�ren, wer ich bin. Mein Vater, Ebenezer Farr, war Simeon Lees Gesch�ftspartner in S�dafrika, doch diese Zusammenarbeit liegt nun schon vierzig Jahre zur�ck. Mein Vater erz�hlte mir viel von Simeon Lee - eine wie gro�e Pers�nlichkeit er gewesen sei und was sie beide gemeinsam erreichten und erlebten. Mein Vater hatte mir eingesch�rft, den alten Lee unbedingt zu besuchen, wenn ich einmal nach England kommen sollte. �Wenn zwei M�nner so vieles zusammen erlebt haben wie Simeon Lee und ich, dann verlieren sie sich auch nach Jahren nie aus den Augen�, sagte mein Vater immer. Nun, er starb vor zwei Jahren, und als ich jetzt zum ersten Mal nach England kam, wollte ich Vaters Rat befolgen und Mr Lee aufsuchen.� Er l�chelte, als er fortfuhr. �Ich war richtig nerv�s, als ich hier ankam, aber das war ganz �berfl�ssig. Mr Lee empfing mich sehr herzlich und bestand darauf, dass ich Weihnachten mit ihm und seiner Familie verbringen solle.� Seltsam scheu und verlegen f�gte er noch bei: �Es waren �berhaupt alle sehr nett zu mir � Mr und Mrs Alfred Lee h�tten nicht zuvorkommender sein k�nnen. Es tut mir unendlich Leid f�r sie, dass dies alles geschehen ist.�</p><p>�Seit wann sind Sie hier, Mr Farr?�</p><p>�Seit gestern.�</p><p>�Haben Sie den alten Mr Lee heute gesehen?�</p><p>�Ja, heute fr�h plauderten wir zusammen. Er war bei guter Laune und wollte tausend Sachen von allen m�glichen Leuten und Dingen wissen.�</p><p>�Und seither haben Sie ihn nicht mehr gesehen?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Erw�hnte er die ungeschliffenen Diamanten, die er in seinem Safe aufbewahrte?�</p><p>�Nein.� Ehe noch jemand etwas sagen konnte, fragte er: �Soll damit gesagt sein, dass hier ein Raubmord vorliegt?�</p><p>�Das wissen wir noch nicht�, sagte Johnson zur�ckhaltend. �Um auf die Ereignisse des heutigen Abends zur�ckzukommen � wollen Sie uns genau sagen, was Sie taten und wo Sie sich aufhielten?�</p><p>�Gerne. Nachdem die Damen das Speisezimmer verlassen hatten, trank ich noch ein Glas Portwein. Aber ich sp�rte, dass die Lees Familienangelegenheiten zu besprechen hatten; um sie nicht zu st�ren, entschuldigte ich mich und ging.� Stephen Farr lehnte sich in seinem Stuhl zur�ck. Sein Zeigefinger streichelte gedankenverloren sein Kinn. Ein wenig stockend und h�lzern fuhr er fort: �Dann� Ich betrat ein gro�es Zimmer mit einem Parkettboden, wahrscheinlich eine Art Tanzsaal. Jedenfalls steht ein Plattenspieler drin, und daneben hatte es Tanzplatten. Ich legte eine dieser Platten auf.�</p><p>�W�re es also m�glich�, fiel Poirot ein, �dass Sie auf jemanden gewartet haben?�</p><p>Ein leises L�cheln kr�uselte Stephen Farrs Lippen.</p><p>�Das war durchaus m�glich, gewiss. Man hofft ja immer.�</p><p>Nun lachte er wirklich.</p><p>�Se�orita Estravados ist sehr sch�n�, sagte Poirot.</p><p>�Sie ist das Sch�nste und Beste, was ich bisher in England gesehen habe�, gab Stephen unumwunden zu.</p><p>�Und kam Miss Estravados auch in diesen Tanzsaal?�, fragte Colonel Johnson.</p><p>Stephen sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich war noch dort, als ich ein Gepolter h�rte, st�rzte in die Halle hinaus und rannte mit den anderen die Treppe hinauf. Dann half ich Harry Lee, die T�r einzudr�cken.�</p><p>�Mehr haben Sie uns nicht zu sagen?�</p><p>�Leider nein.�</p><p>Hercule Poirot neigte sich leicht nach vorn und sagte leise:</p><p>�Ich glaube, Mr Farr dass Sie uns noch eine ganze Menge erkl�ren k�nnten, wenn Sie wollten.�</p><p>Farr fragte scharf: �Inwiefern, bitte?�</p><p>�Sie k�nnen uns, was sehr wichtig f�r den Fall ist, zum Beispiel den Charakter von Mr Lee schildern. Sie sagten, dass Ihr Vater oft von ihm sprach. Wie stellte er Ihnen seinen alten Freund vor?�</p><p>�Ich begreife, worauf Sie hinauswollen�, sagte Farr langsam. �Sie m�chten herausbekommen, welche Art Mann Simeon Lee in jungen Jahren war, nicht wahr? Nun � soll ich ganz ehrlich sein?�</p><p>�Ich bitte Sie darum.�</p><p>�Also erstens glaube ich nicht, dass Simeon Lee ein hochmoralisches Mitglied der menschlichen Gesellschaft war. Damit soll nicht gesagt sein, dass er ein Gauner war, aber seine Lebensweise n�herte sich dem Ungesetzlichen doch manchmal recht bedenklich. Andererseits hatte er viel Charme und war wirklich gro�z�gig. Er half jedem, der sich in Not an ihn wandte. Er trank, wenn auch nicht �berm��ig, hatte Gl�ck bei den Frauen und war ein humorbegabter Mensch. Aber daneben war er eigenartig rachs�chtig. Man sagt, ein Elefant vergesse nichts, und genauso scheint Simeon Lee gewesen zu sein. Mein Vater erz�hlte mir, dass er in einigen F�llen jahrelang wartete, bis er einen Feind packen und erledigen konnte.�</p><p>Inspektor Sugden fragte lauernd: �Haben Sie eine Ahnung, Mr Farr, ob jemand, dem er �bel mitgespielt hatte, noch in S�dafrika lebt? Ob ein Streit aus der Vergangenheit mit diesem Mord in Verbindung gebracht werden kann?�</p><p>Stephen Farr sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Er hatte Feinde, das ist klar. Aber ich wei� von keinem besonderen Fall. Au�erdem �� Seine Augen verengten sich pl�tzlich. �Au�erdem hat mir Tressilian gesagt, dass heute Abend kein Fremder im Haus war oder sich dem Haus auch nur gen�hert hat.�</p><p>�Mit Ausnahme von Ihnen, Mr Farr�, sagte Hercule Poirot. Stephen fuhr herum und starrte ihn an.</p><p>�Ach, so ist das? Verd�chtiger Fremder innerhalb der Tore. Nun, Sie werden wenig Gl�ck haben mit Ihrer Theorie. Es gibt keine l�ngst vergessene Geschichte von Streitigkeiten zwischen Simeon Lee und Ebenezer Farr, die nun Ebs Sohn hier r�chen wollte. Ich bin, wie ich Ihnen bereits sagte, aus purer Neugierde hergekommen. Und ein Plattenspieler ist wahrscheinlich ein ebenso guter Zeuge wie jeder andere. Ich habe dauernd neue Platten aufgelegt, und das muss jemand geh�rt haben. Eine Plattenl�nge h�tte mir niemals erlaubt, die Treppe hinaufzurennen, den endlosen Korridor entlangzusausen und dem alten Mann die Gurgel durchzuschneiden, mich dann vom Blut zu reinigen und wieder im Saal zu sein, ehe die anderen herbeist�rzten. Der Verdacht ist grotesk!�</p><p>�Niemand hat Sie verd�chtigt, Mr Farr�, beschwichtigte ihn Johnson.</p><p>�So? Jedenfalls hat mir Mr Hercule Poirots Ton nicht gefallen.�</p><p>�Das tut mir unendlich Leid�, sagte Poirot und sah Farr vers�hnlich l�chelnd an.</p><p>�Danke, Mr Farr, das ist im Augenblick alles�, schnitt Colonel Johnson m�gliche weitere Auseinandersetzungen ab. �Sie werden, bitte, dieses Haus vorl�ufig nicht verlassen.�</p><p>Stephen Farr nickte. Er stand auf und ging mit weitausholenden Schritten aus dem Zimmer.</p><p>Sobald sich die T�r hinter ihm geschlossen hatte, sagte Johnson: �Da geht X, der gro�e Unbekannte. Seine Erkl�rungen klingen zwar durchaus glaubw�rdig, aber er ist doch ein schwarzes Schaf. Er <emphasis>k�nnte </emphasis>diese Diamanten gestohlen haben, und er <emphasis>k�nnte </emphasis>mit irgendeiner erfundenen Geschichte hier aufgetaucht sein, um sich Zutritt zu dem Haus zu verschaffen. Nehmen Sie ihm die Fingerabdr�cke, Sugden, und forschen Sie nach, ob er bekannt ist.�</p><p>�Ich habe Stephen Farrs Fingerabdr�cke bereits�, sagte der Inspektor mit einem kleinen L�cheln.</p><p>�Sehr gut. Sie �bersehen wirklich nichts. Ich �berlasse Ihnen, die gemachten Aussagen zu �berpr�fen.�</p><p>Sugden z�hlte an den Fingern auf. �Die erw�hnten Telefongespr�che und ihre genaue Zeit feststellen. Horbury kontrollieren, wann er das Haus verlie� und wer ihn fortgehen sah. Feststellen, wer hier ein und aus ging. Dienerschaft verh�ren. Finanzlage der einzelnen Familienmitglieder auskundschaften. Den Anwalt aufsuchen und bez�glich des Testaments befragen. Das Haus nach der Mordwaffe, blutbefleckten Kleidungsst�cken und nat�rlich nach den eventuell versteckten Diamanten durchsuchen.�</p><p>Sugden sah pl�tzlich ver�rgert aus. �Dieses Haus wird �brigens gar nicht leicht zu durchsuchen sein, Sir. Noch nie habe ich so viel Zierrat und Krimskrams beisammen gesehen wie hier.�</p><p>�Ja, Verstecke gibt es hier sicherlich eine Menge�, stimmte Poirot ihm bei.</p><p>�Und Sie haben also keine Anregungen zu machen, Poirot?�, fragte Johnson entt�uscht. Er sah aus wie ein Mann, dessen Hund soeben bei einem seiner Kunstst�cke versagt hat.</p><p>�Wenn Sie gestatten, m�chte ich eine eigene Linie einschlagen.�</p><p>�Aber nat�rlich�, sagte Johnson, und fast gleichzeitig fragte Sugden ein wenig misstrauisch:</p><p>�Was f�r eine Linie, Mr Poirot?�</p><p>�Ich m�chte noch ein paarmal mit den Mitgliedern der Familie Lee plaudern.�</p><p>�Sie noch einmal gr�ndlich verh�ren?�, fragte Johnson. �Nein, nein, nicht verh�ren � mit ihnen plaudern.�</p><p>�Wozu?� Sugden schien nicht zu begreifen.</p><p>Hercule Poirot machte eine elegante, ausdrucksvolle Handbewegung.</p><p>�In harmlosen Gespr�chen vernimmt man gar manches. Wenn ein Mensch viel spricht, kann er die Wahrheit nicht verbergen.�</p><p>�Glauben Sie denn, dass jemand von ihnen l�gt?�</p><p>Poirot seufzte.</p><p><emphasis>�Mon cher, </emphasis>jedermann l�gt. Es ist aufschlussreich, die harmlosen L�gen von den wichtigen zu trennen.�</p><p>Aus Colonel Johnson brach es pl�tzlich hervor:</p><p>�Es ist einfach unglaublich! Es ist ein ganz besonders grausamer und brutaler Mord geschehen � und wen k�nnen wir als T�ter verd�chtigen? Alfred Lee und seine Frau � beide reizende, gepflegte, ruhige Menschen. George Lee, der Parlamentsmitglied und ein Muster an Ehrbarkeit ist. Seine Frau? Eine belanglose Modepuppe. David Lee scheint ein weichherziger Mensch zu sein, und wir wissen von seinem Bruder Harry, dass er den Anblick von Blut nicht ertr�gt. Seine Frau ist eine nette, vern�nftige Person � weder aufregend noch auffallend. Bleiben die spanische Nichte und der Mann aus S�dafrika. Spanische Frauen haben wohl ein ungez�geltes Temperament, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses bezaubernde Gesch�pf dem alten Mann kaltbl�tig die Kehle durchgeschnitten haben soll. Umso mehr, als sie alles Interesse daran gehabt haben d�rfte, ihn jedenfalls bis nach der Abfassung eines neuen Testaments am Leben zu wissen. Stephen Farr � das w�re m�glich �, er k�nnte ein Gauner sein. Vielleicht hat der alte Mann den Verlust der Steine entdeckt, und Farr schnitt ihm die Kehle durch, um ihn zum Schweigen zu bringen. Das w�re durchaus m�glich, denn der Plattenspieler ist kein �berzeugendes Alibi.�</p><p>Poirot sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Lieber Freund, vergleichen Sie doch mal das �u�ere von Monsieur Farr und Simeon Lee. Wenn Farr entschlossen gewesen w�re, den alten Herrn umzubringen, dann h�tte er das binnen einer Minute tun k�nnen, ohne dass Mr Lee sich dagegen gro� zur Wehr h�tte setzen k�nnen. Wer sollte glauben, dass der gebrechliche, alte Mann und dieses Prachtexemplar k�rperlicher Kraft miteinander rangen und St�hle umwarfen, Tische zu Fall brachten und Porzellan zertr�mmerten? Diese Vorstellung ist ganz einfach fantastisch!�</p><p>Colonel Johnsons Pupillen verengten sich.</p><p>�Dann glauben Sie also, dass ein schw�chlicher Mann den alten Simeon Lee ermordet hat?�</p><p>�Oder eine Frau�, sagte Inspektor Sugden.</p><p>Colonel Johnson sah auf die Uhr.</p><p>�Somit w�re ich hier so ziemlich fertig�, sagte er m�de. �Sie haben nun das Weitere in der Hand, Sugden. Ach, doch, noch etwas. Ich m�chte diesen Butler sprechen. Ich wei�, dass Sie ihn bereits verh�rt haben, aber es w�re immerhin wichtig, von ihm zu erfahren, wo sich jedermann aufhielt, als der Mord geschah.�</p><p>Tressilian trat bed�chtig ein. Johnson bot ihm einen Platz an. �Danke, Sir, ich werde mich gerne setzen�, murmelte der alte Diener. �Ich f�hle mich nicht sehr wohl � gar nicht wohl. Meine Beine, Sir, und mein Kopf.�</p><p>�Kein Wunder, nach allen Schrecken, die Sie erleben mussten�, sagte Poirot freundlich.</p><p>Der Butler schauerte zusammen. �Eine solche � gr�ssliche Untat, in diesem Haus. Wo alles sonst so ruhig seinen Gang genommen hat.�</p><p>�Es war also ein sehr geordnetes Haus, nicht wahr?�, fragte Poirot. �Aber kein sehr gl�ckliches?�</p><p>�Das m�chte ich nicht sagen, Sir.�</p><p>�Fr�her, als noch die ganze Familie beisammen war � war das Leben hier gl�cklicher?�</p><p>Tressilian z�gerte mit der Antwort. �Es war vielleicht nicht sehr harmonisch��</p><p>�Die verstorbene Mrs Lee war oft krank, nicht wahr?�</p><p>�Ja, Sir, sie war sehr bedauernswert.�</p><p>�Haben ihre Kinder sie sehr geliebt?�</p><p>�Mr David war seiner Mutter sehr ergeben, fast eher wie eine Tochter als wie ein Sohn. Nachdem Mrs Lee gestorben war, hielt er das Leben hier nicht mehr aus und ging fort.�</p><p>�Und Mr Harry?�, fragte Poirot. �Wie war Mr Harry?�</p><p>�Immer ein wenig wild und ungeb�rdig, Sir, aber gutherzig. Du liebe Zeit, ich bin doch so erschrocken, als die T�rglocke so ungeduldig gel�utet wurde und als dann ein fremder Mann vor dem Haus stand, der mit Mr Harrys Stimme sagte: �Hallo, Tressilian! Noch immer hier?� Ganz unver�ndert.�</p><p>Poirot sah den alten Diener verst�ndnisvoll an.</p><p>�Ja, das muss ein eigent�mliches Gef�hl f�r Sie gewesen sein.�</p><p>Tressilians Wangen liefen rot an.</p><p>�Manchmal kommt es mir vor, Sir, als sei die Vergangenheit gar nicht vergangen. Dar�ber hat man in London einmal ein Theaterst�ck gespielt, und es ist etwas Wahres daran, wirklich, Sir. Pl�tzlich �berkommt einen das Gef�hl, als h�tte man alles schon einmal getan und erlebt. Wenn ich die T�r aufmache, weil geklingelt wurde, und Mr Harry oder Mr Farr oder jemand drau�en steht � dann denke ich: Aber, das habe ich doch schon einmal erlebt.�</p><p>�Das ist ja sehr interessant�, murmelte Poirot. Tressilian sah ihn dankbar an.</p><p>Johnson, ungeduldig geworden, r�usperte sich und �bernahm wieder die F�hrung des Gespr�chs.</p><p>�Ich m�chte gewisse Zeitangaben genau �berpr�fen�, sagte er. �Wenn ich recht unterrichtet bin, befanden sich nur Mr Alfred und Mr Harry im Speisezimmer, als der L�rm von oben ert�nte. Ist das richtig?�</p><p>�Das wei� ich wirklich nicht, Sir. Als ich den Kaffee servierte, waren noch alle Herren im Speisezimmer � aber das kann eine Viertelstunde vorher gewesen sein.�</p><p>�Mr George Lee war am Telefon. K�nnen Sie das best�tigen?�</p><p>�Jemand hat telefoniert, ja, Sir. Wenn man den H�rer abhebt, schl�gt die Glocke in der K�che ganz leise an. Ich erinnere mich, das geh�rt zu haben, aber ich achtete nicht weiter darauf.�</p><p>�Sie wissen nicht, wann genau es gewesen ist?�</p><p>�Nein, Sir. Es war, nachdem ich den Herren den Kaffee hineingebracht hatte, mehr wei� ich nicht.�</p><p>�Wissen Sie, wo sich die Damen aufhielten? Ich meine, zum erw�hnten Zeitpunkt?�</p><p>�Mrs Alfred war im Wohnzimmer, als ich das Kaffeegeschirr abr�umen wollte. Das war eine oder zwei Minuten, ehe ich den Schrei h�rte. Sie stand dicht beim Fenster, hatte den Vorhang etwas zur�ckgezogen und sah hinaus.�</p><p>�Von den anderen Damen war niemand in dem Zimmer?�</p><p>�Nein, Sir, und ich k�nnte nicht sagen, wo sie alle waren.�</p><p>�Wissen Sie, wo sich die �brigen Herrschaften befanden?�</p><p>�Mr David war, glaube ich, im Musikzimmer und spielte Klavier.�</p><p>�H�rten Sie ihn spielen?�</p><p>�Ja, Sir.� Der alte Mann schauerte zusammen. �Sp�ter dachte ich, dass es wie ein Vorzeichen gewesen sei. Er spielte einen Trauermarsch. Ich wei� noch, dass es mich ganz kalt �berlief.�</p><p>�Das ist allerdings seltsam�, bemerkte Poirot.</p><p>�Nun zu dem Kammerdiener, diesem Horbury�, fuhr Johnson unbeirrt fort. �K�nnen Sie beschw�ren, dass er das Haus um acht Uhr verlie�?�</p><p>�Gewiss, Sir. Er ging, kurz nachdem Mr Sugden gekommen war. Das wei� ich genau, weil er n�mlich eine Kaffeetasse zerschlug, eine von den Worcestertassen. Elf Jahre lang habe ich sie abgewaschen, und nie ist eine kaputtgegangen, bis heute Abend.�</p><p>�Was hat Horbury mit den Kaffeetassen zu tun?�, fragte Poirot.</p><p>�Das ist es ja gerade, Sir, er hatte gar nichts mit ihnen zu schaffen. Er hatte nur eine aufgehoben, um sie anzusehen, und als ich sagte, Mr Sugden sei gekommen, lie� er sie fallen.�</p><p>�Sagten Sie wirklich nur �Mr Sugden�, oder erw�hnten Sie die Polizei?�</p><p>Tressilian sah ihn erstaunt an.</p><p>�Nun, da ich dar�ber nachdenke, glaube ich, dass ich sagte, der Polizeiinspektor habe eben gel�utet.�</p><p>�Und daraufhin lie� Horbury die Tasse fallen�, beendete Poirot den Satz.</p><p>�Das ist allerdings aufschlussreich�, bemerkte Johnson gespannt. �Hat Horbury irgendwelche Fragen �ber den Besuch des Inspektors gestellt?�</p><p>�Ja, Sir. Er fragte, was er hier wollen k�nne. Ich antwortete wahrheitsgem��, dass er f�r das Polizeiwaisenhaus sammle und zum alten Herrn hinaufgegangen sei.�</p><p>�Schien diese Erkl�rung Horbury zu beruhigen?�</p><p>�Ja, wenn ich es mir recht �berlege. Ja, er war ganz bestimmt sofort wieder der Alte. Sagte, Mr Lee, der alte Teufel, sei sehr freigebig � so respektlos dr�ckte er sich aus �, und dann ging er weg.�</p><p>�Durch welche T�r verlie� er das Haus?�</p><p>�Durch die, welche zum Angestelltenzimmer f�hrt.�</p><p>�Das stimmt, Sir�, warf Sugden ein. �Er ging durch die K�che, das haben die K�chin und das K�chenm�dchen best�tigt, und dann durch die Hintert�r.�</p><p>�Nun, Tressilian, sagen Sie uns bitte, ob Horbury ins Haus zur�ckkommen konnte, ohne dass er gesehen wurde.�</p><p>Der alte Mann sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich w�sste nicht, wie, Sir. Die T�ren sind alle von innen verschlossen.�</p><p>�Und wenn er einen Schl�ssel h�tte?�</p><p>�Die T�ren werden auch verriegelt.�</p><p>�Wie kommt er denn herein, wenn er zur�ckkommt?�</p><p>�Er hat einen Schl�ssel zur Hintert�re, Sir, wie alle Dienstboten.�</p><p>�Er <emphasis>k�nnte </emphasis>also auf diesem Weg zur�ckgekommen sein?�</p><p>�Nicht, ohne durch die K�che zu gehen, Sir. Und in der K�che war bis ungef�hr ein Viertel vor zehn immer jemand.�</p><p>Colonel Johnson stand auf.</p><p>�Nun, das scheint schl�ssig. Danke, Tressilian.�</p><p>Der alte Mann erhob sich, machte eine kleine Verbeugung und verlie� das Zimmer. Aber nach kaum zwei Minuten kam er zur�ck.</p><p>�Horbury ist eben heimgekommen, Sir. M�chten Sie ihn noch sprechen?�</p><p>�Ja, gerne, schicken Sie ihn sofort herein.�</p><p>Sydney Horbury wirkte keineswegs sympathisch, als er das Zimmer betrat. Er blieb in der N�he der T�r stehen, rieb sich die H�nde und sah rasch und forschend von einem der drei Gesichter zum anderen. Sein Benehmen war unterw�rfig und glatt zugleich.</p><p>�Sie sind der Kammerdiener des verstorbenen Mr Lee?�, fragte Johnson.</p><p>�Ja, Sir. Ist es nicht schrecklich? Man h�tte mich mit einer Feder zu Boden werfen k�nnen, als Gladys mir die Sache erz�hlt hat. Der arme alte Herr ��</p><p>�Bitte, beantworten Sie nur meine Fragen.� Johnson war nicht gewillt, die Sitzung noch mehr in die L�nge zu ziehen. �Wann sind Sie heute Abend ausgegangen, und wo waren Sie?�</p><p>�Ich habe das Haus kurz vor acht Uhr verlassen, Sir, und ich war im <emphasis>Superb, </emphasis>f�nf Minuten von hier entfernt. �Liebe in Sevilla� hie� der Film, Sir.�</p><p>�Hat jemand Sie dort gesehen?�</p><p>�Das Fr�ulein an der Kasse, Sir, sie kennt mich. Auch der Platzanweiser kennt mich. Und au�erdem � hm � war ich mit einer jungen Dame im Kino. Wir hatten uns verabredet.�</p><p>�Ach, wirklich? Wie hei�t die junge Dame?�</p><p>�Doris Buckle, Sir. Sie arbeitet in der Molkerei, Markham Road 23.�</p><p>�Gut, wir werden dem nachgehen. Sind Sie gleich heimgekommen?�</p><p>�Ich habe erst meine Begleiterin nach Hause gebracht. Dann kam ich sofort heim. Sie werden feststellen, dass das alles wahr ist, Sir, und dass ich nichts mit alldem zu tun habe. Ich war ��</p><p>�Niemand beschuldigt Sie, etwas damit zu tun zu haben�, unterbrach ihn Johnson schroff.</p><p>�Nein, Sir, nat�rlich nicht. Aber es ist sehr unangenehm, wenn in einem Haus ein Mord passiert.�</p><p>�Niemand hat behauptet, dass es angenehm sei. Wie lange waren Sie in Mr Lees Diensten?�</p><p>�Etwas �ber ein Jahr, Sir.�</p><p>�Waren Sie zufrieden mit Ihrer Stellung?�</p><p>�Ja, Sir, sehr zufrieden. Die Entlohnung war gut. Mr Lee war wohl manchmal schwierig, aber schlie�lich habe ich �bung im Umgang mit alten kranken Menschen.�</p><p>�Inspektor Sugden wird notieren, wo und bei wem Sie fr�her angestellt waren. Was ich vor allem wissen m�chte, ist: Wann haben Sie den Verstorbenen zuletzt gesehen?�</p><p>�Um ungef�hr halb acht, Sir. Mr Lee bekam immer um sieben ein leichtes Nachtessen in seinem Zimmer serviert, und dann machte ich ihn bereit zum Schlafengehen. Danach sa� er meist noch vor dem Kaminfeuer, bis er m�de war und zu Bett ging.�</p><p>�Um wie viel Uhr tat er das gew�hnlich?�</p><p>�Das war ganz verschieden, Sir. Oft ging er schon um acht Uhr schlafen � wenn er sehr m�de war. Aber es kam auch vor, dass er bis elf Uhr und sp�ter sitzen blieb.�</p><p>�Und dann l�utete er nach Ihnen, und Sie halfen ihm ins Bett?�</p><p>�Ja, Sir.�</p><p>�Aber heute waren Sie zum Beispiel ausgegangen. Hatten Sie freitags abends immer frei?�</p><p>�Ja, Freitag hatte ich abends immer Ausgang.�</p><p>�Was geschah, wenn Mr Lee zu Bett gehen wollte?�</p><p>�Dann l�utete er, und entweder Tressilian oder Walter halfen ihm.�</p><p>�Er war also nicht ganz hilflos? Er konnte herumgehen?�</p><p>�Ja, Sir, aber nur sehr m�hsam. Er litt an rheumatoider Arthritis. Es ging ihm an manchen Tagen viel besser als an anderen.�</p><p>�Ging er tags�ber nie in ein anderes Zimmer?�</p><p>�Nein, Sir. Er zog es vor, in seinem Zimmer zu bleiben. Mr Lee stellte keine gro�en pers�nlichen Anspr�che. Der Raum war gro�, sehr luftig und hell.�</p><p>�Also hatte Mr Lee um sieben wie immer zu Abend gegessen?�</p><p>�Ja, Sir. Ich holte das Tablett und stellte Sherry und zwei Gl�ser auf seinen Schreibtisch. So hatte es Mr Lee befohlen.�</p><p>�War das �blich?�</p><p>�Manchmal schon. In der Regel suchte niemand von der Familie den alten Herrn auf, ohne dazu aufgefordert worden zu sein. Meist wollte er abends allein sein, aber es kam vor, dass er Mr Alfred oder Mrs Alfred oder beide bat, nach dem Nachtessen noch zu ihm zu kommen.�</p><p>�Aber heute Abend war das also nicht der Fall? Das hei�t, er hatte, soviel Sie wissen, niemand um einen Besuch gebeten?�</p><p>�Ich jedenfalls habe niemandem eine solche Bitte ausgerichtet, Sir.�</p><p>�Also erwartete er niemanden von der Familie?�</p><p>�Er kann nat�rlich pers�nlich jemanden um einen Besuch gebeten haben.�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Ich sah nach, ob alles in Ordnung sei, w�nschte Mr Lee eine gute Nacht und verlie� das Zimmer.�</p><p>�Haben Sie noch Holz auf das Feuer gelegt, ehe Sie gingen?�, fragte Poirot.</p><p>Der Diener z�gerte.</p><p>�Das war nicht notwendig, Sir. Es brannte ziemlich stark.�</p><p>�K�nnte Mr Lee selber Holz nachgelegt haben?�</p><p>�Nein, Sir. Vermutlich hat das Mr Harry getan.�</p><p>�War Mr Harry bei seinem Vater, als Sie vor dem Nachtessen zu Mr Lee hinaufgingen?�</p><p>�Ja, Sir. Er ging, als ich kam.�</p><p>�Wie war die Stimmung der beiden Herren, sofern Sie das beurteilen k�nnen?�</p><p>�Mr Harry schien gut gelaunt zu sein, Sir. Er trug den Kopf sehr hoch und lachte.�</p><p>�Und der alte Herr?�</p><p>�Er war still und ziemlich nachdenklich.�</p><p>�So? Nun m�chte ich noch etwas wissen, Horbury: Was wissen Sie von den Diamanten in Mr Lees Safe?�</p><p>�Diamanten, Sir? Ich habe nie Diamanten gesehen.�</p><p>�Mr Lee bewahrte eine Reihe ungeschliffener Diamanten hier auf. Sie m�ssen doch gesehen haben, dass er sie in H�nden hielt oder betrachtete.�</p><p>�Diese kleinen Kieselsteine, Sir? Ja, die habe ich ein paarmal in seinen H�nden gesehen. Aber ich wusste nicht, dass es Diamanten waren. Erst gestern hat er sie der ausl�ndischen jungen Dame gezeigt � oder war es vorgestern?�</p><p>�Diese Steine sind gestohlen worden�, sagte Colonel Johnson pl�tzlich laut und scharf.</p><p>�Sie werden doch nicht denken, Sir, dass ich etwas damit zu tun habe?�, fuhr Horbury fort.</p><p>�Ich habe nichts Derartiges erw�hnt�, antwortete Johnson kurz. �Nun, k�nnen Sie uns noch irgendwelche Ausk�nfte �ber die Sache geben?�</p><p>��ber die Diamanten, Sir? Oder den Mord?�</p><p>�Beides.�</p><p>Horbury dachte nach. Seine Zunge fuhr �ber die blassen Lippen. Als er nach einer Weile wieder aufsah, blickten seine Augen ziemlich ver�ngstigt.</p><p>�Ich glaube nicht, Sir.�</p><p>�Kann nichts, was Sie vielleicht im Lauf des Tags geh�rt haben, aufschlussreich sein f�r uns?�, fragte Poirot sanft.</p><p>Die Lider des Dieners begannen zu zucken.</p><p>�Nein, Sir, ich glaube nicht. H�chstens vielleicht. � Es gab eine Auseinandersetzung zwischen Mr Lee und einigen Familienmitgliedern.�</p><p>�Welchen Mitgliedern der Familie?�</p><p>�Es handelte sich um die Heimkehr von Mr Harry Lee, die Mr Alfred Lee gar nicht zu passen schien. Dar�ber hatte er mit seinem Vater einen Wortwechsel � das war aber auch alles. Der alte Herr warf ihm keineswegs vor, die Diamanten genommen zu haben, und ich bin �berzeugt, dass Mr Alfred niemals so etwas getan h�tte.�</p><p>Poirot fragte sehr schnell:</p><p>�Dieser Streit fand statt, <emphasis>nachdem </emphasis>Mr Lee den Verlust der Diamanten entdeckt hatte, nicht wahr?�</p><p>�Ja, Sir.�</p><p>Poirot beugte sich vor.</p><p>�Ich glaubte, Horbury, dass Sie keine Ahnung vom Verschwinden der Diamanten hatten, dass Sie erst jetzt, durch uns, davon geh�rt hatten. Wie also k�nnen Sie wissen, dass Mr Lee den Diebstahl entdeckte, <emphasis>bevor </emphasis>er mit seinem Sohn sprach?�</p><p>Horbury wurde tiefrot.</p><p>�Zwecklos, zu l�gen�, sagte Sugden. �Heraus damit! Wann haben Sie vom Verschwinden der Steine erfahren?�</p><p>�Ich h�rte ihn mit jemandem telefonieren�, antwortete Horbury dumpf. �Ich war vor der T�r und konnte nur ein, zwei Worte deutlich verstehen.�</p><p>�Und was genau haben Sie verstanden?�, fragte Poirot �bertrieben freundlich.</p><p>�Ich h�rte die Worte �Raub� und �Diamanten� und dass er sagte: �Ich wei� nicht, wen ich verd�chtigen soll� � und dann etwas von heute Abend um acht Uhr.�</p><p>Inspektor Sugden nickte.</p><p>�Er hatte mit mir gesprochen, mein Bester. Ungef�hr um zehn Minuten nach f�nf, stimmt�s?�</p><p>�Jawohl, Sir.�</p><p>�Und als Sie nachher sein Zimmer betraten, war Mr Lee da sehr aufgeregt?�</p><p>�Nicht sehr. Er sah eher bek�mmert aus.�</p><p>�So bek�mmert, dass Ihnen ein wenig mulmig zumute wurde, wie?�</p><p>�H�ren Sie, Mr Sugden, so d�rfen Sie mir nicht kommen. Ich habe diese Diamanten nie auch nur anger�hrt, und Sie k�nnen mir nicht das Gegenteil beweisen. Ich bin kein Dieb!�</p><p>Inspektor Sugden antwortete unger�hrt:</p><p>�Das werden wir ja sehen.� Er sah den Colonel fragend an, nahm dessen Nicken wahr und fuhr fort: �Das ist alles, Horbury. Ich brauche Sie heute Abend nicht mehr.�</p><p>Horbury verschwand erleichtert.</p><p>�Das war fabelhaft, Mr Poirot�, sagte Sugden bewundernd. �So glatt habe ich noch nie jemanden in eine Falle gehen sehen. Ob er ein Dieb ist oder nicht � jedenfalls ist er ein erstklassiger L�gner.�</p><p>�Kein sehr einnehmender Mensch�, stellte Poirot fest.</p><p>�Ein ekelhafter Kerl�, stimmte Johnson zu. �Die Frage ist jetzt: Was k�nnen wir mit seiner Aussage anfangen?�</p><p>Sugden fasste die Sachlage kurz zusammen.</p><p>�Meiner Ansicht nach gibt es drei M�glichkeiten, Sir. Erstens: Horbury ist ein Dieb <emphasis>und </emphasis>ein M�rder. Zweitens: Horbury ist wohl ein Dieb, aber <emphasis>kein </emphasis>M�rder. Drittens: Horbury ist unschuldig. Zu Punkt eins: Er h�rte das Telefongespr�ch und wusste, dass der Diebstahl entdeckt worden war. Aus dem Verhalten des alten Herrn glaubte er schlie�en zu k�nnen, dass er verd�chtigt wurde. Fasste rasch einen Entschluss. Ging um acht Uhr ostentativ aus und besorgte sich ein Alibi. Einfache Sache, aus einem Kino wegzuschleichen und unbemerkt hierher zur�ckzukommen. Allerdings muss er des M�dchens ganz sicher sein, dass sie ihn nicht verr�t. Ich werde morgen ja sehen, was ich aus ihr herausbekomme.�</p><p>�Und wie sollte er ins Haus gekommen sein?�, fragte Poirot.</p><p>�Das ist schon schwieriger�, gab Sugden zu. �Aber auch das h�tte sich bewerkstelligen lassen. Wenn ihm zum Beispiel eine der Angestellten die Seitent�re aufschloss.�</p><p>Poirot hob zweifelnd die Augenbrauen.</p><p>�Damit h�tte er sein Leben gleich zwei Frauen in die Hand gegeben? <emphasis>Eine </emphasis>Frau bedeutet schon ein gro�es Risiko, aber <emphasis>zwei - eh bien, </emphasis>meiner Meinung nach w�rde das an Selbstmord grenzen!�</p><p>�Gewisse Verbrecher glauben eben, ihnen k�nne gar nichts passieren�, sagte Sugden. �Zu Punkt zwei: Horbury erwischte diese Diamanten, brachte sie heute Abend aus dem Haus und �bergab sie einem Komplizen. Das w�re an sich einfach und m�glich. Aber in diesem Fall m�ssen wir annehmen, dass jemand anders den alten Herrn heute Abend umbrachte, jemand, der von dem Diamantendiebstahl keine Ahnung hatte. Das ist ebenfalls m�glich, aber reichlich unwahrscheinlich. Punkt drei: Horbury ist unschuldig. Irgendjemand anders stahl die Diamanten und ermordete Mr Lee. Das sind die drei M�glichkeiten. Welche den Tatsachen entspricht, werden wir jetzt herausfinden m�ssen.�</p><p>Colonel Johnson g�hnte, sah wieder auf seine Uhr und stand auf.</p><p>�Nun, ich glaube, jetzt wollen wir schlafen gehen. Sehen wir uns noch vorher den Safe an. Es w�re verr�ckt, wenn diese verdammten Steine die ganze Zeit friedlich dort dringelegen h�tten.�</p><p>Aber die verdammten Diamanten lagen nicht im Safe. Die Herren fanden das Kennwort zum Kombinationsschloss im Notizbuch des Toten. Im Safe lag nur ein leerer Wildlederbeutel. Unter all den Papieren, die der Kassenschrank enthielt, war einzig das vor f�nfzehn Jahren abgefasste Testament von Bedeutung.</p><p>Abgesehen von verschiedenen Vergabungen und Legaten, lautete der Verteiler sehr einfach. Alfred Lee war Erbe der H�lfte des v�terlichen Verm�gens. Die andere H�lfte sollte zu gleichen Teilen an die �brigen Kinder gehen, also an Harry, George, David und Jennifer.�</p></section><section><title><p><strong>25. Dezember </strong></p></title><p>Hercule Poirot spazierte in der hellen Vormittagssonne des Weihnachtstags durch den Garten von Gorston Hall. Hier, an der S�dseite des weitl�ufigen Hauses, war eine gro�e, von geschnittenen Eibenhecken eingefasste Terrasse. Poirot bewunderte die Miniaturg�rtchen, die �berall zwischen den Steinplatten und Pflanzen angelegt worden waren.</p><p><emphasis>�C�est bien imagin�, ca�, </emphasis>murmelte er vor sich hin.</p><p>In der Ferne konnte er zwei Gestalten sehen, die sich einem kunstvoll angelegten Teich n�herten. Pilar war leicht zu erkennen, und im ersten Augenblick glaubte Poirot, dass die andere Figur Stephen Farr sei; aber dann sah er, dass Pilars Begleiter Harry Lee war. Er schien sich sehr eifrig seiner h�bschen Nichte zu widmen. Manchmal warf er den Kopf zur�ck und lachte, dann beugte er sich wieder zu ihr hinunter.</p><p>�Ein Mensch, der bestimmt nicht tief trauert�, sagte Poirot laut zu sich selber.</p><p>Ein Ger�usch hinter ihm lie� ihn herumfahren. Magdalene Lee stand da und sah ebenfalls den beiden sich entfernenden Gestalten nach. Dann wandte sie den Kopf und l�chelte Poirot bet�rend an.</p><p>�Es ist ein so herrlich sonniger Tag, dass man kaum an die Gr�uel der vergangenen Nacht zu glauben vermag, nicht wahr, Mr Poirot?�</p><p>�Ja, tats�chlich, Madame.�</p><p>Magdalene seufzte.</p><p>�Ich war noch nie in eine solche Trag�die verwickelt. Ich bin - ich bin wirklich kaum erst erwachsen. Wahrscheinlich blieb ich zu lange ein Kind. Das ist immer verh�ngnisvoll.� Sie seufzte wieder. �Pilar ist so ungew�hnlich gefasst. Das macht wohl das spanische Blut. Es ist alles so merkw�rdig, nicht wahr?�</p><p>�Was finden Sie merkw�rdig, Madame?�</p><p>�Die Art und Weise, wie sie hier auftauchte, sozusagen aus heiterem Himmel.�</p><p>�Man hat mir gesagt, dass Mr Lee l�ngere Zeit nach ihr suchen lie�. Er hat mit dem Konsulat in Madrid Kontakt aufgenommen und mit dem Vizekonsul von Aliquara, wo Pilars Mutter gestorben ist.�</p><p>�Er hat ein gro�es Geheimnis aus alldem gemacht�, sagte Magdalene. �Alfred hat nichts davon gewusst. Auch Lydia nicht.�</p><p>�Ach?�</p><p>Magdalene trat etwas n�her an Poirot heran. Er konnte das feine Parf�m riechen, das sie verwendete.</p><p>�Wissen Sie, Mr Poirot, es gibt da irgendeine Geschichte mit Estravados, Jennifers Mann. Er starb sehr bald nach ihrer Heirat, und zwar unter besonderen Umst�nden. Alfred und Lydia wissen davon. Ich glaube, es war etwas ziemlich Unerquickliches.�</p><p>�Das�, sagte Poirot, �ist wirklich traurig.�</p><p>�Mein Mann findet � und ich bin durchaus seiner Ansicht �, dass die Familie ein wenig eingehender �ber die Abkunft des M�dchens unterrichtet werden sollte. Schlie�lich war ihr Vater ein Verbrecher.�</p><p>Sie hielt inne, aber Hercule Poirot sagte kein Wort. Er schien in die Sch�nheit der winterlichen Landschaft um Gorston Hall versunken zu sein.</p><p>�Ich werde das Gef�hl nicht los�, fuhr Magdalene fort, �dass die Art, wie mein Schwiegervater ermordet wurde, sehr bedeutungsvoll ist. Dieser Mord war so ganz unenglisch.�</p><p>Hercule Poirot wandte sich ihr langsam zu. Seine klugen Augen trafen die ihrigen mit dem Ausdruck erstaunter Frage.</p><p>�Ach, eher von spanischer Art, meinen Sie?�</p><p>�Nun, sie sind grausam, oder nicht?� Magdalenes Worte hatten etwas Kindisch-Naives. �All diese Stierk�mpfe und so.�</p><p>�Wollen Sie damit sagen, dass Sie glauben, Se�orita Estravados habe ihrem Gro�vater die Kehle durchgeschnitten?� Hercule Poirot stellte diese Frage mit am�siertem L�cheln.</p><p>�Aber nein, Monsieur Poirot.� Magdalene war entsetzt. �Ich habe nichts Derartiges gesagt. Wirklich nicht.�</p><p>�Nein, das haben Sie vielleicht wirklich nicht.�</p><p>�Aber ich glaube, dass sie eine verd�chtige Erscheinung ist. Schon nur die Art, wie sie heimlich etwas vom Boden aufhob gestern Abend.�</p><p>Poirots Stimme klang pl�tzlich ganz anders. Scharf fragte er: �Sie hat gestern Abend etwas vom Boden aufgehoben?�</p><p>Magdalene nickte. Ihr kindlicher Mund verzog sich b�se.</p><p>�Ja, kaum dass wir das Zimmer betreten hatten. Erst sah sie sich schnell um, ob niemand sie dabei beobachtete, und dann st�rzte sie sich darauf. Aber dieser Inspektor hatte es gesehen, gl�cklicherweise, m�chte ich sagen, und zwang sie, das Ding herauszugeben.�</p><p>�Was hatte sie denn aufgehoben, wissen Sie das, Madame?�</p><p>�Nein, ich stand nicht nahe genug, um es zu sehen.� Das klang ehrlich bedauernd. �Irgendetwas sehr Kleines.�</p><p>Poirot runzelte die Stirn. �Das ist interessant�, murmelte er.</p><p>�Ja, und deshalb fand ich, dass man Ihnen diese Sache mitteilen sollte�, sagte Magdalene schnell. �Schlie�lich wissen wir �berhaupt nichts von Pilars Erziehung und von dem Leben, das sie bis dahin gef�hrt hat. Alfred ist immer so vertrauensvoll, und der lieben Lydia ist so was gleichg�ltig.� Dann schien ihr etwas einzufallen. �Ich sollte Lydia wohl fragen, ob ich nicht etwas helfen kann. Es sind sicher viele Briefe zu schreiben.�</p><p>Sie verabschiedete sich mit einem befriedigten L�cheln.</p><p>Poirot blieb gedankenverloren auf der Terrasse stehen.</p><p>Dort traf ihn Inspektor Sugden, der d�sterer Stimmung zu sein schien.</p><p>�Guten Morgen, Mr Poirot. �Fr�hliche Weihnacht� scheint hier nicht der richtige Gru� zu sein, nicht wahr?�</p><p><emphasis>�Mon cher coll�gue, </emphasis>fr�hlich sehen Sie allerdings nicht gerade aus. Haben Sie gute Fortschritte gemacht?�</p><p>�Ich habe verschiedene Punkte klargestellt. Horburys Alibi ist wasserdicht. Der Platzanweiser des Kinos sah ihn mit dem M�dchen hineingehen und am Schluss des Films wieder herauskommen, und er ist ziemlich sicher, dass Horbury das Kino w�hrend der Vorstellung nie verlie�. Das M�dchen schw�rt, dass er immer neben ihr gesessen habe.�</p><p>�Nun, dann ist zu diesem Punkt nicht mehr viel zu sagen�, stellte Poirot nachdenklich fest.</p><p>Doch der zynische Sugden sagte:</p><p>�Bei jungen M�dchen kann man nie wissen, Sir. L�gen sich f�r einen Mann ins tiefste Fegefeuer.�</p><p>�Das spricht f�r sie�, l�chelte Poirot.</p><p>�Eine ausl�ndische Art, die Dinge zu betrachten�, brummte Sugden. �Und eine, die den Zielen der Gerechtigkeit zuwiderl�uft.�</p><p>�Gerechtigkeit ist eine seltsame Sache�, sagte Hercule Poirot. �Haben Sie jemals dar�ber nachgedacht?�</p><p>Sugden sah ihn gro� an.</p><p>�Sie sind ein komischer Mensch, Mr Poirot.�</p><p>�Gar nicht. Ich folge nur einem logischen Gedankengang. Aber wir wollen uns auf keine Diskussion einlassen, nicht wahr? Ihrer Ansicht nach hat also das Fr�ulein vom Milchgesch�ft nicht die Wahrheit gesagt?�</p><p>Sugden sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nein, so ist es nicht. Ich glaube sogar, dass sie nicht gelogen hat. Sie ist ein harmloses Gesch�pf, und ich h�tte es bestimmt sofort gemerkt, wenn sie geflunkert h�tte.�</p><p>�Sie haben gro�e Erfahrung.�</p><p>�Jawohl, Mr Poirot. Nachdem man sein Leben lang Aussagen aufgenommen hat, wei� man, wann jemand l�gt und wann nicht. Nein, ich bin �berzeugt, dass das M�dchen die Wahrheit sagte, und daraus ergibt sich also, dass Horbury den alten Mann nicht umgebracht hat und dass wir den M�rder im Familienkreis zu suchen haben.� Er holte tief Atem. �Jemand von ihnen hat es getan, Mr Poirot. Aber wer?�</p><p>�Haben Sie keine neuen Anhaltspunkte?�</p><p>�Doch. Mit den Telefongespr�chen hatte ich sogar ziemlich Gl�ck. Mr George Lee lie� sich um zwei Minuten vor neun mit Westeringham verbinden. Das Gespr�ch dauerte sechs Minuten.�</p><p>�Aha!�</p><p>�Sehr richtig! Ferner wurde kein anderes Gespr�ch angemeldet � weder nach Westeringham noch anderswohin.�</p><p>�Interessant�, sagte Poirot anerkennend. �Mr George Lee gab an, dass er eben fertig war mit seinem Telefonat, als er den L�rm von oben h�rte; aber er muss also mindestens zehn Minuten vorher damit fertig gewesen sein. Wo war er w�hrend dieser zehn Minuten? Mrs George Lee behauptet, ebenfalls telefoniert zu haben � in Wahrheit wurde kein zweiter Anruf vermittelt. Wo war sie also?�</p><p>�Sie haben eben mit ihr gesprochen, Mr Poirot.� Sugdens Feststellung enthielt eine Frage.</p><p>Doch Poirot antwortete: �Sie irren sich.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Ich habe nicht mit ihr gesprochen � sie hat mit mir gesprochen.�</p><p>Erst wollte Sugden diese feine Unterscheidung ungeduldig beiseite schieben, aber pl�tzlich begriff er ihre Bedeutung.</p><p>�Ach so? Was hatte sie Ihnen zu erz�hlen?�</p><p>�Sie wollte Verschiedenes festgehalten wissen: die unenglische Art des Mordes an Mr Lee; die m�glicherweise recht zweifelhafte Abkunft v�terlicherseits von Miss Estravados; die Tatsache, dass Miss Estravados etwas vom Boden aufhob, als sie das Zimmer des Toten betrat.�</p><p>�So? Das hat sie Ihnen erz�hlt?�, sagte Sugden interessiert.</p><p>�Ja. Was hat die Se�orita eigentlich aufgehoben?�</p><p>Sugden seufzte.</p><p>�Ich werde es Ihnen zeigen. Solche Dinge pflegen in Kriminalromanen das ganze Geheimnis schlagartig zu enth�llen. Wenn Sie daraus klug werden, dann gebe ich meinen Beruf auf.�</p><p>Sugden zog einen Briefumschlag aus der Tasche und sch�ttelte den Inhalt auf die Handfl�che. Ein verstohlenes L�cheln �berflog sein Gesicht.</p><p>�Hier, bitte. K�nnen Sie sich darauf einen Reim machen?�</p><p>Auf der breiten Handfl�che des Inspektors lagen ein dreieckiges St�ck roten Gummis und ein kleiner Holznagel. Sugdens Heiterkeit vertiefte sich, als Poirot die beiden Gegenst�nde stirnrunzelnd betrachtete.</p><p>�Nun, Mr Poirot? K�nnen Sie damit etwas anfangen?�</p><p>�Dieser kleine Gummifetzen k�nnte aus einer Toilettentasche geschnitten worden sein.�</p><p>�Wurde er auch, und zwar aus einem Beutel, der in Mr Lees Zimmer hing. Vielleicht hat Mr Lee das sogar selber getan. Aber warum? Horbury kann dar�ber gar keine Auskunft geben. Und wo der kleine Holzd�bel herkommt, ist g�nzlich schleierhaft.�</p><p>�Das ist allerdings seltsam�, sagte Poirot leise.</p><p>�Sie k�nnen die Sachen behalten, wenn Sie wollen�, bot Sugden ihm freundlich an. �Ich brauche sie nicht mehr.�</p><p><emphasis>�Mon ami, </emphasis>ich will Sie nicht berauben.�</p><p>�Diese Dinge sagen Ihnen also gar nichts?�</p><p>�Ich muss gestehen � nein, gar nichts.�</p><p>�Gro�artig.�, sagte Sugden ironisch und schob den Umschlag in seine Tasche zur�ck. �Wir kommen wirklich vorw�rts.�</p><p>�Mrs George Lee erz�hlte mir, dass die junge Dame sich rasch b�ckte und die beiden Gegenst�nde verstohlen an sich nahm. K�nnen Sie das best�tigen?�</p><p>Sugden �berlegte sich diese Frage.</p><p>�N-nein�, antwortete er schlie�lich z�gernd, �das m�chte ich nicht behaupten. Sie sah dabei nicht schuldbewusst aus, gar nicht, aber sie griff irgendwie � sozusagen zielbewusst ruhig nach ihnen � wenn Sie verstehen, wie ich es meine. Und sie wusste nicht, dass ich ihr dabei zusah. Davon bin ich �berzeugt, denn sie fuhr zusammen, als ich sie stellte.�</p><p>Poirot dachte �ber diese Feststellung nach.</p><p>�Dann haben die beiden Sachen eben doch eine Bedeutung. Aber welche? Das kleine St�ck Gummi ist ganz frisch. Es scheint zu gar nichts ben�tzt worden zu sein. Was kann es also bedeuten? Und trotzdem ist��</p><p>Sugden unterbrach ihn ungeduldig.</p><p>�Nun, Sie k�nnen sich dar�ber den Kopf zerbrechen, wenn Sie Lust dazu haben, Mr Poirot. Ich habe anderes zu tun.�</p><p>�Wie weit sind Sie denn mit der Kl�rung des Falls?�, fragte Poirot.</p><p>Sugden zog sein Notizbuch hervor.</p><p>�Halten wir mal die Tatsachen fest. Vor allem wollen wir die Leute ausscheiden, die den Mord nicht begangen haben k�nnen.�</p><p>�Und das sind?�</p><p>�Alfred und Harry Lee. Sie haben ein unanfechtbares Alibi, ebenso Mrs Alfred Lee, die Tressilian kaum eine Minute vor dem Spektakel im ersten Stock noch im Wohnzimmer sah. Von den anderen habe ich mir eine Liste aufgestellt.�</p><p>Er reichte Poirot sein Notizbuch.</p><p><emphasis>Zum Zeitpunkt des Mordes waren:</emphasis></p><p><emphasis>George Lee ?</emphasis></p><p><emphasis>Mrs George Lee ?</emphasis></p><p><emphasis>David Lee im Musikzimmer und spielte Klavier (best�tigt durch seine Frau)</emphasis></p><p><emphasis>Mrs David Lee im Musikzimmer (best�tigt durch ihren Mann)</emphasis></p><p><emphasis>Miss Estravados in ihrem Schlafzimmer (unbest�tigt)</emphasis></p><p><emphasis>Stephen Farr im gro�en Saal und h�rte Schallplatten(best�tigt durch drei Angestellte, die in ihrem Aufenthaltsraum die Musik h�ren konnten)</emphasis></p><p>Poirot gab Sugden die Liste zur�ck.</p><p>�Was folgern Sie daraus?�</p><p>�Daraus ergibt sich, dass George Lee den alten Mann h�tte t�ten k�nnen. Mrs George Lee h�tte ihn t�ten k�nnen. Pilar Estravados h�tte ihn t�ten k�nnen. Und entweder Mr oder Mrs David Lee, aber nicht beide, h�tten ihn t�ten k�nnen.�</p><p>�Sie glauben also nicht an dieses Alibi?�</p><p>Inspektor Sugden sch�ttelte energisch den Kopf.</p><p>�Nicht um die Welt. Mann und Frau � gl�cklich verheiratet. Sie haben m�glicherweise beide mit der Sache zu tun. Wenn aber nur einer von ihnen die Tat beging, dann ist der andere bereit, Meineide auf dieses Alibi zu schw�ren. Ich sehe die Sache folgenderma�en: Jemand hat im Musikzimmer Klavier gespielt � es kann David Lee gewesen sein, der ja nachgewiesenerma�en sehr musikalisch ist; aber nichts beweist, dass auch seine Frau im Musikzimmer war. Umgekehrt k�nnte Hilda Lee Klavier gespielt haben, w�hrend David die Treppe hinaufschlich und seinen Vater ermordete. Nein, dieser Fall liegt ganz anders als derjenige der beiden Br�der im Speisezimmer. Alfred und Harry Lee k�nnen sich nicht ausstehen und w�rden sich demnach nicht gegenseitig durch falsche Aussagen sch�tzen.�</p><p>�Und wie steht es mit Stephen Farr?�</p><p>�Auch er ist verd�chtig, weil sein Plattenspieler-Alibi doch ein bisschen fadenscheinig ist. Andererseits ist gerade ein solches Alibi manchmal glaubw�rdiger als ein sozusagen unumst��liches, das in zehn von hundert F�llen ja doch konstruiert worden ist.�</p><p>Poirot neigte gedankenvoll den Kopf.</p><p>�Ich verstehe, wie Sie es meinen. Es ist das Alibi eines Menschen, der nicht ahnte, dass er vielleicht jemals eines brauchen werde.�</p><p>�Genau das meine ich. Und au�erdem glaube ich nicht, dass ein Fremder in diese Sache verwickelt ist.�</p><p>�Da stimme ich Ihnen bei�, warf Poirot schnell ein. �Das G�nze ist eine Familienangelegenheit. Gift, das im Blut arbeitet � Gef�hle, die tief sitzen. Ich glaube, hier spielen Hass und Wissen mit.� Er machte eine vielsagende Handbewegung. �Ich wei� nicht � es ist alles sehr schwierig.�</p><p>Inspektor Sugden hatte respektvoll gewartet, war aber von Poirots Gedankeng�ngen nicht sonderlich beeindruckt.</p><p>�Sicherlich, Mr Poirot�, sagte er h�flich. �Aber wir werden schon dahinter kommen, verlassen Sie sich drauf. Wir haben jetzt die <emphasis>M�glichkeiten </emphasis>festgestellt. George, Magdalene, David und Hilda Lee � Pilar Estravados � und f�gen wir noch bei: Stephen Farr. Jetzt kommen wir zum Motiv. Wer hatte einen Grund, den alten Mr Lee aus dem Weg zu r�umen?</p><p>Auch dabei k�nnen wir ein paar Leute von vornherein ausschalten. Miss Estravados zum Beispiel. Wenn ich recht verstanden habe, bekommt sie nach dem jetzt vorliegenden Testament �berhaupt nichts. W�re Simeon Lee vor seiner Tochter Jennifer gestorben, h�tte diese ihren Anteil erhalten, und von ihr w�re er vielleicht auf Pilar �bergegangen; aber da Jennifer Estravados ihrem Vater im Tod voranging, f�llt ihr Erbteil den �brigen Geschwistern zu. Also lag es durchaus im Interesse von Miss Estravados, den alten Herrn am Leben zu wissen. Nachdem er sie sehr freundlich aufgenommen hatte, ist anzunehmen, dass er sie in einem neuen Testament bedacht h�tte. Also hatte sie durch seinen Tod nichts zu gewinnen und alles zu verlieren. Sind Sie damit einverstanden?�</p><p>�Vollkommen.�</p><p>�Nat�rlich k�nnte sie ihm im Verlauf eines Streits die Kehle durchgeschnitten haben, aber das erscheint mir sehr unglaubw�rdig. Erstens war sie dem alten Herrn zugetan, und zweitens lebte sie noch nicht lange genug im Haus, um irgendeinen Hass auf ihn zu haben. Aus all diesen Erw�gungen d�nkt es mich sehr unwahrscheinlich, dass Miss Estravados etwas mit dem Verbrechen zu tun hat � es sei denn, man will geltend machen, einem Menschen die Gurgel durchzuschneiden sei eine sehr unenglische Art zu morden, wie Ihre Freundin Magdalene Lee sich ausdr�ckte.�</p><p>�Nennen Sie sie nicht meine Freundin�, fuhr Poirot auf. �Oder soll ich von <emphasis>Ihrer </emphasis>Freundin Pilar sprechen, die Sie so sch�n findet?�</p><p>Er erlebte das Vergn�gen, mit anzusehen, wie der gute Inspektor wieder sichtlich verlegen wurde und tiefrot anlief. Poirot betrachtete ihn mit diebischer Schadenfreude. Dabei klang eine Spur ehrlichen Neids in seiner Stimme mit, als er sagte: �Es stimmt �brigens, dass Ihr Schnurrbart prachtvoll ist. Sagen Sie, ben�tzen Sie eine Spezialpomade?�</p><p>�Pomade? Allm�chtiger! Nein! Ich tue gar nichts zu seiner Pflege. Er w�chst von selber.�</p><p>Poirot seufzte.</p><p>�Ein Geschenk der Natur.� Er zupfte an seinem eigenen �ppigen schwarzen Schnurrbart und seufzte wieder. �Man kann die teuersten Salben verwenden�, murmelte er, �das Nachf�rben bekommt den Haaren einfach nicht.�</p><p>Inspektor Sugden schien f�r diese Fragen m�nnlicher Sch�nheitspflege kein Interesse aufzubringen. Er fuhr unbeirrt fort: �Was den Grund f�r diesen Mord anbelangt, so glaube ich, dass wir auch Stephen Farr ausschlie�en k�nnen. Es ist m�glich, dass zwischen dem alten Mr Lee und Farrs Vater irgendwelche Zwistigkeiten bestanden hatten, unter denen der alte Farr litt - aber mir kommt das nicht sehr wahrscheinlich vor. Farr war zu ruhig und sicher, als er davon sprach, und ich glaube nicht, dass er diese Sicherheit nur spielte. Nein, auf dieser Linie werden wir keine Fortschritte erzielen.�</p><p>�Das kommt mir auch so vor�, stimmte Poirot ihm zu.</p><p>�Und noch eine Person hatte allen Grund, den alten Lee am Leben erhalten zu wollen � sein Sohn Harry. Zugegeben, er ist Nutznie�er des Testaments, aber ich bin �berzeugt, dass er nicht wusste, dass sein Vater ihm etwas hinterlassen werde. Jedenfalls hat er es bestimmt nicht wissen k�nnen. Es scheint im Gegenteil die Meinung vorgeherrscht zu haben, Harry habe durch sein Durchbrennen die Erbschaft verspielt. Aber jetzt schien er wieder in Gnaden aufgenommen zu werden. Es lag also in seinem Interesse, dass sein Vater ein neues Testament verfassen wollte, und er w�re doch nicht so verr�ckt gewesen, den alten Herrn vorher zu t�ten. Au�erdem wissen wir ja, dass er es gar nicht h�tte tun k�nnen. Sehen Sie, Mr Poirot, wir kommen ganz gut vorw�rts. Wir k�nnen eine ganze Reihe Leute aus der Liste der Verd�chtigen streichen.�</p><p>�Allerdings. Bald wird �berhaupt niemand mehr �brig sein.�</p><p>�So weit sind wir denn doch noch nicht. Es bleiben uns George Lee und seine Frau, David Lee und Hilda Lee. Sie alle gewinnen durch den Tod Simeon Lees, und George Lee soll sehr geldgierig sein. Und sein Vater hatte gedroht, ihm seinen Zuschuss zu k�rzen. Also hatte George Lee Grund <emphasis>und </emphasis>M�glichkeit f�r den Mord.�</p><p>�Weiter bitte!�</p><p>�Mrs George Lee. Ebenfalls gierig auf Geld wie eine Katze auf Sahne. Und ich k�nnte wetten, dass sie gerade jetzt bis �ber die Ohren in Schulden steckt. Sie war eifers�chtig auf die kleine Spanierin, weil sie bemerkte, dass der alte Herr die Kleine gern mochte. Als sie h�rte, dass der Schwiegervater nach einem Anwalt verlangte, schlug sie schnell zu. Das sind schwerwiegende Verdachtsmomente.�</p><p>�Sicherlich.�</p><p>�Bleiben David Lee und seine Frau. Sie figurieren im Testament als Erben; aber ich glaube nicht, dass das Geldmotiv bei ihnen sonderlich ins Gewicht f�llt.�</p><p>�Nein?�</p><p>�Nein. David Lee scheint ein Tr�umer zu sein � kein gesch�ftst�chtiger Mensch. Aber er ist � nun, er ist ein sonderbarer Kauz. Meiner Ansicht nach h�tte der T�ter drei Motive haben k�nnen: den Diamantendiebstahl � das Testament - puren, klaren Hass.�</p><p>�Ach, so sehen Sie die Dinge?�</p><p>�Gewiss, und zwar von Anfang an. Wenn David Lee seinen Vater ermordet hat, dann bestimmt nicht des Geldes wegen. Und wenn er der T�ter war, dann w�rde das diesen ungemein blutigen Mord erkl�ren.�</p><p>Poirot sah ihn anerkennend an.</p><p>�Richtig. Ich fragte mich, ob Sie das in Erw�gung ziehen w�rden. So <emphasis>viel Blut � </emphasis>sagte Mrs Alfred. Es erinnert einen an uralte Rituale, an Blutopfer, daran, dass sich die Menschen mit dem Blut der Geopferten beschmierten.�</p><p>Sugden runzelte die Stirn.</p><p>�Wollen Sie damit sagen, dass der T�ter verr�ckt gewesen sein muss?�</p><p><emphasis>�Mon cher, </emphasis>es schlummern tiefe, verborgene Instinkte in den Menschen, von denen sie oft selber keine Ahnung haben. Blutrausch, Rachegef�hle��</p><p>�David Lee scheint ein ruhiger, harmloser Mensch zu sein�, wandte Sugden zweifelnd ein.</p><p>�Sie �bersehen die psychologische Seite dieser Sache�, sagte Poirot. �David Lee ist ein Tr�umer, lebt fast ausschlie�lich in der Vergangenheit, und in ihm ist die Erinnerung an seine Mutter noch ungew�hnlich lebendig. Er vermied jahrelang ein Zusammentreffen mit seinem Vater, dem er die schlechte Behandlung seiner Mutter nie verziehen hat. Nun kam er nach Hause, um sich mit seinem Vater auszus�hnen � dies einmal vorausgesetzt. Aber er <emphasis>konnte nicht </emphasis>verzeihen und vergessen. Wir wissen nur eines: dass David Lee angesichts des Leichnams seines Vaters irgendwie befriedigt und beruhigt sagte: �Gottes M�hlen mahlen langsam.� Vergeltung! Zahltag! Das B�se getilgt durch Blut!�</p><p>Sugden schauderte ein wenig.</p><p>�H�ren Sie auf, Mr Poirot.�, sagte er. �Es �berl�uft mich kalt. Aber es k�nnte sich sehr wohl verhalten, wie Sie sagen. In diesem Fall wei� Mrs David Lee Bescheid, ist aber entschlossen, ihren Mann zu sch�tzen. Das traue ich ihr ohne weiteres zu, aber dass sie eine M�rderin sein sollte � kann ich mir nicht vorstellen. Sie ist eine so gem�tvolle, einfache Frau.�</p><p>�Ach, <emphasis>so </emphasis>kommt sie Ihnen vor?� Poirot sah den Inspektor eigent�mlich forschend an.</p><p>�Ja, ich meine � sie ist so h�uslich, wenn Sie verstehen, was ich meine.�</p><p>�Gewiss, ich verstehe sehr gut.�</p><p>Sugden wurde sichtlich verwirrt.</p><p>�Mr Poirot, Sie haben Ihre eigenen Ansichten �ber den Fall! Bitte, sagen Sie sie geradeheraus.�</p><p>�Gewiss habe ich verschiedene Ideen, aber sie sind alle noch recht verschwommen. Wir wollen lieber zuerst Ihre Aufstellung durchgehen. Also: halb vier Familienzusammenkunft. Familie ist Zeuge des Telefongespr�chs mit dem Anwalt. Dann beschimpft der alte Mann so ziemlich seine ganze Familie und wirft sie hinaus, worauf sie alle wie begossene Pudel gehen.� Poirot sah auf. �Hilda Lee blieb doch zur�ck.�</p><p>�Ja, aber nicht f�r lange. Um sechs Uhr hatte Alfred Lee eine Auseinandersetzung mit seinem Vater � eine unangenehme Auseinandersetzung. Harry soll wieder in den Familienkreis aufgenommen werden, wor�ber Alfred keineswegs erbaut ist. Damit <emphasis>w�re </emphasis>Alfred nat�rlich der Hauptverd�chtige, weil er ein zwingendes Motiv f�r den Mord gehabt h�tte. Aber weiter: Dann kommt Harry Lee. Er ist bester Laune, denn er hat den alten Mann f�r sich einzunehmen vermocht. <emphasis>Aber vor </emphasis>diesen beiden Unterredungen hat der alte Simeon Lee das Verschwinden der Diamanten entdeckt und mit mir telefoniert. Seinen beiden S�hnen sagt er nichts von seinem Verlust. Warum? Meiner Ansicht nach deshalb, weil er genau wusste, dass keiner von beiden mit dem Diebstahl zu tun haben konnte. Wie ich schon einmal sagte, glaube ich, dass der alte Mann Horbury und eine zweite Person verd�chtigte und dass er ganz genau wusste, was er tun wollte. Erinnern Sie sich, dass er ausdr�cklich verlangte, es sollte niemand mehr zu ihm hinaufkommen an jenem Abend. Und warum? Weil er zwei Dinge vorhatte: Erstens erwartete er meinen Besuch und zweitens denjenigen der anderen verd�chtigen Person. <emphasis>Jemanden </emphasis>hatte er gebeten, nach dem Abendessen sofort zu ihm zu kommen. Aber wen? Es k�nnte George Lee gewesen sein, doch wahrscheinlicher d�nkt mich Mrs George Lee. Und da betritt nun auch wieder Pilar Estravados die Bildfl�che. Ihr hatte der alte Mr Lee die Diamanten gezeigt und ihr gesagt, wie wertvoll sie seien. Wissen wir eigentlich, ob das M�dchen keine Diebin ist? Bedenken Sie, wie undurchsichtig das Geheimnis um ihren Vater ist. Vielleicht war <emphasis>er </emphasis>ein Berufsverbrecher und endete deshalb im Gef�ngnis.�</p><p>�Und so betritt, wie Sie sagen, Pilar Estravados wieder die Bildfl�che�, murmelte Poirot langsam.</p><p>�Jawohl � als Diebin. Dann k�nnte sie den Kopf verloren und ihren Gro�vater angegriffen haben � als sie merkte, dass ihr Diebstahl entdeckt worden war.�</p><p>�Gewiss, das w�re m�glich.�</p><p>Inspektor Sugden sah Poirot scharf an.</p><p>�Aber Sie selber glauben nicht daran, nicht wahr? So erkl�ren Sie mir doch endlich, was <emphasis>Sie </emphasis>von der Sache halten.�</p><p>�Sehen Sie, ich komme immer wieder auf das eine zur�ck. Auf den Charakter des Verstorbenen. Was war Simeon Lee f�r ein Mensch?�</p><p>�Das ist nun wirklich kein Geheimnis�, antwortete Sugden erstaunt.</p><p>�Dann kl�ren Sie mich bitte auf. Sagen Sie mir, was man hier in der Gegend von ihm hielt.�</p><p>Inspektor Sugden fuhr sich nachdenklich mit dem Finger �bers Kinn. Er sah ziemlich best�rzt aus.</p><p>�Ich selber bin kein Hiesiger. Ich komme aus Reeveshire, aus der n�chsten Grafschaft. Aber nat�rlich war Mr Lee auch bei uns bekannt. Was ich �ber ihn wei�, wei� ich vom H�rensagen.� � �Ja? Und was wissen Sie also vom H�rensagen?�</p><p>�Nun, es hei�t, dass er ein gerissener Kauz war, dass ihn so leicht niemand �bers Ohr hauen konnte. Aber er war gro�z�gig in Geldsachen, freigebig, sagen die Leute. Mich wundert nur, wie Mr George Lee so geizig sein kann als Sohn dieses Vaters.�</p><p>�Ach? Aber sehen Sie, es scheinen sich in dieser Familie zwei grundverschiedene Typen entwickelt zu haben. Alfred, George und David gleichen � wenigstens oberfl�chlich betrachtet - ihrer Mutter. Ich habe mir heute fr�h die Bilder in der Familiengalerie angesehen.�</p><p>�Er war j�hzornig�, fuhr Sugden fort, �und hatte in Bezug auf Frauenaff�ren einen schlechten Ruf � wenigstens in seinen j�ngeren Jahren. Aber sogar in diesen F�llen benahm er sich anst�ndig. Wenn sich Folgen einstellten, zahlte er gro�z�gig und sah zu, dass das M�dchen verheiratet wurde. Er mag ein Sch�rzenj�ger gewesen sein, aber gemein war er nicht. Seine Frau soll er schlecht behandelt haben, dauernd anderen nachgelaufen sein und sie sei an gebrochenem Herzen gestorben, sagen die Leute. Das ist so eine Redensart, aber ich glaube, dass die arme Frau wirklich sehr ungl�cklich war. Sie war immer krank, und man hat sie nicht viel gesehen. Er war ganz bestimmt ein merkw�rdiger Mensch, der alte Lee. Auch rachs�chtig soll er gewesen sein. Man erz�hlt sich, dass er einen Hieb immer zur�ckzahlte, auch wenn er manchmal jahrelang auf seine Rache warten musste.�</p><p>�Die M�hlen Gottes mahlen langsam, aber sehr fein�, murmelte Poirot vor sich hin.</p><p>�Die M�hlen des Teufels, m�sste man da eher sagen�, warf Sugden hart ein. �G�ttliches war bestimmt nichts an Simeon Lee. Er war von der Art, die ihre Seele dem Teufel verkauft und sich noch freut �ber den Handel. Und stolz war er auch, stolz wie Luzifer!�</p><p>�Stolz wie Luzifer!�, wiederholte Poirot. �Das ist sehr aufschlussreich, was Sie da sagen.�</p><p>Inspektor Sugden sah ihn verwundert an.</p><p>�Sie wollen doch nicht etwa andeuten, er sei umgebracht worden, weil er stolz war?�</p><p>�Ich meine, Stolz ist eine Eigenschaft, die sich vererbt. Simeon Lee kann seinen Stolz den S�hnen vererbt haben��</p><p>Er brach ab. Hilda Lee war aus dem Haus getreten und sah die Terrasse entlang.</p><p>�Ich habe Sie gesucht, Mr Poirot.�</p><p>Inspektor Sugden hatte sich mit einer Entschuldigung verabschiedet und ging ins Haus zur�ck. Hilda sah ihm nach und sagte: �Ich habe nicht gewusst, dass er bei Ihnen war. Ich glaubte, er sei mit Pilar im Garten. Ein sch�ner Mann, der Inspektor, und sehr r�cksichtsvoll.�</p><p>Ihre Stimme klang weich und angenehm beruhigend. Sie wandte sich wieder Poirot zu.</p><p>�Mr Poirot, Sie m�ssen mir helfen.�</p><p>�Es wird mir ein Vergn�gen sein, Madame.�</p><p>�Sie sind ein kluger Mensch, Mr Poirot, das habe ich gestern Abend gesp�rt. Es gibt vieles, was Sie wahrscheinlich mit Leichtigkeit herausbekommen werden, und ich m�chte, dass Sie meinen Mann verstehen.�</p><p>�Ja, Madame?�</p><p>�Inspektor Sugden w�rde ich gewisse Dinge nicht gerne anvertrauen. Er k�nnte sie nicht begreifen. Aber Sie werden Verst�ndnis daf�r haben.�</p><p>Poirot verbeugte sich. �Ich f�hle mich geehrt, Madame.�</p><p>Hilda Lee fuhr ganz ruhig fort: �Seit vielen Jahren, eigentlich seit wir verheiratet sind, ist mein Mann ein seelischer Kr�ppel - wenn ich mich so ausdr�cken kann. Sehen Sie, eine k�rperliche Krankheit tut weh und qu�lt einen; aber Fleischwunden heilen, Knochen wachsen wieder zusammen, und selbst wenn vielleicht eine gewisse Schw�che zur�ckbleibt oder eine Narbe, so ist man doch nach einiger Zeit wieder gesund. Mein Mann aber hat im empfindlichsten Alter eine schwere <emphasis>seelische </emphasis>Krankheit durchgemacht. Er sah seine �ber alles geliebte Mutter sterben. F�r diesen Tod glaubte er moralisch seinen Vater verantwortlich machen zu m�ssen, und von dieser Zwangsvorstellung hat er sich nie mehr befreien k�nnen. Der Hass auf seinen Vater blieb immer lebendig. Ich habe ihn �berredet � ich, Mr Poirot! �, zum Weihnachtsfest hierher zu fahren, damit er sich mit seinem Vater auss�hnen solle. Das w�nschte ich um seinetwillen, damit diese seelische Wunde endlich heilen k�nnte. Jetzt wei� ich, dass unser Kommen ein Fehler war. Simeon Lee fand Vergn�gen daran, in dieser Wunde herumzustochern. Und das war ein sehr gef�hrliches Unterfangen.�</p><p>�Wollen Sie mir zu verstehen geben, Madame, dass Ihr Gatte seinen Vater umgebracht hat?�</p><p>�Ich sage Ihnen, Mr Poirot, dass er das sehr leicht h�tte tun k�nnen. Und ich sage Ihnen weiter, dass er es <emphasis>nicht </emphasis>tat! Im Augenblick, da Simeon Lee ermordet wurde, sa� sein Sohn im Musiksalon und spielte einen Trauermarsch. Der Wunsch zu t�ten lebte in seinem Herzen, kroch in seine Finger und erstarb in einer Flut von T�nen � das ist die Wahrheit.�</p><p>Poirot blieb eine Minute lang in Gedanken versunken stehen. Dann sagte er: �Und wie beurteilen Sie, Madame, das tragische Leben und Sterben der Mutter Ihres Gatten?�</p><p>�Ich habe Lebenserfahrung genug, um zu wissen, dass man nie nach �u�eren Umst�nden urteilen soll�, antwortete Hilda Lee klar und �berlegt. �Allem Anschein nach war Simeon Lee durchaus im Unrecht und behandelte seine Frau abscheulich. Aber gleichzeitig glaube ich, dass es eine Art von Schw�chlichkeit, eine Veranlagung zum Leiden und Dulden gibt, die die schlimmsten Instinkte in einem Mann wachrufen kann � jedenfalls in einem Mann, wie mein Schwiegervater einer war. Simeon Lee h�tte, glaube ich, Mut und Charakterfestigkeit bewundert. Geduld und Tr�nen irritierten ihn.�</p><p>Poirot nickte.</p><p>�Ihr Mann sagte uns gestern Abend: �Meine Mutter hat sich nie beklagt.� Ist das wahr?�</p><p>Ungeduldig erwiderte Hilda Lee:</p><p>�Nein, das ist nat�rlich nicht wahr! Sie beklagte sich dauernd bei David. Die ganze Last ihres Ungl�cks legte sie auf seine Schultern. Und er war zu jung, viel zu jung, um alles tragen zu k�nnen, was sie ihm aufb�rdete.�</p><p>Poirot sah sie nachdenklich an. Sie err�tete unter seinen Blicken und nagte an ihrer Lippe.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Poirot.</p><p>�Was verstehen Sie?�, fragte sie scharf.</p><p>�Ich verstehe, dass Sie Ihrem Gatten in erster Linie Mutter sein mussten, wo Sie es vorgezogen h�tten, seine Frau zu sein.�</p><p>Sie wandte sich ab.</p><p>In diesem Augenblick kam David Lee �ber die Terrasse. Seine Stimme klang hell und fr�hlich, als er rief:</p><p>�Hilda, ist heute nicht ein herrlicher Tag? Fast wie Fr�hling mitten im Winter.�</p><p>Er kam n�her. Eine blonde Locke fiel ihm in die Stirn, seine blauen Augen leuchteten. Er sah erstaunlich jung und knabenhaft aus. So unbeschwert strahlend und heiter sah er aus, dass Poirot den Atem anhielt.</p><p>�Komm, wir wollen zum See hinuntergehen, Hilda�, sagte David. Er l�chelte sie an, legte den Arm um ihre Schulter, und die beiden entfernten sich.</p><p>Poirot sah ihnen nach und bemerkte, dass Hilda sich pl�tzlich umwandte und ihm einen Blick zuwarf. Es lag eine bange Frage in diesem Blick � oder war es sogar Angst? Langsam ging Poirot bis ans andere Ende der Terrasse.</p><p>Ich sage ja immer, dass ich ein richtiger Beichtvater bin! Und da im Allgemeinen Frauen h�ufiger zur Beichte gehen, werden heute Morgen haupts�chlich Frauen zu mir kommen. Ich frage mich, wer die n�chste sein wird, dachte Poirot.</p><p>Kaum hatte er am Ende der Terrasse kehrtgemacht, um langsam zur�ckzugehen, sah er diese Frage bereits beantwortet. Lydia Lee kam ihm entgegen.</p><p>�Guten Morgen, Mr Poirot. Tressilian sagte mir, dass ich Sie mit Harry hier finden w�rde, aber ich bin froh, dass Sie allein sind. Mein Mann redet st�ndig von Ihnen. Er m�chte Sie dringend sehen.�</p><p>�Ach? Soll ich zu ihm hineingehen?�</p><p>�Nicht im Augenblick. Er hat heute Nacht kaum geschlafen. Ich musste ihm schlie�lich ein Schlafmittel geben. Jetzt schl�ft er noch, und ich m�chte ihn nicht wecken.�</p><p>�Das verstehe ich sehr gut. Sie haben vollkommen Recht. Ich habe schon gestern Abend bemerkt, wie tief Ihr Gatte ersch�ttert war.�</p><p>Sie sah ihn ernst an.</p><p>�Sehen Sie, Monsieur Poirot, er <emphasis>liebte </emphasis>seinen Vater wirklich, mehr als die anderen.�</p><p>Poirot nickte.</p><p>�Haben Sie � hat der Inspektor � bereits eine Ahnung, wer diesen grauenvollen Mord begangen haben k�nnte?�</p><p>�Wir haben verschiedene Ideen, Madame�, gab Poirot ausweichend zur�ck, �aber nur davon, wer die Tat <emphasis>nicht </emphasis>ver�bt haben kann.�</p><p>�Es ist alles wie ein Albtraum � fantastisch �, ich kann nicht fassen, dass es wirklich sein soll�, sagte Lydia nerv�s. Pl�tzlich sah sie Poirot aufmerksam an. �Was ist mit Horbury? War er wirklich im Kino, wie er angab?�</p><p>�Ja, Madame. Seine Aussage wurde genau �berpr�ft. Er hat die Wahrheit gesagt.�</p><p>Lydia zupfte an einem Eiben�stchen. Sie wurde blasser.</p><p>�Aber das ist ja entsetzlich!�, stie� sie pl�tzlich hervor. �Dann - dann bleibt ja nur die Familie.�</p><p>�Sehr richtig.�</p><p>�Monsieur Poirot, das kann ich nicht fassen!�</p><p>�Madame, das k�nnen Sie sehr wohl fassen.�</p><p>Sie schien protestieren zu wollen; aber pl�tzlich begann sie reum�tig zu l�cheln.</p><p>�Jeder Mensch neigt zu Heuchelei�, sagte sie leise.</p><p>�Gewiss, Madame. Und wenn Sie sich entschlie�en k�nnen, mir gegen�ber ganz offen zu sein, dann m�ssen Sie zugeben, dass Sie es durchaus nat�rlich f�nden, wenn ein Mitglied Ihrer Familie den alten Mr Lee ermordet haben sollte.�</p><p>�Das ist nun wirklich eine ungew�hnliche Feststellung, Monsieur Poirot�, sagte Lydia steif.</p><p>�Gewiss. Aber Ihr Schwiegervater war ein sehr ungew�hnlicher Mensch.�</p><p>�Armer alter Mann! Jetzt tut er mir Leid. Solange er lebte, hat er mich unsagbar ge�rgert.�</p><p>�Das kann ich mir lebhaft vorstellen�, murmelte Poirot.</p><p>Er neigte sich �ber einen der kleinen Zierg�rten.</p><p>�Reizend. Ganz bezaubernd ausgedacht.�</p><p>�Ich freue mich, dass sie Ihnen gefallen�, sagte Lydia. �Mein Steckenpferd, wissen Sie. Finden Sie den arktischen mit den Pinguinen und dem Eis auch h�bsch?�</p><p>�Sehr h�bsch! Und das hier � was stellt das dar?�</p><p>�Das Tote Meer � soll es werden! Es ist noch nicht ganz fertig. Aber das hier ist Piana auf Korsika. Dort sind die Felsen ganz rot, wissen Sie, und das sieht zusammen mit dem blauen Meer wundervoll aus. Aber ich mag auch meine W�stenlandschaft gern. Gef�llt sie Ihnen nicht?�</p><p>Sie f�hrte ihn plaudernd immer weiter. Als sie das Ende der Terrasse erreicht hatten, sah sie auf ihre Armbanduhr.</p><p>�Ich werde jetzt hinaufgehen und sehen, ob Alfred erwacht ist.�</p><p>Als sie gegangen war, schlenderte Poirot �ber die Terrasse zur�ck und machte erst vor dem Toten Meer halt. Lange sah er interessiert darauf hinunter. Dann b�ckte er sich und lie� ein paar der Kieselsteinchen durch seine Finger rinnen. Pl�tzlich stutzte er. Er hielt die Steine dicht vor seine Augen. <emphasis>�Sapristi!�, </emphasis>sagte er. �Das ist allerdings eine �berraschung! Was zum Kuckuck bedeutet das?��</p></section><section><title><p><strong>26. Dezember </strong></p></title><p>Colonel Johnson und Sugden starrten Poirot ungl�ubig an. Der lie� kleine Kieselsteine sorgf�ltig in eine Schachtel rinnen und schob sie dann dem Colonel zu.</p><p>�Jawohl, es sind die Diamanten�, sagte er abschlie�end.</p><p>�Und Sie fanden sie � wo? Im Garten?�</p><p>�In einem der kleinen G�rten, die Mrs Alfred Lee dort anlegt.�</p><p>�Mrs Alfred?� Sugden sch�ttelte den Kopf. �Kommt mir unwahrscheinlich vor.�</p><p>�Sie zweifeln daran, dass Mrs Alfred ihrem Schwiegervater die Kehle durchgeschnitten haben soll, nicht wahr?�</p><p>�Dass sie das nicht tat, wissen wir bereits�, sagte Sugden schnell. �Ich meine, es ist nicht wahrscheinlich, dass sie die Diamanten gestohlen hat.�</p><p>�Nein, wie eine Diebin sieht sie allerdings nicht aus�, gab Poirot zu. �Jemand anderer k�nnte sie dort versteckt haben. Denn in diesem besonderen Garten � er stellt das Tote Meer dar � liegen Kieselsteine von �hnlicher Gr��e und Form.�</p><p>�Glauben Sie, dass sie das bewusst so arrangierte, mit voller Absicht?�, fragte Sugden.</p><p>Colonel Johnson meldete sich nun �berzeugt und mit W�rme zu Wort.</p><p>�Das glaube ich nicht. Keine Sekunde lang. Warum sollte sie die Diamanten an sich genommen haben?�</p><p>�Nun, was den Grund anbelangt ��, begann Sugden langsam, aber Poirot kam ihm zuvor.</p><p>�Auf diese Frage gibt es eine m�gliche Antwort. Sie nahm die Diamanten an sich, um damit einen Mordgrund zu konstruieren. Das hei�t: Sie wusste, dass ein Mord geplant war, obwohl sie selber nichts damit zu tun hatte.�</p><p>�Das klingt reichlich unglaubw�rdig�, widersprach Johnson. �Damit stempeln Sie sie zur Komplizin. Aber wessen Komplizin k�nnte sie sein? Doch nur diejenige ihres Mannes. Und da wir ja wissen, dass auch er nichts mit dem Mord zu tun haben kann, f�llt Ihre Theorie endg�ltig ins Wasser.� Sugden fuhr sich nachdenklich �bers Kinn.</p><p>�Jawohl�, sagte er, �das stimmt. Wenn also Mrs Lee die Diamanten genommen hat � und das ist noch ein gro�es Wenn! �, dann liegt hier ganz einfach Diebstahl vor, und in diesem Fall k�nnte sie nat�rlich diesen kleinen Garten eigens daf�r angelegt haben, die Steine vorl�ufig dort zu verstecken, bis der Tumult sich ein wenig legen w�rde. Eine andere M�glichkeit w�re auch ein zuf�lliges Zusammentreffen. Der Garten mit den �hnlichen Kieselsteinen k�nnte den Dieb angeregt haben, seine Beute dort zu verstecken.�</p><p>�Gewiss, das w�re sogar sehr gut m�glich�, pflichtete Poirot ihm bei. <emphasis>�-Einen </emphasis>Zufall bin ich immer bereit in Rechnung zu ziehen.�</p><p>Inspektor Sugden sch�ttelte den Kopf. �Mrs Lee ist eine sehr nette Frau. Es ist einfach unm�glich, dass sie in eine solche Aff�re verwickelt ist. Wobei ich freilich zugeben muss, dass man so etwas nie wissen kann.�</p><p>�Mag nun bez�glich der Diamanten geschehen sein, was will � dass Mrs Lydia Lee irgendwie mit dem Mord in Zusammenhang stehen soll, ist meines Erachtens unm�glich. Der Butler sah sie im Wohnzimmer, als der Mord passierte.� Colonel Johnson sprach fest und sah Poirot herausfordernd an.</p><p>�Das habe ich nicht vergessen�, sagte Poirot ruhig.</p><p>Der Colonel wandte sich wieder dem Inspektor zu. �Also fahren wir fort. Haben Sie etwas zu rapportieren? Etwas Neues geschehen?�</p><p>�Ja, Sir. Ich habe einige Ausk�nfte eingeholt. Zuerst �ber Horbury. Es gibt tats�chlich etwas in seinem Leben, weswegen er Angst vor der Polizei hat.�</p><p>�Aha! Diebst�hle, wie?�</p><p>�Nein, Sir. Erpressung. Man konnte ihm allerdings nichts beweisen, aber ich vermute, dass er ein, zwei solche Sachen auf dem Kerbholz hat. Und weil ihn ein schlechtes Gewissen dr�ckt, ist ihm der Schreck so m�chtig in die Glieder gefahren, als Tressilian ihm vorgestern Abend sagte, ein Polizeiinspektor habe beim alten Herrn vorgesprochen.�</p><p>�Mhm�, knurrte Johnson. �Soweit Horbury. Was sonst?� Der Inspektor h�stelte verlegen.</p><p>�Mrs George Lee, Sir. Wir haben Informationen eingeholt �ber ihr Leben, bevor sie mit Mr Lee verheiratet war. Lebte mit einem Kommandanten Jones zusammen. Galt als seine Tochter � war aber nicht seine Tochter. Und das g�be ihr, abgesehen vom Geldmotiv, einen weiteren Grund zu morden. Vielleicht f�rchtete sie, dass ihr Schwiegervater etwas Konkretes �ber sie wusste und es ihrem Mann hinterbringen wollte. Jedenfalls ist ihre Behauptung, telefoniert zu haben, ebenso merkw�rdig wie unwahr.�</p><p>Sugden wagte einen Vorschlag.</p><p>�W�re es nicht gut, Sir, wenn wir das Ehepaar herbitten und diese Telefonsache aufkl�ren w�rden?�</p><p>�Gute Idee�, sagte Colonel Johnson und klingelte. Tressilian erschien sofort.</p><p>�Bitten Sie Mr und Mrs George Lee, hierher zu kommen.�</p><p>�Gerne, Sir.�</p><p>Als der alte Mann sich zum Gehen wandte, hielt ihn Poirot auf.</p><p>�Ist das Datum auf dem Kalender seit dem Mord nicht ge�ndert worden?�</p><p>Tressilian wandte sich ihm zu.</p><p>�Auf welchem Kalender, Sir?�</p><p>�Auf dem dort dr�ben an der Wand.�</p><p>Die drei Herren sa�en wieder im kleinen Arbeitszimmer Alfred Lees. Der fragliche Kalender war ein Abrei�kalender mit einem Blatt f�r jeden Tag und ziemlich gro�en Zahlen.</p><p>Tressilian blickte kurzsichtig zur Wand hin�ber und schlurfte dann einige Schritte n�her an den Kalender heran.</p><p>Verwundert sagte er: �Verzeihen Sie, Sir, aber die Bl�tter wurden abgerissen. Heute ist der Sechsundzwanzigste.�</p><p>�Richtig, entschuldigen Sie. Wer hat wohl die Bl�tter abgerissen?�</p><p>�Mr Lee, Sir, jeden Morgen. Mr Alfred ist ein sehr ordentlicher Mensch.�</p><p>�Ich verstehe. Danke, Tressilian.�</p><p>Der alte Diener verschwand. Sugden sah Poirot entgeistert an.</p><p>�Stimmt etwas nicht mit diesem Kalender, Mr Poirot? Ist mir vielleicht ein wichtiges Indiz entgangen?�</p><p>Poirot zuckte die Achseln.</p><p>�Der Kalender ist v�llig unwichtig. Ich habe nur eben ein kleines Experiment gemacht.�</p><p>Colonel Johnson sagte: �Morgen findet die gerichtliche Totenschau statt. Nat�rlich wird das ganze Verfahren vertagt.�</p><p>�Jawohl, Sir�, meldete Sugden, �ich habe mit dem Leichenbeschauer gesprochen und alles geordnet.�</p><p>George Lee und seine Frau traten ein.</p><p>�Guten Morgen�, begr��te sie Colonel Johnson und bot ihnen Platz an. �Ich habe verschiedene Fragen bez�glich einer Sache an Sie beide zu richten, �ber die ich mir nicht klar werden konnte.�</p><p>Er nickte Sugden kaum merklich zu, worauf der Inspektor die Befragung einleitete.</p><p>�Es handelt sich um die Telefonate am Mordabend. Sie haben, wenn ich mich recht erinnere, mit Westeringham telefoniert, nicht wahr, Mr Lee?�</p><p>�Stimmt�, erwiderte George k�hl. �Und zwar mit einem Wahlagenten. Ich kann Ihnen seinen Namen nennen und �� Inspektor Sugden hob abwehrend die Hand, um einen Wortschwall zu unterbinden.</p><p>�Gut, in Ordnung, Mr Lee. Dieser Punkt steht gar nicht zur Diskussion. Sie bekamen diese Verbindung um genau acht Uhr neunundf�nfzig.�</p><p>�Nun� Ich � hm � k�nnte das nicht so genau sagen.�</p><p>�Aber wir k�nnen es! Solche Angaben werden immer sehr sorgf�ltig �berpr�ft. Acht Uhr neunundf�nfzig wurden Sie mit Westeringham verbunden, und um neun Uhr vier war Ihr Gespr�ch beendet. Ihr Vater, Mr Lee, wurde um neun Uhr f�nfzehn ermordet. Ich muss Sie also noch einmal bitten, uns zu sagen, wo Sie sich zu diesem Zeitpunkt aufhielten.�</p><p>�Das habe ich Ihnen doch bereits gesagt! Ich war am Telefon!�</p><p>�Nein, Mr Lee � das waren Sie <emphasis>nicht!�</emphasis></p><p>�Ach, Unsinn! Sie m�ssen sich irren. Bitte, vielleicht hatte ich mein Gespr�ch eben beendet und �berlegte mir einen zweiten Anruf. Ich meine, ich �berlegte, ob er � hm � die Auslagen wert sei, als ich den L�rm von oben h�rte.�</p><p>�Sie w�rden sich doch wohl einen Anruf nicht zehn Minuten lang �berlegen.�</p><p>George lief rot an. Er sprach fast stotternd.</p><p>�Was meinen Sie damit? Was zum Teufel soll das hei�en? Unversch�mtheit! Zweifeln Sie vielleicht an meinen Worten? An den Worten eines Menschen in meiner Position? Ich� Warum sollte ich Ihnen �berhaupt �ber jede Minute meiner Zeit Rechenschaft ablegen?�</p><p>Inspektor Sugden antwortete mit einer Gelassenheit, die Hercule Poirots Bewunderung erregte.</p><p>�Weil das so �blich ist.�</p><p>George wandte sich dem Colonel zu.</p><p>�Colonel Johnson!�, stie� er w�tend hervor. �K�nnen Sie diese� dieses unerh�rte Benehmen dulden?�</p><p>�In einem Mordfall, Mr Lee�, beschwichtigte Johnson, �m�ssen solche Fragen gestellt und � beantwortet werden.�</p><p>�Ich habe sie ja beantwortet! Nachdem ich mein erstes Gespr�ch beendet hatte, �berlegte ich mir einen zweiten Anruf.�</p><p>�Waren Sie in diesem Zimmer hier, als der L�rm losging?�</p><p>�Jawohl� Ja, ich war hier drinnen.�</p><p>Johnson wandte sich Magdalene zu.</p><p>�Sie haben ausgesagt, Mrs Lee, dass Sie zum fraglichen Zeitpunkt telefoniert h�tten und dass Sie allein in diesem Zimmer gewesen seien.�</p><p>Magdalene war verwirrt. Sie sah erst George von der Seite an, dann Sugden und schlie�lich Johnson.</p><p>�Ich war so schrecklich aufgeregt, dass ich� Ich wei� wirklich nicht mehr, was ich sagte.�</p><p>�Wir haben alles genau aufgeschrieben�, bemerkte Sugden sarkastisch.</p><p>Nun setzte sie alle Hebel in Bewegung, um den steifen Inspektor zu bet�ren: weit aufgerissene, angsterf�llte Kinderaugen, einen bebenden Mund � aber sie begegnete nur der kalten Unnahbarkeit eines Mannes von strenger Rechtschaffenheit, der au�erdem auf ihren Typ nicht ansprach.</p><p>Sie stammelte: �Doch� ich habe telefoniert. Ja, ich wei� nur nicht mehr genau � wann �� Sie brach j�h ab.</p><p>George hatte sich ihr zugewandt und schrie:</p><p>�Was soll das alles? Wo hast du telefoniert? In diesem Zimmer jedenfalls nicht!�</p><p>Sugden sagte unger�hrt: �Ich bin der Meinung, Mrs Lee, dass Sie gar nicht telefoniert haben. Wo waren Sie in diesem Fall, und was haben Sie getan?�</p><p>Magdalene sah erst wie geistesabwesend vor sich hin und brach dann in Tr�nen aus.</p><p>�George�, schluchzte sie, �sie sollen mich nicht einsch�chtern! Du wei�t, dass ich mich an gar nichts erinnern kann, wenn man mich erschreckt und mich mit Fragen in die Enge treibt. Ich� ich wusste an jenem Abend �berhaupt nicht, was ich sagte, und� und ich war so aufgeregt� und sie waren scheu�lich zu mir!�</p><p>Sie sprang auf und rannte weinend aus dem Zimmer.</p><p>Auch George Lee fuhr von seinem Sitz auf.</p><p>�Was f�llt Ihnen ein?�, stammelte er. �Wie k�nnen Sie meine Frau derart erschrecken? Sie ist sehr empfindsam. Es ist eine Schande, wie Sie sie behandeln! Ich werde die unmenschlichen Methoden der britischen Polizei vor dem Parlament zur Sprache bringen. Es ist eine Schande!�</p><p>-Er ging aus dem Zimmer und schmetterte die T�r ins Schloss. Inspektor Sugden warf den Kopf zur�ck und lachte.</p><p>�Die h�tten wir nicht schlecht erwischt! Jetzt werden wir ja sehen.�</p><p>Johnson runzelte die Stirn.</p><p>�Eine seltsame Sache, das. Sieht ziemlich unklar aus. Wir m�ssen noch weitere Angaben aus ihr herausbekommen.�</p><p>�Oh, sie wird in ein paar Minuten wieder zur�ckkommen�, versicherte Sugden leichthin. �Sobald sie sich eine plausible Antwort zurechtgelegt hat. Nicht wahr, Mr Poirot?�</p><p>Poirot, der reglos dagesessen hatte, schien aus tiefen Tr�umen aufzuschrecken.</p><p><emphasis>�Pardon?�</emphasis></p><p>�Ich sagte, sie werde bald zur�ckkommen.�</p><p>�Vermutlich � ja, m�glicherweise � gewiss.�</p><p>Sugden sah ihn erstaunt an.</p><p>�Was ist los, Mr Poirot? Haben Sie ein Gespenst gesehen?�</p><p>Langsam antwortete Poirot: �Wissen Sie, dass ich diese Frage nicht unbedingt verneinen kann?�</p><p>Colonel Johnson wurde ungeduldig.</p><p>�Nun, Sugden, sonst noch etwas?�</p><p>�Ich habe versucht, die Reihenfolge, in welcher die Leute im Mordzimmer erschienen, zu rekonstruieren. Es ist ganz klar, wie sich alles abgespielt hat. Nachdem das Opfer den Todesschrei ausgesto�en hatte, schl�pfte der M�rder aus dem Zimmer, sperrte die T�r mit Hilfe einer Pinzette oder etwas �hnlichem von au�en zu und verwandelte sich Sekunden sp�ter in jemanden, der wie alle anderen dem Tatort entgegenrannte. Leider l�sst sich nicht mehr mit Bestimmtheit feststellen, wer wen gesehen hat; in diesem Punkt haben die Beteiligten keine klare Erinnerung mehr. Tressilian sagt, dass er Harry und Alfred Lee die Halle, vom Speisezimmer herkommend, durchqueren und die Treppe hinaufrennen sah. Soweit ich begriffen habe, ist Miss Estravados erst sp�t am Tatort erschienen � als eine der letzten. Es scheint nach allen Aussagen, dass Farr, Mrs George und Mrs David die ersten waren. Alle drei behaupten, einen von ihnen vor sich gesehen zu haben. Das macht ja die Untersuchung so schwierig, dass man nie genau unterscheiden kann zwischen vors�tzlicher L�ge und ehrlicher Verschwommenheit der Erinnerung. Dass alle rannten, steht fest � aber in welcher Reihenfolge sie die Treppe hinaufrannten, ist nicht leicht herauszubekommen.�</p><p>�Und scheint Ihnen das so wichtig zu sein?�, fragte Poirot langsam.</p><p>�Ja, wegen der Zeitfrage. Die Zeit war unglaublich knapp.�</p><p>�Ich stimme Ihnen bei, dass in diesem Fall die Zeitfrage eminent wichtig ist.�</p><p>�Und um alles noch zu erschweren, gibt es in diesem Haus zwei Treppen. Einmal die Haupttreppe, die von der Halle hinauff�hrt und von den T�ren des Speisezimmers und des Wohnzimmers ungef�hr gleich weit entfernt liegt. Dann ist noch eine Treppe am anderen Ende des Hauses. Stephen Farr hat sie ben�tzt. Miss Estravados kam ebenfalls aus der Richtung dieser zweiten Treppe gest�rzt. Ihr Zimmer liegt in deren unmittelbarer N�he. Alle anderen geben an, �ber die Haupttreppe nach oben gelaufen zu sein.�</p><p>�Das ist allerdings verwirrend�, sagte Poirot.</p><p>Die T�r wurde aufgesto�en, und Magdalene Lee trat hastig ein. Sie atmete heftig, und ihre Wangen waren ger�tet. Sie kam schnell an den Tisch und sagte:</p><p>�Mein Mann glaubt, dass ich mich hingelegt habe; aber ich bin leise aus dem Zimmer geschl�pft.� Sie sah Colonel Johnson aus gro�en, verzweifelten Augen an. �Wenn ich Ihnen nun die Wahrheit sage, werden Sie sie f�r sich behalten, nicht wahr? Ich meine� Sie m�ssen nicht alles publik machen?�</p><p>�Sofern es nicht mit dem Verbrechen zusammenh�ngt��</p><p>�Aber gar nicht! Es handelt sich um � etwas ganz Privates � um eine�� Magdalenes Augen schimmerten feucht. �Ich vertraue Ihnen, Colonel Johnson, ich wei�, dass man Ihnen vertrauen darf. Sehen Sie, es war so: Jemand�� Sie stockte.</p><p>�Ja, Mrs Lee?�</p><p>�Ich wollte vorgestern wirklich mit jemandem telefonieren. Einem� einem Freund von mir. Aber ich wollte nicht, dass George davon wusste. Das war sicherlich nicht recht von mir, und ich. Nach dem Abendessen ging ich zum Telefon, weil ich glaubte, dass George noch im Speisezimmer war. Aber als ich mich dem Arbeitszimmer n�herte, h�rte ich meinen Mann telefonieren. Ich musste also warten.�</p><p>�Wo haben Sie gewartet, Mrs Lee?�, fragte Poirot.</p><p>�Hinter der Treppe ist eine kleine Garderobe. Der Raum ist ziemlich dunkel. Dort schl�pfte ich hinein, weil ich von diesem Versteck aus gleichzeitig gesehen h�tte, wenn George das Arbeitszimmer verlie�. Aber er kam nicht heraus, und dann ging der L�rm oben los, und alle rannten die Treppe hinauf.�</p><p>�Ihr Mann hat also dieses Zimmer nicht verlassen, bis der Schrei oben ert�nte?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Und Sie selber haben die Zeit von neun Uhr bis neun Uhr f�nfzehn wartend in dieser Garderobe verbracht?�, fragte Johnson.</p><p>�Ja! Aber das konnte ich doch nicht sagen! Man h�tte mich gefragt, was ich dort zu suchen hatte, verstehen Sie? Und alles h�tte so� so komisch ausgesehen f�r mich, begreifen Sie?�</p><p>�Ja, es mutet tats�chlich etwas komisch an�, gab Johnson trocken zu.</p><p>�Ich bin so erleichtert, dass ich Ihnen nun die Wahrheit gesagt habe.� Sie l�chelte ihn verf�hrerisch an. �Sie werden meinem Mann nichts davon erz�hlen, nicht wahr? Nein, nat�rlich nicht! Ich wei�, dass man Ihnen vertrauen kann � Ihnen allen!�</p><p>Sie bedachte alle Anwesenden mit einem letzten flehentlichen Blick und schwebte dann aus dem Zimmer.</p><p>Colonel Johnson r�usperte sich energisch.</p><p>�Nun � es <emphasis>k�nnte </emphasis>so gewesen sein! Klingt ganz plausibel. Andererseits��</p><p>�K�nnte es auch <emphasis>nicht </emphasis>so gewesen sein!�, fiel ihm Sugden ins Wort. �Das ist es ja gerade! Wir wissen es nicht.�</p><p>Lydia Lee befand sich, halb verborgen durch die schweren Gardinen, am Fenster und sah in den Garten hinaus. Ein Laut hinter ihr lie� sie herumfahren. Hercule Poirot stand unter der T�r.</p><p>�Mr Poirot! Sie haben mich erschreckt!�</p><p>�Das tut mir Leid, Madame.�</p><p>�Ich dachte, es sei Horbury.�</p><p>Poirot nickte. �Ja, er geht tats�chlich sehr leise im Haus herum, dieser Mann, wie eine Katze oder ein � Dieb.�</p><p>Er sah sie aufmerksam an. Sie schnitt eine kleine, ver�chtliche Grimasse, als sie sagte: �Ich habe nie etwas mit diesem Menschen anfangen k�nnen. Mir ist es recht, wenn wir ihn m�glichst bald loswerden.�</p><p>�Das wird allerdings nur von Vorteil f�r Sie sein.�</p><p>Sie sah ihn forschend an.</p><p>�Wieso? Liegt etwas gegen ihn vor?�</p><p>�Nun, er ist ein Mensch, der Geheimnisse sammelt und sie dann zu seinen Gunsten ausbeutet.�</p><p>�Glauben Sie, dass er etwas �ber den Mord wei߻, fragte sie. Poirot zuckte die Achseln.</p><p>�Er hat leise F��e und lange Ohren. Vielleicht hat er irgendetwas geh�rt oder gesehen, das er f�r sich beh�lt.�</p><p>�Und womit er einen von uns erpressen k�nnte?�</p><p>�Das liegt im Bereich der M�glichkeit, Madame. Aber ich bin nicht hergekommen, um Ihnen das zu sagen.�</p><p>�Sondern?�</p><p>�Ich habe mit Mr Alfred gesprochen�, sagte Poirot langsam, �und er hat mir einen Vorschlag gemacht, den ich gerne mit Ihnen besprochen h�tte, ehe ich ihn annehme oder ablehne. Aber dann war ich so entz�ckt �ber das Bild, das Sie abgaben - Ihr reizendes Kleid gegen das tiefe Rot der Vorh�nge, dass ich stehen blieb, um Sie zu bewundern.�</p><p>�Wirklich, Mr Poirot! M�ssen wir unsere Zeit mit Komplimenten verlieren?�</p><p>�Verzeihen Sie, Madame. Aber so wenige Engl�nderinnen verstehen sich auf <emphasis>la toilette. </emphasis>Das Kleid, das Sie am ersten Abend trugen, mit diesem extravaganten, aber einfachen Muster, stand Ihnen �beraus gut.�</p><p>Lydia fragte ungeduldig: �Wor�ber wollten Sie mit mir sprechen, Mr Poirot?�</p><p>Nun wurde auch Poirot ernst.</p><p>�Ihr Gatte, Madame, hat mich gebeten, diesen Fall zu untersuchen. Er will, dass ich hier bleibe, in Ihrem Hause wohne und mein �u�erstes tue, um diesen Mord aufzukl�ren.�</p><p>�Ja, und?�</p><p>�Ich m�chte eine Einladung nicht annehmen, ehe nicht die Dame des Hauses ihr Einverst�ndnis dazu gegeben hat.�</p><p>�Selbstverst�ndlich bin ich mit dem Wunsch meines Mannes einverstanden�, sagte sie k�hl.</p><p>�Gewiss, Madame, aber ich brauche mehr als das. Wollen Sie, dass ich herkomme?�</p><p>�Gewiss, warum nicht?�</p><p>�Ich will mich klarer ausdr�cken. W�nschen Sie, dass die Wahrheit an den Tag kommt?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Poirot seufzte.</p><p>�M�ssen Sie mir so konventionell antworten?�</p><p>�Ich bin eine eher konventionelle Natur.� Sie nagte an ihrer Unterlippe. Erst schien sie zu z�gern, aber dann sagte sie: �Vielleicht ist Offenheit wirklich das Beste. Ich verstehe Ihre Situation sehr gut, und sie ist keineswegs angenehm. Mein Schwiegervater ist grausam ermordet worden, und sofern man nicht den Hauptverd�chtigen � Horbury � dieses Mordes �berf�hren kann � und es hat den Anschein, dass dies nicht der Fall sein wird �, dann muss jemand von unserer Familie der T�ter sein. Diesen Jemand der Gerechtigkeit auszuliefern hei�t also Schande �ber unsere Familie zu bringen. Und wenn ich ganz ehrlich sein soll, muss ich sagen, dass ich das allerdings nicht w�nsche.�</p><p>�Sie w�rden also den M�rder lieber ungestraft entwischen lassen?�</p><p>�Wahrscheinlich laufen viele unbestrafte M�rder auf der Welt herum.�</p><p>�Gewiss, da haben Sie Recht.�</p><p>�W�rde da einer mehr eine Rolle spielen?�</p><p>Poirot sah sie nachdenklich an.</p><p>�Und die anderen Familienmitglieder? Die Unschuldigen?�</p><p>Sie horchte auf. �Ja, was ist mit ihnen?�</p><p>�Wenn Ihre Hoffnungen sich erf�llen w�rden, k�me die Wahrheit nie an den Tag. Alle st�nden gleicherweise unter dem Schatten des Verdachts, der Zweifel��</p><p>�Daran habe ich nicht gedacht�, murmelte sie unsicher.</p><p>�Niemand w�rde je erfahren, wer der Schuldige war.� Leise f�gte er bei: �Es sei denn, dass <emphasis>Sie </emphasis>ihn bereits kennen.�</p><p>�Sie haben kein Recht, so was zu sagen!�, schrie sie auf. �Es ist nicht wahr! Ach! Wenn es doch irgendein Fremder w�re, der nicht zur Familie geh�rte!�</p><p>�Oder beides zusammen.�</p><p>�Was meinen Sie damit?�, fragte sie verbl�fft.</p><p>�Es k�nnte ein Familienmitglied und trotzdem ein Fremder sein. Verstehen Sie nicht? Nun, das ist so eine Idee, die Hercule Poirots Gehirn entsprungen ist.� Er sah sie ernst an. �Madame, was soll ich also Ihrem Gatten antworten?�</p><p>Lydia hob die H�nde und lie� sie mit einer m�den, hilflosen Geb�rde wieder fallen.</p><p>�Sie m�ssen nat�rlich annehmen.�</p><p>Pilar stand mitten im Musikzimmer. Sie hielt sich sehr gerade, und ihre Augen huschten von einer Seite zur anderen wie die eines in die Enge getriebenen Tiers.</p><p>�Ich will fort von hier.�</p><p>�Das wollen nicht nur Sie�, sagte Stephen Farr freundlich. �Aber man wird uns nicht fortlassen, mein Kind.�</p><p>�Die Polizei? Es ist gar nicht angenehm, mit der Polizei zu tun zu haben. Anst�ndigen Menschen sollte das nicht passieren.�</p><p>�Wie zum Beispiel Ihnen, nicht wahr?�, l�chelte Farr.</p><p>�Nein, ich meine Lydia und Alfred, David, George und Hilda und� doch, auch Magdalene.�</p><p>Stephen z�ndete sich eine Zigarette an. Er rauchte eine Weile, ohne etwas zu sagen. Doch dann fragte er: �Eine Ausnahme? Weshalb?�</p><p>�Wieso, bitte?�</p><p>�Warum z�hlen Sie Bruder Harry nicht auf?�</p><p>Pilar lachte und zeigte dabei ihre sch�nen, ebenm��igen Z�hne.</p><p>�Oh, Harry ist etwas anderes! Ich glaube, der ist es gewohnt, mit der Polizei in Konflikt zu geraten.�</p><p>�Vielleicht haben Sie Recht. Jedenfalls f�llt er zu sehr aus dem Rahmen. M�gen Sie Ihre englischen Verwandten, Pilar?�</p><p>Pilar musste sich die Antwort erst �berlegen.</p><p>�Sie sind nett � alle sind sehr nett�, sagte sie z�gernd. �Aber sie lachen nie, sie sind nicht fr�hlich.�</p><p>�Meine Liebe, in diesem Haus ist eben ein Mord geschehen.�</p><p>�J-ja-a�, murmelte Pilar.</p><p>�Ein Mord�, fuhr Stephen belehrend fort, �ist denn doch nichts ganz so Allt�gliches, wie Ihre Nonchalance auszudr�cken scheint. Mag man in Spanien dar�ber denken, wie man will - in England nimmt man Morde verteufelt ernst.�</p><p>�Sie lachen mich aus!�</p><p>�Bestimmt nicht! Mir ist gar nicht l�cherlich zumute.�</p><p>Pilar betrachtete sein gebr�untes Gesicht.</p><p>�Sie m�chten auch weg von hier, nicht wahr? Und der h�bsche, gro�e Polizist l�sst Sie nicht gehen.�</p><p>�Ich habe ihn nicht darum gebeten, aber wahrscheinlich w�rde er es mir verbieten. Man muss jetzt jeden Schritt �berlegen und sehr vorsichtig sein.�</p><p>�Ja, und das ist so m�hsam�, stellte Pilar fest.</p><p>�Es ist mehr als nur m�hsam, meine Liebe. Und dann schn�ffelt auch noch dieser Ausl�nder �berall herum. Ich halte ihn zwar nicht f�r besonders gescheit, aber er macht mich nerv�s.�</p><p>Pilar runzelte pl�tzlich die Stirn.</p><p>�Mein Gro�vater war sehr, sehr reich, nicht wahr? Wer bekommt jetzt das viele Geld? Alfred und die anderen?�</p><p>�Das h�ngt von seinem Testament ab.�</p><p>�Er k�nnte mir auch etwas hinterlassen haben�, �berlegte Pilar, �aber ich halte das nicht f�r wahrscheinlich.�</p><p>�Machen Sie sich keine Sorgen�, tr�stete Stephen sie fast liebevoll. �Sie geh�ren zur Familie. Man wird sich um Sie k�mmern m�ssen.�</p><p>Mit einem Seufzer sagte Pilar: �Ich geh�re hierher. Komisch ist das. Und dann ist es doch wieder nicht komisch.�</p><p>�Ja, f�r Sie ist es bestimmt nicht nur lustig.�</p><p>Wieder seufzte Pilar tief auf. Dann fragte sie:</p><p>�Wollen wir Platten auflegen und tanzen?�</p><p>Stephen sah sie zweifelnd an.</p><p>�Das w�rde sich nicht gut ausnehmen. In einem Trauerhaus tanzt man nicht.�</p><p>Pilars gro�e Augen wurden noch gr��er.</p><p>�Aber ich bin gar nicht traurig! Ich kannte meinen Gro�vater ja kaum, obwohl ich ihn gern hatte. Ich will nicht weinen und ungl�cklich sein, weil er jetzt tot ist. Etwas vorzuheucheln ist so dumm!�</p><p>�Sie sind ein Schatz!�, sagte Stephen Farr begeistert.</p><p>�Wenn wir den Plattenspieler ganz leise stellen�, fuhr sie schmeichelnd fort, �dann w�rde es keinen gro�en L�rm machen, und niemand k�nnte es h�ren.�</p><p>�Also, kommen Sie, Sie Verf�hrerin!�</p><p>Sie lachte vergn�gt, rannte aus dem Zimmer und zum Tanzsaal am anderen Ende des Hauses. Doch als sie den Seitenkorridor erreichte, der zur Gartent�r f�hrte, blieb sie wie angewurzelt stehen. Stephen, der ihr folgte, blieb ebenfalls stehen.</p><p>Hercule Poirot hatte ein Bild von der Wand genommen und betrachtete es eingehend beim hellen Tageslicht, das durch die Fenstert�r hereinflutete. Er blickte auf, sah die beiden und l�chelte ihnen zu.</p><p>�Sie kommen wie gerufen! Ich studiere etwas sehr Wichtiges: das Gesicht von Simeon Lee als junger Mann.�</p><p>�Ach? Ist das mein Gro�vater?�</p><p>Sie sah das Bild lange an. Dann sagte sie verwundert:</p><p>�So ver�ndert � ganz ver�ndert� Jetzt war er so alt, so verrunzelt. Hier sieht er aus wie Harry � wie Harry vor etwa zehn Jahren ausgesehen haben d�rfte.�</p><p>Hercule Poirot nickte.</p><p>�Jawohl, Mademoiselle. Harry Lee gleicht seinem Vater am meisten. Und hier�, er f�hrte sie ein paar Schritte die Galerie entlang, �hier ist Ihre Gro�mutter. Ein l�ngliches, sanftes Gesicht � sehr blondes Haar, milde blaue Augen.�</p><p>�Wie David!�, rief Pilar.</p><p>�Auch Alfred sieht ihr �hnlich�, bemerkte Stephen.</p><p>�Vererbung ist eine interessante Sache�, sagte Poirot. �Mr Lee und seine Frau waren grundverschiedene Typen. Im Gro�en und Ganzen schlugen alle Kinder dieser Ehe der Mutter nach. Sehen Sie hier, Mademoiselle.�</p><p>Er zeigte auf das Portr�t eines ungef�hr neunzehnj�hrigen M�dchens mit goldschimmerndem Haar und lachenden gro�en blauen Augen. Die Z�ge glichen denen von Simeon Lees verstorbener Frau, aber es war eine heitere Lebhaftigkeit in ihnen, die die der stillen Dulderin wohl nie gehabt hatten.</p><p>�Oh!�, stie� Pilar hervor. Ihre Wangen err�teten. Sie griff nach einer langen Goldkette, die sie um den Hals trug, zog ein Medaillon hervor und zeigte es Poirot. Dasselbe lachende Jungm�dchengesicht sah ihm daraus entgegen.</p><p>�Meine Mutter�, fl�sterte Pilar.</p><p>Poirot nickte. In der anderen Seite des Medaillons steckte das Bild eines h�bschen jungen Mannes mit schwarzem Haar und dunkelblauen Augen.</p><p>�Mein Vater! Ist er nicht wundersch�n?�</p><p>�Doch, gewiss. Spanier haben aber im Allgemeinen keine blauen Augen, nicht wahr, Mademoiselle?�</p><p>�Die aus dem Norden manchmal schon. �brigens war die Mutter meines Vaters Irin.�</p><p>�Spanisches, englisches, irisches und ein Schuss Zigeunerblut�, z�hlte Poirot lachend auf. �Mit dieser erblichen Belastung k�nnten Sie sich viele Feinde schaffen, Se�orita!�</p><p>Stephen Farr grinste. �Sie w�rde einem Feind kurzerhand die Gurgel durchschneiden, hat sie mir im Zug anvertraut.� Er brach erschrocken ab.</p><p>Hercule Poirot versuchte das Gespr�ch in unverf�nglichere Bahnen zu lenken. �Oh, Mademoiselle! Ich muss Sie noch um etwas bitten. W�rden Sie mir bitte Ihren Pass aush�ndigen? Reine Formsache. Inspektor Sugden braucht ihn� Polizeivorschriften, wissen Sie � l�stig und dumm, gewiss, aber notwendig f�r einen Ausl�nder in diesem Land. Und dem Gesetz nach sind Sie nat�rlich Ausl�nderin.�</p><p>Pilar hob die Augenbrauen. �Meinen Pass? Ja, ich werde ihn gleich holen. Er liegt in meinem Zimmer.�</p><p>Poirot folgte ihr und entschuldigte sich immer wieder.</p><p>�Es tut mir sehr Leid, Ihnen diese M�he zu bereiten. Wirklich, sehr, sehr Leid.�</p><p>Sie waren am Ende des langen Korridors angekommen. Von dort f�hrte die zweite Treppe in den oberen Stock. Pilar nahm sie mit wenigen Schritten, Poirot und Farr folgten langsamer nach. Pilars Zimmer lag am Ende der Treppe. Sie machte die T�r auf und rief: �Ich bringe den Pass sofort.�</p><p>Poirot und Stephen warteten. Der junge Mann sagte sehr kleinlaut: �Verdammt bl�d von mir, das zu sagen � vorhin. Sie hat es aber gar nicht bemerkt, oder doch?�</p><p>Poirot gab keine Antwort. Er hielt den Kopf leicht zur Seite geneigt und schien auf etwas zu horchen.</p><p>�Die Engl�nder sind Freiluftfanatiker�, sagte er nach einigen Augenblicken. �Und diese Eigenart scheint Miss Estravados geerbt zu haben.�</p><p>Stephen sah ihn erstaunt an.</p><p>�Weil sie heute, an einem ausgesprochen eisigen Wintertag - im Gegensatz zum gestrigen milden Sonnenwetter � das Fenster aufrei�t, wie gerade eben. Seltsam, dieser Hunger nach frischer Luft.�</p><p>Pl�tzlich h�rte man drinnen einen spanischen Ausruf, und Pilar tauchte mit einem �rgerlichen Lachen wieder auf.</p><p>�Bin ich dumm!�, rief sie. �Dumm und ungeschickt! Mein K�fferchen steht auf dem Fensterbrett, und ich durchst�berte es so schnell und passte nicht auf, so dass mir der Pass zum Fenster hinausgefallen ist. Er liegt drunten in einem Blumenbeet. Ich hole ihn sofort.�</p><p>Stephen wollte ihr diesen Gang abnehmen, aber sie hielt ihn entschieden davon ab.</p><p>�Nein, gehen Sie nur inzwischen mit Mr Poirot ins Wohnzimmer! Ich bringe ihn dorthin.�</p><p>Doch Poirot sagte am oberen Ende der Haupttreppe pl�tzlich: �Bleiben wir noch einen Augenblick hier. Ich m�chte Sie im Mordzimmer etwas fragen.�</p><p>Sie gingen den Korridor entlang, der zu Simeon Lees Zimmer f�hrte. Als sie an der Nische vorbeikamen, in welcher zwei Marmornymphen in viktorianischer Wohlanst�ndigkeit �ngstlich ihre wallenden Gew�nder festhielten, murmelte Stephen Farr: �Scheu�lich bei Tageslicht! Neulich abends glaubte ich, es seien drei solche Weiber da drinnen, aber gl�cklicherweise sind es nur zwei.�</p><p>�Ja, dem heutigen Geschmack entsprechen sie nicht mehr�, sagte Poirot. �Aber seinerzeit haben sie bestimmt eine Menge Geld gekostet. �brigens sehen sie nachts besser aus.�</p><p>�Allerdings, da sieht man nur undeutliche Konturen.�</p><p>�Nachts sind alle Katzen grau�, lautete Poirots Antwort.</p><p>Im Mordzimmer fanden sie Inspektor Sugden, vor dem Safe kniend und den Kassenschrank mit einer Lupe untersuchend. Er blickte auf, als sie eintraten.</p><p>�Wurde mit dem dazugeh�rigen Schl�ssel ge�ffnet�, stellte er fest. �Und zwar von jemandem, der das Kennwort wusste.�</p><p>Poirot trat neben ihn, fl�sterte ihm etwas ins Ohr, worauf der Inspektor nickte und rasch aus dem Zimmer ging.</p><p>Poirot wandte sich wieder Stephen Farr zu, der reglos den Armstuhl anstarrte, in welchem Simeon Lee immer gesessen hatte. Auf seiner Stirn, die in tiefen Falten lag, traten die Adern deutlich hervor. Poirot betrachtete ihn eine ganze Weile, ehe er sagte: �Erinnerungen, nicht wahr?�</p><p>�Noch vor zwei Tagen�, fl�sterte Farr, �sa� er da und lebte und heute�� Er sch�ttelte sich. �Sie wollten mich etwas fragen, Mr Poirot.�</p><p>�Ach, richtig. Sie waren, wenn ich nicht irre, der Erste am Tatort vorgestern Nacht.�</p><p>�So? Ich wei� es nicht mehr. Nein, ich glaube, eine der Damen war noch vor mir oben.�</p><p>�Welche der Damen?�</p><p>�Georges oder Davids Frau, eine von beiden. Sie waren jedenfalls beide sofort da.�</p><p>�Sie selber h�rten den Schrei nicht?�</p><p>�Nein, ich glaube nicht. Ich kann mich nicht genau erinnern. Jemand schrie wohl auf, aber das kann von unten gekommen sein.�</p><p>�Einen Laut wie <emphasis>den </emphasis>haben Sie also nicht geh�rt?�</p><p>Poirot warf den Kopf zur�ck und stie� pl�tzlich einen gellenden Schrei aus. Das kam so unerwartet, dass Stephen einen Schritt zur�ck machte und beinahe gestolpert w�re. �rgerlich stie� er hervor: �Um Himmels willen! Wollen Sie das ganze Haus erschrecken? Nein, ich habe keinen auch nur ann�hernd �hnlichen Laut geh�rt. Jetzt wird wieder alles gelaufen kommen und denken, es sei ein zweiter Mord geschehen!�</p><p>Poirot sah betreten vor sich hin. �Nat�rlich� Wie dumm von mir! Gehen wir.�</p><p>Er eilte aus dem Zimmer. Lydia und Alfred standen unten an der Treppe und sahen hinauf � George kam gerade aus der Bibliothek, und Pilar st�rzte ebenfalls daher, den Pass in der Hand.</p><p>�Es ist nichts geschehen, nichts�, rief Poirot. �Bitte, regen Sie sich nicht auf. Ich habe nur ein kleines Experiment gemacht.�</p><p>Alfred sah ver�rgert, George emp�rt aus, und Poirot �berlie� Stephen die Erkl�rungen. Er selber eilte durch den Korridor ans andere Ende des Hauses.</p><p>Dort trat Sugden ruhig aus Pilars Zimmer.</p><p><emphasis>�Eh bien?�, </emphasis>fragte Poirot gespannt.</p><p>Der Inspektor sch�ttelte den Kopf. �Keinen Laut.�</p><p>Er sah Poirot bewundernd an und nickte.</p><p>�Dann nehmen Sie also an, Mr Poirot?�, fragte Alfred.</p><p>Die Hand, mit welcher er sich �ber das Gesicht fuhr, zitterte ein wenig. Seine milden braunen Augen gl�hten in einem ganz neuen, ungewohnten Fieber, und er stotterte leicht, wenn er sprach. Lydia, die stumm neben ihm stand, sah ihn besorgt an.</p><p>�Sie wissen nicht� Sie k-k�nnen nicht w-wissen � was mir das b-bedeutet! Der M�rder meines V-Vaters m-muss gefunden werden!�</p><p>�Wenn Sie sich wirklich, wie Sie mir sagen, die Sache lange und gr�ndlich �berlegt haben � ja, dann nehme ich an. Aber wohlverstanden, Mr Lee: Dann gibt es kein Zur�ck mehr. Ich bin kein Sp�rhund, den man auf eine F�hrte setzt und pl�tzlich zur�ckpfeift, wenn man die Spur lieber nicht weiterverfolgen m�chte.�</p><p>�Das ist selbstverst�ndlich! Es ist alles b-bereit. Ihr Z-Zimmer � alles. Bleiben Sie, solange Sie wollen.�</p><p>�Es wird nicht allzu lange sein�, sagte Poirot ernst.</p><p>�Wie? Was sagen Sie da?�</p><p>�Ich sage, es werde nicht lange dauern. Es ist ein so beschr�nkter Kreis, dass es unm�glich lange dauern kann, bis die Wahrheit zutage tritt.� Er sah Alfred an. �Ich glaube sogar, dass das Ende der Untersuchungen naht.�</p><p>Alfred starrte ihn an. �Unm�glich!�, keuchte er.</p><p>�Doch, doch. Die Tatsachen weisen alle mehr oder weniger deutlich in eine bestimmte Richtung. Es brauchen nur noch einige Nebens�chlichkeiten gekl�rt zu werden, und dann wird die Wahrheit klar vor uns liegen.�</p><p>Alfred lachte ungl�ubig.</p><p>�Hei�t das � dass Sie sie bereits kennen?�</p><p>�Ja, Mr Lee�, l�chelte Poirot zur�ck, �ich kenne sie.�</p><p>Alfred wandte sich pl�tzlich ab. �Mein Vater� mein Vater�, stie� er unterdr�ckt hervor.</p><p>�Ich m�chte Sie noch um zwei Dinge bitten�, sagte Poirot fast hart. �Erstens m�chte ich, dass Sie das Portr�t Ihres Vaters, das ihn als jungen Mann darstellt, in dem Schlafzimmer aufh�ngen lassen, das Sie mir zur Verf�gung stellen wollen.�</p><p>Alfred und Lydia sahen ihn starr an.</p><p>�Das Bild meines Vaters?�, stammelte Alfred. �Weshalb?�</p><p>Mit einer Handbewegung erkl�rte Poirot:</p><p>�Es wird mich � wie soll ich sagen? � inspirieren.�</p><p>�Wollen Sie vielleicht dieses Verbrechen mit Hellseherei l�sen, Monsieur Poirot?�, fragte Lydia h�hnisch.</p><p>�Nennen wir es so, Madame: Ich will nicht nur die physischen Augen dabei ben�tzen, sondern auch die geistigen.�</p><p>Sie zuckte die Achseln.</p><p>�Ferner m�chte ich die wahren Umst�nde kennen lernen, unter welchen der Gatte Ihrer Schwester, Juan Estravados, starb.�</p><p>�Ist das notwendig?�, fragte Lydia.</p><p>Doch Alfred beantwortete die Frage bereits.</p><p>�Juan Estravados t�tete im Verlauf eines Streits um eine andere Frau einen Mann in einem Kaffeehaus.�</p><p>�Wie brachte er ihn um?�</p><p>Alfred sah Lydia bittend an.</p><p>�Er erstach ihn�, fuhr Lydia gleichm�tig fort. �Juan Estravados wurde nicht zum Tod verurteilt, weil er zu seiner Tat herausgefordert worden war. Er bekam eine Zuchthausstrafe und starb im Gef�ngnis.�</p><p>�Wei� seine Tochter davon?�</p><p>�Ich glaube nicht.�</p><p>�Nein, Jennifer sagte ihr nichts davon�, murmelte Alfred.</p><p>Pl�tzlich fuhr Lydia auf. �Sie glauben doch nicht etwa, dass Pilar� Das w�re Unsinn!�</p><p>Poirot �berh�rte diesen Einwurf.</p><p>�Nun, Mr Lee, w�rden Sie mir vielleicht auch n�here Einzelheiten �ber Ihren Bruder Harry anvertrauen?�</p><p>�Was wollen Sie wissen?�</p><p>�Soviel ich begriffen habe, wird er irgendwie als Schandfleck der Familie angesehen. Warum?�</p><p>Alfreds Gesicht bekam wieder etwas Farbe.</p><p>�Er stahl einmal eine gro�e Summe Geld, indem er den Namen meines Vaters auf einem Scheck f�lschte. Nat�rlich hat mein Vater ihn nicht daf�r zur Rechenschaft gezogen. Harry war immer ein Tunichtgut. �berall auf der ganzen Welt ist er in Schwierigkeiten geraten. Immer musste er telegrafieren, man solle ihm Geld schicken, weil er in einer Klemme steckte. Er hat auch einige Gef�ngnisstrafen abgesessen.�</p><p>�Das wei�t du nicht bestimmt, Alfred�, wies Lydia ihn zurecht.</p><p>Aber er fegte ihren Einwand mit einer Handbewegung beiseite. �Harry ist ein Lump! War immer einer!�</p><p>�Sie scheinen Ihren Bruder nicht zu m�gen�, stellte Poirot fest.</p><p>�Er hat meinen Vater ausgen�tzt � auf sch�ndliche Weise!�</p><p>Lydia seufzte kurz und ungeduldig auf. Poirot h�rte es und warf ihr einen scharfen Blick zu.</p><p>�Wenn doch wenigstens diese Diamanten gefunden werden k�nnten�, sagte sie. �Mich d�nkt, dort liegt die L�sung des ganzen Falls.�</p><p>�Sie sind gefunden worden, Madame. Und zwar in Ihrem kleinen Garten, der das Tote Meer darstellt.�</p><p>�Sie sind� In meinem Garten? Wie seltsam!�</p><p>�Nicht wahr, Madame?��</p></section><section><title><p><strong>27. Dezember </strong></p></title><p>�Das ging ja schmerzloser, als ich f�rchtete�, sagte Alfred Lee mit einem Seufzer. Sie waren alle soeben von der gerichtlichen Totenschau zur�ckgekommen. Mr Charlton, ein altv�terischer Rechtsanwalt mit forschenden blauen Augen, war mit ihnen dort gewesen und hatte sie nun nach Gorston Hall zur�ckbegleitet.</p><p>�Ich sagte Ihnen ja, dass dieses Prozedere eine reine Formsache sei � reine Formsache. Die Vertagung war vorauszusehen, weil die Polizei vorerst noch weitere Untersuchungen anstellen muss.�</p><p>George Lee war gereizt.</p><p>�Ekelhaft ist das alles, einfach ekelhaft. Eine scheu�liche Situation, in die wir da geraten sind. Ich pers�nlich bin fest davon �berzeugt, dass das Verbrechen von einem Irrsinnigen begangen wurde, der sich irgendwie Zugang zum Haus verschaffen konnte. Dieser Sugden ist ja halsstarrig wie ein Maulesel! Colonel Johnson m�sste Scotland Yard beiziehen. Die Ortspolizei ist doch hilflos. Zu dickk�pfig! Was ist zum Beispiel mit diesem Horbury los? Ich h�re, dass seine Vergangenheit �u�erst dunkel sein soll; aber die Polizei unternimmt �berhaupt nichts gegen ihn!�</p><p>�Ich � eh � glaube, dass dieser Horbury ein einwandfreies Alibi f�r die fragliche Zeit hat, und deshalb � eh � muss die Polizei seinen Angaben glauben�, versuchte Charlton zu beruhigen.</p><p>�Muss sie? Warum muss sie?�, sch�umte George. �Wenn ich die Polizei w�re, dann w�rde ein solches Alibi mit gr��ter Vorsicht aufgenommen! Es ist doch klar, dass ein Verbrecher sich immer ein Alibi besorgt. Aber die Pflicht der Polizei ist es, dieses Alibi zu widerlegen � das hei�t, wenn sie f�hig ist!�</p><p>�Nun, nun�, sagte Charlton, �ich glaube, dass es nicht unsere Sache ist, uns in das Vorgehen der Polizei einzumischen. Im Allgemeinen sind doch sehr t�chtige Leute dabei.�</p><p>George sch�ttelte �rgerlich den Kopf.</p><p>�Scotland Yard m�sste verst�ndigt werden! Inspektor Sugden mag ein gewissenhafter Beamter sein, aber eine Leuchte ist er bestimmt nicht.�</p><p>�Doch, Sugden ist ein sehr guter Polizist�, widersprach ihm Charlton. �Er ist vielleicht keiner von der schnellen Sorte, aber er erreicht sein Ziel, glauben Sie mir.�</p><p>�Ich bin �berzeugt, dass die Polizei alles in ihren Kr�ften Stehende tut�, sagte Lydia. �Mr Charlton, m�chten Sie einen Sherry?�</p><p>Mr Charlton lehnte h�flich dankend ab. Er r�usperte sich und schritt dann zur Testamentser�ffnung. Er las dieses Dokument mit sichtlichem Behagen, wobei er bei den dunkleren Formulierungen etwas l�nger verweilte und die besonders raffinierten juristischen Passagen genie�erisch auszukosten schien. Als er geendet hatte, nahm er seine Brille ab, putzte sie umst�ndlich und sah sich dann in der Runde um. Harry Lee sprach als erster.</p><p>�Diese juristischen Formulierungen sind schwer zu verstehen. K�nnen Sie uns das alles nicht klar und deutlich sagen?�</p><p>�Aber das vorliegende ist ein durchaus einfaches Testament.�</p><p>�Mein Gott�, seufzte Harry, �wie sieht denn ein kompliziertes aus?�</p><p>Mr Charlton warf ihm einen eiskalten Blick zu. Dann f�hrte er aus:</p><p>�Die Hauptvergabungen sind denkbar leicht zu verstehen. Die H�lfte des Verm�gens f�llt an Mr Alfred Lee. Der Rest wird zwischen den �brigen Kinder aufgeteilt.�</p><p>Harry lachte h�misch.</p><p>�Alfred, wie gew�hnlich! Das halbe Verm�gen meines Vaters! Du hast Schwein, Alfred.�</p><p>Alfred lief rot an. Lydia sagte scharf:</p><p>�Alfred war seinem Vater ein guter und ergebener Sohn. Seit Jahren hat er die Werke geleitet und die ganze Verantwortung getragen.�</p><p>�O ja, Alfred war immer ein Musters�hnchen!�</p><p>�Du kannst von Gl�ck sagen, dass Vater dir �berhaupt etwas hinterlasssen hat�, fauchte Alfred den Bruder an.</p><p>Harry warf den Kopf zur�ck und lachte.</p><p>�Du h�ttest lieber gesehen, wenn ich leer ausgegangen w�re, wie? Du hast mich nie ausstehen k�nnen!�</p><p>Mr Charlton h�stelte. Er war solche unerquicklichen Szenen nach einer Testamentser�ffnung gewohnt � nur zu sehr gewohnt �, und ihm lag daran, mit seinen Verpflichtungen zu Ende zu kommen, bevor die endlosen Familienstreitereien begannen.</p><p>�Ja, das ist, glaube ich, alles, was ich Ihnen ��, murmelte er. �Und was ist mit Pilar?�, fragte Harry laut.</p><p>Mr Charlton r�usperte sich wieder, diesmal wie entschuldigend. �Eh, Miss Estravados � eh � ist in dem Testament nicht erw�hnt.�</p><p>�Bekommt sie nicht den Anteil ihrer Mutter?�</p><p>�Se�ora Estravados�, erkl�rte Charlton, �h�tte nat�rlich ihren Teil der Erbschaft bezogen; aber da sie gestorben ist, f�llt ihr Anteil der Erbmasse zu und wird unter die �brigen Kinder verteilt.�</p><p>Pilar fragte mit ihrer warmen s�dl�ndischen Stimme:</p><p>�Dann bekomme ich also nichts?�</p><p>Schnell fiel Lydia ein. �Liebes, dar�ber wird die Familie sich bestimmt einigen.�</p><p>�Du wirst hierher zu Alfred ziehen � nicht, Alfred?�, sagte George. �Schlie�lich � hm � bist du unsere Nichte, und es ist unsere Pflicht, f�r dich zu sorgen.�</p><p>�Auch bei uns wird sie immer gerne willkommen sein�, sagte Hilda Lee.</p><p>Aber Harry lie� nicht locker.</p><p>�Sie muss ihren eigenen Anteil bekommen. Wir sollten ihr Jennifers Erbteil aush�ndigen.�</p><p>Mr Charlton murmelte: �Ich muss nun � eh � wirklich gehen, Mr Lee. Auf Wiedersehen, Mrs Lee � wenn ich f�r Sie etwas tun kann � jederzeit, gerne��</p><p>Er verlie� eilends den Raum, in welchem, seiner Erfahrung gem��, nun alle Voraussetzungen f�r einen Familienkrach gegeben waren.</p><p>Kaum war die T�r zu, erhob Lydia ihre klare, helle Stimme.</p><p>�Ich stimme Harry bei. Pilar hat das Recht auf einen festen Anteil. Dieses Testament wurde vor Jennifers Tod abgefasst.�</p><p>�Unsinn!�, fuhr George auf. �Eine sehr ungesetzliche und nachl�ssige Denkweise, Lydia! Gesetz ist Gesetz, und wir m�ssen uns ihm f�gen.�</p><p>�Es ist nat�rlich ein Pech f�r Pilar, und das tut uns sehr Leid�, mischte sich nun auch Magdalene ein, �aber George hat Recht. Gesetz ist Gesetz.�</p><p>Lydia stand auf. Sie nahm Pilar bei der Hand.</p><p>�Das alles muss sehr unangenehm sein f�r dich�, sagte sie freundlich. �Willst du uns bitte allein lassen, solange wir diese Fragen er�rtern?�</p><p>Sie ging mit der jungen Frau bis zur T�r. �Sei ganz ruhig, Pilar�, sagte sie. ��berlass die Sache nur mir.� Pilar ging langsam aus dem Zimmer. Lydia schloss die T�r hinter ihr und ging zu den anderen zur�ck.</p><p>Einige Sekunden lang herrschte Stille im Raum. Alle schienen Atem zu sch�pfen. Aber im n�chsten Augenblick war der Kampf wieder in vollem Gange.</p><p>�Du bist eben von jeher ein Geizkragen gewesen, George�, sagte Harry.</p><p>Und George schrie zur�ck: �Jedenfalls war ich nie ein Schmarotzer und ein Lump!�</p><p>�Du bist genauso gut ein Schmarotzer wie ich! Du hast all die Jahre ausschlie�lich von Vaters Zuschuss gelebt.�</p><p>�Du scheinst zu vergessen, dass meine verantwortungsvolle und exponierte Stellung ��</p><p>�Verantwortungsvoll � meiner Seel! Du bist ein k�nstlich aufgebl�hter Luftballon, weiter nichts!�</p><p>Magdalene schrie emp�rt: �Wie wagst du, so etwas zu sagen!�</p><p>Hildas Stimme, ruhig wie immer, durchdrang den L�rm. �K�nnen wir die Sache nicht vielleicht in Ruhe besprechen?�</p><p>Lydia warf ihr einen dankbaren Blick zu.</p><p>Pl�tzlich fuhr David heftig aus seiner Reglosigkeit auf.</p><p>�Diese Streiterei �ber Geld ist �berhaupt ekelhaft!�</p><p>Magdalene zischte ihn giftig an. �Welche Edelm�tigkeit! Willst du vielleicht sogar deine Erbschaft ausschlagen? Du brauchst das Geld ebenso gut wie wir andern auch. Deine Weltfremdheit ist blo� eine l�cherliche Pose!</p><p>�Die Erbschaft ausschlagen?�, fl�sterte David. �Ob ich das tun sollte?�</p><p>�Nein, das wirst du nat�rlich nicht tun�, sagte Hilda fest und bestimmt. �M�ssen wir uns denn alle so kindisch benehmen? Alfred, du bist jetzt das Familienoberhaupt��</p><p>Alfred schien aus tiefen Tr�umen aufzufahren.</p><p>�Wie bitte? Wenn alle gleichzeitig schreien und auf mich einreden � das verwirrt mich.�</p><p>�Hilda hat Recht, wir benehmen uns wie gierige, ungezogene Kinder�, sagte Lydia. �Versuchen wir doch, die Probleme ruhig und wenn m�glich eines nach dem anderen zu besprechen. Du bist der �lteste, Alfred. Was, meinst du, sollen wir in Bezug auf Pilar tun?�</p><p>�Nat�rlich m�ssen wir ihr hier ein Heim schaffen und ihr einen monatlichen Zuschuss gew�hren. Auf das Geld ihrer Mutter hat sie meiner Ansicht nach keinerlei rechtlichen Anspruch. Sie ist keine Lee, vergiss das nicht. Sie ist spanische Staatsb�rgerin.�</p><p>�Keinen rechtlichen Anspruch � das mag stimmen�, wandte Lydia ein. �Aber ich finde, dass sie einen moralischen Anspruch auf dieses Erbteil hat. Euer Vater hat seiner Tochter genauso viel hinterlassen wie George, David und Harry, und das, obgleich sie gegen seinen Willen einen Spanier geheiratet hatte. Jennifer ist erst letztes Jahr gestorben. Ich bin �berzeugt, dass er Mr Charlton nur deshalb herzukommen bat, weil er in einem neuen Testament wenigstens den Verm�gensanteil Jennifers auf Pilar �bertragen lassen wollte. Vielleicht h�tte er dem M�dchen sogar noch mehr hinterlassen. Sie war sein einziges Enkelkind, das d�rft ihr nicht vergessen. Das Mindeste, was wir also tun k�nnen, ist, eine Ungerechtigkeit gutzumachen, die euer Vater selber gutzumachen gewillt war.�</p><p>�Bravo, Lydia!�, rief Alfred warm. �Du hast doch vollkommen Recht. Ich bin einverstanden, dass Pilar Jennifers Anteil an Vaters Verm�gen bekommen muss.�</p><p>�Und du, Harry?�, fragte Lydia.</p><p>�Du wei�t, dass ich einverstanden bin. Ich finde, Lydia hat die Sachlage sehr klar geschildert, und ich muss sagen, dass ich sie daf�r bewundere.�</p><p>�George?�</p><p>George war krebsrot und zitterte f�rmlich vor Aufregung. �Nein! Ich bin dagegen! Das Ganze ist eine unerh�rte Zumutung. Gebt ihr ein Heim und ein anst�ndiges Taschengeld. Das ist mehr als genug f�r sie.�</p><p>�Er hat ganz Recht�, piepste Magdalene dazwischen. �Es w�re ungeheuerlich, wenn er eurem Vorschlag zustimmen w�rde. Wenn man bedenkt, dass George der Einzige der Familie ist, der jemals etwas getan hat in der Welt, dann ist es ohnehin eine Schande, dass sein Vater ihm nicht mehr hinterlassen hat.�</p><p>�David?�</p><p>�Oh, ihr habt bestimmt Recht�, murmelte David unsicher. �Es ist nur so gr�sslich, dass so viel Streit und h�ssliche Worte um diese Sache entstehen m�ssen.�</p><p>�Ich stimme dir auch bei, Lydia, dein Vorschlag ist nur gerecht�, sagte Hilda.</p><p>Harry sah sich im Kreis um.</p><p>�Also, dann ist ja alles klar. Alfred. David und ich sind daf�r - George ist dagegen. Die Ja-Stimmen haben die Mehrheit.�</p><p>�Es handelt sich hier nicht um Ja- oder Nein-Stimmen�, fuhr George ihn geh�ssig an. �Mein Anteil an Vaters Verm�gen ist ganz und ungeteilt mein Eigentum. Ich werde keinem Menschen einen Penny davon geben.�</p><p>�Allerdings nicht!� Ein triumphierender Aufschrei Magdalenes.</p><p>Nun sprach Lydia sch�rfer.</p><p>�Bitte, das ist eure Sache. Dann wird Jennifers Anteil eben von uns anderen aufgebracht.�</p><p>Sie sah sich um, und die Br�der, au�er George, nickten Zustimmung.</p><p>Harry sagte: �Da Alfred den L�wenanteil geerbt hat, k�nnte er in diesem Fall auch den gr��eren Teil zahlen.�</p><p>Und Alfred gab h�hnisch zur�ck: �Ich merke, dass deine anf�ngliche Gro�z�gigkeit bereits erheblich ins Wanken ger�t.�</p><p>�Fangt jetzt nicht wieder an!�, fuhr Hilda dazwischen. �Lydia soll Pilar sagen, dass wir einen Entschluss gefasst haben. Die Einzelheiten k�nnen wir nachher besprechen.� Und in der Hoffnung, die gereizten Gem�ter vom Thema abzulenken, fragte sie: �Wo steckt eigentlich Mr Farr? Und Mr Poirot?�</p><p>�Wir haben Mr Poirot ins Dorf mitgenommen, als wir zur Totenschau fuhren�, sagte Alfred. �Er hatte eine wichtige Besorgung zu machen.�</p><p>�Wer ist denn da drau�en im Garten? Mr Farr oder Inspektor Sugden?�, rief Lydia.</p><p>Die Ablenkungsman�ver der beiden Frauen waren erfolgreich. Der Familienrat wurde aufgehoben. Lydia zog Hilda ein wenig beiseite. �Danke, Hilda, es war lieb von dir, mir den R�cken zu st�rken. Du bist wirklich ein Trost in all dem Durcheinander.�</p><p>�Merkw�rdig, wie Geld die Menschen aufregen kann�, sagte Hilda nachdenklich.</p><p>Die anderen waren hinausgegangen, und die beiden Frauen blieben allein zur�ck.</p><p>�Ja � sogar Harry, obwohl der Vorschlag von ihm ausging. Und mein armer Alfred ist so englisch, dass er nicht zusehen kann, wie Lee�sches Geld an eine spanische Staatsb�rgerin f�llt.�</p><p>Hilda l�chelte.</p><p>�Sind wir Frauen wirklich so viel idealistischer?�</p><p>Lydia antwortete mit einem Zucken ihrer schmalen Schultern: �Vielleicht. Und dann ist dieses Geld ja nicht <emphasis>unseres. </emphasis>Das ergibt einen gro�en Unterschied.�</p><p>�Ein eigenartiges M�dchen, diese Pilar�, sagte Hilda. �Was mag wohl aus ihr werden?�</p><p>Lydia seufzte.</p><p>�Ich bin froh, dass sie nun unabh�ngig sein wird. Hier zu leben, selbst mit einem anst�ndigen Taschengeld, w�re bestimmt nicht die Erf�llung ihrer Tr�ume. Sie ist zu stolz dazu und zu � zu fremd.� Gedankenverloren f�gte sie noch bei: �Ich habe einmal einen wundersch�nen Lapislazuli aus �gypten mitgebracht. Dort, inmitten von Sonne und Sand, war seine Farbe herrlich � ein leuchtendes, warmes Blau. Aber kaum war ich wieder zu Hause, begann seine Farbe dumpf zu werden, und das Blau war wie erloschen.�</p><p>�Ich verstehe � ja�, sagte Hilda leise.</p><p>�Ich bin so froh, dass ich dich und David endlich kennen lernte�, l�chelte Lydia. �Ich bin gl�cklich, dass ihr hergekommen seid.�</p><p>�Wie oft habe ich in diesen letzten Tagen gew�nscht, wir w�ren nicht hier!�</p><p>�Das glaube ich dir. Aber wei�t du, Hilda, der Schock hat David weniger arg mitgenommen, als ich gedacht h�tte. Ich meine, er ist nicht so empfindsam, dass ihn diese Sache v�llig aus dem Gleichgewicht h�tte bringen k�nnen. Und tats�chlich d�nkt mich, er lebe seit dem Mord f�rmlich auf��</p><p>Hilda sah sie fast erschrocken an.</p><p>�Du hast das also auch bemerkt? Es ist schrecklich� aber es ist wirklich so, wie du sagst!�</p><p>Sie schwieg und dachte dar�ber nach, was ihr Mann erst in der vergangenen Nacht gesagt hatte.</p><p>�Hilda, erinnerst du dich an die Szene in <emphasis>Tosca, </emphasis>wenn Scarpia tot ist und Tosca ihm zu H�upten und F��en Kerzen anz�ndet? Dort sagt sie: <emphasis>Jetzt </emphasis>kann ich ihm verzeihen! Genauso empfinde ich jetzt f�r Vater. All die Jahre konnte ich ihm nicht verzeihen, obwohl ich es wirklich wollte, aber jetzt trage ich ihm nichts mehr nach. Aller Hass ist wie weggewischt. Und mir ist, als sei eine Riesenlast von meinen Schultern genommen worden.�</p><p>Und sie hatte, von pl�tzlicher Angst erfasst, gefragt:</p><p>�Weil er tot ist?�</p><p>Worauf er rasch und abwehrend geantwortet hatte:</p><p>�Nein, nein, - nicht weil er tot ist, sondern weil mein kindischer, dummer Hass gegen ihn tot ist.�</p><p>An dieses Gespr�ch musste Hilda jetzt denken. Am liebsten h�tte sie es der Frau neben ihr mitgeteilt; aber irgendwie f�hlte sie, dass es kl�ger sei, dies nicht zu tun. Sie folgte Lydia hinaus in die Halle. Dort stand Magdalene mit einem kleinen P�ckchen in der Hand. Sie fuhr zusammen, als sie die beiden kommen sah.</p><p>�Das muss der wichtige Einkauf von Mr Poirot sein�, rief sie. �Ich habe gesehen, wie er es eben hier niederlegte. Was ist da wohl drin?�</p><p>Sie sah von einer zur anderen und kicherte verlegen, aber ihre Augen hatten einen wachen und �ngstlichen Ausdruck, der die affektierte Fr�hlichkeit ihrer Worte L�gen strafte.</p><p>Lydia hob nur ein wenig die Augenbrauen und sagte dann k�hl: �Ich muss mir vor dem Lunch noch die H�nde waschen.�</p><p>Magdalene bem�hte sich zwar, ihre erzwungene Heiterkeit beizubehalten, aber es gelang ihr nicht ganz, den verzweifelten Unterton aus ihrer Stimme zu verbannen.</p><p>�Ich <emphasis>muss </emphasis>hineinschauen!�, kicherte sie.</p><p>Sie �ffnete das Papier und stie� einen hohen Schrei aus.</p><p>Lydia blieb stehen, Hilda auch, und beide Frauen starrten verbl�fft auf den Gegenstand in Magdalenes Hand.</p><p>�Ein falscher Schnurrbart�, brachte Magdalene endlich hervor.</p><p>�Wozu � ich frage euch ��</p><p>�Will er sich maskieren?�, fragte Hilda erstaunt. �Aber��</p><p>�Aber Mr Poirot hat ja selber einen sehr sch�nen Schnurrbart�, beendete Lydia den Satz.</p><p>Magdalene schlug das Papier wieder zu. �Verr�ckt, so etwas! Wozu kauft sich Mr Poirot einen falschen Schnurrbart?�</p><p>Pilar durchquerte langsam die Halle, als Stephen Farr eben vom Garten hereintrat.</p><p>�Nun? Ist der Familienrat beendet? Hat die Testamentsverlesung stattgefunden?�, fragte er.</p><p>Pilar atmete heftig. �Ich bekomme nichts � gar nichts! Das Testament ist vor vielen Jahren geschrieben worden. Mein Gro�vater hat Mutter Geld hinterlassen, aber weil sie nun tot ist, f�llt alles den anderen zu.�</p><p>�Das ist allerdings Pech f�r Sie�, sagte Stephen.</p><p>�Wenn der alte Mann am Leben geblieben w�re, h�tte er sicher ein anderes Testament gemacht. Dann h�tte er mir auch Geld hinterlassen � viel Geld! Vielleicht h�tte er mir mit der Zeit �berhaupt sein ganzes Verm�gen vermacht!�</p><p>Nun l�chelte Stephen.</p><p>�Das w�re auch wieder nicht ganz gerecht gewesen.�</p><p>�Warum nicht? Er h�tte mich eben am liebsten gehabt, das ist alles.� Sie sah d�ster vor sich hin. �Die Welt ist Frauen gegen�ber sehr grausam. Sie m�ssen versuchen, zu Geld zu kommen, solange sie jung sind. Wenn sie alt und h�sslich werden, gibt ihnen niemand mehr etwas.�</p><p>�Machen Sie sich jetzt keine Sorgen dar�ber, h�bsche Pilar! Die Lees sind verpflichtet, f�r Sie zu sorgen.�</p><p>�Schon, aber sehr am�sant wird das nicht werden�, sagte sie.</p><p>�Nein, wahrscheinlich nicht�, antwortete er langsam. �Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie hier leben sollen, Pilar. Wollen Sie nicht lieber nach S�dafrika kommen? Dort ist Sonne und Weite. Allerdings auch harte Arbeit. Arbeiten Sie gern?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte sie z�gernd.</p><p>�Oder w�rden Sie lieber den ganzen Tag auf einem Balkon sitzen? Und f�rchterlich dick werden und drei Doppelkinne bekommen?�</p><p>Pilar musste lachen.</p><p>�So gefallen Sie mir besser. Ich habe Sie zum Lachen gebracht!�</p><p>�Ich habe gedacht, dass ich heuer zu Weihnachten viel lachen w�rde. In B�chern steht, wie lustig englische Weihnachten sind. Man isst brennende Rosinen und Plumpudding, der in Flammen aufgetragen wird, und man bekommt einen Julklapp und ��</p><p>�Aber meine Liebe, das gilt nur f�r Weihnachten, die nicht durch einen Mord belastet wurden! Kommen Sie. Lydia hat mir gestern ihre Vorratskammer gezeigt.�</p><p>Er f�hrte sie zu einem kleinen Raum, der kaum viel gr��er war als ein gro�er Wandkasten.</p><p>�Sehen Sie, alle die B�chsen mit Geb�ck und eingemachten Fr�chten, Orangen, Datteln und N�ssen. Und hier��</p><p>�Oh!�, rief Pilar aus. �Die sind h�bsch, diese Gold- und Silberkugeln!�</p><p>�Die sollten an einem Baum h�ngen mit den Geschenken f�r die Dienerschaft. Und diese kleinen Schneem�nner mit den glitzernden Eiskristallen, die sollten beim Essen auf dem Tisch stehen. Und hier sind Ballons in allen Farben, die wir aufgeblasen h�tten.�</p><p>Pilars Augen strahlten. �Ach, blasen wir doch einen auf! Lydia w�rde es bestimmt erlauben. Ich habe Ballons so gern!�</p><p>�Sie sind ein Baby! � Also gut! Welchen wollen Sie haben?�</p><p>�Den roten nat�rlich!�</p><p>Sie w�hlten je einen Ballon aus und bliesen sie nun mit gebl�hten Backen zu bunten Kugeln auf. Dann schn�rten sie die Enden sorgf�ltig zu und warfen die Ballons in die Luft, um sie, sobald sie bis auf Reichweite niedergeschwebt waren, mit leichten St��en wieder h�hersteigen zu lassen.</p><p>�In der Halle drau�en h�tten wir viel mehr Platz�, sagte Pilar. Als sie dort mitten im sch�nsten Spielen waren, erschien Hercule Poirot. Er sah ihnen nachsichtig l�chelnd zu.</p><p>�Soso, Sie spielen <emphasis>les jeux d�enfants! </emphasis>H�bsch ist das.�</p><p>�Der rote ist meiner�, erkl�rte Pilar atemlos. �Er ist viel gr��er als seiner. Wenn wir sie drau�en fliegen lassen w�rden, stiege meiner bis in den Himmel hinauf!�</p><p>�Also gut, lassen wir sie fliegen�, schlug Stephen vor. �Dann d�rfen wir uns etwas dabei w�nschen.�</p><p>Pilar war begeistert. Sie rannte durch die Gartent�r hinaus. Poirot folgte den beiden nachsichtig und leicht am�siert.</p><p>�Ich w�nsche mir viel, viel Geld�, rief Pilar. Sie hielt ihren Ballon hoch �ber den Kopf, und als ein Windsto� kam, lie� sie ihn los. Er wurde wirklich emporgetragen.</p><p>Stephen hatte weniger Gl�ck. Kaum hatte er seinen Ballon losgelassen, als der Wind diesen seitlich abtrieb, worauf er in einen Stechpalmenbusch flog und dort zerplatzte.</p><p>Pilar lief sofort zu der Ungl�cksst�tte.</p><p>�Kaputt�, verk�ndete sie betr�bt. Sie stie� das geschrumpfte H�ufchen Gummi mit dem Schuh an. �So etwas habe ich in Gro�vaters Zimmer vom Boden aufgehoben. Er hatte auch einen Ballon. Nur war seiner hellrot.�</p><p>Poirot schrie pl�tzlich auf. Pilar sah sich fragend nach ihm um.</p><p>�Nein, nein, es ist nichts�, versicherte er hastig. �Ich habe mir nur meine Fu�spitze angeschlagen.�</p><p>Er drehte sich br�sk um und betrachtete das Haus.</p><p>�So viele Fenster! Ein Haus, Mademoiselle, hat Augen und Ohren. Und die Engl�nder lassen gerne die Fenster offen stehen.�</p><p>Lydia erschien auf der Terrasse.</p><p>�Das Mittagessen ist bereit. Pilar, es ist alles in Ordnung. Alfred wird es dir nach dem Essen eingehender erkl�ren. Wollen wir zu Tisch gehen?�</p><p>Sie begaben sich alle miteinander ins Haus. Poirot kam als Letzter. Er sah sehr ernst aus.</p><p>Nach dem Mittagessen f�hrte Alfred seine Nichte in sein Zimmer und schloss die T�r hinter sich zu. Die anderen gingen ins Wohnzimmer. Nur Hercule Poirot blieb in der Halle stehen und betrachtete nachdenklich die T�r des Arbeitszimmers. Pl�tzlich bemerkte er, dass der alte Butler sich ihm n�herte.</p><p>�Ja, Tressilian? Was haben Sie auf dem Herzen?�</p><p>Der alte Mann schien verwirrt zu sein.</p><p>�Ich sollte � ich m�sste mit Mr Lee sprechen, aber jetzt darf ich ihn wohl nicht st�ren, nicht wahr?�</p><p>�Ist etwas passiert?�</p><p>Langsam, als m�sste er selber sich zwingen, seinen Worten Glauben zu schenken, antwortete Tressilian: �Es ist so eigent�mlich. Vollkommen unbegreiflich�� Er z�gerte. �Sie haben vielleicht bemerkt, Sir, dass zu beiden Seiten der Haupteingangst�r eine Kanonenkugel angebracht ist � schwere, runde Steine. Und jetzt ist einer fortgenommen worden, Sir!�</p><p>Hercule Poirot runzelte die Stirn. �Wann?�</p><p>�Heute Morgen waren sie noch beide dort, Sir. Darauf kann ich einen Eid schw�ren.�</p><p>�Kommen Sie.�</p><p>Sie gingen zusammen zur Eingangst�r. Poirot b�ckte sich und betrachtete die eine Kanonenkugel von allen Seiten. Als er sich wieder aufrichtete, war sein Gesicht todernst.</p><p>�Wer sollte ein solches Ding stehlen, Sir? Das ist doch sinnlos!�, stammelte der alte Diener.</p><p>�Das gef�llt mir nicht�, murmelte Poirot, �das gef�llt mir ganz und gar nicht.�</p><p>Tressilian sah ihm �ngstlich ins Gesicht.</p><p>�Was ist blo� �ber dieses Haus gekommen, Sir?�, fragte er verzweifelt. �Seit der Herr ermordet worden ist, scheint es vollkommen ver�ndert zu sein. Mir ist immer, als w�rde ich in einem Traum leben. Ich verwechsle Sachen und habe oft das Gef�hl, als k�nne ich meinen eigenen Augen nicht mehr trauen.�</p><p>Hercule Poirot sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nein, das ist falsch. Just Ihren Augen m�ssen Sie Glauben schenken, Tressilian!�</p><p>�Nein, nein, Sir! Meine Sehkraft l�sst nach. Ich sp�re es doch ganz deutlich. Manchmal verwechsle ich sogar Leute miteinander. Ich werde zu alt f�r meinen Beruf.�</p><p>Poirot klopfte ihm auf die Schulter. �Kopf hoch!�</p><p>�Danke, Sir. Sie meinen es gut, ich wei�. Aber so ist es nun einmal: Ich bin zu alt. Immer wieder denke ich an die fr�heren Zeiten und sehe Miss Jenny, Master Alfred und David als junge Menschen. Seit jener Nacht, da Mr Harry heimkam��</p><p>�Das ist es�, nickte Poirot. �Daran habe ich eben auch gedacht. Vorhin sagten Sie: �Seit der Herr ermordet worden ist� � aber die Sache begann fr�her. Seit Mr Harry heimgekommen ist, hat sich hier alles ver�ndert und scheint unwirklich geworden zu sein. Habe ich nicht Recht?�</p><p>�Doch, Sir. Mr Harry hat immer Unruhe ins Haus gebracht, schon in alten Zeiten.� Seine Augen schweiften zu dem leeren Steinsockel zur�ck. �Wer kann die Kugel weggenommen haben, Sir?�, fl�sterte er. �Und weshalb? Ich komme mir vor wie in einem Irrenhaus.�</p><p>�Hier liegt nicht Irrsinn vor, f�rchte ich�, antwortete Poirot bedr�ckt. �Im Gegenteil, jemand geht sehr klug und �berlegt zu Werke. Und jemand, Tressilian, ist in gro�er Gefahr.�</p><p>Er wandte sich um und ging ins Haus zur�ck.</p><p>In diesem Augenblick kam Pilar aus dem Arbeitszimmer. Ihre Wangen hatten rote Flecken. Sie trug den Kopf sehr hoch, und ihre Augen funkelten.</p><p>Als Poirot auf sie zukam, stampfte sie pl�tzlich mit dem Fu� auf und sagte: �Ich werde es nie annehmen!�</p><p>Poirot hob die Augenbrauen. �Was denn, Mademoiselle?�</p><p>�Alfred hat mir eben mitgeteilt, dass ich den Anteil meiner Mutter aus der Erbschaft bekommen soll.�</p><p>�Und?�</p><p>�Rechtlich h�tte ich keinen Anspruch darauf, hat er mir erkl�rt, aber er, Lydia und die anderen seien der Ansicht, dass dieser Anteil mir geh�re. Es sei eine Frage der Gerechtigkeit, und sie wollten mir das Geld also aush�ndigen.�</p><p>�Ja, und?�, fragte Poirot wieder.</p><p>Pilar sah ihn aufgebracht an.</p><p>�Verstehen Sie denn nicht? Sie wollen mir das Geld geben - <emphasis>geben!�</emphasis></p><p>�Das kann doch Ihren Stolz nicht verletzen? Wenn es wirklich eine Frage der Gerechtigkeit ist, dass Sie diesen Anteil bekommen?�</p><p>Pilar seufzte auf. �Ach, Sie verstehen mich nicht.�</p><p>�Ich verstehe Sie im Gegenteil sehr gut�, sagte Poirot.</p><p>�Ach was�, stie� Pilar hervor und drehte sich �rgerlich um. Die Hausglocke l�utete. Poirot sah �ber die Schulter zur�ck und erblickte die Silhouette von Inspektor Sugden durch die Milchglasscheibe. Hastig fragte er Pilar: �Wohin gehen Sie jetzt?�</p><p>�Ins Wohnzimmer, zu den anderen�, gab sie m�rrisch zur�ck.</p><p>�Gut! Bleiben Sie dort! Gehen Sie nicht allein im Haus herum, vor allem nicht nach Einbruch der Dunkelheit. Seien Sie sehr vorsichtig. Sie sind in gro�er Gefahr, Mademoiselle, heute mehr denn je!�</p><p>Damit wandte er sich ab und ging Sugden entgegen.</p><p>Dieser wartete, bis Tressilian wieder in der K�che verschwunden war. Dann zog er ein Telegramm aus der Tasche.</p><p>�So, jetzt haben wir es!�, sagte er triumphierend. �Lesen Sie das. Kommt von der s�dafrikanischen Polizei.�</p><p>Das Kabel lautete:</p><p><emphasis>Ebenezer Farrs Sohn vor zwei Jahren gestorben.</emphasis></p><p>�Nun wissen wir es!�, grinste Sugden. �Komisch! Ich habe eine ganz andere Spur verfolgt!�</p><p>Pilar trat hochaufgerichtet ins Wohnzimmer. Sie ging direkt auf Lydia zu, die strickend am Fenster sa�.</p><p>�Lydia, ich m�chte dir sagen, dass ich das Geld nicht annehmen werde. Und dass ich fortgehe � sofort��</p><p>Lydia sah sie erstaunt an. Sie lie� ihre Strickerei in den Scho� fallen. �Mein liebes Kind, Alfred muss dir die Sache ungeschickt erkl�rt haben! Es handelt sich hier keineswegs um eine Mildt�tigkeit, wenn du dir das vielleicht einbildest. Wir sind weder gro�z�gig noch liebensw�rdig, sondern kommen einfach einer als gerecht empfundenen Verpflichtung nach. Unter normalen Umst�nden h�tte deine Mutter dieses Geld geerbt und es voraussichtlich dir vermacht. Also steht dir diese Erbschaft zu - sie ist weder ein Gnadengeschenk noch ein Opfer unsererseits, sondern dein Recht!�</p><p>�Und gerade darum kann ich sie nicht annehmen�, schrie Pilar verzweifelt auf, �nicht, wenn du so mit mir sprichst! Nicht, wenn ihr alle so zu mir seid! Ich bin gerne gekommen. Es war lustig. Es war ein Abenteuer, aber jetzt habt ihr es mir verdorben! Ich will fort von hier � und ihr werdet euch nie wieder um mich zu k�mmern haben��</p><p>Tr�nen erstickten ihre Stimme. Sie drehte sich um und rannte aus dem Zimmer. Lydia sah ihr hilflos nach.</p><p>�Was um Himmels willen kann sie so aufgeregt haben?�</p><p>George r�usperte sich bedeutungsvoll und verk�ndete dann wichtigtuerisch: �Wie ich heute Morgen bereits bemerkte - hm �, geht ihr von ganz falschen Voraussetzungen aus. Pilar ist gescheit genug, das einzusehen. Sie lehnt euer Almosen ab � �</p><p>�Es ist kein Almosen�, fuhr Lydia ihn an. �Es ist ihr Recht!�</p><p>Inspektor Sugden und Poirot betraten den Raum. Sugden sah sich um und fragte dann sofort: �Wo ist Mr Farr? Ich muss ihn sprechen!�</p><p>Doch noch ehe jemand antworten konnte, fuhr Poirot dazwischen: �Wo ist Se�orita Estravados?�</p><p>�Sie packt ihre Koffer, jedenfalls hatte sie das vor. Anscheinend hat sie bereits genug von ihren englischen Verwandten.� George Lee konnte seine schadenfrohe Genugtuung nur schwer verbergen. Poirot fuhr herum.</p><p>�Kommen Sie!�, rief er Sugden zu.</p><p>Kaum waren die beiden M�nner in die Halle hinausgetreten, als ein schweres Poltern und ein Schrei ert�nten.</p><p>�Schnell! Kommen Sie!� Poirot lief durch die Halle und keuchte die hintere Treppe hinauf. Die T�r zu Pilars Zimmer war weit offen, und ein Mann stand auf der Schwelle. Er wandte den Kopf nach den beiden M�nnern um. Es war Stephen Farr.</p><p>�Sie lebt�, sagte er nur.</p><p>Pilar stand an die Wand ihres Zimmers gelehnt und starrte die gro�e steinerne Kugel an, die auf dem Boden vor ihr lag.</p><p>�Das war auf meiner Zimmert�r�, erz�hlte sie atemlos, �so platziert, dass es im Gleichgewicht blieb. Der Stein w�re auf meinen Kopf gefallen, wenn ich normal eingetreten w�re. Aber mein Rock hakte sich an einem Nagel fest, und das hielt mich ein wenig zur�ck.�</p><p>Poirot kniete nieder und untersuchte den Nagel, an dem ein St�ckchen roter Wollstoff geblieben war. Er blickte auf und nickte vielsagend.</p><p>�Dieser Nagel, Mademoiselle, hat Ihnen das Leben gerettet.� Der Inspektor sah ihn fassungslos an.</p><p>�H�ren Sie, was soll das alles bedeuten?�</p><p>�Jemand hat versucht, mich umzubringen�, sagte Pilar.</p><p>�Eine Falle�, stellte Sugden fest, nachdem er die T�r lange und aufmerksam betrachtet hatte, �eine ganz gew�hnliche Falle! � Das ist nun schon der zweite Mord, der in diesem Hause geplant wurde! Aber diesmal ist er nicht gegl�ckt.�</p><p>Pilar warf fast flehend die H�nde empor.</p><p><emphasis>�Madre de Dios!�, </emphasis>rief sie. �Warum sollte mich jemand t�ten wollen? Was habe ich denn B�ses getan?�</p><p>�Vielleicht sollten Sie sich eher fragen: Was wei� ich denn?�, entgegnete Poirot vielsagend.</p><p>�Wissen? Ich wei� nichts.� Sie sah ihn gro� an.</p><p>�In diesem Punkt irren Sie, Mademoiselle. Sagen Sie mir jetzt, wo Sie zur Zeit des Mordes waren. Sie waren nicht in diesem Zimmer.�</p><p>�Doch! Das habe ich Ihnen doch gesagt.�</p><p>�Gewiss, aber da sagten Sie nicht die Wahrheit. Sie erz�hlten uns, dass Sie Ihren Gro�vater schreien h�rten, nicht wahr?� Sugdens Stimme klang tr�gerisch sanft. �Nun, Sie k�nnen den Schrei nicht geh�rt haben, wenn Sie hier drinnen gewesen sind. Das haben Mr Poirot und ich gestern ausprobiert!�</p><p>�Sie m�ssen also dem Zimmer Ihres Gro�vaters n�her gewesen sein�, riss Poirot das Gespr�ch wieder an sich. �Soll ich Ihnen sagen, wo ich mir denke, dass Sie gewesen sein k�nnten? Sie standen in der Nische bei den Statuen, Mademoiselle!�</p><p>Pilar hielt den Atem an vor Staunen.</p><p>�Woher wissen Sie das?�</p><p>Poirot l�chelte verstohlen. �Mr Farr hat Sie dort gesehen.�</p><p>�Das ist nicht wahr!�, fuhr Farr auf. �Das ist eine faule L�ge!�</p><p>�Verzeihen Sie, Mr Farr, aber Sie <emphasis>haben </emphasis>Miss Pilar dort gesehen�, sagte Poirot ruhig. �Erinnern Sie sich, dass Sie den Eindruck hatten, es st�nden drei Statuen in jener Nische - nicht nur zwei? Nur eine der Damen trug am Mordabend ein wei�es Kleid: Mademoiselle Estravados. <emphasis>Sie </emphasis>war die dritte Figur, die Sie sahen. Das stimmt doch, Mademoiselle?�</p><p>Pilar z�gerte eine Sekunde, dann sagte sie: �Ja, das ist wahr.�</p><p>Poirot sah sie freundlich an.</p><p>�Sagen Sie uns nun die ganze Wahrheit, bitte! Warum standen Sie in der Nische?�</p><p>�Ich war nach dem Abendessen aus dem Speisezimmer gekommen und wollte meinem Gro�vater einen Besuch machen. Ich dachte, es freue ihn vielleicht. Aber als ich in den Korridor einbog, sah ich jemanden an seiner T�r stehen. Ich wollte nicht gesehen werden, weil ich genau wusste, dass Gro�vater sich f�r jenen Abend Besuche verbeten hatte. Deshalb schl�pfte ich in die Nische, f�r den Fall, dass die Person an der T�r sich umdrehen sollte.�</p><p>Sie rang die H�nde. �Dann h�rte ich pl�tzlich den entsetzlichen L�rm � umfallende Tische und St�hle, splitterndes Glas � alles schien umzust�rzen. Ich bewegte mich nicht. Ich hatte Angst. Und dann ert�nte der grauenhafte Schrei �� Sie bekreuzigte sich. �Mein Herz blieb stehen. �Jemand ist tot!�, sagte ich zu mir selber.�</p><p>�Weiter?�</p><p>�Dann kamen alle die Treppe heraufgerannt, an mir vorbei, durch den Korridor, und ich schloss mich den Leuten an.�</p><p>�Warum haben Sie uns von alldem nichts gesagt, als wir Sie das erste Mal verh�rten?�, fragte Sugden bissig.</p><p>Pilar wiegte den Kopf hin und her. Altklug und �berlegen antwortete sie: �Der Polizei soll man nicht zu viel sagen. Sehen Sie, ich nahm an, Sie w�rden mich verd�chtigen, Gro�vater umgebracht zu haben, wenn ich zugeben w�rde, dass ich mich so nahe bei seinem Zimmer befand.�</p><p>�Wenn Sie leichthin L�gen erz�hlen, dann wird man Sie erst recht verd�chtigen�, schimpfte Sugden.</p><p>�Pilar!� Stephen Farr sah das M�dchen beschw�rend an. <emphasis>�Wen </emphasis>haben Sie an der T�r des alten Herrn stehen sehen? <emphasis>Wen? </emphasis>Sagen Sie uns das!�</p><p>�Jawohl, sagen Sie uns das!�, befahl Sugden.</p><p>Pilar stockte. Ihre Augen �ffneten sich weit und verengten sich wieder. �Ich wei� nicht, wer es war�, murmelte sie langsam, �aber es war eine Frau.�</p><p>Inspektor Sugden sah sich in dem Kreis um. Mit einer ihm sonst ganz fremden Erregung sagte er:</p><p>�Das widerspricht allen Regeln und Vorschriften, Mr Poirot!�</p><p>�Ich wei�, Inspektor�, wandte Poirot beg�tigend ein. �Aber sehen Sie, ich m�chte mein erworbenes Wissen mit allen hier Anwesenden teilen. Dann werde ich sie alle um ihre Mitarbeit bitten, und so werden wir die Wahrheit herausbekommen.�</p><p>�Affentheater!�, brummte Sugden vor sich hin. Er lehnte sich in seinem Stuhl zur�ck.</p><p>�Vor allen Dingen haben Sie, glaube ich, Mr Farr eine Frage zu stellen, nein?�, fuhr Poirot unger�hrt fort.</p><p>Sugdens Mund wurde hart.</p><p>�Ich h�tte mir dazu einen etwas weniger offiziellen Augenblick ausgesucht�, sagte er sarkastisch. �Aber wie Sie wollen.� Er reichte Stephen Farr das Telegramm. �Nun, Mr Farr � oder wie Sie sonst hei�en m�gen! �, k�nnen Sie uns das erkl�ren?�</p><p>Stephen Farr hob die Augenbrauen und las die Meldung laut vor. Dann h�ndigte er dem Inspektor das Papier wieder aus. �Ja, ziemlich scheu�lich, nicht wahr?�</p><p>�Ist das alles, was Sie dazu zu sagen haben?�</p><p>�Lassen Sie nur, Inspektor, ich wei�, dass Sie auf eine Erkl�rung brennen. Sie sollen sie haben. Mag sie noch so fadenscheinig klingen � es ist die Wahrheit. Ich bin nicht Ebenezer Farrs Sohn, aber ich kannte Vater und Sohn Farr sehr gut. Versuchen Sie jetzt einmal, sich in meine Lage zu versetzen. (Ich hei�e �brigens Stephen Grant.) Ich kam zum ersten Mal in meinem Leben in dieses Land und war entt�uscht. Dinge und Menschen kamen mir entsetzlich grau und leblos vor. Und pl�tzlich tauchte in einem Zug ein M�dchen auf, in das ich mich buchst�blich auf den ersten Blick verliebte. Sie war das reizendste und liebenswerteste Gesch�pf der Welt. Wir sprachen miteinander, und immer mehr festigte sich mein Entschluss, sie nicht mehr aus den Augen zu verlieren. Zuf�llig sah ich die Adresse auf ihrem Koffer. Ihr Name war mir fremd, aber ihr Reiseziel nicht. Ich hatte viel von Gorston Hall geh�rt und wusste alles von seinem Besitzer. Der alte Simeon Lee war Eb Farrs ehemaliger Gesch�ftspartner, und Eb hatte mir oft erz�hlt, eine wie faszinierende Pers�nlichkeit er gewesen sei.</p><p>Nun, und da hatte ich die Idee, nach Gorston Hall zu fahren und dort vorzugeben, Ebenezer Farrs Sohn zu sein. Dieser ist, wie das Telegramm richtig feststellt, vor zwei Jahren gestorben; aber ich erinnerte mich, dass Eb mir erz�hlt hatte, er habe seit vielen Jahren nichts mehr von Simeon Lee geh�rt, und daraus schloss ich, dass vermutlich auch der alte Simeon Lee nichts vom Tod von Ebs Sohn wissen werde. Jedenfalls wollte ich es versuchen.�</p><p>�Doch Sie wagten den Versuch nicht sofort�, fiel Sugden hier ein. �Zuerst wohnten Sie zwei Tage lang im Gasthaus in Addlesfield.�</p><p>�Ja, weil ich mir die Sache noch �berlegen wollte. Aber schlie�lich war ich dazu entschlossen. Es kam mir vor wie ein Abenteuer. Nun, und dann gl�ckte die Sache ja gro�artig! Der alte Herr hie� mich herzlich willkommen und lud mich in sein Haus ein. Ich nahm seine Einladung an. Das, Herr Inspektor, ist meine Erkl�rung. Wenn sie Ihnen missf�llt, dann denken Sie bitte eine Sekunde an die Zeit zur�ck, da Sie selber verliebt waren, und sagen Sie mir ehrlich, ob Sie damals nicht auch manchen Unsinn machten. Ich hei�e, wie ich Ihnen schon sagte, Stephen Grant. Sie k�nnen nach S�dafrika telegrafieren und meine Angaben �berpr�fen lassen. Jedenfalls versichere ich Ihnen, dass ich weder ein M�rder noch ein Juwelendieb bin, sondern ein achtbarer B�rger.�</p><p>�Daran habe ich nie gezweifelt�, sagte Poirot leise.</p><p>Inspektor Sugden strich sich nachdenklich �bers Kinn. �Ich werde Ihre Aussage selbstverst�ndlich �berpr�fen m�ssen�, sagte er vorsichtig. �Was ich noch wissen m�chte, ist dies: Warum haben Sie, nachdem der Mord geschehen war, nicht sofort geredet, sondern uns noch weiterhin einen Haufen L�gen erz�hlt?�</p><p>Stephens Antwort war entwaffnend.</p><p>�Weil ich ein Idiot war! Weil ich wirklich glaubte, ich k�nnte diese Fiktion aufrechterhalten! Und dann f�rchtete ich, dass gerade in jenem Augenblick mein Eingest�ndnis, unter falschem Namen hier zu sein, sich �u�erst verd�chtig ausgenommen h�tte. Wenn ich nicht vollkommen verbl�det gewesen w�re, h�tte ich mir ja sagen m�ssen, dass Sie wahrscheinlich in Johannesburg meine Personalien pr�fen lassen w�rden.�</p><p>�Also, Mr Farr � Mr Grant! �, ich sage nicht, dass ich Ihre Erz�hlung nicht glaube�, sagte Sugden. �Sie wird bald genug best�tigt oder widerlegt werden.�</p><p>Er sah Poirot fragend an. Und Poirot sah Pilar an.</p><p>�Ich vermute, dass auch Mademoiselle Estravados uns etwas zu sagen hat.�</p><p>Pilar war sehr blass geworden. Atemlos stie� sie hervor:</p><p>�Ja. Ich h�tte nie davon gesprochen, wenn nicht Lydias und des Geldes wegen. Herzukommen und Theater zu spielen, zu l�gen und zu schwindeln � das war lustig! Aber als dann Lydia sagte, das Geld geh�re mir <emphasis>von Rechts wegen, </emphasis>da war das etwas ganz anderes. Das war kein Spa� mehr.�</p><p>Alfred Lee fragte erstaunt: �Was war kein Spa� mehr, Pilar? Ich verstehe nicht, wovon du sprichst.�</p><p>�Du glaubst, ich sei deine Nichte, Pilar Estravados. Aber das ist nicht wahr! Pilar ist get�tet worden, als wir zusammen in einem Auto durch Spanien fuhren. Eine Bombe fiel auf unseren Wagen � sie war sofort tot, ich wurde nicht getroffen. Ich kannte sie kaum, aber sie hatte mir viel erz�hlt von ihrem Gro�vater, der sie zu sich nach England eingeladen hatte und sehr, sehr reich sei. Und ich selber hatte gar kein Geld und wusste nicht, was ich tun oder wohin ich gehen sollte. Und da dachte ich pl�tzlich: Warum nicht Pilars Pass nehmen und nach England fahren und dort reich werden.� Ein L�cheln huschte pl�tzlich �ber ihre Z�ge. �Oh, es war ein Spa�, mir auszudenken, ob mir die Sache gl�cken w�rde! Auf den Passfotos sahen wir einander ziemlich �hnlich. Aber als man hier pl�tzlich meinen Pass haben wollte, warf ich ihn zum Fenster hinaus und rieb dann ein wenig Erde auf das Foto. Bei den Grenz�berg�ngen sehen sie ja nicht so genau auf die Bilder, aber hier h�tte man den Unterschied doch bemerken k�nnen��</p><p>Alfred Lee war zornig. �Dann hei�t das also, dass du � dass Sie sich meinem Vater als Enkelin vorstellten und auf seine Liebe spekulierten?�</p><p>Pilar nickte. Sie antwortete unbefangen: �Ja, weil ich sofort merkte, dass er mich gern hatte.�</p><p>�Unglaublich, unerh�rt!�, brach nun George Lee aus. �Verbrecherisch! Sich unter falschen Angaben Geld erschwindeln zu wollen!�</p><p>�Von dir hat sie ja keines bekommen, Alter�, warf Harry hier ein. �Pilar, ich stehe treu und fest zu dir! Ich bewundere deinen Mut. Und Gott sei Dank bin ich ja jetzt nicht mehr dein Onkel! Das gibt mir viel mehr Freiheit!�</p><p>Pilar wandte sich Poirot zu. �Sie wussten es! Seit wann?�</p><p>�Mademoiselle, wenn Sie die mendelschen Gesetze studiert h�tten, dann w�ssten Sie, dass zwei blau�ugige Menschen mit gro�er Wahrscheinlichkeit kein braun�ugiges Kind haben. Ihre Mutter, �berlegte ich, war bestimmt eine sehr z�chtige und ehrbare Frau: Daraus folgerte ich, dass Sie also nicht Pilar Estravados sein k�nnen. Und als Sie dann noch das Man�ver mit dem Pass vollf�hrten, war ich meiner Sache ziemlich sicher. Es war alles recht klug ausgedacht, aber eben doch nicht klug genug, sehen Sie.�</p><p>Sugden lachte unangenehm. �Das ganze Theater war nicht sehr klug.�</p><p>Pilar starrte ihn an. �Ich verstehe nicht��</p><p>�Sie haben uns jetzt eine Geschichte erz�hlt, aber es gibt noch allerhand, was Sie uns werden sagen m�ssen.�</p><p>�Lassen Sie sie in Ruhe!�, brauste Stephen auf.</p><p>Doch Sugden lie� sich nicht einsch�chtern.</p><p>�Sie haben uns gesagt, dass Sie nach dem Nachtessen zu Ihrem Gro�vater hinaufgingen � um ihm eine Freude zu machen, wie Sie sich ausdr�ckten �, aber ich glaube etwas ganz anderes. Sie haben die Diamanten gestohlen. Sie hatten sie in der Hand gehabt. Vielleicht haben Sie sie einmal in den Safe zur�ckgelegt, ohne dass der alte Herr Ihnen dabei zusah. Als er das Verschwinden der Steine bemerkte, wusste er, dass nur zwei Menschen sie fortgenommen haben konnten: Horbury, der sich das Kennwort irgendwie verschafft haben mochte und die Steine einmal nachts gestohlen haben konnte � oder Sie!</p><p>Nun hatte aber Mr Lee sofort reagiert. Er rief mich an und bat mich, zu ihm zu kommen. Dann lie� er Ihnen ausrichten, Sie m�chten nach dem Abendessen unverz�glich zu ihm hinaufkommen. Und als Sie bei ihm erschienen, klagte er Sie des Diebstahls an. Sie stritten es ab. Er trieb Sie in die Enge. Was dann geschah, wei� ich nicht. Vielleicht war er auch bereits dahinter gekommen, dass Sie nicht seine Enkeltochter waren, sondern eine Berufsdiebin. Jedenfalls sahen Sie sich mit einem Schlag entlarvt, und um der drohenden Blo�stellung zu entgehen, stachen Sie mit einem Messer nach ihm. Es entstand ein Kampf, und der alte Herr schrie. Nun rannten Sie aus dem Zimmer, drehten den Schl�ssel von au�en im Schloss um, und dann, wohl wissend, dass Sie nirgends mehr hinlaufen konnten, ehe die anderen Hausbewohner kamen, schl�pften Sie in die Nische mit den Statuen!�</p><p>�Das ist nicht wahr!�, schrie Pilar gellend auf. �Es ist nicht wahr! Ich habe die Diamanten nicht gestohlen! Das schw�re ich bei der heiligen Mutter Gottes!�</p><p>�Wer hat sie dann gestohlen?�, fragte Sugden scharf. �Sie behaupten, jemanden vor Mr Lees Zimmert�r gesehen zu haben. Ihren Schilderungen zufolge m�sste also jene Person der M�rder gewesen sein. Aber nichts und niemand erh�rtet Ihre Behauptung, dass jemand dort gestanden hatte. Mit anderen Worten: Ich glaube, dass Sie diese Person nur erfunden haben, um sich selber zu entlasten!�</p><p>�Nat�rlich ist sie die T�terin!�, rief George Lee. �Das ist doch ganz klar! Ich habe ja immer gesagt, dass ein Au�enstehender meinen Vater get�tet haben muss! Unfasslicher Bl�dsinn, anzunehmen, dass jemand aus dem Familienkreis diese Tat h�tte begehen k�nnen. Das war ja � das w�re unnat�rlich.�</p><p>Poirot setzte sich pl�tzlich in seinem Stuhl auf.</p><p>�Da kann ich Ihnen nicht beistimmen. Angesichts des Charakters von Simeon Lee w�re das sogar sehr nat�rlich gewesen.� George Lee blieb der Mund offen, und er glotzte Poirot an. �Und meiner Ansicht nach�, fuhr er unbeirrt fort, �ist das auch tats�chlich geschehen. Simeon Lee wurde durch jemanden von seinem eigenen Fleisch und Blut umgebracht um einer Sache willen, die dem M�rder Grund genug f�r einen Mord schien.�</p><p>�Einer von uns?�, kreischte George auf. �Niemals! Ich ��</p><p>Poirot schnitt ihm das Wort ab. �Hier stehen alle unter Verdacht! Beginnen wir doch gleich mit Ihnen, Mr George Lee. Sie liebten Ihren Vater nicht. Wenn Sie sich trotzdem mit ihm gut stellten, geschah dies des Geldes wegen. An dem Tag, da er ermordet wurde, hatte er Ihnen gedroht, Ihren Zuschuss zu k�rzen. Sie wussten, dass Sie nach seinem Tod eine nicht unerhebliche Summe erben w�rden. Damit w�re Ihr Motiv gegeben. Nach dem Abendessen telefonierten Sie. Das stimmt. Aber Ihr Anruf dauerte nur f�nf Minuten. Sie konnten also mit Leichtigkeit nachher zu Ihrem Vater hinaufgegangen sein, mit ihm geplaudert, ihn angegriffen und get�tet haben. Dann verlie�en Sie sein Zimmer, sperrten die T�r von au�en ab und wiegten sich in der Hoffnung, dass man diesen Mord einem Einbrecher zur Last legen werde. Aber in Ihrer begreiflichen Erregung verga�en Sie, das Fenster weit genug offen zu lassen, um diese Einbrechertheorie auch wirklich abzusichern. Das war sehr dumm, aber Sie sind, wenn Sie meine Offenheit verzeihen wollen, ein ziemlich dummer Mensch.� Nach einer langen Pause, w�hrend welcher George Lee nach Luft schnappte und etwas zu sagen versuchte, was ihm aber nicht gelang, f�gte Poirot noch hinzu:</p><p>�Immerhin waren viele Verbrecher sehr dumm.�</p><p>Nun richtete er das Wort an Magdalene.</p><p>�Auch Madame hatte ein Motiv. Sie ist verschuldet, und der Ton verschiedener Bemerkungen, die ihr Schwiegervater �ber sie machte, mochte ihr �u�erst unangenehm in den Ohren geklungen haben. Auch sie hat kein Alibi. Sie ging zum Telefon, telefonierte aber nicht, und ihre Aussage wird von niemandem best�tigt�</p><p>Dann w�re da Mr David Lee. Wir haben nicht einmal, sondern x-mal geh�rt, wie viel Rachsucht im Blut der Lees kreist. Mr David Lee verga� und verzieh nie, wie schlecht sein Vater seine Mutter behandelt hatte. Eine letzte Verunglimpfung der Verstorbenen kann das Ma� zum �berlaufen gebracht haben. David Lee soll Klavier gespielt haben, als der Mord passierte. Zuf�lligerweise spielte er einen Trauermarsch. Aber es w�re doch m�glich, dass jemand anderer diesen Trauermarsch spielte, jemand, der wusste, was David zu tun im Begriff war, und der diesen Schritt begr��te.�</p><p>�Das ist eine infame Vermutung�, sagte Hilda Lee ruhig.</p><p>Poirot wandte sich ihr zu.</p><p>�Dann biete ich Ihnen eine andere, Madame. Es war <emphasis>Ihre </emphasis>Hand, die den Todessto� f�hrte. Sie schlichen die Treppe hinauf, um einen Menschen zu richten, der Ihrer Ansicht nach jenseits aller menschlichen Verzeihung stand. Sie geh�ren zu den Menschen, die sehr j�hzornig werden k�nnen, Madame.�</p><p>Darauf antwortete Hilda nur: �Ich habe ihn nicht get�tet.�</p><p>�Mr Poirot hat Recht�, sagte Sugden pl�tzlich. �Alle hier Anwesenden k�nnten als T�ter in Frage kommen � ausgenommen Mr und Mrs Alfred Lee und Mr Harry Lee.�</p><p>�Ich w�rde nicht einmal diese drei ausnehmen�, sagte Poirot.</p><p>Lydia l�chelte ironisch. �Ach? Und wie w�rden Sie den Verdacht gegen mich begr�nden, Mr Poirot?�</p><p>�Ihren Beweggrund k�nnen wir beiseite lassen, Madame. Er ist offensichtlich. Ansonsten aber; Sie trugen an jenem Abend ein gebl�mtes Taftkleid von auffallend gro�em Muster und eine Jacke aus dem gleichen Stoff. Ich muss hier einflechten, dass Tressilian ziemlich kurzsichtig ist. Aus einer gewissen Entfernung sieht er die Dinge nur noch verschwommen. Ferner m�chte ich festhalten, dass das Wohnzimmer sehr gro� und eigentlich ziemlich sp�rlich erhellt ist. Nun kam also am Mordabend Tressilian ins Wohnzimmer � ungef�hr zwei Minuten ehe der Schrei ert�nte � und trug die Kaffeetassen hinaus. Er glaubte, Sie am Fenster stehen zu sehen, wie er Sie schon oft dort stehen sah � halb verdeckt durch die schweren Vorh�nge.�</p><p>�Er hat mich gesehen�, bemerkte Lydia ruhig.</p><p>�Nun, ich m�chte sagen, dass es m�glich ist, dass Tressilian nicht Sie, sondern die Jacke Ihres Kleides sah, die Sie so beim Fenster hingeh�ngt hatten, dass es aussehen sollte, als ob Sie selber dort st�nden.�</p><p>�Wie d�rfen Sie es wagen, so was zu sagen�, fuhr Alfred auf.</p><p>�Lass ihn�, unterbrach ihn Harry. �Jetzt kommen wir dran. Wie wollen Sie nun erkl�ren, dass Alfred seinen geliebten Vater umgebracht haben kann? Wir sa�en n�mlich beide zusammen im Speisezimmer, als der Schrei ert�nte.�</p><p>�Das ist denkbar einfach! Ein Alibi erscheint immer glaubw�rdiger, wenn es fast widerwillig best�tigt wird. Sie und Ihr Bruder verstehen sich nicht gut. Das ist allgemein bekannt. Sie machen ihn in aller �ffentlichkeit l�cherlich, und er hat kein gutes Wort f�r Sie. Aber nehmen Sie einmal an, dass wir Zeugen eines raffinierten Komplotts gewesen sind. Dass Alfred Lee es satt bekommen hat, immer noch nach dem Taktstock eines anderen zu tanzen. Nehmen wir an, dass Sie sich vor einiger Zeit mit Ihrem Bruder getroffen haben und dass bei dieser Zusammenkunft ein Plan festgelegt wurde. Sie kommen nach Hause zur�ck. Alfred scheint dar�ber sehr erbost. Er ist eifers�chtig auf Sie und kann Sie offensichtlich nicht ausstehen. Sie wiederum verachten ihn. Und dann bricht endlich der Mordabend an, den Sie so genau geplant hatten. Einer von Ihnen bleibt im Speisezimmer und redet laut, um den Anschein zu erwecken, dass zwei Personen miteinander stritten. Der andere aber schleicht die Treppe hoch und begeht den Mord��</p><p>Alfred sprang auf. �Sie Teufel!�, keuchte er.</p><p>Sugden sah Poirot an. �Glauben Sie wirklich, dass��</p><p>Poirot erhob seine Stimme und sagte: �Ich musste Ihnen die M�glichkeiten zeigen! So h�tten sich die Dinge abspielen k�nnen. Wie sie sich in Wirklichkeit abgespielt haben, das k�nnen wir nur herausfinden, indem wir vom �u�eren Schein zur inneren Realit�t gelangen��</p><p>Er sah eine Weile nachdenklich vor sich hin.</p><p>�Wir m�ssen, wie ich schon einmal sagte, auf den Charakter von Simeon Lee zur�ckkommen��</p><p>Es entstand eine Stille. Alle Emp�rung, der erregte Widerspruch und der glimmende Hass schienen sich wundersamerweise gelegt zu haben. Aller Augen waren gespannt auf Poirot gerichtet, als er zu sprechen begann.</p><p>�Darin liegt der Schl�ssel zu diesem ganzen Geheimnis. Wir m�ssen uns tief in Simeon Lees F�hlen und Denken vergraben und sehen, was wir dort finden. Denn ein Mensch lebt und stirbt nicht unabh�ngig von seiner Umgebung. Was in ihm liegt, gibt er denen weiter, die nach ihm kommen�</p><p>Was hatte nun Simeon Lee seinen S�hnen und T�chtern zu vererben? Stolz, zum Beispiel � jenen Stolz, in welchem er selber sich getroffen f�hlte, weil seine Kinder ihn entt�uschten. Ferner Geduld � ein waches Wartenk�nnen. Wir haben erfahren, dass Simeon Lee oft jahrelang geduldig wartete, ehe er sich f�r ein Unrecht r�chte. Diesen Charakterzug hat derjenige seiner S�hne in hohem Ma�e geerbt, der ihm �u�erlich am wenigsten zu gleichen scheint. David Lee konnte jahrelang nicht vergessen und Hass in seinem Herzen n�hren. Rein �u�erlich gleicht Harry Lee seinem Vater am meisten. Das f�llt einem besonders dann auf, wenn man ein Bild von Simeon Lee aus seinen jungen Jahren betrachtet: die gleiche schmale Nase, das gleiche scharfe Profil und die gleiche Art, den Kopf hoch zu tragen. Und noch andere �u�ere Eigent�mlichkeiten mag Harry von seinem Vater geerbt haben. So zum Beispiel die Art, wie er sich manchmal mit dem Zeigefinger �bers Kinn f�hrt und wie er beim Lachen den Kopf zur�ckwirft.</p><p>Nachdem ich all diese Dinge beobachtet hatte und von der �berzeugung ausgehend, dass dieser Mord von jemandem begangen wurde, der mit dem alten Herrn in enger Verbindung stand, begann ich die einzelnen Familienmitglieder vom psychologischen Standpunkt aus zu studieren. Das hei�t, ich versuchte herauszufinden, wer von ihnen nach psychologischen Gesichtspunkten ein Verbrecher sein <emphasis>k�nnte. </emphasis>Und wie ich die Dinge beurteilte, traf das nur auf zwei Personen zu, n�mlich auf Alfred Lee und Hilda Lee. David schloss ich als m�glichen T�ter aus. Ich glaube nicht, dass ein Mensch von seiner �berempfindsamen Veranlagung diesen grausigen, blutigen Mord h�tte ver�ben k�nnen. Auch George Lee und seine Frau schloss ich von vornherein aus. Was immer sie sich w�nschen m�gen � sie h�tten nicht den Mut, ein Risiko auf sich zu nehmen, dazu sind sie beide zu vorsichtig. Mrs Lydia Lee ist meiner Ansicht nach unf�hig, gewaltt�tig zu werden. Davor bewahrt sie ihre ironische Art. Bez�glich Harry Lee war ich erst unsicher. Seine �u�ere Erscheinung l�sst wohl auf eine ungeb�ndigte, wilde Kraft schlie�en, und trotzdem wurde ich das Gef�hl nicht los, dass dieses Kraftmeiertum eigentlich Fassade sei und Harry Lee im Grunde genommen ein Schw�chling. Das war �brigens, wie ich h�rte, auch die Ansicht seines Vaters, der von ihm sagte, Harry sei auch nicht mehr wert als seine �brigen Kinder.</p><p>Somit blieben mir also nur die beiden erw�hnten Namen. Alfred Lee ist ein Mensch, der gro�er Hingabe und Selbstlosigkeit f�hig ist. Er hatte sich viele Jahre lang immer dem Willen eines anderen beugen m�ssen. Solche fortgesetzte Unterdr�ckung kann sehr leicht zu einem Ausbruch f�hren. Au�erdem mochte Alfred im Laufe dieser vielen Jahre manchen geheimen Groll gegen seinen Vater in sich verschlossen haben, obwohl er nie etwas davon sagte. Gerade die ruhigsten und sanftesten Menschen sind oft einer pl�tzlichen und unerwarteten Heftigkeit f�hig, aus dem einfachen Grund, weil, <emphasis>wenn </emphasis>einmal etwas in ihnen einschnappt, es ganz und unwiderruflich einschnappt! Die andere Person, die in meinen Augen m�glicherweise die Tat begangen haben konnte, war Hilda Lee. Sie ist der Typ, der gewohnt ist, ruhig abzuw�gen, aber unter Umst�nden auch zu richten und zu strafen � wenn auch ganz gewiss nie aus selbsts�chtigen Beweggr�nden. Im Alten Testament finden wir zum Beispiel Jael und Judith.</p><p>Nach all diesen �berlegungen ging ich daran, die genauen Umst�nde des Verbrechens zu �berpr�fen, die �u�erst ungew�hnlichen Umst�nde, unter welchen dieser Mord begangen wurde. Bitte, versetzen Sie sich wieder zur�ck in das Zimmer, in dem Simeon Lee tot auf dem Boden lag. Wenn Sie sich erinnern, dann lagen ein schwerer Tisch und ein ebenso schwerer Stuhl umgest�rzt da, eine Lampe, Fayencen, Gl�ser usw. waren zersplittert. Aber Tisch und Stuhl waren besonders merkw�rdig. Es waren massive Mahagonim�bel. Es ist schwer, sich vorzustellen, wie ein Streit zwischen dem gebrechlichen alten Herrn und seinem Gegner dazu gef�hrt haben sollte, solche schwere M�bel �ber den Haufen zu werfen. Die ganze Sache kam mir unwirklich vor. Andererseits h�tte niemand, der klar bei Sinnen war, dieses Durcheinander absichtlich arrangiert � es w�re denn, dass Simeon Lee von einem starken Mann get�tet worden war und diese Zerst�rungen vort�uschen sollten, dass der Angreifer k�rperlich schwach oder eine Frau gewesen sei.</p><p>Aber diese Vorstellung vermochte mich nicht zu �berzeugen. Denn der L�rm der umst�rzenden M�bel musste im Haus geh�rt werden, wie ein Alarm wirken und dem T�ter kaum mehr Zeit lassen, das Zimmer ungesehen zu verlassen. Es konnte doch nur im Interesse des M�rders liegen, Simeon Lee die Kehle so lautlos wie nur m�glich durchzuschneiden.</p><p>Ein weiterer unklarer Punkt war, dass der Schl�ssel im Schloss umgedreht worden war. Auch das kam mir vollkommen �berfl�ssig vor. Einen Selbstmord konnte man damit nicht gut vort�uschen wollen, denn nichts an diesem Tod lie� an einen Selbstmord glauben. Auch eine Flucht durch das Fenster konnte nicht glaubhaft gemacht werden, weil die Fenster alle geschlossen oder fixiert waren, so dass eine Flucht ganz unm�glich war. Und auch hierf�r h�tte der M�rder Zeit gebraucht! Und noch etwas war unbegreiflich: ein kleines St�ck Gummi und ein kleiner Holznagel, die Inspektor Sugden mir zeigte. Der Gummi stammt von einer Toilettentasche Simeon Lees. Diese beiden Gegenst�nde wurden von einer Person vom Boden des Mordzimmers aufgehoben, die als eine der ersten den Raum betrat. Auch hier gilt wieder, was ich schon sagte: sinnlos! Nichts hatte irgendeine klare Bedeutung. Und trotzdem waren diese Dinge am Tatort gefunden worden. Dieses Verbrechen wurde immer undurchdringlicher. Es lag keine Methode darin, keine Ordnung � <emphasis>enfin, </emphasis>es war vollkommen unbegreiflich.</p><p>Und schon tauchte eine neue Schwierigkeit auf: Der alte Herr hatte Inspektor Sugden zu sich kommen lassen, um ihm einen Diebstahl zu melden. Dann hatte er ihn gebeten, in eineinhalb Stunden zur�ckzukommen. Warum? Warum? Wenn Simeon Lee jemanden seiner Familie verd�chtigte, warum bat er dann Inspektor Sugden nicht, in der Halle unten zu warten, w�hrend er selber den Verd�chtigen seine Vorhaltungen, machte? Die Anwesenheit eines Polizeibeamten im Haus h�tte doch den Schuldigen bestimmt eingesch�chtert. Und das war der Augenblick, wo mir nicht nur das Verhalten des M�rders, sondern auch dasjenige des Opfers unverst�ndlich wurde!</p><p>Und da sagte ich mir, dass wir die Dinge von einem ganz falschen Standpunkt aus betrachteten, und zwar genau von dem Standpunkt aus, den der M�rder uns suggerieren will!</p><p>Drei Sachen ergeben keinen Sinn: der Kampf, der im Schloss umgedrehte Schl�ssel und das St�ckchen Gummi. Und ich machte mich daran, alles andere zu vergessen und nur diese drei Fragen, unabh�ngig von allem anderen, eingehend zu studieren. Ein Kampf. Was bedeutet das? Gewaltanwendung, L�rm, Krachen und Splittern. Der Schl�ssel? Warum dreht man einen Schl�ssel um? Damit niemand einen Raum betreten kann. Aber schlie�lich konnte die T�r ja aufgebrochen werden. Um jemanden einzusperren? Um jemanden auszusperren? Ein St�ckchen Gummi aus einer Toilettentasche? Nein, das ist eben ein St�ckchen Gummi, weiter nichts.</p><p>Also hat er nichts finden k�nnen! werden Sie jetzt denken. Aber das stimmt nur bedingt, denn zur�ck blieben drei Empfindungen: L�rm � abgeschlossene T�r � Nichts�</p><p>Wie passen nun diese Empfindungen zu meinen m�glichen M�rdern? �berhaupt nicht! Denn beiden, Alfred und Hilda Lee, m�sste an einem ger�uschlosen Mord unendlich viel gelegen haben, und Zeit, um einen Schl�ssel m�hsam von au�en im Schloss zu drehen, h�tten sie bestimmt beide nicht verschwendet. Das kleine St�ck Gummi bedeutete hier, wie bei allen fr�heren �berlegungen, nichts, �berhaupt nichts!</p><p>Und trotzdem hatte ich das Gef�hl, dass bei diesem Mord nichts zuf�llig oder dumm sein k�nne, dass im Gegenteil alles sehr genau geplant und mit gro�em Erfolg durchgef�hrt worden war. Also musste jede Einzelheit bedeutungsvoll sein.</p><p>Und pl�tzlich begann etwas in mir zu d�mmern�</p><p>Blut! � So viel Blut � frisches, feuchtes, gl�nzendes Blut. <emphasis>Zu viel </emphasis>Blut!</p><p>Ein zweiter Gedanke kam auf: Blutgericht � ein Gericht des Blutes. Simeon Lees eigenes Blut stand gegen ihn auf��</p><p>Hercule Poirot beugte sich vor.</p><p>�Die beiden wertvollsten Anhaltspunkte in diesem Fall kamen von zwei verschiedenen Personen, die sie ganz unbewusst �u�erten. Den ersten gab mir Mrs Alfred Lee, als sie einen Vers aus Macbeth zitierte: �Wer konnte denken, dass der alte Mann noch so viel Blut in sich gehabt?� Und dann sagte Tressilian etwas Bedeutungsvolles. Er schilderte mir, wie benommen ihm immer zumute sei und dass alles sich zweimal abzuspielen scheine. Dieses Gef�hl hatte er bekommen, als er am Tag vor dem Mord Harry Lee die Haust�r �ffnete und kurz danach Stephen Farr. Sehen Sie Harry Lee an, sehen Sie Stephen Farr an, und Sie werden erkennen, dass sich die beiden erstaunlich �hnlich sehen! Deshalb kam es Tressilian vor, als erlebte er die gleiche Situation zum zweiten Mal. Es h�tte ja auch wirklich fast der gleiche Mann drau�en stehen k�nnen. Tressilian klagte, dass er beginne, die Leute zu verwechseln. Kein Wunder! Stephen Farr hat eine schmale Nase, er pflegt den Kopf zur�ckzuwerfen, wenn er lacht, und er streicht sich oft mit dem Zeigefinger �bers Kinn. Sehen Sie sich das Jugendportr�t von Simeon Lee genau an, und Sie werden nicht nur Harry Lee, sondern auch Stephen Farr wieder finden��</p><p>Stephen Farr bewegte sich. Sein Stuhl knarrte.</p><p>�Erinnern Sie sich an den Ausbruch von Simeon Lee�, fuhr Poirot fort, �als er seine Familie beschimpfte? Damals sagte er, dass er schw�ren k�nnte, bessere S�hne zu haben, auch wenn sie vielleicht nicht im rechten Ehebett geboren worden seien. Und damit kommen wir wieder zu Simeon Lees Charakter zur�ck! Simeon Lee, der Frauenheld, der seiner Frau das Herz brach! Simeon Lee, der sich seiner Enkelin gegen�ber damit br�stete, eine Leibgarde von fast gleichaltrigen S�hnen aufstellen zu k�nnen. Daraus schloss ich Folgendes: Simeon Lee hatte nicht nur seine Familie um sich versammelt, sondern es befand sich unerkannt und nicht anerkannt noch ein Sohn von seinem Blut hier.�</p><p>Stephen stand auf. Poirot wandte sich ihm zu.</p><p>�Deshalb sind Sie hierher gekommen, nicht wahr? Nicht um des h�bschen M�dchens willen, das Sie im Zug kennen lernten. Sie waren auf der Reise hierher, <emphasis>bevor </emphasis>Sie sie trafen. Sie wollten wissen, was Ihr Vater f�r ein Mensch sei.�</p><p>Stephen Farr sprach mit gebrochener, heiserer Stimme.</p><p>�Ja� Mutter sprach manchmal von ihm. Ich war besessen von dem Wunsch, ihn einmal zu sehen. Als ich mir etwas Geld verdient hatte, fuhr ich nach England. Er sollte nicht wissen, wer ich bin, deshalb gab ich vor, Ebs Sohn zu sein. Ich bin nur hierher gekommen, um den Mann kennen zu lernen, der mein Vater war��</p><p>Inspektor Sugden sagte fast fl�sternd: �Herrgott, ich muss blind gewesen sein! Jetzt sehe ich es ganz deutlich! Zweimal habe ich Sie mit Mr Harry Lee verwechselt und nichts gemerkt.�</p><p>Er drehte sich nach Pilar um.</p><p>�Also <emphasis>das </emphasis>war es! Sie haben Stephen Farr an der T�r zum Mordzimmer stehen sehen, nicht wahr? Sie haben merklich gez�gert und Farr dabei angesehen, ehe Sie aussagten, es sei eine Frau gewesen. Sie haben Farr gesehen und wollten ihn nicht verraten!�</p><p>Hier fiel Hilda Lees dunkle Stimme ein.</p><p>�Nein, Sie irren sich. <emphasis>Mich </emphasis>hat Pilar dort gesehen.�</p><p>�Sie, Madame?�, fragte Poirot. �Eigentlich dachte ich es mir��</p><p>�Selbsterhaltungstrieb ist etwas Merkw�rdiges�, fuhr sie ruhig fort. �Ich h�tte nie gedacht, dass ich so feig sein k�nnte, aber ich schwieg, weil ich Angst hatte. Ich war mit David im Musikzimmer. Er spielte, aber er war in keiner guten Stimmung. Ich f�hlte mich daf�r verantwortlich, weil ich es war, die ihn zum Herkommen �berredet hatte. David spielte die ersten Akkorde des Trauermarsches, und da fasste ich pl�tzlich einen Entschluss. So seltsam es Ihnen auch vorkommen mag � ich beschloss, dass wir abreisen w�rden, sofort, noch in jener Nacht. Ich schlich mich aus dem Zimmer und die Treppe hinauf, um dem alten Herrn ganz genau auseinander zu setzen, warum wir gehen wollten. Ich ging durch den Korridor und klopfte an seine T�r. Keine Antwort. Ich klopfte noch einmal, ein wenig lauter. Wieder keine Antwort. Dann dr�ckte ich die Klinke nieder, doch die T�r war abgeschlossen. Und w�hrend ich dort stand, h�rte ich einen Laut im Inneren ��</p><p>Sie unterbrach sich.</p><p>�Sie werden mir nicht glauben, aber es ist die Wahrheit! Jemand war in dem Zimmer! Jemand griff Mr Lee an! Ich h�rte Tische und St�hle umfallen, Glas und Porzellan zersplittern, und dann h�rte ich jenen letzten, grauenvollen Schrei, der langsam erstarb. Und dann nichts mehr � Stille. Ich stand dort wie gel�hmt. Ich h�tte mich nicht r�hren k�nnen. Dann kam Mr Farr gelaufen, dann Magdalene und all die anderen, und Mr Farr und Harry brachen die T�r auf. Wir traten ein, und es war niemand drin � au�er Mr Lee, der in einer Blutlache lag.�</p><p>Pl�tzlich schrie sie: �Es war niemand in dem Zimmer, niemand, verstehen Sie! Und es war niemand herausgekommen!�</p><p>Inspektor Sugden holte tief Atem. Dann sagte er:</p><p>�Entweder werde ich verr�ckt, oder alle anderen sind es. Was Sie da eben erz�hlt haben, Mrs Lee, ist ganz einfach unm�glich! Wahnsinn!�</p><p>�Aber ich sage es Ihnen doch, dass ich den Kampf h�rte!�, rief Hilda Lee. �Und dass ich den alten Mann schreien h�rte, als ihm die Kehle durchgeschnitten wurde! Und niemand kam aus dem Zimmer, und niemand war drinnen!�</p><p>�Und �ber all das haben Sie geschwiegen�, sagte Poirot.</p><p>�Ja.� Hilda war sehr blass, aber sie schien sich gefasst zu haben. �Denn wenn ich Ihnen diese Situation geschildert h�tte, dann w�ren Sie bestimmt zum Schluss gelangt, ich h�tte den alten Mann ermordet��</p><p>Poirot sch�ttelte abwehrend den Kopf.</p><p>�Nein, Sie haben ihn nicht umgebracht. Sein Sohn hat ihn get�tet.�</p><p>Stephen Farr fuhr auf. �Ich schw�re vor Gott, dass ich ihn nicht anger�hrt habe!�</p><p>�Nicht Sie�, sagte Poirot. �Er hatte andere S�hne.�</p><p>�Was zum Teufel ��, stie� Harry hervor.</p><p>George starrte vor sich hin. David bedeckte die Augen mit der Hand, und Alfred zwinkerte nerv�s. Poirot fuhr fort:</p><p>�Am ersten Abend, den ich in diesem Haus verbrachte, also am Abend des Mordes, sah ich einen Geist. Den Geist des toten Mannes. Als ich Harry Lee zum ersten Mal begegnete, war ich sehr erstaunt. Mir war, als h�tte ich ihn schon irgendwo gesehen. Dann realisierte ich, wie �hnlich er seinem Vater sah. Diese �hnlichkeit, sagte ich mir, hatte mich wohl dazu verf�hrt, in seinen Gesichtsz�gen etwas Vertrautes wieder zu finden.</p><p>Aber gestern warf ein Mann, der mir gegen�bersa�, lachend seinen Kopf zur�ck � und da wusste ich pl�tzlich, an wen Harry Lee mich erinnert hatte. Und wieder fand ich in einem Gesicht die Z�ge des toten Mannes.</p><p>Kein Wunder, dass der arme alte Tressilian seinen Augen nicht mehr traute, nachdem er drei M�nnern, die sich ungemein �hnlich sahen, nacheinander die T�r ge�ffnet hatte. Kein Wunder, dass er klagte, die Personen zu verwechseln, wenn drei M�nner in diesem Hause herumgingen, die auf geringe Entfernung kaum zu unterscheiden waren. Die gleiche Figur, die gleichen Bewegungen � vor allem diejenige, sich mit dem Zeigefinger �bers Kinn zu fahren �, die gleiche Gewohnheit, beim Lachen den Kopf zur�ckzuwerfen, und die gleiche lange, schmale Nase! Doch trat diese gro�e �hnlichkeit nicht immer deutlich hervor, denn der dritte Mann hatte einen Schnurrbart!�</p><p>Hercule Poirot richtete sich auf.</p><p>�Man vergisst manchmal, dass Polizisten auch Menschen sind, dass sie Frauen, M�tter, Kinder haben �� Nach einer kleinen Pause f�gte er bei: �Und V�ter!</p><p>Bedenken Sie Simeon Lees Ruf: ein Mann, der seiner Frau das Herz brach mit seinen Weiberaff�ren. Ein au�erehelich geborener Sohn k�nnte manches von ihm geerbt haben. Seine Z�ge, zum Beispiel, und sogar seine Bewegungen. Er kann aber auch seinen Stolz und seine Rachsucht geerbt haben.�</p><p>Nun erhob Poirot seine Stimme.</p><p>�Ihr ganzes Leben lang, Sugden, haben Sie unter dem Unrecht gelitten, das Ihnen Ihr Vater angetan hatte. Sie waren seit langem entschlossen, ihn umzubringen. Sie kommen aus der n�chsten Grafschaft. Zweifellos konnte Ihre Mutter dank des Geldes, das Simeon Lee ihr gro�z�gig zur Verf�gung stellte, einen Mann finden, der sie heiratete und ihrem Kind seinen Namen gab. So war es leicht f�r Sie, dem Polizeikorps von Middleshire beizutreten und auf Ihre gro�e Gelegenheit zu warten. Ein Polizeiinspektor hat Chancen zu t�ten, ohne daf�r zur Rechenschaft gezogen zu werden.�</p><p>Sugden war kreidebleich geworden.</p><p>�Sie sind ja wahnsinnig!� Seine Stimme war ein heiseres Fl�stern. �Ich war au�er Haus, als er get�tet wurde!�</p><p>�Nein, Sie ermordeten ihn, <emphasis>bevor </emphasis>Sie das Haus verlie�en, nachdem Sie zum ersten Mal gekommen waren. Niemand hat Simeon Lee nachher mehr lebend gesehen. Es war alles so einfach f�r Sie. Wohl hatte der Verstorbene Ihren Besuch erwartet, aber nicht, weil er Sie hatte kommen lassen! <emphasis>Sie </emphasis>riefen ihn an und machten unklare Bemerkungen �ber einen m�glichen Raub. <emphasis>Sie </emphasis>schlugen ihm vor, um acht Uhr unter dem Vorwand, f�r das Waisenhaus zu sammeln, bei ihm vorzusprechen. Simeon Lee war ahnungslos. Er wusste nicht, dass Sie sein Sohn waren. Sie kamen, erz�hlten ihm von Diamanten, die eventuell die seinigen sein k�nnten und die Sie irgendwo aufgest�bert h�tten. Er �ffnete den Safe, um Ihnen zu beweisen, dass seine Steine wohl verwahrt dort l�gen. Sie entschuldigten sich, gingen mit ihm zur�ck zum Kamin, und dort packten Sie ihn von hinten, schnitten ihm die Kehle durch und hinderten ihn am Schreien, indem Sie ihm die Hand auf den Mund pressten. Ein Kinderspiel f�r einen Menschen von Ihrer K�rperkraft. Dann begann Ihre Inszenierung. Zuerst nahmen Sie die Diamanten an sich. Dann stapelten Sie Tische, St�hle, Lampen, Vasen und Nippsachen aufeinander, und schlie�lich zogen Sie ein d�nnes Seil, das Sie eigens daf�r mitgebracht hatten, kreuz und quer durch diese Pyramide. Ferner hatten Sie eine Flasche mit frischem Tierblut mitgebracht, welchem Sie ein Quantum zitronensaures Natrium beigef�gt hatten. Dieses Blut verspritzten Sie �ber das ganze Zimmer, und in die Blutlache, die aus Simeon Lees Wunde geflossen war, sch�tteten Sie ebenfalls Natrium. Dann sch�rten Sie das Feuer, damit der K�rper warm bleiben sollte. Die Enden des Seils schoben Sie durch den schmalen Spalt beim Fenster und lie�en sie an der Hauswand herunterh�ngen. Sie schlossen die T�r von au�en mit dem Schl�ssel zu. Das war ein wesentlicher Punkt, damit ja niemand vielleicht zuf�llig das Zimmer betreten sollte.</p><p>Hierauf gingen Sie hinaus und versteckten die Diamanten in dem kleinen Ziergarten. H�tte man sie fr�her oder sp�ter gefunden, dann w�rde das den Verdacht nur noch mehr auf eines der Familienmitglieder gelenkt haben, und das war Ihre Absicht. Kurz vor neun Uhr f�nfzehn schlichen Sie sich unter das Fenster und zogen an dem Seil. Dadurch geriet das sorgf�ltig errichtete Gebilde ins Wanken und st�rzte schlie�lich krachend und splitternd zusammen. Sie nahmen das Ende des Seils und wickelten es unter der Jacke und dem Mantel um den K�rper.</p><p>Aber Sie hatten noch an etwas anderes gedacht!�</p><p>Hercule Poirot wandte sich den anderen zu.</p><p>�Erinnern Sie sich, wie Sie alle den Schrei Mr Lees ganz verschieden schilderten? Mr Alfred Lee kam er vor wie der Schrei eines Menschen in Todesangst. Mrs Lydia und Mr David Lee sagten: �Eine Seele im Fegefeuer.� Mrs Hilda Lee wiederum erkl�rte: �Ein Schrei von jemandem, der keine Seele hat - unmenschlich, wie ein Tier.� Harry Lee kam der Sache weitaus am n�chsten, als er feststellte; es habe geklungen, als w�rde man ein Schwein abstechen.</p><p>Kennen Sie diese hellroten Gummiblasen, die man auf Jahrm�rkten verkauft und die man �Sterbende Schweine� nennt? Sobald die Luft aus ihnen entweicht, ert�nt ein schauerliches Geheul.</p><p>Das, Sugden, war Ihr kr�nender Einfall! Sie brachten eine solche mit Luft gef�llte Gummiblase in dem Zimmer an. Sie war mit einem kleinen Holzd�bel verstopft, und diesen D�bel verbanden Sie mit der Schnur. Sobald Sie an der Schnur zogen, wurde das H�lzchen herausgerissen, und die Blase entleerte sich. Und so ert�nte also nach dem Krachen und Splittern der Schrei des �Sterbenden Schweins�.�</p><p>Er wandte sich wieder seinen �brigen Zuh�rern zu.</p><p>�Verstehen Sie nun, was Pilar Estravados vom Boden aufhob? Inspektor Sugden hoffte, rechtzeitig am Tatort zu erscheinen, um das St�ckchen Gummi aufheben zu k�nnen, ehe es jemand bemerkte. Er nahm es dann Pilar kraft seiner Eigenschaft als Polizeibeamter sehr rasch ab. Aber er hat niemandem von dieser Sache erz�hlt! Das allein war verd�chtig. Ich erfuhr von diesem kleinen Vorkommnis durch Magdalene Lee und befragte dann Sugden dar�ber. Er war auf jede Eventualit�t vorbereitet. Er hatte ein St�ck aus einem Toilettenbeutel des Verstorbenen herausgeschnitten und zeigte mir das, zusammen mit einem Holzstift. Oberfl�chlich betrachtet entsprachen diese beiden Gegenst�nde durchaus den authentischen: ein kleines St�ck Gummi und ein kleines H�lzchen. Beides schien mir zu jenem Zeitpunkt vollkommen bedeutungslos zu sein. Aber statt mir zu sagen: diese Dinge ergeben keinen Sinn, also k�nnen sie nicht im Mordzimmer gefunden worden sein, also l�gt Inspektor Sugden mich an � bem�hte ich Narr mich, eine Erkl�rung f�r sie zu finden! Erst als Mademoiselle Estravados mit einem Ballon spielte, der dann zerplatzte, erst als sie ausrief, einen solchen zerplatzten Ballon habe sie in Simeon Lees Zimmer gefunden � erst da sah ich klar.</p><p>Bemerken Sie nun, wie sich alles ineinander f�gt? Der unbegreifliche Kampf, der n�tig war, um eine falsche Todesstunde festzuhalten; die verschlossene T�r, die Unbefugte hindern sollte, den Leichnam vorzeitig zu entdecken; und der Schrei des Sterbenden. So gesehen, war dieses Verbrechen durchaus logisch und sinnvoll ausgedacht gewesen.</p><p>Aber von dem Augenblick an, da Pilar Estravados laut verk�ndet hatte, der zerplatzte Ballon gleiche dem Gummi im Zimmer des Toten, war sie dem M�rder ein Dorn im Auge. Und wenn er diese Bemerkung geh�rt hatte, was leicht m�glich war, denn die Fenster des Hauses standen offen, dann befand sie sich sogar in gro�er Gefahr. Sie hatte n�mlich dem M�rder schon fr�her einen argen Streich gespielt. Vom alten Herrn sprechend, hatte sie bemerkt: �Er muss in j�ngeren Jahren sehr gut ausgesehen haben.� Und zu Sugden gewandt, hatte sie erkl�rend noch beigef�gt: �So wie Sie!� Sugden wusste genau, dass sie das w�rtlich gemeint hatte. Kein Wunder, dass er rot anlief und beinahe zu ersticken drohte. Diese Feststellung traf ihn unerwartet, und sie schien ihm �u�erst gef�hrlich zu sein. Von diesem Augenblick an versuchte er Pilar zu verd�chtigen; aber das war gar nicht so leicht, weil sie als Enkeltochter des alten Herrn nichts zu gewinnen hatte durch seinen Tod und ihr damit jeder vern�nftige Mordgrund abgesprochen werden musste. Sp�ter, als er ihre Bemerkung wegen des Ballons h�rte, entschloss er sich zu ernsteren Ma�nahmen. W�hrend wir beim Essen sa�en, brachte er die Falle in Pilars Zimmer an. Gl�cklicherweise, fast wie durch ein Wunder, versagte sie.� Sugden fragte ganz ruhig: �Seit wann wussten Sie es?�</p><p>�Ich war meiner Sache nicht ganz sicher, bis ich einen falschen Schnurrbart kaufte und ihn auf Simeon Lees Jugendbildnis ausprobierte. Da sah mir Ihr Gesicht aus dem Rahmen entgegen.�</p><p>�Mag seine Seele in der H�lle schmachten! Ich bin froh, dass ich ihn get�tet habe!��</p></section><section><title><p><strong>28. Dezember </strong></p></title><p>�Pilar, ich glaube, dass es das Beste ist, wenn du vorl�ufig bei uns bleibst, bis wir endg�ltig wissen, was mit dir geschehen soll�, sagte Lydia Lee.</p><p>�Du bist sehr gut zu mir, Lydia�, antwortete das M�dchen. �Du verzeihst einem, ohne viel Wesens davon zu machen.�</p><p>Lydia l�chelte. �Ich nenne dich immer noch Pilar, obwohl du wahrscheinlich anders hei�t.�</p><p>�Ich bin Conchita Lopez.�</p><p>�Conchita ist auch ein sehr h�bscher Name.�</p><p>�Wirklich, du bist fast zu lieb, Lydia! Aber ihr m�sst euch meinetwegen keine Sorgen mehr machen. Ich heirate Stephen, und dann fahren wir zusammen nach S�dafrika.�</p><p>Lydia l�chelte noch immer.</p><p>�Nun, dann w�re ja alles in sch�nster Ordnung.�</p><p>�Weil du so nett zu mir bist, Lydia�, sagte Pilar fast sch�chtern, �glaubst du, werden wir dich einmal besuchen d�rfen � vielleicht zu Weihnachten, und dann all die guten Sachen essen, brennende Rosinen und Plumpudding, und die glitzernden Kugeln an deinen Baum h�ngen und die kleinen Schneem�nner aufstellen?�</p><p>�Nat�rlich m�sst ihr einmal kommen und wirklich englische Weihnachten feiern!�</p><p>�Ich freue mich darauf! Wei�t du, Lydia, dieses Jahr hatten wir gar keine richtigen Weihnachten.�</p><p>Lydia seufzte. �Nein, es waren keine richtigen Weihnachten.�</p><p>Harry sagte:</p><p>�Also denn, leb wohl, Alfred. Du wirst nicht mehr viel von mir zu sehen bekommen. Ich fahre nach Hawaii. Wollte mich schon immer dort niederlassen.�</p><p>�Leb wohl, Harry. Hoffentlich gef�llt es dir dort.�</p><p>Harry sah leicht verlegen aus.</p><p>�Verzeih, dass ich dich oft geh�nselt habe, Alter. Verdammter Zug an mir, diese Spottlust. Ich kann�s mir nicht verkneifen, jemandem ein Bein zu stellen.�</p><p>Alfred versuchte ein L�cheln.</p><p>�Ich muss auch lernen, einen Spa� zu verstehen.�</p><p>�Also denn, leb wohl�, sagte Harry erleichtert.</p><p>�David�, sagte Alfred zu seinem Bruder, �Lydia und ich haben beschlossen, dieses Haus zu verkaufen. Nun dachte ich, dass du vielleicht gerne etwas von den Sachen mitgenommen h�ttest - Mutters Schemel zum Beispiel oder ihren Lehnstuhl. Du warst doch immer ihr Liebling.�</p><p>David z�gerte eine Minute. Dann sagte er langsam: �Danke, dass du daran gedacht hast, Alfred, aber ich glaube nicht. Ich will nichts aus diesem Haus mitnehmen. Es ist besser, ganz mit der Vergangenheit zu brechen.�</p><p>�Vielleicht hast du Recht�, stimmte Alfred ihm zu.</p><p>�Auf Wiedersehen, Alfred, auf Wiedersehen, Lydia�, sagte George. �Eine scheu�liche Zeit war das! Jetzt kommen noch die Verhandlungen, und dann wird die ganze gr�ssliche Sache publik gemacht. Sugden, mein � hm � meines Vaters Sohn! K�nnte man nicht vielleicht versuchen, ihm einzureden, er solle aussagen, Kommunist zu sein und den Kapitalisten Lee gehasst zu haben � irgend so etwas?�</p><p>�Mein lieber George�, warf Lydia ein, �glaubst du wirklich, ein Mann wie Sugden werde l�gen, nur um <emphasis>unsere </emphasis>Gef�hle zu schonen?�</p><p>�Hm � nein � hm � wahrscheinlich nicht. Ich verstehe, was du meinst. Trotzdem muss der Mann verr�ckt gewesen sein. Also denn, lebt wohl.�</p><p>�Auf Wiedersehen! N�chstes Jahr sollten wir alle zusammen an der Riviera Weihnachten feiern oder sonst irgendwo, wo es fr�hlich zugeht.�</p><p>�Das h�ngt ganz vom Wechselkurs ab�, sagte George.</p><p>�Liebling, sei doch nicht so kleinlich�, lachte Magdalene.</p><p>Alfred kam auf die Terrasse hinaus. Lydia b�ckte sich �ber ein Gartenbeet. Als sie ihn kommen sah, richtete sie sich auf. �So - jetzt sind sie alle gegangen�, sagte er mit einem Seufzer.</p><p>�Ja, dem Himmel sei Dank.�</p><p>�Du wirst gerne hier fortgehen, nicht wahr?�, fragte er.</p><p>�Und du? Tut es dir Leid?�</p><p>�Nein! Ich bin froh dar�ber. Wir k�nnen so viel Sch�nes zusammen unternehmen. Wenn wir hier wohnen bleiben, verfolgen uns die Angsttr�ume unser Leben lang. Gott sei Dank, dass nun alles vor�ber ist!�</p><p>�Dank Hercule Poirot!�</p><p>�Ja. Wei�t du, es war erstaunlich, wie pl�tzlich alles zusammenpasste, als er es uns erkl�rte.�</p><p>�Mir kam es vor wie bei einem Puzzle. Wenn man es fast fertig hat, sind noch ein paar komplizierte St�cke �brig, von denen man denkt, dass sie unm�glich irgendwo hingeh�ren k�nnen � und pl�tzlich finden sie ihren Platz ganz leicht.�</p><p>Alfred schwieg eine Weile. Dann sagte er nachdenklich: �Eine Sache ist unaufgekl�rt geblieben. Was hat George nach seinem Telefongespr�ch getan? Warum wollte er das nicht sagen?�</p><p>�Das wei�t du nicht? Lieber, mir ist das l�ngst klar. Er st�berte in den Papieren auf dem Schreibtisch herum.�</p><p>�Nein, Lydia! So etwas tut doch kein Mensch!�</p><p>�George schon. Er ist schrecklich neugierig in Gelddingen. Aber das konnte er nat�rlich nicht zugeben. Wahrscheinlich h�tte er erst im Zeugenstand und unter Eid davon gesprochen.�</p><p>�Machst du einen neuen Garten?�, fragte Alfred.</p><p>�Ja. Ich versuche, einen Garten Eden zu bilden. Eine pers�nliche, ganz neue Version: ohne Schlange, und Adam und Eva sind ein Paar mittleren Alters.�</p><p>�Liebe Lydia�, sagte Alfred weich, �du bist sehr geduldig und gut zu mir gewesen in all diesen Jahren.�</p><p>�Siehst du, Alfred, ich liebe dich eben��</p><p>Colonel Johnson sagte: �Da h�rt denn doch alles auf!� Dann sagte er: �Das ist doch die H�he!� Und schlie�lich wiederholte er: �Da h�rt denn doch alles auf!�</p><p>Er lehnte sich in seinem Stuhl zur�ck und sah Poirot Hilfe suchend an.</p><p>�Mein Bester! Wohin ist es mit der Polizei gekommen?�</p><p>�Auch Polizeibeamte haben ein Privatleben! Sugden war ein sehr stolzer Mensch.�</p><p>Colonel Johnson sch�ttelte verzweifelt den Kopf.</p><p>Um seinen Gef�hlen ein wenig Luft zu machen, gab er den Buchenscheiten im Kamin einen Fu�tritt. Dazu knurrte er:</p><p>�Ich sage es ja immer � es geht nichts �ber ein Kaminfeuer.�</p><p>Hercule Poirot, der im Nacken und �ber den R�cken einen kalten Zug versp�rte, dachte bei sich:</p><p><emphasis>Pour moi, </emphasis>Zentralheizung, nur Zentralheizung�</p></section></body><binary id="cover" 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