<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>adv_history</genre><author><first-name>Berndt</first-name><last-name>Guben</last-name></author><book-title>El Silbador</book-title><annotation><p><style name="font2">In Spanien nennt man ihn El Silbador � der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unb�ndiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unertr�glich macht; unb�ndiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gef�hrten, darunter die zwielichtige Gr�fin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.</style></p><p><style name="font2">In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenw�rtig.</style></p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>de</src-lang><sequence name="Der Pfeifer" number="1"/></title-info><document-info><author><first-name>Your</first-name><last-name>Name</last-name></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2010-12-21">21 December 2010</date><id>31334ABA-0819-4A06-AD84-274BDF1F4670</id><version>1.0</version><history><p>1.0 � &#x441;&#x43E;&#x437;&#x434;&#x430;&#x43D;&#x438;&#x435; &#x444;&#x430;&#x439;&#x43B;&#x430;</p></history></document-info><publish-info><sequence name="WELT DER ABENTEUER"/></publish-info></description><body><title><p>El Silbador</p></title><section><empty-line/><empty-line/><p><style name="font2"><image l:href="#1"/></style></p><empty-line/><p><style name="font2">Michel Baum sa� an einem blankgescheuerten Ecktisch in der Taverne �Zur goldenen Krone�. Zwei andere Burschen, die im selben Alter sein mochten, leisteten ihm Gesellschaft. Michel war der Sohn des Tabakh�ndlers Andreas Baum, eines rechtschaffenen Mannes, der weder Kosten noch M�he gescheut hatte, seinen Sohn an der gro�en Universit�t zu Rostock Medizin studieren zu lassen. Nach dem Doktorexamen und einem Jahr praktischer Arbeit an einem Spital in Berlin war Michel nun heimgekehrt.</style></p><p><style name="font2">Gegen�ber, an einem anderen Holztisch, sa�en Musketiere des Landgrafen von Hessen-Kassel und stierten mit stumpfen Mienen in ihre Humpen. Das Bier darin schien heute nicht recht sch�umen zu wollen. Alles war stiller als sonst, trostloser.</style></p><p><style name="font2">�M�chte wissen, was die Buntr�cke auszustehen haben�, sagte Michel Baum. �Sie stehlen dem lieben Gott den Tag, bekommen p�nktlich ihren Sold, k�nnen abends in den Wirtsh�usern herumsitzen, na, und Krieg ist im Augenblick auch nicht.� Einer seiner Freunde verzog das Gesicht.</style></p><p><style name="font2">�Man merkt, da� du aus Berlin kommst. Hat es sich noch nicht herumgesprochen, was mit diesen armen Tr�pfen gespielt wird?� Michel sah ihn erstaunt an.</style></p><p><style name="font2">�Keine Ahnung.�Der andere beugte sich �ber den Tisch und fl�sterte ihm die Neuigkeit ins Ohr: �Friedrich hat sich nicht gescheut, 12 000 Musketiere und Offiziere als geschlossene Kompanien an die Engl�nder zu verkaufen, damit sie den Rotr�cken dr�ben in den amerikanischen Kolonien die Kastanien aus dem Feuer holen. Ich glaube, da haben die armen Kerls allen Grund, die K�pfe h�ngen zu lassen.�</style></p><p><style name="font2">Michel sah sein Gegen�ber ungl�ubig an. �Menschen will der Landgraf verkaufen?�</style></p><p><style name="font2">�Nicht Menschen�, sagte der dritte, der am Tisch sa�, �Landsknechte, Soldaten, </style><style name="font2">Kriegsmaschinen.�</style></p><p><style name="font2">Michel sprang erregt auf.</style></p><p><style name="font2">�Und das duldet ihr?�</style></p><p><style name="font2">Seine beiden Freunde sahen sich �ngstlich um. Sie zogen ihn wieder zu sich auf die Bank und raunten ihm zu:</style></p><p><style name="font2">�Um Gottes willen, ereifere dich nicht. Du selbst kannst schneller dabeisein, als du denkst. Ein Wort zuviel, und schon wirst du arretiert. Aus dem Arrest gibt es dann nur einen Ausweg, n�mlich den bunten Rock.�</style></p><p><style name="font2">Michel hob seinen Humpen und trank den Rest Bier aus. Dann nahm er seinen Hut, gr��te und verlie� gedankenschwer das Lokal.</style></p><p><style name="font2">Auf der Stra�e pfiff er vor sich hin. Dies Pfeifen war bemerkenswert; denn er hatte es darin zu einer erstaunlichen Meisterschaft gebracht. Die Melodien, die er w�hlte, waren nicht etwa Walzer oder T�nze, wie sie jeder einigerma�en musikalische Mensch pfeifen konnte; nein, es waren kunstvolle Triller und wahrhaft schauerlich klingende Passagen. Oft klangen die einzelne Pfiffe fast wie Akkorde, und zwar nicht wie einfache Dreikl�nge, sondern wie Sept- und Nonen-akkorde. Unheimlich konnte es einem dabei werden.</style></p><p><style name="font2">�Halt' er seinen Mund still�, raunzte ihn pl�tzlich eine unfreundliche Stimme aus der Dunkelheit an.</style></p><p><style name="font2">Ein s�belrasselnder Polizeiwachtmeister, dessen Oberlippe von einem martialischen Schnurrbart bedeckt war, trat auf ihn zu.</style></p><p><style name="font2">Michel Baum blieb stehen und sah den Vertreter der Staatsgewalt l�chelnd an.</style></p><p><style name="font2">�Ich wu�te nicht, da� man sich in Kassel nicht mehr auf seine eigene Art und Weise am�sieren </style><style name="font2">darf�, sagte er ruhig.</style></p><p><style name="font2">�Am�sier' er sich, wo er will, aber nicht auf der Stra�e.�</style></p><p><style name="font2">�Er hat recht�, erwiderte Michel und schnippte mit den Fingern. �Wo der Landgraf Soldaten nach England verkauft, da mu� der Mensch seinen Humor verlieren, selbst wenn er ein Wachtmeister ist, oder � vielleicht gerade darum.�</style></p><p><style name="font2">Dem Polizisten verschlug diese Frechheit im ersten Augenblick die Sprache. So hatte noch niemand mit ihm zu sprechen gewagt. Und dieser Bursche redete ihn gar einfach mit �Er� an. Michel Baum war bereits weitergegangen. Der schnauzb�rtige Vertreter der Obrigkeit hatte sich von seiner �berraschung erholt und machte nun Anstalten, ihm zu folgen. Da fuhr ihm erneutes, lautes Pfeifen in die Ohren.</style></p><p><style name="font2">�Zum Teufel�, schimpfte er, �das ist ja ein ganz vermaledeiter Kerl! Na, ich werde ihn Mores lehren.� Er stapfte mit raschen Schritten hinter Michel her. Ehe er ihn noch erreicht hatte, rief er: �Halt, stehnbleiben!�Michel ging ruhig weiter.</style></p><p><style name="font2">Der Polizist kam ins Schnaufen. Mit hochrotem Kopf tauchte er pl�tzlich neben dem Pfeifenden auf und schrie ihn w�tend an:</style></p><p><style name="font2">�Bleib er stehen, oder ich werde ihn arretieren! Wenn er nicht augenblicklich gehorcht, mache ich von meinem S�bel Gebrauch!�</style></p><p><style name="font2">Michel blieb stehen. Langsam, ganz langsam drehte er sich zu dem Wachtmeister um. Seine Z�ge waren ernst.</style></p><p><style name="font2">�Sch�mt er sich nicht?� fragte er ruhig. Dem �ndern wollten die Augen aus dem Kopf treten. �Sch� � sch� � sch�men?� stotterte er, �warum sollte ich mich sch�men?�</style></p><p><style name="font2">�Weil er einen ehrsamen B�rger der Stadt Kassel mit der Waffe bedroht.�</style></p><p><style name="font2">�Ha�, rief der Polizeimann aufgebracht. �Kommt er mir so? � Will er der Obrigkeit vielleicht</style></p><p><style name="font2">gar verbieten, von ihrem Recht Gebrauch zu machen?�</style></p><p><style name="font2">Michel lachte ihm ins Gesicht.</style></p><p><style name="font2">�Wie sp�t ist es, Wachtmeister?�</style></p><p><style name="font2">Er sagte einfach �Wachtmeister� anstatt �Herr Wachtmeister�. �Es hat gerade neun geschlagen. Hat er das nicht geh�rt?� �Eben drum�, antwortete Michel, �weshalb bel�stigt er mich da?� �Be--be--l�stigt?�</style></p><p><style name="font2">�Nat�rlich�, sagte Michel streng. �Kann er mir vielleicht einen Paragraphen im Gesetzbuch zeigen, der dem B�rger vor zehn Uhr das Pfeifen auf der Stra�e verbietet?� Der Polizist wurde sichtlich verlegen. Dann aber raffte er sich auf. Recht oder Unrecht, er hatte dem jungen Mann zu beweisen, da� er die Pflicht hatte und von der Obrigkeit dazu eingesetzt war, einen Untertan des Landgrafen Gehorsam zu lehren. Nur auf den Gehorsam kam es an. Es war sowieso h�chst gef�hrlich, was der junge Mann da dauernd von B�rgern faselte. B�rger gab es nicht in Kassel. B�rger gab es dr�ben in Frankreich. B�rger nannten sich diejenigen, die mit der Herrschaft der von Gott eingesetzten Obrigkeit nicht mehr zufrieden waren, sondern selber herrschen wollten. H�chst gef�hrlich war so etwas, da mu�te man rechtzeitig eingreifen.</style></p><p><style name="font2">�Unsinn�, knurrte er jetzt unter seinem Schnauzbart hervor. �Er ist ein Untertan des Landgrafen und hat zu gehorchen.� Michel sah ihn lange an.</style></p><p><style name="font2">�Habt Ihr schon einmal etwas von Berlin geh�rt, guter Mann?� Dem �guten Mann� lief es bei dieser Anrede kalt �ber den R�cken.</style></p><p><style name="font2">�Das geht ihn nichts an!� schrie er barsch. �Er hat mir jetzt seinen Namen zu sagen. Und dann mag er sich trollen. Morgen wird er vorgeladen.�</style></p><p><style name="font2">�Also er hat noch nichts von Berlin geh�rt? Nun, es ist schlimm f�r einen Vertreter der � Obrigkeit, da� er so dumm ist.� �Kerl � ich bringe ihn um!�</style></p><p><style name="font2">Der Polizist machte sich an seinem S�belknauf zu schaffen. Doch bevor er gezogen hatte, blitzte schon der zierliche Degen Michels im aufkommenden Mondlicht.</style></p><p><style name="font2">�Er mu� eine Lektion von Berlin erhalten�, sagte Michel. �Dort gibt es einen K�nig, h�rt er, einen K�nig, nicht einen Landgrafen. Und dieser K�nig nennt sich selbst den �ersten Diener seines Staates�. Was ist dagegen ein kleiner Landgraf oder dessen Polizist?� Der Wachtmeister zog blank. Den Frozzeleien dieses B�rschchens war er nicht gewachsen. Die Klinge blitzte. Aber Michel war nicht m��ig geblieben. Sein Degen zischte dem Wachtmeister dicht an der Nase vorbei. Die schwere Waffe der Obrigkeit wirbelte durch die Luft und schlug klirrend zu Boden. Im gleichen Augenblick ber�hrte Michels Degenspitze die Brust des Polizisten. Der schrie erschrocken auf.</style></p><p><style name="font2">Mittlerweile hatten sich einige Menschen eingefunden, die dem erstaunlichen Schauspiel interessiert und auch wohl etwas �ngstlich zusahen. Dergleichen hatte man in Kassel noch nicht erlebt.</style></p><p><style name="font2">�Was wird er nun tun?� fragte Michel Baum den erschrockenen, wie gel�hmt dastehenden Beamten.</style></p><p><style name="font2">Der blieb die Antwort schuldig. Michel lachte.</style></p><p><style name="font2">�Ich werde ihm die Hose ausziehen. Dann kann er seinem Landgrafen mit nacktem Hintern eine Visite machen.�</style></p><p><style name="font2">Ritsch � fuhr der scharfe Degen �ber die G�rtellinie und schnitt die Hose von oben bis unten durch.</style></p><p><style name="font2">Angstschwei� brach dem Polizisten aus, als er seine Beinkleider, die jeden Halt verloren hatten, an den Beinen hinabgleiten sah. Die Gesichter der Umstehenden verzogen sich. Kaum konnten sie sich des Lachens enthalten. Aber sie hatten Angst; denn wer einen Staatsbeamten auslachte, der konnte sehr leicht vor die Schranken eines landgr�flichen Gerichts kommen. Und dann winkte � der bunte Rock.</style></p><p><style name="font2">So zogen es die meisten vor, sich langsam und unauff�llig zur�ckzuziehen, ehe sich der </style><style name="font2">gesch�ndete Beamte ihre Gesichter merken konnte.</style></p><p><style name="font2">Michel aber steckte ruhig den Degen ein und ging pfeifend weiter.</style></p><p><style name="font2">�Nun, Junge, wie gef�llt es dir daheim?� fragte ihn sp�ter zu Hause der Vater. Michel z�ndete sich eine Pfeife an und sah auf.</style></p><p><style name="font2">�Ich f�rchte, es wird ein wenig anders werden, als ich es mir vorgestellt habe, Vater.� Andreas Baum sah seinen Sohn erstaunt an.</style></p><p><style name="font2">�Ich d�chte, es m��te dir Spa� machen, wieder einmal den Boden Kassels unter den F��en zu sp�ren. Ist dir irgend etwas Unangenehmes begegnet?�</style></p><p><style name="font2">Michel erz�hlte dem Vater sein Erlebnis mit dem Schutzmann. Der Alte wu�te nicht recht, ob er </style><style name="font2">lachen oder weinen sollte.</style></p><p><style name="font2">�Glaubst du, da� er dich erkannt hat?�</style></p><p><style name="font2">�Das weniger. Aber er wird mich zweifelsohne wiedererkennen, wenn ich ihm sp�ter einmal begegne. Die Luft hier in Kassel ist zum Ersticken. Dieser Polizist zum Beispiel bewies das durch sein Verhalten. Mir behagt diese Unfreiheit nicht mehr. Der Untertanengeist macht mich ganz krank. Man kommt sich vor wie in Spanien zur Zeit der Inquisition.� Andreas Baum sah ernst zu Boden.</style></p><p><style name="font2">�Es liegt wie ein Fluch auf unserer Familie. Du scheinst den unruhigen Geist deiner Vorfahren geerbt zu haben. Ich kannte keinen Baum, der sich je h�tte unterordnen k�nnen. Ich bin der einzige, der sich ein Leben lang beherrscht hat. Nimm dich noch eine Weile zusammen, dann kannst du in deiner eigenen Praxis den Menschen auf deine Weise helfen.� �Und was sagt Ihr, Vater, zu den 12 000 Mann, die Friedrich an die Engl�nder verkaufen will?� Ein Schatten glitt �ber das Gesicht des �lteren. Er zog heftig an seiner Pfeife. Qualmwolken verdunkelten die flackernde Petroleumlampe.</style></p><p><style name="font2">�Es ist eine Schande�, dr�ngte es sich zwischen seinen Lippen hervor. �Man kann sich nur wundern, da� ihn die anderen F�rsten gew�hren lassen, da� nicht einmal Kaiser und Reich etwas dagegen unternehmen. Nun, Landgraf Friedrich ist nicht der einzige, der solche Dinge tut. Die H�fe von Hanau, Braunschweig, Waldeck, Anhalt und Ansbach versuchen ebenfalls, auf diese Weise ihr feudales Leben zu finanzieren. Es ist eine Schande.� Michel lenkte auf ein anderes Thema �ber. �Wie geht es Charlotte? Ist sie schon verheiratet?� Andreas lachte.</style></p><p><style name="font2">�Das glaubst du doch selbst nicht. Sie ist ein treues M�dchen. Ich wette meinen alten Tabaksbeutel gegen einen neuen Hut, da� sie sich nichts sehnlicher w�nscht, als einmal die Frau eines gewissen Doktor Baum zu werden. Nun, warum auch nicht. Die alten Ecks sind rechtschaffene Menschen und haben wohl auch einen sch�nen Batzen beiseite gelegt. Na, und dein Vater ist auch nicht gar so arm, wie er ausschaut.� Michel wurde lebhaft.</style></p><p><style name="font2">�Meint Ihr, da� ich die Ecks morgen vielleicht besuchen k�nnte?�</style></p><p><style name="font2">�Ich bin fest davon �berzeugt, da� sie geradezu darauf warten.�</style></p><p><style name="font2">Michel klopfte seine Pfeife aus und stellte sie in den St�nder zur�ck.</style></p><p><style name="font2">Andreas sah seinen wohlgeratenen Sohn mit gl�nzenden Augen an und meinte dann:</style></p><p><style name="font2">�Es tut mir in der Seele weh, da� Mutter dich so nicht mehr erlebt hat. Der Herrgott hat sie </style><style name="font2">wirklich ein wenig zu fr�h abberufen.� </style></p><p><style name="font2">Die beiden M�nner, Vater und Sohn, hatten noch ein langes Gespr�ch an diesem Abend, in dem teils Traurigkeit und Wehmut, teils Freude und inniges Verstehen mitschwangen.</style></p><p><style name="font2">Michel hatte seinen Degen umgeschnallt, zu jener Zeit ein Zeichen der W�rde und Vornehmheit, und schritt dem Stadtrand zu. Ihn zog es hinaus in den Wald, an jene Stelle, wo er vor Jahren als Kind mit der kleinen Charlotte Eck R�uber und Prinzessin gespielt hatte. Pl�tzlich hemmte der Aufschrei eines Menschen seinen Schritt. Lauschend streckte er den Kopf vor. Es mu�te links neben ihm im Wald gewesen sein, just an der St�tte seiner Kinderspiele. Er fa�te den Degen fester und brach in das Unterholz ein.</style></p><p><style name="font2">Da kam der Schrei wieder, �ngstlicher jetzt, verzweifelter. Dazwischen klang das kehlige Hohnlachen eines Mannes.</style></p><p><style name="font2">Michel eilte, so schnell er konnte, dem Klang nach.Dann stand er auf einer Lichtung. Was er dort sah, trieb ihm das Blut in die Schl�fen.</style></p><p><style name="font2">Ein junges M�dchen wehrte sich verzweifelt gegen die Angriffe zweier M�nner, die gr�ne J�gerkleidung trugen.</style></p><p><style name="font2">�He!� donnerte Michels Stimme, �aufh�ren, ihr Halunken, la�t von dem M�dchen ab!� Die Gr�nen fuhren erschrocken herum, lachten aber nur �rgerlich auf, als sie den St�renfried erblickten. Das M�dchen, eine Sch�nheit �brigens, hielt sich die zerrissenen Teile ihres Kleides vor die Brust und warf dem Ank�mmling flehende Blicke zu. �Was habt ihr mit dem M�dchen vor?� fragte Michel scharf. Die beiden J�ger lachten.</style></p><p><style name="font2">�Was wird man mit so einem h�bschen Kind schon vorhaben?� Michel sah sie zornig an.</style></p><p><style name="font2">�Haut ab, sage ich euch, sonst mache ich euch Beine!�</style></p><p><style name="font2">Der eine der beiden, ein ziemlich junger Kerl, kam jetzt auf ihn zu.</style></p><p><style name="font2">�Wer seid Ihr �berhaupt?�</style></p><p><style name="font2">�Dumme Frage�, antwortete Michel gelassen und zog mit einem Griff den Degen. �Ich bin der Verteidiger dieser ehrenwerten Demoiselle dort und werde Euch Anstand beibringen, wenn Ihr es nicht vorzieht. Euch augenblicklich aus dem Staub zu machen.� Zornesr�te trat in das Gesicht des J�ngeren.</style></p><p><style name="font2">�Unversch�mter!� schrie er Michel an und zog nun seinerseits den Degen. Der andere wollte ihn zur�ckhalten; aber der junge Hitzkopf holte bereits zum Sto� aus. Michel hatte es nicht leicht. Der Junge war ein ausgezeichneter Fechter. Dennoch war er der Fechtkunst Baums nicht gewachsen. Binnen kurzem flog sein Degen ins Gras. Michel setzte ihm die Waffe auf die Brust und meinte:</style></p><p><style name="font2">�Nun dreh dich langsam um, Bursche, aber ganz langsam.�</style></p><p><style name="font2">Die Spitze blieb immer am K�rper des Besiegten. Mit zusammengekniffenen Lippen folgte er dem Befehl seines �berwinders. Als er diesem dann den R�cken zukehrte, f�hlte er pl�tzlich die Degenspitze auf seinem Hinterteil. Michel schlitzte ihm in aller Ruhe ein gro�es Viereck aus der Hose. Als das nackte Fleisch in der Sonne strahlte, holte er aus und versetzte dem L�mmel ein paar Hiebe mit der flachen Klinge. �Nun macht, da� ihr fortkommt!�</style></p><p><style name="font2">Inzwischen hatte sich der andere besonnen. Rasch warf er dem Gez�chtigten einen Mantel zu, damit er die sch�ndliche Bl��e vor den Augen des M�dchens verbergen konnte. Dann zog er selbst blank.</style></p><p><style name="font2">�Ach, du auch noch?� rief Michel, in dem langsam Freude an diesem Kampf aufkam, bei dem er seine in Berlin erlernte Fechtkunst beweisen konnte.</style></p><p><style name="font2">Doch der andere war kein Gegner f�r ihn. Er focht schlechter als der j�ngere Begleiter. Bald wirbelte auch seine Klinge in hohem Bogen durch die Luft.</style></p><p><style name="font2">Da rannten die beiden pl�tzlich dem Wald zu und waren im Augenblick hinter den B�umen verschwunden.</style></p><p><style name="font2">Das M�dchen trat mit ernsten Augen auf seinen Retter zu.</style></p><p><style name="font2">�Ihr habt viel f�r mich getan, Herr�, meinte sie. �Vielleicht w�re es besser gewesen, Ihr h�ttet die Burschen gew�hren lassen. Wahrscheinlich werdet Ihr gro�e Unannehmlichkeiten deswegen bekommen.�</style></p><p><style name="font2">Michel sah sie ungl�ubig an.</style></p><p><style name="font2">�Unannehmlichkeiten? � Ich? � Weshalb denn? Diese L�mmel haben sich doch wie </style><style name="font2">Wegelagerer benommen!�</style></p><p><style name="font2">Das M�dchen z�gerte mit der Antwort.</style></p><p><style name="font2">�Das schon, aber es waren der Sohn des Grafen von Eberstein und sein Diener. Der alte Graf Eberstein weilt zu Besuch beim Landgrafen.� Michel pfiff durch die Z�hne.</style></p><p><style name="font2">�Solche Rabauken beherbergt man bei Hofe? Na, kein Wunder. Was soll man auch vom Hof eines Friedrich erwarten, der seine Soldaten an das Ausland verkauft! � Wer seid Ihr, Mademoiselle?�</style></p><p><style name="font2">Das M�dchen sah besch�mt zu Boden.</style></p><p><style name="font2">�Ich bin die Pflegetochter des Krugwirts und zugleich dessen Magd. Ihr seht, Eure M�he hat</style></p><p><style name="font2">sich nicht gelohnt.�</style></p><p><style name="font2">�Wie hei�t Ihr, Mademoiselle?�</style></p><p><style name="font2">�Maria�, kam die sch�chterne Antwort.</style></p><p><style name="font2">Michel steckte seinen Degen in die Scheide.</style></p><p><style name="font2">�Ich will Euch etwas sagen, Maria. Wir sind alle gleich; keiner ist hoch oder niedrig, es sei denn, er macht sich selbst dazu. Ein Mensch, der es wagt, des anderen W�rde anzutasten, ist ein Lump, und sei er hundertmal der Graf von Eberstein. � Nun geht nach Hause. Ich nehme an, da� sich die hochgeborenen Herren Wegelagerer zur�ckgezogen haben.�</style></p><p><style name="font2">�Das hast du dir gedacht�, erscholl da eine w�tende Stimme vom Wald her. �Fa�t ihn, Leute, das ist er! Drauf auf ihn!�</style></p><p><style name="font2">Ehe Michel sichs versah, war er von einem Dutzend </style><style name="font2">M�nner umringt. �Feiglinge�, konnte er noch sagen. Dann wurde er zu Boden gerissen und gebunden.</style></p><p><style name="font2">Schl�ssel klapperten an der Zellent�r. Michel Baum sa� pfeifend auf seiner harten Pritsche und dachte �ber die Welt nach. Eigenartigerweise erwog er keinen Augenblick die M�glichkeit einer Flucht.</style></p><p><style name="font2">Der W�chter trat mit b�sem Gesicht ein.</style></p><p><style name="font2">�H�r er endlich auf zu pfeifen. Er vollf�hrt eine Musik, als s��e er betrunken in einer Bierkneipe.�</style></p><p><style name="font2">Michel unterbrach seine eigenartigen Tonfolgen und sah den W�rter belustigt an.</style></p><p><style name="font2">�Ich kenne keinen Paragraphen, der einem H�ftling das Pfeifen in seiner Zelle verb�te. Er </style><style name="font2">vielleicht?�</style></p><p><style name="font2">�Es reicht, wenn ich es verbiete. Das ist doch logisch, oder nicht?�</style></p><p><style name="font2">�Er scheint nicht zu wissen, was Logik ist. Oder h�lt er es vielleicht f�r logisch, wenn ein </style><style name="font2">Landgraf seine Landeskinder als Soldaten an eine fremde Macht verkauft, um mehr Geld f�r sich </style><style name="font2">selbst ausgeben zu k�nnen?�</style></p><p><style name="font2">Der W�chter lief rot an vor Zorn.</style></p><p><style name="font2">�Ich werde das, was er eben gesagt hat, seiner Hoheit erz�hlen. Da wird ihm noch das Lachen vergehen.�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum sah wieder an die Decke. Er tat, als sei der W�rter gar nicht vorhanden, sondern nahm sein Pfeifen wieder auf.</style></p><p><style name="font2">�Habe ich ihm nicht soeben das Pfeifen untersagt?� schrie der Beamte.�Er hat sicher schon manches befohlen, was nicht befolgt worden ist. Gehe er jetzt aus der Zelle. Er st�rt mich.� Die T�r schlug mit einem heftigen Knall zu.</style></p><p><style name="font2">Der landgr�fliche Gerichtshof hatte sich zusammengefunden. Der Richter erhob sich mit feierlichem Ernst.</style></p><p><style name="font2">Er verlas die Personalien des Angeklagten und schlo�:</style></p><p><style name="font2">�Da der Angeklagte ein studierter Mann ist, so wird er sicherlich keinen Anwalt ben�tigen, sondern sich selbst verteidigen k�nnen.</style></p><p><style name="font2">Dem Angeklagten wird vorgeworfen, sich an der hochwohlgeborenen Pers�nlichkeit des �lteren Sohnes des reichsfreien Grafen von Eberstein, Rudolf von Eberstein, vergriffen zu haben. Der Streitgrund ist nicht bekannt.�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum erhob sich und l�chelte seinem Vater zu, der sich unter den Zuschauern befand. �Ich glaube, da� der Grund des Streites wohl die wichtigste Angelegenheit der ganzen Sache ist. Deshalb bitte ich, ihn bekanntzugeben.�</style></p><p><style name="font2">�Der Grund des Streitfalls ist nicht angef�hrt und tut auch nichts zur Sache. Der Angeklagte kann sich verteidigen. Ich erteile ihm ausdr�cklich das Wort.�</style></p><p><style name="font2">�Nun�, meinte Michel frei und offen, �wenn die Herren hier Gericht halten wollen, wie es in keinem Gesetzesbuch steht, so stehe ich nicht an, den Grund des Handels selbst anzugeben. Ich m�chte ��</style></p><p><style name="font2">Er wurde vom Richter unterbrochen.</style></p><p><style name="font2">�Er soll sich verteidigen und keine M�rchen erz�hlen, Angeklagter.� Michel sah den Richter erstaunt an. Dann merkte er jedoch, was hier gespielt wurde, da� der ganze Proze� nichts weiter war als eine Kom�die, deren Ausgang von vornherein feststand. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, setzte er sich wieder.</style></p><p><style name="font2">Es wurden im Anschlu� daran noch einige schwungvolle Reden gehalten. Das Urteil lautete zum Schlu� auf zehn Jahre Festung wegen Verletzung der Ehre eines Hochwohlgeborenen. Michel begann zu pfeifen. Der Richter und die Beisitzenden erstarrten. Michel lie� sich ruhig abf�hren. �</style></p><p><style name="font2">Es waren noch keine zwei Wochen vergangen, als ein Offizier in Begleitung zweier Sergeanten in die Zelle trat.</style></p><p><style name="font2">�Ah�, lachte Michel, �er bringt mir die Freiheit in Form eines Werbezettels, den ich unterschreiben soll, was?�</style></p><p><style name="font2">Der Offizier war im ersten Augenblick verbl�fft �ber die Keckheit des Gefangenen und �ber die </style><style name="font2">Anrede. Dann fragte er barsch:</style></p><p><style name="font2">�Will er ein Soldat des Landgrafen werden?�</style></p><p><style name="font2">�Er meint, ein Kolonialsoldat in britischen Diensten, nicht wahr? Nun, gebt her den Wisch. Ich werde auch ein Seer�uber, wenn ich dadurch aus diesem Loch herauskomme.� Mit fester Hand unterschrieb Michel das Papier.</style></p><p><style name="font2">Die Soldaten staunten nicht wenig �ber diese Bereitwilligkeit. Meistens hatten sie es nicht so leicht. Vielen der Gefangenen, die sich im allgemeinen nur kleinere Verfehlungen hatten zuschulden kommen lassen, pa�te es durchaus nicht, die Haft gegen ein Ungewisses Schicksal in der Neuen Welt einzutauschen; denn praktisch wu�te ein jeder, was ihm nach seiner Einberufung bl�hte. Und wer wurde schon gern Soldat? Michel pfiff und schien nicht im mindesten deprimiert zu sein. �</style></p><p><style name="font2">Einige Wochen sp�ter, als die erste Ausbildung beendet war, besuchte er abends seinen Vater. Andreas Baum war sichtlich gealtert. �Mu�te es dahin kommen. Junge?�</style></p><p><style name="font2">�Wir wissen nicht viel von dem, was sein mu� und was nicht sein mu�, Vater.� Er machte eine gedankenvolle Pause. � �Ich glaube, wir sollten uns daran gew�hnen, die Dinge immer von zwei Seiten zu betrachten. Vor allem d�rfen wir nicht mit so tierischem Ernst an das Leben herangehen wie zum Beispiel unsere Sergeanten. Die Armee ist ein wahres Sammelsurium von Menschen aller Sorten, und es lohnt sich, seine Studien eine Weile an Ort und Stelle zu betreiben. Vielleicht geht mir noch manches Licht auf. Im �brigen seid nicht b�se. Ich geh�re auf jeden Fall zu denen, die nicht in Washingtons Flinten laufen.� Andreas wiegte den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Wir sind sonderbare Menschen, Michel, wir Baums. Unsere Wege waren nie leicht. Aber zum Schlu� blieben wir stets Sieger. Ich will nicht viele Worte machen. La� wieder von dir h�ren, wenn du dein erstes Meisterst�ck geliefert hast. Versprichst du mir das?� Michel versprach es. Er nahm noch einen tiefen Zug aus der alten Pfeife und verabschiedete sich dann mit einem festen H�ndedruck.</style></p><p><style name="font2">Eine unliebsame �berraschung erwartete ihn am n�chsten Tag beim Fr�happell. Der Kompanie, zu der er geh�rte, wurde ein neuer Offizier vorgestellt.</style></p><p><style name="font2">Es war Graf Rudolf von Eberstein. Der junge Second-Lieutenant �bernahm den Zug, in dem Michel Baum seine Muskete trug. Ein Aufblitzen in den Augen des Offiziers verriet, da� er Michel wiedererkannte.</style></p><p><style name="font2">Michel lie� die Musterung des Grafen gleichg�ltig �ber sich ergehen. Am liebsten h�tte er gepfiffen; aber er wollte es nicht darauf ankommen lassen, Stockhiebe f�r eine Insubordination, wie man das so sch�n nannte, zu ernten.</style></p><p><style name="font2">�Wachtmeister�, sagte der junge Leutnant, �melde er mir diesen Mann nach Dienstschlu� zum Rapport!�</style></p><p><style name="font2">Der �Spie߫ ri� die Hacken zusammen und br�llte: �Jawohl, Herr Leutnant!�</style></p><p><style name="font2">Dann nahm er sein dickes Buch zwischen den zwei oberen Kn�pfen seiner Jacke hervor und </style><style name="font2">merkte den Musketier Michel Baum zum Rapport vor.</style></p><p><style name="font2">Leutnant Rudolf von Eberstein hielt es nicht f�r n�tig, sich von seinem Stuhl zu erheben, als der Musketier Baum vorschriftsm��ig ins Zimmer trat.</style></p><p><style name="font2">�Ah, da ist er ja�, sagte er nur. �Welch ein famoses Zusammentreffen. Wie f�hlt er sich?� �Ich w�rde Euch einen kleinen Gang im S�belfechten vorschlagen�, antwortete Michel, ohne seine Haltung zu vernachl�ssigen. �Ihr k�nnt dann am besten meine Gef�hle beobachten.�Der Leutnant sprang auf.</style></p><p><style name="font2">�Er ist ein ganz vermaledeiter Bursche! Hat er verstanden?� �Die Rache ist allein des Herrn.� �Was untersteht er sich?�</style></p><p><style name="font2">�Ich wollte lediglich beweisen, da� ich einige Kenntnis der Bibel habe, wie es sich f�r einen landgr�flichen Musketier geh�rt.�</style></p><p><style name="font2">Rudolf von Eberstein wu�te nicht, was er darauf erwidern sollte. Diesem Mann f�hlte er sich in keiner Weise gewachsen. Er schlug pl�tzlich einen �beraus freundlichen Ton an und sagte: �Setzt Euch, wir wollen in Ruhe diskutieren.�</style></p><p><style name="font2">�Ich m�chte mich keiner Insubordination schuldig machen�, antwortete Michel Baum ruhig und blieb stehen. �Auch nicht, wenn ich dazu aufgefordert werde.� Abermals war der Leutnant sprachlos.</style></p><p><style name="font2">�Was seid Ihr eigentlich f�r ein sonderbarer Musketier?� fragte er verwundert.</style></p><p><style name="font2">�Ich bin kein Musketier, sondern ein Mensch, den man zum Musketier gemacht hat�, erwiderte </style><style name="font2">Michel. �Im �brigen bin ich Doktor der Medizin Michel Baum, den man gegen alles bestehende </style><style name="font2">Gesetz verurteilt hatte, weil er einem Stra�enr�uber zeigte, wie er sich zu benehmen hat.�</style></p><p><style name="font2">Der junge Offizier machte eine Bewegung der Ungeduld.</style></p><p><style name="font2">�Wollen wir das nicht vergessen?�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum nickte.</style></p><p><style name="font2">�Ich will es Euch nicht nachtragen, Herr. Aber vergessen kann ich es nicht. Daran hindert mich dieser bunte Fetzen auf meiner Haut. Wahrscheinlich war es </style><style name="font2">Schicksal, da� wir uns vorher begegnet sind. Kein Mensch wei�, was ihm die Zukunft bringen wird. Man mu� nur versuchen, sie so gut wie m�glich zu meistern. Ich habe Pech gehabt.� �Ihr versteht die Waffe so meisterhaft zu f�hren, da� man in Euch den geborenen Soldaten vermuten w�rde. Warum st�rt Euch die Montur?�</style></p><p><style name="font2">�Weil sie mich zwingt, die Waffe eben dann zu f�hren, wenn ich sie vielleicht lieber in der Scheide lie�e. Was zum Beispiel haben mir Washingtons Leute in Amerika getan, da� ich gegen sie zu Felde ziehen soll?�</style></p><p><style name="font2">Der Leutnant blickte nachdenklich in eine Ecke des Raumes und schwieg. Nach einer Weile zuckte er die Achseln und sagte leichthin:</style></p><p><style name="font2">�Wozu werden dann �berhaupt Kriege gef�hrt? Schlie�lich haben uns die Soldaten der feindlichen Armeen in den meisten F�llen kein pers�nliches Leid zugef�gt.� Michel lachte.</style></p><p><style name="font2">�Dieselbe Frage habe ich mir wohl schon tausendmal gestellt, ohne sie beantworten zu k�nnen. Es ist die wichtigste Frage auf der Welt �berhaupt.� Der Leutnant wurde unruhig.</style></p><p><style name="font2">�Wir bewegen uns auf ein Thema zu, das sich f�r Soldaten nicht geziemt. Er kann jetzt gehen, Musketier Baum.�</style></p><p><style name="font2">Michel spreizte die Beine und winkelte den Hut an. Dann machte er eine zackige Kehrtwendung, wie man sie ihm eingedrillt hatte, und verlie� den Raum.</style></p><p><style name="font2">Leutnant von Eberstein blieb in Gedanken zur�ck und lauschte dem sich entfernenden Pfeifen.</style></p><p><style name="font2">Es war unverkennbar, da� �ber den Mannschaften eine gewisse Spannung lag. Von Tag zu Tag verdichtete sich das Ger�cht, da� die Abfahrt nach England und damit die Einschiffung nach den Vereinigten Staaten von Amerika bevorstehe.</style></p><p><style name="font2">Michel lebte �u�erlich das Dasein eines Musketiers, der mit allem zufrieden war. Ein engeres Zusammenkommen mit dem Leutnant von Eberstein vermied er absichtlich; denn er wollte sich nicht abermals dem Befehl �Er kann jetzt gehen, Musketier Baum!� aussetzen, wenn der Leutnant bei einem Gespr�ch nicht mehr weiterwu�te.</style></p><p><style name="font2">Dennoch aber begehrte das freie Blut in Michel Baum auf gegen die Fron, die er unfreiwillig leistete. Seine Vorfahren wurden in ihm lebendig. Er sah oft im Geiste seinen unbeugsamen Gro�vater, wie er mit schweren, besitzergreifenden Schritten �ber seine �cker ging. Ein reichsfreier Bauer, der nur dem Kaiser seinen Tribut zollte.</style></p><p><style name="font2">In diese Gedankeng�nge hinein platzte eines Abends nach Dienstschlu� der �Spie߫ mit einem ungeheuerlichen Befehl.</style></p><p><style name="font2">�Musketier Baum, er ist f�r die n�chsten zwei Tage abkommandiert, um beim Leutnant den Reitburschen zu machen. Hat er verstanden?�</style></p><p><style name="font2">Michel glaubte nicht recht geh�rt zu haben. Dieses junge B�rschchen wagte es, ihm durch den Kompaniefeldwebel einen derartig entw�rdigenden Dienst antragen zu lassen! Nur mit W�rgen brachte er das �Jawohl� �ber die</style></p><p><style name="font2">Lippen. In ihm begann es zu kochen. Er stapfte durch die Stube, ohne sich um seine Kameraden zu k�mmern, und ballte die F�uste. Was sollte er tun? �</style></p><p><style name="font2">Am n�chsten Morgen war er fr�hzeitig zum Ausritt fertig.</style></p><p><style name="font2">Als der Leutnant kam, machte er gewohnterma�en seine Ehrenbezeigung.</style></p><p><style name="font2">�Baum�, sagte Eberstein, �ich habe Euch genommen, weil ich annehme, da� Ihr die n�tige </style><style name="font2">Erziehung habt, einer Dame den Steigb�gel zu halten. Ihr werdet uns in geb�hrendem Abstand </style><style name="font2">begleiten, um etwaige Hilfeleistungen zu geben.�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum dr�ckte die bequeme Reitm�tze tief ins Gesicht, um zu verhindern, da� sein Vorgesetzter die R�te bemerkte, die ihm siedend ins Gesicht scho�. Die F�uste, die den Z�gel hielten, waren verkrampft. Die Kn�chel schimmerten wei�. Ohnm�chtiger Zorn sch�ttelte den Musketier, der kaum wu�te, wie er seiner Wut Herr werden sollte. Es war ihm nicht klar, ob Eberstein ihn zu seinem pers�nlichen Dienst aus Bosheit oder Gedankenlosigkeit befohlen hatte. Sie ritten, ohne ein Wort zu sprechen, aus dem Tor und die Hauptstra�e entlang. Michel sah nicht auf. Verbissen stierte er auf den Hals seines Pferdes, eines ausgezeichneten Pferdes �brigens.</style></p><p><style name="font2">Da drang die Stimme des Leutnants an sein Ohr: �Wartet hier. Wir sind an Ort und Stelle.�</style></p><p><style name="font2">Eberstein warf ihm die Z�gel zu und betrat ein Haus. Michel glaubte seinen Augen nicht zu trauen, als er das der Ecks erkannte. Dunkle Ringe tanzten vor seinen Augen. Nun fehlte nur noch, da� die Dame...</style></p><p><style name="font2">Er brauchte diesen Gedanken nicht erst zu Ende zu spinnen. In diesem Augenblick kam der Leutnant wieder heraus und f�hrte seine Dame am Arm. Es war Charlotte Eck.</style></p><p><style name="font2">Michel dachte nicht daran, vom Pferd zu steigen, um der einstigen Jugendgespielin in den Sattel </style><style name="font2">zu helfen. Sollte sich der aufgeblasene Eberstein gef�lligst selbst bem�hen.</style></p><p><style name="font2">Der Leutnant fiel in seinen dienstlichen Ton zur�ck, als er fragte:</style></p><p><style name="font2">�Was hat er, Musketier? Will er nicht der Dame behilflich sein?�</style></p><p><style name="font2">Statt einer Antwort wandte sich Michel pl�tzlich an das sch�ne M�dchen.</style></p><p><style name="font2">�Du glaubst doch nicht im Ernst, Charlotte, da� ich dir auf den Gaul helfe?�</style></p><p><style name="font2">Charlotte Eck starrte ihn mit kreidebleichem Gesicht an.</style></p><p><style name="font2">�Du � du--bist es, Michel?�</style></p><p><style name="font2">�Erstaunlich, da� du dich meiner �berhaupt noch erinnerst. Ist doch eigenartig, wie so eine schneidige Leutnantsmontur im Handumdrehen selbst den anst�ndigsten M�dchen die K�pfe verdreht.�</style></p><p><style name="font2">�La� dir erkl�ren, Michel...�, sagte Charlotte und trat hastig auf den Freund zu und streckte ihm die Hand entgegen.</style></p><p><style name="font2">Michel machte eine wegwerfende Geste.</style></p><p><style name="font2">�Erkl�re deinem buntberockten Leutnant, was du zu erkl�ren hast. Michel Baum ist ein Musketier des Landgrafen und hat zu gehorchen.�</style></p><p><style name="font2">Der Leutnant, der bis jetzt sprachlos der Szene gefolgt war, half Charlotte selbst in den Sattel. Doch kaum sa� sie oben, als Michel pl�tzlich die Reitpeitsche </style><style name="font2">mit beiden F�usten packte und den dicht vor ihm stehenden Pferden einige Hiebe versetzte, da� diese mitsamt ihren Reitern laut wiehernd durchgingen.</style></p><p><style name="font2">Michel gab seinem eigenen Tier die Sporen und raste , mit laut anfeuernden Rufen hinter ihnen her. Charlotte hielt sich vorbildlich im Sattel. Schlechter allerdings war es um den Leutnant bestellt. Er hatte die B�gel nicht mehr zur rechten Zeit erwischen k�nnen. Und so klebte er jetzt f�rmlich wie ein Affe auf dem wild dahin-galoppierenden Pferd.</style></p><p><style name="font2">Immer weiter ging die wilde Jagd. Bald war der Stadtrand erreicht. Drau�en auf der freien Landstra�e brach pl�tzlich Charlottes Pferd nach links aus. Das des Leutnants fegte geradeaus weiter. Michel folgte Charlotte. Kurz vor dem nahen W�ldchen brachte sie endlich ihr Pferd zum Stehen und sprang ab. Kurz darauf stand auch Michel neben ihr. Ohne ein Wort zu sagen, schaute er sie an. Dann murmelte er:</style></p><p><style name="font2">�Ich kann es nicht glauben! Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen h�tte, so w�rde ich es auch nicht glauben.�</style></p><p><style name="font2">In Charlottes Augen schimmerten Tr�nen.</style></p><p><style name="font2">�Glaubst du denn im Ernst, da� dich dieser adlige Laffe heiraten wird, dich, eine B�rgerliche?</style></p><p><style name="font2">Nicht einmal das Geld deines Vaters k�nnte ihn dazu bringen!�</style></p><p><style name="font2">Endlich hatte sich Charlotte gefa�t. Rasch trat sie auf Michel zu.</style></p><p><style name="font2">�Du nimmst doch nicht etwa an, da� ich mit jenem Herrn von Eberstein etwas habe?�</style></p><p><style name="font2">Michel sch�ttelte den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Wie sollte ich nicht, da er doch bereits am fr�hen Morgen mit dir ausreitet?�Charlotte holte pl�tzlich aus und gab ihm eine schallende Ohrfeige.</style></p><p><style name="font2">�Damit du es genau wei�t. Der Graf von Eberstein war gestern bei uns zu Gast, der alte Graf nat�rlich. Er hatte Gesch�fte mit meinem Vater. Bei dieser Gelegenheit bat mich sein Sohn, ihm die Freude eines Spazierritts zu machen. Auf Wunsch meines Vaters sagte ich zu. Und ganz abgesehen davon h�ttest du dich ja schon lange einmal bei uns sehen lassen k�nnen. Wie kommst du �berhaupt zu dieser Uniform?� �Setzen wir uns�, sagte Michel. �Ich habe dir vieles zu erz�hlen. Zum Beispiel, ein wie ehrenwerter Mann dieser junge Eberstein ist, so ehrenwert, da� ich es ihm allein verdanke, heute zur Sklavenarmee Seiner Hoheit des Landgrafen zu geh�ren, statt als wohlbestallter Medicus in Kassel Kranken zu helfen.�</style></p><p><style name="font2">Michel geriet in Hitze, w�hrend er seine Erlebnisse wiedergab.</style></p><p><style name="font2">�Sollte ich vielleicht als sch�biger Musketier dir oder deinen Eltern meinen ersten Besuch nach so langer Zeit machen?�</style></p><p><style name="font2">�Und was wird nun?� fragte die praktische Charlotte, die den feinen Instinkt f�r verfahrene Situationen von ihrem Vater geerbt hatte, einem vielbegehrten und gern gesehenen Handelsmann in Kassel.</style></p><p><style name="font2">Michel machte eine hilflose Geste.</style></p><p><style name="font2">�Sie werden mich exekutieren, wenn ich zur�ck in die Kaserne reite.�</style></p><p><style name="font2">�Exekutieren? Du meinst doch nicht �erschie�en� wegen dieser Lappalie?�</style></p><p><style name="font2">�Lappalie?� lachte Michel bitter auf. �Du scheinst dir keine Vorstellung davon zu machen, </style><style name="font2">welch schweres Vergehen ich mir durch Widersetzlichkeit gegen meinen </style><style name="font2">Vorgesetzten habe zuschulden kommen lassen. Diese Burschen sind verdammt unempfindlich, </style><style name="font2">wenn es nur um die Haut eines dreckigen Musketiers geht. � Aber da kommt ja der Herr </style><style name="font2">Leutnant schon geritten. Du wirst gleich ein wundersch�nes Donnerwetter aus seinem unreifen </style><style name="font2">Mund h�ren.�</style></p><p><style name="font2">Tats�chlich kam Leutnant von Eberstein herangetrabt. Er konnte einen Ausdruck des Staunens nicht unterdr�cken, als er das so friedlich scheinende Bild da vor sich im Grase sah. Ohne sich um die Dame zu k�mmern, wandte er sich an Michel.</style></p><p><style name="font2">�Heda, Musketier Baum, sitz er auf und reite er mit mir zur�ck ins Quartier. Der Schlag mit der Peitsche wird ihn teuer zu stehen kommen.�</style></p><p><style name="font2">Michel blieb ruhig sitzen und begann � zu pfeifen. Er schien seinen Vorgesetzten �berhaupt nicht zu bemerken. In den H�nden hielt er eine stabile Weidengerte, die ungef�hr die L�nge eines S�bels hatte.</style></p><p><style name="font2">�Ich finde Euer Benehmen in Gegenwart einer Dame unm�glich, Herr Leutnant�, versuchte Charlotte mit schmollendem Gesicht die Situation zu retten.</style></p><p><style name="font2">�Und ich das Eure zumindest merkw�rdig�, entgegnete Eberstein unh�flich. Dann wandte er sich wieder an Michel: �Los jetzt, Baum, steh er auf und folge er mir unverz�glich!� �Und wenn ich es nicht tue?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font2">�So werde ich ihn mit dem Degen zwingen!� schrie ihn Eberstein an, ri� seine Waffe aus der </style><style name="font2">Scheide und sprang vom Pferd.</style></p><p><style name="font2">Michel blieb vorl�ufig sitzen und l�chelte ihn an.</style></p><p><style name="font2">�Wir hatten schon einmal das zweifelhafte Vergn�gen miteinander, Eberstein. Ich nehme an, er wei�,da� ich eine gute Klinge f�hre. Erinnert er sich noch daran, als ich das ungl�ckliche M�dchen des Krugwirtes von seinen schmutzigen Fingern befreite?�</style></p><p><style name="font2">Rudolf von Eberstein lief rot an. Sein Gesicht verzerrte sich in ma�loser Wut. Die Erw�hnung jenes unliebsamen Zwischenfalls in Gegenwart einer Dame, die er heimlich verehrte, schien ihm das Ma� zum �berlaufen zu bringen. Ein schneller Blick streifte des ungehorsamen Musketiers H�fte. Aufatmend stellte er fest, da� dieser keine Waffe bei sich trug. Er war gekleidet, wie es die Dienstvorschrift verlangte.</style></p><p><style name="font2">�Sitz er auf und reite er voraus ins Quartier!� befahl er nochmals und schwang drohend den Degen.</style></p><p><style name="font2">Pl�tzlich stand Michel auf den Beinen. Die starke Weidengerte schwang in seiner Hand. �Pa� auf, Charlotte�, rief er �berm�tig, �jetzt werde ich vor deinen Augen meinen Leutnant verpr�geln.�</style></p><p><style name="font2">Mit einem Wutschrei st�rzte sich Eberstein mit gez�cktem Degen auf den unversch�mten Widersacher.</style></p><p><style name="font2">Da zischte die Gerte durch die Luft. Schlag auf Schlag sauste auf den ungl�cklichen Leutnant nieder, der einem Fechter wie Michel nicht gewachsen war, auch wenn dieser nur mit einem Rohrstock focht.</style></p><p><style name="font2">Der Degen schnitt seine Kerben in die weiche Gerte. Der Stecken verk�rzte sich St�ck um St�ck. Da, eine Quart, eine Prim, ein schneller R�ckzieher, sauber ausgef�hrt, und wieder eine Quart, und der Leutnant lie� den Degen fahren. Er fuhr sich mit schmerzverzerrtem Gesicht �ber die aufgeplatzte Wange. Michel begann wieder zu pfeifen.</style></p><p><style name="font2">Erst Charlottes entsetzte Augen lie�en ihn wieder verstummen. Das M�dchen warf pl�tzlich die Arme um seinen Hals und schluchzte:</style></p><p><style name="font2">�Mein Gott, Michel, was hast du da angerichtet! Man wird dich nun vielleicht tats�chlich exekutieren.�</style></p><p><style name="font2">Der Leutnant schwang sich auf sein Pferd und trabte ohne ein weiteres Wort von dannen. Michel strich dem M�dchen z�rtlich �bers Haar.</style></p><p><style name="font2">�Beruhige dich, niemand wird mich exekutieren. Ich werde diesem Burschen gar nicht erst </style><style name="font2">Gelegenheit geben, �ber mich zu Gericht zu sitzen. Weshalb sollte ich wohl dorthin </style><style name="font2">zur�ckgehen, wo ich ohnehin nie freiwillig gewesen bin?�</style></p><p><style name="font2">�So willst du desertieren?� Charlottes Augen weiteten sich vor Schreck.</style></p><p><style name="font2">�Was hei�t hier desertieren? Wenn ich einen Eid auf den Landgrafen geleistet habe, nur, um </style><style name="font2">nicht f�r ewig im Gef�ngnis zu sitzen, so wird mich kein Gott daf�r bestrafen, wenn ich ihn nicht </style><style name="font2">halte.�</style></p><p><style name="font2">�Aber wenn sie dich dann fangen, Michel?� Es lag eine Welt von Z�rtlichkeit in diesem Wort �Michel�.</style></p><p><style name="font2">Michel lie� sich im Gras nieder und zog seine Begleiterin neben sich. Ringsum war Ruhe. �Pfeif, Michel�, bat Charlotte. Sie mochte sein Pfeifen gern.</style></p><p><style name="font2">Und Michel pfiff. Lange sa�en sie so. Es mochte etwa eine halbe Stunde vergangen sein, als Charlotte pl�tzlich auf die Landstra�e wies. Heftig packte sie Michels Arm und rief erschrocken: �Sieh, dort kommt ein berittenes Milit�rkommando. Die werden sicher den Auftrag haben, dich zu suchen.�</style></p><p><style name="font2">Michel verstummte j�h, und dann trat ein Ausdruck in seine Augen, der sein Gesicht fremd machte.</style></p><p><style name="font2">�Die Kopfj�ger des Landgrafen�, stie� er durch die Z�hne. �Sie d�rfen mich hier nicht sehen. Ich ziehe mich in den Wald zur�ck. Sieh zu, da� du sie von meiner F�hrte abbringen kannst. Bevor ich Hessen verlasse, mu� ich dich noch einmal sehen.�</style></p><p><style name="font2">Sie streckte die Arme nach ihm aus, aber da sa� er schon auf seinem Pferd und ritt in den Wald hinein. In wenigen Augenblicken hatten ihn die B�ume verschluckt.</style></p><p><style name="font2">Charlotte Eck stieg jetzt auf und ritt �ber das Feld dahin, wie Damen auf einem Spazierritt reiten. Es war keine Hast in den Bewegungen ihres Tieres. Ro� und Reiterin boten ein harmonisches Bild des Friedens.</style></p><p><style name="font2">Als sie auf die Landstra�e einbog, waren die Reiter des Landgrafen pl�tzlich neben ihr.</style></p><p><style name="font2">�Hallo, Ihr da�, rief der Anf�hrer, w�hrend er fl�chtig die Hand zur M�tze f�hrte, �habt Ihr einen Musketier zu Pferde gesehen?�</style></p><p><style name="font2">Charlotte Eck reagierte gar nicht auf den Anruf. Der Anf�hrer, ein Wachtmeister, wiederholte seine Frage.</style></p><p><style name="font2">�Meint er mich mit seiner unverfrorenen Fragerei?�</style></p><p><style name="font2">Der Wachtmeister wurde rot. Seine Leute grinsten schadenfroh. Dann aber besann er sich wieder auf seine Mission. Schlie�lich sollte er ja einen Deserteur fangen. Da durfte man nicht w�hlerisch in den Mitteln sein. Die junge Dame da vor ihm war weit und breit der einzige Mensch, der den entflohenen Musketier gesehen haben konnte. �Im Namen des Landgrafen�, rief er, �antwortet!�</style></p><p><style name="font2">�Er hat eine Art und Weise, mit Damen umzugehen, �ber die ich mich beim Landgrafen beschweren werde. La� er mich jetzt in Ruhe.� Unbeirrt ritt sie weiter.</style></p><p><style name="font2">Der pflichtbewu�te Wachtmeister folgte ihr hartn�ckig. �Nicht bevor Ihr mir Auskunft gegeben habt!�</style></p><p><style name="font2">�Was k�mmert mich schon ein entlaufener Musketier! Vorhin kam hier wohl ein Reiter vorbei, der geradewegs die Stra�e dort weitergeritten ist. Ob er ein Musketier war, vermag ich nicht zu sagen. Ihr seht doch alle gleich aus in den Monturen.� �Dort entlang?� vergewisserte er sich noch einmal.</style></p><p><style name="font2">�Nat�rlich, dort entlang, er w�re mir gar nicht aufgefallen, wenn er nicht ein Frauenzimmer bei sich gehabt h�tte.�</style></p><p><style name="font2">�Ah�, freute sich der Wachtmeister, �eine Dame, sagt Ihr?�</style></p><p><style name="font2">�Dame�, antwortete Charlotte wegwerfend, �nennt er ein Frauenzimmer, das sich zu so fr�her </style><style name="font2">Stunde bereits mit einem Musketier vor der Stadt herumtreibt, etwa eine Dame?�</style></p><p><style name="font2">Die Reiter grinsten. Ihnen schien das resolute M�dchen zu gefallen. Es machte ihnen ungeheuren </style><style name="font2">Spa�, ihren Wachtmeister so abgekanzelt zu sehen.</style></p><p><style name="font2">Der Wachtmeister aber schien nicht so viel Humor zu besitzen.</style></p><p><style name="font2">�M��igt Euch, Madame, die Dame, von der ich sprach, war die Tochter des hochwohll�blichen Kaufund Handelsmannes Eck in Kassel. Sie w�rde eine Anklage wegen Beleidigung erheben, wenn ich erz�hlte, da� Ihr sie Frauenzimmer nanntet.� Charlotte k�mpfte m�hsam gegen ein Lachen.</style></p><p><style name="font2">�Pah�, sagte sie in abf�lligem Ton. Dann k�mmerte sie sich nicht mehr um den Wachtmeister. Dieser gab seiner Patrouille einen Wink. Die Reiter stoben im Galopp davon. Aufatmend wandte Charlotte ihr Pferd, und als sie sich vergewissert hatte, da� sich niemand mehr um sie k�mmerte, ritt sie wieder dem Wald zu.</style></p><p><style name="font2">Es war gegen Mittag desselben Tages, als Andreas Baum aus seinem Tabakladen trat. Kundschaft war um diese Stunde nicht zu erwarten. So setzte er sich auf die Bank vor seiner T�r in die Sonne. Die nie verl�schende Pfeife zwischen den Z�hnen, dachte er �ber die Dinge des Daseins nach. Immer wieder schweifte sein Blick hin�ber in die Kasernements, in denen sein : Sohn als Musketier diente. Um Michel, dessen Leben so vielversprechend begonnen hatte, machte er sich von Tag zu Tag mehr Sorgen. Da hatte sich der Junge nun Jahr f�r Jahr brav durch die Universit�t geschlagen, hatte endlich seinen Doktor gemacht, um jetzt als unbedeutender Musketier den Soldatenrock zu tragen.</style></p><p><style name="font2">Es wollte Andreas Baum nicht in den Sinn, da� all das schwerverdiente Geld, mit dem er das Studium seines Sohnes in Rostock finanziert hatte, nur dazu ausgegeben worden sein sollte, damit der Herr Landgraf von Hessen-Kassel einen akademisch gebildeten Musketier in seinem Heer hatte. Dazu kam dann noch die Ungewi�heit �ber das sp�tere Schicksal der Soldaten, die nach Amerika fahren sollten, um gegen jenen rebellischen General Washington zu k�mpfen. Was hatte denn eigentlich Kassel mit Washington zu tun? Andreas stopfte seine Pfeife und z�ndete sie wieder an.</style></p><p><style name="font2">Wie war das �berhaupt mit diesem General Washington und seinen Anh�ngern? Sie wollten sich </style><style name="font2">von der englischen Krone freimachen. Sie wollten keinen K�nig mehr �ber sich haben, sondern </style><style name="font2">sich selber regieren, �hnlich wohl wie die Schweizer. Wenn sie aber keinen </style><style name="font2">K�nig hatten, dann war auch kein Landgraf da, der seine Soldaten an fremde M�chte verkaufen </style><style name="font2">konnte, um seine Privatkassen aufzuf�llen. Hm, eigentlich gar nicht schlecht. Und gegen so </style><style name="font2">einen Washington sollte Michel Baum, Nachkomme eines reichsfreien Bauern, k�mpfen? W�re </style><style name="font2">es nicht viel besser, er k�mpfte f�r ihn? � Nun, das w�rde er mit Michel in den n�chsten Tagen </style><style name="font2">einmal besprechen, wenn der Junge abends auf ein St�ndchen frei hatte.</style></p><p><style name="font2">Eine Stimme weckte Andreas aus seinem Br�ten.</style></p><p><style name="font2">�Ist er der Tabakh�ndler Baum?� fragte ein Korporal in barschem Ton.</style></p><p><style name="font2">Andreas Baum sah erstaunt auf.</style></p><p><style name="font2">�Ja, nat�rlich, der bin ich. Was wollt Ihr?�</style></p><p><style name="font2">�Hat er seinen Sohn gesehen?�</style></p><p><style name="font2">�Mein Sohn ist der Musketier des Landgrafen. Er hat jetzt Dienst. Wie kann er da hier sein?�</style></p><p><style name="font2">Der Korporal sah den Alten lange an.</style></p><p><style name="font2">�So wei� er noch nicht, da� sein Sohn desertiert ist?�</style></p><p><style name="font2">Andreas Baum fuhr auf.</style></p><p><style name="font2">�Desertiert? Seid Ihr wahnsinnig?�</style></p><p><style name="font2">�Ganz und gar nicht. Es ist, wie ich sage. Wir dachten, wir w�rden ihn hier finden.� Jetzt erst bemerkte Andreas, da� sein ganzes Haus umstellt war. �Sucht�, sagte er kurz und klopfte seine Pfeife aus.</style></p><p><style name="font2">�Jawohl�, sagte der Korporal, �das werden wir. Und wehe ihm, wenn wir ihn hier versteckt finden.�</style></p><p><style name="font2">Andreas Baum w�rdigte den Mann keines Blickes mehr. Nicht eine Hand machte er krumm, als die Leute das Haus vom Boden bis zum Keller durchk�mmten.</style></p><p><style name="font2">Als die ersten Soldaten ihren Auftrag durchgef�hrt hatten, fragte der Korporal:�Habt ihr was gefunden?�</style></p><p><style name="font2">Die Leute sch�ttelten die K�pfe. Ein kleiner, rothaariger Bursche, der einen verschmitzten, gerissenen Eindruck machte, hielt dem Korporal ein kleines, graues B�chlein hin und meinte: �Vielleicht ist das von Nutzen, Herr Korporal.� Der Angesprochene nahm es in die Hand und bl�tterte es fl�chtig durch.</style></p><p><style name="font2">�Was soll ich mit der Schwarte? Es ist Englisch. Ich kann es nicht lesen.�</style></p><p><style name="font2">Er wollte es dem alten Baum aush�ndigen. Da legte sich derjenige, der es gefunden hatte, ins </style><style name="font2">Zeug.</style></p><p><style name="font2">�Behaltet es, Herr Korporal. Haben wir schon den Deserteur nicht gefunden, so k�nnt Ihr Euch mit diesem Buch einen Namen machen und wohl gar ein Sternchen dazuverdienen.� �Er redet dummes Zeug!� knurrte ihn der Vorgesetzte an, der sich in seinen geheimsten W�nschen von einem seiner Untergebenen ertappt sah. Er fragte dann aber doch: �Was ist das f�r ein Buch?�</style></p><p><style name="font2">�Die Verfassung der Rebellen in Amerika, mit denen der englische K�nig in Fehde liegt, ein B�chlein, das wohl Unheil anrichten kann in den K�pfen von ehrsamen B�rgern, die ihrem K�nig oder ihrem F�rsten den Zehnten nicht mehr geben wollen.�</style></p><p><style name="font2">Der Korporal drehte und wandte das Pamphlet in seiner Hand und steckte es dann in seine Tasche. Er konnte sich zwar nicht vorstellen, was dieses B�chlein mit der Flucht des Musketiers zu tun haben sollte, wollte sich aber vor den Soldaten keine Bl��e geben. Er lie� seine Leute antreten und kommandierte: �Rechts um! Marsch!�</style></p><p><style name="font2">Andreas Baum sah auf die Uhr. Es war, jetzt drei Uhr nachmittags, die Stunde, wo die Bank gegen�ber ihre Schalter wieder �ffnete. Andreas Baum war ein Mann von schnellen Entschl�ssen. F�r ihn stand es fest, da� Michel irgendwann noch einmal auftauchen w�rde, um Abschied zu nehmen. Es konnte nicht schaden, wenn man ein paar hundert Gulden im Haus hatte. Andreas dachte keine Minute daran, seinem Sohn Vorw�rfe zu machen. Ein Baum eignete sich nicht zum Soldatspielen. Und was hie� hier schon Deserteur? Bei solcher Rechtsprechung seines Landgrafen, die jedem Recht Hohn sprach!</style></p><p><style name="font2">Als der Abend hereinbrach, lag ein fertig geschn�rtes, wohlgepacktes B�ndel im Schlafzimmer des Alten. Er selber sa� auf seinem Bett und wartete. Ein bi�chen wehm�tig war ihm wohl ums Herz. Aber er hatte das feste Vertrauen, da� Michel sich �berall durchbei�en werde. Als die Sonne untergegangen war, klopfte drau�en jemand leise an die T�r. Andreas stieg die Treppen hinunter und �ffnete. Er war sichtlich entt�uscht. Der Ank�mmling war Charlotte Eck. �Seid Ihr allein, Vater Baum?� fragte sie schnell.</style></p><p><style name="font2">�Komm herein, Kind�, nickte der Alte. �Willst du Tabak f�r deinen Vater?� Charlotte schlo� die T�r hinter sich, dann fl�sterte sie leise: �Ich komme von Michel. Wahrscheinlich wi�t Ihr schon, was geschehen ist?� Der Alte war wie elektrisiert. Er packte des M�dchens Arm und fragte gespannt: �Werden sie ihn auch nicht kriegen?�</style></p><p><style name="font2">�Nein. � Er liegt zur Zeit in meinem Zimmer unter dem Bett. Dort vermutet ihn bestimmt niemand. Nicht einmal Vater oder Mutter wissen, da� er sich dort verborgen h�lt. Er wollte nicht mehr hierherkommen, um Euch nicht zu gef�hrden; denn Ihr wi�t, auf dem Beherbergen eines Deserteurs stehen hohe Strafen.�</style></p><p><style name="font2">�Und du l��t ihn in deinem Zimmer unter dem Bett liegen, M�del? Wenn sie dich nun...� Charlotte unterbrach ihn hastig, wobei sie gewaltsam die Tr�nen zur�ckhalten mu�te. �Ihr wi�t, Vater Baum, da� der Michel und ich uns immer � immer gut waren...� �Schon gut, M�del�, sagte der Alte. �Ich gehe nur das B�ndel holen, das ich schon f�r ihn </style><style name="font2">zurecht gemacht </style><style name="font2">habe.�</style></p><p><style name="font2">Er lief die Treppen hinauf und erschien gleich darauf wieder mit dem Gep�ck. Einen Degen hatte er auch in der Hand.</style></p><p><style name="font2">�Er soll diese Waffe mitnehmen. Sie hat eine echte Damaszener Klinge. Ein Baum stirbt lieber, als da� er sich seinen Feinden widerstandslos ergibt. Sag ihm das. � Und ich lasse ihm viel Gl�ck w�nschen. Er soll die Rebellen in Amerika gr��en von einem alten deutschen Mann, der sie um das, was der Korporal heute bei mir fand, beneidet. Sag ihm das, M�del, h�rst du?� �Was fand denn der Korporal hier, Vater Baum?�</style></p><p><style name="font2">�Ein Ding, so ein kleines Buch, in dem irgend etwas von der Freiheit steht, von der Freiheit des B�rgers, glaub ich, Verfassung oder so �hnlich hei�t das. Na, Michel wird es schon wissen. � Nun geh, mein Kind. Ich bleibe hier. Man k�nnte Verdacht sch�pfen, wenn ich jetzt mit dir ginge. Sag ihm, er soll seinen alten Vater nicht vergessen � und � ich h�tte es genau so gemacht wie er. Adieu!�</style></p><p><style name="font2">Damit schob er das sprachlose M�dchen mit dem B�ndel zur T�r hinaus. Dann war es mit seiner Selbstbeherrschung vorbei. Die Tr�nen rannen ihm unaufh�rlich �ber die Wangen. Sich heftig schnauzend, zog er an der Pfeife und entlockte ihr wahrlich riesige Qualmwolken.</style></p><p><style name="font2">Als Charlotte Eck nach Hause kam, erlebte sie eine unliebsame �berraschung. Trotz der sp�ten Stunde hatten ihre Eltern noch Besuch. Bevor sie das Empfangszimmer betrat, blieb sie an der T�r stehen und lauschte. Kaum hatte sie jedoch die ersten Laute vernommen, als sie auch schon die Treppe emporhastete und in ihr Zimmer st�rzte.</style></p><p><style name="font2">Dort sa� Michel auf ihrem Bett, als w�re das die gr��te Selbstverst�ndlichkeit der Welt. �Mein Gott�, fl�sterte sie �ngstlich, �du bist verloren, wenn man dich hier findet. Leutnant von Eberstein ist mit seinem Vater unten bei den Eltern zu Besuch.�</style></p><p><style name="font2">�Ich wei߫, nickte Michel. �Ich sah sie kommen. Sie sind schon seit einer halben Stunde da.� �Und du sitzt hier so ruhig? Bedenke, da� meine Eltern keine Ahnung von deiner Anwesenheit haben. Wenn sie nun zuf�llig in das Zimmer gekommen w�ren...?� Michel l�chelte.</style></p><p><style name="font2">�Du sollst nicht mehr lange in tausend �ngsten schweben. Hast du das Kleiderb�ndel? Dann </style><style name="font2">ziehe ich mich rasch um und gehe.�Pl�tzlich weinte Charlotte auf.</style></p><p><style name="font2">�Ach, Michel�, fl�sterte sie, �werden wir uns wohl je wiedersehen?�</style></p><p><style name="font2">Michel strich ihr tr�stend �ber das Haar.</style></p><p><style name="font2">�Wer wei�, was das Schicksal mit uns allen vorhat?�</style></p><p><style name="font2">�Kannst du mich nicht mitnehmen?�</style></p><p><style name="font2">�Aber Charlotte, was w�rden deine Eltern sagen? Bedenke, ich bin ein Deserteur in den Augen dieser ehrbaren B�rger und bef�rchte, da� die Herren Eberstein da unten bereits jetzt kein gutes Haar an mir gelassen haben. � Nein, Kind. Aber eines will ich dir versprechen � und das kannst du auch meinem Vater sagen � ich komme wieder. Jawohl, einmal komme ich wieder. Wann es sein wird... wer kann das wissen!</style></p><p><style name="font2">Charlotte nahm sich zusammen. M�hsam bewahrte sie ihre Ruhe und richtete ihm alles aus, was ihr Vater Baum aufgetragen hatte.</style></p><p><style name="font2">Kaum hatte Michel Hose, Hemd und Rock gewechselt, als von unten eine Stimme nach Charlotte rief. Es war die Mutter.</style></p><p><style name="font2">�Versuche, leise aus dem Haus zu kommen�, fl�sterte Charlotte und schmiegte sich zum letztenmal in die Arme des Mannes, f�r den sie heute zum erstenmal im Leben das Gef�hl der Liebe gesp�rt hatte.</style></p><p><style name="font2">�Ich werde die G�ste unterhalten�, rief sie noch leise und war dann zur T�r hinaus. Michel hielt einen Beutel in der Hand, den er zwischen den Gep�ckst�cken gefunden hatte. Er stie� einen Ruf der �berraschung aus, als er ihn �ffnete. Er enthielt eine Riesensumme Goldgulden, die zu z�hlen er sich jedoch nicht mehr Zeit nahm.</style></p><p><style name="font2">Als er den Degen umgeg�rtet hatte, �ffnete er vorsichtig die T�r und lauschte hinunter. Lebhafte Stimmen drangen an sein Ohr. Die Gelegenheit schien jetzt am g�nstigsten.</style></p><p><style name="font2">Charlotte war noch ein wenig verst�rt, als sie das Empfangszimmer betrat und die Herren artig begr��te. Der Vater sah sie mit eigenartigen Blicken an. Entr�stung stand im Gesicht der Mutter geschrieben.</style></p><p><style name="font2">�Nun, gn�diges Fr�ulein, habt Ihr Euch von dem Ritt heute morgen erholt?� fragte Rudolf von Eberstein, dessen Gesicht von einem Verbandstreifen geziert war. Charlotte l�chelte ihn freundlich an.</style></p><p><style name="font2">�F�r mich war er ja nicht besonders anstrengend. Ich glaube, ich h�tte diese Frage lieber an Euch richten sollen, Herr Leutnant.�</style></p><p><style name="font2">Der alte Eberstein, ein protzig gekleideter Geck, r�usperte sich emp�rt.</style></p><p><style name="font2">Charlottes Mutter mischte sich mit heftigem Schelten ins Gespr�ch.</style></p><p><style name="font2">�Wie kannst du es wagen, dem Herrn Leutnant eine derart vorlaute Antwort zu geben!�</style></p><p><style name="font2">Der junge Eberstein wandte sich abermals an Charlotte.</style></p><p><style name="font2">�K�nnt Ihr mir vielleicht Auskunft geben, in welche Richtung ich meine Leute schicken m��te, um den Musketier Baum abzufassen, noch bevor er an die Grenze gelangt?� Charlotte sah ihn nur ver�chtlich an. Sie sagte kein Wort.�Wei�t du nicht, wohin er sich gewandt hat?� fragte der Vater.</style></p><p><style name="font2">�Nat�rlich wei� ich das. Ganz genau sogar, Vater. Aber Ihr werdet doch nicht im Ernst glauben, da� ich meinen Verlobten verrate?�</style></p><p><style name="font2">�Ha... ha... ha�, meckerte der alte Eberstein jetzt vor Vergn�gen. �Verlobter ist gut, ha ... ha ... ha ...!�</style></p><p><style name="font2">�Nun, Vater�, fragte Charlotte, �habt Ihr nicht immer gesagt, da� Ihr es gern sehen w�rdet, wenn ich Michel einmal heiratete?�</style></p><p><style name="font2">Frau Eck sah� ihren Mann verlegen an. Der schlug seinen Blick zu Boden. Dann meinte er: �Kind, das hat sich nun nat�rlich grundlegend ge�ndert. Fr�her war die Familie Baum aller Ehren wert. Nun, da der Sohn aber zum Deserteur geworden ist, werden wir wohl diesen Plan aufgeben m�ssen.�</style></p><p><style name="font2">Da brach es aus Charlotte heraus: �Deserteur ... Deserteur ... wenn ich das schon immer h�re! Ist er denn freiwillig Musketier geworden?�</style></p><p><style name="font2">��h ... �h ... gn�diges Fr�ulein vergessen�, mischte sich jetzt der alte Graf ein, �da� er sich an meinem Sohn vergriffen hat. Deshalb ist er ins Gef�ngnis ...�</style></p><p><style name="font2">Charlotte lachte dem Grafen schallend ins Gesicht. �Ist es nicht mehr erlaubt, unerzogene Jungen in die Schranken zu verweisen, wenn sie sich an wehrlosen M�dchen vergreifen?� �Huch�, lie� sich da Frau Eck vernehmen und war dicht daran, in Ohnmacht zu versinken. �Nein, wie du sprichst, Kind! Es ist ja furchtbar, was f�r Worte so ein M�dchen von heute in den Mund nimmt.�</style></p><p><style name="font2">Dem alten Grafen schien das Thema zu heikel zu werden. Er erhob sich unvermittelt und verbeugte sich zu Frau Eck hin.</style></p><p><style name="font2">�Ich glaube, wir werden uns jetzt verabschieden, meine Gn�digste�, und zu Herrn Eck, ��h... die gesch�ftlichen Sachen besprechen wir dann wohl am besten morgen.� Charlotte stand dicht an der T�r und lauschte nach drau�en. Es war kein Laut zu h�ren. Ob Michel wohl schon in Sicherheit war?</style></p><p><style name="font2">Vater Eck �ffnete die T�r, um seine G�ste hinauszulassen, und prallte erschrocken zur�ck. Im Lichtschein stand Michel. Er hatte nicht mehr zur rechten Zeit vorbeikommen k�nnen. �Da ist er ja!� schrie Rudolf von Eberstein.</style></p><p><style name="font2">Michel trat, da er sich nun einmal ertappt sah, ins Zimmer und begann � � zu pfeifen, laut und schrill. Schaurig. Seine Augen blitzten. Sein Blick lag fest auf seinem Widersacher. Charlotte hatte die Augen geschlossen und stand an der Wand. Wie mit Kreide �berzogen war ihr Gesicht.</style></p><p><style name="font2">Rudolf von Eberstein sah seine Chancen schwinden, als er den Degen an der H�fte Michels bemerkte. Der alte Graf stand ziemlich verdattert da; denn er wu�te beim besten Willen nicht, wie er seinem Sohn helfen konnte, die Situation zu meistern.</style></p><p><style name="font2">�H�r zu, Rudolf Eberstein�, sagte Michel pl�tzlich in die lastende Stille. �Du hast mir genug angetan. Ich lasse dir zwei M�glichkeiten offen, und du kannst selbst w�hlen: entweder machen wir jetzt einen Gang, wobei ich es dann allerdings nicht nur auf deine Hose abgesehen h�tte, oder ...?�</style></p><p><style name="font2">�Oder?� fragte der alte Eberstein schnell, der offensichtlich Angst um seinen Sohn hatte. �Oder wir machen ein Gesch�ft. Du gibst mir dein Pferd, das du drau�en im Hof angebunden hast, als S�hne f�r deine Gemeinheiten. Jeder freie B�rger kann von einem gerechten Gesetz Entsch�digung f�r eine angetane Schmach verlangen. Du siehst, es ist kein unbilliges Gesch�ft. Dann sind wir quitt.�</style></p><p><style name="font2">�Nehmen Sie den Gaul�, sagte der alte Geck aufatmend, froh, seinen Sohn so billig losgekauft zu</style></p><p><style name="font2">haben.</style></p><p><style name="font2">Rudolf, der geh�rigen Respekt vor der Fechtkunst Michel Baums hatte, tat zwar im Anfang, als sei er nicht einverstanden, f�gte sich dann aber dem Beschlu� seines Vaters. Innerlich wurmte es ihn, da� er sich vor dem M�dchen, das er im stillen verehrte, nicht als Held aufspielen konnte. Die T�r fiel mit einem Krach zu. Drau�en h�rte man hastige Schritte sich entfernen. Dann scholl Hufgetrappel an die Ohren der Zur�ckgebliebenen.</style></p><p><style name="font2">Charlotte weinte leise vor sich hin. Mit jedem Hufschlag entfernte sich der Geliebte weiter von ihr.</style></p><p><style name="font2">Zwischen dem Vignemale und dem Mont Perdu, zwei �ber dreitausend Meter hohen Bergen in den Pyren�en, liegen hart an der spanisch-franz�sischen Grenze, aber schon auf spanischem Boden das Dorf Bielsa und das Schlo� Villaverde.</style></p><p><style name="font2">Es war im Sp�therbst 1774, als eines Abends der Sch�fer Pedro Jorge, der auf den H�ngen des Gebirges die Schafe und Ziegen h�tete, die dem Grafen de Villaverde y Bielsa geh�rten, erschrocken von seinem Wiesenplatz aufsprang und �ngstlich um sich blickte. Aus dem windschiefen Gebirgswald klang ein eigenartiges Pfeifen her�ber, wie es der Sch�fer noch nie geh�rt hatte. Irgendein fremdartiges Wesen mu�te die T�ne verursachen. Von hier bis hin�ber in die baskischen Provinzen hatte Pedro Leute pfeifen geh�rt. So wie jetzt jedoch noch nie.</style></p><p><style name="font2">Pl�tzlich erinnerte er sich an eine Geschichte, die er vor ein paar Wochen unten in Benasque geh�rt hatte. Dort erz�hlte man sich Wunderdinge von einem Mann, der bereits seit Monaten im Gebirge lebte, ohne da� ihn bisher jemand zu Gesicht bekommen hatte. Wenn die Hirten und J�ger von ihm sprachen, so nannten sie ihn �E1 Silbador�, was zu deutsch einfach �der Pfeifer� hei�t.</style></p><p><style name="font2">Diesem Mann r�hmte man die unerh�rtesten Abenteuer nach. Aber niemand wu�te, was Wahrheit und was Dichtung war.</style></p><p><style name="font2">El Silbador, ging es Pedro jetzt durch den Kopf. Vielleicht war der Pfeifer dort dr�ben im Wald tats�chlich jener geheimnisvolle Fremde? Wer konnte es wissen? Pedro bekreuzigte sich und fl�sterte: �Hilf, Santa Maria, Madre de Dios.� Pl�tzlich krachte ein Schu�. Das Pfeifen verstummte f�r einen Augenblick, um bald erneut einzusetzen. Pedro schmiegte sich �ngstlich an einen Baum. Da sah er, wie ein Mann aus dem Wald trat und einen ausgeweideten Gemsbock auf der Schulter trug. Der Fremde blieb stehen und musterte die Gegend. Dann schien er gefunden zu haben, was er suchte. Er schritt mit weit ausgreifenden Schritten auf eine windgesch�tzte Steinschlagh�hle zu. Dort warf er den Bock auf die Erde und entfachte ein Feuer. Ausgetrocknetes Reisig gab es an Ort und Stelle in Menge.Pedro wagte sich langsam hinter dem Baum hervor und starrte neugierig zu dem Fremden hin�ber. Wenn er jetzt den Majordomo holte, so w�rde dieser den J�ger ohne weiteres gefangen nehmen, denn die Jagd in dieser Gegend war allein der gr�flichen Familie vorbehalten, durch ein Dekret des K�nigs, wie Pedro wu�te.</style></p><p><style name="font2">Pedro hatte vor Aufregung gar nicht gemerkt, da� er dem Fremden immer n�her gekommen war. Er wurde erst stutzig, als dessen Pfeifen pl�tzlich verstummte. �Heda, hombre�, h�rte er sich pl�tzlich angerufen. �Komm her und hilf mir, dieses Prachtexemplar von einem Bock zu zerlegen. Wirst auch nicht alle Tage Gelegenheit haben, so ein saftiges St�ck Wildpret zwischen die Z�hne zu bekommen.�</style></p><p><style name="font2">Pedro trat z�gernd n�her. Argw�hnisch musterte er den Ank�mmling, der sich hier benahm, als geh�re ihm Grund und Boden.</style></p><p><style name="font2">�Was starrst du mich wie ein Wundertier an, Sch�fer?� rief der J�ger gut gelaunt. �Hast du noch </style><style name="font2">nie einen Fremden gesehen? Ich bin ein Mensch wie jeder andere.�</style></p><p><style name="font2">Damit widmete er sich wieder seinem Bock und begann erneut zu pfeifen.</style></p><p><style name="font2">Pedro stand noch immer unschl�ssig. Er dachte nach. W�rde er jetzt den Majordomo rufen, so </style><style name="font2">durfte er damit rechnen, ein Lob des allm�chtigen Haushofmeisters zu ernten. Aber was hatte er </style><style name="font2">schon von einem Lob? Der S�ckel mit den Goldst�cken sa� dem vornehmen Herrn nicht sehr locker. Andererseits konnte er sich hier zu diesem merkw�rdigen Menschen setzen und an dessen Mahlzeit teilhaben. Die ersten D�fte des lieblichen Bratens stiegen ihm bereits vielversprechend in die Nase. Pl�tzlich meldete sich der Appetit bei ihm. Er trat an das Feuer. �Wer seid Ihr, Senor?� wagte er eine sch�chterne Frage.</style></p><p><style name="font2">�Ein J�ger, der Hunger hat. Das siehst du doch. Was interessiert dich mein Name, du w�rdest ihn doch nicht verstehen.�</style></p><p><style name="font2">�Vielleicht kenne ich ihn schon�, wurde Pedro mutiger.</style></p><p><style name="font2">�Das ist unm�glich. Ich bin nicht aus Spanien. Du w�rdest ihn gar nicht aussprechen k�nnen.�</style></p><p><style name="font2">Der Sch�fer l�chelte siegesbewu�t. Dann sagte er mit selbstgef�lliger Stimme:</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid El Silbador, habe ich recht?�</style></p><p><style name="font2">Der andere lachte wie �ber einen guten Witz.</style></p><p><style name="font2">�Nenne mich immerhin so. El Silbador, nicht �bel. Pa�t gar nicht schlecht zu meiner Art, mich zu unterhalten. Du mu�t n�mlich wissen: ich pfeife gern.� Pedro sah ihn verbl�fft an.</style></p><p><style name="font2">�Eben darum hat man Euch vermutlich diesen Namen gegeben.� Jetzt war die Reihe zu staunen an dem J�ger.</style></p><p><style name="font2">�Man hat mir diesen Namen gegeben? Ja, wer denn? Ich kenne doch hier weit und breit keinen Menschen.�</style></p><p><style name="font2">�Euch kennt hier auch niemand pers�nlich.�</style></p><p><style name="font2">�Nat�rlich nicht. Ihr seid der erste Mensch, mit dem ich spreche, seit ich mich hier im Gebirge aufhalte.�</style></p><p><style name="font2">In Pedro d�mmerte es langsam. So schien der ber�hmte Silbador gar nicht zu wissen, wie bekannt er war. Die vielen Geschichten, die man sich von ihm erz�hlte, beruhten aller Wahrscheinlichkeit nach nur darr auf, da� irgendein J�ger hin und wieder einmal von fern sein schauriges Pfeifen vernommen hatte.Die Leute hier herum waren abergl�ubisch. Wenn sie etwas nicht recht fassen konnten, machten sie sogleich eine Legende daraus.</style></p><p><style name="font2">�Muy bien, Senor�, sagte der Sch�fer jetzt, �so kann ich Euch mitteilen, da� man bis hinunter nach Benasque von Euch spricht. Jeder Gebirgler hat schon von Eurer unheimlichen Pfeiferei geh�rt.�</style></p><p><style name="font2">Der Silbador schnitt sich ein gro�es St�ck vom R�cken des Bockes herunter.</style></p><p><style name="font2">�Greif zu, Sch�fer. Wenn wir eine Flasche Wein hier h�tten, so k�nnten wir auf meine Taufe</style></p><p><style name="font2">trinken.� Pedro stand auf.</style></p><p><style name="font2">�Wartet eine Minute, Senor. Ich habe Wein in meiner H�tte. Es ist zwar keiner von der besten Sorte, aber dennoch l�uft er die Kehle hinunter wie Wasser.�</style></p><p><style name="font2">Als Pedro nach kurzer Zeit mit einer Korbflasche zur�ckkehrte, warf ihm der Silbador ein silbernes Geldst�ck zu und meinte fr�hlich:</style></p><p><style name="font2">�Trink, Bruder, auf meine Rechnung. Kannst dir sp�ter neuen kaufen.� Der Bock wurde immer kleiner. St�ck um St�ck verschwand in den M�gen der hungrigen M�nner. Endlich wischte sich der Fremde mit dem Handr�cken den Mund. �Wie hei�t du, Sch�fer?� fragte er dann. �Pedro Jorge, und was ist Eures Vaters Name?� Der Fremde seufzte schwer und sah nachdenklich in die Ferne.</style></p><p><style name="font2">�Es ist kein halbes Jahr her, da nannte man mich noch Michel Baum. Na, bleiben wir bei Silbador. Glaube, da� das f�r deine Zunge einfacher ist.�</style></p><p><style name="font2">Pedro nickte und legte sich zur�ck ins Gras. Michel stocherte in der Asche, bis das Feuer wieder aufflammte. �</style></p><p><style name="font2">�Heiooo! Pedro!� kam pl�tzlich ein Ruf durch die Stille des heraufd�mmernden Abends. �Wo steckst du, verdammter Ziegenhirt?�</style></p><p><style name="font2">Pedro richtete sich auf und sah Michel verst�rt an. Dann fl�sterte er hastig:</style></p><p><style name="font2">�Versteckt Euch, Senor, wenn man Euch hier sieht und bemerkt, da� Ihr eine Gemse geschossen </style><style name="font2">habt, so wird man Euch in den Turm werfen. Der Majordomo ist ein wilder Herr, der es </style><style name="font2">besonders auf Wildsch�tzen abgesehen hat.�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum l�chelte.</style></p><p><style name="font2">�Ganz wie beim Landgrafen in Hessen�, meinte er.</style></p><p><style name="font2">�Von wem sprecht Ihr da, Senor?� wollte der Sch�fer wissen.</style></p><p><style name="font2">Michel winkte ab.</style></p><p><style name="font2">�Geh zu deinem Majordomo und sage ihm, wenn er noch alle Z�hne hat und ein paar verlieren will, dann soll er getrost hierherkommen. Ich bin Zahnzieher von Beruf.� �He! Pedro!�</style></p><p><style name="font2">Der Sch�fer rannte in die Richtung, aus der der Ruf erklungen war. Neben der H�tte hielten drei Reiter, die geradewegs vom Schlo� herauf gekommen sein mu�ten.</style></p><p><style name="font2">Der Majordomo war ein finster wirkender Mann, dessen Gesicht von einem imponierenden Vollbart umrahmt war. Die beiden Knappen neben ihm machten einen weniger furchterregenden Eindruck.</style></p><p><style name="font2">�Wo steckst du, Hund?� schrie der Haushofmeister den zitternden Sch�fer an. �H�test du so die Herde deines Herrn? Gib ihm noch eins mit der Peitsche, Juan. Diese Burschen gehorchen nur, wenn man sie hin und wieder verpr�gelt.�Juan spornte sein Pferd an, um dichter an Pedro heranzukommen.</style></p><p><style name="font2">�Gnade, Gnade, Don Manuel�, wimmerte der Sch�fer und fiel vor dem Majordomo auf die Knie. Juan holte bereits zum Schlag aus, als er von einer donnernden Stimme unterbrochen wurde: �Halt, ihr Strolche, sonst schicke ich euch in die H�lle!�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum war herangekommen. In der einen Hand hielt er seine Flinte, in der anderen den gez�ckten Degen.</style></p><p><style name="font2">�Wer bist du, verdammter Bravo, da� du es wagst, den Majordorno des Grafen de Villaverde y Bielsa so unfl�tig anzufahren!� schrie Don Manuel wutbebend mit hochrotem Gesicht. �Wer ich bin, geht dich einen Dreck an�, sagte Michel ruhig. �Wenn du mich aber noch einmal �Du� nennst, dann werde ich dir dein bi�chen Verstand aus dem Kopf hauen, du aufgeblasener Hanswurst.�</style></p><p><style name="font2">Der Majordomo sa� bewegungslos im Sattel. Derartiges war ihm in seinem vierzigj�hrigen Dasein noch nie widerfahren. Deshalb wu�te er auch nicht, wie er auf diese Beleidigung reagieren sollte. Als er sich etwas von seiner Verwunderung erholt hatte, wandte er sich an den Sch�fer. �Kennst du den Mann?�</style></p><p><style name="font2">�Es ist � es ist�, stotterte der, �es � ist � derjenige, den sie im Gebirge � El Silbador nennen.�</style></p><p><style name="font2">�Unsinn�, herrschte ihn der Majordomo an, �erz�hl mir keine M�rchen. Den Silbador hat noch kein Sterblicher zu sehen bekommen.�</style></p><p><style name="font2">Pl�tzlich horchte er erschrocken auf. Michel hatte zu pfeifen begonnen. Schauer liefen den Zuh�rern �ber den</style></p><p><style name="font2">R�cken bei den teuflischen Trillern, die er seinem Mund entlockte. Es hallte schrecklich wider in dieser echoreichen Gegend.</style></p><p><style name="font2">Die beiden Lakaien blickten angstvoll auf ihren Herrn und Gebieter. Der Majordomo aber war nicht der Mann, der sich leicht aus der Fassung bringen lie�. Gerade diesem Kerl, von dem die Leute solche Wunderdinge erz�hlten, der sich jedoch bei n�herem Hinsehen als ein ganz normaler Mensch entpuppte, wollte er zeigen, wer hier auf villaverdischem Grund und Boden etwas zu sagen hatte.</style></p><p><style name="font2">�Juan!� schrie er den Knappen an. �Warum schl�gst du diesen Ziegenhirten nicht, wie ich es dir befohlen habe? Los, schlag zu, sonst kommst du zu Hause selber auf den Bock.� Juan standen Schwei�perlen auf der Stirn. Angstvoll blickte er von seinem Herrn zu dem Fremden und wieder zur�ck. Als er jedoch Don Manuels wutverzerrtes Gesicht sah, holte er abermals aus.</style></p><p><style name="font2">Da war Michel heran. Mit unglaublicher Geschicklichkeit hielt er seinen Degen der Peitsche entgegen, die glatt durchschnitten wurde. Jetzt begann Don Manuel zu kochen. Er ri� seinen Degen aus der Scheide, sprang vom Pferd und z�ckte ihn gegen den Silbador. �Du wagst es, Kerl, meinen Knappen an der Ausf�hrung meines Befehls zu hindern!� schrie er. �Na, warte, ich werde dir den Garaus machen.� Wie ein Wilder st�rzte er sich auf Michel. Er war nicht der schlechteste Fechter. Doch es w�hrte nicht lange, bis seine Waffe im sp�rlichen Grase lag und Michels Degenspitze auf seiner Brust ruhte. �Nun, soll ich ein bi�chen mehr zudr�cken?�Don Manuel war leichenbla�. Die Schande schn�rte ihm die Kehle zu. Wenn das der Graf erfuhr, so war es um sein Ansehen geschehen. Aber es sollte noch schlimmer kommen.</style></p><p><style name="font2">Rrritsch, machte die Degenspitze. Hemd und Weste waren bis �ber den G�rtel aufgeschlitzt. Rrritsch, jetzt fiel auch die Hose.</style></p><p><style name="font2">Zwei, dreimal machte es noch rrritsch, und der Majordomo des Grafen de Villaverde y Bielsa stand nackt inmitten seiner drei Untergebenen.</style></p><p><style name="font2">�He�, sagte Michel mit ehrlicher Verwunderung. �Du bist ja noch fetter als ich dachte.�</style></p><p><style name="font2">Juan konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Pedro aber dachte bereits an die Folgen, die das </style><style name="font2">ganze Abenteuer auch f�r ihn haben konnte. Eilig hob er den Umhang auf und brachte ihn dem </style><style name="font2">Majordomo. Dieser bedeckte hastig seine Bl��e.</style></p><p><style name="font2">Michel lie� seinen Degen ein paarmal durch die Luft zischen.</style></p><p><style name="font2">�Noch jemand da, der zuviel anhat?� fragte er die beiden Lakaien.</style></p><p><style name="font2">Der Majordomo kletterte m�hselig auf sein Pferd. Die D�mmerung machte jetzt einer tiefen Finsternis Platz.</style></p><p><style name="font2">�Es ist Nacht�, sagte Michel, �da kannst du laufen, Majordomo. Gib mir dein Pferd. Ich will zum Schlo� reiten, um deinen Herrn zu besuchen.�</style></p><p><style name="font2">Mit einem schnellen Griff packte er den zappelnden Haushofmeister und ri� ihn wieder vom Pferde.</style></p><p><style name="font2">�Auf, Ihr komischen Lakaien, zeigt mir den Weg nach Villaverde�, und als diese z�gerten, �los, </style><style name="font2">vorw�rts, ich will dem Grafen nicht um Mitternacht meine Aufwartung machen.�</style></p><p><style name="font2">Die beiden Reiter setzten sich in Bewegung.</style></p><p><style name="font2">Michel folgte, ohne sich weiter um den Majordomo zu k�mmern.</style></p><p><style name="font2">�F�rchte dich nicht, Pedro�, rief er dem zur�ckbleibenden Sch�fer noch zu. �Ich komme wieder. Wenn der ehrenwerte Don Manuel seine Wut an dir ausl��t, so bekommt er alles doppelt und dreifach heimgezahlt.�</style></p><p><style name="font2">Don Manuel knirschte mit den Z�hnen. Sonst vernahm man keinen Laut aus seinem Mund.</style></p><p><style name="font2">Schlo� Villaverde lag in einem herrlichen Park. Die wei�e Fassade erstrahlte im silbernen Glanz des Nachtgestirns.</style></p><p><style name="font2">�Ihr m��t hier absteigen, Don Silbador�, sagte Juan h�flich. �Der Graf liebt es, seine G�ste zu empfangen, nachdem sie sich vom Staub der Reise gereinigt haben.� Michel sann einen Augenblick nach. Dann meinte er:</style></p><p><style name="font2">�Melde mich sofort. Ich will meine Zeit nicht vers�umen. Sonst kommt mir der verdammte </style><style name="font2">Majordomo zuvor und gibt dem Grafen einen unwahren Bericht.�</style></p><p><style name="font2">Juan schwieg einen Augenblick und betrachtete den Fremden mit erstaunten Augen.</style></p><p><style name="font2">�Ihr meint, der Majordomo h�tte es n�tig, den Grafen zu bel�gen? Das zeigt, da� Ihr die</style></p><p><style name="font2">Verh�ltnisse noch nicht ganz kennt. Der Majordomo bekommt vom jungen Grafen immer recht.</style></p><p><style name="font2">Der alte ist sowieso nur noch eine Puppe, die ja sagt, wenn man ihr auf den Bauch dr�ckt.�</style></p><p><style name="font2">Michel mu�te �ber den Vergleich lachen.</style></p><p><style name="font2">�Viel Respekt scheinst du nicht vor deiner Herrschaft zu haben. Na, mir ist es gleich, wer hier das Zepter f�hrt. Mag es sein, wie du gesagt hast, ich st�re mich nicht daran. Melde mich jetzt dem Grafen. Ich setze mich so lange auf die Freitreppe dort.� Damit schritt er hin�ber zum Schlo�aufgang.</style></p><p><style name="font2">Juan pfiff einem Pferdeknecht. Dann ging er, seinen Auftrag auszurichten. Michel sah tr�umerisch in den Mond. Vor seinem geistigen Auge tauchte der trauliche Tabakladen seines Vaters auf. Wohl versp�rte er auch ein bi�chen Sehnsucht nach seiner treuen Charlotte. Und Bitterkeit �berfiel ihn, wenn er daran dachte, da� er jetzt l�ngst als angesehener Arzt in Kassel eine Praxis haben k�nnte.</style></p><p><style name="font2">Seine Gedanken wurden von einer barschen Stimme unterbrochen.</style></p><p><style name="font2">�Bist du der Mann, den man hier den Pfeifer nennt?� Neben ihm stand pl�tzlich ein noch junger, in kostbare Gew�nder geh�llter Mann, der sich l�ssig ein Lorgnon vor die Augen hielt und den Ank�mmling von oben bis unten musterte. Michel gab sitzenbleibend den Blick zur�ck und fragte ruhig:</style></p><p><style name="font2">�Willst du dich nicht wenigstens vorstellen, wenn du ein Gespr�ch mit mir er�ffnest?� Der andere war erst ein wenig verbl�fft. Dann aber lachte er am�siert und meinte zu der ihn begleitenden Dame:</style></p><p><style name="font2">�F�rwahr, ein origineller Bursche, Marina, findest du nicht auch?�</style></p><p><style name="font2">Michel erhob sich sofort, als er der Dame ansichtig wurde, und machte eine vollendete </style><style name="font2">Verbeugung.</style></p><p><style name="font2">�Entschuldigt, Madonna, ich habe Euch nicht sogleich bemerkt.�</style></p><p><style name="font2">Die mit Madonna Angesprochene, eine sehr sch�ne Frau, neigte leicht den Kopf.</style></p><p><style name="font2">Der vornehm gekleidete Mann fragte:</style></p><p><style name="font2">�Was willst du also von mir, hombre?�</style></p><p><style name="font2">Michel stellte sich erstaunt.</style></p><p><style name="font2">�Von dir? Gar nichts. Ich m�chte den Grafen de Villaverde y Bielsa sprechen. Du kannst mich bei ihm melden.�</style></p><p><style name="font2">Juan, der die Szene aus der N�he beobachtete, ri� die Augen auf vor Staunen. Dann zog er sich immer weiter zur�ck; denn er bef�rchtete einen Wutausbruch des Mannes, der neben Dona Marina stand.</style></p><p><style name="font2">Der elegante Schlo�bewohner betrachtete den Fremden nochmals eingehend durch die Gl�ser seines Lorgnons.</style></p><p><style name="font2">�Soso�, sagte er dann. �Ich bin der Graf. Was willst du von mir?� Michel steckte eine Hand in die Tasche und fixierte sein Gegen�ber.</style></p><p><style name="font2">�Ich habe angenommen, da� in den Pyren�en, wie �berall in der Welt, Gastfreundschaft herrscht. Weshalb l��t du mich hier drau�en stehen, Graf?�</style></p><p><style name="font2">Graf Esteban de Villaverde y Bielsa blickte seine Frau an. Dann richtete er seine Augen abermals auf Michel und fragte:</style></p><p><style name="font2">�Weshalb sprichst du in so respektloser Weise mit mir, hombre? Noch dazu in Gegenwart einer Dame?�</style></p><p><style name="font2">Michel legte gleichg�ltig die Hand auf den Knauf seines Degens und warf sich die schwere Muskete, die bis jetzt an seinem Fu� gelehnt hatte, �ber die Schulter.�Deine Frage, Graf Villaverde, verbl�fft mich etwas. Ich habe in meinem Leben die Menschen stets so behandelt, wie sie mich behandelt haben. Du nennst mich sogar hombre. Da� ich ein Mensch bin, wei� ich allein. Du siehst, deine Aufkl�rung in dieser Hinsicht war v�llig �berfl�ssig, nicht wahr?� Jetzt lief der Graf vor Zorn rot an.</style></p><p><style name="font2">�Juan!� rief er, �bring mir meinen Degen. Ich will diesen Burschen Mores lehren. So eine Frechheit ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht vorgekommen.� Michel machte eine l�ssige Handbewegung.</style></p><p><style name="font2">�La� deinen S�bel, wo er ist. Du w�rdest doch den k�rzeren ziehen. Und nun sage mir, ob du mir Gastfreundschaft gew�hren wirst, wie es unter caballeros �blich ist, oder nicht. Andernfalls ziehe ich weiter.�</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid k�hn, Senor�, ergriff jetzt Marina das Wort, die mit dem sicheren Instinkt der Frau erkannte, da� sich die Lage zuspitzte. �Wir lieben es, k�hne Menschen im Hause zu haben, nicht wahr, Esteban?� Michel verbeugte sich tief.</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid bezaubernd, Madonna� (er gebrauchte diese italienische Anrede, um der Dame seine ganz besondere Reverenz zu erweisen). �Ich danke Euch f�r die Einladung.� Der Graf r�usperte sich.</style></p><p><style name="font2">�Nat�rlich seid Ihr willkommen, Senor ... Senor ...�</style></p><p><style name="font2">�Ich verga�, mich unter meinem richtigen Namen vorzustellen. Verzeiht, Don Esteban. Michel Baum hei�e ich. Nennt mich einfach Miguel. Das wird Euch besser �ber die Zunge gehen.� Der Graf zwang ein verbindliches L�cheln auf seine Lippen.</style></p><p><style name="font2">�Glaubt nicht, da� ich Euren Namen nicht aussprechen k�nnte. Er ist zwar schwer f�r eine spanische Zunge. Aber ich meistere fremde Sprachen, wie Ihr wissen m��t�, f�gte er nicht ohne Stolz hinzu.</style></p><p><style name="font2">�D�rfen wir Euch nun ins Haus bitten? Juan, trage den Dienern auf, ein Zimmer f�r den Senor vorzubereiten.�</style></p><p><style name="font2">Gerade, als sich die Gruppe dem Portal zuwenden wollte, erscholl aus der Tiefe des Parks eine w�tende Stimme:</style></p><p><style name="font2">�Don Esteban, werft den Kerl aus dem Hause. Er ist ein ganz gef�hrlicher Bursche. Er hat mich t�dlich beleidigt.�</style></p><p><style name="font2">Die Stimme geh�rte dem Majordomo. Der Graf blieb stehen und sah seinen Gast mi�trauisch an. Dann streifte er das Gesicht seiner Frau und l�chelte.</style></p><p><style name="font2">�Wir k�nnen sp�ter dar�ber sprechen, Manuel�, rief er zur�ck in den Garten. �F�rs erste gilt, was ich gesagt habe.�</style></p><p><style name="font2">Als Michel am Tisch Platz nahm, fragte ihn die Gr�fin erstaunt:</style></p><p><style name="font2">�Weshalb bringt Ihr Waffen mit zum Essen, Senor? Traut Ihr uns nicht?� Michel l�chelte beschwichtigend. �Wie k�nnte mich bei Euerm Anblick auch nur ein Hauch des Mi�trauens �berfallen, Madonna! Es ist eine alte Gewohnheit, die Waffen nie von meiner Seite zu lassen. Wenn sie Euch jedoch st�ren, dann stelle ich sie gern beiseite.�</style></p><p><style name="font2">Er erhob sich und lehnte Gewehr und Degen an die Wand. Sie standen so da, da� er sie jeden Augenblick an sich rei�en konnte. Michel traute dem Grafen nicht. Er konnte nicht sagen, warum. Aber es gibt f�r einen erfahrenen Mann einen untr�glichen Instinkt, den erniemals au�eracht lassen darf, wenn er nicht sein Leben verspielen will.</style></p><p><style name="font2">Als sie Vorspeise und Suppe genossen hatten, entschuldigte sich Don Esteban f�r einen Augenblick und ging hinaus.</style></p><p><style name="font2">�Einen sch�nen Besitz nennt Ihr Euer Eigen�, ergriff Michel das Wort. �Es ist sch�n, eine</style></p><p><style name="font2">Heimat zu haben. Das sollte man keine Stunde vergessen.</style></p><p><style name="font2">�Habt Ihr kein Zuhause?� stellte Marina die Gegenfrage.</style></p><p><style name="font2">�Leider nicht mehr. Ich verlor es vor nicht ganz einem halben Jahr.�</style></p><p><style name="font2">�Und warum, wenn man fragen darf?�</style></p><p><style name="font2">�Weil ich die Freiheit liebte und mich nicht in die menschenverachtenden Pl�ne eines geldgierigen Landesf�rsten einspannen lassen wollte. Aber das werdet Ihr kaum verstehen, Madonna. Es gibt ein Land, dort herrschen schlimme Zust�nde. Die Obrigkeit ma�t sich das Recht an, frei �ber die Untertanen zu verf�gen.� �Ihr seid aus Deutschland, Senor?�</style></p><p><style name="font2">�Ja, Madonna. Und Deutschland ist sch�n. Das Wort Heimat ist dort gepr�gt worden. Aber Deutschlands F�rsten sind Leuteschinder.�</style></p><p><style name="font2">�So seid Ihr wohl ein Anarchist, der keinen Staat �ber sich duldet?�</style></p><p><style name="font2">�So �hnlich�, l�chelte Michel. �Ihr scheint schon so manches von der Politik geh�rt zu haben, Madonna. Ich habe das Wort Anarchist noch nie aus dem Munde einer Dame vernommen.� Marina lachte auf. �M�ssen Frauen stets dumm sein?�</style></p><p><style name="font2">�Keineswegs, Madonna, ich wollte Euch nicht etwa beleidigen.� Die Gr�fin betrachtete angelegentlich ihre Fingern�gel.</style></p><p><style name="font2">�Wenn ich offen sprechen darf, Senor Baum, so glaube ich, da� Ihr durch Eure Wanderung nach Spanien vom Regen in die Traufe geraten seid. Die Freiheit, die Ihr Euch vorstellt, werdet Ihr wohl nirgends finden auf der Welt. Ich glaube aber, Ihr werdet gar nicht mehr weiterzuziehen</style></p><p><style name="font2">brauchen; denn---�, ihr Gesicht nahm pl�tzlich einen ganz anderen Ausdruck an, alle</style></p><p><style name="font2">G�te schien wie weggeblasen, gr�nlich funkelten ihre Augen, �deine Freiheit ist hier zu Ende, Bursche!�</style></p><p><style name="font2">Sie lachte h�hnisch auf.</style></p><p><style name="font2">Michel schnellte von seinem Stuhl empor und wollte an die Wand, wo seine Waffen standen. So lief er direkt in die Arme von vier starken M�nnern, die � der Teufel mochte wissen, woher sie gekommen waren, � pl�tzlich hinter ihm standen.</style></p><p><style name="font2">Im Nu war er gepackt. Und ehe er sich's versah, war er an H�nden und F��en gefesselt. Jetzt betrat auch der Graf wieder den Raum. �Nun, haben wir das nicht gut gemacht?� fragte er seine Frau.</style></p><p><style name="font2">Marina trat mit blitzenden Augen auf Michel zu, holte aus und schlug ihm mit der flachen Hand auf die Wange. Sie hatte sich v�llig gewandelt. Wie eine Katze wirkte sie jetzt. Graf Villaverde y Bielsa stand mit h�mischem Grinsen dabei.</style></p><p><style name="font2">Michels Z�ge waren zuerst steinhart geworden. Doch dann l�sten sie sich. Ein Zug der Verachtung f�r die Frau, die er soeben noch Madonna genannt hatte, pr�gte sich so deutlich in seinem Gesicht aus, da� Marina einen Moment stutzte.Da sprang die T�r wieder auf, und herein st�rzte Don Manuel, der Haushofmeister.</style></p><p><style name="font2">�Ah, habt Ihr ihn, den Kinderschreck Silbador? Vorz�glich!� br�llte er und st�rmte auf Michel zu. �Das hast du dir wohl nicht tr�umen lassen, was?�</style></p><p><style name="font2">�Ich wu�te nicht, da� noch so viele Schurken auf der Erde herumlaufen au�er dir, du Fettwanst�, sagte Michel. �Aber es wird mir eine Lehre f�r die Zukunft sein.�</style></p><p><style name="font2">�Ha, ha, ha, Zukunft�, schrie der Majordomo, �h�rt Ihr, Don Esteban, der Kerl denkt jetzt noch an seine Zukunft, als ob es so etwas �berhaupt f�r ihn g�be.� Er trat dicht an Michel heran und spie ihm ins Gesicht. Da duckte sich der Mi�handelte pl�tzlich und machte trotz der gefesselten F��e einen Satz, beugte den Kopf tief hinunter und stie� ihn mit aller Wucht dem triumphierenden Manuel in den Magen.</style></p><p><style name="font2">Aus dessen Mund kam nur noch ein St�hnen. Dann sackte er zusammen.</style></p><p><style name="font2">�In den Keller mit ihm!� schrie die Gr�fin zornig ihre Leute an. �Werft ihn in die dunkelste</style></p><p><style name="font2">Zelle, die wir haben. Dort kann er �ber seine Freiheit nachdenken.�</style></p><p><style name="font2">Acht F�uste packten den Silbador und zerrten ihn aus dem Raum.</style></p><p><style name="font2">Michel erwachte frierend. Durch das schmale, vergitterte Fensterchen fiel ein tr�ber Lichtschimmer. Z�hneklappernd erhob sich der Gefangene von seiner harten Pritsche. Durch ein paar Frei�bungen brachte er sein Blut zu schnellerer Zirkulation. Nach etwa einer halben Stunde war ihm w�rmer geworden.</style></p><p><style name="font2">Tr�bselig lie� er sich auf seiner Pritsche nieder und starrte zur feuchten Decke des Gew�lbes empor. Seine einzige Unterhaltung waren ein paar Ratten und M�use, die hin und wieder aus den schmalen Ritzen der Gesteinsquadern in die Zelle lugten.</style></p><p><style name="font2">Sp�ter erhob er sich und schritt in seinem Gef�ngnis auf und ab. Allein der Gedanke, hier nach aller Voraussicht niemals mehr herauszukommen, war unertr�glich. F�r einen Menschen, der keinerlei Werkzeug besa�, schien es unm�glich, eine der dicken Quadern aus dem Gef�ge zu l�sen.</style></p><p><style name="font2">In seinen Gedankengang hinein erscholl die Stimme eines Mannes, der drau�en im Gang stand und durch die Klappe der Zellent�r sah.</style></p><p><style name="font2">�Hier, fri߫, sagte der Posten unfreundlich und schob ihm einen halben Laib Brot und eine Kanne Wasser durch die �ffnung.</style></p><p><style name="font2">Michel Baum nahm die Nahrungsmittel an sich und fragte in gleichm�tigem Ton: �Wann werdet ihr mich h�ngen?�</style></p><p><style name="font2">�H�ngen?� feixte der Mann. �Du wirst nicht geh�ngt. Die Gr�fin sieht ihre Leute gern alt werden. Vielleicht l��t sie dich nach zwanzig Jahren mal wieder f�r eine halbe Stunde in die Sonne gucken.�</style></p><p><style name="font2">Bum! Die Klappe war zu, ehe Michel all das begriffen hatte.</style></p><p><style name="font2">Zwanzig Jahre Kerker, das bedeutete praktisch: ein Leben lang; denn was war ein Mensch noch wert, wenn er mit f�nfundvierzig Jahren zum erstenmal wieder das Licht der Welt erblickte? War er dann �berhaupt noch ein Mensch? War sein Geist, war sein Gehirn nicht bisdahin von der Lichtlosigkeit einer finsteren Zelle verdunkelt?</style></p><p><style name="font2">Michel f�hrte das Brot zum Munde. Schluckweise trank er das eisige Wasser aus dem schmutzigen Krug. Es schmeckte nach Eisen, so stark, da� es kaum zu genie�en war. Das Brot war gut. Das Kauen an sich war ein Gef�hl, das die meisten Menschen gar nicht recht zu w�rdigen verstanden.</style></p><p><style name="font2">Und in dieser bewu�ten Besch�ftigung hielt er pl�tzlich inne. Lauschend neigte er den Kopf. Klang es nicht, als klopfe jemand gegen die Wand? Sicher, es war ein ferner Laut. Vielleicht zerschlug drau�en jemand Steine. � Nein, es klang hohl und dumpf. Es war auch nicht ein einfaches, eint�niges Klopfen. Die Schl�ge erfolgten in einem bestimmten Rhythmus. Das hie� also, da� sich ein Mensch au�erhalb dieser Zelle mit ihm verst�ndigen wollte. Michel legte das Brot beiseite und sprang auf. Den Kopf horchend vorgestreckt, tastete er mit seinem Ohr die W�nde ab. Ja, hier klang es am st�rksten. Der Klopfer mu�te sich nebenan in einer anderen Zelle befinden.</style></p><p><style name="font2">Jetzt rissen die Zeichen f�r eine Weile ab. Dann setzten sie erneut wieder ein. Wenn Michel nur gewu�t h�tte, was sie bedeuten sollten.</style></p><p><style name="font2">Schlie�lich sah er sich in seiner Zelle um. Dort in der Ecke lag ein loser Stein auf dem Boden. Michel ergriff ihn und bearbeitete nun seinerseits die Wand. Dr�ben blieb es still. Der andere horchte anscheinend auf Michels Klopfzeichen, die allerdings keinerlei Sinn hatten.</style></p><p><style name="font2">So ging es eine ganze Weile hin und her.</style></p><p><style name="font2">Nach zwei Stunden h�rte der andere vollkommen auf. Er hatte wahrscheinlich eingesehen, da� er sich mit dem neuen Leidensgef�hrten auf diese Art und Weise nicht verst�ndigen konnte. Schwitzend und ersch�pft lie� sich Michel auf seiner Pritsche nieder und dachte verzweifelt nach. Wenn er nur den Schl�ssel zu den Zeichen h�tte! Nun, er hatte ihn nicht. Und das besagte: trotz Gesellschaft Einsamkeit.</style></p><p><style name="font2">Michel warf den Stein, den er solange achtlos in der Hand gehalten hatte, in die Ecke. Da setzten von dr�ben die Zeichen wieder ein.</style></p><p><style name="font2">Wenn auch nichts dabei herauskommt, dachte er, auf alle F�lle m�ssen wir die Verbindung aufrecht erhalten. Er b�ckte sich und suchte nach einem anderen Stein; denn der vorherige schien ihm zu unhandlich, zu gro�. Aber soviel er auch suchte, er fand keinen. Da nahm er den ersten wieder zur Hand und antwortete dem unbekannten Nachbarn, lie� aber bald erm�det ab.</style></p><p><style name="font2">Der Arm, der so angestrengt gearbeitet hatte, hing ihm kraftlos herunter. Er konnte einfach nicht mehr. Schon wollte er den Stein wegwerfen, als er pl�tzlich auf den Umstand aufmerksam wurde, da� dies der einzige Stein in der Zelle war. Wie leicht konnte er dem W�chter bei einer Inspektion auffallen. Man legte ihn am besten wieder auf den gleichen Platz, wo man ihn vorgefunden hatte. Dort lag er wahrscheinlich schon seit Jahren.</style></p><p><style name="font2">Michel ging in die Ecke, um seinen Vorsatz auszuf�hren. Als er in der Ecke auf den Boden blickte, stie� er einen Laut der �berraschung aus. Der Stein hatte als Deckel zu einem Loch gedient, das, etwa doppelt so stark wie ein Arm, in den Boden hineinf�hrte. Welche Bedeutung mochte dieses Loch haben?Neugierig kniete er nieder und versuchte, mit den Augen die in dem Loch herrschende Dunkelheit zu durchdringen. Es war jedoch zu finster darin, um irgend etwas zu erkennen. Vorsichtig tastete Michel mit der Hand hinunter. Er konnte keinen Grund erreichen. Es schien aber auch sonst nichts Bemerkenswertes in diesem Loch zu geben. Er stand nach einer Weile auf und pa�te den Stein in das Loch ein. Dann setzte er sich nieder und dachte angestrengt nach.</style></p><p><style name="font2">Wozu war dieses Loch da? Hatte es irgendeinen Zweck? War es bekannt oder hatte es ein anderer Gefangener gegraben? Irgendein Vorg�nger? Und war nicht unter Umst�nden sogar derjenige sein Vorg�nger, der jetzt in der anderen Zelle neben ihm sa� und versucht hatte, ihn durch die Klopfzeichen auf diesen Stein aufmerksam zu machen?</style></p><p><style name="font2">Die Gedanken taumelten durch Michels Kopf, und er konnte keine Ordnung in sie hineinbringen. Pl�tzlich sprang er auf und suchte fieberhaft den Zellenboden ab. Vielleicht fand er wenigstens ein kleines Steinchen, einen Kiesel nur, den er dort hineinwerfen konnte, um zu ergr�nden, wie tief das Loch ungef�hr sein mochte.</style></p><p><style name="font2">Der Zellenboden war glatt, so da� man sogar darauf h�tte ausrutschen k�nnen. Nicht ein Sandkorn war zu finden.</style></p><p><style name="font2">Pl�tzlich zog Michel einen seiner Stiefel aus. Er trug noch immer die gleichen, die ihm als Musketier des Landgrafen von Hessen-Kassel bei der Einkleidung verpa�t worden waren. Sie hatten sich als �u�erst strapazierf�hig erwiesen, was wohl nicht zuletzt auf die dichte Benagelung der Sohlen zur�ckzuf�hren war.</style></p><p><style name="font2">Mit dem Nagel seines Daumens versuchte er nun, langsam eine der Schuhzwecken aus dem Leder zu ziehen. Nach stundenlangen Lockerungsbem�hungen gelang ihm das auch. Hastig entfernte er abermals den Stein vom Loch, b�ckte sich dicht zur Erde nieder, um genau h�ren zu k�nnen, und warf dann den Schuhnagel hinab. Es konnte nicht tief sein, denn der</style></p><p><style name="font2">Aufprall erfolgte fast unmittelbar. Wahrscheinlich hatte er nur einen etwas zu kurzen Arm, um mit den Fingern den Boden ertasten zu k�nnen.</style></p><p><style name="font2">Noch w�hrend er kniete, wurde von au�en die Klappe wieder ge�ffnet. Hastig verschlo� Michel das Loch und murmelte ein Paternoster.</style></p><p><style name="font2">�He�, rief der W�chter, �was machst du dort auf dem Boden, du Dreckskerl?� Michel antwortete nicht, sondern hob lediglich die Stimme etwas, so da� der andere sein Gebet h�rer konnte. Als er mit einem lauten Amen geendet hatte, erhob er sich und nahm von dem grinsenden W�chter seine zweite Tagesration in Empfang, die wiederum aus einem halben Laib Brot und einer Kanne eiskalten Wassers bestand.</style></p><p><style name="font2">Auf seinem Gesicht lag eine solche innere Fr�hlichkeit, da� der Posten ihn erstaunt anstarrte. �Dir geht's wohl zu gut, hombre, was?� fragte er.</style></p><p><style name="font2">�Ich habe gebetet�, antwortete Michel strahlend. �Und es w�re mir lieb, wenn du mich in </style><style name="font2">Zukunft nicht gerade zu dieser Zeit st�ren w�rdest.�</style></p><p><style name="font2">Dem W�chter blieb der Mund offen stehen. Dann aber lachte er dr�hnend.</style></p><p><style name="font2">�Himmel und H�lle�, br�llte er, �das mu� ich der Gr�fin berichten. Die wird sich wundern, was </style><style name="font2">f�reinen frommen Vogel sie da gefangen hat. Teufel, Teufel, welch ein Spa�.�</style></p><p><style name="font2">Damit schlug er die Klappe zu.</style></p><p><style name="font2">Michel aber l�chelte.</style></p><p><style name="font2">Gott hilft einem doch manchmal auf die merkw�rdigste Weise, dachte er. Vielleicht gibt es wirklich einen Gott.</style></p><p><style name="font2">Bed�chtig, aber dennoch mit verst�ndlicher Nervosit�t, verzehrte er seine kalte Mahlzeit. Unwiderstehlich zog es ihn zu jenem geheimnisvollen Loch hin.</style></p><p><style name="font2">Pedro Jorge sa� droben auf der Weide vor seiner Sch�ferh�tte und blies sein Morgenlied auf einer eigenh�ndig geschnitzten Weidenholzfl�te. Pedro war ein begabter Schnitzer. Wenn er in den n�chsten Wochen nach Benasque kam, w�rde er den anderen etwas auf jener Fl�te vorspielen. Vielleicht konnte er sogar den fremden Senor, den sie El Silbador nannten, dazu �berreden, ihn einmal in die Stadt zu begleiten. Das w�re eine Sensation nach Pedros Herzen gewesen. Man h�tte ihn beneidet um diese Bekanntschaft. Bis hinauf ins Gebirge w�rde man davon sprechen. Wahrscheinlich w�rden sich die Leute sogar jenseits der Grenze, in Frankreich, dar�ber unterhalten.</style></p><p><style name="font2">Pedro spann seine Gedanken und achtete nicht auf seine Umgebung. Das Spiel seiner Fl�te </style><style name="font2">�bert�nte den sich n�hernden Hufschlag. So war er �berrascht, als er pl�tzlich den Majordomo </style><style name="font2">mit seinen beiden Knappen neben sich halten sah. Seine �berraschung wandelte </style><style name="font2">sich in Best�rzung. Er blickte in die wild und w�tend funkelnden Augen Don Manuels.</style></p><p><style name="font2">�Packt ihn, den verdammten Lumpen!� schrie der Haushofmeister au�er sich vor Wut. �Der </style><style name="font2">Kerl steckt mit dem pfeifenden Deutschen unter einer Decke.�</style></p><p><style name="font2">Pedro erhob sich angstvoll zitternd.</style></p><p><style name="font2">�Ihr irrt, Don Manuel, wenn Ihr glaubt, da� ich den Silbador je vorher im Leben gesehen habe. Er kam zuf�llig gestern abend hier vorbei. Er ... er ...�</style></p><p><style name="font2">�Halt's Maul, du Lump, ich will nichts h�ren. Was du wei�t, kannst du der Gr�fin vom Bock aus erz�hlen.�</style></p><p><style name="font2">Juan und der andere Knappe sprangen von den Pferden, banden dem wehrlosen Sch�fer die H�nde auf dem Bauch zusammen und fesselten ihn dann mit einer Lederleine an den Sattelknauf von Juans Pferd. Die Leine war lang genug, um dem taumelnden Sch�fer Spielraum zu lassen. Dann jagten die Reiter im Galopp davon und Pedro wurde teils geschleift, teils zum Laufen gezwungen. Immer wieder sauste dabei die Peitsche Juans auf seinen R�cken nieder. Nach einer halben Stunde gelangten sie auf den Schlo�hof.</style></p><p><style name="font2">Der Majordomo schrie, bevor er sein Pferd zum Stehen gebracht hatte, nach den Folterknechten. Pedro war fast ohne Besinnung, als man ihn auf den Bock schnallte. Gr�fin Marina trat aus dem Schlo�portal. Sie hatte ein bezauberndes L�cheln auf den Lippen. Ihr Mann begleitete sie. Sie trat auf den Sch�fer zu.</style></p><p><style name="font2">�Ich h�rte, du seist ein guter Freund des Silbador?�</style></p><p><style name="font2">�Nein, Vuestra Merced�, jammerte Pedro, �ich hab ihn gestern zum erstenmal gesehen, als er </style><style name="font2">mit einem ausgeweideten Bock aus dem Wald trat und sich ein Feuer machte, um ihn zu braten.�</style></p><p><style name="font2">�Ah�, schrie da der Haushofmeister, �wo hatte er den Bock her?�</style></p><p><style name="font2">�Ich h�rte vorher einen Schu� fallen�, berichtete Pedro mit gequ�lter Stimme.</style></p><p><style name="font2">�Caramba�, br�llte Don Manuel, �so hat der Kerl in den W�ldern des Herrn Grafen gewildert.�</style></p><p><style name="font2">�Warum hast du das nicht gleich gemeldet?� fragte die Gr�fin den ungl�cklichen Pedro.</style></p><p><style name="font2">�Ich... ich... kam... ja gar nicht mehr dazu, Vuestra Merced.�</style></p><p><style name="font2">Marina l�chelte ihn in liebensw�rdigster Weise an. Ein Ausdruck milder G�te stand in ihren Augen, als sie dann sagte:</style></p><p><style name="font2">�Du wirst mir jetzt helfen, mich ein wenig zu zerstreuen. Wisse, da� du f�r eine vornehme Dame leidest.�</style></p><p><style name="font2">Pl�tzlich sprang sie zur�ck und rief kreischend: �Schlagt zu!�</style></p><p><style name="font2">Da sausten die Peitschen auf den Sch�fer nieder. �Schlagt kr�ftiger�, schrie das rasende Weib.</style></p><p><style name="font2">Pedro heulte auf vor Schmerz. Er b�umte sich hoch. Aber die Stricke hielten fest. Das, was er erdulden mu�te, war unmenschlich. Die Knechte schlugen mit roher Kraft zu. Der Geschundene aber war zum Gl�ck bald in eine tiefe Ohnmacht gefallen. Nur hin und wieder lie� er noch ein St�hnen vernehmen.</style></p><p><style name="font2">Michel wollte sich gerade wieder �ber das Loch im Boden beugen, als ihn ein entsetzlicher Schrei zusammenzucken lie�. Er horchte auf. Der Laut mu�te von drau�en gekommen sein. Jetzt schrie ein Mensch in furchtbarster Qual auf.</style></p><p><style name="font2">Michel zog sich an den St�ben seines Fenstergitters empor. Ein entsetzter Aufschrei entfuhr ihm, als er die Pr�gelszene vor Augen hatte.</style></p><p><style name="font2">Er lie� sich wieder herunter; denn seine Kr�fte erlahmten schnell. Pl�tzlich fl�sterte eine Stimme in seinem R�cken: �Erschreckt nicht, Senor.�</style></p><p><style name="font2">Michel fuhr trotz dieser gutgemeinten Mahnung herum. An der Stelle, wo bisher das geheimnisvolle Loch gewesen war, ragte der halbe Oberk�rper eines Menschen aus dem Boden. Der Mann, der wie ein Geist aus der Erde herausschaute, legte die Finger auf die Lippen und sagte leise:</style></p><p><style name="font2">�Bitte, Senor, versucht so schnell wie m�glich, Eurer �berraschung Herr zu werden. Fa�t Euch, damit wir gleich zur Sache kommen k�nnen.� �Wer seid Ihr?�</style></p><p><style name="font2">�Ich bin Euer Nachbar, dessen Klopfzeichen Ihr nicht verstanden habt, sonst h�ttet Ihr den Gang bereits finden m�ssen. Unten im Loch ist ein Einschnitt. Wenn Ihr Eure Finger da hineingesteckt h�ttet, so h�ttet Ihr den gro�en Quaderstein, den Ihr hier jetzt aufgerichtet seht, mit Leichtigkeit zur Seite bewegen k�nnen. Aber freut Euch nicht zu fr�h. Der Gang hier f�hrt leider nicht in die Freiheit. Er verbindet lediglich vierZellen miteinander. Niemand au�er mir und meinem Vater kennt ihn.�</style></p><p><style name="font2">Michel hatte dem Fremden w�hrenddessen ganz aus dem Loch herausgeholfen. Er hatte einen noch jungen Mann vor sich, der allerdings v�llig abgezehrt war und einen verwilderten Eindruck machte. Der schwarze Bart, in den sich vereinzelte graue F�den mischten, reichte ihm fast bis zur Brust. Er hatte keine Schuhe an, und nur ein paar stinkende Lappen h�llten seine Gestalt ein. Jetzt l�chelte er.</style></p><p><style name="font2">�Ihr schaut mich so zweifelnd an. Ich wei�, ich mache keinen sch�nen Eindruck. Aber das ist wohl auch ein wenig zuviel verlangt nach zwei Jahren Gefangenschaft, in denen man nicht ein einzigesmal die Kleider wechseln durfte. Ich wundere mich, da� ich das �berhaupt ausgehalten habe.�</style></p><p><style name="font2">�Zwei Jahre h�lt man Euch schon hier fest? Weshalb? Habt Ihr etwa auch den Grafen beleidigt?�</style></p><p><style name="font2">�Das w�re nicht gut m�glich gewesen; denn der bin ich selbst.�</style></p><p><style name="font2">Michel wich einen Schritt zur�ck. Der Mann war offensichtlich schon wahnsinnig geworden in der langen Zeit seiner Gefangenschaft.</style></p><p><style name="font2">�Habt keine Angst, Senor�, sagte der Fremde ruhig, �ich bin nicht verr�ckt. Ich bin tats�chlich Graf Esteban de Villaverde y Bielsa. Und� � er deutete auf das Gitterfenster, durch das Michel soeben jene schaurige Szene im Schlo�hof beobachtet hatte � �diese Furie von einem Weib, diese Marina ist in Wirklichkeit � � meine Frau. Aber das erz�hle ich Euch sp�ter, wenn wir mehr Zeit haben�, sagte er beschwichtigend, als er Michels ungl�ubige Augen auf sich gerichtet sah. �Jetzt wollen wir nur schnell die Stunden festlegen, in denen wir uns ungest�rt treffen k�nnen. Am besten wird es nachts gehen. Nachts bekommen wir kein Essen. Die W�chter k�mmern sich nicht um uns; denn sie w�hnen uns in den Zellen vollkommen sicher. Damit haben sie, was eine Flucht nach drau�en anbetrifft, auch nicht unrecht. Einen Weg hinaus gibt es hier nicht. Aber vielleicht k�nnen auf die Dauer wir zwei zusammen einen finden. Allein verzweifelt man so leicht. Wie seid Ihr �brigens in diese Situation gekommen?� Michel berichtete kurz.</style></p><p><style name="font2">Der richtige Graf de Villaverde y Bielsa nickte mit wissenden Augen und sagte: �Das ist typisch f�r sie. Nun, wir werden ...� Er unterbrach sich pl�tzlich.</style></p><p><style name="font2">Auf dem Gang h�rte man Schritte. Wahrscheinlich brachten sie jetzt den halbtoten Pedro, um ihn ebenfalls in eine Zelle zu werfen.</style></p><p><style name="font2">�Ich mu� verschwinden�, fl�sterte der Graf. �Erwartet mich heute nacht.� Er stieg in das Loch. Als er verschwunden war, drehte sich der gro�e Steinquader in seine urspr�ngliche Lage zur�ck. Michel legte den kleinen Stein wieder auf seinen Platz. Alles war wie vorher.</style></p><p><style name="font2">Michel war keine Sekunde zu fr�h fertig geworden. Fast im gleichen Moment, als er aufstand, �ffnete sich die Zellent�r. Marina trat ein. Ihre Augen gl�nzten wie im Fieber. �Nun, wie f�hlt Ihr Euch, Herr Anarchist?� fragte sie, w�hrend ein b�sartiges Lachen um ihre Mundwinkel zuckte.</style></p><p><style name="font2">Michel setzte sich mit gelangweiltem Gesichtsausdruck auf den Rand seiner Pritsche und begann, ohne sieauch nur eines Blicks zu w�rdigen, zu pfeifen. W�tend trat sie nah an ihn heran. �Willst du nicht antworten, wenn dich eine Dame etwas fragt?� Michel sah auf. Spott zuckte um seine Lippen.</style></p><p><style name="font2">�Dame?� fragte er. �Bezeichnest du dich tats�chlich als Dame, Bestie?�</style></p><p><style name="font2">�Aaah!� schrie sie auf und schlug ihm die Faust ins Gesicht. �Warte, ich werde dich z�hmen. Du wirst noch staunen, wie gut ich wilde Tiere b�ndigen kann.�</style></p><p><style name="font2">Michel hielt sie pl�tzlich gepackt. Und noch ehe ihn die begleitenden Lakaien daran hindern konnten, gab er ihr ein paar schallende Ohrfeigen. Alle f�nf Finger seiner rechten Hand zeichneten sich als rot anlaufende Striemen auf ihren zarten Wangen ab. Dann stie� er sie zur�ck, direkt in die Arme der zuspringenden Leute.</style></p><p><style name="font2">Ihre Augen nahmen einen starren Ausdruck an. Die Lider zogen sich eng zusammen; aber sie sagte kein Wort, sondern verlie� die Zelle. � Stunde um Stunde verrann.</style></p><p><style name="font2">Michel erwartete nun jeden Moment die Henkersknechte.</style></p><p><style name="font2">Doch nichts geschah. Der W�chter brachte das Essen zur selben Zeit wie immer.</style></p><p><style name="font2">Fast schien es, als sei sein Benehmen um eine Nuance h�flicher als vorher.</style></p><p><style name="font2">�He, hombre�, fragte ihn Michel, �sag mir, was mit dem Sch�fer Pedro geworden ist, wie es ihm </style><style name="font2">geht.�</style></p><p><style name="font2">Der Posten verweilte einen Augenblick. Bevor er antwortete, kratzte er sich am Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Das arme Schwein ist �bel zugerichtet worden. Sie hat ihn ganz sch�n fertigmachen lassen.� Er </style><style name="font2">sch�ttelte sich. �Habe nie gewu�t, da� es solche Weiber gibt.�</style></p><p><style name="font2">Michel war nicht wenig �berrascht �ber die Offenheit, mit der der W�chter seine Meinung kundtat. Sofort dr�ngte sich ihm der Gedanke auf, den Mann zu einer gemeinsamen Flucht zu �berreden. Dann lie� er diesen Gedanken jedoch sogleich wieder fallen. Mittlerweile war es stockfinster in der Zelle geworden. Kein Lichtstrahl drang mehr durch die Scheibe vor der vergitterten Luke.</style></p><p><style name="font2">Michels Erregung wuchs von Minute zu Minute. Warum kam der Graf de Villaverde y Bielsa nicht wieder durch den Gang?</style></p><p><style name="font2">Unruhig ging der Gefangene in seiner Zelle auf und ab. Was f�r ein Verh�ngnis hatte den echten Grafen in diese gr��liche Situation gebracht? Wer war diese Frau, die er noch gestern Madonna genannt hatte? War sie wirklich die Frau des gefangenen Esteban?</style></p><p><style name="font2">Michel blieb neben dem Stein auf dem Loch stehen und blickte erwartungsvoll auf die Erde. Die Zeit verrann. Der Leidensgenosse kam nicht. Da entschlo� sich Michel, selbst den Weg durch den Gang zu wagen. Gedacht, getan.</style></p><p><style name="font2">Michel kniete neben dem Loch. Sein Arm fuhr langsam und suchend hinein bis zur Achsel. Sorgf�ltig tasteten seine H�nde Zentimeter f�r Zentimeter der Wandung ab. Da war der Einschnitt. Er dr�ckte seine Finger hinein. Ein Knirschen wurde h�rbar, und gleich darauf drehte sich der gro�e Quaderstein halb um seine eigene Achse.</style></p><p><style name="font2">Michel steckte zuerst die Beine in die Finsternis. Am oberen Rand hielt er sich fest, um nicht abzust�rzen. Aber er war noch nicht bis zur H�lfte seines K�rpers in den Boden gesunken, als seine F��e Wider-stand fanden. Vorsichtig tastete er sich weiter. Er merkte, da� er auf der obersten Stufe einer Treppe stand.</style></p><p><style name="font2">Drei, vier solche Stufen kamen noch. Dann war die Treppe zu Ende. In geb�ckter Haltung konnte er weitergehen. Den Einstieg in seiner Zelle hatte er durch einfachen Druck gegen das untere Ende des Quadersteins wieder verschlossen.</style></p><p><style name="font2">Mit ausgestreckten H�nden, die er wie F�hler gebrauchte, arbeitete er sich Schritt f�r Schritt voran. Ewig lang erschien ihm der Gang. Die tiefe Dunkelheit erschwerte das Unternehmen betr�chtlich.</style></p><p><style name="font2">Da, jetzt stie�en seine an den W�nden entlanggleitenden H�nde auf einen tiefen Mauereinbruch. Mit Erleichterung stellte er fest, da� er eine Treppe vor sich hatte. Hier mu�te der Aufgang in die Zelle des Grafen sein. Bald stie� er mit dem Kopf gegen Steine. Aha, der drehbare Quader! Er stemmte sich kr�ftig dagegen. Sekunden sp�ter stand er in der Zelle.</style></p><p><style name="font2">Von der Pritsche her drang ein schmerzliches St�hnen an sein Ohr. Was mochte dem Grafen fehlen? War er pl�tzlich erkrankt?</style></p><p><style name="font2">�Don Esteban�, fl�sterte Michel und trat dicht an des anderen Lager. �Was ist mit Euch? Warum seid Ihr nicht gekommen?�</style></p><p><style name="font2">Michel beugte sein Ohr tief hinunter in die N�he des unzusammenh�ngende Worte stammelnden Mundes. Wie erstaunte er, als er folgendes vernahm:</style></p><p><style name="font2">�Oh... El Silbador ist gekommen, um mich zu r�chen. Oh .. . seid Ihr es wirklich, Don Silbador? � Ihr habt mir ja versprochen, da� Ihr dem Majordomo alles doppelt und dreifach heimzahlen</style></p><p><style name="font2">werdet, wenn mir etwas geschieht. Oh ... oh......mein armer Leib ...oh!�</style></p><p><style name="font2">Da wu�te Michel, wen er vor sich hatte. Auf der Pritsche lag Pedro, der Sch�fer, und phantasierte. Wahrscheinlich hatte sich bereits das Wundfieber eingestellt. Und Michel, der Arzt, mu�te unt�tig zusehen, wie ein Patient wahrscheinlich in den n�chsten Tagen ohne Hilfe und Trost sterben w�rde. Dabei h�tte es nur weniger Medikamente bedurft, um ihn zu retten. Michel zog sich aus der Zelle zur�ck.</style></p><p><style name="font2">Welch ein Ungl�ck, da� man den Grafen aus seiner N�he fortgebracht hatte! Kaum hatte er einen Nachbarn gefunden, hatte er ihn auch schon wieder verloren. Das Schicksal machte zuweilen wunderbare Winkelz�ge.</style></p><p><style name="font2">Unter solcherlei Gedanken hatte Michel seine eigene Zelle wieder erreicht. Er wollte sich gerade anschicken, den Gang zu verschlie�en, als von seiner Pritsche her jemand sagte: �Nun, Senor, Ihr wart selbst auf Entdeckungsfahrt, wie ich sehe. Ich nehme an, da� Ihr meine Worte best�tigt gefunden habt. Es f�hrt von hier aus tats�chlich kein Weg in die Freiheit.� �Diablo�, entfuhr es Michel. �Seid Ihr es wirklich, Graf?�</style></p><p><style name="font2">�Nat�rlich bin ich es. Ich habe Euch doch versprochen, Euch nach Einbruch der Dunkelheit aufzusuchen.�</style></p><p><style name="font2">�Und ich komme soeben aus Eurer Zelle�, meinte Michel verwundert. �So m�ssen wir aneinander vorbeigegangen sein, ohne da� wir es bemerkt haben. Was haltet Ihr von dem Zustand Pedros?�</style></p><p><style name="font2">Jetzt war es an dem Grafen, erstaunt zu fragen: �Welchen Pedro meint Ihr?�</style></p><p><style name="font2">�Denjenigen, der in Eurer Zelle liegt, den sie heute nachmittag halb zu Tode gepr�gelt haben.� De Villaverde fuhr auf.</style></p><p><style name="font2">�In meiner Zelle?� fragte er. �In meiner Zelle wohnt au�er mir niemand.� �Scherzt nicht, Don Esteban. Ich komme doch direkt von dort und habe den Mann selbst im Fieber sprechen geh�rt. Ich tr�ume nicht. Dazu erheischt die ganze Situation, in der wir stecken, viel zu sehr unsere ganze Aufmerksamkeit.�</style></p><p><style name="font2">�Santa Maria�, sagte der Graf. �Ich gebe Euch mein Wort, da� sie den Gebundenen nicht zu mir gelegt haben. Die einzige M�glichkeit ist, da� Ihr auf Eurem Erkundungsgang eine Zelle �bersprungen habt. Der Gang verbindet vier Zellen. So m�gt Ihr in der dritten gewesen sein. Auf welcher Seite des Ganges lag denn der Aufgang, wenn Ihr von hier aus kommt?� �Rechts�, erwiderte Michel.</style></p><p><style name="font2">�Muy bien, der meine f�hrt aber links ab. Nun, es schadet nichts. Jetzt sind wir ja endlich beisammen.�</style></p><p><style name="font2">Bald sa�en die beiden nebeneinander auf der Pritsche. Der Graf de Villaverde y Bielsa begann seine Geschichte.</style></p><p><style name="font2">�Es sind vier Jahre her. Da lernte ich in Valadolid die Condesa Marina de Varga kennen. Die de Vargas sind ein altes Adelsgeschlecht, aber seit der Zeit der Inquisition verarmt. Irgendwann einmal mu� sich in diese Familie maurisches Blut gemischt haben; denn die Wildheit und Sch�nheit der de Vargas war nicht allein von spanischer Art. Ich verliebte mich in Marina und erhielt binnen kurzem auch das Jawort ihrer Eltern, obwohl unser Adel j�nger ist. Mein Vater warnte mich und flehte mich an, diese Liebe aus meinem Herzen zu rei�en. Allein, auch Ihr wi�t, Senor, wie unvern�nftig die Jugend ist, wenn es sich um Dinge des Gef�hls handelt. Wir heirateten. Und ich glaubte zwei Jahre lang, bereits hier unten auf Erden einer �berirdischen Seligkeit teilhaftig geworden zu sein. Eines Tages pl�tzlich erkrankte mein Vater. Es war eigentlich keine richtige Krankheit. Er verga� auf einmal alles, konnte sich oftmals der einfachsten Dinge nicht mehr erinnern und sank in verh�ltnism��ig kurzer Zeit in v�llige geistige Umnachtung. Kurz zuvor hatten wir Besuch erhalten. Mein Vetter, ein Mann, der mir auf den ersten Blick sehr �hnlich sah, kam, um eine Zeitlang hier zu jagen. Er war ein k�hner J�ger und ein kr�ftiger Mann, dessen geistiger Horizont zwar ein wenig beschr�nkt, dessen k�rperliche Vorz�ge jedoch die meinen bei weitem in den Schatten stellten. Die Folgen dieses Besuches waren furchtbar. Meine Frau, die fr�her kein Gewehr angefa�t hatte, entwickelte einen Jagdeifer, den ich mir zun�chst nicht zu erkl�ren vermochte. Ich war nicht mi�trauisch. Im Gegenteil, ich g�nnte ihr die Abwechslung nur zu gern, denn ich war mit wissenschaftlichen </style><style name="font2">Arbeiten besch�ftigt, die mir wenig Zeit lie�en, mich um sie zu k�mmern. Ihr m��t wissen, da� ich schon seit Jahren mit der Entwicklung eines Gewehrs besch�ftigt bin, mit dem man mehrmals hintereinander schie�en kann, ohne laden zu m�ssen. Kurz, bevor ich hier in meinem eigenen Verlie� eingesperrt wurde, standen die Vorarbeiten dicht vor dem Abschlu�. Das nur nebenbei. � Eines Nachts � ich kam sp�t aus meinem Arbeitszimmer und mu�te an dem Schlafgemach meiner Frau vorbeigehen � h�rte ich Stimmen und lautes Lachen. Erstaunt ob der sp�ten Fr�hlichkeit, �ffnete ich die T�r und fand Marina in den Armen meines Vetters.Beide schienen betrunken zu sein. Fast h�tte mich der Schlag getroffen; aber mein Stolz verbot mir, die Fassung zu verlieren. Da die Ehebrecher nicht einmal Notiz von mir nahmen, obwohl ich keine zehn Schritte von ihnen entfernt stand, hielt ich es f�r das beste, mich zur�ckzuziehen. Trotz des inneren Wehs entschlo� ich mich in der folgenden, schlaflosen Nacht, mein geliebtes Weib aus dem Haus zu werfen. Was blieb mir auch anderes �brig? Nun, es sollte nicht so weit kommen. Gegen Morgen, ich war endlich in einen unruhigen Schlummer gefallen, drangen die beiden in mein Schlafzimmer ein, fesselten und knebelten mich und warfen mich ins Schlo�verlie�.� Der Graf atmete schwer. Die Erinnerung an jene Nacht dr�ckte ihn nieder und raubte ihm beinahe die Fassung.</style></p><p><style name="font2">�Ja�, stammelte er, �eine solche Teufelin habe ich mir ins Haus geholt, trotz der Warnung meines Vaters. Seit zwei Jahren sitze ich nun in diesem verfluchten Kerker. Und ich habe kaum Hoffnung mehr, jemals wieder hinauszukommen.�</style></p><p><style name="font2">�Und die Dienerschaft?� fragte Michel, �hat sie sich niemals gefragt, wo Ihr geblieben sein k�nntet?�</style></p><p><style name="font2">Esteban zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font2">�Was ich im Lauf der Jahre aus meinem m�rrischen W�rter herausholen konnte, war, da� die alten, treuen Diener kurze Zeit nach meinem Verschwinden samt und sonders entlassen worden sind. Hier auf dem Schlo� kennt mich niemand mehr. Und mein Vater war schon zu jener Zeit nicht mehr zurechnungsf�hig. Manchmal kommt mir der Gedanke, da� mein Vetter und meine Frau ihn langsam vergifteten, um den Anschein zu wahren, er sei eines nat�rlichen Todes gestorben.�</style></p><p><style name="font2">Michel dachte nach. Hatte nicht jener Diener, der sich Juan nannte, �ber den alten Grafen in ziemlich abf�lliger Art gesprochen? Hatte er ihn nicht eine willenlose Puppe genannt? Er teilte diese seine Beobachtung dem Grafen mit. Dieser nickte nur tr�bsinnig.</style></p><p><style name="font2">�Das habe ich mir schon gedacht. Wahrscheinlich ist er heute so weit, da� er den falschen gar nicht mehr vom echten Sohn unterscheiden kann. Vielleicht hat er gar unter dem Einflu� meines Vetters ein Testament zu dessen Gunsten gemacht. So k�nnte Fernando, das ist der richtige Name meines Vetters, gar noch auf rechtliche, unanfechtbare Weise nach dem Tode meines Vaters in den Besitz des Schlosses kommen. Villaverde ist so abgelegen, da� sich kaum ein Mensch jemals um die Zust�nde hier k�mmern w�rde. Zudem ist das Schlo� kein Lehen, sondern uralter, einstmals k�uflich erworbener Familienbesitz.�. Michel stand auf und schritt in der Zelle auf und ab.</style></p><p><style name="font2">�Wenn es mir gel�nge, hier herauszukommen, so w�rde ich Euch bald zu Euerm Recht verholfen haben, Graf�, sagte er. Esteban lachte bitter auf.</style></p><p><style name="font2">�Es gibt keine M�glichkeit einer Flucht. Ich kenne die G�nge, die unter dem Schlo� entlangf�hren, ganz genau. Ja, wenn wir die Wand der vierten Zelle durchbrechen k�nnten! Dort</style></p><p><style name="font2">f�hrt ein Gang vorbei, der im Gebirge � weit drau�en � endet. Doch sind die Felsmauern mindestens zwei Meter dick. Und wir haben nichts als unsere Fingern�gel zum Durchbrechen des Gesteins. Wei� Gott, ein unzureichenderes Werkzeug gibt es nicht.�</style></p><p><style name="font2">Michel begann pl�tzlich, ganz in Gedanken, laut zu pfeifen. Es war eine Stelle aus der kleinen g-Moll-Fuge von Johann Sebastian Bach, die ihm noch vom letzten k�niglichen Konzert in Berlin her im Ged�chtnis geblieben war. Der Graf erschrak zuerst, h�rte dann aber and�chtig zu.</style></p><p><style name="font2">Michel brach ebenso pl�tzlich ab, wie er begonnen hatte; denn es wurde ihm bewu�t, da� er sich einer Unh�flichkeit dem Gast gegen�ber schuldig gemacht hatte.</style></p><p><style name="font2">�Verzeiht, Don Esteban ... manchmal kommt es so �ber mich. Dann mu� ich pfeifen. Es hat mir schon in vielen Situationen geholfen.� Esteban meinte verwundert:</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid ja ein wahrer K�nstler! Was war das, was Ihr gepfiffen habt? Ich bin wohl in der Musik bewandert, kann mich aber nicht erinnern, dieses St�ck jemals vernommen zu haben.� �Das glaube ich Euch. Es stammt von einem bedeutenden deutschen Komponisten. Etwas ganz Modernes. Ich h�rte es am Hofe Friedrichs II. von Preu�en in einem Konzert. Es hat mich sehr ergriffen.�</style></p><p><style name="font2">�Ihr wart schon am Hof des kriegerischen Preu�enk�nigs?� fragte Don Esteban verwundert. �Nach Euren Worten von heute nachmittag hielt ich Euch f�r einen eingefleischten Anarchisten. Wie vertr�gt sich das miteinander?� Michel lachte.</style></p><p><style name="font2">�Ich bin kein Anarchist; denn ich lehne Recht und Gesetz nicht ab. Nur die willk�rlichen Handhabungen dieser beiden obersten Grunds�tze des menschlichen Staates kann ich nicht anerkennen. Entweder gilt das gleiche Recht f�r jedermann, oder es ist kein Recht. Mit dem Preu�enk�nig hat es seine eigene Bewandtnis. Er gibt sich wenigstens M�he, in seinem Lande einen Rechtsstaat aufzubauen, was ihm zwar auch nicht gelingen wird; denn ein einzelner ist niemals dazu imstande. Aber der gute Wille ist da. Und das ist schon sehr viel. Sympathisch ist mir Friedrich II. dadurch geworden, da� sein erstes Amtsgesch�ft nach seinem Regierungsantritt die Abschaffung der Pr�gelstrafe war. Das ist viel f�r Europa. Nun, trotz allem gibt es vorl�ufig auf der Welt nur zwei L�nder, in denen der Anfang der menschlichen Freiheiten geschaffen wurde. Das sind die Schweiz und die neugegr�ndeten Vereinigten Staaten von Nordamerika.� Der Graf fragte:</style></p><p><style name="font2">�So erkennt Ihr auch den Adel der Geburt nicht an?�</style></p><p><style name="font2">�Niemals. Was ist schon Geburt? Wieso ma�t sich der eine Vorrechte vor dem anderen an?� �Ihr scheint ein rechter Hitzkopf zu sein. Dennoch mu� ich sagen, da� es mir Freude macht, mit Euch zu sprechen. Es bringt Abwechslung in die Eint�nigkeit des Gefangenendaseins.� Michel mu�te lachen.</style></p><p><style name="font2">�F�rwahr, sonderbare Gespr�che f�r zwei Menschen, die jeden Moment das Schicksal des armen Sch�fers teilen k�nnen.�</style></p><p><style name="font2">�Ach so, ja, der Sch�fer, was ist mit ihm? Hat er sich erholt von den f�rchterlichen Schl�gen?� �Wenn ihm nicht schnellste Hilfe zuteil wird, wird er nicht mehr lange am Leben bleiben. Er mu� furchtbare Qualen leiden.�</style></p><p><style name="font2">�Diese Teufelin�, zischte der Graf. �Gott wird sie strafen.��Gott?� fragte Michel. �Glaubt Ihr an Gott?� Hierauf wu�te Don Esteban nichts zu erwidern. Eine solche Frage war ihm noch nie im Leben gestellt worden.</style></p><p><style name="font2">Der Morgen nahte bereits, als der Graf sich zur�ckzog. Michel hatte ihm versprochen, ihn in der kommenden Nacht aufzusuchen.</style></p><p><style name="font2">Als der W�chter kam und Brot und Wasser brachte, fand er den Gefangenen schlafend vor. Dabei war es schon heller Tag; und die Sonne stand hoch am Himmel. Graf Esteban de Villaverde y Bielsa hatte den gesunden Schlaf der Jugend schon seit Jahren verloren. F�r ihn bedeutete das Tageslicht nutzlos verbrachte Zeit. Jetzt, da er einen Kameraden gefunden hatte, mehr denn je. Die Stunden schlichen dahin. Die Minuten waren wie Wasserperlen in einer Tropfsteinh�hle. Man h�rte jede einzelne fallen und konnte den Fall doch nicht beschleunigen.</style></p><p><style name="font2">Nach Einbruch der Dunkelheit, auf die Esteban den ganzen Tag �ber verzweifelt gewartet hatte, wurde er immer aufgeregter. Auch jetzt verrannen die Minuten noch nicht schnell genug; denn der Erwartete erschien nicht.</style></p><p><style name="font2">Michel war bereits auf dem Wege zum Grafen, als er sich pl�tzlich auf den dritten Leidensgef�hrten besann, der eine Zelle weiter wahrscheinlich in gr��lichen Schmerzen den Tod erwartete.</style></p><p><style name="font2">So beschlo� er, erst diesen aufzusuchen, um ihm ein</style></p><p><style name="font2">paar tr�stende Worte zu sagen, wenn es ihm schon auf andere Weise nicht m�glich war, seine Qualen, die er ja letzten Endes durch sein, Michels, Verschulden erduldete, zu lindern. Wie erstaunte Michel, als er den Sch�fer nicht auf der Lagerstatt, sondern auf einem Traggestell in T�cher gewickelt wiederfand.</style></p><p><style name="font2">Tot, scho� es ihm blitzartig durch den Kopf. Man hatte die Leiche bereits eingewickelt, um sie abzuholen und zu begraben.</style></p><p><style name="font2">Ein Gedanke durchzuckte Michel. Wie, wenn man sich nicht mehr die M�he gemacht hatte, die T�r der Zelle zu verschlie�en, da man ja sicher sein konnte, da� ein Toter nicht entfliehen konnte?</style></p><p><style name="font2">Mit ein, zwei raschen Schritten stand Michel an der T�r und stemmte sich vorsichtig dagegen. Sie gab nach.</style></p><p><style name="font2">Michel dachte sofort an das offene Gangloch in der Zelle. Es mu�te unbedingt verschlossen werden, bevor er einen Ausbruchsversuch unternahm. In seiner eigenen Zelle war alles in Ordnung.</style></p><p><style name="font2">Der Stein war schnell in seine alte Lage gebracht. Und nun hinderte ihn nichts mehr, den Versuch zu wagen. Den Grafen w�rde man schon irgendwie benachrichtigen k�nnen. Die Herrschaften auf dem Schlo� sollten sich �ber den Silbador noch wundern, wenn dieser erst seine Waffen oder einen entsprechenden Ersatz wiederhatte.</style></p><p><style name="font2">Dann stand Michel auf dem Gang. Sein Atem ging hastig. Nirgends war ein Laut zu h�ren. Schritt f�r Schritt tastete sich der Ausbrecher in der Dunkelheit voran, fest entschlossen, sich auf keinen Fall wieder einsperren zu lassen. Lieber tot als jahrelang in diesem Verlies schmachten.Weiter oben verzweigte sich der Gang. Unentschlossen blieb Michel stehen. Warum hatte er sich nicht vom Grafen die genaue Lage schildern lassen? Wie h�tte er andererseits gestern wissen sollen, da� ihm bereits heute die Freiheit winkte!</style></p><p><style name="font2">Da erinnerte er sich an das, was der Graf von einem Gang erz�hlt hatte, der an der vierten Zelle, durch eine dicke Steinwand von dieser getrennt, hinaus ins Gebirge f�hrte.</style></p><p><style name="font2">Schnell lief er wieder zur�ck.</style></p><p><style name="font2">Jetzt stand er vor Pedros Verlie�. Ein St�ck weiter war die vierte T�r. Dann kam eine f�nfte. Sie war verschlossen. Aber so sehr er sich auch bem�hte, er konnte kein Loch finden, in das man einen Schl�ssel h�tte einf�hren k�nnen. Dicht neben dieser T�r lag ein Stein auf dem Boden. Er hatte dieselbe Gr��e wie jener, der zum Verschlu� des Verbindungsganges geh�rte. Michel lie� sich auf die Knie nieder. Er durfte keine Zeit verlieren. Jeden Augenblick konnten die W�chter kommen, um die Leiche zu holen, die sicherlich noch in der Nacht der Erde �berantwortet werden sollte.</style></p><p><style name="font2">Der Stein flog zur Seite. Michel steckte den Arm in das Loch. Seine Finger fanden den Einschnitt. Es war alles genau so wie in der Zelle. Nur drehte sich in diesem Fall nicht eine Steinplatte im Boden um ihre eigene Achse, sondern die T�r schwang zur�ck. Vielleicht kannte diesen Durchla� au�er dem gefangenen Grafen und dessen Vater niemand im Schlo�. Als die T�r offen stand, legte Michel den Verschlu�stein wieder �ber das Loch und trat in den finsteren Gang. Vorsichtig, ohne ein Ger�usch zu verursachen, dr�ckte er die T�re hinter sich zu. Aufatmend ging er</style></p><p><style name="font2">Schritt f�r Schritt weiter. Die stickige Luft wurde immer klarer, ein Zeichen, da� er sich dem Ausgang n�herte. Dann war sternklarer Himmel �ber ihm, k�hle Nachtluft umfing ihn wie eine k�stliche Erquickung, ein verschlafener Vogel flatterte. � Frei!</style></p><p><style name="font2">Nachdem Graf Villaverde y Bielsa bis ungef�hr gegen Mitternacht gewartet hatte, hielt er die Einsamkeit nicht l�nger aus. Er stieg in den Gang hinunter und ging zur Zelle Michels. Vorsichtig, Zentimeter um Zentimeter, bewegte er den Steinquader von seinem Platz. Als alles zum Aufstieg bereit war, fragte er leise in die Dunkelheit: �Hallo, Senor Baum, h�rt Ihr mich?�</style></p><p><style name="font2">Keine Antwort. Er fragte noch einmal. Seine Stimme wurde lauter. Dann stieg er hinauf. Jeden Millimeter tastete er ab. Von dem Gefangenen war keine Spur zu finden. Kopfsch�ttelnd zog er sich zur�ck. Was mochte das bedeuten?</style></p><p><style name="font2">Der Graf hastete in seine eigene Zelle. Dort pre�te er das Ohr auf die Klappe in der T�r. So konnte man, wenn auch nur ged�mpft, wahrnehmen, was drau�en vor sich ging. Da h�rte er Schritte den Gang hinunterkommen. Sie hielten vor der T�r links neben ihm, wo der Sch�fer Pedro lag.</style></p><p><style name="font2">Er h�rte, wie einer den anderen fragte:</style></p><p><style name="font2">�Hat sie dir gesagt, wo wir die Leiche einbuddeln sollen?�</style></p><p><style name="font2">�Ja, hinter den St�llen, bei den Wirtschaftsgeb�uden. Los, pack an!�</style></p><p><style name="font2">Dann entfernten sich die Schritte, und es war still wie in jeder Nacht der vergangenen zwei </style><style name="font2">Jahre.</style></p><p><style name="font2">�Das war Pedros Leiche�, murmelte Esteban und lie� sich auf seiner Pritsche nieder. Wo mochte nur Michel Baum sein?</style></p><p><style name="font2">Pl�tzlich sprang der Graf wie von einer Natter gestochen auf. Hatte er nicht genau geh�rt, da� die W�chter sich mit der Leiche entfernt hatten, ohne da� ein Schl�sselger�usch zu vernehmen gewesen war? War die Zellent�r nebenan offen?</style></p><p><style name="font2">Hastig machte er sich an die Arbeit. Minuten sp�ter stand er dr�ben im Gang. Gerade wollte er die T�r �ffnen, als von drau�en der Schl�ssel in das Schlo� gesteckt wurde. Er h�rte noch das Ger�usch des sich vorschiebenden Riegels. Dann war es mit seiner Kraft vorbei. Er streckte die geballte Faust zum Himmel empor und schluchzte:</style></p><p><style name="font2">�Sei verflucht, Gott! Was habe ich dir getan, da� du mir den letzten Ausweg aus dieser H�lle verwehrst?�</style></p><p><style name="font2">Taumelnd stieg er hinunter in den Gang.</style></p><p><style name="font2">Tr�nen rannen ihm �ber die eingefallenen Wangen, als er wieder auf seiner Pritsche lag. Langsam verd�mmerte die Nacht. Die ersten Lichtfinger des heraufkommenden Tages drangen durch das vergitterte Fensterchen seiner Zelle.</style></p><p><style name="font2">Ein, zwei Stunden mochten seit Beginn des Tages vergangen sein, da wurde pl�tzlich hastig das Guckloch an seiner T�r aufgerissen. Drau�en h�rte man aufgeregte Stimmen und hastiges Hin-und Herlaufen.</style></p><p><style name="font2">�Gott sei Dank�, vernahm er die Stimme des W�chters, �der ist noch da.�</style></p><p><style name="font2">Mit einem Satz war der Graf auf den Beinen.</style></p><p><style name="font2">�Was ist los?� fragte er den W�chter.</style></p><p><style name="font2">Der war so verwirrt, da� er bereitwilligst Auskunft gab.</style></p><p><style name="font2">�Der Silbador ist uns durch die Lappen gegangen in der letzten Nacht.�</style></p><p><style name="font2">Silbador, �berlegte der Graf, damit konnte man nur Michel Baum meinen.</style></p><p><style name="font2">In ihm frohlockte alles. Als sich die Klappe wieder geschlossen hatte, fiel er auf die Knie und betete inbr�nstig zu Gott, den er vor ein paar Stunden verflucht hatte, er m�ge ihn durch den Silbador freiwerden lassen.</style></p><p><style name="font2">Wie wandelbar der Mensch doch in seinen Stimmungen ist!</style></p><p><style name="font2">Das ganze Schlo� Villaverde hallte wider von der hysterischen Stimme der Gr�fin. Pferde wurden gesattelt. Musketen wurden ausgeteilt. Marina schrie ihre Diener an. �Wer mir den Kopf des Silbador bringt, dem zahle ich tausend Pesetas in Gold!� Tausend Pesetas f�r einen Kopf. Salome hatte einst den Tanz der Schleier f�r einen Kopf tanzen m�ssen. Man konnte ihr den Lohn ohne weiteres versprechen; denn man hatte ja den Mann, der zu dem Kopf geh�rte.</style></p><p><style name="font2">Ein altes s�ddeutsches Sprichwort besagt: Die N�rnberger h�ngen keinen, sie h�tten ihn denn.Solche oder �hnliche Gedanken mochten wohl auch die Diener haben, die nun ausgeschickt wurden, um den Silbador einzufangen.</style></p><p><style name="font2">Ausgerechnet den Silbador, von dessen K�hnheit und List man schon die schrecklichsten Dinge vernommen hatte. Es war nicht einer unter der Meute der J�ger, der sich wirklich einbildete, die tausend Pesetas verdienen zu k�nnen.</style></p><p><style name="font2">Es war gegen Mittag, als Marina mit dem falschen Grafen in ihrem Salon sa�.</style></p><p><style name="font2">�La� ihn laufen�, sagte Fernando. �Was hast du davon, wenn der Bursche unten im Gef�ngnis </style><style name="font2">sitzt?�</style></p><p><style name="font2">�Ich will, da� er mein Gefangener bleibt, genau wie Esteban. Ich mu� ihn leiden sehen. Ich mu� sehen, wie er langsam zugrunde geht, wie die Zelle an seinem Leben und an seiner Widerstandskraft nagt.�</style></p><p><style name="font2">�Bist du nicht manchmal ein wenig �berspannt, Marina?� fragte Fernando. �Du setzt dir Dinge in den Kopf, deren Sinn ich nicht begreifen kann.�</style></p><p><style name="font2">�Pah�, machte sie geringsch�tzig. �Was kannst du denn �berhaupt begreifen? Hast du dich jemals mit Problemen befa�t, die au�erhalb der Welt des K�rperlichen liegen?� �Nein, gewi� nicht. Ich wei� auch nicht, welchen Nutzen ich davon haben k�nnte. Dein K�rper zum Beispiel ist klassisch. Ich bin stolz darauf, ihn zu besitzen.�</style></p><p><style name="font2">�Du wirst langsam zum Trottel�, anwortete Marina bissig. �Als ich um deinetwillen meinen Mann vor zwei Jahren ins Verlie� geworfen habe, da warst du f�r mich das Ideal eines Mannes. Mit der Zeit jedoch wirst du mir langweilig. Deine Bequemlichkeit und die Selbstverst�ndlichkeit, mit der du von allem, was dir nicht geh�rte, Besitz ergriffen hast, widern mich an.� Es klopfte.</style></p><p><style name="font2">Manuel, der Haushofmeister kam.</style></p><p><style name="font2">�Was gibt es?� fragte die Gr�fin ungehalten. �Haben sie ihn gefangen?� Don Manuel strich sich den dunklen Bart und sch�ttelte bedauernd den Kopf. �Ich glaube auch nicht, da� sie ihn fangen werden; denn sie haben alle Angst vor ihm. Der Silbador ist nicht irgend jemand.�</style></p><p><style name="font2">�L�cherlich. M�chte wissen, wie man den Burschen, die in meinen Diensten stehen, ihren verfluchten Aberglauben austreiben kann. Ihr habt doch selbst mit ihm angebunden, wi�t also, da� er ein Mensch ist wie jeder andere.�</style></p><p><style name="font2">�Ich schon�, warf sich der Majordomo in die Brust. �Aber wie soll man den Leuten klarmachen, auf welche Weise der Mann aus dem Gef�ngnis entkommen ist, ohne da� er dazu die T�r benutzte?�</style></p><p><style name="font2">�Glaubt Ihr vielleicht auch an dieses M�rchen?� �M�rchen? Nun, f�r mich ist das kein M�rchen. Ich kenne den W�chter seit Jahren und wei�, wie zuverl�ssig er ist. Nat�rlich bin ich genau so fest davon �berzeugt, da� sich der Silbador nicht wie ein Geist in Rauch aufgel�st hat. Aber durch die T�r ist er jedenfalls nicht entkommen.�</style></p><p><style name="font2">Die Reiter waren ausgeschw�rmt, um den unwegsamen Gebirgswald zu durchk�mmen. Juan, der Lakai des Majordomo, hatte sich langsam in den Gedankenverbissen, die tausend Peseten zu verdienen. Er hielt sich ein wenig abseits von den anderen. Vielleicht hatte er Gl�ck und begegnete dem Pfeifer tats�chlich.</style></p><p><style name="font2">Er n�herte sich auf seiner Suche immer mehr der H�tte, die Pedro noch vor wenigen Tagen als Ruhest�tte gedient hatte. Seine Gedanken besch�ftigten sich ausschlie�lich mit den M�glichkeiten, die sich ihm boten, wenn er die tausend Peseten bek�me. So schenkte er seiner Umgebung nicht die notwendige Aufmerksamkeit, was schon im n�chsten Augenblick unangenehme Folgen haben sollte.</style></p><p><style name="font2">Er ritt gerade unter einem h�heren Baum dahin, als ihn von hinten jemand ansprang. Ehe er sich's versah, legten sich zwei eiserne F�uste um seinen Hals und dr�ckten mit w�rgendem Griff zu. Da half ihm auch nicht die moderne Muskete, die er f�r die Menschenjagd ausgeh�ndigt bekommen hatte und die nutzlos am Sattelknauf baumelte. Die Sinne schwanden ihm. Als der Silbador merkte, da� Juans K�rper unter seinen H�nden schlaff wurde, lie� er ihn fahren. Der besinnungslose Lakai fiel in den Sand. Mit einem Satz stand Michel neben ihm, ri� ihm den G�rtel mitsamt dem Degen vom Leibe und sa� gleich wieder im Sattel. Seine Augen strahlten, als er die Waffe pr�fend aus der Scheide zog. Die Klinge war aus gutem Stahl, wenn auch nicht so vorz�glich wie diejenige, die Michel beim Abschied von seinem Vater erhalten hatte.</style></p><p><style name="font2">Ein-, zweimal durchschnitt der Degen zischend die Luft, um dann wieder in seine H�lle zur�ckzuwandern.</style></p><p><style name="font2">Juan st�hnte. Er kam langsam zu sich. Als er endlich die Augen aufschlug, vernahm er das gr��liche Pfeifen des Siegers.</style></p><p><style name="font2">Einen Schrei aussto�end, wollte er aufspringen und davonrennen.</style></p><p><style name="font2">�He�, schrie Michel lachend, �wohin willst du so eilig, amigo? Deine Herrin wird dir wenig Dank wissen, wenn du ohne Pferd und Waffen wiederkommst.� Juan wandte sich dem Sprecher zu. Angst stand in seinen Augen. Er sagte kein Wort. �Bist du stumm, hombre?� fragte Michel. �Hat dir die Feigheit die Sprache verschlagen?� �N ... nei... nein�, stotterte Juan.</style></p><p><style name="font2">�Na also�, meinte Michel. �Dann setz dich hier eine Weile auf den Boden und h�r zu. Ich habe</style></p><p><style name="font2">dir interessante Neuigkeiten zu erz�hlen. Doch zuvor beantworte mir einige Fragen. Wenn ich</style></p><p><style name="font2">mit dir zufrieden bin, so wird das dein Schaden nicht sein.�</style></p><p><style name="font2">�Ja, Senor�, antwortete Juan und lie� sich ins Gras nieder.</style></p><p><style name="font2">�Wie lange bist du schon auf Schlo� Villaverde?�</style></p><p><style name="font2">Juan dachte einen Augenblick nach.</style></p><p><style name="font2">�Es werden bald zwei Jahre sein.�</style></p><p><style name="font2">�Ist dir in all dieser Zeit niemals etwas Besonderes aufgefallen?� Juan sah den Silbador erstaunt an. �Was soll mir aufgefallen sein, Senor?�</style></p><p><style name="font2">�Nun, denke zum Beispiel einmal an den alten Grafen. Mit dem scheint doch nicht alles in Ordnung zu sein, nicht wahr?�</style></p><p><style name="font2">Trotz der ernsten Situation, in der sich Juan befand, konnte er ein Grinsen nicht unterdr�cken.</style></p><p><style name="font2">�Der ist verr�ckt. Ich habe schon des �fteren geh�rt, wie er zu Don Esteban sagte: ,Du bist gar nicht mein Sohn. Mein Sohn war ein gro�er Gelehrter, der ein neues Schie�gewehr erfunden hat. Ihr m��t wissen,Don Silbador, da� der Alte nicht mehr wei�, was er redet. Doktor Garcia kommt manchmal auf das Schlo�, um nach ihm zu sehen.�</style></p><p><style name="font2">�Na also�, meinte Michel befriedigt, �da haben wir ja schon einen Punkt, der ungeheuer wichtig ist. Hat Doktor Garcia schon vor deiner Zeit im Schlo� verkehrt oder ist er ein Bekannter von Don Esteban?� Juan zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font2">�Das wei� ich nicht. Ich k�mmere mich wenig um die Angelegenheiten der Herrschaft.� �Bist du deiner Herrschaft zugetan?� Juan sah Michel verwundert an.</style></p><p><style name="font2">�Was hei�t zugetan, Don Silbador. Man bekommt seinen Lohn und ist zufrieden. F�r unsereinen gibt es auf dieser dreckigen Welt ja keine andere M�glichkeit.�</style></p><p><style name="font2">�Na, na�, meinte Michel belustigt. �Du scheinst mir gar nicht eine so knechtisch fromme Natur zu sein. Hast du niemals daran gedacht, dir ein eigenes Leben aufzubauen?� �Doch, doch�, nickte Juan und dachte wehm�tig an die tausend Peseten, die er h�tte verdienen k�nnen, wenn jetzt an seiner Stelle hier dieser Silbador im Grase s��e und er seine Waffen noch in der Hand hielte.</style></p><p><style name="font2">Michel stellte jetzt eine sonderbare Frage.</style></p><p><style name="font2">�Was meinst du, was einem Menschen, bei dem Geld keine gro�e Rolle spielt, seine Freiheit wert w�re, wenn er ohnm�chtig irgendwo im Kerker sitzt?�</style></p><p><style name="font2">Juan fand die Frage tats�chlich seltsam. Aber er stellte Berechnungen an. Waren tausend Peseten nicht eine Menge Geld f�r nichts weiter als die Freiheit? Juan hatte keinen rechten Begriff von der pers�nlichen Freiheit eines Menschen. Er konnte sich wahrscheinlich auch nichts anderes darunter vorstellen als die Freiheit vom Gef�ngnis. �Tausend Peseten m��te sie wert sein�, meinte er bed�chtig. Michel lachte.</style></p><p><style name="font2">�F�rwahr, du sch�tzt die Freiheit nicht sehr hoch ein, amigo. Sagen wir zweitausend. Willst du</style></p><p><style name="font2">dir zweitausend Pesetas verdienen?�</style></p><p><style name="font2">Juan starrte sein Gegen�ber ungl�ubig an.</style></p><p><style name="font2">�Willst du?� fragte Michel erneut.</style></p><p><style name="font2">�Wer m�chte das nicht, Senor?�</style></p><p><style name="font2">�Muy bien. So weit w�ren wir. Was w�rdest du sagen, wenn der alte Graf gar nicht so verr�ckt w�re, wie es den Anschein hat, wenn zum Beispiel das, was er �ber den falschen Sohn sagte, Wahrheit w�re?�</style></p><p><style name="font2">�Ihr glaubt, da� Don Esteban nicht der richtige Sohn des Grafen ist?� stellte Juan die erstaunte Gegenfrage.</style></p><p><style name="font2">�Ich glaube nicht nur, da� es so ist, sondern ich wei� es. Vorgestern nacht habe ich den richtigen Grafen selbst gesprochen.�</style></p><p><style name="font2">�Da ... da ... wart... Ihr doch bereits in dem Verlie�?!�</style></p><p><style name="font2">�Eben da habe ich ihn getroffen. Du wei�t doch, da� in den Gew�lben schon seit Jahren ein Gefangener lebt, nicht wahr? Das hat sich sicherlich herumgesprochen.� �Nat�rlich wei� ich das. Es ist der Anf�hrer einer R�uberbande, der vor Jahren einmal einen �berfall auf das Schlo� ausf�hren wollte, aber schon vorher festgenommen werden konnte. Damals war ich noch nicht hier in der Gegend.� �Ein sch�nes M�rchen, was man euch da aufgebunden hat. Ist dir noch nicht aufgefallen, da� ein Bandit vorden Richter geh�rt und nicht als Privatgefangener in ein Schlo�verlie�?� �Por Dios, das ist richtig.�</style></p><p><style name="font2">�Muy bien. Mach dich von dem Gedanken frei, da� der Gefangene ein Bandit sei, und denke an die Worte des alten Grafen.�</style></p><p><style name="font2">Juans Gesicht wurde zusehends l�nger. �Por Diablo!� rief er mit aufgerissenen Augen. �So ist doch nicht etwa der Gefangene der richtige Graf?�</style></p><p><style name="font2">Michel erz�hlte ihm nun, was er von der Angelegenheit wu�te. Dann fragte er:</style></p><p><style name="font2">�Glaubst du nun, da� dir der echte Graf eine hohe Belohnung bezahlen wird, wenn du hilfst, ihn</style></p><p><style name="font2">zu befreien?�</style></p><p><style name="font2">Juan nickte. Auf einmal war ihm der gef�rchtete Silbador gar nicht mehr so unsympathisch. Michel stieg vom Pferd und meinte:</style></p><p><style name="font2">�Wenn du mir bei allem, was dir heilig ist, schw�rst, da� du mir hilfst, den richtigen Grafen de Villaverde y Bielsa zu befreien, kriegst du deinen Gaul wieder. Die Waffen mu� ich allerdings behalten; denn ich brauche sie.�</style></p><p><style name="font2">Juan schwor. Das erste Komplott gegen das hochgeborene Gaunerpaar war geschmiedet.</style></p><p><style name="font2">Die Bauern von Bielsa sa�en in der einzigen Taberna des Dorfes beim Wein und w�rfelten. �Hier�, sagte ein gro�er, st�mmiger Mann, der soeben zum drittenmal zwei Augen zu wenig aus dem Becher gesch�ttelt hatte, �nimm meine letzten Centesimos. Ich wei� zwar nicht, was ich morgen essen soll; aber es ist immerhin besser, wenn sie in deine Tasche als in die des Grafen wandern.�</style></p><p><style name="font2">Er warf das Geld auf den Tisch und hieb mit der Faust auf die Platte, da� die Kr�ge wackelten. �Die Steuern werden unertr�glich. Nicht genug, da� wir seit Jahren vier Tage in der Woche f�r das Schlo� umsonst arbeiten m�ssen, nein, auch die paar Centesimos, die man sich sauer genug verdient, gehen durch die Abgaben noch zum Teufel.�</style></p><p><style name="font2">Der andere Spieler, der gewonnen hatte, schob dem St�mmigen das Geld wieder zu und meinte: �Behalte es, Ricardo, mich macht es nicht reicher. F�r dich aber bedeutet es essen oder nicht essen.� Ein anderer mischte sich ins Gespr�ch. �Der junge Graf war fr�her ein so anst�ndiger Kerl. Aber das Weib, das er sich von irgendwoher mitgebracht, hat ihn verdorben. Sie l��t sich mit jeder Post gro�e Kisten aus Paris schicken. Wahrscheinlich sind teure Kleider darin. Und wir m�ssen sie bezahlen.�</style></p><p><style name="font2">�Es ist ganz wie ihr sagt, Caballeros�, lie� sich da eine Stimme aus dem Hintergrund vernehmen: �Por Dios, das ist doch einer aus dem Schlo�.� Juan trat auf den Tisch zu, an dem die W�rfler sa�en.</style></p><p><style name="font2">�Ich war einer aus dem Schlo�; aber ich bin weggegangen. Dort oben ist die H�lle los. Vor ein paar Tagen hat das Weib, die Gr�fin, den Sch�fer Pedro Jorge zu Tode pr�geln lassen. Sie haben ihn einfach verscharrt wie eine tote Ratte.�</style></p><p><style name="font2">Fl�che wurden laut. Ausrufe des Zorns entstiegen den rauhen Kehlen.�Und wem dient Ihr jetzt?� fragte Ricardo.</style></p><p><style name="font2">Juan machte ein geheimnisvolles Gesicht. Dann meinte er:</style></p><p><style name="font2">�Das kann ich euch nur sagen, wenn ihr mir Stillschweigen versprecht.�</style></p><p><style name="font2">Die primitiven Bauern sahen sich an. Dann nickte Ricardo.</style></p><p><style name="font2">Juan beugte sich �ber den Tisch.</style></p><p><style name="font2">�Ich diene jetzt einem, von dem ihr alle schon geh�rt habt�, sagte er mit Betonung. �Es ist--</style></p><p><style name="font2">El Silbador!�</style></p><p><style name="font2">Die Bauern fuhren zur�ck und bekreuzigten sich.</style></p><p><style name="font2">�Santa Maria, der Teufel ist unter uns!� rief Ricardo erschrocken.</style></p><p><style name="font2">�Der Teufel wohnt auf dem Schlo�. Er geht in Gestalt der Gr�fin um. So wenigstens schilderte es mir der Silbador.�</style></p><p><style name="font2">Die Bauern wurden bei aller Furcht neugierig. Und Juan erz�hlte ihnen wahre Wunderdinge von dem, den sie den Pfeifer nannten. Er verschwieg auch nicht, da� dieser von der Gr�fin gefangen worden, dann aber aus einer fest verschlossenen Zelle entkommen war. �Ich sollte ihn verfolgen�, fuhr Juan fort. �Pl�tzlich lag ich auf dem Boden, und er sa� auf meinem Pferd und pfiff seine schauerlichen Melodien. Dann erz�hlte er mir, warum die Bauern vom Grafen so schlecht behandelt w�rden, und befahl mir, die Bauern aufzukl�ren.� Ricardo platzte fast vor Spannung. �Warum sprecht Ihr nicht weiter?� rief er.</style></p><p><style name="font2">�Gut, Caballeros. Ich will euch mehr erz�hlen. Aber ihr m��t f�r euch behalten, was ihr hier h�rt. Die Gr�fin darf nicht vor der Zeit erfahren, was wir von ihr wissen. Wenn ihr nat�rlich einen guten Freund habt, der seinerseits verschwiegen ist, so k�nnt ihr getrost das Maul aufmachen.�</style></p><p><style name="font2">Juan fing seine Sache nicht schlecht an. Michel h�tte an dem gerissenen Burschen seine helle Freude gehabt. Morgen w�rde man das �Geheimnis� im ganzen Gebirge kennen. Die Bauern h�rten sich die Geschichte vom falschen Grafen mit offenen M�ndern an. Besonders, als ihnen klar wurde, da� die Gr�fin mit dem Vetter des gefangenen Grafen ein Verh�ltnis unterhielt, machte sich ihre Emp�rung mit lauten Worten Luft. Und diese Emp�rung der biederen Bauern war das beste Mittel, um auch der Obrigkeit, vor allen Dingen dem Pfarrer und dem Alcalden Nachricht von den Dingen zukommen zu lassen, die sich auf Schlo� Villaverde abspielten.</style></p><p><style name="font2">Als Juan geendet hatte, fand jeder der Zuh�rer bald einen wichtigen Grund, um sich zu verabschieden. Juan aber rieb sich vergn�gt die H�nde. Wenn er das nicht gut gemacht hatte!</style></p><p><style name="font2">Eine Woche war seit dem Ausbruch Michels vergangen. Die Diener und S�ldner des Grafen waren nach und nach unverrichteter Dinge wieder heimgekehrt. Alles Toben half Marina nichts. Der Fl�chtling blieb verschwunden.</style></p><p><style name="font2">In seiner Zelle sa� Graf de Villaverde y Bielsa und zweifelte an Gott und der Welt. Sollte ihn der einstige Leidensgef�hrte so bald vergessen haben?Da lie� ihn ein scharfes Klirren erschrecken, und eine Stimme fl�sterte:</style></p><p><style name="font2">�Hier, am Fenster � ich liege auf der Erde. H�rt Ihr mich, Graf?�</style></p><p><style name="font2">Ein zitterndes Ja war die Antwort. Als sich der Gefangene einigerma�en von seiner</style></p><p><style name="font2">�berraschung erholt hatte, fragte er:</style></p><p><style name="font2">�Seid Ihr es, Senor Baum?�</style></p><p><style name="font2">�Ja. Ich bin nur gekommen, um Euch zu sagen, da� ich Euch nicht vergessen habe. Seid gewi�, da� ich alles daran setzen werde, um Euch zu befreien und Euch zu Euerm Recht zu verhelfen. Es ist gef�hrlich f�r mich; denn der Mond scheint heute sehr hell. Ich m�chte mich nicht einer zweiten Gefangennahme aussetzen. Deshalb ziehe ich mich jetzt zur�ck. Haltet noch ein paar Tage aus. Buenas noches, Don Esteban.�</style></p><p><style name="font2">Noch ehe der Graf eine Antwort fand, war der Sprecher verschwunden. Ein k�hler Luftzug pfiff durch die zerschlagene Scheibe. Aber die frohe Nachricht brachte Don Esteban zum Gl�hen. Sein Herz schlug wie ein Hammer.</style></p><p><style name="font2">Der Alcalde und der Pfarrer des Dorfes Bielsa sa�en am Sonntag nach der Kirche in der guten Stube des Alcalden beisammen und sprachen �ber das Wetter und den kommenden Winter. �Glaubt Ihr, Hochw�rden, da� Gott uns gro�e K�lte schicken wird?� Der Pfarrer schaute nachdenklich aus dem Fenster.</style></p><p><style name="font2">�Man hat in diesem Jahr Eisv�gel hier oben gesehen. Sie sind verl��liche Boten des Herrn. Ich glaube, wir m�ssen damit rechnen, da� wir wieder einmal f�r Monate von der Umwelt abgeschnitten sein werden. Die Menschen werden immer s�ndiger. Es ist keine Fr�mmigkeit mehr in ihnen. Was l�ge n�her, als da� Gott seinem Zorn durch die Unbilden des Wetters Ausdruck verleiht.�</style></p><p><style name="font2">�Hm, hm�, machte der Alcalde, �ich glaube, Hochw�rden urteilen ein wenig zu streng. Ist es eine S�nde, wenn meine Bauern, die den ganzen Tag f�r andere schuften m�ssen, sich am Abend die Zeit beim W�rfelspiel vertreiben?�</style></p><p><style name="font2">�Gott hat den Menschen geschaffen, damit er arbeite und bete. W�rfelspiel ist Teufelsdreck. Es</style></p><p><style name="font2">macht den Menschen rebellisch und aufs�ssig.�</style></p><p><style name="font2">Der Alcalde zog das Tischtuch glatt, das sich verschoben hatte.</style></p><p><style name="font2">�Was halten Hochw�rden eigentlich von dem Ger�cht, das �ber den Grafen de Villaverde und dessen Frau im Volke umgeht?�</style></p><p><style name="font2">�Was f�r ein Ger�cht ist das?� fragte der Pfarrer erstaunt. Der Alcalde erz�hlte ihm, was er wu�te.</style></p><p><style name="font2">�Sollte man da nicht einmal nach dem Rechten sehen?� f�gte er hinzu. Der Pfarrer winkte ab.</style></p><p><style name="font2">�Die Leute reden viel. Sie zerrei�en sich die M�uler �ber Dinge, die sie nichts angehen. Die gr�fliche Familie f�hrt ein Gott wohlgef�lliges Leben. Sie erscheint trotz des beschwerlichen Weges oft in der Kirche.�</style></p><p><style name="font2">Der Alcalde schwieg eine Weile. Dann fragte er:�Findet Ihr, da� es ein Gott wohlgef�lliges Werk ist, wenn die Bauern vier Tage f�r den Herrn arbeiten m�ssen und dann noch von Jahr zu Jahr die Abgaben erh�ht werden?�</style></p><p><style name="font2">Jetzt kam Bewegung in den Pfarrer. Er war ein streitbarer Herr.</style></p><p><style name="font2">�Aha, darauf wollt Ihr hinaus! Ihr nehmt die Ger�chte �ber die Herrschaft zum Anla�, um gegen sie zu konspirieren. La�t Euch sagen, da� so etwas niemals zu einem guten Ende f�hrt. Die Obrigkeit ist von Gott gewollt. Gebt Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist.� Der Alcalde lie� sich nicht so leicht beirren.</style></p><p><style name="font2">�Und wenn der Kaiser nun ein falscher Kaiser ist?� fragte er den Pfarrer unvermittelt. �Gilt dann der Bibelspruch auch f�r den falschen?�</style></p><p><style name="font2">�Nat�rlich nicht. Aber ich sage Euch, diese Behauptung ist absurd.� �Und woher wi�t Ihr das so genau. Hochw�rden?�</style></p><p><style name="font2">�Das gr�fliche Paar f�hrt ein gutes und frommes Leben, das sagte ich doch bereits.� Der Alcalde stand bed�chtig auf.</style></p><p><style name="font2">�Ist das auch fromm, wenn man einen Knecht zu Tode peitschen l��t?� �Wer hat das getan?�</style></p><p><style name="font2">�Die fromme Gr�fin. Man hat Pedro, den Sch�fer, wie einen Hund in ungeweihter Erde begraben.�</style></p><p><style name="font2">Jetzt wurde der Pfarrer nachdenklich. �Hat man Euch den Tod gemeldet, Alcalde?� �Keine Spur. Alles ist Ger�cht.� Der Pfarrer winkte ab.</style></p><p><style name="font2">�F�r Leute wie Euch und mich schickt es sich nicht, solchem Gerede nachzugehen.�</style></p><p><style name="font2">�Es ist kein Gerede, Senor Pfarrer�, erklang da pl�tzlich eine Stimme von der T�r her.</style></p><p><style name="font2">Die beiden fuhren herum und starrten einem Fremden ins Gesicht, der in abgerissenen Kleidern,</style></p><p><style name="font2">aber mit Degen und B�chse bewaffnet, im Rahmen der T�r stand.</style></p><p><style name="font2">Der Pfarrer ermannte sich als erster.</style></p><p><style name="font2">�Wer bist du, Fremder?�</style></p><p><style name="font2">�Warum willst du das wissen? Was k�nnte es dir n�tzen, wenn du es w��test? Ich habe euerm Gespr�ch entnommen, da� du sowieso nicht an die Schuld des falschen Grafen glaubst. Aber in mir hast du einen Kronzeugen.�</style></p><p><style name="font2">Der Pfarrer war von der formlosen Anrede des Fremden reichlich �berrascht, konnte sich aber</style></p><p><style name="font2">gen�gend beherrschen, um einen gewissen Gleichmut zur Schau zu tragen.</style></p><p><style name="font2">�Willst du mir nicht meine Frage beantworten?� erwiderte er ruhig. �Ich m�chte deinen Namen</style></p><p><style name="font2">wissen.�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum trat gelassen in den Raum und setzte sich mit der gr��ten Selbstverst�ndlichkeit der Welt in einen Stuhl, der dem Pfarrer gegen�berstand.</style></p><p><style name="font2">�Ich habe nichts zu verbergen,� sagte er, �ich hei�e Michel Baum, ein Name, der dir h�chstens sagen wird, aus welchem Land ich komme. Hier irn Gebirge nennen sie mich schlechthin: El Silbador.�</style></p><p><style name="font2">Wie um die Wahrheit seiner Worte zu best�tigen, begann er auf einmal laut zu pfeifen.</style></p><p><style name="font2">Dem Pfarrer liefen kalte Schauer �ber den R�cken. Er hob die Hand und rief entsetzt:</style></p><p><style name="font2">�Halt ein, Sohn des Teufels! Willst du nicht deine Seele im Gebet erleichtern?�</style></p><p><style name="font2">Michel sah ihn mit einem unbestimmten Ausdruck inden Augen an. Dann sch�ttelte er den Kopf</style></p><p><style name="font2">und fragte sanft:</style></p><p><style name="font2">�Glaubst du, es mit einem Kinde zu tun zu haben? Mache ich den Eindruck, da� ich meine Seele im Gebet erleichtern m��te?�</style></p><p><style name="font2">�Jeder Mensch hat das Beten n�tig�, erkl�rte der Pfarrer kategorisch.</style></p><p><style name="font2">�M�glich�, antwortete Michel gleichg�ltig. �Einen kenne ich zumindest, der fest daran glaubt, da� ihn das Gebet aus seiner unverdienten Gefangenschaft befreien wird. Es liegt an euch beiden, ihn nicht zu entt�uschen.� Da mischte sich der Alcalde ins Gespr�ch. �Wen meint Ihr, Senor Silbador?�</style></p><p><style name="font2">�Den echten Grafen, Esteban de Villaverde y Bielsa, der in dem Verlie� seines eigenen</style></p><p><style name="font2">Schlosses der Freiheit entgegenschmachtet.�</style></p><p><style name="font2">�Erz�hlt, was Ihr davon wi�t, Senor�, bat der Alcalde dringed.</style></p><p><style name="font2">Und Michel begann seine Geschichte, wobei er, wenn sich Gelegenheit dazu bot, den Pfarrer mit Du, den Alcalden aber mit Ihr ansprach, wor�ber sich der Pfarrer sehr verwunderte. Als Michel geendet hatte, fragte er dann auch:</style></p><p><style name="font2">�Warum l��t du es mir gegen�ber an der n�tigen H�flichkeit fehlen, mein Sohn? Weshalb nennst du mich Du?�</style></p><p><style name="font2">Michel sah ihn erstaunt an.</style></p><p><style name="font2">�Hast du mich nicht zuerst mit Du angesprochen? Wie kannst du erwarten, da� ich dir mehr H�flichkeit entgegenbringe als du mir? In meiner Heimat regiert ein K�nig, der auf seinen Hausorden den sch�nen Spruch �SUUM CUIQUE� geschrieben hat. Danach richte ich mich, wenn ich mir auch ansonsten nicht viel aus K�nigen mache.�</style></p><p><style name="font2">Irgendwie gefiel dem Pfarrer die selbstverst�ndliche Offenheit des jungen Mannes. Ein kleines L�cheln stahl sich auf seine Lippen, als er antwortete:</style></p><p><style name="font2">�Ich bin und bleibe ein Diener Gottes, ob du mich nun Du oder Ihr nennst. Du aber bist f�r mich ein Sohn, wie alle jungen M�nner, die gute Christen sind.� Hier schaltete sich der Alcalde ein und sagte:</style></p><p><style name="font2">�Es ist hier so Sitte, da� der Pfarrer seine Gemeindemitglieder mit dem vertraulichen Du anredet. Das soll nicht etwa eine Herabsetzung der Person sein. Wenn ein Mann allerdings �lter ist und in Amt und W�rden steht, so sagt auch der Pfarrer �Ihr�.�</style></p><p><style name="font2">Michel war normalerweise nicht leicht in Verlegenheit zu bringen. Jetzt kam er sich pl�tzlich unh�flich vor. Deshalb stand er auf, reichte dem Pfarrer die Hand und sagte: �Bien Senor, ich wollte Euch nicht beleidigen. Ich bin noch nicht lange genug im Lande, um das zu wissen. Da mich aber hier jeder sogenannte Hochgestellte gleich mit Du ansprach, habe ich es ihm stets zur�ckgegeben. Ich erkenne das Hoch und Niedrig der Geburt nicht an, eine Weltanschauung �brigens, die ich mir unter gen�gend Opfern erworben habe. Ich habe allein Achtung vor dem Geist. Alles andere ist f�r mich �u�erlichkeit, deren es zum Leben nicht bedarf.�</style></p><p><style name="font2">Der Pfarrer sah den legendenumwobenen Silbador forschend und auch ein wenig verwundert an. Unwillk�rlich dr�ngte sich ihm die Anrede Ihr auf die Lippen, als er jetzt meinte: �Ihr sprecht, als habt Ihr Philosophie studiert, Freund. Wer seid Ihr?�Michel l�chelte. �Nennt mich getrost weiter Du, Senor. Ich f�ge mich den Sitten eines Landes. Ich bin ja unterwegs, um zu lernen. Vielleicht habe ich den Einwohnern meiner Heimat viel zu erz�hlen, wenn ich einmal zur�ckkehren sollte, was jedoch nicht so bald der Fall sein d�rfte.� W�hrend der letzten Worte hatte sich seine Stirn umw�lkt. �Wer bist du also, mein Sohn?� fragte der Pfarrer abermals.</style></p><p><style name="font2">�Ein studierter Fl�chtling�, antwortete Michel bitter. �Unter anderen Umst�nden w�re ich jetzt Arzt in meiner Heimatstadt. Leider lebt mein Land unter der Knute eines Tyrannen, so da� man nicht in freier Luft atmen kann. Deshalb habe ich es vorgezogen, mir so lange die Welt anzuschauen, bis den Landgrafen der Teufel geholt hat.�</style></p><p><style name="font2">�Eine k�hne Sprache�, sagte der Pfarrer nachdenklich. �Kannst du beschw�ren, was du auf </style><style name="font2">Schlo� Villaverde erlebt hast?�</style></p><p><style name="font2">�Nat�rlich.�</style></p><p><style name="font2">�Ich verstehe nur eins nicht: wenn du so voreingenommen gegen den Adel bist, warum k�mmerst du dich da um den gefangenen Grafen?�</style></p><p><style name="font2">�Menschenpflicht�, erwiderte Michel kurz. �Ich w�rde niemals einen Menschen leiden lassen,</style></p><p><style name="font2">der es nicht verdient hat, und sei es zehnmal ein Graf.�</style></p><p><style name="font2">Jetzt mischte sich der Alcalde wieder ein.</style></p><p><style name="font2">�Und was gedenkt Ihr nun zu unternehmen, Senor?�</style></p><p><style name="font2">�Ich rechne fest auf Eure Unterst�tzung, sonst w�re ich ja nicht zu Euch gekommen.� �Hm � und wie stellt Ihr Euch das vor?� Michel zuckte die Achseln.</style></p><p><style name="font2">�Mir ist es Hilfe genug, wenn ich wei�, da� ich mich auf Euch verlassen kann, da� Ihr mir versprecht, mir und dem echten Grafen nicht in den R�cken zu fallen. Dessen wollte ich mich versichern.�</style></p><p><style name="font2">Der Alcalde streckte ihm die Hand ihn.</style></p><p><style name="font2">�Wenn es um die Gerechtigkeit geht, so k�nnt Ihr jederzeit auf mich rechnen.� �Und wenn es sein mu�, auch auf mich�, schlo� sich der Pfarrer an.</style></p><p><style name="font2">�Was ist in Euch gefahren, Manuel?� fragte die Gr�fin den Majordomo, der in den letzten Tagen seinen Leuten gegen�ber merkw�rdig freundlich und zur�ckhaltend in der Verteilung von Pr�gelstrafen geworden war.</style></p><p><style name="font2">�Oh, nichts Besonderes, Vuestra Merced�, druckste er herum. �Euch ist wohl Pedros unerwarteter Tod in die Glieder gefahren, was?� fragte sie. �Keineswegs, nein, ganz und gar nicht�, beeilte sich Don Manuel zu antworten. �Er hatte seine Strafe vollauf verdient.�</style></p><p><style name="font2">Marina sah ihn sp�ttisch an, lenkte dann aber auf ein anderes Thema �ber.</style></p><p><style name="font2">�Wenn Doktor Garcia kommt, so benachrichtige mich sofort. Ich mu� ihn dringend sprechen.�</style></p><p><style name="font2">�Jawohl, Vuestra Merced�, verbeugte sich der Haushofmeister.</style></p><p><style name="font2">Doktor Garcia kam bald. Er war ein finsterer, verschlossener Mann, dessen Gesichtsz�ge nichts Gutes verhie�en. Und es mochte f�r einen Patienten schwer halten, sich ihm anzuvertrauen. Dennoch hatten ihn Marina und der falsche Esteban zum Leibarzt des alten Grafen bestellt. Er wurde sofort vorgelassen. Als er mit dem sauberen Paar im Salon sa�, vergewisserte sich Marina, da� niemand hinter den T�ren stand und lauschte. Dann trat sie dicht vor ihn hin.</style></p><p><style name="font2">�Wir m�ssen das mit dem Alten beschleunigen, Doktor�, meinte sie. �Die Sache dauert mir allm�hlich zu lange.�</style></p><p><style name="font2">Ein schiefes L�cheln trat auf die Z�ge des Arztes. �Wollt Ihr ihn per Eilpost ins Jenseits bef�rdern, Gr�fin?� fragte er. �Was tut Euch der Alte? Wenn er langsam abstirbt, so wird das keinem Menschen auffallen. Wenn er sich aber morgen fr�h nicht mehr r�hrt, dann k�nnte es unter Umst�nden Verdacht geben.�</style></p><p><style name="font2">�Verdacht hin, Verdacht her. Ihr wi�t, da� er noch immer der eigentliche Herr auf dem Schlo� ist. Und manchmal hat er merkw�rdige Anwandlungen, sich trotz seiner geistigen Umnachtung dessen wieder zu besinnen. Er ist zum Beispiel noch so klar bei Verstand, da� er oft erst nach langem �berreden eine Anweisung auf die Bank von Madrid unterschreibt, wenn ich meine Rechnungen bezahlen will. Und schlie�lich kann ich ihn nicht entm�ndigen lassen. Ihr wi�t, in unserer Situation soll man sich nicht unn�tig auf den Gerichten herumtreiben.� Doktor Garcia grinste sie unversch�mt an.</style></p><p><style name="font2">�Ich habe ein Mittel, das man ihm grammweise ins Essen geben k�nnte. In sp�testens drei Wochen w�re er dann hin�ber. Aber � das Mittel ist sehr kostbar. Es ist nicht unter f�nfzehntausend Pesetas zu haben.�</style></p><p><style name="font2">Marina verga� f�r einen Augenblick, die W�rde zu wahren, die sie ihrem Titel schuldig war. �F�nfzehntausend Pesetas? Das ist doch nicht Euer Ernst, Doktor?� Garcia blickte sie eindringlich an.</style></p><p><style name="font2">�Ich pflege nie zu scherzen, wenn es sich um Geld handelt. Soweit m��tet Ihr mich doch kennen.�</style></p><p><style name="font2">�Aber eine solche Summe ist unerschwinglich, wenigstens in kurzer Zeit�, mischte sich Fernando ins Gespr�ch.</style></p><p><style name="font2">�Nicht doch! Wer kann Euch hindern, die Steuern in Euerm Bezirk ein wenig zu erh�hen. Senor?�</style></p><p><style name="font2">�Ihr k�nnt mich ruhig Graf nennen�, meinte Fernando gereizt.</style></p><p><style name="font2">�Formalit�ten�, sagte der Doktor. �Ich wei� doch, wer Ihr seid. Wohl ein Graf, aber nicht der Graf. Wie geht es Don Esteban �berhaupt? Wollt Ihr ihn nicht auch langsam um die Ecke bringen?�</style></p><p><style name="font2">�Schweigt!� fuhr ihn Marina w�tend an. �Euer Ton ist unpassend.� Doktor Garcia erhob sich gleichg�ltig.</style></p><p><style name="font2">�Ich werde meine P�lverchen schon los, Gr�fin, habt keine Sorge. Es kommt �fter mal vor, da� die Leute ein wenig nachhelfen, um schneller in den Genu� einer Erbschaft zu kommen.� �Also gut�, beschwichtigte die Gr�fin. �Ihr bekommt das Geld in drei Monaten. Gebt her.� Wortlos zog der Doktor eine kleine Schachtel aus der Tasche.</style></p><p><style name="font2">Der Alcalde von Bielsa fuhr auf, als er in den n�chsten Tagen vernahm, da� die Steuern abermals erh�ht werden sollten. Wer sie nicht aufbringen k�nne, hatte der Graf verk�nden lassen, werde sie w�hrend der Ernte abarbeiten m�ssen. Und was das hie�, wu�te jeder. Die Bauern in den Katen fluchten und tobten. Es reichte so schon kaum zum Leben. Dazu hatte sich das Ger�cht immer mehr verst�rkt, da� der Graf gar nicht der richtige Graf war, da� sie von einem Schwindler ausgebeutet wurden. Es g�rte in ihnen.</style></p><p><style name="font2">Der Koch, der monatlich einmal selbst in das Dorf geritten kam, um die n�tigsten Eink�ufe an K�chengew�rzen vorzunehmen, traute seinen Ohren nicht, als er die Geschichte vernahm, die der Silbador in die Welt gesetzt hatte. Und kaum war er wieder auf dem Schlo�, da wu�te es bald sein ganzer K�chenstab. Von dort aus war der Weg zur Dienerschaft nur noch kurz. Als bei der Schlo�reinigung samstags der Majordomo seine Leute beaufsichtigte, bemerkte er, wie zwei Dienstm�dchen st�ndig miteinander tuschelten.</style></p><p><style name="font2">�Heda, ihr beiden! Redet nicht, sondern tut eure Arbeit. Sonst setzt es Hiebe.� Es waren aber kaum ein paar Minuten vergangen, da bemerkte er abermals, wie sie ihre K�pfe zusammensteckten. Er h�tte schimpfen oder sie bestrafen k�nnen. Aber er war ein neugieriger Mann. So wartete er ab, bis er eine g�nstige Gelegenheit fand, sie zu belauschen. Eine solche ergab sich schon innerhalb der n�chsten Minuten.</style></p><p><style name="font2">�Was sagst du zu der Geschichte, die sie sich im Dorf erz�hlen, Anita?� fragte die eine. �Ich glaube es nicht.�</style></p><p><style name="font2">�Der Silbador hat es aber gesagt�, behauptete die andere.</style></p><p><style name="font2">�Man m��te sich mal hinunter in das Verlie� schleichen. Vielleicht ist der Eingesperrte wirklich der richtige Graf.�</style></p><p><style name="font2">Der Majordomo hatte genug geh�rt. Schreckensbleich zog er sich von seinem Lauscherposten zur�ck und begab sich sofort in die Gem�cher der Gr�fin. �Was wollt Ihr?� fragte Marina ungehalten. �Ich m�chte Euch berichten, was man sich im Dorf unten und auch bereits auf dem Schlo� erz�hlt, Vuestra Merced. Es mu� etwas geschehen.�</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid ja ganz aufgeregt, Manuel. Fa�t Euch doch�, sagte Fernando und fuhr sich mit der gepflegten Hand �ber die Per�cke.</style></p><p><style name="font2">�Wie kann ich mich fassen, wenn das ganze Haus unser bisher sorgf�ltig geh�tetes Geheimnis kennt?�</style></p><p><style name="font2">�Was meint Ihr?� fragte die Gr�fin erstaunt. �Was werde ich schon meinen! Sie wissen, da� der</style></p><p><style name="font2">Mann im Verlie� unten der richtige Graf ist. Alle wissen es, auch die Bauern im Dorf. Der</style></p><p><style name="font2">Silbador hat das Ger�cht im ganzen Land ausgestreut. Was soll nur geschehen, wenn es dem</style></p><p><style name="font2">Pfarrer oder dem Alcalden zu Ohren kommt?� Marina fa�te sich schnell.</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid kindisch, Manuel. Bildet Ihr Euch etwa ein, da� M�nner wie der Alcalde solchen</style></p><p><style name="font2">M�rchen Glauben schenken werden, zumal das Ger�cht, wie Ihr sagt, vom Silbador</style></p><p><style name="font2">ausgeht?�</style></p><p><style name="font2">Don Manuel gab sich keineswegs zufrieden.�K�nnen wir Esteban nicht von hier wegbringen?� Die Gr�fin lachte gezwungen.</style></p><p><style name="font2">�Wegbringen? Meintet Ihr vielleicht--?� Sie machte eine unmi�verst�ndliche Bewegung.</style></p><p><style name="font2">Manuel erbleichte.</style></p><p><style name="font2">�Ich kann das nicht. Nein, ich tue es auch nicht.�</style></p><p><style name="font2">�Ich wei߫, antwortete Marina sp�ttisch. �Euch ist ja sogar der Tod dieses armseligen Sch�fers </style><style name="font2">auf die Nerven gegangen, obwohl Ihr es doch wart, der ihn bestrafen wollte.�</style></p><p><style name="font2">�Ich kann mir nicht helfen, Vuestra Merced�, sagte der Majordomo, �bestrafen und totschlagen </style><style name="font2">ist zweierlei. Nein, ich kann niemanden totschlagen.�</style></p><p><style name="font2">Die Gr�fin stand auf.</style></p><p><style name="font2">�Es ist gut�, sagte sie mit v�llig ver�nderter, fast sanfter Stimme; �wir werden sehen, was zu tun ist. Vielleicht sollte wirklich jemand hier im Schlo� ganz pl�tzlich eine Reise machen ... Geht jetzt.�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum und sein Helfer Juan hatten sich am Eingang des Stollens getroffen, der vom Gebirge aus in das Schlo� f�hrte.</style></p><p><style name="font2">�Endlich kommst du, Juan. Ich glaubte fast, du w�rest wieder eigene Wege gegangen.� Juan stieg von dem schwei�triefenden Pferd.</style></p><p><style name="font2">�Ihr wi�t, Don Silbador, da� Ihr Euch auf mich verlassen k�nnt. Hat sich das Ger�cht nicht wie ein Brand �ber das Gebirge verbreitet? Und zudem bringe ich auch noch eine neue Nachricht. Sie ist Gold wert.�</style></p><p><style name="font2">�Willst du mich auf die Folter spannen, hombre? Berichte doch, ohne dich erst bitten zu lassen.</style></p><p><style name="font2">Was gibt's?�</style></p><p><style name="font2">�Der Majordomo ist tot.�</style></p><p><style name="font2">�Donnerwetter�, entfuhr es Michel. �Das ging aber schnell. Wer hat ihn auf dem Gewissen?� �Niemand. Er ist die Treppe hinuntergest�rzt und hat sich dabei das Genick gebrochen.� �So, so, was du nicht sagst. Hat der Arzt den Sachbestand best�tigt und den Totenschein ausgef�llt?�</style></p><p><style name="font2">Juan sah seinen neuen Herrn verwundert an.</style></p><p><style name="font2">�Wozu diese Formalit�ten? Die Gr�fin hat ihn die Treppe selbst hinunterfallen sehen. Das </style><style name="font2">gen�gt.�</style></p><p><style name="font2">Michel grinste.</style></p><p><style name="font2">�Ach, sie hat ihn die Treppe hinunterfallen sehen? Nun, bei jedem anderen Augenzeugen h�tte ich an ein Ungl�ck geglaubt. Wenn sie jedoch dabei war, so hat sie sicher ein wenig nachgeholfen. Wei�t du, was das bedeutet?� �Keine Ahnung�, meinte Juan.</style></p><p><style name="font2">�Soviel, da� sich die Verbrecher jetzt selbst gegenseitig den Garaus machen.� �Und was wollen wir jetzt machen?� fragte Juan.</style></p><p><style name="font2">�Das werde ich dir sofort auseinandersetzen. Du reitest auf schnellstem Wege zum Alcalden und wom�glich auch zum Pfarrer und bittest sie, sich sogleich ins Schlo� zu begeben, wie � � nun sagen wir, wie zu einem Totenbesuch. Dazu kommt uns der Haushofmeister wie gerufen. Sage dem Pfarrer, da� er ihn einsegnen m�ge. Ein tadelloser Grund zu einem Besuch, ein Grund, an dem selbst die kluge Teufelin nichts auszusetzen haben wird. Sieh zu, da� du mit den Herren in sp�testens zwei Stunden auf dem Schlo� bist. Richte ihnen aus, sie m�chten ihren Besuch so lange ausdeh-nen wie nur m�glich. Der Silbador wird heute abend den Beweis f�r seine Behauptung antreten. Du selbst h�ltst dich am besten im Hintergrund. Man braucht dich auf dem Schlo� vorl�ufig gar nicht zu sehen. Hast du das verstanden?� �Ja, Senor. Alles.�</style></p><p><style name="font2">Juan sprang aufs Pferd und war in Sekundenschnelle verschwunden. Michel aber setzte sich hinter einen Busch und wartete, bis die Dunkelheit einbrach. Als etwa eine Stunde vergangen war, stieg er in den Schacht hinunter.</style></p><p><style name="font2">Er hatte bald das Gangende erreicht und stand nun vor der dicken T�r. Ungl�cklicherweise konnte man von hier aus auch nicht das leiseste Ger�usch von innen her vernehmen. So mu�te eben auf gut Gl�ck gehandelt werden. Zur �ffnung der T�r war hier dasselbe Loch in den Boden gebohrt wie innen. Ein Griff, und sie drehte sich um ihre vertikale Achse. Michel war </style><style name="font2">vorsichtshalber in den Gang zur�ckgetreten, um erst zu ersp�hen, ob die Luft rein war. Diese Vorsicht machte sich bezahlt. Er h�rte, wie drinnen jemand erschrocken mehrmals hintereinander �Santa Maria, Santa Maria, Madre de Dios!� rief. Da stand er pl�tzlich mit einem ungeheuren Satz mitten im Gang, der vor den Zellen entlang f�hrte. Fast w�re er beim Sprung mit dem W�chter zusammengeprallt. Dieser ri� den Mund auf in ungl�ubigem Erstaunen, verga� aber, zum zweitenmal zu schreien. Da hatte ihn Michel auch schon bei der Kehle und dr�ckte ihm die Luft ab. R�chelnd sackte der Mann zusammen und wurde mit seinem eigenen Hosenriemen gebunden. An eben jenem Riemen fand Michel auch das wichtigste: einen ganzen Bund wundersch�ner, glitzernder Schl�ssel.</style></p><p><style name="font2">Sekunden sp�ter stand er vor der Zelle des Grafen. Ein kaum unterdr�ckter Jubelruf begr��te ihn. Michel legte seinen Zeigefinger auf den Mund und sagte halblaut: �Wollt Ihr, da� man uns noch im letzten Augenblick bemerkt und uns unter Umst�nden beide wieder einlocht? Setzt Euch auf Eure Pritsche, Don Esteban. Ich hole den besinnungslosen W�chter, den wir dann an Eurer Stelle einschlie�en werden.�</style></p><p><style name="font2">Er eilte in den Gang zur�ck, um seinen Vorsatz auszuf�hren. Als er die Zelle wieder betrat, fand er einen in Tr�nen aufgel�sten Menschen vor, der sein Schluchzen nur mit gro�er M�he unterdr�cken konnte.</style></p><p><style name="font2">�So fa�t Euch doch�, sagte Michel in m�nnlichem Zorn. �H�rt jetzt lieber zu, welche Pl�ne ich noch habe heute abend.�</style></p><p><style name="font2">�Wollen wir nicht erst das Schlo� verlassen?� fragte der Graf entt�uscht.</style></p><p><style name="font2">�Wohin wollt Ihr denn?� stellte Michel die verwunderte Gegenfrage.</style></p><p><style name="font2">�Weg�, sagte Don Esteban, �weit fort von hier. Auf, kommt, la�t uns so schnell wie m�glich </style><style name="font2">fliehen, damit wir bis morgen fr�h einen gen�gend gro�en Vorsprung haben.�</style></p><p><style name="font2">�Aus Euerm eigenen Schlo� wollt Ihr fliehen? In drei Teufels Namen, Ihr werdet noch heute </style><style name="font2">wieder Herr auf Villaverde sein! Wollt Ihr all das, was Euch geh�rt, Eurer Frau �berlassen, die </style><style name="font2">Euch so �bel mitgespielt hat?�</style></p><p><style name="font2">�Wenn ich hierbleibe, dann wird sie mich �ber kurz oder lang wieder einsperren�, sagte der Graf erregt.</style></p><p><style name="font2">Michel war sprachlos. Hier half nur eine Gewaltkur.</style></p><p><style name="font2">�Zum Donnerwetter�, fuhr er den Grafen an, �was seid Ihr doch f�r ein Waschlappen! Wie k�nnt Ihr solche Angst vor einer Frau haben? Jetzt werden wir den Spie� umdrehen. Das Weib wird verhaftet, und zwar auf regul�re Art und Weise. Dann m�gen die Gerichte mit ihr machen, was sie wollen. Und dabei m��t Ihr mir behilflich sein.� Der Graf ermannte sich. �Verzeiht�, sagte er, �Ihr habt mich falsch verstanden. Nicht die Angst vor meiner Frau wollte mich fliehen hei�en, sondern die Angst vor mir selber. Ich bin nicht stark genug, um gegen meine Frau genau so unbarmherzig vorzugehen, wie sie gegen mich gehandelt hat. Gebt mir einen Rat.� Michel �berlegte einen Augenblick. �Dar�ber k�nnen wir noch reden. Nur versprecht mir jetzt, da� Ihr f�r die n�chste Zeit meine Anordnungen w�rtlich befolgt, sonst ist meine ganze Arbeit umsonst gewesen.�</style></p><p><style name="font2">�Weshalb st�rst du uns noch so sp�t?� fragte Gr�fin Marina, als ein Diener in den Salon trat, der anstelle des Majordomo das Amt des Haushofmeisters �bernommen hatte. Der Mann verbeugte sich h�flich und sagte:</style></p><p><style name="font2">�Verzeihung, Vuestra Merced, aber es ist soeben noch Besuch angekommen, der dringend empfangen zu werden bittet.�</style></p><p><style name="font2">�Besuch?� fragte der falsche Graf erstaunt. �Jetzt, um diese Zeit? Wer ist es?� �Der Pfarrer und der Alcalde von Bielsa�, antwortete der Diener.</style></p><p><style name="font2">�Der Pfarrer und der Alcalde? Was wollen sie um diese Zeit auf dem Schlo�?�</style></p><p><style name="font2">Sie warf Fernando einen mi�trauischen Blick zu. Dann erhob sie sich und meinte:</style></p><p><style name="font2">�Wir werden wohl nicht umhin k�nnen, die beiden Herren zu empfangen. F�hre sie herein.�</style></p><p><style name="font2">Die Angemeldeten kamen. Der Alcalde machte einen tiefen B�ckling, wie es die Vorschrift </style><style name="font2">heischte, der Pfarrer murmelte nur einen katholischen Gru�.</style></p><p><style name="font2">�Was wollt ihr zu so sp�ter Stunde noch auf dem Schlo�, Senores?� fragte die Gr�fin. Der Pfarrer trat einen Schritt vor und meinte:</style></p><p><style name="font2">�Ich komme nur, um eine traurige Pflicht zu erf�llen. Uns ist zu Ohren gekommen, da� Don Manuel t�dlich verungl�ckt ist. Ich m�chte ihn einsegnen, damit er in geweihter Erde beigesetzt werden kann.�</style></p><p><style name="font2">Die Gr�fin wechselte einen schnellen Blick mit dem Grafen. Es war ihr unerfindlich, woher die beiden Dorfgewaltigen bereits vom Tode des Majordomo Kenntnis haben konnten. Aber sie hatte sich gut in der Gewalt.</style></p><p><style name="font2">�Selbstverst�ndlich will ich Euch nicht an Eurer Pflicht hindern, Hochw�rden, obwohl ich nicht einsehe, warum die Einsegnung nicht auch morgen noch zurechtgekommen w�re.� �F�hrt mich zu der Leiche, Gr�fin!�</style></p><p><style name="font2">Diese Aufforderung kam Marina sichtlich ungelegen. Sie war auf das pl�tzliche Kommen des Pfarrers nicht vorbereitet gewesen; deshalb lag der tote Majordomo v�llig unzeremoniell auf einer Holzkiste im Futterraum des Pferdestalles.�Nun, wenn Ihr denn unbedingt wollt, so folgt mir�, sagte sie k�hl und wandte sich zur T�r. �Hier entlang.�</style></p><p><style name="font2">Zusammengekr�mmt und ungewaschen lag die Leiche mit aufgerissenen Augen auf der Holzkiste.</style></p><p><style name="font2">�Diablo�, stie� der Alcalde entsetzt hervor.</style></p><p><style name="font2">�Ein sehr unpassender Ausdruck, den Ihr soeben gebrauchtet, Alcalde�, meinte die Gr�fin mit kaltem Spott.</style></p><p><style name="font2">�An so heiliger St�tte, wo gleich der feierliche Akt einer Einsegnung erfolgen soll, w�hlt man seine Worte besser.�</style></p><p><style name="font2">Der Pfarrer, ein von seinem Glauben besessener, aber gerechter Mensch, meinte mit zorniger Stimme:</style></p><p><style name="font2">�Fast m�chte ich dem Ausdruck meines Begleiters beistimmen. Es ist eine Schande, wie Ihr </style><style name="font2">einen Toten aufbahrt, der Euch im Leben ein treuer Diener gewesen ist.�</style></p><p><style name="font2">�Einesteils habt Ihr recht, Senor Pfarrer, andererseits m�chte ich sagen, da� mir dieser </style><style name="font2">Aufenthaltsort f�r einen toten Verbrecher gut genug erscheint�, erscholl da auf einmal eine </style><style name="font2">Stimme aus dem Dunkel des Pferdestalls.</style></p><p><style name="font2">Die vier Anwesenden fuhren herum.</style></p><p><style name="font2">�Wer ist da?� fragte der Pfarrer mit donnernder Stimme.</style></p><p><style name="font2">Michel Baum trat ins Licht und antwortete:</style></p><p><style name="font2">�Der Kronzeuge.�</style></p><p><style name="font2">Die Gr�fin stie� einen Schrei aus, der halb aus Wut und halb aus Triumph zu bestehen schien. �Greift ihn!� schrie sie. Aber es war niemand da, der ihrem Befehl nachkommen konnte. �Diesmal wird es wohl umgekehrt werden�, meinte Michel Baum. �Diesmal seid Ihr dran. Euer Spiel ist aus.� Jetzt mischte sich der Pfarrer ein und mahnte: �Macht hier kein Geschrei. La�t dem Toten seine Ruhe. Man soll nicht H�ndel austragen an der St�tte der Weihe, selbst dann nicht, wenn es eine d�rftige St�tte ist.� Da meinte der Alcalde.</style></p><p><style name="font2">�K�nnt Ihr etwas Wesentliches sagen, Senor Silbador?�</style></p><p><style name="font2">�Und ob ich das kann! Ich klage die Gr�fin de Villaverde y Bielsa an des Mordes an dem Majordomo, des Totschlags an dem Sch�fer Pedro und der widerrechtlichen Gefangennahme ihres Mannes, des Grafen de Villaverde y Bielsa.�</style></p><p><style name="font2">�Er l�gt, er l�gt�, schrie Marina w�tend, �glaubt ihm nicht. Er will mich verderben, weil ich mich ihm verweigerte. Er hat sch�ndlich meine Gastfreundschaft mi�braucht. Und im �brigen seht ihr ja, da� mein Mann, der Graf de Villaverde, neben mir steht.� �Schweigt!� fuhr Michel sie an. �Ich w�rde nicht etwas behaupten, was ich nicht beweisen k�nnte.� Laut rief er: �Don Esteban, tretet vor!�</style></p><p><style name="font2">Eine zweite Gestalt trat in das tr�be Licht der �llampe. Mit wirren Haaren und langem Bart, v�llig abgerissen und heruntergekommen, so, wie er in der Zelle gelebt hattte, trat der echte Graf de Villaverde y Bielsa vor die Anwesenden. Marina starrte ihn wortlos mit weit aufgerissenen Augen an; Fernando aber, der bisher kaum ein Wort gesagt hatte, schrie erschrocken auf: �Mein Gott, er ist's wirklich! Um des Himmels willen, Esteban, wie siehst du aus?�Da brach es aus dem Schwergepr�ften hervor: �Das fragst du mich? Ja, so habt ihr mich verkommen lassen im Verlie� meines eigenen Schlosses. An K�rper und Seele habt ihr mich zwei Jahre lang geschunden und gequ�lt. Geschmachtet habe ich, w�hrend du mit meiner, deines Vetters Frau, in Freuden gelebt und gepra�t hast!�</style></p><p><style name="font2">�Schlag ihn tot, Fernando, schlag sie alle tot, die ganze Sippe. Vierteile diesen verfluchten Silbador. Sie l�gen alle, alle. Ich schw�re bei Gott, dem... �</style></p><p><style name="font2">�Haltet ein!� donnerte da die Stimme des Pfarrers. �Ruft nicht den Namen des Allm�chtigen an, vor dessen Angesicht Ihr ges�ndigt habt!� Der Alcalde richtete sich auf. �Gr�fin de Bielsa und Graf Fernando, im Namen des K�nigs verhafte ich euch wegen Mordes, Totschlags und Freiheitsberaubung. Ich ...�</style></p><p>�Ha!�<style name="font2"> schrie Marina, �Fernando, sie sollen uns nicht so einfach haben. Gib's ihnen!� Ein Dolch blitzte in ihrer Hand. Mit einem Wutschrei st�rzte sie sich auf den Alcalden. Fernando, der keine andere Rettung mehr sah, besann sich darauf, da� er einst ein starker, k�hner, von den Frauen verehrter Mann gewesen war, und zog seine Klinge. Ohne vorherige Warnung st�rzte er sich auf den Silbador, den er mit Recht f�r den gef�hrlichsten Gegner hielt. Michel Baum sprang zur�ck und wich dem heimt�ckisch gef�hrten Stich aus. Dann hatte er selbst seine Waffe in der Hand.</style></p><p><style name="font2">�Ergebt Euch!� rief er. �Ich will Euer Blut nicht. Ihr sollt vor den Richter. Vielleicht kommt Ihr mit einer Haftstrafe davon.� Aber Fernando griff wieder an.</style></p><p><style name="font2">Die Gr�fin war von dem Pfarrer und dem Alcalden gepackt worden, wobei sich der Pfarrer ganz und gar nicht als Schw�chling erwies, und stand nun, festgehalten, zwischen den beiden M�nnern. Mit weit aufgerissenen Augen sah sie dem Kampf zu.</style></p><p><style name="font2">Da � mit einem kaum vernehmbaren Aufst�hnen sank ihr der Geliebte vor die F��e. Michels </style><style name="font2">Degen hatte ihn ins Herz getroffen.</style></p><p><style name="font2">Michel wandte sich halb entschuldigend an den Pfarrer.</style></p><p><style name="font2">�Ihr habt gesehen, Senor, es blieb mir keine andere Wahl. Ich wollte ihn schonen; aber er war heimt�ckisch.�</style></p><p><style name="font2">Der Pfarrer nickte nur.</style></p><p><style name="font2">Nachdem die Gr�fin in den Kerker des Schlosses geworfen worden war, standen der Pfarrer, der Alcalde, Michel Baum, sein Gehilfe Juan und der befreite Graf vor der T�r des alten Grafen. Z�gernd dr�ckte Esteban die Klinke nieder. Die anderen warteten gespannt. Der Alte lag halb aufgerichtet in seinem Bett und sagte, als er seines Sohnes ansichtig wurde: �Ah, da bist du ja, Esteban, nun, du hast lange gebraucht, den Weg hierher zu finden. Wo bist du die ganze Zeit �ber gewesen? Ich habe deinen Vetter mehrmals nach dir gefragt; aber er konnte mir keine Auskunft geben.��Nun ist alles wieder gut, Vater�, sagte Esteban. �Ich freue mich, da� ich wieder bei dir sein kann.�</style></p><p><style name="font2">�War etwas schlecht? Ach, ich bin sehr m�de, weil--weil ich zu lange auf dich warten </style><style name="font2">mu�te, zu lange--zu lange--.�</style></p><p><style name="font2">�Ist es nicht furchtbar?� fragte Don Esteban, als er wieder zu den anderen trat.</style></p><p><style name="font2">�Nein, es ist besser so�, meinte Michel. �Er wird sicher wieder gesund werden. Bei normalem </style><style name="font2">Geist h�tte ihn die Freude des Wiedersehens t�ten k�nnen.�</style></p><p><style name="font2">�Gott war gn�dig�, sagte der Pfarrer. Michel konnte sich eines L�chelns nicht enthalten. �Schreibt Ihr da dem lieben Gott nicht ein wenig zu viel zu?� fragte er. �In diesem Fall zum Beispiel war es bestimmt nicht Gott, der ihm geholfen hat, sondern durchaus nur ein Mensch, wenn ich so sagen darf. Seht her.�</style></p><p><style name="font2">Er hielt den Anwesenden ein kleines Sch�chtelchen unter die Nasen.</style></p><p><style name="font2">�Das habe ich im Strickbeutel der Gr�fin gefunden. Es ist indianisches Kakteengift, mit dem man den alten Grafen langsam umbringen wollte. Dem Gericht wird es als Indiz gegen die Gr�fin dienen.�</style></p><p><style name="font2">�Sie wird es von dem finsteren Doktor haben�, meinte Juan. �Niemand hier mochte ihn so recht leiden. Aber er kam oft, um nach dem alten Grafen zu sehen.�</style></p><p><style name="font2">�Nun, das werden wir morgen feststellen. Ich glaube, es wird noch eine ganze Reihe von Verhaftungen n�tig werden, Alcalde�, meinte Michel. �Und nun bitte ich euch, mit mir zu kommen. Ich habe euch noch etwas zu zeigen.�</style></p><p><style name="font2">Die anderen folgten ihm wortlos. Er f�hrte sie zu der Treppe, die der Majordomo angeblich herabgest�rzt war, und nahm vorsichtig eine der bronzenen Zierkugeln vom Gel�nder. �Seht euch das hier an. An dieser Kugel klebt Blut. Und in dem geronnenen Blut sind ein paar Haare. Wenn ihr diese Haare untersuchen la�t, so wird sich sicherlich herausstellen, da� sie dem toten Majordomo geh�ren.�</style></p><p><style name="font2">�Ihr glaubt, sie hat ihn mit dieser Kugel erschlagen?� fragte der Graf erschaudernd. Michel nickte ernst.</style></p><p><style name="font2">�Ich bin fast �berzeugt davon. Aber den Beweis auszuwerten, ist Sache der Richter.� �Gott sei ihr gn�dig�, meinte der Pfarrer und wandte sich dann an den Alcalden. �Ich glaube, wir reiten heim.�</style></p><p><style name="font2">Man lie� die Gr�fin im Schlo�verlie�, da es in Bielsa kein Gef�ngnis gab.</style></p><p><style name="font2">Michel blieb zu Gast beim Grafen, dessen Dankbarkeit keine Grenzen kannte. Eines Morgens </style><style name="font2">nach dem Fr�hst�ck bat ihn der Graf in sein Arbeitszimmer.</style></p><p><style name="font2">�Ihr wi�t, Senor Baum, wie sehr ich Euch verpflichtet bin. Geld wollt Ihr nicht nehmen; so will ich Euch etwas anderes schenken. Seht her.� Er �ffnete einen Schrank. Michel erblickte eine Muskete, die ganz eigenartig konstruiert war. Sie hatte sechs L�ufe. Jeder einzelne Lauf war d�nner als gew�hnlich. Hinten, wo bei einem normalen Gewehr der Z�ndstein sa�, war hier eine Scheibe angebracht, die sechs Z�ndsteine aufwies. Der Graf nahm das Gewehr zur Hand und erkl�rte:</style></p><p><style name="font2">�Das ist meine neueste Erfindung. Wenn Ihr den Hahn abgedr�ckt habt, so k�nnt Ihr, ohne zu laden, die Scheibe weiterdrehen. Dann drehen sich alle L�ufe mit, und so bekommt Ihr hintereinander jeden einzelnen Lauf vor den Hahn. Wenn Ihr nun alle L�ufe zu gleicher Zeit mit Pulver und Blei f�llt, so k�nnt Ihr sechsmal hintereinander schie�en. Was sagt Ihr dazu? � Michel konnte zun�chst gar nichts sagen. Sechsmal hintereinander schie�en zu k�nnen, ohne zu laden, das war genial, das war einfach gro�artig! Die Erfindung des Grafen konnte umw�lzend auf kriegerische Geschehnisse wirken.</style></p><p><style name="font2">�Und solch eine kostbare Muskete wollt Ihr mir schenken, Graf? Wie soll ich das jemals gutmachen? Wollt Ihr nicht lieber warten, bis Ihr die n�chsten Exemplare angefertigt habt? Gerade das erste m�chte ich Euch nicht entf�hren.� Der Graf sah ihn mit ernsten Augen an.</style></p><p><style name="font2">�Unter anderen Umst�nden, Senor Baum, h�tte ich Euch die erste dieser Waffen nat�rlich nicht gegeben.</style></p><p><style name="font2">Aber ich habe mich entschlossen, diese Erfindung nicht preiszugeben. Stellt Euch einmal vor, diese Waffe k�me in die H�nde von Unberufenen. Die Folgen w�ren schrecklich. In einem Krieg w�re dieses Repetiergewehr eine Waffe, die zu noch nie gekanntem, entsetzlichem Morden f�hren k�nnte. Nehmt sie und gebraucht sie nur, wenn Euch selbst Gefahr droht.� Michel dr�ckte dem Grafen stumm die Hand. Er wu�te sehr genau, welch einen Schatz das Schicksal damit in seine Hand gegeben hatte. �</style></p><p><style name="font2">Kurz bevor sich Michel entschlo�, Villaverde zu verlassen, kam der Alcalde aufs Schlo� geritten, um ihn zu bitten, ihm bei der Verhaftung des Doktor Garcia, dessen Wohnort er ausfindig gemacht hatte, behilflich zu sein. Dabei k�ndigte er gleich den Abtransport der Gr�fin f�r den morgigen Tag an. Michel nickte nur.</style></p><p><style name="font2">�Ich bin froh, da� diese Teufelin endlich ihrer gerechten Strafe entgegengef�hrt wird, nicht wahr, Don Esteban?�</style></p><p><style name="font2">Der Graf sah zu Boden und gab keine Antwort. �</style></p><p><style name="font2">Der Alcalde und Michel ritten hinweg. Aber schon nach zwei Stunden kamen sie zur�ck. Ihre Gesichter verrieten, da� sie den Arzt nicht gefangen hatten.</style></p><p><style name="font2">�Er hat sich beizeiten aus dem Staub gemacht�, sagte der Alcalde verdrie�lich. �Sein Haus war leer. Ich m�chte wissen, woher er die Nachricht bekommen hat, da� wir ihn in Verdacht haben, der Gr�fin beim Mord an ihrem Schwiegervater geholfen zu haben!�</style></p><p><style name="font2">Wieder sagte der Graf nichts, obwohl er �ber diese Wendung erschrocken zu sein schien. Der Alcalde verabschiedete sich mit der nochmaligen Versicherung, da� er morgen Marina abholen werde. �</style></p><p><style name="font2">Am Abend sollte Michel eine unangenehme �berraschung erleben. Don Esteban war schon den ganzen Tag �ber in gedr�ckter Stimmung gewesen. Als die beiden M�nner bei einer Flasche Wein zusammensa�en, begann er seine Beichte:</style></p><p><style name="font2">�Senor Baum, ich wei�, Ihr werdet mich nicht verstehen; aber ich will Euch ohne jede Umschweife sagen, da� meine Frau morgen nicht den Weg nach Barcelona antreten wird. Ich habe sie bereits vorgestern in aller Heimlichkeit fliehen lassen.�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum sah ihn mit gro�en Augen an und mu�te sich eingestehen, da� ihm das letzte Verst�ndnis f�r die Handlungsweise des Grafen fehlte.</style></p><p><style name="font2">�Ihr untersch�tzt mich, Graf, wenn Ihr annehmt, ich w�rde Euch ob dieses Schrittes verdammen oder auch nur r�gen. Ich wei� menschliches Verzeihen und Verstehen wohl zu sch�tzen. Und ich wei� auch, da� esim Herzen eines wertvollen Menschen Gef�hle gibt, welche die wildesten St�rme �berdauern. Deshalb bem�he ich mich, Euch zu verstehen. Nur eins habt Ihr bei alledem nicht beachtet. Wenn ein Mensch edel sein will, so soll er verhindern, da� anderen Menschen ein Leid zugef�gt wird. Wieviel Leid aber, glaubt Ihr, wird Marina noch stiften, wenn sie der Arm des Gesetzes nicht erreicht? Ich bin der Letzte, der �berm��igen Respekt vor den Gesetzen hat. Aber ich werde stets versuchen, andere Menschen vor B�swilligen zu bewahren. Trotzdem, hier meine Hand. Ich wei�, da� Ihr eine Seele habt, die gr��er ist, als man es sonst schlechterdings bei einem Menschen voraussetzen m�chte. Deshalb sch�tze ich Euch.� Don Esteban sah auf.</style></p><p><style name="font2">�Ihr habt gewi� nicht unrecht mit Eurer Mi�billigung, die teilweise in dem, was Ihr eben sagtet, </style><style name="font2">zum Ausdruck kam. Ich will eine Gegenfrage an Euch richten: wenn die Frau, die Ihr liebt, zur </style><style name="font2">M�rderin w�rde aus � aus � ich wei� nicht, was f�r Gr�nden, w�rdet Ihr dann zusehen wollen, </style><style name="font2">wie man sie henkt?�</style></p><p><style name="font2">Michel hob sein Glas und l�chelte.</style></p><p><style name="font2">�Auf das Leben�, sagte er.</style></p><p><style name="font2">Zwei Tage sp�ter ritt er fort. Das Gewehr, die Erfindung des Grafen, pendelte an seinem Sattelknauf.</style></p><p><style name="font2">Immer weiter westw�rts f�hrte der Weg des Pfeifers. Alles war Gebirge, alles war Kluft und Felsen. Der Blick reichte nur bis zur n�chsten Gesteinsbarriere. Michel �berquerte rei�ende Gebirgsb�che, und zuweilen strich er an einer einsamen Holzf�llerh�tte vorbei. Aber das wild zerkl�ftete Bergland wollte kein Ende nehmen. In ihm war Leere, war Hitze und K�lte und manchmal auch das Verlangen nach einem Menschen; denn Menschen waren ihm bei seiner Wanderung entlang dem Kamm der Pyren�en kaum begegnet. Das Pferd gen�gte ihm auf die Dauer nicht als Begleiter; denn eigentlich gab es ja keinen Unterschied mehr zwischen ihm selbst und seinem Tr�ger. Sie waren so gut wie eine Person. Gew�hnlich schlief er gerade dort, wo ihn die Nacht �berraschte, und da es auf den Winter zuging, wickelte er sich fest in seine Decken, mit denen er sich auf Schlo� Villaverde ausger�stet hatte.</style></p><p><style name="font2">Bald lie� er die Pyren�en hinter sich und ritt in das wildere Cantabrische Gebirge ein. Ein paar Tage sp�ter befand er sich im Bergland von Santander.</style></p><p><style name="font2">Und dann erblickte er pl�tzlich von einer Bergspitze aus den Ozean. Wie ein unerreichbarer, noch leicht verschwommener Streifen aus Schaum und Wellen lag die K�ste unter ihm. Und am n�chsten Tag verlief sich dann die Route, der er unerm�dlich gefolgt war, im Hafen von Santander.</style></p><p><style name="font2">Vor einer Taberna stieg er vom R�cken seines erm�deten Pferdes. Anerkennend klopfte er ihm auf die Hinterhand und reichte ihm ein St�ck Zucker; denn er wu�te die Leistung des Tieres wohl zu w�rdigen. Oft war es in den letzten Tagen nahe am Zusammenbrechen gewesen; doch immer wieder war der Wille seines Herrn der Wegweiser aus den schwierigsten Situationen geworden.</style></p><p><style name="font2">�Adelante, Wirt�, rief er, als er die Kneipe betrat,�schafft mir einen halben Ochsen zur Stelle. Ich habe Hunger wie zehn W�lfe im Winter!�</style></p><p><style name="font2">Der Wirt, ein fetter Faulpelz mit Namen Federico Joler, sah den heruntergekommenen Fremden mit absch�tzendem Blick an. Er beeilte sich keineswegs, seiner Forderung nachzukommen, sondern widmete sich eifrig dem Gesch�ft des Gl�sersp�lens.</style></p><p><style name="font2">�He, amigo, habt Ihr nicht geh�rt, was ich gesagt habe? Wollt Ihr, da� ich mein Gl�ck in einer anderen Taberna dieser gesegneten Stadt versuche?�</style></p><p><style name="font2">Wie unabsichtlich lie� er einen Beutel auf den Boden fallen, und ein feines, goldenes Klingeln drang an die Ohren des phlegmatischen Wirts.</style></p><p><style name="font2">Dieser verga� seine Gl�ser, st�rzte dienstbeflissen herbei und b�ckte sich eilig nach dem herabgefallenen S�ckchen. Dabei pre�ten sich seine Finger f�hlend um die Leinwand. Und der Druck verriet ihm harte M�nzen.</style></p><p><style name="font2">Mit einer Verbeugung reichte er den Beutel zur�ck und rief mit lauter, durchdringender Stimme: �A sus servicios, Senor, ich werde Euch das beste St�ck Fleisch aus meiner K�che braten lassen. Habt nur etwas Geduld.�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum nickte l�chelnd und setzte sich an den gro�en Tisch. Er war ersch�pft vom langen Ritt. Sein Reiseweg hatte ihn durch wildarme Gegenden gef�hrt. Und der Kern seiner Tr�ume war immer wieder ein saftiges Steak gewesen.</style></p><p><style name="font2">Das Essen lie� lange auf sich warten. Um seine Ungeduld zu bez�hmen und sich die Zeit zu vertreiben, begann er zu pfeifen. Kunstvolle Triller und schaurige Passagen flatterten von seinen Lippen.</style></p><p><style name="font2">Erschrocken sah der Wirt auf. Und w�hrend einer Pause fragte er den Gast, ob er Wein w�nsche, um sich die Kehle anzufeuchten.</style></p><p><style name="font2">�Muy bien, Dicker, bringt mir eine Karaffe. Wenn ich einen Schluck genommen habe, so werde ich Euch etwas vorpfeifen, da� Euch H�ren und Sehen vergeht. Was sagt Ihr zu meiner Kunst?� Senor Joler war selten um eine Antwort verlegen. Die T�ne jedoch, die der Fremde von sich gab, erschienen ihm teuflisch unwirklich. Er bekreuzigte sich heimlich; der Mann war ihm nicht ganz geheuer. Mit einem Kratzfu� setzte er die Karaffe auf den Tisch.</style></p><p><style name="font2">Michel packte ihn pl�tzlich am Arm und zog ihn neben sich auf die Bank. Immer den Wirt am Arm haltend, trank er mit einem Zuge die Karaffe leer. �H�rt zu, Wirt. Ich will Euch eine weitere Probe geben.�</style></p><p><style name="font2">Er pfiff durch die Z�hne zur Einleitung. Dann ringelten sich die Tonfolgen wie eine Fessel um den Dicken, und er vermochte nur noch erstaunt zu lauschen.</style></p><p><style name="font2">Irgendwie nahm dieses Pfeifen die Erdenschwere von einem Menschen, und man f�hlte sich </style><style name="font2">ohne ersichtlichen Grund leicht wie eine Feder, wie nach ein oder zwei Flaschen Wein.</style></p><p><style name="font2">Michel brach ab.</style></p><p><style name="font2">�Gef�llt es Euch? Noch mehr?�</style></p><p><style name="font2">�Nein, nein�, wehrte der Wirt ab.</style></p><p><style name="font2">Er sprang auf und ging, nein, wankte zu seiner Theke.</style></p><p><style name="font2">Endlich �ffnete sich die K�chent�r, und eine dicke Mamsell erschien mit einem Tablett, auf dem duftend ein riesiges Fleischst�ck im eigenen Saft lag.</style></p><p><style name="font2">In unglaublich kurzer Zeit war es hinter Michels Z�hnen verschwunden.�Wie ist es mit einem Bett, Senor Wirt? Ich bin m�de. Vor Eurer T�r steht mein Pferd. Gebt ihm Hafer.� Der Wirt wies Michel ein Zimmer an und brachte dann das Pferd in den Stall.</style></p><p><style name="font2">Es mochte gegen zehn Uhr abends sein, als Michel aus bleiernem Schlaf erwachte. Unter ihm l�rmte es. Der Krach h�tte Tote erwecken k�nnen.</style></p><p><style name="font2">Michel zog sich die Decke �ber die Ohren. Aber selbst die Wolle konnte die Ger�usche nicht d�mpfen. Man tanzte und stampfte, da� die ganze Taberna in ihren Grundfesten erzitterte. Nach weiteren vergeblichen Versuchen, den L�rm abzuwehren, sprang er erbost aus dem Bett und kleidete sich an. Wenn er schon nicht schlafen konnte, so wollte er sich die �berm�tigen Menschen wenigstens aus der N�he ansehen. Au�erdem gel�stete ihn nach einem Becher Wein mit e�barem Eis darin, eine Delikatesse, von der er bereits geh�rt, die er aber noch nie gekostet hatte.</style></p><p><style name="font2">Langsam ging er die Stiege hinunter, die in den Gastraum f�hrte. Teufel, was f�r ein Radau! Konnten Menschen mitten in der Woche ohne besonderen Anla� so ausgelassen sein? Still betrat er den Schankraum und setzte sich auf eine Eckbank. Von hier aus war das Treiben gut zu �berblicken, man konnte die Menschen studieren, ohne ihnen zu nahe zu sein. Ihm gegen�ber in der anderen Ecke sa� ein b�rtiger Mann, dessen Teilnahme an dem Rummel auch nur aufs Zuschauen beschr�nkt zu sein schien. Von allen Anwesenden war dieser Mann die interessanteste Gestalt in der Budike. Er hatte ein dickes Buch vor sich liegen, in das er hin und wieder ein paar Notizen machte. Michel wunderte sich nicht schlecht �ber diesen Gast, der sich einen so seltsamen Ort f�r seine Aufzeichnungen ausgesucht hatte. Das Buch schien ein Schiffslog zu sein. Der Mann machte ganz den Eindruck eines Kapit�ns. Wenigstens stellte sich Michel einen Kapit�n so vor.</style></p><p><style name="font2">Da betrat ein weiterer Gast die Taberna. Es war ein dunkel und st�dtisch gekleideter Herr, dessen Gesicht allerdings nicht dazu angetan war, Vertrauen zu erwecken. Die Z�ge waren verkniffen, vielleicht sogar mit einem Schu� K�hnheit darin. Das schwarze, sch�ttere Haar war gepflegt, und die d�nnen Brauen standen wie zwei dunkle Striche darunter. Eine wie ein Geierschnabel gebogene Nase verlieh der ganzen Visage einen unangenehmen Ausdruck. Ein sonderbarer Gast, dachte Michel, und seine Verwunderung wuchs noch, als dieser sich jetzt neben den Kapit�n setzte und mit ihm zu tuscheln begann.</style></p><p><style name="font2">Michel war von Natur aus nicht neugierig; aber sonderbare Menschen verleiten eben oft zu sonderbarem Tun. Und ehe er sich noch recht entschlossen hatte, wie er sich am besten die Zeit vertreiben sollte, sa� er, wie von unsichtbaren Gewalten gezogen, auf einer wackligen Truhe, die ganz in der N�he der beiden Geheimniskr�mer stand.</style></p><p><style name="font2">�Capitan�, h�rte er den Mann mit der Geiernase fragen, �wie ist das nun, seid Ihr bereit, die Senorita gegen die sechs Perlen mit �ber den Atlantik zu nehmen?�Der Capitan blieb eine Weile still. Michel sah nicht hin; denn er wollte nicht als Lauscher erscheinen. Wieder begann der andere eindringlich:</style></p><p><style name="font2">�Bedenkt, Capitan, sechs Perlen von dieser G�te werden Euch f�r die Bef�rderung von zwei </style><style name="font2">Personen nie im Leben wieder angeboten.�</style></p><p><style name="font2">Jetzt bequemte sich der Kapit�n zu einer Antwort.</style></p><p><style name="font2">�Por Dios, Senor Garcia, man hat Euch gesagt, da� ich nicht kleinlich bin. Ich w�rde Euch allein ohne weiteres mitnehmen. Aber ich gab Euch schon des �fteren zu bedenken, welches Unheil die Anwesenheit einer Frau auf einem Schiff wie dem meinen auszurichten verm�chte. No, Senor, daraus kann nichts werden, tut mir leid.�</style></p><p><style name="font2">Als Michel den Namen Garcia h�rte, wandte er sein Gesicht trotz aller Vorsicht den beiden Gespr�chspartnern zu. Sollte dieser fremde Senor etwa gar jener Arzt sein, der dem alten Grafen de Villaverde y Bielsa das langsam wirkende Gift verschrieben hatte?</style></p><p><style name="font2">Ein schneller Blick gen�gte ihm, um sich nochmals, und diesmal f�r immer, das Gesicht dessen, den er unwillk�rlich verd�chtigte, einzupr�gen.</style></p><p><style name="font2">Nun war Garcia zwar ein in Spanien durchaus allt�glicher Name; aber der Mann sprach von einer Frau, die ebenfalls auf das Schiff jenes Kapit�ns wollte. Da lag es nahe, da� es sich um niemanden anders als die Gr�fin Marina handelte. Jedenfalls stand es f�r Michel fest, da� er � da ihm der Zufall nun einmal zu Hilfe zu kommen schien � der Spur nachgehen w�rde. Vielleicht hatte er die M�glichkeit, Marina dem Gericht und einer gerechten Strafe auszuliefern. Auch jenem Doktor � vorausgesetzt, da� er es war � mu�te man unbedingt das Handwerk legen.</style></p><p><style name="font2">Mit abgewandtem Gesicht, aber um</style> so<style name="font2"> wacheren Ohren lauschte er weiter dem Gespr�ch. �Man r�hmt Euch gro�en Mut nach, Senor Capitan, warum wollt Ihr da pl�tzlich vor einer Frau Angst bekommen?� dr�ngte Garcia.</style></p><p><style name="font2">�Ich habe in meinem Leben nur die schlechtesten Erfahrungen mit Weibern gemacht. Au�erdem d�rfte Euch auch zu Ohren gekommen sein, da� ich ein k�niglich privilegierter Korsar bin, der es auf die Engl�nder abgesehen hat. Es k�nnten bei meinem augenblicklichen Unternehmen K�mpfe auf dem Ozean entstehen, und bedenkt, wie gr��lich das f�r das zarte Gem�t einer jungen Dame w�re! Nein, Senor, ich mu� bei meiner Ablehnung bleiben. Wie gesagt, Ihr selbst seid mir jederzeit willkommen. Ich brauche sowieso einen Schiffsarzt auf meiner Galeone.� �Nun, wenn es tats�chlich zu Seegefechten kommen sollte, so doch h�chstens in den amerikanischen Gew�ssern. Ihr k�nntet Senorita Marina doch vorher an Land setzen.� Der Kapit�n meinte entschieden:</style></p><p><style name="font2">�Ihr verkennt die wichtigste Aufgabe meines Schiffes vollkommen. Unser Ziel ist es in erster Linie, die Seeblockade gegen Washington zu durchbrechen, um Waffen und sonstiges Material an die Rebellen zu liefern. Ein besseres Gesch�ft gibt es zur Zeit nicht; denn der General bezahlt f�r Gewehre und f�r � � Kanonen� � bei dem letzten Wort senkte er seine Stimme zum Fl�sterton � �jeden Preis, Senor Garcia, h�rt Ihr, jeden Preis.�</style></p><p><style name="font2">Garcia schien nachzudenken. Wenigstens h�rte man ihn nicht sprechen. Dann kam seine hastige </style><style name="font2">Stimme wieder.�Dennoch, Capitan, habe ich ein Mittel, wie wir die Sache zu unser beider </style><style name="font2">Zufriedenheit l�sen k�nnten. Seht her� � er machte eine Pause, anscheinend, um dem Kapit�n </style><style name="font2">etwas zu zeigen � �damit k�nnt Ihr wenigstens f�nf Kanonen bezahlen, f�r die Euch </style><style name="font2">Washington dann den doppelten Preis zur�ckerstattet.�</style></p><p><style name="font2">�Que Diablos�, entfuhr es dem Kapit�n. �Und die Kette ist tats�chlich echt?�</style></p><p><style name="font2">�La�t sie pr�fen. Jeder Juwelier wird Euch mit Ku�hand f�nfzigtausend Pesetas daf�r geben. </style><style name="font2">Willigt Ihr nun ein?�</style></p><p><style name="font2">�Sch�ne Perlen. Eure Senorita mu� eine sehr verm�gende Dame sein, wenn sie einen solchen Preis f�r eine �berfahrt auf einem Freibeuterschiff bezahlen will. Warum nehmt Ihr kein k�nigliches Reiseschiff?�</style></p><p><style name="font2">�Das hat nat�rlich seine besonderen Gr�nde, Capitan. Wenn wir einen solchen Preis bieten, dann d�rft Ihr uns auch nicht danach fragen. Sonst w�re ja das ganze Bem�hen sinn- und zwecklos. Eine offizielle Galeone k�nnen wir nicht benutzen. Das mu� Euch gen�gen.� Wieder schwieg der Kapit�n. Und wieder brachte er seine bekannten Einw�nde vor.</style></p><p><style name="font2">�Ich sage Euch zum letztenmal, Senor, ich mag keine R�cke auf meinem Schiff. Die Jungens k�nnten au�er Rand und Band geraten.�</style></p><p><style name="font2">�Bien�, meinte Garcia hastig, �nehmt die halbe Kette f�r mich und meinen Sohn. Ihr werdet keinen Rock auf dem Schiff sehen.�</style></p><p><style name="font2">�Ich verstehe Euch nicht. Von Euerm Sohn war bisher keine Rede.�</style></p><p><style name="font2">�Verstellt Euch nicht, Senor Capitan. Ich werde Senorita Marina verkleiden, ihr die Haare </style><style name="font2">scheren und sie </style><style name="font2">ausstaffieren wie einen Arztgehilfen. Dann sch�pft niemand von Euern Leuten Verdacht. Ist das nicht genial? Wir machen aus Marina einen Marino. Was sagt Ihr nun?� �Einen Marino�, meinte der Kapit�n langsam, �na sch�n, also einen Marino und die ganze Kette. Dann ist das Gesch�ft perfekt. Gebt her.�</style></p><p><style name="font2">�Nicht doch, nicht hier. Ich gebe Euch die Kette, sobald wir aus dem Hafen sind. Ihr seid eigentlich mehr noch ein H�ndler als ein Kapit�n. Wenn Eure nautischen Kenntnisse ebenso gut sind wie Eure gesch�ftlichen, so habe ich keine Sorge um unser Wohlergehen.� Der Kapit�n zog aus einer Innentasche seines Rocks ein gro�es St�ck Papier, das er auseinanderfaltete.</style></p><p><style name="font2">�Hier, Senor Doktor, unterschreibt diesen Heuerkontrakt f�r Euch selbst und f�r Euern � Gehilfen. Morgen abend haltet Euch bereit. Kurz vor Einritt der Dunkelheit stechen wir in See.� �Muchas gracias, Capitan. Ich m�chte mich jetzt verabschieden, um Senorita Marina den erfreulichen Bescheid zu �berbringen. Wir werden morgen abend zur Stelle sein.� �Bien�, nickte der Kapit�n, �lieber w�re es mir noch, wenn Ihr mir die Kette bereits jetzt schon aush�ndigen w�rdet. Ich k�nnte wegen der noch zu erwerbenden Kanonen schon Verhandlungen ankn�pfen.�</style></p><p><style name="font2">Garcia z�gerte einen Augenblick. Dann jedoch sch�ttelte er mit einem bedauernden L�cheln den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Ich bin untr�stlich, Capitan, aber ich mu� nat�rlich auch eine gewisse Sicherheit haben, zumal </style><style name="font2">ja die Kette nicht mir, sondern der hm--, Senorita Marina geh�rt. Buenas noches, Senor </style><style name="font2">Capitan, auf morgen.�</style></p><p><style name="font2">Michel lie� den sauberen Arzt nicht aus den Augen,als dieser sich durch die Menge dr�ngte, um den Ausgang zu erreichen. Er hatte kaum die T�r hinter sich, da sprang auch Michel auf und schaffte sich mit den Ellbogen r�cksichtslos Platz. Sekunden sp�ter umf�chelte die k�hle Nachtluft seine Stirn.</style></p><p><style name="font2">Ein schneller Blick verriet ihm, wohin sich Garcia gewandt hatte. Er folgte ihm. Er mu�te unbedingt wissen, wo die Gr�fin mit ihrem Kumpan hauste. Vorsichtig Abstand haltend, ging er hinter dem Doktor her, der es offensichtlich eilig hatte.</style></p><p><style name="font2">Zu seinem Erstaunen stellte Michel fest, da� man sich dem Villenviertel n�herte. Marina mu�te also au�er der Kette noch �ber erhebliche Mittel verf�gen, wenn sie hier wohnen konnte. Was mochte diese Frau in Amerika wollen? Wie gedachte sie sich dort durchzuschlagen? Das Leben in jener Neuen Welt war f�r robuste M�nner schwer genug. Nun, robust war Marina auf jeden Fall, zumindest wenn es auf Kosten anderer Menschen ging. Der Verfolgte verschwand pl�tzlich in einem Vorgarten.</style></p><p><style name="font2">Als Michel nachgekommen war, erkannte er im Hintergrund eine exklusive Villa in maurischem Stil � eine Seltenheit so hoch im spanischen Norden.</style></p><p><style name="font2">Michel sprang �ber den Zaun und landete auf einer weichen Rasenmatte. Vorsichtig und ger�uschlos schlich er sich an das Bauwerk heran. Die Fenster lagen so, da� man mit ein wenig Geschick und Geschmeidigkeit von ebener Erde aus hineinsehen konnte. Obwohl Michel auf den Anblick der Verbrecherin vorbereitet war, konnte er doch nur mit M�he einen Ausruf der Bewunderung unterdr�cken. Da sa� Marina hingegossen auf einer r�mischen Liegestatt, in ein duftiges Neglige geh�llt. Das r�tliche Haar war gel�st. Es reichte ihr fast bis zum G�rtel hinab. Ihre vollkommene Sch�nheit bildete einen merkw�rdigen Kontrast zu dem Doktor mit der Geiernase, der ihr gegen�ber sa�.</style></p><p><style name="font2">Die gro�en Bogenfenster waren spaltweit ge�ffnet. Undeutlich nur konnte der Lauscher verstehen, was gesprochen wurde.</style></p><p><style name="font2">�Die Sache ist also perfekt, Pablo? Ich bin �berrascht. Ich h�tte nicht f�r m�glich gehalten, da� Ihr den alten Griesgram so schnell umstimmen k�nntet. Nun, immerhin freue ich mich. Wir werden diesem verfluchten Land morgen abend den R�cken kehren; aber wir werden wiederkommen und Rache nehmen an meinem gro�z�gigen Herrn Gemahl. Wie hat er mich gedem�tigt, als er mir die Freiheit wiedergab! O ja, wenn ich ihn jemals wieder in meine Gewalt bekomme �� Garcia winkte resigniert ab.</style></p><p><style name="font2">�Eure Pl�ne in allen Ehren. Aber bis jetzt sind wir noch nicht einmal fort aus diesem gesegneten Land, und Ihr sprecht schon von einer Wiederkehr. Etwas verfr�ht, meine Liebe, findet Ihr nicht auch? Macht Euern Kopf frei von solcherlei Rachegedanken. Ihr werdet Euern Verstand n�tig brauchen, wenn Ihr erst Arztgehilfe seid.� �Arztgehilfe? Wie soll ich das verstehen?�</style></p><p><style name="font2">�Nun, der Capitan weigert sich, eine Frau an Bord zu nehmen. Wir m�ssen Euch also ein wenig verkleiden. Ab morgen abend seid Ihr mein Gehilfe. Ich selbst habe als Schiffsarzt angeheuert.� Marina fuhr ungehalten auf.</style></p><p><style name="font2">�Ihr wollt mir doch nicht im Ernst einreden, da� ich nicht als das, was ich bin, an Bord gehen kann?�Garcia nickte.</style></p><p><style name="font2">�Tut mir leid, aber leider l��t es sich nicht �ndern. Wir k�nnen nicht befehlen, wir m�ssen tun, was man von uns verlangt.�</style></p><p><style name="font2">�Ich weigere mich entschieden. Ich will eine Oberfahrt, auf der ich meinem Rang entsprechend behandelt werde. Ihr werdet vielleicht gar von mir verlangen, da� ich zusehe, wie Ihr diese ekelhaften Seeleute verarztet?�</style></p><p><style name="font2">�Nicht nur zusehen. Ihr werdet Hand anlegen m�ssen. Ein Arztgehilfe mu� sogar das Schr�pfen selbst�ndig vornehmen k�nnen. Und nun holt eine Schere.� �Eine Schere?�</style></p><p><style name="font2">�Nat�rlich, habt Ihr je einen Mann gesehen, der so lange Haare tr�gt wie Ihr? Wir m�ssen Euch schon so echt wie m�glich machen.� Marina sah ihren Helfer durchdringend an. �Redet Ihr im Ernst?�</style></p><p><style name="font2">Garcia fuhr sich unh�flicherweise mit dem �rmel seines Rockes unter der Nase entlang. �Ich war noch nie ernsthafter als heute. Bringt mir eine Schere. Ich werde meine Frisierk�nste an Euch probieren.�</style></p><p><style name="font2">Ein Blick voll t�dlichen Hasses traf den Mann. Hoheitsvoll schritt sie aus dem Raum. Michel konnte sich jetzt auf seinem Standplatz nicht mehr halten. Er hatte sich fast das Genick verrenkt, um besser h�ren zu k�nnen. Mit einem rauhen Sacktuch wischte er sich den Schwei� von der Stirn. Erfahren hatte er so gut wie nichts. Aller Voraussicht nach w�rde es den beiden gelingen, an Bord zu kommen. Er konnte h�chstens die Hafenbeh�rden auf das Paar aufmerksam machen. Ob man sich jedoch in die inneren Aff�ren eines Korsarenschiffes mischen w�rde, war mehr als fraglich. Die Korsarenkapit�ne, die im Auftrag des K�nigs fuhren, hatten zu jenen Zeiten mehr Macht und mehr Freiheit als die meisten Beamten des Staates. Und der Alcalde, die Polizei? Eine Perle dieser wertvollen Kette w�rde gen�gen, ihn selbst, Michel, in Lebensgefahr zu bringen; denn erstens war er ein Landfremder, zweitens wu�te die Gr�fin, da� er aus der Heimat entflohen war, und drittens gab es auch im letzten Drittel des achtzehnten Jahrhunderts noch die B�ros der Inquisition, die zwar nicht mehr die Macht hatten, wie vor hundert Jahren, sich aber um das Wohl und Wehe eines Ausl�nders wenig scheren w�rden.</style></p><p><style name="font2">Nein, so einfach war das nicht.</style></p><p><style name="font2">Michel sprang �ber den Zaun und wanderte dann, tief Atem holend, die n�chtliche Stra�e entlang, bis er zu seiner Taberna gelangte. Ohne sich im Schankraum aufzuhalten, ging er die Stiege hinauf, um sich endlich zur Ruhe zu begeben. Der L�rm hatte ein wenig nachgelassen. Pl�tzlich �berfiel ihn ein fast ungeheuerlicher Gedanke. Ruckartig machte er kehrt und stieg die Treppe hinab.</style></p><p><style name="font2">Jawohl, der Kapit�n sa� noch immer an seinem Platz und machte Eintragungen in sein Logbuch. Michel lie� sich einen Humpen Wein einschenken und setzte sich neben den B�rtigen. �Ihr seid ein Capitan, nicht wahr, Senor?� fragte er unvermittelt.</style></p><p><style name="font2">Der Angesprochene sah kurz auf und wandte dann den Kopf gleich wieder seiner Kladde zu.</style></p><p><style name="font2">�Mag sein�, murmelte er undeutlich.Schweigsamer Mann, wenn er nicht reden will, dachte </style><style name="font2">Michel und versuchte, seine Aufmerksamkeit auf andere Weise zu erringen.</style></p><p><style name="font2">Dicht am Ohr des Kapit�ns stie� er pl�tzlich ein paar scharfe Triller durch die Lippen.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n kniff die Augen zusammen, als h�tte er auf eine Zitrone gebissen, und fuhr sich mit </style><style name="font2">dem Zeigefinger ins rechte Ohr.</style></p><p><style name="font2">�Wollt Ihr mich um mein gesundes Trommelfell bringen, amigo?� fragte er aufgebracht. Ehe er jedoch ausgeredet hatte, fuhr er sich abermals erschrocken an die Geh�rmuschel. Michel hatte mit einer neuen �Melodie� eingesetzt.</style></p><p><style name="font2">Jetzt wurden auch die anderen G�ste aufmerksam. Das teuflische Pfeifen ging hernach in ein jubilierendes Zwitschern �ber, das den ganzen Raum erf�llte. Alle lauschten. Derartiges hatte man noch nie vernommen in Santander.</style></p><p><style name="font2">Michel hielt nicht ein. Offensichtlich begann ihm seine Vorstellung Spa� zu machen.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n hatte sein Logbuch l�ngst eingesteckt.</style></p><p><style name="font2">Als das Pfeifen abbrach, klatschten die Umsitzenden Beifall.</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid ja ein wahrer K�nstler auf Euerm Gebiet!�</style></p><p><style name="font2">�Wie erfreulich, da� Ihr das merkt. So kann ich mich jetzt vielleicht ein wenig mit Euch unterhalten?�</style></p><p><style name="font2">Die �brigen Besucher wandten sich wieder ihren Humpen und Kelchen zu, als sie merkten, da� die Vorstellung beendet war.</style></p><p><style name="font2">�Si, Senor�, meinte der Kapit�n, �redet. Ich unterhalte mich gern mit Leuten, von denen ich annehme, da� sie mich nicht langweilen. Vielleicht k�nnt Ihr genauso gut schwatzen wie pfeifen.�</style></p><p><style name="font2">�Muchas gracias f�r Eure hohe Meinung, Capitan, ich habe nicht gar so viel zu erz�hlen. Ich wollte Euch vielmehr eine Frage stellen.� �Fragt immerhin. Antworten gebe ich sowieso nur, wenn es mir pa�t.�</style></p><p><style name="font2">�Muy bien, Capitan, hier meine Frage: ist auf Euerm Schiff noch Platz f�r einen Fahrgast?�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n war sichtlich �berrascht.</style></p><p><style name="font2">�Wie kommt Ihr darauf, Senor? Ihr m��t wissen, da� ich keine Reisegaleone habe. Ich fahre mit Fracht. Au�erdem geht meine Route nicht nach S�den. Ich fahre nach Westindien und nach Amerika.�</style></p><p><style name="font2">�Eben�, sagte Michel, �dorthin m�chte ich auch. K�nnt Ihr nicht eine Ausnahme machen? Ich bezahle meine �berfahrt, und meinetwegen verpflichte ich mich auch, Eure Mannschaft mit meinem Pfeifen zu unterhalten. Ihr seht, ich will nichts umsonst.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n dachte nach. Der junge Mann gefiel ihm. Vielleicht hatte er wirklich etwas Geld. Geld aber war die Quelle zum Gl�ck. Gleichg�ltig, woher es kam. �Was wollt Ihr zahlen, Senor?� �Was kostet die Reise?�</style></p><p><style name="font2">�Nun, sagen wir---zweihundert Pesetas.�</style></p><p><style name="font2">�Das l��t sich h�ren, Capitan. Nur kann ich Euch leider nicht in landes�blicher W�hrung bezahlen. Ich biete Euch f�r mich und mein Pferd dreihundert Taler. Das sind ungef�hr f�nfhundert Pesetas.�</style></p><p><style name="font2">�Taler?� fragte der Kapit�n erstaunt, �wo habt Ihr die her? Ich habe schon davon geh�rt; aber gesehen habe ich noch keinen. Sind Eure M�nzen aus Gold oder aus Silber?� �Seht her�, l�chelte Michel und griff in seine G�rteltasche, �sie sind so echt und so sch�n blank wiedie sch�nsten Duros. Au�erdem wiegen sie fast das Doppelte. Wollt Ihr mich mitnehmen?� Nachdenklich betrachtete der Kapit�n das Geldst�ck. Wahrhaftig, der Fremde hatte nicht �bertrieben. Eine Goldpeseta sah klein und h��lich aus gegen diesen Taler, auf dem in irgend einer anderen Sprache etwas stand, was er nicht lesen konnte.</style></p><p><style name="font2">�Es sind preu�ische Taler. Der kriegerische Friedrich hat sie gepr�gt. Wie ist das nun, Capitan?� �Bueno�, nickte der, �gebt mir dreihundert von der Sorte, und ich nehme Euch mit.� �Mich und mein Pferd, sagte ich.� Der Kapit�n sch�ttelte mi�billigend den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Das ist unm�glich. Eine M�hre kann ich nicht auf meiner Galeone brauchen. Au�erdem w�rde sie vermutlich krepieren, wenn schwere See geht. Dreihundert f�r Euch. Dann k�nnt Ihr �bermorgen an Bord kommen.</style></p><p><style name="font2">Michel sah den gierigen Blick des Kapit�ns und wu�te, da� dieser auf die Dauer nicht standhalten w�rde. Er steckte den Taler wieder ein griff nach seinem Weinhumpen. �Dann segelt allein, Capitan; ich brauche mein Pferd in Amerika. Ich will zu Washington. Soviel Geld, um mir dr�ben ein neues zu kaufen, habe ich nicht. Dreihundert Taler sind meine ganze Barschaft.�</style></p><p><style name="font2">Das entsprach nicht ganz der Wahrheit; aber Michel dachte, da� Vorsicht bei diesem geldgierigen Kapit�n jedenfalls angebracht sei.</style></p><p><style name="font2">�Bueno, Senor, dannn gebt die Goldst�cke her und kommt �bermorgen zum Hafen. Mein Schiff ist die �Trueno�.�</style></p><p><style name="font2">�Also der �Donner�?� lachte Michel, �ein seltsamer Name f�r ein frommes Kaufmannnsschiff. No, Capitan, ich mu� Euch entt�uschen. Ich werde Euch die Taler geben, wenn ich mitsamt meinem Gaul au�erhalb des Hafens bin. Sonst donnert die �Trueno� davon, und ich bin meine Taler los und mache eine lange Nase.</style></p><p><style name="font2">�Demonio�, fluchte der Kapit�n. �Traut Ihr mir nicht? Das ist eine Beleidigung, Senor!� �Valgame Dios, Capitan. Manchmal mu� man eben etwas mi�trauisch sein, und sicherlich werdet Ihr Euch, wenn Ihr ein wenig nachdenkt, meiner Meinung anschlie�en, zumal Euer Schiff nicht �bermorgen, sondern bereits morgen abend vor Einbruch der Dunkelheit in See sticht. Versteht Ihr mich nun?�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n schien sich pl�tzlich auf die Taler zu besinnen. Er kratzte sich am Kopf und lachte schallend auf.</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid ein kluger Bursche, amigo. Ich habe schlaue companeros gern. Also gut, kommt dann morgen an Bord und bringt Eure verdammte M�hre mit. Verge�t vor allen Dingen nicht die Taler. Buenas noches, Senor. Und seid p�nktlich.�</style></p><p><style name="font2">Die Besatzung der �Trueno� bestand durchweg aus Leuten, deren Galgenvogelgesichter mit den Visagen der Bewohner einer jeden Verbrecherkolonie erfolgreich wetteifern konnten. Die Burschen wurden anz�glich und machten freche Witze, als Michel Baum am fr�hen Nachmittag sein Pferd �ber die Landungsbr�cke auf das Schiff trieb.Kapit�n, Steuermann und zwei Offiziere standen auf dem Kastell und sahen belustigt dem seltenen Schauspiel zu. Michel m�hte sich recht und schlecht, sein Pferd an Bord zu bekommen. Das Tier scheute jedoch bei jedem Ansatz. �Hola, Senor�, rief der Kapit�n, �habe ich Euch nicht gleich gesagt, Ihr solltet das st�rrische Vieh lieber zu Hause lassen? Wenn Ihr nicht bald mit ihm fertig werdet, so steht es noch nicht an Deck, wenn wir auslaufen.�</style></p><p><style name="font2">Aber Michel k�mmerte sich nicht um das Gel�chter der Leute, das diesen Worten folgte. Es mochte wohl eine Viertelstunde vergangen sein, als der Hengst endlich einigerma�en sicher �ber die Planken ging bis dorthin, wo man durch ein paar Latten einen Verschlag f�r ihn abgeteilt hatte.</style></p><p><style name="font2">Der Zweite Offizier kam johlend die Treppe der Kommandobr�cke heruntergelaufen und grinste Michel mit einem unversch�mten Gesichtsausdruck an.</style></p><p><style name="font2">�Kannst du denn das Vieh wenigstens b�ndigen, wenn du darauf sitzt?� fragte er spottend. �Soll ich es dir vormachen, pequeno?�</style></p><p><style name="font2">Pequeno bedeutet �Kleiner�. Und Alfonso Jardin war zu allem Ungl�ck wirklich etwas klein geraten, zum heimlichen Spott seiner Untergebenen und zum offenen Hohn Gleichgestellter oder H�herer.</style></p><p><style name="font2">Jetzt starrte er Michel Baum verdutzt an. Dann br�llte er:</style></p><p><style name="font2">�Bist du verr�ckt, hombre, mich �du� und �pequeno� zu nennen? Mu� ich dich erst lehren, wie man einem caballero gegen�bertritt? Ich bin der Zweite Offizier dieses Schiffes, verstanden?� Michel nickte gem�tlich.</style></p><p><style name="font2">�Daran hege ich keinen Zweifel, pequeno. Dann hau also ab und sieh zu, da� du deinen Dienst versiehst, anstatt hier herumzustehen.�</style></p><p><style name="font2">Jetzt schwoll dem an seiner seelischen Achillesferse Getroffenen der Kamm.</style></p><p><style name="font2">�Warte, tramposo, das werde ich dir heimzahlen. Hier, koste meine Klinge!�</style></p><p><style name="font2">Damit zog er blank und drang auf den waffenlos dastehenden Michel ein.</style></p><p><style name="font2">�Willst du deinen Mut dadurch beweisen, da� du mich ohne Gelegenheit zur Gegenwehr </style><style name="font2">abstichst wie einen K�ter, pequeno?� fragte Michel so laut, da� es alle Umstehenden h�ren </style><style name="font2">konnten. �Das nenn ich eine weite Seele haben. F�rwahr, da h�tte ich meine Taler sparen </style><style name="font2">k�nnen.�</style></p><p><style name="font2">Alfonso Jardin hielt im Sto� inne. Kein Pirat und kein Korsar zwischen der Biskaya und der Caribischen See h�tte es ihm verziehen, wenn er einem waffenlosen Beleidiger einfach die Klinge in den Leib rannte.</style></p><p><style name="font2">�Beschaff dir einen Degen, du Gro�maul. Und dann stell dich. Ich werde deine verdammte Zunge f�r immer zum Schweigen bringen.� Michel l�chelte ihm gewinnend zu.</style></p><p><style name="font2">�Wenn hier von einem Gro�maul die Rede ist, so kann damit nur deins gemeint sein, pequeno. Aber du sollst deinen Spa� haben. Einen Augenblick, ich packe nur meinen Degen aus.�</style></p><p><style name="font2">Damit nahm er eine lange Lederrolle vom R�cken seines Pferdes, wickelte sie auf, zog den Degen heraus und schlug das sonderbar geformte Gewehr mit den sechs L�ufen sorgf�ltig wieder ein.</style></p><p><style name="font2">Dann lie� er den Degen ein paarmal durch die Luft zischen und stellte sich in Positur.�Fang an�, ermunterte er den Kleinen. �Vielleicht nehme ich dich sp�ter in meine Schule, wenn du einen guten Ansatz zeigst.�</style></p><p><style name="font2">Kapit�n, Steuermann und Erster Offizier, die alle noch auf der Kommandobr�cke, einem kastellartigen Aufbau, standen, sahen sich �berrascht an.</style></p><p><style name="font2">Der Fremde sprach k�hn. Und Escamillo de Fuentes war gebildet genug, diese mutige Sprache von gew�hnlicher Aufschneiderei unterscheiden zu k�nnen.</style></p><p><style name="font2">Da klangen auch schon die Klingen aneinander. Der Gang dauerte nur wenige Sekunden. Dann beschrieb der Degen Jardins einen eleganten Bogen durch die Luft und blieb zitternd im Holz einer Planke stecken.</style></p><p><style name="font2">Verbl�fftes Schweigen ringsum. Man kannte den Zweiten Offizier als guten Fechter. Derartiges hatte man nicht erwartet.</style></p><p><style name="font2">�Por Dios!� schrie er, �mein Degen ist weg. Das ist doch ��</style></p><p><style name="font2">�Steh nicht rum�, unterbrach ihn Michel. �Hol dir deinen Puppendegen wieder. Dann machen </style><style name="font2">wir weiter. Ich habe keine Lust, den ganzen Nachmittag hier unt�tig herumzulungern.�</style></p><p><style name="font2">Jardin sprang dorthin, wo der Degen im Holz steckte, lie� dabei aber den gro�z�gigen Gegner </style><style name="font2">keinen Moment aus den Augen, denn er f�rchtete einen hinterh�ltigen Angriff.</style></p><p><style name="font2">Michel dachte nicht an solche T�cken. Er hatte seine Waffe gesenkt und stand in l�ssiger </style><style name="font2">Haltung l�chelnd und wartend da.</style></p><p><style name="font2">Als er die Vorsicht des anderen bemerkte, meinte er:</style></p><p><style name="font2">�Du traust dir wohl selbst nicht viel Ritterlichkeit zu, da� du den Verdacht der Hinterh�ltigkeit auf andere �bertr�gst, was? Wenn ich wollte, w�rst du l�ngst eine bildsch�ne Leiche; aber ich will nicht. Komm, machen wir weiter.�</style></p><p><style name="font2">�Scheint da was Rechtes aufgelesen zu haben, Capitan�, wandte sich der Steuermann an den Kapit�n. �Der Kerl ist nicht von Pappe. Bi�chen gef�hrlich, finde ich.�</style></p><p><style name="font2">�Pah�, schaltete sich da Escamillo de Fuentes ein. �Der Bursche macht nicht den Eindruck eines Bravo, seine Z�ge sind edel. Es w�re vielleicht gut, einen solchen Mann in der Besatzung zu haben.�</style></p><p><style name="font2">�Langsam, langsam, caballeros�, lachte der Kapit�n, �nicht jeder gute Fechter ist ein Mann, wie wir ihn brauchen. Und gef�hrlich � na, f�r gef�hrlich halte ich ihn nicht. Er scheint mir eher ein ritterlich erzogener Narr zu sein, seinem Pfeifen nach zu urteilen.� �Pfeifen?� fragte der Erste Offizier, der allem Anschein aus gutem Gebl�t stammte und entweder ein adliger Abenteurer oder ein verkrachter Adliger sein mu�te, �wie soll ich das verstehen? Was meint Ihr mit dem Pfeifen, Capitan?�</style></p><p><style name="font2">�Wartet ab. Er wird es Euch schon noch vorf�hren. Seht, da fliegt der Degen unseres guten Alfonso schon wieder durch die Luft! Ich glaube, ich mu� mich nach einem anderen Zweiten umschauen.�</style></p><p><style name="font2">Alfonso blickte ziemlich verdattert drein. Er wagte nicht, nach seinem Degen zu laufen. �Wer seid Ihr, Senor?� fragte er mit ehrlicher Anerkennung in der Stimme. Michel steckte seelenruhig seinen Degen in das Lederb�ndel zur�ck und antwortete: �Ein Reisender, der m�glichst ungeschoren das gelobte Amerika erreichen m�chte. Wollt Ihr nun Frieden geben?� �Ich mu߫, gab der Kleine freim�tig zu, �ich bin Euch nicht gewachsen. Hier meine Hand � � wenn Ihr sie noch wollt.�</style></p><p><style name="font2">�Wenn sie ehrlich dargeboten wird, immer�, antwortete Michel.</style></p><p><style name="font2">�Weshalb sind wir nun eigentlich in Streit gekommen?� fragte der andere, der den Grund bereits wieder vergessen zu haben schien. �Weil Ihr es so wolltet, Senor.� �Ich habe es gewollt? Gewi� nicht. Ihr habt mir ja nichts getan. H�ttet Ihr mich nicht �du� genannt, so w�re das vollkommen �berfl�ssig gewesen.�</style></p><p><style name="font2">�Ihr macht da einen Denkfehler. Nicht ich habe Euch so angesprochen, sondern Ihr mich. Ihr m��t wissen, da� ich F�rsten und Kaiser genau so zu behandeln pflege, wie sie mich behandeln. Weshalb sollte ich ausgerechnet bei dem Offizier einer Freibeutergaleone eine Ausnahme machen?�</style></p><p><style name="font2">�Werde es mir merken�, meinte der Kleine und kratzte sich hinter dem Ohr. Die umstehenden Mannschaften machten ehrerbietig Platz. Alfonso Jardin geleitete seinen Besieger auf die Kommandobr�cke und stellte ihn den drei Schiffsgewaltigen vor. Man sch�ttelte sich mit mehr oder weniger Aufrichtigkeit die H�nde.</style></p><p><style name="font2">Michel Baum bat um Zuweisung einer Koje, die ihm f�r die Zeit der �berfahrt als Schlafst�tte dienen konnte.</style></p><p><style name="font2">�Wir bekommen noch zwei G�ste, einen Arzt und seinen Gehilfen�, meinte der Kapit�n. �Ich habe die Koje neben diesen beiden f�r Euch freimachen lassen. Hoffentlich seid Ihr mit meinen Anordnungen zufrieden.�</style></p><p><style name="font2">�Oh Capitan�, sagte Michel, �ich stelle keine Anspr�che. Ich danke Euch vielmehr f�r Eure</style></p><p><style name="font2">Gastfreundschaft. Darf ich mich jetzt zur�ckziehen?�</style></p><p><style name="font2">Alfonso, dem der Gast pl�tzlich recht gut zu gefallen schien, begleitete ihn.</style></p><p><style name="font2">�Was haltet Ihr von dem Burschen, Capitan?� fragte der Erste Offizier.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n wiegte bedenklich den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Ich will Euch ehrlich sagen, da� ich einen Augenblick lang dachte, er sei ein Spion des K�nigs.</style></p><p><style name="font2">Vielleicht soll er erkunden, ob wir bei unseren Gesch�ften mit Washington Sondergewinne</style></p><p><style name="font2">erzielen. Es w�re doch immerhin m�glich, meint Ihr nicht, Don Escamillo?�</style></p><p><style name="font2">�Wollt Ihr ihn tats�chlich bis an die K�ste mitnehmen?�</style></p><p><style name="font2">�Was k�nnen wir sonst tun? Er hat ja seine Passage reichlich bezahlt.�</style></p><p><style name="font2">�Wie w�re es, wenn wir ihn auf einer der Antillen aussetzten? Vielleicht gew�hnt er sich an das Piratenleben. Und ich sagte ja bereits vorhin, da� wir solche Burschen brauchen k�nnen.� �Hm � und wenn es ihm nun keinen Spa� macht, was dann?� Der Erste Offizier lehnte sich weit �ber die Reling zur�ck.</style></p><p><style name="font2">�Dann, Capitan--nun, das Meer ist tief und schweigt.�</style></p><p><style name="font2">�Hm.�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum lag lang ausgestreckt auf seiner H�ngematte und hielt die Augen geschlossen. Unter sich auf den Boden hatte er das Lederb�ndel mit seinen kostbaren Waffen gelegt, so da� es jederzeit griffbereit war. Er erwachte erst, als er in der Nachbarkoje ged�mpfte Stimmen vernahm. Mit einem Satz war er aus der H�ngematte. Erwartungsvoll pre�te er sein Ohr an die d�nne Trennwand. Er vernahm Garcias Stimme. Dann trat er an das Windauge und �berzeugte sich davon, da� das Schiff bereits die Anker gelichtet hatte. Die beiden waren ihm also sicher. Dennoch fiel es ihm schwer auf die Seele, da� er so gar keine Handhabe besa�, die Gauner dingfest zu machen; denn der Kapit�n w�rde ihn wahrscheinlich auslachen, wenn er eine solche Zumutung an ihn stellte. Die Situation war verzwickt.</style></p><p><style name="font2">Sollte man die Vergangenheit ruhen lassen? Sollte man eine solche Teufelin wieder auf anst�ndige Menschen loslassen?</style></p><p><style name="font2">In Amerika hatten sie sicherlich anderes zu tun, als sich um eine entlaufene Gr�fin zu k�mmern.</style></p><p><style name="font2">Es war nicht einfach, sich einen Plan zurechtzulegen. Ganz in Gedanken begann Michel zu </style><style name="font2">pfeifen. Laut und durchdringend wirbelten die Passagen durch das Schiff.</style></p><p><style name="font2">Marina lie� sich erm�det auf einen Strohsack sinken, als das Schiff unter Wind ging.</style></p><p><style name="font2">�Gracias de Dios�, seufzte sie erleichtert, �jetzt haben wir es geschafft, Pablo. Endlich sind die </style><style name="font2">Gefahren zu Ende.�</style></p><p><style name="font2">Garcia grinste gr�mlich.</style></p><p><style name="font2">�Zu Ende sind sie erst, wenn wir heil und gesund wieder festen Boden unter den F��en haben.</style></p><p><style name="font2">Ich traue diesen seefahrenden Gaunern nicht weiter, als ich sie sehe.�</style></p><p><style name="font2">�Oh, wenn je etwas dazwischen kommen sollte, so werde ich mein Geheimnis dem Ersten </style><style name="font2">Offizier offenbaren. Wenn ich wieder l�cheln darf, wie ich es gewohnt bin, so macht Euch keine </style><style name="font2">Sorge um unsere �berfahrt. Der caballero wird mir aus der Hand fressen.�</style></p><p><style name="font2">�Hoffentlich bei�t er sie nicht gleich ab�, spottete der Doktor.</style></p><p><style name="font2">�Ihr seht Gespenster. Neuen Gefahren kann man mit Ruhe entgegenblicken, weil man sie bei einiger Aufmerksamkeit kommen sehen mu�. Und den drohenden Hinterhalten, die man uns auf dem Lande h�tte stellen k�nnen, sind wir ja gl�cklich entgangen. Der Alcalde von Bielsa mag uns suchen, wo er will. Und ich sagte Euch ja bereits, da� ich sogar die brennende Hoffnung habe, diesen Esteban vor mir im Staub zu sehen.�</style></p><p><style name="font2">�Ich werde nicht recht klug aus dem, was in Euch vorgeht, Verehrteste. Weshalb ha�t Ihr Euern</style></p><p><style name="font2">Gemahl mit solcher Wut, wo er Euch doch eigenh�ndig freigelassen hat?�</style></p><p><style name="font2">�Gerade deshalb. Sein Mitleid und seine Liebe sind mir unertr�glich. Fast w�re mir seine </style><style name="font2">Gro�z�gigkeit zu Herzen gegangen. Diesen einen Augenblick, in dem er mir zum letztenmal mit </style><style name="font2">r�hrseliger Liebe in die Augen blickte, diesen Moment soll er mir b��en. Der Silbador war </style><style name="font2">dagegen ein ganz anderer Kerl. Zuerst nannte er mich gar Madonna. Sp�ter aber h�tte er mich </style><style name="font2">dem Alcalden mit grausamer Selbstverst�ndlichkeit ans Messer geliefert.�</style></p><p><style name="font2">�Es h�rt sich fast so an, als ob Ihr dem Kerl, demIhr Euer ganzes Ungl�ck verdankt, mehr </style><style name="font2">zugetan seiet als Euerm Mann, der jetzt wahrscheinlich auf seinem Schlosse sitzt und sich die </style><style name="font2">Seele nach Euch aus dem Leibe gr�mt. Das verstehe ein anderer.�</style></p><p><style name="font2">�Euch wird die Sch�nheit des Teuflischen f�r immer verschlossen bleiben wie den meisten Menschen; denn Ihr seid nur b�se aus Geldgier und Gewinnsucht. Ich aber, ich mu� b�se sein, versteht Ihr, ich mu�. Der Teufel hat bei meiner Taufe Pate gestanden. Daf�r mu� ich mich erkenntlich zeigen. H�rt, wer hat da eben gepfiffen?�</style></p><p><style name="font2">Sie lauschte angestrengt. Auch Pablo Garcia wurde aufmerksam; denn die T�ne klangen gar zu eindringlich, als da� man sie h�tte �berh�ren k�nnen.</style></p><p><style name="font2">�Que diablos!� rief Marina aus. �Diesen Pfeifer dort mu� ich kennenlernen. Er kann es genau so wie der Silbador.�</style></p><p><style name="font2">�Seht Ihr�, lachte der Doktor, �und Ihr habt den Burschen f�r ein einmaliges Exemplar gehalten! Einmalig war er aber nur insofern, als er Euch eine kr�ftige Ohrfeige versetzt hat.� Das Pfeifen schwoll an. Man konnte es bis an Deck h�ren.</style></p><p><style name="font2">Marina st�rzte aus der Koje und sprang die Stufen hinauf. Neugierig blickte sie sich um. Aber sie konnte niemanden mit gespitzten Lippen ersp�hen. Und dennoch blieb das Pfeifen. Allerdings war es hier oben schw�cher als unten.</style></p><p><style name="font2">Marina rannte die Treppe wieder hinab und stie� mit einem Mann zusammen, der aus der Koje </style><style name="font2">neben der ihren trat.</style></p><p><style name="font2">Das Pfeifen war verstummt.</style></p><p><style name="font2">�Buenas noches�, gr��te der Fremde, der nicht zur Besatzung zu geh�ren schien, h�flich und schritt an dem �Arztgehilfen� vorbei, ohne ihm besondere Beachtung zu schenken. Nat�rlich hatte Michel sofort erkannt, wen er vor sich hatte. Blitzartig war ihm der Gedanke gekommen so zu tun, als w��te er nicht, wer sich hinter der Gestalt des jungen Mannes verbarg. Marina aber taumelte zur�ck und hielt sich nur mit M�he an der Schiffswand aufrecht. Zwar war es nicht m�glich gewesen, in dem hier unten herrschenden Zwielicht das Gesicht Michels zu erkennen; aber die Stimme verriet ihr mehr als jede Vorstellung. V�llig verst�rt gelangte sie in ihren Verschlag.</style></p><p><style name="font2">�Ist Euch nicht gut?� fragte Garcia, machte aber keine Anstalten, ihr irgend eine Hilfeleistung zu gew�hren.</style></p><p><style name="font2">�Er ist es � er ist es ��, fl�sterte sie fassungslos. �Wer ist � was ist � �� �El Silbador.�</style></p><p><style name="font2">Pablo Garcia lie� sich ganz in Liegestellung zur�cksinken.</style></p><p><style name="font2">�Es w�rde Euch sicherlich guttun, wenn Ihr jetzt ein wenig schliefet. Eure Nerven sind �berreizt.�</style></p><p><style name="font2">Marina warf ihm einen vernichtenden Blick zu.</style></p><p><style name="font2">�Haltet Ihr mich f�r hysterisch? Meint Ihr, ich k�nnte den Silbador nicht von irgendeinem x-beliebigen Fremden unterscheiden?�</style></p><p><style name="font2">Pablo richtete sich langsam auf und sah sie pr�fend an, als ob er einen Patienten betrachte. Nach </style><style name="font2">einigen Augenblicken des Schweigens sch�ttelte er verwundert den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Ihr scheint tats�chlich vollst�ndig bei Sinnen zu sein, meine Beste. Richtet Eure Augen einen </style><style name="font2">Moment auf meinen ausgestreckten Zeigefinger.�Er hielt den Finger steil in die Luft.</style></p><p><style name="font2">�Was soll das?� fragte sie unwillig.</style></p><p><style name="font2">�Ich m�chte lediglich herausfinden, ob Eure Pupillen ordnungsgem�� funktionieren.� �Unsinn, es gibt jetzt Wichtigeres zu bedenken als Eure Spielereien. Ich w�nschte, ich h�tte mich geirrt. Dann w�ren wir jetzt nicht unmittelbar in Gefahr. Mich hat er zum Gl�ck nicht erkannt in meiner Verkleidung.�</style></p><p><style name="font2">Jetzt wurde es dem Doktor zuviel. Er sa� kerzengerade da und fragte scharf:</style></p><p><style name="font2">�Ihr wollt also allen Ernstes behaupten, da� dieser pfeifende Wundermann an Bord ist?�</style></p><p><style name="font2">�Ich war noch nie ernster.� Pablo schwieg und dachte nach.</style></p><p><style name="font2">�Der Teufel mag wissen, wie solche Zuf�lle zustande kommen. Wir m�ssen ihn nat�rlich so schnell wie m�glich erledigen. Irgendein Gift ins Essen und basta.� Marina starrte vor sich auf den Boden. Die von ihrem Begleiter ausgew�hlte Todesart war keineswegs nach ihrem Geschmack. So schnell sollte dieser Bursche nicht in die bessere Welt segeln, um sich am Tisch der Seligen g�tlich zu tun. Nein, er mu�te langsam sterben. Zu Tode gequ�lt mu�te er werden. Sehen wollte sie, wie er sich in Qualen wand. Vielleicht konnte man den Kapit�n dazu bewegen, den Mann zu foltern. Notfalls w�rde sie es eigenh�ndig tun. Es mu�te geradezu ein Vergn�gen sein, die neunschw�nzige Katze auf seinem breiten R�cken auszulassen, damit er erst den richtigen Vorgeschmack erhielt. Streicheln w�rde sie ihn mit den Bleikugeln � und dann zuschlagen. Jaaaa � �</style></p><p><style name="font2">Ihr Gesicht ergl�hte. Ein fiebriger Glanz trat in ihre Augen. Alle Qualen einer gr��lichen H�lle malte sie sich im einzelnen aus.</style></p><p><style name="font2">�Weshalb schweigt Ihr, Marina?� unterbrach der Schiffsarzt ihren Gedankengang. �Was geht es Euch an? N�tzt uns das Reden etwas in dieser Lage?�</style></p><p><style name="font2">�Nun, nun, es hat fast den Anschein, als d�chtet Ihr an einen fernen Geliebten und maltet Euch im stillen ein Wiedersehen mit ihm aus. Von mir aus stundenlang. Nur finde ich, Ihr w�hlt Euch f�r �berspanntheiten stets die ungeeignetsten Augenblicke. Wie bringen wir dem Silbador am schnellsten und am sichersten das Gift bei?�</style></p><p><style name="font2">�Gar nicht. Diesen Mann kann man nicht meuchelmorden. Man darf es nicht. Es w�re ein zu </style><style name="font2">leichter Tod f�r ihn. El Silbador mu� w�rdig sterben--von meiner Hand, h�rt Ihr, von </style><style name="font2">meiner eigenen Hand.�</style></p><p><style name="font2">Pablo Garcia verzog sein widerliches Gesicht zu einem Grinsen.</style></p><p><style name="font2">�F�rwahr, man sollte Euch sogleich in die H�lle schicken, damit Ihr den Teufel in die Schule nehmen k�nnt. Seine Bosheit verbla�t hinter Eurer. Wenn ich einen Menschen t�te, so tue ich es, um ihm entweder seinen Geldbeutel wegzunehmen � wenn er einen hat � oder um ihn auf schnelle und schmerzlose Art loszuwerden, wenn er mir aus irgend einem Grunde im Wege ist. Gift ist immer das Sicherste.� �Pah!�</style></p><p><style name="font2">�Pah � pah � pah�, �ffte er nach. �Eure �berheblichkeit pa�t nicht mehr in unsere Zeit, in der die Wissenschaft gilt und nicht die Abstammung von einer alten Adelsfamilie, deren Ursprung offensichtlich in der H�lle zu suchen ist. Vielleicht bedenkt Ihr einmal, was werden w�rde, wenn Euch der gef�hrliche Bursche durch einen Zufall wiedererkennt. Dann sind allesch�nen Vors�tze nutzlos. Des weiteren kann ich mir nicht vorstellen, wie Ihr selbst ihn auf diesem Schiffe umbringen wollt, ohne da� jemand etwas merkt. Wir leben im Augenblick leider auf einer stark bemannten Galeone und nicht in den menschenleeren Ein�den der Pyren�en. Nehmt doch Vernunft an � oder macht Euern Kram allein. Ich jedenfalls werde Euch zu Euerm Wahnwitz keine Hilfestellung leisten.�</style></p><p><style name="font2">�Schweigt�, rief sie voller Zorn. �Ihr werdet fredi und anma�end. Stehe ich vielleicht unter Euerm Kommando? M�chte wissen, was mich davon abhalten sollte, meinen Vorsatz auszuf�hren.�</style></p><p><style name="font2">�Ich�, sagte er trocken, �ich werde Euch davon abhalten; denn Ihr habt Euch meiner Anordnung zu f�gen. Ihr seid nichts weiter als mein � � Arztgehilfe, verstanden?�</style></p><p><style name="font2">Sie zog es vor, sich einer Antwort zu enthalten. Aber in ihren Augenwinkeln zuckte es unheilverk�ndend.</style></p><p><style name="font2">Pablo Garcia trat jetzt zum Bullauge und blickte hinaus.</style></p><p><style name="font2">�Es ist Nacht geworden. Gehen wir schlafen. Morgen fr�h werdet Ihr mir recht geben. Drau�en spielten die Wellen um den Bug des Schiffes, und eine leichte, aber stetige Brise gab ihm gerade Drift nach West.</style></p><p><style name="font2">Als Michel Baum nach seinem Pferd gesehen hatte, blieb er noch ein paar Minuten an Deck, um sich die Lunge mit der frischen Seeluft vollzupumpen. Mit jedem Atemzug f�hlte er Kraft in sich einstr�men. Es war, als teilte sich die W�rze des salzigen Ozeans unmittelbar seinen Muskeln mit und straffte sie.</style></p><p><style name="font2">Sein Blick war nach Westen gewendet, wo in diesem Augenblick die Sonne zur Ruhe ging. Glutrot schien sie in den unendlichen Wassern zu versinken.</style></p><p><style name="font2">Und dort dr�ben, hinter den Bergen von Wellen und Bl�ue, k�mpfte ein Volk um seine Freiheit. In Blut, Feuer und Willen gebar es sich selbst unter schmerzhaften Wehen. Nie w�rde eine Krone aus totem Metall �ber dem freien Haupt Amerikas schweben. Freiheit, das herrlichste Wort, das f�r Michel Baum auf Erden existierte, wurde dort verwirklicht. Seine Anziehungskraft war magisch, war nicht zu erkl�ren mit religi�sen oder politischen Dogmen, war einfach da, um dort im Westen Wirklichkeit zu werden. Heimat, dachte Michel. Aber konnte ein versklavtes Vaterland f�r einen Menschen, der nichts au�er den Sternen �ber sich dulden wollte, Heimat bedeuten? Heimat war da, wo Freiheit war, wo jeder Mensch vollenden konnte, was seinen F�higkeiten entsprach, wo das Prinzip der unprivilegierten Auslese herrschte, wo nicht kleine, dummdreiste F�rsten bestimmten, ob jemand edel war oder nicht.</style></p><p><style name="font2">Es war dunkel geworden. Die Sterne lugten vereinzelt zur Erde nieder.</style></p><p><style name="font2">Einen letzten, tiefen Atemzug nahm der Sinnende, bevor er sich wieder in den dumpfen </style><style name="font2">Schiffsrumpf begab.</style></p><p><style name="font2">Als er dann sp�ter in seiner H�ngematte schaukelte, kam ihm pl�tzlich der �Arztgehilfe� wieder in den Sinn. Er gr�belte nach, um sich dar�ber klar zu werden, ob sein eigenes Gesetz ihn zum Handeln zwang oder obes ihm gestattete, gleichg�ltig zu bleiben. Er fand keinen Entschlu�. In schweren Gedanken schlief er endlich ein. Doch er war kaum hin�berged�mmert, als ihn ein Laut wieder emporfahren lie�. Hatte es nicht ganz in seiner N�he geklungen, als sei jemand schwer zu Boden gefallen?</style></p><p><style name="font2">Er richtete sich auf und lauschte. Das Ger�usch wiederholte sich nicht. Es schien auch, au�er von ihm selbst, von niemandem sonst vernommen worden zu sein. Michel sank zur�ck ins Reich der Tr�ume.</style></p><p><style name="font2">Als er zum zweitenmal erschrocken emporfuhr, lag �ber dem Meer schon der Glanz der Sonne. Er stand auf und verlie� seine Koje. Marina in ihrer Verkleidung rannte, ohne ihn zu beachten, die Treppe empor und rief unausgesetzt nach dem Kapit�n. War etwas passiert?</style></p><p><style name="font2">Michel sollte nicht lange im unklaren bleiben.</style></p><p><style name="font2">Es waren noch keine f�nf Minuten verstrichen, als der Kapit�n mit seinen zwei Offizieren erschien. Drau�en vor der Ausstiegluke zogen pl�tzlich zwei schwerbewaffnete Posten auf, die das Deck gegen die Kojen abriegelten. Der Kapit�n hatte Michel jetzt erreicht.</style></p><p><style name="font2">�Habt Ihr heute Nacht etwas besonderes bemerkt, Senor?� fragte er aufgeregt.</style></p><p><style name="font2">Michel verneinte. Aber dann scho� ihm auf einmal der Gedanke an das seltsame Ger�usch durch </style><style name="font2">den Kopf, das er im Halbschlaf geh�rt zu haben meinte.</style></p><p><style name="font2">�Doch, Capitan, ich mu� mich berichtigen. Es wird etwa zw�lf Uhr gewesen sein, als ich einen schweren Fall ganz in meiner N�he h�rte. Da jedoch niemand Notiz davon nahm, so glaubte ich getr�umt zu haben.� �Kommt mit�, sagte der Kapit�n barsch.</style></p><p><style name="font2">Michel folgte ihm und dem �Arztgehilfen�. Sie standen vor Doktor Garcias Koje und blickten hinein. Der Arzt lag nicht auf seinem Strohsack, sondern neben diesem. Nicht einen Millimeter bewegte sich der K�rper mit dem teuflischen Gesicht. Er schien steif zu sein � tot. Michel kniete sofort neben ihm und untersuchte ihn fachm�nnisch. Er konnte trotz allen Anstrengungen keine Wunde finden. Nichts deutete darauf hin, da� er eines gewaltsamen Todes gestorben war. H�tte man ihn auf seinem Bett gefunden, so w�re nichts Auff�lliges an der Sache gewesen; denn jedem Menschen konnte es passieren, da� ihn der Schlag traf. Michel sah dem Toten ins Gesicht. Seine Augen waren weit und � wie es schien � angstvoll aufgerissen. Sie boten einen schauerlichen Anblick.</style></p><p><style name="font2">�Der Mann kann keines nat�rlichen Todes gestorben sein�, meinte Michel. �Dieser Gesichtsausdruck w�re bei einem normalen Herzschlag nicht m�glich. Gebt Ihr mir die Leiche zur Sektion frei?�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n, der Arztgehilfe und die beiden Offiziere sahen den seltsamen Fahrgast erstaunt an. �Versteht Ihr denn etwas von diesen Dingen?� fragte der Kapit�n. �Nichts f�r ungut, caballeros, ich bin selbst Arzt und habe in m�hevollen Semestern die Chirurgie studiert.�</style></p><p><style name="font2">Man blickte sich verwundert an. Nur Marina schien zu erbleichen. Ihre Finger schlossen und �ffneten sich in starker Erregung. Das kam ihr unerwartet. Wieso wu�te sie eigentlich nicht, da� der Silbador ein Chirurg war? Auf Schlo� Villaverde war in ihrer Gegegenwart nie ein Wort dar�ber gefallen.</style></p><p><style name="font2">�Por Dios Senor Baum�, meinte der Kapit�n, �wollt Ihr etwa andeuten, man habe Doktor Garcia hier auf meinem Schiff ermordet?�</style></p><p><style name="font2">Michel sah die Anwesenden der Reihe nach an. Auf dem Gesicht des Arztgehilfen verweilte sein Blick eine Sekunde l�nger. Dann nickte er nachdenklich.</style></p><p><style name="font2">�Si, Senor Capitan�, sagte er bestimmt, �jemand hat in der Nacht den Doktor gezwungen, Gift in Pulverform zu schlucken. Seht hier die Lippen, da liegen jetzt noch feine gelbe Pulverk�rnchen.� Mit einem raschen Griff zog er dem Toten das Wams aus und �ffnete ihm das Hemd. Mit scharfen Blicken suchte er jeden Quadratzentimeter der Brustoberfl�che ab. In der Herzgegend fand er einen kleinen Ri�.</style></p><p><style name="font2">�Hier, Capitan und caballeros, seht Euch diesen Ritz �ber dem Herzen an. Der M�rder hat seinem Opfer die Dolchspitze fest an die Brust gesetzt und ihm unter der Drohung, ihn sofort zu erstechen, das Gift eingezwungen. Ich glaube, ich kann mir die weitere Untersuchung ersparen. F�r mich liegt der Fall klar. Es handelt sich also nur noch darum, den M�rder zu finden und ihn seiner gerechten Strafe zu �berliefern.�</style></p><p><style name="font2">�Ihr sagtet vorhin, da� Ihr nachts einen schweren Fall geh�rt haben wollt?� Michel �berlegte.</style></p><p><style name="font2">�Ich wei� jetzt bestimmt, da� ich mich nicht geirrt habe. Sicher wirkte das Gift nicht unmittelbar. Garcia hat sich vermutlich noch aufrichten k�nnen, nachdem sein M�rder die Kabine verlassen hatte. Doch dann reichten seine Kr�fte nicht mehr aus, und er fiel neben dem Strohsack nieder.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n blickte seine beiden Offiziere an, in deren Augen sowohl Verdacht als auch Unschl�ssigkeit standen.</style></p><p><style name="font2">�Hm�, meinte der Kapit�n dann, �ich glaube kaum, da� jemand von der Mannschaft den Schiffsarzt umgebracht hat; denn er h�tte sich damit ins eigene Fleisch geschnitten. Es k�me eigentlich nur eine Person in Frage, n�mlich diejenige, die einen Vorteil von dem Tode Garcias</style></p><p><style name="font2">gehabt h�tte. Und das, Senor Baum, seid nach meinem Daf�rhalten--Ihr selbst.�</style></p><p><style name="font2">Michel lachte nur; denn die Logik des Kapit�ns schien ihm widersinnig. �Welchen Vorteil soll ich vom Tod des Doktors haben?� fragte er.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n z�gerte. �Ganz einfach�, meinte er dann, �Ihr wolltet die Stelle des Schiffsarztes einnehmen. Dazu mu�te nat�rlich erst der andere weg.�</style></p><p><style name="font2">Der Sprecher sah sich Beifall heischend um. Sein Erster Offizier nickte Zustimmung. Nicht so jedoch sein Zweiter, der kleine Alfonso Jardin. Der traute dem jungen Fechter solch meuchlerische Gesinnung nicht zu. �Demonio, Senor Capitan, Ihr seid ein wenig schnell bei der Hand mit Euren Schl�ssen. Ich glaube nie und nimmer, da� ein Mann wie dieser junge Senor, der wie der Teufel fechten kann, einer solchen Gemeinheit f�hig w�re. No, no, ich verb�rge mich f�r ihn.�</style></p><p><style name="font2">Michel sah seinen ersten Fechtpartner auf diesem Schiff erstaunt und dankbar an. Der Kleine schien zwar ein Raufbold zu sein, aber ein Gesinnungslump war er bestimmt nicht. Er handelte instinktm��ig wie ein Ehrenmann. Hingegen war der Erste Offizier offensichtlich mit der logischen Erkl�rung seines Kapit�ns einverstanden. Er sah seinen kleineren Kameraden ver�chtlich an und meinte:</style></p><p><style name="font2">�H�tte es nicht f�r m�glich gehalten, da� du f�r einen �berf�hrten Mordbuben Partei ergreifst.� Er trat vor Michel hin und spuckte vor ihm aus.</style></p><p><style name="font2">Da aber hatte ihn der Verd�chtigte auch schon beim Wams gepackt und sch�ttelte ihn wie der Wind einen jungen Baum.</style></p><p><style name="font2">�Ich hoffe, Ihr nehmt Eure Beleidigung augenblicklich zur�ck, Don Escamillo!� Escamillo de Fuentes sagte kein Wort, seine Blicke schweiften hin�ber zum Kapit�n. Als er jedoch sah, da� es diesem nicht einfiel, Partei f�r ihn zu ergreifen, zischte er w�tend: �La� mich los, du erb�rmlicher, feiger M�rder!�</style></p><p><style name="font2">�Pfui, Escamillo�, rief da der Kleine voller Verachtung. �Wie kannst du deiner durch nichts begr�ndeten Abneigung gegen den jungen Senor so freien Lauf lassen? Ich sch�me mich f�r dich.�</style></p><p><style name="font2">Michel hielt den W�tenden noch immer fest.</style></p><p><style name="font2">�Wollt Ihr Eure Beleidigung zur�cknehmen, Don Escamillo?�</style></p><p><style name="font2">�Ich denke nicht daran! Que impudencia, solches von mir zu verlangen! La� mich los, elender tramposo!�</style></p><p><style name="font2">Michel lie� ihn los, holte jedoch im gleichen Augenblick aus und gab dem hochgeborenen </style><style name="font2">Hidalgo eine solche Ohrfeige, da� er der verkleideten Gr�fin vor die F��e fiel.</style></p><p><style name="font2">Escamillo sprang wutentbrannt auf und ri� seinen Degen aus der Scheide.</style></p><p><style name="font2">�Valgame Dios, Feigling, willst du mit einem Waffenlosen k�mpfen?� rief der Kleine und stellte </style><style name="font2">sich sch�tzend vor den bedrohten Michel.</style></p><p><style name="font2">�Leiht mir Euern Degen, Senor Jardin�, bat Michel seinen Besch�tzer. Dieser reichte ihm die Waffe mit einer respektvollen Verbeugung. �Mein Leben f�r Euch, Senor�, sagte er.</style></p><p><style name="font2">�Pah�, mischte sich Escamillo bellend ein, �wie traurig f�r diesen L�mmel, wenn du ihm nichts</style></p><p><style name="font2">zu bieten hast als dein l�cherliches Leben, das Leben eines verr�ckten Zwerges.�</style></p><p><style name="font2">�Diablo, ich erw�rge dich mit meinen blo�en H�nden, du adliger Gallespucker!�</style></p><p><style name="font2">Der Kleine machte Anstalten, sich auf ihn zu st�rzen. Aber Michel hielt ihn zur�ck.</style></p><p><style name="font2">�La�t ab, Senor Jardin, ich werde dem Burschen eine Lektion erteilen, an die er sein Leben lang </style><style name="font2">denken soll. Ich nehme Euer Leben an und biete Euch daf�r das meine�, l�chelte er dem Kleinen </style><style name="font2">zu.</style></p><p><style name="font2">Das war eine H�flichkeitsbezeugung und die offene Erkl�rung einer Freundschaft, wie sie unter Tausenden von Menschen nur ganz selten ausgetauscht wird. Ein Bund wird so besiegelt, der bis ans Lebensende G�ltigkeit besitzt.</style></p><p><style name="font2">Mit einem schrillen Wutschrei st�rzte sich Escamillo de Fuentes jetzt auf Michel. Dieser wehrte in geschickten Paraden ab und begann auf einmal, teuflische Pfiffe auszusto�en. Dann aber ging er zum Angriff �ber und trieb den Ersten Offizier wie einen Maulesel vor sich her, die Treppe hinauf.</style></p><p><style name="font2">Das Klirren der Waffen hatte die Wachen angezogen. Sie versperrten die Luke so, da� Escamillo nicht mehr weiter zur�ckweichen konnte. �Platz da!� schrie er.</style></p><p><style name="font2">Aber die W�chter hatten die strikte Anweisung, niemanden mehr an Deck zu lassen. So kreuzten sie die altmodischen Piken.</style></p><p><style name="font2">Escamillo wehrte sich auf der obersten Stufe mit Verzweiflung.�Capitan�, rief er laut, �befehlt den Pikenieren, da� sie mir den Weg frei geben.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n folgte dem Wunsch seines Ersten; denn an sich mochte er ihn gut leiden und wollte ihn retten.</style></p><p><style name="font2">�La�t Don Escamillo durch�, schrie er. Das Pikenkreuz �ffnete sich. Escamillo machte einen Schritt r�ckw�rts.</style></p><p><style name="font2">Dann standen die W�chter wieder unbeweglich. Michel war praktisch von seinem Gegner abgeschnitten.</style></p><p><style name="font2">Es fiel ihm nicht ein, die Pikeniere anzugreifen. Escamillo aber lie� unter dem sicheren Schutz der gekreuzten Hellebarden den Degen sinken und warf dem Silbador eine Flut von schmutzigen Schimpfw�rtern ins Gesicht.</style></p><p><style name="font2">Da fa�te Michel pl�tzlich den geliehenen Degen bei der Spitze, wirbelte ihn zweimal um den Kopf und lie� ihn zwischen den W�chtern hindurchzischen. Die Schneide der scharfen Waffe trennte im Flug dem Ersten Offizier die Degenhand vom Arm. Ein furchtbarer Schrei erklang. Und ein dicker Blutstrahl scho� auf Deck.</style></p><p><style name="font2">Die Posten waren erschrocken zur�ckgewichen. Jetzt lie�en sie die Piken fahren und eilten unter Schreckensrufen davon. So etwas hatten sie noch nie gesehen. Sie mu�ten den Senor, der als Fahrgast auf ihrer Galeone weilte, f�r den leibhaftigen Satan halten.</style></p><p><style name="font2">Marina, der Kapit�n und der Kleine dr�ngten sich die Treppe empor. Wie einen Geist starrten sie Michel an, der bereits dabei war, seinem Feind die Ader abzubinden, was dieser sich ohne weiteres gefallen lie�.</style></p><p><style name="font2">Michel beachtete die bewundernden Ausrufe der Anwesenden nicht.</style></p><p><style name="font2">�Senor Jardin�, bat er h�flich, �helft mir, den Verwundeten unter Deck zu bringen. Ich hoffe, wir finden gen�gend Instrumente und Bandagen, um ihn zu verarzten und zu verbinden.�</style></p><p><style name="font2">�Ihr wollt Euern eigenen Feind verbinden, Senor?� fragten der Kleine und der Kapit�n ungl�ubig. �Ihr habt ihn besiegt und k�nnt ihn nach dem Seerecht der Ehre t�ten.� �Was h�tte ich wohl davon?� l�chelte Michel. �Ich mu�te ihn f�r seine Beleidigungen bestrafen, weil es der Ehrenkodex so erfordert. Und ich wollte ihn nachhaltig bestrafen, um in Zukunft sicher zu sein vor seinen Angriffen. Fechter, die einsehen, da� sie immer verlieren werden, sobald sie gegen mich k�mpfen, greifen oft zu unerlaubten Finten. So ist es besser, wenn die Degenhand keine Dummheiten mehr machen kann.�</style></p><p><style name="font2">�Das verstehe ein anderer�, meinte der Kapit�n und kratzte sich am Kopf. �Sagt mir, was ich mit einem Ersten Offizier soll, der keine rechte Hand besitzt.�</style></p><p><style name="font2">�Sehr einfach, Kapit�n, macht ihn zum Zweiten Offizier und den Zweiten zum Ersten�, gab Michel zur�ck.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n sah ihn verbl�fft an. Senor Jardin wurde �ber und �ber rot vor Verlegenheit. Der Kapit�n nickte jedoch und lie� die Leute zusammenrufen. Als er ihnen die Bef�rderung erkl�rt hatte, brach ein donnerndes Hurra aus den Kehlen der Seeleute, die nie besonders viel .von dem vornehmen und hochn�sigen Escamillo gehalten hatten. Nur der Steuermann war nicht ganz einverstanden, enthielt sich aber jeglicher Kritik.</style></p><p><style name="font2">Als Michel nun in des Doktors Garcia Koje den Verwundeten kunstgerecht verband, ging ihm der angebliche �Arztgehilfe� unaufgefordert zur Hand.�Schaffen wir ihn in seine Kabine� bat Michel Jardin, der eben eintrat. Jardin z�gerte.</style></p><p><style name="font2">�Ich mag einen Ehrlosen nicht mehr anfassen.� Michel l�chelte bittend.</style></p><p><style name="font2">�Amigo, ging es Euch nicht �hnlich, als wir beide das Vergn�gen miteinander hatten? Verzeiht, da� ich Euch daran erinnern mu�; aber man sollte nie vergessen, menschlich zu sein. Niemand ist ehrlos, nur weil er sich einmal schlecht benimmt. Wir Menschen k�nnten alle in sch�nster Eintracht leben, wenn sich nicht immer der eine �ber den anderen erheben und sich besser d�nken w�rde als sein N�chster. Sind wir nicht frei geboren, und haben wir nicht Verstand mitbekommen in die Wiege, damit wir unsere Gef�hle damit kontrollieren? Bitte, fa�t an.� Der Kleine, nunmehr Erster Offizier, sah besch�mt zu Boden. W�hrend er vorsichtig den Verletzten bei den F��en ergriff, um seinem neuen Freund beim Transport des Ohnm�chtigen behilflich zu sein, gingen ihm die sonderbarsten Gedanken durch den Kopf. Ja, warum mu�ten sich die Menschen stets gegenseitig das Leben zur H�lle machen? Warum vertrugen sie sich nicht? Wozu war denn der Verstand �berhaupt da, wenn nicht dazu, da� man sich selbst mit seiner Hilfe Z�gel anlegte?</style></p><p><style name="font2">Eigenartig, da� Alfonso zum erstenmal in seinem Leben solche Gedanken hatte. Und dabei konnte er lesen und schreiben, hatte viel gesehen von der Welt und hatte sich entschlossen, seine Kraft in den Dienst der Freiheit zu stellen. Denn nicht, weil dieses Schiff, auf dem er nun Erster Offizier war, eine Art k�nigliche Seer�ubergaleone darstellte, nein, weil es den Rebellen der Freiheit in jenem weiten Amerika Hilfe bringen wollte, deshalb hatte er hier Heuer genommen. Ihm lag nicht viel an Geld. Zum Sattwerden hatte er genug. Das Abenteuer reizte ihn und das wilde Leben eines Freibeuters, wobei er allerdings den einen Denkfehler machte, da� er Freiheit mit Freibeutertum verwechselte. F�r ihn waren die Soldaten Washingtons die gleichen Menschen wie die Piraten, die auf den Antillen hausten und sich au�erhalb der k�niglichen Gesetze gestellt hatten. Amerika war im weiteren Sinne also das Gleiche wie Caribien. Auch hier wollte man sich vom Joch eines K�nigs befreien und leben, wie es einem gefiel. Das Gro�e in der Erhebung jenes Volkes mit dem Sternenbanner erkannte Jardin nicht; denn so weit reichten seine Gedanken nicht, die jetzt von Michels Stimme unterbrochen wurden.</style></p><p><style name="font2">�Legt ihn vorsichtig nieder, Senor Jardin. Die Schmerzen in dem Stumpf werden jetzt erst richtig beginnen.�</style></p><p><style name="font2">Sie lie�en den Verwundeten behutsam auf das Lager in seiner Kabine gleiten. Eigentlich m��te ich jetzt hier wohnen, dachte Jardin. Dann aber sch�ttelte er den Kopf. Unsinn, auf die Umgebung kam es nicht an, wenn man Erster Offizier sein wollte, sondern nur auf die Leistung ...</style></p><p><style name="font2">Die �Trueno� segelte unter guten Winden zun�chst nordwestlichen Kurs. Als sie sich etwa auf 45 Grad n�rdlicher Breite und 8 Grad westlicher L�nge befand, ging sie ziemlich genau auf S�dwestkurs. Man hatte offensichtlich die Absicht, den 43. Breitengrad zu erreichen, um dann mit direkter Westroute Boston anzulaufen, um das die Engl�nder eine scharfe Seeblockade gelegt hatten.</style></p><p><style name="font2">Nicht sehr klug, dachte Michel Baum. Wenn er Kapit�n gewesen w�re, h�tte er die Galeone viel weiter s�dlich fahren lassen, um dann von S�den her nach Norden an der amerikanischen K�ste entlangzukreuzen. Direkten Westkurs auf Boston w�rde vermutlich jedes englische Schiff nehmen. So war die Gefahr eines Zusammentreffens weiter westlich stets gegeben. Nun, Michel Baum war zahlender Fahrgast. F�r ihn galt es, so bald wie m�glich in jenes Land der Freiheit zu gelangen, dessen Verfassung er fast auswendig kannte. Als man den offenen Atlantik erreicht hatte, trat ein unvorhergesehenes Ereignis ein. Eines Abends sackte ein Wachtposten st�hnend zusammen. Man brachte ihn in die Koje des ermordeten Arztes und bedeutete dem �Arztgehilfen�, ihm zu helfen. Marina hatte geschickte H�nde, wenn es galt, kleine, �u�ere Wunden zu verbinden, Blutungen zu stillen und Hautabsch�rfungen zu verpflastern.</style></p><p><style name="font2">Der Kranke aber klagte wimmernd �ber furchtbare Schmerzen in der Blinddarmgegend. Marina, deren Verkleidung bisher noch niemand au�er Michel durchschaut hatte, wu�te sich keinen Rat und zuckte nur die Schultern.</style></p><p><style name="font2">�Caramba�, meinte sie in der derben Ausdrucksweise, die sie sich hier angew�hnt hatte, �der Kerl will blo� krank spielen. Gie�t ihm einen Eimer Wasser �ber den Kopf. Dann gehen die Schmerzen von selber wieder weg.�</style></p><p><style name="font2">Die Leute standen unschl�ssig. Zum Kapit�n getrauten sie sich nicht wegen dieser �Kleinigkeit�. Zudem hatten sie vor jedem Menschen, der einen sauberen Verband anzulegen wu�te, einen Heidenrespekt.</style></p><p><style name="font2">�Muy bien, Senor Medico�, meinte Diaz Ojo, ein vierschr�tiger Vollmatrose, der seit zehn Jahren schon zur See fuhr, �sollen wir ihn an einen Strick binden und ins Wasser hinunterlassen?� Marina lachte rauh.</style></p><p><style name="font2">�Kein schlechter Gedanke. Am besten, Ihr gebt ihm anschlie�end auch noch die neunschw�nzige Katze, damit sich die Schmerzen vom Bauch auf den Hintern verlagern.� Michel war zuf�llig drau�en vorbeigegangen; denn er hatte noch immer die Kabine neben Marina inne. Da die T�r offenstand, konnte er jedes Wort h�ren.</style></p><p><style name="font2">Jetzt trat er mit festem Schritt ein und betrachtete den Kranken, ohne Marina oder die �brigen Umstehenden eines Blicks zu w�rdigen.</style></p><p><style name="font2">�Wo hast du Schmerzen, companero?� fragte er freundlich und b�ckte sich zu dem in Angstschwei� gebadeten Mann nieder.</style></p><p><style name="font2">�Oh, Senor, macht Euch keine Gedanken. Ich bin schon wieder ganz gesund�, antwortete der mit fieberhei�er Stirn; denn der Vorschlag des �Arztgehilfen� hatte ihm einen geh�rigen Schrecken eingejagt.</style></p><p><style name="font2">�Rede kein dummes Zeug, hombre�, meinte Michel streng. �Es sieht doch ein Blinder, da� es dir schlecht geht.� �Aber der Senor Medico sagte, ich verstelle mich nur. Es w�re mein Tod, wenn man mich jetzt </style><style name="font2">ins Wasser tauchte. Ich leide wahnsinnige Schmerzen.�</style></p><p><style name="font2">�Zeig mir die Stelle genau.�Der Mann deutete auf die Blinddarmgegend.</style></p><p><style name="font2">�Verdammt, amigo, das ist schlimm.�</style></p><p><style name="font2">�Werde ich sterben m�ssen?� fragte der Kranke �ngstlich. �Was habe ich?� Michel blickte Marina mit zusammengekniffenen Augen an. Dann sagte er auf franz�sisch: �Ich h�tte nie f�r m�glich gehalten, da� man so entmenscht sein kann wie Ihr, Monsieur Arztgehilfe.�</style></p><p><style name="font2">Marina lief rot an vor Zorn.</style></p><p><style name="font2">�Was wollt Ihr�, antwortete sie in derselben Sprache. �Ich bin kein Chirurg und kann nicht operieren. Man wei� bei diesen Burschen nie, ob sie wirklich krank sind oder ob sie sich verstellen.�</style></p><p><style name="font2">�Auf den Gedanken, die Leute mit dem Kranken zu mir zu schicken, seid Ihr wohl bisher noch nicht gekommen.�</style></p><p><style name="font2">�Pah, Ihr seid nicht der Schiffsarzt. �ber die Kranken an Bord bestimme ich. Packt Euch!� Michel wandte sich an Diaz Ojo.</style></p><p><style name="font2">�Wollt Ihr mir Euern companero zur Behandlung �bergeben? Ich wei� nicht, ob ich ihm werde helfen k�nnen; aber den Versuch will ich wagen. Ich bin Arzt.� Diaz Ojo kratzte sich vor Verlegenheit hinterm Ohr.</style></p><p><style name="font2">�Bueno, Senor, aber ich wei� nicht recht; nicht, da� jemand von uns was gegen Euch h�tte; aber der Kapit�n � � ich wei� nicht, Senor � � ��</style></p><p><style name="font2">�Muy bien�, sagte Michel entschlossen, �lassen wir den Patienten selbst entscheiden. Nun, companero, wie ist's, soll ich dich in die Kur nehmen?�</style></p><p><style name="font2">Der Kranke, dem alles recht war, nickte schwach. Zumindest entging er damit einer Behandlung, wie sie der �Medico� angeordnet hatte.</style></p><p><style name="font2">Michel sah sich in der Arztkoje um. Bald hatte er einen kleinen Koffer mit wenigen Instrumenten entdeckt. Sehr gut ausger�stet war Doktor Garcia nicht gewesen. Eine Sonde gab es da, ein scharfes Messer, viel zu gro�, als da� man damit sorgf�ltig h�tte operieren k�nnen, eine stumpfe Knochens�ge und Binden zum Abschn�ren der Venen, doch kein einziges schmerzlinderndes Medikament. Michel packte die �Instrumente� wieder in den Koffer. Zu jener Zeit kannte man die heute sehr einfache Blinddarmoperation noch nicht. Damals geh�rte eine Blinddarmentz�ndung zu den gef�hrlichsten Darmerkrankungen und war, wenn �berhaupt, dann nur durch eine langwierige innere Behandlung zu heilen.</style></p><p><style name="font2">Michel schickte die Leute, die den Kranken gebracht hatten, fort und befahl dem Arztgehilfen in unfreundlichem Ton, lauwarmes Wasser heranzuschaffen.</style></p><p><style name="font2">Widerwillig f�gte sich Marina diesem Befehl. Sie glaubte sich immer noch unerkannt von Michel und wollte es deshalb nicht auf eine Auseinandersetzung ankommen lassen. Michel verfertigte sich mittels eines ausgetrockneten Ziegendarms eine Art Klistierspritze, die er dem Kranken in den Darm einf�hrte. Marina mu�te aus einem Topf durch einen Trichter langsam lauwarmes Wasser in den Darm gie�en.</style></p><p><style name="font2">Der Kranke st�hnte auf wie ein Gefolterter. Der Druck auf seinen Leib verst�rkte sich durch das erbarmungslos nachflie�ende Wasser bis zur Unertr�glichkeit. Auf einmal konnte er nicht mehr an sich halten und entleerte sich mit einem solchen Strahl, da� Marina �ber und �ber mit Exkrementen bespritzt wurde. Wie eine Furie warf sie den Wassertopf auf den Kopf des </style><style name="font2">ungl�cklichen Opfers, drehte sich tobend um, ergriff eine in der N�he liegende Peitsche und schlug sie dem st�hnenden Patienten vor Wut �ber den nackten R�cken.</style></p><p><style name="font2">Das alles war viel schneller geschehen, als man es beschreiben kann. Michel, der nur Augen f�r seinen Patienten hatte, bemerkte den Wutausbruch des �Arztgehilfen� zu sp�t. Gerade, als die Peitsche zum zweitenmal auf den R�cken des Ungl�cklichen niedersauste, packte Michel das unbeherrschte Weib am Kragen und sch�ttelte sie hin und her.</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid des Teufels, Gr�fin�, rief er laut, jegliche Vorsicht au�er acht lassend. �Was kann der arme Mensch daf�r, da� Ihr eine so schlechte Krankenschwester seid? Ihr seid hier als Arztgehilfe auf dem Schiff und habt Euch als solcher auch damit abzufinden, wenn es mal ein wenig schmutziger zugeht, als Ihr es gewohnt seid.�</style></p><p><style name="font2">Marina war leichenbla� geworden, als sie sich mit �Gr�fin� angesprochen h�rte. So hatte sie der Silbador also l�ngst erkannt! Ohne sich zu besinnen, st�rzte sie sich auf die Instrumenttasche des ermordeten Doktors Garcia und ri� das chirurgische Messer heraus. Mit einem Wutschrei stie� sie zu. Michel aber hatte bereits ihr Handgelenk mit kr�ftigem Griff umschlossen und nach hinten gedreht. Das Messer fiel zu Boden.</style></p><p><style name="font2">�Ich werde Euch binden, Gr�fin, wenn Ihr nicht augenblicklich Ruhe gebt. Es widerstrebt mir, eine Frau zu schlagen, sonst w�rdet Ihr jetzt eine Tracht Pr�gel beziehen, die Euer Leben lang in Euerm Ged�chtnis haften bliebe. Einmal habe ich Euch eine Ohrfeige gegeben. Denkt daran.� Marina war wei� geworden. T�dlicher Ha� sprang</style></p><p><style name="font2">aus ihren Augen. Sie sah jedoch ein, da� sie im Moment in jeder Hinsicht die Unterlegene war,</style></p><p><style name="font2">und versuchte, �u�erlich ruhig zu erscheinen.</style></p><p><style name="font2">Michel wandte sich wieder dem Kranken zu.</style></p><p><style name="font2">�Wie f�hlst du dich, companero?�</style></p><p><style name="font2">�Oh, ich danke Euch, viel leichter als vorher.�</style></p><p><style name="font2">�Nun, wir werden dieses Klistier noch einmal machen. Leider sind in der Schiffsapotheke keine abf�hrenden Mittel vorhanden. Au�erdem kann ich noch nicht sagen, wie weit die Entz�ndung deines Blinddarms fortgeschritten ist. Los, Wasser holen�, wandte er sich daraufhin an Marina. Schweigend verlie� die Frau den Raum und kam nach kurzer Zeit mit einem Topf voll warmen Wassers wieder. Die Prozedur begann von neuem.</style></p><p><style name="font2">�So, amigo�, sagte Michel befriedigt, �geh jetzt in deine Koje und lege dich nieder. Du brauchst viel Ruhe. Ich komme nachher, um dich weiter zu behandeln.�</style></p><p><style name="font2">Der Patient erhob sich schwerf�llig und warf, bevor er hinauswankte, dem Arztgehilfen, dessen wahre Identit�t er zwar noch nicht kannte, von dem er nun aber wu�te, da� er eine Frau, ja sogar eine Gr�fin war, einen finsteren Blick zu.</style></p><p><style name="font2">Michel suchte, ohne sich weiter um Marina zu k�mmern, einige T�cher zusammen, die er dem Kranken als Umschlag auf den Bauch legen konnte. Dann verlie� er die Kabine.</style></p><p><style name="font2">Carlos Deste, so hie� der Patient, war mittlerweile in seine Koje gelangt und hatte sich auf seinen Strohsack niedergelegt. Nach kurzer Zeit kam Diaz Ojo, um nach ihm zu sehen. �Na, bist du geheilt?� fragte er. Deste sch�ttelte den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Der Senor sagte, da� ich ruhen soll. Er will sp�ter nach mir sehen.� �Hm, so bist du also wirklich krank?� Deste fuhr emp�rt auf.</style></p><p><style name="font2">�Weshalb, glaubst du, sollte ich mich verstellen? Vielleicht weil das verfluchte Weib so grausam ist?�</style></p><p><style name="font2">Diaz Ojo sah ihn erstaunt an.</style></p><p><style name="font2">�Weib? Welches Weib meinst du? Haben wir eine Frau an Bord?� Der Kranke schilderte ihm den Vorfall.</style></p><p><style name="font2">�Que diablos, man sollte den Kapit�n verst�ndigen! Das ist ja ein tolles Ding! Und geschlagen hat sie dich, sagst du?� Deste nickte.</style></p><p><style name="font2">�Sieh dir die zwei Striemen auf meinem R�cken an. Sie schl�gt zu wie der Steuermann. Ein Satan ist sie. Welch ein Gl�ck, da� der pfeifende Senor so g�tig ist!�</style></p><p><style name="font2">Ojo dachte nach. Man sollte wahrhaftig mit dem Capitan reden. Vielleicht konnte der fremde Senor die Stelle des Schiffsarztes bekommen. Mit Schaudern dachte er daran, da� er ja auch einmal krank werden k�nnte. Dann w�rde er sich wohl oder �bel diesem Weibsbild anvertrauen m�ssen, das in Wahrheit gar kein Heilgehilfe war. In diesem Augenblick trat Michel Baum ein. �Wie geht es dir, amigo?�</style></p><p><style name="font2">�Bueno Senor, ich glaube, ich bin schon ganz gesund. Nur ein wenig schwach ist mir noch zumute.�</style></p><p><style name="font2">Michel nickte zufrieden.</style></p><p><style name="font2">�Wir m�ssen versuchen, deinen K�rper auch noch von den letzten Schlacken zu befreien. Hoffentlich hast du kein Geschw�r am Wurmfortsatz. Das w�re recht b�se. Jetzt mu�t du dir diese T�cher hier auf den Bauch legen. Die feuchte W�rme soll den Kot l�sen. Wenn du Gl�ck hast, dann geht die Sache ohne Darmknickung ab. Bleib sch�n ruhig liegen und bewege dich so wenig wie m�glich.�</style></p><p><style name="font2">Deste sah seinen Retter dankbar an. Ojo bekam Respekt vor der sicheren Art dieses Mannes. Jawohl, der mu�te Schiffsarzt werden!</style></p><p><style name="font2">Michel lag in seiner H�ngematte und dachte �ber den Erfolg seiner Blinddarmbehandlung nach. Der Kapit�n hatte ihn gegen Abend zu sich rufen lassen, um ihn als Schiffsarzt anzuheuern. Niemand freute sich mehr dar�ber als der kleine Alfonso Jardin, der seinen Dienst als Erster Offizier zur Zufriedenheit aller ausf�hrte.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n hatte Ojo und Deste befohlen, der �brigen Mannschaft gegen�ber zu verschweigen, was sie �ber den verkleideten Arztgehilfen wu�ten. Er war sogar so weit gegangen, da� er Michel gebeten hatte, Marina als Gehilfen zu behalten. Und Michel hatte sich einverstanden erkl�rt, da es sowieso nur eine Formsache war.</style></p><p><style name="font2">Die wahre Identit�t Marinas kannte auch der Kapit�n nicht, und Michel h�tete sich, ihn genauer aufzukl�ren. Wenn man erst wu�te, mit wem man es in Wahrheit zutun hatte, dann w�rde man die Frau gefangen setzen und von ihrem Mann ein hohes L�segeld fordern, das Don Esteban, der Graf de Villaverde y Bielsa, mit Sicherheit zahlen w�rde. Michel glaubte nicht, da� der ehrenhafte Mann gleichg�ltig bleiben w�rde, wenn er von dem Schicksal der Frau erfuhr, die er trotz all ihrer Schlechtigkeit noch immer liebte.</style></p><p><style name="font2">Michel wurde m�de. Das eint�nige Rauschen der Bugwellen schl�ferte ihn ein. An Deck war alles ruhig; denn f�r die n�chsten Wochen war das Ausschenken von Schnaps verboten worden, da man sich dem Punkt n�herte, an dem man st�ndlich des Zusammentreffens mit anderen Schiffen gew�rtig sein mu�te.</style></p><p><style name="font2">Die �Trueno� segelte unter franz�sischer Flagge, da Spanien sich offiziell in den amerikanischen Konflikt nicht einzumischen gedachte. Die franz�sischen Kapit�ne, die zu Washingtons Unterst�tzung ausgesandt waren, sahen es jedoch auch nicht gern, wenn ein fremdes Schiff unter ihrer Flagge fuhr.</style></p><p><style name="font2">Michel wandte sich zur Seite. Der Strom seiner Gedanken versiegte.</style></p><p><style name="font2">Pl�tzlich aber war er wieder hellwach. An der T�r seiner Koje machte sich irgend jemand zu schaffen.</style></p><p><style name="font2">Er beobachtete seine Umgebung mit gespannter Aufmerksamkeit, und trotz der herrschenden Finsternis entging es ihm nicht, da� sich eine Gestalt in seine Kabine schob, vorsichtig Zentimeter um Zentimeter die Dielenplanken mit dem Fu� abtastend, um knarrende Ger�usche zu vermeiden.</style></p><p><style name="font2">Die Gestalt kam immer n�her. Jetzt stand sie dicht vor ihm. Ein Anschlag auf sein Leben? Ein neuer Mord auf diesem Schiff?</style></p><p><style name="font2">Ein Messer blitzte durch die Dunkelheit. Michel war bereit zur Gegenwehr. Da fiel die Waffe, ohne Schaden angerichtet zu haben und ohne da� Michel etwas dazu getan hatte, klirrend auf den Boden. Eine Stimme seufzte auf. Und dann fiel ein K�rper auf ihn, und zwei feuchte, schwellende Lippen pre�ten sich auf seinen Mund.</style></p><p><style name="font2">Michel war im ersten Augenblick erstarrt. Dann richtete er sich mit einem Ruck auf. Die Gestalt taumelte zur�ck. Es war Marina.</style></p><p><style name="font2">Michel schlug Feuer und entz�ndete eine Kerze. Verwundert und zornig starrte er die </style><style name="font2">Ruhest�rerin an.</style></p><p><style name="font2">�Ist Euch nicht wohl, Gr�fin?�</style></p><p><style name="font2">Marina schlug � zum erstenmal seit Michel sie kannte � die Augen zu Boden.</style></p><p><style name="font2">�Verzeiht�, murmelte sie, �einmal mu�te es so kommen. Entweder mu�te ich Euch t�ten oder</style></p><p><style name="font2">Euch k�ssen. Ich liebte Euch, seit ich Euch das erstemal sah. Ich lie� Euch damals in den Kerker</style></p><p><style name="font2">werfen--weil ich Euch liebte.--Versteht Ihr das?�</style></p><p><style name="font2">Michel betrachtete sie mit Spott.</style></p><p><style name="font2">�Und als Ihr mich jetzt erstechen wolltet, da kam es pl�tzlich �ber Euch, wie?� fragte er. Sie nickte.</style></p><p><style name="font2">�Ich konnte es nicht tun, weil die Liebe st�rker war als der Ha�. Ich war nicht f�hig, Euch das Messer in die Brust zu sto�en.�</style></p><p><style name="font2">�Solche Gef�hle hattet Ihr wohl nicht, als Ihr Garcia vergiftetet?� Marina fuhr zur�ck.</style></p><p><style name="font2">�Ihr wi�t � da� ich es � getan � habe?�</style></p><p><style name="font2">Michel verschr�nkte die H�nde hinter dem Kopf undlegte sich zur�ck. Mit gelangweiltem Ausdruck blickte er zur Decke.</style></p><p><style name="font2">�Das war mir von der ersten Minute an klar. Der Mann stand nach Eurer Meinung zwischen Euch und mir. Nun, es ist gewi� nicht schade um ihn; denn er hatte wahrscheinlich noch mehr auf dem Kerbholz als Ihr. Dennoch ist es Mord, ganz einfach heimt�ckischer Meuchelmord.� Seine Stimme wurde hart. �Ich habe Euch verschont, um Euch nicht in die H�nde von besseren Seer�ubern fallen zu lassen. Sonst h�tten diese ein L�segeld von Graf Esteban erpre�t. Und Graf Esteban h�tte gezahlt. Das wei� ich, so wahr ich Michel Baum hei�e. F�r Euch aber auch noch L�segeld zu zahlen, hie�e die Pesetas sinnlos zum Fenster hinauszuwerfen. Nur um das zu verhindern, habe ich dem Kapit�n nicht verraten, was Ihr in Wirklichkeit seid. Ich hoffe, Ihr habt mich verstanden.� Marina bebte innerlich. Furchtbarer Zorn stieg in ihr auf.</style></p><p><style name="font2">Jeden Wutausbruch dieses Mannes h�tte sie ertragen, jeden Schlag von ihm h�tte sie als Liebkosung empfunden. Aber diese kalte Verachtung, diese eisige Ablehnung ihrer Leidenschaft raubte ihr f�r Sekunden die Besinnung.</style></p><p><style name="font2">J�h b�ckte sie sich und ergriff das Messer, das noch immer unbeachtet auf dem Boden lag. Michel reagierte blitzschnell. Sein Fu�, an dem noch die Str�mpfe sa�en, fuhr unter der Decke hervor und trat auf ihre Hand, hart und erbarmungslos.</style></p><p><style name="font2">Ein leiser Aufschrei entwich ihren Lippen. Sie lie� das Messer fahren und �ffnete und schlo� die mi�handelten Finger. Und pl�tzlich standen Tr�nen in ihren Augen. �Weshalb glaubt Ihr nicht an meine Liebe?� fragte sie mit kl�glicher Stimme. Michel betrachtete ihre ebenm��igen, unschuldig wirkenden Z�ge. Ihre Sch�nheit war �berraschend. Sie h�tte auch einen weniger empfindsamen Menschen als ihn entz�ndet. Aber er wehrte sich mit der ganzen Kraft seiner aufrechten Seele gegen das aufkommende Gef�hl der Leidenschaft.</style></p><p><style name="font2">�Geht in Eure Koje, Gr�fin. Ich m�chte, da� wir das Gespr�ch beenden. Es f�hrt zu nichts, wenn ich mir Euretwegen die Nacht um die Ohren schlage.� Deutlicher konnte er seiner Ablehnung nicht Ausdruck verleihen.</style></p><p><style name="font2">Doch die Frau kauerte sich nieder. Sie konnte sich nicht l�sen von diesem Mann, in dessen Herz sie die reine Liebe vermutete. Wie von Sinnen starrte sie ihn mit brennenden Augen an. �Nehmt mich doch wenigstens wie eine Dirne, bevor Ihr mich wegwerft�, flehte sie. �Ich will nicht. Ich w�rde selbst nach Jahren v�lliger Abgeschiedenheit das Gef�hl nicht aufbringen, das zur Erf�llung Eures Verlangens n�tig w�re. Ich hasse Euch nicht und ich liebe Euch nicht. Ich kann Euch nur verachten.�</style></p><p><style name="font2">Michel fuhr immer gr�beres Gesch�tz auf, um sich von ihrer Anwesenheit zu befreien. Er sp�rte bereits, da� er den strahlenden Augen dieses Weibes nicht mehr lange w�rde widerstehen k�nnen.</style></p><p><style name="font2">Marina stand pl�tzlich wie eine Katze neben seinem Lager. Ihre Augen funkelten, und ihre r�tlich schimmernden Haare gl�nzten im Schein der flackernden Kerze. �Ihr werdet mich nicht mehr loswerden, Silbador. Es sei denn, Ihr werft mich ins Meer oder verratet mich dem Kapit�n. Warum bringt Ihr mich nicht um? Es wird Euch doch niemand daf�r bestrafen.Im Gegenteil, Ihr vollstreckt damit nur ein Urteil, das jedes Gericht in Spanien �ber mich verh�ngt h�tte.� �Ich bin kein Henker�, anwortete Michel, und seine Kehle war strohtrocken. �Muy bien, Senor Silbador�, l�chelte sie mit halbgeschlossenen Augen, �ich werde Euch �berall hin verfolgen. Ich werde mein ganzes Leben nur noch damit verbringen, Euch im Wege zu sein. Und ich werde unter Euern Augen Verbrechen begehen, bis � bis Ihr mich entweder t�tet oder durch Eure Liebe erl�st.�</style></p><p><style name="font2">�Pah�, sagte Michel nur. Es fiel ihm nichts weiter ein.</style></p><p><style name="font2">�Ihr werdet�, fuhr sie unbeirrt fort, �immer an mich erinnert werden. Und wenn Ihr je eine andere Frau lieben solltet, so werde ich Euch in den Weg treten. Vielleicht werde ich Euch nochmals mit Gewalt in meine Macht bringen. Dann sollt Ihr um meine Liebe betteln, die Ihr jetzt verschm�ht. Euch zu lieben und Euch dabei langsam zu t�ten, wird der h�chste Augenblick in meinem Leben sein.�</style></p><p><style name="font2">�Geht!� schrie Michel heiser. �Geht, ehe ich Euch schlage. Fluch �ber die Mutter, die Euch geboren hat. La�t mich in Ruhe.�</style></p><p><style name="font2">Marina ging l�chelnd Schritt um Schritt zur�ck, bis sie im Dunkel des Ganges verschwunden war.</style></p><p><style name="font2">Michel erhob sich. Alles in ihm war Aufruhr. Sein Herz tobte in wilden Spr�ngen. Das Blut stieg ihm zu Kopf, und Schwei� brach ihm aus allen Poren.</style></p><p><style name="font2">Er zog die Lederdecke heran, in die er seine Waffen, das kostbare Schnellfeuergewehr des Grafen und den Damaszener Degen seines Vaters, eingeschlagen hatte. Da war auch noch die Pfeife, die ihm der Vater nebst Geld ins Abschiedsb�ndel gelegt hatte. Der Tabakrauch verdunkelte bald den Schein der Kerze, die immer schw�cher brannte und dann g�nzlich erlosch.</style></p><p><style name="font2">Michel konnte sich in den n�chsten Tagen aufhalten, wo er wollte. Immer war der �Heilgehilfe� um ihn. Wenn niemand sonst in der N�he war, geizte Marina nicht mit aufreizenden, traurigen, verf�hrerischen oder anklagenden Blicken.</style></p><p><style name="font2">Es gelang ihr binnen kurzem, restlose Verwirrung �ber ihn zu bringen. Immer �fter und immer schriller pfiff sich Michel seine Bedr�ngnis von der Seele. Seine Melodien wurden schauerlicher und teuflischer. Die ganze Revolte einer Seele lag in ihnen, einer Seele, die nicht lieben wollte und die doch immer mehr in den Bannkreis der Leidenschaft geriet. Die Mannschaft machte scheu einen Bogen um den Schiffsarzt, der ihr von Tag zu Tag unheimlicher wurde.</style></p><p><style name="font2">Anfangs waren die Leute wegen jeder Kleinigkeit vertrauensvoll zu ihm gekommen. Schon der Glaube an seine Kunst wirkte Wunder. Jetzt aber hatten sie Angst vor ihm. Irgend jemand hatte die Legende aufgebracht, da� er mit dem Teufel im Bunde sei. Und wenn die Korsaren sich auch vor keinem Feinde f�rchteten, so waren sie doch abergl�ubisch.</style></p><p><style name="font2">Leichtere F�lle behandelte Marina mit einer Zartheit, die den Leuten gefiel. Und obwohl Carlos Deste vollerHa� und Mi�trauen gegen sie war, vermochte er doch die anderen nicht von ihrer Schlechtigkeit zu �berzeugen. Niemand kannte ja das Geheimnis um diesen Medico; denn Deste und Ojo waren leider vern�nftig genug, dem Gebot ihres Kapit�ns Folge zu leisten und den Mund zu halten, was sich sp�ter bitter r�chen sollte.</style></p><p><style name="font2">Marina aber nutzte das Vertrauen, das man ihr jetzt entgegenbrachte, weidlich aus. Sie konnte sich nicht genug tun, von geheimnisvollen Teufeleien eines gewissen Silbador zu erz�hlen, der vor einigen Monaten noch sein Unwesen in den Pyren�en getrieben habe. Sie berichtete, da� es ihm gar gelungen sei, den Pfarrer von Bielsa zu behexen. Hinzu kam Michels Fechtkunst. Dann erz�hlte man sich Wunderdinge von dem Gewehr, das er in jenem Ledertuch unter seiner H�ngematte liegen hatte.</style></p><p><style name="font2">So wurde der ahnungslose Mann von Marinas L�gengewebe umsponnen.</style></p><p><style name="font2">Michel lag noch nicht richtig in seiner H�ngematte, als er pl�tzlich das anhaltende L�uten der Sturmglocke h�rte. Rasch war er wieder auf den Beinen, trat ans Bullauge und �ffnete es. Erstaunt lauschte er in die Nacht hinaus. Kein L�ftchen regte sich. Nicht die leiseste Brise war zu versp�ren. Es war be�ngstigend still.</style></p><p><style name="font2">Er verlie� die Koje und ging an Deck. Die �Trueno� lag bewegungslos auf dem Wasser. Die Luft wurde immer dr�ckender, obwohl man sich in der kalten Zone zwischen der Neufundlandbank und dem Golfstrom</style></p><p><style name="font2">befand. Man hielt noch immer direkten Kurs auf Boston. Die augenblickliche Position der �Trueno� war 42 Grad n�rdlicher Breite und 50 Grad westlicher L�nge. Die Leinwand der Segel hing schlaff herunter. Nicht einmal das gew�hnliche Klatschen an den Mast war zu vernehmen. Es war die Ruhe in einer Kirche zwischen Predigt und Gebet.</style></p><p><style name="font2">Die Seeleute jedoch, die die Meere kannten, trauten diesem Frieden nicht. Es war Pedro Virgen, der Steuermann, der mit m�chtiger Stimme zuerst die Stille durchbrach.</style></p><p><style name="font2">�An Deck--alle Mann an Deck!� schrie er donnernd durch den Sprechtrichter.</style></p><p><style name="font2">Jetzt setzte ein Trappeln ein wie von aufgeregten Pferden. Dazwischen h�rte Michel die erschrockene Stimme des Kapit�ns.</style></p><p><style name="font2">�Was soll's, Steuermann? Kriegen wir ein Wetter?� Er betrachtete den klaren Himmel �ber sich. Der hohe Dom der Sterne schien ungetr�bt.</style></p><p><style name="font2">�Capitan�, meinte der Steuermann leise, �beunruhigt die Leute nicht. Wer in diesen Breiten noch nie gefahren ist, kennt nicht die furchtbare Wirkung des atlantischen Zyklons, eines Wirbelsturms, gegen den ein Tornado, ein Taifun oder ein Hurrican wie eine leichte Brise sind.� Da �bertrieb er freilich etwas.</style></p><p><style name="font2">Es ist richtig, da� der atlantische Zyklon eine furchtbare Wucht hat und eine kreisende Windbewegung bis zu einem Stundentempo von hundertzwanzig Kilometern entwickelt. Dennoch k�nnen auch die kleineren St�rme f�r ein Segelschiff Tod und Verderben bringen. Der Zyklon entwickelt sich etwa so: es bildet sich ein windstiller Raum, das sogenannte Zentrum. Hier steigtdie warme, oft fast hei�e Luft in die H�he. Die Bew�lkung ist beim Beginn so gering, da� man tags�ber die Sonne, nachts die Sterne klar erkennen kann. Manchmal ist die Atmosph�re sogar v�llig ungetr�bt, wie es hier bei unserem Zyklon der Fall war. Der Seemann nennt die wolkenlose Mitte �das Auge des Sturms�.Die Ausdehnung des windstillen Raums h�ngt vom Durchmesser des gesamten Zyklons ab. Das windstille Zentrum wird von einem Ring st�rmischer Winde umwirbelt, die sich der Mitte spiralf�rmig n�hern. Allerdings drehen sie sich im entgegengesetzten Uhrzeigersinn. Dann steigen die Winde in eben diesem Zentrum auf. Wenn sich der Zyklon bis dahin entwickelt hat, bilden sich schwere Wolken, die bis auf die Wasseroberfl�che herabreichen. Nach der Peripherie hin nehmen die Auswirkungen des Wirbelsturmes ab.</style></p><p><style name="font2">Da innerhalb des Zyklons alle Windrichtungen vorkommen, st�rzen die Wellen und Wogen des Meeres wild und z�gellos durcheinander und bilden einen brodelnden Hexenkessel. Der Seemann nennt dieses pochende Wasser fachm�nnisch �Kreuzsee�.</style></p><p><style name="font2">Der Sturm � und das ist das Schlimmste � bleibt nicht auf einer Stelle, sondern wandert, wobei man die Himmelsrichtung, in die er sich vermutlich wenden wird, vorher nie feststellen kann. Jeden Gegenstand, der sich in seinem Zentrum befindet, nimmt er mit und tr�gt ihn mit einer </style><style name="font2">Schnelligkeit von oft hundert Seemeilen davon. Wenn er sich vom Meer auf das Land hinzieht, so wird jedes Schiff an den Klippen zerschellen und ist rettungslos verloren. Ein solcher Wirbelsturm stand also in dieser Nacht bevor.</style></p><p><style name="font2">�Hola, hombres, adelante, auf die Wanten! Mindert und bergt die Segel! Gro�mars- und Bramsegel nieder! Alle Gro�segel reffen und Gaitaue einholen!� br�llte der Steuermann, der auf dem Kommandokastell neben dem Kapit�n stand und dessen Anweisungen an die Leute weitergab.</style></p><p><style name="font2">Gerade, als die kleinen Sturmsegel gesetzt waren, kam der erste Wind auf.</style></p><p><style name="font2">�Nehmt selbst das Steuer, Senor Virgen�, befahl der Kapit�n. �Ich werde hier oben schon allein </style><style name="font2">fertig.�</style></p><p><style name="font2">Der Steuermann schickte noch einen Blick zum Himmel, der sich mit zunehmender Schnelligkeit bew�lkte.</style></p><p><style name="font2">�Gleich geht's los, Capitan. Die Mannschaft soll sich anbinden!�</style></p><p><style name="font2">�Bueno�, antwortete der Kapit�n unruhig. Dann aber br�llte er mit fester Stimme: �Alle Leute, die nicht unbedingt gebraucht werden, unter Deck. Die �brigen festbinden. Mann �ber Bord kann nicht gerettet werden. Ausguck freimachen!�</style></p><p><style name="font2">Ein Matrose stieg eilends aus dem Mastkorb herab. Als er auf halber H�he war, hielt er pl�tzlich inne. Dann kam seine Stimme, schrill und durchdringend:</style></p><p><style name="font2">�Schiff backbord voraus. F�hrt britische Flagge. Befindet sich am Rand des Zentrums!� Der Kapit�n hatte ihn noch geh�rt. Schnell setzte er sein Glas an; aber er konnte nichts mehr erkennen.</style></p><p><style name="font2">Dieses Schiff erh�hte die Gefahr betr�chtlich. Man mu�te unerh�rtes Gl�ck haben, wenn der Sturm die beiden Fahrzeuge nicht aneinanderkrachen lie�.</style></p><p><style name="font2">Der Wind wurde st�rker und st�rker. Und jetzt brach das Unwetter mit tosender Wucht �ber die �Trueno� herein. Die Masten bogen sich wie Streichh�lzer. Die Planken st�hnten. Die See kochte, brodelte und zischte. Es war ein H�llentanz.Pedro Virgen lie� das Steuer fahren. Das Schiff drehte sich um sich selbst. Es war besser, man lie� das Ruder am Heck hin- und herflattern; denn wenn man es festhielt w�rde es dem Druck der Wellen nicht widerstehen k�nnen und brechen.</style></p><p><style name="font2">Michel hatte sich an der Vert�uung festgebunden. Er wollte nicht unter Deck.</style></p><p><style name="font2">Niemand konnte mehr etwas tun. Man mu�te dem Schicksal seinen Lauf lassen. Vielleicht kam </style><style name="font2">man mit einem blauen Auge davon.</style></p><p><style name="font2">In diesem Moment drang ein Schrei an Michels Ohr. Dr�ben am Aufgang, der zum Zwischendeck f�hrte, wurde eine Gestalt sichtbar. Es war Marina, die aufs offene Deck wollte. Michel, wickelte sich ein Tauende um den Leib und k�mpfte sich bis zu der Frau durch den Sturm.</style></p><p><style name="font2">�Geht hinunter, Gr�fin�, schrie er sie an.</style></p><p><style name="font2">�Nein � nein�, zeterte sie angstvoll. �Es ist unheimlich dort unten. Ich will bei Euch bleiben.� Er packte sie und stie� sie in die Luke zur�ck, da� sie ein paar Stufen hinunterstolperte. Aber in Sekundenschnelle erschien sie wieder und wollte zu Michel, der ein paar Schritte weiter drau�en, ungesch�tzt, nur von dem Seil gehalten, mitten im Sturm stand. Als Marina den windgesch�tzten Winkel verlie�, wurde sie augenblicklich vom Luftwirbel erfa�t und gegen Michel geschleudert, der sie nur mit letzter Kraft zu halten vermochte. Sie hinter sich herziehend, k�mpfte er sich erneut bis zur Luke durch und dr�ngte Marina abermals die Stufen hinunter. Dann l�ste er sich das Tau vom K�rper und sprang ihr nach.</style></p><p><style name="font2">�Ich will nicht hier unten bleiben�, wimmerte Marina, �man erstickt in dieser dumpfen Luft.� �Redet keinen Unsinn, Gr�fin. Der Kapit�n hat befohlen, da� sich nur die notwendigen Leute an Deck aufhalten sollen. Wir haben ein ziemlich festes Schiff, und wenn es der Vorsehung recht ist, werden wir die Sache �berleben.�</style></p><p><style name="font2">Michels Gegenwart schien beruhigend auf Marina zu wirken. Sie kauerte sich im Kojengang auf </style><style name="font2">den </style><style name="font2">Boden.</style></p><p><style name="font2">�Ich bleibe hier, wenn Ihr mich nicht verla�t. Sonst gehe ich wieder hinauf. Bitte, setzt Euch zu mir.�</style></p><p><style name="font2">Widerstrebend erf�llte er ihren Wunsch. Was h�tte er auch tun sollen?</style></p><p><style name="font2">Da legte sie unvermittelt den Arm um seine Schulter und dr�ngte sich dicht an ihn.</style></p><p><style name="font2">�K��t mich�, fl�sterte sie leise durch das Sausen des Sturms. �Denkt nicht mehr an die </style><style name="font2">Vergangenheit. Wer wei�, ob wir die n�chste Stunde �berleben werden.�</style></p><p><style name="font2">Und mit einem kraftvollen Ruck ri� sie Michels Kopf zu sich nieder.</style></p><p><style name="font2">Michel zog die Stirn in Falten. Dann stie� er pl�tzlich einen durchdringenden Pfiff aus.</style></p><p><style name="font2">Erschrocken lie� sie ihn los.</style></p><p><style name="font2">�Was habt Ihr?�</style></p><p><style name="font2">�Nichts�, war die lakonische Antwort. �Weshalb habt Ihr gepfiffen?� �Damit Ihr mich loslie�et. Weshalb sonst?� Die Gr�fin ballte die F�uste. J�h kam die Wut �ber sie, und sie schlug dem Mann, der sie soeben noch vorm Sturm bewahrt hatte, wild ins Gesicht. Michel umklammerte ihre Handgelenke und sagte hart:</style></p><p><style name="font2">�Ihr treibt ein unfaires Spiel, Marina. Ihr wi�t, da� ich Euch nie zugetan sein werde. Ihr seid sch�n, ja, aber Eure Sch�nheit vermag doch nicht Eure Schlechtigkeit zu �bertrumpfen.� Marina st�hnte auf wie ein wundes Tier. Die Leidenschaft, die sie f�r ihren Feind empfand, raubte ihr fast den Verstand.</style></p><p><style name="font2">Doch blieb sie still, �u�erlich wenigstens. In ihr aber g�rte der Gedanke nach furchtbarer Rache. �Da wir im Augenblick das Pech haben, zusammen zu sein, Gr�fin, m�chte ich Euch gleich ein paar Anweisungen f�r Euer zuk�nftiges Verhalten geben. Ihr wi�t, da� Ihr mir weiterhin als Heilgehilfe zugeteilt bleibt. Ich m�chte nicht, da� Ihr in Zukunft die Mannschaft mit wilden Ger�chten �ber meine Person und Herkunft gegen mich aufbringt.�</style></p><p><style name="font2">Marina freute sich im stillen. Der hohe Don Silbador mu�te sich herablassen, ihr, die er ha�te, Anweisungen zu erteilen!</style></p><p><style name="font2">�Wer sagt Euch, da� ich Euern Ruf verderbe?� fragte sie mit gewelltem Spott.</style></p><p><style name="font2">�Ich wei� es. Das mu� Euch gen�gen. Ich glaube, es w�re ziemlich sinnlos, Euer Gewissen </style><style name="font2">anzurufen; denn Ihr habt ja keins.�</style></p><p><style name="font2">�Und wenn ich eins h�tte, weshalb sollte es sich belastet f�hlen, wenn ich reizvolle Geschichten �ber Euch in Umlauf setze?�</style></p><p><style name="font2">�Das ist einfach zu erkl�ren. Ihr untergrabt das Vertrauen der Matrosen zu ihrem Arzt. Sollte es sich ereignen, da� wieder einmal einer ernsthaft erkrankt, so wird er nicht zu mir kommen, um sich ordnungsgem�� behandeln zu lassen, weil Ihr seinen Aberglauben gen�hrt und ihm somit Angst vor mir eingefl��t habt. Die Folge k�nnte sein, da� der Mann st�rbe, weil ihm nicht zur Zeit geholfen wurde. Sein Tod aber k�me auf Euer Konto.� �Na, wenn schon�, antwortete Marina unger�hrt. Michel nickte.</style></p><p><style name="font2">�Sagte ich Euch nicht gleich, da� es sinnlos w�re, den Versuch zu machen, Euer Gewissen anzusprechen? Ihr habt keins. Nun, ich werde mich schon zu verteidigen wissen. Wenn es gar nicht mehr anders geht und das Leben der Leute ernsthaft gef�hrdet werden k�nnte, so wird mir nichts anderes �brig bleiben, als Euer Geheimnis preiszugeben.� Marina schwieg f�r einen Augenblick. Dann sagte sie hastig</style></p><p><style name="font2">�Weshalb schlie�en wir keinen Vergleich, Silbador?� Michel antwortete nicht; denn er wu�te nicht recht, worauf sie hinaus wollte.</style></p><p><style name="font2">�Ich biete Euch Frieden an�, fuhr sie fort, �und Ihr macht mich f�r die Dauer unseres Zusammenseins zu Eurer Geliebten.�</style></p><p><style name="font2">Michel kniff die Augen zusammen, blieb aber wiederum die Antwort schuldig.</style></p><p><style name="font2">�Ich will nicht, da� Ihr mir Euer Herz schenkt, Silbador�, redete sie weiter, �ich wei�, da� dazu </style><style name="font2">mehr geh�rt als der Wille, es zu tun; aber nehmt mich zur Geliebten, wie jeder Seemann seine </style><style name="font2">Geliebte hat. Ihr sagtet selbst, da� ich eine sch�ne Frau sei--warum z�gert Ihr noch?�</style></p><p><style name="font2">�Ich bin kein Matrose�, sagte Michel rauh. �Es bleibt dabei: ich will Euch nicht. Habt Ihr denn gar keinen Stolz? Um Euch zu beruhigen, will ich Euch sagen, da� ich eine Braut in meinem Heimatland habe, die sehns�chtig darauf wartet, da� ich wiederkomme oder sie zu mir hole. Hoffentlich war das deutlich genug.�Marina blickte ihn mit ungl�ubig geweiteten Augen an. Ihre Lider brannten. Sie h�rte nicht mehr den Sturm drau�en. Seine letzten Worte hatten sie wie Keulenschl�ge getroffen. Und nun sah der Silbador zum erstenmal Tr�nen aus den herrlichen, teuflischen Augen perlen.</style></p><p><style name="font2">O ja, diese Frau konnte einem den Verstand rauben. Sie war imstande, alles vergessen zu machen, was vorher war. Man h�tte sich an ihr verzehren k�nnen, ohne es zu merken.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n und sein Erster Offizier, Senor Jardin, standen wie festgewurzelt auf der Kommandobr�cke. Mit Stricken hatten sie sich angebunden, um nicht �ber Bord gesp�lt zu werden.</style></p><p><style name="font2">Das Schiff h�rte allm�hlich auf, sich um seine eigene Achse zu drehen. Der Steuermann sp�rte, wie der Druck auf das Ruder nachlie�.</style></p><p><style name="font2">Da kam eine Riesenfaust aus dem Dunkel und jagte die Galeone mit unwiderstehlicher Gewalt nach S�den. Die Geschwindigkeit, mit der sie �ber die Wellenberge scho�, war atemberaubend. Der Zyklon wanderte s�dw�rts und ri� die �Trueno� mit sich. Eine Fahrt auf Leben und Tod begann.</style></p><p><style name="font2">Die Masten bogen sich unter dem Druck der wenigen Segel die gesetzt bleiben mu�ten, damit die Gewalt �ber das Schiff nicht vollst�ndig verloren ging. Der Wind ri� die sp�rliche, aber feste Leinwand schneller nach vorn, als der Bug die Wellen durchschneiden konnte. �Ahoi!� jubelte Alfonso Jardin. �Wenn wir jetzt nicht auf Riffe oder Sandb�nke auflaufen, dann k�nnen wir uns als gerettet betrachten.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n nickte aufatmend. Es war ihm ganz gleichg�ltig, wohin die Fahrt ging. Hauptsache, der Zyklon blieb auf offener See.</style></p><p><style name="font2">Pl�tzlich tauchte vor den Augen der beiden ein riesiger Schatten aus der �Waschk�che� auf. Hart an Steuerbord war er f�r Sekunden zu sehen, um dann wieder im Dunkel zu verschwinden. �Der fliegende Holl�nder�, murmelte Jardin schreckensbleich.</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid verr�ckt, Senor�, sagte der Kapit�n sp�ttisch, �wenn das einer unserer M�nner geh�rt h�tte, so w�re es um unser Schicksal schlecht bestellt. Posaunt hier nicht solche Ammenm�rchen aus.�</style></p><p><style name="font2">�Aber � aber � es � war � doch ein Schiff! Ich habe die Umrisse ganz deutlich erkannt.� �Naturalmente�, meinte der Kapit�n, �glaubt Ihr, ich bin blind? Es war grad so ein Schiff wie das unsere. Wahrscheinlich ist es der Engl�nder, der beim Ausbruch des Sturmes am Rand des Zentrums segelte. Kann verdammt unangenehm werden.�</style></p><p><style name="font2">Jardin atmete auf. Er war dem Kapit�n f�r die nat�rliche Erkl�rung der unheimlichen Erscheinung dankbar. Nie h�tte ihn sonst sp�ter jemand zu der �berzeugung bringen k�nnen, da� er nicht dem Fliegenden Holl�nder begegnet war. Seefahrer sind abergl�ubisch. Und m�gen sie aus noch so aufgekl�rten Kreisen stammen: f�r sie gibt es den Klabautermann und das Geisterschiff. Basta!</style></p><p><style name="font2">Nach vielen, vielen Stunden � den Menschen waren sie wie eine Ewigkeit erschienen � flaute der Sturm endlich ab. Wieder war sternenklarer Nachthimmel �ber ihnen. Sie taumelten wie bet�ubt an Deck.</style></p><p><style name="font2">Pedro Virgen blickte verwundert auf den Kompa�. Die Nadel zeigte auf Nord. Und das Schiff fuhr in genau entgegengesetzter Richtung.</style></p><p><style name="font2">Der Schaden an Deck war betr�chtlich. Ganze St�cke von der Reling hatte der Wirbelsturm losgerissen. Es herrschte ein heilloses Durcheinander.</style></p><p><style name="font2">�Demonio�, schimpfte Ojo, �ich habe einen Hunger, als h�tte ich die ganze Woche noch nicht gegessen.�</style></p><p><style name="font2">Deste nickte zustimmend und fuhr sich wie zur Best�tigung ebenfalls �ber den leeren Magen.</style></p><p><style name="font2">Pedro Virgen aber sa� im Steuerhaus und rechnete den Kurs aus. Alle Uhren waren stehengeblieben. Der Steuermann fa�te sich verzweifelt an den Kopf. Das war doch unm�glich! Immer wieder sah er nach dem Stand der Sterne. Seine ganze Navigationskunst schien zu versagen.</style></p><p><style name="font2">Die Position des Schiffes war 18 Grad n�rdlicher Breite und 65 Grad westlicher L�nge. Das hie�, da� man in den Stunden zwischen Abend und Morgen zirka 1100 Meilen zur�ckgelegt hatte, eine Strecke, zu der ein normales Segelschiff wenigstens acht bis zehn Tage ben�tigte. Pedro Virgen pr�fte zum hundertsten Mal den Stand der Sterne. Diablo, es war danach erst zw�lf Uhr nachts. Um elf hatte der Zyklon begonnen. Pl�tzlich sprang er auf und rannte zum Kapit�n. �Geht Eure Uhr, Capitan?� fragte er hastig. Der sch�ttelte den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Ja�, meinte Virgen nachdenklich, �dann wird man es uns sp�ter nie glauben, da� wir einen ganzen Tag lang nach S�den gesegelt sind, ohne zu merken, da� inzwischen die erste Nacht, der ganze folgende Tag und noch eine halbe Nacht vergangen sind.� �Wollt Ihr damit sagen, da� der Zyklon �ber vierundzwanzig Stunden angehalten hat?� Virgen nickte.</style></p><p><style name="font2">�Ganz recht. Und ich lasse mich r�dern und vierteilen, wenn wir nicht in der N�he der kleinen Antilleninsel St. Martin sind.�</style></p><p><style name="font2">�Das ist unm�glich!� rief der kleine Jardin. �Dann h�tte uns der Sturm ja fast tausend Meilen nach S�den tragen m�ssen; imposible, rechnet noch einmal!�</style></p><p><style name="font2">�Ich wei�, was ich wei�. Soll ich wieder auf Nordkurs gehen, Capitan? Wir wollten ja urspr�nglich nach Boston.� Der Kapit�n verneinte.</style></p><p><style name="font2">�Wenn wir wirklich schon bei St. Martin sind, dann geht auf S�d-Ost-Kurs. Wir werden Codrington auf Barbuda anlaufen und unsere Galeone wieder fit machen. Die Piraten dort k�mmern sich nicht um britisches Gesetz. Sie sind Spanier geblieben.Es besteht also keine Gefahr f�r uns.�</style></p><p><style name="font2">�Bueno�, nickte Pedro Virgen, �gehen wir auf S�dost. K�nnen alle ein wenig Landluft vertragen, denke ich.�</style></p><p><style name="font2">Michel lag todm�de in seiner Kabine. Auch Marina hatte sich zur�ckgezogen und schlief. Ihr ganzer K�rper war wie mit Blei gef�llt.Bis gegen Morgen war Michel auf den Beinen gewesen und hatte die Verletzten verbunden, was diese allerdings nur scheu duldeten. Wenn Marina f�r ein paar Minuten die Arztkoje verlie�, um Wasser aus der Komb�se zu holen, wurden sie sichtlich unruhig.</style></p><p><style name="font2">�Wo bleibt der Medico, Senor Doktor?� fragten sie. �Warum kommt der Arztgehilfe nicht zur�ck?�</style></p><p><style name="font2">Michel bi� die Z�hne zusammen und tat, als merke er nicht, wie sehr die Stimmung gegen ihn war.</style></p><p><style name="font2">Wenn sich Marina dann unbeobachtet glaubte, lag ein triumphierendes L�cheln um ihre Mundwinkel.</style></p><p><style name="font2">Michel erwachte beim Morgengrauen durch den Ruf des Matrosen im Ausguck: �Schiff backbord voraus!�</style></p><p><style name="font2">Verschlafen taumelte er aus seiner Koje und ging an Deck.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n, Senor Jardin und Pedro Virgen standen auf der Kommandobr�cke und </style><style name="font2">beobachteten das gemeldete Fahrzeug.</style></p><p><style name="font2">Michel trat hinzu, und man machte ihm bereitwillig Platz.</style></p><p><style name="font2">�Scheint der Engl�nder zu sein, der uns w�hrend des Sturmes unfreiwillig begleitet hat.� Jardin blickte durch sein Glas hin�ber. Dann sch�ttelte er verwundert den Kopf. �Das wimmelt ja dort an Deck wie auf einem Truppentransportschiff. Was haltet Ihr von der Sache, Capitan?�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n blickte immer noch durch sein Glas. Er schien sich nicht schl�ssig werden zu k�nnen. Nachdenklich meinte er:</style></p><p><style name="font2">�Vielleicht sind es britische Landtruppen, die gegen Washington eingesetzt werden sollen. Wenn dem so ist, dann haben sie neue Uniformen bekommen. Ich sehe nur ganz vereinzelt einen roten Rock durch die Menge der Leute schimmern. Die anderen haben blaue Uniformen an. Wenn das Schiff nicht die englische Flagge gesetzt h�tte, w�rde ich es f�r einen amerikanischen Freibeuter halten.�</style></p><p><style name="font2">�Was meint Ihr dazu, Senor Doktor?� fragte Jardin den interessiert hin�berschauenden Michel und reichte ihm das Glas.</style></p><p><style name="font2">Die Schiffe waren nur auf Kanonenschu�weite voneinander entfernt.</style></p><p><style name="font2">Michel hatte kaum einen Blick durch das Sehrohr geworfen als ihm ein Ausruf des Erstaunens entschl�pfte.</style></p><p><style name="font2">�Que hay?� meldete sich der Kapit�n interessiert.</style></p><p><style name="font2">�Welch eine �berraschung f�r mich, caballeros! Das sind weder englische noch amerikanische</style></p><p><style name="font2">Uniformen, sondern die Monturen des Landgrafen von Hessen-Kassel. Ich m�chte auf der Stelle</style></p><p><style name="font2">tot umfallen, wenn ich nicht selbst einmal so einen Rock getragen habe.�</style></p><p><style name="font2">Die Spanier blickten ihn erstaunt an. ,</style></p><p><style name="font2">�Was f�r ein Graf war das?� fragte der Steuermann verwundert.</style></p><p><style name="font2">�Der Landgraf Friedrich von Hessen-Kassel.�</style></p><p><style name="font2">�Kenne ich nicht � nie geh�rt, diesen Namen�, sch�ttelte der Steuermann den Kopf. �ber das Gesicht des Kapit�ns ging ein pfiffiges Aufblitzen.</style></p><p><style name="font2">�Sagt, Senor Baum, handelt es sich um den deutschen F�rsten, der die sch�nen gro�en Goldtaler </style><style name="font2">pr�gt?�</style></p><p><style name="font2">Michel lachte.</style></p><p><style name="font2">�No, Capitan, das ist Friedrich der Zweite von Preu�en, der in Berlin residiert. Der Landgraf von Hessen-Kassel hei�t zwar auch Friedrich, ist aber ein l�cherlicher Knirps gegen den gro�en K�nig, der jeden nach seiner Facon selig werden l��t.�</style></p><p><style name="font2">�Gibt es solche K�nige �berhaupt?� fragte Alfonso Jardin, der anscheinend auch keine guten Erfahrungen mit gekr�nten H�uptern gemacht hatte. Michel nickte.</style></p><p><style name="font2">�Si, Senor, wie Ihr h�rt, existiert so einer wirklich. Ich habe zwar auch noch keinen weiteren kennengelernt; aber es ist immerhin erfreulich, da� es wenigstens eine Ausnahme unter den Tyrannen gibt.�</style></p><p><style name="font2">�So, so�, meinte der Kapit�n, �das sind also Landsleute von Euch?� Michel nickte.</style></p><p><style name="font2">�Der Landgraf hat sie an die Engl�nder verkauft, damit sie in Amerika die Kastanien aus dem Feuer holen. Sie k�nnen nichts daf�r, da� sie heute unter englischem Kommando stehen. Ich wundere mich allerdings, da� sie so schnell nach England kamen. Es mu� doch nicht gerade sehr gut stehen in den Kolonien.�</style></p><p><style name="font2">�Begreift Ihr es, Senor Baum�, fragte Jardin nachdenklich, �da� sich diese M�nner da dr�ben so einfach von ihrem F�rsten verkaufen lassen?� Michel schob das Kinn vor. Sein Gesicht wurde hart.</style></p><p><style name="font2">�Ihr kennt die Verh�ltnisse nicht, wenn Ihr so fragt, Senor. Ich selbst habe einmal in dieser verfluchten Montur gesteckt. Aber nicht jeder hat den Mut, sein Heimatland als Deserteur zu verlassen. Die meisten von diesen braven Musketieren wissen wahrscheinlich selbst nicht, wie sie so schnell zu jener Uniform gekommen sind.�</style></p><p><style name="font2">�Muy bien�, meinte der Kapit�n, �m�gen sie nach Amerika fahren. Der General Washington wird sie schon davonjagen. F�r mich ist das Schiff ohne Interesse; denn es ist nicht zu vermuten, da� man dort viele Taler von der Sorte findet, wie Ihr sie mir f�r Eure Passage gezahlt habt.� Er wandte sich ab.</style></p><p><style name="font2">�Wann werden wir in Codrington sein, Senor Virgen?� fragte er den Steuermann. �Ich denke, gegen Mittag. Wenn wir � ��</style></p><p><style name="font2">Erschrocken fuhren die vier M�nner auf dem Kastell zusammen. Der Engl�nder dr�ben hatte geschossen. Ungef�hr hundert Schritt vor dem Bug der �Trueno� klatschte die Kugel ins Wasser.</style></p><p><style name="font2">�Demonio!� schrie der Kapit�n. �Ist der Kerl verr�ckt geworden? Flaggast!� rief er durchs</style></p><p><style name="font2">Sprachrohr, �fragt an, was der Engl�nder will.�</style></p><p><style name="font2">Der Flaggast signalisierte.</style></p><p><style name="font2">Die Antwort kam augenblicklich.</style></p><p><style name="font2">�Drehen Sie bei und zeigen Sie Ihre Fahne. Das hier ist Seiner Majest�t �Quebec�. Sind durch Zyklon vom Hauptgeschwader getrennt.�</style></p><p><style name="font2">�Que diablos�, fluchte der Kapit�n, �da ist also eine ganze Kriegsflotte nach Boston unterwegs. Ein Gl�ck, da� der Sturm kam. Sonst w�ren wir ihnen gerade in die Arme gesegelt. Senor Virgen, geht strikt auf Westkurs, damit sie unsere Breitseite nicht l�nger vor Augen haben. K�nnten sonst auf die Idee kommen, das Feuer zu er�ffnen.� �Und wenn sie nun doch angreifen?� fragte Michel. �Dann steht Ihr vertikal zu ihnen und k�nnt</style></p><p><style name="font2">das Feuer nicht erwidern.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n verschr�nkte seelenruhig die Arme.</style></p><p><style name="font2">�Unsere Galeone tr�gt die Kanonen nach Piratenart. �berlegenen Schiffen zeigen wir nie die Breitseite. Aber unsere Armierung besteht aus dreizehn Heckgesch�tzen. Gnade ihnen Gott, wenn sie uns nicht in Ruhe fahren lassen! Zieht unsere eigene Fahne auf, Jungs. Bin m�chtig gespannt, was sie f�r Augen machen, wenn sie den Blitz �berm Totenkopf sehen.� Die blutrote Korsarenflagge mit dem Totenkopf, den gekreuzten Knochen darunter und einem Blitz dar�ber stieg unter Gebr�ll am Hauptmast hoch. Die Reaktion folgte augenblicklich.</style></p><p><style name="font2">Von dr�ben krachte eine Breitseite, die jedoch ihr Ziel verfehlte.</style></p><p><style name="font2">�An die Gesch�tze, Jungs!� schrie der Kapit�n. �Weiter auf Westkurs halten, Steuermann!� Jardin zog begeistert seinen Degen und st�rmte zum Heck.</style></p><p><style name="font2">�Kanoniere, haltet auf die Segel. Nehmt den Fockmast aufs Korn. Achtung! � Feuer!� Aus dreizehn M�ulern spuckten die Heckgesch�tze ihre Kugeln. Sausend fegten sie hin�ber. Krachen und Splittern auf dem feindlichen Schiff. Der Fockmast barst, und die Flagge fiel herab. Ein brausendes Hurra ert�nte aus den zweihundert Korsarenkehlen.</style></p><p><style name="font2">Michel zog die Stirn in Falten. Da dr�ben standen seine Landsleute. Was konnten sie daf�r, da� ihr Kapit�n so ehrgeizig war, unbedingt den Korsaren anzugreifen? Eine weitere Salve krachte. Haargenau fanden die Kugeln ihr Ziel.</style></p><p><style name="font2">Besch�digt nicht den Rumpf, Kanoniere!� schrie Jardin mit Feiereifer. �Wir wollen das Schiff kapern und verkaufen. Das ist ein sch�ner Verdienst. Zielt auf die Aufbauten! � Feuer!� Die �Trueno� lag jetzt scharf unterm Wind. Nach ein paar Minuten war sie aus dem Feuerbereich des Engl�nders. Da ri� Pedro Virgen das Steuer herum. Die Galeone beschrieb einen eleganten Bogen und fuhr kurz darauf, den Bug voraus, direkt auf den Feind zu. Am Bug des Schiffes gab es sechzehn Kanonen. Die Kanoniere verlie�en die Heckgesch�tze und rannten nach vorn. Es sah aus, als h�tten sie dieses Man�ver schon hundertmal durchgef�hrt. In wenigen Minuten waren die Buggesch�tze klar. Die Salve krachte.</style></p><p><style name="font2">�Carlos Deste!� rief der kleine Jardin, �jetzt bist du dran. Richte deine Kanone genau auf das Ruder. Du mu�t es treffen, sonst schmei�e ich dich �ber Bord.�</style></p><p><style name="font2">Deste machte seine Kanone klar und setzte selbst die Lunte in Brand. Es krachte. Dr�ben nahm</style></p><p><style name="font2">eine Wasserfont�ne die Sicht. Man wartete gespannt eine Weile.</style></p><p><style name="font2">Dann jubelten die Korsaren auf. Deste hatte einen Meisterschu� getan.</style></p><p><style name="font2">�Setzt alle Segel!� kam die Stimme des Kapit�ns. �Macht Euch bereit zum Entern, Jungs! � </style><style name="font2">Haken raus!�</style></p><p><style name="font2">Die �Trueno� durchschnitt die Wasseroberfl�che wie ein Messer. Als man hinter dem feindlichen Schiff war, sch�ssen von dr�ben die Musketiere mit ihren Musketen her�ber, ohne viel Schaden anzurichten. Landsch�tzen sind im Seegefecht genau so wenig zu gebrauchen wie st�rrische Esel zum Pfl�gen.</style></p><p><style name="font2">Die �Trueno� war heran und setzte sich l�ngsseits. Die Enterschn�re flogen hin�ber, und die Haken fa�ten ins Holz und ins Get�u.</style></p><p><style name="font2">�Valor y Esperanza! Mut und Hoffnung!� war der eigenartige Schlachtruf der Korsaren. Mit geschwungenen Krumms�beln enterten sie das Deck der britischen Fregatte.Michel hatte die ganze Zeit �ber unt�tig herumgestanden. Es widerstrebte ihm, gegen seine Landsleute zu k�mpfen. Er spielte sogar mit dem Gedanken, diese unter allen Umst�nden vor der Wut der</style></p><p><style name="font2">Piraten zu retten. Sie waren unschuldig an diesem Seegefecht wie kleine Kinder, denen ein �lterer Dummheiten vormacht, um sie ebenfalls dazu zu reizen.</style></p><p><style name="font2">Michel hielt Ausschau nach dem Ersten Offizier und dem Kapit�n. Diese beiden aber waren dr�ben im sch�nsten Kampfget�mmel. Selbst der wei�b�rtige Capitan lie� sich eine solche Gelegenheit nicht entgehen.</style></p><p><style name="font2">Das T�ten mu� doch ein unterhaltsames Spiel sein, dachte Michel bitter. Sollte er zum Steuermann gehen?</style></p><p><style name="font2">Der hatte sicherlich Besseres zu tun, als sich um die hessischen Soldaten zu k�mmern. Pl�tzlich kam Michel eine Idee. Er zog seinen Degen, schnappte ein Enterseil und schwang sich auch hin�ber auf die �Quebec�.</style></p><p><style name="font2">Ohne jemanden zu verletzen, bahnte er sich einen Weg durch die K�mpfenden, bis er zu dem freien Heck gelangte. Dort sprang er auf eine Taurolle und stie� ein paar durchdringende Pfiffe aus. Die meisten der K�mpfenden hielten f�r einen Augenblick inne und sahen auf den Mann, der dort stand und seinen Degen erhoben hatte. Die Korsaren staunten nicht schlecht �ber ihren Schiffsdoktor.</style></p><p><style name="font2">Michel benutzte die eingetretene Ruhe und br�llte in deutscher Sprache �ber das Deck: �H�rt, ihr Hessen und Kasselaner! Werft die Musketen weg und kommt hierher zu mir. Versammelt Euch im Heck. Was geht Euch das englische Schiff an? Wer leben will, der komme hierher!�</style></p><p><style name="font2">Dann wandte er sich an die Korsaren:</style></p><p><style name="font2">�Ich habe die Soldaten, die keine Engl�nder sind, aufgefordert, sich zu ergeben. K�mpft mit den Briten, denen das Schiff geh�rt. Die M�nner in den blauen Uniformen stehen unter meinem Schutz.�</style></p><p><style name="font2">Die Korsaren st�rzten sich jetzt umso wilder auf die wenigen Rotr�cke, die noch zu sehen waren, und metzelten sie erbarmungslos nieder. Die Hessen aber lie�en die Waffen sinken und kamen, zuerst vereinzelt, dann jedoch haufenweise zum Heck.</style></p><p><style name="font2">Nach kurzer Zeit war der Kampf beendet. Die Korsaren hatten kaum einen Mann verloren. Von den Engl�ndern war niemand mehr zu sehen.</style></p><p><style name="font2">Marina hatte vom Deck der �Trueno� aus alles verfolgt. Sie war auf eine Rahe geklettert, von der aus sie alles �bersehen konnte. So entging es ihr auch nicht, wie ihr geliebter und geha�ter Silbador die Soldaten vor der Wut der Korsaren rettete.</style></p><p><style name="font2">Ihr war es zun�chst gleichg�ltig, ob diese Deutschen starben oder am Leben blieben. Sinnend sah sie �ber das Get�mmel hinweg. Ihre Gedanken umkreisten einzig und allein den Geliebten, der sie t�glich, ja st�ndlich seine kr�nkende Gleichg�ltigkeit f�hlen lie�. Sie setzte ein Fernrohr an das Auge, und ihr Blick fiel rein zuf�llig auf eine einzelne Szene, die an sich ohne Gewicht gewesen w�re, nun aber, nachdem sie von ihr beobachtet worden war, in ihrem Kopf einen teuflischen Plan entstehen lie�.Dicht vor den Hessen standen ein paar Korsaren mit unzufriedenen Gesichtern, denen man es ansah, da� sie f�r ihr Leben gern auch noch die armen Soldaten abgeschlachtet h�tten. Marina sah die Scheu in ihren Augen, die Angst vor den �Zauberk�nsten� des Silbador. Nur, weil dieser zugegen war, getrauten sie sich nicht an die zitternden Musketiere.</style></p><p><style name="font2">Marina setzte das Glas ab. Ihr Plan war fertig. Ein grausames L�cheln umspielte ihre Lippen. Heimlich ballte sie die F�uste und drohte nach dr�ben hin, wo Michel stand. �Warte!� zischte sie bebend, �du sollst vor mir noch um dein Leben winseln! Du wirst mich um einen mitleidvollen Blick anbetteln, geliebter Schuft!� �</style></p><p><style name="font2">Als der Kampf beendet war, kamen der Kapit�n und Senor Jardin zum Heck gest�rzt. Der Kapit�n schrie seine Leute an:</style></p><p><style name="font2">�Was steht ihr hier herum? Weshalb blast ihr nicht diesen verdammten Blaujacken das Lebenslicht aus?�</style></p><p><style name="font2">Ein Korsar, der auf den Namen Guillermo h�rte � seinen Nachnamen hatte er selbst l�ngst vergessen � wies auf den Pfeifer und meinte mi�mutig:</style></p><p><style name="font2">�Der Doktor hat uns verboten, sie ins Meer zu werfen. Wir sollen sie schonen.� Der Kapit�n und Jardin sahen Michel ungl�ubig an.</style></p><p><style name="font2">�Weshalb mischt Ihr Euch in meine Angelegenheiten, Senor Baum?� fragte der Kapit�n. Michel blickte f�r einen Moment zu Boden, doch dann sah er den Alten fest an. �Menschenleben auszul�schen, Senor Capitan, ist nicht Eure Angelegenheit. Ich habe Euch bereits vorhin auf unserem Schiff erkl�rt, wie man beim Landgrafen von Hessen-Kassel Soldat wird. Diese M�nner hier sind keine Engl�nder und fallen daher nicht unter das Kriegsrecht.�</style></p><p><style name="font2">�Diablo, Doktor, was versteht Ihr vom Kriegsrecht? Jeder Angeh�rige eines fremden Schiffes, der eine Waffe tr�gt, verf�llt dem Sieger. Diese Burschen da haben sogar auf meine Leute geschossen.�</style></p><p><style name="font2">�Versteht mich doch, Capitan und companeros. Es sind Menschen aus meinem Heimatlande, die man zum Kriegsdienst gezwungen hat, damit ein schurkischer F�rst seine M�tressen reicher aushalten kann.�</style></p><p><style name="font2">Der kleine Alfonso Jardin verstand Michel. Wenigstens tat er so. Er erinnerte sich pl�tzlich, wie dieser sonderbare Doktor mit ihm selbst umgegangen war, als er ihn besiegt hatte. Und hatte er nicht auch diesen ekelhaften Escamillo de Fuentes geschont, ja ihn sogar verbunden? Escamillo befand sich auf dem Weg der Besserung. Sein Stumpf war schon fast verheilt.</style></p><p><style name="font2">�Ihr habt recht, Senor Doktor�, sagte er jetzt in die lastende Stille hinein. �Die Leute k�nnen wirklich nichts daf�r. Wir k�nnen sie mitnehmen und auf Barbuda ansiedeln. Sie k�nnen vielleicht ganz brauchbare companeros werden.�</style></p><p><style name="font2">Als der Kapit�n sah, da� sich niemand dagegen emp�rte, schlo� er sich offen der Meinung seines Ersten an.</style></p><p><style name="font2">�Nehmt die Fregatte ins Schlepp, Leute. Wir takeln sie in Codrington neu auf und verkaufen sie an Washington. Das gibt ein sch�nes St�ck Geld f�r uns alle.� Die Korsaren gingen auseinander.</style></p><p><style name="font2">Guillermo machte ein finsteres Gesicht. Als sie au�er H�rweite des Schiffsgewaltigen waren, fragte ihn ein Kamerad:�Was ist dir �ber die Leber gelaufen, Guillermo? Du machst ein Gesicht, als w�ren wir besiegt worden!� Der Gefragte stie� zornig die Faust in die Luft.</style></p><p><style name="font2">�Weshalb mu�te sich dieser verdammte Aleman in unser Gesch�ft mischen? Die Soldaten haben sicher ein paar Piaster bei sich. Wer die meisten umgelegt h�tte, h�tte bestimmt einen Beutel voll Geld f�r den Landaufenthalt in Codrington gehabt!� Der andere wurde nachdenklich.</style></p><p><style name="font2">�Du hast recht. Von dieser Seite habe ich die Sache noch gar nicht betrachtet. Nach Freibeuterrecht steht uns Eigentum und Leben der Besiegten zu. Wir werden das Flibustiergericht auf Barbuda anrufen, damit uns der Kapit�n den Schaden ersetzt.� �Diablo�, zischte Guillermo, �ich glaube fast, da� es wahr ist, was der Arztgehilfe von diesem deutschen Doktor erz�hlt. Du wei�t, er soll in den Pyren�en gar einen Pfarrer behext haben. Warum sollte ihm das nicht auch bei dem Capitan und dem Ersten gelingen?� �Komm, gehen wir hin�ber auf die �Trueno� und sprechen mit dem Arztgehilfen. Vielleicht kann der f�r eine Weile die Zauberkraft von dem Doktor nehmen, damit uns der Kapit�n unsere Chance gibt.�</style></p><p><style name="font2">Die hessischen Soldaten wurden in den Kielraum der �Trueno� gepfercht. Aber Michel protestierte nicht dagegen, da sie ja sowieso in K�rze den Hafen anlaufen w�rden. Dann konnten auch sie wieder frische Luft atmen.</style></p><p><style name="font2">Zun�chst hatte Michel alle H�nde voll zu tun. Die Piraten hatten Wunden davongetragen, schwerere und leichtere. Der Schiffsarzt wickelte Bandagen um zerschundene Glieder. Die ganz leichten F�lle behandelte Marina, die sich in der Nebenkoje eingerichtet hatte, selbst�ndig. Anfangs ging Michel von Zeit zu Zeit nach dem Rechten sehen.</style></p><p><style name="font2">Sp�ter, als die Leute verpflastert und versorgt waren, nahm er ein Tuch und schlug mehrere Bandagen und blutstillende Mittel darin ein, um auch die gefangenen Hessen zu behandeln. Einige der Spanier, die ihn in der Luke, die zum Kielraum hinunterf�hrte, verschwinden sahen, machten ihre Glossen dar�ber und sch�ttelten verwundert die K�pfe. Wie h�tten sie auch einen Menschen mit humaner Auffassung verstehen k�nnen?</style></p><p><style name="font2">Ein f�rchterlicher Gestank und lautes St�hnen schlug dem Arzt entgegen, als er die Leiter </style><style name="font2">hinunterstieg. Zorn kam in ihm hoch. Er nahm sich vor, beim Kapit�n ein Wort f�r die </style><style name="font2">Gefangenen einzulegen.</style></p><p><style name="font2">Ein paar Kerzen brannten tr�be.</style></p><p><style name="font2">�Ist jemand verwundet hier unten?� fragte er.</style></p><p><style name="font2">Zwei, drei Stimmen antworteten.</style></p><p><style name="font2">�Wer Hilfe braucht, mu� sich schon zu mir bem�hen. Ich kann nicht zu jedem einzeln hinkommen.�</style></p><p><style name="font2">Ganz in der N�he fluchte ein Soldat.</style></p><p><style name="font2">�Mach, das du rauskommst, verdammter Seer�uber! Wir pfeifen auf deine Hilfe.� Michel lachte trocken auf.</style></p><p><style name="font2">�Ohne die w�rt ihr l�ngst ein Fra� f�r die Haie geworden, ihr dickk�pfigen Hessen.� Eine andere Stimme kam aus der gegen�berliegenden Ecke.�Wer seid Ihr eigentlich, Herr Medicus? Wie kommt Ihr auf dieses Schiff?�</style></p><p><style name="font2">Michel horchte verwundert auf. Diese Stimme weckte ganz verschwommene Erinnerungen in ihm. Er mu�te sie schon einmal irgendwo geh�rt haben.</style></p><p><style name="font2">�Wer seid Ihr?� stellte er die Gegenfrage. �Wenn hier einer das Recht hat, eine Antwort zu verlangen, dann bin ich es, verstanden?� Mit Absicht gab sich Michel sehr energisch. Er kannte den Kasernenhofton aus eigener Erfahrung und wu�te, da� man damit am weitesten kam. Die Antwort erscholl in n�selndem Tonfall.</style></p><p><style name="font2">�Ihr scheint mir zwar ein unversch�mter Patron zu sein; aber ich sehe ein, da� hier nur das Recht des St�rkeren entscheidet. Ich bin der Rittmeister dieser Leute hier. Wir sind die dritte Schwadron des landgr�flich hessischen Reiterregiments.�</style></p><p><style name="font2">�Ah�, meinte Michel belustigt, �ich wu�te gar nicht, da� Landgraf Friedrich �ber Reiterregimenter verf�gt. Seit wann existiert eine solche Abteilung? Ihr seht mir eher aus wie Musketiere. Sonst h�ttet ihr euch mit den Kavalleries�beln besser gegen unsere Leute verteidigt.�</style></p><p><style name="font2">��h � �h�, machte der Rittmeister. �Ich glaube, wir sind Euch keine Rechenschaft dar�ber schuldig, was wir darstellen. Ganz abgesehen davon � �h � kommt mir Eure Stimme irgendwie bekannt vor.� �Das geht mir mit der Eurigen �hnlich. Wie ist Euer Name, bitte?� �Rittmeister von Eberstein, Herr Schiffsmedicus.�</style></p><p><style name="font2">Michel wechselte die Farbe. Gl�cklicherweise war es hier so dunkel, da� niemand seine Bl�sse bemerken konnte. Es dauerte geraume Zeit, bis er sich wieder gefa�t hatte. �Rudolf Graf von Eberstein?� fragte er unsicher.</style></p><p><style name="font2">�Ganz recht�, kam die verwunderte Antwort aus dem Dunkel. �Kennt Ihr mich?�</style></p><p><style name="font2">�Nicht als Rittmeister, aber als Leutnant der landgr�flichen Musketiere in Kassel�, antwortete</style></p><p><style name="font2">Michel mit gepre�ter Stimme.</style></p><p><style name="font2">�Stimmt, das war ich vorher. Vor kurzem bin ich bef�rdert worden; aus meiner Kompanie wurde eine Schwadron gebildet, wodurch wir in den Augen der Engl�nder h�her bewertet wurden�, dr�ckte sich der Graf vorsichtig aus. Er wollte nicht direkt sagen, da� man Kavalleristen aus ihnen gemacht hatte, damit der Hof f�r jeden Reiter zehn Taler Miete kassieren konnte anstatt sieben.</style></p><p><style name="font2">�Eigenartig, Herr Rittmeister�, sagte Michel. �Wie kommt Ihr hierher? Seit wann werden die Offiziere ebenfalls verschachert?�</style></p><p><style name="font2">��h � �h�, druckste der Graf herum, �m�chte mich dar�ber nicht n�her auslassen. Hatte kleine Offiziersh�ndel. Unangenehme Sache. Kann passieren, sowas.� �Also strafversetzt�, konstatierte Michel.</style></p><p><style name="font2">�Wollt Ihr mir nicht sagen, woher Ihr mich kennt, Herr Doktor?� fragte Eberstein jetzt h�flicher. Michel gab sich einen Ruck.</style></p><p><style name="font2">�Gern Herr Rittmeister. � Ihr wart einmal f�r kurze Zeit mein Vorgesetzter � bis ich mich selbst von Euch befreite.�</style></p><p><style name="font2">Schweigen. Man h�tte eine Stecknadel fallen h�ren k�nnen. �Baum � Musketier Baum!� schrie der Graf pl�tzlich in die Stille.</style></p><p><style name="font2">�Verge�t nicht, Herr Rittmeister, wenn schon Musketier, dann Musketier Doktor Baum.��Ja, ja nat�rlich � �h � ich verga� ��</style></p><p><style name="font2">�Nichts f�r ungut, Herr Rittmeister. Ich werde sehen, was ich f�r Euch tun kann. Seid Ihr verwundet?�</style></p><p><style name="font2">�Nicht der Rede wert. �h � �h � nur kleine Schramme am linken Arm. Wie gesagt, nicht der Rede wert.�</style></p><p><style name="font2">�Ich werde Euch trotzdem verbinden. Kommt her.�</style></p><p><style name="font2">Der kleine Jardin schritt mit gekrauster Stirn �ber Deck. Hin und wieder blieb er stehen und musterte mit hochgezogenen Brauen die Kanoniere, die mit der Arbeit des Gesch�tzreinigens besch�ftigt waren. Er hatte schon vorhin bemerkt, da� die M�nner die K�pfe zusammensteckten und eifrig miteinander tuschelten, da� sie jedoch im gleichen Augenblick, in dem sie ihn nahen sahen, auseinanderfuhren, verstummten und in ihrer Bet�tigung fortfuhren. Senor Jardin konnte sich keinen Reim auf dieses Gebaren machen. Endlich, als er wieder bei den Heckkanonen erschien, wurde ihm die Geheimnistuerei zu bunt. So wandte er sich denn an einen der etwas abseits stehenden Korsaren und fragte:</style></p><p><style name="font2">�Was zum Teufel, ist in euch gefahren, Punte? Was habt ihr dauernd miteinander zu zischeln? Seid ihr pl�tzlich Waschweiber geworden?�</style></p><p><style name="font2">�Nana�, sagte Punte, �es ist nichts von Bedeutung, Senor Jardin. Die Leute beklagen sich nur �ber die ungew�hnliche Haltung des Capitan den Gefangenen gegen�ber.� �So, daher also das Gefl�ster. Mir scheint, ihr habt vergessen, da� ihr auf einer Galeone Dienst tut, die das Eigentum des Kapit�ns ist. Was er entscheidet, das gilt.�</style></p><p><style name="font2">�Muy bien, Senor, Ihr sagt ganz richtig, was er entscheidet � � nicht aber, was sich dieser Zauberdoktor in den Kopf setzt. Oder wollt Ihr bestreiten, da� ohne diesen die verdammten Engl�nder nicht kaltgemacht worden w�ren?�</style></p><p><style name="font2">�Wir haben euch doch auseinandergesetzt, da� diese Soldaten keine Engl�nder sind, sondern Leute, die man zum K�mpfen in Amerika an die Rotjacken verkauft hat. Diablo, seid ihr denn schwer von Begriff?�</style></p><p><style name="font2">Punte spie ver�chtlich ein St�ck Tabak auf Deck.</style></p><p><style name="font2">�Uns ist es gleich, ob die Soldaten Engl�nder sind oder nur deren companeros. Sie sind Soldaten, stehen unter Kriegsrecht und h�tten nach Freibeutergesetz ausgel�scht werden k�nnen, weil sie auf uns geschossen haben. So aber sind wir um unsere Beute gekommen.� Jardin �berlegte.</style></p><p><style name="font2">Sicherlich, es war schwer, diesen Leuten klarzumachen, wie kostbar ein Menschenleben war. Sie achteten das eigene ja gering genug. Wieviel weniger war da ein fremdes wert! Am schlimmsten war es, da� Jardin dem Manne innerlich recht gab; denn er verstand die Haltung des Senor Doktor ebensowenig wie seine Untergebenen. Das einzige, was er gelten lie�, war, da� die Gefangenen Landsleute Michels waren. Gegen Landsleute aber k�mpfte man nicht gern; allerdings nur dann nicht, wenn man auch wirklich mit dem Herzen an seinem Vaterland hing.</style></p><p><style name="font2">�Bueno, Punte, ich will nicht ungerecht sein. Offengestanden verstehe ich die Regungen Senor Baums auch nur zum Teil. Aber warum sollten wir ihm den Wunsch nicht erf�llen? Hat er nicht viel f�r uns getan w�hrend der �berfahrt? Bedenkt, wie wenig Schiffe einen richtigen Doktor an Deck haben. Der Capitan hat sich in Unkosten gest�rzt, damit ihr, meine Tapferen, nicht an euren Wunden elendiglich zugrunde geht.�</style></p><p><style name="font2">Punte schaute dumm drein. So betrachtet sah die Sache allerdings ganz anders aus. Jardin freute sich schon �ber seine geschickte und, wie es schien, wirkungsvolle Verteidigung. Aber er hatte nicht daran gedacht, da� Michel auf diesem Schiff mehr oder weniger unbeliebt war. Die Geschichten, die Marina den Leuten in die K�pfe gesetzt hatte, taten ihre Wirkung. Punte sagte: �Wie erkl�rt Ihr es aber, Senor Jardin, da� der Capitan anfangs den Doktor ausgeschimpft hat f�r</style></p><p><style name="font2">seine Einmischung in Dinge, die ihn nichts angehen, nachher aber seinem Wunsch folgte?�</style></p><p><style name="font2">�Da gibt es nichts zu erkl�ren. Das geschah nat�rlich aus besserer Einsicht und aus einer </style><style name="font2">angeborenen Ritterlichkeit heraus.�</style></p><p><style name="font2">Punte sah Jardin zweifelnd an.</style></p><p><style name="font2">�Ich wei� es besser, Senor.�</style></p><p><style name="font2">�Da bin ich neugierig. Was ist deine Meinung?�</style></p><p><style name="font2">�Bueno, wir alle glauben, da� dieser Doktor, der so gr��lich pfeifen kann, mit dem Satan im Bunde ist und Euch und den Capitan verhext hat. Ihr seid ihm h�rig, ohne zu wissen, was Ihr tut.�</style></p><p><style name="font2">Den kleinen Schiffsoffizier �berlief es siedend hei�. Er sah sich mit einemmal einer Gefahr gegen�ber, von der er bislang nichts geahnt hatte. So also hatten sich die abergl�ubischen Seeleute seine und des Kapit�ns Zustimmung zur Schonung der Gefangenen ausgelegt! Mit gro�en Augen blickte er erstaunt den Mann an, der mit kindlicher Furcht vor dem B�sen solche Dummheiten aussprach, die zum Funken an einem Pulverfa� werden konnten. In seiner Fassungslosigkeit machte Alfonso Jardin den gr��ten Fehler, den er �berhaupt machen konnte. Er wandte sich wortlos ab und lie� den erstaunten und beunruhigten Punte einfach stehen.</style></p><p><style name="font2">Mit hastigen Schritten lief er der Kommandobr�cke zu, auf der der Kapit�n mit dem Steuermann und dem Zweiten Offizier, der sich mittlerweilen von dem schweren Blutverlust erholt hatte, stand.</style></p><p><style name="font2">Jardin st�rmte die Treppen zum Kastell empor und berichtete, was er soeben vernommen hatte. Der Kapit�n war zun�chst best�rzt. Der Steuermann zog es vor, im Kartenhaus zu verschwinden, und Escamillo l�chelte h�misch, �u�erte jedoch keine Meinung.</style></p><p><style name="font2">�Ich werde sofort mit den Leuten reden�, donnerte der Kapit�n. �M�chte wissen, wer den Kerlen dieses Hirngespinst in den Kopf gesetzt hat.�</style></p><p><style name="font2">�Was wollt Ihr den Leuten sagen? Ihr wollt doch nicht noch nachtr�glich ein Morden der Gefangenen guthei�en?�</style></p><p><style name="font2">�Unsinn. Ich habe bisher zu dem Doktor gehalten und werde es auch weiterhin tun. Er hat sich um die Mannschaft und um das Schiff verdient gemacht. Eine Schande ist es, solche Ger�chte �ber ihn in Umlauf zu setzen. Ruft die M�nner zusammen.�</style></p><p><style name="font2">Diesen Befehl auszuf�hren, er�brigte sich; denn die Korsaren kamen bereits von selbst. Punte hatte nicht vers�umt, sofort einen Bericht �ber sein Gespr�ch mit dem Ersten Offizier weiterzufl�stern. Ihn selbst hatte das Entsetzen gepackt, als dem Kleinen keine Erwiderung auf seine Behauptung eingefallen war und er sich schnurstracks aus dem Staube machte. Punte glaubte nichts anderes, als da� er den Doktor holen w�rde, damit dieser sie alle in seinen Bann zwang.</style></p><p><style name="font2">Dies war den abergl�ubischen Seeleuten Wasser auf die M�hle. So weit wollten sie es nicht erst kommen lassen. Sie alle wu�ten ja ohnedies vom Arztgehilfen, da� Michel Baum, der Silbador, unheimliche Kr�fte besa�. Im Augenblick aber war er nicht zu sehen. So hielten sie den Moment f�r g�nstig, um mit dem Kapit�n zu reden.</style></p><p><style name="font2">�Wie k�nnt ihr es wagen, ihr Lumpen, ohne meinen Befehl abzuwarten, eure Posten zu verlassen! Was wollt ihr?� schrie der Kapit�n die unter dem Kastell Versammelten an. Da schrie einer aus der Menge. Es war Guillermo.</style></p><p><style name="font2">�Gebt uns die Gefangenen heraus! Es ist unser Recht. Sie haben auf uns geschossen. Deshalb geh�ren sie uns!�</style></p><p><style name="font2">�Halt's Maul, du verdammter Hundesohn�, rief der Kapit�n zur�ck. �Auf diesem Schiff befehle ich und sonst niemand. Kn�pft den Meuterer an der h�chsten Rahe auf!� Niemand r�hrte sich. Ein Murmeln hob an. Dann rief ein anderer:</style></p><p><style name="font2">�Seht ihr, companeros, er hat ihn verhext! Der Capitan will seine eigenen Leute aufh�ngen lassen, nur weil sie ihr Korsarenrecht fordern.�</style></p><p><style name="font2">�Ja, er hat ihn verhext�, murmelte es in dumpfem Chor. �Er hat auch den Steuermann und die Offiziere verhext. Santa Maria, wir m�ssen uns in acht nehmen, da� uns die Besessenen nicht verderben. Wir werden</style></p><p><style name="font2">auf eine Klippe auflaufen, wenn der Satan an Bord ist. Wir werden untergehen--�</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid des Teufels�, br�llte der Kapit�n mit Donnerstimme in den Aufruhr. �Beruhigt euch � � geht auf eure Pl�tze!�</style></p><p><style name="font2">�Nein, ihr habt recht, ihr M�nner! Jener Silbador hat all unsere Offiziere in seinen Bann geschlagen. Auch ich war bisher verzaubert. Seht her, ich bin euer Medico. Erkennt ihr mich wieder?�</style></p><p><style name="font2">Die Leute drehten sich erschrocken um. Sie wollten ihren Augen nicht trauen. Hinter ihnen, auf einer leeren Teertonne stand eine wundersch�ne Frau, die in ein wei�es Gewand geh�llt war, und hielt die Arme wie betend zum Himmel erhoben.</style></p><p><style name="font2">�Ich danke dir, Gott, da� du mich aus den Klauen dieses Zauberers befreit hast! Ich danke dir, da� du mich wieder hast werden lassen, was ich war. Korsaren�, rief sie den sprachlosen Zuschauern zu, �ich kenne den Doktor. Er war ein ber�chtigter Zauberer in den spanischen Pyren�en. Von jetzt an vermag nur ich allein es, ihn zu b�ndigen, da ich das Pulver gefunden habe, das ihm �bernat�rliche Kr�fte verleiht. Seht her! Hier ist es!� Sie hielt eine kleine blaue Dose hoch, in der sie bisher ihre Perlen aufbewahrt hatte. �Wenn er dieses Pulver, das ihm der Teufel verschrieben hat, nicht mehr einnehmen kann, so ist er genauso ein Mensch wie wir.� Ein tosendes Gebr�ll erfolgte. Die Seeleute warfen ihre M�tzen in die Luft und lie�en die �Entzauberte� hochleben.</style></p><p><style name="font2">Mit einer energischen Handbewegung verschaffte sie sich Ruhe.</style></p><p><style name="font2">�Ihr seht, nur ich kann euch retten, wenn ihr mirvertraut. Ich schlage vor, da� wir den Kapit�n und den Ersten Offizier fesseln und sie nicht eher wieder freilassen, als bis wir an Land sind. Der Steuermann und der Zweite Offizier sind dem Bann noch nicht verfallen, da sie zu klug waren, um dem Pfeifer zu nahe zu kommen. �berdies ha�t ihn der Zweite Offizier, da ihm der Zauberer die rechte Hand abgeschlagen hat.�</style></p><p><style name="font2">Welch ein gerissenes Frauenzimmer, dachte der Kapit�n. Wie klug sie es anstellte, die beiden M�nner, die ihm h�tten helfen k�nnen, als eigene Gegner auszuschalten und zudem Leute zu haben, die ein Schiff auch ohne Kapit�n oder besser gesagt unter einer unkundigen Kapit�nin zu leiten verstanden. Das Weib hatte die Mannschaft auf seiner Seite und damit Gewalt �ber das ganze Schiff.</style></p><p><style name="font2">Senor Jardin versuchte, die Situation zu retten. Berstend vor Wut schrie er mit hochrotem Kopf: �Werft sie ins Wasser! Sie l�gt das Blaue vom Himmel herunter. Wenn ihr nicht augenblicklich gehorcht, so lasse ich euch alle h�ngen!�</style></p><p><style name="font2">Drohendes Murmeln erhob sich, die ersten hatten bereits die untersten Stufen, die zum Kastell f�hrten, bestiegen.</style></p><p><style name="font2">�Ojo!� schrie der Kapit�n, �Deste! � Deste und Ojo! Warum sagt ihr nichts? Weshalb </style><style name="font2">verteidigt ihr mich nicht? Ihr wi�t, da� das Frauenzimmer l�gt. Schlagt sie tot!�</style></p><p><style name="font2">Die beiden Gerufenen aber dr�ngten sich zitternd gegen den Mast. Sie hatten die Lage besser </style><style name="font2">erfa�t als ihr Kapit�n. Nunmehr mu�ten sie damit rechnen, da� man auch sie f�r verhext hielt.</style></p><p><style name="font2">Die Wirkung der Worte zeigte sich auch sofort. Beide M�nner waren im Nu �berw�ltigt und</style></p><p><style name="font2">gebunden.</style></p><p><style name="font2">Immer bedrohlicher wurde die Stimmung. Da verlor Jardin die Nerven, ri� den Degen aus der Scheide und st�rzte sich in ohnm�chtiger Wut auf den ersten, der die Plattform des Kastells erreichte. Mit einem einzigen Stich durchbohrte er ihn. Der Tote sank in die Arme seiner nachdr�ckenden Kameraden.</style></p><p><style name="font2">�Greift sie! � Greift sie!� schrie die Gr�fin mit lauter Stimme, in der irrsinniges Triumphgeheul mitschwang. �Sonst t�ten sie euch alle!�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n verzichtete auf Gegenwehr und lie� sich binden. Auch Jardin wurde n�chtern, als er begriff, da� hier jede Verteidigung fehl am Platze war.</style></p><p><style name="font2">Die im Kielraum eingeschlossenen Hessen waren der Ereignisse �ber ihren K�pfen nicht gewahr geworden. Auch Michel hatte keine Ahnung von dem, was sich da oben abspielte. �H�rt zu, Eberstein�, meinte er, w�hrend er die oberfl�chliche Armwunde seines Patienten kunstgerecht bandagierte. �Ich w��te gern etwas �ber das Wohlergehen meines Vaters und das der Familie Eck.�</style></p><p><style name="font2">Der Offizier z�gerte mit der Antwort. Es war ihm sichtlich unangenehm, so eindringlich an die Vergangenheit erinnert zu werden.</style></p><p><style name="font2">�Nun, Herr von Eberstein�, ermunterte ihn Michel, �eine Liebe ist der anderen wert. Ich verbinde Euch, damit Eure Wunden so bald wie m�glich heilen, und Ihr steht mir Rede und Antwort. Das kann doch gar nicht so schwer sein.�</style></p><p><style name="font2">�Nat�rlich � �h � nat�rlich, habt selbstverst�ndlich recht, Herr Doktor. Nur � �h � die Familie Eck, das hei�t, in erster Linie Fr�ulein Charlotte, hat bald nach Eurer Desertion � �h � wollte sagen, nach Euerm Weggang den Verkehr mit meinem Vater abgebrochen. Aus den Gesch�ften ist nichts geworden. Ja, das ist eigentlich alles, was ich von der Sache wei�. Nehme aber mit Bestimmtheit an, da� Fr�ulein Charlotte Euch nach wie vor � �h � sagen wir, sch�tzt. Und Euer Herr Vater? Nun, denke nicht, da� unser allergn�digster Landesherr an Euerm alten Herrn Vergeltung �bte � �h � nein, keinesfalls. Dessen bin ich sicher.� Michel jubelte innerlich. Stets hatte er gef�rchtet, da� Charlotte ihn binnen kurzem vergessen haben k�nnte. Allzu lange war er ja auch noch nicht fort. Es war erst ein dreiviertel Jahr her, da� er sein abenteuerliches Leben begonnen hatte.</style></p><p><style name="font2">�Ich freue mich �ber diese Nachricht, Herr von Eberstein. Ich bin dem Schicksal geradezu dankbar, da� wir ausgerechnet auf die britische Fregatte �Quebec� sto�en mu�ten. Jedes Ding hat seine zwei Seiten. So, wir sind jetzt fertig mit dem Verband. Ich glaube, es wird am besten sein, Ihr begleitet mich jetzt zum Kapit�n. Da Ihr der F�hrer der Soldaten seid, w�re es sicher n�tzlich, wenn Ihr selbst mit Senor Porquez �ber die Verbesserung der Lage Eurer Leute verhandeln w�rdet. Ich selbst werde mein m�glichstes f�r meine Landsleute tun. F�hlt Ihr Euch noch schwach?�</style></p><p><style name="font2">�Kann man eigentlich nicht sagen. M�chte vielmehr behaupten, da� es mir ausgesprochen gut geht. Bin an sich nicht b�se, da� wir alle dem amerikanischen Kriegsschauplatz auf diese Weise entronnen sind. Nur, m�chte nicht verschweigen, da� ich gewisse Sorgen wegen dieser verdammten Piraten hege � �h � ich meine nat�rlich nicht Euch damit, lieber Doktor!� Michel lachte.</style></p><p><style name="font2">�Macht Euch keine Sorgen, Herr von Eberstein, ich habe beim Kapit�n schon einigen Einflu�. Und gar so schlimm, wie Ihr Euch das vorstellt, sind diese Korsaren nicht. Man kann sie eigentlich gar nicht zu der Kategorie der �blichen Seer�uber z�hlen. Sie fahren f�r Washington auf eigene Rechnung und machen gute Gesch�fte mit den Aufst�ndischen. Es war Pech, da� ihnen gerade Ihre Fregatte in die Quere kam. Man hatte nicht einmal die Absicht, Euch anzugreifen, bis Euer Schiff dann das Feuer er�ffnete. Na, Ihr habt inzwischen sicher wahrgenommen, wie gut unsere Kanoniere zielen k�nnen. Kommt jetzt, hier, diese Treppe hinauf. Gehen wir zu Kapit�n Porquez.�</style></p><p><style name="font2">Michel stieg voran. Der Rittmeister folgte ihm auf dem Fu�e. Als sie am Ausstieg anlangten und ins Zwischendeck treten wollten, kreuzten sich vor ihnen zwei Hellebarden.</style></p><p><style name="font2">Der Silbador blieb erstaunt stehen. Dann fuhr er die M�nner an: �Weshalb la�t ihr mich nicht durch, hombres?�</style></p><p><style name="font2">�Befehl vom Capitan�, antwortete der eine unsicher, wobei er den Pfeifer mit scheuen Blicken streifte.</style></p><p><style name="font2">�Nun, dieser Befehl gilt doch wohl sicherlich nur f�r die Gefangenen. Por Dios, erkennt ihr mich denn nicht? Ich bin euer Doktor! Demonio, wollt ihr wohl die Piken wegnehmen?� fragte er zornig, als die beiden keine Anstalten machten, ihn durchzulassen.</style></p><p><style name="font2">In diesem Augenblick kamen drei Gestalten den Gang entlang. Es waren Escamillo de Fuentes, der den Stumpf des rechten Arms in der Binde trug, der Steuermann Pedro Virgen und � Michel traute seinen Augen nicht � Marina, die ein kostbares andalusisches Gewand trug. Die beiden Posten nahmen respektvolle Haltung an. Michel wollte mit Gewalt die gekreuzten Piken durchbrechen. Da drang ein teuflisches Lachen an sein Ohr. Marina hatte es ausgesto�en.</style></p><p><style name="font2">�Hola, Silbador�, meinte sie jetzt, �Euch scheint sicher die Ver�nderung, die die letzten zwei </style><style name="font2">Stunden auf diesem Schiff mit sich brachten, entgangen zu sein. Euer Zauber wirkt nicht mehr.</style></p><p><style name="font2">Hier habe ich die Dose mit Euerm Pulver. Ergebt Euch. Eure Rolle ist ausgespielt!�</style></p><p><style name="font2">Michel starrte sie verst�ndnislos an. Was sagte das irrsinnige Weib da von Zauber? Was hatte es </style><style name="font2">f�r eine Bewandtnis mit der Dose, die sie in der Hand hielt? Michel verstand �berhaupt nichts </style><style name="font2">mehr. War sie pl�tzlich wahnsinnig geworden?</style></p><p><style name="font2">�Ich m�chte zum Capitan!� rief er, nachdem er sich gefa�t hatte.</style></p><p><style name="font2">�Diesen Wunsch kann ich Euch erf�llen. Adelante! Hablad! Ihr steht vor ihm.�</style></p><p><style name="font2">�Ich sehe ihn nicht. � Que diablo! Wo ist Senor Porquez?�</style></p><p><style name="font2">�Ach so�, spielte Marina die Erstaunte, �Ihr k�nnt ja noch nicht wissen, da� ich jetzt der Capitan dieses ehrenwerten Freibeuterschiffes bin, auf dem man Gefangene so behandelt, wie es die Freibeutergesetze vorschreiben.�</style></p><p><style name="font2">�Senor Virgen�, rief Michel, �spielt Ihr mir ein Theaterst�ck vor? Weshalb verhaftet Ihr nicht </style><style name="font2">dieses verr�ckte Frauenzimmer? Warum bringt Ihr sie nicht zum Capitan? Sie wird das ganze </style><style name="font2">Schiff durcheinanderwirbeln mit ihren Hirngespinsten.�</style></p><p><style name="font2">Pedro Virgen r�usperte sich, sah aber, ohne zu antworten, zu Boden.</style></p><p><style name="font2">�Ich glaube, ich habe diesem tollen Pfeifer eine Aufkl�rung zu geben, wenn Ihr erlaubt, </style><style name="font2">Senorita�, wandte sich Don Escamillo jetzt mit einer eleganten Verbeugung an Marina.</style></p><p><style name="font2">�Sprecht, Senor de Fuentes. Er ist zwar ein b�ser Magier, aber hellsehen scheint er nicht zu </style><style name="font2">k�nnen.�</style></p><p><style name="font2">�Du mu�t wissen, Silbador, da� wir das Schiff von deinem Bann befreit haben�, begann Escamillo gemessen, wobei jedoch teuflischer Hohn aus seinen Augen sprach. �Senor Porquez ist nicht mehr der Capitan der �Trueno�. Die Mannschaft hat es f�r richtig gehalten, ihr Schicksal der m�chtigen Marina Gr�fin de Andalusia anzuvertrauen, die die Kraft hatte, uns alle von deinem Zauber zu befreien. Senor Porquez und der Zweite Offizier, dein Freund Alfonso Jardin, mu�ten in Schutzhaft genommen werden, da diese beiden von deinem Bann nicht befreit werden konnten. Wir werden sie und dich dem Freibeutergericht in Codrington �bergeben. Wir laufen noch heute in den Hafen ein. Bis dahin m�ssen wir dich leider binden.� Er gab den Wachen einen Wink. Die beiden Pikeniere st�rzten sich auf Michel. Ein Kampf entspann sich auf Leben und Tod.</style></p><p><style name="font2">Als Marina sah, da� die zwei Leute nicht gen�gten, rief sie nach Verst�rkung. Der �bermacht erlag Michel und mu�te sich in sein Schicksal ergeben.</style></p><p><style name="font2">In diesem Augenblick fiel der Blick Marinas auf Rudolf von Eberstein, der wie gebannt auf seinem Platz hinter Michel gestanden hatte und angstvoll der sich vor seinen Augen entwickelnden Szene zuschaute.�Que quieres? Quien es? � Was willst du? Wer bist du?� schnauzte sie ihn an.</style></p><p><style name="font2">Eberstein fuhr sich �ngstlich an seinen Kavalierschnurrbart auf der Oberlippe. Sie hatte ihn etwas gefragt, auf spanisch. Er aber verstand nicht ein spanisches Wort und blickte sie nur verst�ndnislos an.</style></p><p><style name="font2">�Quien es?� wiederholte sie w�tend und trat drohend n�her. Eberstein zuckte die Schultern. Das aber erschien ihr als der Ausdruck gewellter Gleichg�ltigkeit und Nichtachtung. Sie holte aus und schlug dem erschrockenen Rittmeister ihre Hand ins Gesicht.</style></p><p><style name="font2">�Tramposo�, zischte sie. �Ich werde dich lehren, einer Dame zu antworten.�</style></p><p><style name="font2">�Weshalb schlagt Ihr diesen Mann, Marina?� fragte Michel, der jetzt gefesselt neben ihr stand.</style></p><p><style name="font2">�Warum antwortet der Hund nicht, wenn ich ihn etwas frage?�</style></p><p><style name="font2">Michel sch�ttelte den Kopf. Seine alte �berlegenheit war schon zur�ckgekehrt.</style></p><p><style name="font2">�Wie kann jemand Antwort geben auf eine Frage, die er nicht versteht! Ihr seid doch manchmal</style></p><p><style name="font2">�berklug, Marina.�</style></p><p><style name="font2">Sie warf ihm einen vernichtenden Blick zu und wandte sich abermals an Eberstein. �Who are you?� fragte sie auf englisch.</style></p><p><style name="font2">Diese Sprache kannte Eberstein. Sie klang ihm vertraut in den Ohren; denn er hatte mehrere Wochen in England gelegen, bevor die �berfahrt begann. Er suchte seine wenigen englischen Brocken zusammen und stotterte:</style></p><p><style name="font2">�I � Count Eberstein � I � Rittmeister � Captain � of � German � soldiers � da unten!� Er wies die Treppe hinunter, die er vor einigen Minuten mit Michel zusammen heraufgekommen war.</style></p><p><style name="font2">�You are a count? Du bist ein Graf?� fragte Marina lachend. �Yes � Madam � German count.�</style></p><p><style name="font2">�Bueno�, wandte sich Marina an ihre Leute, �schafft diesen komischen Grafen in den Karzer. Wir k�nnen ihn mit dem Silbador zusammensperren. Sie scheinen ja Freunde zu sein.� Escamillo machte ein bedenkliches Gesicht.</style></p><p><style name="font2">�Verzeiht, Senorita, wenn ich anderer Meinung bin. Wir sollten den deutschen Capitan wieder zu seinen Landsleuten stecken � damit wir sie nachher alle zusammenhaben. Ihr versteht doch? Die Leute warten geradezu darauf, ihnen den Garaus zu machen. Warum diesen schonen?� Marina zog die Brauen hoch.</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid unklug, Don Escamillo. Wir werden doch einen Grafen nicht umbringen. Ich bin �berzeugt davon, da� seine Angeh�rigen ein gutes L�segeld f�r ihn zahlen werden.� Escamillos Miene heiterte sich auf.</style></p><p><style name="font2">�Ah � Ihr habt recht, Senorita, das ver�ndert nat�rlich die Sachlage vollkommen.� �Que diablos!� schrie Michel die drei an. �Wollt ihr vielleicht die ganze Kompanie ermorden? � Ihr d�rft sie nicht umbringen, Gr�fin � seid doch einmal ein Mensch!� Marina k�mmerte sich nicht mehr um ihn.</style></p><p><style name="font2">�Bringt die beiden weg�, befahl sie den Wachen. �Adios amado mio�, winkte sie Michel sp�ttisch nach.</style></p><p><style name="font2">�Ich h�tte nie f�r m�glich gehalten, da� Frauen so klug sein k�nnen, Senorita�, versuchte Escamillo ihrerEitelkeit zu schmeicheln. �Die Genialit�t, mit der Ihr das Schiff in Eure H�nde gebracht habt, ringt mir h�chste Bewunderung ab.�</style></p><p><style name="font2">�Pah�, l�chelte Marina, �wartet noch ein Weilchen. Dann werdet Ihr mich richtig kennenlernen. Eins m�chte ich Euch gleich hier an Ort und Stelle sagen � auch Euch, Senor Virgen�, bemerkte sie zu dem Steuermann hin, �ich dulde keinen Widerspruch, auch nicht von Seiten meiner Offiziere. Was ich mir erobert habe, das lasse ich mir so leicht nicht wieder abjagen. Merkt Euch das, Senores, und spinnt keine Hintergedanken in meinem R�cken, sonst h�ngt Ihr noch eher als die Alemanes da unten im Kielraum. Ihr k�nnt jetzt gehen. Ich brauche Euch nicht mehr.�</style></p><p><style name="font2">Escamillo machte ein langes Gesicht. Er hatte bereits gute Zeiten f�r sich selbst kommen sehen.</style></p><p><style name="font2">�Valgame Dios�, meinte er zu Virgen, als sich die Gr�fin entfernt hatte. �Da scheinen wir uns ja </style><style name="font2">was Sch�nes aufgeh�ngt zu haben. Ich denke nicht daran, mir auf die Dauer von einem </style><style name="font2">raffinierten Frauenzimmer Befehle erteilen zu lassen.�</style></p><p><style name="font2">Pedro Virgen dr�ckte �ngstlich den Zeigefinger auf die Lippen.</style></p><p><style name="font2">�Nicht so laut, Escamillo, bedenkt, wenn man Euch h�rt!�</style></p><p><style name="font2">Escamillo d�mpfte seine Stimme zum Fl�sterton.</style></p><p><style name="font2">�Sobald wir an Land sind, suchen wir das Freibeutergericht auf. Wir m�ssen es erreichen, da� </style><style name="font2">Porquez sein Schiff wiederbekommt, unter der Bedingung, da� er den Doktor und Jardin nicht </style><style name="font2">mehr aufnimmt. Das Weib mu� so bald wie m�glich in der Versenkung verschwinden. So eine </style><style name="font2">verfluchte Hexe! M�chte wissen, wie sie an Bord kommen konnte.�</style></p><p><style name="font2">�Kann mir denken, da� sie dem Alten eine reiche Entlohnung f�r die Passage gegeben hat. </style><style name="font2">Wahrscheinlich ist sie so ein Fr�chtchen, das sich auf der Iberia nicht mehr sehen lassen darf. </style><style name="font2">M�chte darauf schw�ren, da� der Doktor lediglich auf das Schiff gekommen ist, um sie zu </style><style name="font2">beobachten. � Was denkt Ihr, Escamillo, wer den Garcia umgebracht hat?�</style></p><p><style name="font2">�Sie nat�rlich, wer sonst? Aber was geht das uns an?�</style></p><p><style name="font2">�Nichts, gar nichts�, beeilte sich Virgen zuzustimmen.</style></p><p><style name="font2">Marina ging in die Komb�se.</style></p><p><style name="font2">�Gebt Wein an die Leute aus, Koch, und sorgt daf�r, da� die Rationen von jetzt ab erh�ht werden. Wenn die Schiffskasse nicht ausreicht, so schie�e ich das Geld aus meiner Tasche zu.� Der Koch, ein alter Gauner, aber ein Meister in seinem Fach, machte eine tiefe Verbeugung. �Naturalmente, Senorita Capitan, maravilloso! Ich werde den M�nnern sagen, wie gut es ist, wenn man einen Capitan hat, der auch etwas von den Gen�ssen des Lucullus versteht.� �Oh�, meinte Marina, �Ihr braucht den Leuten nicht zu sagen, da� ich diese Anweisung gegeben habe, sonst glauben sie, ich will mich bei ihnen einschmeicheln. Das habe ich nicht n�tig.� �Naturalmente, Senorita, ich werde stumm sein wie ein Grab�, plusterte sich der Koch auf. Man sah aber seinen Augen an, da� er es kaum erwarten konnte, den Mannschaften die frohe Kunde zu bringen.Es war auch nicht viel mehr als eine Viertelstunde vergangen, als die Korsaren nach ihrer Kapit�nin schrien. Minutenlang lie�en sie die Gr�fin hochleben, die die Gelegenheit benutzte, um sich gleich nach Piratenart Treue schw�ren zu lassen.</style></p><p><style name="font2">�Von nun an, Jungs�, rief sie, �geh�rt das Schiff euch. Ihr steht nicht mehr in Heuer, sondern erhaltet von jeder Beute gleichen Anteil. Wir werden den Kaperbrief verbrennen und auf eigene Faust unsere K�mpfe ausf�hren. Von heute an gilt nur noch das Piratenrecht. Ich hoffe, ihr seid einverstanden.�</style></p><p><style name="font2">Ein johlendes Gebr�ll folgte diesen Worten.</style></p><p><style name="font2">Marina hielt pl�tzlich eine goldumstickte, schwarze Samtflagge in der Hand, auf der zwei H�nde abgebildet waren. Die eine packte gerade ein Schiff und die andere streichelte einen Frauenkopf. �Das ist unsere neue Flagge: Liebe auf dem Land und Beute zur See. Wie gef�llt sie euch?� �Bien! � Bravo! � Diantre! � Oh! � Oh!� kamen die Beifallsrufe der Leute. Als die Stimmung weiter fortgeschritten war, rief Marina pl�tzlich den Namen Guillermo. Sie hatte zu Beginn der Meuterei genau aufgepa�t, wer den Anla� durch seine Unzufriedenheit dazu gegeben hatte. Unzufriedene waren immer unzufrieden. Man mu�te also vorbeugen. Es gab zwei M�glichkeiten: entweder man h�ngte sie auf, oder man machte sie zufrieden. Marina war klug genug, um sich f�r das letztere zu entscheiden. Als Guillermo vortrat, reichte sie ihm die Hand.</style></p><p><style name="font2">�Ich habe geh�rt, da� du ein tapferer Mann bist, und bitte dich, zu mir in die Kabine zu kommen.�</style></p><p><style name="font2">Als Guillermo sp�ter bei ihr war, schritt sie erst zur T�r, um sich zu vergewissern, da� niemand horchte.</style></p><p><style name="font2">�H�r zu, amigo, ich habe f�r dich einen besonderen Auftrag. Willst du ihn annehmen?� Der Pirat nickte eifrig.</style></p><p><style name="font2">�Gut denn, ich will dich in mein Vertrauen ziehen. H�r zu, ich traue weder dem Steuermann noch dem Zweiten Offizier. Ich wei�, da� es diesen beiden nicht recht ist, mich als Capitan �ber sich zu haben. Du wirst von heute an deinen Dienst an Deck quittieren und mein pers�nlicher Besch�tzer werden. Beobachte diese beiden Caballeros und melde mir, wenn du etwas Verd�chtiges bei ihnen bemerkst. Ferner pa�t du auf, da� man nicht gegen mich intrigiert. Es k�nnten auch unter der Mannschaft noch Leute sein, die der Silbador behext hat. Jedenfalls lege ich mein Schicksal in deine tapferen H�nde.� Sie stand auf und gab ihm einen z�rtlichen Ku� auf die Wange.</style></p><p><style name="font2">�Willst du das f�r mich tun?�</style></p><p><style name="font2">Guillermo sank auf die Knie und schwor jeden Eid. Er h�tte sich f�r die sch�ne Kapit�nin vierteilen lassen.</style></p><p><style name="font2">Marina wu�te, wie man Unzufriedenheit in Opferbereitschaft verwandelt.</style></p><p><style name="font2">Michel stolperte vorw�rts und stie� mit dem Kopf gegen die Wand des engen Schiffskarzers. Eberstein fiel �ber ein Paar Beine auf der Erde. Es war so dunkel in diesem Loch, da� man nicht die Hand vor den Augen sehen konnte.</style></p><p><style name="font2">�Hola�, sagte eine Stimme, �wir kriegen Gesellschaft, Capitan. Ich nehme an, da� einer von den beiden Caballeros Senor Baum ist.�</style></p><p><style name="font2">�Ihr habt Euch nicht geirrt, Jardin. Ich bin es. K�nnt Ihr mir erkl�ren, wie diese verteufelte Situation zustande gekommen ist?�</style></p><p><style name="font2">�Und ob ich das kann, amigo! Das Weibsst�ck hat das ganze Schiff aufgewiegelt.� Er berichtete der Reihe nach, wie sich alles zugetragen hatte.</style></p><p><style name="font2">�So verdankt Ihr dieses Ungl�ck nicht zuletzt mir, Senores�, sagte Michel, �und das tut mir aufrichtig leid. Was werden sie mit uns machen?� Der Kapit�n schaltete sich ein. �Sie werden in Codrington ein Piratengericht zusammenrufen und behaupten, da� wir ihnen verboten h�tten, die Feinde zu t�ten, und somit das Schiff gef�hrdet worden sei. Oder sie werden sagen, da� wir ihnen die Beute nicht geg�nnt h�tten. Mit dem Unsinn von der Zauberei k�nnen sie dem alten Seerichter nicht kommen. Er w�rde sie auslachen. Man wird ihn �brigens bestechen, so da� wir in jedem Fall Unrecht bekommen. Mag sein, da� sie uns selber laufen lassen; aber mein Schiff bin ich los. Und Ihr bekommt nirgends mehr eine Heuer.� �Sch�ne Aussichten�, brummte Jardin. �Wie konntet Ihr nur ein Weib an Bord nehmen? Es ist eine alte Weisheit, da� Frauen auf dem Wasser Ungl�ck bringen.�</style></p><p><style name="font2">�Por diablo, Jardin, h�ttet Ihr Euch eine solche Perlenkette entgehen lassen? Wer konnte ahnen,</style></p><p><style name="font2">da� dieses Weib den Satan im Leibe hat?�</style></p><p><style name="font2">�Ich�, sagte Michel bescheiden.</style></p><p><style name="font2">�Ah, und warum habt Ihr uns nicht gewarnt?�</style></p><p><style name="font2">�Ihr h�ttet mir nicht geglaubt. Das werdet Ihr zugeben, wenn Ihr ehrlich seid.� �Hm�, brummte der Kapit�n.</style></p><p><style name="font2">��h � sagt einmal, meine Herren � �h � was gibt es eigentlich?� lie� sich Rittmeister Eberstein vernehmen, der kein Wort von der Unterhaltung verstanden hatte. �Demonio�, rief der Kapit�n, �wer spricht denn hier so ein Kauderwelsch, das kein Mensch verstehen kann?�</style></p><p><style name="font2">�Es ist der F�hrer der Gefangenen�, antwortete Michel.</style></p><p><style name="font2">Michel berichtete dem Grafen vom Inhalt der Unterredung.</style></p><p><style name="font2">�So sollen alle meine Musketiere aufgeh�ngt werden?� fragte er ersch�ttert.</style></p><p><style name="font2">�Das wird sich nicht vermeiden lassen; Piratenrecht ist hart und grausam.�</style></p><p><style name="font2">�Da habt Ihr uns sch�n in die Falle gelockt, Doktor. Wir vertrauten auf Euer Versprechen. Sonst</style></p><p><style name="font2">h�tten wir uns nicht ergeben.�</style></p><p><style name="font2">Michel schwieg. Was einem doch alles passieren konnte, wenn man sich f�r die Menschlichkeit einsetzte! W�rde es auf der Welt immer so bleiben, da� das Schlechte die Oberhand behielt? Verlohnte es sich dann �berhaupt noch zu leben?</style></p><p><style name="font2">�Wir sind �brigens nicht die einzigen, die man gefangen hat�, unterbrach Jardin Michels Gedankeng�nge. �Neben uns in dem kleinen Karzer sitzen Ojo und Deste, von denen die entz�ckende Marina ebenfalls behauptete, da� sie von Euch verhext seien.�</style></p><p><style name="font2">�Seid ihr eigentlich an die Wand geschlossen oder nur gefesselt?� fragte Michel unvermittelt. Ihm war eine Idee gekommen. Wenn alle Korsaren tats�chlich von seinen �bernat�rlichen Kr�ften �berzeugt waren, so m��te es doch einen Weg geben, sie zu verbl�ffen. �Nein�, sagte der Kapit�n. �Ich habe meine Fessel schon so weit gelockert, da� ich sie nur noch abzustreifen brauche. Aber was soll das n�tzen? Wir k�nnen doch nicht vom Schiff kommen. Lebendig wenigstens nicht. Au�erdem sind wir noch ein ganzes St�ck vom Hafen entfernt. Ich � verdammt�, unterbrach er sich pl�tzlich, �merkt ihr nichts, Senores?� Er richtete sich m�hsam auf und lehnte sich an die Wand. Da fuhr auch Jardin auf. �Was habt Ihr?� fragte Michel gespannt.</style></p><p><style name="font2">�Bei meinem Barte�, murmelte der Kapit�n. �Sie �ndern den Kurs! Man h�rt es am Gang des Ruders in den Wellen.�</style></p><p><style name="font2">�Tausend Donner, sie schwenken immer noch! Ja, sp�rt Ihr es, Capitan? F�hlt Ihr nicht die allm�hliche Drehung, Senor Baum?�</style></p><p><style name="font2">�Ich verstehe von diesen Dingen nichts. Ich bin ja zum erstenmal auf See.�</style></p><p><style name="font2">�Jetzt haben sie Nordkurs. Tats�chlich, genau neunzig Grad betrug die Schwenkung�, meinte</style></p><p><style name="font2">Jardin.</style></p><p><style name="font2">�Das hei�t also�, sagte Michel, �da� wir Codrington nicht anlaufen, wie?� �Si, Senor, genau das. Sie suchen die offene See zu gewinnen.�</style></p><p><style name="font2">�K�nnt Ihr Euch das erkl�ren?� fragte Michel. �Sie k�nnen doch nicht mit der englischen Fregatte im Schlepp auf Kaperfahrt gehen?�</style></p><p><style name="font2">�Die werden sie bei n�chster Gelegenheit schwimmen lassen�, sagte der Kleine. �Ich nehme an, sie wollen</style></p><p><style name="font2">den Hafen vermeiden, bis sie die Gefangenen abgemurkst, beraubt und ins Meer geworfen </style><style name="font2">haben. Pa�t auf, die Metzelei wird nicht lange auf sich warten lassen.�</style></p><p><style name="font2">Als ob sich seine Worte best�tigen sollten, �ffnete sich jetzt die Karzert�r.</style></p><p><style name="font2">Marina erschien, begleitet von zwei Wachen, die diesmal keine Hellebarden trugen, sondern </style><style name="font2">Pistolen im Anschlag hielten.</style></p><p><style name="font2">�Kommt heraus, Silbador�, befahl die Gr�fin.</style></p><p><style name="font2">Michel r�hrte sich nicht.</style></p><p><style name="font2">Marina wiederholte ihren Befehl und f�gte hinzu: �Wenn Ihr nicht gehorcht, lasse ich Euch aufh�ngen.�</style></p><p><style name="font2">�Wie k�nnt Ihr das tun, Marina? Ihr liebt mich doch. Was h�ttet Ihr von mir, wenn ich eine Leiche w�re?�</style></p><p><style name="font2">Das war peinlich. Es war mehr als ein Regiefehler, da� die beiden W�chter die Worte des Silbador verstanden hatten. Aber Marina wu�te auch diese Situation zu retten. Voller Hohn antwortete sie:</style></p><p><style name="font2">�Ihr scheint Euch einzubilden, da� Euer Zauber immer noch auf mich wirkt. Nun, das ist vorbei. Wenn ich je eine Zuneigung zu Euch hatte, so nur, weil Ihr mich mit Euren teuflischen K�nsten bestricktet. � Adelante!� fuhr sie die Wachen an, �bringt den Kerl in meine Kabine, tot oder lebendig.�</style></p><p><style name="font2">Die Korsaren gehorchten eifrig. Sie entz�ndeten eine Kerze, packten Michel und schleppten ihn hinaus.</style></p><p><style name="font2">�Eberstein�, rief dieser noch auf deutsch, �versucht doch den �ndern klarzumachen, da� sie sich von ihren Fesseln befreien sollen. Wahrscheinlich gibt es doch noch einen Weg in die Freiheit.� �Maul halten!� br�llte ihn ein W�chter an und schlug ihm ins Gesicht.</style></p><p><style name="font2">Michel wurde zur Kapit�nskaj�te geschleppt und dort der Gr�fin vor die F��e geworfen. �Vergelte euch Gott eure Freundlichkeit, ihr tramposos�, sagte Michel mit liebensw�rdiger Stimme zu den W�chtern, als er sich m�hsam wieder aufgerichtet hatte. �Ich werde mir eure Gesichter merken. Ihr seid die ersten, die eine Kugel aus meinem Wundergewehr zu kosten bekommen. Das verspreche ich euch.�</style></p><p><style name="font2">�Schweigt!� warnte Marina den Spottenden, �sonst lasse ich Euch hier an Ort und Stelle Euern</style></p><p><style name="font2">�bermut austreiben! � Geht hinaus�, wandte sie sich an die W�chter.</style></p><p><style name="font2">Diese befolgten nur z�gernd ihr Gehei�. Aber schlie�lich war der �Zauberer� ja gefesselt. Er </style><style name="font2">w�rde also der verehrten Senorita Capitan nichts antun k�nnen.</style></p><p><style name="font2">�Wie geht es Euch?� fragte Marina, als sie allein waren.</style></p><p><style name="font2">�Oh, muchas gracias, Madonna, es ist mir nie besser gegangen�, l�chelte Michel sie an. Marina glaubte nicht recht geh�rt zu haben. War des Widerspenstigen Z�hmung schon abgeschlossen?</style></p><p><style name="font2">�Ihr nanntet mich zum erstenmal seit Monaten wieder Madonna--�</style></p><p><style name="font2">�Wie k�nnte ich l�nger gegen mein Herz ank�mpfen, hermosa Senora! Mir macht dieses kleine Zwischenspiel Spa�. Darf ich mich zu Euch setzen, um den Duft Eurer zarten Haut atmen zu k�nnen?�</style></p><p><style name="font2">Marina schob ihm einen Stuhl hin.</style></p><p><style name="font2">�Wollt Ihr mir nicht die Fesseln abnehmen?�</style></p><p><style name="font2">Sie l�chelte mit einer Mischung von Skepsis, Liebe und Zynismus.</style></p><p><style name="font2">�Es tut mir unendlich leid, da� ich Euerm Wunsch nicht willfahren kann. Aber so weit ist es noch nicht. Ich bin jetzt nicht mehr die kleine Arztgehilfin, die um Eure Liebe fleht, sondern die Gr�fin, die ihre Liebe dann verschenkt, wenn sie es f�r richtig h�lt.� Michel zuckte die Achseln.</style></p><p><style name="font2">�Mir ist es gleich�, sagte er in tiefem Ernst, �auf welche Weise ich Euch Gesellschaft leiste.</style></p><p><style name="font2">Gestattet Ihr mir eine Frage?�</style></p><p><style name="font2">�Bitte.�</style></p><p><style name="font2">�Was geschieht nun mit meinen Landsleuten, die unten im Kielraum liegen? Werdet Ihr sie h�ngen lassen?�</style></p><p><style name="font2">�Ich wei� nicht, wie ich mein Versprechen den Korsaren gegen�ber anders erf�llen soll.� Michel nickte ganz in Gedanken.</style></p><p><style name="font2">�Ihr habt recht�, fl�sterte er verhalten und traurig, �wer ein Versprechen bricht, ist ehrlos.� Marina horchte gespannt auf diese Stimme. Was hatte er da gesagt? Wer sein Versprechen bricht, ist ehrlos. Sie glaubte ihn gut genug zu kennen. Sie war davon �berzeugt, da� er nie ein Versprechen brechen w�rde.</style></p><p><style name="font2">Michel wartete geduldig. Seine Augen blickten sie gro� und wehm�tig an. Aber um sein Kinn zuckte es wie verhaltenes Lachen oder wie eine kaum zu b�ndigende Spannung. Da nahm sie das Wort. Da sprach sie die Frage aus, die ihr Michel in den Mund gelegt hatte. �Sagt, w�rdet Ihr auch mir gegen�ber ein Wort halten?�</style></p><p><style name="font2">Michel schnappte nicht sofort zu. Das h�tte verd�chtig sein k�nnen. Er betrachtete sie einen </style><style name="font2">Moment verwundert und meinte dann im Brustton innerster �berzeugung:</style></p><p><style name="font2">�Ich habe noch nie in meinem Leben ein Wort gebrochen. Noch nie, h�rt Ihr, Madonna?�</style></p><p><style name="font2">Sie blieb f�r Sekunden still. Triumphierend blitzten pl�tzlich ihre Augen.</style></p><p><style name="font2">�Nun gut, versprecht mir, da� Ihr mir nicht entfliehen werdet, wenn ich Eure Fesseln l�se.�</style></p><p><style name="font2">�Ich verspreche es.� �Gebt Eure H�nde her.�</style></p><p><style name="font2">Es war schwer f�r Michel, seine Spannung zu verbergen. Aber sie griff zum Messer und schnitt die Stricke durch.</style></p><p><style name="font2">�Ich danke Euch f�r das Vertrauen, Madonna�, sagte er. Sie schlo� die Augen und dr�ngte ihm ihren Mund entgegen. �K��t mich!� fl�sterte sie verz�ckt.</style></p><p><style name="font2">F�rwahr, dachte Michel, diese Frau verliert durch ihre Leidenschaft zeitweise gar den Verstand. Er benutzte den Augenblick, in dem sie nichts sehen konnte, und befreite sich auch von den Stricken, die seine F��e zusammenhielten. Dann reckte und streckte er sich, bis das Blut normal zirkulierte.</style></p><p><style name="font2">Marina �ffnete die Augen und blickte ihn b�se an.</style></p><p><style name="font2">�Weshalb k��t Ihr mich nicht?�</style></p><p><style name="font2">Michel verschr�nkte die Arme �ber der Brust.</style></p><p><style name="font2">�Ich habe Euch nicht versprochen, da� ich Euch k�sse, Marina.�</style></p><p><style name="font2">Marina stand auf. Ihre Augen blitzten zornig.</style></p><p><style name="font2">�Ich werde die Wachen rufen, damit sie Euch wieder binden! Ihr habt mit dem blutenden Herzen einer Frau gespielt, Silbador! Ihr seid ein Schuft!� Michel lachte auf.</style></p><p><style name="font2">�Ihr meintet: mit der blutbefleckten Seele einer Verbrecherin, nicht wahr, Marina?� Die Gr�fin verf�rbte sich und trat ein paar Schritte zur�ck. �Ah, ich habe Euer Wort, da� Ihr mir nicht entflieht!�</style></p><p><style name="font2">�Nat�rlich. Ich bin ja noch hier, � oder sollte mein Zauber gar so stark sein, da� Ihr mich nicht </style><style name="font2">mehr zu erkennen verm�gt?�</style></p><p><style name="font2">�Bueno, und was gedenkt Ihr nun zu tun?�</style></p><p><style name="font2">�Euch zu zwingen, mich gehen zu lassen, mich und alle, die Ihr gefangen habt.� �Ihr m��t verr�ckt sein. Ihr werdet mich nicht zwingen k�nnen.� Michel ging gem�tlich hin�ber zu einer in der Ecke stehenden Truhe, nahm dort einen Gegenstand an sich und hielt ihn in die Luft.</style></p><p><style name="font2">�So, das w�re Nummer eins. Und wenn mich nicht alles t�uscht, dann liegen dort dr�ben in der grauen Lederdecke meine Waffen noch genauso gut verpackt, wie ich sie in meiner Koje zur�ckgelassen habe.�</style></p><p><style name="font2">Marina erbleichte. Dann aber lachte sie schallend auf. �Wollt Ihr vielleicht allein gegen das ganze Schiff k�mpfen?�</style></p><p><style name="font2">Michel hatte inzwischen die Waffen an sich gebracht. Der Degen seines Vaters hing an seiner H�fte, und das Gewehr �ber seiner Schulter.</style></p><p><style name="font2">�H�rt zu, Marina�, sagte er ernst, �ich werde froh sein, wenn ich mit meinen Freunden gl�cklich auf der britischen Fregatte bin, die Ihr noch immer im Schlepp habt. Wenn Ihr mich heimlich gehen la�t, nachdem ichebenso heimlich die Gefangenen befreit habe, so sind wir f�r diesmal quitt.�</style></p><p><style name="font2">�Ich denke nicht daran. Trotz Eurer Waffen seid Ihr nach wie vor in meiner Hand.� �Ihr irrt Euch, Gr�fin. Seht her! Hier habe ich Eure Schmuckdose, von der Ihr allen Leuten gegen�ber behauptet habt, da� sie ein Zauberpulver enthalte. �ber der Schulter h�ngt mein �Zaubergewehr�, und meinen nie fehlenden Degen habe ich auch an der Seite. Begreift Ihr, was das hei�t? Die Mannschaft ist in den letzten paar Stunden nicht weniger abergl�ubisch geworden.�</style></p><p><style name="font2">Marina erkannte pl�tzlich die furchtbare Gefahr, in der sie schwebte.</style></p><p><style name="font2">�Ihr verga�t, da� die Fregatte vollkommen abgetakelt ist. Ihr w�rdet also in Euern eigenen </style><style name="font2">Untergang segeln, wenn ich Euch den Gefallen t�te, Euch laufen zu lassen.�</style></p><p><style name="font2">�Bueno, Marina, lieber mit einem halbzerbrochenen Schiff in den Untergang, als Eure Liebe</style></p><p><style name="font2">ertragen m�ssen. � Ihr entla�t mich jetzt?�</style></p><p><style name="font2">Michels letzte Worte brachten die Frau um ihre Besinnung.</style></p><p><style name="font2">�Wachen!� schrie sie mit verzweifelter Wut. Sie mu�te wieder Herrin der Lage werden. Die T�r sprang auf, und die W�chter standen auf der Schwelle. Sie wollten sich auf Michel st�rzen. Da aber sahen sie, wie dieser schluckte, etwas hinunterschluckte, was er soeben in den Mund genommen haben mu�te. Ihr Blick fiel auf die Dose mit dem Zauberpulver. Und zudem ri� Michel jetzt das Gewehr mit der eigenartigen Laufkonstruktion von der Schulter und begann laut und gr��lich zu pfeifen.</style></p><p><style name="font2">Langsam legte er das Gewehr an und zielte auf den einen der beiden, denen er vor noch nicht einer Viertelstunde versprochen hatte, ihn eine Kugel aus seinem Zaubergewehr kosten zu lassen. Ein Schu� krachte. Der eine Korsar st�rzte st�hnend nieder. Michel hatte ihn ins Bein getroffen. Jetzt scho� er abermals und dann nochmals, um auch die letzten Zweifel an der Wunderkraft seines Gewehrs zu zerstreuen.</style></p><p><style name="font2">Die Wirkung war frappierend. Der getroffene Posten kroch trotz seiner Schmerzen um die Ecke in den Gang. Der Unversehrte aber lie� seine Pistole fallen und rannte schreiend davon. �Madre de Dios, Santa Maria, hilf uns, der Teufel geht um! Der Pfeifer ist frei und wird uns alle vernichten! Er schie�t ununterbrochen, ohne zu laden!�</style></p><p><style name="font2">Michel aber lud fieberhaft die abgeschossenen L�ufe. In diesem Augenblick erschien Guillermo. Michel verwundete auch ihn.</style></p><p><style name="font2">Der Steuermann und Don Escamillo kamen, von dem L�rm herbeigerufen, und erhielten jeder einen Schu� in den Oberschenkel. Damit waren die gef�hrlichsten Gegner ausgeschaltet. Marina sank totenbla� auf einen Sessel und pre�te die H�nde vors Gesicht. Mit einem Satz war der Pfeifer, nachdem er wieder geladen hatte, auf dem Gang. Man mu�te das Eisen schmieden, solange es hei� war.</style></p><p><style name="font2">Ohne nach rechts oder links zu sehen, st�rmte er zur T�r des Karzers und ri� sie auf. �Fertig, Caballeros?� fragte er.</style></p><p><style name="font2">Die drei waren ihrer Fesseln ledig. Graf Eberstein hatte ihnen klarmachen k�nnen, da� sie keine Minute mit der Selbstbefreiung verlieren d�rften.Mit einem Tritt zerschmetterte der Silbador die T�r, hinter der Ojo und Deste lagen. �Eure Fesseln her!�</style></p><p><style name="font2">Er ri� den Degen aus der Scheide und zerschnitt die Bande der beiden M�nner. �Lauft zu den Heckbooten. Kappt die Taue. Wir m�ssen versuchen, auf die Fregatte zu entkommen. Adelante! Adelante! Verliert keine Zeit. � Eberstein, kommt, wir wollen Eure Leute befreien!�</style></p><p><style name="font2">Michel nahm Richtung zur Einstiegluke des Kielraums. Der dort stehende Posten war zu �berrascht, als er den Silbador sah. Er dachte nicht an Gegenwehr, sondern rannte schreiend von dannen.</style></p><p><style name="font2">Im Nu war das Luk ge�ffnet.</style></p><p><style name="font2">�Einzeln heraufkommen, Soldaten! Nicht dr�ngen! Wenn ihr vern�nftig bleibt, seid ihr in ein paar Minuten frei!�</style></p><p><style name="font2">Und sie kamen. Sie waren fast erstickt in dem Gestank dort unten. Aber sie nahmen sich zusammen. �</style></p><p><style name="font2">Inzwischen war Marina aus ihrer Erstarrung erwacht. Sie ergriff einen S�bel und st�rzte an Deck.</style></p><p><style name="font2">�Korsaren!� schrie sie. �Der Silbador ist frei. Wer ihn f�ngt, erh�lt einen Canast voll Duros.� Zuerst r�hrte sich niemand. Dann kamen vereinzelt ein paar M�nner zum Vorschein. Sie bemerkten eine dunkle Kette menschlicher Leiber, die sich zum Heck hinzog. Es waren die befreiten Soldaten. Hier und da krachte ein Schu�.</style></p><p><style name="font2">�Alle Mann an Deck!� rief Marina. �Greift die Fliehenden an. Es darf niemand entkommen!� Langsam sammelten sich ihre erschrockenen Piraten. Aber es fehlte ihnen einfach der m�nnliche F�hrer, der todesverachtend als erster vorangest�rmt w�re.</style></p><p><style name="font2">Michel Baum, der den R�ckzug seiner Freunde deckte, erkannte das Z�gern. Mit einem Satz stand er auf einer Teertonne.</style></p><p><style name="font2">�Korsaren!� schrie er. �Hier steht der Silbador. Ich habe Euch bewiesen, da� ich ununterbrochen schie�en kann. Wer nur einen Schritt nach vorn tut, f�llt von meinen Kugeln, die mir der Teufel gegossen hat. Wir werden Euch nicht vernichten. Ihr k�nnt in Frieden weitersegeln, wenn wir unbehelligt vom Schiff kommen, sonst--�</style></p><p><style name="font2">Drei Korsaren st�rmten pl�tzlich nach vorn. Sie glaubten nicht so recht an die Zauberkr�fte des Pfeifers. Vor allem aber wollten sie sich vor den Augen ihrer Kapit�nin auszeichnen. Da legte Michel � allen sichtbar � das Gewehr an und scho�, ohne abzusetzen, viermal hintereinander.</style></p><p><style name="font2">Ein entsetzter Aufschrei aus zweihundert Kehlen erfolgte. Es gab niemanden mehr auf der �Trueno�, der an der �berirdischen Macht des Silbador zu zweifeln wagte. �Glaubt nicht an seine Wunderkraft!� schrie die Gr�fin. �Er hat nur noch zwei Kugeln im Lauf. Greift an, meine Tapferen, greift an!�</style></p><p><style name="font2">Da schrie Michel mit Stentorstimme, in der ein schlecht unterdr�cktes Lachen mitschwang: �Wenn Ihr Eure Leute weiter gegen mich hetzt, Senorita, so verwandle ich Euch vor ihren Augen wieder in einen Arztgehilfen. Dann ist die Mannschaft ihren Kapit�n los, und Ihr werdet nie mehr erl�st werden!�</style></p><p><style name="font2">Die Wirkung dieser Worte war verbl�ffend. Drei, vier Leute st�rzten sich auf ihre Kommandantin und zerrten sie in einen Winkel, wohin der Blick des Silbadors nicht reichte.�Valgame Dios!� schrie einer der M�nner. �La�t uns unsere Senorita, Silbador. Wir werden Euch nichts mehr hm!�</style></p><p><style name="font2">�Ich nehme dich beim Wort, hombre!� Er wandte sich zur�ck an seine Freunde. �Alles in den Booten?�</style></p><p><style name="font2">��ber die H�lfte ist schon auf der �Quebec��, lachte Kapit�n Porquez mit einem weinenden </style><style name="font2">Auge; denn es fiel ihm nicht leicht, seine �Trueno� diesem Satansweib zu �berlassen.</style></p><p><style name="font2">Da klang Ebersteins Stimme von Bord des englischen Schiffes her�ber:</style></p><p><style name="font2">�Meine Leute haben zehn Kanonen klargemacht. Die Verbindungstaue sind gekappt. Wir l�sen </style><style name="font2">uns langsam vom Piratenschiff.�</style></p><p><style name="font2">Michel blickte dorthin, wo er Marina vermutete, und rief auf franz�sisch:</style></p><p><style name="font2">�Adieu, Madame Capitain, verge�t das Weitersegeln nicht und benutzt die n�chsten zehn Jahre </style><style name="font2">dazu, Euch in einen Eurer M�nner zu verlieben! Mich bekommt Ihr nie!�</style></p><p><style name="font2">Damit sprang er ins Boot und war in wenigen Augenblicken im Dunkel der Nacht </style><style name="font2">verschwunden. </style><style name="font2">Grau kam der Morgen herauf. Es wehte ein scharfer S�dwest, der dr�ckende Hitze mit sich brachte. Das Meer lag still, und als endlich die Sonne heraufkam, sah man, wie sich die Wellen glitzernd kr�uselten.</style></p><p><style name="font2">Michel Baum erwachte. Er erhob sich von einer zerrissenen Segelleinwand und reckte die steifen Glieder.</style></p><p><style name="font2">Dann fiel sein Blick auf sein neben ihm liegendes Gewehr. Nachdem er kein Pferd mehr besa�, </style><style name="font2">galt seine Sorge vor allem den Waffen, die ihm erhalten geblieben waren.</style></p><p><style name="font2">Er nahm das graue Ledertuch auf und wickelte die kostbare Muskete sorgf�ltig darin ein. Dann </style><style name="font2">endlich lie� er den Blick �ber das tr�mmer�bers�te Deck der �Quebec� streifen.</style></p><p><style name="font2">Da lagen sie tr�ge herum, die Gestalten in ihren blauen hessischen Uniformen, und blinzelten </style><style name="font2">faul in die aufgehende Sonne, als h�tten sie weder Sorgen noch Arbeit. Dabei befanden sie sich </style><style name="font2">auf den Planken eines gekaperten Schiffes, an dem nur noch der Rumpf in Ordnung war, sonst </style><style name="font2">nichts.</style></p><p><style name="font2">Michel nahm die Lederrolle �ber die Schulter und ging mit weit ausladenden Schritten zum Heck. Die Soldaten sahen kurz auf, ohne aber ihre Lage auch nur um einen Zoll zu ver�ndern. Faule Gesellschaft, dachte Michel. Aber er war ehrlich genug, sich zu fragen, ob er sich in ihrer Lage anders verhalten h�tte.</style></p><p><style name="font2">Er begann zu pfeifen. Keine schauerliche Weise diesmal, sondern irgendeinen nichtssagenden Gassenhauer.</style></p><p><style name="font2">Dann blieb er stehen und sah sich suchend um.</style></p><p><style name="font2">Wo, um alles in der Welt, waren seine spanischen Freunde und der hessische Graf?</style></p><p><style name="font2">�Sucht Ihr jemanden, Herr Doktor?� fragte ein in der N�he liegender Korporal.</style></p><p><style name="font2">�Ja, Kerl, nat�rlich. Oder meint Er, ich stehe hier zum Spa� herum, nur um mir den Atlantik </style><style name="font2">anzuschauen?�</style></p><p><style name="font2">Die scharfe Antwort bewirkte, da� der Korporal sichnun doch endlich erhob und zu dem Mann hintrat, der ihnen allen das Leben gerettet hatte.</style></p><p><style name="font2">�Ihr m��t entschuldigen, Herr Doktor, uns sitzt n�mlich der Schreck noch gewaltig in den Gliedern. Der Schlaf in der frischen Luft hat uns gut getan. Ich f�r meinen Teil stehe Euch jetzt zur Verf�gung. Kann ich etwas f�r Euch tun?� Michel sah sich sein Gegen�ber belustigt an.</style></p><p><style name="font2">�F�r mich?� fragte er lachend, �nein, es w�re wahrhaftig vern�nftiger, wenn ihr alle so schnell wie m�glich etwas f�r euch selber t�tet. Oder glaubt ihr vielleicht, da� das Schiff seinen Hafen ohne Segel und mit zerbrochenem Ruder findet?� Der Korporal sah ihn verlegen an.</style></p><p><style name="font2">�Wir verstehen nichts von der Seefahrt, Herr Doktor; ich glaube nicht, da� hier auch nur ein einziger ist, der so viel Wasser auf einmal gesehen hat. H�tte nie f�r m�glich gehalten, da� es sowas �berhaupt gibt. Die englische Flotte, die uns in die britischen Kolonien bringen sollte, bestand immerhin aus mehreren Schiffen, und wir sahen noch etwas anderes als Wasser und unseren kleinen Kahn. Aber jetzt � ��</style></p><p><style name="font2">�Oh�, meinte Michel, �was die Wassermassen anbelangt, da gebt euch keinen Illusionen hin. Der Atlantik ist ein mittelgro�er Teich gegen den Pazifik, mit dem ihr hoffentlich nie in Ber�hrung kommen werdet. Aber es hat wenig Zweck, Geographie zu treiben oder gar zu </style><style name="font2">philosophieren. Wenn wir irgendwo an Land gehen wollen, m�ssen wir zuerst die Fregatte wieder klarmachen. Sollte allerdings ein Sturm kommen, dann werdet ihr die Heimat nie wiedersehen.�</style></p><p><style name="font2">Michel richtete den Blick zum Himmel. Soweit er das beurteilen konnte, gab es keinen Anla�, von einem </style><style name="font2">Sturm zu sprechen. Aber er sagte sich ganz richtig, da� es nichts schaden k�nnte, wenn man den </style><style name="font2">M�nnern ein wenig Angst machte, damit sie den Ernst der Lage begriffen.</style></p><p><style name="font2">Die Wirkung seiner Worte blieb auch nicht aus.</style></p><p><style name="font2">�Ein Sturm, Herr Doktor? Meint Ihr wirklich, da�--�</style></p><p><style name="font2">�Ich meine gar nichts, Freund. Wir werden es schon schaffen. Aber wenn ihr noch lange in den Tag hinein faulenzt, dann k�nnen wir mit allerlei �berraschungen rechnen. Los, wir m�ssen ran! H�rt mal zu, M�nner�, wandte er sich an alle, die in seiner N�he lagen, �ihr habt jetzt genug geschlafen. Untersucht mal das ganze Schiff von oben bis unten, ob ihr irgendwelche Lappen findet, die sich als Segel verwenden lassen. Wenn ihr genug beisammen habt, werden wir weitersehen. Wir m�ssen trachten, nach Norden oder nach Westen zu segeln. Entweder erreichen wir das Festland von Nordamerika, oder wir landen vor�bergehend an einer der Antillen-Inseln. Wenn wir erst an Land sind, kann jeder selbst entscheiden, was er tun will. Vorerst aber geht es ums nackte Leben.�</style></p><p><style name="font2">Michel lie� seinen Blick in die Runde schweifen. Die Soldaten hatten sich schon bei seinen ersten Worten erhoben und einen Kreis um ihn gebildet. Allseitiges Nicken bedeutete Zustimmung, und sofort setzte eine fieberhafte T�tigkeit ein.</style></p><p><style name="font2">Jeder kennt wohl die dumpfe Verzweiflung und L�hmung, die sich des Menschen allzu leicht in hoffnungslos scheinenden Lagen bem�chtigt. Gleichg�ltigkeit ist der gef�hrlichste Feind des Menschen. Dann mu� jemand dasein, dem man Vertrauen entgegenbringt.Michels erste Aufgabe mu�te also sein, die Hoffnungslosigkeit und Tr�gheit der M�nner zu besiegen. Das war nicht leicht; denn er selbst hatte nicht viel Hoffnung, mit diesen Landratten die kommenden Schwierigkeiten zu �berwinden. Er wu�te aber auch, da� hier nur der z�he Wille eines Mannes zum Ziel f�hren konnte.</style></p><p><style name="font2">Eine Weile sah er dem emsigen Treiben zu, das inzwischen eingesetzt hatte; dann ging er zu der Luke, die zum Zwischendeck f�hrte. Er fand es eigenartig, da� es offensichtlich die einzige Sorge der Spanier und auch des Grafen Eberstein gewesen war, unter Deck irgendwo ein gesch�tztes Fleckchen zum Schlafen zu finden.</style></p><p><style name="font2">Des Nachts, als sein Boot zur �Quebec� gesto�en war, als man sich dank seines Mutes vor einem Angriff der �Trueno� nicht mehr zu f�rchten brauchte, war Graf Eberstein als erster unsichtbar geworden, und schlie�lich sah man auf Deck nur noch den alten Kapit�n Porquez, der jedoch auch bald verschwand, weil er sah, da� er mit den Landsoldaten nichts anfangen konnte. Sie verstanden nicht einmal die gebr�uchlichsten Schiffsbefehle und seem�nnischen Ausdr�cke in ihrer Muttersprache, wieviel weniger die Kommandorufe des Spaniers. Capitan Porquez hatte nur den Kopf gesch�ttelt und war dann ebenfalls unter Deck gegangen.</style></p><p><style name="font2">Michel stieg die Stufen zu den Kabinen hinab. Unten stie� er mit dem Fu� gegen etwas Weiches. Als seine Augen sich an das Zwielicht gew�hnt hatten, blickte er in das fahle Gesicht eines toten Engl�nders, den man am Vortag nicht fortgeschafft hatte. Die rote Jacke machte ihn als britischen Untertan kenntlich.</style></p><p><style name="font2">Michel trat �ber ihn hinweg und schritt weiter, bis er zu jener T�r gelangte, hinter der er die Kapit�nskaj�te vermutete.</style></p><p><style name="font2">Er �ffnete und trat ein. Sein Blick wurde finster.</style></p><p><style name="font2">Auf dem gro�en Bett lagen Graf Eberstein und Alfonso Jardin in tiefem Schlaf. Davor, auf einer Fellmatte, hatte der Kapit�n Lager bezogen. Ojo und Deste lagen bewegungslos �ber den Tisch hingestreckt. Der Fu�boden war von Weinlachen bedeckt. Es roch wie in einer Kneipe am Morgen, wenn der letzte Gast gegangen war und der Wirt noch nicht gel�ftet hatte. Michel konnte eine solche Verantwortungslosigkeit nicht begreifen. Denn von den M�nnern, die hier lagen, hing das Schicksal des ganzen Schiffes ab. Gewi�, auch er hatte sich niedergelegt, aber nur, um im Schlaf neue Kr�fte zu sammeln. Aber diese Caballeros ...? Sie hatten ja nicht einmal etwas zu ihrer eigenen Befreiung getan, sondern auch diese ihm, dem Silbador, praktisch �berlassen.</style></p><p><style name="font2">�Hola�, schrie er sie an, �wollt ihr so lange schlafen, bis euch die Haie aufgefressen haben, Senores? He, wacht doch auf, ihr Weinschl�uche!�</style></p><p><style name="font2">Er packte Diaz Ojo, der ihm am n�chsten war, bei den Haaren und zog ihn zu sich empor. Aber Ojo lallte nur unverst�ndliches Zeug und schlief in der f�r wache Menschen sicherlich recht schmerzhaften H�ngestellung weiter. �Deste! Deste! Was ist mit dir?�</style></p><p><style name="font2">Es war das gleiche. Nicht besser erging es ihm mit Eberstein und Jardin. Sich an dem wei�haarigen Kapit�n zu vergreifen, erschien ihm ungeb�hrlich. So wandte er sich ab, verlie� die Kaj�te, verschlo� die T�r, damit nicht zuf�llig ein vor�berkommender Soldat die Szene bemerkte, und eilte zur�ck an Deck.In der N�he des zerbrochenen Kl�verbaums fand er einen Holzk�bel, den er an einer Kette zu Wasser lie�. Mit vollem Eimer begab er sich wieder unter Deck. Er hatte inzwischen seine gute Laune wiedergefunden.</style></p><p><style name="font2">Das Bild, das Jardin und Eberstein boten, schien ihm am verlockendsten. Ein kr�ftiger Schwung </style><style name="font2">mit dem Eimer � Schwapp!</style></p><p><style name="font2">Langsam kamen die beiden Trunkenen zu sich.</style></p><p><style name="font2">Noch einmal � Schwapp!</style></p><p><style name="font2">Eberstein fuhr pl�tzlich wie von einer Tarantel gestochen in die H�he. Er richtete seine stieren Augen auf Michel. Wie durch einen dunklen Schleier schien er ihn wiederzuerkennen. �Ist er wahnsinnig, Musketier Baum? Ich werde ihn zur Meldung bringen. Diesmal wird er einer strengen Bestrafung nicht entgehen.�</style></p><p><style name="font2">Michel zog die Augen zu einem Schlitz zusammen. War denn der Kerl verr�ckt?</style></p><p><style name="font2">Er erinnerte sich pl�tzlich eines alten lateinischen Spruches: ,In vino veritas � Im Wein liegt </style><style name="font2">Wahrheit. So also stand es um die geheimsten Gedanken des leichtsinnigen Grafen!</style></p><p><style name="font2">Michel besann sich nicht lange. Wiederum schwenkte er den Eimer und go� Eberstein den Rest </style><style name="font2">Wasser mitten ins Gesicht.</style></p><p><style name="font2">Da kam dieser vollkommen zu sich.</style></p><p><style name="font2">�Vielleicht nehmt Ihr jetzt Eure f�nf Sinne zusammen, Eberstein!� schrie ihn Michel an. �Mittlerweile solltet Ihr eigentlich schon gemerkt haben, da� sich Euer Musketier Baum, den Ihr ja geradezu innig zu lieben scheint, ein wenig gewandelt hat.�</style></p><p><style name="font2">Eberstein blinzelte mit den Augen. Es dauerte eine Weile, bis er den Sinn dieser Worte richtig erfa�te.</style></p><p><style name="font2">Dann lief er rot an und versuchte, sich eine w�rdige Haltung zu geben.</style></p><p><style name="font2">�Ich verbiete Euch, in einem solchen Ton mit mir zu sprechen, verstanden?� br�llte er nun </style><style name="font2">seinerseits den Silbador an. Der trat dicht an ihn heran.</style></p><p><style name="font2">�Graf�, sagte er eisig, �ich will Euern Dank nicht f�r die Rettung; aber ich bitte mir Respekt aus, menschlichen Respekt, meine ich, nicht etwa soldatischen. Ihr habt...� Eberstein fiel ihm ins Wort.</style></p><p><style name="font2">�Dank?� rief er mit h�hnischem Lachen, �Ihr wollt meinen Dank nicht? Nun, ich habe gar nicht die Absicht gehabt, Euch dankbar zu sein, Ihr unversch�mter Deserteur!� Michels Gesicht verzog sich sp�ttisch. �Ich glaube, wir unterhalten uns sp�ter, wenn Ihr v�llig n�chtern seid. Ihr habt Euch so ma�los betrunken, da� mich schon Euer Atem anekelt. Geht mir aus dem Wege.�</style></p><p><style name="font2">Eberstein stand so, da� Michel nicht an das Bett konnte, auf dessen Rand Jardin mit schmerzendem Kopf sa�. Aber der Graf r�hrte sich nicht. �Ich denke nicht daran!� schrie er in unbeherrschter Wut.</style></p><p><style name="font2">�Na, dann nicht�, sagte Michel und gab ihm einen Sto� vor die Brust, da� er ein St�ck zur Seite taumelte.</style></p><p><style name="font2">Ohne sich weiter um ihn zu k�mmern, setzte sich Michel neben den kleinen Jardin auf den Bettrand.</style></p><p><style name="font2">Eberstein blickte sich wild in der Kaj�te um. Wahrscheinlich suchte er eine Waffe. Zum Gl�ck fand er keine.</style></p><p><style name="font2">Auf einmal wurde ihm schlecht, und er erbrach sich mitten in der Kabine ohne R�cksicht auf die Anwesenden.</style></p><p><style name="font2">�Hola, pequeno�, sagte Michel zu Alfonso Jardin, �kann man sich wenigstens mit Euch vern�nftig unterhalten?�</style></p><p><style name="font2">�Oh--oh--�, st�hnte der, �mein Kopf wird auseinanderplatzen. Oh � oh � nun bin ich </style><style name="font2">dieser scheu�lichen Marina auf der �Trueno� entronnen, und jetzt werde ich an Kopfschmerzen sterben. Dios mio, Senor Baum, versenkt meinen Leichnam ins Meer.�</style></p><p><style name="font2">Michel l�chelte. Der Kleine tat ihm leid. Wie ein Vater legte er beruhigend seinen Arm um die Schulter des Betrunkenen und tr�stete ihn leise.</style></p><p><style name="font2">�So schnell stirbt sich's nicht, pequeno. Und im �brigen d�rft Ihr sowieso nicht sterben; denn wir brauchen Euch dringend an Deck. Das Schiff mu� klargemacht werden. H�rt Ihr pequeno, das Schiff.�</style></p><p><style name="font2">Das wirkte. Jardin sch�ttelte gewaltsam alle tr�ben Gedanken von sich. Er kniff die Augen ein paarmal zusammen, da� ihm die Kopfhaut weh tat. Dann richtete er sich m�hselig auf. �Wie steht es drau�en?� fragte er mit ganz vern�nftiger Stimme.</style></p><p><style name="font2">�Schlecht, mein Freund, wir k�nnen unseren Kurs nicht mehr mit dem Ruder festlegen. Ihr habt es gestern zerschie�en lassen. Au�erdem sind alle Segel zerfetzt. Wir treiben ohne Ziel durch die Wellen und wissen nicht einmal, wie weit sich inzwischen unser Standort ver�ndert hat. Ihr habt es ja vorgezogen, Euch voll Wein zu gie�en, anstatt an Eure Rettung zu denken.� Jardin blickte schuldbewu�t zur Erde.</style></p><p><style name="font2">�Ihr habt recht, Senor Baum, ich wei�, ich bin ein verdammter Lump, ein ganz verfluchter Faulpelz. Demonio, und Ihr, dem wir unsere Rettung verdanken, habt nicht einen einzigen Schluck Wein bekommen. Que diablo, welche Schande!�</style></p><p><style name="font2">�Ich bin nicht b�se drum, pequeno, sonst w�re es mir wahrscheinlich genauso ergangen wie Euch. Inzwischen w�ren wir dann auf Grund gelaufen und h�tten uns um unsere Zukunft keine Sorgen mehr zu machen brauchen. Sagt, Jardin, wer hat eigentlich den Wein gefunden?� Der Kleine deutete auf sich selbst.</style></p><p><style name="font2">�Ich, Senor, ausgerechnet ich mu�te ihn finden. Das hei�t, Ojo und Deste waren auch dabei. Aber ich habe es zugelassen, da� man zu trinken anfing.� �Ach, und wer hat angefangen?�</style></p><p><style name="font2">Jardin blickte w�tend zu Eberstein hin�ber, der totenbleich auf einem Stuhl sa�. �Euer deutscher Freund�, sagte er und deutete grimmig auf den Grafen. �Ich habe es ihm anfangs verboten; aber er versteht ja unsere Sprache nicht. Da war nichts zu machen.� �Bueno�, sagte Michel in Gedanken, �da war wirklich nichts zu machen.� Jetzt rappelte sich auch der Kapit�n hoch, der noch immer am Fu�ende des Bettes gelegen hatte. �Valgame Dios, was habe ich f�r einen Brummsch�del�, schimpfte er und erhob sich schwankend. Dann fiel sein Blick auf Michel und den Kleinen. �Vermaledeit, was sitzt Ihr hier herum, Senor Jardin? Habe ich Euch zum Ersten Offizier gemacht, damit Ihr mir beim Schlafen zuseht � � Mutter Gottes�, schlug er sich pl�tzlich mit der Hand vor den Kopf, �ich hatte ganz </style><style name="font2">vergessen, da�--da�--Verdammt, bin ein sch�ner Capitan!--Kommt, Senores, </style><style name="font2">wollen sehen,ob wir da oben auf dem abgetakelten Deck nicht wichtiger sind als hier unten. Nehmt Euch zusammen � � la�t niemanden merken, da� wir uns � � hm � � daneben benommen haben.�</style></p><p><style name="font2">Michel stie� innerlich einen Jauchzer aus. Die Aufrichtigkeit des Alten freute ihn. Mochte er ein Piratenkapit�n sein, ein Herz hatte er, und er zeigte, da� er auch Herr der Situation sein konnte. Jardin raffte sich auf und eilte mit Michel hinter dem Kapit�n her.</style></p><p><style name="font2">Oben sah es jetzt schon anders aus als vor einer halben Stunde. Man hatte alle Segeltuchst�cke, </style><style name="font2">die sich noch verwenden lie�en, zu einem stattlichen Haufen zusammengetragen.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n griff nach der zuoberst liegenden Leinwand und zog sie auseinander. Dann richtete </style><style name="font2">er seine Blicke auf die Mastst�mpfe, deren h�chster vier Meter ma�.</style></p><p><style name="font2">�Habt Ihr Euch schon umgeh�rt, Senor Baum, ob sich unter Euern Landsleuten zuf�llig ein </style><style name="font2">Zimmermann befindet? Unsere erste Aufgabe mu� es sein, das Ruder notd�rftig instandzusetzen.</style></p><p><style name="font2">Nur mit den Segeln den Kurs zu halten, ist unm�glich.�</style></p><p><style name="font2">Michel fragte die Leute. Es meldete sich einer, der fr�her einmal in einer Tischlerwerkstatt in Kassel gearbeitet hatte. Als er aber vernahm, was man von ihm erwartete, kratzte er sich hinter den Ohren und meinte verlegen:</style></p><p><style name="font2">�Ja, ihr Herren, ob ich das zustande bringe, wei� ich nicht. Ich kann einen Tisch machen, und zur Not bringe ich auch einen Schrank fertig, aber ein Ruderblatt...?�</style></p><p><style name="font2">�Das n�tzt nichts, Mann, Ihr m��t rangehen�, drang Michel in ihn. �Wenn wir das Schiff nicht </style><style name="font2">wenigstens bei ruhiger See steuern k�nnen, dann sind wir rettungslos verloren. � Senor Jardin�, </style><style name="font2">wandte er sich an den Kleinen, �wollt Ihr nicht einmal nach dem Ruder sehen?�</style></p><p><style name="font2">Jardin warf statt einer Antwort die Kleider ab, band sich das Ende eines Stricks um den Leib und </style><style name="font2">sprang vom Heck ins Wasser. Tauchend stellte er fest, was es mit dem Ruderschaden auf sich </style><style name="font2">hatte.</style></p><p><style name="font2">Ja, sein Kanonier hatte gut getroffen. Au�er der Stange war keine Spur von Holz mehr zu sehen. Das Ruderblatt war wie weggefegt.</style></p><p><style name="font2">Er lie� sich wieder an Deck ziehen und berichtete in seiner lebhaften Art, was er gesehen hatte. �Maldito�, fluchte der Kapit�n, �so ist nicht einmal ein kleines Ansatzst�ck an der runden Stange geblieben, sagt Ihr?� �Nicht ein Fetzen Holz�, best�tigte Jardin.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n wandte sich an den Schreiner und lie� ihm durch Michel sagen, wie man ein Steuer anfertige. Der Alte beschrieb das so genau, da� es ein Kapit�n auf der Marineschule des K�nigs von England nicht besser gekonnt h�tte.</style></p><p><style name="font2">Das n�tzte nun allerdings unserem ehemaligen Zimmermann recht wenig; denn ihm fehlten die einfachsten Materialien. Dennoch ging er guten Muts an die Arbeit. Es ist ja bekannt, da� die Deutschen aus einem alten Lattenzaun � wenn es sein mu� � eine Holzvilla herstellen k�nnen. Der Zimmermann wu�te sich tats�chlich zu helfen. Er stieg in den Schiffsrumpf hinab und besichtigte die Kaj�ten der Offiziere. Dann ri� er kurz entschlossen die Eichent�felung von einer der Zwischenw�nde und lie� sie von ein paar Kameraden nach oben bringen. Mit den primitivsten Werkzeugen ging er an die Arbeit. Eine Spitzhacke und ein Stumpfbeil waren alles, was er hatte auftreiben k�nnen. Als die �ndern sahen, da� aus der Eichenholzt�felung tats�chlich ein Ruder zu werden schien, griffen einige von ihnen zu. Und siehe da, jeder, der mitmachte, entpuppte sich allm�hlich als ein ebenso guter Zimmermann wie der, dem man zuerst den Auftrag gegeben hatte.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n war nicht wenig verwundert. Zweifelnd wandte er sich an Michel.</style></p><p><style name="font2">�Sagt, Senor Baum, warum haben sich die Zimmerleute vorhin nicht gemeldet, als wir nach </style><style name="font2">ihnen fragten? Erst war keiner da, jetzt sind es pl�tzlich f�nf! Das verstehe ich nicht. Wo es doch </style><style name="font2">um unser aller Rettung geht!�</style></p><p><style name="font2">Michel lachte.</style></p><p><style name="font2">�Ich verstehe Eure Emp�rung, Capitan. Doch ich kann sie nicht teilen. Denn ich bin fest davon </style><style name="font2">�berzeugt, da� nicht einer von diesen geschickten Burschen das Tischlerhandwerk gelernt hat. </style><style name="font2">Sie haben einfach zugesehen, und nun machen sie es ihrem Vorarbeiter nach. Glaubt mir, w�re </style><style name="font2">ein gelernter Zimmermann unter uns gewesen, so h�tte er sich sofort gemeldet. Dazu kenne ich </style><style name="font2">meine Landsleute zu gut.�</style></p><p><style name="font2">�Wollt Ihr mich beschwindeln, Senor Baum?�</style></p><p><style name="font2">�Nein, nein, bestimmt nicht. Was ich sagte, war im Ernst gemeint.�</style></p><p><style name="font2">Der alte Porquez nahm seine M�tze ab, kratzte sich den grauen Sch�del und sch�ttelte den Kopf. �Bei Gott, kann man den Leuten vielleicht gar das Segeln beibringen?� �Ganz gewi� � warum auch nicht? Wenn wir ein bi�chen Gl�ck und vor allem Zeit haben, k�nnt Ihr sicherlich aus diesen Landratten eine zuverl�ssige Schiffsbesatzung machen.� Michel sollte recht behalten. Der alte Porquez geriet aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nie im Leben hatte er so anstellige Burschen gesehen. Am Abend bereits, noch vor Sonnenuntergang, hing das Ruderblatt an der Ruderstange. Es war stabil und gehorchte dem leisesten Druck des zum Gl�ck unbesch�digt gebliebenen Steuerrades.</style></p><p><style name="font2">Was an Segeln verf�gbar war, hatte man an den Masten festgemacht, so da� der S�dwestwind Widerstand fand und das Schiff durch das sch�umende Wasser trieb.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n hatte nicht genug Zeit, sich um das Leben und Treiben an Bord zu k�mmern. Seine </style><style name="font2">Hauptsorge mu�te der Berechnung des Kurses gelten. Seit die Soldaten Ruder und Segel </style><style name="font2">notd�rftig hergerichtet hatten, war die �Quebec� noch keine 30 Meilen gelaufen.</style></p><p><style name="font2">�Wie steht's, Capitan�, wollte Michel wissen, der von der Mannschaft stillschweigend als F�hrer </style><style name="font2">anerkannt wurde und vom Schiff nicht wegzudenken war, da er als einziger die Verst�ndigung </style><style name="font2">zwischen den Spaniern und den Deutschen aufrecht erhalten konnte.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n brummelte etwas in seinen wei�en Bart.</style></p><p><style name="font2">�Schlecht, Senor Baum; die verdammte S�dwestbrise treibt uns fortgesetzt nach Nordost. Es ist das erstemal in meinem Leben, da� ich in diesen Breiten eine derartige Luftstr�mung erlebe.</style></p><p><style name="font2">Dabei befinden wir uns mitten in den Ro�breiten. Wenn der verflixte Wind nicht umschl�gt, kommen wir immer weiter in den offenen Atlantik hinaus.� �K�nnen wir nicht versuchen, an Land zu kreuzen?�</style></p><p><style name="font2">�Zum Teufel, mit diesen Segeln? Wie stellt Ihr Euch das vor? Wir m�ssen froh sein, da� der </style><style name="font2">Wind �berhaupt fa�t. Sonst blieben wir ewig auf der Stelle liegen.�</style></p><p><style name="font2">Michel schwieg eine Weile. Ernste Falten bildeten sich auf seiner Stirn.</style></p><p><style name="font2">�Das hei�t also, da� wir wieder dorthin segeln, woher wir gekommen sind?�</style></p><p><style name="font2">�Nicht ganz. Wenn der Wind lange genug von S�dwest bl�st, werden wir irgendwo an der </style><style name="font2">marokkanischen K�ste landen. Vielleicht gelingt es uns, Casablanca anzulaufen � vielleicht </style><style name="font2">sogar Tanger.�</style></p><p><style name="font2">�Und wovon leben wir in diesen Wochen? Die Lebensmittelvorr�te reichen h�chstens noch f�r vierzehn Tage. Vom Trinkwasser will ich gar nicht erst reden. Was meint Ihr, wie lange wir brauchen, wenn wir nach Afrika segeln m�ssen?�</style></p><p><style name="font2">�Fragt mich nicht, Senor, es ist eine unn�tze Frage; denn das kann bei einer solchen Takelage, wie wir sie haben, nur der liebe Gott voraussagen.� �Nicht gerade ein Trost.�</style></p><p><style name="font2">Senor Porquez zuckte die Achseln. Die Frage blieb offen.</style></p><p><style name="font2">Der Wind blies st�ndig und stetig aus der gleichen Richtung. Es bestand auch nicht die leiseste Hoffnung, da� er sich drehen k�nnte. Zudem war man nun bereits zw�lf Tage unterwegs und befand sich auf 30 Grad westlicher L�nge, etwa auf dem Wendekreis des Krebses, war also kaum nach Norden, sondern immer nach Osten gesegelt.</style></p><p><style name="font2">�Wenn das so weitergeht, landen wir nicht in Casablanca, sondern an der Goldk�ste�, schimpfte Jardin vor sich hin.</style></p><p><style name="font2">Hier und da zeigte sich bei den landgewohnten Soldaten bereits Skorbut. Die brotlose D�rrfleischkost untergrub ihre Widerstandskraft. Das Trinkwasser nahm erschreckend ab. Wenn man es wie bisher aufteilte, w�rde es im H�chstfall noch sieben Tage reichen. Michel entschlo� sich, es zu rationieren, was ihm das laute Murren seiner Landsleute einbrachte. Eberstein schlich herum wie ein gepr�gelter Hund. Hier und da sah man ihn mit den Leuten sprechen.</style></p><p><style name="font2">Zwei weitere Tage vergingen. Da kam ein Sergeant zu Michel und sagte:</style></p><p><style name="font2">�Wir brauchen mehr Wasser, Herr Doktor; mit einem Viertelliter kann vielleicht ein Spatz leben, aber nicht ein ausgewachsener Mann.�</style></p><p><style name="font2">Michel schwieg eine Sekunde lang. Auch er hatte furchtbaren Durst. Wenn er den Leuten nachgab, konnte er sich selbst wieder einmal satt trinken. Am meisten tat ihm der alte Kapit�n leid. Er wankte wie eine lebende Leiche zwischen Steuer und Navigationskaj�te hin und her. Wie Feuer brannte es ihm in den Eingeweiden. Nachdem die letzten Flaschen Wein von den Spaniern im Verein mit Eberstein gleich am ersten Tage ausgesoffen worden waren, gab es keinen zus�tzlichen Schluck zu dem eingeteilten Viertelliter Wasser. Und dabei stach die Sonne unbarmherzig nieder.</style></p><p><style name="font2">�Bin ich vielleicht ein Spatz?� stellte Michel dem Sergeanten die Gegenfrage. Der lachte zynisch.</style></p><p><style name="font2">�Nun, Ihr wollt mir doch nicht weismachen, da� auch Ihr nur einen Viertelliter Wasser t�glich trinkt?�</style></p><p><style name="font2">Michel holte aus und setzte dem Mann erbarmungslos die Faust unters Kinn. Mit einem Wehlaut brach der Sergeant zusammen.</style></p><p><style name="font2">�He!� meinte da eine kr�chzende Stimme in Michels R�cken. �Was soll das bedeuten? Was macht Ihr mit meinen Leuten?�</style></p><p><style name="font2">Michel wandte sich um und erblickte Eberstein. Er schickte sich an, dem Rittmeister eine </style><style name="font2">Erkl�rung f�r seine Handlungsweise zu geben.</style></p><p><style name="font2">�Ich habe diesen Mann niedergeschlagen, weil er die Stirn hatte ...�</style></p><p><style name="font2">Eberstein lachte h�hnisch auf.</style></p><p><style name="font2">�Spart Euch nur Eure Erkl�rung. Ich habe geh�rt, was der Sergeant von Euch wollte--mehr </style><style name="font2">Wasser. Nun, ich befehle, da� von jetzt an mehr Wasser ausgegeben wird. Es ist Eure Angelegenheit, wenn Ihr selbst keinen Durst habt. Ich habe welchen. Weshalb habt Ihr mir als Offizier nicht eine h�here Ration zugebilligt?� Michels Zorn wuchs.</style></p><p><style name="font2">�Ihr wollt mehr haben als die M�nner? Verdammt, ich erinnere mich nicht, Euch bisher auch nur ein einziges Mal arbeiten gesehen zu haben. Ihr wi�t ja nicht einmal, wie sich ein Segel anf�hlt. Und da beansprucht Ihr mehr Wasser?�</style></p><p><style name="font2">�Ihr scheint v�llig au�er acht zu lassen, mein lieber Baum, da� Ihr es bei mir mit einem Hochgeborenen zu tun habt. Ich werde ...�</style></p><p><style name="font2">�H�rt einmal zu, Ihr eigenartiger Hochgeborener, ich bin nicht Euer lieber Baum, verstanden? Ich habe nicht das mindeste Verlangen, mit Leuten Eures Schlages auf eine Stufe gestellt zu werden. Guten Tag!�</style></p><p><style name="font2">Michel drehte sich um und lie� den Rittmeister stehen.</style></p><p><style name="font2">Aber in den n�chsten Tagen f�hlte er, wie sich hinter seinem R�cken etwas zusammenbraute.</style></p><p><style name="font2">Die Leute f�hrten seine Befehle nicht mehr ordnungsgem�� aus, so da� ihn der Kapit�n </style><style name="font2">fuchsteufelswild auf das Durcheinander in der Takelage aufmerksam machen mu�te.</style></p><p><style name="font2">Jardin aber hielt sich eisern und legte Hand an, wo er nur konnte. Er pochte keineswegs auf seine </style><style name="font2">Stellung als ehemaliger Erster auf der �Trueno�. Auch Ojo und Deste bew�hrten sich. Ihnen </style><style name="font2">allein war es zu verdanken, da� das Schiff �berhaupt noch ann�hernd Kurs hielt.</style></p><p><style name="font2">Da, an einem Abend � man befand sich auf</style> 2.1<style name="font2"> Grad westlicher L�nge und 32 Grad n�rdlicher </style><style name="font2">Breite � ging der Krach los. Die hessischen Soldaten verlangten r�cksichtslos nach mehr </style><style name="font2">Wasser. Dabei konnte man, wenn man Gl�ck hatte, in einem Tag auf Madeira landen.</style></p><p><style name="font2">�Es ist Irrsinn, Leute�, rief Michel, �jetzt das ganze Wasser auszutrinken. Wir wissen nicht, was </style><style name="font2">noch dazwischenkommt. Eine einzige ung�nstige Brise, und wir segeln wieder einen anderen </style><style name="font2">Kurs. Wartet doch, bis wir sicher sind, da� wir Madeira erreichen werden!�</style></p><p><style name="font2">�Nichts da! Du hast dich immer vollgesoffen! Jetzt gib Wasser her!�</style></p><p><style name="font2">Michel war der letzte, den Leuten den Dienst, den er ihnen erwiesen hatte, ins Ged�chtnis </style><style name="font2">zur�ckzurufen. Aber jetzt sah er darin die einzige M�glichkeit, um die Lage zu retten.</style></p><p><style name="font2">�Ihr verge�t, M�nner, da� ihr es mir zu danken habt, da� ihr �berhaupt noch am Leben seid. </style><style name="font2">Denkt doch daran, was ich f�r euch getan habe. Wenn ich das Wasser noch zur�ckhalte, so </style><style name="font2">bestimmt nicht f�r mich, sondern f�r uns alle.�</style></p><p><style name="font2">Anstatt einer Antwort erhob sich ein Johlen. Hinter der Meute stand mit verzerrtem Gesicht Graf Eberstein. Da wu�te Michel, wer die schwelende Glut zur Flamme der Emp�rung entfacht hatte. Mit Vernunft war hier nichts mehr auszurichten.</style></p><p><style name="font2">Michel drehte sich pl�tzlich um und rannte in die Kaj�te, die er mit dem Kapit�n und Jardin teilte. Eine Minute sp�ter erschien er wieder an Deck, sein gef�hrliches Gewehr in der Hand. �Wer sich den Wasserf�ssern nur einen Schritt n�hert, ist ein toter Mann!� rief er donnernd. Brummend und murrend verliefen sich die Aufr�hrer und lungerten in der Gegend herum, wo die Wasserf�sser aufbewahrt waren.</style></p><p><style name="font2">Michel wachte. Doch er war auch nur ein Mensch; nach Stunden fielen ihm die Augen zu. Kaum hatte das der Graf bemerkt, als er auch schon ein paar Musketiere auf den Schlafenden aufmerksam machte. Die Durstigen st�rzten sich wie die Wilden auf die gro�en, ungesch�tzten F�sser, schlugen sie an und � soffen, soffen in sich hinein, was hinein ging. Noch bevor der n�chste seinen Mund an den Spund halten konnte, war das kostbare Na� in Str�men auf die Planken gelaufen.</style></p><p><style name="font2">Als Michel erwachte, fiel sein erster Blick auf die rasende Meute, entmutigt schlo� er die Augen. Man , konnte Menschen nicht helfen, wenn sie keine Hilfe wollten. Hatte nicht die Weltgeschichte oft genug bewiesen, da� ganze V�lker mit sehenden Augen und wider besseres Wissen in ihren Untergang gelaufen </style><style name="font2">waren? Wie sollten ausgerechnet diese halb verdursteten Hessen eine Ausnahme machen!</style></p><p><style name="font2">Nach zehn Minuten waren die F�sser leer. Und h�chstens ein Drittel der Mannschaft hatte sich sattgetrunken. Zu allem Ungl�ck begannen nun die, f�r die nichts �briggeblieben war, auch noch mit denen, die ihren Durst gestillt hatten, zu streiten. Eine w�ste Rauferei setzte ein. Der alte Kapit�n hatte unbeirrt am Steuer ausgehalten. Sein Gesicht �hnelte einer ausgequetschten Zitrone. Gegen Mitternacht kam Jardin, der ebenfalls v�llig ersch�pft war, und l�ste ihn ab.</style></p><p><style name="font2">Der Alte hatte jedoch das Steuerhaus kaum verlassen, so stie� er einen Schreckensruf aus. Dann verbreitete sich die Kunde wie ein Lauffeuer, da� der Wind umgeschlagen war. Es wehte </style><style name="font2">pl�tzlich ein scharfer Nord, der das Schiff unbarmherzig nach S�den trieb--ins offene Meer, </style><style name="font2">ins Nichts.</style></p><p><style name="font2">Madeira r�ckte wieder in weite Ferne. Die Trinkwasserbeh�lter aber waren leer. � Michel blieb stumm. Was sollte er auch sagen? Zu �ndern war nichts mehr. Als er des Nachts bei einem Rundgang auf den Rittmeister stie�, meinte er nur ver�chtlich: �Ihr habt den Horizont eines Vierj�hrigen, Herr von Eberstein. Es ist unverantwortlich, da� Leuten wie Euch die F�hrung von anderen Menschen anvertraut wird. Wenn wir uns nicht sowieso in hoffnungsloser Lage bef�nden, so w�rde ich die Erziehung, die Euer Vater offensichtlich an Euch vers�umt hat, jetzt handgreiflich nachholen. Ihr seid ein � Lausejunge, wie man so sch�n in Berlin sagt.�</style></p><p><style name="font2">Eberstein verzog sein Gesicht. Wahrscheinlich sollteein zynisches L�cheln daraus werden; aber es lag nur ein ausgesprochen t�richter Ausdruck in seinen Z�gen.</style></p><p><style name="font2">�Ihr denkt wohl mit Trauer daran�, faselte er, �da� Ihr nun Euer sch�nes Fr�ulein Braut in Kassel nicht mehr wiedersehen werdet, was? Na, die Kleine w�re auch zu schade gewesen f�r einen Kerl wie Euch.�</style></p><p><style name="font2">Michel konnte nur den Kopf sch�tteln. Die Bemerkung des unbeherrschten Rittmeisters lie� ihn kalt. Wozu sollte er sich mit einem so unreifen Burschen herumstreiten? Selbst f�r eine Maulschelle waren ihm im Augenblick seine Kr�fte zu kostbar.</style></p><p><style name="font2">Pl�tzlich h�rte er von dem behelfsm��igen Ausguck einen Ruf, der ihm wie Metall in die Knochen fuhr. Deste hatte Wache. Und wieder war es die Stimme des treuen Spaniers. Seine Worte hatten eine magische Kraft: �Schiff steuerbord voraus. F�hrt mit Positionslampe!�</style></p><p><style name="font2">Michel gab die Meldung in deutscher Sprache weiter. Ein ohrenbet�ubendes Geheul setzte ein. Jardin band das Steuer fest und rannte in die Kaj�te, wo er vor ein paar Wochen eine Schachtel mit Leuchtraketen gefunden hatte. Au�er Atem stand er jetzt neben Michel. �Sollen wir--wollen wir--sie anz�nden?�</style></p><p><style name="font2">Ein paar Minuten sp�ter zischte die erste rote Notrakete in den n�chtlichen Himmel empor. Als die ersten zehn verschossen waren, wartete man fieberhaft auf Antwort. Aber es ereignete sich nichts.</style></p><p><style name="font2">�Was gibts, Carlos Deste? Hast du das Schiff noch im Rohr?� Schweigen...</style></p><p><style name="font2">Dann kam die niederschmetternde Antwort aus dem Ausguck:</style></p><p><style name="font2">�Sie haben die Positionslampen gel�scht. Es ist nichts mehr zu sehen.�</style></p><p><style name="font2">�Demonio�, schrie Jardin weinend, �sie wollen uns nicht retten! Wer seine Positionslampe</style></p><p><style name="font2">versteckt, hat die Absicht, ungesehen zu entkommen. Maria, heilige Mutter Gottes, hilf!�</style></p><p><style name="font2">Der Kleine brach dort, wo er stand, zusammen. Die Nervenanspannung war zuviel f�r ihn.</style></p><p><style name="font2">�Weiter Ausschau halten, Deste�, rief Michel. Aber er hatte selbst keine Hoffnung mehr. In seiner Stimme schwang deutlich seine Niedergeschlagenheit mit.</style></p><p><style name="font2">Die Soldaten dr�ngten sich an der Reling. Ihnen war �berhaupt noch nicht der ganze Ernst der Situation klargeworden. Mit fiebrigen Augen starrten sie in die Dunkelheit. Diaz Ojo war der einzige, der nicht restlos verzweifelte. Er hatte jahrelang alle Meere befahren und wu�te, da� ein rechter Seemann den anderen niemals im Stich lie�, wenn er sich in Not befand. Vielleicht hatte dieses Schiff besondere Gr�nde, sich nicht sehen zu lassen. Wenn man aber selbst hartn�ckig genug war, sich immer wieder in Erinnerung zu bringen, dann wurde selbst ein Pirat weich und eilte zu Hilfe.</style></p><p><style name="font2">Ojo setzte sich auf eine Taurolle und scho� alle zehn Minuten eine Leuchtrakete ab. Er lie� in dieser Besch�ftigung nicht nach, bis auch die vorletzte Schachtel leer war. Die letzte wollte er aufheben, falls man doch noch einmal ein paar von diesen Dingern brauchen sollte. Man konnte nie wissen. Manchmal war die Rettung n�her, als man f�r m�glich hielt. �Siehst du wieder etwas, Carlos?� fragte er seinen Kameraden im Ausguck. �Nada � nichts�, war die hoffnungslose Auskunft.</style></p><p><style name="font2">�Sie scheinen in Seenot zu sein, o Herr, sie schie�en rote Raketen in die Nacht, die Allah dem Menschen zur Ruhe geschaffen hat.�</style></p><p><style name="font2">�Glaubst du, ich bin blind, du Esel?� fuhr der Kapit�n der �Medina� seinen Steuermann an. Der kreuzte die Arme �ber die Brust, verbeugte sich leicht und zog sich, ohne ein Wort zu sagen, zur�ck.</style></p><p><style name="font2">�He, Ibn Kuteiba, wo willst du hin? Hat dir Allah den Verstand verwirrt, da� du dich ohne Gru�</style></p><p><style name="font2">von deinem Herrn entfernst?� schimpfte der Kapit�n hinter ihm her.</style></p><p><style name="font2">Ibn Kuteiba drehte sich wieder um, verbeugte sich abermals und murmelte:</style></p><p><style name="font2">�Allah verleihe dir tausend Jahre und einen gesunden Schlaf, o Herr--Sabr l'abr nur.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n beachtete ihn nicht weiter. Seinem Bed�rfnis nach Autorit�t war Gen�ge getan. Angestrengt schaute er dorthin, wo in Abst�nden von etwa zehn Minuten rote Raketen den Nachthimmel durchzogen. �Abul Mahasin�, schrie er pl�tzlich.</style></p><p><style name="font2">Der Gerufene war einer seiner Offiziere, und als dieser nicht unmittelbar nach dem Gebr�ll erschien, lie� er eine ganze Serie von Fl�chen vom Stapel.</style></p><p><style name="font2">�Wo bleibst du, du lausiger Kerl, der sich frech einen Offizier nennt! Wo hast du deinen Verstand, da� du mich warten l��t!? � kuss omek<a l:href="#n_1" type="note">[1]</a>, ich lasse dich schlachten und in eine Wildschweinhaut einn�hen, du Hundesohn!�</style></p><p><style name="font2">Abul Mahasin kam wie ein gejagter Bulle �ber Deck gestampft. Die Planken erzitterten unter der Wucht seiner Schritte.</style></p><p><style name="font2">�Ich eile, ich renne, ich fliege, o Herr--da bin ich!� rief er au�er Atem und stand vor seinem </style><style name="font2">Kapit�n. Dieser lachte pl�tzlich, als seine Blicke �ber die gro�e, schwere Gestalt glitten. �Maschallah, wie kann man so erhitzt sein von den paar Schritten! Du darfst nicht so viel essen, Abul Mahasin, sonst tr�gt dich das Schiff nicht mehr, und ich mu� mich nach einem anderen Offizier umsehen.� Abul Mahasin erbleichte.</style></p><p><style name="font2">�Oh, das ist nicht n�tig, Herr, ich werde mich nach dieser anstrengenden Seereise von meinen </style><style name="font2">Frauen massieren lassen � � ich werde mich im Dampfbad durchkneten lassen � ich werde </style><style name="font2">jedes Gramm Fett von meinem K�rper verjagen und schlank sein wie der Hauptmast unseres </style><style name="font2">Schiffes, welches Allah segnen m�ge.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n wandte seine Blicke wieder dem Meer zu.</style></p><p><style name="font2">�Sieh dir dieses Feuerwerk an, Abul Mahasin. Was h�ltst du davon?�</style></p><p><style name="font2">Abul Mahasin legte die Stirn in Falten. Denken war nie seine St�rke gewesen. Dennoch war er schon so vielen christlichen Schiffen begegnet, da� er die Bedeutung der Raketen kannte. �O Herr, es scheint, da� sich das Schiff dort in Seenot befindet. Vielleicht sollten wir n�her heransegeln und � ��</style></p><p><style name="font2">�--uns dem Schejtan<sup>2</sup> ausliefern, was? Kann das nicht eine Falle sein? Wei�t du, ob es nicht </style><style name="font2">irgend so ein verfluchter Spanier darauf abgesehen hat, uns mit seinen Kanonenrohren zu begr��en?�</style></p><p><style name="font2">�Maschallah, das w�re ein Mi�brauch des Seerechts, o Herr! Der Rejs<a l:href="#n_2" type="note">[2]</a> jenes Schiffes m��te jahrhundertelang in der Dschehenna<sup>2</sup> braten. Der Prophet sagt, da� Allah kein Mitleid hat mit gro�en Betr�gern. Nur die kleinen sieht er liebevoll an. Nein, Herr, ich glaube nicht, da� die da dr�ben ohne Not die kostbaren Raketen verschie�en w�rden.�</style></p><p><style name="font2">Abu Hanufa al Dinaweri, der Janitscharenkapit�n, konnte seiner bestehenden Zweifel nicht so schnell Herr werden.</style></p><p><style name="font2">�Sie sind Giaur<sup>3</sup>, und ein Giaur verst��t st�ndlich gegen die Gebote Allahs. Weshalb sollte er sich gerade auf See nach ihnen richten?�</style></p><p><style name="font2">�Verzeih, o Herr, wenn ich deine Bedenken zu zerstreuen versuche; denn ich bin selbst schon auf Giaur-Schiffen gefahren. Diese Christenhunde haben strenge Gesetze von ihren K�nigen aufgezwungen bekommen. Wenn sie diese �bertreten, so werden sie ihre Berechtigungsscheine los, die sie �Patente� nennen.�</style></p><p><style name="font2">�Rufe mir Abdallah und Ibn Kuteiba, den Steuermann, dem Allah seine Paschamanieren nehmen m�ge, damit wir gemeinsam beraten. Unsere Freunde w�rden untr�stlich sein, wenn wir nicht wohlbehalten nach Al-Dschesair<sup>4</sup> zur�ckkehrten und reiche Beute f�r sie br�chten.� Abul Mahasin legte seine H�nde trichterf�rmig um den Mund und br�llte aus Leibeskr�ften die Namen des Steuermannes und des Offiziers in die Nacht. Der Kapit�n fuhr sich erschrocken mit dem Finger ins Ohr.</style></p><p><style name="font2">�Verflucht sei dein Organ, du Br�llaffe. Du hast eine Stimme, die Tote aufwecken k�nnte. Glaubst du, mein Trommelfell ist aus Eisen?�</style></p><p><style name="font2">�Verzeih, o Herr, ich ahnte nicht, da� Allah meiner Stimme eine solche Zerst�rungskraft gegeben hat.�</style></p><p><style name="font2">�Allah? Willst du Allah l�stern, Elender? Deine Stimme hat dir der Schejtan gegeben! Ich werde dir die Zunge herausschneiden lassen, wenn du mir noch einmal so in die Ohren schreist!� Der erste, der dem Ruf folgte, war Abdallah, ein mittelgro�er, schlanker Araber, dessen schwarze Augen vor List und T�cke funkelten. Er verbeugte sich mit gekreuzten Armen. Der Kapit�n betrachtete ihn aus den Augenwinkeln heraus. Vor diesem undurchschaubaren Manne hatte er gewaltigen Respekt. Man wu�te nie, woran man mit ihm war. Seine Freundlichkeiten schienen geheuchelt, seine Wutausbr�che unecht. Abdallah lief nicht wie andere Menschen, er schlich.</style></p><p><style name="font2">�Wo bleibt der dreimal verfluchte Steuermann?� br�llte der Kapit�n. �Sitzt der Kerl wieder �ber seinen gelehrten B�chern, um fr�nkische Teufelsanbetung aus ihnen zu lernen?� �Nein, o Herr, ich bin schon hier�, erscholl da des Vermi�ten Stimme im R�cken des Kapit�ns. Der fuhr erschrocken herum.</style></p><p><style name="font2">�Kannst du nicht von vorne kommen, du tintenklecksiger Hampelmann? Man sollte dich an einem Strick ins Meer lassen, damit du dir die schriftgelehrte Seele aus dem Leibe schwimmst, Esel. � Seht dort hin�ber. Glaubt ihr, da� das Schiff in Seenot ist oder uns nur zum Narren halten will?�</style></p><p><style name="font2">Die Blicke der drei folgten dem ausgestreckten Arm des Kapit�ns. Gerade in diesem Augenblick stieg wieder eine Rakete empor.</style></p><p><style name="font2">�Wie finden wir heraus, ob man uns eine Falle stellen will oder nicht, ihr weisen Offiziere?� Abdallah kniff die Augen zusammen. Dann l�chelte er halb unterw�rfig, halb sp�ttisch. �Ich schlie�e mich dem Urteil der beiden anderen an.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n war verbl�fft.</style></p><p><style name="font2">�Sie haben ja noch gar nicht geurteilt.�</style></p><p><style name="font2">Abdallah nickte, neigte den Kopf leicht nach vorn, winkelte die H�nde an wie ein t�rkischer Stra�enh�ndler, wenn er ein Gesch�ft wittert, und meinte:</style></p><p><style name="font2">�Wie k�nnte ich Unw�rdiger mir ein Urteil erlauben, bevor die Herren, deren Alter gesegnet sein m�ge und deren Familien Allah dauerndes Gl�ck schenke, ihrer Meinung Ausdruck verliehen haben!�</style></p><p><style name="font2">Abul Mahasin machte ein dummes Gesicht. Er konnte das gewundene Geschw�tz Abdallahs nicht leiden, weil er keinen Sinn hineinzubringen vermochte. Abul Mahasin war ein recht schwerf�lliger Araber, dem diplomatische Winkelz�ge v�llig abgingen, weil er nicht in der Lage war, ein fein gesponnenes Gewebe voller Spitzfindigkeiten zu durchschauen. Anders stand es mit Ibn Kuteiba. Er l�chelte.</style></p><p><style name="font2">�Ich glaube, es w�re am besten, o Herr, wir warten den Morgen ab. La� alle Segel bereitmachen, </style><style name="font2">damit wir sie in wenigen Minuten setzen k�nnen. Ist es so, wie dein scharfer Verstand zu denken </style><style name="font2">beliebt, dann gehen wir mit vollen Segeln vor den Wind. Sind die Menschen dort dr�ben aber </style><style name="font2">tats�chlich in Seenot, nun, so k�nnen wir handeln, wie es unsere Aufgabe ist. Unsere Kanoniere </style><style name="font2">k�nnen schie�en. Wahrscheinlich werden sie auch treffen, wenn Gefahr naht.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n sah seinen Steuermann lange an. Er konnte ihn zwar nicht sonderlich leiden, weil er </style><style name="font2">zu gebildet war, lie� sich aber gern von seinem ideenreichen Kopf beraten. Deshalb fragte er </style><style name="font2">jetzt die beiden �ndern:</style></p><p><style name="font2">�Glaubt ihr, da� Ibn Kuteiba recht hat?�</style></p><p><style name="font2">�Allah hat ihm einen Verstand gegeben, der scharf ist wie ein Messer�, pries Abul Mahasin den Ratschlag des Steuermanns; �ich bin gegen ihn wie eine langsame Schildkr�te. Und deshalb schlie�e ich mich seiner Meinung an.�</style></p><p><style name="font2">�Eine ziemlich fette Schildkr�te�, spottete der Kapit�n. �Aber du magst recht haben, Ibn Kuteiba. Dein Gedanke ist so gut, da� er von mir sein k�nnte. Wir wollen danach handeln.� Abdallah neigte leicht den Kopf, l�chelte und schwieg.</style></p><p><style name="font2">�La� alles vorbereiten, Abul Mahasin. Hole die M�nner aus dem Schiff. Sie m�gen die Segel bereitmachen. Allah wird uns bald die Sonne heraufschicken.�</style></p><p><style name="font2">Mahasin verneigte sich, wandte sich ab und schritt gravit�tisch zur Kommandobr�cke. Dort nahm er ein Sprachrohr an den Mund, und dann t�nte seine Stimme wie Donner �ber das Deck. �Aufstehen, ihr Hunde! W�lzt euch aus den Betten, ihr fetten Schakale! Kommt an Deck, Halunken! Beeilt euch, ihr Lieben! Macht die Segel klar, meine Treuen! Was, ihr wollt nicht, ihr Wildschweine, ihr unreinen S�ue? Der Schejtan soll euch holen! Ich lasse euch morgen Schweinefleisch kochen, wenn es nicht schneller geht! Denkt an eure ruhmreichen Vorfahren, meine lieben S�hne! Macht die Taue los, ihr Braven, ihr Flei�igen! Allah segne euch! Wollt ihr euch wohl beeilen, ihr Hundes�hne, deren M�tter in der Dschehenna braten m�gen!� In dieser Tonart ging es noch eine ganze Weile fort. Aber die Araber sind nun einmal zum Arbeiten denkbar ungeeignet. Der Eifer, mit dem sie an Land auf den M�rkten um einen Becher Oliven- oder Tomatenmark feilschen, war hier keineswegs wiederzuerkennen. Ihr Offizier mochte noch so schimpfen und schmeicheln, sie lie�en sich nicht aus der Ruhe bringen. Es war ihnen gleichg�ltig, ob sie Engel oder Teufel genannt wurden. Nur nicht �berarbeiten! Das Tauende war immer noch eher zu ertragen als die einfachste Besch�ftigung, die wom�glich in Arbeit ausarten konnte.</style></p><p><style name="font2">Der feurige Ball der Sonne tauchte im Osten aus dem Meer. Ojo war vor seinem Raketenkasten eingenickt. Da weckte ihn der Ruf seines Kameraden. �Schiff noch immer Steuerbord voraus!� Ojo fuhr auf. Ja, Deste hatte richtig gesehen. Tats�chlich, ein Dreimastsegler schnittiger Bauart! Etwa dreitausend Fu� von ihnen entfernt schaukelte er auf den Wellen. Ojo raste in die Kabine, um die Spanier und Michel zu wecken.</style></p><p><style name="font2">�He, Senores, wacht auf! Schiff an Steuerbord!� Mit einem Ruck sch�ttelte Michel die bleierne Schwere aus den Gliedern. M�hevoll brachte er etwas Speichel in seinem Mund zusammen, um sich wenigstens die schlaf- und dursttrockene Zunge zu befeuchten. Dann packte er die graue Lederrolle, in der seine Waffen waren, und rannte hinter Diaz Oio her.</style></p><p><style name="font2">Nicht so schnell war der Kapit�n auf den Beinen. Er hatte seit sechsunddrei�ig Stunden keinen Tropfen Wasser genossen. Zudem dr�ckte ihn die Last der Jahre nieder, ganz besonders in dieser verzweifelten Lage. Aber die Ank�ndigung eines nahenden Schiffes lie� ihn sich noch einmal aufraffen. Er wankte vom Lager hoch, taumelte durch die Kabine, st�lpte sich seinen Hut auf den zerw�hlten, wei�haarigen Kopf und stieg �chzend die Treppe zum Deck empor. An der Reling stand Michel und blickte zu dem sich n�hernden Schiff hin�ber. �Gib mir dein Sehrohr, Ojo. � Deste�, rief er dann laut, �hast du das Fahrzeug schon ausmachen k�nnen?�</style></p><p><style name="font2">�No, Senor Doktor, es f�hrt keine Flagge.�</style></p><p><style name="font2">Michel sah gespannt hin�ber. Er konnte bereits die einzelnen Leute unterscheiden. Kopfsch�ttelnd setzte er das Rohr ab und reichte es dem inzwischen herangekommenen Kapit�n. �Was sind das f�r eigenartige Gestalten? Man k�nnte sie fast f�r Muslimun halten. Tragen sie nicht Turbane?�</style></p><p><style name="font2">�Si, si, Ihr habt recht. Wahrhaftig, Mohammedaner in diesen Gew�ssern! Por Dios, es werden doch keine Korsaren sein?�</style></p><p><style name="font2">In diesem Augenblick stieg dr�ben die Flagge hoch.</style></p><p><style name="font2">Deste beobachtete den Vorgang ganz genau. Pl�tzlich schrie er:</style></p><p><style name="font2">�Senor Baum, wir m�ssen uns kampfbereit machen. Sie zeigen die algerische Flagge. Rot, mit wei�em Feld, Stern und Halbmond. Es sind Korsaren des Pascha von Algier.� Michel ri� dem Kapit�n das Glas aus der Hand und schaute abermals hin�ber. Teufel auch, Deste hatte recht... Aber k�mpfen? Womit? Die Soldaten hatten keine Musketen mehr. F�r die Kanonen war zwar noch gen�gend Munition vorhanden. Was aber, wenn sie die Korsaren in die Flucht schl�gen? Dann hatten sie noch lange kein Wasser und keine Lebensmittel, keine anst�ndigen Segel und keinen Wind, der sie nach Madeira bringen w�rde. �Ojo�, sagte Michel resigniert, �schie�e nochmals zwei Raketen ab, damit sie merken, da� wir wirklich in Seenot sind, wenn sie es nicht bereits an unserer zerst�rten Takelage gesehen haben.� Ojo z�gerte. �Vermaledeit, Senor Baum, wi�t Ihr nicht, da� der Daj von Algier Menschenhandel treibt? Wenn wir uns ergeben, schleppen sie uns nach Nordafrika und machen uns zu wei�en Sklaven. Ich danke.�</style></p><p><style name="font2">Michel griff selbst zu einer Rakete, schlug Feuer und entz�ndete die Lunte. �Was n�tzt das alles, Ojo, wenn wir hier in den n�chsten Tagen verdursten! Damit ist auch nichts gebessert. Wir k�nnen nichts daf�r, da� die verdammten Kerle unser Wasser ausgetrunken haben. Sieh sie dir an. Da liegen sie mit vollgesoffenen B�uchen und grunzen in den Morgen hinein. Sie haben �berhaupt noch nicht bemerkt, da� es ihnen jetzt vermutlich an den Kragen</style></p><p><style name="font2">gehen wird. Steig hinunter und hole Eberstein. Ich will die Verantwortung f�r die Hessen nicht </style><style name="font2">allein tragen. Und f�r den Fall, da� wir, der Kapit�n, Jardin, du und Deste in Gefangenschaft </style><style name="font2">geraten, bereitet euch darauf vor, da� ihr stets davon sprecht, ich sei Zauberk�nstler und </style><style name="font2">Wunderarzt, und ihr alle w�rt meine Gehilfen.�</style></p><p><style name="font2">�Wollt Ihr den Korsaren etwas vorgaukeln, Senor Doktor?�</style></p><p><style name="font2">Michel zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font2">�Wie kann ich jetzt schon wissen, was wir tun werden? Vorher Pl�ne zu schmieden, ist v�llig sinnlos.� �</style></p><p><style name="font2">Die �Medina�, das algerische Schiff, kam n�her. Ojo war hinuntergelaufen, um den Grafen </style><style name="font2">wachzur�tteln, was nicht ganz einfach war; denn dieser hatte seit langem zum erstenmal </style><style name="font2">geschlafen, ohne von seinem Durst gequ�lt zu werden.</style></p><p><style name="font2">�Was will er?� fuhr er den Spanier auf deutsch an.</style></p><p><style name="font2">Ojo deutete nach oben und sagte:</style></p><p><style name="font2">�Adelante, Senor, adelante!�</style></p><p><style name="font2">Eberstein hatte mittlerweile ein paar spanische Brocken gelernt. Adelante hie� soviel wie �mach schnell� oder �komm, komm� oder �voran, los, los�.</style></p><p><style name="font2">Diese Aufforderung behagte Eberstein keinesfalls. Wie kam dieser spanische L�mmel dazu, ihn einfach mit Senor anzureden?</style></p><p><style name="font2">Der Graf wu�te l�ngst, da� man in Spanien zu Hoch-wohlgeborenen �Vuestra Merced� ��Euer Gnaden� � sagte.</style></p><p><style name="font2">Um dem Spanier zu zeigen, da� er keine Lust hatte, ihm zu folgen, drehte er sich auf die andere Seite und kehrte dem braven Ojo den R�cken zu.</style></p><p><style name="font2">Ojo kratzte sich den Kopf. Wie sollte er sich dem deutschen Edelmann verst�ndlich machen? Als sich Eberstein �berhaupt nicht r�hrte, packte er ihn kurz entschlossen an Hosenboden und Jackenkragen, nahm ihn auf seine kr�ftigen Arme und stand kurz darauf mit seiner zappelnden und schimpfenden Last an Deck, wo er den Grafen vor Michel auf die F��e stellte. Dann meinte er entschuldigend:</style></p><p><style name="font2">�Tut mir leid, Senor Baum, der Senor hat nicht verstanden, was ich ihm auftragen sollte.� Michel hatte M�he, sich ein Lachen zu verbei�en.</style></p><p><style name="font2">�Mach dir nichts daraus, Ojo. Es gibt Menschen, die kann man einfach nicht anders behandeln.� �Was wollt Ihr von mir?� schrie Eberstein den Silbador an. �Was untersteht Ihr Euch, Unversch�mter?!�</style></p><p><style name="font2">Michel gab keine Antwort. �ber seine Schulter deutete er mit dem Daumen aufs Meer, wo das andere Schiff immer n�her kam.</style></p><p><style name="font2">Eberstein stie� einen Freudenruf aus. Ein Schiff, das bedeutete Rettung. Er wurde pl�tzlich sehr freundlich.</style></p><p><style name="font2">�Soll ich meine Leute zur Begr��ung antreten lassen?�</style></p><p><style name="font2">�Macht nur, was Ihr wollt. Ich betrachte mich von diesem Augenblick an wieder als Privatperson. Nur soviel wollte ich Euch sagen: der Dreimaster dort ist h�chstwahrscheinlich ein Sklavenschiff.�</style></p><p><style name="font2">Der Graf sah ihn verst�ndnislos an. Dann meinte er dreist:</style></p><p><style name="font2">�Na und, was schert es mich? Was gehen mich die Neger an? Wir sind doch Wei�e! Oder ist es vielleicht wieder einmal mit Eurer Auffassung unvereinbar, da� wir von einem Schiff gerettet werden, das Negersklaven nach Amerika verkauft?�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum sch�ttelte den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Ihr versteht mich nicht richtig. Dieses Fahrzeug ist kein amerikanischer Sklavenf�nger, sondern ein algerischer Pirat, der wei�e Gefangene, die er auf den erbeuteten Schiffen macht, in die Sklaverei verkauft. Habe ich mich nun verst�ndlich ausgedr�ckt?� Eberstein spuckte ver�chtlich �ber die Reling.</style></p><p><style name="font2">�Pah, einen deutschen Grafen verkaufen sie bestimmt nicht. Auch diese Araber k�nnen einen Adeligen von einem gew�hnlichen Menschen unterscheiden. � Wer so sch�ne Pferde z�chtet wie sie, der wird auch edle Menschen von unedlen zu unterscheiden wissen.� Michel war f�r einen Augenblick sprachlos. Doch dann brach ein gewaltiges Lachen aus seiner Brust hervor. Er schlug dem edlen Grafen ein paarmal mit der flachen Hand auf die Stirn und br�llte ihn an:</style></p><p><style name="font2">�Beratet Euch mit Euern Leuten, was sie zu tun gedenken. Es dauert keine zehn Minuten mehr. Dann liegt das Korsarenschiff l�ngsseits.�</style></p><p><style name="font2">Eberstein wandte sich ab, schritt zu seinem Korporal und befahl ihm, die Soldaten zusammenzurufen.</style></p><p><style name="font2">Jardin, Porquez, Ojo, Deste und Michel standen wartend am Heck. Sie waren entschlossen, den Algerier auf jeden Fall um Unterst�tzung zu bitten und unter Umst�nden auch das Los der Gefangenschaft auf sich zu nehmen; denn eine andere M�glichkeit zur Rettung sah auch Michel nicht.</style></p><p><style name="font2">�Bueno�, meinte Porquez mit trockener Stimme, �dazu habt Ihr nun Eure Landsleute vor der Wut meiner Korsaren gesch�tzt, damit sie mit uns zusammen zum Teufel gehen, Senor Baum. Das Schicksal l��t sich nicht mit Gewalt zum Guten wenden.� �Wollt Ihr mir einen Vorwurf machen, Capitan?�</style></p><p><style name="font2">�Da sei Gott vor�, erwiderte der Alte, �an mir werden die Janitscharen sowieso keine Freude haben. Ich bin zu alt, um zu arbeiten. Sie werden mich kurzerhand umlegen, und dann ist dieses Erdenelend vorbei. Aber um Euch tut es mir leid, Senor Baum, gerade weil Ihr Euch stets bem�htet, gerecht zu handeln. Schade auch um meine drei companeros da; waren t�chtige Korsaren und ausgezeichnete Seeleute.�</style></p><p><style name="font2">�Ich danke Euch f�r Eure gute Meinung, Capitan. Aber ich mu� Euch sagen, da� ich noch keineswegs alle Hoffnung auf ein Weiterleben in Freiheit aufgegeben habe.�</style></p><p><style name="font2">�Was ist da los--� schrie Jardin pl�tzlich, konnte aber seinen Satz nicht mehr beenden; denn </style><style name="font2">gerade in diesem Augenblick waren die hessischen Soldaten herangest�rmt und st�rzten sich auf </style><style name="font2">ihre spanischen Leidensgef�hrten.</style></p><p><style name="font2">�Bindet sie!� kreischte die Stimme Ebersteins.</style></p><p><style name="font2">Die Soldaten hatten sich vorher um ihren Rittmeister versammelt und von diesem die Schreckenskunde erfahren. Er hatte ihnen eingeredet, da� man einen Versuch zur eigenen Rettung machen m��te, indem man die spanischen Kameraden mit dem Pfeifer den nahenden Korsaren �bergab und daf�r als Gegenleistung Wasser forderte. Auf diese Weise kamen die Algerier kampflos zu f�nf kr�ftigen M�nnern. Vielleicht gingen sie auf das Angebot ein. Anfangs hatten die Leute gez�gert; aber dann erteilte Eberstein einfach den Befehl zur Gefangennahme der f�nf. Und ein Befehl war eben ein Befehl. Das waren die Musketiere so gew�hnt.</style></p><p><style name="font2">Michel schlug um sich wie ein Wilder. Aber gegen die �bermacht einer ganzen Kompanie Soldaten konnten auch seine Kr�fte nichts ausrichten. Nach kurzem Kampf waren die F�nf gebunden und verschn�rt wie Pakete.</style></p><p><style name="font2">Eberstein trat heran und grinste h�hnisch.</style></p><p><style name="font2">�Nun, mein lieber Baum, wir werden versuchen, uns Eure Anwesenheit n�tzlich zu machen. Verdient habt Ihr die Freiheit sowieso nicht. Ich betrachte Euch noch immer als einen Deserteur. Wir werden Euch und Eure spanischen Genossen gegen Wasser eintauschen. Wenn wir Gl�ck haben, erreichen wir die Insel Madeira. Von dort aus soll es uns nicht schwerfallen, nach Hause zu gelangen. � Soll ich Eurer lieben Braut vielleicht einen Gru� ausrichten?� �Schuft!� sagte Michel nur. Eberstein l�chelte h�hnisch.</style></p><p><style name="font2">�Wenn Ihr glaubt, midi reizen zu k�nnen, so habt Ihr Euch geirrt. Ich werde Euerm Fr�ulein Braut erz�hlen, da� Ihr als tapferer Mann und als mein Freund im Kampf umgekommen seid, und da� Eure letzten Worte ihr galten. � Wenn sie h�rt, wie dicke Freunde wir gewesen sind, dann wird sie mich vielleicht heiraten. Wir werden Euer Andenken immer in hohen Ehren halten, Ihr freiheitsd�rstender Wanderprediger.� Die �Medina� war l�ngsseits gekommen.</style></p><p><style name="font2">Jemand rief durch ein Megaphon etwas her�ber. Es war aber niemand da, der arabisch verstand. Der einzige, der h�tte dolmetschen k�nnen, Carlos Deste, lag gefesselt neben Michel Baum. Sein Gesicht war wei� vor Wut. Er h�tte diesen deutschen Grafen r�dern und vierteilen m�gen. Eine Enterbr�cke wurde ausgelegt. An der Reling des algerischen Schiffes standen in Reihen die Korsaren und hielten drohend ihre Krumms�bel in der Faust.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n enterte auf die �Quebec�. Mit Erstaunen betrachtete er die blauuniformierten M�nner. Soldaten, wie er sie noch nie gesehen hatte. Spanier waren es nicht, das stand f�r ihn fest. Engl�nder sicher auch nicht.</style></p><p><style name="font2">Eberstein, der sich Michels Degen umgeschnallt hatte, zog diesen jetzt aus der Scheide und senkte ihn gr��end vor Abu Hanufa al Dinaweri, dem fremden Korsarenkapit�n. Diesem schien die Ehrenbezeigung zu gefallen. Eine Ehrenbezeigung hatte ihm noch nie ein christlicher Offizier erwiesen.Der Araber fragte etwas in gebrochenem Spanisch. Eberstein deutete ihm durch Gesten an, da� er nichts verstand.</style></p><p><style name="font2">Abu Hanufa redete auf ihn in seiner Muttersprache ein. Dann drehte er sich pl�tzlich um und rief nach Ibn Kuteiba, dem gelehrten Steuermann.</style></p><p><style name="font2">Dieser kam. Er fragte in flie�endem Englisch. Eberstein atmete auf und radebrechte eine Antwort.</style></p><p><style name="font2">�Was sagt er, Ibn Kuteiba?� fragte der Kapit�n der �Medina�. Ibn Kuteiba verneigte sich.</style></p><p><style name="font2">�Er bittet dich um etwas Wasser, o Herr. Sie sind Schiffbr�chige aus dem Land der Nemsi, </style><style name="font2">welche gegen die Franza oftmals Krieg f�hren.�</style></p><p><style name="font2">Die Augen des Kapit�ns blitzten.</style></p><p><style name="font2">�Ah, Allah segne sie daf�r, so sind wir Verb�ndete.�</style></p><p><style name="font2">Die Algerier ha�ten die Spanier und Franzosen, weil diese es sich nicht gefallen lassen wollten, da� arabische Schiffe nach Belieben ihre K�ste pl�nderten.</style></p><p><style name="font2">Ibn Kuteiba dolmetschte weiter. Er berichtete dem Grafen, da� Franzosen und Spanier auch die Feinde der Araber seien.</style></p><p><style name="font2">Der Rittmeister setzte seine gewinnendste Miene auf und deutete auf seine Gefangenen. �Sagt Euerm Kapit�n, da� ich ihm diese vier Spanier und diesen Franzosen� � dabei deutete er auf Michel � �zu Sklaven gebe, wenn er uns mit Wasser versorgt. Dazu soll er noch diese Flinte haben.�</style></p><p><style name="font2">Eberstein wickelte Michels sechsl�ufiges Gewehr behutsam aus der Umh�llung, um gleichzeitig zu demonstrieren, wie kostbar der Schatz war.</style></p><p><style name="font2">�Man kann immerfort damit schie�en. Wir haben diese Zauberwaffe bei dem Franzosen dort gefunden.�</style></p><p><style name="font2">Ibn Kuteiba �bersetzte seinem Herrn das englische Gestammel des Grafen. Des Kapit�ns Augen hefteten sich gierig auf die �Zauberflinte�.</style></p><p><style name="font2">�Frage den Deutchen, ob er uns vormachen will, wie man damit schie�t.� Kuteiba fragte.</style></p><p><style name="font2">Der Graf hatte keine Ahnung von der Bedienung des Gewehrs. Seine waffenkundlichen Kenntnisse beschr�nkten sich auf die preu�ischen und auf die schwedischen Musketen. Er wu�te, da� der Schwedenk�nig das Gewehr um fast f�nf Pfund erleichtert hatte, so da� es heute nur noch zehn statt f�nfzehn Pfund wog. Friedrich von Preu�en hatte diese Erfindung, kaum da� sie bekannt war, f�r sich ausgewertet.</style></p><p><style name="font2">�Es tut mir leid�, meinte Eberstein, �ich wei� selbst nicht, wie man es macht. Aber Ihr habt ja nun den Mann, dem das Gewehr geh�rt. Sicherlich werdet Ihr ihn zwingen k�nnen, das Geheimnis preiszugeben. Ich habe wenigstens geh�rt, wie er ununterbrochen damit scho�.� Ibn Kuteiba �bersetzte. Abu Hanufa al Dinaweri aber war mi�trauisch. Die Konstruktion des Gewehrs jedoch verwirrte ihn so, da� er sich ernsthaft fragte, ob der deutsche Offizier nicht die Wahrheit gesprochen habe.</style></p><p><style name="font2">�Diese blauen Soldaten wollen mir das Gewehr und die f�nf Sklaven geben, wenn sie Wasser von mir erhalten?� vergewisserte er sich nochmals. Ibn Kuteiba nickte.</style></p><p><style name="font2">�Maschallah, Ibn Kuteiba, was stehst du hier noch herum? Sage Abul Mahasin, da� er Wasser bringen lassen soll! Und wenn es nicht sofort geschieht, so lasse ich ihm sein Fett in einzelnen Striemen vom K�rper ziehen. Allah verdamme dich selbst, du Esel, denn du bist zu langsam!� Ibn Kuteiba lie� sich nicht aus der Ruhe bringen. Ganz im Gegensatz zu dem Ersten Offizier nahm er das Gerede und Geschimpfe des Kapit�ns f�r das, was es auch war, n�mlich f�r belangloses Geschw�tz.</style></p><p><style name="font2">�W�re es nicht besser, o Herr,� wagte er einen Vorschlag, �wenn wir alle Soldaten mitn�hmen? Es w�re der gr��te Sklavenfang, den wir je gemacht h�tten. Warum sollen wir kostbares Wasser verschwenden, um f�nf Gefangene zu erhalten, anstatt da� wir uns alle nehmen, ohne etwas daf�r zu geben!�</style></p><p><style name="font2">�Allah hat dir den Verstand verdreht, du Hund. Seit wann vergreifen wir uns an halbverhungerten Soldaten, die erstens in Seenot geraten sind und zweitens auch noch zu den Feinden unserer Feinde geh�ren? Sagtest du nicht selbst, da� sie oft gegen die Franzosen Krieg f�hren?�</style></p><p><style name="font2">�Allah hat dir gro�e Weisheit geliehen, o Herr�, verbeugte sich Ibn Kuteiba jetzt. �Du bist der </style><style name="font2">Gerechteste der Gerechten. Verzeih die s�ndigen Gedanken deines Knechtes.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n warf sich in die Brust. Weise .hat ihn noch niemand genannt. Ausgerechnet Ibn </style><style name="font2">Kuteiba, der Schriftgelehrte, mu�te ihm das sagen! Das wog besonders. Der Kapit�n beschlo� in </style><style name="font2">dieser Minute, seinem Steuermann in Zukunft mehr Gunst zu erweisen. �</style></p><p><style name="font2">�Que hay, was ist los, Deste?� fl�sterte Michel seinem Nachbarn ins Ohr. �Was haben die </style><style name="font2">schurkischen Araber unter sich verhandelt?�</style></p><p><style name="font2">�Der, den sie Ibn Kuteiba nennen�, zischte Deste w�tend, �wollte alle gefangennehmen; aber der F�hrer der Meute, dieser verfluchte Capitan, scheint seine </style><style name="font2">gro�z�gige Minute zu haben. Er will die anderen anscheinend nicht.�</style></p><p><style name="font2">Michel blickte mit feuerspr�henden Augen zu Eberstein hin�ber. Dann murmelte er Deste zu: �Der Graf hat diesen Burschen weisgemacht, da� ich ein Franzose sei. Dazu hat sein englisches Gestammel noch ausgereicht. Ich habe geh�rt, was er dem arabischen Dolmetscher erz�hlte.� �Soll ich den finsteren Capitan rufen, Senor Baum? Wollen wir nicht versuchen, ihn �ber die wahre Lage aufzukl�ren?�</style></p><p><style name="font2">Michel blieb die Antwort schuldig; denn gerade in diesem Augenblick hatte Abul Mahasin, der mit den Wassertr�gern vor einigen Minuten an Bord gekommen war, das Fl�stern der Gefangenen bemerkt.</style></p><p><style name="font2">Er trat mit rollenden Augen vor sie hin und donnerte sie an:</style></p><p><style name="font2">�Schweigt, ihr Hunde, ihr verdammten Giaurs, sonst r�ste ich euch die Fingern�gel!� Das R�sten der Fingern�gel ist eine der furchtbarsten, schmerzhaftesten Strafen. Man klemmt dem Gefolterten d�nne H�lzchen oder Strohhalme unter die N�gel und brennt diese an. Eine Marter, die vorzugsweise zum Erpressen von Gest�ndnissen benutzt wurde. Trotz dieser Drohung konnte sich Deste nicht zur�ckhalten.</style></p><p><style name="font2">�Bei Allah�, rief er, �und beim Barte des Propheten�, er kannte sich recht gut aus in der arabischen Ausdrucksweise, �was haben wir euch getan, weshalb wollt ihr uns anders behandeln als diese schuftigen Blaujacken, die im Sold Englands stehen?�</style></p><p><style name="font2">Abu Hanufa fuhr herum, als er einen der Gefangenen in seiner Muttersprache reden h�rte.Seine Augen blitzten.</style></p><p><style name="font2">�Was sagst du? Engl�nder sind es?�</style></p><p><style name="font2">�Nein, Sayd, keine Engl�nder. Es sind Deutsche, aber sie stehen in englischem Sold.� �Was hei�t das?�</style></p><p><style name="font2">Deste versuchte ihm das Verh�ltnis der Mietsoldaten zur britischen Krone klarzumachen. �Ah�, meinte der Kapit�n, �also englische Miliz?�</style></p><p><style name="font2">Deste gab es auf. Wie sollte er einem halbwilden Mohammedaner erkl�ren, da� es im Land Europa, im Land der Wei�en, die ihre Schiffe ausschickten, um den Sklavenhandel zu bek�mpfen, F�rsten gab, die ihre eigenen, freigeborenen Landsleute an fremde M�chte verkauften? Europa schwebte jedem Nichteurop�er damals noch als Inbegriff der Vollkommenheit vor. Der Araber w�rde es einfach nicht glauben, da� diese Blaujacken in Wirklichkeit Sklaven waren, die im Auftrag des Staates, der sie gekauft hatte, gegen wildfremde Menschen, die ihnen nichts getan hatten, k�mpfen mu�ten.</style></p><p><style name="font2">�Sprich weiter, du Hund!� schrie ihn der Kapit�n an. �Willst du mich vielleicht zum besten halten? Warum sagst du nichts mehr? Soll ich dir Schl�ge auf die Fu�sohlen geben lassen? Sprich, was ist mit diesen Kerlen?�</style></p><p><style name="font2">�Ich kann es nicht erkl�ren. Du w�rdest es doch nicht begreifen.�</style></p><p><style name="font2">Das h�tte er allerdings nicht sagen d�rfen. Wie konnte ein Ungl�ubiger es wagen, ihm, Abu Hanufa al Dinaweri, ins Gesicht zu sagen, da� er etwas nicht verstehen w�rde? Der Kapit�n lief rot an vor Zorn. Seine dunkle Haut wurde fast schwarz unter dem Druck des Blutes. �Er bi din u m�d h�ba!�<a l:href="#n_3" type="note">[3]</a>, schrie er Deste an und fuchtelte ihm drohend mit der geballten Faust vor der Nase herum.</style></p><p><style name="font2">�Ich werde dich peitschen lassen, bis dir alle Knochen zerbrochen sind! Ich werde L�use in deine Wunden setzen und den Ratten deine Augen zum Fra�e vorwerfen, ich werde � � ich </style><style name="font2">werde--�, es fiel ihm im Augenblick nichts Passendes mehr ein; darum versetzte er dem </style><style name="font2">armen Deste einen Fausthieb, da� er die Besinnung verlor, und wandte sich ab. Michel zerrte wie ein Rasender an seinen Banden. Zum erstenmal in seinem Leben sp�rte er so etwas wie eine Regung des Hasses gegen einen einzelnen Menschen. Zum erstenmal war es mit seiner sp�ttischen �berlegenheit vorbei. Doch dieser Ha� galt nicht etwa jenem Janitscharenkapit�n, sondern dem Grafen Rudolf von Eberstein, dem man deutlich die Genugtuung �ber die Mi�handlung Destes ansah.</style></p><p><style name="font2">�Weshalb spielt dieser Franzose, den Allah verdammen m�ge, verr�ckt?� fragte Abu Hanufa seinen Steuermann.</style></p><p><style name="font2">�Was hast du?� fragte Ibn Kuteiba Michel in franz�sischer Sprache.</style></p><p><style name="font2">Und Michel verpa�te in seinem Zorn diesmal die g�nstige Chance, die ihm geboten wurde. Er h�tte dem Steuermann in einem ruhigen Moment niemals eine franz�sische Antwort erteilt, schon um ihn glauben zu machen, da� er diese Sprache nicht verstehe. Das w�re vielleicht die beste M�glichkeit gewesen, den Araber davon zu �berzeugen, da� er kein Franzose war. Aber in seinem Zorn erfa�te er die Situation nicht und schrie auf franz�sisch: �Ihr seid Lumpen und Schufte! Ihr behandelt einen Gefangenen wie einen Verbrecher, ohne ihn verh�rt zu haben. Und wenn ihr in euern dummen K�pfen etwas nicht versteht, dann schlagt ihr ihn und schenkt einem solchen Verr�ter Geh�r wie diesem verdammten Grafen.� Ibn Kuteiba l�chelte freundlich.</style></p><p><style name="font2">�Wir brauchen nicht erst die Best�tigung von euch, da� ihr schlecht seid, denn Allah verdammt </style><style name="font2">die Spanier und ha�t die Franzosen.�</style></p><p><style name="font2">�Ich bin kein Franzose!� rief Michel aufgebracht.</style></p><p><style name="font2">Ibn Kuteiba lachte.</style></p><p><style name="font2">�Du sprichst wie ein Pariser. Deine Mundart ist so vollkommen, da� du uns nicht betr�gen kannst.�</style></p><p><style name="font2">�Ach�, fragte Michel verwundert, �sprichst du nicht ebenso gut franz�sisch? So gut, da� du gar den Pariser Dialekt von dem der Provinz unterscheiden kannst, und bist doch ein Araber? Deine Logik ist nicht �berzeugend.�</style></p><p><style name="font2">Ibn Kuteiba wollte etwas erwidern. Aber da schaltete sich der Kapit�n ein.</style></p><p><style name="font2">�Was sagt der Hund?�</style></p><p><style name="font2">Der Steuermann berichtete ihm.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n lachte laut und rief Abul Mahasin zu:</style></p><p><style name="font2">�Sage deinen Wassertr�gern, da� sie diese f�nf Giaurs bei ihrem n�chsten Gang auf das Schiff mitnehmen sollen. Wir wollen machen, da� wir weiterkommen.�</style></p><p><style name="font2">Und so geschah es. Die Spanier und Michel wurden nach kurzer Zeit hin�bergetragen. Eberstein rief ihnen gut gelaunt nach:</style></p><p><style name="font2">�Auf Nimmerwiedersehen, Musketier Baum, la�t es Euch gutgehen und denkt hin und wieder mal an Euern besten Freund, den Grafen Eberstein.�</style></p><p><style name="font2">�Auf Wiedersehen, du Schweinehund!� zischte Michel, wobei er die Betonung so stark auf das </style><style name="font2">Wiedersehen legte, da� es Eberstein sekundenlang nicht wohl in seiner Haut war.</style></p><p><style name="font2">Die Wassertr�ger warfen die f�nf Sklaven in den Kielraum, und w�hrend der n�chsten Stunden </style><style name="font2">k�mmerte sich kein Mensch um sie.</style></p><p><style name="font2">Als eine Weile vergangen war, sagte Jardin m�hsam: �Wir fahren, Senores. Nun ist es aus.�</style></p><p><style name="font2">�Ein furchtbarer Gedanke, in meinem Alter noch Sklave zu werden�, sagte Kapit�n Porquez. �Ich w�nschte, wir h�tten dieses englische Schiff mit den deutschen Soldaten niemals getroffen. Man hat �berall soviel von der ber�hmten Treue der Deutschen gesprochen, da� ich sie fast f�r gute Menschen gehalten h�tte. Nun, ich bin eines Besseren belehrt worden. Die einzige Ausnahme seid Ihr, Senor Baum.�</style></p><p><style name="font2">�Unsinn, Capitan, Ihr m��t unterscheiden. Schlechte Menschen gibt es �berall. Die Soldaten waren gute Kerle. Und wenn sie nicht von diesem verdammten Eberstein aufgehetzt worden w�ren, so h�tten sie sich auch niemals an uns vergriffen. Verge�t nicht, da� Menschen au�erdem alles Menschliche verlieren, wenn sie Durst und Hunger haben. Nur wenige, die ganz Starken, behalten in solchen Zeiten ihre Fassung. Nein, meine Landsleute sind nicht schlecht. Ich bin davon �berzeugt, da� Eberstein gar nicht lange gefragt hat, ob sie sich unser bem�chtigen wollten, sondern er hat es ihnen einfach befohlen.�</style></p><p><style name="font2">�H�rt, Senor, Eure F�rsprache ehrt Euch. Aber h�ttet Ihr jemals einen solchen Befehl ausgef�hrt?�</style></p><p><style name="font2">Michel dachte einen Augenblick �ber diesen berechtigten Einwand nach. Wenn er diese Frage mit Nein beantwortete, so w�rde man wahrscheinlich �na also� darauf sagen. Aber Michel war ja auch kein Musketier. Es schien ihm aussichtslos, seine spanischen Freunde dar�ber aufzukl�ren, was man in Deutschland, und nicht nur in Preu�en, unter einem Befehl verstand. Dennoch machte er den Versuch, den Ausl�ndern eine bessere Meinung von seinen Landsleuten beizubringen.</style></p><p><style name="font2">�Es ist schwer, Senores, die deutsche Seele zu verstehen. Es w�rde auch zu weit f�hren, wollte ich jetzt eine Vorlesung dar�ber halten. Wir haben im Augenblick, glaube ich, andere Sorgen. Aber eines mu� ich euch sagen: nach dem deutschen Ehrenkodex gilt es als der schwerste Versto�, wenn ein Soldat einen Befehl nicht ausf�hrt und dadurch die Disziplin der Truppe untergr�bt. In meinem Vaterland baut sich �berhaupt das ganze Leben nur auf zwei Begriffen auf: Befehlen und Gehorchen. Es befiehlt der F�rst dem Minister, es befiehlt der Minister dem Kanzleirat, es befiehlt der Polizist dem B�rger und der B�rovorsteher seinem Angestellten. Und wer dieses Leben nicht mehr ertragen will, gilt als Aufr�hrer oder, Revolution�r, und wenn er seinen erzwungenen Fahneneid bricht, so ist er ein Deserteur. Seht ihr, Senores, und solch ein Deserteur bin ich. Deshalb w�rde ich auch dem Befehl Ebersteins nicht gehorcht haben. Vielleicht versteht ihr das.�</style></p><p><style name="font2">Es kam keine Antwort. Die Gefangenen schienen dar�ber nachzudenken. Und dieses Nachdenken w�hrte seine Zeit und lenkte f�r eine Weile die Gedanken von dem augenblicklichen Los ab.</style></p><p><style name="font2">Die �Medina� kreuzte n�rdlich der Dreiergruppe der Kanarischen Inseln und versuchte, NordOst-Kurs zu gewinnen.</style></p><p><style name="font2">Es war Abend geworden. Die �Quebec� war nicht mehr zu sehen. Der Kapit�n sa� mit gekreuzten Beinen auf dem Diwan in seiner Kabine und hatte das Mundst�ck seines Tschibuks zwischen den Z�hnen. Irgendwie f�hlte er sich jedoch unzufrieden. Er �berlegte sich schon zum hundertstenmal, ob er richtig gehandelt habe, ob es dem Daj von Al-Dschesair gefallen w�rde, wenn er Kunde davon erhielt, da� man eine ganze Kompanie Soldaten gegen f�nf Gefangene eingetauscht hatte. Er mu�te an Ibn Kuteibas Vorschlag denken. Sicher, es w�re ein Leichtes gewesen, sie alle zu fangen...</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n sch�ttelte den Kopf. Was war nur in ihn gefahren? Je l�nger er �ber seine Handlungsweise nachdachte, umso unverst�ndlicher erschien sie ihm. Er klatschte in die H�nde. Ein Diener erschien und fiel mit �ber der Brust gekreuzten H�nden vor ihm nieder. �Rufe mir Ibn Kuteiba. Aber schnell, du Hundesohn, sonst lasse ich dich kielholen.� Der Diener entfernte sich hastig. Kurz darauf erschien der Steuermann.</style></p><p><style name="font2">�La� dich nieder, Ibn Kuteiba�, befahl sein Herr. Dann klatschte er abermals in die H�nde. �Bring Kaffee!� fuhr er den eintretenden Diener an.</style></p><p><style name="font2">Bis die Wasserpfeife dampfte und der starke Mokka vor dem Steuermann stand, herrschte Schweigen. Endlich meinte der Kapit�n:�Man nennt dich den Gelehrten, Ibn Kuteiba. Ich brauche jetzt deine Weisheit. Sage mir ehrlich, glaubst du, da� ich mich richtig verhalten habe heute nachmittag?�</style></p><p><style name="font2">Ibn Kuteiba schien in weite Fernen zu blicken, als wollte er dort seine Antwort auf diese Frage herholen.</style></p><p><style name="font2">�Du hast streng nach dem Gebot des Propheten gehandelt, Sayd. Wer sollte es wagen, dich daf�r zu tadeln?� antwortete der Steuermann diplomatisch.</style></p><p><style name="font2">�Aber ich habe eine ganze Kompanie Soldaten ungeschoren gelassen, die ich doch h�tte mit Leichtigkeit �berwinden k�nnen. Ist das nicht gegen die Gesetze des Daj?� Ibn Kuteiba bewegte w�gend den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Es kommt darauf an, wie man es auslegt, o Herr. Ich wei�, wir alle haben einen Feind an Bord. Aber ich kenne nicht seinen Einflu� an h�chster Stelle. Allah verzeihe mir diese Offenheit.� �Du meinst Abdallah, nicht wahr?� Kuteiba nickte.</style></p><p><style name="font2">�Maschallah�, fuhr der Kapit�n auf, �sollte es nicht m�glich sein, seine Schl�ue durch deine Weisheit zu �bertreffen?�</style></p><p><style name="font2">Der Steuermann wiegte abermals den Kopf. Das schien eine seiner stereotypen Bewegungen zu </style><style name="font2">sein, mit der er die Wichtigkeit seiner Gedanken unterstreichen wollte.</style></p><p><style name="font2">�Man kann vieles tun, Sayd. Man kann zum Beispiel den Wert der gefangenen Sklaven so </style><style name="font2">bemessen, da� der Pascha mit dir zufrieden sein wird. Allah scheint dem Franzosen viel </style><style name="font2">Verstand verliehen zu haben. Man mu� ihn f�r uns zu nutzen suchen. Du wei�t, unser Daj liebt </style><style name="font2">es, sich mit den Weisheiten des Abendlandes zu umgeben.�</style></p><p><style name="font2">Abu Hanufa al Dinaweri klatschte abermals in die H�nde.</style></p><p><style name="font2">�Schafft mir sofort den gro�en Sklaven mit den blauen Augen und dem blonden Haar zur Stelle!� schrie er den kriechenden Diener an. Ibn Kuteiba nickte beif�llig. Sie warteten. Es vergingen einige Minuten. Dann wurde Michel Baum in die mit orientalischer Pracht ausgestattete Kabine des Kapit�ns gesto�en. Er war noch immer so fest verschn�rt, da� er sich kaum bewegen konnte.</style></p><p><style name="font2">Mit der verbl�ffenden Frage �Was kannst du?� wurde er empfangen.</style></p><p><style name="font2">Michel �rgerte sich dar�ber, da� man ihn derartig gefesselt vernehmen wollte. Zudem hatte er einen so qu�lenden Durst, da� ihm die Zunge wie Feuer im Munde brannte. Er schwieg. �Willst du nicht antworten?� fragte Kuteiba wieder auf franz�sisch. Michel schwieg. �Sollen wir dir die Bastonnade geben, damit du reden lernst?�</style></p><p><style name="font2">�Ich antworte nur, wenn es mir gef�llt, merk dir das�, sagte Michel lallend; denn seine Zunge war dick geschwollen vor Durst.</style></p><p><style name="font2">Ibn Kuteiba lachte und �bersetzte seinem Herrn, was der Sklave gesagt hatte. Der Kapit�n wollte auffahren. Aber der Steuermann beschwichtigte ihn.</style></p><p><style name="font2">�Z�rne nicht, o Herr, ich habe den Eindruck, da� wir in dem Gefangenen einen ungew�hnlichen </style><style name="font2">Menschen vor uns haben. Er wird f�r unsere Pl�ne wie geschaffen sein.�</style></p><p><style name="font2">Abu Hanufas Z�ge kl�rten sich.</style></p><p><style name="font2">�Frage ihn, wann es ihm gef�llt zu reden!�</style></p><p><style name="font2">�Wenn ich Wasser zu trinken bekomme und ihr mir die Fesseln lockert�, antwortete Michel. �Auch meine Kameraden sind halb verdurstet. Und doch kann ich ohne ihre Hilfe meine Kunst nicht aus�ben.�</style></p><p><style name="font2">Kuteiba horchte auf. Was f�r eine Kunst meinte der Mann?</style></p><p><style name="font2">�Wie meinst du das?� fragte er, nachdem er f�r seinen Herrn �bersetzt hatte.</style></p><p><style name="font2">�Erst Wasser. Sonst sage ich nichts!�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n nickte. Kuteiba nahm dem Gefangenen die Handfesseln ab, lie� aber die Oberarme weiterhin eng am K�rper gefesselt. Dann gab er ihm einen Krug. Michel st�rzte das Na�, das ihm wie ein nie genossener G�ttertrank erschien, gierig hinunter. �Nun erz�hle. Wir haben deinen Wunsch erf�llt.� Michel sch�ttelte den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Nicht bevor meine Kameraden ebenfalls Wasser bekommen haben.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n bewilligte auch das. Man wies einen Diener an, die Gefangenen sofort mit Wasser zu versorgen.</style></p><p><style name="font2">�Also du sprachst von einer Kunst, die du beherrschst? Was ist das f�r eine Kunst?�</style></p><p><style name="font2">�Ich bin Arzt, ein Wunderarzt, der alle Krankheiten heilen kann, sofern ich mit meinen Helfern </style><style name="font2">zusammenarbeiten darf. Sie sind alle studierte Medizingehilfen.�</style></p><p><style name="font2">�Ah--�, der Steuermann �bersetzte und �Ah--�, erklang es ebenso gedehnt aus dem </style><style name="font2">Mund des Kapit�ns.</style></p><p><style name="font2">Michel sah mit Erstaunen die Genugtuung, die den beiden deutlich im Gesicht geschrieben stand.</style></p><p><style name="font2">�Ich bin auch Musiker�, fuhr er, k�hner und zuversichtlicher geworden, fort. �Ich mache Musik, </style><style name="font2">da� jeder, der zuh�rt, das Gef�hl hat, als w�re er im Himmel.�</style></p><p><style name="font2">�Gib uns eine Probe deiner Kunst�, forderte der Steuermann erwartungsvoll.</style></p><p><style name="font2">�Habt Ihr ein Spinett?�</style></p><p><style name="font2">�Ein was?�</style></p><p><style name="font2">�Nun, ein Spinett, auf dem man spielen kann. Wie soll ich sonst Musik machen?�</style></p><p><style name="font2">Ibn Kuteiba �bersetzte. Der Kapit�n schaute dumm drein. Er wu�te offenbar genau so wenig wie </style><style name="font2">sein Steuermann, was Michel meinte.</style></p><p><style name="font2">�Kannst du nicht ohne dieses � � � wie hei�t es?�</style></p><p><style name="font2">�Spinett�, sagte Michel und hatte M�he, ein Lachen zu unterdr�cken.</style></p><p><style name="font2">�Eben, Spinett. Also kannst du nicht ohne dieses Spinett Musik machen?�</style></p><p><style name="font2">Michel stellte eine Gegenfrage.</style></p><p><style name="font2">�Wie kommt es, Ibn Kuteiba, da� du so gut franz�sisch sprichst und doch noch nie in Frankreich ein Spinett gesehen hast?�</style></p><p><style name="font2">�Das ist sehr einfach. Ich habe es auf der Schule des Sultans in Istanbul gelernt. Man lernt dort vieles. Ja, da staunst du, nicht wahr? Solche Schulen habt ihr sicher nicht.� Die Primitivit�t des arabischen Gelehrten wirkte l�cherlich, aber Michel sch�ttelte dennoch ernsthaft den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Ich bewundere deine Klugheit, Ibn Kuteiba, und die des Kapit�ns. Ich h�tte es nicht f�r m�glich gehalten, da� es so kluge Menschen unter den Arabern gibt.�</style></p><p><style name="font2">Kuteiba warf sich in die Brust und wiederholte die Worte des Sklaven w�rtlich dem Kapit�n. DessenGesicht gl�nzte vor Selbstzufriedenheit. Er richtete sich auf. Man sah f�rmlich, wie seine Brust vor Stolz schwoll.</style></p><p><style name="font2">�Sage ihm�, wandte er sich an seinen Steuermann, �ich sch�tze Menschen, die so kluge Dinge zu sagen verstehen.�</style></p><p><style name="font2">Michel frohlockte innerlich. Deste hatte ihm im Lauf der vergangenen Stunden �ber die Art, wie die Araber leben und handeln, eine Lektion erteilt. Da Michel ein geradezu erstaunliches Einf�hlungsverm�gen besa�, hatte er sich entschlossen, in diesem ganz besonderen Fall die Kom�die eines unterw�rfigen Sklaven zu spielen; denn er dachte gar nicht daran, sein Leben damit aufs Spiel zu setzen, da� er diesen Arabern eine andere Anschauung von der Welt beizubringen versuchte. Wenn er schon nicht der Gefangenschaft entrinnen konnte � wenigstens im Augenblick nicht � dann mu�te man alle M�glichkeiten ausnutzen, das Sklavenleben ertr�glich zu gestalten, bis � � � �Welcherlei K�nste beherrschst du noch?� Michel �berlegte nicht lange.</style></p><p><style name="font2">�Ich besitze zum Beispiel ein Gewehr, mit dem ich ununterbrochen hintereinander schie�en kann.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n fuhr auf.</style></p><p><style name="font2">�So ist es also wahr, was dieser Nemsi gesagt hat? Kannst du beweisen, da� man mit diesem Gewehr immerfort schie�en kann?�</style></p><p><style name="font2">�Da� ich immerfort damit schie�en kann�, erwiderte Michel vorsichtig. �Wieso nur du? � Geht es bei einem anderen nur einmal?� �Es geht �berhaupt nicht.�</style></p><p><style name="font2">�So kann man das Gewehr nicht in Massen bauen?�</style></p><p><style name="font2">�Man kann es bauen, aber nur, wenn man die genauen Berechnungen kennt.� �Ah! Und du kennst sie?� �Nat�rlich�, log Michel.</style></p><p><style name="font2">Ibn Kuteiba und Abu Hanufa sahen sich an. Da ergaben sich ja ungeahnte M�glichkeiten f�r den </style><style name="font2">Daj von Al-Dschesair. Man w�rde eine Armee damit ausr�sten k�nnen--man k�nnte den </style><style name="font2">ber�hmten Zug der Mauren nach Spanien wiederholen � � man k�nnte � � � ah, was k�nnte man nicht alles!</style></p><p><style name="font2">Abu Hanufa klatschte in die H�nde.</style></p><p><style name="font2">�Bring Kaffee f�r diesen Sayd, du Hundesohn, und einen Tschibuk. Aber eile dich, sonst werfe </style><style name="font2">ich dich den Haifischen vor.�</style></p><p><style name="font2">Der Diener zog sich zur�ck.</style></p><p><style name="font2">Michels Fesseln wurden noch weiter gelockert.</style></p><p><style name="font2">Als der Tschibuk qualmte, erinnerte Michel daran, da� seine Kameraden im Kielraum sicher ebenfalls eine Tasse Kaffee und gutes Essen vertragen k�nnten. Der Kapit�n erf�llte bereitwillig auch diese Bitte.</style></p><p><style name="font2">Im Anschlu� daran wurde es dann recht gem�tlich, und Michel stellte zu seiner Freude fest, da� sich die Sklaverei gar nicht �bel angelassen habe. Er versuchte, den beiden Arabern klarzumachen, da� jener deutsche Graf, der ihn gefangengenommen hatte, ein Verr�ter sei. Er schilderte, was sich in der j�ngsten Vergangenheit alles zugetragen hatte.</style></p><p><style name="font2">Die beiden nickten interessiert. Nur als Michel den Steuermann davon �berzeugen wollte, da� er kein Franzose, sondern ebenfalls ein Nemsi sei wie der Graf, l�chelte der Steuermann schlau und sch�ttelte den Kopf. Michel konnte anf�hren, was er wollte, Ibn Kuteiba glaubte ihm einfach nicht.</style></p><p><style name="font2">Zwei Kabinen weiter ging es weniger lebhaft, daf�r aber umso geheimnisvoller zu. Dort wohnte Abdallah, der Zweite Offizier, dem der Kapit�n nicht recht traute. Und dieser Abdallah schmiedete Pl�ne. In. seinem brennenden Ehrgeiz wollte er selbst Kapit�n auf der �Medina� werden; denn er merkte seit langem, da� Abu Hanufa den Freibrief des Daj von Al-Dschesair nicht richtig auszunutzen verstand.</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n hatte zwar einen gro�en Mund; aber es schien ihm an Mut zu mangeln. Er wollte gern reiche Beute machen, doch es fehlte ihm die Courage f�r draufg�ngerische Unternehmungen.</style></p><p><style name="font2">Abdallah hatte sich schon hundertmal ausgerechnet, was er selbst als Kapit�n verdienen w�rde </style><style name="font2">--und man mu�te ja nicht unbedingt alles an den Pascha abliefern.</style></p><p><style name="font2">Abdallah war listig und verschlagen. Er verstand es, den Augenblick f�r sich zu nutzen. Diesmal w�rde es ihm ohne Zweifel gelingen, den Pascha von der Unf�higkeit Abu Hanufas zu �berzeugen. Dazu sollten ihm diese spanischen Sklaven dienen. Wie konnte ein Korsarenkapit�n ann�hernd hundertf�nfzig Giaurs, die ihm wie ein Geschenk Allahs in den Scho� gefallen waren, ziehen lassen, um sich mit f�nfen zu begn�gen!</style></p><p><style name="font2">Abdallah sog an seiner Wasserpfeife und trank eine Unmenge Mokka in sich hinein. Ab und zu blinzelte er in die tr�b brennende �lflamme, deren Rackern gespenstische Schatten auf die W�nde warf.</style></p><p><style name="font2">Da erklang ein Klopfen an der T�r. �Barra!�</style></p><p><style name="font2">Ein gew�hnlicher Matrose trat behutsam ein.</style></p><p><style name="font2">�Hat dich niemand gesehen, Jussuf?� vergewisserte sich Abdallah.</style></p><p><style name="font2">�Nein, Sayd. Allah verlieh mir den Gang der Katze und die Ohren des Schakals. Darf ich mich </style><style name="font2">setzen?�</style></p><p><style name="font2">Abdallah nickte.</style></p><p><style name="font2">�Ich hoffe, Allah verlieh dir auch den Mut des L�wen.� Jussuf zog den Mund schief.</style></p><p><style name="font2">. �Ich werde f�r dich den Schejtan aus der H�lle holen, Sayd, wenn--du mich entsprechend </style><style name="font2">bezahlst.�</style></p><p><style name="font2">Der Offizier ging dar�ber weg.</style></p><p><style name="font2">�H�r zu, ich habe einen interessanten Auftrag f�r dich, der nicht allzu schwer auszuf�hren ist. Einer der Gefangenen, die unser kluger Kapit�n � Allah m�ge ihm Gl�ck und Segen schenken � gegen hundertf�nfzig eintauschte, spricht, wie du vernommen haben wirst, unsere Sprache. Zu ihm mu�t du vordringen. Du mu�t mit ihm reden. Wenn ihn der Pascha vernimmt, so soll er behaupten, da� dieser deutsche Hauptmann die f�nf Gefangenen �berrumpelte, um sie gegen Wasser einzutauschen und dem Kapit�n den Verb�ndeten vorzuspielen, worauf dieser auch prompt hereinfiel. In Wirklichkeit aber � und das ist es, was die Gefangenen aussagen sollen � geh�rten die Spanier, der Franzose und diese Deutschen von jeher zusammen, waren also Freunde. Freunde, die wiederum ihre eigenen Freunde preisgaben, um selbst ungeschoren davonzukommen. Wenn der Pascha das erf�hrt, so ist Abu Hanufas letzte Stunde gekommen, verstehst du?�</style></p><p><style name="font2">Es klopfte.Sofort warf sich Jussuf auf die Erde. Abdallah ergriff eine Nilpferdpeitsche, schwang sie �ber dem vor ihm liegenden Jussuf und br�llte:</style></p><p><style name="font2">�Habe ich dir nicht gesagt, da� du meine Befehle gewissenhaft auszuf�hren hast, du Hundesohn, du schiefgeborener Bastard, du L�usetr�ger und Rattenschreck � � �� Die T�r �ffnete sich. Abul Mahasin stand auf der Schwelle.</style></p><p><style name="font2">�Halt ein, Abdallah, du pr�gelst die Leute wahllos wegen irgendwelcher Kleinigkeiten! La� Jussuf gehen. Er ist ein guter Matrose und ein noch besserer Gesch�ftsmann.� Abdallah lie� die Peitsche sinken und verneigte sich leicht vor dem Ersten Offizier. �Dein Wunsch ist mir wie ein Befehl des Propheten, o Abul Mahasin. � Hinaus, du faules Stinktier!� br�llte er dann Jussuf an, der sich schnell entfernte. Er hatte M�he, sich ein Lachen zu verbei�en.</style></p><p><style name="font2">�Wie kann man einen solchen Fettwanst nur zu einem Offizier machen�, murmelte er vor sich hin. �Der Kerl hat doch einen Verstand wie ein grauer Spatz.�</style></p><p><style name="font2">�Kann ich etwas f�r dich tun, o Abul Mahasin?� fragte Abdallah mit unterw�rfiger Schl�ue. �Schaff mir Kaffee, wenn du noch welchen hast. Mein Quantum ist schon seit Tagen alle. Wird Zeit, da� wir an Land kommen. Nun, ich denke, unser Kapit�n hat seinen Landurlaub grad so gut verdient wie ich. F�nf kr�ftige Sklaven ohne einen Schu�. Allah hat ihn erleuchtet. Allah ist gro�.�</style></p><p><style name="font2">Abdallah nickte mit der Miene eines Biedermannes und befahl seinem Diener, Kaffee f�r den Gast zu bringen.</style></p><p><style name="font2">Die vier Spanier im Kielraum blinzelten in das Licht einer �llaterne. Jardin, Ojo und Deste richteten sich etwas auf. Kapit�n Porquez war zu schwach dazu. In ihm war kaum noch Leben. �Essen und trinken�, sagte der eintretende Araber und stellte eine Sch�ssel mit dampfendem Reis vor die Gefesselten und daneben eine gro�e Kanne Kaffee.</style></p><p><style name="font2">�Wie sollen wir das machen?� fragte Deste. �Wir sind doch so gefesselt, da� wir uns kaum bewegen k�nnen.�</style></p><p><style name="font2">Der Araber grinste. Dann deutete er auf die Wand und meinte: �Mit dem R�cken an die Wand setzen und Mund aufmachen.�</style></p><p><style name="font2">Deste erkl�rte den beiden anderen die merkw�rdige Anweisung. Jardin war es, der fragte: �Und wie bringen wir Senor Porquez in diese Lage? Allein wird er nicht mehr die Kraft haben, sich aufzurichten.� Deste sagte es dem Araber.</style></p><p><style name="font2">Der griff mit seinen Riesenf�usten zu und setzte den wei�haarigen Kapit�n in die Reihe der anderen.</style></p><p><style name="font2">�Senor Porquez--Senor Porquez!� rief Jardin, �wacht auf! Es gibt zu essen und zu trinken!�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n �ffnete m�hsam die Augen. �Wasser�, murmelte er schwach.</style></p><p><style name="font2">Deste erkl�rte dem Araber, da� der alte Mann trinken wolle. Und der herkulisch gebaute Kerl setzte ihm die Kaffeekanne an die Lippen. In gierigen Z�gen schl�rfte der Kapit�n. Das Getr�nk belebte ihn.�Aufpassen�, sagte der Araber und hockte sich hinter der Reissch�ssel nieder. Die M�nner sahen gespannt zu.</style></p><p><style name="font2">Der Araber griff mit seinen dreckigen Fingern in die Sch�ssel, nahm eine Handvoll von der dampfenden Masse, drehte eine Kugel zwischen den H�nden und warf die erste Deste mitten ins Gesicht.</style></p><p><style name="font2">Deste begann j�mmerlich zu fluchen und zu wehklagen, denn der Klo� war kochend hei� und hatte ihm die Haut verbrannt.</style></p><p><style name="font2">�Du mu�t den Mund aufmachen!� grinste der Araber den Gefangenen an.</style></p><p><style name="font2">Deste tat es, und der Herkules schleuderte kunstgerecht den zweiten Klo�, der diesmal </style><style name="font2">haargenau in den ge�ffneten Mund hineinflog.</style></p><p><style name="font2">Die anderen sperrten nun ebenfalls die M�nder auf.</style></p><p><style name="font2">Trotz der ernsten Lage bot diese F�tterung ein komisches Bild.</style></p><p><style name="font2">Als sich die Freunde ges�ttigt hatten und der Araber gegangen war, lebte auch das Gespr�ch unter ihnen wieder auf. Ojo meinte:</style></p><p><style name="font2">�Ich will jetzt die Gelegenheit wahrnehmen, um euch einen Befehl von Senor Baum zu �bermitteln. Er sagte mir � es war, bevor uns dieser schurkische Graf �berfiel �, da� wir bei jedem Verh�r angeben sollen, wir seien ein fest zusammengeh�riger Stab von Gehilfen f�r ihn, den Doktor. Das w�rde uns retten.�</style></p><p><style name="font2">�Nun gut, wenn er es wirklich gesagt hat, so wird schon etwas daran sein. Richten wir uns danach.�</style></p><p><style name="font2">Es herrschte wieder Schweigen. Das Essen hatte die Gefangenen doch erm�det. Nach und nach fielen ihnen die Augen zu.</style></p><p><style name="font2">Aber ihr Schlummer sollte nur von kurzer Dauer sein. Wieder �ffnete sich die T�r, und ein </style><style name="font2">anderer Araber trat ein, der ebenfalls eine Sch�ssel unter dem Arm trug.</style></p><p><style name="font2">�Salam�, gr��te er h�flich. Dann wandte er sich an Deste. �Ich m�chte mich mit dir ein wenig </style><style name="font2">unterhalten, hebek Sadik, du verstehst doch unsere Sprache, nicht wahr?�</style></p><p><style name="font2">Deste fielen fast die Augen aus dem Kopf vor Staunen.</style></p><p><style name="font2">�Hebek Sadik� hatte er gesagt? Das hie� guter Freund.</style></p><p><style name="font2">Der Ank�mmling war Jussuf. Jetzt nahm er irgend etwas aus seinem Topf und steckte den Gefangenen der Reihe nach etwas in den Mund.</style></p><p><style name="font2">Die Spanier glaubten, ihrer Zunge nicht trauen zu d�rfen. Das war ein herrlich schmeckendes Gemisch aus Honig, Datteln, zerriebenen Mandeln, Pistazien und noch einigen anderen Zutaten. Deste fragte, nachdem er die k�stliche Speise hinuntergeschluckt hatte: �M�chtest du etwas Besonderes, mein Freund?�</style></p><p><style name="font2">Der Araber lie� sich nicht st�ren und f�tterte die Spanier weiter, bis die Sch�ssel leer war. Dann erst wandte er sich wieder an Deste:</style></p><p><style name="font2">�Ich werde euch jeden Tag eine so herrliche Speise bringen, wenn ihr mir versprecht, alles zu tun, was ich verlange.�</style></p><p><style name="font2">�Allah segne deinen Verstand!�, sagte Deste. �Sprich! Du kannst alles von uns verlangen, nur nicht, da� wir uns gegenseitig verspeisen.�</style></p><p><style name="font2">Jussuf stellte den Topf beiseite und hockte sich neben Deste nieder.</style></p><p><style name="font2">�Freund�, begann er, �Allah hat dir nicht nur die Sprache der Rechtgl�ubigen, sondern � wie es mir vorkommt � den Verstand eines Hebr�ers verliehen. Allah ist gn�dig. Er tut nichts, was nicht einen tieferen Sinn h�tte. Er begnadet mit Weisheit denjenigen, der sie zu nutzen wei�. Und du bist begnadet.� Deste wurde ein wenig unruhig.</style></p><p><style name="font2">Derartig lange Einleitungen pflegten im allgemeinen nicht einmal Araber zu machen, solange sie nicht einen besonders wichtigen Dienst erbitten wollten.</style></p><p><style name="font2">Deste witterte, da� hier etwas dahinter steckte, und nahm sich fest vor, weder Zugest�ndnisse noch Versprechungen zu machen, bevor er nicht mit dem Silbador gesprochen h�tte. �H�re, o Sadik�, nahm Jussuf abermals das Wort. �Deine Aufgabe ist nicht schwierig. Sie ist sogar denkbar einfach. Du wirst sie sicherlich verstehen.� �Z�gere nicht, Freund, und sprich dich ruhig aus�, ermunterte ihn Deste.</style></p><p><style name="font2">�Nun gut denn, so h�re---�, und Jussuf wiederholte w�rtlich den Wunsch seines </style><style name="font2">Auftraggebers.</style></p><p><style name="font2">Deste hielt sich zur�ck. Fast h�tte er durch die Z�hne gepfiffen. Er nutzte die entstandene Pause zum �berlegen.</style></p><p><style name="font2">Er sollte also seine Kameraden �berreden, da� sie nichts weiter zu sagen h�tten als die Wahrheit.</style></p><p><style name="font2">Das war nicht schwer. Es blieb nur zu bedenken, was Jussuf damit erreichen wollte; denn Jussuf </style><style name="font2">hatte den Namen seines Auftraggebers nat�rlich nicht genannt.</style></p><p><style name="font2">�Nun?� fragte der Araber ungeduldig, �wirst du tun, was ich verlange?�</style></p><p><style name="font2">�La� mir Zeit bis morgen fr�h. Dann gebe ich dir Bescheid.�</style></p><p><style name="font2">Jussuf sch�ttelte verneinend den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Das geht nicht. Ich mu� es gleich wissen.�</style></p><p><style name="font2">Deste z�gerte noch einen Augenblick. Dann nickte er.</style></p><p><style name="font2">�Gut, wir werden nach deinen W�nschen aussagen, zumal es nichts weiter als die reine Wahrheit ist.�</style></p><p><style name="font2">�Was sagst du?� fragte Jussuf erstaunt, �es war in Wirklichkeit so?�</style></p><p><style name="font2">�Ja. Wenn du ein wenig nachgedacht h�ttest, dann h�tte dir auffallen m�ssen, da� wir </style><style name="font2">wochenlang auf dem anderen Schiff mit den Soldaten zusammengewesen sind, ohne da� sie </style><style name="font2">versucht haben, uns ein Leid zu tun. Sie haben uns ganz einfach gegen euer Wasser </style><style name="font2">verschachert.� </style></p><p><style name="font2">�Nun�, freute sich Jussuf, �Allah befiehlt, da� der Mensch die Wahrheit sage. Und weiter w�nsche auch ich nichts. Morgen bekommt ihr wieder die s��e Speise. Schweige gegen jedermann und sage auch deinen Freunden, da� sie schweigen sollen.� Deste nickte, und der Araber ging.</style></p><p><style name="font2">Algier, die Stadt der zweiundzwanzig gro�en Moscheen und der vielen kleinen, dem Andenken von Heiligen oder Marabuts geweihten Gebetsh�user, war im Jahre 935 von dem F�rsten Zori vom Stamm der Beni Mesghanna gegr�ndet worden. Viele St�rme waren �ber die Stadt gegangen, so da� sich in den Jahrhunderten ihr Gesicht oft ver�ndert hatte. Heute, am 3. M�rz 1775, an dem Tag, da die �Medina� in den Hafen einlief, befand sich Algier im Krieg mit Spanien.</style></p><p><style name="font2">Al-Dschesair, das die Spanier Argel nennen und die Franzosen Alger, Algier also, heute eine Perle Nordafrikas, war damals, 1775, eine Art Soldatenrepublik, an deren Spitze ein Daj, ein Herrscher, stand, der von der Miliz selbst gew�hlt wurde und sich haupts�chlich dazu verpflichten mu�te, p�nktlich den Sold an die Soldaten zu entrichten. Dann leisteten ihm die Offiziere den Treueid, und er war f�r die Dauer seines Lebens der Herr �ber Leben und Tod. Zu seiner Unterst�tzung war dem Daj ein beratender Ausschu� von sechzig Beamten beigegeben, der ihn beriet.</style></p><p><style name="font2">Urspr�nglich geh�rte Algier zum gro�en Reiche des Sultans von Konstantinopel und hatte ihm seinen Tribut zu entrichten. Der Sultan schickte seine Milizen, die f�r Recht und Ordnung sorgen sollten.</style></p><p><style name="font2">Der von diesen Milizen � man nannte sie allgemein Janitscharen � gew�hlte Daj Baba Ali, der auch 1775 noch regierender F�rst von Algier war, machte sich vom Sultan unabh�ngig und entrichtete der Pforte keinen Tribut mehr. So war die von der ganzen christlichen Mittelmeerwelt gef�rchtete und geha�te Janitscharenrepublik geschaffen worden.</style></p><p><style name="font2">In diesen M�rztagen nun landete eine bedeutende spanische Flotte an der nordafrikanischen K�ste, und 25 000 Mann Landtruppen griffen die Janitscharen an.</style></p><p><style name="font2">Gerade als diese folgenschweren Ereignisse ihren Lauf nahmen, kehrte die �Medina� von ihrer Raubfahrt in den Atlantik nach Algier zur�ck.</style></p><p><style name="font2">Unbehelligt hatte sie das englische Gibraltar passiert, und unbehelligt hatte sie die spanische Armada n�rdlich umsegelt.</style></p><p><style name="font2">Jetzt ankerte sie im Hafen von Algier, und der dicke, gro�e, schwere Abul Mahasin schickte einen Seufzer der Erleichterung zu Allah empor. Weit streckte er die H�nde von sich, und seine fetten Wangen gl�nzten vor Freude und im Vorgenu� des Empfangs, den ihm seine drei Frauen bereiten w�rden.</style></p><p><style name="font2">Vom Minareh der Moschee El-Dschedid klang die Stimme des Muezzin her�ber. Es war um die Zeit des Gebets zum Sonnenuntergang. In eigent�mlich singendem Ton rief er die Gl�ubigen auf, zum Ruhme Gottes gen Mekka zu knien. Und wie alle Gebete des Islam, so wurde auch dieses durch die erste Sure des Korans, die Fatiha, eingeleitet:</style></p><p><style name="font2">�Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen�, zelebrierte der Muezzin, �Lob und Preis sei Allah, dem Weltenherrn, dem Allerbarmer, der da herrschen wird am Tage des Gerichtes. Dir wollen wir dienen, und zu Dir wollen wir flehen, auf da� Du uns f�hrest den rechten Weg, den Weg derer, die Deiner Gnade sich freuen, und nicht den Weg derer, denen Du z�rnest, und nicht den Weg der Irrenden!�</style></p><p><style name="font2">Auch Abul Mahasin war niedergekniet. In Ermanglung von Wasser oder Sand vollf�hrte er symbolisch die Bewegung des Waschens, wie der Prophet im alleinseligmachenden Kitab, dem Buch der B�cher, dem Koran, es vorschrieb.</style></p><p><style name="font2">�berall in der Stadt knieten die Gl�ubigen, huldigten Allah und holten sich Kraft aus dem Gebet. Nur wenige verschwanden dann schnell von den Stra�en; das waren ein paar Juden, die ungeachtet aller Verfolgungen nicht zu bewegen waren, sich zum Glauben Mohammeds zu bekehren.</style></p><p><style name="font2">Es war eigent�mlich bestellt um den Glauben der Muslimun. Jeder Verbrecher betete inbr�nstig um Kraft f�r seine Unternehmungen. Es gab Gauner und Schurken in vielerlei Gestalt; aber sie h�tten eher auf eine noch so g�nstige Gelegenheit verzichtet, um einen Raub durchzuf�hren, als auf das vorgeschriebene Gebet. Es focht einen Seer�uber nicht im geringsten an, fremde Schiffe anzufallen und hinterher mit gutem Gewissen Allah f�r die Kraft zu danken, die er ihm dazu verliehen hatte ...</style></p><p><style name="font2">�Herr, drau�en wartet der Knecht, dem Allah das Gl�ck verlieh, dein Schiff �Medina� sicher in den Hafen zur�ckzugeleiten. Wirst du geruhen, ihn zu empfangen?�</style></p><p><style name="font2">Baba Ali, gew�hlter Daj der Janitscharenrepublik Al-Dschesair, sa� genu�voll in seine Polster zur�ckgelehnt und schaute mit sichtlichem Vergn�gen einer wei�en T�nzerin zu, die er vor wenigen Monaten als Sklavin von einem marokkanischen H�ndler erworben hatte. �Verh�lle dein Antlitz, Isidolada�, gebot der Daj dem M�dchen, das vor Anstrengung kaum noch Atem sch�pfen konnte und dem der Schwei� in B�chen �ber den blo�en K�rper rann. Isidolada tat, wie ihr befohlen, und wollte sich dann zur�ckziehen.</style></p><p><style name="font2">�Nein�, rief der Daj gebieterisch, �bleib hier und setze dich hinter mich. Du hast mich durch deinen Tanz erfreut. Nun sollst du h�ren, welche Sch�tze mir Abu Hanufa al Dinaweri bringt. Lange genug ist er fortgewesen. Ich hoffe, da� seine Beute mir helfen wird, die Kriegskasse aufzuf�llen; denn wir m�ssen in allern�chster Zeit mit einem Angriff dieser spanischen Hunde rechnen. F�hre ihn herein, Hussejn.�</style></p><p><style name="font2">Abu Hanufa kam und verbeugte sich tief vor dem Daj. Der hie� ihn sich setzen. �Spanne mich nicht auf die Folter, Kapit�n meines Schiffes �Medina�, sondern berichte von deinen Erfolgen. Was hast du gebracht?� �Sechs S�cke Pfeffer, Sayd�, begann Abu Hanufa.</style></p><p><style name="font2">�Weiter�, dr�ngte der Daj. Er schien nicht besonders erfreut zu sein �ber den Pfeffer. �Einen Ballen Spitzen aus der Stadt der Ungl�ubigen, die sie Br�ssel nennen und die Allah verderben m�ge.�</style></p><p><style name="font2">�Das soll er bleiben lassen, sonst bekommen wir die sch�nen Spitzen nicht mehr. � Weiter.�</style></p><p><style name="font2">�Ein Korb voll Dukaten � ��</style></p><p><style name="font2">�Gold?�</style></p><p><style name="font2">�Nein, Sayd, Silber.�</style></p><p><style name="font2">�Und hast du sonst nichts zu bieten?�</style></p><p><style name="font2">�Doch, f�nf wei�e Sklaven, vier Spanier und einen franz�sischen K�nstler, der sich auch auf die wunderbare Kunst des Heilens versteht.�</style></p><p><style name="font2">Der Daj richtete seinen fetten K�rper auf und blitzte Abu Hanufa mit zornigen Augen an. �Ist das alles, was du von deiner halbj�hrigen Reise mitgebracht hast?� �Ich habe noch eine ganz seltene Eroberung gemacht.� �Ah!�</style></p><p><style name="font2">�Ja, Sayd, Allah war uns gn�dig. Er spielte uns eine Waffe in die Hand, mit der man unausgesetzt schie�en kann, ohne zu laden.� Der Daj war skeptisch. �Hast du das selbst gesehen?� �Nein.� Hanufa z�gerte. �Aber ich habe den Mann, der diese Waffe zu handhaben versteht und sie unter Umst�nden auch nachbauen kann.� �Wo ist er?�</style></p><p><style name="font2">�Noch auf dem Schiff, Herr. Es ist einer der Sklaven, jener franz�sische Doktor, von dem ich dir </style><style name="font2">erz�hlte.�</style></p><p><style name="font2">Der Daj fuhr auf.</style></p><p><style name="font2">�Bist du des Teufels? Wie kannst du es wagen, ohne diesen Mann hier zu erscheinen! Ich will doch sehen, wie dieser Doktor es fertiggebracht hat, dir einen solchen Floh ins Ohr zu setzen. Ein Gewehr, mit dem man immerfort schie�en kann! Lachhaft. Du willst doch nicht verlangen, da� ich dieses M�rchen glaube?�</style></p><p><style name="font2">�Es ist kein M�rchen. O Herr, wenn du dieses Gewehr siehst, so wirst du mir recht geben; denn die eigenartige Bauart wird auch dich verbl�ffen.� �Zeig her!�</style></p><p><style name="font2">Hanufa zog die Schultern ein.</style></p><p><style name="font2">�Es befindet sich ebenfalls auf dem Schiff, Sayd. Ich habe noch nichts mitgebracht von der Beute. Ich hoffe, du wirst mit mir zufrieden sein.�</style></p><p><style name="font2">�Maschallah!� schrie Baba All aufgebracht. �Allah hat dir den Verstand aus der Stirn geblasen. Wie kann ich mit dir zufrieden sein, wenn du sogar zu faul bist, mir die wenigen Dinge, die du Beute nennst, sofort mitzubringen! Soll ich vielleicht bis morgen fr�h warten?� �Ich werde eilen wie ein schnellf��iges Reitkamel, o Sayd, um dir alle Sch�tze zu F��en zu legen.�</style></p><p><style name="font2">�Eile denn!� befahl der Daj drohend. �Ein Kamel bist du tats�chlich. Und so soll dir das Laufen nicht schwerfallen.� �</style></p><p><style name="font2">Abu Hanufa hatte den Saal kaum verlassen, als Hussejn wieder eintrat und einen zweiten Besucher meldete, der den Daj zu sprechen w�nschte. �Wer ist es?�</style></p><p><style name="font2">�Der Zweite Offizier der �Medina�, Sayd.� Baba Ali wurde nachdenklich.</style></p><p><style name="font2">�Warum kam er nicht herein, solange sein Herr noch hier war?� Hussejn z�gerte, dann aber sagte er:</style></p><p><style name="font2">�Er behauptete, dir, o Sayd, einige vertrauliche Mitteilungen �ber die letzte Beutefahrt der �Medina� machen zu m�ssen.� �Ah! � Schick ihn herein.�</style></p><p><style name="font2">Abdallah trat n�her, verbeugte sich mit �ber der Brust gekreuzten H�nderi tief vor dem Herrscher der Janitscharen und entbot ihm seinen Gru�.</style></p><p><style name="font2">�Salam�, erwiderte Baba Ali kurz. �Was bringst du mir f�r Kunde, die du f�r wertvoll genug h�ltst, mich in meiner wohlverdienten Mu�e zu st�ren?�</style></p><p><style name="font2">Abdallah l�chelte verschmitzt. Dann verzog er das Gesicht, als litte er an einem Schmerz um seines geliebten Herrn willen, und meinte:</style></p><p><style name="font2">�Keine gute Kunde, Sayd, f�rwahr, ich habe die Last auf mich genommen, mich deinem Zorn auszusetzen; aber ich halte es f�r meine Pflicht, dich auf die M�ngel bei der F�hrung deines stolzen Schiffes �Medina� aufmerksam zu machen.� �Was meinst du? Dr�cke dich deutlicher aus.�</style></p><p><style name="font2">Abdallah erz�hlte nun ausf�hrlich von dem Geschick der �Quebec� und betonte vor allem, da� es ein Leichtes gewesen w�re, alle hundertf�nfzig Christen zu fangen. Gespannt wartete er auf die Reaktion des Daj. Im Traum hatte er sich bereits als Kapit�n des Schiffes gesehen. �Wei�t du nicht, da� es die Pflicht eines Gl�ubigen ist, Menschen, die in Seenot sind, zu helfen? Hast du die Gebote des Korans vergessen? Sagt der Prophet nicht:Tr�nke den, der Durst hat, so du willst, da� du auch getr�nkt werdest, wenn du Durst hast?� Abdallah wagte einen schiefen Blick in das Gesicht seines Herrn. Er wu�te, da� der Janitscharenf�rst oft unberechenbar war. Er legte die Gebote des Korans immer so aus, wie sie ihm selbst am n�tzlichsten waren, und er war bekannt f�r seine interessanten Auslegungen, um die ihn jeder Politiker beneidet h�tte.</style></p><p><style name="font2">�Sayd�, sagte Abdallah, �schlie�t der Prophet nicht die sechsundvierzigste Sure mit den Worten: Wer anders wohl soll untergehen als nur die Ruchlosen?�</style></p><p><style name="font2">�Ich sehe, du kennst dich gut aus im Koran�, meinte Baba Ali sp�ttisch, �aber du hast vergessen, wie die Worte in derselben Sure lauten, die diesen vorangehen, n�mlich: �Und du, ertrage alles mit Geduld, so wie auch andere Standhafte alles in Geduld ertragen haben, und w�nsche nicht ihre Strafe beschleunigt. An jenem Tage, da sie die ihnen angedrohte Strafe sehen werden, wird es ihnen vorkommen, als h�tten sie nur eine Stunde eines Tages in der Welt verweilt�� Ja, Abdallah, du mu�t dir schon eine andere Sure aussuchen, wenn du mich davon �berzeugen willst, da� Hanufa Unrecht getan hat.�</style></p><p><style name="font2">�Auch die anderen waren Ungl�ubige, die Allah verderben m�ge�, versuchte sich Abdallah zu rechtfertigen.</style></p><p><style name="font2">�Ganz richtig. Du sagtest, �die Allah verderben m�ge�. F�hlst du dich berufen, Allah dieses Gesch�ft abzunehmen?�</style></p><p><style name="font2">Abdallah sah ein, da� der Daj nicht gesonnen war, seine Geschichte in Gnaden anzunehmen. Und Abdallah hatte Grund genug sich dar�ber zu wundern; denn er wu�te, da� ein ungl�ubiges Heer von 25 000 Mann von Westen her auf die Stadt zu marschierte. Aus welchem Grund zeigte sich der Daj gegen die Ungl�ubigen zu diesem gef�hrlichen Zeitpunkt so mild? Baba Ali ergriff wieder das Wort.</style></p><p><style name="font2">�Ich danke dir, da� du den Mut gefunden hast, mich von dem zu unterrichten, was ich auf alle F�lle wissen mu�te. Nun, du hast deine Schuldigkeit getan. Warte einen Augenblick, ich will dich belohnen.�</style></p><p><style name="font2">Abdallah verzog das Gesicht. Kaum konnte er seine Genugtuung verbergen.</style></p><p><style name="font2">�Ich werde es dir zu danken wissen, Sayd. Wenn ich nun einen Wunsch aussprechen d�rfte?�</style></p><p><style name="font2">�Sprich; aber fasse dich kurz.�</style></p><p><style name="font2">�Kann ich dir nicht besser dienen, wenn ich selbst die �Medina� f�hre? Ich werde alle Reicht�mer der Erde f�r dich zusammentragen. Ich werde in die Kapit�nskaj�te einziehen, nur um f�r dich, meinen Herrn, zu k�mpfen und Beute zu machen.�</style></p><p><style name="font2">Auf Baba Alis Gesicht zeigte sich pl�tzlich ein faunisches Grinsen. Er erhob sich, nahm einen stoffumwickelten Kl�ppel auf und schlug dreimal an einen Gong, da� es weithin schallte. Auf einmal standen die Wachen mit ihren wei�en Janitscharenrn�tzen im Saal und warfen drohende Blicke auf Abdallah. Der Daj lachte.</style></p><p><style name="font2">�Ich werde dir eine Kabine zuweisen, in der du wahrhaftig dein eigener Kapit�n sein wirst und in der du vor allen Dingen Zeit haben wirst, den Koran aufmerksamer zu studieren. � F�hrt ihn ab!� schrie er die Wachen an.</style></p><p><style name="font2">Abdallah war wei� wie die Wand geworden. Aber er vers�umte nicht, bevor er den Saal verlie�, noch eine tiefe und ehrfurchtsvolle Verbeugung zu machen.Der Daj rief ihn nochmals zur�ck. �Du sagtest doch, da� jene Deutschen, die Abu Hanufa mit Wasser versorgte, die vier Spanier und den Franzosen eigens dazu gefangen haben, um sie gegen das kostbarste Getr�nk auf dem Erdball auszutauschen, war es nicht so?�</style></p><p><style name="font2">�Ja, Herr, du wirst meine Worte best�tigt finden, wenn du die Sklaven verh�rst.� �Gut. Dann brauchst du dich in deiner Zelle nicht lange zu gr�men. Ich nehme an, da� du sehr bald Gesellschaft bekommen wirst. Schafft ihn fort, den Kerl, bei dem man nicht wei�, ob er ein Jude oder ein Mohammedaner ist. Ich kann sein verschlagenes Gesicht nicht l�nger sehen.�</style></p><p><style name="font2">Nach kurzer Zeit kam Abu Hanufa mit seinem Steuermann und den f�nf Gefangenen. Die Wachen, die die Sklaven f�hrten, gingen nicht gerade z�rtlich mit ihnen um. �Verbeugt euch vor dem m�chtigen Herrscher von Al-Dschesair!� fl�sterte Ibn Kuteiba Michel ins Ohr.</style></p><p><style name="font2">Aber Michel blieb aufrecht stehen. Und die anderen taten, als h�tten sie nicht verstanden.</style></p><p><style name="font2">�Wollt ihr mir kein Salam erweisen, ihr Hunde?� fuhr der Daj sie an.</style></p><p><style name="font2">Michel nickte freundlich, als ihm Ibn Kuteiba die Worte �bersetzte.</style></p><p><style name="font2">�Sage ihm, wir w�rden ihm gern die Hand sch�tteln; aber leider sind wir gefesselt.�</style></p><p><style name="font2">Ibn Kuteiba z�gerte.</style></p><p><style name="font2">�Was sagt der Giaur?� schrie der Daj.</style></p><p><style name="font2">�Er w�rde dir gern die Hand geben, wenn er nicht gefesselt w�re.� Baba Ali lief rot an vor Zorn. Sein dickliches Gesicht bebte. �In den Staub vor mir, ihr Christenhunde!�</style></p><p><style name="font2">�F�llt uns nicht ein!� br�llte ihn Michel mit dem gleichen Stimmaufwand an.</style></p><p><style name="font2">Der Daj verlor seine Beherrschung, ergriff den Kl�ppel und wollte ihn Michel Baum auf den </style><style name="font2">Kopf schlagen.</style></p><p><style name="font2">Da lie� ein durchdringender Pfiff sein Blut in den Adern gerinnen.</style></p><p><style name="font2">Michel hatte die Lippen gespitzt und stie� die Luft mit unheimlicher Kraft aus. Die T�ne wirkten wie Messer auf die Araber. Sie hatten derartiges noch nie geh�rt. Auch der Kapit�n und der Steuermann waren erschrocken; denn Michel hatte sich bisher wohlweislich geh�tet, auch nur Andeutungen seiner Kunst zu geben, geschweige denn, sie vorzuf�hren.</style></p><p><style name="font2">Er lie� nicht nach. Immer neue Wirbel und Passagen kamen aus seinem Munde. Die lauschenden Janitscharen konnten ihre Angst kaum verhehlen; denn es gibt keinen Araber, der nicht abergl�ubisch w�re. Nur mit M�he hielten die Palastwachen diesen T�nen stand. Die Gewehre in ihren F�usten zitterten, und ihre M�nder waren weit aufgerissen.</style></p><p><style name="font2">Baba Ali wich Schritt um Schritt vor dem Gefangenen zur�ck, der keine Fu�fesseln umhatte und ihm daher ungehindert folgen konnte. Als der F�rst auf seinen Diwan niederfiel, beugte sich Michel �ber ihn und bi� ihn in die Nase, da� der Daj einen Ruf des Schreckens ausstie�.Michel trat wieder zur�ck und stellte sich nun in die Reihe der vier Freunde, die trotz der ernsten Lage m�hsam gegen ein Lachen ank�mpften.</style></p><p><style name="font2">Baba Ali beruhigte sich allm�hlich. Seine Wut und seine Schlauheit waren mit einem Schlag</style></p><p><style name="font2">verflogen. Sein Gesicht sah t�richt aus.</style></p><p><style name="font2">�Wer ist dieser Mensch?� fragte er den Steuermann.</style></p><p><style name="font2">�Der Arzt�, erwiderte dieser benommen.</style></p><p><style name="font2">�Von wem hat er dieses Fl�ten gelernt?�</style></p><p><style name="font2">Ibn Kuteiba fragte. Michel antwortete:</style></p><p><style name="font2">�Vom Teufel pers�nlich, der mein Verb�ndeter ist und der euch alle verderben wird, wenn ihr mir und meinen Genossen auch nur ein Haar kr�mmt.� Kuteiba �bersetzte.</style></p><p><style name="font2">Die Erkl�rung schien dem Herrn von Algier doch ein wenig zu plump. Er grinste und fragte:</style></p><p><style name="font2">�Warum befreit ihn der Schejtan nicht, wenn er sein Bruder ist?�</style></p><p><style name="font2">�Er wird mich nicht befreien, aber alle, die sich an mir vergreifen, wird er verfolgen.�</style></p><p><style name="font2">Der Daj lenkte schnell auf ein anderes Thema �ber. Er fragte den Kapit�n: �Wo hast du diese M�nner gefangen?�</style></p><p><style name="font2">Abu Hanufa besann sich nicht lange und erz�hlte die Geschichte ziemlich wahrheitsgetreu. �So hast du hundertf�nfzig M�nner auf dem gro�en Wasser ungehindert davonsegeln lassen?�</style></p><p><style name="font2">�Ich--ich--ich habe daf�r diese--gebracht, Sayd�, stammelte der Kapit�n </style><style name="font2">erschrocken.</style></p><p><style name="font2">Baba Ali erhob sich und schlug wieder gegen den Gong. Die Wachen verst�rkten sich in wenigen Sekunden um das Dreifache.</style></p><p><style name="font2">�Die beiden abf�hren�, befahl der Daj, wobei er auf den Kapit�n und auf den Steuermann deutete, die bla� geworden waren und wie Espenlaub zitterten. W�hrend man sie aus dem Saal zerrte, rief er ihnen noch nach:</style></p><p><style name="font2">�Allah hat mir verraten, da� ihr hundertf�nfzig Lumpenhunde freigelassen habt, die ihre Br�der, mit denen sie vorher befreundet waren, fingen und gegen Wasser verkauften.� Deste hatte diese Worte verstanden und �bersetzte sie fl�sternd Michel.</style></p><p><style name="font2">Baba Ali winkte der T�nzerin, die schweigsam wie eine Mumie immer noch auf ihrem Platz sa�. �Isidolada, du wirst jetzt f�r mich den Dolmetscher machen.�</style></p><p><style name="font2">Michel und seine Kameraden blickten erstaunt auf, als sie die in ein gro�es Tuch geh�llte Frau </style><style name="font2">erblickten, von deren Gesicht man allerdings au�er der Stirn nichts erkennen konnte.</style></p><p><style name="font2">Das M�dchen setzte sich auf ein Seitenkissen am Diwan des Daj und wartete regungslos auf die </style><style name="font2">ersten Worte ihres Herrn.</style></p><p><style name="font2">�Frage sie, aus welchem Lande sie kommen.�</style></p><p><style name="font2">Das M�dchen fragte mit ged�mpfter Stimme in akzentfreiem Englisch:</style></p><p><style name="font2">�Spricht jemand Englisch von Ihnen?�</style></p><p><style name="font2">Michel verbeugte sich trotz seiner Fesseln galant und meinte:</style></p><p><style name="font2">�Wie kommt Ihr hierher, Madam? Ihr seid doch sicherlich keine Eingeborene?�</style></p><p><style name="font2">�Nein, ich bin auch eine Sklavin und wurde vor nicht allzulanger Zeit von einem</style></p><p><style name="font2">marokkanischen M�dchenh�ndler an den Pascha verkauft. Mein Name ist Isolde Hawbury aus </style><style name="font2">Manchester.�</style></p><p><style name="font2">�Du redest zu lange�, unterbrach sie der Daj scharf. �Was hast du ihn gefragt?� �Deinem Auftrag gem��, Sayd.� �Woher sind sie also?�</style></p><p><style name="font2">Die Frage hatte Michel noch nicht beantwortet. Deste machte ihn durch einen Sto� aufmerksam,</style></p><p><style name="font2">da� die Dame in Verlegenheit war.</style></p><p><style name="font2">�Woher!� fl�sterte er spanisch.</style></p><p><style name="font2">Michel tat, als m�sse er husten und hustete die Worte:</style></p><p><style name="font2">�Germany � Berlin!�</style></p><p><style name="font2">Er hoffte, da� sie ihn verstehen w�rde. Und sie nickte best�tigend. �Deutschland?� fragte der F�rst. �Ich denke, er ist ein Franzose.� Michel erkl�rte in kurzen Worten, wie es zu diesem Mi�verst�ndnis gekommen war. Anschlie�end sagte er auf Englisch:</style></p><p><style name="font2">�H�rt, Mi� Hawbury, k�nnt Ihr mir w�hrend des Gespr�chs nicht verraten, wie wir hier wieder herauskommen k�nnen?� Sie nickte.</style></p><p><style name="font2">Dann kam die n�chste Frage des Daj, woran sie von sich aus mit unbewegter Stimme die Worte schlo�: �Versucht, den Daj vertrauensselig zu machen. Er ist Dingen des Abendlandes sehr zug�nglich. Gaukelt ihm etwas vor und � verge�t mich nicht, wenn Euch das gelingt.� �Ich werde f�r Euch tun, was ich kann. Wo wohnt Ihr?�</style></p><p><style name="font2">Sie gab jetzt keine Antwort; denn sie mu�te warten, bis der Daj eine weitere Frage stellte, die sie �bersetzen sollte.</style></p><p><style name="font2">�Sagt ihm bitte�, begann Michel wieder, �da� ich ihm die Gr��e meines K�nigs aus Berlin entbiete und mich bei diesem beschweren werde. Ich finde es unw�rdig, wie man die Abgesandten eines fremden Monarchen hier in Algier behandelt.� Das M�dchen �bersetzte laufend.</style></p><p><style name="font2">Der Daj ri� die Augen auf, wurde aber sogleich wieder mi�trauisch. Michel fuhr fort:</style></p><p><style name="font2">�Ich bringe nicht nur die Gr��e, sondern auch eine Waffe, die mein Herr dem F�rsten von Algier </style><style name="font2">als Gabe bietet, wenn er sich mit ihm verb�ndet. Ich war mit meinem Schiff hierher unterwegs; </style><style name="font2">aber meine Soldaten meuterten, und wir gerieten in Seenot. Das ist mein ganzes Geheimnis, das </style><style name="font2">ich nat�rlich nicht vor dem Kapit�n und dem Steuermann preisgeben wollte. Ich bin ferner </style><style name="font2">beauftragt, f�r den Daj von Algier, wenn er das Angebot meines K�nigs annimmt, die Waffen zu </style><style name="font2">bauen, mit denen man oftmals schie�en kann, ohne laden zu m�ssen. Ich hoffe, von jetzt an </style><style name="font2">behandelt zu werden wie ein Gesandter und nicht wie ein Gefangener.�</style></p><p><style name="font2">Der Daj konnte das Geh�rte nicht so schnell verdauen. Sicher, er war ein primitiver Mensch. </style><style name="font2">Doch seine Bauernschl�ue lie� ihn irgendeine Finte ahnen. Auch ein Araberf�rst wu�te, da� ein </style><style name="font2">Gesandter irgendein Beglaubigungsschreiben bei sich haben mu�. Er stellte eine </style><style name="font2">dementsprechende Frage.</style></p><p><style name="font2">Michel lachte wie �ber einen guten Witz.</style></p><p><style name="font2">�Fragt ihn doch, ob er wirklich glaubt, da� mir meine meuternden Soldaten dieses Schreiben gelassen haben. Es w�re doch eine Legitimation gewesen, und ihr ganzer Schwindel w�re an diesem Schreiben gescheitert, wenn man es bei mir gefunden h�tte.�Das sah der Daj ein. Wieder gongte er die Wachen herbei und gab einige Anweisungen. Die Augen des M�dchens leuchteten hinter dem Schleier hervor.</style></p><p><style name="font2">�So ganz �berzeugt habt Ihr ihn noch nicht. Er l��t Euch aber R�ume anweisen, allerdings mit dem strengen Befehl f�r die Wachen, auf jeden Eurer Schritte achtzugeben.� Michel atmete auf. Der Trick war zur H�lfte gelungen. Das andere w�rde man schon noch in irgendeiner Art zu meistern wissen.</style></p><p><style name="font2">Der kleine Jardin lag bequem ausgestreckt auf einem seiden�berspannten Diwan. Mit sichtlichem Genu� knabberte er s��e Mandeln und nippte hin und wieder an dem starken Kaffee. Das faule Herumliegen auf den Polstern tat nach den vergangenen Wochen der Spannung und der aufreibenden K�mpfe gut.</style></p><p><style name="font2">�Hier k�nnte ich es aushalten. Senor Capitan. Ich w�nschte es bliebe immer so.� Porquez hatte sich erholt. Der Schlaf in ruhiger Geborgenheit hatte ihn gekr�ftigt und gest�rkt. Jetzt, da die Morgensonne ihren ersten Strahl in die herrlich ausgestatteten R�ume warf, reckte er sich und richtete sich auf.</style></p><p><style name="font2">�Nein�, er sch�ttelte den Kopf, �ewig m�chte ich hier nicht bleiben. Obwohl ich eigentlich alt genug w�re, um der Seefahrt den R�cken zu kehren, m�chte ich doch </style><style name="font2">wenigstens hin und wieder ein sch�nes Schiff sehen. Und zudem geht mir auch meine �Trueno� nicht aus dem Kopf. War eine stolze Galeone. M�chte f�r mein Leben gern noch einmal auf ihren Planken stehen.�</style></p><p><style name="font2">Er fuhr sich mit dem Handr�cken �ber die Augen, doch so, da� es Jardin, Deste und Ojo nicht bemerkten.</style></p><p><style name="font2">�Eure Sorgen m�chte ich haben, Senores�, warf Deste ein. �Mir w�re es viel wichtiger, einen Weg zu finden, der uns aus dieser verteufelten Lage herausbringt. Was macht wohl der Silbador jetzt?�</style></p><p><style name="font2">Ojo starrte tr�bsinnig vor sich hin. �Das m�chte ich auch wissen. Weshalb m�gen sie ihn �berhaupt von uns getrennt haben?�</style></p><p><style name="font2">Alfonso Jardin stand auf und schritt auf dem kostbaren Bodenmosaik nachdenklich auf und ab. �Wir haben einen Fehler begangen mit unserer Behauptung, da� wir seine Gehilfen seien. Nun glauben diese Burschen wahrscheinlich, ohne uns w�rde ihm ein Teil seines Handwerkszeugs fehlen � � oder er sei ohne uns nicht m�chtig genug � � oder � � oder � � �. Wildes Geschrei erscholl auf dem Platz vor dem Palast und unterbrach Jardins Gedankeng�nge. Die vier M�nner schauten stumm zu den �ber ihnen liegenden Bogenfenstern empor. Ojo sprang als erster auf den Diwan und blickte durch das tausendfach mit Arabesken geschm�ckte Bogengitter, das das Fenster nach innen abschlo� und gleichzeitig einen gro�en Teil der Ausstattung des Raumes bildete.</style></p><p><style name="font2">�Teufel!� schrie Ojo pl�tzlich auf. �Kommt herauf, das m��t ihr selbst sehen!� Au�er dem Kapit�n sprangen alle auf den Diwan.Drau�en hielt ein Zug wild aussehender Janitscharen, der sechs gefangene, zu Tode ersch�pfte Soldaten in spanischen Uniformen mit sich f�hrte. Die Janitscharen waren zu Pferde. Die Spanier waren mit den H�nden an die S�ttel gefesselt. Wahrscheinlich hatten sie einen Dauerlauf hinter sich, den sie nie im Leben vergessen w�rden.</style></p><p><style name="font2">�Demonio! Teufel! Welch eine Schande! Ich k�nnte diese Schurken umbringen!� rief Jardin leidenschaftlich und schlug mit der Faust gegen das Gitter.</style></p><p><style name="font2">�Nicht so laut, Senor, es w�re ja immerhin m�glich, da� einer unserer W�chter gen�gend spanisch verst�nde, um Eure Worte dem Pascha oder Sultan oder Daj � wie sich der Kerl nennt � weiterzumelden.�</style></p><p><style name="font2">�Caramba!� stie� Ojo zwischen den Z�hnen hervor, �wie k�nnen sie es wagen, gute Christenmenschen so zu schinden!�</style></p><p><style name="font2">Drau�en band man den Gefangenen die H�nde los und stie� sie in den Palast. Die umherstehenden Araber lie�en es nicht an Beschimpfungen fehlen. Immer wieder spien sie den Spaniern ins Gesicht.</style></p><p><style name="font2">�Was werden sie mit ihnen machen?� fragte Jardin.</style></p><p><style name="font2">Deste trug ein grimmiges Gesicht zur Schau. Viel �brig hatten die braven Korsaren des Kapit�ns Porquez nie f�r ihre uniformierten Landsleute gehabt. Sie h�tten sie lieber gehen als kommen sehen. Aber hier f�hlten sie sich ihnen verbunden. Es waren Menschen wie sie, sie redeten dieselbe Sprache, redeten und beteten in derselben Sprache zu einem Gott, den unsere Seer�uber fast vergessen hatten, der ihnen aber jetzt wieder in Erinnerung kam.</style></p><p><style name="font2">Ojo schlug ein Kreuz, und da er keine Waffe bei sich hatte, mit der er unter Umst�nden f�r die, welche er jetzt als seine Br�der ansah, k�mpfen konnte, so faltete er die H�nde und sagte: �Heilige Mutter Gottes, bitte f�r sie!�</style></p><p><style name="font2">Und die anderen murmelten im Chor: �Heilige Mutter Gottes, bitte f�r sie!�</style></p><p><style name="font2">Michel Baum hatte in der vergangenen Nacht kein Auge zugetan. Der Daj hatte ihm, dem Gesandten einer europ�ischen Macht, einen Raum zugewiesen, den man als Halle bezeichnen mu�te. Dieser mit gemalten Fliesen und kostbaren Mosaiken ausgelegte Hallenraum schlo� nach oben hin in den herrlichsten Bogenformen ab, die mit goldenen, roten und silbernen Ornamenten verziert waren. Statt der oberen vergitterten, fenster�hnlichen Mauerdurchbr�che hingen Teppiche aus Smyrna an den W�nden. Der Saal war nach beiden Seiten hin offen, f�hrte hier in einer Richtung auf den Innenhof und endete dort auf der anderen Seite in einem S�ulengang. Trotz der glastenden Sonne lag er in einem wohltuenden Halbdunkel, und frische Luft durchstr�mte ihn wie ein labender Bergquell. Kleine, niedrige Tischchen waren l�ngs des gro�en Wanddiwans aufgestellt, auf denen Michel alles fand, was Magen und Zunge begehrten. Nur etwas gefiel dem Pfeifer nicht: die wei�en M�tzen, die in unregelm��igen Abst�nden immer wieder auf dem Hof oder im S�ulengang auftauchten. Die Gesichter unter diesen M�tzen sp�hten mit gl�henden Augen nach ihm. Dann verschwanden sie f�r eineWeile. Sie st�rten nicht; f�rwahr, der Daj h�tte sie sicher totpr�geln lassen, wenn ein einziger von ihnen auch nur ein wenig zu laut aufgetreten w�re. Aber sie waren eben da, und man konnte ihnen nicht entrinnen. Stunde um Stunde zergr�belte sich Michel den Kopf, wie er hier herauskommen k�nnte. Das war keineswegs einfach; denn er wollte weder seine Freunde noch sein kostbares Gewehr aufgeben. Seinen Degen hatte Eberstein an sich gebracht. Den w�rde er sich irgendwann einmal wiederholen. An das Gewehr jedoch band ihn nicht nur die Liebe zur Waffe, sondern auch die Mahnung des Grafen de Villaverde, es nicht aus der Hand zu geben, damit Unberufene nicht hinter das Geheimnis der Konstruktion k�men. Allah mochte wissen, wo es der Daj zur Zeit aufbewahrte.</style></p><p><style name="font2">Michel sch�tzte, da� es ungef�hr Mittag w�re, als er ein furchtbares, markersch�tterndes Wehgeheul vernahm. Es klang wie das Schreien Gefolterter.</style></p><p><style name="font2">Michel hatte die Ankunft der gefesselten Spanier nicht bemerken k�nnen, da kein Durchbruch in der Wand seines Gemachs den Blick auf die Stra�e freigab; sonst w�rde er vermutlich gewu�t haben, wer diese gr��lichen Laute ausstie�. Obwohl der Palast des Daj ein riesiges Bauwerk war, h�rte Michel das tierische Gebr�ll mit seltsamer Klarheit.</style></p><p><style name="font2">Jetzt verstand er sogar einzelne Wortfetzen: Fl�che und--spanische Hilferufe.</style></p><p><style name="font2">Was lag da n�her als der Gedanke an seine Kameraden? Hatte man sie etwa in die Folter genommen, um. aus ihnen herauszupressen, was sie �ber ihn, Michel Baum, wu�ten? Aus des Silbadors Gesicht wich jede Farbe. Durfte er die Freunde um seinetwillen leiden lassen? Das schmerzverzerrte Gesicht des alten Korsarenkapit�ns tauchte vor ihm auf. Er sah, wie Jardin die Augen aus den H�hlen traten. �Senor Doktor�, h�rte er den tapferen Kleinen fl�stern, �wie ist das nun mit der Menschlichkeit und mit der Freiheit? Wie vereinbart sich Menschenw�rde mit dem, was ich jetzt erlebe?�</style></p><p><style name="font2">Er sah Destes Gesicht vor sich: hart, verbissen, stumm! Und Ojos Gesicht: entsetzt, mit einem </style><style name="font2">Zug von Gutm�tigkeit und unsch�dlicher Brutalit�t.</style></p><p><style name="font2">Und er f�hlte die Gedanken aller: �Wird uns der Senor Doktor retten?�</style></p><p><style name="font2">Wieder klangen die Schreie der Gefolterten an seine Ohren.</style></p><p><style name="font2">Da! � War das nicht Jardins Stimme?</style></p><p><style name="font2">Michel verlor alle Vernunft. Mit einem Wutschrei und drohend erhobenen F�usten st�rzte er dem S�ulengang zu. Dort erschien in diesem Augenblick eine Janitscharenwache. Der Mann schien gewaltig zu erschrecken, so sehr, da� er verga�, den S�bel zu ziehen und Alarm zu schlagen.</style></p><p><style name="font2">Michels Gesicht bot in diesem Augenblick einen furchterweckenden Anblick. So stellte sich wahrscheinlich der W�chter den Propheten vor, als er seinen furchtbaren Fluch gegen diejenigen schleuderte, die ihn vernichten wollten.</style></p><p><style name="font2">Ehe er sich's versah, war Michel heran und warf ihn nieder. Mit einem kr�ftigen Ruck ri� er dem Soldaten die rote Janitscharensch�rpe, an der der Krumms�bel hing, vom Leibe und zog die Waffe aus der Scheide, wobei er unbewu�t gr��liche, grelle Pfiffe ausstie�.Mit weit aufgerissenen Augen, so als habe ihn der Schejtan am Kragen, kr�mmte sich der Janitschar auf der Erde.</style></p><p><style name="font2">Die Pfiffe hatten weitere Wachen angelockt, die jetzt mit gez�cktem S�bel in den S�ulengang </style><style name="font2">st�rmten. Auch sie schreckten zur�ck, als sie des rasenden Mannes ansichtig wurden.</style></p><p><style name="font2">Zum Gl�ck f�r sie war ein Beherzter unter ihnen, der ohne Scheu auf Michel eindrang. Michel </style><style name="font2">jedoch schlug mit dem ungewohnten Krumms�bel ein paarmal so gewaltig zu, da� der andere </style><style name="font2">das Heft nicht mehr in der Hand halten konnte und die Waffe fahren lie�. </style><style name="font2">Jetzt hatten sich allerdings auch die �brigen gefa�t. Sechs waren es, die eine Reihe vor Michel </style><style name="font2">bildeten.</style></p><p><style name="font2">Zweimal, dreimal st�rmte der Pfeifer gegen diese Mauer an.</style></p><p><style name="font2">Aber die Janitscharen verstanden ihr Handwerk. Als Michel merkte, da� ihn der schwere S�bel daran hinderte, seine unwiderstehlichen Volten zu schlagen, wich er pl�tzlich ein paar Schritte zur�ck, nutzte das �berraschungsmoment beim Gegner aus, schlang ein St�ck der roten Sch�rpe, die er aus Versehen noch immer in der Linken hielt, um die Spitze des S�bels, packte diese mit der Rechten, und sprang pl�tzlich auf die W�chter los, grelle Pfiffe aussto�end und mit dem schweren Knauf nach ihnen schlagend. Der Zufall wollte es, da� er den, der ihm am n�chsten stand, am Kopf traf. Der Getroffene sackte lautlos zusammen. Das schwere, abrutschende Griffst�ck fing sich auf der Wange des Nebenmannes, hatte aber nur noch die halbe Kraft. Doch der Mann wankte, was zur Folge hatte, da� die anderen nun dem teuflischen Angriff nicht mehr die Stirn zu bieten wagten und schreiend nach beiden Seiten auswichen. Sie glaubten nichts anderes, als da� der Schejtan selbst ihnen dieses Gefecht liefere. Es war ihnen im Verlauf ihres schlachtenreichen Lebens noch nicht vorgekommen, da� jemand mit dem S�belgriff anstatt mit der blanken Schneide focht und dabei auch noch einen solchen Erfolg erzielte. Michel st�rmte an den W�chtern vorbei, stie� die n�chste T�r auf und verschwand im Innern des Palastes. Hier verhielt er f�r Sekunden den Schritt und lauschte den Rufen der Gequ�lten, die jetzt deutlicher noch als vorher zu h�ren waren.</style></p><p><style name="font2">Weiter raste er durch die Flucht der prachtvollen R�ume, immer weiter.</style></p><p><style name="font2">Er kam in den Empfangssaal, den er bereits gestern abend kennengelernt hatte. Hier war das </style><style name="font2">Schreien ganz nah zu h�ren, als bef�nde sich die Folterkammer im Nebenraum.</style></p><p><style name="font2">Und so war es auch. Als er eine der Seitent�ren aufstie�, sah er sich einer gr��lichen Szene </style><style name="font2">gegen�ber.</style></p><p><style name="font2">An eisernen Haken, die in die Wand eingelassen waren, hingen sechs blut�berstr�mte Gestalten, die jetzt ihre stieren Blicke auf ihn richteten. Vor ihnen standen ein paar Henkersknechte in scharlachroten Gew�ndern und handhabten erbarmungslos dicke, zehnstriemige</style></p><p><style name="font2">Nilpferdpeitschen. Auf einem erh�hten Podium sa� der Daj und sah diesem grausamen Spiel gleichg�ltig zu.</style></p><p><style name="font2">�Deste! � Ojo!--Jardin!--Porquez!� schrie Michel mit blutunterlaufenen Augen und </style><style name="font2">drang auf die verdutzten Folterknechte ein. Den ersten streckte er mit einem Fausthieb zu Boden. Dem zweiten schmetterte er seine Linke unter die Kinnlade, da� jener Blut und Z�hne ausspuckte.Mit wildem Griff ri� er die Sch�rpenfetzen von der Schneide des S�bels und schwang diesen drohend gegen den Daj.</style></p><p><style name="font2">�Allah kerim!� schrie dieser entsetzt auf. �Der Mensch will mich umbringen! Zu Hilfe! Zu Hilfe!�</style></p><p><style name="font2">Er streckte abwehrend beide H�nde gegen Michel aus.</style></p><p><style name="font2">Einer der Knechte konnte aus der Kammer entweichen. Voller Schreck rief er drau�en die Wachen zusammen.</style></p><p><style name="font2">Michel packte den Daj bei der Brust und sch�ttelte ihn. Vor Aufregung schrie er ihn in deutscher Sprache an:</style></p><p><style name="font2">�Gib meine Kameraden frei, du verdammter Schurke, sonst schneide ich dir die Kehle durch!� Er zog ihn immer n�her zu sich heran und �ffnete den Mund, als wolle er ihn abermals in die Nase bei�en.</style></p><p><style name="font2">Baba Ali schrie entsetzt auf.</style></p><p><style name="font2">Doch da erschienen Wachen in der T�r. Instinktiv drehte sich Michel um und hielt den Andr�ngenden ihren eigenen Daj als Schild entgegen.</style></p><p><style name="font2">Dann stie� er, ohne den ge�ffneten Mund zu schlie�en, ein paar durchdringende Kehllaute aus, die sich f�r die Umstehenden jedoch anh�rten wie Pfiffe. Pfiffe, ,die jemand mit offenem Mund hervorbrachte.</style></p><p><style name="font2">Sie begannen vor dem Furchtbaren zu zittern. An ihn heran konnten sie nicht, weil der vorgehaltene, vor Schreck halb bewu�tlose Daj sie daran hinderte. Michel wandte seinen Blick langsam den blutigen Leibern zu, die an den Haken hingen. Pl�tzlich weiteten sich seine Augen. Sein Verstand gewann die Oberhand, und seine Nerven beruhigten sich wieder.</style></p><p><style name="font2">Das waren ja gar nicht seine Kameraden, die dort gefesselt hingen! Allerdings, Wei�e schienen es zu sein. Aber weder Ojo noch Deste weder Jardin noch Porquez waren zu erkennen. Der Daj kam langsam wieder zu sich und begann nun, in Michels Faust zu zappeln. Dabei stie� er eine Flut von arabischen Verw�nschungen aus.</style></p><p><style name="font2">Michel wandte ihm langsam sein Gesicht zu, das jetzt wieder menschlich aussah. Er �berlegte bereits, wie er sich selbst aus dieser heiklen Szene retten konnte. Sollte er aus seinem ganzen Auftreten einen Trick zu machen versuchen? Es schien die einzige M�glichkeit zu sein. Er blickte den Daj sprachlos l�chelnd an, �ffnete langsam seine Hand, die den Herrscher von Algier noch immer bei der Brust gepackt hielt, und lie� den ersch�pften F�rsten los. Baba Ali taumelte zur�ck, direkt in die Arme seiner Janitscharen. Er war viel zu benommen, als da� er einen Befehl zur Festnahme des Unheimlichen, der ihn jetzt freundlich l�chelnd anblickte, h�tte geben k�nnen.</style></p><p><style name="font2">Michel war klug genug, die Verbl�ffung des Daj auszun�tzen. Schnell suchte er in seinem Kopf ein paar arabische Brocken zusammen, die er sich w�hrend der letzten Tage angeeignet hatte. Das einzige, was ihm einfiel, war die ber�hmte Preisung Allahs in Verbindung mit dem Propheten, das �Amen� oder auch �Kyrie eleison� der Araber.</style></p><p><style name="font2">�La ilaha ila Allahu wa Mohammad rasul al-mahdi�, murmelte er und machte zwei Schritte nach vorn.</style></p><p><style name="font2">Der Daj, der einen neuerlichen Angriff vermutete, wich erschrocken zur Seite. Auch die Mauer der Janitscharen �ffnete sich. Und unangefochten ging Michel durch die so entstandene L�cke. Seine Schritte waren gemessen wie die eines Marabuts. Nicht ein einziges Mal blickte er sich um. Unbeirrt schlenderte er durch die hallenden S�le, bis er seinen eigenen erreichte. Dort setzte er sich auf einen Diwan nieder, z�ndete sich in aller Ruhe eine Wasserpfeife an und begann zu rauchen.</style></p><p><style name="font2">Den S�bel hatte er in einem unbewachten Augenblick unter der Ottomane verschwinden lassen.</style></p><p><style name="font2">Die Janitscharen und Folterknechte erwachten aus ihrer Erstarrung, als der Pfeifer verschwunden war. Der Daj r�usperte sich, sah seine tapferen W�chter an, wandte den Blick wieder ab und sagte in ungewohnt mildem Ton zu den Henkern:</style></p><p><style name="font2">�Bindet diese Christenhunde los. Wir wissen ja jetzt, wo ihre Armee anmarschiert. Werft sie in den Keller und gebt ihnen zu essen.�</style></p><p><style name="font2">Ohne sich um die Janitscharen zu k�mmern, die erstaunt genug waren, da� der Daj nicht seine �blichen Verw�nschungen ausstie�, ging dieser in seine Gem�cher. Sogar die T�ren mu�te er sich selbst �ffnen; denn es war kein einziger Leibw�chter zu sehen.</style></p><p><style name="font2">In seinem Privatgemach lie� er sich ersch�pft auf seine Polster fallen und dachte eine Weile �ber den seltsamen Gesandten des abendl�ndischen K�nigs nach. Was f�r ein Mensch war das? War das �berhaupt ein Mensch? Er klatschte in die H�nde. Hussejn trat ein.</style></p><p><style name="font2">�Erkundige dich, wie sich diese ganze Szene entwickelt hat, und erstatte mir Bericht.�</style></p><p><style name="font2">Hussejn verbeugte sich abermals.</style></p><p><style name="font2">�Ich kenne die Vorg�nge bereits, Sayd.�</style></p><p><style name="font2">�Erz�hle!�</style></p><p><style name="font2">Der Leibsklave schilderte eingehend, was er von den in die Flucht geschlagenen Janitscharen erfahren hatte.</style></p><p><style name="font2">Baba Ali h�rte mit gemischten Gef�hlen zu.</style></p><p><style name="font2">�Dieser Mann mu� die Kraft eines B�ren und den Mut eines L�wen besitzen�, stellte er fest. �Verzeihe, Sayd�, sagte Hussejn, �seine W�chter behaupten, er sei kein Mensch, sondern der Schejtan in Menschengestalt. Allein sein gr��liches Pfeifen ist dazu angetan, Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen. Als er aber mit der blo�en Hand die Schneide des S�bels packte, war diese Hand rot wie Blut. Und dennoch ist er unverletzt geblieben.� Die Soldaten hatte den Vorgang nicht richtig erfa�t. Sie hielten die rote Sch�rpe f�r eine �bernat�rliche Erscheinung, was die Furchtbarkeit des ganzen Auftritts nur noch unterstrich. �Unglaublich�, der Daj sch�ttelte den Kopf, �du sagst also, der pfeifende Teufel habe die scharfe Klinge mit der blo�en Hand fest umklammert?� �Ja, Sayd.�</style></p><p><style name="font2">�Maschallah! Hole mir Isidolada. Sie soll sofort kommen und ihren sch�nsten Schleier anlegen.� Hussejn verbeugte sich und ging hinaus.</style></p><p><style name="font2">Michel Baums Nerven spannten sich allm�hlich wieder. Er mu�te ja jeden Augenblick darauf gefa�t sein, da� man Rechenschaft �ber sein Benehmen forderte.Bis jetzt hatte er keine Ahnung, wie er sich herausreden sollte. Er h�tte sich ohrfeigen k�nnen f�r seine Unbeherrschtheit. Vorsichtig schob er seinen rechten Fu� unter den Diwan, auf dem er sa�, und drehte den S�bel so, da� er ihn mit einem Griff erreichen konnte.</style></p><p><style name="font2">Drau�en im Innenhof marschierten in diesem Augenblick drei�ig oder vierzig Janitscharen auf, die samt und sonders mit Gewehren ausger�stet waren. Teufel, dachte Michel, das hat mir gerade noch gefehlt!</style></p><p><style name="font2">Aber die Janitscharen bildeten nur ein Spalier, und hindurch schritt Baba Ali, dessen wei�e Sklavin vor ihm ging.</style></p><p><style name="font2">Einer Frau den Vortritt zu lassen, ist eine Unsitte, die den kleinsten Araber in Verruf bringen w�rde. Und wenn es gar eine Sklavin war, so war der Mann, der das tat, gesellschaftlich nicht tragbar.</style></p><p><style name="font2">Baba Ali durchbrach diese Regel ohne Bedenken. Und es schien, da� seine Soldaten gr��tes Verst�ndnis daf�r hatten.</style></p><p><style name="font2">Baba Ali besuchte einen Teufel. War es nicht das Gebot Allahs, sich vor dem Schejtan zu sch�tzen? Wie man das tat, war seine eigene Sache. Eine Sklavin aber war auf alle F�lle der sicherste Schutzschild, denn wenn der Teufel Gefallen an ihr fand, so w�rde er sicherlich den Herrn verschonen.</style></p><p><style name="font2">Michel wurde es hei� und kalt, als er das M�dchen auf sich zukommen sah. Baba Ali jedoch</style></p><p><style name="font2">l�chelte so freundlich, so gewinnend, wie es ihm nur m�glich war.</style></p><p><style name="font2">Michel erhob sich nicht, sondern blieb sitzen.</style></p><p><style name="font2">�Was bringt Ihr Neues, Mi� Hawbury?� fragte er.</style></p><p><style name="font2">Sie antwortete schnell:</style></p><p><style name="font2">�Man scheint Euch �bernat�rliche Kr�fte zuzutrauen. Der Pascha m�chte sich davon �berzeugen. La�t ihn den Eindruck behalten.� �Was hat er gesagt?� erkundigte sich Baba Ali.</style></p><p><style name="font2">�Er fragte, wie es dir gehe, und ich antwortete ihm, da� du Allah f�r jede Stunde preisest, die er dir schenkt.�</style></p><p><style name="font2">�Gut, gut�, anwortete der Janitscharenf�rst.</style></p><p><style name="font2">Die drau�en stehenden Soldaten lauschten gierig auf jedes Wort.</style></p><p><style name="font2">�Frage ihn, Isidolada, weshalb er mich vorhin bedroht und zwei meiner Wachen</style></p><p><style name="font2">niedergeschlagen hat.�</style></p><p><style name="font2">Isolde Hawbury �bersetzte die Frage.</style></p><p><style name="font2">Michel fuhr sich nach der Stirn. Was sollte er jetzt antworten? Er sah die gespannten Gesichter der spalierbildenden Soldaten. Nur keine Bl��e geben, dachte er.</style></p><p><style name="font2">Da hatte er einen gl�nzenden Einfall. Eigenartig, wie gute Einf�lle immer zur richtigen Zeit von selber kommen, nachdem man sich vorher vergeblich das Hirn zermartert hat. Er machte ein erstauntes, ja, verbl�fftes Gesicht, so da� keiner der Anwesenden seinen Gesichtsausdruck �bersehen konnte.</style></p><p><style name="font2">�Wovon spricht der Daj?� fragte er mit gr��ter �berraschung. Isolde �bersetzte.</style></p><p><style name="font2">Jetzt war es an Baba Ali, verbl�fft zu sein. Er lie� fragen, ob sich Michel denn nicht mehr daran erinnere, was er noch vor wenigen Minuten getan hatte.</style></p><p><style name="font2">�Ich habe die ganze Zeit �ber hier gesessen und diese Wasserpfeife geraucht�, erwiderte dieser erstaunt.</style></p><p><style name="font2">Der Daj sah sich um und blickte in die Gesichter seiner neugierigen Janitscharen.�Du hast hier</style></p><p><style name="font2">gesessen und geraucht? Und vorher?�</style></p><p><style name="font2">�Vorher? Vorher habe ich geschlafen, was sonst?�</style></p><p><style name="font2">�Und du hast die beiden Wachen nicht niedergeschlagen?�</style></p><p><style name="font2">�Ich? Welch eine Frage! Was f�r Wachen meinst du?�</style></p><p><style name="font2">�Zeige mir deine Hand. Du hattest einen S�bel an der Schneide gepackt, und deine Finger waren rot von Blut. Zeige mir deine Hand!�</style></p><p><style name="font2">Michel tat es. Da war nichts zu sehen. Nicht der kleinste Ri� oder Schnitt. Der Daj trat einen Schritt zur�ck.</style></p><p><style name="font2">�Als du die Folterkammer verlie�est, gebrauchtest du einen arabischen Ausspruch. Kannst du ihn wiederholen?�</style></p><p><style name="font2">�Folterkammer? Arabischer Ausspruch? Ich verstehe dich nicht. Ich spreche kein Wort deiner verehrungsw�rdigen Muttersprache. Und deine Folterkammer habe ich noch nie gesehen.� Baba Ali wu�te nicht, was er von der Sache halten sollte. Er stellte noch ein paar belanglose Fragen. Michel benutzte die Antwort, um der Dolmetscherin folgendes zu sagen: �Unterrichtet doch bitte meine Kameraden bei n�chster Gelegenheit von diesen Vorg�ngen. Wenn der Daj sie verh�rt, so sollen sie behaupten, ich sei vom B�sen besessen und w�re dann nicht mehr bei mir selbst. Ich h�tte die Macht, alles um mich herum zu vernichten, und so weiter. Die Freunde werden schon wissen, was ich meine. Seht auch zu, da� der F�rst nicht erf�hrt, da� Deste seine Sprache spricht, bevor dieser informiert ist.�</style></p><p><style name="font2">Isolde versprach, ihr M�glichstes zu tun, und erinnerte nochmals daran, da� Michel sie nicht vergessen m�ge.</style></p><p><style name="font2">Sie wohne direkt neben dem Privat- und Prunkgemach des Pascha.</style></p><p><style name="font2">Der Daj hatte nun genug. Er wu�te nicht mehr aus noch ein. Da sagte Isolde:</style></p><p><style name="font2">�Wenn du gestattest, o Sayd, so will ich dir einen Vorschlag machen. Frage doch die anderen </style><style name="font2">Gefangenen nach diesem Menschen aus. Dann wei�t du vielleicht, woran du bist.�</style></p><p><style name="font2">Der Daj war von dem Vorschlag entz�ckt. Er marschierte mit seiner Sklavin wieder aus dem </style><style name="font2">Raum. Diesmal ging er voran. Die Janitscharen begleiteten ihn.</style></p><p><style name="font2">Michel atmete auf und legte sich nieder, um neue Kr�fte zu sammeln.</style></p><p><style name="font2">Die vier Spanier waren nicht wenig erstaunt, als die T�ren aufsprangen und der Daj mit jener wei�en Frau erschien, die sie schon einmal gesehen hatten.</style></p><p><style name="font2">Sie erhoben sich, machten aber keine Verbeugung. Der Daj schien heute guter Laune. Er sagte nichts und gab den ihn begleitenden Janitscharen auch keinerlei Anweisungen, die Gefangenen zu einem Gru� zu zwingen. Er sagte etwas zu seiner Sklavin, die sich darauf in spanischer Sprache an Deste wandte.</style></p><p><style name="font2">�H�rt, Senor. Der F�rst m�chte eingehende Kunde von den F�higkeiten Eures Gef�hrten haben. Dieser trug mir auf, Euch zu sagen, da� Ihr ihm �berirdische Macht zuschreiben sollt. Ich habe keine Zeit, dies jetzt zu erkl�ren; aber Ihr werdet es dem Gespr�ch entnehmen. La�t nicht merken, da� Ihr Arabisch versteht.�Der Daj schaltete sich pl�tzlich ein. Ein gewisses Mi�trauen schwang in seiner Stimme.</style></p><p><style name="font2">�Was hast du soviel zu erz�hlen? Gen�gt es nicht, wenn du einfach meine Fragen wiederholst, Isidolada?�</style></p><p><style name="font2">�Verzeih, Sayd, die Sprache der Spanier ist umst�ndlicher. Au�erdem wei�t du, da� ich in England geboren bin. So beherrsche ich das Spanisch auch nicht wie meine Muttersprache.� �Gut. Frage die M�nner, ob sie jemals gemerkt haben, da� der pfeifende Teufel besessen ist.� Isolde fragte:</style></p><p><style name="font2">�Ihr habt verstanden, was er fragte, nicht wahr, Senor Deste? � Antwortet noch nicht. Erz�hlt ihm, da� Euer Gef�hrte oft ohne Seele ist und dann nicht mehr recht wei�, was er tut. Schildert das mit Entsetzen in den Augen, damit Euch der F�rst glaubt.�</style></p><p><style name="font2">Deste war ein hervorragender Schauspieler und nickte mit angstvoll aufgerissenen Augen dem F�rsten zu. Dann sagte er:</style></p><p><style name="font2">�Ihr habt geh�rt, companeros, worum es geht. Jetzt spielt auch Eure Rollen gut; denn der Daj mu� von der Besessenheit des Doktors �berzeugt werden.�</style></p><p><style name="font2">Baba Ali hielt diese Worte f�r die Antwort auf seine Frage und wandte sich daraufhin an seine Sklavin. Diese meinte:</style></p><p><style name="font2">�Es stimmt, da� jener deutsche Gesandte im Pakt mit dem Teufel steht. Er ist besessen.� Deste warf mit schreckensvollen Geb�rden auf spanisch dazwischen:</style></p><p><style name="font2">�Sagt dem F�rsten, Senorita, da� er diese Unterhaltung beenden soll. Wir m�chten nicht dar�ber sprechen. Die Gefahr f�r unser Leben ist zu gro�.� Isolde �bersetzte.</style></p><p><style name="font2">Die Spanier machten jetzt Gesichter, als s��e ihnen der Leibhaftige bereits im Nacken. �So wei� er wohl oft nicht, was er tut?� fragte der Daj. Deste antwortete mit lebhaften Gesten:</style></p><p><style name="font2">�Sagt ihm, da� er das nie wei�, wenn sich etwas Besonderes ereignet. Der Teufel treibt ihn dann, und er ist imstande, alles um sich herum zu vernichten. Einmal hat jemand den Silbador hinterr�cks verwundet�, log Deste. �Aber die Strafe folgte auf dem Fu�e. Jener Mensch konnte nicht leben und nicht sterben. Er liegt noch heute darnieder, und niemand kann ihm helfen, denn der Teufel hat ihn mit dem eiternden Aussatz geschlagen. Zuweilen haben wir selbst Furcht vor dem Silbador.�</style></p><p><style name="font2">Deste schauspielerte �beraus echt, und auch die anderen drei taten, was sie konnten, um mit ihren Geb�rden den Daj das Gruseln zu lehren.</style></p><p><style name="font2">�So meinst du, da� er die Macht hat, jeden Widerstand zu brechen?� vergewisserte sich der F�rst nochmals durch seine Dolmetscherin.</style></p><p><style name="font2">�Ja!� sagte Deste mit fester �berzeugung. �Aber er kann auch Wunder vollbringen und den Menschen helfen. Er befreit dich sogar vom Teufelsbi� und vom Hexenschu�. Er ist gut und schlimm zugleich.�</style></p><p><style name="font2">Baba Ali dachte einen Augenblick nach. Dann leuchteten seine Augen auf.</style></p><p><style name="font2">�So, und warum hat er sich nicht von den Banden befreit, in die ihn seine eigenen Soldaten </style><style name="font2">schlugen?�</style></p><p><style name="font2">Deste �berlegte blitzschnell.</style></p><p><style name="font2">�Es gelingt zuweilen, ihn zu fesseln und ihn zu �berw�ltigen. Aber die Strafe bleibt nicht aus. Ich bin davon �berzeugt, da� die Soldaten und der deutscheHauptmann noch schlimmes Unheil auf ihrer weiteren Reise erfahren werden.�</style></p><p><style name="font2">�Hm�, machte der Pascha. �K�nnt ihr uns nicht gegen die Spanier helfen, wenn ihr so m�chtig seid?�</style></p><p><style name="font2">�Das h�ngt nicht von uns ab. Die Spanier sind au�erdem Landsleute von uns. Es kommt darauf an, was der Silbador denkt. � Wir m�ssen handeln, wie er will; wir k�nnen uns seinen Befehlen</style></p><p><style name="font2">nicht widersetzen. Wir sind verflucht, ihm zu dienen--obwohl es uns manchmal recht sauer </style><style name="font2">wird.�</style></p><p><style name="font2">�Seid ihr hungrig?� fragte der Daj unvermittelt.</style></p><p><style name="font2">�Nicht besonders, Herr�, meinte Deste mit dankbarer Stimme. �Deine Gastfreundschaft war gro�z�gig.�</style></p><p><style name="font2">�Trotzdem sollt ihr mehr zu essen haben.� Er klatschte in die H�nde. Ein Janitschar trat n�her. �Erf�llt diesen M�nnern jeden Wunsch�, befahl er ungeniert, �wir m�ssen sie uns gef�gig machen.�</style></p><p><style name="font2">Der Daj wu�te ja noch immer nicht, da� Deste ihn auch ohne die Vermittlung seiner Dolmetscherin verstand.</style></p><p><style name="font2">�Nun ruhet gut�, lie� der Pascha ihnen sagen, �und e�t und trinkt, was euch schmeckt.� Isolde �bersetzte folgenderma�en:</style></p><p><style name="font2">�Bleibt immer wachsam, Senores, der Daj wird morgen ausreifen. Vielleicht schon heute abend.</style></p><p><style name="font2">Schlaft nicht ein. Trinkt Kaffee. Nun verbeugt Euch, um Eure Dankbarkeit zu zeigen.�</style></p><p><style name="font2">Die vier taten, wie ihnen gehei�en.</style></p><p><style name="font2">Die Janitscharen und ihr F�hrer zogen sich zur�ck.</style></p><p><style name="font2">Drau�en meinte der Daj zu Isolde:</style></p><p><style name="font2">�Ich h�tte nicht f�r m�glich gehalten, da� es so etwas gibt. Und ich mu� dir ehrlich sagen, da� ich noch immer Zweifel hege. Wenn ich mir aber �berlege, da� die Aussagen dieser vier Spanier sich im wesentlichen mit dem decken, was der Teufel heute angerichtet hat, so will es mir wieder scheinen, als sei doch etwas Wahres daran.� Isolde nickte ernst.</style></p><p><style name="font2">�Herr, du kennst nicht die Geheimnisse der christlichen Zauberer. In meinem Heimatlande gibt es Schl�sser, in denen gehen Nacht f�r Nacht Geister um.�</style></p><p><style name="font2">�Nun, Geister gibt es auch bei uns, obwohl der Prophet sagt, dies sei Aberglaube.� � Jardin und Deste sahen sich an, als sie wieder allein waren. Der alte Kapit�n strich sich mit todernster Miene den Bart, und Ojo hatte sein Sacktuch gezogen, um ein Niesen vorzut�uschen. Es war immer m�glich, da� man sie durch eine der Wandfresken hindurch beobachtete. So mu�te man sich unbedingt ablenken, um das Lachen zu unterdr�cken.</style></p><p><style name="font2">Es verging eine halbe Stunde, ehe sie sich ein Gespr�ch �ber das Vorgefallene zu er�ffnen getrauten.</style></p><p><style name="font2">�M�chte wissen, was der Silbador wieder angestellt hat, da� die Burschen pl�tzlich so viel Respekt vor ihm zeigen. Er mu� sie sch�n an der Nase herumgef�hrt haben.� �Wir werden es bald erfahren, denke ich, Capitan�, sagte Deste. �Bei all dem haben wir das unbeschreibliche Gl�ck, da� die wei�e Sklavin unsere Verb�ndete ist. Sonst s��en wir jetzt in der Patsche. Sie ist eine sehr mutige Frau. Dabei ist sie nicht gr��er als Senor Jardin.� Alfonso Jardin fuhr ungehalten auf.</style></p><p><style name="font2">�Willst du damit sagen, da� ich, weil ich klein bin, nicht z�hle, hombre? Das ist ja fast eine Beleidigung!Diablo, danke Gott, da� ich keinen Degen bei mir habe!� Ojo grinste den Kleinen an.</style></p><p><style name="font2">�Seid nicht so empfindlich, Senor Jardin. Was Deste sagte, ist doch richtig. Die Frau ist nicht gr��er als Ihr. Wahrscheinlich g�bet ihr ein h�bsches Paar zusammen ab. Na, warum nicht? Wenn wir frei sind, k�nnt Ihr ja mit ihr dar�ber reden.�</style></p><p><style name="font2">Jardin erwiderte nichts, konnte aber die R�te, die ihm pl�tzlich in die Wangen scho�, nicht verbergen. Den gleichen Gedanken hatte er selbst vorhin gehabt.</style></p><p><style name="font2">Allerdings hatte er noch nicht ihr ganzes Gesicht gesehen, das bisher tief verschleiert gewesen war. Lediglich die Augen kannte er bis jetzt, und die waren sch�n. Der Kapit�n l�chelte v�terlich.</style></p><p><style name="font2">�Ojo scheint mir tats�chlich das Richtige getroffen zu haben, Senor Jardin.�</style></p><p><style name="font2">Jardin erhob sich, straffte seine kleine Gestalt und trat zu dem Spiegel, der sich dicht neben der </style><style name="font2">T�r befand.</style></p><p><style name="font2">�Ach was�, sagte er �rgerlich. �Es ist Unsinn, jetzt Pl�ne zu schmieden.� Ojo, Deste und Porquez nickten sich befriedigt zu.</style></p><p><style name="font2">Um die Stunde des Abendgebets hatten sich die sechzig Beamten des Staatsrates im Palast versammelt. Die Lage war ernst. Die Spanier r�ckten gegen die Stadt vor. Allerdings waren sie zur Zeit noch gute vier Tagesm�rsche entfernt. Siebentausend christliche Soldaten befanden sich im Anmarsch. F�nfundzwanzigtausend hatte die Armada an die nordafrikanische K�ste gebracht. Aber von den restlichen achtzehntausend war der eine Teil noch nicht ausgeladen und der andere noch nicht marschfertig.</style></p><p><style name="font2">Die Anwesenden hatten sich auf dem an der Wand des Sitzungssaals entlanglaufenden Diwan niedergelassen und erwarteten ihren Herrscher. Tief verbeugten sie sich, als er den Raum betrat: Baba Ali nahm auf seinem Polsterthron Platz und begann:</style></p><p><style name="font2">�Allah hat mich durch eure Wahl zum Herrscher eingesetzt hier in der Stadt und in den Provinzen von El Maghreb. Ist es nicht so?�</style></p><p><style name="font2">Die b�rtigen Staatsr�te, die mit untergeschlagenen F��en auf ihren Kissen hockten, nickten ernst und w�rdig.</style></p><p><style name="font2">�So vernehmt denn, was ich euch zu k�nden habe: Der Giaur-K�nig, der dritte Kara<sup>1</sup> von Spanien, hat sich erdreistet, wiederum eine seiner Flotten gegen unsere K�ste zu schicken, nachdem es seinem Vorg�nger erst im Jahre 1142 der Hidschra<a l:href="#n_4" type="note">[4]</a> gelang, Oran zu erobern. Ihr seht, weise Freunde, da� der Gott der Ungl�ubigen einen nimmersatten Bauch hat. Der Giaur wird alles verschlingen, wenn wir uns ihm nicht mit all unserer Macht entgegenstellen. Ich habe daher folgendes zu bestimmen:</style></p><p><style name="font2">Meine Gener�le teilen unsere berittenen Heerhaufen in zwei Teile. General Murat-Khan geht mit dem gr��eren Haufen nach El Kisem, wo die Spanier ihre Schiffe haben, und greift die Soldaten unvermittelt an. Ich selbst aber ziehe mit dem anderen Haufen gen Abend und zerreibe die Spanier, die sich unserer Stadt bereits bis auf vier Tagesreisen gen�hert haben. Ich hoffe, ihr stimmt meinem Beschlu� zu.�</style></p><p><style name="font2">Allgemeines Beifallsmurmeln erhob sich. Baba Ali merkte, da� niemand eine gegenteilige Meinung vertrat. Deshalb r�ckte er jetzt mit einer Erkl�rung heraus, bei der ihm nicht ganz wohl war.</style></p><p><style name="font2">�Ich sehe, da� ich eure Zustimmung gefunden habe. Ich kann nun auch sagen, da� Murat-Khan schon seit sieben Tagen unterwegs ist, um die Spanier anzugreifen. Ich gab diesen Befehl, weil ich euer Einverst�ndnis voraussetzte.�</style></p><p><style name="font2">Die b�rtigen Mitglieder des Staatsrates sahen einander schweigend an. In dem einen oder anderen glomm Mi�trauen auf. Der von ihnen gew�hlte Daj handelte ihnen zu eigenm�chtig. Nat�rlich hatte man ihm eine gewisse Souver�nit�t �bertragen; aber die Staatsr�te wachten streng dar�ber, da� ihre eigenen Rechte nicht dabei geschm�lert wurden. Der Daj hatte die Macht �ber Leben und Tod der Untertanen, nicht aber �ber die Offiziere der Milizen, wenn diese nicht von einem ordentlichen Soldatengericht abgeurteilt waren. Der einfache Einwohner dieser eigenartigen Republik bedeutete den Janitscharen nichts. Mit ihm mochte der Daj machen, was er wollte. Er konnte ihm den Kopf abschlagen. Was lag daran?</style></p><p><style name="font2">Der republikanische Gedanke dieser Regierung endete bei den Janitscharen. Milizen und Daj mit dem Staatsrat bildeten eine Hierarchie, eine Art Politb�ro. Das Volk � der kleine Mann auf der Stra�e, wie wir sagen w�rden � galt nichts und hatte nichts zu sagen. Ihm gegen�ber war der Daj der absolute Alleinherrscher.</style></p><p><style name="font2">Der Staatsrat begann wieder zu murmeln. Dann nickten die dunkelh�utigen M�nner. Die Eigenm�chtigkeit des Daj war damit legalisiert.</style></p><p><style name="font2">�Der Prophet wird euch f�r euer Vertrauen mit allen Gen�ssen des siebten Himmels belohnen�, ergriff der Daj wiederum das Wort. �Wir werden gro�e Beute machen, und ihr, meine Freunde, sollt nicht leer ausgehen. � Nun noch ein anderer Punkt. Es wird sich inzwischen herumgesprochen haben, da� mir f�nf Sklaven gebracht wurden, die wohl wert sind, da� man sie beachtet. Der eine von ihnen ist ein wahrer Teufel in Menschengestalt � � aber er kann Waffen bauen. W�hrend ich abwesend bin, werde ich Hussejn die Erlaubnis geben, �ber ihn zu wachen und daf�r zu sorgen, da� er mit dem Gewehrbau beginnt. Ich verspreche mir viel davon;</style></p><p><style name="font2">denn dieses Gewehr--h�rt nicht auf zu schie�en! Man braucht nur den Abzug zu dr�cken, </style><style name="font2">und Kugel auf Kugel kommt aus seinem Lauf. Wir werden eine Armee damit ausr�sten � sofern ich eure Zustimmung erhalte�, f�gte er vorsichtigerweise ein, �und damit die ganze Welt erobern. Wir werden den Sandschak-Scherif<a l:href="#n_5" type="note">[5]</a> wieder auf dem Krelat al-ham-rah<a l:href="#n_6" type="note">[6]</a> aufpflanzen. Wir werden Herrscher sein �ber alles Land zwischen Morgen und Abend.� Schweigen. Dann erhoben sich die M�nner, die den Staatsrat bildeten. Ihre fanatischen Augen funkelten.</style></p><p><style name="font2">�La ilaha ila Allahu wa Mohammad rasul al-mahdi�, gurgelten sie begeistert. Das war so viel wie eine felsenfeste Bekr�ftigung.</style></p><p><style name="font2">Baba Ali atmete auf. Er hatte gewonnen. Die Schwei�perlen auf seinem dicken Gesicht zeigten, da� auch ein Pascha vor Angst schwitzen kann. Die Sitzung war beendet.</style></p><p><style name="font2">Als des Muezzins Stimme vom Minaren verklungen war, sammelten sich die Heerhaufen der Milizen mit ihren Pferden im gro�en Hof des Palastes und auf der Stra�e vor dem Portal. Wilde Janitscharenmusik schlug schmerzhaft gegen das Trommelfell.</style></p><p><style name="font2">Man mu� sich, wenn man unsere Achttonfolge gew�hnt ist, vergegenw�rtigen, da� in diesen Janitscharen-kapellen nur wenige Instrumente die Melodief�hrung innehatten, da� die vielen Begleitinstrumente jedoch alle nur auf ein und denselben Ton gestimmt waren. Sie dienten lediglich zu l�rmvoller Unterstreichung des Rhythmus. F�r europ�ische Ohren war das fast unertr�glich. �</style></p><p><style name="font2">Der Daj trat auf einen Balkon und gr��te seine Reiterscharen. Seine Augen gl�hten fanatisch. Wenn er auch ein beleibter und beh�biger Herr war, so konnte man ihm doch keine Feigheit nachsagen.</style></p><p><style name="font2">�Allah wird uns f�hren, ihr Tapferen, ihr Mutigen, ihr Bannertr�ger des Propheten! Nun gehet hin und ruht euch aus. Morgen nach Sonnenaufgang reiten wir!� Wieder dr�hnte die ohrenbet�ubende Musik durch den Hof. Dann verliefen sich die Menschenmassen, und es wurde still in Algier. Die Stadt schlief. Die Krieger fieberten dem Morgenrot entgegen . . .</style></p><p><style name="font2">Michel f�hlte sich durch den so unharmonischen L�rm der ungewohnten Musik seltsam aufgeregt. So sehr er sich auch bem�hte, fand er doch keinen Schlaf. Bald hierhin, bald dorthin schweiften seine Augen. Bei dem kleinsten Ger�usch fuhr er zusammen und griff unter das Ruhebett, wo der S�bel lag. Aber es ereignete sich nichts.</style></p><p><style name="font2">Stunde um Stunde verrann. Tausenderlei Gedanken und Erinnerungen schwirrten ihm durch den Kopf. Charlotte Eck trat mehr als einmal vor sein inneres Gesicht. Aber dar�ber schob sich ein anderes Antlitz: Marina, die sich nun Gr�fin de Andalusia nannte. Im Halbschlaf wechselten diese beiden Erscheinungen stets miteinander ab. Michel fuhr unvermittelt auf.</style></p><p><style name="font2">Es war nichts. Ein Janitscharenoffizier k�rzte sich den Weg ab und schritt durch das Gemach auf den Innenhof.</style></p><p><style name="font2">Michel war emp�rt. Achtete man ihn bereits so gering, da� man sich erlaubte, einfach seine Ruhe zu st�ren? Er w�rde sich morgen mit Nachdruck beim Daj beschweren. Morgen! Wie w�rde das Leben morgen aussehen?</style></p><p><style name="font2">Der Offizier schritt dicht an seinem Lager vorbei. Direkt neben Michel lie� er wie unbeabsichtigt etwas fallen, etwas Wei�es.</style></p><p><style name="font2">Michel reagierte anfangs nicht darauf. Aber als der Mann au�er Sicht war, stand er auf und hob jenes Etwas auf. Ein Papierkn�uel. Eine Nachricht etwa?</style></p><p><style name="font2">Er faltete das Blatt auseinander. Im Schein der tr�ben �llampe erkannte er fl�chtig hingeworfene Schriftzeichen. Und siehe da, es waren nicht etwa kufische, arabische Buchstaben, nein, lateinische!</style></p><p><style name="font2">�Wenn morgen fr�h der gleiche L�rm einsetzt, den Ihr heute Abend h�rtet, so haltet Euch bereit, Sir. Vielleicht naht dann die Stunde der Freiheit. Die Wachen werden sich durch das Schauspiel des Aufbruchs der Truppen ablenken lassen. Ich bete, da� alles gelingt. Isolde Hawbury.�</style></p><p><style name="font2">Michels Herz schlug schmerzhaft schnell. War es m�glich? War die Freiheit wirklich so nah? Er zerkn�llte den Zettel in der Faust. War es nicht seine Pflicht, ihn zu vernichten? St�ck um St�ck verschlang er das Papier. Die Nachricht lie� ihn nun erst recht keine Ruhe finden.</style></p><p><style name="font2">Jardin, Porquez, Deste und Ojo erging es nicht besser.</style></p><p><style name="font2">Hatte ihnen die wei�e Sklavin nicht gesagt, da� sie sich f�r diese Nacht bereithalten sollten? Warum geschah nichts?</style></p><p><style name="font2">�Es mu� schon nach Mitternacht sein�, brach Porquez das Schweigen; er war am ungeduldigsten.</style></p><p><style name="font2">Deste verschr�nkte die Arme unter dem Kopf. Er wollte nicht mutlos werden. Irgendwie f�hlte er, da� sich etwas ereignen w�rde.</style></p><p><style name="font2">�Wenn es nicht in dieser Nacht ist, so wird es in der n�chsten sein, Senor Capitan�, versuchte er den Alten zu beruhigen.</style></p><p><style name="font2">�Ich �berlege schon die ganze Zeit, wie diese Flucht �berhaupt vonstatten gehen soll. Wohin fliehen wir denn? In die W�ste Sahara vielleicht? Ja, wenn wir ein Schiff h�tten!� �Vielleicht liegt die �Medina� noch im Hafen?� wagte Ojo zaghaft einzuwenden. Niemand antwortete ihm.</style></p><p><style name="font2">Im Innern hatte sicher ein jeder diesen Gedanken schon erwogen. Aber es war Irrsinn, irgend welche Hoffnungen an diesen Segler zu kn�pfen; denn man mu�te mit der Mannschaft rechnen. Vielleicht hatte sich schon ein neuer Kapit�n dort eingenistet? Es wurde sp�t und sp�ter. Kein Zeichen kam, da� es soweit war. Der Morgen graute.</style></p><p><style name="font2">Der Sprechgesang des Muezzins erklang vom Minareh. Seine eint�nige Weise durchdrang die Mauern des Palastes. Die Wachen � h�ben und dr�ben je eine, wie Michel feststellte � knieten mit dem Gesicht gen Mekka und beteten.</style></p><p><style name="font2">Michel blieb liegen und t�uschte M�digkeit vor, obwohl er hellwach war. Seine Nerven fieberten. Langsam bem�chtigte sich seiner eine fast unertr�gliche Spannung. Die Stunde der Entscheidung nahte. Das Gebet war vor�ber. Und fast im selben Augenblick erhob sich drau�en ein L�rm, als seien tausend Teufel losgelassen.Das Heer des Daj versammelte sich zum Aufbruch.</style></p><p><style name="font2">Man mu� wissen, da� solch ein Aufbruch die Betriebsamkeit eines Volksfestes hatte. Kampf war das eigentliche Handwerk des Mohammedaners. Hier war er in seinem Element. Abschieds Stimmung gab es nicht; denn der Tod auf dem Schlachtfeld war ja nach der Verk�ndung des Propheten etwas S��es. Niemand konnte den siebten Himmel so schnell erreichen wie der Krieger, der im Kampf gegen einen ungl�ubigen Gegner gefallen war. Hinzu kam, da� hier das weibliche Element keinen Teil hatte. Die Frauen zeigten sich nicht in der �ffentlichkeit. Sie netzten nicht mit Tr�nen des Trennungsschmerzes die Schwerter der K�mpfer f�r den Propheten. Sie blieben unbeachtet hinter den verschlossenen T�ren ihres Harems und waren vergessen, sobald ihr Herr und Gebieter sich zum Kriege r�stete.</style></p><p><style name="font2">Wieder h�mmerte wilde Janitscharenmusik an Michels Ohren. Die Stimmen der einzelnen Befehlshaber br�llten durcheinander, man schrie Befehle hinaus, um Ordnung in die regellosen Haufen zu bringen.</style></p><p><style name="font2">Dann trat pl�tzlich eine unheimliche Ruhe ein. Das mu�te der Augenblick sein, in dem der Daj mit seiner Leibgarde erschien.</style></p><p><style name="font2">Die Posten, die Michel bewachten, wurden unruhig. Sie schienen es hier im Palast nicht mehr aushalten zu k�nnen. Jetzt setzte die wilde Musik wieder ein. Der aufpeitschende Rhythmus fuhr ihnen in die Beine, jagte Schauer �ber ihre R�cken.</style></p><p><style name="font2">Die Wachen blickten dorthin, wo der Mann lag, den sie bewachen mu�ten. Er schlief, schlief fest. Und auch wenn er wach war, w�rde er es nicht wagen zu fliehen. Wohin sollte er auch fl�chten? Die Stadt war st�ndig von mehreren Postenketten umgeben, die beim Nahen von Juden und Christen bestimmt aufmerksam w�rden.</style></p><p><style name="font2">Michel stellte fest, da� der Wachthabende aus dem S�ulengang verschwunden war. Er erhob sich </style><style name="font2">und ging zum Innenhof. Niemand, der ihn aufhielt.</style></p><p><style name="font2">�He!� rief ihn pl�tzlich eine Stimme an, die von der anderen Seite kam.</style></p><p><style name="font2">Er fuhr herum.</style></p><p><style name="font2">Dort hinten im S�ulengang stand ein Janitscharenoffizier, der ein paar arabische W�rter schrie und heftig gestikulierte.</style></p><p><style name="font2">Michel nahm sich zusammen, verbarg seine Entt�uschung und ging langsam zu ihm hin. Als er in H�he seines eigenen Diwans war, sagte der Offizier pl�tzlich auf Englisch: �Verge�t Euern S�bel nicht, Sir, ich habe noch keine weitere Waffe besorgen k�nnen. Kommt jetzt. Die Luft ist rein.�</style></p><p><style name="font2">Michel unterdr�ckte einen Ausruf der �berraschung. �Isolde Hawbury?� fragte er. �Yes, ich bin es. Kommt.�</style></p><p><style name="font2">Die gertenschlanke, kleine Figur des verkleideten M�dchens wandte sich der ersten T�r zu und �ffnete sie.</style></p><p><style name="font2">�Dieser Weg ist frei!�</style></p><p><style name="font2">Sie nahm Michel den S�bel ab und schritt mit der Waffe in der Hand hinter ihm. Jeder zuf�llig Vor�berkommende h�tte die beiden f�r Gefangenen und W�chter gehalten. �Wo sind meine Kameraden?� fl�sterte Michel zur�ck.</style></p><p><style name="font2">�Auf der �ndern Seite des Palastes. Wir m�ssen durch die Privatgem�cher des Daj hindurch. Der einzige, den wir im Augenblick zu f�rchten haben, ist Hussejn, der Leibdiener und Kanzler des Pascha.�</style></p><p><style name="font2">�Habt Ihr einen Plan?� fragte Michel. �Oder gehen wir ins Blaue hinein?�</style></p><p><style name="font2">�Ich habe einen, wei� nat�rlich jetzt noch nicht, ob er gelingen wird. Hoffen wir das Beste.</style></p><p><style name="font2">Bitte, schweigen wir jetzt.�</style></p><p><style name="font2">Sie gingen langsam weiter. Nirgends zeigte sich eine Menschenseele. Das Innere des Palastes lag wie ausgestorben. Man konnte seine eigenen Schritte kaum h�ren; denn der L�rm des Auszugs hatte sich mittlerweile zu einem orkanartigen Brausen entwickelt.</style></p><p><style name="font2">�Mi� Hawbury!� ergriff Michel nochmals das Wort. �Was wird, wenn die Sache mi�lingt und man uns wieder f�ngt?�Die Antwort kam nicht sofort. Sie schien zu �berlegen. Dann meinte sie: �Spielen wir mit offenen Karten. Ihr habt starke Nerven. Ich brauche Euch also nichts vorzumachen. Werden wir erwischt, so kommt Ihr ohne Zweifel in den Gefangenenturm. Daraus gibt es kaum ein Entrinnen. Steinbrucharbeit am Rand der W�ste kommt danach. Mir wird der Daj eigenh�ndig einen Genickschlag mit seinem Krumms�bel versetzen, das ist die �bliche Strafe f�r entlaufene Sklaven. Unter hundert gibt es einen, der einen solchen Schlag �berlebt. Er beh�lt dann ein steifes Genick und wird freigelassen. Das ist eine sch�ne Sitte, nicht wahr?� Michel verzog das Gesicht. Es �berlief ihn kalt. �Eine sehr sch�ne Sitte�, erwiderte er. �Und dieser Gefahr wollt Ihr Euch aussetzen?�</style></p><p><style name="font2">�Pah. Ihr wi�t nicht, was man als Sklavin hier alles erlebt. Wi�t nicht, was es hei�t, Tag f�r Tag f�r den hohen Herrn zu tanzen, bis man zusammenbricht, bis man, an allen Gliedern zitternd, schwei�gebadet hinausgetragen wird! Bis jetzt ist meine Sklaverei mit Tanzen abgegangen. Aber was meint Ihr, wie es aussieht, wenn des Paschas weitere Begierden erst erwachen? Wenn ihm seine eingeborenen Frauen nicht mehr zusagen? Dann schon lieber tot oder ein steifes Genick.� �Ihr seid sehr tapfer.�</style></p><p><style name="font2">�Well, ich bin die Tochter des britischen Generals Lord Robert Hawbury.� �Ah�, sagte Michel, �daher.�</style></p><p><style name="font2">Sie hatten eine Flucht von acht S�len durchquert und standen jetzt vor den Privatgem�chern des </style><style name="font2">F�rsten. Hier schien es angebracht, sich m�glichst nur noch durch Zeichen zu verst�ndigen.</style></p><p><style name="font2">Trotzdem fragte Michel fl�sternd.</style></p><p><style name="font2">�Wi�t Ihr, wo mein Gewehr ist, Mi� Hawbury?�</style></p><p><style name="font2">�Nein! K�nnt Ihr nicht darauf verzichten?�</style></p><p><style name="font2">Michel sch�ttelte entschieden den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Die Waffe ist in der Hand dieser Araber ein furchtbares Instrument, ein sechssch�ssiges </style><style name="font2">Repetiergewehr, allerneueste Erfindung. K�nnt Ihr Euch vorstellen, was das hei�t?�</style></p><p><style name="font2">�Well, diese Araber sind keine sehr gro�en Schu�waffenkonstrukteure.�</style></p><p><style name="font2">�Dennoch, ich kann es nicht in den H�nden des Daj lassen. Ein Versprechen bindet mich. Ich </style><style name="font2">mu� wenigstens versuchen, es wiederzubekommen.�</style></p><p><style name="font2">Sie zuckte resigniert die Achseln.</style></p><p><style name="font2">�Ich will Euch nicht daran hindern. Au�erdem, glaube ich, w�rde eine solche Waffe meinen Vater und die britische Armee interessieren. Durchsucht die Zimmer des Daj. Ich will hier wachen. Aber beeilt Euch!�</style></p><p><style name="font2">Michel �ffnete vorsichtig die T�r und trat ein. Er bewunderte das tapfere M�dchen, obwohl er ihr Verhalten und ihre Gedankeng�nge sehr unweiblich fand. Wie konnte eine Frau an die N�tzlichkeit einer neuen Waffe f�r die britische Armee denken, wenn sie sich in einer so heiklen Lage befand? Nicht eine Spur von Angst hatte er in ihrem Benehmen festgestellt. Ihre Sicherheit war irgendwie unnat�rlich.</style></p><p><style name="font2">Er erfa�te mit einem Blick den schier m�rchenhaften Luxus dieser Wohnr�ume. Un�bersehbare</style></p><p><style name="font2">Kostbarkeiten waren hier angeh�uft. Wo aber befand sich die Muskete?</style></p><p><style name="font2">Hastig schritt er auf das Portal der gegen�berliegenden Wand zu. Er �ffnete. Hier war die </style><style name="font2">Ausstattung noch pr�chtiger und glei�ender.Fast w�re ihm ein Jubelruf entfahren. �ber einer </style><style name="font2">Ottomane hingen in malerischer Anordnung viele Waffen. Auf zwei vergoldeten, mit Arabesken </style><style name="font2">verzierten Armen, die aus der Wand herausragten, lag das Gewehr.</style></p><p><style name="font2">Ein Griff, und Michel hatte es �ber der Schulter.</style></p><p><style name="font2">Eilig ging er zur�ck. Eine eiskalte Hand griff pl�tzlich nach seinem Herzen. Von der T�r her, wo Isolde Wache hielt, erklang ein unterdr�ckter Aufschrei, Poltern, wie von einem Handgemenge, St�hnen.</style></p><p><style name="font2">�Gott besch�tze mich�, kreischte eine Stimme.</style></p><p><style name="font2">Mit zwei S�tzen erreichte Michel die T�r und ri� sie auf. Ein herkulisch gebauter Schwarzer, wahrscheinlich ein Eunuche, war dabei, sich des M�dchens zu bem�chtigen, das er trotz seiner Verkleidung erkannt haben mu�te.</style></p><p><style name="font2">Michel sprang den Mohren von hinten an und pre�te ihm seine Finger um die Gurgel, aber der Kerl hatte Nackenmuskeln wie ein Stier. Wie eine l�stige Fliege sch�ttelte er den unerwarteten Gegner ab.</style></p><p><style name="font2">Michel flog mehrere Schritte durch den Raum.</style></p><p><style name="font2">Schnell raffte er sich auf, packte sein Gewehr am Lauf und st�rzte sich mit geschwungenem Kolben auf den Schwarzen. Zwei Schl�ge, und der Bursche verlor das Bewu�tsein. Isolde hatte sich schon wieder gefa�t.</style></p><p><style name="font2">�Wir k�nnen ihn hier nicht liegen lassen. Er ist Haremsw�chter. Deshalb kannte er mich. Sobald er zu sich kommt, wird er L�rm schlagen.�</style></p><p><style name="font2">Michel b�ckte sich rasch, ri� dem Ohnm�chtigen die Sch�rpe vom Bauch, band ihm die H�nde und F��e zusammen, stopfte ihm einen Knebel zwischen die Z�hne, �ffnete die T�r zu dem Gemach, das er soeben verlassen hatte, zog den Bewu�tlosen hinter sich her, dr�ckte ihn unter einen Diwan und band ihn mit dem Rest der Sch�rpe an einem Mauervorsprung fest. Losmachen konnte er sich ohne fremde Hilfe nicht, und bis ihn in den Privatgem�chern des Daj jemand fand, konnten Tage vergehen.</style></p><p><style name="font2">Nach ein paar Minuten erreichten sie die R�ume, in denen sich die Freunde befanden. Auch hier keine Wachen. Und drau�en immer noch der L�rm, den die wilden Heerscharen des Daj verursachten.</style></p><p><style name="font2">�Senor Doktor!� schrie Jardin auf, als er Michels ansichtig wurde.</style></p><p><style name="font2">Deste und Ojo hatten Tr�nen in den Augen. Der Kapit�n war in Sekundenschnelle auf den </style><style name="font2">Beinen. �Ist es soweit?� fragte Deste. Michel nickte.</style></p><p><style name="font2">�Verlieren wir keine Zeit mit gro�en Reden. Wir m�ssen sehen, da� wir den Palast so schnell wie m�glich hinter uns bringen.� Isolde trat ein.</style></p><p><style name="font2">�Beeilen wir uns�, dr�ngte sie auf Spanisch. �Wir m�ssen uns verkleiden. Ich habe keine Uniformen. So bleiben uns nur die T�cher, die hier auf den Ottomanen herumliegen. H�ngt sie euch um, Senores, und seht zu, da� ihr aus den Shawls dort dr�ben an der Wand ein paar turban�hnliche Gebilde zusammenbringt.�</style></p><p><style name="font2">Sie griff selbst mit zu. Mit geschickten Fingern umwand sie einen Kopf nach dem anderen mit T�chern. Als die losen Diwandecken nicht mehr ausreichten, ri� man in gro�er Eile die Stoffbez�ge von den Polstern.</style></p><p><style name="font2">Wie Zirkusfiguren sahen sie jetzt aus. Isolde blieb bei ihrer Verkleidung.�Und wo kommen wir nun heraus?� fragte Michel. �Der gro�e Hof ist voller Truppen, und drau�en wimmelt es von Arabern. Wir k�nnen uns doch gar nicht in die N�he des Ganges wagen, der Hof und Stra�e miteinander verbindet.�</style></p><p><style name="font2">�Wir m�ssen in die Verlie�e hinunter. Dort gibt es einen Weg, der allerdings bewacht sein wird. Vielleicht lassen sich die W�chter f�r einen Augenblick von meiner Uniform t�uschen.� Man eilte den menschenleeren Gang entlang, stolperte in den ungewohnten Umh�ngen die Marmortreppen hinunter und gelangte schlie�lich an die westliche Seite des Riesenbaues. Noch eine Treppe und noch eine. Marmor und Pracht h�rten auf; es wurde dunkler. Man hatte wieder eine T�r vor sich. �Hier mu� es sein�, fl�sterte Isolde.</style></p><p><style name="font2">Michel versetzte der T�r einen kr�ftigen Sto�. Sie flog auf. Auf der anderen Seite vernahm man eine kreischende Stimme:</style></p><p><style name="font2">�Mein Gott! Mein Gott! Mein Gott! Wer kommt durch diese Pforte und betritt das Gef�ngnis des erhabenen Herrschers von Al-Dschesair?� �Wir�, sagte Isolde kurz und trat vor.</style></p><p><style name="font2">Der W�chter verneigte sich tief vor dem Janitscharenofflzier. �Wohin willst du, Herr?� fragte er ehrfurchtsvoll.</style></p><p><style name="font2">�Wir m�ssen hier durch. Befehl vom Daj.�</style></p><p><style name="font2">Der W�chter nickte und ging voran. Er hatte nicht erkannt, da� eine verkleidete Wei�e in der Uniform des Janitscharenoffiziers steckte, obwohl er durch die Bart-losigkeit des Gesichtes h�tte stutzig werden m�ssen; doch zum Gl�ck herrschte hier D�mmerlicht. Deste wandte sich an Isolde:</style></p><p><style name="font2">�Hier ist das Gef�ngnis des Daj, Senorita?� fl�sterte er so leise, da� der W�chter die fremden Laute nicht vernahm. Sie nickte.</style></p><p><style name="font2">Da setzte Deste pl�tzlich zu einem gewaltigen Sprung an. Er ri� den vorangehenden Gef�ngnisw�rter zu Boden.</style></p><p><style name="font2">Die anderen erstarrten vor Schreck �ber diese Unbesonnenheit.</style></p><p><style name="font2">�Seid Ihr verr�ckt?� zischte Michel Baum.</style></p><p><style name="font2">Der Mann rang nach Luft und begann zu schreien.</style></p><p><style name="font2">Michel warf sich auch noch auf ihn. Mit seinem eigenen Hemd wurde der Mann geknebelt und gefesselt.</style></p><p><style name="font2">Michel und der Spanier richteten sich auf. �Wozu das, Deste?�</style></p><p><style name="font2">Die anderen warfen ihrem Kameraden finstere Blicke zu.</style></p><p><style name="font2">�H�rt, amigos, wir sind hier im Gef�ngnis. Im Gef�ngnis aber liegen auch der Kapit�n der </style><style name="font2">�Medina� und sein Steuermann. La�t uns die Zellen durchsuchen. Vielleicht finden wir sie und </style><style name="font2">k�nnen sie befreien. Meint Ihr nicht, da� wir den Versuch unternehmen sollten, �ber See zu </style><style name="font2">entkommen? Vielleicht wei� man auf dem Schiff noch gar nicht, da� er in Ungnade gefallen ist.�</style></p><p><style name="font2">Michel stimmte sofort zu. Er sah ein, da� dieser Plan vorz�glich war. Sofort nahm er den </style><style name="font2">Schl�sselbund an sich und hob den gefesselten W�chter auf die Schultern.</style></p><p><style name="font2">Dann ging es von Zelle zu Zelle.</style></p><p><style name="font2">�Hanufa? � Kuteiba?� fragte Deste immer wieder.</style></p><p><style name="font2">Beim zehnten Versuch hatten sie Gl�ck.</style></p><p><style name="font2">Abu Hanufa st�rzte auf Deste zu.</style></p><p><style name="font2">�Wer du auch seist, Allah segne dich!� begann ersich mit str�menden Worten seinen Dank von der Seele zu reden. Deste unterbrach ihn.</style></p><p><style name="font2">�Kennst du uns nicht? Wir waren einmal deine Sklaven.�</style></p><p><style name="font2">Hanufa trat einen Schritt zur�ck und musterte die Befreier. Der wei�e Bart des alten Porquez war das einzige, was er wiedererkannte.</style></p><p><style name="font2">�Mein Gott! � Allah besch�tze mich! Komm her, Ibn Kuteiba, komm her, Abdallah! Sieh, wer gekommen ist, uns zu befreien.�</style></p><p><style name="font2">Ibn Kuteiba und Abdallah kamen nun ebenfalls aus der Zelle gekrochen. �Glaubst du, da� dir deine Mannschaft noch gehorchen wird?� fragte Deste rasch. Abu Hanufa warf sich in die Brust.</style></p><p><style name="font2">�Sie werden kriechen, die Hundes�hne! Beim Barte des Propheten, wenn sie nicht gehorchen, so werden sie die Kurbatsch zu schmecken bekommen, bis ihnen die Haut von ihren fetten R�cken platzt.�</style></p><p><style name="font2">�Halte keine Reden�, sagte Deste. �Kommt, wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir m�ssen aus dem Hafen sein, bevor man unsere Abwesenheit bemerkt, sonst geht es uns schlecht. Kommt!� Ibn Kuteiba schaltete sich ein und wandte sich an Michel.</style></p><p><style name="font2">�H�ren Sie, Monsieur, wenn wir jetzt mit Ihnen gehen, wenn wir unser Schiff besteigen und mit Ihnen fliehen, so sind wir fertig mit Algier. Wir k�nnen nie wieder zur�ck. Wir sind Fahnenfl�chtige, Monsieur. Das will �berlegt sein. Wohin sollen wir?� Das war ein berechtigter Einwand. �Was sagt er?� fragte Deste.</style></p><p><style name="font2">�Was redest du noch, Ibn Kuteiba?� fragte auch der Kapit�n, den es mit Macht zu seinem Schiff zog.</style></p><p><style name="font2">Kuteiba schickte sich an, Abu Hanufa seine Bedenken mitzuteilen. Sie waren schlie�lich nicht zum Tode verurteilt. Wahrscheinlich w�rde man sie schon bald auf irgendeinen Posten berufen. Ibn Kuteiba zumindest hatte dank seiner vielseitigen Kenntnisse allen Grund, damit zu rechnen. Michel unterbrach die entstehende Debatte.</style></p><p><style name="font2">�Wir haben nicht Zeit genug, Ibn Kuteiba�, sagte er franz�sisch, �um hier jedes F�r und Wider eingehend zu diskutieren. Aber eines kann ich Ihnen versprechen: wenn Sie mir folgen, so weise ich Ihnen den Weg zu den Karibischen Inseln, dr�ben auf der �ndern Seite des Ozeans. Dort haben die Seer�uber ein freies Leben, und von dort aus k�nnen sie ihre Fahrten auf eigene Faust unternehmen, ohne da� sie an irgendeinen Landesherren einen Tribut entrichten m�ssen. Jeder kann sich dort niederlassen. Kommt!�</style></p><p><style name="font2">Abdallah hatte dabeigestanden, ohne selbst ein Wort zu sagen. Er schlo� sich dem kleinen Zug an.</style></p><p><style name="font2">Den W�chter hatte man gefesselt in die Zelle gesperrt, die die Gefangenen verlassen hatten. Die Schl�ssel nahmen sie mit, um sie drau�en wegzuwerfen. Man mu�te alles vermeiden, was eine schnelle Entdeckung der Flucht zur Folge haben konnte.</style></p><p><style name="font2">Das jenseitige Gef�ngnisportal m�ndete ins Freie. Auch hier gab es augenblicklich keine Wachen.</style></p><p><style name="font2">Bald standen die Befreiten in der hinter dem Palast entlangf�hrenden Gasse, die wie ausgestorben lag. �</style></p><p><style name="font2">Auf der �Medina� herrschte Stille und Verlassenheit. Zwei, drei Leute bildeten im Augenblick die ganze Besatzung. Alles war an Land gestr�mt, um sich dasSchauspiel der kriegerischen Vorbereitungen nicht entgehen zu lassen.</style></p><p><style name="font2">�Wo ist Abul Mahasin?� fragte Abu Hanufa einen der an Bord verbliebenen Matrosen. �Sie sind alle in der Stadt, Sayd; aber sie werden bei Sonnenuntergang wieder hier sein.� Dem Matrosen schien das pl�tzliche Auftauchen des Kapit�ns und der ehemaligen Sklaven nicht ganz geheuer.Verwundert haftete sein Blick auf dem jungen Janitscharenoffizier. �Soll ich sie suchen gehen, Sayd?� fragte er lauernd.</style></p><p><style name="font2">�Nein. Du bleibst hier. Niemand geht mehr von Bord. Wir stechen heute abend in See.� Mi�trauisch zog sich der Mann zur�ck.</style></p><p><style name="font2">Die Fl�chtlinge beschlossen, abwechselnd an Deck zu wachen. Niemand traute dem Frieden so recht; denn eigentlich war bisher alles zu gut abgelaufen. Die Sonne stieg immer h�her.</style></p><p><style name="font2">Gegen Mittag konnte man vom Schiff aus eine Staubwolke sehen, die sich von der Stadt aus nach Westen bewegte.</style></p><p><style name="font2">Die Soldaten des Daj waren auf dem Marsch.</style></p><p><style name="font2">Hussejn hatte seinem Herrn in den Sattel geholfen.</style></p><p><style name="font2">Baba Ali beugte sich kurz vor Beginn des Marsches nochmals zu ihm nieder. �Gib gut acht auf die Gefangenen. Behandle sie gut und richte ihnen im Palast eine Fabrik ein, damit sie sich an die Arbeit machen. Wenn sie Hilfskr�fte brauchen, dann gib sie ihnen. Und behalte den Staatsrat im Auge. Ich m�chte nicht gest�rzt sein, wenn ich vom Feldzug zur�ckkehre. Allah sei mit dir!�</style></p><p><style name="font2">�Und mit dir, o Sayd. Voll Ruhm sei dein Weg und voll Triumph deine R�ckkehr. Hussejn wird </style><style name="font2">nicht schlafen. Seine Augen werden alles sehen, und sein Mund wird dir Bericht erstatten, wenn </style><style name="font2">du als Sieger mit der Fahne des Propheten wieder in Al-Dschesair einziehst.�</style></p><p><style name="font2">Wenig sp�ter betrat Hussejn seine dicht an die R�ume des Daj grenzenden Gem�cher, lieg sich </style><style name="font2">auf seinem Diwan nieder und dachte �ber die M�glichkeiten, nach, die sich f�r die </style><style name="font2">Janitscharenrepublik aus der Herstellung der neuen Waffen ergeben w�rden.</style></p><p><style name="font2">Er paffte gro�e Rauchwolken aus seiner Wasserpfeife und trank einen Mokka nach dem anderen.</style></p><p><style name="font2">Da wurde seine Beschaulichkeit pl�tzlich unterbrochen. Ein Janitscharenoffizier st�rmte ohne </style><style name="font2">Anmeldung in das Zimmer und rief: </style></p><p><style name="font2">�Allah sch�tze uns, sie sind weg! Der Schejtan hat sie entf�hrt!� �Wer ist weg?� fragte Hussejn. �Die Christen.�</style></p><p><style name="font2">�Hund, du bist betrunken!� Hussejn sprang auf. �Bei Allah, sprich, oder ich schlage dir den Kopf ab.�</style></p><p><style name="font2">Der Offizier zitterte vor Angst und berichtete, da� die Wachen ihren Posten verlassen hatten. Hussejn befahl Alarm. Pl�tzlich st�rzte er hin�ber in die R�ume seines Herrn. Die Flinte, mit der man ununterbrochen schie�en konnte, war verschwunden!</style></p><p><style name="font2">Er st�rmte weiter. Kurz bevor er die T�r erreichte, verhielt er den Schritt. Irgendwo st�hnte hier jemand. Er horchte. Das Ger�usch kam von einem Diwan her.</style></p><p><style name="font2">Er sprang hin und fand darunter den gefesselten Neger. Nachdem er ihn befreit, berichtete der Schwarze in hastigen Worten, was sich ereignet hatte.</style></p><p><style name="font2">Stundenlang durchstreiften die Wachen alle Stra�en der Stadt und fahndeten nach den </style><style name="font2">Fl�chtlingen. Doch alles war vergeblich.</style></p><p><style name="font2">Schon sank der Abend hernieder, und es wurde Zeit zum Gebet.</style></p><p><style name="font2">Hussejn ging in seinem Schlafsaal auf und ab. Noch immer hatte er keine g�nstige Nachricht erhalten. Der Teufel mochte wissen, wo diese Hundes�hne geblieben waren. Sie schienen spurlos vom Erdboden verschwunden zu sein.</style></p><p><style name="font2">Das Abendgebet war vor�ber, als sich ein Mann bei Hussejn melden lie�. Es war � Abdallah, der Zweite Offizier, den Michel und seine Freunde ebenfalls befreit hatten. �Was bietest du mir, Sayd, wenn ich dir sage, wo du die Entflohenen fangen kannst?� �Was willst du?�</style></p><p><style name="font2">�Lege beim Daj ein Wort f�r mich ein, da� ich Kapit�n der �Medina� werden darf.� Hussejn nickte. Er h�tte dem Verr�ter auch einen Palast versprochen. Abdallah berichtete nun von seiner Befreiung, die er nur zum Schein angenommen habe. �Ha, bei Allah, auf dem Schiff also sind sie, die r�udigen Schweine! Ich werde sie z�chtigen, wenn wir sie wieder eingefangen haben.�</style></p><p><style name="font2">Abdallah nickte.</style></p><p><style name="font2">�Dann mu�t du dich beeilen, Sayd, sie wollen bereits heute nacht in See gehen.� � �Abdallah! Abdallah! � � Verflucht, wo steckt der Kerl!� schimpfte Abu Hanufa. �Abdallaaaahhh!� Keine Antwort.</style></p><p><style name="font2">Abu Hanufa wandte sich an Michel und seine Freunde.</style></p><p><style name="font2">�Hast du ihn nicht gesehen? Irgendwo mu� er doch sein. Verdammt, wir wollen jetzt in See gehen. Dazu brauche ich jeden Mann, weil nur die H�lfte der Mannschaft wiedergekommen ist. Diese Hunde, diese Faulpelze, diese Landstreicher!�</style></p><p><style name="font2">Michel kniff die Augen zusammen, als Deste ihm die Worte des Kapit�ns �bersetzt hatte. �Fort, sagst du, ist Abdallah? Hast du schon deinen Steuermann nach ihm gefragt?� Hanufa sch�ttelte den Kopf und rief Ibn Kuteiba.</style></p><p><style name="font2">Der erschrak sichtlich, als er von dem Verschwinden des Zweiten Offiziers vernahm, �Verrat!� schrie er pl�tzlich. �Ich sage euch, er wird zum Wesir gegangen sein, um uns ans Messer zu liefern! La� die Anker lichten, Sayd, wir d�rfen keine Sekunde z�gern!� Abu Hanufa entgegnete besorgt:</style></p><p><style name="font2">�Abul Mahasin ist nicht hier. So haben wir �berhaupt keinen Offizier. Das bedeutet nicht nur schweres Arbeiten, sondern wird auch Mi�trauen in die Herzen der Matrosen senken!� Michel hatte die ganze Zeit dabeigestanden. Ibn Kuteiba tibersetzte mit fliegender Hast. �Wir m�ssen fort!� rief Michel und packte sein Gewehr fester. �Gebt Befehl, da� die Anker gelichtet werden. La�t Segel setzen!�</style></p><p><style name="font2">Deste und Ojo, Jardin und Kapit�n Porquez waren pl�tzlich da.</style></p><p><style name="font2">��bernehmt die Stelle des Ersten Offiziers, Deste!� sagte Michel. �Sonst liegen wir morgen fr�h noch hier.�Deste nickte. Als er die Vermutungen, die �ber Abdallah laut geworden waren, vernommen hatte, bildete sich eine steile Falte auf seiner Stirn. �Anker lichten! � Auf die Wanten! � Setzt alle Segel!�</style></p><p><style name="font2">Die Matrosen z�gerten erst einen Augenblick. Aber dann kletterten sie eilig auf die Wanten, und die Segel rollten von den Rahen.</style></p><p><style name="font2">�ber den wei�en Segeln der �Trueno� wehte die schwarze, goldumstickte Samtflagge, auf der zwei H�nde abgebildet waren, von denen die eine nach einem Schiffe griff, die andere einen Frauenkopf streichelte.</style></p><p><style name="font2">Man hatte diese Flagge bereits f�rchten gelernt in den Gew�ssern des Atlantischen Ozeans, nachdem sie vor knapp einem Vierteljahr zum erstenmal in Erscheinung getreten war. Niemand hielt es f�r ratsam, den Weg des Schiffes zu kreuzen, an dessen Mast sie im Winde knatterte. Vier Schiffe Seiner Majest�t, des K�nigs von England, waren bereits gekapert worden, seit Marina, die sich jetzt Gr�fin de Andalusia nannte, das Kommando auf der �Trueno� f�hrte. Die Kisten und Truhen in der Kapit�nskaj�te f�llten sich mit Gold und kostbaren Edelsteinen. Herrliche Gew�nder konnte Marina jetzt tragen, Kleider, die aus den Werkst�tten der ersten Pariser Modesch�pfer stammten und f�r die Frauen der hohen britischen Offiziere in den Kolonien bestimmt waren.</style></p><p><style name="font2">Don Escamillo de Fuentes, den die Gr�fin wieder in sein Amt als Erster Offizier eingesetzt hatte, n�herte sich langsam der vollst�ndigen Genesung. Der Stumpf seines rechten Arms war gut verheilt, und auch die Wunde des Oberschenkelschusses hatte sich geschlossen. Stundenlang �bte er in seiner Kabine die Fechtkunst mit der linken Hand. Und jedesmal, wenn seine Klinge durch die Luft zischte, stie� er Verw�nschungen gegen den Silbador aus, dem er seine Verkr�ppelung zu verdanken hatte.</style></p><p><style name="font2">�Einmal wirst du mir vor die Klinge kommen, du pfeifender Halunke�, murmelte er vor sich hin und machte einen Ausfall nach rechts. �Dann werde ich dich in St�cke hauen!� Er hieb eine Prim, eine Quart und eine dicht darauf folgende Terz in die Luft.</style></p><p><style name="font2">�Ich bewundere Euern Eifer, Don Escamillo�, sagte eine lachende Stimme von der T�r her. Der Fechter fuhr herum, lie� den Degen sinken und machte eine elegante Verbeugung. �Was verschafft mir die Ehre, Dona Marina?�</style></p><p><style name="font2">Die Gr�fin wiegte sich leicht in den H�ften und machte ein paar schnelle Schritte durch die Kabine.</style></p><p><style name="font2">�Nichts Besonderes�, antwortete sie. �Ist es nicht selbstverst�ndlich, da� ich mich hin und wieder nach dem Befinden der M�nner erkundige, die sich meinetwegen verwunden lie�en?� Escamillo senkte in h�flicher Zustimmung den Kopf.</style></p><p><style name="font2">�Ich sehe�, fuhr die Kapit�nin fort, �da� Ihr den Degen wieder ganz gut zu handhaben versteht, Senor. Es freut mich, da� meine Offiziere sich nicht durch eine abgeschlagene Hand an der �bung des Waffenhandwerks hindern lassen.�</style></p><p><style name="font2">Escamillo hielt den Kopf noch immer gesenkt. Die letzte Bemerkung der Senorita Capitan von Gnaden einer Bande von Meuterern dr�ngte ihm eine weniger galante Erwiderung auf die Zunge, die er aber zum Gl�ck herunterschluckte, ehe sie ausgesprochen war.</style></p><p><style name="font2">Was bildete sich dieses verr�ckte Frauenzimmer ein? Waren ihre anerkennenden Worte nicht zugleich eine Mahnung? Versuchte sie, auf schmeichelhafte Art und Weise anzudeuten, da� sie das Waffenspiel f�r eine Selbstverst�ndlichkeit hielt? Und was hie� das �berhaupt ��M�nner, die sich meinetwegen verwunden lie�en�?</style></p><p><style name="font2">Escamillo war weit davon entfernt, Marina als wirklichen Kapit�n und Befehlshaber des Schiffes anzuerkennen. Im Gegenteil, er trug sich sogar mit dem Gedanken, das Schiff durch irgendein Mittel in seine Gewalt zu bekommen, nach einer der Antillen zu segeln und es dort dem </style><style name="font2">Piratengericht zu �berlassen, bis es seinem Eigent�mer zur�ckgegeben werden konnte. Das hie� zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Kapit�n Porquez w�rde ihn mit Sicherheit wieder aufnehmen, wenn er h�rte, wem er die Rettung seiner �Trueno� zu verdanken hatte. Escamillo aber w�rde von diesem Tage an au�erdem den Ruf eines �ehrbaren� Piratenoffiziers genie�en und jederzeit und �berall Heuer finden. Meuterer liebte man auch in Seer�uberkreisen ebenso wenig wie bei der �brigen �christlichen Seefahrt�.</style></p><p><style name="font2">Escamillo hob schnell sein Antlitz zu der Gr�fin empor. Zu lange hatte er bereits seinen Gedanken nachgehangen. Das war nicht nur unh�flich, sondern konnte auch Verdacht erwecken. Da warf ihm Marina eine unerwartete Frage hin, deren Beantwortung immerhin geistige Wendigkeit, vor allem aber verstandesm��ige Bereitschaft voraussetzte.</style></p><p><style name="font2">Nach den Gedankeng�ngen, wie sie gerade durch Escamillos Kopf gegangen waren, konnte man sie kaum so leichthin beantworten, wie es in diesem Fall notwendig gewesen w�re. �Seid Ihr eigentlich mit mir zufrieden, Senor?�</style></p><p><style name="font2">Der Gefragte z�gerte einen Augenblick zu lange. Dann meinte er geschmeidig: �Die Mannschaft verehrt Euch, Gr�fin!�</style></p><p><style name="font2">�Das wei� ich, Senor.� Sie nannte ihn bewu�t Senor statt Don; denn sie wu�te, da� er in Hinsicht auf die Beachtung seiner adligen Herkunft besonders empfindlich war. Diese Empfindlichkeit hatte ihn ja gerade bei der Mannschaft unbeliebt gemacht. �Ich wollte eigentlich Eure eigene Meinung h�ren, Senor�, fuhr sie fort.</style></p><p><style name="font2">Escamillo hatte sich gefangen. Anstelle einer Erwiderung verbeugte er sich sehr h�flich und mit ausgesuchter Grandezza. Doch verstand er es nicht, ein verr�terisches Aufzucken in seinen Augen zu unterdr�cken.</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid schweigsamer, als es manchmal gut ist, Fuentes�, sagte sie in herrischem Ton. Er sah auf.</style></p><p><style name="font2">�Ein caballero spricht nicht von seinen Gef�hlen, Senorita.�</style></p><p><style name="font2">�Ah! Nennt mich in Zukunft ruhig �Gr�fin�, Senor�, reizte sie ihn weiter. �Es scheint, als lie�et </style><style name="font2">Ihr es ab und zu am n�tigen Respekt fehlen, amigo. Es t�te mir leid-f�r Euch. Gute Nacht, </style><style name="font2">Senor, und verge�t nicht das �ben, damit Ihr einst in der Lage seid, Euch an dem Silbador zu r�chen.�</style></p><p><style name="font2">Sie lie� ihn stehen und ging hinaus.</style></p><p><style name="font2">�Demonio�, stie� Escamillo durch die Z�hne, �das war deutlich. Warte, verfluchte Hexe, ich werde dir deine Unversch�mtheit heimzahlen.� Erregt schritt er in seiner Kabine auf und ab.</style></p><p><style name="font2">Man m��te mit Virgen engeren Kontakt aufnehmen, dachte er; denn der Steuermann war derjenige, dessen Beistand er in erster Linie n�tig hatte, wenn er etwas gegen die gerissene Kapit�nin erreichen wollte.</style></p><p><style name="font2">Escamillo �ffnete die T�r, um seinen Gedanken in die Tat umzusetzen und Pedro Virgen </style><style name="font2">aufzusuchen. Als er auf den Gang trat, stie� er fast mit Guillermo zusammen.</style></p><p><style name="font2">Er mu�te sich Zwang antun, damit er diesem Burschen nicht den Degen durch den Bauch rannte.</style></p><p><style name="font2">Stets war dieses widerliche Subjekt zugegen.</style></p><p><style name="font2">Guillermo gr��te h�flich und schlenderte weiter.</style></p><p><style name="font2">Die Gr�fin hatte ihn bald nach der Meuterei zum Zweiten Offizier gemacht, obwohl er nicht einmal die Umgangsformen eines Landsknechts besa�. Das Schlimmste war, da� Guillermos Einflu� auf dem Schiff weit gr��er war als sein eigener. Er war ja verurteilt gewesen, </style><style name="font2">wochenlang das Bett zu h�ten, und eigentlich war er nur dem Namen nach der Erste. Er hatte so </style><style name="font2">gut wie nichts zu sagen.</style></p><p><style name="font2">Er klopfte an die Kaj�tent�r des Steuermanns.</style></p><p><style name="font2">�Herein!� erscholl es von drinnen.</style></p><p><style name="font2">Pedro Virgen sa� an seinem Kartentisch und arbeitete mit seinen Navigationsger�ten. Als er den Ersten erkannte, erhob er sich h�flich.</style></p><p><style name="font2">�Freut mich, Euch wieder einmal au�erhalb Eurer Kabine zu sehen, Don Escamillo. Was machen Eure Wunden?�</style></p><p><style name="font2">�Vielen Dank, Senor Virgen, der Schu� ist verheilt, und mein Fechttraining mit der Linken macht Fortschritte. Ich glaube, ich werde links bald besser fechten, als ich es rechts je konnte.� �Sehr gut, so werdet Ihr vielleicht einmal Gelegenheit haben, Vergeltung zu �ben an dem deutschen Arzt.�</style></p><p><style name="font2">�Das will ich meinen. Er wird eine Klinge zu kosten bekommen, die er sein ganzes Leben lang nicht mehr vergi�t.�</style></p><p><style name="font2">Der Steuermann machte ein ungl�ubiges Gesicht.</style></p><p><style name="font2">�Ihr verge�t, da� der Kerl weit weg ist. Werdet Ihr ihn �berhaupt je wiederfinden?� �Das wei� der Teufel. Aber die Hoffnung hege ich jedenfalls�, � er schlo� die T�r und fuhr in leiserem Ton fort � �glaubt Ihr vielleicht, da� ich der einzige bin, der ihm noch einmal begegnen m�chte?�</style></p><p><style name="font2">Virgen sah mi�trauisch auf die T�r. Seine Augen flackerten unruhig. �Ihr denkt an die Gr�fin?� fragte er ebenso leise zur�ck.</style></p><p><style name="font2">�An wen sonst? Ein Blinder f�hlt doch, da� sie ihn gl�hend liebt. Ja, ich behaupte sogar, da� sie das ganze Schiff nur an sich gebracht hat, um ihn in ihre Gewalt zu bekommen. Sie ist sicherlich ein bi�chen �� er vollendete den Satz nicht, sondern deutete mit dem Zeigefinger auf seine Stirn.</style></p><p><style name="font2">�Um Gottes willen, Don Escamillo, la�t das niemanden h�ren! In meiner Gegenwart sprecht bitte solche Gedanken nicht mehr aus.� Escamillo lie� ein ver�chtliches �Pah� h�ren.</style></p><p><style name="font2">�Wollen wir eine Flasche Wein trinken, Don Escamillo? Wein ist gut. Ich habe meinen Oberschenkelschu� sehr schnell damit geheilt. Bei Euch hat das ziemlich lange gedauert. Habt Ihr denn nicht gen�gend Sorgfalt auf die Behandlung verwendet?�</style></p><p><style name="font2">Escamillo wunderte sich zuerst, da� der Steuermann wieder auf das Thema der Verwundung zu </style><style name="font2">sprechen kam, das er l�ngst abgetan wissen wollte. Aber dann ging ihm ein Licht auf. Der </style><style name="font2">Andere wollte bei unverf�nglichen Dingen bleiben; denn sicherlich hatte er Angst, da� ihm die </style><style name="font2">Zunge durchgehen k�nnte.</style></p><p><style name="font2">Feigling! dachte Escamillo.</style></p><p><style name="font2">Inzwischen hatte Senor Virgen zwei Gl�ser gef�llt.</style></p><p><style name="font2">�Ein guter Castillano.� Er hob das Glas und schmunzelte. �Er wird Euch munden.� Escamillo stie� mit ihm an.</style></p><p><style name="font2">�Auf da� bald wieder der rechte Herr am rechten Ort befiehlt!�</style></p><p><style name="font2">Virgen lachte mit sichtlicher Verlegenheit. Er wollte sein Gegen�ber durchaus nicht verstehen. Escamillo trank den schweren Wein in durstigen Z�gen. Man sprach eine Zeitlang �ber Belanglosigkeiten. Die Zunge des Ersten wurde lockerer.</style></p><p><style name="font2">�H�rt, Virgen�, sagte er auf einmal und schlug mit der Faust auf den Tisch, da� die Gl�ser tanzten, �ein offenes Wort. Ich kann das Regiment von Weibern nicht ertragen. Sie mu� weg!�</style></p><p><style name="font2">Virgen sprang erschrocken auf.</style></p><p><style name="font2">�Schweigt!� fl�sterte er eindringlich. �Ich will solche Worte nicht h�ren!� �Ach was!� schrie Escamillo, den der Teufel ritt. �Ich werde doch wohl noch meine Meinung sagen d�rfen! Meint Ihr, ich habe Lust, mich von einer Frau herumkommandieren zu lassen? Ich werde sie bei n�chster Gelegenheit anzeigen. Das Ehrengericht wird sie verurteilen, und Capitan Porquez wird sein Schiff wiederbekommen.�</style></p><p><style name="font2">�Unsinn�, sagte Virgen, �wer wei�, wo der sich jetzt aufh�lt. Vielleicht hat er schon Anzeige in Spanien erstattet. Bedenkt immer, da� wir, solange er hier war, nicht zu den gew�hnlichen Piraten z�hlten, sondern einen K�niglichen Kaperbrief hatten.�</style></p><p><style name="font2">�Eben darum! Ich lasse mich nicht von einer Hexe, auch wenn sie noch so h�bsch ist, zum Seer�uber machen, nur damit sie Kleider aus Paris tragen kann. Aber mit der Mannschaft kann ich nicht reden. Mich kann niemand leiden. Ich dachte darum, da� Ihr der Richtige daf�r w�rt.� �Heilige Maria, Ihr m��t schon geh�rig betrunken sein, da� Ihr solches Ansinnen an mich stellt! Nein, Don Escamillo, das schlagt Euch aus dem Kopf! Ich eigne mich nicht zum Aufr�hrer.� �Alle Teufel! Ihr seid doch ein Mann, Virgen! Ohne Euch ist das Schiff doch praktisch verloren; denn wer k�nnte es steuern au�er Euch?!� �Dona Marina�, sagte der Steuermann einfach.</style></p><p><style name="font2">�Waaaaas?� lachte der Trunkene dr�hnend auf. �Wo soll sie das gelernt haben?� �Bei mir.�</style></p><p><style name="font2">�Bei � � Euch? � Wann denn?�</style></p><p><style name="font2">�W�hrend der Wochen, in denen Ihr im Bett lagt. Sie hat eine sehr rasche Auffassungsgabe. Sie ist bereits fast ein perfekter Capitan.� Escamillo sah br�tend vor sich auf den Boden.</style></p><p><style name="font2">�Ihr habt diese Hexe in die �Religion des Seemanns� eingeweiht? Pfui Teufel! Ich betrachte Euch als Verr�ter, Senor Virgen. Ihr seid ein feiger Hund!�</style></p><p><style name="font2">Virgen zuckte nur die Achseln und erwiderte nichts. Er war beileibe kein Held. Derartige Eigenschaften verlangte nicht einmal Marina von ihm. Sein K�nnen lag auf navigatorischem Gebiet. Und hier leistete er Erstaunliches.</style></p><p><style name="font2">Escamillo stand unvermittelt auf und wankte gru�los aus der Kabine.</style></p><p><style name="font2">�Interessant, interessant�, l�chelte Marina und spielte mit einem venezianischen Dolch, �anzeigen will er mich also. Und Virgen sollte die Mannschaft aufhetzen, sagst du, Guillermo?� �Si, Dona Marina�, nickte der Zweite Offizier, der der Gr�fin in ihrer Kabine gegen�ber sa�. �Und hat sich Virgen geweigert?�</style></p><p><style name="font2">�Si, si. Er hat sich sogar einen Feigling schimpfen lassen, ohne blank zu ziehen.�</style></p><p><style name="font2">�Ein Gl�ck f�r uns, da� der gute Steuermann nicht so tapfer ist wie dein Kollege, Guillermo�,</style></p><p><style name="font2">meinte Marina belustigt. Dann wurde sie pl�tzlich ernst. �Virgen wird uns nichts tun. Er wird </style><style name="font2">nichts gegen mich unternehmen. Escamillo hatte recht, als er ihn einen Feigling nannte. Vergi� </style><style name="font2">auch nicht, da� wir ihn brauchen. Ich habe schlie�lich Wichtigeres zu tun, als mich den ganzen </style><style name="font2">Tag um die Errechnung des Kurses zu k�mmern.�</style></p><p><style name="font2">Guillermo kniff die Augen zusammen und blinzelte seine Herrin listig an.</style></p><p><style name="font2">�Stellt Euch vor, eine Bramstange fiele ihm zuf�llig auf den Kopf. Meint Ihr wohl, da� sein </style><style name="font2">Sch�del das aushalten w�rde?�</style></p><p><style name="font2">�Einen dicken Kopf hat er auf alle F�lle�, meinte Marina gut gelaunt. �Doch nicht dick genug, um solche Gewichte auszuhalten, nicht wahr?� Marina nickte bed�chtig.</style></p><p><style name="font2">�Man k�nnte fast vor dir Angst bekommen, Guillermo.� �Wer Euch nicht treu ist, soll Angst haben, Senorita Capitan.�</style></p><p><style name="font2">�Also gut, Wir wollen das im Auge behalten. La� dir vorl�ufig nichts anmerken. Ich gebe dir einen Wink, wenn es so weit ist.� �Wann ist das?�</style></p><p><style name="font2">�Wenn ich es f�r richtig halte. Frage nicht. Du mu�t dir �berhaupt das Fragen abgew�hnen, wenn ich dir vertrauen soll.�</style></p><p><style name="font2">Guillermo senkte den Kopf und sackte wie ein geschlagener Hund in sich zusammen. Marina hielt es f�r gut, ihm eine Sekunde lang ihre Hand auf den Arm zu legen. Die Ber�hrung sprang auf ihn �ber wie ein elektrischer Funke. Er h�tte die ganze Mannschaft umgebracht, wenn sie es verlangt h�tte.</style></p><p><style name="font2">Marina verstand es, virtuos auf ihren Instrumenten zu spielen.</style></p><p><style name="font2">Die Nacht verstrich, wie die meisten N�chte bisher verstrichen waren, ruhig und trotz der fr�hen Jahreszeit verh�ltnism��ig warm. Als der Morgen graute, befand sich die �Trueno� auf einer Position von etwa 38 Grad n�rdlicher Breite und 51 Grad westlicher L�nge. Sie segelte also am Rand einer st�ndigen Weststr�mung.</style></p><p><style name="font2">Die Korsaren lagen noch in ihren Kojen und schnarchten, als pl�tzlich der Ruf �Schiff in Sicht� ihrem behaglichen Schlummer ein pl�tzliches Ende bereitete.</style></p><p><style name="font2">Hastig schnallten sie die Enters�bel um und st�rmten an Deck. Vielleicht gab es neue Beute. Von der Reling aus versuchten sie vergebens, mit blo�en Augen den morgendlichen Dunst zu durchdringen.</style></p><p><style name="font2">Da kam abermals der Ruf vom Ausguck:</style></p><p><style name="font2">�Schiff hat britische Handelsflagge gesetzt. Kann keine Kanonen oder Schie�scharten an Bord erkennen. Wahrscheinlich Kauffahrteifahrer.�</style></p><p><style name="font2">Es durchlief die beutel�sternen Piraten wie ein elektrischer Strom. Wo blieb die Kapit�nin so lange? Warum kam kein Zeichen zum Angriff?</style></p><p><style name="font2">Marina hatte eine schwere Nacht gehabt. D�stere Traumgesichter hatten Blei in ihre Glieder gegossen.</style></p><p><style name="font2">Von dem L�rm, der sich inzwischen erhoben hatte, erwachte auch sie. Rasch kleidete sie sich an. Diesmal trug sie kein Kleid, sondern Piratenhemd, Hose und Stiefel. Mit ihrer zarten Hand umfa�te sie fest den Knauf eines zierlichen Degens. Wenige Minuten sp�ter stand sie auf der Kommandobr�cke. Guillermo war schon da. Aber Don Escamillo fehlte noch. Da tauchte auch das Schiff, f�r alle sichtbar aus dem Nebel auf.</style></p><p><style name="font2">Als Marina zum Glas griff, erkannte sie, da� dr�ben an Bord friedliches Treiben herrschte. Man </style><style name="font2">dachte offenbar an nichts B�ses.</style></p><p><style name="font2">�Setzt unsere Flagge!� rief sie durch das Sprechrohr.</style></p><p><style name="font2">Die Samtflagge mit den zwei H�nden stieg am Hauptmast empor.</style></p><p><style name="font2">Noch immer suchten Marinas Blicke das fremde Schiff ab. Dort setzte pl�tzlich ein emsiges Treiben ein. Mehrere Damen, die sich an Bord befanden, fl�chteten mit �ngstlichen Gesten unter Deck. Das Aussehen des Frachters ver�nderte sich schlagartig. Planen wurden von irgendwelchen Gegenst�nden entfernt, die sich als Kanonen entpuppten, allerdings recht untauglichen Gesch�tzen; denn sie waren nicht einmal fest aufmontiert. Es schien sich um gew�hnliche Feldschlangen zu handeln, die man wahrscheinlich nur zum Einsatz im Notfall vorgesehen hatte.</style></p><p><style name="font2">Die Besatzung stand, sofern sie nicht anders ben�tigt wurde, an der Reling und hielt Gewehre im Anschlag. Man hatte sich also vermutlich zu einer ernsthaften Verteidigung entschlossen. �Gesch�tze klar!� befahl Marina. �Ruder sechs Strich Steuerbord!� Die �Trueno� machte eine elegante Wendung und fuhr nun mit dem Bug direkt auf den Kauffahrer zu, der ihm die ganze Breitseite darbot.</style></p><p><style name="font2">�Warnschu� vor den Bug!� kam ein weiterer Befehl von der Kommandobr�cke. �Feuer!� Die Kugel fiel wenige Meter vor dem Schoner klatschend ins Wasser. Aber es zeigte sich keine Reaktion.</style></p><p><style name="font2">Marina lie� signalisieren:</style></p><p><style name="font2">�Streicht die Flagge! � Bleibt auf Kurs!�</style></p><p><style name="font2">Keine Antwort. Weder wurde die Flagge gestrichen, noch blieb der Gegner auf seiner Position. Man hatte vielmehr den Eindruck, da� er nach Osten zu entkommen versuchte; denn er hatte alle Segel gesetzt. Die �Trueno� folgte.</style></p><p><style name="font2">Der andere schien nach einer Weile einzusehen, da� es kein Entkommen gab. Er drehte pl�tzlich bei, und Sekunden sp�ter krachten seine Kanonen. Die Geschosse lagen zu kurz.�Buggesch�tze � Feuer!� rief die Gr�fin mit leuchtenden Augen. Jetzt war es so weit. Irgendwie hatte sie noch gehofft, die Sache w�rde ohne Kampf abgehen. Die Passagiere interessierten sie nicht. Die Piraten hatten es nur auf die Ladung und auf das Eigentum der Seeleute und Fahrg�ste abgesehen. Nun, wenn man sich dort dr�ben diese Dinge nicht friedlich nehmen lassen wollte, so bestand auch keine Veranlassung, schonend mit den Menschen umzugehen. Das war Piratenbrauch.</style></p><p><style name="font2">Die Kugeln der �Trueno� rissen einige Segel nieder.</style></p><p><style name="font2">�Haltet direkt auf Deck. Aber schie�t das Schiff nicht leck, sonst haben wir das Nachsehen. Feuer!�</style></p><p><style name="font2">Jetzt hatten auch die dr�ben ihre Gesch�tze wieder geladen. Aber entweder hatten sie schlechte Kanoniere oder schlechtes Pulver. Kein einziger Schu� traf den Piraten. Au�erdem waren die Leute auf dem Kauffahrer �berrascht, als sie sahen, da� der Pirat mit soviel Gesch�tzen vom Bug her scho� und ihnen nicht die Breitseite bot.</style></p><p><style name="font2">Bug- und Heckgesch�tze kannte man in diesen Zeiten noch kaum. Die ballistischen Wissenschaftler lehnten diese Montierung f�r die Schiffsartillerie ab, weil sie der Meinung waren, da� man in voller Fahrt niemals mit Sicherheit ein Ziel anpeilen k�nnte. Auch der Fachmann kann sich irren. Die Piraten hatten �bung, mehr �bung als die meisten Schiffsartilleristen der verschiedenen christlichen Flotteneinheiten. Sie schossen in und aus jeder Position und � trafen.</style></p><p><style name="font2">Auf dem Kauffahrteischiff wirbelten die Aufbauten splitternd auseinander.</style></p><p><style name="font2">Die �Trueno� war jetzt dicht heran, m einem engen Bogen setzte sie sich neben den </style><style name="font2">Angegriffenen.</style></p><p><style name="font2">�Enterbr�cken hin�ber!�</style></p><p><style name="font2">Die Piraten warfen mit Haken versehene Stricke und Strickleitern �ber die kurze Distanz, wo sich die Enterhaken im Tauwerk, an der Reling oder in den Spillen verfingen. Unter Geschrei und rhythmischem Johlen zogen sie den Schoner immer n�her, bis er Bord an Bord mit der �Trueno� lag.</style></p><p><style name="font2">An langen Seilen h�ngend schwangen sich die ersten Angreifer hin�ber, den Enters�bel in der Faust, das Messer zwischen den Z�hnen.</style></p><p><style name="font2">�He!� rief einer der ersten seinem Kameraden zu, der neben ihm das Seil gepackt hielt. �He, Hernan, dort stehen die Gegner am dichtesten. Da will ich hin!� Hernan nickte eifrig und schrie zur�ck:</style></p><p><style name="font2">�Ich auch, hombre, das ist eine Gelegenheit, sich mal ein wenig zerhacken zu lassen!� �Muy bien, nur aufpassen m�ssen wir, da� sie uns nicht g�nzlich totschlagen. Sonst haben wir von unseren Verwundungen nichts mehr!�</style></p><p><style name="font2">�Trotzdem, eine einigerma�en tiefe Schmarre m�ssen wir uns schon holen, sonst verbindet uns unsere Senorita nicht selbst!�</style></p><p><style name="font2">�Por diablo!� schrie der andere begeistert, �wie lange hab ich auf eine solche Gelegenheit gewartet!�</style></p><p><style name="font2">Sie stie�en sich ab. In hohem Bogen sausten sie mitten in eine Ansammlung von Seeleuten </style><style name="font2">hinein und blieben verbl�fft stehen.</style></p><p><style name="font2">Niemand machte Anstalten, sich zu verteidigen.</style></p><p><style name="font2">Best�rzt sahen sich die beiden an, denen eine Verwundung als herrlichster Genu� auf Erden erschienen war. �berall standen die Matrosen des gekaperten Schiffes mit gesenkten Waffen und dachten nicht an Gegenwehr.Die Spanier fluchten. �So verteidigt euch doch, ihr feigen Hunde!� Nichts.</style></p><p><style name="font2">�He! H�rt ihr nicht? Sollen wir euch ohne Gegenwehr abschlachten?�</style></p><p><style name="font2">Hernan kamen fast die Tr�nen �ber dieses Mi�geschick. Da konnte er sich auf einmal nicht mehr beherrschen. Er hob den S�bel und drang auf den ihm am n�chsten Stehenden ein. Diesem blieb nat�rlich nun keine andere Wahl, als sich zu verteidigen.</style></p><p><style name="font2">�Adelante!� feuerte ihn Hernan an; denn der Engl�nder schien nicht die geringste Neigung zu versp�ren, seinerseits zum Angriff vorzugehen. Er wehrte lediglich mit geschickten Paraden ab, ohne seinen Gegner zu verletzen. Bei Gott, der lange, blonde Kerl mu�te das Fechten schon in der Wiege gelernt haben.</style></p><p><style name="font2">Ein paar schrille Signalpfiffe t�nten an Hernans Ohren. Das hie� soviel wie �Kampf einstellen�. �Maldito!� fluchte der Pirat, machte einen Schritt r�ckw�rts, stolperte �ber eine Plante und fiel seinem Genossen direkt in den S�bel, der ihm tief in den rechten Oberarm drang. Hernan war f�r einige Sekunden erstarrt �ber das unerwartete Gl�ck. �Punte!� jauchzte er. �Jetzt hab ich, was ich wollte!�</style></p><p><style name="font2">Punte verzog das Gesicht. Blanker Neid stand ihm in den Augen geschrieben. �Und ich geh leer aus. Hau mir ins Bein, Hernan!�</style></p><p><style name="font2">Man warf einen scheuen Blick um sich und �berzeugte sich, da� niemand zusah au�er dem langen, blonden Engl�nder, der sich so meisterhaft verteidigt hatte. Hernan schlug zu, und Punte konnte einen Ausruf</style></p><p><style name="font2">des Schmerzes nicht unterdr�cken. Eine tiefe Schlagwunde klaffte in seinem Oberschenkel. Das Blut scho� wie ein Springbrunnen empor.</style></p><p><style name="font2">Der Engl�nder machte den Mund auf und verga�, ihn wieder zu schlie�en.</style></p><p><style name="font2">�The deuce, I've never seen happen somethin' like that � zum Teufel, sowas ist mir denn doch </style><style name="font2">noch nicht vorgekommen�, murmelte er verbl�fft.</style></p><p><style name="font2">�Que hay?� fragte Hernan, der die englischen Worte nicht verstanden hatte.</style></p><p><style name="font2">Der Lange zuckte die Schultern und grinste.</style></p><p><style name="font2">Hernan trat dicht an ihn heran und zischte in spanischer Sprache:</style></p><p><style name="font2">�Da� du das Maul h�ltst, Bursche, verstanden?�</style></p><p><style name="font2">Schulterzucken.</style></p><p><style name="font2">�Maul sollst du halten�. Hernan pre�te sich den linken Zeigefinger auf den Mund. �Maul-- </style><style name="font2">Mund--Schnauze--Schnau--�.</style></p><p><style name="font2">Unvermittelt sank er auf die Planken nieder. Der Blutverlust hatte ihn ohnm�chtig werden lassen. Auch Punte fiel st�hnend um, wahrscheinlich aus dem gleichen Grunde.</style></p><p><style name="font2">Marina stand vor dem Kapit�n, dessen Lippen vor Angst bebten, und verhandelte mit ihm �ber die Herausgabe der Ladung, die � zum allgemeinen Jubel der eigenen Leute � aus hochwertigen Waffen bestand, die dieser Kauffahrteifahrer an Lord Howes Kolonialarmee zu liefern hatte. Man hatte dieses Schiff ausgesucht, um den Waffentransport m�glichst unauff�llig zu bewerkstelligen.</style></p><p><style name="font2">�Ich habe Weiber an Bord gesehen�, sagte Marina, �was haben die an Kostbarkeiten zu bieten?� �Oh, nicht viel, Madam. Zwei von ihnen sind Amerikanerinnen, die nach Washington wollen. Sie haben nur das Notwendigste bei sich. Dann ist da allerdings noch die Braut von dem jungen Mr. Hawbury, die ihren Verlobten dr�ben in den Kolonien heiraten will.� �Ah, Mr. Hawbury wohnt in Amerika und erwartet sie? Dann wird er ein gutes L�segeld zahlen. Wir werden uns die Dame n�her betrachten.�</style></p><p><style name="font2">�No, Madame,� der Kapit�n sch�ttelte eifrig den Kopf. �Mr. Hawbury befindet sich ebenfalls an Bord. Er erwartet sie keineswegs. Mr. Hawbury ist der j�ngste Sohn von Lord Hawbury. Soviel ich wei�, ist er von dieser Heirat nicht sehr entz�ckt. Well, er ist wahrscheinlich ein Taugenichts, dem sein Vater sein Erbteil ausgezahlt und den er in die Neue Welt geschickt hat, damit er dort seine reiche Braut, die ihn von England abholte, ehelichen soll. Ihr m��t wissen, die Dame ist sehr resolut und hat dem alten Lord versprochen, aus seinem Sohn einen Gentleman zu machen.�</style></p><p><style name="font2">�Haltet ein�, lachte Marina. �Jetzt zeigt mir das Paar. Sowas mu� man gesehen haben.� Sie �bersetzte den umstehenden Piraten, was sie vom Kapit�n geh�rt hatte. Ein schallendes Gel�chter war die Antwort.</style></p><p><style name="font2">In diesem Augenblick st�rzte ein baumlanger, blonder, junger Mann heran und hielt zwei </style><style name="font2">bewu�tlose Menschen beim Kragen, die entsetzlich bluteten.</style></p><p><style name="font2">�Punte! � Hernan!�, schrie Marina w�tend. �Zum Teufel, wer hat das getan?�</style></p><p><style name="font2">Sie wandte sich fragend an den Kapit�n, der vor Schreck erbleichte; denn er hatte, als er die </style><style name="font2">Aussichtslosigkeit eines Kampfes erkannte, den strengen Befehl gegeben, den Angreifenden </style><style name="font2">keinen Widerstand entgegenzusetzen.</style></p><p><style name="font2">Marina hatte nat�rlich englisch gesprochen.</style></p><p><style name="font2">Der lange Engl�nder erkl�rte hastig die Zusammenh�nge.</style></p><p><style name="font2">�Seid versichert, Madam, ich habe keinem ein Haar gekr�mmt, obwohl es mir ein Leichtes </style><style name="font2">gewesen w�re. Der Kapit�n hatte es ausdr�cklich verboten. So wehrte ich nur ab. Dann aber </style><style name="font2">verwundeten sich die beiden gegenseitig. Ich hatte fast den Eindruck, da� sie entt�uscht waren, </style><style name="font2">ohne Verletzung aus diesem Kampf hervorzugehen.�</style></p><p><style name="font2">Marina blickte den Langen mit zusammengekniffenen Augen an.</style></p><p><style name="font2">Die Korsaren fragten:</style></p><p><style name="font2">�Was sagt er, Senorita Capitan?�</style></p><p><style name="font2">Marina erfa�te die Zusammenh�nge nicht recht und �bersetzte.</style></p><p><style name="font2">Wenn sie erwartet hatte, da� wiederum ein Gel�chter aufklingen w�rde oder da� man sich auf den Engl�nder gest�rzt h�tte, weil man ihm nicht glaubte, so sah sie sich entt�uscht. Ringsum herrschte betretenes Schweigen. Die Blicke der meisten Piraten waren zu Boden gerichtet. �Was habt ihr?� fragte sie erstaunt. Keine Antwort.</style></p><p><style name="font2">�Maldito, glaubt ihr vielleicht, was dieser Engl�nder da erz�hlt?�</style></p><p><style name="font2">Ein verlegenes Nicken versetzte sie noch mehr in Erstaunen.Die meisten der Umstehenden mochten sich wohl im Augenblick fragen, weshalb sie nicht ebenfalls auf diesen ausgezeichneten Gedanken gekommen sind.</style></p><p><style name="font2">�He, Guillermo, kannst du mir nicht erkl�ren, was in unsere Leute gefahren ist?�</style></p><p><style name="font2">Guillermo kratzte sich verlegen am Kopf, begann dann aber mit stockenden Worten:</style></p><p><style name="font2">��h � hm � wie soll ich das erkl�ren � diablo � ja, seht, Senorita, wer wird denn die beiden </style><style name="font2">nun verbinden und nach ihnen sehen? Wer wird sich um ihre Genesung k�mmern? Wer wird ��</style></p><p><style name="font2">�Dummes Geschw�tz�, unterbrach Marina �rgerlich, �wer wohl, wenn nicht ich selbst? Ist doch </style><style name="font2">sonst niemand da, der etwas von der Heilkunde versteht.�</style></p><p><style name="font2">Guillermo nickte erfreut. Sein verschlagenes Gesicht gl�nzte diesmal in aufrichtiger Verehrung. �Eben darum�, sagte er. �Die anderen Jungen beneiden die beiden Verletzten um diese Behandlung. Deshalb waren sie auch entt�uscht, da� kein Kampf stattfand. Derjenige, der verwundet worden w�re, h�tte das Gl�ck gehabt, in den n�chsten Wochen Eure lindernde Hand zu sp�ren. Nun, und daf�r l��t man sich gern mal eine kleine Schramme verpassen. Diese beiden haben das Problem auf ihre Weise gel�st.�</style></p><p><style name="font2">Marina war bestimmt kein Mensch, der sich leicht von tiefer R�hrung �bermannen lie�. Hier, in diesem Fall war es das erstemal seit Jahren, da� sie andere Tr�nen weinte als die der Leidenschaft. Sie h�tte es nie f�r m�glich gehalten, von einer gr��eren Gemeinschaft jemals derartig verehrt, wenn nicht gar geliebt zu werden.</style></p><p><style name="font2">Irgend etwas ri� heute in Marina. Und irgendeine Saite war in Schwingung versetzt worden, </style><style name="font2">deren Klingen sie noch niemals durch die Kruste der Gemeinheit und Verh�rtung vernommen </style><style name="font2">hatte. Doch Marina sch�ttelte die R�hrung von sich ab und sagte mit rauher Stimme:</style></p><p><style name="font2">�Gehen wir daran, die Ladung auf die �Trueno� zu schaffen. Guillermo, du f�hrst die Aufsicht.�</style></p><p><style name="font2">Escamillo hatte sich w�hrend des ganzen �berfalls nicht an Bord sehen lassen.</style></p><p><style name="font2">Die Verwundeten wurden weggebracht. Dann wandte sich die andalusische Gr�fin an den </style><style name="font2">Engl�nder.</style></p><p><style name="font2">�Wer seid Ihr?�</style></p><p><style name="font2">Der Lange verbeugte sich.</style></p><p><style name="font2">�Steve Hawbury, Mylady.�</style></p><p><style name="font2">�Ah! Ihr seid der Mann, der seine Braut in Amerika heiraten will?� Das Gesicht des sympathischen Jungen verfinsterte sich.</style></p><p><style name="font2">�Von wollen kann keine Rede sein. Ich bliebe am liebsten ledig. Ihr m��t wissen, da� mein Vater mich zu dieser Ehe zwingen will, weil � weil � nun, ich habe Vertrauen zu Euch, weil das Geld der Familie ausgegangen ist. Ich bin also praktisch dazu verurteilt, ein neues Verm�gen zu erheiraten. Au�erdem hat sich mein Vater mit einem Bruder �berwerfen, weil dieser eine B�rgerliche genommen hat, obwohl er einmal den Titel Lord erben wird. Zu allem Ungl�ck war jenes M�dchen auch noch arm.�</style></p><p><style name="font2">Die andalusische Gr�fin verzog sp�ttisch das Gesicht. Recht aufschlu�reich, was der junge Mann da in seiner Vertraulichkeit �ber die Zust�nde in manchen englischen Adelsh�usern ausplauderte.</style></p><p><style name="font2">�Wo seid Ihr zu Hause, Mr. Hawbury?�</style></p><p><style name="font2">�Well, Mylady, unser Stammsitz befindet sich in Man-ehester. Aber mein Vater ist die meiste Zeit auf Reisen. Er ist General und Mitglied des britischen Kolonialamtes. Wenige Monate, bevor ich � mit meiner Braut die Insel verlie�, bekam er Order, nach Marokko zu reisen, um mit dem Sultan Verhandlungen anzukn�pfen, wobei ihn meine Schwester begleitete.� �Eigenartig. General im Kolonialland und kein Geld. Das ist immerhin etwas merkw�rdig. Bekommt er denn kein Gehalt?�</style></p><p><style name="font2">Steve Hawbury sah zu Boden. Die Fragen dieser sch�nen Spanierin verletzten seinen britischen Stolz. Was gingen diese �Dame� schlie�lich die Familienverh�ltnisse der Hawburys an? �Well�, meinte er, �ungl�ckliche Manipulationen um einige Goldminenaktionen waren der Grund f�r die riesigen Verluste. Ihr werdet es mir nicht ver�beln, wenn ich �ber Einzelheiten schweige?�</style></p><p><style name="font2">Marina nickte. Nachdenklich blickte sie ihn an. �F�hrt mir Eure Braut vor, Mr. Hawbury.�</style></p><p><style name="font2">Steve strich sich das Kinn. Er versuchte auszuweichen. Sie merkte, da� er etwas sagen wollte, aber nicht den Mut zu einem offenen Wort fand. �Was habt Ihr noch?� ermunterte sie ihn.</style></p><p><style name="font2">�Eine gro�e Bitte, Mylady. Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, da� Ihr zumindest gro�en Einflu� auf diesem � diesem � hm � Seer�uberschiff habt? Well, die schwarze Fahne verr�t mir, da� es sich um die �Trueno� handelt. Seid Ihr eine Vertraute der Kapit�nin? Die �Trueno�, so sagt man wenigstens, wird von einer Frau befehligt, nicht wahr?�</style></p><p><style name="font2">�Ganz recht�, meinte Marina trocken, �und diese Frau bin ich.� Sie machte eine leicht ironische Verbeugung. �Gr�fin Marina de Andalusia. Ihr k�nnt Euch </style><style name="font2">r�hmen, mit dieser gef�hrlichen Frau gesprochen zu haben. Ihr k�nnt dar�ber erz�hlen � falls Ihr. mit dem Leben davonkommt.� Steve Hawbury war kein Feigling.</style></p><p><style name="font2">�Mein Leben ist so und so nicht viel wert, wenn ich mich verkaufen mu�. Ihr m��t wissen, da� meine Braut ein paar Jahre �lter ist. Es ist mir gleichg�ltig, ob ich hier ermordet werde oder nicht.�</style></p><p><style name="font2">�Ermordet ist ein hartes Wort, Mr. Hawbury. Nun, ich werde es mir �berlegen. Geht jetzt hin�ber auf die �Trueno� und wartet dort auf mich. � Guillermo!� rief sie ihren Zweiten Offizier, �bring diesen Mann in meine Kabine!�</style></p><p><style name="font2">Marina durchstreifte jetzt das Kauffahrteischiff vom Deck bis zum Kielraum. Sie begutachtete alle Gegenst�nde, die sich an Bord befanden. S�mtliche Waffen wurden mitgenommen. Mit dieser Ladung war ein sch�nes St�ck Geld zu verdienen, wenn man sie an Washington verkaufte.</style></p><p><style name="font2">Als Marina auf ihrem Streifzug durch das Kabinendeck ging, h�rte sie hinter einer T�r kreischende Stimmen. Dazwischen eine tiefere, beruhigende, die des Kapit�ns. Schadenfreude huschte �ber das Gesicht der Gr�fin. Sie zog den Degen aus der Scheide, ri� die T�r mit einem Ruck auf und schrie mit durchdringender Stimme: �H�nde hoch!�</style></p><p><style name="font2">Es war ein kurioser Anblick, diese Damen in der ungewohnten und unbequemen Haltung. Der Kapit�n stand ein wenig unruhig zwischen ihnen.</style></p><p><style name="font2">�Ihr k�nnt an Deck gehen, Kapit�n�, wandte sich die Korsarin an ihn. �Ihr werdet oben gehenkt.</style></p><p><style name="font2">Die Weiber werde ich hier an Ort und Stelle erstechen.�</style></p><p><style name="font2">Der Kapit�n ging und lie� seine Passagiere schweren Herzens allein.</style></p><p><style name="font2">Die Damen waren leichenbla� geworden. Eine von ihnen sank pl�tzlich auf die Knie und flehte:</style></p><p><style name="font2">�Bitte, la�t uns unser Leben, Madam! Nehmt allen Schmuck, den Ihr findet, aber schont uns.�</style></p><p><style name="font2">�Wie hei�t Ihr?� fragte Marina die Kniende grob.</style></p><p><style name="font2">�Nataly Esther Wallbrook.�</style></p><p><style name="font2">Die Gr�fin l�chelte zynisch.</style></p><p><style name="font2">�Wie alt seid Ihr, Nataly?�</style></p><p><style name="font2">�Vierzig, Euer Gnaden. Ich bin eine alte Frau, wie Ihr seht. La�t mich eines nat�rlichen Todes sterben.�</style></p><p><style name="font2">�Habt Ihr einen Mann?� Das �ltliche Fr�ulein err�tete.</style></p><p><style name="font2">�Noch nicht�, hauchte sie, �aber wenn ich heil zur�ckkomme, werde ich heiraten. Ich bin verlobt, m��t Ihr wissen.�</style></p><p><style name="font2">�Mein Gott�, lachte Marina, �Euer Verlobter mu� einen Geschmack haben, der abscheulich ist. Ihr seid h��licher als mein h��lichster Pirat.�</style></p><p><style name="font2">Eine solche Schm�hung konnte eine Frau selbst in der bedrohlichsten Lage nicht �ber sich ergehen lassen. Nataly Esther Wallbrook fuhr aus ihrer knienden Stellung auf. Sie war hochrot im Gesicht.</style></p><p><style name="font2">�Du bist frech, Seer�uberweib! Ich werde dir die roten Haare einzeln ausrei�en, du Bestie!�</style></p><p><style name="font2">Sie st�rzte sich auf die Gr�fin. Ihre Augen funkelten vor Wut.</style></p><p><style name="font2">Marina freute sich: endlich einmal etwas anderes.</style></p><p><style name="font2">Sie hob ihren Degen und setzte ihn der Erschrockenen auf die Brust.</style></p><p><style name="font2">�H�re, du Verr�ckte!� sagte sie kalt. �Wenn du so weiter tobst, dann schneide ich dein Kleid entzwei � das Kleid ist �brigens das Sch�nste an dir � ich werde dir das Mieder durchritzen bis auf die Haut, um meinen Piraten vorzuf�hren, wie h��lich Frauen sein k�nnen!� Die Geschm�hte schrie in ohnm�chtiger Wut auf. Marina fuhr fort.</style></p><p><style name="font2">�Du kannst dich aber loskaufen. Gib mir deinen Schmuck und alles Geld, das du bei dir hast. Dann kann ich meinen Leuten den widerw�rtigen Anblick ersparen.�</style></p><p><style name="font2">Marina senkte den Degen und ging schrittweise gegen das verlobte Fr�ulein vor.</style></p><p><style name="font2">�Los, gib her, was ich verlangte!� zischte sie pl�tzlich.</style></p><p><style name="font2">Nataly hatte doch nicht so starke Nerven, um diesem Befehl zu widerstehen.</style></p><p><style name="font2">Hastig rannte sie zu ihrem Koffer, ri� ihn auf und w�hlte in den Kleidungsst�cken herum, bis sie </style><style name="font2">tief am Boden eine Kassette gefunden hatte. Sie nahm einen Schl�ssel, um das eiserne Unget�m </style><style name="font2">zu �ffnen. Aber da war Marina mit zwei Schritten neben ihr, ri� ihr die Kassette unge�ffnet aus </style><style name="font2">der Hand, nahm auch den Schl�ssel an sich und verlie� lachend wieder die Kabine.</style></p><p><style name="font2">Die beiden anderen Amerikanerinnen atmeten auf. Nataly Esther aber tobte in ohnm�chtiger </style><style name="font2">Wut.</style></p><p><style name="font2">Als Marina ihre eigene Kabine betreten hatte, stellte sie die erbeutete Kassette vor Hawbury auf den Tisch.</style></p><p><style name="font2">�Hier, Freund, die Mitgift Eurer Verlobten, �ffnet. Bin selbst gespannt, was ich da gebracht habe.�</style></p><p><style name="font2">Steve steckte z�gernd den Schl�ssel ins Loch und drehte ihn um.Sie waren beide �berrascht. Das war weit mehr, als man in den k�hnsten Tr�umen erwartet h�tte.</style></p><p><style name="font2">Da lagen Anteilscheine an einem kleinen Eisenwerk aus einem der dreizehn Staaten, die jetzt um ihre Unabh�ngigkeit k�mpften. Das Unternehmen hatte sicher eine Zukunft. Gold und Silber war nicht viel darin. Aber Diamanten, einer wertvoller und sch�ner als der andere. �Da habe ich Euch ein kleines Verm�gen erobert, Mr. Hawbury. Wie kann so eine alte Hexe so viel Geld besitzen?�</style></p><p><style name="font2">�Well�, sagte Steve verlegen, �ich bin kein Dieb, Mylady; ich m�chte nichts von diesen Dingen. Nein, ich bin schon froh, wenn Ihr mich nicht wieder mit Nataly auf ein Schiff zusammensperrt.� Marina betrachtete ihn nachdenklich, schlo� die Kassette und stellte sie in ihr eigenes Fach. Sie kannte keine Skrupel.</style></p><p><style name="font2">�Hm�, meinte sie, �einen Piraten werde ich schwerlich aus Euch machen k�nnen. Nun, wenn Ihr wollt, k�nnt Ihr auf meinem Schiff bleiben, bis wir in die N�he irgendeines europ�ischen Hafens kommen. Dort werde ich Euch absetzen. Das kann zwar noch eine Weile dauern. Aber inzwischen k�nnt Ihr Eure Weiterfahrt als Sommerreise betrachten.�</style></p><p><style name="font2">Steve bedankte sich bei Marina. Es bedr�ckte ihn zwar, da� er vielleicht monatelang auf einem Piratenschiff zu Gast sein sollte; aber es h�tte ihn mehr bedr�ckt, der Ehemann jener flachbusigen, �ltlichen Nataly Esther Wallbrook zu werden.</style></p><p><style name="font2">Ohne da� man ein Klopfen geh�rt hatte, �ffnete sich jetzt die T�r. Im Rahmen stand Don </style><style name="font2">Escamillo de Fuentes.</style></p><p><style name="font2">Er machte eine h�fliche Verbeugung.</style></p><p><style name="font2">�Was wollt Ihr?� fragte Marina unfreundlich.</style></p><p><style name="font2">Don Escamillo zeigte sein liebensw�rdigstes L�cheln.</style></p><p><style name="font2">�Ich m�chte Euch bitten, den f�nften Teil der Beute zu meiner Verf�gung zu halten. Ich habe Anweisung gegeben, Kurs nach Spanien zu nehmen, um dem K�nig seinen Teil auszuzahlen.� Marina fuhr auf.</style></p><p><style name="font2">�Ihr habt Anweisungen gegeben? Ihr �? Woher leitet Ihr die Berechtigung dazu ab? Ihr seid unversch�mt, Senor.�</style></p><p><style name="font2">�Die �Trueno� ist ein k�niglich beglaubigtes Kaperschiff und kein Privatkorsar. Ich f�hle mich verpflichtet, hier die Stelle des Kapit�ns einzunehmen, nachdem Senor Porquez von Euch leider gewaltsam daran gehindert wurde.�</style></p><p><style name="font2">Marina kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. Sie ging immer n�her auf den Mann </style><style name="font2">zu, der ihr mit l�chelnder Miene solche Ungeheuerlichkeiten ins Gesicht schleuderte.</style></p><p><style name="font2">�Ihr seid nicht klar bei Verstand, Senor�, sagte sie leise und eindringlich. �Geht in Eure Kabine.</style></p><p><style name="font2">Ich kann Verr�ckte in meiner N�he nicht ausstehen. Ihr seid abgel�st als Erster Offizier, </style><style name="font2">verstanden?�</style></p><p><style name="font2">Escamillo wich keinen Schritt zur Seite.</style></p><p><style name="font2">�Oh, sch�nste Gr�fin, was das anbelangt, so seid ganz sicher, da� ich nicht abgel�st bin, sondern da� hier in Zukunft meine Befehle gelten.�</style></p><p><style name="font2">�Die Mannschaft wird Euch mit einem einzigen Lachen hinwegfegen, wenn ich Eure </style><style name="font2">Unversch�mtheiten erz�hle. Ich hoffe, Ihr kommt mit dem Leben davon.�</style></p><p><style name="font2">�Die Mannschaft wird nichts dergleichen tun; denn Ihr werdet sie gar nicht mehr zu Gesicht </style><style name="font2">bekommen. Ichwerde mein M�glichstes tun, damit jeder glaubt, Ihr seid � � �</style></p><p><style name="font2">Da sprang Marina zwei Schritte zur�ck, zog blank und drang auf den Unversch�mten ein.</style></p><p><style name="font2">Escamillo hatte wahrscheinlich damit gerechnet. Noch ehe die Gr�fin den ersten Stich ausf�hren </style><style name="font2">konnte, hatte auch er seine Waffe in der linken Faust. Metall klang auf Metall.</style></p><p><style name="font2">Die Kr�fte der sch�nen Andalusierin erlahmten bald. Einem Mann war sie doch nicht </style><style name="font2">gewachsen; und Escamillo focht gut, besser als zu jener Zeit, da er noch seine rechte Hand </style><style name="font2">besa�.</style></p><p><style name="font2">Marina wurde immer mehr in eine Ecke gedr�ngt. Ihre Bewegungsfreiheit war jetzt eingeschr�nkt, und ihre Verteidigung wurde schwach.</style></p><p><style name="font2">Escamillo hatte Steve Hawbury bisher kaum beachtet. Pl�tzlich h�rte er scharfe, englische Worte in seinem R�cken, die er zwar nicht verstand, deren drohender Ton ihm jedoch genug verriet. Er fuhr herum und sah einen blanken Degen in der Hand des Engl�nders funkeln. Da lie� er von der Frau ab.</style></p><p><style name="font2">Er hatte sich verrechnet, wenn er annahm, da� es ein Leichtes sein w�rde, diesen jungen Fant auszuschalten.</style></p><p><style name="font2">Hawbury focht wie der Teufel; seine Paraden und Finten, die er f�hrte, erinnerten Escamillo an die einstige Begegnung mit dem Silbador.</style></p><p><style name="font2">Noch ehe er sich auf den neuen Gegner eingestellt hatte, flog sein Degen klirrend durch die Luft und blieb einen Augenblick lang mit der Spitze in der Vert�felung der Wand stecken. Dann sank die Waffe langsam zu Boden.</style></p><p><style name="font2">Der Sieger setzte dem ersten Offizier seine Waffe auf die Brust und fragte Marina: �Was soll nun geschehen, Mylady?�</style></p><p><style name="font2">Marina trat heran und dr�ckte dem Ersten die Spitze ihres Degens in den R�cken. Dann meinte sie befriedigt:</style></p><p><style name="font2">�Geht vor mir her, Senor. Ich werde Euch jetzt vor die Mannschaft f�hren. Dort k�nnt Ihr Eure merkw�rdigen Ansichten vertreten.�</style></p><p><style name="font2">Escamillo verf�rbte sich. Damit hatte er nicht gerechnet. Gef�hrt vom Degen seiner Kapit�nin ging er die Treppe zum Deck hinauf.</style></p><p><style name="font2">Die Piraten, die immer noch damit besch�ftigt waren, die erbeuteten Waffen zu stapeln, hielten in der Arbeit inne. Das Kauffahrteischiff trieb in einiger Entfernung nach Osten ab, da es nicht mehr gegen die Str�mung operieren konnte. Seine Segelausr�stung war durch die Kugeln der �Trueno� stark mitgenommen. �Was ist, Senorita?� fragte Guillermo verbl�fft.</style></p><p><style name="font2">�Leute!� rief die Frau mit scharfer Stimme. �Hier bringe ich euch einen Meuterer, der mich t�ten wollte, um selbst Herr �ber das Schiff zu werden. Ihr sollt entscheiden, was mit ihm geschehen soll.�</style></p><p><style name="font2">Sie berichtete ausf�hrlich, was vorgefallen war, und benutzte die g�nstige Gelegenheit, von ihrer Rettung durch den jungen Engl�nder zu sprechen, was sofort eine freundliche Stimmung f�r diesen hervorrief.</style></p><p><style name="font2">�Aufh�ngen � auspeitschen � Kopf abschneiden!�</style></p><p><style name="font2">�Bueno, Jungens, vorerst wollen wir ihn in den Kielraum werfen. Sp�ter, wenn wir mehr Zeit haben, halten wir ein ordentliches Gericht �ber ihn.�</style></p><p><style name="font2">Escamillo wurde von starken F�usten gepackt und in Ketten gelegt. Eiskalte Schauer liefen dem Steuermann Pedro Virgen �ber den R�cken, als er von seinem Steuerhaus aus zusah. �Wie gut�, dachte er, �da� man mich nicht in Verbindung mit ihm bringt�. Marinas n�chster Gang f�hrte in die Kojen der beiden �Helden�, die sich gegenseitig verwundet hatten. F�r Selbstverst�mmelung gab es eigentlich strenge Strafen. Aber Marina dachte nicht daran, sie anzuwenden. Wenn sie es fertig brachte, s�mtliche Piraten gleichm��ig f�r sich zu entflammen, so da� diese nicht nur um Beute k�mpften, sondern, weil es �ihre Senorita� befahl, dann konnte sie mit ihnen den Teufel aus der H�lle holen, dann war die �Trueno� der sicherste Aufenthaltsort f�r die fl�chtige Gr�fin de Villaverde y Bielsa. Kein Gericht w�rde jemals imstande sein, sie zu belangen, solange sich die Mannschaft f�r sie in St�cke hauen lassen w�rde.</style></p><p><style name="font2">Hinzu kam noch, da� Marina zum erstenmal in ihrem Leben eine andere Liebe erfuhr, eine Liebe, die nicht durch Leidenschaft gen�hrt wurde und die man fast Verehrung nennen konnte. Und das bedeutete etwas g�nzlich Neues in ihrem Dasein.</style></p></section></body><body name="notes"><title><p>&#x41F;&#x440;&#x438;&#x43C;&#x435;&#x447;&#x430;&#x43D;&#x438;&#x44F;</p></title><section id="n_1"><title><p>1</p></title><p>Verflucht sei deine Mutter</p></section><section id="n_2"><title><p>2</p></title><p>Kapit�n�<sup>2</sup> H�lle <sup>3</sup> Ungl�ubige <sup>4</sup> Algier</p></section><section id="n_3"><title><p>3</p></title><p>Verflucht sei deine Religion und diese ganze Verwandtschaft</p></section><section id="n_4"><title><p>4</p></title><p>1732 nach christlicher Zeitrechnung</p></section><section id="n_5"><title><p>5</p></title><p>Die gr�ne Fahne des Propheten</p></section><section id="n_6"><title><p>6</p></title><p>Albambra</p></section></body><binary id="cover" 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