<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>adv_history</genre><author><first-name>Berndt</first-name><last-name>Guben</last-name></author><book-title>Kerker und Ketten</book-title><annotation><p><style name="font2"><style name="font3">Der Pfeifer und seine Freunde qu�len sich in den Steinbr�chen von El Mengub. Schon haben sie den sicheren Tod vor Augen, da d�rfen sie neue Hoffnung sch�pfen: die Piratin Marina, in schmerzlicher Ha�liebe an Michel Baum gekettet, versucht, die Gefangenen zu befreien. Doch bald wird sie selbst von Sklavenh�ndlern verschleppt, und nun ist es an Michel, sie zu suchen. Aber der Bej von Tunis h�lt ihn fest, und erst eine Palastrevolution schafft ganz neue Verh�ltnisse. Doch Marina bleibt verschwunden.</style></style></p><p><style name="font2">In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenw�rtig.</style></p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>de</src-lang><sequence name="Der Pfeifer" number="2"/></title-info><document-info><author><first-name>Your</first-name><last-name>Name</last-name></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2010-12-21">21 December 2010</date><id>31334ABA-0819-4A06-AD84-274BDF1F4670</id><version>1.0</version><history><p>1.0 � &#x441;&#x43E;&#x437;&#x434;&#x430;&#x43D;&#x438;&#x435; &#x444;&#x430;&#x439;&#x43B;&#x430;</p></history></document-info><publish-info><sequence name="WELT DER ABENTEUER"/></publish-info></description><body><title><p>Kerker und Ketten</p></title><section><title><p>1</p></title><p><style name="font3">Die Galeone mit der schwarzen Samtflagge am Hauptmast zerteilte mit ihrem Bug die Wellen des Atlantischen Ozeans. Die wei�en Segel waren gebl�ht wie der dicke Bauch eines nimmersatten Vielfra�es.</style></p><p><style name="font3">In der Kapit�nskaj�te schlummerte Marina dem Morgen entgegen. Schlummer war eigentlich zuviel gesagt f�r die unruhigen Stunden, die von wilden Tr�umen durchzogen verrannen. Marina hatte den gesunden, tiefen Schlaf verloren. Noch stand die Qual nicht auf ihrem Gesicht geschrieben. Noch schien das Antlitz engelsrein. Aber wie lange w�rde es noch so bleiben? Irgend etwas bohrte in ihr. Es war die verzehrende Sehnsucht nach dem, den sie zugleich ha�te und liebte, der sie jedoch verschm�hte. Ihre Leidenschaft wuchs dadurch noch mehr. Und warum verschm�hte er sie? Weil er von Natur aus ein guter Mensch war, ein Mensch, der das Leben anderer Menschen achtete, ein Mensch, der ein Gewissen hatte und deswegen alles aufgegeben hatte, Heimat, Vater und Braut,</style></p><p><style name="font3">Und sie? Weshalb schwamm sie durch die Meere und konnte trotz der Unendlichkeit des Wassers keine Ruhe finden? Weil sie eine Gejagte war, die Gejagte ihres eigenen Gewissens; denn die Gerichte w�rden ihre Suche nicht lange fortsetzen. In Spanien geschah so viel, da� auch eine Sensation, wie es die Gr�fin Marina war, bald in Vergessenheit geriet. Nein, nicht das Urteil der Richter f�rchtete sie, sondern die Stimme des Richters in sich selbst, die von Tag zu Tag qu�lender wurde.Sie hatte gemordet, ohne sich dar�ber Rechenschaft abgelegt zu haben. Sie hatte gemordet, weil ihr Menschen im Wege waren, damals der Majordomo, dann Doktor Garcia.</style></p><p><style name="font3">Freilich, auch sie waren Schurken gewesen. Und wie war das mit dem Sch�fer Pedro Jorge, den sie im Blutrausch halb tot hatte schlagen lassen? Pedro war kein Schurke. Doch selbst wenn er einer gewesen w�re, war es ihr Recht gewesen, jemanden aus Freude zu peitschen, bis er sich nicht wieder erheben konnte? H�tte der Silbador jemals einen Schurken erschlagen? Hatte er nicht ihren Liebhaber schonen wollen, als dieser ihn mit dem Degen angriff? Nein, der Silbador t�tete nur, wenn das eigene Leben davon abhing und es sonst keinen anderen Ausweg gab.</style></p><p><style name="font3">Tausendmal hatte sich Marina gefragt: warum bin ich nicht wie er, der Pfeifer? Ja, warum? Niemand konnte ihr darauf eine Antwort geben.</style></p><p><style name="font3">Als die �Trueno� nach der Meuterei bei der Barbuda-Insel das dritte Schiff unter ihrem Kommando angegriffen hatte, gab sie selbst den Befehl, die Mannschaft nicht zu t�ten und auf die pers�nliche Beute zu verzichten. Sie hatte das Wunder vollbracht, da� sich die Piraten an diese Anweisung hielten, obwohl sie ja letztlich und endlich deshalb gemeutert hatten, weil ihr alter Kapit�n, Senor Porquez, genau den gleichen Befehl erteilt hatte, nachdem man die �Quebec� geentert hatte.</style></p><p><style name="font3">Von dieser Zeit an blieb es so. Auch das n�chste Schiff wurde nur ausgeraubt, geradeso wie der Kauffahrteifahrer, den man vor ein paar Tagen besiegt hatte.</style></p><p><style name="font3">Warum hatte sie das getan? Weshalb setzte sie sich �berhaupt der Gefahr aus, von ihren Leuten wom�glich nicht mehr ernst genommen zu werden? Sie hatte nur eine Erkl�rung daf�r: der Silbador h�tte es ebenso gemacht.</style></p><p><style name="font3">Es fiel ihr schwer, diese Tatsache vor sich selbst zuzugeben. Sie wehrte sich verzweifelt gegen den Gedanken, da� jener Mann einen derartigen Einflu� auf sie aus�bte, obwohl er l�ngst � und wahrscheinlich f�r alle Zeiten � aus ihrem Gesichtskreis ger�ckt war.</style></p><p><style name="font3">Marina fuhr sich mit den schlanken H�nden durch das wirre Haar. Dann r�ckte sie die Wange auf eine k�hle Stelle des Kopfkissens, und ihre brennenden Augen starrten auf die dunkle T�felung der Wand.</style></p><p><style name="font3">Sie w�lzte sich noch eine Weile unruhig hin und her. Dann warf sie die Decke zur�ck und stand auf. Das kalte Wasser tat ihrem Gesicht wohl. Immer wieder go� sie sich einen K�bel nach dem anderen �ber den schlafhei�en K�rper. Drau�en schimmerte das erste Licht des grauenden Tages.</style></p><p><style name="font3">Da h�rte sie auf einmal hastige Schritte den Gang vor der Kabine entlangeilen. Vor ihrer T�r </style><style name="font3">verhielten sie. Dann klopfte jemand, zuerst behutsam, dann immer energischer.</style></p><p><style name="font3">�Ja?� fragte sie verwundert. �Ihr k�nnt hereinkommen.�</style></p><p><style name="font3">Guillermo stand mit fliegenden Pulsen und gl�henden Augen vor ihr.</style></p><p><style name="font3">�Was willst du so fr�h?�</style></p><p><style name="font3">�Oh, Senorita, jetzt ist die Stunde der Rache gekommen! Ich wollte noch nichts unternehmen. Ich habe noch keinen Befehl gegeben, die Kanonen klarzumachen. Ich mu�te Euch als erster diese Kunde �berbringen.�</style></p><p><style name="font3">Marina sah ihn verwundert an.�Sprich doch schon! Spann mich nicht auf die Folter!� �Ein Schiff n�hert sich, oder besser, wir n�hern uns dem Schiff; denn es kommt nur langsam voran. Seine Takelung ist behelfsm��ig. Es wird uns ein Leichtes sein, es zu �berfallen.� Marina nahm sich zusammen. Sie ahnte mehr im Unterbewu�tsein als mit wachen Sinnen, was Guillermo jetzt erz�hlen w�rde. Sie hielt sich zur�ck und fragte mit erk�nstelter Gleichg�ltigkeit:</style></p><p><style name="font3">�Pah � wie kann dich ein kampfunf�higes Schiff, das halb abgetakelt ist, in einen solchen </style><style name="font3">Freudentaumel versetzen?�</style></p><p><style name="font3">Guillermo platzte heraus:</style></p><p><style name="font3">�Es ist - es ist - die �Quebec�!�</style></p><p><style name="font3">Da war es ausgesprochen, was Marina gehofft und zugleich gef�rchtet hatte. Nur mit Anstrengung gelang es ihr, eine zufriedene Miene aufzusetzen. Hier, diesmal stand fest, da� die Mannschaft ihr Recht auf Rache fordern w�rde. Wenn Guillermo seiner Leidenschaft die Z�gel schie�en lie�, dann w�rden auch die anderen kein Halten mehr kennen. Verzweifelt fragte sich die Gr�fin, wie dieses Schiff wohl nach einem Vierteljahr in der gleichen Verfassung kreuzen konnte wie damals. Eine furchtbare Ahnung stieg in ihr auf.</style></p><p><style name="font3">�Guillermo�, fragte sie mit fester Stimme, �hast du die �Quebec� lange beobachtet? Sie m�ssen uns doch auch erkannt haben. Wie reagieren sie?� Guillermo trat verlegen von einem Bein auf das andere.</style></p><p><style name="font3">�Nein, Senorita, ich bin gleich zu Euch gest�rzt, nachdem mir der Ausguck gemeldet hatte, was er vor seinem Rohr sah. Ich wies ihn an, die Sache vorl�ufig noch f�r sich zu behalten.� �Das war sehr klug von dir. Komm jetzt an Deck. Ich m�chte das Schiff beobachten. Dabei kannst du mir helfen.�</style></p><p><style name="font3">Sie stiegen die Treppe empor und lie�en ihre Blicke in die Runde schweifen. Es war nichts zu sehen.</style></p><p><style name="font3">Die Gr�fin rief den Mann aus dem Ausguck herab. Der kam mit bleichem Gesicht herunter, blickte sich scheu um und fl�sterte:</style></p><p><style name="font3">�Senorita, es war nicht die �Quebec�, es war ein Gespensterschiff; denn noch w�hrend ich es im Glas hatte, verschwand es in den Fluten.� Marina krauste die Stirn.</style></p><p><style name="font3">�Erz�hl nicht solchen Unsinn. Es gibt keine Gespensterschiffe. Ich werde in den Korb steigen und selbst beobachten. Ihr pa�t auf, da� mich niemand sieht.�</style></p><p><style name="font3">Die beiden nickten eifrig. Guillermo war gar nicht mehr so sehr f�r einen Angriff. Er hatte, wie jeder echte Sohn des Meeres, Angst vor dem Gespensterschiff. Vielleicht war es gar der �Fliegende Holl�nder�, der sich dem Ausguck als die �Quebec� gezeigt hatte? Marina stieg immer h�her. Als sie den Mastkorb erreicht hatte, lie� sie ihr Glas im Kreise schweifen. Weit und breit war nichts zu sehen. Im Gegenteil, dort hinten, dicht am Horizont, wie es schien, lagerten Dunstwolken auf der Wasseroberfl�che.</style></p><p><style name="font3">Schon wollte die Gr�fin wieder hinunterklettern, als sie �berrascht einen Ausruf unterdr�ckte. Direkt aus dieser Dunstwolke fuhr jetzt ein Schiff heraus. Man konnte es deutlich sehen. Ja, das war die �Quebec�. Welches Schiff w�rde sich sonst mit einer solchen Takelage auf dem Wasser herumtreiben? Nun, es mochte noch andere Seefahrer geben, denen es �hnlich ergangen war. Aber das da jedenfalls war die �Quebec�. Man konnte sie deutlich an der Bauart erkennen, eine typische Fregatte.Die �Trueno� hatte direkten Kurs auf das unt�chtige Schiff, das mit vielleicht vier Knoten dahinkroch.</style></p><p><style name="font3">Marina behielt ihren Platz bei. Das Rohr vor ihrem Auge zitterte. Ihre H�nde wurden feucht vor Aufregung. N�her und n�her kam die �Trueno�heran. Jetzt konnte man schon die einzelnen Aufbauten, soweit sie noch vorhanden waren, unterscheiden.</style></p><p><style name="font3">Doch es regte sich nichts an Bord. Die Frau im Mastkorb konnte nicht einen einzigen beweglichen Punkt erkennen.</style></p><p><style name="font3">Sie setzte das Sehrohr ab und rieb sich die Augen. Dann setzte sie es wieder an. Die Entfernung verringerte sich zusehends. Keine Menschenseele war zu sehen.</style></p><p><style name="font3">Nun waren die beiden Schiffe keine dreihundert Fu� mehr voneinander entfernt. Marina stieg eilends hinab. Ihr Gesicht war hochrot vor Aufregung.</style></p><p><style name="font3">Auf dem eigenen Schiff war es inzwischen lebendig geworden. Man hatte auch ohne Aufruf das fremde Fahrzeug bemerkt. Alles dr�ngte sich an der Reling.</style></p><p><style name="font3">�L�ngsseits gehen!� durchschnitt pl�tzlich Marinas scharfe Stimme die morgendliche Beschaulichkeit.</style></p><p><style name="font3">�Senorita?� fragte Guillermo verbl�fft. �Wir sind noch gar nicht auf einen Kampf vorbereitet. Ich werde Befehl geben, die Enterbr�cken zurechtzumachen und die S�bel umzuschnallen.� Marina starrte erneut durch das Glas. Ihr Stimme war belegt, als sie jetzt antwortete: �Die S�bel k�nnt ihr lassen, wo sie sind. Und Enterbr�cken brauchen wir h�chstens eine.� Verwundertes Staunen ringsum, das aber noch wuchs, als man nur noch wenige Schritte Entfernung zwischen sich hatte und dr�ben immer noch keine Menschen entdecken konnte. Die Korsaren bekreuzigten sich. Niemand hatte sonst eine vern�nftige Erkl�rung zur Hand. Das Man�ver war ausgef�hrt. Bord an Bord lagen die Schiffe.</style></p><p><style name="font3">�Komm mit hin�ber, Guillermo�, sagte die Gr�fin und sp�rte zum erstenmal, da� ihr Erster Offizier Angst hatte.</style></p><p><style name="font3">Schlie�lich nahm er sich zusammen und folgte ihrem Befehl. Die anderen waren froh, von dieser unheimlichen Aufgabe verschont zu bleiben. Sie erinnerten sich noch gut an den Silbador. Es war wahrscheinlich ein verh�ngnisvolles Wiedertreffen. Vielleicht hatte der Teufel inzwischen seinen Pakt mit ihm f�r abgelaufen gehalten und ihn zu sich geholt oder ihn verdammt, ewig auf diesem Gespensterschiff herumzufahren. Wer konnte es wissen?</style></p><p><style name="font3">Marina schritt allein �ber die schwankende Seilbr�cke. Es war in den Augen der Mannschaft eine bewundernsw�rdige und mutige Tat, die sie da vollbrachte. Dabei sp�rte sie selbst das ganze Grauen, das aus der unheimlichen Stille um sie herum erwuchs.</style></p><p><style name="font3">Jetzt ging sie langsam, Schritt f�r Schritt �ber die Planken. Da, was war das? Ein Toter, dessen F�uste im Krampf den abgeschlagenen Hahn eines Wasserfasses hielten. Ein eisiger Schreck durchzuckte die Einsame.</style></p><p><style name="font3">Trotzdem ging sie weiter. Am Heck, wo die F�sser standen, lagen tote M�nner mit stieren, in die aufgehende Sonne gerichteten Augen. Ein gr��licher Anblick.</style></p><p><style name="font3">Zehn, zw�lf Leichen, denen man ansah, da� sie dem grausamsten aller Tode, dem Tod des Verdurstens, erlegen waren. Der Wahnsinn stand noch auf ihren verzerrten Gesichtern.Ein Schauer durchlief die Gr�fin. Sie f�hlte sich pl�tzlich verlassen. Sie pre�te die H�nde vor die Brust, um nicht aufzuschreien. Sollte sie es wagen, in das Schiff hinabzusteigen? Sollte sie � � � allein? Sie wagte es.</style></p><p><style name="font3">Stufe f�r Stufe schritt sie die Treppe zum Kabinendeck hinunter, immer gefa�t, �ber weitere Leichen zu stolpern.</style></p><p><style name="font3">Jetzt gelangte sie an die Kojen. Und diesmal konnte sie einen entsetzten Aufschrei nicht unterdr�cken. Hier lagen Menschen, die sich gegenseitig in rasendem Irrsinn die Kehlen durchschnitten hatten, um mit dem Blut des Ermordeten den eigenen Durst zu stillen. An jeder Koje lagen sie, in den entsetzlichsten Stellungen.</style></p><p><style name="font3">Marina nahm sich zusammen. Noch glomm ein Funke der Hoffnung in ihr. Weder vom Silbador noch von den Spaniern und diesem deutschen Grafen hatte sie etwas gesehen. Wo mochten sie sein?</style></p><p><style name="font3">Sie war an die T�r der Kapit�nskaj�te gelangt und dr�ckte die Klinke hinunter. Die T�r war verschlossen. Sie begann mit den F�usten dagegen zu h�mmern. Anfangs r�hrte sich nichts. Dann kam eine heisere Stimme:</style></p><p><style name="font3">�Ihr glaubt wohl, ich mache euch auf, was? Nein! � Nein! � Nein! Ich will nicht verdursten �</style></p><p><style name="font3">��ich nicht! Ich will mein Wasser allein trinken--allein trinken--allein trinken--</style></p><p><style name="font3">ja, ja � �. Macht, da� ihr wegkommt, ihr Hunde, weg von der T�r, sonst schie�e ich!�</style></p><p><style name="font3">Die Worte waren deutsch gesprochen. Marina verstand sie nicht und blieb wie angewurzelt stehen.</style></p><p><style name="font3">Da waren Menschen, vielleicht sa�en sie alle dort, alle, die einmal ihre Gef�hrten auf der </style><style name="font3">�Trueno�gewesen waren, bevor sie � �</style></p><p><style name="font3">Das Gef�hl einer furchtbaren Schuld stieg in ihr auf.</style></p><p><style name="font3">Wieder h�mmerte sie gegen die T�r.</style></p><p><style name="font3">�Get the door open--get it open---help's coming. � Why don't you open? � �ffnet</style></p><p><style name="font3">--so �ffnet doch--ich bringe Hilfe. Warum �ffnet Ihr nicht?�</style></p><p><style name="font3">Drinnen blieb es eine Weile still. Dann kam pl�tzlich ein Kichern.</style></p><p><style name="font3">�Ha � � ha � � ihr wollt mich wohl zum Narren halten, Kerls? Mich betr�gt ihr nicht. Ha �</style></p><p><style name="font3">��ha--ha--mein Wasser bekommt ihr nicht! Haut ab, sonst schie�e ich!�</style></p><p><style name="font3">�K�nnt Ihr nicht englisch reden?� schrie Marina, die wieder nichts verstanden hatte.</style></p><p><style name="font3">Als Antwort krachte ein Schu�. Die Kugel schlug dicht neben ihrem Kopf durch die T�rf�llung. Marina sah ein, da� sie auf diese Weise nicht weiterkam. Sie wandte sich um und rannte, als sei der Teufel hinter ihr her, den Gang entlang. Mit einigen pantherhaften S�tzen war sie an Deck. In der frischen Luft erhielt sie ihre Fassung zur�ck.</style></p><p><style name="font3">�Sie sind alle tot � bis auf einige, die sich in der Kaj�te des Kapit�ns verbarrikadiert haben, Guillermo�, sagte sie mit schwacher Stimme, als sie wieder auf den Planken des eigenen Schiffes stand.</style></p><p><style name="font3">�Tot?� fragten einige der Umherstehenden verwundert, �ermordet?� �Nein, verdurstet � � verdurstet�, wiederholte sie still f�r sich, �alle verdurstet � �� Die Korsaren, die weder Teufel noch Tod f�rchteten, wenn sie ihnen w�hrend eines Kampfes offen ins Angesicht schauen konnten, bekreuzigten sich.</style></p><p><style name="font3">�Santa Maria, Madre de Dios, besch�tze uns�, murmelten automatisch die Lippen.�Wer geht nun mit mir hin�ber? Wir m�ssen die Lebenden aus der Kaj�te befreien.� Es meldeten sich ein paar Beherzte; Guillermo war selbstverst�ndlich auch dabei. Mit �xten bewaffnet schritten sie �ber das leichenbes�te Deck der britischen Fregatte. Die Treulosigkeit, die die Mannschaft an den spanischen Kameraden begangen hatte, hatte sich bitter ger�cht. Das Schicksal, das sie ereilt hatte, mu�te furchtbar gewesen sein. Den Korsaren stand das Grauen in den Augen, als sie die Treppe hinunterstiegen. Vor der T�r machten sie halt. Marina h�mmerte wieder mit den F�usten dagegen. Die Insassen hatten sich jetzt wahrscheinlich auf einen Angriff vorbereitet. Niemand antwortete.</style></p><p><style name="font3">�Schlagt mit den �xten zu, aber springt sofort zur Seite. Sie werden schie�en, glaube ich.� Acht Beile krachten gegen die F�llung.</style></p><p><style name="font3">Ein Schu� antwortete von drinnen. Die Kugel richtete jedoch keinerlei Schaden unter den Piraten an. Wohl ein dutzendmal wiederholten sie nun das gleiche Man�ver. Dann schienen den Belagerten die Kugeln ausgegangen zu sein.</style></p><p><style name="font3">Mit den �xten war bald ein Ri� in die T�r geschlagen. Man wartete noch eine Weile.</style></p><p><style name="font3">Es folgte kein Schu� mehr.</style></p><p><style name="font3">�Get out � Kommt heraus!� sagte Marina.</style></p><p><style name="font3">�Eine Frauenstimme?� fragte drinnen jemand verwundert auf deutsch. Dann steckte dieser Jemand den Kopf durch den Spalt. Es war Graf Eberstein. �Gro�er Gott!� schrie er entsetzt, �das Seer�uberweib!� Zum Gl�ck verstand ihn niemand.</style></p><p><style name="font3">�So sprecht doch englisch�, sagte die Gr�fin unwirsch, als sie erkannte, wen sie vor sich hatte. Eberstein kletterte unversehrt aus der Kaj�te und sah die Korsaren mit ziemlich bl�dem Gesichtsausdruck an. Trotz allem schien er sich recht wohl zu f�hlen. Er versuchte eine Verbeugung, die allerdings mi�gl�ckte. �Sprecht, wo sind die anderen?�</style></p><p><style name="font3">�Tot�, antwortete er tr�bsinnig, �oder sie m�ssen sich noch an Deck herumtreiben. Sie haben sich um das Wasser gezankt. Sie werden nie wieder nach Kassel kommen. Waren schlechte Soldaten.�</style></p><p><style name="font3">Er sagte das nat�rlich nicht in so flie�endem Englisch, wie es hier wiedergegeben wird. Er stotterte ziemlich lange an den wenigen S�tzen herum. Aber Marina verstand, was er meinte. �Mir scheint vielmehr, da� Ihr ein sehr schlechter Offizier seid, Graf�, sagte sie. �Sagt mir, wo die Spanier sind und der deutsche Doktor, der Pfeifer, Ihr wi�t schon, wen ich meine.� �Ich will Euch gern alles erz�hlen, was ich wei�, Madam�, meinte Eberstein hastig. �Aber k�nnt Ihr mich nicht zuvor aus diesem Loch hier herauslassen? Ich sitze hier drin schon zehn Tage.� �Ihr hattet noch Trinkwasser?� Der Graf nickte.</style></p><p><style name="font3">�Aber lange h�tte das auch nicht mehr gereicht.�</style></p><p><style name="font3">�Schafft ihn hin�ber und la�t ihn sich satttrinken�, wies die Gr�fin zwei ihrer Korsaren an. Eberstein entfernte sich mit seinen Begleitern. An Deck sah er sich nicht einmal um. Er nahm sichtlich wenig Anteil an dem Geschick seiner verdursteten Kameraden.Dr�ben auf der �Trueno� st�rzte er sich auf einen Eimer mit Wasser und trank, trank, was in ihn hineinging. Dann fiel er ohnm�chtig zu Boden. Er hatte sich nicht Zeit zum Atmen gelassen.</style></p><p><style name="font3">Marina und Guillermo waren unterdessen in die Kabine eingedrungen. Dort lagen mehrere Gewehre herum und zwei Pistolen. Der Himmel mochte wissen, wo Eberstein die gefunden hatte. Da fiel Marinas Blick auf eine ihr wohlbekannte Waffe. Es war der Damaszener-Degen des geliebten Feindes. Jawohl, kein Zweifel, hier hielt sie die gef�rchtete Klinge des Silbador in der Hand.</style></p><p><style name="font3">Doch ihre Suche nach dem Gewehr, das der Graf de Villaverde y Bielsa konstruiert hatte, blieb fruchtlos.</style></p><p><style name="font3">�Seht hier, Senorita�, meinte Guillermo, �hier liegt ein halbes Fa� voll Wasser. Der Kerl hatte sich gut versorgt. Damit h�tte er noch einen Monat reichen k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">Marina war viel zu sehr in Gedanken versunken, als da� ihr das unglaubliche Tun des Grafen richtig zu Bewu�tsein gekommen w�re. Wo war Michel Baum? Wo waren die Spanier?</style></p><p><style name="font3">Guillermo lud sich das schwere Fa� auf den R�cken. Dann verlie�en sie beide, gefolgt von den zur�ckgebliebenen Korsaren, das Totenschiff.</style></p><p><style name="font3">Einige Zeit sp�ter gingen ein paar Korsaren an Bord der �Quebec� und sch�tteten vom Kielraum bis zum Oberdeck eine dicke Pulverspur auf die Planken. Die �Trueno� setzte sich ab. Als einige Fu� Zwischenraum zwischen den beiden Schiffen waren, warfen die Piraten brennende Fackeln hin�ber, dorthin, wo das Pulver am dicksten lag.</style></p><p><style name="font3">Noch lange in die Nacht hinein stand das Totenschiff wie ein loderndes Fanal auf dem ruhigen Wasser des Ozeans. Dann endlich sank es. Die Toten hatte ihre Ruhe.</style></p></section><section><title><p>2</p></title><p><style name="font3">Marina schritt ungeduldig in ihrer Kabine auf und ab. Der Graf war noch immer nicht aus seiner Ohnmacht erwacht. Sie fieberte nach seinem Bericht �ber die Verschwundenen. Wieder und wieder machte sie die Runde in ihrer Kaj�te. Es war h�llisch, so lange warten zu m�ssen.</style></p><p><style name="font3">Da endlich �ffnete sich die T�r, und ein Korsar meldete, da� der �berlebende vom Totenschiff die ersten Zeichen des Erwachens von sich gegeben habe.</style></p><p><style name="font3">Marina eilte hin�ber in die Krankenkoje, die einstmals ihr eigenes Quartier gewesen war. Graf Eberstein war jetzt v�llig wach, und wie es schien, f�hlte er sich recht zufrieden. Nur ganz kurz huschte ein Schatten der Unsicherheit �ber sein Gesicht, als er die Kapit�nin erkannte. Weshalb war sie so aufgeregt? Lag es an ihm?</style></p><p><style name="font3">�How do you feel � wie f�hlt Ihr Euch?� fragte sie mit nicht zu verbergender Hast in der Stimme.</style></p><p><style name="font3">Eberstein war gewitzt genug, weiterhin den Schwachen zu spielen.</style></p><p><style name="font3">�Wenn Ihr Geduld habt, so kann ich Euch wahrscheinlich eine Zeitlang Rede und Antwort stehen. Wenn Ihr mich aber �ber die Einzelheiten der Schiffskatastrophe vernehmen wollt, so wartet lieber noch. Die Erinnerung daran k�nnte mich in eine neue Ohnmacht bringen.� Marina machte eine wegwerfende Handbewegung.</style></p><p><style name="font3">�Ach, das Schiff � das Schiff interessiert mich nicht. Ich bin nicht der Vorsitzende eines Gerichts, der die Schuldfrage feststellen will. Ich mache Euch einen Vorschlag.� Eberstein nickte. Er war gewillt, alle Vorschl�ge anzunehmen, deren Ausf�hrung nicht sein kostbares Leben gef�hrden w�rde.</style></p><p><style name="font3">�Wenn Ihr annehmt, so k�nnen wir gleich an die Ausf�hrung gehen. Wenn nicht, nun---�,</style></p><p><style name="font3">sie lie� offen, was dann folgen w�rde. Und Eberstein hatte mittlerweile herausgefunden, da� Seer�uber keineswegs zimperliche Naturen waren, wenn es um das Leben anderer, ja sogar ehemaliger Feinde ging.</style></p><p><style name="font3">�Sprecht, Madam. Wenn es m�glich ist, Euern Vorschlag auszuf�hren, dann will ich es gern tun, sofern Ihr mir Leben und Freiheit zusichert.�</style></p><p><style name="font3">�Das eben war mein Angebot. Leben und Freiheit f�r Euch, wenn Ihr mir bis ins Einzelne erz�hlt, wo die Spanier und dieser Deutsche geblieben sind. Unter den Verdursteten konnten wir sie nicht entdecken.�</style></p><p><style name="font3">Eberstein bekam es ein wenig mit der Angst zu tun. Weshalb interessierte sich die Frau so besonders f�r diese f�nf Menschen?</style></p><p><style name="font3">Kleine Schwei�perlen traten ihm auf die Stirn. Dann aber sagte er sich, da� Michel Baum und die Spanier schlie�lich Feinde der Kapit�nin waren. W�re es nicht vielleicht am besten, man blieb bei der Schilderung m�glichst in der N�he der Wahrheit? Auf diese Weise w�rde man es vermeiden, sich in etwaige Widerspr�che zu verwickeln. Ein klein wenig durfte man nat�rlich hinzuerfinden. Das war klar. Es widerstrebte selbst einem Eberstein, seine Ehrlosigkeit in Gegenwart einer Korsarin zuzugeben. Er dachte sogar f�r Sekunden an seine Stellung, an seinen Rang als landgr�flicher Rittmeister, an seine Offiziersehre. Als er jedoch ob seines langen Z�gerns eine Unmutsfalte auf der Stirn Marinas gewahrte, begann er seinen Bericht herunterzustammeln.</style></p><p><style name="font3">Bis zur Sichtung des algerischen Schiffes erz�hlte er alles wahrheitsgetreu. Die Gr�fin hatte mehrmals durch ungeduldiges Nicken gezeigt, da� sie an der Vorgeschichte nicht besonders interessiert sei.</style></p><p><style name="font3">�Nun�, fuhr Eberstein fort, �und als das Wasser immer knapper wurde, da eroberte sich Baum, der Arzt, ein ganzes Fa� des kostbaren Nasses. Nur er und seine Kameraden durften davon trinken. Wir �ndern waren fast am Verdursten. Gegen ihn konnten wir nichts ausrichten, denn er war bewaffnet. Wir hatten nicht einmal Dolche. Das Gewehr und die Pistolen habe ich erst viel sp�ter in einem Geheimfach der Kapit�nskaj�te gefunden � � ��</style></p><p><style name="font3">�Weiter, weiter!� dr�ngte Marina, die sich recht gut ausmalen konnte, wie es in Wirklichkeit gewesen sein mochte. Aber es lag ihr nichts daran, von Eberstein die Wahrheit in den Nebens�chlichkeiten zu erfahren. Sie wollte �ber den Verbleib der F�nf Bescheid wissen. Eberstein merkte langsam, worauf sie eigentlich hinaus wollte.</style></p><p><style name="font3">�Ja�, fuhr er fort, �wir haben sie dann trotz schweren Widerstandes �berw�ltigt. Das Schiff, das wir trafen und das uns Wasser brachte, wollte nat�rlich Bezahlung f�r dieses Wasser. So �bergaben wir die Spanier und den Deutschen dem Kapit�n der �Medina� als Sklaven. Die Algerier sind ja immer noch wie wild auf wei�e Sklaven � eigentlich eine Schande.� Marina runzelte die Stirn.</style></p><p><style name="font3">�Wenn Ihr es als eine Schande betrachtet, warum habt Ihr sie dann ausgeliefert?� �Was sollten wir machen, Madam?� Eberstein setzte eine emp�rte Miene auf. �Ich sagte bereits, sie waren unkameradschaftlich in bezug auf das Wasser. Sollten wir sie schonen und daf�r allesamt verdursten? Dieser MichelBaum ist sowieso keinen Schu� Pulver wert. Er ist ein Deserteur. Er war Soldat und ist davongelaufen. Ich aber bin ein loyaler Offizier Seiner Hoheit des Landgrafen von Hessen-Kassel.�</style></p><p><style name="font3">�Ah, h�rt auf, faselt nicht von Loyalit�t und macht Euern eigenen Befreier nicht gar so schlecht! So etwas sieht Euch zwar �hnlich; aber ich mag es nicht h�ren. Ich will auch nicht feststellen, wer von Euch beiden der gr��ere Schuft ist, Ihr oder der Pfeifer. Sagt mir nur noch eins. Warum ha�t Ihr diesen Mann so sehr, nur, weil er aus Eurer l�cherlichen Armee ausger�ckt ist?� Eberstein hatte eine scharfe Erwiderung auf der Zunge. Aber wenn diese Frau schon die ganze Truppe nicht ernst nahm, so erst recht nicht ihn, den fragw�rdigen Vertreter einer vermieteten Streitmacht. So schluckte er denn hinunter, was ihm auf die Zuge kam, und meinte mit einem frechen Grinsen:</style></p><p><style name="font3">�Sicher habe ich auch pers�nliche Gr�nde, ihn zum Teufel zu w�nschen, mindestens ebenso gute Gr�nde wie Ihr���</style></p><p><style name="font3">�Werdet nicht unversch�mt, das k�nnte Euch schlecht bekommen�, unterbrach ihn Marina b�se. Sie begann diesen Kerl zu hassen. �Nennt mir Eure wahren Gr�nde. Aber sprecht etwas schneller. Ich habe keine Lust, noch lange in Eurer Gesellschaft zu verbleiben.� Eberstein bekam es auf einmal mit der Angst zu tun und wurde kleinlaut. Mit schwacher Stimme, in der hin und wieder ein deutlicher Unterton von Furcht zu versp�ren war, fuhr er fort: �Wir liebten beide das gleiche M�dchen. Dabei war ich Offizier und er nur ein einfacher Soldat. Dennoch war er es, dessen Liebe erwidert wurde. Au�erdem hielt er es f�r n�tig, mich noch vor seiner Flucht vor den Augen dieser Dame zu dem�tigen, so da� ich trotz aller sp�teren Versuche und meines hervorragenden Namens eine Abweisung nach der anderen von ihr erhielt. Als ich dann selber als F�hrer einer Schwadron nach England und von dort nach Amerika fort mu�te, da glaubte ich, diese Sache sei f�r alle Zeiten abgetan. Aber dadurch, da� dieser verr�terische Musketier meinen Weg abermals kreuzte, ist alles wieder in mir aufgebrochen. Es ist furchtbar!�</style></p><p><style name="font3">Der Graf bem�hte sich, seinem Gesicht einen besonders gequ�lten Ausdruck zu verleihen, der diesmal seinen Eindruck bei der Gr�fin nicht verfehlte.</style></p><p><style name="font3">Schweigend schritt Marina in der engen Koje eine Weile auf und ab. Ein Gedanke durchzuckte mit derartiger Heftigkeit ihr Gehirn, da� es sie fast k�rperlich schmerzte. Wie w�re es, wenn �</style></p><p><style name="font3">�H�rt!� Sie drehte sich ruckartig um und sah ihn mit pr�fenden Augen an. �Ihr seid wirklich davon �berzeugt, da� der Pfeifer und seine vier Freunde an den Pascha von Algier abgeliefert worden sind?�</style></p><p><style name="font3">�Ich kann das nat�rlich nicht beschw�ren; aber ich bin davon �berzeugt. Nach allem, was ich bisher �ber diese Korsaren gelesen habe, fahren sie s�mtlich im Auftrag der arabischen F�rsten auf Raub aus. L�ge es nicht nahe, da� auch die Sklaven dem Herrscher vorgef�hrt werden?� �Well, dann mache ich Euch folgenden Vorschlag: Ihr seht zu, da� Ihr so schnell wie m�glich in Eure Heimat zur�ckkommt und das M�dchen, das der Silbador scheinbar noch immer nicht vergessen hat, heiratet.�</style></p><p><style name="font3">Eberstein machte ein ziemlich einf�ltiges Gesicht: �Habe ich Euch richtig verstanden?�</style></p><p><style name="font3">�Ihr sollt das M�dchen des Silbador heiraten. Ist das nicht klar genug? Ich setze Euch irgendwo an der K�ste von Frankreich ab, und Ihr seht zu, da� Ihr auf schnellstem Wege heimkommt.� Sie machte eine Pause und berauschte sich an diesem Gedanken. �Es wird Euch doch gelingen, sie umzustimmen?�</style></p><p><style name="font3">Eberstein setzte sein dreckigstes Grinsen auf. �Das sollte mir nicht schwerfallen.�</style></p><p><style name="font3">�Well, ich versorge Euch an der K�ste mit reichlichen Mitteln, so da� Ihr schnellstens nach Hause kommt. Ich betone aber ausdr�cklich, da� ich es Euch zur Bedingung mache, da� Ihr sie auch heiratet.� Sie ging ganz dicht an ihn heran und zischte pl�tzlich wie eine Schlange. �Glaubt nicht, da� Ihr mich hintergehen k�nnt, wenn Ihr erst in Freiheit seid. Mein Arm wird bis in das deutsche Nest reichen, in dem Ihr wohnt. Ich werde Euch zugrunde richten, wenn Ihr nicht Wort haltet. Schw�rt, bei allem, was Euch heilig ist, schw�rt!�</style></p><p><style name="font3">Eberstein hob verwundert die Rechte und leistete einen Eid, der eher einem Fluch gleichkam.</style></p></section><section><title><p>3</p></title><p><style name="font3">Sie wurden gezerrt und getreten, geschunden und geschlagen. Die Sonne brannte auf das Ger�ll. Und sie mu�ten doch immer weiter, ohne Pause, ohne zu ruhen. Sie konnten sich kaum noch auf den F��en halten. Aber wenn sie schwach wurden oder nicht mehr wollten und einfach aufgaben, dann trieben sie ein paar heftige Kolbenst��e weiter, die ihnen ihre W�chter vom Kamelr�cken herab versetzten.</style></p><p><style name="font3">Was einmal Schuhe und Stiefel gewesen, das waren nur noch Fetzen an den blutenden, von scharfkantigen Steinen zerschnittenen F��en.</style></p><p><style name="font3">Durch f�nf bis sechs Ellen lange Seile waren die Gefangenen mit den Sattelgurten der trabenden Kamele verbunden. Das Ende dieser Seile schlang sich um ihre Handgelenke und war dort mit so gro�em Geschick verknotet, da� sich die Fesseln bei jedem Widerstand stets weiter zusammenzogen und immer tiefer in das Fleisch einschnitten.</style></p><p><style name="font3">Zu essen hatten sie wenig bekommen. Sie sp�rten die wenigen Bissen kaum im Magen, und wenn irgendwo eine Quelle aus den Felsen des Atlasgebirges sprudelte, so war das nur eine vergn�gliche Abwechslung f�r die W�chter, die sich volltranken und ihre Kamele saufen lie�en, um sie dann, sobald sich die Gefangenen halb verdurstet am Wasser niedergeworfen hatten, weiter-zujagen � kaum, da� die Gequ�lten ihre aufgesprungenen Lippen genetzt hatten. Vor zehn Tagen bereits hatten sie das Tell<a l:href="#n_1" type="note">[1]</a> hinter sich gelassen, hatten die Gegend der Schotts und Salzs�mpfe durchquert, waren an Hunderten von Duars<sup>2</sup> vorbeigekommen, von Arabern beschimpft und bespuckt worden und traten nun in den gro�en Atlas ein, den Gebirgszug, hinter dem sich die unerme�liche Sahara er�ffnete, in der der Mensch verloren war wie ein Salzkorn im Sandhaufen.</style></p><p><style name="font3">La ilaha ila Allahu wa Mohammad rasul al-mahdi! � Es ist kein Gott au�er Allah, und Mohammed ist der Gesandte Gottes! �</style></p><p><style name="font3">�Maldito�, fluchte Alfonso Jardin mit schwacher Stimme; es klang mehr wie ein Weinen. Der Kamelreiter, an dessen Tier er hing, hatte den Fluch vernommen. Wenn er auch nicht spanisch verstand, so war ihm zumindest aus der Betonung der Sinn des Wortes klar. Ein Kolbenschlag auf die Schulter des Spaniers war die Antwort, und �Jallah! � Jallah!� trieben die anderen Reiter grinsend ihre Tiere zu noch schnellerer Gangart an.</style></p><p><style name="font3">Es ist erstaunlich, was der Mensch ertragen kann, dachte Michel Baum. Beinahe waren sie frei gewesen. Die Segel der �Medina� waren schon vom Wind gebl�ht, als pl�tzlich die Kanonen des Hafenforts donnerten und ihre Kugeln auf das Schiff schickten. Der Kapit�n, Abu Hanufa al Dinaweri, hatte unter seiner braunen Haut die Farbe verloren. Der gelehrte Steuermann, Ihn Kuteiba, war auf die Knie gesunken und hatte zum Propheten und allen Kalifen um Rettung gefleht. Und der schurkische Abdallah war nirgends auf dem Schiff zu sehen gewesen. Michel Baum, der Pfeifer, stand am Heck und legte das Gewehr an. Aber die Wirkung der Kanonensch�sse auf die Mannschaften war frappierend. In diesem Augenblick erst hatten sie begriffen, da� ihr Kapit�n eigenm�chtig, ohne Befehl des Daj, in See gehen wollte. Sie konnten sich keinen Reim darauf machen, doch die Kanonen redeten eine deutliche Sprache. Es war gegen den Willen des Herrschers, da� die �Medina� den Hafen verlie�; um das zu merken, brauchte man weder lesen noch schreiben zu k�nnen.</style></p><p><style name="font3">Und die wilden Burschen reagierten dementsprechend. Im Nu hatten sie die Fl�chtlinge niedergerissen und gebunden.</style></p><p><style name="font3">Als ein Boot, mit Janitscharen bemannt, herankam, brauchten sie die wieder Eingefangenen nur noch einzuladen und an Land zu rudern, wo sie der Wesir des Daj, Hussejn, bereits erwartete. Die erste Tat des algerischen Paladins war, da� er die Nilpferdpeitsche schwang und sie den Fl�chtigen ein paarmal �ber das Gesicht zog. Allerdings verschonte er die noch immer mit der Offiziersuniform bekleidete Isolde Hawbury. Zwei Haremsw�chter packten das sich verzweifelt str�ubende M�dchen, um es in den Palast zur�ckzuschleppen. Seitdem hatten sie nichts mehr von ihr gesehen.</style></p><p><style name="font3">Hussejn machte nicht viel Federlesens. Er berief nicht erst den Diwan<a l:href="#n_2" type="note">[2]</a> ein, sondern befahl einer Kamelreiterpatrouille, die Gefangenen in die Steinbr�che am Rand der W�ste zu bringen. Er gew�hrte ihnen nicht einmal mehr eine Nacht Aufenthalt in Algier, obwohl Michel energisch verlangt hatte, vom Daj pers�nlich abgeurteilt zu werden. Hussejn hatte nur die Peitsche erhoben und abermals zugeschlagen. Er ha�te die Fremden; denn er hatte Angst, da� sich sein Herr zu tief in das europ�ische Wesen verstricken k�nnte, wenn man die Fremden hier in Algier bis zu seiner R�ckkunft lie�. Baba Ali hatte ihm bereits Andeutungen gemacht, da� man den pfeifenden Teufel vielleicht zum Janitscharenhekim<sup>2</sup> ernennen k�nne, um ihn zu veranlassen, nicht nur die Behandlung der Verwundeten auf den europ�ischen Stand zu bringen, sondern um ihm auch nach und nach die Rearmierung des ganzen Heeres zu �bertragen. Hussejn aber hatte Sorge, da� europ�ische Einfl�sse die Truppen verweichlichen w�rden. Die Janitscharenrepublik Al-Dschesair brauchte harte Soldaten, wenn sie sich erfolgreich gegen die �berlegen ausger�steten Europ�er zur Wehr setzen wollte. �</style></p><p><style name="font3">Michel stie� einen Pfiff aus, wie um seine Gedankeng�nge damit zu unterstreichen. Jetzt war man nun hier, hatte schon die Vorl�ufer des Atlas �berwunden, w�rde auch das Gebirge bald hinter sich lassen und dann � � � dann gab es so gut wie keine Rettung mehr. Die algerischen Steinbr�che am Rand der W�ste hatten noch keinen Menschen wieder hergegeben. Die W�chter erz�hlten in ihrem Kauderwelsch oft, da� selbst Eingeborene es h�chstens zwei bis drei Jahre aushielten, bis sie den f�rchterlichen Anstrengungen erlagen. Wie lange w�rde da wohl ein Ausl�nder � � �?</style></p><p><style name="font3">Weiter, immer weiter ging der Zug. Es war ein Gl�ck, da� die Kamele hier auf dem steinigen Boden langsam gehen mu�ten, obgleich die Reiter am liebsten nur Trab geritten w�ren. Doch da sie es nicht �ndern konnten, begannen sie von Sattel zu Sattel laut schreiend eine Unterhaltung zu f�hren. Wild mit den H�nden gestikulierend, schienen sie sich immer mehr in die abgr�ndigsten Themen zu verstricken; denn es hagelte nur so Allahs und Mohammeds.</style></p><p><style name="font3">Deste, der neben Michel einherwankte, hatte pl�tzlich ein Grinsen auf dem Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Wozu die Burschen dauernd Allah und ihre siebenhimmlige Ewigkeit anrufen, ist unglaublich.�</style></p><p><style name="font3">�Worum geht's?� fragte Michel, dem die Ablenkung willkommen war.</style></p><p><style name="font3">�Sie wetten bei allen Marabuts, da� der Daj mit riesiger Beute von seinem Feldzug gegen die </style><style name="font3">Spanier heimkehren wird, und da� sie von da an mehr Sold erhalten werden. Sie rechnen sich </style><style name="font3">aus, da� sie zu dritt jeweils eine Frau kaufen k�nnten, alles im Namen Allahs und mit Hilfe des </style><style name="font3">Propheten.�</style></p><p><style name="font3">Michel blickte sich um und betrachtete die Ungl�cksgef�hrten.</style></p><p><style name="font3">Bisher hatten sie alles leidlich �berstanden. Selbst der alte Kapit�n Porquez taumelte noch immer hinter seinem Kamel her. Er war ein z�her Bursche. Am meisten mitgenommen schienen Ibn Kuteiba, der gelehrte Steuermann, und der kleine Jardin. Abu Hanufa trug sein w�rdigstes Gesicht zur Schau. �ber seine Lippen war noch nicht ein Klagelaut gekommen. Und Ojo war, was das Laufen anbelangte, einfach nicht zu �bertreffen. Seine Z�higkeit schien keine Grenzen zu kennen. Er hatte es schon mehrmals fertigbekommen, in der N�he von Brunnen einfach seinen Schritt dorthin zu lenken, wobei ihm das Kamel folgen mu�te; denn seine B�renkr�fte waren so ungeheuerlich, da� selbst der Reiter nicht imstande war, das Tier in eine andere Richtung zu zwingen.</style></p><p><style name="font3">�Wie ist das, Doktor, meint Ihr, da� wir hier jemals wieder herauskommen? Ich habe nicht viel Hoffnung.�</style></p><p><style name="font3">Michel nickte nachdenklich.</style></p><p><style name="font3">�Wir werden zumindest alles versuchen. Am schlimmsten ist es, da� der Schuft, dieser Hussejn, mein Gewehr in Algier behalten hat. Wenn es einer von diesen Burschen hier bei sich tr�ge, so h�tten wir wenigstens eine wirksame Waffe in Aussicht. Andererseits frage ich mich schon die ganze Zeit, wie wir ohne ein Messer unsere Fesseln zerschneiden sollen. Die Knoten bekommen wir niemals auf.�</style></p><p><style name="font3">Michel erhielt pl�tzlich einen Sto� mit dem Gewehrkolben.</style></p><p><style name="font3">�Kelb ibn Kelb!�, schrie ihn einer der W�chter an. �Was hast du hier zu erz�hlen? Bei Allah, ich haue dir das Gehirn aus dem Kopf, du stinkender Giaur!�</style></p><p><style name="font3">Michel hatte zwar nicht alles verstanden, jedoch war der Ton deutlich genug, und es bedurfte keiner �bersetzung, ihm den Sinn der Worte klar zu machen. So trottete er weiter hinter dem Kamel her.</style></p></section><section><title><p>4</p></title><p><style name="font3">Am Fu� des s�dlichsten Atlasausl�ufers liegt heute die Stadt El Mengub; zur Zeit, da unsere Geschichte spielt, war es noch ein kleiner, unbedeutender Flecken, der seine traurige Ber�hmtheit lediglich den Steinbr�chen verdankte, in denen t�glich die Menschen wie Fliegen dahinstarben.</style></p><p><style name="font3">Der H�henzug, an dessen Fu� El Mengub liegt, bildet die n�rdliche Grenze des Gebietes der Uelad Sekri, der Uelad Mulat und der Schebka-St�mme, die alle zum gro�en Tribus der Beni Msab geh�ren. �</style></p><p><style name="font3">Von Norden her n�herte sich der Kamelreiterzug, zehn Tiere stark, an deren Sattelgurten unsere Freunde hingen. Zu Tode ersch�pft, wurden sie mehr geschleift, als sie gingen. Die Kamele liefen jetzt in scharfem Trab.</style></p><p><style name="font3">�Ho! � Heh! � Jallah!� schrien die Reiter, die froh waren, endlich das Ziel ihres Ritts zu erreichen. �Lauft, ihr Hunde, lauft! Oh, da� euch Allah verderben m�ge, ihr verfluchten Giaur!�</style></p><p><style name="font3">Michel hielt sich verh�ltnism��ig gut. Immer und immer, wenn sein K�rper versagen wollte, befahl er ihm durchzuhalten. Er wollte sein Leben nicht hier beschlie�en. Deste st�hnte und fluchte leise vor sich hin. Ihn hielt einzig sein eiserner Wille aufrecht. Seine F��e waren zu dicken, blutigen Klumpen angeschwollen.</style></p><p><style name="font3">Und Jardin, der kleine Jardin? Er hielt die Augen geschlossen und war wohl halb besinnungslos. Nur die unaufh�rlich rinnenden Tr�nen verrieten, da� er im Weinen Erleichterung suchte. �hnlich wie Jardin ging es dem gelehrten Steuermann der �Medina�.</style></p><p><style name="font3">Abu Hanufa lief dagegen wie eine Maschine. Nicht ein einzigesmal war der Laut einer Klage �ber seine Lippen gekommen. Seine Haltung war musterg�ltig; er erinnerte an einen zu Unrecht verurteilten Edelmann.</style></p><p><style name="font3">Am unverw�stlichsten war Ojo. Seine Kr�fte schienen nie zu erlahmen. Seit vier Tagen trug er schon den alten Kapit�n Porquez auf seinen Schultern. Der alte Mann war zusammengebrochen. Sein erbarmungsloser Reiter hatte ihn �ber eine Strecke geschleift, bis es Ojo zu dumm wurde. Der Herkules blieb einfach stehen, zog das Kamel mit seinem Reiter neben das des alten Kapit�ns, lud sich diesen auf die Schulter und trottete, als sei nichts geschehen, weiter. Dieser Beweis seiner nicht zu brechenden Kraft n�tigte selbst den W�chtern ein achtungsvolles Staunen ab. Sie hatten irgendwie Angst vor ihm, und er kam ihnen unheimlich vor. So lie�en sie ihn gew�hren.</style></p><p><style name="font3">Unvermittelt hielt der Spitzenreiter, der Zugf�hrer, sein Tier an und blickte gespannt nach Westen.</style></p><p><style name="font3">Von dort n�herte sich eine riesige Staubwolke. Sie mu�te von vielen Menschen herr�hren; denn der Staub war trotz des ger�ll�bers�ten Bodens so dicht, da� sich der Himmel zeitweise verfinsterte.</style></p><p><style name="font3">Die Reiter wurden aufmerksam. Michel fl�sterte: �Vielleicht irgendein Berberstamm, der gegen den Daj und seine Janitscharen zu Felde zieht---?�</style></p><p><style name="font3">�Herrgott�, st�hnte Deste. �Ihr meint vielleicht gar eine Rettung? Das w�re wunderbar.� �Frage Ibn Kuteiba, was er davon h�lt.�</style></p><p><style name="font3">Deste wandte sich an den Steuermann.Doch der zuckte nur die Achseln.</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube nicht, da� es uns besser gehen w�rde, wenn wir in die H�nde von Berbern fielen. Diese St�mme kennen noch weniger menschliche Regungen als die Araber. Sie haben nur ein Ziel: Beute.</style></p><p><style name="font3">Es kann durchaus sein, da� in ein paar Minuten unsere W�chter ebenso gefesselt sind wie wir.� �Nichts!� fl�sterte Deste Michel zu. �Er glaubt nicht an Rettung.� Destes Kameltreiber hatte wohl gemerkt, da� sein Gefangener sich mit Ibn Kuteiba �ber irgendetwas verst�ndigt hatte. Und er sah auch, wie er nun Michel die Botschaft weitergab. Aber merkw�rdigerweise reagierte er nicht darauf. Eine fiebernde Unruhe hatte sich der Janitscharen bem�chtigt. Ihre Uniformen waren zu bekannt, als da� man sie �bersehen h�tte. Die Staubwolke kam immer n�her. Doch noch immer konnte man keine Einzelheiten unterscheiden.</style></p><p><style name="font3">Der Zugf�hrer sagte etwas auf arabisch. Destes Gesicht leuchtete auf.</style></p><p><style name="font3">�Doktor, sie beraten, ob sie uns freilassen sollen, weil wir sie an einer etwaigen Flucht hindern w�rden.�</style></p><p><style name="font3">Doch kaum hatte er das gesagt, da wechselte der Ausdruck in seinem Gesicht. Schrecken stand </style><style name="font3">jetzt darin. Die Reiter hatten sich geeinigt, die Gefangenen bei Gefahr zu erschie�en.</style></p><p><style name="font3">�Sag es nicht weiter�, zischte Michel, �sonst gibt es unn�tige Aufregung, dann schie�en uns die </style><style name="font3">Kerle wom�glich gleich zusammen. Wir m�ssen kaltes Blut bewahren.�</style></p><p><style name="font3">�Wir sollten versuchen, uns zu befreien! Ich werde meinem W�chter den Krumms�bel zu </style><style name="font3">entrei�en versuchen. Wir m�ssen---�, sagte Deste hastig, und kleine Schwei�perlen </style><style name="font3">standen auf seiner Stirn. Er wollte vorw�rtsst�rzen. Michel wu�te sich nicht anders zu helfen, als ihm ein Bein zu stellen.</style></p><p><style name="font3">Durch Destes Fall wurden die W�chter wieder auf die Gefangenen aufmerksam. �Steh auf, du Hund!� br�llte einer den Spanier an und stie� mit dem Kolben nach seinem Kopf. �Allah! Waliah! Tallah!� schrie der Zugf�hrer jetzt begeistert. �Seht doch, es sind unsere Leute. Beim Barte des Propheten, es sind Janitscharen wie wir!�</style></p><p><style name="font3">Tats�chlich konnte man jetzt einzelne Reiter erkennen. Immer n�her kamen die Leute des Daj. Aber es waren nur wenige Janitscharen. Die Menschenmasse, die die gro�e Staubwolke verursachte, bestand aus gefangenen Spaniern. Ein Haufen von ann�hernd f�nfzehnhundert Menschen w�lzte sich �ber das Ger�llplateau.</style></p><p><style name="font3">Das St�hnen der Verwundeten wurde laut. Schmerzensschreie stiegen zum Himmel empor. Sie wurden von keinem Gott geh�rt. Erbarmungslos sausten die Nilpferdpeitschen auf die R�cken der Gefangenen und trieben sie immer wieder zum Laufen an. Blut flo� aus staubverkrusteten Wunden, die mit jedem Schlag erneut aufplatzten. Es war ein Zug des Jammers und des Leides. Die zehn Posten, die mit ihren Gefangenen aus Algier kamen, brachen in Jubelrufe aus, st�rmten auf ihren Kamelen ohne R�cksicht auf die daranh�ngenden Gefangenen ihren Kameraden entgegen und wurden von diesen mit dem gleichen Freudengeheul begr��t. Michel st�rzte �ber einen Stein und wurde eine Strecke weit geschleift. Deste �berschlug sich gar mehrmals und ri� sich an den Steinen die Arme blutig. Bei den anderen ging es glimpflicher ab. Dennoch waren Michel und Deste froh, da� sie f�r diesmal dem drohenden Tode entgangen waren. �Schejtan�, schrie der Anf�hrer des gro�en Haufens, ein Onbaschi, den Heranst�rmenden zu. �Wo kommt ihr her? Was habt ihr da f�r verfluchte Hunde an euren Tieren h�ngen? Wollen wir sie nicht in die Reihen der anderen jagen? Ich nehme doch an, da� sie ebenfalls nach El Mengub in die Steinbr�che sollen, ist es nicht so?�</style></p><p><style name="font3">�Allah hat deinen Verstand mit Weisheit ausgef�llt, Sihdi; aber wir haben vom Wesir den Auftrag, diese Giaur selbst in El Mengub abzuliefern.�</style></p><p><style name="font3">�So wollt ihr euch uns anschlie�en?� �Wenn du erlaubst?�</style></p><p><style name="font3">Der Onbaschi machte eine g�nnerhafte Handbewegung.</style></p><p><style name="font3">�Wie k�nnte ich euch meinen Schutz versagen? Ich bin der Vater der Gehorsamen. Ich bin der Besch�tzer der Schwachen und Gef�hrdeten. Bei mir braucht ihr keine Furcht zu haben, da� euch die r�uberischen Berber �berfallen. Schlie�t euch also an.� Deste �bersetzte.</style></p><p><style name="font3">�Gott sei Dank�, sagten die anderen, �dann h�rt wenigstens dieses m�rderische Tempo auf.� Jardin blickte mit verst�rten Augen um sich. Das waren doch Landsleute von ihm! Unverkennbar Spanier!</style></p><p><style name="font3">Aber die Verbindung mit einigen Leuten aus den letzten Gliedern dieses Zuges herzustellen, war nicht leicht, weil die Kamelreiter sich an den Schlu� gesetzt hatten und so zwischen Michel, seinen Freunden und den gefangenen Soldaten ritten.</style></p><p><style name="font3">Meile um Meile legten sie zur�ck. Ojo schleppte noch immer den alten Porquez auf seinem breiten R�cken. Deste fluchte, Jardin hielt die Augen geschlossen. Abu Hanufa.schwieg, und Ibn Kuteiba klagte.</style></p><p><style name="font3">Michel Baum gr�belte. Er �berdachte vieles, was er w�hrend der letzten Monate erlebt hatte. So hoffnungslos wie jetzt hatte er noch niemals in seinem Leben in die Zukunft gesehen. Sogar das Pfeifen hatte er w�hrend dieses Riesengewaltmarsches verlernt. Seine Lippen waren aufgesprungen und so trocken wie die Str�ucher, die hin und wieder am Wege wuchsen. Hinzu kam, da� er die arabische Sprache nur brockenweise verstand, und das auch nur dann, wenn sich der Sprecher M�he gab, klar und langsam zu sprechen. Das war zweifellos eine der st�rksten Erschwerungen. Aus einer so verzweifelten Lage herauszukommen, ohne die Sprache der Feinde zu kennen, ohne sich dadurch mit der Mentalit�t der Araber vertraut machen zu k�nnen, war wenig aussichtsreich.</style></p><p><style name="font3">Michel hatte beschlossen, den Aufenthalt im Steinbruch dazu auszun�tzen, um so gut wie m�glich von Deste Arabisch zu lernen. Vielleicht blieben sie sogar mit Ibn Kuteiba zusammen. Michel konnte sich vorstellen, da� der Steuermann ein vorz�glicher Lehrer war. Immer weiter ging der Marsch. Von den W�chtern hatte man die Bemerkung aufgefangen, da� der Zug morgen gegen Mittag El Mengub erreichen werde.</style></p></section><section><title><p>5</p></title><p><style name="font3">Wenn Michel und seine Freunde geglaubt hatten, auf dem Gewaltmarsch von Algier nach El Mengub bereits alle Qualen der H�lle durchkostet zu haben, so sahen sie sich jetzt darin get�uscht.</style></p><p><style name="font3">Dieser Weg war ein Kinderspiel gegen das, was jetzt begann. Beim ersten Morgengrauen rannten die W�chter, selbst ehemalige Str�flinge, mit geschwungenen Peitschen in die Steinkrale, wo die Gefangenen gefesselt die N�chte verbrachten. Dann mu�ten sie an die Arbeit, und oft standen sie bei f�nfzig Grad Hitze mit blo�en F��en auf den gl�hend hei�en Steinen des Bruches und kratzten ohne Werkzeug, nur mit den H�nden, riesige Steinbl�cke aus dem mit feinem Sand �berdeckten Boden. Tags�ber bekamen sie keinen Schluck Wasser und nichts zu essen. Die Arbeit schien nicht enden zu wollen, bis endlich der Abend kam.</style></p><p><style name="font3">Wenn sie dann ihren Weg bis zu den Steinkralen zur�ckgelegt hatten, wurden sie, aneinandergefesselt, wieder in die Verliese getrieben, die zu ebener Erde dicht am Ufer eines kleinen Fl��chens lagen. Jeder einzelne Kral, in dem sich etwa f�nfzig M�nner aufhalten mu�ten, war nicht mehr als zwanzig Fu� im Quadrat gro�.</style></p><p><style name="font3">Michel war mit seinen Freunden zusammengeblieben und teilte ,seinen Kral mit noch dreiundvierzig spanischen Soldaten.</style></p><p><style name="font3">Sie waren eben erst von der Arbeit im Steinbruch hereingewankt und fielen nun ersch�pft auf das kalte und feuchte Gestein. �ber- und untereinander lagen sie. Dabei hinderten sie die Ketten an den Handgelenken, zum Schlafen eine bequeme Stellung einzunehmen. Schlafen? Soweit war es noch nicht. Zuerst gab es � Essen. Diese Art der F�tterung mu�te von einem ganz besonders teuflischen Hirn erfunden worden sein; denn sie s�te Ha� und Zwietracht unter die Leidgenossen.</style></p><p><style name="font3">Das ging etwa so vonstatten: Nachdem die Eisengitter geschlossen worden waren, schleppte eine Sonderabteilung von Str�flingen, meist aus Arabern bestehend, gro�e, l�ngliche Tr�ge vor die Kralt�r. Die Tr�ge waren so gestellt, da� man sie, wenn man einen normal langen Arm hatte, durch das Gitter angelnd erreichen konnte.</style></p><p><style name="font3">Dann wurde abgestandenes Wasser (obwohl gen�gend Frischwasser vorhanden war) hineingegossen. Zuletzt kamen dann Tr�ger, die in dieses Wasser Brotfladen warfen, die sich in verh�ltnism��ig kurzer Zeit aufl�sten. An der Gittert�r hatten nie mehr als h�chstens zehn Mann zu gleicher Zeit Platz. Jeder, der einmal in seinem Leben gehungert hat, richtig gehungert hat, wird sich ausmalen k�nnen, da� in diesem Augenblick unter den Gefangenen eine wahre Schlacht um den kleinsten Platz am Eisengitter einsetzte. Die mit den l�ngsten Armen und der gr��ten K�rperkraft hatten nat�rlich die gr��te Chance, sich einen oder mehrere der nassen Brotklumpen zu erobern, w�hrend sich drau�en die Posten einen Spa� daraus machten, hin und wieder ihre Peitsche �ber die ausgestreckten H�nde sausen zu lassen.</style></p><p><style name="font3">Zwei Abende lang hatten Michel und seine Freunde vergeblich versucht, auf anst�ndige Art und Weise zu ihrem �Brot� zu kommen. Es war ihnen nicht gelungen. In der Zelle befand sich ein spanischer Feldgeistlicher, der unter Aufbietung seiner letzten Kr�fte versuchte, Ordnung in das Essenfassen zu bringen. Doch die Soldaten, die sonst bei jeder Kleinigkeit die Heilige Maria anriefen, fluchten und schimpften jetzt nur �ber diesen Versuch. Sie schlugen ihn sogar und verd�chtigten ihn, ein besonders gro�es St�ck f�r sich selbst erbeuten zu wollen. Da unterlie� er</style></p><p><style name="font3">seine Bem�hungen und zog sich resigniert dorthin zur�ck, wo er Michel und seine Leute bemerkt hatte.</style></p><p><style name="font3">An einem Abend wurde es Michel doch zu bunt. Er schickte einen vielsagenden Blick zu Diaz Ojo und winkte mit den Augen zu dem Trog hin.</style></p><p><style name="font3">Ojo konnte sich leicht erkl�ren, was das hie�. Er sollte seine Kr�fte f�r die Kameraden einsetzen.Pl�tzlich durchgellte ein Pfiff das Tohuwabohu, so laut und so durchdringend, da� die Unentwegten f�r einen Augenblick einhielten und erschrocken zusammenfuhren. Diesen Augenblick benutzte Ojo und warf sich mit seiner ganzen K�rperkraft zwischen die Meute. Er erreichte das Gitter, ri� einen Fladen nach dem anderen an sich, die er blitzschnell Michel zuwarf, zu dessen F��en sich das nasse Brot h�ufte.</style></p><p><style name="font3">Noch ehe sich die Gierigsten zur Wehr setzen konnten, schnellte Ojo zur�ck, baute sich vor dem Pfeifer auf, und streckte den W�tenden drohend seine Riesenf�uste entgegen. Michel verteilte den Brothaufen schnell und mit sicherem Blick an seine Freunde, den Pfarrer und diejenigen, die bisher durch ihre geringen Kr�fte kaum je etwas erhalten hatten. �Dank, vielen Dank, companero�, waren die dankbaren Rufe der so Gespeisten. Ojo trat zur Seite, und Michel stie� abermals einen Pfiff aus, dem augenblicklich Ruhe folgte. �H�rt, amigos�, schrie er die Soldaten mit gewaltiger Stimme an, �ab heute verteile ich das Essen, und zwar so, da� jeder den gleichen Teil bekommt. Und denjenigen, der mir nicht gehorcht, den schlage ich mit diesen meinen gefesselten H�nden tot, verstanden?� �Vermaledeit � � Lump!� schrie einer der St�rksten. �Was f�llt dir ein, Mensch, �ber uns zu befehlen? Wage nicht noch einmal, mich beim Essen zu st�ren, sonst k�nnte es anders kommen und du bist die Leiche.�</style></p><p><style name="font3">Ojo kroch auf den Schimpfenden zu und wollte sich auf ihn st�rzen. �Bleib zur�ck, Diaz! Ich will mit diesem Kerl reden�, sagte Michel.</style></p><p><style name="font3">Dann wandte er sich an den vierschr�tigen Burschen. �Wie kommst du darauf, companero, von uns zu verlangen, da� wir wegen deiner Gefr��igkeit alle verhungern sollen? Hast du niemals das Wort Kameradschaft geh�rt? Stecken wir nicht alle im selben Dreck? Antworte! Woher nimmst du die Unversch�mtheit, den gr��ten Teil des Brotes zu beanspruchen, Mensch?� �Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig�, brummte der andere, dem es bei den letzten Worten irgendwie unbehaglich geworden war; denn er blickte ringsum in ablehnende Gesichter. �Mir nicht�, gab Michel zur�ck, �aber den anderen hier bist du Rechenschaft schuldig. Ich glaube nicht, da� sie sich mit deiner Eigensucht ohne weiteres abfinden werden.� �Ich bin der St�rkere!� sagte der Soldat selbstbewu�t. �Und ich lasse mir nicht befehlen, noch dazu nicht von einem Menschen, der allem Anschein nach nicht zur Armee geh�rt. Ich bin ein Soldat des K�nigs von Spanien, verstanden?�</style></p><p><style name="font3">�Nun, wenn dein K�nig nur solche Soldaten hat, so ist es kein Wunder, wenn er die Schlacht gegen den Daj von Algier verliert. Ich bedaure ihn; denn Soldaten von deinem Schlag sind Schweine--verstanden! � Schweine!�</style></p><p><style name="font3">Der Gema�regelte fuhr w�tend auf und versuchte, sich Michel zu n�hern. Hochrot im Gesicht arbeitete er sich m�hsam durch den Berg von Leibern, der den Boden bedeckte. Seine Kette lie� ihm einigen Spielraum.</style></p><p><style name="font3">�Komm mir nicht zu nahe�, sagte Michel, �du stinkst. Ich m�chte mich nicht durch dich beschmutzen. Adelante -hau ab!�</style></p><p><style name="font3">Der Soldat jedoch kroch immer n�her. Jetzt hatte erMichels F��e erreicht. Ojo zitterte bereits vor Ungeduld. Er h�tte den Burschen am liebsten sofort in St�cke gerissen. Michels Gesichtsausdruck war ruhig. Keine Wimper zuckte.</style></p><p><style name="font3">Der Angreifer griff nach seinen F��en.</style></p><p><style name="font3">Da war Michel trotz der uns�glichen Schmerzen, die er dabei erlitt, auch schon auf den Beinen </style><style name="font3">und zog den W�tenden mit sich hoch.</style></p><p><style name="font3">Nun standen sie sich gegen�ber.</style></p><p><style name="font3">�Du hast mich beleidigt!� schnaufte der Soldat.</style></p><p><style name="font3">�Nimm deine Zunge in acht, du gefr��iger L�mmel!� war die scharfe, aber trockene Antwort Michels.</style></p><p><style name="font3">�Wa�a�a�as?� Der Landsknecht holte aus. Die Ketten rasselten. Aber pl�tzlich f�hlte er </style><style name="font3">selbst einen ungew�hnlich harten Schlag am Kopf. Noch einen und noch einen. Dann sackte er </style><style name="font3">lautlos zusammen.</style></p><p><style name="font3">Michel hatte ihn niedergeschlagen.</style></p><p><style name="font3">Bewundernde Blicke hefteten sich auf ihn.</style></p><p><style name="font3">�H�rt zu, companeros, ihr habt nun gesehen, wer hier der St�rkere ist. Glaubt mir, ich will euch nicht um das Brot bringen. Ich will nur, da� jeder den gleichen Teil bekommt. Von morgen ab verteile ich die ganze Ration, nachdem sie mein Freund hier aus dem Wasser gefischt hat. Wer zu mir h�lt, wird noch einmal deswegen froh sein.� Ohne eine Antwort der anderen abzuwarten, setzte er sich nieder.</style></p><p><style name="font3">�Der Mann hat recht�, sagte da eine dunkle, wohlklingende Stimme. Es war die des Pfarrers. �Jeder einzelne mu� in dieser Lage beweisen, da� der Nachbar auch sein Bruder ist. Es ist nicht nur das Gebot unseres Herrn Jesu Christi, es ist auch ein Gebot der Selbsterhaltung. Wenn wir uns gegenseitig zerfleischen, so werden wir hier nie wieder herauskommen. Betet jetzt und dankt dem Herrn f�r das Brot!�</style></p><p><style name="font3">Der letzte Satz war mit barscher Stimme gesprochen. Aber es stellte sich heraus, da� der Pfarrer seine Leute kannte. Sie gehorchten. Und allenthalben falteten sich die zerschundenen, blutigen H�nde.</style></p><p><style name="font3">Michel konnte ein L�cheln nicht unterdr�cken. Ihm fiel es nicht ein, auch noch f�r das aufgeweichte Brot ein Dankgebet zu sprechen. Es mutete ihn fast komisch an, da� hier ein aufrechter Mann, wie dieser Pfarrer, die Beibehaltung des Gebetes allen Dingen voranzusetzen schien.</style></p><p><style name="font3">Der Pfarrer blickte vorwurfsvoll auf Michels H�nde und dann in sein Gesicht; aber er schwieg. Und das war gut so. Ein Streitgespr�ch f�r und wider das Beten h�tte zu dieser Stunde und in diesem Kreis nur Verwirrung gestiftet.</style></p><p><style name="font3">Der noch immer Besinnungslose wurde von denen, die an ihn gefesselt waren, wieder auf seinen Platz gezogen. Als er erwachte, blieb ihm nichts weiter �brig, als zu schweigen. Zu sp�ter Nachtstunde erwachte Michel. Er hatte den Eindruck, da� ihn jemand anrief. Und er t�uschte sich nicht.</style></p><p><style name="font3">�Senor�, fl�sterte eine verhaltene Stimme, �Senor, schlaft Ihr bereits?� Es war der Pfarrer.</style></p><p><style name="font3">�Nein�, wisperte Michel zur�ck, so leise es nur irgend ging; denn zwischen dem Pfarrer und ihm lagen Ojo, Deste und Jardin.</style></p><p><style name="font3">�Ich kann nicht schlafen, Senor. Ich m�chte mich gern ein wenig mit Euch unterhalten.�Michel brauchte sich gar nicht erst aufzurichten; denn Platz zum Ausstrecken hatte er ohnehin nicht gefunden.</style></p><p><style name="font3">�Tut Euch keinen Zwang an, Vater�, entgegnete er, �soll es ein theologisches, ein weltanschauliches Thema sein?� Einen Augenblick war Schweigen.</style></p><p><style name="font3">�Wohl auch das�, meinte der Pfarrer. �Ich glaube, Ihr habt Bedenken?�</style></p><p><style name="font3">�Nicht meinetwegen. Padre, sondern wegen derjenigen, die etwa zuf�llig zuh�ren k�nnten.</style></p><p><style name="font3">Sprecht Ihr eine fremde Sprache?�</style></p><p><style name="font3">�Mehrere, Senor---.�</style></p><p><style name="font3">�Baum ist �brigens mein Name, Michel Baum.�</style></p><p><style name="font3">�Michel? So seid Ihr gewi� ein Deutscher?�</style></p><p><style name="font3">�Ihr habt recht. Sprecht Ihr Deutsch?�</style></p><p><style name="font3">�Ich f�rchte, nicht gut genug. Wie steht es mit Englisch?�</style></p><p><style name="font3">�Well�, antwortete Michel auf Englisch. �I will try to make myself clear enough. Let's talk. � Ich werde versuchen, mich so gut wie m�glich verst�ndlich zu machen. Unterhalten wir uns.� �Ich glaube, Ihr sprecht es sogar besser als ich�, meinte der Pfarrer. �Ihr wart so nett, Euch vorzustellen, mein Name ist Pater Geronimo Alvarez.�</style></p><p><style name="font3">�Namen sind Schall und Rauch. Darf ich Euch einfach �Father� � Vater � nennen?� �Ich bitte darum.�</style></p><p><style name="font3">�Also gut, Father, was liegt Euch so dringend am Herzen, da� Ihr Euch um Eure eigene Nachtruhe bringt?�</style></p><p><style name="font3">�Well, Mr. Baum, vorhin, als ich zum Gebet aufrief, da l�cheltet Ihr ein wenig geringsch�tzig � ein wenig zu geringsch�tzig fast, m�chte ich sagen. Seid Ihr ein Gottesver�chter?� �Ihr fragt mich sehr offen�, erwiderte Michel, �so m��te ich auch offen antworten.� Er l�chelte ein wenig m�de, als er fortfuhr. �Nein. Ich bin kein Gottesver�chter. Aber ich glaube, ich habe eine vom �blichen etwas abweichende Religion. Ich will damit sagen, da� ich ganz undogmatisch bin.�</style></p><p><style name="font3">�So seid Ihr ein Protestant, ein Lutheraner?�</style></p><p><style name="font3">�Auch nicht, Father, ich m�chte gern ein Mensch sein.�</style></p><p><style name="font3">Es trat eine Pause ein, ehe der Pater entgegnete.</style></p><p><style name="font3">�Das verstehe ich nicht. Stellt Ihr vielleicht das Menschliche vor das Christliche?� Michel konnte eine leichte Erregung nicht verbergen, als er sagte: �Ich glaube, man kann nur ein Christ sein, wenn man ein Mensch ist, nicht ein weiser Mensch, sondern ein humaner Mensch. Versteht Ihr das?�</style></p><p><style name="font3">�Nun, auch ich habe humanistische Bildung genossen und bin ein Christ.�</style></p><p><style name="font3">�Well, es ist Euer Beruf, gut zu sein. Au�erdem schlie�t das eine nicht das andere aus. Aber </style><style name="font3">auch diese spanischen Soldaten, die hier um uns herumliegen, sind Christen. Ihr habt gesehen, </style><style name="font3">wie sie ihr Christentum vergessen, wenn es sich um ein St�ck Brot handelt.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr urteilt zu scharf. Der Mensch ist gut. Man mu� ihn nur richtig leiten.�</style></p><p><style name="font3">Michel z�gerte einen Augenblick mit der Antwort. Er wollte den Pater nicht beleidigen. Doch </style><style name="font3">dann meinte er:</style></p><p><style name="font3">�Dann m�ssen die meisten Christen, mit denen ich bisher zu tun gehabt habe, schlecht geleitet gewesen sein. Manche von ihnen waren recht gute Christen, aber leider keine � Menschen.� Der Pater ahnte, da� Michel viele ersch�tternde Erlebnisse gehabt haben m�sse, und fragte ihn danach voller Anteilnahme. Doch er bekam nur eine vage Antwort:�Es ging. Es h�tte schlimmer sein k�nnen. Ihr m��t wissen, ich war Arzt auf einer Seer�ubergaleone. Au�erdem bin ich ein fahnenfl�chtiger Musketier, den man wider seinen freien Willen zur Armee gepre�t hat, nachdem man ihn zuerst wegen einer Geringf�gigkeit zu langer Festungshaft verurteilt hatte. Und das alles im Namen Seiner allerchristlichsten Hoheit des Landgrafen von Hessen-Kassel. Well, da habe ich beschlossen, nach meinem eigenen Gesetz zu leben.� �Ihr seid Arzt?� �Ja.�</style></p><p><style name="font3">�Wo habt Ihr studiert?� �In Rostock.�</style></p><p><style name="font3">�Und habt Ihr praktisch gearbeitet?�</style></p><p><style name="font3">�Kurze Zeit � in Berlin.�</style></p><p><style name="font3">Der Pfarrer schwieg nachdenklich.</style></p><p><style name="font3">�Dann kann ich Eure Ansichten verstehen. In Berlin regiert ja ein K�nig, der das Wort gepr�gt hat: Jeder werde nach seiner eigenen Facon selig! Ein Gottesleugner also�, f�gte er in scharfem Ton hinzu, �denn es gibt nur eine seligmachende Facon. Und das ist die Kirche.� �Ich m�chte eher sagen, das Herz�, wandte Michel ruhig ein. �Der Preu�enk�nig hat gewu�t, da� wir zuerst zu Menschen werden m�ssen, menschlich sein m�ssen, versteht Ihr, bevor wir �ber Gott reden d�rfen.�</style></p><p><style name="font3">�Gute Nacht, Doktor�, sagte der Pater unvermittelt.</style></p><p><style name="font3">�Seid Ihr nicht ein wenig unduldsam, Father? Warum brecht Ihr das Gespr�ch pl�tzlich ab, wo Ihr es doch selbst begonnen habt?� fragte Michel verwundert. �Ich dachte, ich k�nnte Euch bekehren!�</style></p><p><style name="font3">�An mir ist nichts zu bekehren�, erwiderte Michel, �vielleicht schleift mich die Zeit ab, vielleicht werde ich in meinem Leben noch andere Ansichten vertreten als heute, durchaus m�glich. Bekehren kann mich ein Mensch nicht. Ich finde, man selbst mu� zuweilen Einkehr halten, wenn man wissen will, woran man ist.� �Glaubt! Das ist das beste Rezept.�</style></p><p><style name="font3">�Aber �Suchet, so werdet ihr finden, steht in der Bibel. Ihr seht, es ist nicht so einfach.� Der Padre schwieg lange, dann w�nschte er dem Pfeifer �Gute Nacht�. �Gute Nacht�, antwortete Michel.</style></p><p><style name="font3">Seine Gedanken schweiften weit weg. Sie flogen �ber das Mittelmeer, nahmen ihren Weg �ber die Alpen und liefen zum Schlu� in Kassel �ber den Marktplatz bis zu jenem Haus, in dem ein M�dchen wohnte, das zu dieser Stunde vielleicht f�r ihn betete und das ihm einmal so tapfer beigestanden hatte. Ob Charlotte wu�te, wie schlecht die Welt sein konnte? Eberstein, dachte Michel pl�tzlich, wo mochte der Schuft jetzt sein? War er wohl mit seinen Soldaten nach England gekommen und von dort aus wieder nach Amerika eingeschifft worden? Dann schob sich wieder das Bild der Gr�fin de Villa-verde y Bielsa zwischen seine Gedanken. Verf�hrerisch sch�n war ihr Gesicht. Deutlich sah er den Kontrast zwischen den r�tlichen Haaren und den dunklen, fast schwarzen Augen. Hatte er nur �ble Erinnerungen an ihr Dasein? Nicht gar so schlimme. Eberstein war schlechter, viel schlechter; weil er klein und kleinlich war, ein Mensch, der sich selbst um den niedrigsten Vorteil verkaufen w�rde. W�rde er ihn je wiedersehen �?</style></p><p><style name="font3">Michel war noch immer hellwach, als das Singen des Muezzins vom Minaren der nahen Moschee her�berklang. Es war um die Stunde des Morgengebets. Das erste Grau eines neuen Tages kam herauf.</style></p><p><style name="font3">�Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen. Lob und Preis sei Allah, dem Weltherrn, dem Allerbarmer, der da herrschet am Tage des Gerichts � � ��</style></p></section><section><title><p><style name="font3">6</style></p></title><p><style name="font3">Die Tage und Wochen schlichen dahin. Immer unertr�glicher wurde die Hitze. Unter den Str�flingen im Steinbruch von El Mengub herrschte der Tod und raffte die Menschen dahin. Es war Michel, Ojo und dem arabischen Kapit�n Abu Hanufa zu verdanken, da� ihre Gruppe durchhielt.</style></p><p><style name="font3">Ojo schuftete f�r drei und verrichtete die Arbeit des alten Porquez mit, so da� dieser nur dann wirklich heranmu�te, wenn der Posten zu nahe war. Ebenso verhielt es sich mit dem kleinen Alfonso Jardin, der von Tag zu Tag gleichg�ltiger wurde. Er tat so gut wie nichts. Ojo �bernahm auch seinen Teil.</style></p><p><style name="font3">Michel und Abu Hanufa griffen zu, wenn die anderen nicht mehr weiterkonnten. Deste war nur als halbe Kraft zu werten. Er verfiel sichtlich. Von Ibn Kuteiba gar nicht zu reden. Auch hatte sich Padre Geronimo enger an die Gruppe angeschlossen. Die h�ufigen Kontroversen mit dem deutschen Doktor brachten etwas Abwechslung in die Eint�nigkeit. Man hielt dabei seinen Geist wach und sch�ttelte die Lethargie ab, die sich immer wieder einzustellen drohte. Von den Mitbewohnern des Krals waren bereits vier gestorben, das hei�t, sie waren eigentlich nach und nach totgeschlagen worden; denn die Aufseher kannten keine Gnade, wenn einer sein Arbeitsziel nicht erreichte; das schienen eigens ausgesuchte Menschenschinder zu sein. Michel behauptete allerdings, da� nach und nach jeder Aufseher, mochte er urspr�nglich auch einen guten Kern in sich gehabt haben, von Ha� ergriffen werde.</style></p><p><style name="font3">Ringsum schien �berhaupt alles nur aus Ha� zu bestehen. Die W�chter brachten auch nicht einen einzigen Befehl und nicht eine einzige Anweisung �ber die Lippen, ohne sie mit einem Fluch oder einem Schimpfwort zu verbinden.</style></p><p><style name="font3">Die einzige Ber�hrung mit der Au�enwelt, sofern man bei der Bev�lkerung von El Mengub �berhaupt von einer solchen sprechen konnte, hatten die Str�flinge des Morgens, wenn sie wie Vieh zur Tr�nke, das hei�t an das Ufer des Flusses, der dicht vor ihren Verliesen vorbeiflo�, gef�hrt wurden. Ein paar unentwegte Einwohner schleppten um diese Zeit bereits ihre Wasserkr�ge. Es waren nat�rlich nur Frauen, die, tief verschleiert, weder ein Wort sprachen, noch auf eine andere Weise mit den Gefangenen in Verbindung traten. Primitiv, meinte Michel, und er hatte wohl nicht unrecht mit dieser Ansicht. Die M�nner der Frauen lagen um diese Zeit noch faul in den Betten oder waren wieder hineingestiegen, nachdem sie als pflichttreue Muslimun ihr Morgengebet verrichtet hatten, M�nner, die arbeiteten, schien es in ganz Nordafrika nicht zu geben.</style></p><p><style name="font3">�Doktor�, sagte Deste eines Abends, �weshalb pfeift Ihr gar nicht mehr? So ein t�nendes Kunstgebilde, wie es jener deutsche Maestro nach Euern Erz�hlungen auf der Orgel spielte, k�nnte uns ganz gut �ber manche tr�be Stunde hinweghelfen.�</style></p><p><style name="font3">Deste meinte Bach, von dem ihm Michel fr�her zuweilen etwas vorgepfiffen hatte, eine Fuge, eine Toccata oder ein anderes Orgelst�ck.Michel nickte.</style></p><p><style name="font3">�Du hast recht, Carlos. Ich w�rde auch wohl �fter pfeifen, wenn ich nicht Angst h�tte, da� sich die Posten daran gew�hnen. Sobald sie wissen, da� einer hier ist, der so pfeift wie ich, verl�ren sie alle Furcht und allen Aberglauben, wenn ich das Pfeifen einmal zu anderen Zwecken ben�tigen sollte. Du wei�t, es hat uns manchmal geholfen, aber nur, wenn es �berraschend kam.�</style></p><p><style name="font3">Deste war zufrieden. Nicht so der Pfarrer.</style></p><p><style name="font3">�Habe ich recht vernommen?� schaltete er sich ein, �Ihr kennt Johann Sebastian Bach, den </style><style name="font3">ber�hmten Kirchenkomponisten?�</style></p><p><style name="font3">�Ja. Findet Ihr das so unglaublich?�</style></p><p><style name="font3">�Und Ihr verehrt den Maestro?� fragte der Pfarrer weiter.</style></p><p><style name="font3">�Ja, ich liebe Musik. Eure Fragen klingen ein wenig hintergr�ndig, Padre, was wollt Ihr?�</style></p><p><style name="font3">Der Pfarrer ritt sein Steckenpferd. Er schien sich vorgenommen zu haben, Michel aus den Armen </style><style name="font3">der Ketzerei zu rei�en, wie er dessen Anschauung von Glauben und Welt nannte.</style></p><p><style name="font3">�Wenn Ihr seine Musik liebt, so m��t Ihr auch Gott lieben; denn diese Musik ist ein St�ck von </style><style name="font3">Gott.�</style></p><p><style name="font3">�Aha�, sagte Michel belustigt, �da hinaus wollt Ihr wieder. Habe ich je gesagt, da� ich Gott nicht liebe?�</style></p><p><style name="font3">�Ihr glaubt nicht an die Lehre der alleinseligmachenden Kirche.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr weicht vom Thema ab�, sagte Michel vers�hnlich. �Bleiben wir bei Bach. Kennt Ihr etwas von ihm?�</style></p><p><style name="font3">�Das will ich meinen. Leider kann ich nicht gut genug singen. Sonst w�rde ich es Euch beweisen.�</style></p><p><style name="font3">Michel schwieg einen Augenblick. Ihn �berkam pl�tzlich Lust zu pfeifen. Er warf alle Hemmungen beiseite und setzte ein, ganz leise und zart wie eine ged�mpfte Violine. Er verwob die Linien der kleinen g-moll-Fuge mit einer solchen Geschicklichkeit und Schnelligkeit, da� es sich anh�rte, als gingen sie tats�chlich ineinander �ber.</style></p><p><style name="font3">Aber vorsichtig hielt er in der Lautst�rke zur�ck. Er drehte sich zur Felsenwand um und pfiff gegen diese. Es konnte kaum ein Ton nach au�en dringen. Als er geendet hatte, sa� der Pfarrer ganz versonnen da.</style></p><p><style name="font3">�In Spanien gibt es einen Mann, der mag es genau so gut k�nnen wie Ihr. Er haust in den Pyren�en und hat einen Pakt mit dem Teufel. Ein befreundeter Padre berichtete mir von ihm.� Michel horchte auf. Es war finster. Sein L�cheln konnte niemand sehen. �Soso�, meinte er, �einen Pakt mit dem Teufel hat dieser Mann? Wie schade, da� ich ihn nicht kenne. Sicherlich begeht er schlimme Verbrechen?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, nein�, sagte der Pfarrer hastig, �das ist ja eben das Wunderbare. Man erz�hlt sich in ganz Nordspanien Wunderdinge �ber ihn. Er soll k�hn sein, stark wie ein B�r, klug wie ein Fuchs und gut wie ein Lamm. Nur leider pfeift er nicht so sch�ne Melodien wie Ihr. Seine Musik nennen sie im weiten Umkreis Teufelstriller.� �Wer ist dieser Mann und wie hei�t er?�</style></p><p><style name="font3">�Er mu� aus Euerm Vaterland stammen. Dort oben nennen sie ihn �E1 Silbador� ��Der Pfeifer�. So wenigstens berichtete mir mein Amtsbruder.�</style></p><p><style name="font3">Michel schwieg wieder. In der Zelle war es m�uschenstill. Vielleicht schliefen die meisten der Insassen bereits. Drau�en h�rte man den sich entfernenden Schritt eines Postens, der auf seiner Runde hier vorbeigekommen war.Als der W�chter nicht mehr zu vernehmen war, stie� Michel pl�tzlich ein paar seiner ber�hmten Triller in schneller Folge aus.</style></p><p><style name="font3">Die Soldaten fuhren erschrocken zusammen. Einige rappelten sich erschrocken auf. Einer fluchte sogar. Er war wahrscheinlich aus dem Schlaf gerissen worden. Padre Geronimo hielt vor Schreck den Atem an. �Meintet Ihr diese Art von Trillern?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Was � was � was ist in Euch gefahren? � Wer � wer � hat Euch das gelehrt?�</style></p><p><style name="font3">�Niemand. � Doch, wartet, der Teufel war's. Ich erinnere mich noch lebhaft an seinen Besuch. Ja, der Teufel in Gestalt eines Kunstpfeifers, der in Deutschland auf den Jahrm�rkten herumzog. War wirklich ein armer Teufel, dieser Teufel.� �Warum sagt Ihr ihm nicht, da� Ihr El Silbador seid?� fragte Deste.</style></p><p><style name="font3">�Oh, ich wollte Padre Geronimo nicht zu verstehen geben, da� er sich so dicht in der N�he eines vom Teufel Besessenen aufh�lt.�</style></p><p><style name="font3">Die Ketten des Padre rasselten. Er wollte sich wahrscheinlich aufrichten. Jedenfalls meinte er zornig:</style></p><p><style name="font3">�Treibt keine dummen Scherze mit mir, Doktor. Dieser Spa� hier geht zu weit.�</style></p><p><style name="font3">�Es ist kein Spa�, Padre. Ich bin wirklich jener Silbador, von dem Euch der Pfarrer von Bielsa </style><style name="font3">berichtete. Ich habe den Grafen de Villaverde aus seinem Felsenverlies befreit. Glaubt Ihr mir </style><style name="font3">nun, da ich Euch Einzelheiten nenne?�</style></p><p><style name="font3">�Santa Maria!� entfuhr es Geronimo.</style></p><p><style name="font3">�Seid beruhigt�, beschwichtigte ihn Michel, �zu solcherlei Befreiungsakten braucht man nicht extra den Teufel zu bem�hen. Er w�rde sich wahrscheinlich ohnehin f�r diese Arbeit bedanken. Sie ist ihm zu schmutzig. Padre, glaubt Ihr denn im Ernst, da� ein Mensch aus Fleisch und Blut einen Pakt mit dem B�sen schlie�en kann? Das sind doch M�rchen. Die Zeit der Inquisition, der Hexenverbrennungen und Teufelsaustreibungen ist doch heute �berwunden.� �Ich wei�, ich wei�, Ihr lehnt alles ab, was nicht nach Euerm Geschmack ist. Ihr bleibt eben doch ein Ketzer.�</style></p><p><style name="font3">�Nun, vielleicht gelingt es mir, uns alle noch mit Gottes Hilfe hier aus dem Kerker zu befreien. Vielleicht erhalten wir eher Hilfe, als wir denken. Nehmen wir einmal an, es w�re so. W�rdet Ihr glauben, da� Gott einem Manne hilft, der ein Ketzer ist?�</style></p><p><style name="font3">Schweigen. Michel wartete vergeblich auf eine Antwort. Der Padre schien die Unterhaltung nicht fortsetzen zu wollen.</style></p></section><section><title><p>7</p></title><p><style name="font3">Der neue Tag begann, wie bisher jeder Tag begonnen hatte. Am Anfang ert�nte der eint�nige </style><style name="font3">Sprechgesang des Muezzin. Die erste Sure des Korans war das Alpha und das Omega im Leben </style><style name="font3">eines treuen Dieners des Propheten.</style></p><p><style name="font3">�Jallah! - Jallah!� erschollen dann die Rufe der W�chter.</style></p><p><style name="font3">Die Peitschen knallten ihren gr��lichen Kontrapunkt zu der Melodie des Hasses. </style><style name="font3">Die Gitter �ffneten sich, Ketten rasselten. Die Str�flinge wankten hinaus aus den Kralen. </style><style name="font3">Schiebend und sto�end dr�ngten sie sich zum Flu� hinunter, um sich denMagen voll Wasser zu </style><style name="font3">pumpen. Sie tranken nicht etwa so unm��ig, weil sie einen unstillbaren Durst hatten, nein, sie </style><style name="font3">wollten nur das Gef�hl haben, voll zu sein, voll von irgend etwas, das dazu angetan war, ihnen </style><style name="font3">f�r einige Minuten Sattheit vorzugaukeln.</style></p><p><style name="font3">Es gibt nur wenig Menschen, die sich den richtigen Hunger vorstellen k�nnen, den langsam zerm�rbenden Hunger, den Hunger, der keinen anderen Gedanken mehr aufkommen l��t als den ans Essen. F�r den, der so hungert, ist Essen schlechthin der Inbegriff des Lebens. Schnelles Verhungern ist eine Gnade gegen den Hunger, mit dem ein Strafvollzugsbeamter einen Str�fling oder auch Tausende von Str�flingen jahrelang zerm�rben kann. Immer zwischen Hoffnung und Verzweiflung l��t er den Ungl�cklichen weiterleben. Wenn dieser dann vorzieht, freiwillig ein Ende zu machen, so bekommt er f�r ein paar Tage die Ration um ein weniges erh�ht. Er wird davon nicht satter. Aber er unterl��t den Selbstmord oder schiebt ihn auf, um ihn nach einer gewissen Zeit unter Umst�nden wieder � aufzuschieben, bis er von selbst hin�bergeht, weil K�rper und Seele verfallen, denn die Nerven, die alles zusammenhalten m�ssen, verhungern ohne gen�gend Nahrung zuerst.</style></p><p><style name="font3">Das war es, wovor sie alle Angst hatten im Steinbruch von El Mengub. Und so tranken sie in sich hinein, was hineinging.</style></p><p><style name="font3">Auch bei dieser Nahrungsaufnahme kamen die St�rksten am besten weg. Sie dr�ngten die Schw�cheren einfach beiseite und machten sich breit. Der Egoismus ist der Gef�hrte des Hungers.</style></p><p><style name="font3">Michels Autorit�t hatte sich in seinem Kral l�ngst durchgesetzt. Auch die Soldaten hatten gemerkt, da� sie so am besten fuhren. Ihre Reihen hatten sich bisher am wenigsten gelichtet. Sechs Mann hatten sie erst zu beklagen. Das war, an den anderen gemessen, gar nicht der Rede wert.</style></p><p><style name="font3">Heute morgen war Michel wie immer der letzte, der sich zum Trinken niederlegte. Als er satt </style><style name="font3">war und den Kopf von der Wasseroberfl�che hob, fiel sein Blick wie zuf�llig auf eine der </style><style name="font3">arabischen Frauen, die in der N�he ihren Wasserkrug f�llte.</style></p><p><style name="font3">Er hatte den Eindruck, als mache sie ihm mit der Hand verstohlen Zeichen. </style><style name="font3">Michel blieb in seiner Haltung und beobachtete sie aufmerksam. T�uschte er sich? War nur der </style><style name="font3">Wunsch der Vater des Gedankens?</style></p><p><style name="font3">Nein. Sie schien wahrhaftig ihn zu meinen. Was mochte sie wollen? Da nahm sie ihren Krug auf den Kopf und ging ein paar Schritte in der Richtung, die auch die Gefangenen in wenigen Minuten einschlagen w�rden. Entt�uscht wollte sich Michel erheben.</style></p><p><style name="font3">Aber da blickte sie sich wieder um und deutete auf einen in der N�he liegenden, gr��eren Stein. Michel sah scharf hin. Tats�chlich, sie lie� etwas fallen, so, da� es genau hinter diesen Stein zu liegen kam.</style></p><p><style name="font3">Ein Fieber packte den Pfeifer. Seine Glieder begannen pl�tzlich zu flattern. Unruhig streiften </style><style name="font3">seine Augen hin und her.</style></p><p><style name="font3">Hatte einer der W�chter etwas bemerkt?</style></p><p><style name="font3">Nein. Auch die Gef�hrten waren ahnungslos, niemand schien auf das sonderbare Verhalten der </style><style name="font3">Araberin aufmerksam geworden zu sein.</style></p><p><style name="font3">Der Haufen stellte sich in losen Gruppen auf.</style></p><p><style name="font3">�Jallah! - Jallah!� schrien die Posten.</style></p><p><style name="font3">Der Elendszug setzte sich in Bewegung.</style></p><p><style name="font3">Michel hatte versucht, sich in die rechte Au�enreihe zuschmuggeln, was ihm nach einigen kr�ftigen St��en auch gelang.</style></p><p><style name="font3">Noch etwa zehn Schritte trennten ihn von jenem Stein. Eins � � zwei � � drei � � vier � �</style></p><p><style name="font3">Da bemerkte Michel mit Entsetzen, da� der Posten, der ein paar Schritte weiter voraus die Str�flinge antrieb, zur�ckblieb. Verdammt, jetzt lief er neben ihm. Neun � � zehn � �</style></p><p><style name="font3">Er mu�te es wagen. Er stie� einen Fluch aus und stolperte, fiel an den Posten, der w�tend zur Seite sprang und mit der Peitsche ausholte. Als Michel direkt neben dem Stein flach auf dem Boden lag, sauste die Nilpferdpeitsche auf ihn herab und traf mit sausender Wucht seinen R�cken.</style></p><p><style name="font3">Allein, der Gepeinigte versp�rte kaum den Schlag. Er f�hlte nicht das Brennen der aufgeplatzten Haut. Ein gl�ckliches Leuchten stand in seinen Augen, als er sich hastig aufrichtete und sich wieder einreihte.</style></p><p><style name="font3">Das, was er da soeben aufgehoben hatte, pre�te er an die Brust. Es f�hlte sich hart an und zwar ziemlich lang.</style></p><p><style name="font3">�Ist Euch nicht gut, Doktor?� fragte Ojo besorgt, der sich trotz des Scheltens seiner Kameraden zu Michel hindr�ngte. �Kann ich Euch helfen? Ich werde Eure Arbeit �bernehmen.� Michel hatte einen so freudigen Glanz in den Augen, da� ihn Ojo �ngstlich anstarrte. Er glaubte, der Unbezwingliche und Unverw�stliche sei wahnsinnig geworden, und bekam einen ungeheuren Schreck.</style></p><p><style name="font3">Michel nahm die Riesenpfote des treuen Begleiters in seine Rechte und dr�ckte sie dankbar. �Mach dir keine Sorgen, Diaz. Ich mu�te einfach stolpern, und ich mu�te auch lang hinfallen. Danke Gott, da� mir das gelungen ist.�</style></p><p><style name="font3">Diaz Ojo war ein seelenguter Mensch. Aber schnelles Denken war nie seine starke Seite gewesen. Noch immer blickte er zweifelnd auf den Pfeifer, beruhigte sich jedoch, als er keine weiteren Anzeichen beginnenden Wahnsinns an ihm bemerkte. �</style></p><p><style name="font3">Die Arbeit war schwer. Die Finger bluteten, und mehr als einmal sausten die Peitschen der unbarmherzigen Aufseher auf die R�cken der wei�en Sklaven.</style></p><p><style name="font3">Michel sp�rte nichts von alledem. Aufmerksam betrachtete er heute die Umgebung. Nach S�den war ein Entkommen unm�glich; denn dort lag die W�ste. Aber einer Fluchtm�glichkeit galt sein suchender Blick zun�chst noch nicht. Er wollte nichts anderes als eine Gelegenheit finden, das P�ckchen heimlich zu �ffnen und nach einer Botschaft zu durchsuchen; denn die Unbekannte d�rfte sicherlich nicht aufs Geratewohl gehandelt haben. Irgendein Plan mu�te dem geheimnisvollen P�ckchen zugrunde liegen.</style></p><p><style name="font3">So sehr sich Michel auch bem�hte, er fand keinen g�nstigen Augenblick, in dem er eine nachlassende Aufmerksamkeit der W�chter bemerkt h�tte. Er konnte sich auch nicht selbst ein wenig abseits halten, denn daran hinderten ihn die Ketten, mit denen einer an den anderen gefesselt war. Die eisernen Ringe lagen wie Klammern um die Handgelenke.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">8</style></p></title><p><style name="font3">Langsam sank die Sonne hinter den Horizont, und die Gefangenen wankten den Weg in die Verliese zur�ck. Immer dunkler wurde es. Die D�mmerung in Afrika war kurz. Der Tag ging fast in die Nacht �ber. Als sie in den Kralen lagen, kam drau�en am Himmel der volle Mond zum Vorschein. Michel h�tte fast einen Freudenschrei ausgesto�en. Das war das gro�e Wunder. Der Mond spendete so viel Helligkeit, da� man in der N�he des Gitters ein Buch h�tte lesen k�nnen.</style></p><p><style name="font3">Als die F�tterung vor�ber war, griff Michel unter die Fetzen, die fr�her einmal sein Hemd gewesen waren, und nestelte das P�ckchen hervor.</style></p><p><style name="font3">Mit zitternden Fingern �ffnete er es und hielt zwei Gegenst�nde in der Hand � � eine scharfe </style><style name="font3">Feile und einen---Dolch, um dessen Griff ein St�ck Papier gewickelt war.</style></p><p><style name="font3">Michel verbarg die Gegenst�nde hastig zwischen sich und der Wand.</style></p><p><style name="font3">�Carlos�, fl�sterte er Deste zu, �ich m�chte ein wenig frische Luft am Gitter schnappen. Nimm du meinen Platz ein.�</style></p><p><style name="font3">Deste gehorchte z�gernd. Er sah keinen Grund f�r das pl�tzliche Bed�rfnis des Pfeifers nach frischer Luft. Michel zerrte an seinen Ketten, bis er am Gitter war, nachdem er auf mehrere Menschen getreten hatte, die w�tende Fl�che zwischen den Z�hnen zerdr�ckten. Ein Sch�ttelfrost packte Michel, als er den Zettel mit den wenigen Zeilen ins Mondlicht hielt.</style></p><p>�Senor Baum, seht zu, da� Ihr Euch befreien k�nnt. Ich warte drei N�chte auf Euch am n�rdlichen Fu� des Dschebel Arrarat. Bis dorthin ist es von Euerm Verlies aus nicht weiter als eine Meile. Ein Freund.�</p><p><style name="font3">Wer mochte der Fremde sein? Der Brief war in spanischer Sprache von einer ge�bten Hand geschrieben. Das sah man sofort. Gleichg�ltig. Es war die erste Chance, die Freiheit wiederzugewinnen.</style></p><p><style name="font3">Michel arbeitete sich auf seinen Platz zur�ck, den Deste sofort verlie�.</style></p><p><style name="font3">�Padre�, wandte sich Michel an den Pfarrer, �wie ist es? Ihr habt mir meine Frage von gestern noch nicht beantwortet.� �Welche Frage?�</style></p><p><style name="font3">�W�rdet Ihr mich noch f�r einen Ketzer halten, wenn es mir gel�nge, uns alle hier aus dieser Zelle zu befreien?�</style></p><p><style name="font3">�Diese Frage ist m��ig, Doktor. Es ist unm�glich, hier herauszukommen. Selbst drau�en k�nnten wir nicht weiter. Die Ketten w�ren bei einer Flucht unser Verderben.� Michel reichte ihm etwas hin�ber. �Was ist das?�</style></p><p><style name="font3">�Bef�hlt es nur recht sorgf�ltig. Dann werdet Ihr es schon merken.� �Mein Gott � � eine � � Feile?!�</style></p><p><style name="font3">�H�rt Freunde�, sagte Michel laut genug, so da� es alle h�ren konnten, �wollt Ihr einen Versuch wagen, der Euch die Freiheit wiederbringt, selbst wenn er das Leben kosten sollte?� �berraschtes und zustimmendes Murmeln war die Antwort.</style></p><p><style name="font3">�Gut, so bildet jetzt einen dichteren Haufen, damit ich nicht so laut reden mu�. Jemand hat mir eine Feile zugesteckt. Wenn wir mit �u�erster Anstrengung arbeiten, so k�nnen wir die</style></p><p><style name="font3">Verschlu��sen der Ketten an unseren Handgelenken in ein paar Stunden durchgefeilt haben. Die Eisenringe m�ssen wir nat�rlich drumbehalten. Hauptsache, die Ketten sind erst einmal weg.�</style></p><p><style name="font3">Eine ungeheure Erregung bem�chtigte sich aller. Die Feile wurde herumgereicht. Man nahm sie </style><style name="font3">wie ein Heiligtum in die Hand.��berlegen wir nicht lange, sondern fangen wir an. Wir m�ssen </style><style name="font3">noch w�hrend der Dunkelheit hier heraus. Sonst ist der ganze Plan mi�lungen.�</style></p><p><style name="font3">Das leise Ger�usch des Feilens ert�nte bereits. Ojo machte den Anfang.</style></p><p><style name="font3">�Und was soll dann weiter geschehen?� fragte der Pfarrer.</style></p><p><style name="font3">�Das la�t meine Sorge sein. Hauptsache, ihr alle tut genau, was ich sage.�</style></p><p><style name="font3">Die zustimmenden Worte wurden immer lauter, so da� Michel Ruhe gebieten mu�te.</style></p><p><style name="font3">Nach etwa f�nf Minuten stieg ein unterdr�ckter Freudenschrei aus Ojos Kehle auf.</style></p><p><style name="font3">�Ich bin frei�, jubelte er.</style></p><p><style name="font3">�Weiter, weiter!� dr�ngte Michel. �Du bist nicht der einzige. Wir sind �ber vierzig.�</style></p><p><style name="font3">Dieses Vorwurfs h�tte es nicht bedurft. Ojo feilte bereits seinem Nachbarn die �sen durch, als </style><style name="font3">gelte es, einen Rekord aufzustellen. Mit seiner ganzen K�rperkraft dr�ckte er auf die Feile, die </style><style name="font3">sich in das Eisen fra�, fast so schnell wie eine Laubs�ge ins Sperrholz.</style></p><p><style name="font3">So angestrengt sie auch arbeiteten, es dauerte immerhin �ber f�nf Stunden, bis sie alle frei </style><style name="font3">waren. Eine wahre Rekordleistung und trotzdem noch zu langsam.</style></p><p><style name="font3">Sollen wir uns jetzt an das Gitter machen?� fragte Ojo.</style></p><p><style name="font3">�Nein. Das w�rde zu lange Zeit in Anspruch nehmen. Wir m�ssen es mit einem Trick versuchen.�</style></p><p><style name="font3">Michel dr�ngte seinen Kopf dicht an die St�be. Alles wartete gespannt. Man wagte kaum zu atmen.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich wurde die Nacht von einer schnellen Folge der ber�hmten Teufelstriller zerrissen. Es dauerte auch nicht lange, so kamen zwei Posten herzugeeilt.</style></p><p><style name="font3">�Er bi din u m�d h�ba!� fluchte der eine. �Was ist los, du Hund? Beim Schejtan, kuss omek!� Er holte aus und schlug auf Michel, der pl�tzlich verstummte, sich aber nach hinten warf, so da� die Peitschenschnur sich in den Gitterst�ben verfing.</style></p><p><style name="font3">Auf diesen Moment hatte Michel gewartet. Noch ehe der Posten die Schnur gel�st hatte, war er wieder vorne, griff durch die St�be hindurch und packte den W�chter beim Hals. F�r eine Sekunde blitzte der Dolch im Mondlicht. Dann hing eine leblose Gestalt in Michels Armen. Der zweite wollte seinem Kameraden zu Hilfe kommen; denn er hatte nicht bemerkt, da� dieser seinen letzten Atemzug bereits getan hatte. Da aber stand auch Ojo schon am Gitter. Er hob die Hand, ballte sie zur Faust und lie� sie auf den Sch�del des anderen niedersausen. Der Mann sank st�hnend zusammen.</style></p><p><style name="font3">In fliegender Eile tastete Michel die G�rtelsch�rpe des Erdolchten ab. Gott sei Dank. Dort hing ein gro�er, primitiv gearbeiteter Schl�ssel, der wahrscheinlich zu allen Zellent�ren pa�te. Ein Griff, und Michel hatte ihn in der Hand.</style></p><p><style name="font3">Mit zitternden Fingern versuchte er, den Schl�ssel von au�en ins Schlo� zu bringen und umzudrehen. Es gelang.</style></p><p><style name="font3">Sekunden sp�ter standen die Str�flinge im Freien, und die beiden Toten wurden in die Zelle geworfen.</style></p><p><style name="font3">�Tut jetzt nur, was ich sage. Wir m�ssen die gesamte Wachmannschaft �berw�ltigen und wenn irgend m�glich Waffen erbeuten. Auch Pferde brauchen wir oder Kamele. Schleicht hinter mir her!�</style></p><p><style name="font3">Bis zum Wachturm waren es gut tausend Fu� am Ufer des Flusses entlang. Gl�cklicherweise sah man drau�en keinen weiteren Posten.Aus einem Durchbruch im Turm schimmerte Licht. Michel sammelte seine Freunde um sich und gab seine Anweisungen:</style></p><p><style name="font3">�Ojo, du gehst mit mir. Auch Abu Hanufa begleitet mich. Deste �bernimmt hier drau�en die </style><style name="font3">Aufsicht und sorgt daf�r, da� alles still bleibt, ganz gleich, was drinnen passiert. Los!�</style></p><p><style name="font3">Sie dr�ckten die schwere Steint�r auf und standen an der Treppe, die in den Turm hinauff�hrte.</style></p><p><style name="font3">Schritt f�r Schritt legten sie vorsichtig zur�ck. Die Treppe aber war aus Holz, ein Knarren war </style><style name="font3">nicht zu vermeiden. Oben erschien ein Janitschar in der T�r und fragte:</style></p><p><style name="font3">�Weshalb schleichst du so herauf, Halef? Deine Postenzeit ist doch noch gar nicht beendet.</style></p><p><style name="font3">Warum gibst du keine Antwort?�</style></p><p><style name="font3">Michel knuffte Abu Hanulfa in die Seite. Der antwortete daraufhin in undeutlichem Ton:</style></p><p><style name="font3">�Drau�en stimmt etwas nicht. Ich habe Ali gesucht, habe ihn aber nicht gefunden.�</style></p><p><style name="font3">Der oben wurde mi�trauisch. Die Stimme klang ihm fremd.</style></p><p><style name="font3">�Sieh noch einmal nach. Ali mu� an seinem Posten sein. Hier ist er nicht.�</style></p><p><style name="font3">In diesem Moment st�rmte Michel voran. Die beiden anderen folgten ihm auf dem Fu�e. Im Nu </style><style name="font3">hatten sie den Mann in der T�r �berrannt und drangen in die eigentliche Wachstube ein.</style></p><p><style name="font3">Acht Mann sa�en da und starrten erschrocken auf die Fremdlinge. Bis sie erkannt hatten, wen sie </style><style name="font3">vor sich hatten, vergingen kostbare Sekunden.</style></p><p><style name="font3">Ojo st�rzte sich auf den, der ihm am n�chsten war, ri� ihm das Gewehr aus der Hand und schlug mit dem Kolben wie ein Wilder auf die anderen ein. Das war allerdings nicht vorgesehen, verfehlte aber, wie Michel feststellte, nicht seine Wirkung.</style></p><p><style name="font3">Um die Situation restlos zu verwirren, begann Michel zu pfeifen. Schauerlich klangen die Tonfolgen durch den Raum.</style></p><p><style name="font3">Wo Ojo hinschlug, sank jeweils ein Mann in die ewige Nacht. Auch Michel ging nicht gerade zart mit den Schindern um. Hier w�re jede Schonung fehl am Platze gewesen, denn sie konnte leicht das eigene Leben kosten.</style></p><p><style name="font3">In wenigen Minuten war die Arbeit getan. Man hatte acht schlechte Araberflinten erbeutet. Das machte, mit den beiden vorhin erbeuteten, zehn Gewehre f�r vierundvierzig Mann. Nicht viel, aber besser als gar nichts.</style></p><p><style name="font3">Michel, der seine Zeit im Steinbruch gut genutzt hatte und jetzt recht gut die arabische Sprache verstand, fragte den einzigen, der noch lebte, wo sich die Waffen bef�nden, wieviel Janitscharentruppen in El Mengub l�gen und woher man Pferde bekommen k�nnte. Doch der Kerl bi� die Lippen zusammen und sagte kein Wort. Michel setzte ihm drohend den Dolch auf die Brust.</style></p><p><style name="font3">�Allah verdamme dich, Giaur!� zischte der Bedr�ngte. �La� das Schimpfen! Sprich, sonst bist du ein toter Mann!�</style></p><p><style name="font3">�Lieber lasse ich mir die Haut in Streifen vom Leibe schneiden, ehe ich ein Wort verrate, kelb ibn kelb.�</style></p><p><style name="font3">Michel lachte hart auf.</style></p><p><style name="font3">�Nun gut, fangen wir damit an. Abu Hanufa, zieh ihm das Hemd aus. Ich werde ihm die Haut abziehen.�</style></p><p><style name="font3">Der Araber bekam angstgeweitete Augen. Als ihm sein Landsmann das Hemd herunterri� und Michel das Messer ansetzte, nicht zu zart, damit er es auch sp�rte, fragte er �ngstlich:�Willst du mir wirklich die Haut abziehen?�</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, was ich versprochen habe, halte ich. Ich werde nicht nur deine Haut abziehen, sondern ich werde dich dann in eine neue einn�hen lassen, und zwar in eine Wildschweinhaut.�</style></p><p><style name="font3">Ein Ruck ging durch den K�rper des Arabers.</style></p><p><style name="font3">�Allah w'Allah!� st�hnte er auf, warum willst du, da� ich als Unreiner vor Allah erscheine? Wei�t du, da� du mich um den Genu� der Himmel und aller himmlischen Freuden bringst, wenn du das tust?�</style></p><p><style name="font3">Michel dauerte das Geschw�tz zu lange.</style></p><p><style name="font3">�So rede!� sagte er kurz und ritzte die Haut des unter ihm Liegenden. Auf dessen Stirn perlte der Angstschwei�. Doch dann kamen z�gernd seine Erkl�rungen. �Hier in El Mengub gibt es keine Garnison. Das Kommando der Wachen f�r den Steinbruch besteht aus sechzig Mann, die dr�ben in den Zelten liegen und dort mit Weib und Kind hausen. Zehn Mann haben jeweils eine Nacht und einen Tag lang Wachdienst. Wir l�sen uns stets ab. Dort dr�ben sind auch die Pferde und die Kamele; die Waffen hat jeder Krieger bei sich.� �Fe�le ihn, Diaz. Dann stellst du dich mit Abu Hanufa an den Durchbruch und sicherst mit den hier herumliegenden Gewehren unseren Angriff auf die Zelte. Ich will hoffen, da� alles gelingt. Lange haben wir nicht mehr Zeit, denn die Sonne geht bald auf. Ich m�chte m�glichst vermeiden, da� geschossen wird. Sonst erwacht die ganze Stadt, ehe wir auf und davon sind.� Diaz nickte, nahm die Gewehre auf, legte sie griffbereit und wies dem Kapit�n der �Medina� schweigsam seinen Platz an. Der hatte begriffen, ohne da� Michel seine Erkl�rung auf arabisch wiederholte.</style></p><p><style name="font3">Die unten Zur�ckgebliebenen wurden inzwischen schon ungeduldig. Endlich erblickten sie </style><style name="font3">Michel, als dieser aus dem Turm trat. Er gab rasch seine Anweisungen.</style></p><p><style name="font3">Die Str�flinge schlichen unter seiner F�hrung hin�ber. Bald hatten sie die weidenden Pferde </style><style name="font3">ausgemacht, und jetzt erst wurden ihnen die Schwierigkeiten klar: �ber die H�lfte der Soldaten </style><style name="font3">konnte nicht reiten. Niemand hatte an diesen wichtigen Punkt gedacht.</style></p><p><style name="font3">Stimmen wurden laut.</style></p><p><style name="font3">Michel fuhr unter die Leute und befahl ihnen, den Mund zu halten. Das wichtigste seien im Augenblick nicht Pferde, sondern Waffen.</style></p><p><style name="font3">Ein Leutnant f�hlte sich ausgerechnet in diesem Moment bem��igt, seinen Rang geltend zu machen.</style></p><p><style name="font3">Er baute sich gro�artig vor Michel auf und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Ich werde jetzt das Kommando �ber meine Leute �bernehmen; denn zum Kriegf�hren scheint Ihr mir doch nicht der richtige Mann zu sein, Senor.� Michel holte aus und schlug ihn einfach nieder. Es ging jetzt ums Ganze. Wenn man nicht augenblicklich handelte, konnte es zu sp�t sein. Da!</style></p><p><style name="font3">Eine erschrockene Frauenstimme schrie auf. Im Zeltlager wurde es lebendig. Einige Krieger erschienen im Freien. Im Osten zeigten sich schon die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne. Und zu allem Ungl�ck begann auch noch der Muezzin vom Minareh aus die Gl�ubigen zum Gebet aufzurufen. Das Lager erwachte.</style></p><p><style name="font3">�Drauf, companeros, dringt in die Zelte ein, nehmt ihnen die Waffen weg und sammelt euch dann bei den Pferden. Schont die Kinder und Frauen.�</style></p><p><style name="font3">Michel st�rzte sich auf den ersten, der erschienen war.Ein kurzes Handgemenge. Dann brach der Araber st�hnend zusammen.</style></p><p><style name="font3">Ein unheimlicher L�rm erhob sich. Aus jedem Zelt konnte man erschrockene Schreie vernehmen. Die Araber kamen in Wut; denn die Wohnung, in diesem Fall das Zelt, ist das Reich</style></p><p><style name="font3">der Frauen, wo sie sich unverschleiert aufhalten durften. Jetzt waren sie den Blicken der Eindringlinge preisgegeben.</style></p><p><style name="font3">Die ersten Sch�sse bellten auf. Kolben krachten auf schlaftrunkene Sch�del. Es war ein Ringen auf Leben und Tod.</style></p><p><style name="font3">Ojo im Turm packte Abu Hanufa am �rmel und deutete auf das Lager und dann auf die Gewehre.</style></p><p><style name="font3">Der Kapit�n, der fr�her jede Handlung mit seitenlangen Fl�chen begleitet hatte, schien das Sprechen verlernt zu haben. Schweigsam legte er das Gewehr an, zielte kurz und dr�ckte ab. Dr�ben w�lzte sich ein Janitscharenw�chter im Staub.</style></p><p><style name="font3">Zehn Menschenleben wurden auf diese Weise ausgel�scht. Das Schie�en trug auch dazu bei, da� sich die �berfallenen nach und nach in ihr Schicksal ergaben.</style></p><p><style name="font3">Ojo und Abu Hanufa luden die Gewehre erneut, packten sie sich dann auf die Schultern und liefen hin�ber zu ihren Kameraden, die sich mittlerweile der Pferde bem�chtigt hatten.</style></p><p><style name="font3">F�nf Spanier hatten ihr Leben lassen m�ssen. Die �brigen waren jetzt bewaffnet und hielten ihre Schinder in Schach, bis Michel die zahmsten Rosse f�r die ausgesucht hatte, die noch nie auf einem Pferder�cken gesessen hatten. Dann endlich war die Kolonne bereit zum Abritt. Es wurde auch h�chste Zeit; denn von der Stadt her klang bereits Schreien und Gebr�ll her�ber, in das sich vereinzelt Sch�sse mischten.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">9</style></p></title><p><style name="font3">Im Norden der Stadt, nicht allzu weit, ragte der Dschebel Arrarat in den jungen Morgen. Auf einem schmalen Gipfelpfad stand ein Mann und blickte nach El Mengub hinunter. Immer wieder setzte er das Fernglas an. Jetzt hatte er das Zeltlager der Wachmannschaften im Blickfeld. Er konnte zwar die Einzelheiten nicht genau unterscheiden, nahm aber an, da� sich dort ein Kampf abspielte.</style></p><p><style name="font3">Als das Licht heller wurde, bemerkte er in der aufgehenden Sonne eine Staubwolke, die rasch n�her kam.</style></p><p><style name="font3">Eilig steckte er das Rohr in ein Lederfutteral und machte sich an den Abstieg. Am Fu� des H�gels angekommen, wurde er von zwei Menschen in Empfang genommen. Beide waren wie Eingeborene gekleidet. Ihre erwartungsvollen Augen hefteten sich auf sein Gesicht. �Wahrscheinlich kommen sie in wenigen Minuten hier an�, sagte er in englischer Sprache. �Der Staubentwicklung nach m�ssen es eine ganze Menge Reiter sein. Deshalb habe ich einige Bedenken und bin daf�r, da� wir uns lieber in die Felsenh�hle zur�ckziehen. Man kann nie wissen.�</style></p><p><style name="font3">Der eine der beiden �Araber� sah den anderen fragend an. Anscheinend hatte er die in englischer Sprache gegebene Erkl�rung nicht verstanden.</style></p><p><style name="font3">Der andere jedoch wollte sich nicht lange mit Worten aufhalten, sondern bedeutete ihm einfach, zu folgen.</style></p><p><style name="font3">Sie nahmen ihre Maultiere beim Z�gel und f�hrten sie in die Felsspalte, die sie gegen Sicht decken sollte.</style></p><p><style name="font3">Der kleinste und zierlichste der drei hielt es nicht lange in dem Versteck aus.�Ich beziehe drau�en Posten�, meinte er. �Ich werde mich schon vorsehen.�</style></p><p><style name="font3">Er ging, ohne auf Zustimmung oder Ablehnung seiner Begleiter zu warten. Seine Geduld wurde nicht auf eine allzu harte Probe gestellt. Denn schon nach etwa zehn Minuten h�rte er wilden Hufschlag.</style></p><p><style name="font3">Vorsichtig verbarg er sich hinter einem nahen Hibiskusgestr�uch und lugte nach S�den. Das Stampfen wurde immer deutlicher. Und dann tauchten die fl�chtenden Str�flinge aus einem Tal auf.</style></p><p><style name="font3">Der Araber legte das Gewehr an, lie� es jedoch nach wenigen Augenblicken wieder sinken; denn er hatte Michel, der die Spitze hielt, erkannt.</style></p><p><style name="font3">Er trat aus seinem Versteck heraus und schwenkte die Arme. Die Reiter verlangsamten ihre Gangart. Nach wenigen Sekunden hielten sie die Pferde an.</style></p><p><style name="font3">Michel schaute verwundert auf den kleinen Araber, der den Turban tief im Gesicht und den Burnus bis unter die Lippen hochgezogen hatte.</style></p><p><style name="font3">�Salam�, gr��te Michel �berrascht in arabischer Sprache und verbeugte sich h�flich vom Pferd herab. �Bist du es, den Allah geschickt hat, uns zu erretten?�</style></p><p><style name="font3">�Por Dios�, sagte da der Araber in flie�endem Spanisch, �ich verstehe kein Wort, Senor Baum.� Er lie� den Burnus sinken und streifte sich den Turban vom Kopf. Langes, r�tlich schimmerndes Haar ergo� sich �ber die Schultern, und das strahlende L�cheln aus den dunklen Augen eines sch�nen Frauenantlitzes gr��te die Ersch�pften. Michel verschlug es f�r Augenblicke die Sprache. �Warum sagt Ihr nichts?� fragte die Retterin.</style></p><p><style name="font3">�Ah--Gr�fin Marina--buenos dias--. Das nennt man eine �berraschung!�</style></p><p><style name="font3">Die dunklen Augen der Gr�fin zogen sich f�r einen Moment zusammen und suchten etwas in Michels Gesicht, was sie nicht zu finden schienen. �Quetal?� fragte sie kurz.</style></p><p><style name="font3">Michel sprang vom Pferd und trat auf sie zu, sehr langsam, wie �berlegend.</style></p><p><style name="font3">�Wart Ihr die Araberin, die die Feile hinter jenen Stein fallen lie�, wo ich sie aufhob?�</style></p><p><style name="font3">�Wer sonst?� fragte Marina.</style></p><p><style name="font3">�Bien�, meinte Michel, �ich danke Euch im Namen aller, die Ihr hier vor Euch seht. Ich glaube, wir sind jetzt quitt. D�rfen wir weiterreiten?�</style></p><p><style name="font3">Marina trat einen Schritt zur�ck. Sie hatte sich die Begr��ung wahrscheinlich ganz anders vorgestellt.</style></p><p><style name="font3">�Quitt?� fragte sie. �Nur quitt?�</style></p><p><style name="font3">Michel sah zu Boden. Er f�hlte sich nicht recht wohl in seiner Haut. Aber er konnte sich nicht �berwinden, seiner Dankbarkeit in weiteren Worten Luft zu machen. Wie um sich St�rke von seinen Kameraden zu holen, schaute er sich um.</style></p><p><style name="font3">Dort standen sie, beziehungsweise sa�en sie. Die spanischen Soldaten und der Padre Geronimo, die Marina noch nie zuvor gesehen hatten, alle starrten sie wie ein Wunder aus einer anderen Welt an.</style></p><p><style name="font3">Ojo sa� stumm auf seinem viel zu kleinen Gaul und schien durch die Frau hindurchzublicken. Jardin nahm ebenfalls keine Notiz von ihr. Deste blinzelte zu Michel hin und tat sehr unbeteiligt. Nur der alte Porquez machte seiner Stimmung Luft.</style></p><p><style name="font3">�Por demonio!� rief er kr�chzend. �Kommt uns dieses Weib schon wieder in den Weg? Ich w�nschte, sie s��e in der H�lle und briete am Spie� des Teufels.�</style></p><p><style name="font3">Abu Hanufa und Ibn Kuteiba blickten das unverh�llteWunder an fraulicher Sch�nheit an und bedauerten wahrscheinlich, da� sie nicht Europ�er waren. Ihren Mienen jedenfalls sah man nur eine Regung an, und das war h�chste Bewunderung f�r soviel Vollkommenheit. Der Pfarrer kletterte unbeholfen von seinem Pferd und k�rzte durch sein Dazwischentreten die peinliche Situation ab.</style></p><p><style name="font3">�Wer Ihr auch sein m�get, Senorita, nehmt meinen vollen Dank von ganzem Herzen an. Gott hat Euch zum Werkzeug der Befreiung ausgesucht. Ohne Zweifel verdanken wir seiner Gnade und Euerm Mut unsere Rettung.�</style></p><p><style name="font3">Er dr�ckte der Frau, in deren Innern Vulkane aufbrachen, wenn sie Michel in seiner k�hlen Gelassenheit ansah, die Hand.</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid ein M�nch?� fragte Marina mit ungewollter Sch�rfe.</style></p><p><style name="font3">�Pater Geronimo nennen mich meine Soldaten. Ich bin ihr Seelsorger, ja. Nehmt meinen Dank f�r sie alle.�</style></p><p><style name="font3">Der n�chste, der aus seiner Starrheit erwachte, war der Leutnant, den Michel bei dem �berfall auf das Lager niedergeschlagen hatte. Er besann sich auf seine Kavaliersmanieren, stieg ebenfalls vom Pferd und n�herte sich mit einer galanten Verbeugung der Frau, die immer nur auf Michel starrte.</style></p><p><style name="font3">�Auch ich m�chte nochmals unseren Dank abstatten, sch�ne Senorita. Ich bin der F�hrer dieser spanischen Soldaten, denen es mit Eurer Hilfe gelang, die Ketten zu durchbrechen. Diego de Bajantes ist mein Name.� Er k��te der sch�nen Frau and�chtig die Hand.</style></p><p><style name="font3">Deste, Ojo, Porquez und Jardin hatten sich um Michel geschart. Sie f�hlten die Spannung, die in der Luft lag. Wie immer verlie�en sie sich ganz auf ihren Pfeifer. Die beiden Araber hielten sich abseits. Sie mochten sp�ren, da� sie hier in diesem Augenblick nicht dazugeh�rten.</style></p><p><style name="font3">Michel hatte sich inzwischen wiedergefunden. Auf irgendeine Weise mu�te er zumindest der H�flichkeit Gen�ge tun; denn die an den fr�heren Erlebhissen Unbeteiligten konnten seine Art der Retterin gegen�ber selbstverst�ndlich nicht verstehen.</style></p><p><style name="font3">�Ihr habt viel gewagt, Gr�fin�, sagte er leichthin. �Niemand wird Euch Mut absprechen wollen. Bien, Ihr seid ja bekannt daf�r, da� Ihr stets viel wagt. Meistens gewinnt Ihr den Einsatz. Habt Ihr Pl�ne, wie die Sache weitergehen soll?�</style></p><p><style name="font3">Marina w�re ihm am liebsten ins Gesicht gesprungen. Alle ihren guten Vors�tze st�rzten in dieser Minute in Nichts zusammen. Bevor sie jedoch antwortete, hatte sie sich wieder in der Gewalt.</style></p><p><style name="font3">�Ohne meine treuen Begleiter w�re ich wohl der Aufgabe nicht gewachsen gewesen.� �Ah, Ihr seid nicht allein?�</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick traten zwei M�nner hervor, die ebenfalls arabisch gekleidet waren. Den einen h�tte man f�r echt halten k�nnen. Das war Guillermo. Dem anderen sah man den Europ�er schon von weitem an.</style></p><p><style name="font3">�Guillermo kennen die Senores ja von der �Trueno�, nicht wahr?� fragte jetzt Marina mit blitzenden Augen. �Dieser caballero hier ist aus England und zuf�llig auf mein Schiff verschlagen worden.�</style></p><p><style name="font3">�Welche Unversch�mtheit!� fuhr der alte Porquez dazwischen. �Sagtet Ihr �mein� Schiff? Ihr scheint ein schlechtes Ged�chtnis zu haben, zumindest was Mein und Dein anbetrifft.� Die spanischen Soldaten staunten. Sie wu�ten ja nicht, worum es eigentlich ging.Der Pater sah verbl�fft drein.</style></p><p><style name="font3">�Ich mu� schon sagen, sehr h�flich sind die caballeros nicht zu jemandem, der ihnen gerade das Leben gerettet hat. Ich h�tte mehr von Euch erwartet, Doktor�, wandte er sich an Michel. Michel verzog sp�ttisch das Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Oh, Padre, macht Euch nichts draus. Ihr werdet vermutlich noch mehr �berraschungen erleben, wenn Ihr erst Pfarrer auf einer Seer�ubergaleone seid.� Michel lachte auf.</style></p><p><style name="font3">Die Kontroverse wollte sch�rfere Formen annehmen. Da rief einer der etwas zur�ckgebliebenen Reiter, der erst jetzt herankam:</style></p><p><style name="font3">�Adelante, companeros! Macht euch fertig zum Gefecht. Die Verfolger aus der Stadt m�ssen gleich heransein!�</style></p><p><style name="font3">Michel ritt ein paar Meter zur�ck, bis er freie Sicht hatte.</style></p><p><style name="font3">Tats�chlich. Dort w�lzte sich eine Staubwolke heran. Fliehen? Unm�glich. Dann w�rde man die </style><style name="font3">schlecht reitenden Kameraden dem eigenen Schicksal �berlassen m�ssen. K�mpfen? War nicht </style><style name="font3">ratsam. Man mu�te die Leute so verbl�ffen, da� sie von selbst wieder umkehrten.</style></p><p><style name="font3">Michels �berlegungen wurden von der Stimme des Leutnants unterbrochen.</style></p><p><style name="font3">�Absitzen!� kommandierte er mit scharfer, befehlsgewohnter Stimme, wobei sein Blick noch </style><style name="font3">immer auf dem Gesicht der sch�nsten Frau hing, die er je gesehen hatte.</style></p><p><style name="font3">�Im Karree formiert!� kommandierte er weiter.</style></p><p><style name="font3">Die Soldaten gehorchten automatisch.</style></p><p><style name="font3">�Erste Reihe knien!�</style></p><p><style name="font3">Kasernenhofm��ig formierte er die Leute in zwei Linien, von denen die erste kniete, die zweite stand.</style></p><p><style name="font3">Michel stand dabei und sch�ttelte den Kopf. Diese Leute stellten sich einfach auf dem freien Gel�nde auf, ohne die reichlich vorhandene Deckung auszunutzen. Michel wu�te von milit�rischen Dingen nur eben so viel, wie er zu Hause gelernt hatte.</style></p><p><style name="font3">Dennoch erschien ihm unter diesen Verh�ltnissen eine derartige Kampfart irrsinnig. Es w�rde auf alle F�lle viel Blut flie�en, Blut, das wieder Blut forderte. Man h�tte sie anders davonjagen k�nnen.</style></p><p><style name="font3">Nun, im Augenblick war nichts zu machen. Die Leute befolgten gewohnheitsgem�� die vertrauten Befehle ihres Vorgesetzten. Eine Flinte hatte jeder erbeutet. Aber was waren das schon f�r Gewehre? Alte Steinschlo�flinten, die die Spanier nur noch vom H�rensagen kannten. Michel gab seinen Freunden ein Zeichen und zog sich mit ihnen in die Felsspalte zur�ck, die Deckung gew�hrte. Hinter Geb�sch verborgen erwarteten sie das Eintreffen der Verfolger. Auch sie hatten ihre Gewehre angelegt.</style></p><p><style name="font3">Zuf�llig ergab es sich, da� Marina neben Michel stand. Sie hielt gleichfalls ein Gewehr im Anschlag.</style></p><p><style name="font3">Dann tauchten die ersten aus der Talsenkung auf. In wildem Galopp st�rmten sie heran, ein regelloser, schreiender Haufen.</style></p><p><style name="font3">�Legt an!� schrie der Leutnant, der in voller Gr��e am rechten Fl�gel seiner etwa f�nfunddrei�ig Mann starken Doppellinie stand. �Erstes Glied--Feuer!�</style></p><p><style name="font3">Die Reiter waren auf hundert Schritt heran. So hatte man es fr�her tausendmal ge�bt: Als die schlecht sitzende Salve aufklang, stutzten die Angreifer. Eine milit�risch aufgebaute Abwehrfront hatten sie nicht erwartet. Da kam der n�chste Befehl:</style></p><p><style name="font3">�Zweites Glied--Feuer!�Das erste Glied hatte inzwischen geladen, was allerdings nicht so </style><style name="font3">rasch wie auf dem Exerzierplatz ging. Die n�chste Salve war gleichfalls ein ausgesprochener Mi�erfolg; denn h�chstens acht Gewehre gingen los.</style></p><p><style name="font3">Die Araber, deren vorderste Reiter sich am Boden w�lzten, nutzten den Augenblick und st�rmten gegen die wehrlosen Linien der Spanier an. �Los!� rief da Michel seinen Freunden zu.</style></p><p><style name="font3">Es kam zwar keine Salve zustande, aber jeder einzelne der unregelm��ig abgefeuerten Sch�sse sa�. Sie hatten mehr Verheerung angerichtet, als die gegliederte Schlachtordnung. Sie luden in fieberhafter Eile.</style></p><p><style name="font3">�Jeder schie�t jetzt, so schnell er kann�, befahl Michel und legte erneut an. Die Spanier waren �berritten worden. Sie lagen auf der Erde, und manche von ihnen hatten tief klaffende Wunden im Sch�del. Kein einziger scho� mehr. Sie dachten auch nicht daran, die Gewehre umzudrehen und mit den Kolben gegen die Feinde anzugehen. Es war niemand mehr da, der einen Befehl gab; denn Diego de Bajantes hatte mit sich selbst zu tun. Ein Messer war ihm in den Arm gedrungen.</style></p><p><style name="font3">Michel und seine Freunde schossen, was sie nur konnten. Marina und ihre Begleiter unterstellten sich ganz von selbst seiner umsichtigen F�hrung. Binnen kurzem hatten sie so viele Feinde getroffen, da� diese sich doch entschlie�en mu�ten, umzukehren. Wie die wilde Jagd ritten die �berlebenden Araber davon. Michel reichte Ojo sein Gewehr und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Lade die Flinten alle. Du, Carlos, sammelst die Schie�eisen dort auf dem Schlachtfeld ein und l�dst sie ebenfalls. Verstaut sie griffbereit hier in dieser Felsenspalte. Ich sehe nach den Verwundeten.�</style></p><p><style name="font3">Damit verlie� er die Deckung und rannte zu den Soldaten hin. Als erstem zog er dem Leutnant das Messer aus dem Arm.</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid mir ein sch�ner Kinderstubenstratege, Bajantes�, sagte er respektlos. �Wie kann man hier mit den ausgepumpten Leuten, die noch dazu mit Gewehren schie�en mu�ten, deren</style></p><p><style name="font3">Handhabung unbekannt ist, eine Schlachtordnung aufbauen! Dabei ist das ganze Gel�nde geradezu klassisch f�r das Anlegen eines Hinterhalts geeignet.� �Was wi�t Ihr schon vom Milit�r?�</style></p><p><style name="font3">�Leider eine ganze Menge�, lachte Michel. �Ihr seht ja, da� sich die Burschen aus dem Staub gemacht haben. Der Erfolg ist entscheidend, nicht der Befehl. Wenn Ihr Euch das nicht f�r die Zukunft hinter Eure gr�nen Ohren schreibt, so werdet Ihr es nie zu etwas bringen.� �Macht mir gef�lligst keine Vorschriften, Senor. Ihr wi�t ja nicht einmal, wie ein caballero eine Dame behandelt. Ihr seid ein Barbar.�</style></p><p><style name="font3">Michel ma� ihn mit einem mitleidigen Blick. �Ich habe weder Lust noch Zeit, Euch die n�heren Erkl�rungen f�r mein Benehmen zu geben, wenigstens jetzt nicht. Steht auf und gebt den gesunden Leuten Befehl, die verwundeten Kameraden in die H�hle zu bringen, damit ich sie dort verbinden kann. Im �brigen m�ssen wir uns auf einen weiteren Angriff gefa�t machen.� Sechs der Soldaten waren dem Angriff der Araber zum Opfer gefallen. Vier waren schwer, acht weitere leicht verwundet.</style></p><p><style name="font3">Michel half, so gut er konnte. Das war ohne jeglichen Verbandsstoff und ohne alle Medikamente nicht einfach.Seine Freunde halfen ihm, die Schwerverwundeten in die Bergh�hle zu tragen, die sich an die Felsspalte anschlo�. Dort bettete man sie auf schnell bereitete Lager aus d�rren �sten und verdorrten Zweigen.</style></p><p><style name="font3">Michel opferte St�ck um St�ck seiner Hemdfetzen und verband die Wunden so kunstgerecht wie m�glich. Bei einigen stellte sich bereits Wundfieber ein.</style></p><p><style name="font3">Ohne Aufforderung half Marina bei der schwierigen Arbeit. Nach einer Weile gesellte sich auch der verkleidete Engl�nder hinzu.</style></p><p><style name="font3">�Ihr habt doch nichts dagegen, wenn ich mich ein wenig n�tzlich mache?� fragte er h�flich. Michel Baum sah auf. Seine Augen ruhten forschend auf dem jungen Gesicht. Dann nickte er. �Helft mir Streifen machen. Ich w�re Euch dankbar, wenn Ihr Euern Burnus opfern w�rdet. Vermutlich habt Ihr sowieso europ�ische Kleidung drunter, nicht?� �Yes�, gab der junge Mann zu und machte sich an die Ausf�hrung des Gebots. Michels Interesse f�r ihn war erwacht. �Sagt mir, Freund, wie kommt Ihr mit der Gr�fin zusammen? Ich irre mich doch nicht, wenn ich annehme, da� Ihr zur Besatzung der �Trueno� geh�rt?�</style></p><p><style name="font3">�Nicht ganz. Die Kapit�nin rettete mich�, meinte er lakonisch, wobei er Marina einen Blick zuwarf.</style></p><p><style name="font3">�Sie rettete Euch?� Michel lie� f�r einen Augenblick von der Arbeit ab. Dann fuhr er in halb zynischem, halb bitterem Ton fort. �Es ist das erstemal, da� ich so etwas h�re� � und zu Marina gewandt in spanischer Sprache �� habt Ihr aus Euerm Seer�ubergesch�ft eine Lebensrettungsgesellschaft gemacht?�</style></p><p><style name="font3">Marina warf den Kopf zur�ck und blitzte ihn mit ihren dunklen Augen zornig an. Aber sie schwieg.</style></p><p><style name="font3">�Darf man Euern Namen erfahren?� fragte Michel den Engl�nder in seiner Sprache. Dieser nickte eilig.</style></p><p><style name="font3">�Gewi�. Verzeiht, da� ich verga�, mich vorzustellen. Ich hei�e Steve Hawbury und bin der Sohn von General Hawbury.�</style></p><p><style name="font3">�Ah!� Michel stie� einen Ruf der Verwunderung aus. �Der Sohn von Lord Robert Hawbury im </style><style name="font3">britischen Kolonialamt?�</style></p><p><style name="font3">Jetzt war es an Steve, verwundert zu sein.</style></p><p><style name="font3">�Ja. Ihr kennt meinen Vater?� �No, nicht Euern Vater, aber Eure Schwester.�</style></p><p><style name="font3">Marina zuckte bei diesen Worten sichtlich zusammen. Michel Baum kannte die Schwester dieses Jungen? Woher? Blitzschnell fiel ihr ein, was sie mit Graf Eberstein vereinbart hatte, bevor sie ihn an der franz�sischen K�ste absetzte. Er sollte doch � � �</style></p><p><style name="font3">Sie fluchte innerlich. War dieser, ihr letzter Schachzug gegen den Silbador unn�tig geworden durch die Bekanntschaft mit der Schwester Steve Hawburys? Hatte er sich in sie verliebt? Marina w�re keine Frau gewesen, h�tte sie nicht hinter jeder Bekanntschaft des einzigen Mannes, dem ihr ganzer Ha� und ihre ganze Liebe geh�rten, mehr gewittert als Freundschaft. In Marina entfaltete sich die Eifersucht zu steigender Glut.</style></p><p><style name="font3">�Ihr kennt meine Schwester Isolde? Irrt Ihr Euch auch nicht? Es mag in England viele Hawburys geben.�</style></p><p><style name="font3">�Well, aber nur einen, der General im Kolonialamt ist. Dessen Tochter lernte ich unter---</style></p><p><style name="font3">wenig erfreulichen Umst�nden kennen, Umst�nden, die ich dieser Dame hier� � er machte eine Kopfbewegung zu Marina hin � �verdanke.� Steve begann zu fragen.</style></p><p><style name="font3">Michel berichtete alles, was er mit der Schwester des jungen Mannes gemeinsam erlebt hatte. �Teufel!� rief Steve, �so ist sie also die Gefangene des Daj von Algier! Sagt, Mr. Baum, gibt es denn keine M�glichkeit, sie zu befreien?� Michel schwieg. Dann nickte er.</style></p><p><style name="font3">�Ich will hoffen, da� es eine gibt. Sowie wir von hier fort k�nnen, reiten wir nach Algier. Dort wird es sich zeigen, ob noch eine Hoffnung besteht. Ich wei� nicht, wie weit der Krieg gegen die Spanier gediehen ist. Ich hoffe aber, da� Baba Ali noch nicht in seine Residenz zur�ckgekehrt </style><style name="font3">ist, sonst---.�</style></p><p><style name="font3">�Was sonst?�</style></p><p><style name="font3">�Sonst m�ssen wir damit rechnen, da� Eure Schwester nicht mehr unter den Lebenden weilt. Der Daj vollstreckt eigenh�ndig die Urteile an geflohenen Sklavinnen.� Steve packte Michel am Arm und sch�ttelte ihn.</style></p><p><style name="font3">�Wir d�rfen keine Minute verlieren, Sir, wir m�ssen noch heute Nacht reiten. Sagt mir, mit welchen Grausamkeiten bestraft der Daj aufgegriffene Sklaven?�</style></p><p><style name="font3">Michel wickelte das letzte St�ck Tuch um die Wunde eines Soldaten. Dann stand er auf und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Im Augenblick kann ich f�r die armen Teufel nichts weiter tun. Wir m�ssen abwarten, was die n�chsten Stunden bringen. Kommt, Mr. Hawbury, beziehen wir drau�en Posten, und dann erz�hle ich Euch, was ich wei�.�</style></p><p><style name="font3">Steve folgte sofort. Marina war zwar nicht aufgefordert worden, schlo� sich aber mit einer sonderbaren Selbstverst�ndlichkeit den beiden M�nnern an. Es verbat sich auch niemand ihre Begleitung.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">10</style></p></title><p><style name="font3">Die Sonne war inzwischen h�her gestiegen. Es mu�te bald Mittag sein.</style></p><p><style name="font3">Weiter drau�en im Gel�nde hatte man zwei Posten aufgestellt, die sofort das Nahen eines </style><style name="font3">Feindes zu melden hatten.</style></p><p><style name="font3">Michel und Hawbury lie�en sich mit Marina hinter der Hecke nieder, von der aus sie vorhin auf die Angreifer gefeuert hatten.</style></p><p><style name="font3">�Well�, er�ffnete Michel die Unterhaltung. �Die Strafe f�r entflohene Sklavinnen ist ein Krumms�bel ins Genick. Wenn sie ihn �berlebt, so wird sie zumindest f�r alle Zeiten ein steifes Genick behalten, das hei�t, nat�rlich nur, solange sie nicht in Behandlung europ�ischer �rzte ist. Aber ich f�rchte, sie wird den Schlag nicht ohne weiteres �berleben. Ja, ich bin ehrlich, ich f�rchte das Schlimmste.�</style></p><p><style name="font3">�Mein Gott�, jammerte Steve, �und Ihr, der Ihr dies wi�t, sitzt hier so ruhig, als ginge Euch das �berhaupt nichts an. Dabei war doch sie es, die Euch rettete!� Michel sah ihn lange an. Dann antwortete er bed�chtig:</style></p><p><style name="font3">�Ihr habt eine schlechte Meinung von mir, Mr. Hawbury, wenn Ihr annehmt, ich h�tte vergessen, was Eure Schwester f�r mich getan hat. Nat�rlich nicht. Nur hatten wir ja leider das Pech, monatelang hier im Steinbruch eingesperrt zu sein, wie� � er blickte wieder zu Marina hin � �Ihr ja wohl bei Euern Nachforschungen nach uns erfahren haben werdet, nicht wahr?� Die Gr�fin bejahte, enthielt sich aber jeder weiteren �u�erung.</style></p><p><style name="font3">�Versteht mich nicht falsch�, meinte Steve gequ�lt, �ich will Euch ja nicht verurteilen. Nur, warum sitzen wir hier jetzt noch in aller Ruhe und warten auf die Araber, anstatt schnellstens die Flucht zu ergreifen und nach Algier zu reiten! Dort werden sich sicherlich M�glichkeiten zur Befreiung meiner Schwester bieten, wenn sie noch am Leben ist. Ihr m��t wissen, ich spreche ganz gut arabisch, denn ich war ja nicht umsonst jahrelang auf der Kolonialschule.� Michel sch�ttelte den Kopf.</style></p><p><style name="font3">�Das n�tzt alles nichts. Erstens k�nnen wir die Verwundeten hier nicht im Stich lassen. Zweitens haben wir keine Lebensmittel und keine Wasserschl�uche, die wir aber unbedingt brauchen, wenn wir die Salzs�mpfe durchqueren wollen. Drittens m�chte ich, bevor wir reiten, wissen, wie der Krieg gegen die Spanier steht und ob der Daj schon zur�ckgekehrt ist. Man kann sich nicht Hals �ber Kopf in ein Abenteuer st�rzen ohne jede Voraussetzung. Sonst k�nnen wir uns nur wenig Erfolg davon versprechen und geraten in Gefahr, selbst dabei umzukommen. Davon h�ttet weder Ihr noch Eure Schwester etwas.� �Aber sobald die M�glichkeit besteht, reiten wir!�</style></p><p><style name="font3">�Ja, nat�rlich. Das Schicksal Eurer Schwester, die ein sehr tapferes M�dchen ist, liegt mir am Herzen. Au�erdem habe ich noch eine andere Sache in Algier auszufechten, die auf keinen Fall allzulangen Aufschub duldet.�</style></p><p><style name="font3">�Well, Mr. Baum. Dann gestattet, da� ich jetzt einmal nach unseren Sachen sehe. Ich bin zu nerv�s, um hier in Ruhe sitzen zu k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">�Geht ruhig. Aber gebt auch ein wenig mit acht, da� wir nicht von einem Angriff �berrascht werden.�</style></p><p><style name="font3">Steve Hawbury entfernte sich. Marina und Michel waren allein. Michel starrte schweigsam �ber die Hecke. Ihm war dieses Zusammensein unangenehm.</style></p><p><style name="font3">�Euer Pferd habe ich �brigens immer gut versorgt�, brach Marina unvermittelt die lastende Stille. �Es hat noch immer den Verschlag auf dem Schiff inne, in den Ihr es selbst gebracht habt.�</style></p><p><style name="font3">�Hm---Das arme Tier tut mir leid. Es wurde bestimmt nicht geboren, um monatelang auf </style><style name="font3">See herumzuschwimmen. Es ist Tierqu�lerei, es �ber Geb�hr lange an Bord zu behalten.� Was Marina auch immer sagen mochte, sie erhielt stets eine negative Antwort. �Meine Piraten pl�ndern �brigens die Schiffe nur noch aus und lassen sie dann weiterfahren, ohne die Menschen zu ermorden�, begann sie wieder.</style></p><p><style name="font3">�Aha! Und bei solch einer Pl�nderung habt Ihr wohl auch den jungen Hawbury mitgenommen, wie? Also doch keine Lebensrettungsgesellschaft.� �Ihr seid furchtbar!� brach es aus Marina heraus. Michel blickte sp�ttisch zu ihr hin.</style></p><p><style name="font3">�Erwartet Ihr vielleicht, da� ich �Hosianna� rufe, wenn Ihr nicht mehr mordet, sondern nur noch pl�ndert? Nein, f�r solche Abstufung menschlicher Gef�hle habe ich keinen Sinn. Ihr seid nicht anders geworden, seit wir uns zuletzt sahen.� Sie ballte die F�uste.</style></p><p><style name="font3">�Ich kann es mir selbst kaum noch verzeihen, da� ich so verr�ckt war, Euch aus den Steinbr�chen zu retten.�</style></p><p><style name="font3">�Verr�ckt m�gt Ihr immerhin sein. Aber sprecht Ihr wirklich von Errettung? Darf ich mir die Frage erlauben, wodurch wir in diese Situation gekommen sind? Mein Ziel war nicht Algier. Das wi�t Ihr so gut wie ich.�</style></p><p><style name="font3">Sie kniff die Augen zusammen. Sollte sie ihren Trumpf bereits jetzt ausspielen? Eigentlich </style><style name="font3">wollte sie damit noch bis zu einer g�nstigeren Gelegenheit warten. Sie hatte urspr�nglich </style><style name="font3">vorgehabt, ihm das Ergebnis ihrer Abrede mit Eberstein aus einer ruhigeren Perspektive heraus </style><style name="font3">beizubringen, so, als w�re es eine unabwendbare Tatsache, f�r die nicht sie die Verantwortung </style><style name="font3">trug. Sollte sie vielleicht diesen Moment dazu benutzen?</style></p><p><style name="font3">Ihre H�nde wurden kalt. Sie sammelte sich. In plauderndem Ton begann sie:</style></p><p><style name="font3">�Ich bin eigentlich nicht gekommen, um Euch zu befreien, sondern um Euch eine Nachricht des </style><style name="font3">Grafen Eberstein zu �berbringen, der nun schon seit langem wieder in Deutschland ist.�</style></p><p><style name="font3">�Eberstein?� fuhr Michel auf. �Was wi�t Ihr von ihm?�</style></p><p><style name="font3">�Ich begegnete der �Quebec� im Atlantik wieder. Leider wart Ihr nicht mehr darauf, sonst h�tte ich mir die M�he sparen k�nnen. � Bueno, ich versorgte das Schiff mit besseren Segeln�, log sie, �f�llte die Wasserf�sser auf und schickte es zur�ck nach Deutschland.� �K�nnt Ihr mir nicht eine glaubhaftere Geschichte erz�hlen?� �Sie ist wahr.�</style></p><p><style name="font3">�Gott, Ihr solltet mich doch nun lange genug kennen, um zu wissen, da� ich aus Euerm Munde kein noch so sch�nes M�rchen wahr finde.�</style></p><p><style name="font3">Hohn lag auf ihrem Gesicht. Ihre Augen bildeten einen schmalen Spalt.</style></p><p><style name="font3">�Dann werde ich Euch jetzt eine Geschichte erz�hlen, deren Echtheit Euch so echt vorkommen wird, da� sie gar nicht echter sein k�nnte.�</style></p><p><style name="font3">Michel horchte auf. Da war ein anderer Ton in ihrer Stimme, der alte Ton, den er so lange vermi�t hatte, der Ton der Gr�fin de Villaverde y Bielsa.</style></p><p><style name="font3">�Bien�, fuhr sie fort, �es ist eine Liebesgeschichte, wie Ihr sie nicht alle Tage h�rt. Sie wird Euch interessieren.�</style></p><p><style name="font3">�Liebesgeschichten aus Euerm Munde m�ssen scheu�lich klingen�, sagte Michel. Aber seine Stimme war unsicher. Irgend etwas schwebte �ber ihm, das ihm die Ruhe nahm. Es war etwas, </style><style name="font3">das er nicht definieren konnte, nichts Greifbares, eine Ahnung eher, eine Stimmung, eine � �</style></p><p><style name="font3">�Da m�gt Ihr recht haben. Diese Liebesgeschichte wird jedoch in meinen Ohren lieblich klingen, so lieblich, wie ich selten einen Klang h�rte. Ihr kennt doch ein gewisses M�dchen in Eurer Heimat mit Namen � � � wie war doch gleich der Name? � Diablo, ich kann deutsche Namen so schwer aussprechen. Ah, jetzt hab ichs, jawohl, Eck, Charlotte Eck hei�t sie, nicht wahr?� Da war es.</style></p><p><style name="font3">Ein eisiger Schreck durchfuhr Michel. Was wollte diese Teufelin mit dem Namen des M�dchens, das ihm als das Liebste und Heiligste auf der ganzen Erde galt?</style></p><p><style name="font3">Langsam lie� er die B�chse sinken, die er gewohnheitsgem�� im Anschlag auf einem Ast in der Hecke liegen hatte.</style></p><p><style name="font3">�Wie kommt Ihr zu diesem Namen, Marina�, fragte er.</style></p><p><style name="font3">�Ach�, meinte sie leichthin, �ich habe noch in Lissabon einen Brief von meinem Freund Eberstein erhalten, in dem er mir mitteilte, da� er sich verheiratet habe, und zwar mit einer gewissen Charlotte Eck. Er bat mich, ihm seinen Segen dazu zu geben.� �Nein!� schrie Michel auf. �Nein! � Nein! Ihr l�gt!�</style></p><p><style name="font3">Marina bekam es auf einmal mit der Angst zu tun bei diesem hemmungslosen Ausbruch. Sie hatte nicht erwartet, da� diese Nachricht eine derartig niederschmetternde Wirkung auf den Silbador haben k�nnte.</style></p><p><style name="font3">Michel packte sie pl�tzlich mit beiden Armen.</style></p><p><style name="font3">�So gebt doch zu, da� Ihr l�gt! Gesteht es ein! Treibt mich nicht zu einem Mord! Marina, spielt doch nicht mit der Liebe eines Menschen! Das ist das Sch�ndlichste, was es gibt!� Sie wehrte sich nicht. Sie schien zu w�nschen, da� diese Ber�hrung ewig dauern m�chte. Sie hielt ihre Augen geschlossen.</style></p><p><style name="font3">Mit einem Ruck lie� er sie los, nahm sein Gewehr auf und ging weg. Er mu�te laufen, laufen, eine Weile gehen, um den Aufruhr in seinem Innern zum Abklingen zu bringen. Eberstein und Charlotte, nein, er glaubte es nicht. Niemals.</style></p><p><style name="font3">Oder doch? Jetzt erinnerte er sich der letzten Worte, die er selbst von dem Grafen geh�rt hatte:</style></p><p><style name="font3">�Ich werde Euerm Fr�ulein Braut erz�hlen, da� Ihr als tapfer k�mpfender Mann und als mein Freund umgekommen seid, und da� Eure letzten Worte ihr galten. Wenn sie h�rt, wie dicke Freunde wir waren, dann wird sie mich vielleicht heiraten. Wir werden Euer Andenken immer in hohen Ehren halten, Ihr freiheitstrunkener Wanderprediger!�</style></p><p><style name="font3">Oh, Michel hatte diese Worte noch deutlich im Ohr, so deutlich, da� ihn das Trommelfell schmerzte.</style></p><p><style name="font3">�� � � wenn sie h�rt, was wir f�r dicke Freunde waren, dann wird sie mich bestimmt heiraten</style></p><p><style name="font3">Kein Zweifel, Marina mu�te die Wahrheit gesprochen haben. Woher sollte sie sonst die Zusammenh�nge kennen?</style></p><p><style name="font3">Michel blickte zu ihr hin�ber. Sie stand da und hielt Ausschau nach S�den. Ihr r�tliches Haar gl�nzte in der hellen Sonne. Ihr Gesicht war wie von einem alten Meister gemei�elt. Langsam ebbte der Schmerz in Michel ab. Schweren Schrittes ging er auf die Gr�fin zu.</style></p><p><style name="font3">�Marina�, sagte er mit trockener Stimme, �Ihr wi�t nicht, was Eure Nachricht f�r mich bedeutet. Ich kann sie nicht fassen. Und alles in mir wehrt sich dagegen, sie zu glauben. Ihr spracht von einem Brief, den Euch Eberstein nach Lissabon schickte. Zeigt ihn mir.� �Ich habe ihn nicht bei mir. Er liegt in meiner Kabine auf dem Schiff. Dort k�nnt Ihr ihn selbstverst�ndlich jederzeit einsehen.�</style></p><p><style name="font3">�Es ist gut. Wir gehen, sobald wir Hawburys Schwester befreit haben, zum Landeplatz der �Trueno�. Wehe Euch, wenn Ihr mich belegen habt!�</style></p><p><style name="font3">�Ihr habt schlechte Manieren, Silbador. Wenn ich Euch den Brief zeige, so ist das lediglich ein Entgegenkommen von mir. Drohen lasse ich mir nicht. Ihr werdet ihn sehen. Die �Trueno� ankert in einer Bucht, ungef�hr hundert Meilen �stlich von Algier.�</style></p><p><style name="font3">Michel wollte etwas sagen. In diesem Augenblick kam einer der aufgestellten Posten angelaufen, st�rzte eilig an Michel vorbei und rannte auf den Leutnant zu, der auf der Erde lag und schlief. �Adelante, Senor Teniente, sie kommen. Mindestens f�nfzig Reiter habe ich gez�hlt!� Diego de Bajantes sprang auf.</style></p><p><style name="font3">�Bueno, diesmal fechten wir nicht in Schlachtordnung. Geht hinter den Felsbl�cken in Deckung. La�t sie dicht herankommen. Dann feuern wir.�</style></p><p><style name="font3">Michel zog die Stirn in Falten. Befahl dieser junge Offizier schon wieder �ber seinen Kopf hinweg?</style></p><p><style name="font3">�Senor de Bajantes l� rief er, �wollt Ihr Euch nicht wenigstens mit mir ins Benehmen setzen, bevor Ihr Eure Anweisungen gebt?� Bajantes machte ein hochm�tiges Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Ich sagte Euch doch bereits, da� ich von Eurer Kriegskunst nicht viel halte. Geht lieber in Deckung. Sonst k�nnt Ihr noch getroffen werden.� �Lausejunge�, sagte Michel, weiter nichts.</style></p><p><style name="font3">Dann stie� er einen Pfiff aus. Seine Freunde kamen zu ihm und bezogen Posten hinter der Hecke.</style></p><p><style name="font3">�Haltet die Pferde bereit, amigos. Es kann diesmal leicht schief gehen, da dieser junge Leutnant glaubt, er k�nne ohne uns fertig werden. Wenn es brenzlich wird, aufgesessen und m�glichst zerstreut nach Norden.�</style></p><p><style name="font3">Ojo und Jardin machten sich an die Aufgabe, die Pferde hinter einem Felsvorsprung zu sammeln. Die anderen standen mit den Gewehren im Anschlag. Michel hatte wiederum seinen Platz neben Marina.</style></p><p><style name="font3">Dann war es soweit.</style></p><p><style name="font3">Der angreifende Reiterschwarm tauchte aus der Bodensenkung auf. Wild schwangen die Araber ihre Flinten in der Luft und stie�en markersch�tternde Schreie aus. Im Reiten gaben sie die ersten Sch�sse ab.</style></p><p><style name="font3">�berall, wo die Spanier lagen, krachten jetzt die Gewehre. Sehr viele Kugeln verfehlten ihr Ziel und rissen L�cher in die Luft.</style></p><p><style name="font3">Michel zielte sorgf�ltig. Deste scho� fast bed�chtig; denn auch ihm war es vollst�ndig klar, da� jede einzelne Kugel von entscheidender Bedeutung sein konnte.</style></p><p><style name="font3">Als die Angreifer sahen, da� sie zu Pferde nichts ausrichten konnten, ritten sie einen Bogen und </style><style name="font3">verschwanden wieder in der Senkung.</style></p><p><style name="font3">Jardin wischte sich den Schwei� von der Stirn.</style></p><p><style name="font3">�Gott sei Dank�, sagte er. �Das ging wenigstens ohne Verluste ab. Ob sie wohl nochmals kommen?� �Da sind sie schon�, schrie Ojo und legte an. �Maldito, die Schufte kommen jetzt zu Fu� und weit zerstreut! Das kann gef�hrlich werden!�</style></p><p><style name="font3">Michel versuchte sich ein genaues Bild von der Lage zu machen. Zu seinem Schrecken sah er die Soldaten sorglos hinter den Felsen und gro�en Steinen liegen. Sie ahnten nicht, da� sie von den Feinden auf einfachste Art und Weise umgangen werden konnten. Wenn nicht in den n�chsten Minuten ein Wunder geschah, dann war es um die meisten dieser unvorsichtigen Leute geschehen. Schuld daran allein trug der Teniente, der unbedingt demonstrieren wollte, da� er �ber spanische Soldaten als spanischer Offizier den absoluten Befehl habe. Es scheint in jeder Armee der Welt und zu allen Zeiten solche Offiziere gegeben zu haben. Michel sagte zu Deste:</style></p><p><style name="font3">�Carlos, es bleibt uns nichts weiter �brig, als einen Ausfall zu Pferde zu machen und wie ein Ungewitter �ber die Janitscharen zu kommen. Sonst geht es uns allen an den Kragen. Sag Bescheid, da� sich die �ndern zu den Pferden begeben sollen. Ich werde hier noch ein wenig schie�en, damit wir nicht zu fr�h unsere Absicht verraten. Betet ein Vaterunser. Es k�nnte unter Umst�nden das letzte sein.� Deste nickte und gab die Botschaft weiter.</style></p><p><style name="font3">�Ihr bleibt nat�rlich hier, Marina�, befahl Michel. �F�r Frauen ist ein Kavallerieangriff nicht das Geeignete�, versuchte er zu scherzen.</style></p><p><style name="font3">�Seit wann seid Ihr so besorgt um mich? Sagtet Ihr nicht oft, ich solle zur H�lle gehen? Nun, jetzt ist dazu die beste Gelegenheit.�</style></p><p><style name="font3">�Macht keine Dummheiten�, warnte Michel. �Ich m�chte nicht, da� es nachher hei�t, Ihr w�rt durch meine Anweisung in den Tod gejagt worden.�</style></p><p><style name="font3">�Ich m�chte den sehen, dessen Anweisung mich in meiner Handlungsweise beeintr�chtigen </style><style name="font3">w�rde. Ich reite mit.�</style></p><p><style name="font3">Michel zuckte die Achseln.</style></p><p><style name="font3">�Tut, was Ihr nicht lassen k�nnt!�</style></p><p><style name="font3">Marina war schon verschwunden.</style></p><p><style name="font3">Michel scho� noch einigemal Dann zog auch er sich zu den Pferden zur�ck. Marina, Hawbury, Guillermo, Ojo, Jardin, Deste, Porquez und die beiden Araber waren aufgesessen. Michel sprang in den Sattel.</style></p><p><style name="font3">Dann fa�te er die Flinte beim Kolben, begann pl�tzlich zu pfeifen und ritt wie der Sturmwind los. Die anderen neun folgten ihm.</style></p><p><style name="font3">Sie fegten auf den dichtesten Haufen der zu Fu� Angreifenden zu.</style></p><p><style name="font3">Die Feinde hielten erschrocken inne, als sie die h�llischen Triller h�rten, die der Rasende an der Spitze der Reiter ausstie�. Sie stoben auseinander. Weiter ging der Sturmritt, dorthin, wo die Pferde der Gegner standen.</style></p><p><style name="font3">Man hatte sie erreicht und machte sich jetzt daran, sie auseinanderzutreiben. Da stie� Deste einen erschrockenen Ruf aus:</style></p><p><style name="font3">�Dort!---Eine ganz neue Janitscharenabteilung! Seht doch! Regul�re Kavallerie des Daj.�</style></p><p><style name="font3">Zum Fliehen war es zu sp�t.</style></p><p><style name="font3">Michel hatte dem einen der niedergeschlagenen Pferdew�chter den S�bel entrissen. Eine unheimliche Wut packte ihn. Lieber tot als zur�ck in die Steinbr�che, dachte er. �Drauf!� schrie er und sprengte mit geschwungenem S�bel den anr�ckenden Reitern entgegen. Die anderen wurden unwillk�rlich von ihm mitgerissen. Dicht hinter ihm ritt Marina. Neben ihm Ojo.</style></p><p><style name="font3">Es war Wahnsinn. Die heransprengende Abteilung war mindestens f�nfundzwanzig Mann stark.</style></p><p><style name="font3">F�nfundzwanzig bis an die Z�hne bewaffnete Janitscharen gegen zehn ausgehungerte, </style><style name="font3">entkr�ftete Str�flinge, die nichts als ihre Gewehrkolben hatten.</style></p><p><style name="font3">Jetzt prallten sie aufeinander. </style><style name="font3">Michel schlug um sich wie ein Rasender. </style><style name="font3">Marina hatte dem ersten von seiner Hand Gefallenen den S�bel genommen und war dicht auf </style><style name="font3">Michels Fersen. Da sah sie, wie einer der Reiter Raum zu gewinnen suchte, um sich an den </style><style name="font3">�pfeifenden Teufel� heranzuarbeiten. Er hatte ihn sofort als den Gef�hrlichsten erkannt. Fu� um </style><style name="font3">Fu� kam er dem ahnungslosen Michel n�her.</style></p><p><style name="font3">Jetzt war er nur noch eine Elle au�er Reichweite. Noch ein St�ck.</style></p><p><style name="font3">�Miguel!� schrie Marina entsetzt auf. Es war das erstemal, da� sie ihn wieder bei seinem </style><style name="font3">Vornamen nannte.</style></p><p><style name="font3">Aber er h�rte nicht.</style></p><p><style name="font3">Da packte Marina den erbeuteten S�bel und stie� ihn ihrem eigenen Tier in die Hinterhand. Das Pferd b�umte sich auf und raste geradeaus, direkt auf den Janitscharen zu, der es auf Michel abgesehen hatte. Im allerletzten Augenblick, der Kerl hatte schon zugeschlagen, durchbohrte ihn die Waffe der Gr�fin. Er sank aus dem Sattel, und der Hieb traf nur noch ganz leicht Michels Schulter.</style></p><p><style name="font3">Ojo hatte es gesehen. Sein geliebter Doktor war gerettet. Er wu�te gar nicht, wie er je seine Dankbarkeit Marina gegen�ber w�rde ausdr�cken k�nnen.</style></p><p><style name="font3">Doch jetzt war Wichtigeres zu erw�gen. Der Kampf spitzte sich immer mehr zu. Die Lage wurde nahezu unhaltbar.</style></p><p><style name="font3">Im Reiten legte er die H�nde trichterf�rmig um den Mund und br�llte mit aller Stimmkraft: �Absetzen! - Flieht! - Rettet Euch!�</style></p><p><style name="font3">Einen Augenblick stutzten die Freunde. Dann erinnerten sie sich daran, da� sie sich im Fall der Gefahr verstreut nach Norden davonmachen sollten. Eine wilde Jagd begann.</style></p><p><style name="font3">Der Leutnant, der hinter seinem Stein die ganze Szene beobachtet hatte, merkte pl�tzlich, da� ihn die k�hnen Reiter im Stich lassen mu�ten, um selbst dem sicheren Untergang zu entgehen. Er ballte drohend die Faust hinter ihnen her und fluchte: �Feige Hunde! � Lumpenpack, dreckiges!�</style></p><p><style name="font3">Da vorn ritt dieser Pfeifer, der Hund! In seiner Wut legte der Leutnant an, zielte kurz und dr�ckte in dem Augenblick ab, als unvorhergesehen ein anderer seine Visierlinie kreuzte. Bajantes hatte gut getroffen. Der da vorn warf die Arme in die Luft und st�rzte vom Pferd. Aber der M�rder sollte sich seines Erfolges nicht lange freuen. Die Reiter des Daj zogen es jetzt anscheinend vor, sich auf die in Deckung liegenden Soldaten zu st�rzen, anstatt die Verfolgung aufzunehmen.</style></p><p><style name="font3">Sie waren wieder abgesessen und gingen nun sprungweise vor, indem sie geschickt jede Deckungsm�glichkeit ausnutzten.</style></p><p><style name="font3">Als der Teniente nur f�r den Bruchteil einer Sekunde seinen Kopf aus der Deckung nahm, um die Lage seiner Leute festzustellen, fiel er in sich zusammen. Der Mord war durch eine andere Kugel ges�hnt. �</style></p><p><style name="font3">Die Fl�chtenden ritten, bis sie vor Ersch�pfung aus den S�tteln sanken. Zehn Meilen ungef�hr </style><style name="font3">hatten sie in wahnsinnigem Galopp zur�ckgelegt.</style></p><p><style name="font3">Als sie sich sammelten, fehlten zwei: Ojo und Deste.</style></p><p><style name="font3">�Hat sie jemand gesehen?� fragte Michel erschrocken.</style></p><p><style name="font3">Ein stummes Kopf sch�tteln war die Antwort.</style></p><p><style name="font3">Sie warteten Stunde um Stunde. Als die D�mmerung hereinbrach, sah man am Horizont einen Reiter auftauchen, der aber nur sehr langsam n�herkam. Es war Ojo.</style></p><p><style name="font3">Michel atmete auf. Aber gleich fiel ein Schatten in das Gl�ck. Als Ojo vom Pferd stieg, fragte der Pfeifer: �Wo ist Carlos?�</style></p><p><style name="font3">Ojo, der starke Ojo, weinte pl�tzlich wie ein Kind.</style></p><p><style name="font3">�Sein letzter Gru� galt Euch, Senor. Irgend eine verirrte Kugel mu� ihn doch noch erwischt haben. �Gr�� mir den Senor Doktor� hat er gesagt, �und richte ihm aus, da� ich nun nie wieder eine Blinddarmentz�ndung bekommen werde�. Dann war er tot.� Schweigen in der Runde.</style></p><p><style name="font3">�Die Hunde!� sagte Jardin und fuhr sich �ber die Augen. Kapit�n Porquez schlug ein Kreuz, und Marina blickte zu Boden. �</style></p><p><style name="font3">Man sa� im Dunkel. Ojo, der sich in der N�he Michels am wohlsten zu f�hlen schien und auch jetzt wieder neben ihm hockte, sagte leise:</style></p><p><style name="font3">�Euch h�tte es auch beinahe erwischt. Senor. Die Gr�fin hat Euch das Leben gerettet. Das mu� man sagen, sie war tapfer, tapfer war sie.�</style></p><p><style name="font3">Als die anderen schliefen und Marina die zweite Wache hatte, stand Michel auf und trat zu </style><style name="font3">ihr.�Ich--ich m�chte Euch meinen Dank sagen, Madonna. Ich h�rte, da� ich Euch mein </style><style name="font3">Leben verdanke.�</style></p><p><style name="font3">Marina stand gegen den Stamm einer Zeder gelehnt und blickte dem Silbador tief in die Augen. �Ich liebe Euch�, meinte sie unbefangen, �was lag da n�her, als daf�r zu sorgen, da� Ihr mir erhalten bleibt?�</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich lie� sie das Gewehr fallen und st�rzte an Michels Brust.</style></p><p><style name="font3">�La� mich--la� mich, nur dieses eine Mal will ich dich k�ssen. Sto� mich nicht weg. Bitte</style></p><p><style name="font3">Wie ein Rausch kam es �ber Michel. Er legte seine Arme um sie und k��te sie und f�hlte doch im selben Augenblick, da� er eine andere meinte, eine, die weit weg war und nun nicht mehr auf ihn wartete.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">11</style></p></title><p><style name="font3">Das spanische Expeditions-Korps hatte sich bei Sidi-Mes aufgestellt. Drei Reihen bildete die Infanterie � eine d�nne Linie. Allerdings war die Feuerkraft recht erheblich, wenn die Salven nicht zu fr�h in die Angreifer geschossen wurden.</style></p><p><style name="font3">Im Augenblick war jedoch noch nirgends ein Feind zu sehen. Die Sonne gl�hte unbarmherzig, und die Strahlen brachen sich funkelnd an den Gewehrl�ufen. Vom Befehlshaber bis zum letzten Arkebusier herab herrschte Nervosit�t.</style></p><p><style name="font3">S�mtliche Schlachten gegen den Daj von Algier waren bisher verloren worden. Hier nun, wahrscheinlich schon in wenigen Minuten, mu�te sich das Schicksal der spanischen Expeditionsarmee entscheiden. Siegte man, so konnte man anschlie�end zum Angriff �bergehen. Im Fall einer Niederlage aber blieb allenfalls noch die Rettung auf die Schiffe, die nahe der K�ste vor Anker lagen. Es wurde zwei Uhr � drei Uhr � halb vier.</style></p><p><style name="font3">�Por Dios, m�chte wissen, wann der Kerl angreifen wird�, sagte der General zu einem der neben ihm haltenden Ordonnanzoffiziere.</style></p><p><style name="font3">Ein anderer hoher Offizier wischte sich fortw�hrend den Schwei� vom Gesicht. Unruhig sa� er zu Pferde, dessen Z�gel er in der verkrampften, schwei�igen Faust hielt. Die Nervosit�t teilte sich den Soldaten mit. Das Warten zerm�rbte.</style></p><p><style name="font3">Da erscholl pl�tzlich ein Hornruf. Er fuhr der ganzen Armee in die Knochen. Fertigmachen zum Kampf!</style></p><p><style name="font3">Die Sonne stand schon weit im Westen, im R�cken der Spanier, und blendete sie nicht. Jetzt brauste er heran. Man konnte noch keine Einzelheiten unterscheiden. Ein fernes Geheul lie� die Luft erzittern, und unter dem Stampfen der Kameltritte und Pferdehufe dr�hnte die Erde. Der General ritt an die Flanke und kommandierte: �Offiziere heraustreten!�</style></p><p><style name="font3">Die Offiziere marschierten mit erhobenem Degen sechs Schritte vor die Front. Dann machten sie halt � eine Links- bzw. Rechtswendung � und marschierten wie auf dem Kasernenhof an die rechte und linke Flanke des Heeres. Wieder eine Kehrtwendung � und sie standen mit den Gesichtern zu ihren Soldaten.</style></p><p><style name="font3">Vorn schien die H�lle losgelassen zu sein. Man konnte jetzt mit blo�em Auge sehen, wie der Angriff sich entwickelte. Der Gegner hatte keine Schlachtordnung. DieKamelreiter bildeten die Spitze. Aber die Kavallerie, die es gar zu eilig hatte, ritt teilweise schon mitten zwischen ihnen. �Erstes Glied � hinlegen! � Zweites Glied � knien!�</style></p><p><style name="font3">Immer n�her heran kamen die Scharen des Daj. Das Geheul wurde schier unertr�glich f�r europ�ische Ohren.</style></p><p><style name="font3">Die Offiziere standen noch immer in stoischer Ruhe mit erhobenen Degen auf demselben Fleck. Bis auf zweihundert Meter waren die Angreifer heran. Und noch kam kein Befehl, die Gewehre anzulegen.</style></p><p><style name="font3">Hundertf�nfzig Meter � hundertf�nfundzwanzig Meter-Die Stimme des Generals: �Erstes Glied � legt an!�</style></p><p><style name="font3">Die Offiziere rissen den Arm mit dem Degen hoch. �Gebt Feuer!�</style></p><p><style name="font3">Die Degen sausten herab und verharrten still mit der Spitze auf der Erde.</style></p><p><style name="font3">Dann wiederholte sich das gleiche Kommando f�r das zweite Glied, w�hrend das erste hastig nachlud.</style></p><p><style name="font3">Allein, die Salve hatte die Kamelreiter kaum zum Stocken gebracht. Wohl fielen Dutzende von Kamelen und begruben ihre Reiter unter sich. Aber die n�chsten Wellen st�rmten �ber sie hinweg.</style></p><p><style name="font3">Die zweite Salve krachte. Die dritte folgte, in viel zu kurzem Abstand. Das erste Glied hatte wieder geladen.</style></p><p><style name="font3">Doch da st�rzte sich die entfesselte H�lle bereits �ber die Soldaten.</style></p><p><style name="font3">Die Hornrufe schmetterten zum Sammeln in Karrees.</style></p><p><style name="font3">Von der Verteidigungslinie zum Karree, das hei�t: R�ckzug.</style></p><p><style name="font3">Immer wieder stie� die Kavallerie in die zur�ckflutenden Soldaten. Immer schneller wurde ihr Schritt. Einige der formierten Haufen l�sten sich bereits auf und st�rmten in wilder Flucht dorthin, wo die Schiffe lagen. An die Verwundeten dachte niemand. Sie wurden ihrem Schicksal �berlassen. In regellosen Haufen erreichte man die Boote. Gewehre flogen zur Erde. Die Artillerie, die gar nicht mehr zum Einsatz gekommen war, wurde zur�ckgelassen. Rund zehntausend Mann der Expeditionsarmee k�mpften noch an der K�ste, um den anderen das �bersetzen zu erm�glichen.</style></p><p><style name="font3">Nach und nach aber wurden sie von den wilden Schw�rmen der Janitscharen niedergeritten. Sie warfen ebenfalls die Waffen und Helme weg und versuchten, sich schwimmend zu retten. Karl III. hatte die Schlacht gegen den Daj von Algier verloren.</style></p><p><style name="font3">Unter Zur�cklassung aller Gesch�tze und vieler Verwundeter schiffte er sich mit seinem Expeditionskorps ein.</style></p><p><style name="font3">Wilder Jubel herrschte unter den Janitscharen. Die Augen Baba Alis, des F�rsten von Al-Dschesair, gl�hten fanatisch. Er hatte dem verfluchten Spanier eine Lehre erteilt, die ihm sicherlich noch lange im Ged�chtnis bleiben w�rde. Die Fahne des Propheten wehte wieder �ber Sidi-Mes.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">12</style></p></title><p><style name="font3">Isolde Hawbury lag v�llig geistesabwesend in ihrem Verlies unter dem Palast des Daj in Algier. Sie sp�rte kaum noch die Ketten um Hand- und Fu�gelenke; siestarrte zur Decke empor und bewegte murmelnd die Lippen.</style></p><p><style name="font3">Fast sieben Monate waren seit ihrer Flucht und ihrer Wiederergreifung vergangen. Und seitdem hatte sie kein Lebenszeichen mehr von Michel Baum und seinen Gef�hrten erhalten. Ob sie �berhaupt noch am Leben waren � ?</style></p><p><style name="font3">Anfangs hatte sich das M�dchen innerlich gegen die Sklavenketten aufgeb�umt, hatte den W�chter beschimpft, der ihr das k�rgliche Essen brachte, hatte sich �ber die schmutzigen Kr�ge beschwert, aus denen sie mit fauligem Trinkwasser ihren Durst stillen sollte. Es hatte nichts gen�tzt. Isolde trug noch immer die �berreste der Janitscharenuniform, in der sie den Fluchtversuch unternommen hatte. Ihr Lager bestand aus verdorbenem Stroh, und rings um sie herrschte ein durchdringender Gestank, den sie schon nicht mehr wahrnahm. Hin und wieder �berfielen sie wohl die Gedanken an die Heimat, an London, an den Vater und an jene sch�nen Tage, die sie mit ihm beim Sultan von Marokko in Fes verbracht hatte. Und dann kam jener schreckliche Abend, an dem sie sich pl�tzlich in der N�he eines Basars von kr�ftigen F�usten gepackt f�hlte. Als sie ihr Bewu�tsein wiedererlangt hatte, lag sie in einer S�nfte, die zwischen zwei Kamelen hing und sanft schaukelte. Ein Blick durch die Vorh�nge verriet ihr, da� es Nacht war. Beim Anblick des hellen Schimmers der D�nen, auf denen sich das Mondlicht brach, wurde ihr klar, da� sie sich in der offenen W�ste befand. Die M�dchenh�ndler des Orients waren klug genug, nicht die belebten Stra�en zu w�hlen und, solange es irgendwie ging, den Weg durch die W�ste zu bevorzugen. Isolde Hawbury war keine von den verz�rtelten Puppen der europ�ischen Gesellschaft, die unf�hig waren, sich gegen irgend etwas aufzulehnen. Ihr Vater, General im Kolonialamt, hatte fr�hzeitig darauf gedrungen, da� seine Kinder durch die harte Schule des britischen Koloniallebens gingen. Reiten, Schie�en und Ausdauer waren die hervorstechenden Merkmale einer solchen Erziehung. Hinzu kam die Schulung in Sprachen, wie sie f�r den Dienst in den Besitzungen und Dominions des Empire unerl��lich war.</style></p><p><style name="font3">Dreimal hatte Isolde versucht, ihren Peinigern des Nachts zu entwischen. Einmal war sie gelaufen, bis sie mitten in der W�ste zusammenbrach. Der M�dchenh�ndler grinste, als man sie wiederbrachte, schien aber die Lust verloren zu haben, sie bis in die T�rkei oder noch weiter mitzunehmen. So lie� er sie, als die Karawane einen Abstecher nach Algier machte, dem dortigen Daj zu einem billigen Preise als Sklavin.</style></p><p><style name="font3">Dann kam die Haremszeit. Aber sie hatte gro�es Gl�ck; denn Baba Ali heiratete sie nicht. Er machte sie nicht zu einer seiner zahlreichen Frauen, sondern lie� sie nur tanzen. Da er ihre Kenntnisse sch�tzte, eroberte sie sich bald eine gewisse Vertrauensstellung bei ihm. So blieb sie unangetastet und entging dem Los, das so viele andere wei�e Frauen vor ihr in der gleichen Situation geteilt hatten.</style></p><p><style name="font3">Dann kam die Flucht. Und die Wiederergreifung. Aber der Daj war bereits mit seinen Truppen unterwegs, um die Spanier aus dem Land zu werfen; und da sie dem Daj pers�nlich geh�rte, hatte nur er das Recht, sie zu richten. So wartete sie nun auf seine Wiederkehr. Nach ihrer Sch�tzung mu�te es bereits November sein; denn oft schlug der Regen stundenlang gegen die winzige, schmutzige Scheibe, die ihr Kellerloch von der Au�enwelt trennte.</style></p><p><style name="font3">W�rde Baba Ali ihr den Genickschlag versetzen? W�rde er es fertigbringen, ihr den Kopf abzuschlagen? Oder w�rde er sie jetzt in seinen Harem zwingen?</style></p><p><style name="font3">Isolde st�hnte auf unter der Last ihrer Ketten. M�hsam ver�nderte sie ihre Lage. Die Glieder </style><style name="font3">schmerzten f�rchterlich.</style></p><p><style name="font3">Ein Schl�ssel drehte sich im T�rschlo�.</style></p><p><style name="font3">Isolde sammelte sich. Eine fiebrige Spannung ergriff Besitz von ihr. Sonst pflegte der W�chter Essen und Wasserkrug oben durch die kleine Klappe zu schieben. Es war das erstemal, da� jemand die T�r �ffnete. Das konnte nur bedeuten, da� Baba Ali von seinem Feldzug zur�ckgekehrt war.</style></p><p><style name="font3">Sie begann pl�tzlich zu zittern. Ihre Augen weiteten sich. Mit starrem Blick hafteten sie auf der T�r, die jetzt quietschend zur�ckschwang. Ein kurzer Schrei entfloh ihren Lippen. Der Eintretende war Hussejn, der Wesir und Leibdiener des Daj.</style></p><p><style name="font3">�Salam�, verneigte er sich sp�ttisch. Ein Flimmern lag in seinen schwarzen Augen. �Wie geht es der Dame aus dem m�chtigen England? F�hlst du dich wohl? Bei Allah, du solltest stolz darauf sein, einst so gro�en Einflu� auf den Daj gehabt zu haben. Ist er doch ein siegreicher Feldherr und ein gro�er F�rst, der soeben die Spanier vernichtend aufs Haupt geschlagen hat. Allah ist m�chtig, und wer an ihn glaubt und dem Propheten gehorcht, der wird siegen.� Er stand da mit verschr�nkten Armen. Isolde zog es vor, zu schweigen. �Hast du irgend einen Wunsch?� fragte er mit zynischem L�cheln.</style></p><p><style name="font3">�Nein, ich w�rde mir lieber die Zunge abbei�en, als einen Menschen wie dich um etwas bitten.� Hussejn lie� sich nicht aus der Ruhe bringen.</style></p><p><style name="font3">�Wir erwarten jeden Tag die R�ckkehr des Daj und seiner siegreichen Heere.�</style></p><p><style name="font3">Er machte eine Pause, um die Wirkung seiner Worte zu beobachten.</style></p><p><style name="font3">Isolde antwortete nicht. Aber sie konnte nicht verhindern, da� sich ihr Herz vor pl�tzlich </style><style name="font3">aufsteigender Angst zusammenkrampfte. Ohne es zu wollen, dr�ngte sich ihr die Frage auf:</style></p><p><style name="font3">�Ist denn keine Gnade m�glich?�</style></p><p><style name="font3">Hussejn war ziemlich �berrascht. Aber das Grinsen auf seinen Z�gen verst�rkte sich nur. �Ich glaube nicht, da� man dir Gnade zubilligt. Der Daj wird sehr streng sein; denn durch deine Schuld sind uns auch die anderen wertvollen Gefangenen entflohen.� �Aber ihr habt sie doch ebenso wiederbekommen wie mich.�</style></p><p><style name="font3">�Wir hatten sie�, antwortete Hussejn finster, �aber gerade vor einigen Stunden erreichte mich die Nachricht, da� sie aus den Steinbr�chen von El Mengub entkommen sind. Sie haben sogar viele unserer Leute verwundet und get�tet; denn sie sind gewaltsam ausgebrochen. Ich nehme an, da� der F�rst schreckliche Rache �ben wird an demjenigen, durch dessen Schuld sie �berhaupt erst in die Steinbr�che versetzt werden mu�ten � und dieser Schuldige bist du.� �Nein�, rief Isolde Hawbury, �du warst es doch, der veranla�t hat, da� sie so schnell wie m�glich fortgebracht wurden. Du hast sie in die Steinbr�che geschickt, aus denen es im allgemeinen keine Wiederkehr mehr gibt! Das werde ich Baba Ali berichten. Du allein bist schuldig; denn deine Grausamkeit kennt keine Grenzen.�</style></p><p><style name="font3">Hussejn zog die dunklen Augen zu einem engen Schlitz zusammen. Ein L�cheln spielte um seine Lippen.</style></p><p><style name="font3">�Was glaubst du wohl, bei Allah, wem der Daj mehr Glauben schenken wird, mir, seinem Stellvertreter, oder dir, einer entlaufenen Sklavin, he? Du mu�t verr�ckt sein, wenn du solche Gedanken hegst. Die Gefangenschaft scheint dir den Verstand verwirrt zu haben. Du wirst gar nicht dazu kommen, �berhaupt den Mund aufzutun; denn ich werde den Daj veranlassen, mit dem Krumms�bel in der Hand auf dich zu warten. Du bist eine ungl�ubige, stinkende Kr�te. Ihr</style></p><p><style name="font3">Wei�en seid alle stinkende Kr�ten. Ihr wollt Land und Macht und glaubt, eure Lehre, die vor Falschheit trieft wie die der Juden, sei st�rker als die unsere.�</style></p><p><style name="font3">Seine Worte waren voller Ha�. Man sp�rte, da� es ihm nicht nur eine Genugtuung war, eine Wei�e vor sich im Staub zu sehen, sondern da� er aus politischen Erw�gungen heraus einen Ha� in sich n�hrte, der alles versengte, was nicht arabisch und mohammedanisch war. Isolde k�mpfte m�hsam ihre Tr�nen zur�ck. Aber sie enthielt sich jeden weiteren Wortes. Sein Triumph durfte nicht vollkommen werden. Sie w�rde ihm beweisen, da� auch eine Europ�erin hart zu sein vermochte.</style></p><p><style name="font3">�Ich denke, der Herrscher wird morgen mit seinen Heerscharen eintreffen. Die Soldaten werden Siegesfeste feiern, und ich werde den Daj davon zu �berzeugen wissen, da� er dir �ffentlich den Genickschlag versetzen soll. Vielleicht schl�gt der F�rst so sehr zu, da� dein t�ckischer Kopf vom Rumpf getrennt wird. Wir werden ihn dann als Troph�e auf einen Spie� stecken und durch die Stra�en tragen.�</style></p><p><style name="font3">Isolde hielt sich die Ohren zu. Krampfhaft schlo� sie die Augen. Sein Anblick fl��te ihr Grauen ein.</style></p><p><style name="font3">Jetzt trat er dichter heran und ri� ihr die H�nde von den Ohren.</style></p><p><style name="font3">�Vielleicht�, fuhr er fort, �kann man dir den Kopf auch langsam herunterschneiden. Das wird ein Kitzel sein, wie du ihn noch nie versp�rt hast, verstehst du?�</style></p><p><style name="font3">Isolde verstand nicht mehr. Eine gn�dige Ohnmacht hatte sie der faunischen Gemeinheit des Qu�lers entrissen. �</style></p><p><style name="font3">Als sie sp�ter erwachte, war sie wieder allein im Raum. Sie konnte nicht sagen, wieviel Stunden seit jener seelischen Folterung vergangen waren. Die schmutzige Fensterscheibe lie� nur einen d�nnen Lichtstrahl hindurch, wenn die Morgensonne direkt darauf stand. Sonst herrschte in der Zelle ein stets gleichbleibendes D�mmerlicht.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">13</style></p></title><p><style name="font3">Es war ein beschwerlicher Weg, den die Fl�chtlinge von El Mengub hinter sich hatten. Michel und seine Gef�hrten, zu denen jetzt auch die andalusische Gr�fin, Steve Hawbury und Marinas treuer Begleiter Guillermo geh�rten, befanden sich keine zehn Meilen mehr von Algier entfernt, als Michel das Zeichen zum Halten gab. Er wandte sich im Sattel um und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Amigos, es ist fast ein Wunder zu nennen, da� wir uns lebend bis hierher durchgeschlagen haben. Die Gefahren, die hinter uns liegen, waren kaum zu �berbieten. Aber wir haben es trotz unzul�nglicher Nahrung und trotz schlechter Pferde geschafft. Jetzt gilt es zu entscheiden, wie wir weiter handeln wollen. Steves Schwester mu� gerettet werden. Dar�ber sind wir uns doch wohl alle einig, nicht wahr?�</style></p><p><style name="font3">�Eine ziemlich unn�tige Frage�, warf Steve unh�flich ein. �Entwickelt doch endlich Euern Plan. Deshalb brauchen wir hier nicht die Zeit zu vertr�deln.�</style></p><p><style name="font3">Seine Ungeduld war begreiflich. Es handelte sich ja um seine eigene Schwester, und deshalb nahm ihm auch niemand seine Ungezogenheiten �bel.</style></p><p><style name="font3">�Bien, Madonna y Senores�, ergriff Michel Baum das Wort. �Soweit w�ren wir also. Jetzt m�chte ich fragen: Wer reitet mit mir in die Stadt? � und wer schl�gt den Weg zum Ankerplatz des Schiffes ein und bereitet dort alles zu einem sofortigen Auslaufen vor, falls es brenzlich wird und wir aus der Stadt fl�chten m��ten? Drei, h�chstens vier gen�gen, um Steves Schwester herauszuholen. Mehr w�rden unn�tig Aufsehen erregen. Ich schlage vor, da� nur Ihr, Steve, und du, Ojo, mit mir reitet. Die anderen schlie�en sich der F�hrung Marinas an und suchen den Ankerplatz der �Trueno� auf. Dort k�nnt ihr in etwa drei Tagen ankommen. Die Wege hier an der K�ste sind nicht so schlecht wie im Gebirge.�</style></p><p><style name="font3">Es herrschte Schweigen. Jardin, der Kleine, f�hlte sich zwar etwas zur�ckgesetzt, aber der lange Fluchtweg hatte ihn sehr geschw�cht. Mehr als einmal hatte er die Flinte ins Korn geworfen und w�re liegen geblieben, wenn sich nicht Ojo oder Michel seiner angenommen h�tten. Deswegen f�gte er sich jetzt ohne Murren.</style></p><p><style name="font3">�Seid Ihr sicher, da� Ihr die �Trueno� finden werdet?� fragte Marina. Ihre Augen leuchteten Michel entgegen; denn dieser hatte sich w�hrend der ganzen Reise wie ein caballero gegen sie benommen. Nicht ein h��liches Wort war mehr �ber seine Lippen gekommen, �ber die Lippen, deren Druck sie allerdings nur ein einzigesmal, an jenem Abend, gleich nach Beginn der beschwerlichen Fahrt, auf den ihren gesp�rt hatte.</style></p><p><style name="font3">Ihre Liebe zu ihm wuchs jedoch mit jedem Tag ihres Zusammenseins. Und sie war fest davon �berzeugt, da� sie Michel �ber kurz oder lang ganz f�r sich gewonnen haben w�rde. Michel nickte ihr h�flich zu und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Gewi�, Madonna, wir werden den Weg finden. Ihr habt ihn mir so genau beschrieben, da� ich ihn unm�glich verfehlen kann.�</style></p><p><style name="font3">�Bueno, so werden wir reiten, Senores. Wir wollen hoffen, unsere Freunde recht bald wohlbehalten wiederzusehen. Abu Hanufa und sein Steuermann, Ibn Kuteiba, sind von mir angeheuert. Sie k�nnen auf der �Trueno� bleiben, solange sie wollen. Hasta la vista, Miguel. Folgt mir, Senores.�</style></p><p><style name="font3">Sie wandte ihr Pferd und strebte einem nach Nordost f�hrenden Gebirgspfad zu.</style></p><p><style name="font3">Michel war im stillen dankbar f�r ihre entschlossene Art.</style></p><p><style name="font3">�Eine fabelhafte Frau�, murmelte Steve Hawbury und sah ihr bewundernd nach.</style></p><p><style name="font3">Michel l�chelte. Steve war zweifelsohne ein junger Hitzkopf und bis �ber beide Ohren in die Gr�fin verliebt.</style></p><p><style name="font3">�All right�, meinte Michel, �reiten wir los. Ich m�chte Eure Schwester m�glichst noch heute befreien, sp�testens jedoch morgen nach Sonnenuntergang.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">14</style></p></title><p><style name="font3">Jubel herrschte in Algier. Kinder und Greise bev�lkerten die Stra�en. Kaufleute warfen in ihrer Begeisterung h�ndeweise Datteln und Zuckerfeigen in die Menge. H�ndler, Gaukler und M�rchenerz�hler traf man gleich scharenweise in der Stadt.</style></p><p><style name="font3">Vom Westen her n�herte sich der riesige Zug von Kamelreitern, Kavallerie und Fu�volk. Die Janitscharen-kapellen spielten ihre kriegerische Musik. Dazwischen schallten mi�t�nige Hornrufe, die von arabischen Kriegern auf erbeuteten spanischen H�rnern geblasen wurden. Das Get�se innerhalb und au�erhalb der Stadt schwoll von Minute zu Minute an. Es drang bis in den Kerker unter dem Palast. Und Isolde Hawbury wu�te, da� dieser L�rm ihr Schicksal besiegelte.</style></p><p><style name="font3">Der Daj kehrte mit seiner siegreichen Armee von dem gro�en Feldzug im November des Jahres 1775 zur�ck.</style></p><p><style name="font3">Isolde faltete die gefesselten H�nde und betete ein inbr�nstiges Vaterunser. � � Dein Wille geschehe; denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.�</style></p><p><style name="font3">Immer wieder murmelte sie diese Worte. Aber der Trost wollte nicht kommen. Ihre Gedanken schweiften ab. Doch immer wieder fan-den sich die H�nde zu neuem Gebet. Sie w�rde im Angesicht des Halbmonds sterben m�ssen. Das abendl�ndische Symbol des Kreuzes war fern � so fern ...</style></p><p><style name="font3">Sie schrak auf. Was war das? Pochte nicht jemand an die Fensterscheibe? Wahrhaftig. In diesem Augenblick klirrte es �ber ihrem Kopf. Eine Stimme rief leise: �Miss Hawbury? Seid Ihr es?�</style></p><p><style name="font3">Isoldes Herz krampfte sich zusammen. Sie konnte nicht antworten. M�hsam rang sie nach Luft. Der Pulsschlag war so ungest�m, da� sie das Pochen bis zum Hals sp�rte. �Wir scheinen wieder verkehrt zu sein�, murmelte eine Stimme, �nun haben wir schon sechs Scheiben eingedr�ckt, und doch ist sie nirgends. Von dieser Seite k�nnen wir also nicht herankommen. � Los, machen wir, da� wir fortkommen.�</style></p><p><style name="font3">Da � da � endlich war das W�rgen aus ihrem Hals verschwunden. Mit Entsetzen vernahm sie, </style><style name="font3">da� sich die beiden oben wieder entfernen wollten, um sie woanders zu suchen.</style></p><p><style name="font3">Ein Schrei kam �ber ihre Lippen. Im letzten Augenblick hatte sie die Schw�che �berwunden.</style></p><p><style name="font3">�Hallo!� rief verhalten eine M�nnerstimme, �Miss Hawbury � seid Ihr da unten?�</style></p><p><style name="font3">�Ja � ja. Ich konnte nur keinen Ton herausbringen vor �berraschung. Sagt, wer seid Ihr?�</style></p><p><style name="font3">�Michel Baum. Ihr werdet mich doch noch kennen?�</style></p><p><style name="font3">�O Gott, ich danke Dir! � Aber ich kann nicht durch das Fenster kriechen; denn es ist viel zu schmal, um einen Menschen hindurchzulassen; au�erdem bin ich an Armen und Beinen gefesselt.�</style></p><p><style name="font3">�Keine Angst�, erwiderte der Sprecher. �Wir holen Euch in den n�chsten Stunden heraus. Wir mu�ten nur erst einmal feststellen, wo Ihr Euch befindet. Das war nicht so einfach. Hoffentlich bemerkt man die anderen eingeschlagenen Scheiben nicht zu fr�h. Habt noch eine Weile Geduld. Bis sp�ter.�</style></p><p><style name="font3">Isolde sank auf ihren schmutzigen Strohhaufen zur�ck. Ihr Herz h�mmerte. Es drohte bei jedem weiteren Schlag zu zerspringen. Hoffentlich kamen sie zur Zeit! Hoffentlich schafften sie es noch! Sie hatte keinen anderen Gedanken.</style></p><p><style name="font3">Vielleicht holte man sie noch vor der Zeit ab? Vielleicht war alle M�he der M�nner vergebens?</style></p><p><style name="font3">��O Gott � o Gott! - Hilf mir doch!</style></p><p><style name="font3">Sie zitterte am ganzen Leibe. Der Schwei� trat ihr aus allen Poren. Sch�ttelfrost packte sie. Nach einer Stunde etwa ging die T�r auf. Voller Hoffnung ruhten ihre Blicke auf der eintretenden Gestalt.</style></p><p><style name="font3">Da entrang sich ein Schrei h�chster Verzweiflung ihren Lippen. Der Ank�mmling war Hussejn, der Wesir. Sie wu�te, da� er sie jetzt zum Daj f�hren w�rde. Und dann kam der gr��liche Augenblick. Dann kam der Schlag in den Nacken � und dann kam � �Nun? Du r�udige H�ndin, du verfluchte Christensau, jetzt ist es soweit. Gleich werden die W�chter kommen und dich vor den Daj bringen. Dann wird man dir zeigen, wie man mit ungetreuen Sklaven in Al-Dschesair umgeht.�</style></p><p><style name="font3">Seine Augen loderten vor Wut; denn er dachte an sein Gespr�ch mit dem Daj nach dessen R�ckkehr. Der F�rst hatte ihn nach den Sklaven gefragt. Und als der Wesir schilderte, was geschehen war, hatte ihn sein Freund und Herr angeschrien und in die Dschehenna gew�nscht. Erst als Hussejn berichtete, da� er wenigstens die Hauptmisset�terin gefangen hatte, beruhigte sich Baba Ali etwas.</style></p><p><style name="font3">Er fragte allerdings mit nicht geringem Spott, was er mit der Hauptschuldigen beginnen solle, wenn diejenigen, denen er den Bau der Gewehre �bertragen habe, endg�ltig entkommen w�ren. Darauf wu�te Hussejn nichts zu sagen. Er st�rmte in das Verlies, um seine Wut �ber die, wie er meinte, ungerechtfertigten Vorw�rfe an dem wehrlosen M�dchen auszulassen. Der Daj hatte keineswegs befohlen, die Sklavin bereits jetzt zur Hinrichtung zu bringen. Ganz im Gegenteil, er erwog in Gedanken bereits, wie man das wei�e M�dchen wieder in Dienst nehmen k�nnte. Isidolada, so nannte Baba Ali sie, weil er ihren Namen nicht richtig auszusprechen vermochte, hatte ihm wertvolles Wissen �ber das Abendland vermittelt, so da� er auch nicht einen Augenblick daran dachte, sie hinzurichten. Baba Ali ha�te zwar die Europ�er, soweit sie als Feinde in sein Land kamen, er war aber viel zu klug, um ihre Fortschrittlichkeit nicht anzuerkennen. Sein geheimstes Bestreben war, die Verh�ltnisse in Algier langsam den europ�ischen anzugleichen.</style></p><p><style name="font3">Der Daj kannte zwar den Koran in- und auswendig wie kaum ein anderer. Aber ihm war es ziemlich gleichg�ltig, was f�r Seligkeiten der Prophet nach dem Tode versprach. Sein Ziel war es, den Widerstand der Alten, Unbelehrbaren, Unduldsamen langsam zu brechen. Die Truppen standen hinter ihm. Er w�rde den eingefleischten Muslimun den Fortschritt eben aufzwingen, wenn es nicht anders ging. Eines jedoch wu�te der Daj nicht, n�mlich da� sein Vertrauter und Freund, Hussejn, zu jenen unbelehrbaren Dogmatikern z�hlte, f�r die es nur Mohammed gab und sonst nichts auf der Welt...</style></p><p><style name="font3">�So�, sagte Hussejn zu der zitternden Isolde, �jetzt werde ich die W�chter rufen. Dann wird dein Kopf abges�gt, sch�n langsam� � er schien sich an diesem Gedanken geradezu zu berauschen</style></p><p><style name="font3">���vielleicht fangen wir auch mit den H�nden an, damit du nicht so schnell stirbst.� Er ging hinaus und rief die W�chter.</style></p><p><style name="font3">Zwei M�nner kamen und blieben in der T�r stehen.</style></p><p><style name="font3">�Packt sie, die Unverschleierte, die mit frechem Gesicht jedem Mann ihre Z�ge zeigt, obwohl der Prophet befohlen hat, da� eine Frau einen Schleier tragen mu�.�</style></p><p><style name="font3">Die M�nner schienen ihn nicht richtig verstanden zu haben; denn sie r�hrten sich nicht von der Stelle.</style></p><p><style name="font3">�Was steht ihr da herum, ihr Faulpelze, ihr Hundes�hne, ihr Bastarde! Ich werde euch die Kurbatsch zu schmecken geben, ihr verfluchten Lumpen!�</style></p><p><style name="font3">Der eine der W�chter trat jetzt vor, wandte sich aber dem Wesir zu und nicht der Gefangenen. Hussejn starrte ihn verwundert an. Sein Gesicht war dunkelrot vor Zorn. Er hob die Hand und wollte unbeherrscht nach dem Mann schlagen. Dieser aber war schneller. Er griff nach der Hand, hielt sie fest, holte aus und gab dem Wesir ein paar schallende Ohrfeigen. Dann boxte er ihn in eine Ecke, bis er auf die feuchten Steine niedersank. Ehe er sich's versehen hatte, war er geknebelt.</style></p><p><style name="font3">Der andere machte sich daran, die staunende Isolde von ihren Fesseln zu befreien. �Steht auf, Miss Hawbury! K�nnt Ihr gehen?� �Mr. Baum?!� schrie sie mit freudigem Schreck.</style></p><p><style name="font3">�Wir haben jetzt keine Zeit zu Unterhaltungen. Unser dritter Mann steht drau�en vor dem </style><style name="font3">Verlieseingang und h�lt die W�chter in Schach. Kommt schnell!�</style></p><p><style name="font3">�Soll ich ihn fesseln, Senor Doktor?� fragte Ojo auf spanisch und zeigte auf den Wesir.</style></p><p><style name="font3">�Ja, leg ihn in Ketten, so fest, da� seine Leute M�he haben, ihn wieder freizubekommen.�</style></p><p><style name="font3">Ojo lie� sich das nicht zweimal sagen. Mit grimmiger Miene fa�te er den Wesir, hob ihn wie ein </style><style name="font3">Kind auf die Arme, schaffte ihn dorthin, wo soeben noch das wehrlose M�dchen gelegen hatte, </style><style name="font3">und befestigte die schweren Eisenringe um seine Handgelenke.</style></p><p><style name="font3">Hussejn atmete schwer. Seine Adern schwollen an. Er b�umte sich auf in ohnm�chtiger Wut; aber es n�tzte ihm nichts. Die Eisenketten hielten, und der Knebel lie� ihm kaum gen�gend Luft zum Atmen. Wie gl�hende Dolche stachen seine Augen hinter den Fl�chtenden her. Er leistete den erbittertsten Schwur seines Lebens.</style></p><p><style name="font3">Die Zellent�r wurde zugeschlagen. Der Schl�ssel drehte sich im Schlo�. Hussejn, der Ha�erf�llte, war gefangen.</style></p><p><style name="font3">Und drau�en feierte man das gr��te Siegesfest, solange er denken konnte. Vielleicht w�rde es Stunden dauern, bis man ihn hier unten fand. �</style></p></section><section><title><p><style name="font3">15</style></p></title><p><style name="font3">�Hier an den Zellen vorbei�, fl�sterte Michel der noch immer benommenen Isolde zu. Bei den Zellent�ren bogen sie um eine Gang-Ecke und standen dann vor der T�r, die ins Freie f�hrte. Wie bei ihrer ersten Flucht war die Stra�e hinter dem Palast, auf die der Gang f�hrte, ruhig und still. Von fern drang der L�rm des Siegesfestes her�ber.</style></p><p><style name="font3">Der Mann, der hier stand und das Gewehr drohend auf die W�chter gerichtet hielt, r�hrte sich nicht vom Fleck.</style></p><p><style name="font3">�Zieh ihnen die Burnusse aus, Ojo�, befahl Michel, �und nimm ihnen die Turbane ab, bevor du sie fesselst. Wir brauchen die Kleidungsst�cke.�</style></p><p><style name="font3">Ojo tat, wie ihm gehei�en.Michel reichte je eins der Kleidungsst�cke Isolde und dem dritten Helfer, der bisher noch kein Wort gesprochen hatte.</style></p><p><style name="font3">�Zieht Euch die schmutzigen Gew�nder �ber und macht, da� Ihr aus der Stadt kommt. Wenn die </style><style name="font3">Verfolgung beginnt, m��t Ihr unbedingt in Sicherheit sein.�</style></p><p><style name="font3">Der Mann nickte. Das M�dchen gehorchte schweigend dem Gebot.</style></p><p><style name="font3">�Wir treffen uns an der Spitze der Bucht von Matifu, wie besprochen. Von dort aus reiten wir weiter. Geht jetzt. Schreitet ruhig dahin, da� Ihr nicht auffallt, bis Ihr, die Pferde erreicht. Kommt gut durch!�</style></p><p><style name="font3">Der Mann nahm das M�dchen am Arm und wandte sich zum Gehen. Aber sie hielt ihn zur�ck und sah zu Michel hin.</style></p><p><style name="font3">�Wollt Ihr noch etwas, Miss Hawbury?� fragte dieser. �Warum geht Ihr nicht mit, Mr. Baum?�</style></p><p><style name="font3">�Ihr wi�t, wie sehr ich an meinem Gewehr h�nge. Ich kann meine Aufgabe erst als erledigt betrachten, wenn ich es wiederhabe.� Isolde zauderte noch immer.</style></p><p><style name="font3">�Kann �� fragte sie stockend, �kann � ich diesem Mann hier, der so schweigsam ist, wirklich </style><style name="font3">vertrauen?�</style></p><p><style name="font3">Michel l�chelte.</style></p><p><style name="font3">�Es gibt keinen, dem Ihr mit mehr gutem Grund vertrauen k�nnt als diesem jungen Mann, Miss </style><style name="font3">Hawbury. Warum, das werdet Ihr erfahren, sobald Ihr in Sicherheit seid. Jetzt aber fort!� -</style></p><p><style name="font3">Ojo und Michel wandten sich der S�dseite des Palastes zu.</style></p><p><style name="font3">�Wi�t Ihr denn, wo Euer Gewehr aufbewahrt wird, Senor Doktor?�</style></p><p><style name="font3">�Keine Ahnung. Ich wei� nur, da� ich es finden mu�.</style></p><p><style name="font3">Und da ich annehme, da� der Daj, oder vielmehr sein b�ser Geist, der Wesir, eitel genug ist, die B�chse als seine Eroberung herumzuzeigen, so schauen wir wohl am besten zuerst in den Gem�chern der beiden nach.�</style></p><p><style name="font3">Ojo nickte und schwieg. Er machte sich seine eigenen Gedanken. Ihm war es klar, da� die eigentliche Arbeit jetzt erst begann. An sich war das Unterfangen ein Wagnis ohnegleichen. Und es geh�rte mehr als nur landl�ufiges Gl�ck dazu, sich wieder in den Besitz der Villaverdieschen Sechslaufmuskete zu setzen.</style></p><p><style name="font3">�Wenn du nicht die richtige Laune hast, Diaz, so bleibe zur�ck. Ich werde es dir bestimmt nicht �belnehmen. Hast schon viel f�r mich getan, treuer Kerl. Dieses Gewehr geht an sich nur mich an, und es ist eigentlich unverantwortlich von mir, dich einer Gefahr auszusetzen, in der wir beide umkommen k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">�Wollt Ihr mich beleidigen, Senor? Ich vertraue auf Gott.�</style></p><p><style name="font3">Sie hatten die S�dseite des Palastes erreicht. Durch das Prachttor str�mten die Krieger ein und aus. Fackeln brannten jetzt; denn die kurze D�mmerung ging bereits in die Nacht �ber. Michel und Ojo lie�en sich von der Menge in den Palast treiben. Sie hatten sich schon am Nachmittag saubere Burnusse und Turbane besorgt. Ojo war von jetzt an stumm wie ein Fisch. Wenn ihn jemand ansprach, machte er die Geb�rde der Taubstummen und l�chelte gewinnend. Auch Michel lie� sich nur ungern in ein Gespr�ch ziehen, denn man merkte seinem Arabisch noch Schw�chen an, obwohl er die Sprache im Hinblick auf die wenigen Monate seines Studiums im Steinbruch geradezu vorz�glich erlernt hatte.</style></p><p><style name="font3">Von Saal zu Saal gingen die beiden und hielten Umschau. Sie kannten sich ja gut hier aus.�Wir</style></p><p><style name="font3">m�ssen versuchen, in die Privatgem�cher des Daj vorzudringen�, fl�sterte Michel leise. �Hier in </style><style name="font3">diesem Trubel sind wir zwar sicher, aber wir finden das Gewehr nicht.�</style></p><p><style name="font3">Sie gingen weiter. Doch pl�tzlich zog Michel seinen Begleiter hinter eine Balustrade.</style></p><p><style name="font3">�Siehst du die T�r dort hinten, Diaz? Die m�ssen wir zu gewinnen suchen.�</style></p><p><style name="font3">Sie schlenderten hin�ber. Im Augenblick lie� sich niemand sehen. Ein Griff � die T�r war </style><style name="font3">offen. Keine Wachen da.</style></p><p><style name="font3">�Wir sind im Schlafsaal des Daj�, fl�sterte Michel. Ojo f�hlte sich recht unbehaglich.</style></p><p><style name="font3">�Schejtan�, brummte pl�tzlich eine tiefe Stimme ungehalten. Sie kam � kein Zweifel � von dem gro�en, seidenbespannten Diwan.</style></p><p><style name="font3">�Wer wagt es, meine Ruhe zu st�ren? Komm her, du Hund. Ich werde dir den Kopf abschlagen!�</style></p><p><style name="font3">Ein dicker Kerl wurstelte sich aus den Seidenvorh�ngen heraus, die die Lagerstatt gegen zudringliche Blicke abschirmten. Es war Baba Ali pers�nlich.</style></p><p><style name="font3">�Was wollt ihr?� fragte er w�tend, �wer hat euch erlaubt, ungerufen bei mir einzudringen? Wi�t ihr nicht, da� ein Held nach seiner R�ckkehr vom Schlachtfeld viel Ruhe n�tig hat, um sich zu erholen? Kommt her, kniet nieder. Ich werde euch den Kopf abschlagen.� Es schien ihm gar nicht in den Sinn zu kommen, da� es einen Menschen auf der Welt geben k�nnte, der sich einem solchen Befehl widersetzte. Die F�rsten der Araber waren gew�hnt, �ber sklavisch gehorsame Untergebene zu herrschen, mit denen sie tun konnten, was sie wollten. Michel trat gem�tlich n�her.</style></p><p><style name="font3">�Sei nicht so rabiat, du gro�er Held�, sagte er in ruhigem Ton. �Siehst du nicht, da� du die Ehre hast, zwei Hadschis zu begr��en, die ihre Weltreise unterbrochen haben, eigens um dich zu sehen? H�rst du nicht an meinem Dialekt, da� ich aus fernen Gegenden stamme? Gew�hre uns deine Gastfreundschaft, und wir bringen dir Allahs Segen.�</style></p><p><style name="font3">Der Daj machte ein ziemlich einf�ltiges Gesicht. Dennoch steckte er den Krumms�bel, den er bereits gezogen hatte, wieder in die Scheide und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Seid willkommen, ehrw�rdige Hadschis. Ich sehe, da� euch der Prophet mit seiner besonderen Gnade beschenkt hat. Sprechen wir ein wenig �ber den Koran. Vielleicht k�nnt ihr mir einige neue Auslegungen vermitteln.�</style></p><p><style name="font3">Michel verzog das Gesicht. Er hatte zwar den Koran in deutscher �bersetzung studiert, wie er �berhaupt alle Religionen bis zu einer gewissen Grenze kannte. Aber weiter auch nicht. Zu einer Unterhaltung mit dem Daj aber geh�rte, da� man mindestens ein halbes Dutzend Suren herunterleiern konnte. Abu Hanufa hatte ihm erz�hlt, da� der Daj ein Virtuose auf diesem Gebiet war.</style></p><p><style name="font3">Aber Michel f�hlte sich dennoch sicher.</style></p><p><style name="font3">�Wir sind nicht gekommen, um mit dir �ber die Schriften Mohammeds zu sprechen, sondern um dich zu deinem gl�nzenden Sieg �ber die Spanier zu begl�ckw�nschen.� �Aber ihr seid doch Hadschis. Jeder Hadschi liebt es, �ber den Koran zu sprechen. Wartet ein wenig. Ich rufe einen Diener. Der kann uns Kaffee bringen und den Wesir rufen. Auch er unterh�lt sich gern �ber den Koran.�</style></p><p><style name="font3">Er zog an einer seidenen Schnur, die �ber dem Diwanhing. Die gro�e Mittelt�r �ffnete sich, und</style></p><p><style name="font3">ein Diener trat mit tiefen Verbeugungen n�her.</style></p><p><style name="font3">�Hussejn soll kommen! Und bring uns Kaffee und Tschibuks.�</style></p><p><style name="font3">Michel �berlegte, wie er sich am besten aus der Aff�re ziehen konnte. Hussejn w�rde </style><style name="font3">selbstverst�ndlich nicht kommen, denn er lag sicherlich noch immer im Verlies.</style></p><p><style name="font3">Der Diener brachte kurz darauf dampfenden Kaffee und vier Wasserpfeifen, die bereits </style><style name="font3">qualmten.</style></p><p><style name="font3">Michel zog sich, ohne aufgefordert zu sein, eine Ottomane heran und lie� sich bequem darauf nieder. Diaz Ojo folgte seinem Beispiel mit der gr��ten Selbstverst�ndlichkeit. Der Daj blickte sie erstaunt an. �Ihr seid sehr unh�flich.�</style></p><p><style name="font3">�Wieso?� fragte Michel. �Du sitzt doch auch. Weshalb sollen wir da stehen?�</style></p><p><style name="font3">Baba Ali fand offensichtlich nicht gleich eine Antwort. So unversch�mt war ihm noch niemand </style><style name="font3">gekommen.</style></p><p><style name="font3">Ojo, der �berhaupt keine Ahnung von den hierzulande herrschenden Sitten hatte, setzte den Kaffee an und trank die Tasse wie ein Landsknecht mit einem Zuge leer. Dann griff er nach der Pfeife und steckte das Schlauchende in den Mund.</style></p><p><style name="font3">Michel tat es ihm nach. Sie befanden sich mehr oder weniger in einer verteufelten Lage. Es schadete also nichts, wenn sie sich daneben benahmen.</style></p><p><style name="font3">�Du mu�t wissen�, begann Michel auf den verdutzten Daj einzureden, �wir kommen gerade aus dem Abendland. Dort benimmt man sich so, wie wir es im Augenblick tun.� Der Daj horchte auf. Europa interessierte ihn immer.</style></p><p><style name="font3">Seine Wi�begierde siegte �ber seinen Zorn. Aufmerksam blickte er Michel ins Gesicht. Aber der dichte Bart, der es umrahmte, machte seine Z�ge unkenntlich. �Wo wart ihr zuletzt?� fragte der Daj neugierig.</style></p><p><style name="font3">�In Toledo, in den Waffenfabriken des spanischen K�nigs�, sagte Michel und beobachtete dabei die Wirkung seiner Worte.</style></p><p><style name="font3">�Schejtan!� fuhr Baba Ali auf. �K�nnt ihr mir nicht berichten, was es dort Neues gibt?� Michel blickte sich sichernd um, obwohl er wu�te, da� weit und breit kein Mensch war. �Wir reisten im Auftrag des Sultans�, log er, �und k�nnen nat�rlich nicht alles ausplaudern, was wir gesehen haben.�</style></p><p><style name="font3">�Ah�, sagte Baba Ali, und sein Gesicht gl�nzte vor Vergn�gen. �Ich bin ein Freund der Pforte. Mir k�nnt ihr ruhig erz�hlen, was ihr gesehen habt.�</style></p><p><style name="font3">Michel machte eine absch�tzende Geb�rde mit der Hand, als z�gere er noch. �Gut denn, weil du uns so freundlich bewirtet hast. Wir haben ein neues Gewehr im Bau gesehen. Das wird den Sultan ganz besonders interessieren; denn es bedeutet eine Revolution in der Geschichte der Feuerwaffen.�</style></p><p><style name="font3">�Nicht m�glich�, rief der Daj und wurde sichtlich unruhig. �Wie sieht es aus?� �M�chtest du uns nicht erst noch einen Mokka bringen lassen? Wir sind so durstig und abgespannt.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, ja. Allah segne euern Appetit!�</style></p><p><style name="font3">Er zog wieder an der Seidenschnur und schrie den eintretenden Diener an:</style></p><p><style name="font3">�Bring Mokka, aber schnell! Und f�r jeden gleich zwei Tassen. � Los, beeil dich!�</style></p><p><style name="font3">�Wir haben ein unglaubliches Gewehr gesehen�, nahm Michel wieder das Wort. �Es hatte viele </style><style name="font3">L�ufe, und mankonnte immerfort damit schie�en. Eine unerh�rte Waffe, sage ich dir.�</style></p><p><style name="font3">Der Daj starrte ihn ungl�ubig an. Dann sprang er pl�tzlich auf und eilte zu einer Truhe, die an </style><style name="font3">der gegen�berliegenden Wand stand. Er schlo� sie auf und brachte � Michels B�chse zum </style><style name="font3">Vorschein.</style></p><p><style name="font3">�Sahen die Gewehre so aus wie dieses?� Michel streckte die Hand danach aus. Nur z�gernd gab es der Daj her.</style></p><p><style name="font3">Michel betrachtete es eingehend. �Hm�, meinte er dann nachdenklich.</style></p><p><style name="font3">�Dieses hier scheint mir bereits ein veraltetes Modell zu sein.� Er legte es an, wie um das Zielen zu probieren.</style></p><p><style name="font3">�Woher hast du es?� fragte er dann.</style></p><p><style name="font3">�Ich kaufte es von einem Europ�er�, log der Daj. �Ich m�chte es gern nachbauen. K�nnt Ihr mir nicht behilflich-�</style></p><p><style name="font3">Das Wort wurde ihm abgeschnitten. Die Fl�gelt�r flog auf. Herein st�rmte � Hussejn. Der Daj fuhr auf.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb st�rzt du hier herein wie ein Wilder?� Hussejn wollte den vers�umten Kniefall nachholen, als seine Blicke auf die beiden Verkleideten fielen.</style></p><p><style name="font3">�Das sind die Hundes�hne, die Halunken, die Christenhunde, die mich eingesperrt und die wei�e Sklavin befreit haben!�</style></p><p><style name="font3">Er wandte sich zur T�r und schrie nach den Wachen. Der Daj blickte aufgeregt von einem zum anderen. Er verstand gar nicht, worum es �berhaupt ging.</style></p><p><style name="font3">Mit einem Satz war Michel bei ihm und entri� ihm den Krumms�bel, dessen Scheide und Griff �ber und �ber mit kostbaren Diamanten besetzt waren.</style></p><p><style name="font3">�Komm, Diaz!� schrie er und versuchte, durch die kleine T�r, durch die sie eingetreten waren, den Gang zu gewinnen.</style></p><p><style name="font3">In dem Augenblick, als Ojo die T�r aufstie�, erschienen auf der anderen Seite die gerufenen Wachen. Der Anblick ihres Herrschers lie� sie f�r den Bruchteil einer Sekunde z�gern. Dieser Augenblick gen�gte den beiden Wei�en. Sie warfen die T�r von au�en zu und eilten wieder zu der Balustrade, hinter der sie vorhin gestanden hatten. Kaum waren sie verborgen, als die ersten Soldaten herausst�rmten. Sie rannten vor�ber.</style></p><p><style name="font3">�Was machen wir jetzt? Sie werden den Palast absperren und niemanden mehr hinauslassen�, sagte Ojo.</style></p><p><style name="font3">Michel schwieg und dachte angestrengt nach. Hinter dieser Balustrade waren sie verh�ltnism��ig sicher. Aber sie mu�ten aus dem Palast. Lange konnten sie hier nicht bleiben.</style></p><p><style name="font3">In diesem Moment sprang die kleine T�r abermals auf. Ein Offizier der Janitscharenwache erschien. Er hatte ungef�hr Michels Statur. Z�gernd blieb er stehen. Er wu�te offenbar nicht, wohin er sich so schnell wenden sollte. Michel nutzte das Stutzen des anderen aus. Mit einem Sprung erreichte er ihn und ri� ihn, ehe er sich's versah, in das Versteck, wo Ojo bereits den S�bel in der Faust hielt.</style></p><p><style name="font3">�Nicht t�ten!� zischte Michel. �Nimm mein Gewehr und schlage ihm den Kolben �ber den Sch�del!�</style></p><p><style name="font3">Ojo reagierte blitzschnell. Vom Schlag getroffen sank der Mann um. Im Nu hatten ihm die beiden Bedr�ngten seine Kluft ausgezogen.</style></p><p><style name="font3">Michel entledigte sich des Burnus und des Turbans, dessen Farbe ihn mit Sicherheit verraten h�tte, und zog die schmucke Uniform �ber.</style></p><p><style name="font3">Dann griff er, ohne viel Worte zu machen, in den Turban seines Begleiters, warf ihn auf die Erde und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Bring dir das Haar ein wenig durcheinander, Diaz. Das sieht echt aus. Wenn du dann hinter mir drein st�rmst, wird kein Mensch auf die Idee kommen, da� du einer der beiden Gesuchten bist.� Jetzt waren sie fertig und traten vor. Sie rannten ein paar Schritte, bis sie den Hof erreichten. Hier herrschte ein wildes Durcheinander schreiender Menschen. Michel legte die H�nde trichterf�rmig um den Mund und schrie:</style></p><p><style name="font3">�Da dr�ben, seht ihr sie nicht? Dort rennen sie. Auf, ihr M�nner, im Namen Allahs, fangt sie!� Er selbst st�rmte mit gezogenem S�bel zwischen die sich dicht dr�ngenden Leute hinein. Ojo, ebenfalls mit blanker Waffe, die er von dem Offizier erbeutet hatte, folgte ihm, sich mit seinen B�renkr�ften Bahn brechend.</style></p><p><style name="font3">Es w�hrte nicht lange, und sie standen auf der Stra�e. Aber ohne Aufenthalt st�rmten sie weiter, bis sie in der dunklen Gasse hinter dem Palast landeten. Pl�tzlich verhielt Michel den Schritt.</style></p><p><style name="font3">�Verdammt�, keuchte er, �ich habe einen unverzeihlichen Fehler begangen.� �Wieso, Senor Doktor?� fragte Ojo.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe meinen Burnus und meinen Turban zur�ckgelassen. Als Janitscharenoffizier verkleidet kann ich unm�glich die Stadt verlassen. Die Wachen w�rden sich h�llisch wundern, wenn ich mit einem Zivilisten ins Freie jagen w�rde. Zeit haben wir auch nicht mehr zu verlieren; denn sonst sind die Postenketten dar�ber unterrichtet, da� zwei Fl�chtlinge versuchen wollen, ins Freie zu kommen. Eine verteufelte Situation.� �K�nnen wir uns nicht durch die Posten schleichen?�</style></p><p><style name="font3">�Und die Pferde, die hinter der Moschee stehen? Was willst du ohne sie anfangen? Zu Fu� k�men wir nicht weit.�</style></p><p><style name="font3">�Wir haben aber doch verabredet, da� wir uns mit unserm Freund und dem befreiten M�dchen treffen wollen. Die beiden haben Pferde. Es bleibt uns nichts weiter �brig, als abwechselnd zu reiten.�</style></p><p><style name="font3">�Nein�, meinte Michel entschieden, �wir m�ssen einen anderen Weg finden. La� mich nachdenken.�</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich ging ein Aufleuchten �ber sein Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Wir m�ssen einen Trick anwenden. Er ist nicht sch�n; aber wir werden unser Leben nicht um eines Sch�nheitsfehlers willen aufs Spiel setzen. Komm!�</style></p><p><style name="font3">W�hrend sie dahinschuchen, bearbeitete Michel den S�belknauf des Daj. Es gelang ihm, ein paar Diamanten daraus zu entfernen. Gen�gend, um drei Pferde damit zu bezahlen. Weiter gingen sie. Im Judenviertel endete die Spur. Die meisten Basare hatten noch Licht. Obwohl es den Juden verboten war zu handeln, hielten sie sich doch nicht daran; denn schlie�lich mu�ten sie ja leben. Und der Daj sorgte nicht f�r sie. Sie waren Menschen zweiter Klasse und noch mehr verha�t als die Christen.</style></p><p><style name="font3">Michel stand pl�tzlich vor einem der Kaftantr�ger, dessen Gesicht erbleichte. �Gnade�, winselte der alte Mann, �Gnade, Sayd, wir haben die Gebote unseres weisen Herrschers allzeit gehalten. Verschone uns, Herr, ich habe eine unm�ndige Tochter zu ern�hren, und meine Frau ist krank.� �Schweig, Ibrahim�, sagte Michel, wobei er sich des L�chelns kaum erwehren konnte. Der Alte sank auf die Knie.�Du hast die beiden Fl�chtlinge versteckt, Ibrahim, stimmt es? Antworte!�</style></p><p><style name="font3">Alles Blut wich aus den Wangen des Ge�ngstigten. Er ahnte nicht einmal, da� irgendwo zwei Menschen entflohen waren. Aber er kannte die Janitscharen gut genug, um zu wissen, da� sie kurzen Proze� machen w�rden, wenn ihnen der Spa� an der Unterhaltung verging. Das Leben eines Kaftantr�gers, der den Propheten nicht ehrte, galt nicht viel. Und Michel trug ja noch immer die Uniform der Janitscharen.</style></p><p><style name="font3">�Wir m�ssen deine H�tte untersuchen, Ibrahim�, fuhr er fort. �Wenn wir nichts finden, tun wir dir nichts.�</style></p><p><style name="font3">�Herr meines Lebens, es ist niemand hier au�er meiner Tochter. Verschont mich. Ich bin ein armer Mann.�</style></p><p><style name="font3">Michel tat der alte Mann leid. Aber hier ging es um sein eigenes Leben. Und au�erdem hatte er </style><style name="font3">nicht die Absicht, dem �ngstlichen Alten das geringste Leid an-zutun. </style></p><p><style name="font3">Er trat mit grimmiger Miene in eines der Hinterzimmer, das f�r arabische Verh�ltnisse </style><style name="font3">erstaunlich sauber war. Dort lagen in einem �rmlichen Bett Frau und Tochter des Kaftantr�gers.</style></p><p><style name="font3">Die Mutter, ein runzeliges Weibchen, st�hnte furchtbar. Sie mu�te sehr krank sein.</style></p><p><style name="font3">Das M�dchen stie� einen erschreckten Schrei aus.</style></p><p><style name="font3">Michel sah dort an der Wand h�ngen, was er brauchte.</style></p><p><style name="font3">�Nimm die Dinger da, Diaz�, fl�sterte er Ojo auf spanisch zu, so da� der Jude nicht verstehen konnte. Laut sagte er: �Ibrahim, diese Kleidungsst�cke geh�ren den Entflohenen. Wo hast du sie her?�</style></p><p><style name="font3">Der Alte erhob ein lautes Wehgeschrei. Hoch und heilig beteuerte er, da� diese Sachen seit Jahr und Tag in seiner Wohnung hingen, und da� er immer auf einen K�ufer gewartet habe. �Geh hinaus! Warte drau�en auf mich, Diaz, und pa� auf, da� wir nicht �berrascht werden�, fl�sterte er seinem Begleiter zu.</style></p><p><style name="font3">Diaz nahm die Sachen an sich und verlie� wort- und gru�los das Haus, das bei aller Sauberkeit </style><style name="font3">wahrlich eher einem Schuppen glich als einer menschlichen Behausung, </style><style name="font3">Der Jude wagte nicht zu widersprechen. Aber er konnte nicht verhindern, da� ihm Tr�nen die </style><style name="font3">Wangen hinabrollten; denn er hatte nichts zu verschenken.</style></p><p><style name="font3">Michel trat an das Bett, in dem die Frau lag.</style></p><p><style name="font3">�Was hat sie?� fragte er.</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� es nicht�, jammerte der Alte, �ihre Backe wird immer dicker und dicker. Das ganze Gesicht ist schon geschwollen.�</style></p><p><style name="font3">Michel beugte sich �ber die Frau. Ein kurzer Blick gen�gte ihm. Die Frau hatte Ziegenpeter. �Steh auf, M�dchen�, sagte er zu der Tochter des Juden, einem entz�ckenden, schwarzlockigen Kind von vielleicht elf Jahren, �wenn du dort liegen bleibst, wirst du dich anstecken. Du mu�t dich vor dem Atem deiner Mutter h�ten. Er enth�lt Bazillen.� Der Alte schaute ihn erstaunt an. �Bist du ein Hekim, Sayd?�</style></p><p><style name="font3">�Ja�, sagte Michel, �das auch. Aber nur nebenbei. H�r gut zu. Du mu�t �l warm machen und einen Strumpf oder ein St�ck Kattun damit tr�nken, das lege deiner Frau auf die Beule. Damit geht die Geschwulst in einigen Tagen zur�ck. Wenn du nicht sorgf�ltig bist, dann verh�rtet sie sich, und die Beule bleibt. La� deine Tochter nicht in die N�he deiner Frau.� Der Alte hatte die Scheu verloren, obwohl ihn der Verlust des Burnus und der beiden Turbane noch immer schmerzte. Nun machte er aber ein kl�gliches Gesicht.�Sayd�, sagte er, �deine</style></p><p><style name="font3">Weisheit mag gro� sein. Aber woher sollen wir das �l nehmen? Wir k�nnen es nicht kaufen, obwohl uns die Oliven fast in den Mund wachsen. Wenn wir je einen Tropfen von dem kostbaren Zeug bekommen, so tr�ufeln wir es lieber aufs Brot und stecken es in den Magen.� �Maschallah, damit wirst du deine Frau kaum gesund kriegen. Hier, nimm das. Vielleicht gibt dir einer ein paar Piaster daf�r. Sieh dir die Dinger aber genau an, bevor du sie ver�u�erst.� Der Alte f�hlte die Steine in seiner Hand und trat schnell zu der sp�rlich brennenden Fisch�lfunzel. Die Diamanten spr�hten Feuer im Schein der tr�ben Ampel. Sie stellten f�r den armen Mann einen unsch�tzbaren Wert dar.</style></p><p><style name="font3">Wenn Michel geglaubt hatte, der Alte werde nicht wissen, was er damit beginnen sollte, so hatte er sich geirrt. Er war im Juwelenhandel beschlagener als irgendein noch so t�chtiger Araber. �Sayd�, begann er sch�chtern, �wei�t du, was du mir da gegeben hast?� Michel nickte.</style></p><p><style name="font3">�Es sind echte Steine, Sayd. Ich m�chte dich nicht betr�gen. Nimm sie wieder zur�ck. Ich kann </style><style name="font3">mir daf�r tausend solcher Burnusse kaufen, wie sie dein Gef�hrte mitgenommen hat.�</style></p><p><style name="font3">�Nun�, lachte Michel, �denk nicht nur an Gesch�fte, denk auch an das Oliven�l f�r deine Frau, </style><style name="font3">damit sie ihren Ziegenpeter heilen kann. Ich will jetzt gehen. Wir sind quitt.�</style></p><p><style name="font3">Der Jude starrte ihn sprachlos an. Dann brach es pl�tzlich aus ihm heraus:</style></p><p><style name="font3">�Sayd, du bist kein Janitschar--nein, das ist unm�glich--�</style></p><p><style name="font3">�Hast recht, Alter, ich bin der Fl�chtling, den man sucht. Sage niemandem, wer bei dir war. Deine Kleider brauche ich, um zu entkommen. Verzeih mir. Aber ich bin in Not. Salam!� Im Nu war er auf der Stra�e, wo Ojo ihn bereits ungeduldig erwartete. Dieser hatte den einen der beiden Turbane auf dem Kopf. Michel ri� sich die Uniform vom Leibe und warf sich den Burnus um. Den zweiten Turban schlang er ebenfalls um den Kopf.</style></p><p><style name="font3">�Bien, Senor Doktor, und was nun? Sie werden inzwischen l�ngst die Posten informiert haben. Ihr habt Euch zu lange aufgehalten bei dem alten Juden da drin.�</style></p><p><style name="font3">�Seine Frau war krank, und so habe ich ein paar Ratschl�ge geben m�ssen, wie sie schnell � � �Sayd�, fl�sterte eine Stimme hinter ihnen.</style></p><p><style name="font3">Sie fuhren herum. Ojo hatte schon wieder den Krumms�bel in der Hand. Aber es war niemand </style><style name="font3">anders als der Alte, dem sie eben die Kleider weggenommen hatten.</style></p><p><style name="font3">�Sayd�, fl�sterte er, �willst du aus der Stadt heraus?�</style></p><p><style name="font3">Michel entschlo� sich, ihm zu vertrauen.</style></p><p><style name="font3">�Ja� gab er ebenso leise zur�ck.</style></p><p><style name="font3">�Dann will ich euch f�hren. Wir Juden kennen viele Schleichwege; denn wir d�rfen die Stadt </style><style name="font3">des Nachts nie verlassen. Wenn wir durch das Ghetto gehen, erreichen wir die Freiheit, ohne mit </style><style name="font3">einem Posten zusammenzusto�en. Wollt ihr mir vertrauen?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, aber wir haben Pferde.�</style></p><p><style name="font3">Der Jude �berlegte einen Augenblick.</style></p><p><style name="font3">�Es wird auch dann gehen. Wo sind die Tiere?�</style></p><p><style name="font3">�Hinter der Moschee.�</style></p><p><style name="font3">�So wartet. Ich werde sie holen.�</style></p><p><style name="font3">�Ist das nicht eine gro�e Gefahr f�r dich?�</style></p><p><style name="font3">�Gott wird mir helfen.�</style></p><p><style name="font3">Es dauerte nicht lange, dann klang ged�mpfter Hufschlag auf.</style></p><p><style name="font3">Ohne den Schritt zu verhalten, f�hrte er die Pferde an ihnen vorbei und sagte leise:</style></p><p><style name="font3">�Nun folgt mir.�</style></p><p><style name="font3">Sie schritten kreuz und quer durch die Stra�en. Wo sie jemandem begegneten, sagte der Jude ein Wort, das sie nicht verstanden. Es mochte hebr�isch sein. Hilfsbereite M�nner huschten wie Schatten vor ihnen her. Es war ein Gespenstergang. Ringsum sah man au�er den H�tten nur M�nner in Kaftanen mit langen, ehrw�rdigen Barten.</style></p><p><style name="font3">Stunden verstrichen, so wenigstens erschien es den beiden Fl�chtlingen. Dann standen sie pl�tzlich auf einer Lichtung.</style></p><p><style name="font3">�Die Gefahr ist �berstanden, Sayd�, sagte der F�hrer zu Michel. �Nun reitet immer geradeaus. Der Weg f�hrt nach Osten.�</style></p><p><style name="font3">�Ich danke dir�, meinte Michel und versuchte, noch ein paar Diamanten aus dem S�bel zu brechen.</style></p><p><style name="font3">Aber der Jude wehrte ab.</style></p><p><style name="font3">�Nein, Sayd, ich will nichts mehr von deinen Steinen. Du hast mich k�niglich belohnt. Euch den Weg in die Freiheit zu zeigen, war Gottes Wille. Ich bin nur Adonajs Werkzeug. Geht hin in Frieden!�</style></p><p><style name="font3">Damit war er auch schon in der Dunkelheit verschwunden.</style></p><p><style name="font3">�Sonderbarer Kauz�, murmelte Diaz Ojo und sch�ttelte verwundert den Kopf.</style></p><p><style name="font3">�Ein Mensch�, sagte Michel nur und stieg in den Sattel.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">16</style></p></title><p><style name="font3">�Seid Ihr ein Europ�er?� fragte Isolde Hawbury ihren schweigsamen Begleiter.</style></p><p><style name="font3">Die beiden waren bisher noch nicht zu einer Unterhaltung gekommen; denn sie ritten in </style><style name="font3">gestrecktem Galopp dahin, und der Wind nahm ihnen das Wort vom Mund.</style></p><p><style name="font3">Jetzt zogen sie die Z�gel an, und die erm�deten Tiere fielen in eine langsamere Gangart.</style></p><p><style name="font3">�Yes, Engl�nder�, brummte der junge Mann mit verstellter Stimme.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb seid Ihr so schweigsam?�</style></p><p><style name="font3">Der Mann hielt pl�tzlich sein Pferd an, beugte sich zu dem M�dchen hin�ber und nahm es in die Arme.</style></p><p><style name="font3">Erschrocken stie� sie ihn zur�ck.</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid kein Gentleman. Wie k�nnt Ihr es wagen, eine Dame zu bel�stigen?� Da lachte der junge Mann herzhaft auf und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Schwesterchen, sei nicht kratzb�rstig. Du wirst doch deinem Bruder einen Ku� geben? Oh, wie </style><style name="font3">ich froh bin, da� wir dich aus diesem vermaledeiten Loch herausgeholt haben.�</style></p><p><style name="font3">�Steve!� schrie Isolde auf. �Steve � � Steve � � bist du es wirklich?�</style></p><p><style name="font3">�Na, h�r mal, wozu soll ich dir etwas vorflunkern, Isolde? Ich bin es, so wahr mein Vater einen </style><style name="font3">hartn�ckigen Kopf hat, mit dem er mich unbedingt mit einer reichen Amerikanerin verheiraten </style><style name="font3">wollte. Wei�t du das nicht mehr, Schwesterchen?�</style></p><p><style name="font3">�Oh, Steve � � du glaubst ja nicht, wie gl�cklich ich bin! Ich bin so schrecklich allein gewesen die ganzenMonate hindurch, seit man mich von Vaters Seite gerissen hat.� Sie stieg vom Pferd.</style></p><p><style name="font3">�Sei nicht dumm. Kleines, wir m�ssen weiter. Hier k�nnen wir unm�glich rasten. Wissen wir, ob die Sache f�r unsere Freunde in Algier gut ausgegangen ist? Wenn nicht, dann wird es h�chste Zeit, da� wir Boden gewinnen. Komm, sitz auf!�</style></p><p><style name="font3">Bald trieben sie die Pferde zu neuem Galopp an. Sie hatten noch gut f�nfzehn Meilen vor sich bis zur Nordspitze des Kap Matifu.</style></p><p><style name="font3">Im Morgengrauen erreichten sie endlich die See und ritten im ersten Sonnenschein am hellen Ufer dahin. Gegen Mittag war das Ziel, die Landspitze, erreicht. Sie stiegen von den Pferden und lie�en sich ersch�pft hinter einer D�ne nieder.</style></p><p><style name="font3">Stundenlang mochten sie so gelegen und geschlafen haben, als Steve Hawbury erschrocken emporfuhr. Irgend jemand hatte ihn an der Schulter ger�ttelt. Die Sonne stand schon tief im Westen.</style></p><p><style name="font3">�Ich hoffe, Ihr habt ausgeschlafen, Steve�, sagte eine muntere Stimme.</style></p><p><style name="font3">Michel stand mit seinem Begleiter vor ihm. Ojo grinste und zeigte sein schneewei�es Gebi�. Er verstand ja kein Wort Englisch.</style></p><p><style name="font3">Die v�llig ersch�pfte Isolde schlief wie tot. Es bedurfte einiger energischer Versuche, bis sie </style><style name="font3">endlich zu sich kam und vollends wach wurde.</style></p><p><style name="font3">�Seid ihr ausgeruht?� wandte sich Michel an die beiden Geschwister.</style></p><p><style name="font3">Sie nickten.</style></p><p><style name="font3">�Gut denn! Reiten wir. Ich nehme an, da� wir die �Trueno� morgen abend erreichen werden.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">17</style></p></title><p><style name="font3">Nachdem sich Michel und Ojo von ihren �brigen Begleitern getrennt hatten, um gemeinsam mit dem jungen Hawbury dessen Schwester zu befreien, nahmen Kapit�n Porquez, der kleine Alfonso Jardin, der seiner Herrin h�ndisch ergebene Guillermo und die beiden Araber unter Marinas F�hrung Richtung nach Nordosten, wo an der K�ste die spanische Korsarengaleone ankerte.</style></p><p><style name="font3">Sie ritten unentwegt; denn sie wollten das unsichere Land, wo aus allen Ecken und Winkeln Gefahren drohten, so schnell wie m�glich hinter sich bringen.</style></p><p><style name="font3">Porquez war sehr schweigsam, denn er hatte keine Lust, sich in irgendeiner Weise mit Marina anzufreunden. Er konnte nicht vergessen, da� sie es gewesen war, die seine ehemals so festgef�gte Mannschaft gegen ihn aufgebracht und sich selbst zur Herrin des Schiffes gemacht hatte.</style></p><p><style name="font3">Zwar hatte der anf�ngliche Groll etwas nachgelassen. Er war Mann genug, um zuzugeben, da� er heute nicht mehr leben w�rde, wenn Marina nicht das Wagnis ihrer Befreiung aus den Steinbr�chen von El Mengub auf sich genommen h�tte. Andererseits aber sagte er sich, da� sie nie nach El Mengub gekommen w�ren, h�tte die tolle Gr�fin nicht jene Meuterei angezettelt. �hnliche Gedanken hegte wohl auch Jardin. Seine Schweigsamkeit war um so auff�lliger, als er sich sonst gern stundenlang unterhielt.</style></p><p><style name="font3">Guillermo k�mmerte sich nur um das Wohlergehen Marinas. Anderes schien ihm nicht am Herzen zu liegen. Die Gr�fin h�tte ihn wahrscheinlich mitten in die H�lle schicken k�nnen � er w�re ohne Bedenken gegangen.</style></p><p><style name="font3">Die beiden Araber unterhielten sich �ber ihre Zukunft. Da sich Abu Hanufa nicht mit den anderen verst�ndigen konnte, wenn sein Steuermann nicht den Dolmetscher spielte, verzichtete er trotz seines lebhaften Temperaments auf jede Unterhaltung mit den Spaniern. Ibn Kuteiba betrachtete ihn immer noch als seinen Vorgesetzten und behandelte ihn auch so. Am Morgen des Tages, als Marina glaubte, in wenigen Stunden die K�ste zu erreichen, fragte sie Kapit�n Porquez unvermittelt:</style></p><p><style name="font3">�Sagt, Senor Porquez, wie wird Euch zu Mute sein, wenn Ihr jetzt die �Trueno� wiedersehen werdet?�</style></p><p><style name="font3">Dem Alten traten die Augen aus den H�hlen. Diese Frage hatte er sich selbst schon mehr als einmal gestellt. Aber �ber die Gef�hle, die er in dieser Hinsicht hegte, ausgerechnet mit Marina zu sprechen, war denn doch eine unerh�rte Zumutung. Er bi� sich auf die Lippen, da� sie wei� wurden, und schwieg.</style></p><p><style name="font3">Aber die Gr�fin respektierte sein Schweigen nicht. Mit einem schnellen Blick sch�tzte sie ihn ein.</style></p><p><style name="font3">�Seid Ihr nicht ein wenig zu empfindlich?� fragte sie wieder, �Ihr h�ttet jetzt ebensogut tot sein k�nnen, statt mit mir an die K�ste zu reiten.�</style></p><p><style name="font3">�Schweigt�, schrie sie der Kapit�n w�tend an, �schweigt, wenn Ihr noch einen Funken Gef�hl im Leibe habt.�</style></p><p><style name="font3">Achselzuckend wandte Marina sich ab. Sie w�rde ja sehen. Insgeheim hatte sie bef�rchtet, da� die Mannschaft vielleicht von Reue gepackt werden k�nnte, wenn sie den Alten wiedersah. Aber hatten die Leute ihr nicht tausend Beweise der Anh�nglichkeit, ja fast der Liebe, gegeben? Jardin warf Marina finstere Blicke zu. Guillermo sagte zwar nichts; aber er wachte �ngstlich, da� nicht pl�tzlich einer der beiden die Beherrschung verlieren und ihr ein Leid antun k�nnte.</style></p><p><style name="font3">So ritten sie in gespannter Stimmung ihres Weges.</style></p><p><style name="font3">Gegen Mittag verhielt Marina die Z�gel. Sie befanden sich am Anfang eines Hohlweges. �Wenn wir diesen Weg durchritten haben, liegt das Mittelmeer vor uns�, sagte sie mit einem frohen Ton in der Stimme.</style></p><p><style name="font3">�Der Hohlweg verl�uft ins offene Gestade. Und dort ankert die �Trueno�.Auf, verlieren wir keine Zeit!�</style></p><p><style name="font3">Ibn Kuteiba �bersetzte Abu Hanufa die Worte. Dessen dunkle Augen strahlten bei der Aussicht, in K�rze wieder Planken unter die F��e zu bekommen. Mit nerv�sen H�nden fuhr er sich ein paarmal durch den struppigen Bart.</style></p><p><style name="font3">Sie ritten in den Hohlweg ein. Er schl�ngelte sich wie eine enge Pa�stra�e durch den letzten Ausl�ufer des Gebirges.</style></p><p><style name="font3">Als sie eine der n�chsten Biegungen erreicht hatten und gerade um die Ecke reiten wollten, scholl ihnen in spanischer Sprache ein �Halt!� entgegen.</style></p><p><style name="font3">�Was gibt es? Wer seid Ihr?� fragte Marina erstaunt. Sie hatte keinen Befehl gegeben, diesen Durchgang zur K�ste zu bewachen. Ohne da� sich der Sprecher zeigte, erscholl seine Stimme wieder:</style></p><p><style name="font3">�Reitet keinen Schritt weiter, wenn euch euer Leben lieb ist. Wir schie�en sofort. Sagt uns eure Namen. Andernfalls m��t ihr umkehren.�Marina gab ihrem getreuen Guillermo einen Wink. Der antwortete f�r sie:</style></p><p><style name="font3">�Wir geh�ren zur Besatzung des Schiffes, das weiter vorn in der Bucht ankert. Nun sagt endlich, was Ihr von uns wollt?�</style></p><p><style name="font3">Wieder lie� sich eine harte Stimme vernehmen, in der sogar ein wenig �berraschung mitklang:</style></p><p><style name="font3">�Ah! Dann seid ihr die Richtigen. Auf euch haben wir bereits gewartet. Ist die Frau dabei, eine </style><style name="font3">gewisse Marina de Villaverde y Bielsa oder so �hnlich?�</style></p><p><style name="font3">Guillermo blickte seine Herrin fragend an. Marina �berlegte einen Augenblick.</style></p><p><style name="font3">Da sahen sich die Ank�mmlinge auch schon von acht M�nnern umringt, die ihre Gewehre im </style><style name="font3">Anschlag hielten.</style></p><p><style name="font3">�Hola�, gr��te einer der M�nner, �da ist ja unsere holde Kapit�nin! Wir haben Gl�ck gehabt, amigos, da� wir gleich beim erstenmal die Richtige erwischten.�</style></p><p><style name="font3">Marinas Augen weiteten sich vor Schreck. Sie erkannte den Sprecher. Es war Jose von der Besatzung. Die anderen waren ihr fremd. Sie konnten nicht von der �Trueno� stammen. Krampfhaft �berlegte sie, woher diese M�nner gekommen sein mochten. Da entdeckte sie, da� die meisten von ihnen Fetzen ehemaliger spanischer Uniformen trugen. Demnach konnten es nur fl�chtige Soldaten der geschlagenen Armee sein.</style></p><p><style name="font3">Marina ri� sich zusammen. Mit freundlicher Stimme wandte sie sich an Jose: �Buenos dias, amigo, ich freue mich, dich bereits hier zu unserem Empfang begr��en zu k�nnen. Hat dich Senor Virgen vorausgeschickt, um uns sicher zum Schiff zu geleiten? Wer sind diese M�nner hier, die ich nicht kenne?�</style></p><p><style name="font3">�Viele Fragen auf einmal, muchacha<a l:href="#n_3" type="note">[3]</a>�, meinte Jose in respektlosem Ton. �Ich glaube, es lohnt sich nicht, sie alle zu beantworten�. Er wandte sich an seine Leute: �Bindet die Frau, aber nicht zu fest, da� ihre zarten Handgelenke nicht zerbrechen.�</style></p><p><style name="font3">Einer der Burschen wollte dem Befehl nachkommen. Da aber schnellte Guillermo dazwischen und st�rzte sich auf ihn.</style></p><p><style name="font3">�Geh zur H�lle, tramposo, und r�hre diese Frau nicht an, wenn du noch ein wenig am Leben bleiben willst!�</style></p><p><style name="font3">Jardin und Porquez waren viel zu �berrascht, um an Hilfe f�r die Gr�fin zu denken. Und bevor Ibn Kuteiba seinem Kapit�n die Szene verdolmetscht hatte, vergingen kostbare Minuten. �Scher dich zur Seite, Guillermo!� schrie ihn Jose an. �Du bist noch nicht an der Reihe. Jetzt nehmen wir erst die kleine Furie vor, die uns so lange traktiert hat. Los, verschwinde!� Der andere, der die Stricke in der Hand hielt, stand jetzt unmittelbar neben Marina und wollte dem Befehl Joses nachkommen. Da aber hob Guillermo das Gewehr und schrie ihn an: �Finger weg, du elender Tagedieb, wenn dir dein Leben lieb ist!� In diesem Augenblick krachte ein Schu�.</style></p><p><style name="font3">Guillermo stie� einen Schrei aus, lie� das Gewehr fallen und griff sich nach dem Herzen. Dann brach er zusammen. Jose hatte gefeuert.</style></p><p><style name="font3">Ehe Marina noch recht begriffen hatte, was vor sich ging, war sie bereits an H�nden und F��en gefesselt.</style></p><p><style name="font3">KleineJose wandte sich an Porquez und gr��te ihn h�flich, indem er zwei Finger an den Rand des Hutes legte.</style></p><p><style name="font3">�Wir bitten, uns diesen Zwischenfall nicht nachzutragen, Senor Capitan. Guillermo h�tte sich nicht in Dinge mischen sollen, die ihn nichts angingen. Entschuldigt uns jetzt einen Augenblick und wartet, bis ich wieder Zeit habe, mich Euch zu widmen.� Damit lie� er den verbl�fften Porquez stehen.</style></p><p><style name="font3">Zwei M�nner hatten die gefesselte Gr�fin aufgenommen. Sie trugen sie �ber einen Ger�llabhang in den nahen Wald und banden sie dort an einen Baum.</style></p><p><style name="font3">Als ihr verzweifeltes Schreien durch die B�ume klang, pre�te ihr Jose einen Knebel in den Mund und ging dann wieder zu den Wartenden zur�ck.</style></p><p><style name="font3">�Ich soll Euch zu Don Escamillo de Fuentes bringen, Capitan. Er hat mit Euch zu reden, bevor Ihr mit irgendeinem anderen Besatzungsmitglied sprecht. Wir haben eigentlich noch mehr Bekannte erwartet. Wo sind Ojo, Deste, der Silbador und dieser lange Engl�nder? Wart Ihr nicht mit ihnen zusammen?�</style></p><p><style name="font3">Porquez stotterte verlegen ein paar Worte. Er wu�te nicht, was er von der ganzen Sache halten sollte. Da er jedoch ein paar Gewehrl�ufe auf sich gerichtet sah, f�gte er sich und meinte: �Ich wei� zwar nicht, warum ihr uns hier so �berfallt; aber ich bin selbst begierig darauf, mich mit Don Escamillo zu unterhalten. Sagt, ist an Bord der �Trueno� noch alles so, wie es war?� �Si, si, Senor Capitan�, meinte Jose eifrig. �Kommt nur mit mir. Ihr werdet das Schiff bald selbst sehen k�nnen. Und soviel will ich Euch sagen: Wir alle werden froh sein, wenn Ihr wieder an Bord seid. Adelante, reiten wir!�</style></p><p><style name="font3">Der kleine Jardin f�hlte sich nicht sonderlich wohl in seiner Haut. Erstens kam ihm jetzt seine Feindschaft mit Escamillo de Fuentes, dem der Silbador die rechte Hand abgeschlagen hatte, wieder zum Bewu�tsein. Und zweitens f�hlte er das aufsteigende Gef�hl einer Schuld gegen Marina. Ganz abgesehen davon, da� sie an sich nichts Besseres verdiente, als ihr jetzt widerfahren war, h�tten sich zumindest der alte Porquez und er selbst ein wenig kavalierm��iger benehmen d�rfen.</style></p><p><style name="font3">Die Kavalkade hatte sich inzwischen der K�ste gen�hert. Ein Jubelruf entstieg der Kehle des alten Porquez. Ja, da drau�en lag sein Schiff, seine �Trueno�, mit der er im Namen des K�nigs die Meere unsicher gemacht hatte.</style></p><p><style name="font3">�Wir nehmen ein Boot und rudern sofort hin�ber�, bestimmte Jose. �Der Steuermann und Don Escamillo sind vermutlich an Bord.�</style></p><p><style name="font3">Schweigend ob der k�hlen Begr��ung bestiegen die vier das Boot. Ebenso schweigend griff Jardin nach einem der Ruder, w�hrend Jose das andere nahm. Dann stie�en sie ab. Die Soldaten, die irgendeine Sonderstellung einnehmen mochten, bemannten die anderen Boote und folgten.</style></p><p><style name="font3">�Du�, sagte Punte, der vor einem der Zelte hockte, zu seinem Freund Hernan, �was, glaubst du, ist da passiert? Ich dachte, Escamillo h�tte die Landsknechte ausgesandt, um die Gr�fin zu empfangen. Statt dessen bringen die Burschen unsere Feinde wieder, die wir gar nicht sehen wollen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich werde auch nicht daraus klug. Ich habe nichts gegen den alten Kapit�n. Aber, wo er ist, da ist auch der Silbador nicht weit. Die Burschen sind doch damals zusammen von Bord gegangen. Hast du �berhaupt eineAhnung, weshalb unsere Dona das Schiff verlassen hat, weshalb sie Virgen befohlen hat, sp�ter diesen verdammten Escantillo freizulassen? Der Teufel mag daraus schlau werden. Ich nicht.�</style></p><p><style name="font3">�Ich kann dir zwar deine Fragen ebensowenig beantworten wie du die meinen�, sagte Punte, �aber soviel ist mir klar: die Sache hat einen Haken. Ob der Gr�fin vielleicht etwas zugesto�en ist? Diablo, ich habe ein Gef�hl im Magen, als ob etwas nicht in Ordnung w�re.� Hernan starrte tr�bsinnig vor sich auf den Boden, als suche er dort des R�tsels L�sung. Die Boote legten am Schiff an. Von oben wurde eine Strickleiter heruntergelassen. Als erster erklomm sie der alte Kapit�n.</style></p><p><style name="font3">Oben stand wieder einer dieser unbekannten Spanier.</style></p><p><style name="font3">�Melde uns Don Escamillo, amigo. Sag ihm, da� alles gegl�ckt ist und ich den Kapit�n und Senor Jardin mitbringe�, befahl ihm Jose. Der Soldat nickte und entfernte sich.</style></p><p><style name="font3">Ibn Kuteiba und Abu Hanufa waren als letzte an Bord geklettert, als sich vom Kabineneingang her eine �berschwengliche Stimme vernehmen lie�: �Hola, Senor Porquez! Willkommen auf Euerm Schiff!�</style></p><p><style name="font3">Es war Escamillo, der mit diesen freundlichen Worten auf den Alten zueilte. Es fehlte nicht viel, und er h�tte ihn in die Arme geschlossen. Jardin, der kleinlaut in der N�he stand, wurde kaum beachtet. Ein kurzes Nicken war die ganze Begr��ung f�r ihn.</style></p><p><style name="font3">�Wollt Ihr mir nicht in die Kabine folgen, caballeros?�, sagte Escamillo liebensw�rdig, wobei er eine einladende Bewegung mit der Linken machte. Porquez z�gerte.</style></p><p><style name="font3">�H�rt, Senor, mir ist hier Verschiedenes nicht ganz klar. Ich mu� Euch bei aller Freude des Wiedersehens mit meinem Schiff sagen, da� ich Eure Methoden ein wenig ungebr�uchlich finde. K�nnt Ihr mir nicht erkl�ren, womit ich Euern �berschwenglichen Empfang verdient habe?� Escamillo zeigte ein strahlendes L�cheln.</style></p><p><style name="font3">�Gleich, gleich, Capitan, sobald wir bei einer guten Flasche Wein sitzen. Der Wein l�st die Zunge und macht das Sprechen leichter.�</style></p><p><style name="font3">Als man die Kabine betrat, erhob sich dort Pedro Virgen, der Steuermann, aus einem Sessel und begr��te ebenso freudig wie Escamillo den Kapit�n.</style></p><p><style name="font3">�Nehmt Platz und la�t Euch ehrlich willkommen hei�en, Capitan�, sagte er und streckte dem alten Mann die Hand hin. Er lie� es sich auch nicht nehmen, Jardin freundlich auf die Schulter zu schlagen, was dieser mit einem heimlichen Aufatmen quittierte. Als der Wein in den Gl�sern funkelte, begann Escamillo:</style></p><p><style name="font3">�Bien, Caballeros, ihr wundert euch mit Recht �ber die kleinen Ver�nderungen, die hier im Lauf </style><style name="font3">der Abwesenheit unserer �� hm � Kapit�nin vor sich gegangen sind, nicht wahr? Nun, ich </style><style name="font3">habe Euch, Senor Porquez, folgenden wichtigen Vorschlag zu machen. Zuvor aber beantwortet </style><style name="font3">eine Frage: w�rdet Ihr Wert darauf legen, wieder Kapit�n dieses Schiffes zu sein?�</style></p><p><style name="font3">Porquez starrte ihn verdutzt an.</style></p><p><style name="font3">�Das bedarf sicherlich keiner Antwort�, sagte er.</style></p><p><style name="font3">�Nun, dann betrachtet Euch von diesem Augenblick an wieder daf�r. Nur darauf lief unsere ganze Aktion hinaus. Wir haben es satt, uns von diesem teuflischen Weib herumkommandieren zu lassen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich bin �ber Eure Sinnes�nderung, wie Ihr Euch vorstellen k�nnt, sprachlos. Wollt Ihr mir nicht N�heres erkl�ren?�</style></p><p><style name="font3">Escamillo berichtete von seinen Streitigkeiten mit Marina und gab seiner Meinung Ausdruck, da� es wenig ehrenvoll sei, als Seer�uber ohne jeden k�niglichen Kaperbrief �ber die Meere zu fahren. Er habe nicht als Pirat, sondern als Korsar angeheuert. Und ein solcher wolle er bleiben. Porquez schwieg lange. Das einzige, was man im Augenblick h�rte, war Ibn Kuteibas Stimme. Der Steuermann �bersetzte Abu Hanufa das Gesprochene.</style></p><p><style name="font3">�Bien, Senores, ich nehme nat�rlich an�, sagte Porquez. �Aber warum habt Ihr diese ganze Kom�die aufgef�hrt? Warum schickt Ihr uns fremde M�nner entgegen? Weshalb haben meine eigenen Leute nicht ein Wort gesagt, als sie mich wiedersahen? Ich verstehe das alles nicht.� �Ich bin mir dar�ber im klaren, Senores, da� diese Situation einer eingehenden Kl�rung bedarf. H�rt also: Das verr�ckte Frauenzimmer segelte nach Algier. Niemand von uns konnte sich erkl�ren, was sie hier wollte. Ich selbst war handlungsunf�hig, weil sie mich vorher in Ketten gelegt hatte. Mit ihrem h�ndischen Diener und dem langen Engl�nder verlie� sie an dieser Stelle hier das Schiff, um ins Landesinnere zu reiten. Senor Virgen war so klug, mir in meinem Gef�ngnis diese Merkw�rdigkeiten mitzuteilen. Er hatte �brigens eine Vorstellung davon, was oder wen sie in diesem wilden Land suchte, n�mlich den Silbador, den ich, wie ich Euch ehrlich sagen will, wie die Pest hasse. Es ist ein Gl�ck, da� er nicht bei Euch war. Sonst w�re er sofort abgeschossen worden.�</style></p><p><style name="font3">Porquez hatte auf der Zunge, sich gegen diesen Ha� seines Ersten Offiziers zu verwahren, schwieg aber in Anbetracht der sonderbaren Lage, in der er sich befand. Auch Jardin brachte nicht den Mut auf, Escamillo zurechtzuweisen. Dieser fuhr fort:</style></p><p><style name="font3">�Die fremden M�nner, die Ihr soeben kennengelernt habt, sind Soldaten Seiner Majest�t, unseres allergn�digsten K�nigs, dessen Heer vor kurzem bei Sidi-Mes geschlagen wurde. Sie hatten das Pech, ihre Schiffe nicht mehr zu erreichen, andererseits aber das Gl�ck, nicht in algerische Gefangenschaft zu geraten. Sie trieben sich an der K�ste herum, bis sie zuf�llig auf uns stie�en. Senor Virgen hatte die gute Idee, sie anzuwerben und vorl�ufig zu behalten, bis sich in Spanien eine Gelegenheit findet, sie an Land zu setzen. Auf diese Leute und auf unsern treuen Jose bauten wir den Plan. Wir schickten Jose mit einigen Soldaten in den Hohlweg, um dort auf die R�ckkehr der Gr�fin zu warten. Sie sollte an Ort und Stelle unsch�dlich gemacht werden. Solltet Ihr Euch in ihrer Gesellschaft befinden, so lautete mein Befehl, Euch hierher zu bringen. Ihr werdet nun den Mannschaften die traurige Kunde bringen, da� die Gr�fin bei irgendeiner Gelegenheit den Tod gefunden hat. Euch wird man glauben. Wir sind sie los, und das Abenteuer hat ein Ende. Meinetwegen k�nnen wir noch heute in See stechen. Na, was sagt Ihr zu meinem Plan?�</style></p><p><style name="font3">�Warum k�nnen wir eigentlich nicht der Mannschaft die Wahrheit sagen?� fragte Porquez. Escamillo lachte. �Die Burschen schw�rmen alle, au�er Jose, f�r dieses Teufelsweib. Sie w�rden uns vermutlich aufh�ngen, wenn sie w��ten, was wir hier ausgeheckt haben.� �Also bleiben sie doch Meuterer�, sagte der Kapit�n nachdenklich. �Es w�re schwer, es anders zu nennen�, lachte Escantillo.</style></p><p><style name="font3">�Nun�, meinte Porquez, �ich bin im Grunde einverstanden. Nur k�nnen wir nicht gleich in See gehen. Ich warte noch auf Freunde, die . . .� �Den Silbador?� unterbrach Escantillo scharf.</style></p><p><style name="font3">�Si, auch auf ihn. Wir haben Monate voller H�llenqualen mit ihm geteilt. Ich kann ihn jetzt nicht im Stich lassen.�</style></p><p><style name="font3">Escantillo erhob sich pl�tzlich und meinte mit zusammengekniffenen Augen: �Bei Gott, Capitan, ich will Euch nicht zum Verrat an Euren Freunden zwingen. Aber ich glaube, der Silbador wird bei seiner Ankunft die gebundene Gr�fin finden.� Porquez �berlegte. Er f�hrte einen schweren Kampf mit sich selbst. Pl�tzlich ging ihm die Vergangenheit durch den Kopf. Wenn er damals nicht diesen Michel Baum und auch nicht diese verfluchte Gr�fin mit jenem Doktor Garcia an Bord genommen h�tte, dann w�re das ganze vergangene Jahr anders verlaufen. Irgendwie hatte Michel Baum durch sein Erscheinen die Schuld an dem ganzen Durcheinander.</style></p><p><style name="font3">�Diablo�, meinte er, �es f�llt mir nicht leicht, Senor Baum im Stich zu lassen.� Escantillo steckte die unversehrte Hand in den G�rtel. �Capitan! Ich kann Euch nicht zwingen, etwas zu tun, was Ihr nicht wollt. Auf der einen Seite stehen Eure Freunde, auf der andern das Schiff. Euer Schiff, Capitan, das man Euch widerrechtlich abgenommen hat. Welcher Verrat ist der gr��ere? Entscheidet selbst!�</style></p><p><style name="font3">�Ja, ja, aber schlie�lich hat mir der Silbador das Schiff nicht abgenommen ...�</style></p><p><style name="font3">�Er war schuld, da� �berhaupt eine Meuterei ausbrach. Capitan, der Pfeifer wird nicht zulassen, </style><style name="font3">da� man die Gr�fin drau�en aussetzt. Ich glaube diesen Mann und seine merkw�rdige Seele zu </style><style name="font3">kennen. Ich sage Euch zum letztenmal: w�hlt zwischen ihm und dem Schiff ...�</style></p><p><style name="font3">Porquez standen Schwei�perlen auf der Stirn. Hilfesuchend sah er zu Jardin hin. Doch dieser </style><style name="font3">hielt den Blick zu Boden gesenkt.</style></p><p><style name="font3">�Ich w�hle das Schiff!� sagte der Kapit�n.</style></p><p><style name="font3">Kaum merklich, aber doch so, da� man es sehen konnte, nickte Alfonso Jardin.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">18</style></p></title><p><style name="font3">�Nanu�, sagte Punte erstaunt, als er den schrillen Klang der Schiffsglocke vernahm, �dreimal? Das bedeutet: Zelte abbrechen und Schiff klarmachen. Wir werden doch nicht etwa ohne die Senorita Capitan segeln?�</style></p><p><style name="font3">�Vielleicht kommt sie nicht wieder?� meinte Hernan. �Vielleicht hat sie die �Trueno� aufgegeben. Aber ich finde es irgendwie eigenartig, da� man uns gar nichts mitteilt.� Punte sah vor sich in den Sand. Seine Stirn war in nachdenkliche Falten gelegt. Pl�tzlich sah er wieder auf.</style></p><p><style name="font3">�Du, Hernan, da stimmt etwas nicht. Denke mal nach, was sich so alles ereignet hat, seit die Senorita weggegangen ist. Pl�tzlich war dieser ekelhafte Escantillo frei, und sie hatte uns nichts davon gesagt. Dann wurden die Landstreicher angeheuert, obwohl sie keinen Dunst von der christlichen Seefahrt haben. Glaubst du; da� das wirklich nur aus Mitleid f�r sie geschehen ist?� �No, das w�rde diesem arroganten Fuentes gar nicht �hnlich sehen. Mir wird die Sache immer unheimlicher.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, maldito, wo kommt der Capitan pl�tzlich her? Warum hat man ihn erwartet? Woher wu�te man, da� er �berhaupt wiederkommen wird? Niemand, auch die Gr�fin nicht, konnte ahnen, da� sie ihn treffen w�rde. Ich glaube, seine Ankunft ist nichts anderes als Zufall.� �Du widersprichst dir selbst�, warf Hernan ein, �wenn es wirklich Zufall gewesen w�re, wieso hat dann Virgen die Soldaten landeinw�rts geschickt? Wen sollten sie erwarten? Wen sollten sie bringen, wenn niemand damit gerechnet hat, da� der alte Porquez pl�tzlich auftauchen konnte? Hier ist eine L�cke. Eindeutig wu�te man nur, da� unsere Dona �ber kurz oder lang zur�ckkehren werde. Also �?�</style></p><p><style name="font3">�Also waren die Landsknechte ausgeschickt, um ihr aufzulauern. Demonio! Jetzt wird mir verschiedenes klar. Vielleicht sollte dieser verr�terische Jose bei ihrem Nahen Escamillo benachrichten. Vielleicht sollte er sie auch ... umbringen?�</style></p><p><style name="font3">�Madre de Dios!� fuhr Hernan auf, �so wird es sein. Man will uns betr�gen. Da� der Kapit�n dazwischenkam, war nur ein gl�cklicher Zufall ... f�r die Senores, die die Gr�fin los sein wollten.�</style></p><p><style name="font3">�Und was machen wir nun?�</style></p><p><style name="font3">Sie starrten beide in den Sand und dachten nach.</style></p><p><style name="font3">�He�, kam eine barsche Stimme � es war die des Maats � �was sitzt ihr da herum und tr�umt? Wollt ihr nicht euer Zelt abbrechen? Habt ihr die Glocke nicht geh�rt?� �Schon gut�, gab Punte zur�ck und erhob sich langsam. Der Maat k�mmerte sich nicht mehr um sie.</style></p><p><style name="font3">�H�r zu�, sagte Hernan, �ich habe keine Ruhe mehr im Leib. Ich habe im Gegenteil das untr�gliche Gef�hl, da� ich auf dem Weg zur�ckgehen sollte, den die Soldaten und der alte Porquez gekommen sind. Sieh zu, da� du mit dem Abbruch des Zeltes fertig wirst. Bis wir an Bord gehen, bin ich wieder da.�</style></p><p><style name="font3">Punte nickte und machte sich an die Arbeit. Hernan aber schlich sich seitw�rts hinter eine der D�nen und kroch dann von Westen her dem Hohlweg zu.</style></p><p><style name="font3">Marina hing noch immer an dem Baum, an den sie der Verr�ter Jose gefesselt hatte. Verzweifelt versuchte sie, sich ihrer Fesseln zu entledigen, aber es gelang ihr nicht. Die Riemen schnitten tief ins Fleisch, der Knebel sa� so fest im Mund, da� sie M�he hatte, Atem zu sch�pfen. Pl�tzlich h�rte sie ein Ger�usch. Als sie aufblickte, stand der treue Hernan neben ihr.</style></p><p><style name="font3">Er befreite sie zuerst von dem Knebel. Dann schnitt er ihre Fesseln durch.</style></p><p><style name="font3">Aber die Stunden am Baum hatten die Frau so geschw�cht, da� sie sich keinen Schritt</style></p><p><style name="font3">fortzubewegen vermochte. Sie knickte in die Knie und blieb schlie�lich zu F��en Hernans </style><style name="font3">liegen.</style></p><p><style name="font3">�Wir m�ssen uns eilen, Senorita Capitan�, dr�ngte der Korsar. �Wir werden in den n�chsten Stunden die �Trueno�nicht mehr auf ihrem Ankerplatz vorfinden. Man hat Euch verraten. Nur Punte und ich haben geahnt, da� etwas nicht stimmen kann. So lief ich den Hohlweg entlang, weil ich mir schon dachte, da� der verdammte Jose irgendeine Teufelei begangen h�tte. Nun, ich wurde belohnt, ich fand Euch.�</style></p><p><style name="font3">�Ich danke dir�, hauchte sie unter Tr�nen, die ihr Antlitz seltsam versch�nten. �Was r�tst du mir nun zu tun?�</style></p><p><style name="font3">Hier wu�te der gute Hernan auch nicht weiter. K�nnte man nicht vielleicht einen Aufstand unter der ergebenen Mannschaft anzetteln, wenn sie erf�hre, was der verehrten Frau zugesto�en war? Aber die verfluchten Hunde Virgen und Escamillo hatten sich durch die Anwerbung der bewaffneten Soldaten gegen alle Zuf�lle solcher Art gesichert. Die Mannschaft w�rde sich f�gen m�ssen. Andererseits mochte der Anblick der geliebten Senorita Capitan vielleicht soviel Wut und Mut entfachen, da� der Sieg �ber die Verr�ter errungen werden konnte. Hernan meinte schlie�lich:</style></p><p><style name="font3">�Am besten ist es, wir eilen so schnell wie m�glich zum Ankerplatz zur�ck. Wenn man Euch </style><style name="font3">dort sieht, dann werdet Ihr alle Korsaren auf Eurer Seite haben.�</style></p><p><style name="font3">Sein Blick fiel in den Hohlweg. Er zuckte zusammen.</style></p><p><style name="font3">�Dort liegt ja ein Mensch, Senorita, ein Toter, glaube ich gar. Wer ist es?�</style></p><p><style name="font3">�Guillermo�, schluchzte die Frau.</style></p><p><style name="font3">�Ah! Jose hat ihn ermordet! � Maldito, so ein heimt�ckischer Lump!� Hernan knirschte mit den Z�hnen vor Wut.</style></p><p><style name="font3">�H�rt�, fuhr er fort, �wir m�ssen versuchen, die �Trueno� zu erreichen. Ich werde Euch ein St�ck Wegs auf die Schulter nehmen. Vielleicht erholt Ihr Euch inzwischen.� Neuer Lebensmut kam �ber die Gr�fin.</style></p><p><style name="font3">�Bien, Hernan, versuchen wir es. Vielleicht bleiben wir doch Sieger.� Sie stieg ihm auf den R�cken.</style></p><p><style name="font3">Er mu�te langsam gehen mit seinem zus�tzlichen Gewicht.</style></p><p><style name="font3">Schon nach kurzer Zeit mu�te der Korsar innehalten und verschnaufen.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich stutzten beide.</style></p><p><style name="font3">�Hast du das Ger�usch geh�rt, Hernan?� fragte Marina.</style></p><p><style name="font3">�Si, Senorita. Es klang wie das Knurren eines Hundes. Woher mag es gekommen sein? Ich dachte nicht, da� hier Menschen in der N�he sein k�nnten.�</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich erstarrten sie. Um die Biegung scho� ein riesiger Hund .. . dann noch einer ... und noch einer.</style></p><p><style name="font3">Wie auf Kommando begannen sie zu bellen und umkreisten z�hnefletschend das Paar. �Komm!� schrie Marina, �wir m�ssen weiter. Vielleicht lassen uns diese Biester in Ruhe.� Das war ein Trugschlu�. Sie hatten kaum einen weiteren Schritt gemacht, als beide entsetzt aufschrien. Die riesigen K�ter sprangen sie an, warfen sie nieder, stellten sich �ber sie und hielten die Schnauzen dicht an die Kehlen der beiden Menschen � eine unmi�verst�ndliche Drohung.</style></p><p><style name="font3">Vorsichtig versuchte Hernan, sein Messer aus dem G�rtel zu ziehen, was ihm nach einigen Sekunden auch gelang. Mit unvermuteter Pl�tzlichkeit holte er aus und stach zu; aber es war doch nicht rasch genug. Noch ehe das Messer den Hund traf, schlug sich dessen Gebi� in Hernans Kehle. Dieser konnte nicht mehr den leisesten Laut aussto�en. Er hatte seinen Geist aufgegeben.</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick kamen f�nf M�nner mit schwarzen Barten und funkelnden Augen um die Biegung geritten. �berrascht hielten sie die Pferde an.</style></p><p><style name="font3">�Maschallah�, rief der Anf�hrer in freudigem Erstaunen, �welch ein liebliches Weib hat uns Allah da geschickt!��Wallah - Tallah!� ert�nte es im Umkreis. �Eine Wei�e gar! Und nicht nur wei�, sondern auch bildsch�n!�</style></p><p><style name="font3">�Sie ist mindestens ihre zehntausend Piaster wert, wenn wir sie an den Sultan verkaufen�, rief der erste begeistert. �Ah, seht, unser braves Hundchen hat ihren Besch�tzer oder Mann bereits in den ersten Himmel bef�rdert! Nun, macht nichts, dann haben wir keine Arbeit mehr mit ihm.� �Willst du nicht nachsehen, ob sie auch gesunde Z�hne hat, Mustapha?� fragte einer der Begleiter.</style></p><p><style name="font3">Der Anf�hrer stieg trotz der unheimlichen Fettberge, die er mit sich herumschleppte, mit gro�er Wendigkeit vom Pferd und trat auf die verst�rt am Boden kauernde Marina zu, von der die Hunde jetzt abgelassen hatten und die �berhaupt nicht wu�te, worum es eigentlich ging; denn sie verstand nur wenige Worte der arabischen Sprache. Mustapha fuhr der Erschrockenen mit der rechten Hand in den Mund, �ffnete ihn brutal und begutachtete ihre Z�hne. .Dann wandte er sich befriedigt zu seinen Begleitern und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Allah hat es wirklich gut mit uns gemeint. Dieses Weib bringt nicht zehntausend, sondern mindestens zwanzigtausend Piaster. Ich werde sie auch nicht dem Sultan anbieten, sondern ein paar Spezialkunden, die schon immer eine wei�e Sklavin haben wollten.� Die M�nner betrachteten Marina nur als Ware. Der fette Kerl nahm sie auf und setzte sie vor sich in den Sattel. Sie dachte nicht daran, sich zu wehren, denn die Hunde behielten sie die ganze Zeit �ber mi�trauisch im Auge. Es waren gro�e, gelbe nordafrikanische Sklavenhunde, die auf den Menschen dressiert waren und den zehnfachen Preis eines Menschen kosteten. Nach ein oder zwei Stunden kamen sie an eine Lichtung, auf der ein paar sehr luxuri�se Zelte standen. Eins war aus blauer Seide. Dort hinein brachte man die Gefangene. Zwei bildsch�ne arabische Frauen waren schon dort. Sie ruhten auf kostbaren Diwans. Ihre weiten Hosen bestanden aus in Damaskus gewebten Stoffen. Marina hatte den Eindruck, da� sie sich hier recht wohl f�hlten.</style></p><p><style name="font3">Die �ltere von ihnen richtete ein paar Worte an die Gr�fin, die diese aber nicht verstand. Dann wandte sie ihren Blick vollends zu der Neuen und musterte sie von oben bis unten. �Wei�e Frau�, sagte sie auf einmal in gebrochenem Spanisch. �Ja�, antwortete Marina, nur, um wenigstens ein Wort zu sprechen.</style></p><p><style name="font3">�Sie werden machen gutt Geld mit dir�, nahm die andere wieder das Wort, �wei�e Frau vill wert bei Muslim.�</style></p><p><style name="font3">�Wie meinst du das?� fragte Marina erschrocken.</style></p><p><style name="font3">�Ich meinen, du Sklavin wie wir. Wir verkauft nach T�rkei oder Indien. Ich nicht wissen, wohin.�</style></p><p><style name="font3">Marina starrte die Frau, die diese schwerwiegenden Worte so gleichg�ltig gesagt hatte, mit entsetztem Blick an. War sie M�dchenh�ndlern in die H�nde gefallen? Wollte man sie etwa nach dem Orient verschleppen? Sie hatte manches von den f�rchterlichen Schicksalen europ�ischer Frauen geh�rt. Sie pre�te die H�nde an die Schl�fen. Ihr Herz h�mmerte wild. Und ganz pl�tzlich sank sie bewu�tlos zusammen. Die Nervenanspannung, die nun schon seit dem Verrat Joses auf ihr lastete, war zu gro� gewesen.</style></p><p><style name="font3">Die Araberinnen stie�en einen Schrei des Schreckensaus und zogen an einer Seidenschnur. Drau�en erklang eine Glocke. Die Frauen verh�llten gewohnheitsm��ig die Gesichter, als Mustapha, der Anf�hrer der Sklavenkarawane, erschien. Der fette Kerl blieb beim Anblick der Bewu�tlosen erstaunt stehen.</style></p><p><style name="font3">�Allah ist gro� und unerforschlich in seinen Ratschl�ssen. Aber er h�tte nicht weise gehandelt, wenn er sie uns genommen h�tte, bevor wir sie verkauft h�tten. O Allah, denke doch an das Ungl�ck, das deine gl�ubigen Diener befallen w�rde, wenn wir sie verlieren m��ten!� Ein anderer der M�nner war hinter ihm ins Zelt getreten. Er pre�te sein Ohr auf Marinas Brust. �Sie ist ohnm�chtig�, sagte er zu Mustapha. �Vielleicht hat sie Hunger.� Mustapha wandte sich an die beiden Araberinnen.</style></p><p><style name="font3">�Pflegt sie gut, ihr Weiber, und gebt ihr zu essen und zu trinken. Wenn sie nicht wieder gesund wird, verkaufen wir euch an einen Harem, der schon hundert Frauen beherbergt.� Ein erschreckter Aufschrei der beiden Frauen lie� ahnen, wie gr��lich eine solche Sklaverei sein mu�te. So bem�hten sie sich eifrig um Marina.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">19</style></p></title><p><style name="font3">�Wenn wir nicht in der n�chsten halben Stunde den Hohlweg erreichen, von dem Marina gesprochen hat, als sie uns den Weg zum Ankerplatz der Galeone schilderte, so sind wir falsch geritten und haben ihn verfehlt�, sagte Michel Baum und verhielt sein Pferd. Isolde Hawbury wankte im Sattel. �O Gott, wenn es noch lange dauert, so kann ich nicht mehr weiter�, st�hnte sie verzweifelt. �Ich wollte, wir w�ren schon auf dem Schiff.� �Ihr m��t noch ein wenig durchhalten, Miss Hawbury�, tr�stete Michel freundlich. �Auf dem Schiff gibt es alle Bequemlichkeit, und ich bin sicher, da� Marina nicht z�gern wird, Euch einen Platz in ihrer eigenen Kabine anzuweisen.�</style></p><p><style name="font3">Sie setzten die Pferde wieder in Bewegung und ritten im Schritt weiter. Ojos Augen suchten mit unstetem Mi�trauen die links und rechts sich breitenden H�gelketten ab. Er war � wie ein guter Wachhund � immer auf dem Sprung. Er traute niemandem au�er sich selbst und seinem verehrten �Senor Doktor�.</style></p><p><style name="font3">Je weiter die Minuten, die zu der halben Stunde geh�rten, von der Michel gesprochen hatte, abbr�ckelten, desto unruhiger wurde Steve Hawbury. Sein Denken war von eindeutiger Klarheit: nachdem er seine Schwester in Sicherheit wu�te, galten seine Gedanken uneingeschr�nkt jener unerh�rten Frau, die ihm zum Schicksal geworden war: der andalusischen Gr�fin, der Piratin! Dem jungen Hawbury war es nicht verborgen geblieben, da� sich Marina w�hrend des ganzen Fluchtwegs von El Mengub bis nach Algier unabl�ssig um Michel Baum bem�ht hatte. Und diese sichtbare Teilnahme f�r einen anderen Mann hatte einen Stachel in seine d�rstende Seele gesenkt. Aber mit der Aufmerksamkeit eines Eifers�chtigen war es ihm auch nicht entgangen, da� die tollk�hne Frau bei Michel nur einer k�hlen, h�flichen Freundlichkeit begegnete, die sich wie ein undurchdringlicher Panzer um ihn gelegt hatte.</style></p><p><style name="font3">Da sch�pfte der junge Mann neuen Mut und begannnun seinerseits, Marina den Hof zu machen. Seine Best�ndigkeit am�sierte die Gr�fin zun�chst. Dann aber begann sie sie ernst zu nehmen. �Der Hohlweg!� rief Ojo auf Spanisch.</style></p><p><style name="font3">�Ah � endlich!� meinte Michel befriedigt. �Dort ist der Hohlweg�, wiederholte er auf </style><style name="font3">Englisch; denn Steve verstand noch immer nicht die Sprache der Hidalgos.</style></p><p><style name="font3">�Well � well�, sagte er ungeduldig und blickte auf seine Schwester, �habt Ihr etwas dagegen, </style><style name="font3">wenn ich die Spitze nehme und vorausreite? Ich denke, Isolde ist noch zu schwach zum </style><style name="font3">Galoppieren.�</style></p><p><style name="font3">�All right�, nickte Michel und verbarg ein L�cheln.</style></p><p><style name="font3">Hawbury st�rmte ungest�m von dannen. Sekundenlang noch h�rte man das schnelle und harte Schlagen der Hufe seines Pferdes.</style></p><p><style name="font3">�Ich mu� mich wundern� � Ojo sch�ttelte den Kopf � �da� die Gr�fin nicht wenigstens eine Wache an den Ausgang des Hohlwegs stellen lie�. Wie leicht h�tten wir ihn verfehlen k�nnen.� Michel nickte. Er hatte den gleichen Gedanken. Jedoch er schwieg. Pl�tzlich, ganz pl�tzlich, vielleicht vollkommen grundlos, hatte sich seiner das Gef�hl einer Unsicherheit bem�chtigt. Immer tiefer in den Hohlweg hinein f�hrte ihr Weg. Sie mochten eine halbe Stunde geritten sein, als ihnen jagender Huf schlag entgegenkam. Michel nahm das Gewehr vom Sattelknauf und wartete. Man war in Feindesland und mu�te stets irgendeiner Feindseligkeit gew�rtig sein. Der Ank�mmling war aber Steve Hawbury.</style></p><p><style name="font3">�Was ist los?� fragte Michel mit heimlicher Unruhe, �weshalb reitet Ihr Euer Tier fast zuschanden?�</style></p><p><style name="font3">Steve fand nicht gleich Worte. Als er sich einen Augenblick verschnauft hatte, berichtete er: �Das Schiff ist weg, Mr. Baum. Im Hohlweg liegen zwei Leichen. Der eine Tote ist Guillermo. Den anderen kenne ich nicht dem Namen nach; aber ich habe ihn auf dem Schiff gesehen. Ich habe sogar einmal fast mit ihm gek�mpft � damals, als ich von der �Trueno��bernommen wurde. Soweit ich unterrichtet bin, geh�rten beide Tote zu den zuverl�ssigsten, der Kapit�nin treu ergebenen Leuten.�</style></p><p><style name="font3">Jetzt wu�te Michel, warum sein Herz in b�ser Vorahnung heftiger geklopft hatte. Nach zehn Minuten erreichten sie die Stelle, an der Guillermo und Hernan lagen. Michel suchte die ganze Gegend St�ck f�r St�ck ab, um irgendwelche Spuren zu finden, die ihm h�tten verraten k�nnen, was sich hier abgespielt hatte.</style></p><p><style name="font3">Nach verh�ltnism��ig kurzer Zeit erreichten sie den Lagerplatz, auf dem gestern noch die Zelte gestanden hatten. Die L�cher, die von den Pfl�cken herr�hrten, waren deutlich zu erkennen. Abf�lle und verlorene Kleinigkeiten verrieten, da� hier vor kurzem noch viele Menschen gelagert hatten.</style></p><p><style name="font3">�Kein Zweifel�, sagte Michel finster, �hier lag die Mannschaft der �Trueno�. Ich bin der festen Meinung, da� das Schiff ohne uns in See gegangen ist.�</style></p><p><style name="font3">Betretenes Schweigen lastete �ber den vier Menschen. Michel sah sinnend hinaus auf die sch�umenden Wogen des Mittelmeeres, als wollte er dort seine Gedanken sammeln. �Guillermo tot�, sagte er langsam. �Hernan ebenfalls tot�, f�gte Ojo bed�chtig hinzu.</style></p><p><style name="font3">�Ja, aber besonders besch�ftigten sich meine Gedanken mit Guillermo. Er war der treueste Gef�hrte der Gr�fin. Ich habe nie einen ergebeneren Menschen gesehen. Und ich traue es Marina nicht zu, da� sie dabei die H�nde im Spiel hatte. Ich bin vielmehr davon �berzeugt, da� es bei der Ankunft unserer Freunde hier b�se �berraschungen gegeben haben mu�. Dinge m�gen sich ereignet haben, mit denen vorher niemand gerechnet hat. Was meinst du, Ojo, k�nnte es nicht sein, da� sich Porquez seines Schiffes wieder bem�chtigt hat, da� man Marina einfach als Gefangene behandelte, da� man praktisch vor uns geflohen ist, um uns keine Rechenschaft geben zu m�ssen?�</style></p><p><style name="font3">Ojo schwieg lange. Dann sch�ttelte er den Kopf. �Ich glaube nicht, da� es so einfach war, </style><style name="font3">wieder die F�hrung des Schiffes an sich zu rei�en. Und dann bedenkt, Senor Baum, traut Ihr dem </style><style name="font3">kleinen Alfonso Jardin zu, da� er an uns zum Verr�ter werden konnte? Er wei� doch, in welch </style><style name="font3">einer Situation wir uns befinden, wenn wir nicht auf das Schiff entkommen k�nnen. Wir m�ssen </style><style name="font3">jetzt gew�rtig sein, da� uns die Janitscharen jagen, solange wir noch auf ihrem Gebiet sind. Baba </style><style name="font3">Ali wird sich nicht so leichten Kaufes mit dem Verlust Eures Gewehrs abfinden.�</style></p><p><style name="font3">�Ja � Jardin � ich h�tte es ihm eigentlich nicht zugetraut. Ich wei� nicht recht. Ich m�chte bei </style><style name="font3">ihm nicht an seine Treulosigkeit glauben, aber es mu� doch so gewesen sein.�</style></p><p><style name="font3">Isolde hatte ihrem Bruder das Gespr�ch �bersetzt. �Well�, meinte Steve mit verkniffenem Mund, </style><style name="font3">�wie soll es weitergehen? Wir k�nnen ja nicht ewig hier bleiben und dem Schiff nachtrauern.</style></p><p><style name="font3">Wir m�ssen irgend etwas zu unserer Rettung unternehmen. Meint Ihr nicht?�</style></p><p><style name="font3">Michel sah ihn lange an. Dann blieben seine Blicke auf Isolde haften.</style></p><p><style name="font3">�Ihr k�nnt nicht weiterreiten, nicht wahr, Mi� Haw-bury? Ich m�chte es Euch wenigstens nicht zumuten. Wir lagern also bis morgen fr�h hier in der N�he. Kommt, suchen wir einen passenden Platz.� �</style></p><p><style name="font3">Als sie am n�chsten Morgen erwachten, hatte sich bei allen qu�lender Hunger eingestellt. Michel verf�gte noch �ber ein paar Handvoll getrockneter Datteln. In der N�he ihres Lagerplatzes h�pfte mit fr�hlichem Pl�tschern ein klarer Quell aus einem Felsen.</style></p><p><style name="font3">Die Sonne schien bald brennend hernieder. Ojo aber blickte besorgt in den Himmel und meinte: �Tr�gerisches Wetter. Wir haben jetzt November. Es sollte mich wundern, wenn wir nicht bald einen sch�nen Dauerregen bek�men.�</style></p><p><style name="font3">�Gestern abend go� es bereits in Str�men. Was soll werden, wenn wir kein Dach �ber dem Kopf haben? Ich bin so verzweifelt�, st�hnte Isolde. �Warum haben uns Eure Freunde im Stich gelassen, Senor Baum?�</style></p><p><style name="font3">�Ich bin kein Hellseher, Miss�, meinte dieser. �Ich habe die ganze Nacht hindurch dar�ber nachgedacht, wie wir unser Schicksal meistern k�nnen. �ber Geld verf�gt niemand von uns. Wir k�nnen also nicht einmal auf einem der arabischen K�stenboote Passage nehmen. Wenn wir nach Fes wollen, bleibt uns nur der Landweg. Wenn wir durch das Gebirge nach S�den reiten, um uns dann hinter Algier wieder nach Norden zu wenden, wird es hin und wieder eine Jagdbeute geben.�</style></p><p><style name="font3">�Wenn wir wenigstens direkt an der K�ste entlangreiten k�nnten!� meinte Ojo.</style></p><p><style name="font3">�Ja � wenn. Aber du siehst doch wohl ein, da� das am unsichersten ist. Wie leicht k�nnten wir </style><style name="font3">wieder in die Gefangenschaft des Daj geraten! Sicherheit gibt es f�r uns nur, wenn wir die Stadt </style><style name="font3">s�dlich umgehen, umdann nach Oran zu kommen. Von dort aus k�nnen wir die K�stenstra�e </style><style name="font3">nehmen, bis wir das marokkanische Teil erreichen.�</style></p><p><style name="font3">Er blickte bei den letzten Worten zu Isolde hin.</style></p><p><style name="font3">Das M�dchen starrte ihn mit entsetzten Augen an.</style></p><p><style name="font3">�Durch Algier oder auch nur dicht an der Stadt vorbei d�rfen wir auf keinen Fall reiten � auf keinen Fall. � Ich w�rde vor Angst dabei vergehen.�</style></p><p><style name="font3">�Aber nach Fes m�ssen wir; denn wir brauchen Euern Vater, da� er uns weiterhilft. Seid Ihr sicher, da� wir ihn noch beim Sultan treffen?� Isolde zuckte die Achseln.</style></p><p><style name="font3">�Ich hoffe es. Es ist meine einzige und letzte Hoffnung.� Sie blieb still und starrte vor sich hin.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">20</style></p></title><p><style name="font3">Im Jahre 1775 war Oran noch ein kleiner K�stenflecken, nur bekannt durch den immerw�hrenden Streit, den die Spanier und die Janitscharen um ihn f�hrten. Wie ein blutiger Faden l�uft durch die Geschichte Orans der st�ndige Besitzwechsel der Stadt, die erst sp�ter, nachdem sie den Franzosen geh�rte, zum wichtigsten Hafen Algeriens wurde. Die alte Stadt, wie sie noch vor dem gro�en Erdbeben vom 9. Oktober 1790 aussah, schmiegte sich an den �stlichen Abhang des Dschebel Murdschadscho und geh�rte zum gro�en spanischen Reich, bei dem sie bis zu diesem Erdbeben auch trotz des soeben verlorenen Krieges gegen den Piratenf�rsten von Algier verblieb. Nat�rlich hatte sie bereits damals eine gewisse Bedeutung. Oran bildete letzten Endes den Schl�ssel zu Algerien. Deshalb hielten auch die Spanier so hartn�ckig an seinem Besitz fest. Handel und Wandel bl�hte, allerdings nur im mohammedanischen Sinne; denn die Gepflogenheiten christlicher Kaufleute waren den meist eingeborenen Bewohnern durchaus fremd. Die wenigen Spanier, die dort lebten, nahmen bald selbst die Methoden der Araber an, die man sehr leicht auf einen einfachen Nenner bringen konnte: Betrug, �bervorteilung des Handelspartners, Schwindel. �</style></p><p><style name="font3">Der Gro�kaufmann Abd el Hamid, der einen schwungvollen Handel mit Hanf trieb, hatte sein Haus im vornehmen Viertel der Stadt. Es war eine in maurischem Stil erbaute Villa, die in der ganzen Gegend nicht ihresgleichen fand.</style></p><p><style name="font3">Mancher wunderte sich dar�ber, da� das Gesch�ft mit Hanf seinen Mann nicht nur ern�hren, sondern ihn unter Umst�nden sogar steinreich machen konnte. Abd el Hamid handelte mit einer ganz bestimmten Sorte Hanf, mit indischem Hanf n�mlich. Und aus diesem Kraut lie� sich in einem sehr einfachen Verfahren Haschisch herstellen, ein Rauschmittel, dessen Genu� bereits damals �ber den ganzen Orient verbreitet war.</style></p><p><style name="font3">Man trocknete das Hanfkraut, zermahlte es dann zu Pulver, versetzte es mit Honig und Butter, bis es zu einer z�hen, gummiartigen Masse geworden war, und brachte es dann in den Handel. Ein ausgezeichnetes Gesch�ft und so gut wie risikolos; denn im Koran standen keine Gesetze, die den Genu� von Hanf verboten. Und die Gesetze, die die Spanier erlassen hatten, sagten ebenfalls nichts von Hanf. Sie verboten lediglich die Verbreitung von Haschisch. Die Beamten aber richteten sich ebensowenig nach den Gesetzen wie die �brigen Bewohner. Es kam vor, da� der Statthalter h�chstpers�nlich ein paar kleine Pakete an seine Freunde nach Spanien schickte. Diese verkauften den Inhalt der Pakete, zogen ihre Provision ab und schrieben den restlichen Erl�s aus dem Rauschgift auf der Bank von Madrid f�r den Statthalter von Oran ein. Man sieht, es war auch damals, 1775, auf der Welt nicht viel anders als heute. �</style></p><p><style name="font3">Dezemberregen rann in Sturzb�chen hernieder, und kein Hund blieb l�nger auf der Stra�e, als er mu�te. Abd el Hamid sa� eines Abends �ber seinen B�chern, pr�fte die Abrechnung der letzten Monate nach und rieb sich vergn�gt die H�nde.</style></p><p><style name="font3">In der kleinen spanischen Kirche, einem unansehnlichen Geb�ude im Vergleich zu den Moscheen hierzulande, beteten die Christen, und der Priester hielt eine Predigt �ber die Geburt des Herrn Jesu Christi um diese Stunde. Im Abendland schrieb man den vierundzwanzigsten Dezember.</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid, der zwar ein guter Mohammedaner war, hatte die Einladung des christlichen Statthalters doch keineswegs abgelehnt. Er sah auf die Uhr, die ihm an einer schwarzen Kette vom Halse baumelte, und rief nach seinem Diener. Es ging sehr europ�isch zu in diesem Haushalt.</style></p><p><style name="font3">�Bring mir meinen schwarzen �berhang, Halef, und winde mir den Turban neu. Dann mach das Verdeck �ber der Kutsche zu und spann die Pferde an.�</style></p><p><style name="font3">Der Diener verbeugte sich h�flich mit �ber der Brust gekreuzten H�nden. Man sah ihm jedoch an, da� er nicht gerade �berm��ig davon erbaut war, seinen Herrn bei diesem Wetter in der schlammigen Stadt spazieren zu fahren.</style></p><p><style name="font3">Nach dem Stand der Sterne mochte es ungef�hr elf Uhr nachts sein, als sich der Wagen des Arabers in Bewegung setzte.</style></p><p><style name="font3">Halef sa� auf dem Bock und verfluchte s�mtliche Marabuts f�r dieses Wetter. Pl�tzlich stutzte er.</style></p><p><style name="font3">Wer ritt hier zu so sp�ter Stunde noch durch die Nacht? Vor ihm ert�nte Hufschlag. Man h�rte </style><style name="font3">ihn trotz des rauschenden Regens. Halefs Neugier erwachte. Er fuhr langsamer.</style></p><p><style name="font3">Da sah er vier Reiter die Stra�e heraufkommen, die vom Osten her in die Stadt f�hrte. </style><style name="font3">Die Reiter hielten die Pferde an, als sie auf der H�he der Kutsche waren.� </style><style name="font3">Abd el Hamid lugte neugierig unter seinem Versteck hervor und fragte unwirsch:</style></p><p><style name="font3">�Weshalb f�hrst du nicht weiter, Halef? Allah verdamme dich f�r deine Faulheit! Ich werde dich </style><style name="font3">morgen auspeitschen lassen.�</style></p><p><style name="font3">Da vernahm er die Stimme des einen der Reiter. Sie klang nicht gerade sehr h�flich. �Salam alejkum!<a l:href="#n_4" type="note">[4]</a> Hast du ein Haus hier in der N�he, Sayd?�</style></p><p><style name="font3">Der Kaufmann erwiderte den Gru� nicht, sondern blickte sich suchend um. Aber es waren weit und breit keine spanischen Polizisten zu sehen.</style></p><p><style name="font3">�Fahre weiter, Halef!� schrie er den Kutscher pl�tzlich an. Halef schwang die Peitsche. Aber noch ehe sie auf den R�cken der Pferde niedersauste, fiel ihm der eine der Fremden in die Z�gel und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Seid ihr immer so unh�flich in Oran, da� ihr nicht einmal den Gru� Fremder erwidert? Ich sagte Salam. Hast du das nicht geh�rt?�</style></p><p><style name="font3">Halef bequemte sich schlie�lich zu einer Entgegnung des Gru�es.</style></p><p><style name="font3">�Wa alejkum 's salam.<a l:href="#n_5" type="note">[5]</a> Wir haben keine Zeit. Mein Herr ist beim Gouverneur eingeladen�, fuhr er ungeduldig fort.</style></p><p><style name="font3">Von hinten kam schon wieder die Stimme Abd el Hamids:</style></p><p><style name="font3">�Maschallah, warum f�hrst du nicht?� Der Reiter, der dem Diener in die Z�gel gefallen war, gab seinem langen Gef�hrten einen Wink, und dieser stellte sich mit seinem Pferd neben Halef, um diesen am Weiterfahren zu hindern.</style></p><p><style name="font3">�Willst du mir nicht sagen, Sayd, ob du ein gastfreundliches Haus hast?� fragte der erste wieder, </style><style name="font3">der nun direkt neben der Kutsche hielt.</style></p><p><style name="font3">Der Kaufmann streckte abwehrend die H�nde aus und schrie:</style></p><p><style name="font3">�Allah, wie siehst du aus? Du bist ja vollkommen durchn��t. Glaubst du, ich werde die marmornen Dielen meines Hauses von deinem Dreck beschmutzen lassen?� �Wir wollen nicht in dein Haus, wenn du es nicht w�nschst. Aber vielleicht hast du einen Stall, in dem wir �bernachten k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">Da ergab sich Abd el Hamid in sein Schicksal. �Halef soll mich zum Gouverneur fahren. Dann mag er euch Stroh geben und eine Schlafstelle im Stall anweisen. Ihr habt doch Gold, um die �bernachtung zu bezahlen?�</style></p><p><style name="font3">Der andere schwieg zu dieser Frage und sagte nur: �Danke.� Dann wandte er sich an seine drei Gef�hrten, und sie setzten sich nun alle vier hinter die Kutsche. Am Gouverneursplatz angekommen, kletterte der Kaufmann aus dem Wagen und ging mit unorientalischer Eile die Stufen der Freitreppe empor. Der Regen, der ihn nun doch bespr�hte, war ihm unangenehm. Halef wurde munter. Auch er stieg vom Kutschbock und verschwand durch einen Hintereingang im Haus, ohne sich um die vier Fremden zu k�mmern.</style></p><p><style name="font3">�M�chte wissen, wo der Bursche so lange bleibt�, knurrte Ojo nach einer Weile. �Ich denke, er sollte uns den Weg zum Haus dieses arabischen Senors zeigen.�</style></p><p><style name="font3">Isolde war vor Schw�che auf ihrem Pferd zusammengesunken. Ihre Z�hne schlugen im Sch�ttelfrost aufeinander. Sie war am Ende ihrer Kr�fte. Die Strapazen der Reise hatten sie zu einem Schatten ihrer selbst gemacht.</style></p><p><style name="font3">Michels Kiefer mahlten ungeduldig aufeinander. Er krampfte w�tend die klammen F�uste um die Z�gel sei-nes abgetriebenen Pferdes. Warum kam der Kerl nicht?</style></p><p><style name="font3">Nach weiteren f�nf Minuten verlor er die Geduld. Er sprang aus dem Sattel, eilte auf die T�r zu, durch die der Diener verschwunden war, � und stand in der Gesindestube. M�nner und Weiber sa�en um einen Tisch herum, lachten, schwatzten und tranken Wein. Michel entdeckte seinen Mann. Halef war eben dabei, die Gebote des Propheten kr�ftig zu �bertreten. Er hatte eine Korbflasche Wein beim Halse und wollte sie gerade zum Mund f�hren, eine Besch�ftigung, bei der er sich �u�erst wohl zu f�hlen schien.</style></p><p><style name="font3">Michel stie� einen durchdringenden Pfiff aus, dem er einen seiner ber�chtigten Triller folgen lie�.</style></p><p><style name="font3">Die M�nnlein und Weiblein erstarrten. Sie blickten ihn an, als sei er der Leibhaftige. Die nassen Fetzen, die um seine abgemagerte Gestalt hingen, der Turban, der jhm tief ins Gesicht gerutscRt war, mochten diesen Eindruck noch unterstreichen.�Halef!� rief er jetzt mit Donnerstimme. Der Angerufene fuhr erschrocken auf. �Wa � wa � was willst du?�</style></p><p><style name="font3">�Dich davor bewahren, die Gebote des Propheten zu �bertreten. Komm, sonst mache ich dir Beine, du verdammter Halunke. F�hre uns zum Haus deines Herrn!�</style></p><p><style name="font3">Die spanischen Dienstboten hatten ihn nicht verstanden. Aber seine Stimme war so drohend, da� </style><style name="font3">sie froh waren, nicht selbst von ihm angesprochen worden zu sein.</style></p><p><style name="font3">Halef stand langsam auf und schlich wie ein gepr�gelter Hund zur T�r.</style></p><p><style name="font3">Wieder drangen ihm die gr��lichen Pfiffe des Unheimlichen in die Ohren.</style></p><p><style name="font3">Schnell ging er zu seiner Kutsche und machte sich auf den Heimweg; wortlos wies er den </style><style name="font3">Fremden Pl�tze an und brachte ihnen trockenes Stroh.</style></p><p><style name="font3">�Und etwas zu essen!� befahl Michel in einem Ton, der keine Widerrede duldete. Bald stand eine Sch�ssel mit dampfendem Reis und Hammelfleisch vor den Ausgehungerten. Isolde Hawbury konnte nur ein paar Bissen schlingen. Dann fiel sie in tiefe Ohnmacht. �Zieht ihr die nassen Kleider aus�, befahl Michel ihrem Bruder.</style></p><p><style name="font3">Michel nahm Stroh in beide H�nde und begann, ihren K�rper damit warm zu reiben, bis er rot wurde und ihr ruhiges Atmen verriet, da� sie einen gesunden Schlaf schlief. Die drei M�nner entledigten sich ebenfalls ihrer nassen Fetzen und rieben sich gegenseitig ab. Tief in das Stroh gegraben, schliefen sie Minuten sp�ter ersch�pft ein. </style></p></section><section><title><p><style name="font3">21</style></p></title><p><style name="font3">Der Pfeifer erwachte mit dem Morgengrauen. Rasch kroch er aus dem Stroh und reckte die steifen Glieder.</style></p><p><style name="font3">Vorsichtig, um die anderen nicht zu wecken, �ffnete er die Stallt�r und lie� seine Blicke �ber den schmutzigen Innenhof schweifen.</style></p><p><style name="font3">So pr�chtig das Haus von vorn aussah, so verwahrlost war alles, was sich hinter seiner reichen Fassade den Blicken bot.</style></p><p><style name="font3">Michel �berlegte. Was war zu tun? W�rde dieser Geizhals von Kaufmann tats�chlich eine Bezahlung f�r das Nachtlager im Stroh fordern? Wenn ja, was dann?</style></p><p><style name="font3">Michel hatte starken Hunger. Essen war der einzige Gedanke, der ihn im Augenblick erf�llte. Er schritt �ber den Hof und betrat die Villa durch die Hintert�r. Der Gegensatz zwischen drau�en und drinnen war �berraschend. Sogar der schmale Hinteraufgang war mit schneewei�em Marmor ausgelegt. Hier herrschte Reichtum. Das merkte man auf den ersten Blick.</style></p><p><style name="font3">Michel schritt die Treppe empor. Nichts r�hrte sich im Hause. Die Diener schienen hier so lange zu schlafen wie der Herr.</style></p><p><style name="font3">Ganz in Gedanken begann er vor sich hinzupfeifen. Als er einen Gang hinunterschritt, streckte aus einer der in der N�he liegenden T�ren jemand seinen Kopf und starrte ihn erstaunt an. Der Kopf glich einer ausgepre�ten Zitrone, der man eine Kaffeehaube �bergest�lpt hat. Michel mu�te lachen.</style></p><p><style name="font3">�Heda!� rief er, �kannst du mir nicht etwas zu essen geben? Allah wird dich daf�r mit allen Gen�ssen des siebenten Himmels belohnen.�Der Mann mit dem vertrockneten Gesicht sah den Fremden sprachlos an.</style></p><p><style name="font3">�Wie kommst du hier herein, kelb ibn kelb?�</style></p><p><style name="font3">�Sei artig und h�flich�, entgegnete Michel, �und gebrauche nicht solche Ausdr�cke. Dein Herr wird dir die Bastonnade geben, wenn du einen Gast beleidigst.�</style></p><p><style name="font3">�Der Herr bin ich, verstanden? Willst du mir nicht endlich sagen, woher du die Frechheit nimmst, hier hereinzukommen?�</style></p><p><style name="font3">Da trat Michel drohend ein paar Schritte auf ihn zu und stie� eine Folge von Pfiffen aus, die dem </style><style name="font3">anderen eine G�nsehaut �ber den R�cken jagten. Der Zitronenkopf wich zur�ck und schrie:</style></p><p><style name="font3">�Allah kerim! Der Schejtan ist bei uns zu Gaste! Herbei, o ihr Gl�ubigen, ihr Anh�nger des </style><style name="font3">Propheten! Treibt ihn aus dem Hause, den b�sen Geist! Er will uns verderben!�</style></p><p><style name="font3">Vom Ende des Ganges her kam eine Gestalt geeilt. Es war Halef, der Diener des Kaufmanns.</style></p><p><style name="font3">�Warum machst du solch ein Geschrei, alter Mann?� fragte er.</style></p><p><style name="font3">�Schaff diesen Fremden aus dem Haus. Er hat den Schejtan im Leibe!�</style></p><p><style name="font3">Halef zuckte die Achseln.</style></p><p><style name="font3">�Was willst du, der Herr hat mir aufgetragen, ihm und seinen Gef�hrten ein Nachtlager im Stall </style><style name="font3">anzuweisen, damit sie sich ausruhen konnten. Sie kamen gestern in die Stadt.�</style></p><p><style name="font3">�Ah�, sagte das M�nnlein, �und warum hast du mich nicht verst�ndigt?�</style></p><p><style name="font3">�Du schliefst so sch�n und schnarchtest so zufrieden, da� es mir wie eine S�nde vorgekommen </style><style name="font3">w�re, deinen Traum zu unterbrechen, Gro�vater.�</style></p><p><style name="font3">�Ah! Das war vern�nftig von dir. Ich will mich gleich hinlegen, um noch ein wenig zu ruhen. Die Zeit des Morgengebetes ist ohnehin verstrichen.�</style></p><p><style name="font3">Er verschwand in dem Raum, aus dem er gekommen war, und warf die T�r hinter sich zu.</style></p><p><style name="font3">�Was ist denn das f�r ein sonderbarer Heiliger?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Der Gro�vater, eigentlich der Vater des Gro�vaters unseres Herrn. Er mu� schon nahe an hundert Jahre alt sein. Er ist nicht mehr ganz richtig im Kopfe.�</style></p><p><style name="font3">�Das scheint mir auch so. Schaff uns etwas zu essen und zu trinken, Halef. Hernach m�chte ich mit deinem Herrn sprechen.�</style></p><p><style name="font3">Halef z�gerte. �Ich wei� nicht, ob es im Sinne des Gebieters ist, euch zu verpflegen. Besser ist es, ihr kleidet euch an und verla�t so schnell wie m�glich das Haus.� �Setzt ihr eure G�ste stets so schnell wieder auf die Stra�e?� Halef nickte.</style></p><p><style name="font3">�Ja, der Herr hat es nicht gern, wenn andere zugegen sind. Sie st�ren ihn und seine religi�sen Betrachtungen. Abd el Hamid ist ein sehr frommer Herr.�</style></p><p><style name="font3">�Aber der Koran schreibt vor, da� man den Hungrigen speisen, den D�rstenden tr�nken und dem Heimatlosen eine Lagerstatt gew�hren soll. Wie vereinbart sich die Fr�mmigkeit deines Herrn mit der Ungastlichkeit seines Hauses?�</style></p><p><style name="font3">Halef wollte eine Antwort geben. Ein schlaues Grinsen lag auf seinen Z�gen. Aber Michel kam ihm zuvor. Er durchbohrte ihn pl�tzlich mit seinen Blicken und begann wieder zu pfeifen, schrill und durchdringend.</style></p><p><style name="font3">Halef zuckte zusammen und wollte fortrennen.</style></p><p><style name="font3">�Bring uns zu essen und zu trinken; aber la� uns ja nicht zu lange warten. Sonst soll dich auf der </style><style name="font3">Stelle der Schejtan holen, und ich werde daf�r sorgen, da� deine Seele in eine Wildsau </style><style name="font3">verwandelt wird und auf ewig in die Dschehenna f�hrt. �</style></p><p><style name="font3">Los�, fauchte er ihn pl�tzlich an, �geh jetzt und mach uns was zu essen!�</style></p><p><style name="font3">Halef st�rmte davon. Der Fremde fl��te ihm eine unbestimmte Furcht ein. �</style></p></section><section><title><p><style name="font3">22</style></p></title><p><style name="font3">Sie bekamen wieder Reis mit Hammelfleisch. Etwas anderes schien es hier nicht zu geben. Nach dem Essen rief Michel nach Halef und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Melde mich jetzt deinem Herrn. Ich w�nsche ihn zu sprechen. Aber la� nicht wieder stundenlang auf dich warten.�</style></p><p><style name="font3">Es dauerte nur kurze Zeit. Dann erschien der Diener wieder und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Mein Herr ist nicht zu sprechen; denn er m�chte noch ein wenig schlafen. Er hatte in der letzten Nacht anstrengende Verhandlungen mit dem Gouverneur und l��t euch sagen, da� ihr weiterreiten sollt.�</style></p><p><style name="font3">Michel fragte kalt: �In welchem Raum pflegt dein Herr zu n�chtigen? F�hre mich zu ihm.�</style></p><p><style name="font3">�Du willst doch nicht etwa trotz � � ��</style></p><p><style name="font3">�Doch ich will! F�hre mich!� unterbrach ihn Michel ungeduldig.</style></p><p><style name="font3">�Ich kann dich nicht zu ihm f�hren, Sayd, es geht nicht. Abd el Hamid ist ein gestrenger Herr. Er w�rde mich peitschen lassen, wenn ich seinen Befehlen zuwider handelte.� �So mag er dich peitschen. Wenn du mich jetzt nicht gleich hinf�hrst, so wirst du in der n�chsten Sekunde in die H�lle fahren, das verspreche ich dir.�</style></p><p><style name="font3">Michel packte ihn beim Burnus und gab Steve Hawbury einen Wink. Dieser zog aus der neben ihm liegenden Satteltasche eine Wildschweinhaut hervor und breitete sie auf dem Boden aus. Sie hatten auf ihrer langen Reise des �fteren Gebirgsschweine erlegt; denn viel anderes Wild war ihnen nicht vor die Flinte gekommen. Und da sie die Gewohnheiten und Sitten der Eingeborenen kannten, hatte Steve den Vorschlag gemacht, eine solche Haut mitzunehmen, um durch Drohung Hilfe zu erzwingen, die ihnen freiwillig nicht gew�hrt wurde. Sie befanden sich in einer Notlage und mu�ten auch zu absonderlichen Mitteln greifen, wenn sie nicht wie gemeine Diebe stehlen wollten.</style></p><p><style name="font3">Halefs Augen weiteten sich vor Entsetzen. Mit einem Aufschrei ri� er sich los und rannte davon.</style></p><p><style name="font3">Michel sauste hinter ihm her; denn er war �berzeugt davon, da� Halef zu seinem Herrn laufen </style><style name="font3">w�rde, um ihm von dem teuflischen Beginnen der Fremden Bericht zu erstatten.</style></p><p><style name="font3">�Sayd! � Sayd!� schrie der Fl�chtende schon auf dem Wege; �sie wollen mich der Gen�sse des </style><style name="font3">siebenten Himmels berauben! Sie wollen mich verunreinigen! Oh, Sayd, hilf mir!�</style></p><p><style name="font3">Er ri� die T�r auf und stand mitten im Schlafzimmer des m�den Kaufmanns, den das Geschrei </style><style name="font3">vollends wach gemacht hatte. Abd el Hamid lag g�hnend auf dem Bett. Dann richtete er sich auf, </style><style name="font3">griff neben sich und st�lpte sich den Turban �ber den schlaftrunkenen Kopf. Denn ein guter </style><style name="font3">Muslim zeigt sich auch seinen engsten Freunden nicht entbl��ten Hauptes.</style></p><p><style name="font3">Seine Blicke wandten sich erstaunt und mi�trauischdem Fremden zu, der hinter seinem Diener </style><style name="font3">durch die T�r trat. �Was willst du?� herrschte er Michel barsch an.</style></p><p><style name="font3">�Dich sprechen. Hat dir das dein fauler Diener nicht gesagt?�</style></p><p><style name="font3">�Nimm deine Zunge in acht, verdammter Bettler!� rief der Kaufmann ungehalten. �Mach, da� du hinauskommst! Deine Anwesenheit bel�stigt mich und st�rt meine morgendliche Beschaulichkeit.�</style></p><p><style name="font3">Michel sah sich im Zimmer um. Dem Bett gegen�ber stand ein Diwan. Er ging hin und lie� sich nach arabischer Sitte mit gekreuzten Beinen darauf nieder.</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid starrte ihn entgeistert an. Er war gewohnt, da� man seine Befehle und W�nsche unwidersprochen befolgte.</style></p><p><style name="font3">�Bist du verr�ckt, Mensch? Soll ich dir die Kurbatsch auf die Sohlen zu schmecken geben? Wer hat dir erlaubt, dich hier niederzulassen?�</style></p><p><style name="font3">Michel lehnte sich l�ssig an die Wand und betrachtete den Kaufmann seelenruhig. �H�re, Abd el Hamid, wenn du weiter so schimpfen willst, k�nnen wir nicht verst�ndig miteinander sprechen. Ich-�</style></p><p><style name="font3">�Ich will nicht verst�ndig mit dir sprechen. Ich will, da� du gehst, bevor ich dich vertreiben lasse. Ich hasse den Unfrieden in meinem Hause.� Michel r�hrte sich nicht.</style></p><p><style name="font3">�Ich brauche deine Hilfe, Hamid�, sagte er. �Du kannst Menschen, die sich in Not befinden, </style><style name="font3">deine Hilfe nicht verwehren. Der Prophet w�rde es dir �bel vermerken, wenn du � ��</style></p><p><style name="font3">Er wurde pl�tzlich von einer kreischenden Stimme unterbrochen. Der Alte, der aussah wie eine </style><style name="font3">ausgequetschte Zitrone, kam in den Raum. Er schrie Zeter und Mordio.</style></p><p><style name="font3">�Ibn Hamid, das Licht meiner alten Augen, dein Sohn und mein Enkel, der Glanz unseres </style><style name="font3">Hauses ist krank. Er liegt im Bett und st�hnt, und niemand kann ihm helfen.�</style></p><p><style name="font3">Da schien der Kaufmann mit einemmal die Gegenwart Michels zu. vergessen. Er sprang auf und </style><style name="font3">starrte den Ahn erschrocken an.</style></p><p><style name="font3">�Hat er einen hei�en Kopf?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, ja, er hat einen hei�en Kopf! Ach, die Lampe meiner Seele, die Freude meiner alten Tage </style><style name="font3">wird sterben. Was hast du verbrochen, Hamid, da� Allah dich so schwer bestraft?�</style></p><p><style name="font3">Halef, der Diener, blickte seinen Herrn erschrocken an. War das schon ein Zeichen Allahs, da� </style><style name="font3">er den Ungehorsamen, der in den H�usern der Christen verkehrte, strafte?</style></p><p><style name="font3">Hamid fuhr ihn an:</style></p><p><style name="font3">�Was stehst du hier noch herum, Elender! Hole den Hekim � � h�rst du nicht, du sollst den Hekim holen! Sage ihm, ich bezahle jede Summe, wenn er meinen Sohn wieder gesund macht.� Als Halef den Raum verlassen hatte, setzte sich Abd el Hamid auf den Rand des Bettes und br�tete vor sich hin.</style></p><p><style name="font3">Es w�hrte immerhin eine gute halbe Stunde, bis der Hekim kam. Michel schauderte, als er ihn sah: ein dicker, listig dreinblickender Kerl, dem es wahrscheinlich mehr auf das Honorar als auf die Gesundheit des Patienten ankam. Zur Unterstreichung seiner W�rde hatte er eine uralte, schmutzige Knochens�ge an einem Band auf seinem vor Dreck starrenden Burnus h�ngen. �Salam alejkum�, gr��te er. �Wa alejkum 's salam�, erwiderte Abd el Hamid.</style></p><p><style name="font3">�Was f�r Beschwerden hat dein Sohn?�Michel staunte �ber die Art dieses Doktors, der den Vater nach der Krankheit des Sohnes fragte, anstatt den Kranken selbst zu untersuchen. �Wie kann ich das wissen?� meinte Abd el Hamid.</style></p><p><style name="font3">Der �Arzt� spielte mit der Knochens�ge auf seiner Brust und fragte lauernd: �Wieviel wirst du mir f�r die Operation bezahlen?� �Meinst du, da� eine Operation n�tig ist?� �Wahrscheinlich.�</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid wurde schreckensbleich.</style></p><p><style name="font3">�Wirst du � wirst du � dazu diese S�ge gebrauchen?� stotterte er.</style></p><p><style name="font3">�Ja�, antwortete der Hekim mit pfiffigem Gesicht zu Michels ma�loser Verbl�ffung. �Ich werde ihn auseinanders�gen, um zu sehen, wo die Krankheit in ihm sitzt.�</style></p><p><style name="font3">�Au � aus � auseinanders�gen, meinen Sohn auseinanders�gen?� schrie der Vater entsetzt auf. �Wirst du ihn bestimmt auch wieder zusammenbekommen? Und werde ich dabei sein d�rfen?� �Hab keine Angst�, meinte der Hekim mit einer Stimme, die wenig beruhigend wirkte. �Ich habe meine Kunst in Istanbul gelernt, auf der Universit�t der Osmanen. Oh, ich kann operieren, da� du hinterher nicht einmal die Naht sehen wirst! Aber du darfst nat�rlich nicht dabei sein. La� das Zimmer deines Sohnes verdunkeln und weise deine Diener an, da� sie sich ruhig verhalten, damit ich ungest�rt arbeiten kann. In einer Stunde ist alles vorbei.� Michel hatte M�he, sein Lachen zu verbei�en. Auf diese �Operation� war er sehr neugierig. Abd el Hamid gab Anweisung, da� man alles vorbereite. Dann verlie�en die beiden das Zimmer, ohne von Michel Notiz zu nehmen.</style></p><p><style name="font3">Michel erhob sich und ging hinterher. Vor der T�r des Operationszimmers sa� auf einem Diwan der Vater und wimmerte vor sich hin, da� man glauben konnte, die S�ge nage an seinen eigenen Knochen.</style></p><p><style name="font3">Michel hockte sich neben ihn und harrte gespannt der Dinge, die sich da ereignen sollten. Es verging eine ganze Weile. Dann �ffnete sich die T�r, und der Doktor kam strahlenden Angesichts heraus.</style></p><p><style name="font3">�Es ist geschafft. Dein Sohn wird noch heute gesunden.�</style></p><p><style name="font3">Mit einem Aufschrei der Freude st�rzte der Kaufmann in das Zimmer. Michel folgte ihm; denn es verstand sich, da er ja Arzt war, von selbst, da� eine orientalische Operation und deren Erfolg seine Teilnahme hatte.</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid beugte sich �ber seinen fiebernden Jungen, der vielleicht acht Jahre alt sein mochte, und betastete seinen K�rper. Der Hekim hatte nicht gelogen. Man sah nicht einmal eine Naht, wo er den K�per wieder zusammengen�ht hatte.</style></p><p><style name="font3">�Oh, Allah hat den Hekim mit der Gnade seiner h�chsten Weisheit erleuchtet�, sagte Abd el Hamid erfreut zu Michel, dessen Gesellschaft ihm im Augenblick nicht unwillkommen zu sein schien. �Sieh ihn dir an. Er ist wie fr�her.�</style></p><p><style name="font3">Michel benutzte die Gelegenheit, den Jungen zu untersuchen, der ihn aus fiebrigen Augen anstarrte.</style></p><p><style name="font3">Der schlaue Hekim hatte nicht den leisesten Handschlag gemacht. Er mu�te eine halbe Stunde im Zimmer gesessen haben, ohne sich zu r�hren. Danach behauptete er einfach, da� ihm die Operation gelungen sei.</style></p><p><style name="font3">�Wieviel Piaster bekommst du?� fragte ihn Abd el Hamid.�Vierhundert�, meinte der </style><style name="font3">verschlagene Alte, �ich habe diese Operation zu dem niedrigsten Preis gemacht.�</style></p><p><style name="font3">�Warte einen Augenblick. Ich will das Geld holen.�</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid st�rmte begl�ckt davon.</style></p><p><style name="font3">Michel griff nach der Hand des Kleinen und fragte:</style></p><p><style name="font3">�Nun sag mal, wo tut es denn weh?�</style></p><p><style name="font3">�Aber es kann nichts mehr weh tun�, mischte sich der Arzt ein, �du vernahmst doch gerade: ich habe ihn gesund operiert, und nicht einmal eine Naht hat die Kunstfertigkeit meiner Hand hinterlassen.�</style></p><p><style name="font3">Michel h�rte nicht auf ihn, sondern betrachtete aufmerksam den kleinen Hamid. Der deutete mit seiner Hand auf die Gegend des Bauches. Just in diesem Moment richtete er sich auf und erbrach sich. Michel hielt ihm den Kopf. Dabei fiel sein Blick dorthin, wo der K�rper des Jungen eben noch gelegen hatte. Er bemerkte schleimige Kotmassen, die unkontrolliert durch den Dickdarm abgegangen waren.</style></p><p><style name="font3">Als sich der Kleine ein wenig beruhigt hatte, fl�sterte er Michel zu:</style></p><p><style name="font3">�Ich habe Durst � immer Durst. Kannst du mir nicht etwas zu trinken geben?�</style></p><p><style name="font3">Michel sah den Hekim an.</style></p><p><style name="font3">Der zuckte die Achseln und grinste:</style></p><p><style name="font3">�Was ich tun konnte, habe ich getan. Die Heilung mu� nat�rlich Allah besorgen. Unser aller Schicksal liegt in seiner Hand.�</style></p><p><style name="font3">�Du Schurke�, antwortete Michel, �dein Schicksal liegt im Augenblick in meiner Hand, verstanden? Wenn du nicht machst, da� du augenblicklich aus dem Haus kommst, so werfe ich dich hinaus.�</style></p><p><style name="font3">Der Hekim verzog das Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Ich will nur meine Piaster haben. Dann gehe ich sowieso. Du wirst sehen, der Bengel ist heute abend gesund.�</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid kam. Er hatte die Silberst�cke in einem Beutel bei sich.</style></p><p><style name="font3">�Halt!� sagte Michel. �Gib ihm nichts. Er ist ein Betr�ger. Er hat nichts f�r deinen Sohn getan. Der Junge ist noch ebenso krank wie vorher.�</style></p><p><style name="font3">�Aber erlaube�, emp�rte sich Abd el Hamid, �wenn er ihn doch auseinanderges�gt hat, um in </style><style name="font3">ihn hineinzusehen, dann mu� er doch wissen, ob er jetzt krank oder gesund ist.�</style></p><p><style name="font3">Michel hielt den Kopf des Kleinen, der sich schon wieder erbrechen mu�te. Er wu�te von </style><style name="font3">vornherein, da� er dazu verurteilt war, unt�tig zuzusehen, wie Abd el Hamid dem Hekim das </style><style name="font3">Geld gab. Denn es w�rde ihm, der in den Augen des Kaufmanns ein Landstreicher war, sicher </style><style name="font3">nicht gelingen, den Araber von seiner unglaublichen Dummheit zu �berzeugen.</style></p><p><style name="font3">�Kommst du noch einmal nach ihm sehen?� fragte Abd el Hamid den Hekim.</style></p><p><style name="font3">�Ja, wenn das Abendgebet vorbei ist. Aber es wird sicher nicht mehr n�tig sein; denn dein Sohn </style><style name="font3">ist bereits gesund. Was er jetzt leidet, sind nur die Nachwirkungen der schwierigen Operation.�</style></p><p><style name="font3">�Der Dank des Propheten und aller Marabuts ist dir gewi߫, sagte der Kaufmann und �berreichte </style><style name="font3">ihm die gef�llte B�rse.</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid war durch die schnelle Genesung seines Sohnes jetzt milder gestimmt und gestattete den ungebetenen G�sten, noch eine Nacht im Stall zu kampieren, bis ihre Kleider trocken waren.</style></p><p><style name="font3">�H�re�, sagte Michel in ehrlicher Besorgnis, �dein Sohn ist nicht gesund. Beobachte ihn--</style></p><p><style name="font3">��Oh, mach den Hekim nicht schlecht. Er ist ein guter S�ger und hat in Istanbul studiert. Wenn er sagte, Hamid ist gesund, dann ist er es auch. Du wirst heute abend schon einsehen, da� er recht hatte.�</style></p><p><style name="font3">�Trotzdem wirst du mir gestatten, ihn jetzt noch einmal genau zu betrachten, nicht wahr?� �Immer zu; aber ich sage dir, da� es keinen Zweck hat. Au�erdem bin ich der Meinung, da� wir Hamid ruhen lassen, damit er sich von den Strapazen ausruhen kann.� �Vater � Vater�, wimmerte der Kleine, �ich habe solche Schmerzen, ach Vater, ich werde gewi� sterben.�</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid beugte sich �ber ihn und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Nein, nein, sei still, mein Kleiner, mein S��er, mein Bester, heute abend wirst du dich tummeln k�nnen wie ein Fisch im Wasser.� Er richtete sich wieder auf und befahl Michel: �Komm nun, damit er ruhen kann. Unsere Gegenwart regt ihn nur auf.�</style></p><p><style name="font3">Michel warf noch einen Blick auf den Jungen und gehorchte widerstrebend. Er mu�te die </style><style name="font3">W�nsche seines Gastgebers respektieren; denn immerhin waren er und seine Freunde auf dessen </style><style name="font3">Freundlichkeit angewiesen.</style></p><p><style name="font3">So folgte er dem Kaufmann.</style></p><p><style name="font3">Als sie den Hof erreicht hatten, sagte er:</style></p><p><style name="font3">�Ich danke dir f�r deine Gastlichkeit. Wir haben eine lange Reise hinter uns und brauchen Erholung, aber wir haben kein Geld, um Essen und Trinken zu bezahlen.�</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid kniff die listigen Augen zusammen und antwortete:</style></p><p><style name="font3">�Gut, das Schlafquartier im Stall will ich euch f�r eine weitere Nacht, wie ich bereits sagte, ohne Bezahlung �berlassen. Wenn ihr jedoch Essen haben wollt und Futter f�r eure Pferde, so m��t ihr beides verdienen.�</style></p><p><style name="font3">Michel nickte. Ihm war jede Arbeit recht. Und es lie� ihn auch gleichg�ltig, da� er wie ein Bettler behandelt wurde. Im Augenblick galt es, das nackte Leben zu bewahren und eine Gelegenheit zu finden, sich mit neuen Kleidern und anderen notwendigen Dingen zu versorgen, um Oran so bald wie m�glich wieder zu verlassen.</style></p><p><style name="font3">�H�r zu�, begann Hamid, �ich erwarte heute im Lauf des Nachmittags eine Gruppe von Reitern, die einige S�cke f�r mich bringen. Leider betreten diese Leute niemals die Stadt bei ihren Lieferungen. Etwas s�dlich von Oran liegt der kleine Duar Sihdi-Bachr. Dorthin wirst du mit deinen Freunden reiten, um die Ware f�r mich in Empfang zu nehmen. Das ist alles, was ich von euch verlange.�</style></p><p><style name="font3">Michel krauste die Stirn. Das war immerhin ein sonderbares Ansinnen. Warum brachten die Lieferanten die S�cke mit der Ware nicht in die Stadt? Dabei mu�te man stutzig werden. �Was sind das f�r Waren, Abd el Hamid?� �Oh, nichts als ein paar Ballen Hanf. Keine schwere Arbeit. Nur kann ich gerade heute keine Leute finden, die f�r mich arbeiten.� Er verschwieg wohlweislich, da� er zwar nicht den spanischen Statthalter, daf�r aber einen Angriff der Konkurrenz f�rchtete. Es gab in Oran eine ganze Menge Kaufleute, die dem eintr�glichen Gewerbe der Haschischgewinnung nachgingen. Abd el Hamid war aber einer der wenigen, dessen Rohstoffquellen nie versiegten. Zudem war er einem anderen Kaufmann der Stadt noch eine Abgabe von der letzten Verarbeitung schuldig, die dieser zwar nicht offen zu fordern wagte, weil Hamid die besseren Beziehungen zum Statthalter hatte, die er sich aber doch einmal nehmen w�rde, wenn sich die Gelegenheit dazu bot. Und Gelegenheit war dann, wenn Hamids Ware in Sihdi-Bachr ankam.</style></p><p><style name="font3">Hamid rechnete mit einem �berfall und mit dem Raub der ganzen Lieferung. Und Hamid war Menschenkenner genug, um Michel f�r einen ehrlichen Mann zu halten, der sich unter Umst�nden mit seinem Leben f�r das Gut des Gastgebers einsetzen w�rde. �Sind es viele Ballen, die du erwartest?�</style></p><p><style name="font3">�Ich rechne mit sechs. Ihr vier seid genug, sie herbeizuschaffen.�</style></p><p><style name="font3">�Wir sind nur zwei�, entgegnete Michel. �Wir haben eine Frau bei uns. Deren Bruder aber wird </style><style name="font3">zu ihrem Schutz zur�ckbleiben.�</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid l�chelte verst�ndnisvoll. Dann meinte er:</style></p><p><style name="font3">�Wie ist es m�glich, da� ihr eine Frau mit euch herumschleppt, wenn ihr kein Geld habt? Verkauft sie mir. Idi werde euch eine gute Summe daf�r zahlen.� Michel verlor f�r einen Augenblick die Fassung. �Verkaufen?� fragte er entgeistert.</style></p><p><style name="font3">�Nun ja�, Hamid zuckte die Schultern, �ich will euch nicht dr�ngen; aber ich kann euch sagen, da� ihr in Marokko oder in Algier auch nicht viel mehr f�r sie bekommt als hier. Im Gegenteil, wenn ihr das Kostgeld f�r den langen Weg noch hinzurechnet, dann habt ihr eher einen Verlust zu erwarten.�</style></p><p><style name="font3">�Maschallah, h�ltst du uns f�r M�dchenh�ndler?� Abd el Hamid lachte.</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, vor mir brauchst du dich nicht zu verstecken. Ich erstatte in solchen F�llen keine Anzeige. Mir ist egal, wer sie erh�lt. Ich h�tte euch eine anst�ndige Summe gezahlt, und ihr h�ttet euch die Arbeit heute nachmittag ersparen k�nnen. � Nun, das ist eure Sache.</style></p><p><style name="font3">Bleiben wir also bei der ersten Abrede. Ich glaube fast, da� zwei M�nner gen�gen werden. Du </style><style name="font3">bist kr�ftig, und dein Gef�hrte wird auch etwas tragen k�nnen, nicht wahr?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, ja�, sagte Michel. Er mu�te sich erst einmal klarmachen, da� also hierzulande ein </style><style name="font3">M�dchenh�ndler eine ganz allt�gliche Sache zu sein schien. In den Augen eines Arabers tat es </style><style name="font3">ihm also keinen Abbruch, wenn er zu dieser Kategorie Menschen gerechnet wurde.</style></p><p><style name="font3">Etwas Gutes jedoch hatte die Verwechslung f�r Michel. Man hielt ihn trotz seiner mangelhaften </style><style name="font3">Sprache f�r einen Araber.</style></p><p><style name="font3">�Ich nehme deine Bedingungen an. Wir werden die Ware hereinbringen, obwohl ich verwundert bin, da� der Lieferant sie nicht vor deinem Hause absetzt.�</style></p><p><style name="font3">�Dar�ber brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Das ist hier in Oran so �blich. Au�erdem habe ich euch ja auch nicht gefragt, wer ihr seid, wohin ihr wollt und was ihr vorhabt. Eine Hand w�scht die andere. Kifkif.�<a l:href="#n_6" type="note">[6]</a></style></p><p><style name="font3">�Schon gut, Abd el Hamid, wir werden dein Verlangen erf�llen. Nun unterrichte mich �ber die Einzelheiten.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">23</style></p></title><p><style name="font3">Michel hatte mit Ojo gesprochen. Steve Hawbury bekam Anweisungen, wie er sich zu verhalten habe, wenn unvorhergesehene Zwischenf�lle eintreten sollten. Isolde schlief noch immer v�llig ersch�pft.</style></p><p><style name="font3">�Nehmt Ihr Euer Gewehr mit, Senor Doktor?� fragte Ojo.</style></p><p><style name="font3">�Ja, gib es her. Ich verberge es unter meinem Burnus. Mir scheint an der Sache etwas faul zu seih. Nun, wenn es darauf ankommt, werden wir uns verteidigen.� Ojo nickte und lud seine alte Steinschlo�flinte.</style></p><p><style name="font3">Die Sonne neigte sich bereits nach Westen, als sie Sihdi-Bachr erreichten. Die Einwohner sa�en auf der Stra�e herum und unterhielten sich wild gestikulierend und mit lautem Geschrei. Einige M�nner hatten sich eine Art Backofen aus einem alten spanischen Brustpanzer gebaut. Ein Feuer brannte darunter, und in der W�lbung brodelte �l. Darin schwammen Mehlkuchen. Jedesmal, wenn ein Kuchen fertig war, wurde er aus der �Pfanne� herausgenommen. Diese Dinger glichen unseren Mehlpfannkuchen. Sie wurden mit Tomatenst�cken, Fleischresten und Gr�nzeug gef�llt, mit rotem Pfeffer und Unmengen Paprika scharf gew�rzt, zusammengerollt, wobei das Ende mit einem Holzst�bchen an die Rolle geheftet wurde, und dann verkauft. Solche �Pasteten� hei�en Cous-Cous<a l:href="#n_7" type="note">[7]</a> und geh�ren noch heute zu den nordafrikanischen Spezialit�ten, die selbst auf den Hauptstra�en der gro�en St�dte t�glich feilgehalten werden.</style></p><p><style name="font3">Michel fragte einen der �Pastetenb�cker�, ob heute eine Reiterschar im Dorf angekommen w�re, die S�cke bei sich gehabt habe. Einige Knaben, die umherstanden und faul in die Sonne blinzelten, gaben schreiend Auskunft, und so fand er bald die Hanfh�ndler in der H�tte des Dorf�ltesten, wo sie es sich bei Reis und Hammelfleisch wohl sein lie�en. Nachdem die beiden Ank�mmlinge aufgefordert worden waren, sich zu einer Tasse Mokka und einer Wasserpfeife niederzulassen, verlangte der Anf�hrer, die Papiere zu sehen, die zum Abschlu� des Verkaufs n�tig waren.</style></p><p><style name="font3">Michel, unkundig der arabischen Schrift und der arabischen Gepflogenheiten, gab sie ahnungslos aus der Hand. Der Mann nahm sie, betrachtete sie eingehend, schmunzelte dann zufrieden und lie� sie in den Weiten seines Hajk verschwinden.</style></p><p><style name="font3">Michel trank den hei�en Kaffee, und Ojo rauchte eine Pfeife nach der anderen; denn beides, der Tabak und der Kaffee, waren ausgezeichnet. So wurde es sp�ter und sp�ter. Als noch ungef�hr eine Stunde Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit war, forderte Michel den Anf�hrer der Reiterkolonne auf, ihm die S�cke mit dem Hanf auszuh�ndigen. Der sah ihn erstaunt an. �Ich gab sie dir doch bereits, als du hier ankamst.� Michel war verbl�fft.</style></p><p><style name="font3">�Das ist ein Irrtum�, meinte er in ehrlicher Entr�stung, �ich warte schon seit Stunden darauf. H�tte ich die Waren erhalten, so w�re ich l�ngst �ber alle Berge.�</style></p><p><style name="font3">Der Araber sch�ttelte den Kopf.</style></p><p><style name="font3">�Hier in der Tasche meines Burnus habe ich die Papiere, auf denen dein Herr den Empfang der Ware quittiert hat. Also mu�t du sie haben. Wenn nicht, so ist das nicht meine, sondern deine Schuld.�</style></p><p><style name="font3">Michel sprang auf. Auch Ojo erhob sich. Obwohl er kein Wort verstanden hatte, mochte er doch f�hlen, da� sich im n�chsten Augenblick etwas ereignen w�rde.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe keine Ware von dir erhalten. Du bist ein erb�rmlicher L�gner. Gib mir die S�cke, oder ich werde dich f�r deine Unversch�mtheit z�chtigen.�Der Araber erhob sich ebenfalls. Auch seine Begleiter, vier an der Zahl standen auf. Pl�tzlich hielten sie Messet in den H�nden. �Mach, da� du wegkommst!� schrie der Anf�hrer, �dein Herr ist ein r�udiger Hund, der seine Schulden nicht bezahlt. Wir haben uns das unsere genommen. Wenn du mit uns einen Kampf beginnen willst, so wirst du von vornherein der Unterlegene sein. Maschallah, was bist du f�r ein Esel, die Quittung aus der Hand zu geben!�</style></p><p><style name="font3">Michel sah ein, da� er nicht richtig gehandelt hatte. Auch in Europa gibt kein Mensch eine Quittung aus der Hand, bevor er die darauf quittierte Ware empfangen hat. Diese einfache Weisheit hatte Abd el Hamid auch bei ihm vorausgesetzt. Besondere Anweisungen waren nicht ergangen. Aber was hatte es zu bedeuten, da� dieser Mann behauptete, Hamid sei ein r�udiger Hund, der seine Schulden nicht bezahle?</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich ging dem Pfeifer ein Licht auf. Die M�nner, die ihm hier gegen�bersa�en, waren gar nicht die H�ndler, sondern wahrscheinlich die Helfer des Konkurrenten, die sich bereits der S�cke bem�chtigt hatten, noch bevor er, Michel, mit den eigentlichen Lieferanten verhandelt hatte. Wie das vonstatten gegangen sein konnte, war ihm im Augenblick unerfindlich. Es spielte auch keine Rolle. Er hatte die Waren nicht. Aber er durfte nicht ohne den Hanf nach Hause kommen, wenn er in den Augen seines Gastgebers ehrlich bleiben wollte. Er warf Ojo einen schnellen Blick zu. Pl�tzlich stie� er einen Pfiff aus, der die M�nner, die ihn mit den Messern bedrohten, zusammenfahren lie�.</style></p><p><style name="font3">Gleich darauf lie� er noch eine ganze Reihe seiner gr��lichen, schrillen Triller h�ren. Und dann hatte er auch schon sein Gewehr in der Hand und brachte es in Anschlag. �Schejtan�, br�llte der Anf�hrer. �Die Kerle sind bewaffnet! Aber du bist ein Verr�ckter, wenn du glaubst, da� du uns mit deiner Flinte Angst einjagen k�nntest. Einmal kannst du schie�en. Bevor du wieder geladen hast, werden wir �ber dir sein und dir die letzten Funken deines �berfl�ssigen Lebens ausblasen.�</style></p><p><style name="font3">�Gib die Ware heraus, Schurke�, entgegnete ihm Michel ruhig, �oder ich werde euch in Sekundenschnelle allen eine Kugel in den Kopf jagen.�</style></p><p><style name="font3">�Aufschneider�, sagte der Araber grimmig, wagte aber doch nichts zu unternehmen, da er damit</style></p><p><style name="font3">rechnen mu�te, da� der eine Schu� wom�glich ihn treffen w�rde.</style></p><p><style name="font3">�Diaz, geh hinaus und sieh nach, ob die S�cke irgendwo liegen. Ich werde die Burschen </style><style name="font3">mittlerweile in Schach halten. Wenn du etwas h�rst, so komm herbei und hilf mir.</style></p><p><style name="font3">�Si, Senor Doktor�, nickte der Brave und wandte sich dem Ausgang der H�tte zu, aber dem </style><style name="font3">hinteren, der auf den Hof f�hrte.</style></p><p><style name="font3">�Was habt ihr da in einer Sprache zu reden, die wir nicht verstehen?� fragte der Anf�hrer heftig.</style></p><p><style name="font3">�Das geht dich nichts an. Wir reden, wie es uns pa�t, verstanden?�</style></p><p><style name="font3">Als Ojo die H�tte verlassen hatte, wollte einer der M�nner hinter ihm her.</style></p><p><style name="font3">�Halt�, donnerte Michel. �R�hr dich nicht vom Fleck!�</style></p><p><style name="font3">Der Mann gehorchte nicht.</style></p><p><style name="font3">Michel ri� seine Muskete an die Wange und feuerte. Der Getroffene w�lzte sich st�hnend am Boden und umklammerte mit beiden H�nden seine rechte Wade, in die ihm die Kugel aus n�chster N�he gedrungen war.Ein zweiter wollte sich nun auf den Pfeifer st�rzen. Doch dieser hatte im Bruchteil einer Sekunde die L�ufe seines Gewehrs weitergedreht und feuerte nochmals. Auch der zweite fiel zu Boden. Michel gab einen weiteren Schu� ab, um den Burschen zu zeigen, da� er schie�en konnte, auch ohne zwischendurch zu laden. Der Erfolg blieb nicht aus. Die Kerle gaben keinen Ton von sich, sondern starrten ihn mit aufgerissenen Augen an.</style></p><p><style name="font3">�Maschallah�, schrie einer entsetzt, �dieses Gewehr hat der Schejtan gebaut. Es schie�t immerfort. Oder habt ihr ihn laden sehen?�</style></p><p><style name="font3">�Ich kann hundert damit erschie�en�, sagte Michel gelassen. �Ihr scheint mich f�r sehr dumm zu halten.�</style></p><p><style name="font3">�Sayd�, meinte der Anf�hrer jetzt vers�hnlich, �stehst du f�r dauernd in den Diensten des Kaufmanns Abd el Hamid?�</style></p><p><style name="font3">�Das geht dich nichts an. Jetzt gib die Papiere heraus, los � ich z�hle bis f�nf �� Der Anf�hrer warf ihm einen ha�erf�llten Blick zu, und die Papiere flatterten auf die Erde. Eine Weile lie� Michel verstreichen. Dann stie� er einen Pfiff aus, der f�r Diaz Ojo bestimmt war. Nach wenigen Sekunden h�rte er einen gleichen Pfiff von drau�en. Das hie� soviel wie: Es ist alles in Ordnung. Wir k�nnen reiten.</style></p><p><style name="font3">Schritt f�r Schritt wich Michel r�ckw�rts aus der H�tte, ohne seine Widersacher aus den Augen zu lassen. Ojo war bereits aufgesessen.</style></p><p><style name="font3">Michel sprang in den Sattel. Dann jagten sie mit der Last der sechs Ballen davon. Immer wieder sp�hten sie nach r�ckw�rts. Aber ihre Gegner schienen keine Lust zu einer Verfolgung zu haben. Unbehelligt erreichten sie die Stadt und das Haus, in dem sie Gastfreundschaft genossen. �Vielleicht gibt uns Abd el Hamid auch ein paar anst�ndige Kleidungsst�cke, wenn wir ihm seine Quittungen mitsamt dem Hanf bringen. M�chte �berhaupt wissen, was sie hier mit dem Hanf machen, Stricke vielleicht oder Hanf�l? Aber dazu erscheint er mir zu trocken�, sagte Ojo. Michel nickte.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe mir auch schon dar�ber den Kopf zerbrochen. Aber was geht es uns an! Wir haben unseren Auftrag erf�llt und sogar noch etwas mehr. Vielleicht sind ihm die Quittungen einige alte Kleider wert.� �</style></p><p><style name="font3">Sie sollten gar nicht dazu kommen, mit dem Kaufmann �ber Kleider zu verhandeln. Halef, der Diener, rief ihnen aufgeregt entgegen:</style></p><p><style name="font3">�Werft die S�cke in den Stall! Und dann verdr�ckt euch! Das ganze Haus ist in Aufruhr. Der </style><style name="font3">Hekim gibt dir die Schuld, da� Ibn Hamid wahrscheinlich wird sterben m�ssen!�</style></p><p><style name="font3">�Mir gibt er die Schuld? Du tr�umst wohl! Weshalb sollte ich Schuld haben an der </style><style name="font3">Verschlimmerung seines Zustandes, da ich ihn doch gar nicht behandeln durfte?�</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� nicht�, sagte Halef hastig, �mir ist es auch gleichg�ltig. Jedenfalls stirbt er, und das </style><style name="font3">gen�gt, um den Herrn f�r Wochen hinaus in schlechte Laune zu versetzen.�</style></p><p><style name="font3">Michel dachte eine Sekunde nach. Dann meinte er zu Ojo:</style></p><p><style name="font3">�Nimm die Pferde, halte dich bereit und sage den Geschwistern, sie sollen ebenfalls satteln. Wir m�ssen imstande sein, jede Minute zu fliehen. Was ich dazu tun kann, da� wir heil aus dieser Situation herauskommen,das werde ich tun. Hier, nimm mein Pferd mit, f�ttere es und gib ihm zu saufen.�</style></p><p><style name="font3">Er sprang aus dem Sattel, steckte seine B�chse wieder unter den Burnus und eilte dem Diener ins Haus nach.</style></p><p><style name="font3">Hier herrschte wirklich gro�e Aufregung. Alles rannte wild durcheinander. Der alte Ahn mit der kr�chzenden Stimme keifte ein paar Leute an. Halef stand vor der T�r des Krankenzimmers und wartete auf das Erscheinen seines Herrn, der jeden Augenblick herauskommen mu�te. Sogar eine tiefverschleierte Frau, wahrscheinlich die Mutter des Jungen, tauchte auf, wurde aber schimpfend von dem Alten wieder in den Harem geschickt. Hier war der Sohn des Hauses krank und nicht etwa ein M�dchen. Also hatten die Bewohner des Harems nichts dabei zu suchen. Michel fragte den zitternden Diener: �Ist Abd el Hamid drinnen?�</style></p><p><style name="font3">�Ja�, st�hnte dieser erschrocken, als er sah, da� der Pfeifer Anstalten machte, die T�r zu �ffnen.</style></p><p><style name="font3">�Du darfst nicht hinein. Man hat mir streng verboten, jemanden einzulassen.�</style></p><p><style name="font3">Michel sch�ttelte die Hand des Dieners von seinem Arm und trat ein.</style></p><p><style name="font3">Die beiden M�nner, die dort �ber das Lager des Jungen gebeugt standen, fuhren herum und </style><style name="font3">starrten den unerwarteten Gast w�tend an.</style></p><p><style name="font3">�Schejtan�, schrie der Hekim. �Das ist ja der Wicht, der deinen Sohn verhext hat, Hamid. Jage ihn hinaus.�</style></p><p><style name="font3">Der Kaufmann, dem das Weinen n�her als der Zorn war, schrie schluchzend:</style></p><p><style name="font3">�Was willst du hier, du Hundesohn, der du meine Gastfreundschaft so mi�braucht hast? Kannst </style><style name="font3">du mir meinen Sohn wieder lebendig machen? Allahs Zorn �ber dich und deine </style><style name="font3">Verwerflichkeit!�</style></p><p><style name="font3">Michel sagte nichts. Dem Kaufmann z�rnte er nicht. Er war trotz aller Gerissenheit in gesch�ftlichen Dingen doch nur ein unaufgekl�rter Orientale, der vor jedem, der in Istanbul studiert hatte, einen gewaltigen Respekt besa�.</style></p><p><style name="font3">Michel ging langsam, aber mit festen Schritten auf den Hekim zu, der ihm mi�trauisch entgegenblickte.</style></p><p><style name="font3">Als er dicht vor ihm stand, fragte er:</style></p><p><style name="font3">�Willst du deine Behauptung, da� ich dieses Kind verhext habe, noch l�nger aufrecht erhalten?�</style></p><p><style name="font3">�Allah kerim!� kreischte der Arzt. �Bringt diesen Kerl weg! Er will mich ermorden!�</style></p><p><style name="font3">�Den Teufel werde ich tun, Mensch. Glaubst du wirklich, da� ich meine H�nde mit deinem </style><style name="font3">schmutzigen Blut beflecken w�rde? Nun, sag schon, habe ich ihn verhext, oder hast du vielleicht </style><style name="font3">heute vormittag vergessen, den Patienten zu behandeln?�</style></p><p><style name="font3">�Aber er hat ihn doch auseinanderges�gt�, mischte sich Abd el Hamid ein.</style></p><p><style name="font3">�La� dich nicht auslachen�, gab Michel ihm zur Antwort. �Dieser Kurpfuscher hat deinen Sohn </style><style name="font3">ebensowenig auseinanderges�gt wie mich. Du tust mir leid, wenn du sein dummes Geschw�tz </style><style name="font3">f�r bare M�nze nimmst.�</style></p><p><style name="font3">�Was verstehst du schon von der Heilkunde!� fragte der Hekim frech.</style></p><p><style name="font3">�So viel jedenfalls, da� ich dir sagen kann, was der junge Hamid hat. Aber ich m�chte es gern von dir wissen. Also antworte! Sonst...� � er trat pl�tzlich noch einen Schritt dichter an den Kurpfuscher heran und ri� ihm die S�ge vom Hals � �werde ich dich hier vor den Augen dieses ehrenwerten Sayd auseinanders�gen, da� dir H�ren und Sehen vergeht.� Er packte den Arzt beim Burnus und hob die S�ge hoch.</style></p><p><style name="font3">�Waj!� schrie der, �wie kann ich wissen, was der Junge hat? Er hat Schmerzen. Das gen�gt.� Michel lie� den Mann fahren und fragte:</style></p><p><style name="font3">�Willst du mir tats�chlich weismachen, da� du jemals auch nur eine Universit�t von innen </style><style name="font3">gesehen hast, du Schwindler?�</style></p><p><style name="font3">Der Scharlatan wurde ganz klein und h��lich.</style></p><p><style name="font3">Michel wandte sich an den bleichen Abd el Hamid.</style></p><p><style name="font3">�Vertraue mir deinen Sohn an. Wenn Allah will, werde ich ihn wieder gesund machen, sofern die Krankheit noch nicht allzu weit fortgeschritten ist.�</style></p><p><style name="font3">Der Hekim, der sein Ansehen in Oran und damit seine einzige legale Geldquelle versiegen sah, protestierte heftig:</style></p><p><style name="font3">�Wie kann ein Laie sich anma�en, etwas von der Medizin zu verstehen. Ich werde �� �Du wirst gar nichts. Aber ich werde dir jetzt zeigen, wie man Kranke kuriert, die die Ruhr haben.�</style></p><p><style name="font3">�Die Ruhr? Was ist das?� fragte der Kaufmann.</style></p><p><style name="font3">�Man nennt sie hierzulande wohl auch den blutigen Durchfall. Als erstes brauche ich jetzt eine Schale mit Oliven�l.�</style></p><p><style name="font3">Der Kaufmann, der durch Michels Sicherheit neue Hoffnungen sch�pfte, rannte aus dem Zimmer und schrie den Diener an:</style></p><p><style name="font3">�Hast du nicht geh�rt? Der Effendi braucht Oliven�l. Was stehst du noch hier herum?� Der Hekim dr�ckte sich still in eine Ecke und sah aufmerksam zu, was Michel nun machen w�rde.</style></p><p><style name="font3">Der Junge bekam hei�e Umschl�ge auf den Leib gelegt. Das �l sollte als Abf�hrmittel wirken. Dann wurde Milch hei� gemacht, die er gegen den brennenden Durst alle paar Stunden zu trinken bekam.</style></p><p><style name="font3">Mitten in der Nacht � der angebliche Arzt war schon seit geraumer Zeit nicht mehr im Hause � begann der eigentliche Durchfall. Alle Viertelstunde mu�te sich der Kleine entleeren. Aber es kamen nur noch geringe Mengen Kot. Meistens war es blutiger Schleim. Des Kindes Kr�fte nahmen zusehends ab.</style></p><p><style name="font3">Gegen Morgen befahl Michel, gut kohlendes Holz zu verbrennen, aber nicht bis es Asche, sondern nur bis es verkohlt war. Dann schabte er von dem verkohlten Klotz die Kohle herunter, die in ein sauberes Gef�� fiel und wie schwarzes Pulver aussah.</style></p><p><style name="font3">Im Laufe des folgenden Tages wich er nicht vom Lager des Kindes. Alle paar Stunden mu�te der Junge einen L�ffel Kohlenstaub schlucken. Tats�chlich besserte sich der Zustand mit Einbruch der zweiten Nacht. An sich h�tte man Opium gebraucht, um den Magen und die Schmerzen zu beruhigen. Aber es war keines da.</style></p><p><style name="font3">Jedenfalls verlangsamte sich der Stuhlgang noch w�hrend der n�chsten Stunden. Gegen Mittag schlief der kleine Hamid ein. Seine ruhigen Atemz�ge verrieten, da� die Krisis �berstanden war. Michel verlie� das Zimmer.</style></p><p><style name="font3">Im Selamlik<a l:href="#n_8" type="note">[8]</a> sa� der Vater und stierte angstvoll vor sich auf den Boden. Jetzt mu�te Michel auch einmal wieder an sich und seine Freunde denken.</style></p><p><style name="font3">�Was gibst du mir, Abd el Hamid, wenn dein Sohn binnen weniger Tage wieder gesund ist?� Die Augen des Kaufmanns strahlten pl�tzlich.</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, wirst du es schaffen? Bist du sicher, da� Hamid nicht sterben mu�?�</style></p><p><style name="font3">�Ich wei�, da� nun alles in Ordnung ist. Aber willst du mir nicht sagen, welchen Lohn ich </style><style name="font3">bekommen werde?�</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid, der jetzt fest glaubte, da� die unmittelbare Gefahr vor�ber war, meinte listig: �Dar�ber sprechen wir, wenn Ibn Hamid ganz gesund ist. Wir wollen uns jetzt deswegen nicht</style></p><p><style name="font3">�Sei ruhig�, unterbrach ihn Michel, �hast du eben das Ger�usch geh�rt? Was kann das sein?� Sie lauschten beide.</style></p><p><style name="font3">Ein erschrockener Aufschrei erklang. Eine helle Kinderstimme hatte ihn ausgesto�en.</style></p><p><style name="font3">Die beiden M�nner sprangen auf und eilten in Hamids Krankenraum.</style></p><p><style name="font3">Sie gewahrten nichts Auff�lliges. Vom Bett des Jungen her erklang jedoch ein Wimmern.</style></p><p><style name="font3">�Hast du Schmerzen, Hamid?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Nein, Onkel, aber eben war ein b�ser Mann hier. Ich habe Angst.�</style></p><p><style name="font3">�B�ser Mann? Hast du vielleicht schlecht getr�umt, Hamid?�</style></p><p><style name="font3">Michel entz�ndete einen Kienspan und betrachtete das Gesicht des Jungen. Es sah nicht krank aus, und das Fieber war ziemlich gefallen.</style></p><p><style name="font3">�Nein, Onkel, ich habe nicht getr�umt. Es war bestimmt ein b�ser Mann hier, als ich aufwachte. Er hat solchen L�rm gemacht, da� ich davon wach wurde.�</style></p><p><style name="font3">Michel beleuchtete jede Stelle im Zimmer. Da sah er an der T�r eine nasse Fu�spur. Vor wenigen Minuten hatte es wieder angefangen zu regnen.</style></p><p><style name="font3">�Nun, mein Junge, es wird nicht so schlimm sein. Komm, wir nehmen noch sch�n einen L�ffel von dem schwarzen Pulver, und dann schl�fst du weiter.� �Ja, Onkel�, sagte der Kleine voller Vertrauen.</style></p><p><style name="font3">�Halte mir doch den Kienspan, Abd el Hamid�, wandte sich Michel an den Vater, �damit ich etwas sehe, wenn ich das Pulver auf den L�ffel sch�tte.� Abd el Hamid tat wie ihm gehei�en.</style></p><p><style name="font3">Michel r�ttelte den kleinen Krug und sch�ttete das Pulver aus. Pl�tzlich hielt er inne, ri� dem Kaufmann das Licht aus der Hand und beugte seine Augen ganz dicht �ber das Gef��. In der Kohle ersp�hte er eine ganze Anzahl wei�er K�rnchen, die vorher nicht darin gewesen waren. Er richtete sich auf und sah starr vor sich hin. �Was hast du?� fragte Abd el Hamid.</style></p><p><style name="font3">�Komm heraus�, meinte Michel mit einem Seitenblick auf den Knaben. Und zu diesem gewandt:</style></p><p><style name="font3">�Du brauchst heute das Pulver nicht mehr zu nehmen, Hamid. Ich mache dir morgen neues.�</style></p><p><style name="font3">Ein Seufzer der Erleichterung entrang sich der Brust des Kranken. Die Medizin schmeckte nicht </style><style name="font3">gut auf einer Kinderzunge.</style></p><p><style name="font3">Drau�en fragte Abd el Hamid aufgeregt:</style></p><p><style name="font3">�Was hast du?�</style></p><p><style name="font3">�Hier�, sagte Michel und reichte ihm das Gef�� mit dem Kohlenstaub hin, �hier hinein hat jemand Gift gesch�ttet. Der Junge hat nicht getr�umt. Es war wirklich ein Fremder in seinem Zimmer.�</style></p><p><style name="font3">Der Kaufmann wurde leichenbla�.</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah! Wer kann so gemein sein und ein Kind ermorden!�</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� es nicht. Aber ich bin davon �berzeugt, da� ich es morgen erfahren werde.� �Hast du schon eine Vermutung?� Michel nickte grimmig.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">24</style></p></title><p><style name="font3">Am n�chsten Morgen in aller Fr�he stellte Michel Halef an. Er mu�te neues Holz verbrennen. Als Michel damit besch�ftigt war, Pulver aus der Kohle zu machen, kam der Hekim wieder, um sich nach dem Befinden des Knaben zu erkundigen.</style></p><p><style name="font3">�Oh, Allah sei Dank, Ibn Hamid ist gerettet�, jubelte der Vater, ohne im geringsten b�se zu sein auf den Kurpfuscher, der ihn so sch�ndlich betrogen hatte.</style></p><p><style name="font3">�Habt Ihr heute morgen schon nach ihm gesehen?� fragte der Hekim wi�begierig. �Manchmal treten Dinge ein, an die man vorher nicht gedacht hat.� Seine Stimme war lauernd. Michel sah auf, ganz pl�tzlich, mit gro�en Augen.</style></p><p><style name="font3">�Du�, sagte er, �Komplikationen gibt es in meiner Praxis nur, wenn mir jemand ins Handwerk </style><style name="font3">pfuscht, hast du verstanden?�</style></p><p><style name="font3">Der Hekim machte ein unschuldiges Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Pfuscht dir jemand ins Handwerk? Nun, das geschieht dir recht. Du hast es ja bei mir nicht anders gemacht.�</style></p><p><style name="font3">Schneller, als man schauen konnte, war Michel aufgesprungen und hielt diesen sonderbaren </style><style name="font3">Hekim an seinem schmutzigen Burnus gepackt.</style></p><p><style name="font3">�Wo warst du heute nacht?� stie� er zornbebend hervor.</style></p><p><style name="font3">�Ich � ich � wo � soll ich gewesen sein?� stotterte der Hekim erschrocken.</style></p><p><style name="font3">�Ich will es dir sagen, bei Gott, ich will es jedem in Oran erz�hlen, du Lump, du Verbrecher, du </style><style name="font3">M�rder! Du warst heute nacht in des kleinen Hamid Zimmer und </style><style name="font3">hast Gift in die Kohle getan, du verdammter Giftmischer!�</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid starrte den rasenden Michel sprachlos an.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb wollte er denn meinen Sohn t�ten?� fragte er, wobei allerdings ein verhaltener Grimm in seiner Stimme zitterte. Man sah ihm an, da� er sich im n�chsten Moment auf den Hekim st�rzen w�rde.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb?� schrie Michel. �Das fragst du noch? Der Kerl wollte beweisen, da� auch ich nicht imstande bin, einen Menschen zu heilen. Er hatte Angst um seinen Ruf als Hekim. Deshalb wollte er deinen Sohn zu Allah schicken. Ein Gl�ck, da� ich rechtzeitig auf das wei�e Pulver in der Kohle aufmerksam geworden bin.�</style></p><p><style name="font3">Der Hekim war bleich geworden. Mit stammelnden Worten versuchte er, seine Unschuld zu beteuern. Man konnte ihm nichts nachweisen.</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamids Augen aber funkelten gef�hrlich, als er sich dem Hekim n�herte, der noch immer in Michels F�usten hing.</style></p><p><style name="font3">�Du�, zischte er, �du � wolltest � meinen � Sohn ermorden, nur, um deinen betr�gerischen Beruf weiter aus�ben zu k�nnen! Hei, du sollst in den n�chsten zehn Wochen keine Gelegenheit mehr haben, auch nur einen Schritt zu gehen! Halef!� schrie er zornrot.</style></p><p><style name="font3">�Halef, schnalle den Halunken auf den Bock und gib ihm hundert Schl�ge �ber die Fu�sohlen!� �Gnade! � Gnade!� wimmerte der Arzt jetzt. �Herr, gib mir nur f�nfzig, hundert �berlebe ich nicht! Oh Allah, ich werde verkr�ppelte F��e behalten, wenn du mich so marterst! Gnade! � Gnade!�</style></p><p><style name="font3">Michel zog die Stirn in Falten. Er hielt die Bastonnade f�r eine gr��liche, ja, unmenschliche Strafe. Dennochsagte er kein Wort, um dem Verbrecher beizustehen. Wer um eines eigenen Vorteils willen ein Kind ermorden wollte, der hatte noch mehr verdient als nur verkr�ppelte F��e. -</style></p><p><style name="font3">Nach vier Tagen verlie� der kleine Hamid zum erstenmal das Bett. Er war noch ein bi�chen schwach, erholte sich aber sehr schnell.</style></p><p><style name="font3">�Hallo, Mr. Baum�, sagten die beiden Hawburys, die im Stall auf sauberem Stroh lagen, �habt Ihr nun auch einmal wieder ein wenig Zeit f�r uns?� Ojo meinte:</style></p><p><style name="font3">�Senor Doktor, wie ist das, bekommen wir wenigstens neue Kleider von dem geizigen Kerl?� �Ich denke schon�, lachte Michel, �macht Euch so langsam fertig. Morgen, hoffe ich, k�nnen wir dieses schmutzige Nest verlassen. Dann werden wir auch wieder ein wenig Geld in der Tasche haben.�</style></p><p><style name="font3">�Habt Ihr schon mit Abd el Hamid verhandelt, wie er uns am besten behilflich sein kann, die Reise fortzusetzen?�</style></p><p><style name="font3">�Noch nicht. Aber ich werde es jetzt tun.�</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid kam in strahlender Laune �ber den Hof auf den Stall zu. Als er Michels ansichtig wurde, blieb er stehen und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� zwar nicht, wer du bist. Aber mein Dank und Allahs Segen werden dich begleiten.</style></p><p><style name="font3">Hier nimm. Das soll dein Lohn sein, daf�r, da� du meinen Sohn gerettet hast.�</style></p><p><style name="font3">Er warf Michel einen klingenden Beutel hin, und dieser fing ihn geschickt auf.</style></p><p><style name="font3">Michel wu�te, da� er sich nichts vergab, wenn er fragte, wieviel der Beutel enthielt.</style></p><p><style name="font3">�Fast zweihundert Piaster�, sagte Abd el Hamid in einem Ton, als ob er ihm die ganze Welt zu </style><style name="font3">F��en legte.</style></p><p><style name="font3">Michel krauste die Stirn.</style></p><p><style name="font3">�Zweihundert? Mann, du gabst diesem verr�terischen Hekim vierhundert daf�r, da� er deinen Sohn seelenruhig sterben lassen wollte. Und mir wagst du zweihundert anzubieten?� �Beim Bart des Propheten�, fiel Abd el Hamid in einen klagenden Ton, �ich bin ein armer Mann. Ich kann nicht mehr geben, als ich habe.�</style></p><p><style name="font3">�Ich wu�te nicht, da� in deiner Seele der Geiz wohnt�, antwortete Michel unger�hrt. �Ich werde �berall erz�hlen, wo ich hinkomme, da� Abd el Hamid f�r das Leben seines Sohnes nicht mehr als zweihundert Piaster bezahlt hat. Nun gut, ich will nicht mehr erbitten. Aber du mu�t uns noch mit Kleidern versorgen. Wie du siehst, sind meine Freunde und ich abgerissen wie Landstreicher. K�nnen wir neue Burnusse haben?� Abd el Hamid machte eine abwehrende Geste.</style></p><p><style name="font3">�Allah, bist du ein Arzt oder ein Geldschneider? Willst du mich um meine letzte Habe bringen? Ich bin doch kein Jude, da� ich mit mir handeln lasse.�</style></p><p><style name="font3">�Nein, f�rwahr�, meinte Michel, �ein Jude bist du nicht. Es war vor kurzer Zeit, da hat mir ein Jude das Leben gerettet, ohne nach Bezahlung zu fragen, um Gottes Lohn. Ich konnte ihm nur wenig geben; denn ich hatte nur einige Brillanten.�</style></p><p><style name="font3">�Oho, willst du mich beleidigen? Die Juden sind schlimmer als die Christen, die Allah verfluchen m�ge! Wie kannst du einem Juden Brillanten geben und nun von mir Bezahlung fordern f�r eine Sache, die du getan hast, weil es deine Pflicht war?�</style></p><p><style name="font3">Michel streckte die Waffen vor dieser Logik. Er sah, da� es hier kaum noch etwas zu holen gab.</style></p><p><style name="font3">Diese Araberwaren mehr als hartn�ckig, wenn es darum ging, eine Schuld zu begleichen, die </style><style name="font3">man nicht durch Wechsel oder sonstige Schuldverschreibungen belegen konnte.</style></p><p><style name="font3">�Aber wir brauchen mehr Geld�, versuchte es Michel noch einmal. �Kennst du jemanden, der </style><style name="font3">mir hier in der Stadt einige Brillanten abkaufen w�rde?�</style></p><p><style name="font3">Die Miene Abd el Hamids kl�rte sich auf.</style></p><p><style name="font3">�Ja, ich kenne einen. Ich bin selbst der Mann. Und ich zahle die besten Preise in der ganzen Gegend.�</style></p><p><style name="font3">�Bezahlst du gleich und bar?� �Ja, ja. Zeige mir die Steine.�</style></p><p><style name="font3">Michel lie� sich den S�bel geben, den sie beim Daj von Algier erbeutet hatten, und hielt ihn dem H�ndler vor die Nase. Der Kerl brach in Rufe des Entz�ckens aus.</style></p><p><style name="font3">�O Allah, ich gebe dir zehn Piaster f�r jeden Stein. F�nfhundert, wenn du mir den ganzen S�bel verkaufst.�</style></p><p><style name="font3">Jetzt lachte Michel auf.</style></p><p><style name="font3">�Du Gauner, der S�bel ist wenigstens f�nftausend wert! Aber gib dir keine M�he. Du bekommst nicht einen einzigen Brillanten. Bete zu Allah und seinem Propheten, da� er dich nicht auch einmal krank werden l��t. Dir w�rde ich nicht helfen, um nichts in der Welt, verstanden? Du bist ein Geizhals, wie ich bisher noch keinen gesehen habe.� �So willst du mir tats�chlich keine Steine verkaufen?�</style></p><p><style name="font3">�Nein und nochmals nein! Vielleicht finde ich noch einen armen, aber anst�ndigen Juden. Dem werde ich sie schenken. So, und nun la� uns in Ruhe. Ich habe deinen Jungen gesund gepflegt und werde mit meinen Freunden diese Nacht noch in deinem schmutzigen Stall bleiben. Morgen fr�h reiten wir weiter.�</style></p><p><style name="font3">Isolde hatte ihrem Bruder einerseits und Ojo andererseits das Gespr�ch verdolmetscht. �Recht so�, meinte Ojo, �oft will mir scheinen, als stecke der ganze Orient voller Gauner. Warum wollen wir erst morgen fr�h reiten?�</style></p><p><style name="font3">�Weil ich heute nachmittag noch ein paar Steine in der Stadt verkaufen mu�. Au�erdem bricht ein Araber nie vor dem Morgengebet auf. Du und ich, Diaz, gelten aber hier noch als solche. Richte dich danach. Man soll nie die Sitten eines Landes verletzen, in dem man sich gerade befindet.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">25</style></p></title><p><style name="font3">Das Morgengebet war vor�ber, als Michel seine Gef�hrten weckte.</style></p><p><style name="font3">�Auf, Freunde, la�t uns keine Zeit verlieren. Jetzt k�nnen wir reiten.�</style></p><p><style name="font3">Die Sonne war inzwischen schon ein betr�chtliches St�ck �ber den Rand des Horizonts </style><style name="font3">gestiegen.</style></p><p><style name="font3">Die vier waren bereit. Gerade, als sie aus dem Hof reiten wollten, vernahmen sie vom Hintereingang des Hauses her die Stimme des Dieners Halef.</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah�, rief er, �sie reiten einfach fort, ohne sich von ihren Gastgebern zu verabschieden! Hallo, ihr Satanss�hne, wollt ihr nicht warten, bis Euch mein Herr entl��t?� Der Pfeifer drehte sich um und stie� ein paar f�rchterliche Pfiffe aus. Sie waren so laut, da� sie bis in das Innere des Hauses drangen.</style></p><p><style name="font3">�Sage deinem Herrn, da� wir auf seine Abschiedstr�nen keinen Wert legen�, rief er dann. �Wenn er es mit der Gastfreundschaft ernster gemeint h�tte, so w�reer l�ngst wach, um uns das Geleit zu geben. Da er aber sicherlich noch immer den Schlaf aller ungerechten Fettw�nste schl�ft, so kann er nicht erwarten, da� wir hierbleiben, bis es ihm beliebt, herauszukommen.� �Meine Freunde!� erscholl da die laute Stimme Abd el Hamids, �welche Trauer durchzieht mein Herz, da� ich euch so scheiden sehe ohne einen Gru� und ohne meine Segensw�nsche. Wartet! Ihr sollt nicht ohne gef�llte M�gen auf die Reise gehen. Ich lasse euch Cous-Cous machen. Tretet in mein Haus! Abd el Hamid ist ein dankbarer Mensch.� Michel z�gerte.</style></p><p><style name="font3">�Was will er?� fragten Ojo und Steve.</style></p><p><style name="font3">Michel �bersetzte das Gesagte ins Spanische. Isolde verst�ndigte ihren Bruder in ihrer Muttersprache.</style></p><p><style name="font3">Die vier Pferde standen unbeweglich im Hoftor, die drei M�nner und das M�dchen sahen sich erstaunt an. Niemand wu�te, was er von dem pl�tzlichen Gesinnungswechsel Abd el Hamids halten sollte.</style></p><p><style name="font3">�Das verstehe ein anderer�, brummte Ojo. �Gestern war er froh, uns loszuwerden, und heute stellt er sich so an, als w�rden seine besten Freunde f�r alle Zeiten von ihm scheiden. Trau einer diesen Gaunern.�</style></p><p><style name="font3">�Wir sollten uns nicht um seine Einladung k�mmern�, sagte Steve ungeduldig. �Ich traue dem Frieden nicht. Ich habe das Gef�hl, als sei eine Teufelei im Gange.� �Eine Teufelei nicht gerade�, meinte Michel, �ich vermute eher ein Gesch�ft, das er uns anbieten will.�</style></p><p><style name="font3">�Wir w�rden ihn t�dlich beleidigen, wenn wir seine Einladung zum Fr�hst�ck ablehnten�, sagte Isolde, die mit den arabischen Sitten am besten vertraut war.</style></p><p><style name="font3">�Das w�re mir in diesem Fall gleichg�ltig�, erwiderte Michel. �Er hat sich so benommen, da� wir ihm keine H�flichkeit schuldig sind. Dennoch reizt es mich zu wissen, was er eigentlich damit bezweckt. Au�erdem k�nnte uns ein gutes Fr�hst�ck nicht schaden. Steigt ab. Wir gehen fr�hst�cken.�</style></p><p><style name="font3">Hamid stand noch immer in der Eingangst�r. Als er sah, da� seine Bitte erfolgreich war, strahlte er �bers ganze Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Kommt, kommt, meine Freunde, das Hammelfleisch ist gar. Ihr sollt einen Schmaus haben, an dessen Reichhaltigkeit Ihr noch lange denken werdet. Allah segne Euch.�</style></p><p><style name="font3">Mit Verwunderung stellten die vier fest, da� zu so fr�her Stunde im Selamlik ein k�stliches </style><style name="font3">Mahl aufgetragen war. Es gab nicht nur Hammelfleisch mit Reis, sondern auch mehrere Schalen </style><style name="font3">mit wunderbaren S��speisen, die als Abschlu� vorz�glich mundeten. Im Anschlu� daran reichte </style><style name="font3">Abd el Hamid jedem eine Wasserpfeife und servierte selbst den Mokka.</style></p><p><style name="font3">Der Diener war weit und breit nicht zu sehen.</style></p><p><style name="font3">Als der Rauch zur Decke kr�uselte, fragte der Araber:</style></p><p><style name="font3">�Wohin werdet Ihr nun reiten?�</style></p><p><style name="font3">�Ins Maghreb al-aksa<a l:href="#n_9" type="note">[9]</a>�, antwortete Michel, �wir wollen nach Fes zum Sultan.�</style></p><p><style name="font3">�Ah! Das ist eine lange Reise. Ihr werdet einen halben Monat unterwegs sein.�</style></p><p><style name="font3">�Damit rechnen wir. Wir haben schon Schlimmeres hinter uns gebracht.�</style></p><p><style name="font3">�Nun, da hat Allah seine Hand �ber Euch gehalten. Ich bete, da� er es auch weiterhin tut. Aber </style><style name="font3">wenn Ihr eine so lange Reise vor Euch habt, so braucht Ihr Geld. Habt Ihr genug?�</style></p><p><style name="font3">Michel warf seinen Freunden einen Blick zu.</style></p><p><style name="font3">�Die zweihundert Piaster, die du mir f�r die Heilung deines Sohnes bezahlt hast.� �Das ist nicht viel, wahrlich, das ist viel zu wenig f�r eine so lange Reise�, sagte Hamid. �Es ist deine Schuld, wenn wir verhungern. Warum hast du den Arzt deines Sohnes so schlecht bezahlt?�</style></p><p><style name="font3">�Du k�nntest viel mehr Geld haben�, erwiderte Hamid, ohne auf Michels Vorwurf einzvigehen. �Weshalb verkaufst du mir nicht den S�bel dort an deinem G�rtel? Ich habe dir bereits gestern f�nfhundert Piaster geboten. Ich erh�he mein Angebot auf sechshundert.� Michel lachte. Das war es also, worauf der gerissene Gauner hinauswollte. �F�nftausend�, antwortete Michel gleichm�tig. �Ich bin nicht so reich, da� ich einen solchen S�bel verschenken k�nnte.�</style></p><p><style name="font3">Hamid streckte beide H�nde aus und rief mit komischem Entsetzen: �Allah mu� deinen Verstand verwirrt haben, wenn er es zul��t, da� du einen solchen Preis forderst! Ich sage dir, die Steine sind schlecht, sie sind nicht einmal f�nfhundert wert. Ich gebe dir aber sechshundert daf�r, weil ich dir Gutes tun will.�</style></p><p><style name="font3">Michel erhob sich, schnallte den G�rtel fester und schlug mit der Linken auf den S�belknauf. �Hamid, der S�bel bleibt an meiner Seite, bis einer kommt, der mir f�nftausend Piaster daf�r bezahlt. Wir danken dir f�r deine Bewirtung und bitten dich, uns nun zu entlassen; denn die Sonne steigt immer h�her.� Der Araber sprang erschrocken auf.</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, Ihr werdet doch nicht so einfach davon-reiten! Ich gebe dir tausend f�r den S�bel, auch wenn ich dadurch ein ruinierter Mann bin.�</style></p><p><style name="font3">�Ich will nicht, da� du dich ruinierst. Behalte also deine tausend, und ich behalte den S�bel.� Ojo, Steve und Isolde hatten sich ebenfalls erhoben. Michel machte Anstalten zu gehen. Hamid vertrat ihm den Weg. �Zweitausend�, seufzte er.</style></p><p><style name="font3">�Wenn du bei tausend schon ruiniert bist, wie kannst du mir dann zweitausend bieten? Dein soeben genesener Sohn m��te ja Hungers sterben, wenn du dein ganzes Geld weggibst.� �Du willst ihn mir auch nicht f�r zweitausend geben?� �Nein. F�nftausend und keinen Piaster weniger.� �Warte. Ich bin gleich zur�ck. Versprich mir beim Bart des Propheten, da� du mit deinen Gef�hrten nicht enteilst.� �Ich verspreche es.�</style></p><p><style name="font3">Hamid kam nach drei Minuten mit einem schweren S�ckchen wieder und warf es auf den Tisch.</style></p><p><style name="font3">�F�nftausend�, rief er halb weinend. �Es ist mein ganzes Verm�gen. Meine Familie wird </style><style name="font3">darben, meine Enkel werden mich daf�r noch verfluchen, und meine Seele wird selbst im Grabe </style><style name="font3">keine Ruhe finden. Aber Allah will, da� ich meinen Freunden helfe.�</style></p><p><style name="font3">Michel nahm den Beutel auf und wog ihn in der Hand. Dann st�lpte er ihn pl�tzlich um und </style><style name="font3">sch�ttete den Inhalt auf den Boden.</style></p><p><style name="font3">Es waren lauter runde Goldst�cke zu je zwanzig Piaster.</style></p><p><style name="font3">�Z�hlt sie�, sagte Michel zu Steve und Ojo. �Ich m�chte sehen, ob uns der Kerl nicht betrogen hat.�</style></p><p><style name="font3">�Glaubst du nicht, da� ich ehrlich gegen dich bin?� fragte Hamid emp�rt.</style></p><p><style name="font3">�Das werden wir in ein paar Minuten festgestellt haben. Ich m�chte nicht, da� vielleicht durch </style><style name="font3">ein Versehen von dir sp�terhin ein Schatten auf die Erinnerung an dich f�llt.�</style></p><p><style name="font3">�Du bist schlimmer als ein Armenier.�</style></p><p><style name="font3">�Es fehlen zwanzig Goldst�cke�, sagte Steve auf englisch.</style></p><p><style name="font3">�Kommt�, wandte sich Michel an seine Gef�hrten, �wir tun so, als wollten wir gehen. Ich bin doch gespannt, wie der Kerl reagiert.�</style></p><p><style name="font3">Sie wandten sich wortlos dem Eingang zu und lie�en die am Boden liegenden M�nzen unbeachtet.</style></p><p><style name="font3">Hamid hing auf einmal am Burnus des Pfeifers.</style></p><p><style name="font3">�Maschallah, weshalb gibst du mir nicht den S�bel und nimmst dir die Goldst�cke?� �Es fehlen zwanzig�, sagte Michel trocken. �Haben sich deine Leute auch nicht verz�hlt?� �Nein, bestimmt nicht.�</style></p><p><style name="font3">�Entschuldige, dann mu� ich mich geirrt haben. Warte nochmals einen Augenblick. Ich hole die zwanzig.�</style></p><p><style name="font3">�Ich denke, in diesem Sack war dein ganzes Verm�gen?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, schon, aber ich habe noch Geld von einem Freund in Verwahrung. Er wird mich verfluchen, er wird mich verw�nschen, er wird mich vielleicht gar erschlagen. Aber das ist Allahs Wille. Warte, ich hole den Rest.�</style></p><p><style name="font3">Er sammelte hastig die Geldst�cke vom Boden, steckte sie in den Sack und rannte dann hinaus. �Man mu� bei diesen Burschen hartn�ckig sein�, sagte Michel, �sonst kann man keine ehrlichen Gesch�fte mit ihnen machen. Ich bin �berzeugt davon, da� der S�bel in Wirklichkeit viel mehr wert ist. Aber wir brauchen Geld und haben vielleicht nicht immer Zeit, uns mit dem Umtausch von einzelnen Edelsteinen zu befassen.�</style></p><p><style name="font3">Hamid kam wieder. Michel warf ihm einen pr�fenden Blick zu. Er �berlegte. Sollte er den Inhalt nochmals z�hlen oder sollte er glauben, da� die Summe jetzt stimmte? Er entschlo� sich f�r das erstere. Wieder klimperten die M�nzen auf den Boden. Und wieder fehlten ein paar. Hamid sammelte abermals alles ein, rannte fort und kam gleich darauf zur�ck. Diesmal war alles in Ordnung.</style></p><p><style name="font3">Michel �bergab ihm den S�bel. Hamid hielt ihn fest in der Hand, als f�rchte er, da� er ihm zu guter Letzt doch noch abgenommen werden k�nnte. Mit gierigen Blicken betrachtete er die Edelsteine.</style></p><p><style name="font3">Michel befestigte den Beutel am G�rtel. Hamids funkelnde Augen verfolgten jede seiner Bewegungen, als wollte er sich genau merken, an welcher Stelle der Beutel hing. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, wandte er sich dann ins Haus.</style></p><p><style name="font3">�So ein Bursche�, meinte Ojo kopfsch�ttelnd, �jetzt verabschiedet er sich nicht einmal! Ein Benehmen haben diese Araber!�</style></p><p><style name="font3">�Mach dir nichts daraus�, antwortete Michel, �uns kann es gleichg�ltig sein, ob er sich verabschiedet oder nicht. Wahrscheinlich haben ihm die Steine f�r einen Moment den Geist verwirrt. Und die Hoffnung auf den Riesengewinn, den er daraus zu erzielen hofft, wird ein �briges getan haben.�</style></p><p><style name="font3">Endlich stiegen sie auf ihre Pferde und ritten aus dem Hoftor.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">26</style></p></title><p><style name="font3">Abd el Hamid rannte wie von einer Tarantel gestochen durch die G�nge seines vornehmen Hauses. Den S�bel hielt er mit beiden H�nden vor der Brust umklammert. An einem vergitterten Fenster des oberen Stockwerkes machte er halt und blickte auf den Hof hinunter. Er kam gerade noch recht, um zu sehen, wie die vier auf die Gasse hinausritten und sich dann nach Westen wandten.</style></p><p><style name="font3">Jetzt lief Hamid zu einer Truhe, zog einen schweren silbernen Schl�ssel aus irgendeiner Falte seines Burnus und �ffnete sie. Sorgf�ltig verpackte er den S�bel in ein Samttuch und versenkte das P�ckchen mit einer fast liebevollen Andacht in die Tiefe des gro�en Holzkastens. Dann klappte er den Deckel zu und ging aus dem Zimmer.</style></p><p><style name="font3">�Halef!� br�llte er drau�en mit dem Aufwand seiner ganzen Stimmkraft, �Halef! Da� dich Allah</style></p><p><style name="font3">verderben m�ge, du Hundesohn, du Herumtreiber, wo steckst du denn, Halef!�</style></p><p><style name="font3">Nach wenigen Sekunden stand der Diener schwei�triefend vor ihm.</style></p><p><style name="font3">�Hier bin ich, Herr. Ich kann nicht an zwei Stellen zugleich sein!�</style></p><p><style name="font3">�Still! Du hast mir nicht zu widersprechen. Erz�hle mir jetzt, was du erreicht hast!�</style></p><p><style name="font3">Halef fuhr sich mit einem Zipfel seines schmutzigen Burnus �ber das Gesicht, um die </style><style name="font3">Schwei�perlen abzuwischen.</style></p><p><style name="font3">�Wie kann ich dir berichten, wenn du mir doch soeben noch befohlen hast, still zu sein?� �Esel, treibe mich nicht zur Verzweiflung! Hast du eine Bande zusammen?� �Ja, Sayd.�</style></p><p><style name="font3">�Oh, da� Allah diese Halsabschneider verderben m�ge! F�nftausend Piaster haben sie mir abgegaunert, die Halunken.�</style></p><p><style name="font3">�Du h�ttest ja den S�bel nicht zu kaufen brauchen�, erwiderte Halef wenig respektvoll. �Oh, du Kamel, Allah hat dir den Verstand verwirrt! Es war das beste Gesch�ft meines Lebens. Ich werde ihn f�r zw�lftausend Piaster wieder verkaufen.� �Dann ist doch alles gut.�</style></p><p><style name="font3">�Gut? Nichts ist gut. Konnte mir der Prophet nicht helfen, den S�bel in die Hand zu bekommen, ohne da� ich etwas daf�r h�tte bezahlen m�ssen? Wozu ist man ein guter Mohammedaner, wozu enth�lt man sich des edlen Wassers, das die verdammten Ungl�ubigen in ihrer gro�en Dummheit Wein nennen, weswegen wir es nicht trinken d�rfen? Wozu betet man jeden Morgen zu so fr�her Stunde, wenn man zu guter Letzt doch noch sein sch�nes Geld f�r ein paar Diamanten hergeben mu�? Die Welt ist voller Ungerechtigkeit. Du wirst einsehen, Halef, der du zugleich mein Diener und mein bester Freund bist, da� ich mein Geld unbedingt wiederhaben mu�. Ist alles bereit?� �Ja, Sayd. Nun sage mir nur noch, wohin sie geritten sind!� �Nach Westen, ins Maghreb al-aksa.� Halef nickte und ging.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">27</style></p></title><p><style name="font3">Der Pfeifer, die beiden Hawburys und Ojo ritten in scharfem Trab. Sie wollten die Strecke nach Fes so bald wie m�glich hinter sich haben; denn sie mu�ten st�ndlich mit dem Einsetzen des gro�en Regens rechnen. Zur Zeit klarte der Himmel zwischen vor�berziehenden Wolkenb�nken immer wieder auf, und die Sonne schien auf die feuchte Erde und durchw�rmte Pferde und Reiter. Wenn aber der Regen erst in dichten Schauern zu fallen begann, war es mit dem zeitweisen Durchw�rmen endg�ltig vorbei.</style></p><p><style name="font3">Gegen Mittag erreichten sie das Ufer des Schott es Sebaha, dessen spr�de Salzkruste sich unter den ersten Regenf�llen bereits langsam zu l�sen begann. Die durch die Trockenheit entstandenen Risse verschwanden, und die etwa zwanzig Zentimeter dicke Sommerkruste w�rde sich nun langsam in eine z�he, schleimige Masse verwandeln.</style></p><p><style name="font3">�Kann man �ber einen solchen Salzsee im Sommer reiten, Senor Doktor?� fragte Ojo den Pfeifer.</style></p><p><style name="font3">Isolde Hawbury antwortete an Michels Statt:</style></p><p><style name="font3">�Ich habe schon k�hne Reiter gesehen, die es aus sportlichen Gr�nden wagten. Wenn man ein leicht tretendes Pferd besitzt, dessen Hufe unbeschlagen sind, wenn man dazu ein sehr guter, ruhiger und vor allem schneller Reiter ist, darf man so etwas schon wagen. Es kann allerdings auch passieren, da� Ro� und Reiter versinken. Wen die z�he Masse einmal gepackt hat, den l��t sie nicht mehr los.� �Na, dann lieber nicht�, grinste Ojo.</style></p><p><style name="font3">Ein starker Wind kam auf und ri� den Reitern die Worte in Fetzen vom Munde, so da� die Unterhaltung bald einschlief.</style></p><p><style name="font3">Das Schott hatte eine L�nge von etwa zehn Kilometern. Von Zeit zu Zeit verengte sich das Ufer durch von Norden nach S�den f�hrende Bergvorspr�nge. Je weiter sie sich der Mitte n�herten, desto un�bersichtlicher wurde die Gegend.</style></p><p><style name="font3">Der Wind trug Wolken vom Meer her �ber das Gebirge. Ojos Seemannsnase witterte bereits den Regen.</style></p><p><style name="font3">�Es dauert nicht mehr lange mit dem Sonnenschein�, brummte er unwillig. �Wir werden in ein paar Minuten na� bis auf die Haut sein.�</style></p><p><style name="font3">�Das ist nicht zu �ndern�, l�chelte Michel. �Und es ist auch nicht das erstemal, da� wir durchregnen. Ich glaube, wir werden uns daran gew�hnen m�ssen. Solange sich die Sonne �berhaupt noch blicken l��t, haben wir wenigstens Hoffnung, da� wir auch wieder trocken werden.�</style></p><p><style name="font3">Der Wind wurde noch st�rker.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich verhielt der Pfeifer sein Pferd.</style></p><p><style name="font3">�Was ist los?� erkundigte sich ungeduldig Steve.</style></p><p><style name="font3">�Hast du das Gebirge im Auge behalten, Diaz?� wandte sich Michel an den spanischen Gef�hrten.</style></p><p><style name="font3">�No, Senor Doktor, habe in den Himmel geschaut. Werde wohl nie eine richtige Landratte werden.�</style></p><p><style name="font3">�Da�, rief Michel, �betrachte dir das vorspringende Bergmassiv vor uns genau. Wir m�ssen daran vorbei, wenn wir am Ufer des Schotts bleiben wollen.�</style></p><p><style name="font3">Ojos Augen suchten den Kamm ab, der hier nicht h�her als vielleicht f�nfzig Meter war.</style></p><p><style name="font3">�Da bewegt sich etwas�, meinte er. �Es ist eine flatternde Bewegung, als ob jemand ein Fahnentuch in den Wind hielte.��Kein Fahnentuch � aber einen Burnus�, sagte Michel. �Wir m�ssen uns vorsehen. Vielleicht sind es Feinde!� Isolde �bersetzte ihrem Bruder die spanischen Worte.</style></p><p><style name="font3">�Feinde?� fragte der lange Steve, �woher sollen hier Feinde kommen? Glaubt ihr, da� der Daj seine Leute bis hierher geschickt hat, um uns zu suchen, Mr. Baum?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, nat�rlich nicht. Wenn ich Feinde sagte, so meinte ich nicht Gegner, die auf uns lauern. Aber vielleicht sind es Berber oder Rifkabylen. Sie sollen, wie es hei�t, keinen Fremden ungeschoren des Weges ziehen lassen.�</style></p><p><style name="font3">�Aber wir m�ssen nun einmal an ihnen vorbei. Ich schlage vor, wir reiten scharfen Galopp und bilden eine auseinandergezogene Reihe.�</style></p><p><style name="font3">�Unsinn�, meinte Michel ungehalten, �meint Ihr, sie w�rden sich scheuen, uns zu verfolgen? Sie werden ausgeruhte Pferde haben. Und wenn wir uns nicht auf irgendeine Weise mit ihnen einigen, so werden sie uns zu ihrem Dorf schleppen. Nehmt die Gewehre in Anschlag, macht euch schu�bereit und seid aufmerksam. Wir werden zuerst feststellen, wieviele wir unter Umst�nden gegen uns haben.�</style></p><p><style name="font3">Sie ritten im Schritt weiter. Keine f�nfhundert Meter trennten sie mehr von dem Felsvorsprung. So sehr sich Michel auch anstrengte, er konnte jetzt keine Bewegung mehr wahrnehmen. �Ihr werdet Euch get�uscht haben, Mr. Baum�, sagte Steve und legte sein Gewehr wieder quer �ber den Sattel.</style></p><p><style name="font3">Michel gab ihm keine Antwort. Insgeheim �rgerte er sich ein wenig �ber den langen Engl�nder, der, je n�her er dem Ziel seiner Reise kam, zeigen zu m�ssen glaubte, da� er sich nicht gern den Anordnungen eines anderen unterordnete.</style></p><p><style name="font3">Als sie den Felsen fast erreicht hatten, knatterte ihnen eine Salve entgegen. Dann lag schlecht gezieltes Einzelfeuer �ber ihnen.</style></p><p><style name="font3">Michel war als erster vom Pferd und zwang das Tier, sich niederzulegen. Es sollte ihm als </style><style name="font3">Deckung dienen. Die anderen folgten seinem Beispiel.</style></p><p><style name="font3">Steve Hawbury scho� bereits dorthin, wo er Pulverdampf aufsteigen sah.</style></p><p><style name="font3">�Wer hat Euch gesagt, da� Ihr schie�en sollt, Steve?�, fragte der Pfeifer unwillig. �Wir haben</style></p><p><style name="font3">nicht soviel Pulver, da� wir sorglos mit unseren Vorr�ten umgehen k�nnten.�</style></p><p><style name="font3">Steve bi� die Z�hne zusammen und stellte das Feuer ein.</style></p><p><style name="font3">Die R�uber auf dem Kamm des Felsens mochten sich wundern, weshalb ihre Sch�sse nicht mehr erwidert wurden; denn nach verh�ltnism��ig kurzer Zeit schwiegen auch ihre Flinten. �Ich bin daf�r, da� wir sie mit Schnellfeuer eindek-ken�, sagte Steve. �Ihr k�nnt doch sechsmal hintereinander schie�en, Mr. Baum. Inzwischen bleibt uns Zeit, jedesmal sorgf�ltig zu laden. Wenn wir sie niederhalten k�nnen, kann vielleicht einer nach dem anderen durchbrechen.� �Warten wir ab�, entgegnete Michel. �Wir m�ssen die besseren Nerven haben. Solange wir sie nicht aus ihrer Deckung locken k�nnen, hat das Schie�en keinen Zweck. Ich jedenfalls verschwende meine Kugeln nicht, wenn sich mir kein Ziel bietet.�</style></p><p><style name="font3">�Pah�, sagte der lange Engl�nder, �ich bin lange genug in Seiner Majest�t Armee gewesen, um zu wissen,wie man so etwas macht. Angriff ist die beste Verteidigung. Das ist eine alte Soldatenweisheit.�</style></p><p><style name="font3">Michel wandte sich hinter dem R�cken seines Pferdes langsam um, bis er Steve sehen konnte. �Ich halte nicht viel von Soldatenweisheit. Ich habe meine eigenen Erfahrungen, und die haben mich bisher noch nie im Stich gelassen. Hinzu kommt, da� wir vier Leute sind und keine Armee.</style></p><p><style name="font3">In unserem Fall ist es besser, sich auf den gesunden Menschenverstand zu verlassen als auf Seiner Majest�t Exerzierreglement.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr verspottet den englischen K�nig, Mr. Baum�, sagte Steve scharf. Michel blieb ruhig.</style></p><p><style name="font3">�Ihr wi�t selbst, da� mir nichts ferner liegt als so etwas. Ihr seid ein Hitzkopf, Steve.�</style></p><p><style name="font3">�Ich verbitte mir so etwas�, redete sich Steve in Wut. �Macht, was Ihr wollt, von mir aus k�nnt </style><style name="font3">Ihr hier unt�tig liegen bleiben. Ich wage den Durchbruch.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr tut, was ich sage.�</style></p><p><style name="font3">�Ich denke nicht daran.�</style></p><p><style name="font3">�Sei doch vern�nftig, Steve�, sagte seine Schwester. Steve sprang emp�rt aus seiner Deckung auf.</style></p><p><style name="font3">�Ich will nicht vern�nftig sein. Ich bin ein Mann und kann meine eigenen Wege gehen!� schrie er laut.</style></p><p><style name="font3">Sein Pferd sprang auf. Und ehe die anderen noch recht begriffen hatten, was geschah, ritt der </style><style name="font3">lange Engl�nder in h�llischem Tempo auf die Enge zwischen Schott und Felsen zu.</style></p><p><style name="font3">Ojo, der von der in englischer Sprache gef�hrten Auseinandersetzung nichts verstanden hatte, </style><style name="font3">wollte ebenfalls aufspringen, weil er dachte, da� man in der Aufregung .vergessen habe, ihn zu </style><style name="font3">unterrichten.</style></p><p><style name="font3">�Bleib liegen, Diaz! Er ist verr�ckt. Wir wollen sehen, ob wir ihn von hier aus decken k�nnen. Sobald sich einer der Wegelagerer �ber der Felskante blicken l��t, wird geschossen.�</style></p><p><style name="font3">Es r�hrte sich nichts. Die R�uber schienen keine Anstalten zu machen, ihre Lage zu ver�ndern. Der Wind hatte jetzt etwas nachgelassen, ein sicheres Zeichen, da� nun bald der Regen einsetzen w�rde.</style></p><p><style name="font3">Michel horchte in die Stille. Pl�tzlich h�rte er fernes Pferdegetrappel. Und dann konnten alle drei sehen, wie hinter dem Felsvorsprung drei � vier � f�nf � sechs Reiter auftauchten und sich dem wie rasend reitenden Steve entgegenwarfen. Im Nu hatten sie ihn umringt. Michel und Ojo wagten nicht zu schie�en, da sie bei der Entfernung nicht sicher sein konnten, da� ihre Kugel nicht zuf�llig Steve traf.</style></p><p><style name="font3">�Los!� sagte Michel jetzt, �attackieren wir sie zu Pferde. Vielleicht k�nnen wir sie verbl�ffen.</style></p><p><style name="font3">Wollen sehen, ob wir nicht mit ihnen fertigwerden.�</style></p><p><style name="font3">�Weshalb habt Ihr den Engl�nder vorgeschickt, Senor Doktor?� fragte Ojo.</style></p><p><style name="font3">�Ich hab ihn nicht vorgeschickt. Er hat nicht auf mich h�ren wollen und ist auf eigene Faust </style><style name="font3">losgeritten. Jetzt k�nnen wir sehen, wie wir der Lage wieder Herr werden.�</style></p><p><style name="font3">�Soll ich aufstehen?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, und Ihr auch, Mi� Hawbury. Wir k�nnen Euch nicht zur�cklassen, weil wir nicht wissen, ob wir Euch nachher noch holen k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">Isolde nickte tapfer. Angst hatte sie nicht. Und da Steve ihr Bruder war, wollte sie ihn wegen seiner Handlungsweise auch nicht verurteilen. �Los denn!� rief Michel.</style></p><p><style name="font3">Die Pferde sprangen fast zu gleicher Zeit auf. Alledrei sa�en im Bruchteil einer Sekunde oben. Dann jagten sie auf den Haufen zu.</style></p><p><style name="font3">Aber dort bot sich ihnen ein grausiges Schauspiel. Ein langer Kerl sonderte sich von den anderen ab. Er mu�te stark sein wie eine Eiche. Er hatte Steve Hawbury, der ja auch nicht gerade eine Puppe war am Kragen gepackt, hielt ihn hoch empor und z�ckte ein Messer. Isolde schrie auf. Aber der Araber hielt ihm das Messer nur auf die Brust. Ein anderer schrie: �Bei Allah, haltet an und h�rt, was ich euch zu sagen habe!�</style></p><p><style name="font3">Michel z�gelte sein Pferd. Auch Ojo und Isolde blieben vor �berraschung stehen. Die Stimme </style><style name="font3">des Rufers geh�rte keinem anderen als Halef, dem Diener Abd el Hamids.</style></p><p><style name="font3">�Gebt den Sayd frei!� rief Michel mit Donnerstimme. �Wir haben euch nichts getan. Was wollt </style><style name="font3">ihr?�</style></p><p><style name="font3">�Allah hat dir Verstand gegeben, da� du vern�nftig redest�, antwortete Halef. �Wir wollen nichts weiter als den Beutel mit den f�nftausend Piastern, die du meinem Herrn gestohlen hast.� �Du wei�t, da� ich sie nicht gestohlen habe. Warum gebrauchst du eine so dreiste L�ge?� �Allah wei�, da� ich nicht l�ge. Mein Herr hat gesagt, du habest sie gestohlen, also stimmt es. Gib sie heraus! Dann k�nnt ihr weiterreiten.�</style></p><p><style name="font3">Michel antwortete nicht. Er sah finster vor sich hin. Wie sollte er sich aus dieser mi�lichen Lage befreien, wenn es um Tod oder Leben des Gef�hrten ging?</style></p><p><style name="font3">�Zuvor mu�t du mir noch eine Frage beantworten. In wessen Auftrag handelst du?�</style></p><p><style name="font3">�Allah, ich sage nichts zweimal. Abd el Hamid, mein Herr, hat uns geschickt, damit wir ihm sein </style><style name="font3">Eigentum zur�ckbringen und eine Belohnung daf�r erhalten.�</style></p><p><style name="font3">�Schw�rst du beim Barte des Propheten, da� das hier wirklich auf Hamids Wunsch geschieht?� �Schejtan, warum soll ich nicht schw�ren, da es doch wahr ist?�</style></p><p><style name="font3">Michel kn�pfte sich den Beutel vom G�rtel und schwang ihn durch die Luft. Dann schleuderte er ihn Halef vor die F��e.</style></p><p><style name="font3">�Nun gib den Sayd frei�, verlangte er. Der lange Araber lie� Steve los und k�mmerte sich nicht mehr um ihn. Steve war noch immer bewu�tlos und sank auf der Erde zusammen. �Allah segne deinen Weg und gebe dir eine gute Reise�, grinste Halef, hob den Beutel auf, gab den anderen einen Wink und verschwand mit Blitzesschnelle hinter der Felsenecke. �Weshalb verfolgen wir sie nicht?� fragte Ojo.</style></p><p><style name="font3">�Wir haben einen Bewu�tlosen hier liegen und eine Frau bei uns. Es ist also besser, wir halten uns nicht mit einer Verfolgung auf, sondern sehen zu, da� wir so schnell wie m�glich weiterkommen. Ich traue dem Frieden nicht so recht. Vielleicht haben sie uns noch einen Hinterhalt gelegt. Das Geld konnten sie nur deshalb wiederbekommen, weil sie in dem Engl�nder ein noch wertvolleres Unterpfand hatten.�</style></p><p><style name="font3">Steve rekelte sich langsam hoch. Seine erste Reaktion war der Griff nach seinem schmerzenden Hinterkopf.</style></p><p><style name="font3">Dann setzte er sich auf und schaute benommen drein. Als er wieder g�nzlich bei sich war, fragte er:</style></p><p><style name="font3">�Habt Ihr sie alle niedergemacht? Sie haben mich hinterr�cks �berfallen. Als ich losritt, sprengten sie den Felsen herab, der auf dieser Seite sehr flach ausl�uft, und schnitten mir den Weg ab. Habt Ihr sie weggejagt?�</style></p><p><style name="font3">Michel antwortete nicht. Er war nicht w�tend auf ihn, dazu dachte er viel zu gro�z�gig. Aber ihn besch�ftigte ihrer aller Schicksal. Wie sollte es, wenn sie nach Marokko gelangten, ohne das n�tige Geld weitergehen?</style></p><p><style name="font3">�Weggejagt?� fragte seine Schwester zornig. �Das war nicht n�tig. Sie sind von selbst gegangen. Es waren Hamids Kreaturen. Sie wollten nichts weiter als das Geld, die f�nftausend Piaster, die Mr. Baum f�r den S�bel erhalten hatte. Sie haben ihr Geld. Und nun werden sie uns hoffentlich in Ruhe lassen.�</style></p><p><style name="font3">�Wie haben sie denn das Geld gekriegt?� �Mr. Baum hat es ihnen gegeben.�</style></p><p><style name="font3">�Gegeben? Das sieht ihm �hnlich. Er hat sicher wieder zuviel Verstand walten lassen, statt eine </style><style name="font3">geh�rige Portion Angriffsgeist zu zeigen, wie?�</style></p><p><style name="font3">Isolde funkelte ihn an. �Wenn du nicht mein Bruder w�rst, w�nschte ich, da� dich das Messer jenes Arabers durchbohrt h�tte. Das w�re der gerechte Lohn f�r deinen Eigensinn und deine Ungezogenheit.�</style></p><p><style name="font3">Steves Stirn legte sich in Falten. Er wollte schon wieder aufbegehren. Aber seine Schwester lie� ihn gar nicht zu Wort kommen, sondern berichtete ihm kurz, in welcher Gefahr er geschwebt hatte und da� man ihn durch seine Schuld mit den f�nftausend Piastern hatte loskaufen m�ssen. Steve bi� sich auf die Lippen. Aber dann starrte er trotzig auf den Boden. Kein Wort der Entschuldigung kam �ber seine Lippen.</style></p><p><style name="font3">Nach einer Weile fragte Ojo: �Und was machen wir jetzt, Senor Doktor?� Michel betrachtete pr�fend sein Gewehr. Seine Finger glitten �ber die sechs L�ufe. Er drehte sie um die Achse, zweimal, dreimal.</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube, ich habe einen sehr einsamen Ritt vor. Und du wirst von dieser Stunde an � f�r </style><style name="font3">einige Tage wahrscheinlich � eine ziemlich gro�e Verantwortung zu tragen haben.�</style></p><p><style name="font3">Er sah zum Himmel, der sich mittlerweile g�nzlich bezogen hatte. In diesem Augenblick fielen </style><style name="font3">die ersten Tropfen auf seine Hand. Er stand auf.</style></p><p><style name="font3">�Wie meintet Ihr das mit der Verantwortung?� fragte Ojo.</style></p><p><style name="font3">Michel wandte sich an Isolde und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Ihr werdet einsehen, Miss Hawbury, da� ich den Halunken das Geld nicht �berlassen kann. Eure Reise ist beendet, sobald Ihr wieder bei Euerm Vater seid. Aber Ojo und ich werden nicht so bald die M�glichkeit haben, wieder etwas zu verdienen. Die f�nftausend Piaster sollten lange reichen.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr wollt sie also wieder holen?�</style></p><p><style name="font3">�Ich mu�. Ojo wird Euch besch�tzen, so gut er kann. Versprecht mir, da� Ihr ihn in Fes so lange </style><style name="font3">aufnehmen werdet, bis ich wieder auftauche. Ich �bergebe Euch die zweihundert Piaster, die ich </style><style name="font3">f�r die Heilung des Jungen von Abd el Hamid erhalten habe. Sie werden f�r die Reise reichen.�</style></p><p><style name="font3">Michel hatte spanisch gesprochen.</style></p><p><style name="font3">Ojo machte gro�e Augen.</style></p><p><style name="font3">�Ich soll Euch allein lassen, Senor Doktor?�</style></p><p><style name="font3">�Es geht nicht anders. Miss Hawbury braucht deinen Schutz. Steve ist zu unerfahren und zu un�berlegt.�</style></p><p><style name="font3">�Wenn Ihr schon von mir redet, dann sprecht nicht in diesem unverst�ndlichen Kauderwelsch�, rief der Engl�nder aufs�ssig.</style></p><p><style name="font3">Michel zog den Sattelgurt seines Pferdes fester und machte sich zum Abritt bereit.�Adios, Diaz�, wandte er sich an den starken Spanier, w�hrend er aufsa�. �Pa� mir gut auf Miss Hawbury auf. Good bye, Miss Hawbury.�</style></p><p><style name="font3">Er dr�ckte seinem Pferd die Abs�tze in die Weichen und stob davon. Steve schlug mit der Faust durch die Luft.</style></p><p><style name="font3">�Er kann nicht schnell genug wegkommen�, zischte er durch die Z�hne.</style></p><p><style name="font3">�Je l�nger er wartet, um so gr��er wird der Vorsprung der Diebe�, verteidigte ihn Isolde und </style><style name="font3">f�gte hinzu: �Deine Feindschaft gegen Mr. Baum ist mir unverst�ndlich.�</style></p><p><style name="font3">Steve schwieg. Er schien bedr�ckt zu sein.</style></p><p><style name="font3">�Feindschaft ist nicht das richtige Wort. Ich mag ihn nicht. Und das hat seinen Grund.� �Darf man den erfahren?�</style></p><p><style name="font3">�Warum nicht? Du bist meine Schwester. Ich will ihn dir verraten. Er hei�t � Marina.� �Du meinst die Andalusierin?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, die andalusische Gr�fin. Sie liebt n�mlich diesen abenteuernden Deutschen.� �Und deshalb ha�t du ihn?�</style></p><p><style name="font3">�Er erwidert ihre Liebe nicht. Das finde ich unfair. Marina ist eine fabelhafte Frau. Und ich mag nicht, da� sie ein Mensch wie dieser Pfeifer in ihren Gef�hlen beleidigt.� Isolde sah ihren Bruder mit einem langen Blick an.</style></p><p><style name="font3">�Du bist ja eifers�chtig, Steve! Und noch dazu auf jemanden, der dir gar keine Veranlassung dazu gibt!�</style></p><p><style name="font3">�Ach, Unsinn, du verstehst das nicht.� �Doch, ich verstehe besser als du.�</style></p><p><style name="font3">�Adelante!� rief Oj o, �reiten wir. Der Regen l��t auch nicht nach, wenn wir noch l�nger hier herumstehen. Lieber na� nach Fes kommen als gar nicht.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">28</style></p></title><p><style name="font3">Die f�nf arabischen R�uber und Halef, der Diener, sprengten in gestrecktem Galopp der Stadt zu. Halef ritt an der Spitze. In der Sch�rpe unter seinem Burnus steckte wohlverwahrt der Beutel mit den f�nftausend Piastern.</style></p><p><style name="font3">Halef hatte w�hrend der langen Jahre seiner Dienerzeit bei seinem Herrn, dem Kaufmann Abd el Hamid, so etwas wie die Stelle eines Vertrauten erworben. Er kannte alle Schliche Hamids und wu�te, wie sein Herr sein Geld auf die leichteste Art und Weise mit dem Schmuggel von Haschisch verdiente. Hamid hatte ihm versprochen, da� ein Teil des zur�ckgewonnenen Geldes ihm geh�ren sollte. Und f�nfhundert Piaster waren als Belohnung f�r die Helfershelfer vorgesehen. Halef hatte lediglich den Auftrag bekommen, das Geld wieder herbeizuschaffen. Wie er das bewerkstelligte, wen er sich zur Hilfe aussuchte, war seine eigene Sache gewesen. Abd el Hamid besch�ftigte sich nicht mit Einzelheiten.</style></p><p><style name="font3">Da er an der Spitze ritt, konnte er nicht sehen, da� der Anf�hrer der R�uber seinen Leuten Zeichen machte, die diese auch richtig zu deuten verstanden.</style></p><p><style name="font3">Er stie� einen erschrockenen Schrei aus, als er sich pl�tzlich vom Pferd gerissen f�hlte. Man hatte den Stadtrand noch nicht erreicht. Deshalb war jedes Rufen nach Hilfe vergeblich. Der lange Araber, der die anderen anf�hrte, stellte sich breitbeinig vor ihn hin und fragte grinsend:</style></p><p><style name="font3">�Wie f�hlst du dich?�</style></p><p><style name="font3">�Maschallah, was wollt ihr von mir? Was habe ich euch getan?� stellte Halef die </style><style name="font3">Gegenfrage.�Getan hast du uns nichts. Das w�re dir auch schlecht bekommen. Was wir wollen, </style><style name="font3">ist klar. Eine solche Frage zu stellen, erschiene mir ziemlich einf�ltig.�</style></p><p><style name="font3">�Erlaube mal, wie kannst du mich dumm schelten, da du doch in meinen Diensten stehst?�</style></p><p><style name="font3">�In deinen Diensten? Allah hat dir den Verstand verwirrt. Hast du wirklich geglaubt, wir, stolze </style><style name="font3">Berber aus den Bergen, w�rden in deine Dienste treten?�</style></p><p><style name="font3">�So seid ihr Betr�ger!�</style></p><p><style name="font3">�Das klingt schon besser. Aber wenn du auf friedliche Weise zu sterben w�nschst, dann will ich dir doch den guten Rat geben, deiner giftigen Zunge weniger freien Lauf zu lassen.� �Ich rede, wie es mir pa�t. Ich bin ein gl�ubiger Anh�nger des Propheten und brauche ein offenes Wort nicht zu scheuen.�</style></p><p><style name="font3">�Wir wollen aber deine offenen Worte nicht h�ren. Wir wollen den Beutel mit den vielen blanken Goldst�cken. Allah hat ihn uns in die H�nde gespielt, so wollen wir auch den rechten Nutzen davon haben; denn Allah schenkt seinen Gl�ubigen nicht oft f�nftausend Piaster, vor allem nicht, wenn er sieht, da� sie bereits mit der ersten Gabe nicht richtig umzugehen verstehen.�</style></p><p><style name="font3">�Aber das Geld geh�rt nicht mir. Es ist das Eigentum meines Auftraggebers. Das wei�t du genausogut wie ich. Ich kann es nicht hergeben.�</style></p><p><style name="font3">�Dann m�ssen wir dir den Hals abschneiden und uns den Beutel einfach nehmen. Du kannst dir aussuchen, was dir lieber ist. Wenn du dich nicht entschieden hast, bevor die n�chsten tausend Tropfen Regen auf den Boden gefallen sind, so werde ich deine Kehle ein wenig mit meinem Dolche kitzeln. Er ist so scharf wie ein Messer zum Bartschaben.�</style></p><p><style name="font3">Er nahm den Dolch spielerisch in die Hand und lie� ihn dicht vor Halefs Gesicht ein paarmal durch die Luft wirbeln, um ihn dann geschickt wieder aufzufangen.</style></p><p><style name="font3">�Hast du dich entschieden? Ich wette, da� inzwischen mindestens zehntausend Tropfen Regen heruntergekommen sind. Also ... ?�</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid f�nf. Ich bin allein. Allah will es so. Hier, nehmt den Beutel.� Er zog ihn hervor und warf ihn dem Anf�hrer zu.</style></p><p><style name="font3">Der stellte einen Fu� in den B�gel, um sogleich aufzusitzen und davonzureiten. Die �brigen </style><style name="font3">Gesellen waren im Sattel geblieben.</style></p><p><style name="font3">Halef verzog schmerzhaft das Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Sitzt dir ein Frosch auf der Leber?�</style></p><p><style name="font3">�Ja. Der Frosch bist du.�</style></p><p><style name="font3">�Willst du schon wieder schimpfen? Danke uns lieber, da� wir dich leben lassen.� �Was h�ttet ihr von meinem Tode?�</style></p><p><style name="font3">�Wir nichts. Aber die Geier w�ren uns sicherlich dankbar.�</style></p><p><style name="font3">Er wollte wegreiten. Die anderen wurden bereits ungeduldig.</style></p><p><style name="font3">�Hast du in deinem Volk eigentlich einen Namen, der wert ist, genannt zu werden?�</style></p><p><style name="font3">Der Berber richtete sich stolz auf.</style></p><p><style name="font3">�Willst du mich beleidigen, Wicht?�</style></p><p><style name="font3">�Nein. Aber willst du nicht, da� ich in der Stadt deinen Ruhm verk�nde und deinen Mut preise?�</style></p><p><style name="font3">�Jedem Tapferen geb�hrt der Preis Allahs.�</style></p><p><style name="font3">�Mu� ein Tapferer aber nicht zugleich auch ein wenig gro�z�gig sein?�</style></p><p><style name="font3">�Du wirst nicht so schnell wieder einen Sohn der Berge finden, der mir an Gro�z�gigkeit </style><style name="font3">gleichkommt.�</style></p><p><style name="font3">�Das glaube ich nicht.�</style></p><p><style name="font3">�Was?�</style></p><p><style name="font3">Wieder wirbelte der Dolch durch die Luft. Diesmal sah es bedrohlicher aus.</style></p><p><style name="font3">�Du kannst mich zwingen, zu sagen, da� ich dich f�r gro�z�gig halte. Aber du kannst mich nicht</style></p><p><style name="font3">zwingen, es zu glauben.�</style></p><p><style name="font3">�Kuss omek, Hundesohn, Abk�mmling einer Wildsau, willst du mich beleidigen?� Halef machte eine beschwichtigende Geb�rde.</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, nichts ist mir ferner als der Gedanke, dich beleidigen zu wollen. Ich m�chte nur gern wissen, was ich den Staunenden in der Kasbah von deinem Ruhm verk�nden soll. Sieh, ich habe euch den Weg gewiesen, den Fremden das Geld abzunehmen. Ich habe euch an den Ort gef�hrt, wo wir sie treffen konnten. Ohne mich h�ttet ihr nicht einen Piaster bekommen. Geziemt es daher nicht einem, der sich mit Recht gro�z�gig nennt, dem F�hrer zur Quelle wenigstens einen Tropfen Wasser zukommen zu lassen?� Der Lange rollte die Augen. �Du meinst, da� ich dir etwas abgeben soll?�</style></p><p><style name="font3">�Es w�re ein Allah wohlgef�lliges Werk. Ich werde daf�r jeden Tag beim Morgengebet an dich denken.�</style></p><p><style name="font3">�Du hast eine Zunge wie die Gro�mutter des Schej-tans!� Er z�ckte den Beutel und nahm ein paar Goldst�cke heraus. �Hier!�</style></p><p><style name="font3">Halef griff hastig danach und z�hlte. Es waren zweihundert Piaster.</style></p><p><style name="font3">�Ich kann deinen Gro�mut doch nicht preisen�, rief er dann bedauernd. �Von f�nftausend gibst du mir zweihundert! Wir sind sechs. Allein mein Anteil betr�ge achthundert. Aber einen Anteil zu erhalten ist nur recht</style></p><p><style name="font3">und billig. Gro�z�gig w�re es, wenn du die zweihundert, die du mir soeben gegeben hast, als besonderes Zeichen deines Edelmuts zu den achthundert dazulegen w�rdest.� Der Lange zerrte an der Schnur des Sackes. Dann reichte er Halef zwei H�nde voller Goldst�cke.</style></p><p><style name="font3">�Zahl dir die tausend ab. Was k�mmern mich ein paar Piaster mehr oder weniger? Ich bin der Herr der Berge. Und du sollst meinen Ruhm verk�nden.�</style></p><p><style name="font3">Halef z�hlte. Zwischendurch blickte er immer wieder den anderen an. Er konnte kein Mi�trauen </style><style name="font3">in dessen Z�gen lesen.</style></p><p><style name="font3">Halef s Lippen murmelten vernehmlich:</style></p><p><style name="font3">�Siebenhundert � zwanzig � vierzig � sechzig � achtzig � achthundert.�</style></p><p><style name="font3">Aber seine flinken Finger waren inzwischen l�ngst bei f�nfzehnhundert angekommen. Der Herr </style><style name="font3">der Berge schien mit dem Rechnen auf schlechtem Fu� zu stehen.</style></p><p><style name="font3">Halef steckte die Goldst�cke eilig weg und gab dem Langen drei oder vier zur�ck. Das </style><style name="font3">unterstrich den Eindruck der Ehrlichkeit. Er verbeugte sich tief und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Meine Worte werden nicht ausreichen, um deinen Ruhm zu k�nden und deine Klugheit zu </style><style name="font3">preisen, Emir. Ich werde den Armen sagen, da� du sie besch�tzt und den Reichen das Geld </style><style name="font3">wegnimmst, um es den Armen zu geben. Dein Gro�mut wird in aller Munde sein, vom Maghreb</style></p><p><style name="font3">al-aksa bis zum Gro�herrn in Istanbul. Allah segne dich, Emir.�</style></p><p><style name="font3">Der R�uberhauptmann war in seinem ganzen Leben noch nicht mit Emir angesprochen worden. Er griff sich an den dichten Bart und zwirbelte ihn mit stolzgeschwellter Brust zwischen den Fingern seiner Riesenpranken. Die Rede, die ihm Halef zum Abschied gehalten, hatte ihren Eindruck nicht verfehlt.�</style></p><p><style name="font3">Ich habe noch selten einen so h�flichen Menschen getroffen wie dich. Ich werde mich nicht scheuen, zu meinen Frauen von deinem edlen Anstand zu sprechen. Solltest du mich jemals wieder brauchen, so vertraue auf mich. Ich fechte mit dem Schwert zur Ehre des Propheten, und du fichtst mit Worten zu meiner Ehre. Salam!�</style></p><p><style name="font3">Er ritt hochaufgerichtet zwischen seinen wartenden Gef�hrten hindurch und schien sich �berhaupt nicht darum zu k�mmern, ob sie ihm folgten oder nicht.</style></p><p><style name="font3">Halef konnte es nicht erwarten, auf den R�cken seines Pferdes zu kommen. Kaum sa� er oben, </style>so<style name="font3"> jagte er in wilder Karriere stadtw�rts. Er hegte Besorgnis, da� der andere seine Gro�z�gigkeit vielleicht bereuen k�nnte.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">29</style></p></title><p><style name="font3">Abd el Hamid sa� auf der schweren Truhe. Vor sich auf dem Scho� hatte er den S�bel liegen. Durch die vergitterten Fenster�ffnungen schien das graue Tageslicht herein und wurde als helles Feuer von den Diamanten zur�ckgestrahlt. Hamid war entz�ckt. Immer wieder strichen seine Finger liebevoll �ber die kostbaren Steine. Er wendete den S�bel hin und her und betrachtete ihn von allen Seiten.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich erhob er sich, blickte einen Augenblick �berlegend vor sich hin und schien dann einen Gedanken zu haben.</style></p><p><style name="font3">�ber der Truhe an der Wand hing ein Gong. Er nahm den Kl�ppel und schlug an die Bronzeplatte.</style></p><p><style name="font3">Ein paar Sekunden sp�ter betrat ein Diener das Zimmer und verbeugte sich tief. �Ah, nicht du! Halef soll kommen. Gleich!� �Halef ist nicht da. Er ist. ..�</style></p><p><style name="font3">�Keleb ibn Kelb, wo steckt der Kerl? Wo treibt sich der Hy�nensohn herum? Wenn du ihn mir </style><style name="font3">nicht augenblicklich herbeiholst, so lasse ich dir die Seele aus dem Leib pr�geln!�</style></p><p><style name="font3">�So pr�gle mich, Sayd. Halef ist nicht da, und ich wei� nicht, wo ich ihn finden kann.�</style></p><p><style name="font3">�Maschal... ach so, Halef kann ja gar nicht da sein, du Kamel. Er ist ja in meinem Auftrag </style><style name="font3">fortgeritten. Und Allah m�ge ihn sch�tzen w�hrend des Rittes. Spanne mir die Pferde an. Ich </style><style name="font3">mu� zum Gouverneur.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, Sayd. Ich werde eilen, ich werde fliegen.�</style></p><p><style name="font3">�Halt, du widerw�rtige Mi�geburt einer stinkenden Ungl�ubigen, fliege nicht gleich weg, </style><style name="font3">sondern h�re erst, was ich dir noch aufzutragen habe. Hole mir ein weiches, wei�es Wolltuch </style><style name="font3">von bester Qualit�t, und sage den Weibern, wenn auch nur eine einzige Faser im Gewebe zu hart </style><style name="font3">ist, so lasse ich sie alle vierteilen.�</style></p><p><style name="font3">Der Diener kam nach einigen Minuten zur�ck.</style></p><p><style name="font3">�Nennst du das eilen, Mensch?�</style></p><p><style name="font3">�Vergib mir, o Sayd, die Frauen konnten sich nicht einigen, welches Tuch sie geben sollten. Das </style><style name="font3">eine war zu teuer, das andere war grau, das dritte war nicht gut genug.�</style></p><p><style name="font3">�Hast du ihnen gesagt, da� ich sie vierteilen lassen w�rde, wenn sie mir ein schlechtes </style><style name="font3">schicken?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, Sayd, sonst h�tten sie gar keins herausgegeben.�</style></p><p><style name="font3">�Hahaha, ich wei�, wie man mit den Weibern umgehen mu�. Jetzt hilf mir, den S�bel hier </style><style name="font3">sorgf�ltig zu verpacken.�</style></p><p><style name="font3">�Sollte ich nicht zuerst die Pferde anspannen?�</style></p><p><style name="font3">�Du sollst meinen Befehlen gehorchen, du r�udigerZiegenbock, sonst lasse ich dir die Haut in Streifen vom R�cken abziehen.�</style></p><p><style name="font3">Die beiden machten sich daran, den S�bel kunstgerecht in dem weichen, wei�en Tuch zu verpacken. Der Flausch schmiegte sich um die scharfe, st�hlerne Klinge und verh�llte den Glanz der Diamanten. Hamid fluchte w�hrend der Arbeit unausgesetzt �ber den Diener, den S�bel, das Tuch, sich selbst, den Gouverneur und seine Weiber.</style></p><p><style name="font3">Endlich war er fertig. Er kleidete sich rasch um und lie� sich eine Viertelstunde sp�ter beim spanischen Gouverneur melden.</style></p><p><style name="font3">Don Hernando de Pasteras y Movero hatte viel Zeit. In Oran gab es nach Beendigung des letzten Krieges keine sonderlichen Aufregungen mehr. Neue Siedler oder Kaufleute aus Spanien kamen wenig ins Land. Die kleine Garnison hatte durch zwei Kompanien des geschlagenen Heeres gen�gend Zuwachs erhalten, um die wenigen Spanier vor �bergriffen sch�tzen zu k�nnen. Alles in allem hatte Don Hernando ein geruhsames Leben.</style></p><p><style name="font3">Munter wurde er nur, wenn ihm der Besuch von Gesch�ftsleuten gemeldet wurde. Und von diesen Gesch�ftsleuten wiederum bevorzugte er am meisten Abd el Hamid, mit dem man die besten Gesch�fte machen konnte.</style></p><p><style name="font3">Obwohl er heute m�de war und gerade seine Siesta hielt, lie� er den Araber doch sofort eintreten, ohne sich allerdings vom Lager zu erheben.</style></p><p><style name="font3">Sein Sekret�r, der zugleich sein Dolmetscher war, trat ebenfalls ein, wobei es ihm nur schlecht gelang, ein G�hnen zu unterdr�cken.</style></p><p><style name="font3">Der Sekret�r wurde erst wach, als Hamid mit den ersten Worten, die er sprach, verlangte, da� man ihn und den Gouverneur allein lassen m�ge. Was er heute vorzutragen habe, sei mit wenigen Worten gesagt. Soviel Spanisch aber k�nne er selbst, und man brauche also deshalb keinen Dolmetscher.</style></p><p><style name="font3">Der Sekret�r �bersetzte seinem Herrn die Worte. Don Hernando richtete sich halb auf.</style></p><p><style name="font3">Sein Gesicht nahm einen gespannten Ausdruck an. Er kannte Hamid gut genug, um zu wissen, da� dieser ein solches Ansinnen nicht grundlos stellen w�rde. Der Sekret�r mu�te nicht unbedingt genau dar�ber im Bilde sein, was f�r Gesch�fte sein Herr betrieb. Don Hernando machte ihm deshalb ein Zeichen, da� er verschwinden solle.</style></p><p><style name="font3">Als die beiden allein waren, zerrte Hamid die Decke von dem S�bel und hielt dem Gouverneur die blitzenden Diamanten unter die Nase.</style></p><p><style name="font3">�Caramba!� entfuhr es Don Hernando. Mit einem Satz war er auf den Beinen. �Wo hast du das Ding her? Es ist unter Br�dern f�nfzehntausend Piaster wert.� Hamid nickte eifrig.</style></p><p><style name="font3">�Ich S�bel wollen verkaufen�, radebrechte er m�hsam. �Aber erst zeigen zu Gouverneur. Ich immer Wertsch�tzung f�r Gouverneur. Vielleicht du selbst kaufen?�</style></p><p><style name="font3">Don Hernando bekam gro�e Augen. Das w�re ein Geschenk f�r seinen K�nig! Por Dios, man k�nnte sich damit vielleicht endlich einmal wieder in angenehme Erinnerung bringen. Dieses Oran wurde auf die Dauer langweilig. Und dr�ben in Amerika, in den spanischen Besitzungen, gab es so viele sch�ne, lohnende Gouverneursposten.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe keine f�nfzehntausend Piaster, Hamid. Aber der S�bel gef�llt mir. Er sieht aus wie das Schmuckst�ck eines Pascha.�</style></p><p><style name="font3">�Wundervoller S�bel. Du doch kaufen. Ich bezahlen daf�r elftausend. Du mir geben elftausend, weil wir gute Freunde.�</style></p><p><style name="font3">Elftausend, �berlegte der Gouverneur. Er nahm den S�bel in die Hand und betrachtete aufmerksam und pr�fend jeden einzelnen Stein.</style></p><p><style name="font3">�Hier fehlen ein paar Diamanten am Griff�, sagte er zu Hamid. �Du hast dir deine Provision schon abgezogen, wie?�</style></p><p><style name="font3">Hamid sch�ttelte verdutzt den Kopf. Tats�chlich, da waren einige Steine aus ihren Fassungen gebrochen! Aber das minderte den Wert des ganzen St�ckes durchaus nicht. Der Gouverneur war ein schlauer Fuchs und wahrscheinlich ein noch besserer Gesch�ftsmann als Hamid.</style></p><p><style name="font3">�Ich geb dir zehntausendf�nfhundert daf�r, Hamid. Und ...� �Und ...?� warf der Araber gespannt ein.</style></p><p><style name="font3">�Ich werde dir in Zukunft in noch gr��erem Ma�e behilflich sein, wenn du zum Beispiel Hanf nach Europa verkaufen willst.�</style></p><p><style name="font3">�Ich zu Hause gro�e Ladung, vier Ballen. Du wissen Schiff, was kann mitnehmen und hat Kapit�n, der kann bezahlen?� Der Gouverneur nickte.</style></p><p><style name="font3">�Bringe die Ballen zum Hafen. Morgen l�uft ein Kauffahrer mit Soldaten an Bord aus. Da ist die Ware am sichersten.�</style></p><p><style name="font3">�Danke�, sagte Hamid. �Du daf�r S�bel f�r zehntausend. Ich nichts verdienen an Freund.� Don Hernando klopfte seinem gro�z�gigen Partner auf die Schulter. Und Hamid, der trotz allem noch ein gutes Gesch�ft gemacht hatte, taten diese f�nfhundert Piaster nicht weh. Es gab ungeschriebene Gesetze, nach denen auch der sparsamste und knauserigste Kaufmann seinen Geiz �berwinden mu�, um sp�ter um so gr��ere Gewinne zu erzielen. Die f�nfhundert Piaster waren Gesch�ftsunkosten.</style></p><p><style name="font3">Der Gouverneur lie� das Geld bringen, aus der Steuerkasse �brigens; denn schlie�lich, warum sollte man ein Geschenk f�r den K�nig nicht aus �ffentlichen Mitteln bezahlen? Als sich die beiden trennten, sagte Don Hernando zum Abschied:</style></p><p><style name="font3">�Du kannst dich immer auf mich verlassen, Hamid. Du wei�t, wenn du meine Hilfe brauchst, bin ich f�r dich da.�</style></p><p><style name="font3">�Selbst Leim von Dattelsaft nicht so guter Kitt wie Gesch�ft�, grinste Hamid und machte einen unterw�rfigen Kratzfu�.</style></p><p><style name="font3">Als er auf dem Bock seiner Kutsche sa�, lag noch immer ein L�cheln der Zufriedenheit mit sich selbst und der Welt auf seinem Gesicht.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">30</style></p></title><p><style name="font3">Als Halef glaubte, da� ihn der Herr der Berge nicht mehr einholen k�nnte, m��igte er f�r einen Augenblick das Tempo seines Rittes und lie� sein Pferd im Schritt gehen. Pl�tzlich aber scho� er wieder im Galopp davon und trieb sein Tier zu immer gr��erer Eile an. Sein Herr sollte den Eindruck haben, da� er sich wirklich abgehetzt habe, um ihm die betr�bliche Nachricht zu �berbringen. Um eine solche Vorstellung zu geben und dabei echt zuwirken, war es am besten, man lebte sich in seine Rolle hinein.</style></p><p><style name="font3">So jagte er dahin wie vom Teufel getrieben und hielt nicht eher an, bis er zu Hause war. Dort sank er buchst�blich vom Pferd, g�nnte sich aber keine Sekunde Zeit, um sich zu erholen, sondern suchte sofort Hamid auf, der gerade von seinem Besuch beim Gouverneur zur�ckgekommen war.</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid sa� selbstzufrieden auf einem Diwan im Selamlik und schmauchte Tabak aus einer kostbaren Wasserpfeife. Unwirsch sah er auf, als er so j�h aus seinen Betrachtungen gerissen wurde.</style></p><p><style name="font3">�Bist du verr�ckt, hier hereinzust�rmen wie ein Pferd, das durchgegangen ist?� �Sayd�, stotterte der Diener verlegen. �Sayd, ich habe dir eine schreckliche Nachricht zu �berbringen.� Er machte eine Kunstpause.</style></p><p><style name="font3">�Du hast das Geld nicht?� Die Frage scho� f�rmlich auf Halef zu.</style></p><p><style name="font3">�Nein... nein... es war unm�glich. Wir lauerten ihnen auf. Wir fielen am Schott �ber sie her. Wir waren wie der Sturmwind. Aber pl�tzlich lagen meine Helfer tot am Boden. Wie das geschah, kann ich nicht mehr sagen. Ich sah mich allein und ergriff die Flucht. Der Mann, der so schreckliche T�ne von sich gibt, mu� mit dem Schejtan im Bunde sein. Er stand da wie der Racheengel Allahs. Nur m�hsam gelang es mir, seinen w�rgenden H�nden zu entkommen. Wahrscheinlich war es nur m�glich, weil er schon genug Blut gesoffen hatte. Entsetzlich ... entsetzlich.�</style></p><p><style name="font3">Halefs Schilderung war so drastisch und dramatisch, da� Hamid nicht einen Augenblick Zweifel an ihrer Echtheit hegte. Dennoch brauste er auf.</style></p><p><style name="font3">�Du bist unf�hig, du Esel, du Sohn eines Kamels, du hirnloses Faultier. H�ttest du nicht aus sicherer Entfernung schie�en k�nnen? H�ttest du nicht deinen Genossen sagen k�nnen, sie sollten sich versteckt halten, bis ihr die ganze Gesellschaft im Visier gehabt h�ttet? Oh Allah, du hast mich mit dem d�mmsten Diener geschlagen, den es geben kann! F�nftausend Piaster verloren ... f�nftausend! Oh, h�tte ich mich nie auf diesen Handel eingelassen! H�tte ich dir nie vertraut!�</style></p><p><style name="font3">�Aber�, wagte Halef einzuwenden, �du besitzt doch noch den S�bel, der ist viel mehr wert als diese f�nftausend Piaster. Was soll ich sagen, ich armer Wicht? Mir ist die Belohnung verloren gegangen, die du mir versprochen hattest. F�nf meiner Freunde haben ihre Seele ausgehaucht, und ich selbst bin dem Rasenden nur mit M�he und Not entkommen. Allah hat mich geschlagen, weil ich mich in eine solche Geschichte eingelassen habe.�</style></p><p><style name="font3">�Weil du zu dumm warst, sie zu meistern. Ich h�tte es selbst tun sollen. Mir w�re er nicht entkommen, das schw�re ich dir beim Bart des Propheten. Geh hinaus. Ich werde mir �berlegen, ob ich dir jemals wieder eine Aufgabe anvertrauen kann. Jetzt scher dich weg!� Halef kreuzte die Arme vor der Brust und verbeugte sich ehrerbietig. Dann machte er, da� er aus dem Zimmer kam, und ging in den Stall. Vorsichtig erklomm er die Stiege, die zum Heuboden f�hrte, und suchte ein passendes Versteck f�r seine Beute.</style></p><p><style name="font3">Als er die f�nfzehnhundert Piaster verborgen hatte, murmelte er vor sich hin:</style></p><p><style name="font3">�Allah segne deine Leichtgl�ubigkeit, o Hamid, und meine Schauspielkunst! Es war einer der </style><style name="font3">erfolgreichsten Tage meines Lebens heute.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">31</style></p></title><p><style name="font3">Die Nacht brach herein. Abd el Hamid legte sich bald nieder und freute sich des Erfolges, den ihm der heutige Tag gebracht hatte. Mochten die f�nftausend Piaster verloren sein. Er hatte dennoch die gleiche Summe verdient und sich aufs neue den Gouverneur verpflichtet. Und morgen w�rde er abermals eine hohe Summe verdienen. Eigentlich hatte er dabei nicht einmal einen Para Risiko; denn die Hilfe Don Hernandos machte jedes Gesch�ft zu einer sicheren Sache.</style></p><p><style name="font3">Er dehnte und reckte sich, wickelte sich dann den Turban ab und l�schte die �llampe.</style></p><p><style name="font3">Leicht und beschwingt glitt seine Seele in die Gefilde des Traums hin�ber. Tausende von </style><style name="font3">Piastern purzelten durcheinander. Dazwischen tauchte immer wieder das wohlwollende Gesicht </style><style name="font3">des Gouverneurs auf. Gro�e, blanke Goldst�cke lie� Allah vom Himmel regnen. Und siehe da, </style><style name="font3">sie fielen alle in die Kasse Hamids. Das Klingen der herabfallenden Goldst�cke wurde immer </style><style name="font3">st�rker, wurde zu einem Sausen und pl�tzlich zu einem schrillen Pfeifen.</style></p><p><style name="font3">Abd el Hamid fuhr aus dem Schlaf empor. Die �llampe neben seinem Lager brannte. </style><style name="font3">Auf einmal merkte er, da� das schrille Pfeifen kein Traum, sondern Wirklichkeit war. Es kam </style><style name="font3">aus einer Ecke des Zimmers. Noch nie hatte er ein solches Pfeifen geh�rt. Er fuhr zusammen und </style><style name="font3">kroch so weit unter seine Decke, da� nur noch Nasenspitze und Augen herausguckten.</style></p><p><style name="font3">�Hamid�, sagte eine dunkle Stimme, �deine Zeit ist um!�</style></p><p><style name="font3">Schreckensbleich kam der Kaufmann unter seiner Decke wieder hervor. �Wer ... wer... was ...� �Ich bin der Engel des Todes. Mach dich fertig. Du mu�t mit in die Dschehenna. Nimm Abschied von deinem Sohn. Es sind dir nur noch einige Minuten zu leben verg�nnt.� �Nein!� schrie Hamid, �nein . . . jetzt noch nicht ...jetzt noch nicht!�</style></p><p><style name="font3">�Ah, du willst erst noch die Fr�chte deiner schmutzigen Gesch�fte genie�en, wie? Willst dich an den f�nftausend Piastern erfreuen, die du dem armen Reisenden, der unter deinem Dache Schutz gesucht und deinen Sohn geheilt hat, abgenommen hast.� �Ich habe sie nicht genommen!�</style></p><p><style name="font3">�Was ich sagte, ist nicht so w�rtlich gemeint. Du hast ihm aber deinen ehrenwerten Diener nachgeschickt, um sie zu rauben. Das ist genau dasselbe. Du warst der Anstifter. Du mu�t b��en. Das ist Allahs Wille. Also komm!�</style></p><p><style name="font3">�Gnade, Gnade�, wimmerte der Araber, als er sich pl�tzlich am Kragen gepackt f�hlte. Er hatte den �Todesengel� immer noch nicht zu Gesicht bekommen. �Ich habe diese Piaster nicht. Gewi� nicht!�</style></p><p><style name="font3">�L�ge nicht im Angesicht des Todes! Der Schejtan hat mir aufgetragen, einen Vergleich mit dir zu machen. F�r jedes Tausend Piaster, die du zur�ckgibst, verg�nnt er dir ein weiteres Jahr auf der Erde.�</style></p><p><style name="font3">�F�nf Jahre also nur noch?� heulte Hamid, f�hlte sich aber dennoch erl�st, da� es nicht gleich sein mu�te. Er blickte sich nun erstmalig verstohlen um.</style></p><p><style name="font3">In der Ecke hinter seinem Bett gewahrte er die verschwommenen Konturen einer vermummten Gestalt. Es war also Wirklichkeit und nicht das schlechte Ende einessch�nen Traums! Gab es denn so etwas? Schickte Allah den Todesengel wirklich in der Gestalt eines Menschen in die H�user der S�nder, deren Uhr hier unten abgelaufen war? �F�nf Jahre�, antwortete die dumpfe Stimme.</style></p><p><style name="font3">�Wie kann ich dich nur �berzeugen, da� ich wirklich nicht im Besitz der Piaster bin?� �Du kannst mich nicht �berzeugen. Ich habe selbst zugesehen, wie der, den sie den Pfeifer nennen, deinem Diener den Beutel zuwarf. Kauf dir die f�nf Jahre f�r den Inhalt des Beutels. Allah und der Schejtan lassen sich nicht von einem Hamid betr�gen.� Es war zweifellos ein Fehler des Vermummten, da� er sich auf ein so langes Gespr�ch mit Hamid eingelassen hatte. Denn Hamid schlo� daraus, da� der �Todesengel� ein sehr menschlicher Engel sein mu�te, mit dem man zumindest verhandeln konnte. Da fiel ihm ein, da� Halef bereits von dem einen Reisenden erz�hlt hatte, da� er schreckliche T�ne von sich gebe. Das Pfeifen klang in seinen Ohren nach. Und hatte dieser �Todesengel� den Reisenden nicht selbst Pfeifer genannt? Hamid kombinierte gut.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe das Geld nicht�, sagte er. �Du kannst dich auf den Kopf stellen und dem Schejtan einen sch�nen Gru� ausrichten, da� er es doch genau wissen m��te. Wenn nicht, soll er Allah fragen. Der ist allm�chtig und allwissend. Du aber bist ein L�gner; denn du kannst nicht gesehen haben, wie meinem Diener das Geld �bergeben worden ist, da Halef n�mlich auf dem schnellsten Wege die Flucht vor der schrecklichen Gestalt des Fremden ergriff, der im �brigen f�nf Leute mit seinen blo�en H�nden erw�rgt hat.�</style></p><p><style name="font3">Michel Baum wurde unsicher. Er hatte sich diese sp�te Stunde zu einem �berraschungsvorsto� ausgesucht, weil er mit Recht annehmen durfte, er k�nne den abergl�ubischen Hamid verbl�ffen. Er wollte feststellen, ob Halef die Wahrheit gesprochen hatte, als er behauptete, er habe den �berfall auf Gehei� seines Herrn ausgef�hrt.</style></p><p><style name="font3">Der Pfeifer machte einen weiteren Versuch der �berrumpelung. Er trat pl�tzlich dicht an den Diwan, zog das Tuch vom Gesicht und legte die H�nde mit klammerndem Griff um den Hals des Kaufmanns. Der erkannte ihn, war aber nicht in der Lage, einen Schrei auszusto�en, da er dazu nicht genug Luft hatte. R�chelnd schlo� er f�r einen Moment die Augen, um sie dann umso gr��er aufzurei�en.</style></p><p><style name="font3">�Du wirst mir jetzt die Wahrheit sagen�, zischte Michel. �Du hast deinen Diener zu dem Raub angestiftet, sonst w��test du gar nichts von der Sache. Das M�rchen, das du mir da auftischen willst, ist zu schlecht, als da� es Eindruck auf mich machen k�nnte. Sag die Wahrheit, sonst ist es um dich geschehen.�</style></p><p><style name="font3">Hamid dachte angstvoll an den Bericht Halefs. Wenn der Pfeifer f�nf Mann im Handumdrehen erw�rgt hatte, so w�rde er wahrscheinlich auch mit ihm nicht viel Federlesens machen. Unter dem Druck der sehnigen Hand st�hnte er:</style></p><p><style name="font3">�Du willst mich erpressen. Du willst mich zwingen, dir nochmals f�nftausend Piaster zu zahlen. Aber ich habe kein Geld mehr. Ich kann dir auch nichts geben, wenn du noch so sehr dr�ckst. Ich bin ein armer Mann.�</style></p><p><style name="font3">Wenn es um Geld ging, war Hamid ein mutiger Mann, der sich auch nicht durch Drohungen einsch�chtern lie�.</style></p><p><style name="font3">�Gut�, sagte der Pfeifer, �du magst l�gen, soviel du willst. Ich glaube dir kein Wort. Ich t�te auch nicht gern einen Menschen! Merk auf, du wei�t, da� ich ein Hekimbin; denn ich habe deinen Sohn gesund gemacht. Aber ich kann auch krank machen�, setzte er mit erhobener Stimme hinzu. �Wenn ich nicht in f�nf Minuten mein Geld wiederhabe, dann wird sich dein Sohn erbrechen. Ich werde das alte Leiden in seinen K�rper zur�ckverpflanzen. Entscheide dich schnell.� Er lie� ihn los.</style></p><p><style name="font3">Hamid starrte ihn angstvoll an. Er hing an seinem Sohn, dem einzigen Erben all seiner errafften Reicht�mer, mit unbeschreiblicher Liebe.</style></p><p><style name="font3">�Das darfst du nicht! Ich schw�re dir, da� ich das Geld nicht habe. Ich schw�re es beim ...�</style></p><p><style name="font3">�Halt, du Gauner, schw�re keinen Meineid! Der Blitz wird dich treffen, wenn du die Wahrheit im Namen Allahs verleugnetst.�</style></p><p><style name="font3">�Ich schw�re es beim Leben meines Kindes, da� ich das Geld nicht habe.�</style></p><p><style name="font3">Michel sah ihn pr�fend an. Er wu�te, da� selbst Hamid keinen solchen Meineid leisten w�rde � </style><style name="font3">beim Leben seines Kindes, nein, das w�rde er bestimmt nicht tun.</style></p><p><style name="font3">�Aber aus deinen Worten entnehme ich, da� du von dem Plan wu�test.�</style></p><p><style name="font3">Hamid gab dies z�gernd zu.</style></p><p><style name="font3">�Allah wird mich daf�r strafen. Aber ich bitte dich, schone Leben und Gesundheit meines Kindes!�</style></p><p><style name="font3">�So hat dein Diener den Raub aus eigenem Ansporn begangen?�</style></p><p><style name="font3">�Er wollte ihn begehen. Aber du selbst wei�t am besten, da� es ihm nicht gelungen ist.� �Zum Teufel, jetzt habe ich deine L�gen satt. Halef hat mir den Beutel mit einem Trick entwendet.�</style></p><p><style name="font3">Jetzt wurde Hamid aufmerksam. �Ist das dein Ernst?�</style></p><p><style name="font3">�Nat�rlich, sonst w�re ich nicht gekommen, um ihn mir wiederzuholen.�</style></p><p><style name="font3">�Schejtan�, schrie er da w�tend, �so hat mich der Kerl betrogen, mich, seinen Herrn!� Er sprang auf, ri� die T�r auf und schrie laut durch die Stille des Hauses: �Halef, du Lumpenkerl, he, Haaaalef! Sofort kommst du her!�</style></p><p><style name="font3">Im Haus erwachte Leben. Es dauerte eine Weile, bis Halef schlaftrunken ins Zimmer taumelte. Er wurde aber sofort hellwach und stie� einen Schrei des Schreckens aus, als er den n�chtlichen Besucher erkannte.</style></p><p><style name="font3">�Du Hund, du hast mich belogen!� schrie ihn Hamid an. �Du hast behauptet, da� es dir nicht gelungen sei, dem Fremden das Geld wieder abzunehmen. Aber Allah wei�, da� das eine L�ge war. Wo ist der Beutel? Her damit, du Sohn einer Wildsau! Es ist mein Geld, das du gestohlen hast!�</style></p><p><style name="font3">Michel war �ber soviel Unverfrorenheit sprachlos. Der Kaufmann gab mit seinen Worten in offener, schamloser Weise zu, da� er der Anstifter des Verbrechens war, und verlangte nun gar noch die Summe von seinem Diener in Gegenwart des Bestohlenen. Es war unfa�lich. Halef sank in sich zusammen. Kleinlaut gab er seine Tat zu. Hamid trat nach ihm. Seine Wut steigerte sich zur Raserei, bis Michel, den die beiden vollkommen vergessen zu haben schienen, der Pr�gelei ein Ende setzte. Er packte Hamid beim Genick und fuhr ihn an:</style></p><p><style name="font3">�Es ist mir gleichg�ltig, was du mit deinem Diener tust. Verpr�geln kannst du ihn sp�ter. Auf alle F�lle bist du der Anstifter gewesen. Du hast einem Untergebenen den Befehl erteilt, einen Gastfreund hinterlistig zu �berfallen. So kommt die Schuld auf dein Haupt. Ich wiederhole nochmals: wenn ich nicht in zehn Minutenmein Geld wieder habe, dann wird dein Sohn schwer erkranken.�</style></p><p><style name="font3">�Ich habe nicht soviel Geld�, versuchte der andere auszuweichen.</style></p><p><style name="font3">�La� dir den gestohlenen Beutel von deinem Diener wiedergeben. Aber beeil dich, ich habe </style><style name="font3">nicht mehr viel Zeit.�</style></p><p><style name="font3">�Hol den Beutel�, befahl Hamid.</style></p><p><style name="font3">�Das � das � kann ich nicht, Sayd.�</style></p><p><style name="font3">Hamid schlug auf ihn ein. Er fand keine Ausdr�cke mehr, um ihn zu beschimpfen. Deshalb spielte sich die Pr�gelei wortlos ab.</style></p><p><style name="font3">�Hast du noch nicht genug? Soll ich dir die Bastonnade geben lassen, bis dir die Haut in Fetzen von den Fu�sohlen f�llt?�</style></p><p><style name="font3">�Ich kann nicht, weil ich das Geld nicht habe, Sayd�, stie� Halef hastig hervor. In einem Sturzbach von Worten erz�hlte er den Hergang nach dem Raub, verschwieg aber wohlweislich den Anteil, den er dem Herrn der Berge abgegaunert hatte.</style></p><p><style name="font3">Dem Pfeifer wurde die Sache zu dumm. Hier konnte man beim besten Willen nicht mehr auseinanderhalten, was L�ge und Wahrheit war.</style></p><p><style name="font3">�Mir ist es gleichg�ltig, Hamid�, schaltete er sich ein, �wer wen betrogen hat. Ich verlange das Geld von dir zur�ck, da ich wei�, da� du der Schuldige bist. Wie du dich mit deinem Diener einigst, ist deine Sache. Beschaffe das Geld, oder ich mache meine Drohung wahr.� �Du kannst ein Kind doch nicht entgelten lassen, was der Vater getan hat�, klagte Hamid. �Kommst du mir so?�</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, du kannst doch nicht ein solcher Unmensch sein!�</style></p><p><style name="font3">Michel hieb ihm die Faust auf die Schulter, da� er zusammensackte, und tat, als wollte er sich zur T�r wenden.</style></p><p><style name="font3">�Halt!� schrie Hamid entsetzt, �tu's nicht! Ich gehe das Geld holen.�</style></p><p><style name="font3">Mit wankenden Schritten verlie� er das Zimmer. Halef folgte ihm. Er hatte keine Lust, in der N�he eines Menschen zu bleiben, der die F�higkeit hatte, anderen Menschen Krankheiten auf den Hals zu schicken.</style></p><p><style name="font3">Es war Michels gro�er Fehler, da� er Halef nicht zur�ckhielt.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">32</style></p></title><p><style name="font3">Michel lie� sich auf den Diwan nieder und starrte vor sich hin auf den Boden. Wie immer in seinen Mu�estunden oder -minuten, gingen seine Gedanken �bers Meer, dorthin, wo die unerreichbare Heimat lag. Meist, wenn wirklich mal eine Pause eintrat, nutzte er diese, um zu schlafen und um neue Kr�fte zu sammeln. Aber wenn er nicht schlafen durfte, sondern wachen mu�te, um sich nicht etwa �berrumpeln zu lassen, dann dachte er. Und das Sinnieren machte ihn nicht gerade zuversichtlicher. Oft fragte er sich, ob die Ideen der Freiheit und der Menschenw�rde es wirklich wert waren, da� man so um sie litt, da� man die unglaublichsten Schwierigkeiten auf sich nahm, um sie nicht aufgeben zu m�ssen.</style></p><p><style name="font3">Seine lange abenteuerliche Fahrt hatte ihm gezeigt, da� die Menschen eigentlich �berall auf der Erde gleich waren, wenigstens in der alten Welt.Er legte sich auf dem Diwan zur�ck und lehnte den Kopf gegen die Wand. Er war jetzt v�llig entspannt. Da � endlich �ffnete sich die T�r, und Harnid erschien. �Bei Allah�, sagte er, �ich habe mein m�glichstes getan, um die f�nftausend Piaster zusammenzubringen. Hier sind sie.�</style></p><p><style name="font3">Er warf ihm einen gef�llten Beutel in den Scho�. Michel nahm sich diesmal nicht die Zeit, die Goldst�cke zu z�hlen. Er hatte es jetzt sehr eilig und stand auf.</style></p><p><style name="font3">�Diesmal werden deine Schergen keinen Erfolg haben, wenn sie mich nochmals verfolgen, Hamid, merke dir das gut. Betrug und Verbrechen machen sich nicht bezahlt.� Hamid zog die Schultern in die H�he und sagte in weinerlichem Ton:</style></p><p><style name="font3">�Ich bin nun einmal ein Mensch, der sehr am Gelde h�ngt. Allah verzeihe mir meine �bergro�e Sparfreudigkeit. Hast du auch inzwischen meinen Sohn nicht behext?�</style></p><p><style name="font3">�Nein�, lachte der Pfeifer. �Glaubst du denn wirklich an Hexerei? Hast du dir wirklich gedacht, ich k�nnte jemanden durch Zauber krank machen?�</style></p><p><style name="font3">�Du kannst es nicht?� heulte Hamid auf. �Nein, du gro�er Kaufmann, es gibt keine Zauberer, weder unter den Gl�ubigen noch unter den Ungl�ubigen.�</style></p><p><style name="font3">�Du Gauner, du Hund, du Stinktier�, schrie Hamid emp�rt und war pl�tzlich zur T�r hinaus. Michel rannte hinterher. Er bereute mit einemmal, da� er sich durch Voreiligkeit selbst seine Macht genommen hatte.</style></p><p><style name="font3">Als er die T�r aufstie�, starrten ihm mindestens zehn Gewehre entgegen, und eine Stimme sagte in spanischer Sprache:</style></p><p><style name="font3">�Macht keine Bewegung, Senor, wir haben Befehl, sofort zu schie�en.� Michel stand wie erstarrt.</style></p><p><style name="font3">�Gebt Eure Waffen ab, Senor, und den Beutel, den Ihr dem ehrenwerten Kaufmann Abd el Hamid gestohlen habt.�</style></p><p><style name="font3">�Ich habe nicht gestohlen. Das Geld ist mein rechtm��iges Eigentum.� �Nada, hombre, macht keine langen Geschichten. Wir handeln auf direkten Befehl des Gouverneurs. Es n�tzt Euch also gar nichts, wenn Ihr Eure Tat leugnen wollt. Adelante! Kommt mit!�</style></p><p><style name="font3">Gegen zehn auf ihn gerichtete Gewehre war auch der Pfeifer machtlos. Z�hneknirschend gab er seine Waffe, sein wunderbares Gewehr, ab und warf Hamid den Beutel vor die F��e. �Wir sprechen uns noch!� rief er drohend. �Dann kommst du nicht so billig davon.� Hamid lachte h�misch.</style></p><p><style name="font3">�Drohe mir nur. Ich st�re mich nicht daran; denn sp�testens morgen abend h�ngt dein Kadaver am Galgen.�</style></p><p><style name="font3">Dem Sergeanten, der die Wachabteilung f�hrte, war es peinlich, da� er zuh�ren mu�te, wie ein Araber einen Wei�en beschimpfte. Er hatte zwar den Befehl, den Pfeifer gefangenzunehmen; aber er war ein ehrenwerter Mann, der P�beleien und Beschimpfungen jeder Art ablehnte. �Kommt, Senor�, sagte er h�flich, �es tut mir leid, da� ich Euch verhaften mu�te, aber Befehl ist Befehl.�</style></p><p><style name="font3">�Schon gut�, meinte Michel und ging mit den Soldaten, die ihn in ihre Mitte genommen hatten, davon. Die beiden letzten Musketiere wisperten miteinanderw�hrend des ganzen Weges. Der Gegenstand ihrer leisen Rede war das Gewehr des Verhafteten. Sie hatten eine solche Konstruktion noch nicht gesehen.</style></p><p><style name="font3">Endlich schienen sie sich geeinigt zu haben. Sie riefen den Sergeanten, der an der Spitze des kleinen Zuges marschierte. Er kam nach hinten und fragte: �Was gibt es?� �Seht Euch dieses Gewehr einmal an.� Der Sprecher reichte es ihm. Der Sergeant betrachtete es im Schein des Mondes aufmerksam.</style></p><p><style name="font3">�Es hat sechs L�ufe�, sagte er kopfsch�ttelnd. �Hat einer von Euch schon einmal so etwas </style><style name="font3">gesehen?�</style></p><p><style name="font3">�No, Sergeant.�</style></p><p><style name="font3">�Pa�t auf, da� ihr nichts daran verbiegt.� Er gab es ihnen zur�ck. �Wir wollen es Don Hernando zeigen.�</style></p><p><style name="font3">Es sieht fast so aus, als sollte ich an der Waffe nie Freude haben, dachte Michel, der das </style><style name="font3">Gespr�ch mit angeh�rt hatte. Jetzt werden sie mich nicht nur Hamids wegen festhalten, sondern </style><style name="font3">auch noch wissen wollen, was es f�r eine Bewandtnis mit dem Gewehr hat.</style></p><p><style name="font3">Als sie am Haus des Gouverneurs ankamen, lie� der Sergeant seine Leute warten. Er ging, um </style><style name="font3">den Vollzug der Verhaftung dem Sekret�r zu melden. Aber der g�hnte nur und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Don Hernando ist bereits wieder eingeschlafen. Wir k�nnen ihn jetzt nicht bel�stigen. Erinnert </style><style name="font3">mich morgen fr�h daran, da� ich ihm Bescheid gebe. Buenas noches.� Der Sergeant gr��te und </style><style name="font3">ging.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">33</style></p></title><p><style name="font3">Das Gef�ngnis, in das man den verhafteten Michel brachte, hatte keine Einzelzellen. Es war ein in einen Felsen geschlagenes, gro�es rohes Loch, das nach drau�en mit einem schweren Eisengitter abgeschlossen war. Nachtk�hle und Tageshitze hatten ungehindert Zutritt. Es gab weder Pritschen noch Strohs�cke. Wenn man ruhen wollte, mu�te man sich auf den nackten Felsboden legen.</style></p><p><style name="font3">Die Posten vor dem Gitter gingen teilnahmslos auf und ab, Minute um Minute, Stunde um Stunde, bis sie vom eint�nigen Dienst abgel�st wurden. Dann gingen die n�chsten auf und ab, ab und auf, auf und ab.</style></p><p><style name="font3">Michel sah sich die Mitgefangenen an. Es waren verkommene Gestalten aller Nationalit�ten. Sie sa�en oder lagen herum, schliefen oder d�sten vor sich hin und machten einen hoffnungslosen Eindruck.</style></p><p><style name="font3">Michel fragte einen Wei�en: �Weshalb hat man Euch eingesperrt?�</style></p><p><style name="font3">Der sah ihn mit glanzlosen, leeren Augen an, in denen der Stumpfsinn lag.</style></p><p><style name="font3">�Wei� nicht�, antwortete er kurz. �Wahrscheinlich war ich betrunken. Da haben sie mich </style><style name="font3">einfach mitgenommen.�</style></p><p><style name="font3">Er wandte sich wieder ab und stierte weiter auf die Erde. �Seid Ihr schon lange hier?� fragte Michel wieder.</style></p><p><style name="font3">�Wei� nicht. Vielleicht ein halbes Jahr, vielleicht auch ein ganzes, wei� nicht.� �Hat man Euch denn nicht verurteilt?� �Wei� nicht.�</style></p><p><style name="font3">�Diablo, Ihr m��t doch wissen, ob Ihr bereits an einer Gerichtsverhandlung teilgenommen habt oder nicht! Gebt mir doch eine vern�nftige Antwort.�</style></p><p><style name="font3">�Gerichtsverhandlung?� Er lachte. �Hier hat noch nie jemand an einer Gerichtsverhandlung teilgenommen.�</style></p><p><style name="font3">�Por Dios, Ihr m��t doch vernommen worden sein! Man kann Euch doch nicht, nur weil man Euch einmal betrunken aufgefunden hat, ein halbes oder ein ganzes Jahr hier im Gef�ngnis lassen!�</style></p><p><style name="font3">�So, kann man nicht? Na, du wirst es schon sehen. Hier fragt kein Mensch nach dir.Freilich, manchmal kommt ein Kapit�n, der nimmt dann einen Schub Gefangener mit. Aber wohin, das wei� kein Mensch.�</style></p><p><style name="font3">�Und es gibt keine M�glichkeit, hier auszubrechen?�</style></p><p><style name="font3">�No, das Gitter wird nur ge�ffnet, wenn Neue kommen und wenn wir morgens die Koteimer hinausschaffen m�ssen.� �Arbeiten m��t ihr nicht?�</style></p><p><style name="font3">�Arbeiten? Nein. Was soll es in Oran schon f�r Arbeit geben? Du sitzt hier in dem K�fig, bis dich entweder dieser Kapit�n oder der Teufel holt.�</style></p><p><style name="font3">�Das hei�t also, da� noch niemand, der hier hereingekommen ist, wieder entlassen wurde?� �Seit ich hier bin, nicht.� Michel erhob sich und trat an das Gitter. Das erste Grau des Tages kam herauf. Leichter Regen fiel. Bald bildete er einen grauen Vorhang, durch den man h�chstens noch zehn Schritte weit sehen konnte.</style></p><p><style name="font3">Es mochte etwa acht Uhr sein, als ein paar Soldaten kamen und Brot und Wasser brachten, das durchs Gitter gereicht wurde. Dann k�mmerte sich f�r Stunden kein Mensch mehr um die H�ftlinge. Gegen Mittag kamen zehn Soldaten, bildeten Spalier. Ein Korporal schrie: �Schei�etr�ger rrrrraustreten!�</style></p><p><style name="font3">Zehn Gefangene nahmen die f�nf zum �berlaufen vollen Eimer auf. Zwei trugen immer einen Eimer. Sie hielten vorsichtig das Gleichgewicht, damit sie nichts versch�tteten; denn es gab weder Wasser noch Besen noch Schaufeln zum Reinigen des Verlieses. Michel w�rgte es in der Kehle. Er stellte fest, da� er w�hrend der letzten Tage �berhaupt viel empfindlicher geworden war. Zuversicht und Lebenskraft waren nicht mehr die gleichen. Seine Spannkraft hatte nachgelassen. Seit er mit seinen Freunden aus den Steinbr�chen von El Mengub geflohen war, hatte es bisher noch nicht ein einzigesmal die M�glichkeit gegeben, sich wirklich auszuruhen und � wenn auch nur f�r Stunden � einmal ein menschenw�rdiges Dasein zu f�hren. Bitterkeit stieg in ihm auf, wenn er daran dachte, wie Abd el Hamid ihn zum Dank f�r die Rettung seines Sohnes behandelt hatte. Auch das Verhalten des jungen Hawbury warf einen dunklen Schatten auf die Erinnerung an die letzten Tage.</style></p><p><style name="font3">Er sp�rte das Gef�hl der Gleichg�ltigkeit und Hoffnungslosigkeit wie etwas Wesenhaftes in sich emporkriechen. Langsam, m�de fast, ging er vom Gitter weg und steuerte auf eine der hinteren Ecken des Gef�ngnisses zu. Je tiefer er in die H�hle eindrang, um so dunkler wurde es um ihn. Als er das Licht nur noch wie einen Schimmer wahrnahm, setzte er sich auf den feuchten, kalten Boden und lehnte sich mit dem R�cken an die Wand. Pl�tzlich ging ein Ruck durch seinen K�rper.</style></p><p><style name="font3">Nein, hier in diesem Loch sollte sein Weg nicht enden. Dann h�tte er ebensogut im Kerker des Landgrafen bleiben k�nnen. Er stemmte sich wieder hoch. Wenn seine k�rperliche Spannkraft nicht mehr gen�gte, somu�te der Geist �ber die Schw�che des K�rpers siegen. Wille ist alles. Mit festen Schritten ging er wieder nach vorn zum Gitter. �Hola, companero!� rief er einen der wachenden Soldaten an.</style></p><p><style name="font3">Doch der k�mmerte sich nicht darum. Er ging stur seine zwanzig Schritte hin und seine zwanzig Schritte zur�ck wie eine Maschine.</style></p><p><style name="font3">�He!� br�llte Michel jetzt mit der ganzen Kraft seiner Lungen. Der Posten blieb stehen und fragte mit mi�launigem Gesicht: �Que quieres? � Was willst du?�</style></p><p><style name="font3">�Ich will von einem Richter vernommen werden!� sagte Michel mit fester Stimme. �Man kann mich nicht einfach hier einsperren, ohne da� man mich ordentlich verurteilt hat. Nach dem Gesetz hat jeder Verhaftete das Recht, sich gegen die Anklagen zu verteidigen.� �Unsinn! Davon wei� ich nichts. Au�erdem haben wir hier in Oran gar keinen Richter. Wer also sollte dich vernehmen?�</style></p><p><style name="font3">�Du scheinst mir ein recht gro�es Kamel zu sein, wenn du als spanischer Soldat nicht einmal wei�t, wer hier der oberste Gerichtsherr ist. Der K�nig nat�rlich oder � � �� �Ein Trottel bist du, hombre, der K�nig ist in Madrid oder in Sevilla � was wei� ich.� �Du mu�t mich aussprechen lassen. Wenn der K�nig nicht selber hier ist, so hat er einen Stellvertreter, einen Gouverneur. Und wenn es keinen Richter gibt, so mu� mich der Gouverneur oder dessen Stellvertreter vernehmen. Verstehst du das nicht?�</style></p><p><style name="font3">�No�, antwortete der Spanier grinsend. Ein solcher Vortrag war ihm noch nie gehalten worden. F�r ihn war selbst ein kleiner B�ttel eine Gestalt aus einer anderen, unerreichbaren Welt.</style></p><p><style name="font3">�He!� schrie Michel wieder, als sich der Posten entfernte, um seine zwanzig Schritte hin und seine zwanzig Schritte her zu gehen. �He, rufe mir deinen Sergeanten! Hast du verstanden? Ich will den Sergeanten oder auch einen Offizier sprechen!�</style></p><p><style name="font3">Der Spanier grinste wieder. Er war sicher, da� er in Michel einen Verr�ckten vor sich hatte. Er reagierte von jetzt an gar nicht mehr auf das Geschrei des Gefangenen. Die anderen H�ftlinge erwachten aus ihrer Lethargie und grinsten ebenfalls. F�r sie war der Neue ein Einfaltspinsel, wie man ihn hier selten zu sehen bekam.</style></p><p><style name="font3">Nach zwei Stunden Schreiens und Rufens gab es Michel f�r den Augenblick auf. Er sah ein, da� er auf diese Weise nie Erfolg haben w�rde.</style></p><p><style name="font3">Der Sergeant, der Michel verhaftet hatte, hatte ihn l�ngst vergessen. Michels Gewehr hing �ber seiner Schlafpritsche. Er betrachtete es als pers�nliche Beute. Zwar wu�te er nicht, was er damit anfangen sollte, hoffte aber, da� er es bei seinem n�chsten Urlaub in Spanien als Rarit�t verkaufen konnte. Aber bis dahin hatte es noch gute Weile. Und so verstaubte die Flinte langsam, ohne weiter beachtet zu werden.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">34</style></p></title><p><style name="font3">Acht Tage lang hatte Michel seine lauten Unterhaltungen mit den verschiedenen Posten fortgesetzt. Die Kerle waren von einer vollst�ndigen Sturheit. Sie reagiertenauf nichts. Die meisten von ihnen gaben nicht einmal mehr eine Antwort. Die Mitgefangenen aber dr�ckten sich scheu zur Seite und wollten mit dem offensichtlich Wahnsinnigen nichts zu tun haben. Michel sp�rte, wie seine Kr�fte erlahmten. Als er die Sinnlosigkeit seines Beginnens einsah, verhielt er sich in den kommenden Tagen still. Er hatte zwar noch keinen besseren Plan, war aber dabei, seine Lage bis in alle Einzelheiten zu durchdenken.</style></p><p><style name="font3">Eines Abends teilten ihm die �brigen H�ftlinge energisch mit, da� er morgen fr�h dran sei, sich an der Partie mit den Koteimern zu beteiligen. Er nickte nur; denn was h�tte ihm ein Protest geholfen?</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich starrte er den Mann, der ihm die Kunde �berbracht hatte, mit weit aufgerissenen Augen an. Wie ein Geschenk des Himmels war der Einfall gekommen, auf den er so lange voller Verzweiflung gewartet hatte. Mit allen Einzelheiten lag pl�tzlich der Ausweg zergliedert vor seinem inneren Auge.</style></p><p><style name="font3">Die Nacht ging vor�ber. Am Morgen hing der Himmel voller grauer Wolken. Aber es regnete nicht, obwohl es so aussah, als w�rde es jeden Augenblick anfangen.</style></p><p><style name="font3">Der Korporal kam wie jeden Morgen und br�llte sein unfl�tiges Kommando durch das Gitter. Die zehn Mann nahmen ihre f�nf Eimer auf. Michel tat, als habe er keine rechte Lust, und kam auf diese Weise ans Ende der Gruppe. Drau�en standen die zehn Wachen und g�hnten. Die Gitter �ffneten sich. Der etwa tausend Meter weite Marsch zu den Kotgruben begann. Die Tr�ger gingen vorsichtig, und die Posten hielten sich wegen des Gestanks in respektvoller Entfernung. Als man ungef�hr f�nfhundert Meter zur�ckgelegt hatte, sagte Michel zu seinem Gef�hrten, so laut, da� es die Posten h�ren mu�ten: �Halt an. Ich kann nicht mehr. Mir--mir wird �bel.�</style></p><p><style name="font3">Der andere, der Angst hatte, da� man etwas versch�tten w�rde, stellte den Eimer ab, als er sah, </style><style name="font3">da� der Rand auf Michels Seite sich neigte.</style></p><p><style name="font3">Die Posten schimpften:</style></p><p><style name="font3">�Weitergehen, ihr Idioten!�</style></p><p><style name="font3">�Versch�ttet hier ja nichts!�</style></p><p><style name="font3">�Der Teufel soll euch holen, wenn ihr nicht augenblicklich weitergeht.� Die Folge von dieser Schimpferei war, da� der ganze Zug stehenblieb.</style></p><p><style name="font3">Ein Eimer nach dem anderen wurde vorsichtig auf die Erde gesetzt. Hundert Meter im rechten Winkel zu dem Weg, der nach den Gruben f�hrte, stand ein Steinhaus, das der Wachkompanie als Unterkunft diente. Dort wohnte auch der Sergeant. Diese hundert Meter konnten Michel die Freiheit bringen oder � � den Tod.</style></p><p><style name="font3">Alle Kr�fte hatte er sich f�r diesen Augenblick aufgespart. Niemand hatte ihn bisher pfeifen h�ren. Das �berraschungsmoment war gesichert.</style></p><p><style name="font3">Als Michel keine Anstalten machte, den Eimer wieder aufzunehmen, und dadurch auch die anderen am Weitergehen hinderte, kamen die Posten und der Korporal dichter heran und drohten:</style></p><p><style name="font3">�Wir hauen euch die Gewehrkolben auf den Kopf, wenn ihr noch l�nger hier stehen bleibt! Adelante!�</style></p><p><style name="font3">Alles stand auf einem Haufen. Der Korporal hatte eine Reitpeitsche in der Hand. Ihm wurde die Sache jetzt zu dumm. Er holte aus und schlug auf Michel ein. Der st�rzte mit einem Wehlaut zu Boden und kam ganz dicht neben dem Eimer zu liegen.�Schw�chling!� schrie der Korporal au�er sich vor Wut und holte zu einem neuen Schlag aus.</style></p><p><style name="font3">Just in diesem Augenblick schnellte Michel hoch, ergriff den Eimer und go� den Inhalt �ber den schimpfenden Korporal. Noch ehe die anderen richtig mitbekommen hatten, was sich abspielte, st�rzte er auf den n�chsten Eimer zu und schwappte ihn gegen die v�llig verdutzten Posten. Das wiederholte er solange, bis nur noch ein Eimer �brig war und alle W�chter mit geschlossenen Augen dastanden und schrien und spuckten und sich mit den Handr�cken �ber die Augen fuhren, was die Sache nur noch verschlimmerte.</style></p><p><style name="font3">Michel hatte nun auch den f�nften Eimer in der Hand und st�rmte damit hin�ber in die Unterkunft, wo er sein Gewehr wu�te. Bei dem rasenden Lauf beschmutzte er sich nat�rlich auch selbst, was ihm aber jetzt nichts ausmachte.</style></p><p><style name="font3">Im Nu war er an der T�r. Die Posten standen noch immer v�llig fassungslos. Auch die anderen Gefangenen waren sprachlos. Manche von ihnen hatten ebenfalls etwas von dem kr�ftigen Parf�m mitbekommen.</style></p><p><style name="font3">In dem gro�en Raum standen die Feldbetten. Sechs Mann schliefen, auch der Sergeant. Die vier �brigen schienen ausgegangen zu sein.</style></p><p><style name="font3">Michel pfiff einige seiner schaurigen Triller. Die Schl�fer schreckten auf. Der Sergeant fuhr </style><style name="font3">hoch und sah den Eimer in der Hand des Eindringlings.</style></p><p><style name="font3">�Bist du wahnsinnig, hombre?� schrie er und hielt sich die Nase zu.</style></p><p><style name="font3">Jetzt fuhren die �ndern von den Betten auf. Allen stieg der Gestank gleichm��ig in die Nase. Sie rannten zum Bett des Sergeanten und bildeten so einen dichten Haufen. Das war gerade das Richtige.</style></p><p><style name="font3">Michel, immer noch pfeifend, st�rmte heran, und go� den wie starr Stehenden auch diesen Eimer ins Gesicht. Ein entsetzliches Geschrei hob an. Aber Michel hatte nur Augen f�r sein Gewehr, neben dem gl�cklicherweise auch der Kugelbeutel und das Pulverhorn hingen. Mit fieberhafter Eile machte der Pfeifer die Muskete schu�bereit. Er wurde gerade in dem Augenblick damit fertig, als sich der Sergeant von seinem Schrecken erholt hatte und zur Gegenwehr �bergehen wollte.</style></p><p><style name="font3">Michel wich zur�ck, w�hrend er den letzten Lauf mit Pulver und Blei f�llte. �Zur�ck, sage ich euch, sonst habt ihr euern letzten Atemzug getan!�</style></p><p><style name="font3">Aber der Sergeant dachte nicht daran, diesem Befehl Folge zu leisten. �Adelante!� schrie er. �Gebt's dem Hund! Schlagt ihn tot! Drauf!� Er st�rmte vor.</style></p><p><style name="font3">Da krachte der erste Schu�. Er sank mit einem Schmerzenslaut zusammen und umklammerte seinen linken Unterschenkel.</style></p><p><style name="font3">Jetzt wurden die anderen mutiger. Der Schu� war verschossen. Sie brauchten also vor Schu�verletzungen keine Angst mehr zu haben. Und zu f�nft w�rden sie des Rasenden ohne weiteres Herr werden k�nnen.</style></p><p><style name="font3">Zweimal krachte das Gewehr in kurzen Abst�nden. Sie hielten inne. Michel dachte jetzt nur noch an sein eigenes Leben. Er scho� auch die restlichen drei kampfunf�hig, ehe sie zu dicht an ihn herankommen konnten.</style></p><p><style name="font3">Wieder spielten seine Finger das in Mu�estunden tausendfach ge�bte und eingedrillte Spiel des Ladens. Das Leben hing von jedem Handgriff ab. Eine Zehntelsekunde Verz�gerung konnte den sicheren Tod bedeuten. Wer sich auf seine Waffe verlassen will, der mu� sie mit geschlossenen Augen in einem finsteren Zimmer laden, auseinandernehmen und zusammensetzen k�nnen.</style></p><p><style name="font3">Michel schaffte es. Er st�rzte jetzt ein Bett um und kniete dahinter. Nun mochten sie kommen. Die hier konnten nicht mehr. Und wenn die anderen von drau�en hereinzukommen versuchten, w�rde er einem nach dem anderen einen Schu� ins Bein jagen.</style></p><p><style name="font3">Er wartete. Das Wimmern und St�hnen der Verwundeten erf�llte den Raum. Sie taten ihm leid; denn sie waren schlie�lich nicht die Schuldigen. Sie f�hrten lediglich die Befehle ihrer Herren aus und konnten f�r die Zust�nde und die Behandlung im Gef�ngnis nicht verantwortlich gemacht werden.</style></p><p><style name="font3">Drau�en erschollen Kommandos. Michel wunderte sich, da� darin kein Wort von dem erwarteten Sturm auf das Haus zu h�ren war. Erst nach einigen weiteren Sekunden wurde ihm klar, da� die W�chter gar nicht damit rechnen konnten, da� er allein sechs Soldaten au�er Gefecht gesetzt hatte. Sie w�hnten ihn sicherlich wie ein Sieb durchl�chert am Boden liegen. Sechs Sch�sse hatten sie vernommen. Und sechs Sch�sse sollten f�r einen ausgemergelten Gefangenen gen�gen.</style></p><p><style name="font3">Zwischen Michels Standort und der T�r lagen die sich am Boden kr�mmenden Gestalten. Er erhob sich und sprang �ber die Betten, immer mit dem R�cken zur Wand. Der Sergeant fluchte und schimpfte. Die Wut in ihm schien gr��er zu sein als der Schmerz, den ihm die Wunde verursachte.</style></p><p><style name="font3">Der Pfeifer hatte jetzt die T�r erreicht. Er sah gerade noch, wie sich das Gittertor hinter den anderen Gefangenen schlo�, die die Situation nicht zu nutzen verstanden hatten. Die Wachen schienen es eilig zu haben, unter die Wasserleitung zu kommen, was durchaus verst�ndlich war.</style></p><p><style name="font3">Michel rannte bis zur Kotgrube, umging sie und bezog hinter einem in der N�he stehenden Geb�sch Posten. Dann �berlegte er. Sein Gewehr hatte er wieder. Das Pferd befand sich wahrscheinlich bei Abd el Hamid im Stall, wo er es sich holen mu�te. Geld brauchte er auch. Deshalb war er schlie�lich das ganze Risiko eingegangen. Andererseits sagte er sich, da� auch die anderen solche Erw�gungen anstellen und eben darum Hamids Haus unter Bewachung halten w�rden. Jetzt am hellichten Tage konnte er es nicht wagen, sich sein Eigentum wiederzuholen. Auf alle F�lle hatte er die Freiheit und sein kostbares Gewehr wieder... Da fiel ihm eine andere M�glichkeit ein, die zwar nicht weniger gef�hrlich, daf�r aber um so erfolgversprechender war.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">35</style></p></title><p><style name="font3">Don Hernando de Pasteras y Movero wurde durch lautes Klopfen an der T�r aus seiner Siesta hochgeschreckt.</style></p><p><style name="font3">�Que hay?� fragte er w�tend; denn er liebte seine Mittagsruhe �ber alles und hatte Befehl gegeben, ihn nur zu st�ren, wenn ein Weltuntergang bevorst�nde.</style></p><p><style name="font3">�Es ist etwas Furchtbares geschehen, Don Hernando�, antwortete mit aufgeregter Stimme der Sekret�r. �Kann ich hereinkommen?�</style></p><p><style name="font3">�Si, adelante�, st�hnte der Gouverneur und richtete sich von seinem Lager auf, dachte aber gar nicht daran, die Unterbrechung seines Schlafes als etwas Unab�nderliches hinzunehmen.Der Sekret�r hatte seine ewige M�digkeit abgesch�ttelt. Mit hastigen Worten berichtete er von den Vorkommnissen im �Staatsgef�ngnis�. Er verga� auch nicht zu erw�hnen, da� der Ausbrecher es fertig bekommen hatte, sechs Soldaten seiner Allerchristlichen Majest�t in Sekundenschnelle zu Invaliden und zehn weitere zumindest f�r die Dauer eines halben Tages kampfunf�hig zu machen. Mit gew�hlten Worten gab er die Koteimerschlacht wieder, wobei er den Inhalt der als Waffe benutzten K�bel mit vornehmen Worten zu umschreiben suchte. Der Gouverneur mochte dieses Vorkommnis doch f�r wichtig genug halten; denn er entschlo� sich, ganz aufzustehen.</style></p><p><style name="font3">�Und man hat diesen Verbrecher nicht mehr erwischen k�nnen?�</style></p><p><style name="font3">�No, Don Hernando, er ist verschwunden, spurlos verschwunden. Die ganze Kompanie der Garnison ist seit einer halben Stunde auf den Beinen, um ihn zu fangen. Aber es liegt noch keine Meldung vor, die besagen w�rde, da� man ihn auch nur an irgendeiner bestimmten Stelle vermuten k�nnte.�</style></p><p><style name="font3">�Wer ist der Kerl eigentlich, der das gewagt hat?�</style></p><p><style name="font3">�Derjenige, um dessen Verhaftung Euer Freund Abd el Hamid in der Neujahrsnacht ersuchte.� �Hamid. Bueno, ich erinnere mich schwach daran. Gab ich den Befehl zu dieser Verhaftung?� �Si, Don Hernando. Ihr befahlt seine sofortige Arretierung durch die Soldaten der Freiwache.� �So, so. Weshalb eigentlich? Es mu� doch ein Grund vorgelegen haben.� �Das kann ich Euch nicht sagen; denn Ihr verhandeltet mit Hamid unter vier Augen.�</style></p><p><style name="font3">�Hm.--Schafft mir Hamid zur Stelle. Ich mu� wissen, weshalb ich den Mann einsperren </style><style name="font3">lie�. Sch�ne Schweinerei! Wenn die Kunde von dem Vorkommnis irgendwie nach Madrid gelangt, dann k�nnen wir uns gleich wieder auf eine neue k�nigliche Inspektion gefa�t machen. Dabei hatten wir die letzte erst vor einem Jahr.�</style></p><p><style name="font3">�Si, Don Hernando, ich werde Hamid holen lassen, damit Ihr ihn vernehmen k�nnt.� �Holen lassen? Was hei�t das? Und was hei�t vernehmen? Ich w�nsche, da� Ihr selbst mit meiner Kutsche zu ihm fahrt und ihn h�flich bittet, doch f�r eine Stunde mein Gast zu sein. Ich sage Euch, la�t es ja nicht am n�tigen Respekt fehlen! Wenn sich der ehrenwerte Kaufmann beklagt, dann k�nnt Ihr von morgen ab meine Schuhe putzen und im Gesinderaum schlafen!� Der Sekret�r verbeugte sich stumm, h�tete sich aber, seinen Mi�mut �ber diese Anweisung offen zu zeigen.</style></p><p><style name="font3">Als er das Zimmer verlassen hatte, lie� sich der Gouverneur kopfsch�ttelnd in einen Stuhl fallen. Mit welcherlei Dingen doch der Friede seines Lebens manchmal gest�rt werden konnte! Aber auf einmal mu�te er lachen. Er stellte sich seine tapferen Spanier unter dem stinkenden Regen aus den K�beln vor.</style></p><p><style name="font3">�Brrr�, sch�ttelte er sich, als habe er selbst etwas davon abbekommen.</style></p><p><style name="font3">Es vergingen keine zwanzig Minuten, und der Sekret�r kam mit Hamid zur�ck.</style></p><p><style name="font3">Der Gouverneur erhob sich und begr��te seinen �Gesch�ftsfreund�.</style></p><p><style name="font3">�Salam�, sagte Hamid, �Allah m�ge deine Arbeit segnen und deinen Schlaf beh�ten.�</style></p><p><style name="font3">Diesmal behielt Don Hernando den Sekret�r im Zimmer und lie� sich des Kaufmanns Rede </style><style name="font3">�bersetzen.</style></p><p><style name="font3">�Sagt ihm, da� sein Allah mich diesmal ziemlich unsanft aus dem Schlaf gerissen hat, und erz�hlt ihm die Geschichte.�</style></p><p><style name="font3">Der Sekret�r erwiderte, da� Hamid alle Einzelheiten des Ausbruchs bereits kenne. Er wolle �berdies dem Gouverneur seinen Dank daf�r abstatten, da� dessen Soldaten sein Haus unter Bewachung hielten, damit der pfeifende Hekim keine Gelegenheit finde, Rache zu nehmen. �Fragt ihn, weshalb ich den Mann damals einsperren lie�.� Hamid berichtete mit sprudelnden Worten.</style></p><p><style name="font3">Langsam d�mmerte es im Gehirn des Gouverneurs, w�hrend der Dolmetscher �bersetzte. �Ah�, sagte er, �ich erinnere mich. Fragt ihn, aus welchem Grund der Mann �berhaupt die f�nftausend Piaster haben wollte. War er nur ein einfacher Dieb?�, Hamid best�tigte dies.</style></p><p><style name="font3">�Das klingt ein wenig unwahrscheinlich. Diebe pflegen im allgemeinen anders vorzugehen. Wenn er ein Arzt ist, dann geh�rt er zu den gebildeten Leuten, wogegen allerdings wiederum die Art und Weise spricht, in der er sich befreit hat.�</style></p><p><style name="font3">Hamid erw�hnte kein Wort von dem Kauf des S�bels und von seiner eigenen Untreue. Er wu�te so geschickt zu erz�hlen, da� er das Eigentliche wortreich �berspielen konnte. Praktisch war der Gouverneur nach der Vernehmung nicht kl�ger als vorher. Immerhin wu�te er jetzt, da� der Ausbrecher eingesperrt war, weil er seinen, Don Hernandos, Freund bel�stigt hatte. Don Hernando aber mu�te seine Freunde sch�tzen, wenn er weiterhin gute Gesch�fte machen wollte. �Gut�, sagte er, �ich werde allen Offizieren und Mannschaften der Garnison Anweisung geben, da� sie den Schuft wiederbringen sollen, tot oder lebendig, damit mein Freund Hamid nicht weitere Unbill durch ihn erleidet. Allerdings nehme ich an, da� er die Stadt schon l�ngst verlassen hat.� Hamid ging.</style></p><p><style name="font3">�Was haltet Ihr von der Sache?� fragte der Gouverneur seinen Sekret�r. Der zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font3">�Wenn Ihr mir gestattet, die Wahrheit zu sagen, Don Hernando, so glaube ich, da� Hamid mit den Tatsachen sehr geschickt hinterm Berg gehalten hat.�</style></p><p><style name="font3">Don Hernando nickte gedankenvoll. Er bef�rchtete vor allem, da� aus der ganzen Angelegenheit wirklich noch ein Skandal werden k�nnte; denn das Ungl�ck hatte es gewollt, da� in diesem Fall ein Mensch in das �Staatsgef�ngnis� eingeliefert worden war, der erstens keine Angst zu kennen schien und zweitens mit Verstand begabt war.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb ist mir der Mann nicht zur Vernehmung vorgef�hrt worden, wenn er es doch verlangt hat?�</style></p><p><style name="font3">�Es w�re das erstemal in Eurer Amtszeit gewesen, Don Hernando, da� einem solchen Verlangen stattgegeben worden w�re.�</style></p><p><style name="font3">�Werdet nicht frech, amigo. Die W�chter mu�ten doch merken, da� sie es nicht mit einem einfachen Landstreicher zu tun hatten.�</style></p><p><style name="font3">�Es ist bei ihnen Gewohnheit, stur �ber jeden Wunsch der Gefangenen hinwegzugehen.� �Nat�rlich. Ist im allgemeinen auch nicht mehr als recht und billig. Aber in diesem Fall � in </style><style name="font3">diesem ganz besonderen Fall--maldito, hoffentlich bekommen wir den Burschen bald </style><style name="font3">wieder!�</style></p><p><style name="font3">�Hoffentlich�, stimmte der Sekret�r zu. ��brigens -was ich vergessen habe, Euch zu erz�hlen, ist, da� der Kerl ein Gewehr besitzen soll, mit dem man immerfort schie�en kann, ohne laden zu m�ssen.�</style></p><p><style name="font3">Der Gouverneur warf ihm einen mitleidigen Blick zu, als zweifle er an seinem Verstand. �Ihr glaubt das doch hoffentlich nicht?�</style></p><p><style name="font3">�Die Verwundeten behaupten es. Und es scheint mir durchaus m�glich, da� es den Tatsachen entspricht. Er hat sechs Mann, die ihm gegen�berstanden, innerhalb von wenigen Sekunden die Beine entzwei geschossen.�</style></p><p><style name="font3">�Mit einem Gewehr und allein? Unsinn. Was sagen die Offiziere dazu?�</style></p><p><style name="font3">�Sie haben den Sergeanten vernommen und sind von der Wahrheit dieser Behauptung </style><style name="font3">�berzeugt.�</style></p><p><style name="font3">�Gibt es denn selbst unter meinen Offizieren einen Gespensterglauben?� �Gespensterglauben? Das will ich nicht sagen.� �Nun, was denn?�</style></p><p><style name="font3">�Nach Meinung des Sergeanten, der ja auch der Waffenmeister der Garnison ist, handelt es sich um eine neue Waffe. Er hatte die Muskete bei der Verhaftung des Kerls an sich genommen, ohne sich weiterhin Gedanken dar�ber zu machen. Die Konstruktion war so eigenartig, da� er sie f�r v�llig veraltet hielt. Er wollte sie bei seinem n�chsten Urlaub mit nach Spanien nehmen, um sie dort einem Rarit�tenh�ndler zu verkaufen.�</style></p><p><style name="font3">�Por Dios, ist der Kerl verr�ckt geworden? Wei� er nicht, da� alle beschlagnahmten Dinge in den Zust�ndigkeitsbereich des Gouverneurs geh�ren? Weshalb hat er mir das Gewehr nicht gezeigt?�</style></p><p><style name="font3">�Niemand ahnte etwas von der besonderen Bewandtnis dieser Waffe. Sie hing �ber dem Bett des Sergeanten als Wandschmuck und verstaubte. Keiner k�mmerte sich um das Ding.� Don Hernando ging wie ein gefangener L�we im Zimmer auf und ab. �Sagt dem Sergeanten, er soll den Mann mitsamt dem Gewehr wieder herbeischaffen, sonst schicke ich ihn auf die Festung. Stellt Euch vor, was es f�r eine Sache w�re, Seiner Majest�t diese Waffe zu �berbringen! Wenn in Toledo auf Hochtouren gearbeitet wird, dann kann dieses Gewehr sicherlich schnell nachgebaut werden. Damit w�re Spanien der Beherrscher der Erde. K�nnt Ihr Euch die Schlagkraft einer Armee vorstellen, in der jeder Soldat mit dieser Muskete ausger�stet w�re?�</style></p><p><style name="font3">Er redete sich in Feuer. Seine Begeisterung gipfelte in dem strengen Befehl, den Entflohenen um jeden Preis wieder herbeizuschaffen. �Hoffentlich gelingt es, Don Hernando!�</style></p><p><style name="font3">�Dem spanischen Soldaten ist nichts unm�glich. Der Kerl mu� her!�</style></p><p><style name="font3">Der Sekret�r verlie� das Zimmer. Und der Gouverneur legte sich wieder hin. Schwei�tropfen perlten auf seiner Stirn. Wenn nun tats�chlich eine Inspektion kam? Wenn die Gefangenen vernommen w�rden? Wenn man erfuhr, da� ein gewisser Kapit�n zu gewissen Zeiten immer ein oder zwei Dutzend Gefangene mitnahm? Don Hernando st�hnte.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">36</style></p></title><p><style name="font3">Der Gouverneur stand ges�ttigt vom Tisch auf. Da er Junggeselle war und keine R�cksicht auf die zarten Ohren einer Dame zu nehmen hatte, r�lpste er ein paarmal laut und zufrieden. Dann zog er sich in sein Privatgemach zur�ck. Hier hielt er sich am liebsten auf. Neben seinem Lager stand ein silberner K�bel, der bis an den Rand mit Eis gef�llt war, ein unerh�rter Luxus f�r die damalige Zeit. Ein St�ck Eis von der Gr��e einer M�nnerfaust kostete damals soviel wie die Menge Brot, die ein Mann in einer Woche verbrauchte. Nicht weit davon befand sich ein bis zum Rand mit rotem Wein gef�llter Krug.</style></p><p><style name="font3">Mit einem Becher sch�pfte Don Hernando das k�stliche Na� aus dem Krug und gab aus dem K�bel jeweils ein St�ckchen Eis dazu. Mit sichtlichem Behagen schl�rfte er dann den k�hlen Trank.</style></p><p><style name="font3">Auf diese Weise lie� sich das Leben sogar in Oran ertragen.</style></p><p><style name="font3">Als er den Krug bis zur H�lfte geleert hatte, hing bereits ein leichter Schleier vor seinen Augen. Mitternacht war vor�ber, und der Sekret�r hatte ihm immer noch keinen Erfolg gemeldet. Um seine Gedanken abzulenken, trank er heute schneller als gew�hnlich. Und so war es erkl�rlich, da� er bald darauf mit einem Seufzer in die Kissen zur�ckfiel. Er merkte nicht, wie sich das Fenster vorsichtig �ffnete und eine Gestalt �ber den Sims ins Zimmer stieg. Erst, als er sich am Hemdkragen gepackt f�hlte, wurde er auf den Umstand der Anwesenheit eines zweiten Menschen in seinem Lieblingsraum aufmerksam. �Que hay?� fragte er mit lallender Stimme.</style></p><p><style name="font3">�Kann man sich mit Euch jetzt noch vern�nftig unterhalten, Senor?� fragte eine Stimme.</style></p><p><style name="font3">�Habt Ihr ihn endlich?�</style></p><p><style name="font3">�Wen?�</style></p><p><style name="font3">�Wen � wen � wen kann ich schon meinen, den Kerl mit der Wunderflinte.� �Ihr meint El Silbador?�</style></p><p><style name="font3">�El Silbador? Kenne ich nicht. Was ist mit dem Ausrei�er?� �Er steht vor Euch.�</style></p><p><style name="font3">Jetzt endlich richtete sich der Trunkene auf. Aber die Augen wollten ihm noch nicht so recht gehorchen. Er blinzelte lange, ehe er sie ganz �ffnen konnte. Dann aber war sein Erstaunen um so gr��er.</style></p><p><style name="font3">�Wer � � wer seid Ihr?� fragte er verwundert.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe mich bereits vorgestellt. In Spanien nennt man mich El Silbador � den Pfeifer.� Der Gouverneur dachte angestrengt nach. Pl�tzlich erhellten sich seine Z�ge. Aus irgendeiner Ecke seines Ged�chtnisses kam die Erinnerung langsam herauf.</style></p><p><style name="font3">�El Silbador � � el Silbador, diablo, seid Ihr nicht der Mann aus den Pyren�en, der dort den Grafen de Villaverde y Bielsa aus seinem Kerker befreite?� �Das stimmt�, wunderte sich der Pfeifer. �Woher wi�t Ihr das?�</style></p><p><style name="font3">�Ein Kapit�n, der mich oftmals besucht, brachte die Kunde aus Spanien. Ihr seid dort eine Ber�hmtheit, doch bislang wu�te niemand, wohin Ihr gegangen seid.� �Es freut mich, solche Worte aus Euerm Munde zu vernehmen. Ihr werdet einer solchen Ber�hmtheit gegen�ber wahrscheinlich nicht ungerecht sein wollen, nicht wahr?� �Aber h�rt, man h�lt mich hier weit und breit f�r besonders gerecht!�</style></p><p><style name="font3">�Na, fein�, sagte der Pfeifer sp�ttisch. �Dann werdet Ihr mir vielleicht jetzt auch sagen, weshalb mich Eure Schergen am letzten Tag des vergangenen Jahres in Euer Staatsgef�ngnis eingeliefert </style><style name="font3">haben, ohne da� ich von Euch vernommen worden bin! So etwas nennt man in Spanien Freiheitsberaubung!�</style></p><p><style name="font3">�Man hat Euch hier im Gef�ngnis gehalten?� fragte der Gouverneur erstaunt. �Davon wei� ich ja gar nichts! Bis zu dieser Stunde war mir Eure Anwesenheit in Oran nicht bekannt.� �Wollt Ihr allen Ernstes behaupten, da� Ihr nichts von meinem Ausbruch aus dem Gef�ngnis geh�rt habt? Die ganze Stadt spricht dar�ber, und Eure Leute suchen mich drau�en.� Don Hernando ri� die Augen auf. Sie waren wie gro�e Glaskugeln.</style></p><p><style name="font3">�Ihr � Ihr seid � der Mann, der meinen Leuten die � die � den Kot ins Gesicht gegossen hat?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, der bin ich. Es war ein gl�nzender Einfall, nicht wahr? Sie werden Tage brauchen, bis sie den Geruch wieder loswerden.�</style></p><p><style name="font3">Don Hernandos Gedanken wirbelten durcheinander. Richtig, Hamid hatte ja von einem pfeifenden Teufel gesprochen, und der Mann, der da jetzt mit drei Gewehren bewaffnet vor ihm sa� � es war unfa�lich � dieser Mann sollte ein gemeiner Dieb sein? Don Hernando wollte es nicht glauben. Hier mu�te ein Mi�verst�ndnis vorliegen. Er stand auf und ging im Zimmer umher. Seine Schritte waren schwankend.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb seid Ihr auf so ungew�hnliche Weise ausgebrochen?� fragte er den ungebetenen Besucher.</style></p><p><style name="font3">�Weil ich sonst in diesem Loch, das Ihr Staatsgef�ngnis nennt, zugrunde gegangen w�re. Hundertmal habe ich verlangt, von Euch verh�rt zu werden. Die Posten nahmen �berhaupt keine Notiz von meinen Bitten. Es blieb mir kein anderer Weg. Nun beantwortet mir eine Frage: weshalb habt Ihr mich eigentlich �berhaupt erst einsperren lassen?� Der Gouverneur antwortete:</style></p><p><style name="font3">�Ich hatte ja keine Ahnung, da� Ihr der ber�hmte Silbador seid. Davon hatte mir Hamid nichts gesagt.�</style></p><p><style name="font3">�Ah, also auf Veranlassung dieses Gauners habe ich die Wochen im Gef�ngnis zugebracht.� �Ihr d�rft meine Freunde nicht beleidigen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich beleidige niemanden. Wenn ich jemanden einen Gauner nenne, dann ist er es auch, und das kann ich jederzeit glaubhaft belegen. Ihr werdet �brigens gestatten, da� ich mir einen Becher Wein aus Euerm Krug einschenke; denn ich bin m�chtig durstig.� Der Gouverneur nickte abwesend. Sein Gehirn arbeitete fieberhaft. Das war ja noch viel schlimmer, als er geahnt hatte! Das alles hatte �berhaupt nur durch seine Nachl�ssigkeit und Bestechlichkeit passieren k�nnen. Wenn jetzt eine Inspektion k�me oder dieser Silbador Klage gegen ihn erh�be? Eine verteufelte Situation.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb behauptet Hamid von Euch, da� Ihr ein Dieb seid?� fragte er den Trinkenden. Der Pfeifer setzte den Becher ab.</style></p><p><style name="font3">�Ah, Euer Wein ist ausgezeichnet! Weshalb Hamid dies von mir behauptet hat, wollt Ihr wissen? Nun, das ist schnell erz�hlt. H�rt gut zu. Dann werdet Ihr sehen, was f�r eine Sorte Freunde Ihr besitzt.�</style></p><p><style name="font3">Er schilderte in kurzen Worten alles, was mit dem S�bel zusammenhing.Der Gouverneur wollte seinen Ohren nicht trauen.</style></p><p><style name="font3">�Wieviel, sagt Ihr, hat Euch Hamid f�r das kostbare St�ck gegeben?�</style></p><p><style name="font3">�F�nftausend Piaster. Es ist eine Schande, da� sich der Gouverneur von Oran von solchen </style><style name="font3">Blutsaugern und Schacherern so mi�brauchen l��t.�</style></p><p><style name="font3">�Noch viel schlimmer�, sagte Don Hernando best�rzt, �er l��t sich au�erdem auch noch von seinen Freunden betr�gen. Ihr m��t wissen, da� ich den S�bel von Hamid gekauft habe, und zwar f�r zehntausend Piaster. Es ist allerdings nicht so schlimm; denn er ist f�nfzehntausend unter Br�dern wert. Ich verstehe etwas von Diamanten.� Michel war sichtlich �berrascht.</style></p><p><style name="font3">�I h r habt ihn gekauft? Nun, mir kann es gleich sein, was Hamid damit gemacht hat. Aber wenn der S�bel, wie Ihr sagt, f�nfzehntausend wert ist, so ist es umso verwerflicher, da� Hamid mir meine f�nftausend Piaster wieder abnehmen lie�, zumal er an Euch, seinem Freund, ganze hundert Prozent verdient hat.�</style></p><p><style name="font3">�Er ist eben ein guter Gesch�ftsmann�, entschuldigte der Gouverneur seinen Kumpan. Michel kniff die Augen zusammen und fa�te sein Gegen�ber ins Auge.</style></p><p><style name="font3">�Ihr entschuldigt ihn noch? Wie soll ich das verstehen? Seid Ihr nicht vom K�nig eingesetzt, um die Ordnung zu wahren? Was aber ist bei Euch in Ordnung? Ihr sperrt einen Unschuldigen auf das Gehei� eines Gauners in Euer Gef�ngnis, ohne ihn zu vernehmen. Und wenn Euch nachher die Augen ge�ffnet werden, so fallen Euch nur ganz unbegreiflich milde Worte ein! H�rt, Senor, da komme ich nicht mehr mit. Wollt Ihr mir nicht verraten, was in Wahrheit hinter all dem steckt?�</style></p><p><style name="font3">Der Gouverneur wurde auf einmal n�chtern. Jetzt erst �berblickte er seine Situation richtig. Was um Himmels willen sollte werden, wenn dieser Fremde etwa darauf bestand, da� man Halef offiziell zur Rechenschaft zog? Vor Don Hernandos Augen tanzten bunte Kreise. Er hielt in seiner Wanderung durchs Zimmer inne und blieb vor Michel stehen.</style></p><p><style name="font3">�Ich kann Hamid nicht anklagen�, sagte er mit unsicherer Stimme. �Ich kann Euch auch keine Erkl�rung daf�r geben, warum das nicht m�glich ist. Ich kann nur hoffen, da� Ihr nicht darauf besteht.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr braucht mir nichts zu erkl�ren. Ihr m��t mich nur f�r meine ungerechtfertigte Haft entsch�digen und mir die f�nftausend Piaster wieder verschaffen. Andernfalls erhebe ich offiziell Klage gegen Euch, da� Ihr meine Anzeige nicht annehmen wollt. Die Gesetze sind gemacht, um den Menschen zu sch�tzen, und nicht, um ihn durch ihre willk�rliche Anwendung und Auslegung zu knechten.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid sehr klug, Senor Silbador. Ich merke aus Euren Reden, da� Ihr zu den gebildeten Menschen geh�rt. Seid Ihr eigentlich Arzt im europ�ischen Sinne?� �Ja, ich habe in Rostock studiert.�</style></p><p><style name="font3">�In Rostock? Also Deutschland? Wie kommt Ihr dorthin?� �Ich bin Deutscher.� �Ah-�</style></p><p><style name="font3">�Ist daran etwas Besonderes?�</style></p><p><style name="font3">Don Hernando antwortete nicht sogleich. Ihm kam ein Gedanke. Wenn dieser pfeifende Teufel, wie ihn Hamid genannt hatte, kein Spanier war, so sah die Sache nur noch halb so gef�hrlich aus. Spanische Beh�rden k�mmerten sich nicht um das Wohl und Wehe vonAusl�ndern, die ohne besonderen Auftrag ins Land kamen. Vermutlich w�rde kein Hahn nach dem jungen Mann kr�hen, wenn er auf Nimmerwiedersehen verschwand. Aber zuerst mu�te man ihn wieder gefesselt vor sich haben. Dann konnte man ihn beim n�chsten Schub dem Kapit�n mitgeben. Und es w�rde auch dem ber�hmten Silbador nicht leichtfallen, aus �gyptischer Sklaverei wieder zu entkommen. Und selbst wenn ihm das gel�nge, �gypten war weit und der Weg von dort in die europ�ische Zivilisation beschwerlich. �Ich habe einen Gedanken, Senor�, sagte der Gouverneur. �Sprecht ihn aus.� �Ich werde Euch die f�nftausend Piaster ersetzen, wenn Ihr mir versprecht, da� Ihr dann in Zukunft die Gerichte nicht mit Euerm Fall bel�stigt.�</style></p><p><style name="font3">�Bueno�, sagte Michel, &gt;,ich will nicht juristischer sein als der Richter. Gebt mir die f�nftausend und ein gutes Pferd, dann seid Ihr von meiner Gegenwart erl�st.� Don Hernandos Trinkeraugen funkelten heimt�ckisch. Er konnte seine Freude �ber Michels Einverst�ndnis nur schlecht verbergen. Michel merkte es sofort, tat aber so, als sei alles in sch�nster Ordnung.</style></p><p><style name="font3">�Wartet hier noch einen Augenblick. Ich gehe das Geld holen. Macht es Euch bequem und trinkt ein paar Becher Wein. Ihr werdet ein so k�stliches Getr�nk nicht gleich wieder auf die Zunge bekommen. Entschuldigt mich jetzt.�</style></p><p><style name="font3">Er wandte sich zur T�r und ging hinaus. Michel wu�te, da� er im Augenblick nichts dagegen tun konnte. Es war ihm klar, da� der Gouverneur in k�rzester Frist wiederkommen w�rde � � begleitet von seinen Soldaten. Was sollte er tun? Die Lage war heikel. Aber lieber wollte er auf die Piaster verzichten, als sich noch einmal der Gefahr aussetzen, wieder in jenem �Staatsgef�ngnis� zu landen.</style></p><p><style name="font3">Kaum war Don Hernando verschwunden, als Michel aufsprang, um auf demselben Weg, den er gekommen war, das Zimmer und das Haus wieder zu verlassen, n�mlich durch das Fenster. Da fiel sein Blick auf den Eisk�bel, in dem das Eis fast geschmolzen war. Nur noch ein paar St�ckchen schwammen im Wasser herum.</style></p><p><style name="font3">Michel schien heute seinen boshaften Tag zu haben. Er nahm schnell den K�bel und befestigte ihn mittels einer Gardinenschnur so �ber der T�r, da� sich sein Inhalt �ber den ergie�en mu�te, der als erster das Zimmer betreten w�rde. Dann verschwand er durch das Fenster.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">37</style></p></title><p><style name="font3">Er wandte sich dem Hause Hamids zu. Es blieb ihm nichts anderes �brig, als hier doch noch </style><style name="font3">einmal sein Gl�ck zu versuchen. Erstens wu�te er, da� sein Pferd im Stall des Arabers stand, und </style><style name="font3">zweitens wollte er die Stadt auf keinen Fall ohne sein Geld verlassen. Das war er seiner und Ojos </style><style name="font3">Zukunft schuldig. Au�erdem sagte er sich, da� es dem Ruhm des Pfeifers schlecht anst�nde, </style><style name="font3">wenn er um der eigenen Sicherheit willen auf sein Recht verzichtete.</style></p><p><style name="font3">Bei dem gewagten Spiel war, wie immer bei den Menschen, auch ein wenig Eitelkeit die </style><style name="font3">Triebkraft.</style></p><p><style name="font3">Diesmal fing er es jedoch kl�ger an. Er malte sich aus, da� der Gouverneur im selben Augenblick, da er merkte, da� er, Michel, das Weite gesucht hatte, Alarm gebenw�rde. Man w�rde dann zuerst die n�here Umgebung des Palastes in Augenschein nehmen. Diese Zeit mu�te genutzt werden. Die Posten, die Hamids Haus sicherten, w�rden sehr schnell erfahren, da� der Gesuchte beim Gouverneur �zu Gast� gewesen war. Ihre Aufmerksamkeit, die ohnedies nicht besonders gro� war, w�rde in diesem Augenblick v�llig einschlafen. Vielleicht verlie�en sie sogar ihre Posten. Er sollte sich nicht geirrt haben.</style></p><p><style name="font3">Als er sich dem Haus seines Feindes n�herte, h�rte er pl�tzlich Hornrufe durch die Stadt schallen. Der Hornist blies zum Sammeln. Allerdings hatte dieser Befehl eine andere Ursache, als Michel vermutete.</style></p><p><style name="font3">Er h�rte M�nner im Laufschritt durch die Stra�en jagen, h�rte, wie die Korporale schreiend Befehle an ihre Gruppen gaben, und stellte fest, da� die Ursache dieser Aufregung nicht allein seine Flucht aus dem Zimmer des Gouverneurs sein konnte. Und doch war es letzten Endes so. Don Hernando hatte seine Wachen angewiesen, ihm zu folgen und den Fl�chtling, der sich in seinem Zimmer befinde, festzunehmen. Einem der Offiziere gab er Weisung, bei dem geringsten Vorfall, der etwa unvorhergesehenerweise eintreten sollte, dem Hornisten Befehl zum Blasen zu geben, damit man die Streitmacht vereint gegen den Pfeifer vorschicken konnte, der sich unter Umst�nden wie ein L�we verteidigen w�rde. Wie eine solche Verteidigung aussehen konnte, davon hatte man heute Morgen ja einen eindrucksvollen Vorgeschmack bekommen. Der Gouverneur ging seinen zehn Gardisten voran. Er hatte verabredet, da� sie auf einen Pfiff von ihm sofort in das Zimmer st�rmen sollten, um den Entflohenen festzunehmen oder r�cksichtslos von der Muskete Gebrauch zu machen, wenn er sich wehren sollte. Der Offizier sollte in einigem Abstand warten, um sogleich den Befehl zum Blasen zu geben, wenn etwas nicht klappen sollte. Aber es kam alles ganz anders.</style></p><p><style name="font3">Don Hernando �ffnete die T�r und hatte sein sch�nstes L�cheln aufgesetzt, um den Silbador sicher zu machen.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich aber stie� er einen furchtbaren Schrei aus und st�rzte, von einem Schwall eisigen </style><style name="font3">Wassers �berflutet, zu F��en des n�chtsfolgenden Gardisten zusammen.</style></p><p><style name="font3">Der Leutnant h�rte den entsetzten Schrei und sah, da� an der T�r ein Tumult entstand. Nach </style><style name="font3">seiner Meinung war das Unvorhergesehene jetzt eingetreten. Er eilte an das Ausgangsportal, wo </style><style name="font3">der Hornist seiner wartete, und gab Befehl, zum Sammeln zu blasen.</style></p><p><style name="font3">Hell schmetterten die Kl�nge des Signalhorns durch die Nacht.</style></p><p><style name="font3">Die Garnisonstruppen, alle Streifen, alle Posten, jeder einzelne setzte sich in Richtung Gouverneurspalast in Bewegung. Der Gouverneur lag noch immer halb bewu�tlos auf dem Boden. Seine Gardisten waren f�r den Augenblick ratlos.</style></p><p><style name="font3">Der Scherz, den Michel mit dem eiskalten Gu� im Sinn gehabt hatte, hatte eine so starke </style><style name="font3">Wirkung, da� ihm dadurch sogar der Weg zu Hamids Haus freigegeben wurde.</style></p><p><style name="font3">Als die Wachen sich verzogen hatten, st�rmte er, alle Vorsicht au�eracht lassend, zuerst in den </style><style name="font3">Stall.</style></p><p><style name="font3">Er sah dort in der Dunkelheit sein Pferd stehen. So ger�uschlos wie m�glich band er den Halfter vom Eisen-ring an der Krippe los. Er wollte gerade das Tier aus der Box ziehen, als ihn ein Laut, der von der Stallt�r herkam, innehalten lie�.</style></p><p><style name="font3">Eine Gestalt kam dort herein, in der er, vom Mondlicht �berflutet, Halef, den ungetreuen Diener, erkannte.</style></p><p><style name="font3">Zu seinem Erstaunen bewegte sich Halef jetzt ebenso vorsichtig, wie er selbst es vorher getan hatte. Was mochte der Bursche im Schilde f�hren?</style></p><p><style name="font3">Er sollte nicht lange dar�ber im unklaren bleiben. Ein Licht flammte auf. Halef erstieg vorsichtig die Leiter, die zum Heuboden f�hrte.</style></p><p><style name="font3">Michel lie� sein Pferd stehen und folgte ihm in dem Augenblick, als der andere oben verschwunden war.</style></p><p><style name="font3">Mit �u�erster Sorgfalt erklomm Michel Stufe um Stufe der Stiege, bis er den Kopf durch die Luke des Heubodens stecken konnte.</style></p><p><style name="font3">Halef kauerte in einer Ecke, schob dort das Heu zur Seite und brachte gleich darauf einen Beutel zum Vorschein. Dem Pfeifer war in diesem Augenblick alles klar. Halef hatte das erbeutete Geld tats�chlich f�r sich behalten.</style></p><p><style name="font3">Rasch zog sich Michel hoch und verbarg sich hinter einem in der N�he stehenden Schober. Als Halef den Ausgang erreichte, bannte ihn ein kurzer, aber markersch�tternder Pfiff auf der Stelle. Und dann war Michel �ber ihm. Eine wilde Rauferei begann, bei der beide versuchten, so wenig wie m�glich Ger�usch zu machen.</style></p><p><style name="font3">Michel sp�rte nach kurzem Kampf den Beutel zwischen den Fingern. Und obwohl er halb verhungert war, schaffte er es mit letzter Kraft, den anderen durch einen wohlgezielten Hieb gegen die Stirn ins Land der Tr�ume zu bef�rdern. Mit seiner eigenen Burnussch�rpe band er den �berw�ltigten und verlie� schnellstens den Heuboden. Unten zog er sein Pferd aus dem Stall, f�hrte es �ber den Hof und band es dort so an eine Pferdestange, da� ihn das L�sen des Knotens zu gegebener Zeit h�chstens eine Sekunde Zeit kosten w�rde.</style></p><p><style name="font3">In eine Ecke gedr�ckt, z�hlte er den Inhalt des Beutels, der ihm vorher bereits ein wenig leicht erschienen war. Zu seiner Entt�uschung waren nicht mehr als f�nfzehnhundert Piaster darin. Er �berlegte nicht lange. In diesem Gaunernest gab es sowieso keine Gerechtigkeit. Weshalb sollte der schurkische Herr nicht f�r den schurkischen Diener b��en, noch dazu, wo er, Michel, es dem Herrn zu verdanken hatte, da� er fast vier Wochen in dem entsetzlichen Gef�ngnis zugebracht hatte?</style></p><p><style name="font3">Kurz entschlossen st�rmte er durch die gerade offenstehende T�r in das Innere des Hauses und eilte zum Schlafzimmer Hamids.</style></p><p><style name="font3">Hamid lag friedlich auf seinem Diwan und schlief einen tiefen und erquickenden Schlaf. Umso ungehaltener zeigte er sich, als er jetzt j�h aus Morpheus Armen gerissen wurde. �Welcher stinkende Schakal wagt es, meine Nachtruhe zu st�ren?� erscholl es w�tend aus seinem Munde.</style></p><p><style name="font3">Michel, den die Zeit dr�ngte, lie� sich nicht auf lange Reden ein. Als Hamid ihn erkannte, bekam </style><style name="font3">er einen gewaltigen Schreck, der ihm gleich die Sprache verschlug.</style></p><p><style name="font3">Mit harter Stimme sagte Michel:</style></p><p><style name="font3">�Steh auf! Schnell! Beeil dich!�</style></p><p><style name="font3">Hamid gehorchte z�gernd.</style></p><p><style name="font3">�Und jetzt f�hre mich dorthin, wo du dein Geld aufbewahrst. Sei dessen sicher, da� ich dich sofort erw�rge, wenn du wieder einen Trick versuchen solltest.�Um seinen Worten den rechten Nachdruck zu verleihen, warf er ihm einen Riemen um den Hals und zog die Schlinge soweit zu, da� Hamid gerade noch m�hsam Atem holen konnte.</style></p><p><style name="font3">Zuerst wollte er nicht. Wieder versuchte er zu reden; aber es wurde nur ein Lallen daraus. �Los�, fuhr ihn Michel grob an. �Ich habe keine Zeit zu verlieren. Wenn dir dein Leben lieber ist als die f�nftausend Piaster, dann mach es kurz. F�hre mich an deinen Geldschrank oder wo du sonst die Gewinne aus deinen schmutzigen Gesch�ften aufzubewahren pflegst.� Er verst�rkte den Druck der Schlinge. Da lie� mit einemmal der Widerstand des Kaufmanns nach. Er ging zu der Truhe, b�ckte sich und �ffnete sie. Aber pl�tzlich drehte er sich um und versetzte dem Pfeifer einen Schlag gegen die Schienbeine, der diesen zu Fall brachte. Damit h�tte sich Hamid beinahe sein eigenes Grab gegraben; denn der Pfeifer zog im Fallen so heftig an der Schnur, da� er Hamid fast erdrosselt h�tte. Hamid st�rzte, wie vom Blitz getroffen, zu Boden. Michel besch�ftigte sich gleich mit dem Inhalt der Truhe. Auf ihrem Boden fand er viele S�ckchen. Er nahm sich aber nicht die Zeit, die Goldst�cke erst abzuz�hlen, ergriff einen Beutel, der ihm die richtige Gr��e zu haben schien, und befestigte ihn aufatmend an seiner Sch�rpe. Hamid war noch immer nicht zu sich gekommen.</style></p><p><style name="font3">Ohne weitere Zeit zu verlieren, rannte Michel zu seinem Pferd. Er sa� auf und stie� dem Tier die Hacken in die Weichen. Erst als er zum Tor hinausritt, erreichte sein Ohr die kreischende Stimme Hamids, der ihm alle Fl�che Arabiens hinterherschickte.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">38</style></p></title><p><style name="font3">Im 7. Jahrhundert nach Christi Geburt, w�hrend der Ausbreitung der Lehre Mohammeds �ber die orientalische Welt, wurde die alte r�mische Festung, die sp�ter von den Vandalen zerst�rt worden war, zum zweiten heiligen Zentrum der islamischen Welt: Fes, die gl�nzende Stadt mit �ber siebenhundert Moscheen, herrlichen Bauten orientalischer Kunst, vielen Hochschulen und anderen Sehensw�rdigkeiten, galt n�chst Mekka f�r die heiligste Stadt der Muslimun. Sie wurde um 750 zur Hauptstadt der Reiche Fes und Marokko und z�hlte fast eine halbe Million Einwohner.</style></p><p><style name="font3">Indessen sanken ihre Gr��e und ihr Ruhm im 16. Jahrhundert wieder; dennoch blieb sie eine der beiden Haupt- und Residenzst�dte der Sultane von Marokko.</style></p><p><style name="font3">In einer von Bergen umschlossenen, etwa 25 Kilometer langen Talebene, zwischen anmutigen Blumen- und Fruchtg�rten, liegt das einstige Juwel der Mohammedaner am Fu� des Dschebel Salah. Weder heute noch zur Zeit, da unsere Geschichte spielt, mangelte es ihr an malerischen Effekten. Die Stadt, die um 1776 herum nurmehr etwa neunzigtausend Einwohner in ihren Mauern beherbergte, wird von einem wasserreichen Nebenflu� des etwa sechs Kilometer entfernten Sebu in zwei Teile geteilt. Dieser Nebenflu� hei�t wie die Stadt; oder auch, die Stadt hat ihren Namen von dem Flu� bekommen. Im Westen liegt das alte Fes-Bali, im Osten, terrassenf�rmig ansteigend, das sogenannte neue Fes-el-Dschedid, dessen Gr�ndung bis ins dreizehnte Jahrhundert zur�ckgeht. Beide St�dte vereinigen sich im Norden an einem Berg, der die Kasbah, das Eingeborenenviertel, tr�gt.Damals, 1776, waren beide St�dte noch von fast f�nfzehn Meter hohen Mauern umgeben, hinter denen sich die vielen Bewohner aller Rassen vor den Angriffen der wilden Bergst�mme durchaus sicher f�hlen konnten. Die G��chen und Stra�en waren eng und zum Teil schon wieder verfallen. Gepflasterte Wege gab es kaum. In einem besonderen Viertel wohnten die etwa zehntausend K�pfe z�hlenden Juden. Das Ghetto trug den Namen Milha. Von den 700 Moscheen der Glanzzeit standen nur noch etwa 150, von denen die des Muley-Edris mit dem Grabmal ihres Gr�nders und die Karubin die ber�hmtesten und sch�nsten sind. In der Karubin befindet sich eine mohammedanische Priesteruniversit�t mit einer umfangreichen Universit�t, in der viele Theologen aus der ganzen arabischen Welt herangebildet werden. Dadurch wurde Fes, obwohl es seine �u�erliche Pracht verloren hatte, zum geistigen Mittelpunkt des Orients. Im �brigen war und ist Fes eine typische arabische Stadt mit Hunderten von Basaren, Kaufl�den, t�rkischen Schwitzb�dern und dazwischen wimmelnden Menschen. Der Handel bl�hte und gedeiht heute noch. Damals hatten die gr��ten Karawansereien dort ihre Niederlassungen. Ihre Karawanen zogen bis nach Timbuktu und brachten die in Fes hergestellten Waren in alle Welt. Einer der begehrtesten Ausfuhrartikel war der rote Fes, die �berall bekannte orientalische Kopfbedeckung. In Fes residierte damals der Sultan von Marokko, Muley Sidi Mohammed, ein milder und gerechter Herrscher, mit dem die Gesandten der europ�ischen Nationen gern in F�hlung kommen wollten.</style></p><p><style name="font3">Er bewohnte einen pr�chtigen Palast im neueren Fes und besch�ftigte sich mit Pl�nen der Erschlie�ung des r�ckst�ndigen Landes, lie� Stra�en anlegen und zog die geistige Elite Arabiens in seinen Schulen und Universit�ten zusammen. �</style></p><p><style name="font3">Es war ein grauer, w�lken verhangener Januartag, als Steve und Isolde Hawbury hinter Ojo in die Hauptstra�en von Fes einritten. Sie machten einen m�den und abgespannten Eindruck. Aber ihre weite Fahrt war ohne besondere Zwischenf�lle verlaufen.</style></p><p><style name="font3">�Ich bin daf�r, da� wir uns zuerst einmal nach einer einigerma�en sauberen Herberge umsehen�, brummte Ojo. �Ich bin m�de wie ein Hund, und mein Gaul ist so abgek�mpft wie ich.� �Was will er?� fragte Steve seine Schwester. Sie erkl�rte es ihm.</style></p><p><style name="font3">�Sag ihm, er soll ruhig suchen. Wir werden jetzt zum Sultan reiten. Dorthin k�nnen wir ihn sowieso nicht mitnehmen.�</style></p><p><style name="font3">�Nicht mitnehmen?Weshalb denn nicht?� fragte Isolde.</style></p><p><style name="font3">�Ich bitte dich, diesen ungeschliffenen Raufbold � was w�rde man am Hof des Sultans von uns denken, wenn wir in seiner Begleitung k�men?� Isolde zog die Brauen zusammen.</style></p><p><style name="font3">�Steve�, sagte sie, �er war uns ein treuer Reisebegleiter. Er hat im Gebirge f�r uns die Tiere geschossen, die wir verzehrt haben, und er hat ein gut Teil dazu beigetragen, da� wir �berhaupt mit heiler Haut hierher gelangt sind. Ich finde deine Bedenken zumindest ungerecht.� �Unsinn�, sagte Steve, �du mu�t nun langsam deine Gef�hlsduselei ablegen. Wir kommen jetzt in zivilisiertere Gegenden. Da k�nnen wir solche Landstreicher in unserer Gesellschaft nicht mehr gebrauchen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich habe aber Mr. Baum versprochen, da� ich mich um ihn k�mmern werde. Ich verstehe deine Hartherzigkeit nicht.�</style></p><p><style name="font3">�Das ist auch nicht n�tig. Was ich tue, hat schon Sinn und ist richtig. Darauf kannst du dich verlassen, teure Schwester. Und was du diesem w�sten Pfeifer versprochen hast, brauchen wir nicht zu halten. Man mu� aus diplomatischen Erw�gungen heraus manchesmal Versprechungen geben. Wo k�me ein Diplomat hin, wenn er alles, was er verspricht, ausf�hren wollte? Dieser Baum, oder wie er hei�t, existiert f�r mich gar nicht mehr. Ich mag diese sich �berlegen gebenden Abenteurer nicht. Hinzu kommt noch, da� er ein Deserteur ist, ein Mann, der jeden Anspruch auf Ehrenhaftigkeit verloren hat. Befreien wir uns endlich von allem, was uns noch an ihn erinnern k�nnte � und dieser lange, grobschl�chtige Spanier erinnert mich dauernd an ihn.� �Ich kann deine Meinung nicht teilen; denn ohne diese M�nner w�re ich wahrscheinlich heute noch die Sklavin des Daj in Algier.�</style></p><p><style name="font3">�Sagt, Senorita, wie ist das mit einer Herberge? Wollen wir nicht endlich Rast machen?� fragte Diaz Ojo.</style></p><p><style name="font3">�Mein Bruder will zuerst in den Palast!� Ojo blickte mi�mutig drein. Dann meinte er:</style></p><p><style name="font3">�Leider bin ich auf Euch angewiesen, Senorita, weil Ihr das Geld in Verwahrung habt. Aber ich m�chte doch in eine Herberge. Wir k�nnten gemeinsam eine Unterkunft suchen, von wo aus Ihr Euch dann zum Palast begeben k�nnt.�</style></p><p><style name="font3">�Ich dachte, Ihr w�rdet mit uns kommen. Mein Vater wird sicherlich daf�r sorgen, da� Ihr auch dort wohnen k�nnt.� Ojo verzog das Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube nicht, da� ich in einen Palast passe, Senorita. Gebt mir etwas Geld und la�t mich in der Stadt.�</style></p><p><style name="font3">Isolde sprach mit ihrem Bruder.</style></p><p><style name="font3">�Na also�, meinte der erfreut, �das ging ja leichter, als ich dachte. Gib ihm alles, was du noch hast, wir brauchen nichts mehr. Heute abend liegen wir auf seidenen Kissen und lassen uns von sch�nen Sklavinnen bedienen. Trennen wir uns endlich von diesem groben Klotz.� Ojo war zufrieden, als er das S�ckchen, dessen Inhalt w�hrend der Reise betr�chtlich zusammengeschmolzen war, ausgeh�ndigt erhielt.</style></p><p><style name="font3">�Und wo werden wir Euch finden?� fragte Isolde. �Ja, das wei� ich auch noch nicht. Ich werde hin und wieder in der N�he des Palastes sein, dort k�nnt Ihr mich dann treffen, Senorita, hasta la vista � auf Wiedersehen.�</style></p><p><style name="font3">Er l�chelte freundlich und wandte sein Pferd in Richtung einer schmalen Seitengasse. Er war froh, von den beiden wegzukommen. Wenn er auch kaum ein Wort englisch verstand, so hatte er doch gemerkt, da� der junge Herr ihm nicht wohlgesinnt war. Er rechnete damit, da� der Pfeifer bald hier sein w�rde, wahrscheinlich schon morgen oder �bermorgen.</style></p><p><style name="font3">Ojo hielt sein Pferd zun�chst vor einem Basar an, an dem frische Ziegenmilch angeboten wurde. Er kaufte einen Becher voll und go� ihn durstig hinunter. Die Milch erquickte ihn. Er f�hlte sich jetzt viel frischer.</style></p><p><style name="font3">Sein n�chstes Ziel war ein maurisches Dampfbad. Er band sein Pferd an einem Mauervorsprung fest und ging hinein.</style></p><p><style name="font3">Ein Neger von herkulischem K�rperbau war gerade dabei, hei� gemachte Steine in ein Wasserbecken zu werfen. Dampf zischte auf und h�llte die nackten Ge-stalten in dichte Wolken ein. Die Hitze steigerte sich von Minute zu Minute.</style></p><p><style name="font3">Ojo sp�rte, wie ihm der wochenalte Reiseschmutz mit dem austretenden Schwei� aus allen Poren lief. Ein Wohlbehagen �berkam ihn, wie er es schon lange nicht mehr empfunden hatte. Nachdem er lange genug geschwitzt hatte, forderte ihn der Neger auf, sich auf eine h�lzerne Pritsche zu legen. Dann begann die Massage. Die riesigen F�uste des Negers kneteten Ojo durch, als sei er ein zwanzig Pfund schweres Kind und nicht ein Mann, der gut und gern seine zwei Zentner auf die Waage brachte. Auch der letzte Schmutz wurde auf diese Weise aus den Poren entfernt.</style></p><p><style name="font3">Vier Stunden hatte die gesamte Prozedur gedauert. Als Ojo wieder auf die Stra�e trat, f�hlte er sich wie neugeboren. Alle Mattigkeit war von ihm gewichen. Sein Blutkreislauf war angeregt. Er f�hlte neue Unternehmungslust in sich wachsen.</style></p><p><style name="font3">Mit einem Satz sa� er im Sattel. Am Rand der alten Stadt fand er ein Gasthaus, dessen Inhaber Spanier war. Froh, in diesem Gewimmel fremder Rassen und Zungen einen Landsmann getroffen zu haben, blieb er hier.</style></p><p><style name="font3">Auch der Wirt freute sich �ber den Besuch und holte tiefgek�hlten Wein aus dem Keller. Ojo f�hlte sich so wohl wie lange nicht.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">39</style></p></title><p><style name="font3">�Na endlich�, sagte Steve befriedigt, als sie vor dem gro�en Eingangstor des Palastes ankamen. �Zitterst du nicht vor Aufregung, Isolde? In sp�testens zehn Minuten sitzen wir unserem Vater gegen�ber.�</style></p><p><style name="font3">Vor dem Tor ging ein Posten in malerischer Uniform auf und ab. Das Gewehr, eine Muskete, die wahrscheinlich noch aus der Zeit der Entdeckung Amerikas stammte, hatte er mit dem Lauf nach unten geschultert. Mi�trauisch be�ugte er jetzt die beiden Reiter, von denen der eine einen langen, ungepflegten Bart trug, der andere aber ein Milchgesicht hatte, das v�llig bartlos war. Der Posten konnte sich nicht dar�ber klar werden, mit Leuten welchen Schlags er es hier zu tun hatte. Es interessierte ihn auch nicht sonderlich; denn er ahnte nat�rlich nicht, da� die beiden im n�chsten Augenblick versuchen w�rden, das Allerheiligste, den Palast des Sultans zu betreten. Steve stieg vom Pferd und half dann seiner Schwester herunter. Beide f�hrten ihre Tiere am Z�gel und traten auf den Posten zu.</style></p><p><style name="font3">�Salam alejkum�, gr��te Steve in seinem schlechten Arabisch.</style></p><p><style name="font3">�W'alejk sal�, erwiderte der Posten unh�flich. Einem Mann, der nicht einmal einen Turban oder einen Fes, die Zierde des Rechtgl�ubigen, trug, brauchte man nicht den ganzen Gegengru� zu erweisen.</style></p><p><style name="font3">�Wir m�chten in den Palast�, sagte Steve.</style></p><p><style name="font3">�Wollt ihr vielleicht den Emir el Mumenin<sup>1</sup> besuchen?� fragte der W�rter lachend.</style></p><p><style name="font3">�Das auch. Aber zuerst wollen wir zu dem englischen General, Lord Hawbury, der im Palast des </style><style name="font3">Sultans wohnt.�</style></p><p><style name="font3">�Ah! So habt Ihr wohl gar eine Botschaft f�r ihn?� �Er ist unser Vater.�</style></p><p><style name="font3">�So, er ist euer Vater � er ist euer Vater�, der Posten wollte sich aussch�tten vor Lachen. �Sagt, ist ein englischer Lord nicht so etwas �hnliches wie ein Kajd<a l:href="#n_10" type="note">[10]</a>, dem die Leute gehorchen und der viele Schafe sein eigen nennt?� �Er ist nicht nur ein Kajd, er ist ein Emir.�</style></p><p><style name="font3">�Ein Emir, so, so, und Ihr seid also die Kinder eines Emirs, o Allah, was m�ssen die Engl�nder f�r arme Leute sein, wenn sie so schmutzige S�hne haben.�</style></p><p><style name="font3">Steve blickte seine Schwester an. Isolde war bla� geworden. Sie kannte die Ansichten und Sitten </style><style name="font3">der Araber besser als ihr Bruder und wu�te, da� dieser Posten sie niemals in den Palast eintreten </style><style name="font3">lassen w�rde. Er glaubte wohl kein Wort von dem, was ihm Steve erz�hlte.</style></p><p><style name="font3">Ihre Gedanken wurde auch sogleich best�tigt; denn jetzt meinte der Posten weniger freundlich:</style></p><p><style name="font3">�Was steht ihr noch hier herum? Das ist kein Platz, an dem sich Bettler und H�ndler ausruhen </style><style name="font3">d�rfen. Macht, da� ihr weiterkommt, sonst mache ich euch Beine.�</style></p><p><style name="font3">In Steve kochte es.</style></p><p><style name="font3">�Du Hundesohn!� schrie er au�er sich und st�rzte sich auf den Araber, der ihn um halbe Hauptesl�nge �berragte.</style></p><p><style name="font3">Er erhielt einen heftigen Schlag vor die Brust und taumelte zur�ck. Als er mit der Hand nach dem Brustkorb griff, sp�rte er ein schmerzhaftes Ziehen oberhalb der sechsten Rippe.</style></p><p><style name="font3">Isoldes Nerven waren diesen neuerlichen Aufregungen nicht mehr gewachsen. Sie begann zu weinen. Die Tr�nen rannen ihr �ber die weichen Wangen, so da� sie der Posten erstaunt ansah. �Bist du ein Weib?� fragte er �rgerlich, �da� du so heulst?� �Ich bin die Schwester dieses Mannes�, sagte Isolde schluchzend. �Allah kerim, was wollt ihr denn nur beim Sultan?�</style></p><p><style name="font3">�Wir wollen wirklich nur zu dem englischen General, der bei ihm zu Gast ist.� Jetzt stampfte der Posten zornig mit dem Fu� auf.</style></p><p><style name="font3">�Maschallah, deine verdammten Tr�nen r�hren mich nicht. Ihr m��t euch einen D�mmeren aussuchen, wenn ihr ihm solche M�rchen aufbinden wollt. Seht zu, da� ihr Boden gewinnt, sonst rufe ich die Wachen, und ihr wandert in den Kerker. Barra, barra!�</style></p><p><style name="font3">Er machte mit dem Gewehrkolben abermals eine bezeichnende Geste. Isolde zog es vor, nicht zu dicht an ihn heranzukommen. Steve stand an den Zaun gelehnt und hielt sich die schmerzende Brust. Er st�hnte leise.</style></p><p><style name="font3">�Was machen wir nun?� fragte Isolde mit bebender Stimme.</style></p><p><style name="font3">Er zuckte nur die Achseln. Sein ganzer Hochmut war unter dem Schlag zusammengebrochen. Ja, wenn sie jetzt Ojo dabeigehabt h�tten! Ein paar Schl�ge von dessen H�nden, und der Bursche h�tte sich mitsamt seiner Flinte begraben lassen k�nnen. Ein eisiger Schreck durchzuckte das M�dchen.</style></p><p><style name="font3">Ojo hatte den ganzen Rest des Geldes bei sich. Wo aber sollten sie den Begleiter jetzt finden? In der Stadt gab es mindestens tausend Herbergen. In welcher w�rde Ojo sein?�Barra! Macht, da� ihr fortkommt, ihr Halunken. Ich seh es mir nur noch einen Augenblick an, da� ihr hier herumsteht. Barra! Barra!�</style></p><p><style name="font3">Isolde nahm traurig die beiden Pferde beim Z�gel, und ihr Bruder folgte ihr wankend. Der graue Wolkenschleier, der vor dem Himmel hing, zerri� pl�tzlich. J�h stach die Sonne auf die Geschwister nieder. Die Hitze legte sich wie ein wollener Mantel um sie und trocknete die durchn��ten Lumpen an ihren K�rpern. Zuerst hatten die beiden nur den Eindruck wohliger W�rme. Aber schon nach einer halben Stunde verw�nschte Steve die Sonne. Hatte sie vorher der feine Regen durchn��t und sie fr�steln lassen, so lief ihnen jetzt der Schwei� in Str�men vom R�cken, und die Lumpen waren wieder na�.</style></p><p><style name="font3">Stunde um Stunde wanderten sie durch die Stadt und schleppten die abgetriebenen G�ule, die durstig waren, am Z�gel nach.</style></p><p><style name="font3">Die Schmerzen in Steves Brust verst�rkten sich mit jedem Schritt. Als sich die Sonne dem Horizont zuneigte, jammerte er:</style></p><p><style name="font3">�Ich kann nicht mehr, Isolde, ich bin unf�hig, auch nur noch einen Schritt zu machen.� Isoldes Tr�nen waren mittlerweile versiegt. Sie hatte sich in ihr Geschick ergeben. Aber sie war noch nicht so weit herunter, da� sie sich willenlos von der Verzweiflung h�tte �bermannen lassen. Reste ihrer Energie waren noch vorhanden. �Wir k�nnen uns nicht hier an den Stra�enrand setzen. Steve.�</style></p><p><style name="font3">�Ich kann nicht mehr�, st�hnte er verzweifelt. Gl�hende Messer w�hlten in seiner Brust. Isolde verhielt den Schritt und sah ihn an. Er war um Jahre gealtert. Scharfe Furchen standen in seinen jugendlichen Z�gen. Sie bi� die Lippen aufeinander. Wenn er auch Dummheiten gemacht hatte, er war ihr Bruder. Sie mu�te zu ihm halten. Sie hatte schon Schwereres �berstanden. Jetzt war sie wenigstens in Freiheit.</style></p><p><style name="font3">�Well�, meinte sie mit fester Stimme, �dann setz dich dort dr�ben unter den Baum, binde das Pferd an, ich gehe Ojo suchen. Irgendwo mu� er ja sein.�</style></p><p><style name="font3">Steve nickte und wankte zu dem von ihr bezeichneten Baum, wo er sich v�llig ersch�pft niederlie�.</style></p><p><style name="font3">Isolde kletterte m�hsam in den Sattel und ritt im Schritt davon. Stunde um Stunde ritt sie durch die engen Stra�en. Manch ein Blick aus finsteren Augen traf sie. Dennoch blieb sie unbehelligt. Ojo � Ojo, h�mmerte ihr Gehirn. Sie mu�te ihn finden, koste es, was es wollte. Der Abend brach fast �berganglos herein.</style></p><p><style name="font3">Sie h�rte von den zahlreichen Minarehs die Stimmen der Muezzins, die die Gl�ubigen zum Abendgebet riefen, das sicherste Zeichen, da� es in wenigen Minuten tiefe Nacht sein w�rde. Wie im Traum irrte sie weiter. Manchmal blieb das Pferd von selbst stehen und gehorchte dem Schenkeldruck nicht mehr. Dann schlug sie ihm w�tend mit der Faust zwischen die Ohren. Der Gaul machte wieder ein paar Schritte.</style></p><p><style name="font3">Sie f�hlte, da� das Suchen nach Ojo einen Kampf auf Leben und Tod bedeutete, einen Kampf gegen die Zeit und gegen die Schw�che. Wenn sie schon ihn nicht finden konnte, so vielleicht sein Pferd, das irgendwo an einer Pferdestange vor einer der zahlreichen Wirtschaften angebunden sein w�rde.Doch es war alles vergeblich.</style></p><p><style name="font3">Wieder erklang der Ruf des Muezzins. Diesmal versammelte er die Muslimun zum Morgengebet.</style></p><p><style name="font3">Ein neuer Tag war angebrochen.</style></p><p><style name="font3">Isolde nahm noch einmal alle Kraft zusammen und trieb das m�de Pferd durch zwei Stra�en hindurch, bis sie den Baum sah, an dessen Fu� ihr Bruder den tiefen Schlaf des Ersch�pften schlief. Als das Ro� unter der schattenspendenden Krone von selbst anhielt, verlor das M�dchen den Halt und sank langsam vom Pferd, bis sie, vor ihrem schlafenden Bruder liegend, die Besinnung verlor.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">40</style></p></title><p><style name="font3">Der Sonnenschein sollte nicht lange anhalten. Gegen Mittag bezog sich der Himmel wieder, und der alles durchdringende feine Regen setzte ein.</style></p><p><style name="font3">Von der K�hle erwachten die beiden Ungl�cklichen. Isolde sch�ttelte sich vor K�lte. Steves Z�hne schlugen h�rbar aufeinander. Seine Wangen gl�hten im Fieber.</style></p><p><style name="font3">�Wir m�ssen mit den Tieren vor die Stadt�, sagte Isolde m�hsam. �Drau�en w�chst Gras. Hier haben wir nichts f�r sie zu fressen; denn Hafer k�nnen wir nicht kaufen, nicht einmal Heu.� Ihr Bruder stierte nur stumpf vor sich hin und gab keine Antwort.</style></p><p><style name="font3">Sie raffte sich hoch und kletterte auf den R�cken ihres Gauls, der sich wieder etwas erholt hatte. Steves Pferd nahm sie am Z�gel. Im Schritt durchritt sie wieder die ganze Stadt und wandte ihre Augen jeder Kaschemme zu, bis sie die Stadtmauer hinter sich hatte. An den Ufern des Wadi Fes gab es auch um diese Jahreszeit noch gen�gend Gras, da� die Pferde weiden konnten. Vom Wasser des Flusses tranken sie sich voll. Und da ihre Herrin keine Anstalten zu machen schien, sich zu erheben, legten auch sie sich hin.</style></p><p><style name="font3">Isolde achtete nicht des Regens. Sie hatte nicht einmal mehr das Gef�hl, da� sie fror. Sie war wie erstarrt. Zusammengesunken kauerte sie am Rand eines Ufergeb�sches. Nach Stunden endlich zwang sie sich zum Aufstehen. Die Pferde taten es ihr sofort nach. Sie zupften nochmals ein paar Gr�ser und schienen dann ihre alte Frische und Spannkraft wiedererlangt zu haben.</style></p><p><style name="font3">Wenn ich weiterleben will, dachte Isolde, mu� ich wohl betteln. Sie lie� die Pferde stehen und wandte sich an den n�chsten Stra�enpassanten.</style></p><p><style name="font3">�Herr, gib einem armen Menschen eine Gabe. Ich bin halb verhungert. Allah wird dich daf�r reich beschenken.�</style></p><p><style name="font3">Der alte Araber, den sie gefragt hatte, blieb verwundert stehen und sah ihr ins Gesicht. Dann </style><style name="font3">sch�ttelte er den Kopf und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Bist du nicht eine Wei�e, eine Ungl�ubige?�</style></p><p><style name="font3">Isolde erschrak. Sah man ihr so deutlich ihre Rasse an?</style></p><p><style name="font3">Sie war gekleidet wie ein Mann. Wie konnte der andere ihr Geschlecht erraten haben? Sie weinte </style><style name="font3">auf einmal laut auf.</style></p><p><style name="font3">Der Araber schien Mitleid zu haben.</style></p><p><style name="font3">�Was plagt dich?� fragte er. �Weshalb bettelst du?�</style></p><p><style name="font3">�Ich verhungere�, erwiderte sie gequ�lt, �und mein Bruder wird vielleicht die n�chste Nacht </style><style name="font3">nicht mehr �berleben, wenn er noch einmal im Freien n�chtigen mu�.�Sie deutete mit dem </style><style name="font3">Finger auf den zusammengesunkenen Steve.</style></p><p><style name="font3">�Wie seid ihr in diese Lage gekommen?� Der Alte war neugierig.</style></p><p><style name="font3">Isolde erz�hlte in kurzen, schleppenden Worten.</style></p><p><style name="font3">�Maschallah, ein sch�nes M�rchen. Aber da� dein Bruder krank ist, sehe ich mit eigenen Augen. Gut, kommt mit mir, ich will euch zu essen und zu trinken geben. Geld habe ich selbst nicht. Wenn du n�mlich keine Fremde w�rst, h�ttest du in mir l�ngst einen Kollegen erkannt. Einen Berufskollegen allerdings.�</style></p><p><style name="font3">�So bist du selbst ein Bettler?� Sie war erstaunt. �Du siehst aber gar nicht verhungert aus.� �Oh�, lachte der Alte, �ein echter Bettler braucht keine Not zu leiden. Zu essen bekommt er immer. Nur mit dem Geld r�cken die Reichen nicht so schnell heraus. Komm mit. Ich werde dich speisen.�</style></p><p><style name="font3">�Aber mein Bruder�, sagte Isolde, �er kann nicht gehen, nicht einen Schritt.�</style></p><p><style name="font3">�Ich gebe dir einen Napf voll Cous-Cous f�r ihn mit. Dann kannst du ihn f�ttern, nachdem du </style><style name="font3">dich selbst satt gegessen hast.�</style></p><p><style name="font3">Isolde nickte.</style></p><p><style name="font3">Sie folgte dem alten Mann. Er nahm Richtung auf die Kasbah. Hier ging es durch G�nge, Gassen und kleinste G��chen, die fast wie Hausflure aussahen. �berall lagen oder standen die M�nner herum und blinzelten faul in die Sonne. Hier wurde nicht gearbeitet. Die Kasbah ist in jeder Stadt das Viertel, in das sich in sp�teren Jahrhunderten langsam alle Eingeborenen, soweit sie zu den �rmeren oder auch zu den fanatischen Schichten geh�rten, zur�ckzogen. Damals hatte sie noch nicht den Sinn eines ausgesprochenen Eingeborenenviertels; denn schlie�lich konnte man die wenigen Europ�er in der ganzen Stadt gut und gern an zwei H�nden abz�hlen. Damals hatten hier in erster Linie Diebe und Bettler ihre Unterk�nfte. Hier waren sie sicher vor den Garden des Sultans. Selbst in sp�teren Jahren, in der Zeit der Kolonisierung, vermied es die wei�e Polizei �ngstlich, die Kasbah zu betreten.</style></p><p><style name="font3">Der Bettler f�hrte Isolde durch ein wahres Labyrinth von G�ngen. Von selbst w�rde sie nie wieder hier herausfinden. Aber sie hatte gro�es Vertrauen zu dem Alten. Er sah nicht aus wie ein verkappter Sklavenh�ndler.</style></p><p><style name="font3">Manche der Herumliegenden erhoben sich beim Erscheinen der beiden, kreuzten die Arme vor der Brust und machten eine ehrerbietige Verbeugung vor dem Alten.</style></p><p><style name="font3">Nach einer halben Stunde betraten sie einen saalartigen Raum, der zwar nicht ganz �berdacht, doch aber ummauert war. �berall lungerten hier in Winkeln und Ecken zerlumpte Gestalten herum.</style></p><p><style name="font3">Sie durchschritten den �Saal� und gelangten in einen kleinen Raum, der wie ein gut </style><style name="font3">eingerichtetes Zimmer aussah, nat�rlich auf typisch arabische Weise m�bliert.</style></p><p><style name="font3">Der Alte bot Isolde einen P]atz auf dem Diwan an und klatschte in die H�nde. Es vergingen zwei </style><style name="font3">Sekunden. Dann erschien ein v�llig zerlumpter Kerl, der ebenfalls ein Bettler sein mochte.</style></p><p><style name="font3">�Koche Cous-Cous und bringe dieser Ungl�ubigen hier zu essen. Dann mach einen Topf zurecht, </style><style name="font3">den sie mitnehmen kann, um einen anderen zu speisen, der nahe am Verhungern ist.�</style></p><p><style name="font3">Der Zerlumpte verbeugte sich h�flich und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Ich werde nach deinem Willen tun, Emir.�</style></p><p><style name="font3">�Emir?� fragte Isolde �berrascht.</style></p><p><style name="font3">Der alte Bettler lachte.�Sie haben mir den Titel gegeben. Er gilt nat�rlich nicht drau�en. Aber die hier haben mich zu ihrem F�rsten gemacht, zum K�nig der Bettler sozusagen, weil sie ohne meinen Rat nicht zu leben verm�gen. Ich bin in Wahrheit kein Emir, sondern nur ein Philosoph.� �Ein Philosoph?� wunderte sich Isolde noch mehr. �Ja. Glaubst du, da� es im Morgenland keine Philosophen gibt?�</style></p><p><style name="font3">�Wenn du es sagst, wird es stimmen. Aber weshalb lebst du hier unter so merkw�rdigen Umst�nden?�</style></p><p><style name="font3">�Sie passen mir. Ich habe keine Sorgen und brauche mich um meinen Lebensunterhalt nicht zu k�mmern.�</style></p><p><style name="font3">�Aber es ist so finster hier, so � so � abgeschlossen � so � ich wei� nicht recht, wie ich ausdr�cken soll, was ich empfinde.�</style></p><p><style name="font3">�Oh, daraus mache ich mir nichts. Ich habe alle L�nder der Welt bereist. Auch in deiner Heimat bin ich gewesen. Ich habe Schnee gesehen und Sonne, Meere und W�sten. Ich habe festgestellt, da� die Menschen �berall gleich t�richt sind, jeder auf seine Weise. Was also soll ich noch drau�en? Hier ist der richtige Ort, um zu meditieren.� �Aber unter Dieben?� fragte sie erstaunt.</style></p><p><style name="font3">�Sind wir nicht alle mehr oder weniger Diebe? Sind wir nicht alle R�uber? Der eine raubt Geld und Edelsteine. Der andere nimmt seinem Nachbarn die Ruhe weg. Und es gibt Kaiser und K�nige, gerade in deiner Heimat, die befehlen ihren Soldaten, da� sie anderen das Leben rauben. Sage mir, worin liegt hier der Unterschied?�</style></p><p><style name="font3">Isolde schwieg. Sie hatte viel gesehen im Lauf ihres jungen Lebens. Aber sollte sie sich mit </style><style name="font3">einem Weisen in ein Streitgespr�ch einlassen?</style></p><p><style name="font3">�Was wirst du nun tun, wenn du satt bist?� fragte der Alte wieder.</style></p><p><style name="font3">Sie zuckte mit einer hilflosen Geb�rde die Achseln. Dann antwortete sie:</style></p><p><style name="font3">�Ich mu� zu meinem Vater vordringen. Er wohnt im Palast des Sultans. Er ist ein Gesandter </style><style name="font3">Englands, den mein K�nig zu Verhandlungen hierher geschickt hat.�</style></p><p><style name="font3">Der Alte blieb schweigsam. Er hatte den Kopf in die H�nde gest�tzt und schien nachzudenken. Die T�r �ffnete sich, und der zerlumpte Kerl brachte zwei Sch�sseln. In der einen war Reis, in der anderen dampfte hei�es Hammelfleisch mit Sauce. Er setzte die Sch�sseln vor Isolde auf die Erde nieder und zog sich wortlos zur�ck.</style></p><p><style name="font3">Isolde hatte im Lauf ihrer Gefangenschaft gelernt, wie man Cous-Cous i�t. Sie griff in den hei�en Reis, ballte eine Kugel, w�lzte sie in der fetten Tunke und steckte sie hei�hungrig in den Mund.</style></p><p><style name="font3">�Unsere Gebr�uche scheinen dir nichts Neues zu sein, wie?� l�chelte der Philosbph. Er freute sich, da� einer Ungl�ubigen die Speise Mohammeds so vorz�glich mundete. �H�re�, fuhr er nach einer Weile des Schweigens fort. �Ich glaube dir deine Geschichte jetzt, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag. Ich will deinen Bruder hier bei , mir aufnehmen. Dich allerdings kann ich nicht hierbehalten; denn Frauen ist der st�ndige Aufenthalt in diesem Teil der Kasbah verboten. Dein Bruder kann sich hier erholen, und du selbst kannst kommen, um dich zu st�rken. In der Zwischenzeit wird es dir nicht mehr schwerfallen, da du neue Kr�fte gesammelt hast, das Tor des Palastes zu bewachen; denn einmal wird ja auch ein Gesandter des K�nigs von England Verlangen haben, den Palast zu verlassen. Dann pa�t du ihn ab. Wenn er wirklich dein Vater ist, dann wird er dich sogleich wiedererkennen.�</style></p><p><style name="font3">Isolde stimmte diesem Vorschlag begeistert zu. Sie hatte, keine Angst vor den einsamen N�chten in der Stadt. Wenn sie bei Kr�ften war, w�rde sie sich verteidigen k�nnen. Au�erdem konnte sie durchaus f�r einen Mann gelten. Nicht alle hatten so scharfe Augen, wie dieser Weise, der einem bis ins Herz schauen konnte. Und f�r einen M�dchenh�ndler sah sie im Augenblick zu verkommen aus. Sie w�rde keinem auch nur zwanzig Piaster einbringen. Sie stopfte sich noch einige Reiskugeln in den Mund, nahm dann den Rest auf, um ihn ihrem Bruder zu bringen, und verabschiedete sich von dem Alten. Der lachte und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Ich werde dich schon begleiten m�ssen. Hier findest du im Leben nicht wieder heraus. Ich werde dir auch behilflich sein, deinen Bruder hierher zu bringen. Nimm diesen Ring. Wenn du ihn vorzeigst, wird dir jeder in der Kasbah behilflich sein, zu mir zu gelangen. Aber vergi� nicht, ihn mir wiederzugeben, wenn du ihn nicht mehr brauchst. Du siehst, ich habe Vertrauen zu dir. Entt�usche mich nicht.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">41</style></p></title><p><style name="font3">Vier Tage weilte Ojo bereits in der spanischen Taberna. Der Wirt war gro�z�gig und voller Freude, da� ihm ein Landsmann so lange Zeit Gesellschaft leistete. Immer wieder brachte er neue Humpen herrlichsten Weines angeschleppt, und Ojo trank, trank, trank, als sollte er sein ganzes Leben hindurch nie wieder einen Tropfen auf die Zunge bekommen. Ohne da� er es merkte, schmolz seine Barschaft zusammen. Das Trinken machte hungrig. Und was er verzehrte, mu�te er bezahlen wie alle G�ste.</style></p><p><style name="font3">Es war schon Mittag, und die Sonne lugte gerade wieder einmal durch ein Wolkenloch, als Ojo aus schwerem Rausch erwachte. Er stand auf, ging auf den Hof hinaus, zog einen Eimer voll Wasser aus dem Brunnen und go� sich das k�hle Na� �ber den Kopf.</style></p><p><style name="font3">�Hola, amigo, was macht Ihr da?� ert�nte die lachende Stimme des Wirts hinter ihm. �Ihr m��t Euch nicht Wasser �ber den Kopf gie�en. Das ist ungesund, und au�erdem werdet Ihr davon zu schnell n�chtern. Wenn Ihr nach dem Erwachen einen schlechten Geschmack im Mund und Schmerzen im Kopf habt, so m��t Ihr gleich zum Krug greifen und einen kr�ftigen Zug hinuntergie�en.� Ojo sah sich um.</style></p><p><style name="font3">�Nichts f�r ungut, Senor, ich wei�, da� Euer Wein vorz�glich ist. Und da die Araber in ihrer unerforschlichen Dummheit keinen trinken, seid Ihr allein auf europ�ische Zechkumpanen angewiesen. Und die kommen gar selten ins Land. Ich kann verstehen, da� Ihr � wenn sich schon mal einer sehen l��t � diesen so lange wie m�glich bei Euch halten wollt. Aber einmal geht auch die sch�nste Zeit zu Ende. Ich habe n�mlich Freunde in der Stadt, um die ich mich k�mmern mu�. Vielleicht brauchen sie mich. Sollten sie mich aber nicht mehr brauchen, so haben sie ihr Ziel erreicht und k�nnen mir noch mit einigen Piastern behilflich sein. Deshalb will ich sie aufsuchen. Und dazu mu� ich frisch sein.� �Ihr kommt doch wieder?� fragte der Wirt besorgt.</style></p><p><style name="font3">�Naturalmente, amigo, der Teufel soll mich braten und frikassieren, wenn ich Euern vorz�glichen Wein je vergessen sollte. Aber jetzt m��t Ihr mich f�r eine Weile entschuldigen. Ich reite in die Stadt.�</style></p><p><style name="font3">�Bueno, Euer Pferd steht gut im Futter, Senor, es hat sich in meinem Stall au�erordentlich gut erholt. Es ist ein pr�chtiges Vieh. Ich w�rde Euch f�nfhundert Goldpeseten daf�r bezahlen.� Ojo lachte.</style></p><p><style name="font3">�El Silbador w�rde ein sch�nes Gesicht machen, wenn ich auf einmal ohne Pferd w�re.� �El Silbador? Wer ist das? Der Name klingt romantisch.�</style></p><p><style name="font3">�Vielleicht werdet Ihr ihn einmal kennenlernen.� Seine Stirn umw�lkte sich pl�tzlich. �Sagt, Senor, wie lange bin ich nun schon hier bei Euch?�</style></p><p><style name="font3">�In einer Stunde sind es vier Tage�, antwortete der Wirt. �Ihr m��t blau wie ein Veilchen gewesen sein, da� Ihr das nicht bemerkt habt.� Ojo zog die Stirn in Falten.</style></p><p><style name="font3">�Santa Maria, Madre de Dios!� rief er entsetzt aus, �vier Tage sagt Ihr? Diablo, bin ich wahnsinnig oder seid Ihr es?�</style></p><p><style name="font3">�Weder � noch, amigo, Ihr wart nur blau. Und das ist jetzt vorbei.�</style></p><p><style name="font3">�Maldito!� schimpfte Ojo, �wenn Ihr auch nur eine blasse Vorstellung davon h�ttet, was Euer Wein f�r Schaden angerichtet hat, dann w�rde Euch die Lust zum Scherzen vergehen.� �Nun, nun, bester Senor, macht mir keine Vorw�rfe daf�r, da� ich Euch eingeladen habe. Der Vino hat Euch doch sehr gut geschmeckt.�</style></p><p><style name="font3">�Zu gut�, seufzte Ojo, �leider.� Er nickte dem Wirt zu und sagte, �hasta la vista, Senor.� Zehn Minuten sp�ter galoppierte er wie ein Rachegott durch die Stra�en, so da� Weiber und M�nner schimpfend zur Seite sprangen. Planlos geb�rdete er sich wie ein Rasender. Manche Stra�en durchritt er f�nf-, sechsmal, andere wieder �berhaupt nicht. Er war der festen �berzeugung, da� er auf diese Weise den Pfeifer am schnellsten finden w�rde. Er konnte ja nicht ahnen, da� sein �Senor Doktor� zu dieser Zeit noch im �Staatsgef�ngnis� zu Oran schmachtete.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">42</style></p></title><p><style name="font3">Auf seinen planlosen Ritten kam er endlich auch in die N�he des Palastes. Sein Auge fiel auf eine zierliche Gestalt, die er sofort erkannte. Kein Zweifel, der Mensch, der da stand und sein Gesicht starr auf die Pforte des Palastes gerichtet hielt, war niemand anderes als Miss Hawbury. Er schaute sich suchend nach ihrem Bruder um, konnte ihn aber nirgends entdecken. Jetzt ritt er heran.</style></p><p><style name="font3">�Senorita!� rief er schon von weitem.</style></p><p><style name="font3">Isolde wandte sich wie elektrisiert um. Dann warf sie die Arme in die Luft und stie� einen Schrei aus. Sie kam herangelaufen. Ojo war schnell vom Pferd gestiegen.</style></p><p><style name="font3">�Senor Ojo!� schluchzte sie auf, �endlich seid Ihr wieder da, Senor Ojo, wie habe ich Euch gesucht, Gott sei Dank!�</style></p><p><style name="font3">Sie fiel ihm um den Hals und schmiegte ihren kleinenKopf an seine m�chtige Brust. Sie weinte und lachte vor Freude.</style></p><p><style name="font3">Ojo stand da wie ein begossener Pudel. Derartiges hatte er noch nie erlebt. Die R�te der Verlegenheit scho� ihm ins Gesicht. Und so klang seine Frage jetzt rauher, als er es beabsichtigt hatte.</style></p><p><style name="font3">�Wo ist Euer Bruder, Senorita?�</style></p><p><style name="font3">Isolde war �ber das unerwartete Wiedersehen so gl�cklich, da� sie den rauhen Ton in seiner </style><style name="font3">Stimme gar nicht bemerkte. Wie ein kleines M�dchen erz�hlte sie drauflos und schilderte ihm </style><style name="font3">die Schrecken und die Abenteuer, die sie in den vier Tagen ausgestanden hatten.</style></p><p><style name="font3">Ojo ri� die Augen auf, da� sie kugelrund waren. Das schlechte Gewissen in ihm begann sich mit </style><style name="font3">kr�ftiger Stimme zu melden. Was war er doch f�r ein Saufkumpan, da� er �ber dem guten Wein </style><style name="font3">seine Pflichten so sehr vernachl�ssigt hatte! Was w�rde der Senor Doktor sagen, wenn er davon </style><style name="font3">erfuhr!</style></p><p><style name="font3">�Sagt, Senorita, habt Ihr Senor Baum noch nicht getroffen? Ist er noch immer nicht hier?� �Nein.�</style></p><p><style name="font3">�Aber er wollte uns doch sofort nachkommen! Es kann doch nicht vier Tage dauern, bis er sich das Geld wiedergeholt hat!�</style></p><p><style name="font3">Auch Isolde dachte zum erstenmal �ber diesen Umstand nach. Nun, da Ojo da war, hatte sie Gelegenheit, ihre Gedanken beruhigt auch einmal wieder anderen Dingen zuzuwenden als der M�glichkeit, ihren Vater endlich wiederzusehen.</style></p><p><style name="font3">�Ihr habt recht, Senor Ojo, es wird doch nichts Ernstliches dazwischen gekommen sein?� �Ich f�rchte doch. Ich habe ein ungutes Gef�hl in der Magengegend.�</style></p><p><style name="font3">Sie standen noch eine Weile beieinander, bis Ojo endlich den Vorschlag machte, sie solle auch in die spanische Herberge ziehen.</style></p><p><style name="font3">�Dort ist wenigstens der Wirt ein Wei�er. Und ich bin �berzeugt davon, da� er Euch eine geziemende Unterkunft anbieten wird. Wo habt Ihr bisher kampiert?� �Da ich keinen Pfennig Geld besa�, mu�te ich mit der Natur vorlieb nehmen. Das war nicht immer einfach. Ihr k�nnt mir glauben, da� ich manchmal schreckliche Angst hatte. Gut, da� Ihr nun da seid.�</style></p><p><style name="font3">Ojo blickte schuldbewu�t auf den Boden.</style></p><p><style name="font3">�Ich finde�, sagte er dann, �man m��te doch nun einmal ernstlich etwas unternehmen, da� Ihr in den Palast kommt. So geht das doch nicht weiter. Soll ich den Kerl, der da mit der vorsintflutlichen Flinte spazierengeht, vielleicht niederschlagen?� �Um Gottes willen, nein. Ich versuche es lieber noch mit Warten. Ihr seid ja nun da, und so habe ich keine Not mehr. Vielleicht k�nnt Ihr mir ein wenig Geld geben, damit ich nicht immer den alten Philosophen um Essen anbetteln mu�.� Ojo zog den Beutel hervor und �berreichte ihn ihr.</style></p><p><style name="font3">�Sehr sparsam scheint Ihr nicht gelebt zu haben�, sagte sie l�chelnd, als sie den Ledersack erst sch�tteln mu�te, bis sie die wenigen Piaster �berhaupt wahrnehmen konnte, die er enthielt. Sie teilten das Geld gut ein; denn sie wu�ten nicht, wie lange es noch reichen mu�te. Isolde zog ebenfalls in die Herberge, besuchte aber treu und brav jeden Tag ihren Bruder, dessen Zustand sich gar nicht bessern wollte.</style></p><p><style name="font3">Von zehn Uhr morgens bis gegen Sonnenuntergang bezog sie dann mit Ojo ihren Posten vorm Palast, umauf den Zufall zu warten, der ihr ihren Vater wiederbringen sollte. Die Posten kannten sie bald. Aber ihre Augen glitten respektvoll �ber Ojos Gestalt, und da zogen sie es vor, die beiden in Ruhe zu lassen.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">43</style></p></title><p><style name="font3">Auf diese Weise waren etwa vier Wochen vergangen, als das gro�e Ereignis eintrat.</style></p><p><style name="font3">Ojo und Isolde hatten wieder Aufstellung vor dem Palast genommen, als der Posten das Tor </style><style name="font3">aufri� und R�derrollen auf dem Pflaster des Hofes zu vernehmen war.</style></p><p><style name="font3">Eine Kutsche rollte heraus. Sie war mit sechs Pferden bespannt und machte einen europ�ischen Eindruck.</style></p><p><style name="font3">Isolde sprang vor die Pferde und rief:</style></p><p><style name="font3">�Vater! � Vater! � General Hawbury! � Bitte, halte den Wagen an!�</style></p><p><style name="font3">Der Mann im wei�en Anzug, der m�de in die Polster zur�ckgelehnt sa�, zuckte zusammen, als </style><style name="font3">er die englischen Worte vernahm. Wie ein Blitz fuhr ihm der Name seines alten Freundes, Lord </style><style name="font3">Hawbury, in die Glieder.</style></p><p><style name="font3">�Halte an, John� rief er dem Kutscher zu.</style></p><p><style name="font3">Als der Wagen stand, lehnte er sich hinaus und fragte die Rufende: �Wer seid Ihr?�</style></p><p><style name="font3">Isolde starrte ihn an. Sie erkannte den Mann nicht, der sich unter seinem wei�en Tropenhelm zu ihr hinausbeugte.</style></p><p><style name="font3">�Ihr � Ihr � seid ja gar nicht mein Vater?!�</style></p><p><style name="font3">Fassungslosigkeit lag in ihrer Stimme. Sie hatte so fest mit einem Wiedersehen gerechnet, da� ihre Entt�uschung im Augenblick ma�los war.</style></p><p><style name="font3">Der Wei�e betrachtete den zerlumpten Kerl mit der m�dchenhaften Stimme aufmerksam. �Bitte, sagt mir doch, wer Ihr seid.� Isolde nahm sich zusammen.</style></p><p><style name="font3">�Ich bin die Tochter des Generals Hawbury, der hier als Milit�rattache Seiner Majest�t des K�nigs von England beim Sultan akkreditiert ist.�</style></p><p><style name="font3">�Steigt ein, Miss Hawbury�, sagte der Engl�nder kurz. �Ich werde f�r Euch tun, was ich kann.� �Wo ist mein Vater? � Ist er � ist er etwa � tot?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, macht Euch keine unn�tigen Sorgen. Aber sein Auftrag war kurze Zeit nach Eurer Entf�hrung beendet. Man brauchte ihn in England n�tiger. So ist er, nachdem alle Nachforschungen nach Euch ohne Erfolg geblieben waren, zur�ckgereist, um seine T�tigkeit im Kolonialamt wieder aufzunehmen. An seiner Statt wurde ich hier akkreditiert.� Isolde Hawbury berichtete dem Attache ihre vielen Erlebnisse. Der General kam aus dem Staunen nicht heraus.</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid ein Teufelsm�del. Ich glaube, Euer Vater wird stolz auf Euch sein, wenn er Euch in London in die Arme schlie�en wird. Ich werde nat�rlich sofort f�r Eure und Eures Bruder Abreise Vorkehrungen treffen. K�nnen wir Euern Bruder jetzt besuchen?� Isolde z�gerte.</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube, es w�re dem alten Philosophen nicht angenehm. Wenn Ihr mir freien Durchgang am Palasttor verschafft, so werde ich ihn heute nachmittag mit Ojos Hilfe dorthin bringen.��Ojo? An, das ist der starke Spanier, von dem Ihr berichtetet, ist der noch immer bei Euch?� Isolde sah sich um. Dann deutete sie l�chelnd mit der Hand hinter sich. �Dort reitet er. Er ist der treueste Bursche, den ich je gesehen habe.�</style></p><p><style name="font3">Alles lie� sich so an, wie der General versprochen hatte. Die Geschwister zogen noch am selben Nachmittag in den Palast ein. Der Posten, der ihnen den Eintritt verwehrt hatte, wurde bestraft. Nur abreisen konnten sie nicht so schnell. Der General bestand darauf, da� sie warten sollten, bis </style><style name="font3">seine Mission hier erf�llt w�re, was h�chstens noch einige Wochen in Anspruch nehmen w�rde, um dann mit ihm nach England zur�ckzukehren.</style></p><p><style name="font3">Ojo f�hlte sich nicht wohl in den gl�nzenden Gem�chern. Ihn zog es zu seinem spanischen Wirt. �Ihr seid mir nicht b�se, Senorita, wenn ich lieber dort wohnen m�chte, nicht wahr? Wi�t Ihr, ich komme mir hier in diesem Palast todungl�cklich vor. Und mein Freund, der Wirt, sehnt sich sicherlich genauso nach mir, wie ich mich nach seinem Wein sehne. Ich hoffe, Ihr versteht mich richtig.�</style></p><p><style name="font3">�Ich habe nichts dagegen, Senor Ojo. Habt Ihr noch nichts von Senor Baum geh�rt?� Ojo seufzte.</style></p><p><style name="font3">Die Gedanken an Michel lie�en ihm Tag und Nacht keine Ruhe. Deshalb wollte er ja dorthin gehen, wo es wenigstens Wein gab, um sie zu bet�uben. Er hatte sich wiederholt schon vorgenommen, nach Oran zur�ckzureiten, sagte sich aber � und die anderen best�tigten ihm seine Ansicht �, da� es schwer sei, ohne eingehende Kenntnisse des Landes und der Sprache, den Weg dorthin zur�ck noch einmal zu schaffen.</style></p><p><style name="font3">So entschlo� er sich, in der spanischen Taberna abzuwarten, was sich ereignen w�rde. Und er brauchte nicht mehr lange zu warten.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">44</style></p></title><p><style name="font3">Es waren seit seinem Auszug aus dem Palast weitere vier Tage vergangen, als Ojo ein eigenartiges Erlebnis hatte.</style></p><p><style name="font3">Er machte, wie �blich, am fr�hen Nachmittag seine Runde durch die Stadt, als er einen Mann erblickte, der auf dem R�cken seines Burnus ein St�ck schwarzes Tuch aufgen�ht hatte, auf dem in wei�er, fl�chtig ausgef�hrter Stickerei zwei H�nde zu sehen waren. Die eine Hand lag streichelnd auf einem Frauenkopf, die andere griff nach einem Schiff. Ojo �berlegte krampfhaft, woher ihm dieses Symbol bekannt war. Er ging hinter dem Araber her. Dann, nach kurzem Z�gern, klopfte er ihm auf die Schulter und sagte:</style></p><p><style name="font3">�H�rt, guter Freund, was tragt Ihr da f�r ein Zeichen auf dem R�cken?� Er deutete dabei auf die Stickerei.</style></p><p><style name="font3">Der Araber verstand nat�rlich nichts, fiel aber mit einem riesigen Wortschwall �ber den armen Ojo her, der seinerseits nichts von dessen Worten verstand.</style></p><p><style name="font3">Ojo packte den Mann, der wie ein Landstreicher aussah, am Burnus und zog ihn einfach mit sich. Da er gerade in der N�he des Palastes war, richtete er seine Schritte auf das Eingangstor. Der Posten machte ihm ehrerbietig Platz; denn der lange Ungl�ubige geh�rte nach den Anweisungen, die jener von seinem Wachoffizier erhalten hatte, zu den G�sten des britischen Attaches.Ojo nahm den Mann einfach auf die Arme und setzte ihn erst dann wieder auf den Boden, als er vor Isolde Hawbury stand.</style></p><p><style name="font3">�Fragt diesen Mann, woher er das Zeichen auf seinem R�cken hat, Senorita. Mir kommt es bekannt vor, aber ich wei� nicht, wo ich es in meiner Erinnerung unterbringen soll.� Isolde stellte ihre Frage, wurde aber von dem Aufschrei einer Stimme unterbrochen. Steve f�hlte sich heute wohler und war eben eingetreten. Er hatte den Schrei ausgesto�en. Wie ein Wilder scho� er auf den Araber zu und rief aus:</style></p><p><style name="font3">�Das ist Marinas Piratenflagge! Es gibt nur eine davon auf der Welt! Mein Gott, ist's m�glich?</style></p><p><style name="font3">Wo hast du das Zeichen her?� wandte er sich an den Araber.</style></p><p><style name="font3">Der fixierte ihn scharf und fragte dann:</style></p><p><style name="font3">�Bist du derjenige, den man den Pfeifer nennt?�</style></p><p><style name="font3">�Nein. Aber ich bin ein Freund von ihm.�</style></p><p><style name="font3">Isolde �bersetzte Ojo laufend das Gespr�ch der beiden M�nner.</style></p><p><style name="font3">�Aha�, sagte Ojo dazwischen, �jetzt erinnere ich mich ebenfalls. Ich habe diese Flagge nur einmal gesehen, und zwar an jenem Tage, als die Meuterei auf der �Trueno� ausbrach.� �Von wem hast du dieses Zeichen?� fragte Steve ungeduldig.</style></p><p><style name="font3">�Von einer wei�en Frau�, antwortete der Araber. �Aber ich darf meine Botschaft nur dem ausrichten, den sie den Pfeifer nennen. Er soll Triller mit dem Munde machen k�nnen, wie sie selbst der Schejtan nicht herausbringt. Das ist der Beweis daf�r, da� er der Richtige ist. Bringt ihn zu mir, und ich will ihm alles erz�hlen.� Da war guter Rat teuer.</style></p><p><style name="font3">Drau�en erhob sich pl�tzlich Geschrei. Gewehre knallten. Isolde und die anderen wandten sich den Mauerdurchbr�chen zu und blickten hinaus.</style></p><p><style name="font3">Ein Reiter jagte in vollem Galopp �ber den Hof. Sein schmutziger, zerrissener Burnus wehte wie eine Fahne hinter ihm her. Drei Wachen hatten sofort die Verfolgung aufgenommen. Da sahen sie, wie der Eindringling einige blinkende Gegenst�nde hinter sich auf den Boden warf. Als sie herankamen, erkannten sie, da� es goldene Zwanzig-Piaster-St�cke waren. Sie lie�en von der Verfolgung ab und rauften sich um die Sch�tze, die hier zur Selbstbedienung auf dem Boden lagen.</style></p><p><style name="font3">Wenn ein Araber leichten Gewinn wittert, den er sich nicht zu erarbeiten braucht, vergi�t er Weib und Kind und sogar die Befehle seiner Vorgesetzten. Und oft ist es so, da� sich die Vorgesetzten in diesem Fall selbst an der Jagd nach dem Gold beteiligen. Der Araber ist arm, der in Marokko lebende Araber noch �rmer als die anderen. Daher ist diese Sucht nach Gewinn verst�ndlich. Der Ank�mmling war ... der Pfeifer. �Mr. Baum!� rief Isolde erfreut.</style></p><p><style name="font3">�Senor Doktor!� br�llte Ojo mit allem Stimmaufwand, dessen er f�hig war. Sie liefen nach drau�en und umringten den so pl�tzlich wiederaufgetauchten Freund. Nur Steve pre�te die Lippen zusammen. In diesem Augenblick kehrten die Schmerzen in seiner Brust wieder. Mit verbissenem Gesicht lie� er sich auf einem Diwan nieder und sagte mit vor Wut knirschenden Z�hnen zu dem Araber:</style></p><p><style name="font3">�Das da � der Kerl, das ist der Pfeifer. Dem kannst du deine Botschaft ausrichten. � Der Teufel soll ihn holen�, setzte er f�r sich auf englisch hinzu.</style></p><p><style name="font3">Die Wiedersehensfreude war gro�. Michel, abgespannt und m�de, betrat in Begleitung Ojos und Isoldes unangefochten das Innere des Palastes und schritt den Gem�chern zu, die den G�sten angewiesen worden waren.</style></p><p><style name="font3">�Wie habt Ihr uns so schnell finden k�nnen, Senor Doktor?� fragte Ojo, w�hrend ihm Tr�nen der Freude �ber das Gesicht liefen.</style></p><p><style name="font3">�Das war nicht schwer, mein guter Diaz, ich ritt gerade in jene Stra�e ein, die zum Palast f�hrte, als ich dich mit diesem Burschen da verschwinden sah. Da bin ich dir einfach gefolgt. Was willst du mit dem Kerl?�</style></p><p><style name="font3">Isolde sagte dem Araber, er solle sich umdrehen. Als Michel einen Blick auf seinen R�cken geworfen hatte, verflog sofort alle M�digkeit.</style></p><p><style name="font3">�Donnerwetter!� rief er in seiner Muttersprache, fuhr aber gleich darauf auf Arabisch fort, �erz�hle, wie du zu der Freibeuterfahne der �Trueno�kommst, hebek Sadik<a l:href="#n_11" type="note">[11]</a>, erz�hl es schnell. Ich bin gespannt.�</style></p><p><style name="font3">�Bist du wirklich der Pfeifer?� vergewisserte sich der Araber mi�trauisch.</style></p><p><style name="font3">Michel lie� einen seiner schauererregenden Triller h�ren. Der Fremde fuhr zusammen und </style><style name="font3">blickte ihn scheu an. Dann begann er seine Geschichte:</style></p><p><style name="font3">�Ich war in Mekka, um Allah meine Gebete an heiliger St�tte darzubringen. Auf dem R�ckweg traf ich auf eine Karawane, die Sklaven mit sich f�hrte. Der Vater dieses Schandunternehmens, das Allah verderben m�ge, war der ber�chtigte M�dchenh�ndler Mustapha, der die Frauen meistens an den Gro�herrn in Stambul oder seine Wesire verkauft. Daf�r braucht er ganz besonders sch�ne Exemplare. Ihr wi�t, da� jeder Araber einen Hadschi<a l:href="#n_12" type="note">[12]</a>zum Mahle einl�dt. Der gr��te Verbrecher achtet diese Sitte. So auch Mustapha. Ich a� und trank und ging dann schlafen. In der Nacht wurde ich durch die Ber�hrung einer zarten Hand geweckt. Du kannst dir mein Erstaunen vorstellen, als ich eine sch�ne Frau, der Allah tausend Jahre schenken m�ge, neben meinem Lager sah. Diese Frau war eine Wei�e und nannte sich �hnlich, wie die Christen die Mutter von Isa ben Myrrhiam<a l:href="#n_13" type="note">[13]</a> nennen. Aber ein Buchstabe war anders ...� �Ah�, unterbrach Steve, �sie nannte sich nicht Maria, sondern Marina, nicht wahr?�</style></p><p><style name="font3">Der Erz�hler nickte eifrig. Dann fuhr er fort:</style></p><p><style name="font3">�Sie gab mir diesen Lappen, der da auf meinem R�k-ken klebt, und sagte, ich solle ihn tragen, wenn ich durch Marokko z�ge. Es gebe jemanden, der seine Bedeutung kenne und mir ein gutes Bakschisch<a l:href="#n_14" type="note">[14]</a> geben w�rde, wenn ich ihm diese Geschichte erz�hlte.� Er machte eine Pause und sah Michel fragend an. �Bekomme ich auch wirklich dieses Bakschisch?� �Ja�, erwiderte der Pfeifer, �nun berichte schnell weiter. Wir sind alle neugierig, wie es weitergeht.�</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, ihr seid sehr ungeduldig. Aber ich will deinem Wunsch nachkommen. Sie sagte mir dann, da� Mustapha sie irgendwo an der algerischen K�ste geraubt habe, wo, habe ich vergessen, und sie nun wahrscheinlich in die T�rkei verkauft werde. Sie �u�erte, da� der Mann, der so schaurig pfeifen kann, aufbrechen solle, um sie zu befreien. Sie w�rde �berall dort, wo sie w�re, die gleichen Zeichen sehen lassen wie dies, das ich auf dem R�cken trage. � Das ist alles, was ich wei�. Nun gib mir mein Bakschisch!� Er beugte sich vor und streckte die Hand aus.</style></p><p><style name="font3">Michel nahm ein paar Goldst�cke aus seinem Beutel und reichte sie ihm. Strahlend und zufrieden verlie� der Bote den Palast.</style></p><p><style name="font3">Isolde berichtete dem Pfeifer nun ihre Erlebnisse und kam auch auf den Schlag zu sprechen, den jener Araber ihrem Bruder mit dem Gewehrkolben versetzt hatte. Michel sagte:</style></p><p><style name="font3">�Ich bin zwar furchtbar m�de; aber ich werde nicht schlafen gehen, bevor ich Euch untersucht habe, Steve.�</style></p><p><style name="font3">Widerwillig lie� Steve die Untersuchung �ber sich ergehen.</style></p><p><style name="font3">Nach einer Weile richtete sich Michel wieder auf und meinte mit ernstem Gesicht:</style></p><p><style name="font3">�Der Kerl hat Euch die sechste Rippe zerschlagen. Ihr habt die Sache verschleppt. Es ist eine </style><style name="font3">Knorpelwucherung entstanden. Ich werde heute nachmittag versuchen, sie Euch einigerma�en </style><style name="font3">zurechtzur�cken und Euch einen festen Verband anlegen. Den behaltet Ihr die n�chsten vier </style><style name="font3">Wochen um. Auf keinen Fall d�rft Ihr reiten, noch Euch unn�tig bewegen. Am besten ist es, Ihr </style><style name="font3">liegt viel. Dann heilt es am schnellsten.�</style></p><p><style name="font3">�Ich kann nicht liegen. Ich mu� aufbrechen, um Marina zu befreien.� Michel sch�ttelte den Kopf und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Ich verstehe Eure Gef�hle, Steve. Dennoch k�nnt Ihr nicht reiten. Ihr w�rdet nicht einmal bis an das Tel kommen. Ich werde mich zwei Tage hier bei Euch ausruhen und dann mit Ojo aufbrechen. Selbstverst�ndlich werde ich die Piratin nicht in ihrer mi�lichen Lage stekken lassen, wenn eine M�glichkeit zu ihrer Befreiung besteht.�</style></p><p><style name="font3">Steve richtete sich pl�tzlich auf und schrie: �Nein! � The deuce, Ihr nicht! � Ihr nicht!� Michel dr�ckte ihn sanft auf die Kissen und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Ich werde sie Euch nicht wegnehmen. Sollte sie Eure Gef�hle erwidern, so schicke ich sie nach England, wenn mir ihre Befreiung gelingt und sie zu Euch will.� �Sie wird bei Euch bleiben wollen!� zischte Steve.</style></p><p><style name="font3">�Nein�, sagte Michel, �das wird sie nicht. Dazu geh�ren zwei. Ich aber lasse sie nicht bei mir.� �Das glaube ich Euch nicht! Ihr liebt sie doch!�</style></p><p><style name="font3">�Nein!� sagte Michel hart, �nein, ich liebe sie nicht!� Und zu Ojo gewandt, �morgen reiten wir, wenn du Lust hast, amigo.�</style></p><p><style name="font3">Diaz dachte an die spanische Taberna und an den Wein und den gem�tlichen Wirt. �Ist es nicht besser, wir reiten erst �bermorgen, Senor Doktor?� fragte er treuherzig.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">45</style></p></title><p><style name="font3">Ein Zug von wild aussehenden Gestalten bewegte sich von Westen her auf die Stadt Tunis zu. Das Jahr 1776 hatte im Abendland gerade begonnen. Der Himmel war grau, und der Regen fiel in d�nnen Strichen.</style></p><p><style name="font3">�Maschallah�, fluchte der F�hrer der Karawane, �die S�nften sind durchgeweicht, die Seide der Zelte wird schon stockig, das Fell der G�ule trocknet �berhaupt nicht mehr, und meine Laune ist auch so ziemlich beim Schejtan. Wenn Allah nicht bald besseres Wetter schickt, dann, beim Bart des Propheten, wird unsere Ware unansehnlich werden.�</style></p><p><style name="font3">Einer der f�nf Begleiter, der genau so wild aussah wie der Anf�hrer, meinte:�Waren, wie wir sie f�hren, werden durch den Regen sicherlich nicht verderben. Ein bi�chen Wasser kann den Weibern nicht schaden. Hauptsache, sie sind sonst in Ordnung und unversehrt, wenn wir sie unseren Kunden anbieten.�</style></p><p><style name="font3">�Schweig�, donnerte ihn die Stimme Mustaphas, des Anf�hrers an. �Du hast mir nicht zu widersprechen. Und solltest du es dennoch einmal wagen, so ziehe ich dir die Riemen meiner Kurbatsch durchs Gesicht. Basta!� �Aber, Sayd, ich habe doch nur gemeint...�</style></p><p><style name="font3">�Kuss omek, du hast gar nichts zu meinen. Ich bezahle dich daf�r, da� du mir gehorchst. Deine Dummheit stinkt zum Himmel, und an Gehirn hat dir Allah zu wenig gegeben. Wenn die Weiber na� werden, verlieren sie ihre Laune, machen ein verdrie�liches Gesicht, haben str�hnige Haare, und ihr Wert vermindert sich. Gerade die eine, die uns am meisten Geld bringen k�nnte, leidet sehr unter den Strapazen dieser Reise. Im Augenblick ist sie nicht mehr wert als 10 000 Piaster.� �Aber du sagtest doch, Sayd, ihr Fleisch sei so fest, da� man mit 10 000 bis 20 000 Piaster rechnen k�nne�, entgegnete der andere.</style></p><p><style name="font3">Mustapha zog h�rbar die Luft durch die Z�hne. Sein dicker Bauch h�pfte �rgerlich auf und nieder. Er fuhr sich mit den Fingern durch den Bart und meinte st�hnend: �Dein Verstand ist noch kleiner, als ich angenommen habe. Du bist ein Kamel, so gro� wie es in Afrika kein zweites gibt, und hast das Gehirn einer Wanze, die Allah zertreten m�ge. Habe ich dir nicht soeben erl�utert, da� der ewige Regen daran schuld ist, wenn der Wert der roten Hexe sinkt? Und nun fragst du mich anschlie�end, weshalb sich ihr Wert gemindert habe? O Allah, was f�r eine Herde Esel hast du mir nur zur Begleitung gegeben!� Die vier anderen zogen es vor zu schweigen.Sie wu�ten, da� man dem m�chtigen Sklavenh�ndler Mustapha dadurch am besten diente, da� man keine eigene Meinung laut werden lie�. Sie erhielten f�r ihre Dienste nicht nur feste Bez�ge, sondern auch einen Prozentsatz der Eink�nfte aus dem Verkauf jener Waren, bei deren Beschaffung sie mitgeholfen hatten. Hinter der Reitergruppe gingen zw�lf Pferde, immer zwei nebeneinander, in deren Mitte eine S�nfte schaukelte, die vollkommen verdeckt war, so da� ein Unberufener keinen Blick hineinwerfen konnte. In diesen S�nften befand sich teils die �Ware�, teils die Ausr�stung, wie Zelte und S�cke mit Datteln, getrockneten Feigen, ged�rrtem Rindfleisch und Honigwaren, die in der orientalischen Welt das leckere Dessert nach der Mahlzeit der reichen Leute bilden. Aus der ersten S�nfte ert�nte pl�tzlich lautes spanisches Fluchen.</style></p><p><style name="font3">Mustapha verhielt augenblicklich sein Pferd und drehte sich um. Seine Helfer machten keine Anstalten, irgend etwas zu unternehmen.</style></p><p><style name="font3">�Ihr �lg�tzen, ihr Lumpenkerle, ihr Faulpelze, ihr Hundes�hne, wollt ihr nicht eilen, fliegen, springen, wenn ihr h�rt, da� es der wei�en Frau mit den roten Haaren unbequem in ihrer S�nfte wird?�</style></p><p><style name="font3">�Wir k�nnen nicht verstehen, was sie ruft, Sayd�, entgegnete brummend der ewige Widersacher Abbas.</style></p><p><style name="font3">�Du brauchst nichts zu verstehen, Esel. Ich verstehe auch nichts. Aber auch der Rest deines Verstandes mu� dir sagen, da� sie etwas will, wenn sie schreit, Kelb ibn Kelb.� Mustapha wandte selbst sein Pferd und ritt hinter die beiden G�ule, zwischen denen die S�nfte schaukelte.�Was ist los? Was willst du?�</style></p><p><style name="font3">Wieder traf nur unverst�ndliches Schimpfen sein Ohr. Dann wurde das Tuch, das die S�nfte nach hinten abschlo�, zur Seite gezogen, und das wutverzerrte Gesicht Marinas fuhr heraus. �Demonio � Diablo � du ekelhafter Gauner! Nicht genug, da� du mich meiner Freiheit beraubst und mich wochenlang in diesem K�fig hier durch die Gegend schaukelst, l��t du es auch noch zu, da� ich na� werde! Der Regen durchdringt nicht nur das Dach meiner S�nfte! Meine Kleider sind klamm! Ich zittere vor K�lte! Ich bin krank und werde sterben!� Bei den letzten Worten wandelte sich ihre wutverzerrte Grimasse zu einem kl�glichen Gesichtsausdruck, und ihre anfangs ha�erf�llte Stimme erstickte in einem Weinkrampf. Mustaphas stechende Augen nahmen einen erschreckten Ausdruck an, als er das verh�rmte Gesicht erblickte. Er empfand nicht etwa Mitleid. Er sah lediglich die Piaster dahinschwinden, die er f�r den Verkauf dieser sch�nen Frau zu erhalten gehofft hatte. Er verstand zwar kein Wort von dem, was wie ein Strom aus Marinas Munde �ber ihn hereingebrochen war. Aber er erfa�te den Sinn auch ohne Kenntnis der spanischen Sprache. Er nickte ihr beruhigend zu und br�llte mit Donnerstimme seine f�nf Begleiter an: �Absitzen, ihr Halunken, schlagt so schnell wie m�glich die Zelte auf, kocht Essen und br�ht Kaffee! Weicht Datteln ein und macht das Honigwerk bereit! Wir reiten morgen fr�h weiter.� �O Sayd�, erwiderte Abbas, �wenn wir unseren Ritt erst morgen fr�h fortsetzen, so wird uns Allah nicht gestatten, Ifrikija<a l:href="#n_15" type="note">[15]</a> vor �bermorgen zu erreichen. Dein Schiff aber, o Herr, soll bereits morgen auslaufen.�</style></p><p><style name="font3">�Schweig!� schrie Mustapha w�tend, �oder ich schicke dich in die Dschehenna, du Sohn des Schejtans.�</style></p><p><style name="font3">Aus dem Murmeln der �brigen vier konnte man entnehmen, da� sie ihrem Wortf�hrer durchaus zustimmten. Die Stadt Tunis mit all ihren Geheimnissen, Schlupfwinkeln und verbotenen Gen�ssen lockte zu sehr, als da� sie nicht jede Minute der Verz�gerung bedauerten. Widerwillig machten sie sich an die Arbeit. Bald standen vier seidene Zelte auf der feuchten Erde. Das gr��te war von blauer Seide und diente den beiden Araberinnen und Marina als Unterkunft. Auf der Erde waren Dutzende von weichen Matten und Kissen hingebreitet. Die Eingangs�ffnung war mit einem kostbaren Gobelin verh�ngt. Die �ltere der beiden Araberinnen fragte in ihrem gebrochenen Spanisch: �Warum unterbrechen Reise nach Ifrikija?�</style></p><p><style name="font3">Marina schwieg trotzig und h�llte sich in die Kissen ein. Der Zustand, in dem sie sich befand, war beklagenswert. Tag und Nacht hatte sie ihr Hirn gefoltert, um einen Ausweg aus ihrer trostlosen Lage zu finden. Aber alle Gedanken an eine Flucht zerbrachen an der Wachsamkeit der Sklavenh�ndler. Ob Michel Baum, dessen Bild sie im Wachen und im Tr�umen vor Augen hatte, bereits wu�te, wo er sie suchen sollte? Und wenn er ihre Botschaft schon empfangen hatte, w�rde er �berhaupt etwas unternehmen wollen, um sie zu befreien? Mustapha betrat das Zelt. Sein Blick fiel auf die zusammengekr�mmt daliegende und von Schluchzen gesch�ttelte Gestalt Marinas.</style></p><p><style name="font3">�Was ist mit ihr?� wandte er sich fragend an die beiden arabischen Frauen. �Ich wei� nicht�, sagte die �ltere. �Allah scheint Schwermut in ihr Herz gesenkt zu haben.� �Unsinn! Sie ist na� und m�de. Zieht ihr die Kleider aus und reibt sie trocken. Wenn ihr sie nicht pflegt, als sei sie eure Schwester, werde ich euch an einen Lumpenh�ndler verkaufen anstatt an einen Pascha. Und wenn ich dann das n�chstemal zu euren V�tern nach Marra-kesch komme, m�ssen sie mir einen Teil des Kaufpreises zur�ckgeben, wof�r sie euch sicherlich in die Dschehenna w�nschen werden.�</style></p><p><style name="font3">Die beiden Frauen starrten ihn mit gro�en Augen an und stie�en Rufe des Schreckens aus. Als sich Mustapha wieder dem Ausgang des Zeltes zugewandt hatte, widmeten sie sich der spanischen Sklavin.</style></p><p><style name="font3">Sorgf�ltig zogen sie ihr die feuchten Kleider aus, nahmen wollene T�cher zur Hand und rieben ihren K�rper, bis die Haut rot und frisch war. Dann h�llten sie Marina in trockene Gew�nder und betteten die Willenlose bequem auf ihr eigenes, breiteres Lager, auf dem sie sonst gemeinsam schliefen. �</style></p><p><style name="font3">Man wird sich vielleicht wundern, da� die Drohung Mustaphas die beiden M�dchen in Schrecken versetzt hatte. Aber im Orient herrschte zur damaligen Zeit der Brauch, da� arme V�ter ihre h�bschen T�chter einem Sklavenh�ndler verkauften, wenn sie sie nicht fr�h genug unter die Haube bringen konnten. Der Verkauf von Frauen galt in diesem Sinn nicht als Sklavenhandel; denn auch der Br�utigam mu�te dem Vater einen ansehnlichen Betrag zahlen, wenn das M�dchen, das er sich zur Frau zu nehmen gedachte, sch�n war. Ein M�dchenh�ndler war also nichts anderes als ein Zwischenh�ndler, der einem M�dchen unter Umst�nden zu einer recht guten Partie verhelfen konnte. Hingegen galt es in der ganzen mohammedanischen Welt als schwerstes Vergehen, Mohammedaner zu Sklaven zu machen oder sie als Sklaven weiterzuverkaufen. Mit Ungl�ubigen, die man fing, konnte man jedoch nach Belieben schalten und walten. Es gab weder ein Gesetz noch eine Sure im Koran, die solches untersagte. � Trotz des anhaltenden Regens brannten in dem kleinen Lager bald zwei Feuer, �ber denen es in T�pfen und Pfannen appetitanregend brodelte und schmorte. �</style></p><p><style name="font3">Am n�chsten Morgen brach zum erstenmal seit vielen Tagen die Sonne durch die grauen Wolkenb�nke. Ihre Strahlen spendeten wohlige W�rme. Als der feurige Ball �ber den �stlichen Horizont heraufkam, verrichteten die Sklavenh�ndler ihr Morgengebet, wobei Mustapha, der skrupelloseste Menschenh�ndler zwischen Marokko und Konstantinopel, die Rolle des Vorbeters �bernahm.</style></p><p><style name="font3">�Im Namen Allahs, des Allerbarmers, der da herrschet am Tage des Gerichts ...�, zelebrierte er mit der schrillen, heiseren Stimme eines Muezzins. Und dann brachen sie auf. Und da das Wetter sch�n blieb, legten sie ein erheblich verst�rktes Reisetempo vor, so da� sie am Abend dieses Tages die Stadt erreicht hatten.</style></p><p><style name="font3">Die Karawane wandte sich ohne Aufenthalt dem der Stadt Tunis vorgelagerten Hafen Goletta zu. Als sie das Hafenbecken erreichten, schrie Mustapha mit freudiger Stimme: �Maschallah, da sind sie! Allah hat es gef�gt, da� mein Schiff schon auf mich wartet.� Er legte die H�nde trichterf�rmig an den Mund und rief: �Hallo, hoooh, heeeh, �Mapeika�, dein Herr ist zur�ckgekommen. Holt uns an Bord!�Es dauerte nur wenige Minuten, dann l�sten sich drei Beiboote von dem Schiff und sch�ssen, von den kr�ftigen F�usten der braunen Ruderer getrieben, �ber den wellenlosen Spiegel des Wassers.</style></p><p><style name="font3">Marina erwachte pl�tzlich aus ihrer Lethargie. Im stillen hatte sie gehofft, da� ihre Reise in Tunis ein vorl�ufiges Ende finden w�rde. Als sie jedoch durch einen Schlitz zwischen den Vorh�ngen schaute, erkannte sie, da� die halbnackten Matrosen Anstalten machten, ihre S�nfte in eins der Beiboote zu bef�rdern. Sie pre�te die Hand vor den Mund, um nicht aufzuschreien. Das Boot mit ihrer S�nfte stie� vom Ufer ab. Ihr Traum, wenn m�glich in Tunis einen Ausbruchsversuch zu unternehmen, schien also nicht in Erf�llung zu gehen. Ihre Hoffnung richtete sich jetzt auf die Schiffsreise. Sie, die ehemalige Kapit�nin der �Trueno�, wu�te, da� man etwa drei Wochen brauchen w�rde, um die Stadt des Goldenen Horns zu erreichen. Vielleicht stie� das Sklavenh�ndlerschiff auf eine spanische Galeone oder eine englische Fregatte, denen man sich bemerkbar machen konnte.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">46</style></p></title><p><style name="font3">�Hast du die Weiber untergebracht?� fragte Mustapha. �Ja, Herr.�</style></p><p><style name="font3">�Und ist das rothaarige M�dchen aus Frankistan zufrieden?�</style></p><p><style name="font3">�Ich habe sie nicht gefragt, Sayd. Jedenfalls hat sie aufgeh�rt zu weinen und zu schimpfen�, antwortete Abbas.</style></p><p><style name="font3">�Gut, dann wollen wir uns jetzt ansehen, was Allah uns noch an Fracht beschert hat. Komm!� Die beiden stapften die Kaj�tentreppe hinab und gingen zur Kapit�nskabine. Ohne anzuklopfen traten sie ein.</style></p><p><style name="font3">Drinnen sa� ein gro�er, hagerer Mann mit gekreuzten Beinen auf einem marokkanischen Kissen. Er lie� hastig einen Gegenstand hinter sich verschwinden und sprang auf, um sich vor Mustapha mit �ber der Brust gekreuzten Armen zu verbeugen. �Salam alejkum.�</style></p><p><style name="font3">�Sal alejk�, war Mustaphas kurzer, wenig h�flicher Gegengru�. Der Lange war der Kapit�n des Schiffes, ein T�rke namens Muras.</style></p><p><style name="font3">Mustapha ging mit umw�lkter Stirn auf den Platz zu, wo der Lange eben noch gesessen hatte, und b�ckte sich. Als er sich wieder aufrichtete, hatte er eine mit Bast umflochtene, dickbauchige Weinflasche in der Hand, hielt dem Kapit�n die Bottel vors Gesicht und raunzte: �H�ltst du so die Gebote des Propheten, du Schiffsratte? Deine Augen sind glasig wie die der Giaur, wenn sie dieses Zeug in sich hineingegossen haben. Das Schiff geh�rt mir, und du stehst in meinen Diensten. Wenn du schon die Frechheit besitzt, auf den Planken der �Mapeika� die Gebote Allahs zu �bertreten, so sorge gef�lligst daf�r, da� auch f�r mich, deinen Herrn, einige Flaschen von diesem verfluchten Zeug bereitstehen.�</style></p><p><style name="font3">Damit setzte er die Korbflasche an und go� den erheblichen Rest in einem Zug hinunter. �Aaaah�, machte er dann zufrieden. �Wie ist der Prophet nur auf die Idee gekommen, einem Rechtgl�ubigen den Genu� dieses lieblichen Wassers zu verbieten!�</style></p><p><style name="font3">Muras Rejs<a l:href="#n_16" type="note">[16]</a> war froh, da� sein Herr wenigstens in dieser Hinsicht Spa� verstand. Nach seiner Ansicht konnte ein Prophet, dessen Gott den Wein wachsen lie�, kein guter Prophet sein, wenn er verbot, diese Gottesgabe genu�voll zu schl�rfen.</style></p><p><style name="font3">�Berichte, was sich seit unserer Trennung ereignet hat�, befahl Mustapha und lie� sich auf den Diwan nieder.</style></p><p><style name="font3">Muras Rejs wackelte zustimmend mit dem Kopf und begann:</style></p><p><style name="font3">�Als der Ramadan<a l:href="#n_17" type="note">[17]</a> zu Ende ging und die Gl�ubigen das Bairamfest<a l:href="#n_18" type="note">[18]</a> feierten, befanden wir uns auf der H�he der Balearen. Dort st�berten wir in einer Nacht ein kleines Schiff auf, dessen Segel nicht ausreichten, um uns zu entkommen. Deine tapferen Matrosen, o Sayd, warfen die Enterleitern aus und eroberten es mit der Schnelligkeit des Blitzes. Aber wer vermag unsere Entt�uschung zu beschreiben, als wir feststellten, da� sie nichts geladen hatten als eine Batterie solcher Korbflaschen wie die, aus der du eben die widerliche rote Tunke, die die Giaur Wein nennen und die Allah verderben m�ge, genossen hast.�</style></p><p><style name="font3">Zum erstenmal trat ein Grinsen auf Mustaphas b�rbei�iges Gesicht. �Die rote Tunke scheint dich </style><style name="font3">trotz aller Widerw�rtigkeit so befl�gelt zu haben, da� dein Bericht wie die Schilderung eines </style><style name="font3">M�rchenerz�hlers klingt. Fahre fort. War der Wein alles, was ihr erbeutet habt?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, Sayd. Wir k�nnen dir au�erdem den Fang von zw�lf Ungl�ubigen vermelden, die die </style><style name="font3">Besatzung des gekaperten Schiffes bildeten.�</style></p><p><style name="font3">�Maschallah, das ist eine gute Nachricht. Sind sie jung und kr�ftig?�</style></p><p><style name="font3">�Elf von ihnen sind jung, und ich glaube, sie werden uns eine geh�rige Menge Piaster </style><style name="font3">einbringen, wenn wir sie an den Sultan verkaufen, der sie als Matrosen f�r seine Flotte </style><style name="font3">verwenden kann. Der Rejs ist allerdings sehr betagt und tr�gt einen langen, wei�en Bart.�</style></p><p><style name="font3">�Bringe sie an Bord. Ich mu� wissen, welche von den Burschen wir brauchen k�nnen; denn ich </style><style name="font3">habe vor, noch heute nacht in See zu stechen.�</style></p><p><style name="font3">Mustapha wandte sich zur Kaj�tent�r, trat auf den Gang hinaus und begab sich �ber die knarrende Treppe an Deck. Abbas folgte ihm. Muras wandte sich der Fallt�r zu, durch die man �ber eine Leiter in den Kielraum gelangen konnte.</style></p><p><style name="font3">Bald erscholl von der Kaj�tentreppe her das Ger�usch trappelnder und stolpernder Schritte, das Sausen von Peitschen, das Klatschen von Riemen und das Geschrei gepr�gelter Menschen. Die zw�lf wei�en Sklaven taumelten hintereinander an Deck, wo sie wimmernd vor dem Menschenh�ndler und seinem Haupthelfer stehen blieben. Ein Halbkreis aus Leuten der Schiffsbesatzung hatte sich um sie gebildet.</style></p><p><style name="font3">Mustapha betrachtete mit finsterem, furchteinfl��endem Blick eine der halbnackten Gestalten nach der �ndern. Hier und da griffen seine Finger nach den Muskeln der bedauernswerten Opfer und pr�ften sie auf ihre H�rte. Dem einen oder �ndern fuhr er mit der Hand in den Mund und r�ttelte an den Z�hnen, um sich zu vergewissern, ob sie festsa�en.</style></p><p><style name="font3">Als letzter kam der wei�b�rtige Kapit�n dran. Mustapha zog ihn am Bart und ri� ihm dann eine Str�hne seiner wei�en Haupthaare aus. Die Augen des Alten zogen sich f�r einen Augenblick im Schmerz zusammen, gl�hten dann aber wie Kohlen unter den buschigen, wei�en Brauen. �Du alte, wei�e Nachteule�, sagte Mustapha sp�ttisch in t�rkischer Sprache. Und er war erstaunt, als er pl�tzlich die Antwort aus dem Mund des Alten vernahm. �Du fetter, aufgeblasener Dickwanst�, schimpfte jener im sch�nsten T�rkisch. �Schejtan�, wunderte sich Mustapha, �du sprichst die Sprache der Gl�ubigen, altes Gespenst?� �Ich spreche alle Sprachen�, erwiderte der gefangene Kapit�n. �Du sprichst alle Sprachen? Wie meinst du das?�</style></p><p><style name="font3">�Wie ich es sagte. Hat dir dein Allah das Gehirn ausgekratzt, da� du mich nicht verstehst?� Mustapha rollte mit den Augen und schnappte nach Luft. In solchem Ton hatte noch nie ein Mensch zu ihm gesprochen. Er war ehrlich verbl�fft. Aber eigent�mlicherweise konnte er sich nicht einmal dar�ber �rgern; denn irgendwie imponierte ihm der alte Mann mit seiner Unerschrockenheit.</style></p><p><style name="font3">�Schaff die Gefangenen wieder in den Kielraum, Muras�, befahl er seinem Kapit�n. �Den Alten la� mir hier. Ich will mich mit ihm unterhalten. Und dann mach das Schiff klar zum Auslaufen.� Er wandte sich an Abbas. �Nachher, wenn du Zeit hast, la� dem Alten Kleider geben. Ich kann einen, der alle Sprachen spricht, gut gebrauchen. � Willst du mir dienen, alter Knochenmann?� Die Augen des gefangenen Kapit�ns spr�hten zwar Blitze. Aber da er keine andere Rettung sah, nickte er.</style></p><p><style name="font3">�Sprichst du alle Sprachen der Franken?� fragte ihn Mustapha weiter. �Ja.�</style></p><p><style name="font3">�Auch die der Spanier, die Allah verderben m�ge?� �Ich bin ein Spanier, wenn du nichts dagegen hast.�</style></p><p><style name="font3">�Z�gle deine Zunge, verdammter Giaur�, wurde Mustapha b�se, �sonst k�nnte mich mein Entschlu� gereuen, und ich lasse dich zu Tode pr�geln und den Fischen zum Fra� vorwerfen.� �Pah�, erwiderte der Unerschrockene, �das kann mir egal sein. Nur haben die Fische nichts davon, da� ich mehrere Sprachen spreche.�</style></p><p><style name="font3">Mustapha sch�ttelte den Kopf. Er war nicht dumm genug, sich von den frechen Reden aus dem Konzept bringen zu lassen. Mochte der alte Kerl schimpfen, soviel er wollte, ihn, Mustapha, belustigte das nur. Seine Gedanken besch�ftigten sich im Augenblick vielmehr mit der M�glichkeit, sich mit Hilfe des Greises nun endlich mit der rothaarigen Hexe verst�ndigen zu k�nnen.</style></p><p><style name="font3">�Wie hei�t du, Alter?�</style></p><p><style name="font3">�Du kannst meinen Namen doch nicht aussprechen. Nenne mich einfach Effendi<a l:href="#n_19" type="note">[19]</a>. Das gen�gt.� �Effendi?� schnaufte Mustapha, �hat dir Allah den Verstand verwirrt? Bist du pl�tzlich wahnsinnig geworden, du stinkige spanische Wildsau?!� Der �Effendi� zuckte gleichm�tig die Achseln.</style></p><p><style name="font3">�Wenn du glaubst, da� es deiner W�rde oder deinem dicken Bauch Abbruch tut, so kannst du mich auch mit einem Wort aus meiner Muttersprache nennen.�</style></p><p><style name="font3">�Wie ist das Wort? Sage es schnell, damit ich nicht noch l�nger an dein freches Verlangen denken mu�.�</style></p><p><style name="font3">In den Augen des Alten lichterte es sp�ttisch. .</style></p><p><style name="font3">�Nenne mich ganz einfach Don Hidalgo<a l:href="#n_20" type="note">[20]</a>. Ich bin's zufrieden.�</style></p><p><style name="font3">�Don Hidalgo�, wiederholte der ahnungslose Mustapha. �Don Hidalgo, ja, das kann man aussprechen. Komm jetzt mit mir, Don Hidalgo, du mu�t mir �bersetzen, was dir eine Sklavin alles sagen wird, die ich schon l�nger bei mir habe, mit der ich mich aber bisher noch nicht verst�ndigen konnte.�</style></p><p><style name="font3">�Ja. Aber willst du mir nicht zuerst sagen, wie ich dich nennen soll, Dicker?�</style></p><p><style name="font3">Der Dicke ignorierte die Frechheit, da er es eilig hatte, zu Marina zu gelangen, und sagte nur </style><style name="font3">kurz:</style></p><p><style name="font3">�Nenne mich Sayd, wie alle meine Untergebenen.�</style></p><p><style name="font3">�F�llt mir nicht ein�, sagte Don Hidalgo. �Wenn du mich nicht Effendi nennst, so nenne ich dich auch nicht Sayd. Wie ist dein Name?�</style></p><p><style name="font3">�Mustapha�, platzte der Sklavenh�ndler heraus, ohne es zu wollen, verbesserte sich dann aber rasch und f�gte hinzu, �Mustapha Bej<sup>1</sup>.�</style></p><p><style name="font3">�Ah, bleiben wir lieber einfach bei Mustapha. Das ist lang genug. Den Bej schenke ich mir.� �Wie kannst du es wagen, dir meinen Titel schenken zu wollen, du ... du ... du Don Hidalgo!� Obwohl Mustapha sich nun doch langsam �ber den Aufs�ssigen zu �rgern begann, ging er ohne weitere Erwiderung auf die Kaj�tentreppe zu. Abbas, der w�hrend des Wortwechsels der beiden immer mehr in Erstaunen geraten war, folgte seinem Herrn und bedeutete dem Alten mit einer Geste, desgleichen zu tun.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">47</style></p></title><p><style name="font3">Sie waren manchen Tag und manche Nacht geritten. Algier hatten sie umgangen. Sie wollten nicht noch einmal mit Baba Ali und seinen Janitscharen zusammentreffen. Der Regen hatte aufgeh�rt, und der Sommer war fast ohne �bergang hereingebrochen. Als sie den Dschebel Naali �berquert hatten, standen sie an einem strahlenden Maitag vor den Ruinen des Karthagischen Aqu�dukts.</style></p><p><style name="font3">�Es ist furchtbar hei߫, st�hnte Diaz Ojo und fuhr sich mit dem braunen Handr�cken �ber die schwei�verklebte Stirn.</style></p><p><style name="font3">�Keine M�digkeit aufkommen lassen�, sagte der Pfeifer und schlug seinem Begleiter von Pferd zu Pferde auf die Schulter.</style></p><p><style name="font3">�Glaubt Ihr denn, Senor Doktor, da� Ihr das wild gewordene Weib wirklich in Tunis finden werdet?�</style></p><p><style name="font3">�Glauben w�re zu viel gesagt, Diaz, aber ich hoffe, da� wir wenigstens einen Fingerzeig bekommen, wo wir sie suchen k�nnen. Der Hadschi sprach davon, sie selbst glaube, da� man sie nach Istanbul bringen werde.�</style></p><p><style name="font3">�Istanbul�, Ojo seufzte schwer, �Istanbul, also Konstantinopel, wie weit mag das noch sein?� �Mehrere tausend Kilometer, amigo.�</style></p><p><style name="font3">�Por Dios, mehrere tausend Kilometer! Da reiten wir ja monatelang! Und bis wir hinkommen, ist sie vielleicht schon weiterverkauft. Und so viel M�he wegen einer solchen Frau!� �Reiten wir weiter�, sagte Michel Baum und dr�ckte seinem Pferd die Hacken in die Weichen. Dort, wo der Karthagische Aqu�dukt seine tiefste Schleife nach S�den zog, gab eine Lichtung den Blick auf Tunis frei. �ber den vielen wei�en H�usern gl�nzte die Kuppel der im Jahre 1223 erbauten Moschee des �lbaums, Dschana el-Situm, die die Gr�ber der Landesherrscher beherbergt.</style></p><p><style name="font3">�So�, sagte Michel Baum befriedigt, �in f�nf Minuten haben wir es geschafft, Freund Diaz.</style></p><p><style name="font3">Diese Minuten will ich ausn�tzen, um dir zu erkl�ren, weshalb wir die spanische Gr�fin suchen </style><style name="font3">und wenn m�glich finden m�ssen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� es ohnedies, Senor Doktor�, schmunzelte Ojo.</style></p><p><style name="font3">Michel sah ihn erstaunt an.</style></p><p><style name="font3">�Du wei�t es? Das ist mehr, als ich vermutete. Dann hat also die Zeit unseres Zusammenseins doch schon ihre Fr�chte getragen. Deine Denkweise hat sich ge�ndert.�</style></p><p><style name="font3">Ojo sah ein wenig ungl�cklich drein. Er konnte sich nicht recht vorstellen, weshalb sich gleich seine ganze Denkweise ge�ndert haben sollte, wenn er mit offenen Augen durch die Welt ritt. �Das alles ist doch ganz einfach, Senor Doktor, Ihr liebt die tolle Gr�fin. Deshalb wollt Ihr sie retten.�</style></p><p><style name="font3">Michel schaute ihn betroffen an. Dann lachte er laut auf.</style></p><p><style name="font3">�Du machst dir alles sehr einfach, Diaz. Vielleicht ist es in deinen Augen logisch, da� ein Mann Tausende von Kilometern durch einen fremden Kontinent reitet, um die Frau zu befreien, die er liebt. Aber es gibt auch noch andere Beweggr�nde, schwerer wiegende.� �Schwerer wiegende als die Liebe?� lachte Ojo ungl�ubig.</style></p><p><style name="font3">�Ja, ich w�rde jeden Menschen vor einem Ungl�ck zu retten versuchen, wenn es irgendwie in meiner Macht st�nde. Man tut so etwas �berhaupt nicht, weil man einen Grund im herk�mmlichen Sinne h�tte, sondern weil es eine innere Stimme gibt, die einem befiehlt, so zu handeln, wie wir es jetzt tun. Jeder Mensch hat ein Recht auf Freiheit. Was die Menschenh�ndler mit Marina tun, ist nach abendl�ndischem Denken unmenschlich. Freilich mi�t man im Orient mit anderen Ma�en. Solange sie es mit ihren eigenen Frauen und M�dchen tun, tut es nicht weh; denn diese sind an solche Methoden gew�hnt. Aber ein so freiheitsd�rstender Mensch wie Marina mu� k�rperlich und seelisch in dieser goldenen Gefangenschaft zerbrechen. Ich werde nie dulden, da� ein Mensch zugrunde geht, wenn es in meiner Macht steht, ihn davor zu bewahren.�</style></p><p><style name="font3">Ojo schwieg f�r einen Moment. Dann meinte er:</style></p><p><style name="font3">�Hat auch sie immer so gehandelt? War sie nicht eine Teufelin? Hat sie nicht viele ins Ungl�ck gebracht?�</style></p><p><style name="font3">�Das will nicht besagen, da� wir sie nun im Ungl�ck steckenlassen d�rfen.� �Warum nicht?�</style></p><p><style name="font3">�Wir sind nicht Richter �ber die Taten anderer. Die Menschlichkeit gebietet, niemandem seine Hilfe zu versagen, und h�tte er vorher auch noch so schlecht gehandelt. Ist es nicht denkbar, da� er sich sp�ter bessert, da� er im Lauf seiner eigenen Entwicklung die Schlacken abwirft und doch noch ein n�tzliches Glied der menschlichen Gesellschaft wird?�</style></p><p><style name="font3">�Hm�, brummte Ojo nur. Er dachte an den langen Weg, den sie noch vor sich hatten, und zog unwillk�rlich Vergleiche mit dem herrlichen Aufenthalt in der Kneipe des spanischen Wirtes in Fes.</style></p><p><style name="font3">�Sehr begeistert scheinst du diesmal nicht mit mir zu gehen?!�</style></p><p><style name="font3">�Doch, Senor Doktor�, meinte Ojo eifrig, �macht Euch nichts draus, wenn ich manchmal ein wenig brummig bin. Ich verdanke Euch so vieles. An Eurer Seite ist es mir klar geworden, da� es viele Dinge gibt, die ich von selbst nie erkannt oder gefunden h�tte. Ich gehe mit Euch bis in die H�lle, wenn es sein mu�.�</style></p><p><style name="font3">�Vielleicht sind wir ihr n�her, als wir jetzt ahnen�, erwiderte der Pfeifer ernst. �Wenn wir jetzt in die Stadt kommen, dann wollen wir wieder nach unserem alten Rezept verfahren, amigo. Ich bin ein Araber, und du bist stumm und taub. Unsere Barte sind lang genug geworden, um uns echt erscheinen zu lassen.�</style></p><p><style name="font3">�Bueno, Senor Doktor, ich klappe jetzt meinen Mund zu und tue ihn erst wieder auf, wenn Ihr es f�r richtig haltet.� Michel nickte lachend.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">48</style></p></title><p><style name="font3">Sie hatten die ersten H�user mit den niedrigen, kuppelartigen D�chern erreicht. Im Innern erwies sich die Stadt als ein Labyrinth von engen, schmutzigen Gassen. Es gab viele kleine Moscheen, und zahlreich waren die Basare, in denen lebhaft gehandelt und gefeilscht wurde. Gekr�nt wurde das H�usermeer mit seinem bunten Treiben von dem Palast des Bej, einem imposanten, weitl�ufigen Bau im maurischen Stil.</style></p><p><style name="font3">�Da sind wir nun�, sagte Michel Baum, w�hrend er vor einem Basar vom Pferd stieg. �Kaufen wir uns erst einmal etwas zu essen, etwas Handfestes. Ich bin die ewigen Datteln leid.� Ojo lie� sich das nicht zweimal sagen. Mit einem Satz stand er auf der Stra�e. Aus einem der Tausenden von L�den, die alle vorn offen waren, drang der w�rzige Duft von in Oliven�l gebackenen Pfannkuchen. Eigentlich roch mehr oder weniger alles nach Oliven�l. Tunis ist auch heute noch die Stadt der gro�en Olivenhaine.</style></p><p><style name="font3">Die beiden betraten den Laden. Weisungsgem�� fiel Ojo prompt in die Rolle eines etwas bl�den Taubstummen. Michel hingegen trat auf, als geh�re ihm die Welt. �Barra�, schrie er trotz seiner immer noch nicht vollkommenen Aussprache den dicken, speckigen Ladenbesitzer an und lie� eine verwirrende Flut arabischer Fl�che auf ihn herniederprasseln. Dabei klopfte er auf seinen Beutel, da� die goldenen Piasterst�cke klapperten. Trotzdem lie� sich der H�ndler nicht aus der Fassung bringen, sondern fragte sehr geruhsam: �Was willst du, Cous-Cous, Oliven, Datteln, Feigen, t�rkischen Honig, Brot oder vielleicht alles zusammen? Du bist so d�rr, und der Inhalt deines Beutels klingt so vielversprechend, da� du eine gute Mahlzeit zu dir nehmen solltest. Auch ein wenig Haschisch w�rde dir nicht schaden; denn es steigert die Gen�sse, die Allah seinen Gl�ubigen gew�hrt, und die Welt sieht rosenfarbener aus nach seinem Genu�. Auch kann ich dir einen neuen Turban und einen neuen Burnus sehr empfehlen. Dein Habit sieht aus, als seiest du monatelang durch Dreck und Regen geritten. In vornehmer Gesellschaft kannst du dich damit nicht mehr sehen lassen. Des weiteren kann ich dir wunderbare Marokko-Ledersandalen empfehlen, die deinem Fu� einen weichen Gang verleihen und dein �u�eres wie das eines Pascha erscheinen lassen. Dann habe ich noch ... �</style></p><p><style name="font3">�Halt ein�, unterbrach der Pfeifer den orientalischenRedestrom, �bin ich auf einem Jahrmarkt oder befinde ich mich in einem Basar, in dem ich f�r mich und meinen Begleiter einen �lkuchen und frische Oliven kaufen kann?�</style></p><p><style name="font3">Er setzte eine gebieterische Miene auf und gab seiner Haltung noch mehr W�rde. �O Effendim, lausche geduldig und la� mich dir meine Waren anpreisen. Vielleicht gel�stet es deine Zunge dann nach leckereren Speisen als nach billigen �lkuchen und z�hen Oliven. Der S��igkeiten gibt es viele in meinem Basar. Und ich sage dir, da� der Prophet bei mir getafelt h�tte, w�re ich zu seinen Zeiten schon H�ndler oder Schankwirt in Mekka oder Medina gewesen.�</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, ich bin weder der Prophet noch ein Mara-but, da� es mich nach solchen Schlemmereien gel�stet. Ich will einen �lkuchen, und mein Freund will auch einen �lkuchen. Wir haben Hunger und m�ssen uns durch kr�ftiges Essen st�rken; denn vielleicht schickt uns der Prophet auf eine sehr, sehr lange Reise.�</style></p><p><style name="font3">�Auf eine lange Reise? Wollt ihr vielleicht zur Heiligen Kaaba pilgern? Allah segne euch, da� eure Reise schnell und gl�cklich sei!�</style></p><p><style name="font3">�Ich danke dir f�r deine guten W�nsche; aber nun gib uns die �lkuchen. Wir wollen essen.�</style></p><p><style name="font3">Der H�ndler brachte auf schmutzigen Tontellern das in Oliven�l schwimmende Geb�ck. �Willst du vielleicht einen k�stlichen, gebratenen Fisch dazu, Effendim?� �Nein, danke. Ich mag jetzt keinen Fisch.� �Du vielleicht?�, wandte sich der H�ndler jetzt an Ojo.</style></p><p><style name="font3">Ojo rollte mit den Augen. Er setzte die Daumen seiner beiden H�nde an die Schl�fen und wackelte mit den Fingern. Dazu stie� er kehlige Laute aus, die wie ein Glucksen klangen. Der H�ndler wich erschrocken einen Schritt zur�ck, stolperte dabei �ber einen in der N�he stehenden Holztrog und fiel der L�nge nach auf den schmierigen, fettig gl�nzenden Boden seines Basars. Ohne sich zu erheben, streckte er, auf dem R�cken liegend, beide H�nde gegen Ojo aus und fragte mit entsetzten Blicken:</style></p><p><style name="font3">�Ist dein Freund verr�ckt? Hat er den Schejtan im Gehirn? Wie kann meine Frage, ob er Fisch essen wolle, solch gewaltt�tige Gesten ausl�sen?�</style></p><p><style name="font3">�Mein Freund und Begleiter ist leider vom Ungl�ck geschlagen�, beantwortete Michel mit Leichenbittermiene die Fragen des H�ndlers. �Er ist klar bei Verstand, aber er kann weder h�ren noch sprechen. Er wollte dir lediglich durch Gesten beweisen, da� es sinnlos sei, Fragen an ihn zu richten, die er doch nicht versteht.�</style></p><p><style name="font3">�So f�hre ihn auf die Bank da hinten und hei�e ihn sich niedersetzen, damit ich ungehindert aufstehen kann.�</style></p><p><style name="font3">Michel wollte erwidern, da� es solcher Vorsichtsma�regeln nicht bed�rfe, als er verwundert sah, wie der H�ndler mit der Behendigkeit eines Stehaufm�nnchens wieder auf die F��e kam. Der Dicke nahm aber von den beiden keinerlei Notiz mehr. Er wandte sich vielmehr mit nicht enden wollenden B�cklingen einem gro�en, d�ster blickenden Mann zu, der in diesem Augenblick den Basar betreten hatte.</style></p><p><style name="font3">Mit �ber der Brust gekreuzten Armen verharrte der H�ndler in gebeugter Stellung vor dem Ank�mmling und begr��te ihn mit �berschwenglicher H�flichkeit.</style></p><p><style name="font3">�Es salam alejkum, Aisad Effendim, was verschafft mir die gro�e Ehre deines Besuches, gro�er Kapudan?�</style></p><p><style name="font3">Der Ank�mmling blickte �ber die gebeugte Gestalt des H�ndlers hinweg. Seine stechenden Augen bohrten sich in Michel und Ojo, die endlich Gelegenheit gefunden hatten, ihre �lkuchen zu essen.</style></p><p><style name="font3">�Was sind das f�r M�nner?� fragte Aisad den H�ndler mit scharfer, leiser, aber fast zischender Stimme.</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� nicht, Effendim�, richtete sich der Gefragte auf. �Sie m�ssen Fremde sein, die noch </style><style name="font3">nicht lange in Ifrikija weilen. Sie kamen herein, und der eine bestellte lumpige �lkuchen, </style><style name="font3">obwohl er einen wohlgef�llten Beutel unter dem Burnus tr�gt.�</style></p><p><style name="font3">Die Lider Aisads zogen sich zu einem Schlitz zusammen.</style></p><p><style name="font3">�Sag ihnen, wer ich bin, damit sie mir Respekt erweisen�, zischte er.</style></p><p><style name="font3">Der H�ndler wandte sich mit serviler Schnelligkeit um und schnauzte seine Kunden an:</style></p><p><style name="font3">�K�nnt ihr euch nicht verbeugen, ihr Bettler, ihr Halunken, ihr Habenichtse, wenn einer der </style><style name="font3">h�chsten W�rdentr�ger des erhabenen Bej vor euch steht?�</style></p><p><style name="font3">Statt einer Antwort schob Michel gem�chlich den letzten Bissen in den Mund und wischte sich die �ligen Finger am Burnus des nur zwei Schritte entfernt stehenden H�ndlers ab. Noch immer kauend meinte er:</style></p><p><style name="font3">�Woher sollen wir wissen, wer dieser Unbekannte ist? Er sieht aus wie jeder von uns, wie du und ich, nur da� er nicht so fett ist wie du, was ihn mir sympathischer macht.�</style></p><p><style name="font3">Dem H�ndler blieb vor Schreck der Mund offen stehen. Er rang nach Luft. Er f�rchtete f�r seinen Kopf und s�mtliche K�pfe seiner Familie und seiner ganzen Verwandtschaft; denn Aisad war allgemein gef�rchtet. Er war der Polizeichef des Bej und als solcher wie alle Polizeichefs unter selbstherrlichen Herrschern grausam, brutal, unmenschlich und voller Ha� gegen alle Fremden.</style></p><p><style name="font3">Michel wollte den Gewaltigen von Tunis nicht unn�tig herausfordern. So f�hrte er mit kurzer </style><style name="font3">Geste die Hand an die Stirn, nickte leicht und sagte kurz:</style></p><p><style name="font3">�Sal.�</style></p><p><style name="font3">Aisad stand mit unbeweglicher Miene an der T�r. Er schien offensichtlich nicht zu wissen, wie er sich seiner W�rde und seinem Ruf entsprechend in diesem Augenblick zu verhalten habe. Der H�ndler hatte indessen seine Sprache wieder gefunden. Seine Worte �berschlugen sich fast, als er die beiden Freunde zurechtwies. Michel h�rte sich das Gerede eine Weile an, zuckte dann aber gelangweilt mit den Schultern, wandte sich an Ojo und bedeutete ihm durch seine Geb�rde, da� sie nun gehen wollten.</style></p><p><style name="font3">�Halt! � Bleibt!� kam die unangenehme Stimme Aisads. Michel und Ojo blieben stehen.</style></p><p><style name="font3">�Willst du etwas Besonderes? Dann sag es schnell. Wir haben keine Zeit zu verlieren.� Der Polizeichef betrachtete die beiden kritisch vom Kopf bis zu den Zehenspitzen. �Du hast viel Geld bei dir, wie ich h�rte�, sagte Aisad in einem Ton, der niemanden sonst zum Widerspruch gereizt h�tte. �Zeig mir, wieviel es ist!�</style></p><p><style name="font3">Michel gab seinem Gesicht einen verwunderten Ausdruck, sch�ttelte den Kopf und antwortete: �K�mmere dich um deine Angelegenheiten und la� uns in Frieden ziehen. Wir haben dich nicht bel�stigt, so bel�stige auch uns nicht. Salam alejkum.� Damit trat er an Aisad vorbei ins Freie, und Ojo folgte ihm.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">49</style></p></title><p><style name="font3">Langsam, fast gem�chlich, banden sie die Pferde los und stiegen mit geruhsamer W�rde in den Sattel. Die Pferde zockelten dahin, und ihr gleichm��iger Huf schlag hallte von den W�nden der engen Gasse wider.</style></p><p><style name="font3">�Ja�, nahm Michel das Gespr�ch auf, �nun werden wir uns einmal darum k�mmern m�ssen, Marina oder wenigstens eine Spur von ihr zu finden.�</style></p><p><style name="font3">�Vielleicht ist sie gar nicht nach Konstantinopel gebracht worden�, meinte Ojo hoffnungsfreudig. �Vielleicht hat sie so ein tunesischer Pascha gekauft.� �M�glich ist alles, amigo. Ist sie hier, so wird sie sicherlich irgendwo an sichtbarer Stelle ihr Zeichen angebracht haben. Bueno, reiten wir durch alle Stra�en von Tunis und vergewissern wir uns, ob irgendwo ein mit den Seer�uberinsignien der �Trueno�besticktes Fahnentuch am Fenster flattert. In erster Linie k�men daf�r wohl die Fensterfronten der Kasbah in Frage. Der Bej wird sicher manche sch�ne Frau von Sklavenh�ndlern gekauft haben.�</style></p><p><style name="font3">�Schon richtig, Senor Doktor, aber was machen wir, wenn dieser Mustapha die Gr�fin weder hier noch in Konstantinopel verkauft hat? Ich mu� Euch ehrlich sagen, da� ich daran zweifle, sie je zu finden.�</style></p><p><style name="font3">�Das w�re zwar ein Ungl�ck f�r sie; aber ich sagte ja bereits, da� wir nichts unversucht lassen werden, ihr zu helfen. Sie hat uns aus den Steinbr�chen von El Mengub befreit, und wir befreien sie entweder aus den H�nden von Menschenr�ubern oder aus den Gittern eines Harems.� Sie trabten stadtauf, stadtab, durch Gassen und Stra�en, an armseligen H�tten vorbei, vor�ber an den Fensterfronten des Palastes, �ber M�rkte und durch Menschenansammlungen hindurch. Sie scheuchten H�ndler auf und lie�en wildes Geschimpfe �ber sich ergehen, wenn sie die Ruhe eines Bettlers gest�rt hatten. Und sie kamen zum Schlu� an das Ufer des Bahira-Sees, der Tunis vom Hafen Goletta trennt. Am n�rdlichen Gestade des gro�en Sees, zwischen dem Wasser und dem ber�hmten Olivenhain von El Auina, ritten sie dahin, und wandten sich dann, als sie die K�ste des Golfs von Tunis erreichten, scharf nach S�den, wo sie �ber die Landzunge nach dem Ort Goletta kamen.</style></p><p><style name="font3">Es mochte vier Uhr nachmittags sein, als sie mit scharfen Augen das Hafenbecken absuchten, um die Schiffe zu betrachten, die dort ankerten. Es waren nicht viele. Zu dieser Zeit konnte man �berhaupt noch nicht von einem Hafen in unserm heutigen Sinne sprechen. Der neue Hafen von Tunis wurde erst 1893 in Gebrauch genommen. Bis dahin gab es weder Molen noch Anlegestege noch Kais. Schiffe ankerten vor der K�ste, Beiboote brachten Waren oder Menschen an den Strand. Daf�r waren die Gew�sser hier ideale Fischgr�nde f�r die Bewohner der D�rfer von Karthago bis Kairuan.</style></p><p><style name="font3">Michel bemerkte in nicht weiter Entfernung Fischer, die eifrig damit besch�ftigt waren, gefangene Fische zu t�ten und in K�rbe zu verpacken, um sie dann auf den Markt zu bringen. Diese Leute mu�ten nach menschlichem Ermessen �ber ein- und auslaufende Schiffe informiert sein. Kurz entschlossen dr�ckte er seinem Pferd die Hacken in die Weichen und sprengte im Galopp auf die Fischer zu. Ojo folgte ihm mit gleichem Tempo.</style></p><p><style name="font3">�Heda, ihr Gl�ubigen, ihr gesegneten Kinder Mohammeds, wollt ihr euch ein Bakschisch verdienen?�Er hatte einige kleine Silberm�nzen aus dem Beutel genommen und warf eine davon unter die Fischer.</style></p><p><style name="font3">Die unerwartete Gabe wurde mit tosendem Gebr�ll begr��t. Es begann eine heftige Rauferei um den Besitz dieser M�nze. Langsam lichtete sich der Kn�uel, und ein d�rftiges M�nnchen, einen Kopf kleiner als die anderen, sch�lte sich heraus.</style></p><p><style name="font3">�Allah � Wallah � Tallah, beim Barte des Propheten, ich habe es. Und wer es mir streitig machen will, den schicke ich in die Dschehenna�, schrie ein kleines, d�nnes Stimmchen. Michel mu�te �ber die Komik dieser Szene schallend lachen. Er hatte sich weit genug in die Sitten des Morgenlandes eingelebt, um zu wissen, da� es drei Dinge gab, die das Wesen des Orientalen bestimmen: Bakschisch, Haschisch, maalisch.</style></p><p><style name="font3">Der Araber, der T�rke, der Inder � eigentlich alle V�lker des S�dens � sind bestechlich. Der Bakschisch ist das Sesam-�ffne-dich f�r alles. F�r ein Trinkgeld kann man P�sse bekommen, zu Amt und W�rden gelangen, unbrauchbare Waren �ber die Importl�nder in den Handel bringen, Torh�ter bestechen und, wenn n�tig, bis zu den h�chsten W�rdentr�gern vordringen. Haschisch ist ein Rauschgift, das man mit Honig vermengt und entweder kaut oder, zu K�gelchen gedreht, mit Tabak vermischt genie�t. Vom zehnj�hrigen Knaben bis zum Greis ist alles dem Genu� des Haschischs verfallen. Dieses Gift zerr�ttet systematisch Gesundheit, Charakter und Leben der Bev�lkerung. Es gaukelt den Armen gl�ckliche Stunden vor und beseitigt bei den Reichen die letzten Hemmungen ihrer Genu�sucht. Maalisch ist ein Begriff, der nur dort Bedeutung erlangen kann, wo die Sucht nach dem Bakschisch und dem Haschisch gedeiht. Es ist der vollendete Ausdruck der absoluten Gleichg�ltigkeit, der Ergebenheit in ein unab�nderliches Schicksal, das vorbestimmt ist und dem niemand entgehen kann.</style></p><p><style name="font3">Michel Baum zog jetzt eines seiner goldenen Zwanzig-Piaster-St�cke hervor, hielt es zwischen Daumen und Zeigefinger �ber den Kopf und rief:</style></p><p><style name="font3">�Wer dieses Bakschisch verdienen will, der m�ge herkommen und mir eine Auskunft geben. Wer mir meine Fragen am besten beantwortet, soll es erhalten,�</style></p><p><style name="font3">Der ganze Haufen, der sich soeben noch um das kleine Silberst�ck gerauft hatte, geriet in Bewegung. Jeder wollte als erster die Fragen des sonderbaren Fremden beantworten. Bald hatten die Fischer beide Pferde umringt und schauten aus erwartungsvollen Augen zu Michel auf. �Wer von euch kann mir etwas �ber einen t�rkischarabischen M�dchenh�ndler erz�hlen, dessen Name Mustapha ist?�</style></p><p><style name="font3">Gespannt blickte er auf die Gesichter der Umstehenden.</style></p><p><style name="font3">Eisiges Schweigen schlug ihm entgegen. Kein einziger schien mehr Lust zu haben, das Goldst�ck zu erh�schen. Die Furcht vor Mustapha war st�rker als die Sucht nach einem so betr�chtlichen Gewinn.</style></p><p><style name="font3">Michel stellte noch ein paar Fragen, wobei er die Fischer aufmerksam beobachtete. Er erhielt nicht eine einzige Antwort. Langsam verliefen sie sich und gingen ihrer Arbeit nach. Michel und Ojo wandten ihre Pferde und ritten im Schritt an der K�ste nach Norden. �Ihr habt sie nach Mustapha gefragt, Senor Doktor?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, Diaz. Ich habe den Eindruck, da� alle ihn kennen. Er scheint ein sehr gewaltt�tiger Mensch zu sein, wennsie sogar ein Goldst�ck aus Furcht vor ihm ausschlagen.� W�hrend sie so dahinritten, hatte Ojo das Gef�hl, da� ihnen jemand folgte. Er drehte sich um und sah auf einmal einen Kopf �ber den D�nen, der sich schnell in gleicher Richtung bewegte wie sie. Die Fischer waren nicht mehr zu erkennen. Pl�tzlich h�rten sie eine Stimme. �Sayd! Sayd!� rief jemand mit keuchender Lunge.</style></p><p><style name="font3">Ein Mann kam jetzt in wildem Lauf �ber die Grash�gel gejagt. Schwei� lief ihm vor Anstrengung in Str�men �ber das Gesicht. Es war der kleine Mann mit dem d�nnen Stimmchen.</style></p><p><style name="font3">Die beiden Reiter verhielten ihre Pferde. Der Kleine war heran und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Sayd, auch ich habe gro�e Angst vor Mustapha, aber meine Frau ist krank, und so will ich mir </style><style name="font3">das Bakschisch verdienen. Wirst du es mir auch bestimmt geben?�</style></p><p><style name="font3">Michel tat das M�nnchen leid. Er warf ihm ein Goldst�ck zu und sagte: �Nimm das. Und wenn mich deine Auskunft befriedigt, so erh�ltst du ein weiteres.�</style></p><p><style name="font3">�O Effendim, deine Gnade ist so gro� wie die Allahs, und deine G�te ist wie die des Propheten. Ich kann dir sagen, da� Mustapha zum letztenmal hier war, als es noch regnete. Ich kann mich an den Tag, da sein Schiff ausgelaufen ist, noch genau erinnern, denn an diesem Tag erblickten meine Augen die sch�nste Frau, die Allah je erschaffen hat, obwohl sie eine Ungl�ubige ist �</style></p><p><style name="font3">Er erz�hlte nun von einer wei�en Frau mit roten Haaren, die der Sklavenh�ndler Mustapha wie seinen Augapfel geh�tet habe, weil sie ihm am Hof des Gro�herrn in Istanbul schweres Geld einbringen sollte. Michel wurde hellh�rig.</style></p><p><style name="font3">�Eine sch�ne wei�e Frau mit roten Haaren?� fragte er, um ganz sicher zu gehen. �Ja, Sayd, sie war sehr sch�n, und sie trug keinen Sdileier, sondern lie� jedermann in ihr engelgleiches Antlitz schauen.�</style></p><p><style name="font3">Michel teilte das Geh�rte Ojo mit. Der war n�rrisch vor Freude.</style></p><p><style name="font3">�Wie gut, Senor Doktor, da� wir hierher geritten sind. Nun brauchen wir nicht mehr zu suchen!� Michel nickte. Dann wandte er sich abermals an den kleinen Mann und fragte: �Kannst du mir sagen, ob das Schiff einen Namen hat?�</style></p><p><style name="font3">�O Sayd, nat�rlich hat es einen Namen. Es geh�rt zu den ber�hmtesten Seglern, die unsere Stadt anlaufen, und hei�t �Mapeika�.�</style></p><p><style name="font3">Der Pfeifer unterhielt sich noch eine Weile mit dem Kleinen, bis er auch die letzten Einzelheiten erfahren hatte. Er wu�te nun, da� die �Mapeika� gute vier Monate Vorsprung hatte, und er ahnte, da� es auch in Konstantinopel nicht leicht fallen w�rde, Marinas Spur weiter zu verfolgen. Er warf dem Mann ein weiteres Goldst�ck zu, das dieser unter vielen Dienern und mit weitschweifigen Lobpreisungen entgegennahm.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">50</style></p></title><p><style name="font3">Die Sonne stand schon tief im Westen.</style></p><p><style name="font3">Ojo und Michel ritten wieder durch die Gassen der Stadt. Von Zeit zu Zeit verhielt der Pfeifer sein Pferd und betrachtete aufmerksam jene H�user, an denen eine verschn�rkelte Inschrift zur Ruhe einlud.</style></p><p><style name="font3">�Ob wir wohl eine Herberge finden, die frei von Ungeziefer ist?� fragte Ojo. �Ich denke schon, amigo. Wenn es in der Oberstadt vergeblich sein sollte, so wenden wir uns zum Ghetto. Ich habe in Algier die Erfahrung gemacht, da� es in den �rmlichen H�usern der Juden sehr sauber ist.�</style></p><p><style name="font3">�Ich wundere mich �ber die Z�higkeit der Juden�, meinte Ojo, �in meiner Heimat k�nnen sie ihres Lebens nicht froh werden, wenn sie sich nicht taufen lassen. Trotzdem halten sie �berall durch. Da� sie sich selbst hier unter diesen fanatischen Mohammedanern behaupten k�nnen, verwundert mich sehr.� Michel zuckte mit den Schultern. �Nun, ein starker Glaube vermag vieles. Das Leiden ist die Tradition der Juden seit ihrer Austreibung aus Pal�stina. Und wir wissen, da� Traditionen st�rker sind als ungerechte F�rsten oder unduldsame Muslimun. Ich habe die Juden immer bewundert. Sie sind hilfsbereit, und du wei�t, da� jener alte Mann in Algier sein Leben wagte, als er uns durch die Postenkette der Janitscharen f�hrte.� Sie waren weitergeritten und befanden sich jetzt auf der H�he des Palastes. Ojo stellte gerade tiefsinnige Betrachtungen �ber die Intoleranz gegen die Juden auf der ganzen Welt an, als er sich pl�tzlich von zahlreichen Reitern umringt und vom Pfeifer getrennt sah.</style></p><p><style name="font3">Die Gestalten, die auf den Pferden sa�en, trugen drohende Mienen zur Schau. In ihren H�nden</style></p><p><style name="font3">blitzten Krumms�bel oder Damaskus-Dolche. Die Situation sah bedrohlich aus.</style></p><p><style name="font3">Diaz Ojo blickte sich um und ersp�hte Michel, dem es nicht besser erging.</style></p><p><style name="font3">Die Araber, die sonst ihre Aktionen stets mit viel L�rm und Get�se ausf�hrten, waren </style><style name="font3">schweigsam wie die Engel des Todes. Ohne ein Wort zu sagen, dr�ngten sie die beiden Reiter </style><style name="font3">durch das Palasttor, wo sie von einer noch gr��eren Schar finster blickender Gestalten </style><style name="font3">empfangen wurden.</style></p><p><style name="font3">Michel dachte sofort an Aisad. Lie� der Polizeichef zwei unschuldige Menschen einfangen, nur weil ihm ihre Gesichter nicht gefielen? Er sollte nicht lange auf die Antwort warten. Auf einer Seitentreppe erschien Aisads Gestalt. Seine Trabanten dr�ngten Michel und Ojo bis an den Fu� der Treppe vor. Beide hatten ihre Waffen noch; aber es w�re sinnlos gewesen, davon Gebrauch zu machen.</style></p><p><style name="font3">�Wollt ihr euch ergeben, ohne Widerstand zu leisten?�, kam die zischende Stimme Aisads. �Was willst du von uns?�</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid Spione aus Frankistan. Ihr seid r�udige Hunde, die sich in unsere Stadt eingeschlichen haben. Ich, der Polizeimeister des Bej von Tunis, arretiere euch aus Sicherheitsgr�nden. Gebt die Waffen ab.�</style></p><p><style name="font3">Michel knirschte mit den Z�hnen. Wieder und wieder ging er seines kostbaren Gewehrs verlustig. Jedesmal galt es, zus�tzliche Schwierigkeiten zu �berwinden, um der Waffe wieder habhaft zu werden. Krampfhaft suchten seine Gedanken nach einem Ausweg. �Ihr sollt die Waffen abgeben�, sagte Aisad mit erhobener Stimme. �Ich gebe meine Befehle, damit sie befolgt werden. Wenn ihr weiterhin z�gert, lasse ich euch an Ort und Stelle von meinen Soldaten in St�cke hauen.� �Pah�, erwiderte Michel. �Glaubst du im Ernst, da� ich mich vor den armseligen Plempen deiner </style><style name="font3">Knechte f�rchte? Befiehl ihnen, da� sie uns den Weg freigeben. Wir haben es eilig.�</style></p><p><style name="font3">�Packt sie!� kam Aisads schneidende Stimme.</style></p><p><style name="font3">�Verteidige dich, Ojo�, rief Michel auf spanisch, �ich schaffe Luft!�</style></p><p><style name="font3">In die Polizeisoldaten kam Bewegung. Aber pl�tzlich blieben sie wie gebannt stehen.</style></p><p><style name="font3">Durch Mark und Bein gehende Pfiffe, teuflische Triller verwirrten ihre K�pfe. Im selben </style><style name="font3">Augenblick ri� Michel seine B�chse hoch und feuerte dreimal in die Luft. Dabei hielt er das </style><style name="font3">Gewehr so, da� jeder sehen konnte, wie das M�ndungsfeuer dreimal kurz hintereinander aus </style><style name="font3">derselben Flinte kam.</style></p><p><style name="font3">�Los!� schrie er Ojo zu.</style></p><p><style name="font3">Gleichzeitig mit dieser Aufforderung war vom Tor des Palastes her eine andere Stimme erklungen. �Was gibt es da?� rief ein dr�hnender Ba�. Die Umstehenden kreuzten beim Klang dieser Stimme die Arme �ber der Brust und verneigten sich tief. Auch Aisad erwies dem Rufer seine Reverenz. Wieder erklang der Ba�.</style></p><p><style name="font3">�Man bringe mir den Mann, der soeben die Sch�sse abgegeben hat. Ich will ihn sehen.� �Tu genau, was ich tue, Ojo�, rief Michel seinem Freund zu und ritt durch die Soldaten, die ihm bereitwillig den Weg freigaben.</style></p><p><style name="font3">Am Tor des Palastes hielt auf einem feurigen, schwarzen Rappen der Bej mit seinem Gefolge. Michel benutzte die wenigen Schritte, um neues Pulver auf die Pfanne zu sch�tten und die abgeschossenen L�ufe mit Kugeln zu versehen. Dann hielten sie ihre Pferde und standen vor dem Bej, einem dicken Mann mit grausamen Augen und einem pechschwarzen Bart, der kaum etwas von seinen Gesichtsz�gen erkennen lie�. Ohne eine Anrede abzuwarten, sagte Michel: �Ich bin der Sch�tze, den du sehen wolltest, weshalb hast du mich gerufen?� Der Bej wunderte sich nicht wenig �ber die selbstbewu�te Art, in der sich der Pfeifer ihm n�herte.</style></p><p><style name="font3">�Deine Sprache ist k�hn. Ich, der Herrscher der Gl�ubigen von Ifrikija, gebe niemandem Rechenschaft �ber meine Gr�nde. Ich habe dich gerufen, und du hast zu gehorchen.� Michel Baum �nderte sofort sein Verhalten, als er h�rte, wen er vor sich hatte. �Es salam alejkum, erhabener Bej�, verbeugte er sich tief vom Pferd herab und f�hrte die Hand zur Stirn und dann zum Herzen, �welche Gnade Allahs, da� er mich das Antlitz des ruhmbedeckten Herrschers von Ifrikija schauen l��t! Meine Hand ist deine Hand, meine Lippen sollen deine Gnade verk�nden. Ich biete mich dir zu Diensten an, gro�er Bej, und werde helfen, die Fahne deines Reiches zu weiterem Ruhm zu f�hren.�</style></p><p><style name="font3">Das war eine wohlgesetzte Rede, die selbst dem Hartgesottensten schmeicheln mu�te. Der Bej wurde sichtlich noch gr��er. Mit stolzer Geste strich er sich den schwarzen Bart. Wohlgef�llig ruhten seine Blicke auf der Gestalt des Pfeifers. �Wie hei�t du?� fragte er. �Man nennt mich kurz den Pfeifer�, sagte Michel langsam, um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen; denn er hatte keinen arabischen Namen zur Hand. Da besann er sich gl�cklicherweise auf seine fr�heren Bekanntschaften, und da fiel ihm der Name des algerischen Seer�uberkapit�ns ein. �Abu Hanufa al Dinaweri hei�e ich.�</style></p><p><style name="font3">�Du bist jung und siehst stark aus. Welcher Art sind die Dienste, die du mir anbieten kannst?� �Ich hoffe, da� du mir gestattest, deinen Sohn Hammuda Pascha zum besten Sch�tzen im ganzen Morgenland auszubilden�, sagte Michel aufs Geratewohl; er hatte ja keine Ahnung, ob Hammuda �berhaupt auf eine solche Ausbildung Wert legen w�rde.</style></p><p><style name="font3">Der Bej war ziemlich verbl�fft. Er sa� auf seinem Pferd steif wie ein Buddha und schaute dumm drein. Michel war jedoch klug genug, ihn trotz seines augenblicklichen Gesichtsausdruckes nicht f�r dumm einzusch�tzen. Ein Dummkopf hatte sicher nicht die F�higkeit, Monarch eines Piratenstaates zu sein und eine wilde Bev�lkerung voller Hinterh�ltigkeit und Intrigen am Z�gel zu halten.</style></p><p><style name="font3">�Du behauptest also, ein Sch�tze zu sein, der meinem Sohn noch etwas beibringen kann? Ich wiederhole, du bist k�hn. Aber gut, beweise deine Schie�kunst. Zuvor aber zeige mir dein Gewehr. Ich will sehen, wie die Waffe ausschaut, mit der du meinem Sohn �berlegen sein willst.�</style></p><p><style name="font3">Michel reichte ihm die Muskete. Der Bej betrachtete sie und hatte, als er sie zur�ckgab, einen ver�chtlichen Ausdruck im Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah�, sagte er, �ich habe kostbarere Gewehre gesehen, solche, deren Sch�fte mit Gold </style><style name="font3">und Silber ausgelegt waren und deren Kolben die herrlichsten Diamanten zierten. Vielleicht ist </style><style name="font3">es eine gute Flinte. Ich habe noch nie ein Gewehr solcher Konstruktion gesehen.�</style></p><p><style name="font3">Er blickte umher und wies dann auf eine in der N�he stehende Kokospalme.</style></p><p><style name="font3">�Sieh zu, ob du die am h�chsten h�ngende Kokosnu� herabschie�en kannst.�</style></p><p><style name="font3">�Ich denke schon�, sagte Michel, ri� das Gewehr hoch und dr�ckte im gleichen Augenblick ab.</style></p><p><style name="font3">F�r ihn war das ein leichtes Ziel. Die Kokosnu� fiel zur Erde.</style></p><p><style name="font3">�Maschallah, das mu� eine Zauberflinte sein�, meinte der Bej und bedachte den Pfeifer mit einem langen Blick. �Du hast ja gar nicht gezielt!� �O doch, erhabener Herrscher, sogar sehr genau.�</style></p><p><style name="font3">�Du hast das Gewehr hochgeworfen und abgedr�ckt, bevor der Lauf zur Ruhe kam. Es war Gl�ck.�</style></p><p><style name="font3">�Willst du die Gnade haben, mir ein anderes Ziel zu bezeichnen, das genauso schwierig zu treffen ist?�</style></p><p><style name="font3">Der Bej schwieg f�r eine Weile. Michel blickte nun seinerseits umher. Seine Augen blieben auf einer Menschengruppe haften, die etwa hundert Meter weit entfernt war. Diese Menschen waren in das Joch einer schweren Karre gespannt, Sklaven, die von den Peitschen zweier Aufseher erbarmungslos angetrieben wurden. Einer der M�nner fiel hin. Die Aufseher waren schnell dabei, ihn mit ihren Nilpferdpeitschen wieder auf die Beine zu bringen.</style></p><p><style name="font3">Die Lippen des Bej kr�uselten sich unter dem Bart. �Dort hast du ein bewegliches Ziel�, sagte er und deutete auf den Taumelnden.</style></p><p><style name="font3">Michel �berlief eine G�nsehaut. Trotz der Schwermut aber, die ihn beim Anblick jener Jammergestalten befallen hatte, arbeitete sein Verstand schnell.</style></p><p><style name="font3">�Erhabener Bej�, antwortete er, �Allah w�rde mir z�rnen, wenn ich auf einen hilflosen Menschen sch�sse. Und ganz abgesehen davon ist das Ziel f�r mich viel zu leicht. Der j�ngste Soldat deiner ruhmreichen Heere, o Effendim, w�rde es nicht verfehlen.� Bedr�ckendes Schweigen. Dann meinte der Bej langsam:</style></p><p><style name="font3">�Gut, so will ich dir ein Ziel suchen, das schwerer zu treffen ist. Wenn du es triffst, so sollst du der Schie�lehrer meines Sohnes Hammuda Pascha werden. Aber �wenn der Schu� daneben geht, lasse ich dir den Kopf abschlagen. Das ist der Handel, den ich dir anbiete. Sieh, dort dr�ben, eine wei�e Taube auf dem Dach! Das ist dein Ziel.�</style></p><p><style name="font3">�Alle guten Geister�, murmelte Michel erschrocken in seiner Muttersprache, �so nahe stand ich </style><style name="font3">selten vor dem Verlust meines Kopfes!�</style></p><p><style name="font3">�Was murmelst du da f�r unverst�ndliches Zeug?�</style></p><p><style name="font3">�Oh, das ist ein Zauberspruch, den ich einmal von einem fremden Zauberer aus dem Abendland geh�rt habe. Wenn man ihn sagt, gibt er Kraft zum Gelingen.� �Bei Allah, du hast behauptet, meinen Sohn das Schie�en lehren zu k�nnen. Ich m�chte wissen, ob hinter deiner Gro�sprecherei etwas steckt. Wozu also der Zauberspruch? Willst du versuchen, das Ziel zu treffen und einen ehrenhaften Posten zu bekommen, oder den Kopf verlieren?� Die Taube war nicht viel weiter als hundert Schritt entfernt. Das Licht war noch gut. Michel erinnerte sich der Zeit, da er im Grunewald mit jenem Kunstsch�tzen, seinem Lehrer, im Winde schaukelnde Bl�tter auf noch weitere Entfernungen getroffen hatte.</style></p><p><style name="font3">�Ich werde versuchen, mir den Ehrenposten zu verdienen, o Sayd�, sagte er. �Willst du mir sagen, wann ich schie�en soll?�</style></p><p><style name="font3">�Wann es dir beliebt�, grinste der Herrscher der Gl�ubigen von Ifrikija.</style></p><p><style name="font3">Michel lie� die Flinte ruhig quer vor sich �ber dem Sattel liegen. Er wartete, bis die Taube, die </style><style name="font3">auf den Rand des Daches zuh�pfte, stehenblieb und ihm ihr volles Profil darbot. Dann, als das </style><style name="font3">Gewehr hochfuhr, sp�rte er ein Gef�hl im Herzen, das er nicht beschreiben konnte. Es war, als </style><style name="font3">ob etwas an ihm ri�. In Bruchteilen von Sekunden zogen die Bilder seines Lebens an ihm vorbei.</style></p><p><style name="font3">Aber er dr�ngte sie mit seinem Willen zur�ck. Ruhe �berkam ihn.</style></p><p><style name="font3">Der Schu� krachte.</style></p><p><style name="font3">Er sp�rte sofort, da� die Kugel um ein Haar vorbeigegangen w�re. Denn wenn sie voll getroffen h�tte, h�tte sie den Vogel in St�cke gerissen. So aber flatterte die Taube noch zwei- oder dreimal mit den Fl�geln, bevor sie leblos vom Rand des Daches fiel.</style></p><p><style name="font3">Ringsum war es still wie in einer Kirche. Kaum einer wagte zu atmen. Michel dachte nicht daran, das wirkungsvolle Schweigen zu brechen.</style></p><p><style name="font3">�Beim Bart des Propheten!� rief endlich der Bej. �Es gibt keinen Gott au�er Allah, und Mohammed ist der Gesandte Allahs! Wenn das keine Hexerei war ...� Er schwieg wieder und spuckte auf den Boden.</style></p><p><style name="font3">�Keine Zauberei�, sagte Michel so gelassen wie m�glich. Die hellen Schwei�perlen standen auf seiner Stirn und straften seine Ruhe L�gen.</style></p><p><style name="font3">�Aber du hast nicht gezielt�, nahm der Bej das Wort. �Ich habe einmal einen Scharfsch�tzen unter meinen Soldaten gehabt. Er h�tte das Ziel ein- oder zweimal getroffen bei f�nf Sch�ssen. Aber er h�tte mit aufgelegter Flinte lange und sorgsam zielen m�ssen. Dein Gewehr flog hoch und krachte. Unglaublich!�</style></p><p><style name="font3">�Deines Sohnes Gewehr wird einmal genauso hochfliegen und krachen�, sagte Michel, k�hner geworden. �Ich werde ihm meinen Schie�stil beibringen.� Der Bej hob die Hand.</style></p><p><style name="font3">�Ich werde mich freuen, dich in meine Dienste zu nehmen. Jedermann hier soll wissen, da� er dich wie einen Effendi zu behandeln hat. La ilaha ila Allahu wa Mohammad rasul almahdi.� Michels Blicke suchten Ojo und fielen dabei auf den im Hintergrund stehenden Polizeimeister. Aisad starrte finsteren Blicks vor sich auf den Boden.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">51</style></p></title><p><style name="font3">Noch im Verlauf der n�chsten halben Stunde bekamen Michel und Ojo Zimmer in dem riesigen Palast angewiesen. Die R�ume lagen in der Flucht, die von den Hampers<sup>1</sup> bewohnt wurden. Sie waren bequem eingerichtet, boten alles, was das Herz begehrte, waren aber dennoch nicht mit dem sonst �blichen orientalischen Luxus ausgestattet. Der Bej hatte wahrscheinlich die Absicht, seine Leibwachen durch �spartanisches� Wohnen abzuh�rten.</style></p><p><style name="font3">Michel nahm ein Bad in dem in den Boden eingelassenen Becken und legte sich dann gleich nieder, um endlich einmal ruhig und tief zu schlafen.</style></p><p><style name="font3">Als bei Sonnenaufgang des Muezzins Stimme vom Minareh der nahen Moschee erklang, fuhr Michel aus dem Schlaf, besann sich einen Augenblick, sprang dann auf und st�rmte in Ojos Raum, um den Gef�hrten wach-zur�tteln.</style></p><p><style name="font3">�Adelante�, zischte er. �Aufstehen! Beten!� Ojo war wie immer schwer aus dem Schlaf zu </style><style name="font3">bekommen. Er brauchte eine Weile, bis er erfa�t hatte, was Michel wollte.</style></p><p><style name="font3">Und dann lagen beide mit dem Gesicht gen Osten auf dem Boden und vollf�hrten so stilgerecht </style><style name="font3">wie m�glich die Exerzitien, die sie bei den Muslimun tausendmal gesehen hatten.</style></p><p><style name="font3">Ojo, der nie mit besonderem Eifer darauf geachtet hatte, kam mit seinen einzelnen Bewegungen </style><style name="font3">erst immer dann zu Rande, wenn er sich durch einen Seitenblick auf den Pfeifer vergewissert </style><style name="font3">hatte, wie sie ausgef�hrt werden mu�ten.</style></p><p><style name="font3">Als das Gebet zu Ende war, fl�sterte Michel direkt an Ojos Ohr:</style></p><p><style name="font3">�Du mu�t das genau lernen, amigo, sonst fallen wir eines sch�nen Tages auf. Und dann geht es uns an den Kragen. Dessen kannst du sicher sein.�</style></p><p><style name="font3">Geschwind begab er sich wieder in sein Zimmer, um sich dort noch einmal niederzulegen. Aber da trat schon ein Diener ein, der wei�es Brot, Ziegenmilch und duftenden K�se herbeibrachte. Das Fr�hst�ck begann. Den Abschlu� bildeten mehrere T��chen schweren Mokkas. Hernach hatten die beiden Freunde Zeit, sich eingehend mit den im Zimmer stehenden Hukahs<sup>1</sup> zu befassen. Sie machten ausgiebig von dem guten t�rkischen Tabak Gebrauch. Lange aber durften sie sich nicht unterhalten; denn sie mu�ten gew�rtig sein, da� man sie beobachtete. Michel dachte an Aisads grimmiges Gesicht und wu�te, da� er von diesem Mann nichts Gutes zu erwarten hatte. Jetzt erst wurde ihm bewu�t, da� ihre Rettung nicht vollkommen war. Viele Punkte gab es zu bedenken. Dadurch, da� er als Lehrer f�r den Sohn des Bej angenommen war, w�rden sie viel Zeit verlieren, die Marinas Leidenszeit verl�ngern mu�te. Aber Michel sah keinen Ausweg zur Flucht. Aisads Polizei w�rde es nicht entgehen, wenn sie versuchen sollten, auf ein Schiff zu gelangen. Zu Lande aber war der Weg ebenso gef�hrlich; denn man mu�te annehmen, da� in den St�dten Kaiman, Susa, Sfaks ebenfalls st�rkere Polizeieinheiten stationiert waren, die das ganze Land bis zum Rand der W�ste �berwachten. Au�erdem war der Landweg �ber Tripolis, durch Libyen und an der Cyrenaikak�ste entlang, �ber �gypten, durch Pal�stina bis nach Istanbul eine Strapaze, der Landfremde kaum gewachsen waren.</style></p><p><style name="font3">Der Pfeifer sah ein, da� er sich mit seinem voreiligen Angebot selbst gefangen hatte. Er hatte aber andererseits die einzige sich bietende M�glichkeit ausnutzen m�ssen. Das war ihm gelungen. Und er hatte allen Grund, dar�ber froh zu sein.</style></p><p><style name="font3">Seine Wohnung war komfortabel. Er w�rde sicherlich einen guten Teil des Tages f�r sich selbst verwenden d�rfen; denn Hammuda Pascha konnte nicht von fr�h bis abend Schie��bungen machen. So beschlo� er, die freien Stunden zu n�tzen, um die t�rkische Sprache zu erlernen. Durch Vermittlung eines Offiziers der Hampers gelang es ihm, f�r einen halben Piaster pro Tag einen Munschi<a l:href="#n_21" type="note">[21]</a> aufzutreiben, der fr�her einmal an der Hochschule des Islam in Istanbul unterrichtet hatte.</style></p><p><style name="font3">In den ersten Wochen des unfreiwilligen Aufenthalts sahen Michel und Ojo den Bej so gut wie nie. Der Pfeifer geh�rte zum regul�ren Gefolge Hammuda Paschas. Der Kronprinz war der Sohn einer der vielen Sklavinnen des Bej. In seiner Gesellschaft wurde Michel mit vielen H�flingen, W�rdentr�gern und Beamten bekannt.</style></p><p><style name="font3">Hammuda Pascha r�stete Michel und Ojo mit kostbaren Gew�ndern aus, wie sie sein �briges Gefolge trug. Ojo wich nicht einen Schritt von der Seite des Pfeifers. Hammuda Pascha fragte denn auch eines Tages verwundert, wie denn jener Taubstumme so sehr zum Schatten Michels geworden sei.</style></p><p><style name="font3">�Ich verstehe nicht, Abu Hanufa al Dinaweri, weshalb du einen so wenig n�tzlichen Freund mit </style><style name="font3">dir herumschleppst�, fragte der Sohn des Bej.</style></p><p><style name="font3">Aber Michel hatte sich schon eine Geschichte zurechtgelegt.</style></p><p><style name="font3">�Das ist einfach zu erkl�ren, Hammuda Pascha, er hat mich, als ich noch ein Kind war und er selbst nicht viel �lter, aus den H�nden habgieriger Spanier, die Allah verderben m�ge, gerettet. Dabei erhielt er eine Verletzung am Kopf, die ihm den Sinn des Sprechens und des H�rens zerst�rte. Seit dieser Zeit haben wir uns nicht mehr getrennt. Ich nehme an, da� du das verstehen wirst.�</style></p><p><style name="font3">�O nat�rlich! Freundschaft setzt sich �ber alle Grenzen hinweg.� Von diesem Tag an betrachtete der Pascha Ojo mit gro�er Verehrung.</style></p><p><style name="font3">Die beiden Freunde verbrachten viele Stunden auf dem Kamel- oder Pferder�cken, um mit dem Pascha zu jagen. Bald konnte dieser zielen wie Michel und besser schie�en als alle Araber seiner Umgebung.</style></p><p><style name="font3">Michel hatte es �ngstlich vermieden, seine Muskete mehr als einmal �ohne zu laden� abzudr�cken. Keiner hatte bisher erkannt, da� das ungef�ge Gewehr sechs regelrechte Kugell�ufe besa�. Sorgsam h�tete er auch weiterhin dieses Geheimnis.</style></p><p><style name="font3">Als zwei Monate vergangen waren, konnte Hammuda Pascha schie�en wie der Teufel. Dennoch blieb er Michel stets doch unterlegen. Hammudas Flinte war zwar sehr kostbar, an Schaft und Kolben mit Gold, Juwelen und Ornamenten verziert. Aber mit diesem Ge-wehr konnte selbst Michel auf hundert Schritte Entfernung kein Ziel mehr sicher treffen. Er �berredete den Pascha, sich ein Gewehr aus der spanischen Waffenschmiede in Toledo besorgen zu lassen.</style></p><p><style name="font3">Hammuda zog die Stirn in Falten und meinte unwirsch : �Ich hasse die Spanier.�</style></p><p><style name="font3">�Ich auch�, beeilte sich Michel mit der Antwort. �Aber ihre Gewehre sind ausgezeichnet. Du kannst nat�rlich eine Kentucky-B�chse aus den englischen Kolonien bestellen. Aber bis diese Bestellung ausgef�hrt ist, kann ein Jahr vergehen.�</style></p><p><style name="font3">�Du hast recht, Sahabati<a l:href="#n_22" type="note">[22]</a>. Ich werde deinem Rat folgen. Weshalb soll man sich nicht mit einer feindlichen Waffe �ben, wenn man dadurch dem Feind �berlegen werden kann!� Eines Tages, als sie m�de von der Jagd und von den Schie��bungen nach Hause ritten, kam f�r den Pfeifer die erste Gelegenheit, etwas zur Verwirklichung seiner eigenen Pl�ne zu unternehmen.</style></p><p><style name="font3">Hammuda Pascha war guter Laune. Er freute sich �ber die Fortschritte, die er beim Schie�en gemacht hatte.</style></p><p><style name="font3">�Wei�t du, Sahabati, ich habe festgestellt, da� du ein fabelhafter Reiter und ein gro�artiger Sch�tze bist. Aber die dritte Eigenschaft, die einen Mann auszeichnet, vermisse ich bei dir.� �Wie soll ich das verstehen, Hammuda Pascha?�</style></p><p><style name="font3">�Ich meine die Liebe, die Freude am Spiel im Harem, mit wundersch�nen kaukasischen oder numidischen Sklavenm�dchen.�</style></p><p><style name="font3">Der Pfeifer schaltete blitzschnell. Hier war ein Ansatzpunkt. Wenn er jetzt richtig antwortete, konnte er vielleicht Verst�ndnis f�r sein Vorhaben erwecken. Er setzte eine mi�mutige Miene auf und antwortete:</style></p><p><style name="font3">�Mich hat einmal auf einer meiner langen Reisen ein spanisches Weib hintergangen. Seitdem hasse ich alle Weiber.�</style></p><p><style name="font3">�Das macht doch nichts. Du kannst sie ruhig hassen. Deshalb brauchst du dich nicht der Freude zu berauben, mit ihnen zu spielen. Wir sind doch keine Giaurs, die eine Frau nur anr�hren, wenn sie sie lieben. La� dich im Harem verw�hnen, und du vergi�t deinen Ha� und lernst das Lachen wieder. Ich werde dir als Anerkennung deiner Leistungen eine sch�ne �gyptische Jungfrau schenken, die so sch�n ist, wie du es in deinen k�hnsten Tr�umen nicht erwarten kannst. Ihre Haut ist warm und weich, ihre Glieder sind geschmeidig und ihre � aber du kennst ja den Gesang Suleimans auf die sch�nen Frauen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube, sie w�rde mich dennoch an die ungetreue Spanierin erinnern.� �Gut, wie denkst du dann �ber eine blonde, blau�ugige, tscherkessische Christin? Ich habe eine in meinem Harem, die will ich dir gern geben, und ihre Blondheit wird dich die dunkel�ugige spanische Hexe vergessen lassen.�</style></p><p><style name="font3">�Nein, danke�, sagte Michel m�rrisch. �Ich habe nur einmal eine Frau gesehen, die mich jene </style><style name="font3">Spanierin vergessen lassen w�rde. Aber die ist so unerreichbar wie der Mond.�</style></p><p><style name="font3">�Keine Frau ist unerreichbar, Sahabati. Wenn du sie durchaus haben willst, so k�mpfe mit dem </style><style name="font3">Mann, der sie besitzt. Wenn du ihn besiegst, was kann dich dann noch hindern?��Das ist schon </style><style name="font3">richtig. Aber dazu m��te ich wissen, wer sie ist, wo sie ist und wie sie hei�t. Alles, was ich von </style><style name="font3">ihr kenne, sind ihre roten Haare und ihr wundervolles Gesicht.�</style></p><p><style name="font3">�Rote Haare? Wo hast du sie gesehen? Du kannst mir ruhig vertrauen.�</style></p><p><style name="font3">�Oh, es war an Bord eines Schiffes hier in Tunis�, spann Michel sein M�rchen weiter. �Sie ist </style><style name="font3">sicher keine Griechin gewesen, aber noch viel weniger eine widerliche Spanierin. Sie war gro� </style><style name="font3">und sehr schlank. O Allah, ich h�tte hundert Piaster gegeben, wenn ich sie nur einmal h�tte </style><style name="font3">streicheln d�rfen! Sie war stolz und unnahbar. Aber der Kerl, dem sie geh�rte, wollte </style><style name="font3">zehntausend Piaster f�r sie haben. Dann lief das Schiff aus, und ich habe sie nie mehr gesehen.�</style></p><p><style name="font3">�Und du wei�t nicht, wohin das Schiff gefahren ist?� Hammuda war sichtlich �berw�ltigt von den tiefen Gef�hlen seines Schie�lehrers.</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube, es ist nach Istanbul ausgelaufen. Wenigstens haben das die Fischer in Goletta behauptet. Es mu� eine Art Pirat oder ein Sklavenh�ndler gewesen sein. Leider habe ich den Namen vergessen.�</style></p><p><style name="font3">�Hie� es nicht vielleicht �Mapeika�?� fragte der Pascha. Michel tat, als �berlege er.</style></p><p><style name="font3">��Mapeika�, ja, so �hnlich k�nnte der Name gewesen sein. Aber was hilft das alles?�</style></p><p><style name="font3">Das Stampfen der Pferdehufe �bert�nte das dumpfe Schlagen von Michels Herz.</style></p><p><style name="font3">�Ich wei�, da� der Sklavenh�ndler Mustapha mit seinem Schiff oft bei uns vor Anker geht. Aber </style><style name="font3">er verkauft seine Sklaven nie an uns, weil er in Istanbul mehr f�r sie erh�lt. Seine M�dchen sind </style><style name="font3">sehr begehrt; denn er hat einen ge�bten Blick f�r sch�ne Frauen.� Der Pascha �berlegte eine </style><style name="font3">Weile. Dann fuhr er nachdenklich fort: �Du bist mein Freund, Abu Hanufa, und so werde ich </style><style name="font3">unseren Gesch�ftstr�ger am Hofe des Sultans beauftragen, herauszufinden, ob ein M�dchen, wie </style><style name="font3">du es beschrieben hast, an einen h�heren W�rdentr�ger der Pforte verkauft worden ist. Vielleicht </style><style name="font3">kann er etwas in Erfahrung bringen, was allerdings ein gro�er Zufall w�re.�</style></p><p><style name="font3">�O bitte, tu das nicht, Sayd, ich m�chte nicht, da� irgend jemand au�er dir wei�, was f�r ein </style><style name="font3">Narr ich bin, ein Narr, der einem Phantom nachjagt, einem M�dchen, das er nur einmal gesehen </style><style name="font3">hat.�</style></p><p><style name="font3">�Sorge dich nicht, Sahabati, ich werde die Nachforschungen so veranlassen, als sei ich es selbst, der Teilnahme f�r sie empfindet.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">52</style></p></title><p><style name="font3">Als der August ins Land kam, war die neue Flinte da, die Hammuda auf Michels Rat in Toledo bestellt hatte.</style></p><p><style name="font3">Der �Kronprinz� war doch ein bi�chen entt�uscht. Das Gewehr machte einen reichlich einfachen Eindruck.</style></p><p><style name="font3">Michel gab ein paar Probesch�sse ab und war zufrieden. Mochte Hammudas bisheriges Schie�eisen auch noch so sch�n verziert sein, es reichte in der Qualit�t nicht im entferntesten an die neue Waffe heran.</style></p><p><style name="font3">Als der Pascha das Gewehr dann selbst ausprobierte, war sein Mi�mut schnell verflogen. Er traf auf zweihundert Fu� einen Sperling, der sich auf einer Kokospalme sonnte. Das war ein Meisterschu�. Und als er sich mit der Waffe eingeschossen hatte, war er so begeistert davon, da� er sie selbst f�r eine ganze Schiffsladung wundervollster Frauen nicht mehr hergegeben h�tte. Die Tage vergingen. Bei einer gro�en Fantasia<a l:href="#n_23" type="note">[23]</a> erwies es sich, da� Hammuda Pascha von keinem der Wettk�mpfer im Schie�en mehr zu schlagen war. Alle bewunderten seine Fertigkeit. Michel indessen h�tete sich wohl, sich selbst am Wettkampf zu beteiligen. Noch immer war das Geheimnis seiner B�chse gewahrt.</style></p><p><style name="font3">Eines Morgens riefen Jagdh�rner das ganze Gefolge des Bej zu einer L�wenjagd zusammen, die sich �ber mehrere Tage erstrecken sollte.</style></p><p><style name="font3">In dem Dorf Sidi bel Beira hatte ein L�we die Einwohner in Angst und Schrecken versetzt. Er brach an hellichtem Tag in St�lle und H�fe ein, st�rzte sich auf die spielenden Kinder und griff jeden an, der ihm zu Leibe gehen wollte.</style></p><p><style name="font3">Die Bewaffnung der Dorfbewohner bestand gr��tenteils aus Speeren und Lanzen. Nur wenige besa�en Flinten. Mit diesen Schie�pr�geln konnte man jedoch keine zehn Schritte weit ins Ziel treffen. Es waren uralte Donnerb�chsen.</style></p><p><style name="font3">Dorthin machte sich die Jagdkarawane des Bej auf. Selbstverst�ndlich nahmen Michel und Ojo daran teil.</style></p><p><style name="font3">Die h�chsten W�rdentr�ger und der dicke, grausame Bej sa�en auf Elefanten.</style></p><p><style name="font3">Einige J�ger fanden die Spur des gef�hrlichen L�wen sehr bald. Der Herr der Wildnis ruhte sich </style><style name="font3">aber in seiner H�hle aus und lie� sich vorerst nicht blicken.</style></p><p><style name="font3">Der Bej, sein Sohn, Michel, Ojo und wenige Vertraute, im ganzen sieben, hatten ihr Lager etwas abseits aufgeschlagen. Die erste Nacht verging.</style></p><p><style name="font3">Am n�chsten Morgen schw�rmten die Treiber aus, um das gef�hrliche Tier aus seinem Versteck zu scheuchen.</style></p><p><style name="font3">Der Bej kletterte �ber eine Leiter gerade auf den Elefantensitz, und Michel war dabei, sein Pferd zu satteln, als es pl�tzlich in den B�schen raschelte. Da stand der L�we und setzte zum Sprung auf den Bej an.</style></p><p><style name="font3">Michel konnte noch einen warnenden Schrei aussto�en. Aber da st�rzte der Tyrann bereits von </style><style name="font3">der Leiter. Der L�we hatte ihn im Sprung gestreift.</style></p><p><style name="font3">Alles, was jetzt folgte, geschah in Bruchteilen von Sekunden.</style></p><p><style name="font3">Hammuda Pascha ri� seine B�chse hoch, dr�ckte ab und fehlte. Der L�we setzte zum zweiten Sprung an. Michel sah von seinem Standort aus direkt in seine gl�henden Lichter. Der n�chste Augenblick mu�te �ber Tod und Leben des Bej entscheiden.</style></p><p><style name="font3">Da warf der Pfeifer das Gewehr hoch und scho� einmal, zweimal, dreimal. Er hatte das Tier im Sprung t�dlich getroffen. Der L�we st�rzte zwei Schritte vor seinem Ziel leblos zu Boden. F�r eine Weile herrschte Totenstille im Umkreis.</style></p><p><style name="font3">Aber nicht die Gefahr, in der sich der Bej befunden hatte, war die Ursache dieser Ruhe. Der Bej, sein Sohn, die drei W�rdentr�ger, unter denen sich auch Aisad befand, starrten Michel mit weit aufgerissenen Augen an. �Baraka�, fl�sterte der Bej, �das war Hexerei!�</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah�, rief Hammuda Pascha und st�rzte auf seinen Freund zu, �weshalb hast du mir ein solches Schie�en nicht beigebracht? Ich habe dich Sahabati genannt, und du hast mich sch�ndlich betrogen!�</style></p><p><style name="font3">�Erinnerst du dich nicht�, mischte sich Aisad ins Ge-sprach, �wie Abu Hanufa an dem Tag, als du, erhabener Bej, ihn zum Lehrer deines Sohnes machtest, dreimal hintereinander geschossen hat? Ich habe die ganze Zeit daran denken m�ssen. Er ist ein Abgesandter des Schejtans.� Der Bej, der mittlerweile wieder auf die F��e gekommen war, ging langsamen Schrittes auf Michel zu.</style></p><p><style name="font3">�Warum hast du uns verschwiegen, wie gro� deine K�nste sind, Elender?�</style></p><p><style name="font3">Michel zog unmerklich, so als suche er nur irgend etwas, um sich damit zu besch�ftigen, den </style><style name="font3">Sattelgurt fester, um, wenn n�tig, sofort aufsitzen zu k�nnen. Ojo hatte mittlerweile gemerkt, </style><style name="font3">worum es ging, und stand ebenfalls sprungbereit. Er verfolgte mit den Augen jede Bewegung der </style><style name="font3">anderen, die in der n�chsten Sekunde zu offenen Feinden werden konnten.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe euch nicht betrogen�, nahm der Pfeifer das Wort. �Ich habe dich, Hammuda Pascha, </style><style name="font3">alles gelehrt, was ich selbst kann. Und ich habe dir, o erhabener Bej, nur versprochen, deinen </style><style name="font3">Sohn zum besten Scharfsch�tzen zwischen Ifrikija und dem Maghreb al-aksa zu machen. Das </style><style name="font3">habe ich gehalten.�</style></p><p><style name="font3">�Und weshalb hast du verschwiegen, da� du auch Geister beschw�ren kannst?� �Ich kann keine Geister beschw�ren.�</style></p><p><style name="font3">�Wie ist es dann m�glich, da� du dreimal, ohne zu laden, mit ein und demselben Gewehr schie�en kannst?�</style></p><p><style name="font3">�Damals, als ich dich zum erstenmal gesehen habe, Sayd, habe ich dir das Gewehr zum Anschauen gereicht. Du hast es genau betrachtet, um es mir dann mit ver�chtlicher Miene zur�ckzugeben. In deinen Augen war es eine h��liche Vogelflinte ohne jeden Wert. Wie h�tte ich wagen d�rfen zu behaupten, da� diese Waffe mehr wert sei als s�mtliche Schie�gewehre deiner Soldaten zusammengenommen? Du h�ttest mir nicht geglaubt.� Der Bej, Hammuda Pascha und Aisad traten neugierig n�her.</style></p><p><style name="font3">�Soll das hei�en�, fragte der erste, �da� jeder Mensch dreimal hintereinander mit diesem Gewehr schie�en kann?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, vorausgesetzt, da� er den Mechanismus kennt. Es ist das einzige Gewehr auf der ganzen Welt, mit dem man, sooft man will, schie�en kann, ohne laden zu m�ssen.� Der Pfeifer hatte die villaverdische Muskete spielerisch in Anschlag gebracht, so da� die M�ndung auf die Brust der Gegner wies. Die M�nner wichen erschrocken zur�ck. �Zeige uns den Mechanismus�, giftete Aisad. Michel lachte ihm ins Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Ich m��te wahnsinnig sein, wenn ich das t�te. Ich bin der einzige Mensch au�er dem Erbauer des Gewehrs, der ihn kennt. Ohne mich kannst du die Muskete auf den Dunghaufen werfen. Sie w�rde nicht einmal losgehen.�</style></p><p><style name="font3">Aisads Blicke gingen unruhig zwischen dem Bej und dessen Sohn hin und her.</style></p><p><style name="font3">Hammuda Pascha konnte einerseits seine Entt�uschung, andererseits aber auch seine Sympathie </style><style name="font3">f�r Michel nicht verbergen. Er wollte nichts gegen ihn unternehmen.</style></p><p><style name="font3">�Geben wir uns zufrieden mit der Erkl�rung Abu Hanufas�, sagte er. �Vielleicht h�tte auch ich ein solches Geheimnis f�r mich behalten. Au�erdem ist es ja dieser Wunderb�chse und seiner Schie�kunst zu verdanken, da� du, mein Vater, noch unter den Lebenden weilst.�Michel atmete auf. Vielleicht w�rde es Hammuda gelingen, die anderen von dem Gedanken abzubringen, ihn als Feind zu betrachten.</style></p><p><style name="font3">Der Bej nickte. Und dieses Nicken sah aus wie Zustimmung. Aber in seinen Augen glomm ein </style><style name="font3">gef�hrlicher Funke. Er wandte sich ab und ging wieder zu seinem Elefanten, wo ihm Aisad beim </style><style name="font3">Aufrichten der Leiter behilflich war. Der Polizeimeister benutzte das Nebeneinandersein, um </style><style name="font3">dem F�rsten zuzufl�stern:</style></p><p><style name="font3">�Soll ich ihn festnehmen lassen?�</style></p><p><style name="font3">Der Bej machte eine zustimmende Kopfbewegung.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">53</style></p></title><p><style name="font3">Langsam versammelten sich auch die �brigen Mitglieder des Jagdzugs. J�ger und Treiber banden die Pfoten des erlegten L�wen zusammen und steckten einen Speer hindurch, an dem sie ihn triumphierend ins Dorf trugen:</style></p><p><style name="font3">Ganz Sidi bel Beira war ein jubelnder, vor Erregung brodelnder Kessel. Die Dorfbewohner bespuckten den L�wen, warfen Steine nach ihm und ergingen sich in den wildesten Beschimpfungen und Schm�hungen.</style></p><p><style name="font3">Michel und Ojo wurden aufgefordert, f�r die kommende Nacht unter dem Dach des gro�en, seidenen Zeltes zu n�chtigen, an dessen Eingang das Feldzeichen des Bej wehte. Diese Einladung nahm Michel das letzte Mi�trauen. Und da er m�de und abgespannt war von den Anstrengungen des Jagdausfluges, fiel er bald in einen gesunden Schlaf. Ojo schnarchte, da� es wie die Grundgewalt des Kontrabasses klang. � Das Erwachen der beiden war weniger friedlich. Michel f�hlte Lederriemen um Hand- und Fu�gelenke.</style></p><p><style name="font3">Der flackernde Schein einer Fackel drang mit schmerzhafter Helle in seine Augen. Zuerst wu�te er nicht recht, ob er wachte oder tr�umte. Dann aber h�rte er einen spanischen Fluch. Ojo mu�te ihn ausgesto�en haben.</style></p><p><style name="font3">Michel wollte sich aufb�umen und wehren. Aber er konnte sich kaum r�hren. Nervige F�uste hielten ihn nieder.</style></p><p><style name="font3">Die Fackeln im Zelt vermehrten sich. Und ihr Licht tauchte alles in einen hellen Schein. Er </style><style name="font3">konnte jetzt die Gesichter unterscheiden. Sein Blick streifte die verbissene Fratze Aisads. Dann </style><style name="font3">traf er den Bej, dessen Grinsen Michels Blut in den Adern gerinnen lie�.</style></p><p><style name="font3">Er wollte protestieren. Aber dann zog er es doch vor zu schweigen. Er schlo� die Augen, damit </style><style name="font3">er nicht in die widerlichen Gesichter zu sehen brauchte. Ekel vor den Menschen w�rgte ihm in </style><style name="font3">der Kehle. In diesem Augenblick nahm er sich vor, kein einziges Wort mehr zu reden, bis er </style><style name="font3">wieder frei war. Zu seiner Verteidigung w�rde er den Mund ohndies nicht �ffnen d�rfen. Und </style><style name="font3">um den Gewalthabern auf ihre Fragen zu antworten, war er zu stolz. Er nahm mit ziemlicher </style><style name="font3">Sicherheit an, da� man vorl�ufig nicht vorhatte, ihn in die Gefilde des Paradieses zu bef�rdern.</style></p><p><style name="font3">Der Tyrann und sein Gefolge interessierten sich augenscheinlich nur f�r seine Muskete. </style><style name="font3">Durch den Schlitz seiner Augenlider sah er, wie sie das Gewehr beim Licht der Fackeln </style><style name="font3">untersuchten. Das dauerte eine ganze Weile. Dann zuckten sie die Schultern, und der Bej trat </style><style name="font3">dicht zu ihm und versetzte ihm einen Tritt.</style></p><p><style name="font3">�He, du Hund, wach auf! Sonst lasse ich dich wachpr�geln!�</style></p><p><style name="font3">Michel schlug die Augen auf und sah den Herrscher von Ifrikija ver�chtlich an.</style></p><p><style name="font3">�Sprich�, befahl der Bej, �erkl�re uns die Handhabung des Gewehrs!�</style></p><p><style name="font3">�Solange mein K�rper gefesselt ist, ist auch mein Geist nicht frei�, antwortete der Pfeifer </style><style name="font3">gleichm�tig.</style></p><p><style name="font3">�Ich lasse dich in das tiefste Gef�ngnis der Kasbah werfen, wenn du nicht redest.� �Meinetwegen kannst du mich totschlagen. Ich spreche, wenn es mir pa�t. Glaubst du im Ernst, da� ich mich vor deiner Tyrannei f�rchte?�</style></p><p><style name="font3">Ein neuerlicher Tritt traf ihn. Der Bej wandte sich wieder an Aisad und fl�sterte mit ihm. Da betrat unerwartet der Pascha das Zelt. Er erstarrte, als er die Szene sah, die sich seinen Blicken darbot. �Was geht hier vor?� �Wir mu�ten deine Freunde in Fesseln legen, Hammuda Pascha�, begann Aisad mit heiserer Stimme. �Weshalb?�</style></p><p><style name="font3">�Wir brauchen das Geheimnis des Gewehrs. Freiwillig will er es nicht preisgeben. Also m�ssen wir ihn zwingen.�</style></p><p><style name="font3">�Gib ihn sofort frei! Sofort, sage ich! Ihr habt das Zelt des Bej beschmutzt. Man darf die Gastfreundschaft nicht brechen.� Sein Vater schaltete sich ein.</style></p><p><style name="font3">�Genug, Hammuda, noch bist du nicht der Herrscher! Hier befehle ich! Wir haben Abu Hanufa und seinen Freund in Fesseln gelegt, weil sie Verrat an uns und ganz besonders an dir begangen haben. Wie konnte Abu Hanufa es wagen, das Geheimnis seiner B�chse vor mir, dem Herrscher aller Gl�ubigen, zu wahren! Das ist Verrat am Propheten und kein Beweis seiner Freundschaft f�r dich.�</style></p><p><style name="font3">Hammuda bi� sich auf die Lippen. Gegen den Willen seines Vaters konnte und durfte er nichts unternehmen, wenigstens nicht offiziell. Und Aisad, der gef�hrlichste Mann im Staat, schien den Pfeifer mit aller Macht zu hassen.</style></p><p><style name="font3">Angeekelt wandte Hammuda sich ab und verlie� das Zelt. Er war jung und Idealist. Er glaubte noch, was man sagte, auch in der Politik. Ehre und Recht waren f�r ihn keine leeren Begriffe. � Michel und Ojo blieben bis zum folgenden Tag im Zelt. Fr�h, vor dem Aufbruch, fesselte man sie auf ihre Pferde. Der Zug setzte sich in Bewegung. Und als Tunis erreicht war, warf man sie einfach in den Kerker unter dem Palast. Gl�cklicherweise kamen sie zusammen in eine Zelle. �Bin gespannt, wann sie uns den Kopf abschlagen werden�, sagte Ojo. �Gar nicht, amigo.�</style></p><p><style name="font3">�Weshalb seid Ihr so sicher, Senor Doktor?�</style></p><p><style name="font3">�Sie wollen wissen, wie man mit meiner Muskete schie�t. Wenn mein Kopf ab ist, kann ihnen </style><style name="font3">niemand mehr den Mechanismus erkl�ren.�</style></p><p><style name="font3">�Meint Ihr wirklich, da� das ausschlaggebend ist?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, davon bin ich �berzeugt.�</style></p><p><style name="font3">Ojo schwieg. Aber lange hielt er es nicht aus.</style></p><p><style name="font3">�Ihr h�ttet nicht gedacht, da� unsere Suche nach der Gr�fin ein so schnelles Ende finden w�rde, nicht wahr?�</style></p><p><style name="font3">�Es hat kein Ende gefunden. Wir suchen weiter.� �Vorl�ufig sitzen wir fest, Senor Doktor.�</style></p><p><style name="font3">�Vorl�ufig. Aber dieser Zustand kann sich �ndern.�Es ging ihnen, was das leibliche Wohl betraf, nicht schlecht im Gef�ngnis. Erstens war der Bej darauf bedacht, da� sie am Leben blieben, bis er das Geheimnis erfahren hatte, und zweitens k�mmerte sich Hammuda Pascha um seinen Freund. So erhielten die beiden alles, was sie w�nschten. Sogar Michels Lehrer durfte kommen und ihn t�glich eine Stunde im T�rkischen unterrichten.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">54</style></p></title><p><style name="font3">Es war vierzehn Tage sp�ter.</style></p><p><style name="font3">Aisad sa� mit verschr�nkten Beinen auf seinem Diwan. Genu�voll sog er am Mundst�ck einer kostbaren Hukah.</style></p><p><style name="font3">Der w�rzige Rauch des gelben Tabaks kr�uselte sich in Ringen zur Decke des prunkvollen Gemachs.</style></p><p><style name="font3">Aisad bewohnte eine ganze Zimmerflucht im Palast. Ein Diener trat ein und verbeugte sich respektvoll. �Was gibt es?� fragte der Polizeigewaltige. �Er ist da, Sayd�, war die Antwort.</style></p><p><style name="font3">Aisad sprang auf. Seine Augen gl�hten. Er machte eine Geste mit der Hand und sagte: �Schnell, la� ihn herein. Und wenn er geht, sorge daf�r, da� ihn niemand erkennt.� Der Diener nickte diesmal nur kurz.</style></p><p><style name="font3">�Keine Sorge. Es ist alles in Ordnung. Die Wache, die in zwei Stunden aufzieht, geh�rt zu </style><style name="font3">unseren Leuten. Ich habe Vorsorge getroffen.�</style></p><p><style name="font3">�Es ist gut.�</style></p><p><style name="font3">Der sp�te Gast kam.</style></p><p><style name="font3">�Es Salam alejkum, Aisad Effendi.�</style></p><p><style name="font3">�Wa alejkum 's salam�, erwiderte dieser h�flich. �Nimm Platz, Aladin. Der Mokka wird sogleich gebracht.�</style></p><p><style name="font3">�Ich danke dir�, sagte Aladin und lie� sich nieder. �Aber ich bin nicht gekommen, um Mokka zu trinken. Die Unterdr�ckten wollen nicht l�nger warten. Bist du bereit?� Seiner W�rde entsprechend setzte sich Aisad, bevor er antwortete:</style></p><p><style name="font3">�Ja, Aladin, gro�er Kapudan des tapferen Volkes. Die Stunde ist nahe, da wir die Macht des Tyrannen brechen. Morgen abend, wenn der Mond aufgeht, k�nnen deine Getreuen in den Palast eindringen. Ich bef�rchte keinen gro�en Widerstand der Leibwachen, obwohl ich nicht aller Offiziere sicher bin.�</style></p><p><style name="font3">�Wir werden jeden Widerstand brechen. Es ist nutzlos, gegen Menschen zu k�mpfen, die nichts zu verlieren haben als ihr Leben. Und das ist Allahs Wille. Es werden zweihundert Mann von vorn angreifen. Und hundert warten zu Pferde. Sie bilden unsere schnelle Reserve. Die Dynastie des Tyrannen wird nur noch einen Sonnenaufgang erleben, und dann werde ich Herrscher von Tunis sein, ich, Aladin, der R�cher der Unterdr�ckten.�</style></p><p><style name="font3">�Kif-kif�, sagte Aisad und neigte sein Haupt ehrerbietig. Das t�ckische Funkeln in seinen Augen konnte Aladin nicht erkennen.</style></p><p><style name="font3">Aisad hatte nie eine Minute ernsthaft daran gedacht, den Thron von Tunis einem Mann wie Aladin zu �berlassen. Aladin war ein Feuerkopf. Ihn und seine Mannen konnte man gut gebrauchen, um sie die schmutzige Arbeit verrichten zu lassen. Aber Bej von Tunis konnte nur einer werden. Und dieser eine war er: Aisad.</style></p><p><style name="font3">Es war zwei Wochen her, da� er zum erstenmal vorseinem eigenen Plan Angst bekommen hatte, in dem Augenblick n�mlich, als Michel seine B�chse dreimal auf den L�wen abfeuerte. Eine solche Waffe auf der Gegenseite zu wissen, behagte ihm keineswegs. Deshalb hatte er nicht geruht, bis er den Bej von der Notwendigkeit der Verhaftung Michels �berzeugt hatte. Aus Angst vor dieser Waffe und ihrem Tr�ger hatte er den Bej veranla�t, seinen eigenen Lebensretter ins Gef�ngnis zu werfen und dadurch unsch�dlich zu machen.</style></p><p><style name="font3">Aladin ergriff das Wort:</style></p><p><style name="font3">�Es ist mir zu Ohren gekommen, da� der Pascha einen Schie�lehrer hat, der wahre Wunder der Schie�kunst vollbringen soll. Kannst du diesen gef�hrlichen Mann auf unsere Seite ziehen? Man erz�hlt sich im ganzen Land Legenden �ber ihn.�</style></p><p><style name="font3">�Das ist nicht n�tig, Aladin, denn wir brauchen ihn nicht mehr zu f�rchten. Er sitzt im tiefsten </style><style name="font3">Kerker der Kasbah.�</style></p><p><style name="font3">�Wer hat ihn dorthin gebracht?�</style></p><p><style name="font3">�Der Bej selbst. Alle meine Bitten haben nichts geholfen. Du wei�t: der Bej tut, was er will. Jedenfalls hat er sich dadurch einen unerbittlichen Feind geschaffen. Wir werden ihn befreien, sobald der Palast in unseren H�nden ist. Er wird sich uns sicherlich dankbar daf�r erweisen.� �Gut, Aisad Effendi, vertrauen wir auf Allah und auf die Kraft unserer Arme. Morgen bin ich Bej von Tunis, und du wirst mein Wesir sein.�</style></p><p><style name="font3">Die beiden Verschw�rer erhoben sich. Aladin verlie�, vom Diener gef�hrt, das Zimmer. Aisad war allem.</style></p><p><style name="font3">Er ging im Raum auf und ab. Seine Augen gl�hten wie Kohlen. Morgen, dachte er, morgen schl�gt die gr��te Stunde meines Lebens. Ich werde sie vor mir im Staub sehen, diese ganze verdammte Sippe. Ich werde ihnen die K�pfe abschlagen lassen. Und wenn die Stadt erst in meiner Hand ist, dann wird mir auch die Miliz den Gehorsam nicht verweigern. Mit den Soldaten des Bej werde ich dann diesen eingebildeten Aladin und seine Rabauken vertreiben. Morgen!</style></p></section><section><title><p><style name="font3">55</style></p></title><p><style name="font3">Michel ging in seiner Zelle auf und ab.</style></p><p><style name="font3">Ojo lag auf der h�lzernen Pritsche und schnarchte markersch�tternd. Ihn brachte so leicht nichts mehr aus der Ruhe. Zu viel hatte er schon in Gesellschaft des deutschen Doktors erlebt. Sein Vertrauen zum Gl�ck des Pfeifers war grenzenlos.</style></p><p><style name="font3">Michel hingegen hatte diesmal das Vertrauen zu sich selbst weitgehend eingeb��t. Die augenblickliche Umgebung kam ihm d�sterer vor als alle Verliese, in denen er bisher gesessen hatte. Hier aus eigener Kraft herauszukommen, war hoffnungslos. Es tr�stete ihn zwar, da� Hammuda Pascha sich nach wie vor um ihn k�mmerte und sich f�r seine Freiheit einsetzte; aber er glaubte nicht an einen Erfolg. Der Bej schien ein dickk�pfiger, hartherziger Kerl zu sein, der sich von niemandem beraten lie�.</style></p><p><style name="font3">Michel hatte jeden Quadratzentimeter seiner Zelle durchforscht. Es war ein altes, aus fugenlosem Felsgestein erbautes Gem�uer, in dem es keine Geheimg�nge oder lockere Wandteile gab, die sich herausbrechen lie�en.</style></p><p><style name="font3">Ojo rekelte sich und erwachte.�Du hast einen gesunden Schlaf, Diaz.�</style></p><p><style name="font3">�Si, si, Senor Doktor. Was n�tzt es mir, wenn ich wache und doch keinen Ausweg finde? Man mu� Kraft sammeln, solange man noch dazu in der Lage ist. Der tiefe Schlaf ist das beste Mittel daf�r.�</style></p><p><style name="font3">Ein Schl�ssel knarrte in der Zellent�r. Der Lauf einer Reiterpistole wurde sichtbar. Dann schob sich eine Hand in den Raum, deren Zeigefinger am Abzugsb�gel lag. Eine Stimme sagte: �Geht an die hintere Wand zur�ck, ihr Hunde!�</style></p><p><style name="font3">Ojo und Michel gehorchten widerspruchslos. Sie hatten sich an diese Kom�die mittlerweile gew�hnt. Die Hand mit der Pistole geh�rte dem W�chter, der zweimal t�glich das Essen brachte. Die T�r �ffnete sich so weit, da� der Mann sichtbar wurde. Mit dem Fu� schob er eine Sch�ssel in den Raum. Dann folgte eine Kanne Wasser, und dann wurde die T�r eiligst wieder zugeschlagen.</style></p><p><style name="font3">Das Essen war gut wie immer, das Wasser frisch und klar.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">56</style></p></title><p><style name="font3">Es waren an diesem Tag auff�llig viele Leute in der Stadt. Die Einwohner von Tunis, die auf den M�rkten und in den Basaren zu tun hatten, wunderten sich �ber die vielen Gruppen fremder Gesichter, die sich �berall gebildet hatten. Es herrschte ein Rummel wie sonst nur an Festtagen. Aber man machte sich weiter keine Gedanken dar�ber.</style></p><p><style name="font3">Als der Abend hereinbrach, zog sich das fremde Gelichter in der N�he des Palastes zusammen.</style></p><p><style name="font3">Viele der Unbekannten sa�en zu Pferde oder f�hrten ihre Tiere am Z�gel mit sich. Sie bildeten </style><style name="font3">auch hier wieder Gruppen und unterhielten sich laut schreiend �ber Allt�glichkeiten, so da� ihre </style><style name="font3">Gespr�che bei dem Posten am Tor keine besondere Aufmerksamkeit erregten.</style></p><p><style name="font3">Der Torw�chter machte zwanzig Schritte hin, zwanzig Schritte her und wieder zwanzig Schritte </style><style name="font3">hin � wie jeden Tag. Eigentlich war alles</style> so<style name="font3"> wie immer. Pl�tzlich verstummte das Geschrei der </style><style name="font3">Fremden. Sie richteten ihre Blicke gen Himmel, als erwarteten sie einen Kometen.</style></p><p><style name="font3">Die letzten Schatten der D�mmerung sanken in die schwarze Nacht. Hell und strahlend stand die </style><style name="font3">runde Scheibe des Mondes am Himmel.</style></p><p><style name="font3">Da brach aus einer Gasse, die der Pforte des Palastes gegen�berlag, eine Reiterschar mit geschwungenen Krumms�beln hervor und st�rmte, den Posten �berreitend, durch das Tor in den Palasthof.</style></p><p><style name="font3">Die Fremden sa�en pl�tzlich alle zu Pferde und schlossen sich der Reitergruppe an. Einer der Posten, der innerhalb der Mauern seine Runden ging, raste wie ein Besessener zur Wachstube und schrie dem wachhabenden Offizier zu: �Alarm! Alarm! Ein R�uberheer �berf�llt den Palast!�</style></p><p><style name="font3">�Das sind keine R�uber�, sagte der Offizier der Leibwache, der von Aisad eingeweiht war. �La�t sie gew�hren.�</style></p><p><style name="font3">Aber der wachhabende Kommandant hatte die Rechnung ohne seinen Adjutanten gemacht. Dieser war ein blutjunger, tapferer Fanatiker, der den Bej und den �Kronprinzen� verehrte, da sie ihm �berhaupt erst die M�glichkeit gegeben hatten, zum Offizier zu avancieren.Er stellte sich vor den Kommandeur und rief mit zornrotem Gesicht:</style></p><p><style name="font3">�Wie kannst du den Palast einer R�uberbande �berlassen! Sie werden den Bej umbringen, zu </style><style name="font3">dessen Schutz wir da sind!�</style></p><p><style name="font3">Der Kommandeur runzelte die Stirn.</style></p><p><style name="font3">�Sprich nicht in einem solchen Ton mit mir, Selim. Wir �lteren und Erfahrenen wissen, da� heute nacht die Tyrannei beendet wird. Der Bej wird gest�rzt. Die St�rmenden sind keine R�uber, sondern Revolution�re. Respektiere sie und schweige.� Selim aber dachte nicht daran.</style></p><p><style name="font3">�Verrat!� schrie er laut und rannte aus der Wachstube.</style></p><p><style name="font3">�Fangt ihn ein!� befahl der Kommandeur seinen Soldaten. �Er darf nicht zum Bej kommen.�</style></p><p><style name="font3">Aber Selim war ein schneller L�ufer. Der Mut der Verzweiflung verlieh ihm Fl�gel. Die </style><style name="font3">Soldaten konnten seiner nicht habhaft werden.</style></p><p><style name="font3">Gespenstisch hallten seine Rufe in den Mauern des Palastes wider.</style></p><p><style name="font3">�Verrat! Verrat! Greift zu den Waffen, ihr M�nner! Verteidigt das Leben des Bej!�</style></p><p><style name="font3">Unter diesen Rufen gelangte er in den inneren Palast, in dem die Hampers schliefen. Die </style><style name="font3">Hampers bildeten den Kern der gr��eren Leibwache. Sie waren nicht nur auf den Islam, sondern </style><style name="font3">auf den Bej pers�nlich verschworen.</style></p><p><style name="font3">Sie fuhren aus dem Schlaf hoch und st�rmten in die G�nge. Einer erblickte die Gestalt des </style><style name="font3">jungen Offiziers Selim.</style></p><p><style name="font3">�Was gibt es, was soll dein Geschrei?�</style></p><p><style name="font3">Selim berichtete in hastigen Worten, was er wu�te.</style></p><p><style name="font3">Von drau�en drang jetzt Waffenl�rm und Kriegsgeschrei bis hierher.</style></p><p><style name="font3">Einer der Hampers zerrte Selim bis in die Privatgem�cher der Herrscherfamilie. Vor dem </style><style name="font3">Schlafraum des Bej standen Wachen und kreuzten die Hellebarden. Selim schlug sie auseinander </style><style name="font3">und st�rmte hinein. Ohne die �blichen Verbeugungen berichtete er dem Bej die erschreckende </style><style name="font3">Neuigkeit.</style></p><p><style name="font3">Der fette Tyrann sa� auf einem marokkanischen Kissen und zitterte am ganzen Leibe. �Wir m�ssen uns verteidigen, erhabener Bej! Es herrscht eine Verschw�rung zwischen den Revolution�ren und Teilen der Polizei. Der Kommandeur sagte, man h�tte es auf dein Leben abgesehen.�</style></p><p><style name="font3">�Auf � auf � auf mei � mein Leben. Warum? � Weshalb? � Das kann doch nicht sein. � Sie k�nnen doch nicht... �</style></p><p><style name="font3">Der Herrscher der Gl�ubigen von Ifrikija hatte seine Fassung verloren. M�hsam richtete er sich auf und wies mit zitternder Hand auf einen Gong, der den Durchmesser eines gro�en Wagenrades hatte.</style></p><p><style name="font3">�Da! Schlag den Gong! Vielleicht kommt jemand zu meiner Verteidigung.� Selim ri� den Kl�ppel von der Wand, fa�te ihn mit beiden H�nden und schlug wie besessen auf die dr�hnende Metallplatte. Wie Kanonensch�sse donnerten die Schl�ge durch den Palast. Als erster erschien Hammuda Pascha. Selim gab ihm Auskunft �ber die Vorg�nge drau�en. Hammuda Paschas dunkle Augen spr�hten Feuer. Mit nerviger Faust ri� er seinen S�bel aus der Scheide und schrie:</style></p><p><style name="font3">�Auf, Selim, verteidigen wir uns! Hundert sollen fallen von meiner Hand, bevor sie uns den Garaus machen!�</style></p><p><style name="font3">Er wollte zur T�r hinaus, fand den Eingang aber durch die hereindr�ngenden Hampers versperrt. Die rasenden Gongschl�ge hatten die Leibwache auf die Beine gebracht. Als der Bej seiner Getreuen ansichtig wurde, hob sich sein Mut zusehends. Es sollte den Meuternden und den Aufst�ndischen nicht leicht werden, diese fanatische Leibwache zu besiegen, obwohl sie kaum hundertf�nf-zig Mann stark war.</style></p><p><style name="font3">Hammuda Pascha �bernahm sofort den Befehl. �Freunde�, rief er, �Verschw�rer und Verr�ter wollen euch den Herrscher nehmen! Zieht eure S�bel! Sie sollen in ihrem Blut schwimmen, die Hunde, die Allah verderben m�ge!�</style></p><p><style name="font3">An der Spitze der Leibwache eilte er dem sich nahenden L�rm entgegen. Im Hauptgang des Palastes stie� er auf Aladins M�nner.</style></p><p><style name="font3">Eine Stimme schlug ihm ans Ohr, die ihn f�r einen Augenblick auf der Stelle bannte. �Schlagt sie tot! Dort steht der Bastard des Bej, der sich Pascha nennt. Vernichtet die Brut des dicken Fettwanstes!� Die Stimme geh�rte � � � Aisad.</style></p><p><style name="font3">Hammuda Paschas Wut kannte keine Grenzen. Dieser also, der eigene Polizeimeister, dem das ganze Vertrauen seines Vaters geh�rte, hatte den Aufstand angezettelt! Die treuen Hampers, die den finsteren Polizeigewaltigen nie leiden mochten, f�hlten die Stunde gekommen, ihn unsch�dlich zu machen.</style></p><p><style name="font3">Nur noch zwanzig Schritte trennten sie von den Revolution�ren. Mit dem Ruf: �Sandschak � Scheriff!<a l:href="#n_24" type="note">[24]</a> Sandschak � Scheriff�, warfen sich die Hampers gegen die Eindringlinge.</style></p><p><style name="font3">Hin und her tobte der Kampf. Selim und der �Kron-prinz� k�mpften wie die L�wen Seite an Seite. Keiner konnte ihren Streichen widerstehen.</style></p><p><style name="font3">Aber die Masse der Feinde war zu gro�. Immer neue kamen. Und da tauchte auch im Hintergrund der verr�terische Kommandeur mit der Wache auf. Der dachte gar nicht daran, sich in einen Nahkampf einzulassen. Seine M�nner zogen aus den Seitenr�umen des Ganges alle Diwane heraus, stellten sie zusammen und bildeten so eine erh�hte Plattform. Sie stiegen hinauf und stellten sich in drei Linien hintereinander auf. Der Wachkommandant befahl: �Erste Linie, Feuer er�ffnen!�</style></p><p><style name="font3">Sie hatten durch ihren erh�hten Stand freies Schu�feld �ber ihre Verb�ndeten hinweg.</style></p><p><style name="font3">Die Hampers waren an ihrer blauseiderten Kleidung leicht zu erkennen.</style></p><p><style name="font3">Als die Salve krachte, st�rzten die ersten zehn getroffen zu Boden.</style></p><p><style name="font3">Hammuda Pascha lie� mit verzweifelter Hoffnungslosigkeit den S�bel sinken. Wenn die </style><style name="font3">Wacheinheit noch ein paarmal scho�, waren seine Getreuen in sp�testens zehn Minuten erledigt.</style></p><p><style name="font3">Er wehrte einen Angreifer ab und spaltete einem zweiten den Kopf. Aber was half dies?</style></p><p><style name="font3">Ein Gedanke durchzuckte sein Gehirn. In seinem Gemach hing Abu Hanufas Wunderflinte. Wenn er jetzt seinen ehemaligen Lehrer aus dem Gef�ngnis befreite, dann mu�te dieser k�mpfen, da es auch um sein eigenes Leben gehen w�rde.</style></p><p><style name="font3">�Selim�, rief er so laut, da� alle seine Getreuen es h�ren konnten, �haltet, solange ihr k�nnt! In wenigen Minuten habe ich Hilfe herbeigeschafft. Wir werden siegen! Haltet aus!� Er setzte sich nach hinten ab.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">57</style></p></title><p><style name="font3">�Ich m�chte wissen, was in unseren W�chter gefahren ist�, sagte Ojo b�se. �Weshalb l��t uns der Kerl so lange auf das Essen warten?� �Bist du schon wieder hungrig, Diaz?�</style></p><p><style name="font3">�Ihr wi�t, Senor Doktor, da� Essen eine meiner Lieblingsbesch�ftigungen ist.Das hei�t, wenn es keinen Wein gibt. F�r eine Botella �Andalusischen� la� ich den fettesten Kapaun liegen.� �Mir w�re im Augenblick eine Pfeife Tabak lieber. Ja, so hat jeder seinen eigenen Geschmack.� Sie schwiegen eine Weile. Ojo lag auf seiner Pritsche und starrte zur Decke, und Michel stand mit geschlossenen Augen an die Wand gelehnt. Er dachte an Marina und verw�nschte den Tag, an dem er mit drei Sch�ssen dem Bej das Leben gerettet hatte.</style></p><p><style name="font3">Wo mochte sie jetzt sein? War sie noch am Leben? Hatte sie sich vielleicht gewehrt oder zu befreien versucht und dabei den Tod gefunden?</style></p><p><style name="font3">�Teufel�, sagte er leise zu sich selbst. Weshalb dachte er unausgesetzt an die Piratin? Fr�her waren seine Gedanken in solchen Lagen stets nach Deutschland gewandert, nach Kassel, in jenes Haus, in dem Charlotte Eck wohnte. Hatte die lange Zeit der Trennung seine Sehnsucht nach dem M�dchen versch�ttet? War es m�glich, da� er jetzt auf einmal Marina � � �? Er war verwirrt. Und so drang das Waffenklirren, das von fern an sein Ohr schlug, nicht bis in sein Bewu�tsein.</style></p><p><style name="font3">Ojo richtete sich lauschend auf. �H�rt Ihr nichts, Senor Doktor?�</style></p><p><style name="font3">Michel, aus seinen Gedanken gerissen, nahm nun ebenfalls den L�rm wahr. Nach einer Weile sagte er:</style></p><p><style name="font3">�Das h�rt sich an, als ob gr��ere Gruppen gegeneinander k�mpfen.� Der L�rm verst�rkte sich und kam von Minute zu Minute n�her. Die beiden schwiegen und lauschten.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich wurde mit lautem Krach der T�rriegel zur�ckgeschoben. Die T�r �ffnete sich. Mit gezogenem S�bel stand schweratmend Hammuda im Raum. Die beiden Gefangenen blickten erstaunt auf.</style></p><p><style name="font3">�Abu Hanufa�, brach es aus Hammuda hervor, �du mu�t uns helfen! Feinde, Aufst�ndische und Meuterer haben sich gegen den Thron verschworen. Das H�uflein der Getreuen ist auf einen kl�glichen Rest zusammengeschmolzen. Aisad hat die Revolution angezettelt. Nur dein Gewehr kann uns Luft schaffen.� Michel nahm eine gelassene Haltung ein.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe nichts gegen dich, Hammuda Pascha, das wei�t du. Aber ich werde nicht einen Finger r�hren, um deinen tyrannischen Vater zu retten. Der Bej war es, der uns beide in diesen verdammten Kerker warf!�</style></p><p><style name="font3">�Vergi� es�, bat Hammuda. �Wenn wir dieses Schreckliche �berstanden haben, dann wird mein Einflu� gr��er werden. Du wei�t, ich f�hle aufrichtige Freundschaft f�r dich.� Michel war l�ngst entschlossen, der Bitte nachzukommen; denn f�r ihn war es der einzige Weg, die Freiheit wiederzuerlangen. Wenn er erst sein Gewehr in den H�nden hielt, so sollte es den Feinden schwerfallen, seiner habhaft zu werden. Diesmal war er vorbereitet. Dennoch hielt er es f�r kl�ger, nur z�gernd zuzustimmen. Er wollte, da� man seinen Wert richtig erfa�te und sich klar machte, da� man ihn nicht holen und wieder wegstellen konnte wie einen l�stigen Gegenstand, den man ab und zu einmal brauchte.</style></p><p><style name="font3">�Es tut mir leid, Hammuda Pascha, da� ich dich entt�uschen mu�. Aber ich werde euch nicht helfen, den Thron zu erhalten, damit ihr die Macht habt, mich nach getaner Arbeit wieder in dieses Loch zu sperren.�</style></p><p><style name="font3">�Oh, f�rchte das nicht, Sahabati. Wenn wir siegen, werde ich alles, was in meinen Kr�ften steht, f�r dich tun!�</style></p><p><style name="font3">�Du schon. Aber dein Vater ...?�</style></p><p><style name="font3">�Ich werde ihn zu bestimmen wissen, da� er sich nach mir richtet. Er hat nun selbst erfahren, wie</style></p><p><style name="font3">wenig er solchen Ratgebern wie Aisad trauen kann.�</style></p><p><style name="font3">Nach einer absichtlich eingelegten Pause erkl�rte Michel endlich:</style></p><p><style name="font3">�Gut denn, ich werde f�r euch k�mpfen; aber mein stummer Freund mu� mit dabei sein.� �Beim Barte des Propheten, wir vertr�deln hier die Zeit mit Rede und Gegenrede! Es ist klar, da� das gleiche auch f�r ihn gilt.� �Schw�re es bei allem, was dir heilig ist!� Hammuda schwor bei Allah.</style></p><p><style name="font3">Sie st�rmten die steinernen Stufen empor und rannten durch G�nge und T�ren.</style></p><p><style name="font3">Michel hatte Gelegenheit, Ojo zuzuzischen:</style></p><p><style name="font3">�Wir sind frei. Spiel deine alte Rolle weiter.�</style></p><p><style name="font3">Keuchend gelangten sie in die Gem�cher des �Kronprinzen�.</style></p><p><style name="font3">�Dort, an der Wand, h�ngen deine Flinte und der Kugelbeutel. Jetzt kommt es drauf an. Was gedenkst du zu tun?� fragte Hammuda.</style></p><p><style name="font3">Michel nahm die Muskete an sich, pr�fte sie kurz und war zufrieden. Mit der Schnelligkeit eines Zauberk�nstlers lud er sie. Er wog sie in der Hand und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Nun f�hre mich dahin, wo es am brenzlichsten ist. Ich habe zwar noch keinen Plan; aber mir wird schon etwas einfallen, wenn ich sehe, wie der Kampf steht.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">58</style></p></title><p><style name="font3">Die Hampers waren nur noch etwa f�nfzig Mann stark. Schwei� und Blut rann den Tapferen in Str�men �ber die Gesichter. Selim, der junge Offizier, hatte den Krumms�bel mit beiden H�nden gepackt. Er war von seinen eigenen Leuten getrennt worden und stand allein mitten im Haufen der Gegner.</style></p><p><style name="font3">Wie ein Rasender hieb er um sich. Berge von Erschlagenen kennzeichneten jeweils seinen Standort. Aber alle Tapferkeit vermochte nichts gegen die immer zahlreicher werdenden Aufst�ndischen.</style></p><p><style name="font3">Der Wachkordon hatte sein Feuer einstellen m�ssen, weil die Nahk�mpfer immer weiter vorgedrungen waren, bis dorthin, wo der Gang eine Biegung machte und die zur�ckweichenden Hampers nicht mehr zu sehen waren.</style></p><p><style name="font3">Selim stolperte pl�tzlich. Nun war auch er bis an die letzte Treppe, �ber die man in die </style><style name="font3">Gem�cher des Bej gelangen konnte, zur�ckgedr�ngt worden. Der Widerstand erlahmte. Die </style><style name="font3">k�hnen Fechter hatten kaum noch die Kraft, den S�belarm zu heben.</style></p><p><style name="font3">In diesem Moment donnerte die Stimme Hammudas durch den L�rm.</style></p><p><style name="font3">�Freunde, Getreue, die Stunde der Rettung ist da! Hier steht Abu Hanufa mit dem </style><style name="font3">Zaubergewehr. Allah helfe uns, da� wir die verr�terischen Hunde verderben!�</style></p><p><style name="font3">Michel stand auf der obersten Stufe, er legte das Gewehr an und lie� zugleich eine Folge seiner </style><style name="font3">schaurigen Triller h�ren.</style></p><p><style name="font3">Der L�rm verebbte. Auch die Aufst�ndischen hatten schon von der L�wenjagd des Bej geh�rt. Die Zauberflinte war bereits Gespr�ch in allen D�rfern, St�dten und Oasen Tunesiens. �Ihr wi�t�, schrie Michel jetzt, �da� ich euch mit der Schnelligkeit eines Blitzes vernichten kann. Weicht zur�ck und verla�t den Palast!� Aisad schrie dagegen:</style></p><p><style name="font3">�M�nner Aladins, la�t euch nicht verbl�ffen! K�mpft weiter! Wir haben es gleich geschafft, dann geh�rt die Macht uns!�</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick erschien auch Aladin. Z�gerten die K�mpfenden auch nach Aisads </style><style name="font3">Aufforderung noch, so ri� sie die Stimme ihres F�hrers wieder in den Kampf zur�ck. Z�ndend </style><style name="font3">klangen Aladins Worte, schmetternd wie die Fanfare der Freiheit:</style></p><p><style name="font3">�Tod dem Tyrannen, Br�der! Schlu� mit der Knechtschaft! Frei wollen wir sein!�</style></p><p><style name="font3">Michel, der vorgehabt hatte zu schie�en, setzte auf einmal das Gewehr ab.</style></p><p><style name="font3">�Wer ist dieser Mann?� fragte er Hammuda.</style></p><p><style name="font3">�Es ist Aladin, ein K�mpfer gegen die Krone, ein Mann, der schon seit zehn Jahren die Glut der Revolution im Volke sch�rt. Versuche ihn zu schonen. Er ist ein ehrlicher, k�hner F�hrer des Volkes. Ich f�rchte, da� Aisad ihn f�r seine schmutzigen Zwecke mi�braucht hat.� �Ich kann nicht auf Freiheitshelden schie�en�, sagte Michel.</style></p><p><style name="font3">Da brach die Reihe der Hampers auseinander. Als erste st�rmten die Polizeisoldaten Aisads die Stufen empor. Aisad hatte ihnen Weisung gegeben, die Familie des Bej sofort erbarmungslos zu vernichten, damit dieser Aladin nicht etwa auf den Gedanken verfiel, regul�r Gericht zu halten. Denn dann mu�te herauskommen, da� das Volk in erster Linie unter der Knute des grausamen Polizeimeisters gelitten hatte.</style></p><p><style name="font3">�Das da sind keine Freiheitshelden�, rief Hammuda und wies auf die Anst�rmenden. �Das sind schmutzige Verr�ter, Kreaturen Aisads!�</style></p><p><style name="font3">Michel ri� die B�chse hoch. F�nfmal hintereinander blitzte es auf, und f�nf Getroffene sanken st�hnend zu Boden.</style></p><p><style name="font3">Die K�rper rollten die Stufen hinab gegen die Nachdr�ngenden, die ins Stocken gerieten. Die Wirkung der f�nf Sch�sse hatte den Kampf zum Stehen gebracht. Die Aufst�ndischen waren vor Schreck zu keiner Bewegung f�hig. Michel nutzte diese Kampfpause, um die f�nf abgeschossenen L�ufe mit fieberhafter Eile zu laden.</style></p><p><style name="font3">�Jetzt kann er nicht mehr schie�en!� schrie Aisad. �Wenn ihr Freiheitshelden zu feige seid, dann werden meine Leute den Rest erledigen! Gebt Raum, damit sie hindurch k�nnen, um sich an die Spitze zu setzen!�Tats�chlich bildete sich jetzt eine schmale Gasse. Aber auch die Polizisten dr�ngten nur z�gernd nach vorn.</style></p><p><style name="font3">Da legte Michel erneut an und gab abermals f�nf Sch�sse ab. Die f�nf Kugeln bohrten sich in </style><style name="font3">f�nf Schultern und rissen die M�nner zu Boden. Da gaben die anderen auf.</style></p><p><style name="font3">Auch Aisads Stimme konnte sich keinen Gehorsam mehr verschaffen.</style></p><p><style name="font3">In dem Augenblick, da f�r die Rebellen alles verloren schien, zog Aladin seinen S�bel und </style><style name="font3">dr�ngte sich nach vorn.</style></p><p><style name="font3">�La�t mich durch, ihr, denen das Leben mehr wert ist als die Freiheit! Ich werde allein st�rmen und sterben!�</style></p><p><style name="font3">Er hatte die Vordersten erreicht und schickte sich an, die Stufen emporzusteigen. Da sagte Hammuda in die Stille hinein:</style></p><p><style name="font3">�Bleib, wo du bist, Aladin. Mein Freund wird nicht auf dich schie�en. Wir m��ten dich also gefangennehmen. Und das w�re mir ein unertr�glicher Gedanke. La� uns wie zwei Gleiche miteinander verhandeln!�</style></p><p><style name="font3">�Ich verhandle nicht mit Tyrannen. Ich t�te sie oder sterbe selbst.�</style></p><p><style name="font3">�Nun denn, ich rufe Allah zum Zeugen, da� es nicht meine Absicht ist, dich zu t�ten. Aber wenn du willst, so k�mpfen wir auf Leben und Tod. Mein Freund mit seinem Zaubergewehr ist m�chtiger als deine ganze Meute. Ich h�tte es nicht n�tig, eine Entscheidung mit dem S�bel zu erzwingen. Aber du bist tapfer, und ich ehre die Tapferen.�</style></p><p><style name="font3">Die schweren S�bel klangen aneinander. Aladin war ein Fechter von Rang. Hammuda aber kannte mehr Finten und war ihm �berlegen.</style></p><p><style name="font3">Lange dauerte der Kampf. Aladins Kr�fte verbrauchten sich in stetigem Angriff. Hammuda wehrte nur elegant ab. Er war frisch wie zu Beginn.</style></p><p><style name="font3">�Lassen wir die Waffen ruhen�, sagte er, �ich bin im Vorteil; denn du warst schon abgek�mpft.� �Ich siege oder falle�, stie� Aladin verbissen hervor und schwang die Waffe keuchend gegen den Gegner.</style></p><p><style name="font3">�Schlag ihm die Waffe aus der Hand�, sagte Michel, �wie ich es dich gelehrt habe.�</style></p><p><style name="font3">Hammuda machte einen Ausfall nach vorn, lie� seine Klinge �ber die des anderen rutschen und </style><style name="font3">gab ihr, als die Spitze den Handschutz erreichte, einen Schwung nach oben. Ein Kunstst�ck, wie </style><style name="font3">es mit einem Krumms�bel sehr schwierig auszuf�hren war.</style></p><p><style name="font3">Aladins Waffe fiel zu Boden und polterte �ber die Treppe nach unten.</style></p><p><style name="font3">�Ergib dich!� sagte Hammuda und setzte ihm die Schneide an den Hals.</style></p><p><style name="font3">Aladin stand vor Verbl�ffung starr. Mit weit aufgerissenen Augen stierte er in das Gesicht seines Gegners. So hatte ihn noch niemand besiegt.</style></p><p><style name="font3">Als er sich gefa�t hatte, sagte er mit schwerer, schleppender Stimme: �Schneide mir den Kopf ab! Du hast gesiegt.�</style></p><p><style name="font3">�Ich will deinen Kopf nicht. Ich will, da� du mein Freund wirst. Wir brauchen Leute wie dich in Ifrikija.�</style></p><p><style name="font3">�Ich werde nie der Freund eines Gewaltherrschers sein. T�te mich!�</style></p><p><style name="font3">�Du redest irre, Aladin. Merkst du nicht, da� du einem gro�en Schurken deinen Beistand geleistet hast? Hast du nie davon geh�rt, da� Aisad ein grausamer Mensch ist? Er hatte doch die eigentliche Macht in H�nden. Seine Polizei ist es, die die Steuern eingetriebenhat. Das, was unserer Familie an Sch�tzen und Gold geh�rt, haben die Korsarenschiffe des Bej auf den Meeren erobert. Unser Anteil an den Steuern ist so gering, da� er gerade ausreicht, die Regierungsgesch�fte zu erledigen.�</style></p><p><style name="font3">�Glaube ihm nicht!� erklang die Stimme Aisads, der selbst nicht zu sehen war. �Er ist ein L�gner und will alle Schuld auf mich abw�lzen.�</style></p><p><style name="font3">Aladin war ein guter K�mpfer, aber kein Politiker. Er kannte sich nicht aus. Hammuda gefiel ihm. Aber Aisad war sein Verb�ndeter. Da hatte er einen guten Gedanken. �Ich werde Frieden geben, wenn du mich Einblick nehmen l��t in die Gesch�fte der Regierung. Ich werde mit meinen Unterf�hrern eine Zeitlang alles �berpr�fen.�</style></p><p><style name="font3">�Gut, Aladin, Wunsch gegen Wunsch. Du lieferst mir den Verr�ter Aisad aus, und ich setze mich daf�r ein, da� der Regierungsbeirat aus dir und deinen M�nnern gebildet wird.� Hammuda nahm die Klinge vom Hals des Besiegten. Aladins Stirn umw�lkte sich.</style></p><p><style name="font3">�Diesen Vorschlag kann ich nicht annehmen; denn ich m�chte nicht zum Lumpen werden.� Der tote Punkt des Gespr�chs war erreicht. Jeder sah dem anderen an, da� er nun nicht mehr nachgeben w�rde. Der Waffenstillstand schien im n�chsten Augenblick beendet zu sein. Michel und Ojo jedenfalls rechneten damit. Michel hielt sein wieder geladenes Gewehr schu�bereit. �Nimm doch Vernunft an, Aladin, ich sage dir, da� Aisad deine Sorge nicht verdient und deine Freundschaft schon gar nicht!�</style></p><p><style name="font3">�Denke, was du willst. Ich bin kein Hund. Ich werde...�</style></p><p><style name="font3">Sein Satz wurde von einem unerwarteten Ereignis unterbrochen. Aus einem der Seiteng�nge, die oberhalb der Treppe vor dem Gemach des Bej in die Plattform m�ndeten, auf der Michel, Ojo, Aladin und Hammuda standen, st�rzte eine Gestalt im schwarzen Burnus der Polizisten. Der Mann fa�te nach Hammudas Kehle und holte mit der rechten Hand, in der ein Dolch blitzte, aus, um zuzustechen.</style></p><p><style name="font3">Da traf ihn der Kolbenschlag Ojos auf die Schulter. Die ungeheure Kraft, die in dem Schlag des starken Spaniers lag, lie� den Attent�ter mit einem Wehlaut zu Boden st�rzen. Die drei M�nner fuhren herum und blickten in das Gesicht des Wachkommandeurs. �Auch du, Nadscheb?� fragte Hammuda best�rzt.</style></p><p><style name="font3">Nadscheb erhob sich langsam. Er antwortete nicht. Seine Augen gl�nzten wie im Fieber. Trotz des stechenden Schmerzes in der Schulter machte er einen Satz, um aus dem Bereich der vier zu kommen und sich in Sicherheit zu bringen.</style></p><p><style name="font3">Aber die Rechnung war ohne Ojo gemacht. Dieser ergriff ihn beim Nacken, hob ihn mit einer Hand hoch und stellte ihn wie eine Puppe vor Hammuda, ohne ihn wieder loszulassen. Hammuda scho� die Zornesr�te ins Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Hat dich vielleicht Aisad zum Meuchelm�rder gedungen, du Schuft?� Nadscheb schwieg hartn�ckig.</style></p><p><style name="font3">Ojo dr�ckte etwas mehr zu, da� die Nackenwirbel des anderen krachten. �Der Kerl erw�rgt mich�, stie� Nadscheb heiser hervor.</style></p><p><style name="font3">�Das ist f�r einen Verr�ter wie dich gerade das richtige. Wenn du tot bist, werden wir dich mit dem Blut von Schweinen bestreichen und dich in die Haut einer r�udigen Sau einn�hen.� Der Schmerz in Nadschebs Genick verst�rkte sich. �Gnade�, winselte er.</style></p><p><style name="font3">�Du schreist nach Gnade und wolltest mich doch eben ermorden?� Jetzt mischte sich Michel ein. Er wandte sich an Nadscheb.</style></p><p><style name="font3">�Mein Freund gehorcht nur mir. Nur ich kann ihm befehlen, den Griff zu lockern. Aber ich denke nicht daran. Er wird dir langsam die Luft abdr�cken. Es sei denn, du sagst, was du N�heres �ber die Verschw�rung wei�t.�</style></p><p><style name="font3">Hammuda war anfangs ungehalten, als Michel zu sprechen begann. Als er aber die Fragen h�rte, leuchteten seine Augen auf, und er nickte dem Pfeifer aufmunternd zu.</style></p><p><style name="font3">�Gnade, Gnade�, wimmerte Nadscheb, der vor Schmerz fast ohnm�chtig wurde. �Ich will sagen, was ich wei�.�</style></p><p><style name="font3">�Lockere den Griff etwas�, wandte sich Michel mit kaum h�rbarer Stimme an Ojo. �Ich habe Aisad geholfen, den Aufstand vorzubereiten�, gestand der Wachkommandeur stockend. �Ich war auch der Verbindungsmann zu Aladin. Aisad nutzte die revolution�re Bewegung Aladins f�r seine Zwecke aus. Wenn der Bej und seine Familie get�tet worden und der Palast, die Stadt und das ganze Land in unserer Hand gewesen w�ren, dann wollte er mit der gesamten</style></p><p><style name="font3">Polizeimacht die Rebellen unterjochen und sich selbst zum Bej von Ifrikija ausrufen lassen. Das ist alles, was ich wei�.�</style></p><p><style name="font3">Aladin wechselte die Farbe. Mit geballten F�usten trat er auf Nadscheb zu und schrie ihn an: �Sprichst du die Wahrheit, du Hund? Ihr wolltet mich verraten, ihr, die ihr ohne meine Hilfe niemals diesen Aufstand h�ttet entfesseln k�nnen?� Nadscheb senkte den Blick und nickte.</style></p><p><style name="font3">Unter den Rebellen, die am Fu� der Treppe standen, erhob sich w�tendes Murmeln. Fl�che brandeten auf. Pl�tzlich war der Kampf wieder im Gange. Diesmal richtete er sich jedoch gegen die Polizeisoldaten Aisads.</style></p><p><style name="font3">Ehe Hammuda oder Aladin es verhindern konnten, hatten die Betrogenen ein furchtbares Blutbad unter denen angerichtet, die soeben noch ihre Freunde waren. Nur einer fehlte: Aisad.</style></p><p><style name="font3">Aladin und Hammuda reichten sich endlich die H�nde. Der �Kronprinz� sagte laut, da� es alle h�ren konnten:</style></p><p><style name="font3">�Ich werde im Rat der �ltesten mein ganzes Gewicht in die Waagschale werfen, damit Aladin als Polizeichef und Oberbefehlshaber der mamelukischen Heere eingesetzt wird. Der Bej wird seine Zustimmung sicherlich nicht versagen.�</style></p><p><style name="font3">St�rmischer Jubel erhob sich bei den Rebellen. Ihr Aufstand hatte zwar anders geendet, als sie sich vorgestellt hatten; aber ihr Vertrauen zu Aladin war gr��er als die Sucht, zu pl�ndern und zu zerst�ren. Zudem war ihr Blutrausch nach der Niedermetzlung der verr�terischen Polizisten abgeklungen.</style></p><p><style name="font3">Aladin fragte mit dr�hnender Stimme:�Wer hat gesehen, wohin sich Aisad gefl�chtet hat? Irgendwo mu� der Schuft doch stecken! Zwanzig Mann bleiben als Wache hier. Ihr anderen geht ihn suchen. Verge�t keinen Winkel in der Stadt.�</style></p><p><style name="font3">�Und wer ihn uns bringt�, setzte Hammuda hinzu, �erh�lt hundert Piaster. Tot oder lebendig, schafft ihn herbei!�</style></p><p><style name="font3">Johlend dr�ngte die Menge durch die G�nge ins Freie. Ein wildes Suchen begann. Die Einwohner der Stadt wurden aus den Betten gerissen. Man �ffnete jeden Schrank und blickte unter jede Lagerstatt, man durchst�berte hunderte von Kellern und Nischen, man stellte alles auf den Kopf.</style></p><p><style name="font3">Aber Aisad blieb verschwunden.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">59</style></p></title><p><style name="font3">Hammuda hatte Aladin, Michel und Ojo gebeten, ihn f�r eine Weile zu entschuldigen. Er begab sich in das Schlafgemach seines Vaters und brachte diesem die frohe Kunde. M�hsam richtete sich der dicke Bej auf. Der Ausdruck der Grausamkeit in seinen Augen war dem der Angst und des Schreckens gewichen. Nichts erinnerte mehr an seine Selbstherrlichkeit. Hammuda nutzte die Schw�che seines Vaters, um sich von ihm beim Bart des Propheten schw�ren zu lassen, da� der Bej von nun an mehr auf das Wort des �Kronprinzen� h�ren wolle als auf das seiner zweifelhaften Ratgeber.</style></p><p><style name="font3">Ojo und Michel zogen wieder in jene R�ume ein, die sie vor der ungl�ckseligen L�wenjagd innegehabt hatten. Aladin hingegen wollte keine Wohnung im Palast. Als man sie ihm anbot, lehnte er mit den Worten ab:</style></p><p><style name="font3">�Ich geh�re zum Volk. Ich mu� h�ren, ob das Volk mit seiner Regierung zufrieden ist. Und dazu mu� ich unter ihm leben. Ich werde mein Polizeihauptquartier in der Festung aufschlagen.� Michel wurde f�r die Rettung des Thrones mit hohen Ehren ausgezeichnet. Als einige Tage vergangen waren, trat Hammuda Pascha eines Morgens nach dem Gebet unangemeldet in das Zimmer des Pfeifers. �Es salam alejkum�, gr��te er h�flich. Und ebenso h�flich erwiderte Michel den Gru�.</style></p><p><style name="font3">�Sahabati�, begann der Pascha, �du hast uns vorm Untergang bewahrt. Mein Vater und ich m�chten dir unsere Dankbarkeit beweisen. Wir haben eine wunderbar sch�ne tscherkessische Sklavin gekauft, um sie dir zu schenken.�</style></p><p><style name="font3">�Sayd�, sagte Michel, �vor nicht allzu langer Zeit hast du mir schon einmal ein M�dchen zum Geschenk machen wollen. Aber du wei�t, es gibt nur eine Frau, die ich zu besitzen w�nsche. Und wenn ich diese nicht haben kann, so will ich keine.�</style></p><p><style name="font3">�Du hast dieses M�dchen noch immer nicht vergessen?�, fragte Hammuda in ungl�ubigem Erstaunen.</style></p><p><style name="font3">�Nein. Seit ich sie das erstemal gesehen habe, hat sie mein Herz gefangen wie Scheherezade das des Sultans.�</style></p><p><style name="font3">Gleichnisse aus den M�rchen von Tausendundeiner Nacht anzuf�hren, geh�rte zum guten Ton aller gebildeten Mohammedaner. Da Michel immer noch als ein solcher angesehen wurde, machte er diese Mode mit.</style></p><p><style name="font3">�Wenn es Allahs Wille ist, da� du sie suchen sollst, gut denn, du darfst meiner Hilfe gew�rtig sein.�</style></p><p><style name="font3">�Maschallah, dann wei�t du also, wohin ich zu gehen habe, um sie zu finden?�</style></p><p><style name="font3">�Das, und noch ein weniges mehr. Der Sklavenh�ndler Mustapha hat sie tats�chlich auf seinem </style><style name="font3">Schiff �Mapeika� nach Istanbul mitgenommen.�</style></p><p><style name="font3">�Und hast du herausbekommen, was dann mit ihr geschehen ist?�</style></p><p><style name="font3">�Soviel mir unser Gesandter in Istanbul berichten konnte, soll eine Frau mit roten Haaren auf dem gro�en Sklavenmarkt verkauft worden sein, und zwar an einen Unbekannten. Es wird vermutet, da� dieser Unbekannte sie f�r den Harem des Sultans aussuchte. Aber sicher ist es nicht.�</style></p><p><style name="font3">Michel schwieg einen Augenblick. Dann sagte er: �Kannst du begreifen, da� meine Liebe so stark ist, da� ich nun selbst nach Istanbul reisen m�chte?� �Das ist ein beschwerlicher Weg. Und er birgt Gefahren in sich.� �Das ist gleichg�ltig. Ich ziehe, wenn es sein mu�, durch das ganze Morgenland und mache dabei gleich eine Pilgerfahrt nach Mekka. W�rdest du mir auch dazu deine Hilfe nicht versagen?�</style></p><p><style name="font3">�Sahabati, noch vor drei, vier Wochen w�re es unm�glich gewesen, da� ich dir behilflich sein k�nnte. Aber heute kann ich meinen Vater dazu bestimmen, dich gehen zu lassen. Aber er wird es nicht gern tun, wenn er erf�hrt, da� Istanbul dein Ziel ist. Es ist leider so, da� unsere Beziehungen zur Hohen Pforte nicht die besten sind.� Michel wollte den Grund hierf�r wissen. �Der Sultan ist b�se auf meinen Vater, da dieser freundschaftliche Beziehungen mit Frankreich unterh�lt. Aber vielleicht gelingt es dem Bej, den Sultan durch Geschenke zu beschwichtigen.� �Aber das ist doch kein Grund, mich nicht nach Istanbul gehen zu lassen.� �Das mag sein. Aber wir s�hen es nicht gern, wenn ein Freund durch seine Bekanntschaft mit uns in Istanbul in Mi�helligkeiten geriete. Trotzdem bitte ich, mach dir keine Sorgen, wir werden schon einen Weg finden. Ich werde dich morgen zu einer Staatsaudienz beim Bej anmelden. Nun bitte ich dich, mich zu beurlauben.� Zum erstenmal sch�ttelten sich die beiden herzlich die Hand.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">60</style></p></title><p><style name="font3">Michel stand zur bezeichneten Stunde vor dem Thron des Herrschers der Gl�ubigen von Ifrikija. Der Bej reichte ihm die Hand zum Ku�, eine gro�e Auszeichnung.</style></p><p><style name="font3">�Erhabener Bej�, begann Michel in wohlgesetzten Worten, �ich habe nun deinen Sohn alles gelehrt, was ich hinsichtlich schnellen Schie�ens, �berlegenen Fechtens und anderer k�niglicher Sportarten wei�. Und ich habe mein Leben eingesetzt, um Leben und Thron f�r dich, Erhabener, zu retten.�</style></p><p><style name="font3">�Allah ist Zeuge, da� du die Wahrheit sprichst�, rollte der tiefe Ba� des Bej durch den Thronsaal.</style></p><p><style name="font3">�Darf ich nun eine Gnade erbitten?�</style></p><p><style name="font3">�Es sei dir gew�hrt, und Allah wei�, da� ich versuchen werde, sie zu erf�llen.� �Ich habe geh�rt, da� du Geschenke an deinen kaiserlichen Bruder, den Sultan der Osmanen, zu schicken beabsichtigst. Vielleicht k�nntest du auch mich mit dieser Karawane deiner Boten nach Istanbul gehen lassen als einen, der es versteht, die W�rdentr�ger der Pforte in den Vollkommenheiten der Schie�kunst und anderer vornehmer Sportarten zu unterrichten. Ich h�rte, da� der Sultan viele Turnierpl�tze besitzt, auf denen seine Vasallen Mut und Geschicklichkeit erproben.�</style></p><p><style name="font3">�Er besitzt au�erdem noch Armeen zu Fu� und zu Pferde�, sagte der Bej.</style></p><p><style name="font3">Michel z�gerte, bevor er seine n�chste Bitte aussprach. Doch dann fragte er fest entschlossen:</style></p><p><style name="font3">�Wirst du auch die Gnade haben, mir einen Firman<a l:href="#n_25" type="note">[25]</a> mitzugeben, der mich der Pforte </style><style name="font3">empfiehlt?�</style></p><p><style name="font3">�Das kann ich schon machen; denn ich nehme an, da� der Oberbefehlshaber des Sultans Verwendung f�r dich hat.�</style></p><p><style name="font3">�Und wenn ich dann noch bitten d�rfte, mich mit dem N�tigen f�r die Reise auszustatten...�</style></p><p><style name="font3">Der Bej kniff die Augen zusammen und fixierte den Pfeifer. Dann lachte er:</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, du wei�t, wie man seine Anliegen geschickt und nacheinander vorbringt! Du willst </style><style name="font3">also nicht wie ein armer Milit�rinstrukteur nach Istanbul gehen, sondern wie ein gro�er Effendi, </style><style name="font3">dem man alle Ehre erweist.� Die Lippen des Bej verzogen sich zu einem L�cheln.</style></p><p><style name="font3">�Wieviel Piaster w�rden nach deiner Meinung n�tig sein, um dich als reichen, unabh�ngigen </style><style name="font3">Herrn erscheinen zu lassen?�</style></p><p><style name="font3">�Zehntausend�, anwortete Michel schnell.</style></p><p><style name="font3">�Zehntausend? Maschallah, mit zehntausend w�rdest du meinen Gesandten ausstechen! Du sollst f�nftausend haben.Und ich hoffe, da� mein Gesandter mir gute Nachrichten �ber dich sendet.�</style></p><p><style name="font3">�Allah sei mit dir�, sagte Michel froh; denn er hatte auch nicht mit f�nftausend gerechnet. �Der Gro�wesir wird dir den Firman ausstellen und die f�nftausend Piaster geben. Ich werde dich mit meiner Karawane auf einem englischen Schiff nach Istanbul schicken. Die Engl�nder schulden mir Tribut und haben sich verpflichtet, besonderen W�nschen von mir nachzukommen.�</style></p><p><style name="font3">Michel verbeugte sich. Die Audienz war beendet.</style></p><p><style name="font3">Als er den Raum verlie�, trafen ihn Hammudas l�chelnde Blicke. Der �Kronprinz� nickte ihm heimlich zu, als habe er sich mit ihm verschworen.</style></p><p><style name="font3">Wenn der Bej die Behauptung aufgestellt hatte, da� die Engl�nder Tribut an ihn zu entrichten hatten, so war daran etwas Richtiges. Alle seefahrenden Nationen, deren Schiffe die Wellen des Mittelmeeres durchpfl�gten, zahlten dem Bej eine j�hrliche Taxe, wof�r sich dieser verpflichten mu�te, seine Korsaren nicht auf ihre Schiffe anzusetzen. Damit hatten sie wenigstens vor dem tunesischen Araberf�rsten Ruhe. Es war schon genug, da� Baba Ali, der Daj von Algier, ihre Schiffe bel�stigte.</style></p><p><style name="font3">Am folgenden Morgen gingen Michel und Ojo mit den �brigen Boten des Bej an Bord einer britischen Fregatte, die vor Goletta ankerte. Es war das stolze Schiff �King Charles�, best�ckt mit vierundzwanzig schweren Kanonen.</style></p><p><style name="font3">Der Kapit�n, John Byron, empfing sie h�flich, aber zur�ckhaltend. Es war ihm gar nicht angenehm, diese Barbaren an Bord zu haben. Er f�rchtete sie nicht etwa; aber er hatte wie alle Kapit�ne der christlichen L�nder eine Abneigung gegen Menschen, die unter der Herrschaft der Piratenf�rsten Nordafrikas lebten.</style></p><p><style name="font3">Ein Offizier der Hampers geleitete Michel und die Boten an Bord und wies sich dem Kapit�n als offizieller Abgesandter des Bej aus. Er sprach gebrochen Englisch und erkl�rte Mr. Byron, welche Bedeutung die einzelnen Passagiere am Hofe des Bej hatten. Von Michel alias Abu Hanufa sprach er mit Hochachtung und empfahl ihn der besonderen Obhut des Kapit�ns. Michels Herz klopfte vor Freude, als er �ber die Planken des Schiffes schritt. Sie waren wie ein St�ck europ�ischen Bodens. Er sah in die Gesichter der Matrosen und f�hlte sich der Heimat nahe.</style></p><p><style name="font3">Ojo schlief bereits in seiner Kabine. Michel ging zu ihm und setzte sich auf den Rand seines Bettes. Eine Weile h�rte er sich das Schnarchen des Kameraden an. Dann jedoch r�ttelte er ihn wach.</style></p><p><style name="font3">Ojo fuhr auf und blickte verwirrt um sich. �Wie f�hlst du dich, amigo?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Ach so--wir sind ja jetzt wieder unter Christen! Hoffentlich kommt dieses Schiff nie nach </style><style name="font3">Konstantinopel! Ich w�nschte, es w�rde gleich Kurs nach England nehmen.� �Seit wann liebst du die Engl�nder, alter spanischer Korsar?�</style></p><p><style name="font3">�Seit ich die Bekanntschaft der Araber gemacht habe. Jeder abendl�ndische Vagabund ist mir lieber als das ganze braune Geschmei�.�</style></p><p><style name="font3">�Du vergi�t schon wieder�, mahnte Michel freundlich, �da� alle Menschen gleich wertvoll sind. Nicht ob Araber, Engl�nder, T�rke oder Spanier, ist entscheidend, sondern da� sie Menschen sind.�</style></p><p><style name="font3">�H�rt auf, Senor Doktor, die Mauren sind blutr�nstige Tiere! Wie k�nnt Ihr sie mit Engl�ndern oder gar Spaniern vergleichen?�</style></p><p><style name="font3">�War Hammuda ein blutr�nstiges Tier? Ist Aladin nicht ein bewunderungsw�rdiger Mensch? Du darfst nicht alle �ber einen Kamm scheren. Auch unter den Wei�en gibt es Verbrecher und Lumpen.�</style></p><p><style name="font3">�Ach, ich bin froh, da� hier Europ�er in der N�he sind.�</style></p><p><style name="font3">�Das wird dir nicht viel n�tzen, amigo. Du mu�t weiter den Taubstummen spielen, und auch ich werde mich den Engl�ndern nicht zu erkennen geben. Nicht einmal ihre Sprache werde ich reden, so schwer es mir auch f�llt. Wir d�rfen unser Ziel nicht aus den Augen verlieren. Wir sind und bleiben Abgesandte des Bej und werden als solche auch in Konstantinopel unsere Nachforschungen nach Marina betreiben.�</style></p><p><style name="font3">�Schon gut�, sagte Ojo seufzend, �Ihr wi�t ja, da� ich Euch mit Leib und Seele verbunden bin. Bleibe ich halt ein Taubstummer.�</style></p><p><style name="font3">Jetzt h�rten die beiden Abenteurer das Knarren der Ankerwinde. Kommandos drangen bis in die Kabine. Und nach einigen Minuten ging das Schiff auf Fahrt.</style></p></section></body><body name="notes"><title><p>&#x41F;&#x440;&#x438;&#x43C;&#x435;&#x447;&#x430;&#x43D;&#x438;&#x44F;</p></title><section id="n_1"><title><p>1</p></title><p>Der kleine Atlas</p></section><section id="n_2"><title><p>2</p></title><p>Staatsrat</p></section><section id="n_3"><title><p>3</p></title><p>Kleine</p></section><section id="n_4"><title><p>4</p></title><p>Friede �ber dich (mohammedanische Gru�formel)</p></section><section id="n_5"><title><p>5</p></title><p>Und �ber dir sei Friede (Entgegnung auf die Gru�formel)</p><empty-line/></section><section id="n_6"><title><p>6</p></title><p>Un�bersetzbarer Ausdruck, etwa wie das international gewordene �Comme ci, comme sa� der Franzosen.</p></section><section id="n_7"><title><p>7</p></title><p>Cous�Cous ist die Bezeichnung f&#x44C;r zwei verschiedene Speisen. Die eine setzt sich wie oben beschrieben zusammen, die andere besteht aus Reisballen, die in Hammelfleischtunke getaucht werden.</p></section><section id="n_8"><title><p>8</p></title><p>Empfangszimmer</p></section><section id="n_9"><title><p>9</p></title><p>Der �u�erste Westen, gemeint ist Marokko</p></section><section id="n_10"><title><p>10</p></title><p>Statthalter, Gouverneur</p></section><section id="n_11"><title><p>11</p></title><p>Guter Freund�</p></section><section id="n_12"><title><p>12</p></title><p>Mekkapilger</p></section><section id="n_13"><title><p>13</p></title><p>Jesus, Sohn Mariens</p></section><section id="n_14"><title><p>14</p></title><p>Trinkgeld</p></section><section id="n_15"><title><p>15</p></title><p>Tunis</p></section><section id="n_16"><title><p>16</p></title><p>Rejs = Schiffsoffizier, auch Kapit�n</p></section><section id="n_17"><title><p>17</p></title><p>Fastenmonat, 9. Monat des islamischen Mondjahres</p></section><section id="n_18"><title><p>18</p></title><p>Fest nach der Fastenzeit</p></section><section id="n_19"><title><p>19</p></title><p>Werter Herr�<sup>2</sup> Stolzer Herr (spanisch)</p></section><section id="n_20"><title><p>20</p></title><p>Erblicher Ehrentitel etwa wie F�rst oder Graf</p></section><section id="n_21"><title><p>21</p></title><p>Lehrer</p></section><section id="n_22"><title><p>22</p></title><p>Mein Freund</p></section><section id="n_23"><title><p>23</p></title><p>Reiterfest</p></section><section id="n_24"><title><p>24</p></title><p>Fahne des Propheten</p></section><section id="n_25"><title><p>25</p></title><p>Geleitbrief</p></section></body><binary id="cover" 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