<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>adv_history</genre><author><first-name>Berndt</first-name><last-name>Guben</last-name></author><book-title>Der Erbe des Radscha</book-title><annotation><p><style name="font2"><style name="font3">Indien hei�t das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der ber�chtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdr�ckten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erf�hrt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdr�cker im Lande sind und da� es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.</style></style></p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>de</src-lang><sequence name="Der Pfeifer" number="3"/></title-info><document-info><author><first-name>Your</first-name><last-name>Name</last-name></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2010-12-21">21 December 2010</date><id>C9E52E78-D5DF-4856-B2BC-7BCEE013E4B3</id><version>1.0</version><history><p>1.0 � &#x441;&#x43E;&#x437;&#x434;&#x430;&#x43D;&#x438;&#x435; &#x444;&#x430;&#x439;&#x43B;&#x430;</p></history></document-info><publish-info><sequence name="WELT DER ABENTEUER"/></publish-info></description><body><title><p><style name="font3">3. Band </style></p><p>Der Erbe des Radscha</p></title><section><title><p><style name="font3">1</style></p></title><p><style name="font3">Mit stolz gebl�hten Segeln durchfuhr die �King Charles� die Meerenge der Dardanellen. Nun w�rde es noch zwei bis drei Tage dauern, bis das Goldene Horn erreicht war. Der Bug der britischen Fregatte durchpfl�gte das stille, fast wellenlose Marmarameer. Michel Baum, Diaz Ojo und die anderen Abgesandten des Bej von Tunis standen an der Reling und schauten erwartungsvoll nach Nordosten, als vermeinten sie, da� jeden Augenblick die m�chtigen Kuppeln und schlanken Minarehs, von deren Spitzen Abertausende von goldenen Halbmonden funkeln sollten, auftauchen m��ten.</style></p><p><style name="font3">Michel und Ojo waren besonders gespannt, da sie w�hrend der langen Fahrt so viel von der Sch�nheit des alten und ewig jungen Byzanz geh�rt hatten. Es war ihnen, als l�ge schon hier, mitten auf dem Marmarameer, die Atmosph�re jener m�rchenhaften Stadt. Sie sollten jedoch vorerst noch ein anderes Erlebnis haben, das ihre Aufmerksamkeit voll in Anspruch nahm.</style></p><p><style name="font3">Aus dem Mastkorb erscholl in diesem Augenblick der Ruf des Ausgucks:</style></p><p><style name="font3">�Zwei Schiffe, in Kiellinie, Steuerbord voraus! Takelage des zweiten Schiffes stark l�diert!�</style></p><p><style name="font3">Kapit�n Byron, der auf der Kommandobr�cke stand, blickte in die vom Ausguck angegebene </style><style name="font3">Richtung. Aber er stand zu tief, um mehr als die Mastspitzen der beiden Schiffe zu erkennen.An </style><style name="font3">sich ging es ihn nichts an, was f�r Fahrzeuge sich in diesen Gew�ssern tummelten. Aber wenn </style><style name="font3">zwei Schiffe in Kiellinie fuhren, so bedeutete das entweder, da� sie einen kriegerischen </style><style name="font3">Flottenverband bildeten, oder da� das erste Schiff das zweite im Schlepp hatte. Beides Dinge, </style><style name="font3">die einen Kapit�n von Seiner Britischen Majest�t Flotte durchaus interessierten.</style></p><p><style name="font3">Er setzte das Sprachrohr an und rief selbst seine Befehle �ber Bord:</style></p><p><style name="font3">�Setzt alle Segel, hi�t die Flagge, Steuer drei Strich hart Steuerbord!�</style></p><p><style name="font3">Die �King Charles� schwenkte langsam in die angegebene Richtung und scho� jetzt pfeilschnell unter allen Segeln auf die sonderbaren Fahrzeuge zu.</style></p><p><style name="font3">Bald konnte Kapit�n Byron jede Einzelheit unterscheiden. Er hatte sein Fernrohr auseinander gezogen, so weit es eben ging.</style></p><p><style name="font3">Das erste Schiff zeigte die t�rkische Flagge. Es hatte das zweite, das ebenfalls unter t�rkischer Flagge lief, tats�chlich im Schlepptau. Die Takelage des geschleppten Schiffes erweckte den Eindruck, als sei es in einen Kampf verwickelt gewesen. Wenn man jedoch genauer hinblickte, konnte man auch auf dem ersten Schiff Spuren erkennen, wie sie einschlagende Kugeln hinterlassen.</style></p><p><style name="font3">Die �King Charles� hatte bald so weit aufgeholt, da� ihre Kanonen das erste Schiff erreichen konnten. Jetzt vermochten auch Michel und Ojo und die anderen einzelne Gestalten zu unterscheiden.</style></p><p><style name="font3">Ojos Augen wurden starr. Weit beugte er sich �ber die Reling hinaus.</style></p><p><style name="font3">�Senor Doktor�, stie� er hastig hervor, nachdem er sich vergewissert hatte, da� ihn niemand </style><style name="font3">sonst h�ren konnte, �kennt Ihr dieses Schiff? Das hintere meine ich.�</style></p><p><style name="font3">Auch Michel war es bereits wie Schuppen von den Augen gefallen. Seine Verbl�ffung war so </style><style name="font3">gro�, da� er auf deutsch ausrief:</style></p><p><style name="font3">�Du lieber Himmel, ist es denn m�glich?!�</style></p><p><style name="font3">�Was meint Ihr?�, fragte Ojo.</style></p><p><style name="font3">�Ich war zu �berrascht, um spanisch zu reden. Du hast recht, Diaz. Es ist die �Trueno�. Unglaublich!�</style></p><p><style name="font3">�Was mag das zu bedeuten haben? Mit t�rkischer Fahne, mit zerschossenen Segeln und im Schlepp eines t�rkischen Schiffes?�</style></p><p><style name="font3">�Man k�nnte die gewagtesten Betrachtungen anstellen. Ich habe den Eindruck, Kapit�n Byron interessiert sich genauso f�r den Fall wie wir, wenn auch aus etwas anderen Gr�nden. Warten wir ab, was uns die n�chste halbe Stunde bringt.� Da erscholl die Stimme des Kapit�ns wieder:</style></p><p><style name="font3">�Kanoniere, Steuerbordgesch�tz klarmachen! Signalgast, anfragen, wie der T�rke hei�t und ob er zur Flotte des Sultans geh�rt.�</style></p><p><style name="font3">Die Antwort von dr�ben lie� etwas auf sich warten, war dann aber nach wenigen langen Minuten da:</style></p><p><style name="font3">�Friede sei mit euch. Des Gro�sultans Schiff �Mahmud I� entbietet der Flagge Seiner Britischen Majest�t seinen Gru�. Haben spanischen Seer�uber aufgebracht. Kommt an Bord. Ihr seid willkommen.�</style></p><p><style name="font3">Der Signalgast gab die Meldung mit lauter Stimme an die Kommandobr�cke weiter. Michel wollte Ojo die Worte �bersetzen. Aber dieser winkte ab.</style></p><p><style name="font3">�Wei� schon, Senor Doktor, kenne die Bedeutung der internationalen Flaggensprache. Der T�rke scheint demnach ein regul�res Kriegsschiff des Sultans zu sein. Verteufelte Situation f�r die �Trueno�. Man wird die Besatzung h�ngen oder k�pfen.�</style></p><p><style name="font3">�Das ist, wei� Gott, eine unerwartete �berraschung, Diaz. Wir sollten sie retten. Wahrscheinlich sind auch unsere Freunde noch an Bord.� �Wie wollt Ihr das anstellen?�</style></p><p><style name="font3">�Wenn ich mit dem Kapit�n spreche, � vielleicht befreit er das Schiff.� Ojo lachte leise.</style></p><p><style name="font3">�Da seid Ihr gewaltig im Irrtum. Wie ich die Engl�nder kenne, w�rden sie eher noch beim Errichten der Galgen helfen, zumal es sich bei der �Trueno� um einen Spanier handelt. Ihr w�rdet Euch nur selbst gef�hrden, wenn Ihr etwas Entsprechendes untern�hmet.� Michel blickte nachdenklich zur �Trueno� hin�ber. So sehr er auch jedes R�uberunwesen ablehnte, so schmerzhaft war ihm der Gedanke, da� vielleicht seine alten Gef�hrten Kapit�n Porquez, Alfonso Jardin, Abu Hanufa und Ibn Kuteiba am Galgen enden w�rden. In diesem Augenblick stie� ein Beiboot von der �King Charles� ab. Michel legte die H�nde trichterf�rmig um den Mund und rief auf arabisch: �Hohe, Leute, nehmt mich mit hin�ber.�</style></p><p><style name="font3">Die Ruderer hielten inne, und der Kapit�n fragte einen seiner Offiziere, der an Bord geblieben war:</style></p><p><style name="font3">�What's the damned Moor talking about? � Was will dieser verdammte Maure?� Der Offizier, der ein wenig Arabisch verstand, antwortete : �Er will mit hin�ber, Sir.�</style></p><p><style name="font3">Kapit�n Byron �berlegte. Er fuhr schlie�lich im Auftrag des Bej von Tunis nach Istanbul. Und man w�rde nicht umhin k�nnen, dem Vornehmsten der Delegation diesen Wunsch zu gew�hren. So nickte er denn und rief:</style></p><p><style name="font3">�All right, wir legen noch einmal an, fragt ihn, ob er �ber eine Strickleiter steigen kann.� Michel, der nat�rlich alles verstanden hatte, bejahte die Frage des Offiziers. Dann zischte er Ojo zu:</style></p><p><style name="font3">�Ich gehe hin�ber, Diaz. Unternimm nichts, was auch geschehen mag.� Einige Augenblicke darauf sa� er im Boot dem Kapit�n gegen�ber. An Bord der �Mahmud I� waren inzwischen Vorbereitungen zum w�rdigen Empfang der britischen G�ste getroffen worden.</style></p><p><style name="font3">Der t�rkische Kapit�n begr��te sie mit ungewohnter H�flichkeit. Er wu�te, da� die Engl�nder in dem immer noch andauernden russisch-t�rkischen Konflikt dem Sultan wohlwollend gesonnen waren. Daher auch seine Bereitschaft, dem Briten eine Auskunft zu geben, die dieser nach den internationalen Gepflogenheiten gar nicht h�tte verlangen k�nnen.</style></p><p><style name="font3">Er lud die G�ste in die Kapit�nskaj�te ein und bewirtete sie mit k�stlichen Speisen. Michel, der ihm als Sendbote des Bej bezeichnet worden war, behandelte er mit ausgesuchter Zuvorkommenheit.</style></p><p><style name="font3">Bald auf t�rkisch, bald mit englischen oder arabischen Brocken erstattete er seinen Bericht, aus dem sich folgendes ergab:</style></p><p><style name="font3">Die �Trueno� hatte im November vorigen Jahres versucht, durch die Meerenge von Gibraltar wieder den Atlantik zu erreichen. Es war ihr nicht gelungen, da die Stra�e zu sehr von britischen Flotteneinheiten befahren war. So hatte sie Barcelona angelaufen, und Kapit�n Porquez war nach Madrid gefahren, um sich vom K�nig einen neuen Kaperbrief ausstellen zu lassen. Der K�nig aber hatte mit den anderen seefahrenden Nationen des Abendlandes ein Abkommen getroffen, wonach sich alle verpflichteten, keine Freibeuterschiffe mehr in ihrem Schutz oder unter ihrer Fahne auf Beute auszuschicken. Porquez war mit dieser betr�blichen Nachricht auf sein Schiff zur�ckgekehrt.</style></p><p><style name="font3">Die Mannschaft hatte es dann abgelehnt, die schnelle Galeone in ein Kauffahrteischiff umzuwandeln. Sie waren alle noch voll der gl�cklichen Erinnerungen an das ungebundene, keinem Gesetz unterliegende Seer�uberleben unter Marina de Andalusia. Zudem mu�ten Handelsmatrosen einwandfreie Seepapiere besitzen. Die Mannschaft der �Trueno� aber setzte sich zum gr��ten Teil aus ehemaligen Zuchth�uslern und Verbrechern zusammen. Um sich sein Schiff nicht wieder aus der Hand nehmen zu lassen, hatte sich der alte Porquez damit abgefunden, als v�llig rechtloser Pirat unter keines K�nigs Schutz �ber die Meere zu segeln. Die Mannschaft, eingedenk der gro�en Abenteuer unter Marinas F�hrung, hatte den Kapit�n und die Offiziere dann gezwungen, das schwarze Samtbanner mit den zwei H�nden, von denen die eine nach einem Schiff griff und die andere einen Frauenkopf streichelte, als st�ndige Flagge der �Trueno� zu f�hren.</style></p><p><style name="font3">Dreimal versuchte die �Trueno� noch, durch die Stra�e von Gibraltar ins offene Meer zu gelangen. Es gelang ihr nicht. Und so st�rzte sie sich von nun an auf alle Schiffe, die sie im Mittelmeer traf. In k�rzester Zeit war sie hier wegen ihrer einzigartigen Bewaffnung zum Schrecken selbst der maurischen Piraten geworden.</style></p><p><style name="font3">Eines Tages nun hatte sie zwischen Kreta und dem Peloponnes ein t�rkisches Kriegsschiff angegriffen, das dort allein kreuzte. Nach kurzem Gefecht schon strich es die Flagge. Porquez und seine Leute ahnten nichts B�ses und wurden auch nicht mi�trauisch, obwohl sie h�tten bemerken m�ssen, da� das gegnerische Schiff noch lange nicht gefechtsunf�hig war. Sie stie�en darauf zu, und alles, was Beine hatte, enterte den T�rken.</style></p><p><style name="font3">Da stie� aus einer nah gelegenen Bucht eine ganze Flottille auf das Seer�uberschiff, zerscho� Masten und Segel und �berw�ltigte mit zehnfacher Mehrheit die Mannschaft. Das Flaggschiff der t�rkischen Flottille war die �Mahmud I�.</style></p><p><style name="font3">Der t�rkische Admiral schilderte mit gl�henden Augen und sprudelnden Worten die Heldentaten seiner Matrosen. Die T�rken hatten es n�tig, wieder einmal eine Heldentat zu vollbringen; denn Mustapha II., der gro�herrliche Sultan, war von den Russen schwer bedr�ngt worden und hatte nur mit M�he die Kernst�cke seines Reiches zusammenhalten k�nnen. Vor zwei Jahren, 1774, war er gestorben und hatte seinem Bruder Abd ul-Hamid das wankende Reich hinterlassen. Dieser hatte es verstanden, den Frieden von K�c�k-Kainardza am 21. Juli 1774 politisch klug auszunutzen, so da� Ru�land wenigstens die Moldau und die Walachei wieder herausgab. Aber Asoa, Taganrog, Jenikale, Kertsch und Kinburn blieben verloren. Die Krim wurde f�r unabh�ngig erkl�rt, und die Zarin Katharina erhielt f�r ihre Schiffe freies Durchfahrtsrecht in allen t�rkischen Gew�ssern.</style></p><p><style name="font3">Die Aufbringung der �Trueno� war endlich wieder einmal eine glorreiche Tat der Osmanischen Marine. Sie wurde entsprechend aufgebauscht. Die Engl�nder verstanden von der Erz�hlung des Kapit�ns nur Bruchst�cke. Der einzige, dem sie ein eingehendes Bild lieferte, war Michel, der ja seinen Aufenthalt in Tunis benutzt hatte, um noch T�rkisch zu lernen. Kapit�n Byron war von dem Bericht durchaus befriedigt. Es lag ihm fern, auch nur einen einzigen Gedankenan die Rettung des Seer�uberschiffes zu h�ngen. Die T�rken w�rden aus der Hinrichtung der Piraten sicherlich ein Volksfest machen. Mochten sie. Es lebten viel zu viele Spanier auf der Welt. Er stand auf und verabschiedete sich gemessen, aber freundlich. Das Beiboot stie� ab.</style></p><p><style name="font3">Michel sa� im Heck und hatte den Kopf in die H�nde gest�tzt. Fieberhaft arbeiteten seine Gedanken. Aber wie die Sache lag, w�rde auch er vorerst nichts f�r die Rettung der Piraten tun k�nnen.</style></p><p><style name="font3">Die �King Charles� ging auf alten Kurs zur�ck und segelte mit gr��ender Flagge an dem t�rkischen Flaggschiff vorbei.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">2</style></p></title><p><style name="font3">An einem strahlenden Morgen lief die �King Charles� in den Bosporus ein. Michel und Ojo befanden sich an Deck. Dort lag sie also, die Metropole zwischen Europa und Asien, die die Dichter besangen, eine Vision aus zartget�nten Kuppeln und wei�en, schlanken, emporstrebenden Minarehs. Es war ein Anblick, wie ihn sich das Auge eines Europ�ers kaum vorstellen kann.</style></p><p><style name="font3">Kaum hatten sie angelegt, so kam ein t�rkischer Offizier an Bord. Er begr��te die Engl�nder und erkundigte sich sogleich nach dem Wohlergehen der tunesischen Passagiere. Es stellte sich heraus, da� er vom Gesandten des Bej �ber die Ankunft dieser Delegation unterrichtet worden war. Woher der Gesandte es so schnell erfahren hatte, war Michel unerkl�rlich. Aber das war gleichg�ltig. Er brauchte von seinem Firman jetzt keinen Gebrauch zu machen; denn der t�rkische Offizier begr��te ihn von selbst als Leiter der Delegation. Michel und die �brigen wurden in die Gastr�ume des Seraj geladen.</style></p><p><style name="font3">Als sie von Bord gingen, blieben sie noch einmal auf der Mole stehen und gaben sich staunend den neuen Eindr�cken hin. Pal�ste und G�rten wuchsen aus dem Meer und bildeten den Rahmen des Goldenen Horns. Tausende Font�nen schickten ihre Wasserspiele in die Luft. Farbige Segel f�llten den Hafen.</style></p><p><style name="font3">Wie schmutzig und unansehnlich war doch Tunis im Vergleich zum alten Byzanz! Hier trafen sich die V�lker von halb Europa und Asien. Hier flossen die Tribute zusammen, die die Vasallenk�nige von der Adria bis nach Afghanistan und vom Golf von Aden bis an den Don zu entrichten hatten. Ganz oben auf der Spitze, wo sich der gesch�ftige Bosporus und das Goldene Horn treffen, lag das Seraj, der phantastische Sitz des Sultans. Hier wohnten auch die zweitausend Frauen, die dem Gro�herrn Abd ul-Hamid I. geh�ren sollten. Das englische Schiff entbot der Hohen Pforte einen donnernden Salut von vierundzwanzig Sch�ssen. �</style></p><p><style name="font3">Verwirrt von den vielen Eindr�cken fanden sich Michel und Ojo erst wieder zurecht, als sie in ihren R�umen waren. Diener brachten Tabletts mit den herrlichsten Speisen, viele kleine T��chen dampfenden, schwarzen Mokkas und reich verzierte Hukahs. �Vielleicht ist es doch ganz gut, da� wir die Suche nach Marina nicht aufgegeben haben�, meinte Ojo fr�hlich kauend. �Stellt Euch vor, Senor Doktor, Ihr solltet das alles bezahlen, was wir hier zu essen kriegen.�</style></p><p><style name="font3">Michel lachte. �Du alter Materialist, denk doch nicht immer nur andie Annehmlichkeiten des Lebens! Freilich, wenn wir uns solche Leckereien kaufen wollten, w�re der Beutel bald leer, trotz der f�nftausend Piaster, die der Bej uns gro�z�gig gestiftet hat.� �Es ist zu dumm, da� ich weiterhin den Taubstummen spielen mu�. Sicher gibt es in dieser gesegneten Stadt ein spanisches Gasthaus, in dem man einen Becher Wein trinken kann. Aber wenn ich Wein getrunken habe, l�st sich meine Zunge und ...�</style></p><p><style name="font3">�Du endest als Ungl�ubiger im Gef�ngnis oder am Galgen�, erg�nzte Michel. �Wir m�ssen unser Geheimnis auf jeden Fall wahren.�</style></p><p><style name="font3">Sie schwiegen und widmeten sich dem Mokka und den Wasserpfeifen.</style></p><p><style name="font3">Immer und immer wieder wanderten Michels Gedanken zur�ck zur �Trueno�. Das Schiff mu�te bald einlaufen. Man w�rde die Gefangenen wahrscheinlich erst an einem gro�en Festtag h�ngen. Bis dahin mu�te er unbedingt etwas unternehmen.</style></p><p><style name="font3">Andererseits wollte er auf keinen Fall sein Ziel, die Befreiung Marinas, aus den Augen verlieren. Wo mochte sie sein?</style></p><p><style name="font3">Vielleicht lebte sie hier mit ihm unter dem gleichen Dach. Er hatte seine Aufmerksamkeit noch nicht auf die Fenster des Palastes richten k�nnen, um nach ihrem Zeichen Ausschau zu halten. Einerseits w�nschte er, da� der Sultan sie gekauft hatte; denn dann w�rde niemand wagen, ihr auch nur ein Haar zu kr�mmen. Andererseits waren in diesem Fall die Ma�nahmen zu ihrer Bewachung wahrscheinlich viel strenger, als wenn sie zum Harem eines weniger reichen Mannes geh�rte.</style></p><p><style name="font3">Am Abend gelang es Michel und Ojo, eine Runde durch das Gebiet des Seraj zu machen. Aber nirgends, an keinem Fenster, war auch nur das geringste Zeichen, da� Marina dahinter wohnte. Am n�chsten Morgen fand sich die Delegation des Bej in Michels R�umen zusammen. Der Sultan hatte sich bereit erkl�rt, die Abgeordneten mit den Geschenken aus Tunis zu empfangen. Der Gesandte kam. Er mu�te die Delegation anf�hren.</style></p><p><style name="font3">Michel und Ojo bildeten in diesem Zug die zweite Reihe. Es folgten die schwarzen Sklaven, die Truhen mit Gold, Edelsteinen, kostbaren Gew�rzen und Stoffen trugen. Es war wie eine Vision aus Tausendundeiner Nacht.</style></p><p><style name="font3">Als sie den k�niglichen Diwan � den Thronsaal � betraten, verhielten Michel und Ojo geblendet ihre Schritte. In der weiten Marmorhalle herrschte ein Glanz, der die Augen schmerzen machte.</style></p><p><style name="font3">F�r die beiden Freunde war es das gr��te Erlebnis ihres bisherigen Lebens. Im Hintergrund sa� die Gestalt des Herrschers, umgeben von den W�rdentr�gern und Wesiren des Reiches. Allein die Diamanten, die den G�rtel des Gro�m�chtigen schm�ckten, waren zweimal so viel wert wie die Sch�tze, die der Bej von Tunis durch die Delegation als Geschenk darbringen lie�. Der Gesandte fiel nieder, und seine Stimme zitterte, als er mit seiner blumigen Rede anhub: �O erhabener Herrscher, Hort der Bedr�ckten, m�chtiger F�rst, Held der gro�en Taten, der du im Schatten Allahs stehst, Weisester der Weisen, K�nig der K�nige, oberster Herrscher der Welt, Verk�nder der Wahrheit, Nachfolger des Gro�en Alexander, herrlicher F�hrer der t�rkischen Streitkr�fte, Beherrscher der Meere, K�nig von Arabien und Persien, Kaiser des Islam, Sohn desPropheten, nimm die Geschenke gn�dig an, die dir dein unw�rdiger und gehorsamer Diener, der sich geehrt f�hlt, als Bej von Ifrikija einen Strahl deiner leuchtenden Sonne empfangen zu d�rfen, darbringen l��t.�</style></p><p><style name="font3">W�hrend er diese �berschwengliche Rede hielt, ber�hrte er jedesmal mit der Stirn den Boden, wenn er die verschiedenen Titel des Sultans aussprach. Der Sultan winkte mit einer l�ssigen Handbewegung ab.</style></p><p><style name="font3">�Es gibt keinen Gott au�er Allah�, antwortete er kurz und erlaubte dem Gesandten, seine Hand zu k�ssen. Dann warf er einen fl�chtigen Blick auf die Geschenke und zog sich zur�ck. Michel und Ojo sahen einander an. Entt�uschung lag auf des Pfeifers Gesicht. Der Gro�m�chtige hatte mit keinem Blick von ihrer Anwesenheit Notiz genommen. Als sie den Saal verlassen hatten, meinte Michel:</style></p><p><style name="font3">�Irgendwie m��te ich mich dem T�rkenkaiser bemerkbar machen; denn ich mu� einen Grund haben, hier zu bleiben, wenn die anderen wieder an Bord der �King Charles� gehen. Komm, sehen wir uns die Stadt an!�</style></p><p><style name="font3">Sie gingen durch die Stra�en, betrachteten die M�rkte und beobachteten die Karawanen, die aus allen Richtungen zum Palast hinzogen und Geschenke f�r den Sultan aus den Vasallenst�dten heranbrachten.</style></p><p><style name="font3">Im Hafen lagen Hunderte von Schiffen und entluden an den Kais ihre G�ter. Ein Kaufmann h�tte dieses Bild wahrscheinlich als ein Symbol bl�henden Handels betrachtet. Aber hinter den Pal�sten und den Bazaren, den Handelsh�usern und den Karawansereien war Istanbul eine von Waffen starrende Stadt. Des Sultans Gesch�ft war der Krieg. Und alle seine Titel bewiesen, da� ihm der milit�rische Erfolg �ber allem stand. �</style></p><p><style name="font3">Michel und Ojo kauften sich zuerst einmal landes�bliche Kleidung. Michels n�chster Schritt war eine Eingabe an den Serdar aller Truppen, in der er sich als Ausbilder, Schie�- und Fechtmeister anbot. Ihm war zu Ohren gekommen, da� der Sultan dabei war, ein zuverl�ssiges Artilleriekorps als Gegengewicht gegen die stets widerspenstigen Infanterieregimenter der Janitscharen aufzustellen.</style></p><p><style name="font3">Es waren nach dieser Eingabe keine vier Tage vergangen, als Michel den Besuch eines jungen Offiziers aus dem neuen Artilleriekorps erhielt.</style></p><p><style name="font3">�Abu Hanufa Effendim�, redete er Michel an, nachdem sie sich begr��t hatten, �ich sehe, du </style><style name="font3">hast dich schon gut hier eingelebt, wie mir deine t�rkische Kleidung verr�t.�</style></p><p><style name="font3">�Ich f�hle mich hier wie zu Hause�, behauptete Michel dreist. �Meine Mutter war selbst eine </style><style name="font3">T�rkin.�</style></p><p><style name="font3">�Und ich dachte, du w�rest ein reiner Araber! Verzeih mir. La� uns Br�der sein in Allah. Hast </style><style name="font3">du dein T�rkisch an deiner Mutter Brust gelernt?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, und ich habe die Milch des reinen Glaubens getrunken.�</style></p><p><style name="font3">�Der tunesische Gesandte erkl�rte mir, da� du ein ber�hmter Sch�tze und ein erfahrener Schie�lehrer bist.�</style></p><p><style name="font3">�Sicher hat er �bertrieben. Aber du magst mir glauben, da� ich mit der B�chse umgehen kann.� Der junge Offizier freute sich.</style></p><p><style name="font3">�Am besten ist es, du meldest dich sofort bei Ibrahim Kapudan<a l:href="#n_1" type="note">[1]</a> im Seraskierat<a l:href="#n_2" type="note">[2]</a> der Reiter. Ibrahim bewundert gutes Schie�en.� �</style></p><p><style name="font3">Michel wartete nicht lange. Er gab Ojo Pulverhorn, Kugelbeutel und Muskete und bedeutete ihm, zwei Schritte hinter ihm zu gehen und die Waffen zu tragen. Ojo grinste.</style></p><p><style name="font3">�Bin ich jetzt Euer Sklave, Senor Doktor?� Michel lachte.</style></p><p><style name="font3">�Was bleibt uns anderes �brig, als Theater zu spielen, wenn wir hier etwas gelten wollen? Man wird mich mit ganz besonderer Hochachtung behandeln, wenn ich als Diener einen Araber hinter mir hergehen lasse. Einen Araber kann man nicht kaufen. Man mu� ihn entlohnen f�r seine Dienste. Wer sich so etwas Kostspieliges leisten kann, mu� ein vornehmer Mann sein.� �Ja, ja, andere L�nder, andere Sitten�, st�hnte Ojo und lud sich die Villaverdische Muskete auf den R�cken.</style></p><p><style name="font3">�Ich hoffe, du forderst nicht tats�chlich Lohn f�r deine �Dienste�. Das w�rde f�r unseren Beutel ein bi�chen teuer werden.�</style></p><p><style name="font3">Eintr�chtig marschierten sie durch die Stra�en, bis sie den gro�en Biwakbezirk erreichten.</style></p><p><style name="font3">Ibrahim Kapudan war ein freundlicher Mann von etwa f�nfundzwanzig Jahren. Er forderte Michel sofort auf, ihn zu den Schie�st�nden zu begleiten. Dort waren Soldaten beim �ben. Sie schossen auf hundert Schritt Entfernung auf Ringscheiben, ganz wie es in Europa �blich war. Ibrahim rief einen b�rtigen Afghanen herbei und sagte ihm, er solle dem Pfeifer zeigen, wie gut er schie�en k�nne.</style></p><p><style name="font3">Der Mann legte sich auf die Erde, st�tzte die Ellbogen auf, zielte lange und sorgf�ltig, nahm Druckpunkt und feuerte dann endlich die veraltete Steinschlo�flinte ab. Er exerzierte Michel Ladegriffe vor, wie sie eine geschlossene Formation auf dem Exerzierplatz nach Einzelkommandos eingebl�ut bekommt.</style></p><p><style name="font3">Im ganzen scho� er f�nfmal. Alle f�nf Kugeln sa�en innerhalb des schwarzen Ringes, der einen Durchmesser von der Breite zweier H�nde hatte.</style></p><p><style name="font3">�So schie�en wir f�r den Sultan�, meinte Ibrahim stolz. �Wenn du viel �bst, wirst du vielleicht auch einmal eine Kugel in diesen Ring jagen k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">�F�rwahr�, meinte Michel, �Lubak Effendi ist ein ausgezeichneter Scharfsch�tze. Geh�rt er zu den besten eurer Armee?�</style></p><p><style name="font3">�Er ist ein Anf�nger, verglichen mit Cheir Eddin, der leider zur Janitscharen-Infanterie geh�rt. Aber nun zeige mir, was du kannst.�</style></p><p><style name="font3">Michel nahm seine Muskete aus Ojos Hand, blieb stehen und hielt sie waagrecht an den </style><style name="font3">Oberschenkel gepre�t.</style></p><p><style name="font3">Peng, machte es.</style></p><p><style name="font3">Ibrahim sah Michel erstaunt an.</style></p><p><style name="font3">�Ist deine Flinte aus Versehen losgegangen?�</style></p><p><style name="font3">�Betrachte nur die Zielscheibe.�</style></p><p><style name="font3">Ibrahim eilte hin und stie� einen verwunderten Ruf aus:</style></p><p><style name="font3">�Die Kugel sitzt ja innerhalb des Rings�, rief er, �welch ein Zufall!�</style></p><p><style name="font3">�Tritt zur Seite�, sagte Michel laut.</style></p><p><style name="font3">Er tat, als lade er den abgeschossenen Lauf nach. Er wollte auf jeden Fall vermeiden, da� seine sechssch�ssige Villaverdische Muskete neuerlich Aufsehen erregte. Wieder hielt er sie an den Schenkel gepre�t.</style></p><p><style name="font3">Er scho�, traf, lud, scho�, traf, lud und scho� f�nfmal wie sein Vorg�nger.</style></p><p><style name="font3">Ibrahim kam mit der Zielscheibe gerannt und starrte den Pfeifer erschrocken an.</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, bist du ein Zauberer? Du hast weder eine St�tze f�r deinen Arm gebraucht, noch hast </style><style name="font3">du das Gewehr an die Schulter gestemmt und gezielt. Und geladenhast du doppelt so schnell wie </style><style name="font3">Lubak. Bei Allah, ich werde dich noch heute dem Oberkommando als Ausbilder empfehlen, der </style><style name="font3">den Rekruten schnelles Laden und Feuern beibringen soll.�</style></p><p><style name="font3">Michel wollte beweisen, da� er mehr konnte, um ja nicht in Vergessenheit zu geraten oder nur als Schie�lehrer angestellt zu werden. Er mu�te versuchen, auch hier wieder zu einer gewissen Ber�hmtheit zu gelangen. Deshalb sagte er jetzt:</style></p><p><style name="font3">�Ich will dir noch eine Probe meines K�nnens geben. Ich will dir zeigen, wie man stehend freih�ndig genau ins Schwarze trifft.�</style></p><p><style name="font3">Er ri� die Flinte hoch und feuerte, wie immer, ohne sichtbar zu zielen.</style></p><p><style name="font3">�Diesmal ging es daneben�, bemerkte ein mit Juwelen beh�ngter Offizier, der von einer anderen Ausbildungsgruppe dazugekommen war. �Wenn ein franz�sischer Husar gegen dich geritten w�re, h�tte dich sein Degen durchbohrt, und du w�rest jetzt im Paradies auf den Knien einer sch�nen Huri.�</style></p><p><style name="font3">Drei oder vier andere Offiziere, die ihm ebenfalls gefolgt waren, lachten laut. Aber sie lachten nicht �ber Michel oder etwa �ber den Offizier. Sie lachten nur, weil sie sich verpflichtet f�hlten zu lachen, da ihr Vorgesetzter selbst auch lachte.</style></p><p><style name="font3">Michel erkannte aus diesem kleinen, aber aufschlu�reichen Vorfall, da� der Juwelenbeh�ngte eine ziemlich hohe Stellung innehaben mu�te, also eine wichtige Person f�r ihn war. �Ich glaube eher, der Husar w�re mit der Nase in den Sand gefallen�, antwortete Michel und lud den abgeschossenen Lauf.</style></p><p><style name="font3">�F�r einen Tunesier sprichst du gut t�rkisch. Wenn dein Schie�en genauso gut ist � Maschallah, du kannst aber schnell laden�, unterbrach er sich verwundert. �Ich habe nie schnelleres Laden gesehen, Achmed Serdar�, bemerkte Ibrahim respektvoll. Michel ri� das Gewehr schon wieder hoch, und der Schu� krachte.</style></p><p><style name="font3">�Halt ein�, schrie der t�rkische General. �Wenn du ein vornehmer Mann bist, so verspotte uns nicht. Wir sind Offiziere von hohem Rang. Oder willst du uns eine Vorf�hrung geben, wie schnell man L�cher in die Luft schie�t?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, Achmed Serdar, ich wollte nur demonstrieren, wie ich schie�en gelernt habe.� Michel feuerte noch dreimal so schnell wie m�glich, und obwohl er gern ohne abzusetzen geschossen h�tte, lud er doch vor jedem Schu� neu.</style></p><p><style name="font3">Dann brachte man die Zielscheibe herbei. Alle sahen die L�cher in der Mitte, ganz dicht nebeneinander.</style></p><p><style name="font3">Michel h�tte sich vor sich selbst gesch�mt, wenn die Treffer nicht so gesessen h�tten; denn in seinen eigenen Augen hatte er noch keineswegs eine Meisterleistung vollbracht. �Ibrahim�, stellte der Serdar<sup><a l:href="#bookmark3">2</a></sup> fest, �das ist der beste Sch�tze nach Cheir Eddin!� �Ist dieser Mann viel besser als ich?� warf Michel ein.</style></p><p><style name="font3">�Er hat nicht deine F�higkeit beim Laden. Und er mu� sorgf�ltig zielen, doppelt so lange wie du. Aber wenn er die f�nf Sch�sse abgefeuert hat, so k�nnte man sie mit einer Kaffeetasse zudecken. Auf zehn Schritte trifft er einen Sperling von der H�fte aus.� �Friede sei mit ihm!� verbeugte sich Michel.</style></p><p><style name="font3">�Au�erdem ist er ein gro�er Kavallerieoffizier�, fuhr der General gedankenvoll fort. �Kannst du von einem galoppierenden Pferd aus schie�en?�</style></p><p><style name="font3">�Ich kann zwar keinen Sperling auf zehn Schritte treffen, aber ich kann im Reiten genauso schnell laden wie eben.�</style></p><p><style name="font3">�Solche Kunstst�cke stehen bei den Nomaden hoch im Kurs. Willst du sie vorf�hren?� Er rief einen Soldaten auf einem Pony herbei. Der unbequeme, stuhl�hnliche Sattel pa�te nicht f�r Michel und behinderte alle Bewegungen. Aber als er die F�higkeiten des Tiers ausprobierte, entdeckte er, da� sein Galopp weich und gleichm��ig war. Er ritt geradewegs auf sein Ziel zu und scho� auf drei�ig Schritte Entfernung. In einem vern�nftigen Sattel und auf einem besseren Pferd h�tte er laden k�nnen, ohne zuviel Pulver zu versch�tten. So wie es jetzt war, lie� er das Pferd im Schritt gehen, um zu laden. Dann versuchte er einen schwierigeren Schu� anzubringen. Er ritt quer am Ziel vorbei und feuerte aus etwa zwanzig Meter Entfernung. Bei diesem Schu� mu�te er das Gewehr in einen Winkel von neunzig Grad zum Pferd bringen, wozu es notwendig war, den Oberk�rper ebenfalls zu wenden.</style></p><p><style name="font3">Er traf zwar nicht ins Schwarze, aber die Kugel schlug dicht daneben ein. Als er vom Pferd gestiegen war, fragte Achmed Serdar: �Wie hei�t du, Effendim?� �Abu Hanufa al Dinaweri.�</style></p><p><style name="font3">�Hast du auch �bung, vom galoppierenden Pferd ein bewegliches Ziel zu treffen, einen franz�sischen Husaren zum Beispiel?�</style></p><p><style name="font3">Der General mu�te eine besondere Vorliebe oder einen besonderen Ha� auf die franz�sischen Husaren haben. Auf alle F�lle spielten sie in seinen milit�rischen �u�erungen eine wesentliche Rolle.</style></p><p><style name="font3">�Ich hab's noch nicht bei einem franz�sischen Husaren versucht. Ich schie�e nicht auf Menschen, wenn es nicht sein mu�. Aber ich habe vom Pferd aus Antilopen gejagt.� �Maschallah, ich bin Serdar des Artilleriekorps, und ich werde dich als Hauptmann einstellen, damit du Rekruten im schnellen Schie�en drillen kannst.�</style></p><p><style name="font3">�Allah sei mit dir, Achmed Serdar. Mein Dank ist dir gewi�. Aber stelle mich nicht als Hauptmann ein; denn ich m�chte eine freier Mann bleiben.�</style></p><p><style name="font3">�Gut, gut. Du bist auf dem R�cken eines Pferdes zu Hause. Mit einem besseren Tier k�nntest du selbst Cheir Eddin gef�hrlich werden.�</style></p><p><style name="font3">�Oh, ich m�chte mich f�r mein Leben gern mit einem so gro�en Reiter messen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube, das kann eher geschehen, als dir lieb ist�, sagte er mit vielsagendem L�cheln.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">3</style></p></title><p><style name="font3">Michel und Ojo verbrachten die ganze kommende Woche damit, sich die Stadt anzusehen. Michel exerzierte nur an den Vormittagen die Rekruten ein. In diesen Stunden kam er sich in seiner Hauptmannsuniform wie ein Zirkusclown vor. Er, dem aller Drill, alles Soldatische seit je verha�t war, stand nun selbst � o wundersames Schicksal � vor jungen M�nnern, um sie das Kriegshandwerk zu lehren.</style></p><p><style name="font3">Gl�cklicherweise hatte er durchsetzen k�nnen, da� er nicht den wahren Rang eines Hauptmanns einzunehmen hatte. Offiziell geh�rte er der Armee nicht an und wurde auch nicht auf die Fahne des Propheten vereidigt.Das wu�te aber niemand au�er Achmed Serdar.</style></p><p><style name="font3">An einem Morgen, als er gerade den wei�en Offiziersturban aufsetzte, lie� sich ein einfach, aber vornehm gekleideter T�rke bei ihm melden und bat, ihn zu begleiten. Er komme auf ausdr�cklichen Befehl des Serdariekrem<a l:href="#n_3" type="note">[3]</a> der Artillerie. Michel folgte ihm.</style></p><p><style name="font3">Ihr Weg endete bei den St�llen des Sultans.</style></p><p><style name="font3">Dort standen bereits f�nf herrliche Pferde, die von Stallburschen an den Z�geln gehalten wurden. Solche Pferde hatte Michel noch nie gesehen. Es waren Vollblutaraber, zwei Berberhengste und ein Kazikenpony, schlankbeinige Tiere, frisch getrimmt, denen man ihr Temperament auf hundert Schritte ansah.</style></p><p><style name="font3">�Mein Herr w�nscht zu wissen, ob du ein Pferdekenner bist�, begann der T�rke, der den Namen Hassan Akef f�hrte. �Reite auf allen Tieren und suche dir dasjenige aus, das du nehmen w�rdest, wenn du in die Schlacht reiten m��test oder auf die Jagd.�</style></p><p><style name="font3">Michel und Ojo bekamen Quartiere in einer nah gelegenen Kaserne angewiesen. Ojo, der </style><style name="font3">st�ndige, stumme Begleiter des Pfeifers, durfte nat�rlich nicht fehlen.</style></p><p><style name="font3">Als sich die Sonne gen Abend neigte, hatte Michel zwei der f�nf Pferde in die engere Wahl </style><style name="font3">gezogen: eine braune Araberstute und einen schwarzen Berberhengst.</style></p><p><style name="font3">Beide waren in der Qualit�t kaum voneinander zu unterscheiden.</style></p><p><style name="font3">Erst am Abend des n�chsten Tages konnte sich Michel endg�ltig entscheiden. Die Stute war zwar ein vorz�gliches Reittier, f�r einen J�ger und Pferdesportler aber war der Hengst Dschesid gerade das Richtige. Er hatte einen kleinen, rassigen Kopf, r�tlich schimmernde N�stern und gro�e, feurige Augen. Sein Gang war so weich, da� man auch im sch�rfsten Galopp auf seinem R�cken kaum eine Ersch�tterung versp�rte. Bei Sonnenuntergang gab es f�r Michel keinen Zweifel mehr.</style></p><p><style name="font3">Hassan Akef schien mit der Wahl zufrieden zu sein. Er f�hrte Michel in die Sattelkammer des Stalles und hie� ihn, sich einen Sattel auszusuchen.</style></p><p><style name="font3">Die S�ttel waren reich verziert, mit goldenen und silbernen Beschl�gen versehen, einer prunkvoller als der andere. Allein, Michel wu�te l�ngst, da� ein t�rkischer Sattel, auch wenn er sein Gewicht in Gold wert war, der unbequemste Sitz war, den es f�r einen schnellen und wendigen Reiter geben konnte.</style></p><p><style name="font3">�Findest du keinen passenden?� fragte Hassan Akef nach einer Weile verwundert. �Gefallen sie dir nicht?�</style></p><p><style name="font3">�Ich w�nschte, ich bes��e einen. Sie sind mindestens viertausend Piaster wert. Aber zum Reiten mag ich sie nicht.�</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick betrat ein Stallbursche die Kammer. Er trug einen abgeschabten, </style><style name="font3">englischen Herrenreitersattel in den H�nden.</style></p><p><style name="font3">�Halt�, sagte Michel, �zeig mir diesen Sattel!�</style></p><p><style name="font3">Der Junge hielt das leichte Lederding verzweifelt fest.</style></p><p><style name="font3">�O Effendim�, flehte er, �dieser Sattel ist mein Eigentum. Und Allah befiehlt, da� ein Herr auch </style><style name="font3">den Besitz eines Knechtes achten soll.�</style></p><p><style name="font3">�So w�rdest du ihn auch nicht verkaufen?�</style></p><p><style name="font3">�Verkaufen?� Die Miene des Burschen hellte sich auf.</style></p><p><style name="font3">�Ja. Was ich sage, das gilt.�</style></p><p><style name="font3">�Du willst mir ein Bakschisch f�r dieses schlechte, alte Ding geben?�</style></p><p><style name="font3">�Kein Bakschisch. Einen guten Preis.��Bei Allah, wie kannst du einen Preis bezahlen wollen f�r einen Sattel, den ich in einer M�llgrube gefunden habe?�</style></p><p><style name="font3">Der Stallbursche war mi�trauisch. Er konnte nicht begreifen, da� jemand, der unter den hier </style><style name="font3">h�ngenden Kostbarkeiten nur zu w�hlen brauchte, diesen Sattel kaufen wollte.</style></p><p><style name="font3">�Ich gebe dir zwanzig Piaster daf�r�, fuhr Michel fort. Er wollte unbedingt den Sattel haben.</style></p><p><style name="font3">Der Junge sperrte Mund und Nase auf.</style></p><p><style name="font3">�Zwan � zwan � zwanzig Pi � Piaster?�</style></p><p><style name="font3">�Ja. Hier hast du. Gib ihn mir.�</style></p><p><style name="font3">Der Bursche dr�ckte Michel den Sattel in die H�nde, ri� das Geldst�ck an sich und war wie der Blitz aus der T�r verschwunden. Hassan Akef lachte.</style></p><p><style name="font3">�Er ist davon �berzeugt, da� Allah dir den Verstand getr�bt hat, Abu Hanufa. Er hatte Angst, du w�rdest ihm das Geld wieder abnehmen. Weshalb willst du keinen dieser kostbaren S�ttel?� �Ich reite lieber bequem auf einem einfachen Sattel als voller Anstrengung in einem dieser halben Sessel.� �Wie du willst.�</style></p><p><style name="font3">Sie gingen hinaus. Michel probierte den Sattel aus. Es war wie eine Erholung f�r ihn nach den Anstrengungen der letzten vierundzwanzig Stunden.</style></p><p><style name="font3">Dann �bernahm der Bursche das Pferd, und die beiden M�nner entfernten sich. Als Hassan Akef sich verabschiedete, meinte er:</style></p><p><style name="font3">�Der Rejs Effendi wird dich vielleicht in den n�chsten Tagen auf die Jagd schicken. Es w�re daher gut, wenn du noch eine zweite Muskete h�ttest.�</style></p><p><style name="font3">Michel �berlegte. Wozu brauchte er zwei Musketen f�r eine einfache Jagd? Durfte sich ein J�ger nicht Zeit lassen, das abgeschossene Gewehr in Ruhe wieder zu laden? Was waren das f�r eigenartige Gebr�uche?</style></p><p><style name="font3">�Ich habe eine zweite�, antwortete er. Er konnte Ojos Waffe nehmen, wenn es durchaus zum guten Ton geh�rte, da� man mit zwei Gewehren auf die Jagd ging. �Gut. Dann werde ich dir noch einen Sklaven schicken, der die Gewehre tr�gt und die abgeschossene B�chse wieder l�dt. Morgen kannst du ihm beibringen, wie das Schnelladen gemacht wird.�</style></p><p><style name="font3">Auch das noch. Michel wollte dieses Angebot nicht annehmen; denn er mu�te dann dem Sklaven erkl�ren, wie die Villaverdische Muskete zu handhaben war. Er brauchte niemanden, der ihm auf diese Weise diente. Auf dem Jagdpfad konnte ihn sowieso niemand beobachten. Er konnte dann getrost seine Repetierb�chse ausnutzen.</style></p><p><style name="font3">Gerade wollte er f�r Hassans Freundlichkeit danken, als dieser fortfuhr: �Der Bursche wird auch jeweils das Jagdhorn blasen, wenn du etwas geschossen hast.� Michel verstand das alles nicht; aber nun mu�te er das Angebot wohl oder �bel annehmen; denn weder er selbst noch Ojo konnten einem t�rkischen Horn auch nur einen einzigen Ton entlocken. Am n�chsten Morgen kam Horuk, der Sklave. Er hatte traurige Augen, und es stellte sich schon nach wenigen Minuten heraus, da� er ein Europ�er war, ein Mazedonier, den algerische Piraten gefangen und nach Istanbul verkauft hatten. Er stellte sich recht geschickt an.</style></p><p><style name="font3">Michel hatte sich Ojos B�chse entliehen und brachte Horuk schnelles Laden bei.Der junge Mann, ein bedauernswerter Eunuch �brigens, war ein tadelloser Reiter. Man hatte ihm seine Mannbarkeit erst vor wenigen Monaten genommen, als er einer Sklavin seines fr�heren Besitzers sch�ne Augen gemacht hatte. Aber die schmerzhafte Ma�nahme hatte sich auf sein Inneres, auf seinen Mut und seine Intelligenz nicht ausgewirkt. Am Abend meinte Michel zu Ojo:</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� nicht, was das alles bedeuten soll. Wenn ich Erfolg auf der Jagd haben soll, dann mu� ich unbedingt mein eigenes Gewehr nehmen. Aber wie mache ich Horuk klar, da� er es nicht zu laden braucht?�</style></p><p><style name="font3">Ojo zog gem�tlich an der Pfeife.</style></p><p><style name="font3">�Ihr sagt ihm ganz einfach, da� Ihr Euer Gewehr selbst laden w�rdet, Senor Doktor. Er soll daf�r meine Flinte stets bereit halten, damit Ihr sie nicht auch noch selbst schleppen m��t. Es ist zu komisch, da� man hier mit zwei Gewehren auf die Jagd gehen mu�. Ist Horuk vertrauensw�rdig?�</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� nicht. Jedenfalls m�chte ich ihn nicht auf die Probe stellen. Es w�re zu gef�hrlich.�</style></p><p><style name="font3">�Bueno, dann la�t ihn meine Flinte getrost unn�tz durchs Gel�nde tragen.�</style></p><p><style name="font3">�Horuk�, sagte Michel am n�chsten Morgen zu dem Sklaven, �ich habe meine eigene Art zu </style><style name="font3">schie�en und zu laden. Die zweite Muskete, die du mir nachtr�gst, werde ich nur brauchen, wenn </style><style name="font3">meine andere versagt. Das wird aber aller Voraussicht nach nicht geschehen.�</style></p><p><style name="font3">�Es betr�bt mich zwar, da� du mich vielleicht nicht brauchst, Effendim, aber nat�rlich werde ich </style><style name="font3">mich nach deinen Befehlen richten.�</style></p><p><style name="font3">�Das ist kein Befehl, sondern eine Bitte. Heute abend kannst du meinetwegen ausgehen. Du bist ein Christ und darfst Wein trinken. Vielleicht findest du eine spanische Sch�nke in der Stadt. Hier hast du f�nf Piaster.� Horuk glaubte sich verh�rt zu haben.</style></p><p><style name="font3">�Du meinst, ich darf mich von dir entfernen, um irgendwo hinzugehen, wo es mir beliebt, Effendim?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, spreche ich so undeutlich, da� du mich nicht verstehen kannst?�</style></p><p><style name="font3">�Nein � nein � aber � oh, Effendim ��, er fiel pl�tzlich auf die Knie, um dem Pfeifer die Hand zu k�ssen. Michel konnte sie ihm im letzten Augenblick entziehen. �Bist du von Sinnen?� fuhr er ihn an. �Ich mag keine Handk�sse. Steh auf, Kerl, ich bin kein Gott. Vor Menschen kniet man nicht.�</style></p><p><style name="font3">Horuk erhob sich z�gernd. Er konnte diesen Araber nicht begreifen. Mit eigenartigen Blicken sah er ihn an.</style></p><p><style name="font3">�Was hast du?� wollte Michel wissen.</style></p><p><style name="font3">�Sprichst du vielleicht noch andere Sprachen als T�rkisch und Arabisch, Effendim?� �Ja - Warum?�</style></p><p><style name="font3">�Parlez vous franiais, monsieur?�</style></p><p><style name="font3">�Oui�, antwortete Michel erstaunt. Dann h�tte er sich am liebsten auf die Zunge gebissen. �Un peu�, setzte er schnell hinzu, �nur einige Brocken�, vollendet er auf t�rkisch. Horuk sah ihn an.</style></p><p><style name="font3">�Man k�nnte dich f�r einen Europ�er halten, Effendim.� Jetzt wurde es dem Pfeifer zu bunt.</style></p><p><style name="font3">�Willst du vielleicht sagen, da� ich wie ein stinkender, r�udiger Giaur aussehe? Wage diesen Vergleich nicht noch einmal. Sonst lasse ich dich peitschen.�</style></p><p><style name="font3">Horuk wich erschrocken einen Schritt zur�ck. Schuldbewu�t lie� er den Kopf h�ngen. �Verzeih, Effendim.�</style></p><p><style name="font3">Michel wollte jetzt allein sein. Die Wendung des Gespr�chs hatte ihm einen geh�rigen Schrecken eingejagt.</style></p><p><style name="font3">�Du kannst bereits jetzt schon in die Stadt gehen. Ich brauche dich heute nicht mehr.� Dann wandte er sich dem Palast zu.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">4</style></p></title><p><style name="font3">Am n�chsten Morgen wurde Michel schon vor Sonnenaufgang aus dem Schlaf gerissen. Horuk stand vor seinem Lager.</style></p><p><style name="font3">�Die Pferde, Effendim�, stotterte er aufgeregt, �die Pferde sind nicht mehr im Stall. Sie sind fort.�</style></p><p><style name="font3">Michel war mit einem Satz auf den F��en. Halb angekleidet rannte er zu den Stallungen. Horuk hatte tats�chlich die Wahrheit gesprochen. Dschesid, der Berberhengst, aber auch viele andere Pferde fehlten.</style></p><p><style name="font3">Als Michel gleich nach dem Morgengebet Meldung erstattete, sagte Hassan Akef nur: �Gut, da� ich dich jetzt treffe. Mach dich reisefertig. In zwei Stunden geht das Schiff, mit dem du zur Jagd fahren wirst. Packt eure Waffen und Ausr�stungsgegenst�nde zusammen.� Das Schiff entpuppte sich als die Jacht des Sultans. Und die anderen Passagiere waren junge Offiziere des Artilleriekorps und niedere Beamte des Hofes. Keiner sprach mit Michel und seinen beiden Begleitern. Das einzige, was man von ihren Lippen zu h�ren bekam, war ein respektvolles: �As-Salam alejkum.�</style></p><p><style name="font3">Viele bewundernde Blicke trafen den Pfeifer. Und es war unschwer zu erraten, da� seine Person der Hauptgegenstand der gezischelten Gespr�che war.</style></p><p><style name="font3">Die Jacht segelte etwa sechzig Meilen weit an der Nordk�ste des Marmarameers entlang und ankerte noch vor Sonnenuntergang.</style></p><p><style name="font3">Nach dem Abendgebet brachte Horuk seinem Herrn eine prachtvolle Extrauniform, die f�r einen reichen Nabob bestimmt schien, ein Geschenk des Rejs Effendi. �</style></p><p><style name="font3">Als sie ein St�ck landeinw�rts gegangen waren, standen sie pl�tzlich vor einem gro�en Korral, in dem sich an die hundert Pferde befanden. Eines sch�ner als das andere. Dschesid graste friedlich unter ihnen. Auch Horuks und Ojos G�ule waren da. Das R�tsel ihres Verschwindens war gel�st.</style></p><p><style name="font3">Alle sa�en auf und ritten in die Nacht hinein etwa vierzig Meilen weit. Sie kamen in ein h�geliges, bewaldetes Gel�nde. Und dann standen sie vor gut drei Meter hohen Erdw�llen, die jeden Weiterritt unm�glich zu machen schienen. Sie schienen eine Mauer, eine Abgrenzung f�r ein besonderes Grundst�ck zu bilden. Der Himmel mochte wissen, wieviel Meilen Land sie umspannten.</style></p><p><style name="font3">Sie ritten l�ngs der W�lle weiter und gelangten nach einigen Stunden an ein gro�es Einla�tor, an </style><style name="font3">dessen anderer Seite sich die W�lle fortsetzten, so weit das Auge reichte.</style></p><p><style name="font3">Als einige Sklaven das Tor �ffneten, sah man beim Eintritt, da� die Erdw�lle von innen mit </style><style name="font3">Lehm abgegl�ttet waren. Alles wirkte wie eine alte Festung. Aber es gab kein Dorf hier drinnen, </style><style name="font3">nur geb�schbewachsene Bodenerhebungen, B�ume und freie Pl�ne. In einiger Entfernung konnte </style><style name="font3">man T�rme erkennen, die ihre nackten Kuppeln in den hellen Mondschein reckten. Sie waren </style><style name="font3">noch nicht viel weiter geritten, als das erste Wild ihren Weg kreuzte.</style></p><p><style name="font3">�Die Jagdgr�nde des Sultans�, bemerkte Horuk. �Zwar sind es nicht die gr��ten in seinem </style><style name="font3">Reich, aber sie enthalten mehr jagdbares Getier als alle anderen.�</style></p><p><style name="font3">�Allah verleihe ihm Gl�ck und Frieden!� antwortete Michel verbl�fft, nur, um �berhaupt etwas zu sagen.</style></p><p><style name="font3">Ojo machte gro�e Augen. Er verstand ja noch immer kein Wort von den Sprachen der Gl�ubigen.</style></p><p><style name="font3">Horuk aber war zu nahe, als da� Michel es wagen konnte, seinen Freund aufzukl�ren. Nach einer weiteren Meile hielten sie vor dem Jagdschlo� des Sultans. Es war ein Palast mit vielen T�rmen, ein Palast, wie es ihn in der Stadt � mit Ausnahme des Seraj � nicht sch�ner gab.</style></p><p><style name="font3">Dahinter befanden sich das G�stehaus, die Stallungen aus massivem Marmor und etwas seitlich davon die Wirtschaftsgeb�ude. Ein gepflegter Park umgab das Ganze.</style></p><p><style name="font3">Ein paar reich gekleidete Paschas ergingen sich lustwandelnd auf den gepflegten Kieswegen. Michel und seine Begleiter wurden in den S�dfl�gel des G�stehauses eingewiesen. Hier wohnten die weniger Bedeutenden. Aber dennoch hatte niemand auch nur die kleinste Annehmlichkeit zu entbehren. Die Leute, mit denen Michel auf der gleichen Etage wohnte, waren gesellschaftlich noch weit �ber ihm stehende W�rdentr�ger.</style></p><p><style name="font3">Man ging gleich zu Bett. Wahrscheinlich begann die gro�e Jagd ja schon in wenigen Stunden. Und jeder trachtete danach, so frisch wie m�glich zu sein.</style></p><p><style name="font3">Genaues schien aber niemand zu wissen. Wenigstens konnten weder Michel noch Horuk etwas </style><style name="font3">in Erfahrung bringen.</style></p><p><style name="font3">Michel schlief fest und traumlos.</style></p><p><style name="font3">Nach dem Fr�hst�ck wurden die Pferde gesattelt. Horuk und Ojo ritten hinter Michel. Horuk trug Michels zweites Gewehr, das Ojo geh�rte. Dieser f�hlte sich gar nicht wohl ohne Waffe. Der Zug, zu dem Michel geh�rte, ritt jetzt an einem Grash�gel vor�ber, auf dem eine Anzahl juwelenschimmernder Nabobs stand. Von der anderen Seite n�herten sich Reiter in wei�en Burnussen, die Teufelsknarren und sonstige L�rminstrumente in der Hand hielten � vermutlich die Treiber. Ihr Anf�hrer trug eine silberne Trompete.</style></p><p><style name="font3">Unsere Freunde ritten nunmehr in eine Art nat�rliches Stadion ein. Dort war bereits eine erlesene Gesellschaft versammelt. Die imposanteste Erscheinung war ein sogenannter �Pascha mit drei Ro�schweifen�. Michel erfuhr, da� es der Emir-el-Osman war, der Leibadjutant des Gro�herrn, der h�chste W�rdentr�ger im Osmanischen Reich nach dem Sultan, zu dessen Familie er geh�rte. Um ihn herum standen wenigstens ein Dutzend �Paschas mit einem Ro�schweif�, und deren Burschen und Begleiter oder Sklaven.</style></p><p><style name="font3">Weiter waren die Generale der Artillerie und der Janitschareninfanterie anwesend. Unter ihnen bemerkte Michel seinen G�nner Achmed Serdar und den Oberbefehlshaber der Janitscharen. Pl�tzlich ritt Achmed Serdar heran und hielt neben Michel.</style></p><p><style name="font3">�Hast du auch deinen Talisman dabei, den du trugst, als ich dich das erstemal reiten und schie�en sah?�, fragte er.</style></p><p><style name="font3">Michel sah ihn verbl�fft an. Er konnte sich nicht erkl�ren, was Achmed meinte. Aber er sagte:</style></p><p><style name="font3">�Ja, Achmed Serdar.�</style></p><p><style name="font3">�Hat er auch seine Zauberkraft behalten?�</style></p><p><style name="font3">�Bestimmt�, antwortete der Pfeifer und bef�rchtete nur, da� Achmed verlangen w�rde, ihn zu sehen. Aber der gab sich zufrieden und meinte abschlie�end:</style></p><p><style name="font3">�Es gibt keinen Gott au�er Allah. Reite um Himmels willen, so gut du kannst, und schie�e wie der Teufel. Wenn du versagst, bin ich blamiert bis an mein Lebensende.� �Ja�, sagte Michel v�llig geistesabwesend, �Allah Akbar.�</style></p><p><style name="font3">Langsam ahnte er, da� er heute keine unwichtige Rolle spielen w�rde; aber welche, das war ihm immer noch ein R�tsel.</style></p><p><style name="font3">Achmed zog sich zur�ck, und der Pfeifer holte tief Luft. Die Artillerieoffiziere warfen ihm freundliche, aufmunternde Blicke zu. Manche kannte er von seinem Dienst her. In den Augen der Janitscharenoffiziere aber sa� der Ha�. Von dieser Seite trafen ihn viele w�tende Blicke.</style></p><p><style name="font3">Er wu�te schon lange, da� sich Artillerie und Infanterie nicht eben freundlich gegen�berstanden. Sie rivalisierten um die Gunst des Sultans. Die Janitscharen hatten seit hundertf�nfzig Jahren den Ton angegeben. Nun aber, da Abd ul-Hamid I. daran ging, das ganze Land neu zu ordnen, wollte er j�ngere, ges�ndere Truppen haben, die frei waren von Korruption. Seine ganze Gunst geh�rte vornehmlich dem jungen Artilleriekorps.</style></p><p><style name="font3">Heute sah es so aus, als sollte ein Wettkampf zwischen den Janitscharen und der Artillerie </style><style name="font3">ausgefochten werden. Michel wurde es mit einemmal klar, da� er hier als der Champion der </style><style name="font3">Artillerie stand und sich vermutlich mit dem Champion der anderen messen sollte. Und dieser </style><style name="font3">feindliche Champion konnte eigentlich nur Cheir Eddin sein.</style></p><p><style name="font3">Hassan Akef kam und sagte l�chelnd:</style></p><p><style name="font3">�Der Rejs Effendi ist heute sehr begierig auf Wildfleisch.�</style></p><p><style name="font3">�Ich werde ihm welches schie�en�, erwiderte Michel gelassen, �wenn ich darf.�</style></p><p><style name="font3">�Du darfst abschie�en, soviel du vom Beginn des Rennens bis zum Mittaggebet nur abschie�en </style><style name="font3">kannst. Spare nicht mit Pulver! Schie� und triff!�</style></p><p><style name="font3">�Gern.�</style></p><p><style name="font3">�Und steige nicht ab, um das erlegte Wild zu begutachten. Gib deinem Burschen das abgeschossene Gewehr, nimm das geladene und reite weiter, um das n�chste Wild zur Strecke zu bringen. Die Treiber werden die Beute hinter dir einsammeln. Der Treibermeister bl�st bei jedem Treffer auf seiner Trompete. Es mu� eine gro�e Jagd werden. Und es braucht nicht nur Damwild zu sein. Auch B�ren und W�lfe sind willkommen, solltest du darauf treffen. Jedes Tier, das gr��er als ein Rehkitz ist, z�hlt.�</style></p><p><style name="font3">Nun wu�te Michel, woran er war. Und da der Treibermeister blasen w�rde, war Horuks Hiersein eigentlich �berfl�ssig.</style></p><p><style name="font3">�Du sprachst von einem Rennen, Effendim. Das h�rt sich an, als sollten zwei um die Wette </style><style name="font3">jagen.�</style></p><p><style name="font3">�Es ist so.�</style></p><p><style name="font3">�Ist der andere vielleicht Cheir Eddin?�</style></p><p><style name="font3">�Du hast noch immer nicht alles durchschaut, Sahabati. Cheir Eddin wird zwar auch kommen, aber nur, um dich zu beobachten. Und du kannst sicher sein, da� er jedesmal mit den Z�hnen knirschen wird, wenn die Trompetef�r dich bl�st. Du aber reitest gegen einen fremden Gast des Sultans, den Allah besch�tzen m�ge. Cheir Eddin glaubte, da� er diesen Ehrenposten bekommen w�rde; denn bisher gab es keinen besseren Sch�tzen im Osmanischen Reich. Aber der Rejs Effendi hat es gewagt, diesmal dich vorzuschlagen.�</style></p><p><style name="font3">�Obwohl ich nur eine Chance von eins zu zehn gegen ihn haben sollte, wie Achmed Serdar sagte?� lachte Michel k�hn. Hassan blieb ernst.</style></p><p><style name="font3">�Du geh�rst zur Artillerie, w�hrend er ein Janitschar ist. Das ist es. Und du bist der Beste, den wir kennen. Das Artilleriekorps wird stolz auf dich sein, wenn du ein gutes Rennen lieferst. Aber wenn du schlecht reitest und schlecht schie�t, so f�llst du in Ungnade bei der allerh�chsten Majest�t. Man wird dich nach Tunis zur�ckschicken.� �Das ist keine schlimme Strafe.�</style></p><p><style name="font3">�F�r dich nicht. Aber wir, die wir dich empfohlen haben ... Allah sei uns gn�dig!� �Ist der Gast des Sultans so sehr zu f�rchten?�</style></p><p><style name="font3">�Maschallah, schlagen kannst du ihn sowieso nicht, ganz abgesehen davon, da� es eine Unh�flichkeit w�re. Aber wenn deine Jagdbeute zum Schlu� nur halb so schwer ist wie die seine, so wird Hassan zufrieden sein.�</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick richteten sich aller Augen auf einen neuen Ank�mmling. Es konnte nicht Michels Gegner sein; denn er war nicht bewaffnet. Seine Kleidung war nicht geeignet dazu, damit durch Dornen und Gestr�pp zu reiten. Es war der Anzug eines reichen Paschas. Er war so gro� wie der Pfeifer und kaum viel �lter. Er sa� mit einer W�rde auf dem R�cken seines prachtvollen Pferdes, da� es schon fast wieder l�cherlich wirkte. Sein Gesicht war von einem schwarzen, speckig gl�nzenden Bart umrahmt. Seine kleinen Augen blickten verschlagen und �berheblich drein. Es war Cheir Eddin.</style></p><p><style name="font3">Aber Michel nahm das alles nur halb auf. Seine H�nde begannen zu zittern. Alle Farbe wich aus seinem Gesicht. Er starrte auf den Reiter, der hinter Cheir Eddin erschien: Cheir Eddins Sklave und Bursche zugleich. Alle starrten ihn an.</style></p><p><style name="font3">Dieser Bursche war eine unverschleierte Frau. Und diese Frau war � Marina.</style></p><p><style name="font3">Michel h�rte einen Laut hinter sich. Er drehte sich um, und seine Blicke trafen das versteinerte Gesicht Ojos.</style></p><p><style name="font3">Am liebsten h�tte er, selbst noch fassungslos, seinem Freund ein warnendes Wort zugerufen; denn es w�re entsetzlich gewesen, wenn der den Taubstummen spielende Ojo in seiner Verwirrung zu sprechen begonnen h�tte. Aber Michel sah, da� er die blutleeren Lippen fest zusammengepre�t hielt.</style></p><p><style name="font3">Nun hatte er nur noch den einen Wunsch, da� Marina sie nicht erkannte oder, wenn doch, da� sie sich ebenfalls so beherrschen konnte wie er selbst. Aber Marina blickte nicht dorthin, wo die beiden standen.</style></p><p><style name="font3">�Wenn man vom Teufel redet, ist er nicht weit�, murmelte Hassan Akef, der noch bei Michel stand.</style></p><p><style name="font3">�Die Frau sitzt tadellos zu Pferde�, bemerkte Michel, nur um etwas zu sagen.</style></p><p><style name="font3">�Nach ihrer eigenen Meinung reitet sie besser als Cheir Eddin�, sagte Hassan. �Als er sie vor </style><style name="font3">einem halben Jahr kaufte, beschimpfte sie ihn und sagte, da� sie lieber sein Pferdebursche sein </style><style name="font3">wolle als sein �Pferd�. Und er nahm sie beim Wort. Das war eine Sensation in Istanbul. Die </style><style name="font3">ganze Stadt lachte dar�ber. Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, da� sie ihm das Leben zur </style><style name="font3">H�lle macht.Trotzdem ist es unglaublich, da� er sie auch heute mitbringt.�</style></p><p><style name="font3">Der Pfeifer hatte zwar eine ganz andere Ansicht dar�ber als Hassan; aber er behielt sie f�r sich.</style></p><p><style name="font3">Da� er Marina auf diese Weise finden w�rde, h�tte er in seinen k�hnsten Tr�umen nicht f�r </style><style name="font3">m�glich gehalten. So hatte seine Reise durch den Orient hier also praktisch ihr Ziel gefunden.</style></p><p><style name="font3">Die Frage war nur, wie befreite er Marina, und wie konnten sie unbemerkt fliehen?</style></p><p><style name="font3">Es war hier weder der richtige Ort noch die richtige Zeit, sich dar�ber den Kopf zu zerbrechen.</style></p><p><style name="font3">Er wurde in diesem Augenblick von seinen Gedanken abgelenkt.</style></p><p><style name="font3">Cheir Eddin war nahe an ihn herangeritten und betrachtete ihn von oben bis unten in beleidigender Weise.</style></p><p><style name="font3">�So�, sagte er ver�chtlich, �das ist also der gro�e Bairam.�</style></p><p><style name="font3">Michel wu�te nicht, da� das Wort Bairam etwa die gleiche Bedeutung wie Nimrod<a l:href="#n_4" type="note">[4]</a> hatte. �Ich bin Abu Hanufa Kapudan�, antwortete er.</style></p><p><style name="font3">�Sicherlich hat der Rejs Effendi eine ausgezeichnete Wahl getroffen, als er dich f�r dieses Rennen aussuchte statt meiner�, fuhr der andere spottend fort. �Ich bin Cheir Eddin.� Michel �berlegte, wie er den offensichtlichen Hohn am besten parieren konnte. Cheir Eddin war immerhin Oberst. Und da Michel hier in aller Augen Hauptmann der Artillerie war, mu�te er sich entsprechend verhalten.</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube, du hast recht, Cheir Eddin. Der Rejs Effendi wei� genau, da� du den ganzen Wildpark des Sultans abschlachten und mit deinem gro�en K�nnen den Gast besch�men w�rdest. Dein Ruhm ist so gro�, da� niemand dir gleichkommt.�</style></p><p><style name="font3">�Dein Gegner reitet ohne Sattel, Hanufa Kapudan. Du hast das nicht gewu�t, wie? Du bist sicher fremd hier, nicht wahr?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, ich bin erst vor kurzem nach Istanbul gekommen.�</style></p><p><style name="font3">Der andere kam n�her heran und streckte seine Nase vor wie ein schnuppernder Hund.</style></p><p><style name="font3">�Du stinkst wie ein Christ oder wie ein Jude�, sagte er grinsend.</style></p><p><style name="font3">Das war eine unglaubliche Beleidigung. Aber Michel parierte auch das.</style></p><p><style name="font3">�Welch ein Wunder, da� du alles riechen kannst! Ich wu�te nicht, da� Allah dich mit derselben Nase begnadet hat wie einen Iltis.�</style></p><p><style name="font3">Der Vergleich war keine direkte Beleidigung. Er erhielt nur dadurch den Sinn einer Frechheit, da� ein Hauptmann ihn gegen�ber einem Oberst gebrauchte.</style></p><p><style name="font3">Cheir Eddin strich sich den speckigen Bart. Ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen, sagte er: �Nun, wir werden sehen. Ich bin der �berzeugung, da� du deinen Turban zu Unrecht tr�gst. Du hast sicher denselben Glauben wie mein Pferdeknecht. Ein Hund, ein Schwein und ein Christ sa�en zusammen�, begann er mit einem im ganzen Orient bekannten Gleichnis, �da wurde der Christ krank, und Allah sandte das Schwein zu seinem Stamm, um ihn zu vertreten.� Dr�ben bei den Janitscharen lachten einige �ber diese Grobheit.</style></p><p><style name="font3">�Die Christin da dr�ben�, Michel wies auf Marina, �w�rde sich wohl nicht von einem Schwein vertreten lassen. Habe ich nicht recht, sch�ne Frau von Andalusien?�</style></p><p><style name="font3">Marina fuhr herum. Mit weit ge�ffneten Augen starrte sie ihn an. Aber sie erkannte ihn nicht. Wahrscheinlich hatte er sich zu sehr ver�ndert.Da pfiff er. Nicht viel, nur wenige Takte eines spanischen Liedes. Er wollte sie jetzt zwingen, ihn zu erkennen. Dann wu�te sie, da� Rettung in der N�he war.</style></p><p><style name="font3">Die T�rken dachten nicht daran, da� die letzten Worte Michels eine besondere Bedeutung haben k�nnten. Sie waren viel zu best�rzt, da� es jemand gewagt hatte, die Sklavin eines anderen anzusprechen. Das war eine unverzeihliche Beleidigung.</style></p><p><style name="font3">Cheir Eddin legte mit wilder Geste die Hand um den S�belknauf, erinnerte sich aber im letzten Augenblick, da� Michel hier auf Befehl des Sultans stand. Obgleich Michel einen schweren Fehler begangen hatte, mu�te der Oberst die Auseinandersetzung doch vorerst verschieben.</style></p><p><style name="font3">Diesmal lachte niemand, auch keiner von den eigenen Leuten. Michel gab sich alle M�he, Marina nicht mehr anzusehen.</style></p><p><style name="font3">Gl�cklicherweise ritt in diesem Augenblick Michels Gegner ins Stadion ein. Michel hatte einen m�chtigen Emir erwartet, mit viel Gefolge und kostbar gekleidet. Statt dessen kam ein alter, kleiner, d�nner Mann daher, der ein einfaches Wollhemd und enge indische Reithosen trug. Sein Gefolge bildeten ganze zw�lf Mann in praktischer Reitkleidung. Der Sattel des Gastes war ein zusammengelegter Woilach, �ber dem zwei einfache, eiserne Steigb�gel hingen. Der einzige Schmuck, den er trug, bestand aus einem wei�seidenen Turban, auf dem vorn ein riesenhafter, blutroter Rubin prangte. Sein Gesicht war mongolisch. Und der herabh�ngende, sp�rliche Bart reizte zum Vergleich mit einem der gro�en Mongolen-Khans. Sicherlich war er ein m�chtiger F�rst.</style></p><p><style name="font3">Der Emir-el-Osman gr��te vom Pferd herab mit einer tiefen, h�flichen Verbeugung. �Nimm die Gr��e und die besten W�nsche der Hohen Pforte von den Lippen eines Unw�rdigen entgegen, erhabener Freund des Sultans, k�niglicher Gast meines kaiserlichen Vetters, edler Khan der Tataren.�</style></p><p><style name="font3">Michel wurde ziemlich mulmig zumute. Alles hatte er erwartet; aber nicht ausgerechnet den </style><style name="font3">F�rsten eines Volkes, dessen Reiterkunstst�cke auf der ganzen Welt ber�hmt waren.</style></p><p><style name="font3">Der Rejs Effendi, Achmed Serdar, hatte sicherlich alles auf eine Karte gesetzt, um durch ihn, </style><style name="font3">Michel, die Bedeutung der Janitscharen in den Augen des Sultans herabzusetzen. Wenn es </style><style name="font3">Michel gelang, diesen illustren Gast zufriedenzustellen, so verlieh er dem Artilleriekorps einen </style><style name="font3">neuen Glanz, den zu tr�ben die Janitscharen nicht mehr imstande sein w�rden.</style></p><p><style name="font3">Michel ri� seinen Berberhengst auf die Hinterhand und gr��te den Khan:</style></p><p><style name="font3">�Ich bin Abu Hanufa al Dinaweri, Kapudan der Spahis der Artillerie, und habe die Ehre, mit dir, </style><style name="font3">o F�rst, jagen zu d�rfen. La� deine k�nigliche Nachsicht �ber der Unfertigkeit deines Dieners </style><style name="font3">walten.�</style></p><p><style name="font3">Als der Trompeter des Khans die Worte ins Tatarische �bersetzt hatte, trat ein Zug der Entt�uschung auf des F�rsten Gesicht. Er hatte wahrscheinlich erwartet, Cheir Eddin zum Gegner zu bekommen.</style></p><p><style name="font3">Michel beschlo� in diesem Augenblick, ihm ein Rennen zu liefern, woran der Khan noch lange denken sollte. Und wenn er, Michel, sich dabei das Genick br�che.</style></p><p><style name="font3">Der Khan winkte seinem Trompeter. Der setzte das Horn an die Lippen. Das Rennen begann. Michel lag mit seinem Hengst Dschesid nicht weit hinter dem F�rsten zur�ck. Der Trompeter, die Treiber und Horuk folgten dicht auf.Michel war noch nicht weit gekommen, als der erste Hirsch ihren Weg kreuzte. Das Tier war zu weit entfernt, um einen sicheren Schu� zuzulassen. Michel dr�ckte Dschesid mit aller Kraft die Sporen in die Weichen, um dem Hirsch den Wechsel abzuschneiden. Das Pferd scho� wie ein Pfeil davon und lie� die Treiber weit hinter sich. Aber das Pony des Khans war noch schneller. Der Alte ritt jetzt wie der Teufel hinter dem Hirsch her. Michel konnte nicht folgen. Und da sah er auch schon, wie der andere das Gewehr hochri� und h�rte das Krachen des Schusses. Einen Moment sp�ter verk�ndete das Horn des Trompeters den ersten Erfolg.</style></p><p><style name="font3">Der Khan war ein ausgezeichneter Reiter und Sch�tze. Michels sportlicher Ehrgeiz erwachte. Hassan Akef hatte zwar gesagt, da� die H�lfte der Ausbeute des Khans f�r ihn gen�gen w�rde; aber er wollte nun mehr erreichen. Der Rejs Effendi w�rde sicher nichts dagegen haben, und Cheir Eddin sollte Augen machen.</style></p><p><style name="font3">Michel setzte sich jetzt von seinen Begleitern ab. Er wollte nicht, da� man ihn beim Schie�en beobachten konnte.</style></p><p><style name="font3">Es kam bei diesem Rennen nicht darauf an, da� er die gleiche Marschroute einhielt wie der Tatar, sondern da� er nicht zu wenig Tiere zum Ziel brachte. Schon wieder knallte es vor ihm, und die Trompete schmetterte.</style></p><p><style name="font3">Michel raste auf seinem Hengst �ber die Waldpfade. Niemand, auch Horuk nicht, war in der Lage, dicht an ihm zu bleiben. Da wechselten zwei Hirsche �ber den Pfad.</style></p><p><style name="font3">Michel ri� die Villaverdische Muskete hoch, scho� und traf. Er wartete ein paar Sekunden mit dem zweiten Schu�, damit man annehmen konnte, er habe neu geladen, wenn auch in einer f�r die T�rken unfa�bar kurzen Zeit. Dann dr�ckte er wieder ab. Auch der zweite Schu� sa� im Blatt.</style></p><p><style name="font3">Er st�rmte weiter.</style></p><p><style name="font3">Hinter sich h�rte er diesmal seine eigene Trompete. Sie schmetterte zwei Signale. Er sah und h�rte nichts mehr. Immer wieder donnerte seine B�chse. Horuk schrie dem Trompeter zu, der neben ihm ritt:</style></p><p><style name="font3">�Mein Effendi ist ein Zauberer. Es ist unglaublich, wie schnell er im Jagdgalopp seine B�chse wieder l�dt. Er scheint mich nicht zu brauchen�, setzte er betr�bt hinzu.</style></p><p><style name="font3">Der Trompeter sch�ttelte erstaunt den Kopf, denn soeben waren kurz hintereinander wieder zwei Sch�sse erklungen. Es war unfa�bar.</style></p><p><style name="font3">Michel rann der Schwei� in Str�men vom Gesicht. Die Sonne stieg h�her und h�her. Die Hitze wurde gr��er.</style></p><p><style name="font3">Seine n�chste Beute war ein Leopard.</style></p><p><style name="font3">Kurz vor dem Schlu� des Rennens, es war Mittag geworden, traf er auf ein ganzes Rudel Rehe. Er jagte � mit Pausen � Schu� auf Schu� hinaus.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich hielt er inne. Wie oft war das Horn des Khans erklungen? � Er wu�te es nicht genau. Er stellte das Feuer ein. Seine Begleiter kamen heran. Der Kapudan mit der Trompete starrte fassungslos auf vier tote Rehe.</style></p><p><style name="font3">Die Treiber sammelten die Tiere ein und steckten sie in den riesigen Jagdsack.</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah�, sagte Horuk aufgeregt, �du hast zehn St�ck im ganzen erlegt. Das Horn des Gastes </style><style name="font3">blies aber nur neunmal.�</style></p><p><style name="font3">�Schejtan�, murmelte Michel, �nimm eines von den Rehen und verstecke es.�In diesem Augenblick erklang die Trompete des Khans zum zehntenmal.</style></p><p><style name="font3">Michel atmete auf. So war es gut. Zehn f�r den Tataren und neun f�r ihn. Lange w�rde das </style><style name="font3">Rennen nicht mehr w�hren. Die Sonne stand schon hoch im Zenit.</style></p><p><style name="font3">Da kam bereits aus weiter Ferne das Zeichen, da� die beiden Rivalen zum Startplatz </style><style name="font3">zur�ckzukehren hatten. So erforderten es die Spielregeln.</style></p><p><style name="font3">Als die Reiter am Startplatz ankamen, fragte der Emir-el-Osman den Khan:</style></p><p><style name="font3">�War es ein sch�nes Rennen? Hat es dir Vergn�gen bereitet, erhabener Herr?�</style></p><p><style name="font3">Der Khan gab einige kehlige Laute von sich, die der Trompeter �bersetzte:</style></p><p><style name="font3">�Seine Majest�t, der Khan der Tataren, sagt, da� es ein guter Wettkampf war.�</style></p><p><style name="font3">�Wir w�rden uns freuen, wenn uns der Erhabene das Ergebnis sehen lie�e�, fuhr der Emir fort.</style></p><p><style name="font3">�Zehn St�ck�, sagte der Dolmetscher.</style></p><p><style name="font3">�Es gibt keinen Gott au�er Allah�, meinte der Vertreter des Sultans respektvoll, �er segnete deinen Arm und gab dir eine sichere Hand. Wir, deine Diener, k�nnen es kaum fassen.�</style></p><p><style name="font3">Der Khan hob die Hand und lie� seinen Dolmetscher sagen:</style></p><p><style name="font3">�Abu Hanufa Effendim, zeige dieser hochangesehenen Versammlung, da� deine Beute ebenso gro�artig ist.�</style></p><p><style name="font3">�Nicht ebenso�, wehrte Michel h�flich ab. �Aber ich bin zufrieden. Und es wird mir stets zur Ehre gereichen, mit einem solchen J�ger um die Wette geritten zu sein.� �Wie viele Tiere hast du erlegt?� fragte der Emir-el-Osman.</style></p><p><style name="font3">Aller Augen richteten sich gespannt auf Michels Jagdsack. Horuk und der Trompeter der Artillerie entleerten ihn.</style></p><p><style name="font3">�Maschallah�, entfuhr es dem Emir, �neun St�ck!� Doch dann fa�te er sich und sagte: �Auch deine Hand wurde von Allah gef�hrt, da� du die Jagd gegen einen so ber�hmten J�ger bestanden hast.�</style></p><p><style name="font3">Da mischte sich der Dolmetscher des Khans nochmals ins Gespr�ch.</style></p><p><style name="font3">�Seine Majest�t l��t sagen, da� er es als eine Gnade Allahs betrachten w�rde, wenn er jemals </style><style name="font3">wieder die Gelegenheit haben sollte, mit Abu Hanufa al Dinaweri zu jagen.�</style></p><p><style name="font3">Michel ri� seinen Berber wieder auf die Hinterhand. Der Tataren-Khan erwiderte den Gru� </style><style name="font3">durch ein leichtes Heben seiner rechten Hand. Dann ritten die G�ste davon.</style></p><p><style name="font3">�Die Jagd ist zu Ende�, sagte der Emir-el-Osman. �Gelobt sei Gott!� Er verlie� ebenfalls das </style><style name="font3">Stadion.</style></p><p><style name="font3">Bis zu diesem Augenblick hatte Michel nicht ein einzigesmal zu Cheir Eddin hingesehen. Aber jetzt konnte er ihn nicht l�nger ignorieren. Denn er kam auf Michel zugeritten, und die Anwesenden folgten ihm gespannt mit den Blicken. Man h�tte eine Grille zirpen h�ren k�nnen. �Es sieht so aus, als ob ich die stinkenden Christen untersch�tzt h�tte�, sagte Eddin in l�ssigem Ton. �Meine Christensklavin zum Beispiel ist sehr brauchbar als Pferdebursche. Und du hast fast ebenso viele Tiere geschossen wie der Khan, Abu Hanufa. Allerhand.� Michel beschlo�, eine abwartende Haltung einzunehmen.</style></p><p><style name="font3">�La ilaha ila' llah wa Mohammad rasul al-mahdi�, sagte er.�Der Khan w�nschte, sp�ter noch einmal mit dir zu jagen. Er sagte allerdings auch, da� das eine ganz besondere Gnade Allahs w�re. Es mag sein, da� Allahs Wille anders ist.� �Du glaubst, ich k�nnte ihn nie mehr treffen?�</style></p><p><style name="font3">�Wer wei�, was im Buch des Schicksals verzeichnet steht? Der Khan kann vom Pferd fallen und sich den Hals brechen, was Allah verh�ten m�ge. Aber selbst, wenn das nicht der Fall w�re, so hat er lediglich den Wunsch ausgedr�ckt. Ein Wunsch aber ist kein Befehl. Und deshalb stehst du auch nicht l�nger in den pers�nlichen Diensten des Sultans. Niemand braucht also deshalb seine Ehre preiszugeben, damit du nochmals mit dem alten Mongolen jagen kannst.� Das war deutlich. Cheir Eddin hatte eine Rechnung mit Michel zu begleichen. Er lie� keinen Zweifel daran, da� er die Beleidigung von vorhin auf jeden Fall zu r�chen gedachte. Wenn Michel bei der Jagd schlecht abgeschnitten h�tte, h�tte Cheir Eddin vielleicht nur die Nase ger�mpft und keine Notiz mehr von ihm genommen. So aber lag die Sache anders. Michel hatte gezeigt, da� er ein ebenb�rtiger Gegner war. Das Ansehen seiner Truppe und sein eigenes Selbstgef�hl verlangten nach Genugtuung.</style></p><p><style name="font3">�Da sind wir der gleichen Meinung, Cheir Eddin�, antwortete Michel. �Vor dem Rennen hast du es trotz deines niedrigeren Ranges gewagt, mich mit Worten zu beleidigen. Das will ich entschuldigen; denn durch die pers�nlichen Dienste f�r den Sultan stehst du in hohen Ehren. Aber keine noch so gro�e Ehrung macht die Beleidigung ungeschehen, die du mir zuf�gtest, indem du meine Sklavin angesprochen hast.� �Jeder Hund auf der Stra�e kann eine Unverschleierte anbellen�, sagte Michel scharf. Er hatte keine Lust mehr, diesem widerlichen Kerl Respekt zu erweisen.</style></p><p><style name="font3">�Du bist jetzt mehr als ein Hund�, Cheir Eddins Augen blitzten rauflustig, �sonst w�rde ich dir von meinem Sklaven die Bastonnade geben lassen. Aber so, wie die Sache jetzt steht...� Er holte pl�tzlich aus und schlug Michel die Reitpeitsche ins Gesicht. Michels Pferd machte in diesem Augenblick einen Schritt, und so wurde aus dem Schlag eigentlich nur ein Streifen des Gesichts.</style></p><p><style name="font3">Eigentlich h�tte ihn Michel jetzt fordern m�ssen. Er tat es nicht. Der Herausforderer in einem Duell auf Leben und Tod war insofern im Nachteil, als der Geforderte das Recht hatte, die Kampfart und die Waffen zu bestimmen. Das konnte sich Michel nicht leisten, wenn er nicht zuviel aufs Spiel setzen wollte. Er dachte nicht daran, sein Leben wegen der Wut eines mi�g�nstigen Paschas wegzuwerfen. Nein, wenn schon ein Duell, dann mu�te Michel der Geforderte sein.</style></p><p><style name="font3">Hatte Cheir Eddin mit der Reitpeitsche geschlagen, so sollte er es mit ann�hernd gleicher M�nze heimgezahlt bekommen. Michels Hengst machte einen Satz nach vorn. Michel holte aus und schlug ihm die geballte Faust mit solcher Kraft ins Gesicht, da� Cheir Eddin sich nur mit M�he im Sattel halten konnte.</style></p><p><style name="font3">Sein Zorn steigerte sich augenblicklich zu offener, unbeherrschter Wut. Er ri� seinen Krumms�bel aus der Scheide und drang auf Michel ein.</style></p><p><style name="font3">�Steck den S�bel wieder ein�, donnerte die tiefe Stimme des Janitscharen Agassi. �Siehst du nicht, da� Hanufa Kapudan unbewaffnet ist?�</style></p><p><style name="font3">Der Agassi konnte nicht wissen, da� Michels Villaverdische Muskete immer geladen war. Michel h�tte den wilden Kerl erbarmungslos aus dem Sattel geschossen, bevor der Streich ihn treffen konnte. Aber Cheir Eddin gehorchte seinem Oberbefehlshaber und senkte den S�bel. �Ich bitte um Entschuldigung, Agassi�, grunzte er mit rot unterlaufenen Augen. �Ich bin nicht gewohnt, da� mich Schweine ber�hren. Ich verlor die Beherrschung.�</style></p><p><style name="font3">�Der Koran verbietet, da� man seiner Wut freien Lauf l��t�, mahnte sein Vorgesetzter. �Aber, bei Allah, dieser Mann hat dich ungeheuerlich herausgefordert!� Jetzt mischte sich der Rejs Effendi ein.</style></p><p><style name="font3">�Vielleicht ist auch Abu Hanufa nicht daran gew�hnt, da� ihn eine Nilpferdpeitsche ber�hrt�, sagte er.</style></p><p><style name="font3">�Das n�chste Mal wird es eine Eselspeitsche sein�, br�llte Cheir Eddin. �Es sei denn, er gibt mir Genugtuung. Willst du mir die Ehre tun, Agassi, dem Sekundanten Hanufas auszurichten, da� ich ihn trotz seines Turbans f�r einen stinkenden Christen oder Juden halte, da� er der Bastard eines Paria und eines Affen ist, da� er Schweinefleisch fri�t und seine Mutter selbst eine Wildsau war, da� ich ihm meine Kurbatsch zu schmecken geben werde, wenn er mir nicht Genugtuung gibt. Genugtuung, bis einer von uns beiden tot ist. Allah, Wallah, Tallah!� Der Agassi nickte ernst.</style></p><p><style name="font3">�Wieviel Stunden gibst du ihm f�r die Antwort?�</style></p><p><style name="font3">�Wenn er auch nur um eine Spur besser ist, als ich gesagt habe, dann gibt er mir die Antwort sofort. Aber er mag sich vorher erfrischen; denn der Koran gebietet, den Schwachen und Kranken eine Gnade zu gew�hren, sogar wenn sie Mi�geburten sind.�</style></p><p><style name="font3">�Achmed Serdar, wirst du dem ehrenwerten Agassi meine Antwort �berbringen?�, wandte sich Michel an seinen Vorgesetzten, den Rejs Effendi. �Ja�, sagte Achmed ernst.</style></p><p><style name="font3">�Ich rufe Allah zum Zeugen an, da� Cheir Eddin ein widerlicher L�gner ist und ein gro�er Esel </style><style name="font3">und da� ich ihm morgen nach Sonnenaufgang zur Verf�gung stehe�, hielt Michel seine </style><style name="font3">Gegenrede. Er legte keinen Wert darauf, die Beschimpfungen so auszudehnen wie Cheir Eddin.</style></p><p><style name="font3">�Du hast das Recht, die Waffen zu bestimmen�, sagte Achmed Serdar.</style></p><p><style name="font3">�Gut, ich w�hle die B�chse. Und geschossen wird freih�ndig auf zweihundert Fu�.�</style></p><p><style name="font3">�Dann werft doch gleich mit Kissen auf f�nfzig Fu߫, warf einer der Janitscharen ver�chtlich </style><style name="font3">ein.</style></p><p><style name="font3">�Cheir Eddin ist ein ber�hmter Scharfsch�tze�, schaltete sich Achmed Serdar wieder dazwischen. �Mein Auftraggeber gibt ihm damit zur Ehre Allahs und des Propheten die M�glichkeit, seine Schie�kunst unter Beweis zu stellen.�</style></p><p><style name="font3">Michel h�tte gern auf die Ehre Allahs und des Propheten verzichtet und die Entfernung mit dreihundert Fu� angegeben, wenn es nicht feige ausgesehen h�tte. Aber er hatte ja durchaus andere Ziele, als sich von Cheir Eddin erschie�en zu lassen. Wahrscheinlich ging das Duell so vor sich, da� der erste Schu� auf ein Kommando abgegeben werden mu�te. Bei einer weiteren Entfernung hatte Michel die Chance, da� Cheir Eddin ihn verfehlte. Michel w�re dann durch sein schnelleres Laden im Vorteil gewesen.</style></p><p><style name="font3">�Der Streit begann auf dem Pferder�cken�, brummte Cheir Eddin, �so wollen wir ihn auch zu Pferde austragen.�</style></p><p><style name="font3">�Wieso das?� wunderte sich Michels Sekundant. �Wenn ein Effendi den anderen Effendi im Bett seiner Frau �berrascht, mu� dann das Duell vielleicht im Bett ausgefochten werden?� �Die klassischen Turniervorschriften verlangen von den Spahis, da� sie ihre H�ndel zu Pferde austragen�, behauptete Cheir Eddin.</style></p><p><style name="font3">Es mu�te etwas Wahres daran sein; denn auch einige Angeh�rige des Artilleriekorps nickten zustimmend zu seinen Worten. Zu allem war Michel eben doch nur Hauptmann, und die eigenen Kameraden zeigten wenig Lust, sich zu sehr f�r ihn einzusetzen. Niemand wollte es um eines Fremden willen mit dem Agassi verderben.</style></p><p><style name="font3">�Wir beugen uns den W�nschen Abu Hanufas�, nahm jetzt der Agassi wieder das Wort. �Aber die beiden Gegner sollen nicht wild darauflos feuern d�rfen, sondern m�ssen bei jedem Schu� das Kommando abwarten, damit beide Zeit zum Laden haben.�</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah�, emp�rte sich der Rejs Effendi. �Einem solchen Vorschlag werde ich nie meine Zustimmung geben. Das schnelle Laden ist das wichtigste im Kampf, es ist ein Teil des Waffenhandwerks und der Stolz aller Spahis. Das Feld soll nicht zweihundert Fu� gro� sein, sondern tausend Schritte. Die Gegner m�gen reiten und schie�en, soviel sie wollen. Sie d�rfen das abgezeichnete Kampffeld nicht verlassen. Das wird ein Schauspiel sein, das sich anzusehen lohnt!�</style></p><p><style name="font3">�Das ist ein gro�artiger Vorschlag, Achmed Serdar�, rief ein begeisterter Pascha. �Cheir Eddin�, wandte sich der Agassi an seinen Mann, �nimmst du diesen Vorschlag an?� �Ich beuge mich jeder Regel, die ihr, w�rdige Paschas, <sup>:</sup> f�r gut haltet�, erwiderte Cheir Eddin hochn�sig.</style></p><p><style name="font3">�Nimmst du ebenfalls an, Hanufa Effendim?�, fragte Michels Sekundant. �Ja, Achmed Serdar.�</style></p><p><style name="font3">�Dann brauchen wir nur noch die n�heren Bestimmungen zu treffen.�</style></p><p><style name="font3">Die Paschas, die Generale, alle, die das Stadion noch nicht verlassen hatten, dr�ngten sich heran. F�r diese Leute kam jetzt der interessanteste Teil der Forderung. Es war ihnen sehr gleichg�ltig, ob Michel morgen noch am Abendgebet w�rde teilnehmen k�nnen oder nicht. Es gab zwar ein</style></p><p><style name="font3">paar, die es hofften � schon um des Ruhms ihres Artilleriekorps willen. Aber die einzigen Menschen, die jetzt um den Pfeifer bangten, waren Ojo, Marina und wahrscheinlich auch Horuk. Da hatte Michel einen Gedanken. Seine Ausf�hrung erschien ihm im ersten Augenblick zwar phantastisch; aber er sprach ihn dennoch aus:</style></p><p><style name="font3">�In den alten Zeiten, als sich die Ritter Zweik�mpfe lieferten, herrschte der Brauch, da� dem Sieger auch die R�stung des Besiegten geh�rte. Zwar tragen wir heute keine R�stungen mehr; aber wir haben Gewehre und andere Dinge, die wir dem Sieger �berlassen k�nnten.� �Das ist kein schlechter Gedanke�, stimmte der Rejs Effendi zu.</style></p><p><style name="font3">�Mein Gegner hat ein wundervolles Pferd�, fuhr Michel fort, �leider habe ich nichts dagegen zu setzen.�</style></p><p><style name="font3">�Oh, das ist nicht wichtig�, ereiferte sich Achmed Serdar, �ich gebe dir das beste Pferd aus meinem Stall, vorausgesetzt, da� Cheir Eddin mit dem Vorschlag einverstanden ist.� �Wenn ich etwas dazu bemerken darf, Achmed Serdar�, schaltete sich Hassan Akef ein, �der Sultan befahl mir, Abu Hanufa nach erfolgreicher Jagd auszurichten,da� ihm Dschesid geh�re, wenn der Gast mit ihm zufrieden war. Und ich denke, der Tataren-Khan war zufrieden.� �Allah besch�tze den Sultan und verleihe ihm ewiges Leben�, sagte Michel. �Ich setze also meinen Hengst gegen den Cheir Eddins, wenn dieser einverstanden ist.� �Verdammt�, fluchte Cheir Eddin jetzt, �ich setze alles gegen diese stinkende Kr�te ein. Ich scheue keine Kosten und keinen Verlust. Ich werde ihm sein gro�es Maul Schu� f�r Schu� verstopfen, da� er gar nicht dazu kommt, die Gegenst�nde der Wette �berhaupt nur zu ber�hren!�</style></p><p><style name="font3">Michel hatte ihn jetzt, wo er ihn haben wollte.</style></p><p><style name="font3">�Er ist einverstanden, Achmed Serdar�, sagte er, �und da zu einem Pferd und zu einer Flinte auch noch ein guter Pferdebursche geh�rt, so setze ich meinen Sklaven Horuk gegen die wei�e Sklavin ein, die Eddins Ro�bursche ist.�</style></p><p><style name="font3">Ringsum verstummte alles. Ein solcher Preis war noch nie gesetzt worden. Die ehrw�rdigen Paschas, die sich kein Gewissen daraus machten, einen Sklaven totzupeitschen, fanden den Vorschlag ungeheuerlich. Eigenartigerweise war es in diesem Fall Cheir Eddin selbst, der zustimmte.</style></p><p><style name="font3">�Allah sei gepriesen�, sagte er mit starrem Blick, und Schwei� perlte auf seiner bla� werdenden Stirn, �wenn es mein Schicksal ist, morgen zu sterben, so habe ich wenigstens die Genugtuung, da� ich noch nach meinem Tode ger�cht werde. Die Sklavin wird ihm das Leben zur H�lle machen.�</style></p><p><style name="font3">Der einzige, der �ber diesen Handel bittere Tr�nen vergo�, war Horuk.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">5</style></p></title><p><style name="font3">Beim n�chtlichen Gelage im G�stehaus war Michel der Mittelpunkt. Viele, die es vorher nicht gewagt hatten, w�nschten ihm Gl�ck f�r den morgigen Tag.</style></p><p><style name="font3">Michel verabschiedete sich ziemlich fr�h. Morgen w�rde er seine ganze Kraft brauchen, um den Favoriten der Janitscharen zu besiegen.</style></p><p><style name="font3">Er sa� auf dem Diwan in seinem Schlafraum. Ojo hatte seinen Platz gegen�ber eingenommen, </style><style name="font3">auf einem gro�en Kissen.</style></p><p><style name="font3">�Werdet Ihr es schaffen, Senor Doktor?�</style></p><p><style name="font3">�Ich denke schon, Diaz.�</style></p><p><style name="font3">Michel nahm sein Gewehr und �berpr�fte sorgf�ltig jeden Teil. Er s�uberte die Pfannen, zog die einzelnen L�ufe durch, w�hlte die besten Kugeln aus seinem Beutel und machte alles bereit, so da� er die Muskete morgen nur noch abzudr�cken brauchte. Er war dem anderen gegen�ber durchaus im Vorteil. Er konnte ruhig zwei, drei oder auch vier Sch�sse opfern, ohne laden zu m�ssen. Cheir Eddin w�rde zu diesem Zweck wahrscheinlich vom Pferd steigen. �Und was wird aus mir, wenn Ihr verliert, Senor Doktor?�</style></p><p><style name="font3">�Dann mu�t du Marina befreien und dich selbst in Sicherheit bringen. Hier in dieser Truhe liegt all unser Geld. Nimm es an dich und versuche auch, Cheir Eddin die Villaverdische Muskete wieder abzunehmen. Er wird sie vielleicht gegen deine B�chse tauschen, weil er doch nicht damit umgehen kann. Wahre auf alle F�lle das Geheimnis des Gewehrs.�</style></p><p><style name="font3">Ojo nickte. Nach einer Weile fragte er:�Die Mannschaft der �Trueno� habt Ihr wohl mittlerweile vergessen, wie?�</style></p><p><style name="font3">�Keineswegs. Es wird meine n�chste Aufgabe sein herauszubringen, wo das Schiff liegt und was mit den Leuten geschehen ist. Im Goldenen Horn und im Bosporus habe ich die �Trueno� nicht liegen sehen. Vielleicht ist sie dr�ben in Skutari.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr sprecht, als h�ttet Ihr gar keine Bedenken, besiegt zu werden�, sagte Ojo. �Bedenken machen unsicher und bringen nichts ein, Diaz. Wir werden schon sehen, wie die Sache ausgeht. Ich m�chte jetzt schlafen. Gute Nacht.�</style></p><p><style name="font3">�Buenas noches, Senor Doktor. Ich darf zwar morgen nicht sprechen, aber ich werde an Euch denken.�</style></p><p><style name="font3">�Danke�, sagte Michel. �</style></p><p><style name="font3">�Ein sch�ner Tag heute�, sagte der Rejs Effendi, als Michel am n�chsten Morgen ins Stadion ritt. �Hoffentlich beschert dir Allah noch viele solcher Tage.�</style></p><p><style name="font3">Das Duell hatte mehr Leute angezogen als gestern die Jagd. Das Stadion wimmelte von Paschas, Offizieren, Bejs und sonstigen G�sten. Spannung lag auf allen Gesichtern. �Ich werde es schon �berstehen�, meinte Michel zuversichtlich. Aber Achmed Serdar wiegte bedenklich das Haupt.</style></p><p><style name="font3">�Du mu�t reiten wie der Teufel und darfst keinen Fehlschu� tun, Hanufa Effendim. Dein Gegner ist der ber�hmteste Sch�tze im ganzen Reich. Wenn du nicht sehr gro�es Gl�ck hast, wirst du nie wieder eine Sklavin ansprechen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich wei�, ich wei�, Achmed Serdar. Kannst du mit nicht einiges �ber Eddins Taktik sagen?� �Nun, er ist dir im Schie�en kaum �berlegen. Aber sein Hengst ist so fabelhaft dressiert, da� er aufs Wort mitten im Galopp wie ein Felsblock stehenbleibt. Der Reiter stemmt sich dabei mit aller Kraft in die Steigb�gel, um durch den pl�tzlichen Ruck nicht den Halt zu verlieren. Dann</style></p><p><style name="font3">aber hat er eine ruhige Position, um einen sicheren Schu� anzubringen. Wenn die Entfernung nicht gr��er ist als zweihundert Fu�, so trifft er bestimmt.� �Da gibt es nur eins: ich mu� eher schie�en.� �Allah rette dich, wenn du nicht triffst.�</style></p><p><style name="font3">Michel l�chelte. In diesem Punkt hatte er seine eigene Meinung. Wenn er beim erstenmal nicht traf, w�rde er eben zum zweitenmal schie�en.</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick ritt der Emir-el-Osman in die Kampfbahn. Mit ihm kamen noch einige drei�ig h�chste Chargen an. Auf allen Gesichtern lag ein Ausdruck fieberhafter Spannung. Das Feld wurde abgesteckt. In der Mitte etwa stand ein dicker Baum. Von dort aus wurden tausend Schritte nach allen vier Seiten abgemessen. Man legte fest, da� sofort geschossen w�rde, wenn einer der Gegner aus diesem Feld herausritt. Der Emir-el-Osman hatte zwei Strohhalme in der Hand.</style></p><p><style name="font3">�Ich bitte die Duellanten, je einen zu ziehen. Wer den k�rzeren hat, mu� dem anderen die Platzwahl �berlassen.�</style></p><p><style name="font3">�Entschuldige, Erhabener�, sagte Cheir Eddin, �ich kann keinen Halm ziehen. Dazu m��te ich zu dicht an die stinkende Hy�ne herankommen. Meine Nase w�rde das nicht aushalten. W�rdest du die G�te haben und meinen Halm ziehen?�</style></p><p><style name="font3">�Achmed Serdar, w�rdest du f�r mich w�hlen?� fragte Michel. �Ich m�chte auch nicht zu dicht an Eddin herankommen, aus Ehrfurcht vor seiner Nase, die so gro� und rot ist, als t�te er es den Christen nach und tr�nke jeden Tag ein ganzes Fa� Wein.�</style></p><p><style name="font3">Die Umstehenden schienen diese Beschimpfungen f�r durchaus in der Ordnung zu halten. Achmed Serdar zog den k�rzeren Halm. Also hatte Cheir Eddin den Vorzug, da� er sich den Startplatz aussuchen durfte. Das bedeutete, da� Michel gegen die Sonne reiten mu�te. Der schwarze Hengst Cheir Eddins wurde gebracht. Es war ein pr�chtiges Tier, wie man auf den ersten Blick erkennen konnte. Michel sah, da� ihm Dschesid nicht ganz gewachsen sein w�rde. Was das Reiten betraf, so lag der Vorteil zweifellos beim Herausforderer.</style></p><p><style name="font3">Als die beiden Gegner ihre Pl�tze eingenommen hatten und neben ihren Pferden standen, ritt der Emir-el-Osman zu dem Baum in der Mitte des Kampffeldes und rief mit lauter Stimme: �Fertig, Cheir Eddin?�</style></p><p><style name="font3">Aus der Ferne kam der d�nne Ton der bejahenden Antwort.</style></p><p><style name="font3">�Fertig, Abu Hanufa?�</style></p><p><style name="font3">�Ja!�</style></p><p><style name="font3">Der Emir-el-Osman zog seine Pistole und feuerte den Startschu� ab. Der gro�e Augenblick war gekommen.</style></p><p><style name="font3">Die Pferde st�rmten �ber den Turnierplatz aufeinander zu. Michel hatte die Villaverdische Muskete quer �ber dem Sattelknauf liegen. In wenigen Sekunden hatten sie sich auf zweihundert Fu� gen�hert.</style></p><p><style name="font3">Cheir Eddins Rappe stoppte genauso, wie Achmed Serdar es beschrieb. Er hatte nicht �bertrieben. Wie ein Fels stand der Hengst. Michels Gegner ri� die Flinte hoch. Aber er hatte nicht die Fertigkeit, nach kurzem Zielen abzudr�cken.</style></p><p><style name="font3">Michels Hengst Dschesid brach pl�tzlich nach rechts ab und galoppierte im Zickzack gef�hrt, �ber den offenen Plan. Die Sporen des Pfeifers brachten ihn aber schnell wieder aus der Reichweite der feindlichen Kugel. Eddin setzte die Flinte ab und ritt an.</style></p><p><style name="font3">Michel mu�te den Gegner verwirren. Das war klar; denn sein Pferd war nicht geschult, mitten im Galopp pl�tzlich wie angenagelt stehenzubleiben. Michel mu�te im Reiten schie�en. Und das war ungleich schwieriger.</style></p><p><style name="font3">Er ritt eine Kehre, lie� Dschesid die Z�gel frei, richtete sich in den B�geln auf, nahm festen Knieschlu� und st�rmte auf den Feind zu.</style></p><p><style name="font3">Cheir Eddin sah ihn kommen. Wieder stand sein Hengst pl�tzlich still. Er legte an, um den Heranst�rmenden mit einer, wie er glaubte, sicheren Kugel zu empfangen. Bevor er abdr�ckte, krachte Michels Schu�. Die Kugel ri� ihm den Turban vom Kopf. Laut wieherte der Rappe.</style></p><p><style name="font3">Verbl�fft griff sich Cheir Eddin an den Kopf. Michel h�tte ihn mit dem n�chsten Schu� erledigen k�nnen.</style></p><p><style name="font3">Aber die Zuschauer beobachteten nat�rlich jede Phase des Kampfes mit h�chster Aufmerksamkeit. Sie mu�ten den Eindruck gewinnen, da� Michel nachlud. Und so setzte er die B�chse ab, schlug einen Bogen und ritt im sch�rfsten Galopp davon.</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick witterte Cheir Eddin seine gro�e Gelegenheit. Ein erstklassiger Sch�tze braucht auf ebener Erde im Stand mindestens f�nfzehn Sekunden, um wieder zu laden. Jetzt brauchte er seiner Meinung nach nur noch auf Schu�weite an den Verfolgten heranzukommen, dann hatte er gesiegt. Einen Fehlschu� w�rde er von seinem stehenden Rappen aus bestimmt nicht tun.</style></p><p><style name="font3">Wie ein Rasender ritt er hinter dem Gegner her.Am Ende des Feldes hatte Michel gehalten und gewendet. Er hantierte an seiner Flinte.</style></p><p><style name="font3">Cheir Eddin war heran. Er brachte seinen Hengst zum Stehen, zielte und � � � da flog Michels Muskete hoch. Der Schu� krachte im selben Augenblick.</style></p><p><style name="font3">Cheir Eddin lie� mit einem Aufschrei die B�chse fallen. Sein rechter Arm hing leblos herunter. Die Kugel hatte den Knochen getroffen und war darin steckengeblieben. Langsam glitt Cheir Eddin vom Pferd und blieb liegen. Michel kam heran und hielt vor dem Besiegten.</style></p><p><style name="font3">�Ergibst du dich, Cheir Eddin? Oder soll ich dir eine Kugel ins Gehirn jagen?�</style></p><p><style name="font3">�Ich gebe mich geschlagen, Abu Hanufa�, kam es leise, aber klar, von den b�rtigen Lippen des</style></p><p><style name="font3">Janitscharen.</style></p><p><style name="font3">�Und du schw�rst bei Allah und dem Bart des Propheten, da� du, wenn ich dich schone, keine Rache f�r die Niederlage �ben wirst? Da� du, sobald dein Arrn eine l�ngere Reise erlaubt, die Stadt verl��t und solange nicht zur�ckkehrst, wie ich noch hier bin?� �Ich schw�re.�</style></p><p><style name="font3">�Und da� ich die eingesetzten Preise voll und ungeschm�lert erhalte?� �Ich schw�re.�</style></p><p><style name="font3">�Gut. Dein Gewehr kannst du behalten. Du siehst, da� man damit doch nicht gewinnen kann. Und jetzt werde ich deine Freunde rufen, damit sie dich vom Feld tragen.� Michel winkte mit beiden H�nden. Der Emir-el-Osman, die Sekundanten und der Arzt bestiegen ihre Pferde und sprengten heran.</style></p><p><style name="font3">�Was hast du zu sagen?� fragte der Emir den Verwundeten. �Ich habe das Duell verloren, o Herr, und bin der Gnade des Siegers ausgeliefert.� �Allah segne dich, Hanufa Effendim�, sagte der Agassi. �Ich danke dir, da� du das Leben meines Obersten geschont hast.�</style></p><p><style name="font3">Der Arzt besch�ftigte sich jetzt mit Cheir Eddins Arm. Michel ri� die Augen weit auf vor Entsetzen �ber diese Operation.</style></p><p><style name="font3">Der Arzt tastete mit seinen schmutzigen Fingern in der blutenden Wunde nach der Kugel. Als er ihre Lage erkundet hatte, setzte er ein dolchartiges Messer an und schnitt darauflos, bis er sie freigelegt hatte. Mit demselben Messer stocherte er dann auf dem Knochen herum, um sie �herauszuholen�.</style></p><p><style name="font3">Michels Arztseele str�ubte sich, das mit ansehen zu m�ssen.</style></p><p><style name="font3">Und er bewunderte Cheir Eddin wie einen Helden. Der Mann verzog nicht eine Miene, obwohl er Schmerzen erleiden mu�te, die ein ,Giaur� wohl kaum ertragen h�tte. Die Chirurgie im Reiche des Sultans war unglaublich primitiv.</style></p><p><style name="font3">Es zuckte Michel in den Fingern, selbst Hand anzulegen. Es war schlie�lich sein ureigenstes Handwerk. Aber er machte sich klar, da� man sich vielleicht �ber sein fachliches K�nnen wundern w�rde. Man bewunderte ihn jetzt schon viel zu viel. Und zu viel Bewunderung konnte unter Umst�nden ins Gegenteil umschlagen. � Der Stellvertreter des Sultans, der Emir-el-Osman, sagte jetzt:</style></p><p><style name="font3">�Ich gebe hiermit bekannt, da� Abu Hanufa nach den Regeln dieses Duells der Sieger ist und best�tige, da� er die gewonnenen Preise zu Recht erh�lt. Friede mit allen!� Damit ritt er von dannen. Sein Gefolge schlo� sich ihm an.</style></p><p><style name="font3">Der Agassi war der Rangn�chste. Aber da Cheir Eddin zu seinem Ressort geh�rte, blieb er noch, bis alles geregelt war. Er schaute sich nach Marina um. Aller Augen folgten seinem Blick. Cheir Eddin sagte:</style></p><p><style name="font3">�Marina, ich habe dich verloren. Du bist nun nicht l�nger meine Sklavin.� Marinas Inneres war in Aufruhr. Sie durfte auch jetzt noch mit keiner Miene verraten, was in ihr vorging und da� sie und Michel alte Bekannte waren. Ihre Handfl�chen waren na� vor Aufregung. Aber sie hielt den Blick starr geradeaus gerichtet. Noch war sie in den Augen aller eine Sklavin.</style></p><p><style name="font3">�H�rst du nicht, was ich gesagt habe?� fuhr Cheir Eddin sie �rgerlich an.</style></p><p><style name="font3">�Wie du k�nnen wagen, anzureden mich. Ich Sklavin von Hanufa Effendi. Du beleidigen meinen Effendi. Du tun dasselbe, wof�r du haben gefordert Effendi zu Duell�, sagte Marina mit ihren wenigen Brocken T�rkisch, die sie mittlerweile gelernt hatte. Es gen�gte; denn jeder verstand, was sie meinte. Cheir Eddin rollte die Augen.</style></p><p><style name="font3">�Maschallah, wunderst du dich, da� ich sie in unserer Wette gesetzt habe, Hanufa Effendim?� sagte er zu Michels �berraschung. �Wenn du klug bist, dann schneidest du ihr die Kehle durch, bevor sie dich mit ihren Hetzereien und Schimpfreden zum Wahnsinn treibt, die Hexe.� Marina war immer noch �ngstlich darauf bedacht, den Schein zu wahren, damit nicht im letzten Augenblick noch etwas schief ging. So fuhr sie starren Gesichtes zu Michel gewendet in derselben Art fort:</style></p><p><style name="font3">�Du gestatten jedem Esel, mich ansprechen, ohne da� er haben deine Erlaubnis? Bist du ein Mann oder sein du ein Eunuch, der sich l��t so etwas gefallen?� �Du Gro�mutter des Schejtans!� fuhr Eddin sie an.</style></p><p><style name="font3">�Cheir Eddin�, antwortete sie kalt, �ich nicht l�nger deine Sklavin. Wenn Kehle durchschneiden, dann deine Kehle. Du bald Kehle durchschneiden. Nicht warten bis zum n�chsten Duell. Dann andere Arm auch kaputt. Und du nicht mehr k�nnen durchschneiden Kehle.�</style></p><p><style name="font3">Cheir Eddin ballte die Faust seines gesunden Armes und machte einen Schritt auf sie zu. Aber dann winkte er l�ssig ab und sagte zu Michel:</style></p><p><style name="font3">�Da h�rst du, wie sie ist. Ich habe dich vor ihr gewarnt. Wenn du sie leben l��t, so n�hrst du eine Schlange an deinem Busen, die dich eines Tages aus Dank f�r das Futter, das du ihr gegeben hast, vergiften wird.�</style></p><p><style name="font3">Er kletterte auf sein Ersatz-Pferd, m�hsam, unterst�tzt von einem seiner schwarzen Sklaven, und ritt aus dem Stadion. Der Rappe geh�rte jetzt Michel.</style></p><p><style name="font3">Fast alle Gegner hatten das Feld ger�umt. Um Michel standen nur noch die Freunde von der Artillerie versammelt. Sie erdr�ckten ihn fast vor Begeisterung �ber seinen Sieg. Michel konnte es kaum erwarten, sich mit Marina zu entfernen; aber die Kameraden dachten nicht daran, seine Gesellschaft jetzt zu entbehren. Sie wollten den Sieg geb�hrend feiern. �Reite zu den St�llen�, sagte er darum zu Marina im Ton des Herrn, der mit seinem Sklaven spricht, �gib Cheir Eddins neuem Burschen dein Pferd wieder und komme dann in mein Quartier.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, erhabener Effendim�, sagte sie mit einem L�cheln, das Michel verriet, da� die Sklaverei bereits von ihr abgefallen war.Achmed Serdar schien sich �ber sie zu �rgern. Aus welchem Grund, das vermochte er wahrscheinlich selbst nicht zu sagen.</style></p><p><style name="font3">�Das Teufelsweib macht mir Spa߫, wandte er sich an Michel, �sie ist bei Allah keine Sch�nheit. Aber sie ist einmal etwas anderes in der eint�nigen Masse unserer Weiber. Wieviel Piaster w�rdest du f�r sie verlangen?� Michels Augen traten fast aus ihren H�hlen. Er wu�te, da� es ein schwerer Versto� gegen die hiesigen Sitten gewesen w�re, wenn er das deutliche Angebot eines so wohlwollenden Vorgesetzten abgelehnt h�tte. Sein Blut gerann in den Adern. Das war ein wenig zu unerwartet gekommen. Er durfte nicht auf das Angebot eingehen, es | aber auch nicht ausschlagen. Als er sich einigerma�en i gefa�t hatte, meinte er mit gleichg�ltiger Stimme:</style></p><p><style name="font3">�Ich hatte eigentlich nicht die Absicht, sie zu verkaufen, Achmed Serdar.�</style></p><p><style name="font3">�Nun, rede nicht viel. Mach einen Preis. Wenn er annehmbar ist, bezahle ich sofort.�</style></p><p><style name="font3">Der Rejs Effendi glaubte nicht anders, als da� Michel durch sein Z�gern lediglich den Preis in </style><style name="font3">die H�he treiben wollte. Da wurde Michel ablehnend.</style></p><p><style name="font3">�Nein, Rejs Effendi, ich verkaufe sie nicht, wenigstens jetzt noch nicht. Ich habe wahrlich einen harten Kampf um sie ausgefochten. Und sie hat mir Gl�ck gebracht.�</style></p><p><style name="font3">�Dein Gl�ck wird sich ins Gegenteil verkehren, wenn du sie behalten willst. Denke daran, wie sie Cheir Eddin zugesetzt, wie sie ihn ge�rgert hat. Sie soll, so sagt man, eine gro�e Dame in Frankistan gewesen sein. Ich glaube sie w�rde das Leben eines kleinen Kapudan ebenso zui H�lle machen, wie sie es Cheir Eddin getan hat.�</style></p><p><style name="font3">�Trotzdem m�chte ich sie nicht verkaufen, Effendim� weigerte sich Michel hartn�ckig. Achmed war entt�uscht. Er erwiderte Michels Gru� und ritt ohne ein weiteres Wort aus dem Stadion.</style></p><p><style name="font3">Dennoch brauchte man nicht den Eindruck zu haben, als w�rde Michels Weigerung ernstere Folgen nach sich ziehen. Achmed mochte im Augenblick Feuer gefangen haben. Aber er war reich, steinreich, und konnte sich jede andere Frau kaufen, die etwas Besonderes war.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">6</style></p></title><p><style name="font3">Der Pfeifer und Ojo sa�en erwartungsvoll im Zimmer beisammen. Sie sprachen nicht miteinander. Jeder hing seinen Gedanken nach. Und diese kreisten um einen einzigen Punkt: um das Eintreffen Marinas. Dann stand sie im Raum.</style></p><p><style name="font3">Schweigen. Bedr�ckendes, erwartungsvolles Schweigen.</style></p><p><style name="font3">Michel fing sich zuerst.</style></p><p><style name="font3">�Nehmt Platz, Madonna.�</style></p><p><style name="font3">�Danke�, sagte sie und lie� sich nieder.</style></p><p><style name="font3">Sie legte die H�nde zusammen und hielt den Blick gesenkt. Kleine Schwei�perlen standen auf ihrer Stirn. Dann tropften Tr�nen auf den Teppich, gro�e, kristallklare Tr�nen, die wie Eisperlen glitzerten. Marina weinte.</style></p><p><style name="font3">Es war das erstemal, da� Michel und Ojo diese Frau weinen sahen.</style></p><p><style name="font3">Langsam hob sie den Blick. Ihre dunklen, verschwommenen Augen trafen Michel. Und �ber ihren r�tlichen Haaren stand ein Schein. Es war Michel, als sei es ein Heiligenschein. Und der Mann, der diese Frau zuerst geha�t, dann gleichg�ltig betrachtet hatte, f�hlte etwas anderes in sich aufsteigen.Sie sahen sich an. Und unter ihren Tr�nen brach ganz langsam das alte, zuversichtliche L�cheln hervor. Michel l�ste das Schweigen.</style></p><p><style name="font3">�Wir h�tten nicht gehofft, Euch so bald zu finden, Madonna.� Er sagte Madonna, nicht Dona. Madonna war nicht nur H�flichkeit, war viel mehr, war Verehrung. Marina kostete diese Anrede f�rmlich aus. Welch ein Gegensatz zu den langen, bangen Monaten, in denen sie nichts als das pers�nliche Eigentum b�rtiger, despotischer Muslemin war!</style></p><p><style name="font3">�Ihr hattet nicht gehofft, mich zu finden? Habt Ihr wirklich nach mir gesucht? Ich dachte, der Zufall h�tte mich auf Euch treffen lassen.�</style></p><p><style name="font3">�Es war wohl Zufall, wenigstens, da� ausgerechnet Ihr Cheir Eddins Pferdebursche wart. Aber hier in Istanbul sind wir tats�chlich nur Euretwegen gelandet. Wohntet Ihr in Eddins Palast?� �Ja. Seit er mich auf dem Sklavenmarkt von Mustapha gekauft hatte.� �Warum habt Ihr Euer Zeichen nicht aus dem Fenster geh�ngt?�</style></p><p><style name="font3">�Es hing drau�en. Aber eines Tages h�rte ich zuf�llig, da� meine �Trueno�� � sie sagte</style> meine <style name="font3">�Trueno� � �als Prise aufgebracht worden war. Ich wollte nicht, da� man an der Fahne meine Verbindung zu ihr erkannte. In Skutari haben sie der Bev�lkerung die Hinrichtung der Mannschaft schon angek�ndigt. In zehn Tagen ist das Kurban-Fest. Das haben sie dazu ausersehen � zur h�heren Ehre des Islams und zur Freude Allahs, wie sie sagen.� �In zehn Tagen? Das ist wenig Zeit. Und ich hatte vor, alles daranzusetzen, um sie zu retten.� �Da m��t Ihr Euch beeilen, Miguel.�</style></p><p><style name="font3">Es klang seltsam in seinen Ohren, dieses �Miguel�. Marina hatte ihn fr�her schon so angesprochen. Sie war der einzige Mensch auf der Welt, der ihn so nannte. Und die spanische �bersetzung seines Namens erhielt in ihrem Munde einen besonderen Klang. �Wir fahren morgen erst nach Istanbul zur�ck. Und ich habe die ganze Woche �ber Dienst. Das hei�t, am Abend bin ich frei. Es wird nicht viel Zeit bleiben, um zu helfen. Sagt, Madonna, wie seid Ihr eigentlich in die Sklaverei gekommen? Ich brenne darauf, es zu erfahren.�</style></p><p><style name="font3">Marina erz�hlte ihre Erlebnisse und schilderte ihre Leiden. Es mu�te ein schwerer Weg f�r sie gewesen sein. Aber eigenartigerweise sprach sie ganz ohne Ha�. Stunden verstrichen.</style></p><p><style name="font3">Die beiden M�nner h�rten zu, ohne sie auch nur einmal zu unterbrechen.</style></p><p><style name="font3">�Und wie ist es der �Trueno� inzwischen ergangen?� schlo� sie ihre Erz�hlung. �Wi�t Ihr etwas dar�ber?�</style></p><p><style name="font3">Michel schilderte, was er aus dem Mund des t�rkischen Admirals geh�rt hatte.</style></p><p><style name="font3">�Und dieser Engl�nder, wie hie� er doch .. .?�</style></p><p><style name="font3">�Byron.�</style></p><p><style name="font3">�Dieser Byron also hat Spanier, stolze Spanier, in der Klemme steckenlassen?� �Spanische Seer�uber�, verbesserte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Trotzdem. Wie kann man Menschen der gleichen Art diesen Barbaren �berlassen!� Michel zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font3">�Ich kann mir nicht gut vorstellen, da� Kapit�n Byron sie zu seiner Art rechnet.�</style></p><p><style name="font3">Marina blickte ihn lange an.</style></p><p><style name="font3">�Und Ihr, Miguel, wie steht es mit Euch?�</style></p><p><style name="font3">�F�r mich sind alle Menschen gleich wertvoll und wichtig. Ich mache keine Unterschiede zwischen Gut und B�se, wenn es um ihre Rettung geht. Aber Piraten sind sie nun einmal. Daran �ndert sich auch nichts, wenn sie nicht am Galgen enden.�</style></p><p><style name="font3">�Es wird sich manches �ndern�, sagte Marina und war auf einmal wieder ganz die alte.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">7</style></p></title><p><style name="font3">Die heisere Stimme des Muezzin rief die Gl�ubigen zum Abendgebet auf. Der singende Tonfall drang vom Minareh der Mahmud-Pascha-Moschee bis in die Zellen des Hafengef�ngnisses. �Demonio�, sagte der kleine Alfonso Jardin, �jedesmal, wenn der Muezzin anf�ngt zu kr�hen, mu� ich daran denken, da� die Tage, die wir noch zu leben haben, immer weniger werden.� �H�rt mit der verdammten Winselei auf�, antwortete w�tend Escamillo de Fuentes. �Ihr seid eine Jammergestalt ohnegleichen. Wenn das Leben zu Ende geht, mu� man sich damit abfinden. �ndern kann man doch nichts daran.� Die Mitgefangenen knurrten b�se. Einer wandte sich an Don Escamillo und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Tut nicht so heldenhaft, Senor. Ich f�r mein Teil habe nicht die geringste Lust, mich mit dem </style><style name="font3">Geh�ngtwerden so einfach abzufinden. Es ist doch ein verdammt komisches Gef�hl, sich </style><style name="font3">vorzustellen, wie einem der Strick langsam die Luft abdr�ckt.�</style></p><p><style name="font3">Don Escamillo de Fuentes, der erste Offizier der �Trueno�, lachte etwas gezwungen.</style></p><p><style name="font3">�Ob du dir das nun in allen Farben ausmalst oder nicht, entgehen kannst du deinem Schicksal </style><style name="font3">nicht. Wir haben als Piraten gelebt und werden als Piraten sterben.�</style></p><p><style name="font3">�Das ist nicht ganz richtig�, mischte sich der wei�haarige und wei�b�rtige Kapit�n Porquez ein. �Wir haben die k�rzeste Zeit unseres Daseins als Piraten gelebt. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man mit einem Kaperbrief des K�nigs segelt oder ohne. Ich h�tte mich euer aller Willen nicht beugen sollen, als ich vor der Wahl stand, die �Trueno� zu einem Kauf fahrer zu machen oder ohne Brief auf Kaperfahrt zu gehen. Aber ihr wart st�rker. Die verdammte Capitana Marina hat euch verdorben.�</style></p><p><style name="font3">�Mich nicht�, antwortete Escamillo stolz. �Ich habe mich nie ihrem Willen unterworfen. Und schlie�lich bin ich auch derjenige gewesen, der Euch, Capitan, Euer Schiff wieder in die H�nde gespielt hat.�</style></p><p><style name="font3">Porquez nickte bed�chtig. Er wollte etwas sagen. Aber da ergriff der Pirat, der vorhin schon gesprochen hatte, wieder das Wort.</style></p><p><style name="font3">�Wir haben es Euerm Verrat an unserer Senorita Capitan zu verdanken, da� wir in diese Lage geraten sind. Dieser Meinung jedenfalls sind die meisten meiner companeros. Verge�t das nicht, wenn Euch der Strick an der Kehle kitzelt.�</style></p><p><style name="font3">Don Escamillo war trotz des gemeinsamen Gef�ngnisses immer noch nicht bereit, sich mit dem �P�bel� � das war in diesem Fall die Mannschaft � auf eine Stufe zu stellen. Vertraulichkeit seiner ehemaligen Untergebenen behagte ihm auch heute noch nicht. Er w�re f�r sein Leben gern an einem gesonderten Galgen gehenkt worden. Er h�tte etwas darum gegeben, wenn er die letzten Stunden nicht in Gesellschaft seiner Piraten h�tte verbringen m�ssen. Er war jetzt in der Stimmung, Cervantes zu lesen und gebildete Gespr�che zu f�hren. Eine Unmutsfalte zeichnete sich auf seiner Stirn ab.</style></p><p><style name="font3">�Du bist gar nicht kompetent�, gab er dem Piraten zur Antwort, ��ber den Begriff Verrat zu sprechen. Deine und deiner companeros Meinung interessiert mich nicht im geringsten.� Der Pirat tippte sich mit dem Zeigefinger gegen die Stirn und sagte zu seinen Kameraden: �Der spinnt noch immer. Schade, da� wir kein Galakleid mehr haben, sonst k�nnten wir es ihm geben, wenn es zum Baumeln geht.�</style></p><p><style name="font3">Der kleine Jardin stimmte dem Matrosen zu. Schon tausendmal hatte er die Stunde verflucht, in der ihn der Wunsch, wieder Planken unter die F��e zu bekommen, zum Verr�ter an der Gr�fin de Andalusia und � was viel schwerer wog � am Silbador hatte werden lassen. Er betrachtete das nun in K�rze zu erwartende Ende als Strafe f�r seine Untreue. Sein Ha� gegen Escamillo aber war seit jenem Tage ins Unerme�liche gewachsen.</style></p><p><style name="font3">�Ich bin jedenfalls �berzeugt�, sagte er, �da� wir l�ngst frisch und fr�hlich wieder im Atlantik segeln w�rden, wenn Marina unser Capitan geblieben w�re. Sie hat oft genug bewiesen, da� sie es verstand, Herr jeder Situation zu werden. Sie h�tte uns auch durch die Stra�e von Gibraltar geschleust.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr redet irre, Senor Jardin�, sagte Fuentes mit W�rde. �Er hat recht�, riefen die Piraten.</style></p><p><style name="font3">�Ich h�tte gedacht, da� Ihr mehr Anh�nglichkeit f�r Euern alten Capitan besitzt, Senor Jardin�, sagte Porquez resigniert.</style></p><p><style name="font3">�Ich verehre Euch nach wie vor, Capitan. Ihr habt in den Steinbr�chen von El Mengub bewiesen, da� Ihr trotz Eures Alters �ber einen Mut verf�gt, wie ihn nur wenige Junge aufzubringen verm�gen. Und vor allem kann ich auch verstehen, da� Ihr die Gr�fin nicht gerade liebt. Dennoch wi�t Ihr, da� es nicht zuletzt darauf ankommt, wie die Mannschaft zu ihrem Capitan steht. Nun, die Mannschaft war immer mit Euch zufrieden. Das ist viel. Aber die Senorita wurde von ihr abg�ttisch geliebt. Und das ist noch mehr, wie Ihr zugeben m��t.� �Bravo � bravissimo!� erklang es im Kreise. Und wie zur Unterstreichung des Gesagten erhoben sich ein paar Piraten von ihren fauligen Strohmatten. �Das Weib hat euch alle behext�, sagte Porquez.</style></p><p><style name="font3">�Ich bitte mich auszunehmen, Senor Capitan�, n�selte Fuentes in herablassendem Ton. �Keine Regel ohne Ausnahme�, antwortete der Kapit�n. �Fuentes ist tats�chlich �bergeschnappt�, bemerkte der Matrose.</style></p><p><style name="font3">�Senores�, schaltete sich Virgen mit ruhiger Stimme ein. �Lohnt es sich, angesichts des Todes in einen Streit auszubrechen, wer der bessere Kapit�n eines Schiffes war, das jetzt unter t�rkischer Flagge segelt? Nehmt euch ein Beispiel an unseren arabischen Freunden. Sie sagen kein Wort. Und sind doch gefa�ter als wir alle.�</style></p><p><style name="font3">�Bueno�, lachte einer, �welch ein Wunder! Bekommen sie doch im siebenten Himmel ihres Allah siebenhundert Huri in die Betten gelegt. Und sie sind zu zweit. Das macht vierzehnhundert. Wenn sie die austauschen, so � na, ihr k�nnt euch das ja selbst ausmalen, nicht wahr?�</style></p><p><style name="font3">Seine Kameraden lachten hysterisch. Es tat gut zu lachen. Man verga� dabei hin und wieder f�r Sekunden wenigstens den drohenden Strick.</style></p><p><style name="font3">Die Araber verzogen keine Miene. Sie hatten sich mittlerweile an die Ungezogenheiten der neuen Gef�hrten gew�hnt.</style></p><p><style name="font3">Der ehemalige Kapit�n der �Medina� verstand jetzt gen�gend Spanisch, so da� er sich solche Reden von seinem Steuermann Ibn Kuteiba nicht mehr �bersetzen zu lassen brauchte.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">8</style></p></title><p><style name="font3">Marina f�hrte jetzt sozusagen den Haushalt der beiden M�nner Michel und Ojo. Der christliche Sklave Horuk hatte zwar keinerlei au�erdienstliche Beziehungen zu den dreien, war aber dennoch froh, Michels Sklave zu sein. Er brauchte sich um nichts weiter zu k�mmern als um die Versorgung der Pferde.</style></p><p><style name="font3">Die drei hielten auch vor ihm vorerst noch geheim, wer sie waren. Man wollte sich niemandem gegen�ber auch nur die geringste Bl��e geben.</style></p><p><style name="font3">�Wir haben noch sieben Tage Zeit, um den Tod unse rer Freunde zu verhindern�, sagte Marina, </style><style name="font3">als es nodi ebenso viele Tage bis zum Kurban-Bairam waren, dem Fest der fallenden Opfer, das </style><style name="font3">man am zehnten Tag des Dsulhiddsche<a l:href="#n_5" type="note">[5]</a> feierte.</style></p><p><style name="font3">Sie waren allein. Horuk besch�ftigte sich mit den Pferden im Stall.</style></p><p><style name="font3">�Es wird Zeit, da� wir an die Arbeit gehen�, sagte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe mir schon meine Gedanken gemacht, wie wir vorgehen k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">�Wollen wir nicht Horuk ins Vertrauen ziehen?� fragte Ojo, dem es l�stig wurde, sich auch in </style><style name="font3">Gegenwart des Sklaven dauernd Zwang aufzuerlegen.</style></p><p><style name="font3">Michel wiegte zun�chst bedenklich den Kopf.</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� nicht, ob der Bursche den Anforderungen an seinen Mut gewachsen ist. Andererseits st�rt uns die Anwesenheit eines Uneingeweihten in unseren Unternehmungen.� Dann sagte er pl�tzlich:</style></p><p><style name="font3">�Ruf ihn herein, Diaz! Ihr, Senorita, geht bitte so lange hinaus. Er braucht noch nicht zu wissen, </style><style name="font3">wie wir miteinander stehen.�</style></p><p><style name="font3">Marina nickte und verlie� das Zimmer.</style></p><p><style name="font3">Ojo ging hinaus und r�ttelte Horuk wach, der sich verschlafen aus dem Heu im Stall w�hlte. Mit vielen Gesten machte ihm der �Stumme� klar, da� er zu seinem Herrn kommen sollte. Horuk nickte und stand wenige Minuten sp�ter vor dem Pfeifer.</style></p><p><style name="font3">�Ich mu� etwas mit dir besprechen, Horuk�, begann Michel. �Setz dich dort auf das Polster.� Horuk blieb verlegen stehen. Er hatte gen�gend �ble Erfahrungen bei seinem vorigen Herrn gesammelt. Wenn dieser aus irgendeinem Grund leutselig geworden war, hatte er das sp�ter durch die doppelte Tracht Pr�gel wieder wettgemacht.</style></p><p><style name="font3">Nun, Horuk hatte hier noch nie Schl�ge erhalten. Aber die Aufforderung des Herrn, sich in seiner Gegenwart, noch dazu im Selamlik<sup>2</sup>, hinzusetzen, war denn doch etwas ungew�hnlich. Nur widerstrebend gehorchte er.</style></p><p><style name="font3">Ojo beobachtete ihn am�siert. Er ha�te nichts mehr als Unterw�rfigkeit.</style></p><p><style name="font3">�Sagtest du nicht einmal, da� du franz�sisch sprichst?� ; fragte Michel.</style></p><p><style name="font3"><sup>;</sup>�Ja, Herr�, beeilte sich Horuk mit der Antwort. �Ich spreche noch mehr Sprachen. Ich </style><style name="font3">beherrsche auch klassisches Griechisch und das Latein Ciceros.�</style></p><p><style name="font3">�Hm�, machte Michel. �Sicherlich warst du ein Munschi<a l:href="#n_6" type="note">[6]</a>?� �Ja, Herr, ich habe in Sofia studiert, Sprachen und Philosophie.� �Hm. Sprichst du auch spanisch?� �Ja, Herr.�</style></p><p><style name="font3">�Nun gut, unterhalten wir uns in dieser Sprache.�</style></p><p><style name="font3">Mit dem Wechsel der Sprachen fiel auch das Sklave-Herr-Verh�ltnis von den beiden ab. Ganz unbewu�t gebrauchte Michel das h�fliche �Ihr� an Stelle des vertraulichen �Du�, mit dem er Diaz stets anredete.</style></p><p><style name="font3">�Ich spreche spanisch allerdings nicht so gut wie franz�sisch.�</style></p><p><style name="font3">�Das macht nichts�, meinte Michel, �ich habe meine Gr�nde, mit Euch spanisch zu reden. Bitte versucht, Euch so deutlich wie m�glich auszudr�cken.� �Si, maestro.�</style></p><p><style name="font3">�Nennt mich nicht maestro. Sagt einfach Senor. Ich m�chte Euch einige Fragen stellen. Was</style></p><p><style name="font3">habt Ihr noch in Euerm Leben getan au�er Sprachen zu studieren?�</style></p><p><style name="font3">�Eigentlich nicht viel.�</style></p><p><style name="font3">�Versteht Ihr Euch auf praktische Dinge?�</style></p><p><style name="font3">�Das ist schwer zu beantworten, wenn man nicht wei�, worum es sich handelt. Da� ich als Stallbursche nicht ungeschickt war, habe ich Euch bewiesen, Senor.�</style></p><p><style name="font3">�Ja. Und schnelles Laden beim Schie�en habe ich Euch beigebracht. Die Frage ist nun, ob Ihr �ber gen�gend Mut verf�gt und unter Umst�nden gro�e Strapazen aus halten k�nnt.� �Oh, ich bin genug strapaziert worden als Sklave�, sagte Horuk bitter. �Ich bin dem Sklavenh�ndler dreimal davongelaufen. Aber sie haben mich immer wieder eingefangen. Glaubt mir, Senor, es gibt nichts Furchtbareres f�r mich als die Unfreiheit. Meine M�nnlichkeit haben sie mir genommen und in ihrer Brutalit�t meine Seele geknickt. Ihr, maestro, wart eine Ausnahme, wie man sie im ganzen Orient nicht mehr finden wird.�</style></p><p><style name="font3">�La�t den maestro weg, Horuk. Seid Ihr bereit, noch einmal etwas f�r Eure Freiheit zu wagen und eventuell den Tod zu erleiden, wenn man Euch doch wieder ergreifen sollte?� �Ihr wollt mich jetzt freigeben, Senor?�</style></p><p><style name="font3">�Nein�, sagte Michel, �das w�re doch zwecklos hier. Man w�rde Euch in sp�testens einer Woche wieder Eurer Freiheit beraubt haben. Ich m�chte Euch mitnehmen bei dem, was ich vorhabe, wenn ich Euch vertrauen kann. Allein auf das Vertrauen kommt es an. Unser Weg soll uns dorthin f�hren, wo es keine Sklaverei gibt.�</style></p><p><style name="font3">�Ich gehe mit Euch in die H�lle, Senor. Ihr k�nnt Euch voll und ganz auf mich verlassen. Nur </style><style name="font3">gestattet mir noch eine Frage.�</style></p><p><style name="font3">�Bitte.�</style></p><p><style name="font3">Horuk z�gerte etwas. Doch dann meinte er:</style></p><p><style name="font3">�Ich habe Euch schon einmal f�r einen Christen gehalten. Seid mir nicht b�se, wenn ich diese Frage wiederhole. Euer Verhalten gegen einen Sklaven ist aber f�r einen Moslem unm�glich.� Michel l�chelte. Dann wandte er sich an Ojo. �Sag du es ihm, taubstummer Diaz.�</style></p><p><style name="font3">Diaz Ojo lachte breit. Er war heilfroh, da� er sich von nun ab auch vor dem Reitknecht keinen Zwang mehr aufzuerlegen brauchte.�Si, Horuk, du hast nicht ganz unrecht. Wir sind beide aus Frankistan. Und der Senor Doktor ist so wenig ein Mohammedaner wie du. Was wir hier gespielt haben, war alles Theater. Aber es hatte seinen Zweck. Und vorl�ufig m�ssen wir noch eine Weile weiterspielen.�</style></p><p><style name="font3">Horuk fiel aus allen Wolken, als er des vermeintlichen Stummen m�chtige Stimme vernahm, die wie das Grollen des Donners durch den Raum klang.</style></p><p><style name="font3">�Gro�er Gott, ich danke dir�, sagte er inbr�nstig. �Welch eine F�gung, da� mich Achmed Serdar gerade Euch schenkte.�</style></p><p><style name="font3">Tr�nen standen in seinen Augen. Seine H�nde zitterten vor Gl�ck. �Vater unser, der du bist im Himmel...�, murmelten seine Lippen.</style></p><p><style name="font3">Marina hatte nebenan Ojos Ba� geh�rt. Man hatte dem Sklaven also Vertrauen geschenkt. Bueno, da brauchte auch sie sich nicht mehr zur�ckzuhalten. Sie �ffnete die T�r und meinte: �Ist nun alles in Ordnung, Miguel?� Michel nickte schweigend und deutete auf Horuk.</style></p><p><style name="font3">Marina sah die Ersch�tterung in des Mannes Gesicht. Sie senkte den Blick. � ... denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen�, drangen die letzten Worte eines gl�cklichen, gl�ubigen Menschen an ihr Ohr.</style></p><p><style name="font3">�Ich m�chte Euch eine alte Bekannte von uns vorstellen, Horuk�, nahm jetzt Michel das Wort. �Eure bisherige Mitsklavin Marina ist die Gr�fin de Andalusia, auf allen Meeren bekannt als verwegene Kapit�nin. Ihr habt Ihr es zu verdanken, da� wir �berhaupt hierher gekommen sind.� �Mir habt Ihr gar nichts zu verdanken�, ereiferte sich Marina. �Dankt es dem Doktor. Ich habe wirklich nichts dazu getan.� Es kam jetzt hin und wieder vor, da� selbst Marina sich besch�mt f�hlte.</style></p><p><style name="font3">Horuk sprang auf und k��te ihr mit griechischer Grandezza die Hand. O ja, Horuk hatte Erziehung.</style></p><p><style name="font3">�Bueno�, meinte Ojo trocken, �so weit w�re ja nun alles gekl�rt. Ich bin der Meinung, wir sollten uns jetzt mit den M�glichkeiten f�r unsere Gro�aktion auseinandersetzen. Viel Zeit haben wir nicht mehr zu verlieren.� Marina und Michel nickten zustimmend.</style></p><p><style name="font3">Dann nahm Michel nach einer Weile des �berlegens das Wort und erl�uterte die Einzelheiten eines Plans, wie sie in seinem Kopf Gestalt anzunehmen begannen.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">9</style></p></title><p><style name="font3">Schon fr�h am n�chsten Morgen � in den Karawansereien regte sich das erste Leben � lie�en sich Ojo und Horuk, der jetzt ebenfalls t�rkische Kleidung trug, mit einem Segelboot nach Skutari �bersetzen.</style></p><p><style name="font3">Als auf den primitiven Docks die ersten Arbeiter erschienen, schlenderten die beiden an der Reede entlang. Ihre Augen suchten und fanden die �Trueno�. Schiffszimmerleute und andere Handwerker arbeiteten bereits auf dem Deck der Galeone. Sie arbeiteten mit Hochdruck. Sie sangen nicht dabei.</style></p><p><style name="font3">�Verwunderlich�, sagte Ojo leise, �wenn man sich das betrachtet, hat man den Eindruck, als w�rde hier einmal mit spanischem Tempo gearbeitet. Sonst sind die Handwerker doch faul wie die S�nde!�Sie gingen eine halbe Stunde lang auf und ab. Aber au�er dem Schlagen der H�mmer und dem Surren der Leinen, dem Kreischen der S�gen und den Kommandos der Vorarbeiter war nichts zu h�ren.</style></p><p><style name="font3">Und was das Seltsamste war: die Vorarbeiter gaben wohl in scharfem Ton ihre Anweisungen, aber sie lie�en Allah und den Propheten dabei aus dem Spiel, fluchten und gestikulierten nicht wie wild und benahmen sich recht europ�isch. �Unglaublich�, murmelte Ojo.</style></p><p><style name="font3">�Sehen wir mal zu, ob wir mit einem ins Gespr�ch kommen k�nnen�, sagte Horuk achselzuckend. �Ich werde aus dem sonderbaren Benehmen auch nicht klug. Es ist, als ob die Arbeiter zu m�de zum Singen und zum Fluchen w�ren.�</style></p><p><style name="font3">Als sollten die beiden die Best�tigung f�r Horuks letzten Satz erhalten, schwiegen pl�tzlich die H�mmer und S�gen.</style></p><p><style name="font3">�Schlu�!� rief ein Kerl mit einem m�chtigen Brustkasten. �Die anderen werden gleich kommen. Beeilt euch mit dem Schlafen und findet euch p�nktlich nach dem Abendgebet wieder ein.� In diesem Augenblick kam eine andere Gruppe von M�nnern zum Hafen. Schreiend und gestikulierend kletterten sie �ber die Docks.</style></p><p><style name="font3">Ojo und Horuk, die in den Strom gerieten, lie�en sich mit auf das Schiff ziehen. F�r Ojo war es ein eigenartiges Gef�hl, pl�tzlich wieder auf den Planken der �Trueno� zu stehen. Ein Tischler dr�ckte ihm einen Hammer in die Hand und schrie ihm etwas zu. �Wir sollen am Mast arbeiten�, fl�sterte Horuk auf spanisch.</style></p><p><style name="font3">Die schweigenden Arbeiter, die sie vorgefunden hatten, als sie an den Docks herumlungerten, waren verschwunden. Jetzt herrschte anderes Leben an Bord.</style></p><p><style name="font3">�Die m�ssen es aber eilig haben mit der Wiederinstandsetzung�, sagte Ojo zu Horuk. Der gab ihm einen Wink zu schweigen und lauschte dem Gespr�ch zweier Segelmacher. �Wir werden zwei Tage vor dem Fest fertig�, meinte der eine.</style></p><p><style name="font3">�Beim Schejtan�, erwiderte der andere, �so habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gearbeitet. Aber f�r zweihundert Piaster lohnt sich das schon. Ich werde mir eine zweite Frau kaufen. Sie kostet f�nfzig Piaster. Ich wei� nur nicht, was Fatima dazu sagen wird. Sie ist so eifers�chtig.�</style></p><p><style name="font3">�Versto�e die Alte einfach, wenn sie schimpft. Was soll man mit einer Frau anfangen, wenn sie alt und h��lich wird? Sie fri�t mit ihren verfaulten Z�hnen das letzte Brot aus dem Korb und wird vom t�rkischen Honig immer fetter. Und wenn du noch ein paar Jahre wartest, kann sie nicht einmal mehr einen Krug mit Wasser von der Zisterne schleppen.�</style></p><p><style name="font3">�Aber meine Fatima ist ja noch gar nicht so alt. Sie schleppt zwei Kr�ge Wasser, und verfaulte Z�hne hat sie auch nicht. Nur, man m�chte ja mal wieder etwas Junges haben f�r sein Geld.� �Das w�re mir auf die Dauer zu teuer. Es ist nicht nur, da� man sich eine kauft, man mu� sie auch f�ttern. Und zwei essen doppelt soviel wie eine. Und dann kommen die S�hne und T�chter. Nein, ich werde mir neues Werkzeug kaufen und einen Schuhbazar aufmachen. Mein Weib ist Ledern�herin. Sie kann dann auch etwas verdienen.� Sie arbeiteten emsig an den Segeln.</style></p><p><style name="font3">�Ich m�chte doch wissen, weshalb das Schiff zum Kurban-Bairam unbedingt fertig sein mu߫, begann der erste wieder.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe geh�rt, da� man die Piraten an den Rahen aufh�ngen will.�</style></p><p><style name="font3">�Dazu braucht man doch keine Segel und Kanonen. Erst machen wir das Schiff wie neu, und</style></p><p><style name="font3">dann wird es als Galgenberg benutzt und wieder beschmutzt.�</style></p><p><style name="font3">�Es ist ein Befehl des Rejs Seraskierat<a l:href="#n_7" type="note">[7]</a>.�</style></p><p><style name="font3">�Na, was geht's schlie�lich uns an. Auf jeden Fall ist es ein Allah wohlgef�lliges Werk, wenn Piraten geh�ngt werden. Es wird einen sch�nen Bairam geben.�</style></p><p><style name="font3">An Bord des eigenen Schiffes sollten Porquez und seine Mannschaft also geh�ngt werden. Welch eine entsetzliche Strafe f�r Seeleute, die ihr Schiff liebten! Die Herren der Osmanischen Marine waren wirklich gro� im Erfinden von Grausamkeiten. Horuk gab Ojo einen Wink.</style></p><p><style name="font3">Die beiden stahlen sich heimlich weg und schlenderten kurz darauf durch das Hafengebiet. Am Abend berichteten sie Michel, was sie erkundet hatten.</style></p><p><style name="font3">Michel schlief unruhig in dieser Nacht. Er hatte das Gef�hl, dringend etwas tun zu m�ssen, wenn die Rettung Erfolg haben sollte. Zu lange hatte er schon gez�gert.</style></p><p><style name="font3">Da war der festgesetzte Dienst, den er einzuhalten hatte, solange er noch hier war. Der Rejs Effendi erschien fast t�glich, um sich vom Erfolg der Ausbildung zu �berzeugen. Einen Vorteil allerdings hatte Michel. Er war beliebt bei Rekruten und Offizieren. Und vielleicht konnte er auf Grund dieser Beliebtheit etwas durchf�hren, was einen anderen um Kopf und Kragen bringen w�rde.</style></p><p><style name="font3">Er hatte am n�chsten Morgen im Seraskierat zu tun. Den Gang dorthin w�rde er zur Ausf�hrung eines Unternehmens benutzen, das an Waghalsigkeit seinesgleichen nicht hatte. Ojo und Horuk begleiteten ihn. Der W�chter lie� die M�nner sofort ein; denn er kannte den ber�hmtesten Sch�tzen von Istanbul.</style></p><p><style name="font3">Michel ging in eine der vielen Verwaltungsstuben und fragte nach dem Serdariekrem<sup>2</sup>. Der war noch nicht da, und so warteten die drei �ber eine Stunde.</style></p><p><style name="font3">Endlich kam der Oberbefehlshaber, der auch zugleich den Posten des Kriegsministers innehatte. Ein gro�es Gefolge von Wasserpfeifen und Mokkatassen tragenden Dienern begleitete ihn. Die Sekret�re sanken in tiefe Verbeugungen, von denen sich auch Michel nicht ausschlie�en konnte. Aber Michel richtete sich als erster wieder auf, so da� der Blick des m�chtigen Paschas auf ihn fiel. Der Serdariekrem kannte ihn. Er begr��te ihn gut gelaunt: �Es Salam alejkum, Hanufa Kapudan, kann ich etwas f�r dich tun?� �Der Rejs Effendi schickt mich, Serdar Effendim� � dann fuhr er mit einem Fl�stern in der Stimme fort � �mit einem geheimen Auftrag, zu dessen Ausf�hrung ich deine Erlaubnis einholen soll.�</style></p><p><style name="font3">Der Serdariekrem zog die Brauen hoch. Das war eine ungew�hnliche Sache. Der Rejs Effendi scherte sich nur selten um den Oberbefehlshaber. Er wandte sich meistens an den Emir-el-Osman, dessen Liebling er war.</style></p><p><style name="font3">Diese Tatsache kannte Michel. Und er hatte die Eitelkeit des Serdariekrem richtig eingesch�tzt. Als dieser sein erstes Erstaunen �berwunden hatte, winkte er Michel, einzutreten. Er lie� sich auf seinem Diwan nieder und klatschte in die H�nde. Alle seine Begleiter verschwanden aus dem Zimmer. �Was hat der Rejs Effendi f�r ein Anliegen?� begann er.</style></p><p><style name="font3">�Es handelt sich um die bessere Verteilung des Nachschubs und der Munition in Istanbul. Achmed Serdar glaubt, da� vor allem Pulver und Geschosse f�r die Kanonen des Artilleriekorps schlecht untergebracht seien. Er m�chte verschiedene Lager in Skutari r�umen und den Nachschub ins Artillerielager bringen lassen. Da du aber, o Serdar Effendim, auch die Marine unter dir hast, l��t er dich bitten, mir einen Firman zu geben, mit dem ich jedes passende Schiff im Hafen beschlagnahmen kann, um es f�r diesen Zweck einzusetzen. Nat�rlich erfolgt die Beschlagnahme nur auf begrenzte Zeit. Ich selbst h�tte noch die Bitte, mir ein unabh�ngiges Kommando von Soldaten zur Verf�gung zu stellen, das Tag und Nacht in Bereitschaft liegt. Der Rejs Effendi meinte, da� man die Ausbildung der jungen Rekruten nicht willk�rlich unterbrechen sollte.�</style></p><p><style name="font3">Der Serdariekrem hatte aufmerksam zugeh�rt. Aber er verstand durchaus nicht alles. Weshalb diese besonderen Umst�nde bei so einer Sache. Und einen Firman wollte dieser Hanufa Kapudan, um Schiffe zu beschlagnahmen? Wozu? Weshalb konnte man nicht einfach einen Befehl an irgendeinen Kapit�n erteilen, da� er f�r die geplante Aktion zur Verf�gung zu stehen habe?</style></p><p><style name="font3">Nun aber kam die typische �berlegung eines nach hohen Ehren, Macht und W�rde strebenden Mohammedaners, die Michel in seine Gleichung eingebaut hatte und ohne die sein Plan von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen w�re.</style></p><p><style name="font3">Der Serdariekrem �berlegte. Sollte er zugeben, da� ihm an der ganzen Angelegenheit manches unklar war? Sollte er dem Hauptmann gegen�ber eingestehen, da� dieser auch nur eine Stunde lang mehr gewu�t hatte als er, der oberste Befehlshaber? Nein, er mu�te vielmehr so tun, als sei ihm diese Angelegenheit l�ngst bekannt, ja, als sei er bereits von allerh�chster Stelle unterrichtet worden, als stammten diese Vorschl�ge eigentlich von ihm, als habe er sie dem Sultan unterbreitet, und Achmed Serdar erbat nun seine, des H�hergestellten, Unterst�tzung. Er nickte Michel zu, strich sich den imposanten Bart und antwortete:</style></p><p><style name="font3">�Du kannst Achmed berichten, da� diese Ma�nahme schon lange erwogen war. Ich habe sie dem Gro�herrn schon vor Monaten vorgeschlagen. Jedenfalls freut es mich, da� der Rejs Effendi nun an die Ausf�hrung geht. Selbstverst�ndlich ist ihm meine Unterst�tzung sicher. Er hat sich stets meines besonderen Wohlwollens erfreut. Richte ihm aus, da� ich ihn am zweiten Tag des Bairamfestes in meinem Haus zu einer Gesellschaft erwarte, bei der die sch�nsten Sklavinnen des Orients tanzen werden. Auch du selbst bist willkommen.�</style></p><p><style name="font3">Michel erhob sich. In �berschwenglichen Worten bedankte er, der kleine Kapudan, sich f�r die </style><style name="font3">Einladung bei einem der m�chtigsten M�nner des Reiches.</style></p><p><style name="font3">Der Serdariekrem klatschte in die H�nde. Ein Schreiber erschien.</style></p><p><style name="font3">�Schreibe einen Firman des folgenden Inhalts f�r den Kapudan Effendi: Ich, der Serdariekrem Seiner Majest�t, des Sultans, des Obersten Herrschers aller Gl�ubigen, desNachfolgers des</style></p><p><style name="font3">Propheten-nein warte. Wozu dieser Umstand?� Michel verf�rbte sich. Sollte sein Plan </style><style name="font3">noch in letzter Sekunde daran scheitern, da� der Pascha zu faul zum Diktieren war? Aber da fuhr er fort, und Michel atmete auf. �Gib dem Kapudan Effendi einen roten Sonderfirman. Darauf bekommt er von jedermann jeden Wunsch erf�llt. Bring das Papier herein, damit ich mein Siegel daraufsetzen kann. Du wirst mir diesen Firman zur�ckgeben, wenn du ihn nicht mehr brauchst, nicht wahr, Hanufa Kapudan?�</style></p><p><style name="font3">Michels Herz tat einen freudigen Sprung. Obwohl er alles so klug wie m�glich eingef�delt hatte, hatte er doch in seinen k�hnsten Tr�umen nicht zu hoffen gewagt, den ber�hmten roten Firman zu bekommen, der ihm jede T�r und jedes Tor �ffnen w�rde. Es gab nur noch einen Firman, der schwerer wog. Das war der gr�ne, den der Sultan pers�nlich aush�ndigte.</style></p><p><style name="font3">Der Schreiber, ein d�rres M�nnchen, dessen riesiger Turban f�r den kleinen Kopf viel zu schwer zu sein schien, brachte einen Kienspan und tr�ufelte Siegellack auf das rote Pergament. Dann dr�ckte der Serdariekrem sein Siegel darauf.</style></p><p><style name="font3">Und dann war Michel mit einem gn�digen, wohlwollenden Nicken entlassen.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">10</style></p></title><p><style name="font3">Marina erwachte sehr fr�h am n�chsten Morgen. Die Aufregung hatte sie unruhig schlummern lassen.</style></p><p><style name="font3">Nun w�rde also ein guter Teil des Gelingens nur von ihrer Geschicklichkeit abh�ngen. Und da fiel ihr auf einmal ein, da� sie weder �ber Papier noch �ber einen Schreibgegenstand verf�gte, mit dem sie gegebenenfalls eine Botschaft niederlegen konnte.</style></p><p><style name="font3">Sie erhob sich, steckte den Kopf in kaltes Wasser und ging in Michels Schlafraum. Hastig wollte sie ihn wecken.</style></p><p><style name="font3">Aber ihre Augen blieben an seinem b�rtigen Gesicht h�ngen. Er atmete tief und ruhig. Sie schlo� die Augen. In ihrem Innern erschienen die Szenen ihres ersten Treffens mit ihm. Das junge, anziehende Gesicht, wie es ohne Bart war, stand vor ihrem Blick.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich, eh sie recht wu�te, was sie tat, kniete sie neben seinem Lager und pre�te in hei�em Verlangen ihren Mund auf seine Lippen.</style></p><p><style name="font3">Er schlug die Augen auf. Er war verwirrt, unf�hig, sich zu r�hren. Traum? Wirklichkeit? Es war beides: Traum und Wirklichkeit. Dann erwachte er vollends. Mit heftigem Ruck richtete er sich auf.</style></p><p><style name="font3">�Seid Ihr wahnsinnig, Marina?�, fuhr er sie an.</style></p><p><style name="font3">�Ja�, sagte sie, �ja, ich bin wahnsinnig. Immer, wenn ich in Eurer N�he bin, kommt der Wahnsinn �ber mich.�</style></p><p><style name="font3">�Vielleicht zwingt Ihr Euch hin und wieder einmal dazu, Euern Wahnsinn zu bek�mpfen�, antwortete er sarkastisch.</style></p><p><style name="font3">�Seid doch nicht so eiskalt�, bettelte sie. �La�t mich doch, wenn ich mich nach Euch sehne. Ihr versteht die Seele einer Frau nicht. Ich konnte nicht anders.� �Schon gut. Weshalb seid Ihr zu so fr�her Stunde aufgestanden?�</style></p><p><style name="font3">�Als ich erwachte, fiel mir ein, da� ich Federkiel und Papier ben�tigen werde, um unseren Freunden eventuell eine schriftliche Botschaft zukommen zu lassen, wenn ich mich nicht m�ndlich mit ihnen verst�ndigen kann.�</style></p><p><style name="font3">�Teufel, da habt Ihr recht. Wo nehmen wir Tinte undFeder her? Aber wartet, wir verbrennen ein </style><style name="font3">St�ck Holz, und dann schreiben wir die Botschaft mit .Kohle. Wenn wir etwas aufdr�cken, wird </style><style name="font3">sie schon zu lesen sein. Pergament haben wir ja zum Gl�ck.�</style></p><p><style name="font3">Michel brach von einer Schnitzerei ein St�ck Holz ab und entfachte ein Feuer.</style></p><p><style name="font3">Als Ojo und Horuk kamen, verzogen sie die Gesichter. Der beizende Geruch bi� ihnen in die </style><style name="font3">Nasenschleimh�ute. �</style></p><p><style name="font3">Kapit�n Porquez lag apathisch auf seinem fauligen Strohlager. Jardin neben ihm st�hnte im Traum. Jede Nacht litt er den Tod des Erh�ngens von neuem. Seine Nerven waren zerm�rbt. Und je n�her das Bairamfest kam, um so mehr verlor er die Fassung.</style></p><p><style name="font3">Don Escamillo de Fuentes dagegen schien das Ende mit stoischer Ruhe zu erwarten. An seiner Haltung hatte sich nichts ge�ndert. Vielleicht war sein Hochmut noch ein wenig gr��er geworden. Aber eigenartigerweise wuchs in den anderen ganz langsam, unmerklich fast, Achtung f�r seine Haltung. Mancher Raufbold, der ihn fr�her geha�t hatte, bewunderte ihn jetzt. Sein Mut war der eines spanischen Granden, den man zu Unrecht vor ein Inquisitionsgericht geschleppt hat. Jeden Morgen, wenn er aufstand, ordnete er seine zerschlissenen Kleider,</style></p><p><style name="font3">benutzte die H�lfte seiner Wasserration, um sich zu waschen, und k�mmte sich dann mit den </style><style name="font3">letzten Zinken eines uralten Kammes, den er Gott wei� woher haben mochte.</style></p><p><style name="font3">Die Stimme des Muezzin drang wie jeden Morgen vom Minareh der Mahmud-Pascha-Moschee </style><style name="font3">durch die stark vergitterten L�cher in der Mauer des Hafengef�ngnisses.</style></p><p><style name="font3">��bermorgen ist es soweit�, seufzte Jardin und taumelte empor.</style></p><p><style name="font3">Ein mi�billigender Blick Escamillos traf ihn.</style></p><p><style name="font3">�Still! � Seid still!� zischte Virgen, der Steuermann, erregt. �Was ist das?�</style></p><p><style name="font3">Der Muezzin kr�chzte noch immer seine Worte herunter. Der Posten drau�en lag nat�rlich mit </style><style name="font3">dem Gesicht gen Mekka auf den Knien.</style></p><p><style name="font3">�Senor Porquez---Senor Jardin�, fl�sterte eine Stimme vom Loch in der Mauer her, </style><style name="font3">durch das die ersten roten Strahlen der Sonne fielen. �Eine Nachricht!�</style></p><p><style name="font3">Im gleichen Augenblick h�rte man die donnernde Stimme des Postens:</style></p><p><style name="font3">�Was kniest du da an der Mauer herum, du Kr�te? � Weg da, oder ich jage dir eine Kugel </style><style name="font3">durch die Rippen! � Beim Barte des Propheten, willst du wohl machen, da� du wegkommst?!�</style></p><p><style name="font3">�Lest den Zettel�, kam die verh�ltnism��ig hohe Stimme in spanischer Sprache wieder. Dann </style><style name="font3">h�rte man eilige, sich entfernende Schritte, und ein Fetzen Pergament flatterte in die Zelle.</style></p><p><style name="font3">�Stehenbleiben!� br�llte der Posten.</style></p><p><style name="font3">Aber die Schritte hatten sich bereits entfernt.</style></p><p><style name="font3">�Da war jemand�, sagte Ibn Kuteiba erregt. �Der Posten hat ihn verscheucht.� �Hier, ein Zettel�, rief Jardin und schwang das St�ck Pergament in der Hand. In der Zelle war es wie in einem erwachenden Bienenstock. Alle sprachen auf einmal. Jeder wollte den Zettel sehen, obwohl die meisten gar nicht lesen konnten.</style></p><p><style name="font3">Jardin stellte sich so, da� gen�gend Licht auf die kritzelige Kohleschrift fiel, die sehr verwischt war. Aber nachdem Fuentes, der diesmal seine Haltung nicht so ganz wahren konnte, ihn zur Hand genommen hatte, entzifferte er aus den Druckstellen, die durch das Kratzen der harten Kohle entstanden waren, m�hsam den Inhalt:</style></p><p><style name="font3">�Freunde, wir werden euch heute oder morgen befreien. Seid auf alles gefa�t. Und wenn sie euch holen kommen, so wahrt Disziplin, denn die euch zum Galgen schaffen, stehen unter dem Befehl eines Freundes.�</style></p><p><style name="font3">Das war alles. Keine Unterschrift, nichts sonst. Kein Zeichen, wer sich hier als Freund vorstellte.</style></p><p><style name="font3">�El Silbador?� brachte Jardin sch�chtern fragend hervor.</style></p><p><style name="font3">Schweigen.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">11</style></p></title><p><style name="font3">Im Palast warteten bereits Michel, Ojo und Horuk ungeduldig. Erregt sprangen sie auf, als Marina eintrat.</style></p><p><style name="font3">Sie berichtete, was sie erlebt hatte, und schlo�:</style></p><p><style name="font3">�Ich hoffe, da� sie den in die Zelle flatternden Zettel gefunden haben. Vergewissern konnte ich mich nicht mehr; denn der Posten bemerkte mich zu fr�h und jagte mich davon. Es war ein hartes St�ck Arbeit, das richtige Zellenfenster zu finden. Wenn uns nicht der Teufel noch einen Strich durch die Rechnung macht, haben wir morgen geschafft.�</style></p><p><style name="font3">�Was haben wir bis dahin zu tun?� fragte Ojo Michi �Eine ganze Menge. Zuerst m��t ihr unsere Pferde zu einem guten Preis verkaufen. Denn wir k�nnen uns nicht mit den Tieren belasten.� �Auch Euern Dschesid?� fragte Ojo erstaunt.</style></p><p><style name="font3">�Auch den. Und wenn ihr klug seid, k�nnt ihr ein nicht unbetr�chtlichen Preis daf�r erzielen. Wir brauchen Geld n�tiger als Pferde.� �Sch�n. Und was dann?�</style></p><p><style name="font3">�Packt heimlich alles zusammen und verla�t mit dem Gep�ck den Palast. Dann setzt ihr mit der F�hre �ber nach Skutari und wartet in der N�he des Docks, in dem die �Trueno� liegt.� �Wollt Ihr etwa - - -?�</style></p><p><style name="font3">�Fragt jetzt nicht. Ich wei� noch nicht genau, wie sich die Sache entwickeln wird. Ich mu� mich darauf verlassen k�nnen, da� ihr nach Einbruch der Dunkelheit an der bezeichneten Stelle wartet. Da ich jetzt nicht mein Gewehr mit mir herumtragen kann, nimmst du es bis heute abend in Verwahrung, Diaz. Und gib um des Himmels willen acht, da� es nicht abhanden kommt. Das ganze Unternehmen k�nnte daran scheitern.� Sie fragten noch dieses und jenes.</style></p><p><style name="font3">Es wurde zwei Uhr, bis der Pfeifer den Palast verlassen konnte. �</style></p><p><style name="font3">Rejs Serdar<a l:href="#n_8" type="note">[8]</a> Ismael lag faul auf seinem Diwan und hielt Mittagsruhe. Neben dem Diwan in seinem Zimmer hing eine H�ngematte, in der er zu schlafen pflegte, wenn es ihm auf dem Diwan nicht mehr behagte.</style></p><p><style name="font3">Ismael war der Kommandant einer der Flotteneinheiten, die sich im Krieg gegen Ru�land nicht gerade mit besonderer Bravour geschlagen hatten, was kein Wunder war, wenn man sich ihren stets schl�frigen Befehlshaber ein wenig genauer betrachtete. Ismael geh�rte zu jenen Menschen, die auch zum Sultan �maalisch� sagen konnten, wenn einmal etwas nicht so geklappt hatte, wie es erwartet worden war. Sein Dienst ersch�pfte sich darin, alle vier Wochen einmal einen Befehl zu erteilen und jeden sechsten Tag die Mannschaften der Marineeinheiten zu inspizieren, die seinem Kommandobereich angeh�rten. Aber da die Flotte nicht mehr interessant genug war und ohnehin niemals gegen das zur See immer st�rker werdende England aufkommen konnte, lie� man den Admiral in Ruhe. Und er geno� diese Ruhe mit sichtlichem Behagen. Um so unwilliger brummte er, als eine Ordonnanz eintrat und ihm sagte, da� ihn ein Hauptmann des Artilleriekorps dringend zu sprechen w�nsche.</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, schick ihn fort�, g�hnte der Rejs Serdar.</style></p><p><style name="font3">�Er geht nicht, Effendim. Er sagt, er k�me im Auftrag des Serdariekrem.�</style></p><p><style name="font3">�Was? Warum sagst du das erst jetzt, du Sohn eines Esels! Der Serdariekrem ist mein Freund.</style></p><p><style name="font3">Seine Abgesandten k�nnen mich jederzeit sprechen � � wenn es nicht zu anstrengend ist�, </style><style name="font3">setzte er nach einer Weile hinzu und wischte sich den Schwei� unter dem Turbanrand von der </style><style name="font3">Stirn. �La� ihn herein.�</style></p><p><style name="font3">Michel trat ein und verbeugte sich h�flich.</style></p><p><style name="font3">�Es Salam alejkum, Kapudan Pascha<a l:href="#n_9" type="note">[9]</a>.�</style></p><p><style name="font3">�W'alejkum es Salam�, antwortete der Admiral, erstaunt �ber die H�flichkeit des Fremden. �Was kann ich f�r dich tun, Kapudan?�</style></p><p><style name="font3">�Ich komme in geheimem Auftrag�, sagte Michel und blickte sich um, als bef�rchte er einen Lauscher.</style></p><p><style name="font3">Der Admiral verwunderte sich sehr. Wie kam man ausgerechnet auf ihn, wenn es um </style><style name="font3">Geheimauftr�ge ging? War sein Stern etwa wieder im Steigen? Seine Gestalt straffte sich. Er </style><style name="font3">richtete sich auf und meinte dann:</style></p><p><style name="font3">�Wer schickt dich?�</style></p><p><style name="font3">�Der Serdariekrem, Kapudan Pascha.�</style></p><p><style name="font3">�Hm. Mein Freund schickt dich zu mir. Nun, er wei� meine F�higkeiten zu sch�tzen. Mein Ruhm ist schlie�lich gro� genug.�</style></p><p><style name="font3">Michel nickte ernsthaft Zustimmung. Er hatte sich gerade diesen alten Dummkopf f�r sein Vorhaben ausgesucht. Wenn er es richtig anfing, w�rde er leichtes Spiel haben. Er h�tte nat�rlich ebensogut zu jedem anderen Admiral gehen k�nnen. Sein Firman w�rde ihm T�r und Tor ge�ffnet haben. Aber vielleicht w�re ein Kl�gerer als dieser Alte hier mi�trauisch geworden. �Du m�chtest zweihundert gute Soldaten aussuchen�, fuhr der Pfeifer fort, �um sie meinem Kommando zu unterstellen. Der Serdariekrem hat Auftrag von Seiner Majest�t, dem erhabenen Sultan, einen gro�en Schlag gegen die russische Flotte vorzubereiten, die sich im Marmarameer bewegt, als geh�re es ihr. Das Kommando f�hre ich. Die zweihundert M�nner sollst du selbst ausw�hlen. Ferner sollst du jederzeit alarmbereit sein, um im geeigneten Augenblick die F�hrung der ganzen Flotte zu �bernehmen.�</style></p><p><style name="font3">Michel senkte seine Stimme. �Ich kann dir vom Serdariekrem noch pers�nlich mitteilen, da� er dich zur Bef�rderung zum Kapudan Seraskier<sup>2</sup> vorgeschlagen hat.�</style></p><p><style name="font3">Der Admiral fiel aus allen Wolken. Er ri� die Augen auf und starrte Michel an. Was hatte man mit ihm vor? Und weshalb beauftragte man einen einfachen Hauptmann des Artilleriekorps mit der Ausf�hrung so umw�lzender politischer Unternehmungen? Er wurde doch ein wenig mi�trauisch. Nicht gegen Michel, sondern einfach weil er das Gesagte nicht fassen konnte. �Hast du irgend etwas Schriftliches �ber deinen Auftrag, Effendim?� fragte er. Michel sch�ttelte den Kopf.</style></p><p><style name="font3">�Nein. Das Unternehmen ist absolut geheim. Aber ich werde dir beweisen, da� ich im h�chsten Auftrag handle, Kapudan Pascha.</style></p><p><style name="font3">Hier! Ist das Beweis genug?� Er hielt ihm den roten Firman unter die Nase. Der Admiral sackte f�rmlich zusammen vor Respekt. Denn obwohl der Serdariekrem sein Freund war, hatte er ihn nur sehr selten zu Gesicht bekommen. Jeder Offizier in der Osmanischen Armee und Marine kannte die Bedeutung des roten Firman. Der Admiral wurde gesch�ftig.</style></p><p><style name="font3">�Wir werden gleich darangehen, die zweihundert M�nner herbeizurufen.�</style></p><p><style name="font3">Er klatschte in die H�nde und gab der eintretenden Ordonnanz den Befehl, die Offiziere der ihm </style><style name="font3">unterstellten Marineeinheiten zu rufen. Aber Michel unterbrach ihn.</style></p><p><style name="font3">�Ich bitte dich, Kapudan Pascha, die zweihundert Mann direkt zu befehlen. Vielleicht stellst du mir einfach eine Wachkompanie zur Verf�gung. Die Sache duldet keinen Aufschub. Und die Vorbereitungen werden den ganzen Nachmittag in Anspruch nehmen. Am Abend mu� alles fertig sein.�</style></p><p><style name="font3">Der Admiral zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font3">�Wie du willst, Effendim. � La� die Wachkompanie anr�cken�, wandte er sich an den Ordonnanzoffizier.</style></p><p><style name="font3">Als der erstaunte Offizier das Zimmer verlassen hatte, meinte Michel:</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube sagen zu d�rfen, da� es nur von der Schnelligkeit der Vorbereitungen abh�ngt, ob du morgen fr�h bereits den Oberbefehl erh�ltst, Kapudan Pascha. �brigens sollte ich dir noch ausrichten, da� du dich morgen fr�h ins Seraskierat begeben m�chtest, um weitere Befehle entgegenzunehmen.� Der Admiral verbeugte sich h�flich.</style></p><p><style name="font3">�Wirst du mir die Ehre tun, eine Tasse Mokka mit mir zu trinken, Effendim?� �Verzeih, da� ich das ausschlagen mu�; aber ich darf mich nicht aufhalten, Kapudan Pascha.� �Nun, nun, bis die Kompanie kommt, bist du doch frei. Die wird noch ein Viertelst�ndchen auf sich warten lassen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich danke dir, Kapudan Pascha. Ich nehme deine Einladung an.� �</style></p><p><style name="font3">Auf der �Trueno� wurde letzte Hand angelegt. Die aufgerollten Segel hingen in den Rahen. Das </style><style name="font3">Schiff blitzte wie neu in allen Teilen. Nur noch wenige Handwerker waren an Bord.</style></p><p><style name="font3">Der Vorarbeiter wunderte sich nicht schlecht, als pl�tzlich eine ganze Karawane Eselskarren vor </style><style name="font3">den Docks hielt. Ein Hauptmann kam an Bord und zeigte den roten Firman.</style></p><p><style name="font3">Der Vorarbeiter verbeugte sich tief und k��te das Pergament.</style></p><p><style name="font3">�Allah besch�tze dich, o Herr.�</style></p><p><style name="font3">�Ich komme im direkten Auftrag des Oberbefehlshabers der Osmanischen Armeen zu Wasser </style><style name="font3">und zu Lande�, sagte Michel, und sein Herz klopfte. W�rde auch dieser einfache Mann, </style><style name="font3">unverdorben von milit�rischer Servilit�t, auf seine Spr�che hereinfallen?</style></p><p><style name="font3">�Ich habe den Auftrag, die Kisten dort von den Eselsr�cken an Bord bringen zu lassen. Die </style><style name="font3">Soldaten werden diese Arbeit verrichten, da es eine geheime Angelegenheit ist.�</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, weshalb sollen Soldaten zu Lasttieren werden, wo doch Hunderte von Arbeitern hier </style><style name="font3">am Hafen herumlungern? Aber ich gehorche nat�rlich.�</style></p><p><style name="font3">Michel rief ein paar Befehle nach unten. Die Ladearbeit �ber den Laufsteg begann. Lebensmittel, Wasserf�sser und Munition wurden an Bord gebracht.Michel suchte zwei Leute aus, die Kanoniere waren, und befahl ihnen, die Kanonen schon jetzt mit Kugeln zu versehen, da heute abend an Bord alles einsatzbereit sein m�sse.</style></p><p><style name="font3">Auf Grund seines Firman war es eine Kleinigkeit f�r ihn gewesen, alle Dinge, die er ben�tigte, von den untergeordneten Stellen, dem Fourieramt und den Munitionsmeistereien zu erhalten. Dreimal brachte die Eselskarawane frische Vorr�te heran.</style></p><p><style name="font3">Als der Muezzin zum Abendgebet rief, war die Arbeit getan. Kein Mensch hatte sich �ber die pl�tzliche Beladung des Seer�uberschiffs gewundert. Nur der Vorarbeiter sch�ttelte den Kopf. Er wu�te aus bester Quelle, da� am Kurban-Bairam die Gefangenen auf dem Schiff gehenkt werden sollten. Er konnte sich nicht recht erkl�ren, weshalb man das Volk um diese Freude bringen wollte. Nun, vielleicht war das mit dem H�ngen an Bord tats�chlich nichts als ein wildes Ger�cht, das der �berhitzten Phantasie eines ganz besonderen Eiferers entsprungen war. Maalisch, was ging es ihn an? Er zuckte die Achseln und ging nach Hause. Michel schickte die Kompanie in die Quartiere und behielt nur drei�ig Mann bei sich, die sich vorerst auf dem Schiff niederlassen durften, um sich auszuruhen. Sie hatten brummige Gesichter. Sie w�ren auch lieber zur�ck ins Lager marschiert.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">12</style></p></title><p><style name="font3">Die Sonne war vollends gesunken, und die D�mmerung ging schon in die Nacht �ber, als Michel seine drei�ig Soldaten antreten lie� und sich mit ihnen in Richtung auf das Hafengef�ngnis in Marsch setzte.</style></p><p><style name="font3">Sie marschierten mit nach vorn angewinkelten Gewehren, wie es der t�rkische Paradeschritt vorschrieb. Es war der gleiche Schritt, mit dem sie normalerweise zur Wachabl�sung aufzogen. Vor dem Gef�ngnis hielt die Abteilung an.</style></p><p><style name="font3">Michel ging hinein, was auf Grund seines Ausweises nicht schwer war. Der Offizier, der das Gef�ngnis bewachte, erstarrte fast vor Ehrfurcht, als ihm der rote Firman unter die Nase gehalten wurde.</style></p><p><style name="font3">�O gro�m�chtiger Kapudan, was kann ich f�r dich tun?�</style></p><p><style name="font3">�Halt ein�, sagte Michel, �ich bin kein gro�m�chtiger Kapudan. Wie kannst du es wagen, den Beinamen des Sultans einem seiner Diener zu geben?�</style></p><p><style name="font3">Der Gef�ngnisoffizier erbleichte. Michel hatte in strengem Ton gesprochen. Auch das �bliche </style><style name="font3">Schimpfen lie� er weg. Und das knappe, warnende Wort �bte mehr Wirkung, als h�tte er ein </style><style name="font3">ganzes Lexikon orientalischer Fl�che auswendig hergesagt.</style></p><p><style name="font3">Michel brauchte die Atmosph�re der Furcht, um seinen Plan durchzuf�hren.</style></p><p><style name="font3">�Wir sind gekommen�, sagte er, �um die spanischen Seer�uber abzuholen und nach Istanbul </style><style name="font3">hin�berzubringen.�</style></p><p><style name="font3">Der Offizier streckte abwehrend beide H�nde aus.</style></p><p><style name="font3">�Unm�glich, Effendim, unm�glich! Allein der Admiral hat die Verf�gungsgewalt �ber sie.� �Du Esel, schau hinaus, von welcher Truppe meine Soldaten sind! Ich komme vom Oberbefehlshaber der Marine. Au�erdem wei�t du so gut wie ich, da� auch dieser dem Serdariekrem untersteht. Aber wenn du widerspenstig bist, so werfe ich dich in den Kerker. Das vereinfacht die Sache wesentlich.�</style></p><p><style name="font3">Er drehte sich um und tat, als wolle er sich entfernen, um seinen drau�en wartenden Soldaten, die keine Ahnung hatten, was los war, den Befehl zu geben, den Gef�ngnisoffizier zu verhaften. �Warte, Effendim�, sagte der jetzt �ngstlich; denn der Respekt vor dem roten Firman, jener zweith�chsten Legitimation im Reich der Hohen Pforte, machte ihn unsicher. �Wenn du mir ein Papier unterschreibst, da� ich sie ordnungsgem�� ausgeliefert habe, kannst du sie mitnehmen. Werden sie am Kurban-Bairamfest h�ngen?�</style></p><p><style name="font3">�Ja. � Nun beeil dich. Sie sollen heute nacht noch vors Gericht der Hohen Pforte.� �</style></p><p><style name="font3">Kapit�n Porquez ging mit unruhigen Schritten in der gro�en, stinkenden Zelle auf und ab. Er konnte seine Erregung kaum meistern.</style></p><p><style name="font3">Alfonso Jardin redete ununterbrochen auf jeden ein, der gerade in seiner N�he stand. Er hatte sich in eine hektische Aufregung gesteigert.</style></p><p><style name="font3">Don Escamillo war eisern beherrscht. Er schlug mit der linken Hand stundenlang in die Luft, um </style><style name="font3">die erschlafften Armmuskeln zu st�hlen. Der Stumpf der rechten Hand war sorgf�ltig in ein </style><style name="font3">dickes Tuch gewickelt, damit er bei einem etwaigen Ausbruch gesch�tzt war.</style></p><p><style name="font3">Die Piraten gestikulierten wild, stiegen einander auf die Schultern, um durch den Mauerausbruch </style><style name="font3">in die Dunkelheit zu stieren. Allen schlug das Herz bis zum Halse, Pl�tzlich standen sie wie </style><style name="font3">erstarrt.</style></p><p><style name="font3">Drau�en wurde der Riegel zur�ckgeschoben.</style></p><p><style name="font3">Dann trat ein Offizier ein. Es war der Gef�ngnisoffizier. Ihm folgte ein anderer, der jetzt in spanischer Sprache das Wort ergriff:</style></p><p><style name="font3">�Verbergt eure �berraschung, companeros, wenn ihr mich erkennen solltet. Offiziell werdet ihr jetzt nach Skutari gebracht, um vor Gericht gestellt zu werden. Die Soldaten, die euch bewachen, wissen nichts davon, da� ihr befreit werden sollt. Wenn ihr einen meiner bekannten Pfiffe vernehmt, so schlagt sie nieder und nehmt ihnen die Waffen ab. Aber schont ihr Leben. Tut nur, was ich euch jeweils sage. Ich mu� jetzt aufh�ren zu reden, sonst wird man mi�trauisch.� Er hatte sie in drohendem Ton angebr�llt, so da� der Gef�ngnisoffizier nicht den leisesten Verdacht sch�pfte. Die Worte des Kapudan klangen wie ferner Donner, der sich gleich in heftigen Blitzen entladen mu�te.</style></p><p><style name="font3">Die Gefangenen lie�en die K�pfe h�ngen. Viele atmeten tief durch, um ruhiger zu erscheinen. Dann ordneten sie sich im G�nsemarsch. Drau�en wurden sie von den drei�ig gut bewaffneten Marinesoldaten eskortiert. Michel best�tigte dem Gef�ngnisoffizier den Empfang der Todeskandidaten. Dann setzte sich der schweigende Zug in Bewegung.</style></p><p><style name="font3">Die Soldaten waren wegen des Nachtdienstes �u�erst mi�mutig. Nun sollten sie auch noch nach Istanbul �bersetzen. Das pa�te ihnen gar nicht.</style></p><p><style name="font3">Durch die Reihen der Piraten ging pl�tzlich ein erregtes Murmeln. Dort, dort lag die �Trueno� im Dock. Den Leuten flatterten die H�nde. Sie konnten sich kaum noch beherrschen. Die Soldaten wunderten sich, da� sie zum Dock gef�hrt wurden anstatt zur Mole, wo die Nachen lagen.Aber es waren altgediente Leute, die sich keine Gedanken dar�ber machten. Sie f�hrten die Befehle aus, und damit erf�llten sie ihre Pflicht. Das war alles. Aus dem Dunkel trat ein Mann auf Michel zu. �Wie geht's weiter?� fragte er auf spanisch.</style></p><p><style name="font3">�Bleib unten stehen, Diaz, und kapp die Haltetaue, sowie unsere Freunde an Bord sind. Marina und Horuk sollen in meiner N�he bleiben�, fl�sterte Michel zur�ck, Dann kommandierte er: �Halt!�</style></p><p><style name="font3">Als erster kletterte er selbst an Bord des leeren Schiffes. In diesem Augenblick kam der Mond durch die Wolken und tauchte den ganzen Hafen in silbernes Lick Michel sp�hte nach allen Seiten. Die Gegend war still. Das einzig Lebende waren die f�nfzig Piraten, die inmitten der drohend auf sie gerichteten Gewehre standen.</style></p><p><style name="font3">�M�nner�, wandte sich Michel an die Soldaten, �h�rt zu, was ich euch sage.�</style></p><p><style name="font3">Was er sagte, war an sich v�llig belanglos. Er wollte sie lediglich von ihrer eigentlichen Aufgabe </style><style name="font3">ablenken.Mitten in seine Worte hinein lie� er pl�tzlich einige seiner teuflischen Pfiffe schrillen.</style></p><p><style name="font3">Im Nu verwandelte sich die Szene unten. Die Menschen bildeten einen unentwirrbaren Kn�uel.</style></p><p><style name="font3">Aber das Ganze dauerte nur Sekunden. Die Soldaten waren auf eine solche �berraschung doch </style><style name="font3">nicht gefa�t.Ein paar Gewehre gingen los, richteten aber keinen Schaden an.</style></p><p><style name="font3">Dann l�sten sich die ersten Schatten aus der Masse.</style></p><p><style name="font3">Die Piraten enterten die �Trueno�. Der erste war Jardin.</style></p><p><style name="font3">��bernehmt sofort das Kommando�, schrie ihm Michel zu.</style></p><p><style name="font3">Dann war Ojo bei ihm und reichte ihm sein Gewehr Das Schiff begann zu schaukeln. Die </style><style name="font3">Vert�uungen waren gel�st.</style></p><p><style name="font3">�Sind Marina und Horuk an Bord?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, Senor Doktor. Es ist alles bereit.�</style></p><p><style name="font3">�In die Wanten! Setzt die Segel!� donnerte Jardins Stimme �ber Deck.</style></p><p><style name="font3">Die Piraten nahmen alle Kraft zusammen und schwangen sich trotz ihrer vom langen Nichtstun geschw�chten K�rper wie Affen auf die Wanten empor.</style></p><p><style name="font3">Die Soldaten standen oder lagen herum. Ein paar hatten ihre Gewehre behalten k�nnen. Sie </style><style name="font3">legten jetzt an und feuerten. Da lie� Michel seine Stimme ert�nen:</style></p><p><style name="font3">�Wenn euch euer Leben lieb ist, dann lauft fort! Die Kanonen sind auf euch gerichtet!�</style></p><p><style name="font3">Er brannte eine Lunte an und jagte einen Schreckschu� �ber ihre K�pfe.</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick wurde es im Hafen lebendig. Laufschritt klang auf. Es mu�ten viele </style><style name="font3">Menschen sein, die da von irgendwoher heranst�rmten. Man hatte die Flucht bemerkt. Auf den </style><style name="font3">W�llen dr�ben am anderen Ufer wurde es lebendig. Die Festungsgesch�tze wurden gerichtet.</style></p><p><style name="font3">�Volle Segel!� schrie Jardin. �Br�der, segelt um Leben und Tod! Kanoniere, jetzt oder nie! � </style><style name="font3">Feuer!�</style></p><p><style name="font3">Die Ladekanoniere schleppten im Schwei� ihres Angesichts Kanonenkugeln und Pulverf�sser </style><style name="font3">herbei, soviel sie tragen konnten. Die �Trueno� kam langsam in Fahrt. Sie hatte bereits f�nfzig </style><style name="font3">Meter Abstand vom Dock. Der Wind fa�te in die Segel. Immer schneller zog das Schiff davon.</style></p><p><style name="font3">Da rief vom Ufer her eine Stimme:</style></p><p><style name="font3">�Amigos, gr��t mir Spanien, gr��t mir die Heimat!�</style></p><p><style name="font3">Dann krachte ein Schu�.</style></p><p><style name="font3">�Fuentes!� schrie Porquez, �Fuentes!�</style></p><p><style name="font3">Keine Antwort.</style></p><p><style name="font3">�Sein Arm hat ihn gehindert, rechtzeitig an Bord zugelangen�, sagte Porquez und senkte den Kopf. �Er war verschroben, aber einer der Tapfersten.� Michel nahm seinen Turban ab und warf ihn in die See.</style></p><p><style name="font3">Sch�sse krachten vom Ufer her. Und als die �Trueno� das offene Marmarameer zu gewinnen suchte, donnerten die Zehnpf�nder vom Goldenen Horn her�ber. Segelfetzen flogen. Es war ein drohender und gef�hrlicher Abschiedssalut. Michel stand am Hauptmast und blickte hin�ber.</style></p><p><style name="font3">�Gott sei gedankt�, murmelte er. Dann sank er langsam in sich zusammen; denn die Nervenbelastung dieses Tages war auch f�r einen Menschen wie den Pfeifer zu gro� gewesen. �Tragt ihn in die Kabine�, sagte Marina mit besorgter Stimme. �Ihm verdanken wir Leben und Freiheit. Er soll jetzt schlafen. Er hat genug f�r uns getan.� Die Blicke aller hingen bewundernd an dem Bewu�tlosen.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">13</style></p></title><p><style name="font3">Vor dem Geb�ude des Au�enministeriums in London hielt die Kutsche Lord Hawburys. Der General stieg aus und befahl seinem Diener zu warten. Er war in guter Stimmung. Das Familienverm�gen war zwar arg zusammengeschmolzen, aber das Au�enministerium hatte ihm die Auff�llung seiner Kasse in Aussicht gestellt. Er war f�r heute vormittag in das Office of the Foreign Service<a l:href="#n_10" type="note">[10]</a> bestellt.</style></p><p><style name="font3">Der General h�tte seinem Sohn Steve Hawbury eigentlich z�rnen m�ssen, weil dieser die etwas �ltliche, aber eben doch wohlhabende Amerikanerin Esther Wallbrook nun doch nicht geehelicht hatte. Aber der Lord war viel zu froh, da� er seine Kinder wieder hatte. Er war nach der Entf�hrung seiner Tochter Isolde ziemlich hoffnungslos gewesen; denn es grenzte fast ans Wunderbare, eine Wei�e den Klauen arabischer Sklavenhalter zu entrei�en. Vor sechs Monaten waren seine Kinder mit dem Kreuzer �Robin Hood� wohlbehalten an der Themse eingetroffen.</style></p><p><style name="font3">Der General str�mte �ber vor Dankbarkeit gegen das Schicksal.</style></p><p><style name="font3">Well, und nun hatte ihm das Au�enministerium auch noch eine Aufbesserung seiner Finanzen in Aussicht gestellt. Beschwingten Schrittes stieg er die Treppe empor. Im Vorzimmer des Au�enministers mu�te er eine Weile warten. Als er dann eintrat, erhob sich der Minister und kam freudig auf ihn zu. Er sch�ttelte ihm die Hand und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Ich habe Euch erwartet, Lord Hawbury. Es ist mir eine Ehre und eine Freude zugleich, einen so verdienten Mann wie Euch willkommen zu hei�en.� �Thank you--thank you�, murmelte der General bewegt.</style></p><p><style name="font3">�Wie geht es �brigens Euren Kindern, Lord Hawbury? Ich habe von dem unfa�lichen Gl�ck der Wiederkehr Eurer Tochter schon geh�rt. Ganz London sprach davon. Unglaublich, unglaublich.� �Sie ist ein tapferes M�del�, sagte der Lord bescheiden. �Sie ist klug und wei� ihre Chancen zu nutzen. Sie ist Engl�nderin.�</style></p><p><style name="font3">�Eben, eben, ganz wie der Vater. � Nehmt Platz, General. Ja, ich habe einen neuen Auftrag f�r Euch.�</style></p><p><style name="font3">�Wieder im Kolonialdienst?� Die Stirn des Generals umw�lkte sich ein wenig. Der Au�enminister z�gerte mit der Antwort. Aber dann zuckte er die Schultern. �Well, Lord Hawbury, es ist ein Angebot der Regierung Seiner Majest�t. Ihr braucht es nicht anzunehmen. Aber ich sage Euch ehrlich, da� uns eine Ablehnung schmerzen w�rde. Wir haben keinen anderen, der so erfahren ist und von dem wir wissen, da� ihm die Ehre Englands zuvorderst am Herzen liegt.�</style></p><p><style name="font3">�Hm. Worum handelt es sich, Sir, wenn ich fragen darf?�</style></p><p><style name="font3">Der Au�enminister strich sich �ber die Stirn. Die Antwort war der schwierigste Punkt.</style></p><p><style name="font3">Er sah bereits voraus, wie der alte, ehrliche Soldat emp�rt aufspringen und seine Ablehnung hinausschreien w�rde; denn bei den Offizieren der Armee Seiner britischen Majest�t war die Ostindien-Kompanie unbeliebt, wenn nicht gar verha�t.</style></p><p><style name="font3">Und er, der Au�enminister selbst, teilte im tiefsten Herzen durchaus diese Auffassung. Aber es ging schlie�lich um die Ehre und die saubere Fahne Englands. Und da konnte man seine pers�nlichen Ressentiments schlecht in die Waagschale werfen.</style></p><p><style name="font3">�Well�, begann er z�gernd, �ich mu� Euch ehrlich sagen, Lord Hawbury, da� ich diese Frage am liebsten unbeantwortet lie�e. Aber das geht leider nicht; denn davon h�ngt Eure Einwilligung schlie�lich und endlich ab.�</style></p><p><style name="font3">�Spannt mich nicht auf die Folter, Sir. Ich kann doch nur ja oder nein sagen.�</style></p><p><style name="font3">�Na sch�n. Machen wir es kurz. Ihr sollt in geheimem Auftrag der Regierung in die East India </style><style name="font3">Company eintreten und nach Indien gehen.�</style></p><p><style name="font3">Der Lord federte aus seinem Sessel hoch. Sein Gesicht war mit brennender R�te �berg�ssen.</style></p><p><style name="font3">�Das � � das kann doch nicht Euer Ernst sein, Sir!�</style></p><p><style name="font3">�Doch.�</style></p><p><style name="font3">�Zum Teufel. Mit diesen Kr�merseelen soll ich mich auf eine Stufe stellen, ich, ein General Seiner Majest�t? Jeder anst�ndige B�rger in London wei�, wie die Beamten der Kompanie in Indien hausen, da� man die Beschwerden schon gar nicht mehr mit anh�ren kann. Ich bin schlie�lich kein Steuereintreiber, Sir. Ich bin in Ehren grau geworden. Nein, unter diesen Gesichtspunkten verzichte ich auf eine Sonderabfindung des Foreign Service.� �Ihr seht die Sache nicht richtig, Lord Hawbury. Wir, das hei�t die Regierung und das Au�enministerium, wissen, da� wir Euch nicht zumuten k�nnen, ein wirkliches Mitglied der Kompanie zu werden. Ihr sollt es auch nur scheinbar. Wir wollen ja gerade einen Vertrauten drau�en haben, der uns, unabh�ngig von den Angestellten der Kompanie, �ber die wahren Zust�nde Bericht erstattet. Der Hof der Direktoren sucht einen h�heren Beamten mit Kolonialerfahrung. Ich habe Euch vorgeschlagen, weil ich jemanden brauche, der mir pers�nlich Aufkl�rung gibt, was die Herrschaften dort unten eigentlich treiben. Ihr d�rft nicht einmal Euerm Sohn erz�hlen, was wir hier besprochen haben. F�r die Au�enwelt seid Ihr Angestellter der Kompanie.�</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury ging unruhig im Zimmer auf und ab.</style></p><p><style name="font3">�Ihr k�nnt nat�rlich ablehnen�, fuhr der Au�enminister fort, �aber dann wird der Posten an jemanden vergeben, den ich nicht kenne. Und ich bin der �berzeugung, da� nur ein Mann Eures Formats und Eurer Ehrauffassung den Verlockungen widerstehen kann.� �Well�, sagte Hawbury, �la�t mir ein paar Tage Bedenkzeit.�</style></p><p><style name="font3">�Ein paar Tage sind zuviel, Lord Hawbury. Aber bis morgen fr�h geht es. Morgen vormittag wollen die Direktoren den neuen Mann sehen.� �</style></p><p><style name="font3">In langsamem Trab zogen die Pferde die Kutsche hinaus nach Westend, wo der kleine, aber entz�ckende Besitz der Hawburys inmitten eines gepflegten Parkes lag.</style></p><p><style name="font3">Auf der Stirn des Generals zeigten sich starke Sorgenfalten. Seine Gedanken besch�ftigten sich unaufh�rlich mit der Ostindien-Kompanie. Was hatte man nicht alles schon in London �ber diese Gesellschaft geh�rt! Sicher, sie hatte Geld nach England gebracht, Sch�tze, Juwelen, Gold scheffelweise. Aber die Methoden, mit denen sie zu diesen Sch�tzen gelangte, waren grausam und unmenschlich. Aller Reichtum wog die schmutzigen Flecken nicht auf, mit denen sie die Fahne Gro�britanniens besudelt hatte.</style></p><p><style name="font3">Da war der Hof der Direktoren, ein Gremium von satten Kaufleuten, zehn an der Zahl, deren einziger Wunsch es war, Geld zu besitzen, mehr Geld und noch mehr Geld. Und vor diesen Hof sollte er, Lord Hawbury, ehrenhafter General Seiner Majest�t des K�nigs von England, treten! Das war eine starke Zumutung. Und dennoch! Der Au�enminister forderte seine Dienste zur Reinerhaltung des britischen Namens und zur Tilgung der Schande, die die Kompanie England aufgeb�rdet hatte.</style></p><p><style name="font3">Sein Entschlu� stand schlie�lich fest. Er w�rde annehmen.</style></p><p><style name="font3">Der General betrat sein Haus. Auf der Terrasse lie� er sich von seinem alten Diener John den Tee servieren. Seine Blicke schweiften �ber das Gr�n der Rasenmatten und blieben in den dunkleren Baumkronen h�ngen. Auf den Steinfliesen erklangen Schritte.</style></p><p><style name="font3">�Hallo, Papa�, sagte die Stimme Isoldes freudig, und dann sp�rte der General zwei weiche Arme um seinen Hals.</style></p><p><style name="font3">�Nun, mein Kind, du bl�hst jeden Tag mehr auf, seit du wieder in England bist. Sag mal, hast du eigentlich noch nie ans Heiraten gedacht?� Isolde lachte laut und �berm�tig.</style></p><p><style name="font3">�Nein. Ich denke nicht daran, irgendeinen der tanzw�tigen J�nglinge aus der sogenannten Londoner Gesellschaft zu heiraten. Sie sind mir viel zu fade. Nach den Erlebnissen, die hinter mir liegen, w�nscht man sich einen Mann mit starken Armen und wachem Verstand.� �So? Und du meinst, einen solchen Mann g�be es hier nicht?� �Nein, ich wenigstens kenne keinen.�</style></p><p><style name="font3">�Na, was nicht ist, kann ja noch werden. Nur, ich h�tte es eigentlich ganz gern gesehen, wenn bald ein Mann um deine Hand anhielte. Es gibt Gr�nde, die es mir wesentlich erscheinen lassen, dich hier in London in guter Hut zu wissen.� �Aber Papa, ich habe doch dich! Das gen�gt mir vorl�ufig.�</style></p><p><style name="font3">Der General z�gerte. Nach einer Weile des Schweigens lie� er seine Handfl�che auf die Oberschenkel klatschen.</style></p><p><style name="font3">�Siehst du, Kind, das ist es eben. Du wirst mich bald nicht mehr haben. � Jaaa�, fuhr er gedehnt fort, �ich gehe n�mlich vielleicht schon in den n�chsten Tagen weit weg � � und vermutlich f�r l�ngere Zeit.� Isolde war �berrascht. �So pl�tzlich?�</style></p><p><style name="font3">�Ja. Es kommt mir selbst unerwartet. Und diesmal geht meine Reise nicht nur nach Nordafrika oder in unsere amerikanischen Kolonien, sondern nach Indien � nach Indien in den Diensten der Ostindien-Kompanie.�</style></p><p><style name="font3">�Nach Indien!� rief Isolde begeistert. �O bitte, nimm mich mit, Papa! Ich werde dir den Haushalt f�hren und nur f�r dich dasein! Bitte, nimm mich mit!� �Ich m�chte schon. Aber ich f�rchte, es wird ein wenig anstrengend werden.� Wieder klangen Schritte auf den Steinfliesen.</style></p><p><style name="font3">�Oh, welch trautes Familiengl�ck�, rief Steve lachend. �Da habe ich ja gerade noch gefehlt! Tag, Papa, Tag, Isolde. Ich habe eine gro�e Neuigkeit f�r euch. Setz dich, Isolde, damit dich die �berraschung nicht umwirft. Stellt euch vor, ich gehe nach � Indien.� Lord Hawbury erbleichte bis unter die Haarwurzeln. Seine H�nde klammerten sich fest um die Lehne des Sessels.</style></p><p><style name="font3">�Wie kommst du auf diese Idee, Junge?� �Ich habe heute morgen beim Reiten Lord Villisbury im Hydepark getroffen. Er brachte mich auf die Idee. Er sagte, da� die Kompanie junge Offiziere in Indien brauchen k�nnte. Und stellt euch vor, ich werde gleich als Captain �bernommen. Alle niedrigen R�nge der regul�ren Armee k�nnen bei Eintritt in die Kompanie zwei Stufen �berspringen.�</style></p><p><style name="font3">�Bist du dir dar�ber im klaren, Steve�, fragte der General ernst, �da� ein gewaltiger Unterschied besteht zwischen den Offizieren des K�nigs und denen der Ostindischen Gesellschaft?� �Unterschied hin. Unterschied her. Als Captain der East India Company verdiene ich doppelt soviel wie ein Captain der Armee. Lieber verpr�gle ich die Sipoys, als unter dem Pantoffel von Fr�ulein Esther Wallbrook zu leben, die du f�r mich ausgesucht hattest. Pa� auf, ich werde noch einmal steinreich! Unglaubliche Dinge h�rt man �berall von den immensen Sch�tzen der Radschas, Peschwas und Nawwabs. Ich werde helfen, diese stinkenden Hindus ein wenig zu erleichtern.�</style></p><p><style name="font3">Der General zog die Brauen zusammen.</style></p><p><style name="font3">�Hat dir diesen Ausdruck �stinkende Hindus� vielleicht Lord Villisbury mit auf den Weg gegeben?�</style></p><p><style name="font3">�Ja. Er mu� es wissen. Schlie�lich war er ja mal Generalgouverneur in Kalkutta, und heute ist er Direktor.�</style></p><p><style name="font3">�Eben�, sagte der General schwer, �heute ist er Direktor. Eben -� �Was meinst du, Papa?�</style></p><p><style name="font3">�Ich meine, du solltest dir das zehnmal �berlegen.�</style></p><p><style name="font3">�Da gibt's nichts mehr zu �berlegen. Ich habe n�mlich bereits unterschrieben.� �So�, sagte der General, �so � nun, dann k�nnen wir gemeinsam reisen.� �Was denn? Gehst du auch nach Indien?� �Ja. Ich auch.�</style></p><p><style name="font3">Lord Hawburys Gesicht war grau vor schwerem Kummer, als er sich erhob und wortlos ins Haus ging. �</style></p><p><style name="font3">Am n�chsten Morgen um zehn Uhr stand er vor dem Hohen Rat der Direktoren. Zuerst blieben seine Augen an den blitzenden Juwelen h�ngen, mit denen die ehrenwerten Herren sich auff�llig dekoriert hatten.</style></p><p><style name="font3">Absch�tzende Blicke trafen ihn. Die Direktoren musterten ihn ungeniert. Nach einer Weile nickten sie sich zustimmend zu.Da erhob sich Lord Villisbury und sch�ttelte seinem Standesgenossen mit �berschwenglicher Freundlichkeit die Hand.</style></p><p><style name="font3">�Well, Lord Hawbury, es freut uns, da� man uns von selten der Regierung einen so t�chtigen und bew�hrten Offizier empfohlen hat. Wir glauben, da� Ihr Euern Posten in Indien zum Ruhm und zur Ehre des Vaterlandes und der Kompanie einnehmen werdet.�</style></p><p><style name="font3">Der General nickte nur und erwiderte: �Ich werde mich bem�hen, Gentlemen, mein Bestes f�r England zu geben.�</style></p><p><style name="font3">�Und f�r die Kompanie�, erg�nzte Villisbury lachend, �verge�t die Kompanie nicht.� Nach einer halben Stunde war der Vertrag geschlossen. Der General erhielt ein steuerfreies Gehalt von neuntausend Pfund j�hrlich, eine Summe, die sich durchaus sehen lassen konnte, eine l�cherliche Summe allerdings im Vergleich zu den Einkommen der Herren Direktoren. �Ihr fahrt also in sechs Wochen mit unserem guten Schiff �Unicorn�. Viel Gl�ck und guten Erfolg, Lord Hawbury.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">14</style></p></title><p><style name="font3">Die �Trueno� segelte auf acht Grad �stlicher L�nge und achtunddrei�ig Grad n�rdlicher Breite zwischen der K�ste von Nordafrika und Sardinien.</style></p><p><style name="font3">An Bord herrschte Niedergeschlagenheit. Man hatte zwar das Marmarameer und die Dardanellen nach der Flucht aus Istanbul gut hinter sich gebracht, war aber trotzdem seines Lebens nicht mehr sicher. Es hatte den Anschein, als h�tten sich alle Schiffe des Mittelmeers gegen den spanischen Piraten verschworen. Wo sich die Flagge der �Trueno� zeigte, das schwarze Samtbanner mit den zwei H�nden, von denen die eine einen Frauenkopf streichelte und die andere ein Schiff umklammert hielt, er�ffneten Kanonen jeden Kalibers ohne Warnung das Feuer. Nur die ungeheure Man�vrierf�higkeit und das gro�artige seem�nnische K�nnen der aufeinander eingespielten Mannschaft hatte die schnittige Galeone bisher vor der Vernichtung bewahrt.</style></p><p><style name="font3">�Es ist teuflisch�, sagte Marina zu Porquez. �Wenn wir unsere Vorr�te erg�nzen wollen, dann m�ssen wir irgendwann einmal einen Frachter angreifen.�</style></p><p><style name="font3">�Das hei�t. Ihr gedenkt das alte Seer�uberleben wieder aufzunehmen�, erwiderte Porquez gr�mlich.</style></p><p><style name="font3">�Es bleibt uns doch nichts anderes �brig. Man l��t uns in keinen Hafen hinein, man schickt uns die ganze Meute der Mittelmeerflottillen auf den Hals, man sucht nach uns, man jagt uns. Und das Ende wird sein, da� wir auf unserem eigenen Schiff verhungern oder untergehen.� Zwischen Porquez und Marina herrschte keineswegs ein gutes Einverst�ndnis. Porquez spielte noch immer den Kapit�n; denn schlie�lich geh�rte ihm die �Trueno�. Die Mannschaft aber verg�tterte Marina und gehorchte keinem Befehl, der nicht von ihr kam. Da� es bisher noch keinen offenen Streit gegeben hatte, war lediglich dem Pfeifer zu verdanken. Er war der einzige, dem alle gleicherma�en Achtung zollten.</style></p><p><style name="font3">�Streicht doch endlich Eure verdammte Flagge�, sagte Porquez zu Marina. �Man mu� den Kriegsschiffen ja nicht schon von weitem zeigen, da� die �Trueno� kommt.� �Ich denke nicht daran, mich zu verstecken. Nicht ich,sondern Ihr habt ja die Schuld, da� der Ruf der �Trueno� so schlecht geworden ist.�</style></p><p><style name="font3">�Nun h�rt aber auf! Ich bin mein Leben lang ein ehrsamer Korsar gewesen und hatte einen Kaperbrief des K�nigs. Ihr habt uns doch die Suppe eingebrockt, Gr�fin. Ihr habt den ganzen Atlantik unsicher gemacht. Ihr habt gemordet, gepl�ndert und versenkt, was Euch vor die Rohre kam, w�hrend wir in Algier und am Rand der W�ste gefangen waren.�</style></p><p><style name="font3">�Verge�t nicht, da� ich Euch aus den Steinbr�chen befreite, da� Ihr mich verraten habt und da� Ihr von jenem Tag an kein k�niglicher Freibeuter mehr wart, als Euch der K�nig den Kaperbrief verweigerte. Unter Eurer Leitung ist die �Trueno� erst zu einem wirklichen Piratenschiff geworden.�</style></p><p><style name="font3">�Es ist doch sinnlos, da� Ihr Euch um vergangene Dinge streitet�, mischte sich Michel in das Gespr�ch ein. �Es gibt nur eins: wir m�ssen versuchen, so bald wie m�glich das Mittelmeer zu verlassen und uns in den offenen Atlantik zu retten. Dort haben wir mehr Ausweichm�glichkeiten.�</style></p><p><style name="font3">�Unsere Lebensmittel reichen keinen Monat mehr�, sagte Marina. �Wo sollen wir uns im Atlantik mit neuer Verpflegung versorgen?�</style></p><p><style name="font3">�Ich besitze noch gut und gern zehntausend Goldpiaster�, antwortete Michel. �Wenn wir irgendwo Nahrungsmittel kaufen k�nnen, so reichen diese Piaster, bis wir in Amerika sind.� �Erstens k�nnen wir keine kaufen, da uns niemand etwas verkauft. Und zweitens, was wird aus uns, wenn das Geld zu Ende ist? Irgendwann m�ssen wir ja auch wieder etwas verdienen.� �Eben, verdienen. Ich glaube, da� ihr, nachdem ihr mich in Nordamerika abgesetzt habt, am besten um S�damerika herum segelt. An der Pazifischen K�ste und im Stillen Ozean ist die �Trueno� unbekannt. Vielleicht k�nnt ihr dort Handelsbeziehungen ankn�pfen, Fracht laden und als Kauffahrer untertauchen.� Kapit�n Porquez nickte eifrig Zustimmung.</style></p><p><style name="font3">�Da habt Ihr recht, Senor Baum, das w�re eine gro�artige L�sung.� Marina lachte.</style></p><p><style name="font3">�Und Ihr meint, da� die Mannschaft damit zufrieden sein wird?�</style></p><p><style name="font3">�Sie wird m�ssen, wenn sie nicht verhungern will. Ich habe euch alle nicht deshalb vorm Galgen bewahrt, da� ihr eure neue Freiheit dazu ausnutzt, wieder die Meere unsicher zu machen.� Marina zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font3">�Als ich Kapit�n des Schiffes war, ist es mir gelungen, den Leuten nach und nach das Morden abzugew�hnen.�</style></p><p><style name="font3">�Wollt Ihr damit vielleicht rechtfertigen, da� Ihr weiterhin Schiffe ausgeraubt habt und in Zukunft wieder ausrauben wollt?� fragte Porquez scharf. �Es wird der einzig gangbare Weg sein�, antwortete Marina.</style></p><p><style name="font3">Michel fuhr sich mit der Hand �ber die Stirn. Pl�tzlich ging ein Leuchten �ber seine Z�ge, ein </style><style name="font3">freudiges Aufblitzen, wie man es lange nicht mehr an ihm hatte beobachten k�nnen.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe eine L�sung�, sagte er. �Wie w�re es, wenn sidi die �Trueno� nach all ihren Untaten </style><style name="font3">nun einmal einen Namen erw�rbe, mit dem sie Staat machen kann?�</style></p><p><style name="font3">Michel st�rmte auf die Kommandobr�cke, ergriff ein Sprachrohr und rief:</style></p><p><style name="font3">�Leute, wer jetzt irgendwie seinen Posten verlassenkann, komme an die Kommandobr�cke! Ich </style><style name="font3">habe euch etwas mitzuteilen und m�chte wissen, was ihr zu meinem Vorschlag meint.�</style></p><p><style name="font3">Alles, was frei war, kam eilig an dem bezeichneten Platz zusammen. Marina und Porquez folgten </style><style name="font3">kopfsch�ttelnd. �ber Taurollen und Teerf�sser sprangen auch Jardin und Ojo herbei, die am </style><style name="font3">Heck nach dem Rechten gesehen hatten. Senor Virgen stie� die T�r des Steuerhauses auf; denn </style><style name="font3">auch er wollte h�ren, was der Pfeifer zu sagen hatte.</style></p><p><style name="font3">Alle warteten gespannt.</style></p><p><style name="font3">�Ihr wi�t�, hob Michel an, �da� es so nicht weitergeht. Wenn wir nichts unternehmen, schwimmen wir bald als Geisterschiff mit verhungerten Matrosen durch die Meere.� Murmeln erhob sich im Kreis. Die Zuh�rer wu�ten nur zu gut, wie recht der Pfeifer hatte. �Macht einen Vorschlag, wie wir das �ndern k�nnen, Don Silbador!� rief einer der Piraten. �Augenblick, ich bin schon dabei. Aber vierteilt mich nicht, wenn er euch nicht gef�llt. Wir sind auf Nahrung angewiesen wie jeder Mensch. Solange ich an Bord bin, werde ich das wilde Kapern friedlicher Schiffe nicht zulassen. Aber wir k�nnen uns auch in keinem Hafen sehen lassen und sind nicht einmal in der Lage, Lebensmittel zu kaufen, weil uns niemand etwas gibt, weder f�r Geld noch f�r gute Worte.�</style></p><p><style name="font3">Die Matrosen sahen sich kopfsch�ttelnd an. Kapern sollten sie nicht, und auf ehrliche Weise war auch nichts zu bekommen. Was dachte sich der Mann da oben, der so widersinniges Zeug redete?</style></p><p><style name="font3">�Also doch ein Geisterschiff!� rief der Sprecher von vorhin.</style></p><p><style name="font3">�Nein, wir werden dem Fliegenden Holl�nder keine Konkurrenz machen. Es schwimmen genug Schiffe auf den Weltmeeren herum, bei denen wir Beute holen k�nnen, ohne uns gegen die Gesetze der christlichen Seefahrt zu vergehen. Ja, wir k�nnen zu Ruhm und Ehre gelangen, wenn wir unsere Kanonen dazu gebrauchen, andere Piraten zu bek�mpfen und von diesen die lebensnotwendigen G�ter erbeuten. Was haltet ihr davon?� Zun�chst herrschte tiefes Schweigen.</style></p><p><style name="font3">Dann kamen vereinzelte zustimmende Rufe. Auf einmal st�rmte Marina mit gl�henden Augen </style><style name="font3">die Treppe zur Kommandobr�cke empor und stellte sich an des Pfeifers Seite.</style></p><p><style name="font3">�Bei Gott, amigos�, rief sie, �der Silbador hat recht! Wir k�nnen unser ganzes Leben �ndern und </style><style name="font3">trotzdem herrlich und in Freuden leben; denn ein Piratenschiff hat im allgemeinen mehr Sch�tze </style><style name="font3">an Bord als zehn Kauffahrer. Ich stimme f�r den Vorschlag!�</style></p><p><style name="font3">Jardin warf seinen Hut in die Luft und schrie begeistert :</style></p><p><style name="font3">�Arriba, El Silbador! Arriba! Arriba!�</style></p><p><style name="font3">Und dann flogen alle Kopfbedeckungen in die Luft, und ein brausendes �Arriba� stieg zum Himmel empor.</style></p><p><style name="font3">Nachdem Ruhe eingetreten war, ergriff Michel abermals das Wort:</style></p><p><style name="font3">�Und noch eins, Freunde, wir ziehen jetzt die Fahne ein und hissen sie erst, wenn es zur ersten Schlacht kommt. Sie soll der Schrecken jedes Piratenschiffes sein. Von heute an wollen wir wie der Donner �ber die Seer�uber herfallen. �Donner� hei�t unser Schiff. Und der Blitz dazu sind die M�ndungsfeuer unserer Kanonen!�</style></p><p><style name="font3">Die Begeisterung kannte keine Grenzen. Michel verstand es nun einmal, mit Leuten dieses Schlages umzugehen. Sie waren die F�uste, die sein Hirn dirigierte. So schlug er zwei Fliegen mit einem Schlag.</style></p><p><style name="font3">Als der Abend kam, sank die Flagge vom Mast und wurde feierlich zusammengerollt.</style></p><p><style name="font3">Eins wu�te Michel allerdings nicht: was sollte werden, wenn er das Schiff verlassen hatte und </style><style name="font3">sich der Kapit�n und die Gr�fin weiter um die F�hrung stritten? Aber bis dahin hatte es noch </style><style name="font3">gute Weile. Man mu�te versuchen, den Augenblick richtig auszunutzen und zu meistern. -</style></p><p><style name="font3">Die �Trueno� gelangte sieben Tage sp�ter ohne Zwischenf�lle in die N�he Gibraltars. Der Wind </style><style name="font3">stand �u�erst g�nstig. Eine Ostbrise bl�hte kr�ftig die Segel. Im letzten D�mmerlicht erscholl </style><style name="font3">Ojos Stimme vom Ausguck:</style></p><p><style name="font3">�Der Felsen in Sicht! � Schiffe an der Ostseite!�</style></p><p><style name="font3">Michel, Porquez und Marina standen voll fiebernder Spannung auf der Kommandobr�cke. Bedauerlich war, da� sie in Istanbul keine Fernrohre erbeutet hatten und deshalb auf die Sicht mit blo�em Auge angewiesen waren. Noch war es hell genug, da� sie selbst mit Gl�sern von anderen Schiffen beobachtet werden konnten, wenn sie sich zu weit in deren N�he wagten. �Refft das Gro�segel!� befahl Porquez. �Halbe Fahrt voraus! Senor Virgen, geht auf genauen Kurs zwischen Felsen und Ceuta!�</style></p><p><style name="font3">Die �Trueno� richtete ihren Bug einige Striche weiter nach S�d. Langsam, mit sparsamsten Segeln, durchschnitt sie die sanften Wellen. Immer tiefer senkte sich die Nacht �ber das Meer. �Wir m�ssen den Felsen hinter uns haben, bevor der Mond aufgeht�, sagte Porquez. Marina und Michel nickten schweigend.</style></p><p><style name="font3">In der Ferne konnte man die Bordlichter der englischen Kriegsschiffe erkennen. Jetzt war es so dunkel, da� man die Hand kaum noch vor Augen sehen konnte.</style></p><p><style name="font3">�Wir haben Gl�ck�, fl�sterte Marina, �die Dunkelheit hat uns ein guter Geist geschickt.�</style></p><p><style name="font3">Auch die Piraten verst�ndigten sich nur im Fl�sterton, als bef�rchteten sie, da� der Schall ihrer Worte bis an den Felsen getragen w�rde.</style></p><p><style name="font3">Es gab nicht einen unter ihnen, den nicht die Spannung bis zum �u�ersten gepackt h�tte. Da donnerte die Stimme des Kapit�ns durch das Megaphon: �Setzt alle Segel! Geht in den Wind! Volle Fahrt voraus!�</style></p><p><style name="font3">Die Segel stiegen an den Masten. Die M�nner drehten sie in den Wind. Die immer st�rker </style><style name="font3">werdende Brise blies hinein und ri� das Schiff wie einen Pfeil vorw�rts.</style></p><p><style name="font3">Auf den Felsen und auf den englischen Schiffen r�hrte sich nichts.</style></p><p><style name="font3">Nur das heisere Geschrei der Affen auf den Felsen von Gibraltar war zu vernehmen.</style></p><p><style name="font3">Die Kanoniere standen an den geladenen Kanonen, um jederzeit verteidigungsbereit zu sein.</style></p><p><style name="font3">Dann endlich ging ein tiefes Aufatmen durch die Reihen. Sie hatten es geschafft. Ungehindert </style><style name="font3">waren sie an der st�rksten Seefestung der Welt vorbeigefahren.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">15</style></p></title><p><style name="font3">Es war drei Tage sp�ter. Der Pfeifer, der Kapit�n und die Gr�fin standen gemeinsam im Vorratsraum und betrachteten mit kritischen Blicken die wenigen S�cke mit Datteln, Maismehl und Reis.</style></p><p><style name="font3">�Soweit ich es �berblicken kann, ist es in acht Tagen vorbei mit der Herrlichkeit�, meinte Porquez bedr�ckt.</style></p><p><style name="font3">�Wir m�ssen einen Hafen anlaufen, koste es, was es wolle�, erwiderte Michel. �Wenn wir nicht gewaltsam etwas rauben, so n�tzt uns der ganze Hafen nichts�, sagte Marina. �Nun, wir sind hier im Atlantik. Vielleicht begegnet man uns hier nicht so feindselig wie an den Mittelmeerk�sten. Ich jedenfalls kann mir vorstellen, da� die Leute in Madeira f�r gutes Gold gute Ware liefern!�</style></p><p><style name="font3">�Schiff Backbord voraus! � Zwei Schiffe Backbord voraus!� erscholl in diesem Augenblick die Stimme des Aus- ] gucks.</style></p><p><style name="font3">�Verdammt�, sagte Porquez, lie� die beiden stehen und st�rmte nach oben. �Welche Nationalit�t?� fragte er den Mann im Ausguck. �Kann die Flaggen nicht erkennen! Entfernung noch zu gro�!�</style></p><p><style name="font3">Jardin und Ojo kamen herbei. Sie standen an der Reling und starrten dorthin, wo man die Schiffe in der Ferne erkennen konnte.</style></p><p><style name="font3">Die Stimme des Ausgucks kam wieder und ri� die drei an der Reling aus ihren Betrachtungen. �Erstes Schiff, links liegend, hat schweres Feuer er�ffnet. � Das andere erwidert jetzt Feuer. � Aber sehr schwach. � Versucht zu entkommen!�</style></p><p><style name="font3">�Maldito�, fluchte Porquez, �m�chte wissen, was da vorgeht. Wie sollen wir uns verhalten?� Gerade als er die letzten Worte ausgesprochen hatte, war Michel hinter ihn getreten. �Ich bin der Meinung, wir fahren n�her heran, damit wir Einzelheiten des Kampfes erkennen k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">Porquez war froh, da� er der Entscheidung enthoben war. Er setzte das Sprachrohr an und rief dem Steuermann zu:</style></p><p><style name="font3">�Nehmt direkten Kurs auf die beiden Schiffe, Senor Virgen.�</style></p><p><style name="font3">Marina hatte vor Erregung gl�nzende Augen. Sie sp�rte mit sicherem Instinkt, da� mit diesem Gefecht da vorn auch eine Entscheidung f�r die �Trueno� fallen w�rde.</style></p><p><style name="font3">�Heda, Ausguck�, rief sie, �komm herunter! Mach den Mastkorb frei; ich m�chte selbst hinauf!� Marina erklomm den Mast flink wie ein EichHornchen. Die �Trueno� scho� mit vollen Segeln, das Wasser scharf durchschneidend, auf die K�mpfenden zu. Bereits lie�en sich Einzelheiten unterscheiden.</style></p><p><style name="font3">�Das Schiff rechts scheint in harter Bedr�ngnis zu sein�, sagte Michel. �Seine Breitseiten sind ausgesprochen schwach. Seht nur, was sein Gegner f�r eine m�rderische Feuerkraft entwickelt!� �Demonio�, drang die helle Stimme Marinas aus dem Mastkorb herab, �Himmel und H�lle, der Schw�chere f�hrt im Top die englische Flagge! Diablo, der Angreifer ist ein verdammter T�rke!�</style></p><p><style name="font3">Ihre Stimme �berschlug sich fast. �Wi�t Ihr, wen wir da vor uns haben, Miguel? Die �Mapeika�, den Sklavenh�ndler, der mich nach Istanbul verschleppt hat.�</style></p><p><style name="font3">Michel �berlegte nicht lange. Sklavenh�ndler oder Pirat, was war der Unterschied? Er st�rmte, begleitet von Porquez und Jardin, auf die Kommandobr�cke.</style></p><p><style name="font3">�Diaz�, erscholl seine Stimme, �la� die Kanonen richten. Wir greifen den Menschenh�ndler an! Aber schie�t ihn nicht leck! Vielleicht hat er Sklaven an Bord.�</style></p><p><style name="font3">Die Piraten suchten sich Kn�ppel, rissen Latten aus der Reling, holten die in Skutari erbeuteten </style><style name="font3">Gewehre aus den Kabinen und machten sich zum Entern bereit.</style></p><p><style name="font3">�Buggesch�tze klar!� rollte Ojos donnernder Ba� �ber Deck.</style></p><p><style name="font3">Die �Trueno� scho� direkt auf die �Mapeika� zu.</style></p><p><style name="font3">Vom Steuer her rief Senor Virgen:</style></p><p><style name="font3">�Noch eine Viertelmeile, dann sind wir dicht genug!�</style></p><p><style name="font3">Eine Minute � zwei Minuten � drei Minuten vergingen.</style></p><p><style name="font3">�Achtung, Kanoniere! � Gebt Feuer!�</style></p><p><style name="font3">Die Salve sa� gro�artig. Auf dem T�rken st�rzten die Masten zusammen. Die �Trueno� lag jetzt Breitseite an Breitseite mit dem Gegner. Wieder kam Ojos Stimme: �Steuerbordgesch�tze! � Feuer!�</style></p><p><style name="font3">Aber auch auf der �Mapeika� schlief man nicht. Ihre Backbordgesch�tze blieben die Antwort nicht schuldig, Dennoch richteten die Kugeln auf der �Trueno� keinen wesentlichen Schaden an. Ein paar Segel wurden zerfetzt; aber die Masten standen.</style></p><p><style name="font3">F�r eine zweite Breitseite der �Mapeika� reichte es nicht mehr; denn die�Trueno� drehte in elegantem Bogen neunzig Grad ab, so da� jetzt die Heckgesch�tze ein Wort mitreden konnten. �Heckgesch�tze! � Feuer!�</style></p><p><style name="font3">Die Kugeln sa�en wieder ausgezeichnet. Die meisten Kanonen der �Mapeika� schwiegen jetzt. Da wurde auch der Engl�nder mutiger. Zwar war seine Best�ckung so gering, da� er keinen ernsthaften Schaden anrichten konnte. Aber das doppelseitige Feuer, das nun auf dem Sklavenh�ndler lag, steigerte noch die Verwirrung.</style></p><p><style name="font3">Die �Trueno� hatte ihren Bogen vollendet und griff von neuem an. Aus dem Mastkorb h�rte man Marina:</style></p><p><style name="font3">�Fertig machen zum Entern, Jungens! Hi�t unsere Flagge! Sie sollen sehen, mit wem sie es zu tun haben.�</style></p><p><style name="font3">W�hrend die schwarze Flagge am Mast emporstieg, grollten nochmals die Kanonen vom Bug hin�ber.</style></p><p><style name="font3">Dann war es soweit. Die �Trueno� lag Seite an Seite mit der �Mapeika�.</style></p><p><style name="font3">Enterhaken und Enterbr�cken besa�en die Piraten nicht. Sie konnten das feindliche Schiff nur an </style><style name="font3">schwingenden Seilen erreichen. Mit markersch�tterndem Gebr�ll flogen die ersten zwanzig </style><style name="font3">hin�ber und stie�en wie die Adler auf die entsetzten T�rken hinab.</style></p><p><style name="font3">Bei der zweiten Welle waren auch Michel, Ojo und Marina, die als einzige schwere S�bel </style><style name="font3">besa�en.</style></p><p><style name="font3">Der dicke Mustapha stand auf der Kommandobr�cke neben seinem angstschlotternden Kapit�n Muras und sandte Kugel um Kugel gegen die Angreifer.</style></p><p><style name="font3">Michel ri� sein Gewehr, das er umh�ngen hatte, von der Schulter, stie� seinen S�bel in die Holzplanken und legte an.</style></p><p><style name="font3">Dreimal bellte die Villaverdische Muskete auf, und Mustapha, Muras und ein dritter Mann sanken st�hnend zusammen und umklammerten mit schmerzverzerrten Gesichtern ihre Beine. Michel hatte sie in die Waden oder Schenkel getroffen. Sie waren au�er Gefecht gesetzt. Wild ging der Kampf hin und her.</style></p><p><style name="font3">Marina hatte ihren S�bel mit beiden H�nden gepackt und schlug mit erstaunlicher Kraft auf die turbanbedeckten Sch�del ein. Links und rechts von ihr schwangen die Piraten ihre unzul�nglichen Waffen mit einer Begeisterung, als gelte es, durch Tapferkeit Unsterblichkeit zu erlangen.Und immer wieder stiegen ihre Rufe empor: �Viva, la Senorita Capitan! � Arriba, Marina!�</style></p><p><style name="font3">Einige Piraten hatten jetzt die Br�cke erklommen und drangen auf die Verwundeten ein, die sich dort in Schmerzen wanden.</style></p><p><style name="font3">Kn�ppel und Latten sausten auf ihre K�pfe nieder. Da rief Marina: �Haltet ein, amigos! Die Menschenr�uber geh�ren mir!�</style></p><p><style name="font3">Dann stand sie vor Mustapha, der sie aus entsetzten Augen anstarrte.</style></p><p><style name="font3">�Du mich erkennen?� fragte sie in ihrem gebrochenen T�rkisch und setzte dem Dicken die </style><style name="font3">Spitze ihres S�bels auf die Kehle.</style></p><p><style name="font3">�Allah akbar!� st�hnte der Verwundete, �die rothaarige Hexe.� Er schlo� die Augen.</style></p><p><style name="font3">�Du Augen auf, mich angucken, verdammter Menschenschinder�, fuhr ihn Marina an. �Sonst ich ziehen S�bel durch Hals von dir.� Mustapha �ffnete die Augen vorsichtig.</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah, schenke mir das Leben! Ich habe dich gut behandelt. Ich habe dich an einen reichen Pascha verkauft, Hast du es nicht gut gehabt bei Cheir Eddin?�</style></p><p><style name="font3">�Ich mir ausmalen, ich dich qu�len, wie du mich qu�len. Ich dich verkaufen als Wassertr�ger irgendwo in Amerika.�</style></p><p><style name="font3">�In Amerika?� Mustaphas Augen weiteten sich. �Wo ist Amerika?� �Dr�ben, auf andere Seite von Ozean. Du nie mehr sehen Islam.� Mustapha hatte sich wieder gefangen.</style></p><p><style name="font3">�Maalisch�, sagte er, denn er war trotz allem ein echter Moslem, der das Schicksal, das Allah ihm vorgezeichnet hatte, geduldig ertrug. �</style></p><p><style name="font3">Der Kampf war zu Ende. Die �berlebenden T�rken hatten sich ergeben.</style></p><p><style name="font3">Michel mu�te seine ganze Autorit�t aufbieten, um ein Gemetzel zu verhindern. Die Gefangenen wurden im Heck zusammengedr�ngt und von einigen Piraten bewacht.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">16</style></p></title><p><style name="font3">Inzwischen hatte der Engl�nder an der anderen Seite der �Mapeika� angelegt. Ein brausendes Hurra f�r die Mannschaft des Schiffes mit der eigenartigen Fahne stieg aus hundert Kehlen zum Himmel auf.</style></p><p><style name="font3">Man legte einen Laufsteg von Deck zu Deck. Der britische Kapit�n des Engl�nders kam her�ber. Er fragte einen, wer der Kapit�n des Schiffes sei. Der Mann wies auf die Kommandobr�cke, wo Marina noch immer auf ihren Peiniger von ehedem einredete.</style></p><p><style name="font3">�Was denn, wie denn?� fragte der englische Kapit�n in schlechtem Spanisch. �Das ist ja eine Frau!�</style></p><p><style name="font3">�Das ist keine Frau�, grinste der Pirat. �Das sieht nur so aus. Sie ist eine G�ttin, unsere Senorita Capitan.�</style></p><p><style name="font3">Der Engl�nder sch�ttelte noch immer verwundert den Kopf. Bei Gott, einen weiblichen Kapit�n hatte er noch nie zu Gesicht bekommen! Nun, die Welt war gro� und die Menschheit bunt und mannigfaltig. Gleichg�ltig, wer hier Kapit�n war. Jedenfalls war er Dank schuldig. �Hallo, Madam!� rief er.</style></p><p><style name="font3">Marina wandte sich um. Einen letzten b�sen Blick schickte sie zu Mustapha. Dann schritt sie die Treppe hinab, den S�bel noch immer in der Hand.</style></p><p><style name="font3">�Ich bin gekommen, um Euch den Dank unseres Schiffes abzustatten. Mein Name ist Grearson, Kapit�n der �Unicorn�.� Er war entz�ckt von Marinas wilder Sch�nheit und starrte ihr unverwandt ins Gesicht.</style></p><p><style name="font3">Marina reichte ihm die Hand, die er mit einer etwas steifen Verbeugung k��te. �Bueno�, sagte sie l�chelnd, �ich bin die Gr�fin de Andalusia. Unser Schiff hei�t �Trueno�.� �Trueno?� fuhr der Kapit�n zur�ck. �Good God, doch nicht etwa der ber�chtigte Pirat?� Er blickte sich um und sah in Gesichter, die durchaus nicht gerade sch�n und vertrauenerweckend waren.</style></p><p><style name="font3">�Keine Sorge, Captain, wir tun Euch nichts. Ihr seid so sicher wie in Abrahams Scho�. Und ehe ich's vergesse, wir waren fr�her einmal Korsaren. Heute sind wir weder Piraten noch Korsaren. Wir bek�mpfen die R�uber der Meere.� Grearson atmete erleichtert auf.</style></p><p><style name="font3">Von dorther, wo die Br�cke von Deck zu Deck gelegt war, erklangen pl�tzlich �berraschte Rufe. �Steve � Steve! Sieh nur, das ist ja Mr.Baum! T�usche ich mich? Nein, wirklich. The Whistler<a l:href="#n_11" type="note">[11]</a> !�The Whistler!�</style></p><p><style name="font3">Steve Hawbury st�rmte �ber die Planken. Alle fr�here Gegnerschaft war vergessen. �Welch eine �berraschung, Mr. Baum, Euch hier zu sehen. Habt Ihr Marina gefunden?� Michel l�chelte.</style></p><p><style name="font3">�Ihr habt sie also noch immer nicht vergessen, Steve?�</style></p><p><style name="font3">�Nein. Ich werde sie niemals vergessen. Wo ist sie? Wi�t Ihr etwas �ber sie?�</style></p><p><style name="font3">�Vielleicht dreht Ihr Euch einmal um, Steve.�</style></p><p><style name="font3">Steve Hawburys Blicke flogen �ber das Schiff.</style></p><p><style name="font3">�Mein Gott!� rief er begl�ckt. �Da steht sie ja leibhaftig.� Er st�rmte hin�ber.</style></p><p><style name="font3">Michel kam jetzt endlich dazu, auch Isolde Hawbury die Hand zu reichen. �Ich w�hnte Euch l�ngst zu Hause in London, Miss Hawbury.�</style></p><p><style name="font3">�Oh, wir waren schon zu Hause. Wir sind schon wieder unterwegs�, lachte sie. �Die Hawburys </style><style name="font3">haben unruhiges Blut.�</style></p><p><style name="font3">�Und wo soll die Reise hingehen?�</style></p><p><style name="font3">�Diesmal nach Indien, nach Kalkutta, Mr. Baum. Vater erh�lt dort einen Posten bei der Ostindien-Kompanie.�</style></p><p><style name="font3">�Kaum die Strapazen in Marokko �berstanden�, wunderte sich Michel, �und schon wieder zu neuen Taten unterwegs! Sagt, habt Ihr nicht Lust, die Frau kennenzulernen, die Euer Bruder so sehr zu verehren scheint?� Isoldes Stirn umw�lkte sich.</style></p><p><style name="font3">�Ich sehe diese Sympathie nicht allzu gern; sie ist und bleibt doch eine Ausgesto�ene der Gesellschaft. Ihr habt sie doch auch nie gemocht.�</style></p><p><style name="font3">�Well�, sagte der Pfeifer nachdenklich, �nicht gemocht, ist ein wenig zu viel gesagt. Ich sch�tze nur ihre Taten nicht besonders. Aber ich glaube, jeder Mensch ist ver�nderungsf�hig, wenn man die M�he nicht scheut, seinen Einflu� wirken zu lassen.�</style></p><p><style name="font3">�Nun, ich vermag die Dinge nicht so zu durchschauen. Mir hat sie ja auch nichts getan. Gehen wir, ich m�chte sie begr��en. Ein bi�chen neugierig bin ich ja doch, wie die Frau aussieht, die mein Bruder liebt.�</style></p><p><style name="font3">Die mein Bruder liebt � � klang es in Michel nach. War es Wehmut, die ihn befiel? Seit sie von Istanbulabgefahren waren, hatte er Marina noch nicht ein einzigesmal gefragt, was aus dem Brief geworden sei, den sie vom Grafen Eberstein erhalten haben wollte. Staunend sp�rte er, wie sehr sein Gef�hl f�r Charlotte Eck verbla�t war. Oder war es vielleicht nur versch�ttet? Sie standen jetzt bei der Gruppe, die sich aus Marina, dem britischen Kapit�n, Steve und Alfonso Jardin zusammensetzte. Der altePorquez war an Bord der �Trueno� zur�ckgeblieben. F�r Piratenk�mpfe war er nun doch schon zu alt geworden.</style></p><p><style name="font3">�Hallo, Miguel�, sagte die Gr�fin, �endlich sehe ich Euch! Habt Ihr Euch am Kampf beteiligt?� Michel sch�ttelte den Kopf.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe nur die drei auf der Br�cke kampfunf�hig geschossen. Hier m�chte ich Euch Steves </style><style name="font3">Schwester vorstellen.�</style></p><p><style name="font3">Marina blickte Isolde freundlich an.</style></p><p><style name="font3">�Endlich�, sagte sie, �es hat lange gedauert, bis wir einander kennenlernen, nicht wahr?� �Senorita Hawbury�, sagte die Stimme des kleinen Jardin. Seine Augen strahlten. �Welch ein Wiedersehen!�</style></p><p><style name="font3">�Por Dios�, grollte im R�cken ein tiefer Ba�, �da w�ren wir ja alle beieinander.� Ojo lachte dr�hnend und zeigte seine wei�en Z�hne,</style></p><p><style name="font3">Der einzige, der sich ein wenig fehl am Platze vorkam, war Captain Grearson. Er war ziemlich verdutzt. Piraten, eine sch�ne Frau, der Pfeifer, den er aus Erz�hlungen der jungen Hawburys kannte � und alle schienen sich gl�nzend zu verstehen. Steve blickte sich suchend um.</style></p><p><style name="font3">�Ich vermisse den Kapit�n und Don Escamillo�, meinte er fragend. �Der Kapit�n ist dr�ben geblieben�, antwortete Michel.</style></p><p><style name="font3">�Und Euer ewiger Gegner, Gr�fin?� wandte sich Steve an Marina. �Hat er abgeheuert?�</style></p><p><style name="font3">Die Umstehenden schwiegen betreten.</style></p><p><style name="font3">Marina fa�te sich zuerst. �Ja�, sagte sie fest, �er hat abgeheuert--f�r immer. Wir konnten </style><style name="font3">ihn nicht retten. Aber das erz�hlen wir Euch ein andermal.� Grearsons Verwunderung stieg noch um einige Grade.</style></p><p><style name="font3">War hier nicht soeben die Rede von einem Kapit�n? Die Gr�fin war ihm als Kapit�nin bezeichnet worden. Und nun war da noch ein Kapit�n, der an Bord des Seer�uberschiffes geblieben war? Sonderbar, sehr sonderbar.</style></p><p><style name="font3">Grearson wu�te beim besten Willen nicht, wie er sich verhalten sollte. Er war Kapit�n eines Schiffes, das der Ostindien-Kompanie geh�rte. Von der �Trueno� hatte er viel geh�rt. Die Kunde von den Raubfahrten des Schiffes war auch bis nach London gedrungen. Vielleicht w�re es im Sinn der Kompanie gewesen, wenn er den Seer�uber versenkte. Aber das war schlechterdings ein Wagnis, das er auf keinen Fall eingehen konnte; denn w�hrend des Gefechtes hatte er die Feuer�berlegenheit des Piraten mit Erstaunen wahrgenommen. Es gab in der ganzen britischen Flotte keinen Kreuzer, der Bug- und Heckkanonen besa� und aus allen Lagen feuern konnte. Man sollte sich dieses sonderbare Schiff zum Freund machen. Recht hat, wer stark ist. Das war auch mehr oder weniger der Grundsatz der Kompanie. � �Darf ich euch alle bitten, an Bord der �Unicorn� meine G�ste zu sein?� fragte er mit einer verbindlichen Verbeugung. �Ich glaube, Lord Hawbury w�rde es sehr begr��en, die Retter unseres Schiffes kennenzulernen.�</style></p><p><style name="font3">Michel und Marina tauschten einen Blick des Einverst�ndnisses.�Wir nehmen die Einladung an, Captain Grearson. Sagen wir, in einer Viertelstunde. Ich mu� erst noch Anweisungen �ber die Bergung der Prise geben�, meinte Michel.</style></p><p><style name="font3">Kapit�n Grearson nickte und verabschiedete sich eilig, Jetzt verstand er �berhaupt nichts mehr. Da war also jener Mann, den sie den Pfeifer nannten, und wollte Weisungen erteilen, die doch nur dem Kapit�n zustanden!</style></p><p><style name="font3">�Drei Kapit�ne auf einem Schiff�, murmelte er kopfsch�ttelnd und kletterte �ber den Verbindungssteg. -</style></p><p><style name="font3">�Was wollen wir nun mit dem T�rken machen?� fragte Marina.</style></p><p><style name="font3">�Ich denke�, entgegnete Michel, �wir nehmen uns, was wir brauchen und �berlassen ihn dann sich selbst.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid unverbesserlich, Miguel. Meint Ihr im Ernst, ich w�rde diesen Schuft von einem Sklavenh�ndler so ohne weiteres laufen lassen? Wie wollt Ihr Euern Vorschlag gegen�ber der Mannschaft begr�nden?�</style></p><p><style name="font3">�Nun, wenn Ihr etwas Besseres wi�t, dann sagt es.� Marina �berlegte ein paar Minuten. Ihre Augen blitzten.</style></p><p><style name="font3">�Ich bin daf�r, da� wir das Schiff behalten. Es ist gut ausger�stet, und wir heuern recht bald neue Leute an, um es zu bemannen. Die Aufbauten und Masten sind schnell repariert. Wir k�nnten das Kommando an Senor Porquez �bergeben, dann h�tten wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. In Zukunft werden wir also Seer�uber mit zwei Schiffen bek�mpfen. Was sagt Ihr dazu?�</style></p><p><style name="font3">Ehe Michel noch etwas erwidern konnte, ergriff Steve das Wort:</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube, ich wei� noch etwas Besseres. Nehmt das Schiff ins Schlepptau und schafft es nach Kalkutta. Der Gouverneur der Ostindien-Kompanie wird euch sicher einen guten Preis zahlen.�</style></p><p><style name="font3">�Wir werden schon sehen�, warf Michel ein, �ich bin daf�r, da� wir Captain Grearson fragen, ob er nicht einen Rat wei�. Jetzt entschuldigt mich, ich mu� mich darum k�mmern, da� die �Trueno� aus den Vorr�ten der �Mapeika� mit allem Notwendigen versorgt wird.� �Bis nachher denn�, sagte Steve und wandte sich an Isolde, �komm Schwesterchen, gehen wir hin�ber und bereiten den alten Herrn darauf vor, da� er deinen Lebensretter und die Frau, die mich vor der Heirat mit der alten Wallbrook bewahrt hat, geb�hrend begr��t.� Die Geschwister wandten sich lachend ihrem Schiff zu.</style></p><p><style name="font3">Der Bauch der �Mapeika� gab viele n�tzliche Dinge her. Datteln und Feigen, Pulver und </style><style name="font3">Kanonenkugeln, viele F�sser mit Wasser, Dolche und Gewehre und vor allem drei der lange </style><style name="font3">entbehrten, ausziehbaren Fernrohre.</style></p><p><style name="font3">Die �Trueno� wurde mit allem, was ihr fehlte, ausger�stet.</style></p><p><style name="font3">W�hrend Michel noch die Arbeit verteilte, kam ein Pirat zu ihm und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Unter den Gefangenen ist ein Mann mit einem wei�en Bart, der behauptet, Spanier zu sein. Er </style><style name="font3">sei von dem T�rken zum Dienst auf dem Schiff gezwungen worden. Der Mann sagt, es bef�nden </style><style name="font3">sich noch elf M�nner seiner fr�heren Schiffsbesatzung angekettet im Kielraum. Er selbst will </style><style name="font3">Kapit�n gewesen sein.�</style></p><p><style name="font3">�Einen Augenblick�, sagte Michel, �ich komme gleich hin�ber. Ich m�chte selbst mit dem </style><style name="font3">Mann reden. Sondere ihn von den �brigen Gefangenen ab.�</style></p><p><style name="font3">Ein paar Minuten sp�ter stand Michel dem alten Don Hidalgo<sup>1</sup> gegen�ber.</style></p><p><style name="font3">�Buenas tardes�, begr��te ihn der Pfeifer. �Man sagte mir, da� Ihr ein gefangener Spanier seid.�</style></p><p><style name="font3">�Por Dios, das will ich meinen. Ich bin noch nie in meinem Leben einem Menschen dankbar </style><style name="font3">gewesen. Aber Euch will ich danken. Viele Monate habe ich auf diesen Augenblick gewartet.�</style></p><p><style name="font3">Er berichtete in kurzen Worten, wie er zum Sklaven Mustaphas geworden war, wie Mustapha </style><style name="font3">ihn zu seinem Dolmetscher gemacht hatte, wie er alle Gespr�che zwischen Marina und Mustapha </style><style name="font3">hatte vermitteln m�ssen, und da� seine Matrosen nun schon die ganze Zeit im Kielraum des </style><style name="font3">Schiffes schmachten m��ten und nur zu schwerer Arbeit an Bord geholt w�rden, zu deren </style><style name="font3">Verrichtung die arabisch-t�rkische Mannschaft zu faul war.</style></p><p><style name="font3">�So kennt Ihr also Marina, die andalusische Gr�fin?�</style></p><p><style name="font3">�Si, si�, nickte Don Hidalgo eifrig. �Und wenn sie ein Herz hat, so wird sie auch mich wiedererkennen.�</style></p><p><style name="font3">�Bueno, ich glaube Euch und werde sofort veranlassen, da� Eure Freunde aus dem Kielraum befreit werden. Leider kann ich Euch Marina nicht vorstellen; denn sie ist bereits auf der �Unicorn�.�</style></p><p><style name="font3">�Darf ich auf Euer Schiff gehen, Senor?� fragte der Alte. �Ich kann diese Muselmanen nicht mehr sehen. Vor allem revoltiert meine Nase gegen den Gestank, den sie ausstr�men. Da sie keinen Wein trinken, f�llen sie sich den Bauch mit Wasser, statt sich damit zu waschen.� Michel mu�te lachen. Der Alte, der sich kurioserweise mit Don Hidalgo vorgestellt hatte, schien trotz aller Not und Entbehrung auf dem Sklavenschiff seinen Humor bewahrt zu haben. �Bien, geht hin�ber auf die �Trueno�, Don Hidalgo. Ich schicke Euch Eure M�nner nach, sobald sie aus dem Kielraum kommen.�</style></p><p><style name="font3">Ojo nahm sich ein paar Helfer und stieg in die Tiefen der �Mapeika�. Als er die Luke hob, durch die man in den Kielraum gelangte, fuhr er entsetzt zur�ck. Ein f�rchterlicher Gestank schlug ihm entgegen.</style></p><p><style name="font3">Schwache, kaum wahrnehmbare Stimmen drangen aus der Tiefe herauf. �Geduld, companeros, wir holen euch heraus.�</style></p><p><style name="font3">Sie lie�en ein Seil hinunter. Ojo brannte eine Fackel an und kletterte hinab.</style></p><p><style name="font3">Dort lagen, in faulige, stinkende Lumpen geh�llt, elf zum Skelett abgemagerte Menschen, deren </style><style name="font3">Barte bis weit �ber die Brust hinunter reichten.</style></p><p><style name="font3">�Santa Maria, Madre de Dios�, sagte Ojo ersch�ttert. �Welch eine Schweinerei! Na, das werden wir dem Mustapha und seinen Kreaturen heimzahlen.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">17</style></p></title><p><style name="font3">Kapit�n Grearson und Lord Hawbury sa�en in der Kapit�nskaj�te zusammen.</style></p><p><style name="font3">�So, so, hm�, sagte Hawbury gedehnt. �Es ist also ein bekannter Pirat. Ja, was soll man dazu </style><style name="font3">sagen?�</style></p><p><style name="font3">Grearson zuckte die Achseln.</style></p><p><style name="font3">�Zu sagen w�re, da� man den Befehl der Admiralit�t ausf�hren und das Schiff versenken m��te, mit allem, was sich an Bord befindet. Aber es ist uns �berlegen, weit �berlegen. Und die Mannschaft ist kampferprobt, so da� sie es gut und gern mit der dreifachen �bermacht aufnehmen w�rde.�</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury wiegte den Kopf und sagte nichts. Das Leben schien neuerdings t�glich Zwiesp�ltigkeiten hervorzubringen. Dinge und Entscheidungen, mit denen sich ein General des K�nigs niemals auseinanderzusetzenbrauchte. Aber jetzt war er General der Kompanie. Und der uneingestandene Wappenspruch der Kompanie war: Recht ist, was uns n�tzt. �Man k�nnte die Angelegenheit an sich auf sehr einfache Weise bereinigen, General�, nahm Grearson seine Betrachtungen wieder auf. �Man k�nnte zum Beispiel heimlich ein paar Pulverf�sser an der Ankerkette befestigen und brauchte es gar nicht erst zu einem offenen Kampf kommen zu lassen. Sicherlich feiern die Piraten ihren Sieg. Und einer von unseren Leuten k�nnte das Schiff in die Luft jagen, w�hrend sich die prominenten Seer�uber, wie etwa der Pfeifer oder jene Gr�fin, auf unserem Schiff befinden.�</style></p><p><style name="font3">�W�rdet Ihr diesen Plan ausf�hren, wenn die Entscheidung bei Euch l�ge, Grearson?� �Well, die Entscheidung liegt nicht bei mir. Erlaubt, da� ich diese Frage unbeantwortet lasse.� �Denkt Ihr eigentlich daran, da� sie uns das Leben gerettet haben?� Der General war sehr ernst. �Ja. Deshalb bat ich Euch ja auch, meine Ansicht f�r mich behalten zu d�rfen.� �Das hei�t mit anderen Worten, da� Ihr aus eigener Initiative nichts gegen die Piraten unternehmen w�rdet?� �Ganz recht.�</style></p><p><style name="font3">Des alten Hawburys Miene kl�rte sich auf.</style></p><p><style name="font3">�Nun, dann gehen wir einig. Ich br�chte es niemals �bers Herz, meine Lebensretter zu vernichten, nicht einmal f�r den K�nig.�</style></p><p><style name="font3">�Und was wird aus dem geschlagenen T�rken? Sollen wir ihn als Prise verlangen?� �Ist es nach dem geltenden Seerecht m�glich?�</style></p><p><style name="font3">�Wenn wir den Piraten als Piraten betrachten, ja. Doch dann m��ten wir auch die anderen Konsequenzen ziehen.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr bewegt Euch im Kreise, Captain Grearson.�</style></p><p><style name="font3">�Entschuldigt, General, ich bin noch nie in einer solchen Lage gewesen.�</style></p><p><style name="font3">�Die wenigsten werden je in eine solche Lage kommen. Ich bin daf�r, wir tun so, als sei die </style><style name="font3">�Trueno� das Kriegsschiff einer befreundeten Nation.�</style></p><p><style name="font3">�Well, dann k�nnen wir wohl in die Messe gehen; denn ich sch�tze, da� sich unsere G�ste bald einfinden werden.� �</style></p><p><style name="font3">Marina hatte ihre Seer�ubertracht abgelegt und erschien in einem phantastischen Gewand, das sie aus einem Ballen loser t�rkischer Seide wie ein gro�es Abendkleid drapiert und gesteckt hatte.</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury und Kapit�n Grearson sprangen wie elektrisiert auf und empfingen die Spanierin mit ausgesuchter H�flichkeit.</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury war ein Verehrer sch�ner Frauen. Und er mu�te sich eingestehen, da� er eine solche Sch�nheit bisher in keinem Londoner Salon angetroffen hatte. Steve und Isolde starrten Marina an. Steve stotterte vor �berraschung. Mit neuer Glut scho� die Flamme seiner Liebe zu Marina empor.</style></p><p><style name="font3">Man nahm an der k�stlich gedeckten Tafel Platz und plauderte in unverbindlichem Ton.</style></p><p><style name="font3">Ein wenig sp�ter � Michel war noch nicht da � fragte Hawbury:</style></p><p><style name="font3">�Habt Ihr Euch bereits entschieden, meine Gn�digste, was Ihr nun tun werdet?�</style></p><p><style name="font3">�Am liebsten w�re es mir, wenn wir mit euch nach Kalkutta segelten, um das erbeutete Schiff </style><style name="font3">dem indischen Gouverneur anzubieten.�</style></p><p><style name="font3">�Das w�re eine ausgezeichnete L�sung. Was hindert Euch daran, so zu verfahren?�Marina l�chelte.</style></p><p><style name="font3">�Ich bin nicht in der Lage, meine Herren, meine Entscheidung selbst�ndig zu f�llen.� �Pardon, ich glaubte, Ihr w�rt der Kapit�n der �Trueno�?� Marinas L�cheln verst�rkte sich.</style></p><p><style name="font3">�Das ist richtig und auch wieder nicht richtig. Ich bin der Kapit�n, den die Mannschaft will. Senor Porquez, der mit den �brigen Herren gleich erscheinen wird, ist nach dem Seerecht Kapit�n. Der eigentliche Herr des Schiffes aber, dessen Meinung wiederum f�r uns alle ma�geblich ist, ist Senor Baum.�</style></p><p><style name="font3">Des Generals Gesicht machte einen leicht verwirrten Eindruck. Dann klang die helle Stimme Isoldes her�ber:</style></p><p><style name="font3">�Papa, Mr. Baum ist jener Pfeifer, der mich zuerst aus dem Harem und sp�ter aus den Verlie�en des Daj von Algier befreit hat.�</style></p><p><style name="font3">�Oh, wie interessant! Ich werde mich freuen, ihm f�r die Rettung meiner Tochter danken zu k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick �ffnete sich die T�r, und Kapit�n Porquez, Jardin und Senor Virgen traten ein.</style></p><p><style name="font3">�Senor Baum�, sagte Porquez bei der Begr��ung, �l��t sich entschuldigen. Er hat noch auf dem Schiff zu tun; denn es sind im Kielraum der �Mapeika� soeben elf spanische Sklaven entdeckt worden. Die Bedauernswerten befinden sich in einem erb�rmlichen Zustand. Und da Senor Baum Arzt ist, will er sie zuerst versorgen.�</style></p><p><style name="font3">Als Michel nach einer halben Stunde eintrat, gab Kapit�n Grearson Anweisung, Speisen und Wein aufzutragen.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb habt Ihr Ojo nicht mitgebracht?� fragte Isolde.</style></p><p><style name="font3">�Er wollte nicht. Er ist dabei, die T�rken in den Kielraum zu sperren, aus dem wir die Spanier befreien konnten.�</style></p><p><style name="font3">Die G�ste, die gute europ�ische K�che lange genug entbehrt hatten, hielten sich kr�ftig daran. Der Wein befl�gelte ihre Sinne. Die Stimmung hob sich zusehends.</style></p><p><style name="font3">�Habt Ihr Euch nun entschlossen, was Ihr tun werdet?� fragte Kapit�n Grearson den Pfeifer. Die Augen der Spanier richteten sich erwartungsvoll auf Michel. Dieser f�hrte langsam das Weinglas zum Munde und trank bed�chtig. Dann sagte er:</style></p><p><style name="font3">�Eigentlich wollten wir nach Amerika. Ich glaube fast, da� es mein Schicksal ist, immer wieder vom Weg abgetrieben zu werden. Es sieht so aus, als w�re Steves Vorschlag, mit Euch nach </style><style name="font3">Kalkutta zu segeln, die beste L�sung. Wenn meine Freunde einverstanden sind, so steht dem nichts im Wege.�</style></p><p><style name="font3">Sie waren einverstanden. Man legte die Einzelheiten fest. Michel schlug vor, das Sklavenschiff mit den befreiten Spaniern zu bemannen und dann die Weiterfahrt gemeinsam anzutreten. Lord Hawbury erhob sich, ergriff sein Glas und stie� mit den anderen an. �Auf gute Fahrt�, sagte er.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">18</style></p></title><p><style name="font3">Mit neuerlicher Kraftanstrengung legte sich der Bauer in das Joch seines mittelalterlichen Pfluges. Sein kleiner Sohn, kaum f�nf Jahre alt, half, das primitive Werkzeug durch den kargen, rissigen Boden zu ziehen. Hintenging die Frau und dr�ckte den Dorn des Pfluges mit zittrigen H�nden in das harte Erdreich. Eine Kuh besa� dieser arme indische Bauer nicht. So mu�te er mit Menschenkraft versuchen, schmale, unregelm��ige Furchen zu ziehen. Der Schwei� lief den dreien in Str�men �ber Stirn und Nacken. Die Augen und Adern traten dem Bauern vor Anstrengung aus dem Kopf. Seit Stunden bearbeitete er sein kleines St�ckchen Pachtland auf diese Weise; das Wenige, was dort wuchs, mu�te ausreichen, um die Familie zu ern�hren, den Pachtzins an den Samindar zu zahlen und den Zehnten an den Radscha von Bihar abzuf�hren.</style></p><p><style name="font3">Der Bauer geh�rte zu den Raijaten. Das waren die �rmsten der Armen, P�chter, Landarbeiter </style><style name="font3">oder Lehensbauern. Sie wurden von allen anderen Kasten verachtet und niedriger eingesch�tzt </style><style name="font3">als ein Hund. Ihr einziger Trost war der Himmel, der f�r alle gleich blau war. Und was sie noch </style><style name="font3">gemeinsam mit den Bessergestellten hatten, waren die ewigen Fluten des Ganges, des heiligen </style><style name="font3">Flusses der Hindus. Ihre Knechtschaft w�hrte schon Jahrhunderte. Gleichg�ltig, wer immer ihr </style><style name="font3">Herr war, Elend, Hunger und harte Arbeit blieben ihnen als schweres Erbe. -</style></p><p><style name="font3">Der Bauer blieb ersch�pft stehen und wischte sich mit einem Zipfel seines Hemdes den Schwei� </style><style name="font3">ab, der schmerzend in den Augen brannte. Da fiel sein Blick auf einen anderen Bauern, der </style><style name="font3">bisher die Nachbarparzelle umgepfl�gt hatte. Er sah, wie dieser pl�tzlich Pflug und Werkzeug </style><style name="font3">im Stich lie� und auf die �rmlichen Bambush�tten des Dorfes zurannte. Im gleichen Augenblick </style><style name="font3">klang auch Geschrei auf, das der Wind bis hierher auf die Maisfelder trug.</style></p><p><style name="font3">�Was mag es da geben?� fragte die Frau mit ver�ngstigtem Gesicht.</style></p><p><style name="font3">Der Mann kniff die Augen zusammen und legte seine Hand beruhigend auf den Kopf des </style><style name="font3">Jungen.</style></p><p><style name="font3">�Wahrscheinlich sind die Steuerbeamten da, um den Zehnten f�r den Radscha zu erheben.� �O Gott, was sollen wir tun?� fragte die Frau.</style></p><p><style name="font3">�Am besten ist es, wir bleiben hier und lassen uns nicht im Dorf sehen.�</style></p><p><style name="font3">�Aber wenn sie nun Tscham finden, werden sie ihn nicht vielleicht foltern, um zu erfahren, ob </style><style name="font3">wir einige Annas<a l:href="#n_12" type="note">[12]</a> vergraben haben?�</style></p><p><style name="font3">�Tscham ist klug genug, um in den Wald zu gehen, bis diese Hunde das Dorf verlassen haben. Er wird sich nicht fangen lassen.�</style></p><p><style name="font3">�Und unsere H�tte � � wenn sie nun aus Rache unsere H�tte anstecken?� Des Bauern Z�hne knirschten aufeinander.</style></p><p><style name="font3">�Dann schlafen wir eben in einem Maisbl�tterhaufen. Meine hundert m�hsam ersparten Annas bekommen sie nicht.�</style></p><p><style name="font3">Er spannte sich wieder in das Joch und wuchtete den Pflug ein paar Meter weiter. Die beiden waren die Pflegeeltern Tschams. Tscham war ein Findelkind, das sie vor siebzehn Jahren, als die Zeiten noch besser und die Steuern nicht ganz so hoch waren, zu sich genommen hatten.</style></p><p><style name="font3">Sie hatten den Jungen erzogen im Glauben Schiwas. Und der Junge hatte es ihnen durch besondere Klugheit und besonderen Lerneifer gedankt.</style></p><p><style name="font3">Sadharan, der Brahmane des Dorfes, ein gro�er Rischi<a l:href="#n_13" type="note">[13]</a> und ein Kenner der unsterblichen indischen Philosophien und Dichtungen, hatte Tscham zu seinem Sch�ler gemacht. Der Junge wu�te mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als die anderen Einwohner des Dorfes. � Tscham sa� um diese Stunde im hohen Ge�st eines Bo-Baums, des heiligen Baums der Hindus, und beobachtete, von den Bl�ttern verborgen, den Platz des Dorfes. Dort standen die �brigen Raijaten und schrien erregt durcheinander.</style></p><p><style name="font3">In der Mitte stand ein wohlgen�hrter, gut gekleideter Mann, der einen Kn�ppel schwang und den Bauern damit wahllos auf die K�pfe schlug.</style></p><p><style name="font3">�Ihr r�udiges Pack, ihr stinkenden Faulpelze, soll ich vielleicht erst die Soldaten des Radscha holen, damit ihr eure Steuern bezahlt?�</style></p><p><style name="font3">�Wir haben doch kein Geld, Sahib�, jammerte eine Frau und hielt dem Steuereintreiber ihr zum Skelett ab-gemagertes Kind entgegen. �Hab doch Erbarmen, Sahib, Mein Mann schuftet von fr�h bis abends, und wir haben doch kaum gen�gend Mais, um Brot zu backen.� �Schweig, du Kr�te, und mach keine Ausfl�chte! Ich wei� schon, da� ihr Geld in euren H�tten versteckt habt. Los, heraus damit, wenn du nicht willst, da� ich deinem Mann die Haut in Striemen vom R�cken ziehe.�</style></p><p><style name="font3">�Wir haben nichts, Sahib. Wir haben nichts! Keinen einzigen Anna haben wir. Wir sind �rmer als die Ratten im Keller des Radscha.�</style></p><p><style name="font3">�Ich werde dir helfen, das Wort Radscha im Zusammenhang mit Ratten auszusprechen�, schrie der Steuereinnehmer w�tend, holte mit dem Stock aus und schlug erbarmungslos auf Frau und Kind ein.</style></p><p><style name="font3">�Halt ein, Sahib. Sei nicht so unmenschlich�, sagte im R�cken des W�tenden eine ruhige Stimme.</style></p><p><style name="font3">Der Sprecher war der Brahmane Sadharan.</style></p><p><style name="font3">Der Steuerbeamte fuhr herum und starrte dem Rischi ins Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Willst du mich an der Aus�bung meines Amtes hindern, du schmierige B�cherlaus? Ich komme auch noch zu dir wegen der Steuern.�</style></p><p><style name="font3">�Du wei�t so gut wie ich, da� ich keine Felder bebaue und daher auch keine Steuern entrichten kann. Es ist nicht deines Amtes, Menschen zu schinden, denen der trockene Boden die Frucht ihrer Arbeit versagt hat.�</style></p><p><style name="font3">Beif�lliges Murmeln erhob sich im Kreis. Der Steuerbeamte erkannte, da� die Worte des weisen Mannes den Widerstand der �Verderbten� noch untermauerten. Die Bewohner dieses Dorfes waren seit jeher schlechte Steuerzahler. Der Steuereinnehmer dachte mit Schrecken an das Gesicht des Radscha, wenn er unverrichteter Dinge nach Bihar zur�ckkehrte. Er setzte eine h�lzerne Pfeife an die Lippen und pfiff. Im Nu waren die Bauern von Bewaffneten umringt. �H�rt, ihr verfluchten Tiere, mein letztes Wort! Zahlt die Steuern jetzt oder ich lasse das Dorf von oben nach unten kehren.� Die Bauern r�hrten sich nicht.</style></p><p><style name="font3">�Durchsucht die H�tten!� schrie der Steuereinnehmer seinen Leuten zu. �Und wo ihr nichts findet, steckt sie in Brand!�</style></p><p><style name="font3">�Halt!� rief der Brahmane und hob die Hand. �Tut es nicht, ihr Kriegsknechte! Ihr vers�ndigt euch an Schiwa. Der Fluch Bhowanees, der G�ttin des Todes, wird euch treffen!� �Verdammter B�cherwurm�, schrie der Beamte w�tend, �jetzt habe ich genug. Vorw�rts, Leute, tut, was ich gesagt habe, und zwei kommen her und geben dem Altenf�nfzig Hiebe, damit er sich nicht mehr gegen die Gesetze seines Radscha auflehnt!�</style></p><p><style name="font3">Lautes Wehklagen hob an, als die Kriegsknechte in die H�tten drangen und die ersten Flammen aus dem trockenen Bambusrohr in den Himmel loderten.</style></p><p><style name="font3">Zwei M�nner hatten Sadharan, den Weisen, �ber einen Baumstamm geworfen und hielten ihn fest. Der Steuereinnehmer lie� ein schweres Hanfseil durch die Luft wirbeln und auf den R�cken des Alten niedersausen.</style></p><p><style name="font3">Aber er kam nicht mehr zum zweiten Schlag. Er stie� einen Schrei des Entsetzens aus, griff sich an die Brust, aus der der Schaft eines gefiederten Giftpfeils ragte, brach mit verdrehten Augen zusammen und war tot.</style></p><p><style name="font3">Mit irren Blicken starrten die beiden Knechte ihren Herrn an. Sie lie�en den Brahmanen los und stie�en Schreckensschreie aus. Sadharan schickte einen pr�fenden Blick zu jenem B�-Baum hin�ber, auf dem Tscham sa�. Ein verstehendes L�cheln lag auf seinen Z�gen. Die S�ldner hielten in ihrem Zerst�rungswerk inne und kamen auf den Dorfplatz gerannt. Sadharan deutete auf die Leiche des Steuereinnehmers und hob die andere Hand beschw�rend zum Himmel auf.</style></p><p><style name="font3">�Das war die Rache Bhowanees�, sagte er mit grollender Stimme. Die S�ldner sahen einander erschrocken an und waren kurze Zeit darauf verschwunden. Die armen Raijaten machten sich eiligst daran, die z�ngelnden Flammen, die die Brandstifter gelegt hatten, zu l�schen oder wenigstens soweit einzud�mmen, da� sie nicht auf die anderen Bambush�tten �bergreifen konnten. �</style></p><p><style name="font3">Der Brahmane sa� in seinem Lehmhaus, dessen R�ume innen mit blauer Seide ausgelegt waren, </style><style name="font3">und studierte l�ngst wieder in einem seiner vielen B�cher, als sich die T�r vorsichtig �ffnete, </style><style name="font3">und Tscham mit schleichenden Schritt eintrat.</style></p><p><style name="font3">�Bist du besch�ftigt, weiser Mann?� fragte der Knabe ehrfurchtsvoll.</style></p><p><style name="font3">Sadharan wandte sich langsam zu ihm um und blickte ihn mit ernsten Augen an.</style></p><p><style name="font3">�Du hast in dem gro�en Bo-Baum gesessen, Tscham?� fragte er.</style></p><p><style name="font3">Tscham sah verlegen zu Boden. Doch dann richtete er seinen Blick fest auf seinen Lehrer und antwortete:</style></p><p><style name="font3">�Ja. Ich habe gejagt und mich im Bogenschie�en ge�bt, als der Steuereinnehmer mit seiner Meute erschien. Schiwa legte den Pfeil, der ihn t�tete, selbst in meine Hand.� �Schiwa, Tscham? Du solltest nicht die Schuld am Tode des Steuereinnehmers auf Schiwa abw�lzen. Das Gewissen und die Seele eines jeden m�ssen tragen, was die H�nde getan haben.� �Willst du mich schelten, weiser Mann, weil ich die Kreatur der Gewalt get�tet habe?� Sadharans Lippen umspielte ein feines L�cheln.</style></p><p><style name="font3">�Schelten? Nein, wie k�nnte ich dich schelten, da doch dein Pfeil mich vor der Schande des Geschlagenwerdens bewahrt hat. Ich m�chte dir danken, Tscham. Aber ich glaube, da� du sp�ter einmal an die Stunde dieses Schusses zur�ckdenken wirst.�</style></p><p><style name="font3">�Ich verstehe dich nicht, weiser Mann. Ich bin im Gegenteil der �berzeugung, da� ich noch mehr solcher Steuereinnehmer t�ten werde, wenn sie die Raijaten so hart bedr�ngen. Meine</style></p><p><style name="font3">Pflegeeltern sind schlie�lich auch Raijaten.�Der Brahmane erhob sich und schritt gesenkten Hauptes im Raum auf und ab. Pl�tzlich blieb er vor Tscham stehen und legte ihm eine Hand v�terlich wohlwollend auf die Schulter.</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� nicht, weshalb ich daran glaube, da� du �ber diese T�tung sp�ter einmal wie �ber eine kindliche Dummheit den Kopf sch�tteln wirst. Aber eine innere Stimme sagt mir, da� du eines Tages selbst an einer Stelle sitzen wirst, von der aus du dann deine Steuerbeamten auf die D�rfer schickst.�</style></p><p><style name="font3">Tscham trat einen Schritt zur�ck und warf den Kopf emp�rt in den Nacken.</style></p><p><style name="font3">�Ich werde das niemals tun! Niemals. Ich glaube auch nicht, da� ich jemals ein Samindar<a l:href="#n_14" type="note">[14]</a></style></p><p><style name="font3">werden k�nnte; denn ich bin doch selbst nur ein Raijat.�</style></p><p><style name="font3">�Die Wege des Schicksals sind oft wunderbar und verschlungen. Ich sage dir nur, da� die Zeit nicht mehr fern ist, wo dein Dasein als Raijat ein Ende hat.�</style></p><p><style name="font3">Die beiden sahen einander pl�tzlich erschrocken an, Aus der Ferne klang Hufgetrappel an ihre Ohren. Zahlreiche Reiter mu�ten es sein, die dieses Ger�usch verursachten. �Die Reiter des Radscha!� stie� Tscham hervor.</style></p><p><style name="font3">�Ja, du magst recht haben. Sie werden kommen, um den Tod des Eintreibers zu r�chen. Fliehe, Tscham! Flieh in die W�lder und warte, bis Gras �ber die Sache gewachsen ist. Komm abends an die R�ckwand meines Hauses. Dort wirst du stets Speise und Trank finden. Aber sei vorsichtig, falls man auch mein Haus beobachtet.�</style></p><p><style name="font3">Tscham warf sich einen K�cher mit Pfeilen �ber den R�cken, h�ngte sich den Bogen um, und als er gehen wollte, dr�ckte ihm Sadharan ein handgro�es gebundenes Buch in die Hand. Es waren die Upanischaden<a l:href="#n_15" type="note">[15]</a>.</style></p><p><style name="font3">�Lies darin, Tscham, und vergi� �ber der Jagd und dem Leben in den W�ldern nicht die Schulung des Geistes; denn der Geist ist es, der uns tr�gt. Der Geist ist alles, wenn du mit ihm deinen K�rper beherrschen kannst.�</style></p><p><style name="font3">Es kam Tscham vor, als kl�ngen diese Worte wie ein Abschied f�r immer. Als er das Haus verlie�, erf�llte ihn Wehmut.</style></p><p><style name="font3">Aber der n�her kommende Hufschlag verscheuchte diese Gedanken und trieb ihn zu schnellem Lauf, bis er im Wald verschwunden war. � Zwei Tage waren vergangen.</style></p><p><style name="font3">Tscham war durch die W�lder gestreift, hatte gejagt, geschlafen und eingedenk der Worte seines Lehrers, auch den Geist nicht zu kurz kommen lassen.</style></p><p><style name="font3">Nun aber zog es ihn m�chtig zur�ck in das Dorf der Bambush�tten. Er war �berzeugt, da� die Reiter des Radscha ziemlich wild gehaust hatten und da� seine Hilfe bei der Tilgung der Sch�den vielleicht von Nutzen sein konnte.</style></p><p><style name="font3">So wanderte er auf verschlungenen Pfaden zur�ck und stand zur Zeit des aufbrechenden Mondes wieder vor dem Haus des Brahmanen. Vor dem Haus?</style></p><p><style name="font3">Ein eisiger Schreck durchzuckte ihn. Dort, wo das Haus gestanden hatte, gab es nur einen einzigen Tr�mmerhaufen, aus dem verkohlte Balkenenden ragten. Tscham stand fassungslos vor der Ruine, die ein Jahrzehnt lang die Schule seines Geistes gewesen war.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich rannen Tr�nen �ber seine bronzefarbenen Wangen. Von Schmerz gebeugt, sank er nieder und senkte seinen Kopf zwischen die Knie.</style></p><p><style name="font3">Als er eine Stunde so gekauert hatte, sprang er auf und schlich sich zu jener H�tte, in der seine Pflegeeltern wohnten. Ganz leise trat er ein. Der Bauer und seine Frau sa�en sinnend vor dem kleinen Herdfeuer. Der kleine Junge, sein Pflegebruder, schlief auf einer Bastmatte. Die verh�rmten Gesichter der beiden wandten sich ihm zu. Zuerst war freudiges Erstaunen in ihnen. Aber dann zuckte ein j�her Schreck �ber das Antlitz des Mannes. Die gebeugte Gestalt sprang auf.</style></p><p><style name="font3">�Tscham�, rief er halblaut, �um Gottes willen, Tscham, was treibt dich ins Dorf?�</style></p><p><style name="font3">�Ich wollte meinen weisen Lehrer wiedersehen. Und ich fand nur die Tr�mmer seines Hauses.</style></p><p><style name="font3">Was ist mit ihm?�</style></p><p><style name="font3">�O Tscham, geh schnell wieder in die W�lder! Die Bauern hassen dich; denn sie wissen, da� du den Steuereinnehmer erschossen hast. Die Reiter des Radscha sind wiedergekommen und haben den Brahmanen gefoltert. Als er trotz aller Qualen nichts sagen wollte, nahmen sie ihn mit. Er war der gute Geist des Dorfes, und die Bauern geben dir die Schuld, da� man ihn uns genommen hat.�</style></p><p><style name="font3">Tscham starrte seinen Pflegevater entsetzt an. Aber dann wurden seine Augen hart.</style></p><p><style name="font3">�Lebt wohl und Dank f�r alles, was ihr mir gegeben habt. Ich gehe zur�ck in die W�lder. Und </style><style name="font3">ich sage dir, der Tag wird kommen, an dem ich Sadharan r�chen werde.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">19</style></p></title><p><style name="font3">Mr. Stanley Fox sa�, weit in seinen Liegesessel zur�ckgelehnt, auf der Veranda seines Bungalows. Von Zeit zu Zeit griff seine Hand nach dem mit Whisky gef�llten Glas. Schluck um Schluck sch�ttete er das scharfe, unverd�nnte Getr�nk die Kehle hinunter.</style></p><p><style name="font3">Riesige Bartstoppeln standen in seinem Gesicht. Er war zu faul, sich zu rasieren. Sauberkeit hielt er hierzulande, zwischen den dreckigen Hindus, wie er die Einwohner von Bihar geringsch�tzig nannte, f�r v�llig �berfl�ssig. Seine Kleidung, einstmals wei�, starrte vor Schmutz. Aber Mr. Fox schien sich dennoch wohlzuf�hlen. Er war der Handelsattache der Ostindischen Kompanie am Hof des Radscha von Bihar. Wenigstens war Handelsattache seine offizielle Bezeichnung. In Wirklichkeit hatte er die Aufgabe, herauszubringen, wie man das kleine F�rstentum am besten in den Herrschaftsbereich der Kompanie einf�gen konnte. Der Radscha von Bihar war ein betagter Herr, der nicht mehr allzu viele Jahre zu leben haben w�rde. Er war der Zivilisation des Abendlandes gegen�ber sehr aufgeschlossen, hielt sich englische Pferde, englische Karossen, hatte im Park seines Palastes einen englischen Pavillon errichten lassen und baute mit englischen Ingenieuren Stra�en nach britischem Muster. Der Radscha von Bihar war nicht arm. Er h�tte alle diese Dinge in bar bezahlen k�nnen. Aber daran lag der Ostindien-Kompanie gar nichts. Der Generalgouverneur in Kalkutta hatte ein Konto f�r ihn errichtet, auf dem der Radscha hoch in der Kreide stand. Das schlimmste dabei war, da� der alte F�rst keine Ahnung von seinen betr�chtlichen Schulden hatte. Er vermeinte, da� die viertelj�hrlichen Tribute, die er an Mr. Fox bezahlte, einmal dazu dienten, seine Schulden zu begleichen, und zweitens, von den Truppen der Kompanie gegen �bergriffe anderer Maharatten<sup>1</sup> gesch�tzt zu sein. Wie schon erw�hnt, war sein F�rstentum klein und die Bev�lkerung arm, so da� er sich eine eigene Schutzarmee nicht halten konnte. Aus eigenen Mitteln bestritt er lediglich die Kosten f�r seine Palastgarde, eine Einheit von noch nicht f�nfhundert Mann St�rke.</style></p><p><style name="font3">Mr. Stanley Fox war vor f�nf Jahren in dieses friedliche L�ndchen gekommen und hatte die Segnungen der Zivilisation haupts�chlich in Form von nie ausgehenden Whiskyflaschenbatterien auf seinem Elefanten mitgef�hrt.</style></p><p><style name="font3">Er war es, der den Radscha zu den Tributen zu �berreden versuchte. Und der Radscha, dessen F�rstentum gerade zu jenem Zeitpunkt dauernd von mehr oder weniger gut ausger�steten R�uberbanden bel�stigt wurde, hatte in den Schutzvertrag eingewilligt. Der Vertrag enthielt die Klausel, da� sich sein Erbe genau wie er von der Kompanie als besch�tzt betrachten durfte. Sein Erbe?</style></p><p><style name="font3">Mr. Fox war erstaunt. Er wu�te nichts von einem Sohn des Radscha. Der Radscha aber meinte mit diesem Erben einen Adoptivsohn, der nach indischem Recht und Brauch einem leiblichen Erben gleichgestellt war.</style></p><p><style name="font3">Mr. Stanley Fox setzte das Whiskyglas wieder auf den Tisch. Es war leer. Er rekelte sich f�r einige Sekunden in seinem Sessel, erhob sich dann und ging in das Innere des luftigen Hauses.</style></p><p><style name="font1">' Mischvolk aus Drawida und Ariera im s�dlichen Vorderindien</style></p><p><style name="font3">Ein Blick auf den Kalender zeigte ihm, da� heute der Tribut entrichtet werden mu�te. Fox wu�te aus Erfahrung, da� sich die Sahibs des Hofes nicht sonderlich eilten, die hunderttausend Rupien zu zahlen.</style></p><p><style name="font3">Er strich sich �ber das unrasierte Kinn und angelte sich dann den Tropenhelm vom Haken. Mit beiden H�nden in den Taschen schlenderte er hin�ber zum Palast. Er w�rde wieder einmal mahnen m�ssen.</style></p><p><style name="font3">Auf den Wegen des herrlich angelegten Parkes traf er eine Gruppe b�rtiger, w�rdiger Inder. Respektlos trat er an sie heran und sagte in nachl�ssigem Ton: �Hallo, Mr. Sahu, kann ich Euch eine Sekunde sprechen?�</style></p><p><style name="font3">Sahu war der Finanzverwalter des Radscha. Fox hatte englisch gesprochen. Er dachte gar nicht daran, das Hindustani zu erlernen. Die Inder sollten gef�lligst Englisch lernen, wenn sie sich mit einem Briten unterhalten wollten.</style></p><p><style name="font3">Sahu verhielt den Schritt, murmelte seinen Begleitern etwas zu und l�ste sich von der Gruppe, die Fox �berhaupt keine Beachtung schenkte, sondern in tiefem Gespr�ch weiterging. �Ihr w�nscht, Mr. Fox?� fragte Sahu in gutem Englisch.</style></p><p><style name="font3">�Well, mein Bester, heute ist der Tribut f�llig. Wie steht es mit der Bezahlung? Der Tag ist schon fast vorbei.� Sahu l�chelte verbindlich.</style></p><p><style name="font3">�Oh, macht Euch keine Sorgen, Mr. Fox. Ihr bekommt den Tribut schon. Oder habt Ihr je Grund zur Klage �ber Nichteinhaltung unserer Abmachungen gehabt?�</style></p><p><style name="font3">��ber Nichteinhaltung nicht�, erwiderte Fox frech. �Aber �ber die Unp�nktlichkeit. Letzten Endes sch�tzenwir ja das F�rstentum Bihar Tag und Nacht und k�nnen auch nicht z�gern, wie es uns pa�t. Ihr wi�t, da� man in Kalkutta an p�nktliche Zahlungen gew�hnt ist.� Der Inder kannte Fox lange genug, um zu wissen, da� er keine Lebensart hatte, da� er ungezogen war und nichts au�er sich selbst respektierte. Man konnte mit so einem Kerl nur fertig werden, wenn man ebenfalls die H�flichkeit beiseite legte.</style></p><p><style name="font3">�Steht es so schlecht um Euer Unternehmen, da� Eure Handelsgesellschaft Bankrott macht, wenn sie die hunderttausend Rupien morgen bekommt statt heute?�</style></p><p><style name="font3">Fox bi� sich auf die Lippen. So ein unversch�mter Kerl, dachte er. Unbeherrscht gab er zur Antwort:</style></p><p><style name="font3">�Macht Euch um die Liquidit�t der Ostindien-Kompanie keine Sorgen, Mr. Sahu. Sie wird noch zahlungsf�hig sein, wenn Eure Asche l�ngst im Ganges schwimmt.� Der Inder l�chelte ironisch.</style></p><p><style name="font3">�Na also�, meinte er. �Dann kommt es tats�chlich nicht darauf an, ob Ihr heute oder morgen Euer Geld erhaltet. Ich werde morgen einen Boten zu Euch schicken, wenn es bereitliegt.� Er ging gru�los davon, der Gruppe nach, von der er sich vorhin getrennt hatte.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">20</style></p></title><p><style name="font3">Die Gruppe, zu der Sahu geh�rte, begab sich in den Palast und wandelte gemessenen Schrittes dem Ratssaal zu. Diener mit wei�en Turbanen �ffneten die gro�en Fl�gelt�ren und lie�en die Ratgeber eintreten.</style></p><p><style name="font3">Der Ratssaal war kostbar ausgestattet. An seinem Kopfende gab es eine thronartige Erh�hung, �ber die ein beweglicher Baldachin gespannt war. Dieser Baldachin diente nicht zur Versch�nerung, sondern konnte wie ein F�cher bewegt werden, so da� der darunter Sitzende stets von einem k�hlenden Luftzug umgeben war.</style></p><p><style name="font3">Wieder �ffneten sich die Fl�gelt�ren, und der Radscha von Bihar betrat, gefolgt von zwei Vertrauten und zwei Dienern, den Saal.</style></p><p><style name="font3">Die Wartenden legten die Handfl�chen flach zusammen, f�hrten sie zur Stirn und verbeugten sich, wie es die indische Sitte verlangte.</style></p><p><style name="font3">Der alte, wei�b�rtige Herr nickte leicht und schritt dem Sitz unter dem Baldachin zu. Die Diener setzten den Riesenf�cher in Bewegung. Die zwei Vertrauten nahmen zu F��en des F�rsten ihren Platz ein.</style></p><p><style name="font3">�Nun, ihr Edlen�, begann der F�rst, �weshalb habt ihr mich gebeten, mit euch zu Rate zu sitzen? Was gibt es Au�ergew�hnliches in Bihar?� Sahu trat vor, verbeugte sich abermals und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Ich, dein alleruntert�nigster Diener, habe Wichtiges vorzutragen, Hoheit. Gestern morgen erreichte mich die Kunde, da� das Volk von Bihar nicht mehr nur gegen die hohen Steuern murrt, sondern da� es sich an verschiedenen Orten bereits in offenem Aufstand befindet. Die Raijaten k�nnen oder wollen nichts mehr zahlen; denn die Ernte war schlecht, eine Hungersnot droht.�</style></p><p><style name="font3">�In offenem Aufstand?� fragte der F�rst. �Wie soll ich das verstehen? R�cken sie auf Bihar </style><style name="font3">vor?�</style></p><p><style name="font3">�So weit ist es noch nicht. Vorerst haben sie einen unserer Steuereinnehmer hinterr�cks mit einem vergifteten Pfeil erschossen. Der M�rder konnte nicht ge-funden werden. Aber deine S�ldner haben den vermutlichen Urheber des Aufstands gefangen und in den Schlangenturm geworfen. Sie haben sein Haus zerst�rt und seine Besitzt�mer vernichtet. Das Volk, Hoheit, ist dar�ber �u�erst erbittert.�</style></p><p><style name="font3">Der Radscha starrte nachdenklich vor sich hin. Dann senkte er sein Haupt und fragte mit leiser Stimme:</style></p><p><style name="font3">�Wer ist der Urheber des Aufstandes, kenne ich ihn? Ist er ein Mann von Bedeutung?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, Hoheit.� Die Ratgeber sahen einander unschl�ssig an. Sollten sie dem F�rsten den Namen </style><style name="font3">sagen? Sahu fuhr fort: �Es ist der weithin bekannte und geliebte Brahmane Sadharan, einer der </style><style name="font3">Weisesten und G�tigsten deines Volkes, Hoheit.�</style></p><p><style name="font3">Der Radscha sah auf. Unmutsfalten standen auf seiner hohen Stirn.</style></p><p><style name="font3">�Sadharan?� fragte er, und Best�rzung war in seiner Stimme, �Sadharan soll einen Aufstand angezettelt haben? Das ist kaum zu glauben, ja unfa�lich. Habt ihr Beweise daf�r?� �Unmittelbare Beweise gibt es nicht; denn das Volk l��t sich lieber foltern, als da� es etwas aussagt. Dennoch war die Emp�rung so gro�, da� einige deiner S�ldner von den w�tenden Bauern erschlagen wurden. Sadharan hat offen gegen deinen Steuereinnehmer gesprochen. Und als dieser ihn daf�r z�chtigen lassen wollte, traf ihn der Giftpfeil, der, wie die Bauern glauben und wie der Brahmane behauptete, von Schiwas Bogen stammte.� Es herrschte Schweigen im Ratssaal. Nach einer Weile fragte der Radscha:</style></p><p><style name="font3">�Auf welche Summe bel�uft sich der Fehlbetrag in deiner Kasse, Sahu Khan?� �Auf hundertzwanzigtausend Rupien, Hoheit. Und soeben war Fox bei mir und dr�ngte auf Zahlung unseres Tributs an die Kompanie.� Des Radschas Stirn umw�lkte sich.</style></p><p><style name="font3">�Die Kompanie, immer diese Engl�nder! Meinst du nicht, da� sie uns den Tribut stunden k�nnten?�</style></p><p><style name="font3">�Solange Fox die Gesellschaft vertritt, werden sie uns keinen Anna stunden.� �Wie w�re es, wenn wir ohne Wissen von Fox einen geeigneten Botschafter nach Kalkutta schicken, damit er dem Generalgouverneur unsere Sorgen unmittelbar vortr�gt?� Die Ratgeber warfen einander fragende Blicke zu. Sahu kannte die Engl�nder der Kompanie zu gut, um sich einer so tr�gerischen Hoffnung hinzugeben. Aber weshalb sollte man dem alten Radscha von vornherein jede Hoffnung nehmen? Vielleicht brachte es ein geschickter Unterh�ndler fertig, menschliche Saiten, die unzweifelhaft auch bei den Leuten der Kompanie vorhanden waren, zum Klingen zu bringen.</style></p><p><style name="font3">�Wir k�nnen es immerhin versuchen, Hoheit. Ich zweifle zwar am Erfolg einer solchen Mission. Aber es wird uns nichts anderes �brigbleiben.�</style></p><p><style name="font3">�Oh, Sahu Khan�, warf einer der Ratgeber ein, jener, der die Truppen des Radscha befehligte, �es gibt eine M�glichkeit, das Geld schnellstens herbeizuschaffen.� �Und die w�re?� fragte Sahu.</style></p><p><style name="font3">�Wir w�rden alle Krieger Seiner Hoheit aufbieten und mit dieser verh�ltnism��ig gro�en Streitmacht von Dorf zu Dorf ziehen, um die Bauern zu z�chtigen und ihnen alle Annas zu entrei�en, die sie irgendwo vergraben haben. Wenn das nicht ausreicht, k�nnten wir die Kompanie bitten, uns ein Bataillon Sipoys zur Verf�gung zustellen, was uns der Generalgouverneur sicherlich nicht abschlagen w�rde.�</style></p><p><style name="font3">Der Radscha verga� seine W�rde. Er sprang auf und streckte die geballte Faust gegen den Kommandeur seiner Truppen aus.</style></p><p><style name="font3">�Wie kannst du mir einen solchen Vorschlag machen, Daulat Khan! Meine Seele emp�rt sich bei dem Gedanken, da� Inder auf solche Weise gegen Inder vorgehen k�nnten! Es ist der Gott der Finsternis, der dir solche Gedanken eingibt.�</style></p><p><style name="font3">Daulats Gesicht spiegelte Verlegenheit, gepaart mit Verschlagenheit. Er sagte ruhig: �Die Raijaten sind Verderbte, sind Unreine. Seit Jahrhunderten emp�ren sie sich immer wieder gegen den Zehnten, den sie ihren angestammten F�rsten schuldig sind. Wenn man ihnen nicht die Z�hne zeigt, werden sie eines Tages dahin kommen, da� sie freiwillig �berhaupt nichts mehr hergeben.�</style></p><p><style name="font3">�Du machst einen Denkfehler, Daulat Khan. Sind wir von Schiwa eingesetzt, um unsere Untergebenen zu knechten oder um ihnen Schutz und Hort der Friedlichkeit zu sein? Die Religion der Hindus gebietet Gewaltlosigkeit. Wenn unsere Truppen und unsere Steuereinnehmer schon nicht mehr vor den Tr�gern des indischen Geistes haltmachen, wo soll Indien denn da noch hinkommen?� Daulat zuckte die Achseln.</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� nichts anderes, um die Kasse Sahu Khans wieder aufzuf�llen, Hoheit.�</style></p><p><style name="font3">Der Radscha setzte sich wieder. Er gr�belte eine Weile. Und dann ging ein Aufleuchten �ber seine Z�ge.</style></p><p><style name="font3">�Wie w�re es, wenn wir den Vertrag mit der Ostindien-Kompanie k�ndigten?� Die Gesichter der Ratgeber nahmen zuerst einen verbl�fften Ausdruck an. Einer sagte: �Du selbst hast diesen Vertrag gewollt, Hoheit.� Der Radscha winkte ab.</style></p><p><style name="font3">�Was hei�t gewollt. Gewollt hat ihn Fox. Und ich bin auf seine Reden hereingefallen. Wer sollte schon unser kleines F�rstentum erobern wollen? Es gibt nur einen, der versuchen wird, es zu schlucken: das ist die Kompanie. Wenn wir keinen Tribut mehr entrichten, dann k�nnen wir die Steuergelder dazu benutzen, Waffen zu kaufen und eine eigene Streitmacht aufzustellen. Nun, �ber meinen Vorschlag braucht jetzt nicht beschlossen zu werden. Wir werden es uns �berlegen. Ich erkl�re die Ratssitzung f�r geschlossen.� Er wollte gehen, aber Sahus Stimme hielt ihn zur�ck.</style></p><p><style name="font3">�Fox wird morgen wieder nach dem Tribut fragen, Hoheit. Was soll ich ihm antworten?� �Halte ihn hin, Sahu Khan, bis wir wissen, was wir unternehmen werden.� Der Radscha verlie� w�rdigen Schritts den Saal.</style></p><p><style name="font3">�Hinhalten�, sagte Sahu zu Daulat, �wie er sich das vorstellt! Die Sipoys werden kommen und kurzen Proze� machen. Sie haben es mit vielen anderen F�rstent�mern in Indien bewiesen.� Daulat sagte nur:</style></p><p><style name="font3">�Er wird alt. Und er hat keinen Nachfolger. Er sollte endlich jemanden adoptieren. Wenn kein Erbe da ist, hat die Kompanie sowieso leichtes Spiel. Die Herren in Kalkutta haben es gelernt, auf ihre Stunde zu warten.�</style></p><p><style name="font3">Die anderen nickten Zustimmung. Ihre K�pfe waren voll schwerer Gedanken.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">21</style></p></title><p><style name="font3">Nacht lag �ber Bihar, undurchdringliche Nacht. Die heiligen Bo-B�ume nickten im Rauschen des Windes mit ihren Kronen, die wie gro�e K�pfe aussahen. Es war, als ob selbst die Pflanzen und Tiere in schweigender Trauer um die einstige Gr��e Indiens verharrten. An der Mauer des Palastes huschte ein Schatten entlang, dessen hastige Beweglichkeit nicht so recht in den Rahmen der friedlichen Nacht passen wollte. Die Gestalt, der dieser Schatten geh�rte, duckte sich jetzt hinter ein Geb�sch; denn aus der Nacht klang der Schritt eines Postens auf.</style></p><p><style name="font3">Als nach wenigen Minuten wieder Ruhe war, huschte die Gestalt weiter und erreichte ungesehen das Bronzegitter, das die Mauer hier unterbrach. Das Gitter schlo� nachts den Eingang zum Park des Palastes ab.</style></p><p><style name="font3">Mit flinken Bewegungen erklomm die Gestalt das durchbrochene Bronzetor und sprang auf der anderen Seite weichfedernd auf den Boden. Von den B�umen des Parkes gedeckt, schlich sie sich in die N�he des englischen Pavillons, in dem der Radscha zu schlafen pflegte. Der Schein flackernder Kerzen verriet dem Eindringling, da� hinter den Fenstern noch Leben war. Er zog sich am Gesims empor und stand kurz darauf auf der Balustrade, die unter den Fenstern entlanglief. Er sp�hte durch die Scheiben. Sein Blick fiel zuerst auf einen schmiedeeisernen Leuchter, dessen f�nfzehn Kerzen alle brannten. Dann blieb er auf einer Gestalt haften, die in langsamen Schritten sinnend auf und ab ging.</style></p><p><style name="font3">Alles deutete darauf hin, da� der alte Mann dort mit dem wei�en Turban, der �ber der Stirn von einer blutroten Rubinagraffe zusammengehalten wurde, der Radscha von Bihar war. Der Sp�her am Fenster nahm einen gro�en Sandelholzbogen vom R�cken, langte einen Pfeil aus dem K�cher und setzte den Bogen an. Ein rascher Sto� zertr�mmerte die Scheibe. Im n�chsten Augenblick sprang der Pfeil von der Sehne und bohrte sich, wie es den Anschein hatte, in den Kopf des Radscha.</style></p><p><style name="font3">Der Radscha stand wie erstarrt im Raum. Jetzt m��te er eigentlich zusammensinken.</style></p><p><style name="font3">Mit Schrecken sah der Eindringling, wie statt dessen seine Hand zum Kopf fuhr und den Turban herunterri�. Der Pfeil hatte sich nur in das Tuch gebohrt. Der Herr von Bihar war unverletzt. Mit einer raschen Bewegung, die man dem alten Mann gar nicht zugetraut h�tte, brachte er sich aus der Schu�richtung und schlug mit kr�ftiger Hand mehrmals auf ein dumpfklingendes Tamburin.</style></p><p><style name="font3">Der M�rder wollte noch einen zweiten Schu� anbringen, kam aber nicht mehr zur Ausf�hrung seines Vorhabens; denn er sah, wie von allen Seiten die Krieger des Radscha auf den Pavillon zuliefen und diesen umstellten. Zwei Mann gingen hinein, kamen kurz darauf wieder heraus und deuteten auf die Balustrade, auf der der Attent�ter kauerte.</style></p><p><style name="font3">F�r ihn war keine Flucht mehr m�glich. Als er das erkannte, richtete er sich hoch auf, legte den Bogen an und rief mit lauter, heller Stimme:</style></p><p><style name="font3">�Hier steht Tscham. Ich gebe mich gefangen, wenn ihr mir versprecht, da� ihr mich weder pr�geln noch fesseln werdet. Tscham l��t sich nicht von den Knechten eines F�rsten schlagen.� �Tscham?� dr�hnte die Stimme eines der Offiziere,�wer ist Tscham? Bist du ein so ber�hmter Mann, da� du als M�rder eine bevorzugte Behandlung verlangst? Komm herab von der Balustrade. Sonst schie�en wir dich herunter.� �Schie�t immerhin, ihr Knechte, ihr S�ldlinge, ihr Ratten, die sich nicht scheuen, gegen das eigene Volk zu k�mpfen. Schie�t, aber der erste, der seine Flinte gegen mich erhebt, wird, von meinem Pfeil getroffen, ins Reich des Todes gehen.� Die Stimme des Offiziers kam wieder. �Schie�t den Eindringling herunter!�</style></p><p><style name="font3">Mehrere Krieger legten die alten Flinten an und zielten lange und sorgf�ltig auf Tscham. Aber ehe noch ein Schu� gefallen war, st�rzten zwei von ihnen tot zu Boden. Die Pfeile des Jungen waren schneller.</style></p><p><style name="font3">Jetzt knatterte eine Reihe von Sch�ssen auf. Aber Tscham lag flach hinter dem Steinwulst des Gesimses. Die Kugeln schlugen wirkungslos in die wei�en W�nde des Pavillons. Wieder sauste ein Pfeil durch die Luft, und wieder sank ein Mann st�hnend zusammen. Das furchtbare Spiel von Tod und Leben dauerte an.</style></p><p><style name="font3">Da ert�nte noch einmal das dumpfe Trommeln des Tamburins. Einer der Offiziere eilte zum Radscha. Als er zur�ckkam, rief er:</style></p><p><style name="font3">�H�re, Tscham, Seine Hoheit, der Radscha von Bihar, l��t dich der Ehre teilhaftig werden, vor sein Antlitz zu treten, ungefesselt und frei. Du darfst also herunterkommen und sicher sein, da� wir nicht schie�en werden, aber der Radscha verlangt, da� du dich nachher seiner Entscheidung beugst.�</style></p><p><style name="font3">Tschams sehnige J�nglingsfigur wuchs an der Mauer empor.</style></p><p><style name="font3">�Ich beuge mich dem Willen des F�rsten. Da ich Bihar schon nicht von ihm befreien konnte, so will ich jedenfalls die Gelegenheit nutzen, um ihm zu sagen, was sein Volk �ber ihn denkt.� Mit einem katzenhaften Sprung stand er vor den S�ldnern. Die Offiziere nahmen ihn zwischen sich und f�hrten ihn in den Pavillon. Dort stand der Radscha und hatte seine H�nde auf dem R�cken gefaltet.</style></p><p><style name="font3">Tscham sagte weder ein Wort der Begr��ung, noch machte er die �bliche Verbeugung. Er stand einfach da und blickte dem alten F�rsten mit trotzigen Augen ins Gesicht. Wie verha�t mu� ich doch sein, dachte der Radscha, wenn so junge M�nner schon ihr Leben wagen, um mich zu t�ten! Laut sagte er:</style></p><p><style name="font3">�Du bist tapfer, Tscham; aber du wendest deine Tapferkeit an falscher Stelle an. Weshalb wolltest du mich t�ten?�</style></p><p><style name="font3">Tscham ballte die F�uste und trat einen Schritt vor. Mit gl�henden Augen und zornigen Falten in seinem jugendlichen Gesicht sagte er:</style></p><p><style name="font3">�Du bist ein Tyrann. Deine S�ldner saugen die Bauern aus, damit du in Reichtum leben kannst. Das war zwar schon immer so mit den F�rsten Indiens. Du aber gehst weiter. Du mordest den Geist Indiens und l��t die St�tten der Weisheit zertr�mmern und die Tr�ger der hindustanischen Philosophie in deinen Kerkern schmachten. Das hat noch nie ein hindustanischer F�rst getan.� Der Radscha schaute den Jungen verwundert an. Es war ihm neu, da� ein Halbw�chsiger sich zum Verteidiger des Geistes aufschwang. Es war ihm so neu, da� er �berrascht ausrief: �Du bist es, ja, du bist der Richtige!� �Ich verstehe dich nicht�, sagte Tscham. �Bist du gekommen, um Sadharan zu r�chen?�</style></p><p><style name="font3">�Du wei�t also, wessen du schuldig bist, alter Mann�, sagte Tscham ohne gro�en Respekt. Der Radscha gab den Offizieren einen Wink, den Raum zu verlassen. Als sie allein waren, meinte er:</style></p><p><style name="font3">�Setz dich dorthin, Tscham, wir wollen uns unterhalten.� �Hast du keine Angst, da� ich dich erw�rgen k�nnte, Tyrann?� wunderte sich Tscham.</style></p><p><style name="font3">�Nein, mein Leben w�hrt sowieso nicht mehr lange. Und ich glaube nicht, da� du ein St�ck </style><style name="font3">Indien ermorden w�rdest. Du bist sehr klug f�r dein Alter. Wie alt bist du?�</style></p><p><style name="font3">�Siebzehn. Ein Jahrzehnt war ich in der Lehre des gro�en, weisen Mannes, den mir deine </style><style name="font3">Knechte geraubt haben. Die Erbitterung im Volk ist sehr gro�; denn die H�he der Abgaben hat </style><style name="font3">sich im vergangenen Jahr dreimal gesteigert. Deine Steuereinnehmer lassen den Raijaten keinen </style><style name="font3">Anna mehr, damit sie im Winter getrocknete Fr�chte kaufen k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich wei�, da� du recht hast, Tscham, aber ich wei� nicht, wie anders ich meinen Vertrag mit </style><style name="font3">der Ostindien-Kompanie einhalten soll.�</style></p><p><style name="font3">�Was ist das: Ostindien-Kompanie?�</style></p><p><style name="font3">Der Radscha hielt dem Knaben einen langen Vortrag, der bis tief in die Nacht hinein dauerte. Viele Zusammenh�nge wurden Tscham klar. Er konnte nun die Tragik Indiens aus einem neuen Gesichtswinkel betrachten.</style></p><p><style name="font3">�Dennoch werde ich mich an dir r�chen. Die Ostindien-Kompanie kann nicht schuld daran sein, da� sich deine S�ldner an den Tr�gern indischen Geistes vergreifen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich war so entsetzt wie du, als ich heute nachmittag davon erfuhr. Ich werde morgen feststellen lassen, was mit Sadharan geschehen ist. Vielleicht kann ich ihn dir wiedergeben. � Bist du jetzt m�de? Willst du schlafen? Dann bette deinen Kopf dort auf die Kissen.� �Was soll weiter geschehen?� fragte Tscham. �Wann wirst du mich bestrafen lassen?� �Ich werde dich nicht bestrafen�, l�chelte der alte Radscha, �denn f�r dein Vergehen g�be es nur die Todesstrafe. Und ich kann nicht mit dir ein St�ck des jungen Hindustan vernichten. Wir brauchen Menschen wie dich. Wir brauchen Knaben, die einst die Nachfolge Sadharans antreten. Ich habe etwas mit dir vor, wor�ber ich aber jetzt noch nicht sprechen will. Nun geh schlafen, du wirst m�de sein.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">22</style></p></title><p><style name="font3">Am Morgen erwachte Tscham dadurch, da� eine Hand �ber sein Haar strich. Als er die Augen aufschlug, blickte er in ein altes, vertrautes Antlitz. Sadharan stand vor ihm und l�chelte.</style></p><p><style name="font3">Mit einem Satz war Tscham auf den F��en und warf sich seinem Lehrer an die Brust. Dicke Tr�nen rollten aus seinen Augen, Tr�nen der Freude.</style></p><p><style name="font3">�Du lebst, weiser Mann, du bist nicht tot, sie haben dich nicht erschlagen oder gefoltert?� �Ich lebe�, sagte Sadharan, �frage nicht weiter. Wir m�ssen vergessen, was war. Neue Aufgaben stehen uns bevor. Ich habe von der Zeit, da die Sonne aufging, bis eben ein langes Gespr�ch mit dem Radscha gehabt. Vieles, was wir auf den D�rfern nicht wu�ten, was auch nicht zu meinem Wissensgebiet geh�rt, n�mlich die Politik, kannten wir nicht. Wir haben gedacht, alles sei vom reinen Geist gelenkt. Aber es gibt so wenig Menschen, die �berhaupt an den Geist glauben. Es gibt Abarten des Geistes, die den Geist verderben. Und eine davon ist die Politik. Sie zwingt zur L�ge und zwingt zur Gewalt, wenn sich ein Politiker gegen den anderen behaupten will. Die ganze Geschichte der Welt ist nicht Geist, sondern Politik. Das m�ssen wir lernen, die reinen Wege mit den Schleichwegen zu verbinden und uns so gegen die Politik der anderen zu behaupten.�</style></p><p><style name="font3">Tscham starrte ihn ungl�ubig an.</style></p><p><style name="font3">�Ist es dein Ernst, weiser Mann, da� du jenen Pfad verlassen willst, den du mich zehn Jahre lang gelehrt hast zu gehen?</style></p><p><style name="font3">�Nicht verlassen, Tscham. Nur verbergen. Es stehen M�chte gegen uns, von denen wir nichts wu�ten. Es gibt andere V�lker und andere Rassen, die niemals den Weg der Gewaltlosigkeit zu gehen verm�gen, da sie ihn gar nicht kennen. Und dem m�ssen wir Rechnung tragen. Jetzt gehe mit mir. Der Radscha erwartet uns.�</style></p><p><style name="font3">Sie kamen in den Thronsaal des Palastes. Zu ihrem Erstaunen waren die R�te und Khans des F�rstentums vollz�hlig versammelt.</style></p><p><style name="font3">Als die Blicke der Anwesenden Tscham erfa�ten, erhob sich ein �berraschtes Raunen im Saal. Tscham blieb verlegen stehen; aber der Radscha winkte ihn heran. Als er mit seinem Lehrer vor den Stufen stand, die zum Thron hinauff�hrten, erhob der Radscha seine Stimme: �Ihr Ratgeber von Bihar, ihr Weisen aus dem Reich des Gro�moguls, seit Jahren sprecht ihr davon, da� ich einen Sohn adoptieren soll. Ihr verwundertet euch ob meines Z�gerns. Ich kannte niemanden, dem ich nach meinem Tode die Geschicke Bihars anvertrauen wollte. Heute nacht sandte mir Lakschmi, die G�ttin des Gl�cks, Tscham, der hier vor euch steht. In ihm erkannte ich jenen, dem ich das Land nach meinem Tode anvertrauen kann. Er ist k�hn und kennt die Wege des gro�en indischen Geistes. Er ist erfahren in der Philosophie und in den Lehren der Upanischaden. Es bleibt uns nur, ihn nun noch �ber die Wege der Politik zu unterrichten. Ich ernenne Sadharan zu seinem Lehrer und F�hrer und bitte euch, die Einsippung nach altem hindustanischem Brauch vorzubereiten.�</style></p><p><style name="font3">Aus dem Murmeln der Versammlung wurde freudiges Zustimmen. Die W�rdentr�ger von Bihar begl�ckw�nschten sich gegenseitig. Endlich war es so weit. Der Erbe war da. Bihar w�rde ein indisches F�rstentum bleiben.</style></p><p><style name="font3">Als der Radscha mit Tscham und Sadharan den Saal verlie�, beugten die Ehrw�rdigen ergriffen das Haupt.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">23</style></p></title><p><style name="font3">Sie hatten das Kap umschifft. Sie waren durch das Arabische Meer gefahren und hatten auch die S�dspitze Indiens hinter sich gebracht. Jetzt segelten sie an der ostindischen K�ste nach Norden. Eigentlich hatten sie damit gerechnet, da� sie in der Gegend von Ceylon von Piraten bel�stigt werden w�rden. Aber sie waren in vollkommener Ruhe durch die Palkstra�e gefahren und befanden sich jetzt auf der H�he von Masulipatam.Noch sechshundert Seemeilen, und dann w�rden sie Diamond Harbour, den Hafen von Kalkutta, erreichen.</style></p><p><style name="font3">Die Schiffe fuhren in Kiellinie. Zuerst die �Trueno�, dann die �Mapeika�. Den Abschlu� bildete die �Unicorn�. Die Mannschaft der �Mapeika� hatte man aus zwanzig Engl�ndern von der �Unicorn�, zehn Spaniern von der �Trueno� und den zw�lf spanischen Sklaven, die aus dem Kielraum der �Mapeika� befreit worden waren, gebildet. Nach langen �berredungsk�nsten Marinas und Jardins hatte Kapit�n Porquez sich bereit erkl�rt, die �Mapeika� vorl�ufig zu �bernehmen. Sein Steuermann war Don Hidalgo. Und Porquez bereute nicht, da� er sich dazu verstanden hatte. Es verband ihn bald Freundschaft mit dem wei�b�rtigen Spanier, dessen Humor eine unversiegliche Quelle guter Laune schuf. Die befreiten Spanier waren dankbar und froh, und die im Kielraum schmachtenden T�rken hatten nichts zu lachen. Der Pfeifer hatte zwar durchgesetzt, da� sie anst�ndig verpflegt wurden, stie� aber jedesmal, wenn er davon sprach, sie irgendwo an Land zu setzen, auf den erbitterten Widerstand von Marina und Don Hidalgos Spaniern.</style></p><p><style name="font3">Man schrieb den zehnten August des Jahres 1777. Es war ein Tag wie jeder andere. Die Sonne ging unter, und der Sternenhimmel leuchtete in s�dlicher Klarheit.</style></p><p><style name="font3">Michel sa� in seiner Kabine und las in einem Buch, das ihm die Hawburys geliehen hatten. Pl�tzlich schrak er zusammen. Donnergrollen drang an sein Ohr. Er klappte das Buch zu, legte es beiseite und trat zum Bullauge.</style></p><p><style name="font3">Die Nacht war klar. Nirgends war ein Gewitter zu sehen. Das Wetter war so sch�n wie in allen vergangenen N�chten der letzten Wochen. Wieder grollte Donner. Michel st�rmte an Bord.</style></p><p><style name="font3">Fast zusammen mit ihm erreichte auch Marina das Deck. �Was gibt es?� fragte er.</style></p><p><style name="font3">�Ich bin so ahnungslos wie Ihr�, antwortete Marina und legte ihre linke Hand mit einer z�rtlichen Bewegung um seinen rechten Arm.</style></p><p><style name="font3">Da krachte es abermals. Von Westen her blitzten die M�ndungsfeuer fremder Kanonen auf. �Teufel, was ist das?� fragte Marina.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe keine Ahnung. Vielleicht h�lt man uns f�r Piraten und greift uns an.�</style></p><p><style name="font3">Die Kugeln klatschten in ziemlicher Entfernung vom Schiff in die See. Auf der �Mapeika� und </style><style name="font3">der �Unicorn� stiegen zwei rote Raketen empor.</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick h�rte man Schritte und dann die Stimme Jardins. �Feinde greifen uns an�, rief er.</style></p><p><style name="font3">�Wahrscheinlich haben sie als erste die �Unicorn� unter Feuer genommen. Aber auch die �Mapeika� scheint in Bedr�ngnis zu sein; denn es war ausdr�cklich verabredet, rote Raketen nur im Fall �u�erster Not steigen zu lassen.�</style></p><p><style name="font3">�Gebt Alarm, Senor Jardin�, befahl Marina und stieg auf die Kommandobr�cke.</style></p><p><style name="font3">Die ehemaligen Piraten taumelten schlaftrunken aus ihren Kojen hoch und st�rmten an Deck. Senor Virgen �bernahm das Steuer, und Ojo gab seine Befehle an die Kanoniere. Das Schiff beschrieb einen Bogen und ging auf Gegenkurs.</style></p><p><style name="font3">Bald hatte Michel die Positionslaternen der �Mapeika� und der �Unicorn� im Glas. Die Angreifer schienen bisher keinen Erfolg gehabt zu haben; denn als die �Trueno� �stlich an den beiden Be-gleitschiffen vorbeisegelte, sah Michel weder Flammen noch Br�nde dort, wo die Schiffe stehen mu�ten. Auch die Gesch�tze schwiegen noch; denn wahrscheinlich wollten weder Senor Porquez noch Mr. Grearson die genaue Position ihrer Schiffe durch die M�ndungsfeuer der eigenen Gesch�tze preisgeben.</style></p><p><style name="font3">Gerade in diesem Augenblick erloschen auch die Bordlampen.</style></p><p><style name="font3">�Fahrt nahe an unseren Freunden vorbei�, rief Michel Senor Virgen zu, �m�glichst auf Sprechweite. Wollen doch sehen, was da los ist!�</style></p><p><style name="font3">Die �Trueno� war bald so nah an den Schiffen, da� man sie erkennen konnte. Michel setzte ein Sprachrohr an und rief mit voller Stimmkraft: �Heda, Capitan Porquez, que hay?�</style></p><p><style name="font3">�Irgend jemand hat es auf uns abgesehen, Senor Baum�, kam die Antwort. �Sollen wir das Feuer erwidern? Wir dachten, da� Ihr kommen w�rdet!�</style></p><p><style name="font3">�Nein�, antwortete Michel, �fahrt ruhig weiter. Verratet dem Gegner nicht Euern genauen Standort. Werden uns die Burschen einmal ansehen.�</style></p><p><style name="font3">Das gleiche Frage- und Antwortspiel gab es, als man die �Unicorn� passierte.</style></p><p><style name="font3">Der Donner der Gesch�tze kam n�her. Am Aufblitzen sah man, da� es sich um mindestens zwei </style><style name="font3">Schiffe handeln mu�te; denn die Breitseiten lagen dem Widerschein nach mehrere hundert Meter </style><style name="font3">auseinander.</style></p><p><style name="font3">Michel begab sich eiligen Schritts zu Senor Virgen.</style></p><p><style name="font3">�Senor Virgen, unsere Freunde werden von zwei gut bewaffneten Einheiten angegriffen. Habt </style><style name="font3">Ihr eine Vorstellung, wie wir ihnen helfen k�nnen?�</style></p><p><style name="font3">Virgen zog die Augenbrauen zusammen und �berlegte. Dann meinte er:</style></p><p><style name="font3">�Wir m�ssen versuchen, den Gegner unbemerkt von Westen her anzusegeln. In der Dunkelheit </style><style name="font3">k�nnen wir uns zuerst in aller Ruhe ein Schiff vornehmen. Und wenn das au�er Gefecht gesetzt </style><style name="font3">ist, das zweite.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, aber wie kommen wir unbemerkt nach Westen?�</style></p><p><style name="font3">�Wir m�ssen einen weiten Kreis ziehen, unsere Bootslaternen l�schen und alles ohne Ger�usch ausf�hren. Die Herrschaften da dr�ben m�ssen von unseren ersten Salven so verbl�fft werden, da� ihnen der Atem wegbleibt.� Michel nickte.</style></p><p><style name="font3">�Gut, Senor Virgen. Dann steuert Euern Kreis. Ich werde Jardin Anweisung geben, Euer </style><style name="font3">Man�ver mit den Segeln zu unterst�tzen. Wir d�rfen nicht lange z�gern, denn wir m�ssen </style><style name="font3">verhindern, da� die Angreifer unsere beiden Schiffe leck schie�en.�</style></p><p><style name="font3">�Bueno, Senor Baum, ich gehe an die Arbeit. Sagt Jardin, da� er die Segel auf geringsten </style><style name="font3">Widerstand einrichtet, damit wir nicht etwa kreuzen m�ssen, wenn wir den Kreis beschreiben </style><style name="font3">wollen.�</style></p><p><style name="font3">Michel lief zu Jardin und rief dann mit einem schrillen Pfiff die �brige Mannschaft zusammen, der er sein Vorhaben auseinandersetzte.</style></p><p><style name="font3">Kampfesfreude gl�hte in den Augen der ehemaligen Piraten. Einer konnte sich nicht beherrschen und schrie laut: �Viva El Silbador!�</style></p><p><style name="font3">Als die anderen einstimmen wollten, lie� Michel abermals einen seiner schrillen Pfiffe ert�nen. Dann rief er zornig:</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid wie die alten Weiber! K�nnt ihr eure Begeisterung nicht bez�hmen, bis die Arbeit </style><style name="font3">getan ist? Wollt ihr, da� man vorzeitig auf die �Trueno� aufmerksam wird? Der Schall eurer </style><style name="font3">Stimmen tr�gt bei diesemWetter meilenweit �ber See. � Nun los, amigos, geht an eure Pl�tze!</style></p><p><style name="font3">Was ihr sagen m��t, sagt leise. � Los, los, Senor Virgen hat schon neuen Kurs genommen.�</style></p><p><style name="font3">Als Michel auf die Kommandobr�cke kam, fragte ihn Marina vorwurfsvoll:</style></p><p><style name="font3">�Mit mir besprecht Ihr solche Dinge wohl �berhaupt nicht mehr, wie?�</style></p><p><style name="font3">�H�rt, Marina, stellt Euch nicht kindisch an. Ihr wi�t, da� Ihr meine Konkurrenz nicht zu </style><style name="font3">bef�rchten habt. Ich war kein Kapit�n und ich habe auch nicht den Ehrgeiz, jemals einer zu </style><style name="font3">werden.�</style></p><p><style name="font3">Marina warf ihm unter gesenkten Lidern einen flammenden Blick zu. Aber Michel sah es nicht � oder wollte es nicht sehen.</style></p><p><style name="font3">�Wir werden also neuen Ruhm an unsere Fahne heften�, sagte sie mit leidenschaftlicher Stimme. �Ich freue mich auf den Kampf. Werdet Ihr diesmal an meiner Seite die feindlichen Schiffe entern?�</style></p><p><style name="font3">�Wir werden gar nicht entern. Wir werden sie au�er Gefecht setzen und ihnen nach M�glichkeit die Ruderbl�tter zerschie�en, damit sie in ihrer Man�vrierf�higkeit behindert werden, so da� wir sie am kommenden Morgen in aller Ruhe beaugenscheinigen k�nnen.� Marinas Gesicht spiegelte Entt�uschung wider.</style></p><p><style name="font3">�Kein Kampf�, sagte sie, �kein Entern, keine Degen �ber feindliche K�pfe? Das behagt mir gar nicht. Ich brauche den Kampf.�</style></p><p><style name="font3">Michel wandte ihr langsam sein Gesicht zu und sah sie voll an.</style></p><p><style name="font3">�Ich werde nie aus Euch klug werden, Marina. Ihr habt Geist, Ihr habt Charme, wozu braucht Ihr auch noch dieses blutige Handwerk? Wi�t Ihr nichts Besseres, um Eure Begabung zu entfalten?� Marina schwieg eine Weile. Dann bohrten sich ihre brennenden Blicke in seine ruhigen Augen. �Ihr�Ihr�Ihr braucht nichts au�er Euch selbst�, sagte sie leidenschaftlich. �Ich wei� das. Ihr braucht keinen andern Menschen, um Euch best�tigt zu finden. Es sind drei Jahre her, seit wir nebeneinander herleben. Drei Jahre, in denen ich gehofft hatte, da� ein einzigesmal nur jener Funke �berspr�nge, auf den jede Frau wartet. Aber nichts, gar nichts, keine Erf�llung, keine Erwiderung meiner Liebe. Ihr seid wie Stein. � Und deshalb brauche ich den Kampf.� Michel hatte ein feines L�cheln auf den Lippen. Er legte der bebenden Frau mit der Geste eines gro�en, wohlwollenden Bruders seine rechte Hand auf die Schulter. Seine Stimme war dunkel und beruhigend, als er sagte:</style></p><p><style name="font3">�Ihr m��tet eigentlich gemerkt haben, da� ich mehr f�r Euch empfinde als nur Kameradschaft. Aber zu meiner Lebensauffassung pa�t Euer Wesen nicht. Ich mag keine vor�bergehenden Liebesabenteuer, ich m�chte eine Frau, die ich mit ruhiger Hand leiten und f�hren kann. Sie soll nicht meinem Willen Untertan sein; aber sie darf auch nicht versuchen, mich zu unterwerfen. Euch aber fehlt all das, was der Mann zum Ausgleich seiner Spannungen braucht. Ihr seid selbst Spannung in h�chster Form. Deshalb bin ich Euch trotzdem sehr zugetan. Das wi�t Ihr. Oder glaubt Ihr, ich h�tte all die Gefahren und Anstrengungen zu Eurer Befreiung auf mich genommen, wenn Ihr mir gleichg�ltig w�rt.�</style></p><p><style name="font3">Sein Arm lag noch immer auf ihrer Schulter. Aber er blieb gestreckt und verhinderte so, da� Marina ihm zu nahe kam. Er bannte sie auf den Fleck, auf dem sie stand. Aber die Flammen, die</style></p><p><style name="font3">�ber ihr zusammenschlugen, hatten die Gewalt eines Vulkans. Eine unbeschreibliche Seligkeit war �ber sie gekommen.</style></p><p><style name="font3">Sie stie� seinen Arm hoch und taumelte zu ihm. Sie ri� seinen Kopf zu sich herab und pre�te ihre Lippen auf die seinen wie ein Mensch, der verdurstend seinen Mund in die k�hle Font�ne einer sprudelnden Quelle h�lt. Alles in ihr war Aufruhr.</style></p><p><style name="font3">Michel wurde von der Urspr�nglichkeit ihrer Liebe �berw�ltigt. Er wehrte sich nicht; aber er konnte und durfte auch nicht seinen Verstand verlieren. Er war dem Augenblick preisgegeben und h�tte sich fast an die unerh�rte Frau verloren, wenn nicht in diesem Augenblick die Stimme Jardins dieser Szene ein schnelles Ende bereitet h�tte.</style></p><p><style name="font3">�Senorita Capitan, Senor Baum, wir haben jetzt Richtung auf das s�dliche der beiden Schiffe.� Die beiden Menschen l�sten sich mit einem Ruck voneinander. �Wir kommen�, erwiderte Michel.</style></p><p><style name="font3">Er lief die Treppe hinab und rannte zum Bug. Marina folgte ihm.</style></p><p><style name="font3">Drei Gl�ser richteten sich auf die schattenhaften Umrisse des Schiffes, dessen Salven alle paar Minuten nach Osten dr�hnten.</style></p><p><style name="font3">�Meint Ihr, da� wir dicht genug heran sind?� fragte Michel Jardin.</style></p><p><style name="font3">�In der Nacht l��t sich der wahre Abstand nur schwer einsch�tzen. Es gibt nur einen, dessen Augen in der Dunkelheit das richtige Ma� treffen. Das ist Ojo.� �So holt ihn.�</style></p><p><style name="font3">Ojo kam und nahm eins der Gl�ser. Lange sp�hte er hindurch. Dann meinte er: �Ich kann nicht mit absoluter Sicherheit versprechen,</style></p><p><style name="font3">da� die erste Salve gleich richtig sitzen wird. Aber la�t mich nur machen. Ich werde das Beste herausholen.�</style></p><p><style name="font3">�Bueno, Diaz. Wir verlassen uns auf dich. �bernimm das Kommando. Sieh zu, da� den Burschen da dr�ben der Schrecken in die Glieder f�hrt.�</style></p><p><style name="font3">Ojo ging von Kanone zu Kanone. Hinter jedem Gesch�tz hockten die vor Erregung zitternden </style><style name="font3">Kanoniere. Mit scharfen Augen starrten sie in die Dunkelheit und w�gten die M�glichkeiten ab.</style></p><p><style name="font3">Jedesmal, wenn ein Kampf bevorstand, kam das alte Piratenfieber �ber sie. Es war wie bei einem </style><style name="font3">Wilddieb, dem ein kapitaler Bock vor die Flinte l�uft.</style></p><p><style name="font3">�Meint ihr, da� es klappen wird?� fragte Ojo fl�sternd jeden einzelnen.</style></p><p><style name="font3">Sie nickten eifrig.</style></p><p><style name="font3">�Dann pa�t auf. Ich gebe mit lauter Stimme mein Kommando. Seht zu, da� ihr die Burschen nicht leck schie�t. Vielleicht k�nnen wir mit einer Flotte von f�nf Schiffen in Kalkutta einlaufen!�</style></p><p><style name="font3">Niemand sprach mehr ein Wort. Es herrschte eine Stille, da� man die Herzen pochen h�ren konnte. Ojo hatte das Fernrohr angesetzt, setzte es wieder ab, setzte es wieder an. Er wollte erkennen und absch�tzen. Dann war es so weit. Er glaubte die richtige Entfernung f�r eine sichere Salve zu haben.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich zerri� sein donnernder Ba� die lastende Stille. �Buggesch�tze � Feuer!�</style></p><p><style name="font3">Hei, wie die Kanonen br�llten, wie sie zur�ckrollten.</style></p><p><style name="font3">Mit der Pr�zision und der Geschwindigkeit einer Maschine luden die Kanoniere nach. F�nfundzwanzig Sekunden brauchten sie nur. Was sie vollbrachten, war ein Kunstst�ck, um das</style></p><p><style name="font3">sie jeder Admiral einer Kriegsflotte beneidet h�tte.�Feuer frei zur zweiten Salve. � Achtung � Feuer!�</style></p><p><style name="font3">Die Gesch�tze des Gegners schwiegen. Als sich der Pulverdampf verzogen hatte, gewahrte man dr�ben einen sich rasch vergr��ernden Lichtschein. Michel, der das Glas nicht abgesetzt hatte, rief:</style></p><p><style name="font3">�Teufel, companeros, ihr m��t ein Pulverfa� getroffen haben. Sie brennen!� Auf dem n�rdlichen Schiff war man aufmerksam geworden. Die Salven, mit denen man bisher die �Mapeika� und die �Unicorn� beschossen hatte, verstummten. Das Blitzen der M�ndungsfeuer h�rte auf.</style></p><p><style name="font3">�Aha�, sagte Marina, �sie haben gemerkt, da� bei ihren Genossen etwas nicht stimmt.� �Ich kann das zweite Schiff nicht erkennen�, sagte Michel verzweifelt. �Was nun, wenn sie abdrehen und sich davonmachen?�</style></p><p><style name="font3">�Seht, seht�, rief Ojo, �auf der �Mapeika� schwenkt jemand die Signallaternen.�</style></p><p><style name="font3">Ojo verfolgte die Kreise und Striche, die dr�ben der Signalgast vollf�hrte.</style></p><p><style name="font3">�Sie wollen, da� wir direkt Kurs auf sie nehmen. Dabei w�rden wir auf den anderen Gegner </style><style name="font3">sto�en.�</style></p><p><style name="font3">Virgen hatte von seinem Steuer die Zeichen ebenfalls gesehen und gelesen. Die �Trueno� war </style><style name="font3">bereits wieder in voller Fahrt. �</style></p><p><style name="font3">Auf der �Unicorn� rief Kapit�n Grearson:</style></p><p><style name="font3">�Let's go, boys, jetzt habt ihr ein gutes Ziel. Uns k�nnen sie nicht sehen. Wir treiben heran und machen sie fertig.�</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury stand neben dem Kapit�n. Er sch�ttelte den Kopf und meinte dann verwundert: �Ich glaube, es w�re ein gewaltiger Gewinn, wenn wir die �Trueno� und ihre Mannschaft f�r die Kompanie gewinnen k�nnten. Die Burschen vollbringen Unglaubliches. Wie konnten sie nur so schnell in den R�cken des Gegners kommen? Wie ist es m�glich, da� bei dieser �gyptischen Finsternis die Salven so genau im Ziel liegen, als scheine die Sonne?� Captain Grearson zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font3">�Man k�nnte sie f�r Zauberer halten. Ich jedenfalls m�chte sie nicht zu Feinden haben.� Von fern h�rte man die eindrucksvolle Sprache der Kanonen der �Trueno�. Und es dauerte nicht lange, so stand eine zweite Brandfackel auf dem Meer.</style></p><p><style name="font3">�Unglaublich�, murmelte Grearson, �phantastisch. Die Kerle haben den Teufel im Leib. Jetzt haben wir sie. Das Feuer verr�t uns die Standorte. Ich sch�tze, die L�scharbeiten werden die ganze Nacht �ber dauern, wenn wir klug genug sind, die Herrschaften mit neuen Breitseiten immer gerade dann zu st�ren, wenn sie des Feuers fast Herr geworden sind. � Ich m�chte zu gern wissen, wer es hier im Golf von Bengalen gewagt hat, mit uns anzubinden.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">24</style></p></title><p><style name="font3">Von Osten kamen die ersten Lichtfinger der Sonne heraus. Sie spiegelten sich im Wasser. Und es sah aus, als zitterten sie.</style></p><p><style name="font3">�Merde�, fluchte Jean le Pirate, �jetzt haben sie uns. Verdammt, diese Nacht vergesse ich mein Leben lang nicht! H�tte ich geahnt, da� vor den beiden Schiffen noch ein weiteres fuhr, h�tte ich mich nie auf dieses Abenteuer eingelassen.�Er fuhr sich mit der blutverkrusteten Rechten durch das vom Pulverdampf geschw�rzte Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Sie fahren sternf�rmig auf uns zu�, sagte der wild aussehende Steuermann. �Das eine Schiff treibt unseren Partner vor sich her. Aber die �Lundi� hat wenigstens noch ein paar Segel am Mast. Wir sind v�llig bewegungslos.�</style></p><p><style name="font3">�Merde�, wiederholte der Seer�uberkapit�n Jean. �Wir werden uns nochmals verteidigen. Unsere Gesch�tze sind zum Teil noch gefechtsklar. Wir k�nnen uns doch nicht als Prise kapern lassen!�</style></p><p><style name="font3">�Diable�, zischte der Steuermann, �was sind das nur f�r Burschen, die wir da angegriffen haben! Sieh dir ihre Flaggen an: eine britische, eine t�rkische und eine schwarze, deren Zeichen ich nicht erkennen kann. Kannst du dir daraus etwas zusammenreimen?�</style></p><p><style name="font3">�Non, ich sehe nur ein, da� ich verr�ckt gewesen sein mu�, als ich sie angriff. Pierre wird einen sch�nen Zorn auf mich haben. Du wei�t, da� er nicht gern n�chtliche Operationen durchf�hrt.� Pierre war der Kapit�n der �Lundi�, des verb�ndeten franz�sischen Piraten. Pierre und Jean arbeiteten seit Jahren zusammen und machten gemeinsam die Bengalische See unsicher. Viele Schiffe der britischen, niederl�ndischen und sogar der franz�sischen Osthandelsgesellschaften waren von ihnen �berfallen und ausgeraubt worden. Diesmal aber hatte sie ihr Schicksal ereilt.</style></p><p><style name="font3">�Der mit der schwarzen Flagge signalisiert etwas�, sagte der Steuermann. �An uns?� fragte Jean le Pirate.</style></p><p><style name="font3">�Sie sind noch zu weit. Ich kann die Farben der Wimpel nicht unterscheiden.�</style></p><p><style name="font3">Am Mast der �Trueno� ging jetzt die schwarze Flagge ein paarmal auf und nieder. Das war der </style><style name="font3">Signaljargon, den die Seer�uber aller sieben Meere untereinander benutzten. Es war eine </style><style name="font3">Aufforderung, sich zu ergeben.</style></p><p><style name="font3">�Das gilt uns�, sagte Jean le Pirate grimmig.</style></p><p><style name="font3">�Oui�, nickte der Steuermann. �Man verlangt, da� wir die Flagge streichen. Der Bursche kennt die Flaggensprache der Flibustiere.�</style></p><p><style name="font3">�Vielleicht ist er selbst einer�, sagte der Piratenkapit�n und sch�pfte neue Hoffnung. �Je ne le crois pas � ich glaube nicht.�</style></p><p><style name="font3">�Geht an die Kanonen, Br�der�, rief Jean le Pirate. �Wenn sie uns wirklich fertigmachen wollen, dann sollen wenigstens noch ein paar von ihnen mitgehen. So einfach krepiert die �Dimanche� nicht.�</style></p><p><style name="font3">Die �Lundi� war jetzt auf Sprechweite herangekommen. Pierre, der Kapit�n, hatte das </style><style name="font3">Sprachrohr an die Lippen gesetzt und schrie mit durchdringender Stimme:</style></p><p><style name="font3">�Nicht aufgeben, Jean! Wir haben die Kanonen klar! Der Teufel soll die Hunde holen! Feuert, </style><style name="font3">was das Zeug h�lt!�</style></p><p><style name="font3">Jean rief zur�ck:</style></p><p><style name="font3">�Hast recht, Pierre! Nur nicht aufgeben! Stell deinen Kahn quer vor unseren Bug! Dann kannst du nach Norden feuern, und unsere Gesch�tze k�nnen nach Ost und West schie�en. Wer uns von hinten angreifen will, mu� sich auf die Breitseite legen. Und dann schie�t du mit den Backbordgesch�tzen �ber uns hinweg. So sind wir auch nach S�den gedeckt.� Volle Kampfbereitschaft herrschte wieder auf den franz�sischen Schiffen. Die M�nner bissen die Z�hne zusammen. Viele von ihnen waren verwundet. Aber keiner wollte als Gefangener den Gerichten �berantwortet werden. Sie wu�ten, da� sie in diesem Fall h�ngen w�rden. Piraten wurden auf der ganzen Welt nach gleichem Recht abgeurteilt.</style></p><p><style name="font3">Jean und Pierre waren guter Zuversicht. Ihre in T-Form aufgestellten Schiffe glichen einer verteidigungsbereiten Festung.</style></p><p><style name="font3">Die �Mapeika� und die �Unicorn� dachten aber gar nicht daran, sich bis auf Schu�weite dieser Festung zu n�hern. Sie blieben schr�g zur �Lundi� liegen.</style></p><p><style name="font3">Die �Trueno� aber l�ste sich aus dem Verband und fuhr nach Westen, um, als sie weit genug drau�en war, ihren Kurs um neunzig Grad zu �ndern und mit vollen Segeln nach Osten zu laufen.</style></p><p><style name="font3">Jean le Pirate wunderte sich �ber dieses Man�ver und fragte seinen Komplizen Pierre, was er davon halte.</style></p><p><style name="font3">Der war genauso ratlos, legte sich aber eine Meinung zurecht und antwortete:</style></p><p><style name="font3">�Ich sch�tze, der Schwarzbeflaggte wird gleich wieder um neunzig Grad drehen und dann im </style><style name="font3">Vorbeifahren ein paar Breitseiten auf dich abgeben.�</style></p><p><style name="font3">�Bien, dann bleibt es bei dem, was wir besprochen haben. Ich kann nicht mitdrehen, so schie�t </style><style name="font3">du �ber mich hinweg. Empfang ihn anst�ndig, wenn er uns seine Breitseite zeigt.�</style></p><p><style name="font3">Sie warteten eine Weile und beobachteten gespannt den Weg der spanischen Galeone.</style></p><p><style name="font3">�Der f�hrt aber weit nach S�den, bevor er beidreht. Wenn er jetzt auf Ostkurs geht, dann </style><style name="font3">erreichen weder unsere Gesch�tze ihn, noch die seinen uns.�</style></p><p><style name="font3">Just in diesem Augenblick ging die �Trueno� tats�chlich auf Ostkurs.</style></p><p><style name="font3">Jean und sein Steuermann und Pierre zuckten die Schultern.</style></p><p><style name="font3">�Keine Ahnung von der christlichen Navigation�, spottete Pierre.</style></p><p><style name="font3">�Um so besser�, pflichtete ihm Jean bei. �Wir werden schon mit den Br�dern fertig werden. � Da � da � sieh doch, Pierre, der Kerl macht wieder eine Wendung um neunzig Grad! Er f�hrt mit steilem Bug auf uns zu!� �Und er hat alle Segel gesetzt!�</style></p><p><style name="font3">�Er wird doch nicht etwa das Heck der �Dimanche� rammen wollen?�</style></p><p><style name="font3">�Immer zu�, lachte Jean. �Er wird sich an unserem Eisendorn ein ganz sch�nes L�chlein in die Verschalung hauen.�</style></p><p><style name="font3">S�mtliche Piraten verfolgten kopfsch�ttelnd und grinsend das Man�ver der Galeone.</style></p><p><style name="font3">Die �Trueno� war fast auf Schu�weite heran. Der Wellengang war so gering, da� das Schiff wie </style><style name="font3">ein Brett im Wasser lag.</style></p><p><style name="font3">Ojo rieb sich die H�nde und strahlte �ber das ganze Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Er wird sich wundern�, sagte er und schlug vor Begeisterung Marina so sehr auf die Schulter, da� sie M�he hatte, nicht in die Knie zu sacken. Ehe er sichs versah, hatte sie ihm eine schallende Ohrfeige versetzt.</style></p><p><style name="font3">�Hombre�, lachte sie, �vielleicht lernst du noch, mit einer Dame umzugehen, du ungeschlachter Goliath!�</style></p><p><style name="font3">Ojo rieb sich verbl�fft die Wange.</style></p><p><style name="font3">�Maldito, Ihr schreibt eine gute Handschrift,Senorita!� Die Kanoniere lachten, und Michel meinte: �Ein Salonpirat wirst du nie werden, Diaz.�</style></p><p><style name="font3">�Wir sind dicht genug heran�, erscholl Senor Virgens Stimme vom Steuerhaus. �Macht hin, da� wir die Kerle endlich kleinkriegen. Ich bin hundem�de und m�chte das Steuer an Ibn Kuteiba abgeben.� ��He, Pierre�, schrie Jean, �gib ihnen eine Breitseite! Die Hunde sind toll! Wenn sie auch l�ngs zu dir stehen, so treffen vielleicht doch einige deiner Kugeln.� Pierre winkte ab.</style></p><p><style name="font3">�Wozu soll ich mein Pulver verschwenden? Wenn sie beidrehen, um selbst in Aktion zu treten, habe ich noch immer Zeit. Und sie m�ssen beidrehen, wenn sie feuern wollen.� Da zuckten am Bug der �Trueno� die M�ndungsfeuer auf. Die Kugeln fegten hin�ber. Und die Salve sa� im Heck der �Dimanche�.</style></p><p><style name="font3">�Jesus Maria�, schrie Jean auf. �Das ist ein Geisterschiff. Sie haben Kanonen, mit denen sie in Fahrtrichtung schie�en k�nnen. Diable, wie soll... � Eine neue Salve lie� ihn verstummen.</style></p><p><style name="font3">Die Kanoniere der �Trueno� legten mit dem Ladetempo eine wahre Paradeleistung vor. Der </style><style name="font3">Abstand zwischen den Salven w�hrte keine halbe Minute.</style></p><p><style name="font3">Jetzt setzten auch die �Mapeika� und die �Unicorn� zum Angriff an.</style></p><p><style name="font3">Die Kanonen der Seer�uberschiffe erwiderten nur noch vereinzelt das Feuer. Jean war gefallen. Pierre lag verblutend am Boden. Eine Kugel hatte ihm beide Beine bis zum Knie weggerissen. Und immer neue Geschosse w�hlten sich in das Takelwerk. Die Aufbauten und Masten st�rzten krachend zusammen. Nur der eigentliche Schiffsk�rper, die nackten R�mpf e wurden geschont. Ojo brachte das Kunstst�ck fertig, trotz hei�er Schlacht kein einziges Leck in die Bordw�nde des Gegners zu schlagen.</style></p><p><style name="font3">Anderthalb Stunden nach Sonnenaufgang schwenkten die �berlebenden wei�e T�cher. Ihre Flaggen konnten sie nicht mehr streichen; denn die waren l�ngst den Kugeln zum Opfer gefallen.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">25</style></p></title><p><style name="font3">Die Arbeiter in Diamond Harbour blickten, soweit sie sich auf der Mole befanden, erstaunt auf, als sie eine Flottille von f�nf Schiffen in den Hafen einlaufen sahen. Auch die Hafeninspektoren, die in dem von Glas umkleideten, h�lzernen Beobachtungsturm sa�en, sch�ttelten die K�pfe. �K�nnt Ihr Euch einen Reim darauf machen, Inspektor Bate?�</style></p><p><style name="font3">�No, Sir�, sagte der Angesprochene zu seinem Vorgesetzten, dem Oberinspektor. �Ich w�rde Schie�befehl geben oder zumindest Alarmbereitschaft befehlen, wenn das erste Schiff nicht unter britischer Flagge f�hre.�</style></p><p><style name="font3">�By God�, sagte ein dritter Inspektor und nahm verbl�fft die Pfeife aus dem Mund. �Seht einmal genauer hin, Gentlemen. Kennt ihr dieses Schiff nicht, das erste meine ich?� �Well, das ist ja die �Unicorn��, wunderte sich der Oberinspektor und lugte mit zusammengekniffenen Augen durch das Fernrohr. �Die beiden, die hinter ihr fahren, m�ssen eine Havarie gehabt haben. Ihre Masten sind nur notd�rftig repariert, und sie haben nur wenige Segel gesetzt. Merkw�rdig still ist es auf den Decks.� �Kennt Ihr sie?� fragte Bate.</style></p><p><style name="font3">�No. Habe nicht das Vergn�gen gehabt, sie je zu sehen. Sie scheinen franz�sischer Bauart zu sein. Flaggen haben sie nicht gesetzt � Teufel�, entfuhr es ihm dann, �die beiden, die den Abschlu� bilden, scheinen Kriegsschiffe reinsten Wassers zu sein! Seht einmal durchs Glas!� Der Oberinspektor trat vom Fernrohr zur�ck. �Seht Ihr die vielen Kanonen?��Der letzte ist eine schnelle spanische Galeone. Aber aus dem vorletzten werde ich nicht klug. Sieht aus wie ein Maure oder T�rke. K�nnte auch ein algerisches Schiff sein�, sagte Bate. �M�chte wissen, weshalb die �Unicorn� als einzige die Flagge zeigt.� Da stiegen am Signalmast der �Unicorn� bunte Wimpel hoch.</style></p><p><style name="font3">Der Oberinspektor beobachtete das Wimpelspiel eine Weile. Dann wandte er sich urn und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Sie wollen, da� der Hafenkommandant an Bord kommt. Lauft hin�ber zur Verwaltung, Bate, und richtet dem Kommandanten die Botschaft aus.� �</style></p><p><style name="font3">Sir David Royce zog heftig an seiner Zigarre. Er stand mit einem Herrn in dunklem Zivil vor dem Verwaltungsgeb�ude. Beide beobachteten den Konvoi.</style></p><p><style name="font3">�Wi�t Ihr, was das Ganze zu bedeuten hat, Sir David?� fragte der Zivilist stirnrunzelnd. �Keine Ahnung, Exzellenz. Aber da kommt ja Inspektor Bate. Vielleicht wei� er etwas Genaueres.�</style></p><p><style name="font3">Der mit Exzellenz Angesprochene war der Stellvertreter des Generalgouverneurs von Kalkutta, Sir Edward William, der sich auf einer Inspektionsreise durch die wichtigsten St�dte und Forts des Schutzgebiets der Ostindien-Kompanie befand. B�te kam heran.</style></p><p><style name="font3">�Was ist das f�r eine eigenartige Flottille, Bate?� fragte Sir David.</style></p><p><style name="font3">�Das erste Schiff ist unsere �Unicorn�, Sir. Captain Grearson signalisierte soeben, da� Ihr die Freundlichkeit haben m�chtet, an Bord zu kommen.�</style></p><p><style name="font3">�Weshalb kommt der Mann nicht lieber an Land?� fragte Sir Edward indigniert. �Well, Exzellenz, ich kenne Grearson seit zehn Jahren. Er ist einer unserer t�chtigsten Kapit�ne. Wenn er meint, da� ich an Bord kommen soll, so hat er sicher seine guten Gr�nde daf�r. Wenn Ihr gestattet, Exzellenz, so m�chte ich mich jetzt entschuldigen.�</style></p><p><style name="font3">�Wartet�, sagte William, �ich gehe mit Euch. Diese Angelegenheit interessiert mich au�erordentlich.�</style></p><p><style name="font3">Das Boot war schnell klargemacht. Einige kr�ftige Soldaten ruderten den Kommandanten und seinen hohen Gast hin�ber zur �Unicorn�.</style></p><p><style name="font3">Sir David und Sir Edward kletterten an Deck. Die Matrosen der Freiwache bildeten Spalier, setzten die Trillerpfeifen an und begr��ten die beiden G�ste nach englischer Seemannssitte mit dem durchdringenden, lang anhaltenden Ton der Bootsmannspfeifen.</style></p><p><style name="font3">�Hallo, Grearson, gute Fahrt gehabt?� fragte der Kommandant und sch�ttelte dem Kapit�n lange und herzlich die Hand. �Thank you, Sir.�</style></p><p><style name="font3">�Ich m�chte Euch mit Seiner Exzellenz, dem Stellvertreter des Generalgouverneurs, bekannt machen. Captain Grearson � Sir Edward William.� Grearson verbeugte sich leicht und fragte dann h�flich:</style></p><p><style name="font3">�Darf ich die Herren in meine Kabine bitten? Es gibt Wichtiges zu besprechen.� Die Herren nickten und folgten dem Kapit�n.</style></p><p><style name="font3">Als sich die T�r hinter den dreien geschlossen hatte, meinte David Royce:</style></p><p><style name="font3">�Ich bin auf allerlei �berraschungen gefa�t, alter Freund. Spannt uns nicht auf die Folter.</style></p><p><style name="font3">Schie�t los.�</style></p><p><style name="font3">�Well, Gentlemen, ich bitte euch, nicht zu erschrecken, wenn ich mit meinem Bericht beim letzten Schiff unseres Geleitzugs beginne. Es ist die �Trueno�, ein fr�herer spanischer Seer�uber, einer der bestgeha�ten Flibustiere des Mittelmeers und des Atlantischen Ozeans.� �Und einen solchen Burschen bringt Ihr so einfach mitten in den gr��ten Hafen der Kompanie?� �Ich bitte Euch, nicht voreilig zu urteilen, Exzellenz�, l�chelte Grearson. �Wenn er nicht gewesen w�re, so h�ttet Ihr uns niemals wiedergesehen. Ich m�chte ausdr�cklich betonen, da� er ein Pirat war.�</style></p><p><style name="font3">�Wie sollen wir das verstehen, Captain?�</style></p><p><style name="font3">�Das wird nicht ganz einfach sein; aber ich will dennoch versuchen, meinen Bericht so kurz und klar wie m�glich zu halten. Das vorletzte Schiff in meinem Gefolge � es tr�gt den Namen �Mapeika� und war ein t�rkisch-arabischer Sklavenh�ndler � �berfiel uns in der N�he der Insel Madeira. Die �Mapeika� war weit besser best�ckt als wir. Nach einst�ndigem Kampf w�re es beinahe um uns geschehen gewesen. Pl�tzlich tauchte die �Trueno� auf, st�rzte sich wie ein Falke auf den T�rken und �berwand ihn durch die hervorragende Treffsicherheit ihrer Kanoniere binnen k�rzester Frist. Die Mannschaft der �Mapeika� wurde �berw�ltigt. Im Verlauf der Weiterfahrt wurde das Schiff wieder voll man�vrierf�hig gemacht und bemannt mit spanischen Sklaven, die man im Kielraum fand, verst�rkt durch einige der unseren und der �Trueno�. Auf der �Trueno� hatten sie einen Kapit�n zuviel an Bord. Der �bernahm das Kommando auf der �Mapeika� und wir fuhren zu dritt weiter. Einige hundert Seemeilen s�dlich von hier griffen uns des Nachts zwei andere Piraten an. Wiederum war es die �Trueno�; die die Schlacht zu unseren Gunsten entschied. Und die Kanonen der ehemaligen Piraten trafen so genau, da� keins der Schiffe leck wurde und wir sie als Prise einbringen konnten.� Der Kommandant und William warfen einander skeptische Blicke zu. �Ihr werdet noch mehr erstaunen, wenn ihr h�rt, was die beiden gekaperten Seer�uber f�r Burschen waren�, sagte Grearson.</style></p><p><style name="font3">�Spracht Ihr nicht davon, da� sie Euch in der Bengalischen Bucht angegriffen haben?� fragte Royce.</style></p><p><style name="font3">�Yes, Sir. Sagt Euch das etwas?�</style></p><p><style name="font3">�Verdammt, verdammt�, der Kommandant verga� vor Erregung, da� er einen vornehmen Gast bei sich hatte, �behauptet nur nicht, da� die Piraten .. .�</style></p><p><style name="font3">�Doch, doch�, best�tigte Grearson. �Ihr habt recht mit Eurer Vermutung. Es handelt sich um die Schiffe �Dimanche� und �Lundi�. Jean le Pirate und sein Kumpan Pierre sind gefallen. Die �Trueno� hat die Bengalische Bucht von diesem Schrecken der Meere befreit.� �Donnerwetter!� Der Kommandant fuchtelte wild in der Luft herum. �Welch ein Bravourst�ck! Diese Spanier scheinen ja tolle Burschen zu sein. Sieben Schiffe der Kompanie kamen in den letzten f�nf Jahren auf das Konto der verdammten Franzosen. Was sagt Ihr dazu, Exzellenz?� �Gro�artig, gro�artig, mein lieber Grearson! Ihr seid ein Teufelskerl!� Grearson winkte bescheiden ab.</style></p><p><style name="font3">�Es ist nicht mein Verdienst, Exzellenz. Ohne die �Trueno� w�rden wir l�ngst Neptun Gesellschaft leisten.�</style></p><p><style name="font3">�Well�, meinte William, �ich verl�ngere meinen Aufenthalt in Diamond Harbour. Die spanischen Leute mu� ich kennenlernen.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">26</style></p></title><p><style name="font3">Es war vier Tage sp�ter.</style></p><p><style name="font3">Der Generalgouverneur von Britisch-Ostindien, Sir Warren Hastings<a l:href="#n_16" type="note">[16]</a>, sa� in seinem Amtsgeb�ude in Kalkutta, jenem Regierungsbau der Ostindien-Kompanie, der fast so m�rchenhaft anmutete wie die Pal�ste der Maharatten. Der gro�e Raum war vom Sonnenlicht �berflutet, das durch die hohen Fenster hereinstr�mte.</style></p><p><style name="font3">Sir Warren erhob sich hinter dem m�chtigen Schreibtisch, trat zu einem Fenster und blickte hinaus. Er f�hlte sich einsam. Die gesamte Verantwortung f�r die Geschicke Britisch-Ostindiens lastete auf seinen Schultern. Da war der Krieg gegen Tipu Sahib, den Sultan von Maisur. Da waren die fortgesetzten Pl�nkeleien und K�mpfe mit den Maharatten, die der OstindienKompanie Tribut zollten. Da waren die Neider in London, die gegen ihn, den ehemaligen kleinen kaufm�nnischen Angestellten der Kompanie, ihre R�nke spannen, die kein gutes Haar an ihm lie�en und versuchten, ihn vor dem Hof der Direktoren gr��lichster Greueltaten zu bezichtigen. Er wu�te, da� die Herren Direktoren den Mi�g�nstigen nur zu gern Geh�r schenkten. Und schlie�lich war ja die Eroberung der neuen Gebiete, die er dem Reich der Ostindien-Kompanie eingef�gt hatte, auch nicht gerade mit Samthandschuhen durchgef�hrt worden. Aber wie sollte man es den hohen Herren in der Leadenhall Street recht machen! Ihre Anweisungen lauteten immer gleich: regiert human, benehmt euch wie Freunde des indischen Volkes und schickt mehr Geld.</style></p><p><style name="font3">Damit war die Sache f�r die Direktoren erledigt. Dieses Motto war die einzige Anweisung, die sowohl Hastings als auch sein 1773 gest�rzter Vorg�nger Clive je erhalten hatten. Ja, und nun sieh zu, Hastings, wie du es allen recht machen kannst, dem K�nig, dem Parlament, dem Hof der Direktoren und den Kr�merseelen, die alle durch ihn m�helos und schnell zu einem gro�en Verm�gen kommen wollten.</style></p><p><style name="font3">Hastings schrak aus seinen Gedanken auf. Ein Soldat seiner Leibwache war eingetreten.</style></p><p><style name="font3">�Was gibts?� fragte der Generalgouverneur kurz.</style></p><p><style name="font3">�Sir Edward William w�nscht Euer Herrlichkeit zu sprechen.�</style></p><p><style name="font3">Hastings zog die Stirn in Falten. Weshalb war William jetzt schon wieder in Kalkutta? Er, Hastings, hatte ihn doch selbst erst vor einer Woche auf eine l�ngere Inspektionsreise geschickt. �Ich lasse bitten.�</style></p><p><style name="font3">Sir Edward William trat leise, wie es seine Art war, ein.</style></p><p><style name="font3">�St�re ich, Sir?� fragte er und blieb mit leicht geneigtem Kopf an der Schwelle stehen. �Keineswegs, old friend, tretet n�her. Ihr seht mich erstaunt; denn ich w�hnte Euch weit weg, irgendwo im Lande.� William l�chelte.</style></p><p><style name="font3">�Ihr werdet noch erstaunter sein, Sir Warren, wenn Ihr h�rt, da� ich meine Reise bereits in Diamond Harbour unterbrochen habe, um zur�ckzukehren. Und ich habe endlich einmal eine erfreuliche Botschaft und einen interessanten Bericht f�r Euch, der wie ein Roman klingt, aber den Vorzug hat, wahr zu sein.��Erfreuliche Berichte sind selten.</style></p><p><style name="font3">Erfolge hatten wir ja genug; aber sie waren immer mit Wermutstropfen gemischt. Nehmt Platz, Sir Edward. Ich bin gespannt auf Euern Roman.�</style></p><p><style name="font3">William berichtete in lebhaften Farben �ber die wechselvollen Abenteuer des Kapit�ns Grearson und der anderen Schiffe.</style></p><p><style name="font3">�Captain Grearson?� fragte Hastings �berlegend. �Er ist mir kein Unbekannter. Ich bin 1769 auf seiner �Unicorn� nach Madras gesegelt. Wenn die Geschichte von einem anderen erz�hlt worden w�re, so w�rde ich sie tats�chlich f�r einen spannenden Roman halten. � Ihr habt die zusammengew�rfelte Flottille wirklich mit eigenen Augen gesehen?�</style></p><p><style name="font3">�So wahr ich hier sitze. Ihr k�nnt mir glauben, da� ich kein Jota abgestrichen oder hinzugef�gt habe. Au�erdem befand sich unser neuer Mann, der ehrenwerte General Lord Hawbury, mit seinen Kindern an Bord der �Unicorn�. Er hat alles miterlebt und kann Wort f�r Wort die Wahrheit best�tigen.�</style></p><p><style name="font3">Hastings spielte mit einem G�nsekiel und blickte gr�belnd auf die gl�nzende Platte des riesigen Mahagonischreibtisches, hinter dem er Platz genommen hatte.</style></p><p><style name="font3">�Well, Sir Edward, wem geb�hrt nach Eurer Meinung nun das Anrecht auf die drei erbeuteten Schiffe?�</style></p><p><style name="font3">William blickte ihn verstehend an.</style></p><p><style name="font3">�Die Kompanie k�nnte eine so billige Auffrischung ihrer Flotte gut vertragen.� �So, meint Ihr?�</style></p><p><style name="font3">�Nun, �ber das Besitzrecht an den franz�sischen Piratenschiffen k�nnte man im Zweifel sein; denn die �Unicorn� hat an ihrer Aufbringung mitgewirkt. Die �Mapeika� aber ist eindeutig Prise der spanischen Piraten.�</style></p><p><style name="font3">�Nennt sie nicht Piraten, sonst m��te ich sie h�ngen lassen�, l�chelte Hastings. �Was habt Ihr f�r konkrete Vorschl�ge hinsichtlich dieser ganzen Flotte?�</style></p><p><style name="font3">�Wir brauchen t�chtige Schiffe f�r den Handel mit Niederl�ndisch-Ostindien und Siam. Wir sollten gar nicht erst darum rechten, wem die beiden franz�sischen Schiffe geh�ren, sondern unter Leitung der �Trueno� einfach einen Flottenverband bilden, zu dem die �Mapeika�, die �Dimanche� und die �Lundi� geh�ren, sie in unsere Dienste nehmen und wie Mietschiffe chartern. Ich glaube, wir k�nnten sicher sein, da� sie auf ihren Handelsfahrten eine Phalanx bilden w�rden, an die sich kein Pirat der ganzen S�dsee heranwagen w�rde.� �Habt Ihr mit dieser Frau, dieser�wie hei�t sie doch?� �Marina.�</style></p><p><style name="font3">�Ah ja � habt Ihr mit dieser Marina schon dar�ber verhandelt?�</style></p><p><style name="font3">�No, Sir. Ich wollte erst mit Euch sprechen. Der Gedanke stammt �brigens von David Royce, dem Hafenkommandanten von Diamond Harbour. Er war ganz begeistert von diesem Plan; denn er sieht lieber gecharterte als kompanie-eigene Schiffe in den gef�hrlichen Gew�ssern kreuzen.� Hastings lachte.</style></p><p><style name="font3">�Ein braver Mann, f�rwahr! Und ich mu� sagen, ich finde seine Idee gl�nzend.�</style></p><p><style name="font3">�Was ich noch sagen wollte, Lord Hawbury wird morgen vormittag seinen Antrittsbesuch bei </style><style name="font3">Euch machen.�</style></p><p><style name="font3">Sir Warren erhob sich.</style></p><p><style name="font3">�Bringt die Sache in Ordnung, Sir Edward. Und ehe ich's vergesse, �bermittelt diesem Herrn Pfeifer und der Kapit�nin und denen, die Ihr sonst noch f�r interessant haltet, eine Einladung zu einem Bankett, das ich morgenabend in meinem Hause geben werde. Ich bin wirklidi gespannt, wie M�nner aussehen, die noch echte Abenteuer zu bestehen verm�gen.�</style></p><p><style name="font3">�Verge�t die Frau nicht�, lachte William, �unter uns gesagt, Aphrodite k�nnte nicht sch�ner sein als sie.�</style></p><p><style name="font3">William verabschiedete sich und ging. �</style></p><p><style name="font3">Hastings blickte wieder zum Fenster hinaus. Seine Augen leuchteten wie die eines Knaben. Er hatte von jeher gern Geschichten �ber Seer�uber gelesen.</style></p><p><style name="font3">Aber sein Alleinsein w�hrte nicht lange. Wieder �ffnete sich die T�r, und wieder stand der Soldat in seiner scharlachroten Uniform kerzengerade im Zimmer und r�usperte sich. �Noch jemand, der etwas Interessantes zu erz�hlen hat?� fragte Hastings in gehobener Stimmung.</style></p><p><style name="font3">�Die Abordnung des Radscha von Bihar bittet um eine Privataudienz, Euer Herrlichkeit.� �Ach, richtig. La�t sie noch eine Weile warten, Sergeant. Ich l�ute. Dann k�nnt Ihr sie einlassen.�</style></p><p><style name="font3">Als er allein war, nahm er einen Sto� Akten aus dem Schreibtisch und vertiefte sich in sie. Es waren die Abrechnungen, die ihm Stanley Fox aus Bihar gesandt hatte. Sie wiesen ein Defizit von zweihunderttausend Rupien auf. Das hie�, da� der Radscha in den letzten vier Quartalen jeweils nur f�nfzigtausend Rupien Tribut bezahlt hatte. Das konnte nat�rlich nicht so weitergehen. Zudem fehlte die ganze Leistung f�r das laufende Quartal. Machte zusammen minus dreihunderttausend.</style></p><p><style name="font3">Der Generalgouverneur lehnte sich in den Sessel zur�ck. Dieses Bihar war schon lange ein Dorn in seinem Auge. Es lag im Flu�gebiet des Ganges, geh�rte aber politisch weder zu Bengalen noch zu Oudh. Irgendwie hatte es dieser unbedeutende Radscha verstanden, sich bisher aus allen politisch-kriegerischen Verwicklungen herauszuhalten. Das mu�te anders werden. Warren Hastings war mit Tipu Sahib fertig geworden und hatte die ganzen Zentralprovinzen dem britischen Ostindien einverleibt. Wie war es �berhaupt m�glich, da� Bihar noch immer seine Unabh�ngigkeit bewahrte?</style></p><p><style name="font3">Er lehnte sich noch weiter zur�ck, streckte die rechte Hand nach der Wand hin aus und umfa�te eine von der Decke herabh�ngende Seidensch�rpe. Es war der Klingelzug. Leise schwebte der Ton der Glocke aus dem Vorsaal durch die verschlossene T�r in sein Arbeitszimmer.</style></p><p><style name="font3">Dann sprang die T�r auf, und herein traten drei M�nner in indischer Kleidung.</style></p><p><style name="font3">Sie f�hrten die flach zusammengelegten H�nde an die Stirn und verbeugten sich immerhin so </style><style name="font3">tief, da� man es nach indischer Sitte nicht als Unh�flichkeit auslegen konnte. Aber Hastings sah </style><style name="font3">die kalte Feindseligkeit in den Blicken der Gesandten.</style></p><p><style name="font3">Er hatte sich erhoben, verbeugte sich kurz und fragte:</style></p><p><style name="font3">�Seid mir gegr��t, edle Khans vom Hof des erhabenen Radscha von Bihar, meines Freundes. Was kann ich f�r euch tun?�</style></p><p><style name="font3">Es w�hrte eine Weile, bis die drei in den bequemen englischen Sesseln die Pl�tze in der richtigen Reihenfolge eingenommen hatten.</style></p><p><style name="font3">�Euer Herrlichkeit�, begann der �lteste in flie�endem Englisch. �Wir sind gekommen, um Euch die bitteren Klagen unseres Volkes und Seiner Hoheit, des Radscha von Bihar, vorzutragen.� �Bitte � ich h�re.�</style></p><p><style name="font3">�Euer Handelsattache in Bihar, Mr. Stanley Fox, ist ein Mensch, mit dem schwer zu verhandeln ist.�Hastings zuckte bedauernd die Schultern, freute sich aber im Innern, da� er einen so hartgesottenen Burschen zu diesen Querk�pfen in Bihar geschickt hatte. Der indische Sprecher fuhr fort:</style></p><p><style name="font3">�Seine Hoheit lassen Euch um Stundung des derzeit f�lligen Tributs bitten, da die Trockenheit dieses Sommers eine schlechte Ernte zur Folge hatte und sich daher die Steuern der Bauern vermindert haben.�</style></p><p><style name="font3">�Hm�, machte Hastings gedehnt, �wir sollen eure Beitr�ge� � er vermied das Wort �Tribut� absichtlich � �stunden. Ihr aber verlangt trotzdem Schutz durch unsere Truppen, wenn dieser n�tig wird. Ich glaube, es gibt gen�gend M�glichkeiten, die Steuern einzutreiben. Aber das ist nicht meine Sache. Ihr wi�t, da� sich die Kompanie niemals in die inneren Angelegenheiten eines F�rstentums einmischt.�</style></p><p><style name="font3">Der alte Inder sah zu Boden. Wie dieser Obersteuereintreiber doch heucheln konnte. Jeder Mensch in Hindustan wu�te, da� er und seine Beamten nur auf die erste g�nstige Gelegenheit warteten, sich in die inneren Angelegenheiten eines F�rstentums einmischen zu k�nnen, um ihm die Selbst�ndigkeit zu nehmen.</style></p><p><style name="font3">�Wir m�chten Eure Herrlichkeit darauf aufmerksam machen, da� wir es bisher noch nicht einmal vers�umt haben, unseren Tribut rechtzeitig zu entrichten.� Hastings zog die Brauen hoch.</style></p><p><style name="font3">�Hm, rechtzeitig stimmt. Aber seit ein und einem Vierteljahr habt ihr stets nur die H�lfte der vertraglichen Beitr�ge geleistet. Und wenn ihr ehrlich seid, edle Khans, so werdet ihr zugeben, da� dies ein unhaltbarer Zustand und ein euer nicht w�rdiges Gesch�ftsgebaren ist.� Der Khan fuhr erregt von seinem Sessel auf. �Was sagen Euer Herrlichkeit? � Wie ist es m�glich,</style></p><p><style name="font3">da� Ihr uns der Nichteinhaltung des Vertrags bezichtigt, da wir doch jeden Anna aus unseren </style><style name="font3">Bauern herausgequetscht haben, um die volle Summe entrichten zu k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">Der Generalgouverneur kannte die Inder gut genug, um zwischen gespielter und echter </style><style name="font3">Emp�rung unterscheiden zu k�nnen. Die Emp�rung des Khans war echt.</style></p><p><style name="font3">Wie aber stimmte dessen Behauptung mit den Abrechnungen von Stanley Fox �berein?</style></p><p><style name="font3">In der Kompanie galt das ungeschriebene Gesetz, da� man den Eingeborenen gegen�ber niemals </style><style name="font3">einen Fall von Korruption in den eigenen Reihen eingestand. Clive, Hastings' gro�er Vorg�nger, </style><style name="font3">hatte 1766 den Augiasstall der Korruption mit eisernem Besen ausgefegt. Daf�r durfte der </style><style name="font3">verdiente Soldat dann 1773 in Schimpf und Schande gehen.</style></p><p><style name="font3">Nein, einen solchen Trumpf w�rde er, Hastings, den Herren in London nicht auf den Tisch legen. Jeder Fall von Unterschlagung sollte zu seiner Amtszeit individuell bereinigt werden. Es war besser, ein ganzes F�rstentum durch die Sipoys liquidieren zu lassen, als einen Engl�nder wegen l�cherlicher zweihunderttausend Rupien vor den Gerichtshof in Kalkutta zu zerren. Die Gedanken wirbelten in Hastings' Kopf durcheinander. Bihar war noch nicht reif. Noch regierte der angestammte Radscha. Aber dieser hatte keinen leiblichen Erben. Man w�rde noch eine Weile warten m�ssen.</style></p><p><style name="font3">Am besten war es f�r den Augenblick, den Abgesandten des Hofes die Stundung des Tributs zuzugestehen. Inzwischen w�rde man die Zeit benutzen, um heimlich einen Vertrauten nach Bihar zu schicken, der den Boden zu bereiten hatte. Stanley Fox schien wohl doch nicht ganz der richtige Mann zu sein.Der Generalgouverneur erhob sich.</style></p><p><style name="font3">�Mein Entschlu� steht fest, ihr Edlen von Bihar. Die Kompanie wird euch den Tribut bis auf weiteres stunden.�</style></p><p><style name="font3">Die Khans, die mit solchem Entgegenkommen gar nicht gerechnet hatten, verlie�en erfreut den Amtssitz.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">27</style></p></title><p><style name="font3">Tausend Kerzen brannten im Bankettsaal. Das Haus von Sir Warren Hastings glich einem M�rchenschlo� aus Tausendundeiner Nacht.</style></p><p><style name="font3">Vor dem Eingangsportal sah man eine Auffahrt pr�chtiger Karossen, die die G�ste herangebracht hatten.</style></p><p><style name="font3">Gegen neun Uhr trafen zwei Wagen ein, in denen der Pfeifer, Marina, Porquez, Virgen, Alfonso Jardin und die drei Hawburys Platz gefunden hatten. Jardin f�hlte sich unbehaglich in seiner Haut. So sehr er sich auch auf einen Tanz mit Isolde Hawbury freute, so wenig behagte ihm die steife Umgebung.</style></p><p><style name="font3">Die tapferen Abenteurer hatten sich mit Hilfe von Sir Edward William mit gesellschaftlicher Kleidung versehen k�nnen. Jetzt betraten sie, der alte Lord an der Spitze, den Saal. Neugierig wurden sie von den �brigen G�sten angestaunt; denn ihre Abenteuer hatten sich herumgesprochen.</style></p><p><style name="font3">Der Generalgouverneur trat, begleitet von Kapit�n Grearson, auf die Ank�mmlinge zu. �Ich freue mich, so tapfere Menschen in meinem Haus begr��en zu d�rfen�, sagte er und k��te der ehemaligen Seer�ubergr�fin mit galanter Verbeugung die Hand. Kurz darauf bat er sie um den ersten Tanz.</style></p><p><style name="font3">Ein Tanz bietet Gelegenheit, �ber verschiedene Dinge zu sprechen. Und obwohl sich Marina viel </style><style name="font3">lieber in den Armen Michels gewiegt h�tte, nutzte sie diese Gelegenheit.</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid eine bezaubernde Frau, Gr�fin�, er�ffnete Hastings das Gespr�ch. �Und ich habe </style><style name="font3">geh�rt, da� Ihr gro�en Einflu� auf Eure Umgebung habt.�</style></p><p><style name="font3">�So, sagt man das?� erwiderte Marina zur�ckhaltend.</style></p><p><style name="font3">�Ja, und wenn ich Euch ansehe, so kann ich nicht umhin, es zu glauben.�</style></p><p><style name="font3">�Nun, ich nehme an, da� das an sich wenig interessant ist.�</style></p><p><style name="font3">�Oh, ich bin vom Gegenteil �berzeugt, Gn�digste. Oder k�nnt Ihr mir sagen, mit wem ich sonst </style><style name="font3">�ber gesch�ftliche Dinge verhandeln k�nnte?�</style></p><p><style name="font3">�Ja. Mit Mr. Baum zum Beispiel.�</style></p><p><style name="font3">�Ah, mit jenem Gentleman, den man den Pfeifer nennt?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, mit eben diesem.�</style></p><p><style name="font3">�Und Ihr, sch�ne Frau, unterwerft Euch den Anweisungen dieses Mannes?� Marina l�chelte �berlegen.</style></p><p><style name="font3">�Unterwerfen ist ein schlechter Ausdruck, Sir Warren. Ich m�chte lieber sagen, da� wir die </style><style name="font3">Dinge koordinieren. Das w�re treffender ausgedr�ckt.�</style></p><p><style name="font3">�Well, dann seid Ihr also ein vollg�ltiger Partner, mit dem man reden kann?�</style></p><p><style name="font3">�Ich w�rde Euch empfehlen, Mr. Baum und Senor Porquez hinzuzuziehen.�</style></p><p><style name="font3">Der Tanz war zu Ende. Hastings geleitete seine Dame an einen Tisch. Durch einen livrierten </style><style name="font3">Diener lie� er Michel und Porquez zu sich bitten.Dann sa�en sie zusammen.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe euch einen Vorschlag zu machen.�</style></p><p><style name="font3">Michel und Porquez nickten.</style></p><p><style name="font3">�Zun�chst die wichtigste Frage�, sagte Hastings. �Seid ihr bereit, mit euren Schiffen in die </style><style name="font3">Dienste der Ostindien-Kompanie zu treten?�</style></p><p><style name="font3">�Das h�ngt davon ab, was die Kompanie zahlt�, sagte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Wir zahlen dasselbe wie jedes Handelsunternehmen f�r Frachtbef�rderung, r�ckerstatten euch jedoch alle zus�tzlichen Ausgaben wie etwa Pulver, Kugeln und die Abnutzung sonstiger Waffen, soweit euch Piraten oder andere Gegner bel�stigen.�</style></p><p><style name="font3">�Das hei�t, da� Ihr uns eine Route zugedacht habt, die unter Umst�nden gef�hrlich werden k�nnte?�</style></p><p><style name="font3">�Um ehrlich zu sein, ja. Aber ich kann mir vorstellen, da� gegen eine Flottille von vier Schiffen, wie ihr sie darstellt, kein Feind bestehen kann. Wir w�rden gern eine regelrechte Schiffahrtslinie zwischen Kalkutta, Siam und dem Malaiischen Archipel er�ffnen, um auch dort unten mit den Eingeborenen und den Holl�ndern zwischenkolonialen Handel zu treiben. Euch w�rde ich diese Route anvertrauen.�</style></p><p><style name="font3">Michel tauschte schnelle Blicke mit Marina und Porquez. In ihren Augen las er Zustimmung. Hier war die beste L�sung f�r ein ungef�hrdetes Fortbestehen der �Trueno� gegeben. Hier konnte das Schiff seinen fr�heren schlechten Ruf ins Gegenteil verkehren. �All right, Sir Warren, wir sind einverstanden. Wann k�nnen wir �ber die Einzelheiten der Vertr�ge sprechen?�</style></p><p><style name="font3">�Ich werde Sir Edward William Bescheid sagen, da� er sich bereits morgen fr�h mit euch in Verbindung setzt.� �</style></p><p><style name="font3">Am Tisch von Hastings hatte sich jetzt Lord Hawbury niedergelassen.</style></p><p><style name="font3">�Sagt, General�, fragte Hastings, �was ist dieser Mr. Baum f�r ein eigenartiger Mensch? Doch wohl kein Pirat? Den Eindruck macht er gar nicht.�</style></p><p><style name="font3">�Mein Sohn hat mir viel �ber ihn erz�hlt. Er mu� ein heldenhafter Mensch sein und hat die unglaublichsten Abenteuer bestanden. Meine Tochter zum Beispiel hat er aus den Klauen dieses dicken Daj von Algier befreit � unter Einsatz seines Lebens. Er soll ein Deutscher sein, dem die Heimat zu eng geworden ist. Ich kenne ihn leider zu wenig, um Euch umfassende Aufkl�rung zu geben. Aber was ich in den letzten Wochen gesehen habe � alle Achtung, ein Mensch, wie ihn der englische K�nig wohl brauchen k�nnte. Schade, da� er kein Engl�nder ist.� Hastings sah sinnend vor sich hin. Dann sagte er:</style></p><p><style name="font3">�Ich sch�tze Menschen mit F�higkeiten, selbst dann, wenn sie nicht in England geboren sind. Man m��te ihn f�r die Dienste der Kompanie in Indien einsetzen k�nnen. Solche M�nner brauchen wir bei der Vergr��erung unseres kolonialen Besitzes.�</style></p><p><style name="font3">�Ah, ich habe da noch etwas vergessen zu erw�hnen�, ergriff Lord Hawbury wieder das Wort, �der Mann besitzt eine Wunderwaffe, ein Repetiergewehr, mit dem es durch irgendeinen, uns fremden Mechanismus m�glich ist, sechsmal hintereinander zu schie�en, ohne zwischendurch zu laden.�</style></p><p><style name="font3">Hastings winkte ab.</style></p><p><style name="font3">�Well, ich habe von solchen Versuchen geh�rt. Unsere Waffentechniker halten derartige Konstruktionen f�r absurd. Viele Waffenmeister haben sich mit diesem Problem befa�t, aber keiner hat es bisher gemeistert.�</style></p><p><style name="font3">�Nun, nach dent, was ich �ber die Flinte jenes Mr. Baum geh�rt habe, scheint die Konstruktion doch gelungen zu sein, denn meine Kinder berichteten mir von verbl�ffenden Erfolgen, die der Mann damit gehabt hat.�</style></p><p><style name="font3">�Konntet Ihr Euch bereits selbst von der Wirksamkeit dieser Waffe �berzeugen?�</style></p><p><style name="font3">�Nein. Auf den Schiffen war dazu keine M�glichkeit. Immerhin w�rde mich das Ding als alten </style><style name="font3">Offizier Seiner Majest�t sehr interessieren; aber ich m�chte nat�rlich nicht aufdringlich sein.� �Nun, so nehmt den Helden doch mit Euch, wenn Ihr nach Bihar geht. Vielleicht habt Ihr seine Unterst�tzung einmal n�tig.�</style></p><p><style name="font3">Hawbury schlug sich mit der flachen Hand auf die Schenkel.</style></p><p><style name="font3">�Das ist eine ausgezeichnete Idee, Hastings. Aber wie �berrede ich den Mann dazu? Er wird es sicher vorziehen, bei seinen Kameraden auf der �Trueno� zu bleiben.� �Ihr meint, bei seiner Kameradin.� Lord Hawbury lachte.</style></p><p><style name="font3">�Das w�re ja durchaus verst�ndlich. Aber ich wei� ziemlich gut, da� es nicht so ist. Der Mann soll einer verlorenen Liebe in Deutschland nachtrauern. Nun, ich kann das nat�rlich nicht beurteilen. Und wenn Ihr ihm ein anst�ndiges Angebot macht f�r den Fall, da� er in unsere Dienste tritt, so w�rde ich niemanden lieber mitnehmen als ihn. Er ist n�mlich zu allem auch noch ein approbierter Arzt.�</style></p><p><style name="font3">�Gut�, fuhr Hastings fort, �ich werde mit dem jungen Mann reden. Vielleicht hat er mal wieder Sehnsucht nach dem Lande. Die Schiffe werden sicherlich auch ohne ihn zuverl�ssig operieren.� �Solange die tolle Gr�fin diese Flottille f�hrt, habe ich keinen Zweifel.�</style></p><p><style name="font3">Die Herren erhoben sich und schlenderten hinaus, um ihre Unterhaltung im Park fortzusetzen. � An einem der n�chsten Tage wurde Michel abermals zum Gouverneur gebeten. Die Vertr�ge f�r die Schiffe waren schon am Morgen nach dem Bankett zur Zufriedenheit aller abgefa�t und unterzeichnet worden. Michel wunderte sich, was Hastings jetzt noch von ihm wollte. Aber da er Mu�e hatte, ging er hin.</style></p><p><style name="font3">Sie unterhielten sich zuerst �ber Gott und die Welt. Im Verlauf des Gespr�chs merkte der Pfeifer dann, da� Hastings bem�ht war, von ihm selbst einige Schilderungen seiner mannigfaltigen Abenteuer zu h�ren.</style></p><p><style name="font3">Erst nach einer Stunde, als Michel schon aufbrechen wollte, meinte Hastings:</style></p><p><style name="font3">�Seht Euch einmal dieses Papier an, junger Mann, und lest es sorgf�ltig durch. Vielleicht gef�llt </style><style name="font3">es Euch.�</style></p><p><style name="font3">Michel griff z�gernd nach dem dargereichten Blatt. Durchlesen konnte man schlie�lich viele Dinge. Warum nicht auch das hier? Aber w�hrend die Buchstaben an seinen Augen vor�berzogen, wuchs das Erstaunen in ihm. Fragend sah er auf. �Soll das ein Vertrag sein?�</style></p><p><style name="font3">�Ja. Und er erh�lt volle G�ltigkeit, sobald Ihr Euern Namen darunter gesetzt habt. Ich kann ihn nat�rlich auch in den Papierkorb werfen.�</style></p><p><style name="font3">Michel las das Ganze noch einmal. Dann schlo� er die Augen f�r einen Augenblick und malte sich die Zukunft aus, die ihm dieses St�ckchen Papier bot. Irgendwie kam ihm dieser Vertrag wie gerufen. Er hatte schon hin und her �berlegt, wie es zwischen ihm und Marina werden sollte, wenn sie nun f�r unabsehbare Zeit dauernd zusammen waren. Es gab keine M�glichkeit, von hier aus nach Amerika zu gelangen, es sei denn, auf einem englischen Schiff. Aber ein englisches Schiff w�rde ihn nach Boston bringen. Da war er dann dicht bei den Tories, so dicht, da� es schwer werden w�rde, zu den Rebellen Washingtons �berzuwechseln. Er w�rde schon noch nach Amerika kommen. Dessen war er sicher. Er war auf das Gesicht Marinas gespannt, wenn sie erfuhr, da� er nun wieder von ihr gehen w�rde. Leicht fiel es ihm auch nicht mehr. Er mu�te sie fliehen, bevor es zu sp�t war. Hin und wieder tauchte das immer mehr verblassende Bild Charlotte Ecks auf. Es mu�te wieder Farbe gewinnen. �Habt Ihr einen G�nsekiel?� fragte Michel. Hastings tauchte die bereit gehaltene Feder in die Tinte.</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid ein Mann von schnellem Entschlu�, Herr Doktor.� Michel nickte.</style></p><p><style name="font3">�Das war von jeher meine St�rke oder auch� � er z�gerte und dachte an Marina � �meine Schw�che. Ich danke Euch f�r dieses Angebot.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">28</style></p></title><p><style name="font3">Marina bi� sich auf die Lippen. Alle Farbe wich aus ihrem Gesicht. �Ihr � Ihr h�ttet das nicht tun d�rfen, Miguel, das nicht!� �Ich mu�te, Marina. Ihr wi�t, ich bin kein Mensch, der sich treiben l��t.� �Ich h�tte Euch nicht getrieben.�</style></p><p><style name="font3">�Ich wei�, aber vermutlich h�tte es mich getrieben. Ich will die Gelegenheit des Abschieds benutzen, um eine Frage an Euch zu richten, die mir schon lange auf der Zunge liegt.� �Fragt.�</style></p><p><style name="font3">�Erinnert Ihr Euch noch an jenen Tag, als Ihr uns aus den Steinbr�chen von El Mengub </style><style name="font3">befreitet?�</style></p><p><style name="font3">Sie nickte.</style></p><p><style name="font3">�Und auch an den Abend, der jenem Tag folgte?� fuhr Michel fort.</style></p><p><style name="font3">�Ja doch. Nun fragt schon nach dem Brief, den mir dieser aufgeblasene Eberstein schickte!� �Die Ereignisse liefen bisher so, da� diese Frage eigentlich nie sinnvoll gewesen w�re. Ich bin �berzeugt, da� dieser Brief, sofern er �berhaupt existiert hat, l�ngst vernichtet ist.� Beide schwiegen. Es war wie ein stiller Kampf. �Und?� fragte Marina dann.</style></p><p><style name="font3">�K�nnt Ihr mir versichern, da� es wirklich einen solchen Brief gab?�</style></p><p><style name="font3">Marina schlug die Augen nieder. Obwohl sie diese Frage erwartet hatte, vermochte sie doch </style><style name="font3">nicht gleich zu antworten.</style></p><p><style name="font3">Dann aber sah sie Michel voll an. In ihren Augen stand, so schien es, ihre ganze Seele wie ein aufgeschlagenes Buch.</style></p><p><style name="font3">�Ja�, log sie dann mit fester Stimme. �Diesen Brief gab es. Und er besagte genau das, was ich </style><style name="font3">Euch damals erz�hlte.�</style></p><p><style name="font3">Michel ging mit gro�en Schritten auf und ab.</style></p><p><style name="font3">Dieses �Ja� hatte so aufrichtig geklungen, da� er an der Wahrheit kaum noch zweifeln </style><style name="font3">konnte.�Dieser Eberstein�, pre�te er hervor, �wenn ich ihm jemals wieder begegnen sollte ��</style></p><p><style name="font3">�Ihr liebt sie also tats�chlich noch?� kam Mannas Stimme, dunkel, umflort.</style></p><p><style name="font3">�Dar�ber will ich mir jetzt klarwerden. Deshalb gehe ich mit Lord Hawbury nach Bihar.�</style></p><p><style name="font3">�Wozu dieser beschwerliche Weg? K�nnt Ihr auf der �Trueno� nicht denken?�</style></p><p><style name="font3">�Nein.�</style></p><p><style name="font3">�Und weshalb nicht?�</style></p><p><style name="font3">�Zwingt mich nicht, es auszusprechen! Ihr wi�t es ohnedies ganz genau.� �Euer Entschlu� steht endg�ltig fest?�</style></p><p><style name="font3">�Ich habe unterschrieben. Und eine Unterschrift ist wie ein Ehrenwort.� Marina wandte sich langsam ab. Michel erfa�te noch einmal das Bild dieser sch�nen Frau. Wie sich die enge Piratenhose um die Beine schmiegte, wie schmal die Taille war und wie kr�ftige Schultern diese Frau hatte, wie sie trotz aller Urspr�nglichkeit und Kraft eine Wolke von Zartheit umgab. Michel w�rde sie nie vergessen k�nnen.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich warf sich die Frau in einen Sessel. Schluchzen ersch�tterte ihren K�rper, ein Schluchzen, das aus den tiefsten Tiefen der Seele hervorbrach. Ihr Kopf war abgewandt. Sie ha�te es, Tr�nen zu zeigen, selbst vor Michel.</style></p><p><style name="font3">Michel drehte sich ruckartig um und verlie� die Kabine. Er ging geradewegs zu Ojo.</style></p><p><style name="font3">�He, Diaz, komm her, ich mu� dir eine Frage stellen.�</style></p><p><style name="font3">�Si, si, Senor Doktor, fragt�, dr�hnte der Ba� des Riesen, und seine Z�hne blitzten wei� durch den schwarzen Vollbart.</style></p><p><style name="font3">�Was willst du lieber, auf dem Schiff bleiben und in die S�dsee fahren, oder mit mir zu Lande </style><style name="font3">den Ganges hinauf pilgern?�</style></p><p><style name="font3">�Diablo, wollt Ihr denn weg?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, ich gehe mit Lord Hawbury nach Bihar.�</style></p><p><style name="font3">�Gibt es dort Wein?�</style></p><p><style name="font3">Michel lachte.</style></p><p><style name="font3">�Alter S�ufer! Ich wei� nicht, ob die Inder Wein trinken, sofern sie keine Mohammedaner sind.� �Maldito, das ist eine verfluchte Entscheidung. Ihr wi�t, meine Heimat ist die See. Aber wenn ich mir vorstelle, da� das ohne Euch sein soll, dann n�tzt mir auch die Heimat nichts. Bueno, Senor Doktor, ich gehe mit.� Michel reichte ihm die Hand.</style></p><p><style name="font3">�Fein, amigo, dann pack die paar Sachen zusammen, die du brauchst, �le deine Flinte, sage der Senorita hasta la vista und komm in meine Kabine. Ich warte dort auf dich.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">29</style></p></title><p><style name="font3">Mr. Stanley Fox sa� wie �blich auf der Terrasse seines Bungalows und trank Whisky. Er war unrasiert und schmierig angezogen wie immer. Da er zu faul war, seinen Tropenhelm abzusetzen, hatte er ihn auch auf der schattigen Veranda aufbehalten. Sein Gesicht zeigte einen �rgerlichen Ausdruck.</style></p><p><style name="font3">Diese hindustanischen L�mmel, seit zwei Monaten waren sie den Tribut schuldig und dachten gar nicht daran, ihn zu bezahlen. Fox hatte mehrmals Boten nach Kalkutta gesandt, um dem Generalgouverneur klarzu-machen, da� man sch�rfere Methoden anwenden m��te, um die Au�enst�nde der Kompanie einzutreiben. Es war ihm ein R�tsel, da� er bis heute noch auf keinen einzigen seiner Briefe eine Antwort erhalten hatte.</style></p><p><style name="font3">Er erhob sich tr�ge, trat in das angrenzende Zimmer und besah sich im Spiegel. Dann warf er einen Blick auf die dicke, goldene Uhr und brummte zufrieden vor sich hin. Gleich war es sechs. Und f�r sechs hatte er die kleine, h�bsche indische Dirne bestellt.</style></p><p><style name="font3">Auf dem Gebiet der Liebe machte Fox Ausnahmen. Wenn ihm ansonsten das ganze Hindupack auch verha�t war, so war diese kleine Inderin doch das einzige M�dchen, das sich nicht an seinen Bartstoppeln und an seiner sonstigen Ungepflegtheit st�rte. Er hatte manchmal den Eindruck, da� sie ihn aufrichtig liebte. Und da sie anspruchslos war und nie etwas verlangte, war f�r den sparsamen Mr. Fox eigentlich alles in Ordnung. Kein Hahn w�rde danach kr�hen, wenn er eines Tages nach England zur�ckging und die Kleine hier sitzen lie�. Drau�en erklangen schnelle, leise Schritte. Sie war es.</style></p><p><style name="font3">�Na, Krima, mein Liebling, hat dich dein Alter heute so fr�h aus dem Joch gespannt?� �Ja, Fox Sahib�, erwiderte sie mit gl�nzenden Augen. �Du wei�t, da� ich um Ausreden nie verlegen bin, wenn es mich zu dir zieht.�</style></p><p><style name="font3">�Ich wei�, du kleines Biest, du w�rdest deine Seligkeit verkaufen, um etwas zu erreichen, was dir Spa� macht. Du solltest eigentlich Tanzm�dchen werden. Die Figur hast du dazu.� Sie dr�ckte sich an ihn, und die spitzen Stoppeln seines Bartes rieben ihre Wangen rot. Vor dem Haus ert�nte pl�tzlich Geschrei. �Was ist das f�r ein L�rm?� Fox runzelte die Stirn.</style></p><p><style name="font3">�Vielleicht sind es die fremden Sahibs, deren Palan-kine vorhin ins Dorf getragen wurden.� �Was wollen sie vor meinem Haus? Kennst du die reichen Burschen, die sich in diesen Dingern transportieren lassen?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, aber die Ausr�stungen, die auf die nachfolgenden Pferde gebunden sind, sahen aus wie die von den wei�en Sahibs in Kalkutta. Es waren auch H�te dabei wie der deine.� �Good God, es werden doch nicht etwa Engl�nder sein, die zu Besuch kommen?� Er lie� das M�dchen los und st�rmte durch die Zimmer auf die Vorderterrasse seines Bungalows.</style></p><p><style name="font3">Er kam gerade zurecht um zu sehen, wie ein Engl�nder in der Uniform eines Generals aus einem Palankin stieg und sich suchend umblickte. Aber nicht genug mit diesem einen, auch aus den anderen Lieges�nften stiegen die Insassen: zwei Wei�e, die Zivilkleidung trugen. Fox stand wie vom Donner ger�hrt. In diesem Aufzug konnte er unm�glich einen General begr��en. Er fuhr sich mit der Hand �ber das Kinn und verfluchte seine Rasierfaulheit. Zu allem Ungl�ck h�rte er im R�cken nun auch noch die Stimme Krimas, die ihn fragte: �Wollen die Sahibs zu dir?� �Krima, kleines Biest, mach, da� du fortkommst. Klettere hinten �ber die Veranda und la� dich nicht von diesen Herren erblicken. Gott sei mir gn�dig, wenn sie erfahren, da� ich mit einem Hindum�dchen schlafe!� Die Augen des Generals blieben an Fox haften.</style></p><p><style name="font3">�He�, rief Lord Hawbury, �wohnt hier Mr. Stanley Fox, der Handelsattache der OstindienKompanie?�</style></p><p><style name="font3">�Yes � yes, Sir�, stotterte Fox.</style></p><p><style name="font3">�Well, dann sagt Euerm Herrn, da� General Hawbury, Sondergesandter des Generalgouverneurs, ihn zu sprechen w�nscht.�</style></p><p><style name="font3">Fox schob nerv�s seinen Tropenhelm vom Genick in die Stirn, von der Stirn ins Genick. Verteufelte Situation. Der General schien ihn f�r seinen eigenen Diener zu halten. Es n�tzte nichts. Zum Rasieren oder gar Umziehen war jetzt keine Zeit mehr. Er konnte den hohen Offizier nicht unten stehen lassen. Er beschlo�, sein w�stes Aussehen durch eine geh�rige Portion Frechheit auszugleichen.</style></p><p><style name="font3">Mit jovialem L�cheln, das allerdings mehr einem Grinsen glich, ging er die wenigen Stufen hinab und mit ausgestreckten H�nden auf den General zu. �How do you do, Sir�, gr��te er mit lauter Aufdringlichkeit.</style></p><p><style name="font3">Hawbury nahm etwas verwundert die dargebotene Rechte und sch�ttelte sie zur�ckhaltend. Er staunte �ber die Vertraulichkeit, die hier die Bediensteten an den Tag legten. Aber das mochte wohl eine Folge des Klimas und des seltenen Umgangs mit anderen Wei�en sein. Er beschlo�, sich diesen Verh�ltnissen anzupassen, und erwiderte herzlich:</style></p><p><style name="font3">�Freut mich, nach der langen Reise den ersten Englishman in Euch begr��en zu k�nnen. Wollt Ihr nun die Freundlichkeit haben, mich Euerm Herrn zu melden, oder ist er nicht zu Hause?� �Wenn Ihr Stanley Fox meint, Sir, so steht er vor Euch. Ihr m��t meinen Aufzug schon entschuldigen; aber hier vergi�t man leicht, da� man fr�her einmal Kultur geatmet hat.� Der General erschrak innerlich, lie� sich aber nach au�en nichts anmerken. �Entschuldigt die Verwechslung�, sagte er, �ich komme soeben erst aus England, und daher fehlt mir im Augenblick noch das Unterscheidungsverm�gen f�r die Herren der britischen Gesellschaft in Indien. Darf ich Euch meinen Begleiter, Mr. Baum und seinen Freund, Mr. Ojo, vorstellen.�</style></p><p><style name="font3">Fox hob die Hand und winkte den beiden herablassend zu. �How do you do�, kaute er nachl�ssig. Ojo und Michel sahen einander an.</style></p><p><style name="font3">�Ein sonderbarer Kunde�, meinte Ojo auf spanisch. �Er benimmt sich wie ein Graf und sieht aus wie ein Landstreicher.� Fox sagte zu Hawbury:</style></p><p><style name="font3">�Darf ich Euch mein Haus zur Verf�gung stellen, Sir? Es ist zwar f�r englische Begriffe nicht besonders komfortabel; aber ein Dach �ber dem Kopf habt Ihr allemal.� �Danke. Und wo k�nnen meine Begleiter n�chtigen?� Fox zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe leider nur ein Gastzimmer. Aber wenn sie mit H�ngematten vorliebnehmen, so ist in meinem Garten Platz.�</style></p><p><style name="font3">Hawbury war sichtlich verlegen. Einen solchen Empfang hatte er bei aller Illusionslosigkeit nicht erwartet. Er beschlo�, Fox deutlicher zu verstehen zu geben, wen er vor sich hatte. Seine Stimme hatte einen barschen Ton, als er sagte: �H�rt, Fox, dieses Angebot war eine Frechheit. Ich wei� nicht, wie Ihr dazu kommt, mit solchen Unversch�mtheiten aufzuwarten. Ich m�chte Euch nur sagen, da� ich das Haus mit Beschlag belege, wie es mir gef�llt. Sir Warren Hastings versicherte mir ausdr�cklich, da� die H�user der Angestellten Eigentum der Kompanie sind. Richtet Euch gef�lligst danach. Und nun zeigt uns, wo wir uns erfrischen k�nnen.� Fox dachte nicht daran, sein Benehmen zu �ndern.</style></p><p><style name="font3">�Ihr m��t schon gestatten, da� ich in dem Haus, in dem ich wohne, nur G�ste aufnehme, die mir passen. Und wenn es hundertmal der Kompanie geh�rt. Ihr habt mir noch nicht einmal den Grund Eures Hierseins genannt.�</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury holte einen Brief aus seinem �rmelaufschlag und reichte ihn Fox mit zwei Fingern.</style></p><p><style name="font3">�Da, informiert Euch selbst.�</style></p><p><style name="font3">Fox steckte das Schreiben unbeachtet in die Tasche seines Hemdes und wies mit dem Daumen zum Haus. �Tretet n�her, Sir.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">30</style></p></title><p><style name="font3">Ojo und Michel n�chtigten in einem mitgef�hrten Zelt, das die Tr�ger im Garten des Bungalows aufschlugen. Die Zimmer des Bungalows glichen Rumpelkammern. Ganze Batterien leerer Flaschen standen und lagen in allen Ecken.</style></p><p><style name="font3">Der General war in den kommenden Tagen mit der �berpr�fung der gesamten Arbeit des sonderbaren Handelsattaches besch�ftigt. Und so hatten der Pfeifer und Ojo gen�gend Zeit, die Gegend zu durchstreifen. Sie hatten die B�chsen umgeh�ngt und ritten am Rand des Dschungels dahin. Dabei sahen sie, wie die Reisbauern in den Terrassen der Grundherren schufteten. �Arme Teufel�, sagte Ojo mitleidig und sch�ttelte den Kopf. Michel nickte.</style></p><p><style name="font3">�Es scheint auf der ganzen Welt gleich zu sein. Wohin ich bis jetzt gekommen bin, habe ich nur zwei Sorten Menschen vorgefunden: Herren und Knechte. Und man kann nichts daran �ndern. Das ist das schlimmste.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr habt eine dritte Sorte Menschen vergessen, Senor Doktor.� �So? Welche denn?� �Die Piraten. Sie sind frei.�</style></p><p><style name="font3">�Nein�, meinte Michel. �Das scheint dir nur so. Sie sind � ganz im Gegenteil � am Unfreiesten; denn sie k�nnen ihren Herrn nicht absch�tteln. Er ist in ihnen. Sie sind Sklaven der Gier nach Geld und der Lust am Morden. Das hat mit Freiheit nichts zu tun.� �Das verstehe ich nicht. Bin ich ein Sklave des Goldes?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, du bist ja auch nicht das, was man schlechthin unter einem Piraten versteht. Du warst es vielleicht einmal. Aber das ist lange her. Ich hoffe, da� sich auch deine Kameraden auf dem Schiff gewandelt haben. Wenigstens bilde ich mir ein, da� ich ihnen den Respekt vor dem Leben anderer beigebracht habe. Auch die Goldgier wird ihnen noch vergehen, wenn sie erst einmal gemerkt haben, da� sie auch mit vielen Sch�tzen weiter nichts tun k�nnen, als sich satt essen und vollaufen lassen.�</style></p><p><style name="font3">Ojo sah ihn skeptisch von der Seite an.</style></p><p><style name="font3">Mitten im Gespr�ch hielten sie pl�tzlich erschrocken inne. Vor ihren Augen scho� etwas wie ein Blitz vorbei. Dann brach seitw�rts aus den dichten Schlingpflanzen eine Gestalt hervor, ein J�ngling. Er hatte Pfeil und Bogen in der Hand, rannte ein St�ck hin�ber auf das Reisfeld, verhielt im Lauf, wandte sich um und sandte einen Pfeil in den Wald. Die beiden Reiter beachtete er�berhaupt nicht. Seine Augen suchten das Dickicht zu durchdringen. Aber es zeigte sich niemand.</style></p><p><style name="font3">Er schritt dorthin, wo das blitzende Etwas am Boden lag, b�ckte sich, hob es auf und wog es in der Hand.</style></p><p><style name="font3">Michel und Ojo wandten ihre Pferde und ritten zu ihm hin. �Gegen wen k�mpftest du?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Wer seid ihr?� stellte der J�ngling eine Gegenfrage im besten Englisch.</style></p><p><style name="font3">�Wir sind Reisende�, erwiderte Michel, �und halten uns zur Zeit in Bihar auf, wo einer von uns </style><style name="font3">gesch�ftliche Dinge zu erledigen hat.�</style></p><p><style name="font3">Der Junge musterte die Reiter mi�trauisch.</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid Leute von der Kompanie, nicht wahr?�</style></p><p><style name="font3">�Wir stehen in ihren Diensten. St�rt dich das?�</style></p><p><style name="font3">Der Junge lie� die Frage unbeantwortet. Daf�r hielt er ihnen den Gegenstand unter die Nase, den er soeben aufgehoben hatte. Michel nahm ihn in die Hand. Es war eine kreisrunde, metallene Scheibe, deren Au�enkanten scharf wie ein Rasiermesser waren. In der Mitte hatte diese Scheibe ein Loch.</style></p><p><style name="font3">�Es ist die Waffe der Sikhkrieger, ein f�rchterliches Instrument in der Hand des Ge�bten.� �Verfolgt man dich denn?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Ja. Ich glaube es wenigstens. Es treibt sich schon seit Tagen fremdes Gesindel in Bihar herum. Ich war einigen auf der Spur, konnte sie aber nicht stellen.�</style></p><p><style name="font3">Michel �bersetzte Ojo rasch den Inhalt des Gespr�chs. Dann wandte er sich wieder dem J�ngling zu.</style></p><p><style name="font3">�Wie alt bist du? Geh�rst du zur Polizei des Radscha?�</style></p><p><style name="font3">�Ich bin Tscham�, sagte der Junge einfach, als ob er damit alles erkl�rt h�tte.</style></p><p><style name="font3">Michel dachte nach. In irgendeinem Winkel seines Ged�chtnisses gab es diesen Namen. Richtig, </style><style name="font3">er erinnerte sich geh�rt zu haben, da� beim Radscha ein junger Mann dieses Namens lebte, um </style><style name="font3">sp�ter einmal die Nachfolge anzutreten. Dennoch fragte er:</style></p><p><style name="font3">�Tscham? Kannst du dieses Wort nicht ein wenig erl�utern?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, ich bin der Sohn des Radscha von Bihar. Und sp�ter werde ich einmal Radscha sein.� �Und da l��t man dich einfach so im Dschungel herumtollen?� Tschams Stirn krauste sich.</style></p><p><style name="font3">�Ich tolle nicht herum, ich verfolge eine Verbrecherbande. Wahrscheinlich sind es Thags, die jetzt auch hier ihr Unwesen treiben.�</style></p><p><style name="font3">Thags waren Mitglieder einer indischen M�rdersekte, die zu Ehren der G�ttin Bhowanee, der Gemahlin Wischnus, wahllos Menschen umbrachten, insbesondere solche, von denen sie glaubten, da� sie den Engl�ndern h�rig seien.</style></p><p><style name="font3">Michel kannte diesen Begriff noch nicht, hatte auch noch nichts von einer solchen Sekte geh�rt. �Ist es nicht ein wenig gef�hrlich f�r einen Jungen wie dich, einer solchen Besch�ftigung nachzugehen?�</style></p><p><style name="font3">�Pah�, lachte Tscham, �wer Radscha werden will, darf keine Angst vor Gefahren haben.� Sie standen jetzt etwa hundertf�nfzig Meter weit vom Waldrand entfernt. Das dichte Unterholz geriet auf einmal in Bewegung. Dann brachen f�nfzehn bis zwanzig wild aussehende Gestalten hervor.</style></p><p><style name="font3">Tscham entdeckte sie zuerst. Statt zu fliehen, rief er kampfesmutig:</style></p><p><style name="font3">�Da sind sie! Endlich habe ich sie.� Seine Augen leuchteten.Er legte den Bogen an, spannte die Sehne und sandte mit ruhiger Hand Pfeil auf Pfeil in die Gruppe der Gegner. Einige st�rzten zusammen.</style></p><p><style name="font3">Michel und Ojo sprangen von den Pferden, rissen diese zu Boden und legten sich mit angeschlagenen B�chsen dahinter.</style></p><p><style name="font3">Die Angreifer stie�en ein Geheul aus und kamen heran. Michel hatte keine Zeit mehr zum �berlegen. Er ri� den neben ihm stehenden Jungen am Bein zu sich nieder und dr�ckte ihn hinter den Pferder�cken in Deckung. �Was tut Ihr mit mir?� emp�rte sich Tscham.</style></p><p><style name="font3">Es war jetzt h�chste Zeit, da� die beiden Freunde sich gegen die unerwarteten Feinde verteidigten. Michel warf die Villaverdische Muskete an die Wange und scho� denen, die am n�chsten waren, seine Kugeln in die Beine. Aufbr�llend sanken sie in den Staub.</style></p><p><style name="font3">Michel zog seine Reiterpistolen, warf sie Ojo zu und sagte: �Halte sie uns so lange vom Leib, bis ich geladen habe.�</style></p><p><style name="font3">Ojo selbst hatte seine Flinte und zwei weitere Pistolen. Er konnte also f�nfmal schie�en. Kaltbl�tig wie er war, suchte er sich sorgf�ltig seine Ziele.</style></p><p><style name="font3">Die Angreifer z�gerten. Ojo scho� die letzte Pistole ab. Mit fiebernder Hast hatte Michel sein Gewehr geladen. Er legte gerade in dem Augenblick an, als in die restlichen Gegner neue Bewegung kam. Wieder krachten sechs Sch�sse kurz hintereinander. Die ganze Meute w�lzte sich jetzt schreiend am Boden. Zwei oder drei, die noch nicht verwundet waren, wandten sich entsetzt dem Dschungel zu und waren bald verschwunden. Michel erhob sich und lud erneut.</style></p><p><style name="font3">�Wie ist es m�glich�, fragte er, �da� man hier einfach �berfallen wird, ohne je mit diesen Leuten etwas zu tun gehabt zu haben?�</style></p><p><style name="font3">Fragend sah er Tscham an. Der aber stand neben ihm und starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Der J�ngling war zu keinem Wort f�hig. Der Bogen war seinen Fingern entglitten. �Was hast du?� fragte Michel verwundert.</style></p><p><style name="font3">�Ihr � Ihr � seid Ihr ein Zauberer? Oder Schiwa selbst, der herabgestiegen ist, um die Thags zu vernichten?�</style></p><p><style name="font3">�Unsinn, ich bin ein Mensch wie du. Weshalb starrst du mich so verwundert an?�</style></p><p><style name="font3">�Ihr habt oftmals geschossen, ohne zu laden. Ihr m��t der Gott des Krieges oder der Rache </style><style name="font3">sein.� Er f�hrte die zusammengelegten H�nde an die Stirn und verneigte sich tief.</style></p><p><style name="font3">�Ach so�, sagte Michel. Er nahm das Gewehr hoch und klopfte mit der Hand auf das </style><style name="font3">Laufb�ndel. Er hatte die Konstruktion noch nie einem Fremden auch nur andeutungsweise </style><style name="font3">erl�utert. Und er h�tte nicht zu sagen vermocht, weshalb er diesen Inderjungen oberfl�chlich </style><style name="font3">aufkl�rte.</style></p><p><style name="font3">�Du brauchst mich nicht f�r einen Zauberer zu halten, Tscham. Dieses Gewehr ist von einem Wei�en erfunden worden. Wenn du es genauer betrachtest, wirst du feststellen, da� die Bauart erheblich von den bekannten Mustern abweicht.�</style></p><p><style name="font3">Tscham trat z�gernd n�her. Mit Ehrfurcht staunte er die Waffe an. Aber dann verd�sterten sich seine Z�ge pl�tzlich.</style></p><p><style name="font3">�Das ist das Ende Indiens�, sagte er schwer.</style></p><p><style name="font3">Michel sch�ttelte den Kopf.�Nein, mein Junge, dieses Gewehr existiert nur in einer einzigen Ausfertigung. Man kann auch nicht dauernd damit schie�en, sondern mu� nach sechs Sch�ssen nachladen.�</style></p><p><style name="font3">Tschams Miene hellte sich trotzdem nicht auf. Mit einer f�r sein Alter ungewohnt m�den Geste winkte er ab.</style></p><p><style name="font3">�Ihr wollt mich tr�sten; aber ich kenne die Engl�nder. Es wird nicht lange dauern, so wird man Euch Unsummen f�r die Preisgabe des Geheimnisses bieten, Summen, die man unseren Bauern abpre�t.�</style></p><p><style name="font3">�Ich bin kein Engl�nder. Und wenn ich einer w�re, so w�rde ich auch f�r alle Sch�tze der Welt das Geheimnis einer so furchtbaren Waffe nicht preisgeben. Ich liebe die Menschen. Ich will nicht, da� man sie vernichtet.�</style></p><p><style name="font3">�Das sagen alle Wei�en. In jeder Kirche in Kalkutta kann man diese Worte von ihren Predigern h�ren. Aber zwischen ihren Worten und ihren Taten liegt eine Welt.� �Ich kann dich nat�rlich nicht von meinem guten Willen �berzeugen.� �Was seid Ihr, wenn Ihr kein Engl�nder seid?�</style></p><p><style name="font3">�Ein Deutscher, der aus seinem Land fliehen mu�te, weil die F�rsten dort und die Herrscher es nicht zulassen, da� der einfache Mensch frei ist.� �Oh, ich dachte, das g�be es nur in Indien.�</style></p><p><style name="font3">�Das ist �berall auf der Welt so. Nur in einem Land k�mpfen zur Zeit die B�rger um ihre </style><style name="font3">Unabh�ngigkeit. Und sie sind siegreich. Auch dort waren bisher die Engl�nder die Herren.�</style></p><p><style name="font3">�Wo ist das?� fragte Tscham mit gl�nzenden Augen.</style></p><p><style name="font3">�Das ist weit, sehr weit, auf der anderen Seite der Erde.�</style></p><p><style name="font3">�Wie kann man dorthin kommen?�</style></p><p><style name="font3">�Das mu� man wahrscheinlich dem Zufall �berlassen.</style></p><p><style name="font3">Ich jedenfalls bem�he mich schon seit drei Jahren, dorthin zu gelangen. Bisher ist es mir noch nicht gegl�ckt. � Aber nun etwas anderes. Was gedenkst du jetzt zu tun?� Tscham blickte hin�ber, dorthin, wo sich die verwundeten Thags st�hnend am Boden w�lzten. �Wir werden jetzt hingehen und ihnen den Garaus machen. Ihr habt nicht alle getroffen.� �Den Garaus machen? Du willst sie doch nicht etwa ermorden?�</style></p><p><style name="font3">�Sie sind doch M�rder. Wenn Ihr richtig getroffen h�ttet, dann w�ren ihre Seelen l�ngst in den K�rper einer Schlange gefahren.�</style></p><p><style name="font3">�Ich habe richtig getroffen, genau dahin, wo ich wollte. Sieh dir die Beine an. Dort wirst du die L�cher meiner Kugeln finden. Ich t�te nie. Es sei denn, mein eigenes Leben hinge davon ab.� Tscham sah den Fremden verwundert an.</style></p><p><style name="font3">�Was seid Ihr f�r ein sonderbarer Mensch. Ich kenne viele Wei�e; aber einen wie Euch habe ich noch nie getroffen.�</style></p><p><style name="font3">�Leider�, seufzte Michel. �Wenn du der Sohn des Radscha bist, so befiehl den Bauern dort, die Verwundeten in ein Krankenhaus zu schaffen.�</style></p><p><style name="font3">�In ein Krankenhaus? Ihr scheint noch nicht lange in Indien zu sein. Solche Einrichtungen gibt es hier nicht.�</style></p><p><style name="font3">�Dann befiehl ihnen, sie in die Stadt zu bringen. Ich wohne dort in einem Zelt. Ich werde ihnen �rztliche Hilfe gew�hren.�</style></p><p><style name="font3">Tscham gab es auf, noch weiter in die Seele des Fremden vorzudringen.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">31</style></p></title><p><style name="font3">In Bihar blieben die Leute auf der Stra�e stehen, als sie den schweigenden Zug der Bauern sahen, die auf schnell gefertigten Kn�ppelbahren Verwundete trugen. Der Zug, an dessen Spitze Michel und Ojo ritten und dessen Beschlu� Tscham mit dem umgeh�ngten Bogen bildete, nahm Richtung auf den Bungalow, in dem Fox wohnte.</style></p><p><style name="font3">Fox stand auf der Veranda, rasiert und einigerma�en sauber bekleidet, als die ersten in seinen Garten einr�ckten. Er erkannte Michel und Ojo. Als die Bahren vor dem Zelt der beiden niedergesetzt wurden, explodierte er fast. Mit einem Sprung setzte er �ber das Gel�nder hinweg und st�rmte auf die Ank�mmlinge zu. Wut stand in seinem Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Seid ihr verr�ckt, ihr dreckigen Hindus? Wer hat euch gesagt, da� ihr die Kranken hier in mein Haus bringen sollt, verdammtes Gesindel!�</style></p><p><style name="font3">�Augenblick�, sagte Michel, trat von hinten an ihn heran, legte ihm seine rechte Hand auf die Schulter und ri� ihn mit einem Ruck zu sich herum. �Weshalb beschimpft Ihr Leute, die Samariterdienste tun?�</style></p><p><style name="font3">�Samariterdienste? Ihr seid wohl nicht ganz klar bei Verstand? Mein Haus ist kein Asyl f�r abgeschossene Schweine.� Er wandte sich an die Bauern. �Tragt sofort die Burschen hier raus.� Die Bauern standen unschl�ssig. Ihre Blicke gingen zwischen Michel und Fox hin und her. Dann b�ckte sich der erste, um dem Befehl des sattsam bekannten Herrn Fox nachzukommen. �Halt�, donnerte Michels Stimme, �die Verwundeten bleiben hier!� Er wandte sich an Ojo und sagte auf spanisch: �Gib den Tr�gern je einen Piaster aus unserem Beutel, Diaz. Sie werden es wohl in Rupien umwechseln k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">Ojo nickte, l�ste den Beutel von seinem G�rtel und warf jedem der Raijaten ein kleines Goldst�ck zu.</style></p><p><style name="font3">�Das ist euer Lohn�, sagte Michel. �Nun geht wieder an eure Arbeit. Ich danke euch im Namen der Kompanie f�r eure Dienste.�</style></p><p><style name="font3">Die Bauern rissen Mund und Nase auf. Was war hier geschehen? Sie vermochten es nicht zu fassen. Ein Angeh�riger der Kompanie gab Geld, statt welches zu fordern. Das war neu in Indien.</style></p><p><style name="font3">Fox war sprachlos.</style></p><p><style name="font3">�Seid Ihr denn ganz von Gott verlassen? Wie k�nnt Ihr diesen Burschen im Namen der Kompanie Geld geben! Ihr verderbt sie damit! Sie sind f�r unsere Ziele nicht mehr zu gebrauchen! Ich werde das sofort General Hawbury melden.�</style></p><p><style name="font3">�Nicht n�tig�, winkte Michel ab, �meine Berichte pflege ich selbst zu geben. Wenn ich von einem Menschen eine Arbeit verlange, so mu� ich sie auch bezahlen. Das ist doch klar, oder nicht?�</style></p><p><style name="font3">Fox tippte sich an die Stirn.</style></p><p><style name="font3">�Menschen? Ihr seid doch nicht recht bei Trost, diese Hindus Menschen zu nennen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich will mit Euch nicht �ber Begriffe streiten, die Ihr nicht versteht. Ihr seid mir dazu zu dumm, </style><style name="font3">zu arrogant, zu schmutzig und vor allem � zu unmenschlich.�</style></p><p><style name="font3">�Mensch!� Fox sprang mit wutverzerrtem Gesicht gegen ihn an. Aber Michel hatte keine Lust, den Mann zu verpr�geln. Er gab Ojo nur einen kleinen Wink und sagte:�Hau ihn durch, Diaz. Ich mu� zum General.�</style></p><p><style name="font3">Ojo fing den rasenden Fox mit seinen Riesenpratzen auf. Seine Z�hne blitzten. Ein breites Lachen stieg aus seiner Kehle auf und rollte �ber den Garten hinweg. �Ihr sollt zufrieden sein mit mir, Senor Doktor.�</style></p><p><style name="font3">Michel ging auf das Haus zu und h�rte in seinem R�cken Wehgeschrei und das Ger�usch </style><style name="font3">klatschender Maulschellen.</style></p><p><style name="font3">Er klopfte an die Zimmert�r Lord Hawburys.</style></p><p><style name="font3">Ein tiefes �Herein� scholl ihm entgegen.</style></p><p><style name="font3">�Ah, Mr. Baum� � der General sah von seiner Arbeit auf � �habt Ihr Euch gut am�siert?� �Wenn Ihr das Abschie�en einer Thagbande Am�sement nennt, so habe ich mich gl�nzend am�siert.�</style></p><p><style name="font3">�Was? Ihr seid mit den Thags in Ber�hrung gekommen, mit den gef�hrlichsten M�rdern Indiens?� Er sprang auf.</style></p><p><style name="font3">Michel wies mit dem Daumen �ber seine Schulter.</style></p><p><style name="font3">�Ja, Sir, drau�en im Garten liegen die Verwundeten. Ich habe sie kampfunf�hig geschossen und m�chte Euch jetzt um die Freigabe von Medikamenten und Scharpie bitten, damit ich sie verbinden kann.�</style></p><p><style name="font3">In Hawburys Gesicht spiegelte sich �berraschung und Verst�ndnislosigkeit.</style></p><p><style name="font3">�Ja doch � nat�rlich � aber erkl�rt doch � ich verstehe �berhaupt nichts.�</style></p><p><style name="font3">Michel erstattete in kurzen, knappen Worten seinen Bericht.</style></p><p><style name="font3">�So habt Ihr also Tscham gerettet, den Jungen, den der Radscha adoptieren will?�</style></p><p><style name="font3">�Das glaube ich nicht. Der Bursche h�tte sich selbst gerettet. Er ist auf meine Hilfe nicht </style><style name="font3">angewiesen.�</style></p><p><style name="font3">�Nun, nun, nicht zu bescheiden. Er wird kein Wunderknabe sein. Immerhin habt Ihr eine ganze Abteilung Thags ausgeschaltet, wof�r Euch die Kompanie Dank wissen wird; denn die Thags sind die schlimmsten Feinde Englands.� �So?� sagte Michel. �Gestattet Ihr, da� ich mich jetzt zur�ckziehe, um die Angeschossenen zu verbinden?� Der Lord nickte.</style></p><p><style name="font3">�Schon. Aber behandelt sie nicht zu gut; denn die, die gesund werden, werden nur genesen, um dann aufgeh�ngt zu werden. Der Generalgouverneur und der Oberrichter von Kalkutta, Sir Elijah Impey, werden ein strenges Gericht �ber sie halten.�</style></p><p><style name="font3">�So, so�, nickte Michel nur, machte zum Abschied eine leichte Verbeugung und verlie� das Zimmer. Dabei w�re er fast mit dem w�tenden Fox zusammengesto�en, der gerade herein wollte.</style></p><p><style name="font3">�General!� schrie dieser aufgebracht. �Ich werfe Eure Begleitung aus dem Haus. Sie sollen ihr </style><style name="font3">Zelt aufschlagen, wo es ihnen Spa� macht. Mein Grundst�ck ist kein Lazarettplatz. Und </style><style name="font3">schlagen lasse ich mich von diesen L�mmels auch nicht. Ich bin Engl�nder.�</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick knallte es, und Fox fuhr sich mit einem Aufschrei zur Wange, auf der sich </style><style name="font3">alle f�nf Finger von Michels Hand pr�chtig abzeichneten.</style></p><p><style name="font3">�Das war f�r den L�mmel�, sagte Michel, und ging.</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid ein schlechter Engl�nder, Fox�, r�gte Hawbury. �Ihr zieht den Namen unseres Vaterlandes in den Schmutz. Ihr habt gegen alle Regeln der Gastfreundschaft versto�en, die jeder von Euch verachtete Hindu einem Fremden zu gew�hren bereit ist.� �Sie sind Hunde, dieser Deutsche und sein spanischer Hinterw�ldler, Kr�ten, die man zertreten mu�. Ihr m��tet mich sch�tzen, General; denn ich bin Engl�nder.�</style></p><p><style name="font3">�Ich sagte schon: ein schlechter Engl�nder�, wiederholte der Lord unger�hrt. �Und im �brigen m�chte ich ein f�r allemal klarstellen, da� das Haus nicht Euch, sondern der Kompanie geh�rt.� �Aber ich habe es f�r die Kompanie gekauft.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, mit dem Geld der Kompanie. Nun geht hinaus, ich habe zu arbeiten.� Fox verlie� z�hneknirschend das Zimmer.</style></p><p><style name="font3">Der Lord lie� sich wieder hinter seinem Schreibtisch nieder, zog einen Bogen Schreibpapier mit seinem Wappen hervor, tauchte den G�nsekiel ein und schrieb einen Bericht an den Au�enminister in London, in dem er mitteilte, was f�r Leute es waren, die durch ihr Angestelltenverh�ltnis zur Kompanie das Georgskreuz besudelten.</style></p><p><style name="font3">Danach nahm er einen amtlichen Bogen der Kompanie und fa�te seinen ersten offiziellen Bericht an den Generalgouverneur ab.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">32</style></p></title><p><style name="font3">Zur selben Zeit wurde in Bihar noch an anderer Stelle ein Bericht gegeben. Tscham war, nachdem die Bauern die verwundeten Thags am Zelt abgesetzt hatten, zum Palast des Radscha gegangen, wo er mit seinem Lehrer, Betreuer und Erzieher, dem Brahmanen Sadharan eine Zimmerflucht bewohnte.</style></p><p><style name="font3">Er traf Sadharan in seinem Studierzimmer, wo der Alte, umgeben von vielen B�chern, auf dem Boden sa� und an einer Sanskritgrammatik arbeitete. Die Zeichen des Sanskrit, des Tamulisch und des Bengali waren das Herz, die Seele und der Urgrund des philosophischen, indischen Geistes.</style></p><p><style name="font3">�Guten Tag, weiser Mann�, gr��te Tscham respektvoll. Er nannte den Brahmanen noch heute so wie in seiner Kindheit.</style></p><p><style name="font3">�Tscham�, sagte Sadharan. �Junge, wo warst du so lange? Der Hof war in Sorge um dich. Hast du dich schon bei deinem ehrw�rdigen Vater gemeldet?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, ich komme direkt zu dir; denn ich habe heute etwas sehr Merkw�rdiges erlebt, das ich mit dir besprechen mu�.�</style></p><p><style name="font3">Aber der Brahmane ging darauf nicht ein. �Wo warst du?� fragte er. �Im Dschungel. Ich habe Thags gejagt.�</style></p><p><style name="font3">�Du hast Thags gejagt? Schiwa, Brahma, Wischnu � du lebst? Bist nicht verwundet, hast nicht die seidene Schlinge um den Hals bekommen?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, allerdings w�re es um Haaresbreite um mich geschehen gewesen, wenn mich nicht ein Wei�er gerettet h�tte, den ich noch nie hier gesehen habe.� �War es etwa Hawbury Khan?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, Sahib. Diesen kenne ich. Ich war ja zugegen, als ihn der Radscha empfing.�</style></p><p><style name="font3">�Geh sofort zum Radscha und nimm ihm die Sorge um dich. Du wei�t, da� in drei Wochen das </style><style name="font3">heilige Fest deiner Adoption vorgenommen wird. Deshalb hat man ganz besonders Angst, da� </style><style name="font3">dir vielleicht irgendwo ein Hinterhalt gelegt wird. � Nun geh.�</style></p><p><style name="font3">Tscham lie� sich, statt zu gehorchen, neben dem Philosophen nieder.</style></p><p><style name="font3">�Ich mu� zuerst mit dir sprechen. H�re mich an.�</style></p><p><style name="font3">Und er erz�hlte sein Erlebnis mit Michel in allen Einzelheiten.Nachdem sein Bericht zu Ende war, sch�ttelte der Brahmane das Haupt.</style></p><p><style name="font3">�Es ist wirklich verwunderlich, und ich w�rde nicht glauben, da� es solche Wei�e gibt, wenn du es mir nicht erz�hlt h�ttest.�</style></p><p><style name="font3">�Meinst du, weiser Mann, da� ich dem Radscha von meinem neuen Bekannten erz�hlen soll?� Der Brahmane �berlegte einen Augenblick und meinte dann:</style></p><p><style name="font3">�Berichte ihm alles wahrheitsgetreu. Ich glaube, da� ihm das Auftauchen des Fremden mit dem Wundergewehr sehr wichtig sein wird.� �</style></p><p><style name="font3">Das Wetter war gleichbleibend sch�n. Und so konnten die verwundeten Thags ruhig drau�en n�chtigen und ihrer Genesung entgegenschlafen.</style></p><p><style name="font3">Zwei Tage nach ihrer Gefangennahme h�rte Michel in der Nacht ein Ger�usch an seinem Zelteingang.</style></p><p><style name="font3">Eine Gestalt stand im Zelt. Im matten Schimmer der Nacht konnte man erkennen, da� der Mann Ojo beobachtete.</style></p><p><style name="font3">Als sich nichts r�hrte, sondern nur Ojos Schnarcht�ne durch das Zelt dr�hnten, wollte die Gestalt ebenso leise wieder verschwinden, wie sie gekommen war. Da sagte Michel pl�tzlich:</style></p><p><style name="font3">�Bleibt stehen! Mein Gewehr ist auf Euch gerichtet. Eine Bewegung, und Ihr seht die Sonne nicht mehr.�</style></p><p><style name="font3">�Bhowanee wollte nicht, da� ich Euch belauschte�, sagte der Mann am Eingang ergeben. �Man soll nicht glauben, was einem sogenannte Augenzeugen berichten.� �Wovon sprecht Ihr?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Von Euch. Man hat mir gesagt, Ihr w�rdet niemanden totschie�en. Und nun droht Ihr mir, da� </style><style name="font3">ich die Sonne morgen nicht mehr sehen w�rde.�</style></p><p><style name="font3">Der Eindringling sprach das Englisch mit einem sehr weichen Akzent.</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid Inder?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Ja. Kann ich nun gehen?�</style></p><p><style name="font3">�Nein. Wenn Ihr schon mein Zelt betretet, dann m�chte ich zumindest den Grund daf�r wissen.� Der Fremde lauschte nach drau�en. Michel sagte:</style></p><p><style name="font3">�Kommt heran. Ich z�nde eine Kerze an. Bei Licht spricht es sich besser.� Der Fremde lauschte nochmals. Dann glitt ein Schein der Befriedigung �ber seine Z�ge. Er nickte und n�herte sich z�gernden Schritts Michel, der sich von seinem Lager aufgerichtet hatte. �Setzt Euch.�</style></p><p><style name="font3">Der Fremde nahm Platz, sagte aber kein Wort. �Von wem habt Ihr geh�rt, da� ich nicht t�te?� �Von meinen Leuten.� �Wer sind Eure Leute?�</style></p><p><style name="font3">�Um Euch das zu sagen, mu� ich erst wissen, ob Ihr mich in jedem Fall frei gehen la�t.� �Ja. Ihr seid freiwillig gekommen. Weshalb sollte ich Euch da festhalten?� �Ihr seid tats�chlich ein sonderbarer Mensch. Was Ihr sagt, klingt alles so richtig und doch so fremd. � Nun, es kann nicht schaden, wenn Ihr wi�t, mit wem Ihr gesprochen habt. Ich bin Pantscha, der Oberste der Thags im Gebiet des unteren Ganges.�</style></p><p><style name="font3">Michel war nun doch ein wenig verbl�fft. Der Mann machte gar nicht den Eindruck eines Verbrechers. Und wie man seinem fehlerfreien Englisch entnehmen konnte, war er sicherlich ein gebildeter Mensch.</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid �berrascht, nicht wahr?� fuhr der Thag fort.�Zugegeben. Aber ich bewundere Euern Mut, der Euch in die H�hle des L�wen gehen l��t.� �F�hlt Ihr Euch als L�we?� l�chelte der Inder.</style></p><p><style name="font3">�Keineswegs; aber nur zehn Schritte von hier, im Haus, wohnen Mr. Stanley Fox und General Hawbury, beide hohe Beamte der Ostindien-Kompanie.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, ich denke, sie w�rden Euch eine hohe Pr�mie zahlen, wenn Ihr mich unsch�dlich machen w�rdet.�</style></p><p><style name="font3">Michel legte das Gewehr weg, das er bis jetzt im Anschlag gehalten hatte.</style></p><p><style name="font3">�Ich halte es f�r verkehrt�, sagte er, �Menschen dem Galgen zu �berliefern, um sie von anderen </style><style name="font3">Menschen, die auch nicht viel wert sind, richten zu lassen. Wenn wir in den Werten von Gut und </style><style name="font3">B�se denken, dann betrachte ich es als einzig wichtige Aufgabe, auch im B�sen noch das Gute </style><style name="font3">zu sehen und es so zu st�rken und zu f�rdern, da� es das B�se �berwiegt.�</style></p><p><style name="font3">�Seid Ihr Missionar?�</style></p><p><style name="font3">�Missionar? Wenn Ihr damit jemanden meint, der andere zu einer bestimmten Religion bekehren will, dann habt Ihr unrecht. Aber ich unterhalte mich gern �ber die wesentlichen Dinge im Leben.�</style></p><p><style name="font3">Der andere fixierte ihn.</style></p><p><style name="font3">�Ich will Euch sagen, weshalb ich gekommen bin � das hei�t, ich will es Euch lieber zeigen. Steht auf und kommt mit hinaus.�</style></p><p><style name="font3">Als sie vors Zelt traten, konnte Michel nur schwer einen Ausruf des Schreckens unterdr�cken. �Die Patienten! Wo sind sie?�</style></p><p><style name="font3">�Sie sind weg. Sie befinden sich in Sicherheit. Warum wolltet Ihr sie eigentlich heilen, wenn sie nachher doch in Kalkutta aufgeh�ngt werden?�</style></p><p><style name="font3">�Ich bin Arzt�, sagte Michel. �Und ein wirklicher Arzt fragt nie nach dem Warum. Er ist da, um zu helfen, jedem zu helfen, der seine Hilfe braucht.�</style></p><p><style name="font3">�Sagt einmal aufrichtig: haltet Ihr Eure Thesen etwa f�r selbstverst�ndlich?� �Ja. Wenigstens f�r mich sind sie selbstverst�ndlich.�</style></p><p><style name="font3">�Hm�, machte der Thag. �Ihr werdet mich jetzt entschuldigen; denn ich mu� gehen. Aber mein Besuch hat sich gelohnt. Ich wollte den Mann einmal sehen, der den Raijaten Goldst�cke daf�r gegeben hat, da� sie die angeschossenen Thags zu einem Verbandsplatz trugen. Gute Nacht.�</style></p><p><style name="font3">�Wartet doch�, sagte Michel. �Ich m�chte--�</style></p><p><style name="font3">Doch der Thag war verschwunden.</style></p><p><style name="font3">Kopfsch�ttelnd ging Michel ins Zelt zur�ck. Ojo schnarchte nach wie vor. Er hatte einen wahrhaft gesunden Schlaf.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">33</style></p></title><p><style name="font3">Am Morgen nach dieser Nacht � Michel und Ojo wuschen sich gerade � erhielten sie wieder Besuch. Der vornehm gekleidete Inder, der durch die Gartenhecke hereingekommen war, stellte sich als Abgesandter des Radscha vor. In flie�endem Englisch sagte er:</style></p><p><style name="font3">�Ich ersuche um die Ehre, jenem Gentleman vorgestellt zu werden, der vor drei Tagen das Leben Tschams, des zuk�nftigen Kronprinzen, gerettet hat.�</style></p><p><style name="font3">Michel langte nach einem Handtuch und wischte sich die Reste des Seifenschaums aus dem Gesicht. Er trug schon seit der Flucht aus Istanbul keinen Bart mehr.</style></p><p><style name="font3">Er verneigte sich tief und sagte:�Das sind wir zwei. Mein Freund Ojo und ich, Michel Baum.� Der Inder schien erfreut.</style></p><p><style name="font3">�Es ist mir eine Genugtuung, Euch zuerst einmal pers�nlich f�r die Rettung des Prinzen zu danken. Seine Hoheit, der Radscha von Bihar, l��t Euch durch mich bitten, ihn m�glichst noch heute zu besuchen.�</style></p><p><style name="font3">�Recht gern�, stimmte Michel zu. �Ich hoffe, ich darf diese Einladung auch auf meinen Freund ausdehnen.�</style></p><p><style name="font3">Der Inder z�gerte zwar einen Augenblick, als er sich die wilde Gestalt des riesigen Spaniers betrachtete, nickte dann aber Zustimmung.</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube nicht, da� Seine Hoheit etwas dagegen einzuwenden hat.� �Wann pa�t es den Herrschaften?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Hoheit l��t Euch bitten, die Zeit nach eigenem Ermessen auszusuchen. Hoheit ist so voller Dank, da� er die Gentlemen auch nachts empfangen w�rde.� �Gut, dann werden wir in einer Stunde erscheinen.� Der Inder ging. �</style></p><p><style name="font3">Fox trat aus dem Hintereingang des Hauses und lie�, ohne die beiden Freunde zu gr��en, seine Blicke durch den Garten schweifen. Er holte ein paarmal tief Luft und machte einige Frei�bungen. Pl�tzlich hielt er jedoch irme. Vergeblich suchten seine Augen die verwundeten Thags. Dort, wo gestern abend noch die Tragbahren gestanden hatten, richtete sich bereits das Gras wieder auf.</style></p><p><style name="font3">Er ging auf Michel zu, steckte die H�nde in die Hosentaschen und fragte mit frecher </style><style name="font3">Aufdringlichkeit:</style></p><p><style name="font3">�Wo habt Ihr die Gefangenen?�</style></p><p><style name="font3">�Was f�r Gefangene?�</style></p><p><style name="font3">�Stellt Euch nicht so dumm. Ich meine die Thags, die Ihr angeschossen habt.� Michel zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font3">�Was geht's Euch an? Ihr m��t doch froh sein, da� sie nun endlich weg sind.� �Steckt Ihr etwa mit den Burschen unter einer Decke?�</style></p><p><style name="font3">�Ich warne Euch. Wenn Ihr Eure Unversch�mtheiten zu weit treibt, dann hagelt es wieder eine Tracht Pr�gel.�</style></p><p><style name="font3">Fox hatte rotunterlaufene Augen. Aber er h�tete sich, t�tlich zu werden. Er drehte sich vielmehr pl�tzlich auf dem Absatz um und sagte im Weggehen: �Mal sehen, was der General zu dieser Schweinerei sagt.�</style></p><p><style name="font3">Es dauerte nur wenige Minuten, bis Hawbury selbst in den Garten kam. Obwohl ihn Fox aufgekl�rt hatte, wollte er seinen Augen doch nicht recht trauen, als er den Garten leer sah.</style></p><p><style name="font3">�Antwortet, Mr. Baum, wie ist das m�glich? Ihr behauptetet doch gestern abend noch, da� keiner der Thags in der Lage sei zu laufen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube auch nicht, da� sich das ge�ndert hat, Lord Hawbury. Die Leute m�ssen, w�hrend wir schliefen, weggetragen worden sein. Wahrscheinlich sind sie von ihren Freunden abgeholt worden.�</style></p><p><style name="font3">�Ha, ha, ha, ha, der Kerl will Euch weismachen, General, da� sie beide nichts davon geh�rt haben. Wie plump diese Burschen l�gen�, sagte Fox bissig.</style></p><p><style name="font3">Michel trat drohend auf Fox zu. Aber General Hawbury stellte sich sch�tzend vor diesen. �In der Tat, Mr. Baum, es erscheint mir unwahrscheinlich, da� Ihr nichts geh�rt haben wollt. Ich kann mir denken, da� ein solcher Abtransport nicht v�llig ger�uschlos vor sich geht. Zudem seid Ihr ein Mensch, der, nach allem, was Ihr bestanden habt, sicher einen leisen Schlaf hat.��Well, Sir, vielleicht habt Ihr die Freundlichkeit, in mein Zelt zu treten. Ich h�tte die ganze Angelegenheit gern unter vier Augen mit Euch besprochen.� Hawbury nickte.</style></p><p><style name="font3">�All right!� Er trat auf den Zelteingang zu. Fox folgte ihm, als sei das selbstverst�ndlich.</style></p><p><style name="font3">�Ihr wart nicht gemeint, Fox. Leuten wie Euch gebe ich keine Rechenschaft.�</style></p><p><style name="font3">�Ich folge nur dem Befehl General Hawburys. Nicht Euren W�nschen�, antwortete Fox zynisch.</style></p><p><style name="font3">�Geht�, sagte Lord Hawbury kurz. Man sah deutlich, da� es ihm unangenehm war, einen</style></p><p><style name="font3">Beamten der Kompanie, zu dessen Verantwortungsbereich Bihar noch immer geh�rte, einfach</style></p><p><style name="font3">wegzuschicken.</style></p><p><style name="font3">�Gut, ich gehe. Aber ich sch�tze, Sir Warren Hastings wird �ber diese Art von Zusammenarbeit wenig erfreut sein.�</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury verga� f�r eine Sekunde seine W�rde. �Macht, da� Ihr fortkommt�, schrie er ihn an.</style></p><p><style name="font3">Fox zuckte die Schultern und entfernte sich ein paar Schritte, dachte aber nicht daran, den Garten zu verlassen.</style></p><p><style name="font3">�Diaz�, sagte Michel auf spanisch, �sieh zu, da� der Bursche in h�bscher Entfernung vom Zelt bleibt. Ich habe mit dem General unter vier Augen zu sprechen.� �Soll mir ein Vergn�gen sein, Senor Doktor.�</style></p><p><style name="font3">Als die beiden nach etwa einer halben Stunde wieder aus dem Zelt traten, lag ein nachdenklicher Zug auf Hawburys Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Ich will Euch keinen Vorwurf machen, Mr. Baum. Wahrscheinlich gab es keine M�glichkeit, den Thag-h�uptling festzuhalten. Ihr sollt nat�rlich nicht unn�tig Euer Leben riskieren.� �Ich h�tte ihn ohne weiteres fangen k�nnen, General, aber ich sagte es Euch ja bereits, da� mir das unfair erschienen w�re.� Hawbury blieb z�h. Er sah Michel voll an.</style></p><p><style name="font3">�Tut mir einen Gefallen, Mr. Baum, und durchkreuzt nicht selber die Version, nach der es nicht in Eurer Macht stand, den Mann festzuhalten. Ihr m��t doch einsehen, da� sich die Kompanie nicht f�r Eure Duldsamkeit erw�rmen kann.� Michel zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font3">�Meinetwegen, aber verstehen werde und will ich diese Unaufrichtigkeit nicht.� Der General holte tief Atem und meinte:</style></p><p><style name="font3">�An Euch ist Hopfen und Malz verloren. Bin gespannt, wie lange es noch dauern wird, bis Ihr Euch samt Eurer Philosophie das Genick brecht.� �Oh, was das anbelangt, so habe ich keine Sorge. Ojo, meine Flinte und ich, wir kommen schon durch.�</style></p><p><style name="font3">�Zumindest seid ihr ein Kleeblatt, dem meine ganze Bewunderung geh�rt. Schade, da� Ihr kein Engl�nder seid.�</style></p><p><style name="font3">�Weshalb schade? Ist es nicht ganz gleichg�ltig, zu welcher Rasse oder zu welchem Volk ein Mensch geh�rt? Wesentlich ist doch allein, da� er Mensch ist.�</style></p><p><style name="font3">�Eure Auffassung in Ehren; aber ich bin ein alter Offizier Seiner Majest�t. Und f�r mich gibt es </style><style name="font3">nur einen Wahlspruch: England first.� �</style></p><p><style name="font3">Als Hawbury den Garten verlassen hatte, sagte Michel zu Ojo:</style></p><p><style name="font3">�Mach dich fein, amigo. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir sollen zum Radscha kommen.�</style></p><p><style name="font3">�Wird es da wohl einen anst�ndigen Wein geben? Ich habe einen m�chtigen Durst. Das Wasser </style><style name="font3">h�ngt mir allm�hlich zum Halse raus.��Ich wei� nicht, ob der Radscha dem Hindu- oder dem </style><style name="font3">Moslemglauben angeh�rt. Moslemin trinken ja keinen Wein, wie du wei�t.� </style></p><p><style name="font3">�Ah, denkt nur an den Sklavenh�ndler Mustapha! Der hatte eine ganze Batterie Flaschen an </style><style name="font3">Bord.�</style></p><p><style name="font3">�Er war auch nur dem Namen nach ein Gl�ubiger. Aber was reden wir? Wir werden ja sehen.�</style></p><p><style name="font3">Eine Weile sp�ter verlie�en sie den Garten und gingen zum Palast. Sie brauchten nicht lange zu warten. Mehrere Angeh�rige der Palastgarde in ihren malerischen Umformen f�hrten sie von Vorhalle zu Vorhalle dieses Wunderbaus aus Marmorfiligran, bis sie vor der vergoldeten Bronzet�r des Audienzsaals standen.</style></p><p><style name="font3">Die T�r �ffnete sich, wie von unsichtbaren Zauberh�nden bewegt. Unter dem altarartigen Baldachin aus roter goldgestickter Seide, der von zwei Knaben bewegt wurde, damit er Luft spendete, hatte der Radscha Platz genommen. Er war von Kopf bis Fu� in wei�e Seide geh�llt. Ein wei�er Turban, vorn von einer Rubinagraffe zusammengehalten, bedeckte sein greises Haupt.</style></p><p><style name="font3">�Setzt euch�, sagte der Radscha in flie�endem Englisch und wies auf einen bequemen Hocker rechts vor seinen F��en.</style></p><p><style name="font3">Michel nickte, bedeutete Ojo, sich ebenfalls zu setzen, schlug die Beine �bereinander und sagte: �Sch�n wohnt Ihr hier, Sir. Die R�ume atmen erhabene, alte Kultur.� Er blickte sich betrachtend um.</style></p><p><style name="font3">Ein Raunen ging durch die Reihen der W�rdentr�ger. In solcher Weise hatte noch nie ein Mensch bei einer offiziellen Audienz zum F�rsten gesprochen. Dem Radscha selbst machte die frische Art des jungen Mannes Vergn�gen.</style></p><p><style name="font3">�Ja�, sagte er, �Indien hat eine alte Kultur. Aber man ist dabei, sie zu zerst�ren.�</style></p><p><style name="font3">�Wer will ein solches Verbrechen begehen�, fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Die Wei�en, die da glauben, sie seien die einzigen Kulturtr�ger der Welt.�</style></p><p><style name="font3">�Ich bin auch ein Wei�er. Aber ich w�rde Eure Kultur eher verteidigen, als mich zum </style><style name="font3">schmutzigen Werkzeug der Zerst�rung machen zu lassen.�</style></p><p><style name="font3">Beif�lliges Murmeln erhob sich ringsum.</style></p><p><style name="font3">�Meintet Ihr Eure letzten Worte ernst?� fragte der Radscha.</style></p><p><style name="font3">�Ja, Sir.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr sollt Eure Worte beweisen k�nnen.� �Wie meint Ihr das?�</style></p><p><style name="font3">Der Radscha betrachtete eingehend die Brillanten an seinen H�nden. Dann blickte er auf, und seine scharfen dunklen Augen bohrten sich in Michels Gesicht. �Ihr seid Angestellter der Ostindien-Kompanie?� �Ja.�</style></p><p><style name="font3">�Gut. Wollt Ihr nicht insgeheim in unsere Dienste treten? Ihr tut damit nicht nur etwas f�r </style><style name="font3">Indien, sondern Ihr k�nnt auch ein h�bsches St�ck Geld dabei verdienen.�</style></p><p><style name="font3">Michel sprang auf. Flammende Emp�rung stand in seinem Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Soll das hei�en, da� Ihr mich als Spion gegen die Ostindien-Kompanie anwerben wollt?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, nein, nicht als Spion. Sagen wir als jemanden, der die Interessen des geknechteten Volkes </style><style name="font3">gegen�ber den Ausbeutern vertritt.�</style></p><p><style name="font3">�Dazu m��te ich erst wissen, wer alles zu diesen Ausbeutern geh�rt.� �Wer anderes als die Kompanie?�</style></p><p><style name="font3">�So? Schuften die Bauern in den Reisterrassen, Mais und Indigofeldern f�r die Kompanie? Sind nicht auch die indischen Grundbesitzer Menschen, die vom Schwei� anderer Menschen leben?� �Das ist eine interne indische Angelegenheit.�</style></p><p><style name="font3">�Das hei�t also, ich soll die einen bek�mpfen, damit die anderen es in Ruhe genauso treiben k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">�Es wird auf der Welt immer Herrschende und Unterdr�ckte geben.�</style></p><p><style name="font3">�Ich mache Euch einen anderen Vorschlag�, sagte Michel. �Gebt mir Vollmacht in Euerm Land, und ich werde Bihar zu einem Paradies machen. Ich werde Krankenh�user bauen, ich werde die Reichen besteuern und die Armen beg�nstigen. Ich werde Euch neue landwirtschaftliche Methoden zeigen. Euer Volk soll froh werden. Ich w�rde in einem solchen Fall aus den Diensten der Ostindien-Kompanie treten, um mich ganz dieser Aufgabe hinzugeben.� Die Gesichter der umsitzenden Khans versteinten. Der Radscha blickt �ber Michel hinweg. Der Zeremonienmeister sagte mit lauter Stimme etwas auf Hindustani und wiederholte dasselbe dann auf englisch:</style></p><p><style name="font3">�Die Audienz ist beendet!�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">34</style></p></title><p><style name="font3">Sadharan, der Brahmane, betrat die R�ume seines Sch�tzlings Tscham. Tscham sa� �ber ein Buch gebeugt und studierte eifrig.</style></p><p><style name="font3">�Oh, weiser Mann�, sagte er und blickte auf, �warst du beim Empfang meines Freundes zugegen?�</style></p><p><style name="font3">Sadharan nickte ernst.</style></p><p><style name="font3">�Und wie ist dein Eindruck?� fragte Tscham. �Gut � sehr gut � zu gut.� �Zu gut? Was hei�t das?�</style></p><p><style name="font3">�Das hei�t, da� er f�r unsere Zwecke nicht zu brauchen ist.�</style></p><p><style name="font3">�Du meinst, er w�rde uns nicht helfen, den l�stigen Druck durch die Ostindien-Kompanie loszuwerden?�</style></p><p><style name="font3">�O doch, aber auf eine Art und Weise, die dem Radscha und den Samindars<a l:href="#n_17" type="note">[17]</a> nicht genehm w�re.�</style></p><p><style name="font3">�Nicht genehm? Jede Hilfe mu� doch genehm sein! Kannst du mir erkl�ren, weshalb sie nicht genehm ist?�</style></p><p><style name="font3">Der Brahmane gab ernsten Gesichts einen Bericht �ber das, was Michel gesagt hatte. Tscham lauschte ihm aufmerksam. Als Sadharan geendet hatte, sprang der J�ngling auf und ging im Raum auf und ab.</style></p><p><style name="font3">�Da siehst du's�, rief er aufgebracht, �wie eigenn�tzig die Landherren sind, soviel sie auch von der Freiheit reden. Mein Freund hat recht, wenn er mit eisernem Besen gleidi alles zusammen ausfegen will.� Der Brahmane nickte.</style></p><p><style name="font3">�Ich stimme dir schon zu, Tscham, aber um das durchzuf�hren, m��te es erst einen Aufstand der Bauern geben, einen Aufstand, der den Reichen das nimmt, was sie freiwillig nicht geben wollen. Nun ist aber kein Ha� unter den Bauern; denn die Samindars schieben alle Schuld an den dr�ckenden Steuern der Kompanie zu. Der Ha� gilt also, wenn er �berhaupt vorhanden ist, ausschlie�lich den Faringhi<a l:href="#n_18" type="note">[18]</a>�</style></p><p><style name="font3">�Dann mu� eben der Ha� gegen die einheimischen Blutsauger erzeugt werden.� Sadharan winkte ab.</style></p><p><style name="font3">�Du kennst die indischen V�lker noch nicht genug, Tscham. Sie dienen lieber, fronen und leiden, als da� sie k�mpfen. Das Leiden ist ein Grundzug des indischen Wesens. Und sieh einmal, die Macht des Radscha st�tzt sich immer auf das Wohlwollen der Khans. Wenn das nicht mehr vorhanden ist, geht auch Macht und Reichtum verloren � und das ist nicht zuletzt auch deine Macht und dein Reichtum. Der Radscha ist alt. Bald wirst du Radscha sein.� Die Augen Tschams gl�hten.</style></p><p><style name="font3">�Oh, ich will mich gedulden, bis es so weit ist. Aber wenn ich es geschafft habe, dann sollen sie mich kennenlernen, alle die Schmarotzer.� �Ungest�m ist das Vorrecht der Jugend.�</style></p><p><style name="font3">Tscham ballte die F�uste und blickte aus dem bronzevergitterten Fenster. Er w�nschte sich, eine </style><style name="font3">Vision zu haben, wie Indien aus Blut und Rauch zur Freiheit aufsteigt.</style></p><p><style name="font3">Sadharan sagte, w�hrend er sich erhob:</style></p><p><style name="font3">�Der Geist ist das H�chste. Vergi� den Geist nicht.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">35</style></p></title><p><style name="font3">�Das Gewehr �ber!� scholl Steve Hawburys Stimme �ber das Exerzierfeld der Garnison in Kalkutta.</style></p><p><style name="font3">Die Sipoy-Schwadron, deren Chef er war, �bte im Schwei� ihres Angesichts Gewehrgriffe. Steve Hawbury hatte bald nach seinem Eintreffen das Kommando �ber diese Schwadron erhalten.</style></p><p><style name="font3">Die Sipoys waren Eingeborene, die unter britischer Fahne dienten. Da Indien zu dieser Zeit noch nicht eine Statthalterschaft des britischen Reiches war, sondern lediglich von der OstindienKompanie beherrscht wurde, die jedoch f�r ihr Tun dem Parlament in London verantwortlich war, gab es keine regul�ren, das hei�t keine k�niglichen Truppen in Indien. Alle Offiziere und Soldaten geh�rten sozusagen zur Privatarmee der Ostindien-Kompanie. �Gewehr ab!� kam die scharfe Stimme Steves wieder. Dann wandte er sich an die in der N�he stehenden drei eingeborenen Unterf�hrer, zwei Leutnants und einen Sergeanten, und sagte: ��bernehmt die Z�ge und la�t Einzel�bungen machen. Die Griffe klappen immer noch nicht.� Er wandte sich ab, schob heimlich den Tschako etwas in die H�he und wischte sich mit einem seidenen Tuch die Schwei�tropfen von der Stirn.</style></p><p><style name="font3">�Verdammte Hitze�, stie� er durch die Z�hne hervor und ging dem Kasino zu. Im Klubzimmer lie� er sich st�hnend in einen Sessel fallen und schrie den herbeieilenden indischen Diener an: �Bringe mir Whisky und Soda mit viel Eis! Los, Mensch, beeil dich � dreckige Ratte�, setzte er leise hinzu.</style></p><p><style name="font3">Er mochte die Inder nicht. Er w�nschte sie alle zum Teufel. Sie waren in seinen Augen pflaumenweich, Kreaturen, die man zurechtkneten konnte, wie man wollte. Das war nat�rlich gut so. Aber er mochte sie trotzdem nicht. Er sah nicht das Leid in ihren Augen. Ein anderer Offizier betrat das Klubzimmer.</style></p><p><style name="font3">�Hallo, Hawbury�, rief er mit lauter Fr�hlichkeit, �habt auch genug, wie?� �Verdammt hei�, Whealer.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, und es dauert verdammt lange, bis diese dicksch�dligen Sipoys englischen Schliff erlernen. Traten da doch in meiner Kompanie im ersten Zug heute morgen f�nfzehn Rekruten an, die ihre Uniformjacken einfach �ber das indische Hemd gezogen hatten. Die Hosen und auch die Schuhe waren ihnen zu unbequem.�</style></p><p><style name="font3">�Barbarenpack�, knurrte Steve. �Gibt man ihnen schon die M�glichkeit, sich anst�ndig anzuziehen, dann tun sie es noch nicht einmal!�</style></p><p><style name="font3">�Habe da in meinem dritten Zug einen Mohammedaner. Er war nicht zu bewegen, seinen stinkigen Turban abzuwickeln und den Uniformturban aufzusetzen. Behauptet, er habe das Tuch von seinem Urgro�vater geerbt. Und dieser wiederum will ihn von einem direkten Nachkommen des Propheten erhalten haben.�</style></p><p><style name="font3">�Abergl�ubisches Pack. Wahrscheinlich wollte der Kerl seine L�use nicht hergeben, die sich seit seines Urgro�vaters Zeiten darin eingenistet haben.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, man hat so seine Sorgen. Was mich am meisten �rgert, ist, da� wir die Kerle mit Samthandschuhen anfassen m�ssen. Jeden Morgen diesen Vortrag vom Oberst �ber die Behandlung dieser Hindus. So ein Theater haben sie mit mir nicht gemacht, als ich Rekrut bei den Highlanders war.� �Hm�, nickte Steve, �ich w�nschte manchmal, ich k�nnte dem einen oder anderen meine Reitpeitsche �berziehen. Aber dann spielen sie gleich den Beleidigten, angeblich wegen ihrer G�tter, Schiwa, Wischnu, Brahma oder wie sie sonst noch alle hei�en.� �Ich kann Euch etwas verraten�, meinte Whealer, �in den Garnisonen der Provinz verfahren unsere Offiziere nicht so sanft. Das habe ich neulich von Major Headcod geh�rt, der hier auf Urlaub ist.�</style></p><p><style name="font3">�Und weshalb diese Ausnahmebestimmungen in Kalkutta?� Whealer zuckte die Achseln.</style></p><p><style name="font3">�Kalkutta ist unsere Residenzstadt. Hier treiben sich st�ndig Beobachter aus London herum. Da m�chte man nat�rlich die Humanit�t gewahrt wissen.�</style></p><p><style name="font3">Ein Bursche trat ein. � Er f�hrte die H�nde an die Stirn und verbeugte sich tief.</style></p><p><style name="font3">�Hawbury Sahib?� fragte er.</style></p><p><style name="font3">�Das bin ich. Was gibt's?�</style></p><p><style name="font3">�Hawbury Sahib zum Kommandeur kommen.�</style></p><p><style name="font3">�Jetzt gleich?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, Sahib, gleich.�</style></p><p><style name="font3">Steve erhob sich, trank seinen Whisky aus und meinte: �Gespannt, was der Alte will. Entschuldigt mich, Whealer.� -</style></p><p><style name="font3">Steve Hawbury mu�te im Vorzimmer eine Weile warten. Die Ordonnanz, die am Tisch sa�, warf ihm einen Blick zu, halb Neid, halb Wohlwollen.</style></p><p><style name="font3">�Entschuldigt, Leutnant, wenn ich Eure Arbeit st�re. K�nnt Ihr mir nicht sagen, was der Oberst von mir will?�</style></p><p><style name="font3">�Habt Ihr vielleicht etwas ausgefressen, Captain?� fragte der junge Leutnant anz�glich. Hawbury richtete sich in seinem Stuhl gerade, r�usperte sich, warf einen vernichtenden Blick auf die Ordonnanz und schwieg.</style></p><p><style name="font3">Nach einigen Minuten schlug drinnen die Tischglocke an. Ihr heller Klang drang durch die Polstert�r bis ins Vorzimmer.</style></p><p><style name="font3">Die Ordonnanz sprang auf, ri� die T�r auf, knallte zackig mit den Hacken und sagte: �Captain Hawbury wartet im Vorzimmer, Sir.�</style></p><p><style name="font3">�All right, schickt ihn gleich herein.��Der Oberst l��t bitten, Captain.� Hawbury trat ein und gr��te: �Captain Hawbury zum Rapport!�</style></p><p><style name="font3">�Ja, Hawbury, freut mich. Habe einen wichtigen Auftrag f�r Euch, den nur ein f�higer Offizier ausf�hren kann.� �Danke gehorsamst.�</style></p><p><style name="font3">�Dankt nicht zu fr�h. Ist eine ziemlich beschwerliche Sache. Ihr m��t als Kurier allein nach Bihar reiten und in sp�testens zwei Tagen dort sein. Ein Parforceritt.�</style></p><p><style name="font3">Er nahm einen versiegelten Briefumschlag aus einer Lade seines Schreibtisches und �bergab ihn Steve.</style></p><p><style name="font3">�Das ist eine Botschaft vom Generalgouverneur pers�nlich. Sie ist an Euern Vater gerichtet und darf auf keinen Fall in fremde H�nde fallen. Vernichtet sie, sollte Euch Gefahr drohen. Kommt Ihr nicht mehr dazu, so erbrecht das Siegel, nehmt den Brief, der auf d�nnes Seidenpapier geschrieben ist, heraus und e�t ihn auf. So lautet der Befehl des Gouverneurs.� �Yes, Sir.�</style></p><p><style name="font3">�Guten Ritt, Captain. Und gr��t Euern Vater von mir.� �Yes, Sir, thank your, Sir.�</style></p><p><style name="font3">Er machte eine Kehrtwendung und verlie� das Zimmer. �</style></p><p><style name="font3">Eine Stunde sp�ter jagte er die Stra�e nach Benares entlang. Ein zweites Pferd f�hrte er mit sich, um �berwechseln zu k�nnen, wenn das Reitpferd erm�dete.</style></p><p><style name="font3">Staubwolken wirbelten unter den Hufen auf. Er galoppierte an Karawanen, mohammedanischen Derwischen und wandernden M�nchen aus Tibet vorbei. Malerisch war das Leben und Treiben auf der Stra�e. Aber Steve hatte keinen Blick daf�r. Ihn interessierten weder die Landschaften des Gangestals noch die Menschen, die sie belebten, noch die sichtbare Vermengung fremder Kulturen und Religionen. Die Nacht kam.</style></p><p><style name="font3">Er machte nur kurze Rast an einem Fl��chen und tr�nkte die Pferde. Er selbst weichte einige Bissen steinharten Zwiebacks in Wasser auf und verschlang sie. Dann wechselte er die Pferde und jagte weiter.</style></p><p><style name="font3">Am Abend des n�chsten Tages mu�te er beiden Tieren eine l�ngere Rast g�nnen. Drei Viertel </style><style name="font3">des Weges lagen hinter ihm. Und so durfte er auch ein paar Stunden ruhen.</style></p><p><style name="font3">Als die Sonne im Westen versank, fiel er in einen bleiernen Schlaf. Aber schon um Mitternacht </style><style name="font3">sa� er wieder auf dem R�cken seines Tiers.</style></p><p><style name="font3">Ohne Zwischenf�lle erreichte er am sp�ten Nachmittag Bihar.</style></p><p><style name="font3">Neben zwei Wasserholerinnen z�gelte er seinen Galopp und fragte mit barscher Stimme in fehlerhaftem Hindustani:</style></p><p><style name="font3">�He, ihr da! Wo Haus vom englischen General?�</style></p><p><style name="font3">Die Wassertr�gerinnen betrachteten ihn freundlich aus ihren gro�en, mandelf�rmigen Augen. Aber sie antworteten nicht. Sie warfen sich gegenseitig einige Worte zu, kicherten und lachten, wie es alle jungen M�dchen an sich haben, wenn sie einem schmucken Mann begegnen. Statt sich �ber die Aufgeschlossenheit der braunen Menschenkinder zu freuen, zog Steve seine Reitpeitsche und drohte ihnen damit. �Antworten!� schrie er sie an.</style></p><p><style name="font3">Die M�dchen lie�en vor Schreck ihre Tonkr�ge von den K�pfen fallen und rannten davon.Die Kr�ge zerschellten vor den Vorderhufen der Pferde. Die Tiere b�umten sich auf. Und ehe Steve sich versah, gingen sie durch. Steve hatte M�he, sich im Sattel zu halten. �Verdammtes Gesindel�, zischte er vor sich hin, w�hrend ihm der Schwei� von der Stirn lief. �Ich werde euch Mores lehren. Wenn mir noch einer eine dumme Antwort gibt, dann haue ich ihn zu Mus.�</style></p><p><style name="font3">Endlich gingen die Pferde wieder ruhig.</style></p><p><style name="font3">�Hallo, Freund�, rief ihn jemand auf englisch an und lachte. �Sind Euch die Biester durchgegangen?�</style></p><p><style name="font3">Steve blickte nach rechts. In der Gartent�r vor einem Bungalow stand ein wei�er Zivilist. �Gr�� Euch, Gott sei Dank, da� ich einen treffe, mit dem man nicht in dem verdammten Kauderwelsch reden mu�. Kennt Ihr Lord Hawbury?�</style></p><p><style name="font3">�O ja, da seid Ihr an der richtigen Stelle. Mein Name ist Fox. Der General wohnt hier bei mir.�</style></p><p><style name="font3">Steve stieg st�hnend vom Pferd.</style></p><p><style name="font3">�How do you do, Mr. Fox.�</style></p><p><style name="font3">Sie sch�ttelten einander die H�nde.</style></p><p><style name="font3">�Mein Name ist Steve Hawbury, Captain beim zweiten Sipoy-Regiment. Ich bin der Sohn des Generals und habe eine wichtige Nachricht f�r ihn. Bitte f�hrt mich zu ihm.� �Kommt mit, Euer Vater arbeitet.�</style></p><p><style name="font3">Sie betraten den Bungalow. Nachdem Fox an die T�r des Arbeitszimmers geklopft hatte, erscholl von drinnen ein unwilliges �Come in�.</style></p><p><style name="font3">Als Steve jedoch dann �ber die Schwelle trat, lie� Lord Hawbury den G�nsekiel auf die Tischplatte fallen, da� es einen Tintenfleck gab, sprang auf und umarmte seinen Sohn freudig. �By God, Steve, was f�hrt dich nach Bihar?�</style></p><p><style name="font3">Steve wehrte sich etwas gegen die heftige Umarmung seines Vaters. Z�rtlichkeiten dieser Art waren ihm von jeher zuwider. Er glaubte es seiner W�rde als Captain schuldig zu sein, sich stets in schnoddrigem Ton und ohne Gef�hls�u�erung zu geben.</style></p><p><style name="font3">Er l�ste sich aus den Armen seines Vaters, warf einen Seitenblick auf Fox, nahm Haltung an und schnarrte:</style></p><p><style name="font3">�Captain Hawbury vom zweiten berittenen Sipoy-Regiment, Standort Kalkutta, in wichtigen Kurierdiensten zur Stelle.�</style></p><p><style name="font3">Dabei zog er den versiegelten Brief aus dem �rmelaufschlag und �berreichte ihn dem General. Hawbury nahm das Schreiben, drehte es hin und her und betrachtete Siegel und Aufschrift. In der linken oberen Ecke stand in der wuchtigen, einen starken Willen verratenden Schrift Hastings':</style></p><p><style name="font3">Nur pers�nlich �berbringen! Nicht in Gegenwart anderer �ffnen!</style></p><p><style name="font3">Hawbury zuckte die Schultern und befahl Fox und Steve, drau�en zu warten, bis er die Botschaft gelesen habe.</style></p><p><style name="font3">Dann ri� er hastig das Schreiben auf.</style></p><p>Dear Sir!</p><p>Wir haben Kenntnis erhalten von der Unstimmigkeit, die zwischen Mr. Fox und Euch besteht. Wir w�nschen nicht, da� Angeh�rige der Kompanie, die auf schwierigem Posten zusammen f�r die Interessen der Kompanie einzustehen haben, durch Zwistigkeiten in ihrer Arbeit gehemmt sind. Nehmt dieses Schreiben als Hochachtung f�r Eure Arbeit. Und stellt die guten Beziehungen zwischen Euch und Mr. Fox wieder her; denn es stehen Euch schwere Stunden bevor, deren Bedeutung den eigentlichen Inhalt dieses meines Schreibens darstellen. Wie wir geh�rt haben, findet in diesen Tagen in Bihar das Fest der Adoption eines Erben durch den Radscha statt. Nach altem indischem Recht hat der so geschaffene Thronfolger die gleichen Rechte und Pflichten wie ein leibhaftiger Erbe. Unsere Machtstellung hier ist noch nicht so gediehen, da� wir das Recht der Inder auf Adoption durch unseren Gerichtshof in Kalkutta negieren k�nnten. Dieserhalb bestimmen uns zwingende Gr�nde, erst gar keine Adoption zustande kommen zu lassen. Ihr m��t also auf jeden Fall die Adoption verhindern. Es geht nicht an, da� wir Euch dazu n�here Anweisungen geben. Ihr m��t handeln, wie es die Situation am besten zul��t. Und bei eben dieser Angelegenheit wird Euch Mr. Fox, der das Land kennt, mit Vorteil behilflich sein k�nnen.</p><p>Wir versichern Euch unseres aufrichtigen Wohlwollens und versprechen Euch, da� wir Mr. Fox zu gegebener Zeit abberufen werden, um Euch, Lord Hawbury, einen verdienten General Englands, als Generalresidenten in Bihar einzusetzen. Nehmt unsere besten Gr��e.</p><p>Sir Warren Hastings</p><p>Generalgouverneur von Bengalen und den Indischen Provinzen.</p><p><style name="font3">Lord Hawbury sank in seinen Sessel. Diese Nachricht kam ein wenig pl�tzlich. In zwei Tagen </style><style name="font3">sollte mit allem Pomp das Fest der Einsippung stattfinden. Und zu diesem Fest war Lord</style></p><p><style name="font3">Hawbury als akkreditierter Attache und offizieller Vertreter der Ostindien-Kompanie geladen.</style></p><p><style name="font3">Und � was das Schlimmste war � er hatte diese Einladung bereits angenommen.</style></p><p><style name="font3">Er starrte vor sich hin. Weshalb legte man so gro�en Wert darauf, die Adoption zu verhindern?</style></p><p><style name="font3">Es mu�te doch einen sehr schwerwiegenden Grund daf�r geben.</style></p><p><style name="font3">Aber Lord Hawbury war Soldat. Der Brief, so h�flich er auch gehalten war, kam einem </style><style name="font3">unmi�verst�ndlichen Befehl gleich. Er w�rde wohl oder �bel diese Angelegenheit mit Fox </style><style name="font3">besprechen m�ssen. Es war klar, da� der Hinweis auf dem Umschlag deshalb gegeben war, </style><style name="font3">damit Fox nicht von den Dingen, die sich auf ihn bezogen, Kenntnis erhielt.</style></p><p><style name="font3">Der General erhob sich und trat zur T�r.</style></p><p><style name="font3">Fox und Steve standen auf und blickten ihn erwartungsvoll an.</style></p><p><style name="font3">�Bitte, tretet n�her, Gentlemen. Ich glaube, wir m�ssen gleich eine schwerwiegende Sache besprechen.�</style></p><p><style name="font3">Als sie alle Platz genommen hatten, informierte der Lord die beiden �ber den Inhalt, soweit er sich auf die Adoption bezog. An diesen Bericht kn�pfte er die Frage: �K�nnt Ihr Euch den Zweck dieser Adoptionsverhinderung erkl�ren, Mr. Fox?� Fox lachte.</style></p><p><style name="font3">�Aber sicher kann ich das. Nichts ist einfacher als das.� �Bitte sprecht.�</style></p><p><style name="font3">�Aber Vater�, warf Steve ein, �gibt es da wirklich noch etwas zu erkl�ren?� �Ach, du bist in die Hintergr�nde zu diesen Vorg�ngen eingeweiht?�</style></p><p><style name="font3">�Nein�, lachte Steve. �Aber es liegt doch auf der Hand! Wenn sie die Adoption vollziehen, dann kann die Kompanie nicht als juristische Erbin des Radscha auftreten. Bihar w�rde weiterhin ein selbst�ndiges F�rstentum bleiben. Hat der Radscha aber keinen Erben, so kann man ein Regiment Sipoys herschicken, um von vornherein etwaige Thronstreitigkeiten auszuschalten. Damit geh�rte Bihar praktisch uns.�</style></p><p><style name="font3">Hawburys Augen wurden gro�. Das war doch nicht m�glich! Solches zu denken, zeugte nach den Ansichten eines ehrbewu�ten Generals von einem zumindest unsauberen Charakter. Ein solches Ansinnen hatte ihm das Au�enministerium bei all seinen Kolonialmissionen noch nie zu stellen gewagt. Er war sprachlos.</style></p><p><style name="font3">�Euer Sohn hat recht, General�, nahm Fox das Wort. �Ich habe mich l�ngst gewundert, da� Ihr nicht schon versucht habt, diese verdammte Adoption zu untergraben.�</style></p><p><style name="font3">Fox war wirklich �rgerlich. Nicht einmal der gewohnte Zynismus schwang in seiner Stimme mit. Er hielt es offenbar f�r selbstverst�ndlich, da� man den Indern ihr heiliges, angestammtes Recht nahm.</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury war dicht daran, die Dienste f�r die Kompanie hinzuwerfen. Aber dann dachte er </style><style name="font3">an die besondere Mission, die er hier zu erf�llen hatte. Er stand hier in erster Linie als geheimer </style><style name="font3">Beauftragter des Au�enministeriums, als Verteidiger und Wahrer der Ehre Englands.</style></p><p><style name="font3">�Nun bitte, Mr. Fox, macht mir einen Vorschlag, wie Ihr Euch das vorstellt.�</style></p><p><style name="font3">�Hm, es f�hren viele Wege nach Rom. Aber da wir ja leider keine Zeit mehr zu verlieren haben, </style><style name="font3">m�ssen wir wohl den k�rzesten beschreiten.�</style></p><p><style name="font3">�Und, was, meint Ihr, ist der k�rzeste?� Fox legte einen Finger auf den Mund, richtete seine Augen zur Decke und tat, als d�chte er nach.</style></p><p><style name="font3">�Nun � der Erbe, das ist der junge Tscham, k�nnte zum Beispiel einen Unfall haben, m�glichst mit t�dlichem Ausgang. Das w�re der einfachste Weg. Ein kleiner Umweg, aber nicht viel beschwerlicher, w�re ein Unfall oder sagen wir ein pl�tzlicher Schlaganfall des Alten, bevor er die Adoption vollziehen kann. Ja, und dann ��</style></p><p><style name="font3">�Haltet ein!� Lord Hawburys Faust fuhr krachend auf die Tischplatte. �Was denkt Ihr denn, wen Ihr vor Euch habt! Es ist einfach unerh�rt, da� Ihr es wagt, mir einen solchen Vorschlag zu unterbreiten!�</style></p><p><style name="font3">Der General blickte, Unterst�tzung heischend, seinen Sohn an.</style></p><p><style name="font3">Fox zuckte leichthin die Schultern. Steve hatte ein breites Lachen auf dem Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Du bist altmodisch, Papa. Man kann sich die Methoden nicht immer aussuchen, um Englands </style><style name="font3">Macht zu festigen. Was Mr. Fox sagte, leuchtet mir durchaus ein. Es ist das N�chstliegende.�</style></p><p><style name="font3">�Englands Macht zu untermauern? Du redest irre, mein Sohn! Hast du vergessen, da� du einmal </style><style name="font3">Offizier des K�nigs warst?�</style></p><p><style name="font3">�Es ist doch zum Nutzen des K�nigs. Auch er bezieht Tantiemen von der Kompanie. Und eines Tages wird die englische Regierung sowieso die Herrschaft �bernehmen. Wir aber bereiten den Boden. Wir sind die Pioniere. Was wir tun, braucht dann sp�ter England nicht mehr zu tun.� Wieder schlug die Hand des Generals auf den Tisch.</style></p><p><style name="font3">�Wer hat dir solche Gedanken eingegeben, dir, einem Hawbury? Bis heute habe ich geglaubt, da� England in seinen Kolonien zum Segen gewirkt hat! Du aber er�ffnest mir ein ganz neues Bild!�</style></p><p><style name="font3">Steve zog die Stirn in Falten.</style></p><p><style name="font3">�Sicher hat es zum Segen gewirkt. Zum Segen f�r England.�</style></p><p><style name="font3">�Ich glaubte, zum Segen f�r die, die es in seinen Schutz genommen hat.�</style></p><p><style name="font3">Steve lachte geringsch�tzig.</style></p><p><style name="font3">�Sie werden es nicht als Segen empfunden haben. Oder meinst du, unsere Kolonien in Amerika f�hren Krieg gegen uns, weil sie uns lieben?�</style></p><p><style name="font3">�Das ist kein Vergleich. Die Bev�lkerung Amerikas besteht aus Angeh�rigen vieler V�lker, die alle schon eine gewisse Kultur hatten. Weshalb wandern denn die Leute dorthin aus? Weil sie immer Rebellen waren, die sich ihren angestammten Herrscherh�usern nicht beugen wollten.� �Ach. Und du meinst, man sollte den Indern hier ruhig ihre angestammten Herrscher lassen, die Maharatten, die Peschwas, die Mogule und Sultane?�</style></p><p><style name="font3">�Nat�rlich. Die Kompanie ist ja letzten Endes eine Gesellschaft, die friedlichen Handel treiben will.�</style></p><p><style name="font3">�Ganz recht. Aber eben letzten Endes. Unsere Aufgabe ist es, das Kaufm�nnische mit dem Soldatischen zu vereinen. Darin besteht ja die St�rke Gro�britanniens.�</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury starrte vor sich hin. Er wu�te nun, was der Generalgouverneur mit seinen Anspielungen gemeint hatte. Und jetzt fielen ihm auch die Geschichten wieder ein, die man sich in London �ber die Kompanie erz�hlte.</style></p><p><style name="font3">�Also gut�, sagte er resigniert, �dann �bernehmt Ihr, Fox, die Ausf�hrung dieser Angelegenheit. Ich jedenfalls will nichts damit zu tun haben. Ich werde noch heute um eine Audienz beim Radscha nachsuchen und die Einladung nachtr�glich ablehnen. Ich hoffe, da� es mir schon in den n�chsten Tagen m�glich sein wird, mein Entlassungsgesuch einzureichen.� �Aber nein�, ereiferte sich Fox, �Ihr m��t unbedingt bei den Feierlichkeiten anwesend sein! Schlie�lich soll ja niemand merken, da� ich diesen Unfall, oder was immer es sein wird, inszeniert habe. Eure Teilnahme an dem Fest wird den Eindruck nicht aufkommen lassen, da� Ihr selbst hinter dieser Sache steckt.�</style></p><p><style name="font3">�Ich mu� doch sehr bitten, Mr. Fox. Ich stecke durchaus nicht hinter dieser Sache. Mir ist sie so zuwider, wie mir noch nie im Leben etwas zuwider gewesen ist. Und ich bitte, meine Gef�hle zu respektieren.�</style></p><p><style name="font3">�Trotzdem�, sagte Steve. �Aus taktischen Erw�gungen halte ich es auch f�r besser, wenn du deinen Widerwillen �berwindest, Papa.�</style></p><p><style name="font3">Der Lord schnellte empor. Kerzengerade stand er hinter seinem Schreibtisch. Mit schneidender, sich fast �berschlagender Stimme antwortete er: �Ich � kann � das � nicht!�</style></p><p><style name="font3">Damit lie� er die beiden sitzen und ging aus dem Zimmer.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">36</style></p></title><p><style name="font3">Michel und Ojo kehrten sp�t von einem ihrer Erkundungsausfl�ge zur�ck. Es herrschte bereits D�mmerung, als sie den Garten betraten. Und so gingen sie gleich ins Zelt. �Das war einmal ein sch�ner Ritt heute�, sagte Ojo. �Der Junge reitet wie der Teufel.� Michel nickte.</style></p><p><style name="font3">�Ja, Tscham hat Pferdeverstand. Er ist �berhaupt ein aufgeweckter Bursche. Ich habe den Eindruck, da� er dem Volk einmal ein guter Herrscher sein wird.� Sie h�rten ein leises Ger�usch am Zelteingang.</style></p><p><style name="font3">�Wer ist dort?� fragte Michel und hatte den Finger am Abzug seiner Muskete.�Ich.� Ein grauer Kopf schob sich in das Zelt, dem die ganze Gestalt des Generals folgte. �Hallo, Lord Hawbury. Guten Abend�, sagte Midiel und stand auf. �K�nnen wir Euch irgendwie behilflich sein?�</style></p><p><style name="font3">�Well�, z�gerte der Lord. �Darf ich mich ein wenig zu euch setzen?� �Oh, bitte sehr!�</style></p><p><style name="font3">�Danke�, nickte Hawbury und lie� sich umst�ndlich auf ein Bodenkissen nieder. Er war bis zum Abend durch das Gel�nde gelaufen. Die Gedanken hatten ihn nicht zur Ruhe kommen lassen. Er wollte nicht Komplice gemeiner M�rder sein. Es war ihm unm�glich, sich selbst und seine Erziehung den schmutzigen Zielen dieser Kr�mer in der Kompanie zu opfern. Alle Hochachtung, die er bisher vor der Schaffenskraft des Gouverneurs gehabt hatte, war zum Teufel. Nein, so weit ging sein Spiel nicht. Und selbst, wenn der Au�enminister unzufrieden war, w�rde er versuchen, seines Postens so schnell wie m�glich ledig zu werden. Michel betrachtete den schweigenden Mann lange. Er sp�rte, da� ihn etwas bedr�ckte. �Ich werde es mir zur Ehre anrechnen, Sir, wenn ich Euch bei der L�sung Eurer Probleme behilflich sein darf.� Der General blickte auf.</style></p><p><style name="font3">�Ja � es ist so schwer, dar�ber zu sprechen. Vielleicht werdet Ihr mich f�r einen Weichling, f�r einen Verr�ter an demjenigen halten, in dessen Diensten wir alle stehen.� Michel l�chelte.</style></p><p><style name="font3">�Euch f�r einen Verr�ter halten? Allein der Gedanke ist absurd.� �Danke.�</style></p><p><style name="font3">Wieder herrschte Schweigen. Hawbury k�mpfte einen harten Kampf mit sich selbst. Dann berichtete er, und seine Worte fielen wie schwere Tropfen in den Raum. �Steve ist heute als Kurier hier angekommen.�</style></p><p><style name="font3">�Nanu�, unterbrach Michel. �Und er hat uns nicht einmal begr��t? Ich h�tte gern gewu�t, wie es meinen Freunden geht.�</style></p><p><style name="font3">�Entschuldigt ihn f�r heute. Ich glaube, er hat Dringendes mit Fox zu besprechen. Ja, und der Inhalt dieses Gespr�chs ist das, was mich zu Euch treibt. Ich versto�e gegen ein ausdr�ckliches Verbot des Generalgouverneurs, wenn ich mit Euch dar�ber rede. Trotzdem � � ich bin entschlossen. Ich lasse mich nicht zu einem Henkersknecht degradieren. � Da, lest.� Er reichte Michel das Schreiben von Hastings hin.</style></p><p><style name="font3">Michel �berflog die Zeilen. Dann faltete er das Papier zusammen, gab es dem General zur�ck und sagte: �Ich danke Euch, Sir. Ihr braucht nicht mehr zu sprechen. Mir ist vollkommen klar, was der ehrenwerte Mr. Hastings mit seinen wohlgesetzten Worten meint. Und ich kann Euch sagen, ich bedaure den Tag, an dem ich zustimmte, mit meinen Freunden in die Dienste der Kompanie zu treten. � Euch aber, Lord Hawbury, haftet kein Makel an. Das wei� ich. Ihr braucht es nicht als Schmeichelei zu nehmen; denn ich w�re der letzte, der einem Milit�r Schmeicheleien sagen w�rde. Ich halte Euch f�r einen anst�ndigen, sauberen Engl�nder, der sp�ter einmal eine fleckenlose Fahne �ber seinem Grabe verlangen kann. Ich wei�, da� die Kompanie nicht England ist. Ich sch�tze England und seine aufrechten Menschen.�</style></p><p><style name="font3">Der General fuhr sich �ber die Augen. Er war sichtlich bewegt, als er aufstand.�Ich danke Euch f�r Eure Worte, Mr. Baum. Auf Wiedersehen.�</style></p><p><style name="font3">�Auf Wiedersehen�, sagte Michel, �und macht Euch keine Sorgen um Tscham oder den Radscha. Am besten w�re es, Ihr w�rdet Steve so schnell wie m�glich wieder nach Kalkutta schicken, damit er saubere H�nde beh�lt.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr habt recht. Ich werde ihm eine R�ckbotschaft an Hastings geben, damit er hier wegkommt.� Die H�nde der beiden M�nner lagen f�r eine Sekunde mit festem Druck ineinander. Dann waren Michel und Ojo wieder allein.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">37</style></p></title><p><style name="font3">Fox hatte nach der Besprechung dem erm�deten Reiter ein Zimmer zugewiesen, in dem sich Steve von den Strapazen des Ritts erholen konnte.</style></p><p><style name="font3">Steve ging, nachdem er sich frischgemacht hatte, hinaus in den Garten, um Michel in seinem Zelt aufzusuchen. Er trat gerade in dem Augenblick aus dem Haus, als sein Vater hereinkam. �Guten Abend�, sagte der alte Hawbury barsch.</style></p><p><style name="font3">�Guten Abend, Papa�, erwiderte Steve, verwundert ob des unfreundlichen Tons. Er wollte noch </style><style name="font3">etwas sagen; aber da war der Lord schon an ihm vorbei.</style></p><p><style name="font3">Kopfsch�ttelnd setzte Steve seinen Weg fort.</style></p><p><style name="font3">Da hielt ihn unerwartet die Stimme Hawburys noch einmal zur�ck.</style></p><p><style name="font3">�Was ich noch sagen wollte, Captain Hawbury�, rief der General in unpers�nlichem Ton, �bleibt nicht zu lange auf heute nacht. Ich habe eine wichtige Botschaft f�r Sir Warren Hastings. Ihr m��t morgen fr�h nach Kalkutta zur�ckreiten.� �Aber ich denke, ich sollte ein paar Tage ...�</style></p><p><style name="font3">�Denkt nicht, Captain Hawbury. Ihr reitet morgen fr�h, wie ich gesagt habe.�</style></p><p><style name="font3">�Yes, Sir�, knallte Steve w�tend die Hacken zusammen. Er wandte sich um und stand dann kurz </style><style name="font3">darauf vor dem Zelt.</style></p><p><style name="font3">�Darf man hereinkommen, Mr. Baum?� fragte er. �Immer zu, Steve. Ich habe Euch schon lange erwartet.� Steve trat ein und sch�ttelte den beiden M�nnern die H�nde.</style></p><p><style name="font3">�Entschuldigt, wenn ich so lange auf mich warten lie�. Aber Ihr k�nnt Euch vorstellen, wie erm�dend ein zweit�giger Parforceritt ist.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, nat�rlich. � Setzt Euch und erz�hlt, wie es unseren Freunden in Kalkutta geht. Was macht die Flotte, was die Gr�fin? Und ist Eure Schwester gut untergekommen?� Steve lie� sich auf demselben Kissen nieder, auf dem noch vor wenigen Minuten sein Vater gesessen hatte.</style></p><p><style name="font3">�Viele Fragen auf einmal, Mr. Baum�, lachte er. �Von den Schiffen wei� ich nur, da� sie zwei Tage nach Euerm Weggang in See gestochen sind. Leider war Marina nicht zu bewegen, an Land zu bleiben�, seufzte er. �Meine Schwester wohnt bei einer befreundeten Familie. Sie f�hlt sich sehr wohl dort. Nun ja, in Kalkutta gibt es ja auch mehr Abwechslung als in so einem Provinzkaff.�</style></p><p><style name="font3">�Wartet ab�, rief Michel fr�hlich, �in zwei Tagen k�nnt Ihr hier etwas erleben. Dann gibt es eins der seltenen Einsippungsfeste. Ganz Bihar r�stet schon dazu.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, ja, ich wei�, mein Vater erw�hnte es bereits. Aber leider werde ich keine Gelegenheit haben, </style><style name="font3">daran teilzunehmen; denn ich mu� morgen fr�h schon wieder zur�ckreiten.�</style></p><p><style name="font3">Ojo hatte irgendwo, Gott wei� woher, eine Steinflasche mit Wein aufgetrieben. Er hatte sie mit </style><style name="font3">feuchten T�chern umwickelt und drau�en vor dem Zelt in die k�hle Nachtluft geh�ngt.</style></p><p><style name="font3">Jetzt holte er sie herein und pr�sentierte sie stolz.</style></p><p><style name="font3">�Was ist das?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Ein leckeres Tr�pfchen. � Wein, herrlicher Wein�, strahlte Ojo. �Wo hast du denn den aufgetrieben, Diaz?� fragte Michel schmunzelnd. Ojo war ein wenig verlegen.</style></p><p><style name="font3">�Por Dios�, meinte er, �Ihr wi�t doch, Senor Doktor, den Seinen gibt's der Herr im Schlaf. Eine solche Gottesgabe zu verschm�hen, w�re eine Beleidigung des Sch�pfers.� Steve suchte seine spanischen Brocken zusammen und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Bei allen Teufeln, Senor Ojo, Ihr habt ein Talent, �berraschungen zu bieten, das ist einmalig.� Ojo zauberte aus einer Ecke sogar drei becher�hnliche Gegenst�nde hervor. Mit durstigen Kehlen schl�rften die M�nner das hier so seltene Na�. �Wirklich ausgezeichnet�, stellte Steve nach einem tiefen Zug fest, �so was haben wir nicht einmal in Kalkutta.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">38</style></p></title><p><style name="font3">Ein Schatten schlich durch die Nacht.</style></p><p><style name="font3">Vor einer kleinen Bambush�tte am Rand der Stadt blieb er ruhig stehen.</style></p><p><style name="font3">Er lauschte. Aus der H�tte drang kein Laut. Aber in geringer Entfernung klangen Schritte auf.</style></p><p><style name="font3">Fox verbarg sich hinter einem nahe stehenden Baum. Die Schritte verhielten vor der H�tte.</style></p><p><style name="font3">�Krima � Krima�, fl�sterte Fox.</style></p><p><style name="font3">Das M�dchen fuhr erschrocken herum.</style></p><p><style name="font3">�Krima, bist du allein?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, Sahib.�</style></p><p><style name="font3">Fox trat aus seinem Versteck und ging auf das M�dchen zu.</style></p><p><style name="font3">�Ich mu� dringend mit dir sprechen, kleines Biest, wo sind wir ungest�rt?�</style></p><p><style name="font3">Statt aller Antwort legte Krima die H�nde um seinen Hals und k��te ihn leidenschaftlich.</style></p><p><style name="font3">�Endlich sehe ich dich wieder. Weshalb darf ich dich nicht mehr besuchen?�</style></p><p><style name="font3">�Ach, dar�ber sprechen wir sp�ter. Bald werde ich nach Kalkutta gehen und dich mitnehmen.</style></p><p><style name="font3">Dann brauchen wir uns nicht mehr zu verstecken. Aber jetzt habe ich Wichtiges vor. Und du </style><style name="font3">mu�t mir dabei helfen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich? Wie kann ich dir helfen?�</style></p><p><style name="font3">�Du mu�t, Krima; denn vom Gelingen dieser Sache h�ngt es ab, ob wir bald nach Kalkutta </style><style name="font3">gehen k�nnen oder nicht.�</style></p><p><style name="font3">�Wirst du mich dann zu deiner Frau machen?�</style></p><p><style name="font3">�Aber selbstverst�ndlich, mein Liebling. Ganz klar.�</style></p><p><style name="font3">�Gut, Sahib, dann komm. Die H�tte ist heute leer.�Fox nickte und folgte ihr. Vorerst kam er </style><style name="font3">jedoch nicht zu Wort, denn die hei�bl�tige Inderin d�rstete nach seinen K�ssen.</style></p><p><style name="font3">Er zwang sich dazu, z�rtlich zu erscheinen, obwohl seine Gedanken ganz andere Bahnen gingen.</style></p><p><style name="font3">Doch dann brachte er das Gespr�ch auf das eigentliche Thema.</style></p><p><style name="font3">�Sag, das Volk ha�t doch den Radscha und die reichen Grundbesitzer, nicht wahr?�</style></p><p><style name="font3">�Ja�, sagte sie, und ihre Augen gl�hten, �zwar nicht die Leute in der Stadt, aber die Bauern.�</style></p><p><style name="font3">�Wei�t du, wer die Thags sind?�</style></p><p><style name="font3">Das M�dchen sah ihn an und schwieg.</style></p><p><style name="font3">�Willst du es nicht sagen? Vor mir brauchst du doch keine Geheimnisse zu haben�, dr�ngte er. �Ich will leben. Wer �ber die Thags spricht, hat vielleicht schon bald die seidene Schlinge um den Hals.�</style></p><p><style name="font3">�Ich will ehrlich sein�, sagte er. �Ich suche die Thags. Sie sollen mir helfen, den Radscha zu beseitigen. Sie hassen ihn doch auch, nicht wahr?� �Ich wei� nicht�, sagte Krima z�gernd.</style></p><p><style name="font3">�Sei doch nicht t�richt. Hilf mir, mit irgendeinem F�hrer der Thags in Verbindung zu kommen.</style></p><p><style name="font3">Ich kann ihm Interessantes �ber die Verbindung des Radscha zu den Engl�ndern berichten.�</style></p><p><style name="font3">Krima nickte, schwieg aber beharrlich.</style></p><p><style name="font3">�H�rst du nicht? Weshalb redest du nicht?�</style></p><p><style name="font3">�Du bist doch selbst ein Engl�nder�, sagte Krima.</style></p><p><style name="font3">Fox winkte ab.</style></p><p><style name="font3">�Ja, ja, schon, aber nicht mehr lange. Ich habe mich entschlossen, den Kampf des indischen Volkes gegen alle seine Aussauger zu unterst�tzen.�</style></p><p><style name="font3">Krima sah ihn zweifelnd an. �Soll ich das den Thags sagen?�</style></p><p><style name="font3">�Das ist nicht n�tig. Erz�hle ihnen nur, da� ich sie �ber wichtige Dinge aufkl�ren k�nnte.� �Ich will es versuchen. N�chste Woche.� �Das ist zu sp�t, viel zu sp�t.� �Wann dann?�</style></p><p><style name="font3">�Noch heute nacht � gleich � sofort. Ich habe keine Minute zu verlieren.� Krima stand wortlos auf.</style></p><p><style name="font3">�Warte hier�, sagte sie nur. Dann war sie verschwunden. �</style></p><p><style name="font3">Die Stunden vergingen. Von Minute zu Minute wuchs die Erregung in Fox. Wenn nun Krimas Vater heimkam und ihn hier fand? Was dann?</style></p><p><style name="font3">Vier Stunden mochten vergangen sein. Im Osten zeigte sich schon das erste Grau eines neuen Tages. Pl�tzlich standen zwei Menschen in der H�tte: Krima und � ihr Vater. Fox fuhr auf. Er griff zum G�rtel, wo die Pistole steckte. Seine Augen flatterten zwischen dem Mann und dem M�dchen hin und her.</style></p><p><style name="font3">�Hier bringe ich dir einen Unterf�hrer der Thags�, sagte Krima und blickte ihm fest in die Augen.</style></p><p><style name="font3">Der Mann nickte und sagte: �Setzen wir uns. � Was willst du?�</style></p><p><style name="font3">Fox brauchte einige Sekunden, um seine Unsicherheit zu �berwinden. Das hatte er nicht erwartet. Aber dann sprach er.</style></p><p><style name="font3">�Wenn du mir versprichst, da� der Radscha oder Tscham �bermorgen den Sonnenaufgang nicht mehr sieht, dann will ich dir sagen, weshalb das Volk unter der dr�ckenden Steuerlast leidet.� Auf dem Gesicht von Krimas Vater erschien ein geringsch�tziges L�cheln.�Du sagst mir nichts Neues. Hast du wirklich geglaubt, da� die Thags nichts w��ten von den hohen Tributen, die der Radscha an die Ostindien-Kompanie zahlt?�</style></p><p><style name="font3">�Nat�rlich halte ich euch nicht f�r dumm. Aber eins wei�t du nicht, da� sich der Tribut von dem Tag an verdoppelt, wo der F�rst einen rechtm��igen Nachfolger hat. Das hei�t, da� vom Tag der Adoption Tschams an die Bauern doppelte Steuerlasten zu tragen haben.� Die Augen des Thag zogen sich zusammen.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe bisher nicht gewu�t, da� sich die Engl�nder auch gegenseitig verraten. Das ist mir </style><style name="font3">neu�, meinte er. �Kannst du mir beweisen, da� das stimmt?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, du mu�t schon meinen Worten Glauben schenken.�</style></p><p><style name="font3">�Pah, wie kann ich einem Verr�ter trauen?�</style></p><p><style name="font3">Fox suchte angestrengt nach einem Ausweg.</style></p><p><style name="font3">�Sieh in mir nicht den Verr�ter, sondern den zuk�nftigen Mann deiner Tochter. Ich liebe Krima, und ich will alles tun, damit das Volk, zu dem sie geh�rt und das auch einmal mein Volk sein wird, gl�cklich und frei ist.�</style></p><p><style name="font3">�Wenn man dich so reden h�rt, k�nnte man fast glauben, da� du meinst, was du sagst. Dennoch </style><style name="font3">traue ich dir nicht. Aber gut, ich mache dir einen Vorschlag.�</style></p><p><style name="font3">�Ja?�</style></p><p><style name="font3">�Ich werde entweder den Alten oder den Jungen vernichten. Der Alte taugt nichts, und der Junge k�mpft gegen uns. Dennoch w�re das kein Grund, den F�rsten eines indischen Volkes zu t�ten; denn solange es sie noch gibt, sind wir noch nicht v�llig versklavt. Was wir jetzt zu machen haben, wir beide, ist ein Vertrag auf Gegenseitigkeit. Ich wei�, da� dich meine Tochter </style><style name="font3">aufrichtig liebt, obwohl ich es ihr verboten habe. Aber Wischnu sagt, man soll ein Herz nicht zwingen. Unser Vertrag lautet: Ich t�te einen der beiden oder beide, und du machst meine Tochter nach indischem Brauchtum zur Frau. Der, dem sie einst versprochen war, wurde von den Palastwachen des Radscha get�tet. Seine Asche schwimmt schon l�ngst im Ganges.� �Ich bin einverstanden�, sagte Fox eifrig. �Wir werden sofort heiraten, wenn du dein Versprechen eingel�st hast. Und ich gehe noch weiter, ich nehme Krima mit nach Kalkutta, damit wir dort auch nach den Gesetzen meines Landes getraut werden. Du siehst, ich will dir alle Sicherheiten geben. Schlie�lich liebe ich deine Tochter.� Er warf ihr wie zur Best�tigung seiner Worte einen feurigen Blick zu. Der Vater des M�dchens meinte:</style></p><p><style name="font3">�Ich sage dir eins: der Vertrag ist mit Blut gezeichnet. Wenn du ihn brichst, wird er mit deinem Blut wieder ausgel�scht werden!�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">39</style></p></title><p><style name="font3">Mit einem letzten tiefen Schnarchton erwachte Ojo. Er rieb sich den Schlaf aus den Augen. Dann blickte er sich im Zelt um. �Guten Morgen, Faulpelz�, wurde er von Michel begr��t. Ojo richtete sich halb auf.</style></p><p><style name="font3">�Nanu, Ihr seid schon auf, Senor Doktor, trotz des Weins? Ich habe einen tiefen und gesunden Schlaf gehabt wie lange nicht.�</style></p><p><style name="font3">�Das sehe ich schon. Du hast auch sicherlich nichtbemerkt, da� ich gegen Mitternacht das Zelt verlassen habe, wie?� Ojo sah ihn verwundert an.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb treibt Ihr Euch zu nachtschlafener Zeit in dieser sch�nen Gegend herum? Ich w��te was Besseres.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, schlafen. Du wirst hoffentlich nichts dagegen haben, wenn ich mich jetzt f�r zwei, drei Stunden hinlege. Bleib wach und wecke mich gegen neun Uhr. Es gibt noch vieles zu erledigen.� �Was gibt es denn so Wichtiges?� W�hrend sich Michel auszog, sagte er:</style></p><p><style name="font3">�Ich bin heute nacht einem gro�en Lumpen auf die Spur gekommen. Es riecht nach Blut. Wir m�ssen wachsam sein, damit nicht das des Falschen vergossen wird.� �Kenne ich diesen Lumpen?�</style></p><p><style name="font3">�Und ob. Es ist niemand anderes als Mr. Stanley Fox.�</style></p><p><style name="font3">Michel erkl�rte Ojo alles, was er in der Nacht, hinter der Bambush�tte Krimas liegend, erlauscht hatte.</style></p><p><style name="font3">�Soll ich hingehen und ihn durchpr�geln?� fragte Ojo und ballte grimmig die F�uste.</style></p><p><style name="font3">�Das w�rde im Augenblick wenig Zweck haben. Schweige gegen jeden �ber das, was du von</style></p><p><style name="font3">mir erfahren hast. Jetzt will ich schlafen. Nachher sehen wir weiter. Im Augenblick, das hei�t in </style><style name="font3">den n�chsten Stunden, besteht f�r Tscham und den Radscha keine Gefahr. Vergi� nicht, mich um </style><style name="font3">neun zu wecken.�</style></p><p><style name="font3">�Si, si, Senor Doktor.� �</style></p><p><style name="font3">Als Michel ausgeschlafen hatte, stand er auf.</style></p><p><style name="font3">�Wenn jemand nach mir fragen sollte, Diaz, dann sag ihm nicht, wo ich bin. Ich gehe hin�ber in den Palast. Ist �brigens Steve Hawbury schon fort?�</style></p><p><style name="font3">�Si, Senor Doktor. Er l��t Euch gr��en. Er wollte nicht st�ren, da Ihr doch schlieft.� �Gut. Ich gehe jetzt.� �</style></p><p><style name="font3">Michel hatte in den n�chsten zwei Stunden eine eingehende Unterredung mit dem Brahmanen Sadharan. Der Brahmane unterbrach den Pfeifer mit keinem Wort. Mit fast stoischer Ruhe h�rte er zu. Nur zu den Vorschl�gen, die Michel in seinen Vortrag einflocht, nickte er hin und wieder. Als Michel sich erhob, um sich zu verabschieden, nahm er die Gewi�heit mit, da� der schmutzige Plan von Fox scheitern w�rde. �</style></p><p><style name="font3">�berall auf den freien Pl�tzen in der Stadt Bihar waren Zelte aufgeschlagen. In m�rchenhafter Pracht leuchteten die vielen Farben in der Morgensonne. Reges Leben und Treiben herrschte heute schon in aller Fr�he. Es war das Fest, zu dem ganz Bihar ger�stet hatte. Mochten die Bauern den Grundbesitzern auch feindlich gesinnt sein, mochten die Unterdr�ckten die F�rsten hassen: Das heilige Fest der Einsippung verwischte alle Gegens�tze.</style></p><p><style name="font3">Pilger hatten ihre Reise unterbrochen. M�rchenerz�hler, meist Mohammedaner, wechselten in ihren Reden mit den Weisen der Hindus ab. Ein Schwirren von Stimmen lag �ber der Stadt. S��e D�fte str�mten aus den Bambush�tten. Naschwerk wurde in H�lle und F�lle gebacken. Die Stimmung wurde immer ausgelassener.</style></p><p><style name="font3">F�r heute abend war die Er�ffnung angesetzt, und morgen vormittag folgte dann der eigentliche Festakt in dem gro�en Schiwatempel. Erst diese Weihe best�tigte die Rechtsg�ltigkeit und Verbindlichkeit des Adoptionsvertrags.</style></p><p><style name="font3">Tscham war die Hauptperson des Tages. Alles drehte sich um ihn. K�nstler der Nadel und der Schere kamen, nahmen Ma� und gingen. Hindupriester gaben sich die T�r in die Hand, um ihre Gratulation darzubringen.Gegen Mittag erschien der Mullah, so nannte man hier den obersten Priester des Islam. Der w�rdige Mann schwor beim Bart des Propheten, da� er trotz des unterschiedlichen Glaubens im Leben des Kronprinzen fest an dessen Seite stehen w�rde. Am fr�hen Nachmittag kamen die Diener des Radscha und schleppten mehrere S�cke voll kupferner Anna-M�nzen auf die Terrasse vor Tschams Gem�chern. Im Park waren Tische aufgestellt, die unter der Last der S��igkeiten zu brechen drohten. An zehn Spie�en brieten Ochsen in ihrem eigenen Saft. Diese waren f�r den mohammedanischen Teil der Bev�lkerung gedacht. An zehn weiteren Spie�en schmorten Wildeber, die als Mahl f�r die Hindus bestimmt waren. Hindus halten die K�he f�r heilig. Sie durften zwar Ochsenfleisch essen, taten das aber nicht gern, da Kuh und Ochse zu eng verwandte Gesch�pfe waren. Die Mohammedaner hingegen verunreinigten sich durch den Genu� von Schweinefleisch, w�rden aber den Ochsen begeistert zusprechen.</style></p><p><style name="font3">�Welch ein Duft �ber dem Park�, sagte Tscham zu Sadharan. �Man riecht die Feierlichkeit geradezu. Und ich mu� sagen, da� ich trotz aller Aufregung einen kr�ftigen Appetit versp�re.� Der Brahmane l�chelte.</style></p><p><style name="font3">�Dies Fest, Tscham, ist nicht gedacht, damit du satt werden sollst, sondern damit du die Hungrigen speisen sollst. Ich hoffe, diese Speisung wird immer Symbol f�r dich sein, wenn du einmal Herrscher dieses Volkes bist. Vergi� die Armen nie.�</style></p><p><style name="font3">�Wie k�nnte ich das! Ich m��te meine Pflegeeltern vergessen. H�ltst du mich dessen f�r f�hig?� �Die Welt hat viele Versuchungen. Du bist heute noch gut im Herzen; aber wer wei�, was morgen ist?�</style></p><p><style name="font3">�Lakschmi, die G�ttin des Gl�cks, soll mich besch�tzen. Ich werde ihr ein Opfer bringen.� �Du opferst ihr am besten, indem du andere Menschen gl�cklich machst. Das Gl�ck der anderen ist mehr als das eigene.�</style></p><p><style name="font3">Ein Offizier der Palastwache trat heran und verbeugte sich tief vor Tscham. �Es ist so weit, Sahib. Sollen wir die Tore �ffnen?� Tscham streckte die Hand aus und rief �berm�tig:</style></p><p><style name="font3">�Herein mit meinem Volk! Sie sollen essen und trinken, bis ihnen die B�uche dick werden!� Wieder verneigte sich der Offizier. Als er gehen wollte, nahm ihn Sadharan beiseite und fragte: �Sind die Wachen verdoppelt? Werden sie bemerken, ob sich unter den vielen Leuten, die jetzt in den Park str�men, Attent�ter befinden?�</style></p><p><style name="font3">�Sei beruhigt, Rischi Sahib<a l:href="#n_19" type="note">[19]</a>, einen Attent�ter erkennt man daran, da� er nicht i�t. Du wei�t, er mu� Speer oder Pfeil n�chtern f�hren.� �Und wenn er ein Moslim ist, wie erkennst du ihn dann?�</style></p><p><style name="font3">�Bei den Thags gibt es keine Moslemin, Sahib�, l�chelte der Offizier belehrend.</style></p><p><style name="font3">Drau�en erhob sich tosendes Gebr�ll. Jubelnde Stimmen erf�llten die Stadt mir L�rm. Die Tore</style></p><p><style name="font3">schwangen zur�ck, und die Wartenden str�mten in den Park. Von seinem Balkon winkte ihnen</style></p><p><style name="font3">Tscham zu. Immer wieder brachen die Menschen in Huldigungsrufe aus.</style></p><p><style name="font3">Tscham griff mit beiden H�nden in die Gelds�cke und schleuderte die Kupferm�nzen unter die</style></p><p><style name="font3">Menge. Wie die Rasenden balgten sie sich darum.</style></p><p><style name="font3">Eine Stunde fast konnte Tscham M�nzen verteilen, bis ein Sack leer war. Sein sch�nes, ausdrucksvolles Gesicht lachte die ganze Zeit. Aber dann sanken ihm die Arme vor M�digkeit herab. Mehrere Diener mu�ten ihm die Arbeit abnehmen. Bei diesen geschah es dann und wann, da� sie eine Handvoll Annas in der eigenen Tasche verschwinden lie�en. Die Menge sah es und lachte. Die Stimmung war vers�hnlich.</style></p><p><style name="font3">Als die K�che kannenweise Ananassaft �ber die schmorenden Rinder und Schweine gossen, war auch das Geld alle. Die Menge verteilte sich, und ein gieriges Schmausen hob an. Der Festtaumel verst�rkte sich von Stunde zu Stunde. Und auch in der Nacht ruhten die Feiernden nicht. �</style></p><p><style name="font3">Als die Diener Tscham verlassen hatten und dieser sich auf dem seidenen Diwan ausstreckte, um vom Trubel des Tages auszuruhen, �ffnete sich die T�r, und der Brahmane Sadharan trat herein. Tscham fuhr auf.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb l��t du mich nicht schlafen, weiser Mann? Ich bin m�de, und der morgige Tag d�rfte noch anstrengender werden.� Sadharan zeigte sein g�tiges L�cheln.</style></p><p><style name="font3">�Schilt mich nicht, mein Junge, du kannst annehmen, da� ich nicht grundlos deine Ruhe st�ren werde.�</style></p><p><style name="font3">Tscham war verwirrt. R�te scho� in sein Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Verzeih, weiser Mann, da� ich dich so anfuhr. Du wei�t, da� das kein Ausdruck meiner Mi�achtung ist. Ich war nicht recht bei mir. Ich f�hle mich so schl�frig. Ich wei� nicht, woher das kommt, aber es ist da, eine bleierne M�digkeit.� Sadharan nickte.</style></p><p><style name="font3">�Wie gut, da� ich kam, bevor du v�llig entschlummert sein wirst. Ich m�chte dich bitten, die letzte Nacht vor deiner Einsippung in meinem Zimmer zu verbringen. Es ist Brauch, da� jeder aus dem Volk in dieser Nacht den Prinzen st�ren darf, wann immer es ihm beliebt.� Tscham g�hnte, sah aber seinen Lehrer verwundert an.</style></p><p><style name="font3">�Von einem solchen Brauch habe ich noch nie geh�rt. Verzeih, wenn ich erstaunt bin. Aber man h�tte mich doch dar�ber aufkl�ren m�ssen.�</style></p><p><style name="font3">Ohne eine Antwort abzuwarten, sank er pl�tzlich zur�ck und war fest eingeschlafen. Sadharan trat auf ihn zu, kniff ihn in die Wangen und in die Waden, um zu sehen, wie er reagierte. Aber Tscham schlief wie ein Toter.</style></p><p><style name="font3">Sadharan warf rasch einen Blick aus dem Fenster und vergewisserte sich, da� es dort keine Lauscher gab. Dann packte er mit Aufbietung aller Kr�fte den Jungen, trat mit der schweren Last vorsichtig vor die T�r und lief dann eilig den Gang hinunter, bis er vor seinem Schlafraum stehenblieb. Er bettete Tscham auf sein einfaches Lager, deckte ihn sorgf�ltig zu und stellte eine spanische Wand vor das Bett, so da� man dieses vom Fenster aus nicht einsehen konnte. Dann nahm er aus einer Ecke ein B�ndel, das sich bei n�herem Hinsehen als eine gro�e Puppe</style></p><p><style name="font3">abzeichnete, die mit kostbaren Nachtgew�ndern angetan war. Eilig brachte er sie in Tschams Zimmer und bettete sie auf den Diwan des Prinzen. �</style></p><p><style name="font3">Der Radscha bezog sein Nachtlager wie immer im englischen Pavillon. Er, der alte Mann, der nicht mehr den gesunden Schlaf der Jugend hatte, bl�tterte in den Chroniken seiner alten Familie, die nun mit Tscham fortgesetzt werden sollte.</style></p><p><style name="font3">Er war gesammelt; denn ihn erregte die gro�e Handlung nicht, die morgen bevorstand und die vielleicht eine der letzten bedeutenden Feierlichkeiten war, die ihm bei seinem Alter noch beschieden sein mochten.Hatte er richtig getan mit Tschams Wahl? Er liebte den Jungen. Und die Lehrer des Hofes berichteten ihm, da� Tscham au�erordentliche F�higkeiten besa�. Ein paar Jahre w�rde er, der Radscha, noch die Geschicke seines F�rstentums leiten. Tscham konnte sich also langsam in seinen Aufgabenbereich hineinfinden.</style></p><p><style name="font3">Gegen Mitternacht entkleidete sich der Radscha, der seine Diener heute zum Feiern geschickt hatte. Niemand ging dem alten Mann zur Hand. Im Pavillon war es still. -Unter dem Fenster, hinter dem der Radscha n�chtigte, lief eine Jasminhecke entlang. Obwohl es vollkommen windstill war, bewegten sich doch einige Zweige der Hecke. Ein aufmerksamer Beobachter h�tte zwischen den gelben Bl�ttern hin und wieder etwas aufblitzen sehen k�nnen. Die Stunden vergingen. In diesem Teil des Parks herrschte lautlose Stille. Die hohe Mauer schimmerte wei� im Mondlicht.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich tauchte ein huschender Schatten auf. Ein Mann schwang sich �ber die Mauer und blieb dann stehen. Er war ganz in einen schwarzen Sarong geh�llt. �ber dem Kopf trug er eine Kapuze von der gleichen Farbe, die in H�he der Augen zwei Sehschlitze hatte. Seine H�nde, das einzige Unverh�llte an ihm, spielten mit einer d�nnen Seidenschnur. Jetzt machte er zwei, drei Schritte in den Park und drang dann mit v�lliger Lautlosigkeit in die Hecke ein. Seine Hand tastete sich zum Gesims an der Wand des Pavillons empor, bis sie Halt gefunden hatte. Mit einem kr�ftigen Klimmzug zog er sich hoch. Das hei�t, er wollte sich hochziehen, sp�rte aber in dem Augenblick, da seine F��e den ersten Halt suchten, eine schwere Last an den Beinen und st�rzte ins Geb�sch. Gleichzeitig f�hlte er, wie ihm jemand auf der Brust kniete. Ehe er sein Mi�geschick zu Ende denken konnte, raubte ihm ein harter Schlag das Bewu�tsein. �Pst, pst�, machten zwei Lippen. Von der Mauer her n�herten sich schleichende Schritte. �Que hay, Senor Doktor?� raunte eine Stimme.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe ihn�, fl�sterte der Pfeifer zur�ck. �Hilf mir, ihn unbemerkt fortzuschaffen.� Ojos Augen blitzten. Er nickte, ergriff die nicht leichte Last wie einen Federball, st�rmte zur Mauer, warf den Mann einfach hin�ber und schwang sich selbst hinterher. Der Pfeifer folgte ihm auf dem Fu�.</style></p><p><style name="font3">Es war kein Mensch weit und breit zu sehen. �Binde und kneble ihn. Ich bleibe, bis es tagt.� �Und wohin mit ihm?�</style></p><p><style name="font3">�Verbirg ihn im Zelt. Fox darf auf keinen Fall etwas merken. Verbinde ihm auch die Augen, </style><style name="font3">damit er sp�ter nicht herausfindet, wo er gefangengehalten wurde.�</style></p><p><style name="font3">�Si, Senor Doktor�, sagte Ojo und war in wenigen Augenblicken im Dunkel der Nacht </style><style name="font3">verschwunden.</style></p><p><style name="font3">Michel lag bald wieder in der Hecke und verharrte dort bis zum Morgen. Aber es ereignete sich kein zweiter Attentatsversuch. �</style></p><p><style name="font3">Als Tscham erwachte, versp�rte er einen leichten Druck im Kopf. Sein Wohlbefinden war aber im gro�en und ganzen gut. Und der Ernst dieses Tages zeichnete sich schon jetzt auf seinem Gesicht ab. Am Fu�ende seines Diwans sa� Sadharan und l�chelte.</style></p><p><style name="font3">Tscham befand sich l�ngst wieder in seinen Gem�chern. Er hatte von dem stillen Aufruhr der vergangenen Nacht nichts gemerkt.</style></p><p><style name="font3">Die Puppe lag versteckt in einer Ecke von Sadharans Schlafraum. In ihrem Kopf steckte ein vergifteter Pfeil.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">40</style></p></title><p><style name="font3">Gegen Mittag fanden sich die W�rdentr�ger, Priester und Mullahs, die geladenen G�ste, zu denen auch Lord Hawbury z�hlte, und die Gaffer ein. Eine un�bersehbare Menschenmenge wogte vor dem Tempel Schiwas. Auf einem wei�en Elefanten ritt Tscham bis vor die unterste Stufe des Tempels. Er sah wundersch�n aus; denn er war ganz in wei�e Seide geh�llt. An seiner Seite schwang das alte, mit vielen Edelsteinen besetzte Kronprinzenschwert. Er schritt die Stufen w�rdevoll empor. Die Menge verharrte in and�chtigem Schweigen.</style></p><p><style name="font3">Im Tempel sa� der Radscha, als einziger mit dem Gesicht zum Eingang gewandt. Als Tscham dort erschien, erhob er sich und schritt ihm bis zur Mitte des Tempels entgegen. Die obersten Priester aller Religionen nahmen dann die Zeremonie der Adoption vor. Beide, der Radscha und Tscham, mu�ten je zur H�lfte eine Jadeschale mit dem heiligen, geweihten Wasser des Ganges leeren. Dann waren sie nach hindustanischem Brauch und Gesetz Vater und Sohn. Dieser Bund hatte die gleiche Festigkeit wie die Bande des Blutes.</style></p><p><style name="font3">Der Radscha schritt an seines Sohnes Seite und auf ihn gest�tzt hinaus zur Tempelterrasse. Das Volk brach in Jubel aus. �</style></p><p><style name="font3">Stanley Fox war sehr fr�h auf den Beinen. Er kleidete sich hastig an, verlie� das Haus und </style><style name="font3">bahnte sich einen Weg durch die Menschenmassen bis zur H�tte Krimas.</style></p><p><style name="font3">Er trat ein und setzte sich wartend auf eine Bastmatte; denn weder das M�dchen noch sein Vater </style><style name="font3">waren anwesend.</style></p><p><style name="font3">Die Sonne stieg immer h�her.</style></p><p><style name="font3">Unruhe kam in Fox auf. Wo waren die beiden?</style></p><p><style name="font3">Er trat hinaus und mischte sich unters Volk. Wenn der Anschlag gelungen war, m��te man eigentlich an der Stimmung etwas merken. Es war nicht gut m�glich, da� ein solches Attentat lange verborgen blieb.</style></p><p><style name="font3">Als es auf den Mittag zuging und die beiden immer noch nicht da waren, dr�ngte es Fox bis in die N�he des Tempels.</style></p><p><style name="font3">Nichts, auch nicht der leiseste Anschein eines Ungl�cks. Und da ert�nten Fanfarenst��e, und der wei�e Elefant mit Tscham bewegte sich auf den Tempel zu. Fieberwellen schlugen �ber Fox zusammen. War wenigstens der Radscha tot?</style></p><p><style name="font3">Er wartete. Es verging eine Stunde. Und kurz nachdem die Sonne ins Zenit getreten war, erschienen der alte F�rst und der neue Kronprinz auf der Terrasse des Tempels. Narrte ihn ein Trugbild? Hatte man den Tod des F�rsten geheimgehalten? Stand dort oben ein Doppelg�nger des Alten?</style></p><p><style name="font3">Fox arbeitete sich nach vorn. Als die beiden jetzt die Stufen herab kamen, sah er sie aus allern�chster N�he.</style></p><p><style name="font3">Kein Zweifel, sie waren es wirklich. Und da erschien auch Lord Hawbury in seiner roten Galauniform. Sein Antlitz war zwar bleich. Aber Fox erkannte dennoch einen Schein der Befriedigung darauf.</style></p><p><style name="font3">Da traf ihn der Blick des Generals. Aber dieser Blick besagte nichts.</style></p><p><style name="font3">Fox stand nach kurzer Zeit wieder vor der Bambush�tte seiner Freundin. Jetzt war Krima da. Als er eintrat, fiel sie ihm weinend um den Hals.</style></p><p><style name="font3">�Hast du meinen Vater nicht gesehen?� fragte sie schluchzend.Fox stie� sie zornig von sich.</style></p><p><style name="font3">�Ihr habt mich verraten, ihr dreckiges, stinkendes Hindupack. Aber ich werde euch zeigen, was euch bl�ht, wenn ihr einen Engl�nder betr�gt.�</style></p><p><style name="font3">�Sahib, Sahib�, heulte das M�dchen. �Mein Erzeuger verlie� vor Mitternacht die H�tte. Bis jetzt ist er nicht zur�ckgekehrt. Auch seine Freunde wissen nichts von seinem Verbleib.� �Du l�gst, verdammte Hexe! Ein Anschlag h�tte gl�cken m�ssen. Tscham lebt, und der Alte lebt. Ihr wollt mir doch nicht weismachen, da� ihr auf beide ein Attentat versucht habt?� �Ja, ja, ja�, schrie sie, �und gleich nach Tschams Tod meldete sich der Thag, der diesen Auftrag auszuf�hren hatte, und best�tigte, da� sich der vergiftete Pfeil in den Kopf des Prinzen gebohrt habe und darin steckengeblieben sei. Du wei�t, wenn die Pfeilspitze nur die Haut ritzt, so ist das Gift t�dlich.�</style></p><p><style name="font3">Fox sah sie fest an. In ihren Augen stand zwar Angst, aber kein Falsch.</style></p><p><style name="font3">�Wie willst du mir erkl�ren, da� ich Tscham soeben mit meinen eigenen Augen im </style><style name="font3">Schiwatempel gesehen habe?�</style></p><p><style name="font3">Sie stand mit h�ngenden Schultern hilflos vor ihm, ein Bild des Jammers. Fox �berlegte. Sollte Tscham gar einen Doppelg�nger haben, den man dem Volk untergeschoben hatte? Nein, das war kaum m�glich. Wo sollte man in der Eile einen jungen Menschen von gleichem Wuchs und gleichem Gesicht hernehmen?</style></p><p><style name="font3">Der Attent�ter mu�te auf einen Falschen geschossen haben. Das war die einzige Erkl�rung, vorausgesetzt, da� man ihn, Fox, nicht belog. Aber die Verzweiflung des M�dchens war echt. Fox lie� die Weinende unbeachtet stehen und ging langsam nachdenklich in den Bungalow zur�ck. Dort traf er Lord Hawbury und Michel, die dabei waren, ihre Eindr�cke �ber das Fest auszutauschen.</style></p><p><style name="font3">�Es war wirklich erhebend�, sagte der General. �Irgendwie bewundere ich diese Menschen.� Er wollte gerade lebhaft seiner Begeisterung Ausdruck verleihen, als Fox herantrat. Er brach ab und fuhr fort:</style></p><p><style name="font3">�Der Generalgouverneur wird nicht besonders erfreut sein, da� die Adoption nun doch stattgefunden hat.� Fox fixierte die beiden.</style></p><p><style name="font3">�Es mu� Verrat im Spiel sein. Die Leute, die es verhindern sollten, sind in Aktion getreten, scheinen dann aber von dritter Seite ausgeschaltet worden zu sein.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr hattet doch nicht etwa M�rder gedungen?� fragte Michel mit gut gespielter Emp�rung. Fox sah mi�mutig zu Boden.</style></p><p><style name="font3">�Nennt es, wie Ihr wollt. Das ist mir ganz egal. Jedenfalls, wenn der Plan nicht mi�lungen w�re, dann w�ren die beiden jetzt nicht Vater und Sohn. Ein weiteres Attentat zu inszenieren, d�rfte nicht mehr ganz einfach sein, weil wir dann beide zugleich ausschalten m��ten.� �Ja�, sagte Lord Hawbury sachlich, �stirbt der Radscha, so ist ein rechtm��iger Thronfolger da. St��t dem Prinzen etwas zu, so kann der Radscha einen anderen Jungen adoptieren. Gehen beide ins Reich der Ewigkeit ein, dann werden die W�rdentr�ger nicht ruhen, bis sie herausbekommen haben, weshalb dieses pl�tzliche F�rstensterben einsetzte.�</style></p><p><style name="font3">�Eben�, meinte Fox. �Im Trubel der Festtage h�tte man die Schuld ohne weiteres auf herumlungernde Bauern schieben k�nnen. Man h�tte sich ein paar aus der Menge gegriffen und sie kurzerhand beschuldigt. Die Volksmenge h�tte nicht erst auf ein Gericht gewartet, sondern sie gelyncht. Das w�re ein Grund gewesen, Truppen zur Wiederherstellung der Ordnung anzufordern. Ja, dann h�tten wir drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.�</style></p><p><style name="font3">Der General sagte nichts; aber er nickte. Und um sich nicht verd�chtig zu machen, meinte Michel:</style></p><p><style name="font3">�Ich habe nicht gedacht, da� Ihr so geniale Pl�ne zu schmieden versteht.�</style></p><p><style name="font3">Fox sah ihn mi�trauisch an, konnte aber nichts als aufrichtige Bewunderung in des Pfeifers</style></p><p><style name="font3">Z�gen lesen. Jetzt reichte ihm Michel auch noch die Hand und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Entschuldigt mich, ich will noch ein wenig in die Stadt, um mir die Menschen anzusehen; denn so dicht hat man sie nicht alle Tage beieinander.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">41</style></p></title><p><style name="font3">Als Michel zum Zelt kam, wollte Ojo etwas sagen. Aber Michel legte einen Finger auf den Mund und fl�sterte:</style></p><p><style name="font3">�Ich hoffe doch nicht, da� unser Gefangener dich reden h�rte? Oder hast du ihm auch die Ohren verbunden?�</style></p><p><style name="font3">�Nein�, wunderte sich Ojo. �Weshalb soll er uns nicht sprechen h�ren? Versteht er denn Spanisch?�</style></p><p><style name="font3">�O Diaz, denk doch einmal logisch! Wieviel Menschen gibt es zur Zeit in Bihar, die abendl�ndische Sprachen sprechen?�</style></p><p><style name="font3">�Nun, mich, Euch, den General und diesen verdammten Fox.�</style></p><p><style name="font3">�Ganz recht. Das hei�t, da� der Thag sofort herausbr�chte, wer ihn an der Ausf�hrung seines Verbrechens hinderte. Du mu�t doch die Eingeborenen nicht f�r dumm halten. Hast du etwa auf spanisch geflucht?� Ojo z�gerte mit der Antwort.</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� nicht, Senor Doktor. Es w�re immerhin m�glich.�</style></p><p><style name="font3">�Hoffen wir, da� es nicht so war. Wenn die Nacht hereinbricht, bringen wir den Kerl zum Wald und lassen ihn laufen. Ich gehe jetzt in die Stadt. Bewache ihn weiterhin sorgf�ltig und fluche nicht laut. Wie hast du ihn versteckt?�</style></p><p><style name="font3">�Ich � ich habe ihn auf den Bauch gelegt, mehrere Diwandecken �ber ihn gebreitet und seinen R�cken als Sitz benutzt. Bewegen kann er sich nicht. Er ist zu fest verschn�rt.� Michel bi� sich auf die Lippen, um ein lautes Lachen zu unterdr�cken. Auf seine Weise war Diaz zweifelsohne originell. �</style></p><p><style name="font3">Am Abend lud sich der starke Spanier das verschn�rte B�ndel auf den R�cken. Michel ging sp�hend vor ihm her. Niemand bemerkte die beiden mit ihrer sonderbaren Last. Das Fest war abgeebbt. Die B�uche waren schwer geworden vom vielen Essen. Viele Menschen vermochten sich kaum noch zu bewegen. Einmal war ihnen Gelegenheit geboten. Da kannten sie kein Ma� und keine Vernunft mehr. Sie, die das Sattsein nur vom H�rensagen kannten, hatten in</style></p><p><style name="font3">sich hineingestopft, was sie erreichen konnten. Einmal nur--und sollte es auch das letztemal </style><style name="font3">sein.</style></p><p><style name="font3">Michel und Ojo erreichten den Rand der Dschungel. Der Pfeifer machte seinem Begleiter ein Zeichen. Ojo warf das Menschenb�ndel unsanft auf den Boden. Sie lie�en ihn liegen, verschn�rt und geknebelt, wie er war. Irgend jemand w�rde ihn schon finden. Sie gingen. Und es dauerte gar nicht lange, so kam ein vollgefressener Bauer seines Wegs. Er h�rte ein kaum wahrnehmbares St�hnen vom nahen Wald her.</style></p><p><style name="font3">Zuerst wollte er sich eilig entfernen. Vielleicht war es ein Geist. Aber pl�tzlich lachte der Bauer vor sich hin. Ach was, sicher war es einer, dem der Magen wehtat. So hatte er wenigstens einen Gef�hrten; denn auch ihm war �bel.</style></p><p><style name="font3">Das St�hnen wurde lauter. Und dann fand der Bauer einen gefesselten Menschen. �Wer hat sich diesen Scherz mit dir erlaubt?� Keine Antwort. Wieder nur ein Lallen.</style></p><p><style name="font3">�Ach, du bist sogar geknebelt!� Er sch�ttelte den Kopf, zog sein Messer und befreite den Gefesselten von den Hanfstricken, die ihn vielfach umschlangen.</style></p><p><style name="font3">�So�, meinte er dann befriedigt, fuhr aber erschrocken zusammen, als er an der Kleidung des anderen den Thag erkannte. �Tu mir nichts�, fl�sterte er und warf sich auf die Knie, �tu mir nichts.�</style></p><p><style name="font3">Der Thag k�mmerte sich gar nicht um den Jammernden, sondern drang, nachdem er sich </style><style name="font3">vorsichtig umgeschaut hatte, tiefer in den Wald. So mochte er sich eine halbe Stunde lang durch </style><style name="font3">das Schlinggew�chs gearbeitet haben, als ihn eine Stimme anrief:</style></p><p><style name="font3">�Steh und sag, wer dir den Auftrag gab.�</style></p><p><style name="font3">�Bhowanee�, antwortete der Ank�mmling dumpf.</style></p><p><style name="font3">�Gut, du kannst passieren�, kam die Antwort.</style></p><p><style name="font3">Der Thag hatte das Lager erreicht. Es war eine gespenstische Szene. �berall lagen oder standen Gestalten herum, die genauso gekleidet waren wie der Ankommende. Im Hintergrund war aus Lehm ein primitives G�tzenbild errichtet, das, mit Kalk bestrichen, vom Schein zweier Fackeln zum Leben erweckt schien. Eine gr��liche, mordgierige Fratze. Es war das Bildnis der G�ttin des Todes, Bhowanees, in deren Auftrag die Thags glaubten morden zu m�ssen. �Erhebt euch, ihr Tr�gen�, sagte der Ank�mmling, �es ist noch nicht Zeit zu ruhen. Wo ist der, dem ich den Auftrag gab, den Prinzen zu vernichten?� Niemand antwortete.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich trat aus dem Unterholz ein Mann hervor.</style></p><p><style name="font3">Beim Klang der Stimme fiel Machar, das war Krimas Vater, zusammen.</style></p><p><style name="font3">�O erhabener Pantscha! Du bist pers�nlich erschienen?�</style></p><p><style name="font3">�Ja�, sagte der Oberh�uptling streng, �es erreichte mich der Ruf unserer Leute, die nicht einsehen konnten, weshalb du den Auftrag erteilt hast, den Prinzen Tscham umzubringen. Gib Rechenschaft.�</style></p><p><style name="font3">Machar hatte keine Antwort bereit; denn er war nicht auf das Erscheinen des Meisters gefa�t gewesen.</style></p><p><style name="font3">Er stammelte irgend etwas. Aber der Meister unterbrach ihn:</style></p><p><style name="font3">�Ich habe den Eindruck, da� pers�nliche Dinge der Anla� deines Befehls waren. Du bist ein schlechter Unterf�hrer. Die Strafe Bhowanees soll nun dich treffen. Bist du bereit, dir die Schlinge selbst umzulegen?�</style></p><p><style name="font3">Das war eine deutliche Aufforderung zum Selbstmord. Machar sollte sich erdrosseln. In der Sekte der Thags herrschten strenge Gesetze.</style></p><p><style name="font3">Machar stand wie zu Stein erstarrt. Die Ehre des Thag k�mpfte in ihm mit der Liebe zu seiner Tochter. Ja, wenn er Krima bei diesem Fox in sicherer Hut gewu�t h�tte! Aber noch war es nicht so weit. Sein Anschlag war mi�gl�ckt. Verrat mu�te im Spiel sein.Der Meister trat auf ihn zu und reichte ihm eine gelbe Seidenschnur. Gelb war die Farbe der Exekution. Zum Tode verurteilte Thags legten vor ihrer Selbsthinrichtung gelbe Kleider an, wenn dazu Gelegenheit war. Um dem Ritus zu gen�gen, gen�gte aber auch eine gelbe Schlinge. Machar machte pl�tzlich einen Satz nach r�ckw�rts und verschwand im Dunkel des Waldes. Die Thags dachten im ersten Augenblick gar nicht daran, ihn zu verfolgen. So �berrascht waren sie.</style></p><p><style name="font3">Es kam ganz selten vor, da� ein Angeh�riger die Selbstexekution verweigerte; denn wenn er das tat, so fuhr seine Seele nicht in ein anderes Wesen, sondern starb mit dem K�rper. Und Machar war eines der �ltesten Mitglieder und Unterf�hrer, ein Mann, an dessen Ehre nie ein anderes Mitglied zu zweifeln gewagt h�tte. Seinen Befehl zur T�tung des Radscha und des Prinzen</style></p><p><style name="font3">konnte man einen groben Versto� gegen die Thaggesetze nennen. Aber seine Ehre ber�hrte dieses Verbrechen nicht, selbst dann nicht, wenn es todesw�rdig war. Pantscha wandte sich langsam um. Sein Blick wanderte von einem zum anderen. �Wer wird Bhowanee r�chen?� fragte er.</style></p><p><style name="font3">�Ich!� Es stand der Mann auf, der in der vergangenen Nacht den vergifteten Pfeil in den Kopf von Sadharans Puppe geschossen hatte. Ein Thag t�tete meist mit der Schlinge. Wenn das aber nicht m�glich war, so mu�te er die Verletzung des Gebotes auf irgendeine Weise wieder gutmachen.</style></p><p><style name="font3">�Du t�test ihn mit dem Pfeil. Nicht mit der Schlinge. Die Schlinge darf seinen unreinen Hals </style><style name="font3">nicht ber�hren. Kannst du auch mit der Scheibe umgehen?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, Meister, Erhabener, ich bin ein Sikh.�</style></p><p><style name="font3">�Gut. Geh jetzt. Und la� mich nicht zu lange warten.�</style></p><p><style name="font3">Machar st�rzte in seine Bambush�tte. Dort fand er die stumpf vor sich hinbr�tende Krima. �Es ist alles mi�lungen�, rief er. �Hast du schon mit deinem Verlobten gesprochen?� Krima winkte ab.</style></p><p><style name="font3">�Er wird nie mein Verlobter werden. Er war w�tend und stie� mich von sich. Der Radscha lebt, </style><style name="font3">und Tscham lebt. Dein Krieger hatte auch kein Gl�ck. Wo warst du so lange?�</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� es nicht. Ich war gefangen. Die ganze Nacht und den ganzen Tag �ber lag ich wie ein </style><style name="font3">Paket verschn�rt mit verbundenen Augen und verstopftem Mund irgendwo auf hartem Boden.</style></p><p><style name="font3">Und auf mir sa�, wie auf einem Kissen, eine ungeheuer schwere Gestalt.�</style></p><p><style name="font3">Sie sah ihn ungl�ubig an.</style></p><p><style name="font3">�Und du konntest nicht herausfinden, wer dieser Mann war?� �Nein. Er sagte einmal etwas, was ich nicht verstand.� �Seit wann verstehst du kein Englisch?�</style></p><p><style name="font3">�Es schien nicht die Sprache der Faringhi zu sein. Doch ich wei� es nicht genau.� Sie sprang auf � mit blitzenden Augen.</style></p><p><style name="font3">�Aber ich wei� � ich wei� alles!� Ha� war in ihrer Stimme. �Fox hat mir nur etwas vorgespielt. Er war der Mann, der dich gefangennahm und dich dann als Stuhl benutzte. Ihn reute sicherlich der Vertrag. Er mu� es gewesen sein. Er war der einzige, der au�er uns von den Einzelheiten des Plans wu�te. Ja, er war es bestimmt. Er spricht zuweilen in englischen Worten, die ich auch nicht verstehe.�</style></p><p><style name="font3">Machar hatte einen wilden Ausdruck im Gesicht. Seine Augen spr�hten zornige Blitze. Er warf die Schlinge, die er noch immer in der Hand hielt, auf sein Lager und ergriff ein Messer, eine Sikhscheibe, einen Dolch und einen gew�hnlichen Hanfstrick. �Du t�test ihn nicht mit der Schlinge?� fragte die Hassende.</style></p><p><style name="font3">�Nein�, sagte Machar finster, �ich bin kein Thag mehr. Und ich werde ihn nicht t�ten. Ich will unseren Kontrakt erf�llen. Und wenn er dann nicht kommt und sein Versprechen h�lt, dann wird er schrecklich b��en.�</style></p><p><style name="font3">Ehe sie noch etwas erwidern konnte, war er zur H�tte hinaus. Sie hatte sagen wollen, da� die Frist ja abgelaufen sei; denn der Radscha hatte die Sonne des heutigen Tages aufgehen sehen. Aber ihr Vater in seinem Zorn schien ein Amokl�ufer werden zu wollen. Sie konnte nicht ahnen, da� die Szene im Wald sein klares Denken beeintr�chtigt hatte. �</style></p><p><style name="font3">Der Radscha war von den Feierlichkeiten des Tages mitgenommen. Er lechzte nach Luft und erging sich deshalb lustwandelnd in dem Teil des Parkes, in dem der englische Pavillon stand.</style></p><p><style name="font3">Seine Leibwachen kauerten hinter Geb�sch verborgen, um den Herrscher von Bihar nicht unausgesetzt daran zu erinnern, da� er bewacht wurde.</style></p><p><style name="font3">Es war sp�t geworden. Die Sterne verspr�hten ihr silbernes Licht. Flederm�use schwangen sich von Ast zu Ast. Der Radscha liebte diese Ruhe. Er konnte sich nicht entschlie�en, seinen Spaziergang abzubrechen. An einem Ginsterbusch blieb er stehen und strich mit den Fingern sanft �ber die Zweige.</style></p><p><style name="font3">�Nun sind die W�rfel gefallen�, murmelte er. �Tscham ist mein Sohn. Hoffentlich ein guter Sohn.�</style></p><p><style name="font3">Er redete laut, wie es alte Leute an sich haben, und ging langsam weiter.</style></p><p><style name="font3">J�h wurde dieses Idyll unterbrochen. Die sausende Sikhscheibe blitzte im Mondlicht.</style></p><p><style name="font3">Ein leiser dumpfer Schlag.</style></p><p><style name="font3">Der Radscha sank st�hnend zusammen. Aus seiner Halsschlagader scho� ein Blutstrahl. Zwei � drei M�nner liefen, erschrockene Rufe aussto�end, herbei. Sie standen um den Verblutenden und wu�ten nicht, was sie tun sollten.</style></p><p><style name="font3">Endlich kam einer darauf, wenigstens nach dem Werfer des t�dlichen Diskus zu suchen. Hinter ihnen rasdielte etwas. Dann h�rte man Scharren an der Mauer und von dr�ben her das Ger�usch, das auf den Boden prallende F��e verursachen. Dann war Ruhe.</style></p><p><style name="font3">Man schlug Alarm. Von �berall her str�mten die Palastwachen zusammen. Die meisten standen fassungslos neben der Leiche des F�rsten. Alle waren wie gel�hmt. Rot hatte sich der Kies unter dem alten Mann gef�rbt. �</style></p><p><style name="font3">Drau�en hastete Machar durch die Stra�en dem Stadtrand zu, bis er den Bungalow erreichte, in dem Fox wohnte.</style></p><p><style name="font3">Er drang in den Garten ein und sah Fox auf der Veranda sitzen. Pl�tzlich f�hlte er sich von zwei F�usten gepackt. Eine Stimme fragte etwas in einer fremden Sprache. Er verstand es nicht, sondern schrie nur: �Fox! - Fox!�</style></p><p><style name="font3">Der ihn festhielt, nickte verstehend und deutete auf die Veranda.</style></p><p><style name="font3">Machar ri� sich los, rannte um das Haus herum, drang ohne anzuklopfen ein und durchma� nach Gutd�nken die R�ume, durch die man mutma�lich zur hinteren Veranda gelangte.Dann stand er vor Fox, der aufsprang und ihn anbr�llte:</style></p><p><style name="font3">�Machar, verfluchter Hund, wie kannst du es wagen, dich �berhaupt noch vor mir sehen zu lassen?�</style></p><p><style name="font3">Machars Atem ging rasselnd. Er trat dicht an Fox heran, fa�te ihn bei der Brust und r�ttelte ihn. Seine Augen waren blutunterlaufen.</style></p><p><style name="font3">�Fox�, schrie er, �Fox, ich habe mein Versprechen erf�llt. Geh mit mir zu Krima und erf�lle auch deines.�</style></p><p><style name="font3">�Du Wahnsinniger!� Fox machte sich von ihm los und stie� ihn zur�ck. �Du hast deinen Vertrag nicht erf�llt. Der Radscha lebt.�</style></p><p><style name="font3">�Ha, ha, ha�, lachte Machar wie ein Irrer auf. Er verdrehte die Augen, da� das Wei�e unheimlich leuchtete. �Er lebt nicht. Er ist tot. Geh hin�ber in den Palast und sieh dir an, wie er in seinem Blut schwimmt.� Fox' Augen weiteten sich.</style></p><p><style name="font3">�Ungl�ckseliger! Du hast ihn doch nicht jetzt umgebracht?�</style></p><p><style name="font3">�Doch, eben, ich komme direkt von ihm. Er ist ausgeblutet wie eine gesch�chtete Ziege.�</style></p><p><style name="font3">�Raus!� schrie ihn Fox an, auf dessen Stirn sich Schwei�tropfen bildeten. �Raus! Und la� dich nie wieder hier blicken, du M�rder!� Machar fletschte die Z�hne.</style></p><p><style name="font3">�Aha, du willst also dein Versprechen nicht erf�llen. Dann nimm dies hier.�</style></p><p><style name="font3">Der Dolch blitzte in seiner Faust. Im selben Augenblick wurde er von hinten gepackt und </style><style name="font3">niedergerissen. Ojo kniete auf ihm. Er hatte zwar von dem Gespr�ch nichts verstanden, aber </style><style name="font3">gesehen, da� ein Streit entstanden war. Auf gleichem Wege wie Machar war er ins Haus </style><style name="font3">gekommen. Der Pfeifer war noch in der Stadt.</style></p><p><style name="font3">Fox fiel in seinen Sessel zur�ck und atmete auf.</style></p><p><style name="font3">Ojo hatte Machar mit seinem eigenen Hanfseil so gefesselt, da� er sich nicht bewegen konnte. Jetzt fiel Lichtschein auf das Gesicht des Inders. Ojo stie� einen erstaunten Laut aus, hatte sich aber sofort wieder in der Gewalt. Das war ja der Kerl, den sie vor wenigen Stunden im Wald ausgesetzt hatten!</style></p><p><style name="font3">Fox hatte den Uberraschungslaut geh�rt und fragte: �What is it?�</style></p><p><style name="font3">Ojo zuckte die Schultern, sch�ttelte den Kopf und fragte: �Que hay?�</style></p><p><style name="font3">Das verstand wiederum Fox nicht. Er wandte sich ab, ging ins Haus und kam gleich darauf mit einer Pistole in der Hand zur�ck. Er trat vor den Inder, hob die Waffe hoch, zielte und � stie� einen Schmerzenslaut aus; denn Ojo hatte ihm den Pistolenarm mit der Kante seiner flachen Hand nach oben geschlagen. Der Schu� l�ste sich und die Kugel drang in die Hauswand. Fox schrie Ojo w�tend an:</style></p><p><style name="font3">�Du verdammter spanischer T�lpel, du Idiot, weshalb hinderst du mich daran, einen M�rder zu bestrafen?�</style></p><p><style name="font3">Ojo nickte; denn er hatte nichts verstanden.</style></p><p><style name="font3">Von dem Schu� aus dem Schlaf gerissen, erschien Lord Hawbury. Er hatte nur einen seidenen </style><style name="font3">Morgenrock �bergeworfen. Auch in seiner Hand lag eine Reiterpistole.</style></p><p><style name="font3">Sein Blick fiel auf das gutverschn�rte Menschenb�ndel am Boden. Er runzelte die Stirn und </style><style name="font3">wandte sich an Fox.</style></p><p><style name="font3">�Was hat es gegeben?�</style></p><p><style name="font3">Fox' Gesicht war verzerrt. Angst und Wut spiegelten sich in seinen Z�gen. Er war nicht mehr Herr seiner Sinne und ri� dem General die Pistole aus der Hand. Dann dr�ckte er blitzschnell auf Machar ab.Aber es machte nur klick. Die Waffe war nicht geladen. Fox lie� den Arm sinken. Mit stieren Augen glotzte er auf die Pistole. �Was f�llt Euch ein?� kam die erz�rnte Stimme Hawburys.</style></p><p><style name="font3">Aber Fox war zu keiner Antwort f�hig. Wankend drehte er sich um und ging ins Haus. Der Lord suchte seine spanischen Brocken zusammen und fragte Ojo, was vorgefallen sei. Ojo erkl�rte es ihm mit vielen Gesten. Der General wurde nicht recht klug aus dem Redeschwall. Da ert�nte von der Stra�e her leises, melodisches Pfeifen.</style></p><p><style name="font3">�El Silbador�, sagte Ojo und deutete dorthin, wo die T�ne herkamen. Hawbury nickte.</style></p><p><style name="font3">�Mr. Baum�, rief er, �Mr. Baum!�</style></p><p><style name="font3">Das Pfeifen verstummte.</style></p><p><style name="font3">�Yes, Sir?� antwortete es von der Stra�e her.</style></p><p><style name="font3">�Bitte, kommt doch auf die hintere Veranda.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">42</style></p></title><p><style name="font3">Kurz darauf stand Michel vor dem General. Verwundert betrachtete er die sonderbare Szene. Ojo erkl�rte, was sich zugetragen hatte. Als Michel einen Blick ins Gesicht des Gefesselten warf, erkannte auch er ihn sofort wieder. Er fragte: �Verstehst du Englisch, Thag?�</style></p><p><style name="font3">Er erhielt keine Antwort, sondern wurde nur mit einem drohenden Blick bedacht. Michel trat dicht an ihn heran.</style></p><p><style name="font3">�Du kannst Englisch. Ich seh's dir an. Und ich wei� auch, da� du derjenige bist, der in der vergangenen Nacht versucht hat, einen Anschlag auf das Leben des Radscha auszuf�hren.� Machar konnte seine �berraschung nicht ganz unterdr�cken. Er stie� einen dumpfen Laut aus. Michel fuhr fort:</style></p><p><style name="font3">�Einmal haben wir dich laufen lassen. Wenn du jetzt nicht sagst, weshalb du Fox �berfallen hast, dann wirst du geh�ngt.�</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick erscholl Geschrei auf der Stra�e. Die Menschen, die es ausstie�en, mu�ten vor dem Bungalow stehengeblieben sein. Deutlich h�rte man das Wort heraus: �Tod den Faringhi!�</style></p><p><style name="font3">�Was ist nun wieder passiert?� fragte Hawbury.</style></p><p><style name="font3">Michel sprang �ber die Verandabalustrade hinab in den Garten. Er ging ins Zelt, um seine B�chse zu holen. Dann sagte er zu den beiden, die oben stehengeblieben waren: �Ich werde es herausfinden.� Er verschwand um die Hausecke.</style></p><p><style name="font3">Auf der Stra�e hatte sich ein Menschenhaufen angesammelt, der st�ndig wuchs. Die Haltung wurde immer drohender. In diesem Augenblick kamen zwei Reiter herangejagt und verhielten ihre Pferde vor dem Bungalow. Der eine, ein Offizier der Palastwache, rief ihnen auf Hindustani etwas zu.</style></p><p><style name="font3">Das Geschrei flaute ab. Und nachdem der Offizier das Wort abermals ergriffen hatte � zu einer </style><style name="font3">l�ngeren Erkl�rung, wie es schien � begann sich die Masse zu zerstreuen.</style></p><p><style name="font3">Michel beherrschte den Dialekt noch nicht so, da� er alles verstehen konnte. Dennoch meinte er </style><style name="font3">herausgeh�rt zu haben, da� von dem Radscha, von Mord und von einer Sikhwaffe die Rede </style><style name="font3">gewesen sei.</style></p><p><style name="font3">Er ging ins Haus zur�ck.</style></p><p><style name="font3">Seine d�rftige Erkl�rung befriedigte den General keineswegs.�Vielleicht fragt Ihr Fox?� sagte der Pfeifer. �Ich habe den Eindruck, da� die Ansammlung der Menschen mit dem gestrigen Attentatsversuch zusammenhing. Vielleicht ist es doch herausgekommen.� Der General rief nach Fox. Fox kam. Seine Augen waren glasig. Mit der Faust hielt er den Hals einer Whiskyflasche umklammert. Er schwankte.</style></p><p><style name="font3">�Nehmt Euch zusammen�, fuhr ihn der General an. �Wollt Ihr nicht erkl�ren, weshalb Ihr diesen Mann erschie�en wolltet?�</style></p><p><style name="font3">�Der ha � ha � hat�hat den Ra�Radscha ermordet�, lallte Fox. Der General und Michel blickten einander an.</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid betrunken, Mann. Ihr seht Gespenster. Ihr wi�t so gut wie ich, da� das Attentat mi�gl�ckte�, sagte Hawbury.</style></p><p><style name="font3">Fox setzte die Flasche an den Mund. Ein Grinsen lag auf seinen Z�gen.</style></p><p><style name="font3">�Mi � mi � mi�gl�ckte � ja, gestern. Aber heute Radscha tot, Radscha tot � wie eine Ratte � wie eine Maharatte.�</style></p><p><style name="font3">Der Lord ri� ihm die Flasche aus der Hand und warf sie in den Garten.</style></p><p><style name="font3">�Zum Teufel, kommt zu Euch! Wollt Ihr vielleicht sagen, da� der Radscha heute ermordet </style><style name="font3">worden ist?�</style></p><p><style name="font3">Fox versuchte, sich zusammenzurei�en.</style></p><p><style name="font3">�Yes, General. Und der da� � er deutete auf Machar -�hat ihn umgebracht.� �By God� war alles, was Hawbury sagen konnte.</style></p><p><style name="font3">�Welch ein Wahnsinn�, erg�nzte Michel kopfsch�ttelnd. �Das hei�t also, da� nun der junge, tatkr�ftige Tscham Radscha ist.� Pl�tzlich meldete sich Machar.</style></p><p><style name="font3">�Ja, Sahibs, ich habe ihm die Sikhscheibe in den Hals geschleudert. Dieser da� � er blickte Fox an � �hat mich dazu getrieben.�</style></p><p><style name="font3">Er schilderte den ganzen Vorgang von Anbeginn an. Seine Vernunft schien zur�ckgekehrt zu sein.</style></p><p><style name="font3">�Bringt mich schnell weg von hier�, bat er abschlie�end. �Ich bin keine Stunde meines Lebens mehr sicher; denn am Gebrauch der Sikhwaffe werden sie erkennen, da� ich es war. Es gibt in diesem Gebiet nur ganz wenige Thags, die damit umgehen k�nnen. Die Thags selbst werden es sofort herausbekommen. Bringt mich weg.�</style></p><p><style name="font3">�Diaz�, sagte Michel, �bring den Mann in unser Zelt und verbirg ihn.�</style></p><p><style name="font3">Diaz nickte, nahm den Gefesselten auf die Schultern und sprang mit der Last in den Garten </style><style name="font3">hinab. Michel, Fox und Hawbury begaben sich ins Arbeitszimmer des Generals. Schweigend </style><style name="font3">sa�en sie eine Weile in den Sesseln.</style></p><p><style name="font3">Dann nahm Hawbury das Wort.</style></p><p><style name="font3">�Wir m�ssen uns dar�ber klar sein, da� wir in diesem Augenblick vor einer v�llig ver�nderten Situation stehen, ich habe noch keine Vorstellung, wie wir sie meistern k�nnen. Am besten ist es, Ihr, Fox, reitet sofort nach Kalkutta und �berbringt die Nachricht dem Generalgouverneur.� �Ich w�rde es f�r gut halten�, schaltete sich Michel ein, �wenn Ihr den Inder mitnehmt. Er hat letztlich in Euerm Auftrag gehandelt, um den sonderbaren Kontrakt zu erf�llen. Der einzige Ort, an dem er vor der Verfolgung der Thags sicher ist, ist Kalkutta. Ich werde ihm das begreiflich machen. Wahrscheinlich aber wei� er es sowieso.� �Gut�, sagte Fox. �Ich werde morgen fr�h reiten.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">43</style></p></title><p><style name="font3">Im Palast herrschte panikartige Aufregung. Tscham war der erste, dem die Nachricht vom Tod seines Vaters �berbracht wurde. Er eilte mit Sadharan zur Leiche, die von den Leibwachen bereits in den Gem�chern des Rad-scha aufgebahrt worden war. Immer mehr W�rdentr�ger fanden sich ein.</style></p><p><style name="font3">Ersch�ttert standen sie der unfa�lichen Tatsache gegen�ber. Wohl jeder mu�te unwillk�rlich daran zur�ckdenken, wie noch vor Stunden die fr�hliche und beschwingte Menge sich im Park tummelte. Scheue Blicke trafen den Toten, dessen Asche nun bald den heiligen Fluten des Ganges �berantwortet werden w�rde.</style></p><p><style name="font3">Tscham konnte nur mit M�he die Tr�nen zur�ckhalten. Auf dem Antlitz Sadharans stand die Sorge um die Zukunft seines Sch�tzlings. Von Rechts wegen war Tscham in diesem Augenblick bereits regierender F�rst von Bihar.</style></p><p><style name="font3">Noch in der Nacht versammelten sich die W�rdentr�ger und Khans. In einer stillen Sitzung brachten sie dem siebzehnj�hrigen Radscha ihre Huldigung dar. Die Offiziere der Leibwache wurden gerufen und nach hindustanischem Ritus auf den neuen Herrscher vereidigt. Sie erhielten noch vor dem Morgengrauen Pergamentrollen, deren Inhalt sie am kommenden Tage auf den D�rfern verk�nden sollten. �</style></p><p><style name="font3">Nachdem die offiziellen Gesch�fte erledigt waren, zog sich Tscham mit seinem Lehrer in dessen Wohnr�ume zur�ck. Als sie allein waren, schluchzte er auf.</style></p><p><style name="font3">�Oh, weiser Mann, nun bin ich der Radscha von Bihar, und ich wei� noch gar nicht, was ich mit dieser W�rde anfangen soll.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, mein Junge, nun ist die Zeit des freien Spiels vor�ber. Du wirst alle Kraft daransetzen m�ssen, um deinem Volk zu dienen; denn nur der F�rst, der sich zum Dienen verpflichtet f�hlt, wird vom Volk geliebt.�</style></p><p><style name="font3">�Ich bin so froh, da� ich wenigstens dich habe! Du wirst doch immer bei mir bleiben?� Sadharan neigte l�chelnd den Kopf. �Ja, Hoheit. Ich werde dir dienen.�</style></p><p><style name="font3">�Oh, weiser Mann, sage nicht Hoheit zu mir; denn was ich bin, das bin ich nur durch dich!� Sie f�hrten tiefgehende Gespr�che, bis die Sonne heraufkam. Dann erhob sich Sadharan und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Ich gehe jetzt zu Lord Hawbury, um ihn von dem Vorgefallenen zu unterrichten.� �Ja, tue das und sage auch gleich meinem wei�en Freund, da� ich ihn sehen m�chte.� �Willst du ihm eine Audienz gew�hren?�</style></p><p><style name="font3">�Kann ich denn nicht einfach mit ihm sprechen, allein, so wie mit dir?�</style></p><p><style name="font3">�Nein, Hoheit�, sagte Sadharan, �von heute an werden stets Wachen, Leibdiener und Khans um dich sein. Dennoch werde ich es m�glich machen, deinen Freund mit dir allein sprechen zu lassen. Ich bitte ihn, da� er mich begleitet, und nehme ihn mit in meine R�ume. Dann kommst du hinzu. Das ist am einfachsten.�</style></p><p><style name="font3">Tscham sah gr�belnd auf die gegen�berliegende Wand. Pl�tzlich sprang er auf. �Ich werde etwas �ndern in Bihar�, sagte er leidenschaftlich. �Meine erste Amtshandlung wird es sein, das Hofzeremoniell aufzuheben. Wenn ich schon Radscha bin, dann soll auch jeder Untertan freien Zutritt zu mir haben. Ich bin unter Bauern gro� geworden. Im Innersten bin ich ihresgleichen geblieben.�</style></p><p><style name="font3">�Dar�ber sprechen wir noch, Hoheit�, sagte Sadharan und verlie� das Zimmer. �</style></p><p><style name="font3">Kurz nachdem Fox und Machar nach Kalkutta aufgebrochen waren, n�herten sich Tr�ger mit </style><style name="font3">einem Palankin dem Bungalow.</style></p><p><style name="font3">Hawbury und Michel sa�en auf der Vorderterrasse und tranken Kaffee. Sie hatten nur kurz geschlafen; denn sie hatten keine Ruhe gefunden. Die Geschehnisse der Nacht zitterten noch in ihnen nach.</style></p><p><style name="font3">�Da kommt ein W�rdentr�ger, General�, sagte Michel, �wahrscheinlich erhaltet Ihr jetzt offizielle Nachricht von dem Mord.�</style></p><p><style name="font3">�Meint Ihr, da� es besser w�re, so zu tun, als w��ten wir noch nichts davon?� �Ich glaube, das ist nicht n�tig. Die n�chtliche Versammlung der aufgebrachten Massen vor dem Haus hier ist dem Hof sicherlich nicht verborgen geblieben. Denn schlie�lich hat sie ein Offizier der Palastwache beruhigt und nach Hause geschickt.�</style></p><p><style name="font3">Aus dem Palankin stieg der Brahmane Sadharan. Er trat bis an die Stufen heran und verbeugte sich.</style></p><p><style name="font3">�Gestattet ihr, da� ich n�her trete?�</style></p><p><style name="font3">Hawbury und Michel erhoben sich, gingen ihm entgegen und geleiteten ihn die Stufen hinauf. Der Brahmane nahm Platz und sprach dann von dem Mord am Radscha. Zum Schlu� sagte er freundlich zu Michel gewandt:</style></p><p><style name="font3">�Der neue Radscha l��t Euch bitten, zu ihm zu kommen. Er m�chte mit Euch sprechen. W�rdet </style><style name="font3">Ihr die Liebensw�rdigkeit haben, mich gleich zu begleiten?�</style></p><p><style name="font3">Michel sah Hawbury fragend an.</style></p><p><style name="font3">�Wenn mich der General jetzt nicht braucht, gern.�</style></p><p><style name="font3">Hawbury nickte zustimmend.</style></p><p><style name="font3">�Geht nur, Mr. Baum.�</style></p><p><style name="font3">Sadharan erhob sich und verlie� die Terrasse.</style></p><p><style name="font3">�Seht nur�, fl�sterte Hawbury dem Pfeifer zu, �da� Ihr Tscham vorl�ufig davon abhalten k�nnt, mich zu empfangen. Ich brauche erst Weisung aus Kalkutta, damit ich wei�, wie ich mich dem neuen Radscha gegen�ber zu verhalten habe. Ich bin �berzeugt, da� die Kompanie die Adoption anerkennen wird; aber ich m�chte dem nicht vorgreifen.� Michel nickte und folgte dem Brahmanen.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">44</style></p></title><p><style name="font3">Fox und Machar hatten einen schnellen Galopp angeschlagen. Sie sprachen kein Wort miteinander. Durch Fox' Kopf gingen allerlei Pl�ne. Konnte man nicht vielleicht die Ermordung des Radscha doch noch f�r die Zwecke der Kompanie ausnutzen? Nun, er w�rde sehen, wie der Generalgouverneur auf die Nachricht reagierte.</style></p><p><style name="font3">W�hrend des ganzen Tages machten sie nur kleine Pausen, um die Tiere ausruhen zu lassen und selbst etwas zu essen. Am Abend jedoch unterbrachen sie den Ritt, legten sich in ein nahes Geh�lz und schliefen bis zum Morgen durch.</style></p><p><style name="font3">Fox hatte keineswegs die Absicht, die vierhundert Kilometer von Bihar nach Kalkutta in einem solchen Gewaltritt hinter sich zu bringen, wie Steve Hawbury das getan hatte. So ritten sie erst am n�chsten Morgen weiter.</style></p><p><style name="font3">Als die letzte Nacht vor Erreichung des Ziels herankam, hatte Fox eine niedertr�chtige Idee. W�hrend Machar in tiefen Schlaf gesunken war, richtete sich Fox pl�tzlich auf, ergriff seine Pistole beim Lauf und schlug dem Ahnungslosen den Kolben an die Schl�fe. Machar machte eine halbe Drehung nach links und fiel in tiefe Bewu�tlosigkeit.</style></p><p><style name="font3">In aller Seelenruhe holte Fox einige Lederriemen aus der Satteltasche seines Pferdes und band dem Reisebegleiter die H�nde auf dem R�cken zusammen. Damit begn�gte er sich aber nicht, sondern umwickelte Machars Oberk�rper mit einem langen Seil, so da� er die Arme �berhaupt nicht mehr zu bewegen vermochte. Als er den letzten kunstvollen Knoten geschlungen hatte, kam der Inder wieder zu sich. Zuerst war er nur �berrascht.</style></p><p><style name="font3">�Wischnu sch�tze mich�, murmelten seine Lippen; denn er glaubte nichts anderes, als da� die </style><style name="font3">Thags ihn im Schlaf �berw�ltigt h�tten.</style></p><p><style name="font3">�Den Teufel wird Wischnu tun�, sagte Fox laut.</style></p><p><style name="font3">Machar schlug die Augen auf. Das Mondlicht war stark genug, um ihn seine Umgebung </style><style name="font3">erkennen zu lassen. Er sah Fox ohne Fesseln neben sich stehen. Der Engl�nder hatte sich eine </style><style name="font3">Pfeife angesteckt und schmauchte mit sichtlichem Behagen.</style></p><p><style name="font3">�Du bist frei?� fragte Machar noch immer halb benommen.</style></p><p><style name="font3">�Wie du siehst. Ich werde mich doch nicht selber fesseln.�</style></p><p><style name="font3">Des Inders Z�hne knirschten.</style></p><p><style name="font3">�Und was willst du jetzt tun, du doppelter, du hundertfacher Verr�ter?� �Das wei� ich noch nicht genau. Aber sei beruhigt, mir wird schon etwas einfallen. Der Generalgouverneur wird mir einen Orden verleihen, wenn ich ihm erstens melden kann, da� der Radscha gestorben ist und ihm zweitens auch noch seinen M�rder bringe. Sie haben wunderbare Stricke in Kalkutta und einen Galgen aus poliertem Holz. Es wird eine Freude f�r dich sein, daran zu h�ngen.�</style></p><p><style name="font3">Machar wandte das Gesicht ab. Dann drehte er sich wieder um. Seine Augen waren voll unergr�ndlichen Hasses auf Fox gerichtet. �Wischnu verfluche dich!� rief er. Fox winkte ab.</style></p><p><style name="font3">�Dein Wischnu hat anderes zu tun. Los, steh jetzt auf! Im Osten graut schon der Tag. Wir m�ssen weiter.�</style></p><p><style name="font3">Am fr�hen Nachmittag ritten sie in Kalkutta ein. Neugierige Blicke folgten ihnen.</style></p><p><style name="font3">Fox lenkte die Schritte der Tiere vor das gro�e Ver-waltungs- und Regierungsgeb�ude. Er wollte keinen Augenblick vers�umen, sondern m�glichst gleich zur h�chsten Stelle vordringen. Er kam zwar nicht bis zu Hastings, wurde aber an einen seiner engsten Mitarbeiter verwiesen. Es war Robert Tennessy, bei dessen Familie Isolde Hawbury lebte.</style></p><p><style name="font3">�Ihr kommt aus Bihar, Mr. Fox?� fragte jener. �Das wird die Tochter von General Hawbury interessieren; sie wohnt n�mlich bei mir.� Fox nickte.</style></p><p><style name="font3">�Ja, ich soll ihr Gr��e ihres Vaters ausrichten�, log er, frech die Situation ausnutzend. �Dem alten Herrn geht es gut in Bihar.�</style></p><p><style name="font3">�Ich werde Euch einen Vorschlag machen�, sagte Tennessy, �kommt heute abend zum Dinner. Mi� Isolde wird sich freuen, Eure Bekanntschaft zu machen.�</style></p><p><style name="font3">�Danke verbindlichst, Sir. Ich werde gern kommen�, erwiderte Fox. Er hatte sowieso vor, nach den Jahren in Bihar so schnell wie m�glich wieder Anschlu� an die Gesellschaft zu erlangen. Allerdings w�re Lord Hawburyder letzte gewesen, der ihm Gr��e an seine Tochter aufgetragen h�tte, zumal ja vor ein paar Tagen Steve erst Gr��e �berbracht hatte. �Well, und was gibt es sonst Neues?�</style></p><p><style name="font3">Fox war sehr gespannt, wie Tennessy auf die gro�e Neuigkeit reagieren w�rde. �Sie haben einen neuen Radscha in Bihar�, sagte er wie nebenbei.</style></p><p><style name="font3">Seine Annahme war richtig gewesen. Tennessy r�ckte den Stuhl zur�ck und erhob sich mit einem Ruck.</style></p><p><style name="font3">�So � so wurde also die verdammte � �h � �h -Adoption vollzogen?� Fox nickte. �Das lie� sich leider nicht verhindern.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, zum Teufel, wieso spracht Ihr von einem neuen Radscha? Ihr meintet, der Radscha hat einen </style><style name="font3">Thronfolger � oder was?�</style></p><p><style name="font3">�Den hatte er�, sagte Fox maulfaul.</style></p><p><style name="font3">�K�nnt Ihr Euch nicht ein wenig deutlicher ausdr�cken, Mr. Fox? � Neuer Radscha � hatte er � Thronfolger -daraus kann kein Mensch klug werden.�</style></p><p><style name="font3">�Well, die Sache war so, die Adoption fand statt, mit allem Pomp und allem Theater, wie das so �blich ist. Aber in der Nacht darauf wurde der alte Radscha von einer dieser f�rchterlichen Sikhscheiben am Hals getroffen. Das Ding schnitt dem Alten die Kehle durch.� �So � �hem�, r�usperte sich Tennessy, unangenehm ber�hrt von dem schnoddrigen Ton, in dem Fox vom Tod des bedauernswerten Radscha gesprochen hatte.</style></p><p><style name="font3">�Ja, Mr. Tennessy, ich kann Euch mit noch einer �berraschung aufwarten. Unten in der Wachstube habe ich den M�rder des Radscha abgeliefert.�</style></p><p><style name="font3">�Donnerwetter, Ihr seid ja ein toller Kerl! Habt � habt � Ihr das alles ausgeheckt oder der General?�</style></p><p><style name="font3">Fox sah nicht den lauernden Blick des anderen. Er hatte nur die Absicht, mit seinem Mordplan zu prahlen.</style></p><p><style name="font3">�Ich�, sagte er selbstbewu�t und dann f�gte er noch hinzu, �ich ganz allein.�</style></p><p><style name="font3">�Hm�, machte Tennessy. Jetzt l�chelte er wieder. �H�rt, Mr. Fox, Ihr habt also tats�chlich den </style><style name="font3">echten M�rder mit Euch gebracht?�</style></p><p><style name="font3">�Ihr k�nnt Euch darauf verlassen.�</style></p><p><style name="font3">�Nun, Ihr m��t ja wissen, wer er ist.�</style></p><p><style name="font3">Fox strahlte.</style></p><p><style name="font3">�Er ist ein Thag.�</style></p><p><style name="font3">�Wie � wie habt Ihr es fertiggebracht, einen Thag f�r diesen Plan zu gewinnen?� Fox l�chelte malizi�s und blieb die Antwort schuldig. Tennessy meinte:</style></p><p><style name="font3">�Ihr gestattet wohl, da� ich mich zur�ckziehe. Ich m�chte gern Sir Hastings gleich Bericht erstatten.� Er geleitete seinen Gast aus dem Zimmer. Drau�en auf dem Flur, in der N�he von Hastings' Arbeitsr�umen, sagte er einfach �good bye�. Fox z�gerte.</style></p><p><style name="font3">�Wann darf ich zum Dinner kommen?� fragte er.</style></p><p><style name="font3">�Ach, ja, richtig, sagen wir um � zum Teufel, ich habe ja gar nicht daran gedacht, da� wir heute eingeladen sind! Zu dumm � tut mir leid, Mr. Fox, Ihr seid nicht b�se � ein andermal.� Damit verschwand er.</style></p><p><style name="font3">Fox stand da wie ein begossener Pudel. Vergebens zermarterte er sich das Gehirn, ob die Zur�ckziehung der Einladung tats�chlich aus dem angegebenen Grund erfolgte oder nur ein Vorwand war.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">45</style></p></title><p><style name="font3">�Ich danke Euch, Tennessy�, sagte der Generalgouverneur. �Die Nachricht ist eine Million Pfund wert. Ich werde dem Hof der Direktoren �ber Eure Umsicht berichten.� Tennessy sah ihn verbl�fft an.</style></p><p><style name="font3">�Es ist doch aber nicht mein Verdienst, da� das in Bihar-� Hastings hob beschwichtigend die H�nde.</style></p><p><style name="font3">�Ich wei�, ich wei�, Lord Hawbury ist ein ganz besonders bef�higter Mann. Es ist nat�rlich auch </style><style name="font3">sein Verdienst. Sie sind ja mit ihm befreundet, nicht wahr?�</style></p><p><style name="font3">Tennessy nickte. Aber er sah noch immer nicht, worauf Hastings hinauswollte.</style></p><p><style name="font3">�Ich will ehrlich sein, Sir Warren, ich glaube nicht, da� Hawbury seine Finger da im Spiel hat.</style></p><p><style name="font3">Unter uns, es ist ein schmutziges Gesch�ft, wenigstens von der Warte eines alten, in Ehren </style><style name="font3">ergrauten Generals Seiner Majest�t aus betrachtet.�</style></p><p><style name="font3">�Herrgott�, sagte der Generalgouverneur auf einmal scharf. �Ihr seid doch lange genug bei der Kompanie, um das, was ich meine, auch ohne direkte Erkl�rung zu verstehen.� �Ach so�, sagte Tennessy, �yes. Sir, nat�rlich.�</style></p><p><style name="font3">�Ich m�chte n�mlich diesen unangenehmen Kunden, diesen Stanley Fox loswerden. Er geh�rt zu jenen, die �berall nur auf ihren Vorteil bedacht sind, selbst, wenn sie dabei ihren eigenen Brotgeber betr�gen. Ich will Euch reinen Wein einschenken, Mr. Tennessy. Seht hier, die Akten� � er zog ein B�ndel aus dem Schubfach seines Schreibtisches � �hieraus geht eindeutig hervor, da� der Radscha von Bihar pro Quartal nur die H�lfte des vereinbarten Tributs gezahlt hat. Es steht aber nichts dar�ber drin, da� die andere H�lfte in Mr. Fox' eigene Tasche gewandert ist.�</style></p><p><style name="font3">�Oh � das ist freilich ein tolles St�ckchen. Ihr werdet also Anzeige gegen ihn erstatten?�</style></p><p><style name="font3">�Ich denke nicht daran. In diesem Fall m��te ich ja den Beweis antreten, da� Fox wirklich </style><style name="font3">f�nfzigtausend Rupien viertelj�hrlich unterschlagen hat. Den Beweis kann ich aber nur </style><style name="font3">erbringen, wenn ich dem Gericht best�tige, da� der Radscha die volle Summe stets richtig </style><style name="font3">abf�hrte � bis auf das letztemal, wo ich sie ihm selbst gestundet habe.�</style></p><p><style name="font3">�Und das wollt Ihr nicht?�</style></p><p><style name="font3">�Aber � Mr. Tennessy, welch eine Frage!�</style></p><p><style name="font3">Tennessy schwieg. Er durchschaute zwar die Absicht seines Vorgesetzten immer noch nicht ganz, wollte aber weitere Fragen vermeiden.</style></p><p><style name="font3">�Holt mir die anderen Herren in den Sitzungssaal. Ich glaube, die n�chste halbe Stunde wird wichtige Entscheidungen bringen. Den gefangenen Inder wollen wir gar nicht erst vernehmen. Dadurch k�nnten nur neue Unliebsamkeiten an den Tag kommen. Wir tun so, als glaubten wir Fox. Das ist am einfachsten. Der Hindu kann sich erst einmal eine Weile im Gef�ngnis ausruhen. Der Oberrichter soll sich mit ihm besch�ftigen und ihn dann mit einem der n�chsten Schiffe deportieren, damit er hier keine Unruhe stiftet.�</style></p><p><style name="font3">Tennessy stand auf und ging, um die obersten Exekutivbevollm�chtigten der Kompanie zusammenzurufen.</style></p><p><style name="font3">Nach einer halben Stunde versammelte sich das Gremium im gr�nen Sitzungssaal. Vier Generale waren au�erdem noch anwesend. Alle waren gespannt. Sie sp�rten, da� irgend etwas in der Luft lag.Aus dem Murmeln wurde Schweigen, als Hastings, gefolgt von seinem Stellvertreter, Sir</style></p><p><style name="font3">Edward William, den Saal betrat und ans oberste Ende des Konferenztisches trat. Ganz gegen seine Gewohnheit setzte er sich nicht erst, sondern ergriff sogleich das Wort: �Ehrenwerte Herren, wir haben euch hier zusammenrufen lassen, da wir euch ein wichtiges Ereignis und einen wichtigen Entschlu� zu verk�nden haben. Der Radscha von Bihar, jenem F�rstentum, das bis heute noch wie ein Fremdk�rper im Norden der bengalischen Provinz existiert, ist von skrupelloser M�rderhand get�tet worden. Der M�rder wurde von Angeh�rigen der Ostindien-Kompanie zur h�heren Ehre Englands bereits festgenommen und nach Kalkutta gebracht. Der ehrenwerte Lord Hawbury schickte einen Boten, der ihn nach hier �berf�hrte und zugleich die Kunde von dem Mord brachte. Der verstorbene Radscha von Bihar war ein feinsinniger Mann, der die Vorz�ge der engeren Ber�hrung mit der abendl�ndischen Kultur wohl zu sch�tzen wu�te und daher � wie ihr alle wi�t � seine Tribute an die Kompanie entrichtete. Die Tribute gingen aber stets nur in einer H�he von f�nfzig Prozent der festgesetzten Summe ein. Es ist jetzt also keiner da, der uns den Rest nachzahlen wird. Somit ist Bihar vertragsbr�chig geworden, und auch wir k�nnten, wenn wir nicht f�r unsere Ideale einstehen w�rden, den Schutzvertrag mit Bihar als null und nichtig betrachten � ja, bitte, Sir Hughes?� unterbrach er sich und wandte sich an einen der Sitzungsteilnehmer, der erst vor kurzem nach Kalkutta gekommen war.</style></p><p><style name="font3">Sir Hughes Nacking erhob sich und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Euer Herrlichkeit werden mir die Unterbrechung verzeihen. Aber mir ist nicht alles ganz klargeworden.�</style></p><p><style name="font3">Die anderen im Dienst der Ostindien-Kompanie ergrauten und reich gewordenen Herren scharrten unruhig mit den F��en und r�usperten sich vernehmlich. Hastings meinte:</style></p><p><style name="font3">�Bitte, fragt, Sir Hughes, selbstverst�ndlich wollen wir etwaige Unklarheiten beseitigen.� Der Blick allerdings, den Hastings f�r den Fragesteller hatte, war nicht sehr freundlich. �Well, Gentlemen�, meinte Hughes, �ich habe nur eine Frage zu diesem Vertrag mit dem Radscha. Euer Herrlichkeit f�hrten aus, da� nun niemand mehr da sei, der die Schulden begleichen k�nne. Das wundert mich. Hat denn der Radscha keinen Nachfolger, der seine Verpflichtungen �bernimmt?� ��hemm�, machte ein General. Hastings antwortete:</style></p><p><style name="font3">�Nat�rlich hat er einen Nachfolger; aber einen illegalen. Es ist nur ein Adoptivsohn.� �Aber die Adoption ist nach indischem Brauch doch genauso gesetzlich wie leibliche Nachfolge�, wunderte sich der Neue, der noch nach Ma�st�ben ma�, wie sie zu Hause in England f�r selbstverst�ndlich gehalten wurden.</style></p><p><style name="font3">�Wir haben auch nichts gegen diese Nachfolge einzuwenden�, l�chelte Sir Hastings s�uerlich. �Nur ist der neue Radscha noch ein wenig sehr jung. Er wird sich nicht durchsetzen k�nnen. Daher wird es K�mpfe wegen der Steuern geben. Aber ich sprach ja bereits davon, da� wir so anst�ndig sind, Vertragsbruch nicht mit Vertragsbruch zu vergelten. Wir k�nnten Bihar ohne weiteres sich selbst �berlassen und brauchten uns um den Schutz des F�rstentums nicht mehr zu k�mmern. Aber ist es nicht schrecklich, wenn wir zusehen wollten, wie in diesem fruchtbaren Fleckchen Erde dann Unruhen entst�nden, die sich weiter ausbreiten k�nnten? � Seht, ehrenwerteHerren, wir werden trotz der Nichteinhaltung des Vertrages durch unseren Partner ein Sipoy-Regiment nach Bihar schicken, um f�r Ruhe und Ordnung zu sorgen. Es ist unsere Pflicht,</style></p><p><style name="font3">die Bewohner vor aufr�hrerischen Elementen zu sch�tzen. Wir wollten die ehrenwerten Herren nur bitten, uns ihre Zustimmung zur Entsendung des 2. Sipoy-Regiments zu Pferde zu erteilen.� Da war es heraus.</style></p><p><style name="font3">�Ach so�, sagte Hughes Nacking. Er war zufrieden und verstand den Doppelsinn der Worte noch nicht.</style></p><p><style name="font3">Die anderen Herren zwinkerten mit den Augen und klatschten Beifall. Dieser Hastings war und blieb eben ein Genie. Auf so einfache Weise war es selten gelungen, ein F�rstentum zu annektieren.</style></p><p><style name="font3">Man erhob sich zufrieden und ging in das Regierungsrestaurant, um einen eisgek�hlten Whisky zu trinken. -</style></p><p><style name="font3">Als Hastings wieder in seinem Arbeitszimmer war, lie� er Fox zu sich kommen, der noch immer im Haus herumlungerte.</style></p><p><style name="font3">Hastings blieb sitzen und sah dem Eintretenden k�hl entgegen. Fox verbeugte sich tief vor dem eigentlichen Herrscher Indiens.</style></p><p><style name="font3">�Setzt Euch�, sagte Hastings. �Wir haben uns vor Jahren schon einmal gesehen, nicht wahr? Damals sandte ich Euch nach Bihar, um f�r die Kompanie zu arbeiten. Ihr habt uns schlecht gedient, Mr. Fox.� Fox wurde kreidebleich.</style></p><p><style name="font3">�Wie � wie � meint Ihr � meinen Eure Herrlichkeit das?�</style></p><p><style name="font3">�Mu� Euch das wirklich erkl�rt werden? Wir k�nnten Euch die Abrechnungen aus Bihar zeigen. Sie sprechen eine deutliche Sprache.�</style></p><p><style name="font3">�Aber � aber � ich habe doch stets die Tribute p�nktlich �bersandt, wenn sie p�nktlich entrichtet wurden.�</style></p><p><style name="font3">�Sehr richtig, nur habt Ihr eine etwas hohe Provision f�r Euch eingestrichen, eine etwas sehr </style><style name="font3">hohe Provision.�</style></p><p><style name="font3">�Das � ist � wie meint ��</style></p><p><style name="font3">�Ach, Mann, redet Euch nicht heraus. Glaubtet Ihr vielleicht, unser einziger Agent in Bihar zu sein? � Wir wissen, da� der Radscha bis auf den letzten Tribut stets hunderttausend Rupien entrichtet hat. Wie stellt Ihr Euch dazu?�</style></p><p><style name="font3">Fox war in dem gro�en Sessel zusammengerutscht wie ein mi�ratener Kuchenteig. Sein Atem ging pfeifend. Das also war das Ende, nachdem er der Kompanie ein F�rstentum gewinnen half, das Millionen Rupien wert war.</style></p><p><style name="font3">�Wir sehen, da� Ihr wenigstens nicht zu leugnen versucht. Es gibt nur einen Weg, wie Ihr die Dinge wiedergutmachen k�nnt.�</style></p><p><style name="font3">Fox blickte auf. Ein Hoffnungsschimmer zeigte sich auf seiner Stirn. Hastings fuhr fort:</style></p><p><style name="font3">�Ihr gebt das, was Ihr unterschlagen habt, wieder heraus, soweit es noch vorhanden ist. Auf </style><style name="font3">welcher Bank habt Ihr es deponiert?�</style></p><p><style name="font3">�Auf der Indian-European-Bank�, entfuhr es Fox.</style></p><p><style name="font3">Hastings notierte. Er holte einen Bogen Papier aus dem Schreibtisch und forderte Fox auf, eine Vollmacht daf�r auszustellen.</style></p><p><style name="font3">Fox tat es wie im Traum. Da gingen sie hin, die Reicht�mer, die ihm in England ein angenehmes Leben gew�hrleisten sollten . . . Hastings war befriedigt.</style></p><p><style name="font3">�Well�, sagte er, �wir werden Euch straffrei ausgehen lassen und Euch noch tausend Pfund bewilligen.�</style></p><p><style name="font3">Fox richtete sich auf. Tausend Pfund waren nicht schlecht. Und dann bestand ja im indischen Dienst immer die M�glichkeit, wieder etwas dazu zu verdienen.</style></p><p><style name="font3">�Tausend Pfund�, fuhr Hastings fort, �und eine Freipassage nach England. Das ist alles. Ihr k�nnt gehen.�</style></p><p><style name="font3">Fox starrte ihn mit ungl�ubigen Augen an. �Tausend Pfund, und ich soll nach Hause?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, Mann. Geht jetzt! �berlegt Euch in Zukunft Eure Gaunereien vorher. Wir k�nnten Euch auch verhaften lassen; aber wir sind gro�z�gig.�</style></p><p><style name="font3">Fox wankte hinaus. Er war fertig. Das wu�te er. Die tausend Pfund waren in Indien gut angelegtes Kapital. Aber in England? Sie w�rden, wenn er sehr sparsam lebte, zwei Jahre reichen. Er w�rde hinzuverdienen m�ssen, um weiterzuleben. Aber was sollte er tun? In Indien war das Verdienen leicht. In England bedeutete es schweres Schuften, wenn man nichts Besonderes gelernt hatte. Und Fox konnte nichts Vern�nftiges.</style></p><p><style name="font3">Wie ein gebrochener Greis wankte er, auf das bronzene Gel�nder gest�tzt, die Treppe hinunter und stolperte auf die Stra�e hinaus. Er war nur noch erf�llt von Ha� gegen die Kompanie und ihren obersten Exponenten, Sir Warren Hastings.</style></p><p><style name="font3">Nach Jahren erst, n�mlich am 13. Februar 1788, sollte er eine kleine Genugtuung erlangen, als Hastings gest�rzt wurde und sich vor dem Parlament verantworten mu�te -wegen zahlreicher Delikte wie Bestechung, �mterverkauf, Mi�handlung von Indern, Sch�ndung des englischen Namens, Ausbeutung der Eingeborenen usw. An jenem 13. Februar 1788, als der Proze� gegen Hastings er�ffnet wurde, sa� ein heruntergekommenes Individuum auf der Trib�ne des Unterhauses und grinste schadenfroh vor sich hin. Es war Stanley Fox.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">46</style></p></title><p><style name="font3">Acht Tage nach dem denkw�rdigen Empfang des Mr. Fox durch Sir Warren Hastings hielt ein abgehetzter Reiter in Bihar vor dem Hause Lord Hawburys sein Pferd an. Es war schaumbedeckt vom anstrengenden Ritt. Sein Atem ging rasselnd. Der Reiter, ein junger Offizier aus Kalkutta, sa� ab und taumelte ein wenig. Dann ri� er sich zusammen und trat ins Haus. Lord Hawbury begr��te ihn freudig. Jede Nachricht aus Kalkutta war ja letzten Endes ein St�ck aus einer anderen Welt, aus seiner Welt. Kalkutta ersetzte in diesem weiten Land dem Engl�nder sozusagen London.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb so eilig, junger Mann?� fragte Hawbury. �Brennt es schon wieder irgendwo?� Der Leutnant l�chelte.</style></p><p><style name="font3">�Noch nicht, Sir; aber wenn es anf�ngt, so solltet Ihr vorbereitet sein. Ich brach zusammen mit dem 2. Sipoy-Regiment von Kalkutta auf, ritt aber schneller. Seine Herrlichkeit wollte es so. Hier ist ein Brief von ihm.�</style></p><p><style name="font3">Hawbury nahm das Schreiben zur Hand, stellte aber, bevor er es �ffnete, eine erstaunte Frage: �Ihr sagt, Ihr seid mit dem 2. Regiment zusammen aufgebrochen? Wo soll das Regiment denn hin? Sind irgendwo Unruhen ausgebrochen?�</style></p><p><style name="font3">Der junge Leutnant f�hlte sich mit seinem Wissen um das, was in Kalkutta seit Tagen schon die </style><style name="font3">Spatzen von den D�chern pfiffen, dem alten General unendlich �berlegen.</style></p><p><style name="font3">�Lest nur, Sir. Ich glaube, Ihr werdet alle Antwort in dem Brief finden.�</style></p><p><style name="font3">Hawbury war von dem �berheblichen Ton der Ant-wort unangenehm ber�hrt. Hatten diese </style><style name="font3">jungen Schn�sel keinen Respekt mehr vor einem alten General Seiner Majest�t?</style></p><p><style name="font3">Er verzichtete auf die Zurechtweisung, die ihm auf den Lippen lag, und erbrach das Siegel.</style></p><empty-line/><p><emphasis>Dear Sir!</emphasis></p><p><emphasis>In Anbetracht der gespannten Lage, die der Tod des Radscha von Bihar hervorgerufen hat, senden wir Euch dieses Handschreiben und bitten pfleglich um genaue Beachtung desselben. Mr. Stanley Fox brachte uns, Eurer Weisung gem��, die Kunde von dem ungl�cklichen Ausgang der Verhinderung der Adoption.<style name="font3"> Wir</style> danken Euch, da� Eure Umsicht und Euer Verantwortungsbewu�tsein so gro� waren, da� Ihr uns gleich den M�rder des Radscha zur Aburteilung mitschicken konntet. Seine Gnaden, der Oberrichter von Kalkutta, Sir Elijah Impey, haben es f�r rechtens befunden, den M�rder Seiner Hoheit des Radscha von Bihar zum Tode durch den Strang zu verurteilen. Wir bitten Euch, Lord Hawbury, den jungen Radscha davon in Kenntnis zu setzen und ihn unseres Wohlwollens zu versichern. Da wir erfahren haben, da� in Bihar Unruhen ausgebrochen sind, haben wir uns entschlossen, unseren Verpflichtungen, die sich aus dem Vertrag mit dem Radscha f�r uns ergeben, nachzukommen. Wir schicken das 2.Sipoy-Regiment zuPferde,bei dem sich auch Euer Sohn befindet � ein t�chtiger Offizier �brigens � zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung und zum Schutz des jungen Radscha nach Bihar. Bitte, gebt Seiner Hoheit Nachricht hiervon und sagt ihm, da� er daraus ersehen k�nne, wie wir unsere Vertr�ge erf�llen, obwohl der Tribut des letzten Quartals noch immer aussteht.</emphasis></p><p><emphasis>In der Hoffnung, da� Ihr weiterhin Eure Aufgaben so hervorragend l�sen werdet wie bisher, verbleiben wir mit stetem Wohlwollen</emphasis></p><p><emphasis><strong>Sir Warren Hastings</strong></emphasis></p><empty-line/><p>Generalgouverneur von Bengalen und den Indischen Provinzen.</p><p><style name="font3">General Hawbury lie� das Schreiben langsam sinken. Seine hellen, blauen Augen blickten durch den vor ihm stehenden Leutnant hindurch. Sie sahen nicht das wissende L�cheln in dessen Gesicht. Oder sie wollten es nicht sehen.</style></p><p><style name="font3">Der Leutnant wartete offensichtlich auf weitere Fragen, die er gern beantworten wollte. Es dr�ngte ihn f�rmlich danach, seine Weisheiten von sich zu geben.</style></p><p><style name="font3">Aber Lord Hawbury machte nur eine entlassende Handbewegung. Er brachte es sogar fertig, ein L�cheln auf seine Z�ge zu zwingen.</style></p><p><style name="font3">�Ich danke Euch, Leutnant, seht zu, da� Ihr es Euch im Hause bequem macht. In der K�che werdet Ihr etwas zu essen finden. Vielleicht trefft Ihr auch meine alte Aufw�rterin an. Sie kommt stundenweise, um mir im Haushalt zu helfen.� Der Leutnant ri� die Augen auf.</style></p><p><style name="font3">�Habt Ihr denn keinen Burschen, keinen Diener, kein festes Personal, Sir?� fragte er unh�flicherweise.</style></p><p><style name="font3">�Nein. Mein alter Diener ist in Kalkutta geblieben. Ich wollte ihm nicht zumuten, die Zivilisation gegen das hier einzutauschen. Ich bin au�erdem nicht so alt, da� ich mir nicht selber helfen k�nnte. Wir sind zu dritt. Und meine beiden Freunde gehen mir zur Hand, wenn sie Zeit haben.�</style></p><p><style name="font3">Der Leutnant mochte einsehen, da� er sich etwas zu sehr hatte gehenlassen. Er wurde rot und stotterte verlegen.</style></p><p><style name="font3">�Verzeiht die Frage. Ich wollte nicht ungezogen sein.�</style></p><p><style name="font3">�Immerhin erfreulich, da� Ihr Eure unpassenden Worte wenigstens selbst einseht.� Der junge Mann knallte die Hacken zusammen und verlie� das Zimmer. Lord Hawbury ging unruhig auf und ab. Bruchteile des Briefes gingen ihm durch den Kopf. Er h�tte es nie f�r m�glich gehalten, da� sich die obersten Herren der Kompanie zu einem solchen Zynismus versteigen konnten. Und hier war der Zynismus nicht nur angedeutet, sondern war offen zutage getreten, so offen, da� auch der d�mmste nicht dar�ber hinwegsehen konnte. In drei, vier Tagen konnte das Regiment � ein ganzes Regiment zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung � hier sein.</style></p><p><style name="font3">Sollte er der Weisung des Generalgouverneurs Folge leisten und Tscham benachrichtigen? Sollte er lieber schweigen, bis der Radscha vor vollendeten Tatsachen stand? Er blickte gr�belnd zum Fenster hinaus.</style></p><p><style name="font3">Der Pfeifer! Jawohl, Mr. Baum konnte vielleicht helfen. Er w�rde sicherlich einen Ausweg finden.</style></p><p><style name="font3">Er ging in den Garten. Die beiden wohnten noch immer im Zelt. Sie hatten keine Lust, in das Innere des Hauses zu ziehen. Sie brauchten Luft, viel Luft. Und hier hatten sie Luft. Michel sa� vor dem Zelt und rauchte eine Pfeife. Als er Hawburys ansichtig wurde, erhob er sich.</style></p><p><style name="font3">�Mr. Baum, habt Ihr einen Moment Zeit f�r mich?� fragte der Lord h�flich. �Nat�rlich, Sir, f�r Euch immer!� Michel verbeugte sich leicht.</style></p><p><style name="font3">�Gehen wir ins Zelt.� Michel z�gerte.</style></p><p><style name="font3">�Ojo ist noch beim Aufr�umen, Sir. Aber wenn Ihr Euch an dem Durcheinander nicht sto�t, bitte.� Er zog die T�rklappe beiseite.</style></p><p><style name="font3">�Hier, Mr. Baum, ich habe wieder einen Brief aus Kalkutta erhalten. Wollt Ihr ihn lesen, bitte?� Michel nahm das Schreiben. W�hrend er die Zeilen �berflog, verd�sterten sich seine Z�ge. Schweigend gab er das Papier zur�ck. �Und?� fragte der Lord nach einer Weile.</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube�, sagte Michel langsam, �wir dienen der falschen Seite.� Hawbury nickte schwer.</style></p><p><style name="font3">�Wenn ich nicht noch eine andere wichtige Aufgabe h�tte, w�rde ich sofort meinen Abschied nehmen. Aber so--?�</style></p><p><style name="font3">�Hm�, meinte Michel, �und was das schlimmste ist, im Norden und Osten des kleinen F�rstentums herrscht tats�chlich Unruhe, wie ich gestern abend erfahren habe.� Hawbury fuhr auf.</style></p><p><style name="font3">�Was!? Weshalb wei� ich nichts davon?�</style></p><p><style name="font3">�Tscham wollte nicht, da� die Kompanie etwas davon erf�hrt, weil er gerade das, was nun geschehen ist, vermeiden wollte.� �Wie kamen diese Unruhen zustande?�</style></p><p><style name="font3">�Die erste Amtshandlung Tschams war ein Erla�, nach dem die Bauern den Grundherren nicht mehr zinspflichtig sind. Auch die H�he der direkten Steuern an den Hof ist um mehr als die H�lfte gesenkt worden. Die Grundbesitzer wollen sich nat�rlich nicht daran halten, sondern verlangen von den Bauern nach wie vor f�nf Tage in der Woche Frondienste. Tscham ist ein guter Junge, aber auch ein Hitzkopf. Sadharan warnte ihn; aber er hat nicht auf diese Warnung geh�rt. Er wollte gleich das Kastenwesen auf einmal abschaffen. Dazu ist aber die Zeit noch nicht reif.� Hawbury nickte.</style></p><p><style name="font3">�Reformen m�ssen wachsen. Kein Herrscher kann sie mit Gewalt auf einmal durchsetzen. Das hat nicht einmal Euer gro�er Preu�enk�nig zuwege gebracht.�</style></p><p><style name="font3">Beide sahen zu Boden. Michel dachte an Berlin und Hawbury an London. Aber das brachte keine L�sung des Problems Bihar.</style></p><p><style name="font3">�Well, General, wir k�nnen nichts tun, gar nichts. Geht hin zu Tscham und �berbringt ihm die Kunde des Generalgouverneurs. Wir k�nnen nur auf unser Gl�ck vertrauen.� �Ja�, sagte Hawbury. Dann blickte er pl�tzlich auf. �Pfui Teufel, es ist eine Schande, da� man in so einer Sache steckt!�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">47</style></p></title><p><style name="font3">Wenn Lord Hawbury dachte, da� er mit seiner Nachricht etwas Neues brachte, so hatte er sich geirrt. Die Audienz wurde ihm fast augenblicklich gew�hrt. Aber sie fand nicht wie �blich im Thronsaal statt. Tscham empfing den General im englischen Pavillon, der seit dem Tod seines Vaters auch sein liebster Aufenthaltsplatz geworden war. Nur Sadharan war bei ihm. �Exzellenz?� fragte er, �womit kann ich Euch dienen?�</style></p><p><style name="font3">�Hoheit werden verzeihen, da� ich zu so ungew�hnlicher Stunde meine Aufwartung mache.</style></p><p><style name="font3">Aber ich habe wichtige Nachrichten aus Kalkutta.�</style></p><p><style name="font3">Ein Schein des Unmuts flog �ber das Gesicht des jungen Radscha.</style></p><p><style name="font3">�Aus Kalkutta�, sagte er, �wohl von Hastings, wie?�</style></p><p><style name="font3">�Ganz recht, Hoheit.�</style></p><p><style name="font3">�Na, dann la�t h�ren, was er uns vorzul�gen versucht.�</style></p><p><style name="font3">Der Lord war betroffen. In so offenem Ton sprachen F�rsten im allgemeinen nicht. Nun, Tscham war eine Ausnahme. Man mu�te sich daran gew�hnen.</style></p><p><style name="font3">�Der Generalgouverneur schickt Euch ein Reiterregiment, damit die Ruhe und Ordnung in Euerm Land aufrechterhalten werden k�nnen. Man glaubt in Kalkutta, da� der Tod Eures Vaters verschiedene Reaktionen ausgel�st hat. Sir Warren Hastings entbietet Euch seinen Gru� und l��t Euch ausrichten, da� er sich an den Vertrag zwischen der Ostindien-Kompanie und Euerm Vater nach wie vor gebunden f�hle, obwohl die Zahlungen des letzten Vierteljahrs noch ausstehen.� Tscham wollte eine heftige Erwiderung geben. Aber Sadharan ergriff schnell das Wort. �Bitte, Lord Hawbury, versichert den Generalgouverneur des uneingeschr�nkten Wohlwollens Seiner Hoheit. Dr�ckt ihm auch unser Bedauern �ber die Verz�gerung des Tributes aus und �bermittelt ihm, da� wir uns bem�hen werden, das Vers�umte so schnell wie m�glich nachzuholen.�</style></p><p><style name="font3">Ich denke nicht daran�, rief Tscham leidenschaftlich dazwischen. �Sagt ihm, General, da� ich seine Truppen nicht brauche. In meinem Land kann ich selbst f�r Ordnung sorgen. Die Tribute werden von jetzt an eingestellt.Wir haben kein Geld mehr f�r solche Extraausgaben. Berichtet nach Kalkutta, da� es unsere erste Regierungsma�nahme war, die Steuern zu senken. Mein Ziel ist es, einen Staat von zufriedenen Menschen zu regieren.� Lord Hawbury richtete sich auf. Ruhig erwiderte er:</style></p><p><style name="font3">�Verzeiht, Hoheit, ich werde lieber die Worte Eures Ratgebers nach Kalkutta mitteilen.� Sadharan nickte. Aber Tscham war wie ein junges Fohlen.</style></p><p><style name="font3">�Nein � nein � nein�, rief er. �Ich kann diese Intrigen nicht mehr mit ansehen. F�r mich gibt es nur eine h�chste Instanz. Das ist der Peschwa, und �ber diesem steht der Gro�mogul in Delhi. Eure Kompanie interessiert mich nicht. Wir sind freie Inder und lassen uns nicht von hergelaufenen Kr�mern regieren!�</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury neigte das Haupt. Er war nicht im geringsten beleidigt. Im Gegenteil, der junge Radscha hatte ja nur allzu recht. Aber das 2. Sipoy-Regiment zu Pferde war im Anmarsch. Und der Kommandeur hatte sicherlich seine festumrissenen Orders. Junge, ehrgeizige Offiziere wollten Ruhm und Ehre erwerben. Sie sahen nur den augenblicklichen Erfolg und nicht die Schande, die sie auf Englands Fahne h�uften. Lord Hawbury h�tte sich am liebsten an die Spitze der einheimischen Truppen gestellt. Aber er wollte nicht in London als Verr�ter gebrandmarkt werden. Er dachte an seine Kinder, an Isolde und an Steve, er dachte aber auch daran, da� seine</style></p><p><style name="font3">Vorfahren in fr�heren Jahrhunderten mit Robin Hood f�r die Magna Charta gek�mpft hatten. Die ganze Situation war zum Verzweifeln. Da ergriff Tscham wieder das Wort:</style></p><p><style name="font3">�H�rt General, ich habe bisher den Eindruck gehabt, da� Ihr Euch von Euren Vorgesetzten in Kalkutta gewaltig unterscheidet. Ihr seid in Gesellschaft zweier M�nner, deren Verhalten mich zu dieser Meinung gebracht hat. Was sagt Mr. Baum dazu?�</style></p><p><style name="font3">Sadharan bemerkte, wie es in Lord Hawbury aussah. Wieder sprach er mit seiner ruhigen Stimme:</style></p><p><style name="font3">�Ihr d�rft die Worte Seiner Hoheit nicht falsch auslegen, Exzellenz. Seine Hoheit sind in der Politik noch nicht sattelfest. Ich m�chte Euch nochmals bitten, meine Worte an den Generalgouverneur zu richten und alles andere zu vergessen.�</style></p><p><style name="font3">Sadharan umfa�te einen Arm Tschams und dr�ckte ihn mit solcher Kraft, da� der junge Radscha endlich nachgab. Er nickte Hawbury zu und meinte: �Mein Ratgeber hat recht. Verzeiht die harten Worte.� Hawbury l�chelte:</style></p><p><style name="font3">�Ich h�tte sie auf keinen Fall weitergeleitet, Hoheit. Ich sch�tze Euch sehr hoch und hoffe nur, da� alles gut wird.� Er ging. �</style></p><p><style name="font3">Tscham sah seinen Lehrer an. �Und was wird jetzt?� fragte er.</style></p><p><style name="font3">Sadharans Gesicht hatte nichts mehr von der Milde und der Weichheit, die noch vor wenigen Minuten �ber seinen Z�gen gelegen hatten. Der alte, wei�haarige Brahmane stand vor seinem F�rsten mit gl�henden Augen und geballten F�usten.</style></p><p><style name="font3">�Ich wei�, da� es ein Fehler war, die Steuererlasse mit solcher Pl�tzlichkeit herauszugeben. Sie h�tten in ein, zwei Jahren und in gemilderter Form im ganzen mehr Wirkung auf die Grundbesitzer gehabt. Nun, diese Dinge sind interne Angelegenheiten. Niemand hat das Recht, sich da hineinzumischen. Und ich glaube auch nicht, da� die Kompanie Soldaten schickt, um f�r Ordnung zu sorgen. Haben sie Bihar erst einmal besetzt, so kriegen wir sie nie wieder aus dem Land hinaus. Das hei�t mit anderen Worten, da� wir auf diesem Wege kaltbl�tig annektiert werden sollen.�</style></p><p><style name="font3">�Also Kampf!� sagte Tscham entschlossen.</style></p><p><style name="font3">Sadharan wiegte den Kopf. Sein Verstand sagte ihm, da� es Wahnsinn sei, mit den schlecht ausger�steten Palastgarden gegen ein Sipoy-Regiment vorzugehen. Aber war der Verstand immer ausschlaggebend? Vielleicht z�ndete der Funke der Emp�rung in ganz Indien. Vielleicht stand das Volk gegen die Fremden auf. Das Volk? -Nein, das Volk w�rde seine Wut an den Landbesitzern auslassen, an den Pfandleihern, an den Wucherern. Und diese waren selbst Inder. Reformen wie die des F�rsten Tscham gab es nicht im �brigen Indien.</style></p><p><style name="font3">�Kampf�, sagte Sadharan langsam, �Kampf und-�</style></p><p><style name="font3">Er w�rgte das Wort �Untergang� hinunter und fuhr fort:</style></p><p><style name="font3">�Ich habe eine andere Idee. Wir werden zu guter Letzt doch noch einen anderen Ausweg zu </style><style name="font3">finden versuchen. Ich schlage vor, da� wir � ��</style></p><p><style name="font3">Er entwickelte dem F�rsten seinen Plan. Und Tscham hielt ihn f�r gut.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">48</style></p></title><p><style name="font3">Vier Tage sp�ter �berschritt das 2. Sipoy-Regiment zu Pferde die Grenze Bihars.</style></p><p><style name="font3">Steve Hawbury wischte sich den Schwei� von der Stirn. Neben ihm ritt ein blutjunger Leutnant, </style><style name="font3">ein Zugf�hrer.</style></p><p><style name="font3">�Nun sind wir schon an so vielen Reisplantagen vorbeigeritten, Captain�, meinte er. �Ich sehe nichts von Unruhe unter der Bev�lkerung. Der ganze Marsch wird umsonst gewesen sein.� Steve lachte.</style></p><p><style name="font3">�Macht Euch keine Sorgen, Draper. Solche M�rsche sind nie umsonst. Glaube vielmehr, da� das Unternehmen das kl�gste war, was dem Generalgouverneur seit langem eingefallen ist. Sch�tze, Bihar wird in Zukunft unsere Garnison werden.�</style></p><p><style name="font3">�Und wenn nun tats�chlich keine Unruhen da sind, dann auch?� blieb der Junge hartn�ckig. �Dann erst recht. Denn dann brauchen wir nicht erst unser kostbares Pulver zu vergeuden. Wesentlich ist, da� Bihar unser wird. Wie? � Nun, das ist nicht so wichtig.� �Was w�rdet Ihr sagen, wenn pl�tzlich die Franzosen nach England k�men und dort bleiben w�rden?�</style></p><p><style name="font3">Steve sah ihn von der Seite an.</style></p><p><style name="font3">�Euch scheint der lange Marsch verwirrt zu haben, Leutnant Draper. Eure Vergleiche sind </style><style name="font3">absurd � unsere herrliche Insel und dieses dreckige Bihar! Unglaublich!�</style></p><p><style name="font3">Der Leutnant bi� sich auf die Lippen. Das Gespr�ch war beendet.</style></p><p><style name="font3">An der Spitze ritten der Kommandeur und sein Adjutant. Colonel McLee war ein alter </style><style name="font3">Indienhase, kein Stratege, aber ein ausgezeichneter Taktiker. Wenn er die Nase in die Luft </style><style name="font3">steckte, dann bedeutete das f�r seinen Adjutanten, da� er irgendein Ereignis witterte.</style></p><p><style name="font3">Und jetzt hielt er die Nase schnuppernd in die Luft.</style></p><p><style name="font3">�Riecht brenzlig�, meinte er und zog die Stirn kraus.</style></p><p><style name="font3">Der Adjutant sog ebenfalls die Luft ein.</style></p><p><style name="font3">�Ich rieche nichts, Colonel�, meinte er.</style></p><p><style name="font3">Der Oberst lachte.</style></p><p><style name="font3">�Ihr werdet das nie lernen. War mal zum Vergn�gen in Brasilien. Habe da Leute kennengelernt, die am Geruch die Kaffeesorten unterscheiden k�nnen. Da hab ich's her.� �Yes, Colonel, ich wei�, da� es in Frankreich Burschen gibt, die sogar das Parf�m, das sich unsere Damen in den Ausschnitt gie�en, mit der Nase auseinanderhalten k�nnen. Aber das ist eine angenehmere Besch�ftigung, sch�tze ich.�</style></p><p><style name="font3">�Zugegeben. Nur ist mir meine Nase in Situationen wie heute wichtiger. Unter Umst�nden h�ngt es von ihr ab, ob wir Old England wiedersehen oder nicht.�</style></p><p><style name="font3">Er blickte sich suchend um. Links war der Wald und rechts der Flu� mit seinem dichten Ufergeb�sch. Die Gegend war f�r einen �berfall wie geschaffen. Er sch�ttelte den Kopf.</style></p><p><style name="font3">�Ich kann mich nat�rlich irren; aber gebt trotzdem Bereitschaftsbefehl durch.� �Yes, Sir.�</style></p><p><style name="font3">Sie ritten noch zweihundert Meter weiter, als �ber eine H�gelwelle ein Reiterzug auf sie zukam. �The devil, what's that?� fragte der Oberst �berrascht. Er hob die Rechte zum Zeichen, da� das Regiment halten sollte.</style></p><p><style name="font3">�Sieht gar nicht kriegerisch aus�, sagte der Adjutant.</style></p><p><style name="font3">�Hm, habt recht. Scheinen Unterh�ndler zu sein. Aber wozu Unterh�ndler? Wir haben doch keinen Krieg. Ruft f�r alle F�lle die Schwadrons-Chefs nach vorn.�</style></p><p><style name="font3">Die Reiter n�herten sich in schnellem Galopp. Etwa hundert Meter vor dem Oberst verhielten sie ihre Pferde. Ein Reiter l�ste sich aus der Gruppe. Er hielt das Banner des Radscha in der linken Hand und kam n�her. Vor dem Oberst verbeugte er sich nach indischer Sitte und sagte in bestem Englisch:</style></p><p><style name="font3">�Seine Hoheit, der Radscha von Bihar, hei�t dich willkommen und entbietet dir seinen Gru�. Er l��t nach dem Grund cures zahlreichen Erscheinens fragen.�</style></p><p><style name="font3">Der Oberst war reichlich verbl�fft. Er hatte alles erwartet, nur nicht, da� ihm der F�rst an der Grenze entgegenkommen w�rde. Das war neu, verstie� gegen alle Regeln f�rstlicher Tr�gheit in Indien. Noch nie war ein regierendes Oberhaupt � soweit sich Colonel McLee erinnern konnte � einem Gesandten der Kompanie entgegengeritten. Sollte dieses ungeschriebene Gesetz heute ohne Grund durchbrochen werden?</style></p><p><style name="font3">�Richte dem Radscha auch meine Gr��e aus und sage ihm, da� ich das F�hnlein anf�hre, das </style><style name="font3">Seine Herrlichkeit, Sir Warren Hastings, ausersehen hat, Bihar von R�uberbanden und </style><style name="font3">Aufst�ndischen zu s�ubern.�</style></p><p><style name="font3">Der Bote verneigte sich und ritt zur�ck.</style></p><p><style name="font3">Unterdessen waren die Offiziere herangekommen.</style></p><p><style name="font3">�M�chte wissen, was das bedeuten soll�, sagte der Oberst.</style></p><p><style name="font3">Da setzte sich der ganze Reiterhaufen in Bewegung. Vor dem Bannertr�ger ritt ein J�ngling, </style><style name="font3">ganz in wei�e Seide geh�llt. Hinter dem Bannertr�ger folgte mit Abstand von den anderen ein </style><style name="font3">�lterer Mann mit einem schneewei�en Bart.</style></p><p><style name="font3">Der J�ngling gr��te l�ssig, aber nicht unfreundlich.</style></p><p><style name="font3">�Ist dies das 2. Sipoy-Regiment zu Pferde?� fragte er.</style></p><p><style name="font3">�Yes�, meinte der Colonel verwundert.</style></p><p><style name="font3">�All right�, sagte Tscham, �ich bin der Radscha von Bihar. Wie hei�t Ihr?�</style></p><p><style name="font3">�Colonel McLee�, verbeugte sich der Oberst mit anbefohlener H�flichkeit.</style></p><p><style name="font3">�Well, Oberst McLee, wir haben Euch gesucht. Wir haben eine Botschaft vom Attache Eures </style><style name="font3">Gouverneurs erhalten. Wir wurden unterrichtet, da� Ihr zu unseremSchutz aufgebrochen seid.</style></p><p><style name="font3">Sagt Euerm Gouverneur, ich lasse ihm daf�r danken; aber wir bed�rfen dieses Schutzes nicht.</style></p><p><style name="font3">Wie Ihr seht, sind wir wohlbehalten.�</style></p><p><style name="font3">McLee war Soldat; aber kein Politiker. Er blickte seine Offiziere hilfesuchend an. Da ritt einer vor, ein Captain. Es war Steve Hawbury. Er gr��te kurz.</style></p><p><style name="font3">�Es freut uns, Sir�, sagte er zu Tscham und vermied es, diesen mit Hoheit anzusprechen, �da� Ihr Euch wohlbefindet. Aber wir sind vertragsgem�� verpflichtet, Euch zu sch�tzen, wenn auch nur die geringste Gefahr besteht, da� Euch etwas geschehen k�nnte. Wir k�nnen Befehle nur von Seiner Herrlichkeit, dem Generalgouverneur, entgegennehmen.� Tschams Gesicht nahm einen zornigen Ausdruck an.</style></p><p><style name="font3">�Wir wissen nicht, wer Ihr seid. Wir sehen nur, da� Ihr ein kleiner Kapit�n seid, der zu gehorchen hat. In unserem Land habt Ihr Euch h�flich zu benehmen, merkt Euch das! Wir stehen vor Euch als der rechtm��ige Herrscher dieses Landes. Wir sind gew�hnt, da� man uns respektiert. Wir verhandeln nicht mit Flegeln.�</style></p><p><style name="font3">Steve wurde wei� wie eine Kalkwand. Die anderen Offiziere bissen sich vor Spannung auf die Lippen. Der Oberst war ratlos. Ein anst�ndiger Angriff w�re ihm tausendmal lieber gewesen. Da wu�te man schlie�lich, woran man war. Tscham wandte sich wieder an ihn.</style></p><p><style name="font3">�Wir bitten Euch, die Grenzen von Bihar wieder nach S�den zu �berschreiten, Oberst. Der Vertrag zwischen meinem Vater und Euch besagt lediglich, da� Ihr uns zu sch�tzen habt, wenn wir Euch rufen. Richtet Euerm Gouverneur Gr��e aus und sagt ihm, da� wir die Auslagen, die der Marsch verursacht hat, auf sein Konto �berweisen werden.� Er hob gebieterisch die Hand. �Nun geht!�</style></p><p><style name="font3">Er wandte sein Pferd und war mit seinem Gefolge in k�rzester Zeit wieder hinter dem H�gel verschwunden.</style></p><p><style name="font3">�Verdammt�, sagte der Oberst. �Ziemlich deutlich�, knurrte der Adjutant.</style></p><p><style name="font3">Der Oberst kaute an seinem Schnurrbart. Diese Situation war in keinem Gespr�ch er�rtert worden. Es waren keine drei�ig Meilen mehr, und man w�re in der Stadt Bihar. �Wenn ich einen Vorschlag machen darf, Sir?� nahm Steve Hawbury das Wort. �Bitte.�</style></p><p><style name="font3">�Wir k�mmern uns nicht um den Radscha. Wir reiten einfach weiter. Wir m�ssen den L�mmel zur Raison bringen.�</style></p><p><style name="font3">�Yes�, sagte der Oberst, gab aber nicht das Zeichen zum Weiterritt.</style></p><p><style name="font3">�Yes�, sagten auch die Offiziere. Und alles blieb, wie es war.</style></p><p><style name="font3">�Ich bin nicht abkommandiert worden, um Krieg zu f�hren. Hastings h�tte mir einen </style><style name="font3">deutlicheren Befehl geben m�ssen.�</style></p><p><style name="font3">�Well, Sir, der Generalgouverneur gibt nie zu deutliche Befehle. Aber hier kann nichts schiefgehen. Greifen sie uns an, so haben wir Grund, uns zu verteidigen. Greifen sie nicht an, so sind wir heute abend in Bihar. Und da sollen sie uns erst einmal wieder hinausjagen!� Niemand hatte Lust, den Marsch abzubrechen. So gab der Oberst den Befehl zum Weiterritt. Sie kamen �ber den H�gel. Den Weg s�umten weiterhin Wald und Uferdickicht. Vom Radscha sah man nichts mehr.</style></p><p><style name="font3">Pl�tzlich erklang von irgendwo her der klagende Ruf einer alten Lure. Fast im gleichen Augenblick krachtenvon links und rechts Sch�sse. Pferde wieherten. Soldaten schrien. Tote fielen aus den S�tteln.</style></p><p><style name="font3">�Also doch�, meinte der Oberst. �Meine Nase, idi wu�te es ja.� �Soll ich zum Angriff blasen lassen?� �Wollt Ihr die B�sche attackieren?�</style></p><p><style name="font3">Eine neue Salve krachte. Die Verwirrung wurde gr��er. Die Schwadrons-Chefs hatten schon Absitzen befohlen und ihre Leute in Linie ausschw�rmen lassen. Eine Schwadron ging gegen das Ufergeb�sch vor, die andere gegen den Wald. Als sie dichter herankamen, verstummte das Feuer.</style></p><p><style name="font3">�Den Waldrand durchk�mmen!� befahl Steve.</style></p><p><style name="font3">Seine Leute drangen ein, fanden aber weit und breit nicht eine Menschenseele. Eine Schwadron nach der anderen sa� ab. Zum Schlu� sicherte nur die erste zu Pferde noch die Spitze. Vereinzelt krachten noch Sch�sse. Die Kugeln fanden ihre Opfer in den Reihen jener, die auf den Pferden geblieben waren. Die Unordnung wuchs.</style></p><p><style name="font3">�Nirgends ist jemand von den braunen Schuften zu sehen�, knurrte der Oberst. �Am besten ist, </style><style name="font3">wir sitzen wieder auf und tragen einen frontalen Reiterangriff nach Norden. Es kann ja nicht der </style><style name="font3">ganze Wald voller Gegner stecken.�</style></p><p><style name="font3">�Das Schie�en h�rt auf�, sagte der Adjutant.</style></p><p><style name="font3">�La�t zum Sammeln blasen!�</style></p><p><style name="font3">Der Hornist setzte die Trompete an. Dabei gingen seine Blicke in Richtung Norden. Er verga� zu </style><style name="font3">blasen. Niemand hatte auf die Staubwolke geachtet, die jetzt herankam und immer gr��er wurde.</style></p><p><style name="font3">�Colonel � Colonel! Blickt dort hin�ber!� rief er und deutete nach Norden.</style></p><p><style name="font3">Der Oberst und sein Adjutant fuhren herum. Jetzt hoben sich bereits einzelne Reiter ab. S�bel </style><style name="font3">blitzten in der Sonne. Das Dr�hnen der Hufe war zu vernehmen.</style></p><p><style name="font3">�By God!� schrie der Oberst, �blast doch � blast!�</style></p><p><style name="font3">Der Hornist, ein Wei�er �brigens, schmetterte den Hornruf hinaus. Die Sipoys lie�en von Waldrand und Ufergeb�sch ab. Steve Hawbury erkannte als erster die Gefahr. Die Soldaten hatten zum gro�en Teil noch nicht einmal ihre Pferde erreicht. Da war die erste Welle der Palastgarden heran und schlug auf die erste Schwadron ein. Langsam wichen die Sipoys zur�ck. Die Soldaten zu Fu� wurden strichweise niedergehauen. Zu irgendeiner Formierung blieb keine Zeit mehr.</style></p><p><style name="font3">Steves Leute hatten die Pferde erreicht. Aber zwischen seiner Schwadron und den Angreifern </style><style name="font3">war h�chstens noch ein Abstand von zweihundert Metern.</style></p><p><style name="font3">Die Schwadron sammelte sich.</style></p><p><style name="font3">�R�ckzug!� befahl Steve.</style></p><p><style name="font3">Leutnant Draper sah ihn entgeistert an.</style></p><p><style name="font3">�Wollt Ihr den Kameraden nicht helfen, Captain?�</style></p><p><style name="font3">�R�ckzug!� befahl Steve erneut.</style></p><p><style name="font3">Die Schwadron setzte sich in gestrecktem Galopp ab. F�nfhundert Meter � tausend Meter � zweitausend Meter, bis hinter den H�gel, �ber den vorhin der Radscha gekommen war. �Halt!� befahl Steve. �Eskadron - kehrt! - Legt die Lanzen ein! � In einer Linie ausschw�rmen! � Arbeitstempo Trab!�</style></p><p><style name="font3">Vorn war die Situation verzweifelt geworden. Der Oberst, sein Adjutant und ein kleines H�uflein hielten sich tapfer.</style></p><p><style name="font3">�Mensch, da� die Sache so ausgehen w�rde, h�tte ich nicht f�r m�glich gehalten�, meinte McLee. �Woher hat der Radscha die vielen Reiter? Seht, da hinten noch eine gro�e Staubwolke.�</style></p><p><style name="font3">�Gute Nacht, Old-England�, sagte der Adjutant und schlug einen Angreifer vom Pferd. Hier und da hatten sich kleinere Einheiten gesammelt und widerstanden tapfer dem Ansturm. Aber lange w�rden sie sich nicht mehr verteidigen k�nnen.</style></p><p><style name="font3">Da brauste Hawburys Schwadron in gro�er Attacke heran. Wie ein Unwetter kam sie �ber die Inder. Die aufgel�ste Schlachtordnung hatte einem entfalteten Kavallerieangriff mit Lanzen nichts entgegenzusetzen.</style></p><p><style name="font3">In wenigen Minuten waren die Engl�nder Herren der Lage. �Das war zur rechten Zeit�, sagte McLee zu Steve. �Ihr seid ein t�chtiger Soldat.� Unterdessen n�herte sich die zweite Staubwolke. Die geschlagenen Inder setzten sich ab und rasten auf diese zu.</style></p><p><style name="font3">�Verfolgt sie nicht!� schrie der Oberst. �Sitzt ab und formiert euch in drei Reihen! Dort kommt die Hauptmacht!�</style></p><p><style name="font3">Die Offiziere nickten und lie�en das Regiment in eine geschlossene Dreireihenphalanx gehen. Nur Steves Schwadron stand zum Angriff bereit, falls die Sch�tzen doch �berritten werden sollten.</style></p><p><style name="font3">Alles wartete in h�chster Spannung. Aber die Staubwolke kam nicht n�her. Sie drehte nach Osten ab und war bald verschwunden.</style></p><p><style name="font3">�Das verstehe ich nicht�, meinte der Oberst sp�ter, als das Regiment schon wieder auf dem </style><style name="font3">Marsch war. �War doch die beste Gelegenheit, uns g�nzlich fertigzumachen.�</style></p><p><style name="font3">Auch der Adjutant zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font3">�Na, wir werden noch auf alles m�gliche gefa�t sein m�ssen.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">49</style></p></title><p><style name="font3">Tscham brach den Angriff ab, als die ersten seiner geschlagenen Reiter zur�ckkehrten und von der gro�en Staubwolke aufgenommen wurden.</style></p><p><style name="font3">�Es hat keinen Zweck, Sadharan�, meinte er. �Wir sind viel zu wenig.�</style></p><p><style name="font3">Die Leute, die die Staubwolke verursacht hatten, waren noch nicht achtzig Mann stark. Aber </style><style name="font3">jeder schleifte gro�e Zweige hinter sich her, so da� die Engl�nder denken mu�ten, es st�nde </style><style name="font3">ihnen eine �berlegene Streitmacht gegen�ber. Tscham, der kaum achtzehnj�hrige Knabe, hatte es </style><style name="font3">verstanden, einen Oberst McLee zu bluffen.</style></p><p><style name="font3">Sadharan sagte ernst:</style></p><p><style name="font3">�Es ist zu Ende, Tscham. Sie werden wie die Geier �ber Bihar herfallen.�</style></p><p><style name="font3">�Wir werden Widerstand leisten. Ich mache aus dem Palast eine Festung. Wir haben jetzt auch </style><style name="font3">die Thags auf unserer Seite. Es soll den Feinden jedenfalls nicht leicht werden, Bihar in Besitz </style><style name="font3">zu nehmen!�</style></p><p><style name="font3">Und so geschah es.</style></p><p><style name="font3">Die Sipoys brauchten drei Tage, bis sie Bihar erreichten. Aus jedem Haus krachten ihnen Sch�sse entgegen. Die Bauern hatten sich bewaffnet, als es zum Endkampf kam. Die Sipoys selbst wurden m�de. Sie waren ja schlie�lich auch Inder. Und sie konnten nicht einsehen, weshalb man sie unerm�dlich gegen den z�h verteidigten Palast anrennen lie�. � General Hawbury sa� schweren Herzens in seinem Bungalow. Michel und Ojo waren bei ihm. �Wie k�nnen wir die Situation retten?� fragte der General.Michel sch�ttelte den Kopf. �Es gibt nichts zu retten. Sie haben Artillerie angefordert. Morgen oder �bermorgen werden die Kanonen da sein. Und dann ist es aus.� Hawbury seufzte schwer.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe eine neue Botschaft von Hastings bekommen. Ich soll Tscham und seine Ratgeber verhaften und nach Kalkutta bringen. Sie sollen bestraft werden. Bestraft, hat er geschrieben!� Michel strich sich �ber die Haare.</style></p><p><style name="font3">�Ihr m��t mir einen Gefallen tun, Sir. Es ist die einzige M�glichkeit, Tscham zu retten. Meldet, da� ich entf�hrt worden sei. Ich werde Tscham herausholen und mit ihm fliehen. Ojo geht mit uns. � Wollt Ihr diesen � hm � Verrat unterst�tzen?� Hawbury reichte ihm die Hand.</style></p><p><style name="font3">�Seid sicher, da� auch dieser zweifelhafte Sieg unserer Truppen nicht mein innerstes Gef�hl zu wandeln vermag.� Es klopfte. Steve kam.</style></p><p><style name="font3">�Hallo, Gentlemen�, rief er mit leuchtenden Augen. �Ich bin soeben zum Major bef�rdert worden.�</style></p><p><style name="font3">Sie gratulierten ihm.</style></p><p><style name="font3">�Und morgen�, fuhr er fort, �morgen, wenn die Feldschlangen eintreffen, werden wir die Ratten ausr�uchern.� �</style></p><p><style name="font3">Und dann begann der letzte Akt des Dramas.</style></p><p><style name="font3">Die Kanonen donnerten; St�ck um St�ck brachen die Marmors�ulen des Palastes zusammen. Dann st�rzte die Decke ein und begrub ein Dutzend Angeh�rige der Palastgarden unter sich. �Das Ende�, sagte Tscham zu Sadharan, der ihm w�hrend der ganzen Tage nicht von der Seite gewichen war.</style></p><p><style name="font3">�Es ist wieder ein St�ck Untergang des Geistes. Die Gewalt wird vorl�ufig weiterhin obsiegen. Aber einmal wird sich die Welt wandeln.�</style></p><p><style name="font3">�Wann?� schrie Tscham; denn weitere Kugeln schlugen in den Palast ein und erf�llten die brennenden Mauern mit donnerndem Get�se.</style></p><p><style name="font3">Sadharan st�rzte zu Boden. Er blutete aus einer klaffenden Stirn wunde. Aufschluchzend warf sich Tscham �ber ihn. �Sadharan � weiser Mann!� rief er. Aber Sadharan l�chelte nur.</style></p><p><style name="font3">�Wir k�nnen den Gang der Weltgeschichte nicht aufhalten. Noch sprechen die Kanonen das entscheidende Wort. Aber in zweihundert oder dreihundert Jahren wird es anders sein.� �Und was tue ich ohne dich?� �Fliehen�, sagte eine Stimme hinter ihm. Er fuhr herum.</style></p><p><style name="font3">�Mein Freund� � er richtete sich auf � �du kommst sp�t.�</style></p><p><style name="font3">�Aber nicht zu sp�t�, sagte der Pfeifer. �Nimm Abschied von dem weisen Mann und komm mit mir!�</style></p><p><style name="font3">Sadharan l�chelte.</style></p><p><style name="font3">�Ich wu�te, da� der Freund nicht weit ist�, fl�sterte er mit ersterbender Stimme. �Hier, nimm dieses Pergament� � er zog einen Brustbeutel hervor � �und bewahre es gut. Vielleicht kann es dir einmal helfen, Bihar zur�ckzugewinnen. Aber versprich mir, da� es nicht durch Blut geschehen wird.�</style></p><p><style name="font3">�Weiser Mann�, rief Tscham schmerzlich, �weiser Mann!�</style></p><p><style name="font3">Sadharan war tot. Ein entr�cktes L�cheln lag auf seinen Z�gen.�Komm, Tscham�, sagte Michel. �Wenn du nicht willst, da� man dir in Kalkutta den Proze� macht und dich h�ngt, dann komm!� Der junge Radscha erhob sich taumelnd. Er dr�ckte das Verm�chtnis des Brahmanen fest an sich und warf einen letzten Blick auf den teuren Toten. �</style></p><p><style name="font3">Es gelang Michel, mit dem Fl�chtling ungesehen aus dem brennenden Palast zu entkommen. Drau�en wartete bereits Ojo mit vier Pferden. Eins davon war ein Packpferd. Sie sa�en auf und ritten in die Dunkelheit hinein. �</style></p><p><style name="font3">Hinter seiner Gartenhecke stand Lord Hawbury. Er sah, wie die Reiter unerkannt entkamen. Seine verkrampften H�nde lockerten sich. Ein L�cheln war auf seinem Gesicht, als er das Haus betrat.</style></p><p><style name="font3">Oberst McLee, Steve und noch einige weitere Offiziere waren anwesend.</style></p><p><style name="font3">�Denkt Euch, im Palast ist alles tot. Viele der Leichen sind so verst�mmelt, da� man sie nicht zu </style><style name="font3">unterscheiden vermag. Gr��lich�, sch�ttelte sich McLee.</style></p><p><style name="font3">�Krieg ist immer gr��lich, Oberst�, sagte Lord Hawbury.</style></p><p><style name="font3">�Das finde ich nicht�, meinte Steve. �Wir haben's ihnen ordentlich gegeben, diesen dreckigen Hindus.� Er setzte sein Glas Whisky an und trank es aus.</style></p><p><style name="font3">Die anderen blickten zu Boden. Sie mochten nicht schimpfen. Irgendwie f�hlten sie sich doch im Unrecht. Leutnant Draper meinte:</style></p><p><style name="font3">�Ich finde sie gar nicht so dreckig. Wenigstens sieht man auch an den Tr�mmern noch, da� der Palast ein Kunstwerk gewesen sein mu�.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid ein weichlicher Bursche, Draper�, knurrte Steve. �Sie sind dreckige Hunde. Sie m�ssen </style><style name="font3">weg.�</style></p><p><style name="font3">Schweigen.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb ha�t du sie eigentlich so?� fragte der Lord seinen Sohn.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb? � Nun � weil � ja, weshalb eigentlich? Verdammt, woher soll ich das wissen? Wahrscheinlich, weil sie eben Hindus sind!�</style></p><p><style name="font3">�Es gibt die unglaublichsten Gr�nde, aus denen Menschen einander hassen�, sagte der General sarkastisch. �Hoffentlich hassen sie sp�ter nicht einmal uns, nur, weil wir oder unsere Nachkommen Engl�nder sind.� Draper sah auf.</style></p><p><style name="font3">�Bitte, Sir, werft die Engl�nder nicht mit uns in einen Topf.� �Herr!� sagte Steve zornig. �Er hat recht�, nickte sein Vater.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">50</style></p></title><p><style name="font3">�Trueno�, �Mapeika�, �Lundi� und �Dimanche� befanden sich auf der R�ckfahrt nach Kalkutta. Zur Zeit war ihr Standort auf 99 � �stlicher L�nge und 5 � n�rdlicher Breite. Mit vollen Segeln liefen sie dem Ausgang der Malakkastra�e zu, um den Indischen Ozean zu gewinnen. Ihre Fracht bestand aus indischem Pfeffer und vor allem dem begehrten Zinn, von dem die Halbinsel mehr als f�nfzig Prozent des gesamten Bedarfs der Erde lieferte. Die �Trueno� fuhr wie immer an der Spitze.</style></p><p><style name="font3">Ihre Fahrt nach Singapur war bei gutem Wetter ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Zu ruhig, wie Marina Abend f�r Abend bedauernd feststellte. Sie h�tte f�r ihrLeben gern mit einem fremden Schiff angebunden, nur um einen kleinen lustigen Privatkrieg zu haben, in dem sie sich austoben konnte. Wohl f�nfzigmal am Tag zog sie ihren Degen aus der Scheide, hieb sausend ein paarmal durch die Luft und steckte ihn mi�mutig wieder weg.</style></p><p><style name="font3">Kapit�n Porquez, der sich damit abgefunden hatte, die �Mapeika� zu f�hren, hatte auf der Mole des Hafens von Singapur seine liebe Not mit der andalusischen Gr�fin. Sie achtete nicht auf die Menge der Pfeffers�cke, interessierte sich nicht daf�r, ob auch die volle Anzahl der Zinnbarren ordnungsgem�� verfrachtet wurde, sa� meistens in einer malaiischen Hafenkneipe, starrte tr�bsinnig vor sich hin und trank � trank � trank.</style></p><p><style name="font3">Gegen Abend gelangte sie dann unsicheren Schrittes an Bord und war kurz darauf in ihrer Kabine verschwunden.</style></p><p><style name="font3">Die alte Mannschaft der �Trueno� wunderte sich keineswegs dar�ber. Jeder wu�te, da� die </style><style name="font3">Ursache f�r ihr Verhalten in der Trennung vom Pfeifer lag. Man achtete ihre Gef�hle. Senor </style><style name="font3">Virgen hatte unmerklich die eigentliche F�hrung des Schiffes �bernommen. Wenn irgendwelche </style><style name="font3">Man�ver technischer Art auszuf�hren waren, so erteilte er die Befehle. Er verst�ndigte sich auch </style><style name="font3">ohne R�cksprache mit Marina mit den Kapit�nen der anderen Schiffe �ber die Festsetzung des </style><style name="font3">Kurses, die Schnelligkeit der Fahrt und die navigatorischen Einzelheiten.</style></p><p><style name="font3">Marina stand allein auf der Br�cke. Sie starrte mit sehns�chtigen und bennenden Augen weit </style><style name="font3">�bers Meer, als erwarte sie jeden Augenblick ein gro�es Ereignis, das f�r ihren Seelenzustand </style><style name="font3">eine �nderung herbeif�hren w�rde.</style></p><p><style name="font3">Aber es geschah nichts, gar nichts.</style></p><p><style name="font3">Der Indische Ozean war wie ein Spiegel, so glatt und </style><style name="font3">bewegungslos. Es herrschte eine Flaute. Die Schiffe kamen nur langsam voran. Als sich nach Stunden endlich eine Brise erhob, meldete der Ausguck zwei Schiffe an Steuerbord. Marina, immer noch auf der Kommandobr�cke verharrend, zuckte die Achseln. Was k�mmerten sie zwei Schiffe? Was ging sie das schon an? Da kam die Stimme des Ausgucks wieder:</style></p><p><style name="font3">�Senorita Capitan, die beiden Schiffe verhalten sich verd�chtig. In dem Augenblick, als sie uns gewahrten, strichen sie eilig die Flaggen. Was soll das bedeuten?�</style></p><p><style name="font3">In Marinas Kopf arbeiteten die Gedanken. Was hatte das zu bedeuten, wenn zwei Schiffe bei der Begegnung mit anderen ihre Flaggen einholten? Sonst zeigte man bei solchen Gelegenheiten erst recht seine Flagge.</style></p><p><style name="font3">Die Gleichg�ltigkeit fiel von Marina ab. Die Burschen da dr�ben hatten sicher guten Grund, unerkannt zu entkommen! Darauf gab es nur eine Antwort: Sie w�rde der Sache auf den Grund gehen. Endlich schien die Gelegenheit gekommen, eine Unterbrechung der eint�nigen Reise herbeizuf�hren.</style></p><p><style name="font3">Sie griff zum Sprachrohr und rief:</style></p><p><style name="font3">�Nehmt Kurs Ost-Nordost bei Ost. Seht zu, da� wir die flaggenlosen Schiffe erreichen, Senor Virgen.�</style></p><p><style name="font3">Virgen rief zur�ck:</style></p><p><style name="font3">�Wollt Ihr, da� die ganze Flottille abdreht, Capitan?� �Ja.�</style></p><p><style name="font3">Senor Virgen gab Befehl an den Flaggast, Marinas Wunsch an die drei anderen Schiffe zu signalisieren. �</style></p><p><style name="font3">Porquez auf der �Mapeika� sch�ttelte den Kopf.</style></p><p><style name="font3">�M�chte wissen, weshalb wir unsere Fahrt unterbrechen sollen�, brummte er seinem Steuermann Don Hidalgo zu.Der wei�haarige, ledergesichtige Spanier mit den funkelnden Augen zog den Mund breit und lachte.</style></p><p><style name="font3">�Sie will sich austoben. Da sie keinen Mann hat, sucht sie eben andere Abenteuer.� Porquez nickte. Don Hidalgo war noch nie um eine Antwort verlegen gewesen. Er wu�te auf alles und jedes etwas zu erwidern.</style></p><p><style name="font3">�Ich will Euch ehrlich sagen�, meinte Porquez, �da� ich keine Lust an solchen Abenteuern habe. Unsere Fracht ist viele tausend Goldst�cke wert. Ich m�chte sie nicht wegen der Laune einer Frau in einem Kampf aufs Spiel setzen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich denke, Jardin mit der �Lundi� wird ihr folgen. Und Abu Hanufa wird sich mit der �Dimanche� anschlie�en.�</style></p><p><style name="font3">�Nun, dann wird uns auch nichts anderes �brigbleiben�, sagte Don Hidalgo. �Segeln wir erst einmal los, um zu sehen, was es mit den beiden �berhaupt auf sich hat.� Er drehte das Steuerrad, um den Kurs zu �ndern.</style></p><p><style name="font3">�Meinetwegen�, sagte Porquez, �auf einen Kampf lasse ich mich aber nicht ein. Ich k�mpfe nur, wenn ich angegriffen werde.�</style></p><p><style name="font3">Die vier Schiffe fuhren jetzt nebeneinander auf neuem Kurs.</style></p><p><style name="font3">Dr�ben schien man sich �ber die Ann�herung nicht gerade zu freuen. Man setzte alle Segel und versuchte, nach S�den zu entkommen.</style></p><p><style name="font3">Die �Trueno�, die �Mapeika�, die �Dimanche� und die �Lundi� aber waren Schiffe von besonderer Bauart. Als ehemalige Seer�uber fuhren sie schneller als die anderen. Bald waren sie auf Rufweite heran. Marina forderte die Fremden auf, ihre Flaggen zu setzen, und fragte nach dem Woher und Wohin. Von der Gegenseite erfolgte, keine Antwort. Daf�r sah man aber, wie die Klappen vor den Kanonensch�chten beiseite gezogen wurden. Das war deutlich. Die beiden Schiffe schienen demnach nicht die Absicht zu haben, sich zu erkennen zu geben. �Scheinen tats�chlich was auf dem Kerbholz zu haben�, sagte Don Hidalgo zu Porquez. �Schon, aber sie wollen ja nichts von uns. Und deshalb halte ich es f�r dumm, sie zu bel�stigen oder zu reizen.�</style></p><p><style name="font3">Er gab dem Signalgast Anweisung, zur �Trueno� hin�berzusignalisieren, da� sich die �Mapeika� nicht weiter an einer Verfolgung zu beteiligen gedenke. Die �Trueno� m�ge wieder Kurs auf Kalkutta nehmen, da man sich bereits gen�gend verz�gert habe. �Was ist in Porquez gefahren?� fragte Marina Virgen. �Es geht dem Alten wohl zu gut seit er wieder ein Schiff hat, was?�</style></p><p><style name="font3">�Bedenkt, Senorita, da� uns die da dr�ben nichts getan haben. Weshalb sollen wir unsere Zeit und unsere Kr�fte damit vergeuden, sie zu stellen? Was gehen sie uns an?� �Redet Ihr irre?� fragte Marina. �Seid Ihr ein altes Weib geworden?� Virgen blickte vor sich auf den Boden. Aber dann erwiderte er:</style></p><p><style name="font3">�Ich bin kein altes Weib, Senorita; aber ich bin Senor Baum dankbar, da� er es verstanden hat, uns wieder auf den Weg n�tzlicher Arbeit zu bringen, bei der ein ehrlicher Gewinn f�r alle von </style><style name="font3">uns abf�llt. Ich m�chte--�</style></p><p><style name="font3">Marina stampfte zornig mit dem Fu� auf.</style></p><p><style name="font3">�Ihr redet wie ein vollgefressener Kaufmann, der nichts mehr riskieren will�, schrie sie erregt.</style></p><p><style name="font3">�Ich will, da� die Burschen da dr�ben Farbe bekennen! Und wenn es Piraten sind, dann machen </style><style name="font3">wir ihnen den Garaus.�</style></p><p><style name="font3">�Gestattet Ihr mir ein offenes Wort, Capitan?�</style></p><p><style name="font3">�Bitte�, nickte Marina kurz.</style></p><p><style name="font3">Virgen holte tief Luft.</style></p><p><style name="font3">�Ich wei�, da� Ihr etwas mit Euch herumtragt, womit Ihr nicht fertig werdet. Aber ich glaube, da� auch Senor Baum es f�r unverantwortlich hielte, wenn Ihr, nur um eine innere Last loszuwerden, grundlos fremde Schiffe angreift. Ihr tragt ja nicht nur Verantwortung f�r Euch selbst, sondern auch f�r die Mannschaft und f�r die Ladung. Hinzu kommt noch, da� uns die schweren Zinnbarren in unserer Man�vrierf�higkeit behindern.� Marina blickte ihn mit blitzenden Augen an.</style></p><p><style name="font3">�Wollt Ihr mir gehorchen oder wollt Ihr meutern? Ich bin der Ansicht, da� ich die Mannschaft nach wie vor in der Gewalt habe!�</style></p><p><style name="font3">�Daran zweifelt niemand, Capitan. Die Leute sind schnell begeisterungsf�hig. Aber Ihr d�rft sie nicht mit Euerm Verstand messen. Verzeiht meinen Einspruch. Ich gehorche Euch selbstverst�ndlich.�</style></p><p><style name="font3">�Gut, dann la�t hin�bersignalisieren, da� sich Porquez, Jardin und Abu Hanufa zum Angriff fertig machen sollen.�</style></p><p><style name="font3">Der Flaggenwinker arbeitete im Schwei�e seines Angesichts. �</style></p><p><style name="font3">�Leute�, rief Jardin, �macht die Gesch�tze klar, die �Trueno� greift an! Und wir sind dabei!� Ein englischer Bootsmann trat an Jardin heran und meinte in seinem Kauderwelsch: �Weshalb angreifen, Captain? Die Leute haben uns doch nichts getan.� �Macht Euch fertig und fragt nicht! Die Senorita hat den Oberbefehl, und wir folgen.� �Das glaube ich nicht�, meinte der Bootsmann. �Meine Leute und ich beugen sich keinem Oberbefehl, der sinnlos ist. Wir sind angeheuert als Handelsmatrosen, deren Pflicht es ist, sich bei Gefahr zu verteidigen. Aber hier ist keine Gefahr. Wir k�nnen die Schiffe in Ruhe lassen, und sie werden froh sein, wenn wir sie nicht bel�stigen!� Jardin hatte eine scharfe Erwiderung auf der Zunge. In diesem Augenblick rief der Signalgast der �Lundi�:</style></p><p><style name="font3">�Die �Mapeika� sagt, da� sie den Angriff f�r sinnlos halte und sich nicht daran beteiligen werde.�</style></p><p><style name="font3">�Na seht Ihr�, meinte der Bootsmann, �der Captain von der �Mapeika� ist ein alter, erfahrener Seemann. Und wie man sich erz�hlt, wart Ihr doch fr�her alle zusammen auf einem Schiff.� Jardin zog die Stirn in Falten. Er befahl dem Signalgast anzufragen, weshalb denn die Schiffe �berhaupt angegriffen werden sollten.</style></p><p><style name="font3">Die Antwort kam prompt. Sie bestand aus einem Wort: �Weiberlaunen.�</style></p><p><style name="font3">Die Matrosen der �Lundi�, die das geh�rt hatten, lachten und nickten Beifall.</style></p><p><style name="font3">�Ja dann--�, meinte Jardin, �bueno, bleiben wir im Gefolge der �Mapeika�.�</style></p><p><style name="font3">�Bravo�, sagte der Bootsmann.</style></p><p><style name="font3">Die �Dimanche�, die den Schlu� der Flottille bildete, hatte von den Zwiegespr�chen �berhaupt nichts mitbekommen.</style></p><p><style name="font3">�Maschallah�, meinte Abu Hanufa zu seinem Steuermann Ibn Kuteiba, �Kannst du dir erkl�ren, welcher Schejtan in unsere Freunde gefahren ist?�</style></p><p><style name="font3">�Ich denke, o Herr�, erwiderte Ibn Kuteiba, �da� wir einfach tun sollten, was die �Mapeika� und die �Lundi� tun. Man soll sich immer der Mehrheit anschlie�en.</style></p><p><style name="font3">�Allah Akbar, du hast wirklich einen klugen Kopf.Wenn du auch manchmal aussiehst wie die Mutter von f�nf Generationen Esel, so gibt dir Allah im entscheidenden Augenblick doch immer einen richtigen Wink.� Er lachte breit. �Waliah, Tallah, man soll immer bei der Mehrheit bleiben - kifkif.�</style></p><p><style name="font3">Ibn Kuteiba wandte sich in englischer Sprache an die Mannschaft.</style></p><p><style name="font3">�Nehmt keine Notiz von dem Hin und Her da vorn, Leute. Wir richten uns nach der �Mapeika� und dem alten Kapit�n Porquez.� Die Leute waren es zufrieden. �</style></p><p><style name="font3">Marina hastete auf die Kommandobr�cke. Sie wartete noch immer auf eine Antwort von der �Mapeika�. Bebend vor Zorn stellte sie fest, da� Porquez an Stelle eines Flaggensignals sein Schiff einfach auf den alten Kurs zur�ckbrachte. Und fassungslos war sie, als sie gewahrte, da� die �Lundi� und die �Dimanche� dem Alten folgten. Drohend ballte sie die F�uste. �Ihr Feiglinge! Ihr Verr�ter!� zischte sie mit zusammengebissenen Z�hnen. Alles in ihr war Aufruhr, war flammende Emp�rung. �Amigos! Amigos!� schrie sie �ber das Schiff. �Kommt alle her, kommt heran, ihr Teuren, meine geliebte Mannschaft soll w�hlen, ob wir die Burschen da dr�ben allein angreifen und in die H�lle schicken, oder ob wir genauso feige ausweichen wie unsere drei Trabanten.�</style></p><p><style name="font3">Die Leute standen an der Reling und starrten hin�ber zu den Begleitschiffen. Wut war in den Augen der meisten �ber den Abfall der companeros. Den kl�geren allerdings gab es zu denken, da� auch die �Lundi� die �Trueno� im Stich lie�. Schlie�lich war Capitan Jardin einer der ihren. Aber sie kamen nicht dazu, den Gedanken weiter fortzuf�hren, denn Marinas Stimme st�rte sie auf.</style></p><p><style name="font3">�Wollen wir angreifen, amigos?�</style></p><p><style name="font3">Die ehemaligen Piraten schwangen schreiend die Messer. Als sich die Sonnenstrahlen im blitzenden Stahl der Klingen brachen, verloren auch die letzten ihre �berlegung. �Arriba la Senorita Capitan! Viva! Viva!�</style></p><p><style name="font3">Die Kanoniere st�rmten an ihre Gesch�tze. Die anderen machten die Enterbr�cken klar und kletterten an die Wanten. Die Fahne der Kompanie wurde eingezogen. Und kurz darauf knatterte das schwere Banner Marinas �ber den Toppen.</style></p><p><style name="font3">Der Funke der Kampfeslust sprang zuletzt auch auf Senor Virgen �ber. Er drehte das Rad, lie� alle Segel setzen, und dann flog das stolze Schiff hinter den fliehenden Feinden her. Es war eine wilde Jagd. Die flaggenlosen Schiffe standen in der Schnelligkeit der �Trueno� nicht viel nach. Immer weiter entfernten sich Verfolgte und Verfolger von dem Verband. In entgegengesetztem Kurs segelten sie nach S�den, wieder in die Stra�e von Malakka hinein. � �Man kann ihr nicht helfen�, lie� Kapit�n Porquez zu Jardin signalisieren. �Wir h�tten sie nicht im Stich lassen d�rfen�, antwortete Jardin.</style></p><p><style name="font3">�El Silbador wird uns recht geben�, winkte die �Mapeika� zur�ck. � Es wurde Abend. Die Schiffe setzten ihre Positionslampen. Die gl�henden Punkte krochen langsam nach Norden; als es sp�ter wurde, mu�ten sie sogar anfangen zu kreuzen, da der Wind sich drehte.</style></p><p><style name="font3">�Es wird eine lange Fahrt werden�, sagte Porquez zu Don Hidalgo, der am Steuer stand. �Bueno, Capitan, ich habe so etwas in der Nase wie einen Sturm. Zwar bin ich noch nicht in diesen Breiten gefahren; aber eine alte Wasserratte riecht so etwas. Was meint Ihr dazu?� �Gar nichts�, sagte Porquez. �Vielleicht habt Ihr recht. Auch ich kenne den Indischen Ozean nicht. Aber die �Mapeika� ist ein starkes Schiff. Wir werden jedem Sturm gewachsen sein, denke ich.�</style></p><p><style name="font3">�Fernando!� rief Don Hidalgo einem seiner Leute zu, �komm her und �bernimm das Steuer. Ich will mich aufs Ohr legen. Wenn du Anzeichen f�r einen Sturm bemerkst, wecke mich sofort.� �Si, si, Don Hidalgo. Schlaft Euch ruhig aus.� Don Hidalgo nickte und gab das Steuer an Fernando ab. Als er mit Porquez hinunter in den Kaj�tengang stieg, fragte ihn der Kapit�n: �Haben die Gefangenen Wasser und Essen bekommen?� Don Hidalgo bejahte.</style></p><p><style name="font3">�Ihr f�ttert sie viel zu gut, die Lumpen. Dieser Mustapha wird trotz der schlechten Luft im Kielraum alle Tage fetter und dreister. Ihre Verwundungen sind auch geheilt. Sollten wir nicht versuchen, sie bei n�chster Gelegenheit zu verkaufen?�</style></p><p><style name="font3">�Demonio, Ihr seid wohl wahnsinnig! Sind wir anst�ndige Christenmenschen, oder sind wir Heiden? Ich verkaufe keine Menschen! Es ist eine Schande, an so etwas �berhaupt zu denken!� Don Hidalgo blieb hartn�ckig.</style></p><p><style name="font3">�Sollen wir sie denn ewig mit uns herumschleppen? Wir k�nnten einen kleinen Abstecher machen � nach den Andaman-Inseln � und sie dort aussetzen.� Porquez sch�ttelte den Kopf. �Aber was soll mit ihnen werden?�</style></p><p><style name="font3">�Wir k�nnen sie in Kalkutta heimlich laufen lassen. Offiziell geht das nicht, wie Ihr von unserem letzten Versuch beim Oberrichter wi�t. Als ich mit Sir Impey vor dem Auslaufen �ber ihren Verbleib unterhandelte, sagte er, da� wir sie bei n�chster Gelegenheit ins Meer werfen sollten, um sie loszuwerden. Aburteilen konnte er sie nicht, weil wir dann h�tten Zeugen sein m�ssen, wobei zur Sprache gekommen w�re, da� wir auch mal Seer�uber waren. Das hei�t, da� wir uns nach englischem Gesetz h�tten selbst an den Galgen liefern m�ssen, um die verdammten T�rken loszuwerden. So jedenfalls belehrte mich der Oberrichter.� Don Hidalgo ballte die F�uste.</style></p><p><style name="font3">�Ich k�nnte sie eigenh�ndig, einen nach dem anderen, h�bsch langsam erw�rgen. Und meine </style><style name="font3">Leute w�rden sich ebenfalls ein Vergn�gen daraus machen, sie in die H�lle zu bef�rdern. Und </style><style name="font3">Ihr wollt sie laufen lassen! Denkt Ihr nicht an die Gefahr, die sie f�r uns bilden, wenn sie am </style><style name="font3">Leben und in Freiheit bleiben? Sie werden versuchen, die �Mapeika� wieder in ihre H�nde zu </style><style name="font3">bekommen. Wir w�rden dauernd mit irgendwelchen von ihnen provozierten Zwischenf�llen </style><style name="font3">rechnen m�ssen, solange unser Haupthafen Kalkutta ist.�</style></p><p><style name="font3">Porquez schwieg. Als sie vor der T�r der Kapit�nskabine standen, meinte er:</style></p><p><style name="font3">�Ich verstehe Euch gut, Don Hidalgo. Aber ich m�chte diese Burschen nicht auf mein Gewissen </style><style name="font3">laden. Vielleicht treffen wir diesmal den Pfeifer in Kalkutta. Er wird sicher einen Ausweg </style><style name="font3">wissen.�</style></p><p><style name="font3">�So wollt Ihr sie also wirklich den ganzen Weg mit zur�ckschleppen!�</style></p><p><style name="font3">Porquez zuckte die Achseln und sagte �Buenas noches, Don Hidalgo� und verschwand in seiner Kabine.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">51</style></p></title><p><style name="font3">Mitternacht war vor�ber, als die ersten B�en �ber die See jagten. Es wurde schnell st�rmisch.</style></p><p><style name="font3">Wolken ballten sich zusammen und fra�en das Licht der Sterne. Von drei Seiten zogen schwere </style><style name="font3">Gewitter auf. Mit gierigen Zungen leckten die grellen Blitze nach den drei Schiffen.</style></p><p><style name="font3">Porquez und Don Hidalgo standen v�llig durchn��t auf ihren Posten.</style></p><p><style name="font3">Nach einer Weile winkte Porquez l�ssig ab und murmelte vor sich hin:</style></p><p><style name="font3">�Nur ein Ausl�ufer � wird bald vorbei sein.�</style></p><p><style name="font3">Der Sturm erf�llte niemanden mit Sorge.</style></p><p><style name="font3">Im Kielraum wurden die Gefangenen durch das Schlingern des Schiffes hin und her geworfen. �Au!� schimpfte Mustapha, �kannst du nicht aufpassen, du Sohn einer Kuh? Kannst du deinen hornigen Sch�del nicht woanders hinhalten?�</style></p><p><style name="font3">Muras Rejs st�hnte und fuhr sich mit den gefesselten H�nden zur Stirn, wo sich eine gro�e Beule bildete. Die Ketten rasselten.</style></p><p><style name="font3">�Dein Kopf ist auch nicht gerade weich, Mustapha Bej. In dieser Finsternis kann ich nicht sehen, in welche Richtung du mit deinem Kopf zu schlagen beliebst.�</style></p><p><style name="font3">�Du hast auch bei hellstem Sonnenschein noch nie mit offenen Augen in die Welt geblickt. Es ist also ganz gleich, ob ich dich jetzt ausschimpfe oder sp�ter.�</style></p><p><style name="font3">Abbas mischte sich ins Gespr�ch. Er hatte allen Respekt vor seinem fr�heren Herrn verloren; denn Mustapha beanspruchte auch hier im finsteren Kerker, wo sie alle mit den gleichen Ketten angeschmiedet waren, noch immer, da� man ihn mit Bej ansprach.</style></p><p><style name="font3">�Schweig, Mustapha�, knurrte er w�tend. �Durch dein Geschimpfe kommen wir weder frei, noch geht es uns besser. Ich sch�tze, es ist hoch an der Zeit, einmal etwas daf�r zu tun, da� wir die �Mapeika� wieder in unsere H�nde bekommen! Vierzehn Mann sind �briggeblieben. Mit Allahs Hilfe k�nnten wir also das Schiff f�hren.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, ja, ja, du bist ein gro�er Schlaukopf! Du bist so klug, da� dich der Prophet h�tte zu seinem </style><style name="font3">Nachfolger madien m�ssen! Deine Ideen sind wunderbar! Nur willst du mir vielleicht sagen, wie </style><style name="font3">wir die Ketten von unseren Hand- und Fu�gelenken kriegen sollen?�</style></p><p><style name="font3">Mustapha erstarrte pl�tzlich. Er f�hlte, wie ein Arm �ber seinen Nacken rieb. Er f�hlte den </style><style name="font3">Ellbogen dieses Armes, den Unterarm, den Handr�cken und dann die Finger. Da waren keine </style><style name="font3">Ketten.</style></p><p><style name="font3">�Bei Allah�, rief er, �wer war das?�</style></p><p><style name="font3">�Ich�, sagte Abbas. �Ich bin frei. Wochenlang habe ich mich bem�ht, die H�nde aus den Ringen herauszuzw�ngen, w�hrend ihr anderen euch strittet. Ich habe den ganzen Kielraum abgesucht, St�ck f�r St�ck. F�hle, was ich hier in der Hand halte!� Mustapha griff zu. Seine Finger ber�hrten die Sch�rfe einer groben Feile. �Schejtan, Schejtan; du bist ein Held! Bei Allah, du bist das gr��te Genie, das ich je gesehen habe. Aber was n�tzt uns die Freiheit im Kielraum? Wie sollen wir an Deck kommen?� �Wir werden hier herauskommen, wenn sich zwei Mann �bereinander stellen, so da� wir die Luke erreichen k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, sch�n, und was meinst du, werden die verfluchten Piratenschiffe der Spanier tun, wenn sie auch nur das geringste bemerken? Ein Schrei gen�gt. Und sie werden uns mit ihren Kanonen wieder dorthin zur�ckjagen, wo wir hergekommen sind.�</style></p><p><style name="font3">�Wir m�ssen eben nachts mit allem fertig werden. Bevor die Sonne aufgeht, m�ssen wir verschwunden sein.�</style></p><p><style name="font3">Alles schwieg. Das Schiff stampfte weiter. Niemand sa� oder stand auch nur f�r eine einzige Sekunde still. Sie wurden von jedem neuen Sto� durcheinanderger�ttelt. Muras Rejs hatte seine Beule vergessen.</style></p><p><style name="font3">�Gib mir die Feile�, wandte er sich an Abbas, �ich will sogleich mit der Arbeit beginnen.� Mustaphas Stimme dr�hnte:</style></p><p><style name="font3">�Zuerst komme ich. Habt ihr verstanden, ihr Abk�mmlinge von Wanzen und L�usen?� Abbas meinte:</style></p><p><style name="font3">�Ich werde dich befreien. Du befreist dann den n�chsten und so weiter. Wenn wir uns anstrengen, k�nnen wir es in drei Tagen geschafft haben.� �</style></p><p><style name="font3">Der Sturm ebbte gegen Morgen ab. Er hatte keinen Schaden angerichtet. Kaum ein Brecher war �ber Deck gegangen.</style></p><p><style name="font3">Porquez und Don Hidalgo gingen in ihre Kaj�ten. Die M�nner der Freiwache �bernahmen ihre Posten, und die anderen legten sich in ihre Kojen. �</style></p><p><style name="font3">Drei Tage sp�ter war man auf der H�he der Kleinen Andamanen. Wieder machte Don Hidalgo den Kapit�n auf die g�nstige Gelegenheit aufmerksam, hier die Gefangenen loszuwerden. Aber auch diesmal lehnte Porquez ab.</style></p><p><style name="font3">Wieder kam die Nacht. Da nichts Ungew�hnliches zu erwarten war, schliefen die meisten. Manch einer tr�umte schwer. Im Traum sp�rte er f�rmlich, wie ihm ein Messer nach der Kehle fuhr, und wollte schreien. Der Schrei wurde zu einem gurgelnden Laut. Das war kein Traum, sondern Wirklichkeit. Siebzehn Mann hatten in ihren Kojen lautlos den Tod gefunden.</style></p><p><style name="font3">�Die schwerste Arbeit steht noch bevor�, fl�sterte Abbas den anderen zu. �Wollen sehen, ob Kapit�n und Steuermann in ihren Kabinen schlafen.� Porquez und Don Hidalgo aber waren noch an Deck.</style></p><p><style name="font3">�Sieht aus, als ob schon wieder ein Sturm aufzieht�, sagte Porquez. �Ist eine verdammte Wetterecke hier.�</style></p><p><style name="font3">�Wird auch diesmal nicht schlimm werden, Capitan. Das Schlimme ist nur, da� man die Hand kaum noch vor Augen sieht. Aber ich halte Kurs auch ohne Sterne. � Wa - wa � wa � Hilfe</style></p><p><style name="font3">--�, schrie Don Hidalgo pl�tzlich; denn wie Eisenklammern legten sich zwei H�nde um </style><style name="font3">seinen Hals. Ein Rauschen war in seinen Ohren; dann verlor er die Besinnung.</style></p><p><style name="font3">Bei Porquez gen�gte ein kurzer, harter Schlag. St�hnend brach der alte Mann zusammen.</style></p><p><style name="font3">Messer blitzten.</style></p><p><style name="font3">�Halt�, schrie Mustapha, �bringt sie nicht alle um! Dazu haben wir sp�ter noch Zeit. Sie sollen auch einmal sp�ren, wie es im Kielraum ist.�</style></p><p><style name="font3">�Wozu sich mit den Kerlen noch belasten?� warf Abbas unwillig ein.</style></p><p><style name="font3">�Schweig, auf meinem Schiff bin ich der Herr. Wie viele leben noch?� fragte er einen der </style><style name="font3">Umstehenden.</style></p><p><style name="font3">�Mit diesen beiden hier acht.�</style></p><p><style name="font3">�Das ist gut. Verge�t nicht, da� wir nur vierzehn Mann sind. Wir werden die Hunde zwingen, an Bord zu arbeiten; aber die beiden Alten kommen in den Kielraum.�</style></p><p><style name="font3">Er beugte sich zu Porquez nieder, packte ihn beim Kragen, zog ihn zu sich hoch und ohrfeigte den Bewu�tlosen. Dabei gl�nzte sein fettes Gesicht vor Zufriedenheit.�La� deine Rachegel�ste an den Kerlen sp�ter aus�, sagte Abbas. �Im Augenblick ist es stockdunkel, die beste</style></p><p><style name="font3">Gelegenheit, uns ungesehen davonzumachen. Ich gehe jetzt nach hinten und l�sche die Positionslampe.�</style></p><p><style name="font3">�Welchen Kurs sollen wir nehmen?� fragte Muras Rejs, der schon am Steuerrad stand. �Das wei� ich nicht. Ich verstehe nichts vom Segeln. Fahr, wohin du willst, nur weg von den anderen.�</style></p><p><style name="font3">�Gut, dann weiche ich um 90� nach Steuerbord aus. Hauptsache, wir kommen aus dem bisherigen Kurs. Wenn die Sterne aufgehen oder die Sonne kommt, kann ich mich orientieren. Ich habe keine Ahnung, in welcher Richtung wir uns zur Zeit bewegen.� �Mach, was du willst, nur fort, fort�, sagte Mustapha voller Sorge.</style></p><p><style name="font3">Die t�rkischen Piraten gingen schweigend und mit Feuereifer ihrer Arbeit nach. Alle erf�llte der Drang, bis zum Anbrechen des Tages einen m�glichst gro�en Abstand zwischen sich und die anderen zu bringen.</style></p><p><style name="font3">Muras Rejs fand an der Stelle, wo man den alten Hidalgo gew�rgt hatte, ein Fernrohr. Er setzte es ans Auge und suchte die Finsternis zu durchdringen. Wie aus weiter Ferne sah er zwei kleine Lichtpunkte, die von den Bordlaternen der �Lundi� und der �Dimanche� herr�hrten. So sehr er sich auch anstrengte, das Licht eines dritten Schiffes konnte er nicht entdecken. �Ich vermisse ein Schiff der Flottille�, sagte er zu Mustapha. �Hinter uns waren zwei. Vor uns ist keins.�</style></p><p><style name="font3">Mustapha zuckte nur die Achseln. Was ging es ihn an, wo die anderen waren. Hauptsache, Muras gewann das Weite.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">52</style></p></title><p><style name="font3">Jardin wurde beim Grauen des Tages unsanft aus dem Schlaf gerissen. Die Schiffsglocke l�utete </style><style name="font3">Alarm. In sein Erwachen t�nte eine Stimme. Er vermochte die Worte �Alarm! Alarm!� zu </style><style name="font3">unterscheiden. Mit einem Satz war er aus der Koje. Er nahm sich nicht die Zeit zum Anziehen, </style><style name="font3">sondern warf nur einen Mantel um die Schultern und st�rmte an Deck.</style></p><p><style name="font3">Dort sah er, da� sich der gr��te Teil der Mannschaft am Bug versammelt hatte. Sie starrten </style><style name="font3">geradeaus und unterhielten sich �ber das Verschwinden der �Mapeika�.</style></p><p><style name="font3">Jardin trat zu ihnen. Er brauchte nicht zu fragen; denn er sah sofort, da� Porquez' Schiff nicht </style><style name="font3">mehr sichtbar war.</style></p><p><style name="font3">Die Matrosen blickten ihn fragend an. �Steuermann, gebt mir ein Glas.�</style></p><p><style name="font3">�Hab mir selbst schon die Augen ausgestiert, Captain�, meinte dieser in Pidgin-Englisch. Dieses Pidgin-Englisch war ein Gemisch aus allen m�glichen Sprachen. Es diente der internationalen Seefahrt zur Verst�ndigung. Und da sich die Mannschaft der �Lundi� zum gr��ten Teil aus Engl�ndern zusammensetzte, konnte Jardin hier mit seinem Spanisch nicht viel anfangen.</style></p><p><style name="font3">Trotz der Worte des Steuermanns suchte er sorgf�ltig den Horizont ab. Aber er konnte kein Segel entdecken.</style></p><p><style name="font3">Die �Mapeika� und mit ihr die Besatzung war spurlos verschwunden.</style></p><p><style name="font3">Jardin setzte das Rohr ab und sch�ttelte den Kopf. Dann fragte er den Steuermann.</style></p><p><style name="font3">�Wer hat heute nacht Wache gehabt, Mr. Higgins?�</style></p><p><style name="font3">�Tom Crawler und John Blue waren abwechselnd im Mastkorb. Ich habe sie schon zur Rede gestellt; aber sie haben w�hrend der Nacht nichts bemerkt.�</style></p><p><style name="font3">�Diablo�, schimpfte Jardin, �was hei�t hier, nichts bemerkt! Sie m�ssen doch die Hecklampe </style><style name="font3">gesehen haben. Irgend etwas mu� vorgefallen sein; ich glaube nicht daran, da� die �Mapeika� </style><style name="font3">einfach untergeht, ohne da� man uns ein Zeichen zu geben versucht.�</style></p><p><style name="font3">�Vielleicht ist sie mit dem Gespensterschiff zusammengetroffen�, warf der Moses mit </style><style name="font3">schreckweiten Augen ein.</style></p><p><style name="font3">Jardin lachte ihn aus und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Du liest zu viel Spukgeschichten, muchacho, Gespensterschiffe gibt es nicht.� Mi�billigendes Murmeln erhob sich im Kreis. In den Augen von Seeleuten war ein Kapit�n, der weder an den Fliegenden Holl�nder noch an den Klabautermann glaubte, kein richtiger Seemann. Spuk geh�rt zur Seefahrt wie ein Steuermannspatent zum Steuermann. �Geht an eure Arbeit, Leute�, befahl Jardin jetzt. �Vielleicht taucht die �Mapeika� in den n�chsten Stunden wieder auf. Es ist wohl m�glich, da� sie vom Kurs abgekommen ist. Wird alles nicht so schlimm sein. Porquez wird uns finden.�</style></p><p><style name="font3">Die Matrosen folgten zwar dem Befehl; aber man sah am Ausdruck ihrer Gesichter, da� sie an ein nat�rliches Verschwinden des Schiffes nicht glaubten. Der Erste Offizier trat heran und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Offen gestanden, Captain, ich kann mir nicht denken, da� der alte Porquez bei verh�ltnism��ig ruhiger See v�llig den Kurs verliert.�</style></p><p><style name="font3">�Ich auch nicht�, antwortete Jardin, �ich habe manches Meer mit ihm durchkreuzt, als er noch Kapit�n der �Trueno� war. Senor Porquez wu�te immer, wo das Schiff</style></p><p><style name="font3">stand oder auf welchen Kurs er zu gehen hatte, wenn wir tats�chlich einmal abgetrieben worden waren.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, und � was, glaubt Ihr, ist nun wirklich passiert?� �Ich kann mir keinen Reim darauf machen, Mr. Corner.� �Vielleicht � Meuterei?�</style></p><p><style name="font3">�Weshalb sollten die Leute meutern. Sie bekamen anst�ndige Heuer und waren au�erdem am Gewinn beteiligt. Der Dienst war leicht, und das Schiff ist so solide gebaut, da� man sich auf seinen Planken wie in Abrahams Scho� f�hlt.�</style></p><p><style name="font3">Sie unterhielten sich noch eine Weile und kamen dabei auf die ausgefallensten Vermutungen. Nur an die Gefangenen im Kielraum dachte niemand.</style></p><p><style name="font3">�Wir k�nnen nichts tun als abwarten�, sagte Jardin. �Wir wollen wenigstens die �Lundi� und </style><style name="font3">die �Dimanche� sicher nach Diamond Harbour bringen. Sch�tze, da� die Kompanie nicht gerade </style><style name="font3">begeistert sein wird �ber unsere erste Fahrt.�</style></p><p><style name="font3">�Meint Ihr nicht, da� die Gr�fin wieder zu uns sto�en wird?�</style></p><p><style name="font3">�Quien sabe � wer wei�?� antwortete Jardin.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">53</style></p></title><p><style name="font3">Als sich die drei Reiter ein paar Meilen von Bihar entfernt hatten, z�gelte Tscham sein Pferd. �Was gibt es?� fragte der Pfeifer. �Wir sind noch lange nicht in Sicherheit. Wir m�ssen sehen, da� wir ein anst�ndiges St�ck Weg hinter uns bringen, damit du au�er Gefahr bist.� �Aber ich will ja gar nicht die Gefahr fliehen. Ich will um mein Recht k�mpfen. Wir werden die Thags aufsuchen und Bihar mit ihnen befreien.�</style></p><p><style name="font3">�Du siehst die Situation falsch�, antwortete Michel. �Auch die Thags werden nicht stark genug sein, um gegen die Kanonen der Kompanie zu k�mpfen. Sieh zur�ck. Am Horizont kannst du noch den Feuerschein erkennen. So wie dort dein Palast brennt, wird ganz Bihar in Flammen aufgehen, wenn du die Thags zum Kriege hetzt.�</style></p><p><style name="font3">Tscham wurde nachdenklich. Die letzten Worte seines Lehrers und langj�hrigen Freundes Sadharan klangen noch in seinen Ohren. Hatte Sadharan nicht gesagt, da� Indien und damit auch Bihar nur auf friedlichem Wege zu befreien war? Hatte er ihn, Tscham, nicht ausdr�cklich davor gewarnt, das Land mit Krieg zu �berziehen? � Dennoch war der Rachedurst st�rker als die Vernunft.</style></p><p><style name="font3">�Ich will Rache haben. Verstehst du das nicht?�</style></p><p><style name="font3">�O ja, ich verstehe nur zu gut. Alle Menschen wollen sich f�r das r�chen, was man ihnen angetan hat. Aber der Rachedurst entspringt dem Instinkt. Er hat mit Geist oder Verstand nichts zu tun. Wut und Zorn sind Gef�hle, deren Spitzen sich im Lauf der Zeit von selbst abschleifen. Man soll solchen Regungen nicht rasch nachgeben. Rache f�hrt zu nichts. Rache erzeugt wieder Rache. So entsteht der ewige Kreislauf von Mord und Krieg. Und niemand sieht, da� diese beiden nur auf dem Misthaufen der menschlichen Dummheit und Unzul�nglichkeit gedeihen k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">Tschams Augen blitzten. �Das hei�t, da� du mich f�r dumm h�ltst.�</style></p><p><style name="font3">�Nein. Nur f�r ein wenig zu jung, um schon ein festgef�gtes Weltbild zu haben.�</style></p><p><style name="font3">�Haben deine Freunde aus der Kompanie ein solches?�</style></p><p><style name="font3">�Ja. Aber ein falsches. Und zudem sind sie nicht meine Freunde.�</style></p><p><style name="font3">�Sie sind doch aber nicht zu jung. Weshalb sind sie unzul�nglich?�</style></p><p><style name="font3">�Weil sie engstirnig sind. Weil sie nichts sehen als den augenblicklichen Vorteil, als Geld und Reicht�mer. Aber der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Ein Volk, das nur nach Brot strebt, verk�mmert geistig. Und wenn der Geist verk�mmert, dann ist dies der Anfang vom Ende.� �Du meinst also, da� die Engl�nder dem Ende entgegengehen?�</style></p><p><style name="font3">�Nimm das nicht w�rtlich. Und denke nicht an heute und morgen. Aber wenn der Geist nicht doch noch die Oberhand gewinnt, dann vielleicht in zweihundert, dreihundert oder vierhundert Jahren. Hundert Jahre sind ein Nichts im Leben eines Volkes.�</style></p><p><style name="font3">�Aber wie ist es mit Indien? Wir haben tausend, zweitausend Jahre lang eine F�lle von Geist gehabt. Und wo stehen wir heute?�</style></p><p><style name="font3">�Frag lieber, wo ihr morgen stehen werdet, wenn ihr euch den Geist erhaltet. Glaubte nicht Sadharan, ein gro�er Weiser, an die Freiheit Indiens durch die Gewaltlosigkeit?� �Ja, du hast recht. Aber was soll jetzt mit mir werden?�</style></p><p><style name="font3">�Du bleibst bei mir, solange es dir gef�llt. Ojo und ich werden dich besch�tzen. Wir sind deine Freunde.�</style></p><p><style name="font3">�Und wenn ihr das Land verla�t?� �Wir verlassen es nicht ohne dich, Tscham. Vorausgesetzt, da� du bei uns bleiben willst. � Reiten wir weiter.�</style></p><p><style name="font3">Tscham sah gr�belnd auf den Hals seines Pferdes.Noch oftmals wandte er den Kopf zur�ck, bis </style><style name="font3">der Widerschein des brennenden Palastes nicht mehr zu sehen war.</style></p><p><style name="font3">Die drei ritten nebeneinander. Michel und Ojo hatten den jungen Radscha in ihre Mitte </style><style name="font3">genommen.</style></p><p><style name="font3">Nach einer Weile fragte Tscham: �Was ist unser Ziel?� �Zun�chst Kalkutta�, antwortete Michel. �Werden sie mich dort nicht verhaften?�</style></p><p><style name="font3">�Es kennt dich dort niemand. Du bist ganz einfach irgendein Junge, der uns den Weg gezeigt hat, wenn man dich fragt. Keiner wird sich Gedanken dar�ber machen, da� du der Radscha von Binar sein k�nntest.�</style></p><p><style name="font3">Tscham nickte still. Er war mit allem einverstanden. Er malte sich im Augenblick noch keine </style><style name="font3">Zukunftsbilder; denn er war damit besch�ftigt, den immer wieder aufkeimenden Drang nach </style><style name="font3">Vergeltung zu unterdr�cken. Alle Vernunftsgr�nde Sadharans, soweit er sich ihrer noch erinnern </style><style name="font3">konnte, bot er auf, um den Lockungen der Racheg�ttin zu widerstehen.</style></p><p><style name="font3">Als der erste Schein der Morgenr�te heraufkam, erreichten sie einen kleinen Ort.</style></p><p><style name="font3">�Hier sind wir schon au�erhalb von Bihar�, sagte Tscham. �Dieses Dorf geh�rt nicht mehr zu </style><style name="font3">meinem F�rstentum.�</style></p><p><style name="font3">�Ich denke, wir machen im nahen Wald eine Rast�, sagte Michel.</style></p><p><style name="font3">Und so geschah es. Sie durchritten den Ort und suchten sich dann abseits des Weges ein </style><style name="font3">schattiges Pl�tzchen, auf dem sie den vers�umten Schlaf nachholten. �</style></p><p><style name="font3">Gegen Mittag, als sie von den mitgef�hrten Vorr�ten gezehrt und die Pferde in einem nahen </style><style name="font3">Bach getr�nkt hatten, setzten sie ihre Reise fort.</style></p><p><style name="font3">�Wir werden scharf nach S�den reiten�, meinte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Wenn wir zu nah an die gro�e Stra�e kommen, steigt die Gefahr des Entdecktwerdens.� �Wirst du in dieser weg- und steglosen Gegend auch nicht die Richtung verfehlen?� fragte Tscham besorgt.</style></p><p><style name="font3">�Nein. Am Tag k�nnen wir uns nach der Sonne und nachts nach den Sternen richten. Wir kommen schon zum Ziel.� -</style></p><p><style name="font3">Bald war Steppe unter den Hufen der Pferde. Sie trafen kaum noch auf Reisplantagen. Es hatte den Anschein, als verirre sich nur selten ein Mensch in diese Gegend. Sie lie�en die Pferde weit ausgreifen; aber sie jagten sie nicht.</style></p><p><style name="font3">�Wie lange wird es dauern, bis wir nach Kalkutta kommen, Senor Doktor?� fragte Ojo und g�hnte.</style></p><p><style name="font3">�Oh, wenn wir uns nicht zu sehr beeilen, h�chstens vierzehn Tage�, l�chelte Michel. �Vierzehn Tage?� Ojo blickte ihn entsetzt an. �Vierzehn Tage bei Quellwasser und Reis? Heilige Mutter Gottes, wer soll das aushalten?�</style></p><p><style name="font3">�Du und ich und Tscham. Haben wir nicht schon viel gr��ere Strapazen gemeinsam bestanden, amigo?�</style></p><p><style name="font3">�Si, si�, erwiderte Ojo. �Wo werden wohl jetzt unsere companeros sein?� �Irgendwo im Indischen Ozean wahrscheinlich.� �Dort ist es sicher nicht so eint�nig wie hier.�</style></p><p><style name="font3">�Vielleicht sind sie auch schon wieder in Kalkutta�, sagte Michel und �berschlug die Zeit seit ihrer Trennung.</style></p><p><style name="font3">�Und wenn wir ankommen, dann sind sie wieder weg, und wir m�ssen uns vielleicht noch eine</style></p><p><style name="font3">Ewigkeit in diesem alten Indien herumtreiben.�</style></p><p><style name="font3">�Wann wirst du nur einmal mit dem zufrieden sein, was ist!�</style></p><p><style name="font3">Ojo seufzte und schwieg f�r den Rest des Tages.An diesem Abend rasteten sie wieder in einem Waldstreifen. Jetzt, da die Gefahr hinter ihnen lag, wollten sie lieber bei Tag reiten und nachts ruhen.</style></p><p><style name="font3">Die Pferde suchten sich frische Grashalme. Durch die dichten Baumkronen konnte die Sonne</style></p><p><style name="font3">nicht so stark die Erde versengen und das Gras verdorren lassen wie drau�en auf freiem Plan.</style></p><p><style name="font3">Die drei Reiter sattelten die Pferde ab, breiteten ihre Decken aus und legten sich nieder. Michel </style><style name="font3">wollte, da� sie abwechselnd wachten. Aber die beiden anderen widersprachen.</style></p><p><style name="font3">�In diese Gegend kommt kein Mensch�, meinte Tscham, �und wenn sich ja einer hierher verirrt, </style><style name="font3">dann ist er selber froh, wenn er unbehelligt ziehen darf.�</style></p><p><style name="font3">Bald lagen sie in traumlosem Schlaf.</style></p><p><style name="font3">Nach Mitternacht schrak der Pfeifer pl�tzlich hoch. In sein Unterbewu�tsein waren Ger�usche gedrungen. Sein durch viele Abenteuer gesch�rftes Ohr nahm auch im Schlaf jeden Laut wahr. Er richtete sich langsam auf und lauschte ins Dunkel. Es war still.</style></p><p><style name="font3">Dann pl�tzlich zerschnitt eine scharfe Stimme die Nacht.</style></p><p><style name="font3">�R�hrt euch nicht, Fremde, wenn ihr nicht wollt, da� ihr von Speeren durchbohrt ins Reich Bhowanees geht.�</style></p><p><style name="font3">Die Worte waren auf englisch gesprochen. Ehe Michel zu einer Reaktion f�hig war, ehe Ojo und Tscham den Schlaf abgesch�ttelt hatten, fiel eine Meute vermummter Gestalten �ber sie her. Im Nu waren sie gefesselt. Und seidene Schlingen lagen um ihren Hals. Wieder sagte die Stimme:</style></p><p><style name="font3">�Das Ende der Schlingen ist mit euren Armen verbunden. Wenn ihr eine unerlaubte Bewegung macht, so erdrosselt ihr euch selbst. Verhaltet euch still, bis ich es euch anders befehle.� �Mann�, sagte Tscham auf Hindustani, �wie kannst du es wagen, den Radscha von Bihar und seine Begleiter zu � ��</style></p><p><style name="font3">�Schweig�, donnerte die Stimme, �ich will nichts h�ren. Wenn mich deine Zunge noch einmal �rgert, so ziehe ich die Schlinge zu. Seid still!�</style></p><p><style name="font3">Sie ergaben sich in ihr Schicksal. Sie mu�ten auf ihre Pferde steigen, und ihre F��e wurden mit Stricken, die unter den B�uchen der Tiere entlangf�hrten, zusammengebunden. Dann ritten sie hinaus auf die Steppe. Von einem Kordon schwarz vermummter Gestalten umgeben, jagten sie wieder nach Norden. Man hatte ihnen die Schlingen wieder vom Hals genommen; denn die Ersch�tterungen des scharfen Galopps h�tten sie erw�rgen k�nnen.</style></p><p><style name="font3">Die Nacht verging, der Tag verging, noch eine Nacht und noch ein Tag, dann schienen sie sich dem Ziel zu n�hern. Sie mu�ten weit �ber Bihar hinaus gekommen sein.</style></p><p><style name="font3">Michel kannte die Gegend von seinen Streifz�gen. Und Tscham best�tigte den Eindruck, da� sie sich in der N�he von Benares befanden, Benares, der heiligen Stadt der Hindus. Sie ritten in ein Waldst�ck ein. Zweige peitschten ihnen ins Gesicht. Sie waren hungrig, m�de und ersch�pft.</style></p><p><style name="font3">Michel wu�te sich auf das alles keinen Reim zu machen. Tscham hatte mehrmals versucht, den Thags beizubringen, wer er war. Aber meist lie� man ihn gar nicht ausreden oder wenn doch, so erntete er nur ver�chtliches Lachen.</style></p><p><style name="font3">Immer tiefer drangen sie in den Wald ein. Es wurded�ster. Das Licht des Tages konnte die Dschungel nur noch sp�rlich durchdringen. Aber der Weg, auf dem sie ritten, war nicht �berwuchert. Es hatte den Anschein, als w�rde er st�ndig durch Macheten frei gehalten. Dann, nach zwei Stunden, gab der Anf�hrer das Zeichen zum Halten.</style></p><p><style name="font3">Die Gefangenen wurden unsanft von den Pferden gerissen und in eine Art Laubh�tte gebracht. Von Fackeln angestrahlt grinste ihnen die teuflische Fratze der G�ttin des Todes entgegen. Bevor man sie allein lie�, schob man ihnen einen Knebel zwischen die Z�hne und verst�rkte die Fesselung so, da� sie kein Glied mehr zu r�hren vermochten.</style></p><p><style name="font3">Stunde um Stunde verrann. Niemand k�mmerte sich um sie. Man schien der Ansicht zu sein, da� </style><style name="font3">Gefangene weder Wasser noch Brot ben�tigten. Seit ihrer Gefangennahme hatte man ihnen </style><style name="font3">nichts Genie�bares gegeben. Der Hunger w�hlte in ihren Eingeweiden. Ojo machte einige </style><style name="font3">verzweifelte Anstrengungen, seine Bande zu sprengen. Vergeblich.</style></p><p><style name="font3">Sie wu�ten nicht, wie lange sie gelegen hatten, als mehrere M�nner die H�tte betraten.</style></p><p><style name="font3">�In Nagpur habt ihr sie gefangen? Wo? An welchem Ort?� fragte einer.</style></p><p><style name="font3">�In der N�he von Rantschi.�</style></p><p><style name="font3">�Die wievielten sind es, seit die Hunde den Palast von Bihar in Brand geschossen haben?� �Ein Viertelhundert ist voll, erhabener Meister.�</style></p><p><style name="font3">�So werden wir den Engl�ndern in Bihar ein Schauspiel bereiten, das sie nie vergessen werden. Ein Viertelhundert. Ich denke, Bhowanee wird uns nicht z�rnen, wenn wir ihnen diesmal nicht die Schlinge um den Hals legen.�</style></p><p><style name="font3">Michel hatte nicht viel von der in Hindustani gef�hrten Unterhaltung verstanden. Aber Tscham lie� trotz des Knebels ein vernehmliches St�hnen h�ren. �Was will der Hund?� fragte der Wortf�hrer seinen Begleiter.</style></p><p><style name="font3">�Ah, der scheint verr�ckt zu sein. Er behauptete w�hrend des ganzen Weges, er sei der Radscha von Bihar.�</style></p><p><style name="font3">Der Meister schwieg f�r einen Augenblick. Dann zog er die Stirn in Falten. �Spricht er denn unsere Sprache?�</style></p><p><style name="font3">�Ja, er spricht sie wie einer der Unsrigen. Es ist ein junges B�rschchen, frech und aufs�ssig. Wahrscheinlich ein gekaufter Knecht der Ostindien-Kompanie.� Wieder lie� Tscham ein St�hnen h�ren.</style></p><p><style name="font3">�Nimm dem Kerl den Knebel aus dem Mund. Ich will selbst h�ren, was er zu sagen hat.� Der Thag kam dem Befehl nach.</style></p><p><style name="font3">Tscham spie ein paarmal aus. Dann blitzte er die Gesellschaft zornig an.</style></p><p><style name="font3">�Wenn ihr wieder einmal einen Radscha fangt, dann sorgt gef�lligst daf�r, da� ihr ihm </style><style name="font3">wenigstens einen sauberen Knebel in den Mund schiebt, ihr Schmutzfinken!�</style></p><p><style name="font3">�Z�hme deine Zunge, kleine Kr�te! Wir werden dich zertreten, du Wurm. Gemeinsam mit </style><style name="font3">deinen englischen Freunden werden wir dich auf einem Feuerflo� den Flu� hinunterschicken, so </style><style name="font3">da� ihr brennend durch Bihar treibt und den Faringhi die Augen aus dem Kopf treten.�</style></p><p><style name="font3">Tscham lachte bitter auf.</style></p><p><style name="font3">�Du wirst der Sache Indiens einen schlechten Dienst erweisen, wenn du den Radscha von Bihar auf ein und demselben Flo� mit den Fremden verbrennst. Noch in sp�teren Zeiten wird man �ber deine Dummheit lachen und weinen.�</style></p><p><style name="font3">Der F�hrer der Thags sah erstaunt auf den Gefangenen, der noch ein halber Knabe war. �Wenn man dich so reden h�rt�, sagte er belustigt, �k�nnte man fast glauben, du seist tats�chlich der Radscha. Aber da ich genau wei�, da� dieser mit seinem Palast untergegangen ist, so werde ich dir jetzt den Knebel wieder in dein ehrfurchtsloses Maul stecken.� Er gab einem seiner Leute einen Wink.</style></p><p><style name="font3">Michel hatte mit gesammelter Aufmerksamkeit dem Gespr�ch gelauscht. Die Stimme des F�hrers kam ihm bekannt vor. Pl�tzlich zuckte ein Blitz des Erkennens durch sein Hirn. Er dachte an jene Nacht zur�ck, in der die Thags, die er damals hatte gesund pflegen wollen, aus dem Garten des Bungalows entf�hrt worden waren. Und er dachte an den seltsamen Besucher jener Nacht, der gekommen war, nur um zu sehen, wie ein Mann ausschaute, der sich die Aufgabe gestellt hatte, verwundete Gegner zu verarzten.</style></p><p><style name="font3">Er nahm alle Kraft zusammen. Da er sich nicht verst�ndlich machen konnte, versuchte er seinen K�rper vorzurollen. Einmal, zweimal drehte er sich um sich selbst. Beim drittenmal rollte er dem Meister von hinten gegen die F��e, so da� dieser r�cklings �ber ihn fiel.</style></p><p><style name="font3">Der Thagf�hrer war mit einem w�tenden Zischlaut wieder auf den Beinen. Er ri� eine brennende Fackel vom Podest der Bhowanee herunter und wollte sie dem �belt�ter ins Gesicht sto�en. Aber er hielt inne, stie� einen �berraschten Laut aus und stierte dem Pfeifer ins Gesicht. �Ein Messer her, ein Messer, schnell�, schrie er einem Thag zu.</style></p><p><style name="font3">Zwei Sekunden sp�ter war Michel frei. Er reckte die steifen Glieder und spuckte den Knebel aus. Dann holte er ein paarmal tief Atem.</style></p><p><style name="font3">�Bei Wischnu, das ist ein Wiedersehen! Wie konntet Ihr nur in die H�nde meiner Leute geraten?� fragte der Meister der Thags auf englisch.</style></p><p><style name="font3">�Ich kann mir die R�uber, die mich �berfallen, nicht aussuchen, Pantscha�, antwortete Michel ironisch.</style></p><p><style name="font3">�Nein, nat�rlich nicht, es tut mir wirklich leid, da� man Euch so behandelt hat.�</style></p><p><style name="font3">Die �brigen Thags blickten mit Verbl�ffung auf die Szene, bis ihnen ihr Meister befahl, auch die </style><style name="font3">beiden anderen von den Stricken zu befreien.</style></p><p><style name="font3">�Was hattet Ihr mit uns vor, Pantscha?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Hm�, meinte der Meister der Thags vom unteren Ganges, �es wird Euch kaum behagen, wenn ich Euch das jetzt erz�hle. Wir haben au�er euch noch zweiundzwanzig Faringhi und Sipoys gefangen. Wir werden ein gro�es Flo� bauen, einen riesigen Scheiterhaufen daraufbinden, den Scheiterhaufen anz�nden und das brennende Flo� durch Bihar schwimmen lassen. Sie sollen bis unter die Haarwurzeln erbleichen, die kriegf�hrenden Kr�mer, wenn sie ihresgleichen oder ihre Subjekte dergestalt vorgef�hrt bekommen.�</style></p><p><style name="font3">�Ach, und an dieser Flo�fahrt sollten wir teilnehmen?� Michel sch�ttelte sich.</style></p><p><style name="font3">�Das wirst du nicht tun�, kam die helle Stimme Tschams. �Ich dulde in meinem Lande solche </style><style name="font3">Grausamkeiten nicht.�</style></p><p><style name="font3">�Halt deinen Schnabel, du hustender Floh. Wie lange willst du deine Verr�cktheiten noch weiterspinnen? � Wer ist der Junge, wo habt Ihr ihn aufgetrieben?� wandte er sich an Michel. �Es ist Tscham, der Radscha von Bihar. Mein Freund und ich konnten ihn aus dem brennenden Palast retten. Dann sind wir geflohen und hatten schon ein gutes St�ckWeg hinter uns, als uns Eure Leute im Schlaf �berw�ltigten.� Der Thag ri� die Augen auf.</style></p><p><style name="font3">�Ist � ist � ist � da � das � Euer Ernst?� stammelte er.</style></p><p><style name="font3">�Mein voller Ernst. Vor Euch steht Tscham, der rechtm��ige Erbe des Thrones von Bihar, nach dem Tode des alten F�rsten Radscha von Bihar.�</style></p><p><style name="font3">Pantscha wandte sich in seinem Dialekt an seine Untergebenen und schrie sie an: �Ihr Verr�ckten, ihr Ungl�cksraben, fallt nieder und gr��t den Radscha von Bihar, euern F�rsten, den ihr gefesselt und geknebelt tagelang mit euch geschleppt habt! Vielleicht verzeiht er euch.�</style></p><p><style name="font3">Er trat zwei Schritte auf Tscham zu, beugte die Knie, f�hrte die flach zusammengelegten H�nde zur Stirn und neigte das Haupt dreimal tief bis zur Erde. Die anderen taten es ihm nach. Tscham war schnell vers�hnt.</style></p><p><style name="font3">�Steht auf, ihr �bereifrigen. Ich bin euch nicht b�se. Ich danke euch vielmehr f�r die Treue, die ihr mir bewahrt habt.� Alle erhoben sich.</style></p><p><style name="font3">�Was soll nun werden?� wandte sich Tscham an Pantscha.</style></p><p><style name="font3">�Es liegt in deiner Hand, Hoheit, uns Befehle zu erteilen. Wenn du willst, werden die Thags am ganzen Ganges, von Delhi bis Kalkutta, an einem Tage aufstehen und allen Fremden die Schlingen Bhowanees um die feisten H�lse legen.�</style></p><p><style name="font3">Tschams Augen gl�hten. Der Aufstand w�re eine Aktion nach seinem Herzen gewesen. Doch dann fiel sein Blick auf den Pfeifer. Und er erinnerte sich des Gespr�chs, das er vor einigen Tagen mit ihm gehabt hatte.</style></p><p><style name="font3">Was w�rde Sadharan �ber diesen Plan denken, wenn er noch lebte?</style></p><p><style name="font3">Widerstreitende Gef�hle k�mpften in Tschams Brust miteinander. Neuerlich begann die Lust nach Rache und Vergeltung die Oberhand zu gewinnen. Aber dann siegte doch die Vernunft � im Augenblick wenigstens.</style></p><p><style name="font3">Er wandte sich z�gernd an Michel, fragte ihn, was er tun w�rde, und bat ihn, ihm die Entscheidung zu erleichtern.</style></p><p><style name="font3">�Du verlangst viel, Tscham�, entgegnete Michel. �Ich wei� nicht, wie stark die Thags sind, ich wei� nicht, ob ein solcher Aufstand einen dauernden Erfolg herbeif�hren w�rde, und ich glaube nicht, da� die Kompanie sich je geschlagen geben w�rde. Aber das alles sind Annahmen, Fragen, deren Beantwortung unm�glich ist. Ich kann weder f�r den Aufstand sprechen noch gegen ihn. Die Entscheidung mu�t du selbst f�llen.�</style></p><p><style name="font3">Sie standen alle schweigend beim flackernden Schein der Fackeln. Das junge Gesicht Tschams hatte einen gequ�lten Ausdruck angenommen. Dann wandte er sich mit kurzem Entschlu� an Pantscha:</style></p><p><style name="font3">�Ich wei�, da� der Versuch keinen Zweck hat, die Fremden mit Gewalt aus dem Lande zu jagen. Heute noch nicht. Sie sind st�rker. Und wenn wir Hunderte t�ten w�rden, so w�rden Tausende aufstehen und unsere wehrlosen Menschen mit grausameren Mitteln schinden.� Der Meister beugte das Haupt. Er f�gte sich dem Befehl. Aber es war anzunehmen, da� er Tschams Meinung keineswegs teilte.</style></p><p><style name="font3">�Du bist der Radscha. Ich f�ge mich deinen W�nschen. Aber die Gefangenen, die wir bis jetzt gemacht haben, sollen auf das brennende Flo�, damit den Faringhi in Bihar ein Schauspiel gezeigt wird. Sie sollen auf dem Scheiterhaufen brennen als eine warnende Fackel f�r alle Unterdr�cker.�</style></p><p><style name="font3">Tscham zog die Brauen zusammen. Er sah, da� Michel, der einen Teil davon verstanden hatte, bleich wurde. Tscham erinnerte sich der gro�en G�te, die im Herzen seines Freundes wohnte.</style></p><p><style name="font3">Auch Pantscha dachte daran, wie jener sonderbare Wei�e einst mit gefangenen Thags umgegangen war.</style></p><p><style name="font3">�Wir werden ein brennendes Flo� durch Bihar treiben lassen, Hoheit. Aber es soll ein Trick dabei sein. Keiner soll den Flammentod erleiden.� �Was f�r einen Trick meinst du?�</style></p><p><style name="font3">�Wir werden die Gefangenen ihrer Uniformen berauben, Puppen machen und diese an Stelle der Menschen auf dem Scheiterhaufen anketten.� Tscham klatschte in die H�nde.</style></p><p><style name="font3">�Das ist eine gro�artige Idee. Ich w�re am liebsten dabei, wenn die Eroberer am Ufer stehen und das Flo� vor�berzieht.�</style></p><p><style name="font3">�Wollt Ihr vielleicht die Gefangenen sehen?� fragte Pantscha. �Wer sind sie?�</style></p><p><style name="font3">�Der Kommandeur des Sipoy-Regiments, das Bihar genommen hat, drei wei�e Offiziere. Der Rest setzt sich aus verr�terischen Sipoy-Offizieren zusammen.� �Ihr meint doch nicht etwa Colonel McLee?� fragte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Doch. McLee, die anderen hei�en: Headcock, Draper und Hobori oder so �hnlich.� Tscham rief:</style></p><p><style name="font3">�Hawbury etwa? General Hawbury?� �Kein General, ein Major.�</style></p><p><style name="font3">Michel sah zu Boden. Sie hatten also Steve Hawbury gefangen. Er wandte sich an Tscham: �Es ist der Sohn von General Hawbury.�</style></p><p><style name="font3">�Und was gedenkst du mit ihnen zu tun?� fragte Tscham den Meister der Thags. �Dar�ber sollt Ihr entscheiden, Hoheit.�</style></p><p><style name="font3">�Gut, dann schicke dein Flo� bald auf den Flu� und la� die Gefangenen ein oder zwei Tage sp�ter frei!�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">54</style></p></title><p><style name="font3">Kurze Zeit, nachdem die Offiziere des zweiten Sipoy-Regiments nacheinander spurlos verschwunden waren, sandte Lord Hawbury in seiner Verzweiflung einen Eilkurier nach Kalkutta.</style></p><p><style name="font3">Der General sa� in seinem Haus und raufte sich die Haare. Seine Gedanken kreisten st�ndig um Steve.</style></p><p><style name="font3">Der Junge hatte seinen Lohn f�r den unbegr�ndeten Ha� auf die Inder schnell erhalten. Und das Regiment war praktisch f�hrerlos. Lord Hawbury hatte nat�rlich sofort die provisorische Leitung �bernommen. Aber es w�rde nicht ausreichen, um irgendwelche ernsthaften Zwischenf�lle zu bestehen. Der geregelte Dienstbetrieb lief zwar weiter. Aber man sp�rte �berall das Fehlen der Stammoffiziere. Sechs Tage waren schon vergangen. Und noch immer lie� der Bote aus Kalkutta auf sich warten.</style></p><p><style name="font3">Wieder brach ein Abend herein. Schnell ging die D�mmerung in die Nacht �ber. Lord Hawbury sa� mit einem Kompanieoffizier der Artillerieabteilung in seinem Arbeitszimmer zusammen. �Ich w�rde an Eurer Stelle ganz Bihar durchk�mmen, General. Unsere Leute m�ssen doch zu finden sein!�</style></p><p><style name="font3">�Ganz Bihar durchk�mmen, wie stellt Ihr Euch dasvor? Und Bihar ist noch nicht das Gangestal. Wer wei�, wohin die armen Teufel verschleppt worden sind! � Ob mein Sohn noch lebt?� Wilde, so hie� der Offizier, starrte auf den Boden. �Ein R�tsel ist mir, da� man gerade Euch verschont hat, Mylord. Ihr seid doch hier allgemein bekannt.�</style></p><p><style name="font3">�Ja, verdammt. Ich bin alt. Mich h�tten sie ruhig mitnehmen k�nnen. Wenn sie wenigstens Steve in Ruhe gelassen h�tten!�</style></p><p><style name="font3">Drau�en erklang Hufgetrappel. Dann h�rten sie Poltern auf der Veranda. Ohne anzuklopfen ri� ein Sipoy-Sergeant die T�r auf.</style></p><p><style name="font3">�General, General, es ist � es ist ��, seine Augen waren vor Entsetzen geweitet. Er fand die Worte nicht, um das Grauenhafte zu schildern.</style></p><p><style name="font3">�Nehmt Euch zusammen, Sergeant. Sprecht.� �Ein Flo� � auf dem Flu� � Scheiterhaufen � </style><style name="font3">alles brennt � oben drauf unsere Offiziere.�</style></p><p><style name="font3">Hawbury packte den schlotternden Soldaten bei der Schulter.</style></p><p><style name="font3">�Was denn, was denn�, schrie er, �soll das hei�en, da� die verschwundenen Offiziere verbrannt werden?�</style></p><p><style name="font3">Der zitternde Sipoy nickte stumm. Wilde sprang auf. �Soll ich Alarm geben, General?� �Ja, ja�, sagte Hawbury geistesabwesend. Er lie� den Artillerieoffizier stehen und st�rmte ohne Kopfbedeckung wie von Furien gepeitscht aus dem Haus. Als er den Flu� erreichte, h�rte er den Klang der SignalHorner.</style></p><p><style name="font3">Da dr�ben, in der Mitte des Flusses, schwamm ein gro�es Flo�. Der grelle Schein des brennenden Scheiterhaufens zeigte deutlich die unbeweglichen Gestalten von toten Menschen, die rote Uniformen trugen.</style></p><p><style name="font3">Hawbury stand und starrte. Sein graues Haar hing ihm wirr in die Stirn. Er streckte die Arme aus. Dort dr�ben war Steve. Er vermeinte sein Gesicht deutlich zu erkennen. Immer dichter kam er an das Wasser. Aber er merkte es nicht. Im letzten Augenblick ri� ihn ein Arm zur�ck. �Entschuldigt, General, Ihr w�ret fast in den Flu� gefallen�, sagte Wilde.</style></p><p><style name="font3">Hawburys Gestalt straffte sich. �Danke�, sagte er mit schwacher Stimme, �danke.� Nichts sonst. Kein weiteres Wort, kein Befehl kam �ber seine zusammengepre�ten Lippen. Viele Menschen s�umten jetzt das Ufer. Eine Kompanie stand Gewehr bei Fu�. L�hmendes Entsetzen hatte alle gepackt. Niemand vermochte seine Augen von dem grausigen Schauspiel loszurei�en.</style></p><p><style name="font3">�Was f�r Befehle habt Ihr, General?� fragte Wilde mit belegter Stimme, nur, um �berhaupt etwas zu sagen. Hawbury antwortete nicht sogleich. Pl�tzlich schrie er: �Das Flo�! - Bergt das Flo�.�</style></p><p><style name="font3">�Yes, Sir�, meinte Wilde und klappte energisch mit den Hacken.</style></p><p><style name="font3">Man konnte jetzt erkennen, wie sich das Feuer hin�ber zu den Leichen fra�. Dann leckten die Flammen nach den K�rpern. Und schon Sekunden sp�ter sah man nichts mehr als eine gro�e brennende Fackel.</style></p><p><style name="font3">Wilde erteilte seine Befehle. Aber die Sipoys r�hrten sich nicht. Ein paar wei�e Artilleristen jedoch sprangen beherzt ins Wasser und schwammen dem treibenden Flo� zu. Der Scheiterhaufen strahlte im gr��eren Umkreis solche Hitze aus, da� die Schwimmenden nicht weiter als bis auf f�nf Fu� an das Flo� heran konnten, wenn siesich nicht ihre Gesichter verbrennen wollten. Zwei von ihnen waren gute Taucher. Sie schwammen hinter das Flo�, so da� sie den leichten Wind im R�cken hatten, und versuchten, es aus der Strommitte zu schieben. Aber es gelang ihnen nicht. Nach einigen weiteren Versuchen gaben sie es auf. Vom Ufer her scholl pl�tzlich tausendstimmiges Geschrei, das immer st�rker anschwoll. Sie stutzten und schwammen zur�ck. �</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury und Wilde hatten sich um den jagenden Hufschlag in ihrem R�cken nicht gek�mmert, weil sie annehmen mu�ten, da� eine weitere Schwadron zu Pferde anr�ckte. Die Inder jedoch, Bewohner der Stadt, die sich in Scharen eingefunden hatten, wandten den Blick in die Dunkelheit und erkannten eine berittene Abteilung vermummter Gestalten. Es mochten einige zwanzig sein. Die Kavalkade galoppierte am Ufer entlang und nahm Richtung auf die Gewehr bei Fu� stehenden Sipoys. Kurz bevor sie diese erreichten, schwenkten sie nach rechts ab und warfen im Vorbeijagen je einen Mann vom Pferd, den jeder einzelne der Thags gefesselt vor sich sitzen hatte. Dann war der Spuk verschwunden. Und zweiundzwanzig halbnackte, nur mit Hemden bekleidete, an den H�nden gefesselte M�nner erhoben sich vom Erdboden.</style></p><p><style name="font3">Es waren die verschleppten Offiziere des 2. Sipoy-Regiments zu Pferde. Sie standen da, im Angesicht ihrer Untergebenen, wie begossene Pudel.</style></p><p><style name="font3">Das Geschrei schwoll an und wurde zum Gel�chter. Hawbury und Wilde glaubten nicht recht zu sehen. Da waren sie alle: Colonel McLee, Major Hawbury, Leutnant Draper und die anderen, f�rwahr ein grotesker Anblick!</style></p><p><style name="font3">Der General achtete nicht auf das Unw�rdige dieser Situation. �Steve�, sprang ein Schrei von seinen Lippen.</style></p><p><style name="font3">Der Gerufene machte sich bemerkbar. Hawbury st�rmte auf ihn zu und wollte ihn umarmen. Dann erst wurde er der sonderbaren Kleidung gewahr. �So � hat man euch nicht verbrannt?�</style></p><p><style name="font3">�Nein�, schaltete sich McLee ein, der in der N�he stand. �Die Hunde haben nur unsere Uniformen benutzt, um euch in Schrecken zu versetzen und uns l�cherlich zu machen.� Die helle Stimme Drapers kam: �Das d�rfte ihnen wohl gelungen sein�, sagte er.</style></p><p><style name="font3">Wilde hatte die Situation am schnellsten erfa�t. Er lie� die Sipoys sofort abr�cken, damit sie sich nicht weiterhin am Anblick ihrer l�cherlich wirkenden Offiziere erg�tzen konnten. Das taten daf�r die Einwohner von Bihar um so ausgiebiger.</style></p><p><style name="font3">�Schnell, Gentlemen�, sagte Lord Hawbury, �zum Bungalow. Ihr wi�t, wo ich wohne. Es sind keine dreihundert Schritt.�</style></p><p><style name="font3">Man nahm sich nicht einmal die Zeit, die Handfesseln zu durchschneiden. Die Gruppe der mit Hemden Bekleideten setzte sich in schnellen Dauerlauf. Sie atmeten auf, als sie hinter der Gartenhecke des Bungalows vor den Blicken der Bev�lkerung geborgen waren. Wilde hatte sofort den Trainf�hrer verst�ndigt, da� zweiundzwanzig Uniformen in das Haus General Hawburys gebracht werden sollten. �</style></p><p><style name="font3">Eine halbe Stunde sp�ter f�hlten sich die Herren Offiziere wieder wie Menschen. Lord Hawbury bat sie alle zu einem Whisky in das Innere des Hauses.</style></p><p><style name="font3">�Diese Bestien�, fluchte McLee. �Wenn ich einen vonden Burschen zu fassen kriege, ich lasse ihn r�dern und vierteilen.� Steve ballte drohend die F�uste.</style></p><p><style name="font3">�Jeder Inder, der mir vor die Flinte kommt, ist ein toter Mann! Darauf k�nnt Ihr Euch verlassen.�</style></p><p><style name="font3">Leutnant Draper l�chelte.</style></p><p><style name="font3">�Warum so rabiat, Gentlemen? Sie haben uns doch eigentlich nichts getan. Wir haben zu essen bekommen, man hat uns nicht gequ�lt oder geschlagen und uns gar noch wohlbehalten in unserer Garnison abgeliefert.�</style></p><p><style name="font3">�Fa�t Ihr das vielleicht als Scherz auf?� fuhr ihn Steve an.</style></p><p><style name="font3">Die anderen distanzierten sich auff�llig von dem vers�hnlich gestimmten Jungen. Aber Draper lie� sich nicht beirren.</style></p><p><style name="font3">�Nicht gerade als Scherz. Man k�nnte es vielleicht eher als eine gewisse Art von Galgenhumor auffassen.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid verr�ckt�, sagte McLee. �Habt Ihr denn gar keinen Stolz im Leibe?� �Doch�, sagte Draper betont, �ich kann Euch gar nicht sagen, wie stolz ich darauf bin, zu einer Truppe zu geh�ren, die mit englischen Kanonen den Palast von Bihar in Schutt und Asche gelegt hat! Wirklich eine stolze Tat!�</style></p><p><style name="font3">Die Offiziere sahen einander an. Sie waren betreten. Aber Steve trat mit verzerrtem Gesicht auf seinen Zugf�hrer zu.</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid ein ganz erb�rmlicher Wicht! Ihr habt eine Auffassung, die eines britischen Offiziers unw�rdig ist. Ihr seid ein unw�rdiger Untertan Seiner Majest�t.�</style></p><p><style name="font3">�War das ein dienstlicher Anpfiff�, fragte Draper l�chelnd, �oder Eure private Meinung?� �Beides!�</style></p><p><style name="font3">�Zu diesem dienstlichen Anpfiff sage ich: yes, Sir. Eure private Meinung ist falsch; ich bin kein britischer Offizier, sondern ein Kriegsknecht in den Diensten des Hofes der Direktoren in der Leadenhall Street. Als Offizier Seiner Majest�t h�tte ich nie einen Befehl erhalten, mich an blutigen Konquistadorenz�gen zu beteiligen.� �Herr!� schrie jetzt auch McLee. �Yes, Sir�, nahm Draper Haltung an.</style></p><p><style name="font3">�Ich werde Eure Ansichten dem Generalgouverneur melden. Solche Offiziere kann ich in meinem Regiment nicht gebrauchen.� �Ich bin durch den Zwischenfall, den wir nun gl�cklicherweise �berstanden haben, verhindert</style></p><p><style name="font3">gewesen, Euch rechtzeitig Meldung dar�ber zu machen, da� ich bereits nach der Beendigung der </style><style name="font3">Schlacht um Bihar mein Abschiedsgesuch an Generalgouverneur Hastings eingereicht habe.</style></p><p><style name="font3">Bitte dies als dienstlichen Rapport zu betrachten.�</style></p><p><style name="font3">Er legte die Hand an den Helm, drehte sich um und verlie� das Zimmer.</style></p><p><style name="font3">�Unerh�rt�, sagte McLee.</style></p><p><style name="font3">�Ein Meuterer�, schlo� sich Steve an.</style></p><p><style name="font3">�Viel eher ein Revolution�r�, sagte der General nachdenklich. �Und ich bezweifle nicht, da� er </style><style name="font3">trotzdem ein sehr wertvoller Mensch ist.�</style></p><p><style name="font3">�Willst du ihn vielleicht in Schutz nehmen, Papa?�</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury sch�ttelte den Kopf.</style></p><p><style name="font3">�Nein, mein Junge, er hat meinen Schutz nicht n�tig. Gute Menschen wurden seit jeher von einem H�heren besch�tzt.�</style></p><p><style name="font3">�Wollt Ihr damit sagen�, meinte McLee, �da� er besser ist als wir?�</style></p><p><style name="font3">Lord Hawbury griff zum Glas.</style></p><p><style name="font3">�Trinken wir, Gentlemen, auf eure Rettung.�</style></p></section><section><title><p><style name="font3">55</style></p></title><p><style name="font3">Die Sache mit dem Flo� hatte sich wie ein Lauffeuer im ganzen Gangestal verbreitet. Wo man sich davon erz�hlte, lachte man. Und das Lachen war so gewaltig, da� es sich bis nach Bengalen, bis nach Kalkutta, bis in den Palast des Gouverneurs fortpflanzte. Die Angeh�rigen der Kompanie spuckten Gift und Galle. Nichts ist f�r einen Eroberer gr��licher, als der L�cherlichkeit preisgegeben zu sein.</style></p><p><style name="font3">�berall, wohin der Pfeifer, Tscham und Ojo auf der Reise in die Hauptstadt kamen, sprach man von nichts anderem als von dem brennenden Flo� und den darauf gebundenen Strohpuppen. Die drei hatten diesmal den Weg �ber die Gangesstra�e genommen. Der Meister der Thags hatte ihnen versichert, da� man ihnen bis Kalkutta kein Haar kr�mmen werde, denn die Thags wachten. Man sah sie zwar nicht, aber man durfte das sichere Gef�hl haben, da� sie da waren. Erst, als sich die drei Reiter dem Stadtgebiet von Kalkutta n�herten, mahnte Michel zur Vorsicht, obwohl man kaum zu bef�rchten brauchte, da� hier irgend jemand in Tscham den Radscha von Bihar erkannte. Au�erdem war man an h�chster Stelle der Meinung, da� der Radscha beim Bombardement des Palastes umgekommen sei. Als die Stadt vor ihnen lag, sagte der Pfeifer:</style></p><p><style name="font3">�Ich habe es mir �berlegt. Es wird am besten sein, wenn wir Kalkutta gar nicht erst ber�hren, sondern direkt nach Diamond Harbour gehen. Vielleicht sind unsere Freunde inzwischen von der Reise zur�ck und k�nnen Tscham an Bord der �Trueno� verstecken. Marina wird sicherlich gern f�r dich sorgen, Tscham, w�hrend Ojo und ich noch einmal nach Kalkutta m�ssen, um erstens unser Gehalt zu holen und zweitens zu melden, da� wir noch unter den Lebenden weilen.� �Wird dieser Gouverneur nicht fragen, weshalb ihr nicht in Bihar geblieben seid?� Tscham war besorgt.</style></p><p><style name="font3">Michel beruhigte ihn.</style></p><p><style name="font3">�Sicher wird er das. Aber ebenso sicher, wie Lord Hawbury wei�, da� wir dich gerettet haben, wird er nach Kalkutta berichtet haben, da� wir w�hrend des Kampfes verschollen und wahrscheinlich ermordet worden sind.� Tscham lachte.</style></p><p><style name="font3">�Ach so. Und du wirst dem Generalgouverneur erz�hlen, da� ihr zwar tats�chlich gefangen wart, aber wieder entkommen konntet.�</style></p><p><style name="font3">�Ja. Das ist noch nicht einmal gelogen. Waren wir nicht wirklich gefangen, wenn auch irrt�mlich?�</style></p><p><style name="font3">Sie waren guter Laune. Die vierzig Meilen bis Diamond Harbour legten sie in einer Nacht und in einem halben Tag zur�ck. Als ihre Pferde am Hafen endlich den Schritt verhielten, rief Ojo: �Ole! Da sind zwei von uns. Seht, dort liegt Jardins Schiff und daneben das von Abu Hanufa.� �Ja�, sagte Michel. �Aber ich sehe weder die �Trueno� noch die �Mapeika�. Wo m�gen sie sein?�</style></p><p><style name="font3">Ojo zuckte die Schultern.</style></p><p><style name="font3">�Weshalb sollen wir uns dar�ber den Kopf zerbrechen, Senor Doktor. Leihen wir uns ein Boot und rudern hin�ber. Jardin wird uns viel zu erz�hlen haben.�</style></p><p><style name="font3">Sie meldeten sich beim Hafenkommandanten. Ihre Pferde stellten sie in einem Privatstall unter. Bevor sie ein Boot mieteten, suchte Michel einen englischen Ladenauf und kaufte einen praktischen, europ�isch geschnittenen Tropenanzug f�r Tscham.</style></p><p><style name="font3">�So ein Ding soll ich anziehen?� fragte Tscham.</style></p><p><style name="font3">�Es wird das beste sein. Schnitt und Farbe deines Gesichts sind nicht so g�nzlich indisch, da� du in entsprechender Kleidung nicht auch f�r einen Europ�er gelten kannst. Unser Ziel mu� sein: Untertauchen � nicht auffallen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich f�ge mich nat�rlich deinen W�nschen, mein Freund. Wenn ich dir wirklich nicht zur Last falle, so will ich vorl�ufig gern bei dir bleiben.� Hinter einem Geb�sch kleidete er sich um.</style></p><p><style name="font3">�Santa Maria, Madre de Dios�, rief Ojo begeistert, als er einen jungen, europ�ischen Herrn </style><style name="font3">hervortreten sah. �Ist eine solche Verwandlung m�glich? Ich bin sprachlos!�</style></p><p><style name="font3">�Ehrlich gestanden, ich auch�, sagte Michel. �Du siehst gut aus, Tscham.�</style></p><p><style name="font3">�Ja�, lachte der. �Nur mein Haar geht nicht unter den Hut. Ich glaube, ich werde es abschneiden </style><style name="font3">m�ssen.�</style></p><p><style name="font3">�Oh�, strahlte Ojo, �Jardin ist ein erstklassiger Friseur! Er wird einen Haarschnitt hinzaubern, wie ihn die spanischen Granden unter der Per�cke tragen.� �Per�cke? Was ist das?� fragte Tscham.</style></p><p><style name="font3">�K�nstliche Haare, die in Europa die vornehmen Leute �ber den nat�rlichen tragen�, belehrte ihn Michel.</style></p><p><style name="font3">�Ach, sind die richtigen Haare so h��lich? Die englischen Offiziere haben doch keine Per�cken auf?�</style></p><p><style name="font3">�Nur im Einsatz nicht. Dazu w�re ein Per�cke zu unpraktisch. Aber wenn sie in Garnison liegen und Gesellschaften, B�lle oder Empf�nge geben, dann tragen sie stets Per�cken. Warren Hastings, der Generalgouverneur, hat immer eine auf.�</style></p><p><style name="font3">Tscham war �ber die Auskunft befriedigt. Er nickte, als sei diese barocke Sitte oder Unsitte durch Michels Erkl�rung zu einer Selbstverst�ndlichkeit f�r ihn geworden. Sie gingen zum Fischereihafen und baten einen Fischer, sie gegen Bezahlung zur �Lundi� hin�berzurudern. Als sie am Schiff anlegten, fragte ein Matrose nach ihren W�nschen. �Wir m�chten den Kapit�n sprechen.�</style></p><p><style name="font3">�Der Kapit�n ist an Land, irgendwo in einem der Frachtb�ros.� �K�nnen wir hinaufkommen, um an Bord auf ihn zu warten?�</style></p><p><style name="font3">Der Matrose wu�te nicht recht, ob er das gestatten sollte. Fragend wandte er sich an den Steuermann und erhielt den Bescheid, da� das nicht m�glich sei und die Besucher in zwei bis drei Stunden wiederkommen sollten.</style></p><p><style name="font3">�Well�, rief Michel zur�ck, �wenn Euer Kapit�n kommt, richtet ihm aus, da� El Silbador ihn zu sprechen w�nscht. Er soll an Bord bleiben und auf uns warten.� �Aye, aye, Sir.�</style></p><p><style name="font3">Der Fischer ruderte sie an Land zur�ck.</style></p><p><style name="font3">�Dumme Bagage�, knurrte Ojo, �haben sie vielleicht Angst, da� wir ein Loch in ihren Kahn bohren werden? Weshalb lassen sie uns nicht an Bord?�</style></p><p><style name="font3">�Wei� ich nicht, amigo. Aber tr�ste dich, wir gehen jetzt zuerst einmal essen. Restaurants gibt es in Diamond Harbour so viele wie in jeder europ�ischen Hafenstadt.� �Etwa auch Wein?� Michel lachte.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">56</style></p></title><p><style name="font3">Als sie nach zwei Stunden wieder in dem Boot sa�en, das sie zum Schiff bringen sollte, nahmen sie mit Erstaunen wahr, da� die �Lundi� im Schmuck s�mtlicher Flaggen und Wimpel gl�nzte. Nach ein paar Minuten legten sie an dem gro�en Schiff an. Kommandos ert�nten, und dann senkte man gar ein Fallreep herab, damit sie nicht �ber die Strickleitern klettern mu�ten. Michel zog die Stirn in Falten. Der sicherlich gut gemeinte Willkommensgru� behagte ihm gar nicht; denn er f�rchtete, da� die Hafenbeh�rden auf die feiert�gliche Beflaggung aufmerksam werden k�nnten.</style></p><p><style name="font3">�ber das Fallreep stiegen sie an Deck. Die Mannschaft war vollz�hlig angetreten. Auf Jardins Gehei� brachten sie ein dreifaches Cheerio auf die Ank�mmlinge aus.</style></p><p><style name="font3">Jardin st�rzte dem Pfeifer an die Brust und umarmte ihn heftig. Dann sch�ttelte er Ojo die Hand. �Amigo, companero, carissimo, wie freue ich mich, dich wiederzusehen! � Und Ihr, Senor Doktor, auf Euch habe ich mit Schmerzen gewartet.� Michel lachte leise.</style></p><p><style name="font3">�K�nnen wir so rasch wie m�glich in Eure Kabine gehen, Alfonso?� Jardin stutzte und blickte auf den dritten Mann, den sie mitgebracht hatten. �Quien es?� fragte er und deutete auf Tscham. �Das erkl�re ich Euch, wenn wir allein sind. Kommt.�</style></p><p><style name="font3">Er bedeutete seinen Freunden, ihm zu folgen, und wandte sich der Treppe zu, die hinunter ins Kabinendeck f�hrte.</style></p><p><style name="font3">Als sie in der Kapit�nskaj�te sa�en, meinte Jardin vorwurfsvoll :</style></p><p><style name="font3">�Ich wollte Euch so gern meinen Leuten vorstellen, Senor Doktor! Die Burschen sollen Respekt vor meinen Freunden haben.� Michel winkte ab.</style></p><p><style name="font3">�Wir sind heimlich hier, amigo. Ihr k�nnt das nat�rlich nicht wissen. Ich f�rchte, da� man im </style><style name="font3">Hafen auf uns aufmerksam wird, wenn man die Flaggenparade sieht.�</style></p><p><style name="font3">�Ole, dann gebe ich sofort Anweisung, die Wimpel einzuziehen.�</style></p><p><style name="font3">Michel nickte.</style></p><p><style name="font3">�Bueno, Alfonso, tut das.�</style></p><p><style name="font3">Nach ein paar Minuten kam Jardin wieder und setzte sich. Ein fragender Blick traf ihn aus Ojos Augen.</style></p><p><style name="font3">�Was hast du, Diaz?�</style></p><p><style name="font3">�Was werde ich schon haben � Durst nat�rlich! Auf einem Schiff mit einem spanischen Kapit�n wird es doch sicherlich einen anst�ndigen Tropfen geben?� �Immer noch der Alte�, lachte Jardin. �Si�, best�tigte Ojo kurz.</style></p><p><style name="font3">Als die Flasche vor ihm stand, umfa�te er ihren Hals wie eine Kostbarkeit. Dann setzte er sie mit kurzem Schwung an die Lippen und nahm einen tiefen, tiefen Zug.</style></p><p><style name="font3">�Ah, das schmeckt! Kein Vergleich mit dem sauren Zeug, das wir eben in der Schenke dr�ben getrunken haben.�</style></p><p><style name="font3">�Es wird Zeit�, sagte Michel, �da� ich Euch unseren Begleiter vorstelle, Alfonso. Es ist Tscham, ein indischer Radscha.� Jardin nickte freundlich.</style></p><p><style name="font3">�Willkommen, Senor�, reichte er ihm die Hand.Tscham verstand zwar nichts, wu�te die Geste </style><style name="font3">aber richtig zu deuten und schlug in die dargebotene Rechte ein.</style></p><p><style name="font3">�Was, Senor Doktor�, sagte Jardin, �hat er f�r einen Beruf? - Sagtet Ihr: Radscha?�</style></p><p><style name="font3">�Ja�, best�tigte Michel.</style></p><p><style name="font3">�Was ist das? Ihr m��t verzeihen; aber mit indischen Sitten und Gebr�uchen bin ich nicht vertraut.�</style></p><p><style name="font3">Michel �bersetzte Alfonsos Worte in die englische Sprache. Und Tscham lachte.</style></p><p><style name="font3">�Oh, er versteht Englisch?� fragte Jardin. �Ich habe so viel gelernt jetzt, da� wir uns in dieser </style><style name="font3">Sprache unterhalten k�nnen�, f�gte er auf englisch hinzu.</style></p><p><style name="font3">�Well�, sagte Michel, �dann erkl�re ihm, Tscham, was ein Radscha ist.�</style></p><p><style name="font3">Tscham l�chelte.</style></p><p><style name="font3">�Ein Radscha ist ein indischer F�rst, der so lange regieren kann, wie man ihn regieren l��t.� Die letzten Worte waren mit einer gewissen Bitterkeit gesprochen. �Oh�, sagte der kleine Jardin, �welch eine Ehre f�r mein Schiff!�</style></p><p><style name="font3">�Ihr werdet diese Ehre lange haben�, warf der Pfeifer ein. �Ihr sollt Tscham vorl�ufig bei Euch auf dem Schiff behalten und gegen jedermann von seiner Anwesenheit schweigen.� Er erstattete einen umfassenden Bericht �ber die Erlebnisse im Innern Indiens. Jardin lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit. Als Michel geendet hatte, hieb er mit der Faust auf den Tisch. �So geb�rdet sich die Ostindien-Kompanie? F�r solch eine Gesellschaft sollen wir Handel treiben, die Meere sauberhalten und uns gegen Flibustier wehren? � Ihr werdet Euch vermutlich gewundert haben, da� weder die �Mapeika� noch die �Trueno� da sind. Ich erwarte jeden Tag eine Untersuchungskommission aus Kalkutta, der ich �ber das Verschwinden der beiden Schiffe offiziell Meldung machen kann. Es ist eine eigent�mliche Sache mit der �Mapeika�.� Er schilderte die Ereignisse, wie sie sich zugetragen hatten. Als er zu Ende war, sagte Michel: �Das sieht Marina �hnlich. Aber das Verschwinden von Porquez und seinem Schiff ist mir so unerkl�rlich wie Euch.�</style></p><p><style name="font3">�Meine Matrosen sagen, das Gespensterschiff habe ihn geholt.�</style></p><p><style name="font3">�Unsinn�, erwiderte Michel und blickte gr�belnd vor sich auf die Tischplatte. Auf einmal sah er auf. Seine Augen waren fragend auf Jardin gerichtet. �Sagt, hatte Porquez nicht die gefangenen T�rken noch immer im Kielraum?� �Ja�, gab Jardin zu.</style></p><p><style name="font3">�Dann ist mir alles klar. Die Burschen haben sich befreit, die Mannschaft �berw�ltigt und dann das Weite gesucht. Welch ein Ungl�cksrabe, der arme Porquez!� �Glaubt Ihr das wirklich?�</style></p><p><style name="font3">�Es ist die einzige nat�rliche Erkl�rung. An Gespenster glaube ich nicht.�</style></p><p><style name="font3">Schweigen war in der Kaj�te. Jeder hing seinen Gedanken nach. Nach einer Weile sagte Michel:</style></p><p><style name="font3">�Werdet Ihr Tscham verbergen k�nnen, solange Ihr im Hafen seid?�</style></p><p><style name="font3">�O ja. Er ist hier sicher.�</style></p><p><style name="font3">�Gut, Alfonso, ich habe Vertrauen zu Euch. Ojo und ich m�ssen jetzt zuerst einmal nach Kalkutta.�</style></p><p><style name="font3">Kurz bevor sie die Kaj�te verlie�en, entfernte sich eilig eine Gestalt, die in der N�he der T�r herumgelungerthatte. Der Mann sprang mit gro�en Schritten �ber die Stiege ans Oberdeck und besch�ftigte sich gleich darauf angelegentlich mit einer Taurolle.</style></p><p><style name="font3">Fr�h am n�chsten Morgen stie� das Boot vom Schiff ab. Michel und Ojo waren zur Reise ger�stet. �</style></p><p><style name="font3">Tscham sa� in der Kapit�nskaj�te. Er f�hlte sich noch nicht so ganz sicher. Freilich, gegen den kleinen Kapit�n hatte er kein Mi�trauen. Aber die Mannschaft � w�rden sich die Matrosen nicht wundern, da� ein fremder Gast an Bord war? Waren sie verl��lich? Tscham ging unruhig in der Kaj�te auf und ab. Gegen Mittag kam Jardin herunter und sagte:</style></p><p><style name="font3">�Es wird gut sein, wenn Ihr Euch jetzt irgendwo verbergt. Ich erhielt vom Hafenkommandanten gerade die Nachricht, da� die Kommission eingetroffen ist. Wir m�ssen jede Minute damit rechnen, da� die Herrschaften an Bord kommen.� �Wo wollt Ihr, da� ich mich verberge?�</style></p><p><style name="font3">�Am besten, Ihr steigt so lange hinab in den Kielraum. Ich werde Euch zu gegebener Zeit wieder </style><style name="font3">befreien.�</style></p><p><style name="font3">Es klopfte.</style></p><p><style name="font3">�Maldito, wer will jetzt etwas von mir?�</style></p><p><style name="font3">Er �ffnete die T�r einen Spalt. Der Bootsmannsmaat Sterling stand vor ihm. �Was wollt Ihr?� fragte der kleine Alfonso ungehalten. Sterling nahm den Hut ab und meinte:</style></p><p><style name="font3">�Ich habe heute nachmittag wachfrei, Captain. Ich m�chte um Landurlaub bitten.� W�hrend er sprach, wanderten seine Augen suchend hin und her.</style></p><p><style name="font3">�Das geht nicht, Sterling, wir bekommen wahrscheinlich in wenigen Minuten hohen Besuch. Da kann ich keinen Bootsmannsmaat beurlauben.�</style></p><p><style name="font3">�Es wird mit dem Besuch nicht so schlimm werden, Captain. Hilger vertritt mich. Niemand wird mich vermissen.�</style></p><p><style name="font3">�All right, dann geht meinetwegen.� �Danke, Captain.�</style></p><p><style name="font3">Jardin warf die T�r zu. Er mochte diesen Sterling nicht. Der Kerl war aufdringlich und hatte falsche Augen.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">57</style></p></title><p><style name="font3">Im B�ro des Hafenkommandanten sa�en drei Herren der Versicherungsgesellschaft von Lloyd, die auch in Kalkutta eine Zweigniederlassung hatte. Der eine der Herren fragte den Kommandanten:</style></p><p><style name="font3">�Ihr habt also nicht den Eindruck, Sir David, da� sich die zwei Schiffe aus dem Staub gemacht haben, damit ihre Freunde sie als vermi�t melden und die Versicherungssumme einkassieren k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">Sir David Royce antwortete:</style></p><p><style name="font3">�Das kann ich mir nicht denken. Ja, wenn die �Lundi� und die �Dimanche� verlorengegangen w�ren und die beiden anderen Schiffe hier aufgetaucht w�ren, um diesen Schwindel auszuf�hren, dann h�tte ich auch meine Bedenken gehabt; denn die Flottillenchefin ist ein kluges Weib, deren List wir sicher nicht gewachsen w�ren. Aber so���</style></p><p><style name="font3">�Trotzdem�, meinte einer. �Wir wollen den Kapit�n Jardin genau vernehmen. Bei Lloyd glaubt man nicht an solche Zuf�lle, zumal alle vier ihre Ladung bei unserer Zweigstelle in Singapur mit einer viel zu hohen Summe versichert haben.�</style></p><p><style name="font3">�Hm�, sagte Sir David. Seine Stirn umw�lkte sich. Er mochte diese zusammengew�rfelten Leute der Flottille gern. �Ihr k�nnt nat�rlich recht haben, Gentlemen. Ich will da auch nicht dreinreden. Aber ich bin nur ein Hafenkommandant und kein Detektiv. Das beste wird sein, ihr la�t euch hinausrudern und h�rt, was der Kapit�n Jardin zu sagen hat.�</style></p><p><style name="font3">Die T�r �ffnete sich, und ein vierter Zivilist trat ein. Die Anwesenden erhoben sich h�flich. Sir Edward William stand im Raum.</style></p><p><style name="font3">�Nun, sind sich die Gentlemen in ihrer Meinung einig?�</style></p><p><style name="font3">�No, Exzellenz�, sagte der eine der Versicherungsleute. �Sir David glaubt nicht an einen Betrug.�</style></p><p><style name="font3">�Ich eigentlich auch nicht�, sagte William. �Aber wir m�ssen die Angelegenheit aufkl�ren; denn der Generalgouverneur hat mich hierher geschickt, damit ich ihm meinen eigenen Eindruck �bermitteln kann.�</style></p><p><style name="font3">In diesem Augenblick h�rte man drau�en lautes Schimpfen. Dann klangen polternde Schritte. Royce �ffnete die T�r und schrie zwei Soldaten und einen Matrosen an, die sich zu zanken schienen.</style></p><p><style name="font3">�Damned, gebt Ruhe! Sonst setzt es Strafdienst.�</style></p><p><style name="font3">�Ich will zum Kommandanten!� rief der Matrose w�tend. �La�t mich durch, ihr bl�den Kerle!� �Was will der Mann?� fragte Royce.</style></p><p><style name="font3">�Ich habe eine wichtige Meldung zu machen.� Royce gab den beiden Soldaten einen Wink. Der Matrose scho� auf ihn zu.</style></p><p><style name="font3">�Ihr m��t sofort einen Boten nach Kalkutta schicken, Sir! Die Meldung ist sehr wichtig.� �Wer seid Ihr denn eigentlich?� �Bootsmannsmaat Sterling auf der �Lundi�.�</style></p><p><style name="font3">�Ah�, sagte William und trat vor. �Freue mich, Euch zu sehen, Sterling.� Er wandte sich an die anderen. �Ihr m��t n�mlich wissen, da� Sterling ein Vertrauensmann ist, der in unserem Auftrag bei der Flottille angeheuert hat. Es ist immer gut, wenn man sich durch eigene Leute informieren kann.�</style></p><p><style name="font3">Er sch�ttelte Sterling die Hand.</style></p><p><style name="font3">�Oh, gut, da� ich Euch selbst treffe, Sir Edward�, sagte Sterling. �Wi�t Ihr, wer sich seit gestern </style><style name="font3">nachmittag an Bord der �Lundi� versteckt h�lt?�</style></p><p><style name="font3">�Keine Ahnung.�</style></p><p><style name="font3">Sterling machte eine Kunstpause.</style></p><p><style name="font3">�Ihr ratet es nie und nimmer. Es ist � ein junger Radscha, der sich angeblich verborgen halten </style><style name="font3">mu�. Soviel konnte ich wenigstens erlauschen.�</style></p><p><style name="font3">William trat einen Schritt zur�ck.</style></p><p><style name="font3">�Ihr irrt Euch doch bestimmt nicht?�</style></p><p><style name="font3">�Nein. Ich wei�, da� sie ihn Tscham nannten.�</style></p><p><style name="font3">�Tscham? � Teufel, wenn ich nicht genau w��te, da� der Radscha von Bihar tot ist, so w�rde ich Stein und Bein schw�ren, da� er es ist! Wie ist er zu euch an Bord gekommen?� �Zwei M�nner brachten ihn gestern. Wir mu�ten zu ihrem Empfang das ganze Schiff bewimpeln und drei Cheers ausbringen. Unser Kapit�n fiel dem einen um den Hals und nannte ihn amigo. Sie redeten anfangs nur Spanisch miteinander.� �Die Namen wi�t Ihr nicht?�</style></p><p><style name="font3">�Nein. Der Kapit�n redete den j�ngeren mit Senor Doktor an.� William starrte Sterling an.</style></p><p><style name="font3">�Dann ist es tats�chlich der Radscha von Bihar. In ganz Indien gibt es nur einen �Senor Doktor�. Sie nennen ihn auch den Pfeifer. � Well, der Zusammenhang ist mir jetztklar. Befinden sich jener Senor Doktor und der amigo des Kapit�ns ebenfalls an Bord?� �Nein, sie brachen heute fr�h nach Kalkutta auf.� �Sir David�, wandte sich William an den Kommandanten, �Ihr m��t sofort Hafenpolizei hin�berschicken, um den Radscha zu verhaften. Ich glaube, die Herren von Lloyd werden sich mit ihren Untersuchungen noch etwas gedulden m�ssen.�</style></p><p><style name="font3">�Yes, Exzellenz�, verbeugte sich Sir David leicht und gab seine Befehle.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">58</style></p></title><p><style name="font3">Jardin stand im Steuerhaus und unterhielt sich mit dem Steuermann. In diesem Augenblick rief eine der Wachen:</style></p><p><style name="font3">�Hallo, Captain, die Kommission scheint zu kommen. Das Boot zeigt die Flagge der Hafenbeh�rde.�</style></p><p><style name="font3">Jardin eilte hinaus und blieb an der Reling stehen.</style></p><p><style name="font3">�La�t das Fallreep hinab�, befahl er. Dann wandte er sich an den Ersten. �La�t die Leute </style><style name="font3">antreten und macht ein Pfeifkonzert, wenn die hohen Herren an Bord kommen. Ich bin gleich </style><style name="font3">wieder da.�</style></p><p><style name="font3">�Aye, aye, Captain.�</style></p><p><style name="font3">Alfonso Jardin eilte in seine Kaj�te.</style></p><p><style name="font3">�Mr. Tscham�, sagte er hastig, �kommt mit! Die Kommission ist im Anrollen. Ihr m��t in den Kielraum.�</style></p><p><style name="font3">Tscham nickte. Viel Zeit hatten sie nicht mehr. Jardin ergriff ein Tau, hielt es fest, und Tscham lie� sich schnell daran hinunter.</style></p><p><style name="font3">�All right, ich befreie Euch bald wieder aus diesem Loch. Verliert nicht die Geduld.�</style></p><p><style name="font3">Er warf die Klappe zu und rannte in seine Kabine. Mit hastigen Handgriffen beseitigte er dort die </style><style name="font3">letzten Spuren von Tschams Anwesenheit.</style></p><p><style name="font3">Er erreichte das Oberdeck zur selben Zeit, als die Bootsmannspfeifen mit ihrem ab- und anschwellenden Ton die G�ste willkommen hie�en.</style></p><p><style name="font3">Jardin blieb erstaunt stehen, als er sah, da� es sich bei den Ank�mmlingen lediglich um untergeordnete Polizeiorgane des Hafens handelte. Inspektor Bate l�chelte �ber den Empfang. Dieser kleine Spanier schien selbst vor einem Mann mit einem weit unter dem Rang eines Kapit�ns stehenden Dienstgrad Respekt zu haben, wenn dieser zu den Hafenbeh�rden geh�rte. Geringsch�tzig sagte der Inspektor:</style></p><p><style name="font3">�Wir haben Auftrag, das Schiff zu durchsuchen, Captain.�</style></p><p><style name="font3">Jardin begriff nicht sogleich. Aber nachdem er sich von seinem ersten Erstaunen erholt hatte, fragte er:</style></p><p><style name="font3">�Das Schiff wollt Ihr durchsuchen? Wozu? Glaubt Ihr, wir haben die �Trueno� und die �Mapeika� in unserem Kielraum versteckt? Seid Ihr nicht einer der Hafeninspektoren?� �Ja. Der Kommandant schickte mich zur Ausf�hrung des Befehls an Bord. Wollt Ihr mir Schwierigkeiten machen?�</style></p><p><style name="font3">�Zeigt mir Eure Beglaubigung vom Generalgouverneur. Mir wurde ausdr�cklich versichert, da� die Untersuchungskommission aus h�heren Beamten bestehe, die eigens von Kalkutta nach hier geschickt werden sollten.�</style></p><p><style name="font3">�Ich glaube, Ihr habt mich mi�verstanden, Mr. Jardin. Wir sind nicht die </style><style name="font3">Untersuchungskommission. Wir sollen lediglich Euer Schiff durchsuchen. Eine ganz allt�gliche Polizeiangelegenheit.�</style></p><p><style name="font3">Jetzt stutzte Jardin. Weshalb diese Durchsuchung? Die Zinnbarren waren ordnungsgem�� registriert und entladen worden. Der Kleine wollte Zeit gewinnen. Er .zwang ein breites Lachen auf sein Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�So, ihr seid nicht die hohen Herren, die wir erwartet haben. Well, dann mu� ich erst meine Leute wegtreten lassen.�</style></p><p><style name="font3">Er wandte sich augenzwinkernd an den Ersten Offizier. �Schickt die Leute in ihre Kojen.� �Aye, aye, Sir.�</style></p><p><style name="font3">Bate �rgerte sich. Er war also doch keine so respektgebietende Pers�nlichkeit, wie er eben noch geglaubt hatte.</style></p><p><style name="font3">Als das Kommando �Wegtreten!� verklungen war, stieg ein donnerndes Lachen aus den Kehlen </style><style name="font3">der Besatzung, das sich �ber die Polizisten und ihren Inspektor ergo�.</style></p><p><style name="font3">Bate bi� die Lippen zusammen.</style></p><p><style name="font3">�K�nnen wir nun beginnen?� fragte er Jardin.</style></p><p><style name="font3">�Womit?�</style></p><p><style name="font3">�Mit der Durchsuchung nat�rlich.�</style></p><p><style name="font3">�Doch nicht etwa mit der Durchsuchung meines Schiffes?� �Nat�rlich. Was sonst?�</style></p><p><style name="font3">�Was sonst? � Sehr einfach. Seht zu, da� Ihr so schnell wie m�glich wieder in Euer Boot kommt. Seit wann darf die Hafenpolizei einfach Schiffe durchsuchen, wann es ihr beliebt?� Bate lie� sich nicht einsch�chtern.</style></p><p><style name="font3">�Ihr scheint zu vergessen, da� Ihr einen Vertrag mit der Ostindien-Kompanie habt. Solange dieser Vertrag g�ltig ist, �bt die Kompanie die Hoheitsrechte auf Euerm Schiff aus. Was soll also die Weigerung?�</style></p><p><style name="font3">Jardin krauste die Stirn. Er wu�te zwar nichts von solchen Rechten; aber er war an den Vertrag </style><style name="font3">gebunden. Die Hafenbeh�rden waren Beh�rden der Kompanie.</style></p><p><style name="font3">�Was sucht Ihr eigentlich hier?�</style></p><p><style name="font3">�Ihr sollt einen Verbrecher an Bord haben.�</style></p><p><style name="font3">�Einen Verbrecher? Davon m��te ich etwas wissen.�</style></p><p><style name="font3">�Stellt Euch nicht dumm�, meinte Bate aufgebracht.</style></p><p><style name="font3">�Herr!� fuhr ihn Alfonso an und reckte m�chtig die Glieder, um etwas gr��er zu erscheinen. �In welchem Ton redet Ihr mit einem Kapit�n!�</style></p><p><style name="font3">Bate hielt sich zur�ck. Es war ihm nicht befohlen worden, unn�tig grob zu werden.</style></p><p><style name="font3">�Ihr m��t doch verstehen, da� ich nur meine Pflicht erf�lle, Captain. Ich habe den Befehl, Euer </style><style name="font3">Schiff zu durchsuchen und mu� es tun.�Bitte, habt ein Einsehen.�</style></p><p><style name="font3">�So ist das schon viel besser�, meinte Jardin und stemmte energisch die H�nde in die Seiten.</style></p><p><style name="font3">�Macht Euch an die Arbeit. Ihr werdet keinen Verbrecher finden.�</style></p><p><style name="font3">�So?� Bate konnte sich doch nicht zur�ckhalten. �Seid Ihr dessen sicher, da� sich der Ex-</style><style name="font3">Radscha vonBihar nicht an Bord befindet?�</style></p><p><style name="font3">Jardins �berraschung spiegelte sich in seinem Gesicht wider.</style></p><p><style name="font3">�Liefert ihn freiwillig aus; dann k�nnen wir uns und Euch die Durchsuchung ersparen.� Jardin fa�te sich. Als Vertragspartner der Kompanie war er verpflichtet, sich den Anweisungen aus Kalkutta zu beugen. Aber waren nicht der Pfeifer und Ojo auch Vertragspartner? Und sie hatten den Radscha vor der Kompanie gerettet. Andererseits hatte Jardin in erster Linie die Verantwortung f�r sein Schiff. Er war ratlos. Jetzt fehlte ihm � wie so oft � der verehrte Senor Doktor, der eine solche Situation sicherlich mit Leichtigkeit gemeistert h�tte. �Nun, wie habt Ihr Euch entschlossen?�</style></p><p><style name="font3">�Sucht� sagte Jardin barsch. �Ihr werdet nichts finden. Eure Annahme, der Radscha sei hier an Bord, kann nur der Phantasie eines Verr�ckten entsprungen sein.�</style></p><p><style name="font3">Bate f�hlte auf einmal etwas wie Sympathie f�r den kleinen Kapit�n aufsteigen. Im Weitergehen beugte er sich dicht zu dessen Ohr nieder.</style></p><p><style name="font3">�Oder dem Mund eines Verr�ters�, fl�sterte Bate. �Ihr m��t Euch Eure Leute besser ansehen, vor allem die Maats.�</style></p><p><style name="font3">Jardin zuckte zur�ck. Verflucht! Sollte Sterling deshalb auf Landurlaub gegangen sein? Die Polizisten hielten sich nicht mit einer Visitation der Kaj�ten auf. Sie wu�ten, wo man an Bord am besten einen Menschen verstecken konnte. Sie �ffneten die Luke des Kielraums und riefen hinunter:</style></p><p><style name="font3">�He, kommt rauf, macht Euch bemerkbar. Wir wissen, da� Ihr da unten sitzt.�</style></p><p><style name="font3">Es r�hrte sich nichts.</style></p><p><style name="font3">�Eine Leiter�, befahl Bate.</style></p><p><style name="font3">Es war weit und breit keine zu finden.</style></p><p><style name="font3">�Nehmt das Seil dort. Haltet es fest. Ich lasse mich daran hinab.�</style></p><p><style name="font3">Unten konnte man kaum die Hand vor Augen erkennen. Aber einer der Beamten hatte eine </style><style name="font3">Lampe bei sich. Er lie� sie am Seil hinunter.</style></p><p><style name="font3">Jardin bi� sich auf die Lippen. Aus!</style></p><p><style name="font3">Dann h�rte man Stimmen von unten.</style></p><p><style name="font3">�Gegenwehr ist zwecklos�, sagte Bate.</style></p><p><style name="font3">Ein Gegenstand schwirrte durch die Luft. Ein dumpfer Schlag. Ein St�hnen. Bate hatte sein Leben ausgehaucht.</style></p><p><style name="font3">Der kleine Jardin sah, da� die Lage ernst wurde. Es konnte jetzt nur noch kurze Zeit dauern, bis die Polizei Siegerin blieb. Wenn es nicht anders ging, w�rde man einfach schie�en. Bate war tot. Grund genug f�r Jardin, sich die Folgen zu �berlegen, die f�r ihn daraus erwachsen konnten. Es gab nur eine: Verhaftung wegen Beherbergung eines Verbrechers und Vers�umnis der Kapit�nspflichten.</style></p><p><style name="font3">Alfonso Jardin zog sich Schritt f�r Schritt von den Beamten zur�ck. Sie waren viel zu eifrig besch�ftigt, als da� sie ihm in diesem D�mmerlicht auch noch ihre Aufmerksamkeit schenken konnten.</style></p><p><style name="font3">Er hielt sich nicht in der Kapit�nskaj�te auf, raffte nur eilig seine Barmittel an sich, nahm einen bequemen Landanzug aus seiner Kiste, verstaute die Dinge in einem Tuch und begab sich dann an Deck.</style></p><p><style name="font3">Er befahl, ein Boot klarzumachen und ihn zur �Dimanche� hin�berzurudern. Es dauerte nur wenige Minuten, bis das Boot vom Schiff abstie�. -</style></p><p><style name="font3">Tscham war von den Polizisten unterdessen �berw�ltigt und in Ketten gelegt worden. Sein wei�er Anzug war zerrissen und beschmutzt. Aber seine Augen waren stolz zum Himmel emporgerichtet.</style></p><p><style name="font3">Die Ketten waren l�stig; konnten aber seine Seele nicht umschlie�en. Und was waren f�r einen Hinduf�rsten schon gefesselte Arme? Waren sie nicht alle gefesselt, die Maharatten, Radschas und Peschwas, die von Gnaden der Kompanie und als deren Vasallen lebten? Tscham hatte ihnen eins voraus. Er war nie ein Vasall gewesen und w�rde auch nie einer werden. Da� seine Freiheit nun am Galgen in Kalkutta enden w�rde, was machte das der Seele aus? Tscham l�chelte.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">59</style></p></title><p><style name="font3">�Bei Allah, Sayd, was verschafft uns die Ehre deines Besuchs?� fragte Abu Hanufa, als Jardin auf den Planken der �Dimanche� stand. �Que hay?� fragte Jardin. Ibn Kuteiba kam.</style></p><p><style name="font3">�Ah, Senor Capitan, herzlich willkommen�, sagte er. . Abu Hanufa hatte mit Not und M�he so viel Pidgin-Englisch gelernt, da� er seinen Matrosen die notwendigsten Befehle geben konnte. Aber auch keine Silbe mehr. Er sch�ttelte dem kleinen Alfonso die Hand. �Kann ich mich mit euch beiden irgendwo unterhalten, wo uns niemand belauschen kann?� Ibn Kuteiba �bersetzte.</style></p><p><style name="font3">Abu Hanufa nickte und lud den Gast mit einer Handbewegung ein, ihm in die Kapit�nskaj�te zu folgen.</style></p><p><style name="font3">Aufatmend lie� sich Jardin in einen Sessel fallen.</style></p><p><style name="font3">In hastigen Worten gab er seinen Bericht. Ibn Kuteiba konnte mit der �bersetzung kaum folgen. Als der Kleine geendet hatte, blickten sich die beiden Araber an. Hanufa sagte etwas. Und Ibn Kuteiba gab es wieder:</style></p><p><style name="font3">�Er meint, da� nicht nur Euch und uns Gefahr droht, sondern auch dem Pfeifer; denn dieser hat ja Tscham schlie�lich gerettet. Verhaftet man aber den Radscha, weil er ein Verbrecher sein soll, so wird man auch dem Pfeifer den Proze� machen.�</style></p><p><style name="font3">�Ganz recht�, nickte Jardin. �Ich bin auch nicht nur zu euch gekommen, um euch die Vorf�lle zu erz�hlen, sondern um von hier nach Einbruch der Dunkelheit an Land zu gehen und dem Pfeifer zu folgen.�</style></p><p><style name="font3">Ibn Kuteiba �bersetzte.</style></p><p><style name="font3">Abu Hanufa sah gedankenvoll vor sich hin. Dann lie� er sagen:</style></p><p><style name="font3">�Und was wird aus uns, aus meinem Schiff? Sie werden sich nicht damit begn�gen, nur bei Euch eine Untersuchung einzuleiten. Diese Angelegenheit wird sich auf die ganze Flottille erstrecken. Was ratet Ihr uns?�</style></p><p><style name="font3">�Ihr solltet auslaufen, sobald ich von Bord bin und bevor Eure Mannschaft von den Vorg�ngen etwas erf�hrt. Ich glaube, die Leute sind uns nicht ergeben. Sie halten in Zweifelsf�llen zur Kompanie. Es gibt nur eine Mannschaft, auf die man sich verlassen kann. Das ist die Mannschaft Marinas. Ja, und ohne die �Trueno� sind wir aufgeschmissen.� Abu Hanufa stand auf und winkte den beiden, ihm zu folgen. Sie gingen in das Navigationsh�uschen, wo die gro�e Karte auf dem Tisch lag. Der Kapit�n der �Dimanche� beugte sich dar�ber und suchte lange. Dann endlich deutete er mit dem Finger auf eine Stadt. Es war Akjab. Er sagte etwas zu Ibn Kuteiba. Der �bersetzte:</style></p><p><style name="font3">�Der Kapit�n schl�gt vor, da� wir bis nach Akjab fahren. Wir k�nnen in zwei Tagen dort sein. Wir gehen aber nicht in den Hafen, sondern kreuzen nur auf der H�he. Vierzehn Tage wollen wir dort auf Euch warten. Wenn Ihr Euch bis zu diesem Zeitpunkt an Land nicht irgendwo bemerkbar macht, fahren wir weiter an der K�ste von Siam entlang und versuchen, Marina und Por-quez zu finden. Marina wird dann schon Rat wissen.�</style></p><p><style name="font3">�Bien, amigos, die Idee ist gut. Nur m�chte ich euch bitten, etwas l�nger zu warten. Vierzehn Tage sind, wenn alles gut geht, vielleicht doch ein wenig knapp. Sagen wir zwanzig Tage. Sind wir bis dahin nicht zur�ck, so tut, was ihr gesagt habt. Marina wird uns hoffentlich zu finden wissen.�</style></p><p><style name="font3">Sie sch�ttelten sich die H�nde. Ibn Kuteiba erbat f�r den Rest des Tages Landurlaub. Er wurde gew�hrt.</style></p><p><style name="font3">�Ich werde jetzt an Land gehen, um ein Pferd f�r Euch zu besorgen�, sagte er zu Jardin. �Dann braucht Ihr Euch am Abend nicht mehr damit aufzuhalten.� �Danke�, freute sich der Kleine. �Ihr seid famose Kerle.�</style></p><p><style name="font3">�Der Schejtan soll denjenigen holen, der sich an dem Pfeifer Sayd vergreift�, sagte der Kapit�n mit furchteinfl��ender Miene auf arabisch.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">60</style></p></title><p><style name="font3">Michel und Ojo beeilten sich nicht sonderlich. Der Weg von Diamond Harbour bis Kalkutta war nicht einmal siebzig Meilen weit. Sie w�rden ohnehin nicht fr�h genug in Kalkutta sein, um am selben Tag noch vom Generalgouverneur empfangen zu werden.</style></p><p><style name="font3">Als der Nachmittag herankam, sp�rte Ojo unwiderstehliches Verlangen nach einem Becher Wein. Hier, an der belebten Verbindungsstra�e, die schon fast ein europ�isches Gepr�ge aufwies, gab es hin und wieder auch europ�ische Gasth�user.</style></p><p><style name="font3">�Wer Durst hat, soll trinken�, stimmte Michel dem Verlangen des Gef�hrten zu. �Ich habe auch welchen. Komm, steigen wir ab. Die Kneipe da sieht gut aus.�</style></p><p><style name="font3">�Ihr seid einer der vern�nftigsten Menschen, die ich kenne, Senor Doktor! Bei Euch kommt wenigstens die Kehle nicht zu kurz. Und die Stra�e ist ja wahrhaftig das reinste Staubbad.� Sie stiegen ab und banden die Tiere an. Vor dem Haus war ein schattiger Garten. Dort standen B�nke und Tische. Es war um diese Zeit kein weiterer Gast anwesend. Der Wirt kam.</style></p><p><style name="font3">Ojo sagte etwas auf spanisch, ohne daran zu denken, da� man sich in dieser Gegend nur auf englisch verst�ndigen konnte. Der Pfeifer wollte vermittelnd eingreifen, als der dicke Wirt einen Jubelruf ausstie�: �Ole, Senores! Landsleute?�</style></p><p><style name="font3">�Por Dios!� schlug sich Ojo auf die Schenkel. �Welch eine Lust, bei einem Spanier Wein zu trinken! Bringt vom allerbesten, Senor! Der Staub � der Staub! Wie k�nnt Ihr an dieser Stra�e �berhaupt existieren?�</style></p><p><style name="font3">Der Wirt seufzte. �Ja, wo der liebe Gott uns hingesetzt hat, da m�ssen wir aushalten�, sagte er. Er schien ein frommer Mann zu sein.</style></p><p><style name="font3">�Dann bittet den lieben Gott, da� er Euch woanders hinsetzt, Senor�, lachte Ojo. �Aber wartet </style><style name="font3">noch damit, bis wir unseren Wein getrunken haben.�</style></p><p><style name="font3">�Spottet nicht, Vuestra Merced. Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe.�</style></p><p><style name="font3">�Das ist selten heutzutage, da� jemand zufrieden ist. Ich w�nschte, wir k�nnten das auch von </style><style name="font3">uns behaupten.�</style></p><p><style name="font3">Michel hatte dem Gespr�ch am�siert gelauscht, ohne ein Wort zu sagen. Er wurde pl�tzlich vom Ger�usch schnellen Hufschlags abgelenkt. Drau�en jagte ein Reiter in voller Karriere vorbei. �Er reitet, als sei der Teufel hinter ihm her�, meinte Ojo kopfsch�ttelnd. �Wie kann man sich bei dem Staub und bei der Hitze so abjagen.�</style></p><p><style name="font3">�Es war ein Inspektor von der Hafenkommandantur�, sagte der Wirt. �Ich kenne ihn. Er kommt �fter hier entlang, steigt ab und trinkt ein Gl�schen. Man kann einen netten Schwatz mit ihm halten, obwohl er ein Ketzer ist.�</style></p><p><style name="font3">�Nun, bringt uns jetzt Wein, Herr Wirt�, sagte Michel. �Wir wollen uns nicht zu lange verweilen.�</style></p><p><style name="font3">Er war pl�tzlich unruhig geworden. Er hatte einen Sinn f�r Gefahren. Vielleicht hatte es mit dem nach Kalkutta jagenden Inspektor etwas Besonderes auf sich.</style></p><p><style name="font3">Als der Wirt den Krug und die Becher auf die rohe Tischplatte setzte, fragte ihn Michel: �Reitet der Inspektor oft in diesem Tempo bei Euch vorbei?�</style></p><p><style name="font3">�No, Senor. Einmal habe ich es erst erlebt. Das war, als eine Hochflut die Schiffe auf die Molen gehoben hatte. Ist aber lange her.�</style></p><p><style name="font3">�Hm�, machte der Pfeifer. �Was kann er jetzt wohl haben?� Der Wirt zuckte die Achseln.</style></p><p><style name="font3">Ojo hatte keine tr�ben Gedanken. Er schnalzte mit der Zunge und go� sich bereits den zweiten Becher voll. �</style></p><p><style name="font3">Nach einer Stunde ritten sie weiter. Die Sonne hatte drei Viertel ihres Tageslaufs hinter sich gebracht.</style></p><p><style name="font3">�Wir werden erst zur Nachtzeit in der Stadt sein�, sagte Ojo. Der Pfeifer nickte und meinte dann:</style></p><p><style name="font3">�Morgen fr�h lassen wir uns bei Hastings melden, holen unser noch ausstehendes Gehalt ab, nehmen Abschied von der Kompanie und reiten schnellstens wieder zum Hafen zur�ck.� �Weshalb seid Ihr so eilig?�</style></p><p><style name="font3">Michel antwortete nicht. Wie spielerisch nahm er sein Gewehr vom R�cken und lie� die L�ufe mehrmals um die Achse rotieren. Sie drehten sich so leicht, als seien sie soeben erst eingefettet worden.</style></p><p><style name="font3">�Gib mir deine Lederdecke, Diaz.� Oj o war verbl�fft.</style></p><p><style name="font3">�Wozu braucht Ihr sie jetzt, Senor Doktor?�</style></p><p><style name="font3">�Nicht jetzt. Erst kurz bevor wir die Stadt erreichen. Ich habe so meine eigenen Gedanken.� Ojo fragte nicht weiter. Er wollte sich die gute Weinlaune nicht verderben lassen. Er nestelte die Decke hinter sich los und reichte sie dem Pfeifer. �Danke, Diaz. Du bekommst sie wieder.�</style></p><p><style name="font3">Sie hielten nicht an. Aber sie ritten ruhigen Schritt. Michel schlug sein Gewehr in die Decke, </style><style name="font3">schlang Riemen darum und machte ein festes B�ndel aus dem Ganzen.</style></p><p><style name="font3">Nun wunderte sich Ojo doch.</style></p><p><style name="font3">�Was tut Ihr da, Senor Doktor?�</style></p><p><style name="font3">�Das siehst du doch, amigo.�</style></p><p><style name="font3">�Si, aber wozu?�</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� es auch nicht. K�mmere dich nicht um meine Launen. Ich wei� es wirklich noch nicht.� �</style></p><p><style name="font3">Als es zehn Uhr abends war, sahen sie die wei�en H�user der Stadt in nicht mehr allzu weiter Entfernung schimmern. Michel bog von der Stra�e ab. Ojo folgte, ohne Fragen zu stellen. Da stand ein einsamer, gro�er Bo-Baum im Gel�nde. Michel ritt auf ihn zu und stieg ab. �Den k�nnen wir sp�ter nicht verfehlen. Hier vergraben wir die Villaverdische Muskete. Auf dem R�ckweg holen wir sie wieder ab.� �Aber warum, Senor Doktor?�</style></p><p><style name="font3">�Ich wei� es nicht. Ich habe ein ungutes Gef�hl. Irgend etwas beunruhigt mich. Ich g�be etwas drum, wenn ich es mir erkl�ren k�nnte. Du wei�t, wie oft wir schon Schwierigkeiten hatten, weil andere gern dieses Gewehr besitzen wollten. K�nnte nicht die Kompanie den gleichen Wunsch haben, wenn wir jetzt nicht mehr f�r sie t�tig sind? � Hilf mir, sie zu vergraben.� Ojo half. Aber seine gute Stimmung war mit einemSchlag wie weggewischt. Er dachte an viele gemeinsam �berstandene Abenteuer. Und er kannte das Ahnungsverm�gen seines Senor Doktor. Grundlos tat der Pfeifer nichts. Nun, man w�rde sehen. �</style></p><p><style name="font3">Sie ritten sp�t in die Stadt ein und �bernachteten in einem der mittelm��igen Hotels. Fr�h am Morgen schon lie�en sie sich von einer Mietkutsche zum Regierungspalast fahren.</style></p><p><style name="font3">Sie betraten das Vorzimmer von Sir Warren Hastings gerade im selben Augenblick, als unten ein schwei�triefender Reiter vom Pferd sprang und ins Hauptportal stolperte. Der Ank�mmling war Jardin. Er wagte nicht, nach seinen Freunden zu fragen. Er glaubte, da� man ihn dann sofort verhaften w�rde. Und was konnte ein Verhafteter dem anderen n�tzen? So ging er wieder auf die Stra�e, um vorl�ufig abzuwarten.</style></p><p><style name="font3">Trotz des Gewaltritts war er um Minuten zu sp�t gekommen. �</style></p><p><style name="font3">Sir Warren Hastings sa� hinter seinem riesigen Schreibtisch. Er erhob sich, als die beiden eintraten.</style></p><p><style name="font3">�Ah, Gentlemen, freue mich, euch begr��en zu k�nnen.� Er reichte ihnen jovial die Hand. �Was f�hrt euch zu mir? Wir dachten, ihr w�ret in Bihar umgekommen oder von den Thags verschleppt worden. Lord Hawbury jedenfalls hatte es so gemeldet.�</style></p><p><style name="font3">�Die Meldung war nicht einmal unrichtig, Sir Warren�, meinte Michel, �wir waren tats�chlich gefangen. Und es war, wei� Gott, keine Kleinigkeit, wieder freizukommen. Auf Umwegen nur konnten wir Kalkutta erreichen.�</style></p><p><style name="font3">�Ah, ich verstehe. Und nun wollt ihr einen neuen Auftrag, wie? � Habt ihr nicht Lust, nach Bihar zur�ckzugehen?�</style></p><p><style name="font3">Michel sah auf einmal, da� in den Augen des Mannes, von dem die Geschicke ganz Indiens abhingen, seltsame Lichter funkelten. Ein Ausdruck von Hohn lag auf seinen Z�gen. Der Pfeifer war ganz Abwehr.</style></p><p><style name="font3">�No, Sir�, entgegnete er ruhig. �Wir haben genug von Indien. Unser Anliegen ist es, Euch zu bitten, uns aus Euren Diensten zu entlassen und uns unser Gehalt auszuzahlen.� �Ah, ihr wollt nicht mehr f�r die Kompanie arbeiten?� �No, Sir.�</style></p><p><style name="font3">�Und warum nicht?�</style></p><p><style name="font3">�M�ssen wir ein Entlassungsgesuch begr�nden? Wir sind keine Offiziere.� �Nun, es zeugt nicht gerade von Vertrauen, wenn ihr sang- und klanglos scheidet. Wir haben euch die M�glichkeit gegeben, eure F�higkeiten bei uns gut bezahlt zu bekommen. Das war uns eine Freude. Ist euer Schweigen nun der Dank daf�r?�</style></p><p><style name="font3">Die beiden, oder zumindest Michel, h�tten dar�ber stutzig werden m�ssen, da� sie kaum zu warten brauchten, um zum Generalgouverneur von Ostindien vorgelassen zu werden. F�r eine Audienz bei Seiner Herrlichkeit mu�te man sich im allgemeinen tagelang vorbereiten. Gew�hrt wurde sie dann erst, wenn Seine Herrlichkeit es f�r richtig hielt.</style></p><p><style name="font3">Und heute, am ersten Morgen nach ihrer Ankunft hatte er Zeit, so viel Zeit, da� es jedem, der die </style><style name="font3">Gepflogenheiten der hohen Herren in Kalkutta kannte, unbedingt aufgefallen w�re.</style></p><p><style name="font3">�Wir haben getan, was in unseren Kr�ften stand. Aber wir m�chten wieder ungebunden sein.�</style></p><p><style name="font3">�Hat euch der Dienst f�r uns nicht gefallen?�</style></p><p><style name="font3">Michel z�gerte mit der Antwort. Aber dann meinte er fest:</style></p><p><style name="font3">�Nein, er hat uns nicht gefallen. Ich bin aus meinemVaterland gegangen, weil ich die Unterdr�ckung hasse. Ich kann hier nicht meine Hand dazu hergeben, anderen etwas anzutun, was ich zu Hause nicht dulden wollte.�</style></p><p><style name="font3">Hastings erhob sich und blickte ihn sp�ttisch an. �So, Unterdr�ckung nennt Ihr es, wenn wir den Indern die Errungenschaften der Zivilisation bringen?� Michel lachte bitter auf.</style></p><p><style name="font3">�Nehmt Euch zusammen, Mr. Baum! Ihr k�nnt nicht etwas verlachen, was uns heiliger Ernst ist. Wir sind keine Anf�nger. Wir wissen genau, was zu tun ist. Zur Ehre Englands und des K�nigs.� �Pah! England wird sich f�r die Ehre bedanken. Sagt lieber, Ihr tut es f�r ein paar Profitgeier, die in London sitzen und vorgeben, da� sie ihre Tantiemen f�r England verdienen. Nein, Sir Warren, was ich gesehen habe, reicht aus. Es ist kein Dienst an der Menschheit, wenn man die Kulturen anderer mit den modernsten Errungenschaften der Zivilisation, mit den Kanonen n�mlich, in Tr�mmerhaufen verwandelt.�</style></p><p><style name="font3">Hastings ging langsam auf ihn zu. �Wir wollen nicht rechten. Ich lasse mich mit meinen Untergebenen nicht in philosophische Gespr�che �ber Recht oder Unrecht ein.� �Ich bin nicht Euer Untergebener, sondern Euer Angestellter. Das ist ein Unterschied.� �F�r uns ist es kein Unterschied, ob ein Angestellter oder ein Untergebener Verrat an der Kompanie �bt.� �Verrat?�</style></p><p><style name="font3">�Ja. Ihr habt den Radscha von Bihar nach Diamond Harbour gebracht und ihn auf eins Eurer Schiffe geschmuggelt. Gegen den Radscha war aber Haftbefehl ergangen. Ihr wu�tet, da� er noch lebte, Ihr hattet ihn bei Euch. Ihr h�ttet ihn uns bringen m�ssen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich habe ihn selbst aus den Flammen seines Palastes gerettet. Und ich rette niemanden, damit er nachher von Euerm ehrenwerten Mr. Oberrichter abgeurteilt und wom�glich gehenkt wird.� �Ihr gebt das also zu?�</style></p><p><style name="font3">�Nat�rlich. Und ich w�rde das immer wieder tun.�</style></p><p><style name="font3">�Spart Euch Eure Ausf�lle. Ihr k�nnt diese Dinge dem Gericht erz�hlen. Wir haben Euch nichts mehr zu sagen. Nur soviel: der Radscha ist gestern an Bord der �Lundi� verhaftet worden. Und der saubere Kapit�n ist seitdem verschwunden. Eine feine Gesellschaft, die Seer�uber, die Eure Freunde sind. Piraten h�ngt man in England am Hals auf, bis sie tot sind.� Michel war aufgestanden. Er steckte die H�nde in die Taschen und lachte dem Generalgouverneur ins Gesicht.</style></p><p><style name="font3">�Hoffentlich h�lt man sp�ter nicht einmal Euch selbst f�r einen Piraten, Sir Warren. Es hat den Anschein, als wollt Ihr uns um unser sauer verdientes Gehalt bringen. Ich werde in London Klage gegen Euch erheben; denn hier bekomme ich ja doch kein Recht. Ich h�rte bereits, da� Euer Oberrichter aus dem gleichen Holz geschnitzt ist wie Ihr. All right, lebt wohl, Sir. Wir sprechen uns in London wieder. Good bye. � Komm, Ojo.� Aber Hastings war noch nicht fertig.</style></p><p><style name="font3">�Ihr sagt, Ihr w�rdet hier kein Recht bekommen.� Seine Stimme war nicht laut, hatte aber einen </style><style name="font3">unangenehmen zischenden Klang. �Ihr habt auch nicht verdient, da� man Euch Euer Recht gibt.</style></p><p><style name="font3">Hier gilt das Recht der Kompanie. Das aber ist unteilbar. Und nach unseren Gesetzen seid Ihr ein </style><style name="font3">Verr�ter. Eure Unterschrift unter dem Vertrag, den Ihr mit uns geschlossen habt, steht an Eides </style><style name="font3">Statt.Woher nehmt Ihr eigentlich das Recht, Euch so aufzuspielen?�</style></p><p><style name="font3">Michel und Ojo hatten die T�r erreicht. Michel wandte sich noch einmal um und antwortete </style><style name="font3">schneidend:</style></p><p><style name="font3">�Aus meinem Gewissen, Sir Warren Hastings, nirgendwo sonst her. Nur aus meinem Gewissen!�</style></p><p><style name="font3">Hastings r�usperte sich und machte eine verabschiedende Handbewegung. Michel und Ojo gingen ohne Gru� und � wurden im Vorzimmer verhaftet.</style></p><p><style name="font3">Die Wache mu�te schon seit geraumer Zeit hier gewesen sein; denn die Soldaten standen in lockerer Haltung herum.</style></p><p><style name="font3">Ojo schlug den ihm am n�chsten Stehenden nieder. Er wollte sich gerade auf einen weiteren st�rzen, als Michels Stimme ihn zur�ckrief: �Es hat keinen Zweck, Diaz. Wir k�nnen hier nichts ausrichten. Du hast es diesmal nicht mit Arabern oder mit T�rken zu tun. Das hier sind zivilisierte Soldaten.� Bittere Ironie schwang bei seinen letzten Worten in der Stimme.</style></p><p><style name="font3">Sie wurden ins Gef�ngnis abgef�hrt. Jardin sah sie und folgte heimlich. Aber er stellte bald fest, da� er im Augenblick nichts f�r sie tun konnte.</style></p></section><section><title><p><style name="font3">61</style></p></title><p><style name="font3">Es war in jenen Tagen so, da� die Gerichte der Kompanie gegen korruptive Elemente in den eigenen Reihen sehr milde Urteile f�llten, gegen Ausl�nder, die in ihren Diensten standen, etwas strengere, sofern es Wei�e waren, unbarmherzige Urteile jedoch gegen Eingeborene. Michel und Ojo wurden zur Verb��ung einer Haftstrafe mit anschlie�ender Ausweisung und zur Einziehung ihres Verm�gens, soweit sie welches besa�en, verurteilt. Tscham bekamen sie gar nicht zu Gesicht. Das Verfahren gegen ihn wurde abgetrennt. So sa�en sie in ihrer Zelle und br�teten vor sich hin.</style></p><p><style name="font3">�Feine Gesellschaft�, sagte Ojo. �Ich konnte die Engl�nder nie besonders gut leiden.�</style></p><p><style name="font3">�Du darfst nicht verallgemeinern, Diaz. Denke an Lord Hawbury. Er ist auch einer.�</style></p><p><style name="font3">�Ein gutes Korn macht einen verfaulten Haufen Weizen noch nicht genie�bar.�</style></p><p><style name="font3">�Falsch, Diaz. Ein H�uflein verfaulten Weizens wird mit Sicherheit aus dem gro�en Lagerhaus </style><style name="font3">mit gutem Korn ausgelesen. Die hier sind Abenteurer. Aber England ist keine Nation von </style><style name="font3">Abenteurern.�</style></p><p><style name="font3">�Bueno, Senor Doktor, sind wir nicht auch Abenteurer?�</style></p><p><style name="font3">�Das schon. Aber wir sind Abenteurer, in deren eigenem Ermessen es steht, was sie tun und was sie lassen. Das ist bei den anderen nicht so. Sie werden vom Hof der Direktoren dirigiert. Man n�tzt dort lediglich ihre F�higkeiten und Kr�fte aus und setzt sie f�r Ziele ein, die nur durch Skrupellosigkeit erreicht werden k�nnen.�</style></p><p><style name="font3">�Ich will mich nicht mit Euch streiten, Senor Doktor; aber was ich gesehen habe, reicht mir.� �Nun, mein Freund, vielleicht denkst du dann einmal an die Entdeckung Amerikas und daran, wie die Spanier dort gehaust haben. Denke an Cortez und Pizarro und deren Horden. Die Geschichte der Conquistadores ist ein blutiges Kapitel. Aber sind deshalb alle Spanier schlecht?�</style></p><p><style name="font3">�Hm. Wenn Ihr die Sache so seht! Hm.�</style></p><p><style name="font3">Ihr Gespr�ch wurde unterbrochen. Die T�r �ffnete sich und herein kam � Jardin. Das hei�t, er wurde hereingesto�en. Dann klappte die T�r wieder zu.Die beiden sprangen auf und starrten den Ank�mmling an. �Ole!� schrie Ojo. �Du auch?�</style></p><p><style name="font3">Jardin lie� sich auf eine Pritsche nieder und meinte: �Ich wollte euch warnen, amigos, bin aber um ein paar Minuten zu sp�t gekommen.�</style></p><p><style name="font3">Er berichtete die Einzelheiten, die den beiden noch unbekannt waren.</style></p><p><style name="font3">�Das war Pech�, sagte Michel. �Und Abu Hanufa wartet mit der �Dimanche� vergebens. In acht Tagen ist die Frist abgelaufen. Wir sitzen aber wenigstens f�r ein halbes Jahr hier drin. Und danach wird man uns mit einem englischen Schiff abschieben, irgendwohin. Was wei� ich? � Wie ist das Urteil �ber Euch ausgefallen?� �Ebenso. Haft, Beschlagnahme des Eigentums, Deportation.�</style></p><p><style name="font3">�Und was wird, wenn wir Abu Hanufa nicht erreichen? Was wird Marina tun, wenn sie noch unter den Lebenden weilt? Ob sie nach Diamond Harbour kommt?�</style></p><p><style name="font3">�Dort wird man sie genauso festnehmen wie uns. Unter Umst�nden wendet man gegen sie sogar</style></p><p><style name="font3">das britische Piratengesetz an�, meinte Michel nachdenklich.</style></p><p><style name="font3">�Kaum�, sagte Jardin, �sie h�tten es auch gegen mich und Ojo anwenden k�nnen.� �Sie wissen nicht so genau �ber die Einzelheiten Bescheid. Und es w�re immerhin sonderbar, wenn es herausk�me, da� man mit einem ehemaligen Piraten einen Vertrag geschlossen hat. Bei Marina ist das anders. Man kann die ganze �Trueno� als Flibustier betrachten, h�ngt alle auf und beruft sich dabei auf Marinas eigenm�chtige Jagd auf fremde Schiffe.� �Wir m�ssen hier heraus�, meinte Ojo weise. �Na, dann geh doch�, spottete Jardin.</style></p></section></body><body name="notes"><title><p>&#x41F;&#x440;&#x438;&#x43C;&#x435;&#x447;&#x430;&#x43D;&#x438;&#x44F;</p></title><section id="n_1"><title><p>1</p></title><p><strong>Hauptmann Ibrahim</strong></p></section><section id="n_2"><title><p>2</p></title><p><strong>Kommandeur</strong></p></section><section id="n_3"><title><p>3</p></title><p><strong>Oberbefehlshaber</strong></p></section><section id="n_4"><title><p>4</p></title><p><strong>Babylonischer Jagdgott</strong></p></section><section id="n_5"><title><p>5</p></title><p><strong>10. Monat des islamischen Mondjahres</strong></p></section><section id="n_6"><title><p>6</p></title><p><strong>Lehrer</strong></p></section><section id="n_7"><title><p>7</p></title><p><strong>Sitz des Oberbefehlshabers einer Armee; Kommandantur</strong></p></section><section id="n_8"><title><p>8</p></title><p><strong>Admiral</strong></p></section><section id="n_9"><title><p>9</p></title><p><strong>Anrede f�r einen Admiral</strong></p></section><section id="n_10"><title><p>10</p></title><p><strong>Au�enministerium</strong></p></section><section id="n_11"><title><p>11</p></title><p><strong>Englisch: der Pfeifer</strong></p></section><section id="n_12"><title><p>12</p></title><p>�Kleinste M�nze</p></section><section id="n_13"><title><p>13</p></title><p><strong>Weiser, Lehrer, Philosoph</strong></p></section><section id="n_14"><title><p>14</p></title><p><strong>Grundherr</strong></p></section><section id="n_15"><title><p>15</p></title><p><strong>Sanskrittexte mit Betrachtungen �ber Weltseele u. dgl. (sanskr.: ,vertraul. Sitzung, Geheimlehre)</strong></p></section><section id="n_16"><title><p>16</p></title><p><strong>Regierte von 1773 - 1786 das Bengalische Indien im Auftrag der East India Company</strong></p></section><section id="n_17"><title><p>17</p></title><p><strong>Gro�grundbesitzer</strong></p></section><section id="n_18"><title><p>18</p></title><p><strong>Fremden</strong></p></section><section id="n_19"><title><p>19</p></title><p><strong>Weiser Herr</strong></p></section></body><binary id="cover" 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