<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>det_classic</genre><author><first-name>Agatha</first-name><last-name>Christie</last-name></author><book-title>Mord auf dem Golfplatz</book-title><annotation><p>Titel des englischen Originals; Murder on the Links.</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Friedrich</first-name><last-name>Putsch</last-name></translator><sequence name="Ein Hercule Poirot Krimi" number="02"/></title-info><document-info><author><nickname>lange97</nickname></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2011-07-17">17.07.2011</date><id>6D93DFC5-39C7-4645-AAFD-C8D60AABAAA4</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><year>1960</year></publish-info></description><body><section><p id="_bookmark2"><strong>Die Hauptpersonen des Romans sind:</strong></p><p>Hercule Poirot - der ber�hmte Privatdetektiv </p><p>Captain Hastings - sein englischer Freund </p><p>Cinderella' - Schauspielerin </p><p>Paul Renauld - s�damerikanischer Million�r </p><p>Eloise Renauld - seine Frau </p><p>Jack Renauld - ihr Sohn </p><p>Bella Duveen - ein junges M�dchen </p><p>Madame Daubreuil - eine Witwe </p><p>Marthe Daubreuil - ihre Tochter </p><p>Lucien Bex - Polizeikommissar</p><p>Monsieur Hautet - Untersuchungsrichter </p><p>Maurice Giraud - Kriminalbeamter</p><p>Der Roman spielt in Merlinville-sur-mer, einem franz�sischen Badeort, und in London.</p></section><section><title><p><strong>l</strong></p></title><p>Ein junger Schriftsteller, der darauf bedacht war, den Anfang seiner Erz�hlung so wirksam und originell zu gestalten, da� er die Aufmerksamkeit der blasierten Verleger errege, begann folgenderma�en: �,Verdammt!' sagte die Herzogin.�</p><p>Sonderbarerweise beginnt auch meine Erz�hlung so. Nur ist die Dame, die dies ausrief, keine Herzogin.</p><p>Es war Anfang Juni. Ich hatte mich gesch�ftlich in Paris aufgehalten und kehrte nach London zur�ck, wo ich mit meinem alten Freunde, dem belgischen Ex-Detektiv Hercule Poirot, in gemeinsamer Wohnung hauste.</p><p>Der Calais-Expre� war auffallend leer - mein Abteil beherbergte au�er mir nur noch einen Fahrgast. Ich hatte das Hotel in �berst�rzter Eile verlassen und war, als der Zug abging, noch mit meinem Gep�ck besch�ftigt, ohne meine Reisegef�hrtin weiter zu beachten. Nun wurde ich aber lebhaft an ihr Vorhandensein erinnert. Sie sprang pl�tzlich von ihrem Sitz auf, lie� das Fenster herab, streckte den Kopf hinaus, zog ihn sofort wieder zur�ck und rief kurz und �berzeugend: �Verdammt!�</p><p>Nun bin ich etwas altmodisch. Mich d�nkt, eine Frau sollte vor allem weiblich sein. Ich habe wenig Verst�ndnis f�r das modern neurotische M�dchen, das vom Morgen bis zum Abend Foxtrott und Tango tanzt, das wie ein Schlot raucht und eine Sprache f�hrt, die selbst einem Fischweib aus der Markthalle das Blut in die Wangen treiben k�nnte!</p><p>Stirnrunzelnd blickte ich auf und sah in ein h�bsches, keckes Angesicht, das ein flotter, kleiner roter Hut �berdachte. Dichte schwarze Lockenb�schel verbargen die Ohren. Ich sch�tzte, da� sie nicht mehr als siebzehn Jahre z�hlen mochte, aber ihr Gesicht war dicht mit Puder bedeckt, ihre Lippen hatte sie ganz unm�glich rot geschminkt.</p><p>Ohne jegliche Verlegenheit erwiderte sie meinen Blick und schnitt dann eine ausdruckslose Grimasse.</p><p>�Du lieber Himmel, jetzt haben wir den guten Mann entsetzt!� bemerkte sie zu einem unsichtbaren Zuh�rer. �Ich bitte wegen meiner Ausdrucksweise um Vergebung! Gar nicht damenhaft und dergleichen, aber Gott, ich habe wohl gen�gend Grund daf�r! Denken Sie, ich habe meine einzige Schwester verloren!�</p><p>�Wirklich?� sagte ich h�flich. �Wie unangenehm!�</p><p>�Er ist unzufrieden!� bemerkte die Dame. �Er ist �u�erst unzufrieden - sowohl mit mir als auch mit meiner Schwester -und das ist nicht nett, weil er sie doch nie gesehen hat!�</p><p>Ich �ffnete den Mund, doch sie kam mir zuvor.</p><p>�Sagen Sie lieber nichts! Niemand liebt mich! Ich gehe in den Wald und n�hre mich von d�rren Kr�utern! Buhuhuhu! Ich bin so traurig!�</p><p>Sie verbarg ihr Gesicht hinter einem gro�en franz�sischen Witzblatt. Ein paar Minuten sp�ter sah ich, wie ihre Augen verstohlen �ber den Rand nach mir guckten. Ich konnte mich eines L�chelns nicht erwehren, und im selben Augenblick schleuderte sie die Zeitung fort und brach in fr�hliches Gel�chter aus.</p><p>�Ich wu�te, da� Sie kein Griesgram sind, wie es den Anschein hat�, rief sie. Ihr Lachen wirkte so ansteckend, da� ich unwillk�rlich einstimmen mu�te, obwohl mich der �Griesgram� nicht sonderlich begeisterte. Das M�dchen stellte unleugbar den Typ dar, der mir am meisten mi�fiel, aber das war doch nicht Grund genug, mich durch mein Verhalten l�cherlich zu machen. Ich begann einzulenken. Schlie�lich war sie ausgesprochen h�bsch ... �</p><p>�So! Nun sind wir Freunde!� erkl�rte sie. �Und jetzt m�ssen Sie meiner Schwester wegen um Entschuldigung bitten.-�</p><p>�Ich bin verzweifelt ... �</p><p>�Sie sind eine Seele von Mensch!�</p><p>�Lassen Sie mich ausreden. Ich war im Begriff hinzuzuf�gen, da� ich, obwohl verzweifelt, mich mit der Abwesenheit besagter Schwester ausgezeichnet abgefunden habe.� Ich verbeugte mich leicht.</p><p>Jedoch die r�tselhafteste aller Jungfrauen runzelte die Stirn und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Lassen Sie das. Ich ziehe die ,w�rdevolle Mi�billigung' vor. Ob, ihr Gesicht! ,Sie ist nicht unseresgleichen', sagte es. Und Sie haben recht - obwohl dies heutzutage schwer zu sagen ist. Nicht jeder kann zwischen einer Halbweltdame und einer Herzogin unterscheiden. So, jetzt habe ich Sie schon wieder entsetzt! Sie sind wohl aus den Urw�ldern ausgebrochen? Nicht da� ich mir was daraus mache. Wir k�nnten mehrere Ihrer Art brauchen. Ich hasse freche M�nner - sie machen mich toll.�</p><p>Sie sch�ttelte nachdr�cklich den Kopf.</p><p>�Wie m�gen Sie sein, wenn Sie toll sind?� fragte ich l�chelnd.</p><p>�Wie ein richtiger Teufel! Man darf, was ich sage und was ich tue, nicht genau nehmen. Ich schlug einmal jemandem fast die Z�hne aus; ja wirklich! Er h�tte es auch verdient. Ich habe italienisches Blut in mir. Eines Tages werde ich mir noch Unannehmlichkeiten zuziehen.�</p><p>�Ach�, bat ich, �werden Sie nur jetzt nicht toll.�</p><p>�Das werde ich nicht. Sie gefallen mir - Sie gefielen mir sogleich, als ich Sie sah. Aber Sie blickten so mi�billigend, da� mir nie eingefallen w�re, wir k�nnten Freunde werden.�</p><p>�Und nun sind wir es geworden. Erz�hlen Sie mir etwas aus Ihrem Leben.�</p><p>�Ich bin Schauspielerin. Nein - nicht so eine, wie Sie glauben, die mit Schmuck beh�ngt im Savoy den Lunch nimmt, und deren Bild in jeder Zeitung f�r irgendeine Gesichtscreme Propaganda macht. Als sechsj�hriges Kind trieb ich mich schon auf den Brettern umher.�</p><p>�Verzeihen Sie ... �, sagte ich unsicher.</p><p>�Sahen Sie nie kleine Akrobaten?�</p><p>�Oh, nun verstehe ich!�</p><p>�Ich - bin in Amerika geboren, verbrachte aber den gr��ten Teil meines Lebens in England. Wir spielen jetzt in einer neuen Revue ... �</p><p>�Wir?�</p><p>�Meine Schwester und ich. So eine Art Tanz- und Singspiel, mit viel Getrappel und einem Zusatz alter Gesch�ftskniffe. Es ist ein ganz neuer Einfall und schl�gt jedesmal ein. Damit ist viel Geld zu machen ... .�</p><p>Meine neue Bekanntschaft beugte sich vor und plauderte gel�ufig; viele ihrer Ausdr�cke waren mir v�llig unverst�ndlich. Trotzdem interessierte sie mich immer mehr. Sie schien eine so seltsame Mischung von Kind und Weib. Obwohl vollkommen weltklug und nach ihren Erz�hlungen sehr t�chtig in der Wahrung ihrer pers�nlichen Interessen, lag andererseits etwas eigenartig Originelles in ihrer aufrichtigen Stellungnahme zum Leben und der offenherzigen Entschlossenheit, �das Richtige zu tun�. Dieser Blick in eine mir v�llig unbekannte Welt war nicht ohne Reiz, und ich geno� den Anblick ihres Gesichtchens, das w�hrend des Erz�hlens aufleuchtete.</p><p>Wir fuhren durch Amiens. Der Name rief Erinnerungen wach. Meine Gef�hrtin schien zu f�hlen, was in meinem Hirn vorging.</p><p>�Denken Sie an den Krieg?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Sie waren im Feld, vermute ich ... �</p><p>�O ja. Einmal verwundet, nach der Schlacht an der Somme als invalid ausgemustert. Nun bin ich so eine Art Privatsekret�r bei einem Parlamentarier.�</p><p>�Ach! Dazu mu� man wohl sehr klug sein!�</p><p>�Durchaus nicht. Es ist fast nichts zu tun. Es hilft mir �ber wenige Tagesstunden hinweg, aber es ist eine langweilige Arbeit. Und g�be es nicht etwas anderes, worauf ich zur�ckkommen k�nnte, w��te ich wirklich nicht, was ich anfangen sollte.�</p><p>�Sagen Sie nur nicht, da� Sie K�fer sammeln!�</p><p>�Nein! Ich lebe mit einem sehr interessanten Manne zusammen. Er ist Belgier, ein Ex-Detektiv. Er lie� sich in London als Privatdetektiv nieder, und es geht ihm au�erordentlich gut. Er ist wirklich ein ganz wunderbarer Mensch. Oft genug behielt er recht, wenn die staatliche Polizei versagte.�</p><p>Mit weit ge�ffneten Augen lauschte meine Reisegef�hrtin. �Ist das aber interessant! Gerade f�r Verbrechen habe ich leidenschaftliches Interesse. Ich sehe mir alle Schauerdramen in den Kinos an. Und gibt es einen Mord, dann verschlinge ich die Zeitungen.�</p><p>�Entsinnen Sie sich noch des Falles Styles?� fragte ich. �Warten Sie, war das nicht jene alte Dame, die vergiftet wurde? Irgendwo unten in Essex?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Dies war Poirots erster gro�er Fall. Ohne ihn w�re der M�rder zweifellos straffrei ausgegangen. Das war ein h�chst bewundernswertes Detektivst�ck.�</p><p>Das Thema machte mir warm, und ich ging alle Einzelheiten der Angelegenheit bis zu ihrer unerwartet sieghaften L�sung durch. Wie gebannt horchte das M�dchen. Und so vertieft waren wir in unser Gespr�ch, da� der Zug in Calais einlief, ehe wir uns dessen bewu�t wurden, �Du lieber Gott!� rief meine Gef�hrtin. �Wo ist meine Puderquaste?�</p><p>Sie ging daran, ihr Gesicht auf das freigebigste zu bestauben und die Lippen mit dem Stift zu r�ten, w�hrend sie ihr Werk ganz unbefangen in einem kleinen Taschenspiegel besah.</p><p>�Ich m�chte fragen�, - ich z�gerte. �Ich mu� Sie fragen -vielleicht ist es sehr keck von mir - aber weshalb tun Sie das alles?�</p><p>Das M�dchen unterbrach ihre Besch�ftigung und starrte mich mit unverhohlenem Erstaunen an.</p><p>�Als ob Sie nicht h�bsch genug w�ren, um darauf verzichten zu. k�nnen�, stotterte ich.</p><p>�Mein lieber - Junge! Das mu� man doch tun. Alle M�dchen machen es. Glauben Sie, ich will aussehen, wie eine kleine Vogelscheuche aus der Provinz?� Sie warf einen letzten Blick in den Spiegel, l�chelte zufrieden und verwahrte ihn mit dem Necessaire in ihrer Reisetasche. �So ist es besser. Ich gebe zu, es ist nicht leicht, den Schein zu wahren, aber ein M�dchen, das auf sich h�lt, darf keine M�digkeit vorsch�tzen.�</p><p>Auf diesen im wesentlichen moralisch gemeinten Gedankengang fehlte mir die Antwort. Es kommt auf den Standpunkt an.</p><p>Ich rief zwei Tr�ger herbei, und wir stiegen aus. Meine Gef�hrtin reichte mir die Hand.</p><p>�Auf Wiedersehen, und ich will in Zukunft meine Zunge besser im Zaum halten.�</p><p>�Oh, aber Sie erlauben doch, da� ich auf dem Schiff nach Ihnen sehe?�</p><p>�Vielleicht bin ich nicht auf dem Schiff. Ich mu� jetzt Umschau halten, ob meine Schwester nicht trotzdem irgendwie mitgekommen ist. Aber nichtsdestoweniger vielen Dank.�</p><p>�Wir werden uns doch hoffentlich wiedersehen? Ich -�&#x25A0; Ich z�gerte. �Ich m�chte Ihre Schwester kennenlernen.�</p><p>Wir lachten beide.</p><p>�Das ist wirklich sehr nett von Ihnen. Ich will es ihr bestellen. Aber ich denke nicht, da� wir einander wieder begegnen werden. Sie waren unterwegs nett zu mir, obwohl ich Ihnen keck entgegenkam. Aber was Ihr Gesicht zuerst ausdr�ckte, ist wahr. Ich bin nicht Ihresgleichen. Und das bringt Kummer - das wei� ich nur zu genau ... �</p><p>Ihr Gesichtsausdruck ver�nderte sich. Im Augenblick war all die leichtfertige Heiterkeit erloschen. Sie blickte b�se -rachs�chtig ...</p><p>�Und nun leben Sie wohl�, schlo� sie leichteren Tones..</p><p>�Wollen Sie mir nicht wenigstens Ihren Namen nennen?� rief ich, als sie sich abwandte.</p><p>Sie blickte �ber die Schulter zur�ck. In jeder Wange kam ein Gr�bchen zum Vorschein. Sie glich einem entz�ckenden Bildnis von Grenze.</p><p>�Cinderella�, sagte sie lachend.</p><p>Aber in meinen k�hnsten Tr�umen ahnte ich nicht, wann und wie ich Cinderella wiedersehen sollte.</p></section><section><title><p id="_bookmark3"><strong>2</strong></p></title><p>Am n�chsten Morgen erschien ich f�nf Minuten vor neun Uhr zum Fr�hst�ck in unserem gemeinsamen Wohnzimmer. Mein Freund, Hercule Poirot, �ffnete soeben, wie stets zu dieser Stunde, sein zweites Fr�hst�cksei.</p><p>Er lachte mir zu, als ich eintrat.</p><p>�Hast du gut geschlafen? Hast du dich von der schrecklichen �berfahrt schon erholt? Es wundert mich, da� du auch heute p�nktlich bist. Pardon, aber deine Schleife ist schlecht gebunden. Erlaube, da� ich sie in Ordnung bringe.�</p><p>Ich habe Hercule Poirot schon an anderer Stelle beschrieben. Ein ganz au�ergew�hnlich kleiner Mann! F�nfeinhalb Fu� hoch, den eif�rmigen Kopf ein wenig zur Seite geneigt, mit Augen, die in der Erregung gr�nlich schillerten, einem martialisch steifgedrehten Schnurrbart und mit unendlich w�rdevollem Aussehen! Seine �u�ere Erscheinung war peinlich, beinahe �bertrieben elegant. �berhaupt war bei ihm jede Form von Ordnungsliebe zur Leidenschaft gesteigert. Sah er irgendwo etwas, was schief stand, lag irgendwo ein K�rnchen Staub, gab es irgendwo die geringste Unordnung, so litt der kleine Mann Folterqualen, bis er sein Herz durch Abschaffung des �bels erleichtert hatte. �Ordnung� und �Methode� hie�en seine G�tter. Er verachtete gewisserma�en greifbare Beweise wie Fu�stapfen und Zigarettenasche und behauptete, da� sie allein noch niemals einem Detektiv die L�sung seiner Auf g�be erm�glicht h�tten. Darauf schlug er sich mit l�cherlichem Behagen auf den eif�rmigen Kopf und bemerkte selbstgef�llig: �Die wahre Arbeit mu� von ihnen heraus getan werden. Die kleinen grauen Zellen - gedenke nur immer der kleinen grauen Zellen, mein Freund.�</p><p>Ich nahm Platz und bemerkte l�ssig, als Antwort auf Poirots Begr��ung, da� eine Stunde �berfahrt von Calais nach Dover wohl kaum das Beiwort �schrecklich� verdiene.</p><p>Poirot schwenkte seinen Eierl�ffel als nachdr�ckliche Widerlegung meiner Bemerkung.</p><p>�Wenn jemand eine Stunde lang die f�rchterlichsten Gem�tsbewegungen und -empfindungen erleidet, dann hat er viele Stunden gelebt! Sagt nicht einer eurer englischen Dichter, da� die Zeit nicht nach Stunden, sondern nach Herzschl�gen bemessen werden sollte?�</p><p>�Ich bilde mir ein, da� Browning dabei aber etwas viel Romantischeres vorschwebte als Seekrankheit.�</p><p>�Weil er ein Engl�nder, ein Inselbewohner war, dem der �rmelkanal nichts bedeutete. Oh, ihr Engl�nder! Aber wir anderen! Stelle dir vor, eine Dame meiner Bekanntschaft floh zu Beginn des Krieges bis Ostende. Dort erlitt sie einen furchtbaren�Nervenzusammenbruch.�Weitere Fluchtm�glichkeiten gab es nicht, au�er �ber das Wasser. Aber sie hatte Abscheu vor dem Meere! Was war da zu tun? T�glich r�ckte der Feind n�her. Versetze dich in ihre Lage!�</p><p>�Und was tat sie?� fragte ich neugierig.</p><p>�Gl�cklicherweise war ihr Gatte ein praktischer Mensch. Er war auch sehr ruhig. Nervenkrisen r�hrten ihn nicht. Er hat sie ganz einfach mitgeschleppt. Nat�rlich war sie v�llig niedergebrochen, als sie in England ankam, aber sie atmete noch.�</p><p>Poirot sch�ttelte ernst den Kopf. Ich legte mein Gesicht in angemessene Falten.</p><p>Pl�tzlich erstarrte er. Mit dramatischer Geste wies er auf den Toastst�nder.</p><p>�Aber das ist ja unerh�rt!� schrie er.</p><p>�Was gibt es?�</p><p>�F�llt dir dieses St�ck Toast nicht auf?� Er ri� das ihn beleidigende St�ck aus dem St�nder und reichte es mir zur Begutachtung.</p><p>�Ist es viereckig? Nein. Ist es dreieckig? Auch nicht. Ist es vielleicht rund? Noch weniger. Hat es irgendeine dem Auge gef�llige Form? Hat es �berhaupt eine symmetrische Form? Nein.�</p><p>�Es wurde von einem Laib Landbrot heruntergeschnitten�, erkl�rte ich bes�nftigend.</p><p>Poirot warf mir einen vernichtenden Blick zu.</p><p>�Wie klug doch mein Freund Hastings ist!� rief er sp�ttisch. �Verstehst du nicht, da� ich mir solch ein Brot verbeten habe � so ein formloses Zufallsbrot, das kein B�cker zu backen wagen sollte!�</p><p>Ich versuchte seine Gedanken abzulenken.</p><p>�Interessantes mit der Post gekommen?�</p><p>Poirot verneinte mit unzufriedener Miene.</p><p>�Ich sah meine Briefe noch nicht durch, aber heutzutage kommt nichts Interessantes mehr. Es gibt keine gro�en Verbrecher, keine Verbrecher mit Methode. Die F�lle, bei denen ich mich in der letzten Zeit bet�tigte, waren �ber alle Ma�en banal. Wirklich, ich war gezwungen, verlorengegangene Scho�hunde eleganter Damen wiederzufinden. Der letzte halbwegs interessante Fall war jene verwickelte Aff�re mit dem Yardly-Diamanten, und das ist -wie viele Monate mag das zur�ckliegen, lieber Freund?�</p><p>Verzweifelt sch�ttelte er den Kopf, und ich lachte laut�auf.</p><p>�Kopf hoch, Poirot, das Gl�ck ist wandelbar. �ffne deine Briefe. Wer kann wissen, ob nicht vielleicht eben jetzt ein bedeutender Fall am Horizont erscheint.�</p><p>L�chelnd ergriff Poirot das h�bsche, kleine Papiermesser, mit dem er seine Briefe zu �ffnen pflegte, und durchschnitt den oberen Rand mehrerer Briefumschl�ge, die neben seinem Teller lagen.</p><p>�Eine Rechnung. Aha! Hier ist eine Nachricht von Japp.�</p><p>�Ja?� Ich spitzte die Ohren. Der Polizeiinspektor von Scotland Yard hatte uns schon oft interessante F�lle zugetragen.</p><p>�Er dankt mir nur auf seine Art f�r den kleinen Fingerzeig, den ich ihm in der Angelegenheit Aberystwyth gab, und der ihn auf die richtige Spur wies. Ich bin heilfroh, da� ich ihm diesen Dienst erweisen konnte.�</p><p>�Wie dankt er dir?� fragte ich neugierig, denn ich kannte Japp. �Er ist so g�tig, mir zu sagen, da� ich f�r mein Alter erstaunlich t�chtig und da� es ihm ein Vergn�gen sei, mir Gelegenheit zur Bet�tigung bieten zu k�nnen.�</p><p>Das war so typisch f�r Japp, da� ich ein Kichern nicht unterdr�cken konnte. Gelassen las Poirot seine Briefe weiter.</p><p>�Eine Anregung zu einer Vorlesung, die ich unseren jungen Berufskollegen halten soll. Die Gr�fin von Fanfanock bittet um meinen Besuch, zweifellos wieder ein Scho�hund! Und nun der letzte. Ah!�</p><p>Schnell blickte ich auf, da mir der ver�nderte Tonfall auffiel. Poirot las aufmerksam. Dann reichte er mir das Blatt. �Das ist einmal etwas anderes, mein Freund. Lies selbst.� Der Brief war mit k�hner, charakteristischer Schrift auf fremdl�ndischem Briefpapier geschrieben: �Villa Genevieve, Merlinville-sur-mer, Frankreich.</p><p>Werter Herr!</p><p>Ich bin gen�tigt, die Dienste eines Detektivs in Anspruch zu nehmen und m�chte aus Gr�nden, die ich Ihnen sp�ter erkl�ren werde, mich nicht an die offizielle Polizei wenden. Ich h�rte von verschiedenen Seiten von Ihnen, und alle Berichte stimmen darin �berein, da� Sie nicht nur ein Mann von ausgesprochener Begabung, sondern auch diskret und verschwiegen sind. Ich m�chte der Post keine Einzelheiten anvertrauen, aber ich bin in einer Lage, die mich t�glich um mein Leben zittern l��t. Ich bin davon �berzeugt, da� mir unmittelbar Gefahr droht, und bitte Sie daher, keine Zeit zu verlieren und sofort nach Frankreich her�berzukommen. Wenn Sie mir die Stunde Ihrer Ankunft drahten, schicke ich Ihnen einen Wagen nach Calais. Ich w�re sehr dankbar, wenn Sie alles aufg�ben, was Sie zur Zeit besch�ftigt, und sich nur meinen Interessen widmen wollten. Ich will f�r jeden Ihnen daraus erwachsenden Schaden die Verantwortung tragen. Wahrscheinlich werde ich Ihre Dienste betr�chtlich lange in Anspruch nehmen, und es kann sich f�r Sie die Notwendigkeit ergeben, nach Santiago fahren zu m�ssen, wo ich viele Jahre meines Lebens verbracht habe.</p><p>Es w�re mir sehr angenehm, wenn Sie mir Ihre Bedingungen mitteilen wollten.</p><p>Indem ich Ihnen nochmals versichere, da� die. Angelegenheit von gr��ter Dringlichkeit ist, bin ich Ihr ergebener</p><p>P. T. Renauld.�</p><p>Unterhalb der Unterschrift befand sich noch eine hastig hingeworfene, beinahe unleserliche Zeile: �Um Gottes Barmherzigkeit willen, kommen Sie!�</p><p>Ich gab Poirot den Brief zur�ck, und meine Pulse schlugen schneller.</p><p>�Endlich�, sagte ich, �da ist etwas ganz Au�ergew�hnliches.�</p><p>�Ja, wirklich�, sagte Poirot nachdenklich.</p><p>�Du f�hrst doch�, fuhr ich fort.</p><p>Poirot nickte Er war in tiefes Nachdenken versunken. Endlich schien er einen Entschlu� gefa�t zu haben und blickte nach der Uhr. Sein Gesicht war ernst geworden.</p><p>�Lieber Freund, da ist keine Zeit zu verlieren. Der Continental-Expre� geht um elf Uhr von Victoria Station ab. Rege dich nicht auf. Wir haben reichlich Zeit. Wir k�nnen uns zehn Minuten g�nnen, um es durchzusprechen. Du begleitest mich doch, nicht wahr?�</p><p>�Ja, aber -�</p><p>�Du sagtest mir doch selbst, da� dein Chef dich in den n�chsten Wochen nicht ben�tigen werde.�</p><p>�Ja, das ist richtig. Aber Monsieur Renauld deutet doch ausdr�cklich an, da� seine Angelegenheit streng privat sei.�</p><p>�Ta - ta - ta. �berlasse das mir. �brigens glaube ich den Namen zu kennen.�</p><p>�Es gibt einen bekannten s�damerikanischen Multimillion�r Renauld. Ich wei� nicht, ob es derselbe ist.�</p><p>�Aber zweifellos. Das erkl�rt die Erw�hnung von Santiago. Santiago liegt in Chile und Chile in S�damerika! Ah, es geht ja herrlich vorw�rts!�</p><p>�Herrgott, Poirot�, sagte ich in steigender Erregung, �ich ahne - Reichtum. Wenn wir Erfolg haben, machen wir unser Gl�ck!�</p><p>�Sei nicht zu zuversichtlich, lieber Freund. Ein reicher Mann trennt sich nicht so leicht von seinem Geld. Ich sah einmal, wie ein bekannter Million�r einen vollbesetzten Tramwagen r�umen lie�, eines halben Pennys wegen, der zu Boden gefallen war.�</p><p>Ich gab zu, davon geh�rt zu haben.</p><p>�Jedenfalls�, fuhr Poirot fort, �lockt mich nicht das Geld. Gewi� ist es angenehm, bei unseren Forschungen in jeder Hinsicht Vollmacht zu haben; man ist wenigstens sicher, die Zeit nicht umsonst zu vergeuden, aber das Problem selbst erweckt mein Interesse. Hast du das Postskriptum bemerkt? Was fiel dir daran auf?�</p><p>Ich �berlegte.</p><p>�Deutlich erkennbar hatte er sich fest in der Hand, w�hrend er den Brief schrieb, aber am Schlu� verlor er die Selbstbeherrschung und kritzelte, einer pl�tzlichen Eingebung folgend, diese verzweifelten Worte.�</p><p>Aber energisch sch�ttelte mein Freund den Kopf.</p><p>�Du irrst. Siehst du nicht, da� die Tinte der Unterschrift fast schwarz, das Postskriptum aber ganz bla� ist?�</p><p>�Na, und?� fragte ich erstaunt.</p><p>�Aber mein lieber Freund, strenge deine kleinen grauen Zellen doch ein wenig an! Ist es nicht klar? Monsieur Renauld schrieb seinen Brief. Ohne ihn zu l�schen, las er ihn noch einmal aufmerksam durch. Dann, mit Bedacht, nicht impulsiv, f�gte er jene letzten Worte hinzu und trocknete dann das Blatt.�</p><p>�Aber weshalb?�</p><p>�Parbleu! Damit es auf mich den Eindruck mache, den es auf dich gemacht hat.�</p><p>�Welchen?�</p><p>�Aber, aber - damit ich um so sicherer komme. Er �berlas den Brief und war unzufrieden. Er war nicht dringlich genug!�</p><p>Er hielt inne, in seinen Augen glomm der gr�ne Funke auf, der immer innere Erregung verriet, und leise f�gte er hinzu: �Und so, mon ami, da das Postskriptum nicht im Impuls, sondern n�chtern und kaltbl�tig hinzugef�gt wurde, scheint die Dringlichkeit sehr gro� zu sein, und wir m�ssen so schnell wie m�glich seinem Rufe Folge leisten.�</p><p>�Merlinville�, sagte ich gedankenvoll vor mich hin. �Ich glaube, ich kenne diesen Namen.�</p><p>Poirot nickte.</p><p>�Es ist ein ganz kleiner, aber eleganter Ort! Liegt auf dem Wege zwischen Boulogne und Calais. Kommt jetzt rasch in Mode. Reiche, ruhebed�rftige Engl�nder bringen ihn in die H�he. Ich vermute. Renauld hat ein Haus in England?�</p><p>�Ja, in Rutland Gate, soweit ich mich entsinne. Er hat auch irgendwo in Hertfordshire einen gro�en Besitz, aber ich wei� wirklich wenig �ber ihn selbst, er lebt nicht sehr gesellig. Ich glaube, da� er in der City umfangreiche Gesch�fte mit S�damerika abwickelt und den gr��ten Teil seines Lebens drau�en in Chile und Argentinien verbracht hat.�</p><p>�Nun, alles N�here werden wir ja von dem Manne selbst erfahren. Also packen! Eine kleine Reisetasche f�r jeden von uns, und dann ein Taxi nach Victoria Station.�</p><p>�Und die Gr�fin?� fragte ich lachend.</p><p>�Ach, k�mmert mich nicht. Ihr Fall ist sicher belanglos.�</p><p>�Wieso kannst du das behaupten?�</p><p>�Weil sie sonst, statt zu schreiben, selbst gekommen w�re. Eine Frau kann nicht warten - vergi� das nie, Hastings.�</p><p>Um elf Uhr verlie�en wir Victoria Station in der Richtung nach Dover. Ehe wir abreisten, hatte Poirot ein Telegramm an Mr. Renauld abgeschickt, das ihm die Zeit unserer Ankunft in Calais meldete.</p><p>�Ich wundere mich, Poirot, da� du nicht einige Mittel gegen Seekrankheit mitgenommen hast�, bemerkte ich boshaft.</p><p>Mein Freund pr�fte �ngstlich das Wetter und blickte mich vorwurfsvoll an.</p><p>�Hast du die ausgezeichnete Methode Laverguiers vergessen? Ich befolge immer seine Verordnungen. Man wiegt sich hin und her, wendet den Kopf von links nach rechts, atmet ein und aus und z�hlt nach jedem Atemzug, bis sechs.�</p><p>�Hm�, wandte ich ein. �Ich f�rchte, du wirst des Wiegens und Z�hlens reichlich m�de werden, bis du nach Santiago oder Buenos Aires kommst, oder wo immer dein Bestimmungsort liegen mag.�</p><p>�Bl�de Idee! Du glaubst doch nicht, da� ich nach Santiago fahren werde?�</p><p>�Renauld deutet es in seinem Briefe an.�</p><p>�Er kannte Hercule Poirots Arbeitsweise nicht. Ich laufe nicht hin und her, mache keine Reisen und rege mich nicht unn�tig auf. Ich arbeite von innen heraus - von hier�, und er klopfte sich vielsagend an die Stirn. Wie gew�hnlich forderte diese Bemerkung meinen Widerspruch heraus.</p><p>�Das ist alles sehr sch�n, Poirot, aber ich glaube, du verf�llst in die Gewohnheit, gewisse Dinge zu sehr zu untersch�tzen. Ein Fingerabdruck trug schon oft zur Verhaftung und �berf�hrung eines M�rders bei.�</p><p>�Und brachte zweifellos mehr als einen Unschuldigen an den Galgen�, bemerkte Poirot trocken.</p><p>�Aber das Studium der Fingerabdr�cke und Fu�spuren, von Zigarettenasche und anderem Zeug und all jene anderen Anhaltspunkte, die zur genauen Beobachtung aller Einzelheiten geh�ren, sind sicher von gro�er Bedeutung �</p><p>�Aber gewi�. Ich habe nie das Gegenteil behauptet. Der ge�bte Beobachter, der Sachverst�ndige, ist zweifellos sehr brauchbar. Aber die anderen, die ,Hercule Poirots', stehen h�her. Ihnen bringen die Sachverst�ndigen die Tatsachen, ihre Aufgabe ist es, das System des Verbrechers, die logische Schlu�folgerung, die richtige Folge und Ordnung der Tatsachen und vor allem die wahre Psychologie des Falles zu erkennen. Du warst doch sicher auch bei Fuchsjagden, nicht?�</p><p>�Ja, ab und zu�, sagte ich etwas verbl�fft �ber diesen pl�tzlichen Gespr�chswechsel. �Warum?�</p><p>�Gut, um den Fuchs zu jagen, sind Hunde n�tig, nicht wahr?�</p><p>�R�den�, verbesserte ich freundlich. �Ja, nat�rlich.�</p><p>�Ja, aber du steigst doch nicht vom Pferd, um mitzulaufen, den Boden mit der Nase zu beschn�ffeln und laut Wau-wau zu rufen?�</p><p>Gegen meinen Willen mu�te ich nun lachen. Poirot nickte zufrieden.</p><p>�So. Du �berl��t also die Arbeit den Hun ... , den R�den. Aber von mir, Hercule Poirot, verlangst du, da� ich mich l�cherlich mache, da� ich mich wom�glich in nasses Gras legen soll, um fragw�rdige Fu�spuren zu pr�fen, da� ich die Asche von Zigaretten zusammenscharre, wo ich die eine von der anderen nicht unterscheiden kann. Denk an das Geheimnis des Plymouth Expre�. Der gute Japp fuhr die Strecke ab, um sie genau zu �berpr�fen. Als er heimkehrte, konnte ich, der ich in meiner Wohnung verblieben war, ihm genau voraussagen, was er gefunden hatte.�</p><p>�So bist du der Ansicht, da� Japp seine Zeit vergeudet?�</p><p>�Durchaus nicht, da ja seine Beweise meine Ansicht best�tigen. Aber f�r mich w�re es Zeitverschwendung gewesen, wenn ich gefahren w�re. So verh�lt es sich auch mit den sogenannten Sachverst�ndigen'. Erinnere dich an die Schriftprobe im Fall Cavendish. Die Fragestellung des Staatsanwaltes hatte ein Sachverst�ndigenurteil auf Schriftengleichheit zur Folge, der Verteidiger bringt sie zur entgegengesetzten Ansicht. Die Ausdrucksweise ist sehr gewandt. Und das Ergebnis? Nichts, was uns nicht von Anfang an schon bekannt gewesen w�re. Die Schrift habe gro�e �hnlichkeit mit John Cavendishs Schrift. Und der gr�belnde Verstand wird vor die Frage gestellt, ,weshalb?'. Weil es wirklich seine Schrift ist, oder weil jemand ein Interesse daran hatte, uns glauben zu machen, da� es seine Handschrift sei? Ich beantwortete die Frage, mon ami, und ich beantwortete sie richtig.�</p><p>Und Poirot, der mich zwar nicht �berzeugt, aber zum Schweigen gebracht hatte, leimte sich befriedigt zur�ck.</p><p>Auf dem Schiff wu�te ich mir eine bessere Besch�ftigung, als die Einsamkeit meines Freundes zu st�ren. Das Wetter war prachtvoll und das Meer so glatt wie ein M�hlteich; so war ich durchaus nicht erstaunt, da� sich Laverguiers Methode wieder einmal gl�nzend bew�hrt hatte, was mir Poirot l�chelnd bei der Landung in Calais versicherte. Dort harrte unser eine Entt�uschung; kein Wagen war f�r uns da, aber Poirot f�hrte das darauf zur�ck, da� sein Telegramm versp�tet eingetroffen sei.</p><p>�Da wir Vollmacht haben, werden wir uns einen Wagen mieten�, sagte er heiter. Und wenige Minuten sp�ter konnte man uns in dem wackeligsten aller Automobile, das je auf der Stra�e nach Merlinville gefahren war, dahinrattern sehen.</p><p>Ich war in bester Laune.</p><p>�Wundervolle Luft!� rief ich aus. �Das wird eine k�stliche Fahrt!�</p><p>�F�r dich schon, aber nicht f�r mich, denn mich erwartet Arbeit am Ende dieser Reise �</p><p>�Bah!� meinte ich fr�hlich. �Du wirst alles aufdecken, Renaulds Lebensgefahr beseitigen, die angeblichen M�rder in Grund und Boden rennen, und alles endet mit einem Lorbeerkranz f�r dich.�</p><p>�Du bist sehr optimistisch, lieber Freund!�</p><p>�Ja, ich glaube fest an den Erfolg. Bist du nicht Hercule Poirot?�</p><p>Mein kleiner Freund jedoch wollte nicht anbei�en. Er betrachtete mich ernst.</p><p>�Du bist in seltsamer Stimmung, Hastings. Das bedeutet Ungl�ck.�</p><p>�Unsinn. Jedenfalls teilst du meine Gef�hle ja doch nicht.�</p><p>�Nein, aber ich habe Furcht.</p><p>�Furcht? Wovor?�</p><p>�Das wei� ich nicht, aber ich habe eine Ahnung - ein ... ich wei� wirklich nicht ... �</p><p>Er sprach so ernsthaft, da� es unwillk�rlich Eindruck auf mich machte.</p><p>�Ich habe ein Gef�hl�, sagte er langsam, �als ob dies ein gro�er Fall w�rde - ein langes, m�hevolles Problem, das nicht leicht zu l�sen sein d�rfte.�</p><p>Ich h�tte gern weiter gefragt, aber wir fuhren eben ins St�dtchen Merlinville ein und verlangsamten das Tempo, um den Weg nach der Villa Genevieve zu erfragen.</p><p>�Geradeaus, Monsieur. Die Villa Genevieve liegt ungef�hr eine halbe Meile hinter der Stadt. Sie k�nnen sie nicht verfehlen. Eine gro�e Villa am Meer!�</p><p>Wir dankten dem Auskunftgeber und lie�en bald die Stadt hinter uns. An einer Stra�enkreuzung mu�ten wir halten. Ein Bauer humpelte m�hsam des Weges, und wir warteten auf ihn, um uns aufs neue nach dem Wege zu erkundigen. Rechts neben der Stra�e stand ein kleines H�uschen, aber es war gar zu unansehnlich, um jene Villa zu sein, die wir suchten.</p><p>W�hrend wir warteten, �ffnete sich die T�r, und ein M�dchen kam heraus.</p><p>Der Bauer war jetzt neben uns, und der Wagenlenker beugte sich hinaus, um Auskunft zu erbitten.</p><p>�Die Villa Genevieve? Nur wenige Schritte weiter auf der rechten Seite, Monsieur. Wenn die Kurve nicht w�re, k�nnte man sie sehen.�</p><p>Der Chauffeur dankte und fuhr weiter. Meine Augen hingen wie gebannt an dem jungen M�dchen, das noch immer dastand, die Hand auf der Klinke, und uns beobachtete. Ich bin ein Sch�nheitsanbeter, und hier war eine Sch�nheit, an der wohl niemand vor�bergehen konnte, ohne sie zu beachten. Sie war sehr hoch gewachsen, ihr Ebenma� war das einer jungen G�ttin, und ihr unbedecktes, goldigschimmerndes Haupt leuchtete im Sonnenlicht. Eines der sch�nsten M�dchen, das mir je begegnet war! Als wir die holprige Stra�e hinaufschwankten, wandte ich den Kopf, um sie noch einmal zu betrachten.</p><p>�Beim Zeus, Poirot�, rief ich aus, �hast du die junge G�ttin gesehen?�</p><p>Poirot zog die Brauen hoch.</p><p>�Das f�ngt gut an!� murmelte er. �Schon hat er eine G�ttin gesehen!�</p><p>�Aber zum Kuckuck, war es vielleicht keine?�</p><p>�M�glich, doch mir fiel dies nicht besonders auf ... �</p><p>�Aber du bemerktest sie doch?�</p><p>�Mon ami, nur selten sehen zwei Menschen ganz das gleiche. Du, zum Beispiel, sahst eine G�ttin. Ich - Er z�gerte.</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich sah nur ein M�dchen mit angstvollen Augen�, sagte er ernst.</p><p>Aber in diesem Augenblick hielten wir an einem gro�en gr�nen Gittertor, und gleichzeitig entfuhr uns ein Ruf des Staunens. Vor uns stand ein gewichtiger Gendarm. Er hob die Hand, um uns den Weg zu versperren.</p><p>�Sie k�nnen nicht weiter, Messieurs.� - �Wir wollen zu Monsieur Renauld�, rief ich. �Wir werden erwartet. Dies ist doch seine Villa, nicht?�</p><p>�Ja, Monsieur, aber -�</p><p>Poirot beugte sich vor.</p><p>�Was aber?�</p><p>�Monsieur Renauld ist heute fr�h ermordet worden.�</p></section><section><title><p id="_bookmark4"><strong>3</strong></p></title><p>Im selben Augenblick war Poirot aus dem Wagen gesprungen, seine Augen blitzten vor Erregung. Er fa�te den Mann an der Schulter.</p><p>�Was sagen Sie da? Ermordet? Wann? Und wie?�</p><p>Der Gendarm reckte sich auf.</p><p>�Ich kann keine Fragen beantworten, Monsieur.�</p><p>�Gut. Ich verstehe.� Poirot �berlegte einen Augenblick.</p><p>�Der Polizeikommissar ist doch wohl im Hause?�</p><p>�Ja, Monsieur.�</p><p>Poirot nahm eine Visitenkarte und kritzelte einige Worte darauf.</p><p>�Voila! Wollen Sie die G�te haben, diese Karte sogleich dem Kommissar hineinzuschicken?�</p><p>Der Mann nahm sie, wandte den Kopf und pfiff. Wenige Sekunden sp�ter erschien einer seiner Kameraden, dem er Poirots Karte �bergab. Nach kurzer Wartezeit sahen wir einen kleinen, beleibten Herrn mit m�chtigem Schnurrbart auf das Gittertor zuhasten. Der Gendarm salutierte und trat zur Seite.</p><p>�Mein lieber Poirot�, begr��te ihn der Kommissar. �Ich freue mich unendlich, Sie zu sehen. Sie kommen wie gerufen.�</p><p>Poirots Gesicht heiterte sich auf.</p><p>�Monsieur Bex! Welche Freude!�</p><p>Er wies auf mich. �Dies ist einer meiner englischen Freunde, Captain Hastings - Monsieur Lucien Bex.�</p><p>�Seit Ostende habe ich Sie nicht gesehen, alter Freund. Ich h�rte, Sie h�tten den Dienst verlassen?�</p><p>�Das stimmt. Ich habe mich in London selbst�ndig gemacht.�</p><p>�Und Sie behaupten, Sie k�nnten uns n�tzliche Aufkl�rungen geben ... ?�</p><p>�Vielleicht wissen Sie schon davon. Ist Ihnen bekannt, da� ich hergerufen wurde?�</p><p>�Nein, von wem?�</p><p>�Von dem - Verstorbenen. Es scheint, er hat gewu�t, da� sein Leben bedroht sei. Ungl�cklicherweise rief er mich zu sp�t.�</p><p>�Donnerwetter!� fauchte der Franzose. �So sah er seine Ermordung voraus? Das st��t alle unsere Vermutungen �ber den Haufen. Aber treten Sie ein.�</p><p>Er �ffnete das Tor, und wir schritten auf das Haus zu. M. Bex sprach weiter: �Der Untersuchungsrichter, Monsieur Hautet, mu� das sofort erfahren. Er beendete eben die Untersuchung des Tatortes und ist im Begriff, die Verh�re zu beginnen. Ein reizender Mensch. Er wird Ihnen gefallen. Und so sympathisch! Ein wenig eigenartig, aber ein ausgezeichneter Richter.�</p><p>�Wann wurde das Verbrechen ver�bt?�</p><p>�Der Leichnam wurde heute morgen gegen neun Uhr gefunden. Aus den Angaben Madame Renaulds und des Arztes geht hervor, da� der Tod ungef�hr um drei Uhr fr�h eingetreten sein d�rfte. Aber bitte, treten Sie ein.�</p><p>Wir hatten die Stufen erreicht, die zum Haupteingang der Villa emporf�hrten. In der Halle sa� noch ein Gendarm. Er erhob sich, als er den Kommissar sah.</p><p>�Wo ist Monsieur Hautet?� fragte Bex.</p><p>�Im Salon, Monsieur.�</p><p>M. Bex �ffnete links in der Halle eine T�r, und wir traten ein. M. Hautet und sein Schreiber sa�en an einem gro�en runden Tisch. Als wir kamen, blickten sie auf. Der Kommissar stellte uns vor und erkl�rte unsere Anwesenheit.</p><p>M. Hautet, der Untersuchungsrichter, war ein gro�er, hagerer Mann mit dunklen, stechenden Augen und einem korrekt gestutzten grauen Bart, den er w�hrend des Sprechens zu streichen pflegte. Neben dem Kamin stand ein �lterer Herr mit leicht abfallenden Schultern, der uns als Dr. Durand vorgestellt wurde.</p><p>�H�chst sonderbar�, bemerkte M. Hautet, als der Kommissar seinen Bericht beendet hatte. �Haben Sie den Brief bei sich, Monsieur?�</p><p>Poirot reichte ihn dem Richter, der ihn durchlas. �Hm! Er spricht von einer ihm drohenden Gefahr. Wie schade, da� er sich nicht deutlicher ausdr�ckte. Wir sind Ihnen sehr verpflichtet, Monsieur Poirot. Ich hoffe. Sie erweisen uns die Ehre, uns bei unseren Nachforschungen zu unterst�tzen. Oder m�ssen Sie nach London zur�ck?�</p><p>�Herr Richter, ich bleibe hier. Wenn ich schon nicht rechtzeitig da sein konnte, um den Tod meines Klienten zu verhindern, so ist es mir Ehrensache, den M�rder ausfindig zu machen.�</p><p>Der Richter verbeugte sich.</p><p>�Ihr Standpunkt macht Ihnen Ehre. Madame Renauld wird ohne Zweifel Ihre Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Wir erwarten �brigens Monsieur Giraud von der S�rete in Paris, und ich bin �berzeugt, da� Sie einander bei den Nachforschungen gute Dienste leisten werden. Ich hoffe, Sie schenken mir indessen bei den Vernehmungen die Ehre Ihrer Anwesenheit, und ich brauche wohl nicht zu sagen, da� jede Hilfe, die Sie ben�tigen, zu Ihrer Verf�gung steht.�</p><p>�Ich danke Ihnen, Monsieur. Sie verstehen aber wohl, da� ich vorl�ufig im dunklen tappe. Ich wei� gar nicht, was vorgefallen ist.�</p><p>M. Hautet nickte dem Kommissar zu, und dieser begann zu erz�hlen: �Als die alte Dienerin Francoise heute morgen an ihre Arbeit gehen wollte, fand sie den Haupteingang der Villa halb offen. Sie erschrak, da sie an Einbrecher dachte, und trat in das Speisezimmer. Als sie aber sah, da� das Silber unversehrt war, dachte sie nicht mehr daran, sondern mutma�te, da� Monsieur Renauld zeitig aufgestanden sei, um einen kleinen Spaziergang zu machen.�</p><p>�Pardon, da� ich unterbreche, Monsieur, war das seine st�ndige Gewohnheit?�</p><p>�Nein, das war es nicht, aber die alte Francoise hat von den Engl�ndern im allgemeinen die Meinung, da� sie toll seien und da� man ihnen jederzeit die unberechenbarsten Dinge zutrauen d�rfe. Als Leonie, ein j�ngeres Dienstm�dchen, wie gew�hnlich ihre Herrin wecken wollte, fand sie diese zu ihrem Entsetzen geknebelt und gebunden in ihrem Bett, und fast gleichzeitig kam die Nachricht, da� Monsieur Renauld tot aufgefunden worden sei.�</p><p>�Wo?�</p><p>�Das ist eine der sonderbarsten Einzelheiten dieses Falles. Monsieur Poirot, die Leiche lag mit dem Gesicht nach unten - in einem offenen Grabe.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ja, es war eine frischgeschaufelte Grube - nur wenige Meter au�erhalb des Grundst�ckes.�</p><p>�Und wie lange d�rfte er schon tot gewesen sein?�</p><p>Dies beantwortete Dr. Durand: �Ich untersuchte den Leichnam heute um zehn Uhr morgens. Der Tod mu� wenigstens sieben, m�glicherweise sogar zehn Stunden vorher erfolgt sein.�</p><p>�Hm! Also vermutlich zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens?�</p><p>�Richtig, und nach Madame Renaulds Aussage d�rfte die Tat sich erst nach zwei Uhr fr�h ereignet haben, was die Zeitgrenze noch enger zieht. Der Tod mu� sofort erfolgt sein und selbstverst�ndlich nicht durch eigene Hand.�</p><p>Poirot nickte, und der Kommissar fuhr fort: �Die entsetzte Dienerschaft befreite Madame Renauld eiligst von ihren Fesseln. Sie war in f�rchterlicher Verfassung und beinahe bewu�tlos vor Schmerzen, die durch die Fesseln verursacht worden waren. Angeblich hatten zwei maskierte M�nner das Schlafzimmer betreten, sie gebunden und geknebelt und ihren Mann gewaltsam davon geschleppt. Dies erfuhren wir aus zweiter Hand, durch die Dienerschaft. Als Mme. Renauld vom Tode ihres Gatten h�rte, brach sie v�llig zusammen. Dr. Durand verschrieb ihr gleich nach seinem Eintreffen ein beruhigendes Schlafmittel, und so war es uns bis jetzt nicht m�glich, sie zu vernehmen. Aber sie d�rfte ruhiger erwachen und dann den Anstrengungen eines Verh�rs gewachsen sein.�</p><p>Der Kommissar hielt inne.</p><p>�Und die Hausgenossen, Monsieur?�</p><p>�Da ist die alte Francoise, die Haush�lterin, die schon elf Jahre bei den fr�heren Besitzern der Villa Genevieve bedienstet war. Dann noch zwei junge M�dchen, Schwestern, Denise und Leonie Oulard. Sie stammen aus Merlinville, von hochachtbaren Eltern. Ferner der Chauffeur, den Monsieur</p><p>Renauld aus England mitbrachte, der aber beurlaubt und verreist ist. Endlich noch Madame Renauld und ihr Sohn, Monsieur Jack Renauld. Aber auch er ist zur Zeit abwesend.�</p><p>Poirot nickte. Monsieur Hautet rief: �Marchaud!�</p><p>Der Gendarm trat ein.</p><p>�Holen Sie Francoise.�</p><p>Der Mann salutierte und verschwand. Kurz darauf kehrte er mit der erschreckten Francoise wieder.</p><p>�Sie hei�en Francoise Arrielet?�</p><p>�Ja, Monsieur.�</p><p>�Dienen Sie schon lange in der Villa Genevieve?�</p><p>�Erst elf Jahre bei Madame la Vicomtesse. Dann, als sie in diesem Fr�hling die Villa verkaufte, willigte ich ein, bei dem englischen ,Milor' zu bleiben. Nie h�tte ich mir vorgestellt -�</p><p>�Das wissen wir. Nun, Francoise, kommen wir zum Haupteingang; wer hatte ihn abends zu schlie�en?�</p><p>�Ich, Monsieur. Das war immer mein Amt.�</p><p>�Und gestern abend?�</p><p>�Schlo� ich wie gew�hnlich ab.�</p><p>�Sind Sie dessen ganz gewi�?�</p><p>�Ich schw�re es bei allen Heiligen, Monsieur.�</p><p>�Wie sp�t mag es gewesen sein?�</p><p>�So sp�t wie immer, halb elf, Monsieur.�</p><p>�Und die �brigen Hausbewohner? Waren sie alle zu Bett gegangen?�</p><p>�Madame hatte sich kurz vorher zur�ckgezogen. Denise und Leonie gingen mit mir hinauf. Monsieur war noch in seinem Arbeitszimmer.�</p><p>�Also, wenn sp�terhin jemand die T�r �ffnete, konnte es nur Monsieur Renauld selbst gewesen sein?�</p><p>Francoise zuckte ihre breiten Schultern.</p><p>�Wozu sollte er dies getan haben? Wo jeden Augenblick R�uber und M�rder vorbeikamen! Ein sch�ner Einfall! Monsieur war kein Dummkopf. Es sei denn, er habe die Dame hinauslassen wollen -�</p><p>Der Richter unterbrach sie scharf: �Die Dame? Welche Dame meinen Sie?�</p><p>�Nun, die Dame, die ihn besucht hatte.�</p><p>�Hatte er gestern abend Damenbesuch?�</p><p>�Aber ja, Monsieur - und an vielen anderen Abenden doch auch.�</p><p>�Wer war sie? Kennen Sie sie?�</p><p>Das Antlitz der Frau nahm einen schlauen Ausdruck an.</p><p>�Woher sollte ich wissen, wer sie war?� brummte sie. �Ich lie� sie gestern abend nicht herein.�</p><p>�Oh!� br�llte der Untersuchungsrichter. und schlug mit der Faust auf den Tisch. �Sie wollen sich wohl einen Scherz mit der Polizei erlauben! Ich verlange, da� Sie mir sofort den Namen der Dame nennen, die immer am Abend zu Monsieur Renauld kam.�</p><p>�Die Polizei - die Polizei�, brummte Francoise. �Ich h�tte nie gedacht, da� ich es mal mit der Polizei zu tun bekommen k�nnte. Aber ich wei� genau, wer sie war! Madame Daubreuil.�</p><p>Dem Kommissar entfuhr ein Laut des Staunens und er beugte sich ungl�ubig vor.</p><p>�Madame Daubreuil - aus der Villa Marguerite, unten an der Stra�e?�</p><p>�So ist es, Monsieur. Oh, <emphasis>die</emphasis> hat es hinter den Ohren! Und die alte Frau warf entr�stet den Kopf zur�ck. �Madame Daubreuil�, fl�sterte der Kommissar. �Unm�glich.�</p><p>�Da haben wir's!� brummte Francoise. �Das hat man davon, wenn man die Wahrheit sagt.�</p><p>�Durchaus nicht�, beschwichtigte der Untersuchungsrichter. �Wir sind nur erstaunt, das ist alles. Dann waren Madame Daubreuil und Monsieur Renauld -� taktvoll hielt er inne. �Wie? Das war es doch ohne Zweifel?�</p><p>�Woher sollte ich das wissen? Aber was wollen Sie, Monsieur? Er war ,Milor' anglais, - tres riche - und Madame Daubreuil ist arm - und tres chic - obwohl sie mit ihrer Tochter so zur�ckgezogen lebt. Kein Zweifel, sie hat eine Vergangenheit! Sie ist nicht mehr jung, aber ... Ich sage Ihnen, ich sah oft, wie die M�nner ihr nachblickten, wenn sie die Stra�e herunterkam. Au�erdem gab sie jetzt viel mehr Geld aus - das wei� die ganze Stadt. Ihre kleinen Ersparnisse waren zu Ende.� Und Francoise nickte heftig voll unersch�tterlicher �berzeugung. M. Hautet strich sinnend seinen Bart.</p><p>�Und Madame Renauld?� fragte er schlie�lich. �Wie verhielt sie sich zu dieser - Freundschaft?�</p><p>Francoise zuckte mit den Achseln..</p><p>�Sie war immer sehr liebensw�rdig, sehr h�flich. Es sah so aus, als ob sie nichts ahnte. Aber trotzdem - nicht wahr? -blutet das Herz, Monsieur. Ich sah, wie sie t�glich blasser und magerer wurde. Sie war nicht mehr die gleiche Frau, die einen Monat fr�her hier angekommen war. Auch Monsieur hatte sich ver�ndert. Auch er hatte seine Sorgen. Das war deutlich zu sehen. Und wer k�nnte sich schlie�lich dar�ber wundern? Keine Diskretion, kein Takt. Englische Mode, zweifellos!�</p><p>Entr�stet fuhr ich von meinem Sessel auf, w�hrend der Untersuchungsrichter unbeirrt sein Verh�r fortsetzte.</p><p>�Sie behaupten, da� Monsieur Renauld Madame Daubreuil nicht hinauslie�? Sie war also schon fort?�</p><p>�Ja, Monsieur. Ich h�rte sie aus dem Arbeitszimmer herauskommen und zur T�r gehen. Monsieur sagte ,Gute Nacht' und schlo� hinter ihr die T�r.�</p><p>�Wie sp�t war es da?�</p><p>�Ungef�hr f�nfundzwanzig Minuten nach zehn, Monsieur.�</p><p>�Wissen Sie, wann Monsieur Renauld zu Bett ging?�</p><p>�Ich h�rte, da� er zehn Minuten nach uns heraufkam. Die Treppen knarren so, da� man jeden h�rt, der hinauf oder hinab geht.�</p><p>�Und ist das alles? H�rten Sie die ganze Nacht kein st�rendes Ger�usch mehr?�</p><p>�Nicht das geringste, Monsieur.�</p><p>�Welches der M�dchen kam heute zuerst herunter?�</p><p>�Ich, Monsieur. Ich sah sofort, da� die T�r nur angelehnt war.�</p><p>�Wie verhielt es sich mit den ebenerdigen Fenstern? Waren sie alle verschlossen?�</p><p>�Alle. Es war sonst nichts in Unordnung oder sonstwie verd�chtig.�</p><p>�Gut, Francoise, Sie k�nnen gehen.�</p><p>Die alte Frau humpelte zur T�r. Auf der Schwelle blickte sie zur�ck.</p><p>�Ich will Ihnen etwas sagen, Monsieur. Diese Madame Daubreuil ist eine schlechte Person. O ja, eine Frau kennt die andere. Sie ist eine schlechte Person, vergessen Sie das nicht.�</p><p>Francoise sch�ttelte weise ihr Haupt und verlie� den Raum.</p><p>�Leonie Oulard�, rief der Richter.</p><p>Leonie erschien in Tr�nen aufgel�st und bekam fast einen Weinkrampf.</p><p>M. Hautet behandelte sie sehr geschickt. Ihre Aussage betraf haupts�chlich die Auffindung ihrer geknebelten und gefesselten Herrin, und sie gab davon einen recht �bertriebenen Bericht. Sie hatte ebenso wie Francoise des Nachts keinerlei Ger�usch geh�rt.</p><p>Dann folgte Denise, ihre Schwester. Auch sie stellte fest, da� ihr Gebieter sich in der letzten Zeit sehr ver�ndert hatte.</p><p>�Jeden Tag wurde er m�rrischer. Er a� weniger. Er war immer so niedergeschlagen.� Aber Denise hatte dar�ber ihre eigene Ansicht. �Zweifellos war ihm die Maffia auf den Fersen. Zwei maskierte M�nner - was konnte es sonst gewesen sein? Eine f�rchterliche Bande!�</p><p>�Das ist nat�rlich m�glich�, sagte der Untersuchungsrichter ruhig. �Und nun, Denise, haben Sie gestern abend Madame Daubreuil hereingelassen?�</p><p>�Gestern abend nicht, Monsieur, vorgestern.�</p><p>�Aber Francoise erz�hlte uns eben, da� Madame Daubreuil gestern abend dagewesen sei?�</p><p>�Nein, Monsieur. Es kam wohl gestern abend eine Dame zu Monsieur Renauld, doch es war nicht Madame Daubreuil.�</p><p>�berrascht forschte der Richter weiter, aber das M�dchen blieb fest. Vom Sehen kannte sie Madame Daubreuil genau. Diese Dame war zwar auch dunkelhaarig, aber kleiner und viel j�nger. Nichts konnte ihre Behauptung ersch�ttern.</p><p>�Hatten Sie diese Dame jemals vorher gesehen?�</p><p>�Niemals, Monsieur.� Und dann f�gte das M�dchen sch�chtern hinzu: �Ich glaube, sie war Engl�nderin.�</p><p>�Engl�nderin?�</p><p>�Ja, Monsieur. Sie fragte in ganz gutem Franz�sisch nach Monsieur Renauld, aber man erkennt den Akzent sofort, selbst wenn er kaum merklich ist. Au�erdem sprachen sie englisch, als sie aus dem Arbeitszimmer kamen.�</p><p>�H�rten Sie, was sie sagten? Konnten Sie es verstehen, meine ich?�</p><p>�Ich spreche sehr gut Englisch�, sagte Denise stolz. �Die Dame sprach zu schnell, da konnte ich nichts von dem auffangen, was sie sagte, aber ich h�rte Monsieurs letzte Worte, als er ihr die T�r aufschlo�.� Sie hielt inne und wiederholte m�hevoll: �Yes, yes - but for Heavens sake go now!�</p><p>�Ja, ja, aber gehen Sie jetzt, um Gottes willen!� wiederholte der Richter.</p><p>Er entlie� Denise, dachte noch ein paar Sekunden nach und rief Francoise wieder herein. Er legte ihr die Frage vor, ob sie sich nicht geirrt haben k�nne, als sie den Abend von Madame Daubreuils letztem Besuch feststellte. Ganz unerwarteterweise blieb Francoise hartn�ckig dabei, Madame Daubreuil sei am letzten Abend ins Haus gekommen. Ohne jeden Zweifel sei sie dagewesen. Denise wolle sich nur interessant machen, voila tout. Darum habe sie dies sch�ne M�rchen von der fremden Dame ausgedacht. Vielleicht auch, um mit ihren englischen Kenntnissen zu prahlen! Wahrscheinlich habe Monsieur niemals diesen Satz in englischer Sprache gesagt, und selbst wenn er es getan h�tte, beweise das nichts, da Madame Daubreuil ausgezeichnet Englisch spreche und sich im Verkehr mit Monsieur und Madame Renauld dieser Sprache meistens bedient habe. �Sehen Sie, Monsieur Jack, der Sohn von Monsieur, war gew�hnlich dabei, und er spricht sehr schlecht Franz�sisch.�</p><p>Der Richter drang nicht weiter in sie. Statt dessen erkundigte er sich nach dem Chauffeur und erfuhr, da� Mr. Renauld erst gestern erkl�rt habe, da� er vermutlich den Wagen nicht ben�tigen werde und da� Masters daher ebensogut einen freien Tag haben k�nne.</p><p>Poirot war dar�ber einigerma�en verbl�fft.</p><p>�Was hast du denn?� fl�sterte ich.</p><p>Er sch�ttelte ungeduldig den Kopf und fragte: �Verzeihung, Monsieur Bex, aber Monsieur Renauld konnte wohl seinen Wagen selbst lenken?�</p><p>Der Kommissar blickte zu. Francoise hin�ber, und die alte Frau antwortete prompt: �Nein, Monsieur fuhr nie allein.�</p><p>Poirot zog die Stirn in ernste Falten.</p><p>�Ich wollte, du w�rdest mir erkl�ren, was dir im Kopf herumgeht�, sagte ich ungeduldig.</p><p>�Merkst du denn nichts? Monsieur Renauld spricht in seinem Brief davon, uns den Wagen nach Calais entgegenzuschicken.�</p><p>�Vielleicht meinte er einen Mietwagen�, warf ich ein.</p><p>�M�glich. Aber wozu einen Wagen mieten, wenn man einen eigenen besitzt? Weshalb gerade dem Chauffeur den gestrigen Tag freigeben - pl�tzlich, in momentaner Eingebung.</p><p>Wollte er ihn vielleicht aus irgendeinem Grunde aus dem Wege schaffen, ehe wir kamen?�</p></section><section><title><p id="_bookmark5"><strong>4</strong></p></title><p>Francoise hatte das Zimmer verlassen. Der Untersuchungsrichter trommelte nachdenklich mit den Fingern auf dem Tisch.</p><p>�Monsieur Bex�, sagte er endlich, �hier liegen direkt widersprechende Zeugenaussagen vor. Wem ist nun zu glauben, Francoise oder Denise?�</p><p>�Denise�, sagte der Kommissar entschieden. �Sie war es, die die Besucherin einlie�. Francoise ist alt und eigensinnig und hat eine ausgesprochene Abneigung gegen Madame Daubreuil. Au�erdem wissen wir doch selbst genau, da� M. Renauld noch in eine andere Liebschaft verwickelt war.�</p><p>�Richtig!� rief Hautet. �Wir verga�en, Monsieur Poirot davon Mitteilung zu machen.� Er durchst�berte die Papiere auf dem Tisch und reichte meinem Freunde schlie�lich das Gesuchte: �Diesen Brief, Monsieur Poirot, fanden wir in der Manteltasche des Verstorbenen.�</p><p>Poirot nahm und entfaltete ihn. Er war abgegriffen, zerknittert und in englischer Sprache mit ungelenker Hand geschrieben.</p><p>�Mein Liebster!</p><p>Warum hast Du mir so lange nicht geschrieben? Du liebst mich doch noch, nicht wahr? Deine Briefe waren in letzter Zeit so anders, so kalt und sonderbar, und jetzt dieses lange Schweigen. Ich habe Angst. Wenn Du aufgeh�rt h�ttest, mich zu lieben! Aber das ist unm�glich - was bin ich doch f�r ein n�rrisches Ding, da� ich mir solche Sachen einbilde! Aber wenn Du aufgeh�rt h�ttest, mich zu lieben, wei� ich nicht, was ich anfangen sollte - vielleicht w�rde ich mich umbringen! Ohne Dich k�nnte ich nicht leben. Manchmal bilde ich mir ein, es habe eine andere Frau sich zwischen uns gedr�ngt. Sie soll sich in acht nehmen - und Du auch! Bevor ich Dich ihr lasse, t�te ich sie. Ich meine es ernst.</p><p>Aber was schreibe ich f�r Unsinn! Du liebst mich, und ich liebe Dich - ja, ich liebe Dich, ich liebe Dich, ich liebe Dich!</p><p>Immer Deine</p><p>Bella.�</p><p>Datum und Adresse fehlten. Mit ernstem Gesicht gab Poirot den Brief zur�ck.</p><p>�Und was vermuten Sie?�</p><p>Der Untersuchungsrichter zuckte die Achseln. �Augenscheinlich war Monsieur Renauld in eine Liebschaft mit dieser Engl�nderin - Bella - verwickelt. Er kommt hierher, begegnet Madame Daubreuil und verliebt sich in sie. Seine Gef�hle f�r die andere k�hlen ab, und sie sch�pft Verdacht. Dieser Brief enth�lt eine deutliche Drohung, Monsieur; zuerst schien der Fall sonnenklar. Ein Eifersuchtsdrama! Die Tatsache, da� Monsieur Renauld von r�ckw�rts erstochen wurde, spricht deutlich daf�r, da� das Verbrechen von einer Frau begangen worden sein mu�.�</p><p>Poirot nickte. �Der Stich in den R�cken wohl, doch nicht das Grab! Das war m�hselige Arbeit, harte Arbeit - keine Frau grub jenes Grab, Monsieur. Das war das Werk eines Mannes.�</p><p>Der Kommissar rief erregt: �Ja, ja, Sie haben recht. Daran dachten wir nicht.�</p><p>�Wie ich sagte�, fuhr Monsieur Hautet fort, �schien der Fall �u�erst einfach, aber die maskierten M�nner und der Brief; den Sie von Monsieur Renauld erhielten, verwickeln die Angelegenheit. Wir haben es offenbar hier mit einer Reihe ganz verschiedener Umst�nde zu tun, zwischen denen keinerlei Zusammenhang besteht. Was den Brief anbelangt, den Sie erhielten, glauben Sie, da� er sich auf ,Bella' und ihre Drohungen bezieht?�</p><p>Poirot sch�ttelte den Kopf. �Kaum. Ein Mann wie Monsieur Renauld, der ein abenteuerliches Leben in den entlegensten Gegenden hinter sich hat, d�rfte wohl nicht um Schutz gegen eine Frau ersuchen.�</p><p>Beif�llig nickte der Untersuchungsrichter. �Ganz meine Ansicht. Dann m�ssen wir die Erkl�rung f�r diesen Brief -�</p><p>�In Santiago suchen�, bemerkte der Kommissar. �Ich will unverz�glich an die dortige Polizei kabeln und ausf�hrlichen Bericht �ber das Leben erbitten, das der Verstorbene in jener Stadt f�hrte, �ber seine Liebesabenteuer, seine gesch�ftlichen Transaktionen, seine Freundschaften und �ber etwaige Feindschaften, die er sich dort zugezogen haben mag. Es m��te verwunderlich sein, wenn wir dort nicht den Schl�ssel zu seiner geheimnisvollen Ermordung finden sollten.� Beifallheischend blickte der Kommissar um sich.</p><p>�Ausgezeichnet!� stimmte Poirot zu.</p><p>�Auch seine Frau k�nnte uns einen Fingerzeig geben�, sagte der Richter.</p><p>�Fanden Sie sonst keine Briefe jener Bella unter Monsieur Renaulds Habseligkeiten?� fragte Poirot.</p><p>�Nein. Nat�rlich durchsuchten wir gleich am Anfang im Arbeitszimmer alle seine Briefschaften. Wir fanden jedoch nichts Interessantes. Alles schien in bester Ordnung. Das einzige Au�ergew�hnliche war sein Testament. Hier ist es.�</p><p>Poirot durchflog das Schriftst�ck.</p><p>�So? Ein Legat von tausend Pfund an einen Mr. Stonor -wer ist das �brigens?�</p><p>�Monsieur Renaulds Sekret�r. Er blieb in England, kam aber ein- bis zweimal zum Wochenende.�</p><p>�Und alles �brige vermachte er bedingungslos seiner geliebten Gattin Eloise. Einfach niedergeschrieben, aber vollkommen gesetzm��ig. Von den zwei Dienerinnen Denise und Francoise als Zeuginnen unterfertigt. Daran ist gar nichts Ungew�hnliches.� Er gab es zur�ck.</p><p>�Vielleicht�, begann Bex, �bemerkten Sie nicht -�</p><p>�Das Datum?� zwinkerte Poirot. �Doch, ich bemerkte es. Es liegt vierzehn Tage zur�ck. M�glicherweise bezeichnet es die erste Andeutung der Gefahr. Manch reicher Mann stirbt ohne Testament, weil er nie die M�glichkeit seines Ablebens in Betracht gezogen hatte. Aber es ist gef�hrlich, vorzeitige Schl�sse zu ziehen. Nichtsdestoweniger beweist es uns, da� er trotz seiner Liebesabenteuer mit wirklicher Zuneigung und Verehrung an seiner Gattin hing.�</p><p>�Ja�, gab Hautet z�gernd zu. �Aber vielleicht ist es auch ein wenig unfair gegen seinen Sohn, da� er ihn in v�lliger Abh�ngigkeit von seiner Mutter zur�ckl��t. Sollte sie nochmals heiraten und ihr zweiter Gatte bestimmenden Einflu� auf sie gewinnen, k�nnte es geschehen, da� dem Jungen kein Pfennig von seines Vaters Verm�gen bliebe.�</p><p>Poirot zuckte die Achseln.</p><p>�Die Menschen sind eitel. Monsieur Renauld bildete sich sicher ein, da� seine Witwe niemals wieder heiraten werde. Und was den Sohn betrifft, war es vielleicht weise Vorsicht, das Geld den H�nden der Mutter anzuvertrauen. Die S�hne reicher V�ter sind von sprichw�rtlichem Leichtsinn.�</p><p>�Sie m�gen recht haben. Und nun, Monsieur Poirot, wollen Sie wohl zweifellos den Schauplatz des Verbrechens besichtigen. Es tut mir leid, da� der Leichnam bereits fortgebracht wurde, aber selbstverst�ndlich sind von jedem denkbaren Winkel fotografische Aufnahmen gemacht worden, die zu Ihrer Verf�gung stehen, sobald sie fertig sind.�</p><p>�Ich danke Ihnen f�r Ihr Entgegenkommen, Monsieur.�</p><p>Der Kommissar erhob sich.</p><p>�Folgen Sie mir, meine Herren.�</p><p>Er �ffnete die T�r und forderte Poirot durch eine formelle Verbeugung auf, vorauszugehen. Poirot blieb mit gleicher H�flichkeit zur�ck und lie� dem Kommissar den Vortritt.</p><p>Endlich gelangten sie in die Halle.</p><p>�Der Raum dort ist das Arbeitszimmer, nicht wahr?� fragte Poirot unvermittelt, indem er auf die gegen�berliegende T�r wies.</p><p>�Ja, wollen Sie es besichtigen?� Er stie� w�hrend des Sprechens die T�r auf, und wir traten ein.</p><p>Das Zimmer, das Monsieur Renauld zum pers�nlichen Gebrauch gew�hlt hatte, war klein, aber mit erlesenem Geschmack und gro�er Behaglichkeit eingerichtet. Ein Kanzlei-Schreibtisch mit vielen F�chern stand neben dem Fenster. Zwei gro�e lederne Klubsessel standen dem Kamin gegen�ber, zwischen ihnen ein runder Tisch, der mit B�chern und Zeitschriften bedeckt war. B�cherregale f�llten zwei W�nde, und am Ende des Zimmers, dem Fenster gegen�ber, befand sich ein sch�nes B�fett aus Eichenholz mit einem Lik�rst�nder. Vorh�nge und Portiere waren aus weicher, mattgr�ner Seide und die Farben des Teppichs dazu abget�nt.</p><p>Einen Augenblick lang verharrte Poirot und lie� den Raum auf sich wirken. Dann schritt er weiter, fuhr mit der Hand leicht �ber die Lehnen der Lederst�hle, nahm vom Tisch eine Zeitschrift auf und ber�hrte mit dem Finger bed�chtig die Oberfl�che des Eichenb�fetts. Sein Gesicht dr�ckte vollkommene Billigung aus.</p><p>�Kein Staub?� fragte ich l�chelnd.</p><p>Anerkennend l�chelte er mir zu, weil ich seine Eigenheiten so gut kannte.</p><p>�Nein, kein K�rnchen, mon ami! Und einesteils ist das vielleicht bedauerlich!�</p><p>Seine scharfen Vogelaugen sp�hten da- und dorthin.</p><p>�Ah!� bemerkte er pl�tzlich erleichtert. �Der Ofenvorleger ist verschoben�, und er b�ckte sich, um ihn in Ordnung zu bringen.</p><p>Pl�tzlich stie� er einen Laut aus und erhob sich. Er hielt ein kleines rosenfarbenes St�ck Papier in der Hand.</p><p>�In Frankreich wie in England�, bemerkte er, �verabs�umt die Dienerschaft, unter den Teppichen hervorzukehren.�</p><p>Bex nahm das Papierst�ckchen, und ich trat n�her.</p><p>�Erkennst du es, Hastings?�</p><p>Verwirrt sch�ttelte ich den Kopf - und doch war mir die eigent�mliche Schattierung des rosenfarbenen Papiers sehr vertraut.</p><p>Der Kommissar leistete schnellere Gedankenarbeit als ich.</p><p>�Die Ecke eines Schecks�, rief er aus.</p><p>Das St�ck Papier war keine zwei Quadratzentimeter gro�. Mit Tinte stand das Wort �Duveen� darauf geschrieben.</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte Bex. �Dieser Scheck war zahlbar an oder ausgestellt von einer Person namens Duveen.�</p><p>�Das erstere nehme ich an�, sagte Poirot, �denn wenn ich nicht irre, ist dies Monsieur Renaulds Handschrift.�</p><p>Dies wurde durch Vergleich mit einem Notizblock vom Schreibtisch bald festgestellt.</p><p>�Mein Gott�, sagte der Kommissar best�rzt, �ich begreife gar nicht, wie ich dies �bersehen konnte.�</p><p>Poirot lachte.</p><p>�Die Moral davon ist, man soll immer unter die Teppiche schauen! Mein Freund Hastings wird best�tigen, da� mich die geringste Unordnung zur Verzweiflung bringt. Als ich sah, da� der Ofenvorleger schief lag, sagte ich mir sofort: ,Halt! Das geschah durch den Fu� des Sessels, als dieser zur�ckgesto�en wurde. Vielleicht w�re etwas darunter zu finden, was die gute Francoise �bersah.'�</p><p>�Francoise?�</p><p>�Oder Denise, oder Leonie. Wer eben das Zimmer aufr�umte. Da nirgends Staub liegt, mu� das Zimmer heute fr�h aufger�umt worden sein. Ich glaube, der Vorgang spielte sich folgenderma�en ab: Gestern, vielleicht in der Nacht, stellte Monsieur Renauld . einen Scheck aus, der f�r jemanden, namens Duveen, bestimmt war. Sp�ter wurde er zerrissen und zu Boden geworfen. Heute fr�h -�</p><p>Aber Monsieur Bex l�utete bereits ungeduldig.</p><p>Francoise kam herein. Ja, es h�tten zahlreiche Papierst�cke auf dem Boden gelegen. Sie habe sie in den K�chenherd gesteckt.</p><p>Mit verzweifelter Miene entlie� sie Bex.</p><p>Dann heiterten sich seine Z�ge auf, er lief zum Schreibpult. In einer Minute durchflog er das Scheckbuch des Ermordeten. Dann wiederholte sich seine fr�here Verzweiflungsmiene. Der letzte Kontrollzettel war leer.</p><p>�Mut�, rief Poirot und klopfte ihm auf die Schulter. �Zweifellos wird uns Madame Renauld alles N�here �ber die geheimnisvolle Person, die Duveen hei�t, sagen k�nnen.�</p><p>Das Gesicht des Kommissars hellte sich auf. �Das ist wahr. Fahren wir fort.�</p><p>Als wir das Zimmer verlassen wollten, sagte Poirot beil�ufig: �Hier hat wohl Monsieur Renauld gestern abend seinen Besuch empfangen, nicht wahr?�</p><p>�Ja, - aber woher wissen Sie es?�</p><p>�Durch dies hier. Ich fand es auf der Lehne des Ledersessels.� Und er hielt zwischen Daumen und Zeigefinger, ein langes schwarzes Haar - ein Frauenhaar -!</p><p>Monsieur Bex f�hrte uns durch den Hinterausgang zu einem kleinen Schuppen, der an die Hauswand stie�. Er zog einen Schl�ssel aus der Tasche und sperrte auf.</p><p>�Hier liegt der Leichnam. Wir hatten ihn eben vom Tatort weggeschafft, als Sie kamen, nachdem die Fotografen ihre Aufnahmen gemacht hatten,�</p><p>Er �ffnete die T�r, und wir traten ein. Der Ermordete lag auf der Erde, von einem Laken bedeckt.</p><p>Bex streifte die Decke zur�ck. Renauld war ein mittelgro�er Mann, von schlanker, geschmeidiger Gestalt. Er sah aus wie ein F�nfziger, und sein dunkles Haar war schon stark von grauen F�den durchzogen. Er war glattrasiert, hatte eine lange d�nne Nase, und seine Augen standen ziemlich nahe beieinander. Seine Haut wies jene tiefe Bronzef�rbung auf, wie sie Menschen eigen ist, die den gr��ten Teil ihres Lebens in Tropenl�ndern verbrachten. Zwischen den halbge�ffneten Lippen sahen die Z�hne hervor, und auf den leblosen Z�gen lag es wie Schrecken und Staunen.</p><p>�An seinem Gesicht ist zu erkennen, da� er von r�ckw�rts erstochen wurde�, bemerkte Poirot.</p><p>Sehr behutsam drehte er den Toten um. Da, zwischen den Schulterbl�ttern, f�rbte ein runder dunkler Fleck den hellen Mantel. Inmitten des Flecks war ein kleiner Ri� im Stoff.</p><p>�Haben Sie eine Ahnung, mit was f�r einer Waffe das Verbrechen ver�bt wurde?�</p><p>�Sie steckte in der Wunde.� Der Kommissar holte einen gro�en Glaskrug herunter, in dem sich ein kleiner Gegenstand befand, der am ehesten einem Papiermesser glich. Es hatte einen schwarzen Griff und eine schwach gl�nzende Klinge. Das ganze Ding war nicht l�nger als zehn Zoll Poirot pr�fte bed�chtig die fleckige Spitze mit dem Finger. �Verteufelt scharf! Ein h�bsches, leichtes, kleines Mordinstrument.�</p><p>�Leider konnten wir keine Fingerabdr�cke darauf finden�, bemerkte Bex bedauernd. �Der M�rder mu� mit Handschuhen gearbeitet haben.�</p><p>�Nat�rlich hat er das�, sagte Poirot geringsch�tzig. �Sogar In Santiago ist das schon gen�gend bekannt. Selbst der �rgste St�mper wei� das, dank der Ver�ffentlichungen, welche die Zeitungen �ber das System Bertillon bringen. Gleichviel, es interessiert mich sehr, da� es hier keine Fingerabdr�cke gab. Es ist so erstaunlich einfach, fremde Fingerabdr�cke darauf zu lassen! Und die Polizei ist gl�cklich.� Er sch�ttelte den Kopf. �Ich f�rchte sehr, unser Mann ist kein systematischer Verbrecher - oder er hatte es sehr eilig. Aber wir werden ja sehen!�</p><p>Er brachte den K�rper wieder in seine fr�here Lage.</p><p>�Er trug nur Unterw�sche unter seinem Mantel, wie ich sehe�, bemerkte er.</p><p>�Ja, dem Untersuchungsrichter fiel dies auch als sehr merkw�rdig auf.�</p><p>In diesem Augenblick klopfte es an die T�r, die Bex hinter sich geschlossen hatte. Er schritt vorw�rts und �ffnete. Es war Francoise, die neugierig hereinzublicken versuchte.</p><p>�Nun, was w�nschen Sie?� fragte Bex ungeduldig.</p><p>�Madame l��t sagen, da� sie sich schon wohler f�hlt und bereit ist, den Herrn Untersuchungsrichter zu empfangen.�</p><p>�Gut�, sagte Bex, �gehen Sie zu Monsieur Hautet und sagen Sie, da� wir sofort kommen werden.�</p><p>Poirot z�gerte ein wenig und blickte nochmals nach dem Leichnam zur�ck. Ich erwartete alles andere zu h�ren, aber nicht die geistlose und ungeschickte Bemerkung, die so schlecht zum feierlichen Ernst des Augenblicks pa�te.</p><p>�Er trug einen sehr langen Mantel�, sagte er.</p></section><section><title><p id="_bookmark6"><strong>5</strong></p></title><p>M. Hautet erwartete uns in der Halle, und wir folgten Francoise, die den Weg wies. Poirot stieg die Treppen im Zickzack hinan, was mir seltsam vorkam, bis er mir mit einer Grimasse zufl�sterte: �Kein Wunder, da� die Dienerschaft Monsieur Renauld hinaufgehen h�rte, die Treppen knarren ja, da� es Tote erwecken k�nnte.�</p><p>Vom oberen Ende der Treppe zweigte ein Gang ab. �Die Dienerschaftsr�ume�, erkl�rte Bex.</p><p>L�ngs eines Korridors gingen wir weiter, und Francoise klopfte an die letzte T�r rechts.</p><p>Eine schwache Stimme bat uns einzutreten, und wir kamen in ein gro�es, sonniges Zimmer, von dessen Fenstern man das Meer sah, das blau und funkelnd in etwa einer Viertelmeile Entfernung von uns lag.</p><p>Auf einem Ruhebett, von Polstern gest�tzt, lag eine gro�e, auffallend sch�ne Frau mittleren Alters, von Dr. Durand betreut. Ihr einstens dunkles Haar schimmerte beinahe v�llig silberwei�, aber die starke Vitalit�t und Kraft ihrer Pers�nlichkeit h�tte sich �berall f�hlbar gemacht. Man merkte sofort, da� man sich einer jener Frauen gegen�ber befand, f�r die der Franzose den Ausdruck ,une maitresse femme' gepr�gt hat.</p><p>Sie begr��te uns mit w�rdevollem Neigen des Kopfes.</p><p>�Bitte, nehmen Sie Platz, Messieurs.�</p><p>Wir setzten uns, und der Gerichtsschreiber lie� sich an einem runden Tisch nieder.</p><p>�Ich hoffe, Madame�, begann Hautet, �da� es Sie nicht allzusehr aufregen wird, wenn Sie uns erz�hlen, was sich heute nacht ereignet hat.�</p><p>�Durchaus nicht, Monsieur. Ich wei�, wie kostbar jede Minute ist, wenn man der Urheber eines so schrecklichen Verbrechens habhaft werden will.�</p><p>�Gut, Madame. Ich denke, es wird Sie weniger erm�den, wenn ich Fragen stelle, und Sie sich darauf beschr�nken, mir zu antworten. Wann gingen Sie gestern abend zu Bett?�</p><p>�Um halb zehn Uhr, Monsieur. Ich war sehr m�de.�</p><p>�Und Ihr Gatte?�</p><p>�Ungef�hr eine Stunde sp�ter, glaube ich.�</p><p>�Schien er verwirrt - oder irgendwie erregt?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Was geschah dann?�</p><p>�Wir schliefen. Ich erwachte von dem Druck einer Hand, die mir den Mund schlo�. Ich versuchte zu schreien, aber die Hand verhinderte es. Es waren zwei M�nner im Zimmer. Beide trugen Masken.�</p><p>�K�nnen Sie sie beschreiben, Madame?�</p><p>�Der eine war gro� und hatte einen langen schwarzen Bart, der andere war klein und dick. Dessen Bart war r�tlich. Beide hatten ihre H�te tief ins Gesicht gedr�ckt.�</p><p>�Hm!� sagte der Richter nachdr�cklich. �Zu viel Bart, f�rchte ich.�</p><p>�Sie meinen, da� es falsche B�rte gewesen seien?�</p><p>�Ja, Madame. Aber erz�hlen Sie weiter.�</p><p>�Der kleinere von beiden hielt mich fest. Er zwang mir einen Knebel in den Mund und band mir dann mit einem Strick Arme und Beine. Der andere stand �ber meinen Mann gebeugt. Er hatte mein kleines dolchartiges Papiermesser vom Toilettentisch genommen und hielt es mit der Spitze gerade �ber seinem Herzen. Als der kleine Mann mit mir fertig war, gesellte er sich zu dem anderen, und sie zwangen meinen Gatten, sich zu erheben und sie in den Ankleideraum nebenan zu begleiten. Vor Schrecken war ich einer Ohnmacht nahe, lauschte aber verzweiflungsvoll ...</p><p>Ich konnte nicht verstehen, was sie sagten; sie sprachen zu leise. Aber ich erkannte ihre Sprache, einen spanischen Dialekt, wie er in einzelnen Teilen S�damerikas gesprochen wird. Es schien, als verlangten sie etwas von meinem Gatten, und pl�tzlich wurden sie laut und sprachen mit erhobener Stimme weiter. Ich glaube, der gro�e Mann sagte: ,Sie wissen, was wir wollen? Das - hier verstand ich wieder nicht - ,Wo ist es?' Ich wei� nicht, was mein Mann darauf erwiderte, aber der andere fuhr grimmig fort: ,Sie l�gen! Wir wissen, da� es in Ihrem Besitz ist. Wo haben Sie Ihre Schl�ssel?' Dann h�rte ich, wie Schubladen herausgezogen wurden. In der Wand des Ankleidezimmers meines Mannes befindet sich ein Safe, in dem er immer eine gr��ere Summe verf�gbaren Geldes aufbewahrt., Leonie sagt mir, er sei erbrochen und das Geld gestohlen worden, aber augenscheinlich war das, was sie suchten, nicht dort, denn pl�tzlich h�rte ich, da� der Gro�e mit einem Fluch meinem Mann befahl, sich anzukleiden. Bald darauf, es mu�te sie wohl ein Ger�usch im Hause gest�rt haben, dr�ngten sie meinen Mann halbbekleidet von dort in mein Zimmer.�</p><p>�Pardon�, unterbrach Poirot, �gibt es denn keinen anderen Ausgang aus dem Ankleidezimmer?�</p><p>�Nein, Monsieur, es gibt nur eine Verbindungst�r in mein Zimmer. Sie eilten mit meinem Mann an mir vorbei, der Kleine voraus, der Gro�e, noch immer mit dem Dolch in der Hand, hinter ihm. Paul versuchte zu fliehen und zu mir zu kommen. Ich sah seine tod�ngstlichen Augen. Er wandte sich an seine Verfolger. ,Ich mu� mit ihr sprechen', bat er. Dann trat er an mein Bett. ,Es ist alles in Ordnung, Eloise', sagte er. ,F�rchte nichts. Vor Tagesanbruch bin ich wieder zur�ck!' Aber obwohl er versuchte, einen zuversichtlichen Ton in seine Stimme zu legen, sah ich die schreckliche Angst in seinem Blick. Dann dr�ngten sie ihn zur T�r hinaus und der Gro�e sagte: ,Ein Laut - und Sie sind ein toter Mann, vergessen Sie das nicht!'�</p><p>�Dann�, fuhr Mme. Renauld fort, �mu� ich das Bewu�tsein verloren haben. Das n�chste, woran ich mich erinnere, ist, da� Leonie meine Handgelenke rieb und mir Brandy einfl��te.�</p><p>�Madame Renauld�, sagte der Richter, �haben Sie eine Ahnung, wonach die M�rder suchten?�</p><p>�Nein, Monsieur.�</p><p>�War Ihnen bekannt, da� Ihr Gatte etwas bef�rchtete?�</p><p>�Ja. Ich habe eine Ver�nderung an ihm bemerkt.�</p><p>�Seit wann?�</p><p>Madame Renauld dachte nach.</p><p>�Seit zehn Tagen.�</p><p>�Nicht l�nger?�</p><p>�M�glich, doch ich merkte es erst damals.�</p><p>�Fragten Sie Ihren Mann nach der Ursache?�</p><p>�Einmal. Doch er wich mir aus. Aber ich war �berzeugt, da� irgend etwas ihn schwer bedr�ckte. Da er augenscheinlich diese Tatsache vor mir verbergen wollte, versuchte ich, so zu tun, als bemerke ich nichts.�</p><p>�Wu�ten Sie, da� er die Hilfe eines Detektivs anrief?�</p><p>�Eines Detektivs?� rief Mme. Renauld erstaunt.</p><p>�Ja, dieses Herrn - Monsieur Hercule Poirot.�</p><p>Poirot verbeugte sich. �Er traf heute auf die Berufung Ihres Mannes hier ein.� Und er nahm den von M. Renauld geschriebenen Brief aus der Tasche und reichte ihn der Dame. Sie las ihn mit offenbar echtem Staunen.</p><p>�Davon hatte ich keine Ahnung. Anscheinend war er sich der Gefahr voll bewu�t.�</p><p>�Nun, Madame, m�chte ich Sie bitten, v�llig aufrichtig zu mir zu sein. Gibt es irgendein Ereignis im vergangenen Leben Ihres Gatten in S�damerika, das Licht in diese Mordaff�re bringen k�nnte?�</p><p>Mme. Renauld dachte nach und sch�ttelte endlich den Kopf. �Ich kann mich an nichts erinnern. Gewi� hatte mein Mann viele Feinde, Leute, die er auf irgendeine Weise �berfl�gelt hatte, aber mir ist kein einzelner Fall gegenw�rtig. Ich sage nicht, da� es keinen solchen gibt - nur bin ich mir dessen nicht bewu�t.�</p><p>Entt�uscht fuhr sich der Untersuchungsrichter durch den Bart.</p><p>�Und k�nnen Sie die Zeit des Attentats angeben?�</p><p>�Ja, ich erinnere mich deutlich, da� die Uhr auf dem Kamin zwei schlug.� Sie wies auf eine Reiseuhr mit Achttagewerk, die in einem Lederetui auf dem Kamin stand.</p><p>Poirot erhob sich von seinem Sitz und untersuchte die Uhr sorgf�ltig, dann nickte er zufrieden.</p><p>�Und hier ist auch eine Armbanduhr�, rief Monsieur Bex, �die von den Attent�tern zweifellos vom Toilettentisch heruntergerissen wurde. Das Glas ist zersplittert.�</p><p>Vorsichtig schob er die Glasscherben beiseite. Pl�tzlich spiegelte sich gr��te Verbl�ffung in seinem Gesicht.</p><p>�Mon Dieu!� rief er aus.</p><p>�Was gibt es?�</p><p>�Die Zeiger der Uhr stehen auf sieben Uhr!�</p><p>�Was?� rief der Untersuchungsrichter erstaunt.</p><p>Aber Poirot, flink wie immer, nahm dem erstaunten Kommissar die Uhr aus der Hand und hielt sie ans Ohr. Dann l�chelte er.</p><p>�Das Glas ist zwar zerbrochen, aber die Uhr geht noch immer.�</p><p>Die Erkl�rung dieses R�tsels wurde mit einem L�cheln der Erleichterung zur Kenntnis genommen. Doch der Richter gab sich nicht zufrieden.</p><p>�Aber es kann doch jetzt nicht sieben Uhr sein?�</p><p>�Nein�, stimmte Poirot bei, �es ist wenige Minuten nach F�nf. Vielleicht geht die Uhr vor, Madame?�</p><p>Mme. Renauld runzelte erstaunt die Stirn. �Sie geht etwas vor�, gab sie zu. �Aber ich wu�te nicht, da� der Unterschied so gro� ist.�</p><p>Mit einer ungeduldigen Bewegung lie� der Richter dies Thema fallen und setzte sein Verh�r fort.</p><p>�Madame, der Haupteingang wurde halb offen gefunden. Es scheint fast sicher, da� die M�rder auf diesem Wege hereinkamen, und zwar, ohne Gewalt anwenden zu m�ssen. K�nnten Sie daf�r eine Erkl�rung finden?�</p><p>�M�glicherweise ging mein Mann noch ein wenig spazieren und verga� dann, als er hereinkam, die T�r zu versperren.�</p><p>�Konnte ihm so etwas passieren?�</p><p>�Sehr leicht. Mein Mann war einer der zerstreutesten Menschen.� Sie runzelte ein wenig die Brauen, als sie dies sagte, als ob dieser Charakterzug des Verstorbenen ihr �fters Anla� zur Kr�nkung gegeben h�tte.</p><p>�Dies ist ein Punkt, den wir, wie ich glaube, �bergehen k�nnten�, bemerkte pl�tzlich der Kommissar. �Da die M�nner darauf bestanden, da� Monsieur Renauld sich anzog, hat es den Anschein, als ob der Ort, zu dem sie ihn f�hrten, der Ort, wo ,es' verborgen war, weit entfernt lag.�</p><p>Der Richter nickte. �Ja, weit, aber nicht zu weit, da er doch davon sprach, bald wieder zur�ck zu sein.�</p><p>�Wann geht denn der letzte Zug von Merlinville ab?� fragte Poirot.</p><p>�Um 11 Uhr 50 nach der einen Richtung, um 12 Uhr 17 nach der anderen, aber es ist wahrscheinlicher, da� ein Auto sie erwartete.�</p><p>�Nat�rlich�, stimmte Poirot zu und sah ein wenig niedergeschlagen aus.</p><p>�Das k�nnte allerdings ein Fingerzeig zu ihrer Verfolgung sein�, fuhr der Richter erleichtert fort. Ein Auto mit zwei fremden Insassen ist wahrscheinlich nicht unbemerkt geblieben. Das ist ein ausgezeichneter Anhaltspunkt, Monsieur Bex.�</p><p>Pl�tzlich wieder ernst werdend, wandte er sich an Madame Renauld: �Noch eine Frage. Ist Ihnen jemand namens ,Duveen' bekannt?� .</p><p>�Duveen?� erwiderte Madame Renauld nachdenklich. �Ich kann mich nicht erinnern ... �</p><p>�Kennen Sie jemanden mit dem Taufnamen Bella?� W�hrend er sprach, behielt er Madame Renauld fest im Auge, aber sie sch�ttelte nur ganz unbefangen den Kopf. Er fuhr fort: �Ist Ihnen bekannt, da� Ihr Gatte gestern abend einen Besuch empfing?�</p><p>Nun sah er, wie ein leichtes Rot in ihre Wangen stieg, doch sie antwortete gefa�t: �Nein, wer war es?�</p><p>�Eine Dame.�</p><p>�Wirklich?�</p><p>Aber im Augenblick sagte der Richter nichts weiter. Es schien unwahrscheinlich, da� Madame Daubreuil irgendwie mit dem Verbrechen zu tun hatte, und er f�rchtete, Madame Renauld mehr als n�tig aufzuregen.</p><p>Er gab dem Kommissar ein Zeichen, das dieser mit einem Kopfnicken beantwortete. Dann erhob er sich, verlie� den Raum und kehrte mit dem Glaskrug zur�ck, den wir in dem Schuppen in seiner Hand gesehen hatten. Er nahm den Dolch heraus.</p><p>�Madame�, sagte er sanft, �erkennen Sie dies?�</p><p>Sie stie� einen leisen Schrei aus.</p><p>�Ja, das ist mein kleiner Dolch.� Dann sah sie die befleckte Spitze und fuhr zur�ck, vor Entsetzen weiteten sich ihre Augen. �Ist dies - Blut?�</p><p>�Ja, Madame. Mit dieser Waffe wurde Ihr Gatte get�tet.� Rasch brachte er den Dolch au�er Sehweite.</p><p>�Wissen Sie ganz bestimmt, da� er vergangene Nacht auf Ihrem Toilettentisch lag?�</p><p>�O ja. Es war ein Geschenk meines Sohnes. Er diente w�hrend des Krieges bei den Lufttruppen. Er hatte sich f�r �lter ausgegeben, als er war.� Mutterstolz sprach aus dem Tonfall ihrer Stimme. �Der Dolch wurde aus den Metallteilen eines Flugzeuges angefertigt, und mein Sohn schenkte ihn mir zum Andenken an den Krieg.�</p><p>�Ich verstehe, Madame. Das bringt uns aber auf eine andere Sache. Ihr Sohn - wo ist er jetzt? Es w�re n�tig, ihn unverz�glich telegrafisch zu verst�ndigen.�</p><p>�Jack? Er ist unterwegs nach Buenos Aires.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ja. Mein Gatte telegrafierte ihm gestern. Er hatte ihn gesch�ftlich nach Paris gesandt, aber gestern entdeckte er, da� es n�tig sei, ihn sofort nach S�damerika zu schicken. Gestern abend ging ein Schiff von Cherbourg nach Buenos Aires ab, und er drahtete ihm, sich darauf einzuschiffen.�</p><p>�Ist Ihnen bekannt, welcher Art das Gesch�ft in Buenos Aires war?�</p><p>�Nein, Monsieur, dar�ber ist mir nichts bekannt; aber Buenos Aires war nicht das Endziel meines Sohnes. Er sollte sich auf dem Landweg von dort nach Santiago begeben.�</p><p>Und gleichzeitig riefen nun der Richter und der Kommissar: �Santiago! Wieder Santiago!�</p><p>Jetzt trat Poirot zu Madame Renauld. Er hatte wie traumverloren am Fenster gestanden, und ich zweifle, ob er voll erfa�t hatte, was vorgegangen war. Er blieb vor ihr stehen und verneigte sich.</p><p>�Pardon, Madame, d�rfte ich Ihre Handgelenke ansehen?�</p><p>Obwohl etwas erstaunt, streckte Madame Renauld sie ihm entgegen. Um jedes von ihnen zog sich ein blutigroter Streifen, wo die Stricke ins Fleisch geschnitten hatten. Als er sie untersuchte, schien es mir, als verschw�nde ein zeitweises erregtes Aufleuchten aus seinen Augen, das mir schon aufgefallen war.</p><p>�Das mu� Ihnen wohl sehr weh tun�, sagte er, und wieder sah er nachdenklich drein.</p><p>Aber der Richter sprach erregt weiter. �Wir m�ssen uns sofort drahtlos mit dem jungen Monsieur Renauld in Verbindung setzen. Wir m�ssen erfahren, was er uns �ber seine Reise nach Santiago mitteilen kann.� Dann z�gerte er. �Ich hoffte ihn n�her zur Hand, um Ihnen Kummer ersparen zu k�nnen, Madame.� Er hielt inne.</p><p>�Sie meinen�, sagte sie leise, �wegen Identifizierung der Leiche meines Mannes?�</p><p>Der Richter neigte den Kopf.</p><p>�Ich habe starke Nerven, Monsieur. Ich kann alles ertragen, was mir auferlegt wird. Ich bin bereit - jetzt gleich.�</p><p>�Oh, es hat bis morgen Zeit, glauben Sie mir -�</p><p>�Ich m�chte es lieber hinter mir haben�, sagte sie leise, und in ihrem Antlitz zuckte es schmerzlich. �Wollen Sie mir g�tigst Ihren Arm reichen, Doktor?�</p><p>Der Doktor eilte auf sie zu, man gab ihr einen Mantel, und langsam stiegen wir die Treppe hinunter. M. Bex eilte voraus, um die T�r des Schuppens zu �ffnen. Wenige Minuten sp�ter erschien Mme. Renauld im Eingang. Sie war sehr bla�, aber entschlossen. Hinter ihr, gleich einer munteren Henne, gackerte M. Hautet Entschuldigungen und Beteuerungen seines Mitgef�hls.</p><p>Sie bedeckte ihr Antlitz mit der Hand.</p><p>Nur einen Augenblick, Messieurs, um Kraft zu sammeln.� Sie lie� die Hand sinken und blickte auf den Toten nieder. Da verlie� sie die wunderbare Selbstbeherrschung, die sie bis dahin aufrechterhalten hatte.</p><p>�Paul!� schrie sie. �Mein Mann! Oh, Gott!� Und bewu�tlos sank sie zu Boden.</p><p>Sofort war Poirot an ihrer Seite, er hob ihre Augenlider und f�hlte den Puls. Als er sich �berzeugt hatte, da� sie wirklich in Ohnmacht gesunken war, schlich er seitw�rts. Er fa�te meinen Arm.</p><p>�Ich bin ein Dummkopf, lieber Freund! Wenn je Liebe und Schmerz aus der Stimme einer Frau zu h�ren waren, so war es jetzt. Meine Vermutung war falsch. Ich mu� von neuem beginnen.�</p></section><section><title><p id="_bookmark7"><strong>6</strong></p></title><p>Der Doktor und M. Hautet trugen die Bewu�tlose gemeinsam ins Haus. Der Kommissar blickte ihnen kopfsch�ttelnd nach.</p><p>�Arme Frau�, sagte er vor sich hin. �Der Schock war zu heftig. Ja, da kann man nichts machen. Nun, Monsieur Poirot, wollen wir uns jetzt nicht an den Ort begeben, an dem das Verbrechen ver�bt wurde?�</p><p>�Wie Sie w�nschen, Monsieur Bex.�</p><p>Wir durchschritten das Haus und verlie�en es durch den Haupteingang. Poirot blickte die Treppen hinauf, als wir vor�bergingen, und sch�ttelte unzufrieden den Kopf.</p><p>�Es scheint mir unglaublich, da� die Dienerschaft nichts geh�rt haben soll. Wenn drei M�nner die Treppe herabsteigen, k�nnte das Knarren beinahe Tote erwecken!�</p><p>�Es war mitten in der Nacht, vergessen Sie das nicht. Da lagen alle im tiefsten Schlafe.�</p><p>Aber Poirot sch�ttelte den Kopf; ihm gen�gte diese Erkl�rung nicht. An der Kurve der Auffahrt blieb er stehen und sah zum Hause zur�ck.</p><p>�Was veranla�te die Verbrecher, zuerst zu versuchen, ob der Haupteingang offen sei? Das war doch das Allerunwahrscheinlichste. Es w�re viel naheliegender gewesen, da� sie gleich versucht h�tten, ein Fenster einzudr�cken.</p><p>�Aber alle ebenerdigen Fenster sind mit Eisen vergittert�, entgegnete der Kommissar.</p><p>Poirot wies auf ein Fenster des ersten Stockes. �Dies ist doch das Fenster des Schlafzimmers, aus dem wir eben kamen, nicht? Und sehen Sie - da ist ein Baum, von dem man auf die leichteste Art und Weise ins Zimmer gelangen kann.�</p><p>�M�glich�, gab der andere zu. �Aber dann h�tten sie Fu�spuren im Blumenbeet hinterlassen m�ssen.�</p><p>Die Richtigkeit dieses Einwandes leuchtete mir ein. Dort waren zwei gro�e, ovale Blumenbeete, mit roten Geranien, zu beiden Seiten der Stufen, die zum Haupteingang f�hrten. Direkt hinter dem einen Beet stand der in Frage kommende Baum, und es w�re daher tats�chlich unm�glich gewesen, zu ihm. zu gelangen, ohne in das Beet zu treten.</p><p>�Sehen Sie�, fuhr der Kommissar fort, �infolge der trockenen Witterung sind auf der Auffahrt und den Fu�wegen keine Fu�abdr�cke zu sehen; aber in der weichen Gartenerde des Blumenbeetes h�tte die Sache ganz anders aussehen m�ssen.�</p><p>Poirot nickte, als w�re er �berzeugt, und wir wandten uns weg, aber pl�tzlich eilte er davon, um das andere Blumenbeet zu untersuchen.</p><p>�Monsieur Bex�, rief er. �Sehen. Sie doch: Hier finden Sie gen�gend Fu�spuren.�</p><p>Der Kommissar kam ihm nach - und l�chelte.</p><p>�Mein lieber Poirot, das sind zweifellos die Abdr�cke der gro�en Nagelschuhe des G�rtners. Jedenfalls sind sie aber f�r uns ganz unwichtig, da es auf dieser Seite keinen Baum gibt und infolgedessen auch keine M�glichkeit, in das obere Stockwerk zu gelangen.�</p><p>�Wohl wahr�, sagte Poirot sichtlich niedergeschlagen. �Sie glauben also, diese Fu�spuren seien ohne Belang?�</p><p>�Ganz ohne jeden Belang.�</p><p>Zu meiner gr��ten Verwunderung erwiderte nun Poirot: �Ich teile Ihre Ansicht nicht. Mir kommt vor, da� diese Fu�spuren das Wichtigste sind, was wir bisher sahen.�</p><p>M. Bex antwortete nicht, zuckte aber die Achseln. Er war viel zu h�flich, um seine Ansicht zu �u�ern.</p><p>�Wollen wir weitergehen?� fragte er statt dessen.</p><p>�Nat�rlich. Ich kann die Sache mit den Fu�spuren auch sp�ter verfolgen�, erwiderte Poirot.</p><p>Statt die Fahrstra�e zu ben�tzen, die zum Gittertor f�hrte, w�hlte M. Bex einen Pfad, der rechtwinkelig davon abzweigte. Er f�hrte auf einen kleinen Abhang, rechts um das Haus herum, und war an beiden Seiten von Gestr�uch eingefa�t. Pl�tzlich m�ndete er in eine kleine Lichtung, von der aus man das Meer �berblickte. Dort befand sich eine Bank, und unweit davon war ein recht bauf�lliger Unterstand. Wenige Schritte weiter bezeichnete eine Reihe kleiner Str�ucher die Grenze des Villengrundes. M. Bex bahnte sich einen Weg durch die B�sche, und vor uns lag eine weite Strecke offenen H�gellandes. Ich blickte umher und sah etwas, was mein Staunen erregte.</p><p>�Ja - das ist ja ein Golfplatz�, rief ich aus.</p><p>Bex nickte.</p><p>�Die Spielpl�tze sind noch nicht vollendet�, erkl�rte er. �Man hoffte, sie n�chsten Monat er�ffnen zu k�nnen. Die hier besch�ftigten Arbeiter entdeckten heute morgen den Leichnam.�</p><p>Ich fuhr zur�ck. Ein wenig links, wohin ich eben geblickt hatte, befand sich eine lange, schmale Grube, und dicht daneben, mit dem Gesicht nach unten, lag der K�rper eines Mannes. Einen Augenblick stockte mein Herzschlag, und ich hatte die wilde Vorstellung, da� das Drama sich wiederholt h�tte. Aber der Kommissar zerstreute meinen Wahn, er schritt voraus und rief heftig und �rgerlich: �Was ist meinen Leuten eingefallen? Sie hatten strengen Befehl, niemanden ohne besondere Ausweispapiere in die N�he dieses Ortes zu lassen!�</p><p>Der am Boden liegende Mann wandte den Kopf �ber die Schulter: �Aber ich habe diese Ausweise�, bemerkte er und stand auf.</p><p>�Mein lieber Monsieur Giraud�, rief der Kommissar, �ich hatte keine Ahnung, da� Sie schon angekommen sind. Der Untersuchungsrichter wartet schon ungeduldig auf Sie.�</p><p>W�hrend er so sprach, betrachtete ich den Ank�mmling voller Neugier. Der Name des ber�hmten Detektivs der Pariser S�rete war mir vertraut, und es interessierte mich au�erordentlich, ihn leibhaftig vor mir zu sehen. Er war sehr gro�, vielleicht drei�ig Jahre alt, hatte r�tliches Haar und Schnurrbart und milit�rische Haltung. Er trug ein ziemlich anma�endes Wesen zur Schau, das bewies, da� er von seiner eigenen Wichtigkeit durchdrungen war. Bex machte uns bekannt und stellte Poirot als Kollegen vor. Da blitzte das Auge des Detektivs interessiert auf.</p><p>�Ich kenne Sie dem Namen nach, Monsieur Poirot�, sagte er. �Sie spielten in vergangenen Tagen eine gro�e Rolle, nicht wahr? Aber die Methoden �nderten sich inzwischen.�</p><p>�Die Verbrechen jedoch sind die gleichen geblichen�, bemerkte Poirot h�flich.</p><p>Ich sah sofort, da� Giraud uns feindlich gegen�bertrat. Er nahm es �bel, da� Poirot ihm zugesellt worden war, und ich war �berzeugt, da�, falls er eine wichtige Spur f�nde, er sie wahrscheinlich f�r sich behalten w�rde.</p><p>�Der Untersuchungsrichter -� begann Bex von neuem.</p><p>Aber Giraud unterbrach ihn unh�flich: �Der Teufel hole den Untersuchungsrichter! Das Licht ist momentan das Wichtigste. F�r unsere Zwecke wird es ungef�hr in einer halben Stunde nicht mehr gen�gen. Ich wei� alles �ber den Fall, und die Leute im Haus haben bis morgen Zeit, aber wenn wir auf die Spur des M�rders kommen wollen, ist hier der rechte Ort daf�r. Haben Ihre Beamten den Platz so zertrampelt? Ich dachte, da� sie es heutzutage schon besser verst�nden.�</p><p>�Gewi� verstehen sie ihr Handwerk. Die Abdr�cke, �ber die Sie sich beklagen, r�hren von den Arbeitern her, die den Leichnam entdeckten.</p><p>Der andere brummte ver�rgert.</p><p>�Ich sehe den Weg, den die drei durch die Hecke nahmen, aber sie waren schlau. Man kann nur die mittleren Fu�spuren als jene von Monsieur Renauld erkennen, die anderen zu beiden Seiten sind sorgf�ltig verwischt. Nicht da� auf diesem harten Boden viel zu sehen gewesen w�re, aber sie lie�en es nicht darauf ankommen.�</p><p>�Sie suchen die �u�eren Spuren?� fragte Poirot.</p><p>Der andere Detektiv starrte ihn an. �Nat�rlich.�</p><p>Ein kaum merkliches L�cheln umspielte Poirots Lippen. Er war im Begriff etwas zu sagen, unterdr�ckte es aber. Er b�ckte sich zu einem Spaten, der dort lag.</p><p>�Damit wurde das Grab gegraben, das ist doch klar�, sagte Giraud, �doch diese Kenntnis wird mir wenig n�tzen. Es ist Monsieur Renaulds eigener Spaten, und der ihn ben�tzte, trug Handschuhe. Hier sind sie.� Er wies mit dem Fu�e nach der Richtung, wo zwei beschmutzte Handschuhe lagen. �Und auch sie geh�ren Renauld oder seinem G�rtner. Ich sage Ihnen, die dies Verbrechen ersannen, waren schlau. Sie sind darauf bedacht gewesen, keine Spuren zu hinterlassen! Aber ich werde ihnen beikommen. �berall gibt es doch irgend etwas! Und dieses Etwas werde ich finden.�</p><p>Poirots Interesse war augenscheinlich jetzt durch etwas anderes gefesselt, durch ein kleines farbloses St�ckchen Bleirohr, das neben dem Spaten lag. Vorsichtig ber�hrte er es mit dem Finger.</p><p>�Geh�rte auch dies dem Ermordeten?� fragte er, und mir schien, als l�ge ein leicht ironischer Unterton in der Frage.</p><p>Giraud zuckte die Achseln, womit er sagen wollte, da� er es nicht wisse, noch begierig sei, es zu erfahren.</p><p>�Das liegt vielleicht schon wochenlang hier herum. Keinesfalls interessiert es mich.�</p><p>�Daf�r mich um so mehr�, sagte Poirot sanft.</p><p>Ich vermutete, da� er es nur darauf abgesehen hatte, den Pariser Detektiv zu �rgern, was ihm auch vollauf gelang. Der andere drehte sich unh�flich um mit dem Bemerken, da� er keine Zeit zu verlieren habe, und b�ckte sich wieder, um seine Pr�fung fortzusetzen.</p><p>Indessen ging Poirot, als ob ihm pl�tzlich ein Einfall gekommen w�re, durch die Abgrenzung zur�ck, und versuchte die T�r der kleinen H�tte zu �ffnen.</p><p>�Sie ist versperrt�, sagte Giraud �ber die Achsel. �Aber dort verwahrt nur der G�rtner den Kehricht. Der Spaten kam nicht von dort, sondern von dem Werkzeugschuppen beim Haus.�</p><p>�Wundervoll�, fl�sterte Bex mir begeistert zu. �Er ist erst seit einer halben Stunde hier und wei� schon alles! Was f�r ein Mann! Ohne Zweifel ist Giraud der bedeutendste aller jetzt lebenden Detektive.�</p><p>Obwohl mir der bedeutendste aller jetzt lebenden Detektive herzlich unsympathisch war, hatte er doch Eindruck auf mich gemacht. Von diesem Mann ging ein Fluidum von T�chtigkeit aus.</p><p>Ich konnte mich der Empfindung nicht erwehren, da� Poirot sich bis jetzt nicht sonderlich ausgezeichnet hatte, und das kr�nkte mich. Er schien seine Aufmerksamkeit allerhand dummen, kindischen Dingen zuzuwenden, die mit dem Fall nichts zu schaffen hatten. Und wirklich, eben jetzt fragte er pl�tzlich: �Bitte, Monsieur Bex, erkl�ren Sie mir die Bedeutung des verwaschenen wei�en Streifens rund um das Grab. Ist das eine Bezeichnung durch die Polizei?�</p><p>�Nein, Monsieur Poirot, das h�ngt mit den Golfpl�tzen zusammen. Es zeigt an, da� hier ein ,Bunker', wie man sagt, am Golfplatz gemacht werden soll.�</p><p>�Ein Bunker?� Poirot wandte sich zu mir. �Das ist ein unregelm��iges, mit Sand gef�lltes Loch, dem eine Bank zur Seite steht, nicht?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Spielen Sie nicht, Golf, Monsieur Poirot?� fragte Bex.</p><p>�Ich? Niemals! Welch dummes Spiel!� Er wurde erregt. �Stellen Sie sich vor, die Bunker sind verschieden lang. Die Hindernisse sind nicht gleichm��ig verteilt. Selbst der Rasen ist meist nur auf einer Seite! Es gibt dabei nur eine erfreuliche Sache, die - wie nennt Ihr das nur - Erdh�gel! Die wenigsten sind symmetrisch!�</p><p>Ich konnte mich des Lachens nicht enthalten, als ich sah, welche Vorstellung Poirot vom Golfspiel hatte, und mein kleiner Freund l�chelte mir herzlich und unbefangen zu.</p><p>�Aber Monsieur Renauld spielte zweifellos Golf?�</p><p>�Ja, er war ein ausgezeichneter Golfspieler. Haupts�chlich ihm und seinen gro�en Geldspenden ist es zuzuschreiben, da� diese Arbeit rasche Fortschritte machte. Er wirkte sogar bei den Entw�rfen mit.�</p><p>Poirot nickte nachdenklich. Dann bemerkte er: �Sie hatten den Platz, um einen Toten zu begraben, nicht sehr gl�cklich gew�hlt.�</p><p>�Ganz richtig�, rief Giraud triumphierend. �Und das beweist, da� sie ortsfremd waren. Es ist ein ausgezeichneter, indirekter Indizienbeweis.�</p><p>�Ja�, sagte Poirot bed�chtig. �Niemand, der es wei�, h�tte eine Leiche hier vergraben - es sei denn - es sei denn, er habe gew�nscht, sie werde entdeckt. Und das ist doch l�cherlich, nicht?�</p><p>Giraud hielt eine Antwort darauf f�r �berfl�ssig.</p><p>�Ja�, sagte Poirot, und seine Stimme klang unbefriedigt, �Ja - zweifellos - l�cherlich!�</p></section><section><title><p id="_bookmark8"><strong>7</strong></p></title><p>Als wir unsere Schritte zum Hause zur�cklenkten, bat M. Bex, uns verlassen zu d�rfen, da er dem Untersuchungsrichter sofort von der Ankunft Girauds Mitteilung machen m�sse. Giraud selbst war sichtlich entz�ckt, als Poirot erkl�rte, er habe alles gesehen, was ihn interessiere. Als wir den Platz verlie�en, sahen wir als letztes, wie Giraud auf allen vieren auf der Erde umherkroch und mit solcher Gr�ndlichkeit seine Forschung fortsetzte, da� ich nicht umhin konnte, ihn zu bewundern.</p><p>Poirot erriet meine Gedanken, und als wir allein waren, bemerkte er ironisch: �Endlich hast du den Detektiv gesehen, der dir Bewunderung einfl��t, - den menschlichen Sp�rhund! Nicht wahr, mein Freund?�</p><p>�Jedenfalls tut er etwas�, sagte ich schroff. �Wenn etwas zu finden ist, wird er es finden. W�hrend du -�</p><p>�Eh bien! Ich fand auch etwas! Ein St�ck Bleirohr.�</p><p>�Unsinn, Poirot. Du wei�t ganz genau, da� das gar nichts damit zu schaffen hat. Ich meinte kleine Dinge - Spuren, die uns unfehlbar zu den M�rdern f�hren.�</p><p>�Mon ami, ein zwei Fu� langer Anhaltspunkt ist ebenso wertvoll wie einer, der nur zwei Millimeter mi�t. Aber die romantische Anschauung ist nicht auszurotten, da� alle wichtigen Schl�ssel unendlich klein sein m�ssen. Und da� das St�ck Bleirohr nichts mit dem Verbrechen zu tun haben soll, das sprichst du doch nur Giraud nach. Nein�, - und als ich eben eine Frage einwerfen wollte - �sprechen wir nicht weiter dar�ber. �berlasse Giraud seinen Nachforschungen und mich meinen Anschauungen. Der Fall sieht klar genug aus, und doch - und doch, mon ami, bin ich nicht zufrieden! Und wei�t du, weshalb? Weil die Armbanduhr um zwei Stunden vorausging. Und dann sind da so verschiedene seltsame, kleine Umst�nde, die nicht hineinpassen. Zum Beispiel, wenn der Zweck der M�rder Rache gewesen w�re, warum erstachen sie dann Renauld nicht gleich im Schlafe, um es hinter sich zu haben?�</p><p>�Sie waren hinter einem Geheimnis her�, erinnerte ich. Poirot wischte unzufrieden ein P�nktchen Staub vom �rmel. �Gut, wo ist aber das Geheimnis? Vermutlich ziemlich weit weg, da sie ihn zwangen, sich anzukleiden. Doch wurde er in unmittelbarer N�he des Hauses ermordet aufgefunden.�</p><p>�bellaunig hielt er inne und fuhr dann fort: �Wieso h�rten die Hausangestellten nichts? Waren sie bet�ubt? Gab es einen Mitschuldigen, und sorgte dieser Komplice daf�r, da� der Haupteingang offenblieb? Ich w��te gern, ob -� Pl�tzlich hielt er inne. Wir hatten die Rampe vor dem Hause erreicht. J�h wandte er sich mir zu. �Mein Freund, ich will dich �berraschen - damit du eine Freude hast! Ich nahm mir deine Vorw�rfe zu Herzen! Wir wollen einige Fu�spuren untersuchen!�</p><p>�Wo?�</p><p>�Dort in dem Blumenbeet auf der rechten Seite. M. Bex sagt, da� es die Fu�spuren des G�rtners seien. Sehen wir nach, ob es wahr ist. Schau, eben kommt er mit dem Schubkarren.�</p><p>Wirklich �berquerte gerade ein �lterer Mann mit einem Schubkarren voll Setzlingen die Auffahrt. Poirot rief ihn an, und er stellte seinen Karren hin und humpelte auf uns zu.</p><p>�Willst du einen seiner Stiefel verlangen, um ihn mit den Fu�spuren zu vergleichen?� fragte ich gespannt. Mein Vertrauen zu Poirot lebte wieder auf. Wenn er behauptete, da� die Fu�spuren in dem rechtsseitigen Beet wichtig seien, so waren sie vermutlich wichtig.</p><p>�Du err�tst es�, sagte Poirot.</p><p>�Wird er das nicht sehr merkw�rdig finden?�</p><p>�Er wird sich �berhaupt keine Gedanken dar�ber machen.�</p><p>Mehr konnten wir nicht sprechen, denn der alte Mann trat eben zu uns.</p><p>�W�nschen Sie etwas von mir, Monsieur?�</p><p>�Ja, Sie sind wohl schon lange hier G�rtner?�</p><p>�Vierundzwanzig Jahre, Monsieur.�</p><p>�Und wie ist Ihr Name?�</p><p>�Auguste, Monsieur.�</p><p>�Ich bewunderte eben diese prachtvollen Geranien. Sind sie schon lange hier eingepflanzt?�</p><p>�Schon einige Zeit, Monsieur. Aber nat�rlich, wenn man die Beete immer sch�n in Ordnung haben will, mu� man von Zeit zu Zeit verbl�hte St�cke durch neue Pflanzen ersetzen und au�erdem die welken Bl�ten sorgf�ltig abpfl�cken.�</p><p>�Setzten Sie nicht gestern einige neue Pflanzen ein? Diese in der Mitte hier und ebenso jene in dem anderen Beet?�</p><p>�Monsieur hat scharfe Augen. Es braucht immer ungef�hr einen Tag, bis sie sich erholen. Ja, ich setzte gestern abend zehn frische Pflanzen in jedes Beet. Denn wie Monsieur sicher wei�, soll man keine Pflanzen setzen, solange die Sonne brennt.� Auguste war �ber Poirots Interesse entz�ckt und sehr geneigt, geschw�tzig zu werden.</p><p>�Dies hier ist eine wundervolle Abart�, sagte Poirot, mit dem Finger zeigend, �k�nnte ich davon vielleicht einen Setzling bekommen?�</p><p>�Aber gewi�, Monsieur.� Der alte Mann stieg in das Beet und entnahm der von Poirot so bewunderten Pflanze mit gro�er Sorgfalt einen Steckling.</p><p>Poirot konnte des Dankes nicht genug tun, und Auguste entfernte sich mit seinem Schubkarren.</p><p>�Siehst du?� sagte Poirot l�chelnd, als er sich �ber das Beet beugte, um die Vertiefungen zu pr�fen, die des G�rtners genagelten Stiefel verursacht hatten. �Es ist ganz einfach.�</p><p>�Ich konnte mir nicht vorstellen -�</p><p>�Da� der Fu� in dem Schuh stecken w�rde? Du machst von deinen besonderen geistigen F�higkeiten viel zuwenig Gebrauch. Nun, und die anderen Fu�spuren?�</p><p>Ich betrachtete das Beet aufmerksam.</p><p>�Alle Fu�spuren im Beet stammen von denselben Stiefeln�, sagte ich schlie�lich nach sorgsamster �berpr�fung. �Glaubst du? Eh bien, du hast recht�, sagte Poirot.</p><p>Er schien vollkommen uninteressiert, als ob seine Gedanken ganz woanders weilten.</p><p>�F�r jeden Fall�, bemerkte ich, �d�rftest du jetzt einen Vogel weniger im Kopf haben!�</p><p>�Mon Dieu! Was f�r eine Sprache! Was meinst du damit?�</p><p>�Ich meinte, da� nun dein Interesse f�r diese Fu�spuren erloschen sein d�rfte.�</p><p>Jedoch zu meiner Verwunderung sch�ttelte Poirot den Kopf. �Nein, nein, mon ami, endlich bin ich auf der richtigen F�hrte. Ich tappe doch im dunkeln, aber wie ich eben Monsieur Bex andeutete, sind diese Fu�spuren das Wichtigste und Interessanteste des Falles! Der arme Giraud - es sollte mich nicht wundern, wenn er ihnen auch nicht die geringste Aufmerksamkeit schenken w�rde.�</p><p>In diesem Augenblick �ffnete sich das Haupttor, und M. Hautet kam mit dem Kommissar die Stufen herab.</p><p>�Ah, Monsieur Poirot, wir wollten Sie eben aufsuchen�, sagte der Richter. �Es wird sp�t, doch ich m�chte Madame Daubreuil noch einen Besuch machen. Zweifellos wird sie der Tod Monsieur Renaulds aus der Fassung gebracht haben, und wir haben vielleicht die Chance, durch sie einen Fingerzeig zu bekommen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er der Frau, deren Liebe ihn in Banden hielt, verriet, was er seiner Gattin nicht anvertraute. Wir wissen ja, wo unsere Simsons schwach sind, nicht wahr?�</p><p>Ich bewunderte die bilderreiche Sprache M. Hautets. Mir schien, als ob der Untersuchungsrichter sich jetzt �beraus in der Rolle gefiel, die ihm in diesem geheimnisvollen Drama zugefallen war.</p><p>�Kommt Monsieur Giraud nicht mit uns?� fragte Poirot.</p><p>�Monsieur Giraud hat uns deutlich zu verstehen gegeben, da� er es vorzieht, den Fall auf seine Weise zu f�hren�, sagte M. Hautet.</p><p>Es war nicht schwer zu bemerken, da� Girauds dreistes Auftreten den Untersuchungsrichter nicht zu seinen Gunsten beeinflu�t hatte. Poirot ging mit dem Untersuchungsrichter, der Kommissar und ich folgten unmittelbar hinter ihnen.</p><p>�Es unterliegt keinem Zweifel, da� Francoises Erz�hlung im wesentlichen auf Wahrheit beruht�, bemerkte er vertraulich zu mir. �Ich informierte mich bei unserer Zentrale. Es scheint, da� Madame Daubreuil in den letzten sechs Wochen - das hei�t seit der Ankunft Monsieur Renaulds in Merlinville -dreimal gr��ere Summen in Noten auf ihr Bankkonto einzahlte. Alles zusammen ungef�hr die Summe von zweimal hunderttausend Francs!�</p><p>�Du lieber Himmel!� sagte ich und rechnete schnell um, �das m��ten ungef�hr viertausend Pfund sein!�</p><p>�Genau. Ja, es ist nicht daran zu zweifeln, da� er sehr verliebt war. Jetzt handelt es sich darum, festzustellen, ob er ihr sein Geheimnis anvertraut hatte. Der Untersuchungsrichter glaubt es, aber ich teile seine Ansicht kaum.�</p><p>W�hrend dieses Gespr�ches gingen wir den Weg hinunter bis zu jener Stra�enbiegung, bei der unser Wagen am fr�hen Nachmittag gehalten hatte, und gleich darauf erkannten wir jenes kleine Haus, aus dem das sch�ne M�dchen herausgetreten war:Villa Marguerite, das Haus der geheimnisvollen Madame Daubreuil. -</p><p>�Sie lebt seit vielen Jahren hier�, sagte der Kommissar und deutete auf das Haus. �Sehr ruhig, sehr zur�ckgezogen. Sie scheint keine anderen Freunde oder Beziehungen zu haben als die Bekanntschaften, die sie in Merlinville ankn�pfte. Nie erw�hnt sie Vergangenes, nie ihren Gatten. Man wei� nicht einmal, ob er lebt oder tot ist.�</p><p>Mein Interesse wuchs, �Und - die Tochter?� warf ich ein.</p><p>�Ein wirklich sch�nes junges M�dchen - bescheiden, fromm, ganz wie es sich geh�rt. Man bedauert sie, denn, wenn ihr vielleicht auch nichts �ber die Vergangenheit ihrer Mutter bekannt ist, wird doch der Mann, der sie zur Frau begehrt, begreiflicherweise Erkundigungen einziehen, und dann -�</p><p>Der Kommissar zuckte die Achseln.</p><p>�Aber es ist doch nicht ihr Verschulden! � tief ich entr�stet.</p><p>�Nein. Aber was wollen Sie? Ein Mann ist eben genau, wo es sich um das Vorleben seiner Gattin handelt.�</p><p>Ich konnte darauf nichts mehr erwidern, da wir bei der T�r angelangt waren. M. Hautet l�utete. Einige Minuten vergingen, dann h�rten wir Schritte, und die T�r wurde ge�ffnet. Meine junge G�ttin von heute nachmittag erschien auf der Schwelle. Als sie uns sah, wurde sie leichenbla�, und ihre Augen blickten angstvoll. Sie hatte Furcht!</p><p>�Mademoiselle Daubreuil�, sagte Hautet und l�ftete den Hut, �wir bedauern unendlich, Sie st�ren zu m�ssen, aber die Pflicht zwingt uns dazu. Meine Empfehlungen Ihrer Frau Mutter, und wir bitten sie um eine kurze Unterredung.�</p><p>Einen Augenblick stand das M�dchen regungslos. Dann sagte sie leise: �Bitte, treten Sie ein.�</p><p>Sie verschwand in einem Zimmer links von der Halle, und wir h�rten sie fl�stern. Und dann lie� sich eine andere Stimme, von fast der gleichen Klangfarbe, aber mit etwas h�rterem Tonfall h�ren: �Aber selbstverst�ndlich. La� sie eintreten.�</p><p>Eine Minute sp�ter standen wir der geheimnisvollen Frau gegen�ber. Sie war nicht ann�hernd so gro� wie ihre Tochter, und die runden Linien ihrer Gestalt hatten die Grazie v�lliger Reife. Sie trug ihr Haar, das, im Gegensatz zu dem ihrer Tochter, dunkel war, nach Madonnenart in der Mitte gescheitelt. Ihre Augen, von den gesenkten Lidern halb verborgen, waren blau. In dem rundlichen Kinn befand sich ein Gr�bchen, und um die halbge�ffneten Lippen schien immer ein geheimnisvolles L�cheln zu schweben. Ihre Weiblichkeit schien stark unterstrichen, sie wirkte weich und verf�hrerisch zugleich. Sie war sicher nicht mehr jung, aber sehr gut erhalten, und der Zauber, der von ihr ausging, war an kein Alter gebunden.</p><p>Wie sie vor uns stand, in ihrem schwarzen Kleid mit bl�tenwei�em Kragen und Manschetten und ineinandergeschlungenen H�nden, sah sie unglaublich r�hrend und hilflos aus. �Sie wollten mich sprechen, Monsieur?� fragte sie. �Ja, Madame.� M. Hautet r�usperte sich. �Ich f�hre die Untersuchung �ber den Tod von Monsieur Renauld. Sie h�rten davon, nehme ich an?�</p><p>Sie neigte den Kopf, doch sie sprach nicht. Auch ihr Gesichtsausdruck blieb unver�ndert.</p><p>�Wir kamen, um zu fragen, ob Sie ... hm ... uns nicht einige Klarheit �ber die Begleitumst�nde geben k�nnten?�</p><p>�Ich?� Das Staunen in ihrer Stimme war vortrefflich.</p><p>�Ja, Madame. Vielleicht w�re es besser, wenn wir mit Ihnen allein sprechen k�nnten.� Er blickte auf die Tochter. Madame Daubreuil wandte sich ihr zu. �Marthe, Liebling ... � Doch das M�dchen sch�ttelte den Kopf. �Nein, Mama. Ich gehe nicht. Ich bin kein Kind mehr. Ich bin zweiundzwanzig. Ich gehe nicht.�</p><p>Madame Daubreuil wandte sich wieder �um Untersuchungsrichter. �Sie sehen, Monsieur.�</p><p>�Ich z�ge es vor, nicht in Gegenwart von Mademoiselle Daubreuil sprechen zu m�ssen.�</p><p>�Wie meine Tochter schon bemerkte, ist sie kein Kind mehr.�</p><p>Unschl�ssig z�gerte der Richter einen Augenblick. �Wie Sie w�nschen, Madame�, sagte er schlie�lich. �Wir haben Grund zur Annahme, da� Sie den Toten manchmal des Abends in seiner Villa zu besuchen pflegten. Ist das richtig?�</p><p>In die bleichen Wangen der Frau stieg j�he R�te, doch sie antwortete ruhig: �Ich gebe Ihnen kein Recht, mich derartiges zu fragen.�</p><p>�Madame, wir untersuchen einen Mord.�</p><p>�Nun, was macht das aus? Ich habe mit dem Mord nichts zu schaffen.�</p><p>�Madame, das haben wir nicht einen Augenblick lang angenommen. Aber Sie waren mit dem Toten gut bekannt. Sprach er niemals zu Ihnen von irgendeiner Gefahr, von der er sich bedroht w�hnte?�</p><p>�Niemals.�</p><p>�Erw�hnte er jemals sein Leben in Santiago und etwaige Feindschaften, die ihm dort erwachsen waren?� -</p><p>�Nein.�</p><p>�Sie k�nnen uns also in keiner Weise behilflich sein?�</p><p>�Ich f�rchte, nein. Ich begreife wirklich nicht, weshalb Sie zu mir kommen. Kann seine Frau Ihnen nicht die Auskunft geben, die Sie brauchen?� In ihrer Stimme schwang leise Ironie.</p><p>�Madame Renauld sagte uns alles, was sie wu�te.�</p><p>�Ah!� sagte Madame Daubreuil. �Ich w��te gern -�</p><p>�Was w��ten Sie gern, Madame?�</p><p>�Nichts.�</p><p>Der Untersuchungsrichter blickte sie an. Er war sich dessen voll bewu�t, da� er einen Zweikampf focht und da� er keinen geringen Gegner vor sich hatte.</p><p>�Sie bleiben bei Ihrer Behauptung, da� Monsieur Renauld Ihnen nichts anvertraute?�</p><p>�Weshalb erscheint es Ihnen wahrscheinlich, da� er mir etwas anvertraut habe?�</p><p>�Weil, Madame�, sagte M. Hautet mit berechneter Brutalit�t, �ein Mann seiner Geliebten Dinge sagt, die er nicht immer seiner Gattin anvertraut.�</p><p>�Ah!� Sie sprang auf. Ihre Augen funkelten. �Monsieur, Sie beschimpfen mich! Und noch dazu in Gegenwart meiner Tochter! Ich kann Ihnen nichts weiter sagen. Bitte, verlassen Sie mein Haus.�</p><p>Unzweifelhaft hatte Mme. Daubreuil ehrenvoll bestanden. Wir verlie�en die Villa Marguerite wie eine Rotte besch�mter Schuljungen. Der Untersuchungsrichter hielt �rgerliche Selbstgespr�che. Poirot schien in Gedanken versunken. Pl�tzlich fuhr er aus seinen Tr�umen empor und erkundigte sich bei M. Hautet, ob es in der N�he ein gutes Hotel gebe.</p><p>�Es gibt ein kleines Hotel, das Hotel des Bains, unmittelbar vor der Stadt. Einige hundert Meter den Weg hinab. Es liegt sehr g�nstig f�r Ihre Forschungen. Dann sehen wir Sie also morgen fr�h, nehme ich an.�</p><p>�Ja, danke, Monsieur Hautet.�</p><p>Nach gegenseitigem Austausch von H�flichkeiten verlie�en wir die Gesellschaft. Poirot und ich gingen nach Merlinville, die anderen kehrten zur Villa Genevieve zur�ck.</p><p>�Der franz�sische Polizeidienst ist ausgezeichnet organisiert�, sagte Poirot und blickte ihnen nach. �Die Informationen, die sie �ber jedermanns Leben, bis zu den allt�glichsten Einzelheiten besitzen, sind bewundernswert. Obwohl Monsieur Renauld nicht viel l�nger als seit sechs Wochen hier war, wu�ten sie �ber ihn, �ber seine Neigungen genau Bescheid, und es ist ihnen sogar m�glich, �ber das Bankkonto von Madame Daubreuil Auskunft zu erteilen und �ber die Summen, die k�rzlich darauf eingezahlt wurden! Aber was soll das bedeuten?� und er wandte sich um. Eine Gestalt lief hinter uns her. Marthe Daubreuil!</p><p>�Verzeihen Sie�, rief sie atemlos, als sie uns erreicht hatte. �Ich sollte das nicht tun, ich wei� es. Sie d�rfen es meiner Mutter nicht erz�hlen. Aber ist es richtig, was die Leute sagen, da� Monsieur Renauld vor seinem Tode einen Detektiv herbeirief - und da� Sie dieser Detektiv sind?�</p><p>�Ja, Mademoiselle�, sagte Poirot liebensw�rdig. �Das ist allerdings wahr. Aber wie erfuhren Sie es?�</p><p>�Francoise erz�hlte es unserer Amelie�, erkl�rte Marthe err�tend.</p><p>Poirot verzog das Gesicht. �Verschwiegenheit ist wohl in so einer Angelegenheit ganz ausgeschlossen! Aber das macht nichts. Nun, Mademoiselle, was m�chten Sie gern wissen?�</p><p>Das M�dchen z�gerte. Es schien, als f�rchte es zu sprechen.</p><p>Endlich fragte es fast fl�sternd: �Hat - hat man irgendeinen Verdacht?�</p><p>Poirot sah sie durchdringend an. Dann antwortete er ausweichend: �Verdacht, Mademoiselle ... allerdings.�</p><p>�Ja, aber - handelt es sich um eine bestimmte Person?�</p><p>�Warum wollen Sie das wissen?�</p><p>Es schien, als habe die Frage das M�dchen erschreckt. Sogleich kamen mir die Worte ins Ged�chtnis, die Poirot einige Stunden fr�her gesprochen hatte. �Das M�dchen mit den angstvollen Augen.�</p><p>�Monsieur Renauld war immer sehr g�tig zu mir�, erwiderte sie endlich. �Es ist nur nat�rlich, da� ich mich daf�r interessiere.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Poirot. �Nun, Mademoiselle, der Verdacht schwankt momentan zwischen zwei Personen.�</p><p>�Zwei?�</p><p>Ich h�tte schw�ren m�gen, da� Staunen und Erleichterung aus ihrer Stimme klangen.</p><p>�Ihre Namen sind unbekannt, doch es wird angenommen, da� es Chilenen aus Santiago sind. Und nun, Mademoiselle, sehen Sie, was es hei�t, jung und sch�n zu sein! Ich habe Ihretwegen Berufsgeheimnisse verraten!�</p><p>Das M�dchen lachte leise und dankte ihm dann ein wenig betreten. �Ich mu� nach Hause. Mama k�nnte mich vermissen.� Und sie machte kehrt und lief den Weg zur�ck, sie glich einer modernen Atalanta. Ich starrte ihr nach.</p><p>�Lieber Freund�, sagte Poirot in seiner leicht ironischen Art, �sollen wir hier die ganze Nacht wie angewurzelt stehen -nur weil du ein sch�nes junges Weib sahst und dir der Kopf davon wirbelt?�</p><p>�Aber sie ist doch wundersch�n, Poirot. Und man mu� es jedem verzeihen, wenn er durch sie den Kopf verliert.�</p><p>Poirot st�hnte. �Mon Dieu! Hast du ein empfindsames Herz!�</p><p>�Poirot�, sagte ich, �erinnerst du dich an den Fall Styles, wie-�</p><p>�Wie du in zwei reizende Frauen zugleich verliebt warst, von denen keine f�r dich taugte? Ja, ich erinnere mich.�</p><p>�Du tr�stetest mich damals und sagtest, da� wir vielleicht eines Tages wieder gemeinsam p�rschen w�rden und da� dann -�</p><p>�Eh bien?�</p><p>�Nun, wir jagen wieder gemeinsam, und - � Ich hielt inne und lachte ein wenig selbstbewu�t.</p><p>Doch zu meiner �berraschung sch�ttelte Poirot sehr ernst den Kopf. �Oh, mon ami, setz dir Marthe Daubreuil nicht in den Kopf. Die ist nichts f�r dich, die nicht! La� dir's von Papa Poirot gesagt sein!�</p><p>�Weshalb�, rief ich, �der Kommissar versicherte mir doch, sie sei ebenso tugendhaft wie sch�n! Ein vollkommener Engel!�</p><p>�Unter den gr��ten Verbrechern, die mir unter die H�nde kamen, hatten einige wahre Engelsphysiognomien�, bemerkte Poirot heiter. �Eine Abnormit�t der ,grauen Zellen' kann sich sehr leicht hinter einem Madonnengesicht verstecken.�</p><p>�Poirot�, rief ich entsetzt, �du willst doch nicht etwa sagen, da� du dieses M�dchen verd�chtigst!�</p><p>�Ta, ta, ta! Nur keine Aufregung! Ich sagte nicht, da� ich sie verd�chtige. Aber du wirst doch zugeben, da� ihre Besorgnis, alles �ber den Fall zu erfahren, ein wenig ungew�hnlich ist.�</p><p>�Diesmal sehe ich ausnahmsweise weiter als du�, entgegnete ich. �Ihre Besorgnis galt nicht ihr selbst - sondern ihrer Mutter.�</p><p>�Mein Freund�, sagte Poirot, �wie gew�hnlich siehst du �berhaupt nichts. Madame Daubreuil ist t�chtig genug, sich selbst zu verteidigen, sie ist nicht auf die F�rsorge ihrer Tochter angewiesen. Ich gebe zu, da� ich dich jetzt nur necken wollte, aber nichtsdestoweniger wiederhole ich, was ich schon vorhin sagte. Setz dir dieses M�dchen nicht in den Kopf. Sie ist nichts f�r dich! Ich, Hercule Poirot, wei� das. Wenn ich mich nur erinnern k�nnte, wo ich dieses Gesicht schon gesehen habe?�</p><p>�Welches Gesicht?� fragte ich erstaunt. �Das der Tochter?�</p><p>�Nein, das der Mutter.�</p><p>Als er mein Erstaunen merkte, nickte er best�tigend. �Ja doch, es ist so, wie ich dir sagte. Es ist schon lange her, als ich noch bei der belgischen Polizei war. Ich sah diese Frau nie pers�nlich, aber ich sah ihr Bild - im Zusammenhang mit einem - Fall. Ich glaube bestimmt -�</p><p>�Was?�</p><p>�Ich kann mich irren, aber ich glaube bestimmt, da� es eine Mordaff�re war!�</p></section><section><title><p id="_bookmark9"><strong>8</strong></p></title><p>Fr�hzeitig fanden wir uns am n�chsten Morgen in der Villa ein. Der Wachtposten am Gittertor versperrte uns diesmal nicht den Weg. Im Gegenteil, er gr��te ehrerbietig, und wir gingen auf das Haus zu. Leonie, das Stubenm�dchen, kam eben die Treppe herabgelaufen, und schien nicht abgeneigt, ein wenig mit uns zu plaudern.</p><p>Poirot erkundigte sich nach dem Befinden von Madame Renauld.</p><p>Leonie sch�ttelte den Kopf. �Sie ist ganz au�er Fassung, die arme Frau! Sie will nichts essen, aber rein gar nichts! Und sie ist so bleich wie ein Gespenst. Es ist herzzerbrechend, sie anzusehen. Oh, ich w�rde mich nicht um einen Mann kr�nken, der mich mit einer anderen betrog.�</p><p>Poirot nickte zustimmend: �Was Sie sagen, ist sehr richtig, doch was wollen Sie? Das Herz einer liebenden Frau verzeiht manches. Aber sicher gab es im Verlauf der letzten Monate viele Auseinandersetzungen zwischen den beiden?�</p><p>Wieder sch�ttelte Leonie den Kopf: �Niemals, Monsieur. Nie h�rte ich, da� Madame sich auflehnte - sie machte nicht einmal Vorw�rfe! Sie war engelsanft - ganz anders als Monsieur!�</p><p>�Monsieur war also kein Engel?�</p><p>�Weit entfernt davon. Wenn er in Wut geriet, wu�te es das ganze Haus. Damals, als er Streit mit Monsieur Jack hatte - du lieber Himmel! - da schrien sie so laut, da� man sie bis zum Marktplatz h�ren konnte!�</p><p>�Wirklich�, sagte Poirot. �Wann war denn dieser Streit?�</p><p>�Oh, kurz bevor Monsieur Jack nach Paris reiste. Beinahe h�tte er den Zug vers�umt. Er kam aus der Bibliothek und ergriff eine Reisetasche, die er in der Halle zur�ckgelassen hatte. Das Auto war eben in Reparatur, und er mu�te zu Fu� zum Bahnhof laufen. Ich staubte im Salon ab, und ich sah ihn vorbeigehen, sein Gesicht war wei� - so wei� - mit zwei brennendroten Flecken. auf den Wangen. Ach, war er w�tend!�</p><p>Leonie geno� gr�ndlich ihre eigene Erz�hlung.</p><p>�Und wor�ber stritten sie?�</p><p>�Ach, das wei� ich nicht�, gestand Leonie, �es ist zwar richtig, da� sie schrien, aber ihre Stimmen klangen so laut und schrill, und sie sprachen so schnell, da� nur jemand, der die englische Sprache sehr gut beherrscht, sie verstanden h�tte. Aber Monsieur war den ganzen Tag wie eine Gewitterwolke! Man konnte ihm nichts recht machen!�</p><p>Das Ger�usch des Schlie�ens einer T�r im oberen Stockwerk unterbrach Leonies Redeflu�.</p><p>�Francoise wartet auf mich!� rief sie aus, als sie zum Bewu�tsein ihrer Pflichten erwachte. �Die Alte zankt immer.�</p><p>�Einen Augenblick, Mademoiselle. Wo ist der Untersuchungsrichter?�</p><p>�Er ging mit dem andern Herrn zur Garage hinaus, um sich das Auto anzusehen. Der Kommissar glaubt, es k�nnte vielleicht in der Mordnacht ben�tzt worden sein.�</p><p>�Quelle idee�, murrte Poirot, als das M�dchen gegangen war.</p><p>�Willst du ihnen nachgehen?�</p><p>�Nein, ich werde sie im Salon erwarten. Dort ist es k�hl an diesem hei�en Vormittag.�</p><p>Diese gelassene Art, die Dinge zu nehmen, war wieder gar nicht nach meinem Sinn. �Wenn du nichts dagegen hast -� sagte ich z�gernd.</p><p>�Nicht im geringsten. Du willst wohl auf eigene Faust Entdeckungen machen?�</p><p>�Ja, ich wollte eigentlich Giraud aufsuchen, wenn er in der N�he ist, und sehen, was er treibt.�</p><p>�Ein Sp�rhund in Menschengestalt�, sagte Poirot vor sich hin, lehnte sich behaglich in einen Fauteuil und schlo� die Augen. �Selbstverst�ndlich, bitte sehr, lieber Freund. Au revoir.�</p><p>Ich schlug den Pfad ein, den wir am Tag vorher gegangen waren. Mich gel�stete es, den Tatort des Verbrechens selbst zu untersuchen. Ich ging jedoch nicht direkt auf den Platz zu, sondern schlug mich seitw�rts in die B�sche, um einige hundert Ellen weiter, rechts bei den Golfpl�tzen, herauszukommen. War Giraud noch auf dem Platze, so wollte ich seine Arbeitsweise beobachten, bevor er meine Anwesenheit merkte. Aber das Gestr�uch wuchs hier viel dichter, und ich hatte alle M�he, mir einen Weg hindurchzubahnen. Als ich endlich auf die Lichtung hinauskam, geschah es so unerwartet, da� ich an eine junge Dame stie�, die mit dem R�cken zu den B�schen stand.</p><p>Begreiflicherweise stie� sie einen verhaltenen Schrei aus, aber auch mir entschl�pfte ein Laut des Staunens. Denn meine Reisegef�hrtin Cinderella stand vor mir.</p><p>Das Staunen war gegenseitig.</p><p>�Sie?� riefen wir beide wie aus einem Munde.</p><p>Die junge Dame fa�te sich zuerst.</p><p>�Beim heiligen Simplizius!� rief sie aus, �was machen Sie hier?�</p><p>�Darf ich die gleiche Frage an Sie richten?� gab ich zur�ck.</p><p>�Als ich Sie zuletzt sah, vorgestern war es, trollten Sie sich eben nach England heim wie ein guter, braver Junge. Hat Ihnen Ihr Parlamentarier eine Saisonkarte verschafft?�</p><p>Ich �berh�rte den Spott ihrer Worte. �Als ich Sie zuletzt sah�, sagte ich, �gondelten Sie mit Ihrer Schwester Heimw�rts wie ein braves, kleines M�dchen. �brigens, wie geht es Ihrer Schwester?�</p><p>Wei�e Z�hne blitzten mich an. �Wie nett von Ihnen, danach zu fragen! Danke, meiner Schwester geht es gut.�</p><p>�Ist sie mit Ihnen hier?�</p><p>�Sie blieb in der Stadt�, sagte sie w�rdevoll.</p><p>�Ich glaube nicht sehr an diese Schwester�, lachte ich. �Und wenn Sie eine haben, hei�t sie vermutlich wei� Gott wie!�</p><p>�Entsinnen Sie sich noch meines Namens?� fragte sie l�chelnd.</p><p>�Cinderella. Aber nicht wahr, jetzt werden Sie mir Ihren wahren Namen sagen!�</p><p>Unwillig sch�ttelte sie den Kopf.</p><p>�Auch nicht, weshalb Sie hier sind?�</p><p>�O das! Haben Sie nie davon geh�rt, da� Angeh�rige meines Berufes in Urlaub gehen?�</p><p>�In einen kostspieligen franz�sischen Badeort?�</p><p>�Ungeheuer billig, wenn man sich nur auskennt.�</p><p>Ich sah ihr scharf in die Augen. �Doch als ich Ihnen vor zwei Tagen begegnete, hatten Sie noch keine Absicht, hierherzukommen?�</p><p>�Es kommt immer anders, als man denkt�, sagte Miss Cinderella anz�glich. �Und nun habe ich Ihnen gerade so viel erz�hlt, als Ihnen guttut. Kleine Jungen sollen nicht neugierig sein. Sie haben mir noch nicht erz�hlt, was Sie hier machen? Vermutlich haben Sie den Herrn vom Parlament im Schlepptau, und der spielt am Strand den verfluchten Kerl ... �</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Raten Sie nochmals. Erinnern Sie sich, da� ich Ihnen erz�hlte, mein Freund sei Detektiv ... �</p><p>�Ja?�</p><p>�Und vielleicht haben Sie von dem Verbrechen in der Villa Genevieve geh�rt -?�</p><p>Sie starrte mich an. Sie zitterte, und ihre Augen wurden gro� und rund. �Wollen Sie damit sagen - da� Sie deshalb hier sind?�</p><p>Ich nickte. Zweifellos hatte das tiefen Eindruck gemacht, Ihre Erregung war zu offenkundig, als sie mich nun anblickte. Sie schwieg einige Sekunden und starrte mich an. Dann nickte sie.</p><p>�Ach, ist das ein gl�cklicher Zufall! Schleppen Sie mich herum. Ich m�chte alle Greuel sehen.�</p><p>�Was meinen Sie damit?�</p><p>�Was ich sage. Zum Kuckuck, erinnern Sie sich denn nicht, da� ich f�r Verbrechen schw�rme? Weshalb, glauben Sie, gef�hrde ich meine Fu�kn�chel in solchen St�ckelschuhen auf diesem Stoppelfeld? Stundenlang schn�ffele ich schon hier herum. Erst versuchte ich es beim Hauptzugang, aber da verstellte mir der schwerf�llige franz�sische Gendarm den Weg. Ich glaube, da� Helena von Troja, Cleopatra und Maria Stuart in einer Person ihn nicht in Versuchung br�chten! Es ist wirklich ein besonderer Gl�cksfall, da� ich hier auf Sie stie�. Kommen Sie jetzt, und zeigen Sie mir alles Sehenswerte.�</p><p>�Aber ich bitte Sie - warten Sie einen Augenblick -, ich kann es nicht tun. Niemand darf eintreten!�</p><p>�Sind denn nicht Sie und Ihr Freund hier die Oberbonzen?�</p><p>Ich war nicht geneigt, ihren Glauben an meine Machtstellung zu ersch�ttern. �Warum sind Sie so erpicht darauf?� fragte ich. schwach. �Und was wollen Sie eigentlich sehen?�</p><p>�Oh, alles! Den Ort, wo es geschah, die Waffen, den Leichnam und irgendwelche Fingerabdr�cke oder sonstige interessante Dinge. Nie vorher hatte ich Gelegenheit, in so unmittelbare N�he eines Verbrechens zu gelangen. Das wird eine Erinnerung f�rs ganze Leben.�</p><p>Angewidert wandte ich mich ab. Wohin war es mit den heutigen Frauen gekommen? Oft hatte ich von Weibern gelesen, die den Gerichtssaal belagerten, wenn es um irgendeines Ungl�ckseligen Leben oder Tod ging. Und ich hatte mich schon oft gefragt, was f�r Frauen das wohl sein mochten. Nun wu�te ich es. Sie waren von der Art Cinderellas, jung und doch von Sehnsucht nach krankhafter Erregung besessen, nach Sensationen um jeden Preis, ohne auf Anstand oder Feingef�hl R�cksicht zu nehmen. Die lebendige Sch�nheit des M�dchens zog mich wider meinen Willen an, doch in meinem Herzen war der erste Eindruck, Mi�billigung und Abneigung, zur�ckgeblieben. Ich gedachte meiner lange verstorbenen Mutter. Was sie wohl zu diesem seltsamen Produkt modernen M�dchentums gesagt h�tte? Dem h�bschen Antlitz voll Schminke und Puder und dem d�monischen Sinn?</p><p>�Steigen Sie von Ihrem hohen Ro߫, sagte die junge Dame pl�tzlich, �und haben Sie sich nicht so! Als man Sie hierherrief, steckten Sie die Nase auch in die Luft und sagten, da� es eine �ble Angelegenheit sei, mit der Sie nichts zu schaffen haben wollten ... �</p><p>�Nein, aber -�</p><p>�Und wenn Sie Ihren Urlaub hier verbr�chten, w�rden Sie da nicht genauso herumschn�ffeln, wie ich es tue? Nat�rlich.�</p><p>�Ich bin ein Mann. Sie sind eine Frau.�</p><p>�Sie stellen sich vor, da� eine Frau auf einen Sessel springen und kreischen mu�, wenn sie eine Maus erblickt. Das ist ja, alles pr�historisch. Aber Sie werden mir doch keinen Korb geben? Schauen Sie, es kann von gro�er Wichtigkeit f�r mich sein.�</p><p>�Inwiefern?�</p><p>�Es wird kein Berichterstatter zugelassen. Vielleicht k�nnte ich ein gutes Gesch�ft mit einer Zeitung machen. Sie haben ja keine Ahnung, wieviel sie f�r eine kleine Nachricht zahlen, um ihre Spalten zu f�llen.�</p><p>Ich z�gerte.</p><p>Sie schob eine kleine weiche Hand in meine. �Bitte -seien Sie lieb.�</p><p>Ich ergab mich. Insgeheim wu�te ich, da� ich an der Aufgabe Gefallen finden w�rde. Schlie�lich ging mich ja das moralische Verhalten des M�dchens nichts an. Ich war wohl ein wenig unruhig, als mir einfiel, was der Untersuchungsrichter wohl dazu sagen w�rde, aber allzu schlimm konnte das ja auch nicht werden ...</p><p>Wir begaben uns zun�chst zu der Stelle, wo der Leichnam entdeckt worden war. Ein Wachtposten stand dort, der mich respektvoll gr��te, da er mich vom Sehen kannte, und keinerlei Fragen wegen meiner Begleiterin stellte. Vermutlich war es ihm gen�gende B�rgschaft, da� sie in meiner Gesellschaft kam. Ich erkl�rte ihr, wie die Entdeckung gemacht worden war; sie h�rte aufmerksam zu und stellte hie und da eine kluge Frage. Dann lenkten wir unsere Schritte der Villa zu. Ich ging ziemlich vorsichtig, da es mir, um die Wahrheit zu sagen, durchaus nicht darum zu tun war, jemandem zu begegnen, und f�hrte das M�dchen um die B�sche herum hinter das Haus, wo die kleine H�tte stand. Ich erinnerte mich, da� M. Bex am gestrigen Abend, nachdem er abgesperrt hatte, den Schl�ssel dem Gendarm Marchaud zur�cklie� �f�r den Fall, da� Monsieur Giraud ihn verlangen w�rde, w�hrend wir oben sind�. M�glicherweise hatte der Beamte den Schl�ssel wieder an Marchaud zur�ckgegeben. Ich lie� das M�dchen au�er Sehweite im Geb�sch und betrat das Haus. Marchaud versah seinen Dienst vor dem Eingang in den Salon. Von innen drang Stimmengewirr.</p><p>�Monsieur sucht Monsieur Hautet? Er verh�rt Francoise nochmals.�</p><p>�Nein�, erwiderte ich hastig, �ich brauche ihn nicht. Aber ich m�chte sehr gern den Schl�ssel zum Schuppen haben, wenn es nicht gegen die Instruktionen verst��t.�</p><p>�Aber gewi�, Monsieur.� Er zog ihn aus der Tasche. �Hier ist er. Monsieur Hautet ordnete an, da� wir Ihnen in jeder Hinsicht an die Hand gehen sollten. Ich bitte Sie nur, mir ihn wieder zur�ckzubringen, wenn Sie fertig sind. Das ist alles.�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>Es erf�llte mich mit Genugtuung, da� ich wenigstens in Marchauds Augen eine ebenso wichtige Pers�nlichkeit war wie Poirot. Das M�dchen erwartete mich. Sie schrie auf, als sie den Schl�ssel in meiner Hand erblickte.</p><p>�Sie haben ihn bekommen!�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich k�hl. �Aber Sie wissen doch, welche Inkorrektheit ich begehe ... �</p><p>�Sie sind reizend nett, und ich werde es Ihnen nie vergessen. Kommen Sie. Man kann uns doch vom Hause aus nicht sehen?�</p><p>�Warten Sie einen Augenblick.� Ich hielt sie zur�ck. �Ich werde Sie nicht hindern, wenn Sie wirklich hineingehen wollen. Aber wollen Sie es auch wirklich? Sie sahen das Grab und die Golfpl�tze, Sie h�rten alle Einzelheiten der Tat. Gen�gt Ihnen das nicht? Was jetzt kommt, ist grauenhaft und -unerquicklich.�</p><p>Einen Augenblick lang sah sie mich an mit einem Ausdruck, den ich nicht ganz ergr�nden konnte. Dann lachte sie.</p><p>�Ach, wegen des Grauens�, sagte sie. �Gehen wir hinein.�</p><p>Schweigsam erreichten wir den Eingang des Schuppens. Ich �ffnete, und wir traten ein. Ich schritt auf den Leichnam zu und hob langsam die Decke, wie Bex es tags zuvor getan hatte. Da brach leises St�hnen von den Lippen meiner Begleiterin, und ich wandte mich ihr zu. Nun spiegelte sich Grauen in ihrem Antlitz, und sie zitterte am ganzen K�rper. Sie hatte meinen Rat nicht h�ren wollen und b��te nun daf�r, da� sie ihn mi�achtet hatte. Ich f�hlte kein Erbarmen mit ihr. Nun sollte sie damit fertig werden.</p><p>�Sehen Sie�, sagte ich. �Er wurde von r�ckw�rts erstochen.�</p><p>Beinahe tonlos klang ihre Stimme: �Womit?�</p><p>Ich wies auf den Glaskrug. �Mit diesem Dolch.�</p><p>Pl�tzlich taumelte das M�dchen und brach zusammen. Ich sprang ihr bei und half ihr auf einen Gartenstuhl.</p><p>�Kommen Sie schnell hinaus. Es war doch zuviel f�r Sie.�</p><p>�Wasser�, fl�sterte sie. �Schnell, Wasser!�</p><p>Ich verlie� sie und eilte ins Haus. Gl�cklicherweise begegnete ich keinem der Dienstm�dchen und konnte unbemerkt ein Glas Wasser holen, dem ich einige Tropfen Brandy aus meiner Reiseflasche beimengte. Wenige Minuten sp�ter war ich wieder zur�ck. Das M�dchen sa� noch, wie ich es verlassen hatte, aber einige Schluck Wasser mit Brandy hatten wunderbar belebende Wirkung.</p><p>�Schnell, schnell, f�hren Sie mich fort von hier!� bat sie schaudernd.</p><p>Ich st�tzte sie, geleitete sie ins Freie und stie� die T�r hinter mir zu. Dann atmete sie tief.</p><p>�Jetzt ist es mir besser. Oh, es war schrecklich! Weshalb lie�en Sie mich hineingehen?�</p><p>Das war so echt weiblich, da� ich ein L�cheln nicht unterdr�cken konnte. Insgeheim freute mich ihr Zusammenbruch. Er bewies, da� sie nicht ganz so gef�hllos war, wie ich urspr�nglich gedacht hatte. Schlie�lich war sie fast noch ein Kind, und die Neugierde kam wahrscheinlich von ihrer Unbesonnenheit.</p><p>�Wie Sie wissen, versuchte ich alles, um Sie davon abzuhalten�, sagte ich sanft.</p><p>�Ich glaube, Sie taten das wirklich. Und nun leben Sie wohl.�</p><p>Sie wandte mir den R�cken zu.</p><p>Ich folgte ihr hastig ein oder zwei Schritte.</p><p>�H�ren Sie, so k�nnen Sie nicht fortgehen - so allein. Sie sind dessen noch nicht f�hig. Ich bestehe darauf, Sie nach Merlinville zur�ckzubegleiten.�</p><p>�Unsinn. Ich f�hle mich schon ganz wohl.�</p><p>�Und wenn Sie noch einmal ohnm�chtig werden? Nein, ich gehe mit Ihnen.�</p><p>Aber dagegen wehrte sie sich energisch. Endlich setzte ich durch, da� ich sie bis in die N�he von Merlinville begleiten durfte. Wir gingen den Weg zur�ck, den wir gekommen waren, am Grabe vorbei, und machten einen Umweg, um die Stra�e zu umgehen. Als wir die ersten verstreut liegenden Gesch�ftsl�den erreichten, blieb sie stehen und streckte mir die Hand entgegen.</p><p>�Leben Sie wohl, und noch vielen Dank f�r die Begleitung.�</p><p>�F�hlen Sie sich wirklich wieder ganz wohl?�</p><p>�Vollkommen, danke sch�n. Ich hoffe, da� Ihnen keine Unannehmlichkeiten daraus erwachsen werden, da� Sie mir so gef�llig waren ... �</p><p>Leichthin verwarf ich diesen Gedanken.</p><p>�Dann leben Sie wohl.�</p><p>�Auf Wiedersehen�, verbesserte ich. �Da Sie sich hier aufhalten, werden wir uns wieder treffen.�</p><p>Sie l�chelte mir zu: �Sicher. Auf Wiedersehen also.�</p><p>�Einen Augenblick noch - und Ihre Adresse?�</p><p>�Oh, ich wohne im Hotel du Phare. Es ist ein kleiner, aber ganz guter Gasthof. Besuchen Sie mich morgen.�</p><p>�Ich werde so frei sein�, sagte ich, vielleicht eifriger als n�tig.</p><p>Ich sah ihr nach, bis sie meinen Blicken entschwand, und kehrte dann zur Villa zur�ck. Es fiel mir ein, da� ich die T�r des Schuppens nicht versperrt hatte. Gl�cklicherweise hatte niemand mein Versehen bemerkt, und ich zog den Schl�ssel ab, nachdem ich das Vers�umte nachgeholt hatte, und gab ihn dem Gendarm zur�ck. Und als ich damit besch�ftigt war, kam mir pl�tzlich m den Sinn, da� mir Cinderella zwar ihre Adresse gegeben hatte, da� ich aber noch immer ihren Namen nicht wu�te.</p></section><section><title><p id="_bookmark10"><strong>9</strong></p></title><p>Im Salon traf ich den Untersuchungsrichter dabei an, Auguste, den alten G�rtner, zu verh�ren. Poirot und der Kommissar begr��ten mich, dieser durch eine h�fliche Verbeugung, jener durch ein L�cheln. Leise schlich ich zu einem Sessel. So unverdrossen und bis zum �u�ersten genau M. Hautet sich auch ins Zeug legte, es gelang ihm doch nicht, irgend etwas von Belang zu entdecken.</p><p>Auguste gab zu, da� die Gartenhandschuhe ihm geh�ren. Er trug sie, wenn er eine bestimmte Art Primeln pflanzte, die manchen Menschen sch�dlich war. Er konnte nicht angeben, wann er sie zuletzt getragen habe. Keinesfalls habe er sie vermi�t. Wo sie aufbewahrt werden? Manchmal hier, manchmal dort. Der Spaten war gew�hnlich in der kleinen Ger�teh�tte zu finden. War sie versperrt? Nat�rlich war sie versperrt. Wo befand sich der Schl�ssel? Parbleu, selbstverst�ndlich an der T�r. Es gebe dort nichts Wertvolles zu stehlen. Wer habe an Banditen oder M�rder gedacht? Zur Zeit von Madame la Vicomtesse pflegten solche Dinge nicht vorzukommen.</p><p>Als M. Hautet merken lie�, da� er mit ihm fertig sei, zog sich der alte Mann zur�ck, nicht ohne bis zuletzt gebrummt zu haben. Ich gedachte Poirots unerkl�rlicher Beharrlichkeit, als es sich um die Fu�spuren in den Blumenbeeten handelte, und ich beobachtete Auguste daher genau, w�hrend er vernommen wurde. Entweder hatte er nichts mit dem Verbrechen zu schaffen, oder er war ein vollendeter Schauspieler. Pl�tzlich kam mir ein Gedanke.</p><p>�Pardon, Monsieur Hautet�, rief ich, �darf ich eine Frage stellen?�</p><p>�Aber gewi�, Monsieur.�</p><p>�Wo befinden sich Ihre Stiefel?� fragte ich den Alten.</p><p>�An meinen F��en�, knurrte er. �Wo sonst?�</p><p>�Aber wenn Sie des Abends zu Bett gehen?�</p><p>�Unter dem Bett.�</p><p>�Und wer putzt sie?�</p><p>�Niemand. Wozu sollten sie geputzt werden? Gehe ich denn wie ein junger Mann auf dem Korso spazieren? Am Sonntag trage ich Sonntagsschuhe, aber sonst -� Er zuckte die Achseln.</p><p>Ich sch�ttelte entmutigt den Kopf.</p><p>�Ja, ja�, meinte der Untersuchungsrichter, �es geht nicht vorw�rts. Zweifellos sind wir durch die ausst�ndige Kabelantwort aus Santiago aufgehalten. Hat niemand Giraud gesehen? Der l��t aber wirklich viel an H�flichkeit zu w�nschen �brig. Ich h�tte nicht �bel Lust, ihn holen zu lassen und -�</p><p>�Da werden Sie nicht weit zu schicken haben.�</p><p>Die ruhige Stimme �berraschte uns. Giraud stand drau�en und blickte durch das offene Fenster.</p><p>M�helos sprang er in das Zimmer und trat an den Tisch.</p><p>�Da bin ich, und zu Ihrer Verf�gung. Verzeihen Sie, da� ich nicht fr�her zur Stelle war.�</p><p>�O bitte, bitte!� sagte der Richter ein wenig betreten.</p><p>�Zwar bin ich nur Detektiv�, fuhr der andere fort, �und verstehe nichts von Verh�ren. Aber w�rde ich ein Verh�r leiten, so gesch�he es nicht bei offenen Fenstern. Ein Drau�enstehender kann leicht alles h�ren, was drinnen vorgeht. Doch das macht nichts!�</p><p>M. Hautet stieg vor �rger das Blut in die Wangen. Es schien, als w�rde es zu keiner gro�en Sympathie zwischen dem Untersuchungsrichter und dem Detektiv kommen, in deren H�nden die Sache lag. Sie waren von Anfang an gegeneinander eingestellt. Vielleicht w�re es in jedem Fall so gewesen. M. Giraud hielt alle Untersuchungsrichter f�r Narren, und M. Hautet, der sich selbst so ernst nahm, konnte nicht umhin, die gleichg�ltige Art des Pariser Detektivs als schwere Beleidigung zu empfinden.</p><p>�Eh bien, Monsieur Giraud�, sagte er nun scharf, �Sie haben Ihre Zeit gewi� staunenswert ausgen�tzt! Sie bringen uns sicher die Namen der M�rder, nicht wahr? Und auch die genaue Angabe des Ortes, an dem sie sich befinden?�</p><p>Ohne die Ironie zu beachten, antwortete M. Giraud: �Ich wei� wenigstens, woher sie kamen.�</p><p>�Was?�</p><p>Giraud zog zwei kleine Gegenst�nde aus der Tasche und legte sie auf den Tisch. Es waren sehr primitive Dinge, ein Zigarettenstummel und ein unbenutztes Z�ndholz. Der Detektiv wandte sich an Poirot: �Was sehen Sie hier?�</p><p>Es lag wie Herausforderung in dem Ton, der mir das Blut in die Wangen trieb. Aber Poirot blieb unersch�tterlich. Er zuckte die Achseln. �Das Ende einer Zigarette und ein Z�ndh�lzchen.�</p><p>�Und was sagt Ihnen das?�</p><p>Poirot streckte die H�nde aus.</p><p>�Es sagt mir - nichts.�</p><p>�Oh!� sagte Giraud zufrieden. �Sie haben diese Dinge nicht untersucht. Dies ist kein gangbares Streichholz -wenigstens nicht in diesem Lande. Aber in S�damerika ist es allt�glich. Gl�cklicherweise ist es unbenutzt. Sonst h�tte ich es vielleicht nicht erkannt. Offenbar warf einer der M�nner seine Zigarette fort und z�ndete sich eine zweite an, und bei der Gelegenheit d�rfte ein Z�ndh�lzchen aus der Schachtel gefallen sein.�</p><p>�Und das andere Z�ndholz?� fragte Poirot. �Welches?�</p><p>�Das H�lzchen, mit dem er wirklich die Zigarette in Brand setzte. Fanden Sie das auch?�</p><p>�Nein.� .</p><p>�Vielleicht suchten Sie nicht gr�ndlich genug.�</p><p>�Nicht gr�ndlich genug gesucht -� Es schien einen Augenblick, als wurde der Detektiv zornig auffahren, aber er nahm sich zusammen und beherrschte sich. �Ich sehe, Sie scherzen gern, Monsieur Poirot. Aber jedenfalls, ob nun das Holz da ist oder nicht, h�tte ja auch das Zigarettenende gen�gt. Es ist eine s�damerikanische Zigarette mit hygienischem Mundst�ck aus S��holz.�</p><p>Poirot verneigte sich, der Kommissar sagte: �Der Zigarettenstummmel und das Z�ndh�lzchen k�nnten auch von Monsieur Renauld herr�hren. Er kam vor zwei Jahren aus S�damerika zur�ck.�</p><p>�Nein�, erwiderte der andere. �Ich durchst�berte bereits die Habseligkeiten von Monsieur Renauld. Er hatte ganz andere Zigaretten und Streichh�lzer.�</p><p>�Finden Sie es nicht sonderbar�, fragte Poirot, �da� diese Fremdlinge, die so ganz ohne Waffen, Handschuhe und Spaten hierhergekommen sein sollten, diese Dinge so zweckdienlich vorfanden?�</p><p>Giraud l�chelte �berlegen: �Gewi�, es ist sonderbar. Und ohne meine Annahme w�re es unerkl�rlich.�</p><p>�Aha!� rief M. Hautet. �Ein Mitschuldiger im Hause!�</p><p>�Oder au�erhalb desselben�, sagte Giraud geheimnisvoll. �Aber es mu� sie jemand hereingelassen haben. Wir k�nnen doch nicht annehmen, da� sie durch einen noch nie dagewesenen Gl�cksfall die T�r offen fanden?�</p><p>�Die T�r wurde f�r sie ge�ffnet; aber ebensogut konnte sie von jemandem, der einen Schl�ssel besa�, von au�en ge�ffnet worden sein.�</p><p>�Aber wer besa� einen Schl�ssel?�</p><p>Giraud zuckte die Achseln: �Was das anbelangt, wird keiner diese Tatsache zugeben, solange er es vermeiden kann. Aber verschiedene Leute k�nnen einen besessen haben. Monsieur Jack Renauld, der Sohn, beispielsweise. Er ist zwar auf dem Wege nach S�damerika, aber er konnte ihn ja verloren haben, oder vielleicht wurde er ihm gestohlen. Dann der G�rtner - er ist doch schon viele Jahre hier. Eines der j�ngeren Dienstm�dchen k�nnte einen Liebhaber haben. Nichts leichter, als einen Abdruck machen und danach einen Schl�ssel anfertigen lassen. Es gibt allerhand M�glichkeiten. Dann ist da noch eine andere Person, von der es, wie ich glaube, au�erordentlich wahrscheinlich ist, da� sie einen Schl�ssel besa�.�</p><p>�Wer ist das?�</p><p>�Madame Daubreuil�, sagte der Detektiv.</p><p>�Ei, ei�, meinte der Untersuchungsrichter, �Sie haben also auch davon schon geh�rt?�</p><p>�Ich h�re alles�, sagte Giraud selbstbewu�t.</p><p>�Ich m�chte schw�ren, da� es etwas gibt, was Sie noch nicht h�rten�, sagte Hautet entz�ckt, sein �berlegenes Wissen zeigen zu k�nnen, und ohne Umschweife berichtete er nochmals �ber den geheimnisvollen Besuch am letzten Abend. Er erw�hnte auch den Scheck auf den Namen �Duveen� und zeigte Giraud schlie�lich den mit �Bella� unterzeichneten Brief.</p><p>�Alles sehr interessant. Aber meine Theorie bleibt davon unber�hrt.�</p><p>�Und worin besteht Ihre Theorie?�</p><p>�Ich ziehe es vor, das vorl�ufig nicht zu sagen. Bedenken Sie, da� ich eben erst am Anfang meiner Nachforschungen stehe.�</p><p>�Sagen Sie mir eines, Monsieur Giraud�, fragte pl�tzlich Poirot. �Ihre Annahme setzt voraus, da� die T�r aufgeschlossen wurde. Sie erkl�rt aber nicht, warum man sie offenlie�; w�re es, als die Verbrecher weggingen, nicht nat�rlich gewesen, die T�r hinter sich zu schlie�en? Wenn zuf�llig ein Gendarm am Haus vorbeigekommen w�re, um nachzusehen, ob alles in Ordnung sei, w�ren sie entdeckt und gleich �berf�hrt worden.�</p><p>�Bah! Sie verga�en es. Ein Fehler, gebe ich zu!�</p><p>Da aber, zu meiner �berraschung, sagte Poirot fast die gleichen Worte, die er am Abend vorher zu Bex ge�u�ert hatte: �Ich teile Ihre Ansicht nicht. Da� die T�r offenblieb, war entweder Absicht oder Notwendigkeit. Jede Annahme, die dieser Voraussetzung widerspricht, wird sich als falsch erweisen.�</p><p>Der Detektiv drehte seinen Schnurrbart und be�ugte meinen Freund, als ob er sich lustig �ber ihn machen wollte: �Sie teilen meine Ansicht nicht? Nun, was bemerken Sie Besonderes an dem Fall? Lassen Sie uns Ihre Ansicht h�ren.�</p><p>�Eines scheint mir bedeutungsvoll. Sagen Sie, Monsieur Giraud, kommt Ihnen der Fall nicht bekannt vor? Erinnert er Sie an nichts?�</p><p>�Bekannt? An etwas erinnern? Das kann ich nicht so ohne weiteres sagen. Aber ich glaube kaum.�</p><p>�Sie haben unrecht�, sagte Poirot gelassen. �Ein fast ganz gleiches Verbrechen wurde schon fr�her einmal begangen.�</p><p>�Wann? Und wo?�</p><p>�Ja, daran kann ich mich leider im Augenblick nicht erinnern, ich hatte gehofft, Sie w�rden mir dabei behilflich sein k�nnen.�</p><p>Giraud brummte ungl�ubig: �Es gab viele Verbrechen mit maskierten M�nnern. Ich kann mir nicht die Einzelheiten von ihnen allen merken. Mehr oder weniger gleicht ein Verbrechen dem anderen.�</p><p>�Doch gibt es etwas - etwas wie eine pers�nliche Note.� Poirot verfiel pl�tzlich in dozierendes Sprechen und wandte sich an uns alle. �Ich will Ihnen jetzt etwas �ber die Psychologie des Verbrechens sagen. Monsieur Giraud wei� sehr genau, da� jeder Verbrecher seine eigene Methode hat und da� die Polizei sehr oft durch die eigenartige Methode eines Einbruchs zum Beispiel Verdacht in bestimmter Richtung hegt. (Japp wird dir das gleiche sagen, Hastings!) Der Mensch ist ein unoriginelles Tier. Unoriginell innerhalb der Gesetze seines t�glichen anst�ndigen Lebens, aber ebenso unoriginell au�erhalb derselben. Wenn ein Mann ein Verbrechen begeht, wird jedes weitere, das er begeht, dem ersten gleichen. Der englische M�rder, der sich seiner Frauen nacheinander entledigte, indem er sie im Bade ertr�nkte, war ein Schulfall. H�tte er sie auf verschiedene Art aus dem Wege ger�umt, so w�re er vielleicht bis heute der Entdeckung entgangen. Aber er gehorchte den gew�hnlichen Gesetzen menschlicher Natur, indem er annahm, da�, was einmal gelang, immer gelingen m�sse, und er b��t nun f�r seinen Mangel an Originalit�t.�</p><p>�Und die Moral davon?�</p><p>�Da�, wenn Sie zwei in Plan und Ausf�hrung fast gleiche Verbrechen vor sich haben, Sie dahinter ein Hirn finden werden. Ich suche dieses Hirn, Monsieur Giraud, und ich werde es finden. Hier haben wir einen wirklichen Schl�ssel -einen psychologischen Schl�ssel. Sie, Monsieur Giraud, m�gen wohl alles �ber Zigaretten und Z�ndh�lzchen wissen, aber ich, Hercule Poirot, kenne den Menschenverstand! Zu Ihrer Orientierung m�chte ich Sie noch auf eine Tatsache aufmerksam machen, die vielleicht sonst nicht zu Ihrer Kenntnis gelangen w�rde. Die Armbanduhr von Madame Renauld ging am Tag nach dem Ungl�ck zwei Stunden vor.�</p><p>Giraud blickte auf: �Vielleicht ging sie immer vor?�</p><p>�Es wurde mir mitgeteilt, da� dies nicht der Fall gewesen sei.�</p><p>�Dann um so besser.�</p><p>�Aber nichtsdestoweniger sind zwei Stunden sehr viel�, sagte Poirot sanft. �Und dann ist noch die Sache mit den Fu�spuren im Blumenbeet.� Er deutete mit dem Kopf nach dem offenen Fenster.</p><p>Giraud machte zwei eilige Schritte und blickte hinaus: �Aber ich sehe keine Fu�spuren?�</p><p>�Nein�, sagte Poirot und schichtete einen Sto� B�cher auf dem Tische. �Es sind ja keine.�</p><p>Einen Augenblick lang war Girauds Antlitz fast unkenntlich vor blinder Wut. Er schritt auf seinen Peiniger zu, aber in dem Augenblick wurde die T�r des Salons ge�ffnet, und Marchaud k�ndete an: �Mr. Stonor, der Sekret�r, ist soeben aus England eingetroffen. Darf er eintreten?�</p></section><section><title><p id="_bookmark11"><strong>10</strong></p></title><p>Der Mann, der jetzt das Zimmer betrat, war eine auffallende Erscheinung. Sehr gro�, gut gewachsen, mit athletischem K�rperbau, tiefbronzefarbenem Gesicht und Nacken beherrschte er die Versammlung. Selbst Giraud machte neben ihm einen etwas bleichs�chtigen Eindruck. Sp�ter, als ich Gabriel Stonor besser kennenlernte, merkte ich, da� er eine ganz ungew�hnliche Pers�nlichkeit war. Engl�nder von Geburt, hatte er sieh in der ganzen Welt umhergetrieben. Er hatte Hochwild in Afrika gejagt, Korea bereist, Viehzucht in Kalifornien betrieben, und auf den S�dseeinseln Gesch�fte abgewickelt.</p><p>Sein sicherer Blick blieb auf M. Hautet haften.</p><p>�Wohl der mit dem Fall betraute Untersuchungsrichter? Ich freue mich. Sie kennenzulernen. Wie geht's Madame Renauld? Wie ertr�gt sie das Ungl�ck? Es mu� ein furchtbarer Schlag f�r sie gewesen sein.�</p><p>�Schrecklich, schrecklich�, sagte M. Hautet. �Gestatten Sie, dass ich vorstelle: Monsieur Bex, unser Polizeikommissar, Monsieur Giraud von der S�rete. Dort der Herr ist Monsieur Hercule Poirot, der bekannte Detektiv. Monsieur Renauld hatte ihn herbeigerufen, aber er kam zu sp�t, um die Trag�die zu verhindern. Ein Freund Monsieur Poirots, Captain Hastings.�</p><p>Stonor blickte Poirot voll Interesse an: �Er rief Sie hierher?�</p><p>�Sie wu�ten also nichts davon, da� sich Monsieur Renauld mit der Absicht trug, einen Detektiv kommen zu lassen?� fragte Bex gespannt.</p><p>�Nein, ich wu�te es nicht. Aber es wundert mich durchaus nicht.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil der alte Herr eigen war. Ich wei� nicht, um was es sich handelte. Er vertraute sich mir nicht an. So standen wir nicht miteinander. Aber eigen war er - sehr sogar.�</p><p>�Hm!� machte M. Hautet. �Und die Ursache ist Ihnen unbekannt?�</p><p>�Wie ich eben sagte.�</p><p>�Verzeihn Sie, Monsieur Stonor, aber wir m�ssen einige kleine Formalit�ten erledigen. Sie hei�en?�</p><p>�Gabriel Stonor.�</p><p>�Seit wann sind Sie Monsieur Renaulds Sekret�r?�</p><p>�Seit ungef�hr zwei Jahren, als er aus S�damerika zur�ckkehrte. Ich machte seine Bekanntschaft durch einen gemeinsamen Freund, und er bot mir diese Stellung an. Er war ein verdammt guter Herr.�</p><p>�Erz�hlte er Ihnen des �fteren von seinem Leben in S�damerika?�</p><p>�Ja, h�ufig.�</p><p>�Ist Ihnen bekannt, ob er je in Santiago war?�</p><p>�Ich glaube, einige Male.�</p><p>�Erw�hnte er niemals ein besonderes Ereignis, das ihm dort zugesto�en war - irgendein Ereignis, das eine Rache herausgefordert haben k�nnte?�</p><p>�Niemals.�</p><p>�Sprach er von einem Geheimnis, das ihn seit damals umgab?�</p><p>�Nicht, da� ich mich entsinnen k�nnte. Aber trotz alledem gab es ein Geheimnis um ihn. Nie h�rte ich ihn zum Beispiel von seiner Kindheit sprechen oder von seinem Leben vor seiner Ankunft in S�damerika. Ich glaube, er war von Geburt franz�sischer Kanadier, aber nie erz�hlte er von Kanada. Er konnte sich wie eine Muschel abschlie�en, wenn es ihm beliebte.�</p><p>�Also, soweit Ihnen bekannt ist, besa� er keine Feinde, und Sie k�nnen uns keinen Hinweis auf irgendeinen Vorfall geben, der vielleicht mit seiner Ermordung in Verbindung zu bringen ist?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Monsieur Stonor, h�rten Sie jemals den Namen Duveen?�</p><p>�Duveen. Duveen?� Er dachte angestrengt nach. �Ich glaube nicht, ihn geh�rt zu haben. Und, doch kommt er mir bekannt vor.�</p><p>�Kennen Sie eine Dame, eine Freundin Monsieur Renaulds, die mit dem Taufnamen Bella hei�t?�</p><p>�Bella Duveen? Ist dies der ganze Name? Ist es nicht merkw�rdig? Ich wei� bestimmt, da� ich ihn kenne. Nur f�llt mir augenblicklich der Zusammenhang nicht ein.�</p><p>Der Untersuchungsrichter h�stelte: �Verstehen Sie mich recht, Monsieur Stonor. - Der Fall liegt so: Es darf keine Vorbehalte geben. Sie lassen sich vielleicht durch Ihre Gef�hle f�r Madame Renauld - f�r die Sie, wie ich annehme, gro�e Verehrung und Zuneigung empfinden - vielleicht - offenbar!� sagte M. Hautet und verwickelte sich immer mehr in den Satz. �Es darf absolut keine Vorbehalte geben.�</p><p>Stonor starrte ihn an, in seinen Augen d�mmerte Verst�ndnis. �Ich kann nicht ganz mitkommen�, sagte er h�flich. �Was hat denn das mit Madame Renauld zu tun? Ich habe gro�e Achtung und Verehrung f�r diese Dame, denn sie ist ein ganz wundervoller, ungew�hnlicher Mensch, aber ich kann nicht ganz verstehen, inwiefern meine Zur�ckhaltung, oder wie Sie es nennen, auf sie wirken k�nnte?�</p><p>�Auch nicht, wenn es sich erweisen sollte, da� diese Bella Duveen Monsieur Renauld mehr als eine Freundin war?�</p><p>�Oh!� sagte Stonor. �Jetzt begreife ich. Aber ich w�rde meinen letzten Dollar wetten, da� Sie unrecht haben. Der alte Herr k�mmerte sich um keine Sch�rze. Er verg�tterte nur seine eigene Gattin. Sie waren das gl�cklichste Ehepaar, das ich kannte �</p><p>Freundlich sch�ttelte M. Hautet den Kopf.</p><p>�Monsieur Stonor, wir haben einen sicheren Beweis -einen Liebesbrief dieser Bella an Monsieur Renauld, in dem sie ihm vorwirft, da� er ihrer m�de geworden sei. �berdies haben wir weitere Beweise, da� er vor seinem Ableben eine Liebschaft mit einer Franz�sin, einer Madame Daubreuil hatte, die in einer benachbarten Villa wohnt.�</p><p>Des Sekret�rs Augen weiteten sich: �Halten Sie ein, bitte. Sie sind falsch unterrichtet. Ich kannte Paul Renauld. Was Sie eben sagten, ist glatt unm�glich. Es mu� eine andere Erkl�rung daf�r geben.�</p><p>Der Untersuchungsrichter zuckte die Achseln: �Was f�r eine andere Erkl�rung w�re da m�glich?�</p><p>�Was veranla�t Sie, anzunehmen, dass es sich um eine Liebesgeschichte handele?�</p><p>�Madame Daubreuil hatte die Gewohnheit, ihn in den Abendstunden hier zu besuchen. Auch brachte Madame Daubreuil, seit Renauld die Villa Genevieve bewohnte, gro�e Summen in Banknoten auf ihr Konto. Alles zusammen belauft sich auf viertausend Pfund Ihres englischen Geldes.�</p><p>�Ich vermute, da� das richtig ist�, sagte Stonor ruhig. �Ich �bermittelte ihr, auf seinen Wunsch, diese Summen in Noten. Aber es war keine Liebesgeschichte.�</p><p>�Und was sonst k�nnte es gewesen sein?�</p><p>�Erpressung�, sagte Stonor scharf, und schlug krachend auf den Tisch. �Das war es.�</p><p>�Oh!� rief der Untersuchungsrichter �berrascht.</p><p>�Erpressung�, wiederholte Stonor. �Der alte Mann wurde geschr�pft - und zwar ganz ausgiebig. Viertausend Pfund in zwei Monaten! Hui! Ich sagte Ihnen vorhin, da� es ein Geheimnis um Renauld gab. Offenbar wu�te Madame Daubreuil genug dar�ber, um einen Druck auf ihn aus�ben zu k�nnen.�</p><p>�Das w�re denkbar�, rief der Kommissar erregt. �Entschieden w�re das denkbar.�</p><p>�Denkbar�, rief Stonor. �Es ist v�llig sicher. Haben Sie Madame Renauld �ber diesen Teil der Angelegenheit ausgefragt?�</p><p>�Nein, Monsieur, wir wollten ihr keinen Kummer bereiten und vermieden es.�</p><p>�Kummer? Sie h�tte Ihnen ins Gesicht gelacht! Ich sage Ihnen, sie und Renauld waren ein Paar, wie man kaum unter Hunderten eines findet.�</p><p>�Ah, das bringt mich auf etwas anderes�, sagte M. Hautet. �Zog Monsieur Renauld Sie wegen seines Testaments ins Vertrauen?�</p><p>�Dar�ber wei� ich alles - ich nahm es zum Notar mit, nachdem er es niedergeschrieben hatte. Ich kann Ihnen den Namen seines Rechtsanwaltes nennen, falls Sie Einblick nehmen wollen. Es liegt dort. Es ist ganz einfach. Die H�lfte seines Verm�gens auf Lebzeiten seiner Frau, die andere H�lfte seinem Sohn. Einige Legate. Ich glaube, auch f�r mich einige tausend.�</p><p>�Wann wurde dieses Testament verfa�t?�</p><p>�Oh, ungef�hr vor eineinhalb Jahren.�</p><p>�W�rde es Sie sehr wundern, wenn Sie erf�hren, da� Monsieur Renauld vor nicht ganz vierzehn Tagen noch ein Testament verfa�te?�</p><p>Stonor war sichtlich sehr �berrascht: �Davon hatte ich keine Ahnung. Was enth�lt es?�</p><p>�Sein ganzes ausgedehntes Verm�gen vermacht er uneingeschr�nkt seiner Gattin. Des Sohnes wird keine Erw�hnung getan.�</p><p>Mr. Stonor lie� einen Pfiff h�ren: �Ich finde das sehr hart f�r den Jungen. Seine Mutter verg�ttert ihn zwar, aber f�r die Welt sieht es beinahe wie mangelndes Vertrauen von Seiten des Vaters aus. Das wird seine Eitelkeit schwer treffen. Aber auch das best�tigt, was ich Ihnen sagte: da� Renauld und seine Frau im besten Einvernehmen lebten.�</p><p>�Sehr richtig, sehr richtig�, sagte M. Hautet. �Vielleicht werden wir unsere Gedankeng�nge nach mancher Richtung umstellen m�ssen. Nat�rlich haben wir nach Santiago gekabelt und erwarten jeden Augenblick die Antwort. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dann alles klar und offen sein. Andererseits m��te doch, wenn Ihre Annahme auf Erpressung richtig ist, Madame Daubreuil in der Lage sein, uns wertvolle Aufschl�sse geben zu k�nnen.�</p><p>Hier warf Poirot ein: �Monsieur Stonor, Ist Masters, der englische Chauffeur, schon lange bei Monsieur Renauld?�</p><p>��ber ein Jahr.�</p><p>�Haben Sie eine Ahnung, ob er je in S�damerika war?�</p><p>�Ich wei� bestimmt, da� er nicht dort war. Ehe er in die Dienste M. Renaulds trat, war er viele Jahre bei einer Familie in Gloucestershire, die mir wohlbekannt ist.�</p><p>�Sie verb�rgen sich also daf�r, da� bei ihm jedes Verdachtsmoment ausscheidet?�</p><p>�Unbedingt.�</p><p>Poirot schien etwas verstimmt.</p><p>Unterdessen hatte der Richter Marchaud rufen lassen.</p><p>�Bestellen Sie Madame Renauld, ich lie�e sie bitten, sie einige Augenblicke sprechen zu d�rfen. Ich werde sie oben aufsuchen.�</p><p>Marchaud gr��te und verschwand.</p><p>Wir warteten einige Minuten, dann �ffnete sich zu unserem Staunen die T�r, und Mme. Renauld betrat totenbleich, in tiefe Trauer gekleidet, das Zimmer.</p><p>M. Hautet r�ckte ihr einen Stuhl zurecht und erging sich in den nachdr�cklichsten Beteuerungen, die sie ruhig entgegennahm. Stonor ergriff ihre Hand voll beredten Mitgef�hls. Worte fehlten ihm. Mine. Renauld wandte sich M. Hautet zu: �Sie wollten mich etwas fragen?�</p><p>�Mit Ihrer Erlaubnis, Madame. Ich horte, Ihr Gatte sei von Geburt Franke-Kanadier gewesen. K�nnen Sie uns irgend etwas �ber seine Jugend oder seine Erziehung mitteilen?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf: �Mein Gatte war, was ihn selbst betraf, immer sehr zur�ckhaltend, Monsieur. Er kam aus Nordwest, soviel ich wei�; aber ich glaube, er hatte eine ungl�ckliche Kindheit, da er niemals davon sprechen wollte. Wir lebten ausschlie�lich in der Gegenwart und der Zukunft.�</p><p>�Gab es irgendein Geheimnis in seiner Vergangenheit?�</p><p>Mme. Renauld l�chelte kaum merklich und sch�ttelte den Kopf: �Sicher nichts Romantisches, Monsieur.�</p><p>M. Hautet l�chelte nun auch: �Wahrhaftig, wir d�rfen uns nicht erlauben, melodramatisch zu werden. Da w�re noch eine Sache -� Er z�gerte.</p><p>Stonor platzte ungest�m dazwischen.</p><p>�Die Herren haben sich eine sehr seltsame Idee in den Kopf gesetzt, Madame. Sie bilden sich tats�chlich ein, da� Monsieur Renauld in Beziehungen zu einer Madame Daubreuil stand, die, , wie es hei�t, in der N�he wohnt.�</p><p>Mme. Renaulds Wangen f�rbten sich blutrot. Sie warf den Kopf zur�ck, kniff die Lippen zusammen, und ihr Gesicht zuckte. Stonor betrachtete sie erstaunt, doch M. Bex neigte sich vor und sagte liebensw�rdig: �Es tut uns leid. Ihnen Kummer zu verursachen, Madame, aber haben Sie irgendeinen Grund zur Annahme, da� Madame Daubreuil die ... hm ... Geliebte Ihres Gatten war?�</p><p>Schluchzend verbarg Mme. Renauld ihr Gesicht in den H�nden. Ihre Schultern zuckten wie im Krampf. Endlich hob sie das Haupt und sagte schwach: �Vielleicht war sie es.�</p><p>Nie in meinem Leben habe ich etwas gesehen, was der unerh�rten Best�rzung gleichkam, die in Stonors Gesicht trat. Er war wie aus allen Wolken gefallen.</p></section><section><title><p id="_bookmark12"><strong>11</strong></p></title><p>Ich kann nicht sagen, wie sich das Gespr�ch weiter entwickelt h�tte, wenn nicht in diesem Augenblick die T�r aufgerissen und ein gro�er junger Mann in das Zimmer gest�rzt w�re. Einen kurzen Augenblick hatte, ich das unheimliche Gef�hl, da� der Tote wieder zum Leben erwacht sei. Dann bemerkte ich, da� das dunkle Haar noch nicht angegraut und er fast noch ein Knabe war.</p><p>Er st�rzte auf Mme. Renauld zu. Mit solchem Ungest�m, da� er sich der Anwesenheit der anderen gar nicht bewu�t wurde.</p><p>�Mutter!�</p><p>�Jack!� Mit einem Schrei schlo� sie ihn in die Arme.</p><p>�Mein Liebling! Aber wie kommst du hierher? Du h�ttest doch vor zwei Tagen auf der ,Anzona' von Cherbourg abreisen sollen.�</p><p>Dann kam ihr pl�tzlich die Anwesenheit der anderen in Erinnerung, und sie wandte sich zu ihnen: - �Mein Sohn, meine Herren.�</p><p>�Aha!� sagte M. Hautet, als der junge Mann sieh nun verbeugte. �Sie fuhren also nicht mit der ,Anzona' ?�</p><p>�Nein, Monsieur. Die Abfahrt der ,Anzona' verz�gerte sich eines Maschinendefektes wegen um vierundzwanzig Stunden. Statt vorgestern h�tte ich erst gestern abend abreisen k�nnen, aber als ich mir zuf�llig ein Abendblatt kaufte, entdeckte ich einen Bericht �ber - �ber das grauenvolle Ungl�ck, das uns betroffen hat -� Seine Stimme brach, und Tr�nen traten in seine Augen. �Mein armer Vater - mein armer, armer Vater.�</p><p>Mme. Renauld starrte ihn verst�rt an und wiederholte: �So bist du also nicht gefahren?� Und dann mit unsagbar m�der Geste fl�sterte sie halb zu sich selbst: �Schlie�lich macht es ja nichts - jetzt.�</p><p>�Nehmen Sie Platz, Monsieur Renauld�, sagte M. Hautet und deutete auf einen Stuhl. Ich hege tiefes Mitgef�hl f�r Sie. Es mu� ein furchtbarer Schlag sein, auf diese Weise die traurige Nachricht zu erfahren. G�nstig ist jedoch, da� Sie an der Abreise verhindert wurden. Ich gebe mich der Hoffnung hin, da� es Ihnen m�glich sein wird, uns gerade die Aufkl�rung zu geben, die wir brauchen, um das Geheimnis zu entr�tseln.�</p><p>�Ich stehe zu Ihrer Verf�gung, Monsieur. Fragen Sie, was Ihnen beliebt.�</p><p>�Um damit anzufangen: Ich erfahre, da� Sie die Reise auf Wunsch Ihres Vaters unternehmen sollten?�</p><p>�So ist es, Monsieur. Ich erhielt ein Telegramm, das mir befahl, nach Buenos Aires zu reisen und von dort nach Santiago.�</p><p>�Ah! Und der Zweck dieser Reise?�</p><p>�Ich habe keine Ahnung.�</p><p>�Wie?�</p><p>�Nein. Sehen Sie selbst, hier ist das Telegramm.�</p><p>Der Richter nahm es und las laut: �Abreise sofort Cherbourg, Einschiffung abends auf ,Anzona' nach Buenos Aires. Letzter Bestimmungsort Santiago. Weitere Anweisungen in Buenos Aires. Fahre unbedingt. Angelegenheit von allergr��ter Wichtigkeit. Renauld.�</p><p>�Und dar�ber sind vorher keine Briefe gewechselt worden?�</p><p>Jack Renauld sch�ttelte den Kopf: �Dies ist das einzige, was ich wei�. Mir war nat�rlich nur bekannt, da� mein Vater, da er doch so lange dort gelebt hatte, viele gesch�ftliche Interessen in S�damerika besa�. Aber er hatte nie durchblicken lassen, da� er beabsichtige, mich hin�berzuschicken.�</p><p>�Sie sind nat�rlich viel in S�damerika gewesen, Monsieur Renauld?�</p><p>�Als Kind war ich dort. Aber ich wurde in England erzogen, wo ich zumeist auch meine Ferien verbrachte, so da� ich viel weniger von S�damerika wei�, als man annehmen k�nnte. Sehen Sie, ich war siebzehn Jahre alt, als der Krieg ausbrach.�</p><p>�Sie dienten bei der englischen Luftwaffe, nicht wahr?�</p><p>�Ja, Monsieur.�</p><p>M. Hautet nickte und setzte sein Verh�r innerhalb der bereits bekannten Richtlinien fort. Als Antwort erkl�rte Jack Renauld nachdr�cklich, da� ihm von keiner wie immer gearteten Feindschaft bekannt sei, die sich sein Vater in Santiago oder anderen Orten in S�damerika zugezogen haben k�nnte, da� ihm in letzter Zeit keine Ver�nderung im Wesen seines Vaters aufgefallen sei und da� er niemals von seinem Vater eine Andeutung bez�glich eines Geheimnisses geh�rt habe. Er habe seine Mission in S�damerika als eine rein gesch�ftliche aufgefa�t.</p><p>Als M. Hautet einen Augenblick lang innehielt, fuhr die ruhige Stimme Girauds dazwischen: �Herr Richter, ich m�chte in eigener Angelegenheit einige Fragen stellen.�</p><p>�Bitte, Monsieur Giraud, wie Sie w�nschen�, war die k�hle Antwort.</p><p>Giraud r�ckte mit seinem Stuhl n�her an den Tisch heran: �Standen Sie gut mit Ihrem Vater, Monsieur Renauld?�</p><p>�Gewi߫, antwortete der junge Mann hochm�tig.</p><p>�Sie behaupten das mit Bestimmtheit?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Keine kleinen Zwistigkeiten, wie?�</p><p>Jack zuckte die Achseln: �Kleine Meinungsverschiedenheiten kommen �berall einmal vor.�</p><p>�Sehr richtig, sehr richtig. Aber wenn jemand behauptete, da� Sie am Abend Ihrer Abreise nach Paris einen heftigen Streit mit Ihrem Vater hatten, so w�re das zweifellos gelogen, nicht?�</p><p>Ich mu�te die Findigkeit Girauds wider meinen Willen bewundern. Sein Prahlen: �Ich wei� alles�, war nicht eitel gewesen. Diese Frage brachte Jack sichtlich aus der Fassung.</p><p>�Wir - wir hatten eine Auseinandersetzung�, gab er stockend zu.</p><p>�Oh, eine Auseinandersetzung! Und fielen im Laufe dieser Auseinandersetzung von Ihnen die Worte: ,Wenn du einmal tot bist, kann ich tun, was mit beliebt!'�</p><p>�Vielleicht�, murmelte der andere. �Ich wei� es nicht.�</p><p>�Und antwortete Ihr Vater darauf nicht: ,Aber noch bin ich nicht tot!' Worauf Sie erwiderten: ,Ich wollte, du w�rest es!'�</p><p>Der Junge schwieg. Erregt fingerten seine H�nde an den Gegenst�nden, die vor ihm auf dem Tische lagen.</p><p>�Bitte, ich mu� um eine Antwort ersuchen, Monsieur Renauld�, sagte Giraud scharf.</p><p>Voll Zorn fegte der junge Mann ein schweres Papiermesser zur Erde: �Was liegt daran? Sie m�gen es ebensogut auch wissen. Ja, ich hatte einen Streit mit meinem Vater. Ich mu� zugeben - ich sagte alle diese Dinge - ich war so erregt, da� ich nicht einmal wu�te, was ich sagte. Ich war w�tend - ich h�tte ihn in dem Augenblick fast t�ten k�nnen -. So, nun n�tzen Sie es gut aus!� Herausfordernd lehnte er sich in seinen Sessel zur�ck.</p><p>Giraud l�chelte. Er schob seinen Stuhl wieder etwas nach hinten und sagte: �Das ist alles. Wahrscheinlich ziehen Sie es vor, das Verh�r selbst weiterzuf�hren, Monsieur Hautet.�</p><p>�Ja, nat�rlich�, sagte M. Hautet. �Und was war die Ursache Ihres Streites?�</p><p>�Ich lehne es ab, darauf zu antworten.�</p><p>M. Hautet richtete sich im Sessel auf. �Monsieur Renauld, ich verlange eine Antwort von Ihnen�, sagte er drohend. �Was war die Ursache Ihres Streites?�</p><p>Der junge Renauld schwieg beharrlich, sein Knabengesicht blickte finster und trotzig.</p><p>Aber ein anderer sprach ruhig und unbeirrbar, und das war Hercule Poirot: �Wenn es Ihnen recht ist, Monsieur, will ich Ihnen die Aufkl�rung geben.�</p><p>�Sie wissen?�</p><p>�Nat�rlich wei� ich. Der Gegenstand des Streites war Mademoiselle Marthe Daubreuil.�</p><p>Erstaunt fuhr Renauld auf.</p><p>Der Untersuchungsrichter neigte sich vor: �Ist das richtig, Monsieur?�</p><p>�Ja�, gab er zu. �Ich liebe Mademoiselle Daubreuil, und ich m�chte sie heiraten. Als ich meinem Vater diese Absicht mitteilte, geriet er in heftigste Wut. Ich nat�rlich konnte mit anh�ren, wie das M�dchen, das ich liebe, beleidigt wurde, und so ging auch mir mein Temperament durch.�</p><p>M. Hautet blickte zu Mme. Renauld hin�ber: �Hatten Sie Kenntnis von dieser - Zuneigung, Madame?�</p><p>�Ich bef�rchtete sie�, sagte sie einfach.</p><p>�Mutter�, schrie der J�ngling. �Auch du! Marthe ist ebenso gut wie sch�n. Was kannst du gegen sie haben?�</p><p>�Eigentlich habe ich nichts gegen Mademoiselle Daubreuil. Aber es w�re mir lieber, du heiratetest eine Engl�nderin, oder wenn es schon eine Franz�sin ist, dann lieber ein M�dchen, dessen Mutter keine zweifelhafte Vergangenheit hat!�</p><p>Ihr Groll gegen die �ltere der beiden Frauen kam in ihrer Stimme deutlich zum Ausdruck, und ich konnte begreifen, welch harter Schlag es f�r sie gewesen sein mu�te, da� ihr Sohn sich in die Tochter ihrer Rivalin verliebt hatte.</p><p>Mme. Renauld fuhr fort, indem sie sich an den Untersuchungsrichter wandte: �Ich h�tte vielleicht mit meinem Gatten dar�ber sprechen sollen, aber ich hoffte, da� es nur ein Jugendflirt sei, der um so schneller vor�bergeht, je weniger man ihn beachtet. Nun mache ich mir Vorw�rfe wegen meines Schweigens, aber mein Mann schien, wie ich schon erw�hnte, so bek�mmert und abgeh�rmt, im Gegensatz zu seiner sonstigen Art, da� ich haupts�chlich darauf bedacht war, ihm keinen neuen Anla� zu Sorgen zu geben.�</p><p>M. Hautet nickte. �War Ihr Vater erstaunt�, fuhr er fort, �als Sie ihm Ihre Absichten bez�glich Mademoiselle Daubreuil mitteilten?�</p><p>�Er war ganz niedergeschmettert. Dann befahl er mir entschieden, mir jeden derartigen Gedanken aus dem Kopf zu schlagen. Er w�rde niemals seine Zustimmung zu dieser Ehe geben. Erbittert fragte ich, was er gegen Mademoiselle Daubreuil einzuwenden habe. Darauf konnte er keine Antwort geben, sprach aber in beleidigenden Ausdr�cken von dem Geheimnis, das �ber dem Leben von Mutter und Tochter schwebe. Ich antwortete, da� ich Marthe heiraten wolle und nicht ihre Vergangenheit, doch er lehnte entschieden ab, �ber diese Sache irgendwie weiter zu verhandeln. Der ganze Plan m�sse fallengelassen werden. Seine Ungerechtigkeit machte mich toll - besonders da er selbst sich besondere M�he zu geben schien, den Daubreuils Aufmerksamkeiten zu erweisen und immer selbst den Anla� dazu gegeben hatte, da� man sie zu uns bat. Ich verlor den Kopf, und wir gerieten scharf aneinander. Mein Vater erinnerte mich daran, da� ich vollst�ndig von ihm abh�ngig sei, und als Antwort darauf mu� ich wohl die Bemerkung gemacht haben, da� ich nach seinem Tode-�</p><p>Poirot unterbrach ihn durch eine schnelle Frage: �Ihnen war also der Inhalt seines Testamentes bekannt?�</p><p>�Ich wu�te, da� er mir sein halbes Verm�gen vermacht hatte und da� die andere H�lfte auf Lebensdauer meiner Mutter geh�rte, um nach deren Ableben auch an mich zu fallen�, erwiderte der junge Mann.</p><p>�Setzen Sie Ihre Erz�hlung fort� sagte der Untersuchungsrichter.</p><p>�Immer sch�rfere Worte fielen, bis mir pl�tzlich klar wurde, da� ich Gefahr lief, meinen Zug nach Paris zu vers�umen. Ich mu�te, noch immer kochend vor Wut, zur Station laufen. Doch unterwegs beruhigte ich mich bald. Ich schrieb Marthe, was sich ereignet hatte, und ihre Antwort beruhigte mich noch mehr. Sie schrieb mir, da� wir nun standhaft zu bleiben h�tten, woran schlie�lich jeder Widerstand scheitern m�sse. Unsere gegenseitige Zuneigung sollte erprobt und erwiesen werden, und wenn meine Eltern die �berzeugung gewonnen h�tten, da� es sich nicht um eine oberfl�chliche Verliebtheit meinerseits handle, w�rden sie sich zweifelos erweichen lassen. Nat�rlich erw�hnte ich ihr gegen�ber nicht den Grund, den mein Vater als Hauptursache gegen die Verbindung ins Treffen gef�hrt hatte. Ich sah auch bald ein, da� ich meine Sache nicht mit Gewalt f�hren durfte. Mein Vater schrieb mir mehrere liebevolle Briefe nach Paris, die unsere Verstimmung oder deren Ursache nicht ber�hrten, und ich beantwortete sie in gleichem Ton.�</p><p>�K�nnen Sie diese Briefe vorweisen?� fragte Giraud.</p><p>�Ich bewahrte sie nicht auf.�</p><p>�Das macht nichts�, meinte der Detektiv.</p><p>Renauld blickte ihn einen Augenblick an, aber der Untersuchungsrichter fragte weiter: �Nun zu einer anderen Sache, ist Ihnen der Name ,Duveen' bekannt, Monsieur Renauld?�</p><p>�Duveen�, sagte Jack. �Duveen.� Er neigte sich und hob langsam das Papiermesser auf, das er zu Boden geworfen hatte. Als er den Kopf wieder hob, hielten seine Augen den lauernden Blicken Girauds stand. �Duveen? Nein, nicht da� ich w��te.�</p><p>�Wollen Sie diesen Brief lesen, Monsieur Renauld? Und uns dann sagen, ob Sie eine Ahnung haben, wer die Person sein k�nnte, die ihn an Ihren Vater schrieb?�</p><p>Jack Renauld nahm den Brief, las ihn durch, und das Blut stieg ihm in die Wangen. �An meinen Vater?� Die Erregung und Entr�stung in seiner Stimme waren unverkennbar.</p><p>�Ja, wir fanden ihn in der Tasche seines Mantels.�</p><p>�Wei� -� Er z�gerte und warf einen schnellen Blick auf seine Mutter.</p><p>Der Richter verstand ihn. �Bis jetzt - nicht. K�nnen Sie uns irgendeinen Anhaltspunkt betreffs der Schreiberin geben?�</p><p>�Ich habe keine Ahnung.�</p><p>M. Hautet seufzte: �Ein sehr dunkler Fall. Aber nichtsdestoweniger k�nnen wir, wie ich glaube, den Brief aus dem Spiele lassen. Was denken Sie, Monsieur Giraud? Er scheint kein Licht in die Sache zu bringen.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, stimmte Giraud nachdr�cklich bei.</p><p>�Und dabei�, seufzte der Untersuchungsrichter wieder, �sah der Fall am Anfang so sch�n und einfach aus.� Er fing einen Blick Mme. Renaulds auf und err�tete verwirrt. �Ach ja�, h�stelte er und durchst�berte die Papiere auf dem Tisch. �Warten Sie, wo blieben wir stehen? Richtig, bei der Waffe. Ich f�rchte, das wird Sie tr�b stimmen, Monsieur Renauld. Ich h�rte. Sie schenkten sie Ihrer Mutter. Sehr traurig - h�chst bedauerlich ... �</p><p>Jack Renauld beugte sich vor. Sein Gesicht, das sich w�hrend der Durchsicht des Briefes heftig ger�tet hatte, war nun totenbleich.</p><p>�Wollen Sie sagen - da� mein Vater durch ein Papiermesser, das aus einem Flugzeugteil angefertigt war -da� mein Vater damit ermordet wurde? Aber das ist ja ganz unm�glich? Mit so einem kleinen Ding!�</p><p>�Leider, Monsieur Renauld, ist es nur zu wahr! Eine ideale kleine Waffe, f�rchte ich, dieses Papiermesser. Scharf und leicht zu handhaben.�</p><p>�Wo ist es? Kann ich es sehen? Steckt es etwa noch in -der Wunde?�</p><p>�O nein, es wurde entfernt. Sie wollen es sehen? Um ganz sicher zu sein? Das w�re vielleicht ganz gut, obwohl Ihre Frau Mutter es schon identifizierte. Doch - Monsieur Bex, d�rfte ich Sie bem�hen?�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Ich hole es gleich.�</p><p>�W�re es nicht besser, Monsieur Renauld in den Schuppen zu f�hren?� empfahl Giraud ruhig. �Er wird wahrscheinlich den Wunsch haben, die Leiche seines Vaters zu sehen.�</p><p>Der J�ngling machte schaudernd eine ablehnende Handbewegung, und der Untersuchungsrichter, der immer geneigt war, Giraud zu widersprechen, erwiderte: �Aber nein -nicht jetzt. Monsieur Bex wird die G�te haben, den Dolch herzubringen.�</p><p>Der Kommissar verlie� das Zimmer. Stonor ging auf Jack zu und dr�ckte ihm die Hand. Poirot hatte sich erhoben und brachte einige Kerzenhalter in Ordnung, die kaum merklich schief standen, was sein ordnungsliebendes Auge sofort bemerkt hatte, per Richter las nochmals den geheimnisvollen Liebesbrief und klammerte sich verzweifelt an seine erste Theorie: Eifersucht und einen Dolchsto� in den R�cken.</p><p>Da wurde pl�tzlich die T�r aufgerissen und der Kommissar st�rzte herein.</p><p>�Herr Untersuchungsrichter! Herr Untersuchungsrichter!�</p><p>�Aber ja, was gibt es denn?�</p><p>�Der Dolch! Er ist fort!�</p><p>�Was - fort?�</p><p>�Verschwunden! Weg! Der Glaskrug, in dem er aufbewahrt war, ist leer!�</p><p>�Was?� rief ich. �Unm�glich. Ich sah ihn doch noch heute fr�h -� Die Worte erstarben mir auf der Zunge.</p><p>Aber die Aufmerksamkeit der ganzen Versammlung war auf mich gelenkt.</p><p>�Was sagen Sie da?� schrie der Kommissar. �Heute fr�h?�</p><p>�Ich sah ihn heute fr�h noch dort�, sagte ich leise. �Ungef�hr vor eineinhalb Stunden, um ganz genau zu sein.�</p><p>�So gingen Sie in den Schuppen? Woher nahmen Sie den Schl�ssel?�</p><p>�Ich verlangte ihn von dem Gendarm.�</p><p>�Und Sie gingen hinein? Weshalb?�</p><p>Ich z�gerte, aber schlie�lich entschlo� ich mich, reinen Wein einzuschenken, weil es das einzig Richtige war.</p><p>�Monsieur Hautet�, sagte ich, �ich habe einen schweren Fehler begangen, f�r den ich Ihre Nachsicht erbitte.�</p><p>�Weiter, Monsieur.�</p><p>�Die Sache verh�lt sich so�, sagte ich und w�nschte, ich w�re weit fort, �ich traf eine junge Dame, die ich kenne. Sie bat mich, alles sehen zu d�rfen, was zu sehen war, und ich -kurz, ich holte den Schl�ssel und zeigte ihr den Leichnam.�</p><p>�Ah!� rief der Richter emp�rt aus. �Da haben Sie einen groben Fehler begangen, Captain Hastings. Au�erdem ist es vollkommen unstatthaft. Sie h�tten sich diese Unkorrektheit nicht erlauben d�rfen.�</p><p>�Das wei� ich�, gab ich zu. �Keine R�ge ist streng genug, Monsieur.�</p><p>�Sie forderten doch die Dame nicht auf, hierherzukommen?�</p><p>�Gewi� nicht. Ich traf sie ganz zuf�llig. Es ist eine Engl�nderin, die sich augenblicklich gerade in Merlinville aufh�lt, was ich aber bis zu unserer zuf�lligen Begegnung nicht wu�te.�</p><p>�Gut, gut�, sagte der Richter bes�nftigt. �Es war �u�erst ungeh�rig, aber zweifellos ist die Dame jung und sch�n. Was es doch ausmacht, jung zu sein!� Und er seufzte gef�hlvoll.</p><p>Jedoch der weniger gef�hlvoll und praktischer veranlagte Kommissar griff die Erz�hlung auf: �Aber versperrten Sie die T�r, als Sie weggingen?�</p><p>�Das ist es ja�, sagte ich langsam. �Deshalb mache ich mir ja so schwere Vorw�rfe. Meine Bekannte geriet �ber den Anblick au�er Fassung. Sie fiel beinahe in Ohnmacht. Ich holte ihr etwas Brandy und Wasser und bestand darauf, sie bis zur Stadt zur�ckzubegleiten. In meiner Aufregung verga� ich, die T�r zu versperren. Ich holte das erst nach, als ich sp�ter zur Villa zur�ckkehrte.�</p><p>�Daher war wenigstens zwanzig Minuten lang -� sagte der Kommissar langsam und hielt inne.</p><p>�So ist es�, sagte ich.</p><p>�Zwanzig Minuten .,.�, �berlegte der Kommissar.</p><p>�Es ist bedauerlich�, sagte M. Hautet und setzte wieder eine strenge Miene auf. �Ein noch nie dagewesener Fall.�</p><p>Pl�tzlich lie� sich eine andere Stimme vernehmen.</p><p>�Sie finden es bedauerlich?� fragte Giraud.</p><p>�Gewi� finde ich es.�</p><p>�Ich finde es ausgezeichnet�, sagte der andere undurchdringlich.</p><p>Der unverhoffte Bundesgenosse verwirrte mich.</p><p>�Ausgezeichnet, Monsieur Giraud?� fragte der Richter und sah ihn erstaunt von der Seite an.</p><p>�Ja.�</p><p>�Und warum?�</p><p>�Weil wir jetzt wissen, da� der M�rder oder einer seiner Komplicen sich noch vor einer Stunde in der N�he der Villa aufhielt. Es w�re zu verwundern, wenn er nach diesem Beweis nicht binnen kurzem in unserer Gewalt w�re.� Seine Stimme hatte einen drohenden Klang. Er fuhr fort: �Er wagte viel, um in den Besitz des Dolches zu gelangen. Vielleicht bef�rchtete er, da� Fingerabdr�cke darauf gefunden werden k�nnten.�</p><p>Jetzt wandte sich Poirot an Bex: �Sie sagten, es seien keine auf dem Dolch gewesen?�</p><p>�Vielleicht war er dessen nicht ganz sicher�, warf Giraud ein.</p><p>Poirot warf mir einen Blick zu und sagte: �Sie irren sich, Monsieur Giraud. Der M�rder trug Handschuhe. Also ... �</p><p>�Ich sage nicht, da� es der M�rder selber war. Vielleicht war es ein Komplice, der diese Tatsache nicht kannte.�</p><p>Der Schreiber des Untersuchungsrichters raffte die Papiere zusammen, die auf dem Tisch lagen.</p><p>Wir waren recht gespannt, was nun folgen w�rde.</p><p>M. Hautet wandte sich zu uns: �Unsere Arbeit hier ist beendet. Monsieur Renauld, wollen Sie bitte zuh�ren, w�hrend wir Ihnen Ihre Aussage vorlesen. Ich habe absichtlich alle Vorg�nge so ungezwungen wie m�glich wiedergegeben. Man nennt meine Arbeitsmethode originell, aber ich behaupte, da� Originalit�t viel f�r sich hat. Der Fall liegt nun in den bew�hrten H�nden Monsieur Girauds. Er wird sich gewi� dabei auszeichnen. Ich wundere mich wirklich, da� er die</p><p>M�rder noch nicht fa�te! Madame, seien Sie nochmals meines tiefsten Mitgef�hls versichert. Guten Tag, Messieurs.�</p><p>Und er entfernte sich mit seinem Schreiber.</p><p>Poirot zog seine unf�rmige Uhr aus der Tasche und sah nach der Zeit. �Gehen wir ins Hotel zum Lunch, mein Freund�, sagte er. �Und du erz�hlst mir dann in Ruhe deine Unbesonnenheit von heute morgen. Niemand beachtet uns. Wir brauchen uns nicht zu verabschieden.�</p><p>Leise gingen wir aus dem Zimmer. Eben war der Untersuchungsrichter in seinem Wagen fortgefahren.</p><p>Ich war im Begriff, die Stufen hinabzusteigen, als Poirots Stimme mir Einhalt gebot: �Einen kleinen Augenblick, mein Freund.�</p><p>Gewandt zog er ein Meterma� aus der Tasche und machte sich bed�chtig daran, den Mantel, der in der Halle hing, vom Kragen bis zum Saum zu messen. Ich hatte ihn fr�her dort nicht h�ngen sehen und vermutete, da� er entweder Mr. Stonor oder Jack Renauld geh�ren m�sse.</p><p>Dann versenkte Poirot das Ma� mit einem leisen zufriedenen Grunzen wieder in seine Tasche und folgte mir ins Freie.</p></section><section><title><p id="_bookmark13"><strong>12</strong></p></title><p>�Weshalb nahmst du eigentlich das Ma� des Mantels?� fragte ich neugierig, als wir in gem�chlichem Tempo den wei�en, hei�en Weg entlanggingen.</p><p>�Parbleu! Um zu sehen, wie lang er ist�, antwortete gelassen mein Freund. Ich f�hlte mich verletzt. Poirots unverbesserliche Art, aus jedem Nichts ein Geheimnis zu machen, reizte mich immer aufs neue. Ich schwieg und hing meinen eigenen Gedanken nach. Ich mu�te an gewisse Worte denken, die Mme. Renauld an ihren Sohn gerichtet hatte, ohne da� ich mir damals ihrer Bedeutung bewu�t geworden w�re. �So bist du also nicht gefahren?� hatte sie gesagt, und dann hinzugef�gt: �Schlie�lich ist es alles eins - jetzt.�</p><p>Was hatte sie damit gemeint? Die Worte hatten einen r�tselhaften tieferen Sinn. War es m�glich, da� sie mehr wu�te, als wir annahmen? Sie hatte geleugnet, irgend etwas �ber die geheimnisvolle Mission zu wissen, mit der ihr Gatte den Sohn betraut hatte. Wu�te sie vielleicht doch viel mehr als sie zugab? Konnte sie nicht, wenn sie wollte, Licht in die Angelegenheit bringen, und war ihr Schweigen nicht die Folge eines sorgsam ausgedrehten und vorgefa�ten Planes? Je l�nger ich dar�ber nachdachte, desto fester war ich davon �berzeugt, da� ich recht hatte. Mme. Renauld wu�te mehr, als es ihr zuzugeben beliebte. In der �berraschung beim Anblick des Sohnes hatte sie sich im Augenblick verraten. Ich war �berzeugt, da� ihr, wenn sie auch nichts von den M�rdern wu�te, doch wenigstens das Motiv der Mordtat bekannt war. Aber irgendwelche sehr gewichtige Erw�gungen schienen ihr Stillschweigen zu gebieten.</p><p>�Woran denkst du, lieber Freund?� unterbrach Poirot meine Gedanken. �Was besch�ftigt dich so sehr?�</p><p>Meiner Sache sicher, sagte ich es ihm, doch f�rchtete ich, da� er meine Vermutungen ins L�cherliche ziehen werde. Aber zu meiner Verwunderung nickte er gedankenvoll.</p><p>�Du hast ganz recht, Hastings. Von Anfang an war ich �berzeugt, da� sie irgend etwas verheimlicht. Zuerst hatte ich sie in Verdacht, wenn schon nicht die Urheberin selber, so wenigstens Mitwisserin des Verbrechens gewesen zu sein.�</p><p>�Was ... ?� rief ich.</p><p>�Aber gewi�. Sie zieht ja kolossalen Vorteil daraus - das hei�t, sie ist, nach dem neuen Testament, �berhaupt die einzige, die Vorteil davon hat. Meine Aufmerksamkeit richtete sich sofort auf sie. Du hast vielleicht bemerkt, da� ich Gelegenheit nahm, ihre Handgelenke zu untersuchen. Ich wollte mich �berzeugen, ob sie sich nicht vielleicht selbst gebunden und geknebelt h�tte. Eh bien, ich sah sofort, da� kein Betrug vorlag, die Stricke waren wirklich so fest zugezogen worden, da� sie ins Fleisch geschnitten hatten. Das schlo� die M�glichkeit aus, da� sie selbst mit eigener Hand das Verbrechen vollbracht haben konnte. Aber es war noch immer m�glich, da� sie es stillschweigend geduldet oder die Tat mit Hilfe eines Komplicen selbst ausgef�hrt hatte. �berdies kam mir die Geschichte, die sie erz�hlte, merkw�rdig bekannt vor - die maskierten M�nner, die sie nicht erkennen konnte, die Erw�hnung des ,Geheimnisses' -all das habe ich schon fr�her einmal irgendwo geh�rt oder gelesen. Noch eine kleine Einzelheit best�rkte mich in der Annahme, da� sie nicht die Wahrheit sprach: Die Armbanduhr, Hastings, die Armbanduhr!�</p><p>Wieder die Armbanduhr! Poirot sah mich fragend an: �Siehst du das ein, mon ami? Begreifst du?�</p><p>�Nein�, antwortete ich etwas �bellaunig. �Ich sehe weder etwas ein, noch begreife ich es. Du tust immer so verdammt geheimnisvoll, und es ist ganz zwecklos, dich um Erkl�rungen zu bitten. Du liebst es, bis zum letzten Augenblick etwas im Hinterhalt zu haben.�</p><p>�Werde nicht zornig, mein Freund�, sagte Poirot l�chelnd. �Ich will es dir erkl�ren, wenn du willst. Aber kein Wort davon zu Giraud, nicht wahr? Er behandelt mich, als geh�rte ich l�ngst zum alten Eisen. Das werden wir sehen! Als ehrlicher Mann gab ich ihm einen Wink. Wenn er es nicht f�r n�tig h�lt, die Spur zu verfolgen, ist das seine Sache.�</p><p>Ich versicherte Poirot, da� er mit meiner Verschwiegenheit rechnen k�nne.</p><p>�Gut! La� uns jetzt einmal mit unseren kleinen grauen Zellen arbeiten. Sag mir, mein Freund, um wieviel Uhr spielte sich, deiner Ansicht nach, die Trag�die ab?�</p><p>�Nun, um zwei Uhr ungef�hr�, sagte ich erstaunt. �Erinnere dich, Madame Renauld sagte uns, da� sie die Uhr schlagen h�rte, w�hrend die M�nner im Zimmer waren.�</p><p>�Ganz richtig, und damit gibst du dich ebenso wie der Untersuchungsrichter, wie Sie und alle anderen ohne Widerrede zufrieden. Aber ich, Hercule Poirot, behaupte, da� Madame Renauld log. Das Verbrechen fand mindestens zwei Stunden fr�her statt!�</p><p>�Aber die �rzte ... �</p><p>�Die erkl�rten nach der Untersuchung des Leichnams, da� der Tod sieben bis zehn Stunden vorher eingetreten sei. Mon ami, aus irgendeinem Grunde war es n�tig, da� das Verbrechen anscheinend sp�ter stattfand, als es tats�chlich der Fall war. Du hast doch sicher schon von Uhren gelesen, die genau zur Zeit des Verbrechens zertr�mmert wurden. Damit sich nun die Zeitangabe nicht nur auf Madame Renaulds Zeugenaussage st�tzte, r�ckte jemand die Zeiger der Armbanduhr auf zwei Uhr und warf sie dann mit Gewalt zu Boden. Aber wie es �fters vorkommt, wurden sie durch ihre eigene Waffe geschlagen. Das Glas zerbrach, doch das Werk blieb intakt. Das war ein h�chst ungl�ckliches Man�ver, denn es lenkte meine Aufmerksamkeit sofort auf zwei Dinge -erstens darauf, da� Madame nicht die Wahrheit sprach, zweitens auf den Umstand, da� irgendein wesentlicher Grund vorliegen mu�te, um die Uhr vorzustellen.�</p><p>�Aber was konnte das f�r ein Grund sein?�</p><p>�Oh, das ist eben die Frage! Da haben wir das ganze Geheimnis. Bis jetzt kann ich es nicht erkl�ren. Bisher kam mir nur ein Gedanke, der einen m�glichen Zusammenhang gibt.�</p><p>�Und der w�re?�</p><p>�Der letzte Zug verl��t Merlinville siebzehn Minuten nach Mitternacht.�</p><p>Langsam d�mmerte es mir.</p><p>�So da� also jemand, der mit diesem Zug abgereist w�re, ein unanfechtbares Alibi gehabt h�tte, wenn das Verbrechen erst zwei Stunden sp�ter ver�bt worden w�re.�</p><p>�Ausgezeichnet, Hastings! Du hast es erfa�t!�</p><p>Ich sprang auf: �Da m�ssen wir am Bahnhof nachfragen! Wenn zwei Fremde mit diesem Zug abgereist w�ren, w�rde es zweifellos aufgefallen sein. Wir m�ssen sofort hin!�</p><p>�Glaubst du, Hastings?�</p><p>�Nat�rlich. Gehen wir gleich.�</p><p>Poirot hemmte meinen Eifer durch einen leichten Druck auf den Arm: �Gehe unbedingt, wenn du gehen willst - mon ami -, aber wenn du gehst, solltest du nicht ausdr�cklich nach zwei Fremden fragen.�</p><p>Ich starrte ihn an, und er sagte etwas ungeduldig: �La, la, glaubst denn du all dies Geschw�tz? Die maskierten M�nner und das �brige dieser Geschichte?�</p><p>Seine Worte verbl�fften mich derart, da� mir keine Antwort einfiel.</p><p>Ruhig sprach er weiter: �H�rtest du nicht, wie ich zu Giraud sagte, da� die Einzelheiten dieses Verbrechens mich vertraut anmuteten? Eh bien, das kann zwei Voraussetzungen haben. Entweder entwarf ein und derselbe Kopf das erste sowohl als das zweite Verbrechen, oder ein gelesener Bericht �ber einen ,ber�hmten Fall' blieb im Unterbewu�tsein des M�rders haften und f�hrte zur Wiederholung gewisser Einzelheiten. Ich werde mich erst endg�ltig dazu �u�ern k�nnen, wenn -� Er sprach nicht weiter.</p><p>Alles m�gliche ging mir durch den Kopf.</p><p>�Aber der Brief Monsieur Renaulds sprach doch ausdr�cklich von einem Geheimnis und von Santiago?�</p><p>�Es gab bestimmt ein Geheimnis im Leben Monsieur Renaulds - dar�ber kann kein Zweifel sein. Das Wort Santiago dagegen kommt mir wie ein Irrlicht vor, das auf allen Wegen flackert, um von der richtigen Spur abzulenken. Vielleicht wurde es auch Monsieur Renauld gegen�ber gebraucht, um seinen Argwohn von n�her gelegenen Gegenden abzulenken. Oh, Hastings, glaube mir, die Gefahr, die ihm drohte, kam nicht aus Santiago, sie war in greifbarer N�he, in Frankreich.� Er sprach so ernst und seiner Sache so sicher, da� er mich v�llig �berzeugte.</p><p>Doch versuchte ich noch einen letzten Einwand: �Und das Z�ndholz und das Zigarettenende, die neben dem Leichnam gefunden wurden?� Was ist's mit diesen?�</p><p>Poirot l�chelte �berlegen: �Hingelegt! Mit Bedacht hingelegt, f�r Giraud und jemand seinesgleichen! Oh, er ist t�chtig, Giraud, er versteht sein Handwerk! Fast wie ein Sp�rhund! Und dann kommt er so selbstzufrieden daher. Stundenlang kroch er auf dem Bauch herum. ,Seht, was ich fand!' sagte er. Und dann zu mir: ,Was sehen Sie hier?' Und ich antwortete ihm voll tiefster, ehrlichster �berzeugung: ,Nichts!' Und Giraud, der gro�e Giraud lacht, er denkt sich: ,Oh, ist das ein Dummkopf, dieser Alte!' Aber wir werden ja sehen ... �</p><p>Doch meine Gedanken kehrten zu den wichtigsten Tatsachen zur�ck: �Und alle Erz�hlungen von jenen maskierten M�nnern-?�</p><p>�Sind falsch.�</p><p>�Was geschah nun wirklich?�</p><p>Poirot zuckte die Achseln.</p><p>�Ein Mensch k�nnte uns das sagen - Madame Renauld. Aber sie will nicht sprechen. Weder Drohungen noch Bitten werden das erreichen. Eine bedeutende Frau, Hastings. Gleich als ich sie sah, merkte ich, da� ich eine Frau von ungew�hnlicher Charakterst�rke vor mir habe. Zuerst, wie ich dir schon sagte, neigte ich zu der Ansicht, da� sie an dem Verbrechen beteiligt sei. Sp�ter �nderte ich meine Meinung.�</p><p>�Was veranla�te dich dazu?�</p><p>�Ihr unvermittelter und echter Schmerzensausbruch, als sie ihres Mannes Leichnam sah. Ich k�nnte schw�ren, die Qual in diesem Schrei war nicht gemacht.�</p><p>�Ja�, sagte ich nachdenklich, �das war wohl unverkennbar.�</p><p>�Entschuldige, lieber Freund - nichts ist unverkennbar. Nimm eine gro�e Schauspielerin; ersch�ttert es dich nicht, wenn sie Kummer mimt, und hast du nicht den Eindruck des Wirklichen? Nein, wie tief auch meine Ergriffenheit und - nein Mitempfinden waren, es bedurfte noch anderer Beweise, um mich zufriedenzugeben. Der gro�e Verbrecher ist oft ein guter Schauspieler. In diesem Fall beruht meine Gewi�heit nicht auf meinem eigenen Eindruck, sondern auf der unleugbaren Tatsache, da� Madame Renauld wirklich die Besinnung verlor.</p><p>Ich zog ihre Augenlider hoch und f�hlte ihren Puls. Da gab es keine T�uschung - die Ohnmacht war echt. Deshalb war ich �berzeugt, da� ihr Schmerz nicht gemacht war. Au�erdem eine nicht uninteressante kleine Einzelheit: es war durchaus nicht n�tig, da� Madame Renauld grenzenlosen Kummer zeigte. Sie hatte den Tod ihres Mannes bereits erfahren, und es bestand f�r sie keine Notwendigkeit, noch einmal beim Anblick der Leiche einen zweiten, ebenso heftigen Schmerzensausbruch vorzut�uschen. Nein, Madame Renauld war nicht die M�rderin ihres Gatten. Aber weshalb log sie? Sie log, als es sich um die Armbanduhr handelte, und log, als die Rede auf die maskierten M�nner kam � sie log auch noch in einer dritten Angelegenheit. Sag' mir, Hastings, wie erkl�rst du dir die offene T�r?�</p><p>�Nun�, meinte ich verlegen, �ich vermute, da� es sich um ein Versehen handelt. Man hatte vergessen, sie zu schlie�en.�</p><p>�Das ist Girauds Erkl�rung. Sie gen�gt mir nicht. Hinter der offenen T�r steckt etwas, was ich bis jetzt noch nicht ergr�nden konnte.�</p><p>�Ich habe eine Idee�, rief ich pl�tzlich.</p><p>�Ausgezeichnet! La� h�ren.�</p><p>�Pa� auf. Wir stimmen �berein, da� die Erz�hlung Madame Renaulds falsch ist. K�nnte es nicht sein, da� Monsieur Renauld infolge einer Verabredung - vielleicht mit dem M�rder - aus dem Hause ging und da� er die T�r f�r seine Heimkehr offenlie�? Aber er kehrte nicht heim, und am n�chsten Morgen wurde er erstochen aufgefunden.�</p><p>�Eine bewundernswerte Theorie, Hastings, bis auf zwei Tatsachen, die du charakteristischerweise �bersehen hast. Erstens, wer band und knebelte Madame Renauld? Und weshalb, um Himmels willen, w�ren sie ins Haus zur�ckgekehrt, um dies zu tun? Und zweitens gibt es keinen Mann auf der ganzen Welt, der nur mit Unterw�sche und Mantel bekleidet zu einem Stelldichein ginge. Es mag Augenblicke geben, in denen ein Mann nur Pyjama und Mantel tr�gt - aber das? ... niemals!�</p><p>�Das ist richtig�, sagte ich kleinlaut.</p><p>�Nein�, fuhr Poirot fort, �wir m�ssen eine L�sung f�r das Geheimnis der offenen T�r anderswo suchen. Einer Sache bin ich aber ganz gewi� - da� sie das Haus nicht durch die T�r verlie�en. Sie verschwanden durch das Fenster.�</p><p>�Was?�</p><p>�Unbedingt.�</p><p>�Aber es waren doch keine Fu�spuren im Blumenbeet?� -�Nein - und es m��ten welche dort gewesen sein, Hastings. Der G�rtner Auguste bepflanzte am vorhergehenden Nachmittag beide Beete, wie du ihn selbst erz�hlen h�rtest. In dem einen nun gibt es zahlreiche Abdr�cke seiner benagelten Stiefel - in dem anderen keine! Siehst du? Jemand kam des Wegs, jemand, der dann die Oberfl�che des Beetes mit dem Rechen gl�ttete, um seine Fu�spuren zu verwischen.�</p><p>�Wo nahmen sie den Rechen her?�</p><p>�Wo sie den Spaten und die Gartenhandschuhe hernahmen�, erwiderte Poirot ungeduldig. �Da gab es doch keine Schwierigkeit.�</p><p>�Was veranla�t dich anzunehmen, da� sie diesen Weg w�hlten? Es scheint doch viel einleuchtender, da� sie durch das Fenster kamen und durch die T�r verschwanden?�</p><p>�Nat�rlich ist auch das m�glich. Doch vermute ich sehr, da� sie sich durch das Fenster entfernten.�</p><p>�Ich glaube, du hast unrecht.�</p><p>�Vielleicht, mon ami.�</p><p>Ich sann nach und �berdachte die neuen M�glichkeiten, die Poirots Folgerungen mir er�ffnet hatten. Ich erinnerte mich seiner geheimnisvollen Anspielungen auf das Blumenbeet und die Armbanduhr. Seine Bemerkungen schienen im Augenblick so belanglos, und jetzt erst erkannte ich ihre Bedeutung. Aus wenigen geringf�gigen Vorf�llen hatte er viel von dem Dunkel enth�llt, das den Fall umgab. Nachtr�glich bewunderte ich meinen Freund.</p><p>Und als h�tte er meine Gedanken gelesen, nickte er weise dazu: �System�, verstehst du! Nur System! Ordne die Tatsachen. Ordne deine Gedanken. Und wenn irgend etwas nicht stimmt - verwirf es nicht, sondern betrachte es eingehend. Wenn dir seine Wichtigkeit auch nicht klar ist, zu bedeuten hat es etwas.�</p><p>�Wenn wir inzwischen�, sagte ich nachdenklich, �mit unserem Wissen auch etwas weitergekommen sind, gelang es uns doch nicht, herauszubekommen, wer Monsieur Renaulds M�rder ist.�</p><p>�Nein�, sagte Poirot heiter. �Tats�chlich sind wir weiter davon entfernt als je.�</p><p>Diese Tatsache schien ihn so au�erordentlich zu befriedigen, da� ich ihn verwundert anschaute. Er fing meinen Blick auf und l�chelte. �Aber ja, es ist besser so. Vorher bestand nur die Frage, wie und durch wessen H�nde er den Tod gefunden habe. Nun nichts mehr von alledem. Wir tappen im dunklen. Hundert widersprechende Einzelheiten verwirren und bedr�ngen uns - das ist gut. Das ist ausgezeichnet! Aus dem Chaos entsteht Ordnung. Aber wenn du gleich zum Beginn Ordnung findest - eh bien, sei auf der Hut! Dann ist es - wie soll ich sagen - gefehlt! Der gro�e Verbrecher ist unkompliziert - aber die wenigsten Verbrecher sind gro�! Bei den Bem�hungen, ihre Spuren zu verwischen, verraten sie sich meistens selbst. Oh, mon ami, ich w�nschte, eines Tages einem wirklich gro�en Verbrecher zu begegnen - einem, der sein Verbrechen ver�bt und dann - nichts tut! Sogar mir, Hercule Poirot, k�nnte es dann geschehen, da� er mir entschl�pfte.�</p><p>Aber ich folgte seinen Worten nicht. Ein Licht ging mir pl�tzlich auf: �Poirot! Madame Renauld! Nun wei� ich es. Sie scheint jemanden zu decken.�</p><p>Aus der Ruhe, mit der Poirot meine Bemerkung aufnahm, konnte ich ersehen, da� ihm dieser Gedanke nicht fremd war.</p><p>�Ja�, sagte er nachdenklich. �Sie sch�tzt oder verbirgt jemanden. Eines von beiden.�</p><p>Ich sah keinen gro�en Unterschied in diesen beiden Bezeichnungen, aber ich entwickelte meine Ansicht mit gro�em Ernst.</p><p>Poirot verhielt sich ziemlich verschlossen und wiederholte: �Es kann schon sein - ja, es kann schon sein. Aber bis jetzt wei� ich es nicht. Etwas sehr Dunkles liegt all dem zugrunde. Du wirst schon sehen. Etwas sehr Dunkles.�</p><p>Als wir das Hotel betraten, gebot er mir mit einer Handbewegung Schweigen.</p></section><section><title><p id="_bookmark14"><strong>13</strong></p></title><p>Wir speisten mit ausgezeichnetem Appetit. Ich verstand sehr gut, da� Poirot dort, wo man so leicht belauscht werden konnte, einem Gespr�ch �ber das Drama auswich. Aber wie immer, wenn ein Thema den Geist so besch�ftigt, da� es f�r keinen anderen Gedanken Raum l��t, bietet sich kein anderer anregender Gespr�chsstoff. Ein Weilchen a�en wir schweigend.</p><p>Dann bemerkte Poirot anz�glich: �Eh bien! Und ,deine' Inkorrektheiten! Willst du sie nicht nochmals erz�hlen?�</p><p>Ich err�tete. �Oh, du meinst die von heute morgen?� Ich versuchte einen v�llig gleichg�ltigen Ton anzuschlagen.</p><p>Aber ich war Poirot nicht gewachsen. In wenigen Minuten hatte er mir die Geschichte entlockt, seine Augen blinzelten listig.</p><p>�Eine h�chst romantische Geschichte. Wie hei�t sie, diese reizende junge Dame?�</p><p>Ich mu�te gestehen, da� ich es nicht wu�te.</p><p>�Also noch romantischer! Das erste Zusammentreffen im Pariser Zug, das zweite hier. Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erz�hlen, hei�t es nicht so?�</p><p>�Sei kein Narr, Poirot!�</p><p>�Gestern war es Mademoiselle Daubreuil, heute ist es Mademoiselle - Cinderella! Du hast entschieden das weite Herz eines T�rken, Hastings! Du solltest dir einen Harem anlegen!�</p><p>�Es ist sehr einfach, mich aufzuziehen. Mademoiselle Daubreuil ist ein sehr sch�nes M�dchen, und ich bewundere sie ungemein, ich z�gere nicht, es zuzugeben. Mit der anderen ist es nichts - ich glaube nicht, da� ich sie jemals wiedersehen werde. Es war ganz am�sant, eine Eisenbahnfahrt mit ihr zu durchplaudern, aber sie geh�rt nicht zu jenen M�dchen, die mir gef�hrlich werden k�nnten.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Nun, vielleicht klingt es eingebildet, weil es keine Dame in jedem Sinn des Wortes ist.�</p><p>Poirot nickte nachdenklich. Dann fragte er, und seine Stimme klang viel weniger sp�ttisch: �Du glaubst also an Abstammung und Erziehung?�</p><p>�Ich bin vielleicht unmodern, aber ich bin dagegen, da� man au�erhalb dieses Kreises heiratet. Das tut nie gut.�</p><p>�Da hast du recht, mon ami. Neunundneunzigmal unter hundert Malen ist es, wie du sagst. Aber da bleibt noch das hundertste Mall Aber das kommt ja nicht in Frage, da du nicht die Absicht hast, die Dame wiederzusehen.�</p><p>Seine letzten Worte klangen fast wie eine Frage, und ich f�hlte, wie scharf er mich dabei beobachtete. Vor meinem geistigen Auge erstanden in Feuerlettern die Worte �Hotel du Phare�, und wieder h�rte ich ihre Stimme, die mir sagte �Besuchen Sie mich�, und meine bereitwillige Antwort �Das will ich gern tun�. Was sollte nun daraus werden? Ich hatte beabsichtigt, gelegentlich hinzugehen, aber seither Zeit gehabt, zu �berlegen. Das M�dchen gefiel mir nicht. Wenn ich ruhig �berlegte, kam ich sogar zu dem endg�ltigen Schlu�, da� sie mir gr�ndlich mi�fiel. Die Vorw�rfe, weil ich t�richterweise ihre krankhafte Neugier befriedigt hatte, gen�gten mir v�llig; ich hegte nicht den leisesten Wunsch, sie wiederzusehen. Ich antwortete daher leichthin: �Sie forderte mich auf, sie zu besuchen, aber nat�rlich tue ich es nicht.�</p><p>�Weshalb nat�rlich?� �Nun, weil ich nicht will.�</p><p>�Aha!� Aufmerksam beobachtete er mich eine ganze Weile. �Ja, ich verstehe dich sehr gut. Bleibe aber auch dabei.�</p><p>�Das scheint dein best�ndiger Ratschlag zu sein�, bemerkte ich etwas ver�rgert.</p><p>�Oh, mein Freund, hab Vertrauen zu Papa Poirot. Wenn es dir recht ist, will ich dir eines Tages eine Braut zuf�hren, die zu dir pa�t.�</p><p>�Danke�, sagte ich lachend, �aber diese Aussicht l��t mich kalt.�</p><p>Poirot seufzte und sch�ttelte den Kopf. �Diese Engl�nder!� sprach er vor sich hin. �Sie haben keine Methoden - keine wie immer gearteten Methoden. Sie �berlassen alles dem Zufall-� Er zog die Stirn in Falten und stellte das Salzfa� an einen anderen Platz. �Mademoiselle Cinderella wohnt im Hotel d'Angleterre, sagtest du nicht so?�</p><p>�Nein, im Hotel du Phare.�</p><p>�Richtig, ich hatte es vergessen.�</p><p>Ein momentaner Verdacht scho� mir durch, den Kopf. Ich hatte bestimmt niemals irgendein Hotel zu Poirot erw�hnt. Ich blickte zu ihm hin�ber und beruhigte mich sogleich. Er zerschnitt eben sein Brot in kleine gleichm��ige W�rfel und war in diese Besch�ftigung vollkommen vertieft. Er mu�te sich eingebildet haben, ich h�tte ihm gesagt, wo das M�dchen wohne.</p><p>Wir tranken den Kaffee drau�en am Strande. Poirot rauchte eine seiner kleinen Zigaretten und zog. die Uhr aus seiner Tasche.</p><p>�Der Zug nach Paris f�hrt um 2.25 Uhr ab�, bemerkte er. �Es ist h�chste Zeit f�r mich.�</p><p>�Nach Paris?� rief ich.</p><p>�So sagte ich, mon ami.�</p><p>�Du f�hrst nach Paris? Aber warum?�</p><p>Er antwortete sehr ernst: �Um den M�rder von Monsieur Renauld zu suchen.�</p><p>�Du glaubst, da� er in Paris ist?�</p><p>�Ich bin ganz sicher, da� er sich dort nicht befindet. Aber Paris ist der Ort, wo ich nach ihm suchen mu�. Du verstehst das nicht, aber ich werde es dir zur rechten Zeit erkl�ren. Glaub mir, diese Reise nach Paris ist n�tig. Ich werde nicht lange ausbleiben. Aller Wahrscheinlichkeit nach kehre ich morgen zur�ck. Ich fordere dich nicht auf, mich zu begleiten. Bleib hier und behalte Giraud im Auge. Plaudere auch �fter mit Jack Renauld. Und drittens, wenn du willst, bem�he dich, ihn bei Mademoiselle Marthe auszustechen. Aber ich f�rchte, da wirst du nicht viel Erfolg haben.�</p><p>Die letzte Bemerkung gefiel mir nicht ganz. �Da f�llt mir ein�, sagte ich, �ich wollte dich fragen, woher du wu�test, wie die beiden miteinander stehen.�</p><p>�Mon ami, ich kenne die menschliche Natur. Bring einen jungen Mann wie Jack und ein so sch�nes M�dchen wie Mademoiselle Marthe zusammen, und das Ergebnis ist fast unvermeidlich. Und dann dieser Streit! Es konnte sich nur um Geld oder um eine Frau handeln, und in Erinnerung an Leonies Beschreibung �ber die Aufregung des jungen Menschen entschied ich mich f�r das letztere. Das war meine Vermutung - und ich hatte recht.�</p><p>�Und warntest du mich deshalb davor, mein Herz an die junge Dame zu h�ngen? Hattest du schon damals den Verdacht, da� sie den jungen Renauld liebt?</p><p>Poirot l�chelte. �Auf jeden Fall sah ich, da� sie angstvolle Augen hatte. Und so kommt es, da� ich immer an Marthe Daubreuil als das M�dchen mit den angstvollen Augen denke.�</p><p>Seine Stimme klang so ernst, da� es mich eigenartig ber�hrte.</p><p>�Wie meinst du das, Poirot?�</p><p>�Ich glaube, mein Freund, da� wir das binnen kurzem wissen werden. Aber nun mu� ich fort.�</p><p>�Du hast noch ungeheuer viel Zeit.�</p><p>�Vielleicht - vielleicht, aber ich liebe es, am Bahnhof noch Mu�e zu haben. Ich kann es nicht leiden, mich hasten, eilen und aufregen zu m�ssen.�</p><p>�F�r alle F�lle�, sagte ich und erhob mich, �will ich dich zur Bahn bringen.�</p><p>�Das wirst du nicht tun. Ich verbiete es dir.�</p><p>Es klang so entschieden, da� ich erstaunt aufblickte. Er nickte nachdr�cklich: �Ich meinte es ernst, mon ami. Auf Wiedersehen. Du erlaubst doch, da� ich dich umarme? Ach nein, ich vergesse, da� dies der englischen Sitte nicht entspricht.�</p><p>Als Poirot abgereist war, f�hlte ich mich recht verlassen. Ich schlenderte an den Strand hinab, beobachtete die Badenden, ohne die Energie aufzubringen, es ihnen gleichzutun. Ich bildete mir ein wenig ein, da� sich vielleicht unter ihnen, in ein wundervolles Badekost�m geh�llt, Cinderella befand, sah aber keine Spur von ihr. Ziellos bummelte ich l�ngs der D�nen weiter, bis zum entferntesten Ende der Stadt. Es fiel mir ein, da� es schlie�lich nur ein Gebot der H�flichkeit w�re, mich nach dem Befinden des M�dchens zu erkundigen. Und vielleicht w�rde es mir letzten Endes noch Unannehmlichkeiten ersparen. Dann w�re die Angelegenheit erledigt. Es best�nde dann keine weitere Notwendigkeit f�r mich, mir ihretwegen Gedanken zu machen. Wenn ich jedoch �berhaupt nicht hinging, k�nnte es ihr vielleicht einfallen, mich in der Villa aufzusuchen. Und das w�re in jeder Hinsicht peinlich. Entschieden besser, ihr einen kurzen Besuch zu machen, und im Verlauf desselben durchblicken lassen, da� ich in meiner Eigenschaft als Fremdenf�hrer nichts weiter f�r sie tun k�nne.</p><p>Also verlie� ich den Strand und ging landeinw�rts. Bald fand ich das Hotel du Phare, ein recht unansehnliches Geb�ude. Es war im h�chsten Grade �rgerlich, da� ich den Namen der Dame nicht kannte und, um mir nichts zu vergeben, beschlo� ich, drinnen umherzuschlendern und mich umzusehen. Vermutlich w�rde ich sie auf der Terrasse finden. Merlinville ist ein kleiner Ort. Man verl��t sein Hotel, um sich an den Strand zu begeben, und man kehrt vom Strand wieder nach dem Hotel zur�ck. Andere Zerstreuungen gibt es nicht. Ein Kasino befand sich im Bau.</p><p>Da ich die ganzen D�nen abgegangen war, ohne ihr zu begegnen, mu�te sie. im Hotel sein. Ich trat ein. Mehrere Leute sa�en in der Veranda, doch das von mir verfolgte Wild befand sich nicht unter ihnen. Ich schritt durch mehrere R�ume, aber auch da war keine Spur von ihr zu entdecken. Dann rief ich den Portier beiseite und dr�ckte ihm f�nf Franken in die Hand.</p><p>�Ich m�chte eine Dame besuchen, die hier wohnt. Ein kleines, br�nettes junges M�dchen, aus England. Ihren Namen wei� ich nicht genau.�</p><p>Der Mann sch�ttelte den Kopf und schien mit M�he ein Grinsen zu unterdr�cken: �Wir haben keine Junge Dame hier, wie Sie sie beschreiben.�</p><p>�Vielleicht ist sie Amerikanerin�, deutete ich an.</p><p>Der Bursche war zu bl�d. Er sch�ttelte abermals den Kopf: �Nein, Monsieur. Alles in allem sind nur sechs oder sieben englische und amerikanische Damen hier, und alle sind viel �lter als die Dame, die Sie suchen. Hier werden Sie sie nicht finden, Monsieur.�</p><p>Er sprach so bestimmt, da� ich nicht mehr zweifeln konnte.</p><p>�Aber die Dame sagte mir, da� sie hier wohne.�</p><p>�Monsieur mu� sich geirrt haben - oder es ist wahrscheinlicher, da� die Dame den Irrtum beging, da auch schon ein anderer Herr hier nach ihr fragte.�</p><p>�Was sagen Sie da?� rief ich erstaunt.</p><p>�Aber ja, Monsieur. Ein Herr, der sie genauso beschrieb, wie Sie es eben taten.�</p><p>�Wie sah er aus?�</p><p>�Es war ein kleiner Herr, gut gekleidet, mit sehr steifem Schnurrbart, einem eigent�mlich geformten Kopf und gr�nen Augen.�</p><p>Poirot! Deshalb also hatte er meine Begleitung zum Bahnhof abgelehnt. Welche Frechheit! Ich w�rde ihn bitten m�ssen, sich nicht in meine Angelegenheiten zu mischen. Bildete er sich ein, ich bed�rfe eines W�rters, um mich zu betreuen? Ich dankte dem Mann und verlie� das Hotel in einiger Verlegenheit und mit Groll im Herzen gegen meinen voreiligen Freund. Ich bedauerte, da� er augenblicklich au�er Reichweite war. Es w�re ein Genu� gewesen, ihm sagen zu k�nnen, wie ich �ber seine unerbetene Einmischung dachte. Hatte ich ihm nicht ausdr�cklich versichert, da� ich nicht die Absicht habe, das M�dchen wiederzusehen? Freunde k�nnen manchmal wirklich �bertrieben hilfreich sein.</p><p>Aber wo steckte das M�del nun? Ich unterdr�ckte meinen �rger und versuchte das zu erraten. Augenscheinlich hatte sie aus Versehen ein falsches Hotel genannt. Dann kam mir ein anderer Gedanke. War es wirklich ein Versehen? Oder hatte sie mir wohl�berlegt ihren Namen vorenthalten und eine falsche Adresse angegeben?</p><p>Je l�nger ich dar�ber nachdachte, um so mehr neigte ich zu der Oberzeugung, da� die letztere Vermutung richtig sei. Aus irgendeinem Grund war es ihr nicht erw�nscht, die Bekanntschaft zur Freundschaft reifen zu lassen. Und obwohl dies genau meiner eigenen Absicht von vor einer halben Stunde entsprach, entz�ckte es mich nicht, die Spitze nun gegen mich gerichtet zu sehen. Die ganze Sache war �u�erst unerquicklich, und ich ging �belgelaunt zur Villa Genevieve zur�ck. Ich ging nicht in das Haus, sondern benutzte den Pfad, der zu der kleinen Bank neben der H�tte f�hrte, und lie� mich, noch recht verdrie�lich, dort nieder.</p><p>Doch der Klang von Stimmen in n�chster N�he lenkte meine tr�ben Gedanken ab. Gleich darauf stellte ich fest, da� sie nicht aus dem Garten kamen, in dem ich mich befand, sondern aus dem angrenzenden Garten der Villa Marguerite, und da� sie sich schnell n�herten. Ich h�rte eine M�dchenstimme, eine Stimme, die ich als die der sch�nen Marthe erkannte.</p><p>�Liebling�, sagte sie, �ist es wirklich wahr? Sind alle unsere Sorgen vor�ber?�</p><p>�Das wei�t du, Marthe�, erwiderte Jack Renauld. �Nichts kann uns jetzt mehr trennen, Geliebte. Das letzte Hindernis zu unserer Verbindung ist beseitigt.�</p><p>�Nichts?� fl�sterte das M�dchen. �O Jack, Jack - ich f�rchte mich.�</p><p>Ich ging vorsichtig zur�ck, da ich merkte, da� ich unbeabsichtigterweise zum Horcher geworden war. Als ich aufblickte, sah ich die beiden durch einen Spalt in der Hecke. Sie hatten die Gesichter mir zugewendet, der Arm des Mannes lag um das M�dchen, seine Augen blickten in die ihren. Sie waren ein wundersch�nes Paar, der dunkle, gut gewachsene J�ngling und die blonde junge G�ttin. Sie schienen wie f�reinander geschaffen.</p><p>Aber das Gesicht des M�dchens blickte verst�rt, und Jack Renauld schien es zu bemerkten, denn er zog sie n�her an sich und fragte: �Aber wovor f�rchtest du dich, Liebling? Was gibt es - jetzt noch - zu f�rchten?�</p><p>Und dann sah ich den Blick in ihren Augen, den Blick, von dem Poirot gesprochen hatte. Sie fl�sterte, so da� ich die Worte fast erraten mu�te: �Ich f�rchte mich - f�r dich!�</p><p>Die Antwort des jungen Renauld h�rte ich nicht, weil meine Aufmerksamkeit durch eine ungew�hnliche Erscheinung abgelenkt wurde, die ich erst jetzt unten an der Hecke gewahrte! Dort glaubte ich einen braunen Strauch zu sehen - sonderbar! Ich ging auf ihn zu, aber bei meinem N�herkommen zog sich der braune Strauch eiligst zur�ck, blickte mich an und legte den Finger an die Lippen. Es war Giraud.</p><p>Vorsichtig f�hrte er mich rund um die H�tte, bis wir au�er H�rweite waren.</p><p>�Was machen Sie denn hier?� fragte ich.</p><p>�Genau dasselbe wie Sie - ich horchte.�</p><p>�Aber ich tat es nicht absichtlich!�</p><p>�Oh!� sagte Giraud. �Ich schon.�</p><p>Wie immer, bewunderte ich den Mann, obwohl ich ihn nicht leiden konnte. Er sah mich von oben herab, beinahe mi�billigend an.</p><p>�Sie n�tzten der Sache nicht sehr, als Sie so hier hereinfielen. In einer Minute h�tte ich vielleicht etwas sehr Wichtiges geh�rt. Wo haben Sie Ihr altes Fossil gelassen?�</p><p>�Monsieur Poirot ist nach Paris gefahren�, antwortete ich k�hl. �Und ich kann Ihnen sagen, Monsieur Giraud, da� er alles eher ist als ein altes Fossil. Er hat viele F�lle entwirrt, die der englischen Polizei ein R�tsel waren.�</p><p>�Pah! Die englische Polizei!� Giraud schnalzte ver�chtlich mit den Fingern. �Sie scheint auf der gleichen Stufe zu stehen wie unsere Untersuchungsrichter. Er fuhr also nach Paris? Das ist gescheit. Aber was hofft er da zu finden?�</p><p>Mir schien, als kl�nge aus dieser Frage ein unbehaglicher Unterton. Ich richtete mich auf.</p><p>�Ich bin nicht berechtigt, dar�ber zu sprechen�, sagte ich ruhig.</p><p>Giraud warf mir einen durchbohrenden Blick zu.</p><p>�Er hatte wahrscheinlich gen�gend Verstand, es Ihnen nicht zu sagen�, bemerkte er grob. �Guten Tag, ich habe zu tun.� Und damit drehte er sich auf dem Absatz herum und lie� mich stehen.</p><p>In der Villa Genevieve schienen die Dinge zu einem Stillstand gekommen zu sein. Giraud w�nschte offenbar meine Gesellschaft nicht, und nach dem, was ich beobachtet hatte, war es mir fast gewi�, da� auch Jack Renauld auf sie verzichten k�nne.</p><p>Ich ging zur Stadt zur�ck, nahm ein erquickendes Bad und begab mich in unser Hotel. Fr�hzeitig ging ich zu Bett, gespannt, ob der kommende Tag wohl etwas Interessantes bringen werde.</p><p>Auf das, was er brachte, war ich aber durchaus nicht gefa�t. Ich war gerade im Begriff, im Speisesaal mein erstes Fr�hst�ck einzunehmen, als der Kellner, der drau�en mit irgend jemand gesprochen hatte, in sichtlicher Erregung hereinkam.</p><p>Er z�gerte einen Augenblick, fingerte an seiner Serviette und brach dann los: �Monsieur wird verzeihen, aber Monsieur h�ngt doch mit der Aff�re in der Villa Genevieve zusammen, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, sagte ich lebhaft. �Warum?�</p><p>�Hat Monsieur noch nicht die Neuigkeit geh�rt?�</p><p>�Welche Neuigkeit?�</p><p>�Da� in der vergangenen Nacht noch ein Mord begangen worden ist!�</p><p>�Was?�</p><p>Ich lie� mein Fr�hst�ck stehen, ergriff meinen Hut und lief so schnell ich konnte. Noch ein Mord - und Poirot fort! Wie verh�ngnisvoll! Aber wer war ermordet worden? Ich eilte durch das Gittertor. Die Dienerschaft stand auf der Rampe und besprach aufgeregt das Ereignis. Ich stellte Francoise. �Was ist geschehen?�</p><p>�Monsieur! Monsieur! Wieder ein Ungl�ck! Es ist entsetzlich. Auf diesem Hause liegt ein Fluch. Aber ja, bestimmt, ein Fluch! Man sollte nach dem Herrn Pfarrer schicken, damit er geweihtes Wasser bringt. Keine weitere Nacht schlafe ich unter diesem Dache. Es k�nnte jetzt die Reihe an mir sein, wer wei�?�</p><p>Sie bekreuzte sich.</p><p>�Ja�, schrie ich, �aber wer wurde eigentlich ermordet?�</p><p>�Wei� ich es denn? Ein Mann - ein Fremder. Sie fanden ihn dort oben, in dem Schuppen - keine hundert Ellen von dem Orte entfernt, an dem der arme Herr gefunden wurde. Und das ist noch nicht alles. Er wurde erstochen - mitten ins Herz -erstochen mit demselben Dolch!�</p></section><section><title><p><strong>14</strong></p></title><p id="_bookmark15">�Ohne Weiteres abzuwarten, machte ich kehrt und lief nach dem Schuppen. Die beiden M�nner, die dort Wache standen, traten zur Seite, und bebend vor Erregung trat ich ein.</p><p>Es war ein roher Holzbau, der dazu diente, altes Gartengeschirr und Ger�tschaften aufzubewahren. Tr�bes D�mmerlicht f�llte den Raum. Aber auf der Schwelle hemmte ich den Schritt, gefesselt durch den Anblick, der sich mir bot.</p><p>Giraud kroch auf allen vieren umher und beleuchtete mit einer Taschenlampe jede Spanne des Bodens; stirnrunzelnd sah er auf, als ich eintrat, dann hellten seine Z�ge sich ein wenig auf, um einen geringsch�tzigen Ausdruck anzunehmen.</p><p>�Aha, der Engl�nder! Treten Sie n�her. Und zeigen Sie, was Sie hier herausbringen k�nnen!�</p><p>Durch seinen Ton etwas verletzt, gr��te ich fl�chtig und trat n�her.</p><p>�Dort ist er�, sagte Giraud und leuchtete mit dem Licht in eine entfernte Ecke.</p><p>Ich ging hin�ber.</p><p>Der Tote lag gerade ausgestreckt auf dem R�cken. Er war mittelgro�, gebr�unten Angesichts und etwa f�nfzig Jahre alt. Er trug einen guten, aber nicht mehr neuen dunkelblauen Anzug, dessen Schnitt die Hand eines teuren Schneiders verriet. Sein Gesicht war schrecklich verzerrt, und links, gerade oberhalb des Herzens, ragte schwarz und gl�nzend das Heft des Dolches. Ich erkannte ihn. Der gleiche Dolch, den ich am Morgen vorher in, dem Glaskrug gesehen hatte!</p><p>�Ich erwarte jeden Augenblick den Arzt�, erkl�rte Giraud. �Obwohl wir seiner kaum bed�rfen. Woran der Mann starb, unterliegt keinem Zweifel. Er wurde ins Herz gestochen, und der Tod mu� augenblicklich eingetreten sein.�</p><p>�Wann geschah es? Heute nacht?�</p><p>Giraud sch�ttelte den Kopf: �Kaum. Ich will dem Urteil des Arztes nicht vorgreifen, aber der Mann mu� schon �ber zw�lf Stunden tot sein. Wann, sagten Sie, sahen Sie diesen Dolch zuletzt?�</p><p>�Gestern fr�h, ungef�hr um zehn Uhr.�</p><p>�Dann w�re ich geneigt, anzunehmen, da� das Verbrechen kurz darauf geschah.�</p><p>�Aber es kamen doch unaufh�rlich Leute bei dem Schuppen vor�ber?�</p><p>Giraud lachte unangenehm. �Sie machen wundervolle Fortschritte! Wer sagte Ihnen, da� er in dieser H�tte ermordet wurde?�</p><p>�Nun� - ich war ganz verwirrt. �Ich - ich nahm es an.�</p><p>�Oh, welch t�chtiger Detektiv! Sehen Sie sich den Mann an. F�llt ein t�dlich ins Herz getroffener Mann so hin -ordentlich, mit geradeliegenden Beinen und mit zu beiden Seiten ausgestreckten Armen? Nein! Oder legt sich ein Mann flach auf den R�cken, um sich erstechen zu lassen, ohne eine Hand zu seiner Verteidigung zu r�hren? Das ist doch l�cherlich, nicht? Aber sehen Sie, da - und da -� Er leuchtete den Boden mit der Lampe ab. Ich sah seltsame regelm��ige Abdr�cke in dem weichen Boden. �Er wurde nach seinem Tode hier hereingezerrt. Von zwei Leuten halb gezerrt und halb getragen. Ihre Spuren sind drau�en auf dem harten Boden nicht erkennbar, und hier waren sie bem�ht, sie zu verwischen; aber von den beiden war eines eine Frau, mein junger Freund.�</p><p>�Eine Frau?� �Ja.�</p><p>�Woher wissen Sie das, wenn die Spuren verwischt sind?�</p><p>�Weil, wenn auch verwischt, die Abdr�cke von Frauenschuhen unverkennbar sind. Und auch durch dies.� Und er beugte sich nieder, nahm etwas vom Griff des Dolches weg und hielt es mir hin. Es war ein langes schwarzes Frauenhaar, jenem �hnlich, das Poirot auf dem Lehnstuhl in der Bibliothek gefunden hatte. Mit ironischem L�cheln schlang er es wieder um den Dolch. �Wir wollen die Dinge, soweit es m�glich ist, so lassen, wie sie sind�, erkl�rte er. �Das gef�llt dem Untersuchungsrichter. Nun, und sonst f�llt Ihnen nichts auf?� Ich mu�te verneinen.</p><p>�Betrachten Sie seine H�nde.�</p><p>Ich tat es. Die N�gel waren abgebrochen und fleckig, die H�nde waren rauh. Das brachte mir leider nicht viel Aufkl�rung.</p><p>�Das sind nicht die H�nde eines - Herrn�, sagte er, als Antwort auf meinen Blick. �Dagegen ist sein Anzug der eines wohlhabenden Mannes. Seltsam, nicht?�</p><p>�Sehr seltsam�, gab ich zu.</p><p>�Und nicht ein St�ck seiner Kleidung ist gezeichnet. Was sagt uns das? Dieser Mann versuchte, sich f�r einen anderen auszugeben, als er war. Er war verkleidet. Weshalb? Bef�rchtete er etwas? Versuchte er, verkleidet zu fl�chten? Bis jetzt wissen wir es nicht - aber eines ist uns kl�r, da� er ebenso eifrig bem�ht war, seine Identit�t zu verbergen, wie jetzt wir, sie festzustellen.� Wieder blickte er auf den Leichnam nieder. �Wie fr�her schon sind auch hier keine Fingerabdr�cke auf dem Dolch zu finden. Auch diesmal trug der M�rder Handschuhe.�</p><p>�Sie glauben also, da� f�r beide F�lle der gleiche M�rder in Betracht kommt?� fragte ich gespannt. Giraud wurde unergr�ndlich. �Was ich glaube, ist gleichg�ltig, Es wird sich zeigen. Marchaud!�</p><p>Der Gendarm erschien in der T�r.</p><p>�Monsieur?�</p><p>�Warum ist Madame Renauld nicht hier? Schon vor einer Viertelstunde lie� ich sie herbitten.�</p><p>�Sie kommt eben in Begleitung ihres Sohnes den Weg herauf.�</p><p>�Gut. Aber ich m�chte jeden von ihnen einzeln sprechen.� Marchaud salutierte und verschwand. Einen Augenblick sp�ter kam er mit Madame Renauld wieder.</p><p>Mit einer kurzen Verbeugung trat Giraud ihr entgegen. �Bitte hier, gn�dige Frau.� Er f�hrte sie vorw�rts und trat pl�tzlich beiseite. �Hier ist der Mann. Kennen Sie ihn?�</p><p>Und w�hrend der sprach, bohrten sich seine Blicke in ihr Gesicht, versuchte er, ihre Gedanken zu ergr�nden und jede Regung ihres Wesens festzuhalten.</p><p>Madame Renauld aber blieb vollkommen ruhig - zu ruhig, wie mir schien. Sie blickte beinahe interesselos auf den Leichnam - ohne jegliches Zeichen des Erkennens oder der Erregung.</p><p>�Nein�, sagte sie. �Ich sah ihn nie in meinem Lehen. Er ist mir v�llig fremd.�</p><p>�Sind Sie dessen ganz sicher?�</p><p>�Ganz sicher.�</p><p>�Erkennen Sie nicht, beispielsweise, einen Ihrer Angreifer in ihm?�</p><p>�Nein.� Sie schien zu z�gern, als ob die Idee ihr einleuchtete. �Nein, ich glaube nicht. Allerdings trugen sie B�rte - falsche B�rte, wie der Untersuchungsrichter meint -aber trotzdem - nein.� Nun schien sie sich v�llig entschieden zu haben. �Ich bin ganz sicher, da� keiner von beiden dieser Mann war.�</p><p>�Ausgezeichnet, gn�dige Frau. Das w�re dann alles.�</p><p>Erhobenen Hauptes schritt sie hinaus, und die Silberstreifen ihres Haares gl�nzten im Sonnenlicht. Dann kam Jack Renauld. Auch er bewies in zwanglosester Weise, da� er die Identit�t des Mannes nicht feststellen k�nne.</p><p>Giraud st�hnte. Ob aus Vergn�gen oder Mi�behagen, konnte ich nicht feststellen. Er rief nach Marchaud.</p><p>�Brachten Sie die andere hierher?�</p><p>�Ja, Monsieur.�</p><p>�Die andere� war Madame Daubreuil. Emp�rt trat sie ein und widersetzte sich voll Heftigkeit.</p><p>�Ich erhebe Einspruch, Monsieur! Das ist eine Beleidigung! Was habe ich mit all dem zu tun?�</p><p>�Madame�, sagte Giraud brutal, �ich f�hre eine Untersuchung nicht nur wegen eines, sondern wegen zweier Morde! Und nach allem, was mir bekannt ist, k�nnten Sie beide Verbrechen begangen haben.�</p><p>�Wie k�nnen Sie sich unterstehen ... !� schrie sie. �Wie d�rfen Sie mich durch eine so arge Beschuldigung beschimpfen? Das ist unerh�rt!�</p><p>�Unerh�rt ist es? Und was ist das?� Er beugte sich nieder, l�ste nochmals das Haar von dem Dolch und hielt es in die H�he. �Sehen Sie das, Madame?� Er trat auf sie zu. �Sie gestatten, da� ich - vergleiche.�</p><p>Kreidebleich fuhr sie mit einem Schrei zur�ck: �Es ist nicht wahr, ich schw�re es. Ich wei� nichts von dem Verbrechen - von keinem der beiden Verbrechen. Wer etwas anderes behauptet, l�gt. Oh, mein Gott, was soll ich tun?�</p><p>�Sich beruhigen, Madame�, sagte Giraud k�hl. �Bisher klagt Sie noch niemand an. Aber Sie werden gut tun, meine Fragen ohne weitere Umst�nde zu beantworten.�</p><p>�Alles, was Sie w�nschen, Monsieur.�</p><p>�Betrachten Sie den Toten. Kennen Sie ihn?�</p><p>Als sie n�her trat, kehrte etwas Farbe in ihre Wangen zur�ck. Madame Daubreuil sah lange auf den Toten. Dann sch�ttelte sie den Kopf: �Ich kenne ihn nicht.�</p><p>Es schien unm�glich, ihre Worte zu bezweifeln, die ganz nat�rlich klangen. Giraud entlie� sie mit einem Kopfneigen.</p><p>�Sie lassen sie gehen?� fragte ich leise. �Ist das klug? Sicher stammt das schwarze Haar von ihrem Kopf.�</p><p>�Ich brauche keine beruflichen Belehrungen�, versetzte Giraud trocken. �Sie steht unter �berwachung. Ich will sie jetzt noch nicht verhaften.� Dann blickte er wieder stirnrunzelnd auf den Leichnam. �Halten Sie ihn �berhaupt f�r einen Spanier?� fragte er pl�tzlich.</p><p>Ich betrachtete das Gesicht sehr sorgf�ltig. �Nein�, sagte ich endlich. �Ich w�rde ihn ganz entschieden f�r einen Franzosen halten.�</p><p>Giraud �u�erte sein Mi�vergn�gen: �Immer dasselbe. Einen Augenblick stand er ruhig, dann schob er mich gebieterisch beiseite und begann noch einmal den Boden auf allen vieren abzusuchen. Er war bewunderungsw�rdig. Nichts entging ihm. Zoll um Zoll des Bodens ging er durch, er drehte jeden Blumentopf um, durchsuchte alte S�cke. Er st�rzte sich auf ein B�ndel bei der T�r; als er sich aber �berzeugt hatte, da� es nur einen zerlumpten Rock und Beinkleider enthielt, schleudert er es brummend beiseite. Zwei Paar alte Handschuhe erregten seine Aufmerksamkeit, aber schlie�lich sch�ttelte er den Kopf und legte sie fort. Dann begab er sich wieder zu den Blument�pfen und wendete systematisch einen nach dem anderen um. Schlie�lich erhob er sich und sch�ttelte nachdenklich den Kopf. Er schien verbl�fft und gereizt. Ich glaube, er hatte meine Anwesenheit vergessen.</p><p>Nun lie�en sich drau�en eilige Schritte und Stimmen vernehmen, und unser alter Freund, der Untersuchungsrichter, mit seinem Schreiber, M. Bex und der Arzt kamen herein.</p><p>�Aber das ist ja unglaublich, Monsieur Giraud�, rief M. Hautet. �Noch ein Verbrechen! Der Fall wird ja immer verworrener! Wer ist der Tote?�</p><p>�Das eben kann uns niemand sagen, Monsieur. Er wurde bis jetzt nicht identifiziert.�</p><p>�Wo ist die Leiche?� fragte der Arzt.</p><p>Giraud trat ein wenig zur Seite. �Dort in der Ecke. Er ist ins Herz gestochen, wie Sie bemerken k�nnen. Und mit dem Dolch, der gestern fr�h entwendet wurde. Ich denke, da� der Mord knapp nach dem Diebstahl erfolgte - aber an Ihnen ist es, dies festzustellen. Sie k�nnen den Dolch nach Belieben drehen, es sind keine Fingerabdr�cke darauf.�</p><p>Der Arzt kniete an der Seite des Toten nieder, und Giraud wandte sich dem Untersuchungsrichter zu.</p><p>�Nettes, kleines R�tsel, nicht? Doch ich will es l�sen.�</p><p>�Und da niemand ihn identifizieren kann�, bemerkte der Richter, �k�nnte es nicht vielleicht einer der M�rder sein? Vielleicht haben sie sich �berwerfen?�</p><p>Giraud sch�ttelte den Kopf: �Der Mann ist Franzose - ich m�chte einen Eid darauf schw�ren -�</p><p>Aber in diesem Augenblick wurden sie durch den Arzt unterbrochen, der mit verbl�fftem Gesicht auf seinen Fersen hockte. �Sie meinen, da� er gestern fr�h ermordet worden sei?�</p><p>�Ich sch�tze, so nach dem Diebstahl des Dolches�, erkl�rte Giraud. �Er k�nnte allerdings auch erst sp�ter am Tage ermordet worden sein.�</p><p>�Sp�ter am Tage? Dieser Mann ist mindestens achtundvierzig Stunden tot, und m�glicherweise noch l�nger.� Wir blickten uns in starrem Staunen an.</p></section><section><title><p><strong>15</strong></p></title><p id="_bookmark16">Was der Doktor sagte, klang so erstaunlich, da� wir zu tr�umen w�hnten. Hier lag ein Mann, von einem Dolch durchbohrt, der erwiesenerma�en erst vor vierundzwanzig Stunden gestohlen worden war, und nun behauptete Dr. Durand nachdr�cklich, da� dieser Mann schon achtundvierzig Stunden tot sein m�sse. Das Ganze schien phantastisch bis zum �u�ersten. Wir hatten uns von dem Staunen �ber des Doktors Er�ffnung noch nicht erholt, als mir ein Telegramm �berreicht wurde. Es war mir vom Hotel zur Villa nachgeschickt worden. Ich ri� es auf. Poirot meldete mir seine R�ckkehr mit dem Zuge, der um 12 Uhr 28 Minuten in Merlinville eintraf.</p><p>Ich blickte auf die Uhr und sah, da� mir eben noch Zeit blieb, um gem�chlich zum Bahnhof zu schlendern, um ihn abzuholen. Ich f�hlte, wie �beraus wichtig es war, da� er sofort von der neuen und �berraschenden Wendung der Dinge Kenntnis erhielt.</p><p>Augenscheinlich, �berlegte ich, hatte - Poirot in Paris ohne Schwierigkeiten das gefunden, was er suchte. Die Schnelligkeit seiner R�ckkehr bewies das. Nur wenige Stunden hatten gen�gt. Ich war begierig, wie er die aufregende Neuigkeit aufnehmen w�rde.</p><p>Der Zug versp�tete sich um einige Minuten, und ich wanderte planlos auf dem Perron auf und nieder, bis mir einfiel, da� ich die Zeit damit ausf�llen k�nne, einige Fragen �ber jene Passagiere zu stellen, die in der verh�ngnisvollen Nacht Merlinville mit dem letzten Zuge verlassen hatten.</p><p>Ich machte mich an einen der Beamten heran, und es gelang mir ohne erhebliche Schwierigkeiten, ein Gespr�ch �ber dieses Thema mit ihm anzukn�pfen. Es sei eine Schmach f�r die Polizei, erhitzte er sich, da� solche R�uber und M�rder frei umherliefen. Ich gab der Vermutung Ausdruck, da� sie vielleicht mit dem Zug um Mitternacht abgereist sein k�nnten, was er mit gro�er Bestimmtheit zur�ckwies. Zwei Fremde? Die h�tte er bemerkt - da k�nne ich beruhigt sein. Nur ungef�hr zwanzig Personen seien mit diesem Zuge abgereist, und Unbekannte w�ren ihm bestimmt aufgefallen.</p><p>Ich wei� nicht, wieso mir der Einfall kam - vielleicht beeinflu�t von der gro�en Angst, die aus Marthe Daubreuils Stimme geklungen hatte -, aber ich fragte pl�tzlich: �Reiste nicht auch der junge Renauld mit diesem Zuge?�</p><p>�Ach nein, Monsieur. Es ist wohl nicht gut m�glich, innerhalb einer halben Stunde anzukommen und wieder abzureisen!�</p><p>Ich starrte den Mann an. Zuerst erfa�te ich die Bedeutung seiner Worte nicht ganz. Dann begriff ich.</p><p>�Wollen Sie damit sagen�, fragte ich, und mein Herz schlug schneller, �da� Monsieur Jack Renauld an jenem Abend in Merlinville ankam?�</p><p>�Aber ja, Monsieur, mit dem letzten Zug aus der entgegengesetzten Richtung, um 11 Uhr 40.�</p><p>Ich taumelte fast. Dies also war die Ursache von Marthes heftiger Angst. Jack Renauld war in der Nacht des Verbrechens in Merlinville gewesen. Aber warum gestand er es nicht ein? Weshalb veranla�te er uns zu glauben, da� er in Cherbourg geblieben war? Wenn mir sein offenes, knabenhaftes Auftreten einfiel, konnte ich mich nicht zu dem Glauben durchringen, da� er in irgendeinem Zusammenhang mit dem Verbrechen stehen k�nne. Doch weshalb verschwieg er dann eine so �beraus wichtige Tatsache? Eines war gewi�, Marthe hatte es schon die ganze Zeit �ber gewu�t. Daher ihre Furcht und ihre Frage an Poirot, ob irgend jemand verd�chtigt werde.</p><p>Die Ankunft des Zuges unterbrach meinen Gedankengang, und einen Augenblick sp�ter begr��te ich Poirot. Der kleine Mann war in bester Laune. Er strahlte und sprach laut auf mich ein, er umarmte mich vor allen Leuten, trotz meiner englischen Zur�ckhaltung, die er v�llig vergessen zu haben schien.</p><p>�Mein lieber Freund - ich hatte Erfolg - fabelhaften Erfolg!�</p><p>�Wirklich? Ich freue mich sehr, das zu h�ren. Wei�t du schon das Neueste von hier?�</p><p>�Woher sollte ich es wissen? Gab es neue Entwicklungen? Hat der wackere Giraud jemanden verhaftet? Oder vielleicht gar mehrere? Der wird Augen machen! Aber wohin fuhrst du mich, mein Freund! Gehen wir denn nicht ins Hotel? Ich mu� meinen Schnurrbart in Ordnung bringen, der durch die Hitze der Fahrt sehr gelitten hat. Dann ist mein Rock gewi� auch sehr staubig. Und meine Krawatte wird frisch gebunden werden m�ssen.�</p><p>Kurzerhand unterbrach ich seine Vorstellungen.</p><p>�Mein lieber Poirot - was macht das alles. Wir m�ssen sofort zur Villa. Es ist noch ein Mord ver�bt worden.�</p><p>Oft schon hatte ich Entt�uschungen erlebt, wenn ich meinem Freunde wichtige Mitteilungen machte. Entweder bedeuteten sie ihm nichts Neues, oder er nahm sie als belanglos auf die leichte Achsel - und dann gaben ihm die Ereignisse immer recht. Aber diesmal konnte ich nicht dar�ber klagen, da� ich zu wenig Eindruck gemacht h�tte. Noch niemals sah ich einen so entgeisterten Menschen. Sein Plaudern verstummte. Alle Munterkeit schwand aus seinem Wesen. Er starrte mich mit offenem Munde an.</p><p>�Was sagst du da? Noch ein Mord? Ach, dann habe ich ja unrecht. Dann habe ich mich geirrt. Giraud mag sich nur �ber mich lustig machen - er wird Grund dazu haben!�</p><p>�Du hast das also nicht erwartet?�</p><p>�Ich? Nicht im entferntesten. Es vernichtet meine Theorie - es vernichtet alles - es - o nein! Es ist unm�glich. Ich kann mich nicht geirrt haben! Die Tatsachen, wenn man sie systematisch nimmt, und ihre wirkliche Aufeinanderfolge lassen nur eine Erkl�rung zu. Ich mu� recht haben! Ich habe recht!�</p><p>�Aber dann -�</p><p>Er unterbrach mich: �Warte, mein Freund. Ich mu� recht haben, daher ist dieser neue Mord unm�glich - au�er - au�er -o warte. Ich beschw�re dich. Sag kein Wort.� Er schwieg ein Weilchen, dann verfiel er wieder in seine normale Art und sagte mit ruhiger, zuversichtlicher Stimme: �Das Opfer ist ein Mann mittleren Alters. Sein Leichnam wurde in dem versperrten Schuppen in der N�he des ersten Tatortes gefunden. Er war mindesten schon achtundvierzig Stunden tot. H�chstwahrscheinlich kam er auf die gleiche Art ums Leben wie Monsieur Renauld, aber er mu� nicht auch von r�ckw�rts erstochen worden sein.�</p><p>Nun war es an mir, ihn anzugaffen - und ich tat es. Soweit ich mich entsinnen konnte, hatte Poirot noch nie etwas so Erstaunliches geleistet. Und fast unvermeidlich schossen mir Zweifel durch den Kopf.</p><p>�Poirot�, schrie ich, �du h�ltst mich zum besten. Du wusstest schon alles.�</p><p>Doch er blickte mich ernst und vorwurfsvoll an. �W�rde ich so etwas tun? Ich versichere dir, da� ich nichts dergleichen h�rte. Merktest du denn nicht, wie sehr die Nachricht mich ersch�tterte?�</p><p>�Aber wie, um Himmels willen, konntest du das alles wissen?�</p><p>�So hatte ich recht? Ich wu�te es ja. Die kleinen grauen Zellen, mein Freund, die kleinen grauen Zellen erz�hlten es mir. So - und nur so - l��t sich der zweite Todesfall erkl�ren. Nun erz�hle mir alles. Wenn wir hier linksherum gehen, k�nnen wir �ber den Golfplatz den Weg abk�rzen und wir kommen direkt, nur viel schneller hinter der Villa Genevieve heraus.�</p><p>W�hrend wir den von ihm empfohlenen Weg einschlugen, erz�hlte ich ihm alles, was ich wu�te. Poirot lauschte aufmerksam.</p><p>�Der Dolch stak in der Wunde, sagst du? Das ist merkw�rdig. Bist du ganz sicher, da� es der gleiche war?�</p><p>�Ganz sicher. Dadurch erscheint es ja so unm�glich.�</p><p>�Nichts ist unm�glich. Vielleicht gab es zwei Dolche.� Ich zog meine Augenbrauen hoch. �Das ist doch im h�chsten Grade unwahrscheinlich. Das w�re doch ein au�ergew�hnliches Zusammentreffen.�</p><p>�Du sprichst wie Immer ohne �berlegung, Hastings. In manchen F�llen w�ren zwei v�llig gleiche Waffen h�chst unwahrscheinlich. Aber hier nicht. Diese eigenartige Waffe ist ein Kriegsandenken, das auf Jack Renaulds Bestellung angefertigt wurde. Es ist wirklich h�chst unwahrscheinlich, wenn du dar�ber nachdenkst, da� er nur eine bestellt hat. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, da� er auch eine zu seinem eigenen Gebrauch besa�.�</p><p>�Aber niemand erw�hnte dergleichen�, warf ich ein. Ein leise belehrender Unterton schwang durch Poirots Worte:�Mein Freund, wenn man einen Fall ausarbeitet, zieht man nicht nur die Dinge in Erw�gung, die erw�hnt wurden. Es gibt manchmal keine Veranlassung, Dinge zu erw�hnen, die wichtig sein k�nnten. Und ebenso bestehen andererseits oft triftige Gr�nde, sie nicht namhaft zu machen. Du hast die Wahl zwischen diesen beiden Ursachen.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>Wenige Minuten sp�ter hatten wir die ber�chtigte H�tte erreicht. Wir fanden dort alle unsere Freunde, und nach Austausch h�flicher Liebensw�rdigkeiten ging Poirot ans Werk.</p><p>Da ich Giraud bei der Arbeit beobachtet hatte, war ich au�erordentlich neugierig. Poirot warf nur einen oberfl�chlichen Blick auf die Umgebung. Das einzige, was er untersuchte, war das B�ndel mit den zerrissenen Kleidungsst�cken bei der T�r. Giraud l�chelte geringsch�tzig, und als ob Poirot es bemerkt h�tte, warf er das B�ndel wieder fort.</p><p>�Wohl alte Kleider des G�rtners?� fragte er.</p><p>�Ganz richtig�, sagte Giraud.</p><p>Poirot kniete neben der Leiche nieder. Seine Finger arbeiteten flink, doch systematisch. Er untersuchte das Gewebe der Kleider und verschaffte sich Gewi�heit, da� keine Spuren an ihnen zu finden waren. Die Schuhe �berpr�fte er besonders sorgf�ltig, ebenso die schmutzigen und gebrochenen Fingern�gel.</p><p>W�hrend er den letzteren seine Aufmerksamkeit schenkte, fragte er Giraud schnell: �Sahen Sie die N�gel?�</p><p>�Ja�, erwiderte der andere. Sein Antlitz blieb undurchdringlich.</p><p>Pl�tzlich blieb Poirot starr.</p><p>�Doktor Durand!�</p><p>�Bitte?� Der Arzt trat n�her.</p><p>�Da ist Schaum auf den Lippen. Bemerkten Sie das?�</p><p>�Ich mu� zugeben, da� mir das nicht aufgefallen ist.�</p><p>�Doch jetzt sehen Sie es?�</p><p>�Ja, nat�rlich.�</p><p>Poirot befragte Giraud aufs neue.</p><p>�Sie bemerkten es doch sicher?�</p><p>Der andere blieb die Antwort schuldig. Poirot fuhr in der Arbeit fort. Die Waffe war aus der Wunde entfernt worden. Sie ruhte in einem Glaskrug neben dem Leichnam. Poirot untersuchte sie und pr�fte dann gr�ndlich die Wunde. Als er aufsah, blitzten seine Augen vor Erregung und leuchteten in dem gr�nen Licht, das ich so gut kannte.</p><p>�Ist das aber eine seltsame Wunde! Sie hat nicht geblutet. Es ist kein Fleckchen an den Kleidern. Nur die Klinge des Dolches ist ein wenig fleckig, das ist alles. Was halten Sie davon, Doktor?�</p><p>�Ich kann nur sagen, da� das H�chst anomal ist.�</p><p>�Es ist durchaus nicht anomal. Es ist �u�erst einfach. Der Mann wurde nach seinem Tode erstochen.� Und nachdem er durch eine Handbewegung die erregten Stimmen zum Schweigen gebracht hatte, wandte Poirot sich an Giraud und fragte: �Monsieur Giraud ist doch meiner Ansicht?�</p><p>Was Giraud wirklich dachte, bleibt dahingestellt, er fand sich jedoch in die Situation, ohne mit der Wimper zu zucken. Ruhig antwortete er: �Gewi� bin ich Ihrer Ansicht.�</p><p>Wieder wurden Rufe des Staunens und der Neugierde laut. �Aber was f�r ein Einfall!� rief M. Hautet. �Einen Mann noch nach seinem Tode zu erstechen! Ganz unerh�rt! Vielleicht aus unstillbarem Ha�.�</p><p>�Nein�, sagte Poirot. �Ich m�chte annehmen, da� es vollkommen kaltbl�tig geschah - um einen Eindruck zu erwecken.�</p><p>�Welchen Eindruck?�</p><p>�Den Eindruck, den es beinahe erweckte�, erwiderte Poirot r�tselhaft.</p><p>M. Bex dachte nach.</p><p>�Wie wurde dieser Mann denn ermordet?�</p><p>�Er wurde nicht ermordet. Er starb. Er starb, wenn mich nicht alles t�uscht, an einem epileptischen Anfall!�</p><p>Diese Feststellung Poirots l�ste wieder erhebliche Erregung aus. Dr. Durand kniete nochmals nieder und untersuchte neuerdings den Leichnam. Endlich erhob er sich.</p><p>�Monsieur Poirot, ich glaube, Ihre Annahme ist richtig. Ich lie� mich von Anfang an irref�hren. Die unstreitige Tatsache, da� der Mann erstochen wurde, lenkte meine Aufmerksamkeit von allen anderen Anzeichen ab.�</p><p>Poirot war der Held der Stunde. Der Untersuchungsrichter erging sich in Lobeshymnen. Poirot dankte liebensw�rdig und bat dann, sich zur�ckziehen zu d�rfen, da er, wie er angab, noch nicht gefr�hst�ckt habe und das dringende Bed�rfnis f�hle, den Reisestaub von seinen Kleidern zu sch�tteln. Als wir die H�tte verlassen wollten, trat Giraud auf uns zu.</p><p>�Noch etwas, Monsieur Poirot�, sagte er mit seiner sanft ironischen Art. �Dies fanden wir um den Griff des Dolches geringelt - ein Frauenhaar.�</p><p>�Ah!� sagte Poirot. �Ein Frauenhaar? Von welcher Frau, das w��te ich gern.�</p><p>�Ich auch�, sagte Giraud, verbeugte sich und verlie� uns.</p><p>�Hartn�ckig war der gute Giraud�, sagte Poirot nachdenklich, als wir nach dem Hotel gingen. �Ich m�chte gerne wissen, nach welcher Richtung er mich irrezuf�hren hofft? Ein Frauenhaar - hm!�</p><p>Wir a�en mit bestem Appetit, aber Poirot schien mir zerstreut und unaufmerksam. Dann begaben wir uns auf unser Zimmer, und ich bat ihn, mir etwas �ber seine geheimnisvolle Reise nach Paris zu erz�hlen.</p><p>�Gern, mein Freund. Ich fuhr nach Paris, um dies zu finden.� Er entnahm seiner Tasche einen kleinen, vergilbten Zeitungsausschnitt. Es war die Reproduktion eines Frauenbildnisses.</p><p>Er reichte mir das Blatt. Ein erstaunter Ausruf entfuhr mir.</p><p>�Erkennst du sie, mein Freund?�</p><p>Ich nickte. Obwohl die Fotografie sichtlich schon viele Jahre zur�cklag und die Haartracht einer anderen Zeit entsprach, war die �hnlichkeit unverkennbar.</p><p>�Madame Daubreuil!� rief ich aus.</p><p>Poirot sch�ttelte l�chelnd den Kopf: �Nicht ganz richtig, mein Freund. In jenen Tagen nannte sie sich anders. Dies ist ein Bildnis der ber�chtigten Madame Beroldy!�</p><p>Madame Beroldy! Blitzartig kam mir alles in Erinnerung. Jener Mordversuch, der ein so allgemeines Aufsehen erweckt hatte.</p></section><section><title><p id="_bookmark17"><strong>16</strong></p></title><p>Etwa zwanzig Jahre vor Beginn unserer Erz�hlung kam Monsieur Arnold Beroldy, ein geb�rtiger Lyoneser, mit seiner h�bschen Frau und ihrem kleinen T�chterchen, das fast noch ein Baby war, nach Paris. Monsieur Beroldy war der j�ngste Teilhaber einer Weinfirma, ein unscheinbarer Mann in mittleren Jahren, der angenehmes Leben und gute Dinge liebte, seiner reizenden Gattin treu ergeben und durchaus unbedeutend war. Die Firma, die Monsieur Beroldy in Paris leitete, geh�rte zu den kleineren Unternehmungen, und obwohl sie gut ging, warf sie f�r den j�ngsten Kompagnon kein gro�es Einkommen ab. Die Beroldys bewohnten eine kleine Wohnung und lebten zuerst auf sehr bescheidenem Fu�e.</p><p>Aber so unbedeutend Monsieur Beroldy auch war, so sehr verstand es seine Frau, sich mit einem Schimmer von Romantik zu umgeben. Jung und h�bsch und von eigenartig reizendem Wesen, erregte Madame Beroldy sofort Aufsehen in ihrem Bezirk, besonders als Ger�chte aufkamen, da� irgendein interessantes Geheimnis �ber ihrer Herkunft schwebe. Es wurde gefl�stert, da� sie die illegitime Tochter eines russischen Gro�f�rsten, sei. Andere behaupteten, da� es ein �sterreichischer Erzherzog gewesen und da� sie einer gesetzlichen, obgleich morganatischen Verbindung entsprossen w�re. Aber alle Erz�hlungen hatten das eine gemeinsam, da� sie Jeanne Beroldy in den Mittelpunkt eines interessanten Geheimnisses stellten. Von Neugierigen befragt, leugnete Madame Beroldy die Ger�chte nicht. Andererseits lie� sie deutlich durchblicken, da�, obwohl ihre �Lippen versiegelt� seien, alle diese Geschichten auf wahrer Grundlage beruhten. Vertrauteren Freunden gegen�ber erleichterte sie ihr Herz, sprach von politischen Intrigen, von �Papieren� und dunklen Gefahren, die ihr drohten. Es wurde auch viel von Kronjuwelen gesprochen, die insgeheim verkauft werden sollten, wobei ihr die Rolle einer Vermittlerin zugefallen sei.</p><p>Unter den Freunden und Bekannten der Beroldys befand sich ein junger Rechtsanwalt namens Georges Conneau. Bald war es offenbar, da� die bezaubernde Jeanne sein Herz in Banden geschlagen hatte. Madame Beroldy ermunterte den jungen Mann auf unauff�llige Weise, war aber immer darauf bedacht, ihre Neigung zu ihrem alternden Gatten zu betonen. Was aber so manche geh�ssige Leute nicht hinderte, zu erkl�ren, da� der junge Conneau ihr Geliebter sei - und nicht der einzige.</p><p>Als die Beroldys drei Monate in Paris verbracht hatten, erschien noch eine Pers�nlichkeit auf dem Plan. Mr. Hiram P. Trapp, ein sehr wohlhabender Amerikaner. Kaum in den Bannkreis der bezaubernden, geheimnisvollen Madame Beroldy gelangt, war er auch schon ihren Verf�hrungsk�nsten erlegen. Seine Verehrung war offenkundig, wenn auch streng innerhalb der erlaubten Grenzen.</p><p>Um diese Zeit nahmen Madame Beroldys vertrauliche Mitteilungen gr��eren Umfang an. Sie deutete mehreren Freunden an, da� sie um ihres Mannes willen in gro�er Sorge sei. Sie erkl�rte, er w�re in mancherlei politische Pl�ne verwickelt worden, erw�hnte auch verschiedene wichtige Papiere, die man ihm zur Aufbewahrung anvertraut habe und die ein �Geheimnis� betrafen, das von weitreichender europ�ischer Bedeutung sei. Sie seien ihrer Obhut �bergeben worden, um die Verfolger auf falsche Spur zu lenken, aber sie lebe in st�ndiger Furcht, da sie mehrere Mitglieder der, revolution�ren Verbindung in Paris gesehen habe.</p><p>Am 28. November platzte die Bombe. Die Aufwartefrau, die t�glich kam, um den Haushalt der Beroldys zu besorgen, fand zu ihrem Erstaunen die Wohnungst�r weit ge�ffnet. Sie vernahm leises St�hnen aus dem Schlafzimmer und trat ein. Ein furchtbarer Anblick bot sich ihr. Madame Beroldy lag auf dem Boden, war an H�nden und F��en gefesselt und st�hnte leise, nachdem es ihr gelungen war, ihren Mund von einem Knebel frei zu machen. Auf dem Bett lag Monsieur Beroldy in einer Blutlache mit einem Messer im Herzen. Madame Beroldys Erz�hlung war ziemlich klar. Pl�tzlich erwacht, habe sie zwei maskierte M�nner erblickt, die sich �ber sie neigten. Um ihre Hilferufe zu unterdr�cken, h�tten diese sie geknebelt und gefesselt. Dann h�tten sie von Monsieur das ber�hmte �Geheimnis� gefordert.</p><p>Jedoch der unerschrockene Weinh�ndler habe ihr Verlangen abgeschlagen. Durch seine Weigerung erbost, habe nun einer der M�nner ihn erdolcht. Mit den Schl�sseln des Ermordeten h�tten sie dann einen Safe in der Ecke des Zimmer ge�ffnet und eine Menge Papiere von dort mit sich fortgef�hrt. Beide M�nner trugen m�chtige B�rte und Masken, jedoch Madame Beroldy behauptete steif und fest, da� es Russen gewesen seien.</p><p>Die Sache erregte ungeheures Aufsehen. Unter verschiedenen. Titeln wurde Bericht dar�ber erstattet: �Nihilistische Grausamkeit� oder �Revolution�re in Paris� oder �Das russische Geheimnis�. Die Zeit verging, und niemals kam man den b�rtigen M�nnern auf die Spur. Und dann, eben als das Interesse im Publikum zu erlahmen drohte, ereignete sich ein �berraschender Zwischenfall: Madame Beroldy wurde verhaftet und des Mordes an ihrem Gatten angeklagt.</p><p>Als es zur Verhandlung kam, erhoben sich die widersprechendsten Meinungen. Jugend und Sch�nheit der Angeklagten und ihre geheimnisvolle Geschichte hatten gen�gt, um die Sache zu einer Sensation zu machen. Die Leute nahmen heftig f�r und wider die Angeklagte Partei. Jedoch die Begeisterung ihrer Anh�nger erlitt manch schwere Schlappe. Die romantische Vergangenheit von Madame Beroldy, ihr k�nigliches Blut und die geheimnisvollen Intrigen, in denen sie sich so lange gefallen hatte, wurden als blo�e Erfindungen ihrer Einbildungskraft festgestellt.</p><p>Man bewies einwandfrei, da� Jeanne Beroldys Eltern hochanst�ndige prosaische Obsth�ndler in einem Vorort von Lyon gewesen waren. Der russische Gro�f�rst, die Hofintrigen und die politischen Umtriebe - all die umlaufenden Geschichten wurden auf die sch�ne Dame selbst zur�ckgef�hrt! Ihrem Hirn waren diese naiven M�rchen entsprungen, und es wurde nachgewiesen, da� sie erhebliche Summen von verschiedenen leichtgl�ubigen Personen auf die ,Kronjuwelen' hin erhalten hatte - jener Kronjuwelen, die als ganz gew�hnliche Glasf�lschungen erkannt wurden. Grausam wurde ihre ganze Lebensgeschichte blo�gestellt. Der Grund f�r die Ermordung wurde in Mr. Hiram P. Trapp gefunden. Mr. Trapp tat, was er konnte, aber unter scharfem, unbarmherzigem Kreuzverh�r sah er sich gen�tigt, schlie�lich zuzugeben, da� er die Dame liebe und da� er sie, w�re sie frei gewesen, gebeten h�tte, seine Gattin zu werden. Die Tatsache, da� die zwischen ihnen bestehenden Beziehungen platonischer Natur waren, bekr�ftigte noch den Verdacht gegen die Angeklagte. Durch den einfachen, ehrenhaften Charakter des Mannes davor bewahrt, seine Geliebte zu werden, hatte Jeanne Beroldy den ungeheuerlichen Plan ausgeheckt, sich ihres �ltlichen, uneleganten Mannes zu entledigen, um die Gattin des reichen Amerikaners zu werden.</p><p>Ihren Ankl�gern gegen�bergestellt, bewahrte Madame Beroldy unentwegt ihre Ruhe und Selbstbeherrschung. Nie wich sie von ihren Behauptungen ab. Immer wieder erkl�rte sie k�hn, da� sie k�niglicher Abstammung sei, da� sie in fr�hestem Kindesalter mit dem T�chterchen des Obsth�ndlers vertauscht worden sei. So l�cherlich und v�llig aus der Luft gegriffen diese Behauptungen auch waren, glaubten doch eine Menge Leute unbedingt an deren Wahrheit. Die Anklage jedoch war unerbittlich. Sie erkl�rte, die �maskierten Russen� seien ein M�rchen und behauptete, das Verbrechen sei von Madame Beroldy und ihrem Geliebten Georges Conneau ver�bt worden. Gegen letzteren wurde ein Haftbefehl erlassen, aber er war klugerweise verschwunden. Die Untersuchung ergab ferner, da� die Stricke, mit denen Madame Beroldy gefesselt worden war, eine Selbstbefreiung leicht erm�glichten.</p><p>Und dann, gegen Endes des Prozesses, kam ein in Paris aufgegebener Brief an den Staatsanwalt. Der Brief war von Georges Conneau, der, ohne seinen Aufenthalt zu verraten, ein restloses Bekenntnis ablegte. Er gestand, auf Madame Beroldys Anstiften wirklich den fatalen Sto� gef�hrt zu haben. Der Plan zu dem Verbrechen sei von ihnen beiden entworfen worden. In dem Glauben, da� sie von dem Gatten schlecht behandelt werde, und von seiner Leidenschaft f�r sie hingerissen, habe er die Tat ver�bt, die der geliebten Frau Befreiung aus verha�ten Banden bringen sollte. Nun zum erstenmal h�rte er von Mr. Hiram P. Trapp, und da war es ihm zum Bewu�tsein gekommen, da� die Frau, die er liebte, ihn betrogen habe! Nicht seinetwegen hatte sie die Freiheit herbeigesehnt, sondern um den reichen Amerikaner heiraten zu k�nnen. Sie hatte ihn als Werkzeug verwendet, und in seiner eifers�chtigen Wut verriet er sie, indem er angab, da� sie die Anstifterin des von ihm begangenen Verbrechens gewesen sei.</p><p>Und dann erwies sich Madame Beroldy als die bedeutende Frau, die sie zweifellos war. Ohne zu z�gern, gab sie ihre urspr�ngliche Verteidigung auf und gestand, da� die �Russen� nur ihre eigene Erfindung gewesen seien. Der wirkliche M�rder sei Georges Conneau gewesen. Toll vor Leidenschaft, habe er das Verbrechen begangen, habe aber auch gedroht, da� er furchtbare Rache �ben wolle, falls sie nicht Stillschweigen bewahren werde. Durch seine Drohungen eingesch�chtert, habe sie Schweigen gelobt - ein wenig auch aus Angst, da� sie der Mitschuld angeklagt werden k�nne, wenn sie die Wahrheit erz�hle. Aber sie habe sich standhaft geweigert, je wieder mit dem M�rder ihres Gatten zu tun zu haben, und nur aus Rache, als sie auf ihrem Standpunkt beharrte, habe er den sie belastenden Brief geschrieben. Sie schwor feierlich, da� sie mit dem Plan des Verbrechens nichts zu schaffen habe und da� sie, als sie in jener denkw�rdigen Nacht erwachte, Georges Conneau �ber sich geneigt erblickte, mit dem blutbefleckten Messer in der Hand.</p><p>Die Angelegenheit wirbelte viel Staub auf. Madame Beroldys Erz�hlung war kaum glaubw�rdig. Aber diese Frau, deren M�rchenerz�hlungen so leicht hingenommen worden waren, besa� die hohe Gabe, Glauben zu erwecken. Ihr Appell an die Geschworenen war ein Meisterst�ck. Tr�nen�berstr�mt sprach sie von ihrem Kinde, von ihrer Frauenehre - von ihrem Wunsch, um ihres Kindes willen sich einen makellosen Ruf bewahren zu wollen. Sie gab zu, da� sie vielleicht, weil Georges Conneau ihr Geliebter gewesen sei, moralisch f�r das Verbrechen verantwortlich gemacht werden k�nne, aber nur vor Gott - und sonst vor niemandem. Sie wisse, da� sie den schweren Fehler begangen habe, Conneau nicht anzuzeigen, aber mit gebrochener Stimme meinte sie, da� keine Frau das zuwege gebracht h�tte. Sie habe ihn geliebt! H�tte sie ihn mit eigener Hand zur Guillotine schleifen sollen? Sie habe viel ges�ndigt, aber an jenem Verbrechen sei sie unschuldig.</p><p>Wie immer es auch gewesen sein mag, die Beredsamkeit einer starken Pers�nlichkeit trug den Sieg davon. Madame Beroldy wurde in einer Szene von noch nie dagewesener Erregung freigesprochen. Trotz der eifrigsten Bem�hungen der Polizei gelang es niemals, Georges Conneau festzunehmen. Und von Madame Beroldy ward nichts mehr geh�rt. Sie nahm ihr Kind und verlie� Paris, um ein neues Leben zu beginnen.</p></section><section><title><p id="_bookmark18"><strong>17</strong></p></title><p>Ich habe den Fall Beroldy ausf�hrlich wiedergegeben. Nat�rlich waren mir nicht alle Einzelheiten, die ich erz�hlte, in Erinnerung geblieben. Aber ich entsann mich im gro�en und ganzen ziemlich genau. Er hatte zu jener Zeit sehr viel Staub aufgewirbelt, und die englischen Zeitungen brachten ausf�hrliche Berichte, so da� ich meinem Ged�chtnis nicht zuviel zumuten mu�te, um die wesentlichsten Einzelheiten wiederzufinden.</p><p>Es kam mir vor, als kl�rte dies nun unsere Sache v�llig auf. Ich gebe zu, da� ich impulsiv bin - auch Poirot tadelt meine Gewohnheit, in sprunghafter Weise Schl�sse zu ziehen -, aber mir schien, als w�re ich in diesem Falle einigerma�en entschuldigt. Wie bewundernswert diese Entdeckung Poirots seine Ansicht rechtfertigte, sprang mir sofort in die Augen.</p><p>�Poirot�, sagte ich, �ich begl�ckw�nsche dich. Ich sehe jetzt alles.�</p><p>�Wenn dies wirklich wahr <emphasis>ist,</emphasis> begl�ckw�nsche ich dich, mein Freund. Denn in der Regel bist du nicht sehr ber�hmt im �berblicken einer Situation - nicht wahr?�</p><p>Ich war ein wenig �rgerlich.</p><p>�Nun, nun, du brauchst mir das jetzt nicht unter die Nase zu reiben. Du tatest die ganze Zeit so verdammt geheimnisvoll mit deinen Winken und bedeutungslosen Einzelheiten, da� wohl niemand gewu�t h�tte, wo du hinauswolltest!�</p><p>Poirot entz�ndete mit gewohnter Umst�ndlichkeit eine seiner kleinen Zigaretten. Dann sah er auf: �Und da du nun alles siehst, mon ami, was siehst du da eigentlich?�</p><p>�Nun, da� Madame Daubreuil-Beroldy Renauld ermordet hat. Die Gleichheit der beiden F�lle beweist dies sonnenklar.�</p><p>�Dann bist du also der Ansicht, da� Madame Beroldy unberechtigterweise freigesprochen wurde? Und da� sie in Wirklichkeit die Schuld der Mitwisserschaft an der Ermordung ihres Gatten traf?�</p><p>�Nat�rlich. Findest du das nicht?�</p><p>Poirot ging im Zimmer auf und nieder, r�ckte zerstreut einen Sessel zur Seite und sagte dann gedankenschwer: �Ja, es ist auch meine Ansicht. Aber ein ,Nat�rlich' gibt es da nicht, lieber Freund. Theoretisch gesprochen ist Madame Beroldy unschuldig.</p><p>�An jenem Verbrechen vielleicht. Doch nicht an diesem.�</p><p>Poirot setzte sich wieder, und nachdenklicher als je zuvor blickte er mich an. �So bist du endg�ltig der Meinung, da� Madame Daubreuil Monsieur Renauld ermordete?�</p><p>�Ja�</p><p>�Warum?� Mit solcher Pl�tzlichkeit schleuderte er mir-diese Frage entgegen, da� ich ganz verbl�fft war.</p><p>�Warum?� stammelte ich. �Warum? Nun weil -� weiter kam ich nicht.</p><p>Poirot nickte mir zu: �Siehst du, gleich stolperst du �ber einen Stein des Ansto�es. Weshalb sollte Madame Daubreuil (der Deutlichkeit halber will ich sie weiter so nennen) Monsieur Renauld ermorden? Wir k�nnen nicht den leisesten Schatten eines Grundes daf�r finden. Sie zieht keinen Vorteil aus seinem Tode; als Geliebte oder Erpresserin verliert sie sogar dadurch. Es gibt aber keinen Mord ohne Ursache. Beim ersten Verbrechen lagen die Dinge anders - da wartete ein reicher Liebhaber, um in die Fu�stapfen des Gatten zu treten.�</p><p>�Aber Geld ist doch nicht das einzige Mordmotiv�, warf ich ein.</p><p>�Richtig�, stimmte Poirot gelassen zu. �Es gibt noch zwei andere. Das Liebesdrama ist eines davon - Das andere seltenere Motiv ist Mord infolge einer Idee; dieser Mord setzt aber irgendeine Form geistiger Abnormit�t auf seiten des M�rders voraus. Mordmanie und religi�ser Wahnsinn geh�ren in diese Kategorie. Die k�nnen wir hier ausschlie�en.�</p><p>�Und wie verh�lt es sich mit dem Liebesdrama? Schlie�t du das auch aus? Wenn Madame Daubreuil Renaulds Geliebte war, wenn sie fand, da� seine Leidenschaft nachlie�, oder wenn ihre Eifersucht durch irgend etwas erweckt wurde, h�tte sie ihn nicht in einem Zornausbruch niederstechen k�nnen?�</p><p>Poirot sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Wenn - ich sage wenn - Madame Daubreuil seine Geliebte war, h�tte er noch viel Zeit gehabt, ihrer �berdr�ssig zu werden. Und f�r jeden Fall mi�verstehst du ihren Charakter. Sie ist die Frau, die gro�e Leidenschaften vort�uscht. Sie ist eine ausgezeichnete Schauspielerin. Aber, objektiv betrachtet, straft ihr Leben ihre Erscheinung L�gen. Wenn wir es �berpr�fen, erwies sie sich in all ihren Beweggr�nden und Handlungen als durchweg kaltbl�tig berechnend. Nicht um ihr Leben mit dem des jungen Geliebten zu verbinden, nahm sie die Mitschuld an der Ermordung ihres Gatten auf sich. Der reiche Amerikaner, der ihrem Herzen wahrscheinlich vollkommen fernstand, war ihr Endziel. Wenn sie ein Verbrechen beging, mu�te es ihr Vorteil bringen. Hier gab es keinen Vorteil. �berdies, wie erkl�rst du dir das Ausschaufeln des Grabes? Das war M�nnerarbeit.�</p><p>�Vielleicht hatte sie einen Komplicen�, riet ich �rgerlich, weil ich meine Annahme wieder aufgeben sollte.</p><p>�Ich h�tte noch etwas einzuwenden. Du sprachst von der v�lligen Gleichheit der beiden Verbrechen. Worin besteht sie eigentlich, mein Freund?�</p><p>Ich blickte ihn erstaunt an: �Aber, Poirot, du machtest doch selbst darauf aufmerksam! Die Erz�hlung von den maskierten M�nnern, das ,Geheimnis', die Papiere!�</p><p>Poirot l�chelte schwach: �Ich bitte dich, sei nicht gleich beleidigt. Die Gleichheit der beiden Erz�hlungen verkettet die beiden F�lle allerdings miteinander. Aber �berlege nun einmal etwas h�chst Merkw�rdiges. Nicht Madame Daubreuil ist es, die uns die Geschichte auftischt - wie es doch sein sollte, wenn es nach der Schablone ginge - sondern Madame Renauld. Ist sie daher mit der anderen im Bunde?�</p><p>�Das kann ich nicht glauben�, sagte ich bed�chtig. �Wenn es so w�re, m��te sie wohl die vollendetste Schauspielerin der Welt sein.�</p><p>�Ta, ta, ta�, sagte Poirot ungeduldig. �Wieder nur Gef�hl ohne Logik! Wenn eine Verbrecherin eine vollkommene Schauspielerin sein mu�, dann nimm f�r jeden Fall an, da� sie es ist. Aber mu� es so sein? Ich bezweifle, da� Madame Renauld mit Madame Daubreuil im Bunde ist; dagegen sprechen viele Gr�nde, von denen ich dir schon einige aufz�hlte. Die anderen verstehen sich von selbst. Und wenn wir auch diese Unm�glichkeit ausgeschaltet haben, n�hern wir uns immer mehr der Wahrheit, die wie immer �u�erst seltsam und interessant, ist.�</p><p>�Poirot�, rief ich, �was wei�t du noch?�</p><p>�Mein Freund, du selbst mu�t deine Schl�sse ziehen. Du hast ,Zutritt zu den Akten'. Konzentriere deine grauen Zellen. Und urteile - nicht wie Giraud, sondern wie Hercule Poirot.�</p><p>�Bist du deiner Sache sicher?�</p><p>�Mein Freund, nach mancher Richtung war ich ein Dummkopf. Aber nun sehe ich klar.�</p><p>�Wei�t du alles?�</p><p>�Ich habe entdeckt, welches R�tsel Monsieur Giraud von mir gel�st zu haben w�nschte.�</p><p>�Und du kennst den M�rder?�</p><p>�Ich kenne einen M�rder.�</p><p>�Was willst du damit sagen?�</p><p>�Wir sprechen ein wenig aneinander vorbei. Es handelt sich hier nicht um ein, sondern um zwei Verbrechen. Das erste habe ich gel�st, des zweiten - ja, ich mu� gestehen, bin ich nicht ganz sicher.�</p><p>�Aber Poirot, ich dachte, du sagtest, der Mann in dem Schuppen sei eines nat�rlichen Todes gestorben?�</p><p>�Ta, ta, ta.� Dies war Poirots Lieblingsausruf, wenn er ungeduldig war. �Noch immer verstehst du nicht. Man kann ein Verbrechen haben, ohne den M�rder, aber f�r zwei Morde sind zwei Leichname n�tig.�</p><p>Seine Bemerkung ermangelte so sehr jeglicher Klarheit, da� ich ihn besorgt anblickte. Aber er schien vollkommen normal. Pl�tzlich erhob er sich und ging zum Fenster.</p><p>Ich folgte ihm, auf eine �berraschung gefa�t.</p><p>�Da ist er�, bemerkte er.</p><p>�Wer?�</p><p>�Monsieur Jack Renauld. Ich sandte eine Zeile nach der Villa, um ihn hierher zu bitten.�</p><p>Das gab meinen Gedanken eine andere Richtung, und ich fragte Poirot, ob er wisse, da� Jack Renauld in der Nacht des Verbrechens in Merlinville gewesen war. Ich hoffte, meinen listigen kleinen Freund bei einer Unwissenheit zu ertappen, aber wie gew�hnlich war er allwissend. Auch er hatte auf dem Bahnhof Erkundigungen eingezogen.</p><p>�Ohne Zweifel hatten nicht wir allein diesen Einfall, Hastings. Der wackere Giraud d�rfte seine Forschungen auch bis dorthin erstreckt haben.�</p><p>�Du glaubst doch nicht� - sagte ich und hielt inne. �Ach nein, das w�re f�rchterlich!�</p><p>Poirot betrachtete mich pr�fend, doch ich sprach nicht weher. Es fiel mir ein, da� sieben Frauen mehr oder weniger direkt in den Fall verwickelt waren - Madame Renauld, Madame Daubreuil und ihre Tochter, die geheimnisvolle Besucherin und die drei Dienstm�dchen, denen mit Ausnahme des alten Auguste, der kaum zu z�hlen war, nur ein Mann -Jack Renauld - gegen�berstand. Und ein Mann mu�te das Grab gegraben haben.</p><p>Es fehlte mir die Zeit, den Gedanken, der mir gekommen war, auszusprechen, denn Jack Renauld wurde eben gemeldet. Poirot begr��te ihn f�rmlich.</p><p>�Nehmen Sie Platz, Monsieur. Ich bedauere unendlich, da� ich Sie hierher bem�hen mu�te, aber Sie begreifen vielleicht, da� die Atmosph�re der Villa mir nicht zu sympathisch ist. Monsieur Giraud und ich sind nicht immer der gleichen Ansicht. Er l��t es mir gegen�ber oftmals an H�flichkeit fehlen, und Sie begreifen, da� ich nicht geneigt bin, ihn aus etwaigen kleinen Entdeckungen, die ich machen k�nnte, Vorteil ziehen zu lassen.�</p><p>�Ja, Monsieur Poirot�, sagte der junge Mann. �Ihr Kollege Giraud ist ein ekelhafter Mensch, und ich w�re entz�ckt, wenn ihn jemand in den Schatten stellte.�</p><p>�Dann darf ich Sie wohl um eine kleine Gef�lligkeit ersuchen?�</p><p>�Gewi�.�</p><p>�Ich m�chte Sie bitten, sich nach dem Bahnhof zu begeben und mit dem n�chsten Zug nach Abbalac zu reisen. Fragen Sie in der Gep�ckaufbewahrung, ob zwei Fremde in der Mordnacht eine Handtasche hinterlegten. Es ist nur eine kleine Station, und man wird sich dort sicher erinnern k�nnen. Wollen Sie das tun?�</p><p>�Gewi� will ich das�, sagte der J�ngling etwas unsicher.</p><p>�Ich und mein Freund, m�ssen Sie wissen, sind anderw�rts besch�ftigt�, erkl�rte Poirot. �In einer Viertelstunde f�hrt ein Zug, und ich m�chte Sie bitten, vorher nicht mehr in die Villa zur�ck zukehren, da es mir unerw�nscht w�re, wenn Giraud eine Ahnung von diesem Auftrag h�tte.�</p><p>�Sehr gut, ich gehe direkt zum Bahnhof.�</p><p>Er erhob sich.</p><p>Poirot hielt ihn noch zur�ck. �Einen Augenblick, Monsieur Renauld, da ist eine kleine Sache, die mir zu denken gibt. Warum erw�hnten Sie heute fr�h Monsieur Hautet gegen�ber nicht, da� Sie in der verh�ngnisvollen Nacht in Merlinville waren?�</p><p>Jack Renaulds Gesicht wurde blutrot. Es kostete ihn M�he, sich zu beherrschen. �Sie irren. Ich war in Cherbourg, wie ich es dem Untersuchungsrichter heute morgen mitteilte.�</p><p>Wie eine Katze kniff Poirot die Augen zusammen, da� nur gr�nliche Spalten blieben.</p><p>�Dann mu� mir aber ein seltsamer Irrtum widerfahren sein - der auch dem ganzen Bahnhofpersonal widerfuhr. Sie sagen n�mlich alle, da� Sie mit dem Zug um 11 Uhr 40 hier angekommen seien. Einen Augenblick z�gerte Jack Renauld, dann schien er entschlossen: �Und wenn es so gewesen w�re? Ich hoffe. Sie wollen mich nicht der Mitschuld an der Ermordung meines Vaters bezichtigen?� Hochm�tig kam die Frage von seinen Lippen, er warf den Kopf zur�ck.</p><p>�Ich h�tte gern eine Erkl�rung, was Sie hierher zog.�</p><p>�Das ist sehr einfach. Ich kam, um meine Braut, Mademoiselle Daubreuil, zu besuchen. Ich stand unmittelbar vor einer langen Reise, ganz ungewi�, wann ich zur�ckkehren w�rde. Es dr�ngte mich, sie noch einmal zu sehen, ehe ich reiste, und sie meiner unwandelbaren Zuneigung zu versichern.�</p><p>�Und sahen Sie sie?� Poirot lie� ihn nicht aus den Augen.</p><p>Nach kurzer Pause antwortete Renauld: �Ja.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Entdeckte ich, da� ich den letzten Zug vers�umt hatte. Ich ging zu Fu� bis St. Beauvais, wo ich einen Wagen mietete, der mich nach Cherbourg zur�ckbrachte.�</p><p>�St. Beauvais? Das sind f�nfzehn Kilometer. Ein langer Spaziergang, Monsieur Renauld.�</p><p>�Ich - ich hatte das Bed�rfnis zu laufen.�</p><p>Poirot neigte den Kopf, zum Zeichen, da� ihm diese Erkl�rung gen�ge. Jack Renauld ergriff Stock und Hut und entfernte sich. Im Nu war Poirot auf den Beinen.</p><p>�Schnell, Hastings. Gehen wir ihm nach.�</p><p>In entsprechender Entfernung von unserem Wild folgten wir ihm durch die Stra�en von Merlinville. Aber als Poirot merkte, da� er direkt auf den Bahnhof zusteuerte, hemmte er den Schritt.</p><p>�Alles in Ordnung. Er ist auf den Leim gegangen. Er wird nach Abbalac fahren und dort nach der nicht existierenden Handtasche der noch weniger existierenden Fremdlinge forschen. Ja, mon ami, dies war ein h�bscher kleiner Einfall von mir.�</p><p>�Du wolltest ihn aus dem Wege haben?� rief ich.</p><p>�Dem Scharfsinn ist verbl�ffend, Hastings. Jetzt wollen wir mit deiner Erlaubnis zur Villa Genevieve hinaufgehen.�</p></section><section><title><p id="_bookmark19"><strong>18</strong></p></title><p>��brigens, Poirot�, sagte ich, als wir die staubige Stra�e entlangwanderten, �habe ich ein H�hnchen mit dir zu rupfen. Ich gebe zu, du meintest es gut, aber es schickte sich wirklich nicht, hinter meinem R�cken im Hotel du Phare herumzuschn�ffeln.� Poirot warf mir einen schnellen Seitenblick zu.</p><p>�Woher wei�t du denn, da� ich dort war?� erkundigte er sich.</p><p>Zu meinem gr��ten Mi�vergn�gen f�hlte ich, wie mir das Blut in die Wangen stieg. �Ich trat im Vorbeigehen ein�, erkl�rte ich mit so viel W�rde, wie ich aufbringen konnte.</p><p>Ich f�rchtete Poirots Spott, aber zu meiner Erleichterung und ein wenig auch zu meinem Staunen sch�ttelte er ungew�hnlich ernst den Kopf.</p><p>�Ich bitte dich um Verzeihung, falls ich deine Empfindlichkeit irgendwie verletzte. Du wirst bald besser begreifen. Aber glaube mir, ich bin bestrebt, all meine Kr�fte auf den Fall zu konzentrieren.�</p><p>�Oh, es ist alles in Ordnung�, sagte ich, durch seine Entschuldigung vers�hnt. �Ich wei�, du willst das Beste. Aber ich kann mich selbst beaufsichtigen.�</p><p>Poirot wollte noch etwas sagen, unterdr�ckte es aber dann. Bei der Villa angelangt, w�hlte er den Weg zu der H�tte, in welcher der zweite Leichnam gefunden worden war. Er trat jedoch nicht ein, sondern blieb bei jener Bank stehen, die, wie ich schon erw�hnte, einige Schritte davon entfernt stand. Nachdem er sie ein Weilchen betrachtet hatte, schritt er aufmerksam von dort zur Hecke, welche die Grenze zwischen der Villa Genevieve und der Villa Marguerite bildete. Dann ging er wieder zur�ck und nickte mit dem Kopf. Als er nochmals zur Hecke zur�ckkam, bog er die Str�ucher mit den H�nden auseinander.</p><p>�Wenn wir Gl�ck haben�, rief er mir �ber die Schulter zu, �Ist Mademoiselle Marthe im Garten. Ich m�chte sie sprechen, w�rde aber ungern einen formellen Besuch in der Villa Marguerite machen. Ah, alles geht gut, da ist sie. Mademoiselle! Einen Augenblick, bitte.�</p><p>Ich hatte mich eben zu ihm gesellt, als Marthe Daubreuil, leicht betroffen, seinem Ruf folgte und zur Hecke trat.</p><p>�Nur auf ein W�rtchen, Mademoiselle, wenn Sie erlauben?�</p><p>�Gewi�, Monsieur Poirot.�</p><p>Trotz ihrer Zustimmung blickten ihre Augen �ngstlich. �Mademoiselle, erinnern Sie sich noch, da� Sie mir nachliefen, nachdem ich mit dem Untersuchungsrichter in Ihrem Hause gewesen war? Sie fragten, ob jemand des Verbrechens verd�chtigt werde.�</p><p>�Und Sie sagten, ja, zwei Chilenen.� Ihre Stimme klang ein wenig atemlos, und sie griff mit der linken Hand verstohlen nach dem Herzen.</p><p>�W�rden Sie die Frage nochmals an mich richten, Mademoiselle?�</p><p>�Wie meinen Sie das?�</p><p>�Wenn Sie die Frage nochmals an mich richten w�rden, fiele die Antwort anders aus. Es wird jemand verd�chtigt -aber kein Chilene.�</p><p>�Wer denn?� Schwach entrang die Frage sich ihren Lippen.</p><p>�Monsieur Jack Renauld.�</p><p>�Was?� Das war ein Schrei. �Jack? Unm�glich. Wer wagt es, ihn zu verd�chtigen?�</p><p>�Giraud.�</p><p>�Giraud.� Des M�dchens Gesicht war aschfahl. �Ich f�rchte diesen Mann. Er ist grausam. Er wird - er wird -� sie brach ab. Mut und Entschlossenheit sprachen aus ihren Z�gen. In diesem Augenblick erkannte ich ihre Kampfnatur. Auch Poirot beobachtete sie gespannt.</p><p>�Sie wissen doch nat�rlich, da� er in der Mordnacht hier war?� fragte er.</p><p>�Ja�, gab sie mechanisch zur�ck. �Er sagte es mir.�</p><p>�Es war unklug, die Tatsache verschweigen zu wollen.�</p><p>�Ja ja�, entgegnete sie ungeduldig. �Aber wir k�nnen unsere Zeit nicht mit Bedauern vergeuden. Wir m�ssen etwas ausfindig machen, um ihn zu retten. Nat�rlich ist er unschuldig, aber das gen�gt einem Manne wie Giraud nicht, der auf seinen Ruhm bedacht ist. Er mu� jemanden verhaften, und dieser Jemand wird Jack sein.�</p><p>�Die Tatsachen werden gegen ihn sprechen�, sagte Poirot. �Sind Sie sich dar�ber klar?� .</p><p>Sie sah ihm gerade ins Gesicht und sprach die gleichen Worte, die ich schon einmal, im Wohnzimmer ihrer Mutter, von ihr geh�rt hatte.</p><p>�Ich bin kein Kind, Monsieur. Ich kann tapfer sein und den Tatsachen ins Gesicht sehen. Er ist unschuldig, und wir m�ssen ihn retten.�</p><p>Sie sprach voll verzweifelter Energie, und dann schwieg sie und runzelte nachdenklich die Stirn.</p><p>�Mademoiselle�, sagte Poirot und betrachtete sie scharf, �gibt es nicht irgend etwas, was Sie uns verheimlichen?�</p><p>Sie nickte verwirrt: �Ja, es gibt etwas, aber ich wei� nicht, ob Sie mir Glauben schenken werden - es scheint so sonderbar.�</p><p>�Erz�hlen Sie es uns auf jeden Fall, Mademoiselle.�</p><p>�Es handelt sich darum: Monsieur Giraud lie� mich holen, um zu sehen, ob nicht vielleicht ich den Mann dort drinnen identifizieren k�nne.� Sie wies mit dem Kopf nach dem Schuppen. �Ich konnte es nicht. Wenigstens im Augenblick konnte ich es nicht. Aber seither dachte ich nach -</p><p>�</p><p>�Und?�</p><p>�Es scheint so seltsam, und doch bin ich dessen fast sicher. Es war am Morgen des Tages, an dem Monsieur Renauld ermordet wurde. Ich ging hier im Garten umher, als der L�rm streitender M�nnerstimmen an mein Ohr drang. Ich bog die Str�ucher auseinander und blickte hindurch. Einer der M�nner war Monsieur Renauld, der andere war ein Landstreicher, ein furchtbar aussehendes Individuum, in schmutzigen Lumpen. Manchmal sprach er weinerlich, manchmal drohend. Ich vermutete, da� er Geld verlangte, aber in diesem Augenblick rief Mama mich ins Haus, und ich mu�te gehen. Das ist alles, nur - ich glaube bestimmt, da� der Landstreicher und der Mann im Schuppen ein und derselbe sind.�</p><p>Poirot rief erstaunt: �Aber warum sagten Sie das nicht gleich, Mademoiselle?�</p><p>�Weil mir zuerst nur schien, als k�me mir das Gesicht irgendwie bekannt vor. Der Mann war anders gekleidet und geh�rte sicherlich einer besseren Gesellschaftsklasse an. Aber sagen Sie, Monsieur Poirot, ist es m�glich, da� dieser Landstreicher Monsieur Renauld �berfiel und ihn t�tete und ihn dann seiner Kleider und seines Geldes beraubte?�</p><p>�Das w�re eine Idee, Mademoiselle�, sagte Poirot langsam. �Es l��t allerdings noch viele Fragen offen, aber es w�re sicher eine Idee. Ich will dar�ber nachdenken.�</p><p>Eine Stimme rief vom Hause her.</p><p>�Mama�, fl�sterte Marthe. �Nun mu� ich gehen.� Und sie schl�pfte zwischen den B�umen hindurch.</p><p>�Komm�, sagte Poirot, nahm mich beim Arm, und wir steuerten auf die Villa zu.</p><p>�Was denkst du wirklich?� fragte ich neugierig. �War das eine wahre Erz�hlung oder eine Erfindung des M�dchens, um den Verdacht von ihrem Liebsten abzulenken?�</p><p>�Es ist eine merkw�rdige Geschichte�, sagte Poirot, �aber ich glaube, da� sie vollkommen wahr ist. Zuf�llig erfuhren wir noch in anderer Hinsicht durch Mademoiselle Marthe die Wahrheit - w�hrend, nebenbei gesagt, Jack Renauld log. Bemerktest du sein Z�gern, als ich ihn fragte, ob er Marthe Daubreuil in jener Nacht gesehen habe? Er z�gerte und bejahte dann. Ich hatte gleich den Verdacht, da� er log. Es war mir wichtig, Marthe Daubreuil zu sprechen, ehe er sie instruieren konnte. Vier kleine Worte gaben mir die Auskunft, die ich brauchte. Als ich sie fragte, ob sie wisse, da� Jack Renauld in jener Nacht hier war, antwortete sie, ,er sagte es mir'. Nun, Hastings, was tat Jack Renauld wirklich an jenem ereignisreichen Abend hier, wenn er Mademoiselle Marthe nicht besuchte?�</p><p>Die Frage �berraschte mich.</p><p>�Aber Poirot�, rief ich best�rzt, �du wirst doch nicht am Ende glauben, da� ein Mensch wie Jack seinen eigenen Vater ermordet.�</p><p>�Mein Freund�, sagte Poirot, �du verharrst weiter in unglaublicher Sentimentalit�t! Ich sah M�tter, die ihre kleinen Kinder mordeten, um sich in den Genu� einer Versicherungssumme zu setzen! Demnach kann man alles glauben.�</p><p>�Und der Beweggrund?�</p><p>�Geld selbstverst�ndlich. Vergi� nicht, da� Jack Renauld annahm, er werde nach seines Vaters Tod in den Besitz von dessen halbem Verm�gen gelangen.�</p><p>�Aber der Landstreicher, was hat der dabei zu tun?�</p><p>Poirot zuckte die Achseln.</p><p>�Giraud w�rde sagen, er war ein Mitschuldiger - ein Apache, der dem jungen Renauld half, das Verbrechen zu begehen, und der dann gelegentlich aus dem Wege ger�umt wurde.�</p><p>�Aber das Haar auf dem Dolch? Das Frauenhaar?�</p><p>�Ah�, sagte Poirot und l�chelte behaglich. �Das ist die Krone von Girauds kleinen Scherzen. Ihm zufolge ist es gar kein Frauenhaar. Denk daran, da� viele junge Leute ihr Haar von der Stirn bis in den Nacken mit Pomade oder Haarwasser straff zur�ckb�rsten, damit es glatt liegt. Folglich sind einige dieser Haare bemerkenswert lang.�</p><p>�Und du glaubst das auch?�</p><p>�Nein�, sagte Poirot mit merkw�rdigem L�cheln. �Denn ich wei�, da� dies Haar von einer Frau ist - und mehr noch -von welcher Frau!�</p><p>�Madame Daubreuil�, sagte ich zuversichtlich.</p><p>�Vielleicht�, meinte Poirot abwartend und sah mich sp�ttisch an.</p><p>�Was werden wir jetzt beginnen?� fragte ich, als wir die Halle der Villa Genevieve betraten.</p><p>�Ich will Jack Renaulds Habseligkeiten durchsuchen. Deshalb schaffte ich ihn f�r einige Stunden aus dem Wege.�</p><p>�Aber wird Giraud nicht schon alles durchw�hlt haben?� fragte ich argw�hnisch.</p><p>�Gewi�. Er baut einen Fall, wie der Biber einen Damm, mit unerm�dlichem Flei�. Aber er wird nicht jenen Dingen Beachtung geschenkt haben, die ich suche. Aller Wahrscheinlichkeit nach h�tte er auch deren Bedeutung nicht erfa�t, wenn sie ihm ins Gesicht gesprungen w�ren.�</p><p>Ordnungsliebend und systematisch �ffnete Poirot eine Lade nach der anderen, pr�fte deren Inhalt und legte alles wieder genau an seinen Platz. Es war eine eigent�mlich langweilige und uninteressante Besch�ftigung. Poirot arbeitete sich durch Kragen, Pyjamas und Socken durch. Ein Ger�usch von drau�en lockte mich ans Fenster.</p><p>Sofort fuhr ich wie elektrisiert herum.</p><p>�Poirot�, schrie ich, �eben fuhr ein Wagen vor. Giraud sitzt darin mit Jack Renauld und zwei Gendarmen.�</p><p>�Donnerwetter!� brummte Poirot. �Konnte Giraud, dieses Vieh, nicht warten? Ich werde keine Zeit mehr haben, die Sachen, wie es sich geh�rt, in die letzte Lade einzur�umen. Wir m�ssen uns beeilen.�</p><p>Unordentlich warf er alles zu Boden, es waren haupts�chlich Krawatten und Taschent�cher. Pl�tzlich st�rzte er sich mit einem Siegesruf auf ein kleines, rechteckiges St�ck Pappendeckel, offenbar eine Fotografie. Er versenkte sie in seine Tasche, warf alles kunterbunt wieder in die Lade zur�ck, packte mich am Arm und lief mit mir die Treppe hinab. In der Halle stand Giraud und betrachtete seinen H�ftling.</p><p>�Guten Tag, Monsieur Giraud�, sagte Poirot. �Was ist denn hier geschehen?�</p><p>Giraud deutete auf Jack.</p><p>�Er wagte einen Fluchtversuch, aber ich war scharf hinter ihm her. Er wurde verhaftet wegen Verdacht des Mordes, begangen an seinem Vater, Monsieur Paul Renauld.�</p><p>Poirot wandte sich unvermittelt an den jungen Mann, der schlaff, mit aschfahlem Gesicht, an der T�r lehnte.</p><p>�Was sagen Sie dazu?�</p><p>Jack Renauld starrte unbeweglich auf ihn.</p><p>�Nichts�, war seine Antwort.</p></section><section><title><p id="_bookmark20"><strong>19</strong></p></title><p>Ich war sprachlos. Bis zuletzt hatte ich mich nicht dazu entschlie�en k�nnen, an Jack Renaulds Schuld zu glauben. Ich hatte nach Poirots Aufforderung laute Unschuldsbeteuerungen erwartet. Aber nun, als ich ihn so bleich und schlaff an der Wand lehnen sah und das belastende Zugest�ndnis aus seinem eigenen Munde h�rte, zweifelte ich nicht l�nger.</p><p>Aber Poirot hatte sich an Giraud gewandt. �Was f�r Gr�nde hatten Sie, ihn zu verhaften?�</p><p>�Erwarten Sie, diese Gr�nde von mir zu erfahren?�</p><p>�Es w�re ein Gebot der H�flichkeit.�</p><p>Zweifelnd sah Giraud auf ihn. Er schwankte zwischen dem Verlangen, grob abzulehnen, und dem Vergn�gen, �ber seinen Gegner zu triumphieren.</p><p>�Sie denken vermutlich, da� ich einen Fehler beging?� spottete er.</p><p>�Es w�rde mich nicht �berraschen�, erwiderte Poirot mit einem Anflug von Bosheit.</p><p>Dunkles Rot f�rbte die Wangen Girauds.</p><p>�Gut, treten Sie hier ein. Sie sollen selbst urteilen.�</p><p>Er stie� die T�r des Salons auf, wir traten ein und �berlie�en Jack Renauld der Obhut der beiden anderen M�nner.</p><p>�Und nun, Monsieur Poirot�, sagte Giraud mit bei�endem Hohn und warf seinen Hut auf den Tisch, �will ich Ihnen einen kleinen Vortrag �ber Detektivarbeit halten. Ich will Ihnen zeigen, wie die moderne Schule arbeitet.�</p><p>�Gut�, entgegnete Poirot. �Und ich werde Ihnen zeigen, wie ausgezeichnet die alte Garde lauschen kann.� Er lehnte sich zur�ck, schlo� die Augen, �ffnete sie jedoch noch einmal zu einer kurzen Bemerkung: �Glauben Sie nicht, da� ich schlafe. Ich werde Ihrem Vortrag aufmerksam folgen.�</p><p>�Selbstredend�, begann Giraud, �durchschaute ich sehr bald den chilenischen Schwindel. Es waren zwei M�nner in die Sache verwickelt - aber keine geheimnisvollen Fremden! All das war Unsinn.�</p><p>�Soweit sehr glaubw�rdig, mein lieber Giraud�, murmelte Poirot. �Besonders nach Ihrem klugen Trick mit dem Z�ndh�lzchen und dem Zigarettenstumpf.�</p><p>Giraud sah w�tend auf. �Ein Mann mu�te bei dem Mord die Hand mit im Spiel haben�, sagte er, �von ihm wurde das Grab ausgehoben ... Kein Mensch zieht wirklichen Vorteil aus dem Verbrechen, aber es gibt einen Mann, der vermutete, da� ihm daraus ein Vorteil erwachsen k�nne. Ich erfuhr von dem Streit zwischen Jack Renauld und seinem Vater und von den Drohungen, die er ausstie�. Das Motiv war gegeben. Jetzt weiter. Jack Renauld war in jener Nacht in Merlinville. Er verschwieg diese Tatsache - was den Verdacht in Gewi�heit verwandelte. Dann fanden wir das zweite Opfer - von demselben Dolch durchbohrt. Wir wissen, da� der Dolch entwendet wurde. Captain Hastings kann angeben, wann das geschah. Der einzige, der in Betracht kommt, ihn entwendet zu haben, ist der von Cherbourg hier ankommende Jack Renauld. Ich kann f�r s�mtliche anderen Hausbewohner ein Alibi erbringen.�</p><p>Poirot unterbrach ihn. �Sie irren. Noch eine andere Person konnte den Dolch genommen haben.�</p><p>�Meinen Sie Gabriel Stonor? Er kam beim Haupteingang an und fuhr direkt mit dem Auto vor, das ihn von Calais brachte. Oh, glauben Sie mir, ich habe alles �berdacht.</p><p>Monsieur Jack Renauld kam mit dem Zug. Eine Stunde verging zwischen der Ankunft des Zuges und seinem Erscheinen in der Villa. Vermutlich sah er, wie Captain Hastings und seine Begleiterin die H�tte verlie�en.</p><p>Er schl�pfte hinein, entwendete den Dolch und erstach damit im Schuppen seinen Helfershelfer -�</p><p>�Der schon tot war!�</p><p>Giraud zuckte mit den Achseln: �Vielleicht bemerkte er es nicht. Vielleicht glaubte er, da� er schlafe. Wahrscheinlich hatten sie f�r dort eine Zusammenkunft verabredet. Jedenfalls wu�te er, da� ein zweiter Mord den Fall au�erordentlich komplizieren w�rde. Was auch zutraf.�</p><p>�Aber es konnte Monsieur Giraud nicht t�uschen�, fl�sterte Poirot.</p><p>�Sie spotten meiner. Aber ich will Ihnen einen letzten unwiderlegbaren Beweis geben. Madame Renaulds Aussage war falsch - eine Erfindung vom Anfang bis zum Ende. Wir glauben, da� Madame Renauld ihren Gatten liebte - und doch sch�tzt sie einen M�rder! F�r wen aber l�gt eine Frau? Manchmal f�r sich selbst, gew�hnlich f�r den Mann, den sie liebt, immer aber f�r ihre Kinder. Das ist der letzte untr�gliche Beweis: Den k�nnen Sie nicht umgehen.� Triumphierend hielt Giraud inne. Poirot sah ihn ruhig an.</p><p>�Dies ist meine Ansicht�, sagte Giraud. �Was haben Sie darauf zu sagen?�</p><p>�Nur, da� Sie vers�umten, eines in Betracht zu ziehen.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Jack Renauld kannte vermutlich die Pl�ne f�r die Anlage der Golfpl�tze. Er wu�te also, da� der Leichnam fast sofort entdeckt werden m��te, wenn man mit dem Ausgraben des Bunkers beg�nne.�</p><p>Giraud lachte laut: �Aber was Sie da sagen, ist ja bl�dsinnig! Er wollte doch, da� die Leiche gefunden werde! Ehe sie gefunden war, konnte der Tod nicht bescheinigt werden und Jack seine Erbschaft nicht antreten.�</p><p>Ich sah das gr�nliche Aufflackern in Poirots Augen, als er sich erhob. �Wozu begrub er ihn dann �berhaupt?� fragte er sehr sanft. ��berlegen Sie doch, Giraud. Wenn es Jack Renauld zum Vorteil gereichte, da� der Leichnam unverz�glich gefunden wurde, wozu ihn dann �berhaupt begraben?�</p><p>Giraud antwortete nicht. Die Frage traf ihn unerwartet. Er zuckte mit den Schultern, um anzudeuten, da� dies ohne Belang sei.</p><p>Poirot ging zur T�r. Ich folgte ihm.</p><p>�Noch eines �bersehen Sie�, sagte er �ber die Schulter.</p><p>�Was denn?�</p><p>�Das St�ckchen Bleirohr�, sagte Poirot und verlie� das Zimmer.</p><p>Als wir aus dem Salon kamen, stand Jack noch immer bleich und regungslos in der Halle und sah forschend auf uns. Im selben Augenblick h�rten wir Schritte auf der Treppe. Madame Renauld kam herab. Der Anblick ihres Sohnes zwischen den beiden Dienern des Gesetzes machte sie stutzig.</p><p>�Jack!� stammelte sie. �Jack, was ist das?�</p><p>Gefa�t blickte er sie an: �Sie haben mich verhaftet, Mutter.�</p><p>�Was?�</p><p>Sie stie� einen durchdringenden Schrei aus, und ehe man ihr zu Hilfe kommen konnte, schwankte sie und fiel schwer zu Boden. Wir liefen beide hin, um sie aufzuheben. Einen Augenblick sp�ter richtete sich Poirot wieder auf.</p><p>�Sie hat sich den Kopf an einer Treppenkante schwer verletzt. Ich f�rchte, eine leichte Gehirnersch�tterung. Wenn Giraud eine Aussage von ihr braucht, wird er sich gedulden m�ssen. Sie wird wahrscheinlich wenigstens eine Woche bewu�tlos sein.�</p><p>Denise und Francoise waren zu ihrer Herrin geeilt, und nachdem Poirot sie ihrer F�rsorge �bergeben hatte, verlie� er das Haus. Er schritt mit gesenktem Haupt gedankenvoll dahin.</p><p>Eine Zeitlang blieb ich stumm, endlich aber wagte ich eine Frage: �Glaubst du also, allem belastenden Material zum Trotz, an die Unschuld Jack Renaulds?�</p><p>Poirot antwortete nicht sofort, erst nach einer Pause sagte er ernst: �Ich wei� nicht, Hastings. Es gibt noch eine M�glichkeit. Nat�rlich hat Giraud unrecht - vom Anfang bis zum Ende. Wenn Jack Renauld wirklich schuldig sein sollte ... � Er zuckte mit den Achseln. �Und dabei ist die schwerste Anklage gegen ihn nur mir bekannt.�</p><p>�Und die w�re?� fragte ich.</p><p>�Wenn du von deinen grauen Zellen Gebrauch machtest und den Fall so klar wie ich s�hest, h�ttest auch du es bemerkt, mein Freund.�</p><p>Dies war, was ich eine von Poirots aufreizenden Antworten nannte. Ohne eine Entgegnung abzuwarten, fuhr er fort: �Schlagen wir diesen Weg ein - zum Meer hin. Wir wollen uns auf jener kleinen Anh�he niederlassen, die �ber den Strand hinausragt, und den Fall durchgehen. Du sollest alles erfahren, was ich wei�, aber es w�re mir lieber, du k�mest selbst der Wahrheit auf den Grund - durch eigene Denkarbeit, ohne da� ich dich mit der Hand darauf sto�e.�</p><p>Wir lie�en uns am Abhang nieder, wie Poirot es vorgeschlagen hatte, und sahen aufs Meer hinaus. Von den fernen Sandd�nen her schlug schwach das L�rmen der Badenden an unser Ohr. Bla�grau schimmerte das Meer, und der ruhige Ozean rief mir den Tag unserer Ankunft ins Ged�chtnis, meine damalige gute Laune und Poirots Behauptung, da� ich �unke�. Wie lange das zur�cklag! In Wirklichkeit waren es nur drei Tage!</p><p>�Denk nach mein Freund!� sagte Poirot ermunternd. �Ordne deine Gedanken. Aber systematisch und h�bsch der Reihe nach. Das ist das Geheimnis des Erfolges.�</p><p>Ich bem�hte mich zu gehorchen und lie� im Geiste alle Einzelheiten des Falles vor�berziehen. Und widerstrebend kam ich zu dem Schlusse, da� die einzig m�gliche richtige L�sung die von Giraud war - die aber Poirot verworfen hatte. Ich, �berlegte von neuem. Madame Daubreuil! Giraud wu�te nichts von ihrem Zusammenhang mit dem Fall Beroldy. Poirot hatte dem Fall Beroldy gro�e Bedeutung beigelegt. Dort also mu�te ich suchen. Nun war ich auf der richtigen Spur. Und pl�tzlich fuhr ich zusammen, da ein verbl�ffender Gedanke in meinem Kopfe aufblitzte.</p><p>�Dir f�llt etwas ein, wie ich sehe, mon ami! Gro�artig. Nur weiter.�</p><p>Ich richtete mich auf und setzte meine Pfeife in Brand.</p><p>�Poirot�, sagte ich, �wir scheinen merkw�rdig nachl�ssig gewesen zu sein. Ich sage ,wir' - obwohl es richtiger gewesen w�re, ich h�tte ,ich' gesagt. Aber f�r deine Geheimnistuerei mu� Strafe sein. Darum sage ich nochmals, ,wir' m�ssen merkw�rdig nachl�ssig gewesen sein. Wir haben jemanden v�llig vergessen.�</p><p>�Und wer sollte das sein?� fragte Poirot und zwinkerte mit den Augen.</p><p>�Georges Conneau!�</p></section><section><title><p id="_bookmark21"><strong>20</strong></p></title><p>Im n�chsten Augenblick k��te mich Poirot ungest�m auf beide Wangen.</p><p>�Endlich! Bist du nun soweit! Und ganz von selbst! Das ist fabelhaft! Nur weiter mit deinen Entdeckungen! Du hast vollkommen recht. Es war entschieden ein Unrecht von uns, da� wir Georges Conneau verga�en.�</p><p>Ich f�hlte mich durch das Lob des kleinen Mannes so geschmeichelt, da� es mir schwerfiel fortzufahren. Aber schlie�lich gelang es mir, meine Gedanken zu sammeln, und ich fuhr fort: �Georges Conneau verschwand vor zwanzig Jahren, aber wir haben keine Veranlassung anzunehmen, da� er tot ist.�</p><p>�Keineswegs�, stimmte Poirot zu. �Weiter.�</p><p>�Daher wollen wir annehmen, da� er noch am Leben ist.�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Oder wenigstens bis vor kurzem war.�</p><p>�Immer besser.�</p><p>�Wir wollen annehmen�, fuhr ich mit steigender Begeisterung fort, �da� er einsame Tage sah. Er wurde ein Verbrecher, ein Apache, ein Landstreicher - was du willst. Der Zufall f�hrt ihn nach Merlinville. Hier begegnet er der Frau, die er nie zu lieben aufgeh�rt hatte.�</p><p>�Ei, ei, wie sentimental�, spottete Poirot.</p><p>�Wo Ha� ist, ist auch Liebe�, zitierte ich etwas frei. �Jedenfalls trifft er sie hier, wo sie unter einem angenommenen Namen lebt. Aber sie hat einen Liebhaber, den Engl�nder Renauld. Georges Conneau, in dessen Erinnerung die alte Wunde wieder zu bluten beginnt, sucht H�ndel mit diesem Renauld. Er lauert ihm auf, als er sich zu seiner Geliebten begibt, und sticht ihn meuchlings nieder. Dann, voll Schrecken �ber seine eigene Tat, geht er daran, ein Grab zu graben. Es scheint mir nicht unwahrscheinlich, da� Madame Daubreuil aus dem Hause kam, um nach ihrem Geliebten Ausschau zu halten. Es kommt zu einer f�rchterlichen Szene zwischen ihr und Conneau. Er zerrt sie in den Schuppen und st�rzt pl�tzlich in einem epileptischen Anfall zusammen. Nun, nehmen wir an, erscheint Jack Renauld. Madame Daubreuil gesteht ihm alles und macht ihn auf die b�sen Folgen aufmerksam, die ihrer Tochter daraus erw�chsen, falls der alte Skandal wieder auflebte. Seines Vaters M�rder ist nicht mehr -sie m��ten ihr m�glichstes tun, um die Sache totzuschweigen. Jack Renauld willigt ein - geht nach Hause und gewinnt seine Mutter f�r seine Absichten. Genau nach dem Plan, den Madame Daubreuil ihm eingegeben hatte, lie� sie sich binden und knebeln. Nun, Poirot, was h�ltst du davon?� Stolz lehnte ich mich zur�ck, weil mir der Wiederaufbau des Falles mit so viel Erfolg gegl�ckt war. Nachdenklich sah Poirot mich an.</p><p>�Ich denke, du solltest f�rs Kino schreiben, mon ami�, bemerkte er schlie�lich.</p><p>�Du meinst -?�</p><p>�Die Geschichte, die du da erz�hltest, w�rde einen guten Film abgeben - aber sie hat mit dem Alltagsleben nichts gemein.�</p><p>�Ich gebe zu, da� ich nicht auf alle Einzelheiten einging, jedoch -�</p><p>�Du tatest sogar mehr, du schenktest ihnen keinerlei Beachtung. Wie stellst du dich zu der Bekleidung der beiden M�nner? Glaubet du, da� Conneau sein Opfer, nachdem er es erstochen hatte, des Anzugs beraubte, um ihn selbst anzulegen, und dann den Dolch wieder in die Wunde steckte?�</p><p>�Ich sehe nicht ein, was das ausmachen sollte�, entgegnete ich verstimmt. �Er k�nnte ja etliche Tage vorher durch Drohungen Kleider und Geld von Madame Daubreuil erlangt haben.�</p><p>�Durch Drohungen? Du bringst im Ernst so eine Vermutung vor?�</p><p>�Gewi�. Er k�nnte ihr gedroht haben, da� er den Renaulds enth�llen w�rde, wer sie sei, was wahrscheinlich alle ihre Hoffnungen bez�glich der Verehelichung ihrer Tochter vernichtet h�tte.�</p><p>�Du irrst dich, Hastings. Er konnte von ihr nichts erpressen, denn sie hatte die Waffe in der Hand. Georges Conneau, erinnere dich, wird noch immer wegen Mordes verfolgt. Ein Wort von ihr, und er ist in Todesgefahr.�</p><p>�Ich sah mich, wenn auch widerstrebend, gen�tigt, die Wahrheit dieser Erkl�rungen einzuseilen.</p><p>�Deine Theorie�, bemerkte ich s�uerlich, �ist ohne Zweifel korrekt bis in die kleinsten Einzelheiten.�</p><p>�Meine Theorie ist die Wahrheit�, sagte Poirot ruhig: �Und die Wahrheit ist notwendigerweise korrekt. Von allem Anfang an hatte deine Theorie einen Fehler. Du lie�est dich durch deine Phantasie irref�hren, durch leidenschaftliche Liebesszenen und Zusammenk�nfte um Mitternacht. Aber bei der Erforschung eines Verbrechens m�ssen wir uns auf realeren Boden stellen. Soll ich dir mein System entwickeln?�</p><p>�O ja, ich bitte darum!�</p><p>Poirot setzte sich straff auf und begann, wobei er seinen Zeigefinger bewegte, um den Argumenten mehr Nachdruck zu verleihen: �Ich will, wie du, mit Georges Conneau beginnen. Also, die Geschichte von den beiden Russen, die Madame Beroldy bei Gericht vorbrachte, war erwiesenerma�en erfunden. Wenn sie nicht direkt an dem Verbrechen beteiligt war, so war sie es doch indirekt dadurch, da� diese Geschichte ihre eigenste Erfindung war, wie sie selbst angab. War sie aber schuldig, so konnte der Plan ihrem Kopf entsprungen sein oder dem von Georges Conneau.</p><p>In unserem Falle nun begegnen wir derselben Erz�hlung. Wie ich dir schon fr�her auseinandersetzte, sprechen die Tatsachen dagegen, da� Madame Daubreuil das Verbrechen veranla�te. So greifen wir auf die Annahme zur�ck, da� es dem Hirn Georges Conneaus entsprang. Sehr gut. Georges Conneau also heckte das Verbrechen unter Mithilfe Madame Renaulds aus. Sie steht in grellem Lichte, die Gestalt jedoch, die im Schattenri� hinter ihr sichtbar wird, ist uns ihrem gegenw�rtigen Namen nach nicht bekannt.</p><p>Nun wollen wir einmal den Fall Renauld von Anfang an vornehmen, indem wir in chronologischer Ordnung die bedeutungsvollen Anhaltspunkte aneinanderreihen. Hast du Notizbuch und Bleistift? Gut. Nun, was haben wir als fr�hesten Anhaltspunkt vorzumerken?�</p><p>�Den Brief an dich?�</p><p>�Das war das erste, was ich davon erfuhr, aber es ist nicht der eigentliche Beginn des Falles. Der erste bedeutungsvolle Anhaltspunkt, sage ich, ist die Ver�nderung in Monsieur Renaulds Wesen, kurz nach seinem Eintreffen in Merlinville, eine Tatsache, die von einigen Zeugen best�tigt wird. Wir m�ssen auch seine Freundschaft zu Madame Daubreuil in Betracht ziehen und die gro�en Geldsummen, die er ihr �berwies. Von da kommen wir direkt zum 23. Mai.�</p><p>Poirot r�usperte sich und diktierte mir. Ich schrieb: �23. Mai, M. Renauld zankt mit seinem Sohn wegen dessen Absicht, Marthe Daubreuil zu heiraten. Der Sohn reist nach Paris.</p><p>24. Mai M. Renauld �ndert sein Testament und legt die Verwaltung seines Gesamtverm�gens in die H�nde seiner Gattin.</p><p>7. Juni. Streit mit einem Landstreicher im Garten, dessen Zeuge Marthe Daubreuil ist.</p><p>Brief an M. Hercule Poirot, mit der Bitte um Hilfe.</p><p>Telegramm an M. Jack Renauld, mit der Weisung, sofort auf der ,Anzona' nach Buenos Aires abzureisen. Chauffeur Masters bekommt Urlaub.</p><p>Am Abend Besuch einer Dame. Als er sie hinausbegleitet, fallen die Worte, ,ja, ja -- aber um Himmels willen gehen Sie jetzt ... '�</p><p>Poirot hielt inne.</p><p>�So, Hastings, betrachte jetzt sorgf�ltig jede dieser Tatsachen f�r sich, ob dir die Sache jetzt nicht in einem �ndern Licht erscheint.�</p><p>Ich versuchte auf das gewissenhafteste, seinem Wunsche zu entsprechen.</p><p>Nach einem Weilchen sagte ich z�gernd: �Was die ersten Punkte anbelangt, scheint es sich um die Frage zu handeln, ob wir uns f�r Erpressung oder f�r Verliebtheit entscheiden.�</p><p>�F�r Erpressung selbstverst�ndlich. Du h�rtest doch, was Stonor �ber seinen Charakter und seine Gewohnheiten sagte.�</p><p>�Madame Renauld schlo� sich dieser Ansicht nicht an�, bemerkte ich.</p><p>�Wir sahen doch schon, da� dem Zeugnis von Madame Renauld nicht zuviel Gewicht beizulegen ist. In diesem Punkt m�ssen wir uns auf Mr. Stonor verlassen.�</p><p>�Und doch, wenn Renauld Liebesbeziehungen zu einer Frau namens Bella unterhielt, sehe ich nicht ein, weshalb es von vornherein ausgeschlossen sein sollte, da� er nicht noch eine zweite Liebschaft mit Madame Daubreuil haben sollte.�</p><p>�Nein, keines von beiden, du kannst es mir glauben, Hastings. Oder bist du anderer Ansicht?�</p><p>�Aber der Brief, Poirot. Du vergi�t den Brief.�</p><p>�Nein, ich vergesse nichts. Aber woraus schlie�est du, da� dieser Brief an Monsieur Renauld gerichtet war?�</p><p>�Nun, er fand sich doch in seiner Tasche und - und -�</p><p>�Und das ist alles!� unterbrach Poirot. �Nirgends findet sich ein Name, aus dem geschlossen werden k�nnte, an wen er gerichtet war. Wir nehmen an, da� er den Ermordeten anging, weil er in dessen Manteltasche steckte. Nun, mon ami, mir fiel gleich etwas Ungew�hnliches an diesem Mantel auf. Ich ma� ihn und bemerkte, da� der Tote einen reichlich langen Mantel trug. Diese Bemerkung h�tte dir zu denken geben sollen.�</p><p>�Ich glaube, du h�ttest es gesagt, um irgend etwas zu sagen�, gestand ich.</p><p>�Aber ich bitte dich! Sp�ter sahst du, da� ich auch das Ma� des Mantels von Jack Renauld nahm. Nun, Monsieur Jack Renauld tr�gt einen auffallend kurzen Mantel. Stelle diese beiden Tatsachen einer dritten gegen�ber, n�mlich der, da� Monsieur Jack Renauld in fliegender Eile aus dem Hause scho�, um seinen Zug nach Paris zu erreichen, und sage mir, wie du dir das erkl�rst!�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich langsam, als mir die Bedeutung von Poirots Bemerkung aufd�mmerte. �Jener Brief galt Jack Renauld, nicht seinem Vater. In seiner Eile und Aufregung ergriff er den falschen Mantel.�</p><p>Poirot nickte.</p><p>�Ja! Wir k�nnen sp�ter darauf zur�ckkommen. Begn�gen wir uns f�r den Augenblick mit der Feststellung, da� der Brief nichts mit Renauld senior zu tun hatte, und gehen wir zum n�chsten chronologischen Ereignis �ber.�</p><p>�23. Mai�, las ich. �M. Renauld zankt mit seinem Sohn wegen dessen Absicht, Marthe Daubreuil zu heiraten. Der Sohn reist nach Paris!. Ich sehe daran nicht viel Bemerkenswertes, und die �nderung des Testaments am folgenden Tage ist doch gen�gend erkl�rbar. Es war die direkte Folge des Streites.�</p><p>�Wir sind einer Ansicht, mein Freund - wenigstens was die Sache betrifft:. Aber welcher tiefere Beweggrund veranla�te Monsieur Renauld zu dieser Ma�regel?� Ich �ffnete erstaunt die Augen. �Nun, selbstverst�ndlich Unwille gegen den Sohn.�</p><p>�Und doch schrieb er ihm z�rtliche Briefe nach Paris?�</p><p>�So sagt Jack Renauld, aber er kann sie nicht vorweisen.�</p><p>�Nun, sehen wir davon ab.�</p><p>�Jetzt kommen wir zu dem verh�ngnisvollen Tag. Wir brachten die Dinge, die sich am Morgen ereigneten, in eine gewisse Ordnung. Kannst du das erkl�ren?�</p><p>�Ich habe mich �berzeugt, da� der Brief an mich zur gleichen Zeit mit dem Telegramm aufgegeben wurde. Kurz darauf erhielt Masters seinen Urlaub. Meiner Ansicht nach fand der Streit mit dem Landstreicher vor diesen Ereignissen statt.�</p><p>�Ich wei� nicht, wieso du das so unanfechtbar behaupten kannst, ohne Mademoiselle Daubreuil dar�ber nochmals befragt zu haben.�</p><p>�Das ist �berfl�ssig. Ich bin meiner Sache vollkommen gewi�. Und wenn du das nicht siehst, dann siehst du �berhaupt nichts, Hastings.�</p><p>Ich warf ihm einen kurzen Blick zu.</p><p>�Nat�rlich! Ich bin ein Idiot. Wenn der Landstreicher Georges Conneau war, so f�hlte sich Renauld erst nach der st�rmischen Unterredung bedroht. Er entfernte Masters, den Chauffeur, den er im Solde der anderen w�hnte, er telegrafierte seinem Sohn, und er bat dich herzukommen.�</p><p>Schwaches L�cheln kr�uselte Poirots Lippen. �Findest du es nicht seltsam, da� er in seinem Brief dieselben Ausdr�cke gebraucht, wie sp�ter Madame Renauld in ihrer Erz�hlung? Und wenn die Erw�hnung von Santiago eine Irref�hrung war -weshalb sprach dann Renauld davon, und - noch mehr -weshalb sandte er seinen Sohn hin?�</p><p>�Ich gebe zu, da� dies merkw�rdig ist, aber vielleicht finden wir sp�ter eine Erkl�rung daf�r. Nun kommen wir zum Abend und dem Besuch der mysteri�sen Dame. Ich mu� gestehen, da� mir das ein R�tsel ist, falls es nicht doch Madame Daubreuil war, wie Francoise die ganze Zeit behauptete.�</p><p>Poirot sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Mein Freund, mein Freund, wo hast du deine Gedanken? Erinnere dich doch des Scheckfragmentes und der Tatsache, da� der Name Bella Duveen Mr. Stonor nicht unbekannt schien, und ich glaube, wir k�nnen es als selbstverst�ndlich ansehen, da� Bella Duveen der volle Name jener unbekannten Dame ist, die jenen Brief an Jack Renauld schrieb, und die an jenem Abend in der Villa Genevieve vorsprach. Ob sie nun die Absicht hatte, Jack aufzusuchen, oder ob sie sich an seinen Vater wenden wollte, k�nnen wir nicht mit Sicherheit behaupten, aber ich denke, wir k�nnen annehmen, da� dies der Fall war. Sie machte ihre Anspr�che auf Jack geltend, wies vermutlich Briefe von ihm vor, und der Vater versuchte sie durch einen Scheck abzufertigen, den sie emp�rt in St�cke ri�. Aus ihrem Brief sprach wirkliche Liebe, und sie empfand es wahrscheinlich aufs schmerzlichste, da� man ihr Geld bot. Schlie�lich wurde er sie los, und nun sind die Worte, die er sprach, von gro�er Bedeutung.�</p><p>�Ja, ja, aber um Himmels willen gehen Sie jetzt�, wiederholte ich. �Sie kommen mir nur etwas heftig vor, aber das ist alles.�</p><p>�Das gen�gt ja. Er konnte es kaum erwarten, da� das M�dchen sich entfernte. Weshalb? Nicht nur, weil die Unterredung unerquicklich war. Nein, aber die Zeit verging, und aus irgendeinem Grunde war sie kostbar.�</p><p>�Weshalb sollte sie es denn gewesen sein?� fragte ich verbl�fft.</p><p>�Das fragen wir uns selbst. Weshalb sollte sie es gewesen sein? Aber sp�ter haben wir den Zwischenfall mit der Armbanduhr - der wieder beweist, welche bedeutungsvolle Rolle in dem Verbrechen der Zeit zuf�llt. Wir n�hern uns jetzt schon fast dem wirklichen Drama. Um halb 11 Uhr verl��t Bella Duveen die Villa, und durch die Armbanduhr k�nnen wir nachweisen, da� das Verbrechen vor 12 Uhr ver�bt oder geplant war. Wir haben alle Ereignisse, die dem Mord vorangingen, mit Ausnahme eines einzigen, besprochen. Nach Aussage des Arztes war der Landstreicher, als er aufgefunden wurde, wenigstens achtundvierzig Stunden tot - mit einem m�glichen Spielraum von weiteren vierundzwanzig Stunden. Nun, ohne andere Gr�nde, als die bereits besprochenen, nahm ich an, da� der Tod ihn am Morgen des 7. Juni ereilte.�</p><p>Ich starrte ihn verbl�fft an.</p><p>�Aber wieso? Warum? Wieso kannst du das wissen?�</p><p>�Weil sich nur auf diese Weise die Reihenfolge der Ereignisse logisch erkl�ren l��t. Mon ami, ich habe dich nun Schritt f�r Schritt auf dem Weg nach vorw�rts geleitet. Siehst du noch immer nicht, was so offenkundig klar ist?�</p><p>�Mein lieber Poirot, ich kann gar nichts offenkundig Klares sehen. Ich dachte, ich w�re auf richtiger Spur, aber hoffnungsloser denn je irre ich im dunklen.�</p><p>Poirot blickte mich bedauernd an und sch�ttelte den Kopf. �Mein Gott, ist das traurig! Ein ganz kluger Kopf - aber ein so beklagenswerter Mangel an logischem Denkverm�gen. Es gibt eine ausgezeichnete Methode, die grauen Zellen zu entwickeln. Ich will sie dir erkl�ren -�</p><p>�Nicht jetzt, um Himmels willen! Du bist wirklich einer der aufreizendsten Menschen, Poirot. Um alles in der Welt, fahre fort und sag mir endlich, wer Monsieur Renauld t�tete.�</p><p>�Das eben wei� ich bis jetzt nicht sicher.�</p><p>�Aber du sagtest doch, es sei offenkundig klar?�</p><p>�Wir sprechen aneinander vorbei, mein Freund. Vergi� nicht, wir haben zwei Verbrechen zu untersuchen, f�r die - wie ich dir schon fr�her klarmachte - zwei Leichen n�tig sind. Nun, nun, werde nicht ungeduldig! Ich erkl�re dir alles. Wenden wir uns zuerst an unsere Psychologie. Wir haben drei Anhaltspunkte. Den ersten unmittelbar nach seiner Ankunft in Merlinville, den zweiten nach dem Streit mit seinem Sohn wegen einer ganz bestimmten Ursache, den dritten am Morgen des 7. Juni. Nun zu den drei Ursachen. Nummer eins k�nnen wir der Begegnung mit Madame Daubreuil zuschreiben. Nummer zwei h�ngt indirekt mit ihr zusammen, da es die geplante Heirat Jack Renaulds mit ihrer Tochter betrifft. Aber den Grund f�r Nummer drei kennen wir nicht. Wir m�ssen ihn ableiten. Nun, mon ami, eine Frage: Wer, glaubst du, ist der Urheber des Verbrechens?�</p><p>�Georges Conneau�, sagte ich entschlossen. �Richtig. Nun stellt Giraud den Grundsatz auf, da� eine Frau l�gt, um entweder sich oder den geliebten Mann oder ihr Kind zu retten. Da wir �berzeugt sind, da� Georges Conneau ihr diese L�gen vorschrieb und Georges Conneau nicht Jack Renauld ist, entf�llt die dritte Voraussetzung von selbst. Ferner macht die Annahme, da� Georges Conneau das Verbrechen entwarf, auch die erste Voraussetzung hinf�llig. So m�ssen wir uns zur zweitem bequemen - da� Madame Renauld um des Mannes willen log, den sie liebte - oder mit anderen Worten - um Georges Conneaus willen. Sind wir uns darin einig?�</p><p>�Ja�, gab ich zu. �Es scheint durchaus logisch.�</p><p>�Gut! Madame Renauld liebt Georges Conneau. Wer ist daher Georges Conneau?�</p><p>�Der Landstreicher.�</p><p>�Haben wir irgendeinen Grund zur Annahme, da� Madame Renauld den Landstreicher liebte?�</p><p>�Nein, aber -�</p><p>�Also? Klammere dich nicht an Theorien, die sich nicht aufrechterhalten lassen. Frage dich statt dessen, wen Madame Renauld liebte.�</p><p>Ich sch�ttelte erstaunt den Kopf.</p><p>�Aber ja, du wei�t es genau. Wen liebte Madame Renauld so sehr, da� sie leblos hinsank, als sie seine Leiche erblickte?�</p><p>Ich starrte ihn sprachlos an.</p><p>�Ihren Gatten?� hauchte ich.</p><p>Poirot nickte.</p><p>�Ihren Gatten - oder Georges Conneau, wie du es vorziehst, ihn zu nennen.�</p><p>Ich suchte mich zu fassen.</p><p>�Aber das ist ja unm�glich.�</p><p>�Wieso unm�glich? Waren wir nicht gerade einer Ansicht, da� Madame Daubreuil in der Lage war, Erpressung an Georges Conneau zu �ben?�</p><p>�Ja, aber -�</p><p>�Und erpre�te sie nicht genug von Monsieur Renauld?�</p><p>�Das mag richtig sein, aber -�</p><p>�Und ist es nicht richtig, da� wir von Monsieur Renaulds Jugend und Erziehung nichts wissen? Und da� er pl�tzlich, genau vor zweiundzwanzig Jahren, als Franke-Kanadier, ins Leben tritt?�</p><p>�All das ist richtig�, sagte ich sicherer, �aber du scheinst einen wichtigen Punkt zu �bersehen.�</p><p>�Welchen, mein Freund?�</p><p>�Nun, wir stellten doch fest, da� Georges Conneau das Verbrechen entwarf. Das bringt uns zu der l�cherlichen Voraussetzung, da� er seine eigene Ermordung plante!�</p><p>�Richtig, mein Freund�, sagte Poirot gelassen, �das tat er auch in Wirklichkeit!�</p></section><section><title><p id="_bookmark22"><strong>21</strong></p></title><p>Und Poirot fuhr fort: �Es erscheint dir seltsam, mon ami, da� ein Mann seinen eigenen Tod vorbereiten k�nne? So seltsam, da� du es vorziehst, die Wahrheit als zu phantastisch zu verwerfen, um dich an eine Geschichte zu klammern, die in Wirklichkeit noch zehnmal unwahrscheinlicher ist. Ja, Monsieur Renauld entwarf einen Plan f�r seinen Tod, mit einer Einschr�nkung aber, die dir vielleicht entgeht - da� er beabsichtigte, am Leben zu bleiben.�</p><p>Verbl�fft sch�ttelte ich den Kopf.</p><p>�Sieh doch, es ist wirklich ganz einfach�, sagte Poirot ruhig. �Das Verbrechen, das Monsieur Renauld ausdachte, bedurfte keines M�rders, wie ich dir schon sagte, sondern nur eines Leichnams. Lassen wir die Ereignisse nochmals an uns vor�berziehen, aber betrachten wir sie diesmal von einem anderen Gesichtspunkt.</p><p>Georges Conneau flieht vor der Gerechtigkeit nach Kanada. Dort heiratet er unter falschem Namen und erwirbt schlie�lich in S�damerika ein betr�chtliches Verm�gen, aber die Sehnsucht nach der Heimat l��t ihn nicht ruhen. Zwanzig Jahre sind indessen verflossen, sein �u�eres hat sich naturgem�� stark ver�ndert, au�erdem ist es unwahrscheinlich, da� man in einem sozial so hochstehenden Manne einen ehemaligen Verbrecher vermuten k�nnte. Er h�lt es also f�r v�llig ungef�hrlich, zur�ckzukehren. Er nimmt st�ndigen Aufenthalt in England, mit der Absicht, die Sommermonate in Frankreich zu verbringen. Doch der b�se Zufall oder jene r�tselhafte Gerechtigkeit, die bestimmend in der Menschen Schicksal eingreift und die nicht zul��t, da� sie sich den Folgen ihrer Handlungen entziehen, f�hrt ihn nach Merlinville. Gerade dort, an diesem einzigen Punkt des gro�en, weiten Frankreichs lebt der einzige Mensch, der ihn erkennen kann.</p><p>Dies ist nat�rlich eine Goldquelle f�r Madame Daubreuil, und sie verschm�ht nicht, aus dieser Goldquelle Vorteil zu sch�pfen. Er ist ihr hilflos in die Hand gegeben. Sie n�tzt die Situation nach Kr�ften aus. Und dann erfolgt das Unabwendbare. Jack Renauld verliebt sich in das sch�ne M�dchen, das er fast t�glich sieht, und will es heiraten. Dies regt seinen Vater auf. Um jeden Preis will er die Verbindung seines Sohnes mit der Tochter jenes schlechten Weibes verh�ten. Jack Renauld kennt die Vergangenheit seines Vaters nicht, doch Madame Renauld wei� alles. Sie ist eine Frau von besonderer Charakterst�rke und ihrem Gatten leidenschaftlich zugetan. Sie beraten miteinander. Renauld sieht nur einen Ausweg - den Tod. Er mu� scheinbar sterben, in Wirklichkeit aber in ein fernes Land fl�chten, wo er nochmals unter anderem Namen von neuem beginnen will, wohin Madame Renauld ihm folgen soll, nachdem sie eine Zeitlang die Witwenrolle gespielt hat. Es ist sehr wesentlich, da� sie �ber das Geld zu verf�gen hat, daher �ndert er sein Testament. Wie sie sich urspr�nglich mit dem Leichnam aus der Aff�re ziehen wollten, wei� ich nicht - vielleicht mit Hilfe eines medizinischen Skelettes und eines Feuers - oder sonst irgendwie, aber lange, ehe ihre Pl�ne gereift waren, ereignete sich ein Zwischenfall, der ihnen in die H�nde arbeitet. Zuf�llig ger�t ein Landstreicher, ein gewaltt�tiger Raufbold, in den Garten. Es kommt zu einem Kampf, Renauld bem�ht sich, ihn zu verjagen, und pl�tzlich sinkt der Landstreicher zu Boden, von epileptischem Krampf befallen. Und stirbt. Renauld ruft seine Frau herbei. Gemeinsam schleppen sie den Toten in den Schuppen - wie wir wissen, hatte sich der Vorfall im Freien abgespielt - und sie merken, welch wunderbar g�nstige Gelegenheit sich ihnen bietet. Der Mann sieht Renauld durchaus nicht �hnlich, aber er ist in mittleren Jahren, ein allt�glicher franz�sischer Typ. Das gen�gt.</p><p>Ich stelle mir etwa vor, da� sie auf jener Bank dort sa�en, au�erhalb der H�rweite des Hauses, und die Angelegenheit besprachen. Ihr Plan war bald gefa�t. Die Identifizierung mu�te sich allein auf Madame Renaulds Zeugnis st�tzen. Jack Renauld und der Chauffeur, der seit zwei Jahren in Renaulds Diensten stand, mu�ten entfernt werden. Es war unwahrscheinlich, da� die weibliche Dienerschaft in die N�he der Leiche ging, und f�r jeden Fall beabsichtigte Renauld, Ma�nahmen zu treffen, um jene hinters Licht zu f�hren, die keinen guten Blick f�r Einzelheiten haben. Masters wurde weggeschickt, ein Telegramm an Jack abgesandt, Buenos Aires gew�hlt, um der Geschichte, f�r die Renauld sich entschlossen hatte, Glaubw�rdigkeit zu verleihen. Da er von mir als einem ziemlich bekannten Detektiv geh�rt hatte, richtete er diesen Hilferuf an mich; er war sich wohl bewu�t, da� bei meiner Ankunft die Vorweisung des Briefes einen tiefen Eindruck auf den Untersuchungsrichter machen w�rde -was auch zutraf.</p><p>Sie kleideten den toten Landstreicher in einen Anzug Renaulds und lie�en seine zerlumpten Kleidungsst�cke bei der T�r des Schuppens zur�ck, da sie es nicht wagten, sie mit sich ins Haus zu nehmen. Und dann, um der Erz�hlung, die Madame Renauld vorzubringen hatte, Glaubw�rdigkeit zu verleihen, stie�en sie ihm noch den Dolch ins Herz. In der folgenden Nacht wollte Renauld erst seine Frau fesseln und knebeln und dann mit einem Spaten ein Grab in jenem besonderen Teil des Grundes graben, wo, wie er wu�te, ein -wie nennt ihr es doch? - Bunker gemacht werden sollte. Es war von gro�er Wichtigkeit, da� die Leiche gefunden w�rde -Madame Daubreuil durfte keinen Verdacht sch�pfen. Andererseits verringerte sich die Gefahr bei der Identifizierung, wenn unterdessen einige Zeit verstrichen war. Dann wollte Renauld die Lumpen des Landstreichers anlegen, zum Bahnhof eilen und mit dem Zug um 12.10 Uhr unbemerkt entkommen. Da angenommen werden sollte, da� das Verbrechen zwei Stunden sp�ter stattfand, konnte keinerlei Verdacht auf ihn fallen.</p><p>Du siehst nun, wie sehr ihn der ungelegene Besuch jener Bell beunruhigte. Jeder Augenblick Verz�gerung konnte seinen Pl�nen verh�ngnisvoll werden. Doch er entledigte sich ihrer so bald als m�glich. Und dann ans Werk! Er l��t den Haupteingang halb offen, um den Eindruck zu erwecken, da� die M�rder auf diesem Wege das Haus verlie�en. Er fesselt und knebelt Madame Renauld, verbessert aber den vor zwanzig Jahren begangenen Fehler, wo die zu locker gebundenen Stricke den Verdacht der Mitt�terschaft erregt hatten, instruiert sie im wesentlichen mit der gleichen Erz�hlung, die er damals erfunden hatte, wodurch er unbewu�t mangelhafte Originalit�t beweist. Die Nacht ist kalt, und er zieht einen Mantel �ber seine Unterkleider, in der Absicht, ihn zu dem Toten in das Grab zu legen. Er verl��t das Haus durch das Fenster und gl�ttet sorgf�ltig das Blumenbeet, wodurch er den sichersten Beweis gegen sich erbringt. Er begibt sich zu den einsamen Golfpl�tzen und gr�bt - und dann -�</p><p>�Nun?�</p><p>�Und dann�, sagte Poirot ernst, �erreichte ihn die Gerechtigkeit, der er so lange entgangen war. Eine unbekannte Hand sticht ihn in den R�cken ... Nun, Hastings, verstehst du, was ich meinte, als ich von zwei Verbrechen sprach. Das erste Verbrechen, jenes Verbrechen, das Monsieur Giraud in seinem Hochmut uns zu untersuchen �berlie� (ah, welch grenzenlosen Irrtum beging er da! Wie verkannte er Hercule Poirot!), dies Verbrechen ist aufgedeckt. Aber dahinter liegt ein tieferes R�tsel. Und es wird schwer sein, es zu l�sen - da der Verbrecher in seiner Klugheit sich darauf beschr�nkte, die Pl�ne M. Renaulds zu verwenden. Es galt, ein ganz verbl�ffendes, verwirrendes Geheimnis zu l�sen. Ein junger Mann wie Giraud, der in Psychologie kein Vertrauen setzt, mu�te fast sicher unterliegen.�</p><p>�Du bist gro�artig, Poirot�, sagte ich voll Bewunderung.</p><p>�Herrlich wie kein Zweiter! Auf der ganzen Welt h�ttest nur du das zustande gebracht!�</p><p>Ich glaube, mein Lob freute ihn. Denn zum erstenmal im Leben schien er verlegen.</p><p>�Du verachtest also nicht l�nger mehr den armen, alten Papa Poirot? Du k�ndigst dem menschlichen Sp�rhund die Treue?�</p><p>Diese Bezeichnung f�r Giraud entlockte mir immer ein L�cheln.</p><p>�Eigentlich ja. Du hast ihn restlos besiegt.�</p><p>�Der arme Giraud�, sagte Poirot und versuchte erfolglos bescheiden dreinzuschauen, �daran ist nur seine Dummheit schuld. Er hatte ein- oder zweimal Pech. Zum Beispiel das dunkle Haar, das um den Dolch geschlungen war. Das wenigste, was man dar�ber sagen kann, ist, da� es irref�hrte.�</p><p>�Um die Wahrheit zu gestehen, Poirot�, sagte ich langsam, �ich wei� noch immer nicht, wessen Haar es war?�</p><p>�Nat�rlich von Madame Renauld. Daher kam das Pech. Ihr urspr�nglich dunkles Haar ist schon fast v�llig silbergrau. Ebensogut h�tte ein graues Haar gefunden werden k�nnen -und dann w�re es Giraud trotz der denkbar gr��ten M�he nicht m�glich gewesen, sich einzureden, da� dies Haar vom Kopfe Jack Renaulds komme! Aber es ist immer das gleiche. Immer werden Tatsachen verzerrt, um sie der Theorie anzupassen. Fand Giraud nicht zweierlei Fu�spuren in der H�tte, die Spuren eines Mannes und einer Frau? Und wie pa�t das in seine Rekonstruktion des Falles? Ich will es dir sagen. Es pa�t nicht hinein, daher werden wir nichts mehr davon h�ren! Ich frage dich, nennt man das systematisch arbeiten? Der gro�e Giraud! Der gro�e Giraud ist nichts anderes als ein Luftballon, von seiner eigenen Wichtigkeit geschwellt. Aber ich, Hercule Poirot, den er verachtet, werde die kleine Nadel sein, die den gro�en Ballon durchsticht ... so!� Und er machte die begleitende Geste dazu.</p><p>Dann fuhr er ruhiger fort: �Madame Renauld wird gewi� sprechen, wenn sie sich erholt hat. Die M�glichkeit, da� ihr Sohn des Mordes bezichtigt werden k�nnte, kam ihr niemals in den Sinn. Wie h�tte das ihr auch einfallen sollen, da sie ihn sicher auf See, an Bord der ,Anzona' w�hnte. Ah, welch eine Frau ist das, Hastings! Welche Kraft, welche Selbstbeherrschung! Nur einmal beging sie einen Fehler. Bei seiner unverhofften R�ckkehr: Jetzt - ist es alles eins.' Und niemandem fiel die Bedeutung dieser Worte auf. Welche schreckliche Rolle war ihr zugefallen, der armen Frau. Stelle dir ihr Entsetzen vor, als sie ging, den Leichnam zu identifizieren, und statt des erwarteten untergeschobenen den wirklich entseelten K�rper ihres Gatten vor sich sah, des Gatten, den sie schon meilenweit fern glaubte. Kein Wunder, da� sie ohnm�chtig wurde! Aber seither ... wie fest entschlossen spielte sie trotz ihres Schmerzes und ihrer Verzweiflung ihre Rolle weiter, und welche Qualen mu� sie getragen haben! Sie kann kein Wort sagen, um uns auf die Spur der wirklichen M�rder zu weisen. Um ihres Sohnes willen darf niemand wissen, da� Paul Renauld kein anderer war als Georges Conneau, der Verbrecher. Schlie�lich, und als bittersten Schlag, gab sie �ffentlich zu, Madame Daubreuil w�re ihres Gatten Geliebte gewesen - denn eine Anspielung auf Erpressung h�tte ihrem Geheimnis verh�ngnisvoll werden k�nnen. Wie klug wu�te sie dem Untersuchungsrichter zu begegnen, als er sie fragte, ob es in dem Leben ihres Mannes kein Geheimnis gegeben habe.</p><p>�Nichts so Romantisches, denke ich, Monsieur.� Vollendet waren ihr nachsichtiger Tonfall, der Anflug trauriger Ironie. Sogleich kam sich Hautet l�cherlich melodramatisch vor. Ja, sie ist eine bedeutende Frau! Wenn sie einen Verbrecher liebte, so liebte sie ihn, als w�re sie eine K�nigin!�</p><p>Poirot verlor sich in Betrachtungen.</p><p>�Noch etwas, Poirot, was hat es f�r ein Bewandtnis mit dem St�ckchen Bleirohr?�</p><p>�Siehst du das nicht? Um das Gesicht des Opfers so zu verunstalten, da� es unkenntlich w�rde. Das zuerst wies mich auf die richtige Spur. Und Giraud, dieser Dummkopf, der dar�ber hinwegschw�rmte, um nach angebrannten Z�ndholzenden zu suchen! Sagte ich dir nicht, da� ein zwei Fu� langer Schl�ssel ebensoviel wert sein k�nnte, wie einer von zwei Zoll L�nge?�</p><p>�Nun, Giraud wird jetzt klein beigeben�, bemerkte ich eilig, um das Gespr�ch m�glichst bald von meinen eigenen Fehlern abzulenken.</p><p>�Ja - wird er das? Er wird sich keine Gedanken dar�ber machen, wenn er auf falschem Wege zum richtigen Ziel gelangte.�</p><p>�Aber sicherlich!� Ich hielt inne, als ich sah, welche Richtung die Dinge nahmen.</p><p>�Du siehst, Hastings, wir m�ssen von neuem beginnen. Wer t�tete Monsieur Renauld? Jemand, der gerade vor Mitternacht in der N�he der Villa war, jemand, der von seinem Tod Vorteile f�r sich erwartete. Die Beschreibung pa�t nur zu gut auf Jack Renauld. Das Verbrechen mu�te vorher nicht �berlegt worden sein. Und dann der Dolch!�</p><p>Ich starrte ihn an, ich hatte diesen Punkt nicht bedacht.</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich, �Madame Renaulds Dolch war der andere, den wir in dem Herzen des Landstreichers fanden. Es gab also zwei Dolche.�</p><p>�Gewi�, und da es sich um ein Duplikat handelt, mu� in Betracht gezogen werden, da� Jack der Eigent�mer sein konnte. Aber dies beunruhigt mich nicht zu sehr. Ich habe, um die Wahrheit zu sagen, meine eigene bescheidene Ansicht dar�ber. Nein, die schwerste Beschuldigung gegen ihn ist wieder psychologischer Natur - erbliche Belastung, mon ami, erbliche Belastung! Wie der Vater, so der Sohn von Georges Conneau, man mag sagen, was man will.�</p><p>Sein Ton war ernst und feierlich und machte wider meinen Willen Eindruck auf mich.</p><p>�Welches ist die Ansicht, die du eben erw�hntest?� fragte Ich.</p><p>Als Antwort sah Poirot auf seine unf�rmige Uhr und fragte dann: �Wann geht nachmittags das Schiff von Calais ab?�</p><p>�Ungef�hr um f�nf Uhr, glaube ich.�</p><p>�Das ist ausgezeichnet. Wir werden gerade zurechtkommen.�</p><p>�Du f�hrst nach England?�</p><p>�Ja, mein Freund.�</p><p>�Weshalb?�</p><p>�Um m�glicherweise einen Zeugen zu finden.�</p><p>�Wen?�</p><p>Mit einem etwas seltsamen L�cheln erwiderte Poirot: �Miss Bella Duveen.�</p><p>�Aber wie willst du sie finden, was wei�t du von ihr?�</p><p>�Ich wei� nichts von ihr - aber ich kann mir einiges denken. Wir k�nnen als sicher annehmen, da� sie wirklich Bella Duveen hei�t, und da ihr Name Gabriel Stonor irgendwie bekannt vorkam, wenn auch nicht in Zusammenhang mit der Familie Renauld, so ist es wahrscheinlich, da� sie der B�hne angeh�rt. Jack Renauld war ein zwanzigj�hriger J�ngling mit reichlich viel Geld. Man kann mit Sicherheit voraussetzen, da� seine erste Liebe auf der B�hne zu Hause war. Es pa�t auch zu dem Versuch Monsieur Renaulds, sie mit einem Scheck abzufertigen. Ich denke schon, da� ich sie finden werde, besonders mit Zuhilfenahme von diesem da.�</p><p>Und er brachte die Fotografie zum Vorschein, die er in meiner Gegenwart der Schublade Jack Renaulds entnommen hatte. �In Liebe von Bella�, stand quer �ber einer Ecke, aber nicht dies fesselte meine Blicke, Die �hnlichkeit war nicht in die Augen springend - doch f�r mich war sie unverkennbar. Es �berlief mich kalt, als w�re mir unaussprechliches Unheil widerfahren.</p><p>Es war das Antlitz Cinderellas.</p></section><section><title><p id="_bookmark23"><strong>22</strong></p></title><p>Einige Augenblicke lang stand ich wie erstarrt, das Bildnis noch in der Hand. Dann raffte ich all meinen Mut zusammen, um unbewegt zu scheinen, und gab es zur�ck. Zugleich warf ich einen schnellen Seitenblick auf Poirot. Hatte er etwas gemerkt? Zu meiner Beruhigung jedoch schien er mich nicht zu beachten. Das Ungew�hnliche meines Verhaltens mu�te ihm entgangen sein.</p><p>Lebhaft sprang er auf.</p><p>�Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir m�ssen in aller Eile Reisevorbereitungen treffen. Alles ist in Ordnung - das Meer wird ruhig sein!�</p><p>Im Tumult der Abreise hatte ich keine Zeit nachzudenken, aber einmal an Bord, vor Poirots Beobachtung sicher (der, wie gew�hnlich, die ausgezeichneten Ratschl�ge Dr. Laverguiers befolgte), nahm ich mich zusammen, um den Tatsachen gelassen zu begegnen. Was wu�te Poirot alles? Hatte er davon Kenntnis, da� meine Reisebekanntschaft und Bella Duveen ein und dieselbe waren? Weshalb hatte er das Hotel du Phare aufgesucht? Geschah es meinetwegen, wie ich annahm? Oder hatte ich mir dummerweise dies nur eingebildet, und sein Besuch galt einem tieferen, unheilvolleren Zweck?</p><p>Aber weshalb bestand er darauf, dieses junge M�dchen zu finden? Vermutete er, da� sie gesehen hatte, wie Jack Renauld das Verbrechen beging? Oder verd�chtigte er sie? Aber das war unm�glich! Das M�dchen hatte doch keinen Groll gegen den �lteren Renauld, keinen erkl�rbaren Grund, seinen Tod zu w�nschen. Was trieb sie zur�ck an den Schauplatz der Tat? Aufmerksam �berdachte ich alle Ereignisse. Sie mu�te den Zug in Calais verlassen haben, als ich mich an jenem Tage von ihr trennte. Kein Wunder also, da� ich sie auf dem Schiff nicht finden konnte. W�re sie zum Speisen in Calais geblieben und dann mit dem Zug nach Merlinville gefahren, dann h�tte sie gerade zu der von Francoise angegebenen Zeit in der Villa Genevieve eintreffen m�ssen. Was hatte sie getan, als sie knapp nach zehn Uhr das Haus verlie�? Vermutlich hatte sie ein Hotel aufgesucht oder war nach Calais zur�ckgekehrt. Und dann? Das Verbrechen war am Dienstag abend begangen worden. Donnerstag morgen war sie wieder in Merlinville. Hatte sie indessen �berhaupt Frankreich verlassen? Ich bezweifelte das sehr. Was hielt sie zur�ck - die Hoffnung, Jack Renauld zu sehen? Ich erz�hlte ihr (zur Zeit, da wir es alle glaubten), da� er auf hoher See, unterwegs nach Buenos Aires sei. Vielleicht wu�te sie, da� die ,Anzona' nicht in See gestochen war.</p><p>Aber um dies zu wissen, mu�te sie Jack gesprochen haben. Wollte Poirot dies in Erfahrung bringen? War Jack Renauld, als er zur�ckkehrte, um Marthe Daubreuil nochmals zu sehen, statt dessen Bella Duveen begegnet, dem M�dchen, das er verlassen hatte?</p><p>Ich begann klarer zu sehen. Wenn es sich wirklich so verhielt, so konnte dies Jack zu dem Alibi verhelfen, das er ben�tigte. Doch unter solchen Umst�nden war sein Schweigen schwer verst�ndlich. Warum sagte er das nicht geradeheraus? Bef�rchtete er, da� seine fr�here Liebschaft Marthe Daubreuil zu Ohren kommen k�nnte? Ich sch�ttelte unzufrieden den Kopf. Die Sache war doch harmlos genug gewesen, eine dumme Jungen- und M�delgeschichte, und ich �berlegte zynisch, da� der Sohn eines Million�rs kaum zu bef�rchten habe, von einem mittellosen franz�sischen M�dchen, das ihn liebte, ohne zwingenden Grund den Laufpa� zu erhalten.</p><p>Ich fand die ganze Sache r�tselhaft und unbefriedigend. Es war mir h�chst unangenehm, durch Poirot an der Jagd nach dem M�dchen beteiligt zu sein, aber ich sah keinen anderen Ausweg, ohne ihm alles zu gestehen, und dies war ich aus mehreren Gr�nden nicht willens zu tun.</p><p>Frisch und l�chelnd kam Poirot in Dover wieder zum Vorschein, und unsere Reise nach London verlief ereignislos. Es war neun Uhr vorbei, als wir ankamen, und ich vermutete, wir w�rden uns schnurstracks in unsere Wohnung begeben und bis zum n�chsten Morgen nichts mehr unternehmen. Aber Poirot dachte anders.</p><p>�Wir d�rfen keine Zeit verlieren, mon ami. Die Nachricht von der Verhaftung wird zwar nicht vor morgen nachmittag in den englischen Bl�ttern stehen, aber trotzdem d�rfen wir keine Zeit verlieren.�</p><p>Ich konnte seinem Gedankengang nicht ganz folgen und fragte nur, wie er das M�dchen zu finden beabsichtige.</p><p>�Du entsinnst dich doch des Theateragenten Joseph Aaron? Nein? Ich half ihm einmal in Angelegenheiten eines japanischen Ringk�mpfers. Ich will dir n�chstens einmal die kleine Geschichte erz�hlen. Er wird uns sicher den Weg weisen k�nnen, auf dem wir finden werden, was wir suchen.�</p><p>Es brauchte geraume Zeit, bis wir Mr. Aarons habhaft wurden, endlich aber, nach Mitternacht, waren wir so weit. Er begr��te Poirot mit allen Anzeichen freudiger �berraschung und erkl�rte sich bereit, uns nach jeder Richtung hin zu Diensten zu sein.</p><p>�Es gibt auf den Brettern wenig, was mir unbekannt w�re�, sagte er liebensw�rdig l�chelnd.</p><p>�Ausgezeichnet, Mr. Aaron, ich suche n�mlich ein M�dchen namens Bella Duveen.�</p><p>�Bella Duveen. Ich kenne den Namen, ich wei� ihn nur augenblicklich nicht unterzubringen. Was ist ihr Fach?�</p><p>�Das wei� ich nicht - doch hier ist ihre Fotografie.�</p><p>Mr. Aaron betrachtete sie eine Weile, dann hellte sein Gesicht sich auf.</p><p>�Hab's schon.� Er schlug sich auf die Schenkel. �Die Duleibella Kids, bei Gott!�</p><p>�Die Duleibella Kids?�</p><p>�So ist es. Es sind Schwestern. Akrobatinnen, T�nzerinnen und S�ngerinnen. Nette kleine Varietenummer. Ich glaube, sie d�rften jetzt irgendwo in der Provinz sein -wenn sie nicht gerade Erholungsurlaub nahmen. Die letzten zwei, drei Wochen waren sie in Paris.�</p><p>�K�nnen Sie mir ganz genau ausfindig machen, wo sie sind?�</p><p>�Nichts leichter als das. Gehen Sie jetzt nach Hause, und morgen fr�h h�ren Sie von mir.�</p><p>Nach diesem Versprechen verabschiedeten wir uns. Man konnte sich auf sein Wort verlassen. Am n�chsten Tage gegen elf Uhr erhielten wir ein gekritzeltes Billett.</p><p>�Die Schwestern Duleibella spielen im ,Palace' in Coventry. Gl�ckauf!�</p><p>Ohne weiteren Verzug begaben wir uns nach Coventry. Poirot erkundigte sich nicht erst im Theater, sondern l�ste Sperrsitze f�r die Abendvorstellung des Varietes.</p><p>Die Vorf�hrungen waren �ber alle Ma�en langweilig -oder vielleicht lie� meine Stimmung sie nur so scheinen. Japanische Familien balancierten die verschiedensten Dinge mit verbl�ffender Sicherheit, elegantseinsollende M�nner, in gr�nlichen Abendanz�gen und mit vorz�glich gegl�ttetem Haar, stampften moderne T�nze in prachtvoller Vollendung. Umfangreiche Primadonnen sangen bis in die h�chsten H�hen menschlicher Register, und ein Komiker bem�hte sich mit wechselndem Erfolg.</p><p>Endlich wurde die Nummer aufgezogen, welche die Duleibella Kids ank�ndigte. Mein Herz schlug zum Zerspringen. Da war sie - oder eigentlich, da waren beide, ein Geschwisterpaar, die eine flachshaarig, die andere dunkel, gleich gro�, mit kurzen duftigen R�ckchen und riesenhaften braunen Schleifen. Sie sahen wie zwei sehr pikante Kinder aus. Sie begannen zu singen. Ihre Stimmen klangen frisch und echt, etwas d�nn und varietem��ig zwar, aber sympathisch.</p><p>Es war eine recht h�bsche kleine Abwechslung. Sie tanzten niedlich und vollf�hrten einige geschickte, kleine Akrobatenkunstst�cke. Die Texte ihrer Lieder waren frisch und gef�llig. Als der Vorhang fiel, klang lauter Beifall. Die Duleibella Sisters waren offenbar ein Erfolg.</p><p>Pl�tzlich war mir, als k�nne ich nicht l�nger bleiben. Ich mu�te an die Luft hinaus. Ich schlug Poirot vor, den Saal zu verlassen.</p><p>�Aber selbstverst�ndlich, mon ami. Ich unterhalte mich und m�chte bis zum Schlu� bleiben. Ich folge dir sp�ter.�</p><p>Vom Theater bis zum Hotel waren nur wenige Schritte. Ich ging in die Halle, bestellte Soda mit Whisky und starrte nachdenklich in den leeren Kamin, w�hrend ich das Getr�nk schl�rfte. Ich h�rte, da� die T�r ge�ffnet wurde, und wandte den Kopf, in der Meinung, es sei Poirot. Dann sprang ich auf. Auf der Schwelle stand Cinderella. <emphasis>Sie</emphasis> sprach z�gernd, und ihr Atem ging schwer.</p><p>�Ich sah Sie ganz vorn sitzen. Sie und Ihren Freund. Als Sie aufstanden, um fortzugehen, wartete ich drau�en und folgte Ihnen. Weshalb kamen Sie nach Coventry? Was suchten Sie heute abend hier? War jener Mann neben Ihnen der Detektiv?�</p><p>Sie stand dort, und der Mantel, den sie �ber ihr B�hnenkost�m geworfen hatte, glitt von ihren Schultern. Ich sah die Bl�sse ihrer Wangen unter der Schminke und h�rte die Angst aus ihrer Stimme. Und in diesem Augenblick verstand ich alles - verstand, weshalb Poirot sie suchte, verstand, was sie bef�rchtete, und verstand endlich auch mein eigenes Herz</p><p>�Ja�, sagte ich freundlich.</p><p>�Sucht er - nach mir?� fragte sie fl�sternd.</p><p>Dann, als ich nicht sofort antwortete, glitt sie an dem gro�en Fauteuil nieder und brach in heftiges, bitterliches Schluchzen aus.</p><p>Ich kniete neben ihr, nahm sie in die Arme und strich ihr das Haar aus dem Gesicht.</p><p>�Weinen Sie nicht, Kind, weinen Sie nicht, um Gottes willen. Hier sind Sie sicher. Ich will Sie sch�tzen. Weinen Sie nicht, Liebling. Weinen Sie nicht. Ich wei� - ich wei� alles.�</p><p>�O nein, sicher nicht!�</p><p>�Ich glaube doch.�</p><p>Und einen Augenblick sp�ter, als ihr Schluchzen nachlie�, fragte ich: �Sie nahmen doch den Dolch, nicht wahr? Und deshalb verlangten Sie von mir, herumgef�hrt zu werden? Und deshalb gaben Sie vor, in Ohnmacht zu fallen?�</p><p>Wieder nickte sie. Welch sonderbarer Einfall, damals zu mir zu kommen. Wie tapfer hatte sie an jenem Tage ihre Rolle durchgef�hrt, wo sie doch innerlich bebend Folterqualen litt. Armes kleines Herz, das nun die Last einer im Impuls begangenen Tat zu tragen hatte.</p><p>�Weshalb nahmen Sie den Dolch?� fragte ich jetzt.</p><p>Sie antwortete einfach, wie ein Kind: �Ich f�rchtete, es k�nnten Fingerabdr�cke darauf gefunden werden.�</p><p>�Erinnerten Sie sich denn nicht mehr, da� Sie Handschuhe trugen?�</p><p>Sie sch�ttelte verbl�fft den Kopf und sagte langsam: �Werden Sie mich der Polizei angeben?�</p><p>�G�tiger Gott, nein!�</p><p>Ihre Augen suchten die meinen und blickten mich lange und ernsthaft an, dann fragte sie mit leiser sch�chterner Stimme, als h�tte sie Angst vor sich selbst: �Warum nicht?�</p><p>Es war wohl nicht der Ort und nicht die Zeit f�r eine Liebeserkl�rung - und Gott wei�, mein Leben lang h�tte ich mir nicht vorgestellt, da� die Liebe in dieser Art �ber mich kommen werde.</p><p>Aber nun antwortete ich schlicht: �Weil ich Sie liebe, Cinderella.�</p><p>Sie neigte wie versch�mt den Kopf und fl�sterte beinahe tonlos: �Das k�nnen Sie nicht - nein, das k�nnen Sie nicht -wenn Sie wissen -� Und dann, als ob sie sich gefa�t h�tte, trat sie mir trotzig entgegen und fragte: �-Was wissen Sie denn �berhaupt?�</p><p>�Ich wei�, da� Sie Monsieur Renauld aufgesucht haben. Er bot Ihnen einen Scheck, den Sie entr�stet in St�cke rissen. Dann verlie�en Sie das Haus -� Ich hielt inne.</p><p>�Weiter - was dann?�</p><p>�Ich wei� nicht, ob Ihnen bekannt war, da� Jack Renauld in jener Nacht kommen w�rde, oder ob Sie auf gut Gl�ck auf die Gelegenheit warteten, ihn zu sehen - aber jedenfalls warteten Sie. Vielleicht f�hlten Sie sich gerade recht ungl�cklich und gingen planlos hin und her - jedenfalls waren Sie vor zw�lf Uhr noch in n�chster N�he und erblickten einen Mann auf dem Golfplatz -�</p><p>Wieder hielt ich inne. Ich hatte die Wahrheit blitzartig erfa�t, als sie ins Zimmer getreten war. Hier nun nahm das Bild immer deutlichere Formen an. Ich sah das eigenartige Muster des Mantels vor mir, mit dem der Leichnam Monsieur Renaulds bekleidet war, und mir fiel die verbl�ffende �hnlichkeit ein, die, als der Sohn in unsere Versammlung im Salon einbrach, mich erschreckte, weil ich einen Augenblick lang dachte, der Ermordete sei von den Toten auferstanden.</p><p>�Weiter�, dr�ngte das junge M�dchen.</p><p>�Ich stelle mir vor, sein R�cken war Ihnen zugewandt und Sie erkannten ihn - oder glaubten ihn zu erkennen. Sein Gang war Ihnen vertraut, ebenso das Muster seines Mantels.� Ich hielt inne. �Sie erz�hlten mir auf unserer gemeinsamen Fahrt von Paris, da� Sie italienisches Blut in den Adern h�tten, wodurch Ihnen schon einmal beinahe gro�e Unannehmlichkeiten erwachsen w�ren. Sie drohten Jack Renauld in einem Ihrer Briefe. Als Sie ihn dort erblickten, steigerte sich Ihre Wut und Eifersucht zum Wahnsinn - und Sie stie�en zu. Ich glaube keinen Augenblick, da� es Ihre Absicht war, ihn zu t�ten. Aber Sie t�teten ihn, Cinderella.�</p><p>Sie bedeckte ihr Antlitz mit den H�nden und sagte mit erstickter Stimme: �Sie haben recht ... Sie haben recht ... Ich sehe es vor mir, wie Sie es erz�hlen.� Und beinahe wild fuhr sie fort. �Und Sie lieben mich? Trotz allem lieben Sie mich?�</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte ich ein wenig unsicher. �Ich denke, die Liebe ist nun einmal so - ein Ding, wogegen es keine Hilfe gibt. Ich versuchte, dagegen anzuk�mpfen vom Tage unserer ersten Begegnung an. Aber die Liebe war st�rker als ich.�</p><p>Und dann pl�tzlich, als ich es am wenigsten erwartete, brach sie wieder zusammen, warf sich zu Boden und schluchzte wild. �Oh, ich kann nicht�, schrie sie. �Ich wei� nicht, was ich tun soll. Oh, wenn nur irgend jemand Mitleid mit mir h�tte und mir sagte, was ich tun soll!�</p><p>��ngstigen Sie sich nicht, Bella. Um Gottes willen, �ngstigen Sie sich nicht! Ich liebe Sie, es ist wahr, - aber ich erwarte keine Gegenliebe. Ich m�chte Ihnen nur helfen. Lieben Sie ihn nur weiter, wenn Sie nicht anders k�nnen, aber erlauben Sie mir, Ihnen zu helfen, da er es nicht kann.�</p><p>Erst schien sie wie zu Stein erstarrt. Dann hob sie den Kopf und blickte mich an.</p><p>�Das glauben Sie?� fl�sterte sie. �Sie glauben, da� ich Jack Renauld liebe?�</p><p>Dann schlang sie leidenschaftlich ihre Arme um meinen Hals und schmiegte halb lachend, halb weinend ihr s��es, tr�nenfeuchtes Antlitz an meine Wange.</p><p>�Nicht so, wie ich Sie liebe�, fl�sterte sie. �Nie habe ich ihn so geliebt!�</p><p>Ihre Lippen ber�hrten meine Wangen, dann - suchte sie meinen Mund und k��te mich wieder voll Z�rtlichkeit und beinahe unwirklicher Glut. Ihre Leidenschaft und meine Verwunderung dar�ber vergesse ich nie - nie, so lange ich lebe!</p><p>Von der T�r kam ein Ger�usch, das uns aufblicken lie�. Dort stand Poirot und sah uns zu.</p><p>Ich z�gerte nicht. Mit einem Sprung war ich an seiner Seite und umklammerte seine H�nde.</p><p>�Rasch�, sagte ich zu dem M�dchen. �Verschwinden Sie, so schnell Sie k�nnen. Ich halte ihn fest.�</p><p>Sie warf mir einen Blick zu und flog aus dem Zimmer, an uns vorbei. Ich hielt Poirot mit eisernem Griff.</p><p>�Mon ami�, bemerkte er sanft, �solche Dinge machst du ausgezeichnet. Der starke Mann h�lt mich mit Gewalt, und ich bin hilflos wie ein Kind. Aber all dies ist unbequem und etwas l�cherlich. Kommen wir zur Ruhe.�</p><p>�Du wirst sie nicht verfolgen?�</p><p>�Du liebe G�te - nein. Bin ich Giraud? La� mich los, mein Freund.�</p><p>Ich lie� ihn aus der Umklammerung, behielt ihn aber mi�trauisch im Auge, da ich ihm das Kompliment machen mu�te, da� er mir an Schlauheit weit �berlegen war. Er sank in einen Lehnstuhl und bef�hlte besorgt seine Arme.</p><p>�Du bist stark wie ein Stier, wenn du gereizt bist, Hastings! Und denkst du, da� du dich anst�ndig gegen deinen alten Freund benahmst? Ich zeige dir das Bild des M�dchens, und du erkennst es, sagst aber kein Wort.�</p><p>�Es war keine Veranlassung dazu, da du wu�test, da� ich sie erkannte�, sagte ich etwas bitter.</p><p>So hatte es Poirot die ganze Zeit gewu�t! Ich hatte ihn nicht einen Moment t�uschen k�nnen.</p><p>�Ta, ta! Du wu�test nicht, da� ich es wu�te. Und heute abend verhilfst du dem M�dchen zur Flucht, nachdem wir sie endlich mit so viel M�he gefunden hatten. Sch�n - nun kommt es darauf an - willst du von nun an mit mir oder gegen mich arbeiten, Hastings?�</p><p>Eine Weile schwieg ich. Es war mir schmerzlich, mit meinem alten Freund zu brechen. Doch mu�te ich mich endg�ltig gegen ihn stellen. Ich fragte mich, ob er mir je vergeben w�rde. Bis jetzt war er merkw�rdig ruhig geblieben, aber ich kannte seine bewundernswerte Selbstbeherrschung.</p><p>�Poirot�, sagte ich, �es tut mir leid - ich wei�, da� ich mich schlecht gegen dich benahm. Doch man hat manchmal keine Wahl. Und in Zukunft mu� ich meinen eigenen Weg gehen.�</p><p>Poirot nickte mehrmals.</p><p>�Ich verstehe�, sagte er. Der sp�ttische Schimmer in seinen Blicken erstarb, und er sprach so aufrichtig und g�tig, da� ich mich wundern mu�te. �So ist es, mein Freund, nicht wahr? Die Liebe ist gekommen - nicht wie du es dir vorstelltest - triumphierend mit Pauken und Trompeten, sondern traurig - mit wunden F��en. Nun, nun - ich warnte dich. Als ich erriet, da� dieses M�dchen den Dolch entwendet haben mu�te, warnte ich dich. Vielleicht wei�t du es noch. Aber schon war es zu sp�t. Sage mir aber, was wei�t du alles?�</p><p>Ich sah ihm gerade in die Augen.</p><p>�Du wirst mir nichts erz�hlen, was mich �berraschen k�nnte, Poirot. Du verstehst mich. Aber f�r den Fall, da� du die Absicht h�ttest, die Suche nach Miss Duveen wiederaufzunehmen, sollst du eines klar und deutlich wissen. Wenn du dir einbildest, da� sie in das Verbrechen verwickelt war oder da� sie mit jener mysteri�sen Dame identisch ist, die damals Monsieur Renauld aufsuchte, so irrst du dich. Ich reiste an jenem Tage mit ihr aus Frankreich zur�ck, und wir trennten uns in Victoria Station, so da� es f�r sie glatt unm�glich war, an jenem Abend in Merlinville gewesen zu sein.�</p><p>�Ah�, Poirot blickte mich gedankenvoll an. �Und du w�rdest dies vor Gericht beschw�ren?�</p><p>�H�chstwahrscheinlich.�</p><p>Poirot stand auf und verbeugte sich: �Mon ami! Es lebe die Liebe! Liebe kann Wunder wirken. Es ist direkt genial, was du da ausgedacht hast. Das t�uscht sogar Hercule Poirot!�</p></section><section><title><p id="_bookmark24"><strong>23</strong></p></title><p>Nach einer so erregten Aussprache, wie ich sie eben beschrieb, mu�te die Reaktion eintreten. Triumphierend begab ich mich an diesem Abend zur Ruhe, doch ich erwachte mit dem Bewu�tsein, da� alle Gefahren noch nicht beseitigt waren. Allerdings war in dem Alibi, das ich so pl�tzlich konstruiert hatte, keine L�cke zu finden. Wenn ich auf meiner Erz�hlung beharrte, war nicht einzusehen, wie man das M�dchen schuldig sprechen konnte. Es bestand keine alte Freundschaft zwischen uns, um den Verdacht zu rechtfertigen, da� ich einen Meineid schwor. Ich konnte beweisen, da� ich das M�dchen nur dreimal gesehen hatte. Nein, mein Einfall befriedigte mich noch immer - hatte nicht selbst Poirot zugegeben, da� er gut war?</p><p>Aber da hie� es nun schlau ans Werk gehen. Es war ja sehr sch�n von meinem kleinen Freund, da� er zugab, momentan in die Enge getrieben worden zu sein. Ich hatte viel zuviel Respekt vor seinen F�higkeiten, um mich in dieser Situation wohl zu f�hlen. Ich hatte nur eine sehr bescheidene Meinung von meinem Verstand, wenn es sich darum handelte, ihn dem seinen gegen�berzustellen. Poirot w�rde es nichts ausmachen, scheinbar zu unterliegen. Irgendwie w�rde er versuchen, den Spie� umzudrehen, und zwar gerade in einer Weise und zu einer Zeit, da ich es am wenigsten erwartete.</p><p>Am n�chsten Morgen trafen wir uns beim Fr�hst�ck, als ob nichts vorgefallen w�re. Poirots gute Stimmung war unersch�tterlich, doch schien es mir, als entdeckte ich eine leise Zur�ckhaltung in seinem Wesen, die mir neu war. Nach dem Fr�hst�ck k�ndigte ich meine Absicht an, ein wenig bummeln zu gehen. Da streifte mich ein boshafter Blick aus Poirots Augen.</p><p>�Wenn du eine Auskunft haben willst, brauchst du dich nicht zu bem�hen. Ich kann dir alles sagen, was du zu erfahren w�nschst. Die Duleibella Sisters haben ihren Kontrakt gebrochen und sind von Coventry abgereist - unbekannt wohin.�</p><p>�Ist das wirklich wahr, Poirot?�</p><p>�Du kannst es mir glauben, Hastings. Gleich heute morgen zog ich Erkundigungen ein. Was h�ttest du schlie�lich anders erwartet?�</p><p>Allerdings - unter diesen Umst�nden war nichts anderes zu erwarten gewesen. Cinderella hatten den schwachen Vorsprung benutzt, den ich ihr hatte verschaffen k�nnen, und w�rde sicher keine Minute verlieren, sich aus dem Bereich des Verfolgers zu entfernen. Das hatte ich ausgeheckt und beabsichtigt. Nichtsdestoweniger wu�te ich, da� ich mich in ein Netzwerk neuer Schwierigkeiten verstrickt hatte. Ich hatte keine M�glichkeit, mich mit dem M�dchen zu verst�ndigen, und es war doch von h�chster Wichtigkeit, da� sie erfuhr, welche Verteidigungsm�glichkeit mir eingefallen war. Nat�rlich war es denkbar, da� sie auf irgendeine Weise versuchen w�rde, mir ein W�rtchen zukommen zu lassen, aber ich glaubte nicht recht daran. Sie wu�te, welche Gefahr ihr drohte, wenn ihre Botschaft von Poirot aufgefangen w�rde. So war es f�r sie das einzig Richtige, f�r einige Zeit vollst�ndig zu verschwinden.</p><p>Aber was w�rde Poirot indessen beginnen? Ich beobachtete ihn genau. Er trug seine unschuldigste Miene zur Schau und blickte nachdenklich in die Ferne. Doch er sah zu gelassen und sorglos drein, um mich beruhigen zu k�nnen. Ich hatte mit Poirot die Erfahrung gemacht, da� er um so gef�hrlicher war, je unschuldiger er blickte. Seine Ruhe versetzte mich in Aufregung. Als er den �ngstlichen Ausdruck meines Gesichtes wahrnahm, l�chelte er gutm�tig.</p><p>�Du zerbrichst dir den Kopf, Hastings? Du fragst dich, weshalb ich mich nicht auf die Verfolgung st�rze?�</p><p>�Ja - ungef�hr.�</p><p>�Du w�rdest das tun, wenn du an meiner Stelle w�rest. Aber ich geh�re nicht zu jenen, die einen Genu� darin finden, in einem Lande hin und her zu rasen, um eine Nadel in einem Heuschober zu suchen, wie ihr Engl�nder sagt. Nein - la� Mademoiselle Bella Duveen nur laufen. Wenn es an der Zeit ist, werde ich wahrscheinlich imstande sein, sie zu finden. Bis dahin begn�ge ich mich zu warten.�</p><p>Ich starrte ihn zweifelnd an. Versuchte er mich irrezuf�hren? Ich hatte das irritierende Gef�hl, da� er sogar jetzt Herr der Situation sei. Mein Gef�hl der �berlegenheit schwand zusehends. Ich hatte die Flucht des M�dchens erm�glicht und einen glanzvollen Plan ausgearbeitet, um die Folgen ihrer �bereilten Tat von ihr abzuwenden - aber ich konnte meiner Gedanken nicht froh werden. Poirots vollkommene Ruhe erweckte tausenderlei Bef�rchtungen.</p><p>�Poirot, ich vermute�, sagte ich ein wenig sch�chtern, �da� ich nach deinen weiteren Pl�nen nicht fragen darf? Ich habe mir dieses Recht verscherzt.�</p><p>�Aber durchaus nicht. Sie sind kein Geheimnis. Wir kehren unverz�glich nach Frankreich zur�ck.�</p><p>�Wir?�</p><p>�Ganz richtig - ,wir'! Du wei�t ganz gut, da� du es dir nicht erlauben kannst, Papa Poirot aus den Augen zu verlieren. Nun? Oder nicht, mein Freund? Aber bitte, bleibe selbstverst�ndlich in England, wenn du willst -�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Er hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich durfte ihn nicht aus den Augen verlieren. Obwohl ich nicht erwarten konnte, nach allem, was vorgefallen war, weiter sein Vertrauter zu bleiben, war es mir doch m�glich, seine Handlungen zu �berwachen. Die einzige Gefahr f�r Bella war er. Giraud und der franz�sischen Polizei war ihr Vorhandensein gleichg�ltig. Ich mu�te mich daher um jeden Preis an Poirots Fersen heften.</p><p>W�hrend mir diese �berlegungen durch den Kopf gingen, betrachtete Poirot mich aufmerksam und nickte dann zufrieden.</p><p>�Ich habe also recht, nicht wahr? Und da du imstande w�rest, den Versuch zu machen, mir in irgendeiner albernen Verkleidung zu folgen - mit einem falschen Bart zum Beispiel, den jeder nat�rlich bemerken w�rde - ziehe ich es vor, da� wir gemeinsam reisen. Es w�rde mich sehr �rgern, wenn irgend jemand sich �ber dich lustig machte.�</p><p>�Sehr gut also. Aber ich will dich warnen -�</p><p>�Ich wei� - ich wei� alles. Du bist mein Feind! Sei denn mein Feind! Das regt mich nicht auf.�</p><p>�Solange es fair und offen und ehrlich ist -meinetwegen.�</p><p>�Du besitzest die englische Eigenschaft des fair play' zur Gen�ge! Nun, da deine Bedenken beschwichtigt sind, reisen wir unverz�glich. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Unser Aufenthalt in England war kurz, hat aber gen�gt. Ich wei� -was ich wissen wollte.�</p><p>Der Ton war leicht, aber f�r mich drang verschleierte Drohung aus seinen Worten.</p><p>�Doch -� begann ich und stockte.</p><p>�Doch - wie du sagst! Dich befriedigt offenbar die Rolle, die du spielst. Ich - ich besch�ftige mich mit Jack Renauld.�</p><p>Jack Renauld! Ich fuhr auf! Ich hatte den Stand der Dinge vollkommen vergessen. Jack Renauld im Gef�ngnis, und �ber ihm der drohende Schatten der Anklage. Ich sah nun die Rolle, die ich spielte, in d�sterem Licht. Ich konnte Bella retten, ja -aber ich lief dabei Gefahr, einen Unschuldigen dem Tode auszuliefern.</p><p>Voll Abscheu wies ich den Gedanken von mir. Das konnte nicht sein. Er w�rde freigesprochen werden. Man w�rde ihn sicher freisprechen. Aber wieder beschlich mich kalte Angst. Angenommen, er w�rde nicht freigesprochen? Was dann? Konnte ich das auf mein Gewissen nehmen - welch furchtbarer Gedanke! W�rde es schlie�lich so enden? Eine Entscheidung! Bella oder Jack Renauld? Das schnelle Pochen meines Herzens sagte, ich m�sse das M�dchen, das ich liebe, retten, was immer es mich kosten m�ge. Aber durch ein Menschenopfer? Das �nderte die Sache.</p><p>Was w�rde sie dazu sagen? Ich erinnere mich, da� kein Wort �ber Jack Renaulds Verhaftung �ber meine Lippen gekommen war. Bis jetzt befand sie sich in v�lliger Unkenntnis des Umstandes, da� ihr ehemaliger Freund unter Verdacht des scheu�lichen Verbrechens, das er nicht begangen hatte, verhaftet worden war. Wenn sie es erfuhr, wie w�rde sie sich dazu stellen? W�rde sie ihr Leben auf Kosten des seinen retten wollen? Selbstverst�ndlich durfte sie nichts �bereiltes tun. Jack k�nnte und w�rde wahrscheinlich ohne ihr Dazwischentreten freigesprochen werden. Wenn dies der Fall war, war ja alles gut. Aber wenn nicht? Das war das schreckliche, das unl�sbare Problem. Ich nahm an, da� sie nicht die strengste Strafe zu gew�rtigen hatte. Die Umst�nde des Verbrechens lagen ja in ihrem Falle ganz anders. Sie konnte Eifersucht und �u�erste Herausforderung vorbringen, und ihre Jugend und Sch�nheit w�rden das �brige tun. Die Tatsache, da� infolge eines tragischen Irrtums M. Renauld statt seines Sohnes die Zeche bezahlt hatte, w�rde an dem Motiv nichts �ndern. Aber f�r jeden Fall mu�te das Urteil eine lange Kerkerstrafe bedeuten.</p><p>Nein, Bella mu�te besch�tzt werden. Und gleichzeitig mu�te man Jack Renauld retten. Wie dies zu machen war, sah ich noch nicht klar. Aber ich baute auf Poirot. Er mu�te helfen! Komme, was da wolle, er w�rde es fertigbringen, einen Unschuldigen zu retten. Er mu�te einen anderen als den wirklichen Vorwand finden. Es mochte schwer sein, aber er w�rde es schon irgendwie fertigbringen. Und wenn dann Bella nicht verd�chtigt und Jack Renauld freigesprochen wurde, dann war alles zu einem guten Ende gekommen.</p><p>So sagte ich mir immer wieder, aber in der Tiefe meines Herzens lauerte es wie kalte Angst.</p></section><section><title><p id="_bookmark25"><strong>24</strong></p></title><p>Wir kreuzten am Abend mit dem Schiff von England hin�ber und trafen des Morgens in St. Omer ein, wohin Jack Renauld gebracht worden war. Poirot begab sich unverz�glich zu M. Hautet. Da er keinen Einspruch dagegen erhob, da� ich ihn begleitete, blieb ich bei ihm.</p><p>Nach Formalit�ten und Verhandlungen verschiedenster Art wurden wir in das Zimmer des Untersuchungsrichters gef�hrt. Er begr��te uns herzlich.</p><p>�Ich h�rte, Sie seien nach England zur�ckgekehrt, Monsieur Poirot. Ich freue mich, da� das Ger�cht sich nicht best�tigt.�</p><p>�Es ist richtig, da� ich hin�berfuhr, Monsieur, aber nur zu einem fl�chtigen Besuch. Eine Nebenfrage, die aber, wie mir schien, von gro�er Wichtigkeit f�r die Untersuchungen sein konnte.�</p><p>�Und war sie es -?�</p><p>Poirot zuckte die Achseln. M. Hautet nickte und seufzte. �Ich f�rchte, wir werden uns bescheiden m�ssen. Giraud hat wohl furchtbare Manieren, aber er ist gewi� begabt! Wenig Aussicht, da� er sich irren k�nnte!�</p><p>�Sie glauben nicht?�</p><p>Nun war es an dem Untersuchungsrichter, mit den Achseln zu zucken.</p><p>�Also, ehrlich gesprochen - und streng vertraulich selbstverst�ndlich -, k�nnen Sie zu einem anderen Schlu� gelangen?�</p><p>�Ehrlich gesprochen scheint es mir, da� es noch viele dunkle Punkte gibt.�</p><p>�Und die sind ... ?�</p><p>Doch Poirot lie� sich nicht ausholen.</p><p>�Ich habe sie noch nicht zusammengestellt�, bemerkte er. �Es war nur eine allgemeine Bemerkung. Ich mochte den jungen Mann gut leiden und w�rde tief bedauern, ihn eines so abscheulichen Verbrechens schuldig finden zu m�ssen. Wie verteidigt er sich �brigens?�</p><p>Der Richter runzelte die Stirn.</p><p>�Ich kann ihn nicht begreifen. Er scheint unf�hig zu sein, sich irgendeine Verteidigung zurechtzulegen. Es war sehr schwer, ihn zur Beantwortung der Fragen zu bewegen. Er beschr�nkt sich auf beharrliches Leugnen, und dar�ber hinaus verschanzt er sich hinter hartn�ckigstem Schweigen. Ich werde ihn morgen nochmals vernehmen. Vielleicht w�re es Ihnen angenehm, dabei zu sein?�</p><p>Wir nahmen die Einladung gerne an.</p><p>�Ein verzweifelter Fall!� sagte der Richter seufzend. �Ich habe tiefstes Mitgef�hl mit Madame Renauld.�</p><p>�Wie geht es ihr?�</p><p>�Sie hat das Bewu�tsein noch nicht wiedererlangt. Einesteils Ist es aber ein Gl�ck f�r die arme Frau, da ihr dadurch viel erspart wird. Die �rzte sagen, es bestehe keine Gefahr, es m�sse ihr aber nach M�glichkeit jede Erregung ferngehalten werden bis sie wieder bei Besinnung sei. Wenn ich recht verstehe, hat wohl der Schreck mindestens soviel zu ihrem jetzigen Zustand beigetragen wie der Fall. Es w�re furchtbar, wenn ihr Verstand gelitten h�tte; aber es w�rde mich durchaus nicht wundern - nein, durchaus nicht.�</p><p>Monsieur Hautet lehnte sich zur�ck, sch�ttelte den Kopf, als ob er traurig, doch zugleich mit Genu� jener d�steren Aussicht entgegens�he.</p><p>Darin richtete er sich gerade auf und bemerkte unvermittelt: �Da f�llt mir eben ein: Hier habe ich einen Brief f�r Sie, Monsieur Poirot.� Er durchst�berte seine Papiere. Endlich fand er das Schreiben und h�ndigte es Poirot ein. �Es wurde mir verschlossen zugestellt, mit der Bitte, es an Sie weiterzuleiten�, erkl�rte er. �Da Sie aber keine Adresse zur�cklie�en, mu�te ich davon absehen.�</p><p>Neugierig betrachtete Poirot den Brief. In langen, schr�gen, fremdartigen Z�gen, in ausgesprochener Frauenhandschrift war die Adresse geschrieben. Poirot �ffnete den Brief nicht. Er steckte ihn ein und erhob sich.</p><p>�Dann auf morgen. Vielen Dank f�r Ihr Entgegenkommen und Ihre Liebensw�rdigkeit.�</p><p>�Aber bitte sehr. Ich stehe immer zu Ihrer Verf�gung. Diese jungen Detektive, Schule Giraud, gleichen einander alle</p><p>-�es sind unh�fliche, sp�ttische Gesellen. Sie wollen nicht einsehen, da� ein Untersuchungsrichter meiner - hm -Erfahrung einen gewissen Scharfsinn haben mu�. Die H�flichkeit der alten Schule sagt mir unvergleichlich besser zu. Deshalb, lieber Freund, verf�gen Sie �ber mich, wie es Ihnen beliebt. Wir verstehen doch auch etwas davon, wir beide</p><p>-�nicht?�</p><p>Und M. Hautet verabschiedete sich herzlich lachend von uns. Er war von sich und uns begeistert. Es tut mir leid, berichten zu m�ssen, da� Poirots erste Bemerkung war, als wir den Gang entlangschritten: �Ein fideler alter Trottel! Von direkt mitleiderregender Dummheit!�</p><p>Eben als wir das Geb�ude verlie�en, kam uns Giraud entgegen, der, eingebildeter denn je zuvor, mit sich �u�erst zufrieden schien.</p><p>�Aha, Monsieur Poirot�, rief er. �Sie sind also wieder aus England zur�ck?�</p><p>�Wie Sie sehen�, sagte Poirot.</p><p>�Ich denke, die ganze Angelegenheit steht kurz vor ihrem Abschlu�.�</p><p>�Ich bin ganz Ihrer Ansicht, Monsieur Giraud.�</p><p>Poirot sprach mit ged�mpfter Stimme. Seine betr�bte Miene schien den anderen zu entz�cken.</p><p>�Oh, �ber diese w�sserigen Verbrecher! Keine Spur von Selbstverteidigung! Es ist zu merkw�rdig!�</p><p>�So merkw�rdig, da� es zu denken gibt, nicht wahr?� warf Poirot sanft dazwischen.</p><p>Aber Giraud h�rte nicht einmal. Er wirbelte nerv�s seinen Spazierstock. �Guten Tag denn, Monsieur Poirot. Ich freue mich, da� Sie sich schlie�lich mit der Schuld des jungen Renauld abgefunden haben.�</p><p>�Pardon, ich habe mich durchaus nicht abgefunden. Jack Renauld ist unschuldig.�</p><p>Giraud starrte einen Augenblick wortlos, dann brach er in helles Lachen aus, schlug sich bedeutungsvoll an die Stirn und bemerkte kurz: �Verr�ckt!�</p><p>Poirot richtete sich auf. Gef�hrlich blitzten seine Augen: �Monsieur Giraud, w�hrend der ganzen Dauer unserer gemeinsamen Arbeit hatten Sie es darauf angelegt, mich zu beleidigen. Sie verdienen eine Lehre. Ich bin bereit, um 500 Francs zu wetten, da� ich den M�rder Monsieur Renaulds vor Ihnen finden werde. Einverstanden?�</p><p>Giraud sah ihn hilflos an und fl�sterte nochmals: �Verr�ckt.�</p><p>�Nun also�, dr�ngte Poirot, �ist es abgemacht?�</p><p>�Ich habe kein Verlangen, Sie Ihres Geldes zu berauben.�</p><p>�Seien Sie beruhigt - es wird nicht dazu kommen!�</p><p>�Oh, dann bin ich einverstanden. Sie sprechen davon, da� meine Art Sie beleidigt h�tte! Nun, die Ihre hat mich des �fteren geh�rig ge�rgert.�</p><p>�Ich bin entz�ckt, das zu h�ren�, sagte Poirot. �Guten Morgen, Monsieur Giraud. Komm, Hastings.�</p><p>Als wir die Stra�e hinabgingen, sprach ich kein Wort. Mein Herz war schwer. Poirot hatte seine Absichten nur zu deutlich durchblicken lassen. Mehr als je zweifelte ich, da� es mir m�glich sein w�rde, Bella vor den Folgen ihrer Tat zu sch�tzen. Das ungl�ckselige Zusammentreffen mit Giraud hatte Poirot gereizt und zur Aufbietung aller Kraft angespornt.</p><p>Pl�tzlich f�hlte ich eine Hand auf meiner Schulter, und als ich mich umwandte, stand Gabriel Stonor vor mir. Wir blieben stehen und begr��ten ihn, und er machte sich erb�tig, uns ins Hotel zur�ckzubegleiten.</p><p>�Was tun Sie hier, Monsieur Stonor?� forschte Poirot. �Man mu� zu seinen Freunden stehen�, gab der andere trocken zur�ck. �Besonders wenn sie falsch beschuldigt werden.�</p><p>�So glauben Sie also nicht, da� Jack Renauld das Verbrechen beging?� fragte ich begierig.</p><p>�Nat�rlich glaube ich es nicht. Ich kenne den Burschen. Ich gebe zu, da� ein oder zwei Punkte dieser Geschichte mich vollst�ndig �berrumpelten, aber trotz seiner tollen Stellungnahme werde ich nie glauben, da� Jack Renauld ein M�rder ist.�</p><p>Das machte mir den Sekret�r sympathisch. Seine Worte nahmen eine geheime Last von meiner Seele.</p><p>�Ich zweifle nicht daran, da� viele wie Sie empfinden�, rief ich. �Es ist wirklich l�cherlich wenig Belastungsmaterial gegen ihn vorhanden. Ich m�chte behaupten, da� er bestimmt freigesprochen wird - bestimmt.�</p><p>Jedoch Stonors Antwort fiel nicht ganz so aus, wie ich w�nschte. �Ich g�be viel darum, k�nnte ich Ihre Ansicht teilen�, sagte er ernst. Dann wandte er sich an Poirot. �Was halten Sie davon, Monsieur?�</p><p>�Ich denke, da� die Sache f�r ihn sehr ung�nstig steht�, sagte Poirot ruhig.</p><p>�Glauben Sie an seine Schuld?� fragte Stonor scharf.</p><p>�Nein. Aber ich meine, es d�rfte ihm schwerfallen, seine Unschuld zu beweisen.�</p><p>�Er benimmt sich verdammt wunderlich�, murmelte Stonor. �Allerdings bin ich �berzeugt, da� viel mehr hinter der Sache steckt, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Giraud ist nicht der richtige Mann, denn er ist ein Au�enstehender, aber das Ganze ist eine verdammt merkw�rdige Angelegenheit. Er macht so viel unn�tze Worte. Wenn Madame Renauld etwas vertuschen will, werde ich mich nach ihr richten. Es ist ihre Sache, und ich achte ihren Scharfsinn viel zu sehr, um meine eigenen Ansichten aufzudr�ngen, aber ich kann mir Jacks Haltung nicht erkl�ren. Man ist versucht anzunehmen, da� er f�r schuldig gehalten werden will.�</p><p>�Aber das ist l�cherlich�, warf ich ein. �Erstens der -� Ich hielt inne, da ich nicht wu�te, inwiefern Poirot meine Einmischung billigen w�rde. Ich fuhr fort, w�hlte aber sorgf�ltig die Worte. �Wir wissen, da� der Dolch an jenem Abend nicht in Jacks H�nden sein konnte. Madame Renauld wei� es.�</p><p>�Richtig�, sagte Stonor. �Nach ihrer Genesung wird sie sicher das und noch mehr sagen. Nun mu� ich Sie aber verlassen.�</p><p>�Einen Augenblick.� Poirot hielt ihn zur�ck. �K�nnen Sie es einrichten, da� ich benachrichtigt werde, wenn Madame Renauld wieder zur Besinnung kommt?�</p><p>�Gewi�. Das ist leicht zu machen.�</p><p>�Der Hinweis auf den Dolch ist gut, Poirot�, betonte ich, als, wir die Treppen hinaufstiegen. �Ich wollte vor Stonor nicht so deutlich werden.�</p><p>�Das war sehr recht von dir. Wir wollen unsere Weisheit lieber so lange wie m�glich f�r uns behalten. Was aber den Dolch betrifft, wird dieser Hinweis Jack Renauld kaum herausrei�en. Entsinnst du dich, da� ich heute fr�h vor unserer Abreise aus London f�r eine Stunde fort war?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Nun, ich war bem�ht, jene Fabrik ausfindig zu machen, in der Jack Renauld seine Andenken anfertigen lie�. Es war nicht sehr schwer. Nun, Hastings, ich f�rchte, die Sache mit dem Dolch wird uns nicht helfen, ihn der Strafe zu entziehen.�</p><p>�Dazu darf es nicht kommen�, rief ich gequ�lt. Poirot sch�ttelte unsicher den Kopf.</p><p>�Du wirst ihn retten�, rief ich best�rzt.</p><p>�Machtest du es mir nicht unm�glich, mein Freund?�</p><p>�Du mu�t einen Ausweg finden�, murrte ich.</p><p>�Ah, Sapristi! Du verlangst ja Wunder von mir! Nein -kein Wort weiter. Sehen wir lieber nach, was da drin steht.�</p><p>Er zog den Brief aus der Brusttasche.</p><p>W�hrend des Lesens verzog er das Gesicht, dann reichte er mir das d�nne Briefblatt.</p><p>�Auch andere Frauen leiden, Hastings!�</p><p>Die Schriftz�ge waren verschwommen, und der Brief schien in gro�er Erregung zu Papier gebracht.</p><p>�Lieber M. Poirot!</p><p>Ich bitte Sie, mir nach Erhalt dieses Briefes zu Hilfe zu kommen. Ich wei� niemanden, an den ich mich wenden k�nnte, und Jack mu� gerettet werden, koste es, was es wolle. Ich flehe auf meinen Knien, bitte, helfen Sie uns.</p><p>Marthe Daubreuil.�</p><p>Ger�hrt gab ich den Brief zur�ck.</p><p>�Wirst du hingehen?�</p><p>�Sofort. Wir nehmen ein Auto.�</p><p>Eine halbe Stunde sp�ter betraten wir die Villa Marguerite. Marthe empfing uns an der T�r und geleitete Poirot ins Haus, wobei sie eine seiner H�nde mit ihren beiden umklammert hielt.</p><p>�Oh, Sie sind gekommen - wie lieb von Ihnen! Ich war der Verzweiflung nahe, da ich nicht wu�te, was zu tun sei. Man will mir nicht einmal erlauben, ihn im Gef�ngnis zu besuchen. Ich leide f�rchterlich, ich bin fast toll. Ist das richtig, was sie sagen, da� er seine Schuld gar nicht leugne? Das ist ja Wahnsinn. Es ist ganz ausgeschlossen, da� er es tat! Nicht einen Augenblick glaube ich daran.�</p><p>�Auch ich glaube nicht daran, Mademoiselle�, sagte Poirot ernst.</p><p>�Aber warum spricht er dann nicht? Ich kann es nicht begreifen.�</p><p>�Vielleicht will er jemand sch�tzen�, deutete Poirot an, indem er sie beobachtete.</p><p>Marthe blickte finster drein.</p><p>�Jemanden sch�tzen? Meinen Sie seine Mutter? Ah, ich verd�chtigte sie von Anfang an. Wer erbt das ganze, gro�e Verm�gen? Sie. Witwenkleider anlegen und Trauer heucheln ist nicht schwer. Und man sagt, als er verhaftet wurde, sei sie so hingefallen!� Sie machte eine dramatische Bewegung. �Und Monsieur Stonor, der Sekret�r, war ihr ganz sicher behilflich. Sie haben es dick hinter den Ohren, die beiden. Zwar ist sie �lter als er - aber was fragt ein Mann danach -wenn die Frau reich ist.� Bitterkeit klang aus ihrer Stimme.</p><p>�Stonor war in England�, warf ich ein.</p><p>�So sagt er - aber wer wei� es?�</p><p>�Mademoiselle�, sagte Poirot ruhig, �wenn wir gemeinsam vorgehen sollen, Sie und ich, mu� v�llige Klarheit zwischen uns sein. Vor allem mu� ich eine Frage an Sie richten.�</p><p>�Bitte, Monsieur.�</p><p>�Ist Ihnen der wirkliche Name Ihrer Mutter bekannt?�</p><p>Marthe starrte ihn einen Augenblick an, dann barg sie den Kopf in den H�nden und brach in Tr�nen aus.</p><p>�Na, na�, sagte Poirot und klopfte ihr auf die Schulter. �Beruhigen Sie sich, Kleine, ich sehe, da� Sie es wissen. Nun eine zweite Frage: Wu�ten Sie, wer Monsieur Renauld war?�</p><p>�Monsieur Renauld?� Sie blickte Poirot verwundert an.</p><p>�Ah, ich sehe, das wissen Sie nicht. Nun h�ren Sie mir aufmerksam zu.�</p><p>Schritt f�r Schritt ging er den Fall durch, so wie er es mir gegen�ber am Tag unserer Abreise nach England getan hatte. Marthe lauschte wie gebannt. Als er geendet hatte, atmete sie schwer.</p><p>�Sie sind ja wundervoll - bewundernswert! Sie sind der gr��te Detektiv der Welt.�</p><p>Schnell schl�pfte sie von ihrem Stuhl und kniete mit echt franz�sischem �berschwang vor ihm nieder.</p><p>�Retten Sie ihn Monsieur�, rief sie. �Ich liebe ihn so sehr. Oh, retten Sie ihn - retten Sie ihn - retten Sie ihn!�</p></section><section><title><p id="_bookmark26"><strong>25</strong></p></title><p>Am n�chsten Vormittag wohnten wir dem Verh�r Jack Renaulds bei. Ich war ersch�ttert �ber die Ver�nderung, die in der kurzen Zeit mit dem Gefangenen vor sich gegangen war. Seine Wangen waren eingefallen, tief umr�ndert seine Augen, und er blickte verst�rt und wirr, wie einer, der viele N�chte den Schlaf vergebens suchte. Er zeigte keinerlei Gem�tsbewegung, als er uns erblickte.</p><p>Der Gefangene und sein Rechtsbeistand, Maitre Grosier, hatten auf Sesseln Platz genommen. Ein riesengro�er Wachtposten mit gl�nzendem S�bel stand vor dem Eingang. Der geduldige Gerichtsschreiber sa� an seinem Pult. Das Verh�r begann.</p><p>�Renauld�, sagte der Richter, �leugnen Sie, in der Nacht des Verbrechens in Merlinville gewesen zu sein?�</p><p>Jack antwortete nicht sofort, dann erwiderte er mit einer Unschl�ssigkeit, die Mitleid weckte: �Ich - ich - sagte Ihnen schon, da� ich in Cherbourg war.�</p><p>Maitre Grosier runzelte die Stirn und seufzte. Ich merkte sogleich, da� Jack Renauld zur Verzweiflung seines Rechtsanwaltes halsstarrig daran festhielt, seine Sache nach eigenem Gutd�nken zu f�hren.</p><p>Der Richter befahl streng: �Lassen Sie die Zeugen, vom Bahnhof eintreten.�</p><p>Eine Minute sp�ter wurde die T�r ge�ffnet, um einen Mann einzulassen, den ich als den Beamten der Station Merlinville wiedererkannte.</p><p>�Hatten Sie in der Nacht des 7. Juni Dienst?�</p><p>�Ja, Monsieur.�</p><p>�Waren Sie zugegen, als der Zug um 11 Uhr 40 einfuhr?�</p><p>�Ja, Monsieur.�</p><p>�Betrachten Sie den Gefangenen. Erkennen Sie ihn als einen der aussteigenden Passagiere?�</p><p>�Ja, Monsieur.�</p><p>�Ist ein Irrtum ausgeschlossen?�</p><p>�Ja, Monsieur. Ich kenne Monsieur Jack Renauld genau.�</p><p>�Aber vielleicht besteht ein Irrtum wegen des Datums?�</p><p>�Nein, Monsieur. Denn am folgenden Morgen, am 8. Juni, h�rten wir von dem Mord.�</p><p>Noch ein anderer Bahnbediensteter wurde vorgef�hrt, der die Aussage des ersten best�tigte. Der Richter wandte sich an Jack Renauld: �Diese Leute haben Sie bestimmt erkannt. Was haben Sie darauf zu sagen?�</p><p>Jack zuckte die Achseln: �Nichts.�</p><p>M. Hautet wechselte einen Blick mit dem Gerichtsschreiber, als dessen kratzende Feder die Antwort protokollierte.</p><p>�Renauld�, fuhr der Richter fort, �erkennen Sie dies hier?� Er nahm etwas von einem seitlich stehenden Tisch und hielt es dem Gefangenen hin. Mir schauderte, als ich den Dolch erkannte.</p><p>�Pardon�, rief Maitre Grosier. �Ich bitte um die Erlaubnis, mit meinem Klienten sprechen zu d�rfen, ehe er diese Frage beantwortet.�</p><p>Aber Jack Renault nahm keine R�cksicht auf die Gef�hle des ungl�cklichen Grosier.</p><p>Er winkte ihm ab und antwortete ruhig: �Gewi� kenne ich es. Es ist ein Geschenk, das ich meiner Mutter gab, ein Erinnerungszeichen an den Krieg.�</p><p>�Wissen Sie, ob noch gleiche Dolche existieren?�</p><p>Wieder wollte Maitre Grosier einspringen, wieder �berging ihn Jack: �Nicht, da� ich w��te. Er wurde nach meinen Angaben angefertigt.�</p><p>Sogar dem Richter stockte beinahe der Atem. Es hatte den Anschein, als st�rze sich Renauld mit Absicht in sein Verderben.</p><p>Nat�rlich erkannte ich die zwingende Notwendigkeit, die ihn um Bellas willen bestimmte, das Vorhandensein eines zweiten Dolches abzuleugnen. Denn solange angenommen wurde, da� nur eine Waffe existierte, war t? unwahrscheinlich, da� Verdacht auf Bella fiel, die das zweite Papiermesser besa�. Tapfer sch�tzte er die Frau, die er einst geliebt hatte -aber um welchen Preis! Ich begann, die Gr��e der Aufgabe, zu erfassen, die ich Poirot leichthin gestellt hatte. Es w�rde nicht leicht sein, mit Umgehung der Wahrheit einen Freispruch f�r Jack Renauld zu erwirken.</p><p>M. Hautet sprach abermals, und seine Rede hatte einen merkw�rdig bei�enden Unterton: �Madame Renauld erz�hlte uns, der Dolch habe in jener Nacht auf ihrem Toilettentisch gelegen. Doch Madame Renauld ist Ihre Mutter! Es d�rfte Sie vielleicht wundern, Renauld, aber ich halte es f�r h�chstwahrscheinlich, da� Madame Renauld sich irrte und da� Sie, vielleicht aus Versehen, den Dolch mit nach Paris genommen hatten. Sie werden mir sicher widersprechen -�</p><p>Ich sah, wie des J�nglings gefesselte H�nde sich verkrampften, wie Schwei�perlen auf seine Stirn traten, als er Monsieur Hautet mit gr��ter Anstrengung unterbrach und leise sagte: �Ich werde Ihnen nicht widersprechen. Es ist m�glich.�</p><p>Das war verbl�ffend. Maitre Grosier sprang auf und protestierte: �Mein Klient hat furchtbare Nervenanspannungen zu erleiden. Aus diesem Grunde bin ich der Ansicht, da� er f�r seine Worte nicht verantwortlich zu machen ist.�</p><p>Der Untersuchungsrichter wies ihn �rgerlich zur Ruhe. In diesem Augenblick schienen auch ihm Zweifel aufzusteigen. Jack Renauld hatte das Spiel fast zu weit getrieben, er beugte sich vor und blickte den Gefangenen forschend an: �Renauld, sind Sie sich dessen voll bewu�t, da� mir nach Ihren Antworten nichts �brigbleibt, als Sie den Gerichten zu �bergeben?�</p><p>Jacks blasse Wangen r�teten sich. Standhaft erwiderte er den Blick: �Monsieur Hautet, ich schw�re Ihnen, da� ich meinen Vater nicht get�tet habe.�</p><p>Aber der Richter hatte die vor�bergehenden Zweifel �berwunden. Kurz und unangenehm lachte er auf.</p><p>�Gewi�, gewi� - sie sind ja immer unschuldig, die Herren Verbrecher! Ihr eigener Mund verdammte Sie. Sie k�nnen sich nicht verteidigen, kein Alibi erbringen - nur immer Ihre Unschuld betonen - worauf kein Kind hereinf�llt. Sie t�teten Ihren Vater, Renauld, es war ein grausamer, feiger Mord - um des Geldes willen, das, wie Sie glaubten, nach seinem Tode Ihnen zufallen w�rde. Ihre Mutter war die Hehlerin. Aber in Anbetracht dessen, da� sie als Mutter handelte, werden die Gerichte gewi� ihr gegen�ber jene Milde walten lassen, die Ihnen nicht zugebilligt werden kann. Und mit Recht! Denn Ihr Verbrechen war grauenhaft - ein Abscheu f�r Gott und Menschen!�</p><p>Monsieur Hautet geno� seine eigene Rede, tauchte tief in die Feierlichkeit des Augenblicks und hielt sich f�r den Vertreter der Gerechtigkeit auf Erden. �Sie t�teten - und Sie m�ssen die Folgen Ihrer Tat tragen. Ich spreche zu Ihnen nicht als Mensch, sondern als Gerechtigkeit - als ewige Gerechtigkeit, die -�</p><p>Hier wurde Monsieur Hautet zu seinem gr��ten �rger unterbrochen. Die T�r wurde aufgerissen.</p><p>�Herr Richter - Herr Richter -� stammelte der Saaldiener, �drau�en steht eine Dame, die behauptet - die behauptet -�</p><p>�Wer behauptet was?� schrie der mit Recht erz�rnte Richter. �Die St�rung ist unerh�rt! Ich verbiete das - ich verbiete das!�</p><p>Aber eine schlanke Gestalt stie� den stammelnden Gendarm beiseite. In Schwarz gekleidet, mit langem Schleier, der das Gesicht verh�llte, trat sie in das Zimmer.</p><p>Mein Herzschlag setzte aus. So war sie doch gekommen. So war all meine M�he vergeblich gewesen! Und doch konnte ich nicht umhin, den Mut zu bewundern, der sie bewogen hatte, ohne Zaudern diesen Schritt zu tun.</p><p>Sie hob den Schleier - und es wirbelte vor meinem Blick. Denn, wenn auch �hnlich, wie ein Ei dem anderen, dies M�dchen war nicht Cinderella! Andererseits aber, als ich sie nun vor mir sah ohne die blonde Per�cke, die sie auf der B�hne trug, erkannte ich in ihr die Frau, deren Bildnis wir in Jack Renaulds Zimmer gefunden hatten.</p><p>�Sind Sie Monsieur Hautet, der Untersuchungsrichter?� fragte sie.</p><p>�Ja, aber ich verbiete -�</p><p>�Ich hei�e Bella Duveen. Ich klage mich an, Monsieur Renauld ermordet zu haben.�</p></section><section><title><p id="_bookmark27"><strong>26</strong></p></title><p>�Mein Freund!</p><p>Wenn Sie diesen Brief erhalten, wissen Sie schon alles. Nichts, was ich sagte, konnte Bella von ihrem Vorsatz abbringen. Sie ging und zeigte sich selber an. Ich bin des Kampfes m�de.</p><p>Nun werden Sie auch wissen, da� ich Sie durch L�gen t�uschte, als Sie mir Vertrauen schenkten. Es wird Sie vielleicht unentschuldbar d�nken, aber ich m�chte doch, ehe ich f�r immer aus Ihrem Leben verschwinde, erkl�ren, wie alles kam. Es w�rde mein Leben um so viel leichter gestalten, wenn ich w��te, da� Sie mir verzeihen. Nicht um meinetwillen handelte ich so, und das ist die einzige Entschuldigung, die ich f�r mich habe.</p><p>Ich m�chte mit dem Tage beginnen, an dem ich Ihnen auf der Reise von Paris begegnete. Schon damals hatte ich Sorge um Bella. Sie war verzweifelt um Jack Renaulds willen, sie h�tte sich f�r ihn zu Boden geworfen, damit er �ber sie hinwegschreite, und als er anders wurde, nicht mehr so h�ufig schrieb, da verlor sie die Selbstbeherrschung. Sie bildete sich ein, da� er ein anderes M�dchen im Sinn habe - und wie sich sp�ter herausstellte, hatte sie recht. Sie setzte sich in den Kopf, nach Merlinville zu fahren, um den Versuch zu machen, Jack in seiner v�terlichen Villa aufzusuchen. Sie wu�te, da� ich dagegen war, und trachtete mir zu entschl�pfen. Da ich sie in Calais nicht im Zuge fand, entschlo� ich mich, nicht ohne sie nach England zu reisen. Ich hatte das unbehagliche Gef�hl, da� sich irgend etwas Furchtbares ereignen w�rde ...</p><p>Ich wartete auf den n�chsten Zug aus Paris. Sie kam an und bestand darauf, sofort nach Merlinville weiterzureisen. Mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln suchte ich sie davon abzubringen, doch umsonst. Sie war auf das �u�erste erregt und fest entschlossen,, ihren eigenen Weg zu gehen. Nun, ich wusch meine H�nde in Unschuld. Ich hatte getan, was ich konnte! Es war sp�t geworden. Ich begab mich in ein Hotel, Bella brach nach Merlinville auf. Ich konnte das Gef�hl nicht loswerden, das in B�chern als ,drohendes Unheil' bezeichnet wird.</p><p>Der n�chste Tag kam - doch keine Bella. Sie hatte eine Zeit festgesetzt, zu der wir uns im Hotel treffen sollten, doch sie hielt sie nicht ein. Den ganzen Tag kam kein Lebenszeichen von ihr. Ich wurde immer �ngstlicher. Dann erschienen die Abendbl�tter mit der Nachricht.</p><p>Es war grauenhaft! Ich war nat�rlich nicht ganz sicher -aber ich hatte furchtbare Angst. Ich stellte mir vor, da� Bella Vater Renauld getroffen habe, da� sie ihm von sich und Jack erz�hlte, worauf er sie beleidigte oder sonst etwas �hnliches tat. Wir sind beide schrecklich j�hzornig.</p><p>Dann kam die Geschichte mit den maskierten M�nnern auf, und mir wurde leichter ums Herz. Aber noch immer qu�lte es mich, da� Bella unsere Verabredung nicht eingehalten hatte. Am n�chsten Morgen ertrug ich es nicht l�nger, ich mu�te hingehen und sehen, was sich tun lie�. Und dann traf ich mit Ihnen zusammen. Das ist Ihnen schon bekannt ...</p><p>Als ich sah, wie sehr der Ermordete Jack glich, und da� er Jacks gestreiften Mantel trug, da wu�te ich alles. Und dann -ja, da war noch das verr�terische Papiermesser - dieses b�se, kleine Ding, das Jack Bella geschenkt hatte!</p><p>Sicherlich trug es wohl Fingerabdr�cke. Ich f�rchte, es gelingt mir nicht. Ihnen das hilflose Entsetzen zu schildern, das mich in jenem Augenblick befiel. Nur eines f�hlte ich deutlich - ich mu�te zu dem Dolch kommen und schnell mit ihm fortlaufen, ehe sein Fehlen bemerkt wurde. Ich t�uschte Ohnmacht vor, und w�hrend Sie fortgingen, um Wasser zu holen, nahm ich das Ding und barg es in meiner Tasche.</p><p>Ich sagte Ihnen, da� ich im Hotel du Phare wohne, aber tats�chlich reiste ich schnurstracks nach Calais und mit dem n�chsten Schiff von dort nach England. Inmitten des Kanals warf ich den fluchbeladenen kleinen Dolch ins Meer. Dann glaubte ich endlich wieder freier atmen zu k�nnen.</p><p>Ich traf Bella in London und berichtete, was ich getan hatte, ich meinte, da� sie sich sicher f�hlen k�nne. Da starrte sie mich an und fing zu lachen an ... und lachte ... lachte, es war entsetzlich, dieses Lachen zu h�ren! Ich hatte das Gef�hl, da� Arbeit momentan das beste sei. Sie w�rde den Verstand verlieren, wenn sie Zeit h�tte, ihrer Tat nachzugr�beln. Zum Gl�ck bekamen wir sofort ein Engagement.</p><p>An jenem Abend erblickte ich dann Sie und Ihren Freund im Publikum ... Ich war wie toll. Sie mu�ten Verdacht gesch�pft haben, sonst h�tten Sie uns nicht nachgesp�rt. Ich war auf das Schlimmste gefa�t und folgte Ihnen. Ich war verzweifelt. Und dann, ehe ich Zeit hatte, etwas zu sagen, wurde mir klar, da� Sie mich verd�chtigten und nicht Bella! Oder eigentlich, da� Sie mich f�r Bella hielten, da ich den Dolch entwendet hatte.</p><p>Ich w�nschte, mein Liebster, Du w��test, wie es in jenem Augenblick in mir aussah. Vielleicht verziehest Du mir dann ... Ich war so furchtbar entsetzt, so verwirrt, so verzweifelt ... Alles, was ich begriff, war, da� Du versuchen wolltest, mich zu retten - ich wu�te nicht, ob Du gewillt warst, ihr zu helfen ... ich hielt es f�r unwahrscheinlich - das war ja nicht dasselbe! Und ich konnte es nicht riskieren! Bella ist meine Zwillingsschwester - ich mu�te mein m�glichstes f�r sie wagen. So log ich weiter. Ich hielt mich f�r so gemein - ich komme mir noch jetzt so vor ... Das ist alles - es ist aber auch reichlich genug, werden Sie vermutlich sagen. Ich h�tte Ihnen vertrauen sollen ... H�tte ich nur Vertrauen gehabt -!</p><p>Sobald die Nachricht von Jack Renaulds Verhaftung in der Zeitung stand, war es aus. Bella wartete nicht einmal die Entwicklung der Dinge ab ...</p><p>Ich bin sehr m�de. Ich kann nicht weiterschreiben.�</p><p>Sie hatte begonnen �Cinderella� zu unterschreiben, aber das war durchgestrichen und statt dessen stand: �Dulcie Duveen�.</p><p>Es war eine schlecht geschriebene, fehlerhafte Epistel -aber ich bewahre sie noch heutigen Tages auf.</p><p>Poirot war dabei, als ich den Brief las. Die Bl�tter entfielen meiner Hand, und ich sah zu ihm hin�ber.</p><p>�Wu�test du die ganze Zeit �ber, da� es - die andere war?�</p><p>�Ja, mein Freund.�</p><p>�Weshalb sagtest du es nicht?�</p><p>�Vor allem hielt ich es nicht f�r m�glich, da� dir ein solcher Irrtum widerfahren konnte. Du sahst doch das Bild. Die Schwestern gleichen einander zwar sehr, aber keinesfalls so, da� man sie verwechseln mu�te.�</p><p>�Aber das blonde Haar?�</p><p>�Eine Per�cke, um auf der B�hne einen pikanten Gegensatz zu schaffen. Ist es begreiflich, da� bei Zwillingen einer schwarz und einer blond sein sollte?�</p><p>�Warum sagtest du mir das alles nicht an jenem Abend in Coventry?�</p><p>�Du warst zu hochm�tig, mon ami�, sagte Poirot trocken, �und gabst mir keine Gelegenheit dazu.�</p><p>�Aber sp�ter?�</p><p>�Ach sp�ter! Vor allem verletzte mich dein mangelndes Zutrauen zu mir. Und dann wollte ich sehen, ob deine Gef�hle die Probe der Zeit bestehen w�rden. Das hei�t, ob es bei dir diesmal wirklich Liebe oder nur ein aufflackerndes Strohfeuer war. Ich h�tte dich nicht mehr lange in dem Irrtum belassen.�</p><p>Ich nickte, sein Ton war herzlich, ich konnte ihm nicht l�nger grollen. Ich blickte auf die Briefbogen nieder. Pl�tzlich hob ich sie von der Erde auf und schob sie ihm hin.</p><p>�Lies das�, sagte ich. �Ich bitte dich darum.�</p><p>Schweigend las er, dann sah er mich an.</p><p>�Was qu�lt dich, Hastings?�</p><p>Das war ein ganz neuer Klang. Poirots ironische Art schien v�llig beiseite gelassen. Ich konnte ihm jetzt offen sagen, was mich dr�ckte.</p><p>�Sie sagt nicht - sie sagt nicht - nun sie sagt nicht, ob sie mich mag oder nicht!�</p><p>Poirot wendete die Bl�tter: �Ich glaube, du irrst dich, Hastings.�</p><p>�Wo?� rief ich und beugte mich lebhaft vor.</p><p>Poirot l�chelte: �Sie sagt es dir in jeder Zeile dieses Briefes, mon ami.�</p><p>�Aber wo werde ich sie finden? Der Brief nennt keine Adresse. Nur ein franz�sischer Stempel ist darauf, sonst nichts.�</p><p>�Reg dich nicht auf! �berlasse das dem alten Poirot. Ich werde sie dir ausfindig machen, sobald ich nur f�nf freie Minuten habe!�</p></section><section><title><p id="_bookmark28"><strong>27</strong></p></title><p>�Meinen Gl�ckwunsch, Monsieur Jack�, sagte Poirot und dr�ckte warm die Hand des jungen Mannes.</p><p>Jack Renauld suchte uns sofort nach seiner Entlassung auf - ehe er sich zu Mutter und Braut nach Merlinville begab.</p><p>Stonor begleitete ihn.</p><p>Poirots Herzlichkeit stand in st�rkstem Gegensatz zu Jacks bleichem Aussehen. Es war unverkennbar, da� der J�ngling unter einem Nervenzusammenbruch litt. War auch die unmittelbare Gefahr, die ihm gedroht hatte, beseitigt, so lie�en doch die schmerzlichen Umst�nde seiner Befreiung kein volles Gef�hl der Erleichterung aufkommen. Er l�chelte traurig und sagte leise zu Poirot: �Ich nahm es auf mich, sie zu sch�tzen, und nun war alles umsonst.�</p><p>�Sie konnten doch kaum erwarten, da� das M�dchen das Opfer Ihres Lebens annehmen w�rde�, bemerkte Stonor trocken. �Sie mu�te doch hervortreten, als sie sah, da� Sie dem Galgen zusteuerten.�</p><p>�Und Sie steuerten geradewegs darauflos!� f�gte Poirot augenzwinkernd hinzu. �Sie h�tten aber in dem Fall auch Maitre Grosiers Tod auf dem Gewissen, den der �rger hinweggerafft h�tte.�</p><p>�Ich glaube, er war ein wohlmeinender Esel�, sagte Jack. �Aber ich qu�lte ihn f�rchterlich. Wissen Sie, ich konnte ihn doch schwer ins Vertrauen ziehen. Aber, mein Gott! Was wird aus Bella werden?�</p><p>�An Ihrer Stelle�, sagte Poirot aufrichtig, �w�rde ich mich nicht unn�tig �ngstigen. Die franz�sischen Gerichte sind gegen Jugend, Sch�nheit und gegen Verbrechen aus Leidenschaft �u�erst nachsichtig! Ein t�chtiger Rechtsanwalt wird einen gro�en Fall mit mildernden Umst�nden daraus machen. Es wird f�r Sie nicht gerade angenehm sein -�</p><p>�Oh, das ist das wenigste! Sehen Sie, Monsieur Poirot, in einer Beziehung f�hle ich mich mitschuldig am Tode meines Vaters. Ohne mich und meine Liebschaft mit jenem M�dchen lebte mein Vater heute noch im Vollbesitz seiner Gesundheit. Und dann meine verdammte Unachtsamkeit, den falschen Mantel mitzunehmen! Ich kann nicht anders, ich f�hle mich verantwortlich f�r seinen Tod. Das wird mich mein Leben lang verfolgen.�</p><p>�Nein, nein�, versuchte ich zu beschwichtigen.</p><p>�Nat�rlich ist mir der Gedanke f�rchterlich, da� Bella meinen Vater get�tet hat�, fuhr Jack fort. �Aber ich habe sie sch�ndlich behandelt. Als ich Marthe begegnete und erkannte, da� ich mich vorher geirrt hatte, w�re es meine Pflicht gewesen, ihr dies offen und ehrlich zu schreiben. Aber ich hatte solche Angst vor einem Skandal, der Marthe zu Ohren kommen k�nnte und aus dem sie vielleicht Schl�sse z�ge, die der Wahrheit nicht entspr�chen, da� - nun, da� ich feige wurde und mich der Hoffnung hingab, die Sache w�rde von selbst im Sand verlaufen. Ich lie� mich treiben und merkte nicht, da� ich das arme Ding zur Verzweiflung brachte. H�tte sie mich erdolcht, wie es doch vermutlich ihre Absicht war, mir w�re nicht mehr geschehen, als ich verdiente. Und die Art, wie sie nun hervortrat, war geradezu prachtvoll. Aber wissen Sie, auch ich h�tte es durchgestanden - bis zum Ende.�</p><p>Er schwieg einige Augenblicke, um dann ein anderes Thema anzuschlagen.</p><p>�Was mir zu denken gibt, ist, was wohl den Vater zu so sp�ter Abendstunde bewog, nur mir Unterw�sche und meinem Mantel bekleidet, spazierenzugehen. Ich glaube, er mu�te eben den fremden Kerlen entkommen sein, und meine Mutter d�rfte sich in der Vermutung get�uscht haben, da� es zwei Uhr war, als sie kamen. Oder - oder war das alles vielleicht erfunden? Ich meine, meine Mutter dachte doch nicht - konnte doch nicht denken - da� - da� ich es war?�</p><p>Poirot beruhigte ihn schnell: �Nein, nein, Monsieur Jack. Seien Sie dar�ber ohne Sorge. Und was das andere betrifft, will ich Ihnen an einem der n�chsten Tage alles erkl�ren. Es ist eigentlich sehr seltsam. Aber wollen Sie uns nicht genau erz�hlen, was sich an jenem furchtbaren Abend zutrug?�</p><p>�Es ist nur sehr wenig zu erz�hlen. Wie ich Ihnen sagte, kam ich aus Cherbourg, um Marthe noch einmal zu sehen, ehe ich nach dem anderen Ende der Welt abreiste. Der Zug hatte Versp�tung, und ich beschlo�, den Verbindungsweg zu nehmen, der �ber die Golfgr�nde f�hrt. Von dort konnte ich mit Leichtigkeit in den Garten der Villa Marguerite gelangen. Ich war schon fast an Ort und Stelle angelangt, als -� Er z�gerte und schluckte heftig.</p><p>�Als?�</p><p>�Als ich einen f�rchterlichen Schrei vernahm. Es klang nicht laut - eher ged�mpft und wie ein R�cheln. Einen Augenblick stand ich wie angewurzelt. Dann rannte <emphasis>ich</emphasis> hinter die Hecke. Es war Vollmond. Ich sah das Grab und sah eine Gestalt mit dem Gesicht nach unten darin liegen, im R�cken stak ein Dolch. Und dann blickte ich auf und sah sie. Sie blickte mich an, als s�he sie ein Gespenst - das mu�te sie auch zuerst gedacht haben - vor Entsetzen waren ihre Z�ge zur ausdruckslosen Maske erstarrt. Und dann schrie sie auf, wandte sich um und lief davon.� Er hielt inne, um seine Erregung zu meistern.</p><p>�Und dann?� fragte Poirot freundlich.</p><p>�Ich wei� wirklich nicht. Eine Weile stand ich wie bet�ubt. Und dann sah ich ein, da� es das beste sei, mich so schnell wie m�glich aus dem Staube zu machen. Es fiel mir nicht ein, da� man mich verd�chtigen k�nne, aber ich f�rchtete vorgeladen zu werden, um gegen sie auszusagen. Ich ging zu Fu� bis St. Beauvais, wie ich Ihnen bereits erz�hlte, und mietete dort einen Wagen, der mich nach Cherbourg zur�ckbrachte.�</p><p>Es pochte an die T�r, und ein Bote brachte ein Telegramm, das er Stonor �berreichte. Er ri� es auf und erhob sich von seinem Sitz.</p><p>�Madame Renauld ist wieder zu Bewu�tsein gekommen�, sagte er.</p><p>�Ah!� Poirot sprang hoch. �Auf nach Merlinville!�</p><p>Wir fuhren in aller Eile ab. Auf Jacks dringende Bitte blieb Stonor zur�ck, um alles, was f�r Bella Duveen getan werden konnte, zu veranlassen. Poirot, Jack und ich fuhren in Renaulds Auto fort.</p><p>Die Fahrt dauerte genau vierzig Minuten. Als wir uns der Gartenpforte der Villa Marguerite n�herten, blickte Jack. Renauld fragend zu Poirot hin�ber.</p><p>�Wie w�re es, wenn Sie vorausf�hren, um meine Mutter von meiner Befreiung zu benachrichtigen?�</p><p>�W�hrend Sie pers�nlich diese Kunde Mademoiselle Marthe �berbringen, nicht?� endigte Poirot augenzwinkernd. �Aber ja, selbstverst�ndlich, ich wollte es Ihnen eben selbst vorschlagen.�</p><p>Jack Renauld lie� sich das nicht zweimal sagen. Er brachte den Wagen zum Stehen, sprang hinaus und lief den Weg zum Eingang hinan. Wir fuhren zur Villa Genevieve weiter.</p><p>�Poirot�, sagte ich, �erinnerst du dich, wie wir an jenem ersten Tage ankamen und mit der Nachricht von Monsieur Renaulds Ermordung empfangen wurden?�</p><p>�O ja, gewi�. Es ist noch nicht so lange her. Aber wie vieles ist seither geschehen - besonders dir, mon ami!�</p><p>�Poirot, was hast du veranla�t, um Bei - ich meine Dulcie - ausfindig zu machen?�</p><p>�Beruhige dich, Hastings. Ich bringe alles in Ordnung.�</p><p>�Du l��t dir nur h�bsch viel Zeit dazu�, brummte ich.</p><p>Poirot wechselte das Thema. �Damals der Anfang, nun das Ende�, philosophierte er, als wir l�uteten. �Und vom Standpunkt des interessanten Falles aus ist das Ende doch �u�erst unbefriedigend.�</p><p>�Jawohl�, seufzte ich.</p><p>�Du betrachtest es vom sentimentalen Gesichtspunkt aus, Hastings. So meinte ich es nicht. Wir wollen hoffen, da� Mademoiselle Bella nachsichtige Richter finden wird, und schlie�lich konnte Jack Renauld doch nicht beide M�dchen heiraten! Ich sprach vom beruflichen Standpunkt. Dies ist kein wohlgeordnetes, regelrechtes Verbrechen, wie Detektive es lieben. Der Plan, den Georges Conneau entworfen hatte, war einwandfrei, aber die Entwicklung - o nein! Ein Mann, der von einem jungen M�dchen in einem Wutanfall zuf�llig ermordet wird, - na, wirklich, wo stecken da Ordnung und System?�</p><p>W�hrend ich noch �ber Poirots Eigenheiten lachte, �ffnete Francoise uns die T�r.</p><p>Poirot erkl�rte ihr, da� er Madame Renauld sofort sprechen m�sse, und sie f�hrte ihn zu ihr. Ich blieb im Salon. Es dauerte eine geraume Weile, ehe Poirot wiederkam. Er blickte ungew�hnlich ernst.</p><p>�Donnerwetter, Hastings! Gab's da oben aber einen Sturm!�</p><p>�Was denn?� rief ich.</p><p>�Ich wollte es kaum glauben�, sagte Poirot gedankenvoll, �aber Frauen sind eben unberechenbar.�</p><p>�Jack und Marthe kommen!� rief ich, da ich sie durch das Fenster erblickt hatte.</p><p>Mit einem Satz war Poirot aus dem Zimmer und lief dem jungen Paar bis an die Treppe entgegen.</p><p>�Treten Sie ja nicht ein. Es ist besser so. Ihre Mutter ist sehr erregt.�</p><p>�Ich wei�, ich wei߫, sagte Jack Renauld. �Ich will sofort zu ihr.�</p><p>�Aber nein. Ich sage Ihnen doch, Sie sollen nicht.�</p><p>�Aber Marthe und ich-�</p><p>�Keinesfalls d�rfen Sie Mademoiselle mit hinaufnehmen. Gehen Sie in Gottes Namen, wenn Sie nicht anders k�nnen, aber es w�re kl�ger, meinem Rat zu folgen.�</p><p>Eine Stimme hinter uns, von der Treppe her, lie� uns erschauern: �Ich danke Ihnen f�r Ihre guten Dienste, Monsieur Poirot, aber ich will selbst sagen, was ich zu sagen w�nsche.�</p><p>Wir blieben starr vor Staunen. Mit verbundenem Kopf, auf Leonies Arm gest�tzt, kam Mme. Renauld die Treppe herab. Das franz�sische M�dchen weinte und beschwor seine Herrin, ins Bett zur�ckzugehen.</p><p>�Madame wird sich den Tod holen. Es ist gegen alle �rztlichen Vorschriften.�</p><p>Doch Madame Renauld lie� sich nicht halten.</p><p>�Mutter�, rief Jack und lief ihr entgegen.</p><p>Aber sie schob ihn von sich.</p><p>�Ich bin nicht deine Mutter! Du bist nicht mein Sohn! Von dieser Stunde an verleugne ich dich.�</p><p>�Mutter�, rief der J�ngling best�rzt.</p><p>Einen Augenblick lang schien sie zu wanken, vor dem Schmerz in seiner Stimme unschl�ssig zu werden. Poirot wollte vermitteln, aber sofort gewann sie ihre Selbstbeherrschung wieder. �Deines Vaters Blut komme �ber dich! Du tr�gst die Schuld an seinem Tode. Du hast seine Pl�ne durchkreuzt und ihm dieses M�dchens wegen Trotz geboten, durch dein herzloses Verhalten gegen eine andere beschworst du seinen Tod herauf. Morgen werde ich alles veranlassen, damit kein Pfennig des Verm�gens dir jemals zuf�llt. Suche dir deinen Weg in der Welt, so gut du kannst, mit dem M�dchen, deren Mutter die erbittertste Feindin deines Vaters war.�</p><p>Und langsam, m�hsam ging sie den Weg zur�ck, den sie gekommen war.</p><p>Wir waren sprachlos, diese Anklage traf uns v�llig unvorbereitet. Jack Renauld, der von allem bisher Erlebten v�llig ersch�pft war, schwankte und drohte umzusinken. Poirot und ich eilten ihm schnell zu Hilfe.</p><p>�Er ist �berm�det�, fl�sterte Poirot Marthe zu. �Wohin sollen wir ihn f�hren?�</p><p>�Aber nach Hause. Zur Villa Marguerite. Wir wollen ihn pflegen, Mutter und ich. Mein armer Jack!�</p><p>Wir brachten den jungen Mann in die Villa, wo er schlaff und wie bet�ubt auf einen Sessel sank. Poirot bef�hlte ihm Kopf und H�nde.</p><p>Er fiebert. Die lange Nervenanspannung f�ngt an, sich f�hlbar zu machen. Und nun noch zu allem diese Aufregung.</p><p>Bringt ihn zu Bett! Hastings und ich werden einen Arzt holen.�</p><p>Der Arzt war bald zur Stelle. Nachdem er den Patienten untersucht hatte, meinte er, da� es sich seiner Ansicht nach um eine gew�hnliche Nervenkrise handle. Bei vollkommener Ruhe und ungest�rtem Schlummer k�nne der junge Mann bis zum n�chsten Tage wiederhergestellt sein, rege er sich jedoch auf, sei eine Gehirnentz�ndung zu bef�rchten. Es sei ratsam, da� jemand die ganze Nacht bei ihm wache.</p><p>Schlie�lich - nachdem wir unser m�glichstes getan hatten - �berlie�en wir ihn der F�rsorge Marthes und ihrer Mutter und kehrten in die Stadt zur�ck. Unsere gewohnte Speisestunde war �berschritten, und wir waren beide reichlich ausgehungert. Das erste Restaurant, das am Wege lag, stillte den qu�lenden Hunger durch ein vorz�gliches Omelette und einen darauffolgenden ebenso ausgezeichneten Braten.</p><p>�Und nun auf ins Nachtquartier�, sagte Poirot, als endlich noch schwarzer Kaffee das Mahl vervollst�ndigt hatte. �Wollen wir es mit unserem alten Hotel des Bains versuchen?�</p><p>Unverz�glich lenkten wir unsere Schritte dahin. Ja, die Herren k�nnten in zwei guten Zimmern mit Meeresansicht untergebracht werden. Dann stellte Poirot eine Frage, die mich �berraschte. �Ist Miss Robinson aus England angekommen?�</p><p>�Ja, Monsieur, sie wartet im kleinen Salon.�</p><p>�Ah!�</p><p>�Poirot�, rief ich und bem�hte mich, mit ihm Schritt zu halten, als er den Gang entlang eilte, �wer ist Miss Robinson?�</p><p>Poirot lachte freundlich: �Ich habe dir eine Braut verschrieben, Hastings.�</p><p>�Aber ich mu� sagen -�</p><p>�Bah!� entgegnete Poirot und stie� mich freundschaftlich �ber die Schwelle. �Denkst du, ich w�rde in Merlinville den Namen Duveen laut hinausposaunen?�</p><p>Und wirklich war es Cinderella, die uns im Salon entgegentrat. Ich nahm ihre Hand zwischen meine beiden H�nde. Meine Augen sagten das �brige.</p><p>Poirot r�usperte sich.</p><p>�Kinder�, sagte er, �wir d�rfen uns noch nicht erlauben, sentimental zu sein. Wir haben noch Arbeit vor uns. Mademoiselle, war es Ihnen m�glich, zu tun, worum ich Sie bat?�</p><p>Statt jeder Antwort entnahm Cinderella ihrer Handtasche einen in Papier gewickelten Gegenstand, den sie Poirot schweigend reichte. Er packte ihn aus. Ich fuhr zur�ck - denn es war der Dolch, den sie, wie ich glaubte, ins Meer geworfen hatte. Sonderbar, wie sehr es Frauen immer widerstrebt, die kompromittierendsten Gegenst�nde und Schriftst�cke zu vernichten!</p><p>�Sehr gut, mein Kind�, sagte Poirot. �Ich bin mit Ihnen zufrieden. Gehen Sie nun zur Ruhe. Hastings und ich haben heute noch Arbeit. Sie sehen ihn dann morgen wieder.�</p><p>�Wohin gehen Sie?� fragte das M�dchen mit weit ge�ffneten Augen.</p><p>�Morgen werden Sie alles erfahren.�</p><p>�Wohin Sie gehen, gehe auch ich.�</p><p>�Aber, Mademoiselle -�</p><p>�Ich sage Ihnen, ich gehe mit.�</p><p>Poirot sah ein, da� jeder weitere Einwand vergeblich gewesen w�re. So willigte er ein.</p><p>�Kommen Sie also mit, Mademoiselle. Doch unterhaltend wird es nicht sein. Wahrscheinlich wird gar nichts geschehen.�</p><p>Zwanzig Minuten sp�ter brachen wir auf. Es war stockfinster, ein dr�ckend schw�ler Abend. Poirot f�hrte uns aus der Stadt hinaus. Bei der Villa Marguerite blieb er stehen.</p><p>�Ich m�chte mich gern vergewissern, ob mit Jack Renauld alles in Ordnung ist. Komm mit mir, Hastings. Mademoiselle wird vielleicht drau�en auf uns warten. Madame Daubreuil w�re imstande, ihr etwas Verletzendes zu sagen.�</p><p>Wir �ffneten die Gittert�r und gingen den Kiesweg entlang. Als wir an das Haus kamen, lenkte ich Poirots Aufmerksamkeit auf ein Fenster im ersten Stock. Auf der matten Fensterscheibe zeichnete sich scharf das Profil von Marthe Daubreuil ab.</p><p>�Ah!� sagte Poirot. �Dies ist das Zimmer, in dem wir Jack Renauld finden d�rften.�</p><p>Madame Daubreuil �ffnete uns die T�r. Sie teilte uns mit, da� Jacks Zustand unver�ndert sei und fragte, ob wir uns hiervon �berzeugen wollten. Sie f�hrte uns die Treppen hinauf bis in das Schlafzimmer. Marthe Daubreuil sa� an einem Tisch und arbeitete beim Schein einer Lampe. Als wir eintraten, legte sie den Finger an die Lippen.</p><p>Jack Renauld schlummerte unruhig und ungleichm��ig, er warf sich von einer Seite auf die andere, sein Antlitz gl�hte noch immer unverh�ltnism��ig stark.</p><p>�Kommt der Arzt wieder?� fragte Poirot fl�sternd.</p><p>�Erst wenn wir ihn rufen. Er schl�ft - das ist das Wichtigste. Mama kochte ihm einen Kr�utertee.�</p><p>Sie machte sich wieder an ihre Stickarbeit, als wir das Zimmer verlie�en. Madame Daubreuil geleitete uns hinunter. Ich betrachtete sie, da ich um ihre Vergangenheit wu�te, mit gesteigertem Interesse. Sie stand da mit niedergeschlagenen Augen und dem gleichen leisen, r�tselhaften L�cheln auf den Lippen, das ich schon an ihr gesehen hatte. Und pl�tzlich fl��te sie mir Angst ein, Angst, wie man sie angesichts eines sch�nen giftigen Reptils empfindet.</p><p>�Ich hoffe, wir haben Sie nicht zu sehr gest�rt, Madame�, sagte Poirot h�flich, als sie die T�r �ffnete, um uns hinauszulassen.</p><p>�Gar nicht, Monsieur.�</p><p>��brigens war Mr. Stonor heute nicht in Merlinville?�</p><p>Ich konnte nicht ergr�nden, was diese Frage bezweckte, da ich genau wu�te, wie bedeutungslos sie f�r Poirot war.</p><p>Madame Daubreuil antwortete v�llig beherrscht: �Nicht, da� ich w��te.�</p><p>�Hatte er nicht vielleicht eine Unterredung mit Madame Renauld?�</p><p>�Woher sollte ich das wissen, Monsieur?�</p><p>�Sehr richtig�, meinte Poirot. �Ich dachte nur, Sie h�tten ihn vielleicht kommen oder gehen sehen, sonst nichts. Gute Nacht, Madame.�</p><p>�Warum -� begann ich.</p><p>�Kein ,warum' jetzt, Hastings. Dazu wird sich sp�ter Zeit finden.�</p><p>Wir trafen Cinderella und legten eiligst den Weg zur Villa Genevieve zur�ck. Poirot blickte einmal nach dem erleuchteten Fenster und nach Marthes Profil, das sich �ber die Arbeit neigte. �F�r alle F�lle wird er bewacht�, fl�sterte er.</p><p>Bei der Villa angelangt, nahm Poirot hinter einigen B�schen Aufstellung, links von der Auffahrt, von wo wir, wohl verborgen, einen guten Ausblick hatten. Die Villa selbst lag im tiefsten Dunkel. Augenscheinlich schlief alles. Wir waren beinahe unmittelbar unter Madame Renaulds Schlafzimmer, dessen Fenster, wie ich sah, offenstand. Es schien, da� dies Poirots Blicke fesselte.</p><p>�Was werden wir jetzt tun?� fl�sterte ich.</p><p>�Achtgeben.�</p><p>�Aber -�</p><p>�Ich erwarte nicht, da� sich vor ein bis zwei Stunden etwas ereignet, aber -�</p><p>Seine Rede wurde von einem langgezogenen, schwachen Schrei unterbrochen.</p><p>�Hilfe!�</p><p>In einem Zimmer des ersten Stockes, rechts vom Haupteingang, flammte Licht auf. Von dort kam auch der Schrei. Und w�hrend wir beobachteten, fiel ein Schattenri�, wie von zwei k�mpfenden Gestalten, auf den Vorhang.</p><p>�Verdammt!� schrie Poirot. �Sie mu� ihr Zimmer gewechselt haben.�</p><p>Er st�rmte vorw�rts und schlug heftig an das Haupttor. Dann eilte er zu dem Baum im Blumenbeet und erkletterte ihn mit der Behendigkeit einer Katze. Ich folgte ihm nach, als er sich mit einem Satz durch das offene Fenster ins Zimmer schwang. Zur�ckblickend sah ich Dulcie auf einem Ast hinter mir.</p><p>�Geben Sie acht�, rief ich.</p><p>�Geben Sie auf Ihre Gro�mutter acht!� gab sie zur�ck. �Das hier ist ein Kinderspiel f�r mich.�</p><p>Poirot st�rmte durch das leere Zimmer und m�hte sich vergeblich an einer T�r.</p><p>�Versperrt und von au�en verriegelt�, st�hnte er. �Und es wird Zeit kosten, sie aufzubrechen.�</p><p>Die Hilferufe wurden merklich schw�cher. Verzweiflung sprach aus Poirots Blicken. Wir stemmten uns gemeinsam gegen die T�r.</p><p>Ruhig und leidenschaftslos kam Cinderellas Stimme vom Fenster.</p><p>�Sie werden zu sp�t kommen. Ich glaube, da� ich die einzige bin, die da helfen kann.�</p><p>Bevor ich einen Finger r�hren konnte, um sie abzuhalten, schwang sie sich aus dem Fenster, scheinbar ins Leere. Atemlos blickte ich ihr nach. Zu meinem Entsetzen sah ich sie nur an den H�nden am Dach h�ngen und sich ruckweise in der Richtung des erleuchteten Fensters bewegen.</p><p>�G�tiger Himmel! Sie wird sich das Genick brechen!� schrie ich.</p><p>�Du vergi�t, da� sie Berufsakrobatin ist, Hastings. Gottes Vorsehung lie� sie darauf bestehen, heute nacht mit uns zu kommen. Ich bete nur, da� sie rechtzeitig kommt. Ah!�</p><p>Ein Schrei grenzenlosesten Entsetzens durchschrillte die Nacht, als das M�dchen im Fenster verschwand, und dann h�rten wir Cinderellas klare Stimme: �Nein, Sie werden es nicht tun. Ich halte Sie - und meine H�nde sind wie Stahl.�</p><p>Gleichzeitig �ffnete Francoise vorsichtig die Pforte unseres Gef�ngnisses. Poirot schob sie einfach beiseite und durchflog den Gang bis zu jener anderen T�r, um die sich die Hausm�gde dr�ngten.</p><p>�Sie ist von innen versperrt, Monsieur.�</p><p>Von drinnen klang ein schwerer Fall. Wenige Sekunden sp�ter bewegte sich der Schl�ssel im Schlo�, und langsam ging die T�r auf. Totenbleich winkte Cinderella uns heran.</p><p>�Ist sie gerettet?� fragte Poirot.</p><p>�Ja, es war die h�chste Zeit. Schon war sie kraftlos.�</p><p>Mme. Renauld sa� in halb liegender Stellung auf dem Bett. Sie rang nach Atem.</p><p>�Fast h�tte sie mich erw�rgt�, fl�sterte sie m�hsam.</p><p>Das M�dchen hob etwas vom Fu�boden auf und reichte es Poirot. Es war eine sehr d�nne, aber starke seidene Strickleiter.</p><p>�Ein Fluchtmittel�, sagte Poirot. �Um durch das Fenster zu entkommen, w�hrend wir die T�r eindr�ckten. Wo ist - die andere?�</p><p>Das M�dchen wich ein wenig zur Seite und wies auf eine Gestalt, die mit verh�lltem Antlitz auf dem Boden lag.</p><p>�Tot?�</p><p>Sie nickte.</p><p>�Ich glaube. Der Kopf scheint auf den marmornen Kaminvorsatz aufgeschlagen zu sein.�</p><p>�Aber wer ist es denn?� schrie ich.</p><p>�Die M�rderin Renaulds, Hastings, und beinahe auch die M�rderin von Madame Renauld.�</p><p>Best�rzt und verst�ndnislos kniete ich nieder, l�ftete das Ende des Tuches und blickte in das tote, sch�ne Antlitz von Marthe Daubreuil!</p></section><section><title><p id="_bookmark29"><strong>28</strong></p></title><p>An die weiteren Ereignisse jener Nacht habe ich nur eine verworrene Erinnerung. Poirot blieb meinen wiederholten Fragen gegen�ber taub. Er �bersch�ttete Francoise mit Vorw�rfen, weil sie ihm verschwiegen h�tte, da� Mme. Renauld nun ein anderes Schlafzimmer habe.</p><p>Fest entschlossen, mir Geh�r zu verschaffen, packte ich ihn an der Schulter.</p><p>�Aber du m��test es doch gewu�t haben�, stritt ich, �du besuchtest sie doch am heutigen Nachmittag.�</p><p>Poirot geruhte mich vor�bergehend anzuh�ren. �Man hatte sie auf einem Ruhebette in das mittlere Zimmer - in den Salon - geschoben.�</p><p>�Aber Monsieur�, rief Francoise, �Madame wechselte ihr Zimmer beinahe unmittelbar nach dem Verbrechen! Die Erinnerungen dort waren zu qu�lend f�r sie!�</p><p>�Warum wurde mir das nicht gesagt�, zeterte Poirot, schlug mit der Faust auf den Tisch und geriet in h�chste Erregung.</p><p>�Ich frage Sie - warum - wurde - mir - das - nicht -gesagt? Sie sind ein vollkommen verbl�detes altes Weib! Und Leonie und Denise sind nicht viel besser. Alle drei seid ihr Dummk�pfe! Eure Bl�dheit hat beinahe den Tod eurer Herrin verursacht. Und ohne dieses mutige Kind -�</p><p>Er brach ab, scho� durch das Zimmer auf das junge M�dchen zu, das sich gerade �ber Mme. Renauld neigte, um sie zu st�tzen, und umarmte sie mit gallischem Feuer, was mich verstimmte.</p><p>Ein strenger Befehl Poirots ri� mich aus meinen d�steren Betrachtungen; er hie� mich, sofort den Arzt zu Mme. Renauld zu holen. Nachher sollte ich die Polizei verst�ndigen. Dann f�gte er hinzu, und das machte das Ma� voll: �Es lohnt wirklich nicht, da� du zur�ckkommst. Ich werde zu besch�ftigt sein, um mich dir widmen zu k�nnen, und Mademoiselle ernenne ich zur Krankenschwester.�</p><p>Ich zog mich mit aller W�rde zur�ck, die ich aufbringen konnte.</p><p>Nach der Erledigung meiner Auftr�ge begab ich mich ins Hotel. Von dem, was vorgefallen war, verstand ich soviel wie nichts. Die Ereignisse dieser Nacht kamen mir phantastisch, kamen mir unm�glich vor. Niemand beantwortete meine Fragen. Niemand schien sie geh�rt zu haben. �rgerlich warf ich mich auf mein Bett, um bald ersch�pft in wirren Schlummer zu sinken.</p><p>Als ich erwachte, schien die Sonne durch die ge�ffneten Fenster ins Zimmer, und Poirot sa� l�chelnd an meinem Lager.</p><p>�Endlich erwachst du! Das nenne ich einen Siebenschl�fer! Hastings, wei�t du, da� es beinahe elf Uhr ist?�</p><p>Ich st�hnte und griff mit der Hand nach dem Kopf. �Ich mu� schwer getr�umt haben�, sagte ich. �Denk dir, mir tr�umte, da� wir Marthe Daubreuils Leiche in Mme. Renaulds Zimmer fanden und da� du erkl�rtest, sie h�tte Monsieur Renauld ermordet.�</p><p>�Du tr�umst nicht. Das alles ist richtig.�</p><p>�Bella Duveen t�tete doch Monsieur Renauld?�</p><p>�O nein, Hastings, sie war es nicht! Sie sagte nur, sie habe es getan - ja - um den Mann, den sie liebte, vor dem Galgen zu bewahren.�</p><p>�Was?�</p><p>�Erinnere dich an Jacks Bericht. Beide trafen im gleichen Augenblick am Schauplatz des Mordes ein, und jeder hielt den anderen f�r den M�rder. Das M�dchen starrt ihn voll Entsetzen an, st��t einen Schrei aus und l�uft davon. Aber als sie h�rt, da� das Verbrechen ihm zugeschrieben wird, kann sie den Gedanken nicht ertragen, sie tritt vor, um sich selbst zu bezichtigen und ihn so vor sicherem Tod zu retten.�</p><p>Poirot lehnte sich zur�ck und faltete die H�nde. �Der Fall befriedigte mich nicht�, bemerkte er in dozierendem Tone. �Die ganze Zeit �ber stand ich unter dem Eindruck, da� ich es mit einem kaltbl�tig wohl�berlegten Verbrechen zu tun hatte, von jemandem ver�bt, der darauf ausging, Monsieur Renaulds eigene Pl�ne auszuf�hren, um die Polizei von der richtigen Spur abzulenken. Der gro�e Verbrecher (du erinnerst dich vielleicht, da� ich schon einmal die Bemerkung machte) ist immer �beraus unkompliziert.� Ich nickte.</p><p>�Nun, zur Aufrechterhaltung dieser Theorie mu�te der Verbrecher mit den Pl�nen Monsieur Renaulds vollkommen vertraut gewesen sein. Dies bringt uns auf Mme. Renauld. Aber, es fehlen alle Beweise, die den Schuldverdacht gegen sie rechtfertigen w�rden. Kommt noch jemand in Betracht, der von seinen Pl�nen Kenntnis haben konnte? Ja. Aus Marthe Daubreuils eigenem Munde erfuhren wir, da� sie den Auftritt Renaulds mit dem Landstreicher belauscht hatte. Wenn sie einmal lauschte, liegt kein Grund zur Annahme vor, da� sie nicht alles andere auch geh�rt hat, falls Monsieur und Madame Renauld unvorsichtig genug waren, ihre Pl�ne auf jener Bank zu er�rtern. Erinnere dich, wie deutlich du von jenem Platz aus Marthes Gespr�ch mit Jack Renauld h�rtest.�</p><p>�Aber welchen Grund konnte Marthe f�r die Ermordung Monsieur Renaulds haben?� argumentierte ich.</p><p>�Welchen Grund? Das Geld! Renauld war vielfacher Million�r, und nach seinem Tode sollte die H�lfte dieses gewaltigen Verm�gens Jack zufallen (so nahmen wenigstens Jack und sie an). Rekonstruieren wir die Szene vom Standpunkt Marthe Daubreuils.</p><p>Marthe Daubreuil belauscht das Gespr�ch zwischen Renauld und seiner Gattin. Bis dahin war er den Daubreuils, der Mutter und der Tochter, eine nette Einnahmequelle gewesen, aber nun beabsichtigte er, ihren Netzen zu entkommen. Vielleicht erw�gt sie zuerst den Gedanken, diese Flucht zu vereiteln. Aber bald verdr�ngt ein k�hnerer Plan diesen Gedanken, ein Plan, vor dem die Tochter der Jeanne Beroldy nicht zur�ckschreckt! Nun steht Renauld ihrer Vereinigung mit Jack unerbittlich im Wege. Wenn letzterer seinen Vater herausfordert, wird er verarmen - was durchaus nicht nach Marthes Geschmack ist. Ich bezweifle sogar, da� sie wirklich an ihm hing. Sie konnte Gem�tsbewegung vort�uschen, war aber tats�chlich der gleiche kaltberechnende Typ wie ihre Mutter. Ich begreife auch, da� sie von ihrer Macht �ber Jack �berzeugt war. Sie hatte ihn geblendet und bestrickt, aber von ihm getrennt, was sein Vater so leicht bewerkstelligen konnte, lief sie Gefahr, ihn zu verlieren. W�re aber Renauld tot und Jack der Erbe seines halben Verm�gens, so konnten sie gleich heiraten und es fiele ihr mit einem Schlage Reichtum zu - nicht bettelhafte Summen, wie man sie bisher aus ihm herausgezogen hatte. Und ihrem klugen Kopf leuchtet die Einfachheit dieser Folgerung ein. Es ist ja alles so leicht. Renauld entwirft alle Einzelheiten f�r sein Ableben - an ihr liegt es nur, im richtigen Augenblick einzugreifen, und dies Possenspiel in grausige Wahrheit zu verwandeln. Und nun komme ich zu dem zweiten Anhaltspunkt, der mich unfehlbar auf Marthe Daubreuil wies - dem Dolch! Jack Renauld hatte drei Andenken anfertigen lassen. Eines schenkte er seiner Mutter, eines Bella Duveen - war es daher nicht h�chstwahrscheinlich, da� er das dritte gerade an Marthe Daubreuil weitergab?</p><p>Zusammenfassend ergeben sich vier belastende Momente gegen Marthe Daubreuil:</p><p>1.�Marthe Daubreuil konnte Renaulds Pl�ne erlauscht haben.</p><p>2.�Marthe Daubreuil hatte ein direktes Interesse an Renaulds Tod.</p><p>3.�Marthe Daubreuil war die Tochter der verruchten Madame Beroldy, die meiner Ansicht nach die moralische und eigentliche M�rderin ihres Gatten war, wenn auch der entscheidende Schlag wahrscheinlich von Georges Conneau gef�hrt worden war.</p><p>4.�Marthe Daubreuil war - abgesehen von Jack Renauld -die einzige mutma�liche Besitzerin des dritten Dolches.�</p><p>Poirot hielt inne und r�usperte sich. �Allerdings - als ich von der Existenz des anderen M�dchens - von der Existenz Bella Duveens, erfuhr, hielt ich es nicht f�r unwahrscheinlich, da� sie Renauld get�tet haben konnte. Die L�sung befriedigte mich aber nicht, weil - wie ich dir schon einmal erkl�rte, Hastings - ein Sachverst�ndiger wie ich es gern mit einem ebenb�rtigen Gegner zu tun hat. Doch mu� man die Verbrechen nehmen, wie sie fallen, nicht wie man sie gern h�tte. Es schien mir sehr unwahrscheinlich, da� Bella Duveen mit einem Papiermesser in der Hand spazierenging, aber nat�rlich konnte sie sich schon all die Zeit mit der Absicht getragen haben, an Jack Renauld Rache zu nehmen. Als sie tats�chlich hervortrat und den Mord gestand, schien alles vorbei zu sein. Und doch, mon ami, war ich nicht befriedigt. Ich war nicht befriedigt ...</p><p>Ich ging nochmals peinlich genau den Fall durch, und ich gelangte zu den gleichen Schl�ssen. War es nicht Bella gewesen, so konnte nur Marthe Daubreuil als T�terin in Frage kommen. Aber ich hatte nicht den kleinsten Beweis gegen sie!</p><p>Dann zeigtest du mir Dulcies Brief, und ich sah eine M�glichkeit, die Sache ein f�r allemal zu ordnen. Den Originaldolch hatte Dulcie Duveen entwendet und ins Meer geworfen - da er, wie sie annahm, ihrer Schwester geh�rte. Aber wenn nun dies der Dolch gewesen war, den Jack Marthe Daubreuil zum Geschenk gemacht hatte - nun, dann mu�te Bella Duveens Dolch noch unbenutzt in ihrem Besitz sein. Ich sagte dir kein Wort dar�ber, Hastings (es war f�r Romantik nicht der geeignete Zeitpunkt), aber ich machte Mademoiselle Dulcie ausfindig, sagte ihr so viel dar�ber, als ich f�r n�tig hielt, und veranlagte sie, die Habseligkeiten ihrer Schwester zu durchsuchen. Stelle dir mein Hochgef�hl vor, als sie mich, wie wir verabredet hatten, als Miss Robinson aufsuchte, um mir das kostbare Beweisst�ck zu bringen.</p><p>In der Zwischenzeit hatte ich die n�tigen Schritte getan, um Marthe Daubreuil zum offenen Kampfe herauszufordern. Auf meine Veranlassung verstie� Madame Renauld ihren Sohn und erkl�rte, ihr Testament am folgenden Tage dahin ab�ndern zu wollen, da� ihm niemals auch nur der kleinste Teil von seines Vaters Verm�gen zufallen solle. Es war ein verzweifelter, aber notwendiger Schritt, und Madame Renauld war v�llig bereit, ihn auf eigene Gefahr zu tun, obwohl sie ungl�cklicherweise zu erw�hnen verga�, da� sie ein anderes Zimmer bezogen hatte. Ich vermute, sie hielt es f�r selbstverst�ndlich, da� ich das wu�te. Alles, ereignete sich, wie ich voraussah. Marthe Daubreuil wagte einen letzten k�hnen Angriff auf die Millionen der Renaulds - und unterlag!�</p><p>�Was mich besonders wundert�, sagte ich, �ist, wie sie in das Haus gelangen konnte, ohne da� wir sie bemerkten. Es kommt mir wie ein Wunder vor. Wir lie�en sie in der Villa Marguerite zur�ck, begaben uns direkt zur Villa Genevieve -und doch ist sie vor uns dort.�</p><p>�Ja, aber wir lie�en sie nicht zur�ck. Sie verlie� die Villa Marguerite durch ein Hinterpf�rtchen, w�hrend wir mit ihrer Mutter in der Halle plauderten. Auf diese Weise legte sie Hercule Poirot hinein, wie die Amerikaner sagen.�</p><p>�Aber der Schatten an der Fensterscheibe. Wir sahen Ihn doch vom Weg aus.�</p><p>�Eh bien, bis wir uns umsahen, hatte Madame Daubreuil gerade Zeit gehabt, die Treppe hinaufzueilen und den Platz ihrer Tochter einzunehmen.�</p><p>�Madame Daubreuil?�</p><p>�Ja. Zwar ist die eine alt, die andere jung, die eine braun, die andere blond, aber im Schattenri� an der Fensterscheibe gleichen die Profile einander sehr. Nicht einmal ich sch�pfte Verdacht - dreifacher Dummkopf, der ich war! Ich dachte, ich h�tte reichlich Zeit vor mir - da ich annahm, da� sie erst viel sp�ter versuchen w�rde, in die Villa einzudringen. Sie war sehr klug, die sch�ne Marthe Daubreuil.�</p><p>�Und sie beabsichtigte, Madame Renauld zu ermorden?�</p><p>�Ja, dann w�re das ganze Verm�gen auf den Sohn �bergegangen. Und Madame Renauld h�tte Selbstmord begangen, mon ami! Neben Marthe Daubreuils Leichnam, auf der Erde, fand ich einen Wattebausch, ein kleines Fl�schchen mit Chloroform und eine Injektionsspritze, die eine t�dliche Dosis Morphium enthielt. Verstehst du? Erst das Chloroform -und wenn das Opfer bewu�tlos ist, ein Nadelstich. Bis zum Morgen ist der Geruch des Chloroforms verschwunden, und die Spritze liegt da, als w�re sie der Hand Mme. Renaulds entfallen. Was h�tte der wackere Monsieur Hautet gesagt? Arme Frau! Was sagte ich Ihnen? Die pl�tzliche Freude als Kr�nung des �brigen war zu viel f�r sie! Sagte ich nicht auch, da� es mich nicht wundern w�rde, wenn sie den Verstand verl�re? Alles in allem, ein h�chst tragischer Fall, der Fall Renauld!</p><p>Doch die Dinge entwickelten sich nicht ganz nach dem Programm von Mademoiselle Marthe. Vor allem war Madame Renauld wach, da sie den �berfall erwartet hatte. Es kam zu einem Kampf. Aber Madame Renauld ist noch immer sehr schwach. Marthe Daubreuil ergreift die letzte M�glichkeit. Mit dem Selbstmord ist es vorbei, aber falls sie mit ihren starken H�nden Madame Renauld zum Schweigen bringen und mittels ihrer seidenen Strickleiter durch das Fenster entkommen k�nnte, w�hrend wir noch von innen an der anderen T�r pochen, wenn es ihr gel�nge, in die Villa Marguerite zur�ckzukehren, ehe wir wieder hinkamen, dann w�rde es schwerfallen, ihr irgend etwas nachzuweisen. Doch sie wurde mattgesetzt, zwar nicht durch Hercule Poirot, aber durch die kleine Akrobatin mit ihren eisernen Gelenken.�</p><p>Ich �berdachte nochmals die ganze Geschichte. �Wann hattest du zuerst Verdacht auf Marthe Daubreuil? Als sie uns erz�hlte, da� sie den Streit im Garten belauscht habe?�</p><p>Poirot l�chelte.</p><p>�Mein Freund, erinnerst du dich des Tages, an dem wir zum ersten Male in Merlinville einfuhren? Als das sch�ne M�dchen am Gittertor stand? Du fragtest mich, ob ich di? junge G�ttin nicht bemerkt h�tte, und ich antwortete, ich h�tte nur ein junges M�dchen mit angstvollen Augen gesehen. So stand von allem Anfang an Marthe Daubreuil vor meinem geistigen Blick: als das M�dchen mit den angstvollen Augen! Nicht um Jack Renaulds willen, denn sie wu�te damals nicht, da� er des Nachts in Merlinville gewesen war.�</p><p>��brigens�, rief ich, �wie geht es Jack Renauld?�</p><p>�Viel besser. Er ist noch in der Villa Marguerite. Doch Madame Daubreuil ist verschwunden. Die Polizei verfolgt sie.�</p><p>�Glaubst du, da� sie mit der Tochter im Einverst�ndnis war?�</p><p>�Das werden wir nie erfahren. Denn sie ist eine Dame, die ihre Geheimnisse wohl bewahren kann. Und ich bezweifle sehr, da� die Polizei sie jemals finden wird.�</p><p>�Wei� - Jack Renauld schon alles?�</p><p>�Noch nicht.�</p><p>�Es wird ein furchtbarer Schlag f�r ihn sein.�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Und doch, Hastings, wei�t du, es steigen mir Zweifel auf, ob sein Herz wohl jemals sehr beteiligt war. Bisher hielten wir immer Bella Duveen f�r die Verf�hrte, und Marthe Daubreuil f�r das M�dchen, das er wirklich liebte. Aber ich denke, wir kommen der Wahrheit n�her, wenn wir die Rollen tauschen. Marthe Daubreuil war sehr sch�n. Sie legte es darauf an, Jack zu faszinieren, und es gelang ihr, aber erinnere dich seines merkw�rdigen Widerstrebens, mit dem anderen M�dchen zu brechen. Und sieh, wie entschlossen er war, eher sein Leben aufs Spiel zu setzen, als sie in die Sache zu verwickeln. Ich habe die leise Vermutung, als werde er entsetzt - emp�rt sein, wenn er die Wahrheit erf�hrt, da� er aber bald seine falsche Liebe �berwunden haben d�rfte.�</p><p>�Und Giraud?�</p><p>�Ach, der hat eine Nervenkrise und sah sich gen�tigt, nach Paris zur�ckzukehren.�</p><p>Nun l�chelten wir beide.</p><p>Poirot erwies sich als Prophet. Als schlie�lich der Arzt Jack f�r gen�gend kr�ftig erkl�rte, die Wahrheit zu erfahren, �bernahm es Poirot, sie ihm beizubringen. Die Wirkung war ersch�tternd. Doch Jack genas schneller, als ich dachte. Mutterliebe half ihm diese schweren Tage durchzuhalten. Mutter und Sohn waren nun unzertrennlich.</p><p>Noch eine andere Enth�llung stand bevor. Poirot hatte Mme. Renauld mitgeteilt, da� er um ihr Geheimnis wisse, und ihr Vorstellungen dar�ber gemacht, da� man Jack nicht in Unkenntnis von seines Vaters Vergangenheit lassen d�rfe.</p><p>�Es ist nie von Nutzen, die Wahrheit zu verbergen, Madame! Seien Sie tapfer und sagen Sie ihm alles.�</p><p>Schweren Herzens entschlo� sich Mme. Renauld, und der Sohn erfuhr, da� sein Vater, den er so sehr geliebt hatte, in Wirklichkeit ein Polizeifl�chtling gewesen war. Eine z�gernde Frage wurde sofort von Poirot beantwortet:�Beruhigen Sie sich, Monsieur Jack. Die Welt wei� nichts davon. Soweit ich es beurteilen kann, liegt kein Grund f�r mich vor, die Polizei ins Vertrauen zu ziehen. Ich habe nicht ihr zuliebe, sondern um Ihres Vaters willen in diesen Fall eingegriffen. Die Gerechtigkeit erreichte ihn schlie�lich, aber niemand braucht es zu erfahren, da� er und Georges Conneau ein und derselbe waren.�</p><p>Der Polizei blieben nat�rlich verschiedene Punkte des Falles r�tselhaft, doch Poirot erkl�rte die Dinge auf so logische Art, da� bald alle Zweifel schwanden.</p><p>Bald nach unserer R�ckkehr nach London bemerkte ich eine wundervolle Skulptur, die Gestalt eines Sp�rhundes, auf Poirots Kamin. Er nickte, als er meinem fragenden Blick begegnete.</p><p>�Ich habe inzwischen mein Honorar bekommen! Ist er nicht ein pr�chtiger Kerl? Ich nenne ihn Giraud!�</p><p>Wenige Tage sp�ter hatten wir den Besuch von Jack Renauld. Mir fiel der entschlossene Ausdruck seines Gesichtes auf.</p><p>�Monsieur Poirot, ich komme, um mich von Ihnen zu verabschieden. Ich gehe so bald als m�glich nach S�damerika. Mein Vater hatte ausgedehnte gesch�ftliche Verbindungen jenseits des Kontinents, und ich gedenke dort ein neues Leben zu beginnen.�</p><p>�Gehen Sie allein, Monsieur Jack?�</p><p>�Meine Mutter begleitet mich - und auch Stonor, der mein Sekret�r bleibt. Er liebt entlegene Weltgegenden.�</p><p>�Geht sonst niemand mit?�</p><p>Jack err�tete.</p><p>�Sie meinen -?�</p><p>�Ein M�dchen, das Sie innig liebt, das bereit war, ihr Leben f�r Sie hinzugeben.�</p><p>�Wie k�nnte ich sie jetzt noch darum bitten?� fl�sterte der J�ngling. �Nach allem, was geschehen ist - wie k�nnte ich vor sie treten und - was w�re das f�r eine Werbung!�</p><p>�Frauen haben die wunderbare Gabe, solchen Werbungen auf die Beine helfen zu k�nnen.�</p><p>�Ja, aber - ich war so ein verdammter Narr!�</p><p>�Das waren wir alle einmal, fr�her oder sp�ter�, bemerkte Poirot philosophisch.</p><p>Aber Jacks Gesicht wurde hart.</p><p>�Da ist noch etwas anderes. Ich bin meines Vaters Sohn. W�rde irgend jemand mich heiraten wollen, dem das bekannt ist?�</p><p>�Sie sagen, Sie seien der Sohn Ihres Vaters. Hastings wird Ihnen sagen, da� ich an Vererbung glaube -�</p><p>�Eben, dann -�</p><p>�Warten Sie. Ich kenne eine Frau, eine Frau voll Mut und Ausdauer, der gr��ten Liebe f�hig, der h�chsten Selbstverleugnung -�</p><p>Der J�ngling sah auf, sein Blick war weich geworden.</p><p>�Meine Mutter!�</p><p>Ja. Sie sind ebensosehr Ihrer Mutter Kind wie der Sohn Ihres Vaters. Gehen Sie zu Mademoiselle Bella. Gestehen Sie ihr alles. Verheimlichen Sie nichts - und h�ren Sie, was sie dazu sagen wird.�</p><p>Jack sah unentschlossen drein.</p><p>�Gehen Sie zu ihr, nicht mehr als Knabe, sondern als Mann - ein durch das Schicksal gereifter Mann, auf dem die Vergangenheit und die Ereignisse der Gegenwart lasten, der aber ein neues wundersch�nes Leben beginnen m�chte. Bitten Sie sie, dies Leben mit Ihnen zu teilen. Es mag Ihnen nicht zum Bewu�tsein gekommen sein, aber Ihrer beider Liebe hat die Feuerprobe bestanden. Sie haben beide bewiesen, da� Sie bereit waren, das Leben f�reinander zu opfern.�</p><p>Und was geschah mit Captain Arthur Hastings, dem bescheidenen Berichterstatter dieser Seiten?</p><p>Es geht das Ger�cht, da� er den Renaulds auf eine Farm jenseits des Ozeans folgen werde, aber als Abschlu� dieser Geschichte ziehe ich vor, von einem Morgengespr�ch in der Villa Genevieve zu erz�hlen.</p><p>�Ich kann Sie nicht Bella nennen, da dies nicht Ihr Name ist. Und Dulcie klingt mir so fremd. So m�ge es bei Cinderella bleiben. Cinderella verm�hlte sich mit dem Prinzen, Sie erinnern sich doch. Ich bin zwar kein Prinz, aber -�</p><p>Sie unterbrach mich.</p><p>�Cinderella warnte ihn, wie ich wei�. Sie erinnern sich, sie konnte nicht versprechen, eine Prinzessin zu werden. Sie war ja doch nur eine K�chenmagd -�</p><p>�Nun ist es am Prinzen, einzufallen�, warf ich ein. �Wissen Sie, was er sagte?�</p><p>�Nein!�</p><p>�,Verdammt!' sagte der Prinz und k��te sie!� Und ich lie� dem Wort die Tat folgen.</p><p><strong><emphasis>ENDE</emphasis></strong></p></section></body><binary id="cover" content-type="image/jpeg">/9j/4AAQSkZJRgABAQEAYABgAAD/2wBDABQODxIPDRQSEBIXFRQYHjIhHhwcHj0sLiQySUBMS0dARkVQWnNiUFVtVkVGZIhlbXd7gYKBTmCNl4x9lnN+gXz/2wBDARUXFx4aHjshITt8U0ZTfHx8fHx8fHx8fHx8fHx8fHx8fHx8fHx8fHx8fHx8fHx8fHx8fHx8fHx8fHx8fHx8fHz/wAARCAHEAR4DASIAAhEBAxEB/8QAHwAAAQUBAQEBAQEAAAAAAAAAAAECAwQFBgcICQoL/8QAtRAAAgEDAwIEAwUFBAQAAAF9AQIDAAQRBRIhMUEGE1FhByJxFDKBkaEII0KxwRVS0fAkM2JyggkKFhcYGRolJicoKSo0NTY3ODk6Q0RFRkdISUpTVFVWV1hZWmNkZWZnaGlqc3R1dnd4eXqDhIWGh4iJipKTlJWWl5iZmqKjpKWmp6ipqrKztLW2t7i5usLDxMXGx8jJytLT1NXW19jZ2uHi4+Tl5ufo6erx8vP09fb3+Pn6/8QAHwEAAwEBAQEBAQEBAQAAAAAAAAECAwQFBgcICQoL/8QAtREAAgECBAQDBAcFBAQAAQJ3AAECAxEEBSExBhJBUQdhcRMiMoEIFEKRobHBCSMzUvAVYnLRChYkNOEl8RcYGRomJygpKjU2Nzg5OkNERUZHSElKU1RVVldYWVpjZGVmZ2hpanN0dXZ3eHl6goOEhYaHiImKkpOUlZaXmJmaoqOkpaanqKmqsrO0tba3uLm6wsPExcbHyMnK0tPU1dbX2Nna4uPk5ebn6Onq8vP09fb3+Pn6/9oADAMBAAIRAxEAPwChr3/Iau/9/wDoKz60de/5DV1/v/0FZ9dsfhRzPcSilxSVQBRRRQISjNL2pKBiUUtJQAtJS0UAJRRRTASlopKACiiikAUUUUAJRRRQMKKKKACkpaKAEoooxQMSilxSUAJRS0lIYUlLRiiwCUd6WjvSa0GbOvf8hq6/3/6Cs/FaOu/8hm6/3/6Cs+iOyM3uJSU6kxVCEoxS4pcUANpKdikoASkpaKBiUUtFACUUUYoAKSlooASiiigBKKWkpgFFLRQA2ilooASilooASilpKACiiigYUhpaKQCUlOpKB3EoxzS0d6T2C5s67/yGbr/f/oKz60Nc/wCQxdf7/wDQVR7Uo7Ih7jaKWiqEJRilxRQA3FGKWjFAxuKSnEUYoAbikp1GKAG0UtFADaKWkoGFFFFACGilopgJRS0UAJSU6koAVguBt/Gm0uKMUAJRS0UAJSU6koASilooASiiikAUnelo70nsNGzrn/IYuv8Af/oKo9qv62P+Jxdf7/8AQVRxSj8KIk9RuKMUtGKoQlFLiigBMUlOpKBjaKdikoASkpaKAG4oxS0UDGmkp2KSgBKKWkoAKSlooASilooASjFLRTATFFFLSASkpaMUAJRS4opjG0tGKKAEopaKAEo70Ud6T2Gjb1v/AJC9z/v/ANBVHFaGtD/ibXP+9/QVQpR+FGUt2NxRinYpMUxDaMU6jFAxuKTFOIoxQMZRinYoxQA2kxTqKYDcUlOxSUhiYpKdSYoAbijFOxRigYzFFSBR3pdgoC5DijFTbKaUoC4yinEEU2mAYoxRRSATFFLijFACUUuKKAG0UtFACUYpaKAExSd6dSd6T2Gjc1of8Ta5/wB7+gqjir+s/wDIVuf97+lUcUR+FGMviYmKTFOxRiqENxRinYqxa2clycj5UHVjwBUt2KWpUxSYra/smCSBzBPvdByO1Y5GDihSTG1YZiinEUYphcbSU7FIRQMbikIp2KMUANxSVIsbv91Wb6CkdGQ4dSp9DQMjxS0tJQAA0/IplFAD9wpCRTKKAFJpppa2tO0mGSxe5usgYJXtSbsNIw6SnEfMcdM8UlO4CUUtGKAEopas6fbG7vI4scE/N7Ck3YZVpK0tWEBu/Ks4/lQYJA6mqosrkjIgfH0pKSCxXop7xSJ95GX6im0xCUd6Wk70PYaN3WB/xNbj/e/pVKr+sD/iaXH+9/SqWKcfhRzyfvMbijFOxT4YmmkVFHJpvQEPs7X7RISx2xryzGn3l2JAIYBthXoPWpL2RYkFrD91fvn+8apxRNNKsaDJY4qPNl+SLWnXK2yTlmwWTAHqaoHmrd9arayCMPuOOfaizsmucsx2Rr1Y0XS1DV6FMiitDUrWG2dEiYsSMnNMttOknTzHIji/vNRzK1x2ZRpMVo6hYparG0cgcNRpdqJpvMk4ij5JPSjmVrhbWwQ6PLJb+c7LGDyN1OtraASFYo2uXXknoopdQvnvHEEOSgPA9afNINNsxbxY8+QZcjtUasvQhk1eZMpFFHEBxwKz7ieS4k3ynJq1ZWJu3LM22MfeY1Zv9MhgsxPFIW5wc96aaTsLVox8UYp1S2ts91OsSDk9a0bsIbb20t1KEhUsf5Vrrp1hZAfbJt8n91aLm+j06M2tko3j70nvWM0jvJ5jMS2c5NZ2citEdNDa2U5EYtGUEZDEVz2pW6Wt7JFGcqDxVv8Aty78nZlc4xuxzVW3tZ76Ukd+WdugpRTi7sbdxthZveXKxr0zlj6CtHW75Qosrc4jThiO9WJBFpGn/uDvmm43Vz7qwY7wQx65pr3ncNhmKSn4OM4qayt1uLlY5HEanuau4itRWr/ZSTagLe1l3qBlm9Kkvbe308NGLd5HIx5jdPwqedDsQW+kkxCa5mSGM8jJyTWpbCx0q0+0oWk38AnvWRp1o9/cBHY+WgyST0FLq92s84ii4gi+VQO9S1d2HsagvJ2ga4trFEiHO4jk1QOv3hPDIPbbVf8AtK6a1FsG/d4xwOcVPYaJLdL5kv7qP36miyW4EdxrNxcQtE6pg98Vm1sajb2FtahY8mcn1zismrj5CY2jHNLijHNN7Ajf1cf8TO4/3v6VSxV/VR/xMrj/AHv6VUxTj8KOWb95keK0rBRBaS3J+9jC1Q21owvbvYCGVipBzxSnccGjMwzvwCWPpWpaWjWltJcsP3oX5V9KgNxHCMWqYP8AfbrTba9kgd2b95uHINKV2tCk0tyCKJ7q4UHcxY/Ma2He1gljiBL7fuovr71nS38jKVjVYgf7opsYNvF5z5Mj/cz/ADqXG+5albYuyxRX2pHao2xjLe5py25uZx9pkVVH3IlNY6u6klWIJ64PWmhmDbgx3euaOQOdGlPYfvDJcuIYh0UHPFTXFsZLSJLVgluRliT1rId3kOXYt9TSGRymze20ds0+RhzGlZSWdrOEB3seDIegp7xWKpIJbgPJIclsZxWPikNHIHMb1tcadDCsO/cAc5I6moNbdZYYzDKpj7IKyMUhFHs7O4+cZitizU2ekyXSj9452g+grJxW3YX1s1kLa54xxRO9giYLZYknkmhUZjhQSfQVsvb6WjbjOxHoKjk1GGAbbKAL/tsOaOa+yHbuRwadHFGJr99i9Qnc1LFO1/dJa26+Vbg8gdx71mSyvM+6RixPrSwTyW8m+JtrYxmhxbC50SwRNfr9owSBiKMdgO9UW06bUNQkeUeXFuxk8Zqja38ltcmcjzHIx81LPqVxPMJGcjByFHSo5ZLYq6Luqw7njsbSHhOScdfxpH0qK206Sdv3svT5TwtRXmtSzx7I0EZI+Zh1NUUupkiaJXIRuopqMrBdF7S0SKIzm8EJPBHel1PVluIBbRZYd3bqayiKF4YH0Oarl6iubbKbDSVjjUmef0HOKrSaYlnYGe6z5jcIo7VNca6XhVYoVVwMbj2+lMmvYLvSxFM5E8fIPqai0kO5Lo0oS1d3gVki/iC5JNQySahqkxCBo4/ToAKgsNTlsUZEVWVucGlutYubhNgxGp6hBjNPldwuUJ4zFMyFgxU4JFMp2KMVqTcZRTsUY5pPYaOg1Uf8TKf/AHv6VUxV3U/+QjP/AL39KqYoi/dRyz+JjcUU7FJiqIGnmkIp+KTFA7jMYNWLq7NxGibAoUdqhxRiixSk0R4pMVJikxQFyPFGKfikxQO4zFJin4pMUFXGYop2KNtA7jMUmKfikxSC42kxT8UmKCrjMUYp2KMUBcZijFOxRigYzFJin4oxQFxmKMU40mKBiYpMU7FGKAG4oxS4pQBnmgBuKMVOix9zUy+SvoaAuUtpPQGja2eh/KtNJYh0AqUSx+1S2xpljU/+QjP/AL39Kq1b1P8A5CE/+9/Sq2KUXoc817zG4oxTsUlVciw3FGKdRTuIZik20/FGDmi47MjIoxUrIwGSKZincBmKQipCKQigLiNA6oHK/Ke9NWNncKgyT0rRt8PbCFuj5x9abYL5U4LD5i20VHMa2M90KNtYYNNIq55PmzyljhFyTSLFDKxjjyGA4J71XMFiligirsMEbQO7KxZD0FNngSKdF5KsAcdxS5h2KRFGKvtbQtOYV3K3YnvVN0KuVPUHBpp3GR0mKuR2oe1eQH5xyB7UW0EckUrOCSi5GDSuOxTxRirQjj8hmKndnjmp1ghEEUnlsxbOcHpRcLGbijFTvt3HA4zxmmED2pgRYoxTyKTFAXG4pMU/FJigY3FGKdijNAXE20uKXJpyylewoAYFIp2DUguT/dH5Un2g5+6Kl7DRr6kR/aE3+9/Sokx3qxqOPt83A+9/SoBj0FQnoQ17zA7SaayrinfgKCM07kke2gKM808qe1MKmqJ0JEQelSqig5qAbhTt7VLRaaQ+Y5GBUAiz1pSzd6Ax9KewrpsHiA6UzYPWpSxphBNNMHEeWRI49r/MpzUn2hGuUkPyhecD1qsVxSbTRZMV2iwskaySc5STrSIYIWLqxY9h6VEkRdwqjJNSPbJFxLIQ3oB0osgux0MscUTgMQzHNRzNDJKJMkE9R6UyaJUK7G3AjOaixRyoOZllpYVuDOCWYcge9U2JeQs3c5NOo2k9qaSC7J47hY51x/qgMHjtTYpUjklXny3GM+lRbD6UbD6UrIq7FkKLHsQlsnJNSPOBbRpG5DJnPvUOw0mw07ILkRHekxUpQ+lJtPpTuMjxSYqwkJOM8U424xweaV0BVxSYq0bc44OaFtJG9KLoaKuKMVe+wtjLMKreU2SAM4pJpg9CLFGKnW3duelNeJl607oCHFJjmrMUIcZNSCBB15pSaGtzS1H/AI/pv96q1WtQH+nTf71V8VnF6EyXvMTJozS4opkhmkpcUYpiENJS4pMUCEJ9qsySFYoSFHI5461Wzg9Km+0fKo2D5elD1KiS7Ql3GABhgCR6UydypwCp5PQdKYJmEm84Le9I0m/+EDnJxRYfMWJoxNGhQAMAN30qO5IEMQUDHr600ztnIAHGKa8hZFTaPl6UJMTaaH2BAn5644qK4RhO4c4JNNGVOQcEVL9oLDEiq+O5p21uJbWAWgWaNXYENz+FLvJufL2jZnG3FRyytIwbpjgUpuDu3BV3/wB6jUeiJIBsadRggA4qC3Y+enueaWKYoGwAd3XNAlIdWCqNvSnZiuPu3ILAOCN3QDpU3mbRCzlQpX5h61TkbzHLEAZ60sspkVVKgbeBRYakSwv+6uNvQdKrwoZJAD25NPimMaFdqkN1zQZyQRsUZGOKLMd0S3YKlJo1xkYI9DQ8ji1hcH5iTnjrUImbyvLwMZzQ05aMR7VwOlKzHdFiAvgzSN8g6D1NVnkO4kjk8043LFFQqpC9OKhkYyNk8fShJg2O83BqRbkDrVbbRtocUxJtFiS5yMCo1kUdai20m2nypBe5Z88bcAVC2GNMxRjmhRSBu5OhA7VIE3c5xVbNP8wColFlRepp6h/x/TcHrVfNTajPtv5l9G/pVUzA1MdipLVkmRS1XMo7U3zTV2RBaUbulO8p8ZxVeObHQ1IboIPmcCploNJMeUYdQaQLniqk+sRx5A+b3qp/bG9v3afiTWftUX7Js2BCx6DNNaEg8isyPVpWJG3FSrfyd8fU1H1hIr2LLmzB6U7yzjpVD+0ZGfCLuHfFS/bZh0UUvrMRewZOQR2oCsR0qudQcHDKtOF8MZ/lVLExD2DJzE4XJHFM25PpUf24EEHP405LqMcnHNV7eInRY7HvSHAqtcajGmQmC1Ri6dhjgH6UPERW4vYyZfXZjk0hA7A1W+1bRhl5pH1JliCiMdean6zHoNUGWcZpCh9DUK3bsMABfeq11fTw4O7g+goWKT0D6uzQETHoDQ0LAZIrJ/tK4zgNnNTJqT9Jeg6mn9Y1H7Bl3GKcIWIyBxWf/a0fO2MtUEuo3M33G8tB2FU66sJUX1NYxHNII+eKy4LmQP8AO5JPrWgszccde9Y/W7PUv6uSGIik8o0CU/xcVGZ8H7wraNdS2M3TcdyXyW9KUW574FQ/aCRnePzpyz7v4xTdRoSgTfZc9GFKbRR/y0FQNMq9JB+dN88E8nn61HtH3L5V2JmtuflYEetQmI5xkUGbtmkLnNVztdRKOpPqxH9q3GSfvf0qoGB6EirWrgf2rc5/vf0qphcdDXlzm+Z6neox7CsWA4akDsON2aU4x0poC5pe0l3FyR7Em5mBH3fcVVktJGbd5hb61Nx0oA4HJwKbqy7jUI9ijJbyY5QkVD8q/wABFaxDY4NMAY9lpqoHKZ6/MMjIqRckjGau/KpOQvHpUD30anai5NF2+g7IkDbB0phdsc5oFyxwSAQfSnrIrYPFS7oLXGbgOtRPNj7hAPuKub1I6CmmONuGUYpKSQ+XsZ++Td8zEio7iWVsJFuwPQVo/Y43HBI/GlW0eL/VSfgRWiqRJcGZ9vbSYDMCee9XIVcHpSsbyIn5Awp8cxf76EGlKTeoJWFbIXnrUTuN2MHFWSOQwbj0ppUEdRnPUVCaBoqGY5I5wKc0oKgMMj3qV4C44fBx6VG9qxjChlJHerTRFmVHVcnywR+NQsHOQxPNWTZz8Z/MGnLbSgAuOnateZLqKxREbqARk47VNAQVYNwcZq0IhjcBj2qOSNQ6jdijnuMYjZHOcjpVxJ2Vc55PaolttrZDZGMGmAKh5JPOKh2kM0Yp1cfNgNUjLEVywGDVBHiVSHPNTrtdRtcfSsnFrYq4rwwno2B9aixHEcBtoPrSvDlupxUckBJAb5gKpPzFZE4iBGVIaniE4qq0kcKnLEYpkOpBvlY49CafLJ7C0HyOqTbWByPU1ZVVcAqwrPnuY2lyzg/hTlukX7v3cVdmLQ2dYT/iaXBHd/6CqmDnINaGrZGpXB6jd/SqRCNz0rCT95mqWhGGO7ApGcDhjhqkIVQCAaRkWTlucUtAsRckg048/SkIQeopHkSNDu6CqtfYB+/AOapzXyxqRHy3rVS4vmkysfyqabbBGfa67ga2jSsrshu46G4kMu5vmzSkFSwJ4PepvJG/5BgCiSJhjutXzK+gWGwvtXAkznsaXzSDjeCRURG1TkfSkhQq27oGHpRZAaEf3QCwOPQ1IWUjk8HvVNFKYPXHSkWRix5wM1k432LNAEADFP8AM44OKznudpADZzU8UpkQE8ds1Dg0Fy15x6ZzShwemKpSFEcBjyfSpTlU3KcrU8g7ljdzjFKMHtVJZGbO1sg0sUjq2Mk0OArplwxj6UFdo5pEmDnB5NSB85/lWeo7IgLKeCeaMYHWnhA8nQAdwac0PBCHB9DVXFYiIXHLCo/Jjbk80yVpYwd6hwPTtUX21ETdjHtWii+hOhZ2rjapx7UxoEb/AGfxqlJfoTkKd1RtqMhXAVR71oqchXRe+wRnksT+NItpGhyN351lvdTOclj+FJ9ol/vn86v2cu4ro3VGB8rGkKq33nIPsaw0uJUbIc1L9rkL5XFT7FrqPmRpNZQucsxJ+tA06EdqppcknP3P8aniun6lhSamuorJk32GD0FAsoR0o89lkGSGSp4pElJwcVN5JhylvV7mJdTuVZwpDc/lVBriAj/WLVPxKf8Aif3n+/8A0FZea2dFN3DmOgFxER/rB+dNe6iQcyD8Kwcn1ozS9gg5maUt60mfLGQO9U5JJJuGJPtUauV6dKlSZUbcgINaKKjsK41Yxt5+96VMkZAU8805Zoiwdl5PX2qyjq0YYgKM8H1qZNgkRwF45PnyQetTOc525GKQyr0656UBgFJrJl30KzqWJycetOibnBPT9ak3oQRtqIlQxIODV7oVy0MnkDtTPLAbd0qEXG04Bo+2gHB5qeVjuRm2LyexqzExiwjEbRUP23P3V4pJGWVQfz5q7N6MV7Dri4jMgC84pn2mQk4PHvVd9g+6Tmml+ntVKCsLmNi2aPHIANTOcFSB8pPJrKhYNj95hqDcyRuylsgds1k6bbHc3SqYyuAai3kHmssX0hGAvbrQLpgnLc1HsWPmNUyr+I704TL61ji9kbgCrMczEfNSdKwc7LxlUHswPWqN9aQyDdAwVu6mpxIpHSmsVPeiF4slyuZQs5D6VINPc/xirhZR3qQYPRq1dSRJSGmn/noKY9g4PDKRWiRkfeFJ5RI4OaXtJAZn2KX2/Ol+xuvVhV90YDpUTQux4NUqjYFVraTGeo+tMCFHw4OK0NsmMHBFJsLDDAYp84yBOccdKkLeXJuXoRUvlKOlQukpPG3FJO7GaPiCFX1i5O1T8/P5Cs9rSH+434Gt7V1U6ncZH8X9KpGNT0OKh1GmRzIyHgth3dT+dRtDB/DKfxWtSW2YnIANQm3brtwRVxqhdGeLcN92RaDbMBncp/GrjQ4J4601o1C4Kj61ftEMaYx9lADJvz61CVboWUfjSGPnC9DT/KGMbcnFO6HcWJOeJE/Op1UldvmKQaq/Z2PQH60Lbydlb60nYVycwSZzuXHsaie2l+91P1pTb3B5CsaBb3Y6K1Ca7iuQShlPIxUZq2bK6k+8p/GgabcHsBVcyXULlUMV6UDcxq+un3HTKinDTpgQWcflS9pHuHMjMorV/s+XvIp/4DT/ALD67fype1iLmRjijvWwLFPQZpDZew/Kl7WIcxliR+1OUsx56Vo/ZCOwNL9nIHQUe0Q7oqxBRVhBjoaUoV7Cm72HRazbuFyUJTSCKj3zZ4H6Uu2ZvvHFKwrkUhIJyRUYuAvuasfZQ3LAml+yqO1XeIcxAtwxB+TvUv2hsDgj6VJ5IHQUbPak3EOYWN9/VvzqYLgcVCAV6AVKkpXqtZsFIawIpm4/jU5nVhyhqNsHoDQi1JEPmNTTITjrTniLHINM8h88NWisF0dBq6n+07g5/i/pVUCrmrHOqTqP739KqMuzBrmm/eYOnpcMU4DNJu4zShqkxtYNi9wKQxRnqoNO3UA07sLjRDH2QflSiJP7o/KnbqTeKLsLh5agdBRsA6CnAg0UrsBuMUuPaloouA2j8KWl4ouIbSHOKdxRxRcBueKKdSUAJt9qaUz2qSkNMCIwk98Un2c92qaii7Ah+zJ3NKIIx2qSii7Ab5ajoBRtHoKdSUXYhNoHagoPSl60nIoAQximlB3qSk9qdwIvKFBRe4qQj0pMg9adwuRGP0FN2Z7YqfAo4NO47kAQ0u31FS/SkJGelNPULlvWTnU7jHUN/Squ84APX+dWdaz/AGpcbeu7+lUgpK89RSkveZ2x2Av5XIGVJqbcGA7VXdsjBA4psMxaVkcgY6Uct1ciSuWc+hpwY01felNQc7HA0hFIOKUmgloRWIbFS5qByQRin8svvQykiTPakzTCxHWlDAjikDTHZ7UtMpS2BQSKSKKYM9aUtQApYUZpnU0vSmApYUopnBpQaLCHZHeimFuaXNFgFJxRmmFsGgEEdaLAKSRSbgRSEnFIDmnYB2aXOaaenWmhueadgH596XIpmc03JBosMfuwaM5pvUc03kdDTEP6UEg03dmmnrRYBxyKTdzSbvWk4J6U1uNGjqrgavcZGRu/pWeQ4cgnK9quarLjWrlCuRu/pVThuAetEtJM7G7IYoO45/Ko5rfapk79vapdu1sP+BoaYKNv3hQmxXuLC5eIEnmpc5pQiBQYzwRyKjzg1O5hUVmSZpTyPemAinAnFKxDGFDmnoTtINNLc4p0fJORQylIB8wwTQAVbBxinYANDoDSHcUkCkJ59qAOKX2oIDikYjFB4FMz2oAcOlBOBSUxjzTQh+RnilJxUYNK3Ip2AM5pc1GM0/PFAgP1pQKY3SkDGmMkJ4pvFGcimUAPPFNzjrS54pGxigBQc0NTKUEgUDFVqUjmmnPWl3E0wEORSBvWgmm0AOYCk5pM0h61S3BFvWyya3cHg5bj8hVCaQB8ZKH1FWPELFNcuDn5d/8AQVEvlyru4LYq5KzudF76EUcshyN4bHINNMuJQcDH8qZLhGBVSp9PWiMB8FumadluCLsTg5PQVIcGoI12DGcg9DUg6c1iyKqHEccUo3d6FHHWg0jEX61KnSoFO5sVMTjpUsB7AUU0sSKaue9Kwx5Ao6UdqaetAgOaTHelz60bqAE6CmYz1pXPpTVOTzVWAcRSHigsO1NagA60CmgkGjdTAUnJpAeeKQnNIMg0xjzTc4pMmkzmgBwalpmDRzQIXPNLmm5xRnNMY/NNPWj6UhoGG7nFGabSg570AISRQGOelKTxTDgGqW4FvX5FXWrkOuRu6/gKzn/dkGPBBrS1+Fn1a6Ib+Pp+ArMjeFUKy8NWj3NLjJJdwAfj0NPtkYOGzuU0SFWX19KLWT58HIPah/CNbl8gbRikxQDzSnmucmerEzgcdKCcjrSEU09KZmSQ8tmps1Db8Aiph71L3ABRnFL24pG5FIQF+1N3HNN6e9Oz7U7DHdaToM0AmkbkdaQhrc9BSgcU3dzTs8VQCEc01jk04twc1EaEMdQaQe9KR6UwGE4NANKRmmgYNMY4imkU4UHFADQaXOaacUBuKAHEelMJpc0E+tMBA3NOzTCfSigAI9KTdR3pCOetMY7dkUnU0nSimtwRpa6VTVrhiT9/nH0FZlxCkoDqPxFXdby+tXgJ6Px+QqjvaNDgdOoqndPQ0SQwIGXaeD60+CEhwTyBQrmTG0fhVlQQvNS5NCeg7OBnFAYU3rSYJ4rOxm2ObmkJHejGKaRmmhD42weKsZzVQZFSo4xgmk0FiXpTT1pRzyDSAHNSIBzRTgBikY4oAQtioy3PFKWpPemMMZ5pc8UZHpS470xCMe1N6U1s5pVPPNAx2B60cUhbtSYyKBgTzQKZnFOBxTADmkJxT8imkZHAoAZnNL+FNPFAOe9MBWHHApjE4pScd6aWUDlqaGKG4pQc1A0yD+Ko2ugDwKvlYWLhppGBzVM3TnoKYZZG6nFNQY7FwsB1NN89AetUjk9WNG0Zq1BBY29ffbrV36b/AOgrO3OhByGU1o6/u/ty6+XI3/0FUFUE8c+xqWMtqF3KcYJHanselICNg6YobpWDJY4CkPBpAfxpCMnrQQLu55o7UY45pNufagA460wn0p5XqKjZSOaaGKjsh56VMJAar9s0oJoaAtLn1pTg9areaakSVTwanlEKeOlKCQOlG4daN5oAU4NJkjpzRx60hBPegBh9aUYFKV7GhlAHFMYg60GkJwKjeYL1ppXAdj3pMnNVXuwOlQvdOx4q1BsqxoFwBkkU1rhAOtZpd26mgD1q/ZhYtPdjsM1Cbhz0qPj0pc4q1FIYF5G7035j1zSsTSbqoBMilyKCRRxQMM+9GaTGTRgetAC0Z5pPxpvemB0musBrF2M/xf0FZvljdwa0NcCnW7oPx8/H5CqLIMZzwK53uSO3OABjinhgwOeDUCPuOAT7VKfl4apaELnFBakbnkdqjJI6ClYRMGpd2TUG85pwbPPSiwExpnOemaFf3pevSkAYHakI9KQ0nbmmMXGPemEelOx6UjZ70wAOVpwl55FMz3p8Efmzqnr1osBctoDONx4WrZEMC5OM/rTpEkWHbAQrDpmqJDx3EZfI/vM3INJIkvRPFMDhcEdQRzUM8EZYKrBXPQetJORM4+zcyD+IdB9ajRStxEJAfO3HLdiKLAUbhzESp4IrOlmLmtrW7bMXnJ1XrWCMZ5raCVrloAMnmngAUmR60uRVjFwDSFfQ0tFADMH1pMmlOcmkzTGLn2puRTuaSmAhpKdx6UmKADNGaTFGKBi0lFJQB0uuDOr3mR/H/QVlHOQOQD1rZ1wb9Uuhj+Pr+ArL5DYOCK529WNojjUo+Rz9acpZz865GetJJuJ3AcelRrclW2uMCnuRYspJH0B/CldMDcOQajWMEhh3pU38/NwO1TYmwdW9KQkYx0pskyjGetV2uBzVKLYWLPTvT99UPtBxjFNM7U+RjsaLOD1NKWBGciswyue9N3se9Hsx2NPzQOpprTx+tZ2SeppMVXs0Fi410B0FXdGkEt03stY2Kv6NL5V6Af4uKHFWBrQ3bst+7CPtJbrUIuHuSIThc8Fv730qzcRxuo804VTmoJpo5AIo0Bz0LcAVijMbcILTZ9nDLuPJ7VLb3DSybWTO3+MdKj8po3H2smROx7D61ILnMsaRIPLJxu/woYD70BrSUH+7XJ5NdRqkoisnJ6twK5ataS0KgGaM0Ulamg7dx1o3GkpKBDt1JmkooAdkUZptFADiaSko5oGLRTc0UALRSUZoA6rXiyalckY+9/SsVLlTIcrVvxFcuut3i9g+P0FY245zWSp73G2aweKRcZAzVS4CqxyQaqbmB6mg5xzTULA2WPOdehxSxTgRy5J3EVVpwUYq7IQM5cgtyKbwaOBSUwHYBoIIoGMYxzQQc4HNACZ9aXg0vbB60m3PtQISijB7UfWgYUqsUYMDgjpSUUAdJY3kV9CI5cbwOQe9SvZlWVozuC9FauXVmUgqSCO4q/BrNzEAG2uPesnB9DNxNzZJcH96uyMfw560jwJC6yBwkanJU9PwrKbXpiPljUH1rPuL2e5P7xyR6VKpsFFljVL77XNhT+7XpVHrSUVulYtKwtLTaKBjqSiigAoozRQAUUUUAFGaKSmAtJRRSAKKKKYG14iQHXLv13/0FZ/l/u+nI71oeIpSmu3gAH3/AOgrKMrEcmo1EBGWoYYUCm7iTml3ZHNMBrL0xSpnJ+lSAArk0z+LAouMZRTjjOaSmA5Bg5xTjuHNIOgNNJIPWkAucnmgk844FJk9TQpOcUwELEkcc0ZpwPJNNPWgAAycY60FcHGaOcUqt0DDigBlFPOM+uaV1CnjkHvQBHRRRTAKKKKQBRRRQAUUUUwCiiigAooooAKKKKACiiikAUUUUwNPxKxGv3v+/wD0FZe847UUUgE3Gl3n2oopgSCU8DAxTPMIPaiipQDdxpQ5HpRRTAXzDjtSbz6CiigCQvjGFFMLnOQAKKKAELn2o8w4xgUUUAG80m4+1FFMBQ5HpSbzRRQA52+boKbuOaKKADcaNxoooANxo3GiigA3GjcaKKADcaNxoooANxo3GiigA3GjcaKKADcaNxoooANxo3GiigD/2Q==</binary>
</FictionBook>