<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>thriller</genre><author><first-name>Clive</first-name><last-name>Cussler</last-name></author><book-title>Packeis</book-title><annotation><p>Militante Umweltsch�tzer wollen einen Polsprung ausl�sen, um die Menschheit zum Umdenken zu bewegen. Durch einen Test werden katastrophale Ereignisse ausgel�st�� ein als unsinkbar geltendes Frachtschiff verschwindet spurlos im Ozean, eine Herde Killerwale rastet v�llig aus. Nur die in Sibirien t�tige Pal�ontologin Karla Janos kennt das Geheimnis, wie die Kettenreaktion wieder zu stoppen ist. In h�chster Not sollen Kurt Austin und seine NUMA die Welt vor der Ausl�schung allen organischen Lebens bewahren��</p></annotation><date>2006</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Michael</first-name><last-name>Kubiak</last-name></translator><sequence name="NUMA Files (de)" number="06"/></title-info><src-title-info><genre>thriller</genre><author><first-name>Clive</first-name><last-name>Cussler</last-name></author><book-title>Polar Shift</book-title><date>2005</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>Verdi1</nickname></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2011-08-22">22 August 2011</date><id>5166D085-CB58-4A6E-9102-DE439B831108</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Packeis</book-name><publisher>Blanvalet</publisher><city>Berlin</city><year>2006</year><isbn>34-42-36617-8</isbn></publish-info></description><body><title><p>Clive Cussler</p><p>Packeis</p></title><section><title><p>Prolog</p></title><subtitle>Ostpreu�en 1944</subtitle><empty-line/><p>Der Mercedes-Benz 770 W 150 �Gro�er Tourenwagen� wog mehr als vier Tonnen und war mit Stahlarmierungen versehen wie ein Panzer. Dennoch schien die siebensitzige Limousine wie ein Geist �ber die Decke aus frisch gefallenem Schnee hinwegzuschweben, w�hrend sie mit ausgeschalteten Scheinwerfern an schlummernden Maisfeldern vorbeiglitt, die im bl�ulichen Schein des Mondes funkelten.</p><p>Als der Wagen sich einem verdunkelten Bauernhaus n�herte, das in einer leichten Senke stand, trat der Fahrer behutsam auf die Bremse. Der Wagen verfiel in Schritttempo, schob sich mit der Heimlichkeit einer Katze auf M�usejagd an das niedrige Geb�ude aus Naturstein heran.</p><p>Mit Augen, die die Farbe von Polareis hatten, blickte der Fahrer aufmerksam durch die mit Raureif bedeckte Windschutzscheibe. Das Geb�ude schien leer und verlassen zu sein, doch er wollte kein Risiko eingehen. Wei�e Farbe war hastig �ber den langen schwarzen Stahlk�rper des Wagens gepinselt worden. Der plumpe Versuch einer Tarnung machte das Automobil f�r die Sturmowik Schlachtflugzeuge, die am Himmel kreisten wie hungrige Raubv�gel, so gut wie unsichtbar, doch der Mercedes war den russischen Patrouillen, die wie Geistererscheinungen pl�tzlich aus dem Schnee hochsprangen, nur knapp entkommen. Gewehrkugeln hatten die Panzerung an einem Dutzend Stellen eingedellt.</p><p>Daher wartete er.</p><p>Der Mann, der ausgestreckt auf dem ger�umigen R�cksitz der viert�rigen Limousine lag, hatte gesp�rt, wie der Wagen bremste. Er richtete sich auf und vertrieb mit einem Blinzeln den Schlaf aus seinen Augen.</p><p>�Was ist los?�, fragte er. Er sprach Deutsch mit ungarischem Akzent. Seine Stimme war belegt vom Schlaf.</p><p>Der Chauffeur bedeutete seinem Fahrgast zu schweigen.</p><p>�Irgendetwas ist nicht���</p><p>Das Rattern von Maschinenpistolen zerschmetterte die glasige Stille der Nacht.</p><p>Der Fahrer rammte den Fu� aufs Bremspedal. Das massige Fahrzeug kam etwa f�nfzig Meter vom Bauernhaus entfernt schlitternd zum Stehen. Der Fahrer schaltete die Z�ndung aus und griff nach der 9mm Luger, die auf dem Beifahrersitz lag. Seine Hand schloss sich fester um den Griff der Luger, als eine st�mmige Gestalt in olivfarbener Uniform und Pelzm�tze der Roten Armee aus der Vordert�r des Bauernhauses herausstolperte.</p><p>Der Soldat umklammerte seinen Arm und heulte wie ein von einer Biene gestochener Bulle.</p><p>�Verdammte Faschistenhure!�, br�llte er mehrmals. Seine Stimme war heiser vor Wut und Schmerzen.</p><p>Der russische Soldat war erst vor wenigen Minuten in das Bauernhaus eingedrungen. Das Bauernpaar hatte sich in einem Schrank versteckt, zusammengekauert unter einer Decke wie Kinder, die Angst vor der Dunkelheit haben. Er hatte den Ehemann mit einer Kugel get�tet und dann der Frau, die in die winzige K�che gefl�chtet war, seine Aufmerksamkeit zugewandt.</p><p>W�hrend er sich seine Waffe �ber die Schulter h�ngte, hatte er den Zeigefinger gekr�mmt und ges�uselt: �<emphasis>Frau, komm</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>das bes�nftigende Vorspiel zur Vergewaltigung.</p><p>Das mit Wodka getr�nkte Gehirn des Soldaten vers�umte, ihn zu warnen, dass er in Gefahr schwebte. Die Frau des Bauern hatte nicht um Gnade gebettelt oder war in Tr�nen ausgebrochen wie die anderen Frauen, die er vor ihr vergewaltigt und ermordet hatte. Sie hatte ihn mit gl�henden Augen angestarrt, hatte ein Fleischmesser hinterm R�cken hervorgezogen und damit auf sein Gesicht gezielt. Er hatte im Mondlicht, das durch die Fenster hereindrang, nur ein Blitzen von Stahl wahrgenommen und den linken Arm hochgerissen, um sich zu sch�tzen, doch die scharfe Klinge war durch den �rmel hindurch in seinen Unterarm gedrungen. Daraufhin hatte er die Frau mit der anderen Hand zu Boden gesto�en. Doch selbst da hatte sie weiter um das Messer gek�mpft. Rasend vor Wut hatte er sie mit wilden Feuerst��en aus seiner PPS-43 Maschinenpistole praktisch in zwei H�lften zerlegt.</p><p>W�hrend er drau�en vor dem Bauernhaus stand, inspizierte der Soldat seine Wunde. Der Schnitt war nicht besonders tief, und es traten nur noch wenige Blutstropfen aus dem Riss in der Haut. Er holte eine Flasche selbst gebrannten Wodkas aus der Tasche und leerte sie. Der feurig-scharfe Alkohol, der durch seine Kehle floss, trug dazu bei, den brennenden Schmerz in seinem Arm zu bet�uben. Er schleuderte die leere Flasche in den Schnee, wischte sich den Mund mit dem Handr�cken ab und machte sich auf den Weg, um seinen Kameraden zu folgen. Er w�rde vor ihnen damit prahlen, sich die Wunde w�hrend eines Kampfs mit einer Bande Faschisten zugezogen zu haben.</p><p>Der Soldat trottete ein paar Schritte weit durch den Schnee, um abrupt stehen zu bleiben, als seine scharfen Ohren das leise <emphasis>Tick-tick </emphasis>des abk�hlenden Automotors auffingen. Er blickte mit zusammengekniffenen Augen zu dem gro�en grauen Fleck in den vom Mondschein erzeugten Schatten. Ein misstrauisches Stirnrunzeln erschien auf seiner breiten Bauernphysiognomie. Er nahm mit einer flie�enden Bewegung die Maschinenpistole von der Schulter und richtete sie auf das undeutlich auszumachende Objekt. Sein Finger spannte sich um den Abzug.</p><p>Vier Scheinwerfer flammten auf. Der kraftvolle Acht-Zylinder-Reihenmotor erwachte r�hrend zum Leben, und der Wagen machte einen Satz vorw�rts, wobei sein Heck �ber die Schneedecke schlingerte. Der Russe versuchte, dem heranrasenden Fahrzeug auszuweichen. Die Ecke der wuchtigen Sto�stange erwischte sein Bein, und er wurde in den Stra�engraben gefegt.</p><p>Der Wagen kam schlitternd zum Stehen, und der Fahrer stieg aus. Der hochgewachsene Mann ging durch den Schnee zu dem Soldaten, wobei sein langer schwarzer Ledermantel mit einem leisen Klatschen gegen seine Oberschenkel schlug. Der Mann hatte ein l�ngliches Gesicht und ein ausgepr�gtes Kinn. Sein kurz geschnittenes blondes Haar war unbedeckt, obgleich eine Temperatur von weit unter null Grad Celsius herrschte.</p><p>Er ging neben dem zu Boden geschleuderten Mann in die Hocke.</p><p>�Hast du Schmerzen, <emphasis>Towarisch?</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>erkundigte er sich auf Russisch. Seine Stimme war tief und wohlklingend, und in ihr schwang das distanzierte Mitgef�hl eines Arztes mit.</p><p>Der Soldat st�hnte. Er konnte sein Riesenpech nicht fassen. Erst diese deutsche Schlampe mit dem Messer, und jetzt <emphasis>dies.</emphasis></p><p>Er schickte einen heiseren Fluch �ber seine mit schaumigem Speichel bedeckten Lippen. �Verflucht sei deine Mutter! <emphasis>Nat�rlich </emphasis>habe ich Schmerzen!�</p><p>Der hochgewachsene Mann z�ndete eine Zigarette an und schob sie zwischen die Lippen des Russen. �Ist jemand in dem Bauernhaus?�</p><p>Der Soldat machte einen tiefen Zug und stie� den Rauch durch die Nasenl�cher aus. Er vermutete in diesem Fremden einen jener politischen Offiziere, die die Armee wie Schmei�fliegen umschwirrten.</p><p>�Zwei Faschisten�, antwortete der Russe. �Ein Mann und eine Frau.�</p><p>Der Fremde ging ins Bauernhaus und kam wenige Minuten sp�ter wieder heraus.</p><p>�Was ist passiert?�, fragte er und lie� sich abermals neben dem Soldaten in die Hocke sinken.</p><p>�Ich habe den Mann erschossen. Die Faschistenschlampe hat sich mit dem Messer auf mich gest�rzt.�</p><p>�Gut gemacht.� Er klopfte dem Russen auf die Schulter. �Bist du alleine hier?�</p><p>Der Soldat knurrte wie ein Hund, der seinen Knochen verteidigt. �Ich teile niemals meine Beute oder meine Frauen.�</p><p>�Bei welcher Einheit bist du?�</p><p>�Bei General Galitskys Elfter Gardearmee�, erwiderte der Soldat mit Stolz in der Stimme.</p><p>�Ihr habt Nemmersdorf an der Grenze angegriffen?�</p><p>Der Soldat fletschte die Z�hne. �Wir haben die Faschisten an die Tore ihrer Scheunen genagelt. M�nner, Frauen und Kinder. Du h�ttest h�ren sollen, wie die Faschistenhunde um Gnade gewinselt haben.�</p><p>Der hochgewachsene Mann nickte. �Gut gemacht. Ich kann dich zu deinen Kameraden bringen. Wo sind sie?�</p><p>�Ganz in der N�he. Sie bereiten sich darauf vor, weiter nach Westen vorzur�cken.�</p><p>Der Fremde blickte hin�ber zu einer fernen Baumreihe. Das Dr�hnen der gro�en T-24 Kampfpanzer drang zu ihm wie ferner Donner. �Wo sind die Deutschen?�</p><p>�Die Schweine rennen um ihr Leben.� Der Soldat zog wieder an der Zigarette. �Lang lebe M�tterchen Russland.�</p><p>�Ja�, sagte der hochgewachsene Mann. �Lang lebe M�tterchen Russland.� Er griff in seinen Mantel, holte die Luger hervor und dr�ckte die M�ndung gegen die Schl�fe des Soldaten. �<emphasis>Auf Wiedersehen, </emphasis>Kamerad.�</p><p>Die Pistole bellte einmal. Der Fremde schob sie zur�ck in ihr Holster und kehrte zum Wagen zur�ck. W�hrend er sich ans Lenkrad setzte, kam vom Fahrgast auf dem R�cksitz ein heiserer Schrei.</p><p>�Sie haben diesen Soldaten kaltbl�tig get�tet!�</p><p>Der dunkelhaarige Mann war Mitte drei�ig und hatte die attraktiven Gesichtsz�ge eines Schauspielers. Ein d�nner Schnurrbart zierte seinen sinnlichen Mund. Aber in der Art und Weise, wie seine ausdrucksvollen grauen Augen zornig funkelten, war nichts Ma�volles.</p><p>�Ich habe lediglich irgendeinem Iwan geholfen, sich f�r den gr��eren Ruhm M�tterchen Russlands zu opfern�, sagte der Chauffeur auf Deutsch.</p><p>�Ich begreife ja, dass wir Krieg haben�, sagte der Fahrgast mit gepresster Stimme. �Aber sogar Sie m�ssen zugeben, dass die Russen Menschen wie wir sind.�</p><p>�Ja, Professor Kovacs, wir sind uns sehr �hnlich. Wir haben unaussprechliche Grausamkeiten gegen ihr Volk begangen, und jetzt r�chen sie sich daf�r.� Er beschrieb die grauenvollen Einzelheiten des Massakers in Nemmersdorf.</p><p>�Mir tun diese Menschen unendlich leid�, sagte Kovacs mit ged�mpfter Stimme, �aber die Tatsache, dass die Russen sich verhalten wie Tiere, darf noch lange nicht dazu f�hren, dass der Rest der Welt in Barbarei versinkt.�</p><p>Der Fahrer gab einen tiefen Seufzer von sich. �Die Front verl�uft jenseits dieser Bergkette�, sagte er. �Sie k�nnen gerne mit Ihren russischen Freunden �ber die moralischen Werte der Menschheit diskutieren. Ich werde Sie nicht davon abhalten.�</p><p>Der Professor verkroch sich in sich selbst wie eine Auster.</p><p>Der Fahrer warf einen Blick in den R�ckspiegel und kicherte verhalten. �Eine weise Entscheidung.� Er z�ndete sich eine Zigarette an und b�ckte sich in den Fu�raum, um das Leuchten des Streichholzes abzuschirmen. �Ich will Ihnen die Lage erl�utern. Die Rote Armee hat die Grenze �berschritten und ist durch die deutsche Front gebrochen, als best�nde sie aus Papier. Fast alle Bewohner dieses idyllischen Landstrichs sind aus ihren H�usern und von ihren Feldern gefl�chtet. Unsere tapfere Armee war in heftige R�ckzugsgefechte verwickelt, w�hrend sie um ihr Leben rannte. Die Russen haben eine �bermacht von zehn zu eins, was M�nner und Waffen betrifft, und sie schneiden s�mtliche Fluchtwege nach Westen ab, w�hrend sie eilmarschm��ig nach Berlin vordringen. Millionen von Menschen sind unterwegs zur K�ste, wo die See die einzige M�glichkeit zur Flucht bietet.�</p><p>�Gott helfe uns allen�, st�hnte der Professor.</p><p>�<emphasis>Er </emphasis>scheint auch Ostpreu�en evakuiert zu haben. Betrachten Sie sich als Gl�ckspilz�, sagte der Fahrer fr�hlich. Er setzte mit dem Wagen langsam zur�ck, legte dann den ersten Vorw�rtsgang ein und lenkte ihn um die Leiche des Russen herum. �Sie d�rfen miterleben, wie Geschichte geschrieben wird.�</p><empty-line/><p>Der Wagen rollte nach Westen und gelangte ins Niemandsland zwischen dem russischen Moloch und den zur�ckweichenden Deutschen. Der Mercedes flog regelrecht �ber die Landstra�en und passierte verlassene D�rfer und Bauernh�fe. Die gefrorene Landschaft wirkte v�llig unwirklich, so als sei sie wie ein Teller umgekippt und von s�mtlichem menschlichem Leben geleert worden. Die Reisenden hielten nur an, um aus einem Reservekanister, den der Wagen im Kofferraum mitf�hrte, nachzutanken und um ihre Notdurft zu verrichten.</p><p>Fahrspuren erschienen im Schnee. Ein kurzes St�ck weiter holte der Wagen das Ende der Nachhut ein. Der strategische R�ckzug hatte sich zu einem richtigen Strom aus Milit�rfahrzeugen, Panzern, Soldaten und Fl�chtlingen entwickelt, der sich schwerf�llig durch den tiefen Schnee w�lzte.</p><p>Die vom Gl�ck beg�nstigten Fl�chtlinge waren mit Traktoren oder Pferdegespannen unterwegs. Andere gingen zu Fu� und schoben Schubkarren, die mit pers�nlichen Besitzt�mern beladen waren, durch den Schnee. Viele hatten nur das retten k�nnen, was sie am Leibe trugen.</p><p>Der Mercedes hielt sich dicht am Stra�enrand, wo seine tiefen Reifenprofile im Schnee den besten Halt fanden. Der Wagen verfolgte ungehindert seinen Kurs, bis er die Spitze des Fl�chtlingstrecks passierte. Bei Tagesanbruch schleppte das mit Schlamm bespritzte Fahrzeug sich nach Gdynia wie ein verwundetes Rhinozeros, das Zuflucht in einem Dickicht sucht.</p><p>Die Deutschen hatten Gdynia im Jahr 1939 besetzt, f�nfzigtausend Polen vertrieben und den gesch�ftigen Seehafen nach den Goten in Gotenhafen umbenannt. Der Hafen wurde in eine Marinebasis umgewandelt, vorwiegend f�r U-Boote. Ein Ableger der Kieler Reederei wurde dort eingerichtet, um neue U-Boote zu bauen, die mit in den umliegenden Gew�ssern ausgebildeten Mannschaften besetzt und ausgesandt wurden, um Schiffe der Alliierten im Atlantik zu versenken.</p><p>Unter dem Befehl von Gro�admiral D�nitz war in Gdynia in Vorbereitung der Evakuierung eine ausgew�hlte Flottille von Schiffen zusammengezogen worden. Die Flotte bestand aus einigen der luxuri�sesten deutschen Kreuzfahrtschiffe, Fischerbooten und privaten Booten. D�nitz wollte seine U-Boot-Mannschaften und anderes Marinepersonal retten, damit sie den Kampf fortsetzen konnten. Schlussendlich sollten insgesamt mehr als zwei Millionen Zivilisten und milit�risches Personal nach Westen transportiert werden.</p><p>Der Mercedes fuhr durch die Stadt. Ein bitterkalter Wind wehte von der Ostsee landeinw�rts und peitschte Schneeflocken zu Wolken eisiger, stechender Nesseln. Trotz der frostigen Verh�ltnisse waren die Stra�en der Stadt so belebt wie an einem Sommertag. Fl�chtlinge und Kriegsgefangene stapften durch die hohen Schneewehen auf der vergeblichen Suche nach Schutz. Versorgungsstationen waren umlagert von langen Schlangen hungriger Fl�chtlinge, die auf ein St�ck Brot oder einen Becher hei�e Suppe warteten.</p><p>Wagen, hoch beladen mit Fahrg�sten und allen m�glichen G�tern, verstopften die engen Stra�en. Fl�chtlinge str�mten aus den Bahnh�fen und gesellten sich zu denen, die zu Fu� eingetroffen waren. Eingepackt in mehrere Schichten Kleidung, �hnelten sie seltsamen Schneewesen. Kinder wurden auf Behelfsschlitten gezogen.</p><p>Der Wagen schaffte theoretisch eine H�chstgeschwindigkeit von 170 Stundenkilometern, blieb jedoch schon bald im z�hfl�ssigen Verkehr stecken. Der Fahrer fluchte und h�mmerte in einem fort auf den Hupknopf. Vom schwerf�lligen Schleichtempo frustriert, brachte der Fahrer den Wagen vollends zum Stehen. Er stieg aus und �ffnete die hintere T�r.</p><p>�Kommen Sie, Professor�, sagte er zu seinem Fahrgast. �Zeit f�r einen Spaziergang.�</p><p>Der Fahrer lie� den Mercedes mitten auf der Stra�e stehen, dann dr�ngte er sich r�cksichtslos durch die Menschenmenge. Er hielt den Arm des Professors mit eisernem Griff fest, br�llte Leute an, Platz zu machen, und stie� sie mit der Schulter beiseite, wenn sie nicht schnell genug reagierten.</p><p>Schlie�lich gelangten sie zu den Kais, wo sich mehr als sechzigtausend Fl�chtlinge versammelt hatten in der Hoffnung, an Bord eines der Schiffe zu gelangen, die an den Landungsbr�cken lagen oder im Hafen ankerten.</p><p>�Schauen Sie genau hin�, sagte der Fahrer und betrachtete das Gewimmel mit einem grimmigen L�cheln. �Die Religionsgelehrten haben sich alle geirrt. Man kann ganz deutlich erkennen, dass es in der H�lle <emphasis>kalt </emphasis>ist und nicht hei�.�</p><p>Der Professor war �berzeugt, dass er sich in der Gewalt eines Verr�ckten befand. Ehe Kovacs etwas erwidern konnte, zog der Fahrer ihn abermals weiter. Sie suchten sich ihren Weg durch eine mit Schnee bedeckte Siedlung aus Zelten, die vorwiegend aus zusammengehefteten Decken bestanden, und wichen unz�hligen halb verhungerten Pferden und Hunden aus, die von ihren Besitzern im Stich gelassen worden waren. Pferdewagen dr�ngten sich auf den Kais. Auf endlosen Reihen von Tragbahren lagen verwundete Soldaten, die mit Sanit�tsz�gen aus dem Osten hergebracht worden waren. Bewaffnete Wachen standen an jeder Gangway und wiesen unbefugte Personen ab.</p><p>Der Fahrer dr�ngte sich vor eine Warteschlange. Der Posten, der einen Stahlhelm trug und den Kontrollpunkt besetzte, hob sein Gewehr, um den Durchgang zu versperren. Der Fahrer wedelte mit einem Blatt Papier, das mit pr�gnanten gotischen Lettern bedruckt war, vor der Nase des Postens herum. Der W�chter las das Dokument, nahm zackig Haltung an und deutete den Kai entlang.</p><p>Der Professor r�hrte sich nicht. Er hatte beobachtet, wie jemand an Bord des Schiffs, das am Kai festgemacht war, ein B�ndel zu den Wartenden auf dem Pier hinunterwarf. Der Wurf fiel zu kurz aus, und das B�ndel landete im Wasser. Lautes Geschrei stieg von der Menschenmenge auf.</p><p>�Was ist passiert?�, fragte der Professor.</p><p>Der W�chter machte sich nicht mal die M�he, in die Richtung der Unruhe zu blicken. �Fl�chtlinge mit Kleinkindern k�nnen sofort an Bord gehen. Sie werfen das Kind zur�ck an Land und benutzen es immer wieder als Bordkarte. Manchmal werfen sie daneben, und das Kind f�llt ins Wasser.�</p><p>�Wie gr�sslich�, sagte der Professor schaudernd.</p><p>Der Wachtposten zuckte die Achseln. �Sie sollten sich lieber beeilen. Sobald es aufh�rt zu schneien, schicken die Roten ihre Flugzeuge, um Bomben abzuwerfen oder im Tiefflug anzugreifen. Viel Gl�ck.� Er hob sein Gewehr hoch, um den N�chsten in der Warteschlange zu stoppen.</p><p>Das magische Dokument bewahrte Kovacs und den Fahrer vor einem Paar brutal aussehender SS-Offiziere, die Ausschau nach kr�ftigen M�nnern hielten, um sie zum Dienst an die Front zu schicken. Schlie�lich erreichten sie eine Rampe, die auf eine mit verwundeten Soldaten beladene F�hre f�hrte. Erneut zeigte der Fahrer seine Dokumente einem Wachtposten, der sie aufforderte, schnellstens an Bord zu gehen.</p><empty-line/><p>W�hrend die �berladene F�hre vom Kai ablegte, wurde sie von einem Mann beobachtet, der die Uniform des Marinesanit�tscorps trug. Er hatte mitgeholfen, die Verwundeten an Bord zu bringen, doch nun schl�ngelte er sich durch das Menschengew�hl weg von der Kante des Piers und zu einem Schiffsfriedhof.</p><p>Er kletterte auf die verfallenden �berreste eines Fischerboots und ging unter Deck. Er holte ein mit Kurbel betriebenes Sprechfunkger�t aus einem Schrank in der Komb�se, setzte es in Gang und murmelte ein paar russische S�tze. Er lauschte der Antwort, die von einem heftigen Rauschen begleitet wurde, stellte das Funkger�t wieder an seinen Platz und kehrte zur F�hrbr�cke zur�ck.</p><p>Die F�hre mit Kovacs und seinem hochgewachsenen Begleiter hatte sich von der Seeseite einem Schiff gen�hert. Das Schiff war mehrere Meter vom Kai weggeschleppt worden, um verzweifelte Fl�chtlinge davon abzuhalten, an Bord zu schleichen. W�hrend die F�hre unter dem Bug des Schiffs durchlief, blickte der Professor hoch. Der Name des Schiffs war in gotischen Lettern auf dem marinegrauen Rumpf zu lesen: <emphasis>Wilhelm Gustloff.</emphasis></p><p>Eine Gangway wurde heruntergelassen, und die Verwundeten wurden aufs Schiff getragen. Dann kletterten die anderen Passagiere die Gangway hoch. Sie hatten ein L�cheln der Erleichterung auf ihren Gesichtern und Dankgebete auf den Lippen. Das deutsche Vaterland war nur noch eine Schiffsreise von wenigen Tagen weit weg.</p><p>Keiner der gl�cklichen Passagiere konnte in diesem Moment ahnen, dass sie soeben das Deck einer schwimmenden Bombe betreten hatten.</p><empty-line/><p>Kapit�n 3. Klasse Sasha Marinesko blickte stirnrunzelnd durch das Periskop des U-Boots S-13.</p><p><emphasis>Nichts.</emphasis></p><p>Nicht ein deutsches Schiff in Sicht. Die graue See war so leer wie die Taschen eines Seemanns nach einem Landurlaub. Nicht einmal ein stinkendes Ruderboot, auf das man h�tte schie�en k�nnen. Der Kapit�n dachte an die zw�lf ungenutzten Torpedos an Bord des sowjetischen U-Boots, und sein Zorn nagte an ihm wie eine offene Wunde.</p><p>Das Oberkommando der sowjetischen Marine hatte verlauten lassen, dass der Angriff der Roten Armee auf Danzig eine umfangreiche Evakuierung auf dem Seeweg erzwingen w�rde. Die S-13 war eins von drei sowjetischen U-Booten, die den Befehl hatten, sich vor Memel, einem Hafen, der immer noch von den Deutschen gehalten wurde, f�r den erwarteten Exodus bereitzuhalten.</p><p>Als Marinesko erfuhr, dass Memel eingenommen worden war, rief er seine Offiziere zusammen. Er teilte ihnen mit, dass er sich entschieden habe, die Bucht von Danzig anzusteuern, wo die Evakuierungskonvois eher zu suchen seien.</p><p>Niemand widersprach. Offiziere und Mannschaften waren sich dar�ber im Klaren, dass der Erfolg ihrer Mission den Unterschied zwischen einem Heldenempfang und einer Fahrkarte nach Sibirien ausmachte.</p><p>Tage zuvor war der Kapit�n mit der Geheimpolizei, dem NKWD, in Konflikt geraten. Er hatte die Basis unerlaubt verlassen und war am 2.Januar auf Sauftour gewesen, als von Stalin der Befehl an die U-Boote erging, Kurs auf die Ostsee zu nehmen und zwischen den Konvois Chaos zu verursachen. Doch der Kapit�n befand sich auf einem dreit�gigen Saufgelage in den Freudenh�usern und Bars der finnischen Hafenstadt Turku. Er kehrte zur S-13 einen Tag, nachdem sie l�ngst h�tte in See stechen sollen, zur�ck.</p><p>Der NKGB erwartete ihn bereits. Sie wurden noch misstrauischer, als er erkl�rte, er k�nne sich an die Einzelheiten seiner Sauftour nicht erinnern. Marinesko war ein gro�spuriger und harter U-Boot-Skipper, der mit dem Leninorden und dem Roten-Banner-Orden ausgezeichnet worden war. Der gro�spurige U-Boot-Mann explodierte vor Wut, als die Geheimpolizei ihn der Spionage und des �berlaufens zum Feind bezichtigte.</p><p>Sein ihm wohlgesonnener Kommandeur verschob die Entscheidung, ein Kriegsgerichtsverfahren einzuleiten. Dieser Schachzug erwies sich jedoch als vergeblich, als die Ukrainer, die auf dem U-Boot Dienst taten, eine Petition unterschrieben, in der sie darum baten, dass ihr Kommandant wieder auf sein Boot zur�ckkehren d�rfe. Der Kommandeur wusste, dass diese Loyalit�tsbezeugung als potenzielle Meuterei eingestuft w�rde. In der Hoffnung, die gef�hrliche Situation ein wenig zu entsch�rfen, erteilte er dem U-Boot den Marschbefehl, w�hrend �ber ein Kriegsgerichtsverfahren nachgedacht wurde.</p><p>Marinesko ging davon aus, dass er und seine M�nner einer strengeren Strafe entgehen w�rden, wenn er gen�gend deutsche Schiffe versenkte.</p><p>Ohne die Marineleitung davon zu informieren, brachten er und seine M�nner U-Boot S-13 auf einen Kurs, der es dem Patrouillendienst entzog und daf�r seinem verh�ngnisvollen Rendezvous mit dem deutschen Kreuzfahrtschiff entgegenf�hrte.</p><empty-line/><p>Friedrich Petersen, der wei�haarige Kapit�n der <emphasis>Gustloff, </emphasis>stampfte in der Offiziersmesse auf und ab und f�hrte sich auf wie ein wandelndes Feuerwerk. Dann blieb er abrupt stehen und funkelte einen j�ngeren Mann, der in seiner Uniform der U-Boot-Flotte wie aus dem Ei gepellt aussah, w�tend an.</p><p>�Ich darf Sie daran erinnern, Korvettenkapit�n Zahn, dass ich der Kapit�n dieses Schiffs und f�r seine F�hrung und die Sicherheit aller, die sich an Bord befinden, verantwortlich bin.�</p><p>Um seiner eisernen Disziplin Nachdruck zu verleihen, b�ckte Korvettenkapit�n Zahn sich und kraulte den gro�en Sch�ferhund, der neben ihm hockte, hinter den Ohren.</p><p>�Und ich darf <emphasis>Sie </emphasis>daran erinnern, Kapit�n, dass die <emphasis>Gustloff </emphasis>seit 1942 als Wohnschiff der U-Boot-Basis unter meinem Kommando steht. <emphasis>Ich </emphasis>bin der befehlshabende Marineoffizier an Bord. Au�erdem vergessen Sie offensichtlich Ihre Erkl�rung, kein zur See fahrendes Schiff zu kommandieren.�</p><p>Petersen hatte diese Verpflichtung als Bedingung f�r seine Repatriierung unterschrieben, nachdem er von den Engl�ndern gefangen genommen worden war. Die Verpflichtung war eine Formalit�t, weil die Briten glaubten, er sei zu alt f�r den aktiven Dienst. Mittlerweile siebenundsechzig Jahre alt, wusste er, dass seine Karriere beendet war, ganz gleich wie der Krieg ausging. Er war ein <emphasis>Liegekapit�n, </emphasis>der �Hafenkapit�n�, der <emphasis>Gustloff. </emphasis>Doch er sch�pfte aus der Erkenntnis ein wenig Trost, dass der j�ngere Mann aus aktiven Eins�tzen herausgehalten wurde, nachdem er die Versenkung des englischen Schiffs <emphasis>Nelson </emphasis>verpfuscht hatte.</p><p>�Nichtsdestoweniger, Kapit�n, hat die <emphasis>Gustloff </emphasis>dasDock niemals unter Ihrem Befehl verlassen�, sagte er. �Ein schwimmendes Klassenzimmer und feststehende Baracken sind wohl alles andere als ein seeg�ngiges Schiff. Ich habe den gr��ten Respekt vor dem U-Boot-Dienst, aber Sie k�nnen der Tatsache nicht widersprechen, dass ich der Einzige bin, der qualifiziert ist, das Schiff auf See zu f�hren.�</p><p>Petersen hatte das Kreuzfahrtschiff einmal gef�hrt, w�hrend einer Reise in Friedenszeiten, und h�tte unter normalen Bedingungen nie wieder das Kommando �ber die <emphasis>Gustloff </emphasis>erhalten. Zahn str�ubten sich die Haare bei der Vorstellung, unter dem Kommando eines Zivilisten zu stehen. Deutsche U-Boot-Fahrer betrachteten sich als elit�re Klasse.</p><p>�Trotzdem bin ich immer noch der rangh�chste Offizier der Kriegsmarine hier an Bord. Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass an Deck Flugabwehrgesch�tze montiert wurden�, entgegnete Zahn. �Damit ist dieser Kasten rein technisch betrachtet eindeutig ein Kriegsschiff.�</p><p>Der Kapit�n quittierte das mit einem nachsichtigen L�cheln. �Eine seltsame Art von Kriegsschiff. Vielleicht ist <emphasis>Ihnen </emphasis>aufgefallen, dass wir Tausende von Fl�chtlingen an Bord haben, also eine Mission ausf�hren, die eher in den Bereich der Handelsmarine f�llt.�</p><p>�Sie haben die f�nfzehnhundert U-Boot-M�nner vergessen, die ausgeschifft werden m�ssen, damit sie weiterhin das Dritte Reich verteidigen k�nnen.�</p><p>�Ich w�rde mich freuen, Ihren W�nschen nachzukommen, wenn Sie mir einen diesbez�glichen schriftlichen Befehl vorlegen k�nnen.� Petersen wusste ganz genau, dass in dem Durcheinander der Evakuierung keinerlei schriftliche Befehle existierten.</p><p>Zahns Gesicht nahm die Farbe einer gekochten Roten Bete an. Sein Widerstand ging weit �ber pers�nliche Animosit�t hinaus. Zahn hatte gewichtige Zweifel hinsichtlich Petersens F�higkeiten, das Schiff mit der vielsprachigen Mannschaft unter seinem Kommando zu leiten. Er h�tte den Kapit�n am liebsten einen ausgebrannten Narren genannt, doch abermals gewann seine straffe Disziplin die Oberhand. Er wandte sich an die anderen Offiziere, die die unsch�ne Auseinandersetzung voller Unbehagen verfolgt hatten.</p><p>�Das wird keine �Kraft durch Freude�-Fahrt�, sagte Zahn.</p><p>�Wir alle, Offiziere der Kriegs- und der Handelsmarine, haben eine schwierige Aufgabe und tragen eine schwere Verantwortung. Unsere Pflicht ist es, alles zu tun, um die Lage f�r die Fl�chtlinge so ertr�glich wie m�glich zu machen, und ich erwarte, dass die Mannschaft alles in ihrer Kraft Stehende unternimmt, um das zu gew�hrleisten.�</p><p>Er schlug die Hacken zusammen und salutierte vor Petersen, dann verlie� er die Offiziersmesse, gefolgt von seinem treuen Sch�ferhund.</p><empty-line/><p>Der Posten an der Gangway hatte einen Blick auf das Dokument des hochgewachsenen Mannes geworfen und es einem Offizier gereicht, der das Verladen der Verwundeten beaufsichtigte.</p><p>Er nahm sich die Zeit, den Brief zu lesen. Schlie�lich meinte er: �Herr Koch h�lt gro�e St�cke auf Sie.�</p><p>Erich Koch war der m�rderisch grausame Gauleiter, der sich geweigert hatte, Ostpreu�en zu evakuieren, w�hrend er seine eigene Flucht mit einem mit wertvollem Beutegut beladenen Schiff vorbereitete.</p><p>�Ich denke, dass ich mir seinen Respekt redlich verdient habe.�</p><p>Der Offizier winkte einen Proviantmeister zu sich und erl�uterte ihm die Situation. Der Proviantmeister zuckte die Achseln, ging �ber das dicht bev�lkerte Promenadendeck voraus und stieg dann drei Etagen weit in den Schiffsrumpf hinunter. Er �ffnete die T�r einer Kabine, die zwei Kojen und ein Waschbecken enthielt. Der Raum war zu klein, als dass sie alle drei ihn gleichzeitig h�tten betreten k�nnen.</p><p>�Nicht gerade die F�hrer-Suite�, sagte der Proviantmeister. �Aber Sie k�nnen von Gl�ck reden, dass Sie die Kabine haben. Die Toilette ist vier T�ren weiter.�</p><p>Der hochgewachsene Mann schaute sich in der Kabine um. �Das wird schon reichen. Und jetzt sehen Sie zu, ob Sie uns etwas zu essen beschaffen k�nnen.�</p><p>Der Gesicht des Proviantmeisters r�tete sich. Er war es leid, von hohen Tieren, die einigerma�en komfortabel untergebracht waren, herumkommandiert zu werden, w�hrend gew�hnliche Sterbliche leiden mussten. Aber irgendetwas in den kalten blauen Augen des hochgewachsenen Mannes hielt ihn davon ab zu widersprechen. Er kam nach einer Viertelstunde mit zwei Sch�sseln hei�er Suppe und einigen St�cken harten Brotes zur�ck.</p><p>Die beiden M�nner verzehrten schweigend ihre Mahlzeit. Der Professor war als Erster fertig und stellte die Sch�ssel beiseite. Seine Augen waren stumpf vor Ersch�pfung, aber sein Geist war immer noch hellwach.</p><p>�Was f�r ein Schiff ist das?�, fragte er.</p><p>Der hochgewachsene Mann wischte mit seinem letzten St�ck Brot die restliche Suppe aus der Sch�ssel, dann z�ndete er sich eine Zigarette an. �Willkommen auf der <emphasis>Wilhelm Gustloff, </emphasis>dem Stolz der deutschen Kraft-durch-Freude-Bewegung.�</p><p>Die Organisation �Kraft durch Freude� war eine gro� angelegte Propagandamasche, um den deutschen Arbeitern die Segnungen des Nationalsozialismus nahezubringen. Kovacs schaute sich in ihrer spartanischen Behausung um. �Ich sehe weder viel Kraft noch viel Freude.�</p><p>�Nichtsdestoweniger wird die <emphasis>Gustloff </emphasis>eines Tages wieder deutsche Arbeiter und treue Parteimitglieder ins sonnige Italien bringen.�</p><p>�Ich kann�s kaum erwarten. Sie haben mir noch nicht verraten, wohin die Reise geht.�</p><p>�So weit weg von der Roten Armee wie m�glich. Ihre Arbeit ist zu wichtig, um in russische H�nde fallen zu d�rfen. Das Reich wird bestens f�r Sie sorgen.�</p><p>�Im Augenblick sieht es so aus, als h�tte das Reich Probleme, f�r seine eigenen Leute zu sorgen.�</p><p>�Ein vor�bergehender R�ckschlag. Ihr Wohlergehen hat f�r mich gr��te Priorit�t.�</p><p>�<emphasis>Mein </emphasis>Wohlergehen macht mir im Augenblick keine Sorgen.� Kovacs hatte seine Frau und seinen kleinen Sohn seit Monaten nicht mehr gesehen. Nur ihre unregelm��igen Briefe hielten seine Hoffnung aufrecht.</p><p>�Ihre Familie?� Der hochgewachsene Mann musterte ihn mit ruhigem, festem Blick. �Machen Sie sich keine Gedanken. Dies hier wird bald vor�ber sein. Ich schlage vor, dass Sie ein wenig schlafen. Nein, das ist ein Befehl.�</p><p>Er streckte sich auf der Koje aus, verschr�nkte die H�nde hinter dem Kopf und schloss die Augen. Kovacs lie� sich nicht davon t�uschen. Sein Begleiter schlief nur selten und war schon bei der geringsten St�rung hellwach.</p><p>Kovacs betrachtete das Gesicht des Mannes. Er konnte Anfang zwanzig sein, sah allerdings �lter aus. Er besa� den l�nglichen Kopf und das markante Profil, das auf Propagandaplakaten als arisches Ideal gepriesen wurde.</p><p>Kovacs erschauerte, als er sich daran erinnerte, wie kaltbl�tig der russische Soldat ausgeschaltet worden war. Die letzten Tage waren ein verschwommener Ablauf von Ereignissen gewesen. Der hochgewachsene Mann war w�hrend eines Schneesturms im Labor aufgetaucht und hatte ein Dokument vorgelegt, das ihm die Macht verlieh, Kovacs zu befreien. Er hatte sich als Karl vorgestellt und Kovacs angewiesen, seine Siebensachen zu packen. Dann folgten die Irrsinnsfahrt durch die eisige Landschaft und die knappe Flucht vor den russischen Patrouillen. Und nun dieses armselige Schiff.</p><p>Die Mahlzeit hatte Kovacs m�de gemacht. Seine Augenlider sanken herab, und er fiel in einen tiefen Schlaf.</p><empty-line/><p>W�hrend der Professor schlief, durchstreifte ein Trupp Milit�rpolizei die <emphasis>Gustloff </emphasis>auf der Suche nach Deserteuren. Das Schiff wurde f�r die Abfahrt ausklariert, und ein Hafenlotse kam an Bord. Gegen ein Uhr mittags machten die Matrosen die Vert�uung los. Vier Schlepper kamen l�ngsseits und begannen, das Schiff vom Kai wegzuziehen.</p><p>Eine Flotte kleiner Boote, vorwiegend mit Frauen und Kindern beladen, versperrte den Weg. Das Schiff stoppte und nahm die Fl�chtlinge an Bord. Die <emphasis>Gustloff </emphasis>bef�rderte normalerweise 1465 Passagiere, die von einer Mannschaft von vierhundert Personen betreut wurden. Jetzt, zu Beginn dieser Reise, befanden sich an Bord des ehemals so eleganten Linienschiffs achttausend Passagiere.</p><p>Das Schiff lief hinaus auf die offene See und warf am Sp�tnachmittag Anker, um sich mit einem anderen Linienschiff, der <emphasis>Hansa, </emphasis>zu treffen und auf ihren Geleitschutz zu warten. Die <emphasis>Hansa </emphasis>hatte jedoch einen Maschinenschaden und erschien nicht am Treffpunkt. Das Oberkommando der Marine machte sich Sorgen, dass der <emphasis>Gustloff </emphasis>imoffenen Wasser Gefahr drohte, und gab den Befehl, dass das Schiff alleine die Reise beginnen solle.</p><p>Das Linienschiff pfl�gte durch die von Gischt gekr�nten Wellen der Ostsee und musste sich st�ndig gegen einen steifen Nordwestwind stemmen. Hagelschauer prasselten gegen die Fenster der Kommandobr�cke, wo Korvettenkapit�n Zahn vor Wut sch�umte, w�hrend er auf die beiden sogenannten Geleitschiffe hinabblickte, die man zum Schutz des Linienschiffs abgestellt hatte.</p><p>Das Schiff war f�r Gegenden mit milderem Klima gebaut worden, aber mit ein wenig Gl�ck k�me es auch mit schlechteren Witterungsbedingungen zurecht. Wogegen es sich jedoch nicht behaupten konnte, war <emphasis>Dummheit. </emphasis>Das Marinekommando hatte f�r das Linienschiff eine gef�hrliche Situation geschaffen, indem es ein altes Torpedoboot namens <emphasis>L�we </emphasis>und die T19, ein abgetakeltes Torpedobergungsschiff, als Geleitschutz ausgew�hlt hatte. Zahn dachte, dass die Lage sich wohl kaum verschlimmern konnte, als die T19 per Funk meldete, dass sie leckgeschlagen sei und zur Basis zur�ckkehre.</p><p>Zahn gesellte sich zu Kapit�n Petersen und den anderen auf der Kommandobr�cke versammelten Schiffsoffizieren.</p><p>�In Anbetracht des mangelnden Geleitschutzes empfehle ich einen Zickzackkurs bei hoher Geschwindigkeit�, sagte er.</p><p>Petersen quittierte diesen Vorschlag mit einem sp�ttischen Kommentar. �Unm�glich. Die <emphasis>Wilhelm Gustloff </emphasis>ist ein Vierundzwanzigtausend-Tonnen-Linienschiff. Wir k�nnen wohl kaum hin und her lavieren wie ein betrunkener Seemann.�</p><p>�Dann m�ssen wir U-Boote, die sich uns n�hern, mit unserer �berlegenen Geschwindigkeit abh�ngen. Wir k�nnen dann mit sechzehn Knoten den direkten Kurs nehmen.�</p><p>�Ich kenne dieses Schiff. Selbst ohne den Schaden am Schraubengeh�use ist es v�llig undenkbar, dass wir ein Tempo von sechzehn Knoten erreichen geschweige auf Dauer halten, ohne dass uns irgendwann die Maschinen um die Ohren fliegen�, widersprach Petersen.</p><p>Zahn konnte sehen, wie die Adern an Petersens Hals anschwollen. Er starrte durch das Br�ckenfenster auf das alte Torpedoboot, das die Vorhut bildete. �In diesem Fall�, sagte er mit Grabesstimme, �m�ge Gott uns allen beistehen.�</p><empty-line/><p>�Professor, wachen Sie auf.� Die Stimme klang scharf, dr�ngend.</p><p>Kovacs schlug die Augen auf und sah, wie Karl sich �ber ihn beugte. Er setzte sich auf und massierte seine Wangen, als ob er damit den Schlaf aus seinem Kopf vertreiben k�nnte.</p><p>�Was ist los?�</p><p>�Ich habe mich mit einigen Leuten unterhalten. Mein Gott, was f�r ein Schlamassel! Wir haben zwei Kapit�ne, die sich st�ndig streiten. Es gibt nicht genug Rettungsboote. Und dann schaffen es die Maschinen des Schiffs kaum, eine z�gige Geschwindigkeit zu erreichen. Das d�mliche Marinekommando hat uns als Geleitschutz ein altes Torpedoboot zugeteilt, das aussieht, als sei es aus dem letzten Krieg �brig geblieben. Und dann haben die verdammten Idioten auch nicht die Navigationslichter eingeschaltet.�</p><p>Kovacs sah einen v�llig neuen Ausdruck von Angst in den steinernen Gesichtsz�gen.</p><p>�Wie lange habe ich geschlafen?�</p><p>�Es ist Nacht. Wir sind auf offener See.� Karl reichte Kovacs eine dunkelblaue Schwimmweste und schl�pfte selbst in eine zweite.</p><p>�Was tun wir jetzt?�</p><p>�Bleiben Sie hier. Ich will mich mal erkundigen, wie es mit den Rettungsbooten aussieht.� Er gab Kovacs eine Packung Zigaretten. �Bedienen Sie sich.�</p><p>�Ich rauche nicht.�</p><p>Karl blieb in der offenen T�r stehen. �Vielleicht sollten Sie jetzt damit anfangen.� Dann war er verschwunden.</p><p>Kovacs sch�ttelte eine Zigarette aus der Packung und z�ndete sie an. Er hatte vor Jahren, als er heiratete, das Rauchen aufgegeben. Er musste husten, als der Rauch seine Lungen f�llte, und war kurzzeitig benommen von dem starken Tabak, doch er entsann sich gleichzeitig mit lustvollem Vergn�gen dieses harmlosen Lasters seiner Studentenzeit.</p><p>Er rauchte die Zigarette auf, �berlegte, ob er sich gleich eine zweite anz�nden sollte, verzichtete jedoch darauf. Er hatte seit Tagen nicht mehr gebadet, und sein K�rper juckte an einem Dutzend Stellen. Er wusch sein Gesicht �ber dem Waschbecken und trocknete die H�nde an einem fadenscheinigen Handtuch ab, als es an der T�r klopfte.</p><p>�Professor Kovacs?�, fragte eine ged�mpfte Stimme.</p><p>�Ja.�</p><p>Die T�r �ffnete sich, und dem Professor stockte der Atem. Vor ihm stand die h�sslichste Frau, die er je gesehen hatte. Sie war �ber eins achtzig gro�, und ihre breiten Schultern drohten die N�hte eines schwarzen Persianermantels zu sprengen. Ihr breiter Mund war mit grellrotem Lippenstift geschminkt, und mit derart roten Lippen sah sie aus wie ein Zirkusclown.</p><p>�Verzeihen Sie meine �u�ere Erscheinung�, sagte sie mit unverkennbar m�nnlicher Stimme. �Es ist nicht leicht, an Bord dieses Schiffs zu gelangen. Ich musste mich dieser l�cherlichen Verkleidung und erheblicher Schmiergelder bedienen.�</p><p>�Wer sind Sie?�</p><p>�Das ist nicht wichtig. Wichtig ist <emphasis>Ihr </emphasis>Name. Sie sind Dr.�Lazio Kovacs, das ber�hmte deutsch-ungarische Elektrogenie.�</p><p>Kovacs wurde wachsam. �Ich bin Lazio Kovacs. Und ich bin Ungar.�</p><p>�Hervorragend! Sie sind der Autor eines Aufsatzes �ber Elektromagnetismus, der die gesamte naturwissenschaftliche Szene aufhorchen lie�.�</p><p>Kovacs� Antennen zitterten. Der Aufsatz, der in einer obskuren wissenschaftlichen Fachzeitschrift erschienen war, hatte die Deutschen auf ihn aufmerksam gemacht, die daraufhin ihn und seine Familie entf�hrt hatten. Er sagte nichts.</p><p>�Macht nichts�, meinte der Mann freundlich, wobei sein Clownsl�cheln sogar noch breiter wurde. �Ich sehe, dass ich den richtigen Mann vor mir habe.� Er griff in seinen Pelzmantel und holte eine Pistole hervor. �Es tut mir Leid, dass ich so ungehobelt bin, Dr.�Kovacs, aber ich f�rchte, ich muss Sie t�ten.�</p><p>�<emphasis>T�ten? </emphasis>Mich? Warum? Ich kenne Sie noch nicht einmal!�</p><p>�Aber <emphasis>ich </emphasis>kenne Sie. Oder genauer, meine Vorgesetzten beim NKGB kennen Sie. Sobald die Streitkr�fte unserer glorreichen Roten Armee die Grenze �berschritten hatten, schickten wir ein Sonderkommando los, um Sie zu holen, aber Sie hatten das Labor bereits verlassen.�</p><p>�Sie sind <emphasis>Russe</emphasis>?�</p><p>�Ja, nat�rlich. Wir h�tten es liebend gerne gesehen, wenn Sie zu uns gekommen w�ren und f�r uns gearbeitet h�tten. Wenn wir Sie h�tten abfangen k�nnen, ehe Sie das Schiff bestiegen, w�rden Sie die sowjetische Gastfreundschaft genie�en. Aber jetzt kriege ich Sie nicht mehr von diesem Schiff herunter, und wir k�nnen nicht zulassen, dass Sie und Ihre Arbeit wieder in deutsche H�nde fallen. Nein, nein. Das w�re nicht gut.� Das L�cheln verfl�chtigte sich.</p><p>Kovacs war viel zu verbl�fft, um zu reagieren, selbst als die Pistole hochkam und die M�ndung auf sein Herz zielte.</p><empty-line/><p>Marinesko konnte sein Gl�ck kaum fassen. Er hatte auf dem Kommandoturm des S-13 gestanden und standhaft dem eisigen Wind und der Gischt getrotzt, die ihm ins Gesicht peitschte, als der dichte Schneefall nachlie� und er die riesige Silhouette eines Ozeandampfers erblickte. Der Dampfer schien von einem kleineren Schiff begleitet zu werden.</p><p>Das Unterseeboot lief an der Wasseroberfl�che durch schwere Seen. Seine Mannschaft befand sich auf Gefechtsstation, seit Lichter von Schiffen gesichtet worden waren, die sich von der K�ste wegbewegten. Der Kapit�n hatte Befehl gegeben, den Auftrieb des U-Boots zu verringern, damit es tiefer im Wasser lag und einer Radarortung entging.</p><p>Aus der �berlegung heraus, dass die Schiffe niemals einen Angriff von der K�ste aus erwarten w�rden, befahl er seiner Mannschaft, das Boot hinter den Konvoi zu man�vrieren und auf einen Kurs parallel zum Ozeandampfer und seinem Begleitschiff zu gehen. Zwei Stunden sp�ter lenkte Marinesko das S-13 auf sein Ziel zu. W�hrend das U-Boot sich der Backbordseite des Dampfers n�herte, gab er den Befehl zum Feuern.</p><p>In schneller Folge verlie�en drei Torpedos ihre Bugrohre und jagten dem ungesch�tzten Rumpf des Ozeandampfers entgegen.</p><empty-line/><p>Die T�r �ffnete sich, und Karl betrat die Kabine. Er hatte drau�en gewartet und dem Gemurmel m�nnlicher Stimmen gelauscht. Er war verwirrt, als er eine Frau mit dem R�cken zu ihm vor sich stehen sah. Er blickte zu Kovacs, der immer noch das Handtuch festhielt, und las die Angst im Gesicht des Professors.</p><p>Der Russe sp�rte den Schwall kalter Luft durch die offene T�r. Er wirbelte herum und schoss, ohne zu zielen. Karl war eine Millisekunde schneller als er. Er hatte l�ngst den Kopf gesenkt und rammte ihn dem Russen in den Leib.</p><p>Der Sto� h�tte dem Sch�tzen eigentlich die Rippen brechen m�ssen, doch der dicke Pelzmantel und das steife Korsett, das er trug, wirkten wie eine gepolsterte Panzerung. Der Kopfsto� trieb ihm lediglich die Luft aus den Lungen. Er krachte r�ckw�rts auf die Koje und landete auf der Seite. Seine Per�cke rutschte vom Kopf, und darunter kamen schwarze Haare zum Vorschein. Er konnte einen zweiten Schuss abfeuern, der Karls rechten Schultermuskel am Halsansatz streifte.</p><p>Karl st�rzte sich auf den Sch�tzen und streckte die linke Hand nach seiner Kehle aus. Blut aus seiner Wunde besudelte sie beide. Der Russe holte mit dem Fu� aus und trat Karl gegen die Brust. Er wurde zur�ckgeschleudert, stolperte und st�rzte r�cklings zu Boden.</p><p>Kovacs fischte sich die Suppensch�ssel aus dem Waschbecken und zielte damit auf das Gesicht des Sch�tzen. Die Sch�ssel prallte, ohne eine sichtbare Wirkung zu hinterlassen, von der Wange des Mannes ab. Er lachte. �Um Sie k�mmere ich mich als N�chstes.� Er zielte mit der Pistole auf Karl.</p><p><emphasis>Va-room!</emphasis></p><p>Eine ged�mpfte Explosion brachte die W�nde zum Vibrieren. Der Fu�boden kippte in scharfem Winkel nach Steuerbord. Kovacs wurde auf die Knie geworfen. Da er an die hochhackigen Stiefel an seinen F��en nicht gew�hnt war, verlor der Russe das Gleichgewicht. Er fiel mit seinem gesamten Gewicht auf Karl, der die Hand des Mannes packte, sie an seinen Mund zog und seine Z�hne in Knorpel und Muskeln grub. Die Pistole landete polternd auf dem Fu�boden.</p><p><emphasis>Va-room! Va-room!</emphasis></p><p>Das Schiff erschauderte unter zwei weiteren Explosionen. Der Russe versuchte aufzustehen, verlor jedoch abermals das Gleichgewicht, als das Schiff sich diesmal nach Backbord neigte. Fast h�tte er es geschafft, sicheren Stand zu finden. Karl trat ihm gegen den Fu�kn�chel. Der Russe stie� einen undamenhaften Schrei aus und krachte auf den Boden. Sein Kopf landete neben dem st�hlernen Rahmen der Koje.</p><p>Karl stemmte sich gegen die Waschbeckenrohre und rammte seinen genagelten Stiefel gegen die Kehle des Mannes und zerquetschte seinen Kehlkopf. Der Mann wehrte mit wild rudernden Armen Karls Bein ab, seine Augen quollen hervor, sein Gesicht f�rbte sich dunkelrot, dann violett, und dann starb er.</p><p>Karl richtete sich schwankend auf.</p><p>�Wir m�ssen schnellstens raus hier�, sagte er. �Das Schiff wurde von Torpedos getroffen.�</p><p>Er zog Kovacs aus der Kabine und in den Korridor, wo Chaos ausgebrochen war. Der Gang war vollgepfropft mit in Panik geratenen Passagieren. Ihre Schreie und Rufe hallten von den W�nden wider. Das schrille Klingeln der Alarmglocken steigerte den allgemeinen L�rm. Die Notbeleuchtung brannte, doch dichte Rauchschwaden von den Explosionen erschwerten die Sicht.</p><p>Der Hauptkorridor war mit einem Gewimmel entsetzter Passagiere hoffnungslos verstopft. Viele waren einfach stehen geblieben und w�rgten krampfhaft, nachdem sie den bei�enden Qualm eingeatmet hatten.</p><p>Die Menschenmenge versuchte, sich der Wasserflut, die die Treppen herunterst�rzte, entgegenzuwerfen. Karl �ffnete eine neutrale Stahlt�r, zerrte Kovacs in einen dunklen Raum und schloss die T�r hinter sich. Der Professor sp�rte, wie seine Hand auf eine Leitersprosse gelegt wurde.</p><p>�Klettern Sie�, befahl Karl.</p><p>Kovacs gehorchte blindlings und stieg aufw�rts, bis sein Kopf gegen eine Luke stie�. Karl rief ihm von unten zu, die Luke zu �ffnen und weiterzuklettern. Sie nahmen eine zweite Leiter in Angriff. Kovacs stie� eine weitere Luke auf. Eisige Luft und vom Wind gepeitschte Schneeflocken maltr�tierten sein Gesicht. Er zw�ngte sich durch die Luken�ffnung und half dann Karl heraus.</p><p>Kovacs schaute sich verwirrt um. �Wo sind wir?�</p><p>�Auf dem Schiffsdeck. Hier entlang.�</p><p>Auf dem eisigen, schr�g geneigten Deck war es gespenstisch still, verglichen mit dem Horror in der dritten Klasse. Bei den wenigen Leuten, die sie sahen, handelte es sich um die privilegierten Passagiere, deren Kabinen sich auf dem Schiffsdeck befanden. Einige dr�ngten sich um eine mit einem Motor ausgestattete Pinasse, ein stabiles Boot, mit dem gew�hnlich Ausfl�ge in die norwegischen Fjorde unternommen wurden. Angeh�rige der Schiffsbesatzung bearbeiteten mit �xten und H�mmern die dicke Eisschicht auf den Davits.</p><p>Als die Haken der Davits endlich freigelegt waren, schwangen die Besatzungsmitglieder sich an Bord und stie�en dabei Frauen, von denen einige schwanger waren, beiseite. Kinder und verwundete Soldaten hatten keine Chance. Karl zog seine Pistole und feuerte einen Warnschuss in die Luft. Die Matrosen hielten inne, doch nur f�r eine Sekunde, ehe sie ihren Kampf um einen Platz im Rettungsboot fortsetzten. Karl feuerte einen weiteren Schuss ab und t�tete den ersten Matrosen, der es geschafft hatte, ins Boot zu klettern. Die anderen rannten um ihr Leben.</p><p>Karl hob eine Frau und ihr Baby ins Boot, dann reichte er dem Professor eine Hand, ehe er selbst das Boot bestieg. Er lie� einige Matrosen einsteigen, damit sie den Toten hinauswerfen und das Boot zu Wasser lassen konnten. Die Haken der Halteleinen wurden gel�st und der Motor gestartet.</p><p>Das schwer beladene Boot schlingerte, w�hrend es langsam durch die See stampfte und auf die fernen Lichter eines Frachters zuhielt, der in ihre Richtung unterwegs war. Karl befahl, das Rettungsboot zu stoppen, um Menschen aufzunehmen, die im Wasser trieben. Schon bald war das Boot gef�hrlich �berladen. Einer der Matrosen protestierte.</p><p>�Im Boot ist kein Platz mehr!�, br�llte er.</p><p>Karl schoss ihm zwischen die Augen. �Jetzt ist wieder Platz�, sagte er und befahl den anderen Matrosen, ihren toten Kameraden �ber Bord zu werfen. Zufrieden, dass er dieses kurze Aufbranden einer Meuterei unter Kontrolle gebracht hatte, dr�ngte er sich neben Kovacs.</p><p>�Geht es Ihnen gut, Professor?�</p><p>�Den Umst�nden entsprechend.� Er starrte Karl verwundert an. �Sie sind ein erstaunlicher Mensch.�</p><p>�Ich gebe mir M�he. Man darf seinen Feinden niemals verraten, was sie von einem zu erwarten haben.�</p><p>�Ich meine nicht dies. Ich habe gesehen, wie Sie den Frauen und den Verwundeten geholfen haben. Dieses Baby haben Sie im Arm gehalten, als w�re es Ihr eigenes gewesen.�</p><p>�Die Dinge sind nicht immer so, wie sie zu sein scheinen, mein Freund.� Er griff in seinen Mantel und holte ein Paket hervor, das in eine wasserdichte Gummih�lle verpackt war.</p><p>�Nehmen Sie diese Papiere an sich. Sie sind nicht mehr Lazio Kovacs, sondern ein Reichsdeutscher, der in Ungarn gelebt hat. Sie haben nur einen leichten Akzent und m�ssten damit jederzeit durchkommen. Ich will, dass Sie in der Menge verschwinden. Werden Sie einer von ihnen, ein Fl�chtling. Sehen Sie zu, dass Sie sich irgendwie zu den englischen und den amerikanischen Linien durchschlagen.�</p><p>�Wer sind Sie?�</p><p>�Ein Freund.�</p><p>�Warum soll ich das glauben?�</p><p>�Wie ich schon sagte, die Dinge sind nicht immer so, wie sie zu sein scheinen. Ich geh�re zu einer Gruppe, die schon lange vor den Russen den Kampf gegen die Nazibestien aufgenommen hat.�</p><p>Die Augen des Professors weiteten sich. �Der Kreisauer Kreis?� Er hatte ger�chteweise von dieser geheimen Widerstandsgruppe geh�rt.</p><p>Karl legte einen Finger auf die Lippen. �Wir sind noch immer in Feindesland�, sagte er mit leiser Stimme.</p><p>Kovacs umklammerte Karls Arm. �K�nnen Sie auch meine Familie in Sicherheit bringen?�</p><p>�Ich f�rchte, dazu ist es zu sp�t. Ihre Familie gibt es nicht mehr.�</p><p>�Aber die Briefe���</p><p>�Sie waren raffinierte F�lschungen, damit Sie nicht den Mut verlieren und Ihre Arbeit aufgeben.�</p><p>Kovacs starrte mit einem Ausdruck hilfloser Verzweiflung in die Nacht.</p><p>Karl packte den Professor bei den Revers seines Mantels und fl�sterte ihm ins Ohr: �Sie m�ssen Ihre Arbeit zu Ihrem eigenen Nutzen und zum Wohle der Menschheit vergessen. Wir k�nnen nicht das Risiko eingehen, dass sie in falsche H�nde f�llt.�</p><p>Der Professor nickte stumpf. Das Boot stie� gegen den Rumpf des Frachters. Eine Leiter wurde herabgelassen. Karl befahl den widerstrebenden Matrosen, das Boot zu wenden und weitere �berlebende aus dem Wasser zu fischen. Vom Deck des Frachters aus verfolgte Kovacs, wie das Boot sich entfernte. Karl winkte ihm noch einmal zu, und das Boot verschwand hinter einem wallenden Vorhang dicker Schneeflocken.</p><p>In der Ferne sah Kovacs die Lichter des Passagierdampfers, der sich auf die Backbordseite gelegt hatte, so dass der Schornstein parallel zur Wasseroberfl�che stand. Der Kessel explodierte, als das Schiff etwa eine Stunde, nachdem es von den Torpedos getroffen worden war, unterging. In dieser kurzen Zeit verloren auf der <emphasis>Wilhelm Gustloff </emphasis>f�nfmal mehr Menschen ihr Leben als auf der <emphasis>Titanic.</emphasis></p></section><section><title><p>1</p></title><subtitle>Atlantischer Ozean Gegenwart</subtitle><empty-line/><p>Niemand nahm denjenigen, die die <emphasis>Southern Belle </emphasis>zum ersten Mal zu Gesicht bekamen, �bel, wenn sie sich fragten, ob die Person, die dem riesigen Frachtdampfer seinen Namen gegeben hatte, �ber einen besonders verschrobenen Humor verf�gte oder nur unter starker Kurzsichtigkeit litt. Trotz eines eleganten Namens, der an mit den Wimpern klimpernde, vorb�rgerkriegstypische Weiblichkeit denken lie�, war die <emphasis>Belle, </emphasis>offen gesagt, eine st�hlerne Monstrosit�t mit nichts, das auch nur entfernt an weibliche Sch�nheit erinnerte.</p><p>Die <emphasis>Southern Belle </emphasis>geh�rte zu einer neuen Generation schneller, seet�chtiger Schiffe, die nach Jahren, in denen die Vereinigten Staaten anderen Schiffe bauenden Nationen hinterhergehinkt waren, in amerikanischen Werften vom Stapel liefen. Sie war in San Diego entworfen und in Biloxi gebaut worden. Mit zweihundertdrei�ig Metern war sie l�nger als zwei Fu�ballfelder und bot gen�gend Raum, um f�nfzehnhundert Container aufzunehmen.</p><p>Der wuchtige Kasten wurde von einem hoch aufragenden Aufbau auf seinem Achterdeck aus gesteuert. Das �ber drei�ig Meter breite Deckhaus, das einem Apartmenthaus glich, enthielt die Quartiere und Messehallen f�r Mannschaft und Offiziere, ein Hospital und Behandlungszimmer, Frachtb�ros und Konferenzs�le.</p><p>Mit ihren leuchtenden Reihen sechsundzwanzig Zoll gro�er ber�hrungssensitiver Monitorschirme erinnerte die Br�cke der <emphasis>Belle </emphasis>an einen Spielsaal in Las Vegas. Das ger�umige Opera�tions�zentrum reflektierte die neue �ra im Schiffsbau. In jedem Bereich der integrierten Systeme und Funktionen wurden Computer eingesetzt.</p><p>Aber alte Gewohnheiten sterben nur langsam aus. Der Kapit�n des Schiffs, Pierre �Pete� Beaumont, blickte durch ein Fernglas und traute immer noch seinen Augen mehr als den raffinierten elektronischen Spielereien, die ihm zur Verf�gung standen.</p><p>Von seinem Aussichtsplatz auf der Br�cke hatte Beaumont einen ungehinderten Blick auf das schrecklich sch�ne Panorama des atlantischen Unwetters, das um sein Schiff herum tobte. Heftige Winde mit Orkanst�rke peitschten Wellen auf, die so hoch waren wie H�user. Die Brecher ergossen sich �ber den Bug und �bersp�lten die an Deck festgezurrten Container bis fast zur Mitte des Schiffs.</p><p>Das extreme Ausma� von elementarer Gewalt, die um das Schiff herum w�tete, h�tte kleinere Schiffe verzweifelt Schutz suchen lassen und ihren Kapit�nen schwitzende H�nde beschert. Aber Beaumont war so ruhig, als schipperte er in einer Gondel durch den Canal Grande.</p><p>Der freundliche S�dstaatler liebte St�rme. Er erg�tzte sich an dem Geben und Nehmen zwischen seinem Schiff und den Elementen. Anzusehen, wie die <emphasis>Belle </emphasis>in einer atemberaubenden Demonstration von Kraft durch die Wellen pfl�gte, war f�r ihn schon fast ein sinnliches Vergn�gen.</p><p>Beaumont war der erste und einzige Kapit�n des Schiffs. Er hatte zugesehen, wie es gebaut wurde, und kannte jede Niete und jede Schraube auf dem Schiff. Es war f�r den regelm��igen Verkehr zwischen Europa und Amerika konstruiert worden, eine Route, die es durch einige der wildesten und unangenehmsten Ozeanregionen der Erde f�hrte. Er vertraute darauf, dass der Sturm innerhalb der Skala der Naturgewalten rangierte, denen zu widerstehen das Schiff gebaut worden war.</p><p>Das Schiff hatte in New Orleans seine Ladung aus synthetischem Gummi, Faserstoffen, Kunststoffgranulat und Maschinenteilen �bernommen und war dann um Florida herum bis zu einem Punkt an der Atlantikk�ste gedampft, wo es auf seinen schnurgeraden Kurs nach Rotterdam einschwenkte.</p><p>Der Wetterbericht hatte mit seiner Vorhersage genau ins Schwarze getroffen. Wind mit Sturmst�rke war angek�ndigt worden, der sich zu einem atlantischen Orkan entwickeln sollte. Das Unwetter erwischte das Schiff etwa dreihundert Kilometer vom Festland entfernt. Beaumont war kein bisschen beunruhigt, auch als der Sturm noch an St�rke zunahm. Das Schiff hatte schon viel schlimmeres Wetter ohne Probleme �berstanden.</p><p>Er suchte den Ozean ab, als er pl�tzlich erstarrte und fast in sein Fernglas hineinkroch. Er lie� das Fernglas sinken, setzte es wieder an die Augen und murmelte etwas. Er wandte sich an seinen Ersten Offizier.</p><p>�Schauen Sie sich mal diesen Teil des Ozeans an. Etwa bei zwei Uhr. Sagen Sie mir, ob Ihnen etwas Ungew�hnliches auff�llt.�</p><p>Der Offizier war Bobby Joe Butler, ein talentierter junger Mann, der aus Natchez stammte. Butler machte kein Geheimnis aus seinem Wunsch, eines Tages ein Schiff wie die <emphasis>Belle </emphasis>zu f�hren. Vielleicht sogar die <emphasis>Belle </emphasis>selbst. Indem er der Aufforderung des Kapit�ns nachkam, betrachtete Butler den Ozean bei drei�ig Grad Steuerbord.</p><p>Er sah nur graues, aufgew�hltes Wasser, das sich bis zum nebelverhangenen Horizont erstreckte. Dann, etwa zwei Kilometer vom Schiff entfernt, gewahrte er eine wei�e Linie aus Schaum, mindestens doppelt so hoch wie der Seegang dahinter. Noch w�hrend er r�tselte, was es mit dieser Erscheinung auf sich haben k�nnte, wuchs die Wasserwand erschreckend schnell in die H�he, als ob sie ihre Energie aus den Wellen ringsum gewann.</p><p>�Das sieht aus wie ein ziemlich gro�er Brecher, der da auf uns zurollt�, sagte Butler in seinem schleppenden Mississippiakzent.</p><p>�Was sch�tzen Sie, wie hoch?�</p><p>Der j�ngere Mann blickte durch das Fernglas. �Die durchschnittliche Wellenh�he betr�gt etwa zehn Meter. Diese dort scheint doppelt so hoch zu sein. Donnerwetter! Haben Sie schon mal etwas so M�chtiges gesehen?�</p><p>�Noch nie�, antwortete der Kapit�n. �In meinem ganzen Leben nicht.�</p><p>Der Kapit�n wusste, dass sein Schiff mit der Welle fertig w�rde, wenn die <emphasis>Belle </emphasis>mit dem Bug hineintauchte, um ihr die Wucht einer Breitseite zu nehmen. Der Kapit�n befahl dem Steuermann, den Autopiloten darauf zu programmieren, den Bug direkt auf die Welle auszurichten und vorerst diesen Kurs zu halten. Dann ergriff er das Mikrofon und bet�tigte einen Schalter auf dem Armaturenbrett, der die Br�cke mit allen auf dem Schiff verteilten Lautsprechern verband.</p><p>�Alle Mann Achtung! Hier spricht der Kapit�n. Eine Monsterwelle wird gleich aufs Schiff treffen. Jeder sucht sich einen sicheren Ort, m�glichst weit entfernt von losen, eventuell herumfliegenden Gegenst�nden, und wartet ab. Der Aufprall wird heftig. Ich wiederhole. Der Aufprall wird heftig.�</p><p>Als Vorsichtsma�nahme befahl er dem Funker, einen SOS-Ruf abzusetzen. Das Schiff konnte immer noch eine Entwarnung senden, falls der Hilferuf sich als unn�tig erweisen sollte.</p><p>Die gr�ne, mit wei�en Schaumflocken gekr�nte Welle war noch etwa einen Kilometer vom Schiff entfernt. �Sehen Sie sich das an�, sagte Butler. Der Himmel wurde von einer Serie greller Lichterscheinungen erhellt. �Blitze?�</p><p>�Schon m�glich�, erwiderte der Kapit�n. �Viel mehr Sorgen macht mir allerdings dieser verdammte Brecher!�</p><p>Das Profil der Welle war mit nichts zu vergleichen, was der Kapit�n je in seinem Leben gesehen hatte. Im Gegensatz zu den meisten Wellen, die von der oberen Kante schr�g abfallen, war diese von oben bis unten v�llig glatt und gerade wie eine sich vorw�rtsschiebende Wand.</p><p>Der Kapit�n hatte den seltsamen Eindruck einer au�erk�rperlichen Wahrnehmung. Ein Teil von ihm betrachtete die heranrollende Welle auf eine desinteressierte, eher wissenschaftliche Art und Weise, fasziniert von ihrer H�he und ihrer geballten Energie, w�hrend der andere Teil, �ber die ungeheure, drohende Wucht staunend, hilflos dastand.</p><p>�Sie w�chst sogar noch�, murmelte Butler mit einem Ausdruck unverhohlener kindlicher Ehrfurcht.</p><p>Der Kapit�n nickte. Er sch�tzte die H�he der Welle mittlerweile auf gut drei�ig Meter, fast dreimal so hoch wie zu dem Zeitpunkt, als er sie entdeckt hatte. Sein Gesicht war aschfahl. Sein solides, unersch�tterliches Selbstvertrauen bekam deutliche Risse. Ein Schiff mit den Ausma�en der <emphasis>Belle </emphasis>konnte nicht auf der Stelle wenden, und sie lag immer noch ziemlich schr�g zu der Welle, als sie sich aufzub�umen schien wie ein lebendiges Wesen.</p><p>Er erwartete den Aufprall der Welle und war v�llig unvorbereitet, als sich vor ihm im Ozean ein Abgrund �ffnete, der gro� genug war, um sein Schiff zu verschlingen.</p><p>Der Kapit�n starrte fassungslos in die Grube, die vor seinen Augen erschienen war. Das ist das Ende der Welt, dachte er.</p><p>Das Schiff kippte in den gigantischen Trog, glitt an seiner Innenwand hinab und bohrte den Bug in den Ozean. Der Kapit�n st�rzte nach vorne gegen die vorderen Schotts.</p><p>Anstatt frontal zuzuschlagen, kippte die Welle von oben auf das Schiff und begrub es unter Tausenden Tonnen Wasser.</p><p>Die Fenster des Steuerhauses implodierten unter dem Druck, und der gesamte Atlantische Ozean schien sich in die Br�cke zu ergie�en. Die Wassermassen erwischten den Kapit�n und die anderen M�nner auf der Br�cke mit der Gewalt von hundert Feuerwehrschl�uchen. Die Br�cke verwandelte sich in ein Gewirr von Armen und Beinen. B�cher, Schreibstifte und Sitzpolster wurden herumgewirbelt.</p><p>Ein Teil des Wassers str�mte durch die Fenster hinaus, und der Kapit�n k�mpfte sich zur�ck zum Steuerstand. S�mtliche Kontrollmonitore waren tot. Radar, Kreiselkompasse und Funkanlage des Schiffs waren ausgefallen. Aber was viel schlimmer war, auch die Energiezufuhr war unterbrochen. Alle Instrumente waren durch Kurzschluss lahmgelegt. Die Steuerelektronik war nutzlos.</p><p>Der Kapit�n ging zum Fenster, um das Ausma� der Sch�den zu begutachten. Der Bug war zerst�rt, und das Schiff hatte Schlagseite. Er vermutete, dass der Rumpf ein Leck aufwies. Die Rettungsboote auf dem Vorderdeck waren aus den Davits gerissen worden. Das Schiff schlingerte wie ein betrunkenes Flusspferd.</p><p>Die Riesenwelle schien das Meer aufgew�hlt zu haben wie ein Demagoge, der den Stra�enmob zur Raserei aufstachelt. Brecher rollten �ber das Vorderdeck. Weitaus gef�hrlicher war, dass das Schiff, da seine Maschinen stillstanden, in eine schlimmstm�gliche Position quer zu den auflaufenden schweren Seen trieb.</p><p>Nachdem es die Welle �berstanden hatte, lag das Schiff wie ein waidwundes Tier auf der Seite, bereit, den Gnadenschuss zu erhalten oder, wie es im bildhaften Jargon der Seefahrt hie�, �abzusaufen�.</p><p>Der Kapit�n bem�hte sich, seinen Optimismus zu behalten. Die <emphasis>Southern Belle </emphasis>konnte �berleben, auch wenn einige ihrer Sektionen �berflutet waren. Jemand hatte sicherlich den SOS-Ruf geh�rt. Wenn n�tig, konnte das Schiff tagelang treiben, bis Hilfe eintraf.</p><p>�K�pt�n!� Der Erste Offizier unterbrach seine Gedanken.</p><p>Butler blickte durch das geborstene Fenster. Seine Augen starrten ungl�ubig auf einen fernen Punkt. Der Blick des Kapit�ns folgte Butlers ausgestrecktem Finger, und er begann zu zittern, als er von Angst �bermannt wurde.</p><p>In weniger als vierhundert Metern Entfernung entstand eine weitere horizontal verlaufende Schaumkrone.</p><empty-line/><p>Das erste Flugzeug traf zwei Stunden sp�ter ein. Es kreiste �ber dem Meer und erhielt bald Gesellschaft in Gestalt anderer Flugzeuge. Dann n�herten sich die ersten Hilfsschiffe, die ihre jeweiligen Routen verlassen hatten. Die Schiffe hielten Abst�nde von f�nf Kilometern zueinander und durchk�mmten das Meer wie ein Suchtrupp, der in einem Wald nach einem verlaufenen Kind Ausschau h�lt. Selbst nach tagelanger Suche fanden sie nichts.</p><p>Die <emphasis>Southern Belle, </emphasis>eins der modernsten und leistungsf�higsten Frachtschiffe, die je konstruiert und gebaut wurden, war ganz einfach spurlos verschwunden.</p></section><section><title><p>2</p></title><subtitle>Seattle, Washington</subtitle><empty-line/><p>Der pfeilschlanke Kajak flog �ber die saphirblaue Oberfl�che des Puget Sound, als w�re er von einer Bogensehne abgeschossen worden. Der breitschultrige Mann in dem engen Sitz schien mit dem Holzboot zu einer Einheit verwachsen zu sein. Er tauchte die Schaufeln seines Paddels mit lockeren, flie�enden Bewegungen ins Wasser und konzentrierte die Kraft seiner muskul�sen Arme in pr�zis abgezirkelte Z�ge, die den Kajak mit gleichm��igem Tempo vorw�rtstrieben.</p><p>Schwei� gl�nzte auf den markanten, sonnenverbrannten Gesichtsz�gen des Bootsfahrers. Seine durchdringenden, hellblauen Augen, die an die Farbe von Korallen unter Wasser erinnerten, erfassten die weite Fl�che der Meerenge, die nebelverhangenen San Juan Islands und, in der Ferne, die schneebedeckten Olympic Mountains. Kurt Austin pumpte die salzige Luft in seine Lungen und verzog die Lippen zu einem breiten Grinsen. Es tat gut, zu Hause zu sein.</p><p>Austins Pflichten als Direktor des Spezialteams f�r Sonderaufgaben bei der National Underwater and Marine Agency f�hrten ihn st�ndig an die abgelegensten Orte der Welt. Verliebt ins Meer und alles, was damit zu tun hat, hatte er sich jedoch in den Gew�ssern um Seattle, wo er geboren war. Der Puget Sound war ihm so vertraut wie ein alter Jugendschwarm. Er war auf der Meerenge gesegelt, seit er laufen konnte, und an einem Rennen hatte er das erste Mal im Alter von zehn Jahren teilgenommen. Seine gro�e Liebe geh�rte Rennbooten. Er besa� vier davon: einen Acht-Tonnen-Katamaran, der Geschwindigkeiten von �ber hundertsechzig Kilometern in der Stunde schaffte, ein kleineres Au�enbord-Hydroplane, ein Zwanzig-Fu�-Segelboot und ein Rennskiff, mit dem er am liebsten fr�hmorgens auf dem Potomac ruderte.</p><p>Der letzte Zuwachs seiner Flotte war ein ma�gefertigter Guillemot-Kajak. Er hatte ihn w�hrend einer fr�heren Reise nach Seattle gekauft. Ihm gefielen die Holzkonstruktion und die elegante Form des schlanken Rumpfs, der sich an einem auf den Aleuten gebr�uchlichen Bootstyp orientierte. Wie all seine Boote war es schnell und sch�n zugleich.</p><p>Austin war so sehr damit besch�ftigt, die vertraute Umgebung und ihre typischen Ger�che in sich aufzunehmen, dass er fast verga�, dass er nicht alleine war. Er blickte �ber die Schulter. Eine Flottille von f�nfzig Kajaks folgte mit deutlichem Abstand seiner perlenschnur�hnlichen Kiellinie. Die schweren, doppelsitzigen Glasfiberkajaks trugen jeweils einen Erwachsenen�� meistens ein Elternteil�� und ein Kind. Sie waren sicher und schwerf�llig und keine Konkurrenz f�r Austins Rennpferd. Er nahm seine t�rkisfarbene NUMA-Baseballm�tze ab, die einen Wust vorzeitig ergrauter, fast platinwei�er Haare enth�llte, und schwenkte sie �ber dem Kopf hin und her, um seine Verfolger anzutreiben.</p><p>Austin hatte keinen Moment gez�gert, als sein Vater, der reiche Inhaber einer internationalen, in Seattle ans�ssigen Bergungsfirma, ihn gebeten hatte, das allj�hrliche Wohlt�tigkeits-Kajakrennen anzuf�hren, das er sponserte, um Spenden einzusammeln. Austin hatte sechs Jahre lang f�r Austin Marine Salvage gearbeitet, ehe er in eine nur wenig bekannte Abteilung der CIA hineingelockt worden war, die sich auf Unterwasserspionage spezialisiert hatte. Nachdem der Kalte Krieg beendet war, hatte die CIA die Spionageabteilung geschlossen, und Austin wurde von James Sandecker engagiert, der die NUMA leitete, ehe er Vizepr�sident der Vereinigten Staaten wurde.</p><p>Austin tauchte sein Paddel ins Wasser und steuerte den Kajak auf zwei Boote zu, die knapp f�nfhundert Meter voraus mit einem Abstand von drei�ig Metern zueinander vor Anker lagen. In den Booten befanden sich Rennfunktion�re und Presseleute. Zwischen den beiden Booten spannte sich ein breites, rot-wei� gestreiftes Plastikbanner mit der Aufschrift FINISH. Jenseits der Ziellinie lag eine aus einem Lastkahn und einem F�hrschiff zusammengekoppelte Insel im Wasser. Am Ende des Rennens w�rden die Kajaks auf den Lastkahn gezogen, und die Rennteilnehmer w�rden auf dem F�hrschiff zu Mittag essen. Austins Vater beobachtete das Rennen von einem achtundvierzig Fu� langen Powerboot aus, auf dessen schneewei�em Rumpf die Aufschrift <emphasis>White Lightning </emphasis>sowohl Name wie auch Programm war.</p><p>Austin erh�hte seine Schlagzahl und bereitete seinen Endspurt vor, als er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm. Er schaute nach rechts und gewahrte eine gro�e gebogene Flosse, die durch die Wellen schnitt und auf ihn zukam. Gleichzeitig tauchten pl�tzlich mindestens zwanzig weitere Flossen dahinter aus dem Wasser auf.</p><p>Der Puget Sound bot mehreren Herden Orcas, die sich von Lachsen ern�hrten, ausreichend Lebensraum. Sie waren zu �rtlichen Maskottchen aufgestiegen und stellten mittlerweile einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor dar, indem sie Touristen aus aller Welt anlockten. Sie kamen in Scharen nach Seattle, um mit Booten hinauszufahren und die Wale zu beobachten oder um an Kajaktouren teilzunehmen. Die M�rderwale kamen dicht an die Kajaks heran und veranstalteten oft eine gro�e Show, erhoben sich halb aus dem Wasser oder vollf�hrten spektakul�re Spr�nge. In der Regel schwammen die Orcas anschlie�end harmlos vorbei, oft nur wenige Schritte von den Booten entfernt, ohne sie anzugreifen.</p><p>Als die erste Flosse nur noch knapp zwanzig Meter weit entfernt war, stellte der Orca sich auf seine Schwanzflosse. Er ragte fast mit seiner vollst�ndigen Gr��e von acht Metern L�nge aus dem Wasser. Austin lie� das Paddel ruhen, um das Schauspiel zu verfolgen. Er hatte dieses Man�ver schon des �fteren beobachten k�nnen, aber es war immer wieder ein atemberaubender Anblick. Der Wal, der sich f�r ihn interessierte, war ein gro�er Bulle, wahrscheinlich der Chef der Herde, und wog mindestens sieben Tonnen. Wasser perlte glitzernd an seinem glatten, schwarz-wei�en K�rper herab.</p><p>Der Wal lie� sich ins Wasser zur�ckfallen, und seine Flosse setzte sich wieder in Richtung Kurt Austin in Bewegung. Aufgrund fr�herer Erfahrungen rechnete er damit, dass der Wal im letzten Moment unter dem Kajak durchtauchen w�rde. Aber als er nur noch wenige Meter weit weg war, richtete der Wal sich abermals auf und �ffnete sein Maul. Die Reihen rasiermesserscharfer Z�hne im rosigen Maul befanden sich in Reichweite. Ungl�ubig starrte Austin in den Walschlund. Es war, als h�tte sich ein von allen geliebter Zirkusclown pl�tzlich in ein Monstrum verwandelt. Die Kiefer begannen sich zu schlie�en. Geistesgegenw�rtig rammte Austin das h�lzerne Paddel in das Maul des Meeress�ugers. Ein lautes Knacken ert�nte, als die Z�hne das Paddel zermalmten.</p><p>Der massige K�rper des Wals kippte nach vorne auf den Vorderteil des f�nfunddrei�ig Pfund schweren Kajaks und verwandelte es in einen Splitterregen. Austin landete im kalten Wasser. Er versank sekundenlang, dann stieg er zur Oberfl�che hinauf, getragen von seiner Schwimmweste. Er spuckte einen Mund voll Meerwasser aus und drehte sich um. Zu seiner Erleichterung entfernte sich die R�ckenflosse von ihm.</p><p>Die Walherde befand sich zwischen Austin und einer nahen Insel. Anstatt diese Richtung einzuschlagen, schwamm er weiter hinaus in die Bucht. Nach ein paar Z�gen hielt er inne und w�lzte sich auf den R�cken. Die G�nsehaut, die seinen R�cken �berspannte, r�hrte nicht alleine vom kalten Wasser her.</p><p>Eine Phalanx von R�ckenflossen machte Jagd auf ihn. Er streifte seine Wasserschuhe ab und schl�ngelte sich aus seiner Schwimmweste, die ihn nur behinderte. Er wusste, dass diese Aktion eigentlich sinnlos war. Auch ohne Schwimmweste h�tte er sich einen Au�enbordmotor auf den R�cken schnallen m�ssen, um einem Orca zu entkommen. M�rderwale schafften Geschwindigkeiten von bis zu f�nfundvierzig Kilometern in der Stunde.</p><p>Austin hatte sich seinen menschlichen Gegnern stets mit eisiger Ruhe und Gelassenheit gestellt, aber dies hier war etwas anderes. Er wurde von einem urzeitlichen Grauen gepackt, das schon seine steinzeitlichen Vorfahren durchlebt haben mussten, n�mlich von der Angst, aufgefressen zu werden. W�hrend sich die Wale n�herten, konnte er deutlich das leise w�ssrige Gurgeln h�ren, das sie erzeugten, als sie Luft durch ihre Blasl�cher ausstie�en.</p><p><emphasis>Schuuhhf-schuuhhf.</emphasis></p><p>In dem Augenblick, als er damit rechnete, dass scharfe Z�hne sich in sein Fleisch bohren w�rden, wurde der Chor nasser Atemger�usche vom Dr�hnen starker Motoren zugedeckt. Mit vom Wasser halb geblendeten Augen erkannte er Sonnenreflexe auf einem Bootsrumpf. H�nde streckten sich ihm entgegen, um seine Arme zu packen. Seine Knie prallten schmerzhaft gegen den harten Kunststoffrumpf des Bootes, und er rutschte schlaff wie ein Fisch am Haken auf das Deck.</p><p>Ein Mann beugte sich �ber ihn. �Sind Sie okay?�</p><p>Austin f�llte seine Lungen gierig mit frischer Luft und bedankte sich dann bei dem unbekannten Samariter f�r seine Hilfe.</p><p>�Was ist passiert?�, wollte der Mann wissen.</p><p>�Ich wurde von einem Wal angegriffen.�</p><p>�Das ist unm�glich�, erwiderte der Mann. �Sie sind doch wie gro�e, zutrauliche Hunde.�</p><p>�Sagen Sie das mal den <emphasis>Walen.</emphasis>�</p><p>Austin k�mpfte sich auf die F��e. Er befand sich auf einem perfekt ausgestatteten Powerboot von etwa zehn Metern L�nge. Der Mann, der ihn aus dem Wasser gezogen hatte, hatte einen glatt rasierten Sch�del, auf dessen Haut eine Spinne t�towiert war. Seine Augen versteckten sich hinter den verspiegelten blauen Gl�sern einer Sonnenbrille, und bekleidet war er mit einer schwarzen Jeans und einer ebenfalls schwarzen Lederjacke.</p><p>Hinter dem Mann war auf dem Deck ein etwa zwei Meter hohes, nach oben spitz zulaufendes Ger�st aus Stahlst�ben verankert. Dicke Stromkabel schl�ngelten sich wie Lianen von der Konstruktion in alle Richtungen weg. Austin betrachtete das seltsame Gebilde sekundenlang, doch weit mehr interessierte ihn, was im Wasser vor sich ging.</p><p>Die Orcaherde, die ihn gejagt hatte wie ein Rudel hungriger Seew�lfe, wendete sich von dem Boot ab und steuerte nun auf die anderen Kajakfahrer zu. Ein paar Leute hatten wohl gesehen, wie Austin gekentert und im Wasser gelandet war, aber sie hatten sich nicht nahe genug befunden, um Zeugen der Attacke zu sein. Nun, da Austin nicht mehr die Vorhut bildete, waren die anderen Rennteilnehmer verwirrt. Einige paddelten langsam weiter. Die meisten hatten jedoch die Paddel sinken lassen und im Wasser angehalten, wo sie nun trieben wie Gummienten in einer Badewanne.</p><p>Die Orcas kamen den verwirrten Rennpaddlern schnell n�her. Weit be�ngstigender jedoch war, dass weitere Walherden in n�chster Umgebung der Kajakflottille auftauchten und sich zum Angriff formierten. Die Rennteilnehmer ahnten noch nichts von der Gefahr, die sich ihnen mit gefletschten Zahnreihen n�herte. Viele von ihnen kannten die Meerenge von zahlreichen Kajakausfl�gen und wussten, dass die Orcas harmlos waren.</p><p>Austin schob sich hinter das Lenkrad des Bootes. �Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen�, sagte er, w�hrend er den Gashebel nach vorne schob.</p><p>Die Erwiderung des Mannes ging im Aufheulen der beiden Au�enbordmotoren unter. Schnell hob das Boot sich aus dem Wasser und glitt dar�ber hinweg. Austin zielte mit dem Bug auf die schmale L�cke zwischen den Kajakfahrern und den heranjagenden R�ckenflossen. Er hoffte, dass der L�rm der Motoren und das Klatschen des auf die Wellen schlagenden Rumpfs die Orcas verscheuchen w�rde. Sein Herz blieb fast stehen, als die Walherde sich in zwei Gruppen teilte, die um ihn herumschwammen und weiter auf ihre Beute zusteuerten. Er wusste, dass Orcas miteinander kommunizierten, um ihre Attacken zu koordinieren. Innerhalb weniger Sekunden traf die Herde die Kajakflotte wie ein Torpedof�cher. Sie rammten die leichten Boote mit ihren m�chtigen Leibern. Mehrere Kajaks kippten einfach um, und ihre Insassen st�rzten ins Wasser.</p><p>Austin drosselte das Tempo des Bootes und lenkte es zwischen die in den Wellen tanzenden K�pfe von Kindern und ihren Eltern und die messerscharfen Orcaflossen. Die <emphasis>White Lightning </emphasis>befand sich in n�chster N�he einiger gekenterter Kajaks, doch die Situation war viel zu chaotisch, als dass sie wesentliche Hilfe h�tte leisten k�nnen. Austin sah, wie eine der gr��ten Flossen sich einen Mann aussuchte, der im Wasser trieb und seine Tochter im Arm hielt. Austin w�rde mit dem Boot andere Paddler erwischen, wenn er versuchte, den beiden zu Hilfe zu kommen. Er wandte sich an seinen Retter.</p><p>�Haben Sie ein Harpunengewehr an Bord?�</p><p>Der kahlk�pfige Mann fingerte hektisch an einem Instrumentenkasten herum, der durch ein Kabel mit dem Ger�st verbunden war. Er schaute von dem Kasten hoch und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Es ist okay�, sagte er. �Sehen Sie!� Er deutete nach vorne auf das Durcheinander gekenterter Kajaks.</p><p>Die gro�e R�ckenflosse war zur Ruhe gekommen. Sie verhielt an Ort und Stelle, wackelte verspielt im Wasser, nur wenige Schwimmz�ge von dem Mann und seiner Tochter entfernt. Dann entfernte sie sich allm�hlich von den geborstenen Kajaks und ihren ungl�cklichen Insassen.</p><p>Die anderen Flossen folgten. Die �brigen Herden, die sich angriffslustig den Schiffbr�chigen gen�hert hatten, brachen ebenfalls ihren Angriff ab und strebten gem�tlich ins offene Wasser hinaus. Der gro�e Bulle vollf�hrte einen hohen, ausgelassenen Sprung. Schon nach wenigen Minuten war von den Orcas nichts mehr zu sehen.</p><p>Ein Junge war von seinem Vater getrennt worden. Er schien seine Schwimmweste nicht richtig �bergestreift zu haben, denn sein Kopf geriet unter Wasser. Austin beugte sich �ber den Bootsrand und stie� sich von der Bordwand ab. In einem eleganten Bogen tauchte er ins Wasser und kraulte auf den Jungen zu. Er erreichte ihn, kurz bevor sein Kopf ganz unter der Wasseroberfl�che verschwand.</p><p>W�hrend er den Kopf des Jungen �ber Wasser hielt, behielt Austin wassertretend seine Position bei. Er brauchte nur wenige Sekunden zu warten. Die <emphasis>White Lightning </emphasis>hatte ihre sich selbst aufblasenden Rettungsinseln zu Wasser gelassen, und Paddler wurden aus dem Meer gefischt. Austin reichte den Jungen seinen Rettern und vollf�hrte im Wasser eine Drehung. Der kahlk�pfige Mann und sein Boot waren verschwunden.</p><p>Kurt Austin senior war ein �lteres Spiegelbild seines Sohnes. Seine breiten Schultern hingen leicht herab, aber sie sahen noch immer aus, als seien sie f�hig, sich mit roher Gewalt den k�rzesten Weg durch eine Mauer zu bahnen. Sein immer noch volles, platinsilbernes Haar war k�rzer geschnitten als das seines Sohnes, der sich h�ufiger an Orten aufhielt, an denen weit und breit kein Friseur zu finden war.</p><p>Obgleich schon Mitte siebzig, hatte eine strenge Routine aus Krafttraining und ausgewogener und ma�voller Ern�hrung ihn schlank und fit erhalten. Er konnte noch immer Arbeitstage �berstehen, die so manchen, der nur halb so alt war wie er, an den Rand der Ersch�pfung gebracht h�tten. Sein Gesicht war von der Sonne und vom Meer kr�ftig gebr�unt, und seine bronzene Haut war mit einem feinen Netzwerk von Falten und F�ltchen durchzogen. Seine korallenblauen Augen konnten mit l�wenhafter Wildheit blitzen, aber wie die seines Sohnes schauten sie gew�hnlich mit einem Ausdruck leichten Am�sements auf die Welt ringsum.</p><p>Die beiden Austins sa�en im Hauptsalon der <emphasis>White Lightning </emphasis>in �ppigen Polstersesseln und hatten jeder ein mindestens halb volles Glas Jack Daniel�s in der Hand. Kurt hatte sich von seinem Vater einen ma�geschneiderten Trainingsanzug ausgeborgt. Das Wasser des Puget Sound war wie eine mit Eisw�rfeln gef�llte Badewanne gewesen, und der Alkohol, der durch Kurt Juniors Kehle rann, ersetzte die K�lte in seinen �u�eren Extremit�ten durch angenehme W�rme.</p><p>Der Salon war in Leder und Messing eingerichtet und mit Polo- und Pferderennkunstdrucken dekoriert. Kurt f�hlte sich, als ob er sich in einem jener exklusiven englischen Herrenclubs aufhielt, wo ein Mitglied in seinem Polstersessel sterben und tagelang nicht gefunden werden konnte. Sein r�stiger, unternehmungslustiger Vater war nicht gerade der Typ englischer Gentleman, und Kurt vermutete, dass die im Salon geschaffene Atmosph�re die Kanten abschleifen sollte, die er sich bei seinem Kampf um die Spitzenposition in einem konkurrenzkampftr�chtigen Gewerbe geholt hatte.</p><p>Der alte Herr f�llte ihre Gl�ser auf und bot Kurt eine kubanische Cohiba-Lanceros-Zigarre an, die dankend abgelehnt wurde. Austin senior z�ndete seine an und stie� eine rosige Qualmwolke aus, die seinen Kopf einh�llte.</p><p>In Kurts Gedanken herrschte noch immer ein gro�es Durcheinander. Er revidierte seine Entscheidung hinsichtlich der Zigarre. W�hrend er das m�nnliche Ritual des Anz�ndens absolvierte, ordnete er seine Gedanken. Er trank einen weiteren Schluck aus seinem Glas und schilderte dann sein Erlebnis.</p><p>�Verr�ckt!�, fasste Austin senior die Summe seiner verschiedenen Reaktionen zusammen. �Verdammt, diese Wale haben noch niemandem ein Leid zugef�gt. Das wei�t du selbst. Schlie�lich bist du seit deiner Kindheit st�ndig auf dem Wasser. Hast du jemals von so etwas auch nur geh�rt?�</p><p>�Nein.� Kurt sch�ttelte den Kopf. �Orcas scheinen die N�he von Menschen regelrecht zu suchen, was mir schon immer ein R�tsel war.�</p><p>Austin senior quittierte diese Aussage mit einem kurzen Lachen. �Das ist kein R�tsel. Sie sind schlau, und sie wissen, dass wir mindestens ebenso gef�hrliche Raubtiere sind wie sie selbst.�</p><p>�Der einzige Unterschied ist, dass sie meistens nur t�ten, wenn sie Hunger haben und Nahrung brauchen.�</p><p>�Das ist richtig�, sagte Austin senior. Er wollte Whiskey nachschenken, doch Kurt winkte ab. Er hatte keinen Ehrgeiz, mit seinem Vater mitzuhalten.</p><p>�Du kennst doch so gut wie jeden in Seattle. Ist dir schon mal ein glatzk�pfiger Typ mit einer Spinnent�towierung auf dem Sch�del begegnet? Er d�rfte in den Drei�igern sein. Bekleidet war er mit schwarzen Lederklamotten wie ein Hell�s Angel.�</p><p>�Der Einzige, auf den diese Beschreibung zutrifft, ist Spiderman Barrett.�</p><p>�Ich hatte keine Ahnung, dass du auch ein Comicfreak bist, Pop.�</p><p>Austins Gesicht verzog sich zu einem faltigen Grinsen.</p><p>�Barrett ist ein Computerexperte, der ganz dick im Gesch�ft ist. Eine Art Westentaschen-Bill-Gates. Er ist nur drei Milliarden Dollar schwer. Er wohnt in einem gro�en Haus mit Blick auf den Puget Sound.�</p><p>�Er hat mein tiefstes Mitgef�hl. Kennst du ihn pers�nlich?�</p><p>�Nur vom Sehen. Er war eine Gr��e in der �rtlichen Nachtclubszene. Dann verschwand er von der Bildfl�che.�</p><p>�Was ist mit seinem Kopfschmuck?�</p><p>�Soweit ich geh�rt habe, soll er als Kind ein gro�er Spiderman-Fan gewesen sein. Er schnitt sich die Haare ab, lie� sich die T�towierung machen und hat die Haare wieder wachsen lassen. Als er �lter wurde und ihm die Haare ausfielen, erschien die T�towierung, woraufhin er sich den Kopf rasiert hat. Verdammt, mit dem Geld, das Barrett zur Verf�gung hat, k�nnte er sich die gesammelten Sonntagscomics auf die Pelle t�towieren, ohne dass jemand auch nur mit der Wimper zuckt.�</p><p>�Ob exzentrisch oder nicht, auf jeden Fall hat er mich davor gerettet, als Walk�der zu enden. Ich w�rde mich gerne bei ihm bedanken und mich daf�r entschuldigen, dass ich so einfach das Kommando �ber sein Boot �bernommen habe.�</p><p>Austin junior wollte seinem Vater schon von der Stahlkonstruktion auf Barretts Boot erz�hlen, als ein Matrose im Salon erschien und meldete: �Jemand von Fish and Wildlife ist hier.�</p><p>Kurz darauf betrat eine zierliche, junge, dunkelhaarige Frau in der gr�nen Uniform des U.�S. Fish and Wildlife Service den Salon. Sie war Mitte zwanzig, obgleich ihr strenges dunkles Brillengestell und ihr ernster Ausdruck sie viel reifer aussehen lie�en. Sie stellte sich als Sheila Rowland vor und sagte, sie h�tte an Kurt junior einige Fragen zu seiner Wal-Begegnung der seltsamen Art.</p><p>�Entschuldigen Sie, dass ich so einfach bei Ihnen hereinplatze�, begann sie, �aber wir haben jeglichen Kajakbetrieb auf dem Puget Sound verboten, bis wir diesem Vorfall auf den Grund gegangen sind. Das Beobachten der Wale ist in dieser Region ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor, daher hat diese Untersuchung absoluten Vorrang. Die Souvenirh�ndler und Bootsvermieter schreien bereits Zeter und Mordio wegen des Verbots, aber wir d�rfen kein Risiko eingehen.�</p><p>Austin Senior forderte sie auf, Platz zu nehmen, und Kurt erz�hlte seine Geschichte zum zweiten Mal.</p><p>�Das ist h�chst seltsam�, stellte Sheila Rowland kopfsch�ttelnd fest, nachdem er geendet hatte. �Ich habe noch nie geh�rt, dass Orcas gezielt einen Menschen angreifen.�</p><p>�Was ist denn mit den gelegentlichen Attacken in Seewasseraquarien?�, fragte Kurt.</p><p>�In diesen F�llen handelt es sich um Wale, die in Gefangenschaft gehalten werden und st�ndig irgendwelche Kunstst�cke vorf�hren m�ssen. Sie werden aggressiv, weil sie eingesperrt und gelegentlich �berfordert sind, und lassen manchmal ihre Wut ganz spontan an ihren Trainern aus. Es hat auch in freier Wildbahn F�lle gegeben, in denen ein Orca sich ein Surfbrett geschnappt hat, weil er es f�r eine Robbe gehalten hat. Doch sobald sie ihren Irrtum bemerkten, haben sie die Surfer ausgespien.�</p><p>�Ich vermute, dass dem Wal, mit dem ich aneinandergeraten bin, mein Gesicht nicht gefallen hat�, sagte Kurt mit seinem typischen trockenen Humor.</p><p>Sheila Rowland l�chelte und dachte bei sich, dass Kurt Austin mit seinem gebr�unten Gesicht und seinen durchdringenden hellblauen Augen einer der attraktivsten M�nner war, denen sie je begegnet war. �Das glaube ich nicht. Wenn ein Orca Ihr Gesicht nicht leiden k�nnte, dann h�tten Sie keins mehr. Ich habe mal beobachtet, wie ein Orca einen f�nfhundert Pfund schweren Seel�wen herumgeschleudert hat wie eine Lumpenpuppe. Ich werde mich mal erkundigen, ob es irgendwelche Videoaufnahmen von dem Vorfall gibt.�</p><p>�Das d�rfte kein Problem sein angesichts der vielen Kameras, die das Rennen verfolgt haben�, sagte Kurt. �Gibt es Ihrer Meinung nach irgendetwas, das die Wale gereizt und ihre Aggressivit�t ausgel�st haben k�nnte?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Orcas haben ungemein empfindliche Sinnesorgane. Wenn irgendetwas in ihrer Umgebung aus dem Lot ger�t, k�nnte es sein, dass sie diese St�rung mit einer Attacke gegen das n�chstliegende Objekt kompensieren.�</p><p>��hnlich wie die Wale in den Seewasseraquarien?�</p><p>�Schon m�glich. Ich werde mich mal mit einigen Cetologen unterhalten und mich erkundigen, was sie dazu meinen.�</p><p>Sie erhob sich und bedankte sich bei den beiden M�nnern f�r ihr Entgegenkommen. Nachdem sie von Bord gegangen war, wollte Austin senior eine weitere Runde ausschenken, aber Kurt deckte eine Hand �ber sein Glas.</p><p>�Ich wei�, was du vorhast, du alter Fuchs. Du versuchst, mich zu shanghaien und auf eins deiner Bergungsschiffe zu entf�hren.�</p><p>Kurt Senior hatte niemals einen Hehl aus seinem Wunsch gemacht, seinen Sohn von der NUMA wegzulocken und ihn in den Familienbetrieb zur�ckzuholen. Kurt juniors Entscheidung, bei der NUMA zu bleiben, anstatt die Leitung der Firma zu �bernehmen, war zwischen den beiden M�nnern lange ein Streitpunkt gewesen. Im Laufe der Jahre hatten sie gelernt, diese Angelegenheit eher humorvoll zu behandeln.</p><p>�Du entwickelst dich allm�hlich zu einem Weichei�, stellte der �ltere Austin mit einem Ausdruck gespielter Abscheu fest. �Wenn du ehrlich bist, musst du zugeben, dass die NUMA nicht allzu viel Aufregendes zu bieten hat.�</p><p>�Ich habe es dir doch schon des �fteren erkl�rt, Pops. Es geht mir nicht um Spannung und Abenteuer.�</p><p>�Ja, ich wei�. Es geht dir um deine Pflicht gegen�ber deinem Vaterland und so weiter. Das Schlimmste ist, dass ich es Sandecker jetzt, wo er Vizepr�sident ist, gar nicht mehr �bel nehme, dich in Washington festzuhalten. Wie sehen denn deine weiteren Pl�ne aus?�</p><p>�Ich werde noch ein paar Tage hierbleiben. Ich muss mir einen neuen Kajak bestellen. Und was ist mit dir?�</p><p>�Ich habe einen dicken Auftrag an Land gezogen und soll vor Hanes in Alaska ein abgesoffenes Fischerboot heben. M�chtest du mich nicht begleiten? Ich k�nnte dich gut gebrauchen.�</p><p>�Vielen Dank, aber ich bin sicher, du kommst mit dem Projekt alleine zurecht.�</p><p>�Nimm mir nicht �bel, dass ich es wieder mal versucht habe. Aber okay, erledigt, dann lass dich wenigstens von mir zum Dinner einladen.�</p><p>Kurt Austin arbeitete sich im Lieblingssteakhaus seines Vaters soeben durch einen beachtlichen Klotz Rindfleisch, als er sp�rte, wie sein Mobiltelefon vibrierte. Er entschuldigte sich und nahm den Anruf im Foyer an. Vom winzigen Display des Videophones aus sah Kurt Austin ein dunkelh�utiger Mann mit kr�ftigem schwarzem Haar an, das er glatt zur�ckgek�mmt trug. Joe Zavala geh�rte zu Austins Spezialteam f�r Sonderauftr�ge und war von Sandecker direkt nach seiner Abschlusspr�fung am New York Maritime College rekrutiert worden. Er war ein hervorragender Marineingenieur, dessen Sachkenntnis in der Konstruktion von Unterseebooten sich bei der NUMA ungehindert austoben konnte.</p><p>�Freut mich, dich immer noch in einem St�ck anzutreffen�, sagte Zavala. �Die Orca-Attacke w�hrend deines Kajakrennens war die Sensationsmeldung in s�mtlichen Nachrichten�sendungen. Bist du okay?�</p><p>�Mir geht�s gut. Man k�nnte sogar sagen, ich f�hle mich wie ein Fisch im Wasser.�</p><p>Zavala verzog die Lippen zum Anflug eines L�chelns.</p><p>�Mein Leben ist ja so langweilig. Wer anders als Kurt Austin schafft es schon, ein Wohlt�tigkeits-Kajakrennen in einen Kampf auf Leben und Tod mit einer Herde durchdrehender M�rderwale zu verwandeln?�</p><p>�Als ich dich das letzte Mal sah, hast du h�chst intensiv an der Erf�llung deines Lebenstraums gearbeitet, n�mlich jede verf�gbare Frau in Washington auf dein Lager zu ziehen. Ich w�rde das nicht gerade langweilig nennen.�</p><p>Der stets gesellige Zavala war bei vielen der unverheirateten Frauen in Washington �u�erst beliebt, und sie f�hlten sich von seinem Charme, seinen gef�hlvoll blickenden dunkelbraunen Augen und seinem s�dl�ndisch guten Aussehen unwiderstehlich angezogen.</p><p>�Ich gebe zu, dass das Leben recht interessant werden kann, wenn ich einer alten Flamme begegne, w�hrend ich gerade mit einer neuen Flamme ausgehe, aber das ist nichts im Vergleich mit deinem Rennen. Was ist passiert?�</p><p>�Ich esse gerade mit meinem Vater zu Abend, daher kann ich dir erst in ein paar Tagen Bericht erstatten, wenn ich zur�ckkomme.�</p><p>�Es sieht so aus, als w�rest du schon eher in Washington. Wir haben Befehl erhalten, noch heute Norfolk zu verlassen. Kennst du Joe Adler?�</p><p>�Der Name klingt irgendwie vertraut. Ist er nicht der Wellenspezialist bei Scripps?�</p><p>�Er ist einer der f�higsten Fachleute f�r Ozeanwellen der Welt. Wir helfen ihm, die <emphasis>Southern Belle </emphasis>zu finden.�</p><p>�Ich kann mich erinnern, etwas �ber die <emphasis>Belle </emphasis>gelesen zu haben. Sie ist doch dieses riesige Containerschiff, das im vergangenen M�rz untergegangen ist.�</p><p>�Richtig. Rudi hat mich angerufen. Adler m�chte dich bei dem Projekt dabeihaben. Offensichtlich hat er einigen Einfluss, denn Rudi hat ihm sofort seine Bitte erf�llt.� Rudi Gunn trug die Verantwortung f�r die vielf�ltigen Operationen der NUMA.</p><p>�Das ist merkw�rdig. Ich habe Adler nie pers�nlich kennen gelernt. Bist du sicher, dass er sich nicht geirrt hat? Es gibt bei der NUMA mindestens ein Dutzend Leute, die schon an Schiffssuchen teilgenommen haben. Warum ich?�</p><p>�Rudi sagte, er habe keinen Schimmer. Aber Adler hat international den besten Ruf, daher ist er seiner Bitte nachgekommen, ihm kompetente Hilfe zu schicken.�</p><p>�Interessant. Die <emphasis>Belle </emphasis>ging irgendwo vor der Mitte der Atlantikk�ste unter. Wie weit ist das Suchgebiet von der Position entfernt, wo die Trouts zur Zeit arbeiten?� Paul und Gamay Trout, die anderen Mitglieder des Spezialteams f�r Sonderaufgaben, steckten mitten in einem Meeresforschungsprojekt.</p><p>�Nahe genug, so dass wir fast hinrudern und eine Party veranstalten k�nnen�, sagte Zavala. �Ich habe schon eine Flasche Tequila eingepackt.�</p><p>�W�hrend du einen Catering-Service ausfindig machst und ihn auffahren l�sst, was die Tische tragen k�nnen, �ndere ich meine Flugreservierungen und gebe dir Bescheid, wann ich heimkomme.�</p><p>�Ich erwarte dich am Flughafen. Wir haben bereits eine Maschine gechartert, die uns nach Norfolk bringt.�</p><p>Sie besprachen noch ein paar Einzelheiten und legten dann auf. Kurt lie� sich die Bitte Adlers durch den Kopf gehen, dann kehrte er an seinen Tisch zur�ck, um seinen Vater davon in Kenntnis zu setzen, dass er am n�chsten Morgen abreisen w�rde. Wenn Austin senior �ber die �nderung der Pl�ne seines Sohnes entt�uscht war, so lie� er sich nichts anmerken. Er bedankte sich bei Kurt, dass er anl�sslich des Kajakrennens nach Seattle gekommen war, und sie versprachen einander, sich m�glichst bald wieder zu treffen, wenn sie beide mehr Zeit h�tten.</p><p>Kurt erwischte am n�chsten Tag eine fr�he Maschine, die von Seattle aus startete. W�hrend das Flugzeug sich in die L�fte schwang und auf �stlichen Kurs ging, dachte er �ber die ged�mpfte Reaktion seines Vaters nach, als er ihm erkl�rt hatte, dass seine Pl�ne sich ge�ndert h�tten. Er fragte sich, ob Austin senior tats�chlich aufrichtig w�nschte, dass er in den Familienbetrieb einstieg. Das w�rde n�mlich hei�en, dass der alte Mann zugab, dass er daran d�chte, sich zur Ruhe zu setzen. Beide M�nner neigten dazu, abweichende Auffassungen zu haben und diese um jeden Preis durchsetzen zu wollen, und es w�re dann, als w�rden zwei Steuerleute ein Ruderboot lenken.</p><p>Auf jeden Fall irrte sein Vater sich, was Kurts gro�e Begeisterung f�r seine Arbeit bei der NUMA betraf. Es war nicht das Abenteuer, das ihn der Agentur f�r Meeresforschung treu bleiben lie�. Jede Gelegenheit f�r einen Adrenalinsto� bedeutete viele Stunden, in denen Berichte geschrieben, Papierkrieg bew�ltigt und Konferenzen abgehalten werden mussten. Dem versuchte er aus dem Weg zu gehen, indem er stets so lange wie m�glich vor Ort blieb. Der Sirenengesang, der ihn immer wieder zur�cklockte, war das unergr�ndliche R�tsel namens Ozean.</p><p>R�tsel wie die seltsame Begegnung mit den M�rderwalen. Er musste immer wieder an den Vorfall mit den Orcas denken. Und er dachte auch �ber den Mann mit der seltsamen T�towierung und �ber den Sinn und Zweck der elektrischen Vorrichtung auf Barretts Boot nach. Nach ein paar Minuten schob er seine momentan noch fruchtlosen �berlegungen beiseite, nahm sich einen Notizblock und einen Kugelschreiber und begann, einen neuen Kajak zu konstruieren.</p></section><section><title><p>3</p></title><subtitle>New York City</subtitle><empty-line/><p>Ehe Frank Malloy die Funktion eines hoch bezahlten Beraters der Polizeidienste der Nation aus�bte, war er der Inbegriff des Cops gewesen. Er verabscheute Unordnung jeglicher Art. Seine Uniformen waren stets frisch gereinigt und sorgf�ltig geb�gelt. Im Andenken an seine Zeit im Marine Corps trug er sein grau meliertes Haar milit�risch kurz geschnitten. Regelm��iges Krafttraining hielt seinen K�rper fit und muskul�s.</p><p>Im Gegensatz zu vielen Polizeibeamten, die �berwachungen einfach nur l�stig und unangenehm fanden, genoss Malloy es, stundenlang in einem Auto zu sitzen und das Auf und Ab des Verkehrs und der Fu�g�nger zu beobachten und gleichzeitig auf die kleinste Unregelm��igkeit im Gef�ge der Gesellschaft zu achten. Geholfen hatte ihm in dieser Zeit auch die Tatsache, dass er eine eiserne Blase besa�.</p><p>Malloy parkte auf dem Broadway und betrachtete die stetige Parade eiliger Fu�g�nger und gaffender Touristen, als sich ein Mann aus der Menschenmenge l�ste und direkt auf den neutralen Streifenwagen des NYPD zuging.</p><p>Der Mann war gro� und schlank und sah aus, als w�re er h�chstens in den Drei�igern. Er trug einen hellbraunen, an den Knien ausgebeulten Sommeranzug und an den F��en abgesto�ene New-Balance-Laufschuhe. Er hatte rote Haare und einen roten Spitzbart, der makellos gestutzt war. Der oberste Knopf seines Oberhemds stand offen, und seine Krawatte hing lose herab. Jahre als Streifenpolizist hatten Malloys F�higkeit verfeinert, Menschen mit einem einzigen schnellen Blick einzusch�tzen. Malloy versah den Mann mit dem Etikett �Zeitungsreporter�.</p><p>Der Mann kam zum Wagen, b�ckte sich, so dass sein Gesicht sich mit dem Seitenfenster auf gleicher H�he befand, und zeigte seinen mit Passbild versehenen Ausweis.</p><p>�Ich hei�e Lance Barnes und bin Reporter bei der <emphasis>Times. </emphasis>Sind Sie Frank Malloy?�</p><p>Die Frage d�mpfte Malloys Triumphgef�hl nachhaltig.</p><p>�Ja, ich bin Malloy�, gab er mit finsterer Miene zu. �Wie haben Sie mich erkannt, Mr.�Barnes?�</p><p>�Das war einfach�, erwiderte der Reporter mit einem Achselzucken. �Sie sitzen alleine in einem dunkelblauen Ford in einer Gegend, wo es so gut wie unm�glich ist, einen Parkplatz zu finden.�</p><p>�Offenbar bin ich dabei, den Anschluss zu verlieren�, stellte Malloy traurig fest. �Entweder das, oder ich trage immer noch weithin erkennbar die Aufschrift �Cop�.�</p><p>�Nee, ich hab geschwindelt�, gestand Barnes grinsend. �Man hat mir beim MACC verraten, dass Sie hier sein w�rden.�</p><p>MACC war die Abk�rzung f�r Multi-Agency Control Center, die Einrichtung, die f�r die Koordinierung der Sicherheitsma�nahmen f�r die internationale Wirtschaftskonferenz verantwortlich war, die in New York City abgehalten wurde. Politische und wirtschaftliche F�hrer aus aller Welt kamen im Big Apple zusammen.</p><p>�Ich habe auch geschwindelt�, gab Malloy mit einem verhaltenen Kichern zu. �Das MACC hat angerufen und Bescheid gesagt, dass Sie her�berk�men.� Er studierte das Gesicht des Reporters und stellte fest, dass es ihm bekannt vorkam. �Sind wir uns schon mal irgendwo begegnet, Mr.�Barnes?�</p><p>�Ich glaube, Sie haben mich mal erwischt, wie ich bei Rot �ber die Stra�e ging, und mir einen Strafzettel verpasst.�</p><p>Malloy lachte. Er verga� niemals ein Gesicht. Irgendwann w�rde es ihm sicher einfallen. �Was kann ich f�r Sie tun?�</p><p>�Ich arbeite an einem Artikel �ber die Konferenz. Soweit ich geh�rt habe, sind Sie der wichtigste Berater weit und breit, wenn es um wirkungsvolle Techniken zur Zerstreuung gr��erer Menschenmengen geht. Ich hatte �berlegt, ob ich Ihnen einige Fragen dar�ber stellen darf, wie Sie den geplanten Protesten begegnen wollen.�</p><p>Malloy besa� eine Firma in Arlington, Virginia, die die Polizeidienste im ganzen Land in Fragen der Kontrolle von Menschenmengen beriet. Er sa� im Aufsichtsrat verschiedener Firmen, die Vorrichtungen zur Beeinflussung von Krawallen und gewaltbereiten Menschenansammlungen herstellten, und seine gesch�ftlichen wie politischen Kontakte und Beziehungen hatten ihm zu betr�chtlichem Wohlstand verholfen. Eine positive Story in der <emphasis>New York Times </emphasis>k�nnte sich f�r seine Beratungst�tigkeit als f�rderlich erweisen.</p><p>�Steigen Sie ein�, sagte er und griff zur Seite, um die Beifahrert�r zu �ffnen. Barnes folgte der Aufforderung, und sie sch�ttelten sich die Hand. Der Reporter schob seine Sonnenbrille nach oben auf die Stirn und enth�llte hellwache gr�ne Augen und markante Augenbrauen, die ein V �hnlich der Form seines Mundes und seines Kinns formten. Er holte ein Notizbuch und einen digitalen Minirecorder aus der Tasche. �Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, dass ich unser Gespr�ch aufnehme. Es ist nur eine Art Sicherheitskopie, damit ich am Ende richtig zitiere.�</p><p>�Kein Problem�, sagte Malloy. �Sie k�nnen �ber mich berichten, was Sie wollen, Hauptsache, Sie schreiben meinen Namen richtig.� Seitdem er den Polizeidienst verlassen und seine Beratungsfirma gegr�ndet hatte, war Malloy ein absoluter Profi im Umgang mit Reportern geworden. �Waren Sie bei der Pressekonferenz?�</p><p>�Na klar�, antwortete Barnes. �Ein beeindruckendes Arsenal! Die Long Range Acoustic Devices, die Sie auf den Hummvees installiert haben, waren der absolute Hammer. Stimmt es, dass diese Dinger im Irak eingesetzt wurden?�</p><p>�Sie werden als nicht-t�dliche Waffen eingestuft. Sie k�nnen einen ohrenbet�ubenden L�rm erzeugen, der sogar die lautesten Demonstranten �bert�nt.�</p><p>�Wenn mir jemand hundertf�nfzig Dezibel in die Ohren bl�st, dann h�tte ich kaum mehr Lust, nach Frieden und Gerechtigkeit zu rufen.�</p><p>�Wir benutzen diese L�rmkanonen nur, um uns bei gr��eren Menschenmengen Geh�r zu verschaffen. Wir haben sie gerade neulich noch getestet. Damit kommt man mindestens vier Blocks weit.�</p><p>�Hm-hm�, sagte der Reporter und machte sich ein paar Notizen. �Ich denke, das d�rfte den Anarchisten klarmachen, was Sache ist.�</p><p>�Ich sch�tze, dass wir die dicke Artillerie gar nicht brauchen werden. Es sind eher die kleinen Dinge, die z�hlen, wie die Motorrollerstreifen und die Stra�ensperren.�</p><p>�Wie ich h�rte, haben Sie aber auch eine Menge Hightechger�t zur Verf�gung.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Malloy. �Die effektivste Methode, diese Verr�ckten unter Kontrolle zu halten, ist mit <emphasis>Software </emphasis>und nicht mit Hardware.�</p><p>�Wie das?�</p><p>�Fahren wir ein wenig herum.� Malloy startete den Wagen und schaltete das Funkger�t ein. �Hier spricht Nomad. Ich fahre auf dem Broadway nach Norden.�</p><p>�<emphasis>Nomad?</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>fragte Barnes, nachdem Malloy sich abgemeldet hatte.</p><p>�Ich bin viel unterwegs. Halte die Augen offen. Die Verr�ckten wissen, dass ich meine Runden mache, aber sie wissen nicht, wo ich bin. Das macht sie nerv�s.� Er wandte sich nach Osten, fuhr ein kurzes St�ck �ber die Park Avenue, dann kehrte er zum Broadway zur�ck.</p><p>�Wer sind diese �Verr�ckten�, wie Sie sie nennen?�</p><p>�Wenn es auf Anarchisten hinausl�uft, dann wei� man nie, mit wem oder was man es zu tun hat. Damals in Seattle hatten wir �kofreaks und Friedensengel. Wir hatten Wicca-Anh�nger und feministische Neopaganisten, die nach der WTO und der G�ttin riefen, wer immer die sein mag. Die meisten Mainstream-Anarchisten sind gegen die Weltwirtschaftsordnung. Soweit es um Menschen geht, sind sie nicht gewaltt�tig, aber manche sind der Meinung, dass man sich durchaus an Firmeneigentum vergreifen kann. Ihre Hauptwaffe ist das Chaos. Sie sind gew�hnlich in autonomen Kollektiven oder in Sympathisantengruppen organisiert. Sie agieren nach dem Prinzip der geistigen Gemeinschaft und vermeiden jegliche Art von Hierarchie.�</p><p>�Vorausgesetzt, sie sind tats�chlich nicht straff organisiert, wonach genau halten Sie eigentlich Ausschau?�</p><p>�Das ist schwer zu beschreiben�, sagte Malloy. �Im Gro�en und Ganzen nach dem Gleichen wie damals, als ich selbst noch vor Ort im Einsatz war. Die Verr�ckten teilen sich in kleine Gruppen auf. Oder sie tun sich zu zweit zusammen oder bleiben alleine. Ich achte lediglich auf bestimmte Verhaltensmuster.�</p><p>�Ich habe �ber die Krawalle in Seattle gelesen. Es klang, als w�re das der reinste Alptraum gewesen.�</p><p>Malloy stie� einen leisen Pfiff aus. �Ich habe als Beweis immer noch die Narben am K�rper. Eine Riesenschweinerei!�</p><p>�Was ist schiefgegangen?�</p><p>�Die Verr�ckten hatten es auf die Welthandelsorganisation abgesehen. Sie nennen das die �Machtelite�. Ich war zu dem Zeitpunkt Distriktbeauftragter f�r die Kontrolle gr��erer Menschenansammlungen und sollte gegebenenfalls die Menschenmengen in Schach halten. Wir wurden mit heruntergelassener Hose erwischt. Am Ende standen wir hunderttausend Demonstranten gegen�ber, die ihre Wut �ber das kundtaten, was sie als unterdr�ckendes Welthandelssystem bezeichneten. Es kam zu Pl�nderungen, Ausgangssperren. Polizisten und Nationalgardisten schossen mit Gummigeschossen oder Tr�nengas sowohl auf die friedlichen wie auch die gewaltbereiten Demonstranten. Am Ende hatte die Stadt sich vor der Welt�ffentlichkeit ein blaues Auge geholt und musste sich mit einer langen Latte von B�rgerklagen herumschlagen. Einige Beobachter meinten, die Polizei h�tte �berreagiert. Andere meinten, sie h�tte zu wenig getan. Man konnte es so oder so sehen.�</p><p>�Wie Sie schon sagten, eine Riesenschweinerei.�</p><p>Malloy nickte. �Aber die Schlacht von Seattle stellte den Wendepunkt dar.�</p><p>�In welcher Hinsicht?�</p><p>�Die Demonstranten lernten, dass es nicht ausreichte, einfach nur durch die Stra�en zu marschieren, wenn man Aufsehen erregen wollte. Die Aufmerksamkeit erhielt man ausschlie�lich durch direkte Aktionen. Man musste Dinge zerst�ren, Menschen beeintr�chtigen, die Repr�sentanten dessen, was man bek�mpfte, selbst zu Zielscheiben machen.�</p><p>�Nach dem, was ich heute in der Stadt gesehen habe, hat die Machtelite seit Seattle ihre Lektion gelernt.�</p><p>�Aber hundertprozentig�, sagte Malloy. �Ich war in Philadelphia anl�sslich der GOP Convention, als die Anarchisten uns abermals ziemlich dumm aussehen lie�en. Sie veranstalteten einen Riesenterror und rannten dann durch die Stra�en, verfolgt von einem Haufen �bergewichtiger Cops. Sie erzeugten ein totales Chaos. Desgleichen bei der WTO-Konferenz in Miami. Erst beim Weltwirtschaftsforum, das 2002 hier in New York stattfand, bekamen wir die Dinge allm�hlich in den Griff, und schon 2004, zum Parteitag der Republikaner, hatten wir eine richtige Strategie entwickelt.�</p><p>�Die St�rungen wurden auf ein Minimum beschr�nkt, aber es wurden Klagen laut, dass fundamentale B�rgerrechte verletzt worden seien.�</p><p>�Das geh�rt zur Proteststrategie. Diese Typen sind wirklich raffiniert. Es handelt sich vorwiegend um eine kleine Gruppe von kompromisslosen Aufr�hrern, die von Stadt zu Stadt ziehen. Sie provozieren die staatlichen Organe in der Hoffnung, dass wir �bertrieben zur�ckschlagen. Hey, Moment mal!�</p><p>Malloy lenkte den Wagen an die Seite und parkte in zweiter Reihe in der N�he einer Gruppe Leute, die Musikinstrumente bei sich hatten. Dann gab er �ber Funk einige knappe Anweisungen.</p><p>�Nomad an MACC. Stra�enmusiker versammeln sich soeben zu einem ungenehmigten Marsch vom Union Square zum Madison Square Garden.�</p><p>Barnes lie� den Blick �ber die B�rgersteige auf beiden Stra�enseiten wandern. �Ich sehe niemanden marschieren.�</p><p>�Im Augenblick gehen sie zu zwei und zwei. Das ist nicht illegal. Sie kommen in einer Minute zusammen�� nein, Moment, da gehen sie schon.�</p><p>Die Musiker vereinigten sich zu gr��eren Gruppen, verlie�en den B�rgersteig und bildeten auf der Fahrbahn eine Prozession. Aber ehe die Parade begann, tauchten von beiden Seiten Polizisten auf Fahrr�dern und Motorrollern auf und nahmen erste Verhaftungen vor.</p><p>Barnes schrieb wie wild auf seinem Notizblock.</p><p>�Ich bin tief beeindruckt�, sagte er. �Das funktionierte wie ein Uhrwerk.�</p><p>�Das sollte es auch. Das kleine Man�ver war das Ergebnis jahrelanger Erfahrung. Wir haben es zwar nur mit einer kurzfristig anberaumten Zwischen-Wirtschaftskonferenz zu tun, aber auch jetzt gibt es Hunderte von G�sten und Demonstranten, daher ist durchaus mit einigem �rger zu rechnen. Die Verr�ckten versuchen stets, uns mindestens einen Schritt voraus zu sein.�</p><p>�Wie unterscheiden Sie die echten Fanatiker von harmlosen Demonstranten?�</p><p>�Das ist ziemlich schwierig. Wir verhaften jeden, der irgendwie Verdruss macht, und kl�ren alles andere sp�ter.� Er nahm ein summendes Mobiltelefon aus der Halterung am Armaturenbrett und reichte es Barnes. �Sehen Sie sich das mal an.�</p><p>Der Reporter las den Text auf dem Display des Mobiltelefons. �Es hei�t hier, dass die Motorrollertruppe die Musiker eingekreist hat. Den Leuten wird geraten, diese Gegend zu meiden. Sie verlangen Kameras. Dazu Sanit�ter und rechtskundige Beobachter. Cops sollen davon abgehalten werden, Demonstranten zu verhaften, die Passanten im Theater-Distrikt bel�stigen. Woher kommt diese Nachricht?�</p><p>�Von den <emphasis>Verr�ckten. </emphasis>Die Cops sind nicht die Einzigen, die aus Seattle gelernt haben. Die Anarchisten verf�gen �ber ihr eigenes Medienzentrum �hnlich dem MACC. Sie geben den Aktivisten Tipps, welche Routen sie nehmen sollen, um den Cops zu entgehen. W�hrend wir die eine Aktion abbrechen, starten sie woanders eine neue.� Er lachte. �Wir geben allj�hrlich viele Millionen f�r Sicherheitsma�nahmen aus, w�hrend sie eine Technologie benutzen, die praktisch kostenlos ist.�</p><p>�Wissen sie denn nicht, dass Sie ihre Nachrichten lesen k�nnen?�</p><p>�Doch, das wissen sie. Aber die Demonstrationen sind spontaner, daher spielen wir st�ndig Katz und Maus miteinander. <emphasis>Intel </emphasis>lautet der wahre Name des Spiels. Sie sind schnell, aber letztendlich z�hlt die Menge. Wir haben siebenunddrei�igtausend Cops, einen Zeppelin, Hubschrauber, Videokameras, und zweihundert unserer Leute haben Helm-Videokameras, die an unser Sicherheitszentrum angeschlossen sind.�</p><p>�K�nnen sie nicht die Polizeiscanner �berwachen?�</p><p>�Wir <emphasis>wissen, </emphasis>dass sie das tun. Schnelle Reaktion ist der Schl�ssel. Sie wissen, was man beim Boxen sagt: Ein guter gro�er Mann kann einen guten kleinen Mann jederzeit schlagen. Unter normalen Umst�nden bleiben wir gew�hnlich Sieger.�</p><p>Barnes gab Malloy das Telefon zur�ck. �Das scheint f�r Sie zu sein.�</p><p>Auf dem Display war mittlerweile ein anderer Text zu lesen.</p><p>GUTEN MORGEN, NOMAD. ODER SOLLEN WIR SIE FRANK NENNEN, MR. MALLOY?</p><p>�H�h?�, sagte Malloy. Er starrte das Telefon in seiner Hand an, als h�tte es sich pl�tzlich in eine Schlange verwandelt.</p><p>�Wie zum Teufel machen sie das?�, fragte er und wandte sich an Barnes. Der Reporter zuckte die Achseln und machte sich weitere Notizen. Malloy versuchte, die Nachricht vom Display zu l�schen, als eine neue Nachricht erschien.</p><p>DAS SPIEL BEGINNT.</p><p>Der Bildschirm leerte sich. Malloy schnappte sich das Sprechfunkger�t und versuchte, das MACC zu erreichen, doch sein Ruf blieb unbeantwortet. Das Mobiltelefon piepte abermals. Malloy lauschte einige Sekunden lang und sagte: �Ich k�mmere mich sofort darum.� Er wandte sich zu Barnes um, das Gesicht totenbleich. �Das war das MACC. Sie melden, dass in der Zentrale die Klimaanlage zusammengebrochen ist. Das gesamte Kommunikationssystem spielt verr�ckt. Niemand wei�, wo sich die verschiedenen Trupps zur Zeit befinden. S�mtliche Verkehrsampeln in der Stadt sind auf Rot geschaltet.�</p><p>Sie n�herten sich dem Times Square. Zu Hunderten str�mten Demonstranten, offensichtlich von der Polizei unbehelligt, aus den Nebenstra�en auf den Platz. Dort herrschte so viel Gedr�nge wie am Silvesterabend.</p><p>Malloys Streifenwagen schob sich langsam durch die Menschenmenge, die um ihn herum wogte. W�hrend sie sich dem alten New York Times Building n�herten, verschwand die Disney-Figur auf dem riesigen Videoschirm, und er wurde schwarz.</p><p>�Hey, sehen Sie mal�, sagte Barnes und deutete auf den Bildschirm.</p><p>Gro�e wei�e Lettern erschienen und liefen �ber das ABC-Nachrichtensymbol.</p><p>SEID GEGR�SST, NEO-ANARCHISTEN, MITREISENDE UND TOURISTEN. WIR HABEN DIE UNTERDR�CKUNGSKOMMANDOS DER MACHTELITE LAHMGELEGT. DIES IST NUR EIN KLEINER VORGESCHMACK AUF DIE ZUKUNFT. HEUTE IST ES NEW YORK. ALS N�CHSTES LEGEN WIR DIE GANZE WELT LAHM. BERUFT EINE GIPFELKONFERENZ ZUR ABSCHAFFUNG DER GLOBALISIERUNG EIN, ODER WIR ZERSCHLAGEN SIE F�R EUCH.</p><p>WIR W�NSCHEN EUCH EINEN SCH�NEN TAG!</p><p>Ein grinsender geh�rnter Smiley erschien zusammen mit einem einzigen Wort:</p><p>LUCIFER.</p><p>�Wer zur H�lle ist <emphasis>Lucifer?</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>fragte Malloy, w�hrend er durch die Windschutzscheibe starrte.</p><p>�Keine Ahnung�, sagte Barnes. Er legte die Hand auf den T�rgriff. �Danke f�rs Mitnehmen. Ich muss eine Story schreiben und in die Redaktion geben.�</p><p>Dann verschwand das Wort, und FRANK MALLOY erschien auf jeder Schrifttafel in jeder Gr��e auf dem Platz. Panasonic. LG. NASDAQ.</p><p>Malloy fluchte und k�mpfte sich aus dem Wagen. Er suchte das Menschengewimmel ab. Barnes war von den Tausenden von Demonstranten verschluckt worden. Er murmelte den Namen �Lucifer�, und es rieselte ihm kalt �ber den R�cken. Ihm fiel ein, wo er das Gesicht des Reporters schon einmal gesehen hatte. Der Spitzbart, die roten Haare und V-f�rmigen Augenbrauen und der Mund und die gr�nen Augen hatten ihn unwillk�rlich an die Satan-Darstellungen denken lassen, die er verschiedentlich schon mal gesehen hatte.</p><p>W�hrend Malloy in der Menge stand und �berlegte, ob er im Begriff war, den Verstand zu verlieren, bemerkte er nicht, dass er gerade von jenen jadegr�nen Augen beobachtet wurde. Barnes hatte sich in den Eingang eines B�rogeb�udes zur�ckgezogen, von wo aus er Malloy st�ndig im Blick hatte. Er hielt ein Mobiltelefon ans Ohr und lachte.</p><p>�Ich wollte nur Bescheid sagen, dass Ihr Plan perfekt funktioniert hat. In der City ist alles zusammengebrochen.�</p><p>�Das ist hervorragend�, erwiderte die Stimme am anderen Ende der Leitung. �H�ren Sie, wir m�ssen uns unterhalten. Es ist wichtig.�</p><p>�Nicht jetzt. Kommen Sie raus zum Leuchtturm, damit ich mich pers�nlich bei Ihnen bedanken kann.�</p><p>Er verstaute das Telefon in der Tasche und blickte hinaus auf den Times Square. Ein junger Mann hatte einen Ziegelstein ins Schaufenster des Disney-Ladens geschleudert. Andere folgten seinem Beispiel, und innerhalb weniger Minuten waren die B�rgersteige mit Glasscherben �bers�t. Ein Auto wurde in Brand gesetzt, und dicke schwarze Qualmwolken stiegen in den Himmel. Der bei�ende Gestank von brennendem Plastik und Polsterstoff breitete sich aus. Eine Musikkapelle marschierte die Stra�e hinunter und spielte gerade das Thema aus <emphasis>Die Br�cke am Kwai. </emphasis>�ber dem L�rm der bl�kenden Autohupen war die Musik kaum zu h�ren.</p><p>Barnes verfolgte die Szene mit einem seligen Grinsen auf seinem Satansgesicht.</p><p>�Chaos�, murmelte er wie ein M�nch bei seinem Gebet.</p><p>�Wundervolles Chaos.�</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Die Decksbeleuchtung war eingeschaltet, als der Wagen der NUMA mit Austin und Zavala auf dem Kai in Norfolk vorfuhr und anhielt. Austin eilte mit beschwingtem Schritt �ber die Gangway. Er war gl�cklich, bald wieder in See stechen zu k�nnen. Besonders erfreut war er dar�ber, dass es mit dem Forschungsschiff <emphasis>Peter Throckmorton </emphasis>geschehen sollte, einem der neuesten Schiffe der NUMA-Flotte. Er war dem geheimnisvollen Dr.�Adler einiges daf�r schuldig, dass er ihn eingeladen hatte, an der Suchexpedition teilzunehmen.</p><p>Das 275 Fu� lange Schiff war nach einem der fr�hen Pioniere der Meeresarch�ologie benannt worden. Throckmorton hatte bewiesen, dass arch�ologische Techniken auch unter Wasser angewendet werden konnten, und damit f�r eine ganze Reihe bedeutender Entdeckungen gesorgt. Das Schiff war im Grunde ein seet�chtiges Arbeitspferd. Es war im Hinblick auf m�glichst vielseitige Verwendbarkeit konstruiert worden, und seine ferngesteuerten Suchvorrichtungen konnten sowohl eine versunkene Stadt wie auch ein Feld hyperthermaler Schlote erforschen.</p><p>Wie die meisten Forschungsschiffe war die <emphasis>Throckmorton </emphasis>eine seet�chtige Plattform, von der Wissenschaftler sowohl Vehikel als auch Sonden starten konnten, um ihre Experimente durchzuf�hren. Auf Achterdeck und Vorschiff ragte ein Wald von Ladeb�umen und Kr�nen auf, die benutzt werden konnten, um die verschiedenen Unterwassersonden und Tauchfahrzeuge einzusetzen, die das Schiff mitf�hrte. Entsprechend leistungsf�hige Winden und Flaschenz�ge waren an Backbord und Steuerbord installiert.</p><p>Einer der Schiffsoffiziere begr��te die NUMA-M�nner am Ende der Gangway.</p><p>�Kapit�n Cabral hei�t Sie an Bord der <emphasis>Throckmorton </emphasis>herzlich willkommen und w�nscht Ihnen eine angenehme Reise.�</p><p>Austin kannte den Kapit�n, Tony Cabral, von anderen NUMA-Expeditionen und freute sich darauf, ihn wiederzusehen.</p><p>�Bitte bedanken Sie sich in unserem Namen beim Kapit�n und bestellen Sie ihm, es sei uns ein Vergn�gen, unter seinem Kommando unterwegs zu sein.�</p><p>Nach diesem kurzen Austausch von Formalit�ten brachte ein Matrose sie zu ihren komfortablen Kabinen. Sie stellten dort ihre Reisetaschen ab und machten sich auf die Suche nach Adler. Auf Empfehlung des Matrosen versuchten sie ihr Gl�ck zuerst im Suchkontrollzentrum des Schiffs.</p><p>Dieses Zentrum war ein gro�z�giger halbdunkler Raum auf dem Hauptdeck. Die W�nde bestanden aus Reihen von Monitoren, die die Augen und Ohren der ferngesteuerten Suchvorrichtungen des Schiffs darstellten. Wenn eine Sonde zu Wasser gelassen wurde, gelangten die Informationen, die die Sonde sammelte, zwecks Analyse direkt in das Zentrum. Da das Schiff noch im Hafen lag, war der Raum verlassen bis auf einen Mann, der an einem Tisch sa� und auf einer Computertastatur herumtippte.</p><p>�Dr.�Adler?�, fragte Kurt.</p><p>Der Mann blickte von seinem Keyboard hoch und l�chelte. �Ja. Und Sie m�ssen die Leute von der NUMA sein.�</p><p>Austin und Zavala stellten sich vor und sch�ttelten nacheinander Adler die Hand.</p><p>Der Wellenforscher war ein leicht zerknitterter, grobknochiger Mann mit der Statur eines Holzf�llers und einem Wust welliger silbergrauer Haare, die aussahen wie Spanisches Moos auf dem Stamm einer ehrw�rdigen Eiche. Seine Oberlippe zierte ein krummer Schnurrbart, der wirkte, als sei er nachtr�glich seinem Gesicht hinzugef�gt worden. Er hatte eine tiefe Stimme und eine knurrige Redeweise, als w�re er soeben erst aus einem Nickerchen aufgewacht. Die wachen, grauen Augen, die sie durch eine randlose Brille hindurch anblinzelten, funkelten jedoch fr�hlich. Er bedankte sich bei ihnen f�r ihr Kommen und schob f�r sie zwei St�hle zurecht.</p><p>�Sie ahnen ja gar nicht, wie froh ich bin, Sie hier zu sehen. Ich war mir nicht sicher, ob Rudi Gunn mir die Bitte erf�llen w�rde, Sie dieser Expedition zuzuteilen, Kurt. Auch noch Joe zu bekommen, betrachte ich als einen unerwarteten Bonus. Wahrscheinlich habe ich meine Bitte ein wenig zu hartn�ckig vorgetragen. Daran ist wohl meine Herkunft als Qu�ker schuld. Ich denke an unsere durchaus freundliche Beharrlichkeit und so weiter. Wir bedr�ngen niemanden, sondern wir bringen uns bei den Leuten nur so lange in Erinnerung, bis sie uns bemerken und nicht mehr ignorieren k�nnen.�</p><p>Der Professor w�rde sich niemals Sorgen machen m�ssen, nicht bemerkt zu werden, dachte Austin. �Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen�, sagte er. �F�r eine Kreuzfahrt bin ich immer zu haben. Ich war nur �berrascht, dass Sie ausgerechnet mich an Bord haben wollten. Wir sind uns schlie�lich noch nie begegnet.�</p><p>�Aber ich habe schon viel von Ihnen geh�rt. Und ich wei�, dass die NUMA gerne mit ihren Leistungen wirbt, ohne sie ausdr�cklich dem Wirken Ihres Spezialteams f�r Sonderauftr�ge zuzuschreiben.�</p><p>Das Team war die Idee Admiral Sandeckers gewesen, der die NUMA geleitet hatte, ehe Dirk Pitt den Posten des Direktors �bernahm. Er wollte eine Gruppe von Experten f�r Unterwasseroperationen, die manchmal ohne offiziellen Regierungsauftrag durchgef�hrt werden mussten. Gleichzeitig benutzte er die spektakul�reren Missionen des Teams, um im Kongress weitere Gelder locker zu machen.</p><p>�Sie haben Recht. Wir ziehen es vor, hinsichtlich unserer Rolle den Ball flach zu halten.�</p><p>Adler quittierte dieses Gest�ndnis mit einem breiten Grinsen. �Es ist verdammt schwierig, die Entdeckung des K�rpers von Columbus in einem versunkenen Mayatempel als nicht so bedeutend herunterzuspielen. Oder den Schutz der Ostk�ste vor einer alles verschlingenden Methanhydratwelle als routinem��ige Allerweltsaktion zu deklarieren.�</p><p>�Das war reines Gl�ck�, wiegelte Austin ab. �Wir machen im Grunde nichts anderes, als kleinere Probleme zu beseitigen.�</p><p>Zavala verdrehte die Augen. �Kurt sagt, dass das einzige Problem eines Problembeseitigers darin besteht, dass Probleme manchmal zur�ckschie�en.�</p><p>�Ich gebe zu, dass das Spezialteam einige heikle Missionen durchgef�hrt hat, aber die NUMA verf�gt �ber Dutzende von Technikern, die bei der Durchf�hrung von Suchaktionen um einiges f�higer sind als ich. Warum haben Sie ausgerechnet mich angefordert?�</p><p>Adlers Miene wurde ernst. �Im Ozean ist etwas h�chst Seltsames im Gange.�</p><p>�Das ist nichts Neues�, erwiderte Austin. �Das Meer ist um einiges fremdartiger als der Weltraum. �ber die Sterne wissen wir viel mehr als �ber den Planeten, auf dem wir stehen.�</p><p>�Darin gebe ich Ihnen uneingeschr�nkt Recht�, sagte Adler. �Es ist nur so, dass mir einige ziemlich verr�ckte Ideen im Kopf herumgehen.�</p><p>�Joe und ich haben schon vor langer Zeit lernen m�ssen, dass die Grenze zwischen verr�ckt und rational ziemlich schmal ist. Wir w�rden uns gerne anh�ren, was Sie zu erz�hlen haben.�</p><p>�Das werde ich auch beizeiten gerne tun, aber ich w�rde damit lieber warten, bis wir die <emphasis>Southern Belle </emphasis>gefunden haben.�</p><p>�Wir haben es nicht eilig. Erz�hlen Sie uns vom Verschwinden der <emphasis>Belle. </emphasis>Soweit ich mich erinnere, war sie im Atlantik unterwegs. Sie sendete SOS mit dem Hinweis, dass sie in Schwierigkeiten sei, und dann verschwand sie spurlos.�</p><p>�Das ist richtig. Innerhalb weniger Stunden wurde eine intensive Suche eingeleitet. Das Meer schien sie verschlungen zu haben. Es ist hart f�r die Familien der Besatzungsmitglieder, nicht zu wissen, was ihren Angeh�rigen zugesto�en ist. Von einem rein praktischen Gesichtspunkt aus betrachtet, sind die Eigner daran interessiert, juristisch auf der sicheren Seite zu sein.�</p><p>�Schon vor Hunderten von Jahren sind Schiffe spurlos verschwunden�, sagte Austin. �Es passiert immer noch, und das sogar bei den direkten und weltweiten Kommunikationsm�glichkeiten, die uns zur Verf�gung stehen.�</p><p>�Aber die <emphasis>Belle </emphasis>war nicht irgendein Schiff. Wenn �berhaupt so etwas m�glich ist, dann traf auf sie wie auf kein anderes Schiff die Einstufung �unsinkbar� zu.�</p><p>Austin grinste. �Irgendwie kommt mir das bekannt vor.�</p><p>Adler hob einen Finger. �Ich wei�. Das Gleiche wurde auch �ber die <emphasis>Titanic </emphasis>gesagt. Aber seit dem Untergang der <emphasis>Titanic </emphasis>wurden im Schiffsbau Riesenfortschritte gemacht. Die <emphasis>Belle </emphasis>war ein v�llig neuer Typ Hochseefrachter. Sie war widerstandsf�hig genug, um auch dem schwersten Wetter zu trotzen. Sie meinten, es sei nicht das erste Mal, dass ein solide gebautes Schiff verschwand. Das ist absolut richtig. Ein Frachtschiff namens <emphasis>M�nchen </emphasis>verschwand 1978 in einem Unwetter, w�hrend es den Atlantik �berquerte. Genauso wie die <emphasis>Belle </emphasis>sendete es SOS und meldete, es bef�nde sich in Schwierigkeiten. Niemand konnte nachvollziehen, was einem derart modernen Schiff hatte zusto�en k�nnen. Siebenundzwanzig Matrosen wurden vermisst.�</p><p>�Tragisch. Wurde von dem Schiff jemals eine Spur gefunden?�, fragte Austin.</p><p>�Gleich nach dem SOS wurden Rettungsversuche gestartet. Mehr als hundert Schiffe durchk�mmten den Ozean. Sie fanden einige Wrackteile und ein leeres Rettungsboot, das einen verwertbaren Hinweis lieferte. Das Boot hatte auf der Steuerbordseite an Bolzen mehr als zwanzig Meter �ber dem Wasser gehangen. Man stellte fest, dass die Stahlbolzen von vorne nach hinten verbogen waren.�</p><p>Zavalas technisch geschulter Verstand erkannte sofort die Bedeutung dieses Schadens. �Die Erkl�rung liegt auf der Hand�, sagte er. �Eine etwa zwanzig Meter hohe Krafteinwirkung hat das Rettungsboot aus seiner Halterung gerissen.�</p><p>�Das Seefahrtsgericht entschied, dass das Schiff gesunken ist, als schlechtes Wetter einen �ungew�hnlichen Vorfall� ausgel�st hat.�</p><p>Austin gestattete sich ein verhaltenes Kichern. �Das klingt, als h�tte das Seefahrtsgericht sich um die zutreffende Schlussfolgerung dr�cken wollen.�</p><p>�Die Seefahrtexperten, die von der Entscheidung des Gerichts erfuhren, waren derselben Meinung wie Sie. Sie waren emp�rt. Sie wussten genau, was den Untergang der <emphasis>M�nchen </emphasis>bewirkt hatte. Seeleute erz�hlten schon seit Jahren von ihren Begegnungen mit f�nfundzwanzig bis drei�ig Meter hohen Wellen, aber die Wissenschaftler schenkten ihren Berichten keinen Glauben.�</p><p>�Ich habe auch schon Geschichten von Monsterwellen geh�rt, habe aber selbst noch nie eine mit eigenen Augen gesehen.�</p><p>�Seien Sie froh, denn wenn Sie einem solchen Ungeheuer begegnet w�ren, w�rden wir jetzt nicht diese Unterhaltung f�hren.�</p><p>�In gewisser Weise mache ich dem Seefahrtsgericht keinen Vorwurf, mit seinem Urteil vorsichtig zu sein�, sagte Austin.</p><p>�Seeleute haben den Ruf, die Wahrheit gerne zu �bertreiben.�</p><p>�Das kann ich nur unterstreichen�, meinte Zavala mit einem wehm�tigen L�cheln. �Seit Jahren h�re ich immer wieder Schilderungen von Meerjungfrauen, ohne jemals eine zu Gesicht bekommen zu haben.�</p><p>�Zweifellos stand das Gericht Schlagzeilen �ber vampirhafte Killerwellen misstrauisch gegen�ber�, sagte Adler.</p><p>�Laut den allgemein bekannten wissenschaftlichen Erkenntnissen jener Zeit war die Existenz von Wellen, wie die Seeleute sie beschrieben, theoretisch unm�glich. Wir Wissenschaftler hatten uns einer Reihe von mathematischen Gleichungen bedient, die man als Lineares Modell bezeichnete. Es besagte, dass eine drei�ig Meter hohe Welle nur einmal in zehntausend Jahren vorkommt.�</p><p>�Offenbar haben wir demnach nach dem Verlust der <emphasis>M�nchen </emphasis>w�hrend der n�chsten hundert Jahrhunderte nichts zu bef�rchten�, stellte Austin mit einem schiefen Grinsen fest.</p><p>�Genau das dachte ich auch vor der Draupner-Geschichte.�</p><p>�Meinen Sie die Draupner-�lbohrinsel vor Norwegen?�</p><p>�Sie haben davon geh�rt?�</p><p>�Ich habe sechs Jahre lang auf �lbohrinseln in der Nordsee gearbeitet�, erwiderte Austin. �Es d�rfte schwierig sein, auf einer Bohrinsel jemanden zu finden, der noch nie von der Welle geh�rt hat, die den Draupner-Turm erwischte.�</p><p>�Die Insel steht knapp zweihundert Kilometer weit drau�en im Meer�, erkl�rte Adler Joe Zavala. �Die Nordsee ist ber�chtigt f�r ihr schlechtes Wetter, aber am Neujahrstag 1985 tobte da drau�en ein entsetzlicher Orkan. Die Insel wurde von zehn bis f�nfzehn Meter hohen Wellen attackiert. Dann wurde sie von einer Welle getroffen, die laut den Sensoren der Insel drei�ig Meter hoch war. Mir bleibt jetzt noch die Luft weg, wenn ich nur daran denke.�</p><p>�Das klingt, als h�tte die Draupner-Welle das Lineare Modell gleich mit �ber Bord gehen lassen�, sagte Zavala.</p><p>�Und wie. Sie hat das Modell ins Meer gesp�lt. Die Welle war mehr als zehn Meter h�her, als das Modell f�r die Zehntausend-Jahre-Welle vorausgesagt h�tte. Ein deutscher Wissenschaftler namens Julian Wolfram installierte auf der Draupner-Plattform eine Radaranlage. Vier Jahre lang ma� Wolfram jede Welle, die die Plattform traf. Er konnte am Ende vierundzwanzig Wellen nennen, die die Grenzen des Linearen Modells gesprengt hatten.�</p><p>�Demnach sind die Geschichten doch nicht so weit hergeholt�, sagte Austin. �Vielleicht trifft Joe am Ende Minnie die Meerjungfrau doch noch.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob ich so weit gehen w�rde, aber Wolframs Forschungen bewiesen, dass die Legenden einen gewissen Wahrheitsgehalt hatten. Als er das Diagramm zeichnete, stellte er fest, dass diese neuen Wellen sowohl steiler wie auch gr��er als gew�hnliche Wellen waren. Wolframs Arbeiten trafen die Schiffsindustrie wie eine, nun, wie eine Monsterwelle. Seit Jahren richteten die Schiffskonstrukteure sich nach dem Linearen Modell und bauten Schiffe, die solide genug waren, um eine Welle von h�chstens f�nfzehn Metern H�he zu �berstehen. Die Wettervorhersagen basierten auf der gleichen fehlerhaften Voraussetzung.�</p><p>�Aus dem, was Sie sagen, muss man schlie�en�, sagte Zavala, �dass jedes Schiff auf See in Gefahr war, von einer Killerwelle versenkt zu werden.�</p><p>Adler nickte. �Milliarden w�ren notwendig gewesen f�r Verst�rkungen und Umbauten. Die Aussicht auf eine wirtschaftliche Katastrophe spornte zu weiteren Forschungen an. Die Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf die K�ste vor S�dafrika, wo viele Seeleute Riesenwellen begegnet waren. Als Wissenschaftler Schiffsunf�lle in der afrikanischen Kapregion aufzeichneten, stellten sie fest, dass die Positionen auf einer Linie lagen, die entlang des Agulhasstroms verlief. Die gro�en Wellen schienen vorwiegend dort zu entstehen, wo warme Meeresstr�mungen auf kalte trafen. In einem Zeitraum von zehn Jahren w�hrend der neunziger Jahre gingen in dieser Gegend zwanzig Schiffe verloren.�</p><p>�Die Schiffsindustrie muss erleichtert aufgeatmet haben�, sagte Austin. �Ein Schiff brauchte nichts anderes zu tun, als diese Gegend weitr�umig zu meiden.�</p><p>�Sie stellten fest, dass dies nicht so einfach war. 1995 traf die <emphasis>Queen Elizabeth II </emphasis>im Nordatlantik mit einer drei�ig Meter hohen Welle zusammen. 2001 wurden zwei Vergn�gungsschiffe, die <emphasis>Bremen </emphasis>und die <emphasis>Caledonian Star, </emphasis>von Drei�ig-Meter-Wellen erwischt, und zwar weit entfernt vom Ursprung ihres Entstehens. Beide Schiffe �berlebten, um der Nachwelt ihre Geschichte zu erz�hlen.�</p><p>�Das w�rde bedeuten, dass der Agulhasstrom nicht der einzige Ort ist, wo diese Wellen vorkommen�, sagte Austin.</p><p>�Richtig. In der N�he dieser Schiffe gab es keine gegenl�ufigen Str�mungen. Wir haben diese Informationen mit den Statistiken in Verbindung gebracht und gelangten zu einigen beunruhigenden Schlussfolgerungen. Mehr als zweihundert Supertanker und Containerschiffe, die l�nger waren als zweihundert Meter, waren in einem Zeitraum von zwanzig Jahren �ber die ganze Welt verteilt gesunken. An diesen Verlusten schienen Riesenwellen wesentlich beteiligt gewesen zu sein.�</p><p>�Das sind aber ziemlich schlimme Zahlen.�</p><p>�Sie sind schrecklich! Wegen der ernsten Bedeutung f�r die Schifffahrt haben wir Untersuchungen zur Verbesserung des Schiffsbaus eingeleitet, und wir haben nach M�glichkeiten einer Vorhersage gesucht.�</p><p>�Ich �berlege gerade, ob das Forschungsprojekt, an dem die Trouts arbeiten, irgendetwas mit diesen Stereoidwellen zu tun hat�, sagte Zavala.</p><p>�Paul Trout und seine Frau, Gamay Trout, sind unsere NUMA-Kollegen�, erkl�rte Austin dem Professor. �Sie halten sich zur Zeit auf dem NOAA-Schiff <emphasis>Benjamin Franklin </emphasis>auf und untersuchen ozeanische Wirbel in dieser Region.�</p><p>Adler massierte nachdenklich sein Kinn. �Das ist ein interessanter Gedanke. Ganz gewiss lohnt es sich, ihm einmal auf den Grund zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt w�rde ich keine M�glichkeit v�llig ausschlie�en.�</p><p>�Sie haben davon geredet, das Entstehen dieser Riesenwellen vorherzusagen�, erinnerte Austin ihn.</p><p>�Kurz nach den Zwischenf�llen mit der <emphasis>Bremen </emphasis>und der <emphasis>Caledonian Star </emphasis>haben die Europ�er einen Satelliten ins All geschossen, der seitdem die Weltmeere �berwacht. Nach drei Wochen haben die Satelliten zehn Wellen wie die entdeckt, die die beiden Schiffe beinahe versenkt h�tte.�</p><p>�Hat irgendjemand dahinterkommen k�nnen, was diese Killerwellen ausgel�st haben k�nnte?�</p><p>�Einige Kollegen haben dazu die Schroedinger-Gleichung, ein Prinzip der Quantenmechanik, herangezogen. Es ist ein wenig kompliziert, aber sie erkl�rt die Art und Weise, wie Dinge ohne irgendeinen plausiblen Grund erscheinen und wieder verschwinden k�nnen. �Vampirwelle� ist ein passender Name f�r das Ph�nomen. Sie saugen die Energie anderer Wellen auf, und, <emphasis>voil�, </emphasis>schon haben wir unser Riesenmonstrum. Trotzdem wissen wir noch immer nicht, was diese Dinger eigentlich ausl�st.�</p><p>�Nach dem, was Sie sagen, k�nnte jedes Schiff, dessen Rumpf so konstruiert wurde, dass er Wellen, die sich aus dem Linearen Modell errechnen lassen, standh�lt, das gleiche Schicksal erleiden wie die <emphasis>Southern Belle.</emphasis>�</p><p>�Oh, es wird noch besser als das, Kurt. <emphasis>Viel </emphasis>besser.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Die Konstrukteure der <emphasis>Southern Belle </emphasis>haben diese neuen Daten �ber Riesenwellen in ihre Entw�rfe einbezogen. Die <emphasis>Belle </emphasis>verf�gte �ber ein �berdachtes Vorderdeck, einen doppelten Rumpf und �ber verst�rkte Querschotts, um ein Volllaufen zu verhindern.�</p><p>Austin starrte den Wissenschaftler sekundenlang an. Er w�hlte seine Worte sehr sorgf�ltig, als er sagte: �Das w�rde bedeuten, dass das Schiff m�glicherweise von einer Welle erfasst wurde, die noch gr��er war als drei�ig Meter.�</p><p>Adler deutete auf seinen Computerbildschirm. Dort war eine Serie von Linien und Ma�angaben zu sehen.</p><p>�Es gab in Wirklichkeit <emphasis>zwei </emphasis>Riesenwellen, eine knapp f�nfunddrei�ig und eine knapp vierzig Meter hoch, um genau zu sein. Wir haben von beiden Satellitenfotos.�</p><p>Adler hatte damit gerechnet, mit seiner dramatischen Erkl�rung ungl�ubiges Staunen hervorzurufen, aber beide M�nner reagierten mit einem Ausdruck rein wissenschaftlichen Interesses. Adler wusste, dass er mit seiner Bitte um einen Gefallen von Rudi Gunn genau das Richtige getan hatte, als Austin sich an seinen Freund wandte und l�ssig meinte: �Es sieht so aus, als h�tten wir auch unsere Surfbretter mitnehmen sollen.�</p></section><section><title><p>5</p></title><subtitle>Big Mountain, Montana</subtitle><empty-line/><p>Der alte Mann stie� sich vom Sessellift ab und glitt mit kr�ftigen Schlittschuhschritten zum Start der Black-Diamond-Abfahrt. Er verharrte auf der Kuppe des Berges, und seine kobaltblauen Augen nahmen das Panorama aus Himmel und Gebirgslandschaft auf. Aus zweieinhalbtausend Metern H�he hatte er einen ungehinderten Adlerblick auf das Flathead Valley und den Whitefish Lake. Im Osten funkelten die schneebedeckten Gipfel des Glacier Nationalparks. Im Norden ragten die schartigen Z�hne der kanadischen Rocky Mountains in den Himmel.</p><p>Die kahle Bergkuppe war v�llig nebelfrei. Nicht der Hauch einer Wolke verunstaltete den leuchtend blauen Himmel. W�hrend der warme Sonnenschein sein Gesicht r�stete, dachte er dar�ber nach, was er den Bergen zu verdanken hatte. Dass er in ihrer Schuld stand, daran konnte f�r ihn kein Zweifel bestehen. Ohne die Klarheit, die von den d�steren Gipfeln ausging, w�re er wahrscheinlich verr�ckt geworden.</p><p>Als der Zweite Weltkrieg beendet war, begann Europa sich wieder zu sammeln und sich zu erholen, doch sein Geist war ein Dschungel d�sterer Schatten und bedrohlich murmelnder Stimmen. Es war nicht von Bedeutung, dass er seine t�dlichen Talente der R�sistance und ihrem Anliegen zur Verf�gung gestellt hatte. Er war noch immer der reinste Mordroboter. Schlimmer noch, er hatte einen fatalen Mangel�� Menschlichkeit. Wie jede perfekt justierte Maschine mit fehlerhaftem Mechanismus w�re er irgendwann regelrecht auseinandergebrochen.</p><p>Er hatte den vom Krieg verw�steten Kontinent mit Ziel New York verlassen und war weiter nach Westen gegangen, bis er Tausende von Kilometer von dem schwelenden europ�ischen Schlachthaus entfernt war. Er hatte sich ein schlichtes Blockhaus gebaut und dabei jeden Balken eigenh�ndig zurechtgeschnitten und mit einfachem Werkzeug gegl�ttet. Die strapazi�se Arbeit und die reine Luft reinigten die dunklen Winkel seiner Erinnerung. Die gewaltstrotzenden Albtr�ume wurden seltener. Bald konnte er schlafen, ohne sich eine Pistole unters Kopfkissen zu legen und ein Messer an den Oberschenkel zu schnallen. Im Laufe der Jahre hatte er sich von einer erbarmungslosen, perfekt funktionierenden Mordmaschine zu einem alternden Skifreak entwickelt. Das kurz geschnittene blonde Haar seiner Jugend schimmerte jetzt silbergrau und hing ihm �ber die Ohren. Sein buschiger Schnurrbart passte perfekt zu seinen zerzausten Augenbrauen. Sein einstmals blasses Gesicht erinnerte jetzt an vom Wetter gegerbtes B�ffelleder.</p><p>W�hrend er die vom reflektierten Sonnenlicht funkelnde Schneelandschaft betrachtete, stahl sich ein L�cheln in sein l�ngliches Gesicht. Er war kein religi�ser Mensch. Er konnte keinerlei Begeisterung f�r einen Sch�pfer aufbringen, der etwas so Absurdes geschaffen hatte wie den Menschen. Wenn er sich eine Religion aussuchen k�nnte, dann w�re es der Druidismus, denn es ergab ebenso wenig einen Sinn, einen Baum anzubeten wie irgendeinen Gott. Gleichzeitig betrachtete er jeden Ausflug auf die Spitze des Berges als eine spirituelle Handlung.</p><p>Dies w�re die letzte Abfahrt der Saison. Der Schnee war bis weit in den Fr�hling liegen geblieben, wie es in h�heren Lagen �blich ist, doch der leichte, flockige Pulverschnee des Winters war von einem nassen, k�rnigen Brei abgel�st worden. Flecken brauner Erde traten unter der d�nnen Decke stellenweise zutage, und der Geruch von feuchter Erde hing in der Luft.</p><p>Er schob seine Skibrille zurecht, stie� sich mit den St�cken ab und jagte in Schussfahrt die North-Bowl-Seite hinab, um Tempo zu gewinnen, ehe er den ersten Schwung ansetzte. Er begann seinen Tag stets mit derselben �bung, einer schnellen Abfahrt, die sich zwischen stummen Schneegespenstern hindurchschl�ngelte�� seltsamen unwirklichen Kreaturen, die entstanden, wenn K�lte und Nebel die B�ume mit Raureif �berzogen. Er vollf�hrte flie�ende, m�helose Schw�nge, wie er es schon als Kind in Kitzb�hel in �sterreich gelernt hatte.</p><p>Am Fu� des Steilhangs raste er den Schmidt�s Chute hinunter und weiter in eine Schneise. Bis auf einige wenige fanatische Skil�ufer und Snowboarder hatten die meisten Leute ihre Bretter eingemottet, um ihre Boote und ihr Angelzeug zu inspizieren und instand zu setzen. Es schien, als sei er der Herr des Berges.</p><p>Aber w�hrend Schroeder die B�ume hinter sich lie� und in freies Gel�nde kam, tauchten zwei Skil�ufer aus einem Tannenw�ldchen auf.</p><p>Sie folgten ihm in einem Abstand von gut hundert Metern, wobei sie sich rechts und links von seiner Spur hielten. Schroeder behielt eine gleichm��ige Geschwindigkeit bei und vollf�hrte kurz Schw�nge, so dass seine Verfolger neben ihm genug Platz hatten. Aber anstatt ihn zu �berholen, folgten sie jedem seiner Schw�nge, bis sie sich auf gleicher H�he befanden. Ein seit langem schlummerndes mentales Radar schaltete sich ein. Zu sp�t. Die Skil�ufer steuerten auf ihn zu wie die Backen einer sich schlie�enden Zange.</p><p>Der alte Mann zog r�ber an den Rand der Piste. Seine Begleiter bremsten wie Eishockeyspieler, einer oberhalb, der andere unterhalb von ihm, wobei sie Schneefont�nen hochschleuderten. Ihre athletischen K�rper zeichneten sich deutlich unter den eng sitzenden identischen silberfarbenen Overalls ab. Ihre Gesichter verbargen sich hinter verspiegelten Schneebrillen. Nur Mund und Kinn waren bei beiden zu sehen.</p><p>Die M�nner starrten ihn wortlos an. Sie verfolgten offenbar eine Taktik stummer Einsch�chterung.</p><p>Er entbl��te seine Z�hne in einem reptilienhaften Grinsen. �Guten Morgen�, sagte er freundlich in seinem Western-Akzent, den er im Laufe der Jahre kultiviert hatte. �Ein Tag wie ein Fest, nicht wahr?�</p><p>Der �ber ihm stehende Skil�ufer ging auf die Bemerkung nicht ein, sondern meinte in einem s�dlichen schleppenden Tonfall: �Sie sind Karl Schroeder, wenn ich mich nicht irre.�</p><p>Der Name, den er Jahrzehnte zuvor abgelegt hatte, war f�r seine Ohren ein Schock, doch er behielt sein L�cheln bei.</p><p>�Ich f�rchte, da irren Sie sich, mein Freund. Mein Name ist Svensen. <emphasis>Arne </emphasis>Svensen.�</p><p>Geradezu gem�tlich rammte der Skifahrer seine St�cke in den Schnee, streifte einen Handschuh ab, griff in seinen Skioverall und holte eine Walther PPK Pistole hervor. �Vergessen wir alle dummen Spielchen, Arne. Wir haben deine Identit�t mithilfe von Fingerabdr�cken eindeutig festgestellt.�</p><p><emphasis>Unm�glich.</emphasis></p><p>�Ich f�rchte, Sie verwechseln mich mit jemand anderem.�</p><p>Der Mann lachte verhalten. �Denk nach. Wir standen hinter dir an der Bar.�</p><p>Der alte Mann suchte in seinem Ged�chtnis und entsann sich dann eines Zwischenfalls im Hell Roaring Saloon, dem Apr�s-Ski-Mekka am Fu� des Berges. Er hatte dort mehrere Bier gekippt, wie nur ein �sterreicher es schaffte. Nach einem Gang auf die Toilette war er zu seinem Hocker zur�ckgekehrt und hatte festgestellt, dass sein nur zur H�lfte geleerter Bierkrug verschwunden war. An der Bar herrschte dichter Betrieb, und er gelangte zu der Vermutung, dass ein anderer Gast sich irrt�mlich seinen Drink einverleibt hatte.</p><p>�Der Bierkrug�, sagte er. �Das waren Sie.�</p><p>Der Mann nickte. �Wir hatten dich seinerzeit eine Stunde lang beobachtet, aber das Warten hatte sich gelohnt. Du hast uns einen vollst�ndigen Satz Fingerabdr�cke hinterlassen. Seitdem sitzen wir dir im Nacken.�</p><p>Vom oberen Teil der Abfahrt klang das Zischen �ber Schnee gleitender Skier herab.</p><p>�Mach keine Dummheiten�, sagte der Mann und schaute bergauf. Er bedeckte die Pistole mit dem Handschuh seiner anderen Hand.</p><p>Eine Sekunde sp�ter flog ein einsamer Skil�ufer vorbei und verschwand die Piste hinunter, ohne anzuhalten.</p><p>Schroeder hatte gewusst, dass seine Verwandlung vom kaltbl�tigen Krieger in ein menschliches Wesen ihn verwundbar machen w�rde. Aber er war nach und nach zu der �berzeugung gelangt, dass seine neue Identit�t ihn erfolgreich von seinem alten Leben isolierte. Die auf sein Herz gerichtete Pistole war der �berzeugende Beweis f�r das Gegenteil.</p><p>�Was wollen Sie?�, fragte Schroeder. Sein Tonfall war der eines weltverdrossenen Fl�chtlings, der gestellt worden war.</p><p>�Ich will, dass du den Mund h�ltst und nur noch das tust, was ich verlange. Man hat mir gesagt, du seist ein ehemaliger Soldat, daher d�rftest du wissen, wie man Befehlen gehorcht.�</p><p>�Sch�ner Soldat�, sagte der andere Mann mit unverhohlenem Spott. �Alles, was ich von hier aus sehe, ist ein alter Sack, der seine besten Tage hinter sich hat und sich in die Hose macht.�</p><p>Sie lachten beide.</p><p><emphasis>Gut.</emphasis></p><p>Sie wussten, dass er beim Milit�r gewesen war, aber er vermutete, dass sie keine Ahnung hatten, dass er eine der ber�chtigtsten Killerschulen der Welt absolviert hatte. Er hatte, was seine Kampftechniken und seine Schie�k�nste betraf, sein Training stets beibehalten, und obgleich er bereits auf die achtzig zuging, hatten st�ndige ausgiebige Fitness�bungen und anstrengende Outdooraktivit�ten einen K�rper erhalten, um den viele, die nur halb so alt waren wie er, ihn beneidet h�tten.</p><p>Er blieb ruhig und vertraute auf seine �berlegenheit. Sie befanden sich auf seinem Terrain, wo er jeden Baum und jede Bodenwelle kannte.</p><p>�Meine Zeit als Soldat ist eine halbe Ewigkeit her. Jetzt bin ich nur noch ein alter Mann.� Er senkte den Kopf und hob die Schultern, um eine Haltung der Unterw�rfigkeit einzunehmen. Gleichzeitig zauberte er ein furchtsames Zittern in seine tiefe Stimme.</p><p>�Wir wissen viel mehr von dir, als du ahnst�, sagte der Mann mit der Pistole. �Wir wissen, was du isst, wo du schl�fst. Wir wissen, wo du und dein K�ter wohnen.�</p><p><emphasis>Sie waren in seinem Haus gewesen.</emphasis></p><p>�Wo dein K�ter gewohnt <emphasis>hat</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>korrigierte der andere Mann.</p><p>Schroeder starrte den Mann an. �Sie haben meinen <emphasis>Hund </emphasis>get�tet? Warum?�</p><p>�Deine T�le wollte nicht aufh�ren zu kl�ffen. Da haben wir ihr eine Pille verpasst, damit sie still ist.�</p><p>Der freundliche kleine Dackel, den er Schatsky getauft hatte, war vermutlich nur gl�cklich gewesen, die Eindringlinge zu sehen und nicht mehr alleine zu sein. Daher sein Bellen.</p><p>K�lte schien in seinen K�rper zu str�men. Im Geiste h�rte er seinen Lehrer, Professor Heinz. Der engelhafte Psychopath mit den freundlichen blauen Augen war f�r seine ma�gebliche Beteiligung am Aufbau der Todesmaschinerie der Nazis mit einer lukrativen Dozentur an der Wevelsburg, dem geistigen Zentrum des Nationalsozialismus, belohnt worden.</p><p><emphasis>In kundigen H�nden kann fast jeder gew�hnliche Gegenstand zu einer t�dlichen Waffe werden, </emphasis>sagte der Professor mit seiner sanften Stimme. <emphasis>Mit dem harten Ende einer straff zusam�mengerollten Zeitung kann man die Nase eines Menschen brechen und die Knochensplitter in sein Gehirn treiben. Ein F�llfederhalter kann in ein Auge gestochen werden und den Tod herbeif�hren. Das Metallarmband dieser Uhr, um die Fingerkn�chel gewickelt, kann die Knochenstruktur eines Gesichts zerst�ren. Dieser G�rtel ist eine wundersch�ne Garotte, wenn man keine Zeit mehr hat, die Schn�rsenkel seiner Schuhe herauszuziehen��</emphasis></p><p>Schroeder umfasste die Griffe seiner Skist�cke fester.</p><p>�Ich werde tun, was Sie verlangen�, sagte er. �Vielleicht k�nnen wir uns irgendwie einigen.�</p><p>�Bestimmt�, erwiderte der Mann mit dem Anflug eines L�chelns. �Zuerst f�hrst du sch�n langsam auf deinen Skiern hinunter ins Tal. Folge meinem Kollegen, dem Hundefreund. Er hat ebenfalls eine Schusswaffe. Ich bin direkt hinter dir. Am Ende der Abfahrt schnallst du die Ski ab, stellst sie in den Skist�nder und gehst zum linken Parkplatz.�</p><p>�Darf ich erfahren, wo Sie mich hinbringen?�</p><p>�Wir bringen dich nirgendwohin. Wir liefern dich ab.�</p><p>�Betrachte uns einfach nur als Paketservice wie FedEx oder UPS�, sagte der andere Mann.</p><p>Sein Gef�hrte meinte: �Es ist nichts Pers�nliches. Alles rein gesch�ftlich. Los jetzt. Und immer sch�n langsam.� Er wedelte mit der Pistole, dann verstaute er sie wieder in seinem Overall, damit er ungehindert Ski laufen konnte.</p><p>Mit dem unteren Mann als Vorhut und Schroeder in der Mitte bewegten sie sich mit m��igem Tempo die Piste hinunter. Schroeder sch�tzte den vorderen Mann als aggressiven Skil�ufer ein, dessen K�rperkraft teilweise seinen Mangel an Technik wettmachte. Er warf einen Blick nach hinten auf den anderen Mann und schloss aus seinem wenig ausgefeilten Stil, dass er der schlechtere Skifahrer war. Und dennoch, sie waren jung und stark, und sie waren bewaffnet.</p><p>Ein Snowboarder flog vor�ber und verschwand die Piste hinunter.</p><p>Darauf vertrauend, dass seine Begleiter reflexartig zu dem beweglichen Objekt hin�berschauen w�rden, wurde Schroeder aktiv. Er fuhr einen weiten Bogen, aber anstatt den Hang zu queren, drehte er sich um hundertachtzig Grad, so dass er bergauf blickte.</p><p>Sein Begleiter bemerkte nichts von dem Man�ver, bis es zu sp�t war. Er versuchte anzuhalten. Schroeder stemmte seinen Talski in den Schnee. Er packte seinen rechten Skistock mit beiden H�nden, lie� den anderen Stock mit der Schlaufe an seinem linken Handgelenk baumeln und rammte die Stahlspitze oberhalb des Rollkragens in den weichen Teil des Halses seines Gegners.</p><p>Der Mann war immer noch in Bewegung, als die Spitze ein Loch dicht unterhalb des Adamsapfels in den Hals stanzte. Der Mann gab ein feuchtes Gurgeln von sich, seine Beine rutschten unter ihm weg, und er krachte r�cklings in den Schnee, wo er sich in entsetzlichen Qualen wand.</p><p>Schroeder wich dem um sich schlagenden K�rper zur Seite aus wie ein Torero einem anst�rmenden Stier.</p><p>Der f�hrende Mann blickte �ber die Schulter. Schroeder riss seine improvisierte Lanze zur�ck. Er stemmte seine Skist�cke ein und st�rzte sich die Piste hinunter. Er rammte seinen rechten Ellbogen gegen die Wange des Mannes und brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Mit gebeugten Knien und gesenktem Kopf jagte er in Schussfahrt �ber die Piste, bis er sich dem Ende der Abfahrt n�herte, wo die Piste eine scharfe Kurve nach rechts machte.</p><p>Der zweite Skil�ufer hatte offenbar eine Maschinenpistole unter seiner Jacke versteckt, denn eine entsprechend klingende Salve zerriss die morgendliche Stille.</p><p>Die Kugeln schlugen, ohne ernsten Schaden anzurichten, in die Baum�ste �ber seinem Kopf ein.</p><p>Schon eine Sekunde sp�ter befand Schroeder sich au�erhalb der Schusslinie.</p><p>Er hielt auf eine schmale, mit zwei schwarzen Symbolen gekennzeichnete Steilabfahrt zu, die sich korkenzieherhaft am steilen Berghang in die Tiefe schl�ngelte. Die Skiwacht hatte gelbes Absperrband angebracht sowie ein Schild, aus dem hervorging, dass diese Piste gesperrt war.</p><p>Schroeder duckte sich und schl�pfte unter dem Absperrband hindurch. Die Piste senkte sich fast senkrecht ab. Der Schnee hatte eine br�unliche Farbe, ein Beweis, dass die Schneedecke nur sehr d�nn war. Die Schneeschicht wurde immer wieder durch gro�e Flecken nackter Erde unterbrochen. Felsen, die normalerweise vom Schnee bedeckt waren, bildeten unerwartete Hindernisse.</p><p>Schroeder h�rte Maschinenpistolenfeuer hinter sich, und nur wenige Schritte entfernt wurden kleine Schlammfont�nen hochgeschleudert. Der Sch�tze befand sich am oberen Ende der Steilabfahrt und schoss nach unten.</p><p>Schroeder fuhr Slalom zwischen nacktem Untergrund und Felsbl�cken. Seine Ski gerieten auf Schneematsch und wurden fast vollst�ndig abgebremst, aber zum Gl�ck war noch immer gen�gend Schnee vorhanden, so dass sie weitergleiten konnten.</p><p>Schroeder suchte sich seinen Weg durch ein Feld kleiner Gesteinsbrocken und gelangte auf einen steilen Abschnitt, wo die Schneedecke ausreichte. Zu seiner Rechten h�rte er Sch�sse. Sein Verfolger benutzte eine Piste, die parallel zu der Schroeders verlief, und feuerte dabei durch den Waldstreifen, der sie voneinander trennte. Die meisten Kugeln schlugen in die B�ume ein. Der Sch�tze erkannte, dass er sein Ziel verfehlte, und drang in das W�ldchen ein, das sich zwischen den Pisten erstreckte.</p><p>Die Gestalt des Mannes erinnerte an ein K�nguruh nach einer Steroidkur, doch er k�mpfte sich in Spr�ngen und Schw�ngen durch den Waldstreifen. Schroeder realisierte, dass der Mann ein St�ck unter ihm aus dem Wald kommen w�rde. Von dort aus k�nnte er die Piste mit t�dlichen Salven beharken.</p><p>Einmal st�rzte der Mann, stand dann aber gleich wieder auf seinen Skiern. Diese kurze Verz�gerung w�rde Schroeder die n�tige Zeit verschaffen, um den Sch�tzen zu �berholen, ehe er ins Freie gelangte. Trotzdem w�re er immer noch ein leichtes Ziel. Stattdessen schoss Schroeder deshalb direkt auf ihn zu, als er neben der Piste aus dem Wald herausglitt.</p><p>Der Mann sah Schroeder auf sich zurasen und versuchte mit hektischen Bewegungen, die Maschinenpistole aus seiner Jacke zu zerren.</p><p>Schroeder holte aus und zielte mit seinem Skistock auf das Gesicht des Mannes wie ein Kosake bei einer Attacke. Der Schlag traf das Gesicht im oberen Teil und zersplitterte die Skibrille. Der Mann verlor das Gleichgewicht, stand erst auf dem einen, dann auf dem anderen Ski. Die Maschinenpistole rutschte ihm aus der Hand. Wie betrunken schwankend und mit wild rudernden Armen flog er �ber den Rand der Piste und st�rzte ungef�hr zehn Meter tief in den Wald.</p><p>Er landete kopf�ber in der Schneewehe um den Stamm einer hohen Tanne. Seine Skier hatten sich in den unteren �sten des Baums verfangen. Er bem�hte sich, die Bindungen zu l�sen, aber sie befanden sich au�er Reichweite seiner H�nde. Hilflos blieb er h�ngen. Sein Atem ging pfeifend.</p><p>Schroeder stieg seitlich den Abhang zu ihm hinunter. Er hob die Uzi aus dem Schnee auf, wo der Mann sie fallen gelassen hatte, und hielt sie l�ssig in der Hand.</p><p>�F�r wen arbeitest du?�, fragte Schroeder.</p><p>Der Mann schaffte es, seine zersplitterte Schneebrille nach oben zu schieben. �Acme Security�, sagte er. Das Sprechen bereitete ihm h�rbar M�he.</p><p>�Acme?� Schroeder grinste.</p><p>�Das ist eine gro�e Firma unten in Virginia.�</p><p>�Du hast gewusst, wer ich bin, also m�sstest du auch wissen, was sie von mir wollen.�</p><p>Der Mann sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Was hattet ihr mit mir vor?�</p><p>�Wir sollten Sie zu den Leuten unten am Berg bringen. Dort m�sste ein Wagen stehen.�</p><p>�Ihr habt mich schon seit Tagen beobachtet. Du wei�t mehr, als du sagst. Dann verrate mir mal, was die Leute wirklich erz�hlt haben�, sagte Schroeder beinahe freundlich. �Ich verspreche dir, dass ich dich nicht t�ten werde. Sieh mal.� Er schleuderte die Uzi in den Wald.</p><p>Ein misstrauischer Ausdruck trat in die Augen des Mannes, aber er beschloss, es darauf ankommen zu lassen. �Es ging um das Bild eines M�dchens, das wir in Ihrem Haus gefunden haben. Sie glauben, dass Sie wissen, wo es sich aufh�lt.�</p><p>�Was wollen sie von ihr?�</p><p>�Das wei� ich nicht.�</p><p>Schroeder nickte. �Eins noch. Wer hat Schatsky get�tet?�</p><p>�Wen?� Der Mann sah Schroeder an, als sei er verr�ckt.</p><p>�Meinen kleinen Dackel. Den bellenden Hund.�</p><p>�Den hat mein Partner erledigt.�</p><p>�Aber du hast ihn nicht daran gehindert.�</p><p>�Ich <emphasis>mag </emphasis>Hunde.�</p><p>�Das glaube ich dir sogar.� Schroeder machte sich in kurzen Schw�ngen an den Abstieg.</p><p>�Sie k�nnen mich nicht hier zur�cklassen�, rief der Mann mit Panik in der Stimme.</p><p>Schroeder blieb stehen. �Ich habe nur gesagt, dass ich dich nicht t�ten w�rde. Ich habe nicht davon gesprochen, dir zu helfen. Keine Sorge, sie werden dich finden, wenn der Schnee geschmolzen ist.�</p><p>Die Temperatur w�rde in der Nacht bis unter null sinken. Die lebenswichtigen Organe des menschlichen K�rpers waren nicht darauf eingestellt, auf dem Kopf stehend zu funktionieren, und der Mann w�rde wahrscheinlich ersticken.</p><p>Schroeder fuhr zum Fu� des Berges hinab und suchte sich eine Stelle, von wo aus er einen ungehinderten Blick auf den Parkplatz hatte. Er entdeckte einen schwarzen Yukon Gel�ndewagen mit get�nten Scheiben. Drei M�nner standen daneben und blickten zum Berg hinauf. Er h�tte gerne gewusst, wer sie waren, entschied jedoch, dass es nicht so wichtig war. Zumindest in diesem Moment.</p><p>Er schnallte seine Ski ab, deponierte sie im Skist�nder und ging in den Umkleideraum. Er holte eine G�rteltasche aus dem Spind, stellte seine Skischuhe hinein, schl�pfte in ein Paar Laufschuhe und ging zu dem Parkplatz, wo er seinen Pick-up abgestellt hatte.</p><p>Schroeder sah sich um, bemerkte nichts Verd�chtiges und ging schnell zu seinem Wagen und stieg ein. W�hrend er den Parkplatz verlie�, holte er seine Pistole unterm Sitz hervor und legte sie in seinen Scho�.</p><p>Dann �berlegte er seinen n�chsten Schritt. Es w�re gef�hrlich, zu seinem Haus zur�ckzukehren. Er verlie� die Stadt und fuhr in Richtung Glacier Nationalpark. Zwanzig Minuten sp�ter stoppte er vor einem kleinen bauf�lligen Haus. Das Schild vor dem Haus verk�ndete:</p><empty-line/><subtitle>GLACIER PARK</subtitle><subtitle>WILDERNESS TOURING COMPANY AND CAMPS</subtitle><empty-line/><p>Es war eine von mehreren Firmen, in die Schroeder �ber Stroh�firmen investiert hatte. Hinter dem Geb�ude befanden sich mehrere Blockh�user, die er w�hrend des Sommers vermietete.</p><p>Er parkte hinter dem Geb�ude, begab sich in eine H�tte, die er f�r seine pers�nliche Benutzung reserviert hatte, und nahm einen mottenzerfressenen Elchkopf von der Wand �ber dem Kamin. Dahinter kam ein Wandsafe zum Vorschein. Er �ffnete den Safe mit ein paar Drehungen des Kombinationsschlosses. Darin befand sich eine Kassette voller Bargeld, das er zusammen mit falschen F�hrerscheinen, Reisep�ssen und Kreditkarten in den Taschen seines Parka verstaute.</p><p>Danach suchte Schroeder das Badezimmer auf und rasierte sich seinen Schnurrbart ab. Er f�rbte seine Haare braun, so dass sie dem Foto auf seinem Ausweis entsprachen, und holte aus einem Wandschrank einen bereits reisefertig gepackten Koffer. Der Identit�tswechsel nahm weniger als eine halbe Stunde in Anspruch. Eile war geboten. Jemand, der einen Weg durch das Labyrinth falscher Identit�ten fand, das er angelegt hatte, musste �ber ungew�hnlich gute Beziehungen verf�gen. Es w�re daher nur eine Frage der Zeit, bis seine Verfolger auch auf dieses Jagd- und Angelcamp sto�en w�rden.</p><p>M�glicherweise beobachtete bereits jemand den kleinen Flugplatz in Kalispell. Er beschloss daher, nach Missoula zu fahren und sich dort einen Wagen zu mieten. Auf halbem Weg dorthin machte er an einem M�nzfernsprecher Halt. Unter Verwendung einer Telefonkarte f�hrte er ein Ferngespr�ch. W�hrend das Rufzeichen ert�nte, hielt er unwillk�rlich den Atem an und fragte sich, ob sie ihn wohl erkennen w�rde. Es war lange her. Ein Mann meldete sich. Sie redeten ein paar Worte und legten auf. Entt�uschung lag in seinen Augen.</p><p>Zum Gl�ck herrschte auf den Stra�en Montanas keine Geschwindigkeitsbeschr�nkung. W�hrend Schroeder aus dem Truck alles herausholte, fragte er sich, wie es hatte passieren k�nnen, dass der Geist wieder aus der Flasche entwichen war. Er war viel j�nger gewesen, als er zum ersten Mal eingesperrt worden war, und er war sich nicht sicher, ob er es in seinem Alter abermals mit ihm w�rde aufnehmen k�nnen.</p><p>Er dachte an das M�dchen. Das Foto in seinem Schlafzimmer war von einem Profistudio hergestellt worden. Sie w�rden seine Herkunft entr�tseln k�nnen. Er glaubte, dass sein Computer in dieser Hinsicht sauber war, aber man konnte sich dessen eigentlich nie ganz sicher sein. Dann waren da seine Telefondaten. Er war auf seine alten Tage sorglos geworden. Es w�re wirklich nur eine Frage der Zeit, bis sie sie finden w�rden. Er h�tte gerne gewusst, wie sie jetzt aussah. Das letzte Mal hatte er sie anl�sslich der Beerdigung ihres Gro�vaters gesehen. Er tauchte in Gedanken in die Vergangenheit ab und rief sich die Ereignisse ins Ged�chtnis, die ihn mit der jungen Frau verbanden.</p><p>Es war 1948. Er wohnte in seiner Blockh�tte in Montana. Obgleich er dank Schweizer Bankkonten Zugang zu enormen Geldbetr�gen hatte, verdiente er sich einen bescheidenen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten und indem er Touristen durch den Glacier Nationalpark f�hrte. Ein Kunde, ein Gesch�ftsmann aus Detroit, hatte in seiner H�tte eine Illustrierte liegen gelassen. Schroeder pflegte die Generalreinigung der H�tten pers�nlich vorzunehmen und hatte in dem Magazin, als er es fand, herumgebl�ttert. Bei dieser Gelegenheit erfuhr er, was mit Laszlo Kovacs seit der Nacht geschehen war, als die <emphasis>Wilhelm Gustloff </emphasis>sank.</p><p>Der Artikel besch�ftigte sich mit einem Unternehmen, das von Dr.�Janos, einem ungarischen Unternehmer, der w�hrend des Zweiten Weltkriegs nach Amerika fl�chtete, gegr�ndet worden war. Seine Firma produzierte eine Reihe neuartiger Haushaltsger�te, die nach elektromagnetischen Prinzipien arbeiteten und ihn zum Million�r gemacht hatten. Schroeder l�chelte. Zu dem Bericht geh�rte zwar kein Foto von dem �ffentlichkeitsscheuen Erfinder, doch das Kovacs�sche Genie trat bei jedem Produkt offen zu Tage.</p><p>Es war gerade die Phase der Schneeschmelze, die Zeit zwischen der Ski- und der Wandersaison, daher packte er eines Tages seine Sachen und stieg in einen Zug nach Detroit. Das Janos-Labor befand sich in einem unauff�lligen Geb�ude. Er musste mehrere Leute in der Nachbarschaft fragen, um seine genaue Adresse zu erfahren.</p><p>Von einem geparkten Auto aus beobachtete er die Eingangst�r. Die Geduld, die er sich bei fr�heren �berwachungen verd�chtiger Personen angeeignet hatte, wurde schlie�lich belohnt. Eine Cadillac Limousine erschien vor dem Geb�ude. Doch anstatt davor anzuhalten, fuhr sie durch eine Gasse zur R�ckseite des Geb�udes. Die Limousine fuhr wieder los, noch ehe er sehen konnte, wer in sie eingestiegen war. Er folgte dem Wagen bis zu einem exklusiven Viertel in Grosse Point, einem Stadtteil von Detroit, wo zahlreiche leitende Manager verschiedener Autohersteller wohnten. Er verlor die Limousine aus den Augen, als sie durch das Tor eines mit hohen Mauern umgebenen Anwesens verschwand.</p><p>Am n�chsten Nachmittag erschien er wieder vor dem Labor. Er parkte so, dass er einen ungehinderten Blick auf die Seitengasse hatte, die zur R�ckseite des Geb�udes f�hrte. Als die Limousine auftauchte, stieg er aus und ging hin�ber zu der Gasse. Der Chauffeur, der die T�r aufhielt, warf ihm einen kurzen Blick zu, glaubte jedoch, dass Schroeder ein Penner war, den man getrost ignorieren konnte.</p><p>Ein Mann trat aus der Hintert�r und ging zur Limousine. Er blickte in Schroeders Richtung, schickte sich an, in den Wagen zu steigen, dann schaute er wieder her�ber. Ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Zur gro�en Verwirrung des Chauffeurs ging sein Arbeitgeber hin�ber, legte die Arme um den Streuner und dr�ckte ihn an seine Brust.</p><p>�Nach all den Jahren, was, in Gottes Namen, haben Sie denn hier zu suchen?�, fragte Kovacs.</p><p>�Ich dachte mir, dass Sie vielleicht Lust auf eine kleine Spazierfahrt im Schnee haben�, erwiderte Schroeder ebenfalls grinsend.</p><p>Kovacs reagierte mit einem Ausdruck gespielten Entsetzens. �Aber nicht, wenn Sie am Lenkrad sitzen.�</p><p>�Sie sehen gut aus, alter Freund.�</p><p>�Ja, Sie auch. Allerdings auch anders. Ich war mir anfangs nicht ganz sicher. Aber es ist derselbe alte Karl.�</p><p>�Ich h�tte nicht hierher kommen sollen�, sagte Schroeder.</p><p>�Ich bitte Sie, mein Freund, das Schicksal hat gewollt, dass wir uns wiedersehen. Ich habe Ihnen so viel zu verdanken.�</p><p>�Zu wissen, dass Sie gesund sind und dass es Ihnen gut geht, ist f�r mich Dank genug. Jetzt muss ich wieder gehen.�</p><p>�Zuerst m�ssen wir reden�, sagte Kovacs. Er sagte seinem Fahrer, er solle warten, und ging voraus ins Labor. �Hier ist niemand mehr�, meinte er.</p><p>Sie durchquerten Laborr�ume, die mit elektrischen Apparaturen gef�llt waren, die eher in Dr.�Frankensteins Labor gepasst h�tten, und lie�en sich dann in einem luxuri�s eingerichteten B�ro nieder.</p><p>�Sie haben es geschafft�, stellte Schroeder fest. �Das freut mich sehr.�</p><p>�Ja, ich habe Gl�ck gehabt. Und Sie?�</p><p>�Ich bin zufrieden, obgleich es in meiner Behausung bei Weitem nicht so pr�chtig aussieht wie in Ihrer.�</p><p>�Sie waren in meinem Haus? Nat�rlich, ich h�tte es mir denken k�nnen. Sie besetzen alle Bases, wie man in meiner neuen Heimat, dem Mutterland des Baseballspiels, zu sagen pflegt.�</p><p>�Haben Sie Familie?�</p><p>Ein dunkler Schatten schien �ber Kovacs� Miene zu gleiten, doch dann l�chelte er. �Ja, ich habe wieder geheiratet. Und Sie?�</p><p>�Es hat zwar einige Frauen gegeben, aber ich bin immer noch ein Einzelg�nger.�</p><p>�Sehr schade. Ich w�rde Sie gerne meiner Frau und meiner Tochter vorstellen.�</p><p>Schroeder sch�ttelte den Kopf. Diese Begegnung sei das �u�erste, sagte er. Kovacs meinte, das verstehe er. Schroeders Erscheinen w�rde zu viele Fragen aufwerfen. Sie beide hatten immer noch erbitterte Feinde. Sie unterhielten sich noch gut eine Stunde lang, bis Schroeder schlie�lich die Frage stellte, die ihn schon die ganze Zeit besch�ftigte.</p><p>�Ich gehe davon aus, dass Sie die Frequenzen vergraben haben, oder?�</p><p>Kovacs tippte gegen seine Stirn. �Hier oben, f�r jetzt und alle Zeiten.�</p><p>�Sie sind sich bewusst, dass es einen Versuch gab, aus Ihrer Arbeit Nutzen zu schlagen. Die Russen haben im Labor einiges Material gefunden und alles M�gliche versucht, es f�r ihre Zwecke zu verwenden.�</p><p>Kovacs l�chelte. �Ich bin wie die alte Tante, die f�r die Familie ihr Keksrezept aufschreibt, jedoch eine wichtige Zutat wegl�sst. Ihre Experimente h�tten sie niemals ans Ziel gebracht.�</p><p>�Sie haben es versucht. Unsere neue Heimat hat �hnliche Forschung betrieben, sobald die Regierung erfuhr, was im Gange war. Dann h�rten die Experimente auf.�</p><p>�Es gibt keinen Grund zur Sorge. Ich habe nicht vergessen, was meine Arbeit meiner ersten Familie angetan hat.�</p><p>Zufrieden mit dieser Antwort, verk�ndete Schroeder, er m�sse gehen. Sie sch�ttelten sich die Hand und umarmten sich. Schroeder nannte Kovacs eine Adresse, �ber die er sich mit ihm in Verbindung setzen k�nne. Sie gelobten einander, sich irgendwann wieder zu treffen, doch Jahre vergingen ohne einen Kontakt. Dann, eines Tages, fand Schroeder in seinem anonymen Briefkasten eine Nachricht von dem Ungarn.</p><p>�Ich brauche abermals Ihre Hilfe�, lautete die Nachricht.</p><p>Als er ihn anrief, sagte der Wissenschaftler: �Etwas Schreckliches ist passiert.�</p><p>Diesmal begab Schroeder sich direkt zu der Villa in Grosse Point. Kovacs empfing ihn an der T�r. Er sah furchtbar aus. Das Alter hatte es gut mit ihm gemeint, die einzige sichtbare Ver�nderung waren zus�tzliche graue Str�hnen in seinen Haaren, aber unter seinen Augen lagen dunkle Ringe, und seine Stimme klang heiser, als ob er geweint h�tte. Sie setzten sich ins Arbeitszimmer, und Kovacs berichtete, dass seine Frau vor ein paar Jahren gestorben war. Ihr Sohn habe eine wunderbare Frau geheiratet, erz�hlte er weiter, doch beide seien ein paar Wochen zuvor bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.</p><p>Als Schroeder ihm sein Mitgef�hl aussprach, bedankte Kovacs sich und meinte, es gebe eine M�glichkeit, wie er helfen k�nne. Er schaltete die Haussprechanlage ein und sagte etwas, und f�nf Minuten sp�ter kam eine Kinderfrau herein. Auf dem Arm trug sie ein bildsch�nes, blondes Baby.</p><p>�Meine Enkeltochter Karla�, sagte Kovacs und nahm stolz das Baby auf den Arm. �Ich habe sie nach einem alten Freund genannt, der, wie ich hoffe, bald ihr Pate sein wird.�</p><p>Er reichte Schroeder das M�dchen. Unbeholfen hielt er es im Arm. Er war tief ber�hrt von dem Angebot und erkl�rte sich sofort bereit, die damit verbundene Verantwortung zu �bernehmen. W�hrend das M�dchen heranwuchs, unternahm er mehrere Reisen nach Grosse Point, wo er als Onkel Karl auftrat und schon bald von ihrer Anmut und Intelligenz �berw�ltigt war. Einmal verbrachten sie gemeinsam mehrere Tage in Montana. Sie sa�en auf der Veranda seines Blockhauses und schauten dem M�dchen dabei zu, wie es Schmetterlinge jagte, als Kovacs offenbarte, dass er todkrank sei.</p><p>�Ich werde bald sterben. Mein Enkelkind ist versorgt. Aber ich m�chte, dass Sie versprechen, auf sie aufzupassen, so wie Sie einmal auf mich aufgepasst haben, und sie vor jedem Schaden zu bewahren.�</p><p>�Es wird mir ein Vergn�gen sein�, sagte Schroeder, der sich damals nicht hatte tr�umen lassen, dass er dieses Versprechen eines Tages w�rde einhalten m�ssen.</p><p>Das letzte Mal hatte er Karla w�hrend der Beerdigung ihres Gro�vaters gesehen. Sie hatte mit dem College begonnen, wo sie eifrig studierte, und besa� zahlreiche Freunde. Sie war zu einer reizenden und intelligenten jungen Frau herangewachsen. Von Zeit zu Zeit zog er Erkundigungen �ber sie ein, um sich zu vergewissern, dass es ihr gut ging, und verfolgte voller Stolz ihren Werdegang. Es war Jahre her, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten. Er fragte sich, ob sie ihn wiedererkennen w�rde.</p><p>Er biss die Z�hne zusammen. Eiserne Entschlossenheit trieb ihn an.</p><p>Egal was es kostete, er wusste, dass er sie aufsuchen musste, ehe <emphasis>sie </emphasis>es taten.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Der Eindringling glitt durch das dunkle Wasser und erzeugte eine Wolke von Luftblasen, die Fischschw�rme durcheinander wirbelte wie Herbstlaub. W�hrend das ein Meter f�nfzig lange Torpedo durch die See flog, schleuderte der Wandler, der unter seiner st�hlernen Haut pulsierte, mit H�chstgeschwindigkeit Energiest��e zum Meeresgrund. Ein elektronisches Ohr fing die zur�ckgeworfenen Echos auf, und die vom sonaren Treidelfisch aufgesammelten Daten rasten mit Lichtgeschwindigkeit durch ein einige hundert Meter langes, abgeschirmtes faseroptisches Kabel. Das dicke Kabel schl�ngelte sich auf das Deck eines Schiffs mit t�rkisfarbenem Rumpf, das knapp vierhundert Kilometer �stlich der Atlantikk�ste der Vereinigten Staaten eine sch�umende Kiellinie in den Ozean pfl�gte.</p><p>Das Kabel endete im Beobachtungskontrollzentrum auf dem Hauptdeck des Schiffs. Austin sa� vor einem matt leuchtenden Monitorschirm und analysierte die vom Sidescan-Sonar produzierten Bilder. Als revolution�res Unterwasserforschungs�werkzeug, erfunden von dem mittlerweile verstorbenen Dr.�Harold Edgerton, gestattete das Sidescan-Sonar eine schnelle Abtastung weiter Fl�chen Meeresboden.</p><p>Ein dunkle vertikale Linie vom oberen zum unteren Rand des Monitorschirms zeigte den Weg des Forschungsschiffs. Breite farbige Streifen auf beiden Seiten der Linie symbolisierten die Bereiche an Backbord und Steuerbord, die von dem Sidescan-Sonar erfasst wurden. Auf der rechten Bildschirmseite waren die Uhrzeit und die aktuellen Navigationsangaben abzulesen.</p><p>Austin betrachtete konzentriert den Bildschirm, das Gesicht vom Widerschein seines Lichts bernsteinfarben schimmernd, achtete auf jede visuelle Nuance. Es war ein erm�dender Job, und er �bte ihn bereits seit zwei Stunden aus. Er hatte f�r einen kurzen Moment den Blick vom Bildschirm gel�st und rieb sich die Augen, als Zavala und Adler hereinkamen. Zavala trug eine Thermoskanne und drei Tassen, die er aus der Messe geholt hatte, in der Hand.</p><p>�Kaffeepause�, verk�ndete er. Er f�llte die Tassen und reichte sie herum.</p><p>Austin verbrannte sich an dem Kaffee die Lippen, doch er beklagte sich nicht und war stattdessen dankbar, dass der Schmerz ihn wieder hellwach werden lie�. �Danke f�r dieses Koffein-Doping�, sagte er. �Mir fielen schon langsam die Augen zu.�</p><p>�Ich kann gerne die n�chste Schicht �bernehmen�, bot Zavala sich an.</p><p>�Danke. Ich schalte den Scan einstweilen auf Autopilot und zeige dir und dem Professor, was wir getan haben.�</p><p>Austin justierte den Sonarmonitor, damit er sich sofort durch ein Summen bemerkbar machte, sobald er ein Objekt aufsp�rte, das l�nger war als zwanzig Meter, dann versammelten sich die drei M�nner um einen Kartentisch.</p><p>�Wir veranstalten eine Suche auf mittlerer Distanz, um so viel Meeresboden wie m�glich zu �berpr�fen, ohne zu ungenauen oder verf�lschten Ergebnissen zu gelangen�, erkl�rte Austin. �Die Meerestiefe betr�gt hier ungef�hr hundertachtzig Meter. Wir haben zwanzig Kilometer gro�e Quadrate entlang der wahrscheinlichen Route des vermissten Schiffs markiert.� Er fuhr mit dem Finger an der Begrenzungslinie eines Rechtecks entlang, das mit Fettstift auf ein transparentes Deckblatt gezeichnet worden war. �Das Suchschiff folgt in jedem Quadrat imagin�ren parallelen Linien wie jemand, der einen Rasen m�ht. Wir haben dieses Quadrat zur H�lfte abgesucht. Wenn wir das Schiff nicht in diesem Sektor finden, setzen wir unsere Suche in einer Reihe einander �berlappender Quadrate fort.�</p><p>�Seid ihr auf irgendetwas Interessantes gesto�en?�, fragte Zavala.</p><p>Austin verzog das Gesicht. �Keine Meerjungfrauen, wenn du das meinst. Jede Menge Schlamm mit harten Sedimentanteilen dazwischen, Gesteinsbrocken, kleine Vertiefungen, gro�r�umige Senken, Fischschw�rme und alles M�gliche, was man auf dem Meeresboden so finden kann. Allerdings keine Spur von unserem Schiff�� oder von irgendeinem Schiff, was das betrifft.�</p><p>Adler sch�ttelte frustriert den Kopf. �Man sollte doch annehmen, dass es mit all diesen elektronischen Spielereien nicht allzu schwierig sein d�rfte, ein Schiff aufzusp�ren, das l�nger ist als zwei aneinandergelegte Fu�ballfelder.�</p><p>�Der Ozean ist riesengro�. Aber wenn �berhaupt irgendein Schiff die <emphasis>Belle </emphasis>finden kann, dann ist es die <emphasis>Throckmorton</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>versicherte Austin.</p><p>�Kurt hat Recht. Die Instrumente auf diesem Schiff k�nnen einem die Farbe der Augen eines R�hrenwurms in tausend Faden Tiefe verraten�, f�gte Zavala hinzu.</p><p>Adler lachte verhalten. �Tiefseebiologie ist nicht gerade meine Disziplin, aber ich hatte nicht die geringste Ahnung, dass diese bemerkenswerten Lebewesen �berhaupt Augen <emphasis>besitzen.</emphasis>�</p><p>�Joe �bertreibt, aber nur ganz wenig�, erkl�rte Austin l�chelnd. �Die Technik, die uns auf der <emphasis>Throckmorton </emphasis>zur Verf�gung steht, kann als Best�tigung f�r all jene angesehen werden, die behaupten, dass Menschen den Grund des Ozeans unter die Lupe nehmen k�nnen, ohne sich auch nur nasse F��e zu holen. Anstatt eingezw�ngt in einem Tauchboot zu hocken, sitzen wir hier gem�tlich bei einer Tasse Kaffee, w�hrend der Sidescan-Torpedo uns die Arbeit abnimmt.�</p><p>�Und was denken <emphasis>Sie, </emphasis>Kurt?�</p><p>Austin �berlegte kurz. �Es steht au�er Zweifel, dass jemand wie Joe einen Unterwasserroboter bauen kann, der darauf programmiert werden kann, alles auszuf�hren, au�er einem die Tageszeitung und die Hausschuhe zu bringen.�</p><p>Als brillanter Mechaniker und Ingenieur hatte Zavala zahlreiche Unterwasserfahrzeuge, bemannte wie unbemannte, f�r die NUMA konstruiert und gebaut.</p><p>�Interessant, dass du ausgerechnet darauf zu sprechen kommst�, sagte Joe, �aber wie es der Zufall will, arbeite ich soeben an einem Modell, das genau das perfekt beherrscht und au�erdem noch einen teuflisch guten Margarita mixt.�</p><p>�Womit Joe meine Behauptung nur best�tigt.� Austin deutete auf die Bildschirme, die die W�nde der Beobachtungszentrale bildeten. �Aber was in der komfortablen Umgebung dieses Raums fehlt, ist der Hunger nach jenem Element, das die menschliche Rasse davor bewahrt, zu verk�mmern wie eine unn�tze Gliedma�e. Ich meine das <emphasis>Abenteuer.</emphasis>�</p><p>Adler l�chelte. Er freute sich dar�ber, genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben, als er sich mit der Bitte um Unterst�tzung an die NUMA gewandt hatte. Austin und Zavala waren offensichtlich hochintelligente Wissenschaftler, die �ber erhebliches Wissen auf den exotischsten Gebieten der Meeresforschung verf�gten. Aber mit ihrer athletischen Erscheinung, ihrem skurrilen Humor und ihren gutgemeinten gegenseitigen Frotzeleien wirkten die beiden NUMA-M�nner irgendwie anachronistisch. Sie kamen ihm eher wie unternehmungslustige Haudegen aus dem achtzehnten Jahrhundert vor und hatten mit den Meeresforschung betreibenden, verschroben pedantischen und eher wortkargen Akademikern, an die er gew�hnt war, herzlich wenig zu tun. Er hob seine Kaffeetasse zu einem Toast.</p><p>�Auf das Abenteuer�, sagte er.</p><p>Die anderen hoben ebenfalls ihre Tassen. �Vielleicht wird es Zeit, dass wir einen Wellenexperten ins Spezialteam holen�, sagte Austin.</p><p>Ein aufgeregtes Summen aus dem Lautsprecher des Sonarmonitors beendete Adlers belustigtes Lachen ziemlich abrupt.</p><p>Austin stellte seine Kaffeetasse beiseite und ging zum Sonarschirm. Er betrachtete ihn einige Sekunden lang. Dann verzog sein Mund sich zu einem breiten Grinsen, und er wandte sich an den Professor. �Sie sagten vorhin, dass Sie sich zuerst die Sch�den auf der <emphasis>Southern Belle </emphasis>anschauen wollten, ehe Sie mit Ihren Theorien herausr�cken.�</p><p>�Ja, das stimmt�, entgegnete Adler. �Ich hoffe doch sehr, dass ich irgendwie erfahre, weshalb genau die <emphasis>Belle </emphasis>untergegangen ist.�</p><p>Austin drehte den Schirm herum, so dass der Professor das Bild eines Schiffs erkennen konnte, das knapp dreihundert Meter unter ihnen auf dem Meeresgrund lag.</p><p>�Sie werden Ihre Chance bekommen.�</p><empty-line/><p>Die See hatte keine Zeit vergeudet, von der <emphasis>Southern Belle </emphasis>Besitz zu nehmen.</p><p>Das Schiff, das von den Lichtkegeln der starken Scheinwerfer des ferngesteuerten Vehikels eingefangen wurde, hatte kaum noch �hnlichkeit mit dem prachtvollen Ozeanriesen, der einst wie eine bewegliche Insel die Fluten der Weltmeere geteilt hatte. Sein blauer Rumpf war mit einem gr�nlich grauen Bewuchs bedeckt, der dem Schiff das Aussehen eines m�den, zottigen Hundes verlieh. Man h�tte meinen k�nnen, dem Schiff w�re ein Fell gewachsen. Mikroorganismen hatten sich im Seetang angesiedelt und lockten Fischschw�rme an, die in den Nischen und Winkeln des Wracks, das sich in einen riesigen Brutkasten vielf�ltigen marinen Lebens verwandelt hatte, nach Nahrung st�berten.</p><p>Das ROPOS ROV war vom kantigen Heck der <emphasis>Throckmorton </emphasis>zu Wasser gelassen worden, kurz nachdem Austin die Br�cke davon informiert hatte, dass die Sonarsuche das Schiff aufgesp�rt habe und ein recht genaues Bild von ihm liefere. Das Remote Operated Vehicle, kurz ROV, war etwa zwei Meter lang und jeweils einen Meter breit und hoch und hatte in etwa die Form eines seet�chtigen K�hlschranks. Trotz seiner eher klobigen �u�eren Form �bertraf das ROV in Bezug auf seine Funktionen die fr�heren ferngesteuerten Modelle um ein Vielfaches. Es war mittlerweile zu einem beweglichen meereskundlichen Labor herangereift, das eine Vielzahl wissenschaftlicher Aufgaben erledigen konnte.</p><p>Das ROV verf�gte �ber zwei Videokameras, Zwillingsgreifer, Vorrichtungen zum Einsammeln von Materialproben jeglicher Art sowie sonare wie digitale Datenleitungen. Das Vehikel war mit dem Schiff �ber eine faseroptische Leitung verbunden, die eine Kommunikation und die Live�bertragung von Video- und anderen Daten erm�glichte. Angetrieben von einem vierzig PS starken Elektromotor, war das ROV schnell in knapp zweihundert Meter Tiefe abgestiegen, wo das Schiff aufrecht auf dem Meeresboden ruhte.</p><p>Joe Zavala sa� vor der Kontrolltafel und lenkte den kastenf�rmigen Unterwasserroboter mittels eines Joysticks. Zavala war ein erfahrener Pilot, der Hunderte Stunden in Helikoptern, kleinen Jets und Turbopropflugzeugen gesessen hatte, doch die Steuerung eines Objekts, das einige Hundert Meter weit entfernt operierte, erforderte an den Kontrollen die sensible Hand eines halbw�chsigen Videospiels�chtigen.</p><p>W�hrend er das Videobild auf dem Schirm aufmerksam beobachtete, lenkte Zavala das ROV, als s��e er darin. Mit fester, aber �u�erst behutsamer Hand am Joystick gab er dem Vehikel vorsichtige Befehle, um die Str�mungswechsel auszugleichen. Bei jeder Bewegung des Joysticks musste er darauf achten, dass das ROV sich nicht in seiner eigenen Nabelschnur verfing.</p><p>Die Stimmung in der dicht besetzten Steuer- und Beobach�tungszentrale war angespannt und ernst. Mannschaftsangeh�rige und Wissenschaftler waren in dem Raum zusammengekommen, nachdem die Nachricht von der Entdeckung der <emphasis>Southern Belle </emphasis>sich wie ein Lauffeuer im Schiff verbreitet hatte. Die stummen Beobachter betrachteten die geisterhaften Bilder des toten Schiffs wie Trauernde den Sarg des Verstorbenen w�hrend einer Begr�bnisfeier.</p><p>Die anf�ngliche Aufregung �ber die Entdeckung des Schiffs hatte sich inzwischen gelegt und war durch eine von N�chternheit gepr�gte Stimmung abgel�st worden. Diejenigen, die sich der See verschrieben haben, sind sich dar�ber im Klaren, dass das solide Deck unter ihren F��en auf einem wogenden Fundament Meerwasser ruht, das mindestens genauso tr�gerisch wie zugleich sch�n ist. Jeder auf der <emphasis>Throckmorton </emphasis>wusste, dass das gesunkene Schiff f�r seine Besatzung zum Sarg geworden war. Alle waren sich der Tatsache bewusst, dass sie das gleiche Schicksal erleiden k�nnten. Es gab keine Spur von den M�nnern, die mit der <emphasis>Southern Belle </emphasis>untergegangen waren, jedoch war es unm�glich, sich die letzten grauenvollen Sekunden der todgeweihten Mannschaft des Frachtschiffs nicht vorzustellen.</p><p>Indem er sich ausschlie�lich auf seine Aufgabe konzentrierte, brachte Zavala das ROV auf Deckniveau hinunter und lie� es vom Bug zum Heck �ber den Frachter gleiten. Normalerweise h�tte er besonders darauf achten m�ssen, dass das Vehikel nicht mit den Masten oder den Funkantennen kollidierte, doch das Oberdeck der <emphasis>Belle </emphasis>war so glatt und eben wie ein Billardtisch. Die Kamera fing verbogene und geborstene Stahlbolzen ein, wo die Kr�ne und Hebeb�ume, mit denen die Frachtcontainer an Bord hin und her bewegt werden konnten, wie Zahnstocher abgebrochen waren.</p><p>W�hrend das ROV �ber das Achterdeck des Schiffs hinwegschwebte, erfassten seine Scheinwerfer eine rechteckige �ffnung im Deck.</p><p>Zavala murmelte auf Spanisch einen Fluch. �Das Deckhaus ist verschwunden�, sagte er dann.</p><p>Austin beugte sich �ber Zavalas Schulter. �Such gleich mal die n�here Umgebung des Schiffs ab�, schlug er vor.</p><p>Zavala bet�tigte den Joystick, und das Vehikel stieg �ber dem Deck in die H�he. Es beschrieb �ber dem Schiff eine nach au�en gerichtete Spirale, doch von dem Deckhaus war nirgendwo etwas zu sehen.</p><p>Professor Adler hatte das Geschehen schweigend verfolgt. Er tippte Austin leicht auf den Arm und begab sich mit ihm zum anderen Ende des Raums, weg von der Gruppe, die sich um den Monitor des ROV dr�ngte.</p><p>�Ich denke, es wird Zeit, dass wir uns eingehend unterhalten�, fl�sterte der Professor.</p><p>Austin nickte und kehrte zur Kontrolltafel zur�ck. Er sagte Joe Bescheid, dass er im Aufenthaltsraum des Schiffs zu finden sei, und verlie� danach zusammen mit dem Professor die Beobachtungszentrale.</p><p>Da alle dienstfreien Mitglieder der Schiffsbesatzung sich f�r die Bilder der <emphasis>Belle </emphasis>interessierten, hatten sie den Aufenthaltsraum f�r sich. Es war ein komfortabel eingerichteter Freizeitbereich mit Ledersitzgruppen, einem Fernseher mit DVD-Player, einem kleinen Filmraum, einem Pooltisch und einer Tischtennisplatte, einigen Brettspielen und einem Computer.</p><p>Austin und Adler machten es sich in zwei Sesseln gem�tlich. �Nun�, begann Adler, �was denken Sie?�</p><p>��ber die <emphasis>Belle? </emphasis>Man braucht nicht gerade Sherlock Holmes zu sein, um sich zusammenreimen zu k�nnen, weshalb sie unterging. Das Deckhaus wurde weggerissen.�</p><p>�Wir haben die Satellitenbilder, die einen hohen Wellengang zeigen. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass die <emphasis>Belle </emphasis>von einer oder zwei Killerwellen getroffen wurde, die m�chtiger als alles waren, das wir bisher gesehen haben.�</p><p>�Was uns auf Ihre Theorien zur�ckkommen l�sst. Sie hatten vorhin Hemmungen, sich dazu zu �u�ern. Hat die Entdeckung des Schiffs Ihre Meinung ge�ndert?�</p><p>�Ich f�rchte, meine Theorien fallen ziemlich aus dem Rahmen des Normalen.�</p><p>Austin lehnte sich zur�ck und faltete die H�nde hinter dem Kopf. �Ich habe gelernt, dass nichts normal ist, wenn es um den Ozean geht.�</p><p>�Ich habe mich bisher bedeckt gehalten, weil ich keine Lust hatte, als Spinner dazustehen. Es hat Jahre gedauert, bis die Wissenschaft Monsterwellen als tats�chlich existent angenommen hat. Meine Kollegen w�rden mich in der Luft zerrei�en, wenn sie meine �berlegungen zu diesem Thema kennen w�rden.�</p><p>�Dazu wollen wir es doch nicht kommen lassen�, versicherte Austin ihm. �Ich betrachte dieses Gespr�ch als vertraulich.�</p><p>Der Professor nickte. �Als die empirischen Beweise f�r das Vorhandensein dieser Wellen zu offensichtlich wurden, um weiterhin geleugnet zu werden, schoss die Europ�ische Union zwei Satelliten ins All, die Bilder mit h�chster Aufl�sung lieferten. Das Projekt trug den Namen MaxWave. Das Ziel der Untersuchungen war es, die Existenz dieser Wellen nachzuweisen und zu untersuchen, auf welche Weise sie sich auf die Konstruktion und den Bau von Schiffen und Bohrinseln auswirken. Die Satelliten der European Space Agency lieferten sogenannte �Imagettes�, die eine Fl�che von zehn mal f�nf Kilometern abdecken. In einem Zeitraum von drei Wochen zeichneten die Satelliten mehr als zehn Monsterwellen auf, die alle h�her waren als vierundzwanzig Meter.�</p><p>Adler stand auf, durchquerte den Raum und nahm vor dem Computer Platz. Er gab einige Befehle auf der Tastatur ein, und das Bild der Weltkugel erschien auf dem Bildschirm. Der Atlantische Ozean war mit beschrifteten Wellensymbolen �bers�t. �Ich benutze die statistischen Daten von Wave Atlas. Jedes Symbol markiert den Ort einer Riesenwelle und vermerkt ihre H�he und das Datum, an dem sie entstand. Wie Sie sehen k�nnen, haben die Wellenaktivit�ten w�hrend der letzten dreizehn Monate erheblich zugenommen. Und was die Gr��e dieser Monster betrifft, ist ebenfalls eine Steigerung zu beobachten.�</p><p>Austin holte sich einen Sessel und schob ihn neben den Professor. Er �berflog die Wellensymbole. Jedes Symbol war mit der H�he der Welle und dem Datum ihres Auftauchens versehen. Die Wellen waren wahllos �ber die ganze Welt verteilt, bis auf mehrere H�ufungen.</p><p>�F�llt Ihnen irgendetwas Ungew�hnliches auf?�</p><p>�Diese vier kreisrunden Muster sind im jeweils gleichen Abstand zueinander im Atlantik verteilt, die Region eingeschlossen, in der wir uns zur Zeit befinden. Zwei im Nordatlantik, zwei im S�den. Wie sieht es im Pazifik aus?�</p><p>�Gut, dass Sie mich danach fragen.� Adler drehte den Globus, bis der Pazifische Ozean zu sehen war.</p><p>Austin stie� einen Pfiff aus. �Vier �hnliche H�ufungen. Seltsam.�</p><p>�Mir kam das auch merkw�rdig vor.� Der Anflug eines L�chelns spielte um die Lippen des Professors. �Ich habe die Anh�ufungen ausgemessen und festgestellt, dass sie in jedem Ozean den gleichen Abstand zueinander haben.�</p><p>�Was schlie�en Sie daraus, Professor?�</p><p>�Dass dieser Erscheinung ein Plan zugrunde liegen muss. Diese Wellen sind entweder von Menschen erzeugt oder das Werk Gottes.�</p><p>Austin lie� sich die Bedeutung der Feststellung des Professors durch den Kopf gehen. �Es gibt auch noch eine dritte M�glichkeit�, sagte er nach einigen Sekunden. �Der Mensch ma�t sich die Rolle Gottes an.�</p><p>Adler zog eine buschige Augenbraue hoch. �Das ist nat�rlich v�llig unm�glich.�</p><p>Austin l�chelte. �Nicht unbedingt. Der Mensch hat schon immer versucht, die Elemente zu kontrollieren.�</p><p>�Das Meer unter Kontrolle zu bekommen, steht auf einem ganz anderen Blatt.�</p><p>�Darin gebe ich Ihnen Recht, obgleich es in dieser Richtung einige eher primitive, aber durchaus wirkungsvolle Versuche gegeben hat. Deiche und Sturmw�lle gibt es immerhin schon seit einigen Hundert Jahren.�</p><p>�Ich war als Berater bei der Entwicklung der Gezeitentore in Venedig t�tig, daher wei� ich, was Sie meinen. Den Ozean aufzuhalten ist ein relativ einfaches Konzept. Die Schwierigkeiten liegen eher in der technischen Durchf�hrung. Die Erzeugung riesiger Wellen w�re um einiges schwieriger.�</p><p>�Aber nicht unm�glich�, sagte Austin.</p><p>�Nein, nicht unm�glich.�</p><p>�Haben Sie denn schon mal �ber die Mittel und Wege dazu nachgedacht? Wie w�re es zum Beispiel mit m�chtigen Unterwassersprengungen?�</p><p>�Absolut unwahrscheinlich.� Adler sch�ttelte den Kopf. �Man brauchte eine Explosion von nuklearen Ausma�en, und die w�rde auffallen. Irgendeine andere Idee?�</p><p>�Nicht aus dem Stegreif�, antwortete Austin. �Aber es ist auf jeden Fall etwas, mit dem die NUMA sich befassen sollte.�</p><p>�Sie ahnen ja gar nicht, wie froh ich bin, das aus Ihrem Mund zu h�ren�, sagte Adler sichtlich erleichtert. �Ich dachte schon, ich w�rde spinnen.�</p><p>Austin ging ein Gedanke durch den Kopf. �Joe fragte sich, ob die Arbeit der Trouts vielleicht ein wenig Licht in dieses Dunkel bringen k�nnte�, sagte er.</p><p>�Stimmt, ich erinnere mich. Sie erw�hnten, dass ein paar Ihrer NUMA-Kollegen in dieser Gegend an einem anderen Forschungsprojekt arbeiten.�</p><p>Austin nickte. �S�dlich von hier. Sie befinden sich mit einer Gruppe Wissenschaftler an Bord des NOAA-Schiffs <emphasis>Benjamin Franklin </emphasis>und erforschen die biologischen Auswirkungen der gro�en Wasserwirbel im Atlantik.�</p><p>�Wie ich schon sagte, ich w�rde von vornherein so gut wie nichts ausschlie�en. Es lohnt sich bestimmt, sich eingehender damit zu besch�ftigen.�</p><p>�Wir k�nnen uns mit ihnen �ber ihre Erkenntnisse unterhalten, wenn wir nach Hause zur�ckkehren.�</p><p>�Warum so lange warten?�, fragte Adler.</p><p>Adlers Finger huschten �ber die Tasten, und eine Website erschien auf dem Bildschirm, gefolgt von einem Satellitenbild, das die Atlantikk�ste zeigte. �Der Meeressatellit, der dieses Bild liefert, kann ein Objekt wahrnehmen, das so gro� ist wie eine Sardine.�</p><p>�Erstaunlich�, sagte Austin und beugte sich zu dem Bildschirm hinunter.</p><p>Adler klickte mit der Computermaus. �Jetzt sehen wir die Wassertemperaturen des Ozeans. Das wellige r�tlich braune Band ist der Golfstrom. Die blaue Zone ist kaltes Wasser, und diese runden Flecken in Gelbbraun sind warme Wasserwirbel. Ich zoome mal auf unser Schiff.�</p><p>Er bet�tigte die Computermaus, so dass einer der gelblich braunen Strudel den Bildschirm ausf�llte. Die Umrisse von zwei Schiffen waren in der N�he des Wirbels zu erkennen.</p><p>�Dieser Blip ist die <emphasis>Throckmorton. </emphasis>Der andere muss das NOAA-Schiff sein. Donnerwetter! Diese Technik haut mich immer wieder um.�</p><p>Austin blickte �ber Adlers Schulter. �Was ist dieser kleinere Kreis im s�d�stlichen Quadranten?�</p><p>Adler vergr��erte das Bild. �Das ist ein separater Strudel. Er verh�lt sich ziemlich sonderbar. Die Zahlen in den kleinen K�stchen geben die Wassergeschwindigkeit und den Wasserstand an. Der Wasserstand innerhalb des Strudels scheint zu sinken, w�hrend die Geschwindigkeit zunimmt.� Adlers Blicke schienen sich an dem Schirm festzusaugen. Der Wirbel, mittlerweile fast makellos kreisrund, wuchs weiter. �Mein Gott�, murmelte der Professor.</p><p>�Was ist das Problem?�</p><p>Der Professor tippte gegen den Bildschirm. �Offenbar findet vor unseren Augen die Geburt eines gigantischen Strudels statt.�</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Gamay Morgan-Trout lie� vorsichtig den Van-Dorn-Fallsch�pfer �ber die Backbordreling des NOAA-Forschungsschiffs herab und beobachtete, wie der neun Liter fassende Plastikzylinder in die mit Gischt gekr�nten Wellen eintauchte. Sie lie� das d�nne Verbindungskabel durch die Finger gleiten, w�hrend der Sch�pfer einige hundert Meter auf den Meeresgrund sank.</p><p>Nachdem die Flasche sich mit Wasser gef�llt und automatisch verschlossen hatte, begann sie, sie zur�ck an Bord zu hieven, wobei ihr Ehemann ihr behilflich war. Paul Trout zog die Flasche die letzten Meter aus dem Wasser, l�ste sie vom Kabel und hielt sie gegen das Licht, als ob er die Farbe eines besonders edlen Weins �berpr�fen wollte.</p><p>Trouts braune Augen blinzelten belustigt. �Das ist absurd�, sagte er.</p><p>�Was ist absurd?�</p><p>��berlege doch mal, was wir hier tun.�</p><p>Immer noch verwirrt, sagte Gamay: �Okay, wir haben gerade eine Spezialflasche �ber Bord geworfen und sie mit Meerwasser gef�llt wieder herausgezogen.�</p><p>�Vielen Dank f�r die Information. Sieh dich doch mal auf diesem Schiff um. Die <emphasis>Benjamin Franklin </emphasis>ist mit den modernsten Forschungseinrichtungen ausger�stet. Wir verf�gen �ber Ger�te wie hochsensible Echolote, �ber ein Multibeam- und Sidescan-Sonar sowie die j�ngsten Entwicklungen an Computerhardware und -software. Aber wir unterscheiden uns kein bisschen von den alten Seefahrern, die Wachs auf ihr Senkblei geschmiert haben, um die Zusammensetzung des Meeresbodens zu erforschen.�</p><p>Gamay grinste. �Und jetzt sammeln wir Plankton mit einem altmodischen Fischernetz ein. Was jedoch die Fortbewegung angeht, da h�rt es bei mir auf. Kein Ruderboot. Wie steht es mit dem Zodiac?�</p><p>�Das ist einsatzbereit�, sagte Trout. Er betrachtete die Meeresoberfl�che mit kundigem Blick. �Der Wind frischt auf. Es k�nnte unruhig werden. Wir m�ssen uns ranhalten.�</p><p>Sein Akzent verriet seine New-England-Wurzeln.</p><p>Gamay deutete auf die Gischtkronen auf dem Wasser.</p><p>�Wenn wir jetzt warten, ergibt sich vielleicht tagelang keine Gelegenheit mehr, noch einmal rauszufahren.�</p><p>�Genau meine Rede.� Er reichte ihr den Van-Dorn-Sch�pfer. �Ich erwarte dich am Zodiac.�</p><p>Gamay brachte den Beh�lter mit der Wasserprobe ins Labor. Dort w�rde sie auf Metallspuren und Mikroorganismen untersucht. Danach suchte sie ihre Kabine auf, zog sich einen mit Kapuze ausgestatteten Schlechtwetteroverall �ber ihre Jeans, schl�pfte in einen Wollpullover und eine Chamoisbluse und stopfte ihre langen, dunkelroten Haare unter eine bunte Baseballm�tze mit der Aufschrift �Friends of the <emphasis>Hunley</emphasis>�<emphasis>. </emphasis>Nachdem sie auch noch ihre Schwimmweste �bergezogen hatte, ging sie zum Achterdeck.</p><p>Trout wartete neben den Davits, an denen das knapp acht Meter lange Festrumpfschlauchboot hing. Wie immer war er makellos gekleidet. Unter einem gelben handels�blichen Schlechtwetteranzug trug er eine f�r seine eins neunzig K�rpergr��e ma�geschneiderte Jeans und einen Segelpullover aus Kaschmir. Eine der von Trout hei� geliebten farbenfrohen Fliegen zierte den Button-Down-Kragen seines blauen Brooks-Brothers-Oberhemds. Als Gegenakzent zur l�ssigen Eleganz seiner Kleidung trug er abgewetzte Arbeitsstiefel, ein �berbleibsel aus seiner Zeit bei der Woods Hole Oceanographic Institution, wo funktionelles Schuhwerk unerl�sslich war. Gekr�nt wurde sein Outfit von einer dunkelblauen Wollm�tze auf seinem Kopf.</p><p>Die Trouts kletterten in das starre aufblasbare Boot, und das Zodiac wurde ins Wasser herabgelassen. Paul startete den Volvo Penta Dieselmotor, w�hrend Gamay die Halteleine l�ste. Sie standen nebeneinander in der Haltung altert�mlicher Wagenlenker vor der Steuerkonsole, die Knie leicht angewinkelt, um die Schl�ge abzufedern, wenn der flache Bootsrumpf auf die Wellen klatschte.</p><p>Das stabile Schlauchboot h�pfte �ber die See wie ein verspielter Delfin. Trout hielt auf eine leuchtend orangefarbene Kugel zu, die knapp f�nfhundert Meter vom Schiff entfernt auf den Wellen tanzte. Sie hatten die Boje fr�her am Tag ausgebracht, um einen Referenzpunkt f�r die Phytoplanktonsuche zu haben.</p><p>Es war nicht gerade die angenehmste Arbeitsumgebung. D�stere Wolkenberge zogen von Osten heran, und der Horizont, wo graues Wasser und grauer Himmel zusammenstie�en, war kaum zu erkennen. Der Ostwind hatte um ein paar Knoten zugenommen. Aus der grauen Wolkenschicht, die die Sonne verbarg, begann leichter Regen zu fallen.</p><p>Aber w�hrend sie sich auf die Suche vorbereiteten, lag auf Pauls und Gamays Gesichtern jener spezielle selige Ausdruck, wie man ihn bei K�stenbewohnern beobachten kann, sobald sie sich in ihrem nat�rlichen Element aufhalten. Kaum dass er laufen konnte, hatte Paul seinen Vater bei seinen Fischz�gen regelm��ig begleitet. Er hatte anschlie�end, ehe er aufs College ging, selbst von Woods Hole aus, einem kleinen Dorf am Cape Cod, als Fischer gearbeitet.</p><p>Gamay lie� sich von dem schlechten Wetter nicht abschrecken, obgleich ihr Hintergrund sich von Paul Trouts erheblich unterschied. In Racine, Wisconsin, geboren, war sie mit ihrem Vater, einem erfolgreichen Unternehmer und Sport�segler, in den manchmal nicht ungef�hrlichen Gew�ssern der Gro�en Seen h�ufig unterwegs gewesen.</p><p>�Du musst zugeben, dass dies viel mehr Spa� macht als Tapezieren�, sagte Paul, w�hrend er das Boot dicht an die Boje heranman�vrierte.</p><p>Gamay machte das Suchger�t einsatzfertig. �Das macht mehr Spa� als fast alles, das mir einf�llt�, sagte sie, wobei sie die eisige Gischt ignorierte, die ihr ins Gesicht spritzte.</p><p>�Es freut mich, dass du �fast alles� gesagt hast�, meinte Paul mit einem l�sternen Grinsen.</p><p>Gamay schickte ihm einen s�uerlichen Blick, der nicht zu dem fr�hlichen Funkeln in ihren Augen passen wollte. �Pass lieber auf, was du tust, sonst gehst du noch �ber Bord.�</p><p>Die Trouts hatten nicht damit gerechnet, so bald schon wieder auf dem Meer zu sein. Nachdem sie von ihrer letzten Mission mit dem Spezialteam nach Hause zur�ckgekehrt waren, hatten sie vorgehabt, ein wenig auszuspannen. Trout hatte einmal gemeint, dass Gamay ihre Erholungstechnik von einem Ausbilder der franz�sischen Fremdenlegion �bernommen haben musste. Ihres Zeichens Fitness- und Sportfanatikerin, hatte sie es nur ein paar Stunden unt�tig zu Hause ausgehalten, ehe sie ein olympiareifes Lauf-, Wander- und Radfahrprogramm startete.</p><p>Und nicht einmal das reichte ihr. Gamay hatte die Angewohnheit, allem, was ihr gerade in den Sinn kam, h�chste Priorit�t zuzuweisen. Trout wusste, dass ihm Ungemach drohte, als sie nach einem Tag, den sie damit verbracht hatten, in ihrem Humvee durch die unber�hrte Natur Virginias zu brettern, die Wohnzimmertapete ihres Hauses in Georgetown, in dem sie st�ndig irgendwelche Umbauten vornahmen, kritisch betrachtete. Er hatte geduldig genickt, als Gamay die Umbau- und Renovierungsprojekte aufz�hlte, die sie sich vorgenommen hatte.</p><p>Der Umbau- und Renovierungsdrang hielt jedoch nur einen Tag lang an. Gamay klebte mit der f�r sie typischen Inbrunst gerade eine Tapetenbahn nach der anderen an eine Wand, als Hank Aubrey, ein Kollege beim Scripps Institute of Oceanography, anrief und fragte, ob sie und Paul nicht Lust h�tten, an einer Untersuchung von Meereswirbeln an Bord der <emphasis>Benjamin Franklin </emphasis>vor der Atlantikk�ste teilzunehmen.</p><p>Aubrey brauchte keinerlei �berredungsk�nste aufzubringen. Mit Austin und dem Spezialteam zu arbeiten war ein Traumjob, der sie Abenteuer in den exotischsten Regionen der Welt erleben lie�. Doch manchmal sehnten sie sich nach der reinen wissenschaftlichen T�tigkeit ihrer Collegezeit.</p><p>�Meereswirbel?�, hatte Trout gefragt, nachdem sie die Einladung angenommen hatten. �Dar�ber habe ich schon in meereswissenschaftlichen Magazinen gelesen. Es geht um riesige, sich langsam bewegende Strudel kalten oder warmen Wassers, die manchmal einen Durchmesser von mehreren hundert Kilometern haben.�</p><p>Gamay nickte. �Laut Hank hat das Interesse an diesem Ph�nomen erheblich zugenommen. Die Wirbel k�nnen Bohrvorhaben beeintr�chtigen und das Wetter beeinflussen. G�nstigenfalls k�nnen sie im Meer lebende Mikroorganismen vom Meeresboden an die Oberfl�che sp�len und eine Explosion innerhalb der Nahrungskette ausl�sen. Ich werde mich mit dem Zustrom an N�hrstoffen und seinen Auswirkungen auf die Fischwirtschaft und auf Walpopulationen besch�ftigen, w�hrend du dich auf die geologischen Komponenten konzentrieren kannst.�</p><p>Paul, dem die wachsende Erregung in der Stimme seiner Frau nicht entgangen war, meinte: �Ich liebe es, wenn dich die Leidenschaft packt und du schmutzige Sachen sagst.�</p><p>Gamay blies eine Haarstr�hne, die ihr ins Gesicht gefallen war, beiseite. �Wir Wissenschaftler sind ein wenig seltsam, was Dinge angeht, die uns scharf machen.�</p><p>�Was ist mit dem Tapezieren?�, h�nselte Paul sie.</p><p>�Daf�r heuern wir jemanden an.�</p><p>Paul warf die Tapetenb�rste in einen Eimer. �Das lobe ich mir, Cap�, sagte er wie fr�her auf dem Fischkutter nach einem erfolgreichen Fang.</p><p>Die Zusammenarbeit der Trouts lief mit der Pr�zision einer teuren Schweizer Uhr ab. Diese ganz spezielle Art von Teamwork war ein Merkmal, das der ehemalige NUMA-Chef James Sandecker erkannt hatte, als er sie zum ersten Mal f�r das Spezialteam f�r Sonderauftr�ge engagiert hatte. Beide waren jetzt Mitte drei�ig. Rein �u�erlich betrachtet, waren sie ein Paar, bei dem scheinbar nichts zusammenpasste.</p><p>Paul war der Ernstere der beiden. Er schien st�ndig in Gedanken versunken zu sein, ein Eindruck, der durch seine Gewohnheit verst�rkt wurde, stets mit gesenktem Kopf zu sprechen und dabei von unten hochzuschauen, als blicke er �ber den Rand einer Brille. Er schien immer erst in sich zu gehen, ehe er irgendetwas von Bedeutung von sich gab. Seine Ernsthaftigkeit wurde jedoch durch einen verschmitzten Humor gemildert.</p><p>Gamay war erheblich offener und lebhafter als ihr Ehemann. Sie war eine hochgewachsene, schlanke Frau, die sich mit der Grazie eines Topmodels bewegte, und hatte ein strahlendes L�cheln, bei dem sie immer eine kleine L�cke zwischen ihren oberen Schneidez�hnen entbl��te. Nicht unbedingt atemberaubend oder ausgesprochen sexy, weckte sie trotzdem das Interesse fast aller M�nner. Kennen gelernt hatten sie sich am Scripps, wo Paul gerade studierte, um in Tiefseegeologie zu promovieren, und Gamay hatte daraufhin ihr Interessensgebiet gewechselt und war von Meeresarch�ologie auf Meeresbiologie umgestiegen.</p><p>Wenige Stunden, nachdem der Anruf sie erreicht hatte, hatten sie ihre Siebensachen gepackt und waren an Bord der <emphasis>Benjamin Franklin </emphasis>gegangen. Die <emphasis>Franklin </emphasis>verf�gte �ber eine erstklassig ausgebildete Mannschaft sowie zehn Wissenschaftler von verschiedenen Universit�ten und Bundesbeh�rden. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Durchf�hrung hydrographischer Untersuchungen entlang der Atlantikk�ste und im Golf von Mexiko.</p><p>W�hrend einer typischen Reise f�hrte das Schiff Tausende von pr�zisen Tiefenmessungen durch, um ein Bild vom Meeresboden und m�glichen Wracks oder anderen Hindernissen und Auff�lligkeiten zu erhalten. Mithilfe der auf diese Weise gewonnenen Informationen wurden nautische Karten f�r die NOAA, die National Oceanic and Atmospheric Administration, aktualisiert.</p><p>Aubrey hatte sie an der Gangway begr��t und an Bord des Schiffs willkommen gehei�en. Aubrey war von zierlicher Statur. Seine flatterhafte Emsigkeit, seine spitze Nase und sein st�ndiges Geplapper ohne Punkt und Komma lie�en einen unwillk�rlich an einen aufgeregten Haussperling denken. Er brachte sie zu ihrer Kabine. Nachdem sie dort ihre Reisetaschen abgestellt hatten, suchten sie die Messe auf. Dort setzten sie sich an einen Tisch, und Aubrey brachte ihnen Tee.</p><p>�Verdammt, es ist richtig toll, Sie hier zu haben�, sagte er.</p><p>�Ich freue mich aufrichtig, dass Sie sich an unserem Projekt beteiligen. Wie lange ist es her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben? Drei Jahre?�</p><p>�Eher f�nf�, sagte Gamay.</p><p>�Autsch. Auf jeden Fall viel zu lange�, sagte Aubrey. �Wir werden das w�hrend dieser Reise sicher aufholen. Das Schiff l�uft in zwei Stunden aus. Ich denke oft an Sie und Ihre Arbeit bei der NUMA. Es muss faszinierend sein.� Der Neid, der in Aubreys Stimme mitschwang, war nicht zu �berh�ren. �Meine Arbeit auf den bewegten Gew�ssern verblasst erheblich im Vergleich mit Ihren Abenteuern.�</p><p>�Ganz und gar nicht, Hank�, widersprach Gamay. �Paul und ich w�rden wer wei� was tun, um wieder mal rein wissenschaftlich arbeiten zu k�nnen. Und nach dem, was ich gelesen habe, ist Ihre Arbeit f�r sehr viele Leute immens wichtig.�</p><p>Aubreys Miene hellte sich auf. �Wahrscheinlich haben Sie Recht. Morgen findet eine allgemeine Besprechung �ber verschiedene wissenschaftliche Aspekte statt. Was wissen Sie �ber das Ph�nomen ozeanischer Wirbel?�</p><p>�Nicht sehr viel�, gab Gamay zu. �Haupts�chlich, dass die Wirbel noch ziemlich unerforscht sind.�</p><p>�Das ist richtig. Deshalb ist diese Forschungsreise von erheblicher Bedeutung.� Aubrey zupfte eine Serviette aus dem Spender auf dem Tisch und fischte einen Kugelschreiber aus der Tasche. Es war eine Geste, die die Trouts schon von einem Dutzend anderer Gelegenheiten kannten.</p><p>�Sie werden sich die Satellitenbilder ansehen k�nnen, aber ich will Ihnen zeigen, womit wir es grunds�tzlich zu tun haben. Wir laufen einen Punkt in direkter N�he des Golfstroms an, etwa dreihundertf�nfzig Kilometer auf dem Meer. Dieser Wirbel hat einen Durchmesser von gut hundertf�nfzig Kilometern. Er befindet sich �stlich von New Jersey am Rand des Golfstroms.� Er zeichnete einen unregelm��igen Kreis auf die Serviette.</p><p>�Das sieht aus wie ein Spiegelei�, stellte Trout fest.</p><p>Trout zog Aubrey gerne wegen seiner Vorliebe auf, wissenschaftliche Probleme auf Servietten darzustellen, wobei er ihm einmal sogar empfohlen hatte, diese Zeichnungen und Berechnungen zu einem Lehrbuch zusammenzufassen.</p><p>�K�nstlerische Freiheit�, entschuldigte Aubrey sich. �Es vermittelt Ihnen einen Eindruck von unserem Forschungsobjekt. Ozeanische Wirbel sind sich langsam bewegende Strudel, die gelegentlich Durchmesser von mehreren hundert Kilometern haben. Offenbar werden sie von Meeresstr�mungen ausgel�st. Einige rotieren im Uhrzeigersinn, andere in der entgegengesetzten Richtung. Sie k�nnen W�rme oder K�lte transportieren und bef�rdern N�hrstoffe vom Meeresgrund zur Oberfl�che. Je nachdem beeinflussen sie nachhaltig das Wettergeschehen und erzeugen eine Explosion marinen Lebens entlang der Nahrungskette.�</p><p>�Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Fischkutter gerne am Rand dieser Erscheinungen operieren�, sagte Trout.</p><p>�Menschen sind nicht die einzigen Raubtiere, die die biologische Bedeutung dieser Wirbel erkannt haben.� Aubrey zeichnete einige weitere Bilder auf die Serviette und hielt sie hoch.</p><p>�Jetzt sieht es aus wie ein Spiegelei, das von einem riesigen Fisch angegriffen wird�, sagte Trout.</p><p>�Wie jeder mit halbwegs gesunden Augen sehen kann, sind es Wale. Von ihnen wei� man, dass sie ihre Nahrung am Rand dieser Wirbel suchen. Es gibt einige wissenschaftliche Teams, die versuchen, die Wale zu ihren Weidepl�tzen zu verfolgen.�</p><p>�Sie benutzen also die Wale f�r die Suche nach Wirbeln�, stellte Trout fest.</p><p>Aubrey zuckte die Achseln. �Sicher, aber es gibt bessere Methoden, um diese Sch�tzchen zu suchen, anstatt Pottwale zu verfolgen. Die durch W�rme bedingte Ausdehnung des Wassers innerhalb eines Wirbels verursacht eine Unregelm��igkeit im Ozean, die von Satelliten aufgesp�rt werden kann.�</p><p>�Was bringt Meeresstr�mungen dazu, diese Wirbel entstehen zu lassen?�, fragte Trout.</p><p>�Das ist etwas, das wir durch diese Expedition aufzukl�ren hoffen. Sie beide sind f�r dieses Projekt bestens ausger�stet. Gamay kann ihre biologischen Kenntnisse zur Beantwortung dieser Frage heranziehen, und wir hoffen, dass Sie eins der Computermodelle erstellen k�nnen, in denen Sie so gut sind.�</p><p>�Danke f�r Ihre Einladung hierher. Wir tun unser Bestes�, versprach Gamay.</p><p>�Das wei� ich. Dies hier ist mehr als nur reine Wissenschaft. Diese riesigen Wirbel k�nnen das Wetter nachhaltig beeinflussen. Ein station�rer ozeanischer Wirbel vor der K�ste Kaliforniens kann f�r niedrige Temperaturen und Regen in L.A. sorgen. Entsprechend kann im Atlantik eine solche Erscheinung, die durch den Golfstrom ausgel�st wird, dichten Nebel hervorrufen.�</p><p>�Gegen das Wetter k�nnen wir nicht viel tun�, sagte Trout.</p><p>�Das ist richtig, aber zu wissen, was auf uns zukommt, gibt uns die M�glichkeit, uns darauf vorzubereiten. Die Beobachtung von Meereswirbeln k�nnte f�r die nationale Wirtschaft von lebenswichtiger Bedeutung sein. Die Sicherheit der Handelsschifffahrt und der Strom von �l, Kohle, Stahl, Automobilen, Getreide und sonstiger Fracht h�ngt wesentlich von sicheren Wettervorhersagen ab.�</p><p>�Deshalb interessiert die NOAA sich ja auch so sehr f�r unsere Arbeit�, sagte Trout.</p><p>Aubrey nickte. �Das bringt mich darauf, dass ich mit dem Kapit�n noch unseren Zeitplan besprechen muss.� Er erhob sich und dr�ckte seinen G�sten die H�nde. �Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass ich Sie beide wieder in meinem Team habe. Heute Abend veranstalten wir eine Kennenlernparty.� Er schob Trout die Serviette �ber den Tisch zu. �Morgen fr�h veranstalten wir ein Quiz �ber diese Dinge, Sie Schlaumeier.�</p><p>Zu Trouts Gl�ck hatte Aubrey die Ank�ndigung eines Quiz nur scherzhaft gemeint, allerdings erwies sich die wissenschaftliche Vorbesprechung als sehr aufschlussreich. Und als das Forschungsschiff den Anker warf, wussten die Trouts �ber Meereswirbel bestens Bescheid. Vom Oberdeck des Schiffs aus betrachtet sah das Meer in der Umgebung des Wirbels nicht viel anders aus als in anderen Regionen, jedoch hatten Satellitenfotos und Computermodelle ergeben, dass die Wassermassen sich mit einer Geschwindigkeit von ungef�hr f�nf Kilometern in der Stunde bewegten.</p><p>Trout hatte einige Computermodelle vom Meeresgrund in der N�he des Wirbels erstellt, und Gamay konzentrierte sich auf die biologischen Auswirkungen. Die Erforschung des Phytoplanktons war ein wesentlicher Teil ihrer Untersuchungen, weshalb sie es so eilig hatte, diesen Teil ihrer Arbeit abzuschlie�en.</p><p>W�hrend das Zodiac tief in die Wellent�ler eintauchte, lie�en sie ein Neustonnetz �ber den Bootsrand ins Wasser. Die Einlass�ffnung des Netzes bestand aus einem rechteckigen Rahmen aus d�nnen R�hren, w�hrend das Netz selbst gut drei Meter lang und spitz zulaufend war, so dass eine gro�e Wassermenge durch die Maschen str�men konnte. Sie justierten die L�nge der Zugleine so, dass das Netz an der Wasseroberfl�che trieb. Dann unternahmen sie mehrere Geradeausfahrten, angefangen an den Markierungsbojen, wobei sie den wei�en Rumpf des NOAA-Schiffs als Bezugspunkt benutzten, um ihren Kurs zu halten. Sie erzielten gute Resultate, als das Netz reichliche Planktonproben einsammelte.</p><p>Mit dem Motor im Leerlauf half Trout seiner Frau beim Einholen der letzten Proben, als ein seltsames Rauschen erklang und sie beide hochschauten. Sie wechselten verdutzte Blicke und schauten dann zum Schiff hin�ber. Nichts schien sich ver�ndert zu haben. An Deck waren einige Leute zu sehen, die dort ihren jeweiligen T�tigkeiten nachgingen.</p><p>Gamay bemerkte ein gelegentliches Funkeln auf der Wasseroberfl�che, als ob die Sonne eine Leuchtstofflampe in den letzten flackernden Z�gen sei. �Sieh mal zum Himmel�, sagte Gamay.</p><p>Trout hob den Kopf, und ihm fiel das Kinn fast auf die Brust. Die Wolken schienen von einem silbernen Feuer umh�llt zu sein, das pulsierende grelle Blitze aussandte. Er betrachtete gebannt das himmlische Schauspiel und reagierte mit einer ausgesprochen unwissenschaftlichen Feststellung.</p><p>�Donnerwetter!�, sagte er.</p><p>Das Ger�usch, das sie geh�rt hatten, wiederholte sich, nur diesmal um einiges lauter. Es schien seinen Ursprung im offenen Meer jenseits des NOAA-Schiffs zu haben. Trout wischte sich die Regentropfen aus den Augen und deutete auf das Meer.</p><p>�Irgendetwas ist bei zwei Uhr in zweihundert Metern Entfernung im Gange�, meinte er.</p><p>Ein halbwegs kreisrunder Fleck verdunkelte sich, als ob dort der Schatten einer Wolke erschienen war.</p><p>�Was ist das?�, fragte Gamay.</p><p>�Keine Ahnung�, antwortete Trout. �Aber es wird deutlich gr��er.�</p><p>Der dunkle Fleck dehnte sich aus und bildete eine Kreisfl�che wogenden, gekr�uselten Wassers. Sein Durchmesser betrug gut drei�ig Meter. Dann sechzig Meter. Und er nahm schnell zu. Ein helles wei�es Band erschien am Rand des dunklen Kreises und entwickelte sich zu einer niedrigen Wand aus Gischt. Ein tiefes Seufzen stieg aus der Tiefe auf, als ob der Ozean vor Schmerzen aufschrie.</p><p>Dann sackte die Mitte der dunklen Fl�che pl�tzlich ab, und eine riesige Wunde tat sich im Ozean auf. Sie vergr��erte sich rasend schnell und w�rde sie innerhalb weniger Sekunden erreichen.</p><p>Trouts Hand ergriff instinktiv den Gashebel, w�hrend gleichzeitig die Str�mung unsichtbare H�nde nach ihnen ausstreckte und sie in Richtung des schwarzen Abgrunds zog.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Die m�chtige Grube, die sich im Meer ge�ffnet hatte, war nur f�r einen kurzen Moment zu erkennen, ehe sie hinter einem hochwachsenden Wall aus Schaum verschwand. Gischtflocken l�sten sich vom Kamm des Schaumwalls. Ein intensiver Salzgeruch lag pl�tzlich in der Luft, als ob das Zodiac-Schlauchboot sich inmitten eines riesigen Fischschwarms befand.</p><p>Das NOAA-Schiff nahm Kurs auf das Schlauchboot. Leute dr�ngten sich an der Reling. Sie deuteten und winkten heftig. Das Boot war kurz davor, sich aus der hartn�ckigen Str�mung zu befreien, als sich eine schwere See �ber den stumpfen Bug ergoss und sie an Fahrt verloren. Trout biss die Z�hne zusammen. Er drehte den Gashebel so weit auf wie m�glich und lenkte den Bug von dem drohenden Kessel weg. Der Motor lief auf Hochtouren, und es h�rte sich an, als w�rden jeden Moment die Ventile rei�en. Ein Ruck nach dem anderen durchlief das Boot, als w�rde es mit Elektroschocks traktiert. Das Zodiac schaffte ein oder zwei Meter, ehe es wieder von dem kraftvollen Sog erfasst wurde, den der riesige Strudel erzeugte.</p><p>Ein Rumpeln stieg aus den Tiefen des Meeres auf, ein Ger�usch so �berw�ltigend, dass es sogar das verzweifelte R�hren des auf Hochtouren laufenden Motors �bert�nte. Die Luft vibrierte, als ob Hunderte von Orgeln gleichzeitig ihren tiefsten Ton spielten. Dicker, milchiger Nebel quoll aus dem Trichter im Wasser. Noch unwirklicher wurde die Szenerie durch das Lasergewitter am Himmel. Die bislang silbernen tanzenden Lichtblitze hatten die Farbe gewechselt und leuchteten jetzt blau und purpurrot.</p><p>Das Boot wurde in eine sich verengende Spirale gerissen, w�hrend es in den Schaumg�rtel hineingezogen wurde. Es war unm�glich, sich daraus zu befreien. Das Zodiac wurde auf den wogenden Kamm aufsch�umenden Wassers gehoben, mittlerweile etwa zwei Meter hoch, wo es mit derartiger Wucht hin und her geworfen wurde, dass Gamay beinahe ins Meer geschleudert wurde.</p><p>Trout lie� das Ruder los und hechtete hinter Gamay her. Seine kr�ftigen Finger bekamen den Stoff ihrer Wetterjacke zu fassen, und er zog sie zur�ck ins Boot. Es war zu gef�hrlich, stehen zu bleiben. Daher lie�en sie sich auf die Knie nieder und hielten sich an der Sicherheitsleine fest, die an einem der aufblasbaren Rumpfw�lste befestigt war.</p><p>Das Zodiac war den sch�umenden Fluten hilflos ausgeliefert. Als reichte das Schaukeln und Schwanken noch nicht aus, begann das Boot, sich wie ein betrunkener Ballettt�nzer zu drehen.</p><p>Wie ein Spielball der Naturgewalten tanzte das Boot auf dem Wellenkamm. Auf der einen Seite befand sich das offene Meer. Auf der anderen Seite klaffte ein riesiger rotierender Trichter, dessen schwarze W�nde im Winkel von f�nfundvierzig Grad abfielen. Die Innenwand des Strudels sah aus, als w�re sie hart wie Glas.</p><p>Das Boot balancierte m�hsam auf der Krone der sch�umenden Wand und glitt dann hinab in den gigantischen wirbelnden Trichter aus schwarzem Wasser. Die heftige Str�mung, die die Innenwand des Strudels vorw�rtspeitschte, war st�rker als die Schwerkraft. Das Absinken des Bootes endete ungef�hr sieben Meter unterhalb der Gischtkrone. Von der Zentrifugalkraft erfasst wie eine Kugel in einem Roulettekessel, begann das Boot, mit der Innenwand des Trichters zu kreisen.</p><p>Das Zodiac nahm eine Schieflage von f�nfundvierzig Grad ein, wobei sein flacher Boden sich der schr�gen Wasserwand anpasste und die Backbordseite tiefer lag als die Steuerbordseite. Der Bug zeigte nach vorne, als ob das Boot aus eigener Kraft seinem Rundkurs folgte.</p><p>Die Trouts verdrehten ihre K�rper, so dass sie ihre Stiefel unter dem tieferen Randwulst verkeilen konnten. Sie blickten hinunter in den Strudel. Er hatte mittlerweile einen Durchmesser von mindestens anderthalb Kilometern. Die Trichterwand fiel steil ab, und der Grund war unter den dichten, wallenden Nebelschwaden verborgen, die von dem brodelnden Wasser aufstiegen. Licht, das durch den Nebel drang, hatte f�r die Entstehung eines Regenbogens gesorgt, der sich �ber dem Mahlstrom spannte, als ob die Natur diese Demonstration brutaler Kraft mit einem Akzent zarter Sch�nheit mildern wollte.</p><p>Ohne einen statischen Bezugspunkt war es unm�glich festzustellen, wie schnell sie sich bewegten oder wie oft das Zodiac die Kreisbahn durchlaufen hatte. Aber nach mehreren Minuten schien der Rand des Trichters weiter in die H�he gewachsen zu sein. Es war erschreckend offensichtlich, dass das Boot weiter absank, w�hrend es vorw�rtsgewirbelt wurde.</p><p>Um sich wieder zu orientieren, schaute Gamay zu dem kreisrunden Himmelsausschnitt hinauf. Sie bemerkte eine Bewegung am Rand des Strudels und deutete mit ihrer freien Hand nach oben.</p><p>Trout wischte sich das Wasser aus den Augen. �Oh mein Gott�, stie� er hervor. �Das ist die <emphasis>Franklin.</emphasis>�</p><p>Das Schiff befand sich auf der Kante des Wirbels, wobei sein Heck in die Luft ragte. Nach einem kurzen Moment war das Schiff nicht mehr zu sehen. Sekunden sp�ter tauchte es wieder auf, nur um kurz darauf wieder zu verschwinden.</p><p>Die Trouts verga�en ihre ungl�ckliche Lage. Dem seltsamen Verhalten des Schiffs nach zu urteilen, war es offensichtlich, dass die <emphasis>Franklin </emphasis>von der wirbelnden Str�mung erfasst worden war, die der Strudel erzeugte, und in den Trichter gezogen wurde.</p><p>Das Schiff rutschte in einem t�dlichen Tauziehen vor und zur�ck, w�hrend die Schrauben aus dem Wasser auftauchten und das Schiff seinen Antrieb verlor. Es kippte dann nach hinten, die Schrauben fanden Widerstand, und das Schiff stieg hoch und schob sich in einer S�gebewegung �ber den Trichterrand, ein Vorgang, der sich mehrere Minuten lang wiederholte. Dann wurde es in seiner ganzen L�nge �ber die Kante in den Kessel gezogen. Sein Bug war h�her als das Heck. Es hing dort wie angeklebt.</p><p>�Los, Baby, du schaffst es��!�, br�llte Trout.</p><p>Gamay schickte ihm einen kurzen Blick, l�chelte sogar �ber diese ungew�hnliche Demonstration aktiver Anteilnahme, ehe auch sie in die Anfeuerungsrufe einstimmte.</p><p>Das glatte Wasser hinter dem Schiff brodelte, als kochte es auf st�rkster Flamme. Die Maschinen entfalteten ihre volle Kraft. Die Schrauben fra�en sich in die steile Innenwand des Trichters, das Schiff schob sich m�hsam zum Rand hinauf, sackte zur�ck, schoss ein kurzes St�ck hoch, wurde mit Gischt �bersch�ttet, machte dann einen regelrechten Satz, der es schlie�lich �ber die Kante trug.</p><p>Diesmal verschwand das Schiff vollends. Die Trouts jubelten, doch ihre Freude wurde durch ihr eigenes Gef�hl der Einsamkeit und Ohnmacht gegen�ber den unaufhaltsamen M�chten der Natur ged�mpft.</p><p>�Hast du irgendeine Idee, wie wir hier herauskommen sollen?�, rief Gamay.</p><p>�Vielleicht verl�uft der Strudel sich von selbst.�</p><p>Gamay blickte nach unten. W�hrend der paar Minuten, in denen sie den Kampf des Schiffs verfolgt hatten, war das Boot mindestens sieben weitere Meter abgesunken.</p><p>�Das glaube ich nicht.�</p><p>Das Wasser hatte seine Tintenfarbe verloren, und die glatten schwarzen Innenfl�chen des Trichters zeigten jetzt eine br�unliche T�nung, die dem Schlamm zu verdanken war, der vom Meeresgrund hochgesp�lt wurde. Hunderte von toten und verendenden Fischen wirbelten auf einer riesigen Kreisbahn herum wie Konfetti in einem heftigen Sturm. Die feuchte Luft war durchsetzt mit dem Geruch von Salzwasser, Fischen und Meeresschlamm.</p><p>�Sieh doch den ganzen Abfall�, sagte Paul. �Er steigt vom Grund hoch.�</p><p>Tr�mmer wurden vom Meeresgrund auf �hnliche Art und Weise hochgesogen, wie ein Tornado Gegenst�nde erfasst und sie durch die Luft schleudert. Zu sehen waren zersplitterte Holzkisten, Sperrholztr�mmer, Lukendeckel, Teile von Ventilatoren, sogar ein besch�digtes Rettungsboot. Vieles von dem Material sank gleich wieder zur�ck in den Wirbel, wo es genauso ausgespien und zerst�rt wurde, als bef�nde es sich am Ende der Niagaraf�lle.</p><p>Gamay bemerkte, dass einige St�cke, und zwar vorwiegend kleine, zum Rand aufstiegen. �Wie w�re es, wenn wir ins Wasser springen w�rden?�, fragte sie. �Vielleicht sind wir leicht genug, genauso wie dieses Zeug nach oben zu steigen.�</p><p>�Darauf k�nnen wir uns nicht verlassen. H�chstwahrscheinlich werden wir tiefer in den Strudel gezogen, um ganz unten zu Hackfleisch verarbeitet zu werden. Vergiss nicht die wichtigste Regel aller Seefahrer: Bleibe stets bei deinem Boot�� wenn irgend m�glich.�</p><p>�Das ist vielleicht keine so gute Idee. Wir sind n�mlich weiter gesunken.�</p><p>Es stimmte. Das Boot war tiefer in den Strudel gerutscht.</p><p>Ein zylindrisches Objekt wanderte langsam an der Innenwand des Strudels aufw�rts. Dann folgten weitere.</p><p>�Was ist das?�, fragte Trout.</p><p>Gamay wischte sich die Gischt aus den Augen und schaute genauer hin. Dabei peilte sie einen Punkt etwa sieben Meter in Richtung des Bugs und etwas unterhalb des Bootes an. Ehe sie auf Meeresbiologie umgestiegen war, hatte sie als Unterwasserarch�ologin gearbeitet. Daher erkannte sie sofort die spitz zulaufenden keramischen Gef��e mit ihrer graugr�nen Oberfl�che.</p><p>�Das sind Amphoren�, stellte sie fest. �Und sie wandern tats�chlich nach oben.�</p><p>Trout las die Gedanken seiner Frau. �Wir haben nur die Chance, es zu versuchen.�</p><p>�Unser Gewicht k�nnte sich auf den Auftrieb auswirken, aber wir haben nur eine einzige Chance.�</p><p>�Haben wir eine Wahl?�</p><p>Die drei antiken Weingef��e waren aufreizend nahe. Trout kroch zur Lenks�ule und bet�tigte den Starterknopf. Der Motor sprang an. Das Boot bewegte sich in seiner grotesken Schieflage vorw�rts, und er musste seine Neigung, seitlich auszubrechen, durch behutsame Lenkbewegungen kompensieren. Er wollte das Zodiac �ber die Amphoren bugsieren, um ihnen den Weg abzuschneiden.</p><p>Die erste Amphore begann, am Bug vorbeizutreiben. Noch eine Sekunde, und sie w�re au�er Reichweite. Trout gab Gas, und das Boot erreichte eine Position oberhalb des Tongef��es.</p><p>�Mach dich bereit!�, br�llte Trout. Der Sprung musste zeitlich und r�umlich genau bemessen sein. �Das Ding ist sicherlich glitschig und wird sich drehen. Also sieh zu, dass du seine Henkel erwischst und dich mit Armen und Beinen daran festklammerst.�</p><p>Gamay nickte und kletterte in den Bug. �Was ist mit dir?�, fragte sie.</p><p>�Ich schnappe mir die n�chste.�</p><p>�Es wird schwierig, das Boot in Position zu halten.� Sie wusste, dass ohne jemanden, der das Boot lenkte, Trouts Sprung um einiges gef�hrlicher w�re.</p><p>�Ich �berleg mir was.�</p><p>�Den Teufel wirst du. Ich riskiere es nicht.�</p><p>Verdammt, war die Frau stur. �Das ist deine einzige M�glichkeit. Jemand muss sich zu Hause ums Tapezieren k�mmern. <emphasis>Bitte!</emphasis>�</p><p>Gamay sah ihn beschw�rend an, dann sch�ttelte sie den Kopf und kroch auf den Bugwulst. Sie zog die Beine an und machte sich bereit zum Sprung.</p><p>Sie wandte sich um und funkelte ihn w�tend an. �Sag endlich, was du willst!�</p><p>Trout hatte etwas gesehen, das Gamay entgangen war. Die glatte Wasserwand des Strudels war �ber ihnen frei von jeglichem M�ll. Die Wrackteile, die von dem Strudel aufgewirbelt worden waren, schienen eine unsichtbare Barriere erreicht zu haben, die sie auf ihrem Weg nach oben offenbar nicht �berwinden konnten. Die Tr�mmer rutschten wieder genauso schnell in den Wirbel zur�ck, wie sie darin aufgestiegen waren.</p><p>�Sieh doch�, rief er, �das Treibgut wird wieder nach unten gezogen.�</p><p>In Sekundenschnelle erkannte Gamay, dass er Recht hatte. Die Amphore befand sich mit ihnen auf gleicher H�he und stieg nicht weiter. Trout streckte die H�nde aus und zog seine Frau zur�ck ins Boot. Sie hielten sich an den Sicherheitsleinen fest und konnten nicht mehr tun, als hilflos zuzuschauen, wie ihr Boot unaufhaltsam tiefer in den Abgrund glitt.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Das halbwegs runde Gebilde auf dem Computerbildschirm erinnerte Austin an die Membrane, das Zytoplasma und den Kern einer b�sartigen Zelle.</p><p>Er wandte sich zu Adler um. �Mit was genau haben wir es hier zu tun, Professor?�</p><p>Der Wissenschaftler kratzte sich seinen zottigen Kopf.</p><p>�Fragen Sie mich was Leichteres, Kurt. Diese Erscheinung w�chst stetig und bewegt sich mit drei�ig Knoten im Kreis. Etwas ann�hernd �hnliches, was Gr��e und Geschwindigkeit betrifft, habe ich noch nie gesehen.�</p><p>�Ich auch nicht�, sagte Austin. �Ich bin schon auf heftige Strudel gesto�en, die mir richtig Angst eingejagt haben. Aber sie waren vergleichsweise klein und kurzlebig. Dies hier scheint jedoch der Fantasie Edgar Allan Poes oder Jules Vernes entsprungen zu sein.�</p><p>�Die Wirbel in <emphasis>Ein Sturz in den Mahlstrom </emphasis>und <emphasis>Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer </emphasis>sind gr��tenteils literarische Erfindungen. Poe und Verne wurden dabei vom Moskstraumen-Mahlstrom in der N�he der Lofoten inspiriert. Der griechische Historiker Pytheas schrieb vor mehr als zweitausend Jahren dar�ber, er verschlinge ganze Schiffe und spucke sie wieder aus. Der schwedische Bischof Olaus Magnus berichtete um 1500, dass der Strudel st�rker sei als die Charybdis in der <emphasis>Odyssee </emphasis>und dass der Mahlstrom Schiffe auf den Grund der See schleudere und Wale in sich hineinsauge.�</p><p>�Das alles ist doch reine Fiktion. Wie sieht die Realit�t aus?�</p><p>�Weitaus weniger be�ngstigend. Der norwegische Strudel wurde wissenschaftlich untersucht, und er kommt mit seinen Daten dem m�chtigen Wirbel aus der Literatur in keiner Weise nahe. Drei andere bedeutende Strudel, der Corryvreckan in Schottland, der Saltstraumen ebenfalls vor Norwegen und der Naruto bei Japan sind weniger stark.� Er sch�ttelte den Kopf. �Schon seltsam, einem Strudel auf offenem Meer zu begegnen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Strudel oder Wirbel kommen gew�hnlich in engen Meeresarmen oder Durchl�ssen vor, wo man Wassermassen beobachten kann, die sich auff�llig schnell bewegen. Durch das Zusammenwirken von Gezeiten und Str�mungen sowie der jeweiligen Beschaffenheit des Meeresbodens k�nnen St�rungen entstehen, die bis zur Wasseroberfl�che hinaufreichen.�</p><p>Das Bild auf dem Schirm zeigte, wie die Entfernung zwischen dem Wirbel und der <emphasis>Benjamin Franklin </emphasis>stetig schrumpfte. �K�nnte dieses Gebilde dem Schiff gef�hrlich werden?�</p><p>�Nicht, wenn man sich auf fr�here wissenschaftliche Erkenntnisse st�tzen kann. Der Old-Sow-Strudel vor der K�ste von New Brunswick ist in etwa genauso stark wie der Moskstraumen, der sich mit einer Geschwindigkeit von etwa achtundzwanzig Kilometern in der Stunde bewegt. Er ist der gr��te ozeanische Wirbel auf der westlichen Halbkugel. Die Turbulenzen in der N�he des Strudels k�nnen kleinen Booten gef�hrlich werden, jedoch werden gr��ere Schiffe dadurch nicht beeintr�chtigt.� Er hielt inne und blickte sichtlich fasziniert auf den Bildschirm. �<emphasis>Verdammt!</emphasis>�</p><p>�Was ist los?�</p><p>Er starrte auf das Gebilde auf dem Schirm. �Anfangs war ich mir nicht ganz sicher. Aber dieses Ding w�chst rasend schnell. In den letzten Minuten hat es seine Gr��e fast verdoppelt.�</p><p>Austin hatte genug gesehen.</p><p>�Ich m�chte, dass Sie mir einen Gefallen tun, Professor�, sagte er und verlieh seiner Stimme einen m�glichst ruhigen, gelassenen Klang. �Begeben Sie sich umgehend in die Beobachtungszentrale. Bitten Sie Joe, sofort das ROV einzuholen und so bald wie m�glich auf die Kommandobr�cke zu kommen. Sagen Sie ihm, es sei dringend.�</p><p>Adler warf einen letzten Blick auf den Bildschirm und entfernte sich dann eilig. W�hrend der Professor seinen Auftrag ausf�hrte, stieg Austin zur Kommandobr�cke hinauf.</p><p>Tony Cabral, der Kapit�n der <emphasis>Throckmorton, </emphasis>war ein freundlicher Mann Ende f�nfzig. Sein von der Sonne gebr�untes Gesicht wurde von einer markanten Nase beherrscht, er hatte einen Schnurrbart mit nach oben gezwirbelten Enden, und sein Mund war gew�hnlich zu einem knorrigen Grinsen verzogen, das ihn wie einen freundlichen Piraten aussehen lie�. Im Augenblick war seine Miene jedoch todernst und zeigte pl�tzlich einen Ausdruck h�chster �berraschung, als er Austin erblickte.</p><p>�Hey, Kurt, ich wollte Sie gerade suchen lassen.�</p><p>�Wir haben ein Problem�, sagte Austin.</p><p>�Sie wissen von dem SOS-Ruf, den wir aufgefangen haben?�</p><p>�Das h�re ich zum ersten Mal. Was ist los?�</p><p>�Wir haben vor ein paar Minuten ein Mayday von einem NOAA-Schiff empfangen.�</p><p>Damit best�tigten sich Austins schlimmste Bef�rchtungen. �Wie ist ihre augenblickliche Lage?�</p><p>Cabral runzelte die Stirn. �Der gr��te Teil der Botschaft war verzerrt. Es gab jede Menge Hintergrundger�usche. Wir haben den Ruf aufgenommen. Vielleicht ergibt er f�r Sie einen Sinn.�</p><p>Er bet�tigte einen Schalter auf der Funkkonsole. Die Br�cke f�llte sich mit einer Kakophonie, die klang wie ein Redewettstreit in einem Irrenhaus. Wilde Rufe ert�nten, jedoch waren die Worte nicht zu verstehen bis auf eine heisere m�nnliche Stimme, die den Tumult �bert�nte.</p><p>�<emphasis>Mayday!</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>sagte die Stimme. �Hier ist das NOAA-Schiff <emphasis>Benjamin Franklin. Mayday. </emphasis>Bitte antworten Sie, wer immer uns h�rt.�</p><p>Eine andere Stimme, noch verzerrter, war im Hintergrund zu h�ren, wie sie br�llte: �<emphasis>Leistung! </emphasis>Verdammt, mehr Leistung���</p><p>Dann lie� sich ein kurzer Satz vernehmen. Er war nur am Rande zu h�ren, jedoch reichte er aus, um den Lauschenden das nackte Grauen zu vermitteln.</p><p>�<emphasis>Verdammt! </emphasis>Wir st�rzen rein!�</p><p>Cabrals auf Tonband aufgenommene Antwort folgte. Er beantwortete den SOS-Ruf so gut es ging.</p><p>�Hier ist das NUMA-Schiff <emphasis>Throckmorton. </emphasis>Wie ist Ihre Lage? Melden Sie sich. Wie ist Ihre Lage?�</p><p>Seine Worte wurden von einem dumpfen, brodelnden Get�se verschluckt, das klang wie ein Sturm, der durch eine H�hle blies. Dann verstummte das Funkger�t. Die Stille, die nun folgte, war noch viel schlimmer als jeglicher L�rm.</p><p>Austin versetzte sich in Gedanken auf die Kommandobr�cke der <emphasis>Franklin. </emphasis>Offensichtlich hatte dort das totale Chaos geherrscht. Die Stimme, die um Hilfe rief, geh�rte wahrscheinlich dem Kapit�n. Oder, was n�her lag, er war derjenige, der vom Maschinenraum mehr Leistung verlangte.</p><p>Das unheimliche dumpfe Get�se war mit nichts zu vergleichen, dem Austin in seinem bisherigen Leben begegnet war. Ihm wurde bewusst, dass die Haare in seinem Nacken sich aufgerichtet hatten und stramm standen wie Soldaten bei einer Parade. Er schaute sich auf der Kommandobr�cke um. Den Gesichtern des Kapit�ns und der �brigen Besatzung nach zu urteilen, war er mit seinen �berlegungen nicht alleine.</p><p>�Wie lautet die Position der <emphasis>Franklin</emphasis>?�<emphasis>, </emphasis>wollte Austin wissen.</p><p>Kapit�n Cabral ging zu dem bl�ulich leuchtenden Radarschirm.</p><p>�Das ist auch so eine verr�ckte Sache. Als wir sie mit dem Radar orteten, waren sie gut drei�ig Kilometer weit entfernt. Sie waren nach S�dwesten unterwegs. Und dann verschwanden sie pl�tzlich vom Schirm.�</p><p>Austin verfolgte, wie der Suchstrahl des Radars ein paarmal �ber den Schirm wanderte. Von dem Schiff war nichts zu sehen au�er ein paar vereinzelten Signalen, wo der Radarstrahl die Wellenk�mme ber�hrte. �Wie lange brauchen wir bis zu der Stelle?�</p><p>�Weniger als eine Stunde. Wir m�ssen jedoch vorher das ROV reinholen.�</p><p>�Darum k�mmert Joe sich bereits. Mittlerweile m�sste das Vehikel wieder an Bord sein.�</p><p>Cabral gab Befehl, den Kurs zu �ndern und mit voller Kraft die <emphasis>Benjamin Franklin </emphasis>anzusteuern. Die <emphasis>Throckmorton </emphasis>lichtete den Anker, und ihr hoher Bug schnitt mit zunehmender Geschwindigkeit durch die Wellen, als Zavala zusammen mit Professor Adler auf der Kommandobr�cke erschien.</p><p>�Der Professor hat mir von dem Strudel berichtet�, sagte Zavala. �Gibt es irgendwelche Nachrichten von der <emphasis>Franklin?</emphasis>�</p><p>�Sie haben ein SOS gesendet, doch dann wurde die Funkverbindung unterbrochen. Und wir haben sie auf dem Radar verloren.�</p><p>Cabral hatte den kurzen Dialog mitgeh�rt. �Was war das gerade mit einem Strudel, Kurt?�</p><p>�Der Professor und ich haben uns ein paar Satellitenbilder angesehen und in der N�he der letzten bekannten Position der Franklin eine riesige kreisrunde St�rung im Wasser ausgemacht. Durchmesser etwa drei bis vier Kilometer.�</p><p>�Ist die NOAA zur Zeit nicht gerade damit besch�ftigt, ozeanische Wellenerscheinungen, sogenannte Eddies, zu untersuchen?�</p><p>�Dies ist keine langsame Welle. Die Erscheinung, mit der wir es hier zu tun haben, ist wahrscheinlich einige Hundert Meter tief und rotiert mit mehr als drei�ig Knoten.�</p><p>�Das meinen Sie nicht ernst.�</p><p>�Sogar todernst, f�rchte ich.�</p><p>Austin bat den Professor zu beschreiben, was sie gesehen hatten. Adler setzte den Kapit�n �ber die Einzelheiten ins Bild, als sie durch den Funker unterbrochen wurden.</p><p>�Wir haben sie wieder auf dem Radar�, meldete er.</p><p>�K�pt�n�, meinte der Funker nur Sekunden sp�ter. �Ich kriege gerade einen Ruf von der <emphasis>Franklin </emphasis>herein.�</p><p>Cabral ergriff das Mikrofon. �Hier spricht Kapit�n Cabral vom NUMA-Schiff <emphasis>Throckmorton. </emphasis>Wir haben Ihren Notruf aufgefangen. Wie ist Ihr derzeitiger Status?�</p><p>�Hier ist der Kapit�n der <emphasis>Franklin. </emphasis>Im Augenblick sind wir au�er Gefahr, aber das Schiff wurde beinahe von einem riesigen Loch im Meer verschluckt. Das war das verdammteste Ding, das ich je gesehen habe.�</p><p>�Wurde jemand verletzt?�</p><p>�Einige Beulen und Bluterg�sse, aber damit kommen wir zurecht.�</p><p>Austin lieh sich das Mikrofon aus. �Hier spricht Kurt Austin. An Bord Ihres Schiffs sind zwei Freunde von mir. K�nnen Sie mir mitteilen, wie es Paul und Gamay Trout geht?�</p><p>Stille trat ein, und zuerst schien es, als sei die Sprechfunkverbindung unterbrochen. Dann war wieder die Stimme zu h�ren. �Ich bedauere sehr, was ich Ihnen mitteilen muss. Sie f�hrten eine Planktonuntersuchung mit dem Zodiac-Schlauchboot durch, als der Strudel sie mitriss. Wir haben versucht, ihnen zu Hilfe zu kommen, wobei wir jedoch selbst in Schwierigkeiten gerieten.�</p><p>�Haben Sie sie tats�chlich in dem Strudel gesehen?�</p><p>�Wir hatten alle H�nde voll zu tun, und die Sicht ist sogar jetzt noch gleich null.�</p><p>�Wie weit sind Sie im Augenblick von dem Wasserwirbel entfernt?�</p><p>�Ungef�hr anderthalb Kilometer. Wir wagen uns nicht n�her heran. Die Str�mungen in der weiteren Umgebung dieser Erscheinung sind immer noch ziemlich stark. Was sollen wir Ihrer Meinung nach tun?�</p><p>�Bleiben Sie so nahe wie m�glich an dem Strudel dran. Wir kommen r�ber, um uns die Sache anzusehen.�</p><p>�Wird gemacht. Viel Gl�ck.�</p><p>�Danke�, sagte Austin und drehte sich zu Cabral um.</p><p>�Pete, ich brauche den Schiffshelikopter. Wie schnell kann er startbereit sein?�</p><p>Cabral kannte Austins Ruf bei der NUMA. Er wusste, dass dieser selbstsichere Mann mit den rammbock�hnlichen Schultern und den hellblonden Haaren trotz seines unbeschwerten L�chelns und seines l�ssigen Auftretens f�hig war, wirklich jedes noch so unl�sbar erscheinende Problem anzupacken und aus der Welt zu schaffen. Cabral war ein erfahrener Seemann, aber die Situation, die sich hier entwickelte, �berstieg seine F�higkeiten. Er w�rde zusehen, dass er sein Schiff seet�chtig erhielt, und Austin sich mit dem Rest herumschlagen lassen.</p><p>�Er ist aufgetankt und einsatzbereit. Ich sage der Mannschaft Bescheid, dass sie drau�en auf Sie warten.� Er griff nach dem Mikrofon f�r die schiffsinterne Sprechanlage.</p><p>Austin empfahl, dass das NUMA-Schiff seinen augenblicklichen Kurs sowie seine Geschwindigkeit beibehalten solle. Dann eilten er und Zavala hinunter zum Hubschrauberplatz auf dem Hauptdeck und machten unterwegs noch einen kleinen Umweg, um einige Gegenst�nde aus dem Ger�teraum des Schiffs mitzunehmen. Unterdessen hatte die Deckmannschaft den Motor des leichten McDonnell-Douglas-Hubschraubers warm laufen lassen. Die beiden M�nner stiegen in das Cockpit und schnallten sich an. Die Rotoren peitschten die Luft, und der Helikopter hob vom Deck ab und ging dicht �ber der Meeresoberfl�che auf Kurs.</p><p>Austin suchte das Meer mithilfe eines Feldstechers ab. Nach einigen Minuten Flug entdeckte er die Antenne und schlie�lich den Deckaufbau des NOAA-Schiffs. Es befand sich in n�chster N�he eines Kreises dunklen Meerwassers, neben dem das Schiff sich winzig klein ausnahm. Der Strudel schien sein Wachstum eingestellt zu haben, jedoch musste Austin den Mut der Besatzung der <emphasis>Franklin </emphasis>bewundern, dass sie ihre Position in n�chster N�he des Mahlstroms beibehielt.</p><p>Zavala lie� den Helikopter gut f�nfzig Meter h�her steigen und folgte einem schnurgeraden Kurs genau auf den Wirbel zu. W�hrend sie sich dem Naturschauspiel n�herten, sagte er: �Es sieht aus wie die Caldera eines Vulkans.�</p><p>Austin nickte. Es gab in der Tat einige vulkanische �hnlichkeiten, die sich haupts�chlich auf die Trichterform des Lochs und den Dunst bezogen, der daraus aufstieg. Diese dampf�hnliche Substanz war die Ursache des Nebels, der einen gro�en Teils des Ozeans bedeckte.</p><p>Die gl�nzende schwarze Innenseite des Trichters, die er durch gelegentliche L�cken in der Dunstschicht erkennen konnte, war weitaus glatter als das Innere jedes Vulkantrichters, in den er jemals hatte hineinblicken k�nnen. Nichts von dem Bild, das der Satellit �bertragen hatte, konnte auch nur ann�hernd die Schrecklichkeit des ozeanischen Ph�nomens vermitteln. Der Wirbel sah aus wie eine riesige, eiternde Stichwunde im Meer.</p><p>�Was sch�tzt du, wie gro� dieses Schlagloch ist?�, fragte Austin.</p><p>�Viel zu gro�!� Zavala kniff die Augen zusammen. �Aber um genau zu sein, w�rde ich meinen, dass es einen Durchmesser von etwa drei Kilometern hat.�</p><p>�Das w�rde ich auch sagen.� Austin nickte. �Und der Steilheit der Innenseite nach zu urteilen, k�nnte der Trichter bis auf den Meeresboden hinabreichen. Das ist jedoch bei den Dunstschwaden nicht eindeutig festzustellen. K�nnen wir noch n�her heran?�</p><p>Zavala f�hrte entsprechende Flugman�ver aus, bis sie direkt �ber dem Wirbel schwebten. Von dieser Aussichtsposition aus erschien der Kreis wie ein riesiges mit Dampf gef�lltes Waffelh�rnchen. Der Helikopter verharrte in knapp hundert Metern H�he �ber dem Strudel, aber sie schafften es noch immer nicht, tiefer hineinzublicken.</p><p>�Was nun?�, fragte Zavala.</p><p>�Wir k�nnten hineintauchen, aber am Ende kommen wir nicht mehr raus.�</p><p>�Was soll passieren?�</p><p>�Ich �berlasse dir die Entscheidung. So wie das Ding da unten aussieht, k�nnte es f�r unsere Freunde l�ngst zu sp�t sein. Durchaus m�glich, dass du dein Leben f�r nichts und wieder nichts riskierst.�</p><p>Ein Grinsen huschte �ber Zavalas dunkles Gesicht. �Wie ich schon sagte, wie lautet deine Entscheidung?�</p><p>Austin h�tte sich �ber jede andere Antwort gewundert. Niemals h�tte einer von ihnen die Freunde im Stich gelassen. Er deutete mit dem Daumen abw�rts. Zavala nickte und dr�ckte das H�hensteuer behutsam nach vorne. Der Helikopter begann mit dem Abstieg in das schwarze Zentrum des Mahlstroms.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Der infernalische L�rm war der schlimmste Teil ihres Abstiegs in den H�llenschlund.</p><p>Die Trouts konnten die Augen zukneifen, damit sie nicht in den tiefen, wirbelnden Schacht blicken mussten, doch es war unm�glich, die bet�ubenden L�rmkaskaden auszublenden, die in einem fort auf sie einst�rzten. Jedes Molek�l in ihren K�rpern schien von diesen Klang- und Ger�uschattacken zu vibrieren. Der L�rm raubte ihnen ihre letzte Annehmlichkeit: die F�higkeit zu reden. Sie konnten sich nur noch mit Gesten und dem Dr�cken der H�nde untereinander verst�ndigen.</p><p>Die herabst�rzenden Wassermassen auf dem Grund des Strudels erzeugten ein stetiges Donnergrollen, als ob sich hundert Gewitter versammelt h�tten, um sich gemeinsam zu entladen. Der Krach wurde durch die Trichterform des Wasserwirbels noch verst�rkt. Noch entsetzlicher war das laute Schnauben und Schl�rfen, das vom Grund heraufdrang, als w�rde das Zodiac in den gierigen Rachen eines riesigen gefr��igen Schweins hineingezogen.</p><p>Das Zodiac mit seinen beiden Passagieren war etwa zwei Drittel der steilen Innenwand des Trichters hinabgerutscht. Je mehr der Durchmesser des Trichters sich verringerte, desto schneller wurde die kreisf�rmige Str�mung, bis das Schlauchboot herumgewirbelt wurde wie ein Salatblatt auf dem abflie�enden Wasser in einer K�chensp�le.</p><p>Je tiefer das Boot sank, desto d�sterer wurde das unterweltartige Szenario, das sie umgab. Die dichten Nebelschwaden, die vom Grund des Strudels hochwallten, verschluckten in zunehmendem Ma� das wenige Sonnenlicht, das in den Trichter drang. Beide Trouts litten unter einem heftigen Schwindelgef�hl, das durch die st�ndige Drehbewegung hervorgerufen wurde. Die mit Wasser ges�ttigte Luft w�re auch ohne die erstickenden Ausd�nstungen vom Grund des Schachtes kaum atembar gewesen: eine �belkeit erzeugende Mischung aus Salz, Fischen, F�ulnis und Unrat, die stank wie der seit Ewigkeiten nicht ges�uberte Laderaum eines Fischkutters.</p><p>Das Boot hatte die gleiche schr�ge Lage parallel zur Innenwand des Strudels beibehalten. Gamay und Paul sa�en so dicht nebeneinander, als w�ren sie an den H�ften zusammengewachsen. Sie klammerten sich an die Sicherheitsleine des Bootes und gaben einander zus�tzlichen Halt. Sie waren benommen vor Ersch�pfung von ihrem Ritt in einer halb stehenden, halb sitzenden Position, die K�rper verdreht und die F��e unter dem unteren Randwulst verkeilt. N�sse war durch ihre Regenh�ute gedrungen, tr�nkte ihre Kleidung, und eisige K�lte verschlimmerte ihre prek�re Lage.</p><p>Je schneller sie sanken, desto klarer wurde ihnen, dass ihre Leiden schon in K�rze enden w�rden. Es konnte nur noch Minuten dauern, bis sie v�llig von den hochgeschleuderten Nebelschwaden verschluckt w�rden. Gamay reckte den Kopf und blickte nach oben, um vielleicht ein letztes Mal die Sonne sehen zu k�nnen. Sie blinzelte und konnte nicht glauben, was ihre Augen registrierten.</p><p>Ein Mann baumelte �ber dem Schlauchboot. Er zeichnete sich als Silhouette vor dem matten Sonnenlicht ab, und obwohl sie sein Gesicht nicht erkennen konnte, lie�en seine breiten Schultern keinen Zweifel zu.</p><p><emphasis>Kurt Austin.</emphasis></p><p>Er hing an einem Seil, das an einem Helikopter befestigt war. Er winkte mit einem Arm und br�llte sich fast die Seele aus dem Leib, doch das Get�se des Strudels �bert�nte sowohl seine Stimme als auch den L�rm der wirbelnden Rotoren.</p><p>Gamay rammte Paul einen Ellbogen in die Seite. Er brachte ein grimmiges L�cheln zustande, als er ihrem deutenden Finger folgte und Austin bei seiner Peter-Pan-Imitation �ber ihren K�pfen bemerkte.</p><p>Der Helikopter hielt sich �ber dem Zodiac und folgte seiner Bahn an der Innenseite des Wasserwirbels entlang. In einer atemberaubenden Demonstration seiner Flugkunst hatte Zavala den Hubschrauber in Schr�glage versetzt, um zu vermeiden, dass die Rotoren die Wasserwand des Trichters ber�hrten. Ein falsches Man�ver, eine Kursabweichung von wenigen Zentimetern, und der Hubschrauber w�rde in einem Wirbel zerbrochener Rotorfl�gel auf das Schlauchboot st�rzen.</p><p>Die Rettungsaktion war in h�chster Eile improvisiert worden. W�hrend der Helikopter in den Strudel hinabtauchte, hatte Austin einen winzigen gelben Fleck tief unten an der Innenseite des Trichters entdeckt. Er erkannte Trouts Regenanzug auf Anhieb und machte Zavala darauf aufmerksam.</p><p>Der Helikopter folgte dem rotierenden Schlauchboot wie ein Streifenwagen auf der Jagd nach einem Raser. Austin klinkte schnell einige Gurtsysteme in die Rettungsleine ein. Mit einem Fu� in einer dieser Schlingen und einer Hand in einer anderen schwang er in den von den Rotoren und von den rotierenden Wassermassen erzeugten Luftwirbeln hin und her.</p><p>Trout gab Gamay ein Zeichen, es als Erste zu versuchen. Sie gab Austin durch ein Winken zu verstehen, dass sie bereit war. Der Helikopter sank tiefer, bis die untere Schlinge der Strickleiter sich knapp drei�ig Zentimeter �ber ihren ausgestreckten H�nden befand.</p><p>Austin war bis zum unteren Ende der Behelfsleiter hinabgestiegen in der Hoffnung, dass sein Gewicht sie stabilisieren w�rde. Doch die Leine zuckte und schlug hin und her wie eine Bullenpeitsche.</p><p>Die Rettungsleine ber�hrte Gamays Fingerspitzen, entglitt jedoch ihrem Zugriff. Sie versuchte noch zweimal, die Schlinge zu fassen, doch ohne Erfolg. In einer verzweifelten Aktion streckte sie ihren K�rper und zog sich hoch, bis sie auf dem oberen Randwulst des Schlauchboots hockte.</p><p>Die Leine sank abermals herab. Gamay k�mpfte um ihr Gleichgewicht, reckte die Arme hoch wie eine Volleyballspielerin beim Blocken und erwischte diesmal die untere Gurtschlinge mit beiden H�nden.</p><p>Sie l�ste sich vom Boot und hing frei in der Luft. Dank des Gewichts von zwei K�rpern lie� das Schaukeln der Rettungsleine deutlich nach. Sie hielt sich mit einer Hand fest, griff mit der anderen nach der n�chsten Gurtschlinge und zog sich hoch. Das Seil begann sich zu drehen, w�hrend sie daran emporkletterte, und verst�rkte ihr Schwindelgef�hl.</p><p>Sie erlebte einen Moment der Schw�che und w�re sicherlich abgest�rzt, doch Austin erkannte, dass sie in Schwierigkeiten war. Er verrenkte sich, beugte sich hinab, bekam ihr Handgelenk zu fassen und hievte sie zur n�chsten Gurtschlinge hoch. Sie legte den Kopf in den Nacken, sah Austins angespanntes L�cheln dicht �ber ihr und schickte ihm einen stummen Dank.</p><p>Da die unterste Schlinge nun frei war, ergab sich f�r Trout die Chance, das Schlauchboot zu verlassen. Er reckte einen Arm zum Zeichen, dass er ebenfalls bereit war. Die Leine n�herte sich bis auf wenige Zentimeter seiner ausgestreckten Hand. W�hrend Trout sich bem�hte, die Leine zu ergreifen, wurde der Helikopter von einem Luftwirbel herumgeworfen, so dass er der steilen Wasserwand gef�hrlich nahe kam. Trouts Finger griffen ins Leere, und er verlor beinahe sein Gleichgewicht.</p><p>Zavala hatte M�he, das zus�tzliche Gewicht auf der einen Seite des Helikopters auszugleichen. Mit unendlich behutsamen Man�vern brachte er den Hubschrauber wieder in seine urspr�ngliche Position. Trout konzentrierte sich auf die unterste Gurtschlinge, berechnete den Abstand und warf sich dann, indem er den Luftwulst des Schlauchbootes wie ein Sprungbrett benutzte, nach oben und packte die Leine. Mit einer Hand hing er nun an der Schlinge, schaffte es jedoch nicht, mit der anderen Hand die n�chsth�here Stufe zu erreichen, w�hrend er sich im Wind drehte.</p><p>Der Helikopter begann mit einem langsamen Aufstieg, wobei er sich schr�g halbwegs parallel zur steilen Innenwand des Strudels bewegte. Die Wasserw�nde wichen zur�ck, w�hrend der Helikopter an H�he gewann. Sie hatten etwa die H�lfte des Trichters erreicht, als das Schlauchboot eine letzte Kreisbahn ausf�hrte und im sch�umenden Inferno auf dem Grund des Kessels verschwand. Kurz darauf befand der Helikopter sich in gleicher H�he der Meeresoberfl�che, dann dar�ber. Schlie�lich lenkte Zavala zur Seite und entfernte sich von dem Strudel.</p><p>Trout hatte es nicht geschafft, sich zur n�chsten Gurtschlinge hochzuziehen. Nach wie vor hing er mit einer Hand am Rettungsseil. Seine Finger waren wund vom rauen Material der Leine. Er hatte das Gef�hl, als w�rde sein Ellenbogengelenk jeden Moment nachgeben. W�hrend des gesamten Aufstiegs hatte er sich am Ende des hin und her schwingenden Seils gedreht.</p><p>Zavala bem�hte sich, trotz der Notwendigkeit, eine sichere Distanz zwischen den Helikopter und den Strudel zu bringen, die zus�tzliche Belastung, der seine menschliche Fracht durch die Erh�hung der Geschwindigkeit des Helikopters ausgesetzt w�rde, so gering wie m�glich zu halten.</p><p>Der Helikopter hatte sich knapp achtzig Meter vom Rand des Strudels entfernt, als Trouts Kr�fte versagten. Er verlor den Halt, st�rzte ab und schlug hart aufs Wasser auf.</p><p>Er hatte das Gl�ck, mit den F��en zuerst einzutauchen. Seine Beine federten den Aufprall ab, doch seine Knie wurden bis in Brusth�he hochgedr�ckt und pressten die Luft aus seiner Lunge. Er versank einige Meter tief, bevor der Auftrieb seiner Schwimmweste wirksam wurde. Meerwasser spuckend tauchte er auf. Trout hatte geglaubt, dass sein K�rper nicht noch mehr abk�hlen konnte, jedoch belehrte die eisige Atlantikk�lte, die sofort in seine Knochen drang, ihn eines Besseren.</p><p>Zavala sp�rte einen leichten Ruck, als seine Last schlagartig leichter wurde, und gelangte sofort zu dem Schluss, dass er einen seiner Passagiere verloren hatte. Er flog mit dem Helikopter eine enge Kurve, blieb f�r einen kurzen Moment in der Luft stehen, dann ging er hinunter, damit sein Freund die Leiter erreichen konnte. Zum zweiten Mal an diesem Tag griff Trout nach dem Seil. Doch seine steifen, wunden Finger verfehlten die Schlinge um einige Zentimeter, und gleichzeitig sp�rte er, wie er von einem starken Sog erfasst wurde. Trout war ein guter Schwimmer, der sein ganzes Leben am Meer verbracht hatte, doch je energischer seine Schwimmz�ge wurden, desto weiter entfernte er sich von dem Seil.</p><p>Der Helikopter versuchte, auf seiner H�he zu bleiben.</p><p>Die Str�mung zerrte Trout mit derartiger Gewalt mit sich, dass er sich nicht lange genug an einem Punkt im Wasser halten konnte, um die Gurtschlinge zu erreichen. Er versuchte es immer wieder. Schnell trieb er zur�ck zum Rand des Strudels, wurde in das ringf�rmige Wellensystem hineingezogen und glitt durch die sch�umende Gischt.</p><p>Er konnte nichts anderes tun, als den Kopf �ber Wasser zu halten, um halbwegs atmen zu k�nnen. Der Strudel schien wenigstens einen der Menschen zur�ckzuholen, der die Dreistigkeit besa�, sich seinem Zugriff zu entziehen.</p><p>Die Str�mung trug ihn in eine Kreisbahn. Trout k�mpfte, um den Kopf unter den brandungs�hnlichen Bedingungen, die in der Umgebung des Strudels herrschten, �ber Wasser zu halten.</p><p>Austin hatte nicht vor, seinen Freund aufzugeben. Er zog sich Hand �ber Hand nach oben und zur�ck in den Helikopter. Dann spreizte er die Beine, packte das Seil mit beiden H�nden und hievte Gamay an Bord.</p><p>Er gab ihr einen eiligen Kuss auf die Wange, dann warf er das Seil wieder durch die offene T�r und kletterte hinunter zum Ende der Behelfsleiter.</p><p>Zavala folgte Trout auf seinem Weg durch den sch�umenden Ring. Erneut brachte er den Hubschrauber nach unten, bis sich das Seil in Trouts Reichweite befand. Trout unternahm einen m�hsamen Versuch, das Seil zu fassen, doch abermals entglitt es seinen H�nden.</p><p>Austin vermutete, dass Trout zu schwach war, um sich aus eigener Kraft hochzuziehen. Er sah, wie Gamay �ngstlich aus dem Helikopter zu ihm hinuntersah. Er winkte ihr zu, holte tief Luft und sprang aus dem Helikopter.</p><p>Er landete einige Meter von Trout entfernt im Wasser und schwamm auf seinen Freund zu. Trout kr�chzte wie ein Ochsenfrosch mit Halsentz�ndung.</p><p>�Was�� zum�� Teufel�� tust�� du�� hier?�</p><p>�Es sah so aus, als w�rde dir das Bad Spa� machen, daher wollte ich dir ein wenig Gesellschaft leisten.�</p><p>�Du bist verr�ckt!�</p><p>Austin quittierte diese Feststellung mit einem m�den Grinsen. Er verkn�pfte ihre Schwimmwesten miteinander, schaute dann nach oben und sah den Helikopter �ber ihren K�pfen auftauchen.</p><p>Austin winkte, und Zavala leitete einen weiteren Rettungsversuch ein. Nach mehreren Anfl�gen erkannte Austin, dass er die Reflexe einer Klapperschlange entwickeln m�sste, um das hin und her schlagende Seil zu erreichen. Das kalte Wasser zehrte seine Energie auf, und er wusste, dass er nur eine verschwindend geringe Chance hatte, sie beide aus dem Wasser zu ziehen. Doch er versuchte weiterhin sein Gl�ck und bemerkte nicht, dass etwas Merkw�rdiges geschah.</p><p>Sie bewegten sich merklich langsamer in dem Strudel. Die Steilheit der Wasserw�nde im Strudeltrichter nahm ab. Er glaubte, seine Sinne spielten ihm einen Streich oder er sei das Opfer einer optischen T�uschung, aber nach wenigen Sekunden erkannte er, dass der Boden des Strudels allm�hlich nach oben stieg und der Trichter die Form einer Sch�ssel annahm.</p><p>Der Schaumring schien sich ebenfalls zu beruhigen. Die Wellen gl�tteten sich.</p><p>Der Boden stieg weiter hoch. Gleichzeitig nahm die Geschwindigkeit, mit der die Str�mung sie mit sich zog, ab, bis sie nur noch tr�ge im Wasser trieben.</p><p>Zavala hatte die Ver�nderung des Wasserwirbels registriert und lenkte den Hubschrauber ein weiteres Mal dicht �ber die um ihr Leben k�mpfenden Gestalten.</p><p>Austin versp�rte einen adrenalinbedingten Schub neuer Energie. Er streckte sich, und seine Finger schlossen sich um das Seil. Gamay bediente es und lie� ausreichend L�nge nach. Seine kalten Finger zogen das Seil unter Trouts Achselh�hlen hindurch, dann wickelte er es um seinen eigenen K�rper. Anschlie�end gab er Zavala ein Zeichen, sie hochzuhieven.</p><p>W�hrend sie in die Luft stiegen und die Wellen unter ihnen zur�ckblieben, konnte Austin beobachten, wie das NOAA-Schiff und die <emphasis>Throckmorton </emphasis>mit hoher Fahrt auf sie zusteuerten.</p><p>Er blickte nach unten, und seine Augen weiteten sich bei dem Anblick, der sich ihm darbot. Der Strudel war praktisch verschwunden, und an seiner Stelle befand sich ein weiter, dunkler Kreis langsam rotierenden Wassers, in dem jede Menge ozeanischen M�lls trieb.</p><p>In der Mitte des Kreises stiegen Luftblasen auf, wie sie entstehen, wenn ein Taucher im Begriff, ist zur Wasseroberfl�che aufzusteigen, nur viel gr��er. Dann w�lbte das Wasser sich zu einem gr�nlich wei�en H�gel auf, und ein riesiges Objekt tauchte aus dem Meer auf und w�lzte sich in den Wellen.</p><p>In seinem Todeskampf hatte der Mahlstrom ein Schiff herausgew�rgt.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Das LA-250 Renegade Wasserflugzeug war der felsigen K�ste von Maine bis nach Camden gefolgt, wo es �ber einer Kette schwanengleicher Segelschiffe kreiste, die soeben den malerischen Hafen verlie�en, und flog nun �ber die Penobscot Bay nach Osten. Sein Ziel war eine birnenf�rmige Insel, die durch den rot-wei� gestreiften Leuchtturm markiert wurde, der auf einer hohen Felsformation an ihrem schmalen Ende aufragte.</p><p>Das Flugzeug landete in der N�he des Leuchtturms auf dem Wasser und steuerte eine Vert�uboje an. Zwei M�nner stiegen aus dem Flugzeug und kletterten in ein Boot mit Au�enbordmotor, das an der Boje vert�ut war, und nahmen Kurs auf einen Holzpier, an dem ein Powerboot und ein Achtundvierzig-Fu�-Schoner lagen. Sie verlie�en das Boot und gingen �ber den Pier zu einer steilen Treppe, die an einer zerkl�fteten Klippe nach oben f�hrte.</p><p>Die Strahlen der hellen Mainesonne wurden von Spider Barretts kahl rasiertem Sch�del und der farbigen T�towierung reflektiert. Barrett sah aus, als k�nne er ganz alleine einen Biker-Aufstand anzetteln. Er trug schwarze Jeans und ein schwarzes T-Shirt, das den Blick auf dicke, mit Sch�delt�towierungen bedeckte Arme erlaubte. Seine Augen waren hinter den blau verspiegelten Gl�sern einer Sonnenbrille verborgen. Ein goldener Ring baumelte an einem Ohrl�ppchen, ein silberner Knopf zierte seine Nase, und um den Hals trug er eine silberne Kette, an der ein Eisernes Kreuz hing.</p><p>Der Hell�s-Angels-Look war irref�hrend. Obgleich Barrett ein Verm�gen an klassischen Harley-Davidson-Motorr�dern besa�, war er ein Elitestudent des Massachusetts Institute of Technology, wo er ein Diplom in Quantenphysik erworben hatte.</p><p>Der Pilot, Mickey Doyle, war gedrungen und sah aus wie eine wandelnde Bar f�r Sportfans. Er trug ein Celtics-T-Shirt und ein New-England-Patriots-Sweatshirt mit Rei�verschluss. Eine Red-Sox-Baseballm�tze sa� auf einem Wust widerspenstiger Haare, die die Farbe von Karottensaft hatten. Au�erdem kaute er auf einem dicken Zigarrenstummel. Aufgewachsen war Doyle im verrufenen, vorwiegend von der Arbeiterklasse bewohnten South Boston. Er verf�gte �ber eine wache, mit stra�enk�terhafter Raffinesse gepaarte Intelligenz und einen altmodischen irischen Humor. Hinzu kam ein stets entwaffnendes L�cheln, das den arglosen Gespr�chspartner t�uschte, jedoch die H�rte in seinen blauen Augen nicht mildern konnte.</p><p>Ein Mann mit einer Maschinenpistole unter dem Arm tauchte aus einem Dickicht niedriger Blaubeerb�sche auf. Er trug einen Tarnanzug, und auf seinem Kopf sa� schr�g eine schwarze Baskenm�tze, die ihm ein verwegenes Aussehen verlieh. Er betrachtete die M�nner ausgesprochen feindselig, deutete mit dem Lauf der MP auf die Felswand und folgte ihnen dann mit einigen Schritten Abstand. Dabei hielt er seine Waffe wachsam im Anschlag.</p><p>Am Fu� des Felsens bet�tigte der W�chter eine Fernbedienung, und eine als Felsen getarnte T�r �ffnete sich. Dahinter wartete eine Liftkabine, die sie schnell nach oben zum Leuchtturm brachte.</p><p>Als sie aus dem Leuchtturm traten, erblickten sie Tristan Margrave, der Holz gehackt hatte und es soeben zu einem Stapel aufschichtete. Er legte seine Axt beiseite, winkte dem bewaffneten W�chter und kam her�ber, um die Neuank�mmlinge mit Handschlag zu begr��en.</p><p>�Damit d�rften Ruhe und Frieden f�r mich wohl beendet sein�, stellte er fest, w�hrend die Andeutung eines Grinsens �ber sein schmales Satansgesicht glitt.</p><p>Er �berragte seine beiden Besucher um etwa drei�ig Zentimeter. Obgleich seine H�nde vom Holzhacken Schwielen aufwiesen, war er weder ein Arbeiter noch ein Reporter der <emphasis>New York Times </emphasis>namens Barnes, als der er sich Detective Frank Malloy vorgestellt hatte. Er hatte Barrett am MIT kennen gelernt, wo er ein Diplom in Computertechnik erworben hatte. W�hrend ihrer sp�teren Zusammenarbeit hatten sie innovative Computerprogramme entwickelt, die sie zu mehrfachen Million�ren gemacht hatten.</p><p>Barrett verfolgte, wie der W�chter sich entfernte und zwischen den B�umen verschwand. �Als ich das letzte Mal hier war, hattest du noch keinen Wachhund.�</p><p>�Er geh�rt zu der Sicherheitsfirma, die ich engagiert habe�, erwiderte Margrave wegwerfend. �Ein Trupp von ihnen kampiert ein St�ck die K�ste hinunter auf der Insel. Gant und ich fanden, dass es vielleicht ganz gut w�re, sie anzuheuern.�</p><p>�Und was Gant sich w�nscht, das kriegt er.�</p><p>�Ich wei�, dass du den Burschen nicht magst, aber Jordan ist lebenswichtig f�r unsere Bem�hungen. Wir brauchen seine Stiftung, um die politischen Zugest�ndnisse zu erreichen, �ber die wir nach Abschluss unserer Arbeit verhandeln werden.�</p><p>�Ist Lucifer�s Legion f�r dich nicht mehr gut genug?�</p><p>Margrave kicherte. �Meine sogenannte Legion begann sich aufzul�sen, sobald von Disziplin die Rede war. Du wei�t, dass Anarchisten Autorit�t per se hassen. Ich brauchte Profis. Heutzutage nennen sie sich �Berater� und verlangen ein Verm�gen f�r ihre Dienste. Er hat lediglich seinen Job gemacht.�</p><p>�Und was <emphasis>ist</emphasis>sein Job?�</p><p>�Daf�r zu sorgen, dass keine unbefugten Besucher sich auf die Insel verirren.�</p><p>�Hast du denn Besucher erwartet?�</p><p>�Unser Unternehmen ist zu wichtig, als dass wir uns einen Fehlschlag leisten k�nnen.� Margrave grinste. �Verdammt, was w�re, wenn jemand einen Typen mit einer Spinnent�towierung auf dem Sch�del zu Gesicht bek�me und anfinge, neugierige Fragen zu stellen?�</p><p>Barrett zuckte die Achseln und warf einen Blick auf den Holzstapel. �Es freut mich, dass du konsequent nach deiner Retro-Philosophie lebst, aber das Zerkleinern des Holzes w�re mit einer Kettens�ge erheblich einfacher gewesen. Du wei�t, dass ich mir so ein Ding leisten kann.�</p><p>�Ich bin weder ein Neo-Anarchist noch ein Neo-Luddit. Ich glaube an die Technologie, wenn sie zum Nutzen der Menschheit eingesetzt wird. Au�erdem ist die Kettens�ge defekt.� Er wandte sich an den Piloten. �Wie war der Flug von Portland hierher, Mickey?�</p><p>�Gem�tlich. Ich habe Kurs �ber Camden genommen in der Hoffnung, die schnuckeligen Segelboote w�rden deinen Partner aufheitern.�</p><p>�Warum muss er aufgeheitert werden?�, fragte Margrave. �Er ist im Begriff, in den Olymp der Wissenschaft aufgenommen zu werden. Was ist los, Spider?�</p><p>�Wir haben ein Problem.�</p><p>�Das hast du schon am Telefon angedeutet. Ich dachte, du h�ttest nur einen Witz gemacht.�</p><p>Barrett l�chelte d�ster. �Diesmal nicht.�</p><p>�Ich glaube, in diesem Fall brauchen wir alle etwas zu trinken.� Margrave ging �ber einen gepflasterten Weg voraus und f�hrte sie zu einem gro�en, zweist�ckigen wei�en Holzhaus, das neben dem Leuchtturm stand.</p><p>Als Margrave die Insel drei Jahre zuvor gekauft hatte, hatte er entschieden, das W�rterhaus in seinem alten Zustand zu belassen, in dem es die schweigsamen M�nner beherbergt hatte, die den einsamen Leuchtturm bedienten. Die Kiefernholzw�nde waren get�felt, und der abgewetzte Linoleumfu�boden sowie die Sp�le aus Schiefer und die Handwasserpumpe in der K�che geh�rten zur urspr�nglichen Einrichtung.</p><p>Margrave legte Doyle eine Hand auf die Schulter. �Hey, Mickey, Spider und ich haben einiges zu bereden. In der Speisekammer steht eine Flasche Bombay Sapphire. Sei so nett und mix uns ein paar Drinks. Im K�hlschrank steht Bier f�r dich.�</p><p>�Aye-aye, Captain�, sagte der Pilot l�chelnd und salutierte.</p><p>Die beiden anderen M�nner stiegen �ber eine eiserne Wendeltreppe in den zweiten Stock hinauf. Diese Etage, in der sich fr�her die Zimmer f�r den Leuchtturmw�rter und seine Familie befunden hatten, war v�llig entkernt und zu einem einzigen gro�en Raum umgebaut worden.</p><p>Die klinisch minimalistische Einrichtung bildete einen krassen Gegensatz zu dem altert�mlichen Interieur im Parterre. Ein Laptopcomputer stand auf einem Tisch aus schwarzem Teakholz auf einer Seite des Raums. Ein Ledersofa mit verchromtem Stahlgestell und zwei Sessel auf der anderen Seite waren die einzigen M�bel. Fenster in drei W�nden boten einen atemberaubenden Blick auf die Insel mit ihren dichten Kiefernw�ldern und auf das funkelnde Wasser der Bucht. Die Fenster standen offen, so dass der salzige Meergeruch hereindringen konnte.</p><p>Margrave gab Barrett durch ein Zeichen zu verstehen, er solle auf dem Sofa Platz nehmen, und lie� sich selbst in einen Sessel sinken. Wenige Minuten sp�ter erschien Doyle und servierte die Drinks. Er �ffnete f�r sich eine Dose Budweiser und setzte sich an den Tisch.</p><p>Margrave hob das Glas zu einem Toast. �Auf dich, Spider. New York City mit seinem Lichterglanz wird nicht mehr so sein wie fr�her. Zu schade, dass niemand erfahren wird, was f�r ein Genie du bist.�</p><p>�Genie hat nichts damit zu tun. Der Elektromagnetismus bestimmt fast jeden Bereich unseres Lebens. Man braucht nur ein wenig mit den Magnetfeldern herumzuspielen, und schon l�st man das gr��te Chaos aus.�</p><p>�Das d�rfte die Untertreibung des Jahrhunderts sein�, erwiderte Margrave und brach in br�llendes Gel�chter aus.</p><p>�Du h�ttest das Gesicht des Cops sehen sollen, als sein Name auf jeder Schrifttafel am Times Square und auf dem Broadway erschien.�</p><p>�Ich w�nschte, ich h�tte dabei sein k�nnen, aber es war ganz einfach von meinem Haus aus zu bewerkstelligen. Der Locator in deinem Recorder hat das Ganze erm�glicht. Die entscheidende Frage ist nur, ob unsere Demonstration uns unserem Ziel auch nur einen Deut n�hergebracht hat.�</p><p>Margraves Miene schien sich kurz zu verd�stern. �Ich habe die Berichte in den Medien verfolgt�, sagte er kopfsch�ttelnd. �Die Sensationsmaschine l�uft auf vollen Touren. Die Eliten erkl�ren, es sei ein reiner Zufall, dass die St�rungen mit dem Weltwirtschaftstreffen zusammenfielen. Sie sind zwar besorgt, aber die Narren haben unsere Warnung nicht ernst genommen.�</p><p>�Zeit f�r einen weiteren Schuss vor den Bug?�</p><p>Margrave stand auf und ging zum Tisch. Er kam mit dem Laptopcomputer zur�ck, setzte sich wieder in den Sessel und dr�ckte auf einige Tasten. Die einzige kahle Wand im Raum erwachte zum Leben, leuchtete auf und zeigte eine riesige elektronische Karte von den Ozeanen und den Kontinenten.</p><p>Das globale Bild setzte sich aus Daten zusammen, die von Satelliten, Meeresbojen und Dutzenden von Bodenstationen rund um den Erdball aufgesammelt und zusammengetragen worden waren. Kontinente erschienen als schwarze Silhouetten im Blaugr�n der Meere. Zahlen von 1 bis 4 blinkten im Atlantik, zwei oberhalb des �quators, zwei unterhalb. Ein �hnliches Muster zeigte sich im Pazifik.</p><p>�Die Zahlen zeigen an, wo wir den Meeresboden untersucht haben. Das von mir programmierte Computermodell sagt aus, dass wir den gew�nschten Effekt ausl�sen, wenn wir all unsere Ressourcen in diesem Bereich des S�datlantiks konzentrieren. Die Zeit f�r Warnungen ist verstrichen. Die Eliten sind entweder zu dumm oder zu arrogant. In beiden F�llen sollten wir den dicken Hammer herausholen.�</p><p>�Und wann soll das geschehen?�</p><p>�Sobald wir alle Vorbereitungen abgeschlossen haben und zuschlagen k�nnen. Die einzige Sprache, die die Eliten verstehen, ist die Sprache des Geldes. Wir m�ssen ihnen tief in ihre Brieftaschen greifen.�</p><p>Barrett nahm seine Brille ab und blickte, offensichtlich tief in Gedanken versunken, ins Leere.</p><p>�Was ist los, Spider?�</p><p>�Ich denke, wir sollten die ganze Angelegenheit abblasen�, antwortete Barrett.</p><p>Margraves Gesicht machte eine erstaunliche Ver�nderung durch. Die V-f�rmigen Augenbrauen und sein Mund zeichneten sich noch sch�rfer ab. Der teuflisch schelmische Ausdruck war verschwunden. An seine Stelle trat nackte Bosheit. �Dir kommen offensichtlich Bedenken.�</p><p>�Wir reden hier nicht von irgendeinem Studentenulk, Tris. Du wei�t genau, mit welchen Sch�den zu rechnen ist, wenn das Ganze au�er Kontrolle ger�t. Es k�nnte Millionen Todesopfer geben. Es k�me in der Wirtschaft und in der Natur zu gigantischen St�rungen, von denen die Welt sich jahrzehntelang nicht erholen w�rde.�</p><p>�Wie sollte die Sache au�er Kontrolle geraten? Du sagtest, du h�ttest alles im Griff.�</p><p>Barrett schien in sich zusammenzusinken.</p><p>�Ich hab mir selbst etwas vorgemacht. Nach dieser Geschichte mit dem Frachtschiff bei Punkt Eins habe ich mich wieder ans Zeichenbrett gesetzt. Danach habe ich eine Mini-Version unserer Anlage im Puget Sound getestet. Die M�rderwale haben verr�ckt gespielt. Sie haben eine ganze Schar Kinder angegriffen. Und einen Typen h�tten sie sicherlich aufgefressen, wenn ich ihn nicht rechtzeitig aus dem Wasser gefischt h�tte.�</p><p>�Hat jemand den Zapper gesehen?�</p><p>�Ja, ein Mann namens Kurt Austin. Ich habe seinen Namen schon mal in der Zeitung gelesen. Er arbeitet f�r die NUMA und f�hrte ein Kajakrennen an, das gewaltsam beendet wurde. Er hat das Ger�t nur ganz kurz gesehen. Er hat nicht die geringste Ahnung, wof�r es da ist.�</p><p>Abermals schien eine d�stere Wolke Margraves Gesicht zu verdunkeln. �Hoffentlich hast du Recht. Anderenfalls m�ssen wir Mr.�Austin n�mlich eliminieren.�</p><p>Barrett riss entsetzt die Augen auf. �Das soll wohl ein Scherz sein!�</p><p>Margrave l�chelte. �Nat�rlich habe ich nur einen Scherz gemacht, alter Junge. Ich habe die Berichte von dem Angriff der Orcas gesehen. Was willst du mir erz�hlen, Spider, dass Orcas Raubtiere sind?�</p><p>�Nein, ich sage, dass mein Experiment ihre sensorischen F�higkeiten beeinflusst hat, weil ich das elektromagnetische Feld nicht steuern konnte.�</p><p>�Na und?� Margrave zuckte die Achseln. �Niemand ist zu Schaden gekommen.�</p><p>�Hast du vergessen, dass wir eins unserer eigenen Schiffe verloren haben?�</p><p>�Es war von vornherein ein Todeskommando. Die Besatzung kannte die Gefahr. Sie wurden alle f�rstlich f�r das Risiko bezahlt.�</p><p>�Was ist mit der <emphasis>Southern Belle? </emphasis>Diese Leute haben kein Geld gekriegt, um an unserem Experiment teilzunehmen.�</p><p>�Das ist doch l�ngst Geschichte. Es war ein Unfall, mein Freund.�</p><p>�Verdammt noch mal, das wei� ich. Aber wir waren f�r ihren Tod verantwortlich.�</p><p>Margrave beugte sich in seinem Sessel vor. Seine Augen gl�hten fanatisch.</p><p>�Du wei�t, warum mir dieses Unternehmen so sehr am Herzen liegt.�</p><p>�Es geht um Schuld. Du willst f�r die Margraves S�hne tun, weil sie ihr Verm�gen mit dem Blut von Sklaven und dem Leben Opiums�chtiger begr�ndet haben.�</p><p>Margrave sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Meine Vorfahren waren kleine Fische verglichen mit dem, was auf uns zukommt. Wir k�mpfen gegen eine Konzentration von Macht, wie die Welt sie bisher noch nicht erlebt hat. Nichts kann den multinationalen Konzernen Paroli bieten, die die Herrschaft �ber die Welt mithilfe der WTO, der Weltbank und der IMF an sich rei�en. Diese nicht gew�hlten, undemokratischen Einrichtungen ignorieren die Menschenrechte und tun, was sie wollen, ganz gleich, wie es sich auf jeden von uns auswirkt. Ich m�chte den Menschen die Macht �ber die Erde, auf der sie leben, wieder zur�ckgeben.�</p><p>�Das klingt wie aus dem Mund eines Anarchisten klassischer Pr�gung�, stellte Barrett fest. �Ich stehe voll und ganz auf deiner Seite, aber Menschen zu t�ten scheint mir nicht der richtige Weg zu sein, das zu bewerkstelligen.�</p><p>�Der Verlust dieser Schiffe und ihrer Besatzungen tut mir aufrichtig leid. Es waren Ungl�cksf�lle, gegen die man nicht gefeit ist. Wir sind weder blutgierig noch verr�ckt. Wenn wir unseren Plan durchziehen, dann ist dieses Schiff nur ein vergleichsweise geringer Preis, den wir zahlen mussten. Manchmal sind Opfer f�r eine gro�e Sache eben nicht zu umgehen.�</p><p>�Soll der Zweck die Mittel heiligen?�</p><p>�Wenn es n�tig ist.�</p><p>�Vielen Dank, Mr.�Karl Marx.�</p><p>�Marx war ein Scharlatan, ein geschwollen daherredender Theoretiker.�</p><p>�Du musst zugeben, dass dieses Projekt auf einigen ziemlich unkonventionellen Theorien basiert. Der Marxismus war nicht mehr als eine unausgegorene Idee, ehe Lenin <emphasis>Das Kapital </emphasis>las und Russland in ein Arbeiterparadies verwandelte.�</p><p>�Dar�ber zu diskutieren hat sicher seinen Reiz, aber kehren wir zu etwas zur�ck, worin wir uns beide einig sind. Technologie. Als wir diese Geschichte starteten, sagtest du, du h�ttest volle Kontrolle �ber die M�chte, die wir entfesseln.�</p><p>�Ich habe dir auch erkl�rt, es w�re ohne die richtigen Frequenzen ein alles andere als perfektes System�, sagte Barrett.</p><p>�Ich habe das Beste getan, was ohne diese Zahlen zu tun war, aber es gibt einen gro�en Unterschied zwischen einem Schuss aus einem Pr�zisionsgewehr und einer Salve aus einer Schrotflinte, was genau das ist, was wir vorhaben. Die Wellen und Wirbel, die wir erzeugt haben, �bersteigen in ihrer Wirkung alles, was wir in den Computermodellen haben beobachten k�nnen.� Er hielt kurz inne und atmete tief ein.</p><p>�Ich denke ernsthaft daran auszusteigen, Tris. Was wir planen, ist zu gef�hrlich.�</p><p>�Du <emphasis>kannst </emphasis>nicht aussteigen. Das ganze Projekt w�rde den Bach runtergehen.�</p><p>�Das stimmt nicht. Du k�nntest auf der Grundlage der Arbeit, die ich geleistet habe, weitermachen. Als dein Freund bitte ich dich jedoch dringend, nicht weiterzumachen.�</p><p>Anstatt ungehalten zu reagieren, lachte Margrave. �Hey, Spider, <emphasis>du </emphasis>warst es doch, der die Kovacs-Theoreme entdeckt und mich darauf aufmerksam gemacht hat.�</p><p>�Manchmal w�nsche ich mir, ich h�tte es nicht getan. Es w�re vielleicht ein Segen gewesen, wenn sein Wissen mit seinem Tod in Vergessenheit geraten w�re.�</p><p>�Wenn ich dir nun verraten w�rde, dass Kovacs eine Methode entwickelt hat, um die Wirkung seiner Theoreme zu neutralisieren, w�rdest du deine Entscheidung, aus dem Projekt auszusteigen, dann noch einmal �berdenken?�</p><p>�Die M�glichkeit zu haben, Sch�den zu vermeiden, w�rde schon eine Menge ausmachen. Aber das ist ein v�llig hypothetischer Punkt. Das Wissen ging mit dem Tod Kovacs� gegen Ende des Zweiten Weltkriegs unter.�</p><p>Ein verschlagener Ausdruck schlich sich in Margraves Augen. �Um das Ganze durchzuspielen, nimm einfach an, dass er <emphasis>nicht </emphasis>gestorben ist.�</p><p>�Keine Chance. Sein Labor wurde von den Russen dem Erdboden gleichgemacht. Er selbst wurde get�tet oder gefangen genommen.�</p><p>�Wenn er wirklich gefangen genommen wurde, warum haben die Russen sich seiner Arbeiten nicht bedient und Superwaffen hergestellt?�</p><p>�Sie haben es <emphasis>versucht</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>erwiderte Barrett. �So haben sie das Erdbeben von Anchorage ausgel�st und das Wetter durcheinandergebracht.� Er hielt inne, und seine Augen begannen zu leuchten. �Wenn die Russen Kovacs erwischt h�tten, w�ren sie weitaus erfolgreicher gewesen. Daher <emphasis>muss </emphasis>er 1944 gestorben sein.�</p><p>�Das nimmt man allgemein an.�</p><p>�H�r endlich auf, so �berheblich zu grinsen. Du <emphasis>wei�t </emphasis>irgendetwas, nicht wahr?�</p><p>�Was das anbetrifft, stimmt die Geschichte�, sagte Margrave. �Kovacs ver�ffentlicht die Arbeit �ber elektronische Kriegf�hrung. Die Deutschen entf�hren ihn, damit er eine Waffe entwickelt, die das Dritte Reich vor dem Untergang retten soll. Die Russen �berfallen das Labor und nehmen den Wissenschaftler nach Russland mit. Aber einer dieser deutschen Wissenschaftler hat Russland verlassen, nachdem der Kalte Krieg endete. Ich habe ihn gefunden. Es hat mich ein Verm�gen an Schmiergeldern gekostet, das herauszukriegen.�</p><p>�Willst du damit sagen, er hatte die Daten, die wir brauchen?�</p><p>�Ich w�nschte, es w�re so einfach. Das Projekt war streng in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Die Deutschen haben die Kovacs-Familie als Geiseln festgehalten. Daf�r hat er wichtige Daten zur�ckgehalten, weil er hoffte, auf diese Weise seiner Familie das Leben retten zu k�nnen.�</p><p>�Das leuchtet ein�, sagte Barrett. �Wenn die Deutschen gewusst h�tten, dass es etwas gab, was seine Arbeit wirkungslos machen konnte, h�tten sie ihn nicht mehr gebraucht.�</p><p>�Das vermute ich auch. Er hatte keine Ahnung, dass die Nazis seine Familie praktisch sofort ausgel�scht haben und Briefe von seiner Frau f�lschten, in denen sie ihn anflehte, um das Leben ihrer Kinder willen zu kooperieren. Stunden bevor die Russen das Labor erreichten, erschien ein Mann und nahm Kovacs mit. Laut unserem Experten ein gro�er, blonder Typ in einem Mercedes.�</p><p>Barrett verdrehte die Augen. �Diese Beschreibung passt auf die H�lfte der Bev�lkerung Deutschlands.�</p><p>�Wir hatten Gl�ck. Ein paar Jahre, nachdem er Russland verlassen hatte, stie� unser deutscher Informant in einem Wintersportmagazin auf ein Bild von dem blonden Mann. Irgendwann in den sechziger Jahren hat der Mann, der Kovacs mitgenommen hatte, ein Skirennen f�r Amateure gewonnen. Er hatte einen Bart, und er war um einiges �lter, aber unsere Quelle war sich sicher, dass es sich um den Richtigen handelte.�</p><p>�Hast du ihn aufgest�bert?�</p><p>�Ich habe einige unserer Sicherheitsleute losgeschickt, um ihn zu einem Gespr�ch einzuladen. Sie kommen von der gleichen Firma wie unsere Inselw�chter.�</p><p>�Wie hei�t diese Firma�� Murder Incorporated?�</p><p>Margrave l�chelte nachsichtig. �Gant hat sie empfohlen. Ich gebe zu, dass die Sicherheitsfirma, die wir benutzen, mit ziemlich harten Methoden arbeitet. Wir wollten Profis, die sich nicht scheuen, bis an die Grenzen des Erlaubten zu gehen.�</p><p>�Ich kann nur hoffen, dass diese Kerle das Geld wert sind, das ihr ihnen zahlt.�</p><p>�Bis jetzt nicht. Sie haben ihre gro�e Chance vermasselt, mit dem Kovacs-Freund zu reden. Er hatte Lunte gerochen und sich aus dem Staub gemacht.�</p><p>�Sieh es positiv. Selbst wenn ihr ihn finden solltet, gibt es keine Gew�hr, dass er irgendetwas �ber Kovacs� Geheimnisse wei�.�</p><p>�Zu diesem Schluss bin ich auch gekommen. Daher habe ich mich wieder auf Kovacs konzentriert. Ich habe eine Suche nach allem in Gang gesetzt, das �ber ihn gesagt oder geschrieben wurde. Ich ging dabei von der Voraussetzung aus, dass er, wenn er am Leben geblieben w�re, seine Forschungen sicherlich fortgesetzt h�tte.�</p><p>�Eine ziemlich gewagte Vermutung. Immerhin hat seine Arbeit seine Familie vernichtet.�</p><p>�Er w�rde sehr vorsichtig zu Werke gehen, aber seine Handschrift w�re nur sehr schlecht zu kaschieren. Mein Suchprogramm hat jede schriftliche wissenschaftliche Ver�ffentlichung seit dem Krieg durchgek�mmt. Ich fand dabei eine ganze Reihe von Artikeln, in denen von einzigartigen kommerziellen Anwendungen elektromagnetischer Felder die Rede ist.�</p><p>Barrett beugte sich vor. �Ich bin ganz Ohr.�</p><p>�Einer der Pioniere in diesem Forschungsbereich war eine in Boston ans�ssige Firma, die von einem europ�ischen Immigranten namens Viktor Janos gegr�ndet worden war.�</p><p>�Janus war der doppelgesichtige r�mische Gott, der gleichzeitig in die Zukunft und in die Vergangenheit blickt. <emphasis>Interessant.</emphasis>�</p><p>�Das dachte ich mir auch. Die Parallelen zu Kovacs� Arbeit waren zu seltsam, um Zufall zu sein. Es ist, als ob Van Gogh C�zanne kopierte. Er schaffte es vielleicht, impressionistische Lichteffekte darzustellen, aber er konnte sich nicht bremsen, auch klare und kr�ftige Farben einzusetzen.�</p><p>�Was wei�t du �ber Janos?�</p><p>�Nicht viel. Mit Geld kann man Anonymit�t kaufen. Angeblich ist er Rum�ne.�</p><p>�Rum�nisch war eine der sechs Sprachen, die Kovacs flie�end beherrschte. Red weiter.�</p><p>�Sein Labor befand sich in Detroit, und er selbst wohnte in Grosse Point. Er musste stets sofort in Deckung gegangen sein, wenn er irgendwo eine Kamera sah, aber er konnte nicht die Tatsache verheimlichen, dass er ein gro�z�giger Philanthrop war. Seine Frau wurde des �fteren in den �rtlichen Gesellschaftsnachrichten erw�hnt. Es gab eine Geburtsanzeige von ihrem Kind, einem Sohn, der zusammen mit seiner Frau bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.�</p><p>�Also eine Sackgasse.�</p><p>�Das dachte ich anfangs auch. Aber Janos hatte eine Enkelin. Ich gab ihren Namen ein und wurde f�ndig. Sie hat eine Diplomarbeit �ber Wollhaarmammuts geschrieben.�</p><p>��ber diese alten Elefanten? Was hat das mit Kovacs zu tun?�</p><p>�H�r mir einfach weiter zu. Sie behauptet, dass die Wollhaarmammuts von einer Naturkatastrophe ausgel�scht wurden, die eine vernichtendere Version dessen war, was wir versuchen wollen. Und jetzt kommt der interessante Teil. In ihrer Arbeit erkl�rt sie, dass, wenn heute etwas Derartiges gesch�he, die Wissenschaft in der Lage w�re, die Katastrophe zu verhindern.�</p><p>�Das Gegenmittel?� Barrett schnaubte. �Jetzt machst du wirklich Witze.�</p><p>Margrave nahm eine Mappe vom Tisch und warf sie Barrett in den Scho�. �Ich glaube, nachdem du dies gelesen hast, wirst du deine Meinung �ber das Projekt �ndern.�</p><p>�Was ist mit der Enkelin?�</p><p>�Sie ist Pal�ontologin und arbeitet f�r die Universit�t von Alaska. Gant und ich haben beschlossen, jemanden dorthin zu schicken, um mit ihr zu reden.�</p><p>�Warum legen wir bei dem Projekt nicht eine Pause ein, bis wir in Erfahrung gebracht haben, was sie wei�?�</p><p>�Ich werde warten, aber ich m�chte, dass alles an seinem Platz ist, damit wir sofort loslegen k�nnen.� Margrave wandte sich an Doyle, der die Unterhaltung schweigend verfolgt hatte. �Was h�ltst du von all dem?�</p><p>�Verdammt, ich bin nur ein einf�ltiger Pilot aus dem S�den. Ich h�re zu, warte ab und lasse mich �berraschen.�</p><p>Margrave zwinkerte Barrett zu. �Spider und ich werden noch eine Weile besch�ftigt sein.�</p><p>�Schon verstanden. Ich hole mir noch ein Bier und unternehme einen kleinen Spaziergang.�</p><p>Nachdem Doyle gegangen war, setzten die beiden M�nner sich an einen Computer. Als sie daf�r gesorgt hatten, dass ihr Plan so weit wie m�glich gediehen war, kamen sie �berein, sich sp�ter noch einmal zu treffen. Doyle ging gerade auf dem Pier auf und ab, als das Gespr�ch beendet wurde.</p><p>�Ich freue mich, dass du deine Meinung hinsichtlich deines Aussteigens aus dem Projekt ge�ndert hast�, sagte Margrave abschlie�end zu Barrett. �Schlie�lich sind wir schon lange befreundet.�</p><p>�Dies hier geht �ber Freundschaft hinaus�, erwiderte Barrett.</p><p>Sie sch�ttelten sich die Hand, und wenige Minuten sp�ter raste das Flugzeug quer �ber die Bucht, um zu starten. Margrave schaute ihm nach, bis es nur noch ein winziger Punkt am Himmel war, dann kehrte er in den Leuchtturm zur�ck. Er blickte eine Zeit lang mit einem L�cheln auf seinem seltsamen Gesicht aus dem Fenster im ersten Stock. Barrett war ein Genie, aber er war unglaublich naiv, sobald es um Politik ging.</p><p>Trotz seiner Zusagen und Versicherungen hatte Margrave nicht die Absicht, das Projekt vorerst zur�ckzustellen. Wenn es jemals einen Zeitpunkt gegeben hatte, in dem der Zweck die Mittel heiligte, dann war es dieser.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>�Unglaublich!� Barrett sch�ttelte den Kopf.</p><p>Er sa� im Passagiersessel des Wasserflugzeugs und steckte die Nase in die Mappe, die Margrave ihm gegeben hatte.</p><p>Doyle drehte sich halb zu ihm um. �Ist das Material gut, das Tris dir gegeben hat?�</p><p>�<emphasis>Gut? </emphasis>Es ist <emphasis>fantastisch!</emphasis>�</p><p>Barrett hob den Kopf und l�ste den Blick von den Papieren, in die er vertieft gewesen war, dann sah er aus dem Fenster. Er hatte bisher kaum auf die Welt au�erhalb des Cockpits geachtet und erwartete nun, dieselbe felsige K�ste zu sehen, der sie auf ihrem Flug zur Leuchtturminsel gefolgt waren. Doch da drau�en gab es keinen Gulf of Maine. Stattdessen erstreckten sich unter ihm Kiefernw�lder, so weit sein Auge reichte.</p><p>�Hey, Mickey, hast du vielleicht auf der Insel ein Bier zu viel getrunken?�, fragte Barrett. �Wo ist das Wasser? Das ist wohl kaum der Weg, auf dem wir hergekommen sind. Wir haben uns verirrt.�</p><p>Doyle grinste, als w�re er bei einem Streich erwischt worden. �Das ist die landschaftlich sch�nste Route. Ich wollte dir mal zeigen, wo ich immer auf die Jagd gehe. Das verl�ngert den Flug nur um wenige Minuten. Es klingt ja so, als w�re es ziemlich gutes Zeug, das du durcharbeiten sollst.�</p><p>�Ja, das Material ist wirklich erstaunlich�, best�tigte Barrett. �Tris hat Recht. Das Thema ist ziemlich geheimnisvoll, und die Autorin verallgemeinert stellenweise sehr. Und es besteht ein Unterschied zwischen in der Natur vorkommenden Ph�nomenen und dem, was wir in Gang zu setzen versuchen. Aber sie schreibt sehr kundig und informiert �ber dieses sogenannte Gegenmittel. Sie klingt, als h�tte sie mit Kovacs pers�nlich dar�ber gesprochen.�</p><p>�Guter Mann. Ich vermute, das hei�t, dass du dem Projekt erhalten bleibst.�</p><p>�Nein.� Barrett sch�ttelte den Kopf. �Es gibt hier nichts, das mich dazu bringen k�nnte, meine Meinung zu �ndern. Selbst wenn wir uns mit dieser Frau unterhalten w�rden, l�sst sich nicht sagen, wie viel sie tats�chlich wei� oder wie viel reine Theorie ist. Dieser Wahnsinn kann nicht weitergehen. Die einzige M�glichkeit, ein Desaster zu vermeiden, ist, an die �ffentlichkeit zu gehen.�</p><p>�Was meinst du damit?�</p><p>�Ich habe einen Freund in der Wissenschaftsredaktion der <emphasis>Seattle Times. </emphasis>Den rufe ich an, sobald wir gelandet sind, und erz�hle ihm die ganze Geschichte.�</p><p>�Hey, Spider, du kannst den Leuten die Einzelheiten dieser Geschichte nicht verraten�, sagte Doyle und sch�ttelte heftig den Kopf. �Bist du ganz sicher, dass du damit an die �ffentlichkeit gehen willst? Du k�nntest in gr��te Schwierigkeiten geraten.�</p><p>�Das Risiko muss ich eingehen.�</p><p>�Das wird Tris und dem ganzen Projekt den Todessto� versetzen. Er ist immerhin dein Partner.�</p><p>�Dar�ber habe ich gr�ndlich nachgedacht. Auf lange Sicht wird es f�r ihn das Beste sein.�</p><p>�Also ich wei� nicht so recht.�</p><p>�<emphasis>Ich </emphasis>aber. Am Ende wird er mir noch daf�r danken, dass ich diesen verr�ckten Plan vereitelt habe.�</p><p>�Warum wartest du nicht? Er sagte, er w�rde sich zur�ckhalten, bis jemand mit Kovacs� Enkelin gesprochen hat.�</p><p>�Ich arbeite schon lange mit Tris zusammen und kenne ihn. Er hat es nur gesagt, um mich zu beruhigen�, meinte Barrett l�chelnd. �Die Welt muss erfahren, was wir ausbr�ten, und ungl�cklicherweise bin ich derjenige, der alles ausplaudern wird.�</p><p>�Ach, Mist.�</p><p>�Was ist, Mickey? Du meintest doch, ich sei der Schwerm�tige in unserer Truppe.�</p><p>�Wie lange kennen wir uns schon, Spider?�</p><p>�Seit unserer Zeit am MIT. Du hast damals in der Cafeteria gearbeitet. Wie k�nnte ich das vergessen?�</p><p>�Ich hab�s nicht vergessen. Du warst der Einzige unter diesen neunmalklugen College-Kids, der mich nicht wie den letzten Dreck behandelt hat. Du warst mein Freund.�</p><p>�Du hast dich daf�r bestens revanchiert. Du kanntest in Cambridge immer die Bars, wo man die besten Girls treffen konnte.�</p><p>�Die kenne ich immer noch�, sagte Doyle grinsend.</p><p>�Du hast deinen Weg gemacht, Mickey. Nicht jeder kann Pilot werden.�</p><p>�Ich bin doch nur ein ganz kleines Licht, verglichen mit dem Gro�en Mann.�</p><p>�Tris? Ich vermute, er ist �berlebensgro�. Ich bin wie ein Architekt, der nur ein einziges Haus baut. Er ist dagegen wie der Entwickler, der Tausende dieser H�user verkauft. Seine Visionen waren es, die uns reich gemacht haben.�</p><p>�Glaubst du eigentlich an diesen Anarchiekram, von dem er st�ndig redet?�</p><p>�An einiges schon. Auf dieser Welt ist vieles aus dem Gleichgewicht geraten, und ich w�rde gerne die Eliten aufr�tteln, aber im Grunde interessierte mich die wissenschaftliche Herausforderung viel mehr. Nun hat sich das zerschlagen, und ich muss die Dinge in Ordnung bringen.�</p><p>�Und ich kann dir als guter Freund nur den Rat geben, dass das keine gute Idee ist.�</p><p>�Ich wei� diese Freundschaft zu sch�tzen, aber ich muss darauf erwidern, dass es mir leid tut, aber ich kann nicht anders.�</p><p>Doyle schwieg einige Sekunden lang, dann meinte er: �Mir tut es auch leid.� Tiefe Traurigkeit lag in seiner Stimme.</p><p>Nachdem dieses Thema offensichtlich abgehandelt war, widmete Barrett seine Aufmerksamkeit wieder der Mappe und blickte nur gelegentlich aus dem Cockpitfenster. Sie �berflogen dichte W�lder, als Doyle pl�tzlich die Ohren spitzte.</p><p>�Verdammt! Was ist das?�</p><p>Barrett schaute von seiner Lekt�re hoch. �Au�er dem Motor h�re ich nichts.�</p><p>�Irgendetwas stimmt nicht�, sagte Doyle stirnrunzelnd. Das Flugzeug sackte einige Meter ab. �Verdammt, wir werden langsamer. Halt dich fest. Ich muss die Kiste runterbringen.�</p><p>�Du willst landen?� Barretts Stimme zitterte. Er reckte den Hals, w�hrend er seinen Blick �ber die Baumwipfel unter sich gleiten lie�. �Wo?�</p><p>�Ich kannte mich in der Region mal ganz gut aus, aber es ist schon eine Weile her, seit ich in dieser Gegend hier auf Jagd war. Ich glaube, nicht weit von hier gibt es einen See.�</p><p>Das Flugzeug verlor weiter an H�he.</p><p>�Ich sehe etwas.� Barrett deutete auf einen funkelnden Fleck, der offenbar das Sonnenlicht reflektierte.</p><p>Doyle stie� den Daumen nach oben und lenkte die Maschine in Richtung der blauen Wasserfl�che. Das Flugzeug ging so steil in den Sinkflug �ber, dass es aussah, als w�rde es in die hohen Kiefern krachen. Im letzten Moment zog Doyle die Maschine hoch, ber�hrte fast die Baumkronen, ehe er eine musterg�ltige Landung auf dem See hinlegte.</p><p>Das Flugzeug hatte genug Schwung, um bis zum Ufer zu treiben und einen schmalen Strand hinaufzurutschen. Doyle lachte. �Das war der reinste H�llenritt. Bist du okay?�</p><p>�Ich habe zwar das Gef�hl, als steckte ich mit den Ohren in meinem eigenen Hintern, aber ansonsten geht es mir gut.�</p><p>�Reinzukommen war einfach�, stellte Doyle fest und betrachtete den dichten Wald ringsum. �Wieder rauszukommen d�rfte ziemlich schwierig werden.�</p><p>Barrett deutete auf das Funkger�t. �Sollten wir nicht lieber Hilfe anfordern?�</p><p>�Gleich. Ich will mir erst mal den Schaden ansehen.� Er kletterte hinaus auf den Schwimmer und machte einen weiteren Schritt auf den Strand hinunter. Er b�ckte sich zweimal und warf einen Blick unter den Rumpf. �Hey, Spider, sieh dir das mal an.�</p><p>Barrett stieg ebenfalls aus dem Flugzeug. �Was ist los?�</p><p>�Hier, unter dem Rumpf. Es ist einfach erstaunlich.�</p><p>Barrett machte Anstalten, sich hinzuknien. Er hatte noch immer die Mappe in der Hand.</p><p>�Ich sehe nichts.�</p><p>�Du wirst es�, sagte Doyle. �Du wirst es.� Er holte eine Pistole aus seinem Anorak.</p><p>Barrett b�ckte sich tiefer, und die Ledermappe rutschte ihm aus der Hand. Der dicke Papierstapel ergoss sich auf den Erdboden. Einige Bl�tter wurden von einer Windb�e erfasst, die �ber den See wehte, und auf der Lichtung verteilt, als f�hrten sie ein Eigenleben.</p><p>Barrett hechtete hinter der Mappe her und sammelte die Papiere mit der Fertigkeit eines Footballprofis ein. Er schaffte es, alle Papiere an sich zu bringen, ehe sie zwischen die B�ume geweht wurden. Er stopfte sie zur�ck in die Mappe und dr�ckte sich diese fest an die Brust. Ein siegreiches Grinsen lag auf seinem Gesicht, w�hrend er sich auf den R�ckweg zum Flugzeug machte.</p><p>Er erblickte die Pistole in Doyles Hand.</p><p>�Was ist los, Mickey?�</p><p>�Mach�s gut, Spider.�</p><p>Am Tonfall in Doyles Stimme erkannte er, dass sein Freund nicht scherzte. Sein Grinsen verflog. �Warum?�</p><p>�Ich kann nicht zulassen, dass du das Projekt scheitern l�sst.�</p><p>�Sieh mal, Mickey. Tris und ich k�nnen das ausdiskutieren und uns einigen.�</p><p>�Es hat nichts mit Tris zu tun.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Ich trinke ein Bier auf dich, sobald ich wieder in Cambridge bin�, sagte Doyle.</p><p>Die .25er Pistole in seiner Hand knallte zweimal.</p><p>Die erste Kugel bohrte sich in die Ledermappe. Barrett versp�rte den Sto� gegen seine Brust, aber er stand der Situation immer noch v�llig ungl�ubig gegen�ber, als die zweite Kugel seinen Sch�del streifte. Dann meldeten sich seine �berlebensreflexe. Er lie� die Mappe fallen, machte kehrt und st�rmte in den Wald. Doyle feuerte zwei weitere Sch�sse ab, doch die Kugeln schlugen harmlos in einen Baumstamm ein. Er fluchte und nahm die Verfolgung auf.</p><p>Barrett achtete nicht auf die tief h�ngenden Zweige, die ihm ins Gesicht peitschten, oder die Dornenranken, die sich in seiner Jeans verhakten. Seine �berraschung und Entt�uschung, von einem Freund beschossen zu werden, hatte nacktem Entsetzen Platz gemacht. Blut sickerte an der Seite seines Kopfs und am Hals herab. W�hrend er durch den Wald st�rmte, erkannte er voraus einen silbernen Glanz. Oh verdammt! Er war im Kreis gelaufen und zum See zur�ckgekehrt, aber nun gab es kein Zur�ck mehr.</p><p>Er brach aus dem Wald und gelangte auf einen Sandstrand, ungef�hr hundert Meter vom Flugzeug entfernt. Er konnte h�ren, wie Doyle sich dicht hinter ihm durchs Unterholz w�hlte. Ohne zu z�gern rannte er ins Wasser, holte tief Luft und tauchte unter. Er war ein guter Schwimmer, und trotz seiner Schuhe an den F��en hatte er sich bereits mehrere Meter vom Strand entfernt, als Doyle am Seeufer erschien. Er tauchte so tief unter wie m�glich.</p><p>Doyle stand am Ufer und zielte auf die Wellen, die auf der Wasseroberfl�che die Stelle markierten, wo Barrett verschwunden war. Er jagte eine ganze Salve ins Wasser, lud in aller Ruhe nach und leerte ein zweites Magazin.</p><p>Dort, wo Barrett untergetaucht war, f�rbte das Wasser sich blutrot. Doyle beschloss, f�nf Minuten zu warten, bis er sicher sein konnte, dass Barrett nicht die Luft anhielt, doch dann h�rte er pl�tzlich von der anderen Seite eines Schilfdickichts im Wasser links von ihm laute Rufe.</p><p>Er warf einen Blick auf den gr��er werdenden Fleck auf der Seeoberfl�che und verstaute die Pistole in seinem G�rtel. Eilig kehrte er durch den Wald zur Lichtung zur�ck. Er sammelte die Papiere auf, die Barrett fallen gelassen hatte, und stopfte sie in die Mappe. Dabei bemerkte er das Einschussloch in der Lederh�lle. Er fluchte. Das hatte er davon, dass er eine Spielzeugpistole benutzt hatte. Wenig sp�ter sa� er wieder im Flugzeug und schwebte �ber den Baumwipfeln.</p><p>Sobald er davon ausgehen konnte, wieder eine Netzverbindung zu haben, w�hlte Doyle eine Nummer auf seinem Mobiltelefon. �Und?�, fragte eine M�nnerstimme am anderen Ende der Leitung.</p><p>�Es ist erledigt�, antwortete Doyle. �Ich habe versucht, es ihm auszureden, aber er war entschlossen, alles preiszugeben.�</p><p>�Schade. Er war wirklich brillant. Irgendwelche Probleme?�</p><p>�Nee�, log Doyle.</p><p>�Gut gemacht�, sagte die Stimme. �Ich will dich morgen hier sehen.�</p><p>Doyle versprach, dass er kommen w�rde. Als er die Verbindung unterbrach, machte sein irisches Blut sich durch einen kurzen Moment des Bedauerns dar�ber bemerkbar, dass er seinen alten Freund hatte t�ten m�ssen. Aber Doyle war in einer Umgebung aufgewachsen, wo eine Freundschaft mit einer n�chtlichen Beerdigung wegen eines schiefgegangenen Drogengesch�fts oder einer ungeh�rigen Bemerkung schlagartig zu Ende gehen konnte. Es war nicht sehr sch�n, aber Gesch�ft war nun mal Gesch�ft. Er verdr�ngte Barrett aus seinem Bewusstsein und begann, von den Reicht�mern und der Macht zu tr�umen, �ber die er sicherlich schon bald verf�gen w�rde.</p><p>Er w�re weniger unbesorgt gewesen, wenn er gewusst h�tte, was sich hinter ihm im See abspielte. Ein Kanu hatte das Schilfdickicht umrundet. Die beiden Fliegenfischer im Boot hatten den L�rm von Doyles Pistole geh�rt. Sie wollten den vermeintlichen J�ger warnen, dass sich Menschen in der N�he des Sees aufhielten. Einer der M�nner war ein Anwalt aus Boston, aber, was noch wichtiger war, der andere Mann war Arzt.</p><p>Als sie aus dem Schilfdickicht auftauchten, deutete der Anwalt voraus aufs Wasser und sagte: �Was zum Teufel ist das da?�</p><p>Der Arzt folgte seinem Blick. �Sieht aus wie eine Melone mit einer Spinne darauf.�</p><p>Sie paddelten, bis sie nur noch wenige Meter von dem Objekt entfernt waren. Die Melone verschwand, und an ihrer Stelle erschienen Augen, eine Nase und ein aufklaffender Mund. Der Anwalt hob ein Paddel hoch und bereitete sich darauf vor, es auf den im Wasser treibenden Kopf zu schlagen. Spider Barrett blickte hinauf in zwei erstaunte Gesichter. Seine Lippen bewegten sich.</p><p>�Helfen Sie mir�, flehte er.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Mit einer Rumpfverdr�ngung von dreiundzwanzigtausend Tonnen und f�nfundsiebzigtausend PS, die von seinen starken Maschinen erzeugt wurden, war der russische Eisbrecher <emphasis>Kotelny </emphasis>der Yamal-Klasse in der Lage, mehr als zwei Meter dicke Eisplatten zu zertr�mmern. Sein scharfkantiger schr�ger Bug schnitt durch das teils schon weiche Fr�hlingspackeis wie ein warmes Messer durch ein Sorbet. W�hrend Karla Janos am Bug stand und die von Nebel verh�llte Insel betrachtete, die ihr Ziel war, hatte sie das Gef�hl, als sei jemand �ber ihr Grab gestiegen.</p><p>Der unwillk�rliche Schauer, der ihren schlanken K�rper erzittern lie�, hatte nichts mit dem eisigen Wetter in der Ostsibirischen See zu tun. Karla war in einen Daunenparka geh�llt, und sie hatte sich nach zwei Wintern an der Universit�t von Fairbanks, wo die Temperaturen regelm��ig bis auf vierzig Grad unter null sanken, an die bei�ende K�lte gew�hnt. Sie kannte sich in der Region des Polarkreises gut genug aus, um sich dar�ber im Klaren zu sein, dass nur eine geringe Chance bestand, dass Ivory Island dem durch seinen Namen hervorgerufenen warmen, wei�en Image entsprach, aber auf die totale Trostlosigkeit des abgeschiedenen Ortes war sie ganz und gar nicht vorbereitet gewesen.</p><p>Als Wissenschaftlerin wusste Karla, dass ihre Reaktion rein emotionaler Natur war und keinesfalls objektiv, doch die Insel umgab eine Aura der Gefahr, die sie nicht so einfach verdr�ngen konnte. Das auff�lligste Merkmal der Insel war ein erloschener Vulkan, auf dessen wie abgebrochen wirkendem Gipfel immer noch vereinzelte Schneefelder zu sehen waren. Der wolkenverhangene Himmel saugte jegliche Farbe aus dem Sonnenlicht, so dass das Meer und das Land wie in ein deprimierendes graues Licht getaucht erschienen. W�hrend das Schiff sich der Insel n�herte, sah sie, dass die flachen, gew�lbten H�gel und die Tundra rund um den Vulkan von einem Netz von Schluchten durchzogen wurden, deren zerkl�ftete Felsw�nde zusammen mit dem einfallenden Sonnenlicht eine optische T�uschung erzeugten, als ob die gesamte Oberfl�che der Insel sich vor Schmerzen wand.</p><p>�Verzeihung, Miss Janos. Wir ankern in einer Viertelstunde.�</p><p>Sie wandte sich um und erblickte den Kommandanten des Schiffs. Kapit�n Ivanov war ein st�mmiger Mann in den Sechzigern. Sein breites Gesicht war vom arktischen Wetter gegerbt, und ein wei�er Seemannsbart umrahmte sein Kinn.</p><p>Der Kapit�n war ein freundlicher Mann, der einen gro�en Teil seines Lebens in den Gew�ssern rund um den Archipel verbracht hatte. Zwischen Karla und dem onkelhaften Ivanov hatte sich eine tiefe Freundschaft entwickelt, seit sie auf der Wrangelinsel, seinem Heimathafen, an Bord des Eisbrechers gekommen war. Sie hatte die ausgiebigen Unterhaltungen w�hrend des Abendessens genossen. Der Kapit�n hatte sie mit seinem fundierten Wissen in Geschichte, Biologie und Meteorologie beeindruckt, das weit �ber den Rahmen der Kenntnisse hinausging, die n�tig waren, um ein gro�es Schiff durch widrige Gew�sser zu steuern. Sie hatte ihn zum Err�ten gebracht, als sie ihn einen Renaissancemenschen genannt hatte.</p><p>Karla erinnerte den Kapit�n an seine Tochter, eine T�nzerin beim Bolschoi Ballett. Sie war gro�, schlank und langbeinig, und sie bewegte sich mit der l�ssigen Eleganz eines Menschen, der sich seines K�rpers bewusst ist. Ihr langes blondes Haar trug sie im Stil einer T�nzerin im Nacken zusammengebunden. Von ihren ungarischen und slawischen Vorfahren hatte sie die besten Merkmale geerbt: eine breite Stirn, hohe Wangenknochen, einen ausdrucksvollen sinnlichen Mund, einen cremefarbenen Teint und rauchgraue Augen, deren angedeutete Mandelform auf ihre asiatische Herkunft hinwies. Obgleich Karla f�r kurze Zeit Tanz studiert hatte, neigte sie eher zu sportlichen Disziplinen. An der Universit�t von Michigan, wo sie ein Diplom in Pal�ontologie erworben und sich au�erdem auf die Biologie der Wirbeltiere spezialisiert hatte, war sie eine der besten L�uferinnen gewesen.</p><p>�Vielen Dank, Kapit�n Ivanov�, sagte sie. �Mein Gep�ck steht bereit. Ich hole es sofort aus meiner Kabine.�</p><p>�Lassen Sie sich Zeit.� Er betrachtete sie mit seinen freundlichen blauen Augen. �Sie scheinen beunruhigt zu sein. Geht es Ihnen gut?�</p><p>�Ja, es ist alles in Ordnung, vielen Dank. Ich habe nur die Insel betrachtet, und, nun ja, sie sieht ziemlich unheimlich aus. Aber sicherlich bilde ich mir nur etwas ein.�</p><p>Er folgte ihrem Blick. �Nicht ganz. Ich bin seit Jahren in diesen Gew�ssern unterwegs. Ivory Island schien seit jeher irgendwie anders zu sein. Wissen Sie etwas �ber ihre Geschichte?�</p><p>�Nur dass sie von einem Pelzh�ndler entdeckt wurde.�</p><p>�Das stimmt. Er hat die Siedlung am Fluss gegr�ndet. Er hat einige der anderen H�ndler w�hrend eines Streits um Pelze get�tet, daher konnte man sie nicht nach einem M�rder benennen.�</p><p>�Diese Geschichte habe ich geh�rt. Ich wei� nicht, ob es mir gefallen w�rde, wenn mein Name, selbst wenn ich eine M�rderin w�re, mit einem solch einsamen und reizlosen Ort in Verbindung gebracht w�rde. Au�erdem klingt Ivory Island viel poetischer. Und nach dem, was ich von der Insel als Quelle f�r Elfenbein wei�, auch viel zutreffender.� Sie hielt inne. �Sie meinten gerade, die Insel sei irgendwie anders? Inwiefern?�</p><p>Der Kapit�n zuckte die Achseln. �Manchmal, wenn ich die Insel bei Dunkelheit passiert habe, konnte ich bewegliche Lichter in der N�he der alten Pelztierj�gersiedlung am Fluss sehen. Die Siedlung wird �brigens Ivorytown genannt.�</p><p>�Dort befindet sich der Hauptst�tzpunkt der Expedition, und dort werde ich wohnen.�</p><p>�Wahrscheinlich waren das irgendwelche leuchtenden Gasblasen.�</p><p>�<emphasis>Gas? </emphasis>Sie sagten, die Lichter h�tten sich bewegt.�</p><p>�Sie sind sehr aufmerksam�, stellte der Kapit�n fest. �Ich entschuldige mich. Ich hatte nicht vor, Ihnen Angst zu machen.�</p><p>�Im Gegenteil, Sie wecken mein Interesse.�</p><p>Karla �hnelte in so vielem seiner Tochter. Sie war intelligent, eigensinnig, draufg�ngerisch. �Auf jeden Fall kommen wir in zwei Wochen zur�ck, um Sie abzuholen�, sagte er. �Viel Gl�ck bei Ihren Forschungen.�</p><p>�Vielen Dank. Ich denke, dass ich auf der Insel irgendetwas finden werde, das meine Theorie �ber die Ursache des Aussterbens der Wollhaarmammuts unterst�tzt.�</p><p>Der Mund des Kapit�ns verzog sich zu einem verschmitzten L�cheln. �Wenn Ihre Kollegen auf der Insel mit ihrer Arbeit Erfolg haben, k�nnen wir am Ende Wollhaarmammuts im Moskauer Zoo besichtigen.�</p><p>Karla seufzte. �Wir werden es sicher nicht mehr erleben. Selbst wenn die Expedition bei einem gut erhaltenen Exemplar Wollhaarmammut-DNS finden sollte und diese einem indischen Elefanten eingepflanzt werden kann, d�rfte es mehr als f�nfzig Jahre dauern, um eine Kreatur zu erzeugen, die man halbwegs als Wollhaarmammut ansehen kann.�</p><p>�Ich hoffe, dass es niemals so weit kommt�, sagte der Kapit�n. �Ich halte es nicht f�r weise, der Natur ins Handwerk zu pfuschen. Darauf passt eine Weisheit der Seeleute: Pfeife niemals an Deck, denn daraus k�nnte ein Sturm entstehen.�</p><p>�Ich bin durchaus Ihrer Meinung. Deshalb bin ich froh, dass mein Gebiet die reine Forschung ist.�</p><p>�Noch einmal, meine besten W�nsche begleiten Sie. Und jetzt muss ich mich entschuldigen, weil ich mich um mein Schiff k�mmern muss.�</p><p>Karla bedankte sich f�r seine Gastfreundschaft, und sie sch�ttelten sich die Hand. Karla �berkam ein Gef�hl der Einsamkeit, als der Kapit�n sich entfernte, aber sie tr�stete sich mit dem Gedanken an die Arbeit, die vor ihr lag. Mit einem letzten trotzigen Blick auf die Insel begab sie sich zu ihrer Kabine, wo sie ihr Gep�ck holte und damit an Deck zur�ckkehrte, um darauf zu warten, an Land gebracht zu werden.</p><p>Nicht weit vom Ufer eines nat�rlichen Hafens entfernt, beschrieb das Schiff einen Bogen, um einen breiten Kanal durchs Eis zu brechen. Karla lud ihre Reisetaschen in die Barkasse des Schiffs und kletterte dann selbst hinein. Das offene Boot wurde ins Wasser hinabgelassen, die beiden Matrosen an Bord l�sten die Leinen, und dann steuerten sie auf die Insel zu, wobei sie sich zwischen Eisschollen so gro� wie Pkw hindurchschl�ngelten. W�hrend das Boot sich dem Land n�herte, konnte sie am Ufer eine Gestalt erkennen, die ihnen zuwinkte.</p><p>Minuten sp�ter erreichte die Barkasse das Ufer ein gutes St�ck von einem Fluss entfernt, der in den Hafen m�ndete, und Karla stieg aus auf einen Kiesstrand. Die Frau mittleren Alters, die am Strand gewartet hatte, kam auf sie zu und umarmte sie zur Begr��ung.</p><p>�Ich bin Maria Arbatov�, stellte sie sich vor. Sie sprach mit russischem Akzent. �Ich freue mich sehr, Sie hier begr��en zu k�nnen, Karla. Ich habe viel Gutes �ber Ihre Arbeit geh�rt. Es ist kaum zu glauben, dass jemand, der so jung ist, schon so viel geleistet hat.�</p><p>Maria hatte silbergraues Haar, das sie in einem dicken Knoten trug, hohe, rosige Wangenknochen und ein offenes L�cheln, das der arktischen Luft jede K�lte nahm.</p><p>�Die Freude ist ganz meinerseits, Maria. Vielen Dank f�r diese liebe Begr��ung.�</p><p>Maria entschuldigte sich und �berwachte das Ausladen einiger Vorr�te, die ebenfalls mit dem Boot gebracht worden waren. Die Kisten wurden akkurat am Ufer aufgestapelt, von wo sie sp�ter abgeholt w�rden. Maria meinte, es g�be niemanden, der sich unbefugterweise daran zu schaffen machen k�nnte. Karla bedankte sich bei der Bootsbesatzung. Danach stiegen sie und Maria einen kleinen H�gel hinauf und wanderten am Ufer des Flusses entlang. Ein Pfad aus Schuhabdr�cken verriet, dass sie sich auf dem Hauptverkehrsweg zum Strand befanden.</p><p>�Wie war die Reise?�, erkundigte Maria sich, w�hrend bei jedem Schritt der Permafrost unter ihren Sohlen knirschte.</p><p>�Herrlich. Kapit�n Ivanov ist ein reizender Mann. Die <emphasis>Kotelny </emphasis>kreuzt regelm��ig mit Touristengruppen zwischen den Inseln, daher war meine Kabine recht komfortabel.�</p><p>�Kapit�n Ivanov war auch uns gegen�ber sehr entgegenkommend, als er das Expeditionsteam hierher brachte. Ich hoffe, Sie haben sich nicht zu sehr an den Komfort gew�hnt. Zwar haben wir uns alle M�he gegeben, aber unsere Unterk�nfte sind weitaus primitiver als die auf dem Schiff.�</p><p>�Ich werde es �berleben. Wie geht das Projekt voran?�</p><p>�Wie ihr Amerikaner sagt, was wollen Sie zuerst h�ren, die gute oder die schlechte Nachricht?�</p><p>Karla musterte sie kurz von der Seite. �Das �berlasse ich Ihnen.�</p><p>�Dann zuerst die gute Nachricht. Wir haben mehrere Expeditionen unternommen und zahlreiche vielversprechende Proben gesammelt.�</p><p>�Das ist wirklich eine gute Nachricht. Und jetzt die schlechte���</p><p>�Sie sind mitten in einem russisch-japanischen Krieg hier eingetroffen.�</p><p>�Ich war mir gar nicht bewusst, dass ich in ein Kampfgebiet geraten w�rde. Was meinen Sie damit?�</p><p>�Sie wissen doch sicher, dass diese Expedition ein Joint-Venture-Unternehmen ist, oder?�</p><p>�Ja. Es werden damit russische wie japanische Interessen verfolgt. Der Grundgedanke ist, die Ergebnisse auszutauschen.�</p><p>�Als Wissenschaftlerin wissen Sie, dass es nicht so wichtig ist, was man findet, sondern wie viel Anerkennung man daf�r einheimst.�</p><p>�Anerkennung ist gleichbedeutend mit Ansehen, Karriere und, letztendlich, Geld.�</p><p>�Richtig. Und in diesem Fall geht es um eine gro�e Menge Geld, daher ist es sogar noch wichtiger, wer f�r unsere Ergebnisse gelobt wird.�</p><p>Sie waren knapp einen Kilometer vom Ufer entfernt eine kleine Anh�he hinaufgestiegen, als Maria verk�ndete: �Wir sind fast da. Willkommen in Ivorytown.�</p><p>Sie folgten dem Pfad �ber die Tundra zu mehreren Geb�uden, die unweit des Flusses standen. Das gr��te Bauwerk, etwa so gro� wie eine normale Garage, war von mehreren fensterlosen Geb�uden umgeben, die h�chstens ein Drittel so gro� waren. Die D�cher bestanden aus verrostetem Wellblech. Zwei gro�e Zelte waren ein St�ck abseits aufgeschlagen worden. Karla ging zum n�chsten Geb�ude und strich mit der Hand �ber die raue, graue Oberfl�che der Au�enwand.</p><p>�Die besteht ja fast vollst�ndig aus Knochen und Sto�z�hnen�, stellte sie staunend fest.</p><p>�Die Menschen, die hier gelebt haben, benutzten als Baumaterial das, was sie auf der Insel im �berfluss fanden�, sagte Maria. �Die Fossilien wurden mit einer Art selbst hergestelltem Zement verklebt. Er ist ziemlich widerstandsf�hig und erf�llt die geforderte Funktion, n�mlich den eisigen Wind abzuhalten.�</p><p>Die verwitterte T�r an der Geb�udeseite schwang auf, und ein korpulenter Mann mit buschigen Augenbrauen kam heraus. Er schob Maria mit den Schultern beiseite, umarmte Karla wie ein lange verschollener Onkel und dr�ckte ihr feuchte K�sse auf beide Wangen.</p><p>�Ich bin Sergei Arbatov�, stellte er sich vor. L�chelnd entbl��te er einige Goldz�hne. �Ich leite dieses Projekt. Es ist erfreulich, eine derart h�bsche Person in unserer Mitte begr��en zu k�nnen.�</p><p>Karla entging nicht, wie Marias Stirn sich f�r einen kurzen Moment umw�lkte. Da sie ihre Hausaufgaben, was die einzelnen Expeditionsmitglieder anging, gemacht hatte, wusste sie, dass Sergei zwar der Projektleiter war, dass seine Frau ihn jedoch an akademischen W�rden �bertraf. Karla hatte sich st�ndig gegen das m�nnliche akademische Establishment durchsetzen m�ssen und verabscheute die Art und Weise, wie �berheblich er ihr begegnete und gleichzeitig seine Frau ignorierte. Karla schob sich an Arbatov vorbei und legte Maria einen Arm um die Schultern.</p><p>�Und f�r mich wird es eine Freude sein, mit jemandem von derartiger akademischer Kompetenz zusammenarbeiten zu k�nnen�, sagte sie.</p><p>Marias Miene hellte sich augenblicklich auf, und sie strahlte vergn�gt. Arbatovs finsterer Blick verriet, dass dieser Seitenhieb ihm gar nicht gefiel. Niemand wei�, was als N�chstes passiert w�re, wenn in diesem Moment nicht zwei weitere Personen aus dem Geb�ude gekommen w�ren. Ohne zu z�gern ging Karla auf sie zu und verbeugte sich vor einem der M�nner.</p><p>�Dr.�Sato, ich bin Karla Janos. Es freut mich, Sie endlich pers�nlich kennen zu lernen�, sagte sie zu dem �lteren der beiden M�nner. �Ich habe viel �ber das Gifu Science and Technology Center und die Kinki Universit�t geh�rt.� Sie wandte sich an den j�ngeren Mann. �Und Sie m�ssen Dr.�Ito sein, der Veterin�r von der Kagoshima Universit�t in S�d-Japan.�</p><p>Die M�nner l�chelten und zeigten dabei ihre Z�hne. Gleichzeitig senkten sie ihre K�pfe zu einer h�flichen Verneigung.</p><p>�Wir hoffen, Sie hatten eine angenehme Reise�, sagte Dr.�Sato. �Wir sind sehr dankbar, dass Sie sich unserer Expedition anschlie�en konnten.�</p><p>�Vielen Dank, dass Sie mir gestattet haben, hierher zu kommen. Ich wei�, dass Sie mit Ihrer eigenen Arbeit hinreichend ausgelastet sein d�rften.�</p><p>Karla plauderte mit den beiden M�nnern �ber ihre gemeinsamen wissenschaftlichen Bekannten, bis Maria her�berkam und ihren Arm ergriff.</p><p>�Kommen Sie, ich zeige Ihnen, wo Sie wohnen werden.�</p><p>Sie ging voraus auf eins der kleineren Geb�ude zu, dann traten sie in sein d�steres und muffiges Inneres. �Dies alles hier wurde von einigen alten Pelzh�ndlern erbaut und anschlie�end von Elfenbeinsammlern vergr��ert. Es ist gem�tlicher, als man auf den ersten Blick vermutet�, erkl�rte Maria. �Die gro�en Zelte benutzen wir als K�che und Speisesaal. Das kleine Zelt etwas abseits vom Lager ist unser gemeinsames Badezimmer. Es ist da drau�en gelegentlich ziemlich windig, daher werden Sie schnell lernen, sich zu sputen. Eine Dusche gibt es nicht. Sie werden sich mit einem Badeschwamm zufriedengeben m�ssen. Wir verf�gen auch �ber einen Stromgenerator, doch den benutzen wir aufgrund unseres begrenzten Treibstoffvorrats nur gelegentlich.�</p><p>�Ich bin sicher, dass ich mich recht wohl f�hlen werde�, sagte Karla, obgleich sie sich gleichzeitig fragte, ob in dem Geb�ude einer der Pelzh�ndler ermordet worden war. Sie entrollte eine Schaumgummimatte und breitete sie auf dem Fu�boden aus.</p><p>�Ich muss Ihnen ein Kompliment machen. Unsere japanischen Freunde haben Ihnen geradezu aus der Hand gefressen, als Sie auf ihre Herkunft zu sprechen kamen.�</p><p>�Das war leicht. Sobald ich ihre Namen kannte, habe ich mich im Internet informiert. Ich sah ihre Fotos und machte mich mit ihrer Herkunft vertraut. Allerdings glaube ich, dass mein Charme bei Sergei ziemlich wirkungslos verpufft ist.�</p><p>Maria stie� ein schallendes Gel�chter aus. �Im Grund seines Herzens ist mein Mann ein lieber Kerl, sonst h�tte ich ihm schon l�ngst den Laufpass gegeben. Aber er kann, was Frauen betrifft, ziemlich unausstehlich sein, und er hat ein schrecklich aufgeblasenes Ego.�</p><p>�Ich habe mich auch �ber Sie beide erkundigt. Er hat nicht halb so viel akademische Auszeichnungen wie Sie.�</p><p>�Ja, aber er verf�gt �ber die wichtigen politischen Beziehungen, und allein das z�hlt. Er hat Respekt vor Ihnen, weil Sie ihm die Stirn geboten haben, aber wenn es Ihnen nichts ausmacht, dem alten Mann zu schmeicheln, dann frisst auch er Ihnen aus der Hand. Im Grunde ist er ziemlich unsicher, und ich tue es st�ndig.�</p><p>�Danke f�r den Rat. Ich werde sein Ego in Zukunft ein wenig streicheln. Wie sieht unser Zeitplan aus?�</p><p>�Im Augenblick h�ngt alles ein wenig in der Luft.�</p><p>�Ich verstehe nicht.� Sie entdeckte ein am�siertes Grinsen in Marias Augen. �Gibt es etwas, von dem Sie mir noch nichts erz�hlt haben?�</p><p>�Ja. Die gute Nachricht ist, dass wir etwas Wunderbares gefunden haben. Die schlechte Nachricht ist, dass die anderen sich noch nicht ganz im Klaren sind, ob sie Ihnen jetzt schon von ihrer Entdeckung erz�hlen oder ob sie lieber warten sollen, bis sie Sie ein wenig besser kennen gelernt haben.�</p><p>Karlas Neugier wurde durch diesen verlockenden Hinweis angestachelt, aber sie sagte: �Was immer Sie entscheiden, ist mir recht. Ich habe selbst genug Arbeit vor mir.�</p><p>Maria nickte und kehrte mit ihr zu den anderen Wissenschaftlern zur�ck, die sich vor dem gr��eren Geb�ude versammelt hatten.</p><p>Arbatov sah Karla mit ernster Miene an und erkl�rte: �Es kommt auf Sie an, ob Sie in einem sehr ung�nstigen oder einem gl�cklichen Moment auf diese Insel gekommen sind.�</p><p>�Ich wei� nicht, was Sie meinen.�</p><p>�Wir haben uns abgesprochen�, erwiderte Arbatov mit gewichtiger Stimme. �Wir haben entschieden, Sie ins Vertrauen zu ziehen. Aber zuerst m�ssen Sie schw�ren, ohne die ausdr�ckliche Einwilligung aller Mitglieder dieser Expedition nichts von dem weiterzugeben, was Sie gesehen haben, und zwar jetzt und auch in Zukunft.�</p><p>�Das soll mir recht sein�, sagte Karla. �Aber ich verstehe nicht ganz.� Karla warf Maria einen Hilfe suchenden Blick zu.</p><p>Arbatov deutete auf den Schuppen, dessen dicke Holzt�r von den beiden Japanern flankiert wurde. Sie sahen aus wie W�chterfiguren eines asiatischen Tempels. Auf ein Zeichen des Russen �ffnete Sato die T�r und vollf�hrte mit dem Arm eine elegante Bewegung, die sie zum Eintreten aufforderte.</p><p>Alle l�chelten. F�r einen Moment fragte Karla sich, ob sie in einen Club von Verr�ckten geplatzt war, die aufgrund der arktischen Einsamkeit den Verstand verloren hatten. Aber sie machte ein paar vorsichtige Schritte und gelangte in die ger�umige Baracke. Die Atmosph�re war bei Weitem nicht so muffig wie in ihrem Schlafquartier, und sie nahm einen Geruch von Vieh und Viehstall wahr. Die Quelle war ein B�ndel br�unlich roten Fells, das auf dem Tisch lag, der von den generatorgespeisten Scheinwerfern angestrahlt wurde. Sie ging n�her heran und erkannte einige Details.</p><p>Das Wesen sah aus, als schliefe es. Fast erwartete sie, dass seine Augen sich pl�tzlich �ffneten oder dass der Schwanz oder der R�ssel zu zucken begann.</p><p>Vor ihr, so lebensecht wie vor zwanzigtausend Jahren, lag das am besten erhaltene Mammutjunge, das sie jemals zu Gesicht bekommen hatte.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Jordan Gant war wie eine Chim�re, jenes mythische griechische Monster des Altertums, das ein Mischwesen aus verschiedenen, nicht miteinander verwandten Teilen war.</p><p>Er war diszipliniert wie ein M�nch in der Fastenzeit und vermittelte den Eindruck eines Asketen, aber sein schwarzer ma�geschneiderter Anzug und der ebenfalls schwarze Rollkragenpulli, die seine bleiche Haut und sein silbergraues Haar betonten, hatten mehr gekostet, als viele Menschen in einer Woche verdienen. Sein B�ro auf der Massachusetts Avenue in Washington war, verglichen mit den luxuri�sen R�umlichkeiten der anderen einflussreichen Stiftungen in der Nachbarschaft, spartanisch eingerichtet, allerdings besa� er ein schloss�hnliches Farmhaus in Virginia, einen Stall voller Pferde und eine Garage voller Sportwagen. Er verdiente ein Verm�gen mit multinationalen Beteiligungen, war jedoch Chef einer Organisation, deren erkl�rtes Ziel darin bestand, Konzerne wie die, die ihn reich gemacht hatten, zu behindern und zu zerschlagen.</p><p>Seine Ohren waren klein und lagen dicht an seinem Kopf an und verliehen ihm ein stromlinienf�rmiges Aussehen, fast so als tr�ge er eine Kapuze. Seine Gesichtsz�ge waren glatt und nichtssagend, so als w�ren sie entstanden, ehe irgendein Charaktermerkmal�� gut oder schlecht�� seine Spuren darin hinterlassen hatte. Sein Mienenspiel war nicht viel aussagekr�ftiger als Portr�ts, die auf einen Bildschirm projiziert werden. Im entspannten, nat�rlichen Zustand fehlte seinem Gesicht jegliche Emotion. Das L�cheln eines Politikers hatte er bis zur Vollkommenheit verfeinert, und er konnte es anknipsen, als verf�gte er �ber einen eingebauten elektrischen Schalter. Er konnte w�hrend der langweiligsten Unterhaltung aufrichtiges Interesse demonstrieren und Sympathie und Freude vermitteln, indem er wie ein Schauspieler des Altertums die Masken wechselte. Manchmal erschien er eher wie eine Illusion als wie ein Mensch aus Fleisch und Blut.</p><p>Gant zeigte seine freundlichste, entgegenkommendste Fassade, w�hrend er in seinem B�ro sa� und sich mit Irving Sacker, einem Mann mittleren Alters mit faltigem Gesicht und sch�tterem schwarzem Haar, unterhielt. Mit ihren sorgf�ltig manik�rten Fingern�geln, ihren gediegenen Haarschnitten und konservativen Anz�gen sahen Sacker und die drei anderen Anw�lte aus seiner einflussreichen Washingtoner Kanzlei aus, als ob die Georgetown Law School sie mit einer Geb�ckform f�r Juristenteig ausgestochen und ihnen anschlie�end Leben eingehaucht h�tte. Obgleich sie sich in Gesicht und Statur unterschieden, pflegten sie ausnahmslos in Mienenspiel und K�rperhaltung den lauernden Ausdruck jagender Raubv�gel, die nur darauf warten, sich auf irgendeine rechtliche Spitzfindigkeit st�rzen zu k�nnen.</p><p>�Wie ich sehe, haben Sie, wie von mir gew�nscht, die Fallakten und Disketten mitgebracht�, stellte Gant fest.</p><p>Sacker reichte ihm einen Aktenkoffer. �Normalerweise behalten wir eine Sicherungskopie unserer Akten in der Kanzlei, aber da Sie so gro�z�gig f�r h�chste Verschwiegenheit bezahlten, haben wir s�mtliche Daten aus unseren Computern und Akten gel�scht und entfernt. Alles ist in diesem Koffer. Es ist so, als h�tten wir Ihren Fall niemals bearbeitet.�</p><p>�Im Namen des Global Interests Network m�chte ich mich f�r Ihre umfangreiche Arbeit bedanken. Ich danke Ihnen au�erdem daf�r, dass Sie das gesamte Projekt geheim gehalten haben.�</p><p>�Wir haben lediglich unseren Job gemacht�, sagte Sacker.</p><p>�Es war eine interessante Aufgabe. Was wir auf Papier f�r Sie entwickelt haben, ist ein Megakonzern, der jede Art von elektronischer Kommunikation auf diesem Planeten kontrollieren w�rde. Mobilfunknetze. Satelliten. Telekommunikation. Den gesamten dicken Kuchen.�</p><p>�Sie werden zugeben, dass dies genau das ist, wohin sich alles schon seit langem entwickelt hat, wenn man sich die �bernahmen und Fusionen in der Kommunikationsindustrie ansieht.�</p><p>�Diese Arrangements sind im Vergleich mit dem Gebilde, das wir f�r Sie konstruiert haben, billige Imbissbuden.�</p><p>�Dann haben Sie genau das geleistet, zu was Sie beauftragt wurden.�</p><p>�In diesem Fall hoffe ich, dass Sie uns f�r jede kartellrechtliche Klage, die gegen Sie eingereicht werden kann, als Klient erhalten bleiben�, meinte Sacker grinsend.</p><p>Gant kicherte. �Sie stehen auf meiner Liste ganz oben.�</p><p>�Gestatten Sie mir eine Frage, Mr.�Gant?�</p><p>�Nat�rlich. Schie�en Sie los.�</p><p>�Diese �bereink�nfte und Vertr�ge w�rden, unter h�chst unwahrscheinlichen Umst�nden, jemanden in die Lage versetzen, die Kontrolle �ber die bedeutenden Kommunikationssysteme der Welt an sich zu rei�en. Korrigieren Sie mich, wenn ich mich irre, aber Ihre Stiftung zieht doch gegen das zu Felde, was Sie als schikan�se Unterdr�ckung durch Welthandel, Marktsystem und Kapitalismus betrachten.�</p><p>�Das ist richtig. Das GIN vertritt demokratische Prinzipien und ist absolut unparteiisch. Wir sind der Meinung, dass der freie Handel segensreich f�r die Weiterentwicklung von Nationen und die F�rderung des Friedens sein kann. Aber wir k�mpfen gegen das derzeit g�ltige Freihandels-Modell. Wir wehren uns dagegen, dass wirtschaftliche Interessen �ber Sicherheitsstandards gesetzt und Vorschriften zum Umweltschutz als Barrieren f�r den freien Handel betrachtet werden. Wir sind gegen die Konzentration von Macht in den H�nden weniger multinationaler Konzerne. Wir sind gegen eine Verteilung von Investitionen �ber wirtschaftliche Grenzen hinweg, um regionale Gesetze zu umgehen. Wir betrachten die Weltbank, die WTO und die IMF als Institutionen, die sich �ber nationale Regierungen hinwegsetzen.� Er griff nach einer rot-wei�-blauen Brosch�re und reichte sie Sacker. �Sie k�nnen alles �ber unser Freedom Project in dieser h�bschen kleinen Schrift nachlesen.�</p><p>�Ich habe sie gelesen�, erwiderte Sacker, �und ich habe gegen einige Ihrer dort beschriebenen Positionen nichts einzuwenden.� Er sah zu den Postern an der Wand, auf denen die WTO als riesiger Krake dargestellt war. �Warum will eine Stiftung wie die Ihre eine Menge Geld f�r die Gr�ndung von etwas ausgeben, wogegen Sie eigentlich k�mpfen?�</p><p>�Das ist einfach. Wir finden, dass der Megakonzern, den Sie entworfen haben, schon in naher Zukunft Realit�t sein wird. Wenn man erfolgreich gegen einen Feind k�mpfen will, dann muss man ihn kennen. Wir betrachten uns im Wesentlichen als Denkfabrik. Die Blaupause, die Sie vorbereitet haben, verschafft uns die M�glichkeit, sowohl die Schw�chen wie auch die St�rken eines globalisierten Kommunikationsnetzes aufzusp�ren oder zu testen.�</p><p>�Sehr clever. Es scheint, als sei GIN bereits ganz gut im Gesch�ft. Ich kann nicht mehr die Fernsehnachrichten einschalten, ohne einen Ihrer sprechenden K�pfe dabei zu erwischen, wie er sich �ber das jeweilige Tagesthema �u�ert.�</p><p>�Vielen Dank. Unsere Reichweite ist ganz sch�n beeindruckend, aber dabei geht es nur um <emphasis>Einfluss, </emphasis>nicht um Macht.�</p><p>Sacker schaute auf die Uhr und stemmte sich dann aus seinem Sessel hoch. Gant sch�ttelte jedem der Anw�lte die Hand und geleitete sie zur T�r. �Noch einmal vielen Dank. Sie werden von mir h�ren.�</p><p>Als die Anw�lte den Raum verlassen hatten, dr�ckte Gant auf den Intercomknopf seines Telefons und sagte ein paar Worte. Die Seitent�r des B�ros �ffnete sich, und Mickey Doyle kam herein.</p><p>�Hallo, Mickey�, sagte Gant. �Hast du�s geh�rt?�</p><p>Doyle nickte. �Sacker ist ein schlauer Bursche. Ihm ist irgendetwas aufgefallen, er wusste nur nicht genau, was.�</p><p>�Ich glaube, ich habe ihn mit meiner Erkl�rung abgelenkt, aber ich bin mir nicht so sicher, ob er mir wirklich geglaubt hat. Ist auch egal. Hast du seit dem Zwischenfall mit Barrett schon mit Margrave gesprochen?�</p><p>�Heute Morgen. Er sagte, er habe versucht, Spider anzurufen, ihn allerdings nicht erreicht. Ich erkl�rte ihm, dass Barrett, als ich ihn auf dem Flughafen in Portland absetzte, gemeint habe, er wolle f�r ein paar Tage in Klausur gehen, um in Ruhe �ber alles nachzudenken.�</p><p>�Gute Arbeit.� Gant �ffnete eine Schreibtischschublade und zog einen in Leder gebundenen Hefter heraus. Um Fragen zu dem Einschussloch in der alten Mappe zuvorzukommen, hatte Doyle sie durch eine neue ersetzt. �Ich habe das Material von Karla Janos gelesen. Es ist eindeutig, dass sie etwas wei�.�</p><p>�Davon war Spider ebenfalls �berzeugt. Wie soll ich mit ihr verfahren?�</p><p>�Das ist bereits in Arbeit. Als du mich von der Insel aus angerufen und mir die Neuigkeit �ber ein Gegenmittel, das unser Vorhaben vereiteln k�nnte, mitgeteilt hast, habe ich beschlossen, schnell zu reagieren. Unsere Sicherheitsleute haben die Frau an der Universit�t von Alaska in Fairbanks aufgesp�rt. Ungl�cklicherweise haben wir sie knapp verfehlt. Sie befindet sich zurzeit auf einer wissenschaftlichen Expedition in Sibirien.�</p><p>�Sibirien! Mein Gott! Warum nicht gleich auf dem Mond?�</p><p>�Keine Sorge. Die Leute, die hier in der Stiftung die Rechnungen bezahlen, haben einen langen Arm. Sie machen regelm��ig in Russland Gesch�fte und konnten den Kontakt zu einem Gentleman in Moskau herstellen. Er hat seine Leute in Sibirien benachrichtigt, und sie haben Ms. Janos auf einer einsamen Insel aufgest�bert. Sie werden sie entf�hren und festhalten. Unterdessen ist ein Team unterwegs, um sie auszufragen und in Erfahrung zu bringen, was sie wei�.�</p><p>�Glaubst du, sie wei� etwas, das das Projekt in Gefahr bringen k�nnte?�</p><p>�Selbst wenn, h�tte es keinerlei Konsequenzen�, sagte Gant. �Wir wollen lediglich wissen, ob sie mit jemandem geredet hat. Dann schaffen wir sie beiseite. M�glicherweise m�ssen wir uns auch noch mit einem anderen Problem befassen. Kurt Austin, dieser NUMA-Mann, den Barrett erw�hnte. Mir gef�llt die Vorstellung nicht, dass er den Spulenmechanismus gesehen hat.�</p><p>�Wir behalten ihn im Auge.�</p><p>�Gut. Ich habe Austin per Computer �berpr�fen lassen. Er hat einen beeindruckenden Hintergrund. Wir wollen nicht, dass er irgendwelche Schwierigkeiten macht. Sobald wir ihn als Bedrohung betrachten, muss er schnellstens eliminiert werden. In der Zwischenzeit bleib in Margraves N�he und melde dich sofort, falls dir irgendetwas auff�llt, das du f�r wichtig h�ltst. Wir wollen, dass er dieses Projekt unter Einsatz eigener Mittel und Energie bis zum Ende durchzieht.�</p><p>�Es wird mir ein Vergn�gen sein.�</p><p>Gant war ein Meister darin, seine eigenen Emotionen zu verbergen, aber er hatte ein einmaliges Talent, Emotionen und Ausdruck anderer zu deuten. Doyle sah in diesem Moment aus wie eine Bulldogge, der gleich ein Steak vorgesetzt wird.</p><p>�Du magst ihn nicht, oder?�</p><p>�Tris? Nein. Er hat mich immer wie den letzten Dreck behandelt. Er glaubt, ich sei sein �ffchen. Befiehlt mir, Kaffee zu kochen und Drinks zu servieren, und als Belohnung darf ich mir eine Dose Bier holen. F�r jemanden wie ihn bin ich mehr oder weniger unsichtbar.�</p><p>�Das macht dich f�r das Freedom Project so wertvoll. Du bist besser als eine Fliege an der Wand. Und du wirst auf eine Art und Weise belohnt, wie du sie dir nicht tr�umen lassen w�rdest. Falls es dich f�rs Erste tr�stet, solltest du Folgendes wissen: Trotz seiner unbestrittenen Brillanz hat Margrave nicht die geringste Ahnung, was sich vor seiner Nase abspielt. Er wei� nicht, dass die Sicherheitsfirma, die f�r ihn arbeitet, eine Privatarmee genau jener �Eliten� ist, die er so gerne dem�tigen m�chte. Er glaubt, dass sein kleines Projekt die Ziele seiner neo-anarchistischen Freunde n�her r�cken l�sst. Er erkennt nicht, dass seine Aktivit�ten ihn und seine ungewaschenen Freunde vernichten und die Macht derer festigen werden, die er so gerne in die Knie zwingen m�chte.�</p><p>�Was soll ich hinsichtlich dieses alten Knackers in Montana unternehmen?�</p><p>Gant kicherte. �Meine philosophischen Erg�sse m�ssen dich ganz sch�n langweilen.�</p><p>��berhaupt nicht. Ich brauche nur einige Anweisungen.�</p><p>�Ich h�tte nicht erwartet, dass du dich mit diesem alten Grizzly anlegen willst, nachdem er zwei deiner M�nner ausgel�scht hat.�</p><p>�Er war clever. Sie waren d�mlich.�</p><p>�Ich mag keine offenen Posten, aber er steht nicht mehr oben auf der Liste. Dank der Information �ber die junge Frau brauchen wir ihn nicht mehr. Eine Sache noch. Diese Anw�lte, die in meinem B�ro waren�� ich m�chte, dass du sie aus dem Weg schaffst. Sorge daf�r, dass es wie ein Unfall aussieht. Eine Explosion in ihrem B�ro vielleicht.�</p><p>Doyle erhob sich von seinem Stuhl. �Ich werde mich sofort darum k�mmern.�</p><p>Nachdem Doyle hinausgegangen war, trat Gant ans Fenster und blickte hinaus auf die Massachusetts Avenue. Die Narren in dieser Stadt glaubten, sie lebten im m�chtigsten Land der Erde. Sie wollten einfach nicht begreifen, dass milit�rische Macht ihre Grenzen hat. Die Organisation der Eliten, der er angeh�rte, wusste, dass politische Ziele nicht nur mit Waffengewalt, sondern durch aufmerksame Beobachtung und totale Kontrolle aller Kommunikationswege erreicht wurden.</p><p>Ziele, die schon bald realisiert w�rden.</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Austin lehnte sich gegen die Reling der <emphasis>Throckmorton </emphasis>und blickte durch ein Fernglas zu dem Schiff hin�ber, das pl�tzlich aus den Tiefen des Meeres aufgetaucht war. Das Schiff neigte sich wie betrunken zur Seite und lag so tief im Wasser, dass die allenfalls einen Meter hohen Wellen bis auf das Deck schlugen. Wie durch ein Wunder schaffte das Schiff es, sich dagegen zu wehren, in sein feuchtes Grab zur�ckgesogen zu werden.</p><p>Als erfahrener Bergungsexperte hatte Austin Objekte jeder Gr��e und Form�� von Atombomben bis hin zu Unterseebooten�� vom Meeresboden nach oben geholt. Er wusste daher, dass dieses Schiff laut einfachen physikalischen Gesetzen eigentlich gar nicht mehr schwimmen sollte. Gleichzeitig musste er zugeben, dass auf dem Meer gelegentlich die seltsamsten Dinge geschehen. Er war kein abergl�ubischer Mensch, aber die Jahre, die er auf den Weltmeeren unterwegs gewesen war, hatten f�r ihn das Unerkl�rliche zu einer allt�glichen Erfahrung werden lassen. Er unterschied sich nicht von vielen Seeleuten, die Schiffen menschliche Qualit�ten zuordneten. Das Schiff schien entschlossen zu sein, seine Geschichte zu erz�hlen. Und Austin war mindestens ebenso entschlossen, sich diese Geschichte anzuh�ren.</p><p>�Welche Macht h�lt dieses Wrack �ber Wasser?�, fragte Zavala.</p><p>�Ich habe keine Ahnung, was dieses Schiff oben h�lt oder weshalb es hochgekommen ist�, sagte Austin. �Eigentlich h�tte es im schlammigen Boden stecken bleiben oder von seiner Fracht unten festgehalten werden m�ssen. Vielleicht hat der Strudel irgendwelche Dinge gelockert und losgerissen, und es ist aufgestiegen wie ein Holzspan.� Er bemerkte Zavalas skeptischen Gesichtsausdruck und fuhr fort: �Okay, ich habe nicht die leiseste Idee, weshalb der Kasten an die Oberfl�che gekommen und nicht gesunken ist. Bist du fit genug, um dir unseren Fund ein wenig genauer anzusehen?�</p><p>Ebenso wie Austin war Zavala in eine Decke geh�llt, die die Mannschaft bereitgehalten hatte, als sie nach Rettung der Trouts an Bord gekommen waren. �Ich hatte gehofft, mich in Gesellschaft einer Flasche <emphasis>reposado </emphasis>ausruhen zu k�nnen, aber ich kann den Chopper gleich wieder in die Luft bringen, sobald ich trockene Kleider am Leib habe.�</p><p>Austin hatte vergessen, dass seine Sachen vom Bad im Ozean triefnass waren.</p><p>�Ich dachte daran, mit einem Boot r�berzufahren, damit wir an Bord gehen und uns umschauen k�nnen�, sagte er.</p><p>�F�r eine Bootsfahrt bin ich immer zu haben. Au�erdem schmeckt Tequila immer besser, je �lter er wird.�</p><p>Austin schlug vor, sie sollten sich am Bootsdavit treffen.</p><p>Er suchte seine Kabine auf und tauschte seine nasse Kleidung gegen trockene aus. Ehe er wieder mit Zavala zusammenkam, machte er einen Abstecher ins Lazarett, um nach den Trouts zu sehen. Sie schliefen. Der Sanit�ter meinte, sie litten an Ersch�pfung und leichter Unterk�hlung, aber ein paar Stunden Ruhe w�rden sie wieder auf die Beine bringen.</p><p>Auf dem Weg aus dem Lazarett traf er Professor Adler, der es kaum erwarten konnte, sich mit den Trouts �ber ihren pers�nlichen Kontakt mit dem Wasserwirbel zu unterhalten. Der Professor war entt�uscht, dass er sie nicht besuchen konnte, schien jedoch zufrieden zu sein, als Austin ihm den Tipp gab, er solle stattdessen mit einigen Besatzungsmitgliedern der <emphasis>Benjamin Franklin, </emphasis>die zur Behandlung ihrer Blessuren auf die <emphasis>Throckmorton </emphasis>gebracht worden waren, sprechen. Die <emphasis>Franklin </emphasis>ankerte in der N�he der <emphasis>Throckmorton, </emphasis>w�hrend sie sich von ihrem Abenteuer erholte.</p><p>Austin traf Zavala wie verabredet am Aussetzkran, und Minuten sp�ter legte ihr Boot eine schaumige Spur zu dem geheimnisvollen Schiff. Austin lenkte das Schlauchboot in einem weiten Kreis um das Wrack, w�hrend Zavala ein Foto nach dem anderen schoss. Das Meer war bedeckt mit toten Fischen und Abfall jeglicher Art. Austin ma� das Schiff mit den Augen und verglich es mit dem NOAA- und mit dem NUMA-Schiff.</p><p>�Es sieht noch ziemlich neu aus. Ich w�rde sch�tzen, dass es etwa hundert Meter lang ist�, entschied er.</p><p>�Es sieht so aus, wie ich mich nach einer Sauftour durch die Stadt f�hle�, sagte Zavala. �Der Kasten ist ziemlich breit in den H�ften. Wahrscheinlich wurde er so gebaut, um eine betr�chtliche Menge Fracht aufzunehmen. Aber ich sehe keine Ladeb�ume. Sie m�ssen im Strudel abgerissen worden sein.�</p><p>�Auf dem Rumpf ist weder ein Name noch eine Registrierungsnummer zu sehen�, stellte Austin fest.</p><p>�Vielleicht haben wir ein Piratenschiff vor uns.�</p><p>Zavalas Vermutung war bei Weitem nicht so bizarr, wie sie klang. Moderne Piraterie war ein gro�es Problem auf den Weltmeeren. Wie ihre alten Ebenbilder kaperten die modernen Piraten Schiffe und benutzten sie, um andere Schiffe anzugreifen.</p><p>�Schon m�glich�, sagte Austin, klang dabei aber nicht sehr �berzeugt. Wenn man sich �berlegte, dass das Schiff auf dem Meeresgrund gelegen hatte, befand es sich in einem einigerma�en guten Zustand. �Dem Aussehen nach zu urteilen, hat unser Fund nur eine kurze Zeit unter Wasser zugebracht. Ich sehe keinerlei auff�llige Rostflecken, obgleich die auch schon abgeplatzt sein k�nnen.� Er verlangsamte die Fahrt des Bootes bis auf Schleichtempo. �Ich denke, vom Meer aus haben wir alles gesehen, was zu sehen ist. Sollen wir an Bord gehen?�</p><p>�Verlangt die Etikette nicht, dass wir auf eine Einladung des Kapit�ns warten m�ssen?�, fragte Zavala.</p><p>�Unter normalen Umst�nden ja. Aber er scheint gerade anderweitig besch�ftigt zu sein. Ich glaube, ich kann die Cocktailflagge flattern sehen�, sagte Austin.</p><p>�Du hast bessere Augen als ich. Alles, was ich sehe, ist ein Kasten, der so aussieht, als w�rde er sich herumw�lzen und absaufen, sobald auch nur eine M�we auf seinem Deck landet.�</p><p>�In diesem Fall sollten wir darauf achten, dass wir unsere Schwimmfl�gel tragen.�</p><p>W�hrend Zavala per Walkie-Talkie Verbindung mit der <emphasis>Throckmorton </emphasis>aufnahm und sie darum bat, sich f�r einen m�glichen Notfall bereitzuhalten, lenkte Austin das Boot zur niedrigeren Seite des Schiffs. Er wartete darauf, dass eine Welle auf das Schiff zurollte, und gab dann Gas. Das Boot sa� auf der Wellenkrone auf und wurde von der Woge bis aufs Deck des Wracks getragen. Zavala machte das Zodiac schnell an einem Stahlbolzen fest, der vom Deck aufragte. Indem sie sich nach vorne beugten wie Dachdecker, um so die Schlagseite des Schiffs auszugleichen, bezwangen sie das schr�ge Deck. Die weite Fl�che war frei bis auf ein B�ndel verbogenen Metalls, das etwa in der Mitte des Schiffs vom Deck aufragte.</p><p>Sie �berquerten das Deck in ihrem schlurfenden, vorn�bergebeugten Gang. Vier Tr�ger waren auf das Deck genietet worden und bildeten ein st�hlernes Rechteck. Der Rahmen umgab eine ebenfalls rechteckige �ffnung im Decksboden, die etwa zwei Quadratmeter ma�. Sie b�ckten sich und blickten in den dunklen Schacht. Sie konnten das hohle Pl�tschern der Wellen gegen Stahl h�ren.</p><p>�Der Schacht reicht bis nach ganz unten�, meinte Zavala.</p><p>�M�chte blo� wissen, zu was er gut ist.�</p><p>�Ich vermute, sie haben ihn benutzt, um etwas in ihn hinunterzulassen und wieder heraufzuholen. Dieser Rahmen ist vielleicht eine Art Krangestell gewesen.�</p><p>Der Rahmen wurde teilweise von einem dichten Gewirr dicker Stromkabel bedeckt, das aussah wie ein Haufen schwarzer Spaghetti. Austin betrachtete das Durcheinander von Stahl und Kabeln und suchte nach irgendeiner Spur von Ordnung. Sein Blick blieb an einem st�hlernen Maschenkegel von etwa sieben Metern L�nge h�ngen. Er lag auf der Seite, verwickelt mit Haltekabeln und Stromleitungen, die sich durch die �ffnungen im Decksboden ins Innere des Schiffs schl�ngelten.</p><p>Der Anblick des kegel�hnlichen Gebildes weckte in ihm Erinnerungen. Gro�e Flossen, die durchs Wasser schnitten. Der kahle Mann mit der seltsamen T�towierung auf seinem Kopf, der an einem schwarzen Kasten herumfummelte und ihm versicherte, dass alles okay sei. Die Orcas, die ihren Angriff ebenso pl�tzlich abbrachen, wie sie ihn begonnen hatten.</p><p>Ohne nachzudenken sagte Austin: �Spider Barrett.�</p><p>Zavala blickte auf. �Spider wie?�</p><p>�Spider Barrett war der Typ, der mich in sein Boot gezogen hat, als die Orcas im Puget Sound verr�ckt spielten. Er hatte eine verkleinerte Version dieses Stahlkegels an Bord.�</p><p>�Wof�r ist dieses Ding denn gut?�</p><p>�Du bist schlie�lich der mechanische Experte unseres Teams. Also rate mal.�</p><p>Zavala kratzte sich am Kopf. �Alle Kabel f�hren zu diesem gro�en Kegel. Ich vermute, dass er auf einer Art Rahmen �ber dem Loch stand. M�glich, dass er durch das Loch ins Wasser hinuntergelassen wurde. Ich kann mir jedoch f�r eine solche Konstruktion keine sinnvolle Verwendung auf einem Schiff vorstellen. Wenn man das Ding unter Strom setzt, erzielt man damit vielleicht die Wirkung einer riesigen Z�ndkerze.�</p><p>Austin dachte f�r einen Moment �ber Zavalas Einsch�tzung nach, dann sagte er: ��ffnen wir einfach den Deckel und sehen uns an, was sich darunter verbirgt.�</p><p>Ein schiefes L�cheln huschte �ber Zavalas Gesicht. �Welcher halbwegs normale Mensch k�nnte der Versuchung widerstehen, sich ins Innere eines Schiffs zu begeben, das durch ein Niesen jeden Moment absaufen kann?�</p><p>�Ich dachte, du machtest dir Sorgen wegen einer M�we?�</p><p>�Wie w�re es mit einer niesenden M�we?�</p><p>�Betrachte es doch einfach folgenderma�en: Wo w�rest du lieber, hinter deinem Schreibtisch bei der NUMA oder an einem Ort wie diesem mit herrlichem Blick aufs Meer?�</p><p>�Am liebsten s��e ich hinterm Lenkrad meiner Corvette mit einem herrlichen Blick auf eine scharfe Blondine neben mir.�</p><p>�Ich werte das als Zustimmung�, sagte Austin. �Ich glaube, ich wei�, wie wir reinkommen.�</p><p>Trotz ihres launigen Gepl�nkels waren sich beide M�nner des Risikos, das sie eingingen, wenn sie sich unter Deck begeben w�rden, durchaus bewusst. Aber Zavala vertraute Austins Urteilsverm�gen und Instinkten blind und w�re ihm ohne zu z�gern auch in die H�lle gefolgt. Austin ging zu einer etwa einen Quadratmeter gro�en Deckluke, die seine scharfen Augen entdeckt hatten.</p><p>Er entriegelte die Klappe, suchte f�r seine F��e einen sicheren Halt und wuchtete sie auf. Der Deckel hob sich, polterte auf das Deck, und ein fauliger Geruch wallte aus der �ffnung hoch und lie� sie zur�ckweichen. Austin l�ste die Halogenlampe von seinem G�rtel und leuchtete damit in die �ffnung. Der starke Lichtstrahl wurde von den Stufen einer Eisenleiter reflektiert.</p><p>Sie schl�pften aus ihren Schwimmwesten. Die Westen h�tten sie nur behindert und w�ren sowieso nutzlos, falls das Schiff sich drehte, w�hrend sie sich unter Deck befanden. Austin stieg als Erster die Leiter hinunter, die aufgrund der Schlagseite des Schiffs eine extreme Neigung hatte. Nach etwa sieben Metern sp�rte er festen Boden unter den F��en. Der Boden fiel steil ab, und er hielt sich an der Leiter fest, um einen halbwegs sicheren Stand zu haben.</p><p>Zavala war ihm dichtauf gefolgt und schaute sich um. �Das sieht hier aus wie in einem Verr�ckten Haus auf irgendeiner Kirmes.�</p><p>�Dann los, genie�en wir den Spa߫, sagte Austin.</p><p>Indem er sich an der tieferen Seitenwand abst�tzte, arbeitete er sich durch einen engen Laufgang. Nach etwa zwanzig Metern gelangten sie zu einer Treppe, die abw�rts f�hrte.</p><p>Die Aussicht, noch tiefer in das verungl�ckte Schiff einzudringen, war nicht gerade verlockend, vor allem als sie sp�rten, wie die Schlagseite noch um ein paar Grad zunahm. Beide M�nner wussten, wenn das Schiff umschlug, w�re das ihr Todesurteil. Sie w�rden keine Zeit mehr haben, heil herauszukommen. Aber Austin war entschlossen, die Geheimnisse zu l�ften, die das Schiff barg.</p><p>�Ist das immer noch unser Gl�ckstag?�, fragte er, wobei seine Stimme von den Stahlw�nden des Laufgangs widerhallte.</p><p>Zavala l�chelte. �Wir haben uns mit einem riesigen Strudel angelegt und gewonnen. Ich wette, das Gl�ck bleibt uns auch weiterhin treu.�</p><p>Die Treppe brachte sie zu einem Deck hinunter, das mit dem ersten identisch war. Der Laufgang endete nicht mit einer Treppe, sondern vor einer unverriegelten T�r, die sie �ffneten. W�hrend sie durch die �ffnung traten, verrieten ihre Nasen ihnen, dass ihre Umgebung sich ver�ndert hatte. Anstatt des Salzgeruchs, der die Laufg�nge ausgef�llt hatte, roch die Luft nun elektrisch, so als h�tten sie eine Radio-Shack-Filiale betreten.</p><p>Austin lie� den Lichtstrahl herumwandern. Sie standen auf einer Art Balkon, unter dem sich ein riesiger Laderaum erstreckte. Er enthielt vier wuchtige zylindrische Objekte, die in einer Reihe aufgestellt waren.</p><p>�Das erinnert mich an den Generatorsaal im Innern des Hoover-Staudamms�, sagte Austin.</p><p>�Hier wurde Strom erzeugt, der f�r eine Kleinstadt ausgereicht h�tte.�</p><p>�Oder f�r eine riesige Z�ndkerze�, sagte Austin und dachte an die zerst�rte Spule, die sie an Deck gefunden hatten. Er leuchtete nach oben. Dutzende von dicken Stromkabeln schl�ngelten sich von der Decke zu den Generatoren.</p><p>Ein �chzen durchlief das Schiff.</p><p>Der Boden unter ihren F��en sackte ruckartig ab und wurde steiler.</p><p>�Ich glaube, die M�we, wegen der du dir Sorgen gemacht hast, ist soeben gelandet�, stellte Austin fest.</p><p>Zavala blickte kurz zur Decke. �Hoffen wir, dass sie nicht auch noch erk�ltet ist.�</p><p>Austin kannte keine Angst, aber er war nicht t�richt. Sie zogen sich zur�ck, gingen durch die T�r, die Treppen hinauf und durch die Laufg�nge, bis sie wieder drau�en auf dem Oberdeck standen. Die frische Luft tat gut nach der klaustrophobischen Dunkelheit im Innern des Schiffs. Das Schiff hatte deutlich mehr Schlagseite als vorher. Austin war noch immer nicht zufrieden. Es gab keine Basis f�r einen Aufbau, jedoch hatte so etwas wie ein Kontrollraum sicherlich existiert. W�hrend Zavala mit der <emphasis>Throckmorton </emphasis>Verbindung aufnahm, um einen kurzen Bericht �ber ihre aktuelle Lage durchzugeben, tastete Austin sich �ber das schr�ge Deck zum Schiffsheck.</p><p>Er stie� dabei auf mehrere Bodenluken, die einen Zugang ins Schiffsinnere gestatteten. Er rechnete sich aus, dass jede Luke eine Niete sein k�nnte und dass er schon sehr viel Gl�ck haben m�sste, um die richtige zu erwischen. Dann fand er, was er suchte. Unweit einer Luke in der Mitte des Achterdecks waren ein paar runde Isolatoren zu sehen. Er vermutete, dass sie als Sockel f�r Funkantennen gedient haben konnten, die im Strudel abgerissen worden waren. Er �ffnete die Luke und gab Zavala ein Zeichen, ihm die Leiter hinunter zu folgen.</p><p>Wie zuvor f�hrte die Leiter zu einem Deck und einem Laufgang. Jedoch war dieser Korridor nicht l�nger als gut drei Meter und endete vor einer T�r. Diese �ffneten sie und traten ein.</p><p>�Ich glaube, wir haben soeben die Besatzung gefunden�, sagte Zavala.</p><p>Sechs verweste Leichen befanden sich im Kontrollraum. Sie lagen am Ende des Raums. Austin hatte Hemmungen, die Totenruhe der Mannschaft zu st�ren, aber ihm war bewusst, dass er so viel wie m�glich �ber das Schiff in Erfahrung bringen musste. Mit Zavala dicht hinter ihm, drang Austin in den Raum ein und betrachtete eine lange Kontrolltafel. Mit Dutzenden von Anzeigeinstrumenten und Schaltern war sie weitaus komplizierter als jede Kontrolltafel, die er je gesehen hatte. Er kam zu dem Schluss, dass die Dynamos unter Deck von diesem Raum aus gesteuert worden waren. Er untersuchte die Kontrollvorrichtungen, als das Schiff pl�tzlich knarrte und dann aufzust�hnen schien.</p><p>Zavala spitzte die Ohren. �Kurt!�</p><p>Austin wusste, wenn sie nur eine Sekunde l�nger bei der Besatzung blieben, w�rden sie am Ende zum Kreis der aufgebl�hten Leichen geh�ren.</p><p>�Ich glaube, wir sind hier fertig.� Er deutete zur T�r.</p><p>Mit Zavala an der Spitze rannten sie durch den Korridor und sprangen regelrecht die Leiter hinauf an Deck und in die Sonne.</p><p>Austin hatte versucht, die Sekunden zu z�hlen, die seit dem Ger�usch verstrichen waren, doch in ihrer Eile hatte er nicht mehr darauf geachtet. Ihnen blieb keine Zeit mehr, ins Boot zu steigen, den Motor zu starten und abzulegen. Ohne sich damit aufzuhalten, ihre Schwimmwesten zu holen, rannten sie zur tieferen Seite des Schiffs und hechteten ins Wasser.</p><p>Als sie wieder hochkamen, schwammen sie so schnell sie konnten. Das Schiff w�rde beim Versinken einen Sog erzeugen, und sie wollten sich nicht davon mitziehen lassen. Sie befanden sich in sicherer Distanz vom Schiff, als sie endlich aufh�rten zu schwimmen und sich umdrehten.</p><p>Die untere Reling befand sich bereits unter Wasser. Das Schiff selbst verharrte in einer gef�hrlichen Lage, so dass das Deck mit der Wasseroberfl�che beinahe einen rechten Winkel bildete. Zavalas niesende M�we musste gelandet sein, denn das Schiff erreichte pl�tzlich den Umkipppunkt und rollte herum. Es trieb noch mehrere Minuten lang an der Wasseroberfl�che und sah dabei aus wie der gl�nzende R�cken einer riesigen Schildkr�te. W�hrend Wasser in die Lader�ume str�mte, sank das Schiff tiefer, bis nur noch eine kleine, kreisrunde Fl�che des Rumpfs zu sehen war. Dann verschwand auch diese und wurde durch ein Brodeln schaumiger, platzender Luftbl�schen ersetzt.</p><p>Das Meer hatte sich seine Beute zur�ckgeholt.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>�Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, Professor Kurtz�, sagte Harold Mumford, seines Zeichens Professor f�r Zooarch�ologie. �Ist Earl Grey in Ordnung?�</p><p>�Mein Lieblingstee�, erwiderte der Mann, der in Mumfords B�ro auf dem Campus der Universit�t von Alaska in Fairbanks sa�. Er hatte ein l�ngliches Gesicht mit ausgepr�gtem Kinn und hellblauen Augen. Sein braunes Haar war mit grauen Str�hnen durchsetzt.</p><p>Mumford f�llte zwei Tassen und reichte eine seinem Gast.</p><p>�Sie hatten eine lange Reise. Fairbanks ist von Berlin ziemlich weit entfernt.�</p><p>�Ja, Deutschland ist weit weg von hier, Dr.�Mumford. Aber ich hatte immer schon mal nach Alaska kommen wollen. Es ist die letzte Zivilisationsgrenze.�</p><p>�Und sie ver�ndert sich rasend schnell�, sagte Mumford, ein stattlicher Mann, dessen Gesicht an ein freundliches Walross erinnerte. �Verdammt, wir haben in der Stadt sogar einen Wal Mart. Aber bis in die Wildnis vorzudringen, wo es von Grizzlyb�ren und Elchen wimmelt, erfordert nicht viel Aufwand. Sie sollten sich wirklich einen Besuch im Nationalpark in Denali g�nnen.�</p><p>�Oh ja. Der steht auf meiner Liste. Ich freue mich schon darauf.�</p><p>�Es ist ein Tagesausflug, aber er lohnt sich allemal. Schade, dass Sie Karla Janos verfehlt haben. Wie ich schon am Telefon erw�hnte, ist sie vor ein paar Tagen zu einer Expedition aufgebrochen.�</p><p>�Es war eine spontane Entscheidung, hierher zu kommen�, erkl�rte Schroeder. �Ich hatte pl�tzlich noch ein wenig Zeit und dachte, ich k�nnte der Universit�t einen kurzen Besuch abstatten. Es ist wirklich nett von Ihnen, mich derart kurzfristig zu empfangen.�</p><p>�Kein Problem. Ich kann verstehen, dass Sie Karla treffen wollten. Sie ist nicht nur brillant, sondern auch eine reizende junge Frau. Sie hat in der Fundst�tte im Gerstle River Quarry, einem alten Steinbruch etwa hundertdrei�ig Kilometer von hier, gearbeitet. Wir haben dort einige mit Schnitzereien verzierte Mammutz�hne gefunden. Es war richtig aufregend. Ihr Aufsatz �ber die Ausrottung des Mammuts durch J�ger der Fr�hzeit war einer der besten Texte, die ich zu diesem Thema je gelesen habe. Ich wei�, sie w�re liebend gerne mit jemandem von Ihrem akademischen Status zusammengetroffen.�</p><p>Seine akademischen Referenzen hatte Schroeder aus einem Kinko�s Print and Copy Shop in Anchorage. Die Visitenkarten, die er hergestellt hatte, wiesen ihn als Hermann Kurtz aus, Professor f�r Anthropologie an der Universit�t Berlin. Den Nachnamen hatte er sich von einem geheimnisvollen Charakter in Joseph Conrads <emphasis>Herz der Finsternis </emphasis>ausgeliehen.</p><p>W�hrend seiner zwielichtigen Karriere hatte es ihn immer wieder verbl�fft, wie wirkungsvoll gedruckte Worte auf einem St�ck Papier sein konnten, wenn sie mit einem selbstsicheren Auftreten gepaart waren. Der schwierigste Teil seiner Maskerade bestand darin, nach all den Jahren, die er ausschlie�lich amerikanisch gesprochen hatte, einen halbwegs glaubw�rdigen �sterreichischen Akzent zustande zu bringen.</p><p>�Ich habe den Aufsatz gelesen�, log Schroeder. �Wie Sie sagten, h�chst beeindruckend. Ich kenne au�erdem ihren Artikel �ber das Aussterben des Mammuts.�</p><p>�Das war typisch f�r Karla. Nachdem sie zu dem Schluss gekommen war, dass der Mensch keinen bedeutenden Einfluss auf das Aussterben des Mammuts gehabt hatte, entwickelte sie die k�hne These von einer Naturkatastrophe als Ursache. Sie k�nnen sich gewiss vorstellen, was f�r eine heftige Kontroverse dadurch ausgel�st wurde.�</p><p>�Ja, es ist eine ziemlich innovative Theorie, aber mir gefiel die mutige Art und Weise, wie sie sie vertrat. Hat ihre Theorie irgendetwas mit ihrer Expedition zu tun?�</p><p>�Alles. Sie hofft, den Beweis f�r ihre Theorie auf einer einsamen Insel in Sibirien zu finden.�</p><p>Schroeder blies seine Backen auf. �Sibirien ist unendlich weit weg. Wie kommt man dorthin?�</p><p>�Was Karla betrifft, so flog sie zur Wrangelinsel und ging dort an Bord eines Eisbrechers, der sie zu den Neusibirischen Inseln brachte. Das Schiff wird sie in zwei Wochen dort abholen, und ein paar Tage danach ist sie wieder in Fairbanks. Werden Sie dann noch in Alaska sein?�</p><p>�Ungl�cklicherweise nein. Aber ich beneide sie um ihr Abenteuer. Ich w�rde alles stehen und liegen lassen und ihr folgen, wenn ich k�nnte.�</p><p>Mumford lehnte sich in seinem Sessel zur�ck und verschr�nkte die H�nde hinter dem Kopf. �Ivory Island muss eine Art neues Canc�n sein�, stellte er grinsend fest.</p><p>�Wie bitte?�, fragte Schroeder.</p><p>�Ivory Island ist die Insel, auf der Karla sich aufh�lt. Ein Typ vom Discovery Channel kam gestern in mein B�ro und erz�hlte, er sei mit einem Filmteam nach Alaska gekommen, um ein Feature �ber den Mount McKinley zu drehen. Ich vermute, er hat von Karlas Forschungen geh�rt. Er zeigte sich h�chst interessiert, als ich ihm von Ivory Island erz�hlte. Er meinte, er wolle einen Abstecher dorthin machen. Wollte alles �ber das Projekt wissen. Ich nehme an, wenn man ein dickes Scheckbuch hat, gibt es keine Hindernisse.�</p><p>�Wie lautete sein Name?�, wollte Schroeder wissen. �Vielleicht bin ich ihm auf meinen Reisen schon mal begegnet.�</p><p>�Hunter�, sagte Mumford. �Scott Hunter. Ein gro�er, muskul�ser Bursche.�</p><p>Schroeder l�chelte, doch in seinen Augen lag ein Ausdruck der Verachtung f�r das st�mperhaft kaschierte Wortspiel hinter dem falschen Namen. �Ich w�sste nicht, dass ich ihn kenne. Bestimmt haben Sie ihn darauf aufmerksam gemacht, wie schwierig es ist, nach Ivory Island zu gelangen.�</p><p>�Ich habe ihn zum Flughafen geschickt, um mit Joe Harper zu reden. Er ist ein ehemaliger Buschpilot, der eine Firma namens PoleStar Air betreibt. Sie veranstalten Abenteuertrips nach Russland.�</p><p>Schroeder leerte seine Tasse in einem Zug, obgleich der Tee ihm dabei die Kehle verbr�hte. Er bedankte sich bei Mumford f�r dessen Gastfreundschaft und fuhr mit seinem Mietwagen zum Flughafen von Fairbanks. Die Lage des Flughafens in der N�he des Polarkreises machte ihn zu einer praktischen Tankstelle f�r gro�e Frachtflugzeuge auf der Rundroute zwischen dem Fernen Osten und Amerika. Der Flughafen selbst war verh�ltnism��ig klein, und er brauchte nur ein einziges Mal nachzufragen, um das B�ro der Pole-Star Air zu finden.</p><p>Die Empfangsdame schenkte Schroeder ein freundliches L�cheln und das Versprechen, dass Mr.�Harper frei sei, sobald er sein Telefonat beendet habe. Tats�chlich kam Harper wenige Minuten sp�ter heraus. Er sah aus, als sei er von einer weltweiten Casting Agentur aus Tausenden von Bewerbern f�r die Rolle eines Buschpiloten ausgesucht worden. Er war ein schlanker Mann mit wachen Augen und einem markanten Mund und hatte, seiner �u�eren Erscheinung nach zu urteilen, den Schritt vom Buschpiloten zum Reisemanager noch nicht ganz vollzogen.</p><p>Sein Bart war sorgf�ltig gestutzt, seine Haare hingegen waren zottig und wucherten ihm �ber die Ohren. Sein Oberhemd war offenbar noch ziemlich neu und geb�gelt, und es war in eine Jeans gestopft, die sich ungef�hr in dem Stadium befand, in dem Jeans erst richtig bequem werden. Er strahlte professionelle Kompetenz aus, jedoch lag in seinen Augen der Anflug eines Ausdrucks von Sorge. Er beugte sich zu der Empfangsdame hinunter, murmelte ihr etwas von einer Treibstoffrechnung ins Ohr und geleitete Schroeder dann zu seinem Schreibtisch.</p><p>Dessen freie Arbeitsfl�che reichte kaum f�r einen Computer aus. Jeder weitere freie Zentimeter wurde durch Aktenstapel eingenommen.</p><p>Harper war sich der Unordnung schmerzlich bewusst.</p><p>�Entschuldigen Sie das Durcheinander. PoleStar Air ist ein Familienunternehmen, und ich erledige die meiste Verwaltungsarbeit selbst. Offen gesagt, mache ich mit der Hilfe meiner Frau da drau�en so gut wie alles selbst.�</p><p>�Ich schlie�e daraus, dass Sie schon lange fliegen�, sagte Schroeder.</p><p>Harpers Miene hellte sich auf. �Ich kam 1984 hierher. Ich hatte eine Cessna, die ich jahrelang geflogen bin. Habe dann expandiert und es bis zu einer Flotte Schlammspringer gebracht. Die habe ich dann alle verkauft, um den kleinen Privatjet anzuschaffen, den Sie drau�en auf dem Flugfeld sehen k�nnen. Es ist der blaue mit den Sternen darauf. Die betuchte Kundschaft mag ihre Abenteuertrips schnell und erstklassig.�</p><p>�Wie l�uft es so?�</p><p>�Gesch�ftlich glaube ich ganz okay. F�r mich selbst kann ich das nicht behaupten.� Harper nahm einen Stapel Papiere hoch und lie� ihn wieder auf die Schreibtischplatte fallen.</p><p>�Ich bin wohl dazu verdammt, mich mit diesem Kram herumschlagen zu m�ssen, bis wir gro� genug sind, um daf�r jemanden anzuheuern. Aber das ist mein Problem. Was ist das Ihre?�</p><p>�Ich habe vor einer kleinen Weile mit Dr.�Mumford von der Universit�t gesprochen. Er erz�hlte mir, dass Sie ein Fernsehteam zu einer Insel in Sibirien bringen.�</p><p>�Oh ja, die Leute von Discovery. Sie nehmen ein Flugzeug, um einen Fischkutter in Wrangel zu erreichen.�</p><p>Schroeder reichte Harper eine seiner frisch gedruckten Visitenkarten. �Ich m�chte gerne zu den Neusibirischen Inseln. Sie meinen nicht, dass ich mich ihnen anschlie�en kann?�</p><p>�Wenn es nach mir geht, gerne. Im Flugzeug ist genug Platz. Sie m�ssten lediglich in Erfahrung bringen, was Sie zahlen m�ssen, um reinzukommen. Ungl�cklicherweise haben sie n�mlich alle Pl�tze im Flugzeug und auf dem Kutter reserviert.�</p><p>Schroeder lie� sich diese Auskunft durch den Kopf gehen.</p><p>�Vielleicht kann ich Ihre Kunden �berreden, mich mitzunehmen.�</p><p>�Versuchen Sie es. Sie wohnen im Westmark Hotel.�</p><p>�Wann wollen Sie voraussichtlich starten?�</p><p>Harper schaute auf die Uhr. �In zwei Stunden und zwanzig Minuten.�</p><p>�Ich spreche mit ihnen.�</p><p>Schroeder lie� sich den Weg zum Hotel erkl�ren und erkundigte sich, dort angekommen, am Empfang nach dem Discovery-Team. Der Hotelangestellte meinte, er habe die Leute ein paar Minuten vorher in die Bar gehen sehen. Schroeder bedankte sich und ging in den Salon, der nur zur H�lfte besetzt war, vorwiegend mit Einzelpersonen und einigen Paaren. Die einzige Gruppe sa� an einem Tisch in einer Ecke, steckte die K�pfe zusammen und unterhielt sich offenbar angeregt. Sie waren zu viert.</p><p>Schroeder kaufte sich im Foyer eine Zeitung, suchte sich im Salon einen Tisch in der N�he aus und bestellte sich Club Soda mit Limonensaft. Zwei der M�nner warfen kurze Blicke in seine Richtung und setzten dann die Unterhaltung mit den anderen fort. Ein Vorteil des Altwerdens ist die Unsichtbarkeit, dachte Schroeder. Die jungen Leute nehmen einen nicht mehr wahr.</p><p>Er beschloss, die Richtigkeit seines Verdachts einer eingehenderen �berpr�fung zu unterziehen. Er beobachtete, wie einer der M�nner den Tisch verlie�, um die Toilette aufzusuchen. Den richtigen Augenblick abpassend, erhob er sich ebenfalls von seinem Tisch und stie� absichtlich mit dem Mann zusammen, als dieser zur�ckkehrte. Schroeder entschuldigte sich �berschw�nglich, doch der Mann fluchte nur unterdr�ckt und brachte ihn mit einem drohenden Blick zum Schweigen.</p><p>Die unsanfte Begegnung verriet ihm zwei Dinge. Dass seine neue �u�ere Erscheinung, mit abrasiertem Bart und gef�rbtem Haar, funktionierte und dass der Fernsehmann eine Pistole in einem Schulterhalfter bei sich hatte. Er beschloss, der Sache weiter auf den Grund zu gehen.</p><p>Nachdem er selbst die Toilette verlassen hatte, n�herte er sich dem Tisch der vier M�nner. �Hallo�, sagte er mit seinem westlichen Akzent. �Ich habe geh�rt, dass Sie vom Discovery Channel sind. Mr.�Hunter?�</p><p>Ein hochgewachsener Mann, der offenbar der Chef der Gruppe war, musterte ihn mit zusammengekniffenen Augen.</p><p>�Ja. Ich bin Hunter. Woher kennen Sie meinen Namen?�</p><p>�Er schwirrt durch das Hotel. Es kommt nicht sehr oft vor, dass Prominente sich hierher verirren�, sagte Schroeder und erzeugte am Tisch ein allgemeines Grinsen. �Ich wollte Ihnen nur sagen, wie sehr mir Ihr Feature �ber die alten Hethiter vor einigen Monaten gefallen hat.�</p><p>Ein verwirrter Ausdruck stahl sich in die Miene des gro�en Mannes. �Danke�, sagte er und sah Schroeder misstrauisch an. �Wir haben Wichtiges zu bereden, daher m�ssen Sie verstehen, dass wir im Augenblick keine Zeit f�r Sie haben.�</p><p>Schroeder entschuldigte sich wortreich daf�r, ihre Zeit in Anspruch genommen zu haben, und kehrte an seinen Tisch zur�ck. Er hatte sich den Hinweis auf das Hethiter-Feature nur als Test ausgedacht. Es hatte w�hrend des vergangenen halben Jahres keine einzige Sendung zu diesem Thema gegeben. Das Team war ein Schwindel.</p><p>Er dachte �ber verschiedene M�glichkeiten nach, auf diese Erkenntnis zu reagieren, und entschied, den direkten Kurs zu nehmen. Er ging hinaus zu seinem Wagen und holte unter dem Vordersitz eine Pistole mit aufgeschraubtem Schalld�mpfer hervor.</p><p>Erleichtert stellte er fest, dass die M�nner noch immer in der Bar sa�en, als er ins Hotel zur�ckkehrte. Er kam gerade rechtzeitig. Sie hatten soeben ihre Rechnung bezahlt und sich von ihren St�hlen erhoben. Er folgte ihnen zum Fahrstuhl. Er fuhr mit ihnen in den dritten Stock hinauf, plapperte wie ein Wasserfall und ertrug geduldig ihr sp�ttisches Grinsen und die drohenden Blicke. Er stieg im gleichen Stockwerk aus und murmelte etwas von einem seltsamen Zufall. Er trottete den Korridor hinunter, spielte den Verwirrten, als h�tte er vergessen, wo er sich befand, doch als die Gruppe sich trennte und jeder sein Zimmer aufsuchte, merkte er sich die Zimmernummern.</p><p>Er wartete eine Minute, dann begab er sich zu einer der T�ren. Die Pistole hinter dem R�cken versteckend, schaute er nach rechts und links in den Korridor, um sich zu vergewissern, dass er alleine war, dann klopfte er. Einen kurzen Moment sp�ter wurde die T�r ge�ffnet. Es war der Mann, den er angerempelt hatte. Er hatte sein Jackett ausgezogen, und wie Schroeder vermutet hatte, trug er ein Schulterhalfter mit einer Pistole darin.</p><p>�Was zum Teufel wollen <emphasis>Sie </emphasis>denn?�</p><p>�Ich glaube, ich habe meinen Zimmerschl�ssel verloren, und dachte, ich k�nnte vielleicht Ihr Telefon benutzen.�</p><p>�Ich bin besch�ftigt.� Der Mann legte eine Hand auf das Halfter. �Bel�stigen Sie gef�lligst jemand anderen.�</p><p>Er machte Anstalten, die T�r zu schlie�en. Schroeder holte schnell seine Pistole hinter dem R�cken hervor und jagte seinem Gegen�ber einen Schuss zwischen die Augen. Der Mann sackte mit einem Ausdruck unendlicher �berraschung auf seinem ansonsten unauff�lligen Gesicht zu Boden. Schroeder blickte wieder nach rechts und links in den Korridor, stieg dann �ber den Toten hinweg und zerrte ihn ins Zimmer.</p><p>Schroeder wiederholte die gleiche Routine mit kleinen Variationen, jedoch den gleichen Ergebnissen. In einem Fall �berst�rzte er seinen ersten Schuss und musste ein zweites Mal feuern. In einem anderen Fall h�rte er, wie die Fahrstuhlt�r aufglitt, w�hrend er noch damit besch�ftigt war, die Leiche ins Zimmer zu ziehen. Aber als es vorbei war, hatte er in weniger als f�nf Minuten vier M�nner get�tet.</p><p>Er empfand keine Reue, nachdem er sie mit der kalten, m�rderischen Effizienz seiner alten Tage aus dem Weg ger�umt hatte. Sie waren nichts anderes als gewaltt�tige Verbrecher, nicht viel anders als viele, denen er in seinem Leben begegnet war, ja, mit denen er gelegentlich sogar zusammengearbeitet hatte. Schlimmer war, dass sie schlampig und sorglos waren. Das Team musste in aller Eile zusammengestellt worden sein. Sie waren nicht die ersten M�nner, die er get�tet hatte. Wahrscheinlich w�rden sie auch nicht die letzten sein.</p><p>Er h�ngte Schilder mit der Aufschrift BITTE NICHT ST�REN an die T�ren. Ein paar Minuten sp�ter sa� er in seinem Mietwagen und war unterwegs zum Flughafen. Harper sa� noch immer in seinem B�ro und w�hlte sich wie ein zu gro� geratener Grottenolm durch seine Papierstapel.</p><p>�Ich habe mit den Fernsehfritzen gesprochen�, sagte Schroeder. �Sie haben offenbar ihre Pl�ne ge�ndert. Sie wollen jetzt runter nach Kodiak Island, um eine Reportage �ber B�ren zu drehen.�</p><p>�<emphasis>Schei�e! </emphasis>Warum haben sie mir nichts gesagt?�</p><p>�Sie k�nnen sie anrufen und fragen. Aber als ich sie ansprach, waren sie bereits im Aufbruch begriffen.�</p><p>Harper angelte sich den Telefonh�rer und rief das Hotel an. Er bat darum, mit den Zimmern des Fernsehteams verbunden zu werden. Als sich niemand meldete, knallte er den H�rer auf die Gabel. Er rieb sich die Augen und schien dicht davor zu sein, in Tr�nen auszubrechen.</p><p>�Das war�s dann�, seufzte er. �Ich hatte fest mit einem Scheck von diesem Auftrag gerechnet, um die monatliche Rate f�r den gro�en Vogel bezahlen zu k�nnen. Ich bin ruiniert.�</p><p>�Haben Sie keine anderen Charter auf der Liste?�</p><p>�So einfach ist das nicht. Es dauert Tage, manchmal Wochen, um einen Deal zusammenzukriegen.�</p><p>�Demnach kann man Ihr Flugzeug und Ihr Boot mieten?�</p><p>�Ja, sie sind frei. Kennen Sie jemanden, der daran interessiert w�re, sie zu chartern?�</p><p>�Zuf�lligerweise w�rde ich das gerne tun.� Schroeder griff in die Innentasche seines Jacketts und holte ein dickes B�ndel Banknoten heraus, das er auf einen Papierstapel legte.</p><p>�Das ist f�r den Flug und f�r das Boot. Den gleichen Betrag bezahle ich f�r den R�ckflug. Meine einzige Bedingung ist, dass Sie sich f�r ein paar Tage bereithalten, bis ich das Signal zur R�ckkehr gebe.�</p><p>Harper ergriff das Geldb�ndel und strich mit dem Daumen �ber die Ecken der Scheine. Es waren Hundert-Dollar-Noten. �Daf�r kann ich mir praktisch ein neues Flugzeug kaufen.� Er runzelte die Stirn. �Es ist doch nichts Illegales, oder?�</p><p>��berhaupt nichts Illegales. Sie nehmen keinerlei Fracht mit. Nur mich.�</p><p>�Haben Sie Papiere?�</p><p>�Reisepass und Visa sind neuesten Datums und in Ordnung.� Das sollten sie auch sein, wenn er sich vorstellte, was er daf�r bezahlt hatte, dachte Schroeder. Er hatte in Seattle Halt gemacht und ungeduldig gewartet, w�hrend sein bevorzugter F�lscher einen vollst�ndigen Satz Papiere f�r Professor Kurtz herstellte.</p><p>Harper streckte ihm seine Hand entgegen. �Wir sind im Gesch�ft.�</p><p>�Gut. Wann k�nnen wir aufbrechen?�</p><p>�Wann immer Sie bereit sind.�</p><p>�Ich bin bereit.�</p><p>Eine Stunde sp�ter startete das Flugzeug. Schroeder lehnte sich in seinem Sitz zur�ck, genoss die Ruhe, die sich aus der Tatsache ergab, der einzige Passagier im Flugzeug zu sein, und nahm einen Schluck aus einem Glas Scotch, den Harper, weitsichtig wie er war, im letzten Moment an Bord mitgenommen hatte. Im Augenblick sa� er im Cockpit und lenkte die Maschine ihrem fernen Ziel entgegen. W�hrend Fairbanks hinter ihnen verschwand und das Flugzeug nach Westen raste, machte Schroeder einen tiefen Atemzug. Er war sich bewusst, dass er ein alter Mann war, der versuchte, den Job eines jungen zu erledigen. Schroeder hatte darum gebeten, einstweilen nicht gest�rt zu werden. Er war m�de und brauchte ein wenig Schlaf.</p><p>F�r die Aufgabe, die vor ihm lag, musste er hellwach und absolut ausgeruht sein. Er verbannte s�mtliche Emotionen und Gedanken aus seinem Bewusstsein und schloss die Augen.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Das NOAA-Schiff <emphasis>Benjamin Franklin </emphasis>schleppte sich dahin wie ein Seemann, der in eine ausgiebige Kneipenschl�gerei verwickelt gewesen war. Das Tauziehen mit dem Strudel hatte seinen Preis von den Maschinen des Schiffs gefordert, die unbedingt gr�ndlich gewartet und aufgep�ppelt werden mussten, damit sie nicht vollst�ndig den Geist aufgaben. Die <emphasis>Throckmorton </emphasis>folgte ihm im Abstand von wenigen hundert Metern f�r den Fall, dass das NOAA-Schiff in Schwierigkeiten geriet.</p><p>W�hrend die beiden Schiffe langsam nach Norfolk dampften, erschien im Westen am Himmel ein t�rkisfarbener Mehrzweckhubschrauber, auf dessen Rumpf in gro�en Lettern NUMA zu lesen war. Er blieb �ber der <emphasis>Benjamin Franklin </emphasis>wie ein Kolibri kurz in der Luft stehen, ehe er auf dem Deck landete. Vier Personen kletterten heraus, bepackt mit medizinischem Ger�t.</p><p>Besatzungsmitglieder f�hrten das �rzteteam ins Schiffslazarett. Keine der Verletzungen, zu denen es gekommen war, als das Schiff senkrecht in den Strudel rutschte, war lebensbedrohlich. Der Kapit�n hatte das Team zur Unterst�tzung des Schiffssanit�ters angefordert, der mit der Versorgung der zahllosen Prellungen und Quetschungen einfach �berfordert war.</p><p>Der Helikopter wurde aufgetankt, und die beiden Besatzungsmitglieder, die Armbr�che davongetragen hatten, wurden eingeladen. Austin bedankte sich bei dem Kapit�n f�r seine Gastfreundschaft. Dann stieg auch er zusammen mit den Trouts und Professor Adler in die Maschine. Innerhalb von Minuten befanden sie sich schon in der Luft.</p><p>Weniger als zwei Stunden sp�ter landeten sie auf dem National Airport. Die Verletzten wurden in Krankenwagen geladen. Die Trouts fuhren mit einem Taxi zu ihrem Haus in Georgetown und nahmen Adler als Gast mit, und Zavala brachte Austin zu seinem Haus am Potomac River in Fairfax, Virginia, gut anderthalb Kilometer von der Zentrale der Central Intelligence Agency in Langley entfernt. Sie alle waren �bereingekommen, sich erholt und ausgeschlafen um acht Uhr am n�chsten Morgen wieder zu treffen.</p><p>Austin wohnte in einem umgebauten viktorianischen Bootshaus mit Blick auf den Fluss. Er hatte das mit kleinen T�rmen verzierte Geb�ude erworben, als er noch f�r die CIA gearbeitet hatte. Der mit einem Mansardendach versehene Bau geh�rte zu einem alten Landgut und war von den vorherigen Eigent�mern vernachl�ssigt worden. Er war die Heimat zahlloser M�usefamilien gewesen, als Austin ihn im Innern hatte entkernen und umbauen lassen und sein �u�eres in seine alte Pracht zur�ckversetzt hatte. Der Raum unter dem Wohnbereich beherbergte sein Rennruderboot und ein kleines Au�enbordgleitboot.</p><p>Er lie� seine Reisetasche in der Diele fallen und betrat das ger�umige Wohnzimmer. Sein Haus war eine eklektische Mischung aus alt und neu. Die authentischen, aus dunklem Holz hergestellten M�bel im Kolonialstil kontrastierten mit den wei� gestrichenen W�nden, an denen moderne und naive Gem�lde und Landkarten hingen. In den vom Boden bis zur Decke reichenden B�cherschr�nken standen die h�ufig gelesenen, in Leder gebundenen Seeabenteuer von Joseph Conrad und Herman Melville sowie die Werke der bedeutenden Philosophen, die er mit besonderer Vorliebe studierte. In Glasvitrinen lagen einige der wertvollen Duellpistolen, die er sammelte. Seine umfangreiche Musiksammlung mit Schwerpunkt Jazz spiegelte seine st�hlerne Gelassenheit, seine Energie und Entschlossenheit sowie sein Improvisationstalent wider.</p><p>Er h�rte seinen Anrufbeantworter ab. Zahlreiche Anrufe waren eingegangen, aber es war nichts dabei, das nicht warten konnte. Er schaltete die Stereoanlage ein, und Oscar Petersons perlende Hochgeschwindigkeitsklavierl�ufe f�llten den Raum. Er schenkte sich von seinem besten <emphasis>anejo </emphasis>Tequila ein, �ffnete die gl�serne Schiebet�r und trat mit dem Glas, in dem Eisw�rfel klirrten, hinaus auf die Veranda. Er lauschte dem leisen Pl�tschern des Flusses und saugte die feuchte, nach Blumen duftende Luft der Flussauen ein, die so anders war als der salzige Geruch des Ozeans, auf dem er den gr��ten Teil seiner Arbeitszeit verbrachte.</p><p>Nach ein paar Minuten kehrte er ins Haus zur�ck, holte ein Buch �ber griechische Philosophen aus einem Regal und schlug es bei Platos �Allegorie von der H�hle� auf. In Platos Parabel k�nnen in einer H�hle angekettete Gefangene nur die Schatten von Puppen an der Wand sehen und dabei h�ren, wie die Puppenspieler hinter ihnen agieren. Mit diesen wenigen Indizien m�ssen die Gefangenen entscheiden, was Schatten und was Realit�t ist. Auf �hnliche Weise sortierte Austins Gehirn die merkw�rdigen Ereignisse der letzten Tage und versuchte, Ordnung in sein mentales Chaos zu bringen. Er kam immer wieder auf das Einzige zur�ck, das er halbwegs begreifen konnte.</p><p>Er ging zu einem Schreibsekret�r und schaltete seinen Laptopcomputer ein. Indem er sich der Website-Adresse bediente, die Dr.�Adler ihm genannt hatte, rief er das Satellitenbild von der Region auf, in der die Riesenwelle entstanden war. Das Bild zeigte, dass alles ruhig und friedlich war. Er ging in den Bildarchiven zur�ck bis zu dem Datum, an dem die <emphasis>Southern Belle </emphasis>gesunken war. Zwei riesige Wellen, die Adler aufgeschreckt hatten, waren an dem Tag, an dem das Schiff verschwunden war, deutlich zu sehen. Das Schiff selbst erschien als kleiner pulsierender Lichtpunkt, der von einer zur anderen Minute spurlos verschwand.</p><p>Er zoomte das Bild von sich weg, damit es eine gr��ere Fl�che Ozean zeigte, und sah dann etwas, das ihm vorher nicht aufgefallen war. Vier Schiffe hatten sich um die Zone versammelt, in der die Katastrophe stattgefunden hatte. An jeder der vier Kompasspositionen befand sich ein Schiff. Die Abst�nde der Schiffe zueinander waren auf den ersten Blick genau gleich. Er betrachtete das Bild eine Zeit lang, dann ging er ein paar weitere Tage zur�ck. Die Schiffe waren nicht dort. Er ging zu einem Datum kurz nach dem Untergang der <emphasis>Southern Belle. </emphasis>Nur drei Schiffe waren zu sehen. Als er auf einen Tag nach dem Untergang der <emphasis>Belle </emphasis>sprang, war kein Lichtpunkt mehr vorhanden.</p><p>Er kam sich vor wie einer von Platos Gefangenen in der H�hle, die versuchten, die Realit�t vom Schein zu trennen, aber er hatte einen Vorteil, den sie nicht hatten. Er konnte sich Hilfe suchen. Er schlug das dicke NUMA-Verzeichnis auf, das neben dem Telefon lag, �berflog die Eintr�ge und tippte dann eine Nummer. Ein Mann meldete sich.</p><p>�Hallo, Alan. Hier ist Kurt Austin. Ich bin soeben von einer Seereise zur�ckgekommen. Hoffentlich habe ich Sie nicht geweckt.�</p><p>��berhaupt nicht, Kurt. Es ist immer wieder sch�n, von Ihnen zu h�ren. Was kann ich f�r Sie tun?�</p><p>�K�nnen Sie es schaffen, morgen fr�h um acht zu einer Besprechung in mein Haus zu kommen? Es ist sehr wichtig.�</p><p>�Nat�rlich.� Eine kurze Pause trat ein. �Sie wissen doch, womit ich befasst bin?�</p><p>Alan Hibbet geh�rte zu den Dutzenden gelegentlich ziemlich langweiligen NUMA-Gelehrten, die unbemerkt und unerkannt in den Eingeweiden der ozeanographischen Organisation ihrer Arbeit nachgingen, gl�cklich und zufrieden damit, auf exotischen Gebieten mit wenig �ffentlicher Aufmerksamkeit lebenswichtige Forschungen betreiben zu d�rfen. Ein paar Monate zuvor hatte Austin Hibbet w�hrend eines NUMA-Symposiums �ber seegebundene Kommunikation und Umwelt�berwachung sprechen h�ren. Er war damals vom breit gef�cherten Wissen des Mannes tief beeindruckt gewesen.</p><p>�Ich wei� sehr wohl, mit was Sie sich befassen. Sie sind Spezialist f�r angewandten Elektromagnetismus mit besonderen Kenntnissen �ber Antennen. Sie sind zust�ndig f�r die elektronischen Augen und Ohren, die die NUMA bei ihrer Tiefseeforschung verwendet und mit denen sie die Verbindung zwischen ihren weit verstreuten Operationen aufrechterh�lt. Ich habe Ihren Aufsatz �ber die Auswirkungen von Horizontalebenenausdehnung auf die von verkleinerten Oberfl�chenantennen erzeugten Strahlungsmuster gelesen.�</p><p>�<emphasis>Tats�chlich? </emphasis>Ich betrachtete das Spezialteam f�r Sondereins�tze als einen Verein von verwegenen Abenteurern und Haudegen.� Austin und sein Team genossen in weiten Kreisen der NUMA einen geradezu legend�ren Ruf, und Hibbet erstarrte beinahe vor Ehrfurcht, ausgerechnet von ihnen um Hilfe gebeten zu werden.</p><p>Austin lachte ein wenig tr�bselig. Seine Arme schmerzten noch immer von seinen Anstrengungen, Paul Trout zu retten, und er war hundem�de. �Ich glaube, das Team wird zur Zeit mehr gehauen, als dass es mit dem Degen gl�nzen kann. Wir k�nnen Ihre Kenntnisse wirklich gut gebrauchen.�</p><p>�Ich helfe gerne, wo und wie ich kann�, versicherte Hibbet.</p><p>Austin erkl�rte ihm den Weg zu seinem Bootshaus und beteuerte, wie sehr er sich freuen w�rde, ihn am n�chsten Morgen begr��en zu d�rfen. Er machte sich auf einem Schreibblock ein paar Notizen, solange die Gedanken noch frisch in seinem Kopf waren. Dann bereitete er eine Kanne kenianischen Kaffees vor, schaltete die Automatik der Kaffeemaschine ein und begab sich in sein Schlafzimmer in einem der T�rme. Er zog sich aus, schl�pfte zwischen die k�hlen Laken und schlief auf der Stelle ein. Als er von der hellen Morgensonne, die durchs Schlafzimmerfenster schien, geweckt wurde, kam es ihm so vor, als h�tte er nur ein paar Minuten geschlafen.</p><p>Er duschte und rasierte sich und entschied sich f�r ein T-Shirt und Shorts. Anschlie�end bereitete er sich eine Portion R�hrei mit Virginiaschinken zu, die er genussvoll auf der Veranda verzehrte. Er war soeben damit fertig geworden, das schmutzige Geschirr wegzur�umen, als Zavala an die T�r klopfte. Kurz darauf erschienen die Trouts mit Professor Adler. Al Hibbet kam praktisch gleichzeitig mit ihnen an. Hibbet war ein hochaufgeschossener Mann mit vollem wei�em Haar. Er war ungemein sch�chtern, und seine Haut war wei� wie Marmor, beides eine Folge seines Wissenschaftlerdaseins, das er nahezu ausschlie�lich in einem Labor, weit weg von jeglichem menschlichem Kontakt und frischer Luft und Sonnenschein, verbrachte.</p><p>Austin reichte jedem einen Becher Kaffee und geleitete sie dann zu einem gro�en runden Teakholztisch auf der Veranda. Austin h�tte das Treffen in seinem B�ro in dem mit gr�n get�ntem Glas verkleideten Turm in Arlington abhalten k�nnen, der das Zentrum der NUMA-Operationen darstellte. Aber er war nicht bereit, Fragen zu beantworten oder seine Gedanken mit irgendjemand anderem au�erhalb des Kreises seiner engsten Vertrauten zu teilen, bevor er sich nicht ersch�pfende Kenntnisse angeeignet hatte. Er lie� sich auf einem Stuhl nieder und blickte sehns�chtig auf den in der Sonne glei�enden Fluss, auf dem er gew�hnlich den Morgen beim Training in seinem Ruderboot zu verbringen pflegte. Dann lie� er den Blick am Tisch in die Runde schweifen und bedankte sich bei jedem f�r sein Erscheinen. Er kam sich vor wie Van Helsing, der einen Kriegsrat abh�lt, um den Kampf gegen Dracula aufzunehmen, und h�tte beinahe gefragt, ob jeder gen�gend Knoblauch mitgebracht habe.</p><p>Stattdessen kam er gleich zum Thema. �Etwas Seltsames geht im Atlantik und im Pazifik vor sich�, begann er. �Die See wird aufgew�hlt und durchger�hrt wie Eier in einer Sch�ssel. Diese St�rungen haben zum Untergang von einem, vermutlich sogar zwei Schiffen gef�hrt. Ein weiteres Schiff w�re beinahe ebenfalls gesunken. Au�erdem haben sie einigen der hier Versammelten, mich eingeschlossen, eine heillose Angst eingejagt.� Er wandte sich an Adler. �Professor, seien Sie doch so nett und beschreiben Sie das Ph�nomen, dessen wir Zeuge wurden, und nennen Sie uns einige Ihrer Theorien dazu.�</p><p>�Sehr gerne�, sagte Adler. Er lieferte einen kurzen Abriss �ber das Verschwinden der �unsinkbaren� <emphasis>Southern Belle </emphasis>und die erfolgreiche Suche nach ihrem Wrack. Er beschrieb die von Satelliten gelieferten Beweise f�r die Existenz von Monsterwellen in der n�chsten Umgebung des Schiffs. Zuletzt, und mit deutlich weniger Begeisterung, kam er zu seiner Theorie, dass die St�rungen nicht nat�rlichen Ursprungs sein k�nnten. W�hrend er seine �berlegungen skizzierte, blickte er nerv�s von Gesicht zu Gesicht, als suchte er dort nach einem Anflug von Zweifel. Zu seiner Erleichterung fand er nur Ernsthaftigkeit und waches Interesse.</p><p>�Normalerweise k�nnten wir diese seltsamen Meeresaktivit�ten K�nig Neptun zuschreiben, den offenbar der Hafer sticht, w�ren da nicht zwei Dinge�, sagte er. �Satellitenbilder lassen vermuten, dass auch andere Regionen der Ozeane von �hnlichen St�rungen heimgesucht wurden und dass bei diesen St�rungen eine ungew�hnliche Symmetrie zu beobachten ist.� Indem er sich Austins Laptop bediente, zeigte er die Satellitenbilder von den Monsterwellenkonzentrationen.</p><p>Austin bat die Trouts, ihren Abstieg in den Mahlstrom zu schildern. Wieder herrschte aufmerksame Stille, w�hrend Gamay und Paul abwechselnd berichteten, wie sie in den Strudel gesogen und in allerletzter Minute gerettet wurden.</p><p>�Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie Blitze beobachtet haben, als dieser Strudel sich bildete?�, fragte Hibbet.</p><p>Gamay und Paul nickten.</p><p>Hibbets Antwort war au�erordentlich ersch�pfend. Er sagte nur: �Aha.�</p><p>Zavala nahm den Faden auf und berichtete vom Besuch des wieder aufgetauchten Schiffs. Hibbet interessierte sich besonders lebhaft f�r seine Beschreibung des Kraftwerks und der besch�digten elektrischen Aufbauten an Deck.</p><p>�Ich w�nschte, ich h�tte dabei sein k�nnen, um es mit eigenen Augen zu sehen�, sagte er.</p><p>�Das kann ich Ihnen nicht bieten, aber etwas nahezu ebenso Gutes�, meinte Zavala. Kurz darauf erschienen die Digitalfotos, die er auf dem geheimnisvollen Schiff geschossen hatte, auf dem Computerbildschirm.</p><p>Austin wollte von Hibbet wissen, welche Erkl�rung ihm f�r die Bilder einfiel. Der NUMA-Gelehrte betrachtete sie stirnrunzelnd und bat darum, s�mtliche Fotos noch einmal durchlaufen zu lassen.</p><p>�Es ist ziemlich offensichtlich, dass ein gro�er Teil des elektrischen Stroms in einen zentralen Punkt eingespeist wird.� Er deutete auf den kegelf�rmigen Aufbau. �Im augenblicklichen Zustand der Apparatur ist schwer zu entscheiden, welche Funktion er erf�llt.�</p><p>�Joe hat ihn mit einer riesigen Z�ndkerze verglichen�, sagte Austin.</p><p>Hibbet kratzte sich am Kopf. �Wahrscheinlich nicht. Eher sieht es aus wie eine riesige Tesla-Spule. Viele der Schaltkreise, die das Ding seine spezielle Funktion erf�llen lassen, sind nicht zu sehen. Wo ist das Schiff jetzt?�</p><p>�Es ist wieder versunken�, sagte Zavala.</p><p>Hibbet reagierte v�llig anders, als Austin erwartet hatte. Seine grauen Augen funkelten erregt, und er rieb sich die H�nde. �Das ist ja viel besser, als jeden Tag an irgendwelchen Antennen herumzufummeln.� Er klickte sich mit der Maus noch einmal durch s�mtliche Satellitenbilder, dann warf er einen fragenden Blick in die Runde. �Ist jemand von Ihnen mit den Arbeiten Nikola Teslas vertraut?�</p><p>�Ich bin wohl der Einzige in dieser Runde, der regelm��ig die <emphasis>Popular Science </emphasis>liest�, stellte Zavala nach einer kurzen Pause fest. �Soweit ich wei�, hat Tesla den Wechselstrom erfunden.�</p><p>Hibbet nickte. �Er war ein aus Serbien stammender amerikanischer Ingenieur. Bei seinen Forschungen entdeckte er, dass man ein Magnetfeld in Rotation versetzen kann, wenn man zwei Spulen rechtwinklig zueinander anordnet und einen zweiphasigen Gleichstrom hindurchschickt.�</p><p>�K�nnten Sie das vielleicht in eine verst�ndliche Sprache �bersetzen?�, fragte Adler h�flich.</p><p>Hibbet lachte. �Ich liefere auch gleich den historischen Zusammenhang mit. Tesla kam in die Vereinigten Staaten und arbeitete f�r Thomas Edison. Sie wurden schlie�lich zu Rivalen. Edison machte sich f�r den Gleichstrom stark, und es entbrannte ein heftiger Kampf. Tesla schoss den Vogel ab, indem er den Auftrag f�r die Entwicklung der Wechselstromgeneratoren bei den Niagaraf�llen erhielt. Das Patent seines Induktionsmotors verkaufte er an George Westinghouse, dessen System zur Stromversorgung die Grundlage dessen wurde, was wir heute benutzen. Edison musste sich mit der Gl�hbirne und dem Phonographen zufriedengeben.�</p><p>�Soweit ich mich erinnere, meldete Tesla auch noch eine ganze Reihe ziemlich verr�ckter Patente an�, sagte Zavala.</p><p>�Das stimmt. Er war ein exzentrisches Genie. Zum Beispiel meldete er ein Patent f�r ein unbemanntes elektrisch betriebenes Flugzeug an, das eine Geschwindigkeit von zweiund�drei�igtausend Kilometern in der Stunde erreichen sollte und als Waffe eingesetzt werden konnte. Er trat mit einer Entwicklung, die er �Teleforce� nannte, an die �ffentlichkeit. Dabei handelte es sich um einen Todesstrahl, der Flugzeuge auf eine Entfernung von bis zu vierhundertf�nfzig Kilometern zerschmelzen konnte. Er besch�ftigte sich au�erdem intensiv mit der drahtlosen �bertragung von elektrischer Energie. Er war fasziniert von der M�glichkeit, elektrische Energie zu b�ndeln und dadurch ihre Wirkung zu vervielfachen. Er behauptete sogar, von seinem Labor aus ein Erdbeben ausgel�st zu haben.�</p><p>�Mit seinen ballistischen Raketen und Laserstrahlen war Tesla vermutlich seiner Zeit um einiges voraus�, sagte Austin.</p><p>�Seine Konzepte waren durchaus vern�nftig. Aber die Ausf�hrung wurde den Erwartungen niemals gerecht. In den vergangenen Jahren ist er so etwas wie eine Kultfigur geworden. Bestimmte Kreise, die �berall irgendeine Verschw�rung wittern, gehen davon aus, dass verschiedene Regierungen, unsere eigene eingeschlossen, mit den destruktiveren Aspekten von Teslas Entwicklungen experimentiert haben.�</p><p>�Und was denken Sie?�, wollte Austin wissen.</p><p>�Die Verschw�rungstheoretiker d�rften auf dem falschen Dampfer sein. Tesla erregte viel Aufmerksamkeit, weil er eine schillernde Pers�nlichkeit war. Meiner Meinung nach steckt in den Arbeiten von Lazio Kovacs erheblich mehr zerst�rerisches Potenzial. Genauso wie Tesla war er ein brillanter Elektroingenieur. Er stammte aus Budapest, wo Tesla gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts gearbeitet hat, und bediente sich in den drei�iger Jahren seiner Erkenntnisse, wobei er sich auf die �bertragung niederfrequenter elektromagnetischer Wellen konzentrierte. Er sagte, dass bestimmte Impulse dazu eingesetzt werden k�nnen, die Atmosph�re st�rend zu beeinflussen und Unwetter, Erdbeben und alle m�glichen anderen unangenehmen Erscheinungen zu erzeugen. Er f�hrte das weiter, was Tesla begonnen hatte.�</p><p>�In welcher Weise?�</p><p>�Kovacs entwickelte eine Reihe von Frequenzen, durch die elektromagnetische Resonanzen konzentriert und durch das umliegende Material verst�rkt werden k�nnen. Bekannt wurden sie unter der Bezeichnung �Kovacs-Theoreme�. Er ver�ffentlichte seine Erkenntnisse in einem naturwissenschaftlichen Journal, unterlie� es jedoch, s�mtliche Frequenzen publik zu machen, mit denen der von ihm beschriebene Apparat h�tte gebaut werden k�nnen. Andere Wissenschaftler standen seinen Erkenntnissen skeptisch gegen�ber, da es keinen Beweis f�r ihre Richtigkeit gab.�</p><p>�Es ist ein Gl�ck, dass ihm niemand geglaubt hat�, sagte Professor Adler. �Die Welt hat genug Probleme damit, die verschiedenen Kampfmittel unter Kontrolle zu halten, die uns heute schon zur Verf�gung stehen.�</p><p>�Einige Leute glauben ihm. Die Nazis waren f�r Ideen auf der Basis von Mystizismus, Okkultismus und Pseudowissenschaft sehr empf�nglich. So entsprechen zum Beispiel die Geschichten von der Suche nationalsozialistischer Arch�ologen nach dem Heiligen Gral durchaus den Tatsachen. Sie haben Kovacs �berfallen und ihn und seine Familie entf�hrt. Nach Kriegsende kam heraus, dass sie ihn in einem geheimen Labor an der Entwicklung einer Superwaffe haben arbeiten lassen, mit der sie im letzten Moment den Krieg doch noch zu gewinnen hofften.�</p><p>�Aber sie haben den Krieg verloren�, sagte Austin. �Tesla war nicht der Einzige, der Probleme mit seiner Glaubw�rdigkeit hatte. Kovacs ist offensichtlich ebenfalls gescheitert.�</p><p>Hibbet sch�ttelte den Kopf. �Es war ein wenig komplizierter, Kurt. Unterlagen, die nach dem Krieg entdeckt wurden, besagten, dass er dicht davor stand, einen Durchbruch auf dem Gebiet der elektromagnetischen Kriegf�hrung zu erzielen. Gl�cklicherweise ist es nicht mehr dazu gekommen.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Die Russen �berfielen das Labor in Ostpreu�en, in dem er angeblich arbeitete. Doch Kovacs war bereits verschwunden. Nach dem Krieg betrieben die Russen Forschungen, die auf den Kovacs-Theoremen basierten. Die Vereinigten Staaten hatten davon Wind bekommen und h�tten sich liebend gerne mit Kovacs unterhalten. Die Bedeutung elektromagnetischer Strahlung war unserem Milit�r nicht entgangen. Vor Jahren fand in Los Alamos eine Konferenz statt, in der �ber angewandte Waffentechnologie im Zusammenhang mit seinen Forschungen diskutiert wurde.�</p><p>�Dort war doch auch das Manhattan Project angesiedelt, nicht wahr? Offenbar der ideale Ort f�r solche Dinge�, sagte Austin.</p><p>�Und das in vieler Hinsicht. Die Manipulation elektromagnetischer Strahlen konnte auf ihre Art weitaus vernichtendere Auswirkungen haben als eine Atombombe. Das Milit�r nahm Kovacs sehr ernst. So wurden w�hrend des Golfkriegs elektromagnetische Impulswaffen getestet. Einige Fachleute sind der Auffassung, dass durch diese Experimente und durch �hnliche, die die Sowjets durchf�hrten, Erdbeben, Vulkanausbr�che und Riesenwellen oder auch ozeanische Wirbel ausgel�st wurden. Deshalb mein Interesse an den hellen Lichterscheinungen am Himmel.�</p><p>�Was ist denn so bedeutsam an diesen Blitzen?�, fragte Austin.</p><p>�Zeugen, die den von den Amerikanern und den Russen durchgef�hrten Experimenten beigewohnt haben, berichteten, sie h�tten so etwas wie ein Polarlicht oder helle Lichterscheinungen beobachtet, die von elektromagnetischen Impulsen ausgel�st wurden�, antwortete Hibbet.</p><p>�Erz�hlen Sie uns mehr von diesen Experimenten�, bat Austin.</p><p>�Es sind heftige Kontroversen ausgebrochen wegen eines Projekts, das die Bezeichnung HAARP tr�gt�� der vollst�ndige Namen lautet High Frequency Active Aural Research Program�� und von den Vereinigten Staaten verfolgt wird. Im Prinzip geht es darum, einen geb�ndelten elektromagnetischen Strahl in die Ionosph�re zu schie�en. Verkauft wird das Ganze als rein wissenschaftliches Programm zur Optimierung der weltweiten Kommunikation. Einige Kreise glauben hingegen, dass es sich im Wesentlichen um ein milit�risches Programm handelt, das eine ganze Reihe von Zielen verfolgt, die von der �Star Wars�-Verteidigung bis hin zur totalen Gedankenkontrolle reichen. Ich wei� nicht, was ich glauben soll, aber das Projekt fu�t auf den Kovacs-Theoremen.�</p><p>�Sie erw�hnten etwas von einer Tesla-Spule�, sagte Austin. �Was haben Sie damit gemeint?�</p><p>�Im Grunde nichts anderes als einen einfachen Typ von Resonanzumformer, der aus zwei Spulen besteht. Energieimpulse werden von der einen zur anderen geschickt und erzeugen eine von einem Blitz begleitete Entladung. Bestimmt haben Sie so etwas schon mal in einem Kinofilm gesehen, wo eine solche Anlage offenbar zum Grundinventar im Labor des verr�ckten Wissenschaftlers geh�rt.�</p><p>Gamay hatte das Gespr�ch aufmerksam verfolgt. Sie beugte sich vor. �Wir haben gerade davon gesprochen, diese Wellen ins Erdreich oder in die Atmosph�re zu leiten�, ergriff sie jetzt das Wort. �Was w�rde denn passieren, wenn man sie zum Meeresboden schickte?�</p><p>Hibbet spreizte die H�nde in einer Geste der Ratlosigkeit.</p><p>�Ich habe nicht die geringste Ahnung. Die Meeresgeologie ist nicht mein Arbeitsgebiet.�</p><p>�Aber meins�, meldete Paul Trout sich. �Eine Frage, Al, k�nnen verst�rkte elektromagnetische Wellen hinreichend tief in die Erdkruste eindringen?�</p><p>�Das steht au�er Frage.�</p><p>�In diesem Fall ist es m�glich, dass die Impulse in der Erdkruste genauso mehr oder weniger heftige St�rungen ausl�sen k�nnen, wie das HAARP-Programm, das Sie erw�hnten, die Atmosph�re beeinflusst hat.�</p><p>�An welche Art von St�rungen haben Sie gedacht?�, fragte Adler.</p><p>�An Wirbel und Wellenerscheinungen, zum Beispiel.�</p><p>�K�nnten diese sich in irgendeiner Weise auf die Ozeane auswirken?�, wollte Austin wissen.</p><p>Hibbet massierte sein Kinn. �Die bewegliche fl�ssige Schicht unter der Erdkruste ist f�r die Existenz des Magnetfeldes, das die Erde umgibt, verantwortlich. Eine Ver�nderung dieses Feldes kann alle m�glichen Folgen haben.�</p><p>Professor Adler schlug mit der Faust auf den Tisch. �Ich wusste es! Jemand hat an meinem Ozean herumgepfuscht!�</p><p>�Aber wir haben es hier mit riesigen Entfernungen und Fl�chenausdehnungen zu tun�, sagte Trout und d�mpfte vor�bergehend Adlers �berschwang. �Wenn ich diese Diskussion richtig verfolgt habe, so kommt sie gleich wieder auf Joes riesige Z�ndkerze�� oder auf Als Spule�� zur�ck. Selbst wenn diese Vorrichtung enorme Energien hervorbr�chte, w�re dies doch im Vergleich mit der Masse der Erde verschwindend gering.�</p><p>Austin brach das Schweigen, das nach Trouts Einwand entstand. �Und wenn es mehr als nur einen dieser Apparate g�be?�</p><p>Er schob den Laptop in die Mitte des Tisches und drehte ihn langsam, damit jeder die Lichtpunkte sehen konnte, die die in Mitleidenschaft gezogene Region umgaben.</p><p>Trout erkannte die Bedeutung des Gezeigten auf Anhieb.</p><p>�Vier Schiffe, von denen jedes seinen Energieaussto� auf einen kleinen Bereich konzentriert. Das k�nnte funktionieren.�</p><p>Austin nickte. �Ich habe noch etwas anderes Interessantes beobachtet.� Er rief das Satellitenbild auf, das kurz nach dem Untergang der <emphasis>Belle </emphasis>aufgenommen worden war. �Meine Vermutung l�uft darauf hinaus, dass eins dieser Schiffe selbst den St�rungen zum Opfer gefallen ist, die es erzeugt hat.�</p><p>Ein zustimmendes Murmeln verriet, dass dar�ber am Tisch Einigkeit herrschte.</p><p>�Das k�nnte immerhin das <emphasis>Wie </emphasis>erkl�ren�, sagte Zavala.</p><p>�Worauf ich mir keinen Reim machen kann, ist das <emphasis>Warum.</emphasis>�</p><p>�Ehe wir diese Frage zu beantworten versuchen�, wandte Austin ein, �sollten wir vielleicht lieber ergr�nden, <emphasis>wer </emphasis>dahinterstecken k�nnte. Schlie�lich haben wir es nicht mit jemandem zu tun, der in einer Badewanne planscht und ein paar kleine Wellen erzeugt. Leute, bislang noch ohne Namen und ohne Gesicht, haben weder Kosten noch M�hen gescheut, den Ozean aufzuw�hlen. Soweit wir bisher wissen, haben sie die Mannschaften von zwei Schiffen get�tet und Sch�den in Millionenh�he verursacht�� und alles nur in der Verfolgung irgendeines bislang noch unbekannten Ziels.� Er schaute die am Tisch Versammelten nacheinander an. �Sind wir alle bereit, uns in die Arbeit zu st�rzen?�</p><p>Hibbet machte Anstalten, sich zu erheben.</p><p>�Ich hoffe, Sie holen Kaffee�, sagte Austin grinsend.</p><p>Hibbet senkte verlegen den Kopf. �Nein. Eigentlich wollte ich wieder in mein NUMA-B�ro zur�ckkehren. Ich dachte, Sie h�tten jetzt alles, was Sie brauchen.�</p><p>�Joe, erz�hl Al mal etwas �ber unsere �Hotel California�-Regel.�</p><p>�Mit Freuden. Es ist wie in dem alten Song von den Eagles, Al. Sobald man ins Spezialteam f�r Sondereins�tze aufge�nommen wurde, kann man sich vor�bergehend abmelden, aber man kann nicht aussteigen.�</p><p>�Wir brauchen Ihre Kenntnisse �ber Elektromagnetismus�, sagte Austin. �Es w�re uns eine gro�e Hilfe, wenn Sie vom rein technischen Standpunkt aus dar�ber nachdenken k�nnten, ob diesen Hirngespinsten auch nur eine Spur von Plausibilit�t zugrunde liegt. Wo k�nnen wir mehr �ber die Kovacs-Theoreme erfahren?�</p><p>�Mein bester Rat ist, gehen Sie zum Ursprung. Die Forschungen wurden in Los Alamos durchgef�hrt. Da drau�en gibt es sogar eine Kovacs Society, die ein Museum f�r seine Arbeiten und Dokumente unterh�lt. Ich habe mich von Zeit zu Zeit mit Fragen an sie gewandt.�</p><p>Austin sah Adler fragend an. �K�nnten Sie sich mit Al zusammensetzen und so etwas wie eine schriftliche Darstellung verfassen? Joe, ich denke, wir sind uns einig darin, dass der Bau einer Flotte von schwimmenden Kraftwerken eine ziemlich aufw�ndige Angelegenheit ist. Ich denke, dass diese Dynamos irgendwo auf Bestellung gebaut wurden.�</p><p>�Ich werde mal sehen, ob ich ihre Herkunft feststellen kann�, versprach Zavala.</p><p>�Wir k�nnten noch heute Nachmittag nach New Mexico fliegen und morgen fr�h wieder zur�ck sein�, sagte Gamay.</p><p>Austin nickte. �Bringt in Erfahrung, wie weit diese Experimente gingen und ob sie noch immer durchgef�hrt werden. Wir tragen alles zusammen, was jemals �ber Kovacs geschrieben wurde. Vielleicht finden wir etwas, das unsere ganze M�he lohnt.�</p><p>Er bedankte sich bei jedem f�r sein Erscheinen und schlug vor, dass sie am n�chsten Tag um die gleiche Uhrzeit wieder zusammenkommen sollten. Er und Zavala w�rden sich in ein paar Stunden in der NUMA-Zentrale treffen. Als er wieder ins Haus zur�ckkehrte, ging Austin an seinem B�cherschrank vorbei, und sein Blick blieb an einem Buch �ber Plato h�ngen.</p><p><emphasis>Schatten und Echos. Echos und Schatten.</emphasis></p><p>Er fragte sich, wie Plato wohl dieses neue R�tsel erkl�rt h�tte.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Karla lag in ihrem Schlafsack und lauschte, wie der Wind um die alte Pelzj�gerh�tte heulte. Sie rief sich ihre Reaktion beim Anblick des Mammutjungen in Erinnerung. Zu behaupten, sie sei erstaunt gewesen, w�re eine krasse Untertreibung gewesen. Sie war sich vorgekommen, als sei sie vom Blitz getroffen worden. Sie hatte M�he gehabt, tief und ruhig durchzuatmen. Schlie�lich hatten ihre Ausbildung und Erfahrung sich gemeldet, und sie begann, den Fund auf dem Labortisch mit wissenschaftlicher N�chternheit zu betrachten.</p><p>Indem sie ihr Augenma� zu Hilfe nahm, sch�tzte sie, dass die Kreatur etwa einen Meter zehn lang und einen Meter hoch war. Ihr Gewicht betrug ungef�hr zweihundert Pfund. Das Mammut besa� s�mtliche Charakteristika, die die K�nstler der Steinzeit in ihren H�hlenzeichnungen festgehalten hatten, darunter auch den hohen, spitzen Sch�del mit seiner behaarten W�lbung und den hohen Schulterbuckel.</p><p>Die Sto�z�hne wiesen bereits den Ansatz zu einer Kr�mmung auf, was die Vermutung nahe legte, dass das Tier m�nnlichen Geschlechts war. Bei einem erwachsenen Tier konnten die Z�hne bis zu f�nf Meter lang werden. Die Ohren waren klein, und der R�ssel erschien im Vergleich mit dem K�rper wie ein Stummel. Selbst im ausgewachsenen Zustand war der R�ssel erheblich k�rzer als bei einem heutigen Elefanten. Der K�rper war mit kastanienbrauner Behaarung bedeckt. Der Gr��e nach zu urteilen d�rfte das Mammut sieben oder acht Monate alt gewesen sein.</p><p>Karla vermutete, dass dies das am besten erhaltene Exemplar eines <emphasis>Mammuthus primigenius </emphasis>war, das man je entdeckt hatte. Die meisten Mammutfunde bestanden aus Fleisch- und Knochenresten. Dies hier war ein vollst�ndiges Exemplar und in einem viel besseren Zustand als Effie, der Teilkadaver, der in Fairbanks Creek gefunden worden war, und die russischen Exemplare, <emphasis>Dima </emphasis>und <emphasis>Zharkov, </emphasis>oder, der ber�hmteste von allen, der schockgefrorene <emphasis>Beresovka-</emphasis>Kadaver, dessen Fleisch theoretisch sogar immer noch essbar war. Der Magen des Tiers enthielt die Butterblumen, die es kurz vor seinem Tod verzehrt hatte. Karla wandte sich an die anderen Wissenschaftler.</p><p>�Er ist wunderbar�, sagte sie. �Wo haben Sie ihn gefunden?�</p><p>�Babar ruhte in der Uferb�schung eines ausgetrockneten Flussbetts�, sagte Maria.</p><p>�<emphasis>Babar?</emphasis>�</p><p>�Wir mussten dem armen Ding irgendeinen Namen geben�, antwortete Maria. �Ich besa� als Kind mal ein Buch �ber Babar, den K�nig der Elefanten.�</p><p>�Ich finde diesen Namen wundersch�n. Herzlichen Gl�ckwunsch an Sie alle.� Karla l�chelte. �Das d�rfte die wissenschaftliche Entdeckung des Jahrhunderts sein.�</p><p>�Vielen Dank�, sagte Maria. �Ungl�cklicherweise ergibt sich aus diesem Fund ein Problem f�r unsere Expedition.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Es wird allm�hlich Zeit f�rs Abendessen�, unterbrach Arbatov. �Wir k�nnen uns bei Tisch dar�ber unterhalten.�</p><p>Dem Umfang des Bauchs nach zu urteilen, der sich �ber Arbatovs Hosenbund w�lbte, schien er nicht viele Abendessen zu vers�umen. Sie begaben sich ins gro�e Zelt. In der heiteren Umgebung fiel es schwer zu glauben, dass sie sich auf einer abgelegenen arktischen Insel aufhielten. Der Klapptisch war mit einem gebl�mten Plastiktuch bedeckt. Das weiche Licht der Laternen sorgte f�r eine heimelige Atmosph�re. Gasheizungen hielten das Innere des Zelts angenehm warm und gem�tlich, obgleich der Stoff unter dem eisigen Wind, der vom Wasser kam, gelegentlich flatterte und raschelte.</p><p>Die Mahlzeit bestand aus ukrainischem Borschtsch, gefolgt von einem deftigen Rindergulasch und <emphasis>ponchiki-</emphasis>Keksen als Dessert. Heruntergesp�lt wurde alles mit Tee, nach dem hochprozentiger Wodka ausgeschenkt wurde, der die K�lte des Sp�tnachmittags linderte. Nachdem sie Marias Kochk�nste kennen gelernt hatte, wurde Karla klar, dass Sergei an seinem Leibesumfang nicht alleine schuld war.</p><p>Karla verzehrte ihren letzten Keks. �Ich kann mich nur wundern, dass Sie unter relativ primitiven Bedingungen eine derart k�stliche Mahlzeit auf den Tisch zaubern k�nnen.�</p><p>�Man muss nicht unbedingt hungern oder von tiefgefrorenen Fertiggerichten leben, wie die Amerikaner es zu tun pflegen�, sagte Maria. �Solange ich ein Feuer, einen Topf und die richtigen Zutaten zur Verf�gung habe, kann ich hier genauso gut kochen wie im besten Moskauer Restaurant.�</p><p>Karla hob ihr Glas Wodka zu einem Toast. �Ich m�chte Ihnen noch einmal zu Ihrem Fund gratulieren. Sie sind sicherlich sehr gl�cklich.�</p><p>Dr.�Satos sensibles japanisches Ohr f�r feine Zwischent�ne nahm Karlas behutsamen Versuch, ein heikles Thema in ihr Tischgespr�ch einflie�en zu lassen, auf Anhieb wahr.</p><p>�Vielen Dank�, sagte er. �Wie wir vorhin bereits andeuteten, gibt es da ein Problem.� Er sah Arbatov auffordernd an.</p><p>Der Russe nickte. �Sie wissen, welches Ziel wir mit dieser Expedition verfolgen?�</p><p>�Ja�, erwiderte Karla. �Sie suchen die �berreste eines Mammuts, die man f�r einen Klonversuch verwenden kann.�</p><p>�Richtig.� Arbatov nickte. �Ins Leben gerufen wurde dieses Projekt im Jahr 1999, als eine internationale Expedition einige vielversprechende Reste in einem Klumpen gefrorenen Schlamms entdeckte.�</p><p>�Das <emphasis>Zharkov</emphasis>-Mammut�, sagte Karla. �Die �berreste wurden nach der sibirischen Familie benannt, der das Land geh�rte, auf dem sie gefunden worden waren.�</p><p>�Das ist richtig. Eine Reihe genetischer Forschungs�einrich�tungen auf der ganzen Welt haben gro�es Interesse an dem Tier bekundet. Sie meinten, wenn es m�glich sei, DNS aus dem Gewebe zu gewinnen, dann k�nnte man es vielleicht dazu verwenden, ein Wollhaarmammut zu klonen.�</p><p>�Soweit ich mich erinnere, enthielt der Schlamm lediglich Knochensubstanz und kein weiches Gewebe.�</p><p>�Ohne das weiche Gewebe war an einen Klonversuch nicht mehr zu denken, aber das Interesse hielt an. Entsprechende Experimente wurden fortgesetzt�, sagte Arbatov.</p><p>�Eine Gruppe japanischer und chinesischer Forscher klonten zwei K�he, indem sie Hautzellen eines toten Rinderembryos verwendeten, das auf die Temperatur des russischen Permafrosts heruntergek�hlt worden war. Seitdem fanden weitere Expeditionen statt, die in Sibirien nach geeigneten �berresten suchten. Meine Frau und ich arbeiten f�r einen sibirischen Naturschutzpark, der beabsichtigt, einen weiblichen indischen Elefanten als Ersatzmutter zu benutzen, um einen Nachkommen zu erzeugen, der teilweise einem Mammut entspricht, und den gleichen Prozess mit diesem Nachkommen zu wiederholen. Sie hoffen, in f�nfzig Jahren ein Lebewesen zu erhalten, das zu achtundachtzig Prozent ein Wollhaarmammut ist.�</p><p>�An diesem Projekt sind auch die Japaner beteiligt�, nahm Dr.�Sato jetzt den Faden auf. �Studenten der Kinki Universit�t und Veterin�rmediziner von der Kagoshima Uni, wo Dr.�Ito t�tig ist, suchen seit 1997 in Sibirien nach DNS-Proben. Sch�tzungsweise zehn Millionen Mammuts ruhen im sibirischen Permafrost, daher kamen wir hierher, in der Hoffnung zu finden, was wir suchen.�</p><p>�Und wie soll dieses Klonen durchgef�hrt werden?�, fragte Karla.</p><p>�Es ist au�erordentlich kompliziert. Jeder Schritt muss perfekt funktionieren�, sagte Dr.�Ito, der veterin�rmedizinische Experte. �Wir w�rden einen kompletten DNS-Strang aus dem weichen Gewebe extrahieren, einem weiblichen Elefanten eine Eizelle entnehmen, die wir dann bestrahlen, um deren DNS zu zerst�ren. Diese w�rden wir durch Mammut-DNS ersetzen und die Eizelle dem Elefanten wieder einpflanzen. Die normale Tragzeit eines Elefanten betr�gt zweiundzwanzig Monate, aber wir haben keine Ahnung, wie lange sie bei dieser Kreatur dauert. Ebenso wenig wissen wir, wie wir das hybride Junge versorgen m�ssten.�</p><p>�Jedes dieser Hindernisse ist f�r sich alleine schon fast un�berwindlich�, stellte Karla fest.</p><p>�Das Schwierigste war, gen�gend weiches Gewebe zu finden�, sagte Maria.</p><p>�Bis jetzt�, sagte Karla.</p><p>�Am idealsten w�re es gewesen, wenn wir ein tr�chtiges Mammut gefunden h�tten�, fuhr Maria fort, �aber dies hier d�rfte ausreichen.�</p><p>�Ich bin ein wenig verwirrt�, bekannte Karla. �Es scheint, als bef�nde sich im K�rper des Jungtieres im Schuppen ein �berma� an klonf�higem Material.�</p><p>Die Art und Weise, wie die vier Wissenschaftler einander anschauten, hatte beinahe etwas Spa�iges an sich.</p><p>Dr.�Sato ergriff das Wort. �Es gibt gewisse juristische Differenzen. Es ist, als stritten sich zwei Elternteile um das Sorgerecht f�r ein Kind.�</p><p>�Sie brauchen keinen vollst�ndigen K�rper. Eine DNS-Probe w�re ausreichend.�</p><p>�Das ist richtig�, sagte Sato. �Aber Sie wissen doch, wie heftig gelegentlich in der wissenschaftlichen Welt gestritten wird. Wer immer den Fund nach Hause bringt, deren oder dessen Karriere macht einen gro�en Sprung, und finanziell geht es der oder dem Betreffenden auch erheblich besser.�</p><p>�Wer hat das Baby gefunden?�</p><p>Arbatov zuckte die Achseln. �Sato und Ito, aber wir beanspruchen das Baby f�r uns, weil wir geholfen haben, es in die H�tte zu bringen, und weil es sich auf russischem Boden befindet.�</p><p>�Wurde f�r einen solchen Fall nicht irgendeine Vereinbarung getroffen?�</p><p>�Das schon, aber niemand hatte erwartet, dass wir ein derart perfekt erhaltenes Exemplar finden w�rden�, sagte Maria.</p><p>�Wir alle sind doch vern�nftige Menschen�, meinte Arbatov. �Maria hat daf�r gesorgt, dass wir unser m�nnliches Naturell einigerma�en im Zaum hielten. Wir hatten einige hitzige Diskussionen und haben uns ausf�hrlich dar�ber unterhalten, ob wir Ihnen �berhaupt von unserem Fund erz�hlen sollen. Wir beschlossen, dass es unklug w�re, unseren Fund vor Ihnen zu verheimlichen, und dass es ganz einfach wissenschaftlich unaufrichtig w�re. Wir wissen jedoch noch immer nicht, was wir tun sollen.�</p><p>�Sie haben Recht. Sie haben <emphasis>wirklich </emphasis>ein Problem�, stellte Karla fest.</p><p>Vier K�pfe nickten zustimmend.</p><p>�Aber das Problem ist nicht unl�sbar�, f�gte sie hinzu, und die K�pfe hielten mitten in der Bewegung inne.</p><p>�Bitte verlangen Sie nicht von uns, salomonisch zu entscheiden und das Baby in der Mitte zu teilen�, sagte Arbatov.</p><p>�Ganz und gar nicht. Die Antwort liegt doch auf der Hand. Gehen Sie los und suchen Sie ein anderes Exemplar. Es ist m�glich, dass in derselben Gegend noch weitere Mammuts darauf warten, gefunden zu werden. Ich helfe Ihnen. Ich habe die Topographie von Ivory Island bis ins Pleistoz�n, als es in den Steppen noch von Tieren wimmelte, ausgiebig untersucht. Ich glaube, ich kann Ihnen die Regionen mit der gr��ten Konzentration und den entsprechenden Umweltbedingungen zeigen, was Ihre Chance auf eine erfolgreiche Suche erheblich steigern d�rfte.�</p><p>Dr.�Sato meldete sich zu Wort. �In unserem Land halten wir mehr von Konsens als von Konfrontation. Ich schlage vor, dass wir nach einem zweiten Exemplar Ausschau halten. Wenn wir keins gefunden haben, ehe das Schiff zur�ckkehrt, werden wir unsere jeweiligen Sponsoren �ber die Situation ins Bild setzen und es ihnen �berlassen, die Angelegenheit vor Gericht auszufechten.�</p><p>Diplomatisch wie sie war, wandte Maria sich an ihren Mann. �Sergei? Als Leiter des Projekts, was h�ltst du davon?�</p><p>�Ich finde, dass Ms. Janos eine L�sung gefunden hat, mit der wir alle leben k�nnen.�</p><p>�Sie k�nnen sich gleichzeitig revanchieren�, sagte Karla, �indem Sie mir bei <emphasis>meinem </emphasis>Projekt behilflich sind.�</p><p>�Ich muss mich entschuldigen�, meinte Dr.�Sato. �Wir waren so sehr mit unseren eigenen Angelegenheiten besch�ftigt, dass wir die grundlegendsten Gebote der H�flichkeit vernachl�ssigt haben. Was genau hoffen Sie hier zu finden?�</p><p>�Die Antwort auf das R�tsel des Mammuts.�</p><p>�Sie meinen das Aussterben w�hrend des Pleistoz�ns?�, fragte Maria.</p><p>Karla nickte. �Stellen Sie sich diese Insel vor zwanzigtausend Jahren vor. Das Land drau�en vor unserem Zelt war gr�n und strotzte von Vegetation. Die Erde erbebte unter dem Donner der F��e von riesigen Herden der Art <emphasis>Mammuthus. </emphasis>Diese Tiere waren bis zu f�nf Metern hoch, womit sie die gr��ten aller Elefanten waren. Bereits vor drei Millionen Jahren streiften ihre umfangreichen Herden durch die Alte Welt. Sie lebten in Nordamerika von North Carolina bis Alaska, in den meisten Teilen Russlands und Europas und sogar in Britannien und in Irland. Aber um achttausend vor Christus waren sie nahezu ausgestorben. Die Herden der Mammuts verschwanden zusammen mit Hunderten anderer Arten, und zur�ck blieben ihre tiefgefrorenen Knochen, um Wissenschaftler wie uns in Verwirrung zu st�rzen.�</p><p>�Das Aussterben ist eins der gr��ten R�tsel der Welt�, sagte Maria. �Mammuts, Mastodonten, S�belzahntiger�� sie alle verschwanden vor zehn- bis zw�lftausend Jahren vom Antlitz der Erde und fast zweihundert andere S�ugetierarten mit ihnen. Millionen von Tieren starben auf der ganzen Welt. Was hoffen Sie ausgerechnet hier zu finden?�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher�, erwiderte Karla. �Wie Sie wissen, gibt es drei Hypothesen �ber die Ursache des Aussterbens. Die erste besagt, dass die Clovis-Menschen durch extensive Jagd f�r das Aussterben verantwortlich waren.�</p><p>�Das wesentliche Manko dieser Hypothese ist, dass damit das Aussterben in der restlichen Welt nicht erkl�rt wird�, sagte Arbatov.</p><p>�Es gibt au�erdem keinerlei fossile Beweise, die diese Hypothese st�tzen, daher wenden wir uns der zweiten Hypothese zu, dass n�mlich ein t�dliches Virus die S�ugetierpopulationen der Welt heimgesucht hat.�</p><p>�Halten Sie die Virus-Hypothese f�r die plausibelste?�, fragte Dr.�Sato.</p><p>�Ja und nein. Ich komme darauf zur�ck, nachdem wir uns die dritte Hypothese, einen drastischen Klimawechsel, angesehen haben. Gegen Ende der Periode ver�nderte das Wetter sich schlagartig. Aber in dieser Hypothese klafft ein gro�es Loch. Auf mehreren Inseln �berlebten die Tiere. W�re jedoch ein Klimawechsel die Ursache f�r das massenhafte Aussterben gewesen, h�tten auch sie sterben m�ssen.�</p><p>�Wenn extensive Jagd oder ein Virus oder ein Klimawechsel nicht die Ursache waren, was war es dann?�, fragte Sergei.</p><p>�Im Grunde haben wir es mit zwei Denkmodellen zu tun. Da w�re zuerst einmal der Katastrophismus, der besagt, dass ein einzelnes Ereignis oder eine Kette von Ereignissen das Aussterben ausgel�st hat. Und dann ist da noch der Uniformismus, laut dem das Aussterben sich �ber einen l�ngeren Zeitraum hingezogen hat und auf verschiedene Ursachen zur�ckzuf�hren ist.�</p><p>�Zu welchem Lager geh�ren Sie�� zu den Katastrophisten oder den Uniformisten?�, wollte Arbatov wissen.</p><p>�Zu keinem. Keine Hypothese f�r sich wird allen Fakten gerecht. Ich denke, dass alles bisher Genannte daran beteiligt war, n�mlich dass das Aussterben durch eine Katastrophe oder eine ganze Folge von Katastrophen in Gang gesetzt wurde. Tsunamis. Vulkanausbr�che, wodurch t�dliche Wolken und Gase erzeugt wurden, die f�r eine grundlegende Ver�nderung der Vegetation sorgten.�</p><p>�Diese Hypothese hat allerdings auch ein gro�es Loch�, stellte Arbatov fest. �Alle Indizien weisen darauf hin, dass das Aussterben sich �ber Hunderte oder gar Tausende von Jahren erstreckte.�</p><p>�Das w�re kein Problem. Meine Hypothese ber�cksichtigt die Entdeckung von zahlreichen Mammuts, die man in Massengr�bern gefunden hat, und sie erkl�rt gleichzeitig, weshalb einige Exemplare noch lange Zeit �berlebt haben. Es gibt Beweise daf�r, dass viele Tiere gewaltsam get�tet wurden. Aber wir wissen auch, dass einige Mammutarten noch existierten, als die �gypter ihre Pyramiden bauten. Die Katastrophe hat die Mammutherden derart geschw�cht, dass sie durch Krankheiten und durch J�ger endg�ltig ausgel�scht werden konnten. Das Aussterben einer bestimmten Art setzte einen Dominoeffekt in Gang. Die Raubtiere, die Mammuts jagten, und andere Tiere verloren ihre Nahrungsquelle.�</p><p>�Ich denke, dass Sie auf der richtigen Spur sind, aber Sie meinen, dass diese weltweite Katastrophe pl�tzlich stattfand. Eben haben die Mammuts noch gem�tlich Gras gefressen, und pl�tzlich waren sie zum Aussterben verurteilt. Ist das nicht ein wenig weit hergeholt?�</p><p>��berhaupt nicht. Aber ich w�re die Erste, die zugibt, dass die Hypothese vom Polsprung ziemlich umstritten ist.�</p><p>�Polsprung?�</p><p>�Ich meine damit eine Neuausrichtung der Erdpole.�</p><p>�Wir sind keine Geologen�, sagte Arbatov. �Erkl�ren Sie bitte, was Sie damit meinen.�</p><p>�Gerne. Es gibt zwei Arten der Polverschiebung. Eine �magnetische Polverschiebung� hat eine Umkehr der magnetischen Pole zur Folge, wodurch allerlei Unannehmlichkeiten ausgel�st werden, jedoch nichts geschieht, das wir nicht �berleben k�nnten. Eine �geologische Polverschiebung� w�re eine tats�chliche Bewegung der Erdkruste �ber ihrem fl�ssigen Kern. Eine solche Erscheinung k�nnte eine Katastrophe ausl�sen wie die, von der ich annehme, dass sie die Mammuts als Art ausgel�scht hat.�</p><p>Arbatov war nicht �berzeugt. �Sie legen Ihrer Hypothese vom Aussterben die theoretische Verschiebung der Erdpole zugrunde? Sie werden zugeben m�ssen, dass es h�chst unwahrscheinlich ist, dass es zu einer derart gro�r�umigen St�rung kommen kann.�</p><p>�Im Gegenteil. Es ist geschehen, und es k�nnte jederzeit wieder geschehen.�</p><p>Arbatov ergriff mit einer �bertriebenen Geste Karlas Glas. �Unser Gast hat wohl ein wenig zu sehr dem Wodka zugesprochen.�</p><p>�Sie k�nnen gerne meinen Aufsatz lesen, Dr.�Arbatov, in dem ich meine Hypothese ausf�hrlich begr�nde. Ich glaube, er wird Ihnen gefallen. Vor allem die Gleichungen, die zeigen, auf welche Art und Weise eine St�rung des Magnetfelds der Erde einen Polsprung herbeif�hren kann.�</p><p>Am Tisch brach eine Diskussion aus zwischen denen, die ihrer Hypothese zustimmten, und denen, die ihr widersprachen. Trotz ihrer zivilisierten Umgangsformen war offensichtlich, dass es in der Gruppe Spannungen gab. Das �berraschte sie nicht. Wissenschaftler unterschieden sich nicht von sogenannten normalen Menschen, au�er dass sie vielleicht um einiges eitler und kleinlicher waren. Marias ausgepr�gt freundliche Pers�nlichkeit beendete den verbalen Schlagabtausch.</p><p>�Ich entschuldige mich f�r dieses ungeh�rige Verhalten gegen�ber einem Gast�, sagte sie und schien ihren Mann mit Blicken erdolchen zu wollen. �Wie sehen Ihre Pl�ne f�r morgen aus?�</p><p>Nachdem Arbatov einen D�mpfer erhalten hatte, endete die Diskussion so schnell, wie sie ausgebrochen war.</p><p>�Vielleicht kann mir jemand von Ihnen zeigen, wo Sie Babar gefunden haben.�</p><p>Das sei kein Problem, wurde ihr gesagt. Alle halfen Maria beim Aufr�umen. Wenig sp�ter schl�pfte Karla in ihren Schlafsack. In dem alten Geb�ude war es bemerkenswert gem�tlich und warm, und bis auf das Geraschel, das von allerlei kleinem Getier verursacht wurde, f�hlte sie sich recht wohl. In ihrer Erregung �ber den Fund des Mammutbabys hatte sie Schwierigkeiten einzuschlafen.</p><p>Sie erinnerte sich an ein Gute-Nacht-Gedicht, das ihr Gro�vater immer aufgesagt hatte, nachdem sie nach dem Tod ihrer Eltern zu ihm gezogen war.</p><p>Sie kam kaum f�nf Zeilen weit, als der Schlaf sie am Ende doch �bermannte.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>Die Trouts landeten am Sp�tnachmittag in Albuquerque und fuhren anschlie�end nach Santa F�, wo sie �bernachteten. Fr�h am n�chsten Morgen stiegen sie in ihren Mietwagen und machten sich auf den Weg nach Los Alamos, das auf einer nat�rlichen Zitadelle oberhalb der drei Mesas lag, die sich an das Panaretos Plateau anschlossen.</p><p>W�hrend der f�nfundsechzig Kilometer langen Fahrt bemerkte Trout bei seiner Frau eine deutliche Ver�nderung. Hatte sie sich anfangs noch begeistert �ber die Landschaft gezeigt, durch die sie fuhren, und den Wunsch ge�u�ert, sich unterwegs ein indianisches Pueblo anzusehen, war sie nun ungew�hnlich schweigsam.</p><p>�Einen Penny f�r deine Gedanken�, sagte er. �Nat�rlich unter Ber�cksichtigung der Inflationsrate.�</p><p>�Wenn ich diese friedliche Landschaft sehe, muss ich an die Arbeit denken, die hier im Rahmen des Manhattan Projects geleistet wurde, und an die schrecklichen Kr�fte, die dadurch entfesselt wurden.�</p><p>�Jemand hatte es tun m�ssen. Sei blo� froh, dass wir die Ersten waren.�</p><p>�Das wei� ich, aber es bedr�ckt mich immer noch, wenn ich mir vorstelle, dass wir noch immer nicht gelernt haben, wie wir den Geist unter Kontrolle halten, den wir aus der Flasche befreit haben.�</p><p>�Kopf hoch. Atomkraft k�nnte verglichen mit Strudeln und Riesenwellen am Ende ein alter Hut sein.�</p><p>Gamay schickte ihm einen s�uerlichen Blick. �Vielen Dank f�r deinen liebevollen Aufmunterungsversuch.�</p><p>Seit den Tagen, als Robert Oppenheimer und sein Team von Genies dahintergekommen waren, wie man die Kraft des Atoms in einen st�hlernen, mit einem Steuerschwanz versehenen Zylinder einsperrt, hatte Los Alamos sich erheblich ver�ndert. Es war eine betriebsame, im S�dwesten der USA gelegene Stadt mit Einkaufszentren, Schulen, Parks, Sinfonieorchester und Theater, hatte es aber nie geschafft, sich von seiner d�steren Vergangenheit zu befreien. Vielleicht hatte die Stadt es auch gar nicht gewollt. Obgleich das Los Alamos National Laboratory sich heutzutage mit zahlreichen friedlichen wissenschaftlichen Projekten befasst, ist der Geist des Manhattan Project dort immer noch greifbar.</p><p>Laborgeb�ude, in denen �ber den Umgang mit Kernwaffen geforscht wird, sind noch immer f�r die �ffentlichkeit unzug�nglich, was man als Hinweis darauf verstehen kann, dass die Stadt noch immer eine enge Verbindung mit dem Atomkrieg pflegt. Touristen, die dem Museum des Labors einen Besuch abstatten, k�nnen Nachbildungen des �Fat Man� und des �Little Boy�, der ersten Atombomben, ber�hren, die verschiedenen Typen von Atomsprengk�pfen betrachten und sich mit den lebensgro�en Statuen von Robert Oppenheimer und General Groves, den Zwillingssternen der streng geheimen Allianz von Milit�r und Wissenschaft, die die Bomben schuf, die auf Hiroshima und Nagasaki geworfen wurden, fotografieren lassen.</p><p>Die Trouts machten in der Forschungsbibliothek des Labors Halt und unterhielten sich mit einer wissenschaftlichen Assistentin, mit der sie sich zuvor telefonisch verabredet hatten. Sie hatte einen Schnellhefter mit Informationen �ber Lazio Kovacs vorbereitet, doch das meiste war rein biographischer Natur und enthielt nicht mehr, als sie bereits �ber den Wissenschaftler wussten. Kovacs, so schien es, war lediglich eine Fu�note. Ebenso wie Tesla, �ber den erheblich mehr bekannt war, habe Kovacs sich zu einer Kultfigur entwickelt, erkl�rte die Assistentin, und seine Theorien geh�rten eher in den Bereich von Science-Fiction, als dass man sie wissenschaftlich ernst nehmen k�nne.</p><p>�Vielleicht erfahren wir bei der Kovacs Society mehr�, sagte Gamay.</p><p>Die Assistentin sah die Trouts ausdruckslos an, dann brach sie in schallendes Gel�chter aus.</p><p>�Was ist los?�, fragte Gamay.</p><p>Die Frau err�tete und sagte: �Es tut mir leid. Es ist nur�� nun ja, Sie werden sehen.�</p><p>Sie lachte noch immer, w�hrend sie sie zur T�r geleitete.</p><p>Ihr Kontakt bei der Kovacs Society war ein �berschw�nglich klingender Mann namens Ed Frobisher. Als sie Frobisher anriefen, erkl�rte er, er sei gerade unterwegs und mache einige Besorgungen, und schlug dann vor, dass sie sich in einem Reste-Laden f�r Militaria, der den vieldeutigen Namen Black Hole trug, treffen sollten.</p><p>Der Laden befand sich am Stadtrand neben einem baracken�hnlichen Geb�ude mit einem Schild davor, das es als das OMEGA PEACE INSTITUTE, FIRST CHURCH OF TECHNOLOGY identifizierte. Die Kirche und der Black-Hole-Laden geh�rten einem Ortsans�ssigen namens Ed Grothus, der Unmengen von Laborger�ten aufgekauft hatte, die noch aus der Zeit des Manhattan Project stammten. Er nannte das Ganze �nuklearen Abfall� und bot seine Waren verr�ckten Gelehrten, K�nstlern und Sammlern an.</p><p>Der Hof um den Laden herum war ein einziges Durcheinander aus leeren Bombenh�lsen, Gesch�tzt�rmen, B�rom�beln und elektronischen Apparaten. In dem gro�en Lagerhaus gab es zahllose Regalg�nge, die vollgestopft waren mit ausgemusterten elektronischen Ger�ten wie Geigerz�hlern, Oszilloskopen und gedruckten Schaltkreisen. Die Trouts erkundigten sich beim Kassierer, ob er Frobisher kenne. Er geleitete sie zu einem Gang, in dem ein Mann leise Selbstgespr�che f�hrte, w�hrend er einen Stapel Kontrolltafeln inspizierte.</p><p>�Sehen Sie sich dieses Zeug mal an�, sagte Frobisher, nachdem sie sich miteinander bekannt gemacht hatten.</p><p>�Diese Tafel hat wahrscheinlich in den f�nfziger Jahren den Monatslohn eines durchschnittlichen Steuerzahlers gekostet. Jetzt ist es Schrott, au�er f�r ein paar Technikfreaks wie mich.�</p><p>Frobisher war ein �ber eins achtzig gro�er Mann mit einem m�chtigen Brustkorb, der in einen Bauch �berging, der sich wiederum �ber seinen breiten Uniformg�rtel w�lbte. Er trug ein gelb kariertes Hemd, das allein schon die Augen des Betrachters beleidigt h�tte, w�ren da nicht auch noch die roten Hosentr�ger gewesen, die M�he hatten, die Hose unter dem Gewicht des Bauchs hochzuhalten, mit denen es farblich kollidierte. Die Hosenbeine verschwanden in kniehohen Anglerstiefeln aus Kautschuk, obgleich der Tag hei� und w�stentrocken war. Seine kr�ftigen wei�en Haare waren gelockt und hingen stellenweise �ber die rechteckigen Gl�ser einer Hornbrille.</p><p>Frobisher bezahlte die Kontrolltafel und ging ihnen voraus aus dem Laden zu einem staubigen und verbeulten Chrysler K-Car. Er meinte, die Trouts sollten ihn ruhig �Froby� nennen, und schlug ihnen vor, ihm zu seinem Haus zu folgen, wo die Kovacs Society ihren Sitz hatte. W�hrend die Autos die Stadt verlie�en, wandte Gamay sich an Paul, der hinterm Lenkrad sa�.</p><p>�Erinnert dich unser neuer Freund Froby an jemanden?�</p><p>Trout nickte. �An einen gro�en und lauten Captain Kangaroo.�</p><p>�Kurt ist uns nach dem hier einiges schuldig�, seufzte Gamay. �Lieber w�rde ich mich noch mal in einen Strudel ziehen lassen.�</p><p>Die Stra�e stieg an und schl�ngelte sich durch die Berge oberhalb der Stadt. Die Anzahl und Dichte der H�user nahm stetig ab. Die Limousine vor ihnen bog schlie�lich in eine kurze Schottereinfahrt ein, h�pfte dabei wie ein Gummiball auf ihren ausgeleierten Sto�d�mpfern und parkte dann vor einem aus Lehmziegeln erbauten Puppenhaus. Der Hof war gef�llt mit elektronischem Schrott und wirkte wie die verkleinerte Version des Black Hole.</p><p>W�hrend sie zwischen Stapeln verrosteter Raketenh�llen und Maschinengeh�use zum Haus gingen, machte Froby eine ausholende Armbewegung.</p><p>�Das Labor veranstaltet jeden Monat eine Versteigerung, um seinen Kram loszuwerden. Ich glaube, ich brauche nicht zu betonen, dass ich bei jeder Gelegenheit dabei bin�, sagte er.</p><p>�Ich denke, das ist nicht n�tig�, erwiderte Gamay mit einem nachsichtigen L�cheln.</p><p>Sie betraten das Haus, das im Gegensatz zu der zusammengew�rfelten Schrottlandschaft erstaunlich aufger�umt war. Frobisher geleitete sie in ein kleines Wohnzimmer, das mit Allerweltsb�rom�beln aus Chrom und Leder eingerichtet war. Ein Stahlschreibtisch und zwei st�hlerne Aktenschr�nke standen an einer Wand.</p><p>�Alles in diesem Haus stammt aus dem Labor�, prahlte Frobisher. Er bemerkte, wie Trouts Blick an dem Warnschild mit der Aufschrift RADIOACTIVE an der Wand h�ngen blieb, und grinste wie ein Honigkuchenpferd. �Keine Sorge. Es verdeckt blo� ein Loch in der Tapete. Als Pr�sident der Kovacs Society hei�e ich Sie in der Weltzentrale willkommen. Ich darf Ihnen unseren Gr�nder vorstellen.� Er deutete auf eine alte Fotografie, die neben dem Schild an der Wand hing. Sie zeigte das fein geschnittene Gesicht eines Mannes in den Vierzigern mit dunklem Haar und ausdrucksvollen Augen.</p><p>�Wie viele Mitglieder hat die Gesellschaft?�, fragte Gamay.</p><p>�<emphasis>Eins. </emphasis>Es steht vor Ihnen. Wie Sie sehen, handelt es sich um eine ausgesprochen exklusive Organisation.�</p><p>�Das ist mir aufgefallen�, erwiderte Gamay mit einem freundlichen L�cheln.</p><p>Trout schickte seiner Frau einen Blick, der ausdr�ckte, dass er bei n�chster Gelegenheit die Flucht ergreifen w�rde. Sie betrachtete eingehend die deckenhohen B�cherregale, die einen gro�en Teil der Wandfl�che einnahmen. Ihr weiblicher Blick f�r Kleinigkeiten hatte wahrgenommen, was Trout bisher entgangen war: Den Titeln der B�cher nach zu urteilen behandelten sie hochkomplizierte technische und geheimnisvolle Themen. Wenn Frobisher auch nur einen winzigen Teil seines Lesestoffs verstand, musste er ein hochintelligenter Mensch sein.</p><p>�Bitte nehmen Sie Platz�, forderte Frobisher sie auf. Er lie� sich in den Schreibtischsessel fallen und drehte ihn herum, damit er seine G�ste ansah.</p><p>Trout setzte sich neben Gamay. Er hatte bereits entschieden, dass der beste Weg, die Unterhaltung zu beenden, darin bestand, sie schnellstens zu beginnen. �Vielen Dank, dass Sie Zeit f�r uns hatten�, sagte er als Einleitung zu einer Verabschiedung.</p><p>�Es ist mir ein ausgesprochenes Vergn�gen�, erwiderte Froby strahlend. �Um ehrlich zu sein, ich sto�e heutzutage auf nicht allzu viel Interesse an der Kovacs Society. Dies ist ein ganz besonderer Anlass f�r mich. Woher kommen Sie?�</p><p>�Aus Washington�, antwortete Trout.</p><p>Frobys babyblaue Augen leuchteten auf. �Das ist ja noch viel <emphasis>toller! </emphasis>Sie m�ssen sich unbedingt in mein G�stebuch eintragen. Und jetzt verraten Sie mir mal, wie es kommt, dass Sie sich f�r Lazio Kovacs interessieren.�</p><p>�Wir sind beide Wissenschaftler bei der National Underwater and Marine Agency�, sagte Gamay. �Einer unserer Kollegen bei der NUMA erz�hlte uns von Kovacs� Arbeit und deutete an, dass es hier in Los Alamos eine Gesellschaft gebe, die �ber das vollst�ndigste Archiv �ber dieses Thema verf�ge. In der Bibliothek des National Laboratory ist nur sehr wenig �ber Kovacs zu finden.�</p><p>�Die Bande dort h�lt ihn f�r einen Scharlatan�, sagte Frobisher abf�llig.</p><p>�Den Eindruck hatten wir auch�, best�tigte Gamay.</p><p>�Ich will Ihnen ein wenig �ber die Gesellschaft erz�hlen. Fr�her arbeitete ich als Physiker am National Laboratory. Mit einigen meiner Kollegen spielte ich regelm��ig Karten, und st�ndig kamen Nikola Teslas Arbeiten zur Sprache. Einige meinten, Kovacs w�rde von Teslas extravagantem Auftreten in den Schatten gestellt und verdiene viel mehr Beachtung f�r seine Entdeckungen, als wir ihm bisher geschenkt hatten. Wir gaben daraufhin unserer Pokerrunde den Namen Kovacs Society.�</p><p>�Ihre Gesellschaft wurde nach einer Pokerrunde benannt?�</p><p>�Ja. Wir dachten auch daran, sie Poker Flats zu nennen. Aber einige unserer Mitglieder waren verheiratet und der Meinung, dass ein Debattierclub eine gute Tarnung sei, um ihre Ehefrauen zu t�uschen.�</p><p>�Hei�t das, Sie haben sich niemals �ber die Kovacs-Theoreme unterhalten?�, wollte Gamay wissen.</p><p>�Doch, nat�rlich haben wir das getan. Wir waren schlechte Pokerspieler, aber gute Wissenschaftler.� Er griff nach oben in ein Regal �ber seinem Schreibtisch, holte zwei Brosch�ren herunter und reichte sie den Trouts. �Wir haben diese Hefte mit dem urspr�nglichen Artikel gedruckt, in dem Kovacs seine revolution�ren Ideen darstellte und erkl�rte. Es handelt sich um das aufs Wesentliche komprimierte Protokoll einer Konferenz �ber seine Arbeiten, die vor etwa zwanzig Jahren hier abgehalten wurde. In der Hauptsache ging es darum, Kovacs schlechtzumachen. Wir verkaufen die Brosch�ren f�r $4,95 das St�ck. Wir haben auch Biographien, die ein wenig teurer sind, um die Druckkosten zu decken.�</p><p>Paul und Gamay schlugen eins der Exemplare auf. Der eng gedruckte Text war ungarisch und mit langen, unverst�ndlichen mathematischen Gleichungen durchsetzt. Trout sandte seiner Frau ein Grinsen, mit dem er ausdr�cken wollte: �Das war�s dann� und machte dabei Anstalten, sich zu erheben und zur T�r zu gehen. Gamay, die seine Ungeduld deutlich sp�rte, legte eine Hand auf seinen Arm.</p><p>�Die B�cher in den Regalen sind vorwiegend technische Fachliteratur, und Sie waren als Physiker im Labor t�tig, daher legen wir gro�en Wert auf Ihre Meinung. Ich hoffe, Sie missverstehen das Ganze nicht, aber Sie m�ssen wissen, dass es wegen Kovacs und seinen Theorien heftige Kontroversen gegeben hat. War Kovacs im Grunde nicht mehr als ein brillanter Scharlatan? Oder hatte er etwas?�</p><p>�Er hatte ganz eindeutig etwas.�</p><p>�Aber er hat es niemals experimentell bewiesen und sich geweigert, Einzelheiten seiner Entdeckungen zu ver�ffentlichen.�</p><p>�Das lag daran, dass er wusste, dass die Informationen einfach zu gef�hrlich waren.�</p><p>Gamay l�chelte. �Pardon, aber das klingt, als wollten Sie lediglich sein Versagen entschuldigen.�</p><p>�Ganz und gar nicht. Er hatte gro�e Hochachtung vor der Menschheit.�</p><p>Trout ahnte, dass Gamay einen Plan verfolgte, und spielte mit.</p><p>�Wenn ihm die Menschheit so sehr am Herzen lag, weshalb hat er dann f�r die Nazis gearbeitet?�, fragte Trout.</p><p>�Er <emphasis>musste </emphasis>f�r die Nazis arbeiten. Sie haben ihm gedroht, seine Familie zu vernichten.�</p><p>�Soweit ich wei�, ist genau das auch geschehen�, sagte Gamay. �Es ist eine Schande, finden Sie nicht? Die Frau und die Kinder des Mannes sind deswegen gestorben.� Sie schlug mit der Brosch�re auf ihr Knie. �F�r eine unsinnige Theorie �ber t�dliche niederfrequente elektromagnetische Wellen.�</p><p>Frobishers blasse Wangen nahmen die Farbe eines gekochten Hummers an. Nach einem kurzen Augenblick l�ste der d�stere Ausdruck auf seinem Gesicht sich zu einem breiten Grinsen auf.</p><p>�Das war ein sehr geschickter Versuch, mich zu k�dern.�</p><p>Er sah seine beiden Besucher pr�fend an. �Und jetzt verraten Sie mir bitte, wer Sie wirklich sind.�</p><p>Gamay schaute zu Paul, der unmerklich nickte.</p><p>�Wir geh�ren zum Spezialteam f�r Sondereins�tze der NUMA�, antwortete sie. �Wollen Sie irgendwelche Ausweise sehen?�</p><p>�Ich glaube Ihnen. Was haben zwei Vertreter der gr��ten Meeresforschungsorganisation der Welt ausgerechnet in Los Alamos, weit weg von Atlantik und Pazifik, zu suchen?�</p><p>�Wir glauben, dass der Schl�ssel zur L�sung des R�tsels um einige ungew�hnliche ozeanische St�rungen hier in New Mexico gefunden werden kann.�</p><p>Er runzelte die Stirn. �Welche Art von St�rungen?�</p><p>�Strudel und Riesenwellen, die gro� genug sind, um ganze Schiffe versinken zu lassen.�</p><p>�Entschuldigen Sie, aber ich wei� noch immer nicht, wovon Sie reden.�</p><p>�Einer unserer NUMA-Wissenschaftler, den wir zu Rate gezogen haben, �u�erte die Vermutung, dass die St�rungen von Unregelm��igkeiten und Ver�nderungen im elektromagnetischen Wellensystem der Erde ausgel�st worden sein k�nnten. Er brachte die Kovacs-Theoreme ins Gespr�ch.�</p><p>�Nur weiter�, sagte Frobisher.</p><p>Einander abwechselnd berichteten sie von den Meeresst�rungen und der Spekulation, dass sie von Menschen ausgel�st worden waren.</p><p>�Lieber Himmel�, fl�sterte Frobisher mit heiserer Stimme. �Es passiert tats�chlich.�</p><p>�Was passiert?�, fragte Paul Trout.</p><p>�NUMA oder nicht, auf jeden Fall sind Sie in etwas hineingestolpert, das gr��er und folgenschwerer ist, als man sich vorstellen kann.�</p><p>�Das tun wir sehr oft�, sagte Trout. �Es steht in unserer NUMA-internen Arbeitsplatzbeschreibung.�</p><p>Frobisher starrte Paul Trout und Gamay an.</p><p>Ihre gelassenen Mienen holten ihn auf die Erde zur�ck, und er bekam sich wieder in den Griff. Er ging in die K�che und kam mit drei eisgek�hlten Flaschen Bier zur�ck, die er verteilte.</p><p>�Wir haben Ihnen erz�hlt, wer wir sind�, sagte Gamay mit ihrem entwaffnenden L�cheln. �Jetzt w�re es vielleicht an der Zeit, dass Sie mal ein wenig �ber sich herauslassen.�</p><p>�Klar, warum nicht.� Er leerte seine Flasche Bier zur H�lfte und wischte sich den Mund ab. �Lassen Sie mich einen kleinen historischen Ausflug machen. Die meisten haben schon von dem Brief geh�rt, den Albert Einstein an Pr�sident Roosevelt geschrieben hat.�</p><p>Trout nickte. �Einstein meinte, dass angesichts der M�glichkeit, eine kontrollierte Kettenreaktion in Gang zu setzen, der Bau einer Atombombe m�glich sei. Er empfahl, dass die Vereinigten Staaten eine solche Bombe entwickeln sollten, ehe die Deutschen es in Angriff n�hmen.�</p><p>�Das ist richtig�, sagte Frobisher. �Der Pr�sident beauftragte ein Komitee, sich mit der Angelegenheit zu befassen, und das Ergebnis waren die Forschungen hier in Los Alamos. Nur wenigen ist bekannt, dass Einstein gegen Ende des Krieges einen zweiten Brief schrieb, der jedoch nie ver�ffentlicht wurde. Darin warnte er vor den Gefahren eines elektromagnetischen Krieges auf der Grundlage der Theoreme. Aber im Gegensatz zu Kovacs, der von vielen als Scharlatan verlacht wurde, hatte Einsteins Meinung Gewicht. Truman bekleidete damals das Pr�sidentenamt. Er berief ein Komitee ein, das sich Einsteins Vorschl�ge ansehen sollte, und heraus kam ein Forschungsprojekt �hnlich dem Manhattan Project.�</p><p>�Wir haben geh�rt, dass die Russen auf dem gleichen Gebiet forschten�, sagte Gamay.</p><p>�Das ist richtig. Mitte der sechziger Jahre waren wir genauso weit wie die Russen.�</p><p>�Wie weit wurde die Forschung getrieben?�</p><p>�Sehr weit. Sie konzentrierten sich mehr auf das Festland als auf den Himmel und l�sten einige Erdbeben aus. Nach dem gro�en Erdbeben in Alaska revanchierte sich unser Land. Wir sorgten f�r einige �berschwemmungen und D�rreperioden in Russland. Aber das war alles nur Kleinkram.�</p><p>��berschwemmungen und Erdbeben w�rde ich nicht gerade als Kleinkram bezeichnen�, sagte Gamay.</p><p>�Das waren sozusagen nur Aufw�rmaktionen. Wissenschaftler beider L�nder entdeckten etwa zur gleichen Zeit, dass sie im Zuge gemeinsamer Anstrengungen wesentliche Ver�nderungen des elektromagnetischen Felds der Erde herbeif�hren konnten. Daraufhin fand eine geheime Konferenz beider L�nder auf einer einsamen Insel im Beringmeer statt. Wissenschaftler und Regierungsvertreter nahmen daran teil. Beide L�nder wurden mit Indizien konfrontiert, die die ernsten Folgen weiterer Experimente auf Grundlage der Kovacs-Theoreme aufzeigten.�</p><p>�Woher wissen Sie das alles, wenn es so geheim war?�, fragte Gamay.</p><p>�Das ist einfach. Ich habe daran teilgenommen. Wir kamen �berein, s�mtliche Forschung in dieser Richtung einzustellen und uns mit harmloseren Dingen wie zum Beispiel nuklearer Kriegf�hrung zu befassen.�</p><p>�Es ist schwer zu glauben, dass es noch etwas Schlimmeres gibt als einen nuklearen Holocaust�, sagte Gamay stirnrunzelnd.</p><p>�Glauben Sie es ruhig.� Frobisher beugte sich auf seinem Stuhl vor und senkte so gewohnheitsm��ig die Stimme, als ob er glaubte, dass der Raum abgeh�rt wurde. �Das Geheimnis zu bewahren wurde als derart wichtig angesehen, dass in jedem Land entsprechende Schutzma�nahmen ergriffen wurden. Jeder, der zu viel �ber Kovacs und seine Arbeiten wusste oder zu neugierige Fragen stellte, wurde sofort gestoppt oder, wenn n�tig, eliminiert.�</p><p>�Dann wurde die Kovacs Society gar nicht als Tarnung f�r eine Pokerrunde gegr�ndet?�, fragte Trout.</p><p>Frobisher l�chelte. �Die Geschichte l�sst gew�hnlich das Interesse der Leute schlagartig erlahmen. Nein, die Kovacs Society war ein Teil der Tarnung. Man ging davon aus, dass sie die erste Adresse f�r jeden w�re, der sich f�r seine Arbeit interessiert. Wenn Sie vor ein paar Jahren hier erschienen w�ren und zu unbequeme Fragen gestellt h�tten, w�re meine erste Reaktion ein Telefonanruf gewesen, und Sie w�ren verschwunden. Sie k�nnen froh sein, dass die ganze Einrichtung vor ein paar Jahren aufgel�st wurde.�</p><p>�Was ist geschehen?�, wollte Trout wissen.</p><p>�Es kam zu Budgetk�rzungen�, antwortete Frobisher grinsend. �Eine allgemeine Vergesslichkeit setzte ein. Die wenigen Personen, die �ber die �bereinkunft Bescheid wussten, starben und nahmen ihr Geheimnis mit ins Grab. Niemand war mehr da, der sich um Budgetfragen k�mmerte, also wurde es gestrichen. Im Laufe der Zeit verloren Kovacs und seine Arbeiten an Bedeutung. Genauso wie Nikola Tesla wurde Kovacs zu einer Kultfigur f�r Verschw�rungsgl�ubige, nur war er nicht so bekannt. Die meisten Leute, die hier vorbeikommen, sind ausgemachte Spinner, wie zum Beispiel einer, der sich eine Spinne auf seine Glatze hat t�towieren lassen. Diejenigen, die sich ein wenig ernsthafter mit dieser Geschichte besch�ftigen, werden gew�hnlich durch meine Froby-Nummer abgelenkt.�</p><p>�Die Nummer ist nicht schlecht�, meinte Gamay anerkennend.</p><p>�Vielen Dank. Ich fing schon an, selbst daran zu glauben. Ich war sozusagen der einsame Torw�chter, der die Leute abwimmelte, wenn sie zu neugierig wurden.�</p><p>�Sie haben von weltweiten Folgen aufgrund der elektromagnetischen Manipulation gesprochen�, kam Trout wieder auf ihr urspr�ngliches Anliegen zur�ck.</p><p>Frobisher nickte. �Was jedem der Beteiligten gro�e Sorgen bereitete, war die M�glichkeit, dass die elektromagnetische Manipulation eine Verschiebung der Pole ausl�sen k�nnte.�</p><p>�Und ist so etwas m�glich?�, fragte Gamay.</p><p>�Oh ja. Ich will es Ihnen erkl�ren. Das elektromagnetische Feld der Erde wird durch die Rotation der �u�eren Kruste um den festen Teil des Erdkerns erzeugt. Wissenschaftler der Leipziger Universit�t entwickelten ein Modell, das die Erde als riesigen Dynamo erscheinen l�sst. Die Schwermetalle und die fl�ssige Magma des im Kern angesiedelten Elektromagneten stellen die Kupplung dar. Die leichteren Metalle in der Kruste sind sozusagen die Spulenwindungen. Die Planetenpole werden durch die elektromagnetische Spannung bestimmt. Die magnetischen Pole sind die Folge der Strudel und Wirbel im fl�ssigen Kern. Die Magnetpole neigen zum Wandern. Navigatoren ber�cksichtigen diesen Effekt stets bei ihren Berechnungen. Wenn ein Pol schw�cher wird, k�nnte es zu einer Umkehr von magnetischem S�d- und Nordpol kommen.�</p><p>�Was w�re die Folge dieser Polumkehr?�, fragte Gamay.</p><p>�Es k�me zu empfindlichen St�rungen, die durchaus Katastrophencharakter annehmen k�nnen. Energiesysteme w�rden ausfallen. Satelliten w�ren pl�tzlich nutzlos. Kompasse w�rden durchdrehen. In der Ozonschicht k�nnten gro�e L�cher entstehen, die wiederum gesundheitliche Probleme aufgrund ungefilterter Sonnenstrahlung zur Folge h�tten. Man k�nnte das Polarlicht viel weiter im S�den beobachten. V�gel und andere Tiere w�rden bei ihren Wanderungen in die Irre geleitet.�</p><p>�Das w�ren wirklich heftige St�rungen�, gab Gamay zu.</p><p>�Ja, aber all das w�re harmlos im Vergleich mit den Auswirkungen einer <emphasis>geologischen </emphasis>Polverschiebung.�</p><p>Als Tiefseegeologe wusste Trout genau, was Frobisher meinte. �Worauf Sie offensichtlich abzielen, ist eine tats�chliche Bewegung der Kruste �ber dem Erdkern und nicht so sehr eine Ver�nderung des elektromagnetischen Feldes der Erde.�</p><p>�Genau. Der feste Teil der Erde schwimmt auf dem fl�ssigen Teil. Es gibt Hinweise, dass so etwas schon fr�her vorkam, ausgel�st durch ein nat�rliches Ereignis wie zum Beispiel einen vorbeiziehenden Kometen.�</p><p>�Ich bin Tiefseegeologe�, sagte Trout. �Ein Komet ist die eine Sache. Ich habe jedoch Schwierigkeiten, mir vorzustellen, dass von Menschen vorgenommene Ma�nahmen wesentliche physikalische Ver�nderungen ausl�sen k�nnen.�</p><p>�Deshalb waren Kovacs� Untersuchungen ja so wichtig.�</p><p>�Inwiefern?�</p><p>Frobisher erhob sich und ging in dem kleinen Raum einige Male auf und ab, um seine Gedanken zu ordnen, dann blieb er stehen und vollf�hrte mit seinem Zeigefinger eine Kreisbewegung.</p><p>�Da ist noch ein v�llig anderer Aspekt. Das gesamte Universum wird vom Elektromagnetismus gesteuert. Die Erde ist aufgeladen wie ein riesiger Elektromagnet. Ver�nderungen des Feldes k�nnen eine Verschiebung der Polarit�t ausl�sen, wie wir soeben festgestellt haben. Es gibt jedoch noch einen weiteren Effekt, auf den Kovacs w�hrend seiner Forschungen gesto�en ist. Materie oszilliert zwischen den Zust�nden Materie und Energie.�</p><p>Trout nickte verstehend. �Wenn ich Sie richtig interpretiere, kann mittels einer Ver�nderung des elektromagnetischen Feldes der Erde die Position von Materie auf der Erdoberfl�che ebenfalls ver�ndert werden.�</p><p>�Das k�nnte eine Erkl�rung f�r die ozeanischen St�rungen sein�, warf Gamay ein.</p><p>Frobisher schnippte mit den Fingern und grinste triumphierend. �Damit haben Sie sich beide eine dicke Zigarre verdient.�</p><p>�Was w�rde bei einer Festlandverschiebung passieren?�, fragte Gamay.</p><p>Frobishers L�cheln verflog. �Die Ruhekr�fte w�rden auf die Materieverschiebung reagieren. Die Wassermassen der Weltmeere und der Seen w�rden in eine andere Richtung gerissen, gegen die K�sten branden und heftige �berschwemmungen ausl�sen. S�mtliche elektrischen Anlagen w�rden versagen. Es k�me zu heftigsten Hurrikans und Tornados. Die Erdkruste w�rde aufbrechen. Erdbeben, Vulkanausbr�che und riesige Lavastr�me w�ren die Folge. Es k�me zu drastischen und lange andauernden Klimaver�nderungen. Vermehrte Sonnenstrahlung, die das Magnetfeld der Erde durchdringt, w�rde bei Millionen von Menschen die Strahlenkrankheit ausl�sen und zum Tod f�hren.�</p><p>�Es k�me also zu einer weltweiten Katastrophe ungeahnten Ausma�es�, sagte Gamay.</p><p>�Nein.�</p><p>Frobisher sch�ttelte den Kopf, und seine Stimme sank zu einem Fl�stern herab. �Ich rede von nichts anderem als dem Ende jedweder lebenden Materie�� im Grunde vom Weltuntergang.�</p><empty-line/><p>W�hrend der R�ckfahrt nach Albuquerque, von wo aus sie nach Hause fliegen w�rden, war Paul Trout derjenige, der sich in Schweigen h�llte.</p><p>�Einen Penny f�r deine Gedanken�, sagte Gamay. �Nat�rlich unter Ber�cksichtigung der Inflationsrate.�</p><p>Trout schien aus einer Trance aufzuwachen. �Ich dachte gerade an Roswell in New Mexico, wo angeblich das UFO abgest�rzt sein soll.�</p><p>�Vielleicht k�nnen wir ein andermal hinfahren. Nach dem Vortrag deines Freundes Frobisher summt mir der Kopf von Verschw�rungstheorien.�</p><p>�Was h�ltst du von ihm?�</p><p>�Entweder ist er ein fr�hlicher Exzentriker, oder er ist be�ngstigend normal.�</p><p>�Das ist auch meine Meinung, was mich letztlich auf Roswell gebracht hat. Einige UFO-Freaks berichten, dass der Pr�sident nach dem Vorfall einer Gruppe hochrangiger Wissenschaftler und Regierungsvertreter den Auftrag gab, die Angelegenheit zu untersuchen und zu vertuschen. Die Gruppe erhielt die Bezeichnung MJ12.�</p><p>�Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Meinst du, dass es zu dem, was wir geh�rt haben, allzu enge Parallelen gibt?�</p><p>�Vielleicht, aber es besteht eine M�glichkeit, die Richtigkeit seiner Aussagen zu best�tigen.�</p><p>�Und welche?�</p><p>Eine schlichte Brosch�re lag auf der Mittelkonsole zwischen den beiden Vordersitzen. Frobisher hatte sie ihnen mit dem Hinweis �berreicht, dass Kovacs dieses einzige Exemplar der mathematischen Grundlagen seiner umstrittenen Theoreme hatte drucken lassen. Die vergilbten Seiten waren randvoll mit mathematischen Gleichungen gef�llt. Trout ergriff die Brosch�re und sagte: �Lazio Kovacs konnte seine Theoreme nicht testen. Wir hingegen k�nnen es.�</p></section><section><title><p>20</p></title><p>Austin stand auf der Veranda seines Hauses und betrachtete das funkelnde Band, das hinter seinem Haus vorbeistr�mte. Die Morgennebel hatten sich aufgel�st. Vom Potomac stieg ein Geruch von in der Sonne festgebackenem Schlamm und Wildblumen auf. Manchmal stellte er sich vor, dass der Fluss seine eigene Lorelei hatte, und zwar eine l�stern dreinblickende S�dstaatenversion der deutschen Sirene, deren Gesang Rheinschiffer in den Tod lockte.</p><p>Ihrem unwiderstehlichen Ruf folgend, holte er sein sieben Meter langes Maas Rennskiff unter dem Bootshaus hervor und trug es vorsichtig die Rampe hinunter zum Wasser. Er stieg in das offene Cockpit, schob die F��e unter die Schlaufen, die mit dem Stemmbrett vernietet waren, fuhr auf dem Rollsitz einige Male vor und zur�ck, um seine Bauchmuskeln zu lockern, und justierte die Dollhaken am Ende der Ausleger auf maximale Leistung.</p><p>Dann stie� er sich ab in den Fluss, tauchte die Schaufeln seiner Concept 2 Composit Skulls ins Wasser, beugte sich vor und zog die Innenhebel zur�ck, wobei er sein K�rpergewicht nutzte. Die drei Meter langen Skulls lie�en das nadelschlanke Rennboot regelrecht durchs Wasser fliegen. Er steigerte seine Schlagzahl, bis die Anzeige des StrokeCoach ihm verriet, dass er seine �bliche Frequenz von achtundzwanzig Schl�gen pro Minute erreicht hatte.</p><p>Rudern war eine t�gliche Routine und seine bevorzugte Trainingsart. Es erforderte mehr Technik als reine Kraft, und das Zusammenwirken von Geist und K�rper, das n�tig war, um das leichte Boot �bers Wasser schie�en zu lassen, war eine perfekte Methode, um das Geschnatter der Welt ringsum auszuschalten und seine Konzentration auf einen Punkt zu b�ndeln.</p><p>W�hrend er an stattlichen alten Villen vor�berglitt, versuchte er, einen Sinn in den Ereignissen zu erkennen, die in seinem Kopf herumwirbelten wie der Strudel, der die Trouts beinahe in den Tod gezogen hatte. Eine Tatsache war wohl unwidersprochen. Jemand hatte eine M�glichkeit gefunden, die Ozeane gezielt und willk�rlich in Wallung zu bringen.</p><p>Aber zu welchem Zweck? Welcher Gewinn war daraus zu ziehen, dass man Killerwellen und riesige Mahlstr�me erzeugte, die f�hig waren, ganze Schiffe zu verschlingen? Und wer war in der Lage, derart unvorstellbare und gottgleiche Kr�fte zu entwickeln?</p><p>Aus den Augenwinkeln bemerkte Austin eine Bewegung, die seine �berlegungen unterbrach. Ein anderes Skiff kam auf gleiche H�he. Austin stellte seine Skullschaufeln auf und stoppte. Der andere Ruderer tat das Gleiche. Sie musterten einander. Sein unerwarteter Gef�hrte entsprach nicht den ordentlichen athletischen Typen, denen er bei seinen morgendlichen Ruderaktivit�ten h�ufig begegnete. Zuerst einmal quollen lange Rastalocken unter seiner braunen Baseballm�tze hervor. Dazu trug er eine Sonnenbrille mit blauen Gl�sern.</p><p>�Guten Morgen�, sagte Austin.</p><p>Der Mann nahm die M�tze mit den daran befestigten Dreadlocks sowie die Sonnenbrille ab. �Verdammt, ist das Ding hei�!�, sagte er. Er grinste Austin an. �Haben Sie nicht vor kurzem an irgendwelchen Kajakrennen teilgenommen?�</p><p>Die Sonne beschien die bizarre Spinnent�towierung auf dem schwei�nassen Sch�del.</p><p>Austin lehnte sich nach vorne auf seine Skulls. �Hallo, Spider�, sagte er.</p><p>�Sie wissen, wer ich bin?�</p><p>Austin nickte. �Das Bob-Marley-Kost�m hatte mich f�r einen Moment get�uscht.�</p><p>Barrett zuckte die Achseln. �Das war das Beste, was mir auf die Schnelle einfiel. Ein Typ verh�kerte diese Dinger am Andenkenstand in der N�he der Bootsvermietung. Ich hatte die Wahl zwischen dem hier und Elvis.�</p><p>�Eine gute Entscheidung. Ich kann Sie mir wirklich nicht dabei vorstellen, wie Sie �Hound Dog� singen�, sagte Austin. �Warum �berhaupt eine Verkleidung?�</p><p>Barrett deutete auf einen Verband, der seinen Kopf zierte. �Jemand will mich t�ten.�</p><p>�Weshalb?�</p><p>�Das ist eine lange Geschichte, Kurt.�</p><p>Austin beschloss, einen Schuss ins Blaue abzufeuern. �Hat das etwas mit den niederfrequenten elektromagnetischen Impulsen zu tun?�</p><p>Der erstaunte Ausdruck auf Barretts Gesicht verriet, dass seine Frage ins Schwarze getroffen hatte. �Woher wissen Sie davon?�</p><p>�Das ist in etwa alles, was ich wei�.�</p><p>Barrett betrachtete blinzelnd die funkelnden Reflexe der Sonne auf den Wellen. �Wundersch�n.�</p><p>�Das finde ich auch, aber Sie sind sicher nicht wegen der Landschaft hergekommen.�</p><p>�Da haben Sie Recht. Ich bin hier, weil ich einen Freund brauche.�</p><p>Austin machte mit dem Arm eine ausholende Bewegung.</p><p>�Sie befinden sich hier in freundlichen Gew�ssern. Wenn Sie und Ihr Boot nicht gewesen w�ren, h�tten die M�rderwale mich als Imbiss verspeist. Kommen Sie mit in mein Haus und lassen Sie uns �ber alles reden.�</p><p>�Das ist keine gute Idee�, sagte Barrett mit einem verstohlenen Blick �ber die Schulter. Er griff in seine Hemdtasche und holte ein schwarzes K�stchen von der Gr��e einer Zigarettenschachtel hervor. �Dies verr�t uns, ob in der N�he irgendwelche elektronischen �berwachungseinrichtungen in Betrieb sind. Okay, im Augenblick ist alles sauber, aber ich m�chte kein Risiko eingehen. Was dagegen, wenn wir weiterrudern? Mir macht es n�mlich Spa�.�</p><p>�Nicht weit von hier ist eine Stelle, wo wir an Land gehen k�nnen�, sagte Austin. �Folgen Sie mir.�</p><p>Sie ruderten etwa dreihundert Meter und zogen dann die Boote auf ein flaches Ufer. Eine menschenfreundliche Seele hatte im Schatten der B�ume eine Picknickbank f�r m�de Bootsfahrer aufgestellt. Austin teilte den Inhalt seiner Wasserflasche mit Barrett.</p><p>�Danke�, sagte dieser, nachdem er einige Schlucke getrunken hatte. �Ich bin total au�er Form.�</p><p>�Aber nicht nach dem, was ich gesehen habe. Ich war ziemlich schnell unterwegs, als Sie mich einholten.�</p><p>�Ich geh�rte zur Rudermannschaft des MIT. Ich war praktisch jeden Tag auf dem Charles River. Das ist schon lange her.� Er l�chelte ein wenig wehm�tig.</p><p>�Was war Ihr Hauptfach am MIT?�</p><p>�Quantenphysik mit Schwerpunkt Computerlogik.�</p><p>�Das sieht man Ihrem Hell�s-Angels-Look aber nicht an.�</p><p>Barrett lachte. �Das ist nur Schau. Ich war schon immer ein Computerfreak. Aufgewachsen bin ich in Kalifornien, wo meine Eltern beide Universit�tsprofessoren waren. Zuerst war ich an der Caltech, um Computerwissenschaften zu studieren, dann ging ich ans MIT, um mein Diplom zu machen. Dort lernte ich Tris Margrave kennen. Wir setzten uns zusammen und kamen mit dem Bargrave Softwaresystem heraus. Wir verdienten uns damit mehrere goldene Nasen. Uns ging es richtig gut, bis Tris sich mit Lucifer einlie�.�</p><p>�Lucifer? Dem Teufel?�</p><p>�<emphasis>Lucifer </emphasis>war eine Anarchistenzeitung, die im neunzehnten Jahrhundert in Kansas erschien. Damals nannten sie diese Leute �Brandstifter�. Es ist au�erdem der Name einer kleinen Gruppe von Neo-Anarchisten, mit der Tris zu tun hat. Sie wollen die Leute st�rzen, die sie die �Eliten� nennen, nichtgew�hlte Pers�nlichkeiten, die den gr��ten Teil des Reichtums und der Macht der Welt kontrollieren.�</p><p>�Wie passen Sie in dieses Bild?�</p><p>�Ich geh�re zu Lucifer. Das hei�t, ich <emphasis>geh�rte </emphasis>dazu.�</p><p>Austin betrachtete Barretts Kopft�towierung. �Sie kommen mir nicht gerade sehr konventionell vor, Spider, aber ist es nicht so, dass auch Sie und Ihr Partner einen betr�chtlichen Anteil des Weltreichtums unter Kontrolle haben?�</p><p>�<emphasis>Absolut. </emphasis>Deshalb sind wir es, die diesen Kampf f�hren. Tris sagt, M�nner von Reichtum und Bildung�� also diejenigen, die am meisten zu verlieren hatten�� starteten die amerikanische Revolution. Leute wie Hancock, Washington und Jefferson waren bekanntlich sehr wohlhabend.�</p><p>�Welche Rolle spielt Margrave bei Lucifer?�</p><p>�Tris bezeichnet sich selbst als die treibende Kraft Lucifers. Anarchisten haben wenig daf�r �brig, einem F�hrer zu folgen. Es ist eine locker organisierte Gruppe von an die hundert gleichgesinnten Leuten, die mit einigen der aktiveren Neo-Anarchisten-Clubs sympathisieren. Einige Dutzend eher zur Gewalt neigende Typen nennen sich selbst �Lucifer�s Legion�. Ich hatte mehr mit der technischen als mit der politischen Seite des Projekts zu tun.�</p><p>�Was treibt Margrave an?�</p><p>�Tris ist brillant und skrupellos. Er f�hlt sich schuldig wegen der Art und Weise, wie seine Familie ihr Verm�gen mit Sklavenhandel und Alkoholschmuggel verdient hat, aber ich glaube, dass er im Wesentlichen von Macht besessen ist. Er hat mich in die Lucifer-Pl�ne eingeweiht.�</p><p>�Und wie sehen die aus?�</p><p>�Wir wollten die Machtgef�ge der Eliten angreifen und ersch�ttern, damit sie unseren W�nschen nachgeben und auf einen Teil ihrer Macht verzichten.�</p><p>�Das ist aber ziemlich viel verlangt�, meinte Austin.</p><p>�Wem sagen Sie das? Wir gaben ihnen vor zwei Wochen in New York eine Kostprobe von dem, was ansonsten geschehen w�rde. Wir haben die Stadt f�r einen Zeitraum w�hrend einer gro�en Wirtschaftskonferenz lahmgelegt in der Hoffnung, sie zu Verhandlungen bewegen zu k�nnen, aber es war so �hnlich, als h�tte eine Biene einen Elefanten gestochen.�</p><p>Austin hob eine Augenbraue. �Ich habe von dem Blackout geh�rt. Sie waren daf�r verantwortlich?�</p><p>Barrett nickte. �Es war blo� eine kleine Demo, um ihnen zu beweisen, dass wir das totale Chaos ausl�sen k�nnen. Unsere langfristigen Pl�ne sehen vor, Kommunikation und Wirtschaft weltweit empfindlich zu st�ren.�</p><p>�Und wie wollen Sie das bewerkstelligen?�</p><p>�Indem wir eine Reihe von wissenschaftlichen Erkenntnissen benutzen, um ihre Kommunikations- und Transportsysteme zu st�ren und ein weltweites wirtschaftliches Chaos auszul�sen.�</p><p>�Sie meinen wohl die Kovacs-Theoreme.�</p><p>Barrett starrte Austin an, als w�re ihm soeben ein zweiter Kopf gewachsen. �Sie haben wirklich Ihre Hausaufgaben gemacht. Was wissen Sie �ber die Theoreme?�</p><p>�Nicht viel. Ich wei� nur, dass Kovacs ein Genie war, das eine M�glichkeit gefunden hatte, mit niederfrequenten elektromagnetischen Impulsen die nat�rliche Ordnung durcheinanderzubringen. Er bef�rchtete, dass seine Theoreme, wenn sie in die falschen H�nde geraten sollten, dazu benutzt werden k�nnten, das Wetter zu ver�ndern und Erdbeben und andere Katastrophen auszul�sen. Nach dem, was Sie mir �ber Ihre Lucifer-Freunde erz�hlt haben, scheinen sich seine Bef�rchtungen zu bewahrheiten.�</p><p>Barrett zuckte bei dem Begriff �Freunde� leicht zusammen, aber er nickte best�tigend. �Das ist insoweit richtig.�</p><p>�Wie weit geht es noch?�</p><p>�Wir haben versucht, eine polare Verschiebung auszul�sen.�</p><p>�Sie meinen eine Verschiebung von Nord- und S�dpol.�</p><p>�Der Magnetischen Pole. Wir wollten Kommunikationssatelliten ausschalten. Den weltweiten Handelsverkehr durcheinanderbringen und den Eliten einen Schuss vor den Bug geben. Absolut harmlose Dinge.�</p><p>Austins Miene verh�rtete sich. �Seit wann werden Killerwellen, Schiffe verschlingende Strudel und der Verlust eines Frachtschiffs mitsamt Mannschaft als eher harmlos eingestuft?�</p><p>Barrett schien sich in sich selbst zu verkriechen. Austin bef�rchtete schon, dass sein heftiger Kommentar sein Gegen�ber zum Schweigen gebracht haben k�nnte. Aber dann nickte Barrett best�tigend.</p><p>�Sie haben nat�rlich Recht. Wir haben nicht an die Konsequenzen gedacht, sondern uns nur mit den Mitteln dazu besch�ftigt.�</p><p>�Und welche Mittel sind es?�</p><p>�Wir haben vier Schiffe gebaut und jedes mit einer Apparatur ausger�stet, die auf den Kovacs-Theoremen beruht. Dann haben wir den Impuls in einem bestimmten Winkel auf einen besonders empfindlichen Punkt auf dem Meeresboden gelenkt. Die von jedem der Schiffe erzeugte Energie reicht aus, um eine Kleinstadt mit Strom zu versorgen, aber sie ist winzig klein im Vergleich mit der Erdmasse. An diesem Punkt greifen die Theoreme. Kovacs sagte, dass bei richtiger Frequenz die Impulse durch die Masse dessen verst�rkt w�rden, in die sie eindringen sollen, so wie eine Tuba den Klang von Luft verst�rkt, der durch einen Lippenspalt in sie hineingeblasen wird.�</p><p>�Ich habe den riesigen Strudel gesehen, den Sie erzeugt haben. Das war mehr als nur ein gesch�rztes Lippenpaar.�</p><p>�Einen <emphasis>Strudel?</emphasis>�</p><p>Austin lieferte ihm eine komprimierte, aber anschauliche Beschreibung des Mahlstroms und der Katastrophen, die er beinahe bewirkt hatte.</p><p>Barrett stie� einen Pfiff aus. �Ich wei� von den riesigen Wellen, die wir im Laufe eines unserer Tests erzeugt haben. Die Nebenwirkungen haben ein Frachtschiff und eines unserer Transmitter-Schiffe versenkt.�</p><p>�Manchmal gibt die See wieder heraus, was sie sich genommen hat. Der Strudel holte Ihr Transmitter-Schiff vom Meeresboden hoch. Ich konnte den Kahn untersuchen, ehe er endg�ltig versank.�</p><p>Barrett schien durch diese Enth�llung wie vor den Kopf geschlagen.</p><p>�Was geht da vor, Spider?�</p><p>Die Frage riss Barrett aus seiner kurzzeitigen Benommenheit.</p><p>�Wir hatten nicht mit den heftigen Meeresst�rungen gerechnet, die durch die Ver�nderungen ausgel�st wurden, die wir am Magnetfeld der Erde vorgenommen haben. Nach dem, was Sie mir erz�hlen, dauerten die St�rungen an, obgleich wir die Impulse gestoppt und die Schiffe ihre Positionen verlassen hatten. Offenbar h�lt die Bewegung des Magma unter der Erdkruste nach dem ersten Impuls an. Es ist �hnlich wie bei den Sekund�rwellen auf einem Teich, nachdem man einen Stein ins Wasser geworfen hat. Das ist der gef�hrliche Teil der Theoreme. Und es ist das, was Kovacs gro�e Sorgen gemacht hat. N�mlich die Unvorhersehbarkeit und Unberechenbarkeit des Ganzen.�</p><p>�Was taten Sie, als ich Sie im Puget Sound traf?�</p><p>�Nachdem die <emphasis>Southern Belle </emphasis>gesunken war, kehrte ich an den Zeichentisch zur�ck. Ich entwickelte einen Test, bei dem eine verkleinerte Version des Impulsgebers verwendet wurde.�</p><p>�Und hat das die Orcas zur Raserei gebracht?�</p><p>Er nickte.</p><p>�Was war das Problem?�</p><p>�Die Wellen spielten v�llig verr�ckt. Wir hatten genaue Berechnungen angestellt, aber selbst wenn die Abweichung nur Nanosekunden ausmacht, k�nnen die Impulse wer wei� wohin gehen und alles M�gliche anrichten.�</p><p>�Also hat Kovacs sich geirrt?�</p><p>Barrett breitete die Arme aus. �Er hatte seine allgemeine Theorie als Warnung an die Welt ver�ffentlicht, jedoch die Information zur�ckgehalten, mit der sie funktioniert h�tte. Sehen Sie, es ist wie mit der Atombombe. Sie finden Pl�ne f�r den Bau einer A-Bombe im Internet, und Sie k�nnen sogar Material und Teile beschaffen, um sie zu bauen. Aber solange Sie nicht wissen, wie die einzelnen Teile zusammenwirken, wird diese Bombe nicht funktionieren. Bestenfalls haben Sie am Ende eine schmutzige radioaktive Bombe. Und genau das haben wir hier: das elektromagnetische �quivalent einer schmutzigen Bombe.�</p><p>�Der Verlust Ihres Schiffs d�rfte das Projekt gestoppt haben�, sagte Austin.</p><p>�Sein Fortgang wurde nur verz�gert. Wir hatten ein Schiff in Reserve. Es wird soeben f�r den gro�en Knall in Position gebracht.�</p><p>�Und wo wird der stattfinden?�</p><p>�Das hat Tris mir nicht verraten. Es gab eine ganze Reihe m�glicher Orte. Die letzte Entscheidung trifft er alleine.�</p><p>�Wie sind Sie nur in diesen ganzen Wahnsinn hineingeraten?�</p><p>�Auf ziemlich unspektakul�re Weise, wie man eben in so etwas hineinger�t. Es begann damit, dass ich Tris auf die Kovacs-Theoreme aufmerksam machte. Ich dachte, wir k�nnten daraus einen Vorteil f�r unsere Firma ziehen, aber er sah darin sofort eine M�glichkeit, seinem anarchistischen Anliegen Nachdruck zu verleihen. Er bat mich, ein System zu entwickeln, mit dem sich eine vor�bergehende magnetische Verschiebung erzielen lie�e. Ich betrachtete das Ganze als rein technische Herausforderung. Indem ich Kovacs� Arbeiten als Grundlage benutzte, f�llte ich die offenen L�cken.�</p><p>�Erz�hlen Sie mal von dem Anschlag auf Sie.�</p><p>Barrett betastete behutsam die Seite seines Kopfes. �Ich besuchte Tris auf seiner Insel in Maine. Mickey Doyle, der Tris� Privatmaschine lenkt, hat versucht, mich umzubringen. Er t�uschte einen Motorschaden vor und landete auf einem See. Seine Kugel streifte meinen Kopf, ich verlor eine Menge Blut. Gerettet wurde ich von zwei Anglern aus Boston. Einer von ihnen war zuf�lligerweise Arzt. Ich nannte ihm einen falschen Namen und haute ab, sobald sich die Gelegenheit ergab. Deshalb diese Rasta-Nummer. Ich will nicht, dass irgendjemand erf�hrt, dass ich noch am Leben bin, sonst bin ich n�mlich wirklich tot.�</p><p>�Meinen Sie, dass Doyle auf Befehl Margraves handelte?�</p><p>�Ich glaube nicht, dass Tris dahintersteckte. Er wurde mir immer unheimlicher. Er ist gr��enwahnsinnig geworden. Er hat mittlerweile seine eigene Armee angeheuert, Typen, von denen er behauptet, sie seien nur f�r seine Sicherheit zust�ndig. Aber als ich Tris nach dem Untergang der <emphasis>Belle </emphasis>und nach dem Vorfall mit den Orcas mitteilte, ich wolle aus dem Projekt aussteigen, sagte er, er werde das Ganze auf Eis legen, bis ich Gelegenheit gehabt h�tte, einiges neues Material zu sichten, auf das er gesto�en sei. Kurz bevor er auf mich schoss, fragte ich Mickey, ob Tris ihm den Auftrag gegeben h�tte. Er antwortete, er arbeite f�r jemand anderen. Ich glaube nicht, dass er gelogen hat.�</p><p>�Daraus ergibt sich eine zwingende Frage. Wer k�nnte den Wunsch haben, Sie auszuschalten?�</p><p>�Mickey versuchte, mich davor zu warnen, mit meinem Wissen an die �ffentlichkeit zu gehen. Als ich mich weigerte, wollte er mich t�ten. Wer immer es war oder ist, f�r den er arbeitet, will nicht, dass das Projekt gestoppt wird.�</p><p>�W�rde das Projekt denn nicht sowieso scheitern, wenn Sie tot sind?�</p><p>�Jetzt nicht mehr�, meinte Barrett mit einem traurigen L�cheln. �So wie ich die Sache vorbereitet habe, kann Tris mit einem Minimum an Personal und technischer Ausr�stung die Schiffe in Position bringen und ihre Energie freisetzen.�</p><p>�Wer sonst h�tte ein Interesse daran, dass der Plan Erfolg hat?�</p><p>�Es gibt eigentlich nur einen, von dem ich wei�, dass er �ber alles informiert ist. Jordan Gant. Er leitet Global Interests Network, kurz GIN. Es ist eine Stiftung in Washington, die in etwa die gleichen Interessen wie Lucifer verfolgt, n�mlich den Kampf gegen den Missbrauch von industrieller Macht. Gegen Zollvereinbarungen, die der Umwelt schaden. Gegen Waffenverk�ufe an unterentwickelte L�nder. Tris sagt, Gants Stiftung gleiche der Sinn Fein, dem politischen Fl�gel der Irish Republican Party. Sie halten sich im Hintergrund und machen sich die H�nde nicht schmutzig, mehr oder weniger, w�hrend die IRA die Geheimorganisation ist, die Gewalt einsetzt.�</p><p>�Demnach w�re eine Bedrohung von Tris� Projekt auch eine Gef�hrdung der Ziele Gants.�</p><p>�Das w�re eine logische Schlussfolgerung.�</p><p>�Woher kommt Gant?�</p><p>�Er ist eine Art Renegat der Wirtschaftswelt. Er hat f�r die gleichen Gruppen gearbeitet, denen wir den Kampf erkl�rt haben, ehe er erleuchtet wurde. Er ist im Wesentlichen nur ein Aush�ngeschild. Redet wie gedruckt. Hat einen schmierigen Charme. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er hinter einem Mordplan steckt, aber man wei� ja nie.�</p><p>�Es ist eine Spur, die zu verfolgen sich auf jeden Fall lohnt. Sie sagten vorhin, Margrave habe Ihnen Material �bergeben, von dem er hofft, dass es Sie umstimmt.�</p><p>�Er sagte, dass Kovacs eine M�glichkeit entdeckt habe, die Polumkehr zu stoppen, selbst wenn der Prozess schon begonnen h�tte. Ich sagte, ich w�rde nicht aussteigen, wenn er mir einen funktionierenden Alarmplan vorlegen k�nne.�</p><p>�Wo w�rde er so etwas suchen?�</p><p>�Es gibt Hinweise, dass Kovacs den Krieg �berlebt hat und in die USA ausgewandert ist, wo er erneut heiratete. Ich glaube, seine Enkelin wei� etwas dar�ber, wie man die Polumkehr aufh�lt, wenn nicht gar r�ckg�ngig macht. Sie hei�t Karla Janos.�</p><p>�Wei� Gant das?�</p><p>�Das wird er wohl, wenn wir bei Doyle richtig liegen.�</p><p>Austin �berlegte, welche Folgerungen sich daraus ergeben k�nnten. �Ms. Janos k�nnte zur wandelnden Zielscheibe werden. Sie sollte erfahren, dass man es auf sie abgesehen hat. Wissen Sie, wo sie wohnt?�</p><p>�In Alaska. Sie arbeitet an der Universit�t von Alaska in Fairbanks. Aber Tris meinte, sie bef�nde sich auf einer Expedition in Sibirien. Dort friert sie vielleicht, aber sie d�rfte einigerma�en sicher sein.�</p><p>�Nach dem, was Sie mir erz�hlten, haben Margrave und Gant einen langen Arm.�</p><p>�Das stimmt. Was sollen wir tun?�</p><p>�Wir m�ssen sie warnen. F�r Sie d�rfte es am sichersten sein, wenn Sie �tot� bleiben. Wissen Sie, wo Sie sich verkriechen k�nnen? Haben Sie eine Bleibe, von der Margrave und Gant nichts wissen?�</p><p>�Ich habe einen Schlafsack auf meiner Harley und die Taschen voller Bargeld, so dass ich keine Kreditkarte benutzen muss, die man zur�ckverfolgen k�nnte. Meine Anrufe per Mobiltelefon laufen �ber mehrere Stationen, so dass es praktisch unm�glich ist, mir auf die Spur zu kommen.� Er holte den kleinen Kasten wieder aus der Tasche. �Ich habe dieses Ding zum Spa� gebaut. Damit kann ich Telefonanrufe bis zum Mond umleiten, wenn ich will.�</p><p>�Ich empfehle Ihnen, st�ndig in Bewegung zu bleiben. Rufen Sie mich morgen um diese Uhrzeit an, und wir werden bis dahin einen Plan haben.�</p><p>Sie sch�ttelten sich die H�nde und kehrten anschlie�end zu ihren Booten zur�ck. Austin winkte zum Abschied und ging dann bei seinem Haus an Land, w�hrend Barrett sein Skiff zur Bootsvermietung zur�ckruderte, die sich knapp einen Kilometer entfernt am Fluss befand. Austin verstaute sein Boot im Bootshaus. In den wenigen Sekunden, die er brauchte, um �ber die Treppe in sein Wohnzimmer zu gelangen, legte er sich einen Plan zurecht.</p></section><section><title><p>21</p></title><p>Zehntausend Jahre, nachdem die letzten Wollhaarmammuts die Erde unter ihrem Gewicht erbeben lie�en, liefern ihre Knochen und Z�hne den Treibstoff f�r einen bl�henden internationalen Handel. Das Zentrum f�r diesen Handel ist die Stadt Jakutsk in Ostsibirien, mit dem Flugzeug von Moskau aus in sechs Stunden erreichbar.</p><p>Es ist eine alte Stadt, im f�nfzehnten Jahrhundert von einer Bande Kosaken gegr�ndet, und wurde lange von Forschern als letzter Vorposten der Zivilisation betrachtet. Sie war sp�ter ber�hmt, oder ber�chtigt, als eine der Inseln im Gulag-System, wo Feinde des sowjetischen Staates als Sklavenarbeiter in den Gold- und Diamantminen mehr als ausreichend zu tun fanden. Seit dem neunzehnten Jahrhundert ist sie die Weltmetropole f�r den Handel mit Mammutelfenbein.</p><p>Die Elfenbein Kooperative ist einer der bedeutendsten Gro�h�ndler im Elfenbeinhandel. Die Kooperative befindet sich in einem d�steren und staubigen Lagerhaus, umgeben von verfallenden Mietsh�usern, die noch aus der Zeit Chrustschovs stammen. Hinter den nichtssagenden Betonmauern und der Stahlt�r liegt tonnenweise Mammutelfenbein im Wert von Millionen Dollar, das darauf wartet, nach China oder Birma transportiert zu werden, wo es zu allem m�glichen Nippes f�r die bl�hende asiatische Fremdenverkehrsindustrie verarbeitet wird. Der wei�e Schatz wird in Kisten aufbewahrt, die in Regalen stehen, die sich von einem Ende des Lagerhauses bis zum anderen erstrecken.</p><p>Drei M�nner standen in einem der G�nge. Es waren Vladimir Bulgarin, der Inhaber der Elfenbeinhandelsfirma, und zwei Helfer, die einen m�chtigen Mammutsto�zahn trugen.</p><p>�Das St�ck ist wundersch�n�, sagte Bulgarin. �Wie schwer?�</p><p>�Einhundert Kilo�, sagte einer der Helfer �chzend. �Sehr schwer.�</p><p>�Wunderbar�, meinte Bulgarin. Erstklassiges Elfenbein wurde mit hundert Dollar pro Kilo gehandelt.</p><p>Ein dritter Helfer eilte durch den Gang. �Ihr Partner ist da�, meldete er.</p><p>Bulgarin verzog das Gesicht, als h�tte er in eine Zitrone gebissen. Er wies seine Helfer an, den Sto�zahn in eine mit S�gemehl gef�llte Kiste zu legen und diese beiseite zu stellen. Vielleicht w�rde er aus dem Sto�zahn kleine Elfenbeinmammuts oder Ohrringe schnitzen lassen und damit seinen Handelswert um ein Vielfaches steigern, anstatt ihn als Rohelfenbein zu verkaufen.</p><p>W�hrend er in sein B�ro zur�ckkehrte, lag ein finsterer Ausdruck auf seinem Gesicht. Sein sogenannter Partner war das, was in den Vereinigten Staaten als �Koffertr�ger� bezeichnet wurde. Er war ein Angeh�riger der Mafia, der einmal im Monat aus Moskau kam, um einen prozentualen Anteil am Gewinn zu kassieren, Bulgarin des Betrugs zu bezichtigen und ihm zu drohen, ihm die Beine zu brechen, falls der Verdacht sich bewahrheiten sollte.</p><p>Es war unvermeidlich, dass die russische Mafia Mittel und Wege fand, mit ihren klebrigen Fingern im profitablen Mammuthandel mitzumischen. Das Gesch�ft bl�hte dank des internationalen Boykotts gegen den Verkauf von Elfenbein von den afrikanischen Elefantenherden, die von J�gern im Laufe der Jahre stark dezimiert worden waren. Die Bewohner von Jakutsk waren seit Jahrhunderten im Elfenbeinhandel t�tig, und mit gesch�tzten zehn Millionen Mammuts, die noch im sibirischen Permafrost vergraben waren, verf�gten sie �ber einen riesigen Vorrat an Material.</p><p>Politische Ver�nderungen hatten den Elfenbeinhandel ebenfalls gef�rdert. Moskau hatte schon immer den Handel in Jakutsk kontrolliert und �berwachte auch heute noch das Diamanten- und Goldgesch�ft, aber die Einheimischen trieben schon seit zweitausend Jahren Handel mit den Chinesen und wussten besser als jeder andere, wie man die Knochen alter, toter Riesen zu Geld machte. Das Elfenbein musste erst bearbeitet werden, um legal exportiert werden zu k�nnen, doch einige Gro�h�ndler, wie Bulgarin zum Beispiel, ignorierten die Gesetze und lieferten Rohelfenbein direkt an ihre Abnehmer.</p><p>Als Moskau sich zur�ckzog, erschien die Mafia. Im vorangegangenen Jahr erhielt die Kooperative einen unangemeldeten Besuch durch eine Gruppe der furchteinfl��endsten M�nner, denen Bulgarin je begegnet war. Sie trugen schwarze Rollkragenpullover und schwarze Lederjacken, und sie redeten sehr sanft und leise, als sie ihm erkl�rten, dass sie in Zukunft seine Gesch�ftspartner seien. Bulgarin war ein Kleinkrimineller, und er hatte gelegentlich mit den gewaltt�tigeren Elementen der russischen Unterwelt zu tun. Als diese hart und brutal aussehenden M�nner ihm verk�ndeten, er und seine Familie brauchten dringend Schutz, wusste er genau, was sie meinten. Er erkl�rte sich mit dem neuen Arrangement einverstanden, und die Leute in Moskau stellten zwei M�nner mit Maschinenpistolen an der T�r auf, um ihre Investition zu bewachen.</p><p>Bulgarin war sowohl verwirrt wie auch ver�rgert �ber den Zeitpunkt des Besuchs. So regelm��ig wie ein Uhrwerk erschien sein Partner jeweils am vierten Donnerstag des Monats, doch heute war erst der zweite Mittwoch. Trotz seines �rgers verzog er, als er sein winziges, unordentliches B�ro betrat, das Gesicht in Erwartung Karpovs, des �blichen Mafiaboten aus Moskau, zu einem breiten L�cheln. Aber der Mann im schwarzen Anzug und Rollkragenpullover war j�nger, und im Gegensatz zu Karpov, der beim Abholen des Geldes immerhin den rauen, wenn auch zweifelhaften Charme des hartgesottenen Schuldeneintreibers an den Tag legte, war sein Gesichts�ausdruck so kalt wie Jakutsk in einer Winternacht.</p><p>Er funkelte Bulgarin w�tend an. �Ich mag es nicht, wenn man mich warten l�sst.�</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Bulgarin und behielt sein L�cheln bei. �Ich war gerade am anderen Ende des Lagerhauses. Ist Karpov krank?�</p><p>�Karpov ist lediglich ein Kassierer. Wir haben wichtige Gesch�fte zu besprechen. Ich will, dass Sie mit den M�nnern auf Ivory Island Verbindung aufnehmen.�</p><p>�Das ist nicht so einfach.�</p><p>�Tun Sie es trotzdem.�</p><p>Mehrere Tage zuvor hatte Moskau sich telefonisch gemeldet und ihn angewiesen, einen Trupp seiner h�rtesten Elfenbeinj�ger zusammenzustellen und auf die Insel zu schicken. Sie w�rden dort auf eine Gruppe Wissenschaftler treffen, die vor Ort arbeitete, und sollten eine weibliche Forscherin namens Karla Janos in ihre Gewalt bringen. Diese sollten sie anschlie�end einem Team �bergeben, das aus Alaska k�me.</p><p>�Ich kann es versuchen�, sagte Bulgarin. �Das Wetter ��</p><p>�Ich will, dass Sie Ihre Befehle �ndern. Sagen Sie ihnen, sie sollen sich die Kleine holen und mit ihr die Insel verlassen.�</p><p>�Was ist mit den Amerikanern?�</p><p>�Deren Leute k�nnen nicht kommen. Sie wollten eine Menge Geld f�r den Job bezahlen, also ist die Kleine offensichtlich einiges wert. Wir unterhalten uns mit ihr, um zu h�ren, was sie zu erz�hlen hat, und f�r sie ein L�segeld zu fordern.�</p><p>Bulgarin zuckte die Achseln. Das war typisch f�r die Moskauer Mafia. Ein klassisches Doppelspiel. Direkt und r�cksichtslos.</p><p>�Was ist mit den anderen Wissenschaftlern?�</p><p>�Sagen Sie Ihren M�nnern, keine Zeugen.�</p><p>Bulgarin lief es eiskalt �ber den R�cken. Er war sicherlich kein Engel und hatte als junger Schmuggler so manchen Sch�del eingeschlagen. Die Elfenbeinjagd war ein Halsabschneidergesch�ft. Nachdem die Mafia ebenfalls in die Elfenbeinjagd eingestiegen war, hatte sie M�nner engagiert, die man wohlwollend als �Abschaum� bezeichnen konnte. Einige seiner Konkurrenten waren bequemerweise verschwunden.</p><p>Gleichzeitig war er clever genug zu wissen, dass er als Zeuge ebenfalls in der Reihe derer st�nde, die irgendwann eliminiert w�rden. Er w�rde tun, was der Mann von ihm verlangte, aber in Gedanken besch�ftigte er sich bereits mit den Schritten, die notwendig waren, um sein Gesch�ft zu schlie�en und Jakutsk zu verlassen. Er nickte nur, weil sein Mund pl�tzlich ausgetrocknet war und er keinen Ton hervorbrachte, und �ffnete dann einen Schrank, in dem ein hochmodernes Sprechfunkger�t verborgen war.</p><p>Innerhalb weniger Minuten hatte er Verbindung mit den Elfenbeinj�gern. Indem er sich eines sorgf�ltig ausgearbeiteten Codes bediente f�r den Fall, dass irgendjemand mith�rte, verlangte er den Anf�hrer des Trupps, einen vor keiner Gewalt zur�ckschreckenden Mann namens Grisha, der als Bewohner der Republik Sakha in direkter Linie von den Mongolen abstammte, die Hunderte von Jahren von der Elfenbeinjagd gelebt hatten. Er teilte ihm die neuen Instruktionen mit. Grisha bat nur um eine kurze Wiederholung, um sicherzugehen, dass er alles richtig geh�rt hatte, und hatte dar�ber hinaus keinerlei Fragen.</p><p>�Es ist erledigt�, sagte Bulgarin und legte das Mikrofon beiseite.</p><p>Der Mafiavertreter nickte. �Ich komme morgen zur�ck, um nachzufragen, ob alles glattgegangen ist.�</p><p>Bulgarin wischte sich den Schwei� von der Stirn, nachdem der Mann sich verabschiedet hatte. Er konnte nicht entscheiden, was schlimmer war, sich mit den Halsabschneidern aus Moskau herumzuschlagen oder mit den Halsabschneidern, die f�r ihn arbeiteten. Was er jedoch genau wusste, war, dass seine Tage in Jakutsk gez�hlt waren. Er w�re sicher, bis sie jemanden holten, um ihn zu ersetzen, doch in der Zwischenzeit w�rde er einige Pl�ne, die er schon vor langer Zeit geschmiedet hatte, nach und nach in die Tat umsetzen. Er hatte Millionen auf verschiedenen Nummernkonten in der Schweiz gesammelt.</p><p>Genf w�re sehr sch�n. Oder Paris oder London. Als profitable Besch�ftigung bot sich der Edelsteinhandel an.</p><p>Alles w�re dem sibirischen Winter vorzuziehen.</p><p>Er l�chelte. Vielleicht hatte die Mafia ihm sogar einen gro�en Gefallen getan.</p></section><section><title><p>22</p></title><p>Petrow war im Begriff, sein B�ro in dem tristen Moskauer Regierungsgeb�ude zu verlassen, als seine Sekret�rin ihn dar�ber informierte, dass er am Telefon verlangt werde. Er hatte schlechte Laune. Er hatte es nicht geschafft, sich vor einer Diplomatenparty in der Norwegischen Botschaft zu dr�cken. Norwegen, du liebe G�te! Da gab es nichts als R�ucherfisch zu essen. Er nahm sich vor, sich mit Wodka volllaufen zu lassen und sich gr�ndlich zu blamieren. Vielleicht w�rden sie ihn dann nie wieder einladen.</p><p>�Schreiben Sie auf, was der Betreffende will�, hatte er spontan geknurrt. Auf dem Weg nach drau�en und schon halb in der T�r hatte er sich noch einmal umgedreht. �Wer ist der Anrufer?�</p><p>�Ein Amerikaner�, antwortete seine Sekret�rin. �Er sagt, sein Name sei John Doe.�</p><p>Petrow war wie vom Donner ger�hrt. �Sind Sie sicher?�</p><p>Petrow schob seine verbl�ffte Sekret�rin einfach zur Seite und kehrte in sein B�ro zur�ck, wo er den Telefonh�rer von der Gabel angelte und sich ans Ohr hielt. �Petrow�, meldete er sich.</p><p>�Hallo, Iwan. Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, da haben Sie Ihre Telefongespr�che selbst entgegengenommen�, sagte die Stimme am anderen Ende der Leitung.</p><p>�Und ich erinnere mich, dass Sie fr�her Kurt Austin gehei�en haben�, sagte Petrow. Sein unfreundlicher Ton passte ganz und gar nicht zu dem am�sierten Funkeln in seinen Augen.</p><p>�Touch�, alter Junge. Immer noch der alte, scharfz�ngige KGB-Apparatschik. Wie geht es Ihnen, Iwan?�</p><p>�Mir geht es gut. Wie lange ist es jetzt her seit der Razow-Aff�re?�</p><p>�Zwei Jahre, denke ich. Sie sagten damals, ich solle mich melden, wenn ich jemals Hilfe brauchen sollte.�</p><p>Austin und Petrow hatten zusammengearbeitet, um den Plan Mikhail Razows, eines russischen Demagogen, zu vereiteln. Er hatte seinerzeit die Absicht gehabt, mithilfe umfangreicher im Ozean vorhandener Methanhydratfunde einen gegen die Ostk�ste der Vereinigten Staaten gerichteten Tsunami auszul�sen.</p><p>�Sie haben Gl�ck, dass Sie mich noch antreffen. Ich war unterwegs zu einer aufregenden Party in der Norwegischen Botschaft. Was kann ich f�r Sie tun?�</p><p>�Zavala und ich m�ssen so schnell wie m�glich auf die Neusibirischen Inseln.�</p><p>�Sibirien?� Petrow kicherte. �Stalin ist tot, Austin. Sie schicken keine Menschen mehr in den Gulag.� Er schaute sich um. �Diejenigen, die ihre Vorgesetzten kritisieren, erhalten eine Bef�rderung, einen Titel und ein gro�es, furchtbar geschmacklos eingerichtetes B�ro, in dem sie sich zu Tode langweilen.�</p><p>�Waren Sie wieder mal unartig, Iwan?�</p><p>�Das l�sst sich nicht ins Russische �bersetzen. Es reicht, wenn man sagt, dass es niemals klug ist, seinen Vorgesetzten anzugreifen.�</p><p>�Wenn ich das n�chste Mal mit Putin rede, lege ich ein gutes Wort f�r Sie ein.�</p><p>�Mir w�re es lieber, Sie w�rden das nicht tun. Pr�sident Putin ist n�mlich der Vorgesetzte, den ich angegriffen habe. Ich habe einen engen Freund von ihm blo�gestellt, der Geld aus einer �lfirma veruntreut hat, die die Regierung �bernommen hat, nachdem sie ihren Eigent�mer verhaften lie�. Die �blichen Kreml-Spielereien. Ich wurde sofort aus meiner Geheimdienstposition entfernt. Ich habe zu viele Freunde in hohen Positionen, daher konnte man mich nicht in aller Offenheit bestrafen. Stattdessen haben sie mich in diesen Samtk�fig gesetzt. Warum Sibirien, wenn ich fragen darf?�</p><p>�Ich kann jetzt keine Einzelheiten nennen. Ich kann nur so viel sagen, dass es eine Angelegenheit von h�chster Dringlichkeit ist.�</p><p>Petrow l�chelte. �Wann ist bei Ihnen mal etwas nicht dringlich? Wann wollen Sie los?�</p><p>Austin hatte Petrow angerufen, nachdem er versucht hatte, Karla Janos an der Universit�t von Alaska aufzusp�ren. Der Abteilungsleiter, mit dem er gesprochen hatte, meinte, Karla befinde sich auf einer Expedition zu den Neusibirischen Inseln. Austin wusste, dass er schnell handeln musste, als der Abteilungsleiter andeutete, dass es in dieser Woche schon das dritte Mal sei, dass jemand sich nach der Ivory-Island-Expedition erkundige.</p><p>�Sofort�, sagte er daher zu Petrow. �Noch eher, wenn Sie das erm�glichen k�nnen.�</p><p>�Sie haben es wirklich eilig. Ich rufe die Botschaft in Washington an und lasse den Papierkram durch einen Kurier zu Ihnen bringen. Meine Hilfe hat allerdings ihren Preis. Sie m�ssen mir gestatten, Sie zu einem Drink einzuladen, damit wir uns �ber die alten Zeiten unterhalten k�nnen.�</p><p>�Abgemacht.�</p><p>�Brauchen Sie Hilfe, wenn Sie dort sind?�</p><p>Austin �berlegte. Von fr�her wusste er, dass Petrows Vorstellung von Hilfe aus einem harten Spezialteam bestand, das bis zu den Z�hnen bewaffnet war und darauf brannte, losschlagen zu k�nnen.</p><p>�Vielleicht sp�ter. Die Situation k�nnte anfangs eine behutsamere Vorgehensweise erforderlich machen.�</p><p>�In diesem Fall halte ich mein Sanit�tsteam bereit f�r den Fall, dass Sie �rztliche Hilfe ben�tigen. Vielleicht komme ich sogar selbst.�</p><p>�Sie haben offensichtlich keinen Scherz gemacht, als Sie meinten, Sie litten unter Langeweile�, stellte Austin fest.</p><p>�Es ist wirklich nicht mehr so wie in den alten Zeiten�, sagte Petrow mit Wehmut in der Stimme.</p><p>�Wir werden darin schwelgen, wenn wir unsere Drinks nehmen�, versprach Austin. �Tut mir leid, dass ich unsere Unterhaltung abrupt beenden muss, aber ich habe noch einige wichtige Anrufe zu t�tigen. Ich melde mich, um Ihnen die letzten Reisedetails durchzugeben.�</p><p>Petrow zeigte Verst�ndnis und bat Austin, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Er legte auf und gab seiner Sekret�rin den Auftrag, den Wagen abzubestellen, der ihn in die Norwegische Botschaft bringen sollte. Dann rief er die Russische Botschaft in Washington an. Niemand wusste dort von seinem b�rokratischen Exil, und er konnte problemlos die Papiere vorbereiten lassen, die Austin und Zavala die Einreise nach Russland zwecks einer NUMA-Expedition gestatten w�rden. Nachdem man ihm versichert hatte, dass die Papiere innerhalb der n�chsten Stunde ausgeliefert w�rden, lehnte er sich in seinem Schreibtischsessel zur�ck und z�ndete sich eine der schlanken Havannazigarren an, die er bevorzugte, und dachte dann an seine Begegnungen mit dem draufg�ngerischen und mutigen Amerikaner von der NUMA.</p><p>Petrow war in den Vierzigern und hatte eine hohe Stirn und asiatisch anmutende Wangenknochen. Man h�tte ihn als attraktiv bezeichnen k�nnen, w�re da nicht die gro�e Narbe gewesen, die seine rechte Wange verunstaltete. Die Narbe war ein Geschenk von Austin, aber er hegte keinen Groll gegen den Amerikaner. Er und Austin waren mehrmals aneinandergeraten, als sie w�hrend des Kalten Krieges noch f�r spezialisierte Marinespionageeinheiten ihrer L�nder gearbeitet hatten. Richtig hitzig wurde es, als sich ihre Wege w�hrend eines sowjetischen Versuchs kreuzten, ein gesunkenes amerikanisches Spionage-U-Boot mitsamt seiner Mannschaft zu bergen.</p><p>Austin hatte die Mannschaft gerettet und Petrow gewarnt, dass er in dem U-Boot eine Zeitbombe installiert habe. W�tend, dass man ihn ausgetrickst hatte, war Petrow mit seinem Mini-U-Boot auf Tauchstation gegangen und von der Explosion erwischt worden. Er hatte Austin den Unfall und die sich daraus ergebende Narbe nicht �bel genommen und das Ganze stattdessen als Lektion verstanden, sich bei seinen Aktionen nicht von seinem Temperament leiten zu lassen. Sp�ter, als sie in der Razow-Aff�re zusammenarbeiteten, erwiesen sie sich als hervorragendes Team. Falls Austin glaubte, er k�nne ihn in seinem eigenen Land um ein besonderes Vergn�gen bringen, dann irrte er sich gewaltig, dachte Petrow. Er griff nach dem Telefonh�rer, um einiges in die Wege zu leiten.</p><empty-line/><p>Austin telefonierte mit Zavala. �Ich war schon halb aus der T�r�, meinte Zavala. �Ich sehe dich bei der NUMA.�</p><p>�Es gibt eine �nderung der Pl�ne�, sagte Austin. �Wir gehen nach Sibirien.�</p><p>�Sibirien!�, wiederholte Zavala mit einem deutlichen Mangel an Begeisterung. �Ich bin Amerikaner mexikanischer Abstammung. Wir haben f�r K�lte nicht viel �brig.�</p><p>�Vergiss nur nicht, deine pelzgef�tterten Unterhosen einzupacken, und dir geht es gut. Ich bringe meine Donnerb�chse mit�, sagte er und benutzte Zavalas Spitznamen f�r seinen gro�kalibrigen Bowen Revolver. �Vielleicht solltest du auch eine kleine R�ckversicherung mitnehmen.�</p><p>Er verabredete sich mit Zavala am Flughafen und suchte dann einige Kleidungsst�cke zusammen, die arktischen Bedingungen angemessen sein w�rden.</p><empty-line/><p>Tausende von Kilometern entfernt sa� Schroeder in seiner engen Kabine und warf einen letzten Blick auf die topographische Karte, ehe er einen Fu� auf die Insel setzte.</p><p>Schroeder hatte schon vor langer Zeit erkannt, wie n�tig es ist, den Schauplatz genau zu kennen, auf dem zu operieren von einem erwartet wird, sei es ein l�ndliches Gebiet von mehreren hundert Quadratkilometern oder eine Stadtlandschaft von wenigen Blocks mit allen Seitenstra�en und Gassen.</p><p>Er hatte die Landkarte mehrmals studiert und nun das Gef�hl, dass er Ivory Island so gut kannte, als sei er schon einmal dort gewesen. Die Insel hatte eine l�ngliche Form und war knapp zwanzig Kilometer breit und etwa vierzig Kilometer lang. Das Meer hatte den Permafrost aufgetaut und weggesp�lt, so dass die K�ste aussah wie die Kante einer Tonscherbe. An der S�dk�ste bot eine halbmondf�rmige Einbuchtung der Uferlinie einen sch�tzenden Hafen. In seiner N�he m�ndete ein Fluss ins Meer.</p><p>Urzeitliche Wasserl�ufe, einige l�ngst ausgetrocknet, andere noch Wasser f�hrend, hatten ein labyrinthartiges Netz von gewundenen, nat�rlichen Korridoren durch die wellige Tundra geschaffen. Ein l�ngst erkalteter Vulkan w�lbte sich aus dem Permafrost auf wie ein riesiges schwarzes Furunkel.</p><p>Er legte die Landkarte beiseite und bl�tterte in einem zerlesenen russischen Reisef�hrer, den er in einem Antiquariat gekauft hatte, w�hrend er versuchte, eine Transportm�glichkeit auf die Insel zu arrangieren. Er war froh, feststellen zu k�nnen, dass er die russische Sprache immer noch recht gut beherrschte. Ivory Island wurde Ende des sechzehnten Jahrhunderts von russischen Pelztierj�gern entdeckt. Sie fanden riesige Haufen von Tierknochen und Mammutsto�z�hnen, die schlie�lich der Insel ihren Namen gaben. Die Knochen lagen �berall herum, teilweise verstreut �ber die Landschaft oder in H�geln, die durch den Frost zusammengehalten wurden.</p><p>Der Pelzhandel fand sein Ende in einer Orgie aus Mord und Blut, und die Elfenbeinj�ger traten auf den Plan. Qualitativ hochwertiges Elfenbein fand bei den Schnitzmeistern Chinas und in anderen Teilen der Welt rei�enden Absatz. Sich dieser profitablen wei�en Goldader durchaus bewusst, verkaufte die russische Regierung Handelsrechte an private Unternehmer. Einer dieser Gesch�ftsleute engagierte einen Agenten namens Sannikoff, der s�mtliche arktischen Inseln erkundete.</p><p>Auf Ivory Island befand sich der gr��te Vorrat, doch aufgrund ihrer Abgelegenheit blieb sie zugunsten besser zug�nglicher Rohstoffquellen im S�den weitgehend unber�hrt. Einige unerschrockene Elfenbeinsammler gr�ndeten eine Siedlung an der M�ndung des Flusses, die sie Ivorytown nannten, stand in dem Buch, jedoch hatte die Insel ein weitgehend verlassenes Dasein gef�hrt, da es erheblich gastlichere Orte gab.</p><p>Das Klopfen an seiner Kabinent�r unterbrach seine Recherchen. Es war der Kapit�n, ein Mann mit rundem Gesicht, der halb Russe, halb Eskimo war.</p><p>�Das Boot ist bereit, um Sie an Land zu bringen�, meldete er.</p><p>Schroeder ergriff seinen Seesack und folgte dem Kapit�n zur Backbordreling des Trawlers, bevor er �ber eine Leiter hinunter in ein Ruderboot stieg. W�hrend ein Matrose ruderte, benutzte Schroeder einen langstieligen Fischhaken, um Eisbrocken, die im stillen, kalten Wasser trieben, aus dem Weg zu schieben. Nur wenige Minuten sp�ter rutschte der Bootsrumpf knirschend auf den Kiesstrand. Schroeder warf seinen Seesack ans Ufer, stieg aus dem Boot und half dem Matrosen, es wieder ins Wasser zu schieben.</p><p>Er verfolgte, wie das Ruderboot von Nebelschwaden verschluckt wurde. Obgleich das Fischerboot nur wenige hundert Meter vom Ufer entfernt lag, war es hinter dem feuchten, dampf�hnlichen Dunstvorhang kaum zu erkennen. Es war vereinbart worden, dass das Boot in dieser Position vierundzwanzig Stunden lang warten sollte. Schroeder w�rde innerhalb dieser Frist am Strand auftauchen und das Zeichen geben, abgeholt zu werden. Er hoffte, dass Karla sich dann in seiner Begleitung befand. Er hatte bisher noch nicht dar�ber nachgedacht, ob sein warnender Finger ausreichen w�rde, sie dazu zu bewegen, die Insel zu verlassen. Mit diesem Problem w�rde er sich zu gegebener Zeit besch�ftigen. Er hoffte nur, dass er nicht zu sp�t k�me. Er war f�r sein Alter gut in Form, aber sein K�rper konnte nicht leugnen, dass er acht harte Jahrzehnte hinter sich hatte und dieser Tatsache allm�hlich Tribut zu zollen begann. Seine Muskeln und Gelenke schmerzten, und er humpelte mittlerweile auf einem Bein.</p><p>Schroeder h�rte das dumpfe Dr�hnen der Trawlermaschine. Der Kapit�n musste entschieden haben, dass er lieber mit der H�lfte der vereinbarten Summe abdampfte, anstatt auf Schroeder zu warten, wie sie vereinbart hatten, und dann die zweite H�lfte seines Honorars zu kassieren. Schroeder zuckte gleichm�tig die Achseln. Er hatte den Kapit�n von Anfang an als Pirat eingesch�tzt. Das Gesch�ft r�ckg�ngig zu machen, war jetzt nicht mehr m�glich.</p><p>Er sah sich an, was er von der Insel erkennen konnte. Der Strand stieg leicht an bis zu einer niedrigen B�schung, die zu ersteigen keinerlei Schwierigkeiten machen w�rde. Er schwang sich den Seesack auf die Schulter und entdeckte dann Fu�abdr�cke im Sand. Das musste wohl der Weg nach Ivorytown sein.</p><p>Er marschierte f�r zehn Minuten am Fluss entlang und lachte schallend auf, als er die traurige Ansammlung armseliger H�user erblickte, der man den Status einer Stadt verliehen hatte. Die gro�en, bunten Zelte, die dicht neben den alten Bauten aufgeschlagen worden waren, verrieten ihm, dass er das Expeditionscamp gefunden hatte.</p><p>W�hrend er sich dem Lager n�herte, erkannte er zu seiner �berraschung, dass die Konstruktionen, die er f�r Steinh�user gehalten hatte, in Wirklichkeit aus gro�en Knochen erbaut waren. Er schaute in zwei dieser Bauwerke hinein und entdeckte einige Schlafs�cke. Ein drittes Geb�ude war aus irgendwelchen unerfindlichen Gr�nden verschlossen. Er inspizierte die Zelte und entdeckte, dass eins als K�che und Messe eingerichtet war. Schroeder umrundete das Lager und machte sich mehrmals durch laute Rufe bemerkbar, erhielt jedoch keine Antwort. Er schaute zu dem d�steren, alten Vulkan und �ber die Insel, bemerkte aber keine Bewegung. Das �berraschte ihn nicht. In diesem Netz von tiefen Gr�ben, das die Insel �berzog, h�tte sich eine ganze Armee verstecken k�nnen.</p><p>Er kehrte zum Fluss zur�ck und sah an seinem Ufer Fu�spuren, die landeinw�rts f�hrten. Mit erfahrenem Blick unterschied er f�nf Arten von Abdr�cken, darunter zwei kleinere, nicht so tiefe, die aussahen, als w�ren sie von Frauen hinterlassen worden. Seine M�digkeit war wie weggeblasen. Die Aussicht, sein Patenkind wiederzusehen, befl�gelte ihn, und er beschleunigte seine Schritte. Einige Zeit sp�ter verwandelte Schroeders Hochgef�hl sich in h�chste Besorgnis.</p><p>Abdr�cke von schweren Stiefeln �berlagerten die anderen. Karla und ihre Gruppe wurden offenbar beobachtet und verfolgt.</p></section><section><title><p>23</p></title><p>Von der Kuppe des H�gels, den sie erstiegen hatte, konnte Karla erkennen, dass Ivory Island keinesfalls die arktische W�ste war, f�r die sie sie anfangs gehalten hatte. Die Tundra war baumlos, aber sie war dicht bewachsen mit Zwergstr�uchern, Gr�sern, Moosen und anderen Pflanzen, die einen dicken Teppich bildeten. L�wenzahn, Butterblumen und Feuerkraut gediehen als helle Farbinseln dazwischen. Die Morgensonne glitzerte auf fernen Seen und Fl�ssen. Aufgeregt schreiende Seev�gel kreisten in der Luft.</p><p>Vor ihrem geistigen Auge erschien die raue Landschaft als �ppiges Grasland. Auf den Steppen wimmelte es von riesigen Herden Wollhaarmammuts. Es gab auch B�ffel und Wollhaarnash�rner, m�chtige Riesenfaultiere, die alle von Raubtieren wie S�belzahntigern und anderen Urweltkatzen gejagt wurden. Sie konnte die nach Moschus riechenden Tierausd�nstungen beinahe wahrnehmen und sp�ren, wie der Boden unter dem Gewicht Tausender dahinziehender Tiere erzitterte.</p><p>Irgendwie, so als ob ein b�ser Geist mit seinem Zauberstab gewedelt h�tte, waren die Mammuts und die anderen Tiere ausgestorben. Die Frage nach dem Grund f�r das Aussterben besch�ftigte sie schon, solange sie denken konnte. Wie viele Kinder war sie von Dinosauriern und den gro�en S�ugetieren, die ihnen als neue Herrscher �ber die Erde folgten, fasziniert gewesen.</p><p>Ihr Gro�vater war der einzige Wissenschaftler gewesen, den sie kannte, daher war sie nat�rlich zu ihm gegangen und hatte ihn gefragt, was den Tod dieser wundervollen Lebewesen bewirkt habe. Sie lauschte mit gro�en Augen, w�hrend er erkl�rte, wie die ganze Welt sich regelrecht umgekehrt hatte, und wollte dann von ihm wissen, ob so etwas noch einmal passieren k�nne. Er hatte ja gesagt, und sie hatte daraufhin nicht einschlafen k�nnen. Als sie ihre Angst bemerkte, hatte ihr Kinderm�dchen ihr ein paar Tage sp�ter einen Kinderreim beigebracht, der die auf dem Kopf stehende Welt wieder in Ordnung bringen w�rde. Sie versuchte, sich an den Reim zu erinnern, als sie jemanden rufen h�rte.</p><p>�<emphasis>Karla!</emphasis>�</p><empty-line/><p>Maria Arbatov winkte Karla zu. Die Expedition war bereit weiterzuziehen. Karla setzte sich in Bewegung, um zu den anderen zur�ckzukehren. Es wurde Zeit, sich wieder der aktuellen Aufgabe zu widmen. Sie wusste, dass es nicht einfach w�rde. Die Entdeckung des Kadavers des Mammutjungen war ein erstaunlicher Gl�cksfall gewesen. Aber Ivory Island war eine reiche Fundst�tte der Urzeit. Wenn sie hier nicht finden sollte, was sie suchte, w�rde sie s�mtliche Expeditionen f�r immer aufgeben und dabei bleiben, Museumsobjekte zu katalogisieren.</p><p>Gest�rkt durch ein herzhaftes Fr�hst�ck, war die Expedition schon fr�h an diesem Morgen aufgebrochen. Ito und Sato waren vor allen anderen abmarschbereit gewesen. Sie trugen von ihren Schuhen bis zu ihren H�ten identische Warmwetterkleidung. Sergei war m�rrischer als sonst, und nicht einmal Marias freundliches L�cheln konnte seine schlechte Laune vertreiben, daher ignorierte sie ihn.</p><p>Sie hatten ihre Rucks�cke geschultert und waren ins Innere der Insel aufgebrochen, wobei sie den Fluss als Wegweiser benutzten. Sie waren �ber die flache Tundra schnell vorangekommen. Am sp�ten Vormittag, als sie unweit Karlas H�gel ihre erste Rast eingelegt hatten, lagen bereits einige Kilometer hinter ihnen.</p><p>W�hrend sie sich ihren Rucksack auf den R�cken schwang, um weiterzumarschieren, sagte Karla: �Was ich mich schon die ganze Zeit frage�� Wie haben Sie Ihren Fund den weiten Weg zur�ck zum Lager transportiert? Der Kadaver muss doch einige hundert Pfund wiegen.�</p><p>Ito l�chelte und deutete auf die Packen, die er und Sato schleppten. �Aufblasbare Fl��e. Wir haben den Kadaver zum Fluss geschafft und ihn bis zum Lager schwimmen lassen.�</p><p>Ito l�chelte und verbeugte sich h�flich, als Karla ihnen zu ihrem Einfall gratulierte.</p><p>Sergei �bernahm die F�hrung, gefolgt von den beiden Frauen, w�hrend die Japaner die Nachhut bildeten. Sie verlie�en jetzt den Fluss und wanderten landeinw�rts. Die Topographie ver�nderte sich, als die flache Tundra in eine Landschaft aus H�geln und T�lern �berging, und schlie�lich kamen sie am Rand der h�geligen Ausl�ufer am Fu� des Vulkans an. W�hrend sie sich dem schwarzen, wie abgeschnitten aussehenden Berg n�herten, den sie aus der Ferne st�ndig vor Augen gehabt hatten, begann er, vor ihnen aufzuragen wie ein Altar zu Ehren Vulkans, des Herrschers der Unterwelt.</p><p>Sie wanderten an mehreren kleinen Seen vor�ber und umrundeten ausladende B�schel hohen Grases, die auf sumpfige Stellen hinwiesen, an denen es von Zugv�geln wimmelte. Die Temperatur stieg bis auf Minus ein Grad Celsius an, doch ein Wind, der vom Arktischen Ozean hereinwehte, sorgte f�r einen Abk�hlungsfaktor, der diesen Wert erheblich senkte, und Karla war froh, dass sie sich f�r ihren Daunenparka entschieden hatte.</p><p>Sobald sie in einen etwa zehn Meter breiten Graben hinabgestiegen waren, stellte der kalte Wind kein Problem mehr dar. Rund sieben Meter hohe B�schungen hielten ihn von beiden Seiten ab. Ein schmaler Bach, nicht mal einen Meter breit, hatte sein Bett in der Mitte, so dass sie rechts und links davon gen�gend Platz zum Gehen hatten. Etwa zwei Stunden lang folgten sie dem gewundenen Verlauf des Einschnitts, wobei die Zusammensetzung der B�schung sich allm�hlich ver�nderte. Schon bald wurde deutlich, dass die Rinne ein urzeitlicher Friedhof war. Der Bach hatte diese Rinne geschaffen und sich durch mehrere Schichten von Knochen gegraben, die nun aus dem Sand unter ihren F��en hervorschauten.</p><p>Karla blieb stehen und hob einen B�ffelknochen auf, der genau in die Pfanne eines anderen Knochen passte, den sie ein paar Schritte weiter fand. Die anderen Wissenschaftler waren nicht sonderlich beeindruckt. Sie schenkten dem Fund kaum einen zweiten Blick, und sie musste die Knochen fallen lassen und sich beeilen, um die anderen wieder einzuholen.</p><p>Sie war ver�rgert und entt�uscht �ber ihre Gleichg�ltigkeit, aber der Grund f�r ihr mangelndes Interesse wurde schon bald offenbar. W�hrend sie eine Biegung umrundeten, sah sie, dass die niedrigen Kliffs nahezu vollst�ndig aus Knochen jeder Gr��e und Art bestanden, die durch den Permafrost zusammengef�gt worden waren. Sie identifizierte schnell ein Zwergpferd und urzeitliche Rentierfossilien, Rippen und Oberschenkelknochen sowie m�chtige Mammutknochen und Sto�z�hne. Der Friedhof erstreckte sich �ber fast zweihundert Meter L�nge.</p><p>Mit gro�em Trara verk�ndete Sergei, dass sie an ihrem Ziel angelangt seien. Er lie� seinen Rucksack neben der Asche eines fr�heren Feuers auf den Boden fallen. �Das ist unser Basislager�, erkl�rte er.</p><p>Die anderen nahmen ebenfalls ihre Rucks�cke ab und setzten den Weg durch den Graben fort, nur mit Kameras und ein paar kleinen Werkzeugen bewaffnet. W�hrend sie weitergingen, dachte Karla an das Mammutjunge im Camp. Sie konnte es kaum erwarten, den Fund eingehend zu untersuchen. Aus seinem Gewebe und der Knorpelsubstanz k�nnten sie mithilfe der Radiokarbonmethode feststellen, wann das Tier gelebt hatte und gestorben war. Die Sto�z�hne lieferten Wachstumsringe wie bei einem Baum, aus denen man die jahreszeitlich bedingten Wetterver�nderungen sowie Daten �ber den Stoffwechsel und �ber das Wanderverhalten herauslesen konnte. Samenk�rner und Pollenreste im Magen w�rden einiges �ber die biologische Welt berichten, die hier vor Tausenden von Jahren existiert hatte.</p><p>Nachdem sie etwa zehn Minuten gegangen waren, kamen sie zu einem Abschnitt, in dem sich in einer Wand der engen Schlucht eine kleine H�hle befand.</p><p>�Hier haben wir unser kleines Baby gefunden�, sagte Sergei.</p><p>Der zerkl�ftete Hohlraum war einige Meter lang und etwa drei�ig Zentimeter tief.</p><p>�Wie sind Sie durch den Permafrost gelangt?�, wollte Karla wissen.</p><p>�Ungl�cklicherweise hatten wir keinen Wasserschlauch, um den Permafrost aufzutauen�, antwortete Maria. �Daher mussten wir uns auf Hammer und Mei�el beschr�nken, um den Fund freizulegen.�</p><p>�Demnach war er schon zu sehen, ja?�</p><p>�Ja�, sagte Maria. �Wir mussten uns nur einmal mit dem Mei�el um den Kadaver herumarbeiten, ehe wir ihn herausziehen konnten.� Sie beschrieb, wie sie aus Mammutsto�z�hnen eine behelfsm��ige Bahre gebaut und den Kadaver zum Fluss geschleift hatten. Mit dem Flo� war er dann ins Camp geschippert und im Schuppen deponiert worden, wo die Temperatur w�hrend des ganzen Tages nicht �ber den Gefrierpunkt stieg.</p><p>Karla untersuchte die �ffnung. �Irgendetwas ist hier merkw�rdig�, sagte sie.</p><p>Die anderen Wissenschaftler dr�ngten sich um sie.</p><p>�Ich sehe nichts�, sagte Sergei.</p><p>�Doch, da vorne. Da sind andere Knochen, die viel tiefer im Permafrost stecken. Sie sind offensichtlich einige tausend Jahre alt.� Sie griff in das Loch und kratzte ein paar verfaulte Pflanzenreste heraus und zeigte sie ihren Kollegen.</p><p>�Dies hier ist nicht sehr alt. Ihr kleiner Elefant ist in viel j�ngerer Zeit in dieses Loch gelangt.�</p><p>�Vielleicht liegt es an meinen beschr�nkten Englischkenntnissen, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich verstehe, was Sie damit ausdr�cken wollen�, sagte Sato h�flich.</p><p>�Ja, was meinen Sie �berhaupt?�, fragte Sergei und versuchte gar nicht erst, seine Ungehaltenheit zu verbergen.</p><p>�Dass das Mammut nicht in diese Umgebung geh�rt?�</p><p>�Ich wei� nicht, was ich meine. Ich habe nur festgestellt, dass das Fleisch nicht verfault ist.�</p><p>Sergei verschr�nkte die Arme und blickte die anderen mit einem triumphierenden Grinsen an.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Maria. �Es wundert mich, dass wir es nicht vorher schon bemerkt haben. Diese kleine Schlucht f�llt sich von Zeit zu Zeit immer noch mit Wasser. Es ist m�glich, dass eine �berschwemmung das Baby weiter flussaufw�rts aus der Grabenwand gewaschen und hierher mitgenommen hat, wo es in dem Loch h�ngen blieb und erneut einfror.�</p><p>Sergei erkannte, dass sein Nimbus als Expeditionsleiter zu verblassen drohte. �Wir sind nicht hergekommen, um uns irgendwelche Erdl�cher anzusehen�, sagte er barsch. Er ging etwa drei�ig Meter weiter zu einer Stelle, wo der Graben sich gabelte. �Sie gehen mit Maria dort hinein�, sagte er und deutete auf die linke Abzweigung. �Wir untersuchen den anderen Graben.�</p><p>�Aber in diesem Teil waren wir doch schon�, protestierte Maria.</p><p>�Dann schaut euch noch einmal um. Vielleicht findet ihr noch mehr von euren schwimmenden Mammuts.�</p><p>Marias Augen blitzten. Sato erkannte, dass ein mittleres Donnerwetter drohte, und intervenierte. �Wir sollten lieber �berpr�fen, ob unsere Sprechfunkger�te auf den gleichen Kanal eingestellt sind�, sagte er schnell.</p><p>Nachdem auf diese Art und Weise ein heftiger Streit vermieden worden war, kontrollierte jeder sein Walkie-Talkie und vergewisserte sich, dass die Batterien geladen waren. Dann teilten sie sich in zwei Gruppen auf, wobei die drei M�nner nach rechts gingen und die Frauen in den linken Arm des Grabens vordrangen.</p><p>�Was ist heute mit Sergei los?�, erkundigte Karla sich.</p><p>�Wir hatten gestern Abend Streit wegen Ihrer Theorie. Er sagte, sie sei v�llig falsch. Ich erwiderte, das meine er nur, weil Sie eine Frau sind. Er ist ein schrecklicher Macho, dieser Mann.�</p><p>�Vielleicht braucht er nur ein wenig Zeit, um sich zu beruhigen.�</p><p>�Der alte Bock wird heute Nacht mit einem Eisberg schlafen. Vielleicht bringt ihn das zur Ruhe.�</p><p>Sie brachen in schallendes Gel�chter aus, das von den W�nden des Grabens widerhallte. Nachdem sie mehrere Minuten lang gegangen waren, sah Karla, weshalb Maria so w�tend gewesen war, in den linken Seitenarm geschickt zu werden. Es gab hier nur wenige Knochen. Maria best�tigte, dass die Expedition den anderen Arm teilweise untersucht und festgestellt hatte, dass dort viel mehr Knochen zu finden waren als im linken Seitenarm.</p><p>W�hrend sie die W�nde der Rinne untersuchten, knisterte Marias Sprechfunkger�t. Itos Stimme erklang.</p><p>�Maria und Karla. Bitte kommt sofort zu der Stelle zur�ck, wo wir uns getrennt haben.�</p><p>Wenige Minuten sp�ter gelangten sie zu der Gabelung des Grabens. Ito wartete schon auf sie. Er sagte, er habe etwas gefunden, das er ihnen zeigen m�sse, und f�hrte sie durch den Graben dorthin, wo die beiden anderen M�nner vor einem Teil der B�schung standen, der aussah, als sei er mit Dynamit aufgesprengt worden.</p><p>�Jemand hat hier gegraben�, sagte Sergei und stellte damit fest, was jeder mit eigenen Augen erkennen konnte.</p><p>�Wer k�nnte so etwas gemacht haben?�, fragte Sato.</p><p>�H�lt sich noch jemand anderer auf der Insel auf?�, fragte Karla.</p><p>�Wir glauben nicht�, antwortete Ito. �Ich dachte, ich h�tte vor ein paar Tagen abends irgendein Licht gesehen, aber ganz sicher war ich mir nicht.�</p><p>�Es scheint, als seien Ihre Augen bestens in Ordnung�, sagte Sato. �Wir sind nicht alleine auf der Insel.�</p><p>�Elfenbeinj�ger�, folgerte Sergei. Er hob einen Knochensplitter vom Boden hoch, der mit Tausenden Bruchst�cken �bers�t war. �Ich hatte keine Ahnung, dass sie diese Stelle gefunden haben. Es ist eine S�nde. Das hier hat nichts Wissenschaftliches. So wie es aussieht, ist jemand den Sch�tzen mit Hammer und Mei�el zu Leibe ger�ckt.�</p><p>�Wenn Sie es genau wissen wollen, wir benutzen dazu einen tragbaren Presslufthammer.�</p><p>Die Worte kamen aus dem Mund eines untersetzten Mannes, der auf einem Vorsprung der Grabenwand stand und auf sie herabschaute. Sein breites Gesicht, seine schmalen, verhangenen Augen und seine hohen Wangenknochen verrieten seine mongolische Herkunft. Ein d�nner Schnurrbart verlief zu beiden Seiten des Mundes, der zu einem d�nnlippigen Grinsen verzogen war, abw�rts. Karla hatte w�hrend ihres Aufenthaltes in Fairbanks Russisch gelernt und verstand im Wesentlichen, was er sagte. Die Schrotflinte in seiner Armbeuge war allerdings um einiges lauter und eindeutiger als irgendwelche Worte.</p><p>Er stie� einen Pfiff aus, und eine Sekunde sp�ter erschienen vier M�nner im Graben. Sie kamen von beiden Seiten und waren mit �hnlichen Waffen ausger�stet. Sie hatten brutal aussehende unrasierte Gesichter mit grinsenden M�ndern und harten Augen.</p><p>Sergei mochte �berheblich und unertr�glich sein, doch er demonstrierte unerwarteten Mut, geboren aus wissenschaftlichem Zorn. Er deutete auf die zerbrochenen Knochen. �Ist das Ihr Werk?�</p><p>Der Mann zuckte die Achseln.</p><p>�Wer sind Sie?�</p><p>Der Mongole ignorierte die Frage und blickte an Sergei vorbei.</p><p>�Wir suchen die Frau namens Karla Janos.�</p><p>Der Mann starrte Karla an, und sie erschrak, als sie ihren Namen aus dem Mund des Fremden h�rte. Sergei blickte reflexartig zu ihr hin�ber, besann sich aber dann.</p><p>�Hier ist niemand, der so hei�t.�</p><p>Der Mongole zischte einen kurzen Befehl, und der Mann, der Karla am n�chsten stand, packte mit seinen schmutzigen Fingern brutal ihren Arm und zerrte sie von ihren Kollegen weg.</p><p>Sie wehrte sich. Er dr�ckte ihren Arm so kraftvoll, dass sich ein Bluterguss bildete. Er grinste, als sich ihre Miene vor Schmerz verzerrte, und dr�ckte sie an sich, so dass ihre Gesichter sich beinahe ber�hrten. Der Gestank seines ungewaschenen K�rpers und sein fauliger Atem lie�en sie w�rgen.</p><p>Sie blickte �ber die Schulter. Die anderen Wissenschaftler wurden durch den Graben getrieben. Der Mann auf dem Vorsprung war verschwunden. W�hrend sie weggezerrt wurde, h�rte sie Maria aufschreien und dann laute Rufe m�nnlicher Stimmen.</p><p>Sch�sse fielen, deren L�rm von den Grabenw�nden widerhallte. Sie versuchte, zu ihren Kollegen zur�ckzurennen, doch der Mann packte sie bei den Haaren und riss sie zur�ck. Zuerst war da nur ein bet�ubender Schmerz, dann nackte Wut. Sie wirbelte herum und versuchte, ihm die Augen auszukratzen. Er zog den Kopf zur Seite, und ihre Fingern�gel schabten harmlos �ber seinen verfilzten Bart.</p><p>Er holte mit der Hand aus und schlug zu. Karla wurde von dem Schlag bet�ubt und bot wenig Gegenwehr, als er einen Fu� hinter ihre Beine stemmte und sie niederstie�. Ihr Hinterkopf schlug auf dem Erdboden auf, und vor ihren Augen explodierten ganze Sternengalaxien. Dann kl�rte sich ihr Blick, und sie sah, wie der Mann am�siert auf sie herabstarrte und lustvolle Gier in seinen Schweinsaugen funkelte.</p><p>Er hatte sich entschlossen, sich mit seinem reizenden Opfer noch ein wenig zu vergn�gen. Er legte sein Gewehr au�er Reichweite auf die Erde und begann, seine Hose aufzukn�pfen. Karla versuchte auf allen vieren, ihm zu entkommen. Er lachte und stellte einen Fu� auf ihren Hals. Sie schlug mit den F�usten gegen seinen Fu�kn�chel und b�umte sich verzweifelt auf. Sie konnte kaum atmen.</p><p>Der Mann hustete pl�tzlich, und das Grinsen auf seinem Gesicht verwandelte sich in eine Fratze des Schocks. Ein Blutfaden sickerte aus seinem Mundwinkel. Er drehte sich langsam wie in Zeitlupe um, sein Schuh rutschte von Karlas Hals, und sie sah den Griff eines Jagdmesser zwischen seinen Schulterbl�ttern aus seinem R�cken ragen. Dann gaben seine Beine nach, und er brach zusammen.</p><p>Karla rollte sich zur Seite, um von dem fallenden K�rper nicht erdr�ckt zu werden. Ihre Erleichterung dauerte nur kurze Zeit. Ein anderer Mann kam auf sie zu.</p><p>Er war hochgewachsen und humpelte. Die Sonne, die in den Graben schien, stand in seinem R�cken, und sein Gesicht lag im Schatten und war nicht zu erkennen. Sie wollte aufstehen, aber sie war immer noch benommen und nach dem Sturz auf den Hinterkopf zu keiner gezielten Handlung f�hig.</p><p>Der Mann rief sie bei ihrem Vornamen. Es war eine Stimme, die sie seit vielen Jahren nicht mehr geh�rt hatte.</p><p>Dann verlor sie das Bewusstsein.</p><p>Als sie wieder zu sich kam, beugte der Mann sich �ber sie, hielt ihren Kopf in den H�nden und benetzte ihre schmerzenden Lippen mit Wasser aus einer Feldflasche. Sie erkannte das energische Kinn und die blassblauen Augen, die sie voller Sorge musterten. Sie l�chelte, obgleich ihre aufgesprungenen Lippen das mit einem heftigen Schmerz quittierten.</p><p>�Onkel Karl?�, fragte sie wie in einem Traum.</p><p>Schroeder legte seine Fuchspelzm�tze als Kissen unter ihren Kopf, dann entfernte er sich, um sein Messer zur�ckzuholen, und wischte anschlie�end die Klinge am Mantel des Toten ab. Er hob seine Schrotflinte auf und h�ngte sie sich �ber die Schulter. Dann nahm er seine M�tze an sich, schob die Arme unter ihren K�rper und hob sie hoch wie ein Feuerwehrmann, der sich um ein Brandopfer k�mmert.</p><p>Stimmen n�herten sich im Graben.</p><p>Ein Schmerz strahlte von seinem Fu�kn�chel in sein Bein, doch Schroeder achtete nicht darauf. Mit vorsichtigen Schritten trug er Karla in die entgegengesetzte Richtung und verschwand um eine Biegung, kurz bevor der Mongole und der Rest seiner Bande ihren Gef�hrten fanden. Sie brauchten nur Sekunden, um zu erkennen, dass er tot war. Geduckt schlichen sie sich an der Grabenwand entlang, die Waffen gespannt und schussbereit.</p><p>Schroeder rannte um sein Leben. Und um das Leben Karlas.</p></section><section><title><p>24</p></title><p>Weniger als zehn Stunden nach Verlassen Washingtons sank der t�rkisfarbene NUMA-Firmenjet vom Himmel �ber Alaska herab und landete auf dem Flughafen in Nome. Austin und Zavala tauschten den Jet gegen eine zweimotorige Propellermaschine der Bering Air und starteten bereits nach einer Stunde mit Ziel Providenya auf der russischen Seite der Beringstra�e.</p><p>Der Flug �ber die Meerenge dauerte weniger als zwei Stunden. Der Flughafen von Providenya lag in einer malerischen Bucht, die von zerkl�fteten grauen Bergen umgeben war. Die Stadt war w�hrend des Zweiten Weltkriegs eine Zwischenstation f�r Flugzeuge gewesen, die nach dem Lend-Lease Act von den Vereinigten Staaten nach Europa geflogen wurden, aber diese glorreichen Zeiten waren lange vorbei. Im Flughafen standen nur ein paar Charterflugzeuge und ein Milit�rhubschrauber, als das Flugzeug auf das kombinierte Flugkontroll- und Verwaltungsgeb�ude zurollte, ein m�de dreinschauendes, zweist�ckiges Bauwerk aus gewelltem Aluminiumblech, das aussah, als stamme es noch aus der Zeit Peters des Gro�en.</p><p>Als einzige ankommende Passagiere erwarteten Austin und Zavala, bei der Zoll- und Passkontrolle schnell abgefertigt zu werden. Aber die attraktive junge Beamtin, die f�r die Kontrolle der Einreisedokumente zust�ndig war, schien jedes Wort in Austins Reisepass auswendig lernen zu wollen. Dann bat sie auch noch um Zavalas Papiere. Sie legte die P�sse und die Visa nebeneinander.</p><p>�Zusammen?�, fragte sie und blickte von Gesicht zu Gesicht.</p><p>Austin nickte. Die Frau runzelte die Stirn, dann winkte sie einen bewaffneten Posten heran, der in der N�he gestanden hatte. �Folgen Sie mir�, bellte sie wie ein Armeeausbilder. Nachdem sie die Papiere zusammengerafft hatte, marschierte sie ihnen voraus durch eine T�r auf der anderen Seite der Halle, w�hrend der Wachtposten dem Trio folgte.</p><p>�Ich dachte, du h�ttest so hochkar�tige Freunde�, sagte Zavala.</p><p>�Sie wollen uns wahrscheinlich nur feierlich den Stadtschl�ssel �berreichen�, erwiderte Austin.</p><p>�Ich glaube eher, sie wollen uns einen Schuss verpassen�, sagte Zavala. �Lies mal das Schild �ber der T�r.�</p><p>Austin warf einen Blick auf die roten Lettern auf der wei�en Tafel. Dort stand auf Englisch und Russisch das Wort QUARANT�NE. Sie traten durch die T�r in einen kleinen grauen Raum. Das Innere war kahl bis auf drei Stahlrohrst�hle und einen Tisch. Der W�chter folgte ihnen in den Raum und bezog Posten an der T�r.</p><p>Die Beamtin der Passkontrolle knallte die Papiere auf den Tisch. �Ausziehen�, befahl sie.</p><p>Austin hatte w�hrend des Fluges ein wenig schlafen k�nnen, aber er war immer noch leicht benommen und sich deshalb nicht sicher, ob er richtig geh�rt hatte. Die Frau wiederholte den Befehl.</p><p>Austin grinste. �Donnerwetter. Wir kennen uns doch kaum.�</p><p>�Ich habe schon geh�rt, dass die Russen freundlich sind. Aber dass sie so freundlich sind, wusste ich nicht�, sagte Zavala.</p><p>�Ziehen Sie sich aus, oder Sie werden ausgezogen�, sagte die Frau und schaute zu dem bewaffneten Wachtposten, um ihre Aufforderung zu unterstreichen.</p><p>�Mit dem gr��ten Vergn�gen�, erwiderte Austin. �Aber in unserer Heimat lassen wir Damen stets den Vortritt.�</p><p>Zu seiner Verwunderung l�chelte die Frau. �Ich wurde schon gewarnt, dass Sie ein harter Brocken sind, Mr.�Austin.�</p><p>Austin begann, Lunte zu riechen. Er legte den Kopf leicht zur Seite. �Wer sollte Ihnen so etwas erz�hlt haben?�</p><p>Die Worte waren kaum �ber seine Lippen gekommen, als sich auch schon die T�r �ffnete. Der Wachtposten trat beiseite, und Petrow betrat den Raum. Sein sympathisches Gesicht war zu einem breiten Grinsen verzogen, das allerdings wegen der gekr�mmten Narbe auf seiner Wange ein wenig schief ausfiel.</p><p>�Willkommen in Sibirien�, sagte er. �Es freut mich, erleben zu d�rfen, dass Sie bereits eine Kostprobe unserer Gastfreundschaft haben genie�en k�nnen.�</p><p>�Iwan�, st�hnte Austin. �Ich h�tte es mir denken k�nnen.�</p><p>Petrow hatte eine Flasche Wodka und drei Schnapsgl�ser mitgebracht, die er jetzt auf den Tisch stellte. Er kam her�ber, schlang die Arme um Austin und tat das Gleiche dann bei Zavala. �Wie ich sehe, haben Sie Dimitri und Veronika schon kennen gelernt. Die beiden geh�ren zu meinen vertrauensw�rdigsten Agenten.�</p><p>�Joe und ich h�tten niemals ein so warmes Willkommen an einem kalten Ort wie Sibirien erwartet�, sagte Austin.</p><p>Petrow bedankte sich bei seinen Agenten und entlie� sie. Er zog sich einen Stuhl heran und forderte die anderen auf, es ebenfalls zu tun. Er schraubte die Wodkaflasche auf, schenkte die Gl�ser voll und verteilte sie.</p><p>Mit erhobenem Glas sagte er: �Auf die alten Feinde.�</p><p>Sie stie�en an und leerten die Gl�ser. Der Wodka schmeckte wie fl�ssiges Feuer, aber er hatte eine st�rkere aufmunternde Wirkung als reines Koffein. Als Petrow sich anschickte, eine zweite Runde einzuschenken, deckte Austin eine Hand auf sein Glas. �Das wird wohl warten m�ssen. Wir haben eine ernste Angelegenheit zu erledigen.�</p><p>�Es gef�llt mir, dass Sie wir sagen. Nach Ihrem Anruf kam ich mir regelrecht ausgeschlossen vor.� Er schenkte sich ein weiteres Glas ein. �Bitte erkl�ren Sie mir, weshalb Sie es f�r notwendig hielten, ins n�chste Flugzeug zu steigen und um die halbe Welt bis in dieses vielgeliebte Gartenparadies zu fliegen.�</p><p>�Das ist eine lange Geschichte�, sagte Austin mit einem Ausdruck von M�digkeit, die nicht von den vielen Stunden im Flugzeug herr�hrte. �Sie beginnt und endet mit einem hervorragenden ungarischen Wissenschaftler namens Kovacs.�</p><p>Er schilderte die Abl�ufe in chronologischer Reihenfolge, wobei er zur�ckging bis zu Kovacs� Flucht aus Ostpreu�en und seinen Bericht mit der j�ngeren Vergangenheit, also ihren Riesenwellen, dem Strudel und seinem Gespr�ch mit Barrett abschloss.</p><p>Petrow h�rte schweigend zu und schob, als Austin geendet hatte, sein unber�hrtes Glas Wodka von sich weg.</p><p>�Das ist eine fantastische Geschichte. Glauben Sie wirklich, dass diese Leute die F�higkeit haben, einen Polsprung herbeizuf�hren?�</p><p>�Sie wissen jetzt alles, was wir wissen. Was denken <emphasis>Sie?</emphasis>�</p><p>Petrow lie� sich diese Frage f�r einen Moment durch den Kopf gehen. �Haben Sie schon mal vom russischen �Specht�-Projekt geh�rt? Es war ein Versuch, das Wetter mithilfe elektromagnetischer Strahlung f�r milit�rische Zwecke zu manipulieren. Ihr Land betrieb die gleiche Forschung aus �hnlichen Gr�nden.�</p><p>�Wie erfolgreich waren diese Projekte?�</p><p>��ber einen gewissen Zeitraum kam es in beiden L�ndern zu einigen ungew�hnlichen Wetterereignissen. Sie reichten von starken Winden �ber sintflutartigen Regen bis hin zu D�rreperioden. Sogar Erdbeben gab es. Wie man mir berichtete, endete die Forschung mit dem Kalten Krieg.�</p><p>�Interessant. Das w�rde zu dem passen, was wir wissen.�</p><p>Der Anflug eines L�chelns spielte um Zavalas Lippen.</p><p>�Sind wir ganz sicher, dass die Forschung endete?�</p><p>�Was meinst du?�</p><p>�Hast du in letzter Zeit mal aus dem Fenster gesehen?�</p><p>Petrow sah sich in dem fensterlosen Raum um, ehe er begriff, dass Zavala seine Frage rein metaphorisch gemeint hatte. Er lachte verhalten und sagte: �Ich neige dazu, Aussagen w�rtlich zu nehmen. Das ist eine russische Eigenart. Ich bin mir durchaus bewusst, dass die Welt eine Reihe von Wetterextremen erlebt hat.�</p><p>Austin nickte.</p><p>�An dem, was Joe sagt, ist durchaus etwas dran. Ich habe im Augenblick nicht die Statistiken zur Hand, aber die empirischen Beweise scheinen ziemlich gewichtig zu sein. Tsunamis. �berschwemmungen. Hurrikane. Tornados. Erdbeben. Sie alle scheinen an H�ufigkeit deutlich zuzunehmen. Vielleicht sind das jedoch auch nur die Auswirkungen der fr�heren Experimente.�</p><p>�Aber nach dem, was Sie sagen, l�sen diese elektromagnetischen Manipulationen St�rungen im Ozean aus. Was hat sich ver�ndert?�</p><p>�Ich glaube nicht, dass das so schwierig zu verstehen ist. Wer auch immer hinter dieser Sache steckt, hat einen Grund gefunden, auf einen bestimmten Punkt zuzusteuern und dabei ein ganz bestimmtes Ziel im Auge.�</p><p>�Aber Sie wissen nicht, was dieses Ziel ist?�</p><p>�Sie sind der ehemalige KGB'ler. Ich bin nur ein einfacher Marineingenieur.�</p><p>Petrows Hand betastete seine Narbe. �Sie sind alles andere als einfach, mein Freund, aber Sie haben Recht, dass ich mich mit Verschw�rungen auskenne. W�hrend unseres bisherigen Gespr�chs erinnerte ich mich an etwas, das einer Ihrer Regierungsvertreter, Zbigniew Brzezinski, vor vielen Jahren einmal sagte. Er prophezeite, dass eine Eliteklasse entstehen w�rde, die moderne Technologie einsetzt, um die �ffentliche Meinung zu beeinflussen und die Gesellschaft unter genauer Beobachtung und Kontrolle zu halten. Sie w�rden soziale Krisen und die Massenmedien einsetzen, um ihre Ziele durch geheime Kriegf�hrung, darunter auch Wetterbeeinflussung, zu erreichen. Diese Leute, von denen Sie gesprochen haben, Margrave und Gant, entsprechen sie diesem Bild?�</p><p>�Keine Ahnung. Ich halte es eher f�r unwahrscheinlich. Margrave ist ein reicher Neo-Anarchist, und Gant leitet eine Stiftung, die gegen die multinationalen Konzerne k�mpft.�</p><p>�Vielleicht sind Sie wirklich nur ein einfacher Ingenieur. Wenn Sie zu einer Elite-Klasse geh�ren w�rden, die ein Komplott gegen die ganze Welt schmiedet, w�rden Sie �ffentlich darauf aufmerksam machen?�</p><p>�Ich wei�, worauf Sie hinauswollen. Nein, ich w�rde die Menschen in dem Glauben wiegen, dass ich ein Gegner dieser Elite bin.�</p><p>Petrow klatschte in die H�nde. �Sie ahnen ja gar nicht, wie erfreut ich dar�ber bin, dass das j�ngste Komplott gegen die Welt von Amerikanern geplant wird und nicht von einem verr�ckten russischen Nationalisten mit zaristischen Anwandlungen.�</p><p>�Ich bin beruhigt, dass dieses Bewusstsein entscheidend zu Ihrem Wohlbefinden beitr�gt, aber wir sollten endlich zum Wesentlichen kommen.�</p><p>�Ich stehe Ihnen voll und ganz zu Diensten. Offensichtlich haben Sie bereits einen Plan, sonst w�ren Sie wahrscheinlich gar nicht hier.�</p><p>�Da wir nicht wissen, wer dahintersteckt und warum, bleibt uns nur das Was: Polumkehr oder Polsprung, wie immer man es nennen mag. Wir m�ssen es verhindern.�</p><p>�Dem stimme ich zu. Erz�hlen Sie mir mehr von jener sogenannten Gegenma�nahme, die Sie erw�hnten.�</p><p>�Joe ist der Techniker unseres Teams. Er kann es besser erkl�ren als ich.�</p><p>�Ich werde mir alle M�he geben�, versprach Zavala. �So wie ich es verstehe, besteht die Grundidee darin, eine Polverschiebung dadurch auszul�sen, dass man elektroma�gnetische Impulse in die Erdkruste strahlt, um auf diese Weise Vibrationen des Kerns zu erzeugen. Man kann diese Impulse mit Tonwellen vergleichen. Wenn man sich in einem Hotel aufh�lt und die lauten Stimmen im Zimmer nebenan �berdecken will, k�nnte man zum Beispiel einen Ventilator einschalten, dessen Schwingungen den L�rm ausl�schen w�rden. Wenn man einen h�heren Ton �berdecken will, wie zum Beispiel das Ger�usch eines Haartrockners, brauchte man andere Frequenzen. Man nennt das Ganze Wei�es Rauschen. Man h�rt es als ein Zischen oder etwas, das wie raschelndes Herbstlaub klingt. Das Gegenmittel oder die Gegenma�nahme, wie auch immer, ist damit vergleichbar.</p><p>Aber sie funktioniert nur, wenn man die richtigen Frequenzen kennt.�</p><p>�Und Sie glauben, dass diese Frau, Karla Janos, diese Frequenzen kennt?�</p><p>�Vielleicht kennt sie sie gar nicht, aber alles scheint darauf hinzudeuten, dass sie es tut�, sagte Austin. �Doch abgesehen von den globalen Folgen geht es auch darum, dass eine junge Frau ihr Leben verlieren k�nnte.�</p><p>Petrows Miene blieb ernst, aber seine Augen funkelten vergn�gt.</p><p>�Das ist einer der vielen Gr�nde, warum ich Sie mag, Austin. Sie sind ein Ausbund an Galanterie. Ein Ritter in gl�nzender R�stung.�</p><p>�Danke f�r das Kompliment, aber wir haben nicht viel Zeit, Petrow.�</p><p>�Das stimmt. Haben Sie irgendwelche Vorschl�ge?�</p><p>�Ja�, schaltete Zavala sich ein. �Hat Veronika eine Telefonnummer?�</p><p>�Das k�nnen Sie sie selbst fragen�, erwiderte Petrow.</p><p>Er leerte sein Wodkaglas, schraubte den Verschluss wieder auf die Flasche und klemmte sie sich unter den Arm. Dann verlie� er mit den anderen den Raum und das Geb�ude. Ein Fahrer mit Wagen wartete auf sie.</p><p>�Wir haben noch ein wenig Sondergep�ck�, sagte Austin. Er deutete auf zwei �berdimensionierte Koffer. �Bitte gehen Sie besonders vorsichtig damit um.�</p><p>�Alles wird ordnungsgem�� weitergeleitet.�</p><p>Sie stiegen in den Wagen, der sie zu der dem Meer zugewandten Seite des Flughafens und weiter zu einem breiten, durchh�ngenden Pier brachte. Ein Boot, etwa zwanzig Meter lang, war am Ende des Piers vert�ut. Mehrere M�nner warteten an der Gangway.</p><p>Austin stieg aus dem Wagen und erkundigte sich nach der Bedeutung der Worte in kyrillischer Schrift auf dem wei�en Rumpf.</p><p>�Arctic Tours. Es ist ein real existierendes Reiseunternehmen, das reiche Amerikaner f�r horrende Geldsummen zu den gottverlassensten Orten bringt. Ich habe das Boot f�r ein paar Tage gechartert. Falls jemand fragt, zeigen wir ein paar Pfadfindern unsere sch�ne Natur.�</p><p>W�hrend Petrow die beiden M�nner �ber die Gangway begleitete, sah Austin zu seiner Erleichterung, dass ihr Gep�ck wie durch Zauberhand an Deck gebracht worden war. Viel hatten sie nicht mitgenommen, jeder nur einen Seesack und die beiden Koffer, die laut Austin sorgf�ltig behandelt werden sollten.</p><p>Petrow f�hrte sie zur Hauptkabine. Austin brauchte sich nur kurz umzusehen, um zu erkennen, dass dies kein Ausflugsboot war. Der gr��te Teil der normalen M�blierung war entfernt worden, bis auf einen gro�en, am Boden festgeschraubten Tisch in der Mitte und gepolsterte B�nke an den Seiten. Dimitri und Veronika sa�en zusammen mit vier M�nnern in Tarnanz�gen auf der Bank. Sie waren damit besch�ftigt, eine eindrucksvolle Kollektion von automatischen Waffen zu reinigen.</p><p>�Wie ich sehe, bereiten Ihre Pfadfinder sich darauf vor, ihre Leistungspr�fung im Scharfschie�en abzulegen. Was denkst du, Joe?�</p><p>�Ich interessiere mich viel mehr f�r die Pfadfinderin�, erwiderte Zavala. Er ging hin�ber und begann mit der jungen Russin eine Unterhaltung.</p><p>Austin warf Petrow einen fragenden Blick zu.</p><p>�Ich wei�, dass Sie meinten, ein m�glichst unauff�lliges Auftreten sei notwendig�, erkl�rte Petrow. �Das ist auch meine Meinung. Diese Leute sind nur eine Art R�ckversicherung. Sehen Sie, es sind nur sechs an der Zahl. Keine Armee.�</p><p>�Sie haben aber mehr Feuerkraft, als beide Seiten w�hrend der Schlacht von Gettysburg zusammen�, stellte Austin fest.</p><p>�M�glicherweise brauchen wir sie�, sagte Petrow. �Kommen Sie in meine Kabine, damit ich Sie auf den neuesten Stand bringen kann.�</p><p>Petrow ging voraus zu einer kleinen Kabine und nahm dort einen dicken Umschlag von der Schlafkoje. Er holte einige Fotografien aus dem Umschlag und reichte sie Austin, der sie ins Licht hielt, das durch das Bullauge hereindrang. Die Fotos zeigten verschiedene Ansichten von einer langen, grauen Insel mit einem donutf�rmigen Berg in der Mitte.</p><p>�Ivory Island?�, fragte er.</p><p>�Die Fotos wurden w�hrend der letzten Tage von Satelliten geschossen.� Petrow angelte ein kleines Vergr��erungsglas aus der Tasche. Er deutete auf eine Einbuchtung an der S�dseite der Insel. �Das ist der nat�rliche Hafen, den der Eisbrecher benutzt, der den Nachschub bringt und die Expedition transportiert. Das Schiff hat Karla Janos hier vor zwei Tagen abgesetzt, um sie zu einer Expeditionsgruppe zu bringen, die bereits seit einiger Zeit auf der Insel arbeitet.�</p><p>�Und was ist die Aufgabe dieser Expedition?�</p><p>�Reinste Science-Fiction. Ein paar verr�ckte Russen und Japaner hoffen, DNS eines Wollhaarmammuts zu finden, mit dem sie ein lebendiges Exemplar klonen k�nnen. Sehen Sie, auf der anderen Seite der Insel, wo der Permafrost abgetragen wurde, befinden sich nat�rliche Buchten.�</p><p>Austin entdeckte in einer dieser Buchten eine l�ngliche Form. �Ein Boot?�</p><p>�Wer immer es sein mag, wollte nicht gesehen werden, sonst h�tte er den nat�rlichen Hafen benutzt. Ich glaube, dass die M�rder eingetroffen sind.�</p><p>�Wie schnell k�nnen wir dort sein?�</p><p>�In zehn Stunden. Das Boot schafft vierzig Knoten, aber die Entfernungen hier sind riesig, und wir k�nnten durch Treibeis aufgehalten werden.�</p><p>�So viel Zeit haben wir nicht.�</p><p>�Das ist richtig. Deshalb haben wir einen Ersatzplan vorbereitet.� Er schaute auf seine Uhr. �In einer Dreiviertelstunde kommt ein Wasserflugzeug vom Festland. Nach dem Auftanken fliegt es Sie und Zavala zum Eisbrecher <emphasis>Kotelny, </emphasis>der zwischen der Wrangelinsel und dem Polareis liegt. Ein Flug von etwa drei Stunden. Der Eisbrecher bringt Sie dann nach Ivory Island.�</p><p>�Was ist mit Ihnen und Ihren Freunden?�</p><p>�Wir starten zum gleichen Zeitpunkt wie Sie und hoffen, irgendwann morgen einzutreffen.�</p><p>Austin streckte Petrow eine Hand entgegen. �Ich kann Ihnen nicht genug danken, Iwan.�</p><p>�Eigentlich sollte ich mich bei Ihnen bedanken. Gestern war ich noch im Begriff, in meinem Moskauer B�ro zu versauern. Und heute bin ich schon unterwegs, um eine sch�ne Frau aus gro�er Not zu retten.�</p><p>�Ich k�nnte Probleme haben, Zavala von hier wegzulocken�, sagte Austin.</p><p>Wie sich herausstellte, waren seine Bef�rchtungen unbegr�ndet. Als er in die Hauptkabine zur�ckkehrte, unterhielt Zavala sich mit einem der M�nner �ber seine Waffe. Veronika und Dimitri sa�en ein wenig abseits und waren in ein lebhaftes Gespr�ch vertieft.</p><p>�Tut mir leid, die junge Liebe zu st�ren�, sagte Austin.</p><p>�Das braucht es nicht. Petrow hat vers�umt, mich darauf aufmerksam zu machen, dass Veronika und Dimitri verheiratet sind. Und zwar miteinander. Wohin geht�s?�</p><p>Austin erl�uterte Petrows Plan, und sie gingen hinaus auf den Pier, um zu warten. Das Wasserflugzeug erschien eine Viertelstunde fr�her als erwartet. Es begab sich auf eine Position am Tankanschluss am Ende des Piers. Austin �berwachte das Verladen seines Gep�cks, w�hrend das Flugzeug aufgetankt wurde, dann stiegen er und Zavala in die Maschine. Kurz darauf jagte es �ber die Bucht, hob die Nase und stieg in scharfem Winkel �ber die zerkl�fteten grauen Bergspitzen, die die Bucht umschlossen, dann ging es auf n�rdlichen Kurs ins Ungewisse.</p></section><section><title><p>25</p></title><p>Karlas Augenlider �ffneten sich flatternd. Sie sah nur Schw�rze, aber Sinne, die vor�bergehend abgeschaltet worden waren, erwachten nach und nach zum Leben. Sie hatte einen Kupfergeschmack von altem Blut im Mund. Ihr R�cken f�hlte sich an, als l�ge er auf einem Nagelbrett. Dann h�rte sie in n�chster N�he ein Rascheln. Sie erinnerte sich an ihren Angreifer mit den gelben Z�hnen. Immer noch nur halb bei Bewusstsein, hob sie ihre Arme und schlug in der Dunkelheit um sich, um ihren unsichtbaren Angreifer abzuwehren.</p><p>�Nein!�, schrie sie �ngstlich und w�tend zugleich.</p><p>Ihre wild rudernden Arme trafen auf Fleisch. Eine gro�e Hand mit Fingern wie Stahl legte sich auf ihren Mund. Eine Lampe blitzte auf. Ihr Lichtstrahl beleuchtete ein k�rperloses Gesicht, das vor ihr in der Dunkelheit schwebte.</p><p>Sie brach ihren Kampf ab. Das markante Gesicht war dramatisch gealtert, seit sie es das letzte Mal gesehen hatte. Da waren mehr Falten und eine allgemeine Schlaffheit der Haut, die mal so glatt und straff wie ein Trommelfell gewesen war. Die aufmerksamen Augen waren von Kr�henf��en, Tr�nens�cken und wei�en Brauen umrahmt, aber die Iris zeigte das gleiche durchdringende Blau wie in ihrer Erinnerung. Er nahm die Hand von ihrem Mund.</p><p>Sie l�chelte. �Onkel Karl.�</p><p>Seine schmalen Lippen kr�mmten sich. �Rein technisch betrachtet, bin ich dein Pate. Aber ja, ich bin�s. Dein Onkel Karl. Wie f�hlst du dich?�</p><p>�Ich bin okay.� Sie zwang sich, sich aufzurichten, obwohl ihr dabei gleich wieder schwarz vor Augen wurde. W�hrend sie mit der Zungenspitze �ber ihre geschwollenen Lippen leckte, kam die Erinnerung an den Angriff zur�ck.</p><p>�Da waren vier andere Wissenschaftler. Sie haben sie mitgenommen, und dann habe ich Sch�sse geh�rt.�</p><p>Ein gequ�lter Ausdruck trat in die blauen Augen. �Ich f�rchte, sie alle wurden get�tet.�</p><p>�Get�tet! Aber warum?�</p><p>�Die M�nner, die sie get�tet haben, wollten keine Zeugen.�</p><p>�Zeugen <emphasis>wovon?</emphasis>�</p><p>�Von deiner Ermordung. Oder Entf�hrung. Ich bin mir nicht sicher, was sie vorhatten, nur dass es nichts Gutes war.�</p><p>�Das ergibt keinen Sinn. Ich bin erst vor zwei Tagen hier angekommen. Ich bin v�llig fremd in diesem Land. Ich bin wie die anderen nicht mehr als ein ordin�rer Knochensammler. Welchen Grund sollte jemand haben, mich zu ermorden?�</p><p>Schroeder wandte den Kopf ein wenig zur Seite, als ob er auf etwas lauschte, dann knipste er die Lampe aus. Seine weiche Stimme klang k�hl und tr�stend durch die Dunkelheit. �Sie glauben, dass dein Gro�vater ein Geheimnis von h�chster Bedeutung kannte. Sie glauben, dass er es an dich weitergegeben hat, und sie wollen daf�r sorgen, dass niemand anderer jemals davon erf�hrt.�</p><p>�Gro�vater!� Karla lachte beinahe trotz ihrer Schmerzen. �Das ist l�cherlich. Ich kenne kein Geheimnis.�</p><p>�Trotzdem glauben sie es, und das alleine ist wichtig.�</p><p>�Dann ist es <emphasis>meine </emphasis>Schuld, dass diese Wissenschaftler sterben mussten.�</p><p>�Ganz sicher nicht. Die M�nner, die abgedr�ckt haben, sind die einzigen Schuldigen.�</p><p>Er dr�ckte ihr die Taschenlampe in die Hand, um bei ihr wenigstens ein Minimum an Kontrolle �ber ihre angeschlagene Psyche wiederherzustellen. Sie knipste die Lampe wieder an und lie� den Lichtstrahl �ber schwarzen Fels wandern, der Decke und W�nde ihrer Umgebung bildete.</p><p>�Wo sind wir?�, fragte sie.</p><p>�In einer H�hle. Ich habe dich hierher getragen. Es war reines Gl�ck, dass ich eine niedrige Stelle gefunden habe, wo ich aus dem Graben herausklettern konnte und sofort auf eine nat�rliche Felswand stie�. Sie war von Rissen durchzogen, und ich dachte, wir k�nnten uns in einer der engen Felsspalten verstecken. Dann entdeckte ich eine �ffnung am Ende einer dieser Spalten. Ich habe ein paar B�sche abgeschnitten und um den Eingang zu dieser H�hle drapiert.�</p><p>Sie griff in die Dunkelheit und fand seine gro�e Hand.</p><p>�Vielen Dank, Onkel Karl. Du bist ein richtiger Schutzengel.�</p><p>�Ich habe deinem Gro�vater versprochen, dass ich auf dich aufpassen w�rde.�</p><p>Karla sa� in der Dunkelheit und dachte an das erste Mal, als sie Schroeder begegnet war. Sie war ein junges M�dchen gewesen und lebte im Haus ihres Gro�vaters, nachdem ihre Eltern gestorben waren. Eines Tages erschien er mit einem Arm voller Geschenke. Er kam ihr damals riesengro� und stark vor, mehr wie ein wandelnder Baum als wie ein Mensch. Trotz der Kraft, die er ausstrahlte, schien er fast sch�chtern zu sein, aber ihr kindliches Auge hatte auf Anhieb etwas G�tiges, Entgegenkommendes in seinem Verhalten entdeckt, und sie freundete sich schnell mit ihm an.</p><p>Das letzte Mal hatte sie ihn anl�sslich der Beerdigung ihres Gro�vaters gesehen. Er verga� niemals ihren Geburtstag und schickte ihr jedes Jahr eine Gl�ckwunschkarte mit Geld in einem Briefumschlag, bis sie das College beendete. Sie hatte keine Ahnung von der Verbindung zwischen Schroeder und ihrer Familie, aber sie wusste, weil sie die Geschichte mehrmals geh�rt hatte, dass ihr Gro�vater ihre Eltern nach ihrer Geburt gedr�ngt hatte, sie nach dem geheimnisvollen Onkel zu benennen.</p><p>�Ich habe keine Ahnung, wie du mich an diesem abgelegenen Ort finden konntest�, sagte Karla.</p><p>�Das war nicht schwierig. Die Universit�t verriet mir, wo du bist. Hierherzugelangen war der schwierige Teil. Ich habe ein Fischerboot gemietet, das mich herbrachte. Als ich in eurem Lager niemanden antraf, folgte ich eurer Spur. Wenn du das n�chste Mal eine Expedition unternimmst, dann bitte nicht ganz so weit weg. Ich werde allm�hlich zu alt f�r solche Abenteuer.� Er spitzte die Ohren. �<emphasis>Pssst.</emphasis>�</p><p>Sie sa�en stumm in der Dunkelheit und lauschten. Sie h�rten ged�mpfte Stimmen und das Scharren von Schuhsohlen auf Fels und Ger�ll am H�hleneingang. Dann wurde die Dunkelheit durch gelbliches Licht aufgehellt, als die B�sche, die den Eingang versperrten, beiseite ger�umt wurden.</p><p>�Hey da drin!�, rief eine m�nnliche Stimme auf Russisch.</p><p>Schroeder dr�ckte Karlas Hand als Aufforderung, still zu sein. Es war eine unn�tige Geste, denn sie war starr vor Angst.</p><p>�Wir wissen, dass ihr da drin seid�, sagte die Stimme.</p><p>�Wir k�nnen genau sehen, wo jemand die B�sche abgeschnitten hat. Es ist nicht sehr h�flich, nicht zu antworten, wenn man angesprochen wird.�</p><p>Schroeder kroch ein paar Schritte vorw�rts, bis er den H�hleneingang sehen konnte.</p><p>�Es ist genauso wenig h�flich, unschuldige Menschen zu t�ten.�</p><p>�Du hast einen meiner M�nner umgebracht. Mein Freund war unschuldig.�</p><p>�Dein Freund war dumm und hat den Tod verdient�, sagte Schroeder.</p><p>Heiseres Gel�chter belohnte seine Antwort.</p><p>�Hey, harter Kerl, ich hei�e Grisha. Wer zum Teufel bist du?�</p><p>�Ich bin dein schlimmster Alptraum.�</p><p>�Ich habe mal einen amerikanischen Film gesehen, in dem jemand das gesagt hat�, erwiderte die Stimme. �Du bist ein alter Mann. Was willst du mit einer jungen Frau? Ich schlage dir ein Gesch�ft vor. Ich lasse dich laufen, wenn du uns das M�dchen gibst.�</p><p>�Ich habe auch mal einen Film gesehen, in dem jemand das gesagt hat�, sagte Schroeder. �H�ltst du mich f�r dumm? Reden wir weiter. Verrat mir mal, weshalb ihr das M�dchen t�ten wollt.�</p><p>�Wir wollen sie gar nicht t�ten. Sie ist f�r uns eine Menge Geld wert.�</p><p>�Demnach werdet ihr der Kleinen nichts tun?�</p><p>�Nein, nein. Wie ich schon sagte, als Geisel ist sie viel mehr wert.�</p><p>Schroeder schwieg, als w�rde er ernsthaft �ber das Angebot nachdenken. �Ich habe auch sehr viel Geld. Ich kann es euch sofort geben, dann braucht ihr nicht zu warten. Was haltet ihr von einer Million Dollar?�</p><p>Eine gefl�sterte Diskussion setzte ein, dann meldete der Russe sich wieder. �Meine M�nner finden, es sei okay, aber sie wollen zuerst das Geld sehen.�</p><p>�In Ordnung. Kommt n�her zur H�hle, und ich werfe es raus.�</p><p>Die Unterhaltung war auf Russisch gef�hrt worden, und Karla hatte sie nur zum Teil verstanden. Schroeder erkl�rte Karla im Fl�sterton, sie solle sich tiefer in die H�hle zur�ckziehen und sich die Ohren zuhalten. Er griff in seinen Seesack und holte einen Gegenstand heraus, der aussah wie eine Mini-Ananas aus Metall. Er wusste, dass sein Angebot die Angreifer wie Hy�nen anlocken w�rde, und mit ein wenig Gl�ck m�sste er sie alle ausschalten k�nnen. Er stand auf. Der Schmerz schoss in sein rechtes Bein. Der Lauf und die Kletterpartie mit der jungen Frau auf den Armen hatte seine Kn�chelverletzung verschlimmert.</p><p>Er schlich n�her an den H�hleneingang heran. Er konnte Schatten erkennen, die n�her kamen. Gut. Die H�hle beschrieb einen leichten Knick, und der Eingang war aus seiner Perspektive nur ein schmaler Spalt, daher m�sste er genau zielen und werfen.</p><p>�Da ist euer Geld�, sagte er und zog den Sicherungsstift aus der Handgranate.</p><p>W�hrend er einen Schritt vorw�rts machte, um sie aus dem Loch in der Felswand zu schleudern, knickte sein verletztes Bein ein, und er st�rzte, wobei er mit dem Kopf gegen die H�hlenwand knallte. Er wurde beinahe ohnm�chtig. W�hrend seine Augen sich schlossen, sah er, wie die Granate auf dem Boden landete, ein St�ck weiterrollte und liegen blieb. Er riss sich in die Gegenwart zur�ck und zwang sich, wach zu bleiben. Er streckte sich nach der Granate, sp�rte das Metall in seiner Hand und warf sie abermals in Richtung H�hleneingang.</p><p>Diesmal zielte er besser, aber die Granate streifte die Wand und blieb mitten in der H�hlen�ffnung liegen.</p><p>Schroeder warf sich nach hinten tiefer in die H�hle hinein und um den Knick herum, wo er sich Deckung suchend an die Wand dr�ckte. Er presste sich die H�nde gerade noch rechtzeitig auf die Ohren, als die Granate bereits explodierte. Ein Blitz zuckte auf, und ein Regen gl�henden Metalls erf�llte den H�hleneingang. Dann ert�nte ein dumpfes Grollen, als der H�hleneingang einst�rzte.</p><p>Die H�hle war mit Staub erf�llt. Schroeder hob den Kopf und kroch in Richtung eines krampfhaften Hustens. Die Lampe wurde eingeschaltet, doch der Lichtstrahl wurde durch den braunen Staubvorhang, der in der Luft hing, zerstreut.</p><p>�Was ist passiert?�, erkundigte Karla sich, nachdem der Staub sich ein wenig gesetzt hatte.</p><p>Schroeder st�hnte und spuckte einen Mund voll Sand aus.</p><p>�Ich sagte dir schon, dass ich f�r solche Spielchen zu alt bin. Ich wollte die Granate werfen, als ich stolperte und mir den Kopf stie�. Warte mal einen Moment.� Er nahm ihr die Taschenlampe ab und kehrte zum H�hleneingang zur�ck. Nach einer Minute war er schon wieder zur�ck und berichtete: �Ich habe einen Volltreffer gelandet. Wir kommen nicht mehr raus, aber sie kommen auch nicht rein.�</p><p>�Na, ich wei� nicht�, sagte Karla. �Der Anf�hrer dieser M�nner meinte, sie h�tten einen tragbaren Presslufthammer.�</p><p>Schroeder nahm diese Information nur ungern zur Kenntnis. �Das hei�t, dass wir uns tiefer in die H�hle zur�ckziehen m�ssen.�</p><p>�Der Gang k�nnte kilometerweit in die Erde f�hren! Am Ende verirren wir uns noch hoffnungslos.�</p><p>�Ja, ich wei�. Wir gehen auch nur so weit wie n�tig hinein, um einen Hinterhalt vorzubereiten. Ich versuche, das n�chste Mal nicht so schlampig zu sein.�</p><p>Karla fragte sich, ob sie denselben Menschen vor sich hatte, der sie vor so vielen Jahren auf seinen Knien hatte reiten lassen. Er hatte den Mann, der versucht hatte, sie zu vergewaltigen, ausgeschaltet, in aller Ruhe mit einer Bande von M�rdern verhandelt und dann, rein gesch�ftsm��ig, versucht, die ganze Bande zu t�ten.</p><p>�In Ordnung�, sagte sie. �Aber dieses Geheimnis, das du erw�hnt hast�� Was wei�t du dar�ber?�</p><p>Karl angelte eine Kerze aus seinem Seesack, z�ndete den Docht an und befestigte sie mithilfe einiger Tropfen fl�ssigen Wachses auf einem kleinen Felsvorsprung.</p><p>�Ich habe deinen Gro�vater gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kennen gelernt. Er war ein brillanter und mutiger Mann. Vor vielen Jahren stie� er auf ein physikalisches Prinzip, das, wenn un�berlegt angewendet, Tod und Vernichtung ausl�sen konnte. Er schrieb einen Aufsatz, in dem er warnend auf diese M�glichkeiten aufmerksam machte, und das Ergebnis fiel nicht so aus, wie er erwartet hatte. Die Nazis schnappten ihn und zwangen ihn, an der Entwicklung einer Superwaffe zu arbeiten, die auf seinen Theorien basierte.�</p><p>�Das ist unglaublich. Er hat niemals irgendeinen Hinweis darauf gegeben, dass er etwas anderes war als ein Erfinder und Gesch�ftsmann.�</p><p>�Das ist richtig. Wie dem auch sei, jedenfalls habe ich ihm damals geholfen, aus dem Labor zu fliehen. Er hatte sich geweigert, seine Geheimnisse preiszugeben, und seine Standhaftigkeit oder Sturheit, wie man�s nimmt, kostete ihn seine Familie. Ja, genauso war es. Er war verheiratet und hatte ein Kind, ehe er nach dem Zweiten Weltkrieg in die Vereinigten Staaten ging. Er nahm sein Geheimnis mit ins Grab, aber diese M�nner, oder diejenigen, f�r die sie arbeiten, glauben, dass er das Geheimnis an dich weitergegeben hat.�</p><p>�Wie kommen sie darauf, dass ich so etwas wei�?�</p><p>�Die Geschichte wiederholt sich immer wieder. Du hast einen Artikel �ber das Aussterben der Wollhaarmammuts ver�ffentlicht.�</p><p>�Das ist richtig. Ich sagte, es sei auf Klimaver�nderungen zur�ckzuf�hren, die durch eine Polverschiebung ausgel�st wurden. Ich benutzte einige Forschungsunterlagen meines Gro�vaters und seine Berechnungen, um meine Theorie zu untermauern. Du lieber Himmel! Ist es das, was sie wollen?�</p><p>�Das und mehr. Sie werden alles tun und jeden t�ten, um es zu kriegen.�</p><p>�Aber alles, was ich wei�, ist �ffentlich bekannt. Ich wei� nichts von einem Geheimnis!�</p><p>�Dein Gro�vater hat den Nazis das Gleiche erz�hlt. Und sie haben ihm ebenfalls nicht geglaubt.�</p><p>�Was kann ich tun?�</p><p>�Einstweilen daf�r sorgen, dass es dir gut geht.� Er tauchte die Hand wieder in seinen Seesack ein und f�rderte D�rrfleisch und Wasser zutage. �Nicht gerade ein Cordon bleu, aber f�rs Erste wird es reichen. Vielleicht finden wir ein paar Flederm�use, aus denen wir einen leckeren Eintopf zubereiten k�nnen.�</p><p>�Jetzt erinnere ich mich�, sagte Karla l�chelnd. �St�ndig hast du mir von irgendwelchen verr�ckten Dingen erz�hlt, die du f�r mich kochen wolltest. Schnecken. Junge Hunde. Rosenkohl. Igitt. Widerlich.�</p><p>�Das war das Beste, was ich zustande bringen konnte. Was das Beilaunehalten von Kindern anging, hatte ich nur sehr geringe Erfahrungen.�</p><p>Sie unterhielten sich �ber die Vergangenheit, w�hrend sie das z�he D�rrfleisch kauten. Sie sp�lten es mit Wasser herunter, als sie am H�hleneingang etwas h�rten, das so klang wie ein riesiger Specht.</p><p>�Sie haben mit dem Bohren angefangen�, stellte Karla fest.</p><p>Schroeder sammelte seine Siebensachen ein. �Es wird Zeit weiterzuziehen.� Er reichte Karla eine Taschenlampe und empfahl ihr, sie nur sporadisch zu benutzen, obgleich er stets gen�gend frische Batterien bei sich hatte. Dann folgten sie dem H�hlengang tiefer in die Erde hinein.</p><p>Schroeder hatte erwartet, dass die Temperatur steigen w�rde, je tiefer sie gelangten, und stellte nun zu seiner Freude fest, dass sie konstant blieb und dass die Luft relativ frisch war. Er machte Karla auf dieses Ph�nomen aufmerksam und �u�erte die Vermutung, dass die H�hle vielleicht einen zweiten Ausgang habe. Er wusste, dass daf�r nur eine geringe Hoffnung bestand, zumal der H�hlenboden sich jetzt merklich senkte, aber es schien Karla neuen Mut zu geben.</p><p>Die H�hle schl�ngelte sich, schwenkte leicht nach links, dann nach rechts, aber stetig abw�rts. Manchmal war die Decke hoch genug, so dass sie aufrecht gehen konnten. Einige Abschnitte waren hingegen nur wenig �ber einen Meter hoch, und sie mussten diese Strecken kriechend �berwinden. Schroeder stellte zu seiner Erleichterung fest, dass es nur einen einzigen Tunnel gab, ohne Abzweigungen, die eine Entscheidung n�tig gemacht und die Gefahr gesteigert h�tten, sich hoffnungslos zu verirren.</p><p>Nachdem sie etwa eine Stunde lang gewandert waren, �ffnete der Gang sich zu einem gro�en Saal. Sie hatten keine Ahnung, wie gro� er war, bis sie begannen, ihn zu erkunden.</p><p>W�hrend die Lichtstrahlen ihrer Taschenlampen von der Feuchtigkeit reflektiert wurden, die der hohen Decke und den fernen W�nden zu einem matten Glanz verhalf, wurde offensichtlich, dass der Saal mindestens ebenso gro� war wie das Foyer eines Grandhotels. Der Boden war beinahe eben. Am anderen Ende, genau gegen�ber dem Punkt, an dem sie hereingekommen waren, befand sich die einzige andere �ffnung, die so gro� zu sein schien wie ein Garagentor.</p><p>Sie wanderten an der Wand des Saales entlang, tranken gelegentlich aus ihren Wasserflaschen und staunten �ber Form und Ausdehnung der Kaverne. Schroeder betrachtete sie unter dem Aspekt, einen geeigneten Ort f�r einen Hinterhalt zu finden, und entschied, dass sie mit ihren Winkeln und Nischen ein ideales Schlachtfeld abgeben w�rde. Karla war unterdessen zur anderen �ffnung weitergegangen, die sie mithilfe ihrer Taschenlampe untersuchte, bevor sie hindurchtrat.</p><p>�Onkel Karl�, rief sie wenig sp�ter mit lauter Stimme.</p><p>Er ging zu der Stelle hin�ber, wo sie auf dem H�hlenboden kniete. Genau im Mittelpunkt des Lichtstrahls aus ihrer Taschenlampe befand sich eine braune Pflanzenmasse.</p><p>�Was ist das?�, fragte Schroeder.</p><p>Sie antwortete nicht sofort. Nach einigen Sekunden sagte sie: �Es sieht aus wie Elefantendung.�</p><p>Schroeder lachte schallend auf. �Meinst du, hier w�re ein Zirkus durchgezogen?�</p><p>Sie stand auf und ber�hrte ihren Fund mit einer Schuhspitze. Ein Geruch von Moschus und Gras stieg von dem Haufen auf. �Ich glaube, ich muss mich setzen�, sagte sie.</p><p>Sie fanden einen Felsvorsprung, der ihnen Platz zum Sitzen bot, und sie erfrischten sich aus ihren Wasserflaschen. Karla erz�hlte Schroeder von dem Mammutjungen, das nicht weit vom H�hleneingang entfernt gefunden worden war. �Ich habe bis jetzt keine Idee, wie es so gut hatte erhalten bleiben k�nnen�, sagte sie. �Niemand hat jemals ein solches Exemplar gefunden. Es schien erst vor Tagen oder wenigen Wochen gestorben zu sein.�</p><p>�Willst du damit andeuten, dass vielleicht Wollhaarmammuts in diesen H�hlen leben?�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht�, sagte sie lachend. �Das w�re absolut unm�glich. Vielleicht war das fr�her mal der Fall, und der Dung ist sehr alt. Ich will dir mal eine Geschichte erz�hlen. Im Jahr 1918 zog ein russischer J�ger durch die Taiga, den gro�en sibirischen Wald, als er riesige Spuren im Schnee entdeckte. Tagelang folgte er den Lebewesen, die sie hinterlassen hatten. Sie lie�en haufenweise Dung und abgebrochene Baum�ste zur�ck. Er berichtete anschlie�end, zwei riesige Elefanten mit kastanienbraunem Fell und m�chtigen Sto�z�hnen gesehen zu haben.�</p><p>�Eine zweifelhafte Jagdgeschichte ohne irgendeinen �berzeugenden Beweis, mit der der Betreffende nur Eindruck schinden wollte?�</p><p>�M�glicherweise. Aber die Eskimos und die nordamerikanischen Indianer erinnerten sich ebenfalls an Legenden von riesigen zottigen Lebewesen. 1993 wurden die Skelette von Zwergmammuts auf der Wrangelinsel zwischen Sibirien und Alaska und gar nicht weit von hier gefunden. Das Alter der Knochen wurde auf dreieinhalbtausend bis siebentausend Jahre gesch�tzt, was bedeutet, dass Mammuts auch noch w�hrend des Pal�olithikums �ber die Erde zogen, also zur gleichen Zeit, als der Mensch Stonehenge errichtete und Pyramiden baute.�</p><p>Schroeder lachte leise und sagte: �Du w�rdest am liebsten weiterforschen, nicht wahr?�</p><p>�Ich m�chte keine so g�nstige Gelegenheit wie diese ungenutzt verstreichen lassen, indem ich herumsitze und D�umchen drehe. Vielleicht finden wir noch ein gut erhaltenes Exemplar.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass man die Vorbereitungen daf�r, eine Bande von geldgierigen Halsabschneidern aus der Welt zu schaffen, als D�umchen drehen bezeichnen kann. Aber �berrascht bin ich nicht. Einmal, als du noch ein Kind warst, habe ich dir Alice im Wunderland vorgelesen. Nicht viel sp�ter ertappte ich dich drau�en im Garten dabei, wie du versuchtest, deinen Kopf in ein Kaninchenloch zu zw�ngen. Du meintest, du w�nschtest dir, irgendeinen Trank zu haben, der dich einschrumpfen lassen w�rde wie Alice.�</p><p>�Daran warst sicherlich du schuld, weil du mir solche Geschichten vorgelesen hast.�</p><p>�Nun scheint es, als h�tten wir keine gro�e Wahl mehr�, sagte er m�de. Er schnappte sich seinen Seesack und humpelte auf die �ffnung in der Felswand zu. �Dann nichts wie rein ins Kaninchenloch.�</p></section><section><title><p>26</p></title><p>Der kastanienbraune Hengst galoppierte durch die saftig gr�ne Landschaft von Virginia, als k�mpfte er um den ersten Platz im Kentucky Derby. Jordan Gant kauerte im Sattel wie ein zu gro� geratener Jockey und pr�gelte mit seiner Gerte auf das Hinterteil des Pferdes ein. Der Hengst legte ein m�rderisches Tempo vor. Seine Augen rollten, sein glattes Fell gl�nzte vor Schwei�, und ihm hing die Zunge aus dem Maul. Trotzdem kannte Gant kein Erbarmen. Es war nicht so sehr Grausamkeit, die bei ihm immerhin auf das Vorhandensein irgendeiner Emotion h�tte schlie�en lassen k�nnen, sondern eher die totale Missachtung all dessen, das sich unter seiner Kontrolle befand.</p><p>Gant �berquerte Wiesen und Weiden und ritt am Rand der Zufahrt entlang, die von Pappeln ges�umt wurde, bis er zu einem weitl�ufigen Landhaus kam. Er hielt auf einen Stall unweit des Wohnhauses zu, gestattete dem ersch�pften Tier, in Trab zu fallen, dann in einen normalen Schritt und schlie�lich stehen zu bleiben. Gant glitt elegant aus dem Sattel, lie� sich von einem wartenden Pferdeknecht ein Handtuch reichen und warf ihm achtlos die Z�gel zu. Das Pferd lahmte, als es weggef�hrt wurde.</p><p>Gant schlenderte �ber einen Steinplattenweg zur Haust�r. Mit seinem schwarzen, kurz�rmeligen Hemd und einer Reithose trug er den klassischen Polodress. Er hatte eine muskul�se, athletische Gestalt, und die Kleider h�tten ihm auch dann gepasst wie angegossen, wenn sie nicht ma�geschneidert gewesen w�ren. Als ob sein Arm ein Eigenleben f�hrte, lie� er die Reitgerte gegen seine kniehohen Stiefel aus Korduanleder klatschen, w�hrend er ging. Die massive Haust�r schwang auf, als Gant sich ihr n�herte, und schlie�lich betrat er eine riesige Eingangshalle, in deren Mitte ein Zierbrunnen pl�tscherte. Gant reichte seine Handschuhe und das Handtuch dem leichenblassen Butler, der die T�r ge�ffnet hatte.</p><p>Der Butler r�usperte sich. �Ihr Gast ist eingetroffen, Sir. Er wartet in der Bibliothek.�</p><p>�Einen Bombay Sapphire Martini und das �bliche f�r mich.�</p><p>Der Butler verbeugte sich und verschwand in einem langen Flur. Gant ging durch eine T�r, die von der Halle in einen gro�z�gigen Raum f�hrte, dessen W�nde mit deckenhohen B�cherregalen ges�umt waren, in denen reihenweise die wertvollen B�cher standen, die er sammelte. Margrave stand in der N�he einer Terrassent�r, die einen Blick auf gestutzte Rasenfl�chen gestattete, die so gr�n und eben waren wie die Spielfl�che eines Billardtisches. Er bl�tterte in einem Buch mit einem Einband aus rotem, marokkanischem Leder.</p><p>�Das ist eine seltene Ausgabe der <emphasis>G�ttlichen Kom�die </emphasis>aus dem Jahr 1507�, sagte Gant. �Es gibt nur drei bekannte Exemplare. Ich besitze sie alle.�</p><p>�Sie haben eine wirklich umfangreiche Sammlung von Dante-Werken.�</p><p>�Tats�chlich ist es die beste der Welt�, meinte Gant v�llig sachlich und ohne einen Anflug von Eitelkeit.</p><p>Margrave l�chelte und stellte das Buch zur�ck ins Regal.</p><p>�Ich hatte auch nichts anderes erwartet. Hatten Sie einen angenehmen Ritt?�</p><p>Gant warf die Reitgerte auf einen kleinen Tisch. �Ich habe <emphasis>immer </emphasis>einen angenehmen Ritt. Das Pferd macht die ganze Arbeit. Das Tier, auf dem ich heute geritten bin, ist noch neu in meinen St�llen. Es ist ein Hengst, dem gezeigt werden musste, wer hier der Chef ist. Ich veranstalte mit jedem neuen Pferd einen Proberitt. Die Tiere, die ihn �berleben, werden f�rstlich behandelt. Die, die es nicht tun, enden in der Leimsiederei.�</p><p>�Nur die St�rksten �berleben.�</p><p>�Ich glaube nun mal an Darwin.�</p><p>Der Butler erschien mit einem Tablett, auf dem zwei Drinks standen. Gant reichte Margrave ein Glas und nahm sich selbst den sechzehn Jahre alten, doppelt gereiften Scotch. Margrave kostete seinen Drink. �Ein perfekter Martini�, sagte er. �Sie wissen genau, was ich am liebsten trinke. Ich bin beeindruckt.�</p><p>�Sie vergessen, dass ich in einem Gewerbe t�tig bin, wo gesch�ftliche Abschl�sse oft mit Alkohol geschmiert werden�, sagte Gant. �Nichts macht einen so g�nstigen Eindruck wie die F�higkeit, sich an das spezielle Laster von jemandem zu erinnern.� Er lie� sich in einem bequemen Sessel nieder und gab Margrave ein Zeichen, ebenfalls Platz zu nehmen. �Wie ist der aktuelle Stand bei unserem Projekt?�</p><p>�Wir liegen in der Zeit. Aber ich mache mir wegen Spider Sorgen. Seit er die Insel vor ein paar Tagen verlassen hat, habe ich nichts mehr von ihm geh�rt.�</p><p>�Barrett ist ein gro�er Junge�, sagte Gant. �Er kann ganz gut auf sich selbst aufpassen.�</p><p>�Wegen seiner Gesundheit mache ich mir keine Gedanken. Es ist sein <emphasis>Mundwerk, </emphasis>das mich beunruhigt. Er hat im Augenblick einen akuten Anfall von Gewissen. Ich habe keine Lust, ihn irgendwann bei <emphasis>60 Minutes </emphasis>sehen zu m�ssen, wie er Mike Wallace von unserem Projekt erz�hlt.�</p><p>�Sie sagten, er habe sich bereit erkl�rt, weiter am Projekt mitzuarbeiten, bis Sie mit Karla Janos Kontakt aufgenommen h�tten.�</p><p>�Das ist richtig. Er wollte so etwas wie einen Alarmplan, der erlaubt, das Projekt schnellstens abzubrechen.�</p><p>�Dann brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Barrett hat sich wahrscheinlich irgendwo verkrochen, wo er gerade vor sich hinschmollt. Die wesentlichere Frage ist, ob das Projekt ohne ihn weitergehen kann.�</p><p>�Das ist kein Problem. Spider hat bereits f�r die Grundlagen gesorgt, so dass er entbehrlich ist. Wir brauchen ihn nicht mehr. Alles l�uft genau nach Plan. Ich habe eine Pr�sentation f�r Sie vorbereitet.�</p><p>Margrave �ffnete einen Aktenkoffer und holte einen tragbaren DVD-Player heraus und stellte diesen auf dem Mahagonitisch auf. Er schaltete ihn ein, und auf dem Bildschirm erschien das schematische Profil eines Schiffs.</p><p>�Dies ist eins der Transmitter-Schiffe, die wir urspr�nglich konstruiert haben. Dort im Frachtraum befinden sich die Stromgeneratoren, die mit den im Meer versenkbaren elektromagnetischen Niederfrequenzantennen verbunden sind.� Er ging weiter zum n�chsten Bild. �Dies ist das neue Schiff, das die Arbeit unserer vier Experimentalschiffe �bernehmen wird.�</p><p>�Ein kleiner Ozeankreuzer. Genial. Wann wird er an Ort und Stelle sein?�</p><p>�Die alten Transmitter-Schiffe haben die Werft in Mississippi verlassen und sind unterwegs zum Ausschiffungshafen in Rio. Sie k�nnen als K�der zur R�ckversicherung immer noch n�tzlich sein. Der Name des neuen Kreuzers lautet <emphasis>Polar Adventure. </emphasis>Er wird ebenfalls in Rio sein, doch niemand wird dort auf die Idee kommen, dass er die eigentliche Ladung an Bord hat.�</p><p>�Demnach haben Sie sich endg�ltig f�r einen Zielort entschieden.�</p><p>Margrave dr�ckte auf eine Taste des Players. Eine Landkarte der S�dhalbkugel erschien auf dem Bildschirm. Die Karte zeigte einen r�tlichen Fleck von der Form einer abgeflachten Kugel, der einen gro�en Teil des Ozeans zwischen Brasilien und S�dafrika bedeckte.</p><p>�Die South Atlantic Anomaly.�</p><p>Margrave nickte. �Wie Sie wissen, ist die Anomalie eine Region, in der das elektromagnetische Feld der Erde in entgegengesetzter Richtung gepolt ist. Einige Wissenschaftler bezeichnen diese Stelle als �Schlagloch� oder als Knick im Magnetfeld. Es gibt Bereiche, in denen das Feld total umgedreht und sehr stark geschw�cht ist. Magsat hat jeweils eine Gegend im Nordpolargebiet und einen Punkt unterhalb von S�dafrika ausgemacht, wo der Magnetismus extrem schwach ist. Wenn man diesen Schwachpunkt im Magnetfeld des s�dlichen Ozeans ausnutzt, wird eine �hnlich gelagerte Reaktion im Nordpolargebiet ausgel�st.�</p><p>Gant lachte verhalten. �Das ist das Sch�ne an der ganzen Geschichte. Wir setzen den Vorgang eigentlich gar nicht in Gang, sondern wir beschleunigen nur seinen Start.�</p><p>�Richtig. Der magnetische Nord- und S�dpol haben in der Vergangenheit auch schon ohne Unterst�tzung von au�en gewechselt, und das Magnetfeld der Erde begann vor etwa hundertf�nfzig Jahren, von selbst zusammenzubrechen. Einige Experten meinen, ein Polsprung sei l�ngst �berf�llig. Der Erdmagnetismus wird schon jetzt durch die Str�mungen in der fl�ssigen Schicht unter der Erdkruste beeinflusst. Man braucht also nur die Turbulenzen ein wenig zu verst�rken, und schon reicht ein minimaler Impuls aus, um einen Polsprung herbeizuf�hren. Wie Sie meinten, wir tun nichts anderes, als den Prozess, der sich schon lange ank�ndigt, einzuleiten.�</p><p>�Faszinierend�, sagte Gant. �Ich gehe davon aus, dass sich hinsichtlich unserer Erwartungen, was die Wirkung dieses kleinen H�pfers betrifft, nichts ge�ndert hat.�</p><p>�Die Computersimulation gilt nach wie vor. Die Hauptmagnetfelder werden schw�cher und dann nahezu verschwinden. Etwa drei Tage lang existieren keine magnetischen Pole mehr. Dann werden sie wieder da sein, allerdings mit umgekehrter Polarit�t. Kompassnadeln, die normalerweise nach Norden zeigen, deuten dann nach S�den. Die wechselnden elektromagnetischen Kr�fte d�rften Satelliten und Stromnetze ausschalten. V�gel und andere Tiere verlieren jegliche Orientierung. Am �quator erscheint das Polarlicht, und die Ozonl�cher werden gr��er. Ein Zeitraum h�chster Gefahr bricht an. Der Zusammenbruch des Magnetfeldes neutralisiert vor�bergehend den Schutz vor Sonnenst�rmen. Auf lange Sicht wird sich die Anzahl der Menschen, die an Hautkrebs erkranken, drastisch erh�hen.�</p><p>�Das sind ungl�ckliche Kollateralsch�den�, stellte Gant k�hl fest. �Unter diesem Haus befindet sich ein ger�umiger Bunker. Ich gehe davon aus, dass Sie �hnliche Vorsichtsma�nahmen getroffen haben.�</p><p>�Das Schiff ist mit einem umfangreichen Strahlenschutz ausgestattet, damit es uns auf der R�ckreise nicht erwischt. Unter dem Leuchtturm habe ich mir ebenfalls einen gem�tlichen Schutzraum eingerichtet. Dort k�nnte ich in angenehmem Luxus gut hundert Jahre �berstehen, allerdings d�rfte sich die Periode akuter Gefahr sehr schnell verringern.�</p><p>�Werden die anderen Mitglieder von Lucifer Ihnen auf der Insel Gesellschaft leisten?�</p><p>�Nur ein paar ausgew�hlte. Anarchisten haben eine gewisse Begabung daf�r, ein Chaos auszul�sen, aber sie haben keine Ahnung, was sie anfangen sollen, sobald alle Fenster eingeworfen wurden und nichts mehr da ist, wogegen sie zu Felde ziehen k�nnten. Die anderen werden dann ihren Zweck erf�llt haben und m�ssen alleine sehen, wie sie zurechtkommen.�</p><p>�Sie sind bereit, Lucifer�s Legion m�glicherweise einen qualvollen Tod sterben zu lassen?�, fragte Gant.</p><p>�Sie k�nnen Sie ja in <emphasis>Ihren </emphasis>Bunker einladen�, sagte Margrave mit einem zynischen Grinsen.</p><p>�Ich brauche den Platz f�r meine Pferde�, erwiderte Gant.</p><p>�Das kann ich verstehen. Wie sind Ihre Pl�ne f�r die Zeit nach dem gro�en Knall?�</p><p>�Es wird erst einmal ein gro�es Durcheinander herrschen. Die Menschen werden weder miteinander kommunizieren noch irgendwelche Navigationssysteme nutzen k�nnen. Zeitweise wird der Strom ausfallen. Sobald die Kommunikation unter gro�em Aufwand an M�he und Kosten wiederhergestellt wurde, werden wir den Weltf�hrern eine Nachricht schicken, in der wir eine internationale Konferenz fordern, die das Ziel hat, die Instrumente der Globalisierung au�er Kraft zu setzen. Zuerst einmal verlangen wir die sofortige Aufl�sung der Weltbank und der Welthandelsorganisation.�</p><p>�Und wenn sie unserer Aufforderung nicht nachkommen?�</p><p>�Denken Sie blo� nicht, dass das ein Problem sein wird�, sagte Gant. �Wir werden sie auf die Zerbrechlichkeit der globalen Infrastruktur aufmerksam machen und sie daran erinnern, dass, auch wenn sie sie wiederherstellen sollten, es ein Einfaches sein wird, sie abermals zu zerst�ren. Wenn sie es nicht anders wollen, k�nnen wir endlos mit den magnetischen Polen herumspielen.�</p><p>Margrave grinste. �Was f�r ein Gef�hl ist es, einer der G�tter des Olymp zu sein?�</p><p>Gant nahm einen Schluck von seinem Drink. �Berauschend. Aber sogar die G�tter m�ssen sich gelegentlich mit ordin�ren hauswirtschaftlichen Problemen herumschlagen. Da ist noch diese Frau, Karla Janos.�</p><p>�Die letzten Meldungen besagen, dass ein Team nach Sibirien geschickt wurde, um sich ihrer anzunehmen.�</p><p>Gant erhob sich aus seinem Sessel und ging zur Terrassent�r. Er blickte eine Zeit lang gedankenverloren hinaus auf die h�gelige Landschaft, dann wandte er sich zu Margrave um. �Da drau�en ist irgendetwas im Gange, und ich wei� nicht, was genau es ist. Das Vollstreckungsteam hat es nur bis Fairbanks, Alaska, geschafft. Sie wurden alle in ihren Hotelzimmern ermordet.�</p><p>Margrave stellte sein Glas beiseite. �Ermordet?�</p><p>�Genau. Sie wurden alle in den Kopf geschossen. Die Morde wurden absolut professionell ausgef�hrt. Die M�nner waren Spitzenkr�fte unserer Sicherheitsfirma. Es wurde kein Versuch unternommen, die Leichen zu beseitigen. Die Exekutionen erfolgten dreist, fast schon leichtsinnig, was mich zu dem Schluss bringt, dass der T�ter in Eile gehandelt hat.�</p><p>�Wer wusste von dem Team?�</p><p>�Sie. Ich. Und nat�rlich die russische Mafia.�</p><p>�Meinen Sie, die Russen stecken dahinter?�</p><p>�Die sind zu allem f�hig. Aber irgendwie w�rde das nicht passen. Sie wussten, dass ein Team unterwegs war, aber sie hatten keine Ahnung, wer dieses Team war oder wo es wohnte. Sie gaben sich als Fernsehteam aus und sollten nur wenige Stunden, ehe sie get�tet wurden, nach Sibirien starten.�</p><p>�Hat die Polizei irgendwelche Spuren?�</p><p>�Eine einzige. Der Charterpilot, der das Team weiterfliegen sollte, erkl�rte, er habe mit demjenigen gesprochen, der m�glicherweise der Letzte war, der das Team lebendig gesehen hatte. Der Betreffende nahm f�r den Charterflug nach Sibirien den Platz der Fernsehleute ein. Er soll ein �lterer Mann um die siebzig gewesen sein.�</p><p>�Ihr urspr�nglicher Kontakt zu Karla Janos, der Mann, der die beiden Sicherheitsleute umgebracht hat, war der nicht auch ein �lterer Mann?�</p><p>�Ja�, sagte Gant. �Ich w�rde darauf tippen, dass die beiden ein und derselbe sind.�</p><p>�Wer ist dieser Kerl? Wir suchen Karla Janos und sto�en auf einen Killer, der schon im Rentenalter ist.�</p><p>�Als meine Leute in sein Haus eindrangen, fanden sie auf seinem Computer Briefe, die er an die Janos geschrieben hat, und Antworten von der Frau. Er bezeichnete sich selbst als �Onkel Karl�.�</p><p>Margrave runzelte die Stirn. �In dem Dossier, das wir �ber die Kovacs-Familie zusammentrugen, ist nirgendwo von irgendeinem Onkel die Rede.�</p><p>�Ich w�rde mir wegen ihm nicht zu viele Sorgen machen. Als ich die Russen informierte, dass das Team f�r Ms. Janos nicht mehr k�me, fragten sie, was sie mit ihr tun sollten. Ich sagte, sie sollten sie t�ten und den alten Mann ebenfalls, falls sie ihm begegnen sollten, womit ich eigentlich rechne.�</p><p>Margrave nickte. �Sie waren sehr flei�ig.�</p><p>�Ich mag keine losen Enden wie zum Beispiel Kurt Austin, den Mann von der NUMA. Ich finde, er sollte aus dem Verkehr gezogen werden.�</p><p>�Ich dachte, wir wollten abwarten und Austin beobachten, ob er sich zu einer Gefahr entwickelt.�</p><p>�Als Austin das erste Mal auftauchte, habe ich Informationen �ber ihn eingezogen. Er ist Schiffsingenieur und Bergungsexperte bei der NUMA, der an einigen hochkar�tigen Missionen beteiligt war. Er hat den Apparat auf Barretts Boot gesehen. Er befindet sich in einer Position, in der er uns eine Menge �rger machen kann.�</p><p>�Ich gebe zu, es k�nnte �rger geben, aber es ist nichts, womit wir nicht fertig w�rden.�</p><p>�Wollen Sie damit sagen, Austin k�nnte unser Projekt torpedieren?�</p><p>�Nicht wenn er tot ist. Wie Joseph Stalin schon sagte: �� kein Mann, kein Problem.� Doyle arbeitete bereits an einem Plan, sich um Austin zu k�mmern. Ungl�cklicherweise hat Austin sein Haus mit unbekanntem Ziel verlassen.�</p><p>�Und was tun wir jetzt?�</p><p>�Wir behalten Austins Haus unter st�ndiger Beobachtung. Wenn er zur�ckkommt, l�sen wir unser Problem. In der Zwischenzeit w�rde ich vorschlagen, dass Sie sich darum k�mmern, s�mtliche technischen Fragen des Projekts zu l�sen.�</p><p>�Dann sollte ich mich lieber auf den Weg machen�, sagte Margrave.</p><p>Gant brachte seinen Gast hinaus zu seinem Wagen. Sie sch�ttelten sich die Hand und vereinbarten, miteinander in Verbindung zu bleiben. Gant kehrte in sein Haus zur�ck, als der Pferdeknecht auf ihn zukam.</p><p>�Wie ist das neue Pferd?�, fragte Gant.</p><p>�Es lahmt, Sir.�</p><p>�Erschie�en Sie es�, befahl Gant. Dann verschwand er im Haus.</p></section><section><title><p>27</p></title><p>Die R�ume und G�nge des H�hlensystems waren die reinste Traumwelt. Orangefarbene und gelbe Schleier aus Mineralien verh�llten die W�nde, und Stalaktiten hingen teils als bleistiftd�nne Nadeln, teils als wuchtige S�ulenb�ndel von der Decke herab.</p><p>Die �therische Sch�nheit seiner unterirdischen Umgebung hinterlie� auf Schroeder nicht den geringsten Eindruck. Die Beule auf seiner Stirn dr�hnte wie eine Trommel, und das Gehen auf dem unebenen Boden der H�hle war Gift f�r seinen geschwollenen Kn�chel. Er k�mpfte sich gerade eine nat�rliche Treppe hinauf, als die Anstrengung bei ihm einen leichten Schw�cheanfall ausl�ste.</p><p>Die Umgebung verschwamm vor seinen Augen, und er sah pl�tzlich alles doppelt. Die Verlust seines Gleichgewichts verursachte bei ihm heftige �belkeit. Schwei�tropfen perlten pl�tzlich auf seiner Stirn, obwohl die Luft ausgesprochen k�hl war. Er blieb stehen und presste den Kopf gegen die H�hlenwand. Der kalte Stein hatte die beruhigende Wirkung eines Eisbeutels.</p><p>Karla befand sich dicht hinter ihm. Sie sah ihn schwanken und kam ihm zu Hilfe.</p><p>�Bist du okay?�</p><p>�Ich habe mir den Kopf am H�hleneingang gesto�en. Wahrscheinlich ist es eine leichte Gehirnersch�tterung. Wenigstens lenkt mich das von meinem l�dierten Kn�chel ab.�</p><p>�Vielleicht sollten wir eine kurze Rast einlegen�, schlug Karla vor.</p><p>Schroeder entdeckte einen niedrigen Vorsprung. Er setzte sich, lehnte sich mit dem R�cken an die Felswand und schloss die Augen. Er f�hlte sich, als sei er auf einen Schlag um zwanzig Jahre gealtert. Die Feuchtigkeit setzte seinen Gelenken zu, und das Atmen fiel ihm schwer. Sein Kn�chel war so dick geworden, dass er nicht einmal mehr den Knochen sehen konnte.</p><p>Zum ersten Mal in seinem Leben f�hlte er sich wie ein alter Mann. Verdammt, er <emphasis>war </emphasis>ein alter Mann. Er warf Karla einen Seitenblick zu und war geradezu von Ehrfurcht ergriffen, als ihm bewusst wurde, wie dieses Baby, das er bei ihrer ersten Begegnung unbeholfen im Arm gehalten hatte, sich zu einer reizenden und intelligenten jungen Frau entwickelt hatte. Wie traurig, dass er es sich nie gestattet hatte, eine Familie zu haben. Er tr�stete sich mit dem Gedanken, dass Karla seine Familie <emphasis>war. </emphasis>Selbst wenn da kein Versprechen an ihren Gro�vater gewesen w�re, h�tte er alles in seiner Macht Stehende getan, um sie vor jeglichem Schaden zu bewahren.</p><p>Ihre Atempause war nur kurz. Ged�mpfte Stimmen waren aus dem Gang zu h�ren, den sie gerade benutzt hatten. Schroeder war sofort wieder auf den Beinen. Er wies Karla im Fl�sterton an, die Taschenlampe auszuknipsen. Sie standen reglos in der Dunkelheit und lauschten. Verzerrt durch die Biegungen und Windungen der H�hle waren die Echos der Stimmen wie das Gemurmel irgendeines Waldgeistes. Im gleichen Ma�, wie die Stimmen lauter wurden, waren sie auch besser zu verstehen. Schlie�lich konnte man M�nner ausmachen, die sich auf Russisch unterhielten.</p><p>Schroeder hatte gehofft, dass er und Karla nicht gezwungen w�rden, sich noch tiefer unter den Berg zu fl�chten. Er hatte gro�e Sorgen, den R�ckweg nicht zu finden. Offensichtlich hatte er die Entschlossenheit von Grisha und seiner M�rderbande von Elfenbeinj�gern v�llig untersch�tzt.</p><p>Seine Beschwerden und Schmerzen so gut wie m�glich ignorierend, �bernahm er wieder die F�hrung. Der Gang f�hrte ein paar hundert Schritte mit einem leichten Gef�lle abw�rts, ehe er sich wieder horizontal ausrichtete. Die Wanderung forderte ihren Tribut von Schroeders Fu�kn�chel, und er musste sich mehrmals gegen die Wand lehnen, um nicht zu st�rzen. Sie waren in akuter Gefahr, das Wettrennen gegen ihre Verfolger zu verlieren.</p><p>Karla sah den Spalt in der Wand als Erste. Schroeder konzentrierte sich derart ausschlie�lich darauf, m�glichst viel Distanz zwischen sie und ihre Verfolger zu bringen, dass er an der Falte im Kalkstein, wo die Felswand sich einst�lpte und eine winzige �ffnung schuf, kaum mehr als drei�ig Zentimeter breit und knapp ein Meter f�nfzig hoch, um ein Haar vorbeigelaufen w�re.</p><p>Schroeders erster Impuls trieb ihn an weiterzugehen. Die �ffnung k�nnte eine Todesfalle sein. Er schob den Kopf in den Spalt und erkannte, dass der Tunnel sich nach ein paar Schritten verbreiterte. Er erkl�rte Karla, sie solle warten, und drang dann etwa f�nfzig Schritte weit in die Haupth�hle vor. Er legte seine Taschenlampe auf den Boden, als ob er sie in der Eile seiner Flucht verloren h�tte.</p><p>Die Stimmen wurden lauter. Er kehrte dorthin zur�ck, wo Karla wartete, zw�ngte seinen K�rper durch den Spalt, dann half er Karla hindurch. Sie gingen weiter, bis sie zu einer Stelle gelangten, wo der H�hlengang eine leichte Kr�mmung aufwies. Er nahm das Gewehr von der Schulter und presste den R�cken gegen die Wand. Der erste Mann, der sich durch die �ffnung wagte, w�re tot.</p><p>Sie konnten den geisterhaften Schimmer der Taschenlampen aus dem Haupttunnel erkennen. Grishas Stimme war deutlich zu identifizieren, w�hrend er seine M�nner mit Drohungen und Scherzen zur Eile antrieb. Die Elfenbeinj�ger passierten den Felsspalt, und dann ert�nten aufgeregte Rufe. Sie hatten die Taschenlampe entdeckt. Die Stimmen entfernten sich.</p><p>Schroeder hatte die Absicht, �ber den Haupttunnel zur�ckzugehen, aber Grisha war nicht dumm. Er musste vermutet haben, dass die Lage der Taschenlampe einfach zu auff�llig war, um einem Zufall entsprungen zu sein. Er und seine M�nner machten kehrt und kamen zu dem Spalt in der Wand zur�ck.</p><p>Schroeder fl�sterte Karla zu, sie solle sich beeilen. W�hrend sie durch den gewundenen Felstunnel rannten, entschied Schroeder, dass sie nichts anderes tun konnten als zu fl�chten. Der Lichtstrahl wurde schw�cher, was darauf hinwies, dass die Leistung der Batterien nachlie�. Er m�sste sich schnellstens eine Position f�r einen Hinterhalt suchen, ehe sie sich verirrten oder tief im Berg ihr Licht erlosch und sie nicht mehr weiter vordringen konnten.</p><p>Sie gingen ungef�hr zehn Minuten lang weiter. Die Luft war muffig, aber immer noch atembar, was den Schluss nahe legte, dass es einen Luftstrom mit Verbindung nach drau�en geben musste. Die H�hle verengte sich, und Schroeder sah ein St�ck voraus einen schmalen Spalt. Er schob sich durch diese �ffnung, und sein Fu� trat ins Leere. Er st�rzte auf einen Abhang und rollte mehrere Schritte weit.</p><p>Er kroch ein St�ck, hob seine Taschenlampe auf und richtete den Lichtstrahl auf Karla, die durch den Riss im Gestein blickte. Die �ffnung befand sich knapp zwei Meter �ber dem Boden. Karla war offensichtlich verwirrt. In der einen Sekunde war Schroeder noch vor ihr gewesen und hatte den Weg erkundet. In der n�chsten war er schon verschwunden, die Taschenlampe flog durch die Luft, und sie h�rte einen dumpfen Laut.</p><p>�Mir ist nichts passiert�, meldete er. �Sei blo� vorsichtig, es geht gleich steil abw�rts.�</p><p>Sie schl�ngelte sich durch die �ffnung und rutschte langsam den Abhang herunter. Schroeder versuchte zu stehen.</p><p>Der Sturz hatte seinem verletzten Kn�chel gar nicht gutgetan, und ein wahres Schmerzgewitter entlud sich in seinem Bein, als er sein K�rpergewicht auf den Fu� verlagerte. Er st�tzte sich auf Karlas Schulter.</p><p>�Wo sind wir?�, fragte sie.</p><p>Schroeder untersuchte ihre Umgebung mit der Taschenlampe. Der Tunnel war rund zehn Meter breit und zehn Meter hoch. Ein Teil der Wand war zusammengebrochen und hatte das Loch freigelegt. Die Decke war gew�lbt, und im Gegensatz zu der H�hle, durch die sie hierhergekommen waren, hatte diese einen Boden, der so flach und eben war wie ein Pfannkuchen.</p><p>�Das ist keine H�hle�, stellte Schroeder fest. �Das wurde von Menschenhand geschaffen.� Er richtete den Lichtstrahl auf die gegen�berliegende Wand. �Nun, es scheint, als ob wir Gesellschaft h�tten.�</p><p>Lebensgro�e Figuren von M�nnern und Frauen zierten die W�nde. Sie waren im Profil gezeichnet, w�hrend sie in einer Prozession dahinzogen und Blumen, Kr�ge und K�rbe voller Speisen trugen und Schafe, K�he und Ziegen mithilfe gro�er, wolfs�hnlicher Hunde vor sich hertrieben.</p><p>Die Frauen trugen lange, durchscheinende wei�e Kleider und Sandalen. Die M�nner waren mit Kilts und weit geschnittenen, lang�rmeligen Hemden bekleidet. B�ume und andere Gr�npflanzen bildeten den Hintergrund der Parade.</p><p>Die Menschen hatten helle Haut, hohe Wangenknochen und schwarzes Haar, das die Frauen zu Knoten geflochten und die M�nner kurz geschnitten trugen. Der Ausdruck ihrer Gesichter war weder richtig ernst noch ausgesprochen gl�cklich, sondern lag irgendwie dazwischen. M�glich, dass sie gerade einen Sonntagsspaziergang unternahmen. Die Farben waren so kr�ftig, als w�ren sie erst vor wenigen Tagen auf den Fels aufgetragen worden.</p><p>Die Gem�lde bedeckten beide W�nde. Keine Gestalt wiederholte sich. Die meisten waren jung, Teenager oder gerade �ber zwanzig, aber zu sehen war auch eine Anzahl von Kindern und alten Leuten, darunter grauhaarige M�nner, die einen Kopfschmuck trugen und die Funktion von Priestern haben konnten.</p><p>�Es sieht aus wie eine religi�se Prozession�, sagte Karla.</p><p>�Sie tragen Geschenke f�r einen Gott oder f�r einen F�hrer.�</p><p>Schroeder st�tzte sich auf Karla, w�hrend er neben ihr herhumpelte. Sie gingen durch den Tunnel und konnten dabei feststellen, dass die Anzahl der Gestalten in die Hunderte ging �Auf jeden Fall tut es gut, Gesellschaft zu haben�, sagte Schroeder. �Vielleicht zeigen unsere neuen Freunde uns einen Weg nach drau�en.�</p><p>�Zumindest sind sie eindeutig irgendwohin unterwegs. Sieh doch!�</p><p>Der Charakter der Wandgem�lde hatte sich ver�ndert. Neue Tiere tauchten auf�� gro�e, schwerf�llige Lebewesen, die an Elefanten erinnerten, au�er dass ein zottiger, graubrauner Pelz ihre K�rper bedeckte. Die Tiere hatten hohe Sch�del und verh�ltnism��ig kurze R�ssel. Einige besa�en Sto�z�hne, die fast so lang waren wie ihre K�rper und gebogen wie die Kufen von altmodischen Schlitten. M�nner ritten auf den Tieren wie indische Elefantentreiber.</p><p>�Unm�glich�, sagte Schroeder.</p><p>Wie gebannt trat Karla n�her heran, um die Kunstwerke besser erkennen zu k�nnen. In ihrem Eifer verga� sie, dass Schroeder sie im Augenblick als Kr�cke benutzte. Er sank auf ein Knie.</p><p>�Tut mir leid�, sagte sie, als sie seine Schwierigkeiten bemerkte. Sie half ihm wieder hoch. �Wei�t du, was diese Bilder bedeuten? Dass Angeh�rige einer hohen Zivilisationsstufe auf dieser Insel lebten, und das bereits Tausende von Jahren, bevor die �gypter ihre Pyramiden bauten. Wahrscheinlich war die Insel damals noch mit dem Festland verbunden. Das alleine ist schon sensationell. Aber die Tatsache, dass sie offenbar wilde Mammuts domestiziert hatten, ist einfach unglaublich. Mein Aufsatz �ber die Ausrottung der Mammuts durch den Menschen ist Makulatur! Nach meiner Auffassung brauchten die primitiven Menschen die Mammuts als Nahrungsquelle und als Lieferanten von Knochen und Sto�z�hnen zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen. Was wir hier sehen, verr�t uns, dass sie diese wilden Tiere als Lastentr�ger benutzten. Das d�rfte die wissenschaftliche Entdeckung des Jahrhunderts sein. Ich glaube, wir k�nnen s�mtliche B�cher �ber diese Zeit umschreiben.�</p><p>�Ich finde das Ganze sicher genauso aufregend wie du�, sagte Schroeder. �Aber ich glaube, wir sollten einen grundlegenden praktischen Aspekt nicht vergessen. Niemand wird jemals von dieser Entdeckung erfahren, wenn wir nicht irgendwie von hier wegkommen.�</p><p>�Entschuldige, aber das ist so��� Sie l�ste nur mit M�he den Blick von den �berw�ltigenden Wandmalereien. �Was sollen wir tun?�</p><p>Schroeder beleuchtete die Wand. �Das lassen wir uns von unseren Freunden erkl�ren. Die h�bschen jungen Damen da oben tragen Blumen in den Berg hinein. Ich schlage vor, wir �berlegen uns, woher sie kommen, und sehen nach, ob dieser Tunnel nach drau�en f�hrt. Wie du sicher erkennen kannst, bin ich alles andere als fit genug, um als L�ufer bei der Olympiade zu starten. Zudem gibt unsere Lampe bald den Geist auf.�</p><p>Karla warf einen sehnsuchtsvollen Blick auf die Gestalten.</p><p>�Du hast Recht. Gehen wir lieber weiter, ehe ich es mir noch anders �berlege.�</p><p>Sie kehrten um. Sie hatten nur wenige Schritte gemacht, als sie M�nnerstimmen h�rten, die russisch sprachen. Grisha und seine M�nner hatten die �ffnung im Haupttunnel gefunden. Schroeder und Karla mussten abermals kehrtmachen und die andere Richtung einschlagen.</p><p>Schroeder verfiel in einen humpelnden Trab. Diese Gangart verst�rkte den Druck auf sein geschwollenes Fu�gelenk, aber er biss die Z�hne zusammen und rannte weiter. Sich auf Karla zu st�tzen, half zwar, aber es bremste sie auch. Er empfahl ihr, die Taschenlampe auszuschalten. Der Lichtstrahl war mittlerweile so matt geworden, dass er so gut wie nutzlos war, allerdings war er immer noch hell genug, um ihren Verfolgern als Wegweiser zu dienen. Schroeder benutzte seine freie Hand als F�hrung, indem er mit den Fingern die Tunnelwand abtastete. Der Gang schien kein Ende zu nehmen.</p><p>Nach ein paar Minuten wurden die Stimmen lauter. Grisha und seine Bande waren ihnen dicht auf den Fersen. Schroeder versuchte, gr��ere Schritte zu machen, aber diese Anstrengung st�rte die Koordination seiner Bewegungen und lie� sie letztendlich langsamer werden. Nicht lange, und er w�rde anhalten und Karla bitten m�ssen, die Flucht ohne ihn fortzusetzen. Er �berlegte sich bereits, wie er auf ihren zu erwartenden Protest reagieren sollte, als Karla meinte: �Ich sehe Licht.�</p><p>Schroeder blinzelte sich den Schwei� aus den Augen und starrte in die Dunkelheit. Voraus nahm er einen hellen Fleck wahr, der sich nur unwesentlich von der totalen Finsternis abhob. Er war verwirrt. Vielleicht hatte er sich, was ihre Gehrichtung betraf, bei den Wandmalereien gr�ndlich geirrt, und sie hatten sie tats�chlich aus dem Berg hinausgef�hrt.</p><p>Sie eilten weiter, und der Boden senkte sich leicht ab. Der Tunnel m�ndete in eine riesige Kaverne. Der Raum war, so weit das Auge reichte, mit zweist�ckigen Geb�uden mit flachen D�chern gef�llt. Erbaut waren die Behausungen aus einem Material, das in einem silbrigen Gr�n schimmerte, das die gesamte Szenerie in ein geheimnisvolles Licht tauchte.</p><p>Raue Stimmen erklangen hinter ihnen und rissen sie aus ihrer Verzauberung. Mit einer Mischung aus Scheu und �ngstlicher Erwartung schickten sie sich an, die kristallene Stadt zu betreten.</p></section><section><title><p>28</p></title><p>Im zehnten Stock der NUMA-Hauptverwaltung ist das moderne �quivalent der ber�hmten Bibliothek von Alexandria untergebracht. Das rundum verglaste Computer-Zentrum, das die gesamte Etage einnimmt, enth�lt eine gewaltige digitale Bibliothek, die jedes Buch und jeden Artikel sowie jede wissenschaftliche Tatsache und Aufzeichnung �ber die Weltmeere einschlie�t. Auf all das kann mit einem Hochgeschwindigkeits-Computernetzwerk mit der F�higkeit, enorme Datenmengen innerhalb von Sekundenbruchteilen zu transportieren, zugegriffen werden.</p><p>Das Zentrum ist das Geistesprodukt des Computergenies der NUMA, Hiram Yeager, welcher die k�nstliche Intelligenz, die er geschaffen hatte, auf den Namen �Max� taufte. Es war Yeagers Idee, Max eine weibliche menschliche Pers�nlichkeit zu verleihen, die durch ein dreidimensionales holographisches Bild mit braunem Haar, topasfarbenen Augen und einer weichen, weiblichen Stimme repr�sentiert wurde.</p><p>Paul Trout hatte sich entschlossen, auf das reizvolle holographische Bild zu verzichten. Anstatt Max� zentrale Steuerkonsole zu benutzen, an der Yeager mit dem Computer akustisch zu kommunizieren pflegte, hatte Trout einen Konferenzraum am Rand des Datencenters bezogen. Er hatte ein simples Keyboard angeschlossen, um Max� unersch�pflichen Wissensspeicher anzuzapfen. Das Keyboard kommunizierte mit einem �berdimensionalen Monitor, der den gr��ten Teil einer Wand einnahm. Neben Trout an einem Mahagonitisch vor dem Monitor sa�en Gamay, Dr.�Adler, der Wellenexperte, und Al Hibbet, der NUMA-Spezialist f�r Elektromagnetismus.</p><p>Trout bedankte sich bei allen f�r ihr Erscheinen und erkl�rte ihnen, dass Austin und Zavala abberufen worden waren. Dann dr�ckte er auf einige Keyboardtasten. Das Foto eines Mannes mit schmalem Gesicht, dunklem Haar und ausdrucksvollen grauen Augen erschien auf dem Bildschirm.</p><p>�Ich m�chte Sie mit dem Gentleman bekannt machen, dessen Genie uns heute hier zusammengebracht hat�, sagte Trout. �Hier sehen Sie Lazio Kovacs, den brillanten ungarischen Elektroingenieur. Dieses Foto wurde Ende der drei�iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufgenommen, und zwar etwa zu der Zeit, als er an seinen revolution�ren Theorien �ber den Elektromagnetismus arbeitete. Und dies kann passieren, wenn wissenschaftliche Brillanz missbraucht wird.�</p><p>Trout wechselte das Foto und erzeugte einen geteilten Bild�schirm, auf dem zwei Satellitenfotos zu sehen waren. Auf der linken Seite befand sich das Foto von den Monsterwellen, die die <emphasis>Southern Belle </emphasis>verschlungen hatten. Die andere Seite zeigte den riesigen Strudel, wie er sich aus dem Weltraum darstellte.</p><p>Er wartete, bis die Bedeutung der Fotos jedem der Anwesenden klar geworden war.</p><p>�Wir in diesem Raum haben die Vermutung ge�u�ert, dass jemand elektromagnetische Impulse, basierend auf den Kovacs-Theoremen, angewendet haben k�nnte, um diese St�rungen zu erzeugen. Wie Sie wissen, waren Gamay und ich in Los Alamos und haben dort mit einem ausgewiesenen Kenner der Arbeit Lazio Kovacs� gesprochen. Er best�tigte unseren Verdacht hinsichtlich direkter menschlicher Einmischung und deutete an, dass die Art von elektromagnetischer Manipulation, mit der wir es hier h�chstwahrscheinlich zu tun haben, tats�chlich einen Polsprung ausl�sen k�nnte.�</p><p>�Ich nehme an, wir unterhalten uns �ber eine Umkehr der magnetischen Pole�, sagte Adler.</p><p>�Ich w�nschte, so w�re es�, warf Gamay ein. �Es ist jedoch durchaus m�glich, dass wir es mit einem <emphasis>geologischen </emphasis>Polsprung zu tun haben, in dessen Verlauf die Erdkruste �ber dem Kern in Bewegung ger�t.�</p><p>�Ich bin zwar kein Geologe�, sagte Adler, �aber f�r mich klingt das nach den Voraussetzungen f�r eine Katastrophe gr��eren Ausma�es.�</p><p>�Tats�chlich�, meinte Gamay mit einem L�cheln, das so d�ster wie reizend war, �k�nnten wir es mit dem viel beschworenen Weltuntergang zu tun haben.�</p><p>Betroffenes Schweigen folgte auf ihre Erkl�rung. Adler r�usperte sich schlie�lich. �Ich habe das Wort �k�nnten� geh�rt. Offenbar sehen Sie noch einen gewissen Spielraum.�</p><p>�Ich w�re froh, wenn der Spielraum so gro� w�re, dass wir uns elegant aus dieser Geschichte herauswinden k�nnen�, sagte Gamay. �Aber Sie haben Recht mit der Vermutung, dass wir noch gewisse Zweifel hegen. Wir wissen nicht, wie zuverl�ssig unsere Los-Alamos-Quelle ist, daher hat Paul eine Methode entwickelt, die Kovacs-Theoreme zu testen.�</p><p>�Und wie soll das gehen?�, fragte Adler.</p><p>�Mithilfe einer Simulation�, sagte Trout, �in etwa so, wie Sie in Ihrem Labor nat�rliche Bedingungen schaffen, indem Sie sich einer Wellenmaschine oder eines Computermodells bedienen.�</p><p>Hibbet hatte einen Einwand. �Kovacs hat seine Theorien eher allgemein dargestellt und einige spezielle Punkte weggelassen.�</p><p>�Das ist richtig�, r�umte Gamay ein. �Aber Kovacs hat selbst eine detailliertere Zusammenfassung seiner Theoreme ver�ffentlicht. Er hat sie als Grundlage f�r seine der �ffentlichkeit zug�nglichen Publikationen benutzt. Von dieser Zusammenfassung existiert nur ein einziges Exemplar.�</p><p>�Wie sch�n, wenn wir es h�tten�, sagte Adler.</p><p>Gamay schob Kovacs� Buch kommentarlos �ber den Tisch.</p><p>Adler nahm die Bl�tter vorsichtig vom Tisch auf und las den Namen auf dem Umschlag: Lazio Kovacs. Er bl�tterte in den vergilbten Seiten. �Das ist ja Ungarisch�, stellte er fest.</p><p>�Einer unserer NUMA-�bersetzer hat eine englische Version erstellt�, sagte Trout. �Da jedoch die Mathematik eine universelle Sprache ist, gibt es dort keinerlei Probleme. Da sah es mit den Tests ganz anders aus. Dann erinnerte ich mich an die Arbeit im National Laboratory Los Alamos, wo die Wissenschaftler eine Methode entwickelt hatten, Atombomben aus unserem Arsenal zu testen, ohne internationale Vertr�ge und Abkommen zu verletzen. Sie testen die einzelnen Bauteile der Bombe, ber�cksichtigen dabei Faktoren wie zum Beispiel die Materialerm�dung und so weiter und geben diese Daten in einen Computer ein, der eine Simulation durchf�hrt. Ich beabsichtige, es genauso zu machen.�</p><p>�Ein Versuch lohnt sich bestimmt�, sagte Hibbet.</p><p>Trout tippte auf dem Keyboard, und ein Bild der Erde erschien auf dem Monitorschirm. Aus der Kugel war ein St�ck herausgeschnitten worden wie bei einer Orange, um die Schichten des Erdinneren zu zeigen: der �u�ere Kern aus fl�ssigem Eisen, der Mantel und die Erdkruste. �Vielleicht k�nnen Sie dieses Diagramm ein wenig erl�utern, Al.�</p><p>�Liebend gern�, antwortete Hibbet. �Die Erde ist im Prinzip nichts anderes als ein riesiger Stabmagnet. Der innere Kern aus festem Eisen rotiert mit einer anderen Geschwindigkeit als der �u�ere Kern aus fl�ssigem Eisen. Diese Bewegung hat einen Dynamoeffekt zur Folge, der ein Magnetfeld erzeugt, das man auch Geodynamo nennt.�</p><p>Das Bild ver�nderte sich und zeigte nun den intakten Globus. Linien strahlten von einem Pol hinaus ins All und f�hrten gekr�mmt zum entgegengesetzten Pol zur�ck.</p><p>�Dies sind die magnetischen Kraftlinien�, erkl�rte Hibbet. �Sie erzeugen ein magnetisches Feld, das die Erde umgibt und uns den Gebrauch von Kompassen erlaubt. Noch wichtiger ist, dass die Magnetosph�re rund siebzig Kilometer weit ins All hinausreicht. Sie stellt insofern eine Barriere dar, als sie uns vor der sch�dlichen Strahlung des Sonnenwindes und vor den Schw�rmen t�dlicher Partikel sch�tzt, die die Erde aus dem Weltraum st�ndig bombardieren.�</p><p>Trout ver�nderte abermals das Computerbild. Jetzt blickten sie auf eine Weltkarte. Der Ozean war mit blauen und goldenen Flecken �bers�t.</p><p>�In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts fassten Wissenschaftler alles zusammen, was �ber den geschmolzenen Erdkern bekannt ist, und gaben es einem Supercomputer ein�, erkl�rte Trout. �Alle m�glichen Daten kamen hinzu. Temperatur. Mengenangaben. Viskosit�t. Sie stellten fest, dass die Pole sich alle hunderttausend Jahre umkehren, und zwar beginnt es damit, dass ein Pol merklich schw�cher wird. Offensichtlich befinden wir uns am Anfang eines solchen Zyklus.�</p><p>�Hei�t das, die Erde unterliegt einem nat�rlichen Polsprung?�, fragte Adler.</p><p>�Offensichtlich�, antwortete Trout. �Das Magnetfeld der Erde begann vor etwa einhundertf�nfzig Jahren an Kraft zu verlieren. Seine Feldst�rke hat seitdem um zehn bis f�nfzehn Prozent abgenommen, und der Abbau hat sich beschleunigt. Wenn dieser Trend anh�lt, wird das Feld stetig schw�cher und w�rde bald nahezu vollst�ndig verschwinden, um sich mit entgegengesetzter Polarit�t wieder aufzubauen.�</p><p>�Nadeln, die heute noch nach Norden zeigen, w�rden dann nach S�den zeigen�, f�gte Hibbet hinzu.</p><p>�Das ist richtig�, sagte Trout. �Ein Wechsel des magnetischen Pols w�rde eine ganze Reihe st�render Ereignisse zur Folge haben, doch die Wirkung insgesamt w�re nur minimal. Die meisten Menschen w�rden sich an die neuen Verh�ltnisse anpassen und den Vorgang �berleben. Wie verschiedene Studien zeigen, haben die magnetischen Pole sich recht h�ufig umgekehrt.�</p><p>�Herodot schrieb davon, dass die Sonne dort aufging, wo sie normalerweise unterging�, sagte Gamay. �Die Hopi sprachen von dem Chaos, das einsetzt, wenn die beiden Zwillinge, die die Erde an Ort und Stelle festhalten, ihre Positionen verlassen. Dies k�nnten Hinweise auf fr�here Polspr�nge sein.�</p><p>�W�hrend Legenden faszinierend sind und h�ufig ein K�rnchen Wahrheit enthalten, sind wir alle an diesem Tisch mit wissenschaftlichen Methoden vertraut�, sagte Adler.</p><p>�Deshalb habe ich die Wahrsager und Pseudowissenschaftler, die das Ende der Welt vorausgesagt haben, gar nicht erst erw�hnt�, sagte Gamay. �Das physikalische Ph�nomen des Polsprungs wurde mit Theorien �ber Atlantis und vorzeitliche Astronauten vermischt.�</p><p>�Als Wellenexperte besch�ftige ich mich mit ungeahnten ozeanischen Kr�ften�, sagte Adler, �aber eine Verschiebung der Oberfl�che einer gesamten Welt erscheint mir eher unglaublich.�</p><p>�Normalerweise w�rde ich Ihnen darin zustimmen�, sagte Gamay. �Aber Spezialisten f�r Pal�omagnetik, die die Lavastr�me studierten, haben nachgewiesen, dass der Untergrund sich in Relation zum magnetischen Nordpol der Erde bewegt hat. Nordamerika befand sich einst tief in der s�dlichen Hemisph�re, wo die Landmasse vom �quator durchschnitten wurde. Einstein stellte die Theorie auf, dass wenn gen�gend Eis sich auf den Polkappen ansammelt, ein Polsprung als Folge eintreten k�nnte. Wissenschaftler fanden heraus, dass vor einer halben Milliarde Jahren die tektonischen Platten der Erde neu angeordnet wurden. Der fr�here Nord- und S�dpol wanderten auf den �quator, und Punkte auf dem �quator wurden zu den Polen, wie wir sie heute kennen.�</p><p>�Das ist doch ein Prozess, der Millionen von Jahren dauert�, wandte Adler ein.</p><p>Trout brachte das Gespr�ch wieder auf die Computer�simulation zur�ck. �Deshalb sollten wir einen eingehenderen Blick auf die Gegenwart werfen. Das Bild auf dem Schirm zeigt die Magnetfelder der Erde. Die blauen Flecken sind die nach innen gerichteten Felder, die goldenen die nach au�en gerichteten. Die englische Marine beobachtet seit dreihundert Jahren den magnetischen und den echten Nordpol, so dass wir einen recht genauen Datenbestand haben. Was wir dabei beobachten k�nnen, ist eine Zunahme der blauen Inseln.�</p><p>�Was auf magnetische Anomalien hindeutet, wo die Feldlinien in der falschen Richtung verlaufen�, sagte Hibbet.</p><p>�Dieser gro�e Farbfleck ist die s�datlantische Anomalie, wo die Feldlinien bereits in der falschen Richtung verlaufen�, sagte Trout. �Das Wachstum der Anomalie nahm um die Jahrhundert�wende deutlich zu. Dies passt zu den Magsat-Beobachtungen, die schwache Areale in der Nordpolarregion und unterhalb von S�dafrika zeigen. Die Beobachtungen stimmen mit Computersimulationen �berein, die auf einen m�glicherweise unmittelbar bevorstehenden Polsprung hinweisen.�</p><p>�Sie haben durchaus �berzeugend dargestellt, dass es in der Vergangenheit zu geologischen und magnetischen Polver�schiebungen gekommen ist�, sagte Adler. �Aber wir reden doch hier �ber die M�glichkeit, dass der Mensch einen solchen Vorgang ausl�st. Ich denke, das d�rfte ein wenig zu �berheblich sein. Der Mensch mag ja eine Menge bewirken k�nnen, aber ich denke, wenn es um eine totale Umgestaltung der Erdoberfl�che geht, m�ssen sogar wir passen.�</p><p>�Es erscheint total verr�ckt, nicht wahr?�, sagte Trout mit einem schiefen Grinsen. Er wandte sich an Hibbet. �Sie sind der Fachmann f�r Elektromagnetismus. Was halten Sie davon?�</p><p>Hibbet betrachtete den Bildschirm. �Ich hatte keine Ahnung, dass die Anomalien im s�dlichen Ozean so schnell gewachsen sind.� Er �berlegte, dann, indem er seine Worte sehr sorgf�ltig w�hlte, fuhr er fort: �Lazio Kovacs besch�ftigte sich unter anderem auch mit den Eigenschaften von Materie und Energie. Er stellte fest, dass Materie zwischen den Zust�nden von Materie und Energie hin und her schwankt. Energie unterliegt nicht den Regeln von Raum und Zeit, daher ist der Wechsel von der einen Phase zur anderen eine Momentangelegenheit. Und Materie macht es der Energie nach. Um diese Frage zu beant�worten, m�ssen wir uns die elektromagnetischen Verh�ltnisse der Erde ansehen. Wenn sich die elektromagnetische Energie auf eine bestimmte Art und Weise ver�ndert, kann Materie�� in diesem Fall die Erdkruste�� sich ebenso ver�ndern.�</p><p>�Das hei�t, Sie halten einen geologischen Polsprung f�r m�glich�, sagte Gamay.</p><p>�Ich sage damit, dass ein vom Menschen ausgel�ster magnetischer Polsprung mit seinen tiefgreifenden, kurzfristigen Begleitumst�nden eine irreversible geologische Bewegung ausl�sen kann, zumal sich ein nat�rlicher Polsprung ank�ndigt. Alles, was n�tig ist, d�rfte ein leichter Schubser sein. Ein Hinzuf�gen oder Abzapfen elektromagnetischer Energie, wodurch das Feld ver�ndert wird, k�nnte Reaktionen auf Materienebene ausl�sen. Orkanartige St�rungen des Erdkerns oder des Magnetfeldes k�nnten f�r die Monsterwellen und den Strudel verantwortlich sein. Es w�re keine langsame Verschiebung tektonischer Platten. Die Struktur des gesamten Planeten k�nnte sich in einem winzigen Moment ver�ndern.�</p><p>�Mit welchem Ergebnis?�, fragte Gamay.</p><p>�Einem <emphasis>katastrophalen. </emphasis>Falls die Kruste sich �ber dem fl�ssigen Kern verschiebt, w�rden ungeheure Tr�gheitskr�fte wirksam. Die Verschiebung w�rde Tsunamis erzeugen, die �ber ganze Kontinente hinwegsp�len w�rden, und St�rme, gegen die Hurrikane ein laues L�ftchen w�ren. Erdbeben und Vulkanaus�br�che mit unendlichen Lavastr�men w�ren eine weitere Folge. Hinzu k�men drastische klimatische Ver�nderungen und massivste Strahlung.� Er hielt kurz inne. �Die Ausl�schung ganzer Arten w�re im Bereich des M�glichen.�</p><p>�W�hrend der letzten Jahrzehnte hat die H�ufigkeit heftiger Naturerscheinungen deutlich zugenommen�, sagte Gamay. �Ich frage mich, ob man sie als Warnzeichen ansehen soll.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Hibbet.</p><p>�Ehe wir uns irgendwelchen �ngsten hingeben, sollten wir lieber zu den Fakten zur�ckkehren�, empfahl Trout.</p><p>�Ich habe die Polsprung-Simulationen der Caltech und aus Los Alamos als Grundlage genommen. Dann habe ich die Daten hinzugef�gt, die Dr.�Adler �ber die ozeanischen St�rungen zusammengetragen hat, sowie das von Al gelieferte Material �ber die Anwendung niederfrequenter elektromagnetischer Impulse. Wir haben au�erdem das Str�mungsverhalten des fl�ssigen Erdkerns an den Stellen simuliert, wo die Magnetfelder erzeugt werden. Die Kovacs-Papiere sind sozusagen der letzte Teil der Gleichung. Wen wir jetzt alle bereit sind��� Er gab auf dem Keyboard einen Befehl ein.</p><p>Die Erdkugel verschwand vom Bildschirm und machte einer Botschaft Platz.</p><p>HALLO, PAUL, WIE GEHT ES DEM BESTANGEZOGENEN MITGLIED DES SPEZIALTEAMS F�R SONDEREINS�TZE?</p><p>Max hatte ihn an seinem Passwort erkannt. Trout rutschte unbehaglich in seinem Sessel hin und her und sehnte sich nach der Zeit zur�ck, als Computer nicht mehr als reichlich dumme Maschinen waren. Er tippte ein:</p><p>HALLO, MAX, WIR SIND BEREIT F�R DIE COMPUTER-SIMULATION.</p><p>IST DAS EINE AKADEMISCHE �BUNG, PAUL?</p><p>NEIN.</p><p>Max hielt mehrere Sekunden lang inne. Es war eine unge�w�hnliche Reaktion von einem Hochgeschwindigkeitscomputer.</p><p>ZU EINEM SOLCHEN VORFALL DARF ES NICHT KOMMEN.</p><p>Trout starrte auf die Worte. Bildete er es sich nur ein, oder schien Max es tats�chlich mit der Angst zu tun zu bekommen? Er tippte die Frage:</p><p>WARUM NICHT?</p><p>DIE FOLGE WIRD DIE TOTALE VERNICHTUNG DER ERDE SEIN.</p><p>Trouts Adamsapfel machte einen krampfhaften H�pfer. Er tippte nur ein Wort:</p><p>WIE?</p><p>SO.</p><p>Der Globus erschien wieder auf dem Bildschirm, und die goldenen Flecken auf den Ozeanen gerieten in Bewegung. Der rote Fleck im S�datlantik verband sich mit anderen Flecken der gleichen Farbe, bis der gesamte Ozean unterhalb von S�damerika und S�dafrika rot leuchtete. Dann begannen die Kontinente, ihre Lage zu ver�ndern. Nord- und S�damerika vollf�hrten eine Drehung um einhundertachtzig Grad, so dass sie auf der Seite lagen. Die Punkte, die vorher den �quator angedeutet hatten, verwandelten sich in Nord- und S�dpol. Heftige Ver�nderungen der Oberfl�che breiteten sich wie eine Seuche �ber den Globus aus.</p><p>Trout gab eine weitere Frage ein und hielt den Atem an:</p><p>GIBT ES EINE M�GLICHKEIT, DIESEN PROZESS ZU NEUTRALISIEREN?</p><p>JA. LASS NICHT ZU, DASS ER BEGINNT. ER KANN NICHT UMGEKEHRT WERDEN.</p><p>GIBT ES EINE M�GLICHKEIT, DIE UMKEHRUNG AUFZUHALTEN?</p><p>ICH VERF�GE NICHT �BER GENUG DATEN, UM DIESE FRAGE ZU BEANTWORTEN.</p><p>Trout wusste, dass er so weit gegangen war, wie er konnte. Er wandte sich an die anderen. Adler und Hibbet sahen aus, als h�tte man ihnen soeben Gratistickets f�r eine Bootsfahrt auf dem Charon geschenkt.</p><p>Gamay war �hnlich betroffen, jedoch zeigte ihre Miene einen gelassenen Ausdruck, w�hrend ihre Augen entschlossen funkelten. �Da ist etwas, das keinen Sinn ergibt. Warum sollte jemand etwas in die Wege leiten, das sowohl das Ende der Welt als auch seinen eigenen Untergang zur Folge h�tte?�</p><p>Paul Trout kratzte sich am Kopf. �Vielleicht passt hier dieses alte Bild vom mit dem Feuer spielen. Es k�nnte sein, dass sie gar nicht wissen, wie gef�hrlich ihr Vorhaben ist.�</p><p>Gamay sch�ttelte den Kopf. �Irgendwie kann mich die F�higkeit unserer Spezies, mit offenen Augen in ihr Verderben zu rennen, schon gar nicht mehr verbl�ffen.�</p><p>�Kopf hoch�, sagte Trout. �Verzeih mir meinen Galgenhumor, aber wenn diese Sache durchgezogen wird, wird es �berhaupt keine Spezies mehr geben.�</p></section><section><title><p>29</p></title><p>Die meisten Amerikaner, die Kapit�n Ivanov bisher kennen gelernt hatte, waren Touristen auf Abenteuerreise durchs Neusibirische Meer gewesen. Sie waren gew�hnlich wohlhabend und mittleren Alters, ausger�stet mit Kameras und Ferngl�sern und unerschrocken, wenn es darum ging, den ein oder anderen seltenen Vogel zu verfolgen. Aber die beiden M�nner, die vom Himmel herabgekommen waren und sein Schiff bestiegen hatten, als ob es ihnen geh�rte, waren aus einem ganz anderen Holz geschnitzt.</p><p>Das Wasserflugzeug mit Austin und Zavala an Bord hatte den russischen Eisbrecher <emphasis>Kotelny </emphasis>nordwestlich der Wrangelinsel eingeholt und war dann ein paar hundert Meter vom Schiff entfernt gelandet. Kapit�n Ivanov befahl, ein Boot zu Wasser zu lassen, um die Passagiere des Wasserflugzeugs abzuholen. Er wartete an Deck neugierig auf diese Amerikaner, die �ber den politischen Einfluss verf�gten, sein Schiff als privates Taxi zu benutzen.</p><p>Der Erste, der die Jakobsleiter heraufkam, war ein breitschultriger Mann mit hellem Haar und hellblauen Augen, die in einem braun gebrannten Gesicht zu leuchten schienen. Ihm folgte ein schlankerer, dunkelh�utiger Mann, der sich mit jener kraftvoll l�ssigen Eleganz bewegte, die ein �berbleibsel aus seiner Zeit in der Boxriege seines Colleges war. Sie winkten dem Wasserflugzeug zum Abschied zu, als es zum Heimflug startete.</p><p>Der Kapit�n trat vor, um sich vorzustellen. Trotz seiner Ver�rgerung hielt er sich strikt an die Sitten und Gebr�uche der Seefahrt. Ihr H�ndedruck war kr�ftig, und hinter ihrem freundlichen L�cheln erahnte der Kapit�n eine k�hle Selbstsicherheit, die ihm verriet, dass diese beiden keine Vogelkundler waren.</p><p>Der blau�ugige Mann sagte: �Vielen Dank, dass Sie uns an Bord genommen haben, Captain Ivanov. Mein Name ist Kurt Austin, und das ist mein Freund und Kollege Joe Zavala. Wir geh�ren beide zur NUMA, der National Underwater and Marine Agency.�</p><p>Die harte Miene des Kapit�ns entspannte sich ein wenig. Er war in den Jahren, die er zur See fuhr, des �fteren NUMA-Wissenschaftlern begegnet und war von den Schiffen der Agentur und der professionellen Einstellung ihrer Besatzungen stets beeindruckt gewesen.</p><p>�Es ist mir eine Ehre, Sie als meine G�ste begr��en zu d�rfen�, sagte er.</p><p>Der Kapit�n gab seinem Ersten Maat den Befehl, mit dem Schiff wieder auf Kurs zu gehen. Er lud seine G�ste in seine Kabine ein und holte eine Flasche Wodka aus einem Schrank.</p><p>�Wie lange, bis wir an Land gehen?�, erkundigte Austin sich.</p><p>�Ich denke, in etwa zwei Stunden stehen wir vor Ivory Island�, antwortete der Kapit�n.</p><p>�Dann verzichten wir einstweilen auf den Wodka. Schaffen wir es nicht eher bis zur Insel?�</p><p>Die Augen des Kapit�ns verengten sich. NUMA oder nicht, er �rgerte sich noch immer �ber die Anweisung, den Kurs zu �ndern und zur Insel zur�ckzukehren. Der Befehl vom Marinekommando verlangte, dass er seinen Besuchern in jeder Weise entgegenkam und ihre W�nsche erf�llte, doch er brauchte damit nicht gl�cklich zu sein.</p><p>�Ja, nat�rlich, wenn wir das Tempo erh�hen�, sagte er. �Aber ich bin nicht daran gew�hnt, dass Fremde mir erkl�ren, wie schnell ich mit meinem Schiff unterwegs sein soll.�</p><p>Austin entging der ungehaltene Unterton im Tonfall des Kapit�ns nicht. �Vielleicht sollten wir doch den Wodka nehmen. Was meinst du, Joe?�</p><p>�Solange die Sonne �ber der Rahnock steht, immer�, sagte Zavala.</p><p>Der Kapit�n schenkte drei Gl�ser bis zum Rand voll und verteilte sie. Sie stie�en miteinander an, und die NUMA-M�nner kippten ihre Drinks runter und beeindruckten damit den Kapit�n, der erwartet�� ja, sogar gehofft�� hatte, dass der hochprozentige Alkohol bei seinen G�sten einen Hustenanfall ausl�sen w�rde.</p><p>Austin machte ihm ein Kompliment f�r seinen Wodka und fuhr dann fort: �Wir entschuldigen uns in aller Form, Captain, dass wir Ihr Schiff umgeleitet haben, aber es ist von �u�erster Wichtigkeit, dass wir so schnell wie irgend m�glich auf Ivory Island gelangen.�</p><p>�Aber wenn Sie es so eilig haben, warum sind Sie nicht einfach mit dem Wasserflugzeug hingeflogen?�</p><p>�Wir m�chten, dass unsere Ankunft dort m�glichst unbemerkt bleibt�, erkl�rte Austin.</p><p>Ivanov hatte M�he, ein schallendes Gel�chter zu unterdr�cken. �Die <emphasis>Kotelny </emphasis>ist nicht gerade unsichtbar.�</p><p>�Ein wichtiger Einwand. Das Schiff sollte sich m�glichst au�er Sichtweite der Insel halten. Den Rest des Weges legen wir aus eigener Kraft zur�ck.�</p><p>�Wie Sie w�nschen. Ivory Island ist sehr abgelegen. Die einzigen Leute, die Sie dort antreffen, sind einige Wissenschaftler auf einer Expedition mit dem Ziel, Wollhaarmammuts zu klonen.�</p><p>�Wir wissen von dieser Expedition�, sagte Austin. �Sie ist der Grund, weshalb wir hier sind. Zu den Wissenschaftlern geh�rt eine junge Frau namens Karla Janos. Wir glauben, dass sie in Gefahr schwebt.�</p><p>�Miss Janos war Passagierin der <emphasis>Kotelny. </emphasis>In was f�r einer Gefahr schwebt sie denn?�</p><p>�Wir glauben, dass auf der Insel irgendwelche Leute sind, die sie t�ten wollen.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Allzu viele Einzelheiten wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass wir so schnell wie m�glich die Insel erreichen m�ssen.�</p><p>Kapit�n Ivanov griff nach dem Mikrofon der Sprechanlage des Schiffs und schickte dem Maschinenraum den Befehl �Volle Kraft voraus�. Austin hob eine Augenbraue. Karla Janos musste eine bemerkenswerte junge Frau sein. Sie hatte offensichtlich bei dem alten russischen Seewolf einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.</p><p>�Noch eine weitere Bitte, wenn es Ihnen nichts ausmacht�, sagte Austin. �Wir brauchen auf dem Schiff eine freie Fl�che, wo Joe und ich arbeiten k�nnen, ohne die Mannschaft des Schiffs zu st�ren.�</p><p>�Ja, nat�rlich. Auf dem Achterschiff ist jede Menge Platz.�</p><p>�Wir haben zwei gro�e Gep�ckst�cke mit an Bord gebracht. K�nnten Sie vielleicht daf�r sorgen, dass sie nach Achtern geschafft werden?�</p><p>�Ich werde sofort den entsprechenden Befehl geben.�</p><p>�Nur eins noch�, sagte Austin schlie�lich, w�hrend er sich erhob.</p><p>Diese Amerikaner schienen eine endlose Liste von Forderungen zu haben. �Ja, bitte?�, fragte er barsch.</p><p>�Stellen Sie die Flasche nicht weg�, meinte Austin grinsend. �Wir wollen schlie�lich noch auf Miss Janos� sichere R�ckkehr ansto�en.�</p><p>Das Stirnrunzeln des Kapit�ns verwandelte sich in ein breites Grinsen. Er schlug Austin und Zavala mehrmals auf den R�cken und ging dann voraus zum Hauptdeck. Er rief zwei Matrosen zu sich, die die gro�en Koffer hinter das Deckhaus schleppten.</p><p>Nachdem der Kapit�n sich wieder auf die Kommandobr�cke begeben hatte, verfolgten die Matrosen gespannt, wie Austin und Zavala einen runden Metallrahmen aus den Koffern holten.</p><p>Das aus Aluminiumrohren bestehende Rucksacktragegestell enthielt einen kompakten Zweitaktmotor, einen Zwanzig-Liter-Treibstofftank und einen vierfl�geligen Propeller. Sie befestigten den Rahmen an einem schmalen Sitz. Dann spannten sie Leinen vom Rahmen zu einem Baldachin aus Ripstop-Nylon, den sie vorher auf dem Deck ausgebreitet hatten. Innerhalb k�rzester Zeit hatten sie den Adventure-X-Presso, einen in Frankreich gefertigten Paraglider, zusammengebaut.</p><p>Zavala, der schon eine Vielzahl von Flugzeugtypen gesteuert hatte, betrachtete den Paraglider mit skeptischen Blicken.</p><p>�Das Ding sieht aus, als h�tten ein Ventilator und ein Friseursessel ein Kind gezeugt.�</p><p>�Tut mir leid�, sagte Austin, �aber ich habe keinen Apache-Hubschrauber in die Taschen gekriegt.�</p><p>Zavala sch�ttelte den Kopf. �Wir sollten lieber unsere restliche Ausr�stung auspacken.�</p><p>Ihr �briges Gep�ck war bereits in einer Kabine deponiert worden. Austin holte ein Halfter aus seinem Seesack, �berpr�fte das Magazin seines Bowen-Revolvers und verstaute Reservemunition in einer G�rteltasche. F�r diese Mission hatte Zavala sich f�r eine .45er Heckler &amp; Koch entschieden, die f�r die Spezialkr�fte der Armee entwickelt worden war. Au�erdem hatten sie ein GPS, einen Kompass, Walkie-Talkies, einen Erste-Hilfe-Kasten und andere Notfallhilfen bei sich. Sie trugen aufblasbare Schwimmg�rtel anstatt sperriger Schwimmwesten und schl�pften in wasserdichte �berzieher mit Wollfutter.</p><p>Ein Matrose klopfte an die T�r und �berbrachte die Einladung des Kapit�ns, ihn auf der Kommandobr�cke zu besuchen. Als sie das Steuerhaus betraten, deutete Ivanov auf einen Radarschirm und machte sie auf ein l�nglich geformtes Radarzeichen aufmerksam.</p><p>�Das ist Ivory Island. Wir sind etwa zehn Kilometer von der Insel entfernt. Wie nahe wollen Sie heran?�</p><p>Leichter Dunst stieg vom gr�nen Wasser auf, in dem zahlreiche wei�e Eisschollen trieben. Der Himmel war bedeckt. Die Sichtweite betrug weniger als anderthalb Kilometer. �Jemand soll sich ein Fernglas nehmen und Ausschau halten�, entschied Austin. �Sobald er die Insel sieht, gehen Sie vor Anker.�</p><p>Der Kapit�n breitete eine Landkarte aus. �Der Haupthafen befindet sich auf der S�dseite der Insel. Es gibt aber �berall kleine Buchten und Meeresarme.�</p><p>Nachdem er sich mit Zavala beraten hatte, entschied Austin, dass sie sich zuerst das Basislager der Expedition ansehen und dann dem Fluss landeinw�rts folgen sollten.</p><p>�Wir haben genug Treibstoff f�r gut zwei Stunden Flug bei uns, daher sollten wir so gezielt wie m�glich suchen�, sagte Austin.</p><p>Sie gingen ihre Pl�ne noch einmal durch und hatten ihren Kriegsrat soeben beendet, als der Beobachter meldete, dass er die Insel sehen k�nne.</p><p>�Joe und ich k�nnen Ihnen f�r Ihre Hilfe gar nicht genug danken�, sagte Austin zum Kapit�n.</p><p>�Gern geschehen�, erwiderte Ivanov. �Ms. Janos erinnert mich an meine Tochter. Bitte, tun Sie, was in Ihren Kr�ften steht, um ihr zu helfen.�</p><p>Auf Austins Bitte hin wurde das Schiff mit dem Heck in den Wind gedreht, und ein Teil des Decks wurde f�r den Start leer ger�umt. Zu seiner Freude stellte Austin fest, dass der Wind mit nicht mehr als zwanzig Stundenkilometern wehte. Ein st�rkerer Wind h�tte sie vielleicht zur�ckgeschoben. Er wusste auch, dass die Windgeschwindigkeit in den oberen Luftschichten h�her war.</p><p>Zuerst �bten sie den Start ohne das Baldachinsegel. Der Trick bei einem Tandemstart bestand darin, die Beinbewegungen genau zu koordinieren und sich ganz sanft in die Luft zu erheben.</p><p>�Das war nicht schlecht�, stellte Austin nach einem ersten unbeholfenen Versuch fest.</p><p>Zavala warf einen Blick zu den Matrosen hin�ber, die ihre �bungsl�ufe mit einer Mischung aus Belustigung und Entsetzen verfolgt hatten. �Ich wette, unsere russischen Freunde haben noch nie eine vierbeinige Ente gesehen.�</p><p>�Das n�chste Mal sind wir besser.�</p><p>Austins Selbstvertrauen war v�llig fehl am Platze. Sie stolperten regelrecht zum Start, doch die n�chsten beiden �bungsl�ufe waren nahezu perfekt. Sie setzten ihre Schutzbrillen auf, breiteten den Baldachin auf dem Deck aus, spannten die Leinen und verbanden sie mit dem Rucksack�gestell. Austin bet�tigte den Starterknopf, und der Motor begann leise zu summen. Der Luftdruck des Propellers f�llte den Baldachin, so dass er vom Deck aufstieg. Austin dr�ckte den Handgriff, um Gas zu geben, und sie begannen ihren schwerf�lligen, vierbeinigen Anlauf zum Heck und in den Wind. Das fast drei�ig Quadratmeter gro�e Segel wurde vom Wind erfasst und riss sie hoch in die Luft.</p><p>Austin erh�hte die Drehzahl des Propellers, und sie begannen zu steigen. Der Paraglider schaffte im Steigflug bis zu hundert Meter pro Sekunde, jedoch war seine Steigrate im Augenblick erheblich geringer, weil sie ihn im Tandembetrieb flogen. Trotzdem hatten sie schnell eine H�he von knapp zweihundert Metern erreicht. Austin zog an der linken Leine, wodurch die Fl�gelspitze leicht abknickte und der Paraglider in eine weite Linkskurve ging. Mit gut vierzig Stundenkilometern steuerten sie auf die Insel zu.</p><p>W�hrend das Land n�her kam, zog Austin beide Segelspitzen nach unten, und der Paraglider ging in einen lang gestreckten Sinkflug �ber. Sie kamen �ber die rechte Sandbank herein, die den Hafen umschloss, und beschrieben eine halbe Kehre, die sie den verlassenen Strand in Richtung des Flusses �berqueren lie�, den sie auf der Karte gesehen hatten. Austin entdeckte in der N�he des Flusses ein Objekt, doch die Nebelschwaden, die den Paraglider umh�llten, machten es schwierig, Details zu erkennen.</p><p>Zavala deutete nach unten. �Da liegt ein K�rper!�</p><p>Austin brachte den Paraglider tiefer herunter. Der K�rper lag in einem kleinen aufblasbaren Flo�, das an den Strand und ein St�ck vom Fluss weg gezogen worden war. Er sah, dass die Gestalt langes graues Haar hatte. Er lenkte den Flugapparat in den Wind, schaltete den Motor aus und zog an beiden Bremsleinen.</p><p>Das Segel sollte eigentlich wie ein Fallschirm funktionieren und aufrechte Landungen erm�glichen. Aber sie kamen zu schnell und zu steil herunter. Ihre Knie gaben nach, und sie bohrten synchron ihre Nasen in den Sand, doch wenigstens waren sie unten.</p><p>Sie klappten das Segel zusammen, l�sten sich aus dem Rucksackgestell und n�herten sich dem K�rper der Frau, der zusammengerollt in dem Flo� lag. Austin ging neben dem Flo� in die Knie und f�hlte nach dem Puls der Frau. Er war schwach, aber sie war am Leben. Er und Zavala drehten sie behutsam auf den R�cken. Blutflecken waren auf ihrer Jacke an der linken Schulter zu sehen. Austin holte den Erste-Hilfe-Kasten aus seinem Gep�ck, und Zavala �ffnete die Jacke, damit sie sich die Wunde ansehen konnten. Die Frau st�hnte und schlug die Augen auf. Sie flackerten vor Angst, als sie die beiden Fremden vor sich sah.</p><p>�Es ist alles in Ordnung�, beruhigte Zavala sie mit seiner sanften Stimme. �Wir sind hier, um Ihnen zu helfen.�</p><p>Austin setzte seine Feldflasche an ihre Lippen und gab ihr zu trinken.</p><p>�Mein Name ist Kurt, und das ist mein Freund Joe�, sagte Austin, als ein wenig Farbe in ihr Gesicht zur�ckkehrte.</p><p>�K�nnen Sie uns verraten, wie Sie hei�en?�</p><p>�Maria Arbatov�, antwortete sie mit matter Stimme. �Mein Mann��� Ihre Stimme versiegte.</p><p>�Geh�ren Sie zu der Expedition, Maria?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wo sind die anderen?�</p><p>�Tot. Alle tot.�</p><p>Austin hatte das Gef�hl, als ob jemand ihm in den Bauch getreten h�tte. �Was ist mit der jungen Frau? Karla Janos?�</p><p>�Ich wei� nicht, was mit ihr geschehen ist. Sie haben sie mitgenommen.�</p><p>�Dieselben Leute, die auf Sie geschossen haben?�</p><p>�Ja. Elfenbeinj�ger. Sie haben meinen Mann, Sergei, get�tet, und die beiden Japaner.�</p><p>�Wo ist das passiert?�</p><p>�Im alten Flussbett. Ich bin zum Lagerplatz zur�ckgekrochen und habe das Flo� in den Fluss geschoben.� Ihre Augen flackerten, und sie wurde ohnm�chtig.</p><p>Sie untersuchten die Schulter genauer. Die Wunde war nicht t�dlich, aber Maria hatte eine Menge Blut verloren. Zavala s�uberte und verband die Wunde. Austin rief w�hrenddessen die <emphasis>Kotelny </emphasis>�ber sein Sprechfunkger�t.</p><p>�Wir haben eine verletzte Frau am Strand gefunden�, meldete er dem Kapit�n.</p><p>�Miss Janos?�</p><p>�Nein. Maria Arbatov, eine der Wissenschaftlerinnen der Expedition. Sie braucht medizinische Hilfe.�</p><p>�Ich schicke sofort ein Boot mit meinem Arzt zu Ihnen r�ber.�</p><p>Austin und Zavala machten es Maria Arbatov so bequem wie m�glich. Das Boot traf mit dem Arzt und zwei Matrosen ein. Sie luden die Frau vorsichtig an Bord und kehrten zum Eisbrecher zur�ck.</p><p>Austin und Zavala h�ngten sich wieder in den Paraglider. Diesmal erfolgte der Start viel glatter als vom Eisbrecher aus�� Sobald sie an H�he gewonnen hatten, lenkte Austin den Paraglider am Fluss entlang. Durch Maria gewarnt, hielten sie aufmerksam Ausschau nach Elfenbeinj�gern. Minuten sp�ter landeten sie weich auf dem Permafrost in der N�he der alten Baracken und H�tten. Sie holten ihre Waffen aus den Halftern und schlichen langsam auf die Siedlung zu.</p><p>W�hrend Joe ihm R�ckendeckung gab, untersuchte Austin das Hauptzelt. Im Abfalleimer fand er frische Eierschalen, Beweis f�r ein k�rzlich eingenommenes Fr�hst�ck. Sie warfen einen Blick ins kleinere Zelt, dann gingen sie weiter zu den Schuppen. Alle Geb�ude waren unverschlossen bis auf eins. Sie zerschmetterten das Vorh�ngeschloss mit einem Felsbrocken. Das Schloss selbst hielt der Attacke stand, aber die N�gel, die den Verschluss um das morsche Holz herum festhielten, gaben nach. Sie �ffneten die T�r und traten ein. Ein moschusartiger Tiergeruch legte sich auf ihre Schleimh�ute. Der Lichtbalken, der durch die T�r�ffnung drang, fiel auf ein mit Pelz bedecktes Lebewesen, das auf dem Tisch ruhte.</p><p>�So etwas d�rftest du im Zoo in Washington nicht zu sehen bekommen�, sagte Zavala.</p><p>Austin beugte sich �ber den gefrorenen Kadaver und untersuchte den kurzen R�ssel und die viel zu kleinen Sto�z�hne. �Jedenfalls nicht, solange sie keine Pr�historische Abteilung eingerichtet haben. Der Gr��e nach zu urteilen d�rfte das der Kadaver eines Mammutbabys sein.�</p><p>�Der Konservierungszustand ist unglaublich�, sagte Zavala. �Es sieht aus wie gefriergetrocknet.�</p><p>Nachdem sie das gefrorene Tier einige Minuten lang untersucht hatten, gingen sie wieder nach drau�en. Austin entdeckte Stiefelabdr�cke im Permafrost, die zu einem Pfad f�hrten, der entlang des Flusses verlief. Sie starteten mit dem Paraglider von einem niedrigen H�gel und folgten dem gewundenen Verlauf des Flusses, weil sie davon ausgingen, dass Maria Arbatov nicht allzu weit von dem Wasserlauf entfernt gewesen war, als sie angeschossen wurde. Unweit einer Gabelung in einer schmalen Schlucht sah Austin schlie�lich drei Gestalten liegen. Er kreiste �ber der Gegend, fand jedoch keinerlei Anzeichen f�r die Anwesenheit von Elfenbeinj�gern und landete deshalb in n�chster N�he zu der Erdrinne.</p><p>Sie kletterten die B�schung hinunter und n�herten sich den drei Gestalten. Die drei M�nner waren erschossen worden. Austin biss die Z�hne zusammen, und aus seinen hellblauen Augen verfl�chtigte sich auch noch der letzte Rest von W�rme. Er dachte an Maria Arbatovs qualvolle Flucht flussabw�rts und schwor sich, dass wer immer dieses Werk vollbracht hatte, in voller H�he daf�r bezahlen w�rde.</p><p>Zavala beugte sich �ber Fu�spuren im groben Sand. �Diese Kerle haben sich nicht einmal die M�he gemacht, ihre Spuren zu verwischen. Ihnen zu folgen d�rfte nicht allzu schwierig sein.�</p><p>�Dann los, machen wir ihnen unsere Aufwartung�, entschied Austin.</p><p>Mit den Pistolen schussbereit in den H�nden, folgten sie den Fu�abdr�cken durch den gewundenen Canyon. Als sie um eine Ecke bogen, stie�en sie auf eine vierte Leiche.</p><p>Zavala kniete sich neben den Mann. �Eine Messerwunde zwischen den Schulterbl�ttern. Seltsam. Dieser Gentleman wurde nicht erschossen wie die anderen Leute. Ich w�sste gerne, wer er ist.�</p><p>Austin drehte die Leiche auf den R�cken und blickte in ein unrasiertes Gesicht. �Nicht gerade die Art von Physiognomie, die man bei einer Handelskonferenz erwarten w�rde.�</p><p>Der Boden in der n�heren Umgebung des Mannes wies Spuren eines Ringkampfs auf, und Fu�abdr�cke f�hrten von der Leiche weg. Austin glaubte die kleineren Fu�abdr�cke einer Frau zwischen den anderen erkennen zu k�nnen. Sich noch leiser bewegend, setzten sie den Weg durch die Schlucht fort und gelangten zu einer Stelle, wo die Fu�abdr�cke endeten und wo die B�schung abgerutscht war.</p><p>Sie kletterten aus der Schlucht heraus und nahmen die Spur wieder im Permafrost auf. Obgleich die Landschaft eben war und sie kilometerweit blicken konnten, entdeckten sie bis auf ein paar in der Luft kreisende Seev�gel keinerlei Lebenszeichen. Die Spur f�hrte zu einer flachen Senke, die vor einem H�hleneingang endete.</p><p>�Jemand hat hier offensichtlich gegraben�, stellte Zavala fest.</p><p>�Sehr gut kombiniert, Sherlock.� Austin hob einen Presslufthammer hoch, der mit einem tragbaren Kompressor verbunden war. Beides hatte unweit des H�hleneingangs im Gesteinsschutt gelegen.</p><p>Zavalas scharfer Blick untersuchte das teilweise geschw�rzte Ger�ll rund um die H�hlen�ffnung. �Okay, Watson, gesprengt wurde hier ebenfalls.�</p><p>Austin sch�ttelte den Kopf. �Wir sind zwar erst weniger als eine Stunde hier, aber ich entwickle schon jetzt eine tiefe Abneigung gegen Ivory Island.�</p><p>Er kroch in das Loch und kam eine Minute sp�ter kopfsch�ttelnd wieder heraus. �Es w�re der reinste Selbstmord. Wir wissen nicht, wie weit es hineingeht. Und wir haben noch nicht einmal eine Taschenlampe.�</p><p>Sie kehrten zu ihrem Paraglider zur�ck, riefen den Eisbrecher und baten Ivanov, ein paar M�nner her�berzuschicken, um die Toten einzusammeln und Lampen heranzuschaffen. Austin empfahl, die M�nner mit Waffen auszur�sten. Das besondere Interesse des Kapit�ns ber�cksichtigend, meinte Austin noch, er hoffe, dass Karla noch am Leben war. Der Kapit�n meldete, Maria Arbatov sei fachkundig versorgt worden, und es gehe ihr den Umst�nden entsprechend gut. Dann w�nschten sie einander Gl�ck und unterbrachen die Verbindung.</p><p>Austin benutzte ihre Startposition als zentralen Bezugspunkt und flog dann eine weiter werdende Spirale, die den �berblick �ber ein gro�es Gebiet gestattete. Sie sahen jedoch nur gleichf�rmigen Permafrost. Austin war schon im Begriff, zum Strand zur�ckzukehren und dort auf das Boot des Eisbrechers zu warten, als Zavala ihm etwas ins Ohr rief.</p><p>Austins Blick folgte Zavalas deutendem Finger, und er entdeckte eine eindeutig identifizierbare Spur, die am Hang des Vulkans aufw�rtsf�hrte. Sie flogen zum Vulkan und sahen, dass der Weg nicht nat�rlichen Ursprungs war, sondern dass es sich um eine Reihe von Serpentinen handelte, die in den Berghang hineingeschnitten worden waren. Austin vermutete, dass hier die Hand eines Menschen mit im Spiel gewesen sein musste.</p><p>�Das sieht fast so aus wie eine Art Stra�e�, sagte Austin.</p><p>�Genau das habe ich mir auch gedacht. Sollen wir es uns mal ansehen?�</p><p>Die Frage war unn�tig. Austin hatte mit dem Paraglider bereits eine Kehre geflogen, und sie steuerten auf den Rand der Caldera zu.</p></section><section><title><p>30</p></title><p>Die unterirdische Stadt erstreckte sich schachbrettartig unter der kuppelf�rmig gew�lbten Decke einer riesigen H�hle. Die uralte Metropole war von der Sonne abgeschnitten und h�tte in totaler Dunkelheit liegen m�ssen, jedoch erstrahlte sie in einem silbrig gr�nen Licht, das von jedem Geb�ude und jeder Stra�e ausgestrahlt zu werden schien.</p><p>�Wie kommt es, dass alles so hell leuchtet?�, fragte Schroeder, w�hrend er mit Karla an seiner Seite durch eine Stra�e humpelte.</p><p>�Ich habe mich im Zuge eines Kurses in Geologie auch mit Licht aussendenden Mineralien besch�ftigt�, sagte Karla.</p><p>�Einige Mineralien beginnen unter dem Einfluss von ultravioletter Strahlung zu leuchten. Andere leuchten aufgrund von Strahlung oder chemischer Ver�nderung. Aber wenn wir richtig liegen und dies ein alter Vulkan ist, dann haben wir es vielleicht mit einem thermoluminiszenten Effekt zu tun, der durch W�rme ausgel�st wird.�</p><p>�K�nnte dies eine alte Magmakammer sein?�, fragte Schroeder.</p><p>�M�glich ist das schon. Aber ich wei� es nicht. In einem Punkt bin ich mir jedoch ganz sicher.�</p><p>�Und der w�re, meine Liebe?�</p><p>Sie blickte geradezu and�chtig auf die leuchtenden Bauwerke, die sich in jede Richtung erstreckten. �Wir sind Fremde in einem fremden Land.�</p><p>Nachdem sie den Tunnel verlassen hatten, der zu der Stadt f�hrte, waren sie unter einem Spitzbogen hindurch- und �ber eine breite Rampe zu einem offenen Platz hinuntergegangen, in dessen Mitte sich eine aus massiven Steinquadern erbaute Stufenpyramide erhob. Das Prozessionsmotiv inklusive der domestizierten Wollhaarmammuts setzte sich auf den �u�eren Etagen der Pyramide fort, obgleich hier die Farben bei Weitem nicht so kr�ftig waren wie im Tunnel. Karla vermutete, dass dies ein Tempel oder ein Podium f�r Priester oder Redner war, von wo aus sie sich an die Menschen wandten, die sich auf dem Platz versammelt hatten.</p><p>Eine gepflasterte Prachtstra�e von etwa zwanzig Metern Breite f�hrte ins Zentrum der Stadt. Sie waren �ber den Boulevard geschlendert wie ein Touristenpaar, das von den Neonreklamen des Broadway verzaubert wurde. Die Geb�ude waren viel kleiner als die Wolkenkratzer Manhattans�� h�chstens drei Stockwerke hoch �, dennoch waren sie architektonische Wunderwerke, wenn man ihr vermutliches Alter ber�cksichtigte.</p><p>Die Promenade war mit Podesten ges�umt. Die Statuen, die einst auf ihnen gestanden hatten, lagen als nicht identifizierbare Schutthaufen neben und hinter ihnen, als w�ren sie von Vandalen mutwillig umgesto�en worden.</p><p>Schroeder entlastete seinen l�dierten Fu�kn�chel ein wenig, dann untersuchten er und Karla zwei Geb�ude, doch sie waren so leer, als w�ren sie von einem riesigen Besen ausgefegt worden.</p><p>�Was meinst du, wie alt dies hier ist?�, fragte Schroeder, w�hrend sie tiefer in die Stadt eindrangen.</p><p>�Jedes Mal, wenn ich versuche, mich auf ein Datum festzulegen, entdecke ich neue Widerspr�che. Die Tatsache, dass die Wandmalereien Menschen und Mammuts in friedlicher Koexistenz zeigen, verlegt diese Stadt ins Pleistoz�n. Dies war ein Zeitraum, der sich von vor eins Komma acht Millionen Jahren bis vor zehntausend Jahren erstreckte. Selbst wenn wir uns auf das j�ngste Datum von zehntausend Jahren festlegen, ist der hohe Grad von Zivilisation, den wir hier erkennen k�nnen, absolut erstaunlich. Wir sind immer davon ausgegangen, dass der Mensch sich erst sehr viel sp�ter aus seinem primitiven Stadium weiterentwickelt hat. Die �gyptische Zivilisation ist erst f�nftausend Jahre alt.�</p><p>�Was meinst du, wer diese wundersch�ne Stadt erbaut hat?�</p><p>�Alte Sibirer. Diese Insel war mit einem arktischen Kontinentalsockel verbunden, der zum Festland geh�rte. Ich habe keine Zeichnungen von Booten gesehen, was darauf schlie�en l�sst, dass es sich um eine ans Festland gebundene Gesellschaft gehandelt hat. Dem �u�eren Anschein nach war dies eine reiche Stadt.�</p><p>�Wenn es eine derart bl�hende Gesellschaft war, weshalb ist sie untergegangen?�</p><p>�Vielleicht ist sie gar nicht untergegangen. Vielleicht ist sie ganz einfach an einen anderen Ort umgezogen und bildete dort die Basis f�r eine ganz andere Gesellschaft. Es gibt Hinweise, dass sowohl Europ�er wie auch Asiaten Nordamerika bev�lkert haben.�</p><p>W�hrend Schroeder sich die aus Karlas Analyse ergebenden Schlussfolgerungen durch den Kopf gehen lie�, waren hinter ihnen aus Richtung des Stadttors aufgeregte Stimmen zu vernehmen. Er drehte sich um und schaute zur�ck. Lichtpunkte bewegten sich im Bereich des gro�en Platzes. Die Elfenbeinj�ger waren ebenfalls auf die Stadt gesto�en.</p><p>�Wir sind hier drau�en im Freien eine leichte Beute f�r unsere Verfolger�, sagte Schroeder. �Wir k�nnen sie leicht absch�tteln, wenn wir diese sch�ne Avenue schnellstens verlassen.�</p><p>Er schl�pfte in eine Gasse, die zu einer schmalen Seitenstra�e f�hrte. Hier waren die H�user kleiner als auf dem Haupt�boulevard. Keins war h�her als ein Stockwerk. Sie schienen eher als Wohnh�user gedient zu haben und waren keine gro�artigen, f�r bestimmte Zeremonien reservierte Geb�ude, wie sie die Hauptstra�e s�umten.</p><p>Als ehemaliger Soldat hatte Schroeder mit einem Blick ihre Verteidigungsm�glichkeiten beurteilt. Die Stadt war ein riesiges Labyrinth von Hunderten von Stra�en. Selbst bei dem st�ndig vorhandenen Lichtschein, der die Stadt einh�llte, w�rden ihre Verfolger sie niemals fangen k�nnen, wenn sie nur wachsam waren und st�ndig in Bewegung blieben. Gleichzeitig war Schroeder sich bewusst, dass sie nicht ewig auf der Flucht sein k�nnten. Irgendwann w�rde ihnen die Nahrung und das Wasser ausgehen. Oder ihr Gl�ck.</p><p>Er hatte die Absicht, zur anderen Seite der Stadt zu gelangen. Er hatte die Hoffnung, gest�tzt durch die relativ gute Luftqualit�t, dass dort ein Ausweg existierte. Die Menschen, die diese unterirdische Metropole erbaut hatten, schienen dies mit einer gewissen Logik und Vernunft getan zu haben. Daraus folgerte er, dass es nur logisch und vern�nftig war, wenn es mehr als nur eine M�glichkeit gab, die Stadt zu betreten und wieder zu verlassen. Sie hatten die Stadt fast zur H�lfte durchquert, als Karla einen erschreckten Schrei ausstie�.</p><p>Sie krampfte ihre Finger um Schroeders Arm, und er riss die Maschinenpistole von seiner Schulter. �Was ist los?� Er lie� den Blick �ber die stummen Hausfassaden gleiten, als ob er erwartete, die grinsenden Gesichter der Elfenbeinj�ger hinter den Fenstern zu sehen.</p><p>�Jemand ist diese Gasse dort hinuntergerannt.�</p><p>Schroeder folgte ihrem Finger mit den Augen. Obgleich die Geb�ude ihr eigenes Licht produzierten, standen sie dicht beieinander, und der wenige Platz zwischen ihnen lag in tiefem Schatten.</p><p>�Etwas oder jemand?�</p><p>�Ich�� ich wei� es nicht.� Sie lachte. �Vielleicht bin ich schon zu lange hier unten.�</p><p>Schroeder hatte schon immer seinen Sinnen mehr vertraut als seinen analytischen F�higkeiten. �Warte hier�, sagte er. Er n�herte sich der Gasse, wobei er den Finger am Abzug hatte. Er schlich sich an die M�ndung der Gasse heran, schob den Kopf um die Ecke und knipste die Taschenlampe an. Nach ein paar Sekunden machte er kehrt und kam zur�ck. �Nichts�, sagte er.</p><p>�Tut mir leid. Dann habe ich es mir nur eingebildet.�</p><p>�Komm�, sagte er und ging zu Karlas �berraschung auf die Gasse zu.</p><p>�Wo willst du hin?�</p><p>�Falls da drau�en irgendetwas ist, dann sollten lieber wir uns anschleichen als umgekehrt.�</p><p>Karla z�gerte. Ihr erster Impuls war gewesen, in die andere Richtung zu fl�chten. Aber Schroeder schien zu wissen, was er tat. Sie beeilte sich, ihn einzuholen.</p><p>Die Gasse f�hrte zu einer anderen Stra�e, die �hnlich mit Geb�uden ges�umt war. Ansonsten war sie verlassen. Zu sehen waren kleine gedrungene Bauten, deren Fenster wie tote Augen in das seltsame Zwielicht blickten. Schroeder �berpr�fte seinen inneren Kompass und schlug abermals eine Richtung ein, von der er hoffte, dass sie auf diesem Weg das andere Ende der Stadt erreichen w�rden.</p><p>Nachdem sie ein paar Blocks weit gegangen waren, blieb Schroeder pl�tzlich stehen und brachte seine Maschinenpistole in Anschlag. Nach ein paar Sekunden lie� er die Waffe sinken und rieb sich die Augen. �Dieses seltsame Licht macht mich noch verr�ckt. Jetzt fange ich sogar schon an, irgendwelche Dinge zu sehen. Bei mir war es jemand, der von einer Stra�enseite auf die andere rannte.�</p><p>�Nein. Ich habe es ebenfalls gesehen�, sagte Karla. �Es war gro�. Ich glaube nicht, dass es ein Mensch war.�</p><p>Schroeder setzte den Weg fort. �Das ist gut. Mit Menschen haben wir n�mlich in der letzten Zeit wenig Gl�ck gehabt.�</p><p>Karlas Nase fing einen vertrauten moschusartigen Geruch auf. In dem Schuppen, in dem das Mammutjunge lag, hatte es genauso gerochen. Schroeders Schleimh�ute hatten den Geruch ebenfalls wahrgenommen.</p><p>�Das riecht wie in einer Scheune�, sagte er.</p><p>Die Mischung aus Morast, Tieren und Mist wurde intensiver, w�hrend sie durch die Gasse zu einer weiteren Stra�e gingen. Diese Stra�e endete auf einem Platz �hnlich dem, den sie am Eingang zur Stadt gesehen hatten. Dieser Platz hier hatte einen rechteckigen Grundriss mit einer Seitenl�nge von ungef�hr siebzig Metern. Ebenso wie der erste Platz wurde er von einer etwa zwanzig Meter hohen Stufenpyramide beherrscht. Was Karlas Aufmerksamkeit jedoch viel mehr fesselte, war die unmittelbare Umgebung der Pyramide.</p><p>Im Gegensatz zum ersten Platz, dessen Pflaster aus den gleichen leuchtenden Steinen bestand wie die restliche Stadt, sah dieser Platz hier aus, als ob er mit einer dichten Schicht Unkraut oder Gras bedeckt w�re. Karlas erster Eindruck war, dass sie einen unbearbeiteten Garten vor sich hatte, wie man sie manchmal in �ffentlichen Parks sehen kann. Das ergab keinen Sinn, wenn man sich den Mangel an Sonnenlicht vor Augen hielt. Von ihrer nat�rlichen Neugier angetrieben, ging sie auf die Pyramide zu.</p><p>Die Vegetation begann sich zu bewegen.</p><p>Schroeders vom Alter m�de Augen hatten Schwierigkeiten, in dem Zwielicht etwas zu erkennen, aber die Bewegung entging ihm nicht. Das jahrelange Training meldete sich. Ihm war beigebracht worden, dass die beste Versicherung, wenn man sich einer m�glichen Gefahr gegen�bersieht, immer ein Bleivorhang ist. Er trat vor Karla und brachte die Maschinenpistole in der H�fte in Anschlag. Sein Finger spannte sich um den Abzug, w�hrend er sich innerlich darauf vorbereitete, den Platz mit einem Bleiregen einzudecken.</p><p>�Nein!�, schrie Karla.</p><p>Sie legte eine Hand auf seine Brust.</p><p>Der Platz geriet in Wallung, und aus der sich bewegenden Masse drang ein Schnauben und ein �chzen und das Geraschel schwerer K�rper, die anfingen, sich zu bewegen. Was ausgesehen hatte wie Vegetation, l�ste sich auf und wurde durch gro�e pelzige Klumpen von den Ausma�en gro�er Schweine ersetzt.</p><p>Schroeder starrte die Kreaturen an, die sich auf dem Platz dr�ngten. Sie hatten kurze R�ssel und aufw�rtsgerichtete Sto�z�hne, und ihre K�rper waren mit Pelz bedeckt. Die Bedeutung dessen, was er sah, d�mmerte ihm nur langsam.</p><p>�Elefantenbabys!�</p><p>�Nein�, sagte Karla, die trotz ihrer namenlosen Aufregung erstaunlich ruhig war. �Es sind Zwergmammuts.�</p><p>�Das kann nicht sein. Mammuts sind ausgestorben.�</p><p>�Ich wei�, aber sieh genau hin.� Sie richtete die Taschenlampe auf die Tiere. Ein paar blickten zum Licht und zeigten ihre gl�nzenden runden Augen, die bernsteinfarben schimmerten. �Elefanten haben keinen solchen Pelz.�</p><p>�Das ist unm�glich�, sagte Schroeder, als h�tte er Schwierigkeiten, sich selbst zu �berzeugen.</p><p>�Nicht ganz. Spuren von Zwergmammuts, die auf der Wrangelinsel gefunden wurden, lie�en sich bis 2000 vor Christus zur�ckdatieren. Das ist nur ein winziger Moment in der langen Erdgeschichte. Aber du hast Recht, wenn du sagst, es sei unglaublich. N�her als bis an die versteinerten Knochen ihrer Vorfahren bin ich an diese Tiere noch nie herangekommen.�</p><p>Schroeder sch�ttelte entgeistert den Kopf. �Weshalb rennen sie nicht weg?�</p><p>Die Mammuts schienen geschlafen zu haben, als sie von den menschlichen Eindringlingen gest�rt worden waren, aber sie hatten keine Angst. Sie trotteten einzeln, zu zweit oder in kleinen Gruppen auf dem Platz herum und zeigten nur wenig oder keinerlei Neugier an den Fremden.</p><p>�Sie erwarten nicht, dass wir ihnen irgendeinen Schaden zuf�gen�, sagte Karla. �Wahrscheinlich haben sie noch nie Menschen gesehen. Ich vermute, dass sie aus den ausge�wachsenen Tieren hervorgingen, die wir auf den Wandgem�lden gesehen haben. Im Laufe der Generationen haben sie sich an den Mangel an Sonnenlicht und Nahrung angepasst.�</p><p>Schroeder betrachtete die Herde Zwergmammuts und fragte: �Karla, wie leben sie?�</p><p>�Es gibt genug Luft. Vielleicht dringt sie durch die Decke oder durch Risse, von denen wir keine Ahnung haben. Vielleicht haben sie auch gelernt, Winterschlaf zu halten, um Nahrung zu sparen.�</p><p>�Ja, ja, aber was fressen sie?�</p><p>Sie schaute sich um. �Irgendwo muss es eine Nahrungsquelle geben. Vielleicht gehen sie hinaus ins Freie. Moment mal! Vielleicht ist dies dem sogenannten Baby zugesto�en, das die Expedition gefunden hat. Es war auf Nahrungssuche!�</p><p>�Wir m�ssen in Erfahrung bringen, wohin sie gehen�, sagte Schroeder. Er ging in Richtung Pyramide, mit Karla im Schlepptau. Die Mammuts wichen aus und machten Platz. Einige lie�en sich Zeit dabei, den Weg freizumachen, und streiften die Menschen, die sich einen Pfad zwischen riesigen Dunghaufen hindurch suchen mussten. Sie erreichten die Pyramide und begannen, ihre Stufen zu erklettern. Das war Gift f�r Schroeders Fu�kn�chel, und er musste auf H�nden und Knien klettern, doch er schaffte es schlie�lich bis auf die flache Spitze des Bauwerks.</p><p>Von dort aus hatten sie einen freien Blick auf den gesamten Platz. Die Tiere liefen immer noch unkontrolliert und ohne Sinn und Verstand herum.</p><p>Karla z�hlte die Tiere und rechnete sich aus, dass es an die zweihundert waren. Schroeder hatte das Durcheinander aus ganz anderen Gr�nden beobachtet und fand nach einigen Minuten, wonach er Ausschau hielt.</p><p>�Sieh mal�, sagte er. �Die Mammuts bilden da dr�ben an der Ecke des Platzes eine Schlange.�</p><p>Karla schaute in die Richtung, in die Schroeder deutete. Die Tiere hatten sich in eine Stra�e gedr�ngt, als h�tten sie pl�tzlich ein gemeinsames Ziel. Andere Mammuts folgten ihnen, und schon bald dr�ngte die ganze Gruppe sich zum selben Teil des Platzes. Mit Karlas Hilfe stieg Schroeder von der Pyramide herab und folgte der abziehenden Herde.</p><p>Als sie zur Ecke kamen, war die gesamte Herde vom Platz verschwunden und zog nun durch eine enge Stra�e, die zum Hauptboulevard zur�ckf�hrte. Sie gaben sich alle M�he, die Tiere nicht zu erschrecken, obgleich diese Gefahr offenbar �berhaupt nicht bestand. Die Mammuts schienen die Fremden als neue Mitglieder der Herde akzeptiert zu haben.</p><p>Nach etwa zehn Minuten beobachteten sie, wie die Stadt sich zu ver�ndern begann. Einige der H�user auf beiden Seiten waren besch�digt. Ihre Mauern waren eingest�rzt, als w�ren sie von Planierraupen gerammt worden. Schlie�lich gelangten sie in eine Region, die aussah, als sei sie mit Bomben eingedeckt worden. Es gab keine frei stehenden Geb�ude mehr, nur noch leuchtende Schutthaufen, die sich mit riesigen Brocken abwechselten, die aus einem anderen, nicht leuchtenden Mineral bestanden.</p><p>Der Anblick weckte bei Schroeder unliebsame Erinnerungen. Er blieb stehen, um seinen Kn�chel zu schonen, und betrachtete die zerst�rte Landschaft. �Das erinnert mich an Berlin am Ende des Zweiten Weltkriegs. Komm. Wir m�ssen uns beeilen, sonst verlieren wir sie.�</p><p>Karla wich einem weiteren Dunghaufen aus. �Ich glaube, bei der Spur, die sie hinterlassen, brauchen wir uns darum keine Sorgen zu machen.�</p><p>Schroeders tiefes Lachen hallte von Schuttw�nden wider, die nun auf beiden Stra�enseiten aufragten. Karla stimmte trotz ihrer Ersch�pfung und �ngste mit ein, aber sie legten nun mehr Eile an den Tag, und zwar eher aus dem Bestreben heraus, einen Ausweg aus dieser Lage zu finden, und nicht so sehr, um die Herde nicht zu verlieren.</p><p>Mehr Steine bestanden aus dem nicht leuchtenden Material. Dann war von den leuchtenden Felsen gar nichts mehr zu sehen, und der Weg vor ihnen verdunkelte sich. Karla knipste ihre Taschenlampe an, und ihr matter Strahl beleuchtete die Schw�nze der Mammuts. Die Lebewesen hatten keine Schwierigkeiten, in der Dunkelheit ihren Weg zu finden, Karla vermutete, dass ihre Augen sich an den Lichtmangel ebenso angepasst hatten wie ihre zusammengeschrumpften K�rper an den beschr�nkten Nahrungsvorrat.</p><p>Dann erlosch die Taschenlampe. Sie folgten der Herde, indem sie sich am Schlurfen und Scharren der zahlreichen F��e und dem Chor der Grunzlaute und des Schnaubens orientierten. Die totale Finsternis nahm einen bl�ulichen Schimmer an und f�rbte sich langsam dunkelgrau. Sie konnten die pelzigen Leiber etwa zwanzig Meter vor sich erkennen. Die Tiere schienen jetzt schneller unterwegs zu sein. Aus Grau wurde Wei�. Der Weg machte einen Schwenk nach rechts, dann nach links, und pl�tzlich waren sie drau�en im Freien und blinzelten geblendet im Sonnenschein.</p><p>Die Mammuts zogen weiter, doch die beiden Menschen blieben stehen und �berschatteten ihre Augen mit den H�nden. W�hrend sich ihre Pupillen an die ungewohnte Helligkeit anpassten, betrachteten sie ihre Umgebung durch zusammengekniffene Lider. Sie waren durch einen Spalt in einem niedrigen Felsvorbau ins Freie gelangt und standen nun am Rand einer nat�rlichen Sch�ssel, die einen Durchmesser von einigen hundert Metern hatte. Hungrig weideten die Mammuts den k�mmerlichen Grasbewuchs ab, der den Boden der Sch�ssel bedeckte.</p><p>�Das ist geradezu unglaublich�, sagte Karla. �Diese Wesen haben sich an zwei Welten angepasst: an eine Welt der Dunkelheit und an eine Welt des Lichts. Sie sind ein wahres Wunder an Anpassungsf�higkeit und zugleich ein totaler Anachronismus.�</p><p>�Hm, ja, sehr interessant�, sagte Schroeder mit desinteressierter Stimme. Er war nicht unh�flich, sondern er dachte nur praktisch. Ihm war klar, dass sie alles andere als sicher waren. Ihre Verfolger konnten ihnen dicht auf den Fersen sein. Er lie� den Blick �ber die Wand aus wuchtigen, geschw�rzten Felskl�tzen gleiten, die das nat�rliche Becken umrahmten, und schlug vor, den Rand des Beckens aufzusuchen und nach einem Weg hinaus Ausschau zu halten.</p><p>Karla trennte sich nur ungern von der Mammutherde, doch sie kletterte mit Schroeder auf einen H�gel am Rand des Feldes mit den m�chtigen Felsbrocken. Teils waren sie so gro� wie Autos, teils so gro� wie H�user. Stellenweise t�rmten sie sich zu fast drei�ig Meter hohen Haufen auf. Einige der Felsbrocken waren so dicht zusammengef�gt, dass man nicht einmal eine Messerklinge h�tte dazwischenschieben k�nnen.</p><p>Es gab �ffnungen in der Felsmauer, doch die waren nur wenige Meter tief. W�hrend sie an der undurchdringlich erscheinenden Mauer entlangwanderten, verlie� Karla der Mut. Sie waren dem Feuer entkommen, nur um in einer riesigen Bratpfanne zu enden. Schroeder hingegen schien durch die frische Luft regelrecht wiederbelebt zu werden. Er ignorierte die Schmerzen in seinem Kn�chel und suchte stattdessen mit aufmerksamen Blicken die Gesteinsmauer ab. Er verschwand in einem Spalt und stie� nach wenigen Minuten einen Freudenschrei aus.</p><p>Schroeder tauchte in der Spalt�ffnung auf und verk�ndete, dass er einen Weg durch die Barriere gefunden hatte. Er ergriff Karlas Hand, als m�sste er ein kleines Kind f�hren, und sie drangen ein in das Gewirr von Monolithen. Sie waren nur ein paar Schritte weit gekommen, als hinter einem alleinstehenden Felsklotz ein Mann hervortrat. Es war Grisha, der Anf�hrer der m�rderischen Elfenbeinj�ger.</p></section><section><title><p>31</p></title><p>Austin blickte in die g�hnende Caldera, w�hrend der Paraglider wie ein Kondor durch eine L�cke im Kraterrand rauschte. Der Weg, dem sie den Hang des Vulkans hinauf gefolgt waren, verlief durch den Einschnitt und senkte sich bis zur Mitte der Caldera ab, wo er vor einer nicht allzu hohen Klippe endete. Auf der gegen�berliegenden Seite des Kraters st�rzte der Rand fast senkrecht zu einem Gesteinsfeld auf dem Grund der Sch�ssel ab. Eine nahezu kreisrunde Gr�nfl�che war zwischen dem unteren Ende des Abhangs und dem Irrgarten aus geschw�rzten Felskl�tzen eingeklemmt.</p><p>Austin lenkte den Paraglider in einer gem�tlichen Spirale in den Krater hinein und hielt dann Ausschau nach einem geeigneten Landeplatz.</p><p>�Was ist das denn da unten?� Zavala deutete auf den Fu� des Abhangs, wo der Weg endete. �Sieht aus wie eine Herde K�he.�</p><p>Austin blinzelte durch die Gl�ser seiner Schutzbrille. �Viel zu pelzig f�r K�he. Vielleicht sind es Yaks.�</p><p>�Nach allem, was wir durchgemacht haben, gibt�s noch nicht mal anst�ndige Rindersteaks.�</p><p>Austin kr�mmte sich innerlich bei diesem Kalauer, aber seine Qualen waren nicht von langer Dauer. Zavala lenkte seine Aufmerksamkeit auf einen anderen Bereich der Gr�nfl�che.</p><p>�Mich laust der Affe�, sagte Austin. �<emphasis>Menschen!</emphasis>�</p><p>Die Gruppe stand am Rand des Gesteinsfeldes. W�hrend der Paraglider in den Sinkflug ging, beobachtete Austin, wie jemand eine andere Person zu Boden schlug. Eine dritte Gestalt wollte dem Gefallenen zu Hilfe eilen, wurde jedoch zur�ckgerissen. Der Paraglider war mittlerweile weit genug gesunken, so dass Austin hellblonde Haare erkennen konnte.</p><p>�Ich glaube, wir haben Karla Janos soeben gefunden�, sagte Austin.</p><empty-line/><p>Grishas Lippen waren zu einem Grinsen verzogen, das seine schlechten Z�hne entbl��te. Er sagte etwas auf Russisch, und seine mordlustigen Komplizen tauchten hinter den Felsen auf, hinter denen sie sich versteckt hatten.</p><p>Schroeder versuchte sofort, die Situation einzusch�tzen. W�hrend er und Karla auf einem Zickzack-Kurs die Stadt durchquert hatten, konnten Grisha und seine M�nner auf dem Hauptboulevard geblieben sein und diesen Weg nach drau�en durch Zufall gefunden haben.</p><p>Grisha gab seinen Gefangenen ein Zeichen, dass sie auf dem Weg zur�ckgehen sollten, auf dem sie hergekommen waren. Als die Russen und ihre Gefangenen das Felslabyrinth verlie�en, erblickte Grisha die Wollhaarmammuts.</p><p>�Was sind das denn?�, fragte er. �Schafe?�</p><p>�Nein�, erwiderte Schroeder. �Schmetterlinge.�</p><p>Er war auf Grishas brutale Reaktion nicht vorbereitet. Der Russe mochte es gar nicht, vor seinen M�nnern l�cherlich gemacht zu werden. Er stie� ein raubtierhaftes Knurren aus, hob sein Gewehr wie einen Kn�ppel und schlug Schroeder den Lauf ins Gesicht. W�hrend Schroeder zusammenbrach, war das Letzte, was er h�rte, Karlas Schrei.</p><empty-line/><p>Zavala hatte das Drama unter ihnen genau verfolgt. �Es sieht so aus, als sei sie in schlechter Gesellschaft. Wie willst du die Sache angehen? Habicht auf Maus oder OK Corral?�</p><p>Zavala wollte von Austin wissen, ob sie sich m�glichst unbemerkt anschleichen oder mit rauchenden Colts am Ort des Geschehens erscheinen sollten.</p><p>�Wie w�re es mit Butch Cassidy and the Sundance Kid?�</p><p>�Das ist mal was Neues, aber mir soll alles recht sein.�</p><p>�Dann reich mir deine Kanone und �bernimm die Steuerung. Wir kommen von hinten. So scheint ihnen die Sonne in die Augen.�</p><p>�Wyatt Earp h�tte einen dieser Apparate gegen die Clantons gut gebrauchen k�nnen.�</p><p>�Soweit ich mich erinnere, ist er auch ohne ganz gut zurechtgekommen.�</p><p>Zavala angelte die Heckler &amp;Koch aus seinem Halfter, gab sie an Austin weiter und legte die H�nde auf die Steuerung. Sie kamen schnell herunter. Austin nahm dabei mit einer Waffe in jeder Hand eine Pose wie ein Revolverheld ein.</p><empty-line/><p>Grisha hatte einen Arm um Karlas Hals gelegt und seine Hand in ihren Haaren vergraben. Seine andere Hand dr�ckte auf ihr Gesicht, so dass sie kaum atmen konnte. Mit einer einzigen Drehung h�tte er ihr das Genick brechen k�nnen. Er war w�tend genug, sie zu t�ten, aber seine Habgier war st�rker als sein Hang zur Gewalt. Sie war lebendig mehr wert als tot.</p><p>Das bedeutete aber nicht, dass er und seine M�nner sich mit dieser sch�nen jungen Frau nicht noch ein wenig vergn�gen k�nnten. Er nahm die Hand von ihrem Gesicht und zog den Rei�verschluss ihrer Jacke auf. Entt�uscht �ber die verschiedenen Schichten warmer Kleidung darunter fluchte er und stie� sie zu Boden. Einer seiner M�nner rief ihn.</p><p>Grisha bemerkte einen Schatten, der �ber den Erdboden huschte, und blickte hoch.</p><p>Sein Mund klappte vor Staunen auf.</p><p>Ein Mann mit zwei K�pfen st�rzte sich vom Himmel herab auf ihn.</p><p>Als die Entfernung bis auf siebzig Meter geschrumpft war, begann Austin, aus beiden Pistolen zu feuern. Dabei zielte er zur Seite, damit er Karla nicht traf. Ihre Entf�hrer rannten um ihr Leben.</p><p>Da Karla nun nicht mehr im Weg war, konnte Austin seine fliehenden Ziele anvisieren, allerdings war es nicht einfach, einen gezielten Schuss anzubringen, w�hrend er sich noch in der Luft befand. Zavala br�llte Austin zu, er solle sich schon mal auf die Landung vorbereiten. Daraufhin verstaute dieser eine Pistole in einem Halfter, die andere schob er sich in den Hosenbund.</p><p>Sie versuchten, auf den F��en zu landen, aber sie waren zu schnell hereingekommen. Sie prallten auf dem Erdboden auf und rutschten ein St�ck auf H�nden und Knien. Gl�cklicher�weise federte die Vegetation den Aufprall ab. Schnell befreiten sie sich von dem Motor. W�hrend Zavala die Leine zum Segel einrollte, ging Austin hin�ber zu der blonden Frau, die neben einem �lteren Mann kniete.</p><p>�Miss Janos?�, fragte Austin.</p><p>Sie schaute Austin mit ihren ausdrucksvollen grauen Augen an. �Wer sind Sie?�</p><p>�Kurt Austin. Mein Freund Joe und ich suchen schon l�nger nach Ihnen. Sind Sie okay?�</p><p>�Ja, ich schon�, antwortete sie. �Mein Onkel braucht Hilfe.�</p><p>Austin holte den Erste-Hilfe-Kasten aus seinem Rucksack. Der Mann war immer noch bei Bewusstsein. Er lag auf dem R�cken und hatte die Augen ge�ffnet. Er konnte zwischen f�nfund�sechzig und f�nfundsiebzig Jahre alt sein, aber es war schwer zu entscheiden, weil sein markantes Gesicht mit Blut bedeckt war, das aus Verletzungen der Stirn und der Wangen sickerte.</p><p>Austin kniete sich neben ihn, s�uberte die Wunden und trug eine antiseptische Salbe auf das rohe Fleisch auf. Seine Behandlung musste ziemlich schmerzhaft sein, doch der Mann zuckte kein einziges Mal. Seine eisblauen Augen verfolgten jede Bewegung Austins.</p><p>Austin hatte seine Erste-Hilfe-Aktion kaum richtig begonnen, als der Mann sich r�hrte. �Das reicht. Helfen Sie mir auf.� Mit Austins Unterst�tzung k�mpfte Schroeder sich auf die F��e. Er war hochgewachsen und um einiges gr��er als Austin mit seinen eins f�nfundachtzig.</p><p>Karla legte einen Arm um die Taille ihres Onkels. �Geht es dir gut?�</p><p>�Ich bin ein z�hes altes Krokodil�, sagte er. �Du bist es, um die ich mir Sorgen mache.�</p><p>�Ich bin okay, dank dieser beiden M�nner.�</p><p>Austin bemerkte das enge Band, das offensichtlich zwischen dem alten Mann und der jungen Frau bestand. Er stellte sich und Zavala vor.</p><p>�Mein Name ist Schroeder�, revanchierte der Mann sich. �Vielen Dank f�r Ihre Hilfe. Wie haben Sie uns gefunden?�</p><p>�Wir haben mit einer Frau namens Maria Arbatov gesprochen.�</p><p>�<emphasis>Maria. </emphasis>Wie geht es ihr?�, wollte Karla wissen.</p><p>�Sie wird wieder auf die Beine kommen, aber ihr Mann und zwei andere M�nner wurden ermordet. Ich nehme an, es waren Ihre wissenschaftlichen Kollegen. Da war noch ein anderer Mann, den wir nicht identifizieren konnten.�</p><p>Karla blickte zu Schroeder, der das R�tsel aufkl�rte. �Er hat Karla angegriffen. Ich musste ihn aufhalten.� Er blickte hin�ber zu dem Gesteinsfeld. �Dies ist ein gef�hrlicher Ort. Sie kommen sicher zur�ck. Au�erdem besitzen sie Maschinenpistolen, und wir sind hier drau�en v�llig ungesch�tzt.�</p><p>�Dies hier ist Ihr Terrain�, sagte Austin. �Wo k�nnen wir Deckung finden?�</p><p>Schroeder deutete auf den Fu� des Abhangs, der sich vom Rand der Caldera herabschwang.</p><p>�Da unten in der Stadt.�</p><p>Austin fragte sich, ob der Mann aufgrund seiner Verletzungen pl�tzlich ins Delirium gefallen war.</p><p>�Sagten Sie �Stadt�?� Er sah lediglich die niedrigen Felsterrassen am Fu� des Berghangs.</p><p>�Das ist richtig�, best�tigte Karla. �Oh nein, die Zwerge sind verschwunden. Die Sch�sse m�ssen sie vertrieben haben.�</p><p>Jetzt war Zavala an der Reihe, sich zu fragen, ob er richtig geh�rt hatte. �Zwerge?�</p><p>�Ja�, bekr�ftigte Karla. �Kleine Wollhaarmammuts.�</p><p>Austin und Zavala wechselten vielsagende Blicke.</p><p>�Genug geredet. Wir m�ssen aufbrechen�, sagte Schroeder.</p><p>Sich an Karlas Arm festhaltend, humpelte er zum Rand der Sch�ssel. Austin und Zavala bildeten die Nachhut. Schroeders Dr�ngen, endlich loszugehen, erwies sich als guter Rat. Die Gruppe hatte den Rand der Gr�nfl�che fast erreicht, als Grisha und seine M�nner pl�tzlich aus ihrer Deckung hinter den Felsen hervorbrachen und zu schie�en begannen.</p><p>Erdfont�nen wurden hinter der Gruppe im Gras hochgeschleudert.</p><p>Es w�rde nur wenige Sekunden dauern, bis Grisha und seine M�nner sich auf die richtige Entfernung eingeschossen h�tten. Austin trieb die anderen zu gr��erer Eile an. Er machte kehrt, warf sich auf den Boden und zielte mit seinem Bowen-Revolver auf den n�chsten Russen.</p><p>Er feuerte zwei Sch�sse ab, die jedoch zu kurz waren. Grisha und seine M�nner gingen kein Risiko ein. Als Austin feuerte, h�rten sie sofort auf zu schie�en und gingen ebenfalls b�uchlings auf Tauchstation.</p><p>Austin wandte sich um und sah, dass die anderen die Felsrampe beinahe erreicht hatten. Er sprang hoch und rannte hinter ihnen her. Grishas M�nner begannen augenblicklich, wieder zu schie�en. Die Kugeln schlugen dicht hinter seinen Fersen ein, w�hrend er sich zusammen mit den anderen in eine �ffnung in der Felswand warf.</p><p>Karla sch�ttelte ihre Taschenlampe, und die Batterien hatten sich entweder erholt oder noch ein wenig Strom, denn die Birne leuchtete matt auf. Sie suchten sich ihren Weg zwischen dem Ger�ll und den Dunghaufen. Als die Taschenlampe schlie�lich endg�ltig streikte, waren sie in den Bereich vorgedrungen, wo zwischen dem Schutt vereinzelte Geb�ude stehen geblieben waren, und sie konnten von dort das Leuchten der unterirdischen Stadt erkennen. Diesem Licht strebten sie entgegen wie Motten einer Flamme und standen schon bald am Rand der unterirdischen Metropole.</p><p>Austin starrte die schimmernden Stra�en und Geb�ude entgeistert an.</p><p>�Was ist das denn, etwa das Land Oz?�, fragte er.</p><p>Karla lachte. �Das ist eine unterirdische Stadt, die aus irgendeinem Licht aussendenden Mineral erbaut wurde�, erkl�rte sie. �Wir wissen nicht, wer sie erbaut hat, aber dies sind nur die Au�enbezirke. Sie ist sehr weitl�ufig.�</p><p>Schroeder unterbrach Karlas Redefluss und sagte, sie k�nnten sich sp�ter noch ausgiebig unterhalten. Dann f�hrte er sie durch das Stra�enlabyrinth, bis sie wieder auf dem Platz standen, wo sie zuerst auf die Mammuts gesto�en waren.</p><p>Die Zwergmammuts waren auf den Platz zur�ckgekehrt und dr�ngten sich um die Pyramide. Sie schienen unruhig zu sein und schnaubten gelegentlich, w�hrend sie umhertrotteten.</p><p>Karla bemerkte, wie Austin nach seiner Pistole griff. Sie legte ihm eine Hand auf den Arm. �Es ist schon okay. Sie tun Ihnen nichts. Offenbar wurden sie durch den L�rm aufgeschreckt.�</p><p>Austin hatte w�hrend seiner Missionen, die ihn um die ganze Welt und in die Tiefen der Ozeane gef�hrt hatten, schon viel Seltsames gesehen. Aber nichts war mit diesen Lebewesen zu vergleichen, die auf diesem unterirdischen Platz herumstanden. Sie glichen von den Schwanzspitzen bis hin zu den gekr�mmten Sto�z�hnen jenen urzeitlichen Riesen, die er schon als Kind in Bilderb�chern bewundert hatte.</p><p>Zavala war �hnlich beeindruckt. �Ich dachte, diese Wesen seien l�ngst ausgestorben.�</p><p>�Sie sind ausgestorben�, sagte Karla. �Das hei�t, sie <emphasis>waren </emphasis>es. Diese Tiere sind die Nachkommen der gro�en Mammuts, die einst auf dieser Insel gelebt haben.�</p><p>�Karla�, brachte Schroeder sich in Erinnerung. �Wir sollten lieber beraten, wie wir uns vor diesen M�rdern in Sicherheit bringen k�nnen.�</p><p>�Er hat Recht�, pflichtete Austin ihm bei. �Gibt es von hier aus noch einen anderen Weg nach drau�en?�</p><p>�Ja, aber er ist lang und gef�hrlich�, sagte Karla.</p><p>�Ich schaffe ihn nicht, aber es gibt keinen Grund, weshalb ihr es nicht versuchen solltet�, sagte Schroeder. �Wenn mir jemand eine Waffe leiht, dann kann ich sie hier aufhalten, w�hrend du mit unseren neuen Freunden durch die H�hle fl�chtest.�</p><p>Austin grinste. �Netter Versuch, Onkel Karl. Aber M�rtyrer sind seit dem Mittelalter v�llig aus der Mode. Wir bleiben zusammen.�</p><p>�Ich fange gerade an, diesen Ort zu m�gen�, sagte Joe. �Warm. Romantische Beleuchtung. Ein einzigartiger, hm, Geruch in der Luft.�</p><p>Schroeder l�chelte. Er hatte keine Ahnung, wer diese M�nner waren, aber er war f�r Karla froh, dass er sie an seiner Seite hatte. �Wenn Sie unbedingt irgendwelchen Unsinn vorhaben, sollten wir lieber unsere Vorbereitungen treffen.�</p><p>Auf Austins Vorschlag hin bezog Zavala an der Stelle, wo die Stra�e in den Platz m�ndete, Posten, um Wache zu halten.</p><p>Austin wandte sich an Schroeder. �Irgendwelche Ideen?�</p><p>�Es hat keinen Sinn wegzulaufen. Wir k�nnen entsprechende Positionen einnehmen, so dass wir sie in einem Kreuzfeuer erwischen.�</p><p>Austin war froh, dass Schroeder sich f�r die Offensive entschieden hatte. Die Stadt lieferte ein sch�tzendes Netz mit Dutzenden von Verstecken, doch er wusste, ebenso wie Schroeder, dass das st�ndige In-Bewegung-bleiben am Ende seinen Tribut fordern w�rde.</p><p>�Ich wei� nicht, wie heftig ich schie�en soll�, sagte Austin. �Wir haben zwar Reservemunition mitgebracht, aber wir haben nicht mit einer Wiederholung der Schlacht am Little Bighorn gerechnet.�</p><p>�Sie brauchen nur zu warten, bis uns die Munition ausgeht, und dann k�nnen sie uns nacheinander abknallen. Zu schade, dass ich meine Handgranate schon verbraucht habe.�</p><p>Austin warf Schroeder einen skeptischen Seitenblick zu. Der alte Mann sah nicht aus wie jemand, der mit einer Granate in der Hosentasche heruml�uft. Austin wurde wieder mal daran erinnert, dass die �u�ere Erscheinung eines Menschen irref�hrend sein konnte. Schroeder war alt genug f�r Medicare, aber er redete, als geh�rte er zu einem Sondereinsatzkommando.</p><p>Zavala kam von seinem Wachtposten her�ber. �Showtime, Leute. Unsere Freunde kommen die Stra�e herunter.�</p><p>Austin schaute sich schnell auf dem Platz um. �Ich habe eine v�llig verr�ckte Idee�, sagte er. Er skizzierte in knappen Worten seinen Plan.</p><p>�Das k�nnte funktionieren�, sagte Schroeder mit erregter Stimme. �Ja, es k�nnte klappen.�</p><p>�Das sollte es auch lieber�, sagte Austin.</p><p>�Gibt es denn keine andere M�glichkeit?�, fragte Karla. �Es sind so sch�ne Kreaturen.�</p><p>�Ich f�rchte nein. Aber wenn wir alles richtig machen, wird ihnen nicht passieren.�</p><p>Karla seufzte, doch sie wusste, dass sie kaum eine andere Wahl hatten. Auf Austins Anweisung hin verteilten Karla und die anderen sich am Rand des Platzes und lie�en die der Stra�e zugewandte Seite offen. Dann warteten sie.</p><p>Die Mammuts hatten die K�pfe gehoben, als sie sahen, wie die Menschen sich bewegten, und wurden nun noch nerv�ser beim Klang der rauen Stimmen Grishas und seiner M�nner.</p><p>Die Elfenbeinj�ger gaben sich keine M�he, leise zu sein. Entweder hofften sie, auf diese Art und Weise ihrer Beute Angst zu machen, oder sie waren ganz einfach dumm. Aber was immer der Grund war, ihr Eintreffen lie� die Mammuts deutlich unruhiger werden.</p><p>Die Herde machte Anstalten, den Platz zu verlassen, blieb dann jedoch abrupt stehen, als sie die Menschen am Rand des Platzes bemerkte. Die Tiere in der ersten Reihe machten kehrt und kollidierten mit den anderen in der Herde. Das Schnauben und Pfeifen wurde lauter.</p><p>An der Stra�enm�ndung entstand eine Bewegung. Grisha schob den Kopf um die Ecke. Der Anblick und der Geruch eines weiteren unangenehmen zweibeinigen Wesens erschreckte die Tiere in seiner n�chsten N�he. In ihrem Bestreben zu fl�chten, rempelten sie die anderen Mammuts an.</p><p>Ermutigt durch den Mangel an Gegenwehr trat Grisha aus seinem Versteck, gefolgt von den anderen Gaunern. Sie blieben am Rand des Platzes stehen, gebannt vom Anblick der Tiere, die sie vorher nur aus gro�er Entfernung hatten sehen k�nnen.</p><p>Die Herde erreichte einen gef�hrlichen Grad von Unruhe. In diesem Moment setzte Austin die Kettenreaktion in Gang. Er schoss in die Luft. Zavala folgte seinem Beispiel. Schroeder und Karla stimmten lautes Geschrei an und klatschten in die H�nde. In einem winzigen Moment wurde die Herde von einer Gruppe unsicherer, unruhiger harmloser Tiere in eine ausgewachsene Stampede verwandelt. �ngstlich trompetend dr�ngte sich die Masse schwerer Leiber und spitzer Sto�z�hne in die einzige m�gliche Fluchtrichtung, n�mlich die enge Stra�e, die sie aus der H�hle hinaus und in Sicherheit f�hren w�rde.</p><p>Ungl�cklicherweise standen Grisha und seine M�nner zwischen der rasenden Herde Mammuts und deren ersehnter Freiheit.</p><p>Die Russen hoben ihre Maschinenpistolen, um auf die rasenden Tiere zu feuern, doch die Herde hatte sie fast erreicht. Sie machten kehrt und rannten los. Doch sie kamen nur wenige Schritte weit, ehe sie niedergewalzt und von Tonnen w�tenden Mammutfleischs zertrampelt wurden. Grisha war an den anderen vorbeigerannt, wobei seine Augen hektisch nach einer Fluchtm�glichkeit suchten, doch er rutschte aus, stolperte und geriet unter die Pelzlawine.</p><p>Austin und die anderen gingen kein Risiko ein, dass die Herde vielleicht doch noch umkehrte. Sie machten weiterhin so viel L�rm, wie sie konnten.</p><p>Nach ein paar Sekunden war alles vorbei.</p><p>Der Platz war leer. Das Donnern der galoppierenden Herde verhallte in der Ferne. Austin und Zavala gingen wachsam die Stra�e entlang. Zavala betrachtete die blutigen Kleiderhaufen, die fr�her mal Menschen gewesen waren. Sie fanden eine Taschenlampe, die die wilde Flucht der Mammutherde heil �berstanden hatte. Austin rief Schroeder und Karla zu, dass sie sich ungef�hrdet aus ihrer Deckung herauswagen k�nnten.</p><p>�Sie sehen nicht mehr aus wie Menschen�, stellte Karla fest, w�hrend sie an den zerfleischten K�rpern vorbeigingen.</p><p>Austin erinnerte sich an die toten Wissenschaftler, die er im Canyon gesehen hatte. �Wer hat denn behauptet, dass jemals etwas Menschliches an ihnen war?�</p><p>Schroeder lachte verhalten.</p><p>�Ich habe vor langer Zeit gelernt, dass alles, wenn es richtig eingesetzt wird, als Waffe benutzt werden kann�, sagte er. �Aber in dem Lehrbuch stand nichts �ber kleine, flauschige Elefanten.�</p><p>Austin fragte sich, auf welches Buch Schroeder sich bezog und welche Schule er besucht hatte. Er verwarf diesen Gedanken jedoch. Noch hatten sie nicht alle Schwierigkeiten �berwunden. Sie setzten ihren Weg durch die teilweise zerst�rte Stadt und die Schutthalden fort. Sonnenstrahlen, die durch vereinzelte Felsspalten drangen, verliehen ihnen neue Energie. Sie suchten den Paraglider und mussten feststellen, dass Grisha und seine M�nner den Motor zerst�rt und das Segel zerschnitten hatten.</p><p>Mithilfe der Aluminiumrohre bastelten sie f�r Schroeder eine behelfsm��ige Beinschiene. Sie erklommen die niedrige Felsrampe am Ende des Abhangs und folgten dem Weg zum Rand der Caldera. Die Serpentinen milderten zwar die Steilheit des Weges, machten ihn daf�r jedoch um einiges l�nger. Gelegentlich hielten sie an, damit Schroeder sich ausruhen konnte, aber er begn�gte sich jedes Mal mit nur wenigen Minuten Rast, ehe er die anderen zum Weitergehen dr�ngte.</p><p>Stunden sp�ter standen sie am Rand und blickten hinunter auf die andere Seite des Vulkans. Nebel verh�llte den gr��ten Teil der Insel. Nach einem letzten staunenden Blick in die Caldera machten sie sich an den Abstieg �ber die Au�enseite des Vulkans. Das Gel�nde war unwegsam, und der Weg abw�rts entpuppte sich als mindestens genauso schwierig wie der Aufstieg. Der Weg war nicht mehr als ein schmaler Bergpfad, der mit Steinen �bers�t war, die das Gehen selbst unter normalen Bedingungen schon zu einer Qual gemacht h�tten.</p><p>Nachdem sie etwa zwei Drittel des Abstiegs hinter sich hatten, stellten sie fest, dass sie nicht alleine waren. Gestalten, klein wie Ameisen, kamen den Weg herauf. Austins Gruppe setzte den Marsch fort. Sie waren entdeckt worden, daher hatte es keinen Sinn, sich zu verstecken, aber sie hielten ihre Waffen bereit. Austin z�hlte sechs Leute in der unbekannten Gruppe. Als sie sich fast bis auf Rufweite gen�hert hatte, winkte der Mann, der die Gruppe anf�hrte. Wenige Sekunden sp�ter waren sie nahe genug, so dass Austin Petrows grinsendes Gesicht erkennen konnte.</p><p>Der Russe wurde von Mitgliedern seiner Spezialtruppe begleitet, darunter auch Veronika und ihr Mann. Petrow �berwand die letzten Meter des Weges im Laufschritt.</p><p>Er strahlte. �Hallo, Austin�, keuchte er. �Wie ich sehe, sind Sie und Joe auch noch hervorragende Bergsteiger. Sie verbl�ffen mich immer wieder aufs Neue.� Er wandte sich an Karla. �Und das muss Mademoiselle Janos sein. Es ist mir eine besondere Freude, Sie kennen zu lernen. Diesen Gentleman kenne ich noch nicht�, sagte er dann zu Schroeder.</p><p>�Ich bin nur ein alter Mann, der eigentlich zu Hause in seinem Schaukelstuhl sitzen sollte�, erwiderte Schroeder mit einem m�den L�cheln.</p><p>�Wie haben Sie uns gefunden?�, fragte Austin.</p><p>�Wir haben mit dem Kapit�n des Eisbrechers gesprochen. Er sagte, Sie seien mit irgendeinem Flugger�t gestartet, um den Vulkan zu untersuchen.�</p><p>�Wir hatten einen Paraglider.�</p><p>�Ich erinnere mich. Die beiden gro�en Koffer, die Sie bei sich hatten.�</p><p>Austin nickte. �Sie haben den ganzen Spa� vers�umt.�</p><p>�Im Gegenteil�, widersprach Petrow fr�hlich. �Wir hatten eine Menge Spa�. Wir trafen auf eine Gruppe bewaffneter M�nner in einem Boot. Sie bereiteten uns einen hei�en Empfang, aber unsere Erwiderung fiel ein wenig hei�er aus. Der �berlebende meinte, sie seien losgeschickt worden, um irgendwelchen M�nnern zu helfen, die bereits hier seien.� Er blickte �ber Austins Schulter, als erwartete er, jemanden zu sehen, der ihm folgte.</p><p>�Diese M�nner sind nicht mehr bei uns�, sagte Schroeder.</p><p>�Richtig�, best�tigte Austin. �Sie wurden von einer Herde Wollhaarmammuts zertrampelt.�</p><p>�Zwergmammuts�, korrigierte Zavala.</p><p>Petrow sch�ttelte den Kopf. �Ich studiere die amerikanische Kultur seit Jahren, aber ich werde Ihren seltsamen Humor wohl niemals verstehen.�</p><p>�Das ist schon in Ordnung�, sagte Austin. �Selbst wir verstehen ihn nicht immer. Meinen Sie, Sie k�nnten uns beim restlichen Abstieg behilflich sein?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Petrow und grinste wieder. Er griff in seinen Rucksack und zauberte eine Flasche Wodka hervor.</p><p>�Aber zuerst genehmigen wir uns einen anst�ndigen Drink.�</p></section><section><title><p>32</p></title><p>Austin hatte einen unheimlichen Traum, in dem eine Prozession von Zwergmammuts zum Klang des �St. Louis Blues� durch die Stra�en einer kristallenen Stadt zog. Er schlug die Augen auf. Die Mammuts und die Stadt verschwanden, aber die Musik blieb. Sie kam von seinem Mobiltelefon.</p><p>Er gelobte, sich in Zukunft von verr�ckten Russen, die Wodka wie Wasser tranken, fernzuhalten, dann angelte er das Handy aus seinem Gep�ck und murmelte ein undeutliches �Austin hier� in den H�rer.</p><p>Trouts Stimme sagte: �Wir versuchen seit Tagen, dich und Joe zu erreichen. Wart ihr in irgendeinem Bergwerk?�</p><p>�Es war wohl eher eine H�hle�, erwiderte Austin. �Wir haben Karla Janos gefunden und waren dann die ganze Zeit auf einem russischen Eisbrecher mit Kurs zum sibirischen Festland.�</p><p>�Es freut mich, dass sie offenbar okay ist. Sie ist m�glicherweise unsere einzige Hoffnung.�</p><p>Austin erschrak �ber den Ernst in Trouts Stimme. Er richtete sich ruckartig in seiner Koje auf.</p><p>�Unsere einzige Hoffnung f�r was, Paul?�</p><p>�Gamay und ich haben eine Ausgabe der Kovacs-Theoreme in Los Alamos aufgetrieben. Ich habe auf deren Grundlage und unter Ber�cksichtigung des bekannten Materials �ber Polspr�nge eine Computersimulation durchgef�hrt. Was dabei herauskam, sieht gar nicht gut aus.�</p><p>�Ich h�re�, sagte Austin.</p><p>Trout wartete einen Moment, dann erkl�rte er: �Die Simulation zeigte, dass der magnetische Polsprung nicht so elastisch abl�uft, wie manche Leute glauben. Ein Schock, der stark genug ist, um einen magnetischen Polsprung auszul�sen, bewirkt gleichzeitig eine geologische Verschiebung der Erdkruste.�</p><p>�Soll das hei�en, dass ein Polsprung, sobald er begonnen hat, nicht mehr aufzuhalten oder gar umkehrbar ist?�</p><p>�So sieht es aus.�</p><p>�Gibt es in der Simulation eine m�gliche Fehlerquelle?�</p><p>�Die ist so unbedeutend, dass man sie vernachl�ssigen kann.�</p><p>Austin hatte das Gef�hl, als verl�re er jeglichen Boden unter den F��en. �Wir haben es also mit einer Katastrophe zu tun.�</p><p>�Schlimmer�, sagte Trout. �Das ist der Weltuntergang. Die Zerst�rung, die ein solcher Vorgang zur Folge hat, sobald er ausgel�st wurde, �bersteigt alles, was man sich vorstellen kann oder irgendjemand bisher erlebt hat.�</p><p>�Wie viel Zeit haben wir?�</p><p>�Die Reaktion d�rfte unmittelbar erfolgen. Der zeitliche Ablauf h�ngt davon ab, wann die Leute, die die Strudel und die Monsterwellen erzeugt haben, sich entschlie�en, den Schalter umzulegen.�</p><p>�Ich kann vielleicht f�r einen kleinen Hoffnungsschimmer sorgen.� Er berichtete Trout von seiner Begegnung mit Barrett und der M�glichkeit einer Gegenma�nahme zur Neutralisierung des Polsprungs.</p><p>�Das ist ja ermutigend. Wann bist du wieder in Washington?�</p><p>�Ich denke, wir laufen morgen ein. Auf uns wartet schon ein Flugzeug. Ich rufe dich an, sobald wir in der Luft sind, um dir unsere wahrscheinliche Ankunftszeit durchzugeben.�</p><p>�Ich halte mich bereit.�</p><p>Nachdem die Verbindung unterbrochen war, sa� Austin in seiner dunklen Kabine, lauschte dem Dr�hnen der Schiffsmotoren und verfluchte die Langsamkeit von Ozeanreisen. Er war sich der Dringlichkeit der Lage gar nicht bewusst gewesen, als Kapit�n Ivanov ihn eingeladen hatte, die R�ckfahrt auf dem Eisbrecher zu machen. Austin h�tte auch mit Petrow zur�ckkehren k�nnen, hatte jedoch dessen Angebot h�flich abgelehnt, weil er meinte, es sei wichtig, dass er sich ausf�hrlich mit Karla Janos unterhielt. Petrow hatte nur vielsagend gegrinst und gemeint, Austin k�nne ihn jederzeit anrufen, wenn Not am Manne sei.</p><p>Seit er sich an Bord befand, hatte Austin nur sehr wenig Zeit mit Karla verbracht. Nachdem sie und Maria ein tr�nenreiches Wiedersehen gefeiert hatten und Onkel Karl zusammengeflickt worden war, hatte jeder sich in seine Kabine zur�ckgezogen, um den dringend ben�tigten Schlaf nachzuholen.</p><p>Austin zog sich an und ging an Deck, das von ged�mpftem arktischem Licht erhellt wurde. Die <emphasis>Kotelny </emphasis>pfl�gte mit konstanter Geschwindigkeit durch den Ozean. Die kalte Luft traf auf seine Lungen wie ein Windsto� aus einem offenen Gefrierschrank. Mittlerweile hellwach begab er sich in die Messe, wo er sich eine Tasse Kaffee einschenkte. Der Raum war verlassen bis auf zwei Matrosen, die sich soeben anschickten, ihre Schicht anzutreten. Er fand einen Tisch in einer Ecke, holte das Mobiltelefon aus der Tasche und w�hlte die Nummer, die Barrett ihm genannt hatte. Nach ein paar Sekunden meldete sich eine weibliche Stimme mit einem z�gernden Hallo.</p><p>�Ich w�rde gerne mit Barrett sprechen�, sagte Austin.</p><p>�Hier ist Barrett. Ich habe eine Frauenstimme programmiert, die f�r mich antwortet.�</p><p>��bertreiben Sie dieses elektronische Versteckspiel nicht ein wenig?�</p><p>�Verdammt, Kurt, schlie�lich sind nicht Sie es, auf den geschossen wurde�, sagte Barrett. �Sie machen sich keine Vorstellung von den Leuten, mit denen Sie es zu tun haben.�</p><p>�Deshalb rufe ich Sie an. Meinen Sie, dass man mit Gant und Margrave reden kann?�</p><p>�Gant ist in etwa so umg�nglich wie eine Klapperschlange. An Tris kann man vielleicht noch herankommen, aber er ist so verdammt �berzeugt von der Rechtm��igkeit seines Anliegens, dass es ihm v�llig egal ist, wer dabei auf der Strecke bleibt. Warum fragen Sie?�</p><p>Austin gab ihm kurz den Inhalt seines Gespr�chs mit Trout wieder.</p><p>Als Barretts Stimme sich wieder meldete, hatte sie ihren m�nnlichen Klang. �So etwas hatte ich bef�rchtet. Oh mein Gott. Ich bin f�r das Ende der Welt verantwortlich. Ich bringe mich um.�</p><p>�Wenn die Welt untergeht, dann brauchen Sie das nicht�, sagte Austin.</p><p>Barrett beruhigte sich ein wenig. �Das ist die verdrehteste Logik, die ich jemals geh�rt habe.�</p><p>�Danke. Zur�ck zu meiner urspr�nglichen Frage. Meinen Sie, dass Gant oder Margrave �hnlich entsetzt reagieren w�rden, wenn ich ihnen die Tatsachen schilderte?�</p><p>�Der Unterschied ist, dass ich Ihnen <emphasis>glaube. </emphasis>Die beiden werden hingegen annehmen, dass Sie ihnen nur Sand ins Getriebe werfen wollen, um ihre Pl�ne zu vereiteln.�</p><p>�Vielleicht lohnt es sich, wenigstens einen Versuch zu starten. Wie komme ich an sie heran?�</p><p>�Gants Stiftung unterh�lt in Washington ein B�ro.�</p><p>�Ich dachte an etwas weniger Offizielles.�</p><p>�Lassen Sie mich nachdenken. Ich glaube, ich habe irgendetwas in der Zeitung gesehen. Gant veranstaltet so eine Wohlt�tigkeitsgeschichte mit Pferden auf seinem Landsitz. Vielleicht k�nnen Sie irgendwie daran teilnehmen. Ich k�nnte Ihnen dabei behilflich sein.�</p><p>�Das ist doch schon ein Anfang. Was ist mit Margrave?�</p><p>�Er verl�sst nur selten seine Insel in Maine. Er hat im Laufe der Zeit eine regelrechte Festungsmentalit�t entwickelt. Eine Menge Sicherheitsleute bewachen seinen Bau, aber ich habe vielleicht eine Idee, wie Sie an ihn herankommen.�</p><p>�Versuchen kann man es ja mal. Ich werde alles tun, was in meinen Kr�ften steht, um diese Geschichte zu stoppen, ehe der kritische Punkt erreicht wird. Sind Sie noch immer auf Achse?�</p><p>�Ich lebe nach wie vor in meinem Schlafsack. Rufen Sie mich an, wenn Sie zu Hause sind.�</p><p>Austin trennte die Verbindung, leerte seine Kaffeetasse und wollte gerade in seine Kabine zur�ckkehren, als Karla die Messe betrat. Sie schien �ber seine Anwesenheit mindestens ebenso �berrascht zu sein wie er �ber ihre. Er lud sie mit einer Geste an seinen Tisch ein.</p><p>Sie setzte sich und sagte: �Ich konnte nicht schlafen.�</p><p>�Das kann ich verstehen. Sie haben in den letzten Tagen eine Menge durchgemacht.�</p><p>�Onkel Karl meint, die M�nner, die die Expeditionsteilnehmer ermordet haben, seien hinter mir her gewesen. Es w�re um irgendein Geheimnis gegangen, das ich angeblich kennen soll. Ich habe keine Ahnung, was los ist, aber ich f�hle mich f�r vieles, das geschehen ist, verantwortlich.�</p><p>�Es ist nicht Ihre Schuld. Die Leute glauben, das Geheimnis sei von Ihrem Gro�vater, einem Elektroingenieur namens Lazio Kovacs, an Sie weitergegeben worden.�</p><p>�Sie irren sich. Der Name meines Gro�vaters lautete Janos, so wie meiner.�</p><p>Austin sch�ttelte den Kopf. �Das war der Name, den Kovacs annahm, nachdem er gegen Ende des Zweiten Weltkriegs aus Deutschland fl�chtete.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Ihr Gro�vater wurde gezwungen, f�r die Nazis an der Entwicklung elektromagnetischer Waffen zu arbeiten. Er fl�chtete aus einem geheimen Labor, kurz bevor die Russen in Ostpreu�en einfielen. Offenbar wurde ihm dabei von einem jungen Angeh�rigen der deutschen Widerstandsbewegung geholfen. Der Name des Deutschen lautete Karl.�</p><p>�<emphasis>Onkel </emphasis>Karl! Ich habe mich schon immer gefragt, welche Verbindung zwischen ihm und meinem Gro�vater bestand. Sie waren so verschieden, und trotzdem hielten sie eng zusammen.�</p><p>�Jetzt wissen Sie es.�</p><p>�Das ist doch verr�ckt! Mein Gro�vater gab mir niemals irgendeine geheime Formel f�r einen Todesstrahl oder was immer es sein mag, das sie suchen.�</p><p>�M�glicherweise wissen Sie mehr, als Sie ahnen. Ihr Aufsatz �ber das Aussterben des Wollhaarmammuts deutet darauf hin, dass Sie mit seiner Arbeit ziemlich gut vertraut sind.�</p><p>�Nach der Entdeckung dieser Tiere auf der Insel ist mein Aufsatz nur noch ein Witz. Ich kann es kaum erwarten, dorthin zur�ckzukehren und weiterzuforschen.�</p><p>�Petrow hat versprochen, sich akademischer Kreise und nicht so sehr irgendwelcher Regierungsvertreter zu bedienen, um Ihre pelzigen Freunde zu sch�tzen. Er hatte einigen politischen �rger und glaubt, dass diese Geschichte ihm n�tzen k�nnte.�</p><p>�Das freut mich zu h�ren. Aber zur�ck zu meinem Gro�vater. Als ich auf dem College war, ging ich mit meiner Theorie von einem durch eine Katastrophe ausgel�sten Aussterben zu meinem Gro�vater, weil er der einzige Naturwissenschaftler war, den ich damals kannte. Es herrschte allgemeine Skepsis dar�ber, dass ein Polsprung �berhaupt m�glich sein sollte. Er sagte jedoch, dass so etwas geschehen k�nne und dass es schon mal geschehen sei. Dass ein solcher Vorgang durch nat�rliche Ph�nomene eingeleitet werden k�nne, oder, in der Zukunft, auch durch menschliches Zutun, wenn die entsprechende Technologie zur Verf�gung st�nde. Er zeigte mir einige Berechnungen, die mit Elektromagnetismus zu tun hatten und angeblich seine Theorie bewiesen. Das ist alles. Sp�ter, als ich nach seinem Tod an meiner Doktorarbeit sa�, st�tzte ich mich mitunter auch auf seine Erkenntnisse.�</p><p>�Ist das alles, was er zu diesem Thema �u�erte?�</p><p>�Ja. Wir haben uns kaum �ber Naturwissenschaft unterhalten. Als meine Eltern starben, wurde er f�r mich Vater und Mutter zugleich. Ich erinnere mich, dass er sich Gute-Nacht-Gedichte ausdachte, damit ich schneller einschlief.�</p><p>Sie trank von ihrem Kaffee. �Wie kam es, dass Sie und Joe uns gerettet haben?�</p><p>�Ich h�rte aus zuverl�ssiger Quelle, dass Ihr Leben aufgrund Ihrer famili�ren Verbindungen in Gefahr sein k�nnte.�</p><p>�Sie sind nur deswegen um die halbe Welt gereist?�</p><p>�Wenn ich gewusst h�tte, dass Ihr Onkel Karl die Geschichte so gut im Griff hatte, w�ren meine Sorgen um einiges geringer gewesen.�</p><p>�Onkel Karl hat mir das Leben gerettet, aber ich f�rchte, dass wir beide aus dem letzten Loch pfiffen, als Sie und Joe vom Himmel gefallen sind. Eigentlich bin ich ziemlich verwirrt. Ich dachte immer, die NUMA habe ausschlie�lich mit Ozeanen zu tun.�</p><p>�Genau deshalb bin ich hier. Es hat auf See einige heftige St�rungen gegeben, die mit etwas in Verbindung stehen k�nnten, das Ihr Gro�vater ver�ffentlicht hat. Es war eine Reihe von Gleichungen, die unter der Bezeichnung Kovacs-Theoreme bekannt wurden.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Sie sagten, Lazio Kovacs vertrat die Theorie, dass elektromagnetische Impulse dazu benutzt werden k�nnen, um einen Polsprung auszul�sen. Irgendwann in der Zukunft.�</p><p>�Ja, das ist richtig.�</p><p>�Nun, die Zukunft hat angefangen.�</p><p>�Wer sollte den Wunsch haben, so etwas zu tun? Und weshalb?�</p><p>Austin spreizte die H�nde in einer Geste der Ratlosigkeit.</p><p>�Das wei� ich nicht. Wenn wir nach Washington zur�ck�kommen, m�chte ich, dass Sie sich mit jemandem unterhalten. Vielleicht k�nnen Sie in bestimmten Punkten f�r Klarheit sorgen.�</p><p>�Ich hatte gehofft, vorher in Fairbanks vorbeizuschauen.�</p><p>�Ich f�rchte, daf�r reicht die Zeit nicht. Es k�nnte eine ganze Menge auf dem Spiel stehen.�</p><p>�Ich verstehe. Selbst wenn ich f�r das, was im Gange ist, nicht verantwortlich bin, hat meine Familie doch sehr viel damit zu tun, laut dem, was Sie mir erz�hlt haben. Ich werde alles tun, um die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.�</p><p>�Ich wusste, dass Sie das sagen w�rden. Wir landen morgen. Danach wird uns ein NUMA-Flugzeug nach Washington bringen. Meine Kollegen Gamay und Paul Trout besitzen ein Stadthaus in Georgetown, und ich denke, sie werden sich freuen, Sie bei sich aufzunehmen. Die NUMA wird die Rechnungen f�r Kleidung, die Sie brauchen werden, gerne �bernehmen.�</p><p>Karla tat etwas Unerwartetes. Sie beugte sich �ber den Tisch und hauchte Austin einen Kuss auf den Mund. �Vielen Dank f�r alles, was Sie f�r mich und Onkel Karl getan haben. Ich wei� nicht, wie ich das wiedergutmachen kann.�</p><p>Normalerweise h�tte Austin auf eine solche Bemerkung von einer sch�nen und intelligenten Frau wie Karla mit einer Einladung zu einem Abendessen reagiert. Doch ihre Geste �berraschte ihn derart, dass das Beste, was er zustande brachte, ein h�fliches �Gern geschehen� und die Empfehlung, lieber schlafen zu gehen, war.</p><p>Karla erwiderte, dass sie noch ein paar Minuten sitzen bleiben wolle und dass man sich bestimmt am n�chsten Morgen sehen werde. Sie tauschten einen H�ndedruck und w�nschten einander eine gute Nacht. W�hrend er die Messe verlie�, drehte Austin sich noch einmal um. Karla hatte das Kinn in die H�nde gest�tzt und dachte offenbar angestrengt nach. Trotz all seiner philosophischen Kenntnisse war Austin einigerma�en ratlos, wenn es um die Wege des Schicksals ging. Die G�tter mussten sich �ber ihren letzten Schabernack k�stlich am�sieren. Sie hatten das Geheimnis, das die Welt retten konnte, im makellos geformten Kopf einer reizenden jungen Frau versteckt.</p></section><section><title><p>33</p></title><p>Gant betrachtete die letzten Momente einer Fuchsjagd als die erhabensten. Die dahinjagenden roten Jacken, der Klang der Jagdh�rner, das laute Gebr�ll der J�ger und das Donnern der Hufe waren lediglich ein Vorspiel zu jenem Augenblick der Wahrheit, wenn die kl�ffenden Hunde das ver�ngstigte Tier erwischten und in blutige Fetzen rissen.</p><p>Die Beute war ungew�hnlich wendig gewesen. Das verschlagene Tier war einen Bach hinaufgerannt, hatte �ber einen umgest�rzten Baum gesetzt und war bei einem Versuch, seine Verfolger abzusch�tteln, diesen einmal sogar entgegen�gelaufen. Am Ende hatte die Hundemeute das Tier jedoch vor einer Ligusterhecke gestellt, die Gant hatte anpflanzen lassen, um aufgesp�rte und gehetzte F�chse in eine Sackgasse zu leiten, die vor einer Mauer endete. Selbst dann noch hatte der Fuchs sich gewehrt, ehe er schlie�lich zerfleischt wurde.</p><p>Gant hatte die anderen J�ger zu seinem Haus zur�ckgeschickt, um das erfolgreiche Ende der Jagd zu feiern. Er sa� neben der Hecke ab und durchlebte noch einmal die letzten Sekunden des Ganzen. Die Jagd war eine grausame Praxis, aber er betrachtete sie als eine Metapher f�r das Leben allgemein. Die Jagd verk�rperte den Kampf zwischen den Starken und den Schwachen.</p><p>Ein Pferd wieherte. Gant blickte zu einem flachen H�gel hinauf, und seine Miene verfinsterte sich. Ein Reiter war als Silhouette vor dem blauen Himmel zu sehen. Niemand durfte �ber sein Land reiten, au�er den Fuchsj�gern. Er schwang sich wieder in den Sattel, gab seinem Pferd die Sporen und galoppierte den H�gel hinauf.</p><p>Der Mann verfolgte Gants Ritt aus dem Sattel eines kastanienbraunen Arabers. Im Gegensatz zu den Fuchsj�gern in ihren roten Jacken trug dieser Mann lediglich eine verwaschene Jeans und ein t�rkisfarbenes Polohemd. Eine schwarze Baseballm�tze mit einem Harley-Davidson-Emblem auf der Krone bedeckte sein platinsilbernes Haar.</p><p>Gant brachte sein Pferd zum Stehen. �Sie haben sich widerrechtlich Zugang verschafft�, schnappte er. �Dies hier ist Privatgrund.�</p><p>Den Mann schien das nicht zu ersch�ttern, und seine hellblauen Augen ver�nderten kaum ihren leicht sp�ttischen Ausdruck.</p><p>�Was Sie nicht sagen�, erwiderte er.</p><p>�Ich k�nnte Sie anzeigen�, drohte Gant.</p><p>Der Mund des Mannes verzog sich zu einem gelangweilten L�cheln. �Und ich k�nnte Sie wegen Ihrer Fuchsjagd verhaften lassen. Sogar bei den Engl�ndern ist sie mittlerweile verboten.�</p><p>Gant war es nicht gew�hnt, dass man ihm widersprach. Er richtete sich in seinen Steigb�geln auf. �Ich besitze riesige L�ndereien, und mir geh�rt alles, was darauf kreucht und fleucht. Und ich tue mit meinem und auf meinem Besitz, was immer ich will.� Seine Hand wanderte zu einem Sprechfunk�ger�t, das an seiner Jacke befestigt war. �Verschwinden Sie von meinem Grund und Boden, oder soll ich meinen Sicherheitsdienst benachrichtigen?�</p><p>�Es ist nicht n�tig, die Kavallerie zu rufen. Ich kenne den Weg hinaus. Die Tiersch�tzer werden sich nicht gerade freuen, wenn sie erfahren, dass Sie Ihren K�tern erlaubt haben, einen Vertreter der �rtlichen Fauna in Hackfleisch zu verwandeln.�</p><p>�Es sind keine <emphasis>K�ter. </emphasis>Es sind reinrassige Fuchshunde. Ich habe viel Geld daf�r gezahlt, sie von England hierher bringen zu lassen.�</p><p>Der Fremde nickte und ergriff seine Z�gel.</p><p>�Warten Sie�, sagte Gant. �Wer sind Sie?�</p><p>�Kurt Austin. Ich geh�re zur National Underwater and Marine Agency.�</p><p>Gant fiel vor �berraschung beinahe vom Pferd. Er erholte sich schnell und zauberte ein verlogenes L�cheln auf seine Lippen.</p><p>�Wenn ich an die NUMA denke, fallen mir h�chstens Seepferdchen ein und keine Araber, Mr.�Austin.�</p><p>�Es gibt vieles, was Sie von uns nicht wissen, Mr.�Gant.�</p><p>Gant schaffte es nicht, den Ausdruck der Ver�rgerung zu unterdr�cken, der f�r einen kurzen Moment �ber seine Miene huschte. �Sie kennen meinen Namen?�</p><p>�Nat�rlich. Ich bin hergekommen, um mit Ihnen zu reden.�</p><p>Gant lachte. �Es war nicht n�tig, dieses Grundst�ck widerrechtlich zu betreten, um mich zu sprechen. Sie h�tten nur in meinem B�ro anrufen und um einen Termin bitten m�ssen.�</p><p>�Danke. Das werde ich tun. Und wenn Ihre Sekret�rin fragt, weshalb ich Sie sprechen will, dann werde ich antworten, dass ich mich gerne mit Ihnen �ber Ihre Pl�ne unterhalten w�rde, einen Polsprung auszul�sen.�</p><p>Eins musste Austin Gant lassen. Der Mann hielt sich unglaublich gut unter Kontrolle. Ein leichtes Zusammenkneifen der Lippen war die einzige Reaktion auf Austins mittlere Bombe.</p><p>�Ich f�rchte, ich w�rde Ihnen dann erkl�ren m�ssen, dass ich nicht wei�, wovon Sie reden.�</p><p>�Vielleicht frischt der Name <emphasis>Southern Belle </emphasis>Ihre Erinnerung ein wenig auf.�</p><p>Gant sch�ttelte den Kopf. �Sicherlich ein Mississippidampfer, nehme ich an.�</p><p>�Die <emphasis>Belle </emphasis>war ein riesiges Frachtschiff. Sie wurde w�hrend ihrer Reise nach Europa von zwei gigantischen Wellen versenkt.�</p><p>�Ich bin Direktor einer Stiftung, die gegen den globalen Einfluss multinationaler Konzerne k�mpft. Mehr habe ich mit dem transozeanischen Handelsbetrieb nicht zu tun.�</p><p>�Dann tut es mir leid, Ihre Zeit vergeudet zu haben�, sagte Austin. �Vielleicht sollte ich mich lieber mit Tris Margrave �ber dieses Thema unterhalten.�</p><p>Er entfernte sich im Trab.</p><p>�Warten Sie.� Gant trieb sein Pferd an und holte den ungebetenen Besucher ein. �Wo wollen Sie hin?�</p><p>Der Araber hielt an, und Austin drehte sich im Sattel um.</p><p>�Ich dachte, Sie wollten, dass ich Ihr Land verlasse.�</p><p>�Ich bin doch ziemlich unh�flich. Ich w�rde Sie gerne auf einen Drink in mein Haus einladen.�</p><p>Austin lie� sich das Angebot durch den Kopf gehen. �Es ist ein wenig fr�h f�r einen Drink, aber mit einem Glas Wasser w�re ich durchaus einverstanden.�</p><p>�Wunderbar�, sagte Gant. �Folgen Sie mir.�</p><p>Er f�hrte Austin von dem H�gel herunter, und sie ritten durch die Wiesen, auf denen Pferde grasten, bis sie zu einem mit B�umen ges�umten Fahrweg gelangten, der zu Gants Haus f�hrte. Austin hatte zwar mit einer Villa gerechnet, aber auf die im Tudorstil gehaltene architektonische Monstrosit�t, die die wundersch�ne Landschaft Virginias verschandelte, war er absolut nicht vorbereitet.</p><p>�Eine beeindruckende H�tte�, sagte er. �Die Stiftung bezahlt Sie offensichtlich f�rstlich, Mr.�Gant.�</p><p>�Ich war ein international erfolgreicher Gesch�ftsmann, ehe ich meinen Irrweg erkannt und das Global Interest Network gegr�ndet habe.�</p><p>�Es ist immer nett, wenn man ein Hobby hat.�</p><p>Gant reagierte mit einem Zahnpastal�cheln. �Es ist kein Hobby, Mr.�Austin. Ich nehme meine Arbeit sehr ernst.�</p><p>Sie sa�en ab und reichten die Z�gel dem Pferdeknecht, der die Pferde zu einem Platz brachte, an dem mehrere Pferdewagen abgestellt waren.</p><p>Gant beobachtete, wie Austin seiner Stute nachschaute.</p><p>�Sie werden Ihr Tier gut versorgen. �brigens ein sehr sch�nes Pferd.�</p><p>�Danke. Ich habe die Stute f�r ein paar Stunden geliehen, um hierherzukommen.�</p><p>�Dar�ber habe ich schon nachgedacht�, sagte Gant. �Wie sind Sie durch meine Sicherheitsz�une gekommen? Ich habe �berall Kameras und Alarmanlagen installiert.�</p><p>�Wahrscheinlich hatte ich nur Gl�ck�, erwiderte Austin mit unbewegtem Gesicht.</p><p>Gant vermutete, dass Austin sicherlich seinem Gl�ck gelegentlich nachhalf, doch er verfolgte das Thema nicht weiter. Er w�rde sp�ter mit Doyle dar�ber sprechen. Sein Sicherheitschef kam auf sie zu. Er betrachtete Austin pr�fend, da er der Einzige war, der keine Jagdkleidung trug. �Gibt es ein Problem, Mr.�Gant?�</p><p>�Ganz und gar nicht. Dies ist Kurt Austin. Er ist mein Gast, Merk dir sein Gesicht, damit du ihn das n�chste Mal, wenn du ihn wiedersiehst, gleich erkennst.�</p><p>Doyle l�chelte, aber die Augen, mit denen er Austins Gesicht studierte, waren so kalt wie die einer Viper.</p><p>Gant geleitete Austin in einen ger�umigen Innenhof, wo sich eine Gruppe von rotbejackten G�sten versammelt hatte. Die k�hnen J�ger tranken Champagner aus schlanken Gl�sern und lachten, w�hrend sie in ihren angeregten Gespr�chen die morgendliche Jagd noch einmal Revue passieren lie�en. Es war eine reine M�nnergesellschaft und au�erdem hochkar�tig besetzt. Austin verbrachte nicht viel Zeit in Washington, aber er erkannte die Gesichter einiger Politiker, Regierungsvertreter und Lobbyisten. Gant war offensichtlich eine gro�e Nummer in den Wirtschaftskreisen der amerikanischen Hauptstadt.</p><p>Er f�hrte ihn weiter �ber einen Kiesweg zu einem Tisch aus poliertem Marmor, der abseits in der Ecke eines englischen Gartens stand. Er befahl einem Hausangestellten, eine Karaffe mit Eiswasser zu bringen, und forderte Austin auf, Platz zu nehmen.</p><p>Austin setzte sich, legte seine M�tze auf den Tisch und schaute sich um. �Ich hatte keine Ahnung, dass in Virginia noch private Fuchsjagdgesellschaften existieren.�</p><p>�Es gibt keine Jagdclubs, zumindest nicht offiziell. Wir sind lediglich eine Gruppe alter Freunde, die versuchen, einen uralten englischen Brauch am Leben zu erhalten.�</p><p>�Das ist sehr lobenswert. Ich war schon immer traurig dar�ber, dass die alte englische Sitte des �ffentlichen Ausweidens und Vierteilens bei lebendigem Leib ebenfalls �ber Bord gegangen ist.�</p><p>Gant lachte verhalten. �Wir sind beide sehr besch�ftigte M�nner, daher lassen Sie uns keine Zeit mit historischen Betrachtungen vergeuden. Was kann ich f�r Sie tun?�</p><p>�Ihre Pl�ne f�r eine Polverschiebung zu den Akten legen.�</p><p>�Ich komme Ihnen entgegen und will mal so tun, als w�sste ich, wovon Sie reden, Mr.�Austin. Warum sollte ich diese sogenannte Verschiebung unterlassen?�</p><p>�Weil, wenn Sie es nicht tun, Sie die ganze Welt in gro�e Gefahr bringen k�nnten.�</p><p>�Wie das?�</p><p>�Ich habe keine Ahnung, welches Interesse Sie daran haben k�nnten, die magnetischen Pole zu tauschen. Vielleicht finden Sie es zunehmend langweilig, unschuldige Tiere abzuschlachten. Aber was Sie offenbar nicht wissen, ist, dass eine magnetische Verschiebung gleichzeitig eine geologische Bewegung der Erdkruste bewirkt. Und deren Folgen sind katastrophal.�</p><p>Gant starrte Austin einen Moment lang an. Dann brach er in schallendes Gel�chter aus, bis seine Augen tr�nten.</p><p>�Das ist ja die tollste Science-Fiction, die ich je geh�rt habe, Mr.�Austin. Ist das der Weltuntergang?�</p><p>�So etwas �hnliches�, sagte Austin mit einer Stimme, die an seiner Ernsthaftigkeit keinen Zweifel lie�. �Die ozeanischen St�rungen, die den Untergang der <emphasis>Southern Belle </emphasis>und eines Ihrer Transmitterschiffe zur Folge hatten, sind nur harmlose Vorboten der Vernichtung, mit der wir rechnen m�ssen. Ich hatte gehofft, Sie w�rden sich �berzeugen lassen und Ihre Pl�ne auf Eis legen.�</p><p>Gants freundlicher Gesichtsausdruck verschwand und machte einem sardonischen L�cheln und einer sp�ttisch hochgezogenen Augenbraue Platz. Austin direkt in die Augen blickend, meinte er: �Ich sehe Folgendes, Mr.�Austin, n�mlich jemanden, der sich eine wilde Geschichte aus den Fingern gesogen hat, deren Sinn mir v�llig entgeht.�</p><p>�Demnach beeinflussen meine Warnungen Ihre Pl�ne kein bisschen.� Austins Frage klang eher wie eine Feststellung.</p><p>Der Hausdiener erschien mit einer Karaffe und zwei Gl�sern.</p><p>�Eins w�rde ich gerne wissen, Mr.�Austin, n�mlich wie Sie darauf kommen, dass ich an einem derart bizarren Vorhaben beteiligt sein k�nnte?�</p><p>�Ich habe das aus Spiders Mund erfahren.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Ich rede von Spider Barrett, dem Mann, der die Technik f�r den Polsprung entwickelt hat.�</p><p>�Dieser Barrett hat Ihnen Geschichten erz�hlt, die mindestens genauso seltsam sind wie sein Name.�</p><p>�Das glaube ich nicht. Er und sein Partner, Margrave, sind Genies, die �ber das Geld und das Wissen verf�gen, es zu beweisen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie Sie in dieses Bild hineinpassen.�</p><p>�Einer Tatsache k�nnen Sie sich zumindest sicher sein, Austin. Dass Sie herkamen, war ein gro�er Fehler.�</p><p>�Das dachte ich mir auch schon.� Austin nahm seine M�tze und legte sie auf seinen Scho�. �Sie haben offensichtlich an dem, was ich zu sagen habe, kein Interesse. Ich denke, ich sollte jetzt gehen. Vielen Dank f�r das Wasser.�</p><p>Er stand auf und setzte sich die M�tze auf den Kopf. Gant erhob sich ebenfalls. �Ich lasse Ihnen Ihr Pferd holen.�</p><p>Angeheizt durch gr��ere Mengen Alkohol wurde die Unterhaltung im Patio st�ndig lauter. Gant winkte einem Pferdeknecht und befahl ihm, Austins Araber zu holen. Wenig sp�ter schwang Austin sich in den Sattel. Doyle sah, wie er Anstalten machte aufzubrechen, und kam her�ber. Er ergriff einen der Z�gel, als wollte er ihm helfen.</p><p>�Ich finde schon selbst hinaus, Mr.�Gant. Danke f�r Ihre Gastfreundschaft.�</p><p>�Sie m�ssen mal wieder herkommen, wenn Sie mehr Zeit zur Verf�gung haben.�</p><p>�Das tue ich ganz bestimmt.�</p><p>Er trieb das Pferd mit dem Knie an, und es schob Doyle aus dem Weg. Doyle war ein typischer Stadtbewohner, und die einzigen Pferde, mit denen er in Ber�hrung gekommen war, ehe er f�r Gant zu arbeiten begann, waren die Tiere der berittenen Polizei von Boston gewesen. Er lie� die Z�gel los und wich zur�ck, um nicht von einem Pferdehuf getroffen zu werden. Austin bemerkte die Angst in Doyles Augen und grinste. Er schlug mit den Z�geln leicht auf den Hals des Tieres und entfernte sich im Galopp vom Haus.</p><p>Doyle schaute Austin nach. Sein Gesicht war hart wie Granit. �Soll ich mich um ihn k�mmern?�</p><p>�Nicht hier. Und nicht jetzt. Jemand soll ihm folgen. Ich m�chte nur zu gerne wissen, wie er �berhaupt auf das Grundst�ck gelangt ist.�</p><p>�Ich k�mmere mich darum.�</p><p>�Wenn du damit fertig bist, habe ich noch einen anderen Job f�r dich. Ich erwarte dich in einer Viertelstunde im Garten.�</p><p>W�hrend Gant sich entfernte, um mit seinen G�sten zu plaudern, angelte Doyle ein tragbares Sprechfunkger�t aus der Tasche und �bermittelte zwei W�chtern, die in einem Jeep an der Hauptstra�e zum Haus sa�en, einen barschen Befehl. Der Fahrer hatte kaum best�tigt, den Befehl verstanden zu haben, als eine Araberstute mit einem geduckten Reiter im Sattel an ihm vorbeigaloppierte. Der Fahrer lie� den Motor des Jeeps an, legte den ersten Gang ein und gab Gas.</p><p>Der Wagen war mit fast hundert Sachen unterwegs, als er an einer kleinen Gruppe Ulmen vorbeiraste, hinter der Austin sich versteckte. Er schaute dem Jeep nach, konsultierte ein tragbares GPS-Ger�t und ritt dann �ber die Wiesen und Felder bis zu dem Wald, der die Grenze des Besitzes markierte. Ein Pferd mit Reiter tauchte zwischen den B�umen auf und kam auf Austin zu.</p><p>�Ein sch�ner Tag f�r einen gem�tlichen Ausritt, alter Junge�, sagte Zavala in einem lahmen Versuch, einen hochgestochenen englischen Akzent zu imitieren.</p><p>�Tallyho, gib ihm Saures, hoch die Tassen und lang lebe die Queen�, sagte Austin, ebenfalls einen Vertreter des englischen Landadels mimend.</p><p>Sie lie�en sich Zeit, gestatteten ihren Pferden, in einen gem�tlichen Trab zu fallen, und kamen schlie�lich auf der anderen Seite aus dem Wald heraus, wo die B�ume f�r eine Stra�e gef�llt worden waren, die von den Sicherheitsleuten bei ihren Patrouillen benutzt wurde. Es gab keinen Zaun, sondern nur eine Reihe nach au�en gerichteter Schilder mit der Aufschrift BETRETEN DES GRUNDST�CKS VERBOTEN. Jedes der Schilder war mit einer Kamera samt Bewegungsmelder versehen.</p><p>Zavala holte ein kleines schwarzes K�stchen aus der Tasche und dr�ckte auf einen Knopf. Als ein gr�nes Licht aufleuchtete, ritten sie zwischen zwei Schildern �ber offenes Gel�nde und auf eine �ffentliche Stra�e. Ein gro�er Pick-up-Truck mit einem Pferdeanh�nger stand am Stra�enrand.</p><p>Spider Barrett stieg aus dem F�hrerhaus des Lastwagens, als die beiden M�nner den Wagen erreichten. Nachdem die Pferde in den Anh�nger gef�hrt worden waren und die T�r verriegelt war, reichte Zavala Barrett die schwarze Box. �Sie hat einwandfrei funktioniert�, sagte er.</p><p>�Es ist ein ziemlich simples Prinzip�, erkl�rte Barrett. �Dieses Ger�t unterbricht die �bermittlung nicht, was sie sofort merken w�rden. Sie verz�gert sie lediglich um zwei Stunden. Dann erhalten sie ein Zeitrafferbild von Ihnen beiden, aber nat�rlich viel zu sp�t, und sie werden daf�r keine Erkl�rung finden. Aber ich will Ihnen noch etwas viel Aufregenderes zeigen.�</p><p>Er �ffnete die T�r des Lastwagens und holte einen kleinen Fernseher heraus. Er war in den Zigarettenanz�nder eingest�pselt. Er schaltete den Fernseher ein, und Gants Bild erschien auf dem kleinen Bildschirm und sagte: �Dies hier ist Privatgrund�, gefolgt von Austins lakonischem �Was Sie nicht sagen.�</p><p>�Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du ein Klugschei�er bist?�, fragte Zavala.</p><p>�Das h�re ich st�ndig.�</p><p>Barrett lie� den Film vorlaufen bis zu einem Bild von Doyle. �Das ist der Hurensohn, der mich t�ten wollte�, sagte er.</p><p>Austin nahm die Baseballm�tze ab und untersuchte die winzige Kamera, die in dem Harley-Davidson-Logo versteckt war. �Mr.�Doyle w�re sicherlich sehr �berrascht gewesen, wenn er gewusst h�tte, dass Ihre gl�nzenden Augen ihn aus dem Grab anschauen.�</p><p>Barrett lachte. �Welchen Eindruck hatten Sie von Gant?�</p><p>�Brillant. Arrogant. Ein Psychopath. Ich habe ihn nach der Fuchsjagd beobachtet. Er betrachtete das Schlachtfeld, als ob es ein Altar w�re.�</p><p>�Gant hat mir schon immer Angst eingejagt. Ich konnte mir nie erkl�ren, weshalb Tris sich mit ihm zusammengetan hat.�</p><p>�Wenn man etwas B�ses im Schilde f�hrt, findet man oft die seltsamsten Bettgef�hrten, nehme ich an. Ich hatte nicht erwartet, dass er mir meine Bitte, sich alles noch einmal zu �berlegen, erf�llen w�rde, aber ich bekam dadurch eine Gelegenheit, ihn einzusch�tzen und eine Wanze unter dem Gartentisch anzubringen, ehe ich mich aus dem Staub machte.�</p><p>�Sie funktioniert einwandfrei, hat allerdings bisher noch nichts von Bedeutung aufgenommen.�</p><p>�Meinen Sie, die Trouts haben bei Margrave mehr Gl�ck?�, fragte Austin.</p><p>�Ich hoffe es, aber ich bin nicht besonders optimistisch.�</p><p>Austin dachte an sein Treffen mit Gant. �Ich auch nicht�, stimmte er zu.</p><empty-line/><p>�Ich trinke auf Arthur C. Clarke�, sagte Gant und hob sein Glas.</p><p>Er sa� mit drei Fuchsj�gern, die ihre roten Jacken trugen, in seinem Arbeitszimmer. Einer von ihnen, ein korpulenter Mann mit einem Gesicht wie ein Bulle, fragte: �Wer ist Clarke?�</p><p>Gants �liges L�cheln verschleierte seine Verachtung. �Er ist ein englischer Science-Fiction-Autor, der schon 1945 vorschlug, drei bemannte Satelliten in Vierundzwanzigstundenorbits �ber den gro�en Landmassen kreisen zu lassen, um Fernsehsignale zu �bermitteln. Seine Vision war es, die uns heute hier zusammenf�hrt.�</p><p>�Darauf trinke ich�, sagte der korpulente Mann mit einem englischen Akzent.</p><p>Er hob sein Glas, und Gant und die beiden anderen M�nner im Arbeitszimmer folgten seinem Beispiel. Ein Mann war so hager, wie der Mann mit dem Bullengesicht dick war. Der vierte Mann im Raum war �ber achtzig. Er hatte versucht, die unvermeidbaren Spuren des Alterns und seines dekadenten Lebensstils durch plastische Chirurgie, Chemie und Transplantate zu beseitigen. Die Folge war ein h�ssliches Gesicht, das an die Leiche eines jungen Mannes erinnerte.</p><p>Selbst Gant h�tte zugegeben, dass keiner seiner Partner einen Preis f�r seinen besonders hervorragenden Charakter errungen h�tte, aber sie waren unglaublich raffinierte und skrupellose M�nner, die es mit ihren multinationalen Konzernen zu unfassbarem Reichtum gebracht hatten. Und sie wurden seinen Bed�rfnissen gerecht. Einstweilen.</p><p>�Ich habe Sie zu mir gebeten, damit ich Sie auf den neuesten Stand unseres Projekts bringen kann�, sagte Gant. �Alles l�uft bestens.�</p><p>�H�rt! H�rt!�, riefen die anderen drei M�nner im Chor.</p><p>�Wie Sie wissen, ist das Satellitengesch�ft in den letzten drei�ig Jahren rasend schnell gewachsen. Dutzende von Satelliten werden von zahlreichen Firmen betrieben, sei es f�r Fernsehen, Kommunikation, Milit�r, Wetterbeobachtung oder Telefonverkehr, und weitere M�glichkeiten zeichnen sich schon jetzt ab. Diese Satelliten sorgen f�r Milliardenprofite.� Er hielt inne. �Bald wird all das uns geh�ren.�</p><p>�Sind Sie sicher, dass nichts schiefgehen kann?�, fragte der alte Mann.</p><p>�Nichts geht schief. Der Polsprung wird eine vor�bergehende St�rung bewirken, aber die Satellitennetze werden elektronisch lahmgelegt sein.�</p><p>�Bis auf unsere�, sagte der hagere Mann.</p><p>Gant nickte. �Unsere durch Blei abgeschirmten Satelliten werden die einzigen sein, die noch ordnungsgem�� funktionieren. Unser Konsortium wird die weltweite Kommunikation unter Kontrolle haben. Diese Position werden wir festigen, indem wir andere Netze schlucken und weitere eigene Satelliten in Umlauf bringen.�</p><p>�Und auf diese Art und Weise weitere Milliarden verdienen�, sagte der alte Mann.</p><p>�Ja�, best�tigte Gant. �Und das Raffinierte daran ist, dass wir die anarchistischen Kr�fte benutzen, um unser Ziel zu erreichen. Sie werden es sein, die bereitwillig die Verantwortung f�r das Ausl�sen des Polsprungs �bernehmen. Und wenn der Zorn der Welt sich gegen sie richtet, werden Margrave und seine Leute vernichtet.�</p><p>�Alles sch�n und gut�, sagte der alte Mann. �Aber denken Sie daran, dass es uns nur um Geld geht.�</p><p>�Und davon wird es eine Menge geben�, sagte Gant, obgleich Geld f�r ihn am unwichtigsten war. Viel wichtiger war die politische Macht, �ber die er verf�gen w�rde, wenn er die totale Kontrolle �ber die Kommunikationssysteme der Welt an sich gerissen h�tte. Niemand w�rde irgendetwas tun k�nnen, ohne dass er dar�ber Bescheid wusste. Millionen von Gespr�chen w�rden �berwacht. Zugang zu s�mtlichen Archiven und Datenbanken g�ben ihm reichlich Hilfsmittel f�r politische Erpressung in die Hand. Keine Armee k�nnte ohne sein Wissen operieren. Seine Fernsehstationen w�rden die �ffentliche Meinung nach Belieben steuern. Er h�tte die Macht, Aufst�nde anzuzetteln und sie aufzul�sen.</p><p>�Auf unseren englischen Freund�, sagte der Mann mit dem Bullengesicht. �Wir lautete sein verdammter Name noch mal?�</p><p>Gant sagte es ihm. Dann hob er sein Glas zu einem weiteren Toast.</p></section><section><title><p>34</p></title><p>Trout zog seine Angelschnur ein und untersuchte den leeren Haken. �Heute bei�en die Fische nicht�, stellte er emp�rt fest.</p><p>Gamay lie� das Fernglas sinken, mit dem sie Margraves Leuchtturminsel beobachtete. �Jemand, der in der Familie eines Fischers aufwuchs, sollte eigentlich wissen, dass Angelhaken viel besser funktionieren, wenn man einen Wurm draufschiebt.�</p><p>�Einen Fisch zu fangen w�rde dem Zweck dieser seet�chtigen Theaterproduktion v�llig widersprechen, der darin besteht, ganz einfach nur den <emphasis>Anschein </emphasis>zu erwecken, als w�rde man angeln�, sagte Trout.</p><p>Gamay blickte auf ihre Uhr und sah dann hinauf zum rotwei� gestreiften Leuchtturm auf seinem Felsvorsprung. Er sah aus wie eine der Pfefferminzstangen, die sie als Kind immer so gerne gelutscht hatte. �Wir sind jetzt seit zwei Stunden hier. Die Leute, die uns von der Insel aus �berwacht haben, m�ssten jetzt eigentlich von unserer Harmlosigkeit �berzeugt sein. Meine kleine Bikinishow auf dem Bug vor einer Weile d�rfte ihnen gezeigt haben, dass wir nichts anderes als harmlose Angler sind.�</p><p>�Und ich h�tte geglaubt, sie mit meinem professionellen Outfit �berzeugt zu haben.�</p><p>Gamay betrachtete die Mini-Budweiserdose auf der Krempe von Trouts zerknautschtem Hut und studierte dann das bunt bedruckte, billige Hawaiihemd, das �ber die roten Bermudashorts hing. �Wie sollte jemand <emphasis>nicht </emphasis>durch diese raffinierte Verkleidung get�uscht werden?�</p><p>�Ich nehme da einen unziemlichen Unterton von Sarkasmus wahr, den ich als perfekter Gentleman, der ich bin, lieber ignorieren werde�, sagte Trout. �Der eigentliche Test steht noch bevor.�</p><p>Er steckte die Angelrute zu einigen anderen in einer Halterung und versuchte dann mit �bertriebenen, umst�ndlichen Bewegungen, den Au�enbordmotor zu starten. Die Tatsache, dass er ein Z�ndkabel gel�st hatte, h�tte durchaus etwas damit zu tun haben k�nnen, dass es ihm nicht gelang, den Motor in Gang zu bringen. Erster Akt. Dann standen er und Gamay an Deck und gestikulierten wild mit den Armen, als sie einen heftigen Streit inszenierten. Zweiter Akt. Schlie�lich holten sie ein Paar Ruder hervor, legten sie in die Dollhaken des Bootes und begannen, in Richtung Insel zu rudern. Dritter Akt.</p><p>Das Motorboot war nicht dazu konstruiert, gerudert zu werden, und sie kamen nur langsam voran, aber schlie�lich befanden sie sich in drei�ig Metern Entfernung von einem langen Pier, an dem ein gro�es Powerboot und ein noch gr��eres Segelboot vert�ut waren. Der Pier war mit BETRETEN-VERBOTEN-Schildern gespickt. Entsprechenden Nachdruck verlieh der Warnung ein Wachmann in Tarnkleidung, der gem�tlich zum Ende des Piers schlenderte.</p><p>Er schnippte die Zigarette, die er rauchte, ins Wasser und versuchte, die Trouts mit einigen Gesten zu vertreiben. Als das Boot beharrlich n�her kam, legte er die H�nde als Schalltrichter an den Mund und rief: �Privatgel�nde! Sie d�rfen hier nicht anlegen!�</p><p>Trout stand im Bootsheck und rief zur�ck: �Wir haben keinen Sprit mehr!�</p><p>�Wir k�nnen Ihnen nicht helfen. Das hier ist Privatgel�nde!� Er deutete auf die BETRETEN-VERBOTEN-Schilder.</p><p>Gamay sagte: �Lass mich mal versuchen, Mr.�Budweiser.�</p><p>�Wahrscheinlich trinkt er lieber Miller�, sagte Trout. Er trat zur Seite, um Gamay Platz zu machen. �Bitte bring jetzt nicht die D�mlicher-Ehemann-Nummer. Dann kriege ich n�mlich einen Minderwertigkeitskomplex.�</p><p>�Okay, dann eben die Ungl�ckliche-Ehefrau-Nummer.�</p><p>Gamay breitete die Arme aus, als w�rde sie den W�chter anbeten. �Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Unser Funkger�t funktioniert nicht.� Sie deutete auf die Zapfs�ule auf dem Pier. �Wir bezahlen auch f�r das Benzin.�</p><p>Der W�chter betrachtete l�stern Gamays schlanken K�rper, dann grinste er und winkte den Trouts, dass sie zum Pier kommen k�nnten.</p><p>Sie ruderten hektisch zum Pier, und als sie ankamen, konnten sie erkennen, dass der W�chter auf der einen Seite ein Pistolenhalfter an seinem G�rtel befestigt hatte und an der anderen Seite ein Sprechfunkger�t. Trout reichte dem W�chter, dessen Miene alles andere als freundlich war, einen leeren Benzinkanister. Er f�llte ihn an der Zapfs�ule, w�hrend die Trouts im Boot warteten. Als er ihn zur�ckbrachte, bedankte Gamay sich bei ihm und wollte wissen, was sie ihm schulde. Der W�chter grinste verschlagen und meinte: �Nichts.�</p><p>Sie reichte ihm einen dicken Umschlag. �Dann geben Sie das bitte Mr.�Margrave als kleines Dankesch�n f�r das Benzin.�</p><p>Der W�chter betrachtete den Umschlag und sagte: �Warten Sie.� Er ging ein St�ck, bis er au�er H�rweite war, und sprach in sein Funkger�t. Dann kam er zur�ck und sagte: �Kommen Sie mit.�</p><p>Er f�hrte sie eine steile Holztreppe zum Fu� des Felsvorsprungs hinauf. Dann holte er eine kleine Fernbedienung aus der Tasche, dr�ckte auf einen Knopf, und ein Teil der Felswand glitt zur Seite und gab den Blick auf einen Fahrstuhl frei. Er forderte sie auf einzusteigen und folgte ihnen in die Kabine. Mit einer Hand auf dem Pistolenhalfter beobachtete er sie w�hrend der mehrere Sekunden dauernden Fahrt. Die Fahrstuhlt�ren �ffneten sich zu einem runden Raum. Ein kurzer Blick verriet den Trouts, dass sie sich im Leuchtturm befanden.</p><p>Der W�chter �ffnete eine T�r, und sie traten ins Freie. Sie standen auf der Klippe und hatten einen wundervollen Blick auf das in der Sonne funkelnde Wasser der Penobscot Bay. Drei Klappst�hle waren aufgestellt worden. In einem sa� ein Mann mit dem R�cken zu den Besuchern und hatte ein Fernrohr am Auge. Er wandte sich um und l�chelte die Trouts an.</p><p>Er hatte ein schlankes, d�steres Gesicht und seltsam geschnittene gr�ne Augen, die die Trouts am�siert betrachteten. Dann deutete er auf die leeren Sessel. �Hallo, Gamay. Hallo, Paul. Ich habe schon auf Sie gewartet.� Er quittierte die �berraschung auf ihren Mienen mit einem glucksenden Lachen.</p><p>�Ich glaube nicht, dass wir uns schon mal begegnet sind�, sagte Trout und machte es sich in einem Sessel bequem, w�hrend Gamay sich in den anderen sinken lie�.</p><p>�Das sind wir auch nicht. Wir h�ren Ihnen schon den ganzen Vormittag zu und haben Sie genau im Auge. Unsere elektronischen Ohren sind weitaus empfindlicher als die Abh�rwanzen, die Sie in irgendwelchen Versandh�usern kaufen k�nnen, aber das Prinzip ist das gleiche. Wir haben jedes Wort geh�rt, das Sie gesprochen haben. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wollten Sie mir etwas schenken.�</p><p>Der W�chter reichte Margrave den Umschlag. Er �ffnete ihn und holte eine CD-ROM-Scheibe heraus. Sein L�cheln verschwand, als er die Beschriftung las: �Die Gefahren des Polsprungs.�</p><p>�Was hat das zu bedeuten?�, fragte Margrave. Sein Tonfall hatte jede Freundlichkeit verloren.</p><p>Trout deutete auf die Scheibe. �Diese CD erz�hlt Ihnen alles, was Sie wissen wollen, und einiges, das Sie wahrscheinlich nicht wissen wollen.�</p><p>Margrave schickte den W�chter mit einer Handbewegung weg.</p><p>�Sie sollten die Scheibe wirklich abspielen�, sagte Gamay. �Sie wird Ihnen die ganze Situation erkl�ren.�</p><p>�Warum sollte ich an einem Polsprung interessiert sein?�, fragte Margrave.</p><p>�Das ist einfach�, erwiderte Gamay mit einem reizenden L�cheln. �Sie haben die Absicht, eine Umkehrung der magnetischen Pole der Erde mithilfe von niederfrequenten elektromagnetischen Impulsen auszul�sen. Es ist ein Prozess, der auf den Forschungen von Lazio Kovacs beruht.�</p><p>Margrave st�tzte sein scharf geschnittenes Kinn in die Hand und lie� sich Gamays Worte durch den Kopf gehen.</p><p>�Selbst wenn ich die Macht h�tte, einen Wechsel der Pole herbeizuf�hren, gibt es meines Wissens kein Gesetz, das so etwas verbietet.�</p><p>�Aber es gibt eine Menge Gesetze gegen Beihilfe zum Massenmord und zu totaler Vernichtung�, sagte Trout, �obgleich Sie sich wegen einer m�glichen Bestrafung keine Sorgen machen m�ssten, da Sie genauso tot w�ren wie alle anderen Menschen.�</p><p>�Seit meiner Kindheit l�se ich keine R�tsel mehr. Was wollen Sie mir klarmachen?�</p><p>�Dass ein magnetischer Polsprung eine nicht mehr r�ckg�ngig zu machende Bewegung der Erdkruste mit katastrophalen Auswirkungen zur Folge h�tte.�</p><p>�Wenn das der Fall ist, welchen Nutzen habe ich oder wer auch immer von einem solchen Prozess?�</p><p>�Es ist m�glich, dass Sie nicht ganz bei Verstand sind. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Sie ganz einfach dumm sind.�</p><p>Margraves bleiche Wangen r�teten sich. �Man hat mir schon vieles an den Kopf geworfen, aber noch nicht, dass ich dumm sei.�</p><p>�Wir wissen, warum Sie das tun. Sie wollen die wirtschaftliche Globalisierung aufhalten, aber Sie haben dazu eine h�chst gef�hrliche Methode ausgesucht, und Sie w�ren gut beraten, es lieber zu unterlassen.�</p><p>Margrave erhob sich abrupt und unerwartet. Er holte mit dem Arm aus und schwang ihn dann nach vorne. Die CD-ROM verlie� seine Hand und flog in einem hohen Bogen hinaus in die Luft und landete einige hundert Meter tiefer im Wasser am Fu� der Klippe. Er winkte anschlie�end den W�chter her�ber und sah die Trouts an.</p><p>�Sie werden zu Ihrem Boot zur�ckgebracht. Lassen Sie diese Insel lieber so schnell wie m�glich weit hinter sich, sonst versenke ich Ihr Boot, und Sie k�nnen zum Festland zur�ck�schwimmen.� Er l�chelte. �Das Benzin schenke ich Ihnen.�</p><p>Sekunden sp�ter fuhren die Trouts mit dem Fahrstuhl nach unten. Der W�chter eskortierte sie zu ihrem Boot, stie� sie vom Pier und blieb dort mit einer Hand auf dem Pistolenhalfter stehen.</p><p>Von der Klippe aus beobachtete Margrave, wie die Trouts sich von der Insel entfernten, dann nahm er das Mobiltelefon, das in einer Tasche an seinem G�rtel steckte, zur Hand und aktivierte die Stimmwahl mit einem Wort: �Gant.�</p><p>Jordan Gant meldete sich sofort.</p><p>�Ich hatte soeben Besuch von zwei NUMA-Leuten�, meldete Margrave. �Sie wissen sehr gut �ber das Projekt Bescheid.�</p><p>�Was f�r ein Zufall�, erwiderte Gant. �Kurt Austin war hier, ebenfalls von der NUMA. Auch er schien �ber unsere Pl�ne bestens informiert zu sein.�</p><p>�Die Leute, die bei mir waren, meinten, dass wir eine weltweite Vernichtung ausl�sen k�nnten.�</p><p>Gant lachte. �Sie haben sich zu lange auf Ihrer Insel vergraben. Wenn Sie l�ngere Zeit in einer Schlangengrube wie Washington verbringen w�rden, w�ssten Sie, dass die Wahrheit das ist, was man daf�r halten will. Die Leute bluffen.�</p><p>�Was sollen wir tun?�</p><p>�Den Termin vorziehen und sie gleichzeitig bremsen, indem wir sie ablenken. Wenn wir Kurt Austin aus dem Verkehr ziehen, wird das die NUMA aus dem Tritt bringen und uns die n�tige Zeit verschaffen, um daf�r zu sorgen, dass unser Projekt erfolgreich abgeschlossen wird.�</p><p>�Hat man irgendetwas von Karla Janos geh�rt? Mir gef�llt die Vorstellung nicht, dass sie pl�tzlich wie aus dem Nichts auftauchen k�nnte.�</p><p>�Darum habe ich mich gek�mmert. Meine Freunde in Moskau haben mir versichert, dass, wenn ich ein wenig Geld verteile, die Janos die Insel in Sibirien nie mehr lebend verlassen w�rde.�</p><p>�Trauen Sie den Russen?�</p><p>�Ich traue niemandem. Die Russen erhalten die volle Bezahlung, wenn sie mir einen eindeutigen Beweis f�r ihren Tod vorlegen. In der Zwischenzeit ist sie Tausende von Kilometern weit weg von hier und nicht in der Lage, sich einzumischen.�</p><p>�Wie wollen Sie auf Austin reagieren?�</p><p>�Ich hatte gehofft, dass ich mir f�r diesen Job Lucifer�s Legion ausborgen kann.�</p><p>�Lucifer? Sie wissen doch, wie undiszipliniert dieser Haufen ist.�</p><p>�Ich denke an ein wahrscheinlich notwendiges Dementi. Falls irgendetwas schiefgeht, sind sie lediglich eine Bande von irren Killern, die auf eigene Faust gehandelt haben.�</p><p>�Man wird sie im Auge behalten m�ssen.�</p><p>�Das ist mir nur recht.�</p><p>�Ich gehe mit meinem Boot nach Portland, nehme einen Helikopter nach Boston und fliege von dort weiter nach Rio.�</p><p>�Gut. Wir treffen uns dort, sobald ich noch einige eher nebens�chliche Angelegenheiten geregelt habe.�</p><p>Nachdem sie die letzten Details gekl�rt hatten, unterbrach Margrave die Verbindung und gab seinem W�chter einen knappen Befehl. Er begab sich in den Leuchtturm und telefonierte von dort. Dann packte er ein paar pers�nliche Dinge sowie seinen Laptopcomputer in eine Reisetasche. Kurz darauf schlenderte er �ber den Pier zum Powerboot. Dessen Maschine lief bereits warm. Er ging mit zwei Sicherheitsleuten an Bord. Sie legten ab und gaben Gas, so dass das Boot mit hochsteigendem Bug �ber die Penobscot Bay schoss.</p><p>Das Boot passierte eine winzige Insel, die mit einem dichten Kiefernwald bedeckt war. Paul und Gamay sa�en auf einem gro�en Stein im Schatten der B�ume und verfolgten, wie das schnelle Boot eine sch�umende Kiellinie erzeugte, als es an der Insel vor�berjagte.</p><p>�Es sieht so aus, als h�tte Mr.�Margrave es ganz besonders eilig�, sagte Gamay.</p><p>Trout l�chelte. �Ich hoffe, der Grund ist etwas, das wir gesagt haben.�</p><p>Sie marschierten quer �ber die Insel, wo sie ihr Boot an einem Baum vert�ut hatten, stiegen ein und starteten den Motor. Dann umrundeten sie die Insel, gaben Gas und folgten Margrave in sicherem Abstand.</p></section><section><title><p>35</p></title><p>Das drei�igst�ckige, r�hrenf�rmige Bauwerk, in dem die National Underwater and Marine Agency residierte, stand auf einem H�gel in East Washington und blickte auf den Potomac River hinab. Rundum mit gr�nem, w�rmereflektierendem Glas verkleidet, war es die Heimat von Tausenden Ozeanographen, Schiffsingenieuren und den Labors und Computern, in und mit denen sie ihrer Arbeit nachgingen.</p><p>Austins B�ro war eine spartanische Angelegenheit in der vierten Etage. Es verf�gte �ber die �bliche Ausstattung, darunter ein Schreibtisch, ein Computer und ein Aktenschrank. Die W�nde waren mit Fotos von NUMA-Forschungsschiffen, Karten von den Weltmeeren und einem Clipboard geschm�ckt, an dem Kopien von wissenschaftlichen Aufs�tzen und Nachrichtenmeldungen flatterten. Auf dem Schreibtisch stand ein Lieblingsfoto von Austins Mutter und Vater beim Segeln auf dem Puget Sound. Es war in gl�cklichen Zeiten aufgenommen worden, ehe seine Mutter an einer t�ckischen Krankheit gestorben war.</p><p>Die Schlichtheit des B�ros war zum Teil durchaus Absicht. Da die Arbeit des Spezialteams f�r Sondereins�tze vorwiegend geheim war, wollte Austin so perfekt wie m�glich mit der NUMA-Fassade verschmelzen. Der andere Grund f�r die rein funktionelle Einrichtung seines B�ros erkl�rte sich aus der Tatsache, dass er oft in Missionen unterwegs war, die ihn um den ganzen Erdball f�hrten. Sein Arbeitsplatz waren eigentlich die Weltmeere.</p><p>In der gleichen Etage befand sich auch der Sitzungssaal der NUMA, ein imposanter Raum mit einem drei Meter langen Konferenztisch, der aus dem h�lzernen Rumpfst�ck eines versunkenen Schiffs hergestellt worden war. Austin hatte sich f�r einen kleineren und weniger repr�sentativen Raum als den Sitzungssaal entschieden, um Strategiegespr�che abzuhalten. Der kleine Arbeitsraum, dessen W�nde aus deckenhohen Regalen voller B�cher �ber das Meer bestanden, war ein ruhiger Ort, der h�ufig von denen benutzt wurde, die darauf warteten, die Ergebnisse ihrer jeweiligen Arbeit vorzustellen.</p><p>W�hrend Austin an einem Eichentisch in der Mitte des Arbeitszimmers sa�, dachte er an Churchills �War Room� und an das Oval Office, wo Entscheidungen getroffen wurden, die die Zukunft der Welt beeinflussten. Er hatte keine Infanterie�divisionen oder m�chtigen Flotten zu seiner Verf�gung, �berlegte er. Er hatte Joe Zavala, der in jedem Fall mehr davon hielt, mit einer sch�nen Frau neben sich in seinem Corvette Cabrio spazieren zu fahren, Barrett, einen brillanten Computerfreak mit einer Spinnent�towierung auf dem Sch�del, und die sch�ne und intelligente Karla Janos, mit der Austin sich viel lieber bei einem Cocktail �ber Gott und die Welt unterhalten h�tte.</p><p>�Paul und Gamay sind auf dem R�ckweg aus Maine�, verk�ndete er. �Ihnen ist es nicht gelungen, Margrave von seinen Pl�nen abzubringen.�</p><p>�Damit haben wir nur noch eine Option�, sagte Karla. �Wir m�ssen diesen Wahnsinnsplan irgendwie selbst stoppen.�</p><p>Austin blickte �ber den Tisch zu Karla und studierte ihr klares, offenes Gesicht und ihren perfekt modellierten Mund. Dabei ging ihm der Gedanke durch den Kopf, dass es verdammt unfair war, dass dieses f�r romantische Gef�hle wie geschaffene Wesen sich mit einer t�dlichen Bedrohung f�r die ganze Welt herumschlagen musste. Karla bemerkte, dass Austins blaue Augen voller Interesse auf sie gerichtet waren. Sie hob eine ihrer wie gemalt wirkenden Augenbrauen. �Ja, Kurt?�</p><p>Sich ertappt f�hlend, r�usperte Austin sich. �Ich hatte grade �berlegt, wie es wohl Ihrem Onkel geht.�</p><p>�Genau genommen ist er mein Patengro�vater, falls es so etwas �berhaupt gibt, aber es geht ihm gut, um Ihre Frage zu beantworten. Er ist nur ziemlich ersch�pft. Das Krankenhaus m�chte ihn noch f�r ein paar Tage dabehalten. Er soll seinen Kn�chel schonen. Aber er wird wahrscheinlich seine Sachen packen und verschwinden, sobald er sich ein wenig ausgeruht hat.�</p><p>�Es freut mich, dass er auf dem Weg der Besserung ist. Ich kann Sie nach unserer Besprechung am Krankenhaus absetzen. Wenn wir hier fertig sind, fahre ich zu einer Veranstaltung in der N�he des National Battlefield in Manassas, um Dirk Pitt, den Direktor der NUMA, �ber die j�ngste Entwicklung zu unterrichten.�</p><p>�Geh�rt Pitt etwa zu den Verr�ckten, die den B�rgerkrieg nachspielen?�, fragte Zavala.</p><p>�Mit dem Ausgang ist er durchaus zufrieden, soweit ich wei�, aber er wurde zu irgendeiner Wohlt�tigkeitsgeschichte in der N�he von Bull Run verdonnert. Er m�chte gerne schon vor dem Treffen im Wei�en Haus Bescheid wissen. Was hast du f�r uns, Joe?�</p><p>�Gute Neuigkeiten. Ich habe Yeager gebeten, die Daten der Werften zu durchforsten. Ich dachte, wenn wir rauskriegen, wo die Transmitterschiffe gebaut wurden, k�nnten wir vielleicht auch in Erfahrung bringen, wo sie zur Zeit liegen. Aber sogar Max zog eine Niete. Als N�chstes nahm ich mir die Generatoren vor. Ich ging davon aus, dass sie vielleicht ganz normal zu kaufen sind.�</p><p>�Die Generatoren, die wir gesehen haben, d�rften wohl kaum im Elektroladen um die Ecke zu kriegen sein.�</p><p>�Nur wenige Firmen stellen derart gro�e Ger�te her�, sagte Zavala. �Ich habe mir jede vorgenommen und mir ihre Verk�ufe w�hrend der letzten drei Jahre angeschaut. S�mtliche Ger�te gingen an Stromerzeuger, bis auf eine Lieferung an eine Firma in S�damerika, die zu Gants Stiftung geh�rt. Zum selben multinationalen Konzern, dem eine Reederei in Mississippi geh�rt. Eine sehr seltsame Kombination, vor allem, da beide Betriebe zu einer auf Gemeinn�tzigkeit ausgerichteten Interessengruppe geh�ren.�</p><p>�Bist du sicher, dass die Stiftung in beiden F�llen die Eigent�merin ist?�</p><p>�Ganz sicher. Ich habe mich durch die Registrierungsunter�lagen der Firma gew�hlt, und sie ist tats�chlich gemeinn�tzig. Sie besitzt eine in Delaware ans�ssige Scheinfirma. Ich habe jemanden von der NUMA vorgeschoben, der vorgab, eine Werft zu suchen, die bereit w�re, eins unserer Forschungsschiffe umzur�sten. Die Firma selbst scheint echt zu sein. Das Management lie� durchblicken, sie h�tten soeben erst einen gr��eren Umr�stungsauftrag ausgef�hrt�� Einzelheiten wollten sie nicht nennen�� und w�rden gerne ein Angebot einreichen.�</p><p>�Demnach sind die Schiffe noch dort?�</p><p>�Sie sind vor mehreren Tagen ausgelaufen. Ich habe mich dann in den Archiven der NUMA-Satelliten informiert. Vier Schiffe haben in der vergangenen Woche die Werft verlassen.�</p><p>�Vier?�</p><p>�Drei Transmitterschiffe und vermutlich ein Passagierschiff. Sie m�ssten nach S�damerika unterwegs sein.�</p><p>Barrett hatte seit der Computersimulation kein Wort mehr gesagt. Jetzt gab er sich einen Ruck. �Vielen Dank f�r Ihre flei�ige Arbeit, Joe. Ich habe wegen dieser Sache ein furchtbar schlechtes Gewissen. Ich denke st�ndig, dass diese Trag�die allein meine Schuld ist.�</p><p>��berhaupt nicht�, widersprach Karla. �Sie konnten doch nicht ahnen, dass Ihre Arbeit f�r derart destruktive Zwecke verwendet w�rde. Das ist nicht anders als bei meinem Gro�vater. Er interessierte sich ausschlie�lich f�r den wissenschaftlichen Aspekt.� Karla sch�ttelte den Kopf, w�hrend ein L�cheln auf ihrem Gesicht erschien. �Drunter-dr�ber�, sagte sie.</p><p>Sie lachte �ber die verwirrten Gesichter am Tisch.</p><p>�Das ist der Titel eines Gute-Nacht-Gedichts, das mein Gro�vater mir immer aufgesagt hat. Kein besonders gutes Gedicht, doch er meinte, ich solle es mir merken, dann k�nne mir nichts passieren.� Sie legte die Stirn in Falten, w�hrend sie versuchte, sich an den Text zu erinnern.</p><poem><stanza><v>Drunter-dr�ber, Dr�ber-drunter,</v><v>Ganz pl�tzlich macht es bumm.</v><v>Der Himmel steht in Flammen,</v><v>Die Erde ist ganz dumm,</v><v>Der Ozean flie�t herum.</v></stanza></poem><p>Auf ihren Vortrag folgte Schweigen, das Karla schlie�lich selbst durchbrach.</p><p>�Mein Gott�, sagte sie. �Ich habe soeben Polarlichter, Erdbeben und Tsunamis beschrieben.�</p><p>�Mit anderen Worten, einen Polsprung�, stellte Austin fest. �Erz�hlen Sie ruhig weiter.�</p><p>�Ich versuch�s. Es ist lange her.� Sie blickte zur Decke.</p><p>�Jede Strophe beginnt mit dem gleichen Drunter-dr�ber-Reimpaar, und dann �ndert sich die Strophe. Die n�chste lautet: �Der Schl�ssel steckt in der T�r, / Wir dreh�n den Knauf, der Riegel schnappt, / Damit das Meer verstummt.� Danach kommen noch mehrere Strophen, bis das Gedicht mit meiner Lieblings�strophe endet: �Der Tag ist da, vorbei die Nacht, / Die Welt ist wieder gut, / Denn Karla tr�umt, / Und alles wieder lacht.��</p><p>Barrett holte einen Kugelschreiber und ein Notizbuch aus der Tasche und schob es �ber den Tisch zu Karla hin. �K�nnten Sie jede Strophe aufschreiben?�</p><p>�Ja, aber �� Karla war ein wenig verwirrt. �Glauben Sie, dieser Quatsch hat irgendeinen Sinn?�</p><p>�Ich bin nur neugierig�, sagte Barrett.</p><p>�Wir sollten jede Spur verfolgen, egal wie seltsam sie uns vorkommen mag�, meinte Austin. Er warf einen Blick auf eine Wanduhr. �Ich muss los. In zwei Stunden treffen wir uns wieder hier.�</p><p>Er bat Zavala, den Trouts Bescheid zu sagen, dass sie den Transmitter-Schiffen auf der Spur bleiben sollten, dann wandte er sich an Karla. �Ich k�nnte Sie jetzt zum Krankenhaus mitnehmen�, sagte er.</p><p>�Ich fahre sp�ter zu Onkel Karl. Wenn ich ihn jetzt besuche, dann verlangt er blo� von mir, ihm bei seiner Flucht aus dem Krankenhaus behilflich zu sein. Ich w�rde Sie viel lieber zu Mr.�Pitt begleiten�, gestand sie.</p><p>�Also ich wei� nicht�, erwiderte Austin. �Ich halte es f�r besser, wenn Sie vorerst in der Versenkung bleiben.�</p><p>�Schon m�glich, aber ich will mich nicht verstecken. Es besteht immerhin die Chance, dass derjenige, der meinen Tod befohlen hat, nicht wei�, dass ich noch am Leben bin.�</p><p>�Ich m�chte, dass es auch so bleibt.�</p><p>�Die Arbeit meines Gro�vaters hat diesen Unsinn erst in Gang gesetzt. Ich bin es ihm schuldig, daf�r zu sorgen, dass seine Arbeit nicht auf eine solche Art und Weise missbraucht wird.�</p><p>Als er den entschlossenen Ausdruck in Karlas Augen sah, wusste Austin, dass er es nicht schaffen w�rde, sie umzustimmen.</p><p>Eine Viertelstunde sp�ter suchten Austin und Karla sich einen Wagen aus der Pkw-Flotte in der NUMA-Tiefgarage aus. W�hrend Austin den Wagen aus der Garagenausfahrt lenkte und sich in den f�r Washington typischen dichten Verkehr einf�delte, wurden er und Karla durch die Ein-Weg-Fenster eines Vans beobachtet, der vollgestopft war mit der modernsten Abh�r- und Beobachtungselektronik. Die Aufschrift auf der Seitent�r wies ihn als ein Dienstfahrzeug der Metropolitan Transit Authority aus.</p><p>Im Innern des Vans sog Doyle gierig an einer Zigarette, w�hrend er und ein Helfer mehrere Monitore beobachteten, die die Stra�enszene rund um das NUMA-Geb�ude zeigten. Versteckte Kameras im Van und einem �hnlichen Fahrzeug, das vor dem Haupteingang der NUMA-Zentrale parkte, zeichneten das Gesicht jeder Person auf, die das Geb�ude verlie�, und verglichen es mit den Bildern in einer umfangreichen Datenbank. Das Erkennungssystem konnte mehr als tausend Gesichter in der Sekunde �berpr�fen.</p><p>Der Monitoralarm summte. Das Signal f�r einen Treffer. Das Bild von Austin hinter dem Lenkrad eines t�rkisfarbenen Jeep Cherokee, der die Garage verlassen hatte, wurde auf einen der Schirme �bertragen. Unter Austins Konterfei befand sich eine Zusammenfassung seiner pers�nlichen Daten. Doyles harte Augen funkelten vor Erregung. <emphasis>Bingo! </emphasis>Kaum hatte er seinem Helfer befohlen, sich auf den Fahrersitz zu schwingen und dem Jeep zu folgen, als ein zweiter Monitor summte. Das Bild einer attraktiven jungen Frau, die auf dem Beifahrersitz des Jeeps sa�, f�llte den Bildschirm. Die Datenbank identifizierte sie als Karla Janos.</p><p>Zweimal Bingo!</p><p>Ein L�cheln spielte um Doyles Lippen. Er konnte es kaum erwarten, Gants Gesicht zu sehen, wenn er ihm erz�hlte, dass Karla Janos gesund und wohlauf war und mit dem Feind zusammenarbeitete. W�hrend der Van sich in Bewegung setzte und an den Jeep h�ngte, rief Doyle ein Motel in Alexandria an, wo sechs Harley-Davidson-Motorr�der bereitstanden. Minuten sp�ter tauchten sechs M�nner aus dem Motel auf, schwangen sich auf die Motorr�der und machten sich auf den Weg, um mit Doyle zusammenzutreffen.</p></section><section><title><p>36</p></title><p>Karla betrachtete die M�nner im Grau der Konf�derierten und im Unions-Blau, die die l�ndlichen Stra�en mit ihren Pick-ups und Gel�ndefahrzeugen verstopften.</p><p>�Ich muss mich wohl geirrt haben�, sagte sie. �Bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass der B�rgerkrieg vor�ber sei.�</p><p>�Sie haben wirklich ein abgeschiedenes Leben gef�hrt�, sagte Austin. �Der Krieg der n�rdlichen Aggression, wie der B�rgerkrieg von den S�dstaaten auch gerne genannt wurde, ist in den K�pfen der Leute immer noch in vollem Gang. Sie brauchen blo� den Namen Robert E. Lee aus dem Fenster zu rufen, und Sie finden genug Freiwillige f�r die Rebellenarmee, um die Schlacht von Gettysburg zu wiederholen.�</p><p>Austin folgte dem Verkehr zu einem Parkplatz, der sich am Rand eines einige Hektar gro�en Feldes befand. Nachdem er den NUMA-Wagen geparkt hatte, schlossen sie sich dem Strom von Zuschauern und B�rgerkriegsdarstellern an, die zu dem Feld zogen. Schilder am Weg verk�ndeten, dass die milit�rische Demonstration und die Dampfmaschinenparade abgehalten wurden, um Spenden f�r den Verein der Freunde des Manassas National Battlefield zu sammeln.</p><p>Austin hielt einen b�rtigen Mann in der grauen Uniform eines Offiziers der Lee-Armee an, um sich nach dem Weg zu erkundigen.</p><p>�Stonewall Jackson stets zu Diensten�, sagte der Mann mit einer h�flichen Verbeugung.</p><p>�Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, General. In Anbetracht der historischen Umst�nde sehen Sie noch sehr gut aus. Ich frage mich, ob Sie wissen, wo sich die Dampfautos sammeln�, sagte Austin.</p><p>Jackson blickte mit zusammengekniffenen Augen in die Ferne und zupfte nachdenklich an seinem Bart. �Genau genommen wurden Autos erst 1861 erfunden, daher wei� ich nicht, wovon Sie reden, Sir. Aber wenn ich es w�sste, w�rde ich meinen, dass Sie das, was Sie suchen, in der N�he der Porta Pottis finden, die es zu meiner Zeit noch gar nicht gab.�</p><p>�Vielen Dank, General Jackson. Ich w�nsche Ihnen viel Spa� bei der Schlacht.�</p><p>�Es war mir ein Vergn�gen�, erwiderte der Soldat, l�chelte Karla an und tippte gegen seine M�tze.</p><p>W�hrend sie ihm nachschaute, als er in der Menge verschwand, sagte sie: �Er nimmt seine Rolle wirklich ernst, nicht wahr?�</p><p>Austin l�chelte. �In Manassas fand die erste gro�e Schlacht des B�rgerkriegs statt. Die Unionstruppen glaubten, sie w�rden die Rebellen �berrennen. Sogar aus Washington kamen Leute mit Picknickk�rben angereist, um sich die Schlacht anzusehen. Es war beinahe so wie heute. Die Konf�derierten hatten an diesem Tag ein Mordsgl�ck, aber am Ende behielt die Union die Oberhand.�</p><p>�Warum gehen wir nicht zum originalen Schlachtfeld?�, wollte Karla wissen.</p><p>�Sie haben vor einigen Jahren eine Nachinszenierung der Schlacht versucht. Aber das Spektakel lief derart aus dem Ruder, dass sie das Ganze heute auf privatem Land veranstalten.�</p><p>Karla schaute sich um. �Ich glaube, ich verstehe, was Sie mit �aus dem Ruder laufen� meinen. Die Leute spielen ja v�llig verr�ckt.�</p><p>Austin grinste.</p><p>�Wie der alte Stonewall vielleicht gesagt h�tte: �Nicht verzagen. Der S�den wird wieder aufstehen!��</p><p>Die sechs M�nner, die mit ihren Motorr�dern vor dem geparkten Van vorfuhren, sahen aus, als w�ren sie in einem einzigen Labor geklont worden. Alle trugen Spitzb�rte, und ihre Geheimratsecken waren zu nadelscharfen Witwenspitzen ausrasiert.</p><p>Lucifer�s Legion war eine Gruppe von extremen Neo-Anarchisten, die die Auffassung vertraten, dass Gewalt zur Durchsetzung ihres Anliegens nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar notwendig war. Wie ihre wild dreinblickenden, Bomben legenden Vorg�nger agierten sie am Rand der vorwiegend gewaltlosen Anarchistenbewegung, die nichts mit ihnen zu tun haben wollte. Sie zogen auf ihren Motorr�dern von Stadt zu Stadt und hinterlie�en eine breite Spur aus Chaos und Gewalt.</p><p>Als Margrave zur neo-anarchistischen Bewegung stie�, versicherte er sich der Unterst�tzung der Legion. Er argumentierte, dass weil die Eliten die Polizei hatten, die befugt war, physische Gewalt auszu�ben und, in entsprechenden Situationen, sogar zu t�ten, er und seine Helfer die gleichen M�glichkeiten haben sollten. Er finanzierte die Legion und benutzte sie als seine Pr�torianer-Garde. Anfangs am�sierte es ihn, als sie sich B�rte wachsen lie�en und ihre Haartracht ver�nderten, um sich ein �hnlich satanisches Aussehen zuzulegen, wie Margrave es von Natur aus vorweisen konnte. Nachdem mehrere anarchistische Demonstrationen, an denen sie beteiligt waren, einen unerwartet blutigen Verlauf genommen hatten, begriff er allm�hlich, dass sie zunehmend au�er Kontrolle gerieten.</p><p>Er behielt sie weiter auf seiner Lohnliste, besch�ftigte sie aber immer seltener. Er hatte bereitwillig Gants Vorschlag angenommen, die Sicherheitsfirma f�r die allt�glichen Operationen zu engagieren. Margrave war anfangs �berrascht, als Gant ihm empfahl, die Legion einzusetzen, um Austin und Karla zu t�ten, aber er akzeptierte die Begr�ndung, dass f�r den Fall, dass irgendetwas schiefgehen sollte, die Beh�rden zu dem Schluss k�men, es w�rde sich um eine Bande von Kriminellen handeln, die ihre eigenen Ziele verfolgten.</p><p>Margrave kannte die psychopathischen Tendenzen der Legion um einiges besser als Gant, weshalb er darauf bestanden hatte, dass Doyle sie im Auge behielt. Doyle hatte mittlerweile die Aufschrift METROPOLITAN TRANSIT AUTHORITY, die lediglich aus aufgeklebten Lettern bestand, vom Kleinbus entfernt. Als die Motorradfahrer neben dem Kleinbus stoppten, verlie� Doyle den Wagen und empfing die seltsame Truppe, die gerade von den Maschinen abstieg, mit einem Grinsen, das seine Verachtung kaschierte.</p><p>Doyle war ein kaltbl�tiger M�rder, aber diese Typen mit ihrem glasigen Blick, dem starren Grinsen und den leisen Stimmen jagten ihm Angst ein. Er hoffte, dass Gant wusste, was er tat. Er hatte, wenn auch widerstrebend, von Zeit zu Zeit mit der Gruppe zusammengearbeitet. Seine eigenen t�dlichen Gewaltausbr�che erfolgten stets kontrolliert und genau kalkuliert. Er t�tete aus rein gesch�ftlichen Gr�nden: um einen Konkurrenten auszu�schalten; um einen Informanten zum Schweigen zu bringen. Das undisziplinierte Verhalten von Lucifer�s Legion beleidigte seinen Ordnungssinn.</p><p>Er deutete auf einen t�rkisfarbenen Jeep in einer angrenzenden Reihe. �Austin und die Frau sind unterwegs zum Schlachtfeld. Wir m�ssen sie finden.�</p><p>Die Angeh�rigen der Legion schienen ohne Worte miteinander kommunizieren zu k�nnen und bewegten sich unisono wie ein Vogelschwarm oder ein Schwarm Fische. Wie eine Einheit reagierend, verteilten sie sich auf dem Parkplatz. Sie entdeckten den Lieferwagen einer Firma namens Gone With The Wind Costumes. Ein Angestellter lud gerade einen St�nder mit Kost�men f�r die weniger traditionsbewussten Darsteller ab, die keine eigenen Uniformen besa�en. Er fand sich pl�tzlich von sechs grinsenden Klons umringt. Einer schlug ihn mit einem Teleskopschlagstock bewusstlos, w�hrend die anderen die Szene mit ihren K�rpern vor unliebsamen Zuschauern abschirmten.</p><p>Sie schoben den ohnm�chtigen Mann in den Lieferwagen und durchw�hlten die Kleiderkollektion, bis sie fanden, was sie suchten. Sie trugen ihre Beute zu Doyles Van und zogen sich um. Kurz darauf war von den Bikern in Jeans und T-Shirts nichts mehr zu sehen. An ihre Stelle waren drei konf�derierte und drei Soldaten der Union getreten. Sie schoben sich abges�gte Schrotflinten in den Hosenbund, dann schwangen sie sich wieder auf ihre Motorr�der und begaben sich wie hungrige W�lfe auf die Suche nach ihrer Beute.</p><p>Doyle lie� den Van stehen und mischte sich unter den Fu�g�ngerverkehr. W�hrend er durch die Scharen von Zuschauern und kost�mierten Teilnehmern schlenderte, suchte er die Menge ab wie ein Radar. Doyle hatte eine nahezu perfekte Sicht, ein gro�er Vorteil f�r einen J�ger, und seine scharfen Augen entdeckten Austins helles Haar. Nur wenige Sekunden sp�ter sah Doyle auch die h�bsche blonde Frau an Austins Seite. Ihr Gesicht war das gleiche, das der Computer im Kleinbus als das von Karla Janos identifiziert hatte.</p><p>Er hakte das Sprechfunkger�t von seinem G�rtel los und schickte Lucifer�s Legion eine kurze Nachricht.</p><empty-line/><p>Austin hatte die Dampfwagen gefunden. Ungef�hr zwanzig antike Stanleys waren am Rand des Feldes aufgereiht. Ein Mann in mittlerem Alter mit einem Klemmbrett in der Hand wanderte an der Wagenreihe entlang.</p><p>�Ich suche jemanden, der sich hier ein wenig auskennt�, sagte Austin und spielte ganz bewusst den Unbedarften.</p><p>Der Mann grinste. �Kommt ganz darauf an, worin ich mich auskennen soll.� Er streckte ihm eine Hand entgegen. �Doug Reilly. Ich bin der Pr�sident des Virginia Stanley Steamer Clubs. Was kann ich f�r Sie tun?�</p><p>�Ich suche einen Wagenbesitzer namens Dirk Pitt.�</p><p>�Oh sicher, Pitts Wagen ist die Kopie des 1906 Vanderbilt Cup Racer da dr�ben.� Reilly deutete auf einen offenen roten Wagen, dessen lange Motorhaube geformt war wie ein Sarg. �Es gab davon nur zwei Originale, und soweit wir wissen, existiert keins mehr. Die Motoren kommen allerdings von Stanley. In den Bergen absolut unschlagbar.�</p><p>�Und welcher ist Ihrer?�</p><p>Reilly f�hrte sie zu einer gl�nzenden schwarzen Limousine Baujahr 1926 und z�hlte wie ein stolzer Vater die Besonderheiten des Wagens auf. �Kennen Sie sich bei diesen alten Kisten ein wenig aus?�</p><p>�Ich bin ein einziges Mal bei einer Dampfwagen-Rallye mitgefahren. Dabei habe ich mehr Zeit damit verbracht, auf die Anzeigeinstrumente zu achten als auf die Stra�e.�</p><p>�Das sagt mir in etwa alles�, meinte Reilly kichernd. �Der Stanley Steamer war der schnellste und st�rkste Wagen seiner Zeit. Ein Stanley mit �Kanu�-Karosserie brach 1906 mit 220 Kilometern in der Stunde den Geschwindigkeitsweltrekord. Sie liefern schon volle Kraft, wenn man den Gashebel nur anschaut. Mit ihrem Dieselantrieb konnten sie innerhalb k�rzester Zeit vom Stand auf hundert Stundenkilometer beschleunigen, w�hrend die Fahrer der meisten benzingetriebenen Fahrzeuge noch in den G�ngen herumr�hrten.�</p><p>�Eigentlich ist es �berraschend, dass wir heute keine Dampfwagen mehr fahren�, sagte Austin.</p><p>�Die Stanley-Br�der wollten ihre Wagen nicht in Massenproduktion herstellen. Henry Ford produzierte an einem Tag so viele Fahrzeuge wie sie in einem Jahr. 1912 stellte Cadillac dann den elektrischen Starter vor. Diese Wagen stehen alle unter Dampf, um Zeit zu sparen. Wenn die Stanley-Br�der etwas erfunden h�tten, damit ihre Wagen schneller starten, und ihre Produktion und ihr Marketing verbessert h�tten, dann w�rde heute niemand von uns das fahren, was die Stanleys als �Vehikel mit Explosionsmotor� bezeichneten. Aber entschuldigen Sie, dass ich ein wenig vom Thema abgekommen bin.�</p><p>�Es braucht Ihnen nicht leid zu tun�, sagte Karla. �Es war h�chst interessant.�</p><p>Reilly err�tete. �Alle anderen Wagenbesitzer sind r�ber�gegangen, um sich das Schlachtspektakel anzusehen. Ich halte ein wachsames Auge auf das hier. Wenn die Schlacht vor�ber ist, f�hren wir eine Parade um das ganze Schlachtfeld an.�</p><p>Austin bedankte sich bei Reilly und ging dann mit Karla zum Schlachtfeld. Dem Krachen der Musketen und der Artillerie nach zu urteilen, hatte der Kampf bereits begonnen. W�hrend sie �ber das weite Feld gingen, konnten sie die Zuschauermassen sehen, die verfolgten, wie Sch�tzenlinien in Grau und in Blau gegeneinander vorr�ckten. Das Knallen der Musketen klang aus der Ferne wie das Explodieren von Knallfr�schen, und der Geruch von Schie�pulver wehte ihnen entgegen.</p><p>Etwa zwei Dutzend andere Nachz�gler waren unterwegs zum Schlachtspektakel. Austin hielt Karla einen kleinen Vortrag zur Geschichte der Schlachten von Bull Run, als er, aus den Augenwinkeln, jemanden quer zum Strom der Fu�g�nger �ber das Feld gehen sah. Der Mann kreuzte in etwa zwanzig Metern Entfernung ihren voraussichtlichen Weg, blieb stehen und drehte sich zu ihnen um. Es war Doyle, Gants Handlanger.</p><p>Doyle war nahe genug, so dass der entschlossene Ausdruck auf seinem harten Gesicht deutlich zu erkennen war.</p><p>Er starrte sie f�r einen kurzen Moment an, dann griff er in seine Jacke. Austin sah, wie die Sonne von einem St�ck Metall in seiner Hand reflektiert wurde. Er ergriff Karlas Arm und machte auf der Stelle mit ihr kehrt.</p><p>�Stimmt etwas nicht?�, fragte sie.</p><p>Austins Antwort ging in einem dumpfen Dr�hnen unter. Sechs Harley-Davidsons pfl�gten �ber das Feld in ihre Richtung. Drei Biker in Konf�deriertenuniformen n�herten sich von links, und drei in Unionsblau kamen von rechts.</p><p>Austin trieb Karla zur Eile an. Sie sprinteten �ber das Feld, w�hrend die Biker sich in einem klassischen Zangenman�ver in ihre Richtung bewegten, jedoch schlingernd zum Stehen kamen, ehe sie die Zange schlossen. Ein Streifenwagen mit rotierendem Blaulicht raste �ber das Feld. Der Wagen schoss an Karla und Austin vorbei und stoppte. Der Polizist sprang aus dem Wagen und winkte aufgeregt.</p><p>Er griff nach seinem Strafzettelblock, als ein Motorradfahrer in Blau eine Schrotflinte unter seinem Uniformrock hervorzog und zielte. Der Knall der Schrotflinte mischte sich mit dem Knattern der Musketen. Ins Bein getroffen, st�rzte der Polizist zu Boden. Ohne sich umzudrehen, vereinigten die Biker sich wieder zu einer Reihe und setzten die Verfolgung fort.</p><p>Reilly polierte gerade an seiner Limousine herum, als er das dumpfe Blubbern der Motorr�der h�rte. Er blickte auf und sah Austin und Karla auf sich zurennen. Sein L�cheln verwandelte sich in einen Ausdruck der Verwunderung und steigerte sich zu Entsetzen, als er die vom Jagdfieber gepackten Motorradfahrer sah.</p><p>Austin n�herte sich den Dampfwagen und wies Karla an, in den schwarzen Wagen mit dem sarg�hnlichen Vorbau zu steigen. Er rutschte hinter das Lenkrad. Reilly kam zum Wagen gerannt.</p><p>�Was haben Sie vor?�</p><p>�Rufen Sie die Polizei!�, br�llte Austin.</p><p>Reilly sah ihn verst�ndnislos an. �Weshalb?�</p><p>�Um einen Autodiebstahl zu melden�, antwortete Austin.</p><p>Austin h�rte das R�hren der Motorr�der. Die Biker hatten sie beinahe eingeholt. Er l�ste die Handbremse und schraubte die Verriegelung des Fahrthebels an der Lenks�ule ab. Dann schob er den Antriebshebel nach vorne. Dampf str�mte in den Motor.</p><p>Die Biker waren nur noch wenige Schritte entfernt, als der Wagen mit einem Minimum an L�rm flie�end beschleunigte. Austin riss das Lenkrad herum. Der Stanley verfehlte nur knapp den n�chsten Wagen in der Reihe.</p><p>Austin rammte den Fu� auf die Bremse und kurbelte ein zweites Mal am Lenkrad, diesmal um eine Kollision mit einer Familie mit zwei Kindern zu vermeiden, die soeben die Stra�e �berquerten. Austin lenkte den Wagen ins Feld. Doyle versuchte, ihnen den Fluchtweg abzuschneiden. Er stand direkt auf ihrem Weg, hielt seine Pistole mit beiden H�nden wie auf einem Schie�stand und zielte auf sie.</p><p>Austin rief Karla zu, sie solle sich ducken. Sich mit dem Kopf so tief wie m�glich hinter das Lenkrad duckend, lenkte Austin den Wagen genau auf Doyle zu, der zur Seite sprang, um von dem Dampfwagen nicht erwischt zu werden. Er versuchte, einen Schuss abzufeuern. Der Kotfl�gel des Wagens streifte sein Knie, und der Schuss ging in den Himmel.</p><p>Der Dampfwagen schaukelte �ber das Feld. Austin erinnerte sich daran, dass man mit einem Dampfwagen stets nur langsam beschleunigen durfte, um den Dampfdruck hoch zu halten. Er musste seine gesamte Konzentration aufwenden, um mit den Ventilen und den Anzeigeinstrumenten f�r ein halbes Dutzend verschiedener Funktionen zurechtzukommen.</p><p>Er schaute in den R�ckspiegel. Die Motorr�der befanden sich etwa drei�ig Meter hinter dem Wagen und kamen schnell n�her. Sie waren aufgef�chert zu einem Man�ver, das den Wagen zwischen zwei Reihen Motorr�dern einschlie�en w�rde. W�hrenddessen rasten der Wagen und seine zweir�derigen Verfolger auf die Zuschauermenge zu, die die milit�rische Demonstration verfolgte.</p><p>Austin st�tzte sich auf die Hupe. Ein paar Leute blickten in seine Richtung, doch das Bl�ken der Hupe wurde vom Musketen- und Kanonenfeuer verschluckt. Er bremste den Stanley ab und bet�tigte abermals die Hupe. Endlich bemerkte ihn jemand. Die Menge begann auseinanderzuweichen. Mittler�weile steuerten die Biker von beiden Seiten auf den Stanley zu.</p><p>Der Dampfwagen und seine Motorradeskorte jagten zwischen den Unions- und den konf�derierten Truppen, die einander in langen Reihen gegen�berstanden, �ber das mit Rauchschwaden verh�llte freie Feld. Die Musketen und die Kanonen verstummten. Austin h�rte ein Ger�usch, das er nicht erwartet hatte: Applaus.</p><p>�Warum klatschen diese Idioten?�, fragte Karla.</p><p>�Sie denken anscheinend, dass dies zu dem Schlacht-Spektakel geh�rt.� Austin stie� einen markersch�tternden Schrei aus, w�hrend sie zwischen den gegnerischen Armeen hindurchfuhren.</p><p>Karlas Gesicht zeigte namenloses Erschrecken. �Sind Sie noch bei Trost?�</p><p>Austin grinste sie an. �Na klar doch. Ich habe mir schon immer gew�nscht, einmal einen Rebellenschrei aussto�en zu k�nnen. Halten Sie sich fest.�</p><p>Sie hatten das Schlachtfeld hinter sich und steuerten jetzt auf eine Reihe Kanonen zu. Austin bremste, damit er zur Seite ausweichen konnte, ohne sich zu �berschlagen. Die Motorradfahrer behielten ihr Tempo bei und nutzten diese M�glichkeit aufzur�cken. Die beiden f�hrenden Biker waren nur wenige Schritte vom linken und rechten Kotfl�gel des Dampfwagens entfernt.</p><p>Karla blickte zu dem Motorradcowboy auf der rechten Seite und rief: �Er hat eine Schrotflinte!�</p><p>Der Biker lenkte seine Maschine mit einer Hand und zielte mit der Flinte in der anderen Hand auf Karlas Kopf. Austin dachte gar nicht nach. Er reagierte einfach. Er riss das Lenkrad einmal zur Seite und sofort wieder zur�ck.</p><p>Die schwere Sto�stange zerquetschte das rechte Bein des Bikers. Das Motorrad begann zu schwanken und zu schlingern, als k�mpfte es um sein Gleichgewicht. Dann bockte es und b�umte sich auf, wobei es den Biker abwarf wie ein w�tender Stier. Austin versuchte, auch das andere Motorrad auszuschalten, aber dessen Fahrer hatte mitverfolgen k�nnen, was mit seinem Gef�hrten geschehen war, und zog sich au�er Reichweite zur�ck.</p><p>Der Wagen flog einen H�gel hinauf, ohne langsamer zu werden, und auf der anderen Seite wieder hinunter. Austin konnte vor sich Autos sehen, die �ber eine Stra�e am Rand des Schlachtfeldes rollten. Er musste einer Steinmauer und einem Zaun ausweichen, aber einen kurzen Moment sp�ter h�pfte der Stanley �ber das Bankett und landete auf zwei Highwayfahrbahnen.</p><p>Er richtete den Wagen aus und steigerte die Geschwindigkeit. Auf dem harten Asphalt verwandelte der Wagen sich in ein verspieltes junges F�llen, das einfach nur rennen wollte. Die Hartgummir�der summten auf dem Asphalt. Er �berholte mit den Bikern im Schlepptau einige Fahrzeuge, und sobald er freie Bahn hatte, beschleunigte Austin den Wagen bis auf hundertvierzig Stundenkilometer. Er entdeckte ein Schild, das auf eine Ausfahrt aufmerksam machte, und bet�tigte behutsam die Bremsen. Die Biker lie�en sich zur�ckfallen, weil sie mit einer List rechneten.</p><p>Austin lenkte den Wagen in eine Auffahrt. Der Stanley gelangte auf den Haupthighway. Austin lenkte hin und her, aber jedes Mal, wenn er dieses Man�ver ausf�hrte, blieben die beweglicheren Motorradfahrer dicht an ihm dran. Er versuchte, sie mithilfe noch h�herer Geschwindigkeit abzusch�tteln. Er war jetzt mit fast hundertsechzig Sachen unterwegs, dann mit hundertachtzig. Aufgrund des Windes, der ihm heftig ins Gesicht peitschte, konnte er kaum etwas erkennen.</p><p>�Wo ist die Verkehrspolizei, wenn man sie dringend braucht?�</p><p>Karla kauerte sich in ihrem Sitz so gut es ging zusammen, w�hrend sie versuchte, dem eisigen Fahrtwind m�glichst zu entgehen.</p><p>�Was ist?�</p><p>�Haben Sie ein Mobiltelefon?�</p><p>�Sagen Sie blo�, Sie wollen jetzt telefonieren�, fragte sie entgeistert.</p><p>�Nein, <emphasis>Sie </emphasis>sollen telefonieren. Rufen Sie die Staatspolizei an und erkl�ren Sie ihnen, ein Irrer sei in einem alten roten Wagen unterwegs und w�rde von einer Bande Biker in B�rgerkriegs�uniformen verfolgt. <emphasis>Das </emphasis>m�sste sie eigentlich aufscheuchen.�</p><p>Karla nickte und suchte in ihrer Tasche nach einem Telefon. Sie gab die Notrufnummer ein. Als sich am anderen Ende die Polizei meldete, gab sie Austins Meldung durch.</p><p>�Sie sagen, sie w�rden es von jemandem �berpr�fen lassen�, berichtete sie. �Ich bin mir nicht sicher, ob sie mir geglaubt haben.�</p><p>Die Motorradfahrer kamen wieder n�her. Austin holte alles aus dem Wagen heraus. Er h�tte sich eigentlich um die verschiedenen Kontrollen k�mmern sollen, die den Wasserstand, den Dampfdruck und andere Funktionen �berwachten, aber er war viel zu sehr damit besch�ftigt, das Vehikel auf der Stra�e und auf geradem Kurs zu halten.</p><p>Ein beweglicher Schatten erschien pl�tzlich auf dem Highway. Austin blickte seitlich hoch. Ein Helikopter holte zu ihnen auf. �<emphasis>Das </emphasis>war schnell!�</p><p>�Das ist nicht die Polizei�, sagte Karla. �Es ist der Verkehrshelikopter irgendeiner Fernsehstation.�</p><p>Der Hubschrauber erschien �ber ihnen und blieb ohne Schwierigkeiten auf gleicher H�he. Austin zermarterte sein Gehirn auf der Suche nach einem Plan, aber er hatte alle Optionen ausgesch�pft. Der Wagen flog an einer Abfahrt vorbei. Austin schaute in den R�ckspiegel und sah, wie die Motorr�der langsamer wurden und dann in die Abfahrt einbogen.</p><p>�Unsere Freunde haben sich verabschiedet�, stellte er fest.</p><p>Karla drehte sich um, w�hrend der letzte Rebellensoldat den Highway verlie�. �Warum?�, wollte sie wissen.</p><p>�Kamerascheu. Sie wollen nicht in den Sechs-Uhr-Nachrichten erscheinen.�</p><p>Er bremste den Wagen auf vergleichsweise gem�tliche hundert Stundenkilometer ab. Er und Karla winkten dem Hubschrauber zu.</p><p>Sie winkten noch immer, als drei Streifenwagen der Virginia State Police sie einholten. Austin gehorchte der Phalanx rotierender Blaulichter und dem Geheul der Sirenen und fuhr vom Highway herunter. Der Stanley wurde sofort von bewaffneten Polizisten eingekreist. Austin empfahl Karla, die H�nde so zu halten, dass die Polizisten sie st�ndig sehen konnten. Sobald die Polizisten ihre Nervosit�t �berwunden und Austins F�hrerschein und seinen NUMA-Ausweis �berpr�ft hatten, schienen sie sich mehr f�r den Dampfwagen als f�r seine Insassen zu interessieren.</p><p>Austin erz�hlte ihnen von den sechs Bikern, die versucht hatten, sie von der Stra�e zu dr�ngen. Auf seine Bitte hin sprachen sie mit einem Vertreter der NUMA, der f�r Austin b�rgte. Die Fernsehstation best�tigte die Biker-Geschichte. Nach etwa einer Stunde erhielt Austin seinen F�hrerschein zur�ck und die offizielle Erlaubnis, mit Karla den Ort des Geschehens unbehelligt zu verlassen.</p><p>Sie machten an einer Autowaschanlage Halt, um das Gras und sonstigen Schmutz von der Karosserie des Wagens zu entfernen. Austin stellte zu seiner Verbl�ffung fest, dass der Wagen keinerlei Sch�den davongetragen hatte. Leute, die das Schlachtfeld verlie�en, lachten und winkten, als sie kurze Zeit sp�ter den Dampfwagen vorbeifahren sahen. Ein hochgewachsener Mann mit dunklem Haar und bl�ulich schillernden Augen wartete geduldig auf sie.</p><p>Austin brachte den Wagen zum Stehen und l�chelte. �Hi, Dirk. Vielen Dank f�r die Familienkutsche.�</p><p>�Ich habe euch zwischen den Schlachtlinien hindurchbrettern gesehen mit den Hell�s Angels im Nacken. Was ist eigentlich los?�</p><p>�Das ist Karla Janos. Karla, Dirk Pitt.�</p><p>Pitt strahlte Karla gewinnend an. �Ich habe schon ungeduldig darauf gewartet, Sie endlich pers�nlich kennen zu lernen, Miss Janos.�</p><p>�Vielen Dank�, sagte sie.</p><p>�Wie schnell wart ihr mit dem Schlitten?�, erkundigte er sich beil�ufig bei Austin.</p><p>�Etwa hundertachtzig.�</p><p>�Beeindruckend�, sagte Pitt. �Ich habe nur ein einziges Mal knapp hundertsechzig aus ihm rausgeholt.�</p><p>�Tut mir leid, dass ich mir den Wagen ausborgen musste, ohne zu fragen. Aber wir mussten schnellstens von hier weg. Jemand wollte uns vom Leben zum Tode bef�rdern.�</p><p>�Das ist nur eine Kopie. Mach dir keine Sorgen.� Pitt �berpr�fte den Dampfwagen auf Sch�den und sagte, als er nichts dergleichen finden konnte: �Nicht jeder besitzt einen Wagen, der an der dritten Schlacht von Bull Run teilgenommen hat.�</p><p>Austins Mobiltelefon meldete sich mit einem polyphonen Blues-Rufzeichen. Er entschuldigte sich und nahm den Anruf an. Barrett war am anderen Ende, und er klang aufgeregt. Im Hintergrund war ged�mpftes Motorenger�usch zu h�ren.</p><p>�Ich kann Sie kaum verstehen�, sagte Austin. �Was hat dieser L�rm zu bedeuten?�</p><p>�Ich denke immer besser, wenn ich fahre. Ich glaube, ich hab�s.�</p><p>�Was haben Sie?�</p><p>�Der Kinderreim. Es war ein Code. Ich habe die Formel f�r die Gegenma�nahme, das Alarmprogramm.�</p><p>Austin traute seinen Ohren nicht. �Sagen Sie das noch mal.�</p><p>�Die <emphasis>Rettung</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>rief Barrett, der annahm, dass Austin ihn bei dem Dr�hnen seines Motorrads nicht h�ren konnte. �Ich habe Lazio Kovacs� Gegenma�nahme zur Umkehrung des Polsprungs!�</p></section><section><title><p>37</p></title><p>Kurz nachdem die gl�hende brasilianische Sonne hinter den Bergen versunken war, verlie� das ansehnliche, knapp hundert�zwanzig Meter lange Expeditionsschiff <emphasis>Polar Adventure </emphasis>den Hafen von Rio de Janeiro und ging mit seiner Reise�geschwindigkeit von f�nfzehn Knoten auf s�dlichen Kurs in Richtung Atlantik.</p><p>Die <emphasis>Polar Adventure </emphasis>war Ende der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts auf einer d�nischen Werft gebaut worden und in der Folgezeit dank eines dichten Fahrplans im Mittelmeer sowie in den Gew�ssern um Europa und Gr�nland unterwegs gewesen. In letzter Zeit waren sogar Kreuzfahrten durch die Antarktis hinzugekommen. Das Schiff war seinen Eigent�mern von einer Scheinfirma abgekauft worden, die eigens f�r diesen Zweck von Gants Stiftung gegr�ndet worden war.</p><p>Der Kauf tauchte lediglich als Buchhaltungsposten auf. In den B�chern waren die Millionen, die f�r den Kauf und die Umr�stung des Schiffs ausgegeben worden waren, f�r den Bau einer Fabrik in Santiago, Chile, ausgewiesen worden. Die <emphasis>Adventure </emphasis>war als kleinere Version eines Ozeankreuzers konstruiert worden. Die Erbauer hatten ihre Decks und Kabinen reichlich mit lackiertem Holz und auf Hochglanz poliertem Messing ausgestattet. Passagiere konnten ihre Reise eingebettet in den Luxus der Au�enkabinen, des rundum von der Decke bis zum Boden verglasten Speisesaals, eines �hnlich ausgestatteten Salons, diverser Aussichts- und �berdachter Promenadendecks sowie einer Aussichtsplattform unterhalb der Kommandobr�cke genie�en.</p><p>W�hrend das Schiff durch den S�datlantik pfl�gte, standen Gant und Margrave tief im Innern des Schiffs auf einem Balkon. Er schob sich in einen weitl�ufigen freien Raum hinein. In der Mitte des Raums ragte, gest�tzt von einem stabilen Metallger�st, ein hohes, kegelf�rmiges st�hlernes Gebilde auf. Dicke Kabel schl�ngelten sich von dem Kegel zu vier massigen Dynamos, die im Quadrat um das Kegelgebilde angeordnet waren. Eine abgedeckte �ffnung im Schiffsrumpf unter dem Kegel gestattete es, den Kegel in den Ozean abzusenken.</p><p>�Wir haben praktisch jeden nicht dringend ben�tigten Raum unter dem Hauptdeck f�r diese Einrichtung benutzt�, erkl�rte Margrave mit einer ausholenden Geste. �Nach unseren ersten, noch reichlich groben Experimenten kamen wir zu dem Schluss, dass wir keine vier Schiffe ben�tigten. Ein Schiff k�nnte, bei entsprechender Ausr�stung, genug Strom erzeugen, um den fraglichen Prozess in Gang zu setzen. Wir hatten die niederfrequenten Impulse von vier Schiffen aus auf einem zentralen Punkt konzentriert.�</p><p>�Was, wenn ich es richtig verstanden habe, verschiedene elektromagnetische Schwingungen in der Umgebung des Zielgebiets zur Folge hatte, wodurch unerwarteterweise hohe Wellen und Strudel wie diejenigen erzeugt wurden, die unser Transmitterschiff und die <emphasis>Southern Belle </emphasis>versenkt haben.�</p><p>�Richtig. Wir haben dieses Problem gel�st, indem wir den einzelnen Transmitter einsetzen, den Sie hier sehen, und mit einem deutlich h�heren Energielevel arbeiten. Es bedeutete au�erdem, dass wir kein neues Schiff bauen mussten, um das zu ersetzen, das im Zuge der anf�nglichen Experimente zerst�rt wurde. Wir haben lediglich die Dynamos von den anderen drei Schiffen umgeladen und einen vierten hinzugef�gt.�</p><p>�Sind Sie mit den Leuten, die ich Ihnen zur Verf�gung gestellt habe, zufrieden?�</p><p>�Sie sehen zwar aus wie eine Bande von Halsabschneidern, aber sie k�nnen sich auf einem Schiff bewegen und wissen genau, was sie dort zu tun haben.�</p><p>�Das sollten sie auch. Sie haben schon gen�gend solcher Ein�s�tze hinter sich. Ich habe meine alten Gesch�ftsverbindungen wiederbelebt, um sie zusammenzutrommeln. Sie sind ausnahmslos ehemalige Piraten, die f�r einen Schutzservice f�r Ozeanreisen unserer Sicherheitsfirma arbeiten.�</p><p>Die beiden M�nner verlie�en den Transmitterraum und spazierten �ber den sorgf�ltig gebohnerten Holzboden des Promenadendecks zum Beobachtungsdeck unterhalb der Kommandobr�cke. Fenster, die die gediegen m�blierte Plattform umschlossen, boten einen ungehinderten Blick auf den schnittig geformten Bug, der z�gig durch den Ozean glitt.</p><p>�Von hier aus beobachten die Passagiere normalerweise die Meeresfauna�, erkl�rte Margrave. �Wir werden die Polumkehr mit unseren elektronischen Augen verfolgen.�</p><p>Er dr�ckte auf einen Schaltknopf in der Wand, und ein Bildschirm senkte sich von oben herab und zeigte ein Diagramm der �stlichen und der westlichen Erdhalbkugel. �Ich habe schon immer ein Faible f�r Amateurfilme gehabt�, sagte Gant.</p><p>�Diese hier werden Ihnen ganz besonders gefallen�, erwiderte Margrave mit einem verhaltenen Lachen. �Wir beobachten die gesamte Region mit unseren mit Blei abgeschirmten Satelliten. Wir werden die Riesenwellen und die Strudel verfolgen k�nnen, die sich am Rand unseres Zielgebiets bilden. Es d�rfte ein ziemlich beeindruckendes Schauspiel sein.�</p><p>�Ich hoffe, nicht <emphasis>zu </emphasis>beeindruckend.�</p><p>�Erz�hlen Sie mir blo� nicht, dass Sie diesen l�cherlichen Warnungen Austins und seiner Freunde Glauben schenken.�</p><p>�Ich bin Politiker und kein Wissenschaftler. Aber ich wei�, dass Austin versucht hat, dieses Projekt mit einer Einsch�chterungstaktik zu torpedieren.� Gant l�chelte. �Vielleicht w�rde ich genauso handeln, wenn ich an seiner Stelle w�re und hilflos mit ansehen m�sste, wie etwas abl�uft, das ich nicht aufhalten kann.�</p><p>�Wir haben die Kovacs-Theoreme nicht so einfach unbesehen �bernommen. Wir haben Dutzende Male Computermodelle erstellt und �berpr�ft. Die Wellen und Wirbel, die am Rand des Zielgebiets entstehen, entfernen sich von ihm weg. Wir gehen davon aus, dass in der Gegend nicht allzu viel Schiffsverkehr herrschen wird, aber bei gro�en Unternehmen sind Kollateralsch�den nicht immer zu vermeiden.�</p><p>�Werden unsere Kompasse sich sofort ver�ndern?�</p><p>�Davon gehen wir aus. Unsere Navigationsger�te werden rekalibriert, kurz bevor wir den Polsprung in Gang setzen, und sich unserer abgeschirmten Satelliten bedienen.� Ein satanisches Grinsen spielte um Margraves Lippen. �Unser Schiff wird auf der ganzen Welt das einzige sein, das einwandfrei navigieren kann. Da drau�en wird ein betr�chtliches Durcheinander herrschen.�</p><p>�Erz�hlen Sie mir mehr �ber das Zielgebiet�, sagte Gant.</p><p>�Dies k�nnen Sie dort oben auf dem Schirm erkennen. Es ist unsere Freundin, die S�datlantische Anomalie. Wie ich Ihnen bereits erkl�rt habe, ist sie im Grund eine Art Loch in der Magnetosph�re, wo ihre abschirmende Wirkung besonders gering ist.� Er deutete auf eine Stelle, wo sich L�ngen- und Breitengrade kreuzten. �Etwa f�nfhundertf�nfzig Kilometer vor der K�ste Brasiliens befindet sich der Bereich der schw�chsten Polarit�t, wo ein nat�rlicher Polsprung stattfinden w�rde.�</p><p>�Der neue Nordpol�, sagte Gant.</p><p>Margrave lachte. �Ich kann es kaum erwarten, die Gesichter der f�hrenden Eliten dieser Welt zu sehen, wenn sie feststellen m�ssen, dass die Warnungen Lucifers kein leeres Gerede waren.�</p><p>Gant quittierte diese Feststellung mit einem zufriedenen Grinsen. Er konnte es kaum erwarten, Margraves Gesicht zu sehen, wenn er erfuhr, dass die ganze Arbeit und das Verm�gen, die er in das Polsprung-Projekt investiert hatte, genau den Eliten n�tzte, die er verabscheute.</p></section><section><title><p>38</p></title><p>Barrett sa� unter den dunklen Balken des altehrw�rdigen Schankraums des Landgasthofs von Leesburg an einem Tisch in einer ruhigen Nische. Er beschrieb wie wild eine Serviette und hatte den Kopf tief �ber seine Arbeit gesenkt. Der Tisch selbst war l�ngst mit Dutzenden zerkn�llter Servietten bedeckt. Neben seinem rechten Ellenbogen stand au�erdem ein unber�hrter Krug Bier. Er ignorierte die Blicke der anderen G�ste, mit denen sie die Spinne betrachteten, die seinen kahlen Sch�del zierte.</p><p>Austin und Karla setzten sich zu ihm an den Tisch. Als er sp�rte, dass er Gesellschaft bekommen hatte, blickte Barrett mit einem geistesabwesenden Blick auf. Er grinste, als er ihre Gesichter erkannte.</p><p>�Sie ahnen gar nicht, wie froh ich bin, Sie zu sehen. Ich k�nnte jeden Moment explodieren.�</p><p>�Bitte tun Sie das noch nicht�, sagte Austin. Er fragte Karla, was sie trinken wolle, und bestellte zwei �Black and Tans�, eine Mischung aus Guinness und Lagerbier.</p><p>Ihre Fahrt im offenen Wagen durch die Landschaft Virginias hatte sie durstig gemacht. Als das Bier gebracht wurde, leerte Austin sein Glas gleich zur H�lfte, w�hrend Karla genussvoll ihre Nase in den Schaum tauchte.</p><p>Ehe er zu seinem Treffen mit Barrett aufgebrochen war, hatte Austin Pitt �ber den Stand der Polsprung-Aff�re ins Bild gesetzt. Pitt hatte versprochen, Sandecker anzurufen, der am n�chsten Tag von einer Auslandsreise zur�ckkehren w�rde, und eine Konferenz mit dem Pr�sidenten vorzubereiten, sobald dieser von einer Inspektionsreise in den Mittleren Westen zur�ckk�me, in deren Verlauf er sich �ber durch Tornados hervorgerufene Sch�den in dieser Region hatte informieren wollen. In der Zwischenzeit solle Austin sich mit Vertretern des Pentagon zusammensetzen. Als zus�tzliches Bonbon gab er Austin freie Hand, was den Einsatz der umfangreichen technischen M�glichkeiten der NUMA betraf.</p><p>�Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat�, sagte Austin und wischte sich den Mund ab, nachdem er das kalte Gebr�u hatte durch seine Kehle rinnen lassen. �Wir sind so schnell gekommen, wie es ging. Als Sie anriefen, war ziemlich viel L�rm im Hintergrund, daher wei� ich nicht, ob ich Sie richtig verstanden habe�, sagte Austin. �Ich glaube, Sie erz�hlten irgendetwas von einem Kinderreim, aber den Rest habe ich nicht mitgekriegt.�</p><p>�Nachdem Sie nach Manassas gestartet sind, habe ich ein wenig mit Karlas Gute-Nacht-Gedicht herumgespielt. Der Titel �Drunter-dr�ber� und einige Textzeilen entsprechen dem, was wir vom Polsprung wissen. Und das schien kein Zufall zu sein.�</p><p>�Ich habe immer wieder feststellen m�ssen, dass nur wenig auf Zufall beruht�, sagte Austin. �Ein Zufall ist jedoch, dass ich noch immer Durst habe und ein unber�hrtes Bier auf dem Tisch steht.�</p><p>�Ich bin viel zu aufgedreht, um zu trinken.� Barrett schob das Bier �ber den Tisch zu Austin hin�ber, der erst Karla davon trinken lie� und dann selbst einen kr�ftigen Schluck nahm.</p><p>�Wir haben gerade �ber Zuf�lle gesprochen�, kam Austin aufs eigentliche Thema zur�ck.</p><p>Barrett nickte. �Kovacs war ein Hobbykryptograph. Ich fing mit der Annahme an, dass das Gedicht ein chiffrierter Text ist. Ich ging von der Vermutung aus, dass die Reimpaare im Grunde bedeutungslos waren�� Buchstaben oder Worte, die in die Chiffrierung eingef�gt wurden, um den Entschl�ssler zu verwirren�� daher �berging ich sie und konzentrierte mich auf den eigentlichen Text. Eine Chiffrierung unterscheidet sich von einem Code, zu dessen �bersetzung meistens ein Codebuch notwendig ist. Um eine Chiffrierung zu knacken, braucht man einen Schl�ssel, der in der Nachricht selbst versteckt ist. Und eine Zeile sprang mir regelrecht entgegen.�</p><p>��Der Schl�ssel steckt in der T�r��, sagte Karla, ohne lange nachzudenken.</p><p>�Genau das ist die Zeile! Es war so offensichtlich, fast schon <emphasis>zu </emphasis>offensichtlich�, sagte Barrett, �aber Kovacs war Wissenschaftler, und die haben es meistens mit der Pr�zision. Es w�re viel genauer gewesen, wenn er gesagt h�tte, der Schl�ssel steckt im <emphasis>Schloss.</emphasis>�</p><p>�Der Schl�ssel steckte in dem Wort <emphasis>T�r</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>sagte Austin.</p><p>�Das war auch mein Gedanke�, best�tigte Barrett die Vermutung. �T�r wurde mein Schl�sselwort. Man muss an das Entschl�sseln eines Codes auf unterschiedliche Weise herangehen. Zum einen hat man es mit der reinen Technik der Chiffrierung zu tun, also mit dem Ersetzen oder Verschieben von Worten oder Buchstaben. Andererseits ist da auch noch die Bedeutung der Elemente.� Als er sah, dass seine Erkl�rung nur ratlose Blicke ausl�ste, fuhr er fort: �Was tut eine T�r?�</p><p>�Das ist einfach�, sagte Karla. �Sie trennt einen Raum vom anderen. Man muss sie �ffnen und schlie�en, wenn man hindurchgeht.�</p><p>�Richtig�, sagte Barrett. �Der Buchstabe, der das Wort er�ffnet, ist das T.�</p><p>Er nahm sich eine saubere Serviette und schrieb mit seinem Kugelschreiber darauf:</p><empty-line/><cite><p>TUVWXYZABCDEFGHIJKLMNOPQRS</p></cite><empty-line/><p>�Damit ist die Buchstabenfolge f�r das Alphabet festgelegt. Ich nahm dann den letzten Buchstaben in T�r und benutzte ihn auf gleiche Weise f�r das Chiffrealphabet.�</p><p>�Lassen Sie mich mal versuchen�, sagte Karla. Sie nahm den Kugelschreiber und schrieb:</p><empty-line/><cite><p>RSTUVWXYZABCDEFGHIJKLMNOPQ</p></cite><empty-line/><p>�Ich kaufe Ihnen ein Ticket nach Bletchley Park�, sagte Barrett und spielte auf die englische Entschl�sselungszentrale w�hrend des Zweiten Weltkriegs an.</p><p>�Wenn man die Alphabete benutzt, um das Wort �Botschaft� zu schreiben, erh�lt man nur sinnloses Zeug.� Karla betrachtete das Wort voller Entt�uschung.</p><p>�Ihr Gro�vater wollte es nicht zu einfach machen. Ich kam zu dem gleichen Ergebnis. Dann nahm ich mir wieder das Schl�sselwort vor. Wenn ich von der Schreibweise TUER ausgehe, da das Englische keine Umlaute kennt, befinden der erste und der letzte Buchstabe sich auf den Positionen eins und vier. Also schrieb ich jedes vierte Wort des Gedichts auf, doch mein Instinkt sagte mir, das sei zu viel. Also versuchte ich mein Gl�ck mit jedem vierten Buchstaben. Aber da war noch immer nichts, was ich als Hinweis h�tte betrachten k�nnen. Dann dachte ich, dass T und R im Alphabet durch dreiundzwanzig Buchstaben voneinander getrennt sind. Diesen Wert wendete ich auf das Gedicht an und schrieb jedes dreiundzwanzigste Wort heraus. Dann nahm ich das normale und das Chiffrealphabet zu Hilfe, um eine Kryptoanalyse vorzunehmen. K�nnen Sie mir folgen?�</p><p>�Nein�, gestand Austin.</p><p>�Ja, das ist mir auch passiert�, sagte Barrett grinsend.</p><p>�Also habe ich gepfuscht. Ich hab den ganzen Mist durch einen Computer gejagt.� Er griff in seine Tasche und holte einen Computerausdruck hervor. �Und das habe ich herausbekommen.�</p><p>�Ein Durcheinander von Vokalen und Konsonanten, aber keine Worte�, stellte Karla fest.</p><p>�Ich habe alles versucht. So rief ich einen Professor am MIT an, der ungarisch spricht, und habe ihm alles r�bergefaxt. Nichts. Dann fiel mir ein, dass Kovacs rum�nisch gesprochen hat, und ich rief einen Typen an, der ein transsylvanisches Restaurant in Seattle betreibt. Er konnte sich ebenfalls keinen Reim auf die Buchstabenfolge machen. Es war zum Haare raufen, was ich auch sicher getan h�tte, wenn noch welche auf meinem Kopf w�ren. Also kehrte ich zu den Worten zur�ck, die ich weggestrichen hatte, speziell zu <emphasis>Drunter-dr�ber. </emphasis>Ich dachte, dass sie vielleicht auf das zutrafen, was ich gerade tat.�</p><p>�Wie konnten Sie die Botschaft umdrehen?�, fragte Karla zweifelnd.</p><p>�Das konnte ich nicht. Aber ich konnte die Worte ziemlich frei interpretieren und habe sie r�ckw�rts aufgeschrieben, so wie die zweite Zeile des Gedichts. Das tat ich. Und es ergab noch immer keinen Sinn. Dann hatte ich eine Erleuchtung. W�hrend ich auf meinem Motorrad durch die Gegend fuhr, erkannte ich pl�tzlich, dass es gar keine Worte sein sollten. Es war nur eine Folge von Buchstaben. Sobald ich mir dar�ber klar war, kam ich zu dem Schluss, dass in der Botschaft auch Zahlen verborgen waren. Also zur�ck zum Computer. Bestimmte Buchstaben fungierten als Indikatoren, die andeuteten, dass der n�chste Buchstabe in Wirklichkeit eine Zahl war. A, angek�ndigt durch einen anderen Buchstaben, hei�t 1. <emphasis>B </emphasis>entspricht 2und so weiter.�</p><p>�Ich verstehe schon wieder nichts�, sagte Austin. Dem verwirrten Gesichtsausdruck Karlas nach zu urteilen, hatte sie sich ebenfalls im Land der Chiffren und Codes verwirrt.</p><p>Barrett legte den Computerausdruck beiseite und ergriff die Serviette mit beiden H�nden. �Das ist eine <emphasis>Gleichung.</emphasis>�</p><p>�Eine Gleichung f�r was?�, fragte Austin.</p><p>�Allein f�r sich betrachtet ergibt die Botschaft keinen Sinn, aber wir m�ssen sie in einen Zusammenhang stellen. Kovacs ging davon aus, dass die Botschaft nur einer einzigen Person zug�nglich sein w�rde: Karla. Er dachte, sie habe das Gedicht stets zur Verf�gung, wenn es gebraucht w�rde.�</p><p>�K�nnte es sein, dass Sie genau das meinen, was ich denke?�, fragte Austin.</p><p>�Ich bin erst vor ein paar Minuten daraufgekommen, daher kann ich mir erst sicher sein, wenn ich einen Test durchgef�hrt habe�, sagte Barrett. �Aber es ist durchaus m�glich, dass Kovacs uns eine Reihe elektromagnetischer Frequenzen mitgeteilt hat.�</p><p>�Die <emphasis>Gegenma�nahme</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>fl�sterte Karla.</p><p>Austin griff nach der Serviette, hob sie vom Tisch hoch und behandelte sie, als k�nnte sie jeden Moment zerfallen.</p><p>�Ist das etwa die Frequenz, die einen Polsprung r�ckg�ngig machen kann?�</p><p>Barretts Adamsapfel f�hrte einen nerv�sen Tanz auf.</p><p>�Verdammt, ich <emphasis>hoffe </emphasis>es�, sagte er heiser.</p><p>Karla beugte sich vor und k�sste Barrett mitten auf seinen kahlen Sch�del. �Sie haben es geschafft!�</p><p>F�r jemanden, der soeben die Welt gerettet hatte, sah Barrett ziemlich mutlos aus. �Schon m�glich. Ich f�rchte nur, dass wir nicht mehr viel Zeit haben.�</p><p>�Was meinen Sie?�, fragte Austin.</p><p>�Nach unserem Treffen habe ich mir die Telefongespr�che angeh�rt, die durch die Wanze �bertragen wurden, die Sie auf Gants Landsitz verstecken konnten. Er und Margrave haben sich unterhalten. Mittlerweile haben sie das Land verlassen.�</p><p>�Verdammt.� Austin biss sich auf die Lippen. �Wo sind sie hin?�</p><p>�Keine Ahnung. Margrave hat sich mir gegen�ber niemals �ber die Pl�ne f�r die letzte Phase ge�u�ert. Aber ich mache mir weniger Sorgen dar�ber, wo etwas passieren k�nnte, als vielmehr dar�ber, was passieren wird. Ich denke, sie sind im Begriff, den Polsprung tats�chlich einzuleiten.�</p><p>�K�nnen Sie absch�tzen, wie viel Zeit uns bleibt?�</p><p>�Schwer zu sagen�, erwiderte Barrett. �Der Zielort befindet sich im S�datlantik. Ich war bei den letzten Gespr�chen nicht mehr zugegen, daher kenne ich den genauen Ort nicht. Sobald sie in Position sind, ist es nur noch eine Frage von Stunden, ehe sie auf den Knopf dr�cken.�</p><p>Austin gab Barrett die Serviette zur�ck. �Kann diese Gleichung in etwas �bertragen werden, mit dem wir die Polumkehr tats�chlich r�ckg�ngig machen k�nnen?�</p><p>�Sicher. Genauso wie E=mc<sup>2</sup> in die Bombe und in Atomkraft umgesetzt wurde. Man braucht nur die entsprechenden Mittel und gen�gend Zeit.�</p><p>�Sie kriegen alle Mittel, die Sie brauchen. Wie lange brauchen Sie, um etwas zu bauen, das die geforderte Aufgabe l�sen kann?�</p><p>�Erst einmal brauche ich Hilfe. Ich habe das technische Wissen beigesteuert und das Modell f�r die Ausl�se-Apparatur hergestellt, doch andere waren mit der eigentlichen Konstruktion befasst.�</p><p>�Ich verschaffe Ihnen Hilfe. Wie lange?�</p><p>Barrett revanchierte sich mit einem tr�ben L�cheln. �Zweiundsiebzig Stunden. <emphasis>Vielleicht.</emphasis>�</p><p>�Ich dachte, ich h�tte Sie sechsunddrei�ig sagen geh�rt.� Austin l�chelte unschuldig. �Und wie gro� ist dieser Apparat?�</p><p>�Richtig gro߫, sagte Barrett. �Sie haben ja die Anlage auf dem Transmitter-Schiff gesehen.�</p><p>�Autsch�, kam es Austin ungewollt �ber die Lippen. Sein unersch�tterliches Selbstvertrauen geriet f�r einen Moment ins Wanken, doch sein lebhafter Geist fing sich sofort wieder. �Was tut man mit dem Ding, sobald es gebaut wurde?�</p><p>�Es muss elektromagnetische Wellen �bertragen und dabei in etwa den gleichen Bereich abdecken wie der Polsprung.� Er sch�ttelte den Kopf. �Wir m�ssen uns etwas �berlegen, wie wir dieses Ger�t zum Zielbereich transportieren. Verdammt. Ich allein habe der Welt diese ganze Schweinerei eingebrockt.�</p><p>Trotz Barretts Hell�s-Angel-Erscheinung hatte er eine ziemlich zerbrechliche Psyche. Austin sah, dass Schuldgef�hle dieses brillante Computergenie zu zerbrechen drohten, und wenn das geschah, w�re er zu nichts mehr n�tze.</p><p>�Dann kann ich mir niemanden vorstellen, der besser geeignet w�re, diese Schweinerei zu beseitigen. �berlassen Sie die Transportfrage mir. Ich habe eine Idee, die funktionieren k�nnte.�</p><p>Er erhob sich von seinem Stuhl und legte ein paar Geldscheine f�r das Bier auf den Tisch. W�hrend sie den Gasthof verlie�en, sah Austin, wie Spider den Weg zu seinem Motorrad einschlug, und fragte: �Wo wollen Sie hin?�</p><p>�Zu meiner Maschine.�</p><p>�Die lasse ich von jemandem abholen�, meinte Austin und ergriff seinen Arm. �Zu gef�hrlich.�</p><p>Karla fasste Barretts anderen Arm, und gemeinsam lotsten sie ihn zum Jeep. W�hrend der R�ckfahrt nach Washington holte Austin sein Mobiltelefon hervor, rief Zavala an und erkl�rte, er habe einen wichtigen Auftrag f�r ihn.</p><p>�Ich werde mich sofort darum k�mmern�, versprach Zavala, nachdem er sich die Einzelheiten angeh�rt hatte. �Ich habe �brigens mit den Trouts gesprochen. Es gibt gute Nachrichten. Sie haben das Transmitter-Schiff per Satellit nach Rio verfolgt und sind bereits dorthin unterwegs.�</p><empty-line/><p>Weniger als eine Stunde sp�ter bog Austin mit Barrett und Karla in die Einfahrt zur NUMA-Tiefgarage ein, und sie fuhren anschlie�end mit dem Fahrstuhl hinauf in den dritten Stock. Die Flure waren verlassen und dunkel bis auf einen Lichtbalken, der aus dem Arbeitszimmer neben dem Konferenzsaal drang. Zavala hatte Austins Bitte erf�llt und Hibbet abgeholt.</p><p>Austin begr��te ihn. �Vielen Dank, dass Sie mitgekommen sind, Alan. Tut mir leid, dass wir Sie zum zweiten Mal haben bel�stigen m�ssen, aber wir brauchen Ihre Hilfe.�</p><p>�Ich hatte es durchaus ernst gemeint, als ich sagte, Sie k�nnten mich Tag und Nacht anrufen, wenn Sie mich brauchen. Gibt es seit unserem letzten Gespr�ch irgendetwas Neues?�</p><p>�Wir haben eindeutig feststellen k�nnen, dass der Strudel und die Monsterwellen Nebenwirkungen eines Experiments zur Ausl�sung eines Polsprungs waren. Und dass die magnetische Verschiebung eine geologische Reaktion mit katastrophalen Auswirkungen f�r die ganze Welt verursachen kann.�</p><p>Hibbets Gesicht wurde aschfahl. �Gibt es irgendeine M�glichkeit, ein solches Ereignis zu verhindern?�</p><p>Austin brachte trotz der Lage den Anflug eines L�chelns zustande. �Ich hoffe, dass <emphasis>Sie </emphasis>uns das verraten k�nnen.�</p><p>�Wieso ich? Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Dies ist Spider Barrett�, stellte Austin seinen Begleiter vor. �Er hat den Mechanismus zum Ausl�sen eines Polsprungs konstruiert.�</p><p>Hibbet musterte den todtraurigen Barrett und seinen t�towierten Sch�del. Er war schon lange genug in der Szene t�tig, um zu wissen, dass die wissenschaftliche Welt von einer ganzen Reihe seltsamer Typen bev�lkert wurde. Er streckte ihm spontan eine Hand entgegen. �Hervorragende Arbeit.�</p><p>Barretts Miene hellte sich bei diesem professionellen Lob zu einem Strahlen auf. �Vielen Dank.�</p><p>Austin sp�rte sofort zwischen den beiden M�nnern eine synergistische Verbindung. �Wir m�chten, dass Sie sich mit Spider, Joe und Karla zusammensetzen, um eine Antenne zu bauen, die gegebenenfalls die niederfrequenten elektro�magnetischen Wellen neutralisieren kann, die einen Polsprung in Gang setzen k�nnen.�</p><p>�Eine solche Antenne zu bauen, wird kein Problem sein. Dazu ist nur ein wenig Metall und Draht n�tig. Aber sie w�re ohne die richtigen Frequenzen, die n�tig sind, um die Ausl�sefrequenzen auszul�schen, allenfalls als W�scheleine zu gebrauchen.�</p><p>Karla l�chelte und angelte ein zusammengefaltetes St�ck Papier aus ihrem Blouson. Mit unendlicher Behutsamkeit faltete sie das Papier auseinander und schob es auf dem Tisch zu Hibbet hin�ber. Er ergriff die Serviette und las stirnrunzelnd die Gleichung, die darauf notiert war. Dann leuchtete in seinen Augen ein Licht des Verstehens auf.</p><p>�Woher haben Sie das?�, fragte er. Seine Stimme war zu einem and�chtigen Fl�stern herabgesunken.</p><p>�Von meinem Gro�vater�, antwortete Karla.</p><p>�Karlas Gro�vater war Lazio Kovacs�, erkl�rte Austin. �Er verschl�sselte die Ergebnisse seiner Arbeit, ehe er sie weitergab. Dank Spider haben wir das R�tsel entschl�sselt. Und jetzt, nachdem wir alle unsere Hausaufgaben gemacht haben, die entscheidende Frage�� k�nnen Sie uns eine Antenne bauen?�</p><p>�Ja�, sagte Hibbet. �Zumindest <emphasis>glaube </emphasis>ich, dass ich das kann.�</p><p>�Das reicht uns schon. Verraten Sie uns, was Sie brauchen. Ihnen stehen s�mtliche Ressourcen der amerikanischen Regierung zur Verf�gung.�</p><p>Hibbet lachte und sch�ttelte den Kopf. �Das ist um einiges besser, als sich mit den Erbsenz�hlern der NUMA herumzu�schlagen. Sie glauben gar nicht, welche Schwierigkeiten ich immer habe, neue Ger�te f�r notwendige Experimente bewilligt zu bekommen.� Er �berlegte. �Selbst wenn ich auf die Schnelle etwas zusammenbasteln kann, brauchen wir immer noch eine Plattform, um die Konstruktion dort hinzuschaffen, wo sie den gr��ten Nutzen hat.�</p><p>�Wie gro� w�re diese Konstruktion denn?�, wollte Austin wissen.</p><p>�Sehr gro߫, antwortete Hibbet. �Dann w�ren da noch die Generatoren, um die Antenne mit Energie zu versorgen. Und etwas, womit man tonnenschwere Lasten transportieren kann.�</p><p>�Das w�ren also die schlechten Nachrichten�, sagte Austin.</p><p>�Und was ist die gute Nachricht?�, fragte Hibbet.</p><p>Austin grinste. �Not macht erfinderisch.�</p><p>In diesem Moment klingelte das Telefon, und Austin meldete sich. Pitt musste einige bedeutende F�den gezogen haben. Das Pentagon gab Bescheid, dass man einen Wagen losgeschickt habe, um sie abzuholen.</p><empty-line/><p>Die Erde schien an hundert verschiedenen Stellen in Flammen zu stehen�� Vulkane brachen aus wie eine Epidemie und spuckten breite, gl�hende Lavastr�me aus, deren Dampfwolken den Planeten in tiefen Schatten tauchten. St�rme von ungeahnter Kraft erzeugten in der gigantischen Wolke rasende Wirbel, die �ber die Kontinente wanderten. Tsunamis brandeten von Osten und Westen gegen die K�sten Nordamerikas und reduzierten den Erdteil zu einer schmalen Landmasse, die von zwei w�tenden Ozeanen verschlungen zu werden drohte.</p><p>Dann verschwand das Bild des gepeinigten Planeten. Der gro�e Bildschirm im Vorf�hrsaal des Pentagon wurde dunkel. Die Beleuchtung, die f�r die Dauer der Vorf�hrung ausgeschaltet worden war, hellte sich wieder auf und holte Austin und die betroffenen Gesichter eines Dutzends hochrangiger Milit�rs und Regierungsvertreter, die an einem langen Konferenztisch sa�en, aus dem Dunkel.</p><p>�Die Computersimulation, die Sie soeben gesehen haben, wurde von Dr.�Paul Trout, einem Experten f�r Computergrafik der NUMA, vorbereitet�, sagte Austin. �Sie liefert ein ziemlich genaues Bild von den Folgen einer geologischen Polverschiebung.�</p><p>Ein Viersternegeneral, der Austin gegen�bersa�, sagte: �Ich w�re der Erste, der zugeben w�rde, dass die Bilder, die wir gesehen haben, im h�chsten Ma�e be�ngstigend sind, wenn sich alles so abspielen w�rde. Aber wie Sie eben sagten, handelt es sich um eine Computersimulation und k�nnte daher ein Szenario sein, das ausschlie�lich auf Annahmen beruht und nicht auf Tatsachen.�</p><p>�Ich w�nschte, es w�ren nur Annahmen, General. Wir hatten nicht die Zeit, eine schriftliche Zusammenfassung vorzubereiten, daher m�ssen Sie sich gefallen lassen, dass ich Ihnen die wesentlichen Punkte dessen, womit wir es zu tun haben, m�ndlich erl�utere. Das erste Glied in der Kette der Ereignisse, die uns hier zusammengef�hrt haben, wurde vor mehr als sechzig Jahren mit der Arbeit eines genialen Elektroingenieurs namens Lazio Kovacs geschmiedet.�</p><p>Mehr als eine Stunde lang erl�uterte Austin die historischen Abl�ufe, angefangen mit Nikola Tesla �ber Kovacs� Flucht aus Ostpreu�en bis hin zu den von den Vereinigten Staaten und Russland durchgef�hrten Experimenten zum Einsatz elektromagnetischer Waffensysteme. Er beschrieb sein Treffen mit Barrett, dem Mann, der die praktische Anwendbarkeit der Theoreme erschlossen hatte, sowie die Schiffe versenkenden ozeanischen St�rungen und die Pl�ne, einen Polsprung zu initiieren. Austin war sich des fantastischen Charakters seiner Geschichte durchaus bewusst, daher verzichtete er auf die Schilderung einiger Details. H�tte er sie nicht mit eigenen Augen gesehen, h�tte er niemals an die Existenz von Zwergmammuts in einer im Innern eines urzeitlichen Vulkans eingeschlossenen Kristallstadt geglaubt.</p><p>Aber auch ohne die unglaublichen Details schlug ihm eine Woge der Skepsis entgegen. Austin stellte seine Auffassung mit dem Geschick eines Staranwalts vor einer Jury dar. Doch er wusste, dass man ihn mit Fragen �bersch�tten w�rde. Ein Ministerialdirektor aus dem Verteidigungsministerium unterbrach Austin, als er Jordan Gants Verbindung mit Margrave erl�uterte.</p><p>�Sie werden sicherlich Verst�ndnis daf�r haben, wenn ich Schwierigkeiten habe zu glauben, dass der Chef einer gemeinn�tzigen Organisation und der milliardenschwere Inhaber einer angesehenen Softwarefirma sich wegen irgendeines vagen neo-anarchistischen Anliegens zusammentun, um diesen sogenannten Polsprung herbeizuf�hren.�</p><p>��ber Einzelheiten l�sst sich diskutieren�, sagte Austin, �aber es ist alles andere als ein vages Anliegen. Lucifer hat die Lichtreklamen des Broadway benutzt, um der Welt seine Botschaft zu schicken, und hat anschlie�end als Warnung New York City f�r einige Zeit lahmgelegt. Ich denke, 9/11 hat gezeigt, wie gef�hrlich es ist, scheinbar verr�ckte Warnungen zu ignorieren.�</p><p>�Wo liegen diese sogenannten Transmitter-Schiffe?�, wollte ein Marineoffizier wissen.</p><p>�In Rio de Janeiro�, antwortete Austin.</p><p>�Sie sagten, es h�tte fr�her vier Schiffe gegeben, von denen eins gesunken sei.�</p><p>�Das ist richtig. Wir nahmen an, dass ein Ersatzschiff gebaut w�rde, konnten aber nichts dergleichen feststellen, daher gehen wir davon aus, dass sie sich bei der Ausf�hrung ihres Plans mit drei Schiffen begn�gen.�</p><p>�Dann d�rften wir leichtes Spiel haben�, sagte der Ministerialdirektor. �Ich schlage vor, dass wir das n�chste U-Boot auf diese Schiffe ansetzen, und wenn sie irgendetwas Verd�chtiges versuchen, versenken wir sie.�</p><p>�Wie steht es mit diplomatischen Verwicklungen?�, fragte der Viersternegeneral. �Sollen wir auch auf hoher See mit der Taktik �Erst schie�en, dann fragen� vorgehen?�</p><p>�Es w�re nichts anderes, als ein Passagierflugzeug abzuschie�en, das aufs Wei�e Haus oder den Kongress gelenkt wird�, sagte der Ministerialdirektor. �K�nnen wir es tun?�, fragte er den Marineoffizier.</p><p>�Die Marine liebt Herausforderungen�, erwiderte dieser.</p><p>�Dann machen wir es so. Ich werde den Verteidigungsminister von dem Plan in Kenntnis setzen, und dann k�nnen wir sofort loslegen. Er wird den Pr�sidenten unterrichten, wenn er morgen von seiner Reise zur�ckkehrt.� Er wandte sich an Austin. �Vielen Dank f�r die ersch�pfenden Informationen.�</p><p>�Ich bin noch nicht fertig�, sagte Austin. �Es gibt Grund zu der Annahme, dass wir etwas zur Verf�gung haben, womit sich der Polsprung verhindern oder neutralisieren l�sst. M�glicherweise haben wir eine wirkungsvolle Gegenma�nahme gefunden.�</p><p>S�mtliche Augen im Saal starrten ihn an.</p><p>�Welche Art von Gegenma�nahme?�, fragte der General mehr aus H�flichkeit als aus ernsthaftem Interesse.</p><p>�Es gibt eine Reihe von elektromagnetischen Frequenzen, von denen wir annehmen, dass sie der Polverschiebung entgegenwirken.�</p><p>�Wie wollen Sie diese Gegenma�nahme anwenden?�, wollte der Ministerialdirektor wissen. �Punktuell oder gro�r�umig?�</p><p>�Ich habe da ein paar Ideen.�</p><p>�Die einzige sinnvolle Gegenma�nahme, die mir einf�llt, w�re ein Torpedo in den Arsch dieser Irren�, sagte der Marineoffizier.</p><p>Jeder im Saal au�er Austin brach in br�llendes Gel�chter aus.</p><p>�Ich will ja nicht unh�flich sein�, ergriff der Ministerial�direktor wieder das Wort. �Aber ich denke, Sie sollten Ihre �berlegungen zu Papier bringen und bei Gelegenheit meiner Sekret�rin geben.�</p><p>Die Konferenz war vor�ber. W�hrend Austin durch das Labyrinth von Fluren und Korridoren im Pentagon gef�hrt wurde, erinnerte er sich an seine Begegnung mit Gant und an seinen Eindruck, dass er jemand war, dessen Doppelz�ngigkeit man auf keinen Fall untersch�tzen sollte.</p><p>Von wegen leichtes Spiel, dachte er.</p></section><section><title><p>39</p></title><p>Die Trouts hatten in einem Strandhotel oberhalb des Hafens ein Zimmer mit Balkon gemietet, von dem aus sie einen ungehinderten Blick auf die fernen Dockanlagen hatten. Seit ihrer Ankunft in Rio hatten sie abwechselnd auf dem Balkon gesessen und die Transmitter-Schiffe beobachtet.</p><p>Trout brachte Gamay ein Glas kalten Orangensaft, zog sich einen Stuhl heran und setzte sich neben sie. �Passiert was?�</p><p>Gamay blickte durchs Fernglas und betrachtete einen langen Kai auf der anderen Seite des Hafens. �Seit wir hier angekommen sind, haben die Transmitter-Schiffe sich nicht einen Zentimeter vom Fleck bewegt.�</p><p>Trout lieh sich das Fernglas von ihr aus und inspizierte selbst die drei Schiffe, die nebeneinander vert�ut am Kai lagen.</p><p>�Hast du bemerkt, dass der Passagierdampfer verschwunden ist?�</p><p>�Gestern war er noch da. Sie m�ssen heute Morgen schon ganz fr�h abgelegt haben. Noch ehe wir aufstanden.�</p><p>Gamay hatte sich gewundert, was ein Passagierschiff in einem Frachtschiffbereich zu suchen hatte. Sie hatten den Namen am Bug des Schiffs lesen k�nnen: <emphasis>Polar Adventure. </emphasis>Aber keiner von ihnen hatte eingehender �ber das Schiff nachgedacht. Viel mehr hatten sie sich f�r die drei Frachtschiffe interessiert, die die Namen <emphasis>Polaris I, II </emphasis>und <emphasis>III</emphasis> nach dem n�rdlichen Polarstern trugen.</p><p>�Ich denke, wir sollten uns das mal ein wenig genauer ansehen�, entschied Paul.</p><p>�Ganz meine Meinung. Von mir aus k�nnen wir sofort aufbrechen.�</p><p>Minuten sp�ter fuhren sie am Rand des Hafens entlang. Die Ferienhotels blieben nach und nach zur�ck, und die Umgebung, durch die sie fuhren, bekam einen zunehmend gewerblichen Charakter. Schlie�lich gelangten sie zu einer Ansammlung von Lagerh�usern, Schifffahrtsb�ros und maritimen Verwaltungs�geb�uden. Sie passierten mehrere Containerschiffe und schlie�lich auch den leeren Liegeplatz, der vorher von dem Passagierschiff besetzt worden war. In der N�he der drei Frachtschiffe, die sie vom Hotel aus gesehen hatten, war ein Wachhaus aufgestellt worden.</p><p>Vor dem Haus stand ein st�mmiger W�chter, der mit einer Pistole in einem Halfter und mit einem Gewehr bewaffnet war. Er rauchte eine Zigarette und unterhielt sich mit einem Hafenarbeiter. Paul behielt die Geschwindigkeit des Wagens bei, um kein Aufsehen zu erregen. Jedoch fuhr er langsam genug, um Gamay Gelegenheit zu geben, sich von den Schiffen einen kurzen, aber gr�ndlichen Eindruck zu verschaffen.</p><p>�Siehst du noch weitere W�chter?�, fragte Trout.</p><p>�Nur diesen einen. Am Bord k�nnten weitere sein.�</p><p>�Vielleicht auch nicht. Sie wollen sicherlich kein Misstrauen wecken, indem sie hier zu viele Sicherheitsleute herumlaufen lassen. Das k�nnte f�r uns eine g�nstige Gelegenheit sein, uns einmal umzuschauen.�</p><p>�Ja, aber er hatte eine ziemlich gro�e Kanone. Wie willst du an der vorbeikommen?�</p><p>Trout sah Gamay mit einem schiefen Grinsen an. �Ich dachte mir, dass eine sch�ne Frau f�r ein, hm, wenig Ablenkung sorgen k�nnte.�</p><p>�Da haben wir es wieder. <emphasis>Cherchez la femme. </emphasis>Der �lteste Trick der Welt. Meinst du, er f�llt auf eine solche List herein?�</p><p>�Du machst wohl Witze�, meinte Trout kichernd. �Wir haben es hier mit hei�bl�tigen m�nnlichen Latinos zu tun.�</p><p>�Ungl�cklicherweise�, seufzte Gamay, �d�rftest du wieder mal Recht haben. Okay, ich ziehe meine Mata-Hari-Nummer ab, aber dann bezahlst du das Abendessen.�</p><p>Eine halbe Stunde sp�ter waren sie wieder in ihrem Hotelzimmer. Paul mixte zwei kalte Rumcocktails, und sie setzten sich auf den Balkon, nippten an ihren Gl�sern und wechselten sich dabei ab, die Schiffe durchs Fernglas zu beobachten, bis die Sonne unterging.</p><p>Nach dem Abendessen, das sie vom Zimmerservice hatten heraufbringen lassen, duschte Gamay, bespr�hte sich reichlich mit Parf�m und schl�pfte in ein tief ausgeschnittenes rotes Kleid. In Rio wimmelte es von sch�nen Frauen, aber Gamay zog trotzdem die Blicke aller M�nner im Hotelfoyer auf sich, als sie und Trout zum Ausgang gingen.</p><p>Der Charakter des Frachtdocks hatte sich grundlegend ver�ndert. Die Lastwagen, Hafenarbeiter und Schauerleute hatten Feierabend gemacht, und auf dem gesamten Dockareal herrschte eine schmuddelige, drohende Atmosph�re. Wahllos verstreute Lampenmasten warfen gelbe Lichtkreise auf den Asphalt, die von Nebelschwaden, die vom Hafen her�berzogen, zerstreut wurden. In der Ferne erklang ein Nebelhorn.</p><p>Gamay fuhr an dem leeren Liegeplatz vorbei, den die <emphasis>Polar Adventure </emphasis>eingenommen hatte, lenkte den Wagen zur Seite und parkte unter einem Lampenmast unweit des Wachhauses. Sie stieg aus dem Wagen, blieb einen Moment lang im Licht stehen und trank einen Schluck aus einer Rumflasche. Mit gro�em Trara �ffnete sie die Motorhaube und verschwand mit dem Kopf darunter. Dann, laut auf Spanisch fluchend, versetzte sie dem Kotfl�gel einen Tritt, schaute sich um und winkte dem W�chter. Leicht schwankend ging sie dann auf das Wachhaus zu.</p><p>Der W�chter war ein dunkelh�utiger, muskul�ser Mann mit einem Ausdruck gelangweilten Misstrauens auf seinem flachen, primitiven Gesicht. Gamay sprach perfekt spanisch, aber um das Interesse des W�chters zu wecken, nuschelte sie ihre Worte. Sie sagte, ihr d�mlicher Wagen habe den Geist aufgegeben, und fragte ihn, ob er nicht einmal nachschauen k�nne. Er blickte hin�ber zum Wagen, der teilweise von den Schatten verschluckt wurde, und z�gerte.</p><p>�Erz�hl mir blo� nicht, dass du mit deiner gro�en Kanone Angst vor mir hast.�</p><p>Sie stolperte und schien hinzufallen, ehe sie sich an der Schulter des W�chters abst�tzte und ihm eine Wolke rumgetr�nkten Atems ins Gesicht blies. Die Verlockung, die von einer sexy aussehenden betrunkenen Frau ausgeht, und die versteckte Anspielung auf seine M�nnlichkeit verfehlten ihre Wirkung nicht. Er lachte l�stern und legte einen Arm um ihre Schultern. Gamay lachte ebenfalls, und gemeinsam gingen sie zum Wagen zur�ck.</p><p>�Ich glaube, sie haben mich beschissen, und es ist gar kein Motor drin�, sagte sie und st�tzte eine Hand auf die H�fte.</p><p>Sie vertraute darauf, dass er dem m�nnlichen Instinkt folgen und den Kopf unter die Motorhaube stecken w�rde. Als er es tat, tauchte Trout aus dem Schatten auf, tippte ihm auf die Schulter und streckte den W�chter dann mit einer rechten Geraden zu Boden. Mit Gamays Hilfe knebelten und fesselten sie den benommenen W�chter mit Handt�chern, die sie sich im Hotel ausgeliehen hatten, nahmen ihm seine Waffen ab und verstauten ihn auf dem R�cksitz des Wagens.</p><p>Trout setzte sich die M�tze des Mannes auf den Kopf, steckte sich eine Stablampe in die Tasche seiner Windjacke und schob sich die Pistole in den Hosenbund. �Ruf die Kavallerie, wenn ich in zwanzig Minuten nicht wieder zur�ck bin.�</p><p>Gamay wog das Gewehr in der Hand. �Sei vorsichtig�, sagte sie und gab ihm einen Kuss auf die Wange. �Du siehst die Kavallerie vor dir.�</p><p>Lieber wusste Trout Gamay in seinem R�cken als hundert John Waynes. Sie war eine erfahrene Scharfsch�tzin, und jeder, der ihr vors Visier kam, h�tte nicht mehr lange zu leben. Er huschte schnell die Gangway hinauf und sah sich auf dem Deck um. Der Nebel, der �ber dem Schiff hing und die Decksbeleuchtung d�mpfte, w�rde daf�r sorgen, dass er nicht so leicht zu entdecken w�re, aber er bot auch jedem W�chter eine willkommene Tarnung, der das Deck beobachtete.</p><p>Er hatte die Fotos gesehen, die Austin und Zavala von dem Schiff geschossen hatten, das von dem Strudel an die Wasseroberfl�che gesp�lt worden war, und hatte daher eine ungef�hre Vorstellung von den �rtlichkeiten. Blind navigierte er sich durch den Dunst und fand den Decksaufbau, ohne mit dem Gesicht dagegenzuprallen. Er tastete sich an seiner Au�enwand entlang, bis seine suchenden Finger auf eine T�r stie�en. Er trat in den dunklen Raum dahinter und knipste die Stablampe, die er sich von dem W�chter ausgeliehen hatte, an. Ein Laufgang f�hrte zum darunterliegenden Deck.</p><p>Mit der Pistole des W�chters schussbereit in der freien Hand, schlich er die Treppe hinunter und folgte dann einem Labyrinth von Korridoren. Am Ende eines Ganges hielt er inne, presste ein Ohr gegen eine Stahlt�r, dann dr�ckte er die Klinke nach unten. Die T�r war nicht verriegelt. Er �ffnete sie und trat hindurch.</p><p>Seine Schritte hallten leise wider, w�hrend er langsam zu einer Reling ging und feststellte, dass er auf einer Art Balkon stand. Er befand sich in einem h�hlenartigen Saal, offensichtlich der Generatorraum, den Austin und Zavala beschrieben hatten. Er lie� den Lichtstrahl der Taschenlampe herumwandern und stellte fest, weshalb nur ein Mann die Schiffe bewachte. Es gab nichts zu bewachen. Der Raum war leer.</p><p>Trout kehrte zum Hauptdeck zur�ck. Austin hatte von einem Schacht gesprochen, der vom Deck durch den Rumpf bis hinunter ins Wasser verlief. Er fand ihn zusammen mit dem Rahmenaufbau um die rechteckige �ffnung. Aber nirgendwo eine Spur von dem kegelf�rmigen Gebilde. Das Schiff schien total ausger�umt worden zu sein. Er �berlegte, ob er auch noch dem Kontrollraum einen Besuch abstatten sollte, entschied jedoch, dass dazu die Zeit zu knapp war.</p><p>Gamay w�rde das Schiff st�rmen und nach Trout suchen, wenn er nicht innerhalb der Frist zur�ckk�me, die er festgesetzt hatte. Er ging zur Gangway.</p><p>Der W�chter hatte mittlerweile das Bewusstsein wiedererlangt, und Gamay hatte ihm mit der Pistole drohen m�ssen, um ihn zum Schweigen zu bringen, doch ansonsten hatte es keinen Zwischenfall gegeben.</p><p>�Was hast du gefunden?�, wollte sie wissen.</p><p>�<emphasis>Nichts. </emphasis>Und das finde ich hochinteressant. Ich w�rde ver�muten, dass die anderen Schiffe ebenfalls ausger�umt wurden.�</p><p>Sie zogen den W�chter aus dem Wagen und lie�en ihn im Schatten liegen. Er hatte angefangen, sich gegen seine behelfsm��igen Fesseln zu wehren. Mit ein wenig zus�tzlicher M�he w�rde er sich am Ende selbst befreien k�nnen. Etwa drei�ig Meter vom Wachhaus entfernt warfen sie seine Waffen ins Hafenbecken. Es bestand nur eine geringe Gefahr, dass er Alarm schlagen w�rde, sobald er frei war. Seine Arbeitgeber w�ren ganz und gar nicht erfreut, wenn sie erf�hren, dass er in seinem Job versagt hatte. Er w�rde schon genug Probleme haben zu erkl�ren, was mit seinen Waffen geschehen war.</p><p>W�hrend der R�ckfahrt zum Hotel beschrieb Trout seine Inspektion des Schiffs und die �berraschenden Ergebnisse.</p><p>�Aber warum? Was haben sie mit dem gesamten Kram gemacht?�</p><p>Trout sch�ttelte den Kopf, holte sein Mobiltelefon aus der Tasche und tippte eine Nummer aus dem Telefonverzeichnis ein.</p><p>�Soll Kurt sich dar�ber den Kopf zerbrechen.�</p></section><section><title><p>40</p></title><p>Austin griff in seine Schreibtischschublade, fischte einen Wurfpfeil heraus, der zu einem Dartspiel geh�rte, und holte gerade mit der Hand aus, um ihn auf eine Karte vom Atlantischen Ozean zu werfen, die an die Wand geheftet war, als das Telefon klingelte. Er nahm den H�rer ab. Es war Paul Trout, der aus Rio anrief.</p><p>�Ich st�re dich doch nicht bei etwas Wichtigem, oder?�, fragte Trout.</p><p>�Ganz und gar nicht. Ich war nur gerade im Begriff, mit meinen vielf�ltigen wissenschaftlichen Kenntnissen einem vertrackten Puzzle zu Leibe zu r�cken. Wie geht�s dem Girl from Ipanema?�</p><p>�Gamay ist okay. Aber mit den Transmitter-Schiffen ist irgendetwas Seltsames im Gange. Ich habe mich vor ein paar Minuten bei einem an Bord geschlichen. S�mtliche Turbinen und elektromagnetischen Antennen waren verschwunden. Ich vermute, dass jemand auch auf den anderen Schiffen so gr�ndlich aufger�umt hat.�</p><p>�Sie sind leer?� Austin ging in Gedanken rasend schnell s�mtliche M�glichkeiten durch. �Sie m�ssen den Hausputz veranstaltet haben, als die Schiffe in Mississippi in der Werft waren.�</p><p>�Wir h�tten eigentlich daraufkommen m�ssen, dass irgendetwas Merkw�rdiges im Gange war. Die Schiffe liegen hier vert�ut am Kai. Keinerlei Vorbereitungen werden getroffen. Nichts geschieht, das darauf hinweist, dass sie irgendwann in n�chster Zukunft in See stechen wollen. Nur ein Schiff ist ausgelaufen, seit wir hier sind, und das war ein Passagierdampfer.�</p><p>Austin dachte angestrengt nach und h�rte nur halb, was Trout zu berichten hatte. �Was war das gerade mit einem Passagierdampfer?�</p><p>�Die <emphasis>Polar Adventure. </emphasis>Sie lag neben den Transmitter-Schiffen, hat aber schon heute fr�h den Hafen verlassen. Ist das wichtig?�</p><p>�Vielleicht. Joe meint, ein Passagierdampfer habe die Werft in Mississippi etwa zur gleichen Zeit verlassen wie die Transmitter-Schiffe.�</p><p>�Donnerwetter! Denkst du, es war dasselbe Schiff, das wir hier gesehen haben?�</p><p>�M�glich w�re es�, sagte Austin. �Sie laden die Transmitter in den Dampfer. Und dann, w�hrend wir die K�der beobachten, schleicht sich der Dampfer mit der Ladung am helllichten Tag davon.�</p><p>�So viel zu den Pl�nen der Navy, die Schiffe mit einem U-Boot zu verfolgen.�</p><p>�Eine klassische Ablenkungs-und-Austausch-Operation. Verdammt clever.�</p><p>�Wie lange ist es her, seit der Dampfer ausgelaufen ist?�</p><p>�Heute Morgen, als wir aufstanden, war er weg.�</p><p>Austin rechnete kurz. �Dann k�nnten sie schon einige hundert Kilometer weit auf See sein. Das ist ein Riesenvorsprung.�</p><p>�Was sollen wir tun?�</p><p>�Bleibt einstweilen, wo ihr seid, und behaltet die Schiffe im Auge f�r den Fall, dass der Eigner noch irgendetwas anderes im Schilde f�hrt.�</p><p>Austin trennte die Verbindung. Er war w�tend auf sich selbst, nicht daran gedacht zu haben, dass jemand, der intelligent genug war, um einen Polsprung zu planen, alles M�gliche unternehmen w�rde, um potenzielle Verfolger abzusch�tteln. Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Karte an der Wand zu. Es war ein riesiger Ozean. Mit jeder Minute, die verstrich, erh�hten sich die Chancen des Dampfers, sich in Hunderten von Quadratkilometern offener See zu verlieren. Austin zog in Erw�gung, das Pentagon anzurufen und Trouts Neuigkeiten weiterzugeben, aber er war jetzt nicht in der Stimmung, seinen Atem in fruchtlosen Diskussionen mit irgendeinem Ministerial�direktor des Verteidigungsministeriums zu vergeuden.</p><p>Sandecker h�tte vielleicht mehr Erfolg, doch selbst er m�sste sich mit der Pentagon-B�rokratie herumschlagen, und die Zeit hatten sie einfach nicht. Pfeif auf sie, dachte Austin. Wenn die Welt im Begriff war unterzugehen, tr�ge er die Verantwortung daf�r lieber auf seinen eigenen Schultern, als sie irgendeinem anonymen Regierungsfunktion�r mit Profilneurose zu �berlassen. Dies war eine reine NUMA-Angelegenheit, und zwar durch und durch.</p><p>Zehn Minuten sp�ter sa� er in einem NUMA-Fahrzeug und fuhr durch die stillen Stra�en Washingtons. Er nahm den Highway zum Washington National Airport, wo der W�chter am Tor des Sperrbereichs seinen Ausweis �berpr�fte und ihn dann zu einem Hangar in einer weit entfernten Ecke des Flugfeldes dirigierte. Er konnte deutlich die Lichter sehen und hatte keine Schwierigkeiten, die Stelle zu finden, wo ein Boeing 747 Jumbo-Jet auf der Rollbahn parkte.</p><p>Flutlichter waren rings um die Maschine aufgestellt worden und machten die Nacht zum Tag. Das Flugzeug war umgeben von Trommeln mit Stromkabeln und Stapeln von Aluminium- und Stahlplatten. Arbeiter umschw�rmten das Flugzeug wie ein Heer von Ameisen.</p><p>Zavala sa� unter dem aufragenden Heck des Flugzeugs an einem Behelfstisch, der aus einer Sperrholzplatte und zwei S�geb�cken zusammengebaut worden war. Er studierte gemeinsam mit einem Mann in einem Overall einige Blaupausen. Er entschuldigte sich, als er Austin entdeckte, und kam her�ber, um ihn zu begr��en.</p><p>�Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht�, sagte er. Er musste seine Stimme um einiges anheben, um �ber dem L�rm verstanden zu werden.</p><p>Austin schaute sich um und erkannte zu seiner Erleichterung die ersten Anzeichen von Ordnung in einem anscheinend totalen Chaos.</p><p>�Wie lange, bis der Vogel endlich fliegen kann?�, erkundigte Austin sich.</p><p>�Wir hatten ein paar geringf�gigere Pannen, aber jetzt ist alles zur Stelle, was wir brauchen. Es geht vorwiegend darum, alles richtig zu ordnen und zusammenzuf�gen. In zweiundsiebzig Stunden m�ssten wir es eigentlich geschafft haben.�</p><p>�Wie w�re es mit morgen fr�h?�, fragte Austin.</p><p>Zavala l�chelte. �Du solltest es mal als Komiker beim Fernsehen versuchen.�</p><p>�Ungl�cklicherweise ist an der Nachricht, die ich gerade von Paul erhalten habe, absolut nichts Komisches.� Austin berichtete Zavala von dem verschwundenen Passagierdampfer. �Kannst du nicht den Rest zusammenbauen lassen, w�hrend wir in der Luft sind?�</p><p>Zavala wand sich gequ�lt. �M�glich w�re es, aber auf keinen Fall ratsam. Es w�re genauso, als versuchte man, eine Wurst im Laufen zu stopfen.�</p><p>�Und wenn es keine andere M�glichkeit g�be, als es zu versuchen?�</p><p>Zavala lie� den Blick �ber das hektische Treiben gleiten und kratzte sich am Kopf. �Ich konnte einer leckeren Wurst eigentlich nie widerstehen. Komm mit, wenn ich meiner rechten Hand die Hiobsbotschaft �berbringe.�</p><p>Bei dem Mann, mit dem Zavala die Blaupausen durchgegangen war, handelte es sich um Drew Wheeler, einen liebensw�rdigen Virginier Mitte vierzig, der bei der NUMA als Logistikspezialist daf�r verantwortlich war, gro�e Lasten rund um die Welt zu schicken. Austin hatte mit Drew bei einigen Projekten zusammengearbeitet, bei denen schweres Ger�t in k�rzester Zeit an den jeweiligen Ort des Geschehens transportiert werden musste. Wheelers Angewohnheit, Dinge zu durchdenken, als kaute er im Geiste auf einem St�ck Tabak, konnte Leute, die mit ihm zusammenarbeiteten, zur Raserei bringen. Aber sie stellten stets sehr bald fest, dass er ein besonderes Talent hatte, sich komplizierte Pl�ne in seinem Kopf zurechtzulegen, so dass sie st�rungsfrei ausgef�hrt werden konnten.</p><p>Austin fragte ihn, wie die Dinge liefen, und erhielt die typische Wheeler-Antwort. Der Virginier st�tzte einen Ellbogen auf die H�ften und musterte das Flugzeug mit zusammengekniffenen Augen wie ein Farmer, der sich �berlegt, wie er einen Baumstumpf aus einem Feld ausgr�bt. �Nun�, sagte er und legte eine kurze Pause ein. Dann: �Es wird alles glattgehen.�</p><p>�So glatt, dass die Maschine morgen fr�h starten kann?�</p><p>Wheeler kaute einige Sekunden lang auf dieser Frage herum, ehe er antwortete: �Um welche Uhrzeit morgen fr�h?�</p><p>�So fr�h wie irgend m�glich.�</p><p>Wheeler nickte. �Ich sehe mal, was ich tun kann.�</p><p>Er schlenderte so gem�tlich zum Flugzeug zur�ck, als untern�hme er einen Spaziergang. Austin lie� sich dadurch nicht t�uschen. �Ich wette mit dir um eine Flasche Pancho Villa Tequila, dass Drew sich l�ngst �berlegt hat, wie das zu schaffen ist.�</p><p>�Ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, dass ich diese Wette l�ngst verloren h�tte�, sagte Zavala.</p><p>�Eine weise Entscheidung. Woher hast du den Flieger?�</p><p>�Du w�rdest dich wundern, was man heutzutage alles mieten kann, wenn man tief genug in die Tasche greift. Das ist ein 200 F Frachtflugzeug, und zwar eine modifizierte Version der normalen 474 Passagiermaschine. Sie hat eine Ladekapazit�t von fast 250000 Pfund. Das Hauptproblem war, die ganze Hardware, die du hier herumliegen siehst, in die Maschine zu schaffen, ohne sie wie eine Sardinenb�chse aufschneiden zu m�ssen. Wir haben mit Hibbet und Barrett an dem Problem herumgedoktert�, sagte Zavala. �Ich war der Meinung, dass wir so riesige Generatoren nehmen m�ssten wie die, welche wir auf dem Transmitter-Schiff gesehen haben. Aber Barrett erkl�rte, das sei nicht n�tig. Wir k�nnten kleinere Generatoren benutzen, nur m�ssten wir die St�ckzahl erh�hen.�</p><p>�Was ist mit der Spule?�, fragte Austin weiter.</p><p>�Die hat uns die meisten Kopfschmerzen gemacht. Ich zeige dir, was wir in diesem Fall getan haben.�</p><p>Zavala ging voraus zur Nase des riesigen Flugzeugs. Zwei Gestalten beugten sich �ber ein sch�sself�rmiges Gebilde, das auf einer Plattform befestigt war. Al Hibbet richtete sich l�chelnd auf, als er Austin und Zavala auf sich zukommen sah.</p><p>�Hallo, Al�, begr��te Austin den Wissenschaftler. �Macht es immer noch Spa�?�</p><p>�Den gr��ten Spa�, seit ich als Kind einen Elektromotor f�r meinen Metallbaukasten geschenkt bekam. Karla war mir eine gro�e Hilfe.�</p><p>Der andere Arbeiter schaute hoch, und unter einer Baseballm�tze kam Karlas strahlendes Gesicht zum Vorschein.</p><p>�Was der Professor meint, ist, dass ich ganz gut mit einem Schraubenzieher umgehen kann.�</p><p>�Ganz und gar nicht�, widersprach Hibbet. �Karla hat vielleicht nicht das technische Know-how, aber sie hat einen hervorragenden Instinkt, um komplexe Probleme zu l�sen. Sie hat offensichtlich die Gene ihres Gro�vaters geerbt.�</p><p>�Es freut mich zu h�ren, dass die Zusammenarbeit so hervorragend klappt�, sagte Austin. �Joe deutete an, Sie h�tten ein Problem mit der Spule?�</p><p>�Das ist richtig�, sagte Hibbet. �Bei den Transmitter-Schiffen haben sie die Antenne einfach unter das Schiff geh�ngt. Wir wollten sie unter den Rumpf binden.�</p><p>�K�nnte das zu Problemen beim Start f�hren?�</p><p>�Sie haben den Punkt getroffen. Dies ist die Radarkuppel f�r die neu entwickelte Antenne. Ich habe die Idee von einigen Konstruktionen geklaut, die ich bei Maschinen des Fr�hwarnsystems gesehen habe. Karla hat dann den Vorschlag gemacht, den Kegel so umzubauen, dass er in die Kuppel passt.�</p><p>�Ich hatte fr�her mal ein Aquarium mit Guppies�, erz�hlte Karla. �Sie haben eine Art Kinnsack, der mich auf den Gedanken gebracht hat.�</p><p>Hibbet entfernte eine Plastikabdeckung von einer Konstruktion aus Stahlplatten und Draht, die einen Durchmesser von ungef�hr sieben Metern hatte. Der runde Rahmen, der in einer Holzschale sa�, hatte die Form eines umgest�lpten asiatischen Kulihuts. Er war oben flach mit schmalen Seitenteilen, die unten auf dem Boden zusammenliefen.</p><p>�Genial�, sagte Austin. �Es sieht aus wie eine zusammenge�dr�ckte Version der Kegelantenne. Funktioniert sie auch so gut?�</p><p>�Ich hoffe, um einiges besser�, sagte Hibbet.</p><p>�Das ist gut, denn wir haben unseren Zeitplan ge�ndert. Bis morgen muss alles fertig sein, damit wir starten k�nnen. K�nnen Sie die letzten Handgriffe vornehmen, w�hrend wir schon in der Luft sind?�</p><p>Hibbet massierte sein Kinn. �Ja�, sagte er nach einigen Sekunden. �Es ist nicht gerade ideal, etwas derart Kompliziertes unter solchen Bedingungen durchf�hren zu m�ssen. Wir haben in diesem Fall noch nicht mal die Gelegenheit, die Turbinen zu testen. Aber wir k�nnen anfangen, die Pr�fliste durchzugehen, sobald wir die Antenne und den Kegel aufgestellt haben. Wir sollten jedoch Barrett lieber noch nach seiner Meinung fragen.�</p><p>Sie kletterten �ber die Gangway hinauf in den riesigen Rumpf der 747. Eine Reihe von sechzehn gedrungenen Stahlzylindern, alle im gleichen Abstand zueinander, war �ber die gesamte L�nge von gut achtzig Metern des Frachtraums aufgestellt worden. Ein Gewirr von Kabeln verband die Zylinder miteinander und schl�ngelte sich in alle Richtungen davon. Barrett kniete �ber einem Kabel zwischen zwei Zylindern.</p><p>Er bemerkte Austin und die anderen und erhob sich, um sie zu begr��en.</p><p>Austin betrachtete die komplizierte Anordnung, die den gr��ten Teil des Flugzeuginneren einnahm. �Es sieht so aus, als k�nnten Sie genug Strom produzieren, um ganz New York zu erleuchten.�</p><p>�Fast�, sagte Barrett. �Es war nicht ganz unproblematisch, die Energiequelle anzuschlie�en, aber wir haben am Ende etwas zusammengebastelt, das funktionieren m�sste.�</p><p>�Viel mehr interessieren mich die Dynamos. Wo haben Sie derart kurzfristig so viele beschaffen k�nnen?�</p><p>�Eine Sonderregelung f�r die NUMA�, sagte Zavala. �Sie sollten in einige neue Schiffe eingebaut werden, ehe ich sie vor�bergehend auslieh.�</p><p>�Eine neue Energiequelle. Eine neue Antenne. Wird das alles zusammenpassen und funktionieren?�</p><p>�Ich denke schon�, sagte Barrett. �Das hei�t, ich bin mir zu neunundneunzig Prozent sicher, wenn man sich auf die Computermodelle, die ich erstellt habe, verlassen kann.�</p><p>Austin sch�ttelte den Kopf. �Es ist dieses eine Prozent, das mir gro�e Sorgen macht. Schaffen wir das alles bis morgen fr�h?�</p><p>Barrett kicherte, weil er glaubte, dass Austin einen Scherz gemacht hatte. Dann bemerkte er den ernsten Ausdruck in Austins Augen. �Ist irgendetwas geschehen?�</p><p>Austin gab ihm eine kurze Zusammenfassung von Trouts Bericht �ber den geheimnisvollen Passagierdampfer.</p><p>Barrett schlug sich mit der Faust in die flache Hand. �Ich habe Tris schon vor Monaten von meiner Idee erz�hlt, nur ein einziges Schiff zu benutzen, um den Impuls zu b�ndeln. Ich gab ihm sogar die Pl�ne f�r die Umstellung. Er sagte, es w�rde zu lange dauern. Ich sch�tze, es w�rde mich nicht �berraschen, wenn er schon wieder gelogen h�tte.�</p><p>�Was ist mit dem Zeitplan?�, hakte Austin nach.</p><p>Barretts Augen spr�hten vor Zorn. �Wir werden bereit sein�, sagte er.</p><p>Nachdem er sich von Barrett verabschiedet hatte, damit dieser seine Arbeit fortsetzen konnte, gingen Austin und die anderen die Gangway hinunter. Austin erkundigte sich, auf welche Art und Weise er sich n�tzlich machen k�nne. Zavala nannte ihm eine ganze Liste von dringend ben�tigten Gegenst�nden. Austin entfernte sich ein wenig von dem lebhaften Betrieb im und um das Flugzeug herum und suchte sich einen Ort, wo es ruhig genug war, um ungest�rt die notwendigen Telefonate f�hren zu k�nnen. In jedem Fall versprach man ihm, dass das Material schnellstens geliefert w�rde. Er kehrte zum Flugzeug zur�ck, als er bemerkte, dass Karla ihm gefolgt war. Offensichtlich hatte sie ihn beobachtet, w�hrend er telefonierte.</p><p>�Ich m�chte Sie um einen Gefallen bitten�, begann sie. �Ich w�rde gerne mitfliegen.�</p><p>�Dies ist die Stelle, an der der Held warnt, �es k�nnte gef�hrlich werden��, sagte Austin.</p><p>�Ich wei�. Aber auf Ivory Island war es auch gef�hrlich.�</p><p>Austin z�gerte.</p><p>�Au�erdem�, sagte Karla, �was k�nnte denn noch riskanter sein, als mit Ihnen zusammen in einem Stanley Steamer unterwegs zu sein?�</p><p>Austin h�tte Karla wahrscheinlich fesseln m�ssen, um sie davon abzuhalten, ins Flugzeug zu steigen. Er l�chelte und erwiderte: �Im Augenblick sieht es so aus, als w�rde keiner von uns irgendwohin fliegen, wenn wir nicht sofort an unsere Arbeit zur�ckkehren.�</p><p>Sie schlang ihm die Arme um den Hals und dr�ckte einen warmen Kuss auf seine Lippen. Austin schwor sich, den angenehmen Seiten des Lebens mehr Zeit zuzubilligen, wenn dieser Job erst einmal erledigt w�re.</p><p>W�hrend sie zum Flugzeug gingen, n�herte sich ein Wagen und blieb unweit der Maschine stehen. Eine hochgewachsene Gestalt stieg aus und humpelte auf sie zu. Es war Schroeder.</p><p>�Was machst du denn hier?�, fragte Karla.</p><p>�Ich m�chte viel lieber wissen, wie Sie durch das Tor hereingekommen sind�, sagte Austin.</p><p>�Mit der �blichen Methode. Einer Kombination aus Dreistigkeit und falscher Identifikation.�</p><p>�Eigentlich solltest du in einem Krankenhausbett liegen�, schimpfte Karla.</p><p>�Ein Krankenhaus ist nicht dasselbe wie ein Gef�ngnis�, entgegnete Schroeder. �Sie lassen einen gehen, wenn man ein Papier unterschreibt. Meinst du, ich k�nnte im Bett liegen bleiben, genau wissend, dass du dies hier tust?� Er betrachtete staunend das Flugzeug im Lichtschein der hellen Lampen. �Genial. Glaubt ihr wirklich, ihr k�nntet die Verschiebung aus der Luft stoppen oder gar r�ckg�ngig machen?�</p><p>�Wir werden es immerhin versuchen�, sagte Karla.</p><p>�<emphasis>Wir? </emphasis>Du nimmst doch nicht etwa an dieser Mission teil, oder? Es k�nnte gef�hrlich werden.�</p><p>�Du klingst schon genauso wie Kurt. Ich erwidere dir das Gleiche, das ich ihm erwidert habe. Meine Familie ist f�r dieses Durcheinander verantwortlich. Daher f�hle ich mich verpflichtet, dabei mitzuhelfen, alles wieder in Ordnung zu bringen.�</p><p>Schroeder lachte. �Du bist wirklich Lazios Enkelin, ohne den geringsten Zweifel. Stur bis zum Letzten, genauso wie er.� Er wandte sich an Austin. �Geben Sie gut auf sie Acht.�</p><p>�Das verspreche ich Ihnen�, sagte Austin.</p><p>Schroeder betrachtete die gesch�ftige Aktivit�t in und um das Flugzeug herum. �Wann denken Sie, dass Sie starten k�nnen?�</p><p>�Morgen fr�h�, antwortete Austin.</p><p>�Sie sehen hier einen alten Dinosaurier, der wei�, wann es mit ihm nicht mehr weitergeht�, sagte Schroeder. �Ich warte im Krankenhaus auf Ihren Anruf. Viel Gl�ck.� Er umarmte Karla, sch�ttelte Austin die Hand und humpelte zur�ck zu seinem Wagen. Sie schauten dem Wagen nach, bis seine R�cklichter nicht mehr zu sehen waren, dann wandte Austin sich zu Karla um.</p><p>�Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns.�</p><p>Sie nickte. Arm in Arm nahmen sie Kurs auf das riesige Flugzeug.</p><empty-line/><p>W�hrend Austins NUMA-Truppe das Letzte aus sich heraus�holte, um das Unm�gliche zu schaffen, plagten Tris Margrave nicht die geringsten Zweifel am unmittelbar bevorstehenden Erfolg seines Projekts. Zweifel war f�r ihn ein Fremdwort, und niemals h�tte er einer solchen Empfindung Zugang zu seinem Bewusstsein gestattet.</p><p>W�hrend die <emphasis>Polar Adventure </emphasis>durch den S�datlantik stampfte, sa� er in seinem bequemen, ergonomisch geformten Sessel hinter einer Kontrolltafel auf der vorderen Aussichtsplattform. Seine langen Finger spielten mit den Schaltern und Einstellr�dern wie ein Organist in einer Kathedrale. Er hatte die Dynamos gestartet, sobald das Schiff den Hafen hinter sich gelassen hatte. Jeder Generator wurde auf dem Computer�bildschirm durch ein rotes Symbol und eine Zahl vertreten, die anzeigte, dass er mit niedriger Leistung in Betrieb war.</p><p>Rote Linien verliefen von den Dynamos zum Bild eines Kegels. Der Kegel war gr�n bis auf seine rote Spitze, womit angedeutet wurde, dass nur geringe Energie in die riesige Spule tief im Innern des Schiffs floss. Margrave stellte es sich als �quivalent eines Automotors im Leerlauf vor.</p><p>Auf einem anderen Bildschirm lieferte die Konsole ein Schnittdiagramm der Erde, das ihre verschiedenen Schichten zeigte. Spezielle Sensoren im Rumpf des Schiffs w�ren in der Lage, die Tiefenwirkung der elektromagnetischen Strahlung und die Intensit�t des Wellen-Effekts zu messen.</p><p>Gant hatte einen Rundgang durch das Schiff unternommen und mit seinen Sicherheitsleuten gesprochen. Perfektionist, der er war, wollte Gant auf Nummer sicher gehen, dass Margrave, sobald er seinen Nutzen erf�llt hatte, auch schnellstens eliminiert w�rde. W�hrend er die Aussichtsplattform betrat, l�chelte Gant und fragte: �Dauert es noch lange?�</p><p>Margrave warf einen Blick auf sein GPS-Ger�t. �Gegen Morgen sind wir am Ziel. Dann wird es noch etwa eine Stunde dauern, um das Schiff in Position zu bringen und die Spule abzusetzen. Die See ist ruhig, also d�rfte das nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen.�</p><p>Gant ging zur Bar und schenkte zwei schlanke Gl�ser mit Champagner voll. Ein Glas reichte er Margrave.</p><p>�Ein Toast w�re jetzt angemessen.�</p><p>�Auf die Vernichtung der Eliten�, sagte Margrave. �Und auf eine neue Welt.�</p><p>Gant hob sein Glas. �Auf eine neue Weltordnung.�</p></section><section><title><p>41</p></title><p>Zavala verlie� das Cockpit der 747 und ging nach hinten in die verk�rzte Passagierkabine, wo Austin mit einem Laptop�computer sa� und arbeitete. Zavala l�chelte, als h�tte er soeben einen guten Witz geh�rt.</p><p>�Piloten sind manchmal seltsame Menschen�, sagte Zavala und sch�ttelte am�siert den Kopf. �Die Cockpit-Crew w�rde sich freuen, wenn du ihr verraten w�rdest, wohin sie das Flugzeug fliegen soll.�</p><p>�Ich habe bald eine genaue Position�, erwiderte Austin. �Einstweilen kannst du ihnen mitteilen, sie sollen Kurs auf den mittleren S�datlantik nehmen.�</p><p>�Das engt das Ziel erheblich ein�, sagte Zavala.</p><p>�Das ist die Region, die wir beobachten.� Austin deutete auf den Computerbildschirm. �Dies ist das NASA-Diagramm mit den Daten, die vom ROSAT-Satelliten gesammelt wurden. Der Fleck dort, der sich von Brasilien bis nach S�dafrika erstreckt, ist unser Jagdrevier�� die sogenannte S�datlantische Anomalie.� Er dr�ckte auf einige Tasten seines Keyboards und holte eine Ansammlung von Rechtecken heran.</p><p>�In diesem Bereich befindet sich das ausgepr�gteste Loch in der Magnetosph�re.�</p><p>�Was bedeutet, dass dies der logische Punkt ist, um einen Polsprung einzuleiten�, sagte Zavala.</p><p>�Ja und nein. Dort ist der Punkt, den wir meiner Meinung nach aufsuchen sollten.� Er tippte an einer anderen Stelle auf den Bildschirm. �Dort ist die Erdkruste d�nner, so dass dort die Kovacs-Wellen am tiefsten eindringen k�nnen.�</p><p>Zavala blies seine Wangen auf. �Das ist immer noch eine ganz sch�ne Menge Ozean, die abgesucht werden muss. Mindestens f�nfhundert Quadratkilometer.�</p><p>�Es ist ein Anfang�, sagte Austin.</p><p>Er spitzte die Ohren, als aus dem Laderaum ein elektrisches Summen ert�nte. Kurz darauf kamen Karla und Barrett durch die T�r. Karlas blonde Haare waren str�hnig, und sie hatte dunkle R�nder unter den Augen. Barretts Gesicht und H�nde waren mit Schmiere bedeckt.</p><p>Austin dachte, dass Karla sogar in ihrem derangierten Zustand selbst das verh�tscheltste Spitzenmannequin mit ihrer eleganten Sch�nheit besch�men w�rde. Sie hob den Schraubenzieher in ihrer Hand wie die Freiheitsstatue ihre Fackel.</p><p>�<emphasis>Ta-ta!</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>rief sie. �Zeit f�r Fanfaren und einen Trommelwirbel. Wir sind fertig.�</p><p>�Die Dynamos sind allesamt justiert und in Betrieb�, meldete Barrett.</p><p>Barrett hatte das letzte Kabel weniger als eine Stunde zuvor eingeholt, und das Flugzeug war bereits wenige Minuten nach Schlie�en der T�r in der Luft. Al Hibbet hatte mit trauriger Miene verfolgt, wie das Flugzeug startete. Er h�tte so gerne an der Mission teilgenommen, doch Austin meinte, sie brauchten am Boden jemanden, der �ber jedes Detail der Mission informiert war. Nur f�r alle F�lle.</p><p>Das Summen wurde stetig lauter. Karla nahm die Gl�ckw�nsche, die folgten, dankbar entgegen, dann streckte sie sich auf einigen freien Sitzen aus und schlief auf der Stelle ein. Austin nahm Karla behutsam den Schraubenzieher aus der Hand und legte ihn auf den Sitz neben ihr.</p><p>�Danke�, sagte Barrett. �Und jetzt bitte ich Sie, mich zu entschuldigen.� Karlas Beispiel folgend, g�hnte er ausgiebig und suchte sich eine freie Sitzreihe, auf der er sich ebenfalls langmachte und sofort einschlief.</p><p>Austin hielt L�ngen- und Breitengrad der Position auf seinem Computer fest, dann ging er nach vorne zum Cockpit, um dem Navigator der Maschine die Koordinaten zu geben. Er fragte, wie lange es dauern w�rde, bis sie am Ziel eintr�fen, und erhielt eine Zeitspanne von etwa zwei Stunden. Austin blickte aus dem Cockpitfenster auf eine Schicht watteartiger Wolken, die sich unter ihm erstreckte, so weit das Auge reichte.</p><p>Die Crew bestand ausschlie�lich aus Freiwilligen, die sich zweifelsfrei dar�ber im Klaren waren, dass sie an einer gef�hrlichen Mission teilnahmen. W�hrend der Navigator einen Flugplan erstellte, kehrten Austin und Zavala in die Passagierkabine zur�ck.</p><p>�Nach dem, was du im Cockpit gesagt hast, kommen wir etwa zur gleichen Zeit am Ziel an wie das Schiff�, sagte Zavala.</p><p>�Es wird zeitlich sogar noch knapper. Wir befinden uns in derselben Gegend. Wenn wir dort eintreffen, m�ssen wir sofort mit einem Suchschema beginnen. Und ich wei� nicht, wie lange es dauern wird, bis wir das Transmitter-Schiff aufsp�ren.�</p><p>�Jede Verz�gerung k�nnte sich als verh�ngnisvoll erweisen. Und die niedrige Wolkendecke ist auch keine Hilfe.�</p><p>�Dar�ber habe ich mir schon meine Gedanken gemacht. Die Trouts haben berichtet, dass sie in den Minuten, bevor ihr Boot in den Strudel gerissen wurde, am Himmel eine Menge elektrische Aktivit�t beobachtet haben.�</p><p>�Das stimmt. Und Al erz�hlte, es h�tten die reinsten Himmelsfeuerwerke stattgefunden, als die Vereinigten Staaten und die Russen mit elektromagnetischen Waffen auf Basis der Kovacs-Theoreme herumgespielt haben.�</p><p>�Dann gibt es jeden Grund anzunehmen, dass wir das gleiche Ph�nomen beobachten werden, sobald Margrave und Gant ihren Zapper anwerfen. Ich glaube, wir sollten eher den Himmel beobachten als das Meer. Die Wolken k�nnten uns unter Umst�nden sogar helfen, das Schiff zu finden.�</p><p>�Hervorragend! Ich werde den Leuten im Cockpit sagen, dass sie nach einem Feuerwerk Ausschau halten sollen.�</p><p>Nur widerstrebend weckte Austin Karla und Barrett. Er lie� ihnen ein paar Minuten Zeit, um sich den Schlaf aus den Augen zu reiben. W�hrend das Flugzeug der S�datlantischen Anomalie entgegenraste, brachte er sie auf den aktuellen Stand. Sie kamen �berein, sich aufzuteilen, wenn es Zeit wurde, wobei Karla auf der einen Seite des Flugzeugs Posten beziehen w�rde und Barrett auf der anderen. Austin w�rde zwischen hinten und vorne hin und her pendeln und als Verbindungsmann zu Zavala fungieren, der im Cockpit sitzen und die Augen offen halten w�rde.</p><p>Zavalas Stimme drang aus den Lautsprechern. Er teilte ihnen mit, dass das Flugzeug die �u�ere Grenze des Suchgebiets in etwa einer Viertelstunde �berfliegen werde. Austin konnte die wachsende Spannung in der Kabine fast k�rperlich sp�ren. Die Atmosph�re wurde noch dichter, noch bedr�ckender, als Zavala meldete, dass sie sich in der hei�en Zone befanden. Sie nahmen ihre Positionen an den Fenstern des Jumbo-Jets ein. Zehn Minuten verstrichen, dann zwanzig. Austin ging in der ger�umigen Kabine auf und ab und sprach den Leuten Mut zu. Es war nur schwer zu glauben, dass sich unter der dicken Wolkenschicht ein unendlicher Ozean erstreckte.</p><p>Austin hatte vorgeschlagen, dass das Flugzeug eine Reihe von parallel verlaufenden Bahnen �ber dem Suchgebiet abfliegen sollte. Es war das gleiche Rasenm�hermuster, das Austin bei der Suche nach einem verschollenen Schiff benutzt h�tte, und bot den Vorteil, innerhalb einer verh�ltnism��ig kurzen Zeit eine viele Quadratkilometer gro�e Fl�che abzudecken. Sie hatten eine Bahn hinter sich, dann eine zweite und befanden sich gerade auf der dritten, als Austin sich zu fragen begann, ob er einen Fehler gemacht hatte. Alle paar Sekunden schaute er auf seine Uhr.</p><p>Das Flugzeug hatte sich soeben in die Kurve gelegt, um die n�chste Bahn zu beginnen, als Karla sich meldete. �Ich sehe etwas. Bei drei Uhr.�</p><p>Austin und Barrett eilten durch die Kabine auf die andere Seite des Flugzeugs und blickten durch die Fenster. Die Sonne stand tief am Himmel, und ihre Strahlen zauberten blaue Schatten auf die Wolkendecke. Aber auf der rechten Seite pulsierte am Himmel ein wei�es Leuchten, das dem Lichtschimmer �hnelte, den ein Gewitter gew�hnlich zwischen den Wolken erzeugt. Austin ergriff das Mikrofon, das mit dem Cockpit verbunden war. Zavala best�tigte �ber die Lautsprecher, dass er ebenfalls das Leuchten in den Wolken beobachtet habe.</p><p>Das Flugzeug beschrieb eine enge Kurve und begann, �hnlich einer Motte, die von einer Flamme angelockt wird, den langen Sinkflug in Richtung des Lichts, das in der Ferne waberte wie ein riesiger Hexenkessel.</p></section><section><title><p>42</p></title><p>Aufgrund der K�rze der zur Verf�gung stehenden Zeit hatte man sich, was die Gestaltung und Installation der Kontrolltafel betraf, f�r gr��tm�gliche Einfachheit entscheiden m�ssen. So kam es, dass die Konsole nicht mehr war als ein flaches Brett, das auf h�fthohen St�tzen ruhte. Die Anordnung war bewusst unkompliziert gehalten worden und bestand im Grunde nur aus einem Hauptschalter, der den Energiefluss zu allen Dynamos kontrollierte. Verschiedene Einstellr�der und Anzeige�instrumente �berwachten verschiedene andere Bereiche des Betriebssystems.</p><p>Zavalas Stimme drang aus den Lautsprechern. �Wir tauchen in die Wolken ein.�</p><p>Austin sp�rte ein Kribbeln auf seiner Kopfhaut, und seine Haare stellten sich auf, und zwar nicht aus Angst, sondern aufgrund der elektrischen Ladung, die pl�tzlich die Luft erf�llte. Karlas lange Locken standen von ihrem Kopf ab wie bei Frankensteins Braut. Sie versuchte, ihre Haare mit den H�nden zu gl�tten, hatte damit aber nur begrenzten Erfolg. Mit seinem rasierten Sch�del hatte Barrett keine derartigen Probleme, obgleich seine Spinnen�t�towierung pl�tzlich eine G�nsehaut aufwies.</p><p>Die elektrische Show begann jedoch erst. Jede Oberfl�che im Frachtabteil begann, bl�ulich zu leuchten, �hnlich dem St-Elmo-Feuer, das Seeleute immer in der Takelage ihrer Segelschiffe hatten tanzen sehen. Die Innenbeleuchtung des Flugzeugs ging st�ndig an und aus, als ob ein Kind am Schalter herumspielte. Dann erlosch die Beleuchtung vollst�ndig.</p><p>Stroboskopartige Blitze drau�en erhellten die Fensterreihen und lie�en die verwirrten Gesichter im Frachtraum erscheinen wie T�nzer in einer Diskothek. Das Flugzeug schien sich im Zentrum eines Blitzgewitters zu befinden. Aber es gab keinen Donner, sondern da war nur das ged�mpfte Dr�hnen der Jetmotoren. Die relative Stille steigerte das Unheimliche der Szene noch um einiges.</p><p>Das Intercom musste von einem separaten Stromkreis gespeist werden, denn Zavalas Stimme drang abermals kr�chzend aus den Lautsprechern. Seine Botschaft war kurz und unmissverst�ndlich.</p><p>�Soeben haben sich die Cockpitinstrumente verabschiedet.�</p><p>Eine Sekunde sp�ter hatte er eine Meldung zu machen, die noch erschreckender war. �Verdammt, die Kontrollen sind ebenfalls ausgefallen.�</p><p>Austin wusste, dass ein Flugzeug von der Gr��e einer 747 sofort in den Sturzflug gehen w�rde, aber es war nicht daf�r gebaut, um auf Aufwinden aufzusteigen und zu gleiten wie ein Segelflugzeug. Sobald ein Pilot feststellte, dass er auf sich allein gestellt war, w�rde er ins Trudeln verfallen, so dass die Tragfl�chen abrissen. Austin legte sch�tzend einen Arm um Karlas Schultern.</p><p>Irgendetwas geschah im Frachtraum. Das elektrische Spektakel verlor an Leuchtkraft. Das kalte Feuer, das �ber die W�nde und die Decke waberte, schien zu ersterben. Dunkle Flecken erschienen im matten Schimmern und d�mpften das geisterhafte blaue Licht. Ein letztes helles Aufbl�hen. Dann ging die Innenbeleuchtung wieder an.</p><p>Eine Sekunde sp�ter drang aus den Lautsprechern Zavalas sehns�chtig erwartete Mitteilung: �Die Instrumente und die Kontrollen funktionieren wieder�, berichtete er.</p><p>Austin nahm den Arm von Karlas Schultern und ging zur Kontrolltafel, um ihre Funktionsf�higkeit zu �berpr�fen. Er machte sich Sorgen, dass die hohe statische Elektrizit�t, die eine derart dramatische Lightshow ausgel�st hatte, vielleicht den ein oder anderen Schalter verbrannt hatte. Zu seiner Erleichterung war jedoch alles in Ordnung.</p><p>Eine Ver�nderung des Lichts, das durch das Fenster hereindrang, veranlasste Karla, ihren Platz zu verlassen und nach der Ursache zu forschen. Sie presste die Nase gegen die Plexiglasscheibe und rief die anderen zu sich her�ber. Austin blickte hinaus und stellte fest, dass sie die Wolkendecke durchsto�en hatten. Durch den d�nnen Schleier niedrig h�ngender Wolkenfetzen war das blaue Meer zu erkennen. Ein grelles Flackern von oben erregte seine Aufmerksamkeit. Anstelle der Unterseite der Wolkendecke sah er eine Aurora aus wirbelnden wei�en, blauen und roten Farbwolken, die einen leuchtenden Baldachin bildeten. Der ganze Himmel schien in Flammen zu stehen. Es war, als entluden sich hundert Gewitter in gleichzeitigen Blitzen.</p><p>Das Flugzeug hatte die elektrische Barriere in einem St�ck �berwunden, aber sie waren noch nicht aus dem Gr�bsten heraus. Obgleich die elektrischen Attacken nachlie�en, wurde die Maschine, je tiefer sie unter die Wolkendecke sank, von heftigen Turbulenzen hin und her gesto�en. Aus allen Richtungen pr�gelten m�chtige Windst��e auf die 747 ein. Trotz ihrer enormen Dimensionen tanzte und bockte die Maschine wie ein Drachen an seiner Schnur.</p><p>Die Windst��e sollten sie offenbar nur m�rbe machen. Wie ein Boxer in den Seilen musste das Flugzeug eine Serie von wuchtigen frontalen Windschl�gen hinnehmen. Der Frachtraum hallte von einem lauten Dr�hnen wider, w�hrend die Winde die Maschine attackierten, so dass die Insassen sich vorkamen wie in einem Fahrzeug, das mit hoher Geschwindigkeit �ber eine von Schlagl�chern �bers�te Piste raste. Als es schien, als w�rde der n�chste Ansturm jede Niete in der Struktur des Flugzeugs sprengen, lie� die Heftigkeit der Schl�ge nach, und sie wurden deutlich seltener. Dann kamen die Turbulenzen vollst�ndig zur Ruhe.</p><p>�Seid ihr da hinten okay?�, erkundigte Zavala sich.</p><p>�Uns geht es gut, aber du wirst einen ganzen Satz neuer Sto�d�mpfer brauchen.�</p><p>�Ich brauche eher einen Satz neuer <emphasis>Z�hne</emphasis>�<emphasis>, </emphasis>sagte Zavala.</p><p>�Bestell dem Piloten, das war eine Glanzleistung. Sind die Tragfl�chen noch dran?�</p><p>�Er bedankt sich und fragt, wer schon Tragfl�chen braucht.�</p><p>�Das ist beruhigend. Kannst du das Schiff sehen?�</p><p>�Noch nicht. Es sind immer noch ein paar Wolken dazwischen.� Eine kurze Pause trat ein, und als Zavala sich wieder meldete, konnte Austin deutlich die Erregung in seiner Stimme h�ren. �Sieh mal nach backbord, Kurt. Etwa bei neun Uhr.�</p><p>Austin beugte sich zum Fenster und erkannte unter sich den Passagierdampfer. Er kam ihm vor wie ein Spielzeugboot auf einem Ozean. Von einer Kiellinie oder einer Bugwelle war nichts zu sehen, was best�tigte, was Austin aus den Turbulenzen und der Lightshow schloss, die das Flugzeug soeben �berstanden hatte. Das Schiff war vor Anker gegangen, und die elektromagnetische Attacke hatte begonnen.</p><p>Das Schiff war von einem Ring von Wellen umgeben, die sich von dem Schiff wegbewegten. Obgleich die Gr��e der Wellen schwer zu beurteilen war, verrieten ihre Schaumk�mme, die aus ihrer Flugh�he deutlich zu erkennen waren, dass die Seen monstr�se Ausma�e haben mussten.</p><p>Austin wies den Piloten �ber Intercom an, in zehntausend Fu� H�he zu bleiben, das Schiff zu umkreisen und mit jeder Runde um tausend Fu� tiefer zu gehen. Er gab Barrett, der an der Kontrolltafel stand, ein Zeichen und sagte ihm, er solle sich bereithalten. Der Wissenschaftler nickte und steigerte die Energiezufuhr zu den Dynamos. Ein elektrisches Summen wie von tausend Bienenst�cken erf�llte das Innere der Maschine.</p><p>Etwas brannte. Austin warf einen Blick in den Frachtraum und bemerkte eine Rauchwolke und einen Funkenregen bei einem der Dynamos. Er rief Barrett zu, die Energiezufuhr zu stoppen, und rannte, mit Karla im Schlepptau, durch den Frachtraum.</p><p>Barrett hatte l�ngst die Anzeige entdeckt, die auf das Problem hinwies, und den entsprechenden Schalter sofort umgelegt. Austin stellte fest, dass die Funkenquelle eine Leitung zu einem der Dynamos war. Die Verbindung hatte sich gelockert, als das Flugzeug von den Windst��en hin und her geworfen wurde.</p><p>Er untersuchte die Verbindung auf irgendwelche Sch�den, fand nichts dergleichen und schloss die Verbindung wieder. Dann winkte er Barrett zu, die Energiezufuhr erneut hochzufahren. Das Bienengesumm setzte wieder ein und steigerte sich zu einem Heulen, das sogar das Dr�hnen der Jetturbinen �bert�nte. Karla stand mittlerweile neben Barrett vor der Kontrolltafel. Austin hielt sich w�hrenddessen in der N�he des Intercoms auf, um mit dem Cockpit in st�ndiger Verbindung bleiben zu k�nnen.</p><p>�Wie sieht es aus?�, wollte Austin wissen.</p><p>Barrett �berflog die Kontrolltafel und grinste. �Alles im gr�nen Bereich.�</p><p>Austin stie� den Daumen nach oben und meldete sich bei Zavala. �Wie ist die Flugh�he?�</p><p>�Achttausend Fu�.�</p><p>�Gut. Bringt sie auf viertausend runter, und dann �berfliegt das Schiff. Gib mir Bescheid, wenn wir uns dem Ziel n�hern.�</p><p>�Aye, aye, Sir.�</p><p>W�hrend das Flugzeug sank, musste der Pilot eine Reihe unerwarteter Turbulenzen abfangen. Er brachte mit einigen geschickten Man�vern die Maschine wieder auf Kurs. Gleichzeitig meldete Zavala, dass das Schiff direkt voraus lag.</p><p>Austin rief Barrett zu, auf volle Leistung zu gehen. Er z�gerte mit der Hand �ber dem Energieschalter, und f�r einen kurzen Moment glaubte Austin, er habe ihn nicht verstanden. Dann trat Barrett beiseite und legte Karlas Hand auf den Schalter.</p><p>�Dies zu Ehren Ihres Gro�vaters.�</p><p>Karla quittierte die Geste mit einem breiten Grinsen und legte den Schalter um. Strom floss in die Antenne, wo er in Impulse elektromagnetischer Energie umgewandelt wurde. Austin hatte keinerlei Richtwerte oder Erfahrungen, an denen er sich h�tte orientieren k�nnen, daher erzeugte er einen Teppich aus Energiest��en in �hnlicher Weise, wie ein U-Boot-J�ger im Ozean ein Streufeuer aus Wasserbomben ausbringt.</p><p>Wenig sp�ter befanden sie sich �ber dem Schiff. Austin wies den Piloten an, das Man�ver zu wiederholen und diesmal aus einem anderen Winkel anzufliegen. Die 747 war nicht f�r Tiefflugangriffe gebaut und schien eine halbe Ewigkeit zu brauchen, um eine weite Kurve zu fliegen und die n�chste Serie von Impulsen abzufeuern.</p><p>Abermals meldete Zavala die Ann�herung ans Ziel. Und abermals bet�tigte Karla den Energieschalter.</p><p>Ein weiterer �berflug, und eine weitere Serie elektro�magnetischer Impulse deckte das Schiff und den Ozean in seiner direkten Umgebung ein.</p><p>�Wie lange m�ssen wir so verfahren?�, wollte Zavala wissen.</p><p>�Bis uns der Sprit ausgeht, und noch etwas l�nger�, erwiderte Austin mit einem Ausdruck st�hlerner Entschlossenheit in der Stimme.</p><empty-line/><p>Auf der Aussichtsplattform der <emphasis>Polar Adventure </emphasis>herrschte euphorische Stimmung.</p><p>Margrave und Gant blickten nach oben durch das Glasdach, und ihre Gesichter waren in das pulsierende, vielfarbige Licht der Aurora hoch �ber dem Schiff gebadet. Margraves seltsame Physiognomie hatte nie satanischer ausgesehen.</p><p>�Fantastisch!�, murmelte Gant in einem seltenen Gef�hlsausbruch.</p><p>Margrave stand hinter der Steuerkonsole. Er hatte die Dynamos nach und nach auf volle Leistung beschleunigt, und die Konsole leuchtete und blinkte wie ein Flipperautomat.</p><p>�Die Aurora zeigt an, dass wir den kritischen Punkt erreicht haben�, erkl�rte er. �Die elektromagnetischen Wellen sind in den Meeresboden eingedrungen. Sie ver�ndern den elektro�magnetischen Fluss und verschieben den Pol. Achten Sie auf den Kompass und den entscheidenden Sprung.�</p><p>Gant warf einen Blick auf die Kompassscheibe, dann blickte er durch eins der Panoramafenster.</p><p>�Irgendetwas ist da drau�en auf See im Gange.�</p><p>Die aufgew�hlte Oberfl�che des Ozeans hatte sich um das Schiff herum pl�tzlich gegl�ttet.</p><p>�Wir befinden uns im Epizentrum des Polsprungs�, erkl�rte Margrave. �Ein Ring von riesigen Wellen wird sich nach au�en ausbreiten. Am Rand dieser Zone d�rften einige Wirbel und Strudel entstehen.�</p><p>�Gut, dass wir nicht im Weg liegen�, sagte Gant.</p><p>�Es w�re nicht allzu g�nstig, wenn es anders w�re. Die St�rungen lassen sich nicht voraussagen und treten v�llig zuf�llig auf. Aus diesem Grund ist unser Transmitter-Schiff damals gesunken. Es ist so etwas wie die Ruhe im Auge eines Hurrikans. Bis auf einen etwas heftigeren Seegang sind wir hier in Sicherheit.�</p><p>Gant blickte hinaus auf die ansteigende See. Er hatte sich in seinem ganzen Leben noch nie so m�chtig gef�hlt.</p><p>Austins Gedanken liefen in eine ganz andere Richtung als Gants. Er war wie ein Arzt, der versucht, einen klinisch toten Patienten wieder ins Leben zur�ckzuholen, nur lagen in seinem Fall Millionen von Leben auf dem Behandlungstisch. Er blickte aus dem Fenster, w�hrend die 747 sich zu einem weiteren Anflug abermals in die Kurve legte, und konnte nicht feststellen, ob die Gegenma�nahme wirkte oder nicht.</p><p>Dann entdeckte er eine kreisrunde Zone in unmittelbarer Umgebung des Schiffs, wo die Wasseroberfl�che stumpf wurde, als ob sie durch den Luftdruck von Helikopterrotoren gegl�ttet wurde. Er konnte Verwerfungen auf der Oberfl�che erkennen, �hnlich den Furchen, wie sie von starken Unterstr�mungen erzeugt werden. Einen Moment sp�ter begannen die Wasser�massen, sich im Kreis zu bewegen, wobei das Schiff genau im Mittelpunkt lag. Innerhalb von Sekunden hatte die Zone einen Durchmesser von gut zwei Kilometern, begrenzt von einem schaumgekr�nten Ring. W�hrend die Str�mungs�geschwindigkeit kontinuierlich zunahm, senkte die See in der Mitte sich ab.</p><p>Austin wurde Zeuge, wie ein riesiger Strudel entstand.</p><empty-line/><p>Die <emphasis>Polar Adventure </emphasis>hob sich nur etwa zwei Meter �ber die See ringsum, ehe sie wieder zur�cksank.</p><p>Gant bemerkte, dass im Ozean rund um das Schiff eine Vertiefung zu entstehen schien. �Ist das ein weiterer Nebeneffekt?�, fragte er.</p><p>�Nein�, antwortete Margrave. Seine Verwirrung verwandelte sich in Sorge, als die Oberfl�che immer sch�sself�rmiger wurde. Wei�e Schaumw�lle deuteten auf das Zusammentreffen starker Str�mungen hin. Er griff nach dem Mikrofon, das ihn mit der Kommandobr�cke verband. �Volle Kraft voraus. Wir versinken in einem Strudel.�</p><p>Margrave schaltete die Dynamos aus.</p><p>�Was tun Sie?�, fragte Gant.</p><p>�Irgendetwas stimmt nicht. Eigentlich sollte es keine solche Reaktion geben.�</p><p>Die Ozeansenke vertiefte sich, und Kreisstr�mungen waren entstanden, aber das Schiff hatte sich mittlerweile in Bewegung gesetzt und steuerte auf den Rand des Wirbels zu. Sein Bug stieg leicht hoch, und es musste gegen die Str�mungen ank�mpfen, die es seitlich abdr�ngen wollten, doch das Schiff blieb einigerma�en auf Kurs.</p><p>Gleichzeitig dehnte sich jedoch der Mahlstrom aus. Margrave br�llte ins Mikrofon, die Maschinen mit h�chster Leistung laufen zu lassen, doch das Schiff schien dazu bestimmt, das Wettrennen zu verlieren, da es sich nicht wesentlich vom Mittelpunkt des Wirbels entfernte.</p><p>Dann ver�nderte das Verhalten des Wassers sich abermals. Die Str�mung wurde schw�cher, und der Boden der Sch�ssel stieg auf normales Meeresniveau. Und buckelte sich erneut auf.</p><p>�Was ist passiert?�, erkundigte Gant sich.</p><p>�Eine harmlose Unregelm��igkeit�, antwortete Margrave. Er wischte sich den Angstschwei� von der Stirn und l�chelte, w�hrend er die Dynamos wieder anlaufen lie�.</p><p>W�hrend das Schiff h�her stieg, begann das Wasser in seiner Umgebung, heftig zu brodeln. Der Ozeandampfer erreichte eine H�he von sieben Metern, dann zehn.</p><p>�Sorgen Sie gef�lligst daf�r, dass das aufh�rt�, verlangte Gant.</p><p>Margrave schaltete abermals die Dynamos ab, aber das Schiff stieg weiter.</p><p>Zwanzig Meter.</p><p>�Sie Idiot! Was haben Sie getan?�</p><p>�Die Computermodelle ��</p><p>�Schei� auf Ihre Computermodelle!�</p><p>Margrave verlie� seinen Platz an der Steuerkonsole und eilte zu einem der gro�en Fenster, die die Aussichtsplattform umschlossen. Voller Grauen starrte er hinaus aufs Meer.</p><p>Das Schiff befand sich auf der Spitze einer m�chtigen, rasend schnell wachsenden Wassers�ule.</p><empty-line/><p>Austin hatte das Wachstum des Strudels verfolgt, bis er einen Durchmesser von etwa zwanzig Kilometern hatte. Nun beobachtete er fasziniert, wie der Wirbel sich gl�ttete, sich in ein sch�umendes Wasserinferno verwandelte und schlie�lich zu einem Wasserzyklon aufw�lbte.</p><p>Der H�gel, der im Mittelpunkt des Wirbels entstand, wuchs an H�he und Breite, w�hrend er sich drehte wie ein tanzender Derwisch.</p><p>Das Flugzeug n�herte sich zu einem weiteren �berflug. Austin eilte ins Cockpit.</p><p>�Bringen Sie uns so schnell wie m�glich in die H�he. Und dann weg von diesem Ort.�</p><p>Der Pilot ging mit der 747 in einen steilen Steigflug.</p><p>Die Wassers�ule erinnerte Austin an Fotos von Atombombentests im Pazifik.</p><p>Eine mit panischer Angst erf�llte Stimme drang kr�chzend aus dem Lautsprecher des Funkger�ts. �Mayday! Mayday! Melden Sie sich! Mayday!�</p><p>Austin lieh sich das Funkmikrofon. �Mayday empfangen.�</p><p>�Hier ist Gant auf der <emphasis>Polar Adventure.</emphasis>�Er musste br�llen, um bei dem Get�se im Hintergrund geh�rt zu werden.</p><p>�Sieht so aus, als h�tten Sie eine grandiose Achterbahnfahrt vor sich�, sagte Austin.</p><p>�Wer ist da? Wer sind Sie?�</p><p>�Kurt Austin. Wir befinden uns ein paar tausend Fu� �ber Ihnen. Schauen Sie schnell hoch, denn lange sind wir nicht mehr hier. �brigens sch�ne Gr��e von Dr.�Kovacs.�</p><p>Nach einer kurzen Pause war Gants Stimme wieder zu h�ren. �Was, zum Teufel, geht hier vor, Austin?�</p><p>�Wir haben Ihnen eine Dosis des Mittels gegen Polspr�nge verpasst. Ich w�rde sagen, dass Sie und Ihr Partner erledigt sind.�</p><p>Gants Entgegnung war nicht zu verstehen und ging in einem ohrenbet�ubenden Dr�hnen unter.</p><p>Austin blickte aus dem Cockpitfenster. Das Schiff sa� auf der Spitze der Wassers�ule, wo es sich wie ein Kreisel drehte. Austin konnte sich die grauenhafte Szene an Bord nur vage ausmalen. Aber er hatte kein Mitleid mit Margrave und Gant, die nun die Fr�chte ihrer eigenen teuflischen Saat der Vernichtung ernteten.</p><p>W�hrend das Flugzeug seinen Kurs �nderte und sich von seinem Ziel wie ein riesiger durch die Ozeane wandernder Wal entfernte, geriet es in Turbulenzen, die von den k�nstlich manipulierten Naturkr�ften entfesselt worden waren, aber sie waren harmlos im Vergleich mit den Windattacken bei ihrem ersten Anflug. Das Flugzeug stieg ohne einen Zwischenfall bis auf f�nfundzwanzigtausend Fu�, wo es wieder auf Geradausflug ging.</p><p>Karla presste ihr Gesicht gegen das Fenster, obgleich es au�er der normalen Wolkendecke nichts zu sehen gab. Sie wandte sich zu Austin um. Ein benommener Ausdruck lag in ihren Augen.</p><p>�Was ist da unten passiert?�, fragte sie.</p><p>�Ihr Gro�vater hatte mit seinen Berechnungen absolut Recht gehabt.�</p><p>�Aber was war dieses Ding, diese Wasserfont�ne?�</p><p>Austin konnte nicht genau sagen, was geschehen war, aber er vermutete, dass das Zusammenwirken elektromagnetischer Impulse vom Schiff und vom Flugzeug unvorstellbare Kr�fte freigesetzt hatte.</p><p>�Die Natur mag es gar nicht, wenn man sich an ihr vergreift. Die Kombination unserer Gegenma�nahme und der anf�nglichen Impulse zur Einleitung des Polsprungs hat eine heftige Reaktion hervorgerufen.� Er l�chelte. �Es ist so, als nehme man etwas gegen seinen verdorbenen Magen. Es kommt fast immer zu ein oder zwei Eruptionen, wenn ich so sagen darf, ehe sich alles wieder beruhigt.�</p><p>�Dann ist es also endg�ltig vorbei.�</p><p>�Ich hoffe es doch.� Austin meldete sich im Cockpit. �Was sagt der Kompass?�</p><p>�Er ist v�llig normal�, antwortete Zavala. �Die Nadel zeigt noch immer nach Norden, mehr oder weniger jedenfalls.�</p><p>Barrett hatte seinen Platz hinter der Kontrolltafel nicht verlassen. Als er Zavalas Meldung vernahm, klatschte er in die H�nde. Er kam her�ber und umarmte Karla und Austin nacheinander.</p><p>�Wir haben es geschafft�, sagte er. �Bei Gott, wir haben es wirklich geschafft.�</p><p>Austin reagierte mit einem m�den L�cheln. �Das haben wir�, pflichtete er ihm bei. �Das haben wir.�</p></section><section><title><p>43</p></title><p>Doyle war froh, dass dies sein letzter Ausflug zur Leuchtturminsel sein w�rde. Er hatte diesen Ort noch nie gemocht. Er war in der Stadt aufgewachsen, und jeder Zugang zu der abgelegenen Sch�nheit war ihm v�llig verschlossen. Er w�re noch gl�cklicher, sobald er Lucifer�s Legion beseitigt und die Insel f�r immer verlassen hatte.</p><p>Er landete mit seinem Flugzeug in der N�he der Insel, machte es an einer Vert�uboje fest und ruderte zum Pier, wo einer der Lucifer-Irren ihn bereits erwartete, um ihn zu begr��en. Er konnte sich ihre Namen einfach nicht merken und hielt sie nur nach ihrer Haarfarbe auseinander. Dies war der rothaarige Kerl, der, weil er die gr��te �hnlichkeit mit Margrave hatte, einen etwas h�heren Status in der Gruppe einnahm. Allerdings war er kein Anf�hrer, eine Position, die unter reinrassigen Anarchisten grunds�tzlich verp�nt war.</p><p>�Ich hab� Sie seit unserer Jagd in Washington nicht mehr gesehen�, sagte der Mann mit einer leisen Stimme, die klang wie das Rascheln einer Schlange in trockenem Herbstlaub. �Zu schade, dass Ihre Freunde entkommen konnten.�</p><p>�Es gibt immer eine zweite Chance�, sagte Doyle. �Wir k�mmern uns um Austin und seine Freunde, sobald wir mit den Eliten fertig sind.�</p><p>�Darauf freue ich mich schon. Sie h�tten uns mitteilen sollen, dass Sie herkommen�, sagte der Mann.</p><p>Doyle hob den Seesack hoch, den er bei sich hatte. �Tris wollte euch �berraschen.�</p><p>Die Antwort schien den Legion�r zufriedenzustellen. Er nickte und begleitete Doyle zum Fahrstuhl, der sie nach oben auf die Klippe brachte.</p><p>Die anderen Lucifer-Mitglieder warteten auf dem Leuchtturmfelsen, und als Doyle auch ihnen den Grund f�r seinen Besuch auf der Insel erl�uterte, reagierten sie mit diesem seltsamen Grinsen. Sie machten sich auf den Weg zum W�rterhaus. Doyle ging voraus in Margraves K�che. Er holte sechs Gl�ser und eine Dose Bier und stellte alles auf den Tisch.</p><p>Dann zauberte er eine Flasche Champagner aus seinem Seesack hervor und f�llte die Gl�ser. Anschlie�end �ffnete er die Bierdose und hob sie hoch.</p><p>�Auf die unmittelbar bevorstehende Vernichtung der Eliten.�</p><p>Der rothaarige Mann lachte. �Sie sind schon viel zu lange mit uns Anarchisten zusammen, Doyle. Sie klingen schon fast genauso verr�ckt wie wir.�</p><p>Doyle zwinkerte ihm belustigt zu. �Es ist wohl ansteckend. Prost.�</p><p>Er setzte die Bierdose an die Lippen und leerte sie zur H�lfte. Dann wischte er sich den Mund mit dem Handr�cken ab und schaute zufrieden zu, wie die Lucifers den Champagner in sich hineinsch�tteten, als sei er Wasser.</p><p>��brigens, Margrave wollte, dass ich euch dies hier gebe.�</p><p>Das P�ckchen war am Vortag angekommen. Dazu geh�rte eine Nachricht, die von Gant unterschrieben war.</p><p>Die Nachricht lautete: �Pl�ne f�r den PS bis n�chste Woche verschoben. Bitte gib dieses Geschenk unseren Freunden in Maine, nachdem du mit ihnen eine ganz <emphasis>spezielle </emphasis>Flasche Champagner geleert hast. Sag ihnen, es sei ein Geschenk von Margrave. Es ist wichtig, dass du wartest, bis sie den Champagner getrunken haben.�</p><p>Der rothaarige Lucifer �ffnete das P�ckchen. Es war eine DVD. Er zuckte die Achseln und legte sie in den DVD-Player ein. Einige Sekunden sp�ter erschien Gants Gesicht auf dem Bildschirm.</p><p>�Ich will, dass Lucifer�s Legion ausgel�scht wird�, sagte Gants Stimme.</p><p>�Und wie sollen wir das bewerkstelligen?�</p><p><emphasis>Unm�glich. </emphasis>Es war die Unterhaltung, die er und Gant nach der Fuchsjagd gef�hrt hatten.</p><p>�Flieg zu Margraves Insel in Maine, erz�hl ihnen, du h�ttest ein Geschenk f�r sie. Sag ihnen, es k�me von Margrave. Dann schick sie mit einem Glas Bubbelwasser zur H�lle, wo sie hingeh�ren.�</p><p>Alle Augen im Raum richteten sich auf Doyle.</p><p>�Es ist nicht so, wie ihr denkt�, sagte er und zauberte sein charmantestes irisches L�cheln hervor.</p><p>Doyle hatte nicht den Hauch einer Chance. Er war schon in dem Moment verloren gewesen, als er die Disk erhalten hatte. Er w�rde niemals erfahren, dass die Disk von Barrett stammte und nicht von Gant. Und dass die Wanze, die Austin unter dem Gartentisch angebracht hatte, ordnungsgem�� funktioniert und Gants Instruktionen f�r die Ermordung von Lucifer�s Legion aufgenommen hatte.</p><p>Er stand auf und versuchte, zur T�r zu rennen, doch einer der Lucifers stellte ihm ein Bein, und er st�rzte zu Boden. Er kam wieder auf die F��e und griff nach der Pistole in seinem Kn�chelhalfter, doch er wurde auf den Fu�boden zur�ckgesto�en, und ihm wurde seine Waffe abgenommen. Er blickte zu den sechs satanischen Gesichtern hoch, die sich �ber ihn beugten.</p><p>Er konnte es nicht begreifen. Die Lucifers wussten, dass er sie vergiftet hatte, trotzdem l�chelten sie. Doyle w�rde niemals verstehen, dass die Gelegenheit zu t�ten jedes andere Gef�hl �berstieg, selbst die Angst vor dem eigenen Tod.</p><p>Er h�rte, wie die Messerschublade ge�ffnet wurde, und dann kamen sie��</p></section><section><title><p>Epilog</p></title><p>Dreihundertf�nfzig Kilometer �stlich von Norfolk, Virginia, stampften das NUMA-Forschungsschiff <emphasis>Peter Throckmorton </emphasis>und das NOAA-Vermessungsschiff <emphasis>Benjamin Franklin </emphasis>nebeneinander durch die glasig gr�ne See wie ein Paar moderner Korsaren.</p><p>W�hrend die Buge durchs Wasser zischten und die Decks von fliegenden Gischtflocken durchn�sst wurden, war die Atmosph�re im matt beleuchteten Sensorkontrollraum der <emphasis>Throckmorton </emphasis>ged�mpft. Spider Barrett sa� an einem Computerterminal und hatte den Blick auf die Mercator-Projektion der Welt auf dem Schirm vor ihm geheftet. Obgleich das Kontrollzentrum klimatisiert war, gl�nzte Schwei� auf Barretts t�towiertem Sch�del.</p><p>Fasziniert von der Geschwindigkeit, mit der Barretts Finger �ber die Tastatur flogen, waren Joe Zavala, Al Hibbet und Jerry Adler, der Wellenexperte, den Joe und Austin auf der <emphasis>Throckmorton </emphasis>kennen gelernt hatten. Mehrere Schiffstechniker hatten sich ebenfalls in dem Raum versammelt.</p><p>Barrett hielt inne und rieb sich die Augen, als sei er im Begriff, eine Niederlage einzugestehen. Dann wanderten seine H�nde �ber die Tasten wie die eines Konzertpianisten. Blinkende rote Punkte erschienen nach und nach auf den Weltmeeren. Er lehnte sich mit einem breiten Grinsen in seinem Sessel zur�ck. �Meine Herren�, sagte er w�rdevoll, �wir sind im Gesch�ft.�</p><p>Das Zentrum hallte von Applaus wider.</p><p>�Bemerkenswert!�, rief Dr.�Adler. �Ich kann kaum glauben, dass es so viele Brutst�tten f�r Monsterwellen gibt.�</p><p>Barrett f�hrte den Cursor auf einen roten Punkt und klickte. Statistische Angaben erschienen und lieferten Informationen �ber die augenblicklichen See-, Wetter- und Str�mungsver�h�ltnisse an diesem speziellen Ort. Die wichtigste Information war eine Wahrscheinlichkeitsberechnung f�r die M�glichkeit und die voraussichtlichen Ausma�e einer Riesenwelle.</p><p>Diese Demonstration l�ste eine weitere Runde begeisterten Applaus aus.</p><p>Zavala holte sein Mobiltelefon aus der Tasche und rief auf der <emphasis>Benjamin Franklin </emphasis>an. Gamay wartete zusammen mit Paul in einem �hnlich ausgestatteten Kontrollzentrum an Bord des NOAA-Schiffs auf seinen Anruf. �Bestell Paul, dass der Adler gelandet ist�, teilte Zavala ihr mit. �Einzelheiten folgen in K�rze.�</p><p>Er unterbrach die Verbindung und ging in eine Ecke des Raums, wo er einen Rucksack abgestellt hatte. Er �ffnete ihn und holte zwei Flaschen Tequila und einen Stapel Pappbecher heraus. Er schenkte eine Runde Tequila aus und hob seinen Becher.</p><p>�Auf Lazio Kovacs�, sagte er.</p><p>�Und auf Spider Barrett�, schloss Hibbet sich an. �Spider hat eine Kraft mit vernichtender Wirkung in etwas Gutes verwandelt. Seine Arbeit wird die Leben Hunderter, wenn nicht Tausender Seeleute retten.�</p><p>Barrett hatte w�hrend des R�ckflugs von der S�datlantischen Anomalie, nachdem er deren unkontrollierbare Kraft v�llig entfesselt erlebt hatte, seinen Denkapparat in Gang gebracht. Er suchte nach einer M�glichkeit, die Kovacs-Theoreme f�r heilbringende Zwecke zu benutzen. Nachdem das Flugzeug in Washington gelandet war, verschwand er f�r mehrere Tage in der Versenkung und tauchte dann unerwartet in der NUMA-Zentrale auf, wo er Al Hibbet seine Ideen unterbreitete.</p><p>Was er Hibbet vorschlug, war in seiner Weitsicht und seiner Bedeutung atemberaubend und dennoch erstaunlich simpel. Sein Plan sah vor, abgeschw�chte Versionen der elektromagnetischen Wellen Kovacs� zu verwenden, um Anomalien auf dem Meeresboden aufzusp�ren, die m�glicherweise St�rungen an der Meeresoberfl�che ausl�sen konnten. Jedes seet�chtige Schiff ab einer bestimmten Gr��e w�rde mit einem am Kiel befestigten Kovacs-Sensor ausger�stet. Die Sensoren w�rden st�ndig Informationen liefern, die mit Satellitenfotos und globalen elektromagnetischen Messungen abgeglichen w�rden.</p><p>Diese Daten w�rden in Computer eingespeist, analysiert und als Warnungen vor Brutst�tten f�r Riesenwellen ausgegeben. Schiffe k�nnten dann Routen um diese gef�hrlichen Brutst�tten herum berechnen. Es wurde vereinbart, Tests in der Nachbar�schaft der Riesenwellen durchzuf�hren, die die <emphasis>Southern Belle </emphasis>versenkt hatten. Aufgrund ihres Interesses an ozeanischen Wirbeln wurde die NOAA gebeten, sich an den Untersuchungen zu beteiligen, wodurch die Trouts involviert wurden.</p><p>Die beiden Schiffe trafen sich �ber dem Fundort der gesunkenen <emphasis>Southern Belle. </emphasis>Im Andenken an deren Mannschaft wurde ein Kranz ins Wasser geworfen. Dann begannen die Tests, die sich �ber einen Zeitraum von mehreren Tagen erstreckten. Dabei ergaben sich einige Fehler und Ungenauigkeiten, die schnell ausgemerzt wurden. Nun, da das System offenbar erfolgreich arbeitete, wurde die Stimmung im Kontrollraum geradezu ausgelassen�� vor allem, nachdem sie durch gro�z�gige Portionen Tequila angeheizt worden war.</p><p>Irgendwann wandte ein �berschw�nglicher und leicht berauschter Al Hibbet sich an Zavala und sagte: �Es ist schade, dass Kurt nicht hier sein kann. Er kriegt von dem ganzen Spa� �berhaupt nichts mit.�</p><p>Zavala grinste wissend. �Ich bin sicher, dass es ihm gut geht.�</p><empty-line/><p>Karla Janos kam aus dem Tunnel und blinzelte wie ein Grottenolm. Ihr Gesicht war schmutzig, und ihr einteiliger Overall war mit Staub bedeckt. Sie sch�ttelte staunend den Kopf, immer noch zutiefst beeindruckt von der Szene, die sich ihren Augen darbot. Ein kleines Dorf war in der mit Gras bewachsenen Sch�ssel auf dem Grund der Caldera entstanden. Mindestens zwei Dutzend gro�e Zelte mit Schlafgelegenheiten und den n�tigen Einrichtungen zum Kochen und Forschen waren in akkuraten Reihen aufgestellt worden. Mehrere Helikopter parkten in ihrer N�he.</p><p>In der Umgebung der Zelte herrschte hektische Betrieb�samkeit. Der Zugang zu der Kristallstadt war durch Bohren eines Tunnels und durch Entfernen der Gesteinstr�mmer, die den Weg versperrten, erheblich erleichtert worden. Kabel von benzinbetriebenen Generatoren schl�ngelten sich in den Tunnel. Ein nicht enden wollender Strom von Wissenschaftlern und ihren Assistenten ging in der Stadt ein und aus.</p><p>Karla war begeistert und ersch�pft zugleich. Die wissenschaftlichen Teams hatten, auf drei Schichten verteilt, vierundzwanzig Stunden am Tag gearbeitet. Einige, wie Karla, hatten sich derart in ihre Arbeit vertieft, dass sie mehr als eine Schicht hintereinander gearbeitet hatten. Sie legte den Kopf in den Nacken und pumpte gierig die frische Luft in ihre Lungen. Im blaugrauen Licht sah sie, wie �ber dem Kraterrand ein winziger Punkt erschien und sich anschickte, sich ins Tal herunterzuschwingen.</p><p>W�hrend sich das Objekt n�herte, konnte sie erkennen, dass es ein gro�er, farbenfroher Baldachin mit einem darunter baumelnden Menschen war. <emphasis>Das konnte doch nicht wahr sein! </emphasis>Voller Hoffnung, obgleich jegliche Vernunft dagegensprach, entfernte sie sich von den Zelten und ging zu einem freien Platz, wobei sie wild mit ihrer Baseballm�tze winkte.</p><p>Der Paraglider war spiralf�rmig heruntergekommen. Doch dann schwenkte er in ihre Richtung, flog einen Halbkreis und landete nur wenige Schritte von ihr entfernt. Kurt Austin befreite sich aus den Gurten und rollte das Segel zusammen. Er kam mit einem fr�hlichen Grinsen auf den Lippen zu ihr her�ber und sagte: �Guten Morgen.�</p><p>Sie hatte w�hrend der letzten Wochen des �fteren an Austin gedacht. Ihre Begegnung war kurz und vielversprechend gewesen. Und dann war sie schon wieder nach Sibirien abgereist. Aber es kam h�ufig vor, dass sie sich w�nschte, den attraktiven Mann von der NUMA ein wenig besser kennen gelernt zu haben.</p><p>�Was treiben Sie denn hier?�, fragte Karla mit einer Mischung aus Freude und Staunen.</p><p>�Ich bin gekommen, um Sie zum Mittagessen einzuladen.�</p><p>Sie blickte auf ihre Uhr. �Es ist drei Uhr morgens.�</p><p>�Irgendwo auf der Welt ist sicher Mittagszeit. Ich bin nicht den weiten Weg hierhergekommen, um mir anzuh�ren, dass meine Einladung zur�ckgewiesen wird.�</p><p>Sie sch�ttelte ungl�ubig den Kopf. �Sie sind verr�ckt.�</p><p>Austins blaue Augen funkelten belustigt. �Verr�cktheit ist ein Teil meiner Arbeitsplatzbeschreibung bei der NUMA.�</p><p>Er ergriff ihre Hand. �Wie hei�t es so sch�n in dem alten Frank-Sinatra-Song, �Come fly with me�.�</p><p>Sie wischte sich eine blonde Str�hne aus den Augen. �Ich habe die ganze Nacht gearbeitet. Ich sehe schrecklich aus.�</p><p>�In dem Etablissement, das ich im Sinn habe, gibt es keine Bekleidungsvorschriften�, wiegelte Austin ab. �Nun kommen Sie schon.�</p><p>Er bat sie, ihm dabei zu helfen, seinen neuen Paraglider zu einem freien Platz zu tragen, wo er Karla eine kurze Lektion erteilte. Sie breiteten das Segel auf dem Erdboden aus, schnallten sich in den Tandemsitz, bl�hten das Segel mithilfe des Propellerluftstroms auf und sprangen in den Wind. Karla war als Fliegerin ein Naturtalent, und der Start gelang viel glatter als der erste, den Austin mit Zavala versucht hatte. Sobald sie in der Luft waren, kreiste Austin �ber dem Zeltdorf und ging dann in den Steigflug.</p><p>�Hier hat sich in den wenigen Wochen aber eine Menge ver�ndert�, sagte Austin, w�hrend die Erde unter ihnen vorbeiglitt.</p><p>�Es ist schwer zu glauben, dass die f�hrenden Pal�ontologen, Arch�ologen und Biologen der ganzen Welt da unten an der wissenschaftlichen Entdeckung des Jahrhunderts arbeiten.�</p><p>�Eine Entdeckung, die gemacht zu haben Sie f�r sich beanspruchen k�nnen.�</p><p>�Es waren auch noch andere daran beteiligt, aber trotzdem vielen Dank. Und vielen Dank f�r den Flug. Das ist einfach wunderbar.�</p><p>�Ja, das ist es�, sagte Austin, allerdings aus v�llig anderen, n�mlich typisch m�nnlichen Gr�nden. Er befand sich auf Tuchf�hlung mit einer sch�nen und intelligenten jungen Frau und konnte die W�rme ihres K�rpers dicht an seinem sp�ren.</p><p>Der Paraglider und seine beiden Passagiere stiegen aus der Caldera auf. Austin gab Karla einige kurze Instruktionen f�r die Landung und steuerte dann auf einen relativ flachen Bereich des Kraterrandes zu. Die Landung war ein wenig rau, aber nicht �bel. Karla schl�pfte aus dem Geschirr und ging dorthin, wo ein rot-wei� kariertes Tischtuch auf der Erde ausgebreitet und an vier Ecken mit Steinen beschwert war. In der Mitte der Tischdecke stand eine winzige Vase mit einer Wildblume darin. Daneben lag eine H�fttasche.</p><p>Austin beschrieb mit der Hand eine ausholende Geste.</p><p>�Ein Tisch mit Aussicht, Mademoiselle.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Sie sind wirklich verr�ckt. Aber auf eine sehr nette Art.�</p><p>Austin �ffnete die Tasche und holte mehrere Gl�ser, Dosen und Flaschen heraus. �Mit den besten Gr��en von Kapit�n Ivanov. Als Vorspeise Champignons � la <emphasis>mosliak, </emphasis>dann folgt Rinderfilet � la <emphasis>tushonka </emphasis>und als Dessert roter Kaviar auf Roggenbrot. Zum Hinuntersp�len gibt es einen guten georgischen Rotwein.�</p><p>�Wie sind Sie hierhergekommen?�, wollte sie wissen.</p><p>�Ich h�rte, dass Kapit�n Ivanov eine Gruppe Wissenschaftler, darunter auch einige Leute von der NUMA, auf die Insel bringen sollte. Ich habe mich ihnen angeschlossen und ebenfalls einen Platz auf der <emphasis>Kotelny </emphasis>ergattert.� Austin �ffnete die Gl�ser und Dosen und schenkte Wein in zwei Gl�ser. �Nun, da Sie die Gelegenheit hatten, sich ausgiebig umzusehen, was k�nnen Sie �ber die Kristallstadt sagen?�</p><p>�Es sind noch jahrzehntelange Studien n�tig, ehe wir die ganze Geschichte kennen, aber ich glaube, dass die Stadt w�hrend der Steinzeit in der Magmakammer erbaut wurde, nachdem der Vulkan schon lange erkaltet war.�</p><p>�Warum unterirdisch?�</p><p>�Aus den �blichen Gr�nden. Weil sie sich dort besser verteidigen lie� oder wegen drastischer Klimaver�nderungen. Sie haben Mammuts als Lasttiere eingesetzt, wodurch sie in der Lage waren, die riesigen Steinbl�cke vom Fleck zu bewegen.�</p><p>�Und was geschah mit den Bewohnern?�</p><p>�Die Klimaver�nderungen k�nnen zur Folge gehabt haben, dass sie keine Nahrung mehr anbauen konnten. Ein Polsprung k�nnte ein Hochwasser oder ein Erdbeben ausgel�st haben, was zu einem teilweisen Zusammenbruch der Kammerdecke gef�hrt hat, wodurch sich auch die seltsame Form der Caldera erkl�ren lie�e. Dieser Weg an der Bergseite deutet darauf hin, dass der gew�hnliche Zugang zur Stadt aus irgendeinem Grund versch�ttet wurde.�</p><p>�Haben Sie auch schon eine Idee, wie die Mammuts es schaffen konnten zu �berleben?�</p><p>�Aufgrund reiner Anpassungsf�higkeit. Da die Nahrungs�quellen geringer wurden, reduzierte sich auch ihr Gr��en�wachstum, um sie an die Umweltbedingungen anzupassen. Au�erdem scheinen sie die F�higkeit erlangt zu haben, die k�lteste Zeit des Jahres im Winterschlaf zu �berdauern.�</p><p>�Was ist mit den Stadtbewohnern? Wer waren sie?�</p><p>�Das ist ein gro�es R�tsel. Durchaus m�glich, dass jahrzehnte�lange Forschungen n�tig sind, ehe man auch nur eine vage Vorstellung davon hat, wer sie waren und was ihnen zugesto�en ist.�</p><p>�Wie geht es den kleinen Wollkn�ueln?�</p><p>�Den Mammuts? Bestens. Sie scheinen sich in dem Pferch, den wir f�r sie gebaut haben, wohlzuf�hlen, solange wir sie regelm��ig f�ttern. Daf�r ist Maria Arbatov zust�ndig. Am schwierigsten wird es sein, sie vor der Welt drau�en zu besch�tzen. Wir kriegen jede Menge Presseanfragen, wie Sie sich sicher vorstellen k�nnen, und wir versuchen, das Ganze ein wenig einzud�mmen.�</p><p>Er lie� den Blick �ber die Insel schweifen. �Ich hoffe, dass dies alles unseren aggressiven Forscherdrang �bersteht.�</p><p>�Ich denke schon. Diese Forschungsbem�hungen erscheinen mir um einiges seri�ser und vielversprechender als der Versuch, Mammuts zu klonen.�</p><p>�Was kommt als N�chstes?�</p><p>�Ich werde noch ein paar Wochen hierbleiben und dann zur�ckkehren, um Onkel Karl in Montana zu besuchen. Im n�chsten Monat bin ich in Washington, wo ich im Smithsonian einen Vortrag halten werde.�</p><p>�Das ist eine gute Nachricht. Wenn Sie in Washington sind, wie w�re es dann mit ein paar Cocktails, einem Abendessen und was sich sonst noch ergibt?�</p><p>Die rauchgrauen Augen musterten ihn �ber den Glasrand. �Vor allem bin ich auf das <emphasis>was sich sonst noch ergibt </emphasis>gespannt.�</p><p>�Dann steht die Verabredung. Ich denke, es wird Zeit, einen Toast auszubringen. Ladies first.�</p><p>Sie brauchte nur eine Sekunde lang nachzudenken.</p><p>�Auf Onkel Karl. Wenn er nicht meinem Gro�vater das Leben gerettet h�tte, dann w�re all das hier nicht m�glich gewesen.�</p><p>�Darauf trinke ich. Ohne Onkel Karl w�ren auch <emphasis>Sie </emphasis>nicht m�glich.�</p><p>Sie schenkte Austin ein verhei�ungsvolles L�cheln. Dann, im Licht der arktischen Morgend�mmerung, hoben sie ihre Gl�ser und stie�en miteinander an.</p><empty-line/><p>Obwohl der Tod ihm f�r einen gro�en Teil seines Lebens ein enger und vertrauter Gef�hrte gewesen war, konnte Schroeder sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal an einer Beerdigung teilgenommen hatte. Er wollte Schatsky stilvoll und mit allen Ehren begraben. Der kleine Dackel, der von einem von Gants Killern get�tet worden war, hatte sich immer als ein guter Gef�hrte erwiesen. Gl�cklicherweise war die Temperatur in seiner Bergh�tte �ber l�ngere Zeit so niedrig gewesen, dass Schatskys Kadaver w�hrend seiner Abwesenheit erhalten geblieben war.</p><p>Er nahm den kleinen K�rper, wusch das Blut ab, so gut er konnte, und wickelte den Hund in seine Lieblingsdecke. Indem er das Hundebett als Sarg benutzte, trug er ihn in den Wald hinter seinem Haus. Er grub ein tiefes Loch, wickelte den Hund mitsamt seinem Bett in Segeltuch ein und vergrub ihn dann zusammen mit einem Karton Hundeknochen und Schatskys liebstem Kauspielzeug.</p><p>Das Grab markierte Schroeder mit einem gro�en Stein. Danach kehrte er in seine H�tte zur�ck, wuchtete eine Holzkiste hoch und schleppte sie in den Wald, wo er nicht weit vom Grab des Hundes entfernt ein zweites Loch aushob. Er kippte die Kollektion automatischer und halbautomatischer Waffen in die Grube und bedeckte sie mit Erde. Die Schrotflinte hatte er im Haus behalten, nur f�r alle F�lle, aber die t�dlichen Waffen, die er unter dem Fu�boden versteckt hatte, brauchte er nicht mehr.</p><p>Es war seine Art, das Ende eines Kapitels seines Lebens zu zelebrieren. Es bestand immer noch die M�glichkeit, dass ihn etwas Unangenehmes aus seiner Vergangenheit einholte, aber das wurde im gleichen Ma�e unwahrscheinlicher, wie er �lter wurde. Karla w�rde ihn bald besuchen, und er hatte eine Menge Arbeit vor sich, die Kajaks und Kanus f�r seinen Job als Jagdf�hrer einsatzf�hig zu machen. Aber ohne den kleinen Hund, der ihm st�ndig zwischen den F��en herumgelaufen war, erschien die H�tte furchtbar einsam.</p><p>Er stieg in seinen Pick-up und fuhr vom Berg hinunter zu seiner Stammkneipe. Es war noch fr�h am Tag, und in der Bar herrschte wenig Betrieb. Ohne einige Stammg�ste, die ihn begr��t h�tten, f�hlte er sich sogar noch einsamer.</p><p>Ach, zum Teufel damit. Er setzte sich an die Bar und bestellte ein Bier. Und ein zweites. Er fing gerade an, sich selbst leid zu tun, als ihm jemand auf die Schulter klopfte. Er drehte sich um und sah eine Frau, wahrscheinlich Mitte sechzig, hinter sich stehen. Sie hatte langes silbergraues Haar, gro�e braune Augen, und ihre gebr�unte Haut wies kaum nennenswerte Falten auf.</p><p>Sie stellte sich als K�nstlerin vor, die von New York nach Montana umgezogen war. Sie hatte ein offenes, freundliches Gesicht und ein ansteckendes Lachen sowie einen wachen Sinn f�r Humor, den sie demonstrierte, als sie die kulturellen Unterschiede zwischen beiden Orten beschrieb. Schroeder war von ihr derart fasziniert, dass er v�llig verga�, sich vorzustellen.</p><p>�Ich glaube, bei Ihnen einen leichten Akzent herauszuh�ren�, sagte sie.</p><p>Schroeder wollte schon zu seiner �blichen Erkl�rung ansetzen, dass er Schwede sei und Arne Svensen hie�e, aber er hielt inne. Irgendwann w�rde eine Zeit kommen, wenn er beginnen w�rde, anderen Menschen zu vertrauen, und damit k�nnte er genauso gut schon jetzt anfangen. �Sie haben gute Ohren. Ich bin �sterreicher. Mein Name ist Karl Schroeder.�</p><p>�Nett, Sie kennen zu lernen, Karl�, sagte sie mit einem aufrichtigen L�cheln. �Ich w�rde gerne Forellen fischen, aber ich wei� nicht wo. K�nnen Sie mir einen zuverl�ssigen F�hrer empfehlen?�</p><p>Schroeder schenkte ihr sein fr�hlichstes Grinsen. �Aber sicher�, sagte er. �Da kenne ich genau den richtigen f�r Sie.�</p></section><section><title><p>Danksagungen</p></title><p>Bei der Darstellung der Ereignisse im Zusammenhang mit einer der furchtbarsten historischen Katastrophen, der Versenkung des Fl�chtlingsschiffs <emphasis>Wilhelm Gustloff </emphasis>durch einen U-Boot-Angriff, st�tzte dieses Buch sich im Wesentlichen auf <emphasis>Die Versenkung der </emphasis>�<emphasis>Wilhelm Gustloff</emphasis>� von Christopher Dobson, John Miller und Ronald Payne. Eine Anzahl von Quellen lieferte Anregungen f�r die Kapitel �ber Monsterwellen, doch die anschaulichste war die BBC-Produktion <emphasis>Freak Wave, </emphasis>die Interviews mit Wissenschaftlern wie auch Seeleuten einschloss. Au�erdem gilt unser Dank Sue Davis, Direktorin und Gesch�ftsf�hrerin des Stanley Museum in Kingfield, Maine.</p><empty-line/></section></body><binary id="cover" 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