<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf</genre><author><first-name>James</first-name><last-name>White</last-name></author><book-title>Hospital Station</book-title><annotation><p>ORBIT HOSPITAL ist ein Klinikum im All, das allen raumfahrenden Lebensformen der Galaxis medizinische Hilfe leistet. Es nimmt alle Gesch�pfe auf, ob sie ein Dutzend Gliedma�en haben oder gar keine, ob sie sich von Radioaktivit�t ern�hren oder Wasser atmen � von anderen exotischen Gewohnheiten und Bed�rfnissen ganz zu schweigen. Es ist ein �kologisches Tollhaus und ein organisatorischer Irrwitz, aber es ist f�r alle da und es funktioniert. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes lebensnotwendig.</p></annotation><date>2011-08-24</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Wilhelm</first-name><last-name>Heyne</last-name></translator><sequence name="Orbit Hospital" number="1"/></title-info><document-info><author><nickname>Haereticus</nickname></author><program-used>doc2fb, FictionBook Editor Release 2.5, ImageFB2, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2011-08-24">2011-08-24</date><id>5AAA30A7-1F81-4831-9683-7EF7C4951B5F</id><version>2</version></document-info><publish-info><book-name>Hospital Station</book-name><year>1993</year></publish-info></description><body><section><title><p>James White</p><p>Hospital Station</p></title><p><emphasis>Orbit Hospital 01</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>HEYNE SCIENCE FICTION &amp; FANTASY Band 06/4974</emphasis></p><p><emphasis>Titel der englischen Originalausgabe HOSPITAL STATION 2. Auflage 1993 der deutschen Ausgabe und der �bersetzung by Wilhelm Heyne Verlag GmbH &amp; Co. KG, M�nchen</emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>Dieses E-Book ist nicht zum Verkauf bestimmt!!!</emphasis></p></section><section><title><p>Erster Teil</p><p>Der Mediziner</p></title><empty-line/></section><section><title><p>I</p></title><p>Der Alien, der O�Maras Schlafkabine in Beschlag genommen hatte, wog ungef�hr eine halbe Tonne, hatte sechs kurze, dicke Gliedma�en, die gleicherma�en als Arme und Beine dienten, und eine Haut wie eine biegsame Panzerplatte. Da er von Hudlar stammte, einer Vier-Ge-Welt (Ge � Gravity earth: Erdbeschleunigung, Erdgravitation; G gilt als Abk�rzung f�r Gravitation allgemein), auf der ein durchschnittlich fast siebenmal so starker atmosph�rischer Druck wie auf der Erde herrschte, war ein solch robuster K�rperbau zu erwarten. Doch wie O�Mara wu�te, war das Wesen trotz seiner kr�ftigen Gestalt auf Hilfe angewiesen, denn es hatte im Alter von kaum sechs Monaten miterleben m�ssen, wie seine Eltern vor kurzem bei einem Montageunfall ums Leben gekommen waren. Und der Verstand des extraterrestrischen Babys war bereits so weit entwickelt, da� es durch dieses traumatische Erlebnis einen schweren Schock erlitten hatte.</p><p>�Ich ha-ha-hab den Kleinen hierhergebracht�, sagte Waring, einer der Traktorstrahlentechniker dieser Sektion. Er verabscheute O�Mara, und das aus gutem Grund, versuchte aber, seine Schadenfreude zu unterdr�cken. �Ca-Ca-Caxton schickt mich. Er sagt, Sie seien wegen Ihres Beins f�r den normalen Dienst nicht einsatzf�hig, und Sie sollen sich deshalb um den Kleinen k�mmern, bis jemand von seinem Heimatplaneten eintrifft. Ca-Ca-Caxton kommt auch gleich r�-r�-r�ber��</p><p>Waring verstummte und �berpr�fte die Verschl�sse seines Raumanzugs; offensichtlich hatte er es eilig hinauszukommen, noch bevor O�Mara etwas zu dem Unfall sagen konnte, und er schlo� rasch: �Ich hab f�r den Kleinen auch etwas zum Essen mitgebracht. Es steht in der Luftschleuse.�</p><p>O�Mara nickte, sagte aber nichts. Er war ein junger Mann, mit einer Statur, die ihn bef�higte, aus jeder Schl�gerei als Sieger hervorzugehen, und in letzter Zeit hatte es eine Menge davon gegeben. Sein grob geschnittener Vierkantsch�del entsprach in vielerlei Hinsicht seinem muskelbepackten K�rper � im wahrsten Sinne des Weltes ein Mann mit Ecken und Kanten.</p><p>Ihm war klar, da� Waring glauben m��te, er spiele nur Theater, wenn er jetzt zeigen w�rde, wie sehr ihm dieser Unfall an die Nieren gegangen war, denn er hatte schon fr�hzeitig entdecken m�ssen, da� von M�nnern seiner Konstitution keine emotionalen Regungen erwartet wurden.</p><p>Kaum war Waring verschwunden, begab sich O�Mara in die Luftschleuse, um die modifizierte Spritzpistole zu holen, mit der Hudlarer au�erhalb ihres Heimatplaneten gef�ttert wurden. W�hrend er das Ger�t und die dazugeh�rigen Essensbeh�lter �berpr�fte, versuchte er, sich die Geschichte zurechtzulegen, die er dem Sektionsleiter Caxton bei dessen Eintreffen w�rde auftischen m�ssen. In Gedanken versunken starrte er durch die Sichtluke der Luftschleuse auf die Einzelteile des gigantischen Puzzles, die sich drau�en auf �ber hundert Kubikkilometern des Raums verteilten. Er versuchte nachzudenken, aber seine Gedanken wichen immer wieder vom Unfall ab und wurden auf Ereignisse gelenkt, die sowohl in der fernen Vergangenheit als auch in der nahen Zukunft lagen.</p><p>Die gewaltige Konstruktion, die allm�hlich im galaktischen Sektor zw�lf Gestalt annahm und auf halber Strecke zwischen der Milchstra�e und den dichtbev�lkerten Sternsystemen der Gro�en Magellanschen Wolke lag, sollte ein Hospital werden � ein Hospital, wie es die Galaxis noch nicht gesehen hatte. Hunderte verschiedener Umweltbedingungen sollten hier genau simuliert werden k�nnen, was die Reproduktion von jedem erforderlichen Extrem an Hitze, K�lte, Druck, Schwerkraft, Strahlung oder Atmosph�re einschlo�, das f�r den Patienten oder dessen Pflegepersonal erforderlich sein w�rde. Solch eine gewaltige und komplexe Konstruktion �berstieg bei weitem die Mittel eines einzelnen Planeten, und deshalb hatten Hunderte von Welten jeweils einzelne Sektionen vorgefertigt und zum Montageplatz transportiert.</p><p>Aber dieses Puzzle zusammenzusetzen, war alles andere als leicht.</p><p>Zwar besa� jede der betreffenden Welten einen detaillierten Gesamtplan, aber trotzdem traten immer wieder Irrt�mer auf � wahrscheinlich, weil die Pl�ne in so viele verschiedene Sprachen und Ma�systeme �bersetzt werden mu�ten. Sektionen, die glatt zusammenpassen h�tten sollen, mu�ten h�ufig modifiziert werden, damit sie miteinander richtig verbunden werden konnten. Dies wiederum machte es erforderlich, da� die Sektionen mehrere Male mit massierten Traktor� und Pressorstrahlen zusammengeschoben und wieder getrennt werden mu�ten. F�r die Traktor� und Pressorstrahlentechniker war dies eine �u�erst heikle Angelegenheit, denn obwohl das Gewicht der Bauteile im Raum gleich Null war, so waren deren Masse und Tr�gheit doch gewaltig.</p><p>Und hatte irgend jemand das Pech, w�hrend eines solchen Ankopplungsvorgangs zwischen die Verbindungsst�cke zweier Sektionen zu geraten, so wurde er � v�llig unabh�ngig von der Widerstandsf�higkeit seiner Spezies � zur fast perfekten Verk�rperung einer zweidimensionalen Gestalt.</p><p>Die Wesen, die umgekommen waren, geh�rten einer �u�erst widerstandsf�higen Spezies an, genau gesagt, wurden sie physiologisch als FROB eingestuft. Erwachsene Hudlarer wogen ungef�hr zwei Erdtonnen, hatten eine unglaublich harte, aber flexible K�rperdecke, die sie einerseits vor dem Druck auf ihrem Heimatplaneten sch�tzte und ihnen andererseits gestattete, in jeder beliebigen Atmosph�re mit geringerem Luftdruck bis hinab zum luftleeren Raum des Alls fast uneingeschr�nkt arbeiten zu k�nnen. Zudem besa�en sie eine der h�chsten Strahlungstoleranzen, wodurch sie insbesondere bei der Montage von Kernreaktoren von unsch�tzbarem Wert waren.</p><p>Der Verlust zweier so wertvoller Kr�fte seiner Sektion h�tte Caxton ganz unabh�ngig von anderen Erw�gungen sowieso in Rage gebracht. O�Mara seufzte schwer; er hatte das Gef�hl, seine innere Anspannung bedurfte dringend positiver Befreiung, und fluchte schlie�lich laut vor sich hin. Dann nahm er den F�tterungsapparat und begab sich in die Schlafkabine zur�ck.</p><p>Normalerweise nahmen Hudlarer die Nahrung aus der dichten, waschk�chenartigen Atmosph�re ihres Planeten direkt durch die Haut auf, aber auf einer anderen Welt oder im All mu�te auf die Fl�ssigkeit absorbierende K�rperdecke in bestimmten Zeitabst�nden ein konzentriertes Nahrungspr�parat gespritzt werden. Auf der Haut des jungen Extraterrestriers waren gro�e freie Flecken zu sehen, und an einigen Stellen war die alte Nahrungsschicht bereits hauchd�nn geworden. O�Mara schlo� daraus, da� das junge Gesch�pf dringend gef�ttert werden mu�te, und begann es zu bespr�hen, wobei er den geringstm�glichen Sicherheitsabstand einhielt.</p><p>Die Methode, so mit Nahrung bespr�ht zu werden, schien f�r den jungen FROB angenehm zu sein. Er h�rte auf, in der Ecke zu kauern, und begann aufgeregt in der kleinen Schlafkabine hin und her zu tappen. F�r O�Mara ging es jetzt darum, ein sich rasch bewegendes Objekt zu treffen, w�hrend er gleichzeitig gewaltige Ausweichman�ver vornehmen mu�te. Sein verletztes Bein schmerzte dadurch mehr als je zuvor, und selbst das Mobiliar wurde in Mitleidenschaft gezogen.</p><p>Als Caxton eintraf, war nicht nur der junge, mittlerweile wieder friedfertige Alien mit dem klebrigen, scharf riechenden Nahrungspr�parat �berzogen, sondern auch praktisch s�mtliche Oberfl�chen der Kabine. �Was geht hier eigentlich vor?� fragte der Sektionsleiter emp�rt.</p><p>Weltraumkonstrukteure waren im allgemeinen unkomplizierte Charaktere mit relativ schlichtem Gem�t, deren Reaktionen leicht vorherzusagen waren. Caxton war einer von denen, die andauernd fragten: �Was geht hier eigentlich vor?� � auch wenn er, wie jetzt, genau wu�te, was vorging � am liebsten aber dann, wenn solche sinnlosen Fragen allein dazu dienen konnten, jemand anderen zu piesacken. Unter normalen Umst�nden mochte der Sektionsleiter durchaus ein ganz sympathischer Mensch sein, wie O�Mara meinte, aber bis zum heutigen Tag hatte sich zwischen ihm und Caxton noch kein normales Verh�ltnis entwickeln k�nnen.</p><p>Ohne seine Wut zu zeigen, beantwortete O�Mara die Frage und f�gte hinzu: �Nach dem, was hier passiert ist, werde ich den Kleinen lieber im All aufbewahren und ihn dort auch f�ttern.�</p><p>�Das werden Sie nicht tun!� fauchte Caxton ihn an. �Sie werden ihn hierbehalten, und zwar die ganze Zeit. Aber dar�ber reden wir sp�ter. Jetzt will ich erst einmal wissen, wie es denn Ihrer Ansicht nach zu diesem Unfall kommen konnte.�</p><p>Caxtons Gesichtsausdruck verriet, da� er O�Mara zwar zuh�ren wollte, aber bereits im voraus jedes Wort anzweifelte, das dieser von sich geben w�rde.</p><p>�Ehe Sie weitererz�hlen�, unterbrach ihn Caxton, nachdem O�Mara gerade zwei S�tze beendet hatte, �will ich Sie daran erinnern, da� das gesamte Projekt in den Zust�ndigkeitsbereich des Monitorkorps f�llt. Gew�hnlich l��t uns das Korps auftretende Schwierigkeiten nach unserer eigenen Fasson regeln, aber in diesem Fall geht es um Extraterrestrier, und deshalb wird das Korps mit eingeschaltet werden wollen. Also wird es eine Untersuchung geben.� Er klopfte auf das kleine flache K�stchen, das vor seiner Brust hing und schlo�: �Fairerweise will ich Sie darauf hinweisen, da� ich alles, was Sie sagen, aufnehmen werde.�</p><p>O�Mara nickte und mit leiser, ausdrucksloser Stimme trug er seine Darstellung des Unfalls vor. Wie er wu�te, war es eine sehr schwache Geschichte, die noch konstruierter klang, sobald er irgendwelche Nebenhandlungen hervorhob, die zu seinen Gunsten sprachen.</p><p>Etliche Male setzte Caxton zum Sprechen an, besann sich aber eines Besseren. Schlie�lich sagte er: �Ist denn irgend jemand Augenzeuge Ihrer Aktionen gewesen? Oder hat jemand beobachtet, wie sich die beiden ETs in die Gefahrenzone begeben haben, w�hrend die Warnleuchten blinkten? Sie haben sich da eine h�bsche, kleine Geschichte zurechtgelegt, um dieses wahnwitzige Verhalten der Hudlarer zu erkl�ren � was Sie ganz nebenbei zu einem Helden macht �, aber genausogut k�nnte es sein, da� Sie die Lampen erst nach dem Unfall eingeschaltet haben. In dem Fall w�re also Ihre Fahrl�ssigkeit in bezug auf die Warnleuchten die Unfallursache gewesen und die ganze Geschichte von dem herumstrolchenden Alienbaby nichts als eine L�ge, um sich den schwerwiegenden Anschuldigungen zu entziehen und.�</p><p>�Waring hat mich gesehen�, unterbrach ihn O�Mara gelassen.</p><p>Caxton starrte ihn durchdringend an, und sein anfangs von unterdr�cktem Zorn gepr�gter Gesichtsausdruck erriet nun Ekel und unverhohlene Verachtung. O�Mara sp�rte, wie er unwillk�rlich rot anlief �Ach, Waring also, ja?� hakte der Sektionsleiter mit ausdrucksloser Stimme nach. �Wirklich, ein toller Einfall! Sie wissen genauso wie wir alle, da� Sie Waring andauernd schikaniert und gepiesackt haben, und so, wie Sie sich permanent �ber seine Unf�higkeit ausgelassen haben, mu� er Sie einfach wie Gift verabscheuen. Selbst wenn er Sie gesehen haben sollte, m��te das Gericht davon ausgehen, da� er es nicht zugeben w�rde. Wenn er Sie aber nicht gesehen hat, w�rde man trotzdem annehmen, da� er Sie sehr wohl gesehen hat, dies aber f�r sich beh�lt. Sie kotzen mich an, O�Mara!�</p><p>Caxton drehte sich rasch um und stapfte auf die Luftschleuse zu. Als er bereits mit einem Fu� die Einstiegsluke betreten hatte, wandte er sich noch einmal um.</p><p>�Sie sind nichts weiter als ein notorischer Querulant, O�Mara�, sagte er w�tend. �Ein griesgr�miger, streits�chtiger Haufen aus Knochen und Fleisch mit gerade ausreichend Verstand, sich m�glichst unentbehrlich zu machen. Wahrscheinlich glauben Sie sogar, Sie haben es Ihrer technischen Begabung zu verdanken, dieses Quartier f�r sich allein zugeteilt bekommen zu haben. Das ist aber nicht der Fall � Sie sind zwar gut, aber so gut auch wieder nicht! Die Wahrheit ist, da� niemand aus meinem Abschnitt mit Ihnen gemeinsam untergebracht werden m�chte.�</p><p>Der Sektionsleiter fuhr mit der Hand zum Schalter des Aufnahmeger�ts, und seine abschlie�enden Worte klangen wie eine ernsthafte Drohung.</p><p>��und sollten Sie diesem Kleinen hier irgendwelchen Schaden zuf�gen, O�Mara, oder sollte ihm �berhaupt irgend etwas zusto�en, dann sorge ich daf�r, da� das Monitorkorps nicht einmal mehr die M�glichkeit haben wird, Sie vor Gericht zu stellen!�</p><p>Als O�Mara vor sechs Monaten bei diesem Projekt angefangen hatte, erkannte er schnell, da� er wieder einmal zur Verrichtung einer Arbeit verdammt worden war, die zwar an sich wichtig war, ihn aber in keiner Weise befriedigte und weit unter seinen F�higkeiten lag. Nach seinem Studium hatte er eine Aneinanderreihung solcher Entt�uschungen erleben m�ssen: S�mtliche Personalchefs wollten einfach nicht glauben, wie ein junger Mann mit einem solch h��lichen Quadratsch�del und derart breiten Schultern, da� sein Kopf im Verh�ltnis dazu l�cherlich klein wirkte, an so verzwickten Studienf�chern wie Psychologie und Elektronik Gefallen gefunden haben konnte. Schlie�lich war er in den Weltraum gegangen, weil er hoffte, dort w�rde alles anders sein, um sich letztendlich doch eines Besseren belehren lassen zu m�ssen. Trotz seines steten Bem�hens, w�hrend der Einstellungsgespr�che durch sein betr�chtliches Wissen Eindruck zu schinden, waren die Leute von seiner Muskelkraft zu sehr beeindruckt, um ihm wirklich zuzuh�ren. Deshalb waren seine Bewerbungen stets mit dem Stempel �Tauglich f�r langwierige, schwere k�rperliche Arbeit� versehen worden.</p><p>Als er bei diesem Projekt angefangen hatte, wollte er aus dem, was wieder einmal ein langweiliger und frustrierender Job zu werden versprach, das Beste machen � und entschied sich daf�r, sich einfach unbeliebt zu machen. Die Folge war, da� sein Leben seither alles andere als langweilig verlaufen war. Aber in diesem Augenblick w�nschte er sich inst�ndig, er h�tte mit seinen Unausstehlichkeitsbem�hungen weniger Erfolg gehabt.</p><p>Was er jetzt am meisten brauchte, waren Freunde, aber er hatte nicht einmal einen einzigen.</p><p>Durch den Geruch des scharfen, alles durchdringenden hudlarischen Nahrungspr�parats wurden seine Gedanken wieder von der trostlosen Vergangenheit auf die noch weniger erquickliche Gegenwart gelenkt. Etwas mu�te unternommen werden, und zwar sofort. Er stieg rasch in den hauchd�nnen Raumanzug und ging durch die Schleuse.</p></section><section><title><p>II</p></title><p>Seine Unterkunft befand sich in einem kleinen Unterabschnitt, der eines Tages die Sektion des Hospitals mit geringer Schwerkraft, die sogenannte MSVK-Abteilung, beherbergen sollte, und zwar samt Operationssaal und der chirurgischen Station mit den direkt anschlie�enden Versorgungsr�umen. Zwei kleine R�ume mit einem Verbindungsgang waren mit den notwendigen Druck� und Schwerkraftverh�ltnissen auf O�Maras Bed�rfnisse angepa�t worden, den Rest der Konstruktion hatte man im luftleeren und somit schwerelosen Zustand belassen. O�Mara schwebte durch kurze, unfertige G�nge und Korridore, die in den freien Raum endeten, und blickte in die kahlen, rechteckigen Kabinen, an denen er vorbeiglitt. �berall zogen sich Installationsleitungen entlang und in jeder freien Ecke standen halb zusammengebaute Ger�te, deren Verwendungszweck man unm�glich erahnen konnte, wenn man keinen MSVK-Lehrgang absolviert hatte. Aber s�mtliche Kabinen, die er inspizierte, waren entweder zu klein, um den Alien aufzunehmen, oder waren in einer Richtung offen zum All. O�Mara murmelte einen leisen, aber um so befreienderen Fluch vor sich hin, stie� sich zu einer der zerkl�fteten Grenzen seiner winzigen Dom�ne ab und starrte trotzig in s�mtliche Richtungen.</p><p>�ber und unter ihm und zu allen Seiten schwebten bis zu einer Entfernung von f�nfzehn Kilometern Teile des Hospitals, die man nicht h�tte sehen k�nnen, w�ren nicht die hellen blauen Warnleuchten gewesen, die man eigens f�r den Schiffsverkehr in dieser Region �berall angebracht hatte. O�Mara hatte fast das Gef�hl, als bef�nde er sich im Zentrum eines dichten, kugelf�rmigen Sternhaufens; eigentlich eine angenehme Vorstellung, wenn man die entsprechende Genie�erlaune dazu hatte. Ihm war aber nicht danach zumute, denn auf fast s�mtlichen dieser schwebenden Unterabschnitte hielten Pressorstrahlentechniker Wache, die dort stationiert waren, um eventuell drohende Kollisionen von Sektionen abzuwenden.</p><p>Und selbst wenn er lediglich vorgehabt h�tte, das Alienbaby nur zum F�ttern nach drau�en zu bringen, w�rden es diese M�nner mitbekommen und Caxton sofort davon berichten.</p><p>Anscheinend waren Nasenpfropfen die einzige L�sung, dachte er angewidert, w�hrend er sich auf den R�ckweg machte.</p><p>In der Schleuse wurde er von einem L�rm empfangen, der an das blecherne Ger�usch eines Nebelhorns erinnerte. Das Alienbaby stie� immer wieder langanhaltende, disharmonische Laute aus, und zwar in solch geringen Abst�nden, da� ihm dazwischen gerade noch Zeit genug blieb, sich vor dem n�chsten Auftreten des Ger�usches zu f�rchten. Nach eingehender Untersuchung konnte er durch die letzte Nahrungsschicht hindurch freie Hautstellen entdecken, und da sein kleiner Liebling offensichtlich wieder hungrig war, holte er die Spritzpistole.</p><p>Als etwa drei Quadratmeter bedeckt waren, gab es eine Unterbrechung � Dr. Pelling war gekommen.</p><p>Der Projektarzt nahm nur Helm und Handschuhe ab, spannte die steif gewordenen Finger an und murrte: �Mir wurde gesagt, Sie haben sich am Bein verletzt. Lassen Sie mich mal einen Blick darauf werfen.�</p><p>Pelling h�tte O�Maras verletztes Bein nicht behutsamer untersuchen k�nnen, aber offensichtlich handelte er allein aus Pflichtgef�hl und nicht aus Freundschaft. Entsprechend zur�ckhaltend klang seine Stimme, als er sagte: �Schwere Prellungen und einige Muskelfasern sind gerissen, das ist alles. Sie hatten Gl�ck. Sie m�ssen das Bein m�glichst ruhigstellen. Ich gebe Ihnen etwas zum Einreihen. Ist bei Ihnen neu gestrichen worden?�</p><p>�Wie bitte.?� setzte O�Mara an, dann sah er, wohin der Arzt blickte. �Ach, das ist nur ein Nahrungspr�parat. Dieser kleine Bursche hier wollte einfach nicht stillsitzen, w�hrend ich ihn bespr�ht hab. Aber da wir gerade von dem Kleinen sprechen, k�nnen Sie mir vielleicht sagen, wie ich.�</p><p>�Nein, das kann ich nicht�, unterbrach Pelling ihn. �Mein Kopf ist mit den Leiden meiner eigenen Spezies und den Anwendungen artbezogener Gegenmittel bereits �berbelastet, und f�r FROB-Physiologiekurse ist da kein Platz mehr. Au�erdem sind diese Hudlarer ausgesprochen widerstandsf�hig � die sind doch fa�t/ gegen alles immun!� Er schnupperte deutlich vernehmbar und schnitt eine Grimasse. �Warum bringen Sie den Kleinen nicht einfach irgendwo drau�en unter?�</p><p>�Gewisse Leute haben nun einmal ein zu weiches Herz�, antwortete O�Mara leicht verbittert. �Die empfinden es schon als entsetzliche Grausamkeit, wenn man ein K�tzchen am Genick ergreift.�</p><p>�Mhm. wohl wahr, aber das ist Ihr Problem�, sagte der Arzt, wobei er fast mitf�hlend wirkte. �In ein paar Wochen sehen wir uns wieder.�</p><p>�Warten Sie!� rief O�Mara eindringlich und humpelte Pelling aufgeregt hinterher, wobei das leere Hosenbein flatterte. �Was ist, wenn etwas passiert? Es mu� doch Anleitungen geben, wie man diese Biester pflegt und f�ttert. Simple Anleitungen. Sie k�nnen mich hier doch nicht einfach zur�cklassen, ohne. ohne.�</p><p>�Ich wei�, was Sie meinen�, entgegnete Pelling. Einen Augenblick lang wirkte er nachdenklich, dann fuhr er fort: �Ich hab bei mir irgendwo ein Buch herumliegen, eine Art Leitfaden f�r die Anwendung Erster Hilfe bei Hudlarern. Aber es ist in Universal gedruckt und.�</p><p>�Ich kann Universal lesen�, unterbrach ihn O�Mara. Pelling sah ihn �berrascht an. �Kluges Kerlchen! Also gut, ich werde es Ihnen zukommen lassen.� Er nickte kurz und verschwand.</p><p>O�Mara schlo� die Kabinent�r des Schlafraums, in der Hoffnung, dadurch den penetranten Geruch verringern zu k�nnen. Dann lie� er sich auf der Couch in der Wohnkabine nieder, weil er meinte, eine Ruhepause mehr als verdient zu haben. Er legte das verletzte Bein so, da� der Schmerz fast wohltat, und versuchte sich selbst davon zu �berzeugen, seine Lage einfach zu akzeptieren. Aber mehr als eine rein philosophische Gelassenheit kam dabei nicht heraus, denn innerlich kochte er vor Wut.</p><p>Andererseits war er derart ersch�pft, da� ihm selbst die Anstrengung, sich zu �rgern, zu gro� wurde. Seine Augenlider wurden ihm schwer, und ein Gef�hl angenehmer Tr�gheit breitete sich, von H�nden und F��en ausgehend, �ber seinen ganzen K�rper aus. Er seufzte, r�kelte sich und machte sich zum Schlafen bereit.</p><p>Das Ger�usch, das ihn von der Couch hochschnellen lie�, war von der durchdringenden, respekteinfl��enden Eindringlichkeit s�mtlicher existierender Signalh�rner der Galaxis und von einer solchen Lautst�rke, da� die T�r zur Schlafkabine aus den Laufschienen zu springen drohte. Instinktiv griff O�Mara nach seinem Raumanzug, lie� ihn aber wieder fluchend fallen, als ihm bewu�t wurde, was vorging, dann holte er die Spritzpistole.</p><p>Junior hatte wieder mal Hunger.!</p><p>W�hrend der folgenden achtzehn Stunden wurde O�Mara immer klarer, was er eigentlich wirklich von hudlarischen Kleinkindern wu�te. Zwar hatte er sich mit Hilfe des Translators oft mit den Eltern unterhalten, wobei das Baby h�ufig das Gespr�chsthema gewesen war, aber irgendwie waren die wirklich wichtigen Dinge nie zur Sprache gekommen � Schlaf zum Beispiel.</p><p>Nach all seinen aktuellen Beobachtungen und fr�heren Erfahrungen mit FROBs, schlief deren Nachwuchs anscheinend nie. W�hrend der viel zu kurzen Intervalle zwischen den F�tterungen, tollten die Babies statt dessen in Schlafzimmern herum und zertr�mmerten s�mtliches Mobiliar, das nicht niet� und nagelfest war � metallene Gegenst�nde verbogen sie bis zur Unkenntlichkeit und absoluten Unverwendbarkeit � oder sie kauerten sich in eine Ecke und machten Knoten in ihre Tentakel. Wahrscheinlich w�rde dieser Anblick eines Babys, das praktisch nur mit seinen Fingern spielte, bei einem erwachsenen Hudlarer helles Entz�cken hervorrufen, aber O�Mara hatte die Nase ganz einfach gestrichen voll davon.</p><p>Und fast auf die Minute genau mu�te er die Nervens�ge alle zwei Stunden f�ttern. Wenn er Gl�ck hatte, blieb das Junge ruhig liegen, aber meisten mu�te er ihm mit der Spritzpistole hinterherjagen. Normalerweise waren FROBs in diesem Alter noch zu schwach, um herumzutollen � aber das galt nur unter den extremen Schwerkraftbedingungen auf Hudlar. Hier, wo f�r ihn nicht einmal ein Viertel der gewohnten Schwerkraft herrschte, konnte der kleine Hudlarer nach Lust und Laune herumtollen, was ihm offensichtlich Vergn�gen bereitete.</p><p>Ganz im Gegensatz zu O�Mara: 1 hatte das Gef�hl, sein K�rper w�re ein dicker, feuchter Schwamm, der vor Ersch�pfung triefte. Nach jeder F�tterung lie� er sich auf die Couch fallen und versank jedesmal fast in Ohnmacht. Er war derart ausgelaugt, da� er fest davon �berzeugt war, das n�chste Hungertr�ten der Nervens�ge garantiert zu �berh�ren, weil er zu tief schlafen w�rde. Aber kaum war er eingenickt, ri� ihn dieses disharmonisch bl�kende Nebelhorn aus dem Schlaf und lie� ihn wie eine angetrunkene Marionettenpuppe mechanisch jenen Bewegungsablauf nachvollziehen, der dem irrsinnigen Get�se schlie�lich ein Ende bereitete.</p><p>Nach fast drei�ig Stunden wu�te O�Mara, da� er es nicht mehr lange ertragen k�nnte. Ob man ihm den Spr��ling nun in zwei Tagen oder zwei Monaten abnahm, es k�me, was ihn betraf, aufs gleiche hinaus: er w�rde bis dahin ein Fall f�r die geschlossene Anstalt sein � falls er nicht zuvor in einem schwachen Moment auf die Idee k�me, einen ausgiebigen Spaziergang durchs All zu unternehmen, allerdings ohne Raumanzug.</p><p>Zwar wu�te er, da� Pelling ihm niemals gestattet h�tte, eine solche Strapaze auf sich zu nehmen, aber was die Lebensform der FROBs betraf, war der Arzt ein absoluter Laie. Und Caxton, der diesbez�glich nur etwas beschlagener war, geh�rte jenem schlichten, direkten Menschenschlag an, der an solch brutalen Streichen seine helle Freude hatte, besonders dann, wenn er meinte, das Opfer verdiene seine Strafe.</p><p>Aber angenommen, der Sektionsleiter war gar nicht so ein schlichtes Gem�t, wie O�Mara vermutete? Angenommen, er wu�te genau, wozu er ihn verurteilt hatte, als er ihm den kleinen Hudlarer in Pflege gab? O�Mara fluchte vor sich hin, aber da er die letzten zehn, zw�lf Stunden nichts anderes getan hatte, als permanent Verw�nschungen auszusto�en, war sein Repertoire an Kraftausdr�cken allm�hlich ersch�pft und hatte somit als emotionales Abla�ventil ausgedient. Er sch�ttelte w�tend den Kopf und versuchte vergebens, wieder klare Gedanken zu fassen.</p><p>Caxton sollte jedenfalls nicht ungeschoren davonkommen.</p><p>O�Mara wu�te von sich, da� er der Mann mit der gr��ten Kondition beim ganzen Projekt war und beachtliche Kraftreserven haben mu�te. All diese k�rperliche Ersch�pfung und die nerv�sen Zuckungen waren nichts als Einbildung, redete er sich mit Nachdruck ein, und zwei Tage, in denen er praktisch nicht geschlafen hatte, bedeuteten f�r seine enorme k�rperliche Konstitution gar nichts � auch nicht nach dem Schock, den er w�hrend des Unfalls erlitten hatte. Au�erdem, schlimmer als jetzt konnte die gegenw�rtige Situation mit dem kleinen Alien sowieso nicht mehr werden, also konnte sie sich nur noch verbessern. Er wollte sich nicht geschlagen geben. Caxton w�rde es nicht gelingen, ihn zum Wahnsinn zu treiben, nicht einmal dazu, ihn um Hilfe zu bitten.</p><p>Das hier war eine Herausforderung, entschied er mit �berdr�ssiger Entschlossenheit. Bis zum heutigen Zeitpunkt hatte er sich immer wieder dar�ber beklagt, da� seine F�higkeiten noch nie voll ausgesch�pft worden waren. Nun, hierbei handelte es endlich um ein Problem, das sowohl sein physisches als auch psychisches Durchhalteverm�gen bis an die Grenzen der Belastbarkeit beanspruchen w�rde. Ihm war ein junger Alien in Obhut gegeben worden, und er wollte sich unter allen Umst�nden um ihn k�mmern, sei es nun f�r zwei Wochen oder gar f�r zwei Monate. Obendrein wollte er sich darum bem�hen, da� ihm der Allgemeinzustand des kleinen Hudlarers zur Ehre gereichen w�rde, sobald dessen Pflegeeltern eintrafen.</p><p>Nach der achtundvierzigsten Stunde in Gesellschaft mit dem jungen FROB und der siebenundf�nfzigsten ohne festen Schlaf schienen O�Mara solche unlogischen und gef�hlsduseligen Gedanken keineswegs fremd.</p><p>Doch pl�tzlich trat bei dem, was er mittlerweile als den unab�nderlichen Lauf des Schicksals anerkannt hatte, eine Ver�nderung ein: Nach dem �blichen Hungertr�ten und der darauffolgenden F�tterung weigerte sich der kleine FROB, Ruhe zu geben.</p><p>Zun�chst reagierte O�Mara �berrascht und gekr�nkt zugleich � das war gegen die Spielregeln! Wenn eine Nervens�ge kreischte, f�tterte man sie, damit sie aufh�rte zu kreischen � wenigstens f�r eine Weile. Das hier aber war so unfair, da� ihm vor lauter panischer Ratlosigkeit zun�chst keine geeigneten Gegenma�nahmen einfielen.</p><p>Es entwickelte sich eine L�rmorgie in verschiedenen Variationen. Langanhaltende, disharmonische Blasger�usche prasselten auf ihn ein, wobei sich Tonh�he und Lautst�rke auf v�llig irrsinnige und willk�rliche Art und Weise ver�nderten, und hin und wieder folgte ein knirschendes Stakkato, als h�tten sich Glassplitter und Heftzwecken in die Luftr�hre verirrt. Es gab auch zwei bis drei�ig Sekunden lange Intervalle der v�lligen Stille, w�hrend derer O�Mara bereits mit Schaudern dem n�chsten L�rmausbruch entgegensah. All das hielt er so lange aus, wie er es ertragen konnte � etwa zehn Minuten �, dann schleppte er seinen bleiernen K�rper wieder von der Couch zur vermeintlichen Schlafkabine.</p><p>�Verdammt noch mal! Was ist eigentlich los mit dir?� br�llte O�Mara gegen den L�rm an. Der FROB war von oben bis unten mit dem Nahrungspr�parat bedeckt, Hunger konnte er folglich nicht haben.</p><p>Als der kleine Alien ihn jetzt gesehen hatte, nahmen die Lautst�rke und die Eindringlichkeit seiner Schreie noch zu. Die �u�ere, blasebalgartige Muskelklappe auf dem R�cken des s��en Kleinen � die allein zur Ger�uscherzeugung diente, da die FROBs keine Sauerstoffatmer waren � schwoll rasch an und ab. O�Mara pre�te sich die H�nde gegen die Ohren, was ihm allerdings kaum Erleichterung verschaffte, und br�llte: �Jetzt halt endlich das Maul!�</p><p>Ihm war klar, da� sich der erst k�rzlich zum Waisen gewordene Hudlarer noch immer verwirrt und �ngstlich f�hlen mu�te und der blo�e F�tterungsvorgang unm�glich all seine emotionalen Bed�rfnisse befriedigen konnte � all das wu�te O�Mara, und er empfand tiefes Mitleid mit dem Wesen. Aber dieses Mitgef�hl regte sich bei ihm in einem gelassen, gesund und rational denkenden Abschnitt seines Gehirns, abgeschottet von all dem Schmerz und der M�digkeit und den schrecklichen Ger�uschattacken, denen sein geschundener K�rper gegenw�rtig hilflos ausgesetzt war. Er war in dieser Frage wirklich gespalten � w�hrend die eine Seite den Grund f�r diesen L�rm verstand und damit umzugehen wu�te, reagierte die andere, rein k�rperliche Seite instinktiv und boshaft darauf und wollte den Radau mit aller Macht unterbinden.</p><p>�Halt�s Maul! Halt endlich dein verfluchtes Maul!� schrie O�Mara, wobei er begann, mit F�usten und F��en wild auf den Kleinen einzuschlagen.</p><p>Erstaunlicherweise h�rte der Hudlarer nach etwa zehn Minuten zu schreien auf.</p><p>Am ganzen K�rper zitternd kehrte O�Mara zur Couch zur�ck. W�hrend dieser zehn Minuten war er von einem unkontrollierbaren, fast m�rderischen Zorn erfa�t worden. Er hatte brutal um sich geschlagen und getreten, bis ihn die Schmerzen an den H�nden und dem verletzten Bein dazu zwangen, diese K�rperglieder lieber nicht mehr einzusetzen. Aber wild um sich tretend und Beschimpfungen aussto�end, hatte er die ihm noch verbliebenen Waffen eingesetzt � sein gesundes Bein und seine gro�e Klappe. Die schiere Boshaftigkeit dessen, was er gerade getan hatte, schockierte ihn jetzt, und er ekelte sich vor sich selbst.</p><p>Es n�tzte auch nichts, sich einzureden, da� der Hudlarer ein z�her Bursche war und die Schl�ge m�glicherweise nicht einmal gesp�rt hatte; jedenfalls hatte das Junge aufgeh�rt zu schreien, und er mu�te sich ihm irgendwie verst�ndlich gemacht haben. Zugegebenerma�en waren Hudlarer stark und kr�ftig, aber hier handelte es sich um ein Baby, und Babies haben nun einmal empfindliche Stellen. Menschliche Babies haben zum Beispiel direkt oben auf dem Kopf eine sehr weiche Stelle.</p><p>Als O�Mara v�llig ersch�pft in den Schlaf fiel, war sein letzter, einigerma�en zusammenh�ngender Gedanke, da� er der mieseste und niedertr�chtigste Schei�kerl war, der jemals das Licht dieser Welt erblickt hatte.</p><p>Sechzehn Stunden sp�ter wachte er auf. Es war ein langsamer, nat�rlicher Proze�, der ihn allerdings kaum �ber die Schwelle der Bewu�tlosigkeit ins Diesseits bef�rderte. Kurz wunderte er sich dar�ber, da� der kleine Alien nicht f�r sein Aufwachen verantwortlich gewesen war, dann sank er wieder in tiefen Schlaf. Das n�chstemal wachte er f�nf Stunden sp�ter von dem Ger�usch auf, das Waring beim �ffnen der Luftschleuse verursachte.</p><p>�Doktor Pe-Pe-Pelling hat mich beten, Ihnen das hier zu bringen�,</p><p>sagte er und warf O�Mara ein kleines Buch auf die Couch. �Und damit will ich Ihnen keinen Ge-Ge-Gefallen tun, verstanden? Ich ma-ma-mache das nur, weil er ge-ge-gesagt hat, es sei zum Wohle des kleinen Hudlarers, Wie ge-ge-geht es ihm �berhaupt?�</p><p>�Er schl�ft�, murmelte O�Mara.</p><p>Waring feuchtete sich die Lippen an. �Ich soll nach ihm se-se-sehen, hat Ca-Ca-Caxton gesagt.�</p><p>�Ty-ty-typisch Ca-Ca-Caxton�, �ffte O�Mara ihn nach.</p><p>Er beobachtete Waring stumm, w�hrend dessen Gesicht immer r�ter wurde. Waring war ein hagerer junger Mann, zartbesaitet, nicht sehr kr�ftig, aber durchaus aus dem Stoff, aus dem Helden gemacht werden.</p><p>Nach O�Maras Ankunft jedenfalls hatte man ihn umgehend mit den Heldentaten dieses Traktorstrahlentechnikers �bersch�ttet. So hatte es beim Probelauf eines Kernreaktors einen Zwischenfall gegeben, wobei Waring in einem Abschnitt festgesessen hatte, der nicht ausreichend gegen Strahlung abgeschirmt gewesen war. Aber er hatte damals einen klaren Kopf behalten und es geschafft, nach Instruktionen, die ihm von drau�en durch einen Ingenieur per Funk vermittelt worden waren, eine langsame Atomexplosion abzuwenden, die sonst s�mtlichen Mitarbeitern in seiner Sektion das Leben gekostet h�tte. Dabei soll ihm die ganze Zeit durchaus bewu�t gewesen sein, da� die Strahlendosis, der er ausgesetzt gewesen war, ausgereicht h�tte, ihn in wenigen Stunden zu t�ten.</p><p>Aber die Abschirmung hatte sich als wirksamer erwiesen, als man erwartet hatte, und Waring war am Leben geblieben. Dennoch hatte der Unfall seine Spuren bei ihm hinterlassen, wie man O�Mara erz�hlte. Seither hatte er Blackouts, stotterte, und sein Nervensystem war in Mitleidenschaft gezogen worden. Au�erdem, so sagte man, g�be es noch andere Dinge, die O�Mara schon selbst feststellen w�rde und die er auf keinen Fall beachten sollte. Schlie�lich habe Waring ihrer aller Leben gerettet und verdiene deshalb, besonders behandelt zu werden. Deshalb lie� man ihn auch �berall gew�hren, egal, wo er auftauchte. Man lie� ihn s�mtliche Pr�geleien gewinnen, jeden Streit, jejd|ps Spiel, jede Wette, und behandelte ihn stets so, als sei er in einen Kokon aus hochempfindlicher Verbandwatte gewickelt.</p><p>Und deshalb f�hrte sich Waring heute unertr�glich und affektiert wie ein verh�tscheltes Mutters�hnchen auf.</p><p>O�Mara mu�te grinsen, als er jetzt Warings wei� angelaufene Lippen und seine geballten F�uste sah. Wenn er es irgendwie anstellen konnte, lie� er Waring bei jeder Gelegenheit den k�rzeren ziehen. Als sich der Traktorstrahlentechniker zum erstenmal auf einen handgreiflichen Streit mit ihm eingelassen hatte, war das auch zugleich das letztemal gewesen. Zwar hatte O�Mara ihn dabei nicht verletzt, hatte aber genug Durchschlagskraft an den Tag gelegt, um ihm zu demonstrieren, da� es keine so gute Idee war, sich mit jemandem wie ihm anzulegen.</p><p>�Jetzt sehen Sie schon endlich nach�, sagte O�Mara schlie�lich gelangweilt. �Tun Sie, was Ca-Ca-Caxton Ihnen befohlen hat.�</p><p>Sie gingen gemeinsam hinein, warfen auf den schwach mit seinen Tentakeln zuckenden kleinen Hudlarer einen kurzen Blick und kamen wieder heraus. Waring stammelte, er m�sse nun gehen, und steuerte bereits auf die Luftschleuse zu. Wie O�Mara wu�te, stotterte Waring seit einiger Zeit eigentlich kaum noch, aber wahrscheinlich hatte er gerade Angst, die Geschichte mit dem Unfall k�nnte zur Sprache kommen.</p><p>�Einen Moment noch�, rief O�Mara ihm hinterher. �Mir geht das Nahrungspr�parat aus, k�nnten Sie mir etwas davon holen und.�</p><p>�Ho-ho-holen Sie es sich doch selbst!�</p><p>O�Mara starrte ihn so lange an, bis Waring beiseite sah, dann fuhr er leise fort: �Beides auf einmal kann ich nicht machen, auch nicht f�r Caxton. Da man sich um diesen Kleinen so gr�ndlich k�mmern mu�, da� mir nicht einmal gestattet ist, ihn im luftleeren Raum zu f�ttern oder aufzubewahren, w�rde ich fahrl�ssig handeln, wenn ich ihn hier einige Stunden allein zur�cklie�e, nur um Essen zu holen. Sicherlich sehen Sie das ein. Gott allein wei�, was dem Kleinen alles zusto�en k�nnte, wenn man ihn allein l��t. Man hat mich f�r das Wohlergehen dieses Spr��lings verantwortlich gemacht, und deshalb bestehe ich dauf da� Sie.�</p><p>�A-a-aber ich will ni-ni.�</p><p>�Das hei�t lediglich, da� Sie alle zwei, drei Tage etwa eine Stunde Ihrer Freizeit opfern m�ssen�, unterbrach O�Mara ihn scharf. �Und jetzt h�ren Sie endlich auf, hier herumzun�rgeln. Und stottern Sie gef�lligst nicht so. Sie sind alt genug, um anst�ndig zu reden.�</p><p>Waring knirschte vor Wut mit den Z�hnen. Er atmete tief ein und bebte am ganzen K�rper. Dann stie� er die Luft durch die noch immer fest zusammengepre�ten Kiefer aus, wobei das Ger�usch an ein aufgebrochenes Luftschleusenventil erinnerte. Schlie�lich zischte er: �Das. kostet. mich. meine. n�chsten beiden Pausen. Die FROB-Unterk�nfte werden samt Lebensmittellager �bermorgen an die Hauptsektion angeschlossen. Also m��te das Nahrungspr�parat schon vorher geholt werden.�</p><p>�Sehen Sie, so einfach ist das, wenn man sich M�he gibt�, sagte O�Mara grinsend. �Am Anfang haben Sie noch etwas gestammelt, aber ich hab jedes Wort verstanden. Sie machen das schon ganz prima. Ach, und noch etwas, wenn Sie die Essensbeh�lter vor der Luftschleuse stapeln, w�rden Sie bitte darauf achten, leise zu sein, damit unser Kleiner nicht aufwacht?�</p><p>Die n�chsten zwei Minuten schleuderte Waring O�Mara Schimpfw�rter an den Kopf, ohne sich auch nur einmal wiederholen oder stottern zu m�ssen.</p><p>�Ich hab doch gesagt, da� Sie das schon ganz prima machen�, bemerkte O�Mara mit g�nnerhafter Miene. �Aber m�ssen Sie denn gleich so angeben?�</p></section><section><title><p>III</p></title><p>Nachdem Waring gegangen war, dachte O�Mara �ber die Abtrennung der hudlarischen Unterk�nfte nach. Mit Gravitationsgittern, die auf vier Ge eingestellt waren, und einigen anderen speziellen Einrichtungen, derer sie bedurften, hatten die FROBs bislang einen der wichtigsten Abschnitte bewohnt. Wenn es nun an der Zeit war, diesen an die Hauptsektion anzugliedern, dann konnte es bis zur Fertigstellung des gesamten Hospitalkomplexes nur noch f�nf bis sechs Wochen dauern. Wie O�Mara wu�te, w�rde die Schlu�phase sehr aufregend sein: So bewegten Traktorstrahlentechniker bei ihren umsichtigen Man�vern Lasten durchs All, die Tausende von Tonnen wogen, f�hrten sie langsam zusammen � die Vertiefungen der Verbindungsst�cke mu�ten genau aufeinander passen �, w�hrend Monteure die Ausrichtung kontrollierten, gegebenenfalls ver�nderten und die sich allm�hlich schlie�enden Stirnseiten f�r die Ankopplung vorbereiteten. Viele von ihnen w�rden die Warnleuchten bis zum letztm�glichen Moment nicht beachten und fast unvorstellbare, haarstr�ubende Risiken eingehen, nur um sich die Zeit und die M�he zu ersparen, die Sektionen f�r ein erneutes Kopplungsman�ver noch einmal voneinander trennen zu m�ssen.</p><p>Nat�rlich h�tte O�Mara viel lieber drau�en im All an dieser Endmontage teilgenommen, anstatt hier drinnen als Babysitter Dienst tun zu m�ssen!</p><p>Der Gedanke an den Kleinen brachte all die Sorgen zur�ck, die er vor Waring so erfolgreich verheimlicht hatte. So lange wie jetzt hatte das Alienbaby zuvor noch nie geschlafen. Seit es eingeschlafen war � beziehungsweise von O�Mara mit Tritten in den Schlaf bef�rdert worden war � mu�ten mittlerweile zwanzig Stunden vergangen sein. Sicher, FROBs waren widerstandsf�hige Wesen, aber konnte es nicht durchaus m�glich sein, da� der Kleine gar nicht schlief, sondern vielmehr bewu�tlos war oder vielleicht sogar eine Gehirnersch�tterung hatte.?</p><p>O�Mara nahm das Buch, das Pelling ihm hatte bringen lassen, und st�berte darin herum.</p><p>Es war z�hfl�ssig geschrieben und schwer zu lesen, aber trotzdem wu�te er nach zwei Stunden etwas mehr �ber die Pflege hudlarischer Babies, und dieses Wissen l�ste bei ihm Erleichterung und Verzweiflung zugleich aus. Offenbar waren sein Wutanfall und die darauffolgenden Hiebe und Tritte f�r das Baby genau das richtige gewesen � FROB-Babies bedurften steter Liebkosungen, und wenn man kurz hochrechnete, welche Kraft ein erwachsener Hudlarer aufwandte, um seinem Nachwuchs einen sanften Klaps zu verabreichen, wurde einem klar, da� O�Maras blindw�tige Attacken tats�chlich nichts anderes als ein z�rtliches Streicheln gewesen waren. Aber das Buch warnte auch vor den Gefahren des �berf�tterns, und was diesen Punkt betraf, hatte er sich eindeutig falsch verhalten. Offenbar w�re es richtig gewesen, das Baby w�hrend der Wachphasen etwa alle f�nf bis sechs Stunden zu f�ttern, und sobald es unruhig wurde oder immer noch hungrig war, es mit Streicheleinheiten � also mit ein paar kr�ftigen Tritten � zu bes�nftigen. Zudem schienen kleine FROBs recht h�ufig gebadet werden zu m�ssen.</p><p>Auf ihrem Heimatplaneten schlo� dies eine ausgiebige Behandlung mit einer Art Sandstrahlgebl�se ein, aber wie O�Mara annahm, lag das wahrscheinlich an dem dort herrschenden Druck und der stickigen Atmosph�re. Ein weiteres Problem, das er zu l�sen hatte, war, wie er dem Baby einen Klaps verabreichen konnte, der kr�ftig genug war, ohne seine tr�stende Wirkung zu verfehlen. Er zweifelte stark daran, sich jedesmal in einen Wutanfall hineinsteigern zu k�nnen, sobald das Baby quasi nach der m�tterlichen Brust verlangte.</p><p>Aber wenigstens stand ihm genug Zeit zur Verf�gung, sich etwas Passendes einfallen zu lassen, denn unter anderem hatte er herausgefunden, da� FROBs im Kindesalter zwei Tage am St�ck wach zu sein pflegten, danach aber f�nf Tage hintereinander schliefen.</p><p>W�hrend der ersten f�nft�gigen Schlafphase gelang es O�Mara, sich Methoden auszudenken, wie er seinen Sch�tzling streicheln und baden konnte. Er hatte sogar noch zwei freie Tage gehabt, um sich ausruhen und neue Kr�fte f�r die auf ihn zukommenden zwei Tage Schwerstarbeit sammeln zu k�nnen, bevor der Kleine wieder aufgewacht war. F�r einen durchschnittlich kr�ftigen Mann w�re es ein kaum zu bew�ltigendes Pensum gewesen, aber O�Mara hatte bereits nach den ersten beiden Wochen das Gef�hl, sich seelisch wie k�rperlich auf diese Aufgabe richtig eingestellt zu haben. Am Ende der vierten Woche war sogar sein Bein schmerzfrei und nicht mehr steif, und was das Baby anging, lief alles wie geschmiert.</p><p>Drau�en n�herte sich das Projekt der Vollendung. Bis auf ein paar unwichtige Einzelst�cke am Rand war das gigantische, dreidimensionale Puzzle komplett.</p><p>Ein Untersuchungsinspektor des Monitorkorps war eingetroffen, der anscheinend au�er O�Mara jeden einzelnen einem Verh�r unterzog.</p><p>O�Mara fragte sich immer wieder, ob Waring bereits ausgehorcht worden war und, wenn ja, was der Traktorstrahlentechniker gesagt hatte. Im Gegensatz zu anderen bereits am Projekt besch�ftigten Angeh�rigen des Monitorkorps, die ausschlie�lich als Ingenieure ausgebildet waren, war dieser Inspektor ein Psychologe und sehr wahrscheinlich kein Fachidiot. O�Mara selbst hielt sich auch nicht gerade f�r einen Dummkopf; er hatte alles genau �berdacht und h�tte eigentlich vor dem Untersuchungsergebnis keine Angst zu haben brauchen. Nach Einsch�tzung der allgemeinen Lage und der Situation, in der sich die Leute hier befanden, schienen ihm zwar die Reaktionen jedes einzelnen voraussagbar zu sein, aber dennoch hing letztendlich alles davon ab, was Waring diesem Monitor erz�hlen w�rde.</p><p>Du bist ja ein richtiger Angsthase! dachte O�Mara voller Selbstverachtung. Kaum wird deine Lieblingstheorie auf die Probe gestellt, hast du schon Schi�, sie k�nnte nicht funktionieren, und willst am liebsten vor Waring auf die Knie fallen und ihm die F��e k�ssen!</p><p>Aber nat�rlich wu�te er, da� auf diese Weise in eine ansonsten vorauszuberechnende Situation eine Unbekannte eingef�hrt werden w�rde, die alles �ber den Haufen werfen konnte. Doch nichtsdestotrotz war die Versuchung gro�.</p><p>Als er am Anfang der sechsten Woche seiner aufgezwungenen Vormundschaft �ber den kleinen Hudrer gerade etwas �ber die seltsamen und wundersamen Krankheiten las, zu denen FROB-Babies neigten, k�ndigte ihm das Kontrollicht der Luftschleuse einen Besucher an. Er stand rasch von der Couch auf, sammelte sich und blickte gefa�t in Richtung der Schleuse, als k�nnte ihm nichts auf der Welt etwas anhaben.</p><p>Aber es war nur Caxton.</p><p>�Ehrlich gesagt, hab ich den Monitor erwartet�, sagte O�Mara.</p><p>Caxton schnaufte abf�llig. �Sie haben ihn wohl noch nicht gesprochen, wie? Vielleicht empfindet er das nur als Zeitverschwendung. Nach allem, was er von uns geh�rt hat, h�lt er den Fall wahrscheinlich f�r abgeschlossen. Wenn er hier auftaucht, wird er mit Handschellen kommen.�</p><p>O�Mara sah Caxton nur an. Am liebsten h�tte er ihn gefragt, ob das Korpsmitglied bereits Waring verh�rt hatte, besann sich aber eines Besseren.</p><p>�Ich bin gekommen, weil ich wissen will, was mit dem Wasser ist�, fuhr Caxton unwirsch fort. �Von der Magazinverwaltung hab ich geh�rt, da� Sie die dreifache Wassermenge angefordert haben, die Sie im H�chstfall verbrauchen k�nnen. Haben Sie hier ein Aquarium er�ffnet oder so was?�</p><p>O�Mara gab absichtlich keine direkte Antwort und entgegnete nur: �Es ist �brigens der Zeit, das Baby zu baden. Haben Sie Lust zuzusehen?�</p><p>Er b�ckte sich, entfernte geschickt einige Platten aus dem Boden und griff hinein.</p><p>�Was machen Sie da?� br�llte Caxton los. �Das sind die Schwerkraftgitter, da d�rfen Sie nicht einfach ran.�</p><p>Pl�tzlich hatte der Boden drei�ig Grad Schlagseite. Caxton taumelte gegen eine Wand und fluchte. O�Mara richtete sich wieder auf, �ffnete die innere Luke der Luftschleuse und ging auf die Schlafkabine zu, wobei der Boden jetzt stark anstieg. Caxton, der noch immer lautstark darauf bestand, da� O�Mara weder die Erlaubnis noch die Qualifikation bes��e, die Einstellung des k�nstlichen Schwerkraftfelds zu ver�ndern, folgte ihm.</p><p>�Drinnen angelangt,� sagte O�Mara. �Das hier ist die Reservespritzpistole.</p><p>Ich hab die D�se verengt, um so einen st�rkeren Wasserstrahl zu erhalten.� Er richtete das Ger�t auf eine kleine Fl�che der Haut des Alienbabys, um Caxton zu demonstrieren, wie es funktionierte. Der Hauptdarsteller dieser Vorf�hrung beachtete die beiden nicht, denn er war gerade eifrig damit besch�ftigt, die k�rglichen �berreste eines von O�Maras St�hlen in noch unkenntlichere Formen zusammenzustauchen.</p><p>�Wie Sie sehen k�nnen, ist das Nahrungspr�parat an einigen Stelle der Haut getrocknet. Diese Stellen m�ssen in gewissen Abst�nden gewaschen werden, weil sie sonst den Absorptionsmechanismus verstopfen. Kleine Hudlarer f�hlen sich dann sehr unwohl, sie machen sich entsprechend laut bemerkbar und��</p><p>O�Mara unterbrach sich. Er sah, da� Caxton das Alienbaby �berhaupt nicht ansah, sondern nur auf das Wasser achtete, das von dessen Haut abprallte und entlang der jetzt schr�g geneigten T�r der Schlafkabine quer durch den Wohnraum in die offene Luftschleuse flo�. Da� Caxton abgelenkt war, war O�Mara nur recht, denn er hatte mit der Spritzpistole eine Hautstelle freigelegt, deren Struktur und Farbe er zuvor noch nie gesehen hatte, und selbst wenn dies kein Anla� zur Sorge war, war es doch besser, wenn Caxton nichts davon bemerkte und keine Fragen stellte.</p><p>�Was ist denn das da oben?� fragte Caxton, wobei er zur Decke deutete.</p><p>Um dem Baby, die notwendigen Streicheleinheiten zukommen lassen zu k�nnen, hatte O�Mara aus Hebeln, Rollen, Seilen und Gegengewichten eine Vorrichtung montiert und das komplette unf�rmige Gebilde an der Decke aufgeh�ngt. Er war ziemlich stolz auf die Apparatur, die ihn in die Lage versetzte, dem Baby an jeder beliebigen Stelle der panzer�hnlichen Haut einen anst�ndigen, kr�ftigen Klaps zu verabreichen, der einen Menschen auf der Stelle get�tet h�tte. Trotzdem bezweifelte er, da� Caxton das Ger�t richtig zu w�rdigen wu�te. Wahrscheinlich w�rde der Sektionsleiter ihm vorwerfen, das Baby zu qu�len, und den Einsatz des Ger�ts sogar verbieten.</p><p>O�Mara ging auf den Ausgang zu und sagte �ber die Schulter hinweg:</p><p>�Das ist nur ein Flaschenzug.�</p><p>Die nassen Stellen auf dem Boden wischte er mit einem Lappen auf, den er anschlie�end in die jetzt teilweise mit Wasser gef�llte Luftschleuse warf. Seine Sandalen und der Overall waren auch durchn��t worden, und er schmi� sie hinterher, bevor er die innere Luke schlo� und die �u�ere �ffnete. W�hrend das Wasser drau�en im luftleeren Raum verdampfte, stellte er die Schwerkraftgitter zur�ck, so da� der Boden wieder eben und die W�nde gerade waren. Dann holte er die Sandalen, den Overall und den Lappen aus der Luftschleuse, die nun knochentrocken waren.</p><p>�Sie scheinen ja alles gut organisiert zu haben�, sagte Caxton z�hneknirschend, w�hrend er sich den Helm aufsetzte. �Wenigstens k�mmern Sie sich um das Baby mehr als damals um seine Eltern. Sehen Sie zu, da� es so bleibt.� Bevor er ging, f�gte er hinzu: �Der Monitor wird Sie �brigens morgen fr�h gegen neun Uhr aufsuchen.�</p><p>O�Mara kehrte umgehend in die Schlafkabine zur�ck, um sich die verf�rbte Stelle auf der Haut genauer anzusehen. Es war ein blaugrauer Fleck, und die sonst glatte, fast stahlharte Hautoberfl�che des Hudlarers war an dieser Stelle spr�de und rissig. O�Mara rieb leicht dar�ber, worauf der FROB zusammenzuckte und ein Ger�usch von sich gab, das leicht fragend klang.</p><p>�Wir beide sind schon zwei.�, murmelte O�Mara geistesabwesend. Er konnte sich nicht daran erinnern, irgend etwas �ber ein solches Ph�nomen gelesen zu haben, andererseits hatte er das Buch noch nicht ganz durchgearbeitet, also war es an der Zeit, dies umgehend nachzuholen.</p><p>In erster Linie fand die Verst�ndigung zwischen Angeh�rigen verschiedener Spezies mittels eines Translators statt, der automatisch s�mtliche sinnvollen Laute sortierte und klassifizierte und sie dann in der Sprache des Anwenders wiedergab. Eine andere Methode war das System der Schulungsb�nder, die angewandt wurde, wenn eine gro�e Anzahl genauer Daten �bermittelt werden mu�te, die eher subjektiver Natur waren. Hierbei wurden alle Sinneseindr�cke, das gesamte Wissen und die Pers�nlichkeit eines Wesens in das Gehirn eines anderen �bertragen. Was die Beliebtheit und die Genauigkeit anging, so lag weit abgeschlagen an dritter Stelle die Schriftsprache, die etwas hochgestochen Universal genannt wurde.</p><p>Universal war nur solchen Wesen n�tzlich, deren Gehirne mit optischen Rezeptoren verbunden waren, die ihrerseits aus Zeichen auf einer ebenen Fl�che � mittels bedruckter Seiten also � Wissen deuten und vermitteln konnten. Zwar besa�en viele Spezies diese F�higkeit, doch auf Farben reagierten sie h�ufig v�llig unterschiedlich. Was O�Mara wie ein blaugrauer Fleck vorkam, mochte einem anderen Gesch�pf gelbgrau bis dunkellila erscheinen, und das Problem bestand nun darin, da� der Autor des Buches einer anderen Spezies angeh�ren konnte.</p><p>In einem der Anh�nge gab es zwar eine ungef�hre Vergleichstabelle f�r Farben, aber dort nachzusehen, war eine m�hselige und zeitaufwendige Arbeit, und O�Maras Universal-Sprachkenntnisse waren alles andere perfekt.</p><p>F�nf Stunden sp�ter hatte er bei der Diagnose der Krankheit noch immer keine Fortschritte erzielt, und die blaugraue Stelle auf der Haut des FROB war bereits fast ums Doppelte seiner urspr�nglichen Gr��e angewachsen, und drei weitere Flecke hatten sich hinzugesellt. Er f�tterte das Alienbaby, wobei er sich besorgt fragte, ob eine Nahrungsaufnahme in diesem Fall �berhaupt richtig war, danach wandte er sich wieder umgehend seinen Studien zu.</p><p>Laut Handbuch gab es sage und schreibe Hunderte von leichten, kurzfristigen Krankheiten, von denen junge Hudlarer in der Regel befallen wurden. Dieses Alienbaby war allein deshalb davon verschont geblieben, weil es bislang mit einem in dichten Beh�ltern gelagerten Nahrungspr�parat gef�ttert worden war und somit keinen durch die Luft �bertragenen Bakterien ausgesetzt gewesen war, wie sie auf seinem Heimatplaneten sehr h�ufig vorkamen. Wahrscheinlich war diese Krankheit nicht schlimmer als Masern f�r Menschen, redete sich O�Mara immer wieder ein, aber es sah doch sehr ernst aus. Bei der n�chsten F�tterung war die Zahl der Flecke bereits auf sieben angewachsen, und sie hatten mittlerweile ein dunkleres, bedrohlicheres Blau angenommen. Au�erdem schlug sich das Baby andauernd mit seinen Tentakeln auf die wunden Stellen, die offensichtlich furchtbar juckten. Mit diesen neuen Erkenntnissen ausgestattet, widmete sich O�Mara wieder seinem Buch.</p><p>Und pl�tzlich fand er, wonach er suchte. Die Symptome wurden als rauhe, verf�rbte Flecke auf der Haut geschildert, verbunden mit starkem Juckreiz, der durch nicht absorbierte Nahrungsreste hervorgerufen wurde. Die Behandlung bestand einzig und allein darin, die gereizten Stellen nach jedem F�ttern zu reinigen, um so den Juckreiz zu beenden, und ansonsten den nat�rlichen Heilungsproze� abzuwarten. Heutzutage war diese Krankheit auf Hudlar sehr selten. Ihre Symptome traten urpl�tzlich auf, um nach einer gewissen Zeit ebenso schnell wieder zu verschwinden, und laut Handbuch war die Krankheit bei gew�hnlicher Behandlung f�r den Patienten ungef�hrlich.</p><p>Als n�chstes begann O�Mara, die Zahlenangaben in terrestrische Zeit� und Ma�einheiten umzurechnen. Nach seinen Berechnungen sollten die farbigen Flecke bis auf fast einen halben Meter im Durchmesser anwachsen, die erst wieder verschwinden w�rden, sobald etwa ein Dutzend davon aufgetreten waren. Ausgehend vom Zeitpunkt des Auftauchens des ersten Flecks, w�rde das in ungef�hr sechs Stunden der Fall sein.</p><p>Eigentlich brauchte er sich also gar keine Sorgen zu machen.</p></section><section><title><p>IV</p></title><p>Nach dem n�chsten F�ttern spr�hte O�Mara die blauen Flecke gr�ndlich sauber, aber der junge FROB pr�gelte noch immer w�tend auf sich selbst ein und bebte am ganzen K�rper. Wie ein Elefant, der mit sechs R�sseln wild um sich schl�gt, dachte O�Mara. Dann zog er erneut das Buch zu Rate, aber dort wurde noch immer behauptet, es handle sich unter normalen Umst�nden um eine harmlose und kurzfristige Erkrankung, und die einzig m�gliche und schmerzlindernde Behandlungsmethode sei Ruhe und daf�r zu sorgen, die befallenen Stellen rein zu halten.</p><p>Kinder bereiten einem doch nichts als Kummer und Sorgen�! dachte O�Mara beunruhigt.</p><p>Aber wie ihm sein gesunder Menschenverstand verriet, wirkte das ganze Gezeter und Get�se des Babies nicht echt und sollte unterbunden werden k�nnen. M�glicherweise kratzte es sich nur aus reiner Gewohnheit � obwohl dies in Anbetracht seiner Selbstkasteiungsversuche nicht unbedingt einleuchtend erschien � , und durch ein Ablenkungsman�ver w�rde es sich vielleicht davon abbringen lassen. O�Mara entschied sich f�r ein F�nfzig-Pfund-Gewicht und zog es mit Hilfe des Flaschenzugs an die Decke. Dann lie� er es im regelm��igen Rhythmus auf die Stelle fallen, die, wie er festgestellt hatte, dem Alienbaby am meisten Behagen bereitete � sie lag gut einen halben Meter hinter der harten, durchsichtigen Membran, die seine Augen sch�tzten. Ein F�nfzig-Pfund-Gewicht, das aus einer H�he von zweieinhalb Metern fallen gelassen wurde, empfand ein Hudlarer als ein angenehmes Streicheln.</p><p>Zwar wurden die Bewegungen des FROB beim Austeilen dieser Streicheleinheiten weniger ungest�m, aber sobald O�Mara damit aufh�rte, begann der Kleine um so wilder um sich zu schlagen und rannte sogar mit voller Wucht gegen die W�nde und gegen all das, was von der Einrichtung noch �brig war. W�hrend eines solchen Tobsuchtsanfalls w�re das Alienbaby beinahe in den Wohnraum entwichen. Allein die Tatsache, da� es zu gro� war, um durch die T�zu passen, hinderte es daran. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte O�Mara gar nicht bemerkt, wie stark das Baby in den letzten f�nf Wochen zugenommen hatte.</p><p>Schlie�lich wurde er von bleierner M�digkeit �bermannt und mu�te aufgeben. Er lie� den noch immer randalierenden und wild um sich dreschenden FROB in der Schlafkabine zur�ck und warf sich drau�en ersch�pft auf die Couch, um nachdenken zu k�nnen.</p><p>Laut Handbuch war es an der Zeit, da� die blauen Flecke allm�hlich verschwanden. Aber das taten sie nicht � mittlerweile hatten sie die maximale Anzahl von zw�lf erreicht, aber anstatt h�chstens einen halben Meter im Durchmesser zu sein, waren sie fast ums Doppelte angewachsen. Sie waren so gro� geworden, da� die freie Absorptionsfl�che des Babies beim n�chsten F�ttern auf die H�lfte zusammengeschrumpft sein w�rde, was f�r seinen Sch�tzling bedeutete, durch zu geringe Nahrungsaufnahme noch schw�cher zu werden.</p><p>Und es ist eine Binsenweisheit, da� man juckende Stellen nicht kratzen darf, weil sich der Gesundheitszustand sonst nur noch verschlimmert.</p><p>O�Maras Gedankengang wurde durch das blecherne Tr�ten eines Nebelhorns unterbrochen. Er hatte mittlerweile Erfahrung genug, um an dem Ger�usch zu erkennen, da� der Kleine schreckliche Angst hatte, und die relativ geringe Lautst�rke zeugte au�erdem von der zunehmenden k�rperlichen Schw�che des Alienbabies.</p><p>O�Mara ben�tigte dringend Hilfe, bezweifelte aber, jemanden zu finden, der ihm beistehen konnte. Caxton davon zu erz�hlen w�re sinnlos � der Sektionsleiter w�rde lediglich Pelling zu Rate ziehen, und Pelling war im Umgang mit hudlarischen Kindern weit weniger erfahren als O�Mara selbst, der sich in den letzten f�nf Wochen zu einem regelrechten Spezialisten auf diesem Gebiet entwickelt hatte. Ein solches Vorgehen w�re nichts als Zeitverschwendung und w�rde dem Kind kein St�ck weiterhelfen. Ganz unabh�ngig von der Anwesenheit eines Monitors w�rde Caxton h�chstwahrscheinlich daf�r sorgen, O�Mara hart zu bestrafen, weil dem Kind etwas zugesto�en war, da der Sektionsleiter die alleinige Verantwortung f�r den Gesundheitszustand des FROB bei ihm sehen w�rde.</p><p>Caxton mochte O�Mara einfach nicht. Niemand mochte O�Mara.</p><p>W�re er bei den anderen am Projekt beteiligten Leuten beliebt gewesen, w�rde niemand auf die Idee kommen, ihm f�r die Krankheit des hudlarischen Kindes die Schuld zu geben, noch h�tte man ihn so direkt und einm�tig zum Alleinverantwortlichen f�r den Tod der Eltern des Babies gemacht. Aber er hatte sich einst dazu entschlossen gehabt, sich als ein ausgesprochen mieser Typ aufzuf�hren, und hatte nun allerdings fast zu viel Erfolg damit.</p><p>M�glicherweise war er ja wirklich ein Ekel, und ihm war die Rolle deshalb so leichtgefallen. Vielleicht war er durch den permanenten Frust, nie die Chance bekommen zu haben, den in seinem h��lichen, muskelbepackten K�rper steckenden Verstand einmal wirklich einsetzen zu k�nnen, bereits so griesgr�mig geworden, da� die Rolle, die er zu spielen glaubte, in Wirklichkeit sein wahres Ich war.</p><p>H�tte er sich doch nur aus der Geschichte mit Waring herausgehalten, denn nur deshalb waren alle wirklich sauer auf ihn.</p><p>Aber diese Gedankeng�nge brachten ihn jetzt auch nicht weiter. Die L�sung seiner eigenen Probleme bestand � zumindest teilweise � darin, sich zuk�nftig als verantwortungsbewu�ter, geduldiger und freundlicher Mensch zu erweisen, der auch all die anderen Eigenschaften besa�, die bei seinen Mitmenschen Respekt hervorriefen. Um damit Erfolg zu haben, mu�te er als erstes beweisen, da� man ihm die Pflege eines Babies anvertrauen konnte.</p><p>Er fragte sich pl�tzlich, ob der Monitor ihm nicht weiterhelfen k�nnte; wenn auch nicht pers�nlich � man konnte von einem Psychologen des Monitorkorps kaum erwarten, sich mit hudlarischen Kinderkrankheiten auszukennen �, so doch durch seine f�hrende Rolle in der Organisation. Als Polizei der Galaxis, als M�dchen f�r alles und allgemein h�chste Autorit�t m��te das Monitorkorps binnen kurzem ein Wesen ausfindig machen k�nnen, das die notwendigen Antworten kannte. Aber ein solches Gesch�pf wiederum w�rde mit h�chster Wahrscheinlichkeit von Hudlar selbst stammen, wo die Beh�rden schon l�ngst von der kritischen Lage des Waisenkinds informiert worden waren. Wahrscheinlich war von dort bereits seit Wochen Hilfe unterwegs, die noch eher eintreffen w�rde, als der Monitor sie jetzt anfordern k�nnte. Die Frage, ob die Hilfe rechtzeitig eintreffen w�rde, um das Kind noch zu retten, blieb allerdings nach wie vor offen.</p><p>Also lag das Problem nach wie vor bei O�Mara.</p><p>Etwa so schlimm wie Masern�</p><p>Aber Masern konnten bei einem menschlichen Baby sehr schlimme Folgen haben, wenn der kleine Patient in einem kalten Raum oder einer �hnlich unwirtlichen Umgebung aufbewahrt wurde. Obwohl die Krankheit selbst nicht t�dlich war, konnte sie doch einen Organismus vernichten, dessen Widerstandskraft durch Krankheit oder Nahrungsmangel geschw�cht war. Das Handbuch schrieb lediglich Ruhe und penible Sauberkeit vor, sonst nichts. Oder vielleicht doch? Jedenfalls ging man dort grunds�tzlich von der Annahme aus, da� sich der betreffende Patient zur Zeit der Krankheit auf seinem Heimatplaneten aufhielt. Und unter diesen normalen Lebensbedingungen war die Krankheit wahrscheinlich wirklich harmlos und nur von kurzer Dauer.</p><p>In O�Maras Schlafkabine aber herrschten f�r ein hudlarisches Baby mit einer solchen Krankheit alles andere als normale Um Weltbedingungen.</p><p>Bei diesem Gedanken fiel ihm pl�tzlich die Antwort ein � hoffentlich nicht zu sp�t. Er sprang von der Couch und lief zum Spind hin�ber, in dem die Raumanz�ge hingen. Als er gerade in das strapazierf�higste Modell stieg, summte der Kommunikator.</p><p>�O�Mara!� wurde er von Caxtons Stimme angefahren, nachdem er sich gemeldet hatte, �der Monitor will mit Ihnen sprechen. Eigentlich war das erst f�r morgen geplant, aber.�</p><p>�Vielen Dank, Mister Caxton�, mischte sich eine ruhige, feste Stimme ein, die nach einer kurzen Pause fortfuhr: �Mein Name ist Craythorne, Mister O�Mara. Wie Sie wissen, wollte ich Sie eigentlich erst morgen treffen, aber ich konnte hier einige?jandere Arbeiten vorzeitig erledigen, wodurch ich schon mal Zeit f�r ein Vorbereitungsgespr�ch h�tte.�</p><p>Einen d�mlicheren Zeitpunkt h�ttest du dir auch nicht einfallen lassen k�nnen! dachte O�Mara wutschnaubend. Er schl�pfte ganz in den Anzug, lie� aber Handschuhe und Helm liegen. Anschlie�end machte er sich an der Frontplatte zu schaffen, hinter der sich die Instrumente f�r die Luftzufuhr befanden.</p><p>��um die Wahrheit zu sagen�, fuhr die ruhige Stimme des Monitors fort, �ist Ihr Fall f�r meine eigentliche Aufgabe hier nur nebens�chlich. Mein Auftrag lautet, f�r die Unterbringung und Verpflegung des in K�rze eintreffenden Hospitalpersonals zu sorgen. Au�erdem soll ich unter allen Umst�nden eventuell auftretende Reibereien vermeiden, die bei der Ankunft dieser verschiedenen Spezies entstehen k�nnten. Zwar gibt es dabei eine Menge kniffliger Details zu beachten, aber im Augenblick bin ich frei. Au�erdem bin ich neugierig auf Sie, O�Mara, und w�rde Ihnen gerne ein paar Fragen stellen.�</p><p>Was f�r ein raffinierter Mistkerl! dachte O�Mara, w�hrend er gleichzeitig feststellte, da� die Instrumente f�r die Luftzufuhr jetzt so eingestellt waren, um die von ihm gew�nschten Bedingungen zu liefern. Er lie� die Frontplatte lose h�ngen und entfernte eine der Bodenfliesen, um an das darunter befindliche Schwerkraftgitter zu gelangen. Schlie�lich bemerkte er ein wenig abwesend: �Sie m�ssen schon entschuldigen, wenn ich w�hrend unseres Gespr�chs arbeite. Caxton kann Ihnen erkl�ren, warum.�</p><p>�Ich hab Mister Craythorne schon von dem Alienbaby erz�hlt�, fuhr Caxton dazwischen. �Und wenn Sie glauben, Sie k�nnten ihm etwas vorspielen, indem Sie jetzt die von Sorgen geplagte Mutter mimen, dann.�</p><p>�Ich verstehe.�, unterbrach ihn der Monitor ungeduldig, und an O�Mara gewandt, fuhr er fort: �Trotzdem m�chte ich an dieser Stelle nicht unerw�hnt lassen, da� die Vorgehensweise, Sie zum Zusammenleben mit einem kleinen FROB gezwungen zu haben, nur unter dem Stichwort grausame und au�ergew�hnliche Bestrafung abgeheftet werden kann. Und f�r das, was Sie in den letzten Wochen durchmachen mu�ten, sollte man Ihnen zehn Jahre Ihrer Strafe erlassen � nat�rlich nur dann, wenn man Sie f�r schuldig befindet. Und jetzt m�chte ich gerne wissen, mit wem ich �berhaupt rede. W�rden Sie bitte die Kamera einschalten?�</p><p>O�Mara wurde von der Geschwindigkeit �berrascht, mit der die k�nstlichen Schwerkraftgitter von ein auf zwei Ge umschalteten. Seine Arme knickten f�rmlich unter ihm zusammen, und er schlug mit dem Brustkorb auf den Boden. Ein Schreckensschrei seines Sch�tzlings im Nebenraum mu�te das dabei verursachte Ger�usch �bert�nt haben, denn seine Gespr�chspartner ersparten sich irgendwelche Bemerkungen zu dem Vorfall. Als er sich schlie�lich auf die Knie stemmte, kam er sich wie ein alter Opa beim Liegest�tz vor.</p><p>Nur unter gro�er Anstrengung konnte er das Keuchen unterdr�cken, als er sagte: �Tut mir leid, aber meine Kamera ist kaputt.�</p><p>Der Monitor schwieg gerade lange genug, um O�Mara wissen zu lassen, da� er die L�ge zwar durchschaut hatte, im Augenblick aber nicht darauf eingehen wollte. Schlie�lich sagte er: �Gut, aber immerhin k�nnen Sie ja mich sehen�, und O�Maras Bildschirm flackerte auf.</p><p>Ein junger Mann mit kurzgeschnittenem Haar erschien auf dem Schirm, dessen Augen zwanzig Jahre �lter als seine restlichen Gesichtsz�ge zu sein schienen. Auf der eleganten, dunkelgr�nen Uniform trug er die Schulterklappen eines Majors und am Kragenansatz das Symbol eines �skulapstabs.</p><p>Unter anderen Umst�nden h�tte O�Mara diesen Mann wahrscheinlich sympathisch gefunden. �Ich mu� noch etwas im Nebenraum erledigen. bin in einer Minute wieder zur�ck�, log er erneut.</p><p>Er begann damit, den Gravitationsg�rtel an seinem Anzug auf zwei Ge Absto�ung einzustellen, wodurch die gegenw�rtige Anziehung des Bodens exakt neutralisiert wurde, so da� er die Anziehungskraft auf vier Ge erh�hen k�nnte, ohne sich selbst zu �berfordern. Danach wollte er den G�rtel auf drei Ge stellen, wodurch er f�r sich eine scheinbar normale Schwerkraft von ein Ge zur�ckerlangen w�rde.</p><p>Wenigstens h�tte es eigentlich so funktionieren sollen.</p><p>Aber statt dessen produzierten der G�rtel oder die Bodengitter oder gar beide zusammen Halb-Ge-Schwankungen, und die Kabine spielte v�llig verr�ckt. Es war wie in einem Hochgeschwindigkeitslift, der andauernd gestartet und wieder gestoppt wurde. Die Frequenz der Sto�wellen wuchs rasch an, bis O�Mara derart durchgesch�ttelt wurde, da� bereits seine Z�hne klapperten. Ehe er auf die Situation reagieren konnte, trat eine neue, noch gef�hrlichere Komplikation ein. Die Bodengitter arbeiteten mit unterschiedlicher St�rke nicht mehr im rechten Winkel zu ihrer Oberfl�che und wichen auch noch nach Belieben zwischen zehn und drei�ig Grad von der Vertikalen ab. Kein sturmgepeitschtes Schiff war jemals so grauenhaft ins Schaukeln und Stampfen geraten, und O�Mara taumelte hin und her. Er grapschte verzweifelt nach der Couch, griff aber daneben und wurde mit voller Wucht gegen die Wand geschleudert. Die n�chste Sto�welle warf ihn schlitternd an die gegen�berliegende Wand, bis es ihm endlich gelang, den Ge-G�rtel abzuschalten.</p><p>Schlie�lich herrschte im Raum wieder eine gleichm��ige Gravitation von zwei Ge.</p><p>�Wird das noch lange dauern?� fragte pl�tzlich der Monitor.</p><p>O�Mara hatte den Major w�hrend der letzten hektischen Sekunden fast vergessen. Als er schlie�lich antwortete, gab er sich alle M�he, seine Stimme so nat�rlich wie m�glich klingen zu lassen und so zu tun, als w�rde er aus dem Nebenraum sprechen. �Kann sein. K�nnten Sie sich sp�ter noch mal melden?�</p><p>�Ich warte lieber�, antwortete der Monitor.</p><p>In den folgenden Minuten versuchte O�Mara, die Blessuren zu vergessen, die er sich trotz des Schutzes, den der schwere Raumanzug bot, zugezogen hatte. Er konzentrierte sich darauf, einen Ausweg aus diesem erneuten Schlamassel zu finden, und begriff allm�hlich, was geschehen sein mu�te.</p><p>Wenn zwei Schwerkraftgeneratoren mit gleicher Leistung und Frequenz dicht nebeneinander eingesetzt wurden, traten Interferenzen auf, wodurch die Stabilit�t beider Kraftfelder beeinflu�t wurde. Die Schwerkraftgitter in O�Maras Unterkunft waren lediglich ein Provisorium und wurden von einem Generator gespeist, der dem in seinem Raumanzug glich, obwohl beide normalerweise auf unterschiedliche Frequenzen eingestellt waren, um eventuell auftretende Instabilit�ten zu verhindern. Aber O�Mara hatte die letzten f�nf Wochen andauernd an den Gittereinstellungen herumgespielt � vor allem jedesmal dann, wenn das Kind gebadet worden war �, so da� er versehentlich die Frequenz ver�ndert haben mu�te.</p><p>Vier Ge minus dreiviertel Ge ergeben etwas mehr als drei Ge. Und es sieht ganz so aus, dachte O�Mara grimmig, als m��te ich mich doch f�r die brutale Methode entscheiden�</p></section><section><title><p>V</p></title><p>O�Mara klappte schnell den Helm zu, dann schlo� er das Mikrofon in seinem Raumanzug mit einem Kabel an den Kommunikator an. Auf diese Weise konnte er sprechen, ohne Caxton oder den Monitor merken zu lassen, da� er im Raumanzug steckte. Um f�r die erfolgreiche Durchf�hrung seines Vorhabens genug Zeit zu haben, durften die beiden nicht ahnen, da� hier etwas Au�ergew�hnliches vor sich ging.</p><p>Zuletzt waren die restlichen Einstellungen am Luftdruckregulator und an den Schwerkraftgittern f�llig. Binnen zwei Minuten hatte sich der atmosph�rische Druck in beiden Kabinen versechsfacht, und die momentane Schwerkraft betrug vier Ge � tats�chlich also der gr��te N�herungswert, den O�Mara erreichen konnte, um �normale Umweltbedingungen� f�r einen Hudlarer zu schaffen. Als er die unglaublich schwere und tr�ge Masse, zu der sein Arm geworden war, aus der Vertiefung f�r die Bedienungselemente der Schwerkraftgitter zog, krachte seine Schultermuskulatur unter der Anstrengung � weil sein G�rtel nur dreiviertel Ge der im Raum herrschenden vier Ge Anziehungskraft neutralisierte �, dann w�lzte er sich schwerf�llig auf den R�cken.</p><p>Er hatte das Gef�hl, als s��e das Baby auf seinem Brustkorb und gro�e schwarze Flecke hingen pulsierend vor seinen Augen. Durch sie hindurch konnte er verschwommen einen Teil der Decke erkennen und in einem v�llig verdrehten Blickwinkel den Bildschirm. Das Gesicht darauf begann ungeduldig zu werden.</p><p>�Ich bin wieder da, Major�, keuchte O�Mara, wobei er darum k�mpfte, kontrolliert zu atmen, damit seine Stimme nicht zu gepre�t klang. �Ich nehme an, Sie wollen meine Schilderung des Unfalls h�ren, stimmt�s?�</p><p>�Nein�, entgegnete der Monitor. �Ich hab die Aufnahme geh�rt, die Caxton gemacht hat. Was mich wirklich interessiert, ist, aus welchen Motiven Sie eigentlich hierhergekommen sind. Ich hab Nachforschungen angestellt, und es gibt da etwas, das mir nicht ganz schl�ssig vorkommt und.�37</p><p>Das Gespr�ch wurde durch einen donnernden L�rmausbruch abrupt unterbrochen. Trotz der durch den steigenden Luftdruck tieferen Tonlage wu�te O�Mara, was das Signal zu bedeuten hatte: Baby war wieder mal unzufrieden und hatte Hunger.</p><p>Mit gewaltiger Anstrengung w�lzte er sich auf die Seite, dann stemmte er sich auf den Ellbogen hoch. Eine Weile verharrte er in dieser Lage, um Kr�fte zu sammeln, schlie�lich versuchte er, sich auf H�nden und Knien abzust�tzen. Als ihm das gelungen war, mu�te er feststellen, da� seine Arme und Beine so stark angeschwollen waren, als w�rden sie im n�chsten Augenblick vom Druck des dort angesammelten Bluts zerbersten. St�hnend legte er sich wieder flach auf die Brust. Pl�tzlich scho� das Blut nach vorn in seinen K�rper, und ihm wurde schwarz vor Augen.</p><p>Er konnte weder auf allen vieren kriechen, noch sich auf dem Bauch vorw�rts robben, und bei drei Ge war es ihm unm�glich, aufzustehen und zu gehen. Welche M�glichkeiten gab es also noch?</p><p>Er rollte sich wieder auf die Seite und dann auf den R�cken. Dieses Mal stemmte er sich aber auf den Ellbogen ab. Die Nackenst�tze des Raumanzugs gab seinem Kopf Halt, aber die Innenseiten der �rmel waren nur sehr schwach gepolstert, und seine Ellbogen schmerzten. Allein die Anstrengung, auch nur einen Teil seines K�rpers hochzuhalten, der jetzt dreimal schwerer als sonst war, verursachte bereits Herzrasen. Am schlimmsten war, da� er wieder Ohnmachtsanf�lle bekam.</p><p>Aber irgendeine M�glichkeit mu�te es doch geben, die Druckverh�ltnisse in seinem K�rper auszugleichen oder wenigstens so zu verteilen, um bei Bewu�tsein zu bleiben und sich bewegen zu k�nnen. O�Mara versuchte, sich die Form der Beschleunigungsliegen in Erinnerung zu rufen, die in Raumschiffen eingesetzt worden waren, bevor es k�nstliche Schwerkraft gegeben hatte. Auf einmal fiel ihm ein, da� man darin in nicht v�lliger Bauchlage mit angezogenen Knien gelegen hatte.</p><p>Zentimeter um Zentimeter schob er sich auf Ellbogen, Ges�� und F��en vor und n�herte sich so im Schneckentempo der Schlafkabine. Sein fast besch�mender Reichtum an Muskelkraft war nun sicherlich von Nutzen -</p><p>jeder andere Mensch w�re unter diesen Bedingungen hilflos flach am Boden kleben geblieben. Um an die Spritzpistole in der Schlafkabine zu gelangen, ben�tigte er dennoch eine Viertelstunde, w�hrend der das Baby praktisch ununterbrochen einen ohrenbet�ubenden L�rm veranstaltete. Aufgrund des erh�hten Luftdrucks war der Krach so unertr�glich laut und durchdringend, da� s�mtliche Knochen in O�Maras K�rper mitzuschwingen schienen.</p><p>�Ich versuche, mit Ihnen zu reden!� br�llte der Monitor w�hrend einer kurzen Verschnaufpause des Alien-Babies. �K�nnen Sie diesem Schreihals nicht mal das Maul stopfen?�</p><p>�Der Kleine hat Hunger�, keuchte O�Mara. �Sobald ich ihn gef�ttert hab, wird er sich beruhigen.�</p><p>Die Spritzpistole war an einer Art Sackkarre befestigt, an die O�Mara ein Pedal angebracht hatte, um beide H�nde zum Zielen frei zu haben. Da sein kleiner Sch�tzling durch die vier Ge fast au�er Gefecht gesetzt war, brauchte O�Mara jetzt seine H�nde nicht zu benutzen. Statt dessen r�ckte er die Sackkarre mit den Schultern in die richtige Position und dr�ckte das Pedal mit dem Ellbogen nach unten. Wegen der zus�tzlichen Schwerkraft tendierte der Hochdruckstrahl dazu, sich nach unten zu neigen, aber schlie�lich gelang es ihm, das Kind mit dem Nahrungspr�parat zu bedecken. Die entz�ndeten Stellen vom Nahrungsbrei zu reinigen war schon etwas schwieriger. Die Wasserd�se, die vom Boden aus nur sehr schlecht zu bedienen war, arbeitete v�llig unpr�zise. Am besten gelang es ihm noch, die gro�e, leuchtendblaue Stelle abzuspr�hen, die sich aus drei zusammengewachsenen Flecken gebildet hatte und mittlerweile fast ein Viertel der gesamten Hautoberfl�che bedeckte.</p><p>Danach streckte O�Mara die Beine aus und sackte mit dem R�cken allm�hlich zu Boden. Trotz der drei Ge, die auf ihm lasteten, empfand er diese Lage nach der Anstrengung der letzten halben Stunde, die er in halbsitzender Position verbracht hatte, fast als bequem.</p><p>Das Baby hatte aufgeh�rt zu schreien.</p><p>�Was ich eigentlich gerade sagewollte, ist, da� die fr�heren Zeugnisse Ihrer Arbeitgeber dem widersprechen, was ich hier vorfinde�, meldete sich der Monitor genervt, als die entstandene Ruhe ein paar Minuten anzuhalten schien. �Zwar sind Sie schon immer ein ungeduldiger Querkopf gewesen, bei Ihren Kollegen aber waren Sie ausnahmslos beliebt, sogar bei Ihren Vorgesetzten. Bei Letzteren allerdings nur mit einigen Abstrichen, was anscheinend darauf zur�ckzuf�hren ist, da� diese sich � ganz im Gegensatz zu Ihnen � hin und wieder irrten.�</p><p>�Ich war denen kein St�ck unterlegen und hab das auch oft genug bewiesen�, sagte O�Mara ersch�pft. �Aber ich sehe einfach nicht intelligent genug aus und wirke eben auf die meisten Leute nur wie ein hirnloser Muskelprotz.�</p><p>Eigenartig, dachte O�Mara, aber seine pers�nlichen Schwierigkeiten schienen ihn in diesem Augenblick kaum noch zu interessieren. Er konnte einfach von der entz�ndeten blauen Stelle auf der Haut des Kleinen nicht wegsehen. Die Farbe war dunkler geworden, und der Fleck schien in der Mitte angeschwollen zu sein. Es sah ganz so aus, als w�re die extrem harte Oberhaut an dieser Stelle weich geworden und als h�tte der starke innere Druck des FROB dort eine Schwellung verursacht. Durch die Erh�hung der Schwerkraft und des Drucks auf hudlarische Norm hoffte O�Mara, diese Entwicklung zum Stillstand zu bringen � es sei denn, es handelte sich um Symptome einer v�llig anderen Krankheit.</p><p>Er hatte sogar daran gedacht, mit seiner Idee noch einen Schritt weiterzugehen und den gesamten Raum mit dem Nahrungspr�parat vollzuspr�hen. Auf Hudlar bestand die Nahrung der Eingeborenen aus winzigen Organismen, die in der extrem dichten Atmosph�re herumschwebten, aber im Handbuch wurde ausdr�cklich darauf hingewiesen, man m�sse s�mtliche Nahrungsteilchen von den befallenen Hautstellen fernhalten, so da� die zus�tzliche Schwerkraft und der erh�hte Druck ausreichen sollten.</p><p>��trotzdem�, meldete sich der Monitor, �wenn ein �hnlicher Unfall auf einer Ihrer fr�heren Arbeitsstellen passiert w�re, h�tte man Ihnen Ihre Geschichte geglaubt. Und selbst wenn Sie schuld daran gewesen w�ren, h�tte man sich sch�tzend vor Sie gestellt, um Ihnen solche Leute wie mich vom Leib zu halten. Wodurch haben Sie sich eigentlich von einem so freundlichen, sympathischen Menschen von damals zu dem, was Sie heute sind, entwickelt.?�</p><p>�Ich hab mich gelangweilt�, gab O�Mara knapp zur Antwort.</p><p>Bislang hatte der kleine Hudlarer noch keinen Laut von sich gegeben, aber O�Mara hatte die typischen Tentakelbewegungen des FROB registriert, die einen baldigen L�rmausbruch ank�ndigten. Und dieser lie� auch nicht lange auf sich warten. Folglich war die n�chsten zehn Minuten keine weitere Unterhaltung m�glich.</p><p>O�Mara w�lzte sich auf die Seite und rollte sich wieder auf seine mittlerweile abgesch�rften und blutenden Ellbogen. Er wu�te, wo der Fehler lag � das Baby vermi�te die sonst �blichen Liebkosungen nach dem F�ttern. Er schleppte sich langsam zu den beiden Seilen mit den Gegengewichten, die zu der Flaschenzugkonstruktion geh�rten, die er sich f�r das Streicheln des Kleinen ausgedacht hatte, und bereitete sich darauf vor, das Vers�umte nachzuholen. Aber die Seilenden hingen mehr als einen Meter �ber dem Boden.</p><p>Auf einen Ellbogen gest�tzt und darum bem�ht, seinen furchtbar schweren anderen Arm zu heben, bekam O�Mara das Gef�hl, als sei das Seil meilenweit von ihm entfernt. Durch die ungeheure Anstrengung rann ihm der Schwei� �ber Gesicht und K�rper. Er zitterte und schwankte so stark, da� er trotz seines Handschuhs beim erstenmal abglitt, doch schlie�lich bekam er es zu fassen. Als er sich langsam zu Boden sinken lie�, umfa�te er das Seil noch immer fest.</p><p>Die Vorrichtung funktionierte durch eine spezielle Anordnung von Gegengewichten, so da� er an den Halteseilen nicht noch einmal zus�tzlich ziehen mu�te. Ein schweres Gewicht st�rzte genau auf den R�cken des hudlarischen Kindes und verabreichte ihm so einen beruhigenden Klaps. O�Mara verweilte ein paar Minuten, dann k�mpfte er sich wieder ein St�ck hoch, um den Vorgang mit dem anderen Seil zu wiederholen. Kaum hatte er daran gezogen, wurde das erste Gewicht gleichzeitig wieder in seine Ausgangsstellung zur�ckbef�rdert.</p><p>Nach etwa acht Klapsen mu�te er feststellen, da� er das Ende des Seils, nach dem er gerade griff, nicht mehr sehen konnte, obwohl er es fest umschlossen hielt. Offensichtlich hatte er den Kopf zu lange hochhalten m�ssen und stand nun kurz vor einer Ohnmacht. Die verringerte Durchblutung seines Gehirns hatte auch noch andere Auswirkungen.</p><p>��nun komm schon, mein Kleiner, sei brav�, h�rte sich O�Mara mit einer eindeutig r�hrseligen Stimme sagen. �Jetzt geht�s dir doch bestimmt schon besser, nicht wahr? Papi k�mmert sich ja um dich. pssst. ach, was f�r ein liebes Baby du doch bist.�</p><p>Das Komische daran war, da� er trotz eines gewissen Widerwillens aufrichtige Verantwortung f�r das Kind empfand und seine Besorgnis um den Kleinen sehr gro� war. Schlie�lich hatte er das Baby damals gerettet. und das hatte er nun davon! Vielleicht riefen auch die drei Ge, durch die er gegen den Boden gepre�t wurde � wobei jeder Atemzug zu Schwerstarbeit wurde und die geringste Bewegung die letzten Kraftreserven aufzehrte � Erinnerungen an eine andere Art von Druck in ihm hervor, n�mlich an das langsame und unaufhaltsame Zusammenstreben zweier gro�er lebloser und gef�hlloser Metallmassen.</p><p>Der Unfall.</p><p>O�Mara, damals verantwortlicher Monteur der diensthabenden Schicht, hatte gerade die Warnleuchten angeschaltet, als er die beiden erwachsenen Hudlarer auf der Stirnseite eines der Verbindungsst�cke ihrem Baby nachjagen sah. Er warnte sie �ber seinen Translator und bat sie eindringlich, sich in Sicherheit zu bringen und es ihm zu �berlassen, den Kleinen dort zu verjagen � da das Kind viel kleiner als seine Eltern war, w�re es nicht so schnell von den Stirnseiten erfa�t worden, und w�hrend dieser paar zus�tzlichen Minuten h�tte O�Mara es aus der Gefahrenzone vertreiben k�nnen. Aber entweder waren damals die Translatoren der beiden Hudlarer abgeschaltet, oder sie wollten die Sicherheit ihres Kindes nicht einem dieser winzigen Menschen anvertrauen. Aus welchem Grund auch immer blieben sie jedenfalls zwischen den Stirnseiten stehen, bis es zu sp�t war, und O�Mara mu�te hilflos dabei zusehen, wie die beiden zwischen den Verbindungsst�cken eingeklemmt und schlie�lich zermalmt wurden.</p><p>Der Anblick des kleinen Hudlarers, der wegen seiner geringeren Gr��e noch immer unverletzt geblieben war und sich zwischen den leblosen K�rpern seiner Eltern abstrampelte, lie� O�Mara mit leichter Versp�tung handeln. Aber es gelang ihm schlie�lich, das Baby aus der Gefahrenzone zu vertreiben, ehe es auch von den Verbindungsst�cken eingeklemmt werden konnte. Er selbst schaffte es gerade noch in letzter Sekunde zu entwischen, wobei er schon bef�rchtet hatte, ein Bein zur�cklassen zu m�ssen.</p><p>Das hier war sowieso kein Platz f�r Kinder, sagte er sich w�tend, als er jetzt auf den bebenden und zuckenden K�rper mit den schuppigen, dunkelblauen Flecken blickte. Eigentlich m��te es sogar verboten sein, Kinder hierherzubringen, selbst wenn sie so kr�ftig wie die hudlarischen Babies waren.</p><p>Aber Major Craythorne meldete sich nun wieder zu Wort.</p><p>��nach dem zu urteilen, was dort akustisch bei Ihnen vor sich geht, scheinen Sie sich ja geradezu aufopferungsvoll um Ihren Pflegling zu k�mmern�, bemerkte der Monitor mit leicht ironischem Unterton. �Wenn Sie den Kleinen bei guter Laune und Gesundheit halten, wird das sicherlich zu Ihrem Vorteil sprechen.�</p><p>Bei guter Laune und Gesundheit halten, dachte O�Mara, w�hrend er erneut an einem Seil zog. Gesundheit�!</p><p>��aber es gibt noch andere �berlegungen�, fuhr die ruhige Stimme fort. �Wichtig ist zum Beispiel die Frage, ob der allgemein gegen Sie erhobene Vorwurf der Fahrl�ssigkeit gerechtfertigt ist, weil Sie die Warnleuchten erst nach dem Unfall eingeschaltet haben sollen. Und v�llig ungeachtet Ihrer fr�heren Zeugnisse, haben Sie sich zumindest hier auf der Baustelle wie ein m�rrischer und streits�chtiger Raufbold aufgef�hrt. Besonders Ihr Verhalten gegen�ber Waring ist.�</p><p>Der Monitor brach ab, blickte leicht mi�billigend drein und fuhr dann fort: �Vor wenigen Minuten haben Sie gesagt, da� Sie sich so verhalten, weil Sie sich langweilen. Erkl�ren Sie mir das bitte genauer.�</p><p>�Moment mal, Major�, fuhr Caxton dazwischen, wobei sein Gesicht pl�tzlich hinter Craythornes auf dem Schirm erschien. �Ich bin mir sicher, er versucht aus irgendeinem Grund Zeit zu schinden. All diese Unterbrechungen, diese keuchende Stimme, mit der er spricht, und dieses ganze �Ei-wo-ist-denn-unser-Kleiner�-Gehabe macht er doch nur, um uns zu zeigen, was f�r ein tolles Kinderm�dchen er ist. Ich denke, ich begebe mich am besten zu ihm und hole ihn hierher, damit er Ihnen die Fragen von Angesicht zu Angesicht beantworten kann.�</p><p>�Das wird nicht n�tig sein�, wandte O�Mara sofort ein. �Ab sofort stehe ich Ihnen f�r alle Fragen zur Verf�gung.�</p><p>In einer regelrechten Schreckensvision stellte er sich Caxtons Reaktion vor, wenn dieser das Alienbaby in seinem gegenw�rtigen Zustand zu sehen bek�me; zwar wurde O�Mara von dem Anblick des Kleinen selbst schlecht, aber er hatte sich wenigstens mittlerweile daran gew�hnt. Caxton w�rde nicht lange �berlegen oder gar auf eine Erkl�rung warten und erst recht nicht sich selbst fragen, ob es fair gewesen war, einen ET in die Obhut eines Menschen zu geben, der keinerlei Kenntnisse von der Physiologie und dem Krankheitsbild des Aliens besa�. Caxton w�rde lediglich reagieren, und das mit aller Sch�rfe.</p><p>Und was den Monitor betraf�</p><p>O�Mara hoffte, aus der Geschichte mit dem Unfall m�glicherweise ungeschoren davonzukommen, sollte das Baby aber sterben, hatte er keine Chance. Zwar hatte sich das Kind nur eine leichte, wenn auch ungew�hnliche Krankheit zugezogen, sie h�tte aber schon vor Tagen richtig behandelt werden m�ssen. Da dies nicht geschehen war, hatte sich sein Zustand st�ndig verschlechtert, so da� es mittlerweile dem Tode geweiht war, falls O�Maras letzter verzweifelter Versuch, die Umweltbedingungen von Hudlar zu reproduzieren, scheitern sollte. Was er jetzt brauchte, war Zeit. Laut Handbuch etwa vier bis sedhis Stunden.</p><p>Pl�tzlich kam ihm alles furchtbar sinnlos vor. Der Gesundheitszustand des Babies hatte sich nicht gebessert � es bebte und zuckte noch immer am ganzen K�rper und sah ganz allgemein wie das mit Abstand kr�nkste und bedauernswerteste Gesch�pf aller Zeiten aus. O�Mara fluchte hilflos. Was er jetzt versuchte, h�tte er schon vor Tagen probieren m�ssen. Sein Baby war so gut wie tot, und sollte er die derzeitige Behandlungsmethode weitere vier bis sechs Stunden durchf�hren, w�re er wahrscheinlich selbst tot oder m��te sein restliches Leben als Kr�ppel verbringen. Doch das w�rde ihm ganz recht geschehen, wie er selber meinte.</p></section><section><title><p>VI</p></title><p>Die unheildrohende Kr�mmung der Tentakel des hudlarischen Kindes k�ndigten O�Mara erneutes Gebr�ll an. Mit grimmiger Miene stemmte er sich abermals auf die Ellbogen, um wieder Streicheleinheiten austeilen zu k�nnen. Obwohl er von der Sinnlosigkeit seines Unterfangens �berzeugt war, mu�te man dem Kind wenigstens eine Chance geben. Wollte er seine Behandlung ohne Unterbrechung beenden, brauchte er Zeit, und deshalb mu�te er jetzt die Fragen des Monitors ausf�hrlich und zufriedenstellend beantworten, denn sobald das Baby wieder zu schreien anfangen w�rde, w�re er dazu nicht mehr in der Lage.</p><p>��um Ihnen die Zusammenarbeit ein wenig zu erleichtern, m�chte ich zun�chst einmal gerne eine Erkl�rung f�r Ihren pl�tzlichen Pers�nlichkeitswandel von Ihnen h�ren�, sagte der Major.</p><p>�Ich hab mich einfach gelangweilt, weil ich hier nicht genug zu tun hatte�, entgegnete O�Mara. �Vielleicht bin ich dadurch ein wenig aggressiv und auch verbiestert geworden. Aber der Hauptgrund, da� ich mich hier manchmal wie ein Kotzbrocken aufgef�hrt hab, lag an der Arbeit, die von einem netten Typ gar nicht h�tte erledigt werden k�nnen. Ich hab viel studiert und halte mich f�r einen recht guten, praxisbezogenen Psychologen.�</p><p>Pl�tzlich geschah die Katastrophe. Der Ellbogen, auf dem O�Mara sich abst�tze, als er gerade nach dem Halteseil griff, rutschte ab, und er wurde aus einer H�he von einem halben Meter zu Boden geschmettert. Bei drei Ge entsprach dies einem Fall aus �ber zwei Meter H�he. Zum Gl�ck trug er einen schweren Anzug mit einem gepolsterten Helm, so da� er nicht das Bewu�tsein verlor. Aber er schrie auf und hielt sich beim Fallen instinktiv am Seil fest.</p><p>Das war sein Fehler.</p><p>Ein Gewicht st�rzte herab, das andere scho� zu weit nach oben und schlug krachend gegen die Decke, wobei es den Leichtmetalltr�ger aus seiner Verankerung ri�, der es abst�tzte. Die gesamte Konstruktion begann abzusacken, rutschte heraus und krachte schlie�lich bei vier Ge auf das Kind herab. In seinem benommenen Zustand konnte O�Mara nur erahnen, mit welcher Wucht das Gewicht auf das Kind herabgest�rzt sein mu�te. Danach war das Baby jedenfalls v�llig still, was ihn verst�ndlicherweise beunruhigte.</p><p>��zum drittenmal�, br�llte der Monitor, �was, zum Teufel, geht dort eigentlich vor?�</p><p>O�Mara murmelte irgend etwas vor sich hin, was selbst in seinen eigenen Ohren ziemlich d�mlich klang.</p><p>Dann mischte sich Caxton wieder ein. �Da ist doch irgendwas faul, und ich wette, es hat etwas mit dem Kind zu tun! Ich mache mich jetzt auf den Weg und werde mal nachsehen.�</p><p>�Nein, warten Sie!� wandte O�Mara verzweifelt ein. �Geben Sie mir noch sechs Stunden.�</p><p>�In zehn Minuten bin ich bei Ihnen�, lie� Caxton nicht locker.</p><p>�Caxton!� schrie O�Mara. �Wenn Sie durch meine Luftschleuse kommen, bringen Sie mich um! Ich werde die Innenluke ge�ffnet und fest verkeilt haben, und wenn Sie die Au�enluke �ffnen, wird die Luft herausstr�men. Glauben Sie mir, dann hat der Major niemanden mehr, den er verhaften kann.�</p><p>Pl�tzlich herrschte Schweigen, dann fragte der Major gefa�t: �Wozu brauchen Sie denn die sechs Stunden?�</p><p>O�Mara versuchte den Kopf zu sch�tteln, um wieder klare Gedanken fassen zu k�nnen, aber da sein Sch�del jetzt das Dreifache wog, verrenkte er sich lediglich den Hals. Als er sich umsah, fragte er sich selbst, wozu er diese sechs Stunden eigentlich noch brauchte, denn sowohl die Spritzpistole als auch der mit ihr verbundene Wasserbeh�lter waren durch den von der Decke fallenden Flaschenzug demoliert worden. Also konnte er das Baby weder f�ttern oder waschen, noch konnte er es unter den herabgest�rzten Tr�mmern �berhaupt sehen. Folglich blieb ihm nichts anderes �brig, als sechs Stunden lang auf ein Wunder zu warten.</p><p>�Ich mach mich jetzt auf den Weg�, beharrte Caxton.</p><p>�Sie bleiben hier, Caxton!� befahl der Major im h�flichen, aber bestimmten Ton. �Ich will der Sache auf den Grund gehen. Sie warten jetzt drau�en, bis ich mit O�Mara allein gesprochen hab. Also, O�Mara, schie�en Sie los! Was� geht�bei� Ihnen� vor?�</p><p>Wieder flach auf dem R�cken liegend, k�mpfte O�Mara darum, genug Atem zu bekommen, um ein ausgedehntes Gespr�ch f�hren zu k�nnen. Er hatte sich entschieden, dem Monitor am besten die ganze Wahrheit zu sagen und ihn dann zu bitten, ihm auf die einzig m�gliche Weise zu helfen, durch die das Kind gerettet werden k�nnte � n�mlich ihn sechs Stunden lang allein zu lassen. Aber w�hrend O�Mara erz�hlte, f�hlte er sich im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zerst�rt, und sein Blick war so verschwommen, da� er manchmal selbst nicht sagen konnte, ob seine Augenlider offen oder geschlossen waren. Er sah allerdings, wie jemand dem Major eine Nachricht �bergab, die Craythorne aber erst las, als O�Mara zu Ende gesprochen hatte.</p><p>�Sie haben leider Pech�, sagte Craythorne schlie�lich, wobei er kurz so etwas wie Mitleid durchblicken lie�, dann aber wurde seine Stimme wieder strenger. �Normalerweise w�rde ich mich gezwungen sehen, Ihrem Vorschlag zu folgen und Ihnen die sechs Stunden zu bewilligen. Schlie�lich haben Sie das Buch und sind deshalb besser unterrichtet als wir. Aber die Lage hat sich in den letzten Minuten schlagartig ge�ndert. Ich bin gerade unterrichtet worden, da� zwei Hudlarer eingetroffen sind, von denen einer Arzt ist. Sie sollten lieber aufgeben, O�Mara. Sie haben wirklich alles versucht, aber jetzt �berlassen Sie es bitte den Fachleuten, die Situation zu retten. um des Kindes willen�, f�gte er hinzu.</p><p>Mittlerweile waren drei Stunden vergangen. Caxton, Waring und O�Mara sa�en dem Monitor, der gerade hereingekommen war, am Tisch gegen�ber.</p><p>�Die n�chsten Tage hab ich eine Menge um die Ohren, also lassen Sie uns die Angelegenheit rasch kl�ren� sagte Craythorne gesch�ftig. �Zuerst der Unfall. O�Mara, Ihr Fall h�ngt allein von der Aussage Warings ab. Ihrerseits scheint es da einige sehr fragw�rdige Gedankeng�nge zu geben. Ich hab Warings Zeugenaussage bereits geh�rt, aber um meine eigene Neugier zu befriedigen, m�chte ich gern wissen, was er Ihrer Meinung nach gesagt hat.�</p><p>�Er hat meine Aussage bestimmt best�tigt�, sagte O�Mara gleichg�ltig. �Schlie�lich hatte er gar keine andere Wahl.� Er blickte auf seine H�nde und mu�te immer noch an das schwerkranke Baby denken, das er in seinem Quartier zur�ckgelassen hatte. Immer wieder versuchte er, sich einzureden, f�r die Vorkommnisse nicht verantwortlich zu sein, aber tief im Innern sp�rte er, da� das Kind jetzt wohlauf gewesen w�re, wenn er mehr geistige Flexibilit�t bewiesen und mit der Druckbehandlung fr�her begonnen h�tte.</p><p>�Und warum glauben Sie, da� Waring keine andere Wahl hatte?� dr�ngte der Monitor.</p><p>Caxton sa� mit offenem Mund da und wirkte verwirrt. Waring war schon die ganze Zeit O�Maras Blick ausgewichen und err�tete jetzt.</p><p>�Als ich hierherkam�, begann O�Mara lustlos, �hab ich mich nach einer zweiten Aufgabe umgesehen, um meine Freizeit besser auszuf�llen. Dabei kam heraus, da� ich mich an Warings Fersen geheftet hab. Er ist der Grund, weshalb ich hier so verha�t bin. Auf der anderen Seite war das die einzige M�glichkeit, ihm zu helfen. Aber um das zu verstehen, m��te ich etwas weiter ausholen.</p><p>Wegen des Kernreaktorunfalls�, fuhr O�Mara fort, �standen alle M�nner seines Abschnitts tief in Warings Schuld � wahrscheinlich kennen Sie mittlerweile die Einzelheiten. Waring selbst war �bel dran. K�rperlich war er am Ende. Ihm mu�ten Spritzen verabreicht werden, um sein Blutbild aufrechtzuerhalten, und physisch war er gerade noch kr�ftig genug, um an seinem Kontrollpult zu arbeiten. Ansonsten schwelgte er in Selbstmitleid. Seelisch war er ein Wrack. Trotz Pellings Versicherungen, die Spritzen seien nur noch ein paar Monate notwendig, war er davon �berzeugt, unter b�sartiger An�mie zu leiden. Au�erdem hat er trotz gegenteiliger Aussagen des Arztes geglaubt, er sei zeugungsunf�hig geworden. Und aus dieser �berzeugung heraus nahm er ein so merkw�rdiges Verhalten an, da� man als normaler Mensch eine G�nsehaut bekam � zumal alles nur auf Einbildung beruhte und ihm in dieser Hinsicht �berhaupt nichts fehlte. Als ich mitbekam, wo der Hase lang lief, begann ich, ihn bei jeder sich mir bietenden Gelegenheit l�cherlich zu machen und hab ihm gnadenlos nachgestellt. Deshalb hatte er meiner Meinung nach gar keine andere Wahl, als meine Darstellung der Ereignisse zu best�tigen � schon aus blo�er Dankbarkeit.�</p><p>�Langsam geht mir ein Licht auf�, warf der Major ein. �Aber erz�hlen Sie bitte weiter.�</p><p>�Wie gesagt, die M�nner in Warings Umgebung standen tief in seiner Schuld�, fuhr O�Mara fort. �Aber anstatt ihn zu bremsen und sich vern�nftig mit ihm zu unterhalten, �berh�uften sie ihn mit Mitleid. Sie lie�en ihn jeden Streit, jedes Kartenspiel und was sonst noch alles gewinnen und behandelten ihn ganz generell wie einen kleinen Gott. Ich hab da nicht mitgemacht. Jedesmal, wenn er lispelte oder stotterte oder sich sonst wie t�lpelhaft auff�hrte, hab ich ihn gnadenlos heruntergemacht � egal, ob es sich dabei um eine sich selbst eingeredete psychische Behinderung handelte oder um eine k�rperliche, f�r die er nichts konnte. Vielleicht bin ich manchmal zu grob mit ihm umgegangen, aber bedenken Sie, da� ich als einzelner einen Schaden ungeschehen machen wollte, der von f�nfzig Leuten angerichtet worden war. Nat�rlich konnte mich Waring auf den Tod nicht ausstehen, aber bei mir wu�te er wenigstens immer genau, wo er dran war. Und ich hab ganz sch�n vom Leder gezogen. Bei den seltenen Gelegenheiten, wo er es schaffte, mich einmal unterzukriegen, hatte er trotz meines erbitterten Widerstands wirklich gewonnen, und das wu�te er � ganz im Gegensatz zu seinen Freunden, die sich von ihm in allem schlagen lie�en, wodurch seine vermeintliche �berlegenheit v�llig bedeutungslos wurde. Dabei brauchte er aber gerade jemanden, der ihn schikanierte, ihn aber auch als Gleichberechtigten behandelte und keinerlei Zugest�ndnisse machte. Als dann diese schlimme Geschichte passierte�, schlo� O�Mara, �war ich mir ziemlich sicher, er w�rde � bewu�t wie auch unbewu�t -</p><p>allm�hlich kapieren, was ich f�r ihn getan hab, und neben der Tatsache, da� er im Grunde ein anst�ndiger Kerl ist, aus blo�er Dankbarkeit keine Beweise zur�ckhalten, die meine Unschuld untermauern. Hab ich recht behalten?�</p><p>�Ja�, best�tigte der Major. Er hielt kurz inne, um auf Caxton beschwichtigend einzuwirken, der protestierend aufgesprungen war, und fuhr dann fort: �Wobei wir bei dem kleinen FROB w�ren. Offenbar hat sich Ihr Baby eine der leichten, aber seltenen Krankheiten eingefangen, die nur auf seinem Heimatplaneten erfolgreich behandelt werden k�nnen.� Craythorne grinste pl�tzlich. �Jedenfalls wurde das bis vor ein paar Stunden von unseren hudlarischen Freunden so angenommen. Jetzt aber haben die beiden verlauten lassen, da� die richtige Behandlung von Ihnen bereits eingeleitet worden ist und sie nur noch ein paar Tage abzuwarten brauchen, bis das Kind wieder v�llig gesund sein wird. Aber die beiden sind auch ziemlich sauer auf Sie, O�Mara�, fuhr der Monitor fort. �Die Hudlarer behaupten, Sie h�tten irgendein spezielles Ger�t zusammengebastelt, um das Kind streicheln und bes�nftigen zu k�nnen. Sie sollen das aber viel �fter getan haben, als es zu w�nschen gewesen w�re. Das Baby sei schrecklich verw�hnt und zudem �berf�ttert, sagen die beiden, und zwar in einem solchen Ausma�, da� es derzeit Menschen den Angeh�rigen seiner eigenen Spezies vorzieht.�</p><p>Pl�tzlich schlug Caxton mit der Faust auf den Tisch.</p><p>�Sie werden ihn doch wohl nicht so einfach davonkommen lassen!� br�llte er mit puterrotem Gesicht. �Waring wei� einfach nicht, was er manchmal sagt.�</p><p>�Mister Caxton!� unterbrach ihn der Major scharf. �S�mtliche uns zur Verf�gung stehenden Beweise belegen, da� man Mister O�Mara nichts vorwerfen kann, sowohl was den Unfall angeht als auch die sp�tere Pflege des Kindes. Trotzdem bin ich mit ihm hier noch nicht fertig. Vielleicht w�ren Sie beide deshalb jetzt erst einmal so freundlich und gehen hinaus.�</p><p>Caxton lie� sich nicht lange bitten und st�rmte w�tend nach drau�en.</p><p>Waring folgte ihm gem�chlich. Dann drehte er sich an der T�r noch einmal um, warf O�Mara einen druckreifen und drei nicht druckreife Ausdr�cke an den Kopf und verschwand schlie�lich mit einem zufriedenen Grinsen.</p><p>Der Major seufzte nur und sagte streng: �O�Mara, Sie haben wieder einmal Ihren Job verloren. Zwar gebe ich in der Regel keine ungebetenen Ratschl�ge, m�chte Sie aber an einige grundlegende Dinge erinnern. In wenigen Wochen wird hier das Personal samt Wartungsingenieuren f�r dieses Hospital eintreffen, und es wird praktisch aus s�mtlichen bekannten Spezies dieser Galaxis zusammengesetzt sein. Meine Aufgabe besteht nun darin, allen bei der Eingew�hnung behilflich zu sein und eventuell auftretende Reibereien gleich im Keim zu ersticken, damit sie letztendlich als Team zusammenarbeiten werden. Bis jetzt gibt es noch keine schriftlich fixierten Verhaltensma�regeln f�r dieses Problem, aber meine Vorgesetzten haben mir vor meiner Abreise gesagt, da� es einen guten, praxisorientierten Psychologen mit einer Menge gesundem Menschenverstand erfordere, der sich nicht scheut, hin und wieder ein kalkuliertes Risiko einzugehen. Ich brauche Ihnen gegen�ber wohl nicht zu erw�hnen, da� zwei solche Psychologen weit mehr erreichen k�nnten als einer und.�</p><p>O�Mara h�rte dem Monitor nur mit einem Ohr zu, weil er daran denken mu�te, wie Waring ihn beim Hinausgehen angegrinst hatte. Sowohl das Kind als auch Waring waren jetzt auf dem Weg der Besserung, dessen war er sich sicher, und in seinem gegenw�rtigen Zustand der Gl�ckseligkeit konnte er niemandem etwas abschlagen. Aber anscheinend hatte der Major seine Geistesabwesenheit falsch gedeutet.</p><p>��verdammt, O�Mara! Ich biete Ihnen einen Job an. Sie geh�ren und passen hierher! Kapieren Sie das nicht, Mann? Das hier ist ein Hospital, und Sie haben unseren ersten Patienten geheilt.!�</p></section><section><title><p>Zweiter Teil</p><p>Das Orbit Hospital</p></title><empty-line/></section><section><title><p>I</p></title><p>Was aus der Ferne wie ein mi�gestalteter Weihnachtsbaum aussah, waren die strahlenden Lichter des Orbit Hospitals, die sich im galaktischen Sektor zw�lf vor dem nebelhaften Hintergrund der Sterne nach allen Seiten ausbreiteten. Aus den Sichtfenstern schienen gelbe, rotorangefarbene und hellgr�ne Lichter, andere leuchteten in einem grellen Blau, das in den Augen stach. An einigen Stellen war es auch dunkel. Dort waren strahlenundurchl�ssige Stahlplatten angebracht worden, hinter denen entweder Abschnitte lagen, in denen das Licht derart grell war, da� die Augen der anfliegenden Raumpiloten davor gesch�tzt werden mu�ten, oder aber Abteilungen, in denen es v�llig dunkel und kalt war, weil nicht einmal das Sternenlicht die Augen der Bewohner erreichen durfte.</p><p>F�r die Insassen des Telfischiffs, das gerade aus dem Hyperraum glitt und etwa drei�ig Kilometer von dieser gewaltigen Konstruktion entfernt im Raum schwebte, war diese auffallende Beleuchtung dennoch zu schwach, um ohne den Einsatz von Instrumenten wahrgenommen zu werden. Die Telfi waren Kernenergieverwerter. Der Schiffsk�rper schimmerte in einem flie�enden, blauen radioaktiven Licht, und das Innere war mit hochgradiger harter Strahlung angef�llt, was aber durchaus normal war. Lediglich im Heck des kleinen Schiffs herrschten ungew�hnliche Bedingungen. Hier im Maschinenraum hatte sich der aktive Kern eines Reaktors in unterkritische und unabgeschirmte Massen aufgel�st, und dort war selbst f�r einen Telfi die radioaktive Strahlung zu stark geworden.</p><p>Das denkende Gruppenwesen, das den Kapit�n und die Besatzung in einem verk�rperte, aktivierte den Kurzstreckenkommunikator und redete in der abgehackten und dr�hnenden Sprache, in der man sich mit jenen r�ckst�ndigen Wesen unterhielt, die unf�hig waren, sich mit einer Telfigestalt zu verschmelzen.</p><p>�Hier meldet sich eine Hundert-Einheiten-Telfigestalt�, sagte das Wesen langsam und deutlich. �Wir haben Verletzte an Bord und ben�tigen Ihre Hilfe. Unsere Klassifikation als ganze Gruppe lautet VTXM. Ich wiederhole: VTXM.�</p><p>�Bitte Einzelheiten und Dringlichkeitsstufe�, fuhr eine Stimme energisch dazwischen, als die Telfigestalt seine Mitteilung gerade wiederholen wollte. Die R�ckmeldung wurde in dieselbe Sprache �bertragen, die der Kapit�n benutzt hatte. Die Gestalt lieferte umgehend die geforderten Einzelheiten und wartete ab. Sie bestand aus hundert spezialisierten Einheiten, die sowohl ihren Verstand als auch ihren K�rper bildeten. Einige der Einheiten waren blind, taub und vielleicht sogar tote Zellen, die keinerlei Sinneseindr�cke empfangen oder aufzeichnen konnten, wohingegen andere solch unertr�gliche Schmerzenswellen ausstrahlten, da� sich das Gruppenwesen kr�mmte und sich in stiller Anteilnahme wand. Wollte diese Stimme denn niemals antworten, fragten sich die Telfigestalt, und wenn ja, w�rde man ihr helfen k�nnen?</p><p>�Sie d�rfen sich dem Hospital h�chstens bis auf zehn Kilometer n�hern�, meldete sich die Stimme pl�tzlich. �Andernfalls w�rden Sie den von radioaktiven Strahlen unabgeschirmten Verkehr in der unmittelbaren Umgebung des Sektors zw�lf oder die Wesen mit einer geringen Strahlungstoleranz innerhalb des Orbit Hospitals gef�hrden.�</p><p>�Wir verstehen�, sagte die Telfigestalt.</p><p>�Sehr gut�, antwortete die Stimme erleichtert. �Au�erdem m�ssen Sie bedenken, da� es uns bei Ihnen im Schiff zu hei� ist, um direkt eingreifen zu k�nnen. Ferngesteuerte Ger�te sind bereits zu Ihnen unterwegs. Sie k�nnen die Sache vereinfachen, wenn Sie sich darum k�mmern, da� Ihre Verletzten so nahe wie m�glich zur gr��ten Einstiegsluke gebracht werden. Keine Sorge, falls das nicht m�glich ist, besitzen wir die technischen Hilfsmittel in Ihr Schiff einzudringen und die Verletzten zu bergen.� Die Stimme schlo� mit den Worten, da� man zwar hoffe, den Patienten helfen zu k�nnen, man aber gegenw�rtig noch nicht imstande sei, eine genaue Prognose zu stellen.</p><p>Die Telfigestalt dachte dar�ber nach, da� zwar die Schmerzen, von denen ihr Verstand und ihr ver�stelter und vielgliedriger K�rper heimgesucht wurde, bald verschwunden sein w�rden, aber ebenso fast ein Viertel ihrer gesamten Struktur.</p><p>Mit jenem Gl�cksgef�hl, das man nur hat, wenn man nach acht Stunden Tiefschlaf ein reichhaltiges Fr�hst�ck genossen und eine interessante Arbeit vor sich hatte, begab sich Conway gutgelaunt zu seiner Abteilung. Es war nat�rlich nicht wirklich seine Abteilung � falls auf irgendeiner Krankenstation etwas Ernsthaftes passieren sollte, wurde allenfalls von ihm erwartet, Hilfe herbeizurufen. Aber angesichts der Tatsache, erst seit zwei Monaten hier zu sein, st�rte ihn das genausowenig wie die Begleiterscheinung, da� noch einige Zeit vergehen w�rde, ehe man ihm F�lle anvertrauen wollte, die mehr als nur mechanischer Behandlungsmethoden bedurften. L�ckenloses Wissen �ber die Physiologie einer beliebigen Spezies konnte man innerhalb weniger Minuten durch Schulungsb�nder erlangen, aber das Geschick, dieses Wissen auch praktisch anzuwenden � erst recht in der Chirurgie �, brauchte seine Zeit. Conway jedenfalls freute sich mit unverhohlenem Stolz darauf, von nun an sein Leben damit zu verbringen, sich diese F�higkeiten anzueignen.</p><p>An einer Stelle, wo sich zwei G�nge kreuzten, traf er auf einen FGLI, den er kannte � einen tralthanischen Medizinalassistenten, der seinen elefanten�hnlichen K�rper auf sechs schwammigen F��en vorw�rtsschleppte. Die untersetzten Beine schienen noch gummiartiger als gew�hnlich, und der kleine OTSB, der in einer Symbiose mit dem Alien lebte, lag praktisch im Koma.</p><p>�Guten Morgen�, begr��te Conway ihn strahlend.</p><p>Als �bersetzte und deshalb zwangsl�ufig emotionslos klingende Antwort erhielt er nur: �La� mich blo� in Ruhe!�</p><p>Conway grinste.</p><p>In und um die Unfallaufnahme herum hatte es gestern viel Wirbel gegeben. Zwar war Conway nicht gerufen worden, aber es sah ganz so aus, als h�tte der Tralthaner seither keine einzige ruhige Minute mehr gehabt.</p><p>Einige Meter weiter begegnete er einem anderen Tralthaner, der langsam neben einem kleinen Wesen herging,5das wie er selbst ein DBDG war, sich allerdings von ihm wesentlich unterschied. DBDG war nur die Obergruppenklassifikation, mit der die physischen Eigenschaften einer Spezies � die Anzahl der Arme, K�pfe, Beine und so weiter � allgemein bestimmt wurden. Die Tatsache, da� dieses Wesen siebenfingrige H�nde hatte, nur ein Meter zwanzig gro� war und wie ein extrem pl�schiger Teddyb�r aussah, wurde erst deutlich, wenn man die Klassifikation auf zwei oder drei Untergruppen ausdehnte. Conway hatte zwar das Sternsystem vergessen, aus dem das Wesen stammte, erinnerte sich aber, geh�rt zu haben, da� es von einem Planeten kam, auf dem pl�tzlich eine Eiszeit ausgebrochen war. Aus diesem Grund hatte dessen am weitesten fortgeschrittene Lebensform gleichzeitig Intelligenz und einen dicken roten Pelz entwickelt. Der DBDG hielt die H�nde hinter dem R�cken verschr�nkt und starrte geistesabwesend zu Boden. Sein enorm gro�er Begleiter zeigte �hnliche Anzeichen der Konzentration, zog aber wegen der verschiedenartigen Lage der Sehorgane die Decke vor. Beide trugen ihre Berufsbezeichnung an goldenen Armb�ndern, was in diesem Fall bedeutete, da� es sich um keine Geringeren als um Diagnostiker handelte, die sich h�ufig etwas blasiert gaben. Conway h�tete sich davor, die beiden zu begr��en, und schlich auf Zehenspitzen an ihnen vorbei.</p><p>M�glicherweise waren sie gerade in irgendein medizinisches Problem vertieft, dachte Conway, oder aber, was ebenso wahrscheinlich war, sie hatten sich gerade gestritten und ignorierten ostentativ die Gegenwart des anderen. Diagnostiker waren eigent�mliche Leute. Um es vorwegzunehmen: Sie waren zwar nicht direkt verr�ckt, aber ihr Beruf zwang ihnen eine gewisse Schrulligkeit regelrecht auf�</p><p>An jeder Kreuzung gab es fortw�hrend Lautsprecherinformationen in einem unverst�ndlichen Alienkauderwelsch, die Conway im Vor�bergehen bislang nur halb wahrgenommen hatte. Aber als pl�tzlich eine Durchsage auf terranisch durchgegeben wurde und zu seiner �berraschung sein Name aufgerufen wurde, blieb er wie angewurzelt stehen.</p><p>��sofort zur Einla�schleuse zw�lf�, wiederholte die Stimme monoton. �Klassifikation VTXM-23. Doktor Conway, bitte begeben Sie sich sofort zur Einla�schleuse zw�lf. Klassifikation VTXM-23.�</p><p>Conways erster Gedanke war, da� unm�glich er gemeint sein konnte. Aber tats�chlich deutete alles darauf hin, als wollte man ihn zu einem Fall hinzuziehen, und zwar zu einem gro�en, denn die �23� hinter dem Klassifikationscode bezog sich auf die Anzahl der zu behandelnden Patienten. Die Klassifikation VTXM war ihm allerdings v�llig fremd. Nat�rlich wu�te er, was die Buchstaben bedeuteten, aber er h�tte nie geglaubt, sie jemals in dieser Kombination anzutreffen. Nach allem, was er wu�te, mu�te es sich um irgendeine Art telepathischer Spezies handeln, die Strahlungsenergie direkt umwandeln konnte und gew�hnlich als eng zusammenh�ngende Gruppe oder als sogenannte �Gestalt� existierte. Das V an erster Stelle der Klassifikation deutete darauf hin, da� extrasensorische Kr�fte ihr allerwichtigstes Merkmal, der gesamte K�rperbau hingegen absolut zweitrangig war. W�hrend Conway sich noch fragte, ob er einem solchen Fall bereits gewachsen war, hatte er bereits auf dem Absatz kehrtgemacht und eilte wie automatisch zur Schleuse zw�lf.</p><p>Dort wurde er schon von seinen Patienten in einem Metallbeh�lter erwartet, der rundum mit Bleiplatten abgedeckt war und bereits auf einer mit einem Fahrersitz versehenen Elektrobahre lag. Ein Pfleger berichtete Conway in kurzen Worten, da� sich die Wesen selbst als �Telfigestalt� bezeichneten. Au�erdem lasse eine vorl�ufige Diagnose die Benutzung des Strahlungsoperationssaals als notwendig erscheinen, der schon vorbereitet worden sei. Zudem k�nne er infolge der leichten Transportf�higkeit seiner Patienten Zeit sparen, indem er sie zum Schulungsraum mitnahm und drau�en warten lie�, w�hrend er sich mit Hilfe eines Schulungsbandes �ber die Physiologie der Telfi unterrichten w�rde.</p><p>Conway bedankte sich mit einem Nicken, sprang auf den Wagen und setzte ihn in Bewegung, wobei er vor dem Pfleger den Eindruck zu erwecken versuchte, es handle sich f�r ihn lediglich um einen ganz allt�glichen Routinefall.</p><p>Sein angenehmes, aber durchaus arbeitsreiches Leben, das ihm eine so au�ergew�hnliche Einrichtung wie das Orbit Hospital bot, hatte nur einen einzigen bitteren Beigeschmack, den er beim Betreten des Schulungsraums wieder einmal zu sp�ren bekam: ein Monitor hatte Dienst. Conway verabscheute Monitore. Die Gegenwart einer solchen Person wirkte sich auf ihn mehr aus als die unmittelbare N�he eines �bertr�gers einer ansteckenden Krankheit. Und wenn er auch stolz darauf war, da� er als ein kultivierter und mit hohen moralischen Werten ausgestatteter Mensch es niemals �ber sich bringen w�rde, irgend etwas oder irgend jemanden zu hassen, so verabscheute er Monitore doch aus tiefstem Herzen. Nat�rlich wu�te er, wie einige Wesen manchmal durchdrehen konnten und da� es jemanden geben mu�te, der die notwendigen Gegenma�nahmen ergreifen konnte, um den Frieden zu wahren. Aber allein wegen seiner Abscheu vor Gewalt in jedweder Form konnte er Leute, die solche Sanktionen vornahmen, einfach nicht m�gen.</p><p>Und was hatten Monitore �berhaupt in einem Hospital zu suchen?</p><p>Als er den Raum betrat, drehte sich die Gestalt, die in einem engen, dunkelgr�nen Overall vor dem Schulungskontrollpult sa�, schnell herum. Conway bekam einen zweiten Schock. Der Monitor trug nicht nur das Rangabzeichen eines Majors auf der Schulter, sondern zus�tzlich den �skulapstab der �rztlichen Zunft am Kragen!</p><p>�Guten Tag, mein Name ist O�Mara�, begr��te ihn der Major mit freundlicher Stimme. �Ich bin der Chefpsychologe in diesem Irrenhaus. Ich nehme an, Sie sind Doktor Conway, stimmt�s?� f�gte er l�chelnd hinzu.</p><p>Conway erwiderte das L�cheln, wu�te aber, wie gezwungen es wirken mu�te und da� dies seinem Gegen�ber nicht verborgen geblieben war.</p><p>Etwas weniger entgegenkommend fuhr O�Mara fort: �Sie brauchen also das Telfiband. Nun, Doktor, Sie haben sich diesmal etwas sehr Ausgefallenes aufhalsen lassen. Sobald Sie Ihre Arbeit erledigt haben, sollten Sie das Band so schnell wie m�glich wieder aus Ihrem Ged�chtnis l�schen. Glauben Sie mir, Sie werden die Informationen bestimmt nicht behalten wollen. Also gut, geben Sie mir bitte hier Ihren Daumenabdruck, und dann setzen Sie sich dort hin�ber.�</p><p>W�hrend Conway mit dem SchuJungsger�t durch ein Stirnband und Elektroden verbunden wurde, war er bem�ht, gleichg�ltig dreinzuschauen und den festen und geschickten H�nden des Majors nicht mit dem Kopf auszuweichen.</p><p>O�Maras kurzgeschnittenes Haar war metallisch grau, und seine Augen hatten die durchdringende Wirkung von blauen Stahlbohrern. Conway wu�te, da� diese Augen jede seiner Reaktionen genau beobachtet hatten und ein genauso scharfer Verstand nun seine Schlu�folgerungen daraus zog.</p><p>�So, das war�s�, sagte O�Mara, als endlich alles vorbei war. �Bevor Sie gehen, Doktor, wollte ich Ihnen noch sagen, da� wir dringend einen kleinen Plausch miteinander halten m�ssen. Lassen Sie es uns eine Art Neuorientierungsgespr�ch nennen. Allerdings nicht jetzt, schlie�lich haben Sie noch zu tun, aber sobald Sie mit Ihrer Aufgabe fertig sind.�</p><p>Als Conway hinausging, sp�rte er, wie sich die stahlblauen Augen in seinen R�cken bohrten.</p><p>Wie ihm geraten worden war, h�tte er sich jetzt durch nichts ablenken lassen sollen, damit sich das neu eingepr�gte Wissen in aller Ruhe setzen konnte. Aber seine Gedanken drehten sich nur noch darum, da� im Orbit Hospital ein Monitor ein ranghohes Mitglied des Mitarbeiterstabs war � und ein Arzt noch dazu. Wie lie�en sich diese beiden Berufe �berhaupt miteinander vereinbaren?</p><p>Conway betrachte nachdenklich seine Armbinde, auf der der tralthanische schwarz-rote Kreis, die flammende Sonne der chloratmenden Illensaner und die sich um den Stab windende Schlange der Erde abgebildet waren � all die in hohen Ehren gehaltenen medizinischen Symbole der drei bekanntesten Spezies der galaktischen Union. Und jetzt tauchte da dieser Dr. O�Mara auf, dessen Kragenansatz behauptete, er stehe im Dienste der Heilkunst, dessen Schulterklappen aber verrieten, da� er etwas ganz anderes war.</p><p>Eins jedenfalls stand jetzt f�r Conway fest: Er w�rde sich erst dann wieder hier wirklich wohl f�hlen, sobald er herausgefunden hatte, weshalb der Chefpsychologe des Hospitals ein Monitor war.</p></section><section><title><p>II</p></title><p>Es war Conways erste Erfahrung mit einem Schulungsband �ber die Physiologie von Aliens, und mit Interesse bemerkte er, wie er in zunehmendem Ma�e in Gedanken doppelt zu sehen begann � ein eindeutiges Indiz daf�r, da� das Band seine Wirkung nicht verfehlt hatte. Als er den Strahlungsoperationssaal betrat, hatte er das Gef�hl, als verk�rpere er zwei Lebewesen in einem � einen Menschen namens Conway und die beeindruckende und in diesem Fall sogar aus f�nfhundert Einheiten bestehende Telfigestalt, die zuvor nachgebildet worden war, um s�mtliches bekanntes Wissen �ber die Physiologie dieser Spezies mental weitervermitteln zu k�nnen. Dieses Schulungssystem hatte allerdings auch einen Nachteil, wenn es denn �berhaupt einer war: W�hrend des �Unterrichts� wurde nicht nur Wissen vermittelt, es wurden auch die verschiedenen Pers�nlichkeitsstrukturen der Wesen �bertragen, die dieses Wissen einst besessen hatten. Somit ist es alles andere als ein Wunder, da� die Diagnostiker, die zeitweilig bis zu zehn Schulungsb�nder im Kopf gespeichert hatten, oft ein wenig �berdreht wirkten.</p><p>Ein Diagnostiker erf�llte die wichtigste Aufgabe in einem Hospital, dachte Conway, w�hrend er den Strahlenschutzpanzer anlegte und seine Patienten f�r die Voruntersuchung vorbereitete. Hin und wieder, wenn er sich etwas selbstbewu�ter als gew�hnlich f�hlte, spielte er selbst mit dem Gedanken, irgendwann einmal Diagnostiker zu werden. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, grunds�tzliche Arbeit in der xenologischen Medizin und Chirurgie zu leisten, wobei sie ihren mit Informationen vollgestopften Verstand als Ausgangsbasis benutzten. Au�erdem mu�ten sie sich der Notf�lle annehmen, f�r die es keine Schulungsb�nder gab, um eine Diagnose zu stellen und die vorl�ufige Behandlung einzuleiten.</p><p>So etwas Banales wie leichte Verletzungen und Krankheiten fielen nicht in ihren Aufgabenbereich. Bevor sich ein Diagnostiker einem Patienten widmete, mu�te dieser bereits zu drei Viertel tot sein, mu�te es sich also um einen einzigartigen und fast hoffnungslosen Fall handeln. Sobald sich allerdings ein Diagnostiker eines Patienten annahm, war dieser so gut wie geheilt � mit geradezu monotoner Regelm��igkeit vollbrachten sie regelrechte Wunder.</p><p>Wie Conway nur zu gut wu�te, unterlagen rangniedrigere �rzte immer wieder der Versuchung, den Inhalt eines Bandes zu behalten, anstatt ihn zu l�schen. Sie hofften, auf diese Weise irgendeine wichtige Entdeckung zu machen, die ihnen zu Ruhm und Anerkennung verhelfen k�nnte. Bei praktisch veranlagten und ausgeglichenen Menschen wie ihm w�rde es allerdings bestimmt nur bei einer Versuchung bleiben.</p><p>Um seine Patienten wirklich sehen zu k�nnen, h�tte Conway eine komplizierte Vorrichtung aus Bleiplatten und Spiegeln aufbauen m�ssen. Dennoch konnte er jeden einzeln untersuchen; das Schulungsband hatte ihn n�mlich praktisch zu einem von ihnen gemacht, und deshalb wu�te er, wie sie sowohl von innen als auch von au�en aussahen. Diese Kenntnisse, verbunden mit seinen eigenen Untersuchungsergebnissen und der ihm zuvor mitgeteilten Krankheitsgeschichte, verrieten Conway alles, was er wissen mu�te, um die Behandlung einleiten zu k�nnen.</p><p>Als Bestandteile einer Telfigestalt hatten seine Patienten zur Besatzung eines interstellaren Kreuzers geh�rt, auf dem in einem der Kernreaktoren ein Unfall passiert war. Die kleinen, k�fer�hnlichen und teilweise sehr dummen Wesen absorbierten radioaktive Strahlung, aber diese Explosion war selbst f�r sie zuviel gewesen. Ihr Leiden konnte man als einen besonders schlimmen Fall von �bers�ttigung bezeichnen, verbunden mit einer zu langen �berstimulation der sensorischen Systeme, insbesondere der Schmerzzentren. Wenn er sie einfach in einem abgeschirmten Beh�lter lie� und ihnen radioaktive Strahlung vorenthielt � eine Behandlungsmethode, die auf ihrem hochradioaktiven Raumschiff unm�glich war �, konnte man davon ausgehen, da� sich etwa siebzig Prozent von ihnen innerhalb weniger Stunden selbst kurieren w�rden. Diese siebzig Prozent hatten Gl�ck, und Conway konnte sogar sagen, welche von ihnen zu dieser Kategorie geh�rten. Auf die anderen wartete eine Trag�die. Selbst wenn sie nicht direkt sterben w�rden, w�re ihr Schicksal fast noch schlimmer: Sie w�rden die F�higkeit verlieren, sich mit der Telfigestalt geistig zu verbinden, und das war f�r ein Telfi dasselbe wie ein Dasein als unheilbar kranker Kr�ppel.</p><p>Nur jemand, der am Verstand, an der Pers�nlichkeit und den Instinkten eines Telfi teilhaben konnte, wu�te um die Bedeutung einer solchen Trag�die.</p><p>Das war sehr bedauerlich, zumal die Krankheitsgeschichte nachwies, da� es genau diese Individuen gewesen waren, die sich nach der unerwarteten Explosion sofort zur Umstellung gezwungen hatten. Die wenigen Sekunden, die zum Verstreuen und Neutralisieren der Reaktorteile ben�tigt worden waren, waren sie aktiv geblieben, um ihr Schiff vor der v�lligen Vernichtung zu retten. Jetzt hatte sich ihr Stoffwechsel auf die dreifache Energiemenge eingestellt, die ein Telfi normalerweise aufnehmen konnte. Falls diese Energieaufnahme f�r eine l�ngere Zeitspanne unterbrochen wurde, angenommen noch ein paar Stunden, w�rden die Kommunikationszentren ihres Gehirns in Mitleidenschaft gezogen werden. Behielt man aber andererseits diese �berh�hte Energiezufuhr bei, w�rden sie sich binnen einer Woche praktisch selbst verbrennen.</p><p>F�r diese bedauernswerten Wesen gab es nur noch eine einzige angebrachte Behandlungsmethode. W�hrend Conway die Ger�te f�r den bevorstehenden Eingriff vorbereitete, bekam er immer mehr das Gef�hl, da� es sich dabei um eine h�chst unbefriedigende Methode handelte � denn sie war nichts anderes als ein kalkuliertes Risiko, eine n�chterne medizinische Statistik, ein Vorgang, den er durch nichts beeinflussen konnte, und er kam sich allenfalls wie ein etwas besserer Mechaniker vor.</p><p>Da er schnell vorankam, konnte er schon bald feststellen, da� sechzehn seiner Patienten an der telfischen Entsprechung einer akuten Verdauungsst�rung litten. Diese Telfi separierte er in abgeschirmte, hitzeabsorbierende Flaschen, damit die radioaktive Strahlung ihrer noch immer �hei�en� K�rper den �Aushungerungsprozeߓ nicht verlangsamte. Die Flaschen stellte er in einen kleinen Reaktorofen, der auf normale Telfi Strahlung eingestellt war. In jeder Flasche befand sich ein Detektor, der daf�r sorgte, da� die Abschirmung abgesto�en wurde, sobald die �bersch�ssige Radioaktivit�t abgebaut war. Die anderen sieben Telfi ben�tigten eine Spezialbehandlung. Conway brachte die restlichen sieben in einem Reaktorofen unter, den er gerade auf die fast exakt gleichen Bedingungen einstellte, die w�hrend des Unfalls im Schiff geherrscht hatten, als der Kommunikator summte. Erst als er mit seiner Arbeit fertig war und noch einmal alles �berpr�ft hatte, meldete er sich.</p><p>�Ja, bitte?�</p><p>�Hier spricht die Zentrale, Doktor Conway. Das Telfischiff erkundigt sich nach dem Befinden seiner Verletzten. Gibt es schon irgend etwas Neues?�</p><p>Unter den gegebenen Umst�nden war sein Zwischenbericht nicht einmal der schlechteste, trotzdem w�nschte sich Conway nichts mehr, als da� er h�tte besser ausfallen k�nnen. Die Aufl�sung oder Modifizierung einer einmal geformten Telfigestalt mu�ten die betroffenen Wesen wie ein Todestrauma empfinden, und mit dem zunehmendem Einf�hlungsverm�gen, das er durch das Physiologieband erworben hatte, konnte sich Conway seelisch wie k�rperlich in ihre Lage versetzen. �Sechzehn von ihnen werden in etwa vier Stunden so gut wie v�llig wiederhergestellt sein. Bei den anderen sieben wird es leider zu f�nfzig Prozent Todesf�lle geben, aber wen das betrifft, werden wir erst in ein paar Tagen wissen. Zur Zeit br�ten sie in einem Reaktor mit mehr als dem Doppeltem ihrer sonst erforderlichen Strahlung, die allm�hlich auf die normale Strahlendosis reduziert wird. Die H�lfte von ihnen m��te �berleben. Haben Sie alles verstanden?�</p><p>�Alles klar.� Nach ein paar Minuten meldete sich die Stimme erneut: �Die Telfigestalt ist mit Ihrem Zwischenbericht sehr zufrieden, Doktor Conway, und bedankt sich bei Ihnen. Ende.�</p><p>Eigentlich h�tte sich Conway dar�ber freuen m�ssen, seinen ersten Fall so erfolgreich gel�st zu haben, aber irgendwie f�hlte er sich niedergeschlagen. Jetzt, da fast alles vor�ber war, konnte er kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Er dachte fortw�hrend daran, da� f�nfzig Prozent von sieben dreieinhalb war, und was w�rde nun aus diesem merkw�rdigen halben Telfi werden? Er hoffte, vier anstatt drei Telfi w�rden die Behandlung �berstehen, ohne dabei zu geistigen Kr�ppeln zu werden. Seinem derzeitigen Empfinden nach m��te das Leben als ein Telfi sch�n sein, denn ein solches Wesen konnte nicht nur radioaktive Strahlung aufnehmen, sondern auch die zahlreichen und verschiedenartigen Eindr�cke eines aus etwa hundert Individuen bestehenden Gemeinschaftsk�rpers. Bei diesem Gedanken kam ihm sein eigener K�rper irgendwie kalt und vereinsamt vor, und es fiel ihm schwer, sich von der wohligen W�rme im Strahlungsoperationssaal loszurei�en.</p><p>Drau�en stieg er auf die Elektrobahre und brachte sie zur Einla�schleuse zur�ck. Jetzt w�re es an der Zeit, sich im Schulungsraum zu melden und das Telfiband l�schen zu lassen � schlie�lich hatte man ihn dazu sogar aufgefordert. Aber er wollte nicht gehen; allein der Gedanke an O�Mara beunruhigte ihn zutiefst, �ngstigte ihn sogar. Zwar war ihm bewu�t, da� er sich in der Gegenwart von Monitoren generell unwohl f�hlte, aber dieses Mal war es noch etwas anderes � es ging um O�Maras Gehabe und jenen �kleinen Plausch�, den er erw�hnt hatte. Conway war sich v�llig klein vorgekommen, als w�re dieser Monitor so etwas wie sein Vorgesetzter gewesen. Dabei konnte er beileibe nicht verstehen, warum er sich ausgerechnet vor einer Laus wie einem Monitor klein vorkommen sollte!</p><p>Die Intensit�t seiner Gef�hle schockierte ihn selbst; als kultivierter und ausgesprochen besonnener Mensch sollten ihm solche Gedanken eigentlich fremd sein. Seine Emotionen grenzten bereits an Ha�, und da er dieses Mal vor sich selbst Angst bekam, versuchte er, wenigstens ansatzweise klare Gedanken zu fassen.</p><p>Schlie�lich entschied er sich, das Problem zu vertagen und sich erst im Schulungsraum zu melden, nachdem er einen Rundgang durch seine Station gemacht hatte. Falls sich O�Mara �ber die Verz�gerung beschweren sollte, h�tte er so eine legitime Entschuldigung, und vielleicht, so hoffte er jedenfalls, w�rde der Chefpsychologe in der Zwischenzeit ja gar nicht mehr da sein oder woandershin beordert worden sein.</p><p>Als erstes suchte er einen AUGL von Chalderescol II auf, der zur Zeit der einzige Patient in der f�r seine Spezies reservierten Abteilung war. Dazu zog er sich die entsprechende Schutzkleidung an � in diesem Fall einen gew�hnlichen Taucheranzug � und begab sich durch die Schleuse direkt in einen Tank, in dem sich gr�nes, lauwarmes Wasser befand, das die Umweltbedingungen dieses Wesens nachahmte. Drinnen holte er aus einem verschlie�baren Schrank die notwendigen Instrumente, dann k�ndigte er laut seine Gegenwart an. Falls der Chalder da unten wirklich schlafen und zusammenschrecken sollte, konnte das ernste Folgen haben: Schon ein einziger versehentlicher, leichter Schwanzschlag dieses Wesens w�rde die Anzahl der Patienten in dieser Abteilung umgehend verdoppeln.</p><p>Der Chalder besa� einen dicken Schuppenpanzer und �hnelte entfernt einem etwa zw�lf Meter langen Krokodil. Statt Beinen hatte er allerdings eine anscheinend planlose Anordnung stummelartiger Flossen, und um die Leibesmitte zog sich ein Ring schlauchartiger Tentakel. Das Wesen trieb in dem riesigen Tank teilnahmslos in der N�he des Bodens, und das einzige Lebenszeichen waren die tr�ben Wasserstrudel um die Kiemen herum. Conway untersuchte den Chalder nur fl�chtig � durch die Behandlung der Telfis war er sp�t dran � und stellte die �blichen Fragen. Auf fast wundersame Weise gelangte die Antwort in Form einer tr�gen, eint�nigen Stimme durch das Wasser �ber den Translator bis in seine Kopfh�rer.</p><p>�Ich f�hle mich furchtbar elend und leide unter entsetzlichen Schmerzen�, sagte der Chalder, wobei er das mit sechs Zahnreihen besetzte Maul kaum �ffnete.</p><p>Du l�gst doch das Blaue vom Himmel herunter, dachte Conway im stillen. Dr. Lister, Direktor des Orbit Hospitals und der derzeit wahrscheinlich beste lebende Diagnostiker, hatte diesen Chalder praktisch von oben bis unten untersucht. Seine Diagnose hatte ergeben, da� es sich um unheilbare Hypochondrie handelte. Weiterhin f�hrte er damals aus, die an gewissen Stellen auftretenden �berlastungserscheinungen im Schuppenpanzer des Patienten und die dort gelegentlich auftauchenden Schmerzen seien allein auf die ungemeine Faulheit und Gefr��igkeit dieses eingebildeten Kranken zur�ckzuf�hren. Ein jeder wisse, eine Lebensform mit einem Ektoskelett k�nne nur von innen zunehmen. Nun, Diagnostiker waren nicht gerade f�r ihren zimperlichen Umgang mit Kranken bekannt.</p><p>Der Chalder wurde immer nur dann wirklich krank, sobald Gefahr drohte, da� er nach Hause entlassen werden sollte. Auf diese Weise hatte das Hospital einen Dauerpatienten bekommen, was allerdings noch nie jemanden gest�rt hatte. Bis zum heutigen Tag war er regelm��ig und in kurzen Abst�nden sowohl von �rzten und Psychologen aus dem festen Mitarbeiterstab als auch von Gastmedizinern untersucht und von fast allen Medizinalassistenten, Pflegern und Schwestern s�mtlicher zum Orbit Hospital geh�renden Spezies begutachtet worden. Er war so zum lebenden Anschauungsobjekt f�r die Auszubildenden im Medizinwesen geworden, die ihn von oben bis unten traktierten, an ihm herumstocherten oder je nach Grad ihres Sanftmuts auf ihn einh�mmerten � und der Chalder geno� jede Minute davon. Das Hospital war mit dieser L�sung des Problems genauso gl�cklich wie der vermeintliche Patient selbst, und niemand sprach mehr von seiner Entlassung.</p><p>Conway z�gerte kurz, bevor er in dem riesigen Tank nach oben schwamm, denn er hatte kein gutes Gef�hl. Seine n�chste Visite sollte n�mlich den beiden methanatmenden Lebensformen in der Niedertemperaturabteilung seiner Station gelten, und er hatte �berhaupt keine Lust dazu. Trotz des warmen Wassers und der innerlichen Aufw�rmung durch die k�rperliche Anstrengung beim Schwimmen um seinen stattlichen Patienten herum war ihm kalt, und er h�tte alles daf�r gegeben, wenn eine Horde Studenten gekommen w�re, die in den Tank springen und ihm Gesellschaft leisten w�rde. Gew�hnlich mochte Conway keine Gesellschaft, erst recht nicht die von Auszubildenden, aber in diesem Augenblick f�hlte er sich ausgeschlossen, allein und ohne Freunde. Und dieses Einsamkeitsgef�hl war so stark, da� er Angst davor bekam. Ein Gespr�ch mit einem Psychologen schien ihm unausweichlich, allerdings bestimmt nicht mit O�Mara.</p><p>In diesem Abschnitt �hnelte die Konstruktion des Hospitals einem Haufen Spaghetti � es gab gerade, gebogene und unbeschreiblich ineinander verschlungene �Spaghetti�. Zu jedem Verbindungsgang, in dem es zum Beispiel eine erd�hnliche Atmosph�re gab, verliefen oberhalb und unterhalb und parallel zu beiden Seiten andere Korridore � die sich wiederum mit anderen in regelm��igen Abst�nden von unten und oben kreuzten �, in denen v�llig verschiedenartige und gegenseitig t�dliche Atmosph�re-, Druck� oder Temperaturbedingungen herrschten. Auf diese Weise wollte man gew�hrleisten, da� bei einem dringenden Notfall jeder Patient von jedem Arzt m�glichst schnell aufgesucht werden konnte, egal, welcher Spezies der eine oder der andere angeh�rte. H�tte man die gesamte Strecke des Hospitals in einem Anzug zur�cklegen m�ssen, der den Arzt bei seiner Ankunft vor den Umweltbedingungen seines Patienten sch�tzen sollte, dann war das nicht nur unbequem, sondern auch viel zu zeitraubend. Als weitaus zweckm��iger hatte sich erwiesen, die entsprechende Schutzkleidung erst au�erhalb der betreffenden Krankenstation anzulegen, wie Conway es eben getan hatte.</p><p>Er rief sich noch einmal die Geographie dieses Abschnitts in Erinnerung, und ihm fiel ein, da� es eine Abk�rzung gab, die er nehmen konnte, um zu seinen kaltbl�tigen Patienten zu gelangen. Dieser Weg f�hrte zun�chst durch den wassergef�llten Gang, durch den man zum Chalder-OP gelangte, dann durch die Schleuse in die Chloratmosph�re der illensanischen PVSJs und schlie�lich zwei Ebenen h�her zur Methanstation. Au�erdem konnte er sich auf diese Weise etwas l�nger im warmen Wasser aufhalten, denn er fror wirklich.</p><p>Als in der Chlorabteilung ein PVSJ, der auf dem Weg der Besserung war, auf stacheligen, membranartigen Gliedma�en an ihm vorbeihuschte, versp�rte Conway den dringenden Wunsch, mit dem Alien �ber irgend etwas zu reden, und er mu�te sich zwingen weiterzugehen.</p><p>Der Schutzanzug, den DBDGs wie er bei einer Visite auf der Methanstation tragen mu�ten, war in Wirklichkeit ein kleiner mobiler Beh�lter. Er war im Innern mit einer Heizung ausgestattet, um seinen Insassen am Leben zu erhalten, und au�en mit einer K�hlanlage versehen, damit die austretende W�rme die Patienten nicht zusammenschmelzen lie�, f�r die schon die geringste Strahlungsw�rme und selbst schwaches Licht absolut t�dlich war. Conway hatte keine Ahnung, wie der Scanner, den er bei solchen Untersuchungen benutzte, funktionierte � das wu�ten nur diese technischen T�ftler mit den Ingenieursarmbinden �, jedenfalls nicht durch Infrarotstrahlen, denn die gaben zuviel W�rme ab.</p><p>W�hrend der Visite drehte Conway die Heizung immer h�her, bis ihm der Schwei� aus den Poren trat, und dennoch fror er am ganzen K�rper. Hatte er sich vielleicht irgendwo angesteckt? Als er drau�en wieder Luft atmen konnte, warf er einen Blick auf die winzige Kontrollskala, die man ihm direkt unter die obere Hautschicht des Oberarms implantiert hatte. Puls, Atmung und Dr�senfunktionen waren normal, sah man von kleinen Unregelm��igkeiten ab, die durch seine innere Unruhe hervorgerufen wurden. Auch der Blutkreislauf war stabil. Was also stimmte blo� nicht mit ihm?</p><p>Conway beendete seinen Rundgang so schnell wie m�glich. Wieder war er verwirrt. Falls ihm sein Verstand einen Streich spielen sollte, mu�te er die notwendigen Schritte unternehmen, um diesen Zustand zu �ndern. Es mu�te etwas mit dem Telfiband zu tun haben, das er in seinem Kopf gespeichert hatte. O�Mara hatte zuvor auch irgend etwas dazu gesagt, aber im Augenblick konnte Conway sich nicht mehr genau erinnern, was. Auf alle F�lle wollte er sich umgehend auf den Weg zum Schulungsraum machen, ob O�Mara nun da war oder nicht.</p><p>Unterwegs kamen ihm zwei Monitore entgegen, die beide bewaffnet waren. Conway empfand ihnen gegen�ber zwar seinen gewohnten Ha� und war zudem dar�ber schockiert, da� sie innerhalb eines Hospitals Waffen trugen, aber am liebsten h�tte er ihnen auf die Schulter geklopft oder sie gar umarmt. Er wollte unbedingt Leute um sich herum haben, mit ihnen reden und Ideen und Eindr�cke austauschen, damit er sich nicht mehr so schrecklich einsam f�hlte. Als sie mit ihm auf gleicher H�he waren, brachte er tats�chlich ein stotteriges �Guten Tag� �ber die Lippen. Es war das erstemal in seinem Leben, da� er einen Monitor angesprochen hatte.</p><p>Einer der beiden l�chelte leicht, der andere nickte ihm kurz zu. Als sie an ihm vorbeigingen, sahen sie ihn �ber die Schulter hinweg etwas befremdet an, denn seine Z�hne klapperten deutlich vernehmbar.</p><p>Den Vorsatz, sich umgehend in den Schulungsraum zu begeben, hatte er eigentlich schon fest gefa�t, aber pl�tzlich schien ihm das kein sonderlich guter Einfall mehr zu sein. Durch die vielen Maschinen und das ged�mpfte Licht herrschte in dem Raum eine kalte und finstre Atmosph�re, und wahrscheinlich war O�Mara die einzige Gesellschaft, die er dort haben w�rde. Conway wollte am liebsten in einer Menschenmenge untergehen, und je gr��er diese war, desto besser. Also machte er sich auf den Weg zu einer in der N�he liegenden Kantine. An einer Kreuzung las er auf einer elektronischen Anzeige �Di�tk�che, Stationen 52 bis 68, Spezies DBDG, DBLF &amp; FGLI�, und ihm fiel unwillk�rlich ein, wie schrecklich kalt ihm war.</p><p>Die Mitarbeiter in der Di�tk�che waren viel zu besch�ftigt, als da� er ihnen aufgefallen w�re. Er lehnte sich mit dem R�cken gegen eine Art Backofen, so da� er praktisch in den bazillent�tenden UV-Strahlen badete, von denen der ganze Raum erf�llt war. Der versengte Geruch, der schon bald von seiner leichten Kleidung ausging, st�rte ihn nicht. Es war ihm jetzt w�rmer, etwas w�rmer. Trotzdem lie� ihn der qu�lende Gedanke, �ber alle Ma�en allein zu sein, nicht mehr los. Er war v�llig isoliert, niemand liebte ihn oder wollte etwas mit ihm zu tun haben, und er w�nschte sich, er w�re nie geboren worden.</p><p>Wenige Minuten sp�ter wurde er von einem Monitor abgeholt, der sich einen hitzeabweisenden Schutzanzug �bergest�lpt hatte, den er sich schnell von einem der Di�tk�che geliehen hatte. Es war einer der beiden Monitore, deren Neugier zuvor durch Conways befremdliches Verhalten geweckt worden war, und Conway war in Tr�nen aufgel�st.</p><p>�Sie sind wirklich ein selten d�mlicher Kerl. allerdings auch ein Gl�ckspilz�, sagte eine Stimme, an die sich Conway nur zu gut erinnerte.</p><p>Er �ffnete die Augen und stellte fest, da� er auf der L�schcouch lag und O�Mara und ein anderer Monitor auf ihn herabblickten. Sein R�cken f�hlte sich an, als habe man ihn halb durchgebraten, und sein ganzer K�rper brannte wie nach einem schweren Sonnenbrand.</p><p>O�Mara blickte ihn jetzt w�tend an und fuhr fort: �Ein Gl�ckspilz, weil Sie sich nicht ernsthaft verbrannt haben und nicht erblindet sind, und ein selten d�mlicher Kerl, weil Sie vergessen haben, mich �ber einen ganz entscheidenden Punkt zu informieren, n�mlich da� es sich um Ihre erste Erfahrung mit einem Schulungsband handelte.�</p><p>An dieser Stelle klang O�Maras Stimme ein wenig so, als w�rde er sich Selbstvorw�rfe machen. Er fuhr fort und sagte Conway, da� er ihn, wenn er dar�ber informiert gewesen w�re, einer Hypnosebehandlung unterzogen h�tte, damit er zwischen seinen eigenen Bed�rfnissen und denen eines Telfi besser h�tte unterscheiden k�nnen. So aber sei ihm erst klargeworden, da� es sich bei Conway um einen Neuling handelte, als er den Abschnitt mit seinem Daumenabdruck zu den Akten gelegt hatte. Woher h�tte er denn,</p><p>verdammt noch mal, wissen sollen, wer neu war und wer nicht? H�tte sich Conway au�erdem mehr Gedanken um seine Arbeit gemacht als um die Tatsache, da� er von einem Monitor an den Schulungsapparat angeschlossen wurde, w�re all das nie mit ihm geschehen.</p><p>O�Maras Stimme wurde jetzt zunehmend bissiger. F�r ihn sei er nichts anderes als ein scheinheiliger Fr�mmler, der sich nicht einmal die M�he gab, seine zutiefst verletzten religi�sen Gef�hle zu verbergen, die er bei einer so entweihenden Ber�hrung wie durch die Hand eines Monitors empfand, die ja bekanntlich allesamt nichts anderes als unzivilisierte Rohlinge waren. Weiter meinte O�Mara, es �bersteige sein Begriffsverm�gen, wie sich eine Person, die mit gen�gend Intelligenz beschlagen war, um an dieses Hospital verpflichtet zu werden, zu solchen Gef�hlsduseleien hatte hinrei�en lassen k�nnen.</p><p>Conway sp�rte, wie sein Gesicht brannte. Es war wirklich d�mlich von ihm gewesen, den Psychologen nicht unterrichtet zu haben, da� er ein Neuling war. O�Mara k�nnte ihn leicht wegen Nachl�ssigkeit gegen�ber der eigenen Person anklagen und rausschmei�en lassen � eine Anklage, die in einem Hospital mit so vielen verschiedenartigen Spezies fast genauso schwerwiegend war wie Fahrl�ssigkeit im Umgang mit einem Patienten. Aber diese M�glichkeit, so schlimm sie auch war, machte ihm zur Zeit weit weniger zu schaffen als der Umstand, von einem Monitor niedergemacht zu werden, und das vor den Augen eines anderen Monitors!</p><p>Der Mann, der ihn hierhergebracht haben mu�te, blickte jetzt auf ihn herab, wobei seine braunen Augen nicht nur leichte Belustigung, sondern durchaus so etwas wie Mitgef�hl verrieten. Verglichen mit O�Maras Beleidigungen empfand Conway das allerdings als noch schlimmer. Wie konnte ein Monitor es wagen, ausgerechnet mit ihm Mitleid zu haben?</p><p>��und falls Sie sich noch immer fragen, was passiert ist�, fuhr O�Mara in einem vernichtenden Ton fort, �Sie haben es zeitweilig zugelassen � wenn auch durch Mangel an Erfahrung �, telfische Gewohnheiten, die Ihnen vom Band �bermittelt wurden, selbst anzunehmen. Das Verlangen eines Telfi nach harter Strahlung, intensiver Hitze, grellem Licht und vor allem nach geistiger Vereinigung, die f�r ein Gruppenwesen unabdingbar ist, wurde zu ihrem eigenen Bed�rfnis. Nat�rlich alles auf menschliche Ma�st�be �bertragen. Sie haben das Leben als ein einzelnes Telfiwesen erfahren. Und ein telfisches Individuum, das keinen geistigen Kontakt mehr zu seiner Gruppe hat, ist v�llig isoliert � und ein schrecklich armer Tropf�</p><p>O�Maras Stimme war im Laufe seiner Erl�uterungen ruhiger geworden, und sie klang fast unbeteiligt, als er fortfuhr: �Viel mehr als einen schweren Sonnenbrand haben Sie sich allerdings nicht zugezogen. Insbesondere Ihr R�cken wird eine Weile �berempfindlich reagieren und sp�ter sicherlich jucken. Geschieht Ihnen ganz recht. Und jetzt verschwinden Sie hier. Ich will Sie nicht vor �bermorgen fr�h um neun Uhr wiedersehen. Halten Sie sich diesen Termin frei. Das ist ein Befehl. Sie erinnern sich doch hoffentlich, da� wir uns noch dringend miteinander unterhalten m�ssen, oder?�</p><p>Drau�en im Korridor �berkam Conway ein Gef�hl v�lliger Leere, das gleichzeitig mit unz�hmbarem Zorn, der v�llig au�er Kontrolle zu geraten drohte, verbunden war � eine f�rwahr furchtbar frustrierende Kombination. Er konnte sich nicht erinnern, in den dreiundzwanzig Jahren seines Lebens jemals solch extremen inneren Qualen ausgesetzt gewesen zu sein. Wie einen kleinen Jungen, schlimmer noch, wie einen unerzogenen Rotzbengel hatte man ihn vorgef�hrt. Dabei hatte er schon als Kind immer als artiger und wohlerzogener Junge gegolten. Das alles tat schon sehr weh.</p><p>Er hatte gar nicht bemerkt, da� neben ihm immer noch sein Retter ging, bis dieser etwas sagte.</p><p>�Jetzt zerbrechen Sie sich wegen des Majors nicht gleich den Kopf�, sagte der Monitor mitf�hlend. �Eigentlich ist er ein wirklich netter Mensch. Wenn Sie sich demn�chst mit ihm unterhalten, werden Sie schon selbst dahinterkommen. Zur Zeit ist er etwas abgespannt und �berreizt. Sie m�ssen wissen, es sind gerade drei Monitorkompanien eingetroffen, und es kommen noch mehr. Aber in ihrem gegenw�rtigen Zustand sind die uns nicht gerade von Nutzen � die meisten von ihnen leiden unter schwerer Kampfesm�digkeit. Major O�Mara und seine Leute m�ssen da erst mal in psychologischer Hinsicht Erste Hilfe leisten.� �Kampfesm�digkeit.�, prustete Conway so abf�llig wie er konnte. Er hatte es einfach satt, da� Menschen, die er intellektuell und moralisch weit unter sich w�hnte, ihn entweder beschimpften oder bemitleideten. �Soll das hei�en, diese Leute sind es leid, Menschen zu t�ten?� f�gte er hinzu.</p><p>Das jung gebliebene Gesicht des Monitors versteinerte sich, und seine Augen verrieten sowohl Gekr�nktheit als auch Zorn. Er blieb stehen, setzte zu einer Schimpfkanonade a la O�Mara an, besann sich dann aber eines Besseren und sagte beherrscht: �F�r jemanden, der bereits seit zwei Monaten hier ist, haben Sie, gelinde gesagt, eine h�chst unrealistische Anschauung vom Monitorkorps. Ehrlich gesagt, verstehe ich das nicht. Hatten Sie zuviel zu tun, um sich hier mit Leuten zu unterhalten?�</p><p>�Nein�, antwortete Conway abweisend, �aber wo ich herkomme, diskutieren wir nicht �ber Personen Ihres Schlags. Wir ziehen erfreulichere Gespr�chsthemen vor.�</p><p>�Ich hoffe nur, da� es all Ihren vielen Freunden in n�chster Zeit m�chtig Spa� macht, Ihnen kr�ftig auf den R�cken zu schlagen � falls Sie �berhaupt welche haben�, konterte der Monitor. Dann wandte er sich ab und eilte w�tend davon.</p><p>Bei dem Gedanken, es k�nne irgend etwas Schwereres als eine Feder auf seinen verbrannten und �berempfindlichen R�cken schlagen, zuckte Conway unwillk�rlich zusammen. Aber er mu�te auch an die vorangegangenen Worte des Monitors denken. Seine Haltung gegen�ber dem Monitorkorps war also unrealistisch � wollte man wirklich von ihm verlangen, da� er Gewalt oder gar Mord duldete und die Verantwortlichen daf�r auch noch zu seinen Freunden erkor? Au�erdem hatte dieser Typ die Ankunft einiger Monitorkompanien erw�hnt. Warum? Wozu? Pl�tzlich wurde sein ansonsten so stabiles Selbstvertrauen von Angst ersch�ttert. Es mu�te hier irgend etwas geben, das er nicht mitbekommen hatte, und zwar etwas Wichtiges.</p><p>Als er vor zwei Monaten im Orbit Hospital eingetroffen war, hatte der Alien, der Conway die ersten Instruktionen und Auftr�ge erteilt hatte, zum Abschlu� ein paar aufmunternde W�rte hinzugef�gt. Er sagte damals zu ihm, er habe viele Tests �ber sich ergehen lassen m�ssen, um hierherzukommen, und man hei�e ihn willkommen und hoffe, die Arbeit w�rde ihm genug Spa� machen, um hierzubleiben. Seine Probezeit sei nun vorbei, und fortan w�rde niemand mehr versuchen, ihn hereinzulegen. Sollte er aber einmal aus irgendeinem Grund vor Verzweiflung nicht mehr aus noch ein wissen und zu dem Schlu� kommen, nicht mehr l�nger bleiben zu k�nnen � sei es wegen Reibereien mit Angeh�rigen seiner eigenen oder einer anderen Spezies oder aufgrund irgendeiner xenologischen Psychose �, so w�rde man ihm, wenn auch nur unter gro�en Vorbehalten, gestatten zu gehen.</p><p>Au�erdem wurde ihm damals der Ratschlag erteilt, so viele verschiedene Spezies kennenzulernen wie m�glich, um auf diese Weise mehr Verst�ndnis f�reinander zu entwickeln, vielleicht sogar Freundschaften zu schlie�en.</p><p>Schlie�lich riet ihm noch der Alien, sich am besten an zwei Terrestrier namens O�Mara und Bryson zu wenden, falls er aus Unwissenheit oder aus irgendeinem anderen Grund in Schwierigkeiten geraten sollte. Auf Wunsch k�nnten ihm nat�rlich auch Angeh�rige jeder anderen Spezies weiterhelfen, wenn sie die entsprechende Qualifikation besa�en.</p><p>Unmittelbar darauf hatte er den Arzt kennengelernt, der f�r die ihm zugeteilte Station verantwortlich war, einen sehr f�higen Chirurgen namens Mannon. Dr. Mannon war noch kein Diagnostiker, obwohl er sich sehr darum bem�hte, und f�hrte sich deshalb die meiste Zeit des Tages recht menschlich auf. Er war der stolze Besitzer eines kleinen Hundes, der im wahrsten Sinne des Wortes so sehr an ihm hing, da� extraterrestrische Besucher schnell zu der Annahme kamen, die beiden lebten in einer Symbiose.</p><p>Conway mochte Dr. Mannon sehr. Und jetzt wurde ihm allm�hlich klar, da� sein Vorgesetzter der einzige Angeh�rige seiner eigenen Spezies war, dem er freundschaftliche Gef�hle entgegenbrachte. Nat�rlich war das ein wenig seltsam, und es brachte Conway dazu, sich endlich �ber sich selbst Gedanken zu machen.</p><p>Nach den beruhigenden und aufmunternden Begr��ungsworten hatte Conway geglaubt, er w�re f�r alles gewappnet gewesen � erst recht, nachdem er festgestellt hatte, wie leicht es war, sich mit den ETs aus dem Personal anzufreunden. Doch mit der einen Ausnahme von Mannon hatte er zu seinen terrestrischen Kollegen nie richtigen Kontakt gefunden, weil sie leicht dazu neigten, diese so wichtige und lohnenswerte Arbeit, die sie und er leisteten, nicht ernst zu nehmen oder gar durch den Kakao zu ziehen. Aber die Vorstellung, deshalb vor Verzweiflung weder aus noch ein zu wissen, war geradezu lachhaft.</p><p>So jedenfalls hatte er noch gedacht, bevor O�Mara ihm heute Scheinheiligkeit vorgeworfen und ihn einen d�mlichen Kerl genannt hatte. Sein Selbstbewu�tsein hatte jedenfalls einen schweren Knacks bekommen, und so etwas konnte einen wirklich zur Verzweiflung treiben. Und sollte er weiterhin seitens der Monitore so behandelt werden, w�rde man ihn tats�chlich dazu bringen, das Orbit Hospital zu verlassen. Er war ein kultivierter Mensch mit hohen moralischen Werten. Was also berechtigte ausgerechnet einen Monitor dazu, ihn niederzumachen? Conway verstand die Welt nicht mehr. Zwei Dinge jedoch wu�te er ganz genau: Er wollte unbedingt im Orbit Hospital bleiben und um das zu erreichen, brauchte er Hilfe.</p><p>Pl�tzlich fiel ihm wieder der Name �Bryson� ein, einer der beiden Namen, die ihm genannt worden waren, falls er in Schwierigkeiten geraten sollte. Den anderen, O�Mara, konnte er abhaken, aber diesen Bryson.</p><p>Conway hatte hier pers�nlich noch niemanden kennengelernt, der so hie�. Als er sich jedoch bei einem zuf�llig vorbeikommenden Tralthaner erkundigte, konnte dieser ihm sogar erkl�ren, wo Bryson zu finden war. Conway kam aber nur bis zur T�r, denn als er das Schild �Captain Bryson, Monitorkorps, Kaplan� las, machte er w�tend auf dem Absatz kehrt. Noch so ein Monitor! Jetzt gab es nur noch einen, der ihm helfen konnte: Doktor Mannon. Er h�tte es von vornherein bei ihm versuchen sollen.</p><p>Als er seinen Vorgesetzten endlich ausgemacht hatte, war dieser im LSVO-Operationssaal, wo er gerade einem tralthanischen Diagnostiker bei einer besonders komplizierten chirurgischen Voruntersuchung assistierte. Conway begab sich auf die Galerie, wo er bis zur Beendigung des Eingriffs warten wollte.</p><p>Der LSVO-Patient stammte von einem Planeten mit dichter Atmosph�re und geringer Schwerkraft. Es handelte sich um eine gefl�gelte Lebensform mit einem extrem empfindlichen K�rperbau. Deshalb herrschte in dem OP fast keine Schwerkraft, und die �rzte waren an ihren Positionen rings um den Tisch angeschnallt. Der kleine OTSB, der mit dem elefanten�hnlichen Tralthaner in Symbiose lebte, war nicht angeschnallt, wurde aber von einem der untergeordneten Tentakel seines Wirts sicher �ber den OP-Tisch gehalten. Wie Conway wu�te, durfte ein OTSB den physischen Kontakt zu seinem Wirt nur f�r wenige Minuten verlieren, ohne geistigen Schaden zu nehmen. Trotz seiner eigenen Sorgen begann sich Conway f�r die Operation zu interessieren und versuchte sich zu konzentrieren.</p><p>Ein Teil des Verdauungstrakts des Patienten war freigelegt worden, und man konnte ein schwammartiges, bl�uliches Gew�chs erkennen, das mit den Eingeweiden verwachsen war. Ohne das LSVO-Physiologieband konnte Conway nicht sagen, ob deZustand des Patienten ernst war oder nicht, aber garantiert handelte es sich in technischer Hinsicht um eine schwierige Operation. Dies konnte man an der Art und Weise, in der sich Mannon �ber den Patienten beugte, erkennen und an den fest angespannten Tentakeln, die der Tralthaner nicht benutzte. Wie gew�hnlich erledigte der kleine OTSB mit seinen d�nnen, draht�hnlichen Tentakeln, die mit winzigen Augen und Saugn�pfen besetzt waren, die Feinarbeit, wobei er unendlich genau detaillierte, visuelle Informationen �ber das Operationsfeld an seinen riesigen Wirt weitergab, auf deren Grundlage er gleich darauf neue Instruktionen erhielt. Mit Skalpellen, Klammern, Nadeln und Tupfern verrichteten der Tralthaner und Dr. Mannon die vergleichsweise groben Arbeiten.</p><p>Dr. Mannon hatte nicht viel mehr zu tun, als zu beobachten, wie die �berempfindlichen Tentakel des tralthanischen Parasiten durch seinen Wirt gef�hrt wurden. Aber Conway wu�te, wie stolz er war, an einer solchen Operation �berhaupt teilnehmen zu d�rfen. Die Tralthaner waren in der Verbindung mit den OTSBs die besten Chirurgen, die es je in der Galaxis gegeben hatte. S�mtliche Chirurgen w�ren Tralthaner gewesen, wenn ihre gewaltige Gr��e und komplizierte Operationsweise es nicht verhindert h�tten, gewisse Lebensformen zu operieren.</p><p>Als die beiden �rzte aus dem OP kamen, wartete Conway drau�en bereits auf sie. Der Tralthaner klopfte Dr. Mannon mit einem seiner Tentakel kr�ftig auf den Kopf � eine Geste, die ein gro�es Kompliment ausdr�ckte. Gleich darauf sprang hinter einem Spind ein Kn�uel aus Fell und Z�hnen hervor und attackierte das gro�e Wesen, das offensichtlich sein Herrchen angriff. Conway hatte dieses Spielchen schon h�ufig beobachtet, und es kam ihm immer noch furchtbar l�cherlich vor. W�hrend Mannons Hund die ihn und sein Herrchen bei weitem �berragende Kreatur so rasend ankl�ffte, als wolle er seinen �berm�chtigen Gegner zu einem Duell auf Leben und Tod herausfordern, schreckte der Tralthaner mit gespielter Angst vor dem zotteligen Wesen zur�ck und schrie: �Hilfe! Rettet mich vor diesem Bluthund!� Der Hund, der noch immer wie rasend bellte, umkreiste ihn und schnappte nach der lederartigen K�rperdecke, die dem Tralthaner bis �ber die sechs klobigen Beine hing. W�hrend er noch immer laut um Hilfe rief, machte sich der Tralthaner �berst�rzt davon, wobei er genau darauf achtete, seinen kleinen Widersacher nicht mit einem seiner Elefantenf��e zu zermalmen. Folglich war der Korridor noch eine ganze Weile von dem Kampfesl�rm erf�llt.</p><p>Als der Radau wenigstens so ertr�glich geworden war, da� man sein eigenes Wort wieder verstehen konnte, sagte Conway: �Guten Tag, Doktor Mannon. Ich wollte Sie fragen, ob Sie mir vielleicht bei einem Problem behilflich sein k�nnen. Ich brauche dringend Ihren Rat oder wenigstens ein paar Informationen von Ihnen. Es geht dabei allerdings um eine ziemlich heikle Angelegenheit.�</p><p>Conway sah, wie Dr. Mannon die Augenbrauen hochzog und die Mundwinkel zu einem schrulligen L�cheln verzog.</p><p>�Ich helfe Ihnen nat�rlich gern, Conway�, sagte der Arzt. �Aber ich f�rchte, bei einem Ratschlag von mir k�me zur Zeit nur ziemlicher Bl�dsinn heraus.� Er machte ein angewidertes Gesicht und flatterte mit den Armen. �Ich hab n�mlich noch ein LSVO-Band gespeichert. Sie wissen ja, was das hei�t � die eine H�lfte von mir glaubt, ich sei ein Vogel, und die andere wundert sich dar�ber. Aber was f�r einen Rat ben�tigen Sie denn?� f�hr er fort, wobei er auf befremdlich anmutende Weise den Kopf wie ein Vogel zur Seite neigte. �Falls es sich dabei um diese g�nzlich absurde Form von Verr�cktheit namens Liebe handelt oder um irgendeine andere seelische Verwirrung, sollten Sie lieber Doktor O�Mara aufsuchen.�</p><p>Conway sch�ttelte sofort den Kopf � jeden w�rde er aufsuchen, nur nicht diesen O�Mara. �Nein. Mein Problem ist eher philosophischer Natur, eine Frage der Moral vielleicht.�</p><p>�Und das ist alles?� platzte Mannon los. Er wollte noch etwas hinzuf�gen, nahm aber pl�tzlich einen konzentrierten Gesichtsausdruck an, spitzte die Ohren und deutete mit dem Daumen auf einen in der N�he befindlichen Lautsprecher. �Die L�sung Ihres schwerwiegenden Problems wird noch eine Weile warten m�ssen�, sagte er leise. �H�ren Sie. Sie werden verlangt.�</p><p>�.Doktor Conway!� t�nte e| energisch aus dem Lautsprecher.</p><p>�Begeben Sie sich in den Raum siebenundachtzig, und verabreichen Sie dort Aufputschspritzen.�</p><p>�Aber Raum siebenundachtzig geh�rt doch gar nicht zu unserer Abteilung!� protestierte Conway. �Was wird hier eigentlich gespielt.?�</p><p>Dr. Mannons Stimme klang pl�tzlich verbittert, als er sagte: �Ich glaube, ich wei� es. Und ich rate Ihnen, ein paar von den Spritzen zu behalten, weil Sie selbst welche ben�tigen werden.� Dann wandte er sich abrupt ab und eilte davon, wobei er vor sich hin murmelte, da� er sein Band schnell l�schen lassen m�sse, bevor man ihn auch noch rufen w�rde.</p><p>Raum siebenundachtzig war der Aufenthaltsraum f�r die Mitarbeiter der Unfallstation. Als Conway dort ankam, sa�en auf s�mtlichen Tischen und St�hlen Monitore und auf dem gr��ten Teil des Fu�bodens hatten sich sogar welche lang ausgestreckt. Einige von ihnen besa�en nicht einmal mehr die Energie, den Kopf anzuheben, als er hereinkam. Einer stand unter gro�en Anstrengungen von seinem Stuhl auf und wankte auf ihn zu. Wie O�Mara trug er das Rangabzeichen eines Majors auf der Schulter und den �skulapstab am Kragen.</p><p>�Fangen Sie mit mir an, und zwar die maximale Dosis�, keuchte er, wobei er sich die Uniform absch�ttelte.</p><p>Conway sah sich im Raum um. Es mu�ten an die hundert Leute sein, die sich allesamt in einem Zustand �u�erster Ersch�pfung befanden und deren Gesichter diese aufschlu�reiche aschgraue Farbe angenommen hatten. Zwar war Conway auf Monitore noch immer nicht gut zu sprechen, aber hier handelte es sich in gewisser Weise um Patienten, und ihm war klar, was er zu tun hatte.</p><p>�Als Arzt rate ich Ihnen entschieden davon ab�, sagte er ernst. �Ganz offensichtlich haben Sie bereits Aufputschspritzen erhalten, und zwar viel zu viele. Was Sie brauchen, ist Schlaf.�</p><p>�Schlaf?� bemerkte von irgendwoher eine Stimme. �Was ist das?�</p><p>�Ruhig, Teirnan�, sagte der Major kraftlos. Dann wandte er sich wieder an Conway. �Als Arzt ist mir das Risiko durchaus bekannt. Deshalb schlage ich vor, da� wir jetzt keine Zeit mehr verlieren.�</p><p>In aller Eile und mit Routine bereitete Conway alles vor, um jedem Patienten eine Spritze geben zu k�nnen. Die M�nner, die sich vor ihm in einer Reihe aufstellten, schienen Blei in den Knochen zu haben und die Augen kaum noch aufhalten zu k�nnen. Doch nur f�nf Minuten sp�ter verlie�en sie den Raum federnden Schrittes, wobei ihre Augen vor k�nstlicher Vitalit�t nur so spr�hten. Kaum hatte er seine Arbeit beendet, als sein Name erneut aufgerufen wurde. Diesmal sollte er sich zur Schleuse sechs begeben, dort w�rde er weitere Instruktionen erhalten. Wie er wu�te, war Schleuse sechs einer der Nebeneing�nge zur Unfallstation.</p><p>W�hrend er sich in aller Eile auf den Weg machte, stellte Conway auf einmal fest, wie m�de und hungrig er war. Aber er kam erst gar nicht dazu, sich dar�ber lang Gedanken zu machen, denn pl�tzlich wurden s�mtliche Assistenz�rzte aufgerufen, sich auf der Unfallstation zu melden. Au�erdem gab es Anweisungen, die Patienten aus angrenzenden Stationen wenn m�glich in andere Krankenzimmer zu verlegen. Diese Ansage wurde zwischendurch immer wieder von irgendwelchem Aliengebrabbel unterbrochen, wobei offensichtlich anderen Spezies �hnliche Instruktionen erteilt wurden.</p><p>Anscheinend sollte die Unfallstation erweitert werden. Aber warum und woher kamen all die Verletzten? Conway verstand die Welt nicht mehr.</p><p>Bei der Schleuse sechs war gerade ein tralthanischer Diagnostiker mit zwei Monitoren in ein angeregtes Gespr�ch vertieft. Als Conway sah, da� sich eins der bedeutendsten Gesch�pfe mit zwei der minderwertigsten Exemplaren so freundschaftlich unterhielt, war er emp�rt. Aber eigentlich konnte ihn hier im Orbit Hospital langsam nichts mehr �berraschen, dachte er verbittert. Neben dem Fenster, das einen direkten Blick in den Weltraum bot, standen zwei weitere Monitore.</p><p>�Hallo, Doktor�, begr��te ihn einer der beiden freundlich und nickte in Richtung des Sichtfensters. �In Schleuse acht, neun und elf wird gerade ausgeladen. Unser Kontingent wird uns gleich zugeteilt.�</p><p>Hinter der gro�en transparenten Scheibe bot sich ein fjrchteinfl��ender Anblick. An die f�nfzig silberne Nadeln � von Zehn-Mann-Vergn�gungsschiffen bis hin zu den riesigen Transportern des Monitorkorps � strickten in� und umeinander herum ein kompliziertes Muster, w�hrend sie auf Erlaubnis zum Andocken und Entladen warteten.</p><p>�Eine ganz sch�n knifflige Angelegenheit�, stellte der Monitor fest, und Conway stimmte ihm zu. Die Repulsionsfelder, durch die die Schiffe vor Kollisionen mit jedweder Form kosmischen Abfalls gesch�tzt wurden, erforderten viel Platz. Meteoritenschirme mu�ten wenigstens acht Kilometer vom zu sch�tzenden Schiff entfernt errichtet werden, wenn sie gro�e oder kleine Himmelsk�rper erfolgreich absto�en sollten � bei gr��eren Kreuzern sogar noch weiter. Aber die Schiffe drau�en waren h�chstens ein paar hundert Meter voneinander entfernt und besa�en au�er der Routine ihrer Piloten, die zur Zeit Schwerstarbeit leisteten, keinen Kollisionsschutz.</p><p>Conway blieb nur wenig Zeit, sich diesem einmaligen Schauspiel zu widmen. Zun�chst stie�en drei terrestrische Medizinalassistenten und kurz darauf zwei DBDGs mit rotem Pelz und ein raupenartiger DBLF zu ihnen, die alle medizinische Abzeichen trugen.</p><p>Pl�tzlich war ein lautes metallisches Kratzen zu h�ren, die Kontrollampen der Schleuse sprangen von Rot auf Gr�n um und zeigten so an, da� das Schiff jetzt ordnungsgem�� angedockt war, und kurz darauf str�mten die Patienten heraus.</p><p>Sie wurden von Monitoren auf Bahren getragen. Es handelte sich nur um zwei Arten: DBDGs der menschlichen Spezies und DBLF-Raupen. Conways Aufgabe und die der anderen anwesenden �rzte bestand nun darin, eine Voruntersuchung vorzunehmen und die Verletzten dann zur eigentlichen Behandlung an die jeweils zust�ndige Abteilung der Unfallstation weiterzuleiten.</p><p>Er machte sich an die Arbeit, wobei ihm ein Monitor namens Williamson assistierte, der mit Ausnahme des medizinischen Abzeichens s�mtliche charakteristischen Merkmale eines ausgebildeten Krankenpflegers aufwies.</p><p>Der Anblick des ersten Patienten verursachte bei Conway einen Schock � nicht nur wegen der Schwere der Verletzungen, sondern auch wegen deren Charakter. Beim dritten Patienten mu�te er innehalten, so da� ihn sein Assistent fragend ansah.</p><p>�Was f�r ein Unfall war das?� fragte Conway aufgebracht. �Mehrfache L�cher, aber die Wunden sind am Rand kauterisiert. Ausgefranste L�cher, als r�hrten sie von herumfliegenden Splittern nach einer Explosion her. Wie konnte das.?�</p><p>�Wir haben es nat�rlich nicht an die gro�e Glocke geh�ngt�, unterbrach ihn der Monitor. �Ich hatte allerdings erwartet, da� es sich zumindest bis hier herumsprechen w�rde.� Er pre�te die Lippen zusammen und nahm jetzt immer mehr einen Gesichtsausdruck an, an dem Conway s�mtliche Monitore zu erkennen glaubte. �Die meinten wohl, sich unbedingt bekriegen zu m�ssen�, fuhr Williamson fort, wobei er mit dem Kopf in Richtung der Menschen und DBLFs um sie herum nickte. �Leider war schon alles etwas au�er Kontrolle geraten, bevor wir einschreiten konnten.�</p><p>Ein Krieg�! dachte Conway betroffen. Menschen von der Erde oder von einem f�r sie nutzbar gemactrtenPlaneten haben tats�chlich versucht,</p><p>Mitglieder jener Spezies zu t�ten, die so viel mit ihnen gemeinsam hatte. Zwar hatte er davon geh�rt, da� so etwas hin und wieder vorkam, hatte aber nie wirklich geglaubt, da� irgendeine intelligente Spezies derart den Verstand verlieren konnte. Und dann all diese Verwundeten.</p><p>Obwohl er nur noch Abscheu und Ekel f�r dieses schreckliches Geschehen empfand, entging ihm nicht die f�r ihn �u�erst merkw�rdige Tatsache, da� sich im Gesicht des Monitors seine eigenen Gef�hle widerspiegelten! Falls Williamson genauso wie er �ber Krieg dachte, dann war es vielleicht an der Zeit, seine Ansicht �ber das Monitorkorps grunds�tzlich zu �berdenken.</p><p>Durch einen pl�tzlichen Tumult ein paar Meter rechts von ihm wurde er von seinen Gedanken abgelenkt. Ein terrestrischer Patient wehrte sich energisch gegen den DBLF-Medizinalassistenten, der ihn untersuchen wollte, wobei sich der Mensch nicht gerade gew�hlt ausdr�ckte. Der DBLF zeigte sich betroffen und verwirrt zugleich � obwohl der Patient wahrscheinlich nicht ausreichendes Wissen �ber seine Physiognomie hatte, um das zu erkennen � und versuchte, den Menschen mit Worten zu beruhigen, die allerdings durch die �bersetzung ausdruckslos und somit wenig einf�hlsam klangen.</p><p>Williamson brachte die Angelegenheit sofort in Ordnung. Er st�rmte auf den laut protestierenden Patienten zu, beugte sich �ber ihn, bis ihre Gesichter nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren, und redete auf ihn in einem ruhigen, fast plauderhaften Ton ein, der Conway nichtsdestotrotz einen Schauer �ber den R�cken jagte.</p><p>�Pa� auf, Freundchen�, sagte er. �Du protestierst also dagegen, da� einer von diesen stinkenden Kriechern, die erst versucht haben, dich zu t�ten, dich jetzt zusammenflickt, richtig? H�r zu, und schreib dir das ein f�r allemal hinter die Ohren: Erstens ist dieser Kriecher hier ein Arzt, und zweitens werden in dieser Einrichtung keine Kriege gef�hrt! Hier geh�rt ihr alle ein und derselben Armee an, und die Uniform ist ein Nachthemd. Also, bleib sch�n still liegen, h�lt�s Maul, und benimm dich gef�lligst! Andernfalls gibt�s was auf die Ohren!�</p><p>Conway wandte sich wieder seiner Arbeit zu, wobei er sich noch einmal mit Nachdruck ins Ged�chtnis schrieb, seine Meinung �ber die Monitore nicht nur zu �berdenken, sondern wahrscheinlich revidieren zu m�ssen. W�hrend die �bel zugerichteten, verletzten und verbrannten K�rper unter seinen H�nden vorbeiglitten, bekam er einen merkw�rdigen geistigen Abstand zu all dem. Verwundert beobachtete er noch immer Williamson, dessen Gesichtsausdruck zu verraten schien, da� das, was man ihm �ber Monitore erz�hlt hatte, der Unwahrheit entsprach. Dieser unerm�dlich arbeitende Mann mit den sicheren H�nden, der einen �u�erst besonnenen Eindruck machte � sollte so einer wirklich ein Killer sein und ein mit Dummheit geschlagener Sadist, f�r den moralische Werte nicht existierten?</p><p>Conway konnte sich das kaum vorstellen, und w�hrend er den zwischen den Patienten versteckten Monitor beobachtete, fa�te er eine Entscheidung � eine sehr schwierige Entscheidung. Wenn er sich nicht vorsah, w�rde er sich wahrscheinlich selbst einen Satz hei�e Ohren holen.</p><p>O�Mara hatte sich unm�glich verhalten, genauso Bryson und Mannon, wenn auch aus anderen Gr�nden, aber dieser Williamson hier.</p><p>�Ach. ehm. Williamson�, begann Conway z�gernd und endete �berhastet, �haben Sie eigentlich schon mal jemanden get�tet?�</p><p>Der Monitor richtete sich sofort auf. Seine zusammengepre�ten, blutleeren Lippen wirkten wie ein wei�er Strich. Dann sagte er ausdruckslos: �Eigentlich sollten Sie wissen, da� man einem Monitor eine solche Frage nicht stellt, Doktor.� Er z�gerte. Seine Neugier hielt die in ihm aufwallende Wut in Grenzen, weil er an Conways Gesichtsausdruck erkennen konnte, welch innere H�llenqualen dieser Mann zur Zeit leiden mu�te. �Also gut, was haben Sie auf dem Herzen, Doktor?�</p><p>Conway w�nschte sich nichts mehr, als da� er diese Frage nie gestellt h�tte, aber jetzt gab es kein Zur�ck mehr. In anf�nglich stammelnden Worten begann er, �ber seine Vorstellungen vom Dienst am Patienten zu reden. So sei er v�llig schockiert und verwirrt gewesen, als er entdeckt hatte, da� das Orbit Hospital � eine Einrichtung, von der er geglaubt hatte, sie verk�rpere all seine Ideale � Monitor als Chefpsychologen besch�ftigte und somit wahrscheinlich noch weitere Mitglieder des Korps in verantwortlichen Positionen hatte. Zwar wisse er jetzt, da� das Monitorkorps nicht an sich schlecht sei, schlie�lich hatte es Einheiten seiner Sanit�tsdivision geschickt, um bei der gegenw�rtigen Notsituation Hilfe zu leisten. Und dennoch, handelte es sich dabei um Monitore�</p><p>�Ich werde Ihnen einen weiteren Schock versetzen, indem ich Ihnen etwas erz�hle, was allgemein so bekannt ist, da� es eigentlich niemand f�r notwendig h�lt, es �berhaupt zu erw�hnen�, sagte Williamson trocken. �Doktor Lister, der Direktor des Orbit Hospitals, geh�rt ebenfalls dem Monitorkorps an.� Rasch f�gte er hinzu: �Er tr�gt nat�rlich keine Uniform, weil Diagnostiker zusehends verge�licher und in kleinen Dingen ungenauer werden. Das Korps lehnt solche Schlampereien allerdings grunds�tzlich ab, selbst wenn es sich um einen Lieutenant-General handelt.�</p><p>Lister, ein Monitor!</p><p>�Aber warum?� platzte es Conway unwillk�rlich heraus. �Alle wissen doch, was f�r Leute das sind. Wie hat das Korps �berhaupt so viel Macht an sich rei�en k�nnen?�</p><p>�Offensichtlich wissen es doch nicht alle�, fuhr Williamson dazwischen. �Sie zum Beispiel nicht.�</p><p>Als sie gerade wieder einen Patienten behandelt hatten und sich zum n�chsten begaben, bemerkte Conway, da� die Wut des Monitors halbwegs verflogen war. Statt dessen hatte er nun eine fast besorgte Miene aufgesetzt, die an einen Vater erinnerte, der seinem Spr��ling etwas �ber die unangenehmen Seiten des Lebens erz�hlen wollte.</p><p>W�hrend Williamson vorsichtig einem verwundeten DBLF den Verband abnahm, sagte er: �Im Grunde genommen besteht Ihr Problem darin, da� Sie und Ihre ganze soziale Gruppe so etwas wie eine gesch�tzte Spezies sind.�</p><p>�Da� wir was sind?� Conway verstand nun gar nichts mehr.</p><p>�Eine gesch�tzte Spezies�, wiederholte Williamson, �die, abgeschirmt vor der Grobheit und den Unbilden des heutigen Alltagslebens, in einer Art Reservat lebt. Aus Ihrer sozialen Schicht kommen praktisch s�mtliche gro�en K�nstler, Musiker und Akademiker, und das gilt nicht nur f�r die Erde, sondern f�r alle Welten der Union. Die meisten Leute wie Sie merken ihr Leben lang gar nicht, wie beh�tet sie sind und von Kindheit an vor der rauhen Realit�t unserer interstellaren sogenannten Zivilisation abgeschirmt werden und da� ihre Ideen von Pazifismus und moralischen Grunds�tzen ein Luxus sind, den sich die Mehrheit von uns ganz einfach nicht leisten kann. Ihnen wird dieser Luxus gestattet, weil man hofft, da� sich eine Philosophie daraus entwickelt, die eines Tages jedes Individuum in der Galaxis zu einem wirklich zivilisierten und guten Wesen macht.�</p><p>�So hab ich das noch nie gesehen�, stammelte Conway. �Und. und Sie stellen uns � ich meine mich � so dar, als w�ren wir fast v�llig nutzlos.�</p><p>�Nat�rlich sehen Sie das alles v�llig anders�, sagte Williamson leise.</p><p>Conway fragte sich, wie es angehen konnte, da� Williamson so herablassend �ber ihn redete, ohne Emp�rung bei ihm zu erregen; irgendwie schien er Autorit�t zu besitzen.</p><p>Der Monitor fuhr fort: �Wahrscheinlich sind Sie zu kontaktscheu und unaufgeschlossen gewesen, und alles hat sich bei Ihnen nur um Ihre eigenen hohen Ideale gedreht. Verstehen Sie mich bitte richtig, daran gibt es eigentlich gar nichts auszusetzen, es geht nur darum, da� Sie bei Ihrer Tendenz zur Schwarzwei�malerei hin und wieder wenigstens ein wenig Grau zulassen sollten.� Er hielt kurz inne und wandte sich dann wieder dem eigentlichen Thema zu. �Unsere heutige Kultur basiert auf einem H�chstma� an Freiheit f�r das Individuum. Jeder kann tun und lassen, was er will, vorausgesetzt, er f�gt anderen keinen Schaden zu. Nur Monitore verzichten auf diese Freiheit.�</p><p>�Und was ist mit den Reservaten der sogenannten Normalen?� unterbrach ihn Conway. Endlich hatte der Monitor eine Behauptung aufgestellt, der er entschieden widersprechen konnte. �Von Monitoren �berwacht und in gewisse Landstriche eingesperrt zu werden, w�rde ich nicht gerade als Freiheit bezeichnen.�</p><p>�Unter den Normalen verstehe ich diejenigen, die sich � ganz im Gegensatz zu den Monitoren und den r�ckgratlosen �stheten Ihrer Gesellschaftsschicht � auf fast jedem Planeten f�r die einzig wahren Repr�sentanten ihrer eigenen Spezies halten�, antwortete Williamson. �Und wenn Sie einmal alles genau �berdenken, dann glaube ich, werden Sie herausfinden, da� Normale nicht eingesperrt sind. Ganz im Gegenteil. Sie haben sich auf nat�rliche Weise zu Gemeinschaften zusammengeschlossen, und genau in den Gemeinschaften dieser Normalen von eigenen Gnaden m�ssen wir Monitore am meisten aktiv sein. Die Normalen haben s�mtliche Freiheiten, dazu geh�rt auch das Recht, sich gegenseitig zu t�ten, wenn ihnen der Sinn danach steht. Die alleinige Aufgabe der Monitore besteht darin, daf�r zu sorgen, da� jedem Normalen, der diesen Wunsch nicht teilt, w�hrend dieser Zeit nichts zust��t.</p><p>Wenn auf einer oder zwei dieser Welten der Massenwahn einen gewissen Pegel �berschreitet, lassen wir sogar einen Krieg zu, der auf extra zu diesem Zweck vorgesehenen Planeten ausgefochten wird. Im allgemeinen bereiten wir zudem alles daf�r vor, damit der Krieg weder zu lang noch zu blutig wird.� Williamson seufzte verbittert, und seine Stimme klang voller Selbstanklage, als er schlo�: �Aber dieser hier war beides. Wir haben sie wohl untersch�tzt.�</p><p>Aufgrund dieses f�r ihn v�llig neuen Standes der Dinge war Conways Verstand noch immer wie gel�hmt.</p><p>Bevor er zum Hospital gekommen war, hatte er nie direkten Kontakt mit Monitoren gehabt. Warum sollte er auch? Und die Normalen von der Erde hatte er als recht romantische Wesen empfunden, die allenfalls dazu neigten, ein wenig gro�spurig aufzutreten; aber das war auch schon alles. Sicher, alles Schlechte was ihm �ber die Monitore zu Ohren gekommen war, hatte er von Bewohnern der Erde geh�rt. Und vielleicht hatten sich die Normalen nicht ganz so ehrlich und objektiv verhalten, wie sie es h�tten tun sollen.</p><p>�Das alles ist doch kaum zu glauben�, protestierte Conway. �Sie unterstellen damit, da� das Monitorkorps bei der Bew�ltigung der Aufgaben mehr vollbringt als die Normalen oder als wir, die geistige Elite!� W�tend sch�ttelte er den Kopf. �Au�erdem haben wir uns da einen tollen Zeitpunkt f�r eine philosophische Diskussion ausgesucht.�</p><p>�Sie haben damit angefangen�, bemerkte der Monitor, erhielt aber keine Antwort.</p><p>Als jemand von hinten Conway auf die Schulter klopfte, mu�ten Stunden vergangen sein. Er richtete sich auf und sah eine DBLF-Schwester hinter sich stehen, die ihm eine Spritze entgegenhielt.</p><p>�Ein kleiner Muntermacher gef�llig, Doktor?� fragte sie.</p><p>Pl�tzlich wurde Conway bewu�t, wie wacklig seine Beine geworden waren und wie schwer es ihm fiel, sich mit den Augen auf einen Punkt zu konzentrieren. Vor allem aber mu�te die Schwester sein nachlassendes Arbeitstempo bemerkt haben. Er nickte und krempelte den �rmel hoch, wobei ihm seine bleiernen Finger wie aufgequollene W�rste vorkamen.</p><p>�Aua!� schrie er pl�tzlich w�tend auf. �Benutzen Sie da etwa einen Bohrer als Spritze?�</p><p>�O weh, das tut mir leid�, entschuldigte sich die Schwester, �aber vor Ihnen hab ich zwei �rzte meiner eigenen Spezies versorgt, und wie Sie wissen, ist unsere Oberhaut dicker und engfaseriger als Ihre. Deshalb ist die Nadel wohl stumpf geworden.�</p><p>Conways Ersch�pfung war binnen Sekunden wie verflogen. Abgesehen von einem leichten Kribbeln in H�nden und F��en und einigen hellen hektischen Flecken im Gesicht, die nur andere wahrnehmen konnten, f�hlte er sich so wach und k�rperlich frisch, als w�re er gerade unter der Dusche hervorgekommen, nachdem er zehn Stunden Schlaf gehabt hatte. Bevor er seinen derzeitigen Patienten zu Ende behandelte, blickte er sich kurz im Raum um und stellte fest, da� zumindest hier die Anzahl der noch zu behandelnden Patienten auf weniger als eine Handvoll zusammengeschrumpft war und sich die der Monitore um mehr als die H�lfte verringert hatte. Als auch die letzten Verletzten versorgt waren, wurden die Monitore zu Patienten.</p><p>�berall um sich herum hatte Conway feststellen k�nnen, da� die Monitore, die keinen oder nur wenig Schlaf auf dem Hintransport gehabt hatten, sich mit Aufputschspritzen und dank eines schier unersch�pflichen Durchhalteverm�gens dazu gezwungen hatten, den �berarbeiteten medizinischen Kr�ften des Hospitals zu helfen. Einer nach dem anderen war dabei buchst�blich auf der Stelle zusammengebrochen und abtransportiert worden. Vor Ersch�pfung hatten Herz und Lunge versagt, und sie lagen nun in mit computergesteuerten Herz-Lungen-Maschinen ausger�steten Spezialabteilungen, wo sie Herzmassagen erhielten und k�nstlich beatmet wurden. Durch eine Vene am Bein erhielten sie dort au�erdem die dringend erforderlichen N�hr� und Aufbaustoffe. Conway war zu Ohren gekommen, da� nur einer von ihnen gestorben war.</p><p>Williamson und Conway nutzten die momentane Ruhe und schauten durch das Sichtfenster nach drau�en. Das wartende Schiffskn�uel schien sich noch immer nicht entwirrt zu haben, obwohl es sich mittlerweile um Neuank�mmlinge handeln mu�te, da viele Schiffe bereits abgefertigt worden waren. Conway konnte sich nicht vorstellen, wo man all diese Leute unterbringen wollte � selbst die belegbaren Korridore des Hospitals waren allm�hlich �berf�llt. Trotzdem wurden ununterbrochen Patienten s�mtlicher Spezies von einer Station auf die andere verlegt, um noch mehr Platz zu schaffen. Aber das war jetzt nicht sein Problem, und das Strickmuster der Schiffe war ein merkw�rdig beruhigender Anblick.</p><p>�Dringender Notfall!� schallte es pl�tzlich aus dem Wandlautsprecher. �Einzelschiff mit nur einem Insassen, Spezies bis jetzt unbekannt, bittet um sofortige Behandlung. Insasse hat sein Schiff nur teilweise unter Kontrolle, ist schwer verletzt, die Verst�ndigung ist undeutlich. S�mtliche Einla�schleusen sofort in Alarmbereitschaft.!�</p><p>O nein, doch nicht ausgerechnet jetzt! dachte Conway best�rzt. Schon bei der Vorahnung, welch schreckliche Gefahr f�r das Hospital drohte, wurde ihm entsetzlich flau im Magen.</p><p>Williamsons Kn�chel gl�nzten wei�, als er den Rahmen des Aussichtsfensters mit den Fingern umklammerte. �Dahinten!� rief er entsetzt, wobei er in den Weltraum deutete.</p><p>Mit haarstr�ubender Geschwindigkeit und in einem v�llig unberechenbaren Kurs n�herte sich ein Eindringling dem wartenden Schiffskn�uel. Bevor Conway Luft holen konnte, kam etwas Schwarzes mit den gedrungenen und konturlosen Umrissen eines Torpedos immer n�her heran und durchdrang schlie�lich die wogende Schiffsmasse. In einem wirren Gedr�nge stoben die Schiffe auseinander, wobei sie nur um Haaresbreite Kollisionen vermeiden konnten. Jetzt war nur noch ein Schiff in der Flugbahn des Torpedos � ein Monitortransporter, dem bereits gr�nes Licht gegeben worden war und der nun auf eine Einla�schleuse zuschwebte.</p><p>Das Schiff war gro� und schwerf�llig und nicht gerade f�r flugakrobatische Kunstst�cke gebaut � f�r ein Ausweichman�ver w�rde also nie und nimmer die Zeit reichen. Ein Zusammensto� war unausweichlich, und der Transporter war voll von Verwundeten.</p><p>Aber nein! Im letztm�glichen Moment machte das heransausende Torpedo einen Schwenk. Conway und Williamson sahen, da� es knapp am Transporter vorbeischo� und wie sich die gedrungene Torpedoform im Nu perspektivisch zu einem Kreis verwandelte, der mit furchterregender Geschwindigkeit gr��er wurde. Das kleine Schiff scho� jetzt direkt auf sie zu! Conway wollte die Augen schlie�en, aber der Anblick dieser auf ihn zurasenden, klobigen Metallmasse l�ste bei ihm eine seltsame Faszination aus. Weder Williamson noch er selbst unternahmen den Versuch, sich einen Raumanzug zu greifen � das Unvermeidliche w�rde sowieso in wenigen Sekundenbruchteilen passieren.</p><p>Das Torpedo war bereits fast direkt �ber ihnen, als es pl�tzlich nach unten ausbrach, wobei der verletzte Pilot verzweifelt versuchte, diesem noch gr��eren Hindernis, das das Hospital jetzt f�r ihn darstellte, auszuweichen. Aber zu sp�t. Das Schiff prallte auf.</p><p>Als das Torpedo die Doppelwand durchschlug, brachten zwei gewaltige Ersch�tterungen den Boden unter ihnen zum Erbeben. Dann folgten allm�hlich schw�cher werdende St��e, als es sich bis zum Kern des Hospitals bohrte. Kurz entstand ein ohrenbet�ubender L�rm � die Schmerzensschreie der Menschen und Aliens wurden von pfeifenden, kr�chzenden und r�chelnden Lauten der Kreaturen begleitet, die j�mmerlich zugrunde gingen, die ertranken, vom Druckabfall verst�mmelt oder praktisch vergast wurden. So ergo� sich in Abschnitte, die reines Chlor enthielten, todbringendes Wasser. In eine Abteilung, deren Bewohner nie etwas anderes als Vakuum und transplutonische K�lte gekannt hatten, str�mte durch ein klaffendes Loch gew�hnliche Luft � die Wesen vertrockneten bei lebendigem Leib und l�sten sich bei dem ersten Kontakt mit dieser f�r sie artfremden Substanz auf schreckliche Weise praktisch in nichts auf. Wasser, Luft und etliche verschiedene atmosph�rische Gemische wurden miteinander vermengt und bildeten eine schlammige, braune und stark �tzende Mixtur, die sich dampfend und brodelnd ins All ergo�. Aber lange bevor all das geschah, waren die luftdichten Schotts rund um die Schneise, die das Schiff geschlagen hatte, bereits hermetisch abgeriegelt worden.</p><p>Einen Augenblick lang herrschte l�hmendes Entsetzen, doch dann reagierte das Hospital. Aus den Lautsprechern �ber ihnen wurden trotz hektischen Untertons besonnene und sachliche Anweisungen gegeben. Ingenieure und Mechaniker s�mtlicher Spezies sollten sich sofort f�r weitere Instruktionen bereithalten. Die Schwerkraftgitter auf den LSVO� und MSVK-Stationen funktionierten nicht mehr � das gesamte medizinische Personal wurde angewiesen, die Patienten in Schutzh�llen einzuwickeln und in den DBLF-Operationssaal zwei zu bringen, der auf ein zwanzigstel Ge eingestellt worden war, damit niemand vom eigenen Gewicht erdr�ckt werden konnte. Im AUGL-Tank war ein nicht ausfindig zu machendes Leck. Immer wieder wurden alle DBDGs vor einer Chlorverseuchung im Bereich der Kantine gewarnt. Und schlie�lich wurde Dr. Lister �u�erst h�flich gebeten, sich zu melden.</p><p>Conway empfand es als merkw�rdig, da� alle anderen zur Erf�llung ihrer Aufgaben im knappen Befehlston aufgefordert wurden, w�hrend Dr. Lister anscheinend nur h�flich zu etwas gebeten werden konnte. Pl�tzlich h�rte er, wie jemand seinen Namen rief, und er schnellte herum. Es war Dr. Mannon.</p><p>Er rannte auf Conway und Williamson zu und sagte keuchend: �Wie ich sehe, sind Sie im Augenblick frei. Ich hab eine Aufgabe f�r Sie.� Er hielt kurz inne, bis Conway nickte.</p><p>Als das kollidierende Schiff bis zur Mitte des Hospitals eine Schneise geschlagen hatte, erkl�rte er au�er Atem, h�tten die Sicherheitst�ren und � schotts nicht nur die unmittelbare Umgebung des Tr�mmerfelds, das es hinterlassen hatte, abgeriegelt. Verantwortlich daf�r war die Lage der T�ren � das Ergebnis lasse sich am besten mit einem gro�en Baum aus Vakuum vergleichen, der bis in die Mitte des Hospitals ragt, wobei der von dem Schiff geschlagene Tunnel der Stamm und die davon abzweigenden offenen Abschnitte der Korridore den Wipfel darstellten. Einige dieser luftleeren G�nge f�hrten zu Abschnitten, die selbst�ndig verriegelt werden konnten,</p><p>und deshalb best�nde die M�glichkeit, dort �berlebende anzutreffen.</p><p>Normalerweise g�be es f�r die Rettung dieser Wesen keinen Grund zur Eile, weil sie sich dort tagelang unter recht passablen Bedingungen aufhalten k�nnten, aber in diesem besonderen Fall sei eine weitere Komplikation aufgetreten. Das Schiff war erst in der Mitte des Hospitals � dem eigentlichen Nervenzentrum dieser hochtechnisierten Einrichtung � zum Stillstand gekommen, wo sich s�mtliche �berwachungsanlagen f�r die Apparaturen befanden, die die k�nstlichen Umweltbedingungen des Hospitals schufen. Derzeit schien sich dort ein �berlebender aufzuhalten � m�glicherweise ein Patient, ein Mitglied des Personals oder vielleicht sogar der Insasse des Schiffswracks selbst �, der an den Ger�ten herumspielte und, ohne es zu wissen, dadurch den Gravitationskontrollmechanismus zerst�rte. Falls diese Situation sich nicht �ndern w�rde, k�nnte das in den verschiedenen Abschnitten zu verheerenden Folgen f�hren � Todesf�lle unter den Lebensformen, die geringe Schwerkraft gew�hnt waren, w�ren dann unvermeidlich.</p><p>Dr. Mannon wollte nun von den beiden, da� sie sich dorthin begaben und die betreffende Person herausholten, bevor diese dort versehentlich wom�glich alles demolierte.</p><p>�Ein PVSJ ist bereits reingegangen�, f�gte Mannon hinzu, �aber diese Spezies kann sich in einem Raumanzug kaum bewegen. Damit alles schneller geht, will ich Sie beide hinterherschicken. Alles klar? Gut, dann beeilen Sie sich.�</p><p>Mit Schwerkraftg�rteln ausger�stet, stiegen sie in der N�he des zerst�rten Abschnitts ins All und schwebten an der Au�enh�lle des Hospitals entlang zu dem fast zehn Meter gro�en Loch, das von dem kollidierenden Schiff in die Seite hineingebohrt worden war. Durch die G-G�rtel verf�gten die beiden auch in der Schwerelosigkeit �ber ein H�chstma� an Man�vrierf�higkeit. Zwar rechneten sie auf dem vor ihnen liegenden Weg nicht mit unerwarteten Schwierigkeiten, waren aber zus�tzlich mit Seilen und Magnetankern ausgestattet. Williamson trug zudem eine Pistole bei sich � wie er betont hatte, einzig und allein, weil sie zur Ausr�stung eines Standarddienstanzugs geh�re. Beide hatten Luft f�r drei Stunden.</p><p>Zun�chst kamen sie gut voran. Das Schiff hatte durch die Schotts und die Decksbeplankung und selbst durch Teile schwerer Maschinen hindurch einen Tunnel mit glatten Kanten geschlagen. W�hrend des Abstiegs hatte Conway eine gute Einsicht in die verschiedenen Korridore, aber nirgendwo gab es ein Lebenszeichen. In einem Gang lagen die gr��lichen �berreste eines Hochdrucklebewesens, das selbst noch unter erdatmosph�rischen Bedingungen auseinandergesprengt worden w�re. Als es pl�tzlich dem harten Vakuum ausgesetzt gewesen war, mu�te dieser Proze� hier um so gewaltsamer vonstatten gegangen sein.</p><p>In einem anderen Gang hatte sich eine weitere Trag�die abgespielt: Eine dem Menschen nahe verwandte DBDG-Schwester � eins von den roten, b�ren�hnlichen Wesen � hatte um Sekundenbruchteile eine der sich abrupt schlie�enden luftdichten T�ren verpa�t, und ihr war dabei der Kopf abgetrennt worden. Aus irgendeinem Grund ging ihm dieser Anblick n�her als alles andere, was er am heutigen Tag bisher gesehen hatte.</p><p>Je weiter sie vordrangen, desto mehr wurden sie durch �fremdartige� Wrackteile � aus dem Schiff herausgerissene Abdeckplatten und andere Bauteile � behindert, so da� sie sich hin und wieder mit H�nden und F��en den Weg freir�umen mu�ten.</p><p>Williamson war vorne � etwa zehn Meter unter Conway �, als der Monitor pl�tzlich nicht mehr zu sehen war. Im Kopfh�rer des Raumanzugs war �ber Funk ein verbl�ffter Schrei zu h�ren, der aber durch das knirschende Ger�usch von Metall auf Metall abgeschnitten wurde. Unwillk�rlich verst�rkte sich Conways Griff um einen hervorspringenden Stahltr�ger, an dem er sich festgehalten hatte, und durch die Handschuhe hindurch sp�rte er, wie dieser vibrierte. Die Wrackteile bewegten sich! Kurz wurde er von panischer Angst ergriffen, bis er bemerkte, da� der Unruheherd �ber ihm lag, also dort, wo er hergekommen war. Einige Minuten sp�ter waren die Vibrationen vorbei, ohne da� sich die Lage der Wrackteile um ihn herum bedeutend ver�ndert hatte. Erst jetzt sicherte Conway sein Seil am Tr�ger und sah sich nach dem Monitor um.</p><p>Mit angezogenen Knien und die Arme vor dem Gesicht verschr�nkt, lag Williamson mit dem Gesicht nach unten etwa sechs bis sieben Meter unter ihm, wobei er teilweise zwischen losen Wrackteilen und Metallstreben eingeklemmt war. Schwache und unregelm��ige Atemger�usche im Kopfh�rer verrieten Conway, da� Williamsons geistesgegenw�rtige Reaktion, die Arme um den Kopf gelegt zu haben, um so das zerbrechliche Sichtfenster des Helms zu sch�tzen, dem Monitor das Leben gerettet hatte. Aber Williamsons Leben hing nun von der Schwere seiner anderen Verletzungen ab, und diese wiederum von der St�rke der in diesem Abschnitt herrschenden Anziehungskraft, durch die er so pl�tzlich hinuntergezogen worden war.</p><p>Offensichtlich war der Unfall durch einen Decksabschnitt verursacht worden, in dem die Schwerkraftgitter trotz der massiven Zerst�rung der Stromkreise im gesamten Unfallbereich noch aktiv waren. Conway war heilfroh, da� die Anziehung nur im rechten Winkel zur Oberfl�che des Gitters ausge�bt wurde und der Boden in diesem Abschnitt leicht verbogen worden war. W�re er gerade nach oben gerichtet gewesen, dann w�re nicht nur der Monitor abgest�rzt, sondern auch er selbst, und das aus einer wesentlich gr��eren H�he als sieben Metern.</p><p>Conway seilte sich vorsichtig ab und n�herte sich der zusammengekauerten Gestalt. Als er in den Einflu�bereich des Gitters geriet, umfa�te er das Seil fast krampfartig, lockerte aber wieder den Griff, denn er bemerkte, da� die Schwerkraft h�chstens anderthalb Ge betrug. Bei jetzt gleichbleibender Gravitation, die ihn in Richtung des Monitors hinabzog, seilte sich Conway Hand �ber Hand ab. Um die Anziehungskraft auszugleichen, h�tte er nat�rlich den G-G�rtel benutzen und einfach hinuntergleiten k�nnen, aber auch das barg ein gewisses Risiko. W�re er n�mlich zuf�llig aus dem Einflu�bereich des Gitters geraten, h�tte ihn der in diesem Fall auf Absto�ung eingestellte G-G�rtel wieder nach oben katapultiert, was vermutlich fatale Folgen nach sich gezogen h�tte.</p><p>Der Monitor war noch immer bewu�tlos, als Conway ihn schlie�lich erreichte. Obwohl er es nicht mit Bestimmtheit sagen konnte, zumal Williamson einen Raumanzug trug, schien sich der Monitor beide Arme mehrfach gebrochen zu haben. W�hrend er den schlaffen K�rper behutsam von den ihn umgebenden Wrackteilen befreite, wurde ihm schlagartig klar, da� Williamson Hilfe brauchte, und zwar sofortige Hilfe, mit allen Mitteln, die dem Hospital zur Verf�gung standen. Ihm war n�mlich pl�tzlich eingefallen, da� der Monitor eine Unmenge Aufputschspritzen erhalten hatte und seine Kraftreserven allm�hlich erloschen sein mu�ten. Sollte Williamson �berhaupt jemals die Besinnung wiedererlangen, k�nnte er einen t�dlichen Schock erleiden.</p><p>Conway wollte gerade Hilfe herbeirufen, als ein Klumpen aus scharfkantigem Metall knapp an seinem Helm vorbeiflog. Er drehte sich um und konnte noch rechtzeitig einem anderen Wrackteil ausweichen, das auf ihn zuschwebte. Erst dann erkannte er in etwa zehn Meter Entfernung die Umrisse einer extraterrestrischen Gestalt in einem Raumanzug, die teilweise von einem Gewirr aus Metall verdeckt wurde. Der Alien warf mit Gegenst�nden nach ihm!</p><p>Das Bombardement wurde allerdings sofort eingestellt, als der Alien erkannte, da� der Terrestrier ihn bemerkt hatte. Im Glauben, den unbekannten �berlebenden gefunden zu haben, durch dessen Schusseligkeit das Gravitationssystem durcheinandergebracht worden war, eilte Conway auf den Fremden zu. Doch er mu�te sich geirrt haben, denn dieser Alien war nicht einmal mehr in der Lage, sich zu bewegen. Er wurde von zwei schweren Stahlelementen gegen den Boden gepre�t, wobei er wie durch ein Wunder unverletzt geblieben war. Gerade versuchte er vergeblich, sich mit einem seiner Gliedma�en auf den R�cken zu langen.</p><p>Conway stutzte f�r einen Moment, dann sah er, da� sich von dem Funkger�t, das dem Alien auf dem R�cken geschnallt war, das Verbindungskabel gel�st hatte. Mit einem normalen Pflaster reparierte er den Schaden, und gleich darauf war die �bersetzte Stimme des Aliens in seinem Kopfh�rer zu vernehmen.</p><p>Es handelte sich um den PVSJ, der schon vor ihnen losgeschickt worden war, um das Unfallgebiet nach �berlebenden zu durchsuchen. Er war in dieselbe Falle wie der bedauernswerte Monitor geraten, hatte aber noch den G-G�rtel auf Absto�ung einstellen und somit den pl�tzlichen Sturz mindern k�nnen. Zwar war der Aufprall verh�ltnism��ig glimpflich verlaufen, hatte aber einige locker sitzende Wrackteile gel�st, von denen der Alien schlie�lich eingekeilt und das Funkger�t besch�digt worden war.</p><p>Der PVSJ � ein chloratmender Illensaner � war unter den Wrackteilen fest eingeklemmt, und Conways Bem�hungen, ihn davon zu befreien, waren vergeblich. W�hrend dieses Versuchs erblickte er die auf den Raumanzug des Aliens gedruckte Berufsbezeichnung. Die tralthanischen und illensanischen Symbole sagten Conway �berhaupt nichts, aber das dritte � eine m�glichst nahe Umschreibung der T�tigkeit des Aliens nach terrestrischen Begriffsvorstellungen � war ein Kruzifix. Der PVSJ war also so etwas wie ein Geistlicher.</p><p>Vielleicht hatte er deshalb so viel Gl�ck gehabt, dachte Conway.</p><p>Aber jetzt hatte er es nicht mehr mit nur einem, sondern gleich mit zwei bewegungsunf�higen F�llen zu tun. Er dr�ckte auf die Sprechtaste seines Funkger�ts und r�usperte sich. Noch bevor er etwas sagen konnte, dr�hnte ihm die eindringliche Stimme von Dr. Mannon in den Ohren.</p><p>�Doktor Conway! Monitor Williamson! Bitte melden Sie sich endlich!�</p><p>�Das wollte ich gerade tun�, sagte Conway und schilderte in K�rze die bisher aufgetretenen Probleme. Als er schlie�lich um sofortige Hilfe f�r den Monitor und den PVSJ-Geistlichen bat, schnitt ihm Mannon das Wort ab.</p><p>�Tut mir leid, Conway�, sagte er hastig, �aber wir k�nnen Ihnen nicht helfen. Die Gravitationsschwankungen sind hier noch st�rker geworden und m�ssen im Tunnel �ber Ihnen eine Versch�ttung verursacht haben. Er ist n�mlich mittlerweile vollst�ndig von Wrackteilen verstopft. Wartungsmonteure und Ingenieure haben bereits mit allen Mitteln versucht durchzukommen, aber.�</p><p>�Lassen Sie mich mal mit ihm reden�, fuhr eine andere Stimme dazwischen, und Conway vernahm das �bertrieben verst�rkte, polternde Ger�usch, das verursacht wird, wenn jemandem das Mikrofon aus der Hand gerissen wird. �Doktor Conway, hier spricht Doktor Lister. Ich mu� Ihnen leider sagen, da� das Wohlergehen der beiden Verungl�ckten nur von zweitrangiger Bedeutung ist. Ihre Aufgabe ist es, dieses Wesen im Gravitationskontrollraum ausfindig zu machen und es vor allem zu stoppen. Schlagen Sie ihm notfalls den Sch�del ein, aber halten Sie es auf! Es ist dabei, das gesamte Hospital zu zerst�ren!�</p><p>Conway schluckte, dann sagte er nur: �Ja, Sir�, und sah sich nach einer M�glichkeit um, weiter durch dapoGewirr von Metall um ihn herum vorzudringen. Aber die Lage schien hoffnungslos.</p><p>Pl�tzlich sp�rte er, wie er zur Seite gezogen wurde. Er schnappte nach dem n�chsten stabil wirkenden Gegenstand und klammerte sich verzweifelt daran fest. Durch den Stoff seines Raumanzugs hindurch nahm er das entsetzlich quietschende und laut scheppernde Ger�usch von sich bewegendem Metall wahr. Die Wrackteile verlagerten sich schon wieder! Dann verschwand die Kraft, die ihn zur Seite gedr�ckt hatte, genauso schnell, wie sie gekommen war, und im selben Augenblick war ein eigenartiger, bellender Schrei von dem PVSJ zu h�ren. Conway drehte sich um und sah, da� an der Stelle, wo vorher noch der Illensaner gewesen war, jetzt ein klaffendes Loch ins Nichts f�hrte.</p><p>Zwar kostete es ihn einige �berwindung loszulassen, doch die Anziehungskraft, die sich auch auf ihn ausgewirkt hatte, r�hrte von einer nur kurzfristigen Aktivierung eines Schwerkraftgitters irgendwo in der Tiefe her. Falls sie allerdings erneut auftreten w�rde, w�hrend er ungesch�tzt nach unten schwebte. Conway traute sich erst gar nicht, dar�ber nachzudenken.</p><p>Die Verlagerung der Wrackteile hatte sich auf Williamson nicht ausgewirkt � er lag noch immer in derselben Position wie zuvor �, aber den PVSJ schien es in die Tiefe gerissen zu haben.</p><p>�Sind Sie denn okay?� erkundigte sich Conway �ngstlich.</p><p>�Ich denke, schon�, antwortete der PVSJ. �Bin nur noch etwas benommen.�</p><p>Conway schwebte vorsichtig durch die neu entstandene �ffnung und schaute nach unten. Dort befand sich ein sehr gro�er Raum, der durch irgendeine seitliche Lichtquelle gut ausgeleuchtet wurde. In etwa zw�lf Metern Tiefe konnte Conway nur den Boden sehen � die W�nde befanden sich au�erhalb seines Blickfeldes �, und dieser war fast vollst�ndig mit einem dunkelblauen, r�hrenartigem Gew�chs mit knollenf�rmigen Bl�ttern bedeckt. Sinn und Zweck dieser R�umlichkeit stellten Conway zun�chst vor ein R�tsel, bis ihm klar wurde, da� er auf den AUGL-Tank schaute, allerdings ohne das Wasser. Dasojichte, schwammige Bodengew�chs diente den AUGL-Patienten gleichzeitig als Nahrung und Innendekoration. Der PVSJ hatte sehr viel Gl�ck gehabt, eine solch elastische Unterlage als Landefl�che gehabt zu haben.</p><p>Nicht mehr zwischen Wrackteilen eingeklemmt, meinte der PVSJ, sich nun fit genug zu f�hlen, Conway bei der Suche nach dem Wesen im Gravitationskontrollraum behilflich zu sein. Als sie im Begriff waren, ihren Abstieg fortzusetzen, blickte Conway in Richtung der Lichtquelle, die ihm zuvor nur am Rande aufgefallen war, und ihm stockte pl�tzlich der Atem.</p><p>Eine Wand des AUGL-Tanks war durchsichtig und gab den Blick auf einen Verbindungskorridor frei, der zu einer provisorischen Krankenstation umfunktioniert worden war. DBLF-Raupen lagen in Betten, die eine Seite des Flurs einnahmen. Dabei wurden die bedauernswerten Gesch�pfe durch schwere und willk�rlich auftretende Fluktuationen in den Schwerkraftgittern abwechselnd brutal in den Schaumstoff gepre�t oder in die Luft gesto�en. Um die Patienten herum waren in aller Eile Netze gespannt worden, damit sie nicht von den Liegen fallen konnten. Und trotz der Ersch�tterungen, denen sie ausgesetzt waren, z�hlten sie sogar noch zu den Gl�ckspilzen im Hospital.</p><p>Irgendwo wurde eine Station evakuiert, und durch den von Conway einzusehenden Abschnitt des Korridors krabbelte, h�pfte und schl�ngelte sich eine Prozession von Gesch�pfen, die wie der Inhalt einer kosmischen Arche Noah anmutete. Zusammen mit vielen anderen Spezies waren s�mtliche sauerstoffatmenden Lebensformen vertreten, wobei der Zug von terrestrischen Monitoren, Pflegern und Schwestern betreut wurde. Anscheinend hatte das Pflegepersonal die Erfahrung gemacht, da� schon blo�es Stehen oder aufrechtes Gehen Knochenbr�che verursachen konnte, weil alle auf H�nden und Knien krochen. Wenn sie von einer pl�tzlich auftretenden Schwerkraftschwankung von beispielsweise zwei auf vier Ge erfa�t wurden, fielen sie auf diese Weise wenigstens nicht so tief. Wie Conway zudem erkennen konnte, trugen die meisten von ihnen zwar G-G�rtel, sie hatten aber erkannt, da� diese Ger�te unter Bedingungen, wo die Schwerkraftkonstante zu einer unberechenbaren Variablen wurde, nutzlos waren.</p><p>Er sah PVSJs, die in ballonartige, mit Chlor gef�llte H�llen eingewickelt waren und entweder wie Schmetterlinge unter Glas flach gegen den Boden gepre�t oder in die H�he katapultiert wurden. Tralthanische Patienten wurden in ihrem massiven und starren Geschirr � Tralthaner neigten trotz ihrer enormen Kr�fte zu inneren Verletzungen � m�hsam mitgeschleppt. Es gab DBDGs, DBLFs und CLSRs, sowie nichtidentifzierbare Wesen in kugelf�rmigen Rollcontainern, von denen fast sichtbare K�lte ausgestrahlt wurde. In einem endlos scheinenden Zug krochen diese bedauernswerten Gesch�pfe dahin, wobei sie gezogen oder geschoben wurden oder sich aus eigener Kraft beherzt St�ck f�r St�ck fortbewegten. Und w�hrend die Schwerkraftgitter an ihnen zerrten, beugten sie sich nach unten und richteten sich wieder auf wie wogende Halme im Sturm.</p><p>Conway bildete sich schon fast ein, diese Gravitationsschwankungen selbst zu versp�ren, wu�te aber, da� dort, wo er sich befand, das Schiff die Stromzufuhr der Gitter zerst�rt haben mu�te. Nur mit Gewalt konnte er sich vom Anblick dieser grauenhaften Prozession losrei�en, dann aber setzte er mit dem PVSJ seinen Weg nach unten fort.</p><p>�Conway!� dr�hnte kurz darauf Mannons Stimme in seinem Kopfh�rer. �Dieser �berlebende da unten ist mittlerweile f�r genauso viele Opfer verantwortlich wie das Ungl�cksschiff selbst! Eine komplette Station mit rekonvaleszenten LSVOs ist tot, und zwar wegen eines dreisek�ndigen Schwerkraftsto�es von ein achtel auf vier Ge. Was machen Sie gerade?�</p><p>Conway berichtete, da� der vom Wrack geschlagene Tunnel immer enger werde, da der Rumpf und die meisten Aufbauten des Schiffs schon lange vor der Stelle, an der sie sich gerade befanden, abgetrennt worden waren. Vor ihnen k�nnten sich nur noch massive Wrackteile wie die Generatoren f�r den Hyperantrieb und dergleichen befinden. Au�erdem glaube er, sich dem Ziel ziemlich weit gen�hert zu haben und somit auch dem Wesen, das der unwissentliche Verursacher f�r all die Verw�stungen um sie herum war.</p><p>�Gut�, sagte Mannon, �aber beeilen Sie sich!� �Aber k�nnten nicht die Ingenieure durchkommen? Wenn sie.�</p><p>�Das klappt nicht�, unterbrach ihn Dr. Lister. �In der n�heren Umgebung der Steueranlage f�r die Schwerkraftgitter herrschen Gravitationsfluktuationen von bis zu zehn Ge! Es ist unm�glich. Und aus dem Innern des Hospitals an Sie heranzukommen, scheidet auch aus. Dazu m��ten s�mtliche Korridore evakuiert werden, doch die sind mittlerweile mit Patienten v�llig �berf�llt.� Die Stimme wurde leiser, als sich Dr. Lister offensichtlich vom Mikrofon abwandte, und Conway bekam zuf�llig mit, als er sagte: �Ein intelligentes Wesen kann doch nie und nimmer derart in Panik geraten, da� es. da� es. oh, wenn ich dieses Biest in die H�nde kriege, dann.�</p><p>�Vielleicht ist es gar nicht intelligent�, wandte eine andere Stimme ein. �M�glicherweise ist es ein Spr��ling von der FGLI-Kinderstation.�</p><p>�Wenn es so ist, werde ich ihm das kleine Fell gerben, bis es.�</p><p>An dieser Stelle wurde der Funkkontakt unterbrochen, und ein scharfes Klicken beendete die Konversation. Pl�tzlich wurde Conway bewu�t, wie wichtig er in diesem Augenblick f�r das Fortbestehen des Orbit Hospitals geworden war, und er tat alles, um noch schneller voranzukommen.</p><p>Eine Ebene tiefer gelangten Conway und der PVSJ auf eine Station, in der vier MSVKs � empfindliche, dreibeinige Wesen, die an St�rche erinnerten � leblos zwischen losen Ger�tschaften herumschwebten. Die Bewegungen der K�rper und Gegenst�nde im Raum wirkten ein wenig unnat�rlich, als w�ren sie gerade erst ausgel�st worden. Hierbei mu�te es sich um den ersten Hinweis auf den geheimnisvollen �berlebenden handeln, nach dem sie suchten.</p><p>Danach befanden sie sich in einem gro�en Raum mit Metallw�nden und waren von einem Labyrinth aus Rohren und unverkleideten Maschinen umgeben. In einer von ihm selbst verursachten Bodenmulde lag der gewaltige Hyperantriebsgenerator des Wracks, der von �berall verstreuten Einzelteilen diverser Ausr�stungsgegenst�nde des Kontrollraums umgeben war. Darunter waren die sterblichen �berreste eines jetzt nicht mehr einzuordnenden Aliens zu sehen. Neben dem Generator war durch ein anderes Teil der schweren Schiffsausr�stung ein weiteres Loch in den kritisch nachgebenden Boden gerissen worden.</p><p>Als Conway durch die �ffnung hindurchschaute, rief er aufgeregt: �Da unten ist es!�</p><p>Sie blickten in einen riesigen Raum, der nur das Gravitationskontrollzentrum sein konnte. An Boden, W�nden und Decke befand sich eine Reihe kompakter Metallk�sten neben der anderen � in diesem Abschnitt herrschten stets Luftleere und null Ge �, und f�r terrestrische Ingenieure war kaum Platz, sich dazwischen zu bewegen. Aber Ingenieure wurden hier nur selten gebraucht, weil sich die Ger�te in dieser lebenswichtigen Abteilung selbst reparieren konnten. Diese F�higkeit wurde im Augenblick allerdings einem ernsthaften H�rtetest unterzogen.</p><p>Ein Wesen, das Conway auf den ersten Blick als AACL einstufte, breitete sich �ber drei der empfindlichen Kontrollk�sten aus. Neun andere K�sten, deren rote Notleuchten blinkten, lagen in Reichweite der sechs pythonartigen Tentakel, die aus 1den abgedichteten �ffnungen eines milchigen Plastikanzugs hervorragten. Die Tentakel waren wenigstens sechs Meter lang und an der Spitze mit einer hornartigen Substanz versehen, die, dem vom Alien angerichteten Schaden nach zu urteilen, stahlhart sein mu�te.</p><p>Conway hatte sich zuvor innerlich darauf eingestellt, Mitleid f�r diesen vom Schicksal arg gebeutelten �berlebenden zu empfinden, und erwartet, eine verletzte, von Panik ergriffene und vor Schmerz wahnsinnig gewordene Kreatur vorzufinden. Doch statt dessen war da ein Wesen, das unverletzt schien und nichts Besseres vorhatte, als mit aller Gewalt den Gravitationskontrollmechanismus schneller zu zerst�ren, als die eingebauten Roboter ihn zu reparieren vermochten. Conway fluchte und begann, nach der Funkfrequenz des Aliens zu suchen. Pl�tzlich vernahm er ein grelles Piepsen im Kopfh�rer.</p><p>�Hab ich dich endlich.� murmelte er grimmig.</p><p>Das Piepsen h�rte schlagartig auf, als das kraken�hnliche Wesen Conways Stimme vernahm, und die Tentakel stellten ihr vernichtendes Werk ein. Conway merkte sich die Wellenl�nge, dann schaltete er wieder auf die Frequenz, �ber die er mit dem PVSJ sprechen konnte.</p><p>Als er dem Chloratmer erz�hlt hatte, was er im Kopfh�rer vernommen hatte, sagte der PVSJ: �Mir scheint, das Wesen f�rchtet sich entsetzlich, und bei dem Piepsen handelt es sich um Angstlaute � sonst h�tte der Translator das Piepsen in Worte Ihrer Sprache �bersetzt. Die Tatsache, da� es die Ger�usche und seine zerst�rerischen Aktivit�ten eingestellt hat, als es Ihre Stimme h�rte, l��t hoffen. Meiner Meinung nach sollten wir uns ihm aber trotzdem nur ganz allm�hlich n�hern und ihm dabei immer wieder versichern, da� wir ihm nur helfen wollen. Ich hab den Eindruck, da� es nach allem schl�gt, was sich bewegt. Eine gewisse Vorsicht ist also geboten.�</p><p>�Einverstanden�, stimmte Conway mit gutem Gef�hl zu.</p><p>�Au�erdem wissen wir nicht, in welche Richtung die Sehorgane des Wesens gerichtet sind�, fuhr der PVSJ fort, �deshalb schlage ich vor, wir n�hern uns ihm aus entgegengesetzte1r0Richtiing.�:</p><p>Conway nickte. Sie stellten die Funkger�te auf die neue Frequenz ein und schwebten vorsichtig bis unter die Decke des Kontrollraums. Mit Hilfe der kurzfristig schwach auf Absto�ung eingestellten G-G�rtel entfernten sie sich voneinander, wobei sie leicht gegen die Metalloberfl�che gedr�ckt wurden, dann lie�en sie sich an zwei gegen�berliegenden W�nden zum Boden herab. Das Wesen war jetzt zwischen ihnen, und sie bewegten sich langsam darauf zu.</p><p>Die Reparaturroboter waren damit besch�ftigt, den von den sechs schlangen�hnlichen Gliedma�en angerichteten Schaden wieder zu beheben. Das Wesen lag jetzt ruhig da und gab auch keinen Laut von sich. Conway mu�te die ganze Zeit an das verheerende Chaos denken, das es mit seinem sinnlosen Herumw�ten ausgel�st hatte. Was er dem Alien sagen wollte, w�ren alles andere als beruhigende Worte gewesen, und deshalb �berlie� er lieber dem PVSJ-Geistlichen das Reden.</p><p>�Sie brauchen keine Angst zu haben�, wiederholte dieser gerade zum zwanzigstenmal. �Wenn Sie verletzt sind, sagen Sie es uns. Wir sind hier, um Ihnen zu helfen.�</p><p>Aber der Alien zeigte keinerlei Reaktion.</p><p>Aus einem pl�tzlichen Impuls heraus schaltete Conway auf die Frequenz von Dr. Mannon und sagte: �Der �berlebende scheint ein AACL zu sein. K�nnen Sie mir sagen, weshalb er hier ist, oder warum er sich weigert oder unf�hig ist, mit uns zu sprechen?�</p><p>�Ich kl�re das mit der Auskunftszentrale�, antwortete Mannon nach einer kurzen Pause. �Aber sind Sie sich bei der Klassifikation wirklich sicher? Ich kann mich nicht daran erinnern, hier einen AACL gesehen zu haben. K�nnte es sich nicht um einen Creppelianer handeln, der.�</p><p>�Um einen creppelianischen Oktopoden handelt es sich garantiert nicht�, unterbrach Conway ihn. �Das Wesen hat sechs Hauptgliedma�en. Zur Zeit liegt es einfach nur da und tut nichts.�</p><p>Conway hielt pl�tzlich �ngstlich inne, denn es stimmte nicht mehr, da� der zur Diskussion stehende Alien sich nicht mehr r�hrte. Er hatte sich nach oben gegen die Decke abgesto�en und sich dabei so schnell bewegt, da� er im selben Moment wieder zu landen schien, in dem er abgehoben hatte. Conway sah, wie sich �ber ihm eine weitere Kontrolleinheit zu einem Schrotthaufen verwandelte, als das Wesen zuschlug, und wie andere K�sten aus ihren Verankerungen gerissen wurden, als es irgendwo Halt suchte. Im Kopfh�rer war jetzt Mannons schreiende Stimme zu h�ren. Conway vernahm zwar, da� in einem bislang stabilen Abschnitt des Hospitals pl�tzlich Gravitationsschwankungen aufgetreten seien und die Zahl der Verletzten gestiegen sei, konnte aber nicht antworten.</p><p>Hilflos mu�te er mit ansehen, wie der AACL zu einem erneuten Sprung ansetzte.</p><p>��wir sind hier, um Ihnen zu helfen�, wiederholte der PVSJ, als das Wesen vier Meter von ihm entfernt ger�uschlos wieder gelandet war. F�nf gro�e Tentakel verankerten sich fest, w�hrend ein sechster in einer nur verschwommen zu erkennenden, schl�ngelnden Bewegung vorschnellte, den PVSJ erfa�te und gegen die Wand schmetterte. Das lebensnotwendige Chlor spritzte aus dem Anzug des PVSJ. F�r einen Augenblick war das bedauernswerte Gesch�pf in dem entstandenen Dunstschleier eingeh�llt, w�hrend es langsam in die Mitte des Raums zur�ckprallte.</p><p>Der AACL gab wieder piepsende Laute von sich.</p><p>Wie benommen erstattete Conway Mannon einen kurzen Bericht, der seinerseits nach Lister schrie. Schlie�lich vernahm er die Stimme des Direktors, der �ngstlich sagte: �Sie m�ssen das Wesen t�ten, Conway!�</p><p>Sie m�ssen das Wesen t�ten, Conway!</p><p>Nichts h�tte Conway leichter in die Wirklichkeit zur�ckbringen k�nnen als die Schockwirkung dieser Worte. Ein Problem durch Mord zu l�sen und dann noch einen Arzt, der sich dem Schutz des Lebens verschrieben hatte, zur Ausf�hrung dieser T�tung aufzufordern sah einem Monitor �hnlich, dachte er verbittert. Da� das Wesen Todes�ngste ausstand, z�hlte nicht, es hatte in den geheiligten Hallen des Orbit Hospitals eine Menge Probleme verursacht, also mu�te man es t�ten.</p><p>Zwar hatte Conway zuvor Angj1o,gehabt und versp�rte sie jetzt auch immer noch, aber gerade eben war er noch in einer Gem�tsverfassung gewesen, wo er aus Panik heraus das Gesetz des Dschungels �t�ten oder get�tet werden� angewandt h�tte. Jetzt aber nicht mehr. Egal, was ihm oder dem Hospital zustie�, niemals w�rde er ein intelligentes Mitwesen t�ten k�nnen, und wenn sich Lister dabei die Kehle aus dem Hals schrie.</p><p>Zun�chst wunderte er sich, als er feststellen mu�te, da� sowohl Lister als auch Mannon lauthals auf ihn einredeten und seine Argumente zu widerlegen versuchten � ohne es zu bemerken, mu�te er laut gedacht haben �, dann wechselte er einfach w�tend die Frequenz.</p><p>Aber noch immer vernahm er eine Stimme, die auf ihn einredete; allerdings eine fl�sternde und unbeschreiblich matte Stimme, die h�ufig von einem schmerzvollen Keuchen unterbrochen wurde. In einem Anflug von Verwirrung glaubte Conway, der Geist des toten PVSJ w�rde die Argumente Dr. Listers wiederholen, dann bemerkte er �ber sich einen Schatten.</p><p>Der mit einem Raumanzug bekleidete Williamson schwebte kaum vernehmlich durch das Loch in der Decke. Wie der schwerverletzte Monitor �berhaupt dorthin gelangen konnte, �berstieg Conways Auffassungsverm�gen � seine gebrochenen Arme machten Williamson den Einsatz des G-G�rtels unm�glich, also mu�te er sich den ganzen Weg �ber mit den F��en abgesto�en und darauf gehofft haben, da� er nicht ein zweites Mal von einem zuf�llig aktiven Schwerkraftgitter in die Tiefe gerissen wurde. Allein bei dem Gedanken, wie h�ufig Williamson auf dem Weg hierher mit seinen mehrfach gebrochenen Gliedma�en gegen Hindernisse gesto�en sein mu�te, schauderte Conway. Und dennoch schien die einzige Besorgnis des Monitors darin zu bestehen, Conway davon �berzeugen zu m�ssen, diesen AACL zu t�ten.</p><p>Das Wesen befand sich jetzt unter dem Monitor, direkt unter dem Monitor, und die Distanz zwischen den beiden verringerte sich mit jeder Sekunde.</p><p>Conway sp�rte, wie ihm ein kalter Schauer �ber den R�cken lief. Der verletzte Williamson, der seinen Flug nicht abbremsen konnte, schwebte hilflos immer weiter nach unten � direkt auf den geduckten AACL zu! W�hrend Conway wie gebannt hin�berstarrte, rollte sich einer der stahlharten Tentakel aus und war bereit, einen t�dlichen Schlag zu versetzen.</p><p>Conway st�rzte sich instinktiv in die Richtung des schwebenden Monitors. Er hatte jetzt keine Zeit, sich dar�ber Gedanken zu machen, ob es sich bei seiner Aktion um ein bewu�tes Vorgehen handelte oder ob es tapfer oder einfach nur dumm war, was er tat. Mit einem dumpfen Krachen prallte er mit dem Monitor zusammen, klammerte sich an ihm fest und schlang seine Beine um Williamsons Taille, damit er die H�nde zur Bedienung des G-G�rtels frei hatte. Wie wild drehten sie sich um ihren gemeinsamen Gravitationsschwerpunkt, und die W�nde, die Decke und der von dem AACL okkupierte Boden wirbelten so schnell um sie herum, da� Conway die Bedienungselemente kaum im Auge behalten konnte. Es schien eine Ewigkeit zu vergehen, bis er endlich die Drehung in den Griff bekam und es schaffte, da� sie sich auf das Loch in der Decke zubewegten. Fast waren sie schon in Sicherheit, als Conway einen der trossenartigen Tentakel auf sich zuschnellen sah.</p><p>Etwas schlug mit solcher Wucht gegen seinen R�cken, da� es ihm den Atem verschlug. Eine Schrecksekunde sp�ter glaubte er, da� seine Sauerstoffbeh�lter und sein Raumanzug aufgeplatzt waren und er bereits wie ein Wahnsinniger nach Luft rang. Aber sein von schierer Angst bestimmtes Einatmen trieb ihm doch Sauerstoff in die Lunge. Nie h�tte er geahnt, da� konservierte Luft so gut schmecken konnte.</p><p>Der Tentakel des AACL hatte ihn nur gestreift, und seine Wirbels�ule war nicht gebrochen. Lediglich das Funkger�t war zerst�rt worden.</p><p>�Alles in Ordnung?� fragte Conway �ngstlich, nachdem er Williamson in das obere Stockwerk in Sicherheit gebracht hatte. Dabei mu�te er seinen Helm gegen den des Monitors halten, da er sich anders nicht mehr verst�ndlich machen konnte.</p><p>Eine ganze Weile erhielt er keine Antwort, dann war in unmittelbarer N�he wieder dieses matte, schmerzgeplagte Fl�stern zu h�ren.</p><p>�Meine Arme tun weh. Ich bin m�de�, sagte die Stimme stockend. �Aber wenn Sie mich. wenn man mich ins Hospital bringt. werde ich�s schon schaffen.� Williamson hielt inne, seine Stimme schien von irgendwoher Kraft sammeln zu m�ssen, dann fuhr er fort: �Das hei�t, falls es bis dahin im Hospital �berhaupt noch einen �berlebenden gibt, der mich behandeln kann. Wenn Sie unseren Freund da unten nicht sofort aufhalten, dann.�</p><p>Conway kochte vor Wut. �Verdammt noch mal, geben Sie denn nie auf?� brauste er auf �Merken Sie sich ein f�r allemal, da� ich ein intelligentes Lebewesen niemals t�ten werde! Mein Funkger�t ist kaputt, also brauche ich mir wenigstens das Gezeter von Lister und Mannon nicht mehr anzuh�ren. Und um Sie zum Schweigen zu bringen, brauche ich blo� meinen Helm wegzunehmem.�</p><p>Die Stimme des Monitors klang jetzt noch schw�cher, als er sagte: �Ich kann Mannon und Lister immer noch h�ren. Sie sagen gerade, jetzt seien die Stationen in Abschnitt acht betroffen � das ist der andere Sektor mit geringer Schwerkraft. Patienten und �rzte sind praktisch am Boden festgenagelt. MSVKs sind alles andere als Schwerathleten, aber das wissen Sie ja selbst.�</p><p>�H�ren Sie endlich auf!� br�llte Conway und wandte sich ver�rgert ab.</p><p>Als sich seine Wut einigerma�en gelegt hatte, stellte er fest, da� sich die Lippen des Monitors nicht mehr bewegten. Williamsons Augen waren geschlossen. Sein Gesicht war bla� und schwei��berstr�mt, und er schien nicht mehr zu atmen. Durch das chemische Trockenmittel in seinem Helm konnte das Sichtfenster nicht beschlagen, so da� Conway nicht mit Bestimmtheit sagen konnte, ob der Monitor tot war oder nicht. Aber bei seiner nur durch die wiederholte Gabe von Aufputschspritzen �bert�nchten Ersch�pfung und den hinzugekommenen Verletzungen hatte er Williamsons Tod schon lange bef�rchtet.</p><p>Aus einem unerfindlichen Grund brannten Conway pl�tzlich die Augen. Er hatte in den vergangenen Stunden so viele tote und zerst�ckelte K�rper gesehen, da� seine Mitleidensf�higkeit an dem Punkt angelangt war, wo er nur noch wie eine medizinische Maschine reagierte. Bei der schmerzhaften Trauer, die er nun um diesen Monitor empfand, mu�te es sich um ein vor�bergehendes Wiederaufleben dieser F�higkeit handeln. Eins wu�te er jedoch ganz genau: niemand w�rde diese medizinische Maschine dazu bringen, einen Mord zu begehen. Zwar wu�te er jetzt, da� das Monitorkorps die Verantwortung f�r weit mehr Gutes als Schlechtes trug, aber er war nun mal kein Monitor.</p><p>O�Mara und Lister jedoch waren beides, sowohl �rzte als auch Monitore, und einer von ihnen geno� sogar in der ganzen Galaxis hohes Ansehen. Bist du etwa ein besserer Mensch als diese beiden? fragte ihn eine innere Stimme. Und jetzt bist du v�llig auf dich allein gestellt, fuhr sie fort. Das Hospital ist kurz vor dem Zusammenbruch, und wegen dieses einen Wesens da unten m�ssen alle anderen sterben. Was glaubst du, wie hoch deine �berlebenschancen sind? Der Weg, auf dem du gekommen bist, ist mit Wrackteilen verstopft und niemand kann dir zu Hilfe kommen. Also wirst auch du sterben m�ssen, oder nicht?</p><p>Conway versuchte verzweifelt, an seinem Entschlu� festzuhalten und sich dahinter wie unter einem Panzer zu verstecken. Aber diese unnachgiebige, angsterf�llte Stimme in seinem Kopf durchbrach diesen Panzer. Umso gr��ere Erleichterung versp�rte er, als er sah, da� sich Williamsons Lippen wieder bewegten, und er legte sofort seinen Helm gegen den des Monitors.</p><p>��als Arzt f�llt Ihnen das nat�rlich schwer�, h�rte er den Monitor sagen, �aber Sie m�ssen es tun. Stellen Sie sich einfach vor, Sie w�ren das Wesen da unten, vor Angst und Schmerz halb wahnsinnig. Und in einem kurzen lichten Moment h�ren Sie jemanden sagen, was Sie getan haben, was Sie angerichtet haben und wie viele Leben Sie dadurch vernichtet haben.� Williamsons Stimme schwankte, versagte kurz, dann kehrte sie zur�ck. �W�rden Sie dann nicht auch lieber sterben wollen, anstatt weiterhin Unschuldige zu t�ten?�</p><p>�Aber ich kann nicht.!�</p><p>�W�rden Sie an seiner Stelle nicht lieber sterben wollen?�</p><p>Conway merkte, wie sein Panzer abzubr�ckeln begann. In einem letzten verzweifelten Versuch, standhaft zu bleiben oder wenigstens die schreckliche Entscheidung hinauszuschieben, sagte er: �Nun, vielleicht. aber selbst wenn ich wollte, k�nnte ich das Wesen nicht t�ten. Es w�rde mich bereits in St�cke rei�en, bevor ich mich ihm �berhaupt gen�hert h�tte.�</p><p>�Ich hab eine Pistole�, sagte der Monitor.</p><p>Conway konnte sich nicht erinnern, wie er die Waffe entsichert, ja nicht einmal, wie er sie aus dem Halfter des Monitors gezogen hatte. Sie lag jetzt fest in seiner Hand und war auf den AACL gerichtet. Er f�hlte sich elend und fror, aber noch hatte er Williamsons Wunsch nicht ganz nachgegeben. In Reichweite war eine Spraydose mit schnell trocknendem Plastik, das bei umgehender Anwendung jemandem das Leben retten konnte, wenn dessen Anzug ein Loch bekommen hatte. Conway hatte vor, das Wesen zu verwunden, es nur bewegungsurf�jLg3Z� machen und dann dessen Anzug mit dem Plastik wieder zu versiegeln. Sicher war das eine heikle Angelegenheit und auch f�r ihn selbst �u�erst riskant, aber er konnte den Alien nun einmal nicht vors�tzlich t�ten.</p><p>Er nahm die Spraydose in die linke Hand, und mit der rechten zielte er auf das krakenartige Gesch�pf. Dann dr�ckte er ab.</p><p>Als er die Pistole absetzte, war von dem Wesen nicht mehr viel �brig � au�er den zerst�ckelten und zuckenden Tentakeln, die �ber den ganzen Raum verteilt waren. Conway w�nschte sich jetzt, er h�tte mehr von Waffen verstanden und gewu�t, da� die Pistole Explosivgeschosse enthalten hatte und auf automatisches Feuer eingestellt gewesen war.</p><p>Williamsons Lippen bewegten sich wieder. Zwar f�hlte sich Conway jetzt jenseits von Gut und B�se und war wie gel�hmt, aber wie automatisch horchte er am Helm des Monitors.</p><p>��schon gut, Doktor�, stammelte der Monitor. �Sie m�ssen sich um den Alien keine Sorgen machen, es.�</p><p>�Jetzt mu� ich mir um ihn allerdings keine Sorgen mehr machen�, stimmte Conway ihm abf�llig zu. Er untersuchte die Waffe des Monitors und hoffte, da� sie nicht leer war. Wenn auch nur eine einzige Kugel �brig geblieben w�re, w��te er genau, was er damit getan h�tte.</p><p>�Wir wissen genau, wie schwer Ihnen das gefallen ist�, sagte Major O�Mara. Seine Stimme klang jetzt nicht mehr gereizt, und seine stahlgrauen Augen strahlten Mitgef�hl und sogar so etwas wie Stolz aus. �Gew�hnlich mu� ein Arzt eine solch folgenschwere Entscheidung erst treffen, wenn er �lter und ausgeglichener ist und eine gewisse Reife erlangt hat. Sie sind, oder besser, Sie waren ein �berm��ig idealistischer Mensch, dabei etwas blasiert und vielleicht ein wenig selbstgerecht. Und Sie wu�ten nicht einmal, was ein Monitor wirklich ist.�</p><p>O�Mara l�chelte. Seine gro�en, festen H�nde ruhten in einer merkw�rdig v�terlichen Geste auf Conways Schultern. Er fuhr fort: �Durch Ihre �berwindung zu diesem Schritt h�tten Sie sich sowohl Ihren beruflichen Werdegang als auch Ihre innere Ausgeglichenheit ruinieren k�nnen. Aber egal, Sie haben sich jedenfalls nichtSjV9rz�werfen. Es war gut so.�</p><p>Im nachhinein w�nschte sich Conway, er h�tte den Helm ge�ffnet und allem ein Ende gesetzt, bevor diese Ingenieure in den Kontrollraum ausgeschw�rmt waren und Williamson und ihn herausgeholt hatten. O�Mara mu�te verr�ckt sein � schlie�lich hatte er, Conway, das oberste Gebot seines Berufsstandes verletzt und ein intelligentes Lebewesen get�tet. Was also war gut daran?</p><p>�H�ren Sie mir bitte zu�, fuhr O�Mara ernst fort. �Die Fachleute aus der Funkzentrale haben es geschafft, ein Bild vom Kontrollraum des Unfallschiffs mitsamt seines Insassen zu empfangen, bevor es aufgeschlagen ist. Der Insasse war kein AACL, verstehen Sie? Dieses Wesen war ein AMSO, eine der gr��eren nichtintelligenten Lebensformen, die einem AACL als Haustier dienen. Au�erdem sind derzeit �berhaupt keine AACLs im Hospital angemeldet. Das Biest, das Sie get�tet haben, war also im �bertragenen Sinne nichts anderes als ein vor Angst verr�ckter Hund in einem Schutzanzug.� O�Mara sch�ttelte Conway die Schultern, bis dessen Kopf wackelte. �F�hlen Sie sich jetzt etwas besser?�</p><p>Conway sp�rte, wie er allm�hlich wieder in die Realit�t zur�ckkam, und nickte wortlos.</p><p>�Sie k�nnen jetzt gehen�, sagte O�Mara l�chelnd. �Schlie�lich haben Sie einigen Schlaf nachzuholen. Und was das Neuorientierungsgespr�ch angeht, das ich neulich erw�hnt hab, so hab ich daf�r vorerst leider keine Zeit mehr. Aber erinnern Sie mich bitte irgendwann daran. das hei�t, falls Sie so ein Gespr�ch Ihrerseits �berhaupt noch f�r notwendig halten.�</p><p>W�hrend der vierzehn Stunden, die Conway schlief, reduzierte sich die Einlieferung von Verwundeten auf eine zu bew�ltigende Anzahl, und es traf die Nachricht ein, da� der Krieg vor�ber sei. Monitoringenieure und Wartungsmonteure konnten erfolgreich die Wrackteile ausr�umen und auch die besch�digte Au�enh�lle reparieren. Bei wiederhergestellten normalen Druckverh�ltnissen gingen die inneren Reparaturarbeiten z�gig voran. Als Conway wach geworden war und sich auf die Suche nach Dr. Mannon begab, sah er, wie Patienten bereits wieder in einen Abschnitt verlegt wurden, der noch vor ein paar Stunden ein einziges dunkles und luftleeres Chaos aus Wrackteilen gewesen war.</p><p>Seinen Vorgesetzten traf er schlie�lich in einem seitlichen OP-Trakt der FGLI-Unfallstation an. Mannon operierte gerade einen DBLF mit starken Verbrennungen, dessen raupenartiger K�rper auf einem OP-Tisch, der eigentlich f�r tralthanische FGLIs gedacht war, fast zwergenhaft wirkte. Zwei weitere DBLFs, die noch unter Narkose standen, sahen auf einer �hnlich �bergro�en Liege an der Wand wie wei�e H�ufchen aus, und ein vierter lag zuckend auf einer Tragbahre in der N�he der T�r.</p><p>�Wo, zum Teufel, haben Sie gesteckt?� fragte Mannon mit einer Stimme, die viel zu m�de war, um w�tend zu klingen. Noch bevor Conway antworten konnte, fuhr er ungeduldig fort: �Ach, Sie brauchen mir gar nichts zu erz�hlen. hier schnappt doch jeder dem anderen nach Belieben seine Mitarbeiter weg, und Assistenz�rzte m�ssen eben tun, was man ihnen sagt.�</p><p>Conway merkte, wie er err�tete. Pl�tzlich sch�mte er sich, vierzehn Stunden lang geschlafen zu haben, war aber zu feige, Mannons falsche Annahme richtigzustellen. Statt dessen fragte er nur: �Kann ich Ihnen helfen, Sir?�</p><p>�Ja�, murmelte Mannon und deutete auf seine Patienten. �Aber es handelt sich um ziemlich heikle Geschichten. Tiefe Platz� und Schnittwunden. Metallst�cke nund � splitter im K�rper,</p><p>Bauchh�hlenverletzungen und starke innere Blutungen. Ohne ein Schulungsband werden Sie hier wohl kaum etwas ausrichten k�nnen. Gehen Sie und trichtern Sie es sich ein. Danach kommen Sie sofort wieder hierher, klar?�</p><p>Einige Minuten sp�ter war Conway im Schulungsraum neben O�Maras B�ro und nahm das DBLF-Physiologieband in sich auf. Dieses Mal zuckte er nicht zusammen, als die H�nde des Monitors seinen Kopf ber�hrten, und als ihm das Stirnband mit den Elektroden abgenommen wurde, fragte er: �Wie geht es Ihrem Korpsmitglied Williamson?�</p><p>�Er wird durchkommen�, antwortete O�Mara unbeteiligt. �Die Frakturen mu�ten extra von einem Diagnostiker gerichtet werden. Aber Williamson wird ganz sicher nicht sterben.�</p><p>Anschlie�end begab sich Conway so schnell wie m�glich wieder zu Mannon. Er erfuhr wieder diese typische innere Verwandlung, als verk�rpere er zwei Lebewesen in einem, und mu�te dem Drang widerstehen, auf dem Bauch zu kriechen. Jedenfalls wu�te er nun, da� das DBLF-Band seine Wirkung nicht verfehlt hatte. Stoffwechsel und Temperament der raupen�hnlichen Bewohner von Kelgia waren fast genauso wie beim Menschen, so da� er mit der Umstellung weit weniger Schwierigkeiten hatte als zuvor mit dem Telfiband. Aber es zwang ihm eine Art Verbundenheit mit den Wesen auf, die er behandelte, und das war in diesem Fall durchaus schmerzvoll.</p><p>Das konzeptionelle Zusammenwirken von Pistole, Kugel und Ziel ist sehr einfach � anvisieren, abdr�cken und das Ziel, das Opfer, ist tot oder verwundet. Die Kugel denkt �berhaupt nicht nach, der Sch�tze nicht genug, und das Ziel. nun, das Opfer ist immer der Leidtragende.</p><p>Conway hatte in letzter Zeit zu viele Opfer gesehen und auch Geschosse, die sich in sie gebohrt und im zerfetzten Fleisch rote Krater hinterlassen hatten, die Knochen zerschmettert und Blutgef��e zerrissen hatten. Hinzu kam noch der lange und schmerzhafte Genesungsproze� des Opfers. Ein jeder, der einem denkenden und f�hlenden Wesen solchen Schaden zuf�gte, verdiente eine weit schmerzhaftere Strafe als das Korrektiv einer psychiatrischen Behandlung seitens der Monitore.</p><p>Vor ein paar Tagen h�tte sich Conway solcher Ansichten noch gesch�mt � davon war jetzt aber kaum noch etwas zu versp�ren. Er fragte sich, ob die letzten Ereignisse bei ihm einen Proze� moralischer Entartung ausgel�st hatten oder ob es einfach nur daran lag, da� er allm�hlich erwachsen wurde.</p><p>F�nf Stunden sp�ter waren sie fertig. Mannon gab der Schwester die Anweisung, die vier Patienten im Auge zu behalten, bat sie aber, zuvor etwas zum Essen zu holen. Als sie mit einem gro�en Paket Sandwiches zur�ckkam, berichtete sie, da� die Kantine von einem tralthanischen Arzt in einen Operationssaal umgewandelt worden sei. Kurz darauf schlief Dr. Mannon mitten �ber seinem zweiten Sandwich ein. Conway lud ihn auf eine Bahre und brachte ihn in dessen Zimmer. Unterwegs wurde er von einem tralthanischen Diagnostiker abgefangen, der ihn auf eine DBDG-Unfallstation beorderte.</p><p>Dieses Mal hatte er es mit Opfern seiner eigenen Spezies zu tun, und sein Reifeproze� � oder moralischer Entartungsproze� � machte Fortschritte. Allm�hlich kam er zu der Ansicht, da� das Monitorkorps mit einigen Leuten viel zu sanft umging.</p><p>Drei Wochen sp�ter hatte sich die Situation im Orbit Hospital fast wieder normalisiert. Au�er den in Todesgefahr schwebenden Schwerverletzten waren s�mtliche Patienten in Hospitale ihrer Heimatplaneten gebracht worden. Der Schaden, den das Unfallschiff verursacht hatte, war behoben worden. Der Arzt hatte die Kantine wieder ger�umt, und Conway mu�te sich das Essenstablett nicht mehr aus zusammengestellten Instrumentenwagen nehmen. Aber auch wenn sich die Situation im Hospital im gro�en und ganzen etwas normalisiert hatte, so traf dies auf Conway pers�nlich �berhaupt nicht zu.</p><p>Er war n�mlich vom Stationsdienst v�llig befreit worden und nahm nun in einer gemischten Gruppe von Menschen und Extraterrestriern � von denen die meisten �lter als er waren � an einem Kurs in Schilfsrettung teil. Einige der Probleme, die bei der Bergung �berlebender aus Schiffswracks auftauchen konnten, besonders wenn die Energieversorgung an Bord noch funktionierte, �ffneten Conway die Augen. Der Kurs endete mit einer interessanten, wenn auch kr�ftezehrenden �bung, die er allerdings erfolgreich absolvierte, worauf sich noch ein intellektuell etwas abgehobener Kurs �ber vergleichende ET-Philosophie anschlo�. Parallel dazu liefen Lehrg�nge �ber Verseuchungsgefahren: Was war zu tun, wenn auf der Methanstation ein Leck entstand und die Temperatur �ber den Siedepunkt von minus 161 Grad Celsius anzusteigen drohte? Was war zu tun, wenn ein Chloratmer Sauerstoff ausgesetzt wurde oder ein Wasseratmer in Luft zu ersticken drohte oder umgekehrt. Allein bei der Vorstellung, da� ihn der eine oder andere der Kursteilnehmer k�nstlich zu beatmen versuchen k�nnte, schauderte es Conway � einige wogen mehr als eine halbe Tonne!�� , aber gl�cklicherweise gab es zum Abschlu� dieses Lehrgangs keine praktischen �bungen.</p><p>Jeder einzelne Dozent betonte immer wieder, wie wichtig eine umgehende und exakte Klassifikation eingelieferter Patienten war, weil diese h�ufig aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht mehr in der Lage waren, diese Informationen selbst zu geben.</p><p>In dem aus vier Buchstaben bestehenden Klassifikationssystem zeigte der erste Buchstabe den allgemeinen Stoffwechsel an, der zweite die Anzahl der Gliedma�en und Sinnesorgane und der dritte und vierte die erforderlichen Druck� und Schwerkraftverh�ltnisse, was zugleich ein Hinweis auf die physische Masse und Beschaffenheit eines Wesens war. A, B und C als erste Buchstaben zeigten Wasseratmer an, D und F warmbl�tige Sauerstoffatmer � in diese Klassifikation fielen die meisten intelligenten Wesen. G bis K waren auch Sauerstoffatmer, aber insektenartige Wesen von Planeten mit geringer Schwerkraft, ebenso wie die vogelartigen Wesen der Kategorie L und M. Die Chloratmer waren in die Gruppen O und P eingeteilt. Danach kamen v�llig absonderliche Spezies � Strahlungsverwerter; starrbl�tige oder kristalline Wesen; Kreaturen, die ihre physische Gestalt beliebig ver�ndern konnten und andere, die verschiedene Arten �bersinnlicher Kr�fte besa�en. Telepathische Spezies wie die Telfi hatten als ersten Buchstaben ein V.</p><p>Die Dozenten pflegten drei Sekunden lang das Bild eines ET-Fu�es oder eines St�cks der Oberfl�chenhaut auf dem Bildschirm zu zeigen, und wenn Conway das Wesen aufgrund dieses kurzen Eindrucks nicht einstufen konnte, hagelte es h�mische Bemerkungen.</p><p>Bei alldem handelte es sich zwar um sehr interessanten Lernstoff, aber Conway pa�te es nicht, da� er sechs Wochen lang keinen Patienten zu Gesicht bekommen hatte. Deshalb beschlo� er, O�Mara anzurufen und ihn zu fragen, was das Ganze zu bedeuten hatte � selbstverst�ndlich auf respektvolle und zur�ckhaltende Weise.</p><p>�Nat�rlich wollen Sie wieder auf Ihre Station zur�ck�, sagte O�Mara, als Conway auf Umwegen schlie�lich zum entscheidenden Punkt gekommen war, �und Doktor Mannon will Sie auch wiederhaben. Aber es k�nnte ja sein, da� ich f�r Sie eine Verwendung hab und gar nicht m�chte, da� Sie an andere Aufgaben gebunden sind. Sie brauchen jedoch nicht zu glauben, da� Sie hier sinnlos Ihre Zeit verplempern. Sie lernen sehr n�tzliche Dinge, Doktor. Wenigstens hoffe ich das. Machen Sie�s gut.�</p><p>W�hrend Conway das Mikrofon des Kommunikators abschaltete, dachte er dar�ber nach, da� sich viele der Dinge, die er gelernt hatte, auf die Person Major O�Maras bezogen hatten. Zwar gab es keine Vortr�ge, die sich direkt mit den Aufgaben und Funktionen des Chefpsychologen befa�t hatten, was aber durchaus h�tte sein k�nnen, da er in s�mtlichen Lehrg�ngen auf die ein oder andere Weise erw�hnt wurde. Und Conway wurde erst allm�hlich klar, wie nahe er wegen seines Verhaltens bei der Telfi-Geschichte am Rande eines Rausschmisses gestanden hatte.</p><p>O�Mara trug im Monitorkorps den Rang eines Majors, aber Conway hatte gelernt, wie schwierig es war, seinen Aufgabenbereich innerhalb des Hospitals genau einzugrenzen. Als Chefpsychologe war er f�r das geistige Wohlbefinden der vielen verschiedenartigen Individuen und Spezies des Personals verantwortlich und mu�te Konflikte zwischen ihnen vermeiden.</p><p>Selbst wenn man �u�erste Toleranz und gegenseitigen Respekt beim Personal voraussetzte, gab es doch noch Anl�sse genug zu Reibereien. Potentiell gef�hrliche Situationen entstanden in erster Linie durch Unwissenheit und Mi�verst�ndnisse, aber auch wenn ein Wesen eine neurotische Xenophobie entwickelte, die seine geistige Stabilit�t oder Leistungsf�higkeit oder beides zusammen beeintr�chtigte. Ein Arzt von der Erde zum Beispiel, der eine unbewu�te Angst vor Spinnen hatte, w�rde einem illensanischen Patienten niemals eine angemessene klinische Versorgung zuteil werden lassen k�nnen, die zu seiner Behandlung notwendig w�re. Und so war es O�Maras Aufgabe, solche Probleme rechtzeitig zu erkennen und m�glichst noch im Keim zu ersticken oder � falls alles nichts n�tzte � das potentiell gef�hrlichere Individuum aus dem Orbit Hospital zu entfernen, bevor sich aus einer solchen Auseinandersetzung ein offener Konflikt entwickeln konnte. Sein Vorgehen gegen falsche, sch�dliche und intolerante Denkweisen nahm der Monitor mit einem solchem Pflichteifer wahr, da� man ihn nach dem ersten Gro�inquisitor der Menschheitsgeschichte als �modernen Torquemada� bezeichnete.</p><p>Extraterrestrier im Mitarbeiterstab, auf deren Heimatplaneten in der Vergangenheit nie etwas Vergleichbares wie eine Inquisition stattgefunden hatte, bem�hten andere Metaphern und schleuderten ihm die Ausdr�cke direkt ins Gesicht. Aber gerechtfertigte Beschimpfungen lie�en nach O�Maras Ansicht nicht auf falsche Denkweisen schlie�en, und so gab es nie ein ernsthaftes Nachspiel.</p><p>Nicht verantwortlich war der Chefpsychologe f�r psychologische Sch�den der Patienten im Hospital. Da es aber h�ufig schwierig war festzustellen, wann ein rein physischer Schmerz nachlie� und ein psychosomatischer begann, wurde er auch in solchen F�llen h�ufig zu Rate gezogen.</p><p>Der Umstand, da� der Major ihn vom Stationsdienst befreit hatte, konnte nach Conways Daf�rhalten sowohl eine Bef�rderung als auch eine Degradierung bedeuten. Falls Mannon ihn aber wirklich zur�ckhaben wollte, dann mu�te die Aufgabe, die O�Mara f�r ihn vorgesehen hatte, von noch gr��erer Wichtigkeit sein. Deshalb war er sich ziemlich sicher, da� er mit O�Mara zur Zeit keinerlei Probleme hatte. Das war zwar einerseits ein sehr angenehmes Gef�hl, aber andererseits kam er vor Neugierde fast um.</p><p>Schon am n�chsten Morgen wurde ihm aufgetragen, sich umgehend im B�ro des Chefpsychologen zu melden.</p><p>Dritter Teil Probleme mit Emily Als Conway auf das gro�e, tropfenf�rmige Gebilde blickte, das vom Sichtfenster neben O�Maras Schreibtisch umrahmt wurde, dachte er, es m�sse sich um einen der veralteten gro�en Kolonialtransporter handeln, in dem fr�her vier Generationen Kolonisten zwischen den Sternsystemen bef�rdert werden konnten, ehe Hyperantriebe solche Riesenschiffe �berfl�ssig gemacht hatten. Mit Ausnahme der Vollsichtkanzel des Piloten waren s�mtliche Beobachtungsg�nge und Sichtfenster mit dicken Stahlplatten abgedeckt und von au�en verst�rkt worden, damit die Schiffshaut dem nicht unbetr�chtlichen Innendruck standhielt. Selbst neben den gewaltigen Ausma�en des Sektors zw�lf wirkte dieser alte Transporter riesig.</p><p>�Sie sollen als Verbindungsmann zwischen unserem Hospital und dem Arzt und dem Patienten des Schiffs dort drau�en fungieren�, sagte der Chefpsychologe, wobei er Conway genau beobachtete. �Der Arzt ist ein sehr kleines Lebewesen, wohingegen der Patient ein Dinosaurier ist.�</p><p>Conway war bem�ht, sein Erstaunen zu verbergen. Nat�rlich wu�te er, da� O�Mara jede seiner Reaktionen genau analysierte, und er empfand ein fast perverses Vergn�gen dabei, dem Monitor dieses Vorhaben so schwer wie m�glich zu gestalten.</p><p>�Und was fehlt dem Wesen?� fragte er m�glichst gleichg�ltig.</p><p>�Nichts�, antwortete O�Mara.</p><p>�Demnach mu� es psychisch gest�rt sein, richtig?�</p><p>O�Mara sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Was hat dann ein gesundes, psychisch stabiles und intelligentes Wesen hier zu suchen, wenn es nicht einmal.�</p><p>�Es ist nicht intelligent.�</p><p>Conway atmete langsam ein und wieder aus. Offensichtlich spielte O�Mara mit ihm wieder einmal R�tselraten � er hatte nichts gegen solche Spielchen, vorausgesetzt, man gab 1hm eine faire Chance, auf die richtige Antwort zu kommen. Schlie�lich blickte er wieder nach drau�en auf den umgewandelten Transporter und gr�belte nach.</p><p>Der Einbau von Hyperantriebsgeneratoren in diesen Schiffskolo� mu�te eine Menge Geld gekostet haben und die nicht unerheblichen baulichen Ver�nderungen noch eine ganze Menge mehr.</p><p>�Ich hab�s!� sagte Conway schlie�lich grinsend. �Ein neues Versuchsexemplar f�r uns, das wir sezieren und untersuchen sollen.�</p><p>�Um Himmels willen, nein!� fuhr O�Mara erschreckt auf, wobei er einen fast �ngstlichen Blick auf eine kleine Plastikkugel warf, die von einigen B�chern auf seinem Schreibtisch halb verdeckt wurde. Dann fuhr er in ernstem Ton fort: �Die ganze Geschichte ist auf h�chster Ebene entschieden worden � und zwar von niemand Geringerem als einer Sonderkommission des galaktischen Rates. Was das Ganze genau zu bedeuten hat, wei� weder ich noch sonst jemand im Orbit Hospital. M�glicherweise wird Ihnen der Arzt, der den Patienten begleitet und betreut, das eines Tages sagen.� � O�Maras Tonfall verriet, da� er diesbez�glich starke Zweifel hegte � ��aber alles, was man vom Hospital und von Ihnen erwartet, ist hilfreiche Zusammenarbeit.�</p><p>Wie O�Mara weiter ausf�hrte, geh�rte das Wesen � in diesem Falle der Arzt � anscheinend einer Spezies an, die erst k�rzlich entdeckt worden war und die man vorl�ufig als VUXG eingestuft hatte. Das hie�, es handelte sich um eine Lebensform, die gewisse Psif�higkeiten und die Eigenschaft besa�, praktisch jede Substanz f�r den physischen Bedarf in Energie zu verwandeln und sich jeder x-beliebigen Umwelt anpassen zu k�nnen. Diese Wesen waren sehr klein und nahezu unzerst�rbar.</p><p>Der VUXG-Arzt besa� zwar telepathische F�higkeiten, aber ethische Grunds�tze und die Achtung vor der Privatsph�re seines Gegen�ber verboten ihm, diese zur Kommunikation mit f�r Telepathie unempf�ngliche Spezies einzusetzen, auch wenn die Gehirnstr�me der Menschen innerhalb seines beeinflu�baren Frequenzbereichs lagen. Dieser Arzt geh�rte einer Spezies an, die als Individuum sehr lange leben konnte und eine weit in die Vergangenheit reichende �berlieferte Geschichte hatte, w�hrend der es nie Kriege gegeben hatte.</p><p>Es handle sich dabei um eine alte, weise und ausgesprochen selbstgen�gsame Spezies, schlo� O�Mara. Sie sei derartig bescheiden, da� sie dazu neige, auf diejenigen Lebewesen herabzusehen, die nicht so bed�rfnislos waren. Conway m�sse sehr taktvoll vorgehen, weil man diese extreme, fast anma�ende Bescheidenheit leicht als �berheblichkeit auslegen k�nne.</p><p>Conway musterte O�Mara genau. War da nicht in diesen hellwachen, stahlgrauen Augen eine Spur von H�me zu erkennen? Und war dieser bewu�t neutrale Ausdruck auf diesem kantig geschnittenen Gesicht nicht ein wenig zu gekonnt?</p><p>Als k�nnte er seine Gedanken lesen, zwinkerte O�Mara ihm pl�tzlich zu. Doch ohne sich seine Verwirrung anmerken zu lassen, sagte Conway nur: �Diese Spezies scheint mir etwas hochn�sig zu sein.�</p><p>Er sah, wie O�Maras Lippen zuckten. Dann unterbrach urpl�tzlich eine andere Stimme diese Besprechung. Es war eine ausdruckslose Translatorstimme, die durch den Raum dr�hnte: �Der Sinn der letzten Bemerkung ist mir nicht klar. Wir sind also hochn�sig. und wie hoch ist unsere Nase? Ich hab sie n�mlich noch nie gesehen.� Es entstand eine kurze Pause, dann fuhr die Stimme fort: �Zwar r�ume ich gern ein, da� meine eigenen geistigen F�higkeiten �u�erst begrenzt sind, m�chte aber gleichzeitig in aller Bescheidenheit darauf hinweisen, da� der Fehler hinsichtlich meines Nichtverstehens Ihrer �u�erung nicht allein bei mir liegt, sondern in gewissem Ma�e auch der bedauernswerten Tendenz junger und weniger praktisch denkender Spezies wie der Ihren zuzuschreiben ist, sinnlose Laute oder �u�erungen von sich zu geben, obwohl es �berhaupt nicht n�tig w�re, eine solche Bemerkung fallen zu lassen.�</p><p>Conway sah sich verst�rt nach allen Seiten um, dann blieb sein Blick auf der Plastikkugel haften. Als er sie jetzt genauer in Augenschein nahm, konnte er erkennen, da� sie mit verschieden langen Gurten versehen war, unter denen sich die charakteristischen Umrisse eines Translators abzeichneten. Innerhalb dieses Beh�lters befand sich also dieses Etwas� �Doktor Conway, darf ich Ihnen Doktor Arretapec, Ihren neuen Chef, vorstellen?� sagte O�Mara trocken, und kopfsch�ttelnd f�gte er leise hinzu: �Sie und Ihr gro�es Mundwerk.�</p><p>Das Ding in der Plastikkugel, das noch am ehesten einer schrumpligen Backpflaume in einem Klumpen Sirup glich, war also dieser VUXG-Arzt! Conways Gesicht lief puterrot an. Zu seinem Gl�ck �bertrug der Translator nur W�rter, nicht aber deren emotionalen, in diesem Fall abf�lligen Beiklang, sonst w�re er jetzt in einer h�chst peinlichen Lage.</p><p>�Da eine �u�erst enge Zusammenarbeit erforderlich ist�, fuhr O�Mara schnell fort, �und Doktor Arretapec sehr leicht ist, werden Sie ihn im Dienst bei sich tragen.� Gleich darauf setzte er seine Worte in die Tat um und schnallte Conway geschickt die Plastikkugel um die Schulter. Als er damit fertig war, f�gte er hinzu: �Sie k�nnen jetzt gehen, Doktor Conway. Genauere Anweisungen werden Sie, falls n�tig, von nun an von Doktor Arretapec direkt erhalten.�</p><p>So etwas kann auch nur hier passieren, dachte Conway sp�ttisch, als er hinausging. Da stand er nun. mit einem ET-Arzt im Gep�ck, der nicht viel mehr als ein schwabbeliger, durchsichtiger Pflaumenkn�del war, und mit einem gesunden und st�mmigen Dinosaurier als Patienten � und Zweck der ganzen Geschichte war etwas, das ihm sein Kollege nicht verraten wollte. Conway hatte schon mal etwas von �blindem Gehorsam� geh�rt, aber �blinde Zusammenarbeit war ein neuer und seiner Ansicht nach ziemlich d�mlicher Begriff.</p><p>Auf dem Weg zu Schleuse siebzehn, der Stelle, wo das Schiff mit dem Riesenpatienten an Bord ans Hospital angekoppelt war, versuchte Conway, dem extraterrestrischen Arzt die Organisation des Orbit Hospitals zu erkl�ren. Dabei stellte Dr. Arretapec von Zeit zu Zeit sachliche Fragen, war also wahrscheinlich an diesem Thema interessiert.</p><p>Obwohl Conway nichts anderes erwartet hatte, war er doch von der schier unfa�baren Gr��e des umgebauten Innenraums von dem Transporter schockiert. Mit Ausnahme der zwei Decks direkt an der Au�enhaut des Schiffs, wo sich je die Generatoren f�r die k�nstliche Schwerkraft befanden, hatten die Ingenieure des Moni-torkorps alles entfernt, um einen gro�en, kugelf�rmigen, leeren Raum mit einem Durchmesser von fast einem Kilometer zu schaffen. Die Innenoberfl�che dieser Kugel war ein einziges feuchtes und schlammiges Durcheinander. Unmengen herausgerissener Pflanzen waren zu kunterbunten Stapeln angeh�uft und gr��tenteils wieder in den Schlamm getrampelt worden. Zudem fiel Conway auf, da� die meisten davon ausged�rrt waren oder bereits verfaulten.</p><p>Nach der glitzernden, fast aseptischen Sauberkeit, die Conway aus dem Hospital gewohnt war, zerrte dieser Anblick an seinem Nervenkost�m, und aufgeregt begann er, sich nach dem Patienten umzuschauen.</p><p>Dabei schweifte sein Blick �ber die riesigen, freien Fl�chen aus Schlamm und zertrampelter Vegetation. Hoch �ber seinem Kopf auf der entgegengesetzten Seite der Kugel ging die Schlammw�ste in einen kleinen, tiefen See �ber, unter dessen Oberfl�che schattenhaft Bewegungen und Wasserwirbel zu sehen waren. Pl�tzlich durchbrach ein winziger Kopf, der auf einem gro�en, schlangenartigen Hals sa�, die Oberfl�che, sah sich nach allen Seiten um und tauchte wieder mit einem gewaltigen Platschen unter.</p><p>Conway sch�tzte die Entfernung zum See und die Oberfl�chenbeschaffenheit des Terrains dazwischen ab und sagte: �Zu Fu� ist das ein ganzes St�ck. Ich werde lieber einen G-G�rtel holen.�</p><p>�Das wird nicht n�tig sein�, meinte Arretapec, und gleich darauf verschwand der Boden unter ihnen, und sie sausten auf den entfernten See zu.</p><p>Klassifikation VUXG, erinnerte sich Conway, als er wieder Luft holen konnte, besitzt gewisse Psif�higkeiten�</p><p>Nachdem sie sanft am Rande des Sees gelandet waren, sagte Arretapec zu Conway, er wolle sich einige Minuten absolut konzentrieren, und bat ihn, leise zu sein und sich nicht zu bewegen.</p><p>Kurz darauf versp�rte Conway irgendwo tief im Geh�rgang einen Juckreiz, widerstand aber der Versuchung, sich mit dem Finger im Ohr zu kratzen und beobachtete statt dessen mit ganzer Aufmerksamkeit die Oberfl�che des Sees.</p><p>Pl�tzlich durchbrach ein gewaltig gro�er, graubrauner K�rper die Oberfl�che, und ein langer, spitz zulaufender Hals und Schwanz peitschten mit aller Gewalt das Wasser hoch. Kurz glaubte Conway, die gro�e Bestie war einfach wie ein Gummiball an die Oberfl�che geschnellt, aber dann sagte er sich, da� sich der Grund pl�tzlich unter dem Monster gesenkt haben mu�te, was rein optisch einen �hnlichen Effekt erzielen w�rde. Noch immer mit Hals, Schwanz und vier kr�ftigen, s�ulenartigen Beinen wild um sich schlagend, erreichte das gigantische Reptil schlie�lich das Ufer des Sees und w�hlte sich m�hselig durch, oder besser, in den Schlamm, da es bis zu den Kniegelenken einsank. Conway sch�tzte, da� besagte Kniegelenke wenigstens drei Meter vom Boden entfernt waren, der gr��te Durchmesser des m�chtigen K�rpers etwa sechs Meter betrug und die Bestie vom Kopf bis zur Schwanzspitze um die f�nHinddrei�ig Meter ma�. Das Gewicht sch�tzte er auf ann�hernd vierzig Tonnen. Es besa� keinen nat�rlichen Panzer, aber das �u�erste Ende seines Schwanzes, der f�r ein so schweres K�rperglied �berraschend beweglich war, war mit einem kn�chernen Wulst versehen, aus dem zwei gef�hrlich wirkende, sichelf�rmige Stacheln herausragten.</p><p>W�hrend Conway das riesige Reptil bestaunte, w�hlte es noch immer in sichtlicher Erregung den Schlamm auf Dann fiel es pl�tzlich auf die Knie und drehte den Hals nach innen, bis der Kopf unter dem Bauch vergraben war. In Anbetracht der Gr��e des Tieres war das eine etwas l�cherlich wirkende, aber auch merkw�rdig miliderregende Pose.</p><p>�Es hat furchtbare Angst�, sagte Arretapec. �Die Bedingungen hier simulieren einfach nicht hinreichend seine sonst gewohnte Umgebung.�</p><p>Conway konnte das nachvollziehen und empfand Mitleid mit dem Tier. Zweifellos waren die grunds�tzlichen Bestandteile f�r eine dem Tier angepa�te Umwelt mit Sorgfalt reproduziert worden, aber anstatt zum Beispiel die Pflanzen auf naturgetreue Art zu arrangieren, hatte man sie nur zu einem gro�en, matschigen Brei zusammengemischt.</p><p>�Ist der seelische Zustand des Patienten f�r Ihre Arbeit wichtig?� fragte Conway.</p><p>�Sogar sehr wichtig�, bekundete Arretapec.</p><p>�In dem Fall sollten wir als erstes daf�r sorgen, da� es sich in diesem Gel�nde etwas wohler f�hlt�, bemerkte Conway. Dann ging er in die Hocke und nahm Proben vom Seewasser und vom Schlamm, sowie welche von den in der N�he herumliegenden Pflanzen. Schlie�lich richtete er sich wieder auf und sagte: �Gibt es hier f�r uns noch mehr zu tun?�</p><p>�Zur Zeit kann ich hier gar nichts machen�, antwortete Arretapec. Die Translatorstimme war nat�rlich wie immer ausdruckslos und verriet keinerlei Emotionen, aber an den Abst�nden zwischen den W�rtern glaubte Conway zu erkennen, da� bei der letzten �u�erung des Arztes schwere Entt�uschung mitgeklungen hatte.</p><p>Zur�ck im Hospital steuerte Conway sofort auf die f�r warmbl�tige Sauerstoffatmer vorbehaltene Kantine zu. Er hatte Hunger.</p><p>Viele seiner Kollegen waren im Saal: DBLF-Raupen � die sich mit Ausnahme des Operationssaals anscheinend �berall in Zeitlupe bewegten �, DBDGs wie er selbst und ein mit ihm befreundeter Tralthaner � Klassifikation FGLI �, der zusammen mit dem OTSB, der mit ihm in Symbiose lebte, auf dem besten Weg war, in den gehobenen Rang der Diagnostiker vorzusto�en. Aber anstatt sich an dem allgemeinen Gespr�ch zu beteiligen, konzentrierte sich Conway darauf, so viele Informationen wie m�glich �ber den Heimatplaneten des Reptilienpatienten von Dr. Arretapec zu erhalten.</p><p>Um das Gespr�ch zu erleichtern, hatte er Arretapec aus seinem Plastikbeh�lter genommen und ihn auf den Tisch zwischen die Kartoffel� und die So�ensch�ssel gestellt. Am Ende der Mahlzeit stellte Conway entsetzt fest, da� das Wesen ein f�nf Zentimeter gro�es Loch in der Tischplatte hinterlassen � also verspeist � hatte.</p><p>Als Conway ziemlich w�tend den Grund daf�r wissen wollte, antwortete Arretapec: �Wenn wir in Gedanken sind, verl�uft bei uns der Proze� der Nahrungsauswahl und � aufnahme automatisch und f�r uns nicht wahrnehmbar ab. Wir betrachten das Essen nicht als Vergn�gen, wie Sie das offenbar tun, denn es mindert nur unsere Denkf�higkeit. Aber falls ich Schaden angerichtet haben sollte, dann.�</p><p>Conway versicherte ihm hastig, da� unter den gegebenen Umst�nden eine Plastiktischdecke samt Tischplatte relativ wertlos sei, und sah zu, schleunigst mit dem Arzt aus der Kantine zu verschwinden. Da� sich das K�chenpersonal ziemlich pingelig anstellen konnte, wenn es um die Besch�digung relativ wertloser Einrichtungsgegenst�nde ging, versuchte er dem Arzt lieber erst gar nicht zu erkl�ren.</p><p>Nach dem Essen holte sich Conway die Untersuchungsergebnisse der von ihm genommenen Proben ab, dann machte er sich auf den Weg zum B�ro des Leiters der Wartungsmannschaft. Es war mit einem der nidianischen �Teddyb�ren�, der eine Armbinde mit Goldrand trug, und einem Menschen in gr�ner Monitoruniform besetzt. Letzterer trug auf dem Kragenspiegel das Rangabzeichen eines Colonels und darunter einen Blitz, das Emblem der Ingenieure. Conway schilderte den beiden die Situation in dem alten Transporter und welche Ver�nderungen er gerne vornehmen lassen w�rde, falls so etwas �berhaupt im Bereich des M�glichen lag.</p><p>�Das ist m�glich�, sagte der rote Teddyb�r schlie�lich, nachdem die beiden die Untersuchungsformulare durchgesehen und anschlie�end Kriegsrat gehalten hatten, �allerdings.�</p><p>�O�Mara hat mir gesagt, Geld spielt keine Rolle�, unterbrach ihn Conway, wobei er kurz mit dem Kopf auf das winzige Wesen auf seiner Schulter zeigte, �und ein H�chstma�! Zusammenarbeit sei erforderlich.�</p><p>�Nun, in diesem Fall k�nnen wir es machen�, meldete sich der Colonel energisch zu Wort, wobei er Arretapec mit einem Gesichtsausdruck betrachtete, der fast an Ehrfurcht grenzte. �Also, wir brauchen Transporter, um das Zeug von seinem Heimatplaneten herzuholen. Das ist auf lange Sicht schneller und billiger als die Nahrung hier synthetisch herzustellen. Und anstatt der gut zwanzig Leute, die aus dem Schiff ein Schlammbad gemacht haben, brauchen wir jetzt zwei komplette Kompanien der Ingenieursdivision samt deren Robotern, damit die ein gem�tliches Heim daraus machen.� Seine Augen bewegten sich unkoordiniert, als er in Gedanken eine rasche Berechnung anstellte, dann sagte er kurz und b�ndig: �Drei Tage.�</p><p>Selbst wenn man einkalkulierte, da� ein solcher Transport mit Hyperantrieb eventuell sofort vonstatten gehen konnte, hielt Conway das f�r sehr schnell, und er sagte das auch.</p><p>Der Colonel bedankte sich f�r das Kompliment mit einem bescheidenen L�cheln und f�gte hinzu: �Sie haben uns allerdings noch nicht gesagt, wozu das alles gut sein soll. Also.?�</p><p>Conway wartete eine ganze Minute, um Arretapec genug Zeit f�r eine passende Antwort zu lassen, aber der VUXG blieb stumm.</p><p>�Ich wei� es auch nicht�, murmelte Conway schlie�lich nur verlegen und ging schnell hinaus.</p><p>An der n�chsten T�r stand in fetten Buchstaben �Dr. K.W. Hardin, Leiter der Abteilung f�r Ern�hrungsfragen � Spezies DBDG, DBLF und FGLI�. Als Conway das B�ro betrat, erhob Dr. Hardin, der gerade irgendwelche Tabellen studierte, sein wei�haariges, edles Haupt und herrschte ihn an: �Und welches Problem haben Sie.?�</p><p>Bei aller Bewunderung und allem Respekt, die er f�r Dr. Hardin empfand, hatte er doch keine Angst mehr vor ihm. Denn wie er mittlerweile wu�te, war der Ern�hrungswissenschaftler ein Mann, der sich zwar Fremden gegen�ber ausgesprochen freundlich verhielt, Bekannte aber zumeist ein wenig kurz angebunden abspeiste und Freunden gegen�ber sogar regelrecht unversch�mt warjConway versuchte, so knapp wie m�glich sein Problem darzustellen.</p><p>�Sie meinen also wirklich, ich soll das Zeug, das diese Riesenkuh gefressen hat, noch einmal einpflanzen, damit das bl�de Vieh glaubt, es sei nat�rlich gewachsen?� unterbrach Hardin ihn an einer Stelle. �Was glauben Sie eigentlich, wer ich bin? Und wieviel fri�t dieses Monster eigentlich?�</p><p>Conway nannte ihm daraufhin die Zahlen, die er ermittelt hatte.</p><p>�Dreieinhalb Tonnen Palmenbl�tter pro Tag!� br�llte Hardin, wobei er praktisch den Schreibtisch erklomm. �Und zarte, gr�ne Sch��linge f�r unser kleines Leckerm�ulchen. du meine G�te! Und dann hei�t es immer, Ern�hrungslehre sei eine exakte Wissenschaft � exakt dreieinhalb Tonnen Gr�nzeug, sonst nichts! Da� ich nicht lache.!�</p><p>An diesem Punkt angelangt, verlie�en sie Hardin. Conway wu�te jetzt, da� alles wie gew�nscht verlaufen w�rde, weil der Wissenschaftler keinerlei Anstalten gemacht hatte, entgegenkommend zu sein.</p><p>Dem VUXG versicherte Conway, da� Hardin zur Zusammenarbeit gern bereit sei, auch wenn sich dies ganz anders angeh�rt hatte. Wie die anderen beiden sei auch er begeistert, helfen zu k�nnen.</p><p>Arretapec antwortete diesbez�glich nur, da� sich Angeh�rige derart unreifer und kurzlebiger Spezies anscheinend von Natur aus hin und wieder wie Wahnsinnige geb�rden m��ten.</p><p>Es folgte ein zweiter Besuch bei ihrem Patienten. Dieses Mal nahm Conway einen G-G�rtel mit, um von Arretapecs Teleportationsk�nsten unabh�ngig zu sein. Sie schwebten �ber dem riesigen, wandernden Berg aus Fleisch und Knochen und umkreisten ihn, aber Arretapec ber�hrte das Tier dabei nicht einmal. Nichts geschah, nur da� sich der Patient wieder aufgeregt geb�rdete und Conway in regelm��igen Abst�nden einen Juckreiz tief im Ohr versp�rte. Er warf einen kurzen Blick auf die in seinen Unterarm implantierte Kontrollskala, um zu sehen, ob sich irgendein Fremdk�rper in seinem Blutkreislauf befand, aber s�mtliche Werte waren normal. Vielleicht reagierte er ganz einfach auf Dinosaurier allergisch.</p><p>Zur�ck im eigentlichen Hospital stellte Conway fest, da� ihm vom immer h�ufigeren und ausgiebigeren G�hnen bereits der Unterkiefer weh tat. Erst jetzt wurde ihm klar, was f�r einen schweren Tag er gehabt hatte. Der Begriff Schlaf war Arretapec zwar v�llig fremd, aber der ET-Arzt hatte keine Einw�nde, da� Conway sich etwas Ruhe g�nnte, wenn diese f�r sein k�rperliches Wohlbefinden denn unbedingt notwendig war. Conway versicherte ihm daraufhin mit Nachdruck, da� dies sehr wohl der Fall sei, und begab sich auf dem schnellsten Weg in sein Zimmer.</p><p>Eine Weile beunruhigte ihn die Frage, was er mit Dr. Arretapec anstellen sollte. Der VUXG war eine wichtige Pers�nlichkeit, und er konnte ihn nicht einfach in einem Schrank oder in irgendeiner Ecke abstellen, selbst wenn sich das kleine, aber robuste Wesen in noch unwirtlicheren Umgebungen wohl gef�hlt h�tte. Noch weniger konnte er ihn die Nacht �ber vor die T�r stellen, ohne die Gef�hle des Arztes zu verletzen � wenigstens h�tte er sich beleidigt gef�hlt, wenn die Situation umgekehrt gewesen w�re. Er w�nschte sich, O�Mara h�tte ihm auch f�r dieses unvorhergesehene Ereignis Verhaltensma�regeln gegeben. Schlie�lich setzte er den Alien auf dem Schreibtisch ab und dachte nicht weiter �ber das Problem nach.</p><p>Arretapec mu�te die Nacht �ber tief in Gedanken versunken gewesen sein, denn am n�chsten Morgen war ein f�nf Zentimeter gro�es Loch in der Schreibtischplatte.</p><p>Am Nachmittag des zweiten Tages kam es zwischen den beiden �rzten zu einem Streit � wenigstens empfand Conway es so; was allerdings ein �Superalien� wie Arretapec von dem Vorfall hielt, wu�ten allein die G�tter.</p><p>Es begann damit, da� Arretapec Conway aufforderte, sich absolut ruhig zu verhalten, als sich der VUXG wieder einmal in eine seiner Konzentrationsphasen begab. Mit der Erkl�rung, er k�nne sich in einer ruhenden Position besser konzentrieren, als wenn sich ein Teil seines Gehirns mit dem freien Schwebezustand besch�ftigen m�sse, hatte er wieder seinen alten Platz auf Conways Schulter eingenommen. Ohne einen Kommentar abzugeben, tat Conway, wie ihm befohlen, obwohl er eine Menge zu sagen gehabt h�tte. Was fehlte dem Patienten nun wirklich? Was gedachte Arretapec dagegen zu tun? Und wie sollte �berhaupt etwas unternommen werden, obwohl weder er noch Arretapec den Patienten jemals ber�hrt hatten? Conway war in der schrecklich frustrierenden Position eines Arztes, der mit einem Patienten konfrontiert wurde, an dem er seine �rztliche Kunst nicht einmal demonstrieren durfte. Nat�rlich platzte er fast vor Neugier, und das beharrliche Schweigen Arretapecs reichte ihm allm�hlich. Dennoch gab er sich jetzt alle M�he, sich ruhig zu verhalten.</p><p>Aber dann fing wieder dieses Jucken im Ohr an, und zwar schlimmer als je zuvor. Und so nahm er auch kaum die schlammigen Wasserfont�nen wahr, die der Dinosaurier hervorstie�, als dieser sich aus dem seichten Wasser ans Ufer begab. Das penetrante und nicht zu lokalisierende Jucken wurde immer unbarmherziger, bis er sich mit einem w�tenden Schrei gegen das Ohr schlug und dann wie rasend mit dem Finger darin zu bohren begann. Diese Aktion brachte ihm zwar augenblicklich die erhoffte Erleichterung, aber jemand anderem schien das offenbar nicht zu passen.</p><p>�Ich kann nicht arbeiten, wenn Sie so herumzappeln, Conway!� protestierte Arretapec, wobei man nur an der Schnelligkeit seines Sprechens den emotionalen Gehalt der W�rter erkennen konnte. �Deshalb werden Sie mich jetzt auf der Stelle verlassen.�</p><p>�Ich hab nicht gezappelt!� wehrte sich Conway aufgebracht. �Mein Ohr hat nur gejuckt und ich.�</p><p>�Ein Juckreiz, besonders wenn er Sie zu einer solch abrupten Bewegung veranla�t, ist entweder ein Symptom f�r eine physische Erkrankung, die behandelt werden sollte�, unterbrach ihn der VUXG unbeeindruckt, �oder er wurde von einem parasit�ren oder symbiotischen Lebewesen verursacht, das ohne Ihr Wissen in Ihrem K�rper haust.</p><p>Dabei hab ich ausdr�cklich darauf hingewiesen�, fuhr Arretapec fort, �da� mein Assistent bei makelloser k�rperlicher Gesundheit sein mu� und unter keinen Umst�nden einer Spezies angeh�ren darf, die bewu�t oder unbewu�t Parasiten beherbergt. Sie m�ssen n�mlich wissen, da� solche Spezies ganz besonders dazu neigen herumzuzappeln. Also k�nnen Sie jetzt auch meine Ver�rgerung verstehen. Wenn Sie sich nicht pl�tzlich bewegt h�tten, w�re ich meinem Ziel vielleicht schon ein St�ck n�hergekommen. Deshalb gehen Sie jetzt lieber.�</p><p>�Also h�ren Sie mal, Sie. Sie hochn�siger.�</p><p>Der Dinosaurier hatte genau diesen Augenblick gew�hlt, um wieder in das seichte Wasser zu stapfen, auszurutschen und den imposantesten Bauchklatscher aller Zeiten zu landen. Conway wurde vom aufspritzenden Matsch und Wasser von oben bis unten durchn��t, und eine kleine Flutwelle schwappte ihm zus�tzlich �ber die F��e. Diese Ablenkung hatte Conway gereicht innezuhalten. Und diese Unterbrechung gab ihm die Zeit, sich dar�ber klarzuwerden, da� er nicht pers�nlich beleidigt worden war. Es gab viele intelligente Spezies, die einen Parasiten beherbergten � einige davon waren sogar f�r die k�rperliche Gesundheit des Wirts notwendig, so da� die umgangssprachliche Floskel �Ich f�hle mich lausig� in deren Fall bedeutete �Mir geht es bestens�. Vielleicht hatte Arretapec ihn wirklich beleidigen wollen, doch war er sich dessen jetzt nicht mehr so sicher. Au�erdem war der VUXG eine sehr wichtige Person.</p><p>�Und welchem Ziel wollten Sie sich so gerne n�hern?� fragte Conway etwas sp�ttisch. Er war zwar noch immer w�tend, hatte sich aber zu dem Entschlu� durchgerungen, den Stroit lieber auf beruflicher als auf pers�nlicher Ebene auszufechten. Nebenbei wu�te er, da� der Translator den abf�lligen Unterton seiner Worte herausfltern w�rde. �Also, was ist nun eigentlich Ihr Ziel? Und wie glauben Sie, es erreichen zu k�nnen? Etwa indem Sie � so stellt es sich jedenfalls f�r mich dar � den Patienten einfach nur pausenlos angucken?�</p><p>�Das kann ich Ihnen nicht sagen�, antwortete Arretapec nach ein paar Sekunden Bedenkzeit. �Mein Ziel ist. ist relativ weitgesteckt. Es ist f�r die Zukunft. Sie w�rden das sowieso nicht verstehen.�</p><p>�Und woher wissen Sie das? Wenn Sie mir sagen w�rden, was Sie vorhaben, k�nnte ich Ihnen vielleicht dabei behilflich sein.�</p><p>�Sie k�nnen mir nicht helfen.�</p><p>�H�ren Sie, bislang haben Sie noch nicht einmal s�mtliche M�glichkeiten, die das Hospital bietet, genutzt�, hakte Conway ungeduldig nach. �Egal, was Sie mit Ihrem Patienten vorhaben, aber der erste Schritt h�tte eine ernsthafte Untersuchung sein m�ssen � Ruhigstellung und anschlie�ende R�ntgen� und Gewebeuntersuchungen und all das. So h�tten Sie wichtige physiologische Daten erhalten, auf deren Grundlage die weitere Arbeit viel.�</p><p>�Um die Sache einfach auszudr�cken�, unterbrach ihn Arretapec, �Sie behaupten also, da� man einen komplizierten Organismus oder Mechanismus erst in seine Bestandteile zerlegen mu�, damit man ihn als untrennbares Ganzes verstehen kann. Meine Spezies ist nicht der Ansicht, da� ein Objekt erst zerlegt werden mu�, bevor man es verstehen kann. Ihre primitiven Untersuchungsmethoden sind f�r mich deshalb wertlos. Ich schlage vor, da� Sie jetzt gehen.�</p><p>Sch�umend vor Wut machte sich Conway davon.</p><p>Sein erster Gedanke war, in O�Maras B�ro zu st�rmen und dem Chefpsychologen zu sagen, er solle sich f�r den VUXG gef�lligst einen anderen Laufburschen suchen. Aber hatte O�Mara ihn nicht ausdr�cklich darauf hingewiesen, da� es sich um eine wichtige Aufgabe handelte? Und sollte der Chefpsychologe zu der Annahme kommen, da� Conway gekr�nkt aufgab, nur weil seine Neugierde nicht befriedigt oder sein Stolz verletzt worden war, w�rde er ihm bestimmt einige bitterb�se Vorhaltungen machen. Es gab eine Menge �rzte � insbesondere die Assistenten der Diagnostiker �, die die Patienten ihrer Vorgesetzten nicht anr�hren durften. Lag es also vielleicht daran, da� er sich innerlich nur weigerte, ein so merkw�rdiges Wesen wie Arretapec als Vorgesetzten zu akzeptieren.?</p><p>Wenn Conway in seinem derzeitigen Gem�tszustand O�Mara aufsuchen w�rde, bestand die reelle Gefahr, da� der Psychologe zu dem Schlu� kam, er sei aufgrund seiner Veranlagung f�r diese Position einfach nicht geeignet. Ganz unabh�ngig von dem Prestige, das mit einem Posten im Orbit Hospital verbunden war, war die Arbeit in dieser Einrichtung sowohl interessant als auch lohnenswert. Falls O�Mara ihn f�r untauglich hielt, hier zu verbleiben, und ihn in irgendein planetarisches Hospital versetzen w�rde, w�re das die gr��te vorstellbare Trag�die in seinem Leben.</p><p>Aber wenn er sich nicht an O�Mara wenden konnte, an wen dann? Von seiner Arbeit vor�bergehend freigestellt und ohne neue Aufgabe wu�te er nicht recht, was er mit sich anfangen sollte. Ein paar Minuten verharrte er gr�belnd an einem Kreuzungspunkt zweier Korridore, w�hrend Wesen, die einen Querschnitt s�mtlicher intelligenten Spezies der Galaxis repr�sentierten, aufrecht, kriechend oder schl�ngelnd an ihm vorbeizogen. Pl�tzlich hatte er eine Idee: Er konnte durchaus etwas tun, etwas, das er ohnehin getan h�tte, wenn bislang nicht alles so �berst�rzt abgelaufen w�re.</p><p>In der Bibliothek des Hospitals gab es etliche Werke �ber die pr�historische Epoche der Erde, und zwar sowohl in aufgezeichneter als auch in altmodischer und etwas unhandlicher Buchform. Conway stapelte die B�nde auf einem Lesetisch �bereinander und lie� es auf einen Versuch ankommen, seine berufliche Neugierde in bezug auf den Patienten auf diese etwas umst�ndliche Art zu befriedigen.</p><p>Die Zeit verging wie im Fluge.</p><p>Conway stellte sofort fest, da� �Dinosaurier� lediglich ein allgemeiner Ausdruck f�r riesige Reptilien war. Mit Ausnahme der gr��eren Gestalt und der knochigen Verdickung am Schwanzende sah der Patient rein �u�erlich einem Brontosaurier zum Verwechseln �hnlich, der in den S�mpfen des Juras gelebt hatte � ein Pflanzenfresser, der im Gegensatz zu ihrem Patienten keine nat�rlichen Waffen besessen hatte, mit denen er sich gegen die fleischfressenden Reptilien seiner Zeit h�tte verteidigen k�nnen. Zudem waren �berraschend viele physiologische Daten aufgef�hrt, die Conway begierig in sich aufnahm.</p><p>Die Wirbels�ule bestand aus riesigen R�ckenwirbeln, die mit Ausnahme der Schwanzwirbel alle hohl waren � durch diesen leichten Knochenbau besa� das Tier im Verh�ltnis zu seiner immensen Gr��e ein relativ geringes Gewicht. Es legte Eier. Der Kopf war klein, mit einem der kleinsten Gehirne, das man je bei Wirbeltieren entdeckt hat. Aber in der Gegend der Kreuzbeinwirbel besa� es ein gut entwickeltes Nervenzentrum, das die mehrfache Gr��e des eigentlichen Gehirns hatte. Man nahm an, da� die Brontosaurier langsam wuchsen, und ihre enorme Gr��e f�hrte man auf die Tatsache zur�ck, da� sie zweihundert Jahre und �lter werden konnten.</p><p>Ihre einzige Verteidigungsm�glichkeit gegen rivalisierende Zeitgenossen war, sich ins Wasser zu begeben und dort zu verharren � sie konnten auch Wasserpflanzen abweiden und brauchten zum Atmen den Kopf anscheinend nur kurz �ber Wasser zu halten. Sie starben aus, als der ihnen angestammte Lebensraum, die Sumpfgebiete, durch geologische Ver�nderungen auszutrocknen begann und sie auf Gedeih und Verderb ihren nat�rlichen Feinden ausgesetzt waren.</p><p>Ein Experte behauptete, da� diese Saurier einer der gr��ten Fehler der Natur gewesen seien. Und dennoch hatten sie, wie ein anderer dem entgegenstellte, drei geologische Epochen durchlebt � vom Jura �ber die Kreide bis ins Terti�r hinein � insgesamt einhundertvierzig Millionen Jahre; f�r einen �Fehler� der Natur eine enorme Zeitspanne, wenn man bedenkt, da� der Mensch ungef�hr seit einer halben Million Jahren existiert.!</p><p>Conway verlie� die Bibliothek mit der festen �berzeugung, etwas Wichtiges entdeckt zu haben � worum es sich dabei genau handelte, konnte er allerdings nicht sagen; es war ein furchtbar frustrierendes Gef�hl. W�hrend einer hastig eingenommenen Mahlzeit kam er zu dem Schlu�, da� er dringend mehr Informationen ben�tigte, und es gab nur einen, der ihm diese eventuell liefern konnte: Er mu�te sich wieder einmal an O�Mara wenden.</p><p>�Und wo ist unser kleiner Freund?� fragte der Psychologe besorgt, als Conway ein paar Minuten darauf O�Maras B�ro betrat. �Haben Sie sich etwa gestritten?�</p><p>Conway schluckte, und als er antwortete, versuchte er, sich seine Verunsicherung nicht anmerken zu lassen. �Doktor Arretapec wollte sich eine Weile mit dem Patienten allein besch�ftigen, und ich hab mich in der Bibliothek �ber Dinosaurier etwas kl�ger gemacht. Dabei kam mir der Gedanke, ob Sie mir noch ein paar zus�tzliche Informationen geben k�nnten.�</p><p>�Viel ist das allerdings nicht�, sagte O�Mara. Zu Conways Unbehagen sah O�Mara ihn eine ganze Weile durchdringend an, bevor er m�rrisch fortfuhr: �Also gut. nachdem die Besatzung eines Forschungsschiffs des Monitorkorps Arretapecs Heimatplaneten entdeckt und das hohe Zivilisationsstadium seiner Bewohner erkannt hatte, vertraute man ihnen den Hyperantrieb an. Einer der ersten Planeten, den die VUXG damals aufgesucht haben, ist eine rauhe, junge Welt ohne intelligentes Leben gewesen, aber eine der Lebensformen interessierte sie � n�mlich die gigantischen Saurier. Der galaktischen F�deration sagten sie, da� sie mit ihrer Unterst�tzung etwas erreichen k�nnten, das der gesamten Zivilisation zugute kommen w�rde. Nun, da eine telepathische Spezies nicht l�gen kann, ja nicht einmal wei�, was eine L�ge ist, bewilligte man ihnen die geforderte Unterst�tzung. Deshalb sind Arretapec und sein Patient letztendlich jetzt hier im Orbit Hospital.�</p><p>O�Mara hielt kurz inne, dann schlo� er mit den S�tzen: �Einen kleinen Punkt gibt es allerdings zus�tzlich zu beachten: Anscheinend geh�rt zu den Psik�nsten der VUXGs auch eine Art hellseherischer F�higkeit. Da diese sich aber nicht auf die perspektivische Entwicklung eines Individuums, sondern nur auf die ferne Zukunft ganzer Populationen bezieht, und das ausgesprochen oberfl�chlich, ist sie ziemlich nutzlos.�</p><p>Als Conway O�Mara verlie�, f�hlte er sich noch verwirrter als zuvor. Er versuchte noch immer, aus dem Wust an bruchst�ckhaften Informationen ein logisches Ganzes zu entwickeln, aber entweder war er zu ersch�pft oder einfach nur zu bl�d. Nun, ersch�pft war er ganz bestimmt; von den letzten beiden Tagen f�hlte er sich geistig matt und k�rperlich wie erschlagen.</p><p>Er glaubte, da� es zwischen den beiden Faktoren � Arretapecs Erscheinen auf der einen und seine unerkl�rliche Mattheit auf der anderen Seite � eine Verbindung geben mu�te. Eigentlich war er in guter k�rperlicher Verfassung, doch nie zuvor hatte er sich nach einer geistigen oder k�rperlichen Anstrengung so ausgelaugt gef�hlt. Aber hatte Arretapec nicht sogar gesagt, da� der Juckreiz, den er versp�rt hatte, ein Symptom f�r irgendeine physische Erkrankung sei?</p><p>Pl�tzlich empfand er seine Arbeit mit dem VUXG-Arzt nicht nur als frustrierend und l�stig, sondern als geradezu gef�hrlich f�r seine pers�nliche Unversehrtheit. Angenommen, der Juckreiz r�hrte von einem neuen Bakterientyp her, der auf seiner Kontrollskala gar nicht erfa�t wurde? Zuvor hatte er schon einmal an so etwas gedacht, n�mlich als Arretapec ihn aufgrund des Juckreizes fortgeschickt hatte. Aber danach hatte er sich wohl unterbewu�t eingeredet, da� es sich um nichts B�sartiges handeln konnte, weil von dem Jucken praktisch nichts mehr zu sp�ren gewesen war. Jetzt war ihm klar, da� er das Ohr von einem der Chef�rzte h�tte untersuchen lassen m�ssen, und er dies auf alle F�lle nachholen lassen mu�te.</p><p>Aber im Augenblick war er dazu zu m�de, doch gab er sich selbst das Versprechen, Dr. Mannon, seinen ehemaligen Vorgesetzten, gleich am n�chsten Morgen aufzusuchen und danach Arretapec wieder zur Seite zu stehen. Beim Einschlafen gr�belte er noch immer dar�ber nach, welche merkw�rdige fremde Krankheit er sich zugezogen haben k�nnte und wie man sich in korrekter Form bei einem VUXG zu entschuldigen hatte.</p><p>Am n�chsten Morgen war schon wieder ein f�nf Zentimeter gro�es Loch in der Schreibtischplatte, in dem es sich Arretapec gem�tlich gemacht hatte.</p><p>Kaum hatte Conway durch aufrechtes Sitzen angezeigt, da� er aufgewacht war, sagte der VUXG: �Seit gestern hab ich den Eindruck, da� ich von einem Wesen, dessen Spezies relativ gesehen auf einem niedrigen geistigen Niveau steht, wom�glich zuviel Selbstbeherrschung und innere Ausgeglichenheit vorausgesetzt und eine zu hohe Belastungsf�higkeit bei unangenehmen Reizungen des K�rpers erwartet habe. Deshalb werde ich mein m�glichstes tun, im Verlauf unserer zuk�nftigen Zusammenarbeit auf diese Punkte entsprechend R�cksicht zu nehmen.�</p><p>Conway brauchte eine Weile, um zu verstehen, da� sich Arretapec bei ihm entschuldigt hatte. Als er das aber endlich begriffen hatte, empfand er die Worte des Arztes als die beleidigendste Entschuldigung, die ihm jemals zu Ohren gekommen war � und dies dem VUXG-Arzt nicht umgehend vorzuhalten, sprach seiner Meinung nach durchaus f�r seine Selbstbeherrschung. Statt dessen l�chelte er nur und bestand darauf, da� alles seine Schuld gewesen sei.</p><p>Schlie�lich begaben sich die beiden wieder zu ihrem Patienten.</p><p>Das Innere des alten Transporters war nicht mehr wiederzuerkennen. Anstelle einer Hohlkugel, die von einer Schlammw�ste aus Erde, Wasser und Laubwerk bedeckt wurde, stellten drei Viertel der zur Verf�gung stehenden Oberfl�che eine fast perfekte Reproduktion einer Landschaft des Mesozoikums dar. Trotzdem war nicht alles so, wie Conway es tags zuvor auf den Bildern gesehen hatte, weil sie ein fernes Erdzeitalter nur skizzenhaft veranschaulichen konnten, wohingegen diese Flora von dem Heimatplaneten des Patienten hierher frisch verpflanzt worden war. Dennoch waren die Unterschiede verbl�ffend gering. Die gr��te Ver�nderung war mit dem �Himmel� vor sich gegangen.</p><p>W�hrend man vorher noch bis auf die gegen�berliegende Seite der Hohlkugel hatte sehen k�nnen, blickte man jetzt auf einen wei�blauen Nebel, in dem eine sehr nat�rlich wirkende Sonne brannte. Nahezu der gesamte innere Kern der Hohlkugel war mit diesem fast undurchsichtigen Gas angef�llt worden, so da� selbst Eingeweihte sehr scharfer Augen bedurften, um zu erkennen, da� sie sich nicht auf einem echten Planeten befanden, �ber dem in einem leicht bew�lkten Himmel die Sonne schien. Die Ingenieure hatten wirklich ganze Arbeit geleistet.</p><p>�Ich h�tte nie gedacht, da� eine so genaue und nat�rliche Rekonstruktion hier m�glich gewesen w�re�, sagte Arretapec erstaunt. �Diese neuen Umweltbedingungen sollten sich auf den Patienten �u�erst positiv auswirken. Mein Kompliment, Conway.�</p><p>Der Saurier, den die Ingenieure aus einem unerfindlichen Grund heraus Emily getauft hatten, zerrte gerade zufrieden an den Bl�ttern eines zehn Meter hohen Palmengew�chses. Wie Conway wu�te, lie� der Umstand, da� sich der Patient auf trockenem Land aufhielt, anstatt unter Wasser zu weiden, auf seinen Gem�tszustand schlie�en, weil sich der urzeitliche Brontosaurier unweigerlich ins Wasser begab, sobald er sich von Feinden bedroht f�hlte � seinem einzigen Zufluchtsort vor Widersachern. Dieser Neobrontosaurier hier schien sich offensichtlich pudelwohl zu f�hlen.</p><p>�Im Prinzip ist es dasselbe, als wenn man eine neue Station zur Behandlung eines x-beliebigen extraterrestrischen Patienten einrichtet�, bemerkte Conway bescheiden, �der wesentliche Unterschied besteht allein im Umfang der zu verrichtenden Arbeiten.�</p><p>�Trotzdem bin ich sehr beeindruckt�, sagte Arretapec.</p><p>Erst Entschuldigungen und jetzt Komplimente, dachte Conway sp�ttisch. Als sie sich Emily gen�hert hatten und Arretapec ihn erneut ermahnte, sich ruhig zu verhalten, lag die Vermutung nahe, da� die Ver�nderung im Verhalten des VUXG an der Arbeit der Ingenieure gelegen haben mu�te. Da sich der Patient jetzt in einer idealen Umgebung befand, waren die Chancen f�r eine erfolgreiche Behandlung wahrscheinlich gestiegen � in welcher Form auch immer diese stattfinden sollte.</p><p>Pl�tzlich versp�rte Conway wieder diesen Juckreiz. Wie gew�hnlich begann er tief im rechten Ohr, aber dieses Mal breitete er sich aus und nahm derart an Intensit�t zu, bis Conway glaubte, sein Kopf sei voll von herumschwirrenden und wild um sich bei�enden Insekten. Ihm brach der kalte Schwei� aus, und er erinnerte sich an die �ngste, die er noch am Abend zuvor ausgestanden hatte und wegen der er eigentlich Dr. Mannon hatte aufsuchen wollen. Das hier war keine Einbildung mehr, das war Ernst, vielleicht sogar t�dlicher Ernst. In einer panikartigen, ungewollten Bewegung ri� er die H�nde an den Kopf, wobei er versehentlich die Plastikkugel, in der sich Arretapec befand, zu Boden stie�.</p><p>�Sie haben schon wieder gezappelt!� beschwerte sich der VUXG.</p><p>�Es. es tut mir leid�, stammelte Conway. Dann murmelte er etwas Zusammenhangloses vor sich hin, aus dem zu entnehmen war, da� er gehen m�sse, weil er etwas Wichtiges und Unaufschiebbares zu erledigen habe, und machte sich verwirrt davon.</p><p>Drei Stunden sp�ter sa� er in Dr. Mannons DBDG-Untersuchungszimmer, wobei der Hund des Arztes ihn abwechselnd ankl�ffte oder sich auf den R�cken rollte und ihn vergeblich zu animieren versuchte, mit ihm zu spielen. Aber im Gegensatz zu sonst versp�rte Conway heute keinerlei Lust, ihn zu kraulen oder gar mit ihm herumzutollen. Seine ganze Aufmerksamkeit galt seinem ehemaligen Vorgesetzten, der mit gesenktem Kopf die vor ihm auf dem Schreibtisch liegenden Tabellen studierte. Pl�tzlich blickte der Arzt auf.</p><p>�Ihnen fehlt doch gar nichts!� polterte er in einem herrischen Ton los, den er sich normalerweise f�r Studenten und Patienten vorbehielt, die er verd�chtigte zu simulieren. Nach einer kurzen Pause f�gte er hinzu: �Nun, ich bezweifle nicht einmal, da� Sie diese Gef�hle wirklich versp�ren � Ihre M�digkeit, den Juckreiz und all das �, aber womit haben Sie eigentlich gerade beruflich zu tun?�</p><p>W�hrend Conways Schilderung konnte sich Mannon mehrmals ein Grinsen nicht verkneifen.</p><p>�Wenn ich Sie richtig verstanden hab, ist es f�r Sie das erstemal, da� Sie langfristig mit einem. ehm. da�, ie einer telepathischen Lebensform ausgesetzt sind und ich der erste bin, dem Sie Ihre damit verbundenen Probleme anvertrauen, richtig?� Mannons Tonfall verriet, da� es sich hierbei nicht um eine Frage, sondern um eine Feststellung gehandelt hatte. �Und obwohl Sie diesen Juckreiz nur in der N�he des VUXG und des Patienten stark versp�ren, tritt er periodisch auch woanders auf, wenn auch nur in schw�cherer Form, richtig?�</p><p>Conway nickte. �Erst vor f�nf Minuten war dieses Jucken schon wieder da.�</p><p>�Mit zunehmender Entfernung nimmt es nat�rlich ab�, fuhr Dr. Mannon fort. �Aber um Sie zu beruhigen: Sie brauchen sich �berhaupt keine Sorgen zu machen. Arretapec versucht lediglich, aus Ihnen einen Telepathen zu machen, und zwar ohne es selbst zu wissen. Ich werde Ihnen das erkl�ren.�</p><p>Offenbar wurde durch einen l�ngeren Kontakt mit einem telepathischen Lebewesen ein gewisser Bereich im menschlichen Gehirn stimuliert. Das lie� auf den Beginn einer telepathischen Funktion dieser Gehirnzone in der Zukunft schlie�en oder auf eine verk�mmerte und seither abhandengekommene Gehirnfunktion aus der Vorzeit.</p><p>�Die Folge ist eine l�stige, aber v�llig harmlose Reizung. In sehr seltenen F�llen jedoch�, f�gte Mannon hinzu, �bewirkt diese N�he beim Menschen die F�higkeit zu einer Art k�nstlichen Telepathie � und das hei�t, er kann hin und wieder die Gedanken von dem Telepathen empfangen, dem er ausgesetzt ist, jedoch von keinem anderen Wesen. Diese F�higkeit bleibt aber immer zeitlich strikt begrenzt und verschwindet, sobald das daf�r verantwortliche Wesen den Menschen wieder verl��t. Allerdings sind diese F�lle k�nstlich herbeigef�hrter Telepathie extrem selten�, schlo� Mannon, �und auf Sie wirkt sich anscheinend nur das wahrhaftig reizende Nebenprodukt aus, sonst w��ten Sie wahrscheinlich, was Arretapec vorhat, Sie brauchten n�mlich nur seine Gedanken zu lesen.�</p><p>W�hrend Dr. Mannon redete und ihm wiederholt die Sorge nahm, sich irgendeine merkw�rdige neue Krankheit zugezogen zu haben, dachte Conway die ganze Zeit fieberhaft nach. Ihm fielen dabei einzelne Episoden mit Arretapec und dem Brontosaurier wieder ein, zu denen sich Gespr�chsfragmente mit dem VUXG und Bruchst�cke seiner selbst erworbenen Kenntnisse gesellten, aus denen er sich ein vages Bild machte. Es war zwar ein etwas verr�cktes oder wenigstens schiefes Bild, und es wies noch viele L�cken auf, aber was sonst sollte ein Wesen wie Arretapec mit einem Patienten wie dem Brontosaurier vorhaben, wenn nicht das? Zudem noch mit einem Patienten, dem �berhaupt nichts fehlte�</p><p>�Wie bitte?� hakte er nach, als er bemerkte, da� Mannon etwas gesagt hatte, das er nicht mitbekommen hatte.</p><p>�Ich hab gesagt, wenn Sie herausfinden, was Arretapec vorhat, lassen Sie es mich bitte wissen�, wiederholte Mannon.</p><p>�Nun, ich wei�, was er vorhat�, entgegnete Conway unvermutet. �Wenigstens glaube ich das � und ich verstehe jetzt auch, warum Arretapec dar�ber nicht sprechen m�chte. Er hat Angst, sich der L�cherlichkeit preiszugeben, zumal allein der Gedanke, es auf einen solchen Versuch ankommen zu lassen, schon l�cherlich genug ist. Was ich nicht verstehe, ist, warum er das vorhat.�</p><p>�Doktor Conway�, ermahnte Mannon ihn mit nur scheinbar freundlicher Stimme, �wenn Sie mir nicht sofort verraten, wovon Sie sprechen, dann werde ich Ihnen, wie wir etwas grobschl�chtigen Chirurgen es so treffend auszudr�cken pflegen, die Eingeweide einzeln rausrei�en.�</p><p>Conway stand abrupt auf. Er mu�te umgehend zu Arretapec zur�ck. Da er jetzt eine ungef�hre Vorstellung von dem hatte, was dort vor sich ging, hatte er sich um etliche Dinge zu k�mmern � er mu�te unbedingt dringende Sicherheitsvorkehrungen treffen lassen, an die ein Wesen wie der VUXG wahrscheinlich gar nicht dachte.</p><p>�Tut mir leid, Sir�, sagte er abwesend, �aber ich kann es Ihnen nicht sagen. Wissen Sie, nach dem, was Sie mir erz�hlt haben, besteht die M�glichkeit, da� ich mein Wissen auf telepathischem Weg direkt �ber Arretapecs Gehirnstr�me bezogen hab, und in diesem Fall w�rde es sich dabei um vertrauliche Informationen handeln. Ich mu� mich jetzt beeilen. Aber vielen Dank f�r alles.�</p><p>Kaum war er drau�en, rannte er zum n�chsten Kommunikator und rief im B�ro der Ingenieursdivision an. Die Stimme, die antwortete, erkannte er als die des Colonels wieder, den er schon zuvor kennengelernt hatte.</p><p>�Ist die H�lle dieses umgebauten Transporters stark genug, um den Aufprall eines ungef�hr vierzig Tonnen schweren K�rpers zu verkraften, der sich mit einer Geschwindigkeit zwischen drei�ig und hundertf�nfzig Kilometern pro Stunde bewegt? Und falls nicht, welche Sicherheitsvorkehrungen k�nnten Sie dagegen treffen?�</p><p>Es folgte ein langes, bedr�ckendes Schweigen, dann sagte der Colonel: �Machen Sie Scherze? Das Ding w�rde die H�lle durchschlagen, als w�re sie ein St�ck Sperrholz. Das Luftvolumen im Innern des Schiffs ist allerdings so gro�, da� der Wartungsmannschaft trotz eines solch schweren Einschlags genug Zeit bliebe, Raumanz�ge anzulegen. Warum fragen Sie mich das �berhaupt?�</p><p>Conway dachte aufgeregt nach; er wollte etwas erledigt haben, ohne zu verraten, warum. Schlie�lich sagte er dem Colonel, er sorge sich um die Schwerkraftgitter, die die k�nstliche Gravitation im Schiff aufrechterhielten. Es g�be davon so viele, da� die versehentliche Umpolung nur eines einzigen Bodengitters den Brontosaurier absto�en w�rde, anstatt ihn anzuziehen.</p><p>Etwas gereizt stimmte ihm der Colonel zwar zu, da� die Schwerkraftgitter auf Absto�ung umgestellt werden k�nnten und ebenso auf konzentrierte Pressor� und Traktorstrahlung, aber eine solche versehentliche Umschaltung passiere nicht gleich, nur weil jemand mal zuf�llig laut huste. Zudem g�be es eingebaute Sicherheitsvorkehrungen, die.</p><p>�Trotzdem�, unterbrach ihn Conway. �Ich w�rde mich sehr viel wohler f�hlen, wenn Sie s�mtliche Schwerkraftgitter so einstellen k�nnten, da� sie sich beim Herannahen eines schweren, fallenden K�rpers automatisch auf Absto�ung umschalten. Ist das m�glich?�</p><p>�Ist das ein Auftrag, oder sind Sie wirklich so ein �ber�ngstlicher Typ?� fragte der Colonel ungehalten.</p><p>�Das ist leider ein Auftrag�, antwortete Conway.</p><p>�Dann ist es auch m�glich.� Ein scharfes Klicken beendete das Gespr�ch.</p><p>Conway begab sich mit dem Vorsatz zu Arretapec, von nun an seinem Chef ein perfekter Assistent zu sein � und zwar in dem Sinne, da� er bereits eine Antwort parat haben wollte, bevor Arretapec �berhaupt eine Frage gestellt hatte. Er mu�te den VUXG nur dazu bringen, die richtigen Fragen zu stellen, damit er sie auch wirklich beantworten konnte, dachte er und l�chelte verschmitzt.</p><p>Am f�nften Tag ihrer Zusammenarbeit sagte Conway zu Arretapec: �Man hat mir versichert, da� Ihr Patient k�rperlich v�llig gesund ist und keine psychiatrische Behandlung ben�tigt. Daher bin ich zu dem Schlu� gekommen, da� Sie auf telepathischem oder �hnlichem Weg versuchen, irgendeine Ver�nderung in der Gehirnstruktur des Patienten zu bewirken. Falls meine Schlu�folgerungen zutreffen, hab ich f�r Sie Informationen, die Ihnen helfen werden oder die zumindest interessant f�r Sie sind.</p><p>Es gab einst ein riesiges Reptil, das dem Patienten stark �hnelt und vor Urzeiten auf meinem Heimatplaneten gelebt hat. Von �berresten, die von Arch�ologen ausgegraben wurden, wissen wir, da� es in der Gegend der Kreuzbeinwirbel ein zweites Nervensystem besa� � oder ben�tigte �, das um ein Vielfaches gr��er als das eigentliche Gehirn war und vermutlich die Motorik der Hinterbeine, des Schwanzes und so weiter steuerte. Falls das stimmt, haben Sie es vielleicht auch bei unserem Patienten mit zwei Gehirnen zu tun und nicht nur mit einem.�</p><p>W�hrend er auf Arretapecs Antwort wartete, war er heilfroh, da� der VUXG einer Spezies angeh�rte, deren ethische Grunds�tze es verboten, ihre telepathische F�higkeit gegen�ber Nichttelepathen anzuwenden. Sonst w�re Arretapec Conways Wissen �ber die beiden Nervenzentren des Patienten nicht verborgen geblieben und auch nicht, da� Conway sich dieses Wissen nur hatte aneignen k�nnen, weil er heimlich einen Kollegen beauftragt hatte, den nichtsahnenden Dinosaurier mit R�ntgenscanner und � kamera eines Nachts zu untersuchen, w�hrend er und der Patient geschlafen und Arretapec ein weiteres Loch in die Schreibtischplatte genagt hatte.</p><p>�Ihre Schlu�folgerungen sind korrekt�, best�tigte ihm Arretapec endlich, �und auch Ihre Informationen sind sehr interessant. Ich hatte es nie f�r m�glich gehalten, da� ein Wesen zwei Gehirne besitzen kann. Das w�rde jedoch die ungew�hnlichen Kommunikationsschwierigkeiten erkl�ren, die ich mit der Kreatur hab. Ich werde d untersuchen.�</p><p>Conway versp�rte schon wieder diesen Juckreiz, aber da er jetzt die Ursache daf�r kannte, konnte er ihn ohne �herumzuzappeln� ertragen. Das Jucken lie� wieder etwas nach, und Arretapec sagte: �Ich erhalte eine Reaktion. Zum erstenmal erhalte ich eine Reaktion!�</p><p>Der Juckreiz begann erneut. dieses Mal wurde der ganze Sch�del von ihm erfa�t, und er wurde immer unertr�glicher.</p><p>Es war nicht nur ein Gef�hl, als ob Ameisen mit rotgl�henden Bei�zangen an seinen Gehirnzellen nagten, sondern als ob jemand gleichzeitig mit rostigen N�geln L�cher in sein armes, geplagtes Gehirn schl�ge. Conway litt H�llenqualen und k�mpfte unter entsetzlichen Anstrengungen dagegen an, sich zu bewegen und Arretapec gerade jetzt abzulenken, wo der VUXG einen entscheidenden Schritt vorangekommen zu sein schien.</p><p>Und dann ver�nderte sich pl�tzlich die Empfindung unterschwellig. Sie lie� zwar nicht nach, aber es kam etwas hinzu. Kurz stachen ihm die Augen, und er bekam einen fl�chtigen Eindruck von etwas Undefinierbarem � es war wie eine Phrase meisterhafter Musik, die auf einem kaputten Ger�t abgespielt wurde, oder wie die kraftvolle Sch�nheit eines Gem�ldes, das bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden war. Er wu�te, da� er f�r einen kurzen Augenblick durch die verzerrt darstellende Schmerzwelle hindurch tats�chlich in Arretapecs Gehirn gesehen hatte.</p><p>Jetzt wu�te er alles�</p><p>Der VUXG erhielt noch den ganzen Tag �ber Reaktionen des Patienten, aber sie waren unberechenbar, heftig und unkontrollierbar. Nachdem eine besonders dramatische Reaktion den in Panik geratenen Dinosaurier dazu veranla�t hatte, einige Morgen Baumbestand dem Boden gleichzumachen und sich anschlie�end �ngstlich im See zu verkriechen, gab Arretapec auf.</p><p>�Es ist sinnlos�, sagte der Arzt. �Das Wesen will einfach nicht freiwillig anwenden, was ich ihm beizubringen versuche, und sobald ich diesen Vorgang erzwinge, bekommt es Angst.�</p><p>Seine gleicht�nige Translatorstimme verriet keinerlei Regung, aber Conway, der Arretapecs Gedanken gelesen hatte, wu�te, wie bitter entt�uscht der Arzt war. Verzweifelt w�nschte er, ihm behilflich sein zu k�nnen, aber ihm war klar, da� er nicht direkt eingreifen konnte � Arretapec war derjenige, der in diesem Fall die eigentliche Arbeit verrichten mu�te, wohingegen er selbst nur hin und wieder einen Denkansto� geben konnte.</p><p>Als er sich abends ins Bett legte und sich noch immer den Kopf zerbrach, glaubte er kurz vor dem Einschlafen die Antwort auf das Problem gefunden zu haben.</p><p>Am n�chsten Morgen begab er sich mit Arretapec auf die Suche nach Dr. Mannon. Sie trafen ihn schlie�lich vor dem DBLF-Operationssaal an, den er gerade betreten wollte.</p><p>�Sir, k�nnten wir uns bitte Ihren Hund ausleihen?� fragte Conway.</p><p>�Aus beruflichen Gr�nden oder zum Vergn�gen?� erkundigte sich Mannon etwas argw�hnisch. Er hing so sehr an seinem Hund, da� einige extraterrestrische Angeh�rige des Personals glaubten, die beiden lebten in Symbiose.</p><p>�Glauben Sie mir, wir werden ihm kein einziges Haar kr�mmen�, versicherte ihm Conway, und nach kurzem Z�gern �bergab ihm Dr. Mannon die Leine. Conway bedankte sich und an Arretapec gewandt sagte er: �Und jetzt gehen wir wieder in mein Zimmer.�</p><p>Zehn Minuten darauf fegte der Hund aufgeregt bellend durch das Zimmer, w�hrend Conway mit Kissen nach ihm warf. Pl�tzlich erzielte er einen Volltreffer und der Hund �berschlug sich. Er schlitterte mit den Pfoten �ber den Kunststofffu�boden und jaulte und winselte in h�chsten Tonlagen.</p><p>Conway wurde pl�tzlich in die H�he gerissen und schwebte direkt unter Decke.</p><p>�Ich hatte nicht gewu�t, da� Sie vorhatten, mir eine Demonstration von menschlichem Sadismus vorzuf�hren�, dr�hnte Arretapecs Stimme vom Schreibtisch her�ber. �Ich bin schockiert und entsetzt zugleich. Sie werden dieses arme Tier sofort wieder zur�ckgeben!�</p><p>�Lassen Sie mich bitte runter, dann werde ich Ihnen alles erkl�ren�, stammelte Conway.</p><p>Am achten Tag gaben sie Dr. Mannon den Hund zur�ck und nahmen wieder ihre Arbeit mit dem Dinosaurier auf. Am Ende der zweiten Woche waren sie noch immer mit Emily besch�ftigt, und im ganzen Hospital wurde �ber die beiden bereits in s�mtlichen g�ngigen Sprachen gesprochen, gepfiffen, gezirpt oder gegrunzt.</p><p>Als sie eines Tages in der Kantine sa�en, h�rte Conway, da� �ber die Lautsprecher, �ber die im Hintergrund die ganze Zeit Durchsagen liefen, pl�tzlich sein Name ausgerufen wurde.</p><p>��rufen Sie so schnell wie m�glich Major O�Mara an. Doktor Conway, bitte rufen Sie so schnell wie m�glich Major O�Mara an.�</p><p>�Entschuldigen Sie mich bitte�, sagte Conway zu Arretapec, der es sich auf einem Plastikklotz gem�tlich gemacht hatte, den der Kantinenchef mit einer abf�lligen Geste auf den Tisch gestellt hatte, und begab sich zum n�chsten Kommunikator.</p><p>�Es geht zwar nicht um Leben oder Tod�, sagte O�Mara, nachdem Conway ihn gefragt hatte, warum er sich bei ihm melden sollte, �aber ich bekomme langsam das Gef�hl, da� Sie mir einige Erkl�rungen schulden. Zum Beispiel: Doktor Hardin sch�umt praktisch vor Wut, weil er auf Ihre Anweisung hin die von ihm mit Bedacht erg�nzten und gesetzten Futterpflanzen seit neuestem mit Chemikalien bespr�hen mu�, die den Geschmack negativ beeinflussen. Und warum wurde eine bestimmte Menge der Pflanzen gelagert, als diese gerade ihr volles Aroma entfaltet hatten? Au�erdem, wozu ben�tigen Sie �berhaupt einen 3-D-Projektor? Und welche Rolle spielt Mannons Hund bei dieser ganzen Geschichte?� O�Mara hielt schweren Herzens inne, da er Luft holen mu�te, dann aber fuhr er ungehalten fort: �Und Colonel Skempton sagt, seine Ingenieure und Techniker h�tten es langsam satt, f�r Sie und Arretapec andauernd die Traktor� und Pressorstrahlen bedienen zu m�ssen � ihn selbst schert das zwar nur wenig, aber er sagt, wenn diese gesamte Apparatur nach au�en anstatt nach innen gerichtet w�re, k�nnte es der alte Transporter, an dem Sie herumfuhrwerken, nicht nur mit einem Schlachtkreuzer der F�deration aufnehmen, er w�rde ihm sogar den Marsch blasen. Und was seine Leute betrifft.� � O�Mara versuchte jetzt zwar, im Plauderten weiterzureden, aber man h�rte ihm an, da� er Schwierigkeiten damit hatte � ��nun, eine ganze Menge von denen bittet mich mittlerweile um meinen fachlichen Rat als Psychologe. Einige von ihnen, die wohl etwas besser damit klarkommen, trauen einfach ihren Augen nicht. Die anderen sind schon soweit, da� sie lieber wei�e M�use sehen w�rden.�</p><p>Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: �Au�erdem hat mir Mannon gesagt, Sie s��en jetzt � wahrscheinlich um Ihre moralischen Werte noch h�her halten zu k�nnen � auf dem hohen Ro�, und w�rden ihm rein gar nichts mehr erz�hlen, selbst wenn er Sie darum bittet. Ich hab mir gedacht, da� Sie mir.�</p><p>�Es tut mir wirklich leid, Sir�, unterbrach ihn Conway betreten.</p><p>�Aber was, zum Teufel, treiben Sie da eigentlich?� polterte O�Mara los, dann f�gte er �berraschend leise hinzu: �Nun, viel Gl�ck jedenfalls dabei. Ende.�</p><p>Conway eilte zu Arretapec zur�ck, um das Gespr�ch mit ihm an der Stelle wiederaufzunehmen, an dem es unterbrochen worden war.</p><p>Als sie sp�ter die Kantine verlie�en, sagte er: �Es war dumm von mir, den Gr��enfaktor bei meinen �berlegungen nicht mit ber�cksichtigt zu haben. Aber da wir jetzt.�</p><p>�Es war dumm von uns, mein Freund�, korrigierte ihn Arretapec. �Die meisten Ihrer Ideen haben ja funktioniert, und das mit gro�em Erfolg. Sie haben mir derart unsch�tzbare Dienste geleistet, da� ich mich manchmal wirklich frage, ob Sie nicht ahnen, was ich vorhabe.</p><p>Und ich hoffe, da� auch Ihre neue Idee funktionieren wird.�</p><p>�Mit etwas Gl�ck und wenn wir die Daumen dr�cken, wird�s schon klappen.�</p><p>Im Gegensatz zu seinen sonstigen Gepflogenheiten stellte Arretapec bei dieser Gelegenheit ausnahmsweise einmal nicht fest, da� er erstens nicht an Gl�ck glaube und zweitens keine Daumen besitze � sein Verst�ndnis f�r menschliche Verhaltensweisen nahm eindeutig zu. Conway seinerseits w�nschte sich nichts mehr, als da� der hyperintelligente VUXG seine Gedanken lesen k�nnte, dann w�rde Arretapec n�mlich wissen, wie sehr er mit ihm f�hlte und wie sehr er dem am heutigen Nachmittag stattfindenden Experiment Erfolg w�nschte.</p><p>W�hrend des ganzen Weges zum Schiff sp�rte Conway, wie die Spannung in ihm unaufh�rlich anstieg. Als er den Ingenieuren, Technikern und sonstigen Helfern die letzten Anweisungen gab und sich vergewisserte, da� ein jeder wu�te, was bei einem Notfall zu tun war, fiel ihm selbst auf, da� er dabei etwas zu viel herumalberte und ein wenig zu �bertrieben lachte. Aber auch andere vermochten ihre Nervosit�t kaum zu verbergen.</p><p>Als er kurz darauf knapp f�nfzig Meter entfernt vom Patienten stand, wobei er wie ein Weihnachtsbaum mit leuchtenden Apparaturen behangen war � einen G-G�rtel um die H�fte, einen 3-D-Projektor vor dem Brustkorb und auf den Schultern ein schweres Funkger�t geschnallt �, war er vor innerer Anspannung fast wie gel�hmt und strahlte die �u�ere Ruhe eines Druckkochtopfs aus.</p><p>�Projektorgruppe einsatzbereit�, sagte eine Stimme.</p><p>�Futter ist am Platz�, rief eine andere.</p><p>�Alle Traktor� und Pressorstrahlentechniker startbereit�, meldete eine dritte.</p><p>�Alles klar, Doktor�, sagte Conway zu dem vor ihm schwebenden Arretapec, dann fuhr er sich mit der trockenen Zunge �ber die noch trockeneren Lippen. �Jetzt sind Sie dran.� Er dr�ckte auf einen Knopf des 3-D-Pro-jektors vor seiner Brust, und im selben Augenblick erschien rings um ihn die unstoffliche dreidimensionale Darstellung seines fast zwanzig Meter gro�en Ebenbilds. Er sah, wie der Patient den Kopf hob, h�rte die tiefen, jaulenden Laute, die das Wesen von sich gab, sobald es erregt war oder Angst hatte, und die in einem so merkw�rdigen Kontrast zu seinem gewaltigen K�rper standen, und er sah, wie es sich schwerf�llig zum See zur�ckbewegte. Aber Arretapec konzentrierte sich mit ganzer Kraft auf die beiden kleinen, fast rudiment�ren 1i52hirne des Brontosauriers, wobei er Wellen der Ruhe und Beschwichtigung aussandte, und das Riesenreptil beruhigte sich zusehends. Ganz langsam, um Emily nicht zu erschrecken, griff Conway hinter sich, nahm etwas in die Hand und legte es vor sich auf den Boden. Sein zwanzig Meter gro�es Ebenbild machte parallel dieselben Bewegungen.</p><p>Aber dort, wo die gro�e Hand der 3-D-Projektion niederging, lag ein echtes B�ndel gr�ner Pflanzen, und als sich die stofflich wirkende und doch imagin�re Hand hob, folgte ihr das B�ndel, wobei es am Scheitelpunkt von drei pr�zise bedienten Pressorstrahlen in der Luft gehalten wurde. Dann wurde das feuchte B�ndel frischer Pflanzen und Palmenbl�tter dicht vor dem noch immer unruhigen Dinosaurier plaziert, und zwar scheinbar von der Hand, die sich jetzt langsam zur�ckzog.</p><p>Nach einer Zeit, die Conway wie eine Ewigkeit vorkam, bog sich der kr�ftige, schlangenartige Hals nach unten, und das Reptil begann mit dem Kopf in dem Futter herumzuw�hlen und daran zu knabbern.</p><p>Conway wiederholte den gleichen Bewegungsablauf immer wieder, wobei er und sein zwanzig Meter gro�es Ebenbild sich Emily allm�hlich n�herten.</p><p>Wie er wu�te, h�tte der Brontosaurier zur Not auch die um ihn herum wachsenden Pflanzen essen k�nnen, aber seit Dr. Hardin auf Conways Gehei� die chemische Keule eingesetzt hatte, waren sie alles andere als schmackhaft. Dagegen waren diese Ballen hier regelrechte Leckerbissen � es war das frische, saftige, s��lich riechende Futter, das der Brontosaurier von fr�her her kannte und das es f�r ihn unerkl�rlicherweise seit einiger Zeit nicht mehr gab. Und was eben noch ein Knabbern war, wurde jetzt zu einem gierigen Schlingen.</p><p>�Alles klar�, sagte Conway hocherfreut. �Stufe zwei.�</p><p>Mit Hilfe des winzigen Bildschirms, auf dem er die Bewegungen seines Ebenbilds im Verh�ltnis zu denen des Dinosauriers genau �berwachen konnte, streckte Conway erneut die Hand vor. Hoch oben auf der gegen�berliegenden Seite des Schiffsk�rpers Wurde, dem Auge entzogen, ein anderer Pressorstrahl aktiviert, der die Bewegungen der Hand nachahmte, die jetzt scheinbar den kr�ftigen Hals des Patienten streichelte, wobei der Strahl einen festen, wenn auch sanften Druck aus�bte. Zun�chst zuckte der Brontosaurier �ngstlich zusammen, dann aber beruhigte er sich. Schlie�lich fra� er weiter und r�kelte sich sogar gelegentlich behaglich. Arretapec berichtete, da� dem Patienten das Streicheln gefiel.</p><p>�Gut�, sagte Conway, �dann packen wir mal etwas kr�ftiger zu.�</p><p>Zwei gro�e, imagin�re H�nde dr�ckten gegen den Leib des Sauriers, und massierte Pressorstrahlen warfen ihn krachend auf den R�cken, da� der Boden bebte. Voller Angst strampelte er wie wild in der Luft und versuchte vergeblich, seinen schweren und ungelenken K�rper auf die Seite zu rollen, um wieder auf die Beine zu kommen. Aber anstatt schlimmen Schaden anzurichten, streichelten und t�tschelten ihn die H�nde nur. Emily beruhigte sich daraufhin allm�hlich, und es war ihr anzusehen, da� sie sich wieder wohl f�hlte.</p><p>Dann nahmen die imagin�ren H�nde eine neue Stellung ein. Traktor� und Pressorstrahlen fa�ten den liegenden K�rper gleichzeitig, zogen ihn in die H�he und rissen ihn herum.</p><p>Um mobiler zu sein, bediente sich Conway des G-G�rtels und h�pfte nun zusammen mit Arretapec �ber und um den Brontosaurier herum. Der VUXG, der mit dem Patienten in Verbindung stand, berichtete fortw�hrend �ber die Auswirkungen der verschiedenen Reize. Conway streichelte, t�tschelte, kraulte und knuffte das Riesenreptil mit seinen imagin�ren H�nden und F��en, zog ihm am Schwanz und klopfte ihm gegen den Hals, wobei die Traktor� und Pressorstrahlenmannschaft hervorragende Arbeit leistete und die Bewegungen seines5gesigen dreidimensionalen Ebenbilds synchron nachahmte.</p><p>Etwas �hnliches war zwar schon zuvor geschehen � gar nicht zu reden von einigen Ereignissen, wegen der ein Ingenieur zum Trinker geworden war und vier andere aus dem Projekt ausgestiegen waren �, aber erst als man den Gr��enfaktor in die �berlegungen mit einbezogen hatte, wie heute mit der 3-D-Projektion, waren solch vielversprechenden Resultate erzielt worden. W�hrend der letzten Woche hatte es noch so ausgesehen, als mi�handle eine Maus einen Elefanten � kein Wunder, da� der Brontosaurier damals panikartig reagierte, wenn mit ihm alle m�glichen unerkl�rlichen Dinge geschahen und er als einzige Verursacher daf�r zwei winzige Kreaturen sah, die er kaum erkennen konnte.</p><p>Die Spezies, der der Brontosaurier angeh�rte, streifte schon seit hundert Millionen Jahren �ber ihren Heimatplaneten, und der Patient selbst hatte eine sehr lange Lebenserwartung. Obwohl seine beiden Gehirne relativ klein waren, war er weit gescheiter als ein Hund, so da� Conway ihn schon bald soweit hatte, Platz zu nehmen und um Futter zu betteln. Zwei Stunden sp�ter ging Emily in die Luft.</p><p>Es war ein unbeschreiblicher Anblick: Der m�chtige, unf�rmige K�rper hob schnell vom Boden ab, wobei sich seine kr�ftigen Beine unwillk�rlich wie beim Gehen bewegten und der kr�ftige Hals und Schwanz, langsam hin� und herbaumelnd, nach unten hingen. Als sich das Riesenreptil dem verf�hrerischen B�ndel aus frischen Palmenbl�ttern n�herte, das fast hundert Meter �ber seinem Kopf balanciert wurde, vermutete Conway, da� dieser freie Schwebezustand h�chstwahrscheinlich �ber das Gehirn in der Kreuzbeingegend und nicht �ber das im Sch�del gesteuert wurde. Aber das war jetzt nebens�chlich, die Hauptsache war, da� es tats�chlich schwebte. Es sei denn.</p><p>�Helfen Sie etwa nach?� fragte Conway Arretapec mi�trauisch.</p><p>�Nein, nein!�</p><p>Die Antwort des VUXG fiel gezwungenerma�en kurz und ausdruckslos aus, aber w�re Arretapec ein Mensch gewesen, h�tte es sich wie Triumphgeschrei angeh�rt.5 7</p><p>�Gute, alte Emily!� rief jemand in Conways Kopfh�rer, wahrscheinlich handelte es sich um einen der Strahlentechniker. �Oje, seht nur, jetzt fliegt sie dran vorbei!�</p><p>Der Brontosaurier hatte das schwebende Futterb�ndel knapp verpa�t und stieg immer weiter nach oben. Sein unbeholfener und krampfhafter Versuch im Vorbeifliegen an das B�ndel zu gelangen, hatte ihm einen Drall versetzt, der durch nachfolgende hektische Bewegungen des Halses und des Schwanzes verst�rkt wurde.</p><p>�Wir sollten Emily lieber von da oben runterholen�, bemerkte eine zweite Stimme aufgeregt. �Die k�nstliche Sonne k�nnte ihr den Schwanz versengen.�</p><p>��durch diese Drehung ger�t der Patient in Panik�, stimmte Conway zu. �Traktorstrahlen.!�</p><p>Aber zu sp�t. Sonne, Erde und Himmel kreisten in chaotischen und verschlungenen Schleifen um ein Wesen herum, das bisher festen Boden unter den F��en gewohnt war. Ob es nach oben oder unten wollte, war nicht festzustellen � aber irgendwohin wollte es jedenfalls.</p><p>Trotz Arretapecs verzweifelter Versuche, es zu beruhigen, teleportierte es erneut, und Conway sah, wie der gewaltige Berg aus Knochen und Fleisch pl�tzlich mit wenigstens dem Vierfachen seiner normalen Geschwindigkeit davonsauste.</p><p>�Sektor H! Bremst ihn ab, und zwar sanft!�</p><p>Aber die Pressorstrahlentechniker hatten weder die Zeit noch gen�gend Raum, um den Saurier sanft abzubremsen. Damit er nicht gegen die Innenoberfl�che prallte � was die fatale Folge nach sich gezogen h�tte, da� er durch die darunter befindliche Verkleidung hindurch in den freien Raum geschossen w�re �, mu�ten sie ihn mit aller Kraft abbremsen, und der Brontosaurier mu�te dieses notwendigerweise scharfe Abstoppen wie einen kr�ftigen Schlag empfunden haben, denn er teleportierte schon wieder.</p><p>�Sektor C! Jetzt kommt er zu euch r�ber!� Aber im Sektor C spielte sich das gleiche ab wie zuvor im Sektor H. Das Tier geriet in Panik und scho� in eine andere Richtung davon. Und das ging so weiter. Wie eine Rakete raste der Saurier von der einen Seite im Innern des Schiffs zur anderen, bis.</p><p>�Hier spricht Skempton�,sagte eine energische, respekteinfl��ende Stimme. �Meine Leutesagen, da� die Rahmen f�r die Pressorstrahlengeh�use soetwas nicht mehr lange mitmachen. Unzul�ngliche Halterungen.</p><p>Die Schiffsverschalung weist bereits an acht Stellen Risse auf!�</p><p>�K�nnten Sie nicht.�</p><p>�Wie reparieren die Lecks so schnell wir k�nnen!� unterbrach ihn Skempton und beantwortete damit Conways Frage, bevor dieser sie �berhaupt stellen konnte. �Aber durch diese R�ckst��e fliegt noch das ganze Schiff auseinander!�</p><p>An dieser Stelle schaltete sich Dr. Arretapec mit ein. �Doktor Conway, offenkundig hat der Patient eine �berraschende Begabung bei der Anwendung seines neuen Talents gezeigt, der Umgang damit ist aber von Angst und Verwirrung gepr�gt. Ich bin �berzeugt, da� dieses traumatische Erlebnis dem Wesen einen irreparablen Schaden zuf�gen wird, die seine k�nftigen Denkprozesse negativ.�</p><p>�Conway! Vorsicht!�</p><p>Das Reptil war ein paar hundert Meter entfernt in Bodenn�he zum Stillstand gekommen und scho� jetzt im rechten Winkel auf Conway zu. Aber es flog innerhalb einer Hohlkugel auf geradem Kurs, und die Oberfl�che kr�mmte sich ihm entgegen. Conway sah, wie der dahinrasende K�rper ins Taumeln geriet, als die Strahlentechniker verzweifelt versuchten, seine Geschwindigkeit zu drosseln. Pl�tzlich durchbrach der m�chtige Leib eine niedrige, dichtbewachsene Baumkette, pfl�gte eine breite, flache Furche durch den weichen, sumpfigen Untergrund und schob dabei einen Wall aus Erdreich und herausgerissenen Pflanzen vor sich her.</p><p>Conway stand genau in seinem Weg. Bevor er den G-G�rtel einschalten konnte, kam ihm dieser Erdwall wie eine Walze entgegen und begrub ihn unter sich. Einen Augenblick lang war er zu benommen, um zu begreifen, warum er sich nicht mehr bewegen konnte, dann erst sah er, da� er bis zu den H�ften in einer klebrigen Masse aus schlammigem Erdreich und Pflanzenresten steckte. Die Ersch�tterungen und Erdst��e, die er versp�rte, wurden von dem Brontosaurier verursacht, der wieder auf die Beine zu kommen versuchte. Conway blickte nach oben und sah, wie sich der riesige K�rper vor ihm auft�rmte und sich unbeholfen nach allen Seiten umdrehte. Dann h�rte er die saugenden und knirschenden Ger�usche, als die kr�ftigen Beine des Sauriers wie Rammb�cke fast knietief in das Erdreich und Unterholz hineinstie�en.</p><p>Emily stampfte wieder auf den See zu, und zwischen ihr und dem Wasser befand sich Conway.</p><p>Er schrie laut und wedelte mit den H�nden in der Luft, um auf sich aufmerksam zu machen, denn der G-G�rtel und das Funkger�t waren zerst�rt worden, und er steckte fest. Der gro�e Reptilienberg rollte auf ihn zu, wobei der langsam hin� und herschwingende, kr�ftige Hals die Sicht verdunkelte. Und dann war einer der beiden riesigen Vorderf��e kurz davor, Conway mit dem n�chsten Auftreten auf einen Schlag zu t�ten und zu beerdigen.</p><p>Aber pl�tzlich wurde Conway in die H�he gerissen, und an seiner Seite schwebte so etwas wie eine Backpflaume in einem Klumpen Sirup.</p><p>�In der Hitze des Gefechts hatte ich ganz vergessen, da� Sie zum Teleportieren ein mechanisches Ger�t ben�tigen�, sagte Arretapec. �Ich bitte Sie aufrichtig um Entschuldigung.�</p><p>�Ha-ha-halb so schlimm�, stammelte Conway mit zitternder Stimme. Er bem�hte sich, seine angegriffenen Nerven zu beruhigen, und sammelte sich erst einmal. Als er unter sich auf der Oberfl�che eine Pressorstrahlenmannschaft entdeckte, rief er hinunter: �Bringt mir bitte schnell ein neues Funkger�t und einen neuen Projektor!�</p><p>Zehn Minuten darauf war er zwar immer noch wie erschlagen und mit blauen Flecken �bers�t, aber bereit weiterzumachen. Er stand am Rande des Sees, Arretapec schwebte neben ihm in Schulterh�he, und rings um ihn ragte wieder sein zwanzig Meter gro�es Ebenbild empor. Der VUXG Arzt, der mit dem unter der Wasseroberfl�che befindlichen Brontosaurier in Verbindung stand, informierte ihn, da� sich die Aussichten auf Erfolg oder Mi�erfolg die Waage hielten. Zwar sei dem Patienten ein traumatisches Erlebnis widerfahren, aber die Tatsache, da� er sich jetzt unter Wasser in Sicherheit w�hne � seinem nat�rlichen Refugium vor Hunger und Angriffen seiner Feinde �, �be in Verbindung mit Arretapecs geistigem Zuspruch einen stabilisierenden Einflu� auf ihn aus.</p><p>Zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin� und hergerissen, wartete Conway ab. Seine zum Zerbersten angespannten Nerven zwangen ihn, hin und wieder laut zu fluchen. Alles w�re nur halb so schlimm gewesen und h�tte ihm nicht soviel bedeutet, wenn er nicht diesen kurzen Einblick in Arretapecs Vorhaben gehabt h�tte oder wenn ihm nicht dieser �berpedantische und entsetzlich besserwisserische Pflaumenkn�del mit der Zeit so sehr ans Herz gewachsen w�re. Aber hatte ein Wesen, das mit einem solchen Verstand ausgestattet war und nichts anderes vorhatte, als seine gutgemeinten Hoffnungen zu realisieren, nicht sogar das Recht, besserwisserisch zu sein?</p><p>Pl�tzlich durchbrach der kr�ftige Hals die Wasseroberfl�che, und der gewaltige K�rper schleppte sich bis ans Ufer. Langsam und schwerf�llig knickten die Hinterbeine ein, und der lange, spitz zulaufende Hals reckte sich empor. Der Brontosaurier wollte wieder spielen!</p><p>Conway versp�rte einen Klo� im Hals. Er sah sich nach hinten um, wo ein Dutzend B�ndel saftiger Gr�npflanzen bereitlag, von denen eins bereits darauf wartete, auf den Saurier zubewegt zu werden. Aber Conway winkte energisch ab und sagte: �Ach, gebt Emily einfach alles, sie hat es sich redlich verdient.�</p><p>��und als Arretapec die Umweltbedingungen auf dem Heimatplaneten des Patienten kennengelernt hatte�, sagte Conway etwas steif, �und ihm seine hellseherische F�higkeit verriet, wie sich die Zukunft der Brontosaurier h�chstwahrscheinlich darstellen w�rde, da mu�te er einfach versuchen, daran etwas zu ver�ndern.�</p><p>Conway befand sich im B�ro des Chefpsychologen und erstattete einen vorl�ufigen m�ndlichen Bericht, wobei er von den angespannten Gesichtern der Doktoren O�Mara, Hardin, Skempton und Lister umzingelt war. Er f�hlte sich alles andere als wohl und r�usperte sich verlegen, bevor er fortfuhr: �Aber Arretapec geh�rt einer alten und stolzen Spezies an, und durch seine telepathischen F�higkeiten erh�ht sich noch seine Sensitivit�t � Telepathen f�hlen regelrecht, was andere von ihnen denken. Arretapecs Vorhaben war in der Konsequenz so radikal, da� er im Falle eines Scheiterns sich selbst und seine Artgenossen der L�cherlichkeit preisgegeben h�tte, und deshalb mu�te er es geheimhalten. Die Umweltbedingungen auf dem Heimatplaneten des Brontosauriers wiesen darauf hin, da� sich dort nach dem Aussterben der gro�en Reptilien kein intelligentes Leben entwickeln w�rde, und geologisch gesehen stand dieses Aussterben kurz bevor. Die Spezies des Patienten existiert schon sehr lange Zeit, und wegen des zur Waffe entwickelten Schwanzes und ihrer amphibischen Veranlagung konnte es sich gegen�ber spezialisierten Raubtieren durchsetzen. Aber klimatische Ver�nderungen stehen bevor, und der Brontosaurier kann nicht der Sonne seines Planeten in Richtung des �quators folgen, da die Planetenoberfl�che aus einer Anzahl einzelner Inselkontinente besteht, und er keine Meere durchqueren kann. Wenn man nun diese Riesenreptilien dazu bringen k�nnte, die Psif�higkeit der Teleportation zu entwickeln, w�ren die Meere keine Hindernisse mehr f�r sie und somit auch die Gefahren der beeintr�chtigenden K�lte und der damit verbundenen Futterknappheit gebannt. Und das ist Doktor Arretapec tats�chlich gelungen.�</p><p>An dieser Stelle meldete sich O�Mara zu Wort. �Wenn Arretapec dem Saurier die F�higkeit des Teleportierens beigebracht hat, indem er direkt auf dessen GehirnHinktionen eingewirkt hat, warum kann er dann nicht mit uns dasselbe machen?�</p><p>�Wahrscheinlich weil wir auch ohne Teleportation gut zurechtkommen�, antwortete Conway. �Dem Patient hingegen wurde gezeigt und verst�ndlich gemacht, da� er diese F�higkeit zum �berleben unbedingt ben�tigt. Und sobald er das erst einmal erkannt hat, wird er diese F�higkeit auch anwenden und weitergeben k�nnen, da die Anlage dazu fast in jeder Spezies steckt. Jetzt, da Arretapec nachgewiesen hat, da� die Verwirklichung seiner Idee m�glich ist, wird sich seine ganze Spezies damit besch�ftigen. Auf einem Planeten, der ansonsten tot w�re, das Entstehen von Intelligenz zu f�rdern ist die Sorte Gro�projekt, die diesen hochn�sigen Typen genau in den Kram pa�t.�</p><p>Conway dachte an den kurzen Augenblick, in dem er Arretapecs Gedanken hatte lesen k�nnen, was ihm ein Vorauswissen �ber zuk�nftige Vorg�nge auf dem Planeten des Brontosauriers beschert hatte. Er dachte an die sich dort entwickelnde Zivilisation und welche Rolle die riesigen und dennoch eigenartig anmutigen Wesen eines fernen Tages dabei spielen w�rden.</p><p>Aber diese Gedanken erw�hnte er nicht laut und sagte nur: �Wie die meisten Telepathen war Arretapec geradezu pedantisch darauf bedacht, blo� keine rein physischen Untersuchungsmethoden in sein Vorhaben mit einzubeziehen. Erst als ich ihn mit Doktor Mannons Hund konfrontierte und ihm klarmachte, da� man einem Tier am besten etwas beibringt, indem man mit ihm spielt, kamen wir weiter. So zeigte ich Arretapec einen Trick. Ich bewarf den Hund zun�chst mit Kissen, und nachdem wir eine Weile herumgetollt hatten, sammelte der Hund die Kissen zu einem Haufen zusammen und lie� sich von mir obendrauf werfen. Das bewies, da� weniger intelligente Kreaturen nichts gegen eine etwas rauhere Behandlung haben, solange sie sich in gewissen Grenzen h�lt und auf Vertrauen beruht.�</p><p>�Das haben Sie also in Ihrer Freizeit getrieben.�, stie� O�Mara hervor und blickte nachdenklich zur Decke.</p><p>Colonel Skempton r�usperte sich und sagte: �Sie brauchen Ihre Rolle bei dieser Geschichte gar nicht so herunterzuspielen. Ihrer weisen Voraussicht,</p><p>diesen alten Transporter mit Traktor� und Pressorstrahlen auszur�sten, ist es zu verdanken, da�.�</p><p>�Etwas m�chte ich noch wissen, bevor ich mich von Ihnen verabschiede�, unterbrach Conway ihn hastig. �Arretapec hat mitbekommen, da� einige der Leute den Patienten Emily nennen. Er w�rde gern wissen, warum.�</p><p>�Wenn es sein mu߅�, sagte O�Mara, wobei mit leicht s�uerlicher Miene die Lippen sch�rzte. Dann fuhr er fort: �Anscheinend ist ein Mitglied der Wartungsmannschaft ein Liebhaber klassischer Literatur. Genauer gesagt, er hat wohl ein Faible f�r die literarischen Werke der Bronte-Schwestern Charlotte, Emily und Anne und den armen Kerl deshalb auf den Namen Emily Brontosaurus getauft. Meiner Meinung nach mu� jemand, der so verquer denkt, einige Schrauben locker haben.� O�Mara blickte drein, als w�rde sich ein schlechter Geruch im Raum ausbreiten.</p><p>Conway st�hnte voller Verst�ndnis auf. Als er den Raum verlie�, f�rchtete er, da� seine letzte zu erledigende Aufgabe gleichzeitig die schwierigste sein w�rde � n�mlich dem hochgeistigen Dr. Arretapec zu erkl�ren, was ein Wortspiel ist, erst recht, wenn es derart an den Haaren herbeigezogen war.</p><p>Am n�chsten Tag verlie�en Arretapec und der Dinosaurier das Orbit Hospital. Der f�r den Nachschub verantwortliche Monitor stie� einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus, und Conway selbst war wieder in den Stationsdienst versetzt worden. Aber dieses Mal war er mehr als nur eine medizinische Maschine � man hatte ihm die Leitung der Neugeborenenabteilung anvertraut. Und auch wenn er die von Thornnastor, dem Chefdiagnostiker der Pathologie, gelieferten Diagnoseberichte, Medikamente und Krankenakten verwenden mu�te, sa� ihm doch niemand mehr direkt im Nacken. Er konnte durch die Korridore Spazierengehen und behaupten: �Das hier ist meine Station. Au�erdem hatte ihm O�Mara sogar einen Assistenten versprochen.�</p><p>��vom ersten Augenblick IhreSjIIintreffens hier war klar, da� Sie ganz offensichtlich mit ETs besser klarkommen als mit Angeh�rigen Ihrer eigenen Spezies�, hatte ihm der Major vor ein paar Stunden gesagt. �Da� ich Ihnen Doktor Arretapec aufgehalst hab, war nur ein Test, den Sie allerdings mit Auszeichnung bestanden haben, und der Assistent, den ich Ihnen in einigen Tagen zuweisen werde, k�nnte der n�chste Test sein.�</p><p>An dieser Stelle legte O�Mara eine Kunstpause ein und sch�ttelte verwundert den Kopf, bevor er fortfuhr: �Es ist ja nicht nur so, da� Sie ausnehmend gut mit ETs auskommen, mir ist auch noch nie zu Ohren gekommen, da� Sie jemals hinter den weiblichen Angeh�rigen unserer Spezies her gewesen w�ren.�</p><p>�Ich hab einfach keine Zeit daf�r und bezweifle allm�hlich, jemals Zeit daf�r zu haben�, verteidigte sich Conway mit ernster Miene.</p><p>�Aha. nun, Weiberha� ist eine durchaus zul�ssige, wenn auch unverst�ndliche Neurose�, merkte O�Mara an, bevor er wieder auf den neuen Assistenten zu sprechen kam.</p><p>Anschlie�end kehrte Conway auf seine Station zur�ck und machte sich mit sehr viel mehr Engagement an seine neue Arbeit, als wenn ihm ein Chefarzt im Nacken gesessen h�tte. Auf jeden Fall war er viel zu besch�ftigt, um die Ger�chte mitzubekommen, die �ber den eigenartigen Patienten die Runde machten, der auf die Beobachtungsstation drei eingeliefert worden war.</p><p>Vierter Teil Ein au�ergew�hnlicher Besuch Trotz der erstaunlichen medizinischen Hilfsmittel und Apparaturen, die dem Orbit Hospital zur Verf�gung standen und deren un�bertroffener Nutzen in der gesamten zivilisierten Galaxis anerkannt wurde, mu�te es hin und wieder F�lle geben, wo man selbst hier einem eingelieferten Patienten nicht mehr helfen konnte. In diesem Fall handelte es sich um einen Patienten der Klassifikation SRTT, einer physiologischen Kategorie, wie man sie im Hospital noch nie angetroffen hatte. Der Patient war am�bisch, das hei�t, er besa� die F�higkeit, s�mtliche Gliedma�en, Sinnesorgane oder eine Schutzhaut aus seinem Rumpf hervorzust�lpen, die er zur Anpassung an seine jeweilige Umwelt ben�tigte. Diese Anpassungsf�higkeit war so phantastisch, da� man sich kaum vorstellen konnte, woran ein solches Wesen �berhaupt jemals h�tte erkranken k�nnen.</p><p>Das Verbl�ffendste daran war, da� der SRTT keinerlei Krankheitssymptome aufwies. Weder war eine besorgniserregende Zunahme an Funktionsst�rungen �u�erer Organe festzustellen, zu denen sonst sehr viele extraterrestrische Spezies neigten, noch hatte man bei ihm irgendwelche gesundheitssch�dlichen Bakterien in bedrohlichen Mengen nachweisen k�nnen. Der Patient schmolz einfach dahin � ganz ruhig und gleichm��ig, ohne Zetern und Klagen. Wie ein St�ck Eis in einem warmen Raum verwandelte sich sein K�rper buchst�blich in Wasser. S�mtliche Versuche, diesen Proze� aufzuhalten, waren gescheitert, und w�hrend die Diagnostiker und die ihnen unterstellten �rzte unentwegt nach wirksameren Heilmethoden suchten, kamen sie immer mehr zu der betr�blichen Ansicht, da� die Serie medizinischer Wunder, die im Orbit Hospital in so monotoner Regelm��igkeit stattgefunden hatten, wohl kurz vor ihrem unweigerlichen Ende stand.</p><p>Und einzig und allein aus diesem Grund wurde eine der striktesten Regeln des Hospitals vor�bergehend aufgehoben.</p><p>�Da ich Sie einweisen soll, schlage ich vor, wir fangen am besten ganz von vorne an.�, sagte Conway, wylpei er sich dazu zwingen mu�te, die schillernden und noch nicht ganz verk�mmerten Fl�gel seines neuen Assistenten nicht anzustarren, ��und zwar bei der Anmeldezentrale, dort ist man f�r Neuaufnahmen zust�ndig.�</p><p>W�hrend Conway auf irgendeine Bemerkung seines Assistenten wartete, schlug er bereits den Weg in Richtung des besagten Ziels ein. Anstatt neben seinem Begleiter einherzugehen, hielt er zwei Meter Abstand ein � nat�rlich nicht mit der Absicht, ihn beleidigen zu wollen, sondern aus dem einfachen Grund, weil er Angst hatte, seinem Assistenten versehentlich einen ernsthaften physischen Schaden zuzuf�gen, wenn er ihm zu nahe kam.</p><p>Der neue Assistent war ein GLNO � ein sechsbeiniges, insektenartiges Wesen mit einem Ektoskelett und empathischen F�higkeiten. Die Gravitation auf seinem Heimatplaneten Cinruss betrug nicht einmal ein Zw�lftel der Erdanziehungskraft, und aus diesem Grund hatte dort eine Insektenspezies zu solch gewaltiger Gr��e heranwachsen und sich zur dominanten Lebensform entwickeln k�nnen. Um die �bersch�ssige Anziehungskraft zu neutralisieren, hatte der GLNO gleich zwei Gravitationsg�rtel angelegt, weil er sonst am Boden regelrecht zermalmt worden w�re. Zwar h�tte auch ein G�rtel gereicht, aber Conway konnte es dem Wesen nicht im geringsten verdenken, lieber sichergehen zu wollen. Der GLNO war ein spindeld�rres und unglaublich zerbrechlich wirkendes Gesch�pf mit einem f�r Menschen unangenehmen �u�eren. Sein Name war Dr. Prilicla.</p><p>Wie Conway unterrichtet worden war, hatte Prilicla bereits sowohl in planetarischen als auch in kleineren interplanetarischen Hospitalen, die vielf�ltige Umweltbedingungen boten, Erfahrungen sammeln k�nnen. Er war also nicht mehr ganz gr�n hinter den Ohren, doch bei der unerme�lichen Gr��e und Komplexit�t des Orbit Hospitals w�rde er sich verst�ndlicherweise erst einmal auf verlorenem Posten vorkommen. Conway war dem GLNO als Berater und Anleiter zugeteilt worden, und sobald er nach einer gewissen Zeit seine Aufgabe als Leiter der Neugeborenenabteilung erf�llt hatte, sollte er Prilicla die Verantwortung daf�r �bertragen. Offenbar war der Direktor des Hospitals zu dem Schlu� gekommen, da� leichtgewichtige Lebensformen besonders gut f�r den behutsamen Umgang mit den sehr empfindlichen ET-Kleinkindern geeignet waren.</p><p>Eigentlich war das eine gute Idee, dachte Conway � wobei er sich schnell zwischen Prilicla und einen tralthanischen Assistenzarzt stellte, der auf seinen sechs elefantenartigen F��en vorbeistampfte �, allerdings wohl nur dann, solange die betreffende leichtgewichtige Lebensform die Begegnungen mit ihren viel schwereren und tolpatschigeren Kollegen �berlebte.</p><p>�Wie Sie wissen, beginnt das Problem mit der Einlieferung des Patienten und dessen Transport auf die f�r ihn zust�ndige Station. Bei den kleinw�chsigen Spezies ist das nicht so schwierig, aber bei einem Tralthaner oder einem zw�lf Meter langen AUGL von Chalderescol.� Conway hielt pl�tzlich inne und sagte: �So, wir sind da.�</p><p>Durch eine breite transparente Wand konnte man in einen Raum sehen, in dem drei gro�e Kontrollpulte standen, von denen aber nur eins besetzt war. Davor sa� ein Nidianer, und an einer Reihe blinkender Kontrolleuchten konnte man erkennen, da� er gerade zu einem Schiff Kontakt aufgenommen hatte, das sich dem Hospital n�herte.</p><p>�H�ren Sie.�, begann Conway.</p><p>�Identifizieren Sie sich bitte�, forderte der rote Teddyb�r das Schiff auf, ohne Conway zu beachten. Seine abgehackte, bellende Sprache klang durch den Translator, der s�mtliche Eigenarten Aerausfltertec, f�r Conway genauso ausdruckslos wie f�r Prilicla, der die �bersetzung in emotionslosem Cinrusskisch mith�ren konnte. �Patient, Besucher oder Mitarbeiter? Und welche Spezies?�</p><p>�Besucher und menschlich�, lautete die Antwort vom Schiff.</p><p>Nach kurzem Z�gern sagte der Teddyb�r: �Bitte nennen Sie mir Ihre physiologische Klassifikation�, wobei er zu seinen beiden neugierigen Zuschauern hin�berzwinkerte. �Alle intelligenten Lebensformen bezeichnen ihre eigene Spezies im �bertragenen Sinne Ihrer Muttersprache als menschlich und halten alle anderer1(f�r nichtmenschlich, also ist es v�llig belanglos, wie Sie sich selbst nennen.�</p><p>Nach der korrekten Identifizierung des Bes�cherschiffs h�rte Conway der Unterhaltung nur noch mit einem Ohr zu, weil er sich angestrengt vorzustellen versuchte, wie ein Wesen mit dieser Klassifikation aussehen k�nnte. Das doppelte T am Ende bedeutete, da� seine k�rperliche Form variabel war, das R an der zweiten Stelle wies auf eine enorme Widerstandsf�higkeit gegen�ber Hitze und Druck hin, aber was sollte das S in dieser B�chstabenkombination�? Wenn sich da drau�en nicht tats�chlich so ein Wesen aufhalten w�rde, h�tte Conway es niemals f�r m�glich gehalten, da� eine solch verr�ckte Kreatur �berhaupt existieren konnte.</p><p>Und allem Anschein nach war dieser Besucher sogar eine wichtige Person, zumal der Nidianer jetzt emsig damit besch�ftigt war, die Nachricht seiner Ankunft allen m�glichen Wesen im Hospital mitzuteilen, von denen die meisten keine geringeren als Diagnostiker waren. Auf einmal war Conway schrecklich neugierig darauf, diese �u�erst ungew�hnliche Kreatur genauer in Augenschein zu nehmen, f�rchtete aber, Prilicla alles andere als ein gutes Beispiel zu sein, wenn er sich sensationsl�stern auf eine Alienexpedition begab, obwohl sie beide etwas ganz anderes zu tun hatten. Zudem war der neue Assistent f�r Conway noch ein Buch mit sieben Siegeln � Prilicla k�nnte einer dieser �berempfindlichen Spezies angeh�ren, die es als schreckliche Beleidigung empfanden, wenn man sich aus keinem anderen Grund als aus reiner Neugier ein anderes Wesen ansehen wollte.</p><p>�Falls es keine St�rung wichtiger Aufgaben bedeutet�, ri� ihn pl�tzlich die Translatorstimme Priliclas aus seinen Gedanken, �dann w�rde ich mir diesen Besucher sehr gerne ansehen.�</p><p>Ich k�nnte Dich umarmen! jubelte Conway in Gedanken, tat aber nach au�en so, als sei er noch unschl�ssig. Schlie�lich sagte er: �Normalerweise d�rfte ich das ja nicht erlauben, aber da die Schleuse, wo der SRTT eintrifft, nicht allzuweit von hier entfernt ist und man uns noch nicht in unserer Abteilung zur�ckerwartet, spricht nichts dagegen, wenn wir ausnahmsweise einmal Ihre Neugierde befriedigen. allerdings nur dieses eine Mal. Bitte folgen Sie mir, Doktor.�</p><p>Conway verabschiedete sich von dem Nidianer mit einer kurzen Handbewegung. Er war froh, da� der Translator den ironischen Unterton seiner letzten Bemerkung nicht vermitteln konnte, so da� Prilicla nicht bewu�t war, wie sehr er von ihm an der Nase herumgef�hrt worden war. Aber pl�tzlich traf es ihn wie ein Schlag: Zu seinem Verdru� fiel ihm n�mlich ein, da� Prilicla ein Empath war. Seit sie sich vor kurzem kennengelernt hatten, hatte das Wesen zwar noch nicht viel gesagt, aber die wenigen bislang von ihm ge�u�erten Bemerkungen hatten sich allesamt auf Conways Gef�hle zu dem jeweils zur Diskussion stehenden Thema gest�tzt. Der neue Assistent war kein Telepath � konnte also nicht Gedanken lesen �, war aber f�r Gef�hle und Emotionen empf�nglich und m��te folglich Conways unb�ndige Neugierde registriert haben.</p><p>Er h�tte sich am liebsten selbst in den Hintern getreten, da� er diese empathische F�higkeit seines Assistenten schlichtweg vergessen hatte, und fragte sich peinlich verlegen, wer hier eigentlich wen an der Nase herumgef�hrt hatte.</p><p>Schlie�lich tr�stete er sich mit dem Gedanken, da� Prilicla im Gegensatz zu einigen anderen Leuten, mit denen er es in der Vergangenheit zu tun gehabt hatte � er dachte dabei insbesondere an Dr. Arretapec �, wenigstens ein relativ leicht umg�ngliches Wesen war.</p><p>Schleuse sechs, wo der SRTT erwartet wurde, w�re binnen weniger Minuten zu erreichen gewesen, wenn Conway die Abk�rzung durch den wassergef�llten Korridor, der zum AUGL-Operationssaal f�hrte, gew�hlt h�tte und anschlie�end durch die chirurgische Station der chloratmenden PVSJs gegangen w�re. Das aber h�tte bedeutet, sich Sch�tzanz�ge anziehen zu m�ssen; denn w�hrend er sich im N� einen Anzug �berstreifen und wieder ausziehen konnte, zweifelte er doch sehr daran, ob dies dem mehrbeinigen Prilicla genauso leicht gelungen w�re. Deshalb mu�ten sie einen Umweg machen und sich entsprechend beeilen.</p><p>An einer Stelle wurden sie von einem Tralthaner, der die goldumrandete Armbinde eines Diagnostikers trug, und einem terrestrischen Ingenieur �berholt, wobei der FGLI wie ein au�er Kontrolle geratener Panzer heranst�rmte und der Mensch schon im Trab laufen mu�te, um einigerma�en Schritt halten zu k�nnen. Conway und Prilicla wichen respektvoll beiseite, um den Diagnostiker und dessen Begleiter vorbeizulassen � und um nicht niedergetrampelt zu werden �, dann gingen sie weiter. Den Gespr�chsfetzen, die Conway mitbekommen hatte, war zu entnehmen, da� die beiden zum Empfangskomitee des SRTT geh�rten, und aus einigen bissigen Randbemerkungen des Terrestriers war klar geworden, da� der Besucher sehr viel fr�her als erwartet eintraf.</p><p>Als sie kurz darauf um eine Ecke bogen und die gro�e Einla�schleuse bereits in Sichtweite lag, konnte sich Conway bei dem ihm sich bietenden Anblick ein Grinsen nicht verkneifen. Auf dieser Ebene m�ndeten drei G�nge in die Vorkammer der Einla�schleuse, vom darunter und dar�ber befindlichen Stockwerk gelangte man jeweils �ber eine schr�ge Rampe hierher, und das Empfangskomitee eilte von allen Seiten herbei. Neben dem Tralthaner und dem Terrestrier, von denen sie gerade �berholt worden waren, handelte es sich dabei um einen weiteren Tralthaner, zwei DBLF-Raupen und einen spinnen� und membranartigen Illensaner in einem durchsichtigen Schutzanzug, der gerade aus dem angrenzenden chlorgef�llten Verbindungskorridor zur PVSJ-Station kam. Alle steuerten auf die innere Dichtungsluke der gro�en Einla�schleuse zu, die sich bereits f�r den angemeldeten Besucher �ffnete. Conway empfand die Situation als ausgesprochen komisch, und er malte sich pl�tzlich aus, was passieren w�rde, wenn die ganze verr�ckte Menagerie gleichzeitig vor der Schleuse zusammensto�en w�rde.</p><p>W�hrend er sich �ber diesen Gedanken noch immer am�sierte, verwandelte sich diese Kom�die � ohne flie�enden �bergang und ohne jede Vorwarnung � zu einer Trag�die.</p><p>Als der Besucher die Vorkammer betrat und sich hinter ihm die Luke schlo�, erkannte Conway etwas, das zwar ein wenig einem Krokodil mit spitz zulaufenden, hornigen Tentakeln �hnelte, ansonsten aber noch verschiedene andere �u�ere Merkmale besa�, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Er sah auch, wie der Besucher zur�ckschreckte, als das Empfangskomitee auf ihn zust�rmte, und dann pl�tzlich auf den PVSJ zuscho�, der, wie Conway sich erst sp�ter erinnern sollte, ihm am n�chsten stand und der kleinste war. Und dann schienen alle gleichzeitig loszuschreien, so da� Conways Translator, wie vermutlich die der anderen auch, wegen der totalen �berlastung nur noch ein ohrenbet�ubendes, pfeifendes R�ckkopplungsger�usch von sich gab.</p><p>Der PVSJ, der sich jetzt den scharfen Z�hnen und harten Tentakel spitzen des heranst�rmenden Besuchers gegen�bersah, dachte zweifellos an seinen empfindlichen Sch�tzanzug, in dem sich das f�r ihn lebenswichtige Chlor befand, als er sofort in die Schleuse floh, die in die Sicherheit der f�r seine Spezies vorgesehenen Station f�hrte. Der Besucher, dem sich ein Tralthaner in den Weg gestellt hatte, der ihn vergeblich zu beruhigen versuchte, machte pl�tzlich kehrt und hoppelte auf dieselbe Schleuse zu.</p><p>S�mtliche dieser Schleusen waren f�r den Katastrophenfall mit Notschaltern versehen, durch deren Bet�tigung die eine Luke sofort ge�ffnet und die andere gleichzeitig geschlossen wurde, anstatt solange warten zu m�ssen, bis die Kammer v�llig entleert und wieder mit der gew�nschten Atmosph�re angef�llt war. Der wild gewordene Besucher hatte den PVSJ bereits eingeholt und dessen Anzug mit den Z�hnen aufgerissen, so da� f�r den Illensaner unmittelbare Gefahr drohte, an einer Sauerstoffvergiftung zu sterben. In Anbetracht der bevorstehenden Katastrophe bediente das gef�hrdete Wesen den Notschalter, wobei es wahrscheinlich vor Angst gar nicht bemerkt hatte, da� der SRTT noch nicht ganz in der Schleuse war und ihn die �u�ere Luke in zwei Teile zerquetscht h�tte, sobald sich die innere schlo�.</p><p>Bei dem allgemein entstandenen Gebr�ll und Durcheinander vor der Schleuse bekam Conway nicht mit, durch wessen geistesgegenw�rtige Reaktion das Leben des Besuchers schlie�lich gerettet wurde. Jedenfalls hatte irgend jemand einen anderen Notschalter bedient, durch den beide Luken gleichzeitig ge�ffnet wurden. Diese Aktion bewahrte zwar den SRTT davor, in zwei St�cke zerquetscht zu werden, aber es gab jetzt einen direkten Zugang zur PVSJ-Station, aus der dichte, gelbe Chlorgaswolken hervorquollen. Bevor Conway reagieren konnte, hatten die Kontaminationsdetektoren bereits die Alarmsirenen ausgel�st und gleichzeitig die luftdichten T�ren und Schotts in unmittelbarer Umgebung automatisch geschlossen und verriegelt.</p><p>Jetzt sa�en sie alle in der Falle.</p><p>Im ersten Augenblick der Panik k�mpfte Conway gegen das Verlangen an, auf eine der luftdichten T�ren zuzurennen und mit den F�usten dagegen zu h�mmern. Dann kam ihm der Gedanke, sich durch den giftigen Nebel hindurch zu einer anderen Verbindungsschleuse auf der gegen�berliegenden Seite durchzuk�mpfen, und er konnte sehen, da� in ihr bereits ein terrestrischer Mechaniker und eine DBLF-Raupe waren. Conway bezweifelte allerdings, ob die beiden, die von den Chlorgasen bereits v�llig benommen waren, noch genug Kraft besa�en, sich rechtzeitig Sch�tzanz�ge anzulegen. Aber w�rde er es bis dorthin �berhaupt schaffen? In dieser Schleusenkammer gab es auch Sch�tzhelme, die f�r etwa zehn Minuten Sauerstoff enthielten, das jedenfalls verlangten die Sicherheitsauflagen. Um dorthin zu gelangen, m��te er seinen Atem wenigstens drei Minuten lang anhalten und seine Augen fest geschlossen halten, denn schon geringste Spuren dieses dort konzentrierten Gases in der Lunge oder in den Augen w�rden ihn v�llig au�er Gefecht setzen. Wie aber sollte er sich an der �berall auf dem Boden verteilten und nach allen Seiten ausschlagenden Masse aus tralthanischen Beinen und Tentakeln mit geschlossenen Augen vorbeitasten.?</p><p>Seine angsterf�llten, chaotischen Gedanken wurden von Prilicla unterbrochen, der pl�tzlich sagte: �Chlor ist f�r meine Spezies t�dlich. Entschuldigen Sie mich bitte.�</p><p>Prilicla tat etwas sehr Eigenartiges. Die langen, vielgliedrigen Beine fuchtelten wie wild herum und zuckten dabei, als vollf�hrten sie irgendeinen seltsamen rituellen Tanz. Zwei der vier feinf�hligen Greifzangen � auf deren geschickte Handhabung sich der Ruf dieser Spezies als hervorragende Chirurgen begr�ndete � vollf�hrten mit irgend etwas h�chst komplizierte Dinge, das wie eine eingerollte Plastikfolie aussah. Conway hatte nicht alles genau mitbekommen, aber pl�tzlich war sein GLNO-Assistent von einer leichten durchsichtigen H�lle umgeben, durch die nur noch die sechs Beine und zwei Greiforgane hervorragten. Der K�rper, die verk�mmerten Fl�gel und die beiden anderen Greifzangen, die gerade eifrig damit besch�ftigt waren, die Bein�ffnungen mit einer Isolierl�sung zu bespr�hen, waren v�llig davon umschlossen. Die lockere H�lle bl�hte sich auf und wurde prall; der Beweis, da� sie luftdicht abschlo�.</p><p>�Ich wu�te nicht, da� Sie.�, begann Conway, und dann keimte pl�tzlich ein Funken Hoffnung in ihm auf, und er schrie: �H�ren Sie, tun Sie genau, was ich Ihnen sage. Sie m�ssen mir von da hinten einen Sch�tzhelm holen, schnell.�</p><p>Aber kaum hatte er dem GLNO diese Anweisung erteilt, schwand seine Hoffnung schon wieder dahin. Sicher konnte Prilicla einen Helm f�r ihn finden, aber wie sollte es diesem Wesen jemals gelingen, bis zur Schleuse zu gelangen, solange diese wild um sich schlagende Meute auf dem Boden lag? Ein einziger Schlag w�rde reichen, dem GLNO ein Bein auszurei�en oder das empfindliche Ektoskelett wie eine Eierschale zu zertr�mmern. Also w�rde es an Mord grenzen, Prilicla loszuschicken.</p><p>Er wollte gerade seine eben erteilte Anweisung zur�cknehmen und den GLNO auffordern, hierzubleiben und sich um seine eigene Sicherheit zu k�mmern, als Prilicla bereits quer �ber den Korridor rannte, schr�g die Wand hinauflief und schlie�lich, an der Decke haftend, im Chlornebel verschwand. Conway erinnerte sich, da� viele insektenartige Lebensformen Saugn�pfe unter den F��en hatten, und er sch�pfte wieder gen�gend Hoffnung, um auch f�r andere Sinneseindr�cke empf�nglich zu sein. Direkt hinter ihm befand sich einer der Wandlautsprecher, �ber die das ganze Hospital informiert wurde, da� die n�here Umgebung der Schleuse sechs kontaminiert sei, w�hrend die darunter befindliche Gegensprechanlage rot aufleuchtete und stark verzerrte Ger�usche von sich gab: Irgendwer aus der Wartungsmannschaft versuchte herauszubekommen, ob sich jemand in dem kontaminierten Abschnitt aufhielt. Das heranstr�mende Gas hatte Conway fast erreicht, als er sich das Mikrofon schnappte.</p><p>�Sofort Ruhe und h�rt zu!� schrie er. �Hier Conway, Schleuse sechs. Zwei FGLIs, zwei DBLFs und ein DBDG mit Chlorvergiftung, noch nicht t�dlich. Ein PVSJ, besch�digter Sch�tzanzug, Sauerstoffvergiftung und wahrscheinlich andere Verletzungen, ein.�</p><p>Ein pl�tzlich stechender Schmerz in den Augen zwang Conway, das Mikrofon fallen zu lassen. Er wich zur�ck, bis er mit dem R�cken gegen eine luftdichte T�r stie� und sah, wie der gelbe Nebel immer n�her herankroch. Von dem, was hinten im Korridor vor sich ging, konnte er jetzt praktisch nichts mehr erkennen, und es schien eine qualvolle Ewigkeit zu dauern, ehe sich �ber ihm an der Decke die bizarren Umrisse Priliclas abzeichneten.</p><p>Der Helm, den Prilicla brachte, war in Wirklichkeit nur eine Maske mit integrierter Sauerstoffversorgung, die nach dem Aufsetzen fest am Haaransatz, an den Wagen und unter dem Kinn haftete. Die Luft reichte nur sehr kurz � etwa f�r zehn Minuten � aber mit aufgesetzter Maske drohte Conway keine unmittelbare Todesgefahr mehr, und er konnte wieder klar denken.</p><p>Als erstes rannte er in die noch immer ge�ffnete Verbindungsschleuse. Der PVSJ darin lag regungslos auf dem Boden. Seine ganze Haut war mit einem gr�ulichen Schimmer �berzogen, ein Symptom f�r den Beginn einer speziellen Hautkrebserkrankung. F�r die PVSJ-Spezies war Sauerstoff b�sartigstes Gift. So vorsichtig wie m�glich zog Conway den Illensaner bis in einen Lagerraum der PVSJ-Abteilung direkt hinter der Schleuse. Der Druck in diesem Abschnitt war etwas h�her als in den Abteilungen f�r warmbl�tige Sauer stoffatmer, so da� die Atmosph�re nach PVSJ-Ma�st�ben hier einigerma�en �rein� zu sein schien. Conway schlo� hinter sich die T�r und verlie� den Lagerraum mit einer Handvoll gewebter Plastiklaken, die in dieser Abteilung anstelle von Bettw�sche benutzt wurden. Vom SRTT war nichts zu sehen.</p><p>Wieder im anderen Korridor angekommen, erkl�rte er Prilicla, was er vorhatte � der Terrestrier, den sie zuvor gesehen hatten, hatte zwar �berlebt, indem er sich einen Sch�tzanzug �bergest�lpt hatte, aber er taumelte heftig keuchend und mit tr�nenden Augen an den W�nden entlang und war offensichtlich nicht mehr in der Lage zu helfen. Conway k�mpfte sich um die nur noch schwach zuckenden oder bewu�tlosen K�rper herum bis zur Vorkammer der Einla�schleuse sechs durch und �ffnete die Luke. Drinnen hingen an einer Wand mehrere Sauerstoffflaschen. Er nahm zwei aus ihren Halterungen heraus und begab sich mit ihnen wieder in den Vorraum.</p><p>Einer der bewu�tlosen K�rper war von Prilicla bereits mit einem der Plastiklaken bedeckt worden. 1C7�7nway �ffnete das Ventil einer Sauerstoffflasche und schob sie unter das Laken, das sich gleich darauf aufbl�hte, wobei es sich durch die unten ausweichende Luft etwas kr�uselte. Sicherlich handelte es sich dabei nur um die simpelst m�gliche Form eines Sauerstoffzelts, aber etwas Besseres war in diesem Augenblick nicht zu machen, dachte Conway, und er holte noch mehr Flaschen.</p><p>Nach dem drittenmal bemerkte er erste alarmierende Anzeichen, da� sein Luftvorrat zu Ende ging � er schwitzte am ganzen K�rper, sein Kopf schien zu zerbersten, und vor den Augen sah er gro�e schwarze Punkte. Es war h�chste Zeit, sich die Maske vom Gesicht zu rei�en und den Kopf unter eins der Laken zu stecken, um auf das Eintreffen des Rettungskommandos zu warten. Er taumelte ein paar Schritte in Richtung des n�chsten zugedeckten K�rpers, dann wurde er zu Boden gerissen. Sein Herz h�mmerte, seine Lunge brannte, und pl�tzlich besa� er nicht einmal mehr die Kraft, sich die Maske abzuziehen.</p><p>Durch einen Schmerz wurde Conway aus seiner tiefen und seltsam angenehmen Bewu�tlosigkeit gerissen � irgend etwas versuchte wiederholt, sich mit aller Gewalt in seine Brust zu graben. Er ertrug den Schmerz solange er konnte, dann �ffnete er die Augen und st�hnte: �Aufh�ren, verdammt. mir fehlt doch nichts!�</p><p>Der kr�ftig gebaute Assistenzarzt, der mit geradezu enthusiastischem Einsatz Conway k�nstlich beatmet hatte, stellte sich wieder aufrecht hin und sagte: �Als wir hier ankamen, hat unser Freund Daddy Langbein da vorne gesagt, Sie h�tten aufgeh�rt, Gef�hle mitzuteilen oder so was. Einen Augenblick lang war ich richtig besorgt um Sie � naja, was Ihre Gef�hle angeht, sicherlich nur weniger.� Er grinste und f�gte hinzu: �Wenn Sie gehen k�nnen und wieder aufnahmef�hig sind, will O�Mara Sie sehen.�</p><p>Conway grunzte und richtete sich auf. Im Korridor waren Gebl�se und Filterger�te aufgestellt worden, die die Luft binnen kurzem selbst von den letzten Chlorr�ckst�nden befreit hatten. Die Verletzten wurden abtransportiert, einige auf Rollbahren mit Sauerstoffzelt, andere auf ihre Retter gest�tzt.</p><p>Conway betastete die wunde Stelle an seiner Stirn, die durch das hastige Abrei�en der Maske verursacht worden sein mu�te, und atmete ein paarmal tief durch, nur um sicherzugehen, da� der Alptraum der vergangenen. Minuten wirklich ein Ende hatte.</p><p>�Vielen Dank auch, Doktor�, sagte er schlie�lich etwas kleinlaut.</p><p>�Keine Ursache, Doktor�, antwortete der Assistenzarzt mit einem L�cheln.</p><p>Conway und Prilicla trafen O�Mara im Schulungsraum an, und der Chefpsychologe hielt sich nicht lange mit Vorreden auf. Er bot Conway einen Stuhl an und Prilicla eine Art surrealistischen Papierkorb, dann wetterte er los: �Also, was ist da eigentlich passiert?�</p><p>Au�er einigen blinkenden Kontrolleuchten am Schulungspult und dem schwachen Lichtkegel der Lampe auf O�Maras Schreibtisch war der Raum v�llig dunkel. Alles, was Conway von dem Psychologen sehen konnte, als er ihm die Ereignisse schilderte, waren die kr�ftigen H�nde, die aus den dunkelgr�nen �rmeln hervorragten und das Funkeln der stahlgrauen Augen in dem ansonsten verdunkelten Gesicht. W�hrend Conway sprach, bewegten sich die H�nde kein einziges Mal, und die Augen blieben fest auf ihn gerichtet.</p><p>Als er mit seiner Schilderung fertig war, seufzte O�Mara und schwieg eine Weile. Dann sagte er: �Vier unserer besten Diagnostiker haben sich zum besagten Zeitpunkt im Bereich der Schleuse sechs aufgehalten. Wesen, deren Verlust das Hospital kaum verkraften k�nnte. Ihr rasches Handeln hat wenigstens drei von ihnen das Leben gerettet. Sie sind also zwei richtige Helden.� Trocken f�gte er hinzu: �Aber zu diesem Punkt m�chte ich mir lieber weitere Ausf�hrungen dazu ersparen� und ich will Ihnen auch nicht die Schamr�te ins Gesicht treiben, indem ich Sie frage, was Sie dort zu diesem Zeitpunkt �berhaupt zu suchen hatten.�</p><p>Conway r�usperte sich verlegen und sagte: �Mir ist es ein R�tsel, warum der SRTT �berhaupt derart Amok gelaufen ist. Mir selbst f�llt dazu allenfalls die etwas st�rmische Begr��ung durch das Empfangskomitee ein, nur w�rde sich ein intelligentes, zivilisiertes Wesen deshalb nicht gleich so auff�hren. Die einzigen Besucher, die w hier zulassen, sind entweder Leute von der Regierung oder Spezialisten, von denen sich allerdings niemand vor dem Anblick einer fremden Lebensform gleich f�rchtet. Aber warum sind �berhaupt so viele Diagnostiker zu seiner Begr��ung erschienen?�</p><p>�Nun, die waren alle dort, weil sie unbedingt sehen wollten, wie ein SRTT eigentlich aussieht, wenn er ausnahmsweise einmal nicht versucht, wie jemand anders auszusehen�, antwortete O�Mara. �Die dadurch gewonnenen Eindr�cke h�tten ihnen bei einem schwierigen Fall dienlich sein k�nnen, an dem sie gerade arbeiten.</p><p>Weiterhin k�nnen wir bei einer Spezies, die bis vor kurzem v�llig unbekannt war, noch nicht einmal erraten, was der Ausl�ser f�r ein solches Verhalten gewesen sein k�nnte. Und sicherlich haben Sie recht, da� wir einen solchen Besuch normalerweise strikt verbieten, aber dieses Mal mu�ten wir eine Ausnahme machen, weil wir das Elternteil des SRTT hier als Patienten haben � anscheinend ein unheilbarer Fall.�</p><p>�Ich verstehe�, murmelte Conway.</p><p>In diesem Augenblick st�rmte ein Lieutenant des Monitorkorps in den Raum und eilte sofort zu O�Mara hin�ber. �Entschuldigen Sie, Sir, aber ich hab einen Hinweis erhalten, der uns m�glicherweise bei der Suche nach dem verschwundenen Besucher dienlich sein k�nnte�, sagte er au�er Atem. �Eine DBLF-Schwester hat mir erz�hlt, sie habe ungef�hr zum Zeitpunkt des Unfalls einen PVSJ aus der Gegend kommen sehen. Wie Sie wissen, sind PVSJs f�r DBLF-Raupen alles andere als h�bsch, aber die Schwester hat gesagt, dieses Exemplar habe noch schlimmer als gew�hnlich ausgesehen. Es sei regelrecht mi�gebildet gewesen, und zwar so extrem, da� die Schwester sicher war, es m�sse sich um einen Patienten mit einer besonders schlimmen Krankheit handeln.�</p><p>�Haben Sie schon �berpr�ft, ob wir auch wirklich keinen PVSJ mit den beschriebenen Mi�bildungen im Hospital haben?�</p><p>�Ja, Sir. Eine solchen Patienten gibt es nicht.�</p><p>O�Mara blickte pl�tzlich grimmig drein, als er sagte: �Sehr gut, Carson. Dann wissen Sie ja, was Sie zu tun haben.� Dann entlie� er den Lieutenant mit einem Nicken.180</p><p>Conway war es die ganze Zeit schwergefallen, sich w�hrend der Gespr�chs zur�ckzuhalten, und kaum war der Lieutenant gegangen, platzte er los: �Das Wesen, das ich aus der Schleuse hab kommen sehen, hatte Tentakel und. und. jedenfalls sah es nicht wie ein PVSJ aus. Ich wei� nat�rlich, da� ein SRTT seine k�rperliche Struktur ver�ndern kann, aber so radikal und in solch kurzer Zeit.?�</p><p>O�Mara stand abrupt auf und sagte: �Wir wissen praktisch nichts �ber diese Spezies � �ber ihre Bed�rfnisse, F�higkeiten oder emotionalen Verhaltensweisen �, und es ist allerh�chste Zeit, da� wir etwas �ber sie herausfinden. Ich werde Colinson in der Funkzentrale Feuer unterm Arsch machen, mal sehen, was der herausbekommt; Umweltbedingungen, evolution�rer Hintergrund, kulturelle und soziale Einfl�sse und so weiter. Wir k�nnen uns keinen Besucher leisten, der hier einfach frei herumirren kann und sich zum Plagegeist entwickelt, und sei es aus reiner Unwissenheit. Aber was ich von Ihnen beiden will ist folgendes�, fuhr er fort. �Achten Sie auf jeden seltsam aussehenden Patienten in Ihrer Abteilung. Lieutenant Carson hat sich sofort, nachdem er hier war, in die Zentrale begeben, um diese Anweisung f�r alle Mitarbeiter durchsagen zu lassen. Falls Sie auf jemanden sto�en, der unser SRTT sein k�nnte, n�hern Sie sich ihm behutsam. Beruhigen Sie ihn, unterlassen Sie ruckartige Bewegungen und vermeiden Sie, ihn zu verunsichern, indem Sie beide auf einmal auf ihn einreden, und unterrichten Sie mich umgehend.�</p><p>Als sie O�Mara verlassen hatten, entschied Conway, den Rundgang durch ihre Abteilung um eine weitere Stunde zu verschieben, da sie zu dieser Arbeitszeit dort sowieso nicht viel unternehmen konnten. Statt dessen f�hrte ihr Weg in den gro�en Speisesaal, der s�mtlichen warmbl�tigen Sauerstoffatmern des Hospitalpersonals als Kantine diente. Wie �blich war es dort �berf�llt, und obwohl der riesige Raum in Abschnitte f�r die sehr unterschiedlichen Lebensformen unterteilt worden war, hockten, wie Conway sah, an vielen Tischen drei oder vier verschiedene Klassifikationen zusammen � was bei den vorhandenen Sitzgelegenheiten f�r einige h�chst unbequem war �, um miteinander fachsimpeln zu k�nnen.</p><p>Conway wies Prilicla auf einen freien Tisch hin und beeilte sich, dorthin zu kommen. Doch sein Assistent war mit Hilfe seiner zwar verk�mmerten, aber immer noch funktionsf�higen Fl�gel bereits vor ihm da, wobei er noch gerade rechtzeitig zwei Mechaniker vergraulen konnte, die es auf denselben Tisch abgesehen hatten. W�hrend dieses F�nfzig-Meter-Fl�ges verdrehten einige den Kopf nach ihm, aber nur kurz, denn die Kostg�nger waren im Hospital an weit merkw�rdigere Anblicke gew�hnt.</p><p>�Ich denke, unser Essen ist zum gr��ten Teil auch f�r Ihren Metabolismus geeignet�, begann Conway, nachdem er sich hingesetzt hatte. �Aber haben Sie vielleicht irgendwelche Vorlieben?�</p><p>Und ob Prilicla welche hatte, und Conway bekam fast einen Brechreiz, als er sie akustisch vernahm. Das schlimmste daran war jedoch nicht die Kombination aus weichgekochten Spaghetti und rohen Karotten, es war die Art, in der der GLNO die Nudeln zu sich nahm, als das Essen serviert worden war. Mit Hilfe der vier emsig arbeitenden Greifzangen flocht Prilicla die Spaghetti zu einer Art Seil zusammen, das er sich entsetzlich schl�rfend und w�rgend in den schnabelartigen Mund stopfte. Gew�hnlich machte Conway so etwas nichts aus, aber bei diesem Anblick drehte sich ihm der Magen um.</p><p>Pl�tzlich h�rte Prilicla auf. �Sie st�ren sich offenbar an meiner Methode der Nahrungsaufnahme�, sagte er. �Ich werde mich lieber an einen anderen Tisch setzen.�</p><p>�Nein, nein�, widersprach Conway schnell, wobei ihm klar war, da� der Empath seine Gef�hle nachempfunden hatte. �Das wird nicht n�tig sein, glauben Sie mir. Aber es geh�rt hier zu den guten Umgangsformen, da� ein Wesen, wenn es in gemischter Gesellschaft i�t, die gleichen E�werkzeuge wie sein Gastgeber oder Chef benutzt. Ehm. glauben Sie, Sie k�nnen mit einer Gabel umgehen?�</p><p>Und ob Prilicla das konnte, sogar mit vier Gabeln, und Conway hatte noch nie zuvor Spaghetti so schnell verschwinden sehen.</p><p>Vom etwas unangenehmen Thema der Nahrungsaufnahme gelang Conway ein relativ ungek�nstelter �bergang zu den Diagnostikern im Hospital und dem Schulungsbandsystem, ohne das diese erlauchten Wesen � genaugenommen sogar das ganze Hospital � gar nicht funktionieren k�nnten.</p><p>Diagnostiker genossen im Hospital verdienterma�en den Respekt und die Bewunderung aller, wurden aber auch in gewissem Ma�e bemitleidet. Ein Schulungsband vermittelte ihnen n�mlich nicht nur das Wissen �ber eine Spezies, ihnen wurde auch die gesamte Pers�nlichkeit des Wesens, das dieses Wissen besessen hatte, ins Gehirn eingepr�gt. Praktisch setzten sich Diagnostiker freiwillig einer h�chst drastischen Form multipler Schizophrenie aus, und da s�mtliche Alienkomponenten, die in ihren Hirnen herumgeisterten, in jeder Hinsicht unterschiedlich waren, wandten sie h�ufig nicht einmal dasselbe logische System an.</p><p>Ihr einziger gemeinsamer Nenner war das Anliegen aller �rzte � unabh�ngig ihrer Gr��e, Gestalt oder Anzahl der Beine �, n�mlich Kranke zu heilen.</p><p>Am Nachbartisch sa� ein terrestrischer DBDG-Diagnostiker, der sichtlich M�he hatte, ein perfekt gebratenes Steak mit Genu� zu verspeisen. Conway wu�te zuf�llig, da� dieser Mann gerade mit einem Fall befa�t war, der es erfordert hatte, sich ausgiebiges Wissen �ber die Tralthaner anzueignen. Durch die permanente Anwendung dieses Wissens bestimmte die Pers�nlichkeit des Tralthaners, dessen Gehirnstr�me f�r das betreffende Schulungsband aufgezeichnet worden waren, nun sein Verhalten. Und Tralthaner ekelten sich vor Fleisch in jedweder Form.</p><p>Nach dem Essen f�hrte Conway Prilicla zur ersten der Stationen, f�r die sie verantwortlich waren. Auf dem Weg dorthin rasselte er unentwegt statistische Daten und Hintergrundinformationen herunter. Das Hospital bestand aus dreihundertvierundachtzig Ebenen und reproduzierte exakt die Umweltbedingungen der achtundsechzig verschiedenen intelligenten Lebensformen, die der galaktischen F�deration gegenw�rtig bekannt waren. Dabei wollte Conway mit der unerme�lichen Gr��e des Hospitals weder prahlen, noch Prilicla einsch�chtern, obwohl er au�erordentlich stolz darauf war, es in dieser ber�hmten Einrichtung so weit gebracht zu haben. Es war nun einmal seine Art, sich einem Thema auf Umwegen zu n�hern, und er erz�hlte Prilicla all das nur, weil er sich darum sorgte, wie sich sein Assistent vor all den verschiedenen Umweltbedingungen, mit denen er in K�rze konfrontiert werden w�rde, sch�tzen k�nnte.</p><p>Aber er h�tte sich seine Sorgen sparen k�nnen, denn Prilicla demonstrierte ihm, wie die leichte, fast durchsichtige H�lle, die ihm zuvor bei der Einla�schleuse sechs das Leben gerettet hatte, durch ein kleines Kraftfeld von innen verst�rkt werden konnte, wie es sonst im gro�en Ma�stab von interstellaren Schiffen zum Schutz vor Meteoriten benutzt wurde. Falls erforderlich, konnte er die Beine so weit einziehen, bis auch sie von der H�lle umschlossen waren, anstatt � wie bei der Schleuse � aus ihr herauszuragen.</p><p>Bevor sie als erstes die AUGL-Neugeborenenstation aufsuchten, weihte Conway w�hrend des Umziehens seinen Assistenten in die Krankheitsgeschichte der dort befindlichen Patienten ein.</p><p>Ein voll ausgewachsener AUGL geh�rte einer ungef�hr zw�lf Meter langen, eierlegenden, fisch�hnlichen Spezies mit einem krokodilartigen Panzer an und stammte vom Planeten Chalderescol II, aber die Wesen auf dieser Station waren erst vor sechs Wochen geschl�pft und nur knapp einen Meter lang. Zwei vorherige Bruten derselben Mutter hatten sich � genau wie der jetzige Nachwuchs jn jeder Hinsicht normal entwickelt, und die Jungen schienen bei ausgezeichneter Gesundheit gewesen zu sein, trotzdem waren alle zwei Monate sp�ter gestorben. Durch eine anschlie�end auf ihrem Heimatplaneten durchgef�hrte Obduktion der Leichen hatte man zwar als Todesursache eine extreme Verkalkung der Knorpel in praktisch jedem K�rpergelenk feststellen k�nnen, war aber nicht imstande gewesen zu kl�ren, wie es dazu hatte kommen k�nnen. Jetzt stand die letzte Brut unter genauer Beobachtung des Orbit Hospitals, und Conway hoffte, da� sich das Schicksal beim drittenmal zum Positiven wenden w�rde.</p><p>�Gegenw�rtig schaue ich sie mir t�glich an�, sagte er, �und jeden dritten Tag speichere ich ein AUGL-Band und untersuche sie gewissenhaft. Da Sie mir jetzt assistieren, wird das auch zu Ihren Aufgaben geh�ren. Aber wenn Sie dieses Band gespeichert haben, rate ich Ihnen, es nach der Untersuchung umgehend wieder l�schen zu lassen. Es sei denn, Sie wollen unbedingt den Rest des Tages mit der �berzeugung herumlaufen, Sie seien halb Fisch, halb Mensch, wobei Sie sich nat�rlich entsprechend verhalten w�rden.�</p><p>�Das ist zweifellos eine faszinierende, wenn auch befremdliche Kreuzung zweier Lebewesen�, stimmte Prilicla ihm zu. Der GLNO war jetzt mit Ausnahme von zwei der vier Greifzangen v�llig von seinem luftblasenartigen Sch�tzanzug umgeben, den er ausreichend beschwert hatte, damit er beim Schwimmen nicht vom Auftrieb behindert wurde. Als er sah, da� auch Conway bereit war, bediente er die Schleusenautomatik. Noch w�hrend sie sich auf die AUGL-Neugeborenenstation begaben � einen gro�en Tank mit gr�nem, lauwarmem Wasser � fragte er: �Sprechen die Patienten auf irgendeine Behandlung an?�</p><p>Conway sch�ttelte den Kopf Als ihm einfiel, da� der GLNO die Bedeutung diese Geste wahrscheinlich nicht einzuordnen wu�te, sagte er: �Bis jetzt sind wir im Experimentierstadium. Die eigentliche Behandlung hat also noch nicht begonnen. Allerdings hab ich da ein paar Ideen gehabt, die ich aber erst morgen mit Ihnen richtig er�rtern kann, sobald wir beide das AUGL-Band gespeichert haben. Jedoch bin ich recht zuversichtlich, da� zwei unserer drei Patienten durchkommen werden � leider wird wohl einer als Versuchskaninchen herhalten m�ssen, damit die beiden anderen gerettet werden k�nnen. So schnell wie die Symptome auftreten, verschwinden sie auch wieder, deshalb m�chte ich, da� die Kleinen unter st�ndiger Beobachtung stehen. Da der kritische Zeitpunkt immer n�her r�ckt, mu� das in dreist�ndigen Intervallen geschehen. Dazu sollten wir einen Zeitplan aufstellen, damit keiner von uns beiden zuviel Schlaf vers�umt. Je eher wir die ersten Symptome entdecken, desto mehr Zeit bleibt uns zum Handeln, und umso gr��er ist die Hoffnung, sie alle drei durchzubringen. Au�erdem m�ssen Sie wissen, da� ich unbedingt einen Hattrick schaffen will.�</p><p>Prilicla d�rfte ebensowenig wissen, was ein Hattrick ist, dachte Conway, aber der Alien sollte schnell begreifen d�rfen, wie er die Gesten und Redewendungen seines Vorgesetzten zu interpretieren hatte. Conway hatte sich seinerzeit auch auf ET-Vorgesetzte einstellen m�ssen, und er fragte sich einmal mehr, warum bis heute noch niemand ein Band von esoterischen Aliens aufgenommen hatte, das ihm damals als Assistenzarzt sicherlich eine gro�e Hilfe gewesen w�re. Aber das war jetzt nebens�chlich. In Wirklichkeit kreisten seine Gedanken nur um ein einziges Thema � er malte sich immer wieder das Bild eines jungen Lebewesens aus, das sich noch fast im embryonalen Stadium befand und dessen sich entwickelndes Ektoskelett � etwa hundert flache Hornplatten, deren flexible Knorpelgelenke Bewegungsfreiheit und Atmung gew�hrleisteten � zum versteinerten Fossil zu werden drohte und somit zur Todeszelle des darin befindlichen Lebens.</p><p>�Wie kann ich Ihnen jetzt am besten assistieren?� fragte Prilicla und brachte damit Conways Gedanken von der nahen Zukunft schlagartig wieder in die Gegenwart zur�ck. Der GLNO bestaunte die drei schlanken, stromlinienf�rmigen Gestalten, die durch den gro�en Tank schossen, und fragte sich anscheinend, wie man eins der AUGL-Babies lange genug ruhigstellen konnte, um es zu untersuchen. �Die sind aber ganz sch�n schnell, wie?� f�gte er seiner ersten Frage hinzu.</p><p>�Ja, und sehr empfindlich�, sagte Conway. �Au�erdem sind sie noch so jung, da� sie �berhaupt nichts verstehen. Sie bekommen leicht Angst, und wenn man sich ihnen zu sehr n�hert, geraten sie derart in Panik, da� sie so lange durchs Becken schie�en, bis sie entweder mit den Kr�ften am Ende sind oder sich an den W�nden Verletzungen zugezogen haben. Wir m�ssen schon ein Minenfeld aus An�sthesiek�geln legen.�</p><p>Conway erkl�rte und demonstrierte Prilicla rasch, wie man die wasserl�slichen An�sthesiekugeln verteilen mu�te und die schwer einzufangenden Patienten vorsichtig und aus der Distanz in das �verminte� Gebiet lockte. Zwar wu�te Conway bereits, was f�r ein scharfer Verstand in Prilicla steckte, aber als er sp�ter w�hrend der Untersuchung der bet�ubten kleinen AUGLs beobachten konnte, wie sensibel und pr�zise der GLNO auch mit seinen Greifzangen umzugehen wu�te, stieg seine Hoffnung, alle drei AUGL-Babies retten zu k�nnen.</p><p>Nachdem sie die warme und f�r Conway relativ angenehme Umgebung der AUGL-Station verlassen hatten, begaben sie sich auf die hochgradig radioaktive, sogenannte �hei�e� Station ihrer Abteilung. Dieses Mal mu�ten sie die Patienten mittels ferngesteuerter Greifarme hinter einer sechs Meter dicken Sch�tzwand untersuchen. Es gab aber keinen dringenden Fall auf dieser Station, und bevor sie wieder gingen, machte Conway Prilicla auf die komplizierten Installationen aufmerksam, die rundherum angebracht waren. Wie er ihm erkl�rte, wurde der Kernreaktor auf der �hei�en� Station von der Wartungsmannschaft gleichzeitig als Lieferant f�r die Notstromversorgung genutzt.</p><p>Die ganze Zeit dr�hnten im Hintergrund aus den Wandlautsprechern Durchsagen �ber die Fortschritte bei der Suche nach dem SRTT-Besucher: Er sei bisher noch immer nicht gefunden worden, aber man m�ge sich etwas zur�ckhalten, denn es h�uften sich F�lle von Verwechslungen und falschen Verd�chtigungen.</p><p>Seit dem Verlassen von O�Maras B�ro hatte Conway den SRTT praktisch vergessen gehabt, aber bei dem Gedanken, was der entwichene Besucher gerade hier in der Neugeborenenabteilung alles anrichten k�nnte, bekam er nun doch etwas Angst � gar nicht davon zu reden, was umgekehrt einige der jungen Patienten mit dem SRTT anstellen k�nnten. Wenn er doch nur mehr �ber ihn w��te oder wenigstens irgendeine Vorstellung von den Grenzen seiner Verwandlungsk�nste h�tte. Er beschlo�, O�Mara anzurufen.</p><p>Als Antwort auf Conways Nachfrage sagte der Chefpsychologe: �Unseren letzten Informationen zufolge hat sich die SRTT-Spezies auf einem Planeten mit einem exzentrischen Orbit um seine Sonne entwickelt. Geologische und klimatische Ver�nderungen und die damit verbundenen Temperaturschwankungen waren so gewaltig, da� nur eine extrem hohe Anpassungsf�higkeit ein �berleben gew�hrleisten konnte. Bevor diese Wesen dort eine Kultur entwickelten, bestand ihre Verteidigungsm�glichkeit entweder darin, ein m�glichst furchteinfl��endes �u�eres anzunehmen oder die physische Gestalt ihrer Angreifer zu kopieren, in der Hoffnung, auf diese Weise nicht entdeckt zu werden. Dieses Anlegen einer Schutztracht wurde zur bevorzugten Methode, Gefahren aus dem Weg zu gehen, und so h�ufig angewandt, da� diese Metamorphose praktisch nicht mehr dem Willen unterlag. Es gibt noch ein paar Angaben betreffs Gewicht und Gr��e in den jeweiligen Altersstufen, jedenfalls ist die Lebenserwartung sehr hoch. Nun, diese nicht gerade sehr hilfreichen Angaben, die ich erst vor wenigen Stunden von der Crew des Beobachtungsschiffs erhalten hab, die den Planeten vor kurzem entdeckt hat und sich dort noch immer aufh�lt, enden damit, da� alles vorher Erw�hnte nur zu unserer vorl�ufigen Information sei. Ach so. au�erdem w�rden diese Wesen nie krank werden.� O�Mara hielt kurz inne, dann f�gte er abf�llig hinzu: �Da� ich nicht lache, hahaha.�</p><p>�Dem kann ich nur zustimmen�, bemerkte Conway trocken.</p><p>�Ein Punkt, der die panikartige Reaktion des SRTT bei seiner Ankunft allerdings erkl�ren k�nnte�, fuhr O�Mara fort, �ist der Brauch seiner Spezies, da� beim Tod des Elternteils stets das Letztgeborene und nie das Erstgeborene zugegen ist, denn zwischen Letztgeborenen und Eltern besteht eine au�ergew�hnlich starke emotionale Bindung. Nach Sch�tzung von Gr��e und Gewicht m��te unser kleiner Ausrei�er ein sehr junger SRTT sein. Nat�rlich kein Baby mehr, aber ganz bestimmt auch noch kein Erwachsener.�</p><p>Conway verarbeitete noch immer die vorhergehenden Informationen, als der Major bereits weiter ausf�hrte: �Was die Grenzen seiner Verwandlungsk�nste betrifft, w�rde ich sagen, da� die Methanstation zu kalt und die radioaktive Station zu hei� f�r ihn ist, ebenso wie das bessere t�rkische Bad auf Ebene achtzehn, wo aus s�mtlichen Rohren extrem hei�er Dampf zischt. Bis auf diese paar Ausnahmen hab ich allerdings genausoviel Ahnung wie Sie, wo er letztendlich wiederauftauchen wird.�</p><p>�Vielleicht w�rde es mir weiterhelfen, wenn ich mir diesen SRTT-Elternteil mal ansehen k�nnte. W�re das m�glich, Sir?� fragte Conway.</p><p>Erst nach einer l�ngeren Pause meldete sich O�Mara wieder. �Wohl kaum. In der unmittelbaren Umgebung dieses Patienten wimmelt es zur Zeit praktisch von Diagnostikern und anderen Kapazit�ten. Aber kommen Sie einfach mal zu mir rauf, sobald Sie Ihren Rundgang beendet haben. Ich will sehen, was sich machen l��t.�</p><p>�Das w�re sehr nett, Sir�, sagte Conway und unterbrach die Verbindung.</p><p>Er versp�rte noch immer ein unbestimmtes Unbehagen, was den SRTT betraf, eine dunkle Vorahnung, da� er mit diesem ET-J�gendlichen, diesem gr��ten aller Verwandlungsk�nstler, noch lange nicht am Ende war. Vielleicht hatten seine gegenw�rtigen Pflichten die m�tterlichen Instinkte in ihm hervorgekehrt, aber bei dem Gedanken an all das Chaos, das dieser SRTT unter seinen kleinen Sch�tzlingen verursachen k�nnte, wurde Conway angst und bange � Ger�te und Ausr�stung drohten zerst�rt, wichtige und unaufschiebbare Operationen unterbrochen zu werden. Gar nicht daran zu denken, da� durch unbesonnenes Handeln des SRTT empfindlichere Aliens verletzt oder gar get�tet werden k�nnten.</p><p>Da man ihn noch immer nicht aufgesp�rt hatte, stand eine h�chst beunruhigende Tatsache nun fest � n�mlich da� der SRTT alt genug war, um zu wissen, wie man Verbindungssdheusen zu bedienen hatte.</p><p>Conway versuchte, diese sinnlosen �ngste zu verdr�ngen, aber ein Gef�hl der Beklommenheit blieb zur�ck. Schlie�lich begann er, Prilicla �ber die Patienten, die sie auf der n�chsten Station aufsuchen wollten, aufzukl�ren, sowie ihn in die zu treffenden Schutzma�nahmen und die anschlie�enden Kontrollprozeduren einzuweihen.</p><p>Auf dieser Station befanden sich achtundzwanzig Kinder der Klassifikation FROB � niedrig gewachsene und ungeheuer kr�ftige Wesen mit einer Hornhaut wie eine biegsame Panzerplatte. Erwachsene dieser Spezies neigten auf Grund ihrer umfangreicheren K�rpermasse dazu, langsam und tr�ge zu sein, die Kinder aber waren �berraschend beweglich, obwohl auf ihrer Station � wie auf ihrem Heimatplaneten H�dlar � vier Ge und ein siebenmal so starker atmosph�rischer Druck wie auf der Erde herrschten. Um unter diesen Bedingungen arbeiten zu k�nnen, waren schwere Sch�tzanz�ge erforderlich, und das untere Stockwerk dieser Station wurde von den �rzten und dem Pflegepersonal nur im �u�ersten Notfall aufgesucht. Statt dessen wurden die Patienten zur Visite mit Hilfe eines Krans mit einer speziellen Greif� und Hebevorrichtung in eine Kuppel in der Decke gehievt, wo man sie bet�ubte, bevor die Greifer gel�st wurden. Das geschah mit einer langen, stahlharten Nadel, die an einer Stelle eingef�hrt wurde, wo das Vorderbein mit dem Rumpf verbunden war � eine der wenigen weichen Stellen des FROB-K�rpers.</p><p>�Wahrscheinlich werden Sie eine Menge Nadeln abbrechen, bevor Sie den Dreh raushaben�, sagt Conway. �Aber keine Sorge, den Babies tut das nicht mal weh. Die kleinen Frechdachse sind derart unempfindlich, da� sie nicht einmal zusammenzucken w�rden, wenn eine Bombe neben ihnen einschl�ge.�</p><p>W�hrend sie weiter auf die FROB-Station zueilten, schwieg Conway eine Weile � Priliclas sechs vielgliedrige und bleistiftd�nne Beine schienen den halben Korridor einzunehmen, standen aber irgendwie nie im Weg. Conway hatte jetzt auch nicht mehr das Gef�hl, in unmittelbarer N�he des GLNO wie auf Eiern gehen m�ssen oder da� er seinen Assistenten durch blo�es Ber�hren gleich zerquetschen oder zum Platzen bringen w�rde. Prilicla hatte seine F�higkeit unter Beweis gestellt, s�mtliche K�rperkontakte, die ihm wahrscheinlich physischen Schaden h�tten zuf�gen k�nnen, zu vermeiden, und das auf eine Weise, deren Geschicklichkeit und seltsam anmutende Eleganz Conway mittlerweile imponierten.</p><p>Nun, anscheinend kann man sich an alles gew�hnen, dachte er, bevor er fortfuhr: �Um wieder auf unsere dickh�utigen kleinen Freunde zu sprechen zu kommen: Die k�rperliche Unempfndlichkeit dieser Spezies, besonders im j�ngeren Alter, steht allerdings ganz im Gegensatz zu ihrer Anf�lligkeit f�r Infektionen, die durch Bakterien oder Viren �bertragen werden. Die notwendigen Antik�rper entwickeln sie erst sp�ter, und als Erwachsene sind sie geradezu abscheulich gesund, aber im Kindesalter.�</p><p>��holen sie sich jede Krankheit�, erg�nzte Prilicla. �Und kaum wird ein neuer Erreger entdeckt, schon haben sie sich angesteckt.�</p><p>Conway lachte. �Ich hab ganz vergessen, da� die meisten ET-Hospitale eine bestimmte FROB-Quote aufnehmen und Sie bereits Erfahrungen mit dieser Spezies gemacht haben. Also werden Sie bereits wissen, da� diese Krankheiten f�r die Kinder zwar nur selten t�dlich verlaufen, die Heilbehandlung aber langwierig, kompliziert und nicht sehr dankbar ist, weil sie sich, kaum sind sie auf dem Weg der Besserung, gleich wieder irgend etwas anderes einfangen. Von den achtundzwanzig Patienten auf unserer Station ist keiner ernsthaft erkrankt. Der Grund, weshalb sie hier und nicht in einem Hospital ihres Heimatplaneten sind, ist, da� wir eine Art Universalserum entwickeln wollen, das bei ihnen ein k�nstliches Immunsystem vor Infektionen hervorruft, wie es sich sonst erst im Erwachsenenalter bildet, und deshalb.� Conway verstummte pl�tzlich. �Halt!� zischte er leise, und es klang wie ein geschrienes Fl�stern.</p><p>Prilicla blieb wie angewurzelt stehen, seine Beine hatten sich am Boden festgesaugt, und er starrte zusammen mit Conway auf das Wesen, das gerade vor ihnen auf einer Kreuzung aufgetaucht war.</p><p>Auf den ersten Blick sah es wie ein Illensaner aus. Der formlose,</p><p>stachelige K�rper mit den trockenen, raschelnden Membranen, die die oberen mit den unteren Gliedma�en verbanden, geh�rte eindeutig zu einem PVSJ-Chloratmer. Aber dieses Wesen hatte zwei Tentakel als E�organe, die von einem FGLI transplantiert worden zu sein schienen, sowie ein pelziges Brustpolster, das eindeutig auf einen DBLF hinwies. Au�erdem konnte es in dieser sauerstoffreichen Atmosph�re atmen.</p><p>Das mu�te der Ausrei�er sein!</p><p>S�mtlichen anatomischen Gesetzen zum Trotz sp�rte Conway sein Herz irgendwo in der Gegend der Kehle schlagen, w�hrend er in Erinnerung an die strikte Anweisung O�Maras, das Wesen ja nicht zu erschrecken, nach freundlichen und beruhigenden Worten suchte. Aber kaum hatte das Wesen ihn und Prilicla wahrgenommen, rannte es davon, und Conway konnte nur noch ein �Schnell, hinterher!� rufen.</p><p>Sie rannten los und erreichten die Kreuzung gleichzeitig. Dann bogen sie in den Gang ein, in dem der fliehende SRTT verschwunden war, wobei Prilicla wieder flink an der Decke entlangkrabbelte, um nicht unter Conways stampfende F��e zu geraten.</p><p>Als Conway sah, was der SRTT vorhatte, verga� er s�mtliche freundlichen und beruhigenden Worte und br�llte nur: �Halt, du Idiot! Geh da blo� nicht rein.�</p><p>Der Ausrei�er stand vor dem Eingang zur FROB-Station.</p><p>Sie erreichten die Schleuse etwas zu sp�t und konnten nur hilflos durch das Sichtfenster in der Au�enluke mit ansehen, wie der SRTT die Innenluke �ffnete und von der vierfachen Anziehungskraft, die in der Station herrschte, erfa�t und au�erhalb ihres eingeengten Blickfelds zu Boden geschleudert wurde. Danach schlo� sich die Innenluke wieder automatisch, und Prilicla und Conway konnten die Au�enluke �ffnen und die Schleuse betreten.</p><p>Conway qu�lte sich verzweifelt in den schweren Sch�tzanzug hinein, der hier in der Schleusenkammer stets f�r ihn bereitlag, dann stellte er den G-G�rtel schnell auf die f�r diese Station erforderliche Absto�ung ein. �hnliches unternahm Prilicla derweil mit seiner eigenen Ausr�stung. W�hrend Conway noch einmal dijepJDichtungen und Verschl�sse seines Anzugs �berpr�fte und sich �ber diesen � zugegebenerma�en �u�erst notwendigen � Zeitverlust beklagte, erblickte er durch das Beobachtungsfenster der Innenluke etwas, das ihn erschaudern lie�.</p><p>Die pseudoillensanische Gestalt des SRTT lag wie festgenagelt am Boden. Sie zuckte leicht, und eins der gr��eren FROB-Babies stapfte bereits auf sie zu, um dieses merkw�rdig aussehende Ding genauer in Augenschein zu nehmen. Dabei mu�te es mit einem seiner gro�en, spachtel�hnlichen F��en auf den liegenden SRTT getrampelt sein, denn dieser zuckte zur�ck und begann sich schnell und auf wundersame Weise zu verwandeln. Die d�nnen, membranartigen Gliedma�en des PVSJ schienen mit dem Rumpf zu verschmelzen, der wieder die knochige, echsenartige Gestalt mit den bedrohlich aussehenden hornigen Tentakeln annahm, die Conway und Prilicla schon bei der Einla�schleuse sechs gesehen hatten. Dies war offenbar die furchteinfl��endste Erscheinung, die der SRTT annehmen konnte.</p><p>Aber der kleine FROB besa� etwa die f�nffache K�rpermasse seines Gegen�bers und war alles andere �ngstlich. Er senkte seinen kr�ftigen Kopf und stie� damit zu. Der SRTT flog f�nf Meter quer durch den Raum und krachte gegen die Wandverkleidung. Der FROB wollte spielen.</p><p>Beide �rzte hatten die Schleuse mittlerweile verlassen und befanden sich nun auf der Plattform, von der man einen weit besseren �berblick hatte. Die Annahme der echsenartigen Form mit den Tentakeln hatte unter diesen erschwerten Vier-Ge-Bedingungen auf dieses Monsterbaby �berhaupt keine abschreckende Wirkung gehabt, und der SRTT versuchte etwas anderes.</p><p>Der FROB hatte sich ihm wieder gen�hert und schaute fasziniert zu.</p><p>�K�nnen Sie den Kran bedienen, Doktor? Gut. Dann fangen Sie an�, forderte Conway seinen Assistenten auf. Und w�hrend Prilicla �ber die Plattform zum Kontrollpult in der Kuppel trippelte, stellte Conway seinen G-G�rtel auf minus vier Ge ein und rief: �Ich werde Sie von unten dirigieren.� Dann stie� er sich ab und schwebte schwerelos nach unten.</p><p>Conway war f�r das FROB-Baby kein Fremder � sehr wahrscheinlich mochte es diese winzige Gestalt nicht oder war von ihr einfach nur gelangweilt, da ihr einziges Spiel darin bestand, es mit Nadeln zu stechen, w�hrend es von etwas Gro�em und Kr�ftigem festgehalten wurde, und trotz Conways wilder Gesten und Schreie beachtete es ihn jetzt nicht. Aber das Interesse der anderen kleinen Patienten auf dieser Station wurde pl�tzlich geweckt, allerdings galt ihre Aufmerksamkeit allein dem sich stetig verwandelnden SRTT.</p><p>�Nein!� schrie Conway entsetzt, als er erkannte, in was sich der Besucher verwandeln wollte. �Nein! Um Himmels willen, h�r auf damit! Verwandle dich sofort zur�ck�!�</p><p>Aber es war zu sp�t. Die ganze Station schien auf den SRTT loszustampfen. Es ging wie in einem Tollhaus zu, und aus dem Gewirr aus begeisterten Aufschreien und knurrendem Gejohle drangen �ber den Translator die Stimmen der �lteren Babies durch: �Ein P�ppchen! Ein P�ppchen! Ein kleines P�ppchen.!�</p><p>Um nicht niedergetrampelt zu werden, stie� sich Conway nach oben ab und blickte auf die tobende FROB-Masse hinunter. Dabei gewann er die feste und unangenehme �berzeugung, da� der bedauernswerte SRTT diesem Leben Ade gesagt haben mu�te. Aber er irrte.</p><p>Der Alien hatte es irgendwie geschafft, das Spie�rutenlaufen durch die Reihen stampfender F��e und stupsender K�pfe zu �berstehen, indem er sich fest unten gegen die Wand gepre�t hatte. Leicht l�diert tauchte er wieder auf, aber noch immer in der Gestalt, die er in der irrigen Annahme, eine winzige FROB-Version w�rde ihm Sicherheit gew�hren, cham�leonartig angenommen hatte.</p><p>�Schnell! Den Kran!� rief Conway.</p><p>Aber Prilicla hatte nicht geschlafen. Die m�chtigen Greifer des Krans hingen bereits offen �ber dem benommenen und sich nur langsam bewegenden SRTT, und als Conway gerufen hatte, fielen sie sofort herunter und fuhren wieder krachend zusammen. Conway hielt sich an einer der Stahltrossen fest, und w�hrend sie gemeinsam nach oben gehievt wurden, redete er dem SRTT gut zu. �Du bist jetzt in Sicherheit. Bleib ganz ruhig. Ich bin hier, um dir zu helfen.�</p><p>Die Antwort darauf war ein schwerer Sch�ttelkrampf des SRTT, und pl�tzlich war aus dem Wesen eine geschmeidige, schleimige Masse geworden, die zwischen den Greifz�hnen hindurchglitt und auf den Boden klatschte. Die FROBs tr�teten aufgeregt und machten sich erneut dar�ber her.</p><p>Dieses Mal konnte der SRTT unm�glich �berleben, dachte Conway, und er empfand eine Mischung aus Furcht, Mitleid und Ver�rgerung � was sollte er mit einem Alien machen, dem gleich bei seiner Ankunft der Schrecken in die Glieder gefahren war, der seither dauernd auf der Flucht gewesen und jetzt noch immer viel zu ver�ngstigt war, als da� er sich helfen lassen w�rde? Der Kran war in dieser Situation nutzlos, aber es gab noch eine andere M�glichkeit. Wahrscheinlich w�rde ihm O�Mara sp�ter daf�r lebendig die Haut vom Leib ziehen, aber wenigstens k�nnte er so dem SRTT das Leben retten � er mu�te ihm eine Fluchtm�glichkeit bieten.</p><p>Auf der gegen�berliegenden Seite der Eingangsschleuse, die Prilicla und er zuvor benutzt hatten, lag die T�r, durch die die jungen FROB-Patienten auf ihre Station gebracht wurden. Es war eine einfache T�r, weil der Korridor davor in den FROB-Operationssaal f�hrte und dort dieselben Gravitations� und Druckverh�ltnisse wie auf der Station selbst herrschten. Conway legte die gesamte Strecke dorthin mit einem gewaltigen Hechtsprung zur�ck. Dann l�ste er den �ffnungsmechanismus der T�r aus und sah zu seiner Erleichterung, wie der SRTT � der anscheinend vor Angst doch nicht genug gel�hmt war, um diese Fluchtm�glichkeit nicht zu erkennen � sofort hindurchglitt. Conway konnte die T�r gerade noch rechtzeitig schlie�en, bevor auch noch einige Patienten hindurchschl�pfen wollten. Gleich darauf schwebte er wieder in die Kuppel zur�ck, um O�Mara von dem furchtbaren Schlamassel zu berichten, denn die Situation war jetzt noch viel schlimmer, als sie alle gedacht hatten.</p><p>Als er am anderen Ende der Station gewesen war, hatte er n�mlich etwas gesehen, wodurch das Einfangen und B�ndigen des Ausrei�ers um ein Vielfaches erschwert werden w�rde, und das auch erkl�rte, warum der Besucher w�hrend des Hochhievens mit dem Kran nicht auf ihn reagierte hatte � es waren die zertrampelten und somit nicht mehr zu verwendenden �berreste des SRTT-Translators gewesen.</p><p>Conways Hand lag bereits auf der Taste des Kommunikators, als Prilicla sagte: �Entschuldigen Sie, Sir, aber verursacht meine F�higkeit, Ihre Emotionen zu erkennen, bei Ihnen Unbehagen? Oder w�rde es Sie �rgern, wenn ich laut erw�hne, was ich m�glicherweise herausgefunden hab?�</p><p>�Ehm. wie bitte? Was ist?� stammelte Conway, und er glaubte, da� er just in diesem Moment Ungeduld im h�chsten Grade ausstrahlen mu�te, zumal sich sein Assistent einen wirklich sehr g�nstigen Zeitpunkt ausgesucht hatte, ihm ausgerechnet jetzt solche Fragen zu stellen! Erst wollte er auf Priliclas Fragen einfach nicht eingehen, aber dann kam er zu dem Schlu�, da� es nichts ausmachen w�rde, wenn sich sein Bericht an O�Mara um ein paar Minuten verz�gerte, zumal sein Assistent das Thema m�glicherweise wichtig fand. Aliens konnten schon sehr komisch sein.</p><p>�Ich kann auf beide Fragen nur mit einem klaren Nein antworten�, entgegnete er schlie�lich. �Obwohl ich im zweiten Fall unter gewissen Umst�nden durch Sie in Verlegenheit gebracht werden k�nnte, falls Sie das, was Sie �ber mich herausgefunden haben, einem Dritten gegen�ber erw�hnen. Aber warum fragen Sie mich das �berhaupt?�</p><p>�Weil mir nicht verborgen geblieben ist, welche f�rchtbare Angst Sie vor den m�glichen Verw�stungen haben, die der SRTT unter Ihren Patienten anrichten k�nnte�, entgegnete Prilicla, �und ich diese Angst nur ungern noch weiter sch�ren m�chte, indem ich Ihnen von der Intensit�t und der Art der Gef�hle erz�hle, die ich gerade eben bei dem SRTT festgestellt hab.�</p><p>Conway seufzte. �Jetzt spucken Sie�s schon aus. Viel schlimmer als jetzt kann es doch eh nicht mehr kommen.�</p><p>Aber in diesem Punkt irrte sich Conway gewaltig.</p><p>Als Prilicla zu Ende erz�hlt hatte, fuhr Conway pl�tzlich mit der Hand von der Taste des Kommunikators zur�ck, als w�rde sie ihn bei�en oder stechen. �Das kann ich ihm nicht �ber das normale Kommunikationsnetz sagen! Das w�rde bestimmt bis zu den Patienten durchsickern, und selbst wenn nur ein paar Leute in der Zentrale davon erfahren, k�nnte das eine Panik ausl�sen.� Er zauderte kurz, dann sagte er: �Kommen Sie, wir m�ssen sofort zu O�Mara gehen!�</p><p>Allerdings war der Chefpsychologe weder in seinem B�ro noch in dem in der N�he befindlichen Schulungsraum aufzufinden. Einer seiner Assistenten informierte sie aber, wo er sich gerade aufhielt, und sie eilten umgehend zur siebenundvierzigsten Ebene, der Beobachtungsstation drei.</p><p>Hierbei handelte es sich um einen riesigen Raum mit einer hohen Decke, dessen Druck� und Temperaturbedingungen warmbl�tigen Sauerstoffatmern angepa�t waren. DBDG-, DBLF-, und FGLI-�rzte nahmen hier Voruntersuchungen an exotischen oder komplizierten F�llen vor. Falls diese atmosph�rischen Bedingungen f�r die Patienten nicht geeignet waren, wurden sie in gro�en durchsichtigen Rollcontainern untergebracht, die sich in regelm��igen Abst�nden in Wandnischen oder in Bodenvertiefungen befanden. Dieser Raum wurde auch etwas abf�llig als Denk� und Verschiebestation bezeichnet.</p><p>Um einen Tank mit Glasw�nden sah Conway in der Mitte des Raums eine Gruppe �rzte stehen, die sich aus Angeh�rigen der verschiedensten Spezies zusammensetzte. Darin mu�te sich der sterbende, �ltere SRTT befinden, von dem er geh�rt hatte. Aber bevor er nicht mit O�Mara gesprochen hatte, hatte er keine Zeit, genauer hinzusehen.</p><p>Schlie�lich erblickte er den Chefpsychologen vor einem Kommunikator an der Wand und eilte zu ihm hin�be/9 7</p><p>W�hrend er O�Mara Bericht erstattete, h�rte der Monitor anfangs noch relativ gleichm�tig zu, dann �ffnete er mehrmals den Mund, als wollte er Conway unterbrechen, wobei er die Lippen mit zunehmender Dauer immer grimmiger und fester wieder zusammenpre�te. Aber als Conway an dem Punkt angelangt war, wo er den zerst�rten Translator entdeckt hatte, da unterbrach er Conways Redeflu� mit einer energischen Handbewegung und schlug mit derselben Wucht auf die Sprechtaste des Kommunikators.</p><p>�Geben Sie mir sofort die Ingenieursdivision, Colonel Skempton�, br�llte er ins Mikrofon und dann: �Colonel, unser Ausrei�er h�lt sich in der Gegend der FROB-Kinderstation auf. Aber es gibt leider ein Problem � er hat seinen Translator verloren.� Es gab eine kurze Pause, dann f�hr O�Mara fort: �Ich wei� auch nicht, wie Sie ihn b�ndigen sollen, wenn Sie nicht mit ihm kommunizieren k�nnen, aber tun Sie trotzdem Ihr m�glichstes � ich werde mich inzwischen um das Kommunikationsproblem k�mmern.�</p><p>Er unterbrach die Verbindung und stellte sofort eine neue her. �Geben Sie mir Colinson, in der Funkzentrale. Hallo, Major. Ich will eine Verbindung zwischen hier und der Monitor-Beobachtungscrew auf dem SRTT-Heimatplaneten � ja, dieselbe, die Sie mir schon vor ein paar Stunden hergestellt haben. Kriegen Sie das hin? Und die sollen ein Band in der M�ttersprache des SRTT aufnehmen und hierher �berspielen. Den Text gebe ich Ihnen jetzt sofort. Er soll von einem erwachsenen SRTT gesprochen werden und ungef�hr folgenden Inhalt haben.�</p><p>Er verstummte, als Major Colinsons Stimme aus dem Lautsprecher dr�hnte. Der Funkspezialist machte Conway darauf aufmerksam, da� dieser � als ein an den Schreibtisch gebundener Seelenmasseur � m�glicherweise nicht bedachte, da� der SRTT-Planet die halbe L�nge der Galaxis entfernt lag und S�braumf�nk genauso auf Interferenzen ansprach wie jede andere interstellare Kommunikationsform. Da zus�tzlich zur kosmischen Hintergrundstrahlung jede in der dazwischenliegenden Distanz befindliche Sonne eigene Radiowellen ausstrahlte und so die �bertragenen Signale st�rte, w�re der Inhalt des Bands kaum noch verst�ndlich.</p><p>�Dann mu� die �bertragung eben mehrmals wiederholt werden�, reagierte O�Mara etwas ungehalten. �Einzelne Worte und Phrasen werden wir bestimmt verwenden k�nnen. Die setzen wir dann st�ckweise zusammen, um daraus den Originaltext zu rekonstruieren. Wir brauchen das Band dringend, und ich sage Ihnen auch, warum.�</p><p>O�Mara erkl�rte ihm rasch, da� die SRTT-Spezies eine sehr lange Lebenserwartung hatte und sich auf hermaphroditischem Wege in sehr gro�en Abst�nden und unter gro�en Schmerzen vermehrte, also Zwitter waren. Aus diesem Grund herrschte zwischen den Erwachsenen und Kindern dieser Spezies eine starke emotionale Bindung und, was unter den gegenw�rtigen Umst�nden noch wichtiger war, eine eiserne Disziplin. Au�erdem konnte man als fast gesichert annehmen, da� ein SRTT stets bem�ht war, bei jeder x-beliebigen Verwandlung die Sprech� und H�rorgane beizubehalten, um mit seinen Artgenossen weiterhin sprechen zu k�nnen.</p><p>Einer der Erwachsenen auf dem Heimatplaneten sollte nun ein paar generelle Bemerkungen aufnehmen, die an Jugendliche gerichtet waren, welche sich gegen ihr besseres Wissen schlecht benahmen. Sobald dieses Band in das Orbit Hospital �bermittelt worden war, w�rde man es �ber die Lautsprecher in den G�ngen und Korridoren abspielen, und k�nnte so den an Gehorsam gegen�ber �lteren gew�hnten Ausrei�er vermutlich zur R�son bringen.</p><p>�Und so sollten wir auch diese kleine Krise in den Griff bekommen�, sagte O�Mara an Conway gewandt, nachdem er den Kommunikator ausgeschaltet hatte. �Mit etwas Gl�ck haben wir unseren Besucher binnen weniger Stunden unter Kontrolle. Ihr Problem w�re damit erledigt, und Sie k�nnen sich wieder in Ruhe Ihrer Arbeit widmen.�</p><p>Der Psychologe verstummte, als er Conways Gesichtsausdruck sah, dann fragte er leise: �Gibt es etwa noch mehr?�</p><p>Conway nickte fast schuldbewu�t, und auf seinen Assistenten deutend, sagte er: �Doktor Prilicla hat noch etwas entdeckt, und zwar durch Empathie. Wie Sie wissen, befindet sich der Patient in einem furchtbaren psychischen Zustand � Kummer um sein sterbendes Elternteil; der Schrecken, der ihm bei der Schleuse sechs in die Glieder gefahren ist, als alle auf ihn einst�rmten; und jetzt mu�te er sich auch noch in der FROB-Kinderstation �bel zurichten lassen. Er ist noch jung und unreif, und diese Erlebnisse haben ihn auf eine Entwicklungsstufe zur�ckgeworfen, wo er nur noch instinktiv wie ein Tier reagiert und. ehm.� � Conway benetzte sich die trockenen Lippen � ��hat eigentlich mal jemand nachgerechnet, wann der SRTT zum letztenmal etwas gegessen hat?�</p><p>Die letzte Frage verfehlte bei O�Mara nicht die Wirkung. Er wurde pl�tzlich bla� und griff wieder nach dem Mikrofon. �Geben Sie mir noch mal Skempton, schnell.! Skempton.? Colonel, ich will nichts �berdramatisieren, aber w�rden Sie bitte das Chiffrierger�t benutzen, das mit Ihrem Apparat verbunden ist? Es ist n�mlich eine weitere Komplikation aufgetreten.�</p><p>Sich abwendend �berlegte Conway, ob er noch einen kurzen Blick auf den sterbenden SRTT werfen oder lieber gleich in seine Abteilung zur�ckgehen sollte. Prilicla hatte zuvor auf der FROB-Kinderstation bemerkt, da� sich der Ausrei�er gegenw�rtig nicht nur in einem Zustand �u�erster Verwirrung befand, sondern auch starke Hungergef�hle ausstrahlte. Erst durch Priliclas Weitervermittlung dieser Erkenntnisse war zun�chst Conway und dann O�Mara und Skempton klargeworden, zu welch einer t�dlichen Gefahr der Besucher geworden war. Nach Conways Meinung benahmen sich die meisten Jugendlichen fast jeder Spezies notorisch selbsts�chtig, brutal und unzivilisiert, und von zunehmenden Hungeranf�llen geplagt, w�rde sich dieser bestimmt in einen Kannibalen verwandeln. In seinem geistig verwirrten Zustand w�rde der junge SRTT wahrscheinlich nicht einmal mehr wissen, was er angerichtet hatte, aber den betroffenen Patienten w�re das sicherlich egal.</p><p>Wenn nur die Mehrheit seiner Patienten nicht so klein und wehrlos w�re. und wom�glich auch noch schmackhaft.</p><p>Andererseits konnte ein Blick auf den �lteren SRTT nicht schaden. Vielleicht w�rde ihm auf diese Weise eine Methode einfallen, wie man den Ausrei�er in den Griff bekommen k�nnte � mit seiner Neugierde an diesem Fall hatte das nat�rlich �berhaupt nichts zu tun.</p><p>Um den Patienten im Tank besser sehen zu k�nnen, dr�ngte er sich ein St�ck vor, wobei er vergeblich bem�ht war, den vor ihm stehenden terrestrischen Arzt nicht anzurempeln, der ihm gerade die Sicht versperrte.</p><p>Der Mann drehte sich ver�rgert um und beschwerte sich: �Warum steigen Sie mir nicht gleich auf den R�cken.? Ach, Sie sind�s, Conway! Sie sind bestimmt hier, um dem ganzen Expertengerangel noch ein paar wilde Spekulationen hinzuzuf�gen, stimmt�s?�</p><p>Es war Mannon, der Arzt, der fr�her Conways Vorgesetzter gewesen war. Mittlerweile war er Chefarzt und auf dem besten Weg, den Status eines Diagnostikers zu erlangen. Gleich nach Conways Ankunft im Hospital hatte sich Mannon mit ihm angefreundet, und er hatte mehrere Male in Conways H�rweite ge�u�ert, er habe nun mal ein weiches Herz f�r streunende Hunde, Katzen und Assistenz�rzte. Gegenw�rtig durfte er h�chstens drei Schulungsb�nder im Gehirn gespeichert haben � das eines tralthanischen Spezialisten f�r Mikrochirurgie, und zwei von Chirurgen der LSVO� und MSVK-Spezies �, so da� seine Reaktionen die meiste Zeit des Tages recht menschlich ausfielen. Im Augenblick beobachtete er gerade mit hochgezogenen Augenbrauen Prilicla, der in der hinteren Reihe herumh�pfte.</p><p>Conway erz�hlte Mannon von dem aufrichtigen Charakter und der hohen Bildung seines neuen Assistenten, bis dieser sagte: �Das reicht, mein Freund, das h�rt sich ja wie ein unverlangtes Empfehlungsschreiben an. Aber im Ernst � etwas Feingef�hl und diese empathische F�higkeit Ihres Assistenten wird Ihnen bei Ihrer gegenw�rtigen Aufgabe eine gro�e Hilfe sein. Das garantiere ich Ihnen. Allerdings finde ich, da� Sie es ziemlich h�ufig mit seltsamen Mitarbeitern zu tun haben � schwebende Pflaumenkn�del, Dinosaurier, Insekten. Sie m�ssen zugeben, das sind doch allesamt sehr eigent�mliche Wesen. Nur bei dieser einen Schwester von Ebene dreiundzwanzig, da haben Sie zugegebenerma�en ausnahmsweise mal einen wirklich guten Geschmack bewiesen.�</p><p>�Sind bei diesem Fall schon irgendwelche Fortschritte erzielt worden, Sir?� fragte Conway, um auf das eigentliche Thema des Gespr�chs zur�ckzukommen. Mannon war der netteste Mensch auf der Welt, aber er hatte die schreckliche Angewohnheit, Leute gerne aufzuziehen, und sei es zu den unm�glichsten Gelegenheiten.</p><p>�Nein�, sagte Mannon, �und das mit den wilden Spekulationen hab ich eben durchaus ernst gemeint. Uns allen f�llt nichts Besseres ein. Wir kommen einfach nicht weiter. Gew�hnliche Diagnosetechniken versagen v�llig. Schauen Sie sich das Ding doch blo� mal an!�</p><p>Mannon machte einen Schritt zur Seite, um ihm den Blick frei zu machen, und der leichte Druck, den Conway auf den Schultern versp�rte, verriet ihm, da� sich Prilicla an ihm aufst�tzte, um auch etwas sehen zu k�nnen.</p><p>Das Wesen in dem Tank sah unbeschreiblich aus, und das aus dem einfachen Grund, weil es offenbar versucht hatte, verschiedene Gestalten auf einmal anzunehmen, als sein Aufl�sungsproze� bereits begonnen hatte. Es besa� sowohl tentakelartige Gliedma�en als auch welche mit Gelenken und hatte stachlige, schrumplige und ledrige Hautstellen, sowie Andeutungen von Kiemen und Mund�ffnungen � das Ganze war ein makabres Durcheinander. Dennoch lagen die physiologischen Details offen zutage, weil die ganze schlaffe Masse aufweichte und wie eine Wachsfigur, die man zu lange der Hitze ausgesetzt hatte, zerflo�. Der K�rper des Patienten sonderte unaufh�rlich Fl�ssigkeit ab, die auf den Boden des Tanks tr�pfelte, wo sich das Wasser sammelte und bereits �ber zehn Zentimeter hoch stand.</p><p>Conway schluckte und sagte: �Setzt man die Anpassungsf�higkeit, die k�rperliche Widerstandsf�higkeit und die Immunit�t gegen Infektionen dieser Spezies in ein Verh�ltnis zu dem verheerenden k�rperlichen Zustand dieses Wesens, m�chte ich meinen, da� das Problem sehr wahrscheinlich psychologischer Natur ist.�</p><p>Mannon musterte ihn von oben bis unten mit fast ehrfurchtsvollem Blick, dann sagte er sp�ttisch: �Ach, psychologischer Natur, wie? Erstaunlich! Aber was sonst sollte ein Wesen, das gegen Verletzungen und bakterielle Infektionen immun ist, in einen solchen k�rperlichen Zustand versetzen, wenn nicht ein kleiner Dachschaden? Aber wollen Sie sich nicht vielleicht etwas n�her dazu �u�ern?�</p><p>Conway lief rot an und sagte lieber nichts.</p><p>Mannon knurrte kurz, dann fuhr er fort: �Die Fl�ssigkeit, die es absondert, besteht nur aus Wasser und ein paar darin enthaltenen unwichtigen Organismen. Wir haben es mit s�mtlichen denkbaren physiologischen und psychologischen Behandlungsmethoden probiert, aber alles ohne Erfolg. Eben hat jemand vorgeschlagen, da� wir den Patienten einfrieren, um so einerseits den 20?hmelzungsproze� zum Stoppen zu bringen und andererseits Zeit zum Nachdenken zu gewinnen. Aber der Vorschlag wurde abgelehnt, weil ein solches Vorgehen den SRTT in seinem gegenw�rtigen Zustand sofort t�ten k�nnte. Ein P�rchen unserer telepathisehen Lebensformen hat versucht, sich in sein Gehirn einzuschleusen, um seinen Verstand auf diese Weise wieder geradezubiegen, und O�Mara hat einen Ausflug ins finsterste Mittelalter unternommen und es mit dieser grausamen Elektroschocktherapie probiert, aber nichts hat funktioniert. Insgesamt gesehen haben wir, in Einzel� oder in Gruppenarbeit, praktisch die Gesichtspunkte und Ratschl�ge s�mtlicher Spezies der Galaxis ber�cksichtigt, und trotzdem k�nnen wir uns keinen Reim darauf machen, was ihm fehlt.�</p><p>�W�rde es sich doch um ein psychologisches Problem handeln�, warf Conway ein, �h�tte ich allerdings erwartet, da� die Telepathen.�</p><p>�Nein�, sagte Mannon. �Bei dieser Lebensform ist das Gehirn gleichm��ig �ber den ganzen K�rper verteilt und befindet sich nicht in einer Gehirnschale oder dergleichen, sonst k�nnte es seine physikalische Struktur nicht so dramatisch ver�ndern. Im Augenblick zieht sich sein Verstand zur�ck, schwindet praktisch dahin, und l�st sich in immer kleinere Bestandteile auf, die so klein sind, da� die Telepathen keinen Zugang zu ihnen haben.</p><p>Diese SRTTs sind schon wirklich verr�ckte Kreaturen�, fuhr Mannon nachdenklich fort. �Sie haben sich nat�rlich aus dem Meer entwickelt, aber sp�ter gab es auf ihrem Heimatplaneten schwere Vulkanausbr�che und Erdbeben � die Oberfl�che wurde mit Schwefel und was sonst noch �berzogen �, und schlie�lich verwandelte eine kleine Instabilit�t ihrer Sonne den Planeten zu dem, was er heute ist � eine W�ste. Sie mu�ten sehr anpassungsf�hig sein, um all das zu �berleben. Auch ihre Fortpflanzungsmethode � die mit der Absto�ung eines Teils des K�rpers vollendet wird, wodurch das Elternteil erheblich an Masse verliert � ist sehr interessant. Das bedeutet n�mlich, da� das Junge mit Teilen der K�rper� und Gehirnzellenstruktur des Elternteils geboren wird. Dabei wird auf das Neugeborene zwar kein bewu�tes, aber unbewu�tes Wissen �bertragen, wodurch es bef�higt wird.�</p><p>�Aber wenn das Elternteil seinem Nachwuchs einen Teil seines K�rpers und Verstandes sozusagen �bertr�gt, hei�t das doch, da� das Unterbewu�tsein jedes Individuums letztendlich auf ein einziges Wesen zur�ckzuf�hren ist, das.�</p><p>�Und im Unterbewu�tsein stecken s�mtliche Psychosen�, mischte sich O�Mara ein, der pl�tzlich hinter ihnen stand. �Sagen Sie am besten nichts mehr, ich hab deswegen schon Alptr�ume gehabt. Allein die Vorstellung, einen Patienten therapieren zu m�ssen, dessen Unterbewu�tsein vor �ber f�nfzigtausend Jahren gepr�gt wurde.�</p><p>Danach war das Gespr�ch schnell zu Ende, und Conway, der sich noch immer um die Aktivit�ten des jungen SRTT sorgte, eilte mit Prilicla in die Neugeborenenabteilung zur�ck. Im ganzen Abschnitt wimmelte es von Wartungsleuten und gr�nuniformierten Monitoren, aber der Ausrei�er war bisher noch nicht wieder aufgetaucht. Conway schickte eine DBDG-Schwester � und zwar die, wegen der Mannon ihn aufgezogen hatte � in die AUGL-Station, die dort im Taucheranzug Wache schieben sollte, weil sich bei den drei kleinen Patienten jeden Augenblick etwas tun konnte, und bereitete sich zusammen mit Prilicla f�r eine Visite auf der Methanstation vor.</p><p>Die Arbeit mit den starrbl�tigen Wesen auf dieser Station war reine Routinesache, und Conway bedr�ngte Prilicla pausenlos mit Fragen �ber den emotionalen Zustand des �lteren SRTT, von dem sie gerade gekommen waren. Aber der GLNO konnte ihm nicht viel weiterhelfen. Alles, was er sagte, war, er habe zwar bei dem Wesen ein starkes Verlangen nach Aufl�sung festgestellt, das er ihm aber nicht eingehender beschreiben k�nne, da ein solches Gef�hl auf Grundlage seiner eigenen bisher gemachten Erfahrungen f�r ihn nicht nachvollziehbar sei.</p><p>Kaum hatten sie die Station verlassen, konnten sie feststellen, da� Colinson in der Zwischenzeit nicht unt�tig gewesen war. Aus den Lautsprechern war das knisternde Ger�usch atmosph�rischer St�rungen zu vernehmen, durch das ein schwach zu vernehmendes Alienkauderwelsch hindurchdrang, das mit Sicherheit von dem �berspielten SRTT-Band stammte. W�re Conway in der Lage des jungen SRTT gewesen, und eine Stimme w�rde durch diesen unglaublichen L�rm hindurch auf ihn einzureden versuchen, h�tte ihn das als kleinen Jungen alles andere als beruhigt. Und sollte die Dichte der Atmosph�re auf dem SRTT-Heimatplaneten h�her sein als die im Hospital, was ziemlich sicher war, w�rde das die Verzerrungen in der Stimme noch unertr�glicher gestalten. Er sagte Prilicla zwar nichts zu diesem Thema, glaubte aber, da� es schon an ein Wunder grenzen m��te, wenn diese Kakophonie zu dem Ergebnis f�hren w�rde, das sich O�Mara davon erhofft hatte.</p><p>Pl�tzlich brach der L�rm ab und wurde durch eine dr�hnende, terrestrische Stimme ersetzt. �Doktor Conway, bitte sofort in der AUGL-Neugeborenenstation melden!� Gleich darauf setzte wieder das knatternde Gejaule ein.</p><p>Conway eilte zum n�chsten Kommunikator und lie� sich mit der AUGL-Station verbinden.</p><p>�Hier spricht Murchison in der AUGL-Schleuse, Doktor�, sagte eine beunruhigte Frauenstimme. �Jemand � ich meine, etwas � ist gerade an mir vorbei in die AUGL-Station gehuscht. Ich dachte zuerst, Sie w�ren das gewesen, aber als es die Innenluke �ffnete, ohne einen Taucheranzug anzulegen, wu�te ich, da� es sich um den fl�chtigen SRTT gehandelt haben mu�te.� Z�gernd fuhr sie fort: �Bei dem Zustand der Patienten im Tank wollte ich die Geschichte erst mit Ihnen kl�ren, bevor ich Alarm schlage, aber ich kann nat�rlich auch sofort.�</p><p>�Nein, nein, das war schon ganz richtig so, Schwester!� unterbrach Conway sie aufgeregt. �Wir kommen gleich.�</p><p>Als er und Prilicla f�nf Minuten sp�ter die Schleuse betraten, hielt die Schwester bereits Conways Anzug bereit. Die physiologischen Merkmale der Schwester, die es den m�nnlichen Mitarbeitern des terrestrischen Personals anscheinend unm�glich machten, sie aus neutraler, medizinischer Distanz zu betrachten, wirkten auch unter ihrem Taucheranzug kaum weniger ablenkend als sonst. Aber im Moment hatte Conway nur Augen f�r das Beobachtungsfenster und das Wesen, das dahinter schwamm.</p><p>Und dieses Wesen sah ihm tats�chlich sehr �hnlich. Die Haarfarbe stimmte, auch die Hautfarbe, und es trug einen wei�en Kittel. Aber die Gesichtsz�ge waren v�llig verschroben: Nase, Mund und Augen verliefen unf�rmig ineinander, und es war einfach ein schrecklicher Anblick. H�nde und Hals pa�ten nicht in den Arztkittel und waren zu �rmel und Kragen geworden. Conway f�hlte sich an eine Bleifigur erinnert, die sch�big gegossen und nachl�ssig angemalt worden war.</p><p>Im Augenblick schien der SRTT keine Bedrohung f�r die kleinen Patienten darzustellen, aber er verwandelte sich schon wieder. Arme und Beine wuchsen langsam zusammen, und aus dem sich ausdehnenden Rumpf traten lange und schmale Ausw�chse hervor, die sich eindeutig zu Flossen entwickeln sollten. Einem Menschen mochte es zwar schwerfallen, einen AUGL-Patienten zu fangen, aber ein SRTT, der sich dem Wasser anpa�te, w�rde sicherlich auch dazu die notwendige Schnelligkeit besitzen.</p><p>�Nichts wie rein!� schrie Conway aufgeregt. �Wir m�ssen den Kerl da raustreiben, bevor er.�</p><p>Aber Prilicla machte keinerlei Anstalten, mit jenen k�rperlichen Verrenkungen zu beginnen, an deren Ende er normalerweise von einer Schutzh�lle umgeben war. �Ich hab eine interessante Ver�nderung hinsichtlich der Qualit�t seiner emotionalen Ausstrahlung festgestellt�, sagte der GLNO. �Zwar empfindet er immer noch Angst und Verwirrung und auch ein �berm�chtiges Hungergef�hl.�</p><p>�Der hat Hunger.?� platzte Murchison entsetzt dazwischen, denn erst jetzt war ihr klargeworden, in welch t�dlicher Gefahr sich die Patienten befanden.</p><p>��aber da ist noch etwas anderes�, fuhr Prilicla unger�hrt fort, �das ich nur als ein hintergr�ndiges Wohlgef�hl bezeichnen kann, verbunden mit demselben Drang nach Aufl�sung, den ich eben bei seinem Elternteil festgestellt hab. Wie es zu diesem pl�tzlichen Wandel gekommen ist, kann ich mir allerdings nicht erkl�ren.�</p><p>Conway aber dachte an seine drg0 kleinen Patienten und an den SRTT,</p><p>der allm�hlich die Gestalt eines Raubfisches annahm, und er sagte nur ungeduldig:</p><p>�Wahrscheinlich, weil seit den letzten Ereignissen auch seine Zurechnungsf�higkeit vermindert ist, und vielleicht f�hlt er sich im Wasser einfach etwas wohler.�</p><p>Pl�tzlich hielt er inne, denn seine Gedanken �berschlugen sich zu schnell, um sie in Worte zu fassen oder gar in eine logische Reihenfolge zu bringen. Vielmehr war es ein wirres Sammelsurium aus Tatsachen, Erfahrungen und wilden Vermutungen, das in seinem Kopf brodelte, sich aber pl�tzlich zu einem unglaublich ruhigen und sehr klaren Bild verdichtete. Er hatte die Antwort!</p><p>Conway war sich sicher, da� die hyperintelligenten �rzte und Diagnostiker auf der Beobachtungsstation nur deshalb noch nicht darauf gekommen waren, weil sie nie in Gegenwart eines empathischen Assistenten dabeigewesen waren, wenn ein junger SRTT, der vor Angst und Kummer kurz vor dem Wahnsinn stand, pl�tzlich in die lauwarme, gr�ne Tiefe eines AUGL-Tanks hineintauchte.</p><p>Wenn ein intelligentes, reifes und seelisch komplexes Wesen zunehmend in unangenehme und schmerzliche Situationen ger�t, die von Mal zu Mal heftiger werden, ist die Folge davon h�ufig eine Flucht aus der Realit�t. Zuerst kommt das Bem�hen, sich in die gl�cklichen Tage der unbeschwerten Kindheit zur�ckzuziehen, dann � sobald sich diese Zeit in der Erinnerung nicht halb so sorgenfrei und unkompliziert darstellt, wie erhofft � erfolgt der ultimative R�ckzug in den Mutterleib und in den starren, geistlosen Zustand der Katatonie.</p><p>Aber f�r einen reifen SRTT war dieser embryonale Zustand der Katatonie nicht leicht zu erreichen. Bedingt durch die spezieseigene Fortpflanzungsmethode, fand er sich n�mlich als Ungeborenes nicht in der warmen, unbewu�ten Geborgenheit des Mutterscho�es wieder, sondern als ein Bestandteil des reifen, erwachsenen K�rpers seines Elternteils. Folglich war er aufgefordert, sich an den Anpassungs� und Entscheidungsprozessen zu beteiligen, die dieser Elternteil zu durchlaufen hatte, zumal der gesamte SRTT-K�rper, jede einzelne Zelle, das Bewu�tsein bildete und bei einem Lebewesen, dessen Zellen beliebig austauschbar waren, jedwede Form der geistigen Trennung unm�glich war.</p><p>Wie sollte man ein Glas Wasser trennen, ohne etwas davon in ein anderes Gef�� zu gie�en?</p><p>Durch seinen angegriffenen Geisteszustand s�he sich der SRTT gezwungen, sich immer weiter zur�ckzuziehen, wobei er feststellen m��te, da� er bei seinen Bem�hungen, in den nicht existenten Mutterleib zur�ckzukehren, nur an einer endlosen Kette von Ver�nderungen und Anpassungen teilgenommen hatte. Er w�rde weit, weit zur�ckgehen m�ssen, bis er schlie�lich jenen geistlosen Zustand erreicht hatte, nach dem er sich sehnte, und sein Verstand, der untrennbar vom K�rper war, zu dem warmen Wasser wurde, in dem es von den Einzellern wimmelte, aus denen er sich urspr�nglich entwickelt hatte.</p><p>Conway kannte jetzt die Ursache f�r den langsamen Aufl�sungsproze� des t�dlich erkrankten SRTT-Elternteils auf der Beobachtungsstation drei. Mehr noch, er glaubte sogar, einen L�sungsweg aus diesem furchtbaren Schlamassel gefunden zu haben. Wenn er sich nur auf die Tatsache st�tzen k�nnte, da� � wie es bei den meisten anderen Spezies der Fall war � ein komplexer und ausgereifter Geist schneller erkrankte als ein noch nicht vollst�ndig entwickelter, junger Verstand.</p><p>Er nahm nur verschwommen wahr, wie er zum Kommunikator ging und erneut O�Mara anrief und wie Schwester Murchison und Prilicla n�her an ihn herantraten, w�hrend er sprach. Dann wartete er eine Weile auf O�Maras Antwort, was ihm wie eine Ewigkeit vorkam, aber der Chefpsychologe mu�te die Informationen erst einmal verarbeiten, um reagieren zu k�nnen.</p><p>�Eine geniale Theorie, Doktor�, sagte O�Mara schlie�lich mit unverhohlener Bewunderung. �Mehr noch als das � ich w�rde sogar behaupten, da� genau das mit unserem Patienten hier vor sich geht. Das mit der Theorie k�nnen Sie also streichen. Schade ist nur, da� unser neues Wissen �ber diese Vorg�nge dem Patienten nichts n�tzt.� �Ich hab auch schon dar�ber nachgedacht�, unterbrach Conway ihn aufgeregt, �und so, wie ich es sehe, ist der Ausrei�er jetzt das dringendste Problem. Wenn er nicht bald eingefangen und geb�ndigt wird, kann das zumindest f�r das Personal und die Patienten in meiner Abteilung ernsthafte Folgen haben. Schon aus rein technischen Gr�nden hat sich Ihre Idee, ihn per Bandeinspielung durch Drohungen in seiner eigenen Sprache zur R�son zu bringen, bislang leider nicht als sehr erfolgreich erwiesen.�</p><p>�Na, das ist sogar noch freundlich ausgedr�ckt.�, warf O�Mara selbstkritisch ein.</p><p>��aber wenn wir diese Idee dahingehend umwandeln, da� das erkrankte Elternteil auf sein Kind beruhigend einredet, k�nnte das den erw�nschten Erfolg haben. Wenn wir also erst den alten SRTT heilen.�</p><p>�Den SRTT heilen! Was, zum Teufel, glauben Sie, haben wir die letzten drei Wochen hier wohl getan?� wollte O�Mara aufgebracht wissen. Als ihm aber allm�hlich d�mmerte, da� Conway weder gescherzt, noch sich bewu�t dumm angestellt, sondern seinen Vorschlag todernst gemeint hatte, forderte er ihn auf weiterzureden.</p><p>Und das tat Conway. Als er fertig war, war aus dem Lautsprecher zun�chst nur ein tiefer, langer Seufzer zu h�ren, aber dann sagte O�Mara aufgeregt: �Gut, ich glaube, Sie haben die Antwort gefunden, und wir werden es trotz des Risikos, das Sie erw�hnt haben, versuchen.� Pl�tzlich klang seine Stimme wieder fest und entschlossen. �Sie leiten die ganze Aktion, Doktor. Schlie�lich wissen Sie besser als jeder andere, was Sie vorhaben. Und nehmen Sie den DBLF-Ruheraum auf Ebene neunundf�nfzig � er liegt in der N�he Ihrer Abteilung und kann schnell evakuiert werden. Wir werden uns ins Kommunikationsnetz einschalten, damit es hier zu keinen Verz�gerungen kommt, und die Spezialger�te, die Sie haben wollen, werden binnen einer Viertelstunde im DBLF-Ruheraum sein. Also k�nnen Sie jederzeit anfangen.�</p><p>Bevor die Leitung unterbrochen wurde, h�rte Conway, wie O�Mara bereits Anweisung gab, da� sich das gesamte Personal der Neugeborenenabteilung � s�mtliche 2Angeh�rige des Monitorkorps und des zivilen Mitarbeiterstabs � in der AUGL-Schleuse den Doktoren Conway und Prilicla zur Verf�gung zu stellen h�tte. Und kaum hatte sich Conway vom Kommunikator abgewandt, f�llte sich die Schleuse bereits mit gr�nuniformierten Monitoren.</p><p>Irgendwie mu�te der junge SRTT in den DBLF-Ruheraum getrieben werden, der zu dessen eigenem Wohl in aller Eile zu einer hinterh�ltigen Falle umgebaut wurde. Der erste Schritt dazu war, ihn aus der AUGL-Station herauszulocken. Diese Aufgabe wurde von zw�lf Monitoren durchgef�hrt, die schwitzend und fluchend in ihren dicken Taucheranz�gen Jagd auf den Ausrei�er machten, bis sie ihn in eine Ecke gedr�ngt hatten, wo ihm nur noch die Eingangsschleuse als Fluchtm�glichkeit blieb.</p><p>Conway, Prilicla und eine andere Monitorgruppe erwarteten den SRTT bereits drau�en auf dem Korridor, als der SRTT aus der Schleuse kam. Jeder einzelne hatte sich spezielle Kleidung angelegt, die ihm Schutz vor den sechs verschiedenen Umweltbedingungen bot, mit der sie es w�hrend der Jagd auf den kleinen Ausrei�er zu tun haben k�nnten.</p><p>Schwester Murchison hatte auch mitkommen wollen � sie m�chte unbedingt bis zum Schlu� dabeisein, hatte sie gesagt. Conway hatte sie aber schroff zurechtgewiesen, da� es gef�lligst ihre Aufgabe sei, die drei AUGL-Patienten im Auge zu behalten, und wenn sie sich nicht daran halten w�rde, k�nne sie ihn einmal von einer anderen Seite kennenlernen.</p><p>Im nachhinein bedauerte er es, ausgerechnet vor Schwester Murchison derart die Beherrschung verloren zu haben, aber seine Nerven waren zum Zerrei�en gespannt. Falls seine Idee, die er gegen�ber O�Mara noch so begeistert vertreten hatte, nicht funktionieren sollte, dann bestand die gro�e Wahrscheinlichkeit, da� es demn�chst zwei anstatt einen unheilbar kranken SRTT-Patienten im Hospital geben w�rde � und �bis zum Schlu� dabeisein�, wie es Murchison ausgedr�ckt hatte, w�re in dem Fall eine zwar makabre, aber wohl zutreffende Formulierung gewesen.</p><p>Der Ausrei�er hatte erneut eine Verwandlung vorgenommen � ausgel�st durch einen dem Willen kaum unterliegenden Verteidigungsmechanismus, der in diesem Fall durch die �u�ere Gestalt seiner H�scher in Gang gesetzt worden war �, und zwar wieder in inen Menschen. Durchn��t wie ein Schwamm, lief er den Korridor entlang, wobei seine Beine wie Gummi waren und an den falschen Stellen einknickten. Die schuppige, gr�uliche Pelle, die er im AUGL-Tank entwickelt hatte, kr�uselte sich und zuckte, bis sie sich schlie�lich gl�ttete und das fleischfarbene Rosa menschlicher Haut und das Wei� eines Arztkittels annahm. Conway konnte den Anblick s�mtlicher Aliens ertragen, ohne innere Qualen zu leiden, selbst wenn diese an den furchtbarsten Krankheiten litten, aber bei dem Anblick dieses SRTT, der im Laufen versuchte, ein Mensch zu werden, fiel es ihm schwer, das letzte Essen im Magen zu behalten.</p><p>Alle wurden v�llig davon �berrascht, da� durch einen Hakenschlag des SRTT die Jagd pl�tzlich in einem MSVK-Korridor weiterging. Die Folge war, da� die Verfolger vor der Innenluke der Verbindungsschleuse zusammenstie�en und in Zeitlupe �bereinanderpurzelten. Die MSVKs waren dreibeinige, leicht an St�rche erinnernde Wesen, die eine �u�erst geringe Anziehungskraft ben�tigten, an die sich DBDGs wie Conway nicht so schnell gew�hnen konnten. Aber w�hrend Conway noch immer langsam zu Boden trudelte, waren die Monitore dank ihres Raumfahrttrainings rasch wieder auf den Beinen, und der SRTT wurde zur�ck in die Sauerstoffabteilung getrieben.</p><p>Zu Conways gro�er Erleichterung hatte diese Aktion nur wenige, anstrengende Minuten gedauert, denn wegen des schwachen Lichts und des fast undurchdringlichen Nebels, den die MSVKs als Atmosph�re bezeichneten, h�tte sich die Suche nach dem SRTT innerhalb der MSVK-Station schwierig gestaltet, sobald er au�er Sichtweite geraten w�re. Und Conway mochte gar nicht daran denken, welche Folgen das in dieser entscheidenden Phase gehabt h�tte.</p><p>Der DBLF-Ruheraum lag nur wenige Minuten entfernt, und der SRTT steuerte jetzt direkt darauf zu. Das Wesen verwandelte sich erneut, dieses Mal in etwas Niedriges, Schweres, das sich auf allen vieren fortbewegte. Es schien sich dabei zusammenzuziehen, zu verdichten, und allm�hlich bildete sich dabei so etwas wie ein R�ckenpanzer heraus. Der SRTT befand sich immer noch in diesem Zustand, als pl�tzlich zwei Monitore, laut br�llend und wild mit den Armen fuchtelnd, aus einem Seitengang hervorsprangen und ihn mit den F��en in den Korridor trieben, der zum Ruheraum f�hrte.</p><p>�aber in dem Korridor war niemand!</p><p>Conway fluchte entsetzlich. Ein halbes Dutzend Monitore h�tte dort bereitstehen sollen, um dem SRTT den Weg zu versperren! Anscheinend war die Aktion bis hierher so z�gig verlaufen, da� sie ihre Positionen noch nicht eingenommen hatten. Wahrscheinlich waren sie noch im Ruheraum, um die Ger�te aufzustellen, und der SRTT w�rde direkt an der T�r vorbeigehen.</p><p>Doch hatte Conway bei seiner �berlegung Priliclas schnell schaltenden Verstand und dessen noch agileren K�rper nicht mit einkalkuliert, denn sein Assistent mu�te die Situation im selben Augenblick wie er erkannt haben. Der kleine GLNO flitzte den Korridor entlang, �berholte im H�llentempo den SRTT, wobei er sich die Decke hinaufgeschwungen hatte, und als er gen�gend Vorsprung hatte, lie� er sich wieder auf den Boden fallen.</p><p>Conway wollte ihn schon warnen, ihm zurufen, da� ein zerbrechlicher GLNO keine Chance besa�, ein Wesen zu verscheuchen, das mittlerweile die Merkmale einer �u�erst beweglichen, gepanzerten Riesenkrabbe angenommen hatte. Dann aber sah er, was sein Assistent vorhatte.</p><p>Etwa zehn Meter vor dem fliehenden SRTT stand in einer Nische eine Elektrobahre, und Conway sah, wie Prilicla schlitternd neben ihr zum Stehen kam, den Startknopf dr�ckte und weiterrannte. Diese Aktion seines Assistenten war keineswegs so tollk�hn, wie es zun�chst den Anschein hatte, sondern geistesgegenw�rtig durchdacht, und das allein z�hlte unter diesen Umst�nden.</p><p>Die Bahre setzte sich unkontrolliert in Bewegung, eierte quer durch den Korridor und versperrte dem heranst�rmenden SRTT den Weg. Es gab ein metallisches Krachen, und gleich darauf stiegen gelbe und schwarze Rauchwolken hoch; die starken Antriebsakkus waren zerst�rt worden und hatten sich kurzgeschlossen. Noch bevor die Ventilatoren die Luft einigerma�en gereinigt hatten, war jden Monitoren gelungen, sich rings um den benommenen und fast regungslosen Ausrei�er zu scharen und ihn in den Ruheraum zu treiben.</p><p>Kurz darauf kam ein Offficer des Monitorkorps auf Conway zu, wobei er mit einer Kopfbewegung auf das merkw�rdige Ger�tesortiment deutete � das erst vor wenigen Minuten in aller Eile hierhergebracht worden war und nun ordentlich gestapelt im Raum verteilt lag �, und er zeigte auf die gr�nuniformierten M�nner, die mit dem R�cken zur Wand standen und alle zur Mitte des gro�en Raums blickten, wo sich der SRTT langsam im Kreis drehte und nach einer Fl�chtm�glichkeit suchte.</p><p>Der Offficer platzte offensichtlich vor Neugier, aber seine Stimme klang �u�erst zur�ckhaltend, als er sagte: �Ich nehme an, Sie sind Doktor Conway. Was sollen wir als n�chstes f�r Sie tun?�</p><p>Conway f�hr sich mit der Zunge �ber die Lippen. Bis jetzt hatte er �ber diesen entscheidenden Augenblick noch nicht viel nachgedacht, allenfalls geglaubt, sein Vorhaben w�rde ihm leichtfallen, weil der SRTT f�r das ganze Hospital zur Gefahr geworden war und besonders in seiner Station so viele Probleme verursacht hatte. Aber jetzt begann ihm der junge Ausrei�er leid zu tun. Schlie�lich war er noch ein Kind, das durch eine ungl�ckliche Verstrickung von Kummer, Ahnungslosigkeit und Panik den Verstand verloren hatte. Falls sich seine Vermutung als falsch herausstellen sollte, dann.</p><p>Conway sch�ttelte die Selbstzweifel und das Gef�hl der eigenen Unzul�nglichkeit ab und sagte in einem f�r ihn ungew�hnlich schroffen Befehlston: �Sie sehen dort diesen Plagegeist in der Mitte des Raums. Ich will, da� er zu Tode erschreckt wird!�</p><p>Nat�rlich mu�te er n�here Angaben machen, aber die Monitore begriffen schnell, worum es ging, und setzten die ihnen zur Verf�gung stehenden Ger�te und L�rmutensilien mit viel Phantasie und Begeisterung ein. Conway erkannte Ausr�stungsgegenst�nde aus der Kommunikationszentrale und den diversen Gro�k�chen und selbst aus der Klimaanlage, die nun allesamt zweckentfremdet wurden. Es gab schrille Pfeifen und heulende Sirenen von ungeheurer Lautst�rke und so einfache Dinge wie zwei Topfdeckel, die gegeneinandergeschlagen wurden. Zu diesem furchterregenden Radau gesellten sich die nicht weniger markersch�tternden Schreie der M�nner, die diese L�rminstrumente bedienten.</p><p>Da� der SRTT Angst bekam, war zwar offensichtlich � Prilicla hielt Conway �ber den emotionalen Zustand des Ausrei�ers die ganze Zeit auf dem laufenden �, aber anscheinend war ihm der Schrecken noch nicht genug in die Glieder gefahren.</p><p>�Ruhe!� br�llte Conway pl�tzlich. �Setzen Sie jetzt die leisen Sachen ein!�</p><p>Das vorausgegangene Get�se war nur der Anfang gewesen. Jetzt erst wurden die wirklich schweren Gesch�tze aufgefahren � die allerdings leise waren, weil jedes Ger�usch, das der SRTT von sich gab, geh�rt werden mu�te.</p><p>Rings um die zitternde Gestalt flackerten Leuchtkugeln auf, die zwar keinerlei Hitze ausstrahlten, aber ein blendendes, wei�gl�hendes Licht von sich gaben. Gleichzeitig wirkten Traktor� und Pressorstrahlen auf den SRTT ein und knufften und zerrten ihn auf dem Boden hin und her, warfen ihn ab und an in die Luft oder pre�ten ihn gegen die Decke. Die Strahlen wirkten nach dem gleichen Prinzip wie die Schwerkraftgitter oder G-G�rtel, waren aber genauer einzustellen und leichter zu handhaben. Andere Strahlentechniker schossen in Richtung der schwebenden und wild um sich schlagenden Gestalt Leuchtkugeln, die sie erst im letzten Augenblick zur�ckzogen oder an ihm vorbeileiteten.</p><p>Der SRTT hatte jetzt wirklich Angst, und zwar so furchtbare Angst, da� selbst Nichtempathen diese sp�ren konnten. Die verschiedenen Gestalten, die das Wesen w�hrend dieser Tortur annahm, w�rden Conway noch wochenlang Alptr�ume bereiten.</p><p>Er nahm ein Mikrofon in die Hand und dr�ckte auf die Sprechtaste. �Gibt es bei Ihnen da oben schon irgendwelche Reaktionen?�</p><p>�Bislang keine�, dr�hnte O�Maras Stimme aus den Lautsprechern, die im ganzen Raum verteilt worden waren. �Egal, was Sie gerade machen, Sie m�ssen noch einen Schritt weitergehen�</p><p>�Aber der SRTT leidet bereits H�llenqualen.�, wandte Prilicla ein.</p><p>�Wenn Sie das nicht verkraften, dann verduften Sie gef�lligst!� raunzte Conway seinen Assistenten an.</p><p>�Immer mit der Ruhe, Conway!� fuhr O�Mara energisch dazwischen. �Ich wei�, wie es Ihnen allen da unten jetzt ergeht, aber bedenken Sie bitte, da� das Endergebnis all das rechtfertigen wird.�</p><p>�Wenn es aber nun nicht klappt.�, begann Conway. �Ach, vergessen Sie�s.� Dann entschuldigte er sich kurz bei Prilicla und sagte schlie�lich zu dem Offcer, der neben ihm stand:</p><p>�Glauben Sie, es gibt irgendeine M�glichkeit, noch mehr Druck auszu�ben?�</p><p>�Ja. Ich m�chte allerdings nicht, da� man mir jemals so etwas antut�, antwortete der Monitor mit ernster Stimme. �Ich schlage vor, wir drehen ihn zus�tzlich in der Luft herum. Einige Spezies werden v�llig demoralisiert, wenn man sie schwindlig dreht.�</p><p>Zu dem Trommelfeuer, dem sich der SRTT durch die Pressorstrahlen ausgesetzt sah, kamen nun zwei Drehbewegungen hinzu. Dabei wurde er nicht nur einfach im Kreis, sondern gleichzeitig um die eigene Achse gedreht, so da� Conway allein vom Zuschauen �bel wurde, und die Leuchtkugeln schwirrten um den SRTT wie verr�ckt gewordene Monde um ihren Hauptplaneten herum. Viele der M�nner versp�rten nichts mehr von ihrer anf�nglichen Begeisterung, und Prilicla schwankte und wankte auf seinen sechs bleistiftd�nnen Beinen hin und her, als sei er von einem Gef�hlssturm erfa�t worden, der ihn wegzublasen drohte.</p><p>Nach Conways Auffassung war es ein gro�er Fehler gewesen, Prilicla hieran teilnehmen zu lassen; man durfte einen Empathen einfach nicht solchen H�llenqualen aussetzen. Eigentlich hatte er von Anfang an alles falsch gemacht, weil die ganze Idee grausam und sadistisch und somit ein Fehler gewesen war, und er kam sich schlimmer als ein Monster vor.</p><p>Hoch oben in der Mitte des Raums stie� der junge SRTT, der nur noch als ein wild rotierender, verschwommener Fleck unter der Decke wahrzunehmen war, hohe, kollernde Angstschreie aus.</p><p>Aus den Lautsprechern dr�hnte pl�tzlich ein H�llenl�rm. Schreie, Rufe, zersplitterndes Glas und hastende Schritte �bert�nten irgendein Ger�usch von etwas anderem, etwas Undefinierbarem, das sich langsam und schwerf�llig zu bewegen schien. Im Hintergrund war O�Maras sich �berschlagende Stimme zu vernehmen, als er irgendwem irgendwelche Anweisungen gab, dann br�llte jemand aus den Lautsprechern: �H�rt um Himmels willen auf da unten! Der oder die Alte von eurem Schreihals da unten ist hier oben aufgewacht und demoliert mittlerweile den ganzen Raum.!�</p><p>Die Pressor� und Traktorstrahlenfolter wurde sofort eingestellt, und man lie� den bedauernswerten SRTT langsam herunter. Dann wartete man gespannt ab, w�hrend die scheppernden Ger�usche und wilden Schreie, die aus der Beobachtungsstation drei �bertragen wurden, ganz allm�hlich leiser wurden, nachdem sie kurz zuvor ihren h�chsten L�rmpegel erreicht hatten. Im ganzen Raum standen die M�nner wie angewurzelt da, sahen sich einander an oder starrten auf das j�mmerlich wimmernde Wesen am Boden oder auf die Lautsprecher. Es knisterte vor gespannter Erwartung.</p><p>Und dann war es soweit.</p><p>Das Ger�usch �hnelte dem Alienkauderwelsch, das einige Stunden zuvor �ber s�mtliche Lautsprecher �bertragen worden war, aber dieses Mal fehlten die statischen St�rungen, und man konnte es deutlich h�ren. Und da alle Anwesenden ihre Translatoren eingeschaltet hatten, wurden die Laute auch �bersetzt.</p><p>Es war der �ltere SRTT, der aus seinem vermeintlich unheilbaren Krankheitszustand ins Leben zur�ckgekehrt war, und der nun beruhigend und tadelnd zugleich auf seinen Spr��ling einredete. Praktisch sagte er dem Kleinen, er solle endlich artig sein und unverz�glich damit aufh�ren, �berall herumzulaufen und sich und alle anderen in helle Aufregung zu versetzen. Au�erdem w�rde ihm nichts geschehen, wenn er nur das tat, was die Wesen um ihn herum von ihm verlangten. Und je eher er sich artig verhielte,</p><p>sagte der alte SRTT zum Schlu�, desto schneller k�nnten sie beide gemeinsam die Heimreise antreten.</p><p>Conway wu�te, da� der Ausrei�er seelisch gesehen furchtbare Pr�gel bezogen hatte, und vielleicht war es des Guten zuviel gewesen. Voll innerer Anspannung beobachtete er den jungen SRTT, der �u�erlich noch immer weder Fisch noch Fleisch oder gar Gefl�gel war und nun auf verschiedenen, nicht zueinander passenden Gliedma�en verst�rt �ber den Boden torkelte. Als der junge Alien schlie�lich einem der Monitore sanft und unterw�rfig gegen die Knie stupste, h�tte er durch den um ihn herum aufbrausenden Jubel fast einen R�ckschlag erlitten.</p><p>�Als Prilicla mir den Tip gab, was dem alten SRTT wirklich fehlte, war ich mir sicher, da� wir nur mit einer drastischen Behandlungsmethode etwas erreichen konnten�, sagte Conway zu den Diagnostikern und Chef�rzten, die sich rings um einen Schreibtisch geschart hatten, der O�Mara auf der Beobachtungsstation als Arbeitsplatz diente.</p><p>Die Tatsache, da� er sich in solch erlauchter Gesellschaft befand, war ein eindeutiges Zeichen f�r die Anerkennung, die man ihm aufgrund seiner zuletzt gezeigten Leistungen zollte. Trotzdem war er sehr aufgeregt, als er fortfuhr: �Sein R�ckzug in den f�r ihn embryonalen Zustand � ausgedr�ckt durch seine v�llige Aufl�sung in einzelne Zellen ohne Bewu�tsein, die in den Urmeeren seines Heimatplaneten schwammen � war bereits weit fortgeschritten, seinem physischen Zustand nach zu urteilen vielleicht sogar zu weit. Major O�Mara hatte bereits verschiedene Schockbehandlungen probiert, auf die der SRTT aber aufgrund seiner unglaublich anpassungsf�higen Zellstruktur nicht ansprach. Meine Idee war nun, die enge seelische wie k�rperliche Bindung zu nutzen, die zwischen einem SRTT-Elternteil und dessen Letztgeborenem besteht, und mich so dem Problem zu n�hern.�</p><p>Conway hielt inne und deutete mit einem Blick auf das um sie herum herrschende Chaos. Die Beobachtungsstation drei sah aus, als w�re eine Bombe explodiert. Er wu�te, da� sich hier ziemlich hektische Minuten abgespielt haben mu�ten, bevor man endlich dem alten SRTT die Situation hatte erkl�ren k�nnen, als er aus dem Zustand der Katatonie herausgekommen war.</p><p>Er r�usperte sich und f�hr fort: �Deshalb haben wir den jungen SRTT in den DBLF-Ruheraum getrieben und versucht, ihm m�glichst viel Angst einzujagen, wobei wir die Laute, die er dabei von sich gab, hierher in die Beobachtungsstation drei �bertragen haben. Und das hat funktioniert. Das Elternteil konnte nicht einfach unt�tig herumliegen, w�hrend sich sein Letztgeborenes und meistgeliebter Spr��ling offenbar in schrecklicher Gefahr befand. Seine elterliche Sorge und Liebe waren letztendlich st�rker als die Psychose, �berwanden sie und besiegten sie sogar und brachten ihn schlie�lich wieder in die Gegenwart und somit in die Realit�t zur�ck. Er konnte sein Kind bes�nftigen, und auf diese Weise war am Schlu� allen gedient.�</p><p>�Aus dem Wenigen, was uns an Wissen zur Verf�gung stand, haben Sie wirklich hervorragende Schl�sse gezogen, Doktor�, bemerkte O�Mara mit unverhohlener Anerkennung. �Mein Kompliment.�</p><p>In diesem Augenblick wurde die Unterhaltung durch den Kommunikator unterbrochen. Schwester Murchison wollte Conway sprechen. Sie berichtete ihm, da� bei den drei AUGLs erste Symptome von Verkn�cherungen der Knorpelgelenke aufgetreten seien und er umgehend kommen m�sse. Conway forderte f�r sich und Prilicla sofort ein AUGL-Band an und unterrichtete die Umstehenden von der Dringlichkeit des Falls. Als die Diagnostiker und Chef�rzte daraufhin allm�hlich den Raum verlie�en, dachte Conway ein wenig entt�uscht, da� Murchisons Anruf ihm m�glicherweise den gr��ten Moment in seinem Leben verdorben hatte.</p><p>�Machen Sie sich nichts draus, Doktor�, sagte O�Mara vergn�gt, der anscheinend wieder einmal seine Gedanken hatte lesen k�nnen. �W�re der Anruf f�nf Minuten sp�ter gekommen, w�re bei all dem Lob, das Sie erhalten h�tten, Ihre Brust wom�glich so stolzgeschwellt gewesen, da� Sie nicht einmal mehr durch die T�r gepa�t h�tten.�</p><p>Zwei Tage sp�ter hatte Conway seinen ersten und einzigen Disput mit Dr. Prilicla. Er bestand darauf, da� ohne die Hilfe von Priliclas empathischer F�higkeit � ein f�rwahr unglaublich genaues und n�tzliches Diagnosemittel � und Murchisons Wachsamkeit die Heilung aller drei AUGLs niemals m�glich gewesen w�re.</p><p>Der GLNO hingegen stellte fest, da� es ihm zwar v�llig gegen den Strich gehe, den Ansichten seines Vorgesetzten zu widersprechen, Conway sich aber in diesem Fall total irre.</p><p>Murchison bemerkte nur, sie freue sich, geholfen haben zu k�nnen, und bat Conway um ein paar freie Tage.</p><p>Conway bewilligte ihr den Kurzurlaub, dann setzte er den Streit mit Prilicla fort, obwohl er wu�te, da� er keine Chance hatte, diesen jemals zu gewinnen.</p><p>Dabei wu�te er wirklich, da� er die AUGL-Kinder ohne die Hilfe des kleinen Empathen niemals h�tte retten k�nnen � wahrscheinlich nicht einmal eins. Aber er war nun mal der Chef � und wenn ein Chef und sein Untergebener etwas erfolgreich zu Ende f�hren, scheint die Anerkennung generell nur dem Chef zu gelten.</p><p>Der Streit, wenn das der richtige Ausdruck f�r eine im Wesen freundschaftliche Auseinandersetzung war, dauerte Tage an. Auf den Neugeborenenstationen ging die Arbeit gut von der Hand, und es gab keine ernsthaften Probleme, �ber die sie sich die K�pfe h�tten zerbrechen m�ssen. Allerdings wu�ten sie weder etwas von dem Schiffswrack, das gerade zum Orbit Hospital abgeschleppt wurde, noch von dem einzigen �berlebenden, der sich darin befand.</p><p>Und was Conway zudem nicht wissen konnte, war, da� binnen der n�chsten zwei Wochen das gesamte Hospitalpersonal nur noch ver�chtlich �ber ihn reden w�rde.</p><p>F�nfter Teil Ein Schiffbr�chiger Der Monitorkreuzer Sheldon tauchte etwa achthundert Kilometer vom Orbit Hospital entfernt in den Normalraum ein. Das Wrack, das der eigentliche Anla� seines Kommens war, wurde dabei innerhalb des Kraftfelds der Hypergeneratoren sanft am Rumpf gehalten. Aus dieser Entfernung wirkte die gewaltige, hellerleuchtete Konstruktion, die im interstellaren Raum am Rande der Galaxis schwebte, auf den Captain des Monitorkorps nur wie ein verschwommenes Lichtermeer, zumal er mit den Gedanken ganz woanders war, denn er hatte eine wichtige Entscheidung zu treffen. Irgendwo innerhalb des Wracks, das er geborgen hatte, befand sich ein �berlebender, der dringend �rztlicher Hilfe bedurfte. Aber der Handlungsspielraum des Captains war eingeschr�nkt, denn wie jeder gute Monitor machte er sich Gedanken �ber m�gliche Auswirkungen auf unschuldige Beteiligte � in diesem Fall das Personal und die Patienten des gr��ten Hospitals der Galaxis.</p><p>Er nahm sofort Kontakt mit der Funkzentrale des Orbit Hospitals auf und erkl�rte die Situation. Von dort wurde ihm versichert, man werde sich umgehend um die Angelegenheit k�mmern. Da das gesundheitliche Wohlergehen des �berlebenden jetzt in kompetenten H�nden lag, entschied sich der Captain, die Untersuchung des Wracks, das jeden Augenblick vor seinen Augen zu explodieren drohte, nun mit klarem Kopf wiederaufzunehmen.</p><p>Conway sa� unbehaglich auf einem an sich sehr behaglichen Sessel in O�Maras B�ro und sah �ber den riesigen, unaufger�umten Schreibtisch hinweg in das scharfkantige Gesicht des Chefpsychologen.</p><p>�Jetzt beruhigen Sie sich erst mal, Doktor�, begann O�Mara etwas unvermutet, denn offenbar hatte er Conways Gedanken lesen k�nnen. �Wenn Sie hier w�ren, weil ich Ihnen von hoher Stelle einen R�ffel erteilen soll, h�tte ich Ihnen ein Nagelbett als Sitzgelegenheit angeboten. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich bin n�mlich statt dessen beauftragt worden, Ihnen kr�ftig auf die Schulter zu klopfenie sind bef�rdert worden, Doktor.</p><p>Herzlichen Gl�ckwunsch. Sie sind ab sofort, und der Himmel stehe uns bei, ein richtiger Chefarzt.�</p><p>Bevor Conway sich �u�ern konnte, hob der Psychologe warnend die Hand und fuhr fort: �Meiner Meinung nach war das ein haarstr�ubender Fehler. Aber anscheinend hat Ihr Erfolg mit dem sich aufl�senden SRTT und Ihre Rolle bei der Behandlung des schwebenden Dinosauriers die da oben m�chtig beeindruckt � die glauben doch tats�chlich, es h�tte etwas mit Ihrem K�nnen zu tun gehabt, und nicht, da� es reine Gl�ckssache war. Was mich angeht�, merkte er grinsend an, �w�rde ich Ihnen nicht einmal meinen beschissenen Blinddarm anvertrauen.�</p><p>�Sie sind wirklich immer wieder zu freundlich, Doktor�, bemerkte Conway trocken.</p><p>O�Mara grinste erneut. �Was erwarten Sie denn? Lob? Meine Aufgabe ist es, die Leute auf den Boden der Tatsachen zur�ckzuholen, und nicht, sie abheben zu lassen. Aber ich sollte Ihnen erst mal eine Minute Zeit geben, Ihren frisch erlangten Ruhm innerlich zu verdauen.�</p><p>Conway wu�te die Bef�rderung sehr wohl zu sch�tzen und auch, was das in Zukunft f�r ihn zu bedeuten hatte. Er freute sich wirklich, zumal er nie damit gerechnet hatte, innerhalb der n�chsten zwei Jahre zum Chefarzt ernannt zu werden � aber er versp�rte auch etwas Angst.</p><p>Von nun an w�rde er eine Armbinde mit rotem Rand tragen und wie die anderen Chef�rzte und Diagnostiker in den Fluren und G�ngen und Kantinen vor allen anderen Vorrang haben und s�mtliche Ausr�stung oder Hilfe erhalten, die er anforderte. Allerdings trug er damit auch die volle Verantwortung f�r die ihm anvertrauten Patienten, ohne sich davor dr�cken oder den Schwarzen Peter weitergeben zu k�nnen. Seine pers�nliche Freiheit w�rde dadurch stark eingeschr�nkt sein. Au�erdem m��te er Schwestern unterrichten, Assistenz�rzte ausbilden und mit ziemlicher Sicherheit an einem langfristigen Forschungsprojekt mitarbeiten. Diese Aufgaben machten es erforderlich, wenigstens eins, vielleicht sogar zwei Physiologieb�nder fast permanent im Kopf gespeichert zu haben. So eine Bef�rderung hatte also durchaus ihre Schattenseiten. Chef�rzte, die regelm��ig unterrichteten, waren sogar verpflichtet, ein oder zwei dieser B�nder stets gespeichert zu haben, und wie Conway wu�te, war das alles andere als ein Vergn�gen. Das einzig Tr�stliche war, da� es ihm nicht ganz so schlimm ergehen w�rde wie einem Diagnostiker, der der geistigen Elite des Hospitals angeh�rte und eines jener seltenen Wesen war, deren Psyche und Verstand als ausreichend stabil erachtet wurde, permanent sechs, sieben oder gar zehn B�nder gleichzeitig im Kopf zu haben. Ihren mit Daten vollgestopften Hirnen oblag in erster Linie die Aufgabe, medizinische Grundlagenforschung zu leisten und neue Krankheiten bislang unbekannter Lebensformen zu diagnostizieren und zu behandeln.</p><p>Im Hospital gab es das gefl�gelte Wort � das angeblich vom Chefpsychologen selbst stammte �, da� jeder geistig Zurechnungsf�hige, der freiwillig Diagnostiker werden wollte, schon von vornherein verr�ckt sein mu�te.</p><p>Mit einem Schulungsband wurden einem n�mlich nicht nur die physiologischen Fakten einer Spezies ins Gehirn eingetrichtert, sondern auch die Pers�nlichkeit und das Ged�chtnis des Wesens, das dieses Wissen besessen hatte. Auf diese Weise setzte sich ein Diagnostiker freiwillig einer h�chst drastischen Form multipler Schizophrenie aus.</p><p>Pl�tzlich wurden Conways Gedankeng�nge von O�Maras Stimme unterbrochen.</p><p>��und da Sie sich jetzt ein ganzes St�ck gr��er f�hlen und es wahrscheinlich kaum erwarten k�nnen, aus diesem B�ro rauszukommen, hab ich eine neue Aufgabe f�r Sie. Ein Wrack ist bis hierher geschleppt worden, in dem sich ein �berlebender befindet. Unsere �blichen Methoden, einen Verletzten zu bergen, n�tzen uns in diesem Fall offenbar nichts. Die physiologische Klassifikation ist unbekannt � wir haben nicht einmal das Schiff identifizieren k�nnen und deshalb nicht die geringste Ahnung, was der �berlebende i�t, was er atmet oder wie er aussieht. Ich will, da� Sie sich dorthin begeben und die Lage peilen, mit dem einzigen Ziel, das Wesen so schnell wie m�glich zur Behandlung hierherzubringen.</p><p>Nach unseren Informationen werden die Bewegungen des Wesens im Innern des Wracks immer schw�cher. Die Sache duldet also keinen Aufschub.�</p><p>�Ja, Sir�, sagte Conway und stand sofort auf. An der T�r blieb er noch einmal kurz stehen, blickte sich mit einem triumphierenden Blick um und sagte zum Abschied: �Ach, noch etwas. ich hab �brigens Ihren, wie Sie es nennen, �beschissenen Blinddarmc. Kellerman hat Ihnen den Appendix vor drei Jahren rausgenommen. Er hat ihn damals konserviert und ihn sp�ter als Schachtroph�e gestiftet. Steht bei mir im B�cherregal.�</p><p>O�Maras einzige Reaktion war eine kaum merkliche Neigung des Kopfs, wobei er die Lippen sch�rzte, als h�tte man ihm ein Kompliment gemacht.</p><p>Sp�ter mu�te sich Conway �ber sich selbst wundern, welche Frechheit er gegen�ber dem Chefpsychologen an den Tag gelegt hatte, wahrscheinlich war ihm die Bef�rderung bereits zu Kopf gestiegen.</p><p>Nachdem er O�Maras B�ro verlassen hatte, begab er sich gleich an den n�chsten Kommunikator und rief in der Transportabteilung an. �Hier spricht Doktor Conway. Ich hab einen dringenden ambulanten Fall und brauche eine F�hre. Au�erdem eine Schwester, die mit Analyseger�ten umzugehen wei� und wenn m�glich Erfahrung bei der Bergung von Schiffbr�chigen hat. Ich werde in wenigen Minuten bei der Einla�schleuse acht sein.�</p><p>Den Weg zur Schleuse legte er alles in allem z�gig zur�ck. Nur einmal mu�te er den R�cken gegen die Wand pressen, als sich ein tralthanischer Diagnostiker auf seinen sechs elefantenartigen Beinen geistesabwesend an ihm vorbeischleppte, wobei das winzige und nicht mit �berm��ig viel Intelligenz gesegnete OTSB-Wesen, das mit ihm in Symbiose lebte, an seinem lederartigen R�cken haftete. Conway scherte es nicht die Bohne, einem zerstreuten Diagnostiker den Weg frei zu machen, schlie�lich gab es in der ganzen Galaxis keine besseren Chirurgen als diese tralthanische Kombination aus FGLIs und OTSBs. Ansonsten aber lie�en alle anderen ihm den Vortritt, wobei es sich zumeist um Schwestern oder Pfleger der DBLF-Klassifikation und ein paar vogelartige LSVOs handelte.</p><p>Das bewies einmal mehr, wie hervorragend die Ger�chtek�che im Orbit Hospital funktionierte, denn er trug noch immer seine alte Armbinde.</p><p>Seine neu erlangte Gr��e schrumpfte durch den auf ihn bei der Schleuse acht wartenden Alien wieder rasch auf Normalma� zusammen. Es handelte sich um eine pelzige, vielbeinige DBLF-Schwester, die, kaum war er in Sichtweite, sofort zu jammern und zu klagen anfing, wie es Conway �ber seinen Translator unschwer mitbekam.</p><p>�Ich warte schon �ber sieben Minuten auf Sie�, beschwerte sich die Schwester. �Mir wurde gesagt, es handle sich um einen dringenden Notfall, trotzdem kommen Sie hier in einem Tempo angeschlichen, als h�tten Sie das Temperament einer Wanderd�ne.�</p><p>Da der Translator ihre Stimme jeden emotionalen Inhalts beraubte, war nicht herauszuh�ren, ob die Schwester ihre Bemerkung v�llig scherzhaft, nur halb ernst oder als eine reine Feststellung verstanden wissen wollte, die ihrer Ansicht nach vielleicht nicht einmal respektlos gemeint war. Letzteres bezweifelte Conway allerdings stark, doch war ihm klar, da� ein Wutausbruch zu diesem Zeitpunkt nichts einbringen w�rde.</p><p>Er atmete tief durch und sagte etwas gro�spurig: �M�glicherweise h�tte ich Ihre Wartezeit verk�rzen k�nnen, wenn ich gelaufen w�re. Ich bin aber aus dem einfachen Grund dagegen, durch das Hospital im Laufschritt zu rennen, da es mir meine Position als Arzt verbietet, durch unn�tige Hast einen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Die Leute glauben n�mlich dann, ich sei aus irgendeinem Grund in Panik geraten, und zweifeln sofort an meinen F�higkeiten. Nur damit Klarheit herrscht.�, f�gte er hinzu, ��ich bin also nicht im Schneckentempo geschlichen, sondern mit festem und nicht �berhastetem Schritt hierhergekommen. Das klingt doch schon ganz anders, nicht wahr?�</p><p>Das Ger�usch, das die DBLF-Schwester daraufhin von sich gab, war un�bersetzbar.</p><p>Conway bestieg als erster die kleine F�hre, und Sekunden sp�ter schossen sie durch die Schleuse hindurch in den freien Raum. Auf dem Heckbildschirm der F�hre sah man, wie sich das Lichtermeer des Orbit Hospitals langsam verdichtete uu schrumpfen begann, und Conway kam ins Gr�beln.</p><p>Es war nicht das erstemal, da� er zu einem Wrack gerufen wurde, und er wu�te, wie die Sache angefa�t werden mu�te. Aber erst jetzt wurde er richtig gewahr, da� er von nun an f�r alles, was geschehen w�rde, die alleinige Verantwortung trug. Falls etwas schiefgehen sollte, konnte er nicht einfach jemanden um Hilfe bitten. Zwar hatte er das schon fr�her so gut wie nie getan, aber es war immer ein beruhigendes Gef�hl gewesen, zu wissen, dies im Notfall tun zu k�nnen. Er versp�rte das dringende Verlangen, seine neu auferlegte Verantwortung mit jemand teilen zu k�nnen � zum Beispiel mit Dr. Prilicla, diesem sanftm�tigen, einf�hlsamen Alien, der sein Assistent in der Neugeborenenabteilung gewesen war, oder mit irgendeinem anderen seiner terrestrischen oder nichtterrestrischen Kollegen.</p><p>W�hrend der Fahrt zu dem Wrack strapazierte die DBLF-Schwester, die sich mit Namen Kursedd vorstellte, Conways Geduld bis aufs �u�erste. Sie besa� �berhaupt kein Taktgef�hl, und obwohl Conway den Grund daf�r kannte, fiel es ihm trotzdem schwer, damit klarzukommen.</p><p>Kursedds Spezies war zwar nicht telepathisch veranlagt, aber untereinander konnten die DBLFs die Gedanken ihres Gegen�bers mit gro�er Genauigkeit an dessen �u�eren Merkmalen ablesen. Bei vier Augen und zwei H�rorganen, die allesamt wie Teleskopantennen ausgefahren werden konnten, einem Pelz, der seidenweich anliegen oder wie die strubbeligen Haare eines frisch gebadeten Hundes abstehen konnte, sowie verschiedenen anderen h�chst wandelbaren �u�eren Merkmalen, deren Ausdruck unbewu�t gesteuert wurde, war es verst�ndlich, da� diese raupenartige Spezies noch nie etwas von diplomatischen Umgangsformen geh�rt hatte. Unweigerlich sagten die DBLFs das, was sie dachten, weil sich ihre Gedanken einem anderen Angeh�rigen ihrer Spezies sowieso offenbarten. Etwas anderes zu sagen, als man dachte, w�re also ausgesprochen dumm gewesen.</p><p>Wie aus dem Nichts tauchte pl�tzlich vor ihnen der Kreuzer der Monitorkorps und das daneben h�ngende Wrack auf.</p><p>Au�er dem hellorangefarbenen �u�eren unterschied sich das Wrack kaum von irgendeinem der anderen, die er bislang gesehen hatte. In dieser Hinsicht waren Schiffe wie Menschen, meinte Conway, denn ein gewaltsames Ende beraubte sie jedes individuellen Merkmals.</p><p>Er wies Kursedd an, das Wrack ein paarmal zu umkreisen, wobei er an das vordere Beobachtungsfenster trat. Auf kurze Distanz konnte man die innere Struktur gut erkennen, da es durch das Ungl�ck praktisch in zwei Teile zertrennt worden war. Es bestand aus dunklem und normal aussehendem Metall, also mu�te es sich bei dem grellen Orange um einen ganz normalen Anstrich und nicht um eine Verf�rbung des Schiffsk�rpers handeln. Conway registrierte diese Tatsache mit gro�er Aufmerksamkeit, denn die Anwendung einer bestimmten Farbe lie� ziemlich exakt auf die Sichtweise der Sehorgane einer Spezies schlie�en und somit auf den Grad der Lichtdurchl�ssigkeit und die Beschaffenheit der Atmosph�re ihres Heimatplaneten. Nach einigen Minuten stellte er fest, da� er durch eine Au�enbesichtigung des Wracks mehr nicht in Erfahrung bringen konnte, und er gab Kursedd das Zeichen, an die Sheldon anzudocken.</p><p>Die Schleusenvorkammer des Kreuzers war klein und wirkte im Moment noch enger, als sie eh schon war, da sich in ihr einige gr�nuniformierte Monitore aufhielten. Sie begutachteten heftig diskutierend ein seltsam aussehendes mechanisches Ger�t auf dem Boden, das offenbar aus dem Wrack geborgen worden war. Die kleine Halle war erf�llt von technischen Fachausdrucken, mit denen sich diese Spezialisten gegenseitig bewarfen, und niemand schien den Arzt und die Schwester zu beachten. Erst als sich Conway zweimal laut vernehmlich r�usperte, l�ste sich ein Offficer mit den Insignien eines Majors aus der Gruppe � ein schmalgesichtiger Mann mit grau werdendem Haar � und ging auf die beiden zu.</p><p>�Captain Summerfield�, sagte er knapp, wobei er einen letzten sehns�chtigen Blick auf das Ding hinter sich auf dem Boden warf. �Ich nehme an, Sie sind also diese Wunderheiler aus dem Hospital, richtig?�</p><p>Conway f�hlte sich gereizt. Nat�rlich hatte er Verst�ndnis f�r diese Leute � ein verungl�cktes Schiff, das zu einer unbekannten, fremden Zivilisation geh�rte, war ein �u�erst seltener Fund; eine technologische Schatzkammer von unerme�lichem Wert �, aber er selbst dachte anders. F�r ihn rangierte die Erforschung von Sch�pfungen fremder Spezies in ihrer Bedeutung weit hinter dem Studium, der Untersuchung und der letztendlichen Wiederherstellung fremden Lebens. Und deshalb kam er auch gleich zur Sache.</p><p>�Captain Summerfield, wir m�ssen so schnell wie m�glich die Umweltbedingungen des �berlebenden ermitteln und sie dann reproduzieren�, sagte er in einem ungew�hnlich barschen Ton, �und zwar sowohl im Hospital als auch in der F�hre, die ihn dorthin bringen wird. K�nnten Sie uns jemanden zur Verf�gung stellen, der uns das Wrack genauer zeigt? M�glichst einen kompetenten Fachmann, der wei�, wie man.�</p><p>�Sicherlich�, unterbrach ihn der Captain. Es schien, als wollte er noch etwas sagen, aber dann zuckte er nur die Achseln, drehte sich um und schrie: �Hendricks!� Ein Lieutenant, der nur die untere H�lfte eines Raumanzugs trug und einen ziemlich abgespannten Eindruck machte, kam zu ihnen her�ber. Der Captain stellte ihn kurz vor, dann begab er sich wieder zu dem r�tselhaften Ding auf dem Boden zur�ck.</p><p>�Wir werden schwere Raumanz�ge ben�tigen�, sagte Hendricks. �F�r Sie, Doktor Conway, hab ich einen. Aber bei Ihnen, Doktor Kursedd, sehe ich schwarz. Sie sind ein DBLF und.�</p><p>�Kein Problem�, warf Kursedd schnell ein. �Ich hab einen Anzug in der F�hre. Lassen Sie mir nur ein paar Minuten Zeit.�</p><p>Die DBLF-Raupe kroch auf die Luftschleuse zu. Ihr Pelz hob und senkte sich dabei in langsamen Wellen, die beim relativ d�nnbehaarten Halsansatz begannen und sich bis zum buschigen Schwanzende fortsetzten. Conway hatte Hendricks schon korrigieren wollen, als er Schwester Kursedd mit �Doktor� angeredet hatte. Ihm war aber pl�tzlich klargeworden, da� diese falsche Titulierung bei der DBLF-Raupe eine starke emotionale Reaktion hervorgerufen hatte � das sich pl�tzlich kr�uselnde Fell mu�te jedenfalls der Ausdruck f�r irgendein Gef�hl gewesen sein. Da er selbst kein DBLF war,</p><p>konnte er allerdings nicht sagen, ob die Schwester damit Freude oder Stolz ausdr�ckte, versehentlich f�r eine �rztin gehalten worden zu sein, oder ob sie sich am liebsten vor Lachen �ber diesen Irrtum eins ihrer vierunddrei�ig Beine ausgerissen h�tte. Da diese Angelegenheit sowieso nicht von Belang war, entschied sich Conway, einfach nichts dazu zu sagen.</p><p>Die n�chste Gelegenheit, bei der Hendricks die Schwester mit �Doktor Kursedd� anredete, war, als sie das Wrack bestiegen. Dieses Mal blieb ihre emotionale Reaktion allerdings unter der Sch�tzh�lle ihres Raumanzugs verborgen.</p><p>�Und was ist hier passiert?� fragte Conway, w�hrend er sich neugierig umsah. �Ein Unfall, eine Kollision oder so etwas?�</p><p>�Unsere Theorie ist, da� eins der beiden Generatorenpaare, durch die das Schiff w�hrend der �berlichtgeschwindigkeit im Hyperraum gehalten wird, aus irgendeinem Grund ausgefallen ist�, antwortete Lieutenant Hendricks. �Eine H�lfte des Schiffs kehrte pl�tzlich in den Normalraum zur�ck, was automatisch bedeutet, da� sie weit unter Lichtgeschwindigkeit abgebremst wurde. Dadurch wurde das Schiff in zwei Teile zerrissen. Der Abschnitt mit den schadhaften Generatoren wurde zur�ckgelassen, weil nach dem Unfall das verbleibende Generatorenpaar f�r etwa eine Sekunde weiterarbeitete. Dabei scheinen noch verschiedene Sicherheitsmechanismen ausgel�st worden zu sein, die das Leck abdichten sollten. Das war nat�rlich sinnlos, da bei dem Zwischenfall praktisch das ganze Schiff zerfetzt wurde. Aber es wurde noch ein automatisches Notrufsignal abgesetzt, das wir gl�cklicherweise aufgefangen haben. Und offenbar herrscht in einem Teil des Wracks irgendwo noch Druck, da wir Bewegungsger�usche eines �berlebenden feststellen konnten.</p><p>Was mir allerdings nicht aus dem Kopf gehen will, ist, in welchen Zustand sich die andere H�lfte befindet�, schlo� er nachdenklich. �Ein Notrufsignal ist von dort jedenfalls nicht ausgesandt worden, sonst h�tten wir das mitbekommen. Aber auch dort k�nnte es �berlebende geben.�</p><p>�Denen wird leider niemand mehr helfen k�nnen�, sagte Conway nachdenklich, dann f�hr er mit fester Stimme fort: �Aber den �berlebenden hier werden wir retten. Wie kann ich an ihn herankommen?�</p><p>Hendricks �berpr�fte den Sitz der G-G�rtel und der Sauerstoffbeh�lter ihrer Anz�ge, dann sagte er: �Vorl�ufig wird das leider nicht gehen. Folgen Sie mir, und ich werde Ihnen zeigen, warum.�</p><p>Wie sich Conway erinnerte, hatte O�Mara zuvor bereits erw�hnt, man habe Probleme, an den Alien heranzukommen, allerdings hatte der Chefpsychologe angenommen, da� der Grund daf�r wie �blich lose Wrackteile waren, die den Weg versperrten. Aber aufgrund des sachkundigen Blicks des Lieutenant im besonderen und der bekannten Leistungsf�higkeit des Monitorkorps im allgemeinen war Conway sicher, da� es sich nicht um ein gew�hnliches Problem handeln konnte.</p><p>Als sie tiefer in das Wrack vordrangen, war das Innere des Schiffs allerdings bemerkenswert frei. Ein paar lose Teile schwebten herum, aber nichts versperrte ihnen den Weg. Erst als Conway sich genauer umsah, erkannte er den vollen Umfang des Schadens. Es gab praktisch keine Rohre, Tr�ger oder Trennw�nde, die nicht zerst�rt oder aus ihren Verankerungen gerissen worden waren.</p><p>Auf der gegen�berliegenden Seite der Kabine, die sie gerade betreten hatten, sah er eine schwere Stahlt�r, die aufgeschwei�t worden war, wobei rings um sie �berall Spuren von schnell trocknender Dichtungsmasse zu erkennen waren, die man normalerweise f�r provisorische Luftschleusen verwandte.</p><p>�Genau das ist unser Problem�, erkl�rte Hendricks, als Conway ihn fragend anblickte. �Durch die Katastrophe ist das Schiff praktisch in seine Bestandteile zerlegt worden. H�tten wir hier keine Schwerelosigkeit, w�rde es um uns herum einfach auseinanderfallen.�</p><p>Er brach ab, um Kursedd zu helfen, die Schwierigkeiten hatte, durch das Loch in der T�r zu schl�pfen, dann fuhr er fort: �Alle luftdichten T�ren m�ssen sich automatisch geschlossen haben, aber bei dem Zustand des Schiffs bedeutet allein die Tatsache einer geschlossenen luftdichten T�r noch lange nicht, da� dahinter auch noch Druck herrscht. Und obwohl wir glauben, den manuellen �ffnungsmechanismus herausgefunden zu haben, k�nnen wir nicht absolut sicher sein, ob wir bei Anwendung dieser Methode nicht nur eine, sondern gleich s�mtliche T�ren �ffnen, was f�r den �berlebenden t�dliche Folgen h�tte.�</p><p>Conway vernahm im Kopfh�rer ein kurzes, schweres Seufzen, dann fuhr der Lieutenant fort: �Deshalb haben wir uns gezwungen gesehen, vor jedem Schott, auf das wir getroffen sind, erst einmal eine Schleuse zu errichten. Sollte sich auf der anderen Seite eine Atmosph�re befinden, wenn wir uns durchschwei�en, wird der Druckabfall auf diese Weise nur geringf�gig sein. Das ist nat�rlich eine sehr zeitaufwendige Geschichte, aber es gibt leider kein Schnellverfahren, durch das die Sicherheit des Aliens nicht gef�hrdet w�re.�</p><p>�Dann m�ssen eben mehr Bergungstrupps eingesetzt werden�, schlug Conway vor. �Falls Sie auf Ihrem Schiff nicht gen�gend Leute haben, k�nnen wir welche vom Hospital kommen lassen. Das w�rde den Zeitaufwand erheblich verk�rzen.�</p><p>�Nein, Doktor!� unterbrach ihn Hendricks energisch. �Was glauben Sie, warum wir wohl achthundert Kilometer vom Hospital entfernt in Position gegangen sind? Es gibt Hinweise, da� im Wrack noch ein gewaltiger Energievorrat gelagert ist. Und bevor wir nicht wissen, wie und wo er gespeichert ist, m�ssen wir sehr umsichtig vorgehen. Nat�rlich wollen wir den Alien retten, aber wir haben eigentlich nicht vor, mit ihm zusammen in die Luft zu fliegen. Hat man Ihnen davon im Hospital nichts gesagt?�</p><p>Conway sch�ttelte den Kopf. �Vielleicht wollten die nicht, da� ich mir unn�tig Sorgen mache.�</p><p>Hendricks lachte. �Das will ich auch nicht. Im Ernst, die Wahrscheinlichkeit einer Explosion ist verschwindend gering,�� vorausgesetzt, wir treffen die geeigneten Vorsichtsma�nahmen. Aber wenn wir hier �berall Leute mit Schwei�ger�ten herumschwirren lassen, die das ganze Wrack auseinandernehmen, dann ist eine Katastrophe so gut wie gewi�.�</p><p>W�hrend der Lieutenant geredet hatte, waren sie durch zwei weitere Kabinen und einen kurzen Korridor gegangen. Conway fiel auf, da� die Innenausstattung jeder Kabine eine unterschiedliche Farbzusammenstellung hatte. Die Spezies des �berlebenden mu�te also, jedenfalls nach der Innendekoration zu urteilen, h�chst individuelle Geschmacksauffassungen haben.</p><p>�Und wann werden wir Ihrer Meinung nach bis zu dem �berlebenden vorgedrungen sein?� fragte er den Monitor.</p><p>Das sei eine einfache Frage, die allerdings eine lange und komplizierte Antwort erfordere, gestand Hendricks fast reum�tig. Der Alien hatte seine Anwesenheit durch Ger�usche kundgetan, oder genauer gesagt, durch die Schwingungen, die seine Bewegungen im Schiff verursacht hatten. Der Zustand des Schiffs und der Umstand, da� seine Bewegungen von unregelm��iger Dauer waren und immer schw�cher wurden, machten es aber unm�glich, seinen Aufenthaltsort mit Sicherheit zu bestimmen. Zur Zeit arbeitete man sich auf den Mittelpunkt des Wracks zu, weil man dort noch am ehesten einen unzerst�rten und luftdichten Kabinenabschnitt vermutete. Wegen des Krachs und der Vibrationen, die der Bergungstrupp dabei bereits verursachte, hatte man irgendwelche sp�tere Bewegungen des �berlebenden leider nicht mehr registrieren k�nnen.</p><p>Alles in allem d�rfte es noch drei bis sieben Stunden dauern, meinte Hendricks.</p><p>Und gleich nachdem man mit dem Alien Kontakt bekommen hatte, dachte Conway, w�rde er von dessen Atmosph�re zun�chst Proben nehmen, sie dann analysieren und schlie�lich reproduzieren m�ssen. Au�erdem galt es, die f�r den Alien erforderlichen Druck� und Schwerkraftverh�ltnisse zu ermitteln, ihn f�r den Transport ins Hospital vorzubereiten und vorl�ufig �rztlich zu versorgen, bis man ihn dort angemessen behandeln konnte.</p><p>�Das ist viel zu lang!� wandte Conway erschrocken ein. Man konnte kaum damit rechnen, da� der Alien in seinem angeschlagenen Zustand so lange �berleben w�rde. �Wir werden ein Notquartier vorbereiten m�ssen, ohne unseren Patienten wirklich gesehen zu haben � anders geht�s nicht. Also, wir werden folgendes machen.�</p><p>Er erteilte sofort die Anweisung, einen Teil des Bodenbelags herausrei�en zu lassen, um die darunter befindlichen Schwerkraftgitter freizulegen. Von technischen Dingen verstehe er selbst nicht soviel, sagte er dem Lieutenant, aber bestimmt k�nne er, Hendricks, eine ungef�hre Sch�tzung der Ausgangsleistung der Gitter vornehmen. S�mtliche raumfahrenden Spezies der Galaxis wandten dieselbe und einzig bekannte Methode an, die Schwerkraft zu neutralisieren; sollte die Spezies des �berlebenden eine andere Methode anwenden, k�nnten sie ihren Rettungsversuch sowieso auf der Stelle abbrechen.</p><p>�Nahrungsproben, Gr��e und Energieverbrauch der k�nstlichen Schwerkraftgitter, sowie Atmosph�rereste, die in irgendwelchen Rohrleitungen eingeschlossen sind, lassen auf die physischen Eigenschaften einer jeden Spezies schlie�en. Wenn wir genug Informationen dar�ber zusammenbekommen, k�nnten wir die Umweltbedingungen dieses Aliens schon vor seiner Entdeckung auf der F�hre reproduzieren.�</p><p>�Einige dieser herumschwebenden Gegenst�nde hier sind doch bestimmt Nahrungsbeh�lter�, warf Kursedd ein.</p><p>�G�te Idee�, stimmte Conway ihr zu. �Aber als erstes m�ssen wir eine Atmosph�reprobe nehmen und analysieren. Auf diese Weise bekommen wir eine ungef�hre Vorstellung von seinem Metabolismus. Dann wird es uns leichter fallen festzustellen, in welcher dieser Dosen Farbe und in welcher Honig ist.�</p><p>Gleich darauf war die Suche nach der Luftzufuhr in vollem Gang. Wie Conway wu�te, hatten Raumschiffe notgedrungenerma�en eine gro�e Anzahl verschiedenster Rohrleitungen, aber die ungeheuer vielen Rohre, die in diesem Wrack selbst durch die kleinsten R�ume verliefen, verbl�fften ihn schon durch ihre Komplexit�t. Ihr Anblick rief vage Erinnerungen in ihm wach, aber entweder funktionierten seine Assoziationszentren zur Zeit nicht richtig, oder der optische Reiz war einfach zu schwach, um etwas damit zu verbinden.</p><p>Conway und die beiden anderen gingen von der Voraussetzung aus, da�, wenn auf diesem Schiff eine Kabine durch luftdichte Schotts abgedichtet werden konnte, dann auch die Zuleitungsrohre, die den jeweiligen Abschnitt mit Luft versorgten, durch Ansaugventile an den Aus� und Eintrittsstellen unterbrochen sein mu�ten. Das Auffinden eines Rohrabschnitts, der Atmosph�re enthielt, schien also nur eine Frage der Zeit zu sein. Aber in einigen dieser Rohre waren auch Steuerleitungen und Stromkabel verlegt, von denen das ein oder andere noch intakt sein konnte. Folglich mu�te jede dieser Rohrleitungen bis zu einer Bruch� oder anderen Schadensstelle zur�ckverfolgt werden, um schlie�lich immer wieder nur festzustellen, da� sie nicht zum Luftzufuhrsystem geh�rte. Es war ein langes und erm�dendes Eingrenzungsverfahren, und dieses mechanische Puzzle, an dessen schnellen L�sung das Leben des Patienten hing, brachte Conway innerlich immer mehr in Rage. Er w�nschte sich nichts mehr, als da� der Bergungstrupp, der sich in die Mitte des Wracks vork�mpfte, endlich Kontakt zu dem �berlebenden bekam, nur damit er sich wieder seiner eigentlichen Arbeit als ein, wie er meinte, durchaus f�higer Arzt widmen konnte, anstatt hier wie ein Ingenieur mit zwei linken H�nden agieren zu m�ssen.</p><p>Zwei Stunden waren bereits verstrichen, und sie hatten die M�glichkeiten auf ein einziges dickes Ausla�rohr eingegrenzt, das allerdings gleich sieben verschiedene Zuleitungen hatte!</p><p>�Ein Wesen, das sieben verschiedene Chemikalien ben�tigt.�, st�hnte Hendricks, um gleich darauf verbl�fft zu verstummen.</p><p>�Nur ein Rohr f�hrt den Hauptbestandteil�, sagte Conway. �Die anderen sechs m�ssen die notwendigen Spurenelemente oder Gasanteile enthalten wie etwa der Wasserstoff oder die Kohlendioxide in unserer eigenen Atmosph�re. Wenn sich diese Einla�ventile, die Sie an jedem der Rohre sehen k�nnen, nicht geschlossen h�tten, als der Druck in dieser Kabine abfiel, h�tten wir an deren Einstellung feststellen k�nnen, welche Menge von welchem Gas durch jede Zuleitung in das Hauptrohr gelangt ist.�</p><p>Conway klang zwar nach au�en voller Zuversicht, von der er selber allerdings nichts sp�rte, denn er hatte eine b�se Vorahnung.</p><p>Kursedd schl�ngelte sich pl�tzlich ein St�ck vor. Die Schwester holte einen kleinen Schneidbrenner aus ihrer Ausr�stungstasche hervor, stellte die wei�gl�hende Flamme so ein, da� sie nach etwa zehn Zentimetern spitz wie eine Nadel war, und f�hrte sie dann vorsichtig an eins der sieben Zuleitungsrohre heran. Conway kam ein St�ck n�her und hielt eine offene Flasche bereit, um eine Probe nehmen zu k�nnen.</p><p>Als pl�tzlich gelblicher Dampf hervorstie�, fing Conway etwas davon ein. Zwar hatte sich nur wenig von dem Gas in der Flasche verfangen, f�r Analysezwecke aber reichte die Menge.</p><p>W�hrend sich Kursedd an der n�chsten Zuleitung zu schaffen machte, sagte sie: �Dem Aussehen nach zu urteilen, w�rde ich auf Chlor tippen. Und sollte Chlor der Hauptbestandteil der Atmosph�re dieser Spezies sein, dann k�nnte eine umger�stete PVSJ-Station den �berlebenden aufnehmen.�</p><p>�Ich f�rchte, ganz so einfach wird das nicht sein�, bemerkte Conway skeptisch.</p><p>Kaum hatte er den Satz zu Ende gesprochen, als ein wei�er Hochdruckdampfstrahl den Raum im Nu mit Nebel f�llte. Kursedd zuckte unwillk�rlich von dem Rohr zur�ck und ri� dabei den Schwei�brenner samt Flamme mit sich. Der Dampf verwandelte sich in eine klare Fl�ssigkeit, die nun in Form von Blasen heraussprudelte und wie schrumpfende, stark dampfende Glaskugeln �berall um sie herumschwebten. Das Zeug verh�lt sich wie Wasser, dachte Conway, w�hrend er eine weitere Probe nahm.</p><p>Als sich die Schwei�flamme beim dritten Rohr noch f�r einen Moment im Strahl des austretenden Gases befand, schwoll sie kurz an und wurde sichtbar heller. Diese chemische Reaktion war eindeutig.</p><p>�Sauerstoff oder etwas mit hohem Sauerstoffanteil�, stellte Schwester Kursedd fest, wobei sie Conways Gedanken in Worte gefa�t hatte.</p><p>�Diese Wasserblasen scheren mich nicht weiter�, bemerkte Hendricks grimmig. �Aber Chlor und Sauerstoff sind eine h�chst lungenunfreundliche Mischung.�</p><p>�Da haben Sie allerdings recht�, stimmte Conway ihm zu. �F�r jeden Chloratmer ist Sauerstoff binnen weniger Sekunden t�dlich, umgekehrt genauso. Aber eins dieser Gase k�nnte an der gesamten Mischung nur zu einem sehr geringen Prozentsatz beteiligt sein, also in geringsten Mengen vorkommen. M�glich w�re auch, da� beide Gase nur Spurenelemente sind, und der Hauptbestandteil bislang noch gar nicht dabei war.�</p><p>Nach ein paar Minuten waren auch den vier �brigen Zuleitungsrohren Proben entnommen worden, wobei Kursedd anscheinend w�hrend des Schwei�ens �ber Conways letzte Bemerkung nachgedacht hatte. Kurz bevor sie sich zur F�hre begab, um eine Analyse vorzunehmen, z�gerte sie und sagte mit ihrer ausdruckslosen Translator stimme: �Wenn diese Gase nur in geringen Mengen vorkommen, warum werden dann nicht s�mtliche Spuren� und Gaselemente � wenigstens der Sauerstoffftr�ger oder dessen Entsprechung � vorgemischt und zusammen in die Zufuhranlage gepumpt, so, wie wir und die meisten anderen Spezies das auch machen? Schlie�lich gelangen s�mtliche Bestandteile am Schlu� sowieso durch ein einziges Ausla�rohr nach drau�en.�</p><p>Conway r�usperte sich gewichtig. Genau dieselbe Frage qu�lte auch ihn schon die ganze Zeit, und er wu�te keine Antwort darauf. �Jetzt will ich erst mal diese Proben analysiert haben�, reagierte er etwas m�rrisch. �Lieutenant Hendricks und ich werden versuchen, etwas �ber die K�rpergr��e und die Druckerfordernisse des Aliens herauszubekommen. Und keine Sorge, am Schlu� wird sich alles als ganz einfach herausstellen.�</p><p>�Hoffentlich finden wir die Antworten auf unsere Fragen noch vor oder von mir aus auch w�hrend der Heilbehandlung und nicht erst bei der Autopsie der Leiche�, verabschiedete sich die Schwester. Bei diesem Tiefschlag zuckte Conway zusammen.</p><p>Ohne Aufforderung machte sich Hendricks daran, die verbogenen Bodenplatten aufzuklappen, um an die k�nstlichen Schwerkraftgitter zu gelangen. Conway hatte das Gef�hl, da� der Lieutenant jemand war, der genau wu�te, was er tat, und auch gut ohne ihn zurechtkam, und er nutzte die Gelegenheit, sich nach ein paar Einrichtungsgegenst�nden umzusehen.</p><p>Die Katastrophe, die sich hier ereignet hatte, war nicht so verlaufen wie auf anderen Schiffen. Gew�hnlich wurden s�mtliche beweglichen Teile zusammen mit einer gro�en Anzahl normalerweise fest verankerter Gegenst�nde in die Luft gerissen und gegen die Aufprallstelle geschleudert. Auf diesem Schiff aber hatte es eine kurze, heftige Ersch�tterung gegeben, durch die die Bindungskr�fte praktisch jedes Bolzens, jeder Niete und jeder Schwei�naht gesprengt worden waren. Das Mobiliar, das normalerweise auf jedem Schiff am leichtesten Schaden erlitt, war auch hier am meisten in Mitleidenschaft gezogen worden.</p><p>An einem Stuhl oder Bett konnte man mit recht hoher Genauigkeit die Gestalt, die K�rperhaltung und die Anzahl der Gliedma�en eines Wesens erkennen und auch, ob es robust gebaut war oder eine weiche Polsterung ben�tigte, um es sich bequem zu machen. Zudem lie� eine Untersuchung des Materials und der Konstruktion auf die von dem Benutzer dieses Mobiliars als normal empfundene Anziehungskraft schlie�en. Aber Conway hatte anscheinend kein Gl�ck.</p><p>Einige dieser Einzelst�cke, die in jeder Kabine herumschwebten, geh�rten mit ziemlicher Sicherheit zum Mobiliar, aber sie waren so hoffnungslos durcheinandergemengt, da� er das Gef�hl hatte, er m�sse die zusammengeworfenen Teile von einem Dutzend Puzzles auseinanderdividieren und dann wieder zu etwas Sinnvollem zusammenf�gen. Kurz war er in Versuchung, O�Mara zu Rate ziehen, entschied sich dann aber eines Besseren � den Major w�rde es zu diesem fr�hen Zeitpunkt noch nicht interessieren, wie gut er vorankam.</p><p>Er durchsuchte gerade die �berreste von dem, was einmal zu einem Spind geh�rt haben k�nnte, und hoffte sehns�chtig, dabei auf eine Goldader in Form eines Kleidungsst�cks oder eines extraterrestrischen Pin-up-Bildes zu sto�en, als Kursedd ihn anfunkte.</p><p>�Ich bin mit der Analyse fertig, Doktor�, berichtete die Schwester. �Wenn man die Proben einzeln betreutet, ist daran nichts Ungew�hnliches.</p><p>Als Mischung aber w�ren sie f�r jede Spezies, die ein Atmungssystem hat, absolut t�dlich. Man kann die einzelnen Bestandteile mischen wie man will, es kommt immer schlammiges, giftiges Mistzeug dabei heraus.�</p><p>�Dr�cken Sie sich gef�lligst etwas pr�ziser aus�, ermahnte er Kursedd scharf. �Ich will Fakten h�ren und keine pers�nlichen Meinungen.�</p><p>�Was die bereits identifizierten Gase betrifft�, antwortete die Schwester sachlich, �handelt es sich um Ammoniak, CO2, und zwei reaktionstr�ge Gase. Zusammen und in allen mir vorstellbaren Kombinationen bilden sie eine dichte, giftige und fast undurchdringliche Atmosph�re.�</p><p>�Das ist �berhaupt nicht m�glich!� widersprach Conway entschieden. �Sie selbst haben doch die verschiedenen Innenanstriche gesehen � diese Spezies wendet Pastellfarben an. W�rden diese Wesen in einer undurchsichtigen Atmosph�re leben, k�nnten sie solch geringe Farbabstufungen �berhaupt nicht wahrnehmen.�</p><p>�Entschuldigung, Doktor Conway�, mischte sich Hendricks vorsichtig ein, �aber ich bin mit der �berpr�fung der Gitter fertig. Soweit ich feststellen kann, sind sie auf ungef�hr f�nf Ge eingestellt.�</p><p>Eine f�nffache Erdanziehungskraft bedeutete einen verh�ltnism��ig hohen Atmosph�redruck. Das Wesen mu�te also eine dicke, giftige Suppe einatmen � aber eine klare Suppe, korrigierte er sich schnell in Gedanken. Und das hatte zus�tzlich noch ganz andere direkte Folgen, die sich m�glicherweise jeden Augenblick t�dlich auswirken konnten.</p><p>An Hendricks gewandt sagte er schnell: �Unterrichten Sie sofort den Bergungstrupp, er soll sehr vorsichtig vorgehen � wenn m�glich, ohne dabei das Arbeitstempo zu drosseln. Eine Spezies, die unter F�nf-Ge-Bedingungen lebt, besitzt wahrscheinlich enorme K�rperkr�fte. Und ein Wesen, das in einer solchen Lage wie der �berlebende ist, neigt dazu, Amok zu laufen.�</p><p>�Ich verstehe, was Sie meinen�, entgegnete Hendricks betroffen und meldete sich ab.</p><p>Conway wandte sich wieder an Kursedd. �Sie haben sicherlich mitbekommen, was der Lieutenant gesagt hat. Probieren Sie Kombinationen unter hohen Druckverh�ltnissen aus. Und vergessen Sie nicht, wir wollen eine klare Atmosph�re!�</p><p>Nach einer l�ngeren Bedenkpause sagte Kursedd: �In Ordnung. Aber ich mu� hinzuf�gen, da� ich eigentlich nur ungern Zeit verplempere, selbst wenn man mir dazu den Befehl erteilt.�</p><p>Einige Augenblicke lang �bte sich Conway in Selbstbeherrschung der grausamsten Art, bis ihm ein Klicken im Kopfh�rer verriet, da� die DBLF-Schwester die Verbindung unterbrochen hatte. Dann stie� er ein paar Worte aus, die, selbst wenn sie dem Gef�hlsausflterungsproze� eines Translators ausgesetzt gewesen w�ren, zweifellos jedem ET zu verstehen gegeben h�tten, da� er, gelinde gesagt, w�tend war.</p><p>Aber langsam lie� seine Wut auf diese dumme, eingebildete und ausgesprochen impertinente Schwester nach. Egal, was sie sonst noch alles sein mochte, aber vielleicht war Kursedd gar nicht so dumm. Angenommen, sie hatte recht mit ihrer Vermutung, die Atmosph�re sei undurchsichtig � aber wo w�rde das hinf�hren? Die Antwort darauf war nur ein weiteres Indiz in einer Kette widerspr�chlicher Beweise.</p><p>Im ganzen Wrack wimmelte es nur so von Widerspr�chen, dachte Conway grimmig. Gestaltung und Konstruktion des Schiffs lie�en nicht gerade auf eine Spezies mit hohen Gravitationserfordernissen schlie�en, und trotzdem konnten die Schwerkraftgitter laut Hendricks bis zu f�nf Ge produzieren. Und die Farbzusammenstellung im Innern des Wracks wiesen auf eine Spezies hin, die �hnliche visuelle Vorstellung wie Menschen haben mu�ten. Aber wenn die Atmosph�re so war, wie Kursedd behauptete, w�rde man schon Radar ben�tigen, um �berhaupt etwas sehen zu k�nnen. Dabei hatte er noch gar nicht das unsinnig komplizierte Luftzuf�hrsystem bedacht und den hellorangefarbenen Schiffsk�rper.</p><p>Conway versuchte zum x-tenmal, sich aus den ihm zur Verf�gung stehenden Fakten ein sinnvolles Bild zu machen, aber vergeblich. Und was w�re, wenn er sich dem Problem von einer ganz anderen Seite n�hern w�rde.?</p><p>Pl�tzlich dr�ckte er die Sprechtaste seines Funkger�ts und sagte: �Lieutenant Hendricks, w�rden Sie mich bitte mit dem Hospital verbinden? Ich will O�Mara sprechen. Und ich will, da� Captain Summerfeld, Sie selbst und Kursedd mith�ren. Kriegen Sie das hin?�</p><p>Hendricks gab so etwas wie einen bejahenden Laut von sich und murmelte: �Warten Sie einen Augenblick.�</p><p>Neben etlichen klickenden, surrenden und piependen Ger�uschen vernahm Conway die abgehackte Stimme von Hendricks und dem Funker auf der Sheldon, der zun�chst mit dem Hospital Verbindung aufnahm und dann Captain Summerfeld in den Funkraum bat; au�erdem war noch die Translatorstimme eines ET im Hospital zu h�ren. Kurz darauf flaute das allgemeine Palaver ab, und eine feste, wohlvertraute Stimme br�llte ungehalten: �Hier O�Mara! Was ist los?�</p><p>So knapp wie m�glich schilderte Conway die Situation auf dem Wrack, da� sie kaum Fortschritte erzielten und wie sehr sich die bisher entdeckten Fakten widersprachen. Dann fuhr er fort: �Der Bergungstrupp arbeitet sich zum Mittelpunkt des Wracks vor, weil sich der �berlebende dort noch am ehesten aufh�lt. Er k�nnte allerdings auch irgendwo in einem seitlichen Einschlu� sein, und wir m�ssen m�glicherweise jeden Winkel des Schiffs durchsuchen. Das kann Tage dauern. Wenn der Alien nicht bereits tot ist, mu� er sich in einem f�rchtbaren Zustand befinden. Viel Zeit bleibt uns also nicht mehr.�</p><p>�Gut, Sie haben also ein Problem, Doktor. Und was gedenken Sie dagegen zu tun?� fragte O�Mara schnippisch.</p><p>�Nun, ein besseres Gesamtbild von der Situation w�re mir schon sehr hilfreich. Captain Summerfield k�nnte mir etwas mehr �ber die Bergung des Wracks erz�hlen � �ber die Position des Schiffs, den Kurs oder irgendwelche pers�nlichen Eindr�cke, an die er sich erinnern kann. Wenn wir zum Beispiel die Fl�grichtung St�ck f�r St�ck zur�ckverfolgen, lie�e sich dann nicht der Herkunftsplanet des Wracks bestimmen? Das w�rde n�mlich.�</p><p>�Leider nein, Doktor�, unt24brach ihn Summerfield. �Durch R�ckverfolgung haben wir bereits festgestellt, da� sein Kurs durch ein nicht allzuweit entferntes Sternsystem gef�hrt haben m��te. Aber dieses System ist schon vor �ber einem Jahrhundert kartographisch erfa�t worden und als eine zuk�nftige Kolonisationsm�glichkeit aufgef�hrt worden. Wie Sie wissen, bedeutet das, da� es dort kein intelligentes Leben gab. Keine Spezies kann aber innerhalb von hundert Jahren vom Steineschmei�en bis zur Raumfahrttechnik vorsto�en, also kann das Wrack auch nicht von diesem Sternsystem stammen. Wenn man den Kurs nach vorne weiterverfolgt, f�hrt er ins Nichts � genauer gesagt, in den intergalaktischen Raum. Meiner Meinung nach mu� der Unfall eine gewaltige Kurs�nderung verursacht haben, so da� Ihnen die Position und der Kurs des Wracks nicht weiterhilft.�</p><p>�Es war ja nur eine Idee�, merkte Conway kleinlaut an, dann f�hr er mit entschlossenerer Stimme fort: �Aber die andere H�lfte des Wracks ist irgendwo da drau�en. Wenn wir die finden k�nnten, erst recht, weil sich in ihr eine oder mehrere Leichen anderer Crewmitglieder befinden k�nnten, w�re das Problem gel�st! Ich gestehe ein, da� dieser Weg ein wenig umst�ndlich ist, aber bei dem derzeitigen Stand der Dinge ist das vielleicht noch die schnellste M�glichkeit, um �berhaupt irgendwie voranzukommen. Ich will also, da� umgehend eine Suche nach der anderen H�lfte des Wracks in Gang gesetzt wird�, schlo� Conway und wartete gespannt auf den Sturm der Entr�stung, der jeden Augenblick �ber ihn hereinzubrechen drohte.</p><p>Der erste Donnerschlag kam von Captain Summerfield, der damit bewies, da� er am reaktionsschnellsten von allen am Gespr�ch Beteiligten war.</p><p>�Unm�glich! Sie wissen ja gar nicht, was Sie da verlangen! Wenn wir in der uns zur Verf�gung stehenden Zeit �berhaupt etwas erreichen wollen, brauchten wir zweihundert Einheiten oder noch mehr, um das Gebiet abzusuchen � das hei�t, eine ganze Sektorenflotte! Und all das nur, um einen toten Angeh�rigen dieser Spezies zu finden, damit Sie ihn analysieren k�nnen, um dadurch m�glicherweise einem anderen Angeh�rigen derselben Spezies zu helfen, der seinerseits bis dahin wahrscheinlich sowieso schon tot ist. Ich wei�, da� nach Ihrem Berufsethos ein Leben mehr wert ist als alle materiellen �berlegungen�, fuhr Summerfield mit etwas ruhigerer Stimme fort, �aber was Sie da vorschlagen, grenzt ans L�cherliche. Nebenbei hab ich gar nicht die Befugnis, eine solche Operation anzuordnen oder auch nur vorzuschlagen.�</p><p>�Das Hospital aber schon�, mischte sich O�Mara ein, und an Conway gewandt sagte er: �Sie riskieren dabei Kopf und Kragen, Doktor. Falls das Leben des Aliens aufgrund einer solchen Suche tats�chlich gerettet werden sollte, dann wird man Ihnen nach meinem Daf�rhalten keine gro�en Vorhaltungen wegen des ganzen Theaters und der entstandenen Kosten machen. Das Monitorkorps wird Sie unter Umst�nden sogar daf�r belobigen, da� es Kontakt zu einer neuen intelligenten Spezies aufnehmen konnte. Aber falls dieser Alien stirbt oder sich herausstellen sollte, da� er bereits tot war, bevor die eigentliche Suche begonnen hatte, dann, lieber Doktor, sind Sie dran.�</p><p>Wenn Conway die Situation ehrlich betrachtete, konnte er nicht von sich behaupten, f�r diesen einen Patienten mehr Besorgnis zu empfinden als f�r irgend einen anderen � und ganz bestimmt nicht so viel mehr, als da� er f�r die schwache Hoffnung, ihn zu retten, seine Karriere aufs Spiel setzen wollte. Es war eher eine w�tende Neugier, die ihn dazu trieb, und eine vage Ahnung, da� die sich einander widersprechenden Tatsachen, die sie hatten, lediglich der Bruchteil eines gro�en Ganzen waren, das weit mehr als nur ein Wrack und dessen einsamen �berlebenden umfa�te. Aliens bauten keine Raumschiffe, nur um terrestrische �rzte in die Irre zu f�hren, also mu�ten die scheinbar widerspr�chlichen Hinweise etwas zu bedeuten haben.</p><p>Einen Moment lang glaubte Conway, die Antwort gefunden zu haben. In den verborgensten Winkeln seines Gehirns formte sich ganz allm�hlich ein verschwommenes und noch konturenloses Bild. das gewaltsam und komplett ausgel�scht wurde, als Hendricks aufgeregte Stimme pl�tzlich in seinem Kopfh�rer schepperte.</p><p>�Doktor, wir haben den Alien gefunden!�</p><p>Als Conway kurz darauf beim Lieutenant war, sah er, da� bereits eine transportable Luftschleuse aufgestellt worden war. Hendricks und die M�nner des Bergungstrupps unterhielten sich untereinander mit gegeneinandergehaltenen Helmen, um so den Funk nicht unn�tig zu belasten. Aber der sch�nste Anblick von allen war f�r Conway der straff gespannte Stoff der Schleuse.</p><p>Drinnen herrschte also Druck.</p><p>Hendricks sagte pl�tzlich �ber Funk: �Sie k�nnen hineingehen, Doktor. Da wir ihn jetzt gefunden haben, k�nnen wir die T�r ganz normal �ffnen, anstatt uns weiter durchschwei�en zu m�ssen.� Er deutete auf den straffen Stoff und f�gte hinzu: �Der Druck da drinnen betr�gt nur etwas mehr als eine Atmosph�re.�</p><p>Das war allerdings nicht viel, dachte Conway, eingedenk der Tatsache, da� der Alien normalerweise unter F�nf-Ge-Bedingungen lebte und zu einer solch m�rderischen Anziehungskraft ein ungeheurer Luftdruck geh�rte. Er hoffte nur, da� der Druck ausgereicht hatte, den Alien am Leben zu erhalten. Nach dem Unfall mu�te seiner Meinung nach Luft ausgetreten sein, wodurch sich der Druck in dem hinter der mobilen Schleuse befindlichen Raum allm�hlich verringert hatte, aber vielleicht hatte sich der K�rper des Aliens gen�gend an die neuen Verh�ltnisse anpassen k�nnen.</p><p>�Lassen Sie sofort eine Atmosph�reprobe zu Kursedd bringen�, ordnete Conway an. Wenn man die Zusammensetzung kannte, w�rde es ein Leichtes sein, den Druck in der F�hre f�r einen Transport des Verungl�ckten entsprechend anzupassen. �Und ich will, da� sich M�nner bei der F�hre bereithalten. Wir werden Spezialausr�stung ben�tigen, um den �berlebenden dort herauszuholen, und es k�nnte sein, da� ich die Ger�te dann sehr schnell brauche.�</p><p>Gemeinsam mit Hendricks bestieg Conway die winzige Schleuse. Der Lieutenant �berpr�fte, ob der Verschlu� der �u�eren Schleusent�r dicht war und �ffnete dann die innere. E narrendes Ger�usch von Conways Anzug wies auf den zunehmenden Druck hin, als von der anderen Seite Luft hereinstr�mte. Es handelte sich dabei um klare Luft, wie er befriedigt feststellte, und nicht um den superdichten Nebel, den Kursedd vorausgesagt hatte. Schlie�lich bediente Hendricks den manuellen �fffnungsmechanism�s der T�r zu dem Raum, in der sich der Alien befand. Die einst luftdichte Schiebet�r glitt ein St�ck zur Seite, blieb kurz h�ngen, als der vom Schwei�en noch immer hei�e Teil in einer Aussparung verschwand, und �ffnete sich schlie�lich ganz.</p><p>�Betreten Sie den Raum nur dann, wenn ich Sie rufe�, befahl Conway leise und ging hindurch. Im Kopfh�rer war ein zustimmendes Knurren von Hendricks zu vernehmen, und gleich darauf verk�ndete Kursedd, da� sie s�mtliche Ger�usche aufzeichne.</p><p>Der erste Anblick eines neuen physiologischen Typs hinterlie� bei Conway zun�chst immer einen verwirrenden Eindruck. Fast zwangsl�ufig versuchte er, die physischen Merkmale des betreffenden Aliens mit anderen, ihm bekannten Lebensformen in Verbindung zu bringen. Und ob er mit dieser Methode nun Erfolg hatte oder nicht, so nahm dieser Vorgang doch immer eine gewisse Zeit in Anspruch.</p><p>�Conway!� meldete sich O�Mara entr�stet. �Sind Sie eingeschlafen?�</p><p>Er hatte O�Mara, Summerfield und die Funker, die noch immer mit ihm in Verbindung standen, v�llig vergessen. Er r�usperte sich verlegen und begann schnell zu berichten: �Bei dem Alien handelt es sich um ein kreisf�rmiges, ann�hernd reifen�hnliches Wesen. Der Gesamtdurchmesser des Rings betr�gt ungef�hr drei Meter, die Dicke zwischen gut einem halben und einem Meter. Es hat etwa die vierfache K�rpermasse eines Menschen. Bislang kann ich weder irgendwelche Bewegungen feststellen, noch irgendwelche Anzeichen von ernsthaften Verletzungen.�</p><p>Er atmete tief durch, dann fuhr er fort: �Die gl�nzende und graue Haut ist glatt, allerdings an vielen Stellen mit einer dicken, br�unlichen Krustenbildung �berzogen. Das braune Gewebe, von dem mehr als die H�lfte der gesamten Hautfl�che bedeckt ist, sieht krebsartig aus, k�nnte aber auch eine nat�rliche Tarnung oder die Auswirkung starken Druckabfalls sein.</p><p>Auf der �u�eren Oberfl�che des Rings sitzt eine Doppelreihe relativ kurzer, tentakelartiger Gliedma�en, die zur Zeit flach am K�rper anliegen. Es gibt f�nf Paare davon, und ich kann keine Anzeichen irgendwelcher Spezialisierung erkennen. Ich entdecke auch keine Sehorgane oder Organe zur Nahrungsaufnahme. Ich werde mir den Alien jetzt n�her ansehen.�</p><p>Es gab keinerlei sichtbare Reaktion, als er sich der Kreatur n�herte, und er fragte sich, ob sie bereits zu sp�t gekommen waren. Und es gab auch noch immer keine Hinweise auf Augen oder einen Mund, aber er erkannte kleine kiemenartige �ffnungen und etwas, das wie ein Ohr aussah. Er streckte eine Hand vor und streichelte sanft �ber eins der fest angelegten Tentakelglieder.</p><p>Das Wesen schien zu explodieren.</p><p>Conway wurde r�ckw�rts zu Boden geschleudert. Sein rechter Arm war von dem Schlag wie bet�ubt, und h�tte er keinen schweren Anzug getragen, w�re ihm das Handgelenk zerschmettert worden. Verzweifelt �berpr�fte er die Einstellung des G-G�rtels, um noch fester am Boden zu haften, und kroch dann r�ckw�rts zur T�r zur�ck. Aus dem Stimmengewirr in seinem Kopfh�rer kristallisierten sich allm�hlich zwei Hauptfragen heraus: Warum er so geschrien habe und was dieser gegenw�rtige L�rm zu bedeuten h�tte.</p><p>�Ich. ehm. hab feststellen m�ssen, da� unser �berlebender tats�chlich �berlebt hat�, sagte er mit zitternder Stimme.</p><p>Hendricks, der alles beobachtet hatte, gab einen w�rgenden Laut von sich und stellte mit fast ehrf�rchtiger Stimme fest: �Ich glaube kaum, da� ich jemals etwas Lebendigeres gesehen hab.�</p><p>�Jetzt kommen Sie endlich zur Sache!� funkte O�Mara w�tend dazwischen. �Was geht da eigentlich vor?�</p><p>Die Frage war schwer zu beantworten, dachte Conway, w�hrend er das reifen�hnliche Wesen beobachtete, das sich halb rollend, halb h�pfend durch die Kabine fortbewegte. Der k�rperliche Kontakt hatte bei dem �berlebenden eine Panikreaktion ausgel�st, und w�hrend beim erstenmal eindeutig Conway der Ausl�ser daf�r gewesen war, schien jetzt jede Ber�hrung � ganz gleich ob mit einer Wand, dem Boden oder lose im Raum herumschwebendem Gerumpel � dasselbe zu bewirken. Die f�nf kr�ftigen, flexiblen Tentakelpaare schossen in einem Bogen von einem knappen Meter L�nge mit voller Wucht hervor, und das Wesen schnellte erneut quer durch den Raum, wobei s�mtliche Gliedma�en des massiven Ringk�rpers blindlings in alle Richtungen ausschl�gen.</p><p>Conway hatte sich gerade in die mobile Schleuse gerettet, als durch eine gl�ckliche Kombination verschiedenster Umst�nde der Alien in der Mitte des Raums hilflos in der Luft h�ngenblieb, wobei er sich langsam um die eigene Achse drehte und eine bemerkenswerte �hnlichkeit mit einer der alten Raumstationen aufwies. Aber dann schwebte er wieder auf eine der W�nde zu, und Conway mu�te dringend etwas unternehmen, bevor der Alien erneut wie wild herumzuhopsen begann.</p><p>Ohne zun�chst auf O�Mara einzugehen, gab er rasch einige Anweisungen. �Wir werden ein engmaschiges Netz der Gr��e f�nf und eine Plastikh�lle ben�tigen, die wir �ber ihn st�lpen, und einen Satz Pumpen. In seinem gegenw�rtigen Zustand k�nnen wir uns von ihm keine Zusammenarbeit erhoffen. Sobald er geb�ndigt ist und in der H�lle steckt, m�ssen wir sie mit seiner Atmosph�re vollpumpen. Das sollte reichen, bis wir ihn in der F�hre haben. Kursedd mu� bis dahin alles vorbereitet haben. Und jetzt brauche ich sofort das Netz!�</p><p>Wie eine an einen so hohen Druck gew�hnte Spezies in einer solch ausged�nnten Atmosph�re eine derartige Aktivit�t entfalten konnte, war Conway ein R�tsel.</p><p>�Kursedd, was macht die Analyse?� fragte er pl�tzlich.</p><p>Die Antwort lie� so lange auf sich warten, da� Conway bereits annahm, die Schwester h�tte ihr Funkger�t abgeschaltet. Aber schlie�lich sagte die Translatorstimme der Schwester: �Ich bin gerade fertig damit. Die Atmosph�re in dem Raum, in dem sich der �berlebende aufh�lt, ist so zusammengesetzt, da� Sie, wenn Sie Ihren Helm abnehmen w�rden, darin atmen k�nnten, Doktor.�</p><p>Und das ist nun der verr�ckteste Widerspruch von allen, dachte Conway v�llig verdutzt. Wie er wu�te, mu�te Kursedd genauso von den Socken sein, und pl�tzlich lachte er. Nicht, weil es bei der Schwester gleich vierunddrei�ig Socken gewesen w�ren, sondern weil er sich vorstellte, wie ihr Pelz auf diese �berraschende Erkenntnis reagiert haben k�nnte.</p><p>Nach sechs Stunden m�hevoller Kleinarbeit war der �berlebende gegen seinen heftigen Widerstand auf die Station 310B gebracht worden, einen kleinen Beobachtungsraum mit direkt anschlie�endem OP, der zur chirurgischen DBLF-Hauptstation geh�rte. Bis jetzt war sich Conway nicht einmal sicher, ob er die Gesundheit des Aliens �berhaupt wiederherstellen oder ihn nicht lieber umbringen wollte. Und nach den spitzen Bemerkungen von Kursedd und den Monitoren w�hrend des Transports hierher zu urteilen, hegten sie zun�chst �hnliche Gef�hle.</p><p>Conway begann mit der Voruntersuchung, die er trotz der Behinderung durch das Fangnetz so gr�ndlich wie m�glich durchf�hrte, und beendete sie schlie�lich mit der Entnahme von Blut� und Gewebeproben, die er, mit einem Dringlichkeitsvermerk versehen, in die Pathologie bringen lie�. Kursedd brachte die Proben selbst dorthin, anstatt sie der Rohrpost anzuvertrauen, weil die Mitarbeiter in der Pathologie notorisch farbenblind zu sein schienen, jedenfalls dann, wenn es um rote Aufkleber mit der Aufschrift ��USSERST DRINGEND� ging. Schlie�lich ordnete er an, von dem Patienten R�ntgenaufnahmen zu machen, und lie� Kursedd zur Beobachtung des Patienten zur�ck. Dann begab er sich zu O�Mara.</p><p>Als er dem Chefpsychologen Bericht erstattet hatte, sagte O�Mara: �Der schwierigste Teil w�re damit erledigt. Aber ich nehme an, Sie wollen, da� der Patient bis zum Schlu� der Behandlung in Ihrer Obhut bleibt, oder?�</p><p>�Ich. ich wei� nicht recht�, druckste Conway herum.</p><p>O�Mara runzelte die Stirn. �Wenn Sie das nicht wollen, dann sagen Sie�s gef�lligst! Ich dulde keine Unentschlossenheit und erst recht keine �rzte, die zaudern.�</p><p>Conway atmete tief durch die Nase, dann sagte er langsam und mit �berbetonter Deutlichkeit: �Ich will den Patienten weiter behandeln. Die von mir ge�u�erten Zweifel r�hren nicht von meiner Unentschlossenheit her, sondern beziehen sich auf Ihre irrige Annahme, da� der schwierigste Teil bereits erledigt sei. Das Gegenteil ist n�mlich der Fall. Ich hab eine Voruntersuchung vorgenommen, und sobald die Testergebnisse eingetroffen sind, werde ich wahrscheinlich morgen eine zweite, gr�ndlichere Untersuchung vornehmen. Wenn m�glich, m�chte ich, da� die Doktoren Mannon und Prilicla, Colonel Skempton und Sie selbst daran teilnehmen.�</p><p>O�Mara zog verdutzt die Augenbrauen hoch und sp�ttelte: �Na, da haben Sie aber eine h�chst merkw�rdige Auswahl getroffen, Doktor. W�rden Sie mir denn auch verraten, wozu Sie uns brauchen?�</p><p>Conway sch�ttelte den Kopf. �Das m�chte ich jetzt lieber noch nicht tun.�</p><p>�Na gut, wir werden da sein�, willigte O�Mara gezwungen freundlich ein. �Und ich nehme erst einmal zur�ck, da� Sie ein Zauderer sind, denn da Sie mir hier die ganze Zeit nur etwas vorgenuschelt und vorgeg�hnt haben, hab ich allenfalls die H�lfte von dem, was Sie mir erz�hlt haben, verstehen k�nnen. Jetzt verschwinden Sie endlich, und hauen Sie sich aufs Ohr, Doktor, bevor ich Ihnen eins �ber den Sch�del zieh.�</p><p>Erst jetzt merkte Conway, wie m�de er war, und er stellte fest, da� sein vermeintlich fester und nicht �berhasteter Schritt, den er gegen�ber Schwester Kursedd erw�hnt hatte, eher an ein m�des Schlurfen erinnerte.</p><p>Am n�chsten Morgen verbrachte er zun�chst zwei Stunden allein mit seinem Patienten, ehe er die Konsultation einberief, um die er O�Mara gebeten hatte. Alles, was er bislang herausgefunden hatte � und das war nicht viel �, verdeutlichte nur, da� f�r den Alien nichts Konstruktives getan werden konnte, ohne hochqualifizierte Spezialisten hinzuzuziehen.</p><p>Dr. Prilicla kam als erster. O�Mara und Colonel Skempton, der Chefingenieur des Hospitals, trafen zusammen ein. Dr. Mannon, der sich wegen einer dringenden Operation auf der DBLF-Station versp�tet hatte, st�rmte fast im Laufschritt herein, blieb kurz stehen und ging dann zweimal langsam um den Patienten herum.</p><p>�Sieht aus wie ein Doughnut mit Schokoladenstreusel�, bemerkte er trocken.252</p><p>Alle sahen ihn an.</p><p>�So einfach und harmlos sind diese Streusel aber nicht�, begann Conway und rollte den R�ntgenscanner heran. �Es handelt sich um Wucherungen, die nach Ansicht der Pathologie s�mtliche Merkmale aufweisen, b�sartig zu sein. Und wenn Sie hier einmal durchschauen wollen, werden Sie feststellen, da� es sich auch um keinen Doughnut handelt, sondern um einen Alien, der eine recht normale Anatomie der Klassifikation DBLF besitzt � ein zylindrischer K�rper mit leichtem Knochenbau und kr�ftiger Muskulatur. Er ist auch nicht ringf�rmig, macht aber diesen Eindruck, weil er aus einem Grund, den der Patient wohl selbst am besten kennt, versucht hat, seinen Schwanz zu verschlucken.�</p><p>Mannon blickte gebannt durch den Scanner, gab ein ungl�ubiges Grunzen von sich und richtete sich wieder auf. �Ich w�rde sagen, der reinste Teufelskreis, wenn ich jemals einen gesehen hab�, murmelte er und f�gte laut hinzu: �Ist O�Mara deshalb hier? Glauben Sie, der Alien hat nicht mehr alle Tassen im Schrank oder, besser gesagt, da� der Reifen �ne Panne hat?�</p><p>Conway nahm die Frage nicht ernst und f�hr fort: �Die Wucherungen sind dort am st�rksten, wo Mund und Schwanz des Patienten ineinander verkeilt sind. Sie sind dort so weit verbreitet, da� man die Verbindungsstelle kaum sehen kann. Eine m�gliche Erkl�rung, warum er sich in den eigenen Schwanz gebissen hat, w�re, da� diese Wucherungen sehr schmerzhaft sind oder einen �u�erst unangenehmen Juckreiz erzeugen. Eine andere M�glichkeit f�r seine gegenw�rtige K�rperhaltung ist, da� die Wucherungen einen Muskelkrampf hervorgerufen haben, also so etwas wie einen epileptischen Anfall.�</p><p>�Ihre zweite Idee gef�llt mir besser�, unterbrach ihn Mannon. �Um bei seinem angeschlagenen Zustand in einer solchen K�rperhaltung vom Mund bis zum Schwanz � oder umgekehrt � ausgestreckt zu bleiben, m�ssen sich die Kiefer schon eine ganze Weile in dieser Position verfangen haben.�</p><p>Conway nickte und f�hr fort: �Trotz der Schwerkraftanlage in dem Wrack, die um die f�nf Ge produzier hab ich festgestellt, da� die Druck-,</p><p>Atmosph�re� und Schwerkrafterfordernisse des Patienten unseren sehr �hnlich sind. Diese Kiemen�ffnungen hier hinter dem Kopf, die von den Wucherungen noch nicht ganz erreicht sind, sind Atem�ffnungen. Und diese kleineren �ffnungen hier, die zum Teil von Muskelklappen bedeckt sind, sind Ohren. Also kann der Patient h�ren und atmen, aber keine Nahrung zu sich nehmen. Sind Sie mit mir einer Meinung, da� als erster Schritt der Mund freigelegt werden mu�?�</p><p>Mannon und O�Mara nickten. Prilicla spreizte seine vier Greifzangen in einer Geste, die dasselbe bedeutete, und Colonel Skempton starrte steif wie ein Klotz die Decke an. Offensichtlich fragte er sich, was er hier eigentlich zu suchen hatte. Conway lie� mit der Antwort darauf nicht lange auf sich warten.</p><p>W�hrend Mannon und er �ber den operativen Eingriff berieten, wollten sich der Colonel und Dr. Prilicla darum k�mmern, Kontakt zu dem Patienten aufzunehmen. Der GLNO sollte durch seine empathische F�higkeit auf Reaktionen achten, w�hrend zwei von Skemptons Translatortechnikern Ger�uschtests vornehmen sollten. Sobald der H�rbereich des Patienten bekannt war, konnte ein Translator passend darauf eingestellt werden, und der Alien k�nnte ihnen bei der Diagnose und Behandlung seiner Krankheit behilflich sein.</p><p>�Ich denke, der Raum hier ist bereits voll genug, und ich werde die Sache lieber selbst in die Hand nehmen�, sagte der Colonel und begab sich an den Kommunikator, um sich die ben�tigte Ausr�stung kommen zu lassen.</p><p>Conway wandte sich O�Mara zu.</p><p>�Sagen Sie nichts, und lassen Sie mich raten�, begann der Chefpsychologe, bevor Conway �berhaupt etwas sagen konnte. �Mir f�llt nat�rlich die leichteste Aufgabe zu. Sobald wir uns mit dem Patienten unterhalten k�nnen, soll ich ihn beruhigen und ihn davon �berzeugen, da� Sie und Doktor Mannon keine Schlachter sind, obwohl das manchmal durchaus den Anschein hat, sondern ihm nur helfen wollen, stimmt�s?�</p><p>�Genau das�, antwortete Conway 4"nit einem Grinsen. Dann wandte er seine ganze Aufmerksamkeit wieder dem Patienten zu.</p><p>Nach Priliclas Auffassung nahm der �berlebende seine Umwelt nicht wahr, zudem sei seine emotionale Ausstrahlung so schwach, da� er wahrscheinlich bewu�tlos war und bereits kurz vor dem Exitus stand.</p><p>Trotzdem warnte Conway alle davor, den Patienten zu ber�hren. W�hrend seiner Zeit als Arzt hatte er schon viele b�sartige Wucherungen gesehen, und zwar sowohl bei Menschen als auch bei Extraterrestriern, aber diese mu�ten im wahrsten Sinne des Wortes nach allen Regeln der �rztlichen Kunst geschlagen werden.</p><p>Die Verbindungsstelle zwischen Mund und Schwanz des Patienten war v�llig wie von einer z�hen, faserigen Baumrinde �berwuchert. Und als h�tten sie nicht schon genug Probleme, war die Knochenstruktur der Kiefer, mit der sie es w�hrend der Operation haupts�chlich zu tun haben w�rden, durch den Scanner kaum zu erkennen, da die Wucherungen selbst f�r R�ntgenstrahlen fast undurchdringlich waren. Ein weiterer Grund, �u�erst vorsichtig vorzugehen, war, da� sich irgendwo unter diesem dichten, undurchsichtigen Panzer auch die Augen befinden mu�ten.</p><p>Mannon deutete auf die verschwommene Darstellung auf dem Bildschirm und sagte hitzig: �Unser Patient hat sich jedenfalls nicht nur gekratzt, weil er einen Juckreiz versp�rt hat. Die Z�hne haben sich n�mlich regelrecht verfangen � er hat sich praktisch den Schwanz abgebissen. Eindeutig ein epileptischer Anfall, w�rde ich sagen. Andererseits k�nnte ein solcher Akt der Selbstverst�mmelung auch auf einen geistigen Defekt schlie�en lassen.�</p><p>�Na prima, eine ganz hervorragende psychiatrische Analyse!� bemerkte O�Mara giftig aus dem Hintergrund.</p><p>In diesem Augenblick trafen Skemptons Ger�te ein, und Prilicla und der Colonel begannen damit, auf den Patienten einen Translator abzustimmen. Da der Patient praktisch bewu�tlos war, mu�ten die Testger�usche von ohrenbet�ubender Lautst�rke sein, um bis zu ihm vorzudringen, und Conway und Mannon wurden nach drau�en vertrieben, wo sie ihre Diskussion weiterf�hrten.</p><p>Ein halbe Stunde sp�ter kam Prilicla heraus und teilte ihnen mit, sie k�nnten jetzt zwar zu dem Patienten sprechen, das Gehirn sei aber nur teilweise bei Bewu�tsein.</p><p>Als sie sich daraufhin umgehend in den Behandlungsraum begaben, sagte O�Mara gerade dem Patienten, da� alle im Raum Freunde seien und ihm Mitgef�hl entgegenbr�chten und alles in ihrer Macht Stehende tun w�rden, um ihm zu helfen. Er sprach mit leiser Stimme in seinen eigenen Translator und aus dem, der neben den Patienten aufgestellt worden war, dr�hnte eine Reihe Schnalz� und Kollerlaute. In den Pausen zwischen den S�tzen berichtete Prilicla �ber den psychischen Zustand des Patienten.</p><p>�Verwirrung, Zorn und gro�e Angst�, meldete der GLNO, und minutenlang blieben Aussage und Intensit�t der emotionalen Ausstrahlung konstant. Conway entschied sich, den n�chsten Schritt einzuleiten.</p><p>�Sagen Sie ihm, da� ich ihn jetzt ber�hren werde�, sagte er zu O�Mara, �und mich entschuldige, falls ich ihm dabei irgendwelche Schmerzen verursache, ich aber nicht vorhabe, ihm Verletzungen zuzuf�gen.�</p><p>Er nahm eine lange Sonde mit einer scharfen Spitze und ber�hrte vorsichtig die Gegend, wo die Wucherungen am dicksten waren. Prilicla berichtete keine Reaktion. Anscheinend waren nur die unbefallenen Stellen des Patienten derart empfindlich, da� schon deren geringste Ber�hrung den Alien zur Raserei bringen konnte. Conway bekam allm�hlich das Gef�hl, allein durch diese Erkenntnis wenigstens ein St�ck vorangekommen zu sein.</p><p>Er schaltete den Translator aus und sagte: �Das hab ich gehofft. Wenn die befallenen Stellen schmerzunempfndlich sind, sollten wir mit Unterst�tzung des Patienten in der Lage sein, den Mund auch ohne An�sthesie freizubekommen. Bislang wissen wir noch nicht genug �ber seinen Metabolismus, als da� wir ihn an�sthesieren k�nnten, ohne sein Leben aufs Spiel zu setzen. Sind Sie sich auch wirklich sicher, da� er alles h�rt und versteht, was wir sagen?� vergewisserte er sich schlie�lich bei Prilicla.</p><p>�Ja, Doktor�, antwortete der GLNO, �solange Sie langsam und ohne Zweideutigkeiten reden.�256</p><p>Conway schaltete den Translator wieder ein und sagte leise: �Wir werden Ihnen helfen. Als erstes werden wir daf�r sorgen, da� Sie wieder Ihre nat�rliche K�rperhaltung einnehmen k�nnen, indem wir Ihren Mund freilegen. Dann werden wir die Wucherungen entfernen.�</p><p>Pl�tzlich spannte sich das Netz, und die f�nf Tentakelpaare schlugen wild auf und ab. Conway wich fluchend zur�ck � er war w�tend auf den Patienten und noch w�tender auf sich selbst, �berst�rzt vorgegangen zu sein.</p><p>�Angst und Zorn�, meldete Prilicla und f�gte hinzu: �Der Patient. scheint sogar Gr�nde f�r seine Emotionen zu haben.�</p><p>�Aber warum? Ich versuche doch nur, ihm zu helfen.!�</p><p>Der Alien wehrte sich mit unvorstellbarer Gewalt, und Priliclas zerbrechlicher K�rper zitterte unter der Wucht des emotionalen Trommelfeuers, das der �berlebende von sich gab. Einer der Tentakel des Patienten, der aus einer der �berwucherten Stellen hervorragte, verfing sich dabei im Netz und wurde abgerissen.</p><p>So eine blinde und sinnlose Panik! dachte Conway erbost und entt�uscht zugleich. Aber Prilicla hatte gesagt, es g�be Gr�nde f�r diese Reaktion seitens des Patienten. Selbst der Verstand dieses Aliens schien widerspr�chlich zu funktionieren, fl�chte Conway im stillen.</p><p>�Na endlich!� st�hnte O�Mara erleichtert auf, als der Patient sich wieder beruhigt hatte.</p><p>�Furcht, Zorn und Haߓ, meldete sich der GLNO zu Wort. �Ich w�rde mit ziemlicher Bestimmtheit behaupten, da� er Ihre Hilfe ablehnt.�</p><p>�Dann haben wir�s hier wirklich mit einer sehr kranken Kreatur zu tun�, warf O�Mara grimmig ein.</p><p>Die zuletzt ge�u�erten Worte des Chefpsychologen schienen in Conways Kopf regelrecht hin und her zu schwirren und dabei immer lauter und nachdr�cklicher zu werden. Sie hatten irgendeine Bedeutung. Nat�rlich hatte O�Mara nur auf den psychischen Zustand des Patienten angespielt,</p><p>aber das war egal. Eine sehr kranke Kreatur � das war das zentrale Teil des Puzzles, um das sich das Bild herum allm�hlich vervollst�ndigte. Bis jetzt war es noch nicht komplett, aber es war genug davon vorhanden, um Conway so furchtbare Angst einzujagen, wie er sie noch nie im Leben empfunden hatte.</p><p>Als er schlie�lich zu den anderen sprach, konnte er kaum seine eigene Stimme erkennen. �Danke, meine Herren. Ich werde mir etwas anderes �berlegen m�ssen, mich dem Patienten zu n�hern. Sobald ich soweit bin, werde ich Sie unterrichten.�</p><p>Conway wollte unbedingt allein gelassen werden, um seinen Gedanken zu Ende f�hren zu k�nnen. Am liebsten w�re er weggelaufen und h�tte sich irgendwo versteckt. Das Problem war nur, da� es wahrscheinlich keinen Ort in der Galaxis gab, wo er sich vor dem verstecken konnte, wovor er Angst hatte.</p><p>Alle starrten ihn jetzt an, wobei ihre Mienen eine Mischung aus �berraschung, Besorgnis und Emp�rung ausdr�ckten. Schlie�lich wehrten sich viele Patienten gegen Behandlungen, die einzig und allein das Ziel hatten, ihnen zu helfen. Das hie� aber noch lange nicht, da� ein Arzt schon beim ersten Anzeichen von Widerstand seitens des Patienten die Behandlung gleich einstellte. Offenbar dachten sie, er h�tte vor der Operation, die �u�erst unangenehm und technisch kompliziert zu werden versprach, Angst bekommen, denn ein jeder versuchte ihn auf die ihm eigene Art aufzumuntern. Selbst Skempton machte Vorschl�ge.</p><p>��falls eine gefahrlose An�sthesie Ihr Hauptproblem ist�, sagte der Colonel, �k�nnte sich dann die Pathologie nicht eine Methode einfallen lassen? Ich meine, mit Hilfe eines toten oder. ehm. t�dlich verletzten Angeh�rigen dieser Spezies m��te das doch m�glich sein, oder? Ich denke dabei an die Suche nach dem anderen Wrackteil, von der Sie schon zuvor gesprochen haben. Anscheinend haben Sie jetzt wirklich einen triftigen Grund, sie anzuordnen. Soll ich.�</p><p>�Nein!�</p><p>Jetzt starrten ihn alle v�llig fassungslos an, und besonders O�Mara setzte dabei eine entschieden finstere Mieuf Conway sagte schnell: �Ich hab vergessen, Ihnen zu erz�hlen, da� Captain Summerfield sich noch einmal bei mir gemeldet hat. Er sagt, die derzeitigen Untersuchungen h�tten ergeben, da� das Wrack nicht die weniger besch�digte H�lfte des Schiffs ist, sondern diejenige, die bei dem Unfall am �meisten in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Seiner Aussage nach ist die andere H�lfte nicht etwa in St�cke gerissen worden, sondern in einem so guten Zustand gewesen, da� das Restschiff noch aus eigener Kraft die Heimreise antreten konnte. Wie Sie sehen, w�re eine Suche also sinnlos.�</p><p>Conway hoffte verzweifelt, da� Skempton damit zufriedengestellt war und nicht darauf bestehen w�rde, die Information pers�nlich nachzupr�fen. Summerfield hatte sich tats�chlich wieder vom Wrack gemeldet, aber was der Captain herausgefunden hatte, war allenfalls ann�hernd das gewesen, was Conway gerade daraus gemacht hatte. Allein bei dem Gedanken, da� Suchkommandos des Monitorkorps in diesem Abschnitt des Weltraums unbesonnene Aktionen vornehmen k�nnten, brach ihm der kalte Schwei� aus � denn allm�hlich d�mmerte ihm etwas.</p><p>Aber der Colonel nickte nur, und das Thema schien damit f�r ihn beendet. Conway f�hlte sich etwas entspannter und fuhr fort: �Doktor Prilicla, mit Ihnen w�rde ich mich gern �ber die emotionale Ausstrahlung des Patienten w�hrend der vergangenen Minuten genauer unterhalten, aber erst sp�ter. Also nochmals vielen Dank, meine Herren, f�r Ihren Rat und Ihre Hilfe.�</p><p>Er setzte sie praktisch vor die T�r, und ihre Gesichtsausdr�cke verrieten ihm, da� sie dasselbe dachten � O�Mara w�rde ihm sp�ter bestimmt bohrende Fragen stellen, warum er sich in dieser Angelegenheit so merkw�rdig verhalten hatte, aber im Moment war ihm das egal. Als alle gegangen waren, bat er Schwester Kursedd, jede halbe Stunde den Zustand des Patienten optisch zu �berpr�fen und ihn sofort zu informieren, falls sich irgend etwas ver�ndern sollte. Dann begab er sich auf sein Zimmer.</p><p>Conway hatte sich schon oft �ber die winzigen Ausma�e seiner Kabine beklagt, in der sich seine wenigen pers�nlichen Habseligkeiten befanden und wo er hin und wieder Kollegen bewirtete, aber jetzt empfand er diese Tatsache als durchaus beruhigend. Er setzte sich hin, weil kein Platz zum Auf� und Abgehen war, und endlich konnte er damit beginnen, die noch fehlenden Steine des Puzzles zusammenzutragen, das ihm zuvor auf der Station in den Sinn gekommen war.</p><p>Eigentlich hatte diese Idee von Anfang in seinem Kopf herumgespukt. Erst einmal waren da die Schwerkraftgitter � t�richterweise hatte er v�llig die Tatsache �bersehen, da� diese ja gar nicht unbedingt die volle Leistung abgeben mu�ten, sondern zwischen null und f�nf Ge eingestellt werden konnten. Dann gab es noch die Luftzufuhranlage � die auf den ersten Eindruck nur deshalb verwirrend war, weil sie f�r viele verschiedene Lebensformen konstruiert worden war und nicht nur f�r eine Spezies. Und zu guter Letzt war da der physische Zustand des Patienten und die Farbe der Schiffsk�rpers � ein h�bsches, auff�lliges Orange. Terrestrische Schiffe dieser Art � selbst Oberfl�chenfahrzeuge � waren traditionell wei� oder rot gestrichen.</p><p>Das Wrack war ein Ambulanzschiff!</p><p>Aber interstellare Schiffe jeder Art waren Produkte einer technisch fortgeschrittenen Zivilisation, die sich �ber viele Sonnensysteme erstrecken mu�te oder zumindest hoffte, dies in K�rze zu tun. Und wenn eine Zivilisation an dem Punkt angelangt war, wo solche Schiffe eine derartige Zweckm��igkeit und Spezialisierung erlangt hatten wie dieses Wrack, dann mu�te diese Spezies sehr weit fortgeschritten sein. In der galaktischen F�deration hatten nur die Zivilisationen der Illensaner, Tralthaner und der Menschen dieses Stadium erreicht, und deren Einflu�bereich war gewaltig. Wie aber hatte eine so hochentwickelte Zivilisation derma�en lange verborgen bleiben k�nnen?</p><p>Conway r�kelte sich unbehaglich26�f der Couch. auch auf diese Frage wu�te er eine Antwort.</p><p>Summerfield hatte behauptet, da� das Wrack der schlimmer zerst�rte Teil eines Schiffs sei, dessen andere H�lfte die Reise vermutlich aus eigener Kraft zum n�chsten Reparaturst�tzpunkt hatte fortsetzen k�nnen. Der Teil mit dem �berlebenden, mit dem sie es zu tun hatten, war w�hrend des eigentlichen Unfalls abgerissen worden. Das hie�, da� die Kurskonstanten dieses antriebslosen Fragments dieselben gewesen sein m�ssen, wie sie das Schiff als Ganzes vor der Katastrophe gehabt hatte.</p><p>In diesem Fall mu�te das Schiff von einem Planeten gekommen sein, der noch vor einem Jahrhundert als unbewohnt gegolten hatte. Also hatte dort jemand innerhalb von hundert Jahren eine Basis, vielleicht sogar eine Kolonie errichten k�nnen. Und das Ambulanzschiff hatte sich von dieser Welt entfernt und war in den intergalaktischen Raum vorgesto�en.</p><p>Eine Zivilisation, die den Zwischenraum von einer Galaxis bis hierher durchquert hatte, um am Rande der Milchstra�e eine Kolonie zu errichten, mu�te mit gro�em Respekt behandelt werden � und mit Vorsicht, zumal man deren bisher einzigen Repr�sentanten bei aller Toleranz � und durch die Blume gesprochen � bislang nicht gerade als freundlich bezeichnen konnte. Und die Spezies des �berlebenden, die in medizinischer Hinsicht wahrscheinlich sehr weit fortgeschritten war, k�nnte sehr unfreundlich auf die Nachricht reagieren, da� jemand anders an einem ihrer kranken Angeh�rigen herumpfuschte. Bei seinem gegenw�rtigen Wissensstand und den bisher gemachten Erfahrungen glaubte Conway, da� sich diese Spezies nichts und niemandem gegen�ber freundlich verhielt.</p><p>Wie er wu�te, waren interstellare Eroberungskriege logistisch unm�glich. Das galt aber nicht f�r Vernichtungskriege, in denen � ohne den Gedanken an eine sp�tere Okkupation oder Einverleibung � planetarische Atmosph�ren zur Explosion gebracht oder auf andere Weise unbrauchbar gemacht wurden. W�hrend er an den letzten Kontakt mit seinem Patienten dachte, fragte sich Conway, ob sie es letztendlich nicht sogar mit einer �beraus gewaltt�tigen und g�nzlich feindlich gesinnten Spezies zu tun haben k�nnten.</p><p>Pl�tzlich summte der Kommunikator. Es war Schwester Kursedd. Sie berichtete, der Patient habe sich w�hrend der letzten halben Stunde zwar ruhig verhalten, da� sich die Wucherungen aber schnell auszubreiten schienen und bereits eine der Atem�ffnungen zu �berziehen drohten. Conway sagte ihr, er w�rde bald kommen. Dann lie� er Dr. Prilicla auf die Station 310 B bestellen und setzte sich wieder auf die Couch.</p><p>Als er seinen unterbrochenen Gedankengang wiederaufnahm, kam er zu der Auffassung, lieber niemandem etwas von seiner Entdeckung zu erz�hlen. Das h�tte n�mlich zur Folge gehabt, da� sofort Schiffe des Monitorkorps ausgeschw�rmt w�ren, um Kontakt aufzunehmen, der aber nach Conways Ansicht verfr�ht gewesen w�re. Er bef�rchtete, da� dieses erste Aufeinandertreffen zweier Zivilisationen zu einer direkten ideologischen Konfrontation f�hren k�nnte, und die einzige M�glichkeit, diesen Konflikt einzud�mmen, bestand nach seiner Auffassung darin, wenn die F�deration zeigen konnte, da� sie einen der intergalaktischen Kolonisten gerettet, ihn versorgt und geheilt hatte.</p><p>Nat�rlich bestand auch die M�glichkeit, da� der Patient f�r seine Spezies atypisch war, da� er n�mlich, wie O�Mara gemeint hatte, geisteskrank war. Aber Conway zweifelte daran, ob die Aliens das als eine Entschuldigung, ihn nicht geheilt zu haben, anerkennen w�rden. Und gegen diese Theorie sprach auch die Tatsache, da� der Patient laut Prilicla f�r ihn logische Gr�nde gehabt hatte, sich vor der Person, die ihm helfen wollte, zu f�rchten und sie sogar zu hassen. Einen Augenblick lang besch�ftige Conway die Frage, ob es so etwas wie eine grunds�tzlich kontraterrestrische Denkweise gab, eine Mentalit�t, bei der zum Beispiel Hilfe Haߗ anstatt Dankbarkeitsgef�hle hervorrief. Selbst die Tatsache, da� er sich in �rztlicher Obhut befand, gab dem Alien kein Gef�hl der Sicherheit. Leute wie Conway verbanden mit dem Begriff ��rztliche Obhut� altruistische F�rsorge, aufopferungsvolle Rettungsversuche und dergleichen. Aber viele Spezies, selbst innerhalb der F�deration, betrachteten Krankheiten lediglich als vor�bergehende k�rperliche Leistungsunf�higkeit und behandelten sie entsprechend.</p><p>Als er sein Zimmer verlie�, hatte Conway nicht die geringste Vorstellung, wie er seinen Patienten heilen sollte. Er wu�te nur, da� ihm kaum noch Zeit daf�r blieb. Captain Summerfield, Hendricks und die anderen, die zur Zeit das Wrack weiterhin untersuchten, waren im Augenblick noch durch den Wust an offenen Fragen zu sehr abgelenkt, um an irgend etwas anderes zu denken. Aber es war nur eine Frage der Zeit, vielleicht von Tagen oder auch nur Stunden, bis ihnen ein Licht aufgehen w�rde und sie zu denselben Schl�ssen wie er selbst kommen w�rden.</p><p>Das Monitorkorps h�tte dann nichts anderes mehr im Sinn, als umgehend mit den Aliens Kontakt aufzunehmen. Diese w�rden logischerweise wissen wollen, wie es ihrem kranken Artgenossen ergangen war, der bis dahin entweder geheilt oder auf dem Wege der Besserung sein mu�te.</p><p>Oder auch nicht.</p><p>Der Gedanke, den Conway verzweifelt zu verdr�ngen versuchte, war: Und was w�rde passieren, wenn der Patient mittlerweile gestorben war?</p><p>Bevor Conway mit der n�chsten Untersuchung begann, erkundigte er sich bei Prilicla �ber den emotionalen Zustand des Patienten, erfuhr aber nichts Neues von ihm. Der Alien lag jetzt reglos da und war praktisch bewu�tlos. Als Conway per Translator zu dem Wesen sprach, strahlte es Angst aus, obwohl Prilicla ihm versicherte, da� es verstand, was er sagte.</p><p>�Ich will Ihnen nichts antun�, begann Conway behutsam, wobei er langsam und deutlich in den Translator sprach und sich dem Patienten allm�hlich n�herte. �Ich mu� Sie aber ber�hren. Bitte glauben Sie mir, ich will Ihnen nichts zuleide tun.� Er schaute Prilicla fragend an.</p><p>�Angst und. und Hilflosigkeit�, sagte der GLNO. �Aber auch Zustimmung, verbunden mit Drohungen. nein, Warnungen! Offenbar glaubt er Ihnen das, was Sie ihm sagen, versucht aber, Sie vor irgend etwas zu warnen.�</p><p>Das klang schon vielversprechender, dachte Conway. Der Alien warnte ihn also, aber es schien ihm nichts auszumachen, wenn er ihn ber�hrte. Er trat noch ein St�ck n�her an den Patienten heran und streichelte ihm mit seinen behandschuhten H�nden �ber eine der unbefallenen Hautstellen.</p><p>Gleich darauf st�hnte Conway vor Schmerz laut auf und sprang zur�ck; der Alien hatte ihm mit einem gewaltigen Hieb den Arm zur Seite geschlagen. Er rieb sich die schmerzende Stelle und schaltete den Translator ab, um seinen Gef�hlen freien Lauf zu lassen.</p><p>Nach einer r�cksichtsvollen Pause bemerkte der GLNO: �Wir haben eine sehr wichtige Entdeckung gemacht, Doktor Conway. Trotz dieser physischen Reaktion sind die Gef�hle des Patienten Ihnen gegen�ber genau die gleichen wie vor Ihrer Ber�hrung.�</p><p>�Und was soll das hei�en?� fragte Conway gereizt.</p><p>�Das hei�t, da� diese Reaktion nicht dem Willen unterliegt.�</p><p>Conway �berdachte das eine Weile und sagte dann entmutigt: �Das hei�t also auch, wir k�nnen keine Vollnarkose riskieren, falls wir �berhaupt ein geeignetes An�sthetikum f�r den Patienten haben, weil auch Herz und Lunge Muskeln sind, die nicht dem Willen unterliegen. Das macht alles noch komplizierter. Wir k�nnen ihn nicht matt setzen, und er wird nicht mitarbeiten.� Er begab sich an das Kontrollpult des Behandlungsraums und dr�ckte auf ein paar Kn�pfe. Die Klammern, durch die das Netz zusammengehalten wurde, �ffneten sich, und es wurde von einem Greifarm in einem Rutsch weggezogen. �Der Patient zieht sich am Netz andauernd neue Verletzungen zu�, rechtfertigte er Prilicla gegen�ber seine Aktion. �Wie Sie sehen, hat er sich an einer Stelle schon fast einen zweiten Tentakel abgerissen.�</p><p>Prilicla protestierte gegen die Entfernung des Netzes und sagte, es sei viel wahrscheinlicher, da� sich der Patient Verletzungen zuziehe, wenn er sich im Raum frei bewegen k�nne. Conway hielt dem entgegen, der Patient k�nne sich in seiner gegenw�rtigen K�rperlage � also mit dem Schwanz im Mund und in R�ckenlage, wobei die Tentakel zur Seite gerichtet waren � sowieso kaum bewegen. Und als er jetzt genauer dar�ber nachdachte, fiel ihm auf, da� diese Position wie die perfekte Verteidigungshaltung f�r diese Kreatur aussah. Es erinnerte ihn an die Art, in der sich terrestrische Katzen w�hrend eines Kampfs auf die Seite;Reifen, um alle vier Klauen einsetzen zu k�nnen � und das hier war eine zehnbeinige Katze, die sich nach allen Seiten hin verteidigen konnte.</p><p>Angeborene instinktive Reaktionen dieser Art sind ein Ergebnis der evolution�ren Entwicklung. Aber warum sollte der Alien diese Verteidigungsposition einnehmen und sich v�llig unnahbar geben, wo er gerade jetzt dringend Hilfe ben�tigte.?</p><p>Pl�tzlich, als sei ihm schlagartig ein Licht aufgegangen, wu�te Conway die Antwort. Jedenfalls war er sich zu neunzig Prozent sicher, sie zu wissen, wie er sich selbst, trotz aller Aufregung, vorsichtig korrigierte.</p><p>Sie alle hatten von Anfang an falsche Vermutungen �ber diesen Fall angestellt. Seine neue Theorie machte sich an der Tatsache fest, da� sie schlicht und ergreifend einer weiteren falschen Vermutung aufgesessen waren. Und angesichts dieser Tatsache konnten die Feindseligkeit, die K�rperhaltung und der seelische Zustand des Patienten erkl�rt werden. Conway hatte nun sogar allen Grund zur Annahme, da� der Patient doch nicht unbedingt einer gewaltt�tigen und feindlich gesinnten Spezies angeh�ren mu�te, wie dessen Verhalten zun�chst vermuten lie�.</p><p>Das einzige Problem an der neuen Theorie war nur, da� auch diese falsch sein konnte, und seine anf�nglich haltlose Begeisterung schwand ein wenig, doch war er sich immer noch seiner Sache zu achtzig bis neunzig Prozent gewi�.</p><p>Ein anderes Problem war, da� er sein zuk�nftiges Vorgehen bei der Behandlung des Patienten unm�glich mit jemand anderem besprechen konnte. Dies zu tun, k�nnte glattweg eine berufliche Degradierung zur Folge haben, und darauf zu bestehen, die Behandlung bis zum Ende allein durchzuf�hren, w�rde im Falle des Todes des Patienten gar das unwiderrufliche Ende seiner Karriere im Orbit Hospital bedeuten. Die Lage war tats�chlich so ernst, wie er sie sich ausmalte.</p><p>Er n�herte sich wieder dem Patienten und schaltete erneut den Translator ein. Noch bevor er sprach, kannte er bereits die Reaktion des Aliens, und so war es scheinbar ein Akt gewellter Grausamkeit, die folgenden Worte zu sagen, aber er mu�te seine Theozu seiner eigenen Gewi�heit noch einmal �berpr�fen.</p><p>Er atmete tief durch und sagte: �Keine Sorge, mein Junge, wir werden dich schon bald wiederhergestellt haben.�</p><p>Die Reaktion darauf war so heftig, da� Dr. Prilicla, dessen empathische F�higkeit ihn die heftigen emotionalen Reaktionen des Patienten nachempfinden lie�en, den Raum verlassen mu�te.</p><p>Und erst jetzt traf Conway seine endg�ltige Entscheidung.</p><p>W�hrend der folgenden drei Tage besuchte Conway regelm��ig die Station und machte sich sorgf�ltige Notizen �ber das Wachstum der dicken, faserigen Kruste, die mittlerweile zwei Drittel des K�rpers des Patienten bedeckte. Es gab keinen Zweifel, da� der Wachstumsproze� sich beschleunigte und die Wucherungen immer dicker wurden. Auf Proben hin, die er zur Laboruntersuchung in die Pathologie gegeben hatte, wurde ihm mitgeteilt, da� der Patient unter einer eigenartigen und besonders b�sartigen Hautkrebserkrankung zu leiden schien, und man stellte ihm die Frage, ob nicht eine radioaktive Bestrahlung oder ein chirurgischer Eingriff angezeigt sei. Er antwortete, da� seiner Auffassung nach beides ohne eine ernsthafte Gef�hrdung des Patienten nicht m�glich sei.</p><p>Das Konstruktivste, was er w�hrend dieser Zeit erreichte, war, die Anweisung durchzusetzen, da� jeder, der sich per Translator mit dem Patienten unterhielt, diesem unter keinen Umst�nden gut zureden durfte. Der Alien hatte bereits zu viel unter dieser Form gutgemeinter Dummheit leiden m�ssen. H�tte er mit Ausnahme von Kursedd, Prilicla und ihm selbst jedem anderen den Zugang zu dem Raum verbieten k�nnen, h�tte er es getan.</p><p>Die meiste Zeit verbrachte er damit, sich selbst davon zu �berzeugen, da� er das Richtige tat.</p><p>Seit dem Tag der ersten Untersuchung war er Dr. Mannon bewu�t aus dem Weg gegangen. Er wollte mit seinem alten Freund nicht �ber den Fall sprechen, weil Mannon einfach zu nett war, um ihn mit Halbwahrheiten abzuspeisen, denn selbst ihm konnte er die ganze Wahrheit nicht erz�hlen. Er hoffte inst�ndig, da� Captain Summerfield auf dem Wrack zu besch�ftigt war, um eins und eins zusammenziehen zu k�nnen, und seine Idealvorstellung w�re komplett gewesen, wenn O�Mara und Skempton ihn mittlerweile schlichtweg vergessen h�tten und Mannon �berhaupt kein Interesse mehr hatte, seine Nase in diese Angelegenheit zu stecken.</p><p>Aber es sollte alles ganz anders kommen.</p><p>Als Conway am f�nften Tag die zweite Morgenvisite vornehmen wollte, erwartete Dr. Mannon ihn bereits auf der Station. Sein ehemaliger Vorgesetzter bat ihn zun�chst ordnungsgem�� um die Erlaubnis, sich den Patienten ansehen zu d�rfen, aber kaum hatte er diese H�flichkeitsfloskeln gesagt, f�hr er ungehalten fort: �Jetzt h�ren Sie mal zu, Sie junger H�pfer! Ich bin es langsam leid, da� Sie jedesmal nur Ihre verdammten Schuhe begaffen oder geistesabwesend an die Decke starren, sobald ich in Ihre N�he komme! Wenn ich nicht das dicke Fell eines Tralthaners h�tte, w�re ich schon l�ngst beleidigt. Ich wei� nat�rlich, da� sich neu ernannte Chef�rzte die ersten Wochen f�r ihre Arbeit ganz besonders verantwortlich f�hlen, aber Ihr Verhalten in der letzten Zeit ist regelrecht unversch�mt gewesen!� Bevor Conway etwas dazu sagen konnte, hob Mannon beschwichtigend die Hand und fuhr fort: �Ich nehme Ihre Entschuldigung an, und jetzt kommen wir zur Sache. Ich hab mit Prilicla und den Leuten oben in der Pathologie gesprochen. Man hat mir gesagt, der K�rper sei von den Wucherungen mittlerweile v�llig �berzogen und von R�ntgenstrahlen mit tolerierbarer St�rke nicht mehr zu durchdringen, so da� �ber Lage und Funktion der inneren Organe nur noch Vermutungen angestellt werden k�nnen. Au�erdem k�nnen Sie das Zeug nicht unter Narkose entfernen, weil eine L�hmung der Gliedma�en einen Herzstillstand nach sich ziehen k�nnte. Andererseits ist eine Operation mit den um sich schlagenden Tentakeln nicht m�glich. Gleichzeitig wird der Zustand des Patienten immer schlimmer und wird sich weiter verschlechtern, wenn wir ihm keine Nahrung zuf�hren k�nnen, und das wiederum geht erst dann, wenn sein Mund freiger�umt ist. Und um die ganze Geschichte noch komplizierter zu machen, als sie eh schon ist, zeigen Ihre zuletzt genommenen Proben, da� sich die Wucherungen schnell nach innen fortsetzen, und es gibt Hinweise, jda� Mund und Schwanz miteinander verschmelzen, wenn nicht sofort operiert wird. Ist das, in knappen Worten dargestellt, die Lage?�</p><p>Conway nickte.</p><p>Mannon atmete tief durch, dann kam er zu seinem eigentlichen Thema. �Angenommen, Sie amputieren die Tentakel, entfernen die Wucherungen vom Kopf und vom Schwanz und ersetzen die Haut durch eine geeignete synthetische Substanz. Sobald der Patient Nahrung aufnehmen kann, w�rde er bald wieder genug bei Kr�ften sein, um eine mehrmalige Wiederholung dieser Prozedur an seinem restlichen K�rper auch durchstehen zu k�nnen. Ich gebe zu, es handelt sich dabei um einen drastischen Eingriff. Aber unter den gegenw�rtigen Umst�nden scheint mir das der einzig gangbare Weg zu sein, das Leben des Patienten zu retten. Au�erdem gibt es immer noch die M�glichkeit, die Haut sp�ter eventuell zu transplantieren und die Tentakel durch k�nstliche Gliedma�en zu ersetzen.�</p><p>�Nein!� widersprach Conway heftig, und an der Art, in der Mannon ihn anguckte, erkannte er, da� er bla� geworden sein mu�te. Falls seine Theorie in bezug auf den Alien stimmte, dann w�rde eine Operation zu diesem Zeitpunkt fatale Folgen haben. Sollte sie hingegen nicht stimmen, und der Patient sich als das Wesen entpuppen, das er zu sein schien � gewaltt�tig, abartig und unerbittlich feindselig �, und sollten seine Gesinnungsgenossen tats�chlich kommen, um nach ihm zu sehen, dann.</p><p>Mit ruhigerer Stimme fuhr er fort: �Stellen Sie sich vor, einer Ihrer Freunde mit einer schweren Hauterkrankung ger�t in die H�nde eines extraterrestrischen Arztes, dem nichts Besseres einf�llt, als ihm bei lebendigem Leib die Haut abzuziehen und die Arme und Beine abzuhacken. Sie w�ren sicher sauer, wenn Sie Ihren Freund so vorfinden w�rden. Selbst wenn man ber�cksichtigt, da� Sie als ein zivilisierter Mensch tolerant und zu Kompromissen bereit sind � Eigenschaften, die wir unserem Patienten nicht mit Sicherheit zuschreiben k�nnen �, wage ich doch zu behaupten, da� Sie dem Arzt die H�lle hei� machen w�rden.�</p><p>�Dieser Vergleich hinkt, und das wissen Sie auch!� widersprach Mannon energisch. �Manchmal mu� man etwas riskieren, und das hier ist so ein Fall.�</p><p>�Nein�, sagte Conway erneut.</p><p>�Haben Sie vielleicht eine bessere Idee?�</p><p>Conway schwieg eine Weile, dann sagte er vorsichtig: �Ich hab eine Idee, die ich ausprobieren m�chte, �ber die ich aber jetzt noch nicht diskutieren will. Wenn sie funktioniert, werden Sie der erste sein, der davon erf�hrt, und wenn nicht, auch. dann wird sowieso jeder davon erfahren.�</p><p>Mannon zuckte die Achseln und wandte sich ab. An der T�r hielt er inne, drehte sich noch einmal um und sagte: �Egal, was Sie vorhaben, es mu� sich jedenfalls um eine ziemlich heikle Angelegenheit handeln, wenn Sie so geheimnisvoll tun. Aber Sie sollten bedenken, da�, wenn Sie mich einweihen und sich die Sache sp�ter als ein Fehlschlag erweisen sollte, wir uns dann wenigstens die Schande teilen m�ssen.�</p><p>Und so spricht ein wahrer Freund, dachte Conway ger�hrt, und er war versucht, Mannon sein Herz vollst�ndig auszusch�tten. Aber Dr. Mannon war ein neugieriger, freundlicher und hochqualifizierter Chefarzt, der seinen Beruf als Heiler immer sehr ernstgenommen hatte und stets ernst nehmen w�rde, trotz der Witze, die er selbst h�ufig dar�ber ri�.</p><p>Wahrscheinlich w�re Mannon nicht dazu in der Lage, das zu tun, worum er ihn bitten w�rde, oder wenigstens den Mund zu halten, w�hrend Conway es selbst tat.</p><p>Bedauernd sch�ttelte er den Kopf.</p><p>Nachdem Mannon gegangen war, wandte sich Conway wieder seinem Patienten zu. Wie er meinte, �hnelte der Alien immer noch einem Doughnut, aber einem, der im Laufe der �onen zu einem runzligen Fossil geworden war, und er mu�te sich selbst daran erinnern, da� seit der Einlieferung des Patienten erst eine Woche verstrichen war. Die Tentakel wiesen allesamt erste Spuren von Wucherungen auf und standen in einem merkw�rdigen Winkel wie die ausged�rrten Zweige eines morschen Baums starr vom K�rper ab. Da klar war, da� irgendwann auch die Atem�ffnungen von den Wucherungen befallen werden w�rden, hatte er R�hren eingef�hrt, um die Atemwege freizuhalten. Diese Intubationen erzielten auch den gew�nschten Effekt, aber trotzdem hatte sich die Atmung verlangsamt und war immer flacher geworden. Das Stethoskop verriet, da� der Herzschlag zwar schw�cher geworden war, die Herzfrequenz sich aber erh�ht hatte.</p><p>Seine eigene Unentschlossenheit trieb Conway den kalten Schwei� auf die Stirn.</p><p>Wenn es sich doch nur um einen gew�hnlichen Patienten handeln w�rde, um einen, den man vor aller Augen behandeln und �ber dessen Therapie man offen diskutieren konnte, dachte er ver�rgert. Aber die Tatsache, da� dieser Alien einer hochentwickelten und m�glicherweise feindlich gesinnten Spezies angeh�rte, machte alles so kompliziert, da� er sich niemandem anvertrauen konnte, wenn er vermeiden wollte, da� man ihm diesen Fall entzog, ehe er seine Theorie beweisen konnte. Sein gr��tes Problem war, da� sich seine Theorie als g�nzlich falsch herausstellen und es durchaus m�glich sein k�nnte, da� er gerade dabei war, den Patienten langsam zu t�ten.</p><p>W�hrend er sich die Herz� und Atemfrequenzen notierte, entschied Conway, da� es an der Zeit war, die H�ufigkeit der Visiten zu erh�hen und sie so zu legen, da� Prilicla, der derzeit auf der Neugeborenenstation stark eingespannt war, daran teilnehmen konnte.</p><p>Kursedd beobachtete ihn aufmerksam, als er die Station verlie�, und ihr Pelz reagierte h�chst eigent�mlich. Conway gab sich erst gar nicht die M�he, der Schwester zu sagen, sie solle �ber das, was er mit dem Patienten anstellte, Stillschweigen bewahren, weil er so die Ger�chte nur noch mehr gesch�rt h�tte. Das gesamte Pflegepersonal sprach ohnehin schon �ber ihn, und er hatte feststellen m�ssen, da� einige der Oberschwestern ihm allm�hlich mit einer gewissen K�lte gegen�bertraten. Aber mit etwas Gl�ck, w�rden die Ger�chte �ber das, was er hier tat, erst in einigen Tagen bis zu seinen Vorgesetzten vorgedrungen sein.</p><p>Drei Stunden sp�ter war er zusammen mit Dr. Prilicla bereits wieder auf der Station 310B. Er �berpr�fte erneut Herz und Atmung, w�hrend der GLNO auf die emotionale Ausstrahlung achtete.</p><p>�Er ist sehr krank�, berichtete Prilicla. �Da ist zwar noch Leben in ihm, aber so schwach, da� er sich nicht einmal seiner eigenen Existenz bewu�t ist. In Anbetracht der fast nicht vorhandenen Atmung und der schwachen, aber hohen Pulsfrequenz, f�rchte ich.�</p><p>Der Gedanke an den Tod war f�r einen Empathen besonders deprimierend, und der sensible kleine Alien brachte es nicht �bers Herz, den Satz zu Ende zu f�hren.</p><p>�Dann hat all die Angst, die wir ihm eingejagt haben, um ihn zu beruhigen, auch nichts genutzt�, sagte Conway halb zu sich selbst. �Er konnte nichts essen, und wir haben ihn dazu gezwungen, s�mtliche Energiereserven zu verbrauchen, die er dringend selbst ben�tigt h�tte. Aber er mu�te sich vor uns sch�tzen.�</p><p>�Aber warum? Wir haben dem Patienten doch nur helfen wollen!�</p><p>�Sicher haben wir das�, sagte Conway mit bei�endem Ton. Er wollte gerade die Untersuchung fortsetzen, als es eine unvermutete Unterbrechung gab.</p><p>Der Alien, dessen m�chtiger K�rper an beiden Seiten und an der Oberkante der T�r entlangstreifte, als er den Raum betrat, war ein Tralthaner, physiologische Klassifikation FGLI. F�r Conway waren die Bewohner von Traltha so schwer auseinanderzuhalten wie Schafe, aber diesen kannte er. Es war keii Geringerer als Thornnastor, der Chefdiagnostiker der Pathologie.</p><p>Der Diagnostiker verdrehte zwei seiner Augen in Priliclas Richtung und polterte los: �Gehen Sie bitte hier raus. Sie auch, Schwester.� Dann richtete er alle vier Augen auf Conway.</p><p>�Ich will mit Ihnen allein reden, weil sich einige meiner Bemerkungen auf Ihr berufliches Verhalten bez�glich dieses Falls beziehen, und mir liegt es fern, Ihr Ansehen noch weiter in Mi�kredit zu bringen�, sagte Thornnastor, nachdem die anderen den Raum verlassen hatten. �Trotzdem will ich mit der guten Nachricht beginnen. Wir haben n�mlich ein Mittel speziell gegen diese Wucherungen entwickelt. Es verhindert nicht nur deren weitere Ausbreitung, sondern weicht auch die bereits befallenen Stellen auf und regeneriert das Hautgewebe und die in Mitleidenschaft gezogenen Blutgef��e.�</p><p>Verdammter Mist! fluchte Conway im stillen und f�gte laut hinzu, da es der Wahrheit entsprach: �Gl�ckwunsch, da haben Sie wirklich eine unglaubliche Leistung vollbracht.�</p><p>�Nun, das w�re nicht m�glich gewesen, wenn wir nicht einen Arzt zu dem Wrack beordert h�tten, dessen einzige Aufgabe es war, uns alles zu schicken, was m�gliche R�ckschl�sse auf den Metabolismus des Patienten zulieߓ, f�hr der Diagnostiker fort. �Offenbar haben Sie diese Informationsquelle v�llig �bersehen, Doktor, denn die einzigen Proben, die Sie uns von dort geliefert haben, stammen aus der Zeit Ihres kurzen Aufenthalts auf dem Wrack, und das war allerdings nur ein Bruchteil dessen, was dort wirklich zur Verf�gung stand. Das war eine grobe Nachl�ssigkeit, Doktor, und allein Ihren fr�heren guten Leistungen haben Sie es zu verdanken, da� Sie nicht degradiert worden sind und Ihnen der Fall noch nicht entzogen worden ist.</p><p>Unser Erfolg ist in erster Linie darauf zur�ckzuf�hren, da� wir etwas gefunden haben, das anscheinend so etwas wie ein sehr gut ausgestatteter Medizinschrank ist�, fuhr Thornnastor fort. �Die Untersuchung des Inhalts, verbunden mit anderen Informationen, die sich auf die technische Ausr�stung des Wracks beziehen, f�hrte uns zu dem Schlu�, da� es sich um eine Art Ambulanzschiff gehandelt haben mu�. Die Offiziere des Monitorkorps waren v�llig aufgeregt, als sie davon erfahren haben.�</p><p>�Wann war das?� unterbrach ihn Conway voller Entsetzen. F�r Conway brach eine Welt zusammen, und er fror am ganzen K�rper, als h�tte er einen Schock erlitten. Aber vielleicht gab es noch eine Chance, Skempton wenigstens eine Weile daran zu hindern, Kontakt aufzunehmen. �Wann haben Sie die Monitore davon unterrichtet, da� es sich um ein Ambulanzschiff handelt?�</p><p>�Diese Information sollte f�r Sie doch wohl zweitrangig sein�, entgegnete Thornnastor ungehalten und holte eine gro�e, gepolsterte Flasche aus seiner Tasche hervor. �Ihre Sorge gilt hoffentlich in erster Linie Ihrem Patienten. Von diesem Mittel werden Sie eine Menge ben�tigen, und wir stellen so schnell wie m�glich mehr davon her, aber das hier sollte erst mal reichen, um Kopf und Schwanz freizulegen. Injizieren Sie genau nach der aufgeklebten Anweisung. Nach etwa einer Stunde stellt sich die erste Wirkung ein.�</p><p>Conway nahm die Flasche vorsichtig in die Hand und um Zeit zu gewinnen, sagte er: �Und was ist mit Nebenwirkungen oder langfristigen Auswirkungen? Ich m�chte nicht riskieren, da�.�</p><p>�Doktor�, unterbrach ihn Thornnastor, �mir scheint, durch Ihre �bertriebene Vorsicht verz�gern Sie alles nur auf d�mmliche und geradezu kriminelle Weise.� Auch wenn die Stimme des Diagnostikers �ber den Translator ausdruckslos klang, mu�te Conway kein Empath sein, um mitzubekommen, da� Thornnastor mittlerweile au�er sich vor Wut war. Und die Art, in der er durch die T�r hinausst�rmte, verdeutlichte dies noch mehr.</p><p>Conway fluchte wie rasend. Die Monitore waren im Begriff, mit der Alienkolonie Kontakt aufzunehmen, wenn sie dies nicht schon getan hatten, und bald w�rden diese Aliens durch das ganze Hospital schwirren und zu wissen verlangen, was er mit dem Patienten angestellt hatte. Wenn sich bis dahin der Zustand des Patienten nicht wesentlich gebessert hatte, w�rde es �rger geben, egal, um was f�r eine Spezies es sich dabei handelte. Und noch viel fr�her h�tte er es mit Scherereien aus den Reihen des Hospitals zu tun, weil er Thornnastor von seinen beruflichen F�higkeiten alles andere als �berzeugt hatte.</p><p>Er hielt immer noch die Flasche in den H�nden, deren Inhalt zweifellos all das bewirken w�rde, was der Chefpathologe behauptet hatte � kurz, das zu heilen, was den Patienten zu bel�stigen schien. Conway zauderte einen Moment lang, dann hielt er mit fast grimmiger Entschlossenheit an seiner Entscheidung fest, die er vor einigen Tagen getroffen hatte. Er konnte noch gerade rechtzeitig die Flasche verstecken, bevor Prilicla wieder hereinkam.</p><p>�Jetzt h�ren Sie mir bitte genau zu, bevor Sie irgendeinen Kommentar ablassen�, sagte er mit ungewohnter Sch�rfe. �Ich will keine weiteren Debatten, was das weitere Vorgehen bei diesem Fall angeht, Doktor. Ich glaube, genau zu wissen, was ich tu, aber sollte ich doch einem Irrtum erliegen, an dem Sie letztendlich mit beteiligt w�ren, w�rde auch Ihr Ruf als Arzt darunter leiden. Haben Sie mich verstanden?�</p><p>Priliclas sechs d�nne Beine hatten die ganze Zeit gezittert, w�hrend Conway geredet hatte. Aber es waren nicht die Worte gewesen, die der kleinen Kreatur nahegegangen waren, sondern die dahintersteckenden Gef�hle. Conway wu�te, da� seine emotionale Ausstrahlung gerade jetzt alles andere als erfreulich sein mu�te.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Prilicla.</p><p>�Sehr gut, dann k�nnen wir uns ja wieder an die Arbeit machen. Ich m�chte, da� Sie mit mir zusammen Puls, Atmung und emotionale Ausstrahlung permanent �berwachen. Es m��te bald eine Ver�nderung eintreten, die ich auf keinen Fall verpassen will.�</p><p>Zwei Stunden lang beobachteten sie die Entwicklung genau, ohne eine wesentliche Ver�nderung beim Patienten feststellen zu k�nnen. Einmal lie� er Prilicla und Kursedd mit dem Patienten allein, um mit Colonel Skempton Kontakt aufzunehmen. Aber ihm wurde gesagt, der Colonel habe das Hospital vor drei Tagen in aller Eile verlassen. Zwar habe er die Raumkoordinaten seines Reiseziels angegeben, aber es sei unm�glich, zu einem Schiff �ber interstellare Entfernung Kontakt aufzunehmen, solange es sich im Hyperraum bewege. Es t�te Ihnen leid, aber seine Benachrichtigung an den Colonel m�sse schon so lange warten, bis dessen Schiff sein Ziel erreicht hatte.</p><p>Also war es bereits zu sp�t, das Korps daran zu hindern, mit den Aliens Kontakt aufzunehmen. Folglich bliebe ihm nur noch die M�glichkeit, den Patienten zu dunerem.</p><p>Wenn man es ihm erlaubte.</p><p>Im Wandlautsprecher war ein Knacken zu vernehmen, und eine Stimme sagte: �Doktor Conway, bitte melden Sie sich sofort in Major O�Maras B�ro.�</p><p>Er dachte gerade verdrossen, da� Thornnastor sich umgehend beschwert haben mu�te, als Prilicla sagte: �Atmung fast nicht mehr vorhanden, unregelm��iger Herzschlag.�</p><p>Conway schnappte sich das Mikrofon vom Kommunikator und br�llte hinein: �Hier Conway! Sagen Sie O�Mara, ich bin gerade mit etwas Dringendem besch�ftigt!� An Prilicla gewandt sagte er: �Ich hab dasselbe festgestellt. Und was ist mit der emotionalen Ausstrahlung?�</p><p>�St�rker w�hrend der Pulsschwankungen, aber jetzt sind beide wieder normal.�</p><p>�Gut. Halten Sie Augen und Ohren offen. und Ihre anderen Sinne!�</p><p>Conway nahm eine Probe von der aus einer der Atemr�hren ausstr�menden Luft und lie� sie durch ein Analyseger�t laufen. Selbst in Anbetracht des schwachen Atems lie� das Ergebnis dieser Probe wie schon zuvor bei den anderen, die er w�hrend der vergangenen zw�lf Stunden genommen hatte, kaum noch einen Zweifel zu, und er wurde allm�hlich zuversichtlicher.</p><p>�Atmung fast eingestellt�, meldete Prilicla.</p><p>Bevor Conway antworten konnte, platzte O�Mara durch die T�r herein. Er blieb nur wenige Zentimeter vor Conway stehen und fragte mit einer be�ngstigend ruhigen Stimme: �Und womit sind Sie so dringend besch�ftigt, da� Sie nicht zu mir kommen k�nnen, Doktor?� Conway platzte vor Ungeduld praktisch aus den N�hten, und er bat O�Mara flehentlich: �Kann das nicht warten?�</p><p>�Nein!�</p><p>Wie Conway wu�te, w�rde er den Psychologen nicht eher loswerden, bevor er ihm gegen�ber sein Verhalten in der letzten Zeit nicht irgendwie rechtfertigen konnte � und er mu�te die n�chste Stunde unbedingt ungest�rt sein. Er trat rasch an den Patienten heran und gab O�Mara �ber die Schulter hinweg ein kurzes Res�mee �ber seine Vermutungen hinsichtlich des Ambulanzschiffs und der Kolonie, von der es gekommen war. Er schlo� mit der dringenden Bitte an den Psychologen, Skempton, falls dieser den Hyperraum bereits verlassen hatte, davon zu unterrichten, die erste Kontaktaufnahme so lange hinauszuz�gern, bis Genaueres �ber den Zustand des Patienten bekannt war.</p><p>�Also wu�ten Sie das schon seit einer Woche und haben uns trotzdem nichts davon gesagt�, reagierte O�Mara nachdenklich. �Nun, ich kann sogar die Gr�nde f�r Ihr Schweigen verstehen. Danke f�r Ihre r�hrende F�rsorge, Conway, aber das Monitorkorps hat bereits eine Menge Erfahrungen mit Erstkontakten gesammelt und jedesmal seine Arbeit erfolgreich beendet. Wir haben Leute, die extra daf�r ausgebildet sind. Sie aber haben sich wie ein Vogel Strau� verhalten � den Kopf in den Sand stecken, nichts tun und hoffen, da� das Problem sich von allein l�st. Dieses Problem, das eine Kultur betrifft, die so weit fortgeschritten ist, da� sie den intergalaktischen Raum durchqueren kann, ist aber zu gro�, um sich davor zu verstecken. Es mu� schnell und definitiv gel�st werden. Ideal w�re nat�rlich, wenn wir als Beweis unseres guten Willens den �berlebenden gesund und lebendig vorweisen k�nnten.�</p><p>O�Maras Stimme wurde pl�tzlich strenger und klang w�tend und heiser. Der Psychologe stand so dicht hinter Conway, da� er seinen Atem im Nacken sp�rte.</p><p>��womit wir wieder bei unserem Patienten w�ren, jenem Gesch�pf, das Sie angeblich behandeln. Schauen Sie mich gef�lligst an, wenn ich mit Ihnen rede Conway!�277</p><p>Conway drehte sich um, aber erst, nachdem er sich vergewissert hatte, da� Prilicla den Patienten nicht aus den Augen lie�. Er stellte sich w�tend die Frage, warum ausgerechnet alles auf einmal passieren mu�te, anstatt h�bsch ordentlich nacheinander.</p><p>�Bei der ersten Untersuchung�, fuhr O�Mara im ruhigen Ton fort, �haben Sie sich auf Ihr Zimmer verdr�ckt, bevor wir in irgendeine Richtung vorankommen konnten. Auf mich wirkte das so, als h�tten Sie kalte F��e gekriegt, wof�r ich damals allerdings noch Verst�ndnis hatte. Sp�ter schlug Dr. Mannon eine Behandlungsmethode vor, die zwar drastisch war, aber in Anbetracht des Zustands des Patienten durchaus zul�ssig und sogar absolut angezeigt war. Sie aber weigerten sich zu diesem Schritt. Dann entwickelte die Pathologie ein Mittel, durch das der Patient innerhalb weniger Stunden h�tte geheilt werden k�nnen, und selbst dessen Anwendung haben Sie vereitelt!</p><p>Normalerweise gebe ich auf das ganze Gerede im Hospital nichts�, fuhr O�Mara fort, wobei seine Stimme wieder lauter wurde, �aber wenn sich Ger�chte verbreiten und immer hartn�ckiger werden, erst recht unter dem Pflegepersonal, das grunds�tzlich wei�, wovon es spricht, wenn es um medizinische Dinge geht, dann mu� ich der Sache auf den Grund gehen. Es ist offenkundig geworden, da� Sie au�er der st�ndig aufrechterhaltenen �berwachung des Patienten, den regelm��igen Untersuchungen und den zahlreichen Proben, die Sie in die Pathologie gegeben haben, rein gar nichts f�r den Patienten getan haben.</p><p>Er siechte langsam dahin, w�hrend Sie seine Behandlung nur vorget�uscht haben! Sie haben eine derartige Angst vor den Konsequenzen eines Versagens Ihrerseits, da� Sie nicht einmal imstande sind, die einfachste Entscheidung zu treffen und.�</p><p>�Nein!� protestierte Conway energisch. Obwohl O�Maras Vorw�rfe lediglich auf unvollst�ndigen Informationen beruhten, hatten sie doch gesessen. Und weit schlimmer als die Worte war dabei O�Maras Gesichtsausdruck gewesen, in dem sich Zorn, Verachtung und vor allem tiefe Entt�uschung widerspiegelten, da� jemand, dem er sowohl als Kollegen wie auch als Freund stets vertraut hatte, ihn so schrecklich hatte hintergehen k�nnen; O�Mara f�hlte sich f�r Conways Taten fast genauso verantwortlich wie er selbst.</p><p>�Man kann Vorsicht auch �bertreiben, Doktor�, f�gte O�Mara betr�bt hinzu. �Manchmal mu� man einfach Mut beweisen. Wenn eine dringende Entscheidung ansteht, mu� man sie treffen und bedingungslos an ihr festhalten, egal.�</p><p>�Was glauben Sie eigentlich, was ich hier die ganze Zeit mache?� wehrte sich Conway jetzt energisch.</p><p>�Nichts!� schrie O�Mara ihn an. �Absolut nichts!�</p><p>�Und das stimmt sogar!� br�llte Conway den verdutzten O�Mara an.</p><p>�Atmung ist eingestellt�, meldete sich Prilicla leise zu Wort.</p><p>Conway schnellte herum und schlug auf den Alarmknopf f�r Schwester Kursedd. �Herzt�tigkeit? Gehirnstr�me?� fragte er Prilicla angespannt.</p><p>�Erh�hter Puls. Etwas st�rkere Emotionen.�</p><p>Als gleich darauf Kursedd eintraf, erteilte ihr Conway im Eiltempo einige Anweisungen. Aus dem direkt anschlie�enden DBLF-Operationssaal brauchte er Instrumente. Sterilisations� oder An�sthesiemittel waren nicht notwendig � er ben�tigte lediglich eine gro�e Auswahl Skalpelle. Die Schwester verschwand, und Conway erkundigte sich bei der Pathologie, ob sie ihm ein f�r den Patienten geeignetes Blutgerinnungsmittel empfehlen k�nnten, falls ein gr��erer chirurgischer Eingriff notwendig sein sollte. Man konnte und versprach ihm, es umgehend bringen zu lassen. Als er sich vom Kommunikator abwandte, meldete sich O�Mara wieder zu Wort.</p><p>�All diese fieberhafte T�tigkeit ist doch nichts als Augenwischerei und beweist gar nichts. Der Patient hat die Atmung eingestellt. Wenn er noch nicht tot ist, ist er es bald, und Sie tragen die alleinige Verantwortung daf�r, Conway! Der Himmel stehe Ihnen bei, Doktor, denn sonst haben Sie niemanden mehr, der Ihnen beisteht.�</p><p>Conway sch�ttelte beunruhigt den Kopf. �Ungl�cklicherweise k�nnten Sie damit sogar recht haben, aber ich hoffe, da� er nicht sterben wird�, sagte er halb abwesend. �Ich kann Ihnen das jetzt nicht alles erkl�ren, aber Sie k�nnten mir helfen, wenn Sie zu Skempton Kontakt aufnehmen und ihm sagen, er soll die Kontaktaufnahme zu dieser Alienkolonie nicht �berst�rzen. Ich brauche Zeit, wieviel, wei� ich noch nicht.�</p><p>�Vor allem wissen Sie nicht, wann es an der Zeit ist, aufzugeben�, bemerkte O�Mara kopfsch�ttelnd, begab sich aber trotzdem an den Kommunikator. W�hrend er sich um eine Verbindung bem�hte, wogte Schwester Kursedd in sanften Wellenlinien mit einem Instrumentenwagen herein.</p><p>Conway plazierte ihn in eine g�nstige Position neben dem Patienten, dann sagte er �ber die Schulter hinweg zu O�Mara: �Ich hab da etwas, wor�ber Sie einmal nachdenken sollten. W�hrend der letzten zw�lf Stunden ist die vom Patienten ausgeatmete Luft v�llig frei von Unreinheiten gewesen. Der Patient hat also geatmet, aber offenbar keine Luft verbraucht.�</p><p>Er beugte sich rasch vor, setzte das Stethoskop an verschiedenen Stellen auf und horchte. Er hatte das Gef�hl, da� der Herzschlag jetzt zwar etwas schneller und kr�ftiger war, aber gleichzeitig stellte er eine damit nicht harmonisierende Unregelm��igkeit fest. Durch die dicken und fast starren Wucherungen wurden die Ger�usche sowohl verst�rkt als auch verf�lscht wiedergegeben. Conway konnte nicht sagen, ob das Herz allein f�r das Ger�usch verantwortlich war oder ob Bewegungen anderer Organe hinzukamen. Dieser Umstand beunruhigte ihn, weil er nicht wu�te, was f�r diesen Patienten als normal anzusehen war. Schlie�lich war der �berlebende auf einem Ambulanzschiff gewesen, was bedeutete, da� er zus�tzlich zu seinem gegenw�rtigen Zustand m�glicherweise schon irgendeine andere Krankheit oder Verletzung gehabt hatte.</p><p>�Wor�ber phantasieren Sie da eigentlich vor sich hin?� fragte O�Mara, und Conway wurde pl�tzlich bewu�t, da� er laut gedacht haben mu�te. �Wollen Sie etwa behaupten, da� der Patient gar nicht krank ist.?�</p><p>�Eine werdende M�tter kann durchaus leiden, ohne im eigentlichen Sinne des Wortes krank zu sein�, antwortete Conway geistesabwesend.</p><p>Er w�nschte, er w�rde mehr von, Jpm wissen, was in seinem Patienten vor sich ging. W�ren die Ohren mittlerweile nicht vollst�ndig von den Wucherungen �berzogen gewesen, h�tte er es erneut mit dem Translator versucht. Die saugenden, rumpelnden und gurgelnden Laute konnten alles m�gliche bedeuten.</p><p>�Conway.!� br�llte O�Mara und atmete dabei so tief durch, da� man es auf der ganzen Station h�ren konnte. Dann fuhr er mit ertr�glicherer Lautst�rke fort: �Ich bin in Verbindung mit Skemptons Schiff! Offensichtlich sind die schnell vorangekommen und haben bereits mit den Aliens Kontakt aufgenommen. Der Colonel wird gerade geholt.� Er brach ab und f�gte dann hinzu: �Ich werde die Lautst�rke erh�hen, damit Sie mith�ren k�nnen.�</p><p>�Aber bitte nicht zu laut�, sagte Conway und an Prilicla gewandt: �Was ist mit der emotionalen Ausstrahlung?�</p><p>�Viel st�rker als vorher. Ich registriere jetzt wieder verschiedenartige Emotionen. Gef�hle der Not, des Leids und der Angst � m�glicherweise Platzangst � in einem an Panik grenzenden Ausma�.�</p><p>Conway musterte den Patienten eine ganze Weile mit gro�er Aufmerksamkeit. Es gab keine sichtbare Bewegung. �Ich kann es einfach nicht riskieren, noch l�nger zu warten�, sagte er pl�tzlich. �Er scheint zu schwach zu sein, um sich selbst zu helfen. Die Trennwand, Schwester!�</p><p>Die Trennwand sollte lediglich O�Mara ausschlie�en. W�rde der Psychologe sehen, was nun kam, ohne genau zu wissen, was da vor sich ging, h�tte er zweifellos weitere falsche Schl�sse gezogen und Conway wahrscheinlich gewaltsam an seinem weiteren Vorgehen gehindert.</p><p>�Der Patient wird immer unruhiger�, meldete Prilicla pl�tzlich. �Er empfindet keinen direkten Schmerz, f�hlt sich aber entsetzlich eingeengt.�</p><p>Conway nickte. Er verlangte von Kursedd ein Skalpell und begann, in die Wucherungen zu schneiden, wobei er zun�chst versuchte, deren Tiefe festzustellen. Sie waren jetzt wie weicher, zerbr�ckelnder Kork und boten dem scharfen Messer kaum Widerstand. In einer Tiefe von etwa zwanzig Zentimetern legte er etwas frei, das wie eine graue, �lige und schwach durchl�ssige Membran aussah, ab; innerhalb des Operationsfelds trat keinerlei K�rperf�ssigkeit aus. Conway atmete erleichtert auf, zog das Skalpell zur�ck und wiederholte den Eingriff an einer anderen Stelle. Dieses Mal hatte die Membran einen gr�nlichen Farbton und zuckte leicht.</p><p>Er unternahm einen weiteren Einschnitt. Die durchschnittliche Tiefe der Wucherungen betrug anscheinend zwanzig Zentimeter. In fieberhafter Eile �ffnete Conway die Wucherungen an insgesamt neun Stellen, die ungef�hr in gleichen Abst�nden um den ganzen ringf�rmigen K�rper herum verteilt waren. Dann blickte er Prilicla fragend an.</p><p>�Jetzt wird alles immer unertr�glicher�, sagte der GLNO. �Extremer seelischer Schmerz, Angst. Erstickungsgef�hle, der Puls rast und ist unregelm��ig. das Herz ist an den Grenzen der Belastbarkeit angelangt. Au�erdem verliert er erneut das Bewu�tsein.�</p><p>Bevor der Empath zu Ende gesprochen hatte, begann Conway, sich wie ein Schlachter aufzuf�hren. Mit langen, brutalen Schnitten, die eher an S�belhiebe erinnerten, schuf er zwischen den Stellen, bei denen er zuvor die tiefen Einschnitte vorgenommen hatte, Verbindungen. Alles wurde jetzt der Geschwindigkeit geopfert. Selbst unter Aufwendung jeglicher Vorstellungskraft konnte man das, was er da tat, nicht mehr als einen chirurgischen Eingriff bezeichnen, denn ein Holzf�ller mit einer stumpfen Axt h�tte wohl sauberere Arbeit abgeliefert.</p><p>Als er fertig war, schaute er den Patienten kurz an, aber es gab noch immer keine Anzeichen einer Bewegung. Er lie� das Skalpell fallen und zerrte an den Wucherungen mit den blo�en H�nden.</p><p>Pl�tzlich erf�llte Skemptons Stimme den Raum. Er beschrieb aufgeregt die Landung auf der Alienkolonie und den Beginn der Kontaktauffnahme. Dann f�hr er fort: �Und O�Mara, die gesellschaftlichen Zust�nde hier sind v�llig verr�ckt. So etwas hab ich noch nie erlebt! Es gibt hier zwei verschiedene Lebensformen.�</p><p>�Die ein und derselben Spezies angeh�ren�, erg�nzte Conway laut keuchend, w�hrend er arbeitete. Der Patient gab jetzt deutliche Lebenszeichen von sich und begann endlich, sich selbst zu helfen. Conway h�tte am liebsten vor Freude laut geschrien, f�hr aber im relativ gefa�ten Ton ersch�pft fort: �Eine Lebensform ist der zehnbeinige Typ wie unser Freund hier, allerdings ohne da� dabei der Schwanz im Mund steckt. Das ist nur die �bergangsposition. Die andere Form ist. ist.� � Conway hielt inne, um das Wesen, das sich jetzt vor ihm entpuppte, eingehend zu betrachten. Die �berreste der Wucherungen, von denen es �berzogen gewesen war, lagen �berall auf dem Boden verstreut, einige waren von Conway abgerissen worden, andere hatte der Alien selbst abgesto�en � ��nun, ich w�rde sagen, da� es sich hierbei nat�rlich um einen eierlegenden Sauerstoffatmer handelt�, fuhr er schlie�lich fort. �Mit einem langen, stab�hnlichen, aber flexiblen K�rper, der mit jeweils vier insektenartigen Beinen und Greifzangen, drei Fl�gelpaaren und den �blichen Sinnesorganen ausgestattet ist. Klassifikation GKNM. Sieht ungef�hr wie eine Libelle aus.</p><p>Au�erdem denke ich, da� die erste Form, den primitiv entwickelten Tentakeln nach zu urteilen, in erster Linie die Schwerarbeit leistet. Erst wenn das Wesen dieses Larvenstadium durchlaufen hat und zu dieser grazileren und sch�neren Libellengestalt geworden ist, betrachtet man es als reif und bef�higt genug, auch verantwortliche Aufgaben zu �bernehmen. Wie ich mir vorstellen kann, hat sich auf diese Weise eine h�chst komplizierte Gesellschaftsstruktuir entwickelt, die.�</p><p>�Ich wollte gerade sagen, da� zwei von diesen Aliens bereits unterwegs sind, um sich um den �berlebenden zu k�mmern�, fuhr Colonel Skempton dazwischen, dessen Stimme man den Verdru� anmerkte, da� ihm jemand den Applaus gestohlen hatte. �Sie bitten inst�ndig darum, da� wir unter keinen Umst�nden irgend etwas mit dem Patienten unternehmen, bevor sie.�</p><p>An diesem Punkt schob O�Mara die Trennwand beiseite. Er starrte den Patienten mit offenem Mund an, der sich gerade die Fl�gel aussch�ttelte, und man konnte dem Psychologen die Anstrengung regelrecht ansehen, mit der er die Fassung allm�hlich zur�ckzugewinnen versuchte. Schlie�lich sagte er: �Ich f�rchte, ich mu� mich bei Ihnen entschuldigen, Doktor. Aber warum haben Sie niemandem etwas davon gesagt.?� �Weil ich keinen eindeutigen Beweis hatte, da� meine Theorie stimmte�, entgegnete Conway im ernsten Ton. �Als der Patient immer wieder in Panik geriet, sobald ich ihm meine Hilfe anbot, bekam ich allm�hlich den Verdacht, da� diese Wucherungen ganz nat�rlich waren. Von einer Raupe konnte man erwarten, da� sie sich gegen jeden wehrt, der ihren Kokon fr�hzeitig entfernen will, n�mlich aus dem einfachen Grund, da� sie durch ein solches Vorgehen get�tet werden w�rde. Und es gab andere Hinweise � die nicht stattfindende Nahrungsaufnahme, die kreisf�rmige K�rperhaltung mit den nach au�en gerichteten Gliedma�en � offensichtlich ein Verteidigungsmechanismus, der aus einer Zeit stammt, als nat�rliche Feinde das neue Leben in dem immer h�rter werdenden Panzer des alten Lebens bedrohten � und schlie�lich die Tatsache, da� die ausgeatmete Luft w�hrend des letzten Stadiums keine Unreinheiten mehr aufwies. Das bewies nur, da� Lunge und Herz, die wir die ganze Zeit abgeh�rt haben, keine direkte Verbindung mehr hatten.�</p><p>Conway erkl�rte weiter, er sei sich zu Beginn der Behandlung seiner Theorie zwar nicht sicher gewesen, habe aber andererseits nicht gen�gend Zweifel an ihr gehegt, als da� er Mannons oder Thornnastors Vorschl�gen h�tte zustimmen k�nnen. Er sei zu dem Schlu� gekommen, da� der Zustand des Patienten normal oder zumindest einigerma�en normal gewesen war, und die beste Behandlung sein w�rde, absolut nichts zu unternehmen. Und daran hatte er sich gehalten.</p><p>��aber dies hier ist ein Hospital, das seinen Patienten unter allen Umst�nden helfen will�, fuhr er fort. �Und ich kann mir einfach nicht vorstellen, da� Doktor Mannon, Sie selbst oder irgendeiner der anderen Leute, die ich kenne, einfach nur danebenstehen und nichts unternehmen w�rde, w�hrend der Patient scheinbar unter ihren H�nden stirbt. Vielleicht h�tte der eine oder andere meine Theorie akzeptiert und w�re sogar mit meinem Vorgehen einverstanden gewesen, aber ich konnte mir dessen nicht sicher sein. Und meiner Ansicht nach mu�ten wir diesen Patienten heilen, weil seine Freunde bis zu diesem Zeitpunkt ein so gut wie unbekannter Faktor waren.�</p><p>�Schon gut, schon gut�, unterbrach ihn O�Mara und hob beschwichtigend die H�nde. �Sie sind wirklich ein Genie, Doktor, jedenfalls so etwas �hnliches. Aber wie geht es jetzt weiter?�</p><p>Conway rieb sich das Kinn, dann sagte er nachdenklich: �Wir d�rfen nicht vergessen, da� sich der Patient auf einem Ambulanzschiff befand, also mu�te schon etwas mit ihm nicht in Ordnung gewesen sein, bevor wir ihn gefunden haben. Er war zu schwach, um allein aus seiner Larve herauszuschl�pfen und brauchte Hilfe. Vielleicht war diese k�rperliche Schw�che sein einziges Problem. Aber wenn es etwas anderes war, wird Thornnastor mit seinen Leuten ihn bestimmt kurieren k�nnen, zumal wir jetzt mit dem Patienten reden und mit seiner Zusammenarbeit rechnen k�nnen.</p><p>Es sei denn�, erg�nzte er, wobei er sich pl�tzlich besorgt anh�rte, �unsere vorhergehenden Versuche, beruhigend auf ihn einzuwirken, haben bei ihm einen geistigen Schaden hinterlassen.� Er schaltete den Translator ein, kaute einen Augenblick nerv�s auf den Lippen herum, und sagte dann zu dem Patienten: �Wie f�hlen Sie sich?�</p><p>Die Antwort fiel kurz und b�ndig aus � aber sie enthielt all das, was das Herz eines besorgten Arztes h�her schlagen l��t.</p><p>�Ich hab Hunger�, sagte der Patient.</p></section></body><binary id="cover" 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