<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf</genre><author><first-name>James</first-name><last-name>White</last-name></author><book-title>Sector General</book-title><annotation><p>ORBIT HOSPITAL ist ein Klinikum im All, das allen raumfahrenden Lebensformen der Galaxis medizinische Hilfe leistet. Es nimmt alle Gesch�pfe auf, ob sie ein Dutzend Gliedma�en haben oder gar keine, ob sie sich von Radioaktivit�t ern�hren oder Wasser atmen � von anderen exotischen Gewohnheiten und Bed�rfnissen ganz zu schweigen. Es ist ein �kologisches Tollhaus und ein organisatorischer Irrwitz, aber es ist f�r alle da und es funktioniert. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes � lebensnotwendig.</p></annotation><date>2011-08-24</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Wilhelm</first-name><last-name>Heyne</last-name></translator><sequence name="Orbit Hospital" number="5"/></title-info><document-info><author><nickname>Haereticus</nickname></author><program-used>doc2fb, FictionBook Editor Release 2.5, ImageFB2, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2011-08-24">2011-08-24</date><id>06713146-6C43-4C23-84EF-A59CFD1DAF44</id><version>2</version></document-info><publish-info><book-name>Sector General</book-name><year>1993</year></publish-info></description><body><section><title><p>James White</p><p>Sector General</p></title><epigraph><p>Den Freunden von Kilgore Traut gewidmet, die das Unm�gliche mit jener Geringsch�tzung behandelt haben, die es verdient</p></epigraph><p><emphasis>Orbit Hospital 05</emphasis></p><p><emphasis>HEYNE SCIENCE FICTION &amp; FANTASY</emphasis></p><p><emphasis>Band 06/4978</emphasis></p><p><emphasis>Titel der englischen Originalausgabe Sector General 1993 der deutschen Ausgabe und der �bersetzung by Wilhelm Heyne Verlag GmbH &amp; Co. KG, M�nchen</emphasis></p><p><emphasis>Dieses E-Book ist nicht zum Verkauf bestimmt!!!</emphasis></p></section><section><title><p>EIN UNFALL</p><p>ACCIDENT</p></title><p>Der Retlin-Komplex war zugleich der gr��te Terminal und der einzige Raumhafen auf Nidia und, so dachte MacEwan sp�ttisch, obendrein auch noch der beliebteste Zoo. In der gro�en Wartehalle wimmelte es von den hier einheimischen, pelzigen Flugpassagieren sowie von Touristen und Bodenpersonal. Aber der gr��te Andrang herrschte drau�en vor den transparenten W�nden der Abflughalle, wo sich Nidianer jeden Alters vor Neugierde fast umrempelten, um einen Blick auf die wartenden Raumpassagiere werfen zu k�nnen.</p><p>Vor den Angeh�rigen des Monitorkorps, die MacEwan und seinen Gef�hrten eskortierten, ging die Menge jedoch sofort auseinander � kein Einheimischer w�rde es jemals wagen, bei einem Fremdweltler �rgernis zu erregen, und sei es auch nur durch einen unbeabsichtigten K�rperkontakt. Vom Eingang der Abflughalle wurden die beiden in ein kleines B�rogeb�ude gef�hrt, dessen transparente W�nde sich bei ihrem Herannahen bis zur Undurchsichtigkeit tr�bten.</p><p>Der Mann, der ihnen gegen�berstand, war zwar Colonel und damit der rangh�chste Offizier des Monitorkorps auf Nidia, blieb aber dennoch respektvoll stehen, bis sich seine Besucher gesetzt hatten, wie es bei der ersten Begegnung mit dem namhaften Terrestrier MacEwan und dem nicht weniger ber�hmten Orligianer Grawlya-Ki angemessen war. Der Colonel verharrte noch einen Augenblick lang in dieser Stellung und musterte mit h�flicher Mi�billigung die Uniformen seiner G�ste � zerschlissene und verschmutzte Relikte eines fast vergessenen Kriegs. Dann warf er einen fl�chtigen Blick auf den Solidographen, der auf einer Ecke des Schreibtischs stand, und setzte sich.</p><p>Mit ruhiger Stimme sagte er: �Die Planetenversammlung hat beschlossen, da� Sie auf Nidia nicht l�nger erw�nscht sind, und ersucht Sie deshalb, den Planeten unverz�glich zu verlassen. Man hat meineOrganisation mit der Durchf�hrung dieses Ersuchens beauftragt, da sie nach unseren Ma�st�ben einer neutralen au�erplanetarischen Polizeitruppe am n�chsten kommt. Mir w�re es angenehm, Sie w�rden Nidia ohne Anwendung physischer Gewalt verlassen. Es tut mir leid. Das alles ist auch f�r mich h�chst unerfreulich, aber ehrlich gesagt, mu� ich den Nidianern recht geben. Ihre urspr�nglich friedensstiftenden Aktivit�ten sind in letzter Zeit viel zu� ahm� kriegerisch geworden.�</p><p>Grawlya-Kis Brustumfang schwoll pl�tzlich so bedrohlich an, da� der starre, stachelige Pelzbesatz knirschend am alten Kampfharnisch entlangschabte. Der Orligianer sagte jedoch nichts.</p><p>MacEwan hingegen entgegnete m�de: �Wir haben nur versucht, den Leuten begreiflich zu machen, da� sie.�</p><p>�Ich wei�, was Sie versucht haben�, unterbrach ihn der Colonel. �Aber w�hrend einer Probe gleich ein halbes Fernsehstudio auseinanderzunehmen, war wohl nicht der richtige Weg. Abgesehen davon wissen Sie genausogut wie ich, da� Ihre Anh�nger in Wirklichkeit viel gr��eres Interesse an Krawall als an der Verbreitung Ihrer Ideen hatten. Durch Ihre Schuld haben die einen Vorwand gefunden, alles kurz und.�</p><p>�Immerhin hat das St�ck den Krieg verherrlicht�, verteidigte sich MacEwan.</p><p>Der Blick des Monitors huschte kurz zum Solidographen hin�ber und richtete sich dann wieder auf Grawlya-Ki und MacEwan. Die Stimme des Colonels klang jetzt sanfter: �Glauben Sie mir, es tut mir wirklich leid, aber Sie m�ssen Nidia verlassen. Ich kann Sie nat�rlich nicht dazu zwingen, aber Sie sollten am besten auf Ihre Heimatplaneten zur�ckkehren, wo Sie sich erholen und den Rest Ihres Lebens in Frieden verbringen k�nnen. Wahrscheinlich haben die Kriegsverletzungen bei Ihnen tiefe seelische Narben hinterlassen, wom�glich brauchen Sie sogar psychiatrische Hilfe. Naja, und au�erdem glaube ich, verdienen Sie beide jetzt selbst ein bi�chen von dem Frieden, den Sie so verzweifelt f�r die gesamte F�deration herbeisehnen.�</p><p>Als er keine Antwort erhielt, seufzte der Colonel und fragte: �Wohin wollen Sie also diesmal fliegen?�</p><p>�Nach Traltha�, antwortete MacEwan.</p><p>Der Monitor machte ein erstauntes Gesicht. �Das ist ein hei�er und stark industrialisierter Planet mit hoher Gravitation, der von schwerf�lligen, sechsbeinigen Elefanten bev�lkert ist. Das sind doch flei�ige, friedliebende und zivilisatorisch v�llig stabile Wesen. Auf Traltha hat es seit tausend Jahren keinen Krieg mehr gegeben. Dort w�rden Sie nur Ihre Zeit verschwenden und sich im �brigen �berhaupt nicht wohl f�hlen. Nun gut, aber das ist schlie�lich Ihre pers�nliche Entscheidung.�</p><p>�Der Wirtschaftskrieg h�rt auf Traltha niemals auf�, widersprach MacEwan, �und eine Kriegsart kann zur anderen f�hren.�</p><p>Der Colonel versuchte erst gar nicht, seinen Unmut zu verbergen. �Sie machen sich v�llig grundlos Sorgen. Au�erdem ist es sowieso Sache des Monitorkorps, den Frieden aufrechtzuerhalten. Im Gegensatz zu Ihnen gehen wir dabei ruhig und besonnen vor, indem wir potentielle St�renfriede und gef�hrliche Situationen genau beobachten und fr�hzeitig, noch bevor die Vorg�nge au�er Kontrolle geraten k�nnen, mit geringstm�glicher St�rke reagieren. Wir leisten gute Arbeit, wenn ich das selbst einmal sagen darf. Aber Traltha stellt nun wirklich keine Gefahr dar, weder jetzt noch in absehbarer Zukunft.� Er l�chelte. �Da w�re sogar ein zweiter Krieg zwischen Orligia und der Erde wahrscheinlicher.�</p><p>�Den wird es garantiert nicht mehr geben, Colonel�, erwiderte Grawlya-Ki, wobei er die ausdruckslose Translatorstimme mit einem ged�mpften Brummen unterlegte, das wie eine unterschwellige Drohung klang.</p><p>�Feinde, die sich gegenseitig bis aufs Blut bek�mpft haben, werden sp�ter meistens die besten Freunde. Aber es mu� auch noch einen einfacheren Weg geben, neue Freundschaften zu stiften.�</p><p>Bevor der Offizier etwas entgegnen konnte, fuhr MacEwan schnell fort: �Ich kann die Vorgehensweise des Monitorkorps durchaus nachvollziehen, Colonel, und ich billige sie sogar. Das tun wir alle. Das Korps wird zwar von allen Spezies stets rasch als die einzige Organisation anerkannt, die die administrativen und polizeilichen Aufgaben wahrnimmt und dem Gesetz der F�deration Geltung verschafft, aber dennoch kann daraus niemals eine Truppe entstehen, die sich aus wirklich vielen verschiedenen Spezies zusammensetzt. Die Offiziere werden zwangsl�ufig fast ausschlie�lich von Terrestriern gestellt. Wenn aber eine einzige Spezies so viel Macht besitzt, birgt das die Ge��</p><p>�Wir sind uns dieser Gefahr sehr wohl bewu�t�, unterbrach ihn der Colonel. �Unsere Psychologen arbeiten bereits an den sich daraus ergebenden Problemen, und im �brigen sind unsere Monitore f�r die Kontaktverfahren mit ETs hochqualifiziert�, verteidigte er sich. �Dar�ber hinaus haben wir die M�glichkeit sicherzustellen, da� s�mtliche Mitglieder einer Schiffsbesatzung, die mit anderen Spezies Kontakt aufnimmt, die gleiche Ausbildung erhalten. Dadurch ist sich jedes einzelne Besatzungsmitglied st�ndig der Gefahr und auch der m�glichen Konsequenzen bewu�t, die unbedachte und eventuell als feindlich aufgefa�te �u�erungen oder Taten hervorrufen k�nnen. Wir rei�en uns fast ein Bein dabei aus, bei niemandem Ansto� zu erregen, das wissen Sie doch genau!�</p><p>Der Colonel war eben vor allem Polizist, dachte MacEwan, und wie jeder anst�ndige Polizist nahm er jegliche Kritik an seiner Truppe krumm. Au�erdem wuchs sein �rger �ber die zwei alternden Kriegsveteranen derart rasch an, da� dem Gespr�ch ein vorzeitiges Ende drohte.</p><p>Immer mit der Ruhe, ermahnte sich MacEwan selbst, schlie�lich ist dieser Mann kein Feind.</p><p>Laut sagte er: �Ich wollte eigentlich nur darauf aufmerksam machen, da� man sich schon von Natur aus in eine �u�erst wacklige Position begibt, wenn man sich ein Bein ausrei�t. Dieser �bertrieben h�fliche Umgang mit Extraterrestriern ist doch v�llig gek�nstelt, ja sogar verlogen. Die dadurch erzeugten Spannungen m�ssen letztendlich zu Problemen f�hren, und das selbst bei den handverlesenen und hochintelligenten Wesen, denen als einzigen Kontakte mit anderen Planeten gestattet sind. Diese Form der Kontaktaufnahme bewegt sich auf einem viel zu schmalen Pfad, ist zu begrenzt. So lernen sich die Mitgliedsspezies der F�deration nicht wirklich kennen und k�nnen auch gar kein Vertrauen zueinander fassen. Das werden sie erst dann, wenn der Kontakt entspanntere und nat�rlichere Formen angenommen hat. So, wie die Dinge stehen, ist derzeit nicht einmal ein freundschaftlich gef�hrtes Streitgespr�ch mit einem Extraterrestrier m�glich.</p><p>Wir m�ssen die Extraterrestrier endlich richtig kennenlernen, Colonel�, setzte MacEwan seinen Appell schnell fort. �Und zwar so gut, da� man nicht andauernd so verdammt freundlich sein mu�. Wenn ein Tralthaner einen Nidianer oder einen Terrestrier anrempelt, mu� man ihn gut genug kennen, um ihm sagen zu k�nnen, da� er gef�lligst aufpassen soll, wo er hintritt. Und man mu� ihn dabei mit allen, dem Vorfall angemessen erscheinenden Schimpfw�rtern �berh�ufen d�rfen. Wenn man hingegen selbst Schuld hat, mu� man eben mit der gleichen Behandlung rechnen. Der Durchschnittsterrestrier � und eben nicht eine sorgf�ltig ausgew�hlte und geschulte Elite von Raumreisenden � mu� die Fremdweltler so gut kennenlernen, da� er mit ihnen kontrovers diskutieren oder sich sogar ohne k�rperliche Gewalt mit ihnen streiten kann, ohne da� sofort.�</p><p>�Genau das ist der Grund, weshalb Sie Nidia verlassen werden�, unterbrach ihn der Monitor und stand auf. �Wegen massiver St�rung des Friedens.�</p><p>Ohne viel Hoffnung versuchte MacEwan einen letzten Erkl�rungsversuch. �Man mu� endlich eine gemeinsame Grundlage finden, auf der die normalen Staatsb�rger der F�deration aufeinander zugehen k�nnen, Colonel. Und zwar nicht nur zum wissenschaftlichen und kulturellen Austausch oder wegen interstellarer Handelsvertr�ge. Diese gemeinsame Basis mu� etwas Grundlegendes sein, etwas, das uns allen stark am Herzen liegt, eine Idee oder ein Projekt, das wir erst zusammen wirklich vorantreiben k�nnen. Trotz unserer vielger�hmten F�deration und der Wachsamkeit Ihres Monitorkorps � vielleicht auch gerade wegen dieser Wachsamkeit � lernt man sich gegenseitig eben nicht richtig kennen.</p><p>Und wenn wir das nicht schaffen, ist der n�chste Krieg schon vorprogrammiert. Aber dar�ber macht sich ja niemand Sorgen. Sie und Ihresgleichen haben die Schrecken des Kriegs anscheinend schon v�llig vergessen.�</p><p>Er verstummte, als der Colonel langsam auf den Solidographen auf dem Schreibtisch deutete und die Hand wieder sinken lie�. �Das ist uns eine st�ndige Mahnung�, gab er zu bedenken.</p><p>Danach sagte der Colonel nichts mehr, blieb aber in strammer Grundhaltung stehen, bis Grawlya-Ki und MacEwan das B�ro verlassen hatten.</p><p>Die Abflughalle war �ber die H�lfte mit dichtgedr�ngten, sich aber voneinander absondernden kleinen Gruppen von Tralthanern, Melfanern, Kelgianern und Illensanern gef�llt. Auch zwei untersetzte Wesen mit Tentakeln von einem Planeten mit hoher Schwerkraft befanden sich in der Halle und waren offenbar damit besch�ftigt, sich gegenseitig mit Farbe zu bespr�hen. Diese Wesen stellten eine f�r MacEwan unbekannte Lebensform dar. Ein teddyb�rartiger Nidianer, der die blaue Sch�rpe des nichttechnischen Bodenpersonals trug und sich hinter ihnen befand, ging zwar schnell weiter, um dem feinen Spr�hnebel zu entkommen, schenkte den Wesen selbst aber keine Beachtung.</p><p>Die chloratmenden Illensaner wiederum hatten einen guten Grund, unter sich zu bleiben: Der weite, durchsichtige Stoff ihrer Schutzh�llen wirkte �u�erst empfindlich. �ber das farbenspr�hende Paar wu�te MacEwan zwar nichts, aber bei den anderen handelte es sich samt und sonders um warmbl�tige, sauerstoffatmende Lebensformen, die allesamt �hnliche Druckverh�ltnisse und eine ann�hernd gleiche Schwerkraft ben�tigten � und diese Extraterrestrier h�tten doch wenigstens die Anwesenheit der jeweils anderen Wesen zur Kenntnis nehmen m�ssen, auch wenn sie die sicher vorhandene gegenseitige Neugier nicht offen zeigten. MacEwan drehte sich ver�rgert um und studierte die Start- und Landezeiten auf den elektronischen Anzeigetafeln.</p><p>Im Orbit befand sich gerade ein illensanisches Fabrikschiff, dessen F�hre vor wenigen Minuten aufgesetzt hatte, da es aufgrund seiner Gr��e und eingeengten Man�vrierf�higkeit selbst nicht landen konnte. Ein nidianischer Bodentransporter, ausger�stet mit allen Lebenserhaltungsma�nahmen f�r Chloratmer, befand sich bereits auf dem Weg zur F�hre, um die Passagiere aufzunehmen.</p><p>MacEwans und Grawlya-Kis auf Traltha gebautes und mit Tralthanern besetztes Passagierschiff war demn�chst zur Aufnahme der Passagiere bereit und wartete schon auf dem Vorfeld jenseits der Hauptstartbahn. Es war eins der neuen Schiffe, die sich r�hmen konnten, komfortable Sitzpl�tze f�r sechs verschiedene sauerstoffatmende Spezies zu bieten. Aber Bequemlichkeit ist etwas Relatives, und MacEwan, Grawlya-Ki und die anderen nichttralthanischen Wesen in der Halle w�rden sich bald selbst ein Urteil dar�ber bilden k�nnen.</p><p>Au�er der illensanischen F�hre und dem tralthanischen Schiff bestand der einzige Luftverkehr aus nidianischen Atmosph�reschiffen, die alle paar Minuten starteten und landeten. Dabei handelte es sich zwar nicht um gro�e Schiffe, aber sie mu�ten auch keine tausend Nidianer transportieren. Da sich diese Schiffe nur durch ihre Registrierungskennzeichen unterschieden, hatte man den Eindruck, als w�rde ununterbrochen immer dieselbe Maschine starten und landen.</p><p>MacEwan drehte sich schlie�lich um und blickte wieder einmal zornig auf die schreckliche und zugleich vertraute Skulptur, weil sie durch ihren markanten Platz im Zentrum der Halle automatisch alle Augen auf sich zog und es sonst nichts im Raum gab, was seine Aufmerksamkeit voll in Anspruch nehmen konnte.</p><p>Grawlya-Ki hatte den Blick schon vorher auf das Objekt geheftet und wimmerte jetzt leise vor sich hin.</p><p>Bei der Skulptur handelte es sich um eine Nachbildung des alten orligianischen Kriegsmahnmals in Originalgr��e � um eine der abertausend Kopien, die �ffentliche Ehrenpl�tze einnahmen oder in Miniaturausf�hrung die Schreibtische oder Wohnungen verantwortungsbewu�ter und engagierter Wesen auf allen Planeten der F�deration zierten. Das Original hatte mehr als zwei Jahrhunderte innerhalb eines Schutzschilds auf dem Marktplatz im Zentrum von Orligias Hauptstadt gestanden. In all den Jahren hatten immer wieder viele mit Intelligenz und Sensibilit�t ausgestattete Einheimische und Touristen vergeblich zu beschreiben versucht, welche Wirkung dieses Monument auf sie gehabt hatte.</p><p>Denn bei dem Mahnmal handelte es sich um keine in Marmor geschlagene, �sthetisch verherrlichende Darstellung, in der gottgleiche Gestalten durch �bertriebene Gesten k�hnen Widerstand ausdr�cken oder aber mit �u�erst vorteilhaft angeordneten Gliedma�en erhaben sterbend daniederliegen. Statt dessen bestand es aus einem Orligianer und einem Terrestrier inmitten zertr�mmerter Reste eines Cockpits, das zu einem inzwischen l�ngst veralteten Schiffstyp geh�rte.</p><p>Der Orligianer stand nach vorn gebeugt, sein Brustpelz und Gesicht waren von Blut bedeckt. Einige Meter entfernt lag der ganz eindeutig sterbende Terrestrier. Das Vorderteil der Uniform hing in Fetzen an ihm herunter und enth�llte die gr��lichen Wunden, die er davongetragen hatte. Schon mit blo�em Auge konnte man ganz deutlich normalerweise von Haut bedeckte Unterleibsorgane, subkutane Gewebeschichten und Muskeln sehen. Dennoch k�mpfte sich dieser Mann, der eigentlich gar nicht mehr h�tte leben, geschweige denn sich bewegen d�rfen, zum Orligianer voran.</p><p>Versuchten hier zwei K�mpfer mitten in den Tr�mmern eines Kriegsschiffs das Gefecht Mann gegen Mann fortzusetzen?</p><p>Dutzende von Gedenktafeln, die um den Sockel der Plastik herum gruppiert waren, beschrieben den Vorfall in allen Schriftsprachen der F�deration.</p><p>Sie berichteten von dem gewaltigen Zweikampf zwischen dem orligianischen und terrestrischen Schiff. Die beiden Kommandanten waren derart ebenb�rtige Gegner gewesen, da� sie nach dem Tod s�mtlicher Besatzungsmitglieder, dem v�lligen Durchl�chern der Schiffe, dem Abfeuern der gesamten Munition und dem Verbrauch der gesamten Restenergie dicht nebeneinander auf einem ihnen g�nzlich unbekannten Planeten bruchgelandet waren. Von einer eher pers�nlichen Neugier auf seinen Gegner getrieben und begierig darauf, soviel wie m�glich �ber feindliche Schiffssysteme in Erfahrung zu bringen, begab sich damals der Orligianer an Bord des zerst�rten terrestrischen Schiffs, und die beiden Gegner trafen aufeinander.</p><p>Aber f�r sie war der Krieg vorbei, denn der schwerverletzte Terrestrier wu�te nicht, wie lange er noch zu leben hatte, und der Orligianer hatte keine Ahnung, wann � falls �berhaupt � auf sein Notsignal hin Retter zu Hilfe kommen w�rden. Der zuvor noch gegenseitig empfundene, wenn auch nicht pers�nlich gemeinte Ha� war von den ungeheuren Anstrengungen des sechsst�ndigen Zweikampfs wie weggeblasen und hatte sich in gegenseitigen Respekt vor dem bewiesenen Ma� an fachlicher Kompetenz verwandelt. Deshalb versuchten sie, sich zu verst�ndigen, was ihnen auch schlie�lich gelang.</p><p>F�r beide handelte es sich dabei um einen au�erordentlich schmerzhaften Proze�, der nur langsam und unter gro�en Anstrengungen vonstatten ging, aber als sie miteinander sprachen, verschwiegen sie nichts. Der Orligianer wu�te, da� jede von ihm eventuell ge�u�erte aufs�ssige Bemerkung oder Befehlsverweigerung von dem Terrestrier mit in den Tod genommen werden w�rde. Der Terrestrier wiederum versp�rte zum einen die Sympathie, die ihm sein Gegner entgegenbrachte, und hatte zum anderen viel zu gro�e Schmerzen, um sich darum zu scheren, welche �u�erungen er seinerseits �ber die eigenen Vorgesetzten machte. Und w�hrend sich die beiden unterhielten, erfuhr der Terrestrier etwas von entscheidender Bedeutung: Er sah einmal aus der Sicht des Feindes den relativ einfachen, fast l�cherlichen Vorfall, den beide Seiten mi�verstanden hatten und der in erster Linie f�r den Kriegsausbruch verantwortlich gewesen war.</p><p>Ein zuf�llig in dieser Region kreuzendes orligianisches Schiff war gegen Ende dieser Unterhaltung auf dem Planeten gelandet und hatte � nach Absch�tzung der Lage � seinen �Freezer� gegen das terrestrische Wrack eingesetzt.</p><p>Selbst heute noch war MacEwan die Funktionsweise dieser wichtigsten orligianischen Raumwaffe unklar. Der Freezer konnte ein kleines Schiff oder die wichtigsten Teile eines gro�en Raumfahrzeugs in eine Art Stauungs- oder Stasisfeld einschlie�en, in dem jede Bewegung zum Stillstand kam. Dabei wurden weder die Schiffe besch�digt noch deren Besatzungen k�rperlich verletzt. Wenn allerdings jemand die Oberfl�che eines dieser zum Stillstand gebrachten R�mpfe auch nur ritzte oder versuchte, eine Nadel in die Haut einer der zur Bewegungslosigkeit erstarrten Personen zu stechen, dann hatte das eine Explosion von fast nuklearem Ausma� zur Folge.</p><p>Aber der orligianische Stasisfeldprojektor diente nicht nur kriegerischen, sondern auch friedlichen Zwecken.</p><p>Unter gro�en Schwierigkeiten hatte man einen Teil des Cockpits und die zwei darin enthaltenen, zum Stillstand gebrachten K�rper nach Orligia gebracht, um diese Gruppe als das auf schauerliche Weise eindrucksvollste Kriegsmahnmal, das man je gekannt hatte, f�r 236 Jahre auf dem Platz im Zentrum der Hauptstadt aufzustellen. In der Zwischenzeit entwickelte sich der unsichere Frieden, den die beiden eingefrorenen Wesen zwischen Orligia und der Erde gestiftet hatten, zu Freundschaft, und die Medizin machte so gro�e Fortschritte, da� der schwerverwundete Terrestrier sogar gerettet werden konnte. Obwohl Grawlya-Kis Verletzungen nicht t�dlich gewesen waren, hatte er doch darauf bestanden, zusammen mit seinem Freund MacEwan im erstarrten Zustand zu bleiben, um dessen zuk�nftige Heilung miterleben zu k�nnen.</p><p>Und dann wurden die beiden gr��ten Helden des Kriegs � Helden deshalb, weil sie ihn beendet hatten � aus dem erstarrten Zustand geholt und auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus gebracht und geheilt. Es hie�, zum erstenmal w�rden wahrhaft gro�e Gestalten der Geschichte die Belohnung von der Nachwelt erhalten, die sie verdient h�tten � und all dies hatte sich vor etwas �ber drei�ig Jahren auch so abgespielt.</p><p>Seitdem waren die beiden Helden, �brigens die einzigen Wesen mit direkter Kriegserfahrung in der gesamten F�deration, immer mehr vom Friedensgedanken besessen, bis die ihnen entgegengebrachte Ehrerbietungund der Respekt nach und nach in Abneigung und offene Behinderung ihrer Bem�hungen umschlugen.</p><p>�Manchmal frage ich mich, Ki, ob wir nicht wirklich lieber aufgeben und endlich nach unserem inneren Frieden suchen sollten, wie der Colonel es uns geraten hat�, sagte MacEwan, w�hrend er sich von den erstarrten Verk�rperungen Grawlya-Kis und seines eigenen fr�heren Ichs abwandte. �Niemand h�rt uns mehr zu, obwohl wir den Leuten doch nicht mehr zu sagen versuchen, als endlich die Z�gel lockerer zu lassen, sich freundschaftlich die H�nde zu reichen, und zwar ohne diese b�rokratischen Fehdehandschuhe, und da� sie in ihren �u�erungen und Handlungen aufrichtig und ehrlich sein sollen, damit sie.�</p><p>�Mir sind all diese Punkte durchaus bekannt�, unterbrach ihn Grawlya-Ki gereizt. �Es ist v�llig �berfl�ssig, mir das alles noch mal lang und breit zu erz�hlen. Ich sehe die Sache doch genauso wie du. Allm�hlich scheinst du wirklich senil zu werden.�</p><p>�H�r mal zu, du verlauster Riesenpavian!� setzte MacEwan w�tend zu einer Schimpftirade an, aber der Orligianer h�rte ihm �berhaupt nicht zu.</p><p>�Ungl�cklicherweise geh�rt Senilit�t zu jenen Leiden, die die Psychiater des Colonels nicht heilen k�nnen�, fuhr Grawlya-Ki unbeirrt fort. �Ich m�chte sogar behaupten, da� sie Leuten wie dir, dessen Verstand ansonsten noch einigerma�en intakt ist, nicht einmal mehr psychiatrischen Beistand leisten k�nnen. Au�erdem hast du es gerade n�tig, auf meinen leichten Fellausfall da und dort anzuspielen! Bei dir reichen die m�nnlichen Hormone ja gerade mal f�r einen sp�rlichen Fellwuchs auf dem Kopf aus, ansonsten ist da.�</p><p>�Daf�r haben bei euch die Frauen mehr Haare als die M�nner�, gab MacEwan bissig zur�ck und verstummte. Grawlya-Ki hatte ihn wieder einmal aufgezogen.</p><p>Seit ihrem ersten, mittlerweile historischen Treffen in MacEwans Cockpitwrack hatten sich die beiden sehr gut kennengelernt. Nach Absch�tzung der aktuellen Lage stellte Grawlya-Ki damals rasch fest, da� MacEwan viel zu niedergeschlagen war, um sich �ber sein eigenes zuk�nftiges Wohlergehen zu sorgen. Daraufhin leitete der Orligianer in Form von therapeutischen Gespr�chen erste Heilma�nahmen ein und machte dem Terrestrier so auf subtile Weise klar, da� er zumindest geistig gesund war.</p><p>MacEwan mu�te jetzt l�cheln und sagte leise: �Die anderen Flugg�ste sind durch unsere offene und ehrliche Art, miteinander zu reden, schon ganz nerv�s geworden. Die glauben wahrscheinlich, der Krieg zwischen Orligia und der Erde bricht demn�chst wieder aus � so etwas w�rden die sich nicht einmal im Traum gegenseitig an den Kopf werfen.�</p><p>�Aber trotzdem haben all diese Wesen Tr�ume�, entgegnete Grawlya-Ki, dessen Gedanken pl�tzlich zu einem der spezifisch orligianischen Themen abschweiften. �Alle intelligenten Lebensformen ben�tigen Perioden, w�hrend der sich ihr Unterbewu�tsein in Tr�umen oder auch Alptr�umen ausleben kann.�</p><p>�Das Problem ist nur, da� all die anderen leider nicht den gleichen, ganz spezifischen Alptraum haben wie wir�, erwiderte MacEwan.</p><p>Grawlya-Ki entgegnete nichts und beobachtete durch die transparenten Au�enw�nde der Halle das rasche Herannahen des Bodentransporters von der illensanischen F�hre. Das Gef�hrt war ein gro�es Silberprojektil mit vielen R�dern und auff�lligen Markierungen, die auf die Chloratmosph�re im Innern aufmerksam machten. An der Spitze befand sich eine durchsichtige Steuerkanzel mit einer auf den nidianischen Fahrer abgestimmten Atmosph�re. Warum versp�rten blo� alle kleineren intelligenten Lebensformen unabh�ngig von ihrer Spezies den unwiderstehlichen Drang, schnell zu fahren? fragte sich MacEwan. War er mit dieser Beobachtung wom�glich auf eine der gro�en kosmischen Wahrheiten gesto�en?</p><p>�Vielleicht sollten wir ganz anders an die Sache herangehen�, sagte der Orligianer, wobei er noch immer den Transporter beobachtete. �Anstatt zu versuchen, den B�rgern der F�deration Alptr�ume einzujagen, m��ten wir einen angenehmen und anregenden Traum f�r sie finden, durch den sie. Was macht der Idiot denn da?�</p><p>Das Fahrzeug scho� mit unvermindert hoher Geschwindigkeit auf die Halle zu, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, abzubremsen oder zu wenden, um mit seiner Verbindungsschleuse an die Ausgangsluke der Halle f�r Atmer toxischer Atmosph�ren zu gelangen. Mittlerweile beobachteten auch alle anderen wartenden Flugg�ste den Transporter, und viele von ihnen gaben un�bersetzbare Laute von sich.</p><p>Der Fahrer will anscheinend nur mal angeben, dachte MacEwan.</p><p>Durch das auf dem Kanzeldach reflektierende Sonnenlicht konnte man den Piloten nur undeutlich erkennen. Erst als der Transporter in den Schatten des Terminalgeb�udes raste, erblickte MacEwan die mit dem Gesicht nach unten �ber dem Armaturenbrett zusammengesackte Gestalt des Fahrers, doch war es bereits zu sp�t, irgend etwas dagegen zu unternehmen.</p><p>Da die transparente Wand aus �u�erst widerstandsf�higem Verbundkunststoff von fast drei�ig Zentimeter Dicke bestand, wurde sie zwar beim Aufprall der Fahrzeugspitze nach innen eingedr�ckt, zersplitterte allerdings zun�chst nicht. Doch wurden die Steuerkapsel und ihr Insasse auf der Stelle zu einem d�nnen Pfannkuchen aus geborstenem Metall, verhedderter Verkabelung und blutigem Nidianerfell zusammengequetscht, bevor sich der Transporter durch die Wand bohrte.</p><p>Als der Fahrer zusammengebrochen war und die Kontrolle �ber sein Fahrzeug verloren hatte, mu�ten zwar augenblicklich die automatischen Energieunterbrechungs- und das Notbremssystem ausgel�st worden sein, aber trotz blockierter R�der rutschte der Transporter jetzt schwerf�llig weiter, ri� die urspr�ngliche Bruchstelle in der transparenten Wand weiter auf, verlor dabei Teile der eigenen Au�enhaut und bahnte sich einen Weg durch die ordentlich installierten Sitzreihen tralthanischer, melfanischer, kelgianischer und illensanischer M�bel. Die schweren, teilweise komplexen Konstruktionen wurden aus der Bodenverankerung gerissen und zusammen mit den Wesen, die das Pech hatten, immer noch auf ihnen zu sitzen, zur Seite geschleudert. An einem der St�tzpfeiler des Geb�udedachs, der sich zwar be�ngstigend bog, gl�cklicherweise aber nicht brach, kam der Transporter schlie�lich knirschend zum Stehen. Durch die Ersch�tterung st�rzte ein Gro�teil der Platten an der Hallendecke herab und erzeugte eine gewaltige Staubwolke, die bei einigen zu Erstickungsanf�llen und momentaner Erblindung f�hrte.</p><p>�berall um MacEwan herum waren die un�bersetzbaren Schmerzensund Verzweiflungsschreie blind umhertappender, keuchender Extraterrestrier zu h�ren. Dazu geh�rte auch Grawlya-Ki. MacEwan blinzelte sich den Staub aus den Augen und sah den offenbar unverletzt gebliebenen Orligianer neben dem Transporter kauern. Grawlya-Ki hielt sich die beiden riesigen, pelzigen H�nde vor das Gesicht und hustete sich allem Anschein nach die Lunge aus dem Leib. MacEwan schob und trat mit den F��en losen Schutt beiseite und taumelte auf den Orligianer zu. Pl�tzlich begannen ihm die Augen zu brennen, und er konnte sich noch gerade rechtzeitig mit einer Hand Mund und Nase zuhalten, um sich vor dem Einatmen verseuchter Luft zu sch�tzen.</p><p>Chlor!</p><p>Mit der freien Hand packte MacEwan den Orligianer am Kampfharnisch und schleifte ihn vom besch�digten Fahrzeug weg, wobei er sich �ngstlich fragte, warum er damit �berhaupt wertvolle Zeit verschwendete � denn sollte die Innendruckh�lle des Transporters gerissen sein, w�rde es f�r Sauerstoffatmer innerhalb weniger Minuten in der gesamten Halle lebensgef�hrlich werden, da sich das Chlor durch den h�heren Druck der illensanischen Atmosph�re �berall verteilen w�rde. Pl�tzlich stolperte MacEwan �ber einen gedrungenen, membranartigen K�rper, der zuckend und zischend zwischen den Tr�mmern ausgestreckt dalag, und ihm wurde schlagartig klar, da� das besch�digte Fahrzeug nicht allein f�r die Verseuchung verantwortlich war.</p><p>Der verletzte Illensaner mu�te von dem Transporter angefahren und gegen das Gestell eines kelgianischen Sitzm�bels geschleudert worden sein, das daraufhin zusammengebrochen war. Eine der St�tzstreben hatte sich in der Druckh�lle des Chloratmers verfangen und sie �ber die gesamte L�nge des K�rpers aufgeschlitzt. Nun griff die sauerstoffreiche Atmosph�re den ungesch�tzten K�rper des Illensaners an und �berzog ihn mit einer scheu�lich blauen Korrosionsschicht, die um die beiden Atem�ffnungen herum am dicksten war und aus einer pulverigen, organischen Substanz bestand. W�hrend MacEwan den Illensaner musterte, h�rte der K�rper zu zucken auf, das laute Zischen blieb aber deutlich h�rbar.</p><p>Er hielt sich weiterhin mit der einen Hand Mund und Nase zu und tastete mit der anderen den K�rper und die Druckh�lle des Illensaners ab. Obwohl er die Augen inzwischen fest zugekniffen hatte, brannten sie wie Feuer.</p><p>Die Haut des Wesens f�hlte sich hei�, faserig und glitschig an. Sie besa� hervortretende Linienmuster, die den Anschein erweckten, der ganze K�rper w�re mit Bl�ttern irgendeiner grobstrukturierten Pflanze bedeckt. Manchmal war sich MacEwan vollkommen im unklaren, ob er nun die Haut oder den zerrissenen Druckanzug ber�hrte. Das H�mmern des Pulses in seinem Sch�del war fast unbeschreiblich, wie eine unaufh�rliche, lautstark dr�hnende Explosion, und das Engegef�hl in seiner Brust steigerte sich rasch zu solch einer St�rke, da� er kurz davor war, Chlor einzuatmen, nur um diesen brennenden, w�rgenden Schmerz in der Lunge loszuwerden. Aber er k�mpfte verzweifelt gegen den Drang zu atmen an und pre�te die Hand so fest gegen sein Gesicht, da� die Nase zu bluten begann.</p><p>Nach einer Zeit, die ihm wie mehrere Stunden vorkam, ertastete er schlie�lich die Form eines gro�en Zylinders mit einer Schlauchverbindung und sich seltsam anf�hlenden Beulen und vorspringenden Teilen: Das war der Luftbeh�lter des Illensaners. Verzweifelt zog und drehte MacEwan an den Bedienungselementen, die f�r die spatelf�rmigen Finger eines Illensaners konstruiert waren, und pl�tzlich h�rte das Zischen des entweichenden Chlors auf.</p><p>MacEwan drehte sich um und entfernte sich taumelnd von dem Illensaner. Er wollte versuchen, aus der noch nicht allzuweit ausgebreiteten Giftgaswolke herauszukommen, damit er endlich wieder atmen konnte. Aber kaum hatte er ein paar Meter zur�ckgelegt, stolperte er und fiel in das zerbrochene Sitzm�bel eines Extraterrestriers, das von einem Gewirr aus Plastikvorh�ngen bedeckt war, die noch wenige Minuten zuvor als Hallendekoration gedient hatten. Sein freier Arm bewahrte ihn zwar davor, sich zu verletzen, aber er reichte bei weitem nicht aus, um sich aus dem Gewirr von R�hren und Plastik zu befreien, das sich irgendwie von selbst um seine F��e gewunden hatte. Er �ffnete kurz die Augen, aber da sie wegen des Chlors sofort brannten, schlo� er sie gleich wieder. Bei solch einer hohen Gaskonzentration konnte er es nicht riskieren, den Mund f�r einen Hilferuf zu �ffnen. Der L�rmpegel in seinem Kopf war schier unglaublich. Er hatte das Gef�hl, als w�rde er von einem dr�hnenden, schwarzen Loch verschlungen und seine Brust von einem straffen Band umschlungen und fest zusammengedr�ckt werden.</p><p>Seine Brust wurde tats�chlich von irgend etwas gepackt. MacEwan f�hlte, wie dieses Etwas ihn hochhob, die in seinen Armen und Beinen verfangenen Tr�mmerst�cke absch�ttelte und ihn in dieser Position eine unbekannte Strecke weit durch die Halle schleppte. Pl�tzlich sp�rte er wieder Boden unter den F��en und �ffnete Augen und Mund.</p><p>Der Chlorgeruch war zwar immer noch stark, aber MacEwan konnte wenigstens wieder sehen und atmen. Grawlya-Ki stand nur ein paar Meter entfernt und deutete mit besorgter Miene auf das Blut, das MacEwan aus der Nase tropfte. Einer der beiden Extraterrestrier, die sich zuvor mit Farbe bespr�ht hatten, l�ste seinen dicken, eisenharten Tentakel, mit dem er MacEwans Brust umklammert hatte. Dieser rang noch so verzweifelt nach Atem, da� er nicht einmal etwas sagen konnte.</p><p>Sein Retter hingegen br�llte �ber den L�rm hinweg, den die Verwundeten in der ganzen Umgebung machten: �Ich bitte Sie ganz untert�nig und aufrichtig um Entschuldigung, falls ich Sie durch solch einen groben und m�glicherweise intimen K�rperkontakt in irgendeiner Weise in Verlegenheit gebracht oder gar verletzt haben sollte. Hoffentlich habe ich bei Ihnen keinen seelischen Schock hervorgerufen. Wenn Ihr orligianischer Freund nicht so beharrlich behauptet h�tte, Sie w�rden in ernster Gefahr schweben, und wenn er nicht mit der Bitte an mich herangetreten w�re, Sie da herauszuholen, h�tte ich es gar nicht gewagt, Sie zu ber�hren. Sollte ichSie also beleidigt haben, dann.�</p><p>�Sie haben mich �berhaupt nicht beleidigt�, unterbrach ihn MacEwan. �Ganz im Gegenteil! Sie haben mich unter Einsatz Ihres Lebens vor dem sicheren Tod bewahrt. Schlie�lich ist Chlor f�r uns Sauerstoffatmer absolut t�dlich. Ich danke Ihnen aufrichtig.�</p><p>Da sich die Gaswolke aus dem Anzug des toten Illensaners langsam ausbreitete, wurde es immer schwieriger zu sprechen, ohne zu husten, und Grawlya-Ki entfernte sich bereits. MacEwan wollte ihm gerade folgen, als ihn sein Retter erneut ansprach.</p><p>�Ich befinde mich nicht in unmittelbarer Lebensgefahr.� Seine Augen funkelten MacEwan beim Sprechen aus ihren harten, organischen Schutzpanzerungen an. �Ich bin ein Hudlarer, Terrestrier. Meine Spezies atmet nicht, sondern nimmt die Nahrung direkt aus der Hochdruckatmosph�re auf, die man in der N�he der Planetenoberfl�che mit einer dicken, halbgasf�rmigen Suppe vergleichen k�nnte. Au�er der Notwendigkeit, unsere K�rperoberfl�che in regelm��igen Abst�nden mit einem Nahrungspr�parat zu bespr�hen, bereitet uns h�chstens noch extrem �tzende Atmosph�re Unannehmlichkeiten. Bei Bauvorhaben im Orbit k�nnen wir sogar eine ganze Weile im luftleeren Raum arbeiten.</p><p>Also, ich bin zwar froh, da� ich Ihnen helfen konnte, Terrestrier, aber deshalb bin ich noch lange kein Held�, schlo� der Hudlarer.</p><p>MacEwan blieb stehen und rief zur�ck: �Trotzdem bin ich Ihnen nat�rlich sehr dankbar.� Dann deutete er mit einer Handbewegung quer durch den riesigen Raum, der eher einem Schlachtfeld als einer luxuri�sen Abflughalle zu den Sternen �hnelte. Erst nach einigen Hustenanf�llen war er in der Lage zu sagen: �Entschuldigung, ich will ja nicht unversch�mt sein, aber w�re es Ihnen m�glich, den anderen Wesen, die durch die Verletzungen bewegungsunf�hig geworden sind und Gefahr laufen zu ersticken, genauso zu helfen wie mir?�</p><p>Inzwischen hatte sich der zweite Hudlarer zu ihnen gesellt, aber keiner von beiden sagte etwas. Grawlya-Ki winkte zu MacEwan her�ber und deutete auf die transparente Wand des B�ros vom Colonel, in dem der Offizier des Monitorkorps wie wild gestikulierte.</p><p>�Ki, kannst du mal herausfinden, was der will?� rief MacEwan dem Orligianer zu. Dann wandte er sich wieder an den ersten Hudlarer: �Verst�ndlicherweise gehen Sie bei der k�rperlichen Ber�hrung von Mitgliedern anderer Spezies sehr behutsam vor, um keinen Ansto� bei ihnen zu erregen. Unter normalen Umst�nden ist ein solches Verhalten ja auch sehr anerkennenswert und durchaus ein Beweis f�r die Sensibilit�t und Intelligenz eines Wesens. Aber hier haben wir es eben nicht mit einer normalen Situation zu tun, und ich bin �berzeugt, da� die Verletzten Ihnen jede unbeabsichtigte k�rperliche Intimit�t Ihrerseits verzeihen werden, wenn es lediglich in der Absicht geschieht, ihnen zu helfen. Schlie�lich k�nnte unter den derzeit herrschenden Umst�nden eine gro�e Anzahl der Wesen sterben, die.�</p><p>�Wenn wir weiterhin mit diesen �berfl�ssigen H�flichkeitsfloskeln kostbare Zeit verplempern, sterben einige der Verletzten noch vor Langeweile oder gar an Altersschw�che�, unterbrach ihn der zweite Hudlarer pl�tzlich barsch. �Wir Hudlarer haben hier offensichtlich einen k�rperlichen Vorteil. Also, was sollen wir tun, um.?�</p><p>�F�r die voreiligen und unbesonnenen Bemerkungen meines Lebensgef�hrten bitte ich Sie ganz untert�nig um Entschuldigung, Terrestrier�, unterbrach der erste den zweiten Hudlarer schnell. �Und auch f�r alle m�glicherweise darin enthaltenen Beleidigungen.�</p><p>�Das ist nicht n�tig. Ich f�hl� mich �berhaupt nicht beleidigt�, entgegnete MacEwan und brach vor lauter Erleichterung in ein Lachen aus, bis daraus durch die chlorhaltige Luft ein Hustenanfall wurde. Zuerst spielte er mit dem Gedanken, seinen Anweisungen sicherheitshalber Entschuldigungen vorauszuschicken, falls er die Hudlarer versehentlich beleidigen sollte, kam dann aber zu dem Schlu�, dadurch nur noch mehr Zeit zu verlieren. Also atmete er tief, aber vorsichtig ein und sagte: �Im Umkreis des Transporters nimmt die Chlorkonzentration noch immer zu. K�nnte einer von Ihnen die Opfer an der betreffenden Stelle von den schweren Tr�mmerst�cken befreien und sie dann zum Eingang des Bordtunnels bringen? Sollte dieKonzentration n�mlich weiter steigen, k�nnte man sie von dort aus schnell in den Tunnel schaffen. Der zweite sollte sich hingegen darauf konzentrieren, die Illensaner zu retten, und sie in die Einstiegsluke des Transporters hieven. Direkt dahinter befindet sich eine Schleusenvorkammer. Ein paar von den weniger schwer verletzten Chloratmern sind hoffentlich in der Lage, die anderen durch die Schleuse zu schaffen, um dann im Transporter Erste Hilfe zu leisten. Der Orligianer und ich werden zun�chst versuchen, die Verletzten zu bergen, f�r die das Chlor keine unmittelbare Gefahr darstellt, und werden dann den Eingang des Bordtunnels �ffnen. Was hast du da, Ki?�</p><p>Der Orligianer war mittlerweile mit �ber einem Dutzend kleiner Zylinder in den Armen zur�ckgekehrt, an denen Sauerstoffmasken und Gurte befestigt waren. �Notfallausr�stung zur Brandbek�mpfung�, antwortete er laut. �Der Colonel hat mir den Weg zum Notschrank gezeigt. Die Masken sind aber eigentlich f�r Nidianer gedacht. Deshalb werden diese Dinger nicht besonders gut sitzen und einigen dieser Wesen bestimmt �berhaupt nicht passen. Aber vielleicht k�nnen wir die Masken bei denen durch Festhalten wenigstens einigerma�en anpassen und dann.�</p><p>�Diese Seite des Problems betrifft uns nicht�, unterbrach ihn der erste Hudlarer. �Aber was machen wir mit Verwundeten, bei denen wohlmeinende Retter mit ihrer mangelnden Kenntnis von der Physiologie des betreffenden Wesens nur noch eine Verschlimmerung der Verletzungen hervorrufen k�nnten, Terrestrier?�</p><p>MacEwan befestigte bereits einen Zylinder an seiner Brust, indem er den Tragegurt um die eine Schulter legte und unter der Achselh�hle der anderen Schulter hindurchf�hrte � weil die nidianischen Gurte f�r eine andere Befestigungsm�glichkeit zu kurz waren � und antwortete grimmig: �Grawlya-Ki und ich stehen vor dem gleichen Problem.�</p><p>�Dann werden wir eben nach bestem Wissen und Gewissen handeln�, entgegnete der zweite Hudlarer und bewegte sich, dicht gefolgt von seinem Lebensgef�hrten, schwerf�llig auf den Transporter zu.</p><p>�Das ist aber nicht das einzige Problem�, gab Grawlya-Ki zu bedenken, w�hrend er ebenfalls einen Zylinder an seinem Harnisch befestigte. �Durch die Kollision sind s�mtliche Sprechverbindungen lahmgelegt. Deshalb kann der Colonel weder die Terminalverwaltung �ber die hiesige Lage informieren, noch hat er irgendeine Ahnung, was der Notdienst in dieser Sache unternimmt. Au�erdem l��t sich nach seinen Angaben der Eingang zum Bordtunnel nicht �ffnen, solange die Atmosph�re in der Halle noch verseucht ist � diese Vorsichtsma�nahme geh�rt zum Sicherheitssystem, um eine solche Verseuchung zu begrenzen, damit sie sich nicht �ber den Bordtunnel in das wartende Schiff oder in die Hauptwartehalle ausbreiten kann. Das System kann zwar von dieser Seite aus abgeschaltet werden, aber nur mit einem Spezialschl�ssel, den der diensthabende Chef des Bodenpersonals in der Halle bei sich tr�gt. Hast du diesen Nidianer vielleicht irgendwo gesehen?�</p><p>�Ja�, entgegnete MacEwan mit grimmiger Miene. �Kurz vor dem Unfall hat er an der Ausstiegsluke gestanden. Ich glaube, er liegt irgendwo unter dem Transporter.�</p><p>Grawlya-Ki gab einen un�bersetzten, jammerenden Laut von sich und fuhr dann fort: �Der Colonel will sich �ber ein monitorkorpseigenes Funkger�t mit einem angedockten Schiff des Korps in Verbindung setzen, um auf diesem Weg in das Funknetz des Flughafens zu gelangen. Bisher hatte er damit allerdings keinen Erfolg. Die nidianischen Bergungsmannschaften reden und reden und h�ren �berhaupt keinem Au�enstehenden zu.</p><p>Auf jeden Fall will der Colonel wissen, was er denen sagen mu�, falls er durchkommen sollte. Vor allen Dingen mu� er von der Anzahl, der k�rperlichen Verfassung und dem Verseuchungsgrad der Opfer Kenntnis haben und auch von den Stellen, an denen die Rettungsmannschaften am besten in die Halle hereinkommen k�nnen. Er will dringend mit dir sprechen.�</p><p>�Aber ich will allenfalls erst sp�ter mit ihm sprechen�, erwiderte MacEwan. F�r einen brauchbaren Lagebericht wu�te er noch nicht genug, und bis es soweit war, konnten sie ihre Zeit viel besser nutzen, als sich dem Colonel gegen�ber auszuweinen. Er deutete auf einen zuckenden Gegenstand, der wie ein grauer, blutbefleckter Sack aussah und un�bersetzbare Laute von sich gab, und sagte: �Der da zuerst.�</p><p>Wie MacEwan feststellen mu�te, war der verletzte Kelgianer nur unter gro�en Schwierigkeiten zu bewegen, zumal das gesamte Gewicht auf lediglich einem orligianischen und zwei terrestrischen Armen lastete: Grawlya-Kis Maske pa�te n�mlich so schlecht, da� er sie st�ndig festhalten mu�te. Der Verletzte war ein raupen�hnliches Wesen mit mehr als zwanzig Beinen, das am ganzen K�rper von einem silbrigen, jetzt allerdings stark blutbeflecktem Fell bedeckt war. Der K�rper, etwa von der Gr��e und dem Gewicht eines Terrestriers, war v�llig schlaff. Mit Ausnahme des Kopfabschnitts schien er kein Skelett oder irgendwelche anderen Knochen zu haben. Aber es f�hlte sich so an, als w�rden statt dessen direkt unter dem Fell breite, konzentrische Muskelb�nder �ber die gesamte K�rperl�nge verlaufen.</p><p>Als MacEwan und Grawlya-Ki den Kelgianer endlich vom Boden hochgehoben hatten � wobei MacEwan Kopf und Mittelteil mit seiner Brust beziehungsweise mit den ausgestreckten Armen st�tzte und Grawlya-Ki den Schwanz zwischen Oberarm und Brustkorb einklemmte � schaukelte der vollkommen schlaff durchh�ngende K�rper so stark hin und her, da� eine der Wunden zu bluten begann. Weil sich MacEwan beim Transport zum Eingang des Bordtunnels darauf konzentrierte, den K�rper bewegungslos zu halten, und nicht auf den Weg achtete, verfing er sich mit den F��en in einem St�ck des Dekorationsvorhangs. Er fiel auf die Knie, und die Blutungen des Kelgianers wurden immer schlimmer.</p><p>�Wir m�ssen sofort etwas dagegen unternehmen�, br�llte der Orligianer, dessen Stimme von der kleinen Maske ged�mpft wurde. �Hast du irgendeine Idee?�</p><p>Da bei einem Krieg im Weltraum die meisten Verletzungen durch abrupten Druckabfall entstanden und man diese sowieso nur selten oder �berhaupt nicht behandeln konnte, hatte MacEwan beim Milit�r lediglich die Grundlagen Erster Hilfe gelernt. Dar�ber hinaus lie�en sich seinegeringen Kenntnisse nur auf Mitglieder der eigenen Spezies anwenden. So stillte man zum Beispiel ernsthafte Blutungen, indem man die Blutzufuhr zur Wunde mit einer Aderpresse oder durch Druck auf eine ganz bestimmte K�rperstelle unterbrach. Das Blutkreislaufsystem des Kelgianers schien sehr nah unter der Haut zu liegen; wahrscheinlich deshalb, weil die breiten, kreisf�rmigen Muskelb�nder mit Unmengen von Blut versorgt werden mu�ten. Ungl�cklicherweise wurde jedoch der genaue Verlauf der Adern vom dichten Fell des Wesens verdeckt. Nach MacEwans Ansicht kamen als Behandlungsmethode nur eine Kompresse und feste Bandagen in Frage. Er hatte zwar keine Kompressen und auch keine Zeit, danach zu suchen, aber an seinem linken Fu�gelenk hatte sich so etwas �hnliches wie Verbandstoffersatz verfangen: n�mlich Reste des Plastikvorhangs.</p><p>Er sch�ttelte den Vorhangstoff vom Fu� und zog dann ungef�hr zwei Meter davon unter den Tr�mmern hervor, die zusammen mit dem Vorhang von der Decke heruntergekommen waren. Das Material war �u�erst robust, und deshalb mu�te er all seine Kraft aufwenden, um es quer durchzurei�en. Gl�cklicherweise war der Vorhang aber so breit, da� er die gesamte Wunde bedeckte und sogar noch einige Zentimeter �brigblieben. Mit Hilfe des Orligianers hielt MacEwan den synthetischen Stoff �ber der Wunde fest. Dann f�hrte er die beiden Enden um den zylindrischen K�rper herum, zog sie fest zusammen und machte einen Knoten.</p><p>Wahrscheinlich war die Behelfsbandage zu fest geraten und dort, wo sie unterhalb des Kelgianerk�rpers entlanglief, pre�te sie zwei Beinpaare in einer wom�glich falschen Richtung gegen den Bauch. Au�erdem mochte MacEwan gar nicht daran denken, welche Folgen der �berall an dem Plastikstoff haftende Staub und Schmutz auf die offene Wunde haben k�nnte.</p><p>Der gleiche Gedanke mu�te auch Grawlya-Ki durch den Kopf gegangen sein, denn er sagte: �Vielleicht k�nnen wir einen anderen Kelgianer auftreiben, der nicht so stark verletzt ist und wei�, was zu tun ist.�</p><p>Es dauerte jedoch eine ganze Weile, bis sie endlich einen anderen Kelgianer gefunden hatten. Es kam ihnen vor, als sei bereits mehr als eineStunde vergangen, obwohl erst zehn Minuten verstrichen sein konnten, wenn man der gro�en und merkw�rdigerweise noch immer funktionierenden Hallenuhr glauben wollte, die in konzentrische Ringe unterteilt war, in denen die Zeiteinheiten der Hauptplaneten der F�deration angezeigt wurden.</p><p>Einer der beiden Hudlarer hatte zwei der krabben�hnlichen Melfaner aus den Tr�mmern des Wracks befreit, und zumindest ein Melfaner war noch ansprechbar und anscheinend sogar unverletzt, konnte aber wegen des Chlors oder Staubs nichts sehen. Grawlya-Ki sprach beruhigend auf ihn ein und f�hrte ihn weg, indem er ihn an einem dicken, fleischigen Fortsatz festhielt, der dem Wesen aus dem Kopf wuchs und dessen eigentlichen Zweck er nicht kannte. Der andere Melfaner gab nur laute und un�bersetzbare Ger�usche von sich. Sein R�ckenpanzer war an mehreren Stellen gebrochen und von den drei Beinen, die ihn auf der einen Seite h�tten tragen sollen, waren zwei schlaff und nicht mehr zu gebrauchen, und das dritte fehlte sogar v�llig.</p><p>MacEwan b�ckte sich schnell und schob seine H�nde und Unterarme zwischen den beiden unbrauchbaren Beinen unter den Rand des R�ckenpanzers. Dann hob er den K�rper bis zur normalen Stehh�he hoch. Kurz darauf setzten sich die Beine auf der anderen Seite langsam in Bewegung. Er hielt im selben Tempo Schritt, w�hrend er die verletzte Seite des K�rpers abst�tzte und den Melfaner um die Tr�mmerteile herumf�hrte, die �berall im Weg lagen, bis er schlie�lich den Schwerverletzten neben seinen erblindeten Gef�hrten legen konnte.</p><p>MacEwan wu�te nicht, was er f�r den Melfaner noch h�tte tun k�nnen, deshalb begab er sich wieder zu den Hudlarern, die gerade inmitten der gr��eren Tr�mmerst�cke herumgruben.</p><p>Gemeinsam legten sie drei weitere Melfaner frei, die trotz ihrer schweren Verletzungen gehf�hig waren, und f�hrten sie zum Eingang des Bordtunnels. Danach bargen sie zwei Tralthaner aus den Tr�mmern. Diese riesenhaften, sechsbeinigen Wesen schienen zwar unverletzt, von dem unver�ndert aus dem Transporter entweichenden Gas jedoch stark in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein. MacEwan und Grawlya-Ki dr�ckten den Tralthanern je eine nidianische Sauerstoffmaske auf eine ihrer beiden Atem�ffnungen und riefen ihnen zu, die andere zu schlie�en. Dann f�hrten sie die beiden zum Sammelpunkt der Verwundeten, wobei sie h�llisch aufpassen mu�ten, da� sie nicht unter eines der elefantenartigen Beine gerieten, das ihnen mit Leichtigkeit einen Fu� zermalmt h�tte. Anschlie�end gruben sie noch zwei der kelgianischen Raupen aus. Eine war offensichtlich an einer seitlichen, tiefen Ri�wunde bereits verblutet. Die andere hatte sich f�nf der hinteren Beinpaare verletzt und konnte sich deshalb nicht mehr bewegen. Jedoch war sie bei vollem Bewu�tsein und konnte so MacEwan und Grawlya-Ki beim Transport zu den anderen Verwundeten mithelfen, indem sie ihren K�rper versteifte.</p><p>MacEwans Bitte um Hilfe f�r den zu Anfang geborgenen kelgianischen Verletzten, dem er vorhin eine Behelfskompresse angelegt hatte, mu�te die Raupe abweisen, da sie keine medizinische Ausbildung hatte und ihr auch ansonsten keine anderen Hilfsma�nahmen einfielen.</p><p>Auf die stetig wachsende Menge von Verletzten am Tunneleingang gingen, krochen und schl�ngelten sich inzwischen noch mehr Verwundete zu, die aus den Tr�mmern geborgen worden waren oder sich selbst hatten befreien k�nnen. Einige konnten zwar sprechen, aber die meisten gaben nur laute und un�bersetzbare T�ne von sich, die vermutlich Schmerzenslaute waren. Die Verletzten, die noch immer zwischen den herabgest�rzten Tr�mmerst�cken eingeklemmt waren, gaben vergleichsweise schwache Ger�usche von sich.</p><p>Die beiden Hudlarer arbeiteten zwar unerm�dlich, wobei sie oft von einer Staubwolke umgeben waren, die sie dabei aufwirbelten, schienen aber nur noch organische �berbleibsel freizulegen, f�r die jede Hoffnung auf Rettung zu sp�t kam. So gab es einen weiteren Kelgianer, der auf schreckliche Weise v�llig ausgeblutet war. Zwei, vielleicht auch drei Melfaner mit zerdr�ckten und zertr�mmerten R�ckenpanzern und gebrochenen Gliedern wurden freigelegt und ein von einem herabst�rzenden Dachbalken v�llig zerquetschter Tralthaner, der sichallerdings noch immer fortzubewegen versuchte.</p><p>MacEwan hatte zwar Angst, eins dieser Wesen zu ber�hren, weil der K�rper wom�glich zwischen seinen H�nden auseinanderfallen w�rde, konnte sich aber nicht absolut sicher sein, ob den Schwerverletzten wirklich nicht mehr zu helfen war. Schlie�lich wu�te er �berhaupt nichts �ber ihre �berlebensf�higkeit bei schweren Verletzungen, und er hatte auch keine Ahnung, ob sie nicht durch eine rechtzeitige fach�rztliche Behandlung gerettet werden k�nnten. Er war auf sich selbst w�tend und f�hlte sich zu nichts nutze, und nun drang auch noch zu allem �berflu� allm�hlich das Chlor in seine Gesichtsmaske ein.</p><p>�Dieses Wesen hier scheint fast unverletzt zu sein�, stellte der Hudlarer neben ihm fest. Er hatte einen schweren Tisch von einem auf der Seite liegenden Tralthaner gehoben, dessen sechs st�mmige Beine noch schwach zuckten. Jedenfalls wiesen die kuppelartige Gehirnschale, der R�ssel mit den vier Augen und die dicke Lederhaut keinerlei Anzeichen von Verletzungen auf. �Vielleicht macht ihm nur das giftige Gas zu schaffen. Was meinen Sie?�</p><p>�Wahrscheinlich haben Sie recht�, antwortete MacEwan, und gleich darauf dr�ckte er zusammen mit Grawlya-Ki nidianische Masken auf die Atem�ffnungen des Tralthaners. Nach einigen Minuten hatte sich der Zustand des Tralthaners noch immer nicht gebessert. MacEwans Augen brannten, obwohl er genau wie Grawlya-Ki die Maske mit einer Hand fest gegen das Gesicht gepre�t hielt.</p><p>�Haben Sie noch eine andere Idee?� fragte er schlie�lich den Hudlarer w�tend.</p><p>In Wirklichkeit richtete sich seine Wut gegen seine eigene Hilflosigkeit, und er h�tte sich am liebsten selbst geohrfeigt, da� er sie an dem Hudlarer auslie�. Zu allem �berflu� konnte er die beiden Hudlarer �u�erlich einfach nicht auseinanderhalten. Sie unterschieden sich nur dadurch, da� der eine eher gequ�lt klang und alles sehr umst�ndlich und allzu h�flich formulierte, w�hrend sein Lebensgef�hrte wesentlich direkter zur Sache kam. Dieser hier war zum Gl�ck der Erstgenannte. �M�glicherweise befinden sich die Verletzungen auf der Seite, die auf dem Boden liegt, und sind daher momentan f�r uns nicht sichtbar�, gab der Hudlarer auf seine schwerf�llige Art zu bedenken. �Vielleicht bereitet dem Tralthaner auch das Liegen auf der Seite ernste Unannehmlichkeiten, zumal er ein gedrungenes Wesen ist, das unter hohen Schwerkraftverh�ltnissen lebt und gewisse k�rperliche �hnlichkeiten mit mir selbst aufweist. Wir Hudlarer k�nnen zwar problemlos in der Schwerelosigkeit arbeiten, wenn aber Schwerkraft vorhanden ist, mu� sie unbedingt nach unten wirken, andernfalls treten innerhalb k�rzester Zeit ernsthafte Organverlagerungen auf, die eine vollkommene Arbeitsunf�higkeit zur Folge haben. Dar�ber hinaus ist es eine Tatsache, da� s�mtliche tralthanischen Schiffe mit einem k�nstlichen Gravitationssystem ausger�stet sind, das mehrere Ausfall Schutzsicherungen besitzt. Das ist �brigens nur einer der vielen Gr�nde f�r die Zuverl�ssigkeit der auf Traltha gebauten Schiffe und warum sie �berall so beliebt sind. Jedenfalls l��t sich daraus folgern, da� die Tralthaner die seitliche Einwirkung der Gravitation auf den K�rper um jeden Preis vermeiden m�ssen, und da� dieses Wesen hier unter.�</p><p>�Jetzt h�r endlich auf, gro�artige Vortr�ge zu halten, und heb den Kerl hoch�, unterbrach ihn pl�tzlich der zweite Hudlarer, der sich zu der Gruppe gesellt hatte.</p><p>Der erste Hudlarer streckte seine beiden vorderen Tentakel aus, lie� sie �ber den R�cken des Tralthaners gleiten und schob sie unter die auf dem Boden liegende Seite des K�rpers, wobei er sich mit den anderen vier vor den schwach zuckenden F��en des Liegenden abst�tzte. MacEwan beobachtete, wie sich die Tentakel strafften, sich bis zum �u�ersten anspannten und schlie�lich zu zittern begannen. Doch der K�rper des Tralthaners r�hrte sich keinen Millimeter, so da� der zweite Hudlarer in Position ging, um zu helfen.</p><p>MacEwan war �berrascht und besorgt zugleich. Er hatte gesehen, da� diese Tentakel, die sowohl zum Gehen als auch zum Greifen dienten, Balken, riesige Bauteile und gewaltige Tr�mmermassen anscheinend m�helos hochheben konnten. Es handelte sich um eindrucksvoll undungeheuer stark entwickelte Gliedma�en mit dicken, verh�rteten Ballen, die eine Art Kn�chel bildeten, auf dem der Hudlarer ging. Der Rest des Tentakels, die d�nnere, flexiblere H�lfte mit einem Fingerb�schel an der Spitze, wurde beim Gehen nach innen gegen die Unterseite des K�rpers zusammengerollt. Obwohl der Tralthaner, den die beiden Hudlarer jetzt zu bewegen versuchten, ungef�hr nur die Gr��e eines terrestrischen Elefantenbabys hatte, reichten deren vereinte Kr�fte lediglich dazu aus, den K�rper leicht anzuheben.</p><p>�Warten Sie!� rief MacEwan eindringlich. �Sie haben doch schon viel schwerere Gewichte hochgehoben. Ich glaube, der Tralthaner h�ngt an einem vorspringenden Bauteil fest oder ist wom�glich darauf aufgespie�t, und Sie k�nnen ihn nicht bewegen, weil er.�</p><p>�Wir k�nnen ihn nicht bewegen, weil wir nach einer ungen�genden Mahlzeit riesige Energiemengen verbraucht haben�, unterbrach ihn der h�fliche Hudlarer. �Bei der Einnahme unserer letzten, sowieso schon �berf�lligen Mahlzeit sind wir vom Unfall unterbrochen worden, kaum da� wir mit ihr begonnen hatten. Wir sind schwach wie kleine Kinder, so schwach wie Sie oder Ihr orligianischer Freund. Aber wenn Sie beide auf die andere Seite des Tralthaners gehen und mithelfen w�rden, dann k�nnte Ihre vereinte K�rperkraft, so j�mmerlich diese auch ist, die Sache m�glicherweise �ndern.�</p><p>Vielleicht war das doch nicht der h�fliche Hudlarer, dachte MacEwan, als er und Grawlya-Ki seinem Vorschlag nachkamen. Eigentlich wollte er sich bei den Hudlarern f�r die Unterstellung entschuldigen, sie seien lediglich organische Bergungsmaschinen, deren F�higkeiten er f�r selbstverst�ndlich gehalten hatte. Aber im Gegensatz zu den Hudlarern brauchte er Luft zum Sprechen und davon hatte er zur Zeit zuwenig, da er und Grawlya-Ki sich bereits mit den Schultern unter dem Sch�deldach des Tralthaners befanden. Ihre j�mmerliche vereinte K�rperkraft �nderte die Sache allerdings tats�chlich.</p><p>Der Tralthaner kam langsam wieder in eine aufrechte Position, taumelte unsicher auf seinen sechs weit auseinanderstehenden F��en und wurdedann vom Orligianer zu den �brigen Verletzten gef�hrt. MacEwan hatte mittlerweile nicht nur Chlor, sondern auch Schwei� in den Augen und wu�te deshalb nicht, welcher der beiden Hudlarer ihn jetzt ansprach. Wahrscheinlich war es derjenige, den er damit betraut hatte, verletzte Illensaner in den besch�digten Transporter zu heben.</p><p>�Ich hab da Schwierigkeiten mit einem Chloratmer, Terrestrier�, sagte der Hudlarer. �Er ist mir gegen�ber ausfallend und will mir nicht gestatten, ihn anzufassen. Die Umst�nde verlangen nach einer schnellen Entscheidung, die ich aber allein nicht f�llen will. K�nnten Sie vielleicht mit ihm sprechen?�</p><p>Die n�here Umgebung des Transporters war inzwischen von allen Verletzten ger�umt worden. Die einzige Ausnahme bildete dieser Illensaner, der sich standhaft weigerte, fortgebracht zu werden. MacEwan gegen�ber gab er als Begr�ndung an, er selbst habe zwar keine ernsthaften Verletzungen erlitten, daf�r aber h�tte seine Druckh�lle zwei kurze Risse bekommen. Den einen hatte er schlecht und recht abdichten k�nnen, indem er den Stoff der H�lle um das Leck herum mit beiden Greiforganen gepackt hatte und fest geschlossen hielt, den anderen Ri� pre�te er zusammen, indem er lediglich darauf lag. Diese Vorkehrungen hatten ihn gezwungen, den Innendruck der H�lle zeitweilig zu erh�hen, so da� er �berhaupt keine klare Vorstellung mehr davon hatte, wie lange die F�llung seines Chlorbeh�lters noch reichte. Obwohl er wom�glich kurz vor dem Erstickungstod stand, wollte er sich trotzdem nicht in den zwar ebenfalls leckgeschlagenen, aber dennoch relativ sicheren Transporter tragen lassen, weil dadurch die t�dliche Hallenatmosph�re in seine Schutzh�lle eindringen k�nnte.</p><p>�Lieber ersticke ich langsam an Chlormangel, als mir von Ihrem Sauerstoff in null Komma nichts meine Atemwege und Lunge zerfressen zu lassen. Fassen Sie mich blo� nicht an!� bat er eindringlich.</p><p>MacEwan fluchte leise vor sich hin, n�herte sich dem Illensaner aber nicht. Wo blieben nur die Bergungstrupps, die schon l�ngst h�tten eintreffen m�ssen? Die Uhr zeigte an, da� bereits mehr als f�nfundzwanzigterrestrische Minuten seit dem Unfall vergangen waren. Er sah, da� zwar inzwischen die Schaulustigen von der inneren Hallenwand verjagt worden waren, dort aber mittlerweile ein nidianisches Fernsehteam in Position gegangen war und einige ahnungslose Mitglieder des Bodenpersonals anscheinend tatenlos herumstanden. Drau�en fuhren schwere Fahrzeuge vor und Nidianer mit Rucks�cken und Helmen hasteten umher, aber wegen der st�ndig tr�nenden Augen und der allgegenw�rtigen Plastikvorh�nge konnte MacEwan keine Einzelheiten erkennen.</p><p>Pl�tzlich deutete er auf die Vorh�nge und sagte zu den Hudlarern: �W�rden Sie bitte ein gro�es St�ck von dem Plastik herunterrei�en und es �ber den Illensaner legen? Dr�cken Sie es �berall fest an den Anzug und streichen Sie die Falten zu den R�ndern hin glatt, damit dort soviel Luft wie m�glich ausweicht. Ich bin in einer Minute wieder da.�</p><p>Um den Transporter herum eilte er zu dem ersten verletzten Illensaner, dessen K�rper ein blasses, pulveriges Blau angenommen hatte und sich allm�hlich aufl�ste, und bem�hte sich, nur auf die Verbindungspunkte des Chlorbeh�lters mit dem Gurt zu schauen. Er brauchte mehrere Minuten, um den Tank vom K�rpergurt zu l�sen, und mehrmals ber�hrten dabei seine blo�en H�nde das organische Gewebe des toten Illensaners, das wie verfaulendes Holz zerbr�ckelte. MacEwan wu�te zwar, was f�r ein heimt�ckisches Gas Sauerstoff f�r Chloratmer war, aber erst jetzt konnte er richtig verstehen, da� allein der Gedanke, in einem undichten Anzug fortgetragen zu werden, bei dem zweiten Illensaner panische Angst ausgel�st haben mu�te.</p><p>Als er zur�ckkehrte, strich Grawlya-Ki das Plastik um den Illensaner herum alleine glatt, w�hrend die beiden Hudlarer ein St�ck zur�ckgetreten waren. Einer der beiden entschuldigte sich: �Unsere Bewegungen sind leider ein wenig unkoordiniert geworden, und deshalb hatte der Chloratmer Angst, wir k�nnten aus Versehen auf ihn fallen. Aber falls wir noch etwas anderes tun k�nnen.�</p><p>�Nein�, entgegnete MacEwan knapp. Dann drehte er den Gashahn des Chlorbeh�lters auf, schob ihn schnell unter die Plastikdecke und stie� ihn nah an den Illensaner heran. Seiner Meinung nach w�rde das zus�tzliche Ausstr�men von Chlor jetzt auch keinen gro�en Unterschied mehr machen � schlie�lich hatten sich Sauerstoffatmer im gesamten Umkreis des Transporters schon die ganze Zeit nicht mehr ohne Gefahr f�r Leib und Leben aufhalten k�nnen. Er dr�ckte seine kleine Sauerstofffmaske fest gegen das Gesicht, atmete tief und gr�ndlich durch die Nase ein, um mit den Hudlarern sprechen zu k�nnen.</p><p>�Ich bin ziemlich gedankenlos und anscheinend f�r die gro�artige Arbeit, die Sie hier geleistet haben, auch recht undankbar gewesen�, entschuldigte er sich. �F�r Sie gibt es hier nichts mehr zu tun. Bitte gehen Sie jetzt, und bespr�hen Sie sich mit dem notwendigen Nahrungspr�parat. Sie haben �u�erst uneigenn�tzig gehandelt, und daf�r bin ich Ihnen, wie �brigens alle anderen auch, zu gr��tem Dank verpflichtet.�</p><p>Die beiden Hudlarer machten allerdings keinerlei Anstalten zu gehen. Ungeachtet dessen legte MacEwan einzelne Tr�mmerst�cke auf die R�nder der Plastikplane, und Grawlya-Ki, der eine rasche Auffassungsgabe hatte, tat das gleiche. Kurz darauf wurden die R�nder so fest zu Boden gedr�ckt, da� das aus dem Beh�lter entweichende Gas die Plastikdecke langsam aufblies und sich der Illensaner somit in einem provisorischen Chlorzelt befand. Die Hudlarer hatten sich immer noch nicht von der Stelle ger�hrt.</p><p>�Der Colonel gibt dir schon wieder ein Zeichen�, sagte Grawlya-Ki. �So, wie er sich auff�hrt, scheint es ziemlich dringend zu sein.�</p><p>�Ungl�cklicherweise k�nnen wir hier unsere Spr�hdosen nicht benutzen, Terrestrier�, erkl�rte einer der Hudlarer, bevor MacEwan Grawlya-Ki antworten konnte. �Der Absorptionsmechanismus in unserer Haut w�rde zusammen mit der Nahrung auch das giftige Gas aufnehmen, und f�r unsere Spezies sind schon winzige Mengen Chlor t�dlich. Das Nahrungspr�parat kann nur in einer g�nstigen Atmosph�re oder im luftleeren Raum eingenommen werden.�</p><p>�Verdammte Schei�e!� fluchte MacEwan. Wenn er daran dachte, wie aufopferungsvoll die Hudlarer f�r die Befreiung der Verletzten geschuftet hatten, obwohl sie wu�ten, da� ihre Zeit und verf�gbare Energie streng begrenzt waren, und ihn dar�ber hinaus im Glauben gelassen hatten, keinerlei Schwierigkeiten zu haben, dann h�tte er eigentlich mehr zu sagen haben m�ssen � doch �Verdammte Schei�e!� war alles, was er �ber die Lippen brachte. Er blickte Grawlya-Ki hilflos an, aber das Gesicht des Orligianers war fast vollst�ndig von der pelzigen Hand bedeckt, die die l�cherlich kleine Maske festhielt.</p><p>�Bei unserer Spezies ist Verhungern ein recht schneller Vorgang, �hnlich dem Ersticken bei Gasatmern�, f�gte der andere Hudlarer ruhig hinzu. �Ich sch�tze mal, wir werden in knapp acht kurzen Einheiten unserer Zeitrechnung das Bewu�tsein verlieren und sterben.�</p><p>MacEwans Augen richteten sich auf die konzentrischen Kreise der Hallenuhr. Der Hudlarer sprach von einer Zeitspanne, die ungef�hr zwanzig irdischen Minuten entsprach. Irgendwie mu�te dieser Bordtunnel doch zu �ffnen sein!</p><p>�Gehen Sie zum Tunneleingang und versuchen Sie, bei Kr�ften zu bleiben�, sagte er. �Warten Sie bei den anderen, bis.� Er brach verlegen ab und wandte sich dann an seinen Freund: �Ki, du gehst am besten auch mit r�ber. Das Chlor hier in der Luft reicht aus, um dein Fell vollkommen auszureichen. La� weiterhin die Masken herumgehen und.�</p><p>�Denk an den Colonel�, erinnerte ihn Grawlya-Ki, w�hrend er sich bereits umdrehte, um den Hudlarern zu folgen. MacEwan signalisierte ihm seinen Dank, doch bevor er selbst zur Innenwand gehen konnte, begann der Illensaner zu sprechen, dessen Stimme unter dem provisorischen Chlorzelt ged�mpft klang.</p><p>�Das war eine geniale Idee, Terrestrier�, sagte der Illensaner langsam. �Meine Druckh�lle befindet sich jetzt in einer g�nstigen Atmosph�re, die es mir erm�glicht, den gerissenen Stoff zu reparieren und so lange zu �berleben, bis ich Hilfe von anderen Illensanern erhalte. Vielen Dank!�</p><p>�Keine Ursache�, entgegnete MacEwan und bahnte sich durch die Tr�mmer hindurch einen Weg zu der noch immer wie wild gestikulierenden Gestalt des Colonels. Er war noch mehrere Meter von der Wand entfernt, als der Offizier auf ein Ohr deutete und dann mit dem Zeigefinger gegen die Innenfl�che der Wand pochte. MacEwan l�ste gehorsam auf einer Seite die Maske und dr�ckte ein Ohr gegen die transparente Wand. Obwohl die Gesichtsfarbe des Colonels verriet, da� er schrie, war seine Stimme nur leise und sehr undeutlich zu h�ren.</p><p>�H�ren Sie zu, MacEwan, und versuchen Sie jetzt nicht zu antworten�, br�llte der Colonel. �Wir haben Sie in f�nfzehn, h�chstens zwanzig Minuten da rausgeholt, und schon in zehn Minuten bekommen sie frische Luft. Es ist bereits f�r s�mtliche Verletzten aller Spezies �rztliche Hilfe unterwegs. Au�erdem wei� auf diesem Planeten inzwischen jeder �ber den Unfall Bescheid, weil das Fernsehen auf allen Kan�len in den Nachrichten �ber Ihre Ausweisung berichtet hat. Das ist wirklich mal eine Nachricht, die einschl�gt! Wegen der Kontaktmikrofone und der daran angeschlossenen Translatoren der Fernsehteams verstehen wir jedes einzelne Wort, das bei Ihnen da drinnen gesprochen wird. Die Regierung besteht darauf, da� alle erdenklichen Anstrengungen zur Beschleunigung der Rettungsaktion unternommen werden.�</p><p>Auf der anderen Seite der Halle schwenkte Grawlya-Ki gerade seine Maske und den Luftbeh�lter �ber dem Kopf. Als sich der Orligianer sicher war, da� MacEwan ihn gesehen hatte, warf er Maske und Beh�lter weg. Auch von den anderen Verwundeten trug keiner mehr eine Maske; offensichtlich waren die Ger�te nutzlos geworden, da der Sauerstoffvorrat mittlerweile verbraucht war.</p><p>MacEwan fragte sich, wie lange sein eigener Sauerstoffvorrat noch reichen w�rde, zumal die Ausr�stung f�r die kleinen Nidianer konzipiert worden war, deren Lungen lediglich das halbe Volumen menschlicher Lungen hatten. Au�erdem war w�hrend des st�ndigen Weitergebens der Masken von einem Verletzten zum anderen eine Menge Luft ungenutzt verloren gegangen. Bei Grawlya-Ki schlie�lich hatte die Luft wegen seines pelzigen Gesichts unter den Maskenr�ndern hindurch entweichen k�nnen, ganz besonders dann, wenn der Orligianer von Zeit zu Zeit den Druck erh�ht hatte, um das Einstr�men von Chlor zu verhindern.</p><p>Der Colonel hatte Grawlya-Kis Handlung auch gesehen und mu�te zum selben Schlu� gekommen sein. �Sagen Sie den Verletzten, sie brauchen nur noch ein paar Minuten lang durchzuhalten�, fuhr er fort. �Leider k�nnen wir nicht von der Haupthalle aus zu ihnen reinkommen, weil sich darin zu viele ungesch�tzte Wesen aufhalten. Abgesehen davon ist diese Kunststoffwand �u�erst widerstandsf�hig. Um die zu zerschneiden, braucht man ganz spezielle Schwei�ger�te, die aber wiederum nicht schnell genug verf�gbar w�ren. Obendrein w�rden durch die Einwirkung der Hitze auf den Kunststoff gro�e Mengen hochgiftiger D�mpfe entstehen, und zwar mit solch verheerenden Auswirkungen, da� Ihnen Ihr gegenw�rtiges Chlorproblem nur noch wie schlechter Geruch vorkommen w�rde.</p><p>Aus genau diesem Grund wird der Bergungstrupp durch das Loch hereinkommen, das von dem Transporter in die Wand gerissen worden ist. Zwischen dem Rumpf des Fahrzeugs und der Wand sind zwar nur ein paar Zentimeter Platz, aber das Team wird den Transporter einfach r�ckw�rts herausziehen, damit man Sie dann durch das Loch an die frische Luft bringen kann. Dort werden �rzte bereitstehen, die Sie mit.�</p><p>MacEwan h�mmerte mit der Faust und einem Fu� gegen den Kunststoff, um den Colonel auf sich aufmerksam zu machen, und atmete so tief durch die Maske ein, wie er konnte. Jetzt war er an der Reihe zu br�llen.</p><p>�Nein!� schrie er und hielt dabei den Mund so nahe an die Wand, wie es mit der Maske m�glich war. �Bis auf eine Ausnahme befinden sich in dem Transporter s�mtliche verwundeten Illensaner! Bei dem Zusammensto� ist die gesamte Rumpfkonstruktion besch�digt worden. Aus s�mtlichen Schwei�n�hten str�mt Chlor. Wenn Sie den Transporter einfach r�ckw�rts herausziehen, bricht er h�chstwahrscheinlich auseinander, und die Verletzten sind dann schutzlos der Luft ausgeliefert. Ich hab mit eigenen Augen gesehen, was mit einem Chloratmer passiert, wenn er der Einwirkung von Sauerstoff frei ausgesetzt ist.�</p><p>�Aber wenn wir nicht schleunigst in die Halle reinkommen, sterben dieSauerstoffatmer�, antwortete der Colonel, dessen zuvor feuerrotes Gesicht mittlerweile kreidebleich geworden war.</p><p>MacEwan konnte fast sehen, wie die grauen Zellen des Colonels fieberhaft arbeiteten. Zog man den Transporter mit den verletzten Chloratmern an Bord r�ckw�rts aus der Hallenwand heraus und verschuldete auf diese Weise das Auseinanderbrechen des Fahrzeugs, dann w�re die illensanische Regierung dar�ber nicht gerade erfreut. Auf der anderen Seite w�rden aber auch die Regierungen von Traltha, Kelgia, Melf, Orligia und der Erde keine Freudent�nze auff�hren, wenn nicht schleunigst etwas unternommen wurde, um ihre Leute zu retten.</p><p>So etwas konnte durchaus der Anla� f�r einen interstellaren Krieg sein.</p><p>Angesichts der Medien, die sofort �ber jeden Zwischenfall berichteten, der empfindlichen Kontaktmikrofone, die jedes �bersetzte Wort aufnahmen, kaum da� es �ber die Lippen gekommen war, hatte man keine Chance, den Zwischenfall zu vertuschen oder diplomatisch zu besch�nigen. Au�erdem verfolgten die Artgenossen der Opfer auf Nidia die Ereignisse und konnten sich ihr eigenes Urteil bilden. Sie waren emotional in die Sache verwickelt und w�rden schlie�lich entsprechend darauf reagieren. Der zu fassende Entschlu� konnte nur sein, sich entweder f�r den sicheren Tod von sieben oder acht chloratmenden Illensanern zu entscheiden, um vielleicht die dreifache Menge Tralthaner, Hudlarer, Kelgianer und Melfaner zu retten � die allerdings nach dem derzeitigen Stand der Dinge so oder so in gro�er Zahl sterben w�rden �, oder den Tod der Sauerstoffatmer durch Chlorvergiftung in Kauf zu nehmen.</p><p>MacEwan konnte eine solche Entscheidung nicht f�llen und wie er dem in seinem B�ro gefangenen, kreidebleichen und schwitzenden Colonel ansah, war dieser ebensowenig dazu in der Lage. Er machte erneut durch Klopfen auf sich aufmerksam und br�llte: ��ffnen Sie den Bordtunnel! Wenn es sein mu�, sprengen Sie ihn eben auf. Stellen Sie im Tunnel Ventilatoren auf, oder pumpen Sie frische Luft aus dem Schiff hinein, um den Druck zu erh�hen und das Eindringen von Chlor zu verhindern. Dann schicken Sie die Bergungstrupps zu unserem Tunnelende und lassen ihn von innen �ffnen. Die elektrischen Leitungen des Sicherheitssystems lassen sich doch bestimmt kurzschlie�en und die.�</p><p>Beim Sprechen dachte er �ber die Entfernung zwischen dem Tunneleingang und dem Vorfeld nach. Falls das schnelle Rollband nicht funktionierte, w�rde die Tunneldurchquerung viel Zeit in Anspruch nehmen. Au�erdem hatte man in einem Flug- oder Raumhafen m�glicherweise nicht so schnell Sprengstoff zur Hand. Vielleicht konnte das Monitorkorpsschiff im Dock etwas Sprengstoff zur Verf�gung stellen, wenn noch gen�gend Zeit blieb � dabei stand ihnen allerdings nur ein Zeitraum von wenigen Minuten zur Verf�gung.</p><p>�Der Ausl�ser f�r das Sicherheitssystem ist auf Ihrer Seite�, unterbrach ihn der Colonel. �Im �brigen befindet sich das �u�ere Tunnelende viel zu nah am Schiff, um Sprengstoff einsetzen zu k�nnen. Das Schiff m��te also erst starten, und damit w�rde man nur noch mehr kostbare Minuten verlieren. Das Sicherheitssystem kann nur von Ihrer Seite aus abgeschaltet werden, und zwar mit einem Spezialschl�ssel, den der Chef des diensthabenden nidianischen Bodenpersonals bei sich tr�gt. Mit diesem Schl�ssel l��t sich die Abdeckhaube vor den Schaltern f�r den Tunnel entfernen. Die Haube selbst ist zwar durchsichtig, aber leider unzerbrechlich. Wissen Sie, in einem solch riesigen Komplex kann eine Verseuchung absolut t�dlich sein, erst recht, wenn Sie bedenken, da� Chlor im Vergleich zu einigen anderen Substanzen, die Aliens einatmen, geradezu mild ist.�</p><p>MacEwan h�mmerte wieder gegen die Wand und rief: �Der Nidianer mit dem Schl�ssel liegt unter dem Transporter, und der l��t sich ja wiederum nicht bewegen. Aber wer sagt denn, da� die Abdeckhaube unzerbrechlich ist? Hier in den Tr�mmern liegen �berall Eisenstangen herum, die Streben von den Sitzm�beln. Falls ich die Haube nicht aufkriege, werde ich versuchen, sie aufzuhebeln oder einzuschlagen. Inzwischen k�nnten Sie schon mal herausfinden, was ich �berhaupt tun mu�, sobald die Haube entfernt ist.�</p><p>Aber der Colonel war ihm um eine Nasenl�nge voraus, denn er hatteden Nidianern bereits dieselbe Frage gestellt. Um die versehentliche Bet�tigung der Schalter durch nichtnidianische Finger von vornherein auszuschlie�en, hatten die Tunnel Schalter die Form von sechs versenkten Kn�pfen, die in einer bestimmten Reihenfolge gedr�ckt werden mu�ten. MacEwan w�rde also einen Stift oder etwas �hnliches benutzen m�ssen, um sie �berhaupt bet�tigen zu k�nnen, denn seine Finger waren viel zu dick. Er h�rte den Erkl�rungen des Colonels aufmerksam zu, signalisierte ihm, da� er alles verstanden hatte, und kehrte dann zu den Verletzten zur�ck.</p><p>Grawlya-Ki hatte MacEwans Beitr�ge zu der durch die Hallenwand gebr�llten Unterhaltung mitbekommen und bereits zwei Metallstangen aufgetrieben. Er war gerade dabei, �ber das Pult herzufallen, als MacEwan hinzukam. Die Stangen waren zwar robust genug, hatten aber nicht das notwendige Gewicht und somit auch nicht die erforderliche Tr�gheit. Bei jedem Schlag auf die Abdeckhaube prallten oder rutschten die Stangen ab, ohne auch nur eine Spur zu hinterlassen.</p><p>Diese verdammten Nidianer mit ihrem steinharten Kunststoff!</p><p>MacEwan kochte. Er versuchte die Haube aufzuhebeln, aber die Fuge war kaum zu erkennen, und auch die Scharniere schlossen mit dem Sockel des Schaltpults b�ndig ab. Er fluchte und versuchte es noch einmal.</p><p>Grawlya-Ki sagte nichts, weil er inzwischen pausenlos husten mu�te. Das Chlor griff seine Augen so stark an, da� die Schl�ge immer h�ufiger v�llig ins Leere gingen, anstatt das Pult zu treffen. MacEwan sp�rte eine allm�hliche Verschlechterung der eigenen Luftversorgung. Dabei hatte er nicht den Eindruck, durch die R�nder der Maske die vergiftete Hallenluft anzusaugen, sondern eher das Gef�hl, da� sein Beh�lter fast leer war und er Sauerstoff einzuatmen versuchte, der gar nicht mehr vorhanden war.</p><p>Die Verletzten ringsherum regten sich zwar immer noch, ihre Bewegungen waren aber inzwischen krampfartig geworden, als w�rden sie bereits im Endstadium des Erstickens mit dem Tod ringen. Durch diese krampfartigen Zuckungen wurden die Verletzungen nat�rlich nur noch schlimmer. Die beiden Hudlarer waren die einzigen, die vollkommen reglos blieben. Sie schwebten, von den sechs tentakelartigen Gliedern getragen, nur wenige Zentimeter �ber dem Boden. MacEwan stellte sich auf die Zehenspitzen, hob die Metallstange hoch in die Luft, und schlug sie mit aller ihm zur Verf�gung stehenden Kraft nach unten.</p><p>Als ihm die furchtbare Ersch�tterung des Aufpralls vom Handgelenk bis zu den Schultern durch die Arme fuhr, st�hnte er vor Schmerz laut auf, und die Stange fiel ihm kraftlos aus den H�nden. Er fluchte abermals und blickte hilflos umher.</p><p>Durch die Glasw�nde des B�ros beobachtete ihn der Colonel. Hinter den Innenw�nden der Halle konnte MacEwan die Fernsehteams des nidianischen Sendenetzes sehen, die ihn mit ihren Kameras verfolgten und jedes einzelne Wort, jedes Husten und St�hnen der Eingeschlossenen h�rten und aufnahmen. Da sich mittlerweile der Staub gelegt hatte und die meisten der st�renden Vorh�nge heruntergerissen worden waren, konnte er die Besatzungsmitglieder der schweren nidianischen Abschleppfahrzeuge erkennen, die ihm allesamt gebannt zusahen. Er brauchte dem Colonel blo� ein Zeichen zu geben � schon w�rden die Hilfstrupps den besch�digten Transporter r�ckw�rts herausziehen, und binnen weniger Minuten k�nnten die �rzte mit der Behandlung der Verletzten beginnen.</p><p>Aber wie w�rde wohl die Spezies der Illensaner darauf reagieren? Technologisch stand sie auf einer hohen Entwicklungsstufe. So besa�en die Illensaner Hunderte von Kolonialwelten, die sie ihren komplexen Umweltbed�rfnissen erst einmal hatten anpassen m�ssen. Und obwohl sie die am weitesten gereiste Spezies der F�deration waren, stellten sie die eigentliche unbekannte Gr��e dar, denn ihre Planeten waren so gef�hrlich und unwirtlich, da� sie in der Tat nur �u�erst selten von anderen Wesen besucht wurden. W�rde diese Spezies Nidia die Schuld an dem Unfall und dem Tod ihrer Angeh�rigen geben oder gar die anderen warmbl�tigen Sauerstoffatmer daf�r verantwortlich machen, da� deren Angeh�rige auf Kosten der Illensaner �berlebt hatten?</p><p>Aber wenn alle Beteiligten zauderten und unentschlossen blieben, bis schlie�lich s�mtliche Verletzten mit Ausnahme der Illensaner tot waren, wiew�rden dann wiederum die Weltregierungen von Kelgia, Traltha, Melf, Orligia und der Erde reagieren?</p><p>Wahrscheinlich w�rden sie sich deshalb nicht gleich gegen Illensa verb�nden, noch m��te wegen dieses Zwischenfalls gleich ein Krieg ausbrechen, jedenfalls nicht offiziell. Aber egal, welche Spezies gerettet oder welche geopfert wurde, der Grundstein dazu w�re immerhin gelegt, sogar dann, wenn alle Verwundeten sterben sollten. Ein solcher Krieg w�rde nicht beginnen, weil ihn irgend jemand gewollt h�tte, sondern wegen eines h�chst unwahrscheinlichen Unfalls, zu dem eine Anzahl von Umst�nden beigetragen hatte, die gr��tenteils h�tten vermieden werden k�nnen.</p><p>Selbst den pl�tzlichen Kollaps des nidianischen Fahrers am Steuer des Transporters h�tte man durch strengere �rztliche Kontrollen des Bodenpersonals umgehen k�nnen. Da� der Zwischenfall ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt passieren mu�te, war blo�es Pech, und das zu starr ausgelegte Sicherheitssystem hatte dann f�r den Rest gesorgt. Die meisten Todesf�lle aber w�rde es aus Angst und Unwissenheit geben, dachte MacEwan ver�rgert. Alle Betroffenen waren einfach im Umgang miteinander zu �ngstlich und deshalb zu r�cksichtsvoll gewesen, um an irgendwelche Fremdweltler mit der Bitte heranzutreten, ihnen rasch ein paar grundlegende Lektionen in Erster Hilfe beizubringen.</p><p>Neben ihm war Grawlya-Ki mittlerweile in die Knie gesunken. Der Orligianer hustete, hielt aber immer noch die Metallstange fest. Der Colonel mu�te jeden Moment einen Entschlu� fassen, weil MacEwan, der einzige Terrestrier am Ort des Geschehens, f�r eine eigene Entscheidung moralisch viel zu feige war. Aber zu welchem Entschlu� der Colonel auch immer kommen w�rde, sei es, die Illensaner zu retten oder die Sauerstoffarmer, in beiden F�llen w�re die Entscheidung falsch. MacEwan ging n�her an einen der reglosen Hudlarer heran und schwenkte die Hand vor einem der gro�en, weit auseinanderstehen Augen.</p><p>Mehrere endlose Sekunden lang zeigte der Hudlarer keinerlei Reaktion. MacEwan fragte sich schon, ob das bedauernswerte Gesch�pf bereits tot war, als der Hudlarer pl�tzlich fragte: �Was ist denn los, Terrestrier?�</p><p>MacEwan wollte tief durch die Nase einatmen, merkte aber, da� ihm die Luft ausgegangen war. Einen Augenblick lang geriet er in Panik und h�tte fast durch den Mund Luft geholt, konnte sich aber gerade noch rechtzeitig davor h�ten. Er deutete auf die Abdeckhaube des Pults und fragte mit dem letzten Rest Luft, den er in seiner fast leeren Lunge hatte: �Schaffen Sie es vielleicht, die Abdeckhaube aufzubrechen? Nur die Haube. Die Schalter, kann ich selbst. bet�tigen.�</p><p>Verzweifelt k�mpfte er gegen den Drang an, die chlorverseuchte Luft in die eingefallenen Lungenfl�gel einzusaugen, w�hrend der Hudlarer langsam einen Tentakel ausstreckte und ihn um die Abdeckhaube schlang, der jedoch von der glatten, halbrunden Oberfl�che sofort wieder abrutschte. Als ein zweiter Versuch erfolglos blieb, zog der Hudlarer den Tentakel ein kleines St�ck zur�ck und stie� mit seinen scharfen, stahlharten Fingerkuppen gegen die Haube. Im Kunststoff zeigte sich zwar ein kleiner Kratzer, doch waren keinerlei Bruchspuren zu erkennen. Daraufhin zog er den Tentakel wieder zur�ck, dieses Mal allerdings ein ganzes St�ck weiter.</p><p>Das Tosen in MacEwans Kopf war lauter als jedes Ger�usch, das er jemals in seinem Leben geh�rt hatte, und wegen der gro�en, pulsierenden Flecken vor den Augen konnte er nur noch verschwommen erkennen, wie der Hudlarer gerade einen erneuten Versuch unternahm, die Abdeckhaube zu zerbrechen. MacEwan sch�ttelte den Uniformrock ab, kn�llte ihn fest in der Faust zusammen und pre�te ihn als Behelfsfilter auf den Mund. Mit der anderen Hand dr�ckte er sich die Nidianermaske gegen das Gesicht, um wenigstens die Augen vor dem Chlor zu sch�tzen. Er atmete vorsichtig ein und bem�hte sich, nicht zu husten, w�hrend der Hudlarer den Tentakel zu einem weiteren Versuch zur�ckschwang.</p><p>Diesmal schlug er wie ein Rammbock zu, und die Abdeckhaube flog samt Schaltpult und Sockel in s�mtliche Einzelteile auseinander.</p><p>�Oh, ich war wohl etwas ungeschickt, tut mir leid�, entschuldigte sich der Hudlarer langsam. �Aber der Nahrungsmangel beeintr�chtigt leider mein Urteilsverm�gen.�</p><p>Er brach ab, als ein lauter, doppelter Gongton erklang, die T�ren des Bordtunnels aufglitten, und sie alle pl�tzlich in einem Strom von k�hler, reiner Luft badeten. Eine automatisch ausgel�ste Ansagestimme verk�ndete: �Die Passagiere werden gebeten, sich auf das Rollband zu begeben und die Reisedokumente zur Kontrolle bereitzuhalten.�</p><p>Die zwei Hudlarer besa�en zusammen noch gen�gend Kraft, die schwerer Verletzten auf das Rollband zu heben, bevor sie selbst darauf stiegen. Danach fingen sie sofort an, sich gegenseitig mit dem Nahrungspr�parat zu bespr�hen, wobei sie un�bersetzbare Laute von sich gaben. Inzwischen rannten Mitglieder des nidianischen Notdienstes, gefolgt von einigen illensanischen und weiteren extraterrestrischen �rzten, �ber den feststehenden Rahmen des Rollbands in die entgegengesetzte Richtung.</p><p>Durch den Zwischenfall verz�gerte sich der Abflug des tralthanischen Schiffs um sechs Stunden. Man nutzte die Zeit, um die nur leicht verwundeten Wesen zu behandeln und an Bord zu bringen, w�hrend die Schwerverletzten in die verschiedenen Fremdweltlerquartiere der Stadt transportiert wurden, wo man sie unter genaue Beobachtung von �rzten ihrer jeweils eigenen Spezies stellen konnte. Das Unfallfahrzeug war nach der gegl�ckten Rettung der verletzten illensanischen Insassen r�ckw�rts aus der transparenten Wand herausgezogen worden, und nun blies durch das klaffende Loch ein kalter Wind vom Vorfeld herein.</p><p>Grawlya-Ki, MacEwan und der Colonel standen neben dem Eingang zum Bordtunnel. Das Mehrfachchronometer �ber ihnen zeigte an, da� es nur noch knapp eine halbe terrestrische Stunde bis zum Start war.</p><p>Der Colonel streifte mit einem Stiefel an einem der �berreste des zerst�rten Schaltpults entlang und sagte, ohne die beiden Kriegsveteranen anzublicken: �Sie hatten Gl�ck. Wir alle hatten Gl�ck. Ich mag gar nicht an die Folgen denken, wenn Sie es nicht geschafft h�tten, die Verwundeten nach drau�en zu schaffen. Aber Sie � Sie beide und die Hudlarer � haben zur Rettung s�mtlicher Verletzten einen wesentlichen Beitrag geleistet, bis auf die f�nf bedauernswerten Wesen, die so oder so gestorben w�ren.�</p><p>Er lachte verlegen und blickte auf. �Die extraterrestrischen �rzte halten zwar einige Ihrer primitiven Vorstellungen von Erster Hilfe f�r schlichtergreifend furchterregend, aber schlie�lich haben Sie niemanden get�tet, sondern sogar Leben gerettet, und das direkt vor den Augen der Fernsehkameras, so da� ganz Nidia und alle extraterrestrischen Besucher die �bertragungen verfolgen konnten. Auf diese Weise haben Sie Ihren Appell zu engerem und offenerem Kontakt zwischen den Spezies in einer Art an die �ffentlichkeit gerichtet, die wir bestimmt nicht vergessen werden. Sie sind wieder Helden, und ich glaube � nein, verdammt, ich bin mir sogar sicher �, da� die Nidianer ihren Ausweisungsbescheid auf der Stelle wieder aufheben werden, wenn Sie die hiesige Beh�rde nur darum bitten.�</p><p>�Wir fliegen lieber nach Hause�, entgegnete MacEwan entschieden. �Nach Orligia und zur Erde.�</p><p>Der Colonel blickte jetzt noch verlegener drein und erwiderte: �Ich kann Ihre Ansicht �ber diese pl�tzliche �nderung der �ffentlichen Meinung gut verstehen. Aber die Regierungen sind Ihnen jetzt einfach dankbar. Au�erdem brennen s�mtliche Reporter darauf, seien es nun Nidianer oder Fremdweltler, mit Ihnen ein Interview f�hren zu k�nnen. Sie k�nnen sicher sein, da� man Ihren Ideen aufmerksam zuh�rt. Aber falls Sie eine Art �ffentlicher Entschuldigung verlangen, k�nnte ich nat�rlich das eine oder andere arrangieren.�</p><p>MacEwan sch�ttelte den Kopf. �Wir fliegen ab, weil wir glauben, die L�sung des Problems gefunden zu haben. Wir kennen jetzt das gemeinsame Interessengebiet, f�r das sich alle intelligenten Spezies einsetzen werden, ein Vorhaben, an dem zuk�nftig bestimmt alle gern mitarbeiten. Die L�sung lag die ganze Zeit �ber direkt vor unserer Nase, aber bis zum heutigen Zeitpunkt waren wir einfach zu dumm, um darauf zu kommen.</p><p>Die Durchf�hrung dieses Projekts ist allerdings wirklich keine Aufgabe f�r zwei m�de, alte Veteranen, von denen die Leute langsam die Nase voll haben�, fuhr er l�chelnd fort. �Denn f�r die Koordination dieses Vorhabens braucht man erstens eine Organisation wie Ihr Monitorkorps, zweitens dietechnischen Mittel eines halben Dutzends Planeten, drittens viel mehr Geld, als ich mir �berhaupt vorstellen kann, und viertens viel, viel Zeit.�</p><p>Als er mit seinen Erl�uterungen fortfuhr, war sich MacEwan durchaus der aufgeregten Gesch�ftigkeit unter den Mitarbeitern des Fernsehteams bewu�t, das sich in der Hoffnung auf ein Interview mit ihm und Grawlya-Ki ein St�ck abseits von ihnen gehalten hatte. Zwar bekamen die Journalisten kein Interview, daf�r nahmen sie aber MacEwans abschlie�ende Worte an den Colonel auf. Und als sich der Orligianer und der Terrestrier schlie�lich zum Gehen wandten, konnten sie auch ein nicht ganz so interessantes Bild vom rangh�chsten Offizier des Monitorkorps auf Nidia �bertragen, der v�llig reglos mit doppelt angewinkeltem Arm in Denkerpose dastand. In den Augen des Terrestriers aber strahlte ein seltsamer Glanz, und auf dem rosigen, pelzlosen Gesicht lag ein Ausdruck, den die anwesenden Journalisten nat�rlich nicht deuten konnten.</p><p>Die Durchf�hrung des Projekts beanspruchte eine sehr lange Zeit, die selbst die gro�z�gigsten Sch�tzungen bei weitem �bertraf. Immer wieder mu�te man die urspr�nglichen und relativ bescheidenen Pl�ne erweitern, denn es verging kaum ein Jahrzehnt, in dem nicht gleich mehrere neuentdeckte intelligente Spezies der F�deration beitraten, f�r die ebenso Platz geschafft werden mu�te wie f�r alle anderen. Die erforderliche Konstruktion fiel so gewaltig und kompliziert aus, da� letztendlich von den verschiedensten Spezies auf Hunderten von Planeten einzelne Bauteile gefertigt worden waren, die man wie Teile eines ungeheuren dreidimensionalen Puzzles zum Montageplatz transportiert hatte.</p><p>Das gewaltige Geb�ude, das schlie�lich im galaktischen Sektor zw�lf Gestalt angenommen hatte, war ein Krankenhaus, und zwar eins, das alle fr�heren Krankenh�user vollkommen �berfl�ssig machte. Auf den dreihundertvierundachtzig Ebenen dieser einmaligen Einrichtung konnten die Umweltbedingungen s�mtlicher zur galaktischen F�deration geh�render Lebensformen reproduziert werden � ein biologisches Spektrum, das bei den unter extremen K�ltebedingungen lebenden Methanarten begann und�ber die eher normalen Sauerstoff- und Chloratmer bis zu den Exoten reichte, die von der direkten Umwandlung harter Strahlung lebten.</p><p>Das Orbit Hospital im galaktischen Sektor zw�lf stellte hinsichtlich seiner technischen Leistungsf�higkeit wie auch seiner psychologischen Betreuung gleich ein doppeltes Wunder dar. F�r Nachschub, Wartung und Verwaltung des Krankenhauses war in erster Linie das Monitorkorps zust�ndig. Die sonst �blichen Reibereien zwischen milit�rischen und zivilen Mitarbeitern traten hier allerdings so gut wie nie auf. Genauso selten waren ernsthafte Meinungsverschiedenheiten unter den ungef�hr zehntausend Angeh�rigen des medizinischen Personals, das sich aus mehr als sechzig verschiedenen Lebensformen mit ebenso vielen unterschiedlichen Ern�hrungs- und Verhaltensweisen, K�rperger�chen und Lebensanschauungen zusammensetzte. Ihr vielleicht einziger gemeinsamer Nenner war das Anliegen aller �rzte � unabh�ngig ihrer Gr��e, Gestalt oder Anzahl der Beine �, n�mlich Kranke zu heilen.</p><p>Direkt am Haupteingang der riesigen Kantine f�r warmbl�tige Sauerstoffatmer hing eine kleine Widmungstafel. Das kelgianische, ianische, melfanische, nidianische, etlanische, orligianische, dwerlanische, tralthanische und terrestrische Arzt- und Wartungspersonal hatte allerdings nur selten Zeit, einen Blick auf die eingravierten Namen zu werfen � man war viel zu sehr damit besch�ftigt, Fachgespr�che zu f�hren, den neuesten Klatsch �ber andere Spezies auszutauschen und an den Tischen mit Utensilien essen zu m�ssen, die f�r die Bed�rfnisse vollkommen andersartiger Lebensformen entwickelt worden waren. Schlie�lich handelte es sich bei der Kantine um einen �u�erst belebten und h�ufig �berf�llten Raum, und man nahm eben dort Platz, wo noch gerade etwas frei war. Aber genau das hatten Grawlya-Ki und MacEwan ja immer gewollt.</p></section><section><title><p>DER �BERLEBENDE</p><p>SURVIVOR</p></title><p>Schon seit mehr als einer Stunde galt Conways Aufmerksamkeit gleichzeitig der interstellaren Leere jenseits der Direktsichtluke und dem Bildschirm, der mit optischen Sensoren verbunden war und auf dem die n�here Umgebung des Weltraums alles andere als leer dargestellt wurde. Mit jeder verstreichenden Minute f�hlte sich Conway niedergeschlagener. Die Offiziere, die auf dem Kommandodeck der Rhabwar um ihn herumstanden, strahlten eine nerv�se, aber unh�rbare Unruhe aus, denn sie wu�ten, da� der rangh�chste medizinische Offizier an Bord das Kommando hatte, wenn sich ihr Schiff am Schauplatz einer Katastrophe befand.</p><p>�Nur ein �berlebender�, sagte Conway ausdruckslos.</p><p>�Bei unseren bisherigen Eins�tzen hatten wir eben Gl�ck, Doktor�, gab Fletcher vom Platz des Captains aus zu bedenken. �Meistens entdeckt ein Ambulanzschiff �berhaupt keine �berlebenden mehr. Stellen Sie sich doch nur mal vor, was hier passiert sein mu�.�</p><p>Conway gab darauf keine Antwort, schlie�lich dachte er schon seit einer Stunde an kaum etwas anderes.</p><p>Bei einem Interstellarschiff unbekannter Herkunft und der dreifachen Masse des Ambulanzschiffs war eine folgenschwere Funktionsst�rung aufgetreten, durch die es in fein zerteilte und weit verstreute Wrackst�cke zerrissen worden war. Die Analyse der Temperatur und der auseinanderstrebenden Bewegung der einzelnen Tr�mmerteile ergab, da� die Wrackst�cke vor knapp sieben Stunden, als das Alarmsignal automatisch ausgel�st worden war, auf keinen Fall gemeinsam im Zentrum einer Nuklearexplosion gewesen sein konnten, weil sie daf�r inzwischen viel zu kalt waren. Das Schiff mu�te also ganz offensichtlich einen seiner Hyperraumantriebsgeneratoren verloren haben, und augenscheinlich war auch die Schiffskonstruktion nicht weit genug entwickelt gewesen, so da�</p><p>die Insassen bei diesem Unfall bis auf eine Ausnahme keine �berlebenschance gehabt hatten.</p><p>Wie Conway wu�te, wurden auf einem F�derationsschiff die synchronisierten Hyperraumantriebsgeneratoren automatisch abgeschaltet, sobald einer von ihnen pl�tzlich ausfiel, und das betreffende Schiff tauchte dann wie in Abrahams Scho� im Normalraum irgendwo zwischen den Sternen wieder auf. Da es mit dem Normalantrieb zumeist aber nicht mehr bis nach Hause fliegen konnte, trieb es dort hilflos umher, bis die Besatzung entweder den defekten Generator repariert hatte oder Hilfe kam. Fr�her hatten diese Sicherheitsabschaltungen allerdings hin und wieder versagt oder waren erst zu sp�t ausgel�st worden. In solch einem Fall war dann ein Teil des Schiffs f�r den Bruchteil einer Sekunde mit Hyperraumgeschwindigkeit weitergeflogen, w�hrend der Rest mit einem Schlag auf weit unter Lichtgeschwindigkeit abgebremst worden war. Die daraus resultierenden Folgen f�r diese ersten Hyperraumschiffe waren, gelinde gesagt, verheerend gewesen.</p><p>�Die Spezies des �berlebenden hat mit Hyperraumareisen anscheinend noch relativ wenig Erfahrung�, folgerte Conway, �sonst w�re das Schiff wohl nach dem Prinzip der Modulbauweise konstruiert worden. Wie wir aus langer Erfahrung wissen, handelt es sich dabei um die einzige Konstruktionsform, die wenigstens einem Teil der Schiffsbesatzung das �berleben sichert, wenn eine pl�tzliche Synchronisationsst�rung der Hyperraumgeneratoren das Schiff auseinanderrei�t. Ich verstehe allerdings nicht, warum der Teil mit dem �berlebenden nicht genauso wie der Rest in St�cke zerrissen worden ist.�</p><p>Der Captain mu�te sichtlich seine Ungeduld unterdr�cken, als er antwortete: �Ach Doktor, Sie waren doch viel zu sehr damit besch�ftigt, den �berlebenden vor dem v�lligen Entweichen der Luft aus der Kabine zu bewahren, um ihm neben all den anderen schon vorhandenen Problemen wenigstens einen Druckabfall zu ersparen, als da� Sie sich um die Schiffskonstruktion Gedanken h�tten machen k�nnen. Bei diesem kabinen�hnlichen Container handelte es sich um eine separate Einheit mit unbekannter Verwendung. Er war au�enbords am Hauptrumpf befestigt und mit dem Schiff durch eine kurze Einstiegsr�hre und eine Luftschleuse verbunden. Die Kabine wurde einfach komplett abgerissen. Das Wesen hatte ein Mordsgl�ck.� Er deutete auf die Displays der weitreichenden Sensoren und fuhr fort: �Aber jetzt wissen wir wenigstens, da� es keine weiteren �berlebenden gibt, weil die �briggebliebenen Wrackteile dazu viel zu klein sind. Offen gesagt, Doktor, vergeuden wir hier nur unsere Zeit.�</p><p>�Der Meinung bin ich auch�, stimmte ihm Conway geistesabwesend zu.</p><p>�Gut�, sagte Fletcher lebhaft. �Maschinenraum, bereiten Sie sich auf einen Sprung in f�nf..�</p><p>�Einen Augenblick noch, Captain�, unterbrach ihn Conway leise. �Ich war noch nicht fertig. Ich will hier drau�en ein Aufkl�rungsschiff haben, wenn m�glich sogar mehr als eins, um die Wrackteile nach pers�nlichen Gegenst�nden, Photographien, Bildern oder Skulpturen abzusuchen, eben nach allem, was zur Rekonstruktion der Kultur und Umweltbedingungen des �berlebenden beitragen k�nnte. Bitten Sie das F�derationsarchiv um s�mtliche Informationen �ber eine intelligente Lebensform der physiologischen Klassifikation EGCL. Die Kontaktspezialisten werden diese Informationen so schnell wie m�glich haben wollen, da es sich hierbei um eine f�r uns v�llig unbekannte Spezies handelt. Und sollte unser Patient am Leben bleiben, wird das Orbit Hospital diese Informationen sozusagen schon vorgestern ben�tigen.</p><p>Senden Sie den Funkspruch mit dem Dringlichkeitscode f�r medizinischen Erstkontakt, und nehmen Sie dann sofort Kurs auf die Heimat. Ich bin auf dem Unfalldeck.�</p><p>Als Conway in den schwerelosen Hauptverbindungsschacht stieg und sich mittschiffs zum Unfalldeck zog, bereitete der Funkoffizier der Rhabwar, Haslam, bereits die �bermittlung der Nachricht vor. Conway unterbrach den Weg kurz durch einen Abstecher in seine Kabine, wo er den schweren Raumanzug ablegte, den er seit der Bergung getragen hatte. Er f�hlte sich, als k�nnte er jeden einzelnen Muskel und Knochen im K�rper sp�ren � die Bergung des �berlebenden und dessen Transport zur Rhabwar hatten viel Kraft gekostet. Die darauffolgende dreist�ndige Notoperation und eine weitere Stunde konzentrierten Stillsitzens im Kontrollraum hatten ihm den Rest gegeben. Kein Wunder also, da� sein K�rper steif wie ein Brett war.</p><p>Versuch blo�, an irgendwas anderes zu denken, ermahnte sich Conway selbst. Zur Entspannung der Muskeln machte er kurz ein paar K�rper�bungen, doch der dumpfe, nicht zu ortende Schmerz blieb. Ver�rgert fragte er sich, ob er allm�hlich zum Hypochonder wurde.</p><p>�Subraumfunk�bertragung in f�nf Sekunden�, sagte die ged�mpfte Stimme von Lieutenant Haslam aus dem Kabinenlautsprecher. �Bereiten Sie sich auf die �blichen Schwankungen in den Beleuchtungs- und k�nstlichen Schwerkraftsystemen vor.�</p><p>Als die Kabinenbeleuchtung flackerte und das Deck unter den F��en zu rucken schien, war Conway schlie�lich gezwungen, sich anderen Gedanken zuzuwenden � insbesondere den Problemen, die bei der �bertragung von Nachrichten �ber interstellare Entfernungen auftraten, gegen die das Senden eines Notsignals ein vergleichsweise einfaches Verfahren war.</p><p>So, wie man nur eine Methode kannte, schneller als Licht zu reisen, gab es auch nur ein Verfahren, Hilfe herbeizurufen, wenn ein Schiff durch einen Unfall oder technischen Defekt zwischen den Sternen gestrandet war. Der mit festem Leitstrahl arbeitende Subraumfunk konnte unter Notfallbedingungen nur selten eingesetzt werden, da er durch dazwischenliegende Sternk�rper St�rungen ausgesetzt war und �berdies Unmengen von Schilfsenergie ben�tigte � Energie, die ein in Not geratenes Schiff zumeist gar nicht mehr aufbringen konnte. Doch eine relativ simple �Notsignalbake� brauchte keine Nachrichten zu �bermitteln � sie war einfach ein nuklearbetriebenes Ger�t, das ein Peilsignal sendete, einen Hilferuf im Subraum, der immer wieder s�mtliche verwendbaren Funkfrequenzen durchlief, bis er einige Stunden sp�ter verstummte. Und in diesem Fall war der Ruf mitten in einer Wolke aus Wrackteilen verstummt, zwischen denen sich ein �berlebender befunden hatte, der sich wirklichsehr gl�cklich sch�tzen konnte, �berhaupt noch am Leben zu sein.</p><p>Wenn man allerdings das Ausma� der Verletzungen des Wesens bedenkt, kann man eigentlich kaum noch von Gl�ck sprechen, ging es Conway durch den Kopf. Er sch�ttelte diese f�r ihn untypisch d�steren Gedanken schnell wieder ab und begab sich nach unten auf das Unfalldeck, um den Zustand des Patienten zu �berpr�fen.</p><p>Der �berlebende war ein warmbl�tiger Sauerstoffatmer von ann�hernd doppeltem K�rpergewicht eines erwachsenen Terrestriers und physiologisch als EGCL klassifiziert worden. Optisch glich er einer riesigen Schnecke mit hohem, kegelf�rmigem Haus, das um die Spitze herum durchl�chert war, wo sich auch die vier ausstreckbaren Augen befanden. Am unteren Rand dieses Panzers waren im gleichen Abstand wie die L�cher in der Spitze acht dreieckige Schlitze, aus denen die Greiforgane heraushingen. Der Panzer ruhte auf einem dicken, runden Muskelballen, der das Fortbewegungssystem des EGCL darstellte. Um den Rand des Ballens herum befand sich eine Anzahl von fleischigen Forts�tzen, Vertiefungen und Schlitzen, die mit den Nahrungsaufnahme-, Atmungs-, Ausscheidungs- und Fortpflanzungsorganen sowie mit F�hlern verbunden waren, die nicht der visuellen Wahrnehmung dienten. Nachdem man die vom �berlebenden ben�tigten Schwerkraft- und Atmosph�rebedingungen abgesch�tzt hatte, war die Gravitation mit R�cksicht auf den ernsthaft geschw�chten Zustand und zur Unterst�tzung der Herzt�tigkeit des Patienten verringert worden. Gleichzeitig hatte man den Druck erh�ht, damit die Blutung nicht durch die Auswirkungen eines Druckabfalls vergr��ert werden konnte.</p><p>W�hrend Conway neben der Drucktragbahre stand und auf den schrecklich zugerichteten EGCL hinabblickte, kamen die Pathologin Murchison und Oberschwester Naydrad hinzu. Es handelte sich dabei um dieselbe Bahre, mit der man den Verletzten schon aus dem Wrack geborgen hatte, und die bald noch einmal f�r den Transport des EGCL ins Hospital eingesetzt werden w�rde, da der Patient keiner unn�tigen Bewegung ausgesetzt werden sollte. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Transporten bestand darin, da� man den Patienten f�r den zweiten zurechtgemacht hatte.</p><p>Trotz seiner betr�chtlichen Erfahrung mit Raumunfallopfern aller Gestalten, Gr��en und physiologischen Klassifikationen zuckte Conway noch immer unwillk�rlich zusammen, wenn er daran dachte, was sie am Ungl�cksort vorgefunden hatten. Zu dem Zeitpunkt als sie die Kabine entdeckten, in der sich der EGCL befand, drehte sie sich mit rasender Geschwindigkeit um die eigene Achse. Das Unfallopfer im Innern war bereits viele Stunden lang wie wild hin- und hergeworfen worden und hatte dabei mit seinem massiven K�rper die Einrichtungs- und Ausr�stungsgegenst�nde zerst�rt, bevor es endlich unter einigen dieser von ihm verursachten Tr�mmer in einer Ecke steckengeblieben war.</p><p>Bei diesem Vorgang hatte der R�ckenpanzer drei Br�che davongetragen, von denen einer so tief eingedr�ckt war, da� auch das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen worden war. Obendrein fehlte ein Auge, und zwei der d�nnen Greiftentakel waren von scharfkantigen Hindernissen gewaltsam abgetrennt worden. Diese Glieder hatte man aber aus dem Wrack bergen k�nnen und f�r ein m�gliches Wiederann�hen eingefroren. Zudem befanden sich zahlreiche Stich- und Schnittwunden im Ballen am unteren Rand des Panzers.</p><p>Au�er einer Notoperation, um den Druck auf das Gehirn zu beheben und der Eind�mmung der st�rksten Blutungen mit Klammern und provisorischen N�hten sowie einer Unterst�tzung der Atmung, indem man der noch unbesch�digten Lunge durch Druck Sauerstoff zuf�hrte, konnte man f�r den Patienten nur sehr wenig tun. Mit Gewi�heit gab es an Bord der Rhabwar keine M�glichkeit, die Sch�delverletzung zu operieren, denn schon die Bem�hungen, das Ausma� dieser Sch�digung zu erfassen, f�hrten lediglich zu widerspr�chlichen Ergebnissen zwischen der Biosensorenanalyse und Dr. Priliclas empathisch erlangten Erkenntnissen. Den Sensoren zufolge hatte die Gehirnt�tigkeit praktisch aufgeh�rt, w�hrend der Empath auf das Gegenteil beharrte � soweit der �ngstliche, sch�chterne und zur�ckhaltende Prilicla �berhaupt auf etwas beharren konnte.</p><p>�Keine K�rperregung und keine �nderung des Krankheitsbilds, seitdem du weggegangen bist�, sagte Murchison leise und kam damit Conways Frage zuvor. �Allerdings bin ich dar�ber �berhaupt nicht gl�cklich�, f�gte sie mit besorgter Miene hinzu.</p><p>�Und ich bin sogar das Gegenteil von gl�cklich, Doktor�, schlo� sich Oberschwester Naydrad an, und ihr Fell str�ubte sich und wogte wie in einem starken Wind. �Meiner Meinung nach ist der Patient klinisch tot, und wir sorgen lediglich daf�r, da� Thornnastor ein frischeres Exemplar zum Sezieren erh�lt als sonst �blich.</p><p>Bei allem Respekt, aber Doktor Prilicla sagt h�ufig durchaus unzutreffende Sachen, nur um die Leute in seiner Umgebung zufriedenzustellen�, fuhr die Kelgianerin fort. �Au�erdem hat er bei dem Patienten Schmerzen als vorherrschende emotionale Ausstrahlung festgestellt. Wie Sie sich bestimmt erinnern k�nnen, war das Gef�hl so stark, da� Prilicla gleich nach Abschlu� der Operation um sofortige Beurlaubung bat. Meiner Meinung nach ist dieser Patient zu keiner geistigen Reflexion mehr f�hig und hat, jedenfalls nach Priliclas Reaktion zu urteilen, obendrein auch noch ungeheure Schmerzen. Ihnen ist doch wohl klar, was Sie zu tun haben, oder etwa nicht?�</p><p>�Naydrad!� begann Conway w�tend, verstummte dann aber. Murchison und die Oberschwester hatten exakt die gleiche Meinung ge�u�ert. Der Unterschied bestand lediglich darin, da� die Kelgianerin wie der Rest ihrer Spezies �berhaupt kein Taktgef�hl besa�.</p><p>Conway starrte einen Augenblick lang das zwei Meter lange, raupen�hnliche Wesen an, dessen dichtes, silbriges Fell sich in st�ndiger wellenf�rmiger Bewegung befand. Diese Bewegung war bei Kelgianern vollkommen unwillk�rlich und wurde durch Reaktionen auf innere und �u�ere Reize ausgel�st. Mit seiner F�higkeit zu emotionalem Ausdruck erg�nzte der Pelz den Sprechapparat, dem es an einer gewissen Flexibilit�t des Tonfalls mangelte. Doch durch die Bewegungsmuster des Fells wurde sofort jedem Kelgianer klar, wie sein Partner �ber das jeweilige Gespr�chsthema dachte. Aus diesem Grund konnten diese Wesen also immer offen aussprechen, was sie meinten, und deshalb waren ihnen Begriffe wie Diplomatie, Taktgef�hl oder L�gen vollkommen fremd. Conway seufzte.</p><p>Er versuchte, seine eigenen Zweifel bez�glich dieses Falls zu verbergen, indem er mit fester Stimme sagte: �Thornnastor setzt viel lieber ein lebendiges Exemplar zusammen, als da� er ein totes seziert. Au�erdem haben sich Priliclas empathische F�higkeiten in einer ganzen Anzahl von F�llen als weit zuverl�ssiger erwiesen als medizinische Me�ger�te. Schon deshalb k�nnen wir uns gar nicht absolut sicher sein, da� es sich hier um einen hoffnungslosen Fall handelt. Und solange wir noch nicht im Hospital sind, bin allein ich f�r die Behandlung verantwortlich.</p><p>Au�erdem sollten wir uns bez�glich des Patienten nicht zu emotional verhalten�, f�gte er hinzu. �Erstens ist das ziemlich unprofessionell und zweitens sieht euch das �berhaupt nicht �hnlich.�</p><p>Naydrad, deren Fell sich ver�rgert str�ubte, gab einen Laut von sich, den Conways Translator erst gar nicht registrierte, und Murchison entgegnete: �Du hast nat�rlich recht. Wir haben es schon mit viel schlimmeren F�llen zu tun gehabt. Ich wei� auch nicht, warum ich mir ausgerechnet bei diesem so viele Gedanken mache. Vielleicht werde ich einfach alt.�</p><p>�Der Beginn von Senilit�t k�nnte zwar durchaus eine Erkl�rung f�r solch ein untypisches Verhalten sein, aber f�r mich gilt das nicht�, teilte die Kelgianerin in ihrer direkten Art mit.</p><p>Murchisons Gesicht lief rot an. �Die Oberschwester darf solche Sachen zwar sagen, aber wehe dir, wenn du dich ihrer Ansicht anschlie�t, mein lieber Doktor!� sagte sie b�se.</p><p>Conway mu�te pl�tzlich lachen und erwiderte: �Immer mit der Ruhe, meine Liebe. Nicht einmal im Traum w�rde ich daran denken, einem solch offensichtlichen Fehlschlu� zuzustimmen. So, wenn ihr glaubt, alles zu haben, was Thorny f�r unseren Freund hier braucht, solltet ihr euch erst mal ein bi�chen Ruhe g�nnen. Wir werden in etwa sechs Stunden wieder aus dem Hyperraum auftauchen. Falls ihr nicht schlafen k�nnt, versucht bitte, euch nicht allzu viele Sorgen um den Verwundeten zu machen, sonst qu�lt ihr nur Prilicla.�</p><p>Murchison nickte und verlie� hinter Naydrad das Unfalldeck. Conway, der sich noch immer eher wie ein leicht erkrankter Patient f�hlte als wie ein diensthabender Arzt, schaltete das akustische Warnsystem an, das sofort jede �nderung des gesundheitlichen Zustands des EGCL signalisieren w�rde. Dann legte er sich auf eine in der N�he stehende Bahre und schlo� die Augen.</p><p>Da weder die Klassifikation der Terrestrier als DBDG noch die der Kelgianer als DBLF f�r die F�higkeit bekannt war, v�llige Kontrolle �ber den eigenen Verstand aus�ben zu k�nnen, wurde bald offensichtlich, da� sich Murchison und Naydrad wider besseres Wissen um den Patienten Sorgen gemacht hatten und ihre emotionalen Ausstrahlungen f�r Prilicla entsprechend unangenehm gewesen waren. Mit noch immer geschlossenen Augen lauschte Conway den leicht pochenden und saugenden Ger�uschen, die sich ihm an der Decke entlang langsam n�herten und schlie�lich �ber seinem Kopf verstummten. Darauf folgte ein Schwall tiefer Triller und melodischer Schnalzlaute, die vom Translator als �Entschuldigen Sie, mein Freund, haben Sie etwa geschlafen?� �bersetzt wurden.</p><p>�Sie wissen doch genau, da� ich nicht geschlafen hab�, antwortete Conway und �ffnete die Augen, um den �ber ihn an der Decke h�ngenden Prilicla anzublicken, der unkontrolliert zitterte, da er nun der emotionalen Ausstrahlung Conways und des Patienten ausgesetzt war.</p><p>Dr. Prilicla geh�rte zur physiologischen Klassifikation GLNO, einer sechsbeinigen, insektenartigen Lebensform mit einem Ektoskelett und zwei schillernden, nicht ganz verk�mmerten Fl�gelpaaren. Diese Wesen besa�en hochentwickelte empathische F�higkeiten. Nur auf seinem Heimatplaneten Cinruss, auf dem die Atmosph�re sehr dicht war und weniger als ein Achtel der Erdanziehungskraft herrschte, hatte eine Insektenspezies zu solcher Gr��e heranwachsen und mit der Zeit Intelligenz und eine fortschrittlicheZivilisation entwickeln k�nnen.</p><p>Doch sowohl im Orbit Hospital als auch auf der Rhabwar befand sich Prilicla den gr��ten Teil seines Arbeitstags in echter Todesgefahr. Au�erhalb seiner Unterkunft mu�te er �berall Schwerkraftneutralisatoren, sogenannte G-G�rtel, tragen, weil er unter dem Druck der Anziehungskraft, den die Mehrheit seiner Kollegen f�r normal hielt, regelrecht zermalmt worden w�re. Und wenn sich Prilicla mit irgend jemandem unterhielt, begab er sich sofort au�er Reichweite seines Gegen�bers, denn schon durch eine einzige gedankenlose Bewegung eines Arms oder Tentakels seines Gespr�chspartners h�tte ihm ein Bein abgerissen oder gar sein ganzer zerbrechlicher K�rper zerst�rt werden k�nnen.</p><p>Nat�rlich wollte niemand Prilicla auf irgendeine Weise mutwillig verletzen, denn dazu war er bei allen viel zu beliebt. Durch seine empathischen F�higkeiten war der kleine Cinrussker dazu gezwungen, zu allen freundlich zu sein und stets die passenden Worte zu finden, um die emotionale Ausstrahlung der Wesen in seiner n�heren Umgebung f�r sich selbst so angenehm wie m�glich zu gestalten. Ganz anders verhielt es sich, wenn ihn seine dienstlichen Pflichten dazu zwangen, sich Schmerzempfindungen und heftigen Emotionen eines Patienten oder den ungewollt unangenehmen Gef�hlen seiner Kollegen auszusetzen.</p><p>�Sie sollten doch eigentlich schlafen, Prilicla�, sagte Conway besorgt. �Oder sind f�r Sie die von Murchison und Naydrad ausgestrahlten Emotionen zu heftig?�</p><p>�Nein, mein Freund�, antwortete der Empath sch�chtern. �Die emotionale Ausstrahlung der beiden st�rt mich nicht mehr als die der restlichen Besatzung. Ich bin gekommen, weil ich mit Ihnen sprechen mu�.�</p><p>�Gut!� entgegnete Conway. �Sie hatten ja einige brauchbare Ideen f�r die Behandlung unseres.�</p><p>�Ich m�chte mit Ihnen �ber mich selbst sprechen�, sagte Prilicla, wobei er eine f�r ihn grobe Unh�flichkeit beging, indem er seinen Gespr�chspartner mitten im Satz unterbrach, ohne sich daf�r vorher entschuldigt zu haben. Wegen Conways starker Gef�hlsreaktion zitterten sein K�rper und die feingliedrigen Beine einen Moment lang wie Espenlaub, dann f�gte er hinzu: �Beherrschen Sie doch bitte Ihre Emotionen, mein Freund.�</p><p>Seit Conways Bef�rderung zum Chefarzt war Prilicla nicht nur sein Kollege gewesen, der ihm bei praktisch jedem wichtigen Fall als Assistent unsch�tzbar wertvolle Dienste geleistet hatte, er war ihm auch zum Freund geworden. Deshalb fiel es ihm jetzt schwer, sich gegen�ber dem kleinen Cinrussker rational zu verhalten. Seine pl�tzliche Besorgnis und uneingestandene Angst vor dem m�glichen Verlust eines engen Freunds w�rden diesem Freund allerdings kein St�ck weiterhelfen, sondern ihm nur noch gr��ere Beschwerden bereiten. Also bem�hte sich Conway hartn�ckig, in Prilicla lediglich einen Patienten zu sehen, nichts weiter als einen Patienten, und schlie�lich legte sich das Zittern des Empathen allm�hlich.</p><p>�Was haben wir denn f�r ein Problem?� fragte Conway in der althergebrachten Weise seiner �rztlichen Zunft.</p><p>�Das wei� ich nicht�, antwortete der Cinrussker. �Mit so etwas hab ich bisher noch keinerlei Erfahrung gemacht, und es gibt auch nirgends Beispiele daf�r, da� sich jemals irgendein Mitglied meiner Spezies in so einer Verfassung bef�nden hat. Ich bin ziemlich verwirrt und hab Angst, mein Freund.�</p><p>�Irgendwelche Symptome?� fragte Conway. �Empathische �berempfindlichkeit�, erwiderte Prilicla. �Die emotionale Ausstrahlung von Ihnen, dem �brigen medizinischen Team und der Besatzung ist ungew�hnlich stark. Ich kann von hier aus ganz deutlich die Emotionen von Lieutenant Chen und dem Rest der Besatzung im Maschinenraum sp�ren, die trotz der Entfernung kaum oder sogar �berhaupt nicht abgeschw�cht sind. Wegen des relativ erfolglosen Rettungsversuchs waren zwar ged�mpfte Gef�hle der Trauer und Entt�uschung zu erwarten, aber jetzt nehme ich die Empfindungen der Besatzung mit einer schockierenden Intensit�t wahr. Wir haben es zwar schon fr�her mit solchen Trag�dien zu tun gehabt, mein Freund, aber eine solch heftige emotionale Reaktion auf die k�rperliche Verfassung eines uns v�llig fremden Wesens ist einfach. einfach.�</p><p>�Nun ja, der Patient tut uns eben allen sehr leid�, unterbrach ihn Conway behutsam, �vielleicht mehr als gew�hnlich. Und da wir alle dasselbe f�r ihn empfinden, summieren sich unsere Gef�hle. Also kann man gar nichts anderes erwarten, als da� ein f�r Emotionen empf�nglichen Wesen wie Sie diese Gef�hle sehr viel st�rker wahrnimmt. Vielleicht erkl�rt das Ihre relative �berempfindlichkeit.�</p><p>Der Empath zitterte vor Anstrengung, die ihn der Widerspruch kostete, und entgegnete: �Nein, mein Freund. Die Verfassung und die emotionale Ausstrahlung des EGCL, so unangenehm letztere auch ist, sind gar nicht das Problem. Es ist die ganz normale, allt�gliche Ausstrahlung aller anderen: die kleinen unbedeutenden Verlegenheiten, die Wutausbr�che, die merkw�rdigen Emotionen, die ihr Terrestrier als Humor und dergleichen bezeichnet. Ich werde von all dem mit solch einer St�rke erfa�t, da� ich kaum noch in der Lage bin, klar zu denken.�</p><p>�Ich verstehe�, erwiderte Conway automatisch, obwohl er �berhaupt nichts verstand. �Gibt es, abgesehen von der �berempfndlichkeit, noch andere Symptome?�</p><p>�Einige nicht genau lokalisierbare Beschwerden in den Gliedern und im unteren Brustkorb�, antwortete Prilicla. �Ich hab die Stellen zwar mit meinem Scanner �berpr�ft, konnte aber keine Gef��verstopfungen oder sonstige Abnormit�ten entdecken.�</p><p>Conway hatte schon nach seinem eigenen Taschen-Scanner gegriffen, sich dann aber eines Besseren besonnen. Ohne ein im Kopf gespeichertes cinrusskisches Physiologieband w�rde er sowieso nur eine vage Vorstellung davon haben, wonach er �berhaupt suchen sollte. Im �brigen war Prilicla selbst ein erstklassiger Diagnostiker und Chirurg, und wenn der Empath sagte, da� er keinerlei Abnormit�ten entdecken konnte, dann reichte Conway das.</p><p>�Au�erdem sind Cinrussker nur w�hrend ihrer Kindheit f�r Krankheiten anf�llig�, fuhr Prilicla fort. �Die Erwachsenen haben zwar hin und wieder Beschwerden, die aber keine k�rperlichen Ursachen haben. Wie bei psychischen St�rungen nicht anders zu erwarten ist, treten die Symptome in den verschiedensten Formen auf, von denen einige auch �hnlichkeit mit meinen gegenw�rtigen.�</p><p>�Unsinn, Sie werden doch nicht geisteskrank!� unterbrach ihn Conway. Aber so sicher, wie er sich eben angeh�rt hatte, war er sich gar nicht, und mit einigem Unbehagen mu�te er feststellen, da� Prilicla �ber seine Empfindungen genau Bescheid wu�te und erneut heftig zu zittern begann.</p><p>�Die naheliegendste Vorgehens weise w�re nat�rlich, Sie mit einer kr�ftigen Beruhigungsspritze zu desensibilisieren�, sagte Conway vor, wobei er sich bem�hte, die k�hle Gelassenheit zur�ckzuerlangen. �Das wissen Sie genausogut wie ich. Aber Sie sind ein zu guter Arzt, als da� sie sich selbst ein Medikament verabreichen w�rden, da� zwar indiziert ist, aber � wie uns beiden klar ist � lediglich die Symptome bek�mpft. Wichtiger ist es also, zuerst etwas gegen die Krankheit selbst zu unternehmen, wie zum Beispiel mit mir dar�ber zu reden. Hab ich recht?�</p><p>�Ja, da haben Sie recht, mein Freund.�</p><p>�Also gut�, fuhr Conway lebhaft fort. �Ihnen ist bestimmt klar, da� wir vor unserer R�ckkehr zum Orbit Hospital nichts zur Heilung des Leidens unternehmen k�nnen. Bis dahin werden wir die Symptome mit starken Beruhigungsmitteln bek�mpfen m�ssen. Ich m�chte, da� Sie vollkommen bewu�tlos gestellt werden. Bis wir die L�sung Ihres kleinen Problems gefunden haben, sind Sie nat�rlich von allen medizinischen Pflichten entbunden.�</p><p>Als Conway den kleinen Empathen sanft in eine mit Schwerkraftneutralisatoren ausger�stete Drucktragbahre hob, deren Gurte aufgrund der Erfordernisse der unglaublich feingliedrigen cinrusskischen Spezies samtweich waren, konnte er die Bedenken des Cinrusskers fast sp�ren. Aber schlie�lich sagte Prilicla endlich etwas.</p><p>�Mein Freund�, begann er schwach. �Sie wissen, da� ich der einzige medizinisch geschulte Empath des gesamten Krankenhauspersonals bin. An unserem Patienten wird eine umfassende und komplizierte Sch�deloperation vorgenommen werden. Wenn ich schon wegen meines gesundheitlichen Zustands nicht direkt an der Operation teilnehmen kann, dann will ich wenigstens in einem angrenzenden Krankenzimmer behandelt werden, von dem aus mir mit dieser abnormen �berempfindlichkeit eine bessere �berwachung der unbewu�ten emotionalen Ausstrahlung des EGCL m�glich ist.</p><p>Sie wissen genausogut wie ich, da� eine Gehirnoperation bei einer bislang unbekannten Lebensform zum gro�en Teil nur der Forschung nutzt und obendrein �u�erst riskant ist�, fuhr Prilicla fort. �Doch dank meiner empathischen F�higkeiten kann ich sp�ren, wann ein chirurgischer Eingriff in irgendeinem Operationsgebiet richtig oder falsch ist. Nur weil ich selbst zum Patienten geworden bin, hab ich noch lange nichts von meinen F�higkeiten als diagnostischer Empath verloren. Und aus diesem Grund m�ssen Sie mir versprechen, mein Freund, mich in gr��tm�glicher N�he zum Patienten unterzubringen und mich sofort wieder ins volle Bewu�tsein zur�ckzuholen, sobald die Operation im Gang ist.�</p><p>�Nun, ich.�, stammelte Conway.</p><p>�Wie Ihnen bekannt sein d�rfte, bin ich zwar kein Telepath�, fuhr Prilicla mit so schwacher Stimme fort, da� Conway den Translator lauter stellen mu�te, um ihn �berhaupt noch wahrnehmen zu k�nnen, �aber �ber Ihre Emotionen wei� ich jederzeit Bescheid � das sage ich nur, falls Sie vorhaben sollten, Ihr Versprechen nicht zu halten.�</p><p>Eine solch direkte Art hatte Conway bei dem normalerweise �u�erst zur�ckhaltenden Prilicla noch nie erlebt. Dann dachte er dar�ber nach, worum ihn der Empath gerade gebeten hatte � der Cinrussker wollte sich in seinem �berempfindlichen Zustand allen Ernstes der emotionalen Tortur einer langwierigen Operation aussetzen, bei der man aufgrund der eigenartigen physiologischen Klassifikation und des Stoffwechsels des EGCL nicht einmal f�r eine anhaltende Wirkung der Narkosemittel garantieren konnte. F�r einen Augenblick verlor Conway die m�hsam bewahrte sachliche Distanz und f�hlte sich wie jeder besorgte Freund oder Verwandte, der am Bett eines Patienten Wache hielt, dessen Schicksal ungewi� war.</p><p>Erneut zitterte Prilicla unter den Gurten der Bahre, doch das Beruhigungsmittel wirkte allm�hlich, und schon bald lag der Empath in tiefer Bewu�tlosigkeit. Conways Emotionen f�r ihn konnten ihm nun nichts mehr anhaben.</p><p>�Hier Anmeldezentrale�, meldete sich eine ausdruckslose Translatorstimme aus dem Hauptlautsprecher des Kommandodecks. �Identifizieren Sie sich bitte. Geben Sie an, ob Sie Patient, Besucher oder Mitarbeiter sind, und teilen Sie Ihre physiologische Klassifikation mit. Falls Sie dies allerdings aufgrund k�rperlicher Verletzungen, geistiger Verwirrung oder Unkenntnis des Klassifikationssystems nicht tun k�nnen, stellen Sie bitte Sichtkontakt her.�</p><p>Conway r�usperte sich und berichtete in forschem Ton: �Ambulanzschiff Rhabwar, Chefarzt Doktor Conway. An Bord befinden sich Mitarbeiter und zwei Patienten, alle warmbl�tige Sauerstoffatmer. Die Klassifikationen der Mitarbeiter lauten: terrestrische DBDGs, ein cinrusskischer GLNO und eine kelgianische DBLF. Zwei Patienten. Der eine ist ein EGCL unbekannter Herkunft, Unfallopfer aus einem Raumschiffswrack im Gesundheitszustand neun, der zweite ist der dem Mitarbeiterstab angeh�rende GLNO im Gesundheitszustand drei. Wir brauchen f�r den.�</p><p>�Prilicla?�</p><p>�Ja, Prilicla�, best�tigte Conway. �Wir brauchen f�r den EGCL einen OP mit entsprechenden Umweltbedingungen sowie Einrichtungen zur intensiven postoperativen Betreuung, da wir sofort nach unserer Ankunft mit der Behandlung beginnen m�ssen. Au�erdem ben�tigen wir eine benachbarte Unterkunft f�r den GLNO, auf dessen empathische F�higkeiten wir w�hrend der Operation m�glicherweise nicht verzichten k�nnen. Geht das in Ordnung?�</p><p>Einige Minuten lang herrschte Stille, dann entgegnete dieAnmeldezentrale: �Nehmen Sie Einla�schleuse neun auf Ebene eins sechs drei, Rhabwar. Ihr Flugverkehrscode ist h�chste Priorit�t rot eins. Ungef�hre Ankunftszeit?�</p><p>Fletcher blickte zum Astronavigator hin�ber, und Lieutenant Dodds antwortete: �In zwei Stunden sieben Minuten, Sir.�</p><p>�Warten Sie�, bat die Anmeldezentrale.</p><p>Es gab eine erneute, diesmal viel l�ngere Pause, bevor die Stimme wieder erklang. �Diagnostiker Thornnastor m�chte so bald wie m�glich mit Ihnen und Pathologin Murchison �ber den Gesundheitszustand und das Stoffwechseldiagramm des Patienten sprechen. Chefarzt Doktor Edanelt ist Thornnastor als OP-Assistent zugewiesen worden. Beide �rzte ben�tigen Informationen �ber Art und Ausma� der Verletzungen des EGCL und bitten Sie, Ihnen unverz�glich Scannerbilder von der �u�eren und inneren Beschaffenheit des K�rpers zu �bermitteln. Bis zum Erhalt anderslautender Instruktionen sind Sie selbst f�r den cinrusskischen Patienten verantwortlich. Chefpsychologe O�Mara will sich mit Ihnen so schnell wie m�glich �ber Prilicla unterhalten.�</p><p>Die zwei Stunden und sieben Minuten bis zum Hospital versprachen sehr arbeitsreich zu werden.</p><p>Auf dem Frontbildschirm der Rhabwar wuchs das Hospital vor dem stellaren Hintergrund von einem verschwommenen Lichtfleck rasch zu einem immer gr��eren Gebilde heran, bis es den gesamten Weltraum wie ein riesiger, zylindrischer Weihnachtsbaum auszuf�llen schien. Die meisten der zigtausend Fenster waren fast durchgehend hell erleuchtet, wobei die Beleuchtung in den verr�cktesten Farbkombinationen und unterschiedlichsten St�rken ausfiel, um den jeweiligen Anspr�chen der Sehorgane der Patienten und Mitarbeiter gerecht zu werden.</p><p>Wenige Minuten nach dem Andocken der Rhabwar an Schleuse neun hatte man den EGCL und Prilicla in den Operationssaal drei beziehungsweise auf das Krankenzimmer sieben auf Ebene einhundertdreiundsechzig gebracht. Conway war mit dieser Ebene nicht mehr richtig vertraut, denn die einst auf ihr gelegenen Unterk�nfte der FROB-, FGLI- und ELNT-�rzte hatten sich noch im Umbau befunden, als er zum Dienst auf dem Ambulanzschiff abkommandiert worden war. Die hudlarischen, tralthanischen und melfanischen �rzte verf�gten nun �ber ger�umigere Quartiere, und aus ihren alten Wohnungen war inzwischen die Notaufnahme- und Behandlungsebene f�r warmbl�tige Sauerstoffatmer geworden. Die umgebaute Ebene verf�gte jetzt �ber eigene Operationss�le, Intensiv-, Beobachtungs- und Genesungsstationen sowie �ber eine Di�tk�che, die die Hauptnahrungsmittel jeder bekannten warmbl�tigen Spezies der Sauerstoffatmer zubereiten konnte.</p><p>Als Naydrad und Conway gerade den verungl�ckten EGCL von der mit Lebenserhaltungs- und Biosensorsystemen ausger�steten Bahre in den ebenso ausgestatteten Operationssaal verlegten, trafen Thornnastor und Edanelt ein.</p><p>Da� man Chefarzt Dr. Edanelt f�r diesen Fall ausgew�hlt hatte, war nicht nur eine selbstverst�ndliche, sondern fast zwangsl�ufige Entscheidung gewesen. Der krabben�hnliche Melfaner galt nicht nur als einer der besten Chirurgen des Hospitals, der st�ndig vier Physiologieb�nder gespeichert hatte und Ger�chten zufolge kurz vor der Bef�rderung zum Diagnostiker stand, sondern kam auch mit seiner physiologischen Klassifikation ELNT von allen Lebensformen des medizinischen Personals der Spezies des �berlebenden EGCL wahrscheinlich am n�chsten � ein �u�erst wichtiger Faktor, wenn kein Physiologieband �ber den zu behandelnden Patienten zur Verf�gung stand. Thornnastor, der elefantenartige leitende Diagnostiker der Pathologie, hatte dagegen keinerlei k�rperliche Gemeinsamkeiten mit dem Patienten, au�er da� er die gleiche Luft atmete.</p><p>Obwohl er ein FGLI von Traltha war und als solcher einer der k�rperlich gr��eren intelligenten Spezies angeh�rte, war Thornnastor alles andere als ein Chirurg mit nur durchschnittlichen F�higkeiten. Doch bei diesem Fall bestand seine Hauptaufgabe darin, rasch die Physiologie und den Stoffwechsel des �berlebenden zu untersuchen und unter Anwendung seiner gro�en Erfahrung auf dem Gebiet der ET-Pathologie und mit den seiner Abteilung zur Verf�gung stehenden M�glichkeiten die ben�tigten Medikamente herzustellen � wozu sichere Bet�ubungs-, Gerinnungs- und Geweberegenerationsmittel geh�ren w�rden.</p><p>Conway hatte den Fall mit Edanelt bereits kurz nach dessen Erscheinen im OP in allen Einzelheiten besprochen, genauso wie dies Murchison mit ihrem Chef Thornnastor getan hatte. Der Chefdiagnostiker wu�te, da� sich ihre Bem�hungen zuerst auf die Behebung der gr�beren Verletzungen richten mu�ten. Erst danach konnte man mit der �u�erst heiklen, gef�hrlichen und vielleicht sogar unm�glichen Operation beginnen, mit der der Druck auf das Gehirn und die von der stark eingedr�ckten Panzerfraktur hervorgerufenen Verletzungen des Gehirns und der benachbarten Organe behoben werden sollte. In dieser Phase w�rde man zur �berwachung der Operation die Hilfe von Prilicla und seinen �u�erst feinf�hligen und pr�zisen empathischen F�higkeiten brauchen, um dem EGCL ein zuk�nftiges Dahinvegetieren als geistiger Kr�ppel zu ersparen.</p><p>Conways Anwesenheit war nicht l�nger erforderlich, deshalb w�rde es sinnvoller f�r ihn sein, sich mit O�Mara �ber Priliclas Gesundheitszustand zu unterhalten.</p><p>Als er sich entschuldigte und den OP verlie�, winkte Edanelt zum Abschied mit einer seiner krebs�hnlichen Scheren, die er mit einem schnelltrocknenden Plastikfilm bespr�hte, den melfanische �rzte Handschuhen vorzogen. Thornnastors vier Augen hingegen blickten auf den Patienten, auf Murchison und auf zwei verschiedene Gegenst�nde seiner Ausr�stung, so da� er Conway nicht hinausgehen sah.</p><p>Im Flur blieb Conway einen Moment lang stehen, um �ber den schnellsten Weg zum B�ro des Chefpsychologen nachzudenken. Wie er wu�te, geh�rten die drei Ebenen �ber seinem gegenw�rtigen Aufenthaltsort zum Bereich der chloratmenden Illensaner � w�re ihm das nicht bekannt gewesen, dann h�tten ihn die �ber den Luftschleusen zwischen den Ebenen angebrachten Warnungen vor Vergiftungsgefahr dar�ber aufgekl�rt. Von den unter ihm liegenden Ebenen ging jedoch keine Verseuchungsgefahr aus, da die beiden oberen davon mit den sauerstoffatmenden MSVK- und LSVO-Lebensformen belegt waren, dieein Viertel der normalen Erdanziehungskraft ben�tigten und �hnlichkeit mit d�nnen, dreif��igen St�rchen hatten. Unter den beiden Ebenen dieser Spezies befanden sich die wassergef�llten Stationen der Chalder, denen sich schlie�lich ein Stockwerk tiefer die erste nichtmedizinische Behandlungsebene anschlo�, auf der O�Maras Abteilung lag.</p><p>Auf seinem Weg nach unten zwitscherte ihm eine Gruppe MSVK-�rzte vom Planeten Nallajim einen Gru� zu und um ein Haar w�re ihm ein Patient gegen die Brust geflogen, der sich schon auf dem Weg der Besserung befand, kurz bevor er die Schleuse zur AUGL-Abteilung erreicht hatte. F�r den nun vor ihm liegenden Abschnitt mu�te er einen leichten Schutzanzug anlegen und durch die gewaltigen Becken schwimmen, in denen die bis zu zw�lf Meter langen wasseratmenden Wesen von Chalderescol II schwerf�llig wie gepanzerte Krokodile durch ihre warme, gr�ne Welt trieben. Von seinem Anzug tr�pfelte noch immer chalderisches Wasser, als er nur f�nfundzwanzig Minuten sp�ter in O�Maras B�ro eintraf.</p><p>Major O�Mara deutete auf ein zur Bequemlichkeit von DBLFs konstruiertes Sitzm�bel und sagte griesgr�mig: �H�chstwahrscheinlich waren Sie in Ihrer Eigenschaft als Arzt wieder einmal viel zu besch�ftigt, um sich mit mir in Verbindung zu setzen, Doktor. Verschwenden wir also erst gar keine Zeit mit Entschuldigungen, sondern berichten Sie mir gleich von Doktor Prilicla.�</p><p>Conway wand sich vorsichtig in den Kelgianerstuhl hinein und beschrieb umfassend den Gesundheitszustand des Cinrusskers, und zwar vom ersten Auftreten der Krankheitssymptome bis hin zu dem Punkt, an dem nur noch eine Behandlung mit Beruhigungsmitteln angezeigt gewesen war, wobei er auch auf die �u�eren Begleitumst�nde zu sprechen kam. W�hrend Conways Bericht blieben die zerfurchten Gesichtsz�ge des Chefpsychologen vollkommen reglos, und in seinen Augen, die einen so scharf analytischen Verstand enth�llten, da� O�Mara das besa�, was man fast als telepathische F�higkeiten bezeichnen konnte, war genausowenig zu lesen.</p><p>Als Chefpsychologe des gr��ten Hospitals der F�deration mit vielfachen Umweltbedingungen war er f�r das geistige Wohlbefinden eines Mitarbeiterstabs verantwortlich, der sich aus mehreren tausend Wesen zusammensetzte, die wiederum mehr als sechzig verschiedenen Spezies angeh�rten. Obwohl er innerhalb des Monitorkorps nur den Rang eines Majors bekleidete � den man ihm sowieso lediglich aus administrativen Gr�nden verliehen hatte �, waren seine Machtbefugnisse innerhalb des Hospitals nur schwer einzugrenzen. F�r ihn waren die Mitarbeiter, ganz unabh�ngig von ihrer Position, die eigentlichen Patienten. Eine seiner wichtigsten Aufgaben war sicherzustellen, da� jedem einzelnen der in ihrer Vielfalt oft seltsamen und geradezu exotisch anmutenden Patienten im Hospital der f�r ihn am besten geeignete Arzt zugeteilt wurde und auf keiner Seite xenophobische Komplikationen auftraten.</p><p>Zudem war er f�r die medizinische Elite des Hospitals, die Diagnostiker, verantwortlich. Nach O�Maras eigenen Angaben war das hohe Niveau der psychischen Stabilit�t innerhalb des bunten Haufens der h�ufig hochsensiblen Mitarbeiter allein darauf zur�ckzuf�hren, da� sie schlichtweg viel zuviel Angst vor ihm hatten, um durchzudrehen.</p><p>O�Mara beobachtete Conway bis zum Ende seiner Ausf�hrungen genau und sagte dann: �Ihr Bericht klingt zwar einleuchtend und pr�gnant und ist wom�glich auch zutreffend, Doktor, aber Sie sind schlie�lich ein enger Freund des Patienten. Deshalb besteht durchaus die M�glichkeit, da� Ihr Urteilsverm�gen getr�bt ist und Sie �bertreiben. Au�erdem sind Sie kein Psychologe, sondern Arzt und Chirurg f�r ETs, der allerdings offenbar bereits zu dem Schlu� gekommen ist, da� dieser Fall von meiner Abteilung behandelt werden sollte. Verstehen Sie mein Problem? Beschreiben Sie mir bitte Ihre Emotionen w�hrend des gesamten Einsatzes, und zwar vom Zeitpunkt der Bergung an bis jetzt. Aber zuerst sollte ich Sie vielleicht fragen, ob Sie sich �berhaupt selbst einigerma�en wohl f�hlen.�</p><p>Alles, was Conway in diesem Augenblick f�hlte, war ein starker Anstieg des Blutdrucks.</p><p>�Seien Sie dabei so objektiv wie m�glich�, f�gte O�Mara hinzu.</p><p>Conway holte tief Luft und atmete sie durch die Nase langsam wieder aus. �Nach unserer sehr schnellen Reaktion auf das Notsignal hin herrschte ein allgemeines Gef�hl der Niedergeschlagenheit, da wir lediglich einen �berlebenden retten konnten, der zudem kaum noch am Leben war. Aber Sie verfolgen da eine falsche Spur, Major. Meiner �berzeugung nach teilten n�mlich alle auf dem Schiff dieses Gef�hl, aber das war bei weitem nicht so stark, da� man damit die �berempfindlichen Reaktionen des Cinrusskers erkl�ren k�nnte. Schlie�lich hat Prilicla sogar die emotionale Ausstrahlung von Besatzungsmitgliedern wahrgenommen, die sich am anderen Ende des Schiffs befanden, und zwar mit einer erschreckenden St�rke. Dabei ist das eine Entfernung, aus der normalerweise �berhaupt keine Emotionen wahrzunehmen sind. Au�erdem war mein Bericht weder von r�hrseliger Sentimentalit�t gepr�gt, noch hab ich die Symptome �bertrieben dargestellt. Im Moment f�hle ich mich so wie immer in diesem verfluchten B�ro, also ziemlich.�</p><p>�Immer objektiv bleiben, bitte! Denken Sie daran�, unterbrach ihn O�Mara trocken.</p><p>�Ich hab ja gar nicht versucht, die diagnostische Arbeit f�r Sie zu erledigen, aber die Symptome sprechen nun einmal daf�r, da� es tats�chlich ein psychologisches Problem gibt�, fuhr Conway fort, wobei seine Stimme wieder den normalen Gespr�chston annahm. �Vielleicht als Folge einer bislang unbekannten Krankheit, einer Organst�rung oder eines gest�rten Gleichgewichts der Dr�senfunktionen. Ebenso k�nnte der Gesundheitszustand aber auch eine rein psychologische Ursache haben. Jedenfalls ist das eine M�glichkeit, die man nicht einfach.�</p><p>�M�glich ist alles, Doktor�, unterbrach ihn,0�Mara ungehalten. �Seien Sie doch bitte pr�zise. Was wollen Sie f�r Ihren Freund tun, und was genau soll ich f�r ihn tun?�</p><p>�Zweierlei�, antwortete Conway. �Zum einen m�chte ich, da� Sie selbst noch einmal Priliclas Gesundheitszustand �berpr�fen.�</p><p>�Wie Sie wissen, tu ich das sowieso�, warf O�Mara ein.</p><p>��und mir zum anderen das GLNO-Physiologieband geben�, fuhr Conway fort, �damit ich die nichtpsychologischen Ursachen des Problems entweder best�tigt finde oder ganz ausschlie�en kann.�</p><p>O�Mara schwieg einen Augenblick lang. Sein Gesicht blieb zwar weiterhin so ausdruckslos wie ein Basaltklotz, aber seine Augen verrieten echte Besorgnis. �Sie hatten zwar schon fr�her Schulungsb�nder im Kopf gespeichert und wissen, was Sie erwartet, aber das GLNO-Band ist. ahm. anders. Sie w�rden sich tats�chlich wie ein todungl�cklicher Cinrussker f�hlen. Schlie�lich sind Sie kein Diagnostiker, Conway, jedenfalls noch nicht. Besser, Sie denken noch einmal dar�ber nach.�</p><p>Wie Conway aus eigener Erfahrung wu�te, waren die Physiologieb�nder irgendwo zwischen den Kategorien �zweischneidiges Schwert� und �notwendiges �bel� anzusiedeln. W�hrend chirurgisches K�nnen auf pers�nlicher Begabung, �bung und Erfahrung basierte, konnte man von keinem der �rzte erwarten, sich in einem Hospital, in dem Wesen der verschiedenartigsten Spezies behandelt wurden, alle notwendigen physiologischen Daten der Patienten zu merken. Diese fast unvorstellbare Datenmenge, die f�r eine angemessene Behandlung erforderlich war, wurde mittels Schulungsb�ndern weitergegeben, die nichts anderes waren als die Aufzeichnung der Gehirnstr�me von medizinischen Kapazit�ten der jeweils betreffenden Spezies. Wenn zum Beispiel ein terrestrischer Arzt einen kelgianischen Patienten medizinisch zu versorgen hatte, speicherte er bis zum Abschlu� der Behandlung eins der DBLF-Schulungsb�nder im Gehirn und lie� es anschlie�end wieder l�schen. F�r den betreffenden Arzt selbst war das allerdings alles andere als ein Vergn�gen, egal, ob er das Band f�r eine mehrmonatige Weiterbildung von Mitarbeitern im Kopf speicherte oder lediglich f�r die Dauer einer einzigen Operation an einem Angeh�rigen einer anderen Spezies.</p><p>Sie konnten sich allenfalls damit tr�sten, da� es Diagnostikern noch schlechter erging als ihnen.</p><p>Ein Diagnostiker geh�rte der geistigen Elite des Orbit Hospitals an. Er war eines jener seltenen Wesen, deren Psyche und Verstand als ausreichend stabil erachtet wurden, permanent bis zu zehn B�nder gleichzeitig im Kopf gespeichert zu haben. Ihren mit Daten vollgestopften Hirnen oblag in erster Linie die Aufgabe, medizinische Grundlagenforschung zu leisten und neue Krankheiten bislang unbekannter Lebensformen zu diagnostizieren und zu behandeln. Im Hospital gab es das gefl�gelte Wort � das angeblich vom Chefpsychologen selbst stammte �, da� jeder geistig Zurechnungsf�hige, der freiwillig Diagnostiker werden wollte, schon von vornherein verr�ckt sein mu�te.</p><p>Denn mit einem Schulungsband wurden einem nicht nur die physiologischen Fakten einer Spezies ins Gehirn eingeimpft, sondern auch die gesamte Pers�nlichkeit und das komplette Ged�chtnis des Wesens, das dieses Wissen einst besessen hatte. Praktisch setzte sich ein Diagnostiker somit freiwillig einer h�chst drastischen Form multipler Schizophrenie aus, zumal die fremden Pers�nlichkeiten, die seinen Geist scheinbar mit ihm teilten, so vollkommen verschieden waren, da� sie h�ufig nicht einmal dasselbe logische System anwandten. Dar�ber hinaus waren diese medizinischen Kapazit�ten trotz ihrer f�hrenden Rolle auf dem Gebiet der Heilkunst nur allzuoft �u�erst schlechtgelaunte, unangenehme und h�ufig sogar aggressive Zeitgenossen.</p><p>Das alles galt nat�rlich nicht f�r das GLNO-Band, wie Conway wu�te. Immerhin waren Cinrussker die sch�chternsten, freundlichsten und liebenswertesten Gesch�pfe, die man sich vorstellen konnte.</p><p>�Ich hab dar�ber nachgedacht, und ich bleibe dabei�, sagte Conway schlie�lich.</p><p>O�Mara nickte und sprach in sein Tischger�t. �Carrington? Chefarzt Conway erh�lt die Erlaubnis f�r das GLNO-Band, mu� sich aber nach dem L�schen einer einst�ndigen Nachbehandlung mit Beruhigungsmitteln unterziehen, um die Eindr�cke zu verarbeiten. Ich begebe mich jetzt in die Notaufnahme auf Ebene eins sechs drei.� � pl�tzlich grinste er Conway an � ��und werde dort versuchen, den �rzten keine guten Ratschl�ge zu geben.�</p><p>Als Conway erwachte, sah er ein riesiges, rosafarbenes Gesicht wie einen Ballon �ber sich h�ngen. Instinktiv versuchte er, an der Wand neben seiner Couch hochzukrabbeln, falls der gewaltig gro�e und enorm muskul�se K�rper, auf dem sich dieses Gesicht befand, auf ihn fallen und zu Tode quetschen w�rde. Aber als die Gesichtsz�ge Besorgnis verrieten, der dazugeh�rige Kopf zur�ckgezogen wurde und sich der schlanke terrestrische K�rper in der gr�nen Uniform aufrichtete, �nderte sich Conways geistiger Blickwinkel pl�tzlich.</p><p>Lieutenant Carrington, einer von O�Maras Assistenten, sagte: �Sachte, Doktor! Setzen Sie sich erst mal langsam auf, und stellen Sie sich dann hin. Konzentrieren Sie sich darauf, Ihre beiden F��e auf den Boden zu setzen, und zerbrechen Sie sich nicht den Kopf dar�ber, warum Sie keine sechs cinrusskischen Beine haben.�</p><p>Conway legte den Weg zum OP auf Ebene 163 recht schnell zur�ck, obwohl er um unz�hlige Wesen, die viel kleiner waren als er, einen gro�en Bogen machen mu�te, da sie der cinrusskische Teil seines Gehirns f�r gro� und gef�hrlich hielt. Von Murchison erfuhr er, da� sich O�Mara gerade bei Prilicla im Krankenzimmer befand, nachdem er vorher im OP vorbeigeschaut hatte, weil er mit Thornnastor und Edanelt �ber die grunds�tzlichen physiologischen Eigenschaften, die wahrscheinlichen Umweltbedingungen und Evolutionseinf�sse des EGCL sprechen wollte. Aber f�r ein ausgiebiges Gespr�ch waren die beiden �rzte viel zu besch�ftigt gewesen. Mit Conway w�rden sie genausowenig sprechen k�nnen, und der Grund daf�r war offensichtlich: Die Operation des EGCL war zu einem Notfall geworden, der in einer zwar unbekannten, wahrscheinlich aber sehr kurzen Frist erledigt werden mu�te.</p><p>Wie Murchison Conway leise zwischen den von Thornnastor hervorgeknurrten Anweisungen erkl�rte, h�tte sich der Zustand des EGCL pl�tzlich und �berraschend verschlechtert, als vor �ber einer Stunde die Splitter des eingedr�ckten R�ckenpanzers aus dem Gehirn entfernt worden waren. Die Entdeckung dieser Ver�nderung verdankte man Prilicla, den man zwar aufgrund seines Zustands von allen Teilen der Operation ausgeschlossen hatte, der aber trotzdem weiterhin wie ein Arzt handelte, indem er nach wie vor seine schon fast abnorm gesteigerten empathischen F�higkeiten einsetzte. Prilicla hatte sich n�mlich gegen�ber der diensthabenden Schwester auf Zimmer sieben als Vorgesetzter aufgespielt und sie in den OP geschickt. Dort mu�te sie auf sein Gehei� hin von seinen empathisch erlangten Erkenntnissen berichten und den bescheidenen Vorschlag unterbreiten, er k�nne Thornnastor und Edanelt bei der Operation assistieren, wenn man die einzelnen Schritte des chirurgischen Eingriffs auf den Bildschirm von Zimmer sieben legen w�rde.</p><p>Der Grund f�r die Verschlechterung des Zustands war, da� bei der Behebung des von der eingedr�ckten Fraktur verursachten Drucks eine Anzahl gro�er Blutgef��e im Gehirnbereich geplatzt war. Die beiden Chirurgen mu�ten gezwungenerma�en auf Priliclas Wunsch eingehen, denn ohne die �berwachung des Bewu�tseinszustands des Patienten durch den Empathen hatten sie keine M�glichkeit festzustellen, ob sich die komplizierte, gef�hrliche und notgedrungen eilige Operation auf den Gehirnbereich positiv oder negativ auswirkte oder nichts von beiden.</p><p>�Wie stehen die Chancen?� murmelte Conway. Doch bevor Murchison antworten konnte, bog sich eins von Thornnastors Augen nach hinten �ber den Kopf und blickte von oben auf Conway herab.</p><p>�Wenn dieser Patient nicht innerhalb der n�chsten drei�ig Minuten einer starken Gehirnblutung erliegt�, berichtete der Diagnostiker m�rrisch, �dann stirbt er wahrscheinlich irgendwann an degenerativen Abbauerscheinungen, die mit extrem hohem Alter verbunden sind. Und jetzt h�ren Sie bitte auf, meine Assistentin abzulenken, und k�mmern sich um Ihren eigenen Patienten, Conway!�</p><p>Auf dem Weg zu Zimmer sieben fragte sich Conway kurz, wie die emotionale Empf�nglichkeit des Empathen bei der schwachen Ausstrahlung des bewu�tlosen EGCL �berhaupt funktionieren konnte, ohne da� letztere von den Gef�hlen der Dutzenden von Wesen in der n�heren Umgebung �berlagert wurde, die allesamt bei vollem Bewu�tsein waren. Vielleicht lag das an Priliclas neuer �berempfindlichkeit, aber im Hinterkopf hegte Conway starke Zweifel, die auf die Existenz einer ganz anderen Erkl�rung hindeuteten.</p><p>O�Mara war noch immer im Krankenzimmer und hielt sich wegen der an null Ge grenzenden Schwerkraft mit einer Hand an einem Regal mit �berwachungsger�ten fest, w�hrend er zusammen mit Prilicla die Vorg�nge im Operationssaal beobachtete.</p><p>�Conway, h�ren Sie auf damit!� wies ihn O�Mara scharf zurecht.</p><p>Conway hatte zwar versucht, keine Reaktion zu zeigen, als er den Empathen in diesem Zustand erblickte, aber sein Gehirn befand sich nun einmal zur H�lfte im Besitz eines Cinrusskers, der einer Spezies angeh�rte, die anerkannterma�en die feinf�hligste und teilnahmsvollste intelligente Lebensform war, die man in der F�deration kannte. Dieser GLNO mu�te nun das schwere Leid eines Artgenossen mit ansehen, w�hrend Conways eigene Gedanken obendrein Mitleid mit einem Freund empfanden, und beiden H�lften seines Gehirns gemeinsam fiel es nat�rlich �u�erst schwer, k�hle und sachliche Distanz zu bewahren.</p><p>�Tut mir wirklich aufrichtig leid�, entschuldigte er sich etwas �bertrieben.</p><p>�Ich wei�, da� es Ihnen leid tut, mein Freund�, erwiderte Prilicla und drehte sich zu ihm herum. �Sie h�tten das Band nicht im Gehirn speichern sollen.�</p><p>�Er ist davor gewarnt worden�, sagte O�Mara in schroffem Ton, aber seine Besorgnis stand ihm ins Gesicht geschrieben.</p><p>Conway geh�rte jetzt einer empathischen Spezies an � s�mtliche Erinnerungen und Erfahrungen seines Lebens als GLNO waren die eines normal gesunden und durchschnittlich gl�cklichen Empathen � aber im selben Augenblick war er kein Empath mehr. Er konnte Prilicla zwar sehen, h�ren und ber�hren, doch fehlte ihm die F�higkeit, mittels der er die Gef�hle des Empathen teilen konnte, die F�higkeit, die auf subtile Weise jedes einzelne Wort, jede Geste und Miene ausschm�ckte. Aus diesem Grund war es f�r Cinrussker ein ungetr�btes Vergn�gen, wenn sie sich in Sichtweite voneinander befanden. Er konnte sich zwar daran erinnern, empathischen Kontakt erlebt und diese F�higkeit sein ganzes Leben lang besessen zu haben, pl�tzlich kam er sich aber fast wie ein Taubstummer vor. Da� er Priliclas emotionale Ausstrahlung so stark zu sp�ren glaubte, war nichts als ein Produkt seiner Phantasie: Es war Sympathie, nicht Empathie.</p><p>Conways terrestrisches Gehirn besa� die empathischen F�higkeiten nicht, und es erwarb sie auch nicht dadurch, da� es sich den fr�heren Besitz dieser F�higkeiten immer wieder in Erinnerung rief. Aber es waren ja auch noch andere Erinnerungen vorhanden, zum Beispiel an seine lebenslange Erfahrung als cinrusskischer Arzt, und diese konnte er gebrauchen.</p><p>�Wenn Sie nichts dagegen haben, Doktor Prilicla, w�rde ich Sie jetzt gerne untersuchen�, sagte er mit fast f�rmlicher Gelassenheit.</p><p>�Aber nat�rlich, mein Freund.� Priliclas unkontrollierbares Zittern hatte sich zu einem gleichm��igen, stetigen Beben verringert, ein Anzeichen daf�r, da� Conway seine emotionale Ausstrahlung inzwischen unter Kontrolle hatte. �Mittlerweile gibt es noch mehr Symptome, die mir starke Beschwerden verursachen, Doktor.�</p><p>�Das sehe ich�, entgegnete Conway, w�hrend er einen der unglaublich zarten Fl�gel Priliclas behutsam beiseite schob und seinen Scanner auf den Brustkorb des Empathen setzte. �Beschreiben Sie mir diese Symptome bitte.�</p><p>In den zwei Stunden, seit Conway ihn zuletzt gesehen hatte, waren an Prilicla Ver�nderungen festzustellen, die einzeln zwar kaum merklich, insgesamt aber um so einschneidender waren. Die gro�en, dreilidrigen Augen hatten ihre normale Lebhaftigkeit und Konzentration auf eigent�mliche Weise vollkommen eingeb��t. Die fein strukturierte Verst�rkung der Fl�gelh�utchen war weich und schrumpelig geworden, wodurch das durchsichtige und schillernde H�utchen unansehnliche Runzeln und Falten warf. Die vier kleinen, traumhaft pr�zisen Greiforgane des Empathen, durch die er eines Tages eigentlich einer der gl�nzendsten Chirurgen des Hospitals h�tte werden m�ssen, zitterten, obwohl sie durch die Gurte fest zusammengedr�ckt wurden. Kurz, der von Prilicla vermittelte Gesamteindruck war der eines alten und schwerkranken GLNO.</p><p>Die von Prilicla geschilderten Symptome wie auch die Befunde der weiteren Untersuchung verwirrten Conways cinrusskischen Teil seines Gehirns genauso wie den terrestrischen. Beide Teile waren sich aber absolut sicher, da� Prilicla kurz vor dem Tod stand � und in diesem Punkt basierte die �bereinstimmung auf der pers�nlichen Erfahrung des Urhebers des GLNO-Bands auf der einen und auf Conways �ber viele Jahre hinweg im Orbit Hospital erworbenen Kenntnissen auf der anderen Seite.</p><p>Das Zittern des Empathen verst�rkte sich schlagartig, wurde aber wieder schw�cher, als sich Conway erneut zu sachlicher Distanz zwang und beherrscht feststellte: �Ich kann keinerlei Deformationen, Verstopfungen, Verletzungen oder Infektionen als Ursache der von Ihnen beschriebenen Symptome feststellen. Genausowenig kann ich irgendeinen Grund f�r die Atembeschwerden entdecken, die Sie gehabt haben. Wie mir mein cinrusskisches Alter ego mitteilt, tritt bei Ihrer Spezies in jugendlichem Alter zwar ein gewisses Ma� an �berempfindlichkeit auf, aber das l��t sich nat�rlich nicht im entferntesten mit der von Ihnen geschilderten Heftigkeit vergleichen. Am ehesten kommt f�r mich eine Beeintr�chtigung des zentralen Nervensystems in Betracht, die allerdings nicht durch Krankheitserreger oder Gifte hervorgerufen wurde.�</p><p>�Sie glauben, das ist psychosomatisch?� fragte O�Mara scharf, wobei er energisch mit einem Finger in Richtung Prilicla zeigte. �Das da?�</p><p>�Diese M�glichkeit w�rde ich zumindest nicht ausschlie�en, so lieb mir das auch w�re�, antwortete Conway ruhig, und an Prilicla gewandt sagte er: �Wenn es Ihnen nichts ausmacht, w�rde ich Ihren Fall gern mit O�Mara vor der T�r diskutieren.�</p><p>�Selbstverst�ndlich, mein Freund�, entgegnete der Empath. Durch das ununterbrochene Zittern schien der zarte K�rper regelrecht auseinanderzufalten. �Aber lassen Sie bitte das Cinrusskerband so bald wie m�glich wieder l�schen. Ihr gesteigertes Ma� an Besorgnis und Sympathie hilft n�mlich keinem von uns beiden. Und bedenken Sie, mein Freund, der Urheber Ihres Bands war auf Cinruss einmal eine gro�e medizinische Kapazit�t. Allerdings kann ich in aller Bescheidenheit behaupten, da� ich vor meinem Dienstantritt im Orbit Hospital und durch die Vorbereitung auf meine hiesige Arbeit auf diesem Gebiet ein �hnlich hohes Ansehen erlangt hatte.</p><p>In der medizinischen Geschichte unserer Spezies gibt es nichts, das diesem Zustand auch nur im entferntesten �hnelt, und auch in der Symptomatologie ist absolut kein Pr�zedenzfall bekannt. Ich kann nat�rlich nicht vollkommen objektiv sein, wenn es darum geht, da� mein Gesundheitszustand wom�glich keine k�rperlichen Ursachen hat, aber ich war schon immer ein gl�ckliches und sehr ausgeglichenes Wesen und weder als Kind noch als Jugendlicher oder Erwachsener geistig verwirrt. Freund O�Mara hat ja mein Psychogramm und wird das best�tigen k�nnen. Ich hoffe, diese eigenartigen Symptome klingen ebenso schnell wieder ab, wie sie aufgetreten sind.�</p><p>�Vielleicht k�nnte Thornnastor��, begann Conway.</p><p>�Schon der Gedanke daran, da� sich mir dieser. dieser Kolo� in der Absicht n�hert, mich zu untersuchen, w�rde mich zu einer sofortigen K�ndigung veranlassen. Au�erdem ist Thornnastor sowieso besch�ftigt. Freund Edanelt, seien Sie vorsichtig!�</p><p>Prilicla hatte seine Aufmerksamkeit pl�tzlich wieder dem Bildschirm zugewandt und fuhr fort: �Selbst wenn Sie nur kurz auf diese Stelle dr�cken, nehmen die unbewu�ten Emotionen des EGCL schon merklich ab. Deshalb schlage ich vor, Sie n�hern sich diesem Nervenstrang von vorne durch die �ffnung in der.�</p><p>Conway h�rte den Rest nicht mehr, denn O�Mara hatte ihn einfach am Arm vorsichtig aus dem Zimmer nach drau�en gezogen, was bei der dort herrschenden geringen Schwerkraft keine Kunst war.</p><p>�Das war ein erstklassiger Rat von Prilicla�, sagte der Chefpsychologe, als sie sich ein St�ck von der Station entfernt hatten. �Lassen Sie uns das Band l�schen und das Problem unseres kleinen Freunds auf dem Weg in mein B�ro besprechen, Doktor.�</p><p>Conway sch�ttelte entschieden den Kopf. �Nicht jetzt. Prilicla hat da drinnen alles gesagt, was man �ber den Fall sagen kann. Unumst��liche Tatsache ist, da� die Cinrussker nicht gerade zu den robustesten Spezies der F�deration geh�ren. Aus welchem Grund auch immer besitzen sie �berhaupt keine Widerstandskraft und haben ebensowenig Kraftreserven, um den Auswirkungen irgendeiner Verletzung oder Krankheit �ber einen l�ngeren Zeitraum zu widerstehen. Wir wissen doch alle � ich pers�nlich genauso wie mein Alter ego und vermutlich auch Sie �, da� Prilicla innerhalb weniger, vielleicht h�chstens zehn Stunden sterben wird, wenn man ihn nicht schleunigst behandelt und von den Symptomen befreit.�</p><p>Der Major nickte.</p><p>�Solange Sie selbst keine bessere Idee haben � und ich w�rde es diesmal wirklich begr��en, wenn Sie eine h�tten �, werde ich weiterhin mit dem Cinrusskerband im Kopf herumlaufen�, fuhr er grimmig fort. �Es hat zwar bisher nicht viel geholfen, aber ich will ohne jede Beschr�nkung nachdenken k�nnen und keine gehirnakrobatischen Tricks anwenden m�ssen, nur um in der Gegenwart meines Patienten zu starke Emotionen zu vermeiden. An diesem Fall ist irgend etwas �u�erst merkw�rdig, irgend etwas, das ich �bersehe.</p><p>Also, ich mach jetzt einen Spaziergang�, schlo� Conway pl�tzlich. �Ich geh nicht weit weg. Gerade so weit, da� ich, wie ich hoffe, nicht mehr in Reichweite von Priliclas empathischen F�higkeiten bin.�</p><p>O�Mara nickte erneut und entfernte sich ohne ein Wort.</p><p>Conway zog einen leichten Schutzanzug an und begab sich drei Ebenen nach oben in die Abteilung, die den stacheligen, membran�sen und chloratmenden Illensanern vorbehalten war, die man als PVSJs bezeichnete. Die Bewohner von Illensa stellten nach terrestrischen Ma�st�ben keine besonders gesellige Spezies dar, deshalb hoffte Conway, die neblig gelben Stationen und Korridore ohne Unterbrechung durchqueren zu k�nnen, w�hrend er mit seinem Problem k�mpfte. Aber genau das Gegenteil trat ein.</p><p>Chefarzt Dr. Gilvesh, der erst vor ein paar Monaten zusammen mit Conway eine Operation an einem dwerlanischen DBPK durchgef�hrt hatte, war heute auf f�r ihn untypische Weise nach Geselligkeit zumute und wollte gern mit seinem Chefarztkollegen fachsimpeln. Die beiden �rzte trafen sich auf einem schmalen Korridor, der zur Apotheke auf dieser Ebene f�hrte, und Conway hatte keine M�glichkeit, sich einem Gespr�ch zu entziehen.</p><p>Gilvesh hatte Probleme. Es sei einer dieser Tage, berichtete der illensanische Arzt, an denen s�mtliche Patienten ein ungeheures Ma� an Aufmerksamkeit und vollkommen unn�tige Mengen von Schmerzlinderungsmitteln verlangten, deren Verabreichung pers�nliche �berwachung erforderte. Die rangniedrigeren �rzte und der Schwesternstab standen deshalb nat�rlich unter Druck, und ganz offensichtlich herrschte ein ungew�hnlich hohes Ausma� verbaler �berreaktionen und schlechter Laune vor. Gilvesh rechtfertigte und entschuldigte sich im voraus f�r jegliche scheinbare Unh�flichkeit, mit der seine Mitarbeiter solch einem wichtigen Chefarzt wie Conway bei seinem Besuch begegnen k�nnten. Er habe mehrere F�lle, so beteuerte Gilvesh, die bestimmt Conways Interesse erregen w�rden. Vor allem brauchte er aber seinen Rat.</p><p>Genauso wie alle anderen �rzte, die man f�r den Dienst in einem Hospital mit vielf�ltigen Umweltbedingungen ausgebildet hatte, verf�gte auch Conway �ber eingehende Grundlagenkenntnisse auf den Gebieten der Physiologie und des Metabolismus von Extraterrestriern. Ebenso waren ihm die gel�ufigeren Krankheiten s�mtlicher Spezies bekannt, die Mitglieder der F�deration waren. F�r eine genaue Untersuchung und Diagnose der PVSJ-Patienten brauchte er allerdings unbedingt ein illensanisches Physiologieband, und das wu�te Gilvesh genausogut wie er. Folglich schien der illensanische Chefarzt derart �ber den gegenw�rtigen Zustand seiner Patienten beunruhigt zu sein, da� er sich umgehend die Meinung eines Vertreters einer anderen Spezies einholen wollte.</p><p>Da durch das Cinrusskerband und die gro�e Besorgnis um Prilicla sein analytisches Urteilsverm�gen stark getr�bt war, konnte Conway nur wenig mehr tun, _als aufmunternde Worte von sich zu geben, w�hrend Gilvesh ihm einige Patienten vorf�hrte, die an verschiedensten illensanischen Krankheiten litten, unter anderem an einem schmerzenden Darmtrakt und einer optisch dramatischen und zweifelsohne unangenehmen Pilzinfektion, die s�mtliche acht spatelf�rmigen Gliedma�en befallen hatte.</p><p>Doch obwohl s�mtliche Patienten ernsthaft erkrankt waren, befand sich keiner von ihnen in einem kritischen Zustand, und die erh�hten Dosen schmerzstillender Medikamente, die Gilvesh ihnen gegen sein besseres Wissen verabreicht hatte, schienen den gew�nschten Erfolg zu erzielen, wenn auch nur langsam. Conway fand eine Entschuldigung, um diese unglaublich betriebsame Station so schnell wie m�glich verlassen zu k�nnen, und machte sich dann auf den Weg zu den sehr viel ruhigeren MSVK- und LSVO-Ebenen.</p><p>Dazu mu�te er erneut die Ebene einhundertdreiundsechzig durchqueren und nutzte diese Gelegenheit, um sich �ber den Zustand des EGCL zu informieren. Murchison g�hnte ihm ins Gesicht und berichtete, da� die Operation gut verlaufe und Prilicla mit der emotionalen Ausstrahlung des Patienten zufrieden sei. Seinen empathischen Freund suchte Conway nicht auf.</p><p>Allerdings mu�te er feststellen, da� auch die Ebenen mit geringer Schwerkraft einen dieser Tage hatten, und er wurde prompt in weitere Konsultationen verwickelt. Solche an ihn herangetragenen Bitten konnte er auch nur schlecht ausschlagen, denn er war nun einmal Conway, der terrestrische Chefarzt, der im ganzen Hospital f�r seine manchmal zwar unkonventionellen, letztendlich aber wirkungsvollen Diagnose- und Behandlungsmethoden bekannt war. Da sein cinrusskischer Gehirnpartner vom Temperament und K�rperbau her mit den zerbrechlichen, vogelartigen und gegen�ber gr��eren Lebensformen �u�erst zur�ckhaltenden LSVOs und MSVKs von Euril beziehungsweise Nallajim mehr �hnlichkeit hatte als mit den stacheligen Illensanern, konnte er hier wenigstens manchen n�tzlichen, wenn auch konventionellen Rat geben.</p><p>Aber f�r das Problem, das er am dringendsten beseitigen wollte, konnte er weder eine konventionelle noch eine unkonventionelle L�sung finden.</p><p>Und dieses Problem hie� Prilicla.</p><p>Conway �berlegte, ob er sich in seine Unterkunft begeben sollte, wo er sich entspannen und in aller Ruhe nachdenken k�nnte. Aber bis zu seinem Quartier am anderen Ende des Hospitals lag ein gut einst�ndiger Weg vor ihm. Au�erdem wollte er in der N�he bleiben, falls sich Priliclas Zustand, der sowieso schon fast kritisch war, pl�tzlich noch mehr verschlechtern sollte. Also lie� er sich lieber weiterhin von nallajimischen Patienten ihre Krankheitssymptome beschreiben. Dabei empfand er eine seltsame Traurigkeit, weil die cinrusskische H�lfte seines Gehirns zwar einerseits wu�te, da� die Kranken litten, f�hlten und in den verschiedensten Schattierungen Emotionen ausstrahlten, das geistige R�stzeug des Menschen aber andererseits nicht in der Lage war, diese emotionale Ausstrahlung zu empfangen. Es war, als ob zwischen ihm und den Patienten eine Glasplatte stehen w�rde, durch die man nur sehen und h�ren konnte.</p><p>Aber drang nicht dennoch etwas mehr hindurch? Er hatte durchaus ein wenig von den Schmerzen der illensanischen Patienten gesp�rt, wie er nun auch bis zu einem gewissen Grad die Leiden der Eurilen und Nallajims um sich herum nachempfand. Oder verleitete ihn lediglich das GLNO-Band zu glauben, er sei ein Empath?</p><p>Eine Glasplatte, dachte er pl�tzlich. In seinem Hinterkopf kam ihm langsam eine Idee. Er bem�hte sich, sie ans Licht zu zerren, sie Gestalt annehmen zu lassen. Glas. Irgend etwas mit Glas oder den Eigenschaften von Glas?</p><p>�Entschuldigen Sie mich bitte, Kytili�, sagte er zum nallajimischen Arzt, der sich gerade laut den Kopf �ber einen vollkommen atypischen Fall zerbrach, der eigentlich ein sehr leicht zu behandelndes und schmerzloses Leiden haben sollte. �Ich mu� ganz dringend zu O�Mara.�</p><p>Da der Chefpsychologe wegen einiger Probleme auf die Ebene der Chloratmer gerufen worden war, die Conway erst vor kurzem verlassen hatte, l�schte Carrington das GLNO-Band aus seinem Kopf. Als O�Maras Chefassistent war Carrington ein hochqualifizierter Psychologe. Er musterte einen Moment lang Conways Gesichtsausdruck und fragte ihn, ob er ihm helfen k�nne.</p><p>Conway sch�ttelte den Kopf und zwang sich zu einem L�cheln. �Ich wollte den Major nur etwas fragen. Er h�tte wahrscheinlich sowieso nein gesagt. Kann ich mal den Kommunikator benutzen?�</p><p>Wenige Sekunden sp�ter flammte auf dem Bildschirm das Gesicht von Captain Fletcher auf, der sich rasch mit den Worten meldete: �Rhabwar, Kommandodeck.�</p><p>�Captain�, begann Conway, �ich m�chte Sie um einen Gefallen bitten. Falls Sie damit einverstanden sind, mir diesen Gefallen zu tun, werden Sie selbstverst�ndlich f�r keine der Auswirkungen verantwortlich gemacht werden k�nnen, weil es sich um eine rein medizinische Angelegenheit handelt und Sie auf meine Anordnung hin t�tig werden.</p><p>Es gibt n�mlich eine M�glichkeit, wie ich Prilicla vielleicht helfen k�nnte�, fuhr Conway fort und beschrieb dem Captain seinen Plan. Als er fertig war, machte Fletcher ein ernstes Gesicht.</p><p>�Ich bin mir �ber Priliclas Zustand durchaus im klaren, Doktor�, erwiderte der Captain. �Naydrad ist so oft zwischen Schiff und Krankenzimmer hin- und hergependelt, da� sich schon allm�hlich der Bordtunnel abnutzt. Und bei jeder R�ckkehr berichtet sie uns �ber jeden Fortschritt, den der Empath gemacht oder vielmehr nicht gemacht hat. Nebenbei bemerkt, gibt es keinen Grund, warum wir uns �ber unsere jeweiligen Verantwortlichkeitsbereiche streiten sollten. Offensichtlich m�chten Sie das Schiff f�r einen unerlaubten Einsatz benutzen und halten die Einzelheiten geheim, damit die Vorw�rfe, die durch die Ergebnisse zuk�nftiger Untersuchungen an mir h�ngen bleiben k�nnten, m�glichst gering bleiben. Sie k�rzen die Sache zwar wieder einmal ab, Doktor, aber in diesem Fall hab ich daf�r vollstes Verst�ndnis und bin mit s�mtlichen Anweisungen, die sie mir geben wollen, einverstanden.�</p><p>Fletcher hielt inne, und zum erstenmal, seit Conway den Mann kannte, wurde der kalte, unbewegte, fast ver�chtliche Gesichtsausdruck des Captains weicher, und selbst seine Stimme verlor ihren sonst geradezu �rgerlich pedantischen Ton. �Ich nehme an, Sie befehlen mir, mit der Rhabwar nach Cinruss zu fliegen�, fuhr er fort, �damit unser kleiner Freund wenigstens im Kreis seiner Artgenossen sterben kann.�</p><p>Bevor Conway antworten konnte, hatte ihn Fletcher bereits mit Naydrad auf dem Unfalldeck verbunden.</p><p>Ein halbe Stunde sp�ter hoben die kelgianische Oberschwester und Conway den mittlerweile fast v�llig bewu�tlosen und inzwischen nur noch leicht zitternden Prilicla aus dem St�tzgeschirr und legten ihn auf eine Elektrobahre. Im Korridor, der zu Schleuse neun f�hrte, stellte ihnen keiner der medizinischen Mitarbeiter wegen ihrer Aktion eine Frage, und wenn doch irgend jemand so aussah, klopfte Conway nerv�s auf das Geh�use seines Translators und tat so, als ob dieser nicht funktionierte. Aber als sie den Eingang zum Zimmer des EGCL passierten, kam gerade Murchison heraus und stellte sich sofort vor die Bahre.</p><p>�Wo willst du Prilicla hinbringen?� fragte sie, wobei sie �u�erst m�de und auf f�r sie untypische Weise zornig klang, so da� der Empath schwach zitterte.</p><p>�Auf die Rhabwar�, antwortete Conway so gelassen, wie er konnte. �Wie geht�s dem EGCL?�</p><p>Murchison blickte auf den Empathen und versuchte sichtlich, ihre Gef�hle unter Kontrolle zu halten, als sie erwiderte: �Alles in allem sehr gut. Sein Zustand ist stabil. Eine Oberschwester befindet sich in st�ndiger Bereitschaft. Edanelt ruht sich nebenan aus und ist sofort einsatzbereit, falls etwas schiefgehen sollte. Aber eigentlich erwarten wir keine Schwierigkeiten. Genaugenommen rechnen wir sogar damit, da� der EGCL ziemlich bald sein Bewu�tsein zur�ckerlangt. Thornnastor ist wieder in die Pathologie gegangen, um sich mit den Ergebnissen der Tests zu befassen, die wir an Prilicla durchgef�hrt haben. Das ist �brigens auch der Grund, warum du Prilicla nicht aus seinem.�</p><p>�Thornnastor kann Prilicla nicht heilen�, unterbrach Conway Murchison energisch. Er blickte von ihr zur Bahre und fuhr in ruhigerem Ton fort: �Aber ich kann deine Hilfe gebrauchen. Glaubst du, da� du dich noch einmal ein paar Stunden auf den Beinen halten kannst? Bitte, uns bleibt nicht mehr viel Zeit.�</p><p>Kaum waren sie mit Prilicla auf dem Unfalldeck der Rhabwar eingetroffen, war Conway auch schon �ber den Kommunikator mit Fletcher verbunden. �Captain, fliegen Sie bitte schnell aus der Schleuse raus. Und machen Sie die Planetenlandef�hre fertig.�</p><p>�Die Planetenlandef�hre?� begann Fletcher und fuhr dann fort: �Wir haben bis jetzt noch nicht einmal abgelegt, geschweige denn Sprungdistanz erreicht, und Sie machen sich schon Gedanken �ber die Landung auf Cinruss. Sind Sie sich �berhaupt sicher, da� Sie wissen, was.�</p><p>�Ich bin mir �ber gar nichts sicher, Captain�, unterbrach ihn Conway. �Fliegen Sie aus der Schleuse raus, aber halten Sie sich bereit, kurzfristig und auch noch innerhalb der Sprungdistanz die Geschwindigkeit zu drosseln.�</p><p>Ohne zu antworten, brach Fletcher das Gespr�ch ab, und ein paar Sekunden sp�ter konnte man durch die Direktsichtluke der Rhabwar die gewaltige Metallwand des Hospitals kleiner werden sehen. Die Fluggeschwindigkeit wurde bis zur in unmittelbarer Hospitaln�he erlaubten Grenze gesteigert, bis der dem Schiff n�chstgelegene Teil des gigantischen Geb�udes erst einen, dann zwei Kilometer entfernt war. Doch im Moment war niemand an dieser Aussicht interessiert, denn Conways gesamte Aufmerksamkeit galt Prilicla, und Murchison und Naydrad beobachteten ihn dabei.</p><p>�Vorhin hast du noch behauptet, da� selbst Thornnastor nicht in der Lage ist, Prilicla zu heilen�, sagte die Pathologin auf einmal. �Warum hast du das gesagt?�</p><p>�Weil Prilicla �berhaupt nichts gefehlt hat�, antwortete Conway trocken. Er beachtete Murchisons vor Erstaunen weit aufgerissenen Mundnicht und ebensowenig Naydrads heftig wogendes Fell und fragte den Empathen: �Ist es nicht so, mein kleiner Freund?�</p><p>�Ich glaube schon, mein Freund�, entgegnete Prilicla, der zum erstenmal sprach, seit sie an Bord gekommen waren. �Mir fehlt jetzt ganz bestimmt nichts mehr. Aber ich bin noch ziemlich verwirrt.�</p><p>�Ach, Sie sind verwirrt?� rief Murchison, verstummte aber gleich wieder, weil Conway erneut am Kommunikator war.</p><p>�Captain�, sagte er, �kehren Sie sofort wieder zur Schleuse neun zur�ck! Wir wollen noch einen Patienten aufnehmen. Schalten Sie die gesamte Au�enbeleuchtung ein, und �berh�ren Sie die Flugverkehrsanweisungen einfach. Und stellen Sie mich bitte zu Ebene eins sechs drei durch, zum Genesungsraum des EGCL. Schnell!�</p><p>�Gut�, erwiderte der Captain gleichg�ltig, �aber daf�r w�nsche ich eine Erkl�rung.�</p><p>�Sie bekommen schon noch eine.�, begann Conway, brach aber den Beschwichtigungsversuch ab, als pl�tzlich auf dem Bildschirm statt der finsteren Gesichtsz�ge des Captains der Genesungsraum mit der diensthabenden Schwester, einer Kelgianerin, zu sehen war, die sich neben dem EGCL wie ein pelziges Fragezeichen zusammengerollt hatte. Ihr Bericht �ber den Zustand des Patienten war knapp, pr�zise und � zumindest f�r Conway � erschreckend.</p><p>Er unterbrach den Kontakt und schaltete zum Captain zur�ck. Entschuldigend sagte er: �Wir haben nicht mehr viel Zeit, deshalb m�chte ich Sie bitten zuzuh�ren, w�hrend ich den anderen die Situation oder das, was ich daf�r halte, zu erkl�ren versuche. Ich hatte urspr�nglich vor, die Landef�hre mit ferngesteuerten medizinischen Ger�ten auszustatten und sie als eine Art Isolationsstation zu benutzen, aber daf�r ist keine Zeit mehr. Der EGCL wacht auf. Im Hospital kann jetzt jeden Moment die H�lle losbrechen.�</p><p>Schnell erkl�rte er seine Theorie �ber den EGCL und den Gedankengang, aus dem er sie entwickelt hatte, und da� sie durch Priliclas ansonsten unerkl�rliche Rettung bewiesen worden war.</p><p>�Was mich daran st�rt, ist, da� ich Prilicla noch einmal der gleichen emotionalen Tortur aussetzen muߓ, schlo� Conway grimmig.</p><p>Bei der Erinnerung an den Schmerz zitterten die Glieder des Empathen, doch er erwiderte: �Da ich jetzt wei�, da� es sich dabei nur um einen vor�bergehenden Zustand handelt, kann ich mich damit abfinden, mein Freund.�</p><p>Aber der Abtransport des EGCL war nicht so einfach zu bewerkstelligen wie die vorhergehende Entf�hrung Priliclas. Denn die diensthabende kelgianische Schwester war durchaus zum Streiten aufgelegt, und es bedurfte Naydrads gesamter �berredungskunst und der vereinten �berzeugungskraft der hohen Dienstgrade von Murchison und Conway, damit sie endlich das tat, was man von ihr verlangte. Und obwohl Conway vorher alle Beteiligten vor dem gewarnt hatte, was passieren k�nnte, wenn sie ihre Gef�hle nicht unter Kontrolle hielten, mu�te er bei der Auseinandersetzung zwischen den beiden kelgianischen Schwestern hilflos mit ansehen, wie ihr Fell zitterte und wogte, wie sich Murchisons Gesichtsausdruck pl�tzlich, fast manisch ver�nderte und alle Beteiligten emotional �berreagierten. Als die Drucktragbahre f�r eine Verlegung des Patienten auf die Rhabwar fast fertig war, hatte es bereits solche Tumulte gegeben, da� bestimmt irgend jemand diesen Vorfall mitbekommen hatte und melden w�rde. Und genau das wollte Conway nicht.</p><p>Der Patient kam zu sich. Um die Angelegenheit auf korrekte Weise zu erledigen, blieb keine Zeit mehr, auch f�r lange und wiederholte Erkl�rungen nicht. Doch auf einmal sah sich Conway dazu gezwungen, Zeit zu finden, denn pl�tzlich befanden sich sowohl Edanelt als auch O�Mara im Zimmer. Der Chefpsychologe war der erste, der das Wort an ihn richtete.</p><p>�Conway! Was, zum Teufel, machen Sie da eigentlich mit dem Patienten?�</p><p>�Ich kidnappe ihn!� gab Conway sp�ttisch zur�ck und fuhr rasch fort: �Tut mir leid, Sir, wir reagieren im Moment alle etwas zu heftig. Wir k�nnen gar nichts dagegen machen, au�er uns immer wieder anzustrengen, gelassen zu bleiben. Ach, Edanelt, w�rden Sie mir wohl helfen, das Lebenserhaltungssystem des EGCL zur Bahre zu bringen? Wir haben nicht mehr viel Zeit, deshalb mu� ich Ihnen alles erkl�ren, w�hrend wir weiterarbeiten.�</p><p>Der melfanische Chefarzt war einen Moment lang v�llig verdutzt, seine sechs krabbenartigen Beine klopften auf den Boden und spiegelten so seine Unentschlossenheit wider. Dann erwiderte er: �Also gut, Conway. Aber wenn mich Ihre Erkl�rung nicht zufriedenstellen sollte, dann bleibt der Patient hier.�</p><p>�Einverstanden�, entgegnete Conway. Er blickte O�Mara an, dessen Gesicht Anzeichen eines pl�tzlich steigenden Blutdrucks verriet und fuhr fort: �Sie hatten schon von Anfang an die richtige Idee, O�Mara, aber dieBeteiligten waren f�r ein Gespr�ch mit Ihnen alle viel zu: besch�ftigt. Eigentlich h�tte mir die Idee auch kommen m�ssen, wenn mich das GLNO-Band und meine Sorge um Prilicla nicht so abgelenkt h�tten, da� ich nicht einmal mehr.�</p><p>�Lassen Sie die Schmeicheleien und die Entschuldigungen beiseite, und kommen Sie zur Sache�, unterbrach ihn O�Mara energisch.</p><p>Conway half Murchison und Naydrad, den EGCL auf die Bahre zu heben, w�hrend Edanelt und die andere Schwester den Sitz der Biosensoren �berpr�ften. Ohne aufzublicken fuhr Conway fort: �Wann immer wir einer neuen intelligenten Spezies begegnen, sollten wir uns zuerst die Frage stellen, wie sie es geschafft hat, Intelligenz zu entwickeln. Nur die dominante Lebensform eines Planeten hat die M�glichkeit, die Sicherheit und die Mu�e, sich zu einer Zivilisation zu entwickeln, die zu interstellaren Raumfl�gen f�hig ist.�</p><p>Zuerst hatte sich Conway nicht vorstellen k�nnen, wie die Spezies des EGCL zur Herrschaft �ber ihren Planeten aufgestiegen war und sich den Weg bis an die Spitze des Evolutionsbaums hatte erk�mpfen k�nnen. Ihr K�rper besa� keine Angriffswaffen, und mit dem schlangen�hnlichen, der Fortbewegung dienenden Muskelschurz erreichten sie nicht gen�gend Geschwindigkeit, um nat�rlichen Feinden entkommen zu k�nnen. Zwar stellte das riesige Schneckengeh�use so etwas wie einen Schutz dar, denn er schirmte lebenswichtige innere Organe ab, aber daf�r erhob sich dieser kn�cherne Panzer bis hoch �ber den K�rper, machte ihn damit oberlastig und gleichzeitig zur leichten Beute f�r jedes r�uberische Lebewesen, das ihn nur umzukippen brauchte, um an die weiche Unterseite heranzukommen. Au�erdem waren die Greiforgane der EGCLs zwar biegsam und geschickt, aber zur wirksamen Abschreckung viel zu kurz und nicht muskul�s genug. Auf ihrem Heimatplaneten h�tten die EGCLs eigentlich zu den Verlierern der Natur geh�ren m�ssen. Da sie aber das Gegenteil waren, mu�te es daf�r auch einen Grund geben.</p><p>Wie Conway weiter erkl�rte, sei er erst allm�hlich daraufgekommen, und zwar als er �ber die Stationen der Chloratmer und die Ebenen mit geringer Schwerkraft gegangen war. Auf jeder dieser Stationen lagen Patienten mit bekannten und richtig diagnostizierten Krankheiten, die aber atypische Symptome aufwiesen, zumindest wurde dies von den Betroffenen behauptet. Die Nachfrage nach schmerzstillenden Medikamenten stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. K�rperliche Zust�nde, die eigentlich nur ein geringes Ma� an Beschwerden h�tten verursachen d�rfen, schienen schwere Schmerzen hervorzurufen. Auch Conway selbst versp�rte zu diesem Zeitpunkt ein wenig von dieser Schmerzen, schrieb das jedoch einer Kombination aus Einbildung und dem Effekt des Cinrusskerbands zu.</p><p>Seine Ansicht, da� es sich bei den Schwierigkeiten um ein psychosomatisches Problem handeln m�sse, weil der allgemeine Zustand der Patienten zu weit verbreitet war, hatte er bereits f�r richtig und bewiesen gehalten, dann aber noch einmal dar�ber nachgedacht.</p><p>Bei der R�ckkehr vom Ungl�cksort mit dem einzigen �berlebenden EGCL waren sie alle wegen der Erfolglosigkeit ihres Einsatzes und auch, weil Prilicla Grund zur Sorge gab, verst�ndlicherweise recht niedergeschlagen gewesen. Aber r�ckblickend hatten sie irgendwie falsch, ja geradezu st�mperhaft reagiert. Die Besatzung der Rhabwar hatte dieVorf�lle viel zu stark empfunden, hatte �berm��ige Reaktionen gezeigt und auf jeweils ganz individuelle Art dieselbe �berempfindlichkeit entwickelt, von der Prilicla und sp�ter auch Mitarbeiter und Patienten auf den Ebenen der Illensaner und Nallajims befallen worden waren. Conway hatte es schlie�lich selbst gesp�rt: die dumpfen Bauchschmerzen, die Beschwerden in H�nden und Fingern und die �bererregbarkeit in Situationen, die keinerlei Anla� dazu gaben. Mit zunehmender Entfernung wurden diese Auswirkungen aber schw�cher. Denn als er O�Maras B�ro zur Speicherung und sp�ter zum L�schen des GLNO-Bands aufsuchte, f�hlte er sich eigentlich ganz normal und unbek�mmert � mit Ausnahme der ganz gew�hnlichen Besorgnis um einen aktuellen Fall, die verst�ndlicherweise etwas gr��er war als sonst, da es sich bei dem Patienten um Prilicla handelte.</p><p>Den EGCL hatte er bei Thornnastor und Edanelt in allerbesten H�nden gew�hnt, und da er sich dessen ganz sicher gewesen war, hatte er sich auch keine weiteren Gedanken darum gemacht.</p><p>�Aber dann hab ich angefangen, �ber seine Verletzungen nachzudenken und auch dar�ber, wie ich mich zun�chst auf dem Schiff und sp�ter auf den drei Ebenen ober und unterhalb des EGCL-Operationssaals gef�hlt hatte. Als ich mich im Hospital befand und mir das GLNO-Band zusetzte, war ich zwar ein Empath ohne empathische F�higkeiten, konnte aber trotzdem verschiedene Dinge wie Emotionen, Schmerzen und Beschwerden wahrnehmen, die nicht von mir selbst stammten. Ich hab geglaubt, ich w�rde wegen meiner Ersch�pfung und dem Stre�, unter dem ich zu der Zeit stand, die Schmerzen der Patienten mitempfinden. Aber dann ist mir eingefallen: Wenn man die Art der Beschwerden, an denen der EGCL litt, von den Symptomen der �rzte und Patienten auf diesen sechs Ebenen subtrahierte und die St�rke der Beschwerden auf das gew�hnliche Ma� reduzierte, w�ren das Verhalten und die Reaktionen der betroffenen Patienten und Mitarbeiter pl�tzlich wieder auf das normale Ma� reduziert. Das wiederum deutete anscheinend auf.�</p><p>�Auf einen Empathen hin!� unterbrach ihn O�Mara. �Wie Prilicla.�</p><p>�Nicht wie Prilicla�, berichtigte ihn Conway entschieden. �Obwohl es durchaus m�glich ist, da� die noch nicht intelligenten Vorfahren dieser beiden Spezies ganz �hnliche empathische F�higkeiten besessen haben.�</p><p>Doch die pr�historische Welt der EGCLs mu�te ein sehr viel gef�hrlicherer Planet als Cinruss gewesen sein, erkl�rte Conway weiter, und ihnen hatte auf jeden Fall die F�higkeit der Cinrussker gefehlt, sich vor Gefahren buchst�blich im Flug davonzumachen. In solch einer grausamen Umwelt boten empathische F�higkeiten jedoch nur einen geringen Vorteil � n�mlich den eines �u�erst unangenehmen Fr�hwarnsystems, und aus genau diesem Grund war die F�higkeit, Emotionen zu empfangen, sp�ter verlorengegangen. Inzwischen nahmen die EGCLs wahrscheinlich nicht einmal mehr die emotionale Ausstrahlung ihrer eigenen Artgenossen wahr.</p><p>Statt dessen hatten sie sich zu organischen Sendern, Reflektoren, Fokussierern und Verst�rkern ihrer eigenen und der Emotionen von Lebewesen in ihrer n�heren Umgebung entwickelt. Alles deutete darauf hin, da� diese F�higkeit inzwischen eine Entwicklungsstufe erreicht hatte, auf der die EGCLs keine Kontrolle mehr �ber diese Vorg�nge hatten.</p><p>�Stellen Sie sich nur einmal vor, was das f�r eine Verteidigungswaffe darstellt!� erkl�rte Conway weiter, w�hrend man mittlerweile die Biosensoren und das Lebenserhaltungssystem f�r den EGCL zur Bahre gebracht hatte, die somit abfahrbereit war. �Wenn ein r�uberisches Lebewesen einen EGCL anzugreifen versucht, werden die Wut und der Hunger auf sein Opfer zusammen mit der Furcht und dem Schmerz, der bei einer eventuellen Verletzung oder Verwundung seiner Jagdbeute auftritt, zun�chst verst�rkt und dann zur�ckgeworfen, schlagen dem Angreifer also, bildlich gesprochen, mitten ins Gesicht. �ber den Grad der Verst�rkung kann ich nat�rlich nur Spekulationen anstellen. Aber die Wirkung auf das r�uberische Lebewesen d�rfte, erst recht wenn sich noch weitere Raubtiere mit gleicherma�en verst�rkten Emotionen in der N�he aufhalten, gelinde gesagt, entmutigend und zudem sehr verwirrend sein. Sie k�nnte vielleicht sogar zur Folge haben, da� sich die J�ger gegenseitig angreifen.</p><p>Wir kennen ja bereits die Wirkung eines tief bewu�tlosen EGCL auf die Patienten und Mitarbeiter, die sich drei Ebenen �ber und unter ihm befinden�, fuhr Conway grimmig fort. �Jetzt kommt dieser EGCL wieder zu Bewu�tsein, und ich hab keine Ahnung, was gleich passiert oder wie weitreichend die Folgen sind. Wir m�ssen ihn unbedingt hier rausbringen, bevor die Patienten des Hospitals nicht nur ihre eigenen Schmerzen, sondern auch noch die des EGCL empfinden, und das in einem zwar unbekannten, auf jeden Fall aber verst�rkten Ausma�. Au�erdem werden sie ihre Krankenpfleger in st�ndig wachsende Verwirrung und Panik st�rzen, weil auch diese wiederum die reflektierten Schmerzen wahrnehmen.�</p><p>Er brach ab und versuchte, der eigenen wachsenden Panik Herr zu werden. Dann sagte er scharf: �Wir m�ssen den EGCL auf der Stelle aus dem Hospital schaffen, ohne weitere Verz�gerungen und Diskussionen.�</p><p>Im Verlauf von Conways Erl�uterungen hatte sich die anf�ngliche Zornesr�te in O�Maras Gesicht immer mehr verfl�chtigt, und es sah jetzt aschfahl und blutleer aus.</p><p>�Vergeuden Sie blo� keine kostbare Zeit mehr mit langen Reden, Doktor�, sagte er. �Ich werde Sie begleiten. Weitere Verz�gerungen oder Diskussionen wird es nicht mehr geben.�</p><p>Als sie das Unfalldeck der Rhabwar erreichten, war der EGCL noch immer nicht bei vollem Bewu�tsein, und Prilicla machte die von dem Patienten verst�rkte und zur�ckgeworfene emotionale Ausstrahlung seiner n�heren Umgebung wieder schwer zu schaffen. Diese Beschwerden verringerten sich allerdings mit wachsender Entfernung der Rhabwar von den Mitarbeitern und Patienten im Hospital deutlich, berichtete ihnen den Empath, und der erwachende EGCL strahlte wegen der kurz zuvor operierten Stellen sowieso nur noch ein relativ geringes Ma� an Unbehagen aus � das h�tte Prilicla ihnen gar nicht zu sagen brauchen, denn sie konnten es alle deutlich an sich selbst sp�ren.</p><p>�Ich hab mir die Schwierigkeiten bei der Verst�ndigung mit diesen Wesen durch den Kopf gehen lassen�, sagte O�Mara nachdenklich. �Selbst wenn die EGCLs ohne Ausnahme Hochleistungssender sowie Reflektoren von emotionalen Ausstrahlungen sind, ist ihnen das vielleicht selbst gar nicht bewu�t. Wom�glich wissen sie nur, da� sie einen automatischen, nicht materiellen Schutz vor jedem besitzen, der ihnen etwas antun will. Die Aufgabe, Gespr�che mit ihnen aufzunehmen, wird wahrscheinlich nicht leicht sein und zudem eine langwierige Angelegenheit werden, es sei denn, wir gehen von falschen Grundvoraussetzungen aus und haben.�</p><p>�Meine erste Idee war, den EGCL allein in die mit ferngesteuerten medizinischen Ger�ten ausger�stete Landef�hre zu verfrachten�, unterbrach ihn Conway. �Aber dann hab ich mir �berlegt, da� ein Arzt, ein Freiwilliger, bei ihm sein sollte.�</p><p>�Ich will lieber erst gar nicht fragen, wer das wohl sein soll�, unterbrach ihn O�Mara trocken und l�chelte, als Conways Verlegenheit vom EGCL regelrecht abprallte und auf alle anderen Anwesenden zur�ckgeworfen wurde.</p><p>��denn falls es jemals einen Fall gegeben hat, der eine Isolation des Patienten erfordert, dann diesen�, schlo� Conway.</p><p>Der Chefpsychologe nickte. �Was ich gerade sagen wollte, war, da� wir uns vielleicht v�llig vertan haben. Sicherlich k�nnten wir niemals EGCLs in einem Hospital behandeln, in dem die in der Umgebung dieses Wesens liegenden Patienten Schmerzen haben, selbst wenn es sich dabei nur um leichte Beschwerden handeln sollte. Aber die Situation hier auf dem Schiff ist gar nicht mal so schlecht. Ich hab zwar an den gleichen Stellen Beschwerden, an denen auch der EGCL verletzt ist, aber keine, mit denen ich nicht fertig werden k�nnte. Au�erdem strahlen Sie alle Besorgnis um den Patienten aus, und auch das ist trotz der Verst�rkung nicht einmal sonderlich unangenehm. Es scheint, als ob der Patient einem nichts allzu Unangenehmes zur�ckwerfen kann, wenn man ihm gegen�ber keine b�sen Absichten hegt. Das ist erstaunlich. Meine Gef�hle sind genauso wie immer, nur noch intensiver.�</p><p>�Aber er kommt allm�hlich zu Bewu�tsein�, protestierte Conway. �Langsam m��te eine Verst�rkung der.� �Es gibt keine�, fiel O�Mara ein. �Das ist doch ganz klar, Conway. K�nnte es vielleicht daher kommen, weil der Patient wieder zu Bewu�tsein kommt? Denken Sie mal dar�ber nach. Genau, Doktor, wir sp�ren jetzt alle, wie Sie innerlich �ich hab�s!� rufen.�</p><p>�Nat�rlich!� rief Conway und machte eine Pause, weil seine Freude und Aufregung, die Antwort gefunden zu haben, durch den EGCL verst�rkt wurden und Priliclas Fl�gel in eine Folge von langsamen, wogenden Wellenbewegungen versetzten, die die unb�ndige Freude eines Cinrusskers verrieten. Durch diese Gef�hle wurden sogar die Schmerzen des Patienten kompensiert, die Conway und alle anderen Anwesenden mitempfunden hatten. Conway dachte: Du meine G�te! Welche verr�ckten Erfahrungen werden die Kontaktspezialisten wohl noch mit dieser Spezies machen?</p><p>Laut sagte er: �Der Vorgang des Reflektierens und Verst�rkens der Emotionen anderer Lebewesen in ihrer n�heren Umgebung, ob sie ihnen nun feindlich gesinnt sind oder nicht, ist ein Schutzmechanismus, der nat�rlich die h�chste Wirksamkeit erreicht, wenn der EGCL hilflos, ungesch�tzt oder bewu�tlos ist. Mit der R�ckkehr des Bewu�tseins scheint sich die Wirkung zwar zu verringern, aber die empathischen Reflexionen bleiben dennoch stark. Als Folge davon erlangt jedes Lebewesen in der N�he eines EGCLs empathische F�higkeiten, die denen von Prilicla nicht un�hnlich sind. Die EGCLs selbst sind allerdings inzwischen f�r ihre gegenseitige emotionale Ausstrahlung unempfindlich, weil sie nur als Sender funktionieren.</p><p>Wie Prilicla zu sein�, fuhr er fort, indem er zum Empathen hin�berblickte, �ist sicherlich ein etwas zweischneidiges Vergn�gen, aber der EGCL w�re auf wirklich am�santen Parties f�r uns alle ein ausgesprochen angenehmer Gast.�</p><p>�Hier Kommandodeck�, unterbrach ihn die Stimme des Captains. �Ich hab ein paar Informationen �ber die Spezies Ihres Patienten einholen k�nnen. Die F�derationsarchive haben dem Hospital eine Nachricht �bermittelt, die besagt, da� diese Spezies � deren Angeh�rige sich selbst Duwetz nennen � schon kurz vor der Entstehung der Galaktischen F�deration von einem hudlarischen Forschungsschiff kontaktiert worden ist. Man erhielt damals zwar gen�gend Informationen, um den Grundwortschatz der Duwetzsprache in die modernen �bersetzungscomputer einzuprogrammieren, aber wegen ernsthafter psychologischer Probleme der Besatzung brach man dann trotzdem den Kontakt ab. Man hat uns den Rat gegeben, mit �u�erster Vorsicht vorzugehen.�</p><p>�Der Patient ist jetzt wach!� sagte Prilicla pl�tzlich.</p><p>Conway ging n�her an den EGCL heran und bem�hte sich um erfreuliche und beruhigende Gedanken. Mit Erleichterung stellte er fest, da� die Biosensoren und die angeschlossenen Monitore einen zwar geschw�chten, aber durchaus stabilen k�rperlichen Zustand anzeigten. Die in Mitleidenschaft gezogene Lunge arbeitete wieder befriedigend und die Bandagen, durch die man die zwei wieder zusammengef�gten Gliedma�en bewegungslos hielt, sa�en fest und an der richtigen Stelle. Die zahlreichen N�hte am Muskelschurz und am Fortbewegungsballen unterhalb des Panzers entsprachen v�llig Thornnastors und Edanelts hohen Anspr�chen, genauso wie die geschickt angebrachten Klammern, die an den ehemaligen Bruchstellen im Panzer in ordentlichen Reihen glitzerten. Trotz der schmerzstillenden Medikamente, die von Thornnastor f�r den speziellen Stoffwechsel des Patienten hergestellt worden waren, hatte der EGCL zwar noch immer erhebliche Beschwerden, aber Schmerz war nicht das vorherrschende Gef�hl, das er jetzt ausstrahlte, und von Furcht oder Feindseligkeit konnte man auch nichts sp�ren.</p><p>Zwei seiner drei �briggebliebenen Augen wandten sich den Anwesenden zu, um sie zu betrachten, w�hrend sich das dritte auf die Sichtluke richtete, hinter dem das Orbit Hospital im galaktischen Sektor zw�lf, das jetzt fast acht Kilometer entfernt war, wie ein riesiges, surrealistisches Schmuckst�ck in der interstellaren Dunkelheit strahlte. Die Emotionen, von denen sie allesamt so stark durchdrungen wurden, da� sie entweder zitterten, den Atem anhielten oder ein wogendes Fell bekamen, waren Neugier und Staunen.</p><p>�Ich bin zwar kein Organklempner wie Sie�, sagte O�Mara in barschem Ton, �aber ich w�rde trotzdem sagen, die Prognosen f�r diesen Fall stehen �beraus g�nstig.�</p></section><section><title><p>NACHFORSCHUNGEN</p><p>INVESTIGATION</p></title><p>Das Ambulanzschiff Rhabwar hatte den Flug vor Orbit Hospital zum Ort des mutma�lichen Ungl�cks in neuer Rekordzeit und mit einer astronavigatorischen Pr�zision zur�ckgelegt, die Conways Ansicht nach bei Lieutenant Dodds noch viele Tage lang zu Symptomen einer Gehirnschwellung f�hren w�rde. Aber als die ersten Informationen auf den Repeaterschirmen des Unfalldecks erschienen, wurde dem aufmerksam lesenden medizinischen Team rasch klar, da� die bevorstehende Rettungsaktion alles andere als schnell erledigt sein w�rde � da� es sich bei dem bevorstehenden Einsatz sogar �berhaupt nicht um eine Rettungsaktion handeln k�nnte.</p><p>Das voll ausgefahrene Sensorennetz konnte keinerlei Spuren von einem in Not geratenen Schiff entdecken, nicht einmal von Wrack- oder Einzelteilen eines solchen Schiffs. Selbst die sich ausdehnende Wolke aus fein zermahlenen Tr�mmern, die ein sicheres Anzeichen f�r eine verheerende Funktionsst�rung im Schiffsreaktor gewesen w�re, fehlte v�llig. Alles, was man erkennen konnte, war die typische Form einer verstummten und teilweise geschmolzenen Notsignalbake in einer Entfernung von ein paar hundert Metern und ungef�hr drei Millionen Kilometer dahinter ein heller, halbmondf�rmiger K�rper, einer der Planeten dieses Sonnensystems.</p><p>Aus dem Lautsprecher ert�nte die Stimme von Major Fletcher. Der Captain klang nicht gerade zufrieden. �Doktor�, sagte er, �wir k�nnen wohl kaum von einem simplen Fehlalarm ausgehen. Denn einerseits sind mit Hyperraumfunk arbeitende Notsignalbaken ausgesprochen kostspielige Ger�te, und andererseits hab ich bis jetzt noch nie von einer intelligenten Spezies geh�rt, die keine Abneigung gegen die Ausl�sung eines Fehlalarms hegt. Ich vermute, die Besatzung ist in Panik geraten, hat dann aber festgestellt, da� der Zustand des Schiffs gar nicht so desolat war, wiezun�chst angenommen wurde. Wom�glich hat die Besatzung daraufhin den Flug fortgesetzt oder auf einem Planeten eine Notlandung gewagt, um das Schiff dort zu reparieren. Bevor wir wieder zur�ckfliegen, sollten wir auf jeden Fall die letzte M�glichkeit ausschlie�en. Dodds?�</p><p>�Das Sonnensystem ist schon vor l�ngerer Zeit vermessen worden�, antwortete die Stimme des Astronavigators. �Es besteht aus einer Sonne des G-Typs und sieben Planeten, von denen einer, n�mlich der, den wir sehen, auf kurze Sicht f�r warmbl�tige Sauerstoffatmer bewohnbar ist. Noch gibt es dort aber kein intelligentes Leben. Soll ich Kurs zum Nahanfug und Absuchen des Planeten nehmen, Sir?�</p><p>�Ja�, best�tigte Fletcher. �Haslam, fahren Sie die weitreichenden Sensoren ein, und bereiten Sie die Abtastung der Planetenoberfl�che vor. Lieutenant Chen, ich brauche demn�chst Schubkraft, auf mein Zeichen hin geben Sie vier Ge. Und Haslam, nur f�r den Fall, da� sich das Schiff da unten auf dem Planeten befindet und uns seinen Aufenthaltsort zu signalisieren versucht, h�ren Sie bitte s�mtliche Frequenzen des Normalraum- und Hyperraumfunks ab.�</p><p>Als das k�nstliche Schwerkraftsystem ein paar Minuten sp�ter den Schub von vier Ge ausglich, konnte man kurz den Druck des Bodens gegen die F��e sp�ren. Conway, Pathologin Murchison und Oberschwester Naydrad gingen n�her an den Repeaterschirm heran, auf dem die Einzelheiten �ber Gravitation, Druck und Zusammensetzung der Atmosph�re des Zielplaneten sowie Angaben �ber dessen Umweltbedingungen aufgelistet waren, die ihn nur mit Einschr�nkungen bewohnbar machten. Der Empath Dr. Prilicla hing an der f�r ihn sicheren Decke und betrachtete den Schirm aus etwas gr��erer Entfernung.</p><p>Die Oberschwester, deren silbriges Fell sich vor Aufregung leicht kr�uselte, ergriff als erste das Wort. �Unser Schiff darf doch gar nicht auf vollkommen unvorbereiteten Fl�chen landen�, warnte Naydrad. �Der Boden auf diesem Planeten ist n�mlich ziemlich. ziemlich uneben.�</p><p>�Warum konnten die nicht wie brave, kleine Aliens im All bleiben und dort auf Rettung warten?� bemerkte Murchison an niemand Speziellen gewandt.</p><p>Conway blickte sie an und antwortete nachdenklich: �M�glicherweise hatte der Notfall gar keine technischen Ursachen. Vielleicht lag es an irgendwelchen Verletzungen, Krankheiten oder psychischen Spannungen innerhalb der Mannschaft. Probleme, die inzwischen l�ngst beseitigt sind. Denn h�tte es tats�chlich technische Probleme gegeben, w�ren sie bestimmt hier oben geblieben, schlie�lich lassen sich Reparaturen in der Schwerelosigkeit viel leichter durchf�hren.�</p><p>�Nicht unbedingt, Doktor�, mischte sich Fletcher in scharfem Ton vom Kommandodeck aus ein. �Wenn zum Beispiel das technische Problem ein schlimmes Loch im Rumpf war, k�nnte den Insassen der Aufenthalt in einer atembaren Atmosph�re wom�glich sehr viel lieber sein als im schwerelosen und luftleeren Raum. Aber bestimmt haben Sie noch medizinische Vorbereitungen zu treffen.�</p><p>Conway sp�rte in sich die Wut �ber die kaum versteckte Andeutung Fletchers aufsteigen, er solle sich um seinen eigenen medizinischen Kram k�mmern und sich gef�lligst nicht in die Angelegenheiten des Captains einmischen. Neben ihm atmete Murchison schwer, Naydrads Fell wurde wie von einem starken Wind in zerzauste B�schel und kleine Wellen gelegt, und mitten in diesem von allen Anwesenden entfachten Gef�hlssturm zitterten �ber ihren K�pfen die sechs insektenartigen Beine und die schillernden Fl�gel des f�r Emotionen empf�nglichen Prilicla. Aber mit R�cksicht auf den Empathen bem�hten sich Conway und die anderen, ihre Gef�hle unter Kontrolle zu bekommen.</p><p>Da� Fletcher, der Kommandant des Schiffs, gern das letzte Wort hatte, war nat�rlich verst�ndlich, aber er kannte und akzeptierte auch die Tatsache, da� er w�hrend einer Rettungsaktion das Kommando �ber das spezielle Ambulanzschiff des Orbit Hospitals an den rangh�heren Arzt, n�mlich Conway, abzutreten hatte. Fletcher war ein guter Offizier, fachlich kompetent und einfallsreich, und zugleich einer der gr��ten Experten der F�deration auf dem Gebiet der vergleichenden ET-Technologie. Aber in der kurzen Zeit, in der die Verantwortung bei Chefarzt Conway lag, nahm er ein unterk�hltes und f�rmliches Gehabe an und schreckte selbst vor Gemeinheiten nicht zur�ck.</p><p>Priliclas Zittern lie� allm�hlich nach, und der kleine Empath bem�hte sich jetzt, die Qualit�t der emotionalen Ausstrahlung in seiner Umgebung durch ein paar wohldurchdachte �u�erungen noch weiter zu verbessern. �Wenn das vor kurzem in Not geratene Schiff auf dem Planeten gelandet ist�, sagte er sch�chtern, �dann k�nnen wir daraus ersehen, da� die Besatzung einer sauerstoffatmenden Spezies angeh�rt, wodurch die Vorbereitungen zur eventuellen Aufnahme von Verletzten relativ einfach werden.�</p><p>�Das stimmt allerdings�, erwiderte Conway lachend. �Unter diese Kategorie fallen ja nur achtunddrei�ig verschiedene Spezies�, merkte Naydrad an und f�gte trocken hinzu: �Jedenfalls soweit wir bislang wissen.�</p><p>Als sich die Rhabwar dem Planeten bis auf seinen doppelten Durchmesser gen�hert hatte, entdeckten die Sensoren dort eine r�umlich stark begrenzte Ansammlung von Metall und die damit verbundene schwache Strahlung, was auf einem unbewohnten Planeten nur die Anwesenheit eines gelandeten Raumschiffs bedeuten konnte. Wegen der geringen Entfernung konnte man schon nach zwei Uml�ufen die Geschwindigkeit drosseln und in die Atmosph�re eintauchen, um einen genaueren Blick auf den Planeten zu werfen.</p><p>Das Ambulanzschiff war ein umgebauter Kreuzer des Monitorkorps und als solcher das gr��te Schiff der F�deration, das innerhalb einer planetarischen Atmosph�re man�vrieren konnte. Es durchschnitt die braune, sandige Luft wie ein riesiger, wei�er Dartpfeil und zog dabei eine Schall- und Druckschleppe hinter sich her, die mit ihrer Lautst�rke Tote erwecken konnte; zumindest d�rfte sie jedem �berlebenden, dessen Geh�r auch nur noch ansatzweise funktionierte, die Ankunft des Schiffs signalisiert haben.</p><p>Als die Rhabwar das gelandete Schiff erreichte, betrug die Sicht gleich Null. Das gesamte Gebiet wurde gerade von einem der Sandst�rme heimgesucht, die regelm��ig �ber diesen rauhen, beinahe w�stenartigen Planeten hereinbrachen, so da� die Bildschirmdarstellung von der kargen, gebirgigen Oberfl�che eher eine Simulation der Sensoren als der wirkliche Anblick war. Auf dieser Abbildung war eine vom Wind zerfressene H�gelkette und zerkl�ftete Felsvorspr�nge zu erkennen, an denen sich stellenweise Dornpflanzen festkrallten. Pl�tzlich scho� die Rhabwar direkt �ber das gelandete Schiff hinweg.</p><p>Fletcher zog das Ambulanzschiff steil nach oben und kehrte in einem schwerf�lligen Looping zur�ck, um den Landeplatz noch einmal langsamer zu �berfliegen. Als die Rhabwar dieses Mal mit geringstm�glicher Geschwindigkeit dicht �ber das gelandete Schiff hinwegflog, hatte sich der Sturm gerade kurzfristig gelegt, und sie konnten den sich ihnen nun bietenden Anblick fast bis aufs letzte Detail aufzeichnen.</p><p>Der Captain stieg mit der Rhabwar wieder in den Weltraum auf und sagte: �Ich kann unser Schiff nirgendwo in der N�he des Landeplatzes aufsetzen, Doktor. Ich f�rchte, wir m�ssen mit der Planetenlandef�hre nach �berlebenden suchen, wenn es �berhaupt welche gibt. Denn aus dem Wrack heraus dringen keine eindeutigen Lebenszeichen.�</p><p>Conway betrachtete erst einen Augenblick eingehend das Standbild von der Absturzstelle auf dem Schirm, bevor er eine Antwort gab. Es war durchaus noch die Frage, ob das Schiff nur hart aufgesetzt hatte oder relativ unkontrolliert abgest�rzt war. Schlie�lich besa� es eine viel geringere Stabilit�t als die Rhabwar und mu�te schon von der Konstruktion her auf dem Schwanz landen. Aber beim Aufprall war eine der drei Stabilisierungsfl�chen zerbrochen, wodurch das Schiff umgekippt und auf die Seite gerollt war. Trotzdem war das Schiff bis auf einen kleinen Teil mittschiffs, der von einem niedrigen Felsgrat durchbohrt worden war, relativ unbesch�digt. Au�er diesem durch den Absturz verursachten Ri� waren keine weiteren sichtbaren Sch�den auszumachen.</p><p>Rund um das Wrack lagen in einer Entfernung von zwanzig bis vierzig Metern zahlreiche K�rper auf dem Boden � Conway z�hlte insgesamt siebenundzwanzig �, die die Sensoren als organische Materieidentifizierten. Diese K�rper hatten ihre Position zwischen dem ersten und dem zweiten donnernden �berflug der Rhabwar nicht ver�ndert, deshalb waren sie wahrscheinlich entweder tot oder lagen in tiefer Bewu�tlosigkeit. Conway vergr��erte den Bildausschnitt schrittweise, bis die Umrisse der K�rper im Hitzeflimmern verschwammen, und sch�ttelte verbl�fft den Kopf.</p><p>Diese K�rper geh�rten oder hatten einst lebendigen Wesen geh�rt, und obwohl sie vom Wind teilweise mit Sand bedeckt worden waren, konnte Conway eine Ansammlung von Beulen, Schlitzen und knochigen Forts�tzen erkennen, die eindeutig Sinnesorgane und Gliedma�en sein mu�ten. Die Wesen hatten von der Gestalt her zwar eine generelle �hnlichkeit miteinander, unterschieden sich aber deutlich in ihrer Gr��e. Allerdings hielt er es f�r wahrscheinlicher, da� es sich um die Vertreter verschiedener Unterarten einer Spezies handelte als um Erwachsene und deren unterschiedlich weit entwickelten Kinder.</p><p>�Diese Lebensformen sind mir v�llig unbekannt�, sagte Murchison, wobei sie vom Bildschirm zur�cktrat und der Reihe nach Conway und die anderen anblickte. Niemand widersprach ihr.</p><p>Conway bet�tigte den Schalter des Kommunikators. �Captain�, sagte er in forschem Ton, �Murchison und Naydrad werden mich auf den Planeten begleiten. Prilicla bleibt zur Aufnahme von Verletzten an Bord.� Normalerweise w�re das die Aufgabe der kelgianischen Oberschwester gewesen, aber Conway brauchte hier niemandem zu erz�hlen, da� der zarte, kleine Empath dem Wind auf der Oberfl�che nur wenige Minuten lang h�tte standhalten k�nnen, bevor er einfach weggeblasen und auf dem felsigen Boden zerschmettert worden w�re. �Zusammen mit Dodds sind wir dann vier Leute, und ich bin mir dar�ber im klaren, da� es in der Landef�hre ganz sch�n eng sein wird, aber trotzdem m�chte ich zwei Drucktragbahren und die �bliche transportable Ausr�stung mit an Bord nehmen.�</p><p>�Nur eine gro�e Drucktragbahre, Doktor�, unterbrach ihn Fletcher. �Es werden n�mlich f�nf Leute an Bord sein. Ich gehe mit runter, falls Siewegen technischer Probleme nicht ins Wrack hineinkommen sollten. Sie scheinen ganz zu vergessen, da� uns die technische Ausr�stung eines Schiffs genauso fremd sein kann wie eine neue Spezies, die der F�deration noch nicht bekannt ist. Dodds wird Ihnen dann mit einer zweiten Fahrt alles andere, was Sie sonst noch brauchen, holen. K�nnen Sie in f�nfzehn Minuten abfahrbereit an der Landef�hre sein?�</p><p>�Kein Problem�, erwiderte Conway, wobei er sich das L�cheln �ber den Eifer in der Stimme des Captains nicht verkneifen konnte. Fletcher war genauso begierig darauf, einen Blick in das Wrackinnere zu werfen, wie Conway auf die Untersuchung der inneren Funktionsweise der Besatzungsmitglieder. Falls es �berlebende gab, h�tte es die Rhabwar in k�rzester Zeit wieder einmal mit der Herstellung eines Erstkontakts zu tun, aber auch mit all den sich daraus ergebenden medizinischen und kulturellen Problemen.</p><p>Fletchers Eifer wurde noch dadurch unterstrichen, da� er Dodds die Steuerung der F�hre abnahm, sie also selbst zum Planeten hinunterflog und auf einer unglaublich kleinen, ebenen Sandfl�che aufsetzte, die weniger als hundert Meter vom Wrack entfernt war. Hier auf der Planetenoberfl�che sahen die windzerfurchten Felsvorspr�nge h�her, spitzer und sehr viel gef�hrlicher aus, aber wenigstens war der Sandsturm zu einer steifen Brise abgeflaut, die die Sandk�rner nur bis zu etwa einem Meter �ber den Boden wirbeln lie�. Von der Rhabwar aus, die sich mittlerweile in der Umlaufbahn befand, informierte sie Haslam �ber gelegentlich durch das Gebiet ziehende Sturmb�en, die ihnen kurzfristig Unannehmlichkeiten bereiten k�nnten.</p><p>Von einem dieser Windst��e wurden sie erfa�t, als sie gerade Naydrad beim Ausladen der Bahre halfen, einem sperrigen Gef�hrt, unter dessen Druckh�lle man die von den meisten bekannten Lebensformen ben�tigten Umweltbedingungen wie Schwerkraft, Atmosph�re und Druck reproduzieren konnte. Schwerkraftneutralisatoren glichen das beachtliche Gewicht der Bahre aus und erm�glichten so auch einem einzelnen normalerweise die problemlose Handhabung des Gef�hrts. Als die Bahreallerdings von dem pl�tzlichen Windsto� erfa�t wurde, mu�ten sich Naydrad, Dodds und Conway dar�berwerfen, um so zu verhindern, da� sie einfach weggeblasen wurde.</p><p>�Das tut mir leid�, sagte Lieutenant Dodds, als sei er f�r das schlechte Benehmen des Planeten verantwortlich, nur weil er gerade die �ber ihn verf�gbaren Informationen studiert hatte. �Es ist ungef�hr zwei Stunden vor dem hiesigen Mittag, und gew�hnlich legt sich der Wind um diese Zeit. Dann bleibt es bis kurz vor Sonnenuntergang windstill, und auch um Mitternacht, wenn es zu einem starken Temperatursturz kommt, regt sich kein L�ftchen mehr. Die Sandst�rme nach Sonnenuntergang und vor Tagesanbruch sind �u�erst heftig und dauern drei bis f�nf Stunden. Zu diesen Zeiten w�re die Arbeit im Freien also h�chst gef�hrlich. W�hrend der n�chtlichen Windstille ist das Arbeiten zwar m�glich, aber nicht zu empfehlen. Nat�rlich gibt es hier nur kleine Tiere, daf�r sind das aber Allesfresser, und auch diese Dornb�sche auf dem Hang dort dr�ben verf�gen �ber ein gewisses Ma� an Beweglichkeit und sollten immer, besonders nachts, im Auge behalten werden. Ich sch�tze, f�r die Durchf�hrung der Rettungsaktion stehen uns f�nf Stunden Tageslicht und Windstille zur Verf�gung. Sollte die Aktion jedoch l�nger dauern, w�re es besser, die Nacht an Bord der Rhabwar zu verbringen und erst am n�chsten Tag zur�ckzukehren.�</p><p>W�hrend der Erkl�rungen des Lieutenants hatte sich der Wind wieder gelegt, so da� sie nun das Wrack und die rundherum verstreuten dunklen K�rper sowie die rauhe, karge und in der Hitze flimmernde Landschaft sehen konnten. F�nf Stunden sollten f�r den Transport der Verungl�ckten zur Vorbehandlung auf die Rhabwar mehr als genug sein. Alles, was man f�r sie hier unten auf dem Planeten tun konnte, sollte schnell zu erledigen sein, da es sich nur um einfache Erste-Hilfe-Ma�nahmen handeln w�rde.</p><p>�Hat man sich eigentlich schon die M�he gemacht, diesem gottverlassenen Planeten einen Namen zu geben?� fragte der Captain, als er die Treppe von der Luftschleuse der Landef�hre herabstieg.</p><p>Dodds z�gerte erst, entgegnete dann aber: �Trugdil, Sir.�</p><p>Fletcher zog die Brauen nach oben, Murchison lachte, und unter dem leichten Anzug von Naydrad konnte man die aufgeregten Bewegungen des Fells wahrnehmen. Die Kelgianerin ergriff als erste das Wort.</p><p>�Trugdils sind eine kelgianische Nagetierspezies�, erkl�rte sie, �und haben die besonders widerliche Angewohnheit, jeden.�</p><p>�Ich weiߓ, unterbrach sie der Astronavigator schnell. �Diesen Planeten hat n�mlich ein mit Kelgianern bemanntes Aufkl�rungsschiff des Monitorkorps entdeckt. Beim Korps ist es eigentlich �blich, da� der Captain des Entdeckerschiffs dem neu ermittelten Planeten seinen Namen gibt. Aber in diesem Fall verzichtete der Offizier lieber auf sein Recht und bot es der Reihe nach seinen Untergebenen an, die sich jedoch ebenso allesamt weigerten, ihren Namen f�r den Planeten herzugeben. Dem endg�ltigen Namen nach zu urteilen, scheinen sie nicht allzuviel von dieser Welt gehalten zu haben. Es gibt da �brigens noch ein anderes Beispiel, wo die.�</p><p>�Sehr interessant�, stellte Conway in ruhigem Ton fest. �Aber wir verschwenden dabei kostbare Zeit. Prilicla?�</p><p>Sofort konnte er die Stimme des Empathen in seinem Helmkopfh�rer h�ren. �Ich hab alles mitbekommen, mein Freund. Lieutenant Haslam �bertr�gt mir mit dem Teleskop eine Totale von der Gegend, und durch Ihre Helmkameras bin ich in der Lage, all das mitzuverfolgen, was Sie selbst sehen. Ich bleibe auf Empfang.�</p><p>�Sehr gut�, bedankte sich Conway und an die anderen gewandt, fuhr er fort: �Naydrad begleitet mich mit der Bahre. Der Rest teilt sich auf und wird einen kurzen Blick auf die �brigen Verungl�ckten werfen. Falls sich eins dieser Wesen regen sollte oder Sie Anzeichen f�r eine vor kurzem erfolgte Bewegung feststellen, rufen Sie sofort Pathologin Murchison oder mich.�</p><p>Als sich die anderen daraufhin entfernten, f�gte er hinzu: �Es ist �u�erst wichtig, da� wir nicht auf Kosten m�glicher �berlebender kostbare Zeit mit Leichen verschwenden. Aber seien Sie vorsichtig, denn diese Wesen geh�ren einer uns unbekannten Spezies an, und wir sind denen umgekehrt genauso fremd. �u�erlich erinnern wir sie vielleicht an irgend etwas, vor dem diese Aliens Angst haben. Obendrein ist ein eventueller �berlebender k�rperlich geschw�cht, zumeist geistig leicht verwirrt und hat Schmerzen. Nehmen Sie sich also vor einer instinktiven, gewaltt�tigen Reaktion dieser Wesen in acht, mit der man unter normalen Umst�nden gar nicht rechnen m��te.� Er h�rte schlie�lich zu reden auf, da die Teilnehmer der Rettungsaktion bereits ausschw�rmten. Das erste Unfallopfer lag nur wenige Meter entfernt vollkommen reglos da und war teilweise von Sand bedeckt.</p><p>Nachdem Conway zusammen mit Naydrad den K�rper vom Sand befreit hatte, sah er ein sechsbeiniges Wesen mit einem gedrungenen, zylindrischen K�rper vor sich liegen, an dessen einem Ende sich ein kugelf�rmiger Kopf und am anderen etwas Ahnliches wie ein Schwanz befand, obwohl man sich wegen der schweren Verletzungen diesbez�glich kaum sicher sein konnte. An den beiden Vordergliedern sa�en lange, gelenkige Finger. Am K�rper selbst waren zwei Augen zu erkennen, die teilweise von dicken Lidern verdeckt waren. Zudem gab es verschiedene Schlitze und L�cher, die zum einen zweifellos dem Geh�r- und Geruchssinn dienten und zum anderen �ffnungen zur Atmung und Nahrungsaufnahme waren. Die Haut, deren blasses Braun an der oben liegenden Seite des K�rpers in einen kr�ftigeren Rotton �berging, wies zahlreiche Schnittwunden und Absch�rfungen auf, die anfangs zwar reichlich geblutet haben mu�ten, seit l�ngerer Zeit aber schon von einer Kruste aus geronnenem Blut und Sand �berzogen waren � vielleicht hatte der Sand sogar zur Blutgerinnung beigetragen. Selbst die gro�e Wunde am hinteren Teil des K�rpers, die so aussah, als w�rde sie von einer durch Gewalteinwirkung verursachten Amputation herr�hren, war bemerkenswert trocken.</p><p>Conway beugte sich tiefer �ber das Wesen und tastete den K�rper mit dem Scanner ab. Soweit er feststellen konnte, gab es keinerlei Hinweise auf Frakturen oder Organverletzungen und � verschiebungen. Es war also m�glich, das Wesen zu bewegen, ohne dadurch eine Verschlimmerung der Verletzungen zu riskieren. Naydrad wartete noch mit der Bahre, bis endg�ltig gekl�rt war, ob es sich um den K�rper eines �berlebenden zum sofortigen Abtransport oder um den eines Toten f�r die sp�tere Sezierung handelte, als die Sensoren von Conways Scanners pl�tzlich eine extrem schwache, aber ohne Zweifel vorhandene Herzt�tigkeit und eine so langsame und flache Atmung feststellten, da� er sie beinahe �bersehen h�tte.</p><p>�Bekommen Sie alles mit, Prilicla?� fragte Conway aufgeregt.</p><p>�Ja, mein Freund�, antwortete der Empath. �Eine �u�erst interessante Lebensform.�</p><p>�Ich stelle einen beachtlichen Gewebeschwund fest�, fuhr Conway fort. �Wom�glich ist das eine Folge des Austrocknungsprozesses. Au�erdem besteht eine meines Erachtens nach h�chst merkw�rdige �hnlichkeit bez�glich des Ausma�es und der Art der Verletzungen, die.� Er verstummte und half Naydrad, den verletzten Alien auf die Bahre zu heben.</p><p>�Ganz bestimmt ist Ihnen auch schon in den Sinn gekommen, mein Freund�, sagte Prilicla und bediente sich dabei einer Formulierung, die f�r seine Verh�ltnisse schon �berdeutlich darauf anspielte, da� jemand die offenkundigste aller Tatsache �bersehen hatte, �da� die Austrocknung und die kr�ftigere F�rbung der Epidermis mit Faktoren der hiesigen Umweltbedingungen zusammenh�ngen k�nnten und die R�tung der Haut auf Sonnenbrand zur�ckzuf�hren ist.�</p><p>Darauf war Conway wirklich noch nicht gekommen, aber gl�cklicherweise befand er sich weit au�erhalb der Reichweite des Empathen, so da� dieser seine von Verlegenheit gepr�gte emotionale Ausstrahlung nicht mitbekommen konnte. Er deutete einfach auf die Bahre und sagte: �Naydrad, vergessen Sie bitte nicht, den Sonnenfilter einzusetzen.�</p><p>Im Kopfh�rer h�rte er Murchison leise lachen, dann sagte sie: �Ich bin auch nicht darauf gekommen, also mach dir blo� keine Gedanken dar�ber. Aber bei mir hier dr�ben liegen zwei Wesen, die du dir mal ansehen solltest. Die beiden sind kaum noch am Leben und haben zahlreiche Schnittwunden. Von der K�rpergr��e her unterscheiden sie sich ziemlich stark. Au�erdem ist bei dem gr��eren Wesen die Anordnung der Innenorgane ziemlich, nun ja, eigenartig. Der Verdauungskanal ist zum Beispiel �berhaupt nicht.�</p><p>�Im Moment haben wir uns darauf zu beschr�nken, die Lebenden von den Toten zu trennen� unterbrach Conway sie. �Ausf�hrliche Untersuchungen und Diskussionen m�ssen warten, bis wir aufs Schiff zur�ckgekehrt sind. Also wende f�r die einzelnen Wesen so wenig Zeit wie m�glich auf. Aber ich kann durchaus nachvollziehen, wie dir gerade zumute ist. An meinem Verletzten ist n�mlich auch einiges recht seltsam.�</p><p>Trotz seiner halben Entschuldigung antworte Murchison nur k�hl: �Jawohl, Herr Doktor!� Nach Conways Daf�rhalten waren Pathologen schon sonderbare Leute, selbst wenn sie so h�bsch wie Murchison waren.</p><p>�Captain? Lieutenant Dodds? Gibt�s noch irgendwo �berlebende?� fragte Conway gereizt.</p><p>�Ich hab mir die Wesen nicht so genau angeguckt�, antwortete Fletcher mit einer seltsam heiseren Stimme. Vielleicht war der Zustand der Verungl�ckten f�r einen Nichtmediziner sehr ersch�tternd, dachte Conway, denn einige der Verletzten waren wirklich �bel zugerichtet. Aber bevor er eine Antwort geben konnte, f�hr der Captain fort: �Ich hab die ganze Gegend erst einmal �berall abgesucht, die Verletzten gez�hlt und nachgeschaut, ob noch welche unterm Sand begraben oder zwischen den Felsen versteckt waren. Insgesamt sind es siebenundzwanzig. Aber die Lage der einzelnen K�rper ist schon merkw�rdig, Doktor. Es sieht ganz so aus, als ob unmittelbare Explosions- oder Feuergefahr bestand und die Besatzung mit letzter Kraft aus dem Schiff gefl�chtet ist.</p><p>Die Sensoren zeigen allerdings keine solche Gefahr an�, f�gte er hinzu.</p><p>Dodds wartete ein paar Sekunden lang, bis er absolut sicher war, da� der Captain nichts mehr sagen wollte, und meldete dann: �Ich hab drei �berlebende entdeckt, die sich sogar noch bewegen, und einen, der tot aussieht, aber Sie sind der Arzt, Doktor.� �Danke�, entgegnete Conway trocken. �Wir werden uns die vier so bald wie m�glich ansehen. Helfen Sie bitte inzwischen Naydrad beim Einladen der Bahre, Lieutenant.�</p><p>Er begab sich zu Murchison, und die ganze n�chste Stunde lang gingen sie zwischen den Verungl�ckten hin und her, sch�tzten die Schwere ihrer Verletzungen ab und bereiteten sie f�r den Transport zur Landef�hre vor. Die Bahre war fast voll und bot nur noch f�r zwei der mittelgro�en Verletzten Platz, die vorl�ufig als physiologischer Typ DCMH klassifiziert worden waren, oder f�r einen der gro�en DCOJs. Die von Conway zuerst untersuchten �u�erst kleinen DCLGs, die nicht einmal halb so gro� wie die DCMHs waren, lie� man vorl�ufig erst einmal liegen, weil sie ohne Ausnahme kaum noch Lebenszeichen von sich gaben. Bis jetzt konnte sich allerdings weder Murchison noch Conway physiologisch einen Reim auf diese Wesen machen. Murchison glaubte, die kleinen DCLGs k�nnten nichtintelligente Versuchstiere oder m�glicherweise zahme Schiffstiere sein, w�hrend Conway davon �berzeugt war, da� die gro�en und seines Erachtens nach ebenfalls nichtintelligenten DCOJs allein Ern�hrungszwecken dienten. Doch bei neu entdeckten extraterrestrischen Lebensformen konnte man gar nichts mit absoluter Sicherheit sagen, und deshalb mu�ten alle Verungl�ckten, ob gro� oder klein, als Patienten behandelt werden.</p><p>Dann fanden sie einen der kleinen Aliens, der ganz bestimmt tot war. �Mit dem werde ich mich in der F�hre genauer befassen�, sagte Murchison in lebhaftem Ton. �Gib mir nur f�nfzehn Minuten, dann kann ich Prilicla Angaben zum Grundstoffwechsel der DCLGs machen, noch bevor die ersten Patienten auf dem Ambulanzschiff eintreffen.�</p><p>W�hrend Murchison auf die Landef�hre zuging, blies ein Windsto� den von ihren F��en aufgewirbelten Sand hoch �ber ihren Kopf Sie trug die kleine Leiche �ber der Schulter und st�tzte sie mit dem linken Arm, w�hrend sie mit dem rechten, an dem die Instrumententasche hing, das Gleichgewicht zu halten versuchte. Conway wollte ihr erst vorschlagen, da� eine richtige Untersuchung besser auf der Rhabwar durchzuf�hren w�re,</p><p>da ihr dort eine komplette Laborausr�stung zur Verf�gung stand. Aber sie hatte bestimmt schon selbst dar�ber nachgedacht und sich schlie�lich anders entschieden, weil zwei leicht ersichtliche Gr�nde dagegen sprachen � erstens m��ten einige der bereits in die F�hre geschafften Verletzten auf dem Planeten zur�ckgelassen werden, wenn sie zusammen mit Naydrad und Dodds zum Ambulanzschiff zur�ckfliegen w�rde, und zweitens ben�tigte Prilicla von ihr nur wenige grunds�tzliche Informationen, damit er an Bord der Rhabwar etwaige Vorkehrungen f�r Notoperationen oder unterst�tzende Behandlungsma�nahmen treffen k�nnte, bis man die �berlebenden ins Orbit Hospital gebracht hatte.</p><p>�Captain, haben Sie das zuf�llig mitbekommen?� fragte Conway. �Ich m�chte, da� Dodds und Naydrad starten, sobald Pathologin Murchison fertig ist. Es sieht so aus, als ob zum Abtransport aller Verungl�ckten drei Fl�ge notwendig w�ren, plus ein weiterer Flug f�r uns selbst. Wenn das alles bis zum Sonnenuntergang abgewickelt sein soll, weil dann der n�chste Sturm einsetzt, werden wir noch ganz sch�n unter Zeitdruck geraten.�</p><p>Fletcher gab keine Antwort, was bei ihm unter Conways Kommando normalerweise Zustimmung ausdr�ckte. Deshalb fuhr der Chefarzt fort: �Murchison bleibt beim ersten Flug hier und stellt f�r den zweiten die n�chste Fuhre von Verletzten zusammen. Wir werden sie an eine Stelle bringen, wo sie vor Sand und Sonne gesch�tzt sind. Die Leeseite des Wracks w�re daf�r ganz gut geeignet. Nein, noch besser ist, wir bringen sie ins Wrack, falls dort nicht zu viele Tr�mmer herumliegen.�</p><p>�Nein, Doktor�, widersprach der Captain. �Ich hab da einige Bedenken. Schlie�lich wissen wir nicht, was uns in dem Wrack erwartet.�</p><p>Conway entgegnete zwar nichts, aber w�hrend er die Untersuchung an dem gerade vor ihm liegenden Verletzten fortsetzte, stie� er einen Seufzer aus, der keinen Zweifel an seiner Ungeduld lie�. Fletcher geh�rte zu den anerkannten Experten des Monitorkorps auf dem Gebiet der von Aliens angewandten Schiffstechnologie, und aus diesem Grund hatte er auch das Kommando �ber das technisch h�chstentwickelte Ambulanzschiff des Orbit Hospitals erhalten. Wie man n�mlich schon vor langer Zeit erkannt hatte, drohte bei einer Rettungsaktion die gr��te Gefahr den Rettern selbst, weil sie zumeist ein verungl�cktes Schiff nach �berlebenden durchsuchen mu�ten, dessen Technik und Funktionsweise sie �berhaupt nicht verstanden. Fletcher war ein vorsichtiger und �u�erst gewissenhafter Offizier mit umfangreichem Fachwissen, der sich in der Regel nie �ber seine Arbeit oder seine Bef�higung, diese zu erledigen, laut sorgte. Conway wunderte sich noch immer �ber das h�chst ungew�hnliche Verhalten des Captains, als pl�tzlich auf das Unfallopfer, das er gerade untersuchte, ein Schatten fiel.</p><p>�ber ihm ragte Fletcher auf, der genauso besorgt aussah, wie er eben geklungen hatte. �Mir ist durchaus klar, da� Sie bei Rettungsaktionen das Kommando haben, Doktor�, begann er etwas unbeholfen. �Und Sie sollen ruhig wissen, da� ich mich dieser Anordnung gerne f�ge. Aber so, wie die Dinge meiner Meinung nach stehen, m��te die gesamte Befehlsgewalt wieder auf mich �bergehen.� Er warf einen kurzen Blick auf das Wrack hinter sich und schaute dann wieder auf den schwerverletzten Alien. �Doktor, haben Sie irgendwelche gerichtsmedizinischen Erfahrungen?�</p><p>Conway ging in die Hocke und starrte den Captain nur mit offenem Mund an. �Mit scheint am Zustand der Verungl�ckten und so, wie sie um das Wrack herum verteilt sind, irgend etwas nicht zu stimmen�, erkl�rte Fletcher ernst. �Zwar k�me eine �u�erst �berst�rzte Flucht in Betracht, die allerdings aus einem relativ unbesch�digten Schiff stattgefunden haben mu�, zumal unsere Sensoren keine Hinweise auf Strahlungs- oder Feuergefahr entdeckt haben. Au�erdem sind s�mtliche Verungl�ckten mehr oder weniger schwer verwundet und weisen fast die gleichen Verletzungen auf. Einige Opfer scheinen meinem Eindruck nach in der Lage gewesen zu sein, sich weiter vom Schiff zu entfernen als andere, und trotzdem sind sie allesamt in einem ziemlich geringen Abstand vom Wrack zusammengebrochen. Deshalb frage ich mich, ob sie sich die Verletzungen bereits auf dem Schiffs zugezogen haben oder erst dort, wo sie schlie�lich liegengeblieben sind.�</p><p>�Also meinen Sie, da� sie von einem hier lebenden Raubtier angegriffen worden sind, nachdem sie aus dem Schiff gekommen waren�, folgerte Conway. �Klingt einleuchtend, zumal sie durch den Absturz in einem Schockzustand und bereits geschw�cht waren.�</p><p>Der Captain sch�ttelte den Kopf. �Auf diesem Planeten gibt es keine Lebensform, die einem solche Wunden zuf�gen k�nnte. Die meisten Verletzungen, die ich gesehen hab, sind entweder Schnittwunden oder solche, die durch Amputationen von Gliedma�en entstehen. Das wiederum deutet auf die Verwendung eines scharfen Instruments hin, und der Benutzer dieses Instruments mu� zwar nicht, k�nnte aber immer noch an Bord des Schiffs sein. Wenn er sich tats�chlich an Bord befindet, dann geh�ren diese entkommenen Wesen m�glicherweise sogar zu denjenigen, die noch Gl�ck gehabt hatten � ich mag allerdings gar nicht daran denken, was wir in dem Fall im Wrack vorfinden k�nnten. Zumindest verstehen Sie jetzt, warum ich unbedingt wieder die volle Verantwortung �bernehmen mu�, Doktor.</p><p>Das Monitorkorps hat dem Gesetz der F�deration Geltung zu verschaffen�, beendete er seine Ausf�hrungen in sachlichem Ton. �Meiner Ansicht nach hat hier ein �u�erst schweres Verbrechen stattgefunden, und ich bin nun einmal in erster Linie Polizist und erst in zweiter der Pilot eines Ambulanzschiffs.�</p><p>Bevor ihm Conway antworten konnte, sagte Murchison: �Der Zustand dieser Leiche hier und all der anderen Opfer schlie�t eine solche M�glichkeit jedenfalls keineswegs aus.�</p><p>�Ich danke Ihnen, Murchison�, entgegnete der Captain. �Deshalb m�chte ich, da� das medizinische Team wieder auf die Rhabwar zur�ckkehrt, w�hrend Dodds und ich diesen Verbrecher festnehmen. Falls irgend etwas schiefgehen sollte, k�nnen Chen und Haslam Sie zum Orbit Hospital zur�ckbringen und.�</p><p>�Hier Haslam, Sir�, unterbrach ihn die Stimme des Kommunikationsoffiziers. �Soll ich Hilfe vom Korps anfordern?�</p><p>Der Captain antwortete nicht sofort, und Conway �berlegte, da� Fletchers Theorie sehr gut erkl�rte, warum ein vor dem Absturz vollkommen unbesch�digtes Schiff eine Notsignalbake ausgesetzt und dann den Schauplatz wieder verlassen hatte, um die Landung auf einem Planeten zu riskieren. Vielleicht hatte sich irgend etwas losgerissen und war frei an Bord herumgelaufen. Etwas, das wom�glich in einen K�fig geh�rte, war ausgebrochen, irgend etwas �u�erst Gef�hrliches.</p><p>Conway brachte schlie�lich die mit ihm durchgehende Phantasie mit einiger M�he wieder unter Kontrolle und sagte: �Wir k�nnen uns trotzdem nicht absolut sicher sein, da� f�r all das ein Verbrecher verantwortlich ist. So etwas k�nnte auch irgendein nichtintelligentes Versuchstier angerichtet haben, das ausgebrochen ist, sich dabei verletzt hat und vielleicht durch die Schmerzen rasend geworden.�</p><p>�Tiere benutzen Z�hne und Klauen, Doktor�, unterbrach ihn der Captain, �keine Messer.�</p><p>�Das hier ist eine vollkommen neue Spezies, �ber die wir �berhaupt nichts wissen�, erwiderte Conway. �Uns ist nichts �ber die Zivilisation oder den Sittencodex dieser Wesen bekannt. Die kennen unsere besonderen Gesetze vielleicht gar nicht.�</p><p>�Die Unkenntnis von Gesetzen ist noch nie eine akzeptable Entschuldigung f�r das Begehen einer verbrecherischen Handlung an einer anderen intelligenten Kreatur gewesen�, entgegnete Fletcher ungeduldig. �Schlie�lich wird ja auch nicht umgekehrt dem unschuldigen Opfer eines Verbrechens der Schutz durch das Gesetz entzogen, nur weil es diese Gesetze nicht kennt.�</p><p>�Das ist nat�rlich richtig.�, pflichtete ihm Conway bei. �Aber ich bin mir eben nicht absolut sicher, ob �berhaupt ein Verbrechen vorgefallen ist�, fuhr er unbeirrt fort. �Und bis ich mir dar�ber keine vollst�ndige Klarheit verschafft hab, werden Sie keine Hilfe anfordern, Haslam. Aber �berwachen Sie diese Gegend besonders scharf. Sobald sich irgend etwas au�er den �berlebenden und uns selbst r�hrt, lassen Sie es mich sofort wissen. Dodds wird schon sehr bald mit der F�hre starten und.�</p><p>�Naydrad und die Verletzten mitnehmen�, beendete Murchison den Satz. Ruhig aber bestimmt fuhr sie fort: �Ihre Theorie erschreckt mich zwar zu Tode, Captain, aber sie ist trotzdem nicht mehr als eine Theorie, wie Sie ja selbst zugegeben haben. Tatsache ist, da� �berall um uns herum zahlreiche Verletzte liegen, die, wenn auch ohne ihr Wissen, ab sofort Anspruch darauf haben, unter dem Schutz des Gesetzes der F�deration zu stehen. Und ob ihre Verletzungen nun vom Absturz herr�hren oder ob sie von einem psychopathischen oder vor�bergehend geistesgest�rten Alien so �bel zugerichtet worden sind, auf jeden Fall haben sie � �brigens nach genau diesem Gesetz � Anspruch auf jede erforderliche medizinische Hilfe.�</p><p>Der Captain blickte zur Landef�hre hin�ber, wo sich die Pathologin noch immer mit dem toten Exemplar besch�ftigte, und sah dann wieder den Chefarzt an.</p><p>�Ich hab dem nichts hinzuzuf�gen, Captain�, sagte Conway.</p><p>W�hrend Murchison die Untersuchung abschlo� und Dodds und Naydrad zwei Verletzte in die F�hre brachten, blieb Fletcher die ganze Zeit �ber stumm. Er sagte auch nichts, als die F�hre schlie�lich startete oder als Conway eine Stelle unter einem gro�en Felsvorsprung ausw�hlte, der den Verletzten, die noch auf den Abtransport warten mu�ten, vor der Sonne und dem aufgewirbelten Sand Schutz bot. Er half Murchison und Conway auch nicht beim Tragen der ETs zum Sammelpunkt, obwohl es sich dabei � ohne die Bahre � um anstrengende und erm�dende Arbeit handelte. Statt dessen ging er mit seiner Kamera zwischen den ETs herum, nahm jeden einzelnen auf, bevor und nachdem der Boden um das Opfer herum von Conway und Murchison zerscharrt worden war, und hielt sich dabei stets zwischen den �rzten und dem Wrack auf.</p><p>Der Captain nahm seine eigenartige neue Rolle als Polizist und Besch�tzer hilfloser Opfer offenbar wirklich sehr ernst.</p><p>Die K�hlelemente in Conways Anzug schienen nicht besonders gut zu funktionieren, und er h�tte nur zu gerne ein paar Minuten lang das Visier ge�ffnet, aber dann w�re ihm selbst im Schutz des Felsvorsprungs eine Menge Sand ins Gesicht geblasen worden.</p><p>�La� uns mal eine kurze Pause machen�, schlug er vor, als er gerade mit Murchison einen weiteren Verletztem neben dessen Kameraden legte. �Es wird Zeit, da� wir uns mal wieder mit Prilicla unterhalten.�</p><p>�Das ist mir jederzeit ein Vergn�gen, meine Freunde�, meldete sich der Empath prompt. �Obwohl ich mich nat�rlich au�erhalb der Reichweite der bei Ihnen da unten ausgestrahlten Emotionen befinde, hab ich Mitleid mit Ihnen und hoffe, da� Ihre Gef�hle der Besorgnis wegen des Verbrechers nicht allzu unangenehm sind.�</p><p>�Ehrlich gesagt, sind unsere Gef�hle der Verbl�ffung zur Zeit weit intensiver�, erwiderte Conway trocken. �Aber vielleicht k�nnen Sie uns davon befreien, indem wir, bevor die ersten Verletzten bei ihnen eintreffen, noch einmal rasch die bisherigen Informationen durchgehen, so unvollst�ndig diese auch sein m�gen.�</p><p>Wie Conway ausf�hrte, best�nden nur noch geringe Zweifel an der Genauigkeit der physiologischen Klassifikationen, doch mit Sicherheit handelte es sich um drei zwar unterschiedliche, aber verwandte Typen: DCLG, DCMH und DCOJ. Die Verletzungen konnten in zwei Grundkategorien unterteilt werden � n�mlich einerseits in Schnitt- und Sch�rfwunden, die die Schiffsinsassen m�glicherweise davongetragen hatten, als sie beim Absturz gegen scharfkantiges Metall geschleudert wurden, und andererseits in durch Gewalteinwirkung herbeigef�hrte Amputationen der Hauptgliedma�en. Letztere waren bei den Verungl�ckten so h�ufig aufgetreten, da� man zu ihrer Erkl�rung eine andere Ursache als den Absturz heranziehen mu�te.</p><p>S�mtliche �berlebenden wiesen eine K�rpertemperatur auf, die deutlich �ber der Norm f�r warmbl�tige Sauerstoffatmer lag, was auf eine hohe Stoffwechselgeschwindigkeit und hyperaktive Lebensform hindeutete. Diese Folgerung wurde dadurch untermauert, da� bei allen Verletzten eine gleich tiefe Bewu�tlosigkeit und dieselben Anzeichen von Austrocknung und Unterern�hrung vorherrschten. Wesen, die schnell Energie verbrauchen, schweben nur selten in einem bewu�tlosen Zustand. Au�erdem gab es Hinweise, da� diese Wesen eine ungew�hnlich stark ausgepr�gte F�higkeit besa�en, Blutungen von schweren Wunden zu stillen. An den Stichwunden war das Blut, vielleicht mit Hilfe des allgegenw�rtigen Sands, zwar ziemlich, aber nicht unnat�rlich schnell geronnen, wohingegen die St�mpfe an den Amputationsstellen nur sehr geringe Spuren von Blutungen aufwiesen.</p><p>�Die einzige Behandlung, der wir die Verletzten bis zur Ankunft im Orbit Hospital unterziehen k�nnen, ist die Behebung der Austrocknung und der Unterern�hrung�, fuhr Conway fort. �Murchison hat Ihnen ja bereits die f�r den Stoffwechsel geeigneten N�hrstoffe mitgeteilt. Sie k�nnen nat�rlich auch die Stichwunden n�hen, wenn Sie das f�r angebracht halten, Prilicla. Falls die erste Fuhre f�r Sie zu umfangreich ist, und das ist sie in meinen Augen auf jeden Fall, behalten Sie einfach Naydrad auf dem Schiff, und schicken Sie nur den Piloten mit der Bahre wieder zu uns herunter. Dann kann Murchison die Verletzten beim n�chsten Flug begleiten und anschlie�end bei Ihnen auf der Rhabwar bleiben, w�hrend Naydrad zum Einladen der letzten Fuhre wieder mit runterkommt.�</p><p>Einen Moment lang herrschte Stille, dann antwortete der Empath: �Ich hab verstanden, mein Freund. Aber haben Sie sich auch �berlegt, da� bei der Umsetzung Ihres Vorschlags drei Mitglieder des medizinischen Teams lange Zeit auf der Rhabwar sind und sich nur einer, n�mlich Sie selbst, auf dem Planeten befindet, wo die medizinische Hilfe gerade am dringendsten ben�tigt wird? Ich bin mir sicher, da� ich mit all den Hilfsvorrichtungen, die mir auf dem Unfalldeck zur Verf�gung stehen, und mit der Unterst�tzung meiner Freunde Haslam und Chen ganz gut alleine mit diesen Patienten zurechtkommen werde.�</p><p>Es war durchaus m�glich, da� Prilicla mit den Patienten wirklich alleine zurechtkommen konnte, vorausgesetzt, diese blieben bewu�tlos. Falls sie aber in dieser f�r sie seltsamen und wom�glich erschreckenden Umgebung pl�tzlich zu sich kommen und auf den �ber ihnen schwebenden, riesigen, aber unglaublich zarten insektenartigen Arzt instinktiv reagieren sollten, dann schauderte es Conway allein bei der Vorstellung, was mit dem Eierschalenk�rper und den bleistiftd�nnen Beinen des Empathen alles geschehen k�nnte. Aber bevor er Prilicla von dem Vorhaben abraten konnte, hatte der Empath schon wieder das Wort ergriffen.</p><p>�Ich befinde mich nat�rlich au�erhalb der Reichweite Ihrer emotionalen Ausstrahlung�, stellte Prilicla fest, �aber durch meinen langen Kontakt mit Ihnen beiden wei� ich von den starken emotionalen Banden zwischen meiner Freundin Murchison und Ihnen, Conway. Wenn man ber�cksichtigt, da� auf dem Planeten mit hoher Wahrscheinlichkeit eine gemeingef�hrliche Lebensform frei heruml�uft, spielt diese emotionale Verbindung bei Ihrer Entscheidung, Murchison aufs sichere Schiff zu schicken, ohne Zweifel eine gro�e Rolle. Murchison hingegen w�re m�glicherweise emotional weniger unbehaglich zumute, wenn sie bei Ihnen auf dem Planeten bleiben w�rde.�</p><p>Die Pathologin blickte von dem Verletzten auf, um den sie sich gerade k�mmerte. �Sind das wirklich deine �berlegungen gewesen?�</p><p>�Nein�, log Conway.</p><p>Murchison lachte und fragte: �Haben Sie das geh�rt, Prilicla? Wir haben es hier mit einem vollkommen r�cksichtslosen und unsensiblen Menschen zu tun. Ich h�tte lieber jemanden wie Sie heiraten sollen.�</p><p>�Das ist �u�erst schmeichelhaft f�r mich, meine Freundin�, antwortete der Empath. �Aber Sie haben mir nicht gen�gend Beine.�</p><p>�ber Funk war Fletchers mi�billigendes R�uspern �ber diese pl�tzliche und ungeb�hrliche Ausgelassenheit zu vernehmen, aber er sagte trotzdem nichts. Wie alle anderen auch mu�te er einsehen, da� ein Abbau der �ngstlichen Anspannung dringend erforderlich war. �Also gut�, sagte Conway. �Pathologin Murchison wird mit ihren beiden, viel zu wenigen Beinen auf Trugdil dableiben, Prilicla. Aber Oberschwester Naydrad behalten Sie dann oben bei sich, denn bei der Vorbereitung der Patienten auf die Untersuchung und Behandlung ist sie bestimmt eine gr��ere Hilfe als der Ingenieurs- oder Kommunikationsoffizier. Schicken Sie statt dessen Haslam oder Dodds zusammen mit der Bahre und Arzneimitteln, die wir Ihnen sp�ter noch im einzelnen benennen werden, zur�ck. Haben Sie noch Fragen?�</p><p>�Nein, mein Freund�, antwortete Prilicla. �Au�erdem dockt die F�hregerade an.�</p><p>Murchison und Conway wandten sich wieder mit ganzer Aufmerksamkeit den Verletzten zu, w�hrend der Captain den Rumpf des Wracks untersuchte. Sie konnten beide h�ren, wie er die Au�enhaut abklopfte und dabei die typischen Kratzger�usche erzeugte, die beim Ziehen der magnetischen Schallsensoren �ber Metallfl�chen entstanden. Der Wind wechselte st�ndig die Richtung, so da� die Verletzten im Schatten des Felsvorsprungs zwar vor der Sonne, nicht aber vor dem vom Wind aufgepeitschten Sand gesch�tzt waren.</p><p>Haslam berichtete von der Rhabwar, da� die Gegend gerade von einem kleinen, �rtlich begrenzten Sandsturm heimgesucht werde, der sich allerdings noch vor der R�ckkehr der Landef�hre in einer halben Stunde wieder gelegt haben m�sse. Zur Beruhigung f�gte er noch hinzu, da� sich in der ganzen Gegend nichts regen w�rde � mit Ausnahme von ihnen selbst und einigen Gruppen der zur Fortbewegung f�higen Dornb�sche, die allerdings bei einem Wettlauf nicht einmal eine altersschwache Schildkr�te schlagen k�nnten.</p><p>Bis auf drei Unfallopfer befanden sich inzwischen s�mtliche ETs im Schutz des Felsvorsprungs. W�hrend Conway die restlichen Verletzten herbeischleppte, sch�tzte Murchison die anderen vor Wind und Sand, indem sie die ETs locker in eine durchsichtige Kunststoffdecke einwickelte, nachdem sie zuvor jeden �berlebenden mit einer kleinen Sauerstoffflasche ausgestattet hatte. Diese Beh�lter setzten jeweils eine gewisse Menge Sauerstoff frei, die genau auf die Deckung des Stoffwechselbedarfs des betreffenden Wesens berechnet worden war. Conway und Murchison waren zu dem Schlu� gekommen, da� diese provisorischen Zelte den Patienten keinen Schaden zuf�gen konnten, da der reine Sauerstoff die schwache Atmung und das Verheilen der Wunden unterst�tzen w�rde � obwohl man sich bei einer vollkommen neuen Lebensform nat�rlich nie �ber irgend etwas absolut sicher sein konnte. Sicher war nur, da� bislang noch keiner der Verletzten durch diese Behandlungsmethode sein Bewu�tsein wiedererlangt hatte.</p><p>�Mir macht zu schaffen, da� bei allen diese gleich tiefe Bewu�tlosigkeit herrscht�, sagte Murchison, w�hrend Conway m�hsam einen Alien herbeischleppte, der von ihnen zuvor als DCOJ klassifiziert worden war. �Sie steht in keinem Verh�ltnis zur Anzahl oder St�rke der Verletzungen. K�nnten diese Wesen nicht eine Art Winterschlaf halten?�</p><p>�Die Bewu�tlosigkeit ist ja vermutlich ganz schlagartig eingetreten�, entgegnete Conway skeptisch. �Dem Captain zufolge befanden sich die Wesen gerade auf der Flucht aus dem Schiff. Normalerweise h�lt ein Wesen nur an einem sicheren Ort seinen Winterschlaf, aber garantiert nicht dort, wo ihm unmittelbare Gefahr f�r Leib und Leben droht.�</p><p>�Ich hatte auch eher an eine unfreiwillige Form des Winterschlafs gedacht�, erwiderte Murchison, �der vielleicht durch ihre Verletzungen hervorgerufen wurde und sie in die Lage versetzt, bis zum Eintreffen von Hilfe zu �berleben. Was war denn das?�</p><p>Das war ein markersch�tterndes, metallisches Kreischen, das vom Wrack her�berdrang. Das Ger�usch hielt ein paar Sekunden lang an, setzte f�r einen Augenblick aus und ert�nte dann von neuem. Murchison und Conway h�rten in ihren Helmkopfh�rern jemanden schwer atmen � das konnte nur Fletcher sein!</p><p>�Captain�, rief Murchison, �ist bei Ihnen alles in Ordnung?�</p><p>�Alles okay, Murchison�, antwortete Fletcher sofort. �Ich hab eine Luke gefunden, die anscheinend in den Laderaum f�hrt. Diese Luke ist � oder war � nicht der Einstieg zu einer Luftschleuse, sondern eine ganz einfache luftdichte T�r. Als das Schiff umgekippt ist, hat sich die untere Ecke in den Sand gebohrt und die T�r lie� sich nicht ganz �ffnen. Inzwischen hab ich aber den Sand wegger�umt. Die Luke l��t sich jetzt ungehindert �ffnen, aber beim Absturz hatten sich die Scharniere leicht verzogen, wie sie vielleicht geh�rt haben. Zwei Insassen wollten nach dem Absturz fliehen, konnten sich aber nicht durch die enge �ffnung zw�ngen. Der eine ist ein gro�er Alien und der andere geh�rt zu der mittelgro�en Art. Beide haben Amputationswunden und r�hren sich nicht. Soll ich Ihnen die beiden bringen?�</p><p>�Ich sehe sie mir vorher lieber erst einmal an�, antwortete Conway. �Lassen Sie mir ein paar Minuten Zeit, um diesen Verletzten noch schnell zum Abtransport vorzubereiten.�</p><p>W�hrend sie den letzten Verwundeten in sein provisorisches Sauerstoffzelt wickelten, fragte Murchison: �Haben Sie schon irgendwelche Hinweise auf dieser vermeintlichen �belt�ter entdeckt, Captain?�</p><p>�Bis auf die Verwundung dieser beiden Aliens noch keine, Murchison�, antwortete Fletcher. �Meine Sensoren k�nnen keinerlei K�rperbewegungen im Schiff feststellen, lediglich ein paar leise, periodisch auftretende Ger�usche, die wohl von herabfallenden Tr�mmer stammen. Ich bin mir ziemlich sicher, da� sich der T�ter irgendwo au�erhalb des Schiffs befinden mu�.�</p><p>�In dem Fall begleite ich dich lieber�, antwortete Murchison mit einem Blick auf Conway.</p><p>W�hrend sich die beiden dem Wrack n�herten, legte sich der Wind wieder, und der Sand sank zu Boden. Sie konnten jetzt deutlich die schwarze, rechteckige �ffnung im Rumpf erkennen, die sich genau auf Bodenh�he befand und aus der heraus ihnen der Captain mit dem Arm zuwinkte. Es gab so viele L�cher, die durch abgesprungene Rumpfplatten entstanden waren, und andere Einstiegsluken, da� sie ohne dieses Zeichen Fletchers niemals die richtige �ffnung gefunden h�tten. Von au�en sah es so aus, als w�rde das Schiff jeden Moment auseinanderbrachten, aber als sie durch die Luke krochen und sich aufrecht hinstellten, waren im Licht der Helmlampen nur wenige Anzeichen von Innensch�den zu erkennen.</p><p>�Und wie sind die anderen Besatzungsmitglieder rausgekommen?� fragte Conway. Dann kniete er sich hin und fuhr mit dem Scanner �ber den gr��eren der beiden Aliens. Zwar stellte er auch bei ihm eine durch Gewalteinwirkung verursachte Amputation eines Hauptglieds fest, ansonsten waren die Verletzungen aber nur oberfl�chlich.</p><p>�Weiter vorne in der Oberseite des Rumpfs befindet sich eine gro�eBesatzungsluke�, antwortete Fletcher. �Zumindest befindet die sich oben, seitdem das Schiff auf die Seite gekippt ist. Ich nehme an, die Besatzung mu�te entweder �ber den gew�lbten Rumpf rutschen und dann auf den Boden springen oder auf dem Schiff entlang zum Bug laufen, da es dort nicht sehr hoch ist, und von dort aus runterspringen. Diese beiden hatten leider Pech.�</p><p>�Der eine hatte sogar gro�es Pech�, entgegnete Murchison. �Der DCOJ ist n�mlich tot. Zwar sind seine Verletzungen nicht einmal so schwer wie bei anderen F�llen, die ich gesehen hab, aber meinem Analysator zufolge gibt es deutliche Anzeichen f�r schwere Lungensch�den durch irgendein �tzendes Gas. Was ist mit deinem DCMH?�</p><p>�Der ist zwar noch am Leben�, antwortete Conway, �aber er weist �hnliche Symptome wie der DCOJ auf, einschlie�lich der Lungensch�den. Wahrscheinlich sind die DCMHs einfach viel widerstandsf�higer als die beiden anderen Lebensformen.�</p><p>�Ich wundere mich nur �ber diese DCOJs�, sagte Murchison nachdenklich. �Sind die �berhaupt intelligent? Bei den kleinen DCLGs und den DCMHs bin ich mir fast sicher, schlie�lich verf�gen sie beide �ber spezialisierte Greiforgane an den Extremit�ten, wobei sich bei den DCLGs anscheinend gar keine F��e, sondern gleich sechs H�nde entwickelt haben. Der gro�e DCOJ dagegen hat vier F��e und zwei Vorderglieder mit Klauen und besteht ansonsten nur aus Z�hnen und einem riesigen Verdauungsapparat mit mehreren M�gen.�</p><p>�Die aber zur Zeit allesamt leer sind�, entgegnete Conway. Nach einem Augenblick f�gte er hinzu: ��brigens hatten alle von mir bislang untersuchten F�lle leere M�gen.�</p><p>�Meine auch�, erwiderte Murchison. Die beiden starrten sich kurz an, dann sagte Conway: �Captain!�</p><p>Fletcher hatte sich gerade mit dem mutma�lichen Innenbordeingang des Laderaums besch�ftigt. Dabei mu�te er die H�nde weit nach oben �ber den Kopf strecken, da er praktisch auf der Wand stand, w�hrend Boden und Decke auf beiden Seiten von ihm verliefen. Pl�tzlich war ein lautes Klicken zu h�ren, eine T�r schwang nach unten auf und blieb ge�ffnet h�ngen. Der Captain gab einen selbstgef�lligen Laut von sich und ging zu Conway und Murchison hin�ber.</p><p>�Ja, Doktor?�</p><p>Conway r�usperte sich und sagte: �Captain, wir haben jetzt eine Theorie �ber ihren Verbrecher. Wir glauben, die Notlage, durch die sich die Schiffsbesatzung veranla�t sah, die Notsignalbake auszusetzen, war nichts anderes als Hunger. Bei s�mtlichen Verungl�ckten, die wir bislang untersucht haben, war der Magen leer. Deshalb ist es durchaus m�glich, da� es sich bei dem T�ter um ein Besatzungsmitglied handelt, das zum Kannibalen geworden ist.�</p><p>Bevor Fletcher antworten konnte, ert�nte die Stimme von Prilicla in den Kopfh�rern.</p><p>�Freund Conway�, meldete sich der Empath sch�chtern. �Ich hab mir zwar noch nicht s�mtliche Verletzten ansehen k�nnen, die Sie mir geschickt haben, aber diejenigen, die ich bereits untersucht habe, weisen ausnahmslos Symptome von Austrocknung und Gewebeschwund auf, die auf Hunger und Durst hindeuten. Allerdings ist dieser Zustand noch nicht so weit fortgeschritten, da� die Patienten bereits im Sterben liegen. Ihr hypothetischer Verbrecher mu� die anderen Besatzungsmitglieder also angegriffen haben, bevor die Lebensmittelknappheit zu einem wirklich ernsthaften Problem wurde. Das Wesen hatte demnach zwar Hunger, war aber noch lange nicht am Verhungern. Sind Sie sich wirklich sicher, da� der T�ter intelligent ist?�</p><p>�Nein�, antwortete Conway. �Aber falls Murchison und ich dieses Wesen bei der Untersuchung der ersten Verletzten �bersehen haben sollten � und zu der Zeit haben wir uns mehr auf die Erfassung der Verletzungen als f�r den wom�glich gar nicht vorhandenen Mageninhalt interessiert �, dann k�nnte der T�ter jetzt auf der Rhabwar sein. Wenn Sie also einen wohlgen�hrten Verletzten finden, holen Sie sofort Haslam und Dodds, damit sie ihm umgehend Fesseln anlegen. Der Captain hat gro�es berufliches Interesse an ihm.�</p><p>�Das kann man wohl sagen�, best�tigte Fletcher mit grimmiger Miene. Er wollte gerade fortfahren, als ihn Haslam, der bei diesem zweiten Flug Dodds als Pilot der Landef�hre abgel�st hatte, mit der Nachricht unterbrach, er w�rde in sechs Minuten landen und Hilfe beim Ausladen der Bahre ben�tigen.</p><p>Indem er die Bahre bis zum Rand vollpackte und zus�tzlich bis zu zwei Aliens auf einer der Besatzungsliegen festschnallte, schaffte es Haslam, mit etwas mehr als der H�lfte der restlichen �berlebenden zum Ambulanzschiff zur�ckzufliegen. Der Gesundheitszustand der auf dem Planeten zur�ckgebliebenen Verletzten �nderte sich nicht. Der Schatten des Felsvorsprungs war l�nger geworden, obwohl die Luft noch immer warm war; der Himmel war klar, und es wehte kein Wind mehr. Murchison sagte, sie k�nne die Zeit bis zur R�ckkehr der Landef�hre am n�tzlichsten mit der Untersuchung der im Wrack liegenden Leiche des gro�en DCOJ verbringen, falls sie mit der tragbaren Ausr�stung dazu �berhaupt in der Lage sein w�rde. Den mittelgro�en DCMH hatte bereits Haslam mitgenommen.</p><p>Von Anfang an konnte man Fletcher die Abscheu vor der Sezierung deutlich ansehen, und als ihn Murchison darauf hinwies, da� das Licht von Conways und ihrer Helmlampe f�r die Arbeit ausreichen w�rde, stahl er sich schnell davon und kletterte zwischen den Containern, die an dem jetzt senkrecht stehenden Decksboden befestigt waren, nach oben. Nach ungef�hr f�nfzehn Minuten berichtete er, da� die Container seinem Scanner zufolge alle den gleichen Inhalt hatten, und da� es sich dabei, jedenfalls nach der Menge des benutzter Verpackungsmaterials zu urteilen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eher um Frachtcontainer als um Beh�lter f�r Schilfsvorr�te handelte. Dann informierte er sie �ber seine Absicht, in den Korridor au�erhalb des Laderaums zu steigen, um dort auf Entdeckungsreise zu gehen, nach weiteren Verungl�ckten zu suchen und Beweismaterial zu sammeln.</p><p>�M�ssen Sie das unbedingt jetzt machen, Captain?� fragte Murchison besorgt und blickte zu Fletcher auf. Conway drehte sich ebenfalls zu ihm um, aber aus irgendeinem Grund blieb sein Blick an der Taille des Captains und an der dort h�ngenden Waffe haften.</p><p>�Wissen Sie eigentlich, Captain�, sagte er, �da� Sie seit dem ersten Einsatz der Rhabwar eine Waffe an der Seite tragen und ich das bis jetzt kaum bemerkt hab? Sie geh�rte einfach schon immer zu Ihrer Uniform, genau wie die M�tze und die Abzeichen. Aber jetzt sticht die Waffe noch mehr in die Augen als Ihr Rucksack.�</p><p>Fletcher sah unangenehm ber�hrt drein und antwortete: �Man hat uns beigebracht, da� der psychologische Effekt einer offen getragenen Waffe bei gesetzestreuen Wesen zwar kaum der Rede wert ist, bei Verbrechern oder potentiellen Gesetzesbrechern aber direkt proportional zum Schuldgef�hl oder den schlechten Absichten zunimmt. Auf jeden Fall war die Wirkung meiner Waffe bis vor wenigen Minuten rein psychologischer Natur, weil mir Lieutenant Haslam zu diesem Zeitpunkt n�mlich erst Munition mitgebracht hat.� Verteidigend f�gte er hinzu: �Schlie�lich gibt es keinen Grund, auf einem Ambulanzschiff mit geladener Waffe herumzulaufen. Ich konnte ja nicht ahnen, da� sich aus dieser Rettungsaktion ein Polizeieinsatz entwickeln w�rde.�</p><p>Murchison lachte leise und wandte sich wieder der Arbeit zu, und Conway folgte ihrem Beispiel. Bevor der Captain ging, sagte er noch: �Wir haben hier zwar nicht viel Zeit, aber ich mu� einen m�glichst umfassenden Bericht �ber den Vorfall und s�mtliche wichtigen Begleitumst�nde abliefern. Diese drei Spezies sind der F�deration unbekannt, und sie wenden eine vollkommen andere Technologie an. Au�erdem k�nnte der Verwendungszweck dieses Schiffs f�r den Fall von Belang sein. Ist der Verbrecher ein verantwortliches Wesen, vielleicht ein Gefangener, oder nur ein nichtintelligentes Tier? Falls der T�ter intelligent ist, war er dann zum Tatzeitpunkt wom�glich nicht zurechnungsf�hig, und wenn das zutrifft, warum nicht? Hat die Notlage, in der sich Schiff und Besatzung befunden haben, dabei eine Rolle gespielt? Ich wei�, da� es einem schwerf�llt, sich mildernde Umst�nde vorzustellen, wenn Kannibalismus und schwereK�rperverletzung mit im Spiel sind, aber bevor uns nicht alle Tatsachen bekannt sind.�</p><p>Er lie� den Satz unvollendet und dr�ckte den Sensor gegen den neben ihm aufragenden Decksboden. Kurz darauf fuhr er fort: �Au�er uns regt sich im Wrack �berhaupt nichts. Ich hab die Au�enluke nur ein paar Zentimeter weit offengelassen. Falls also irgend etwas in das Wrack zu gelangen versucht, werden Sie vorher jede Menge Ger�usche h�ren, entweder vom Wesen selbst, das die Luke gegen den Widerstand des Sands und der Scharniere gewaltsam �ffnen mu�, oder von den Sensoren der Rhabwar. Also werde ich auf jeden Fall immer noch rechtzeitig zu Ihnen sto�en k�nnen, so da� Sie sich �berhaupt keine Sorgen machen m�ssen.�</p><p>W�hrend Murchison und Conway mit der Sezierung fortfuihren, konnten sie jeden einzelnen Schritt des Captains auf seinem Weg zum Heck mitverfolgen, da er darauf bestand, die zu Dodds �bertragenen Bilder m�ndlich zu beschreiben und n�her zu erl�utern. Wie er berichtete, sei der Gang niedrig und auch ansonsten f�r terrestrische Ma�st�be nicht gerade ger�umig. Er m�sse auf H�nden und Knien kriechen, und es w�re �u�erst schwierig, sich f�r den R�ckweg woanders umzudrehen als an einer Kreuzung. An den Seitenw�nden des Gangs verliefen Kabeltunnel und Luft- oder Hydraulikleitungen. Am Boden und an der Decke waren grobmaschige Netze befestigt, was auf das Fehlen eines k�nstlichen Schwerkraftsystems im Schiff hindeutete.</p><p>Achtern von dem Raum, in dem sich Conway und Murchison aufhielten, lag ein weiteres Frachtdeck, und dahinter wiederum befanden sich die unverkennbaren Umrisse der Generatoren f�r den Hyperraumantrieb. Der noch weiter achtern gelegene Reaktor und die D�sen f�r den Normalantrieb waren durch eine dicke Schutzwand vom Captain abgeschirmt. Den Sensoren zufolge war jedoch die gesamte Energie beim Umst�rzen des Schiffs sofort abgeschaltet worden, wahrscheinlich durch eine eingebaute automatische Sicherung. Aber Fletcher konnte noch Restenergie in einigen der Leitungen im Gang feststellen, die seiner Meinung nach eventuell mit der Notbeleuchtung verbunden waren, und au�erdem glaubte er, einen Lichtschalter gefunden zu haben.</p><p>Wie er kurz darauf best�tigte, handelte es sich tats�chlich um einen Lichtschalter. Ein langer Teil des Gangs sei jetzt beleuchtet. Das Licht w�re zwar unangenehm hell, aber seine Augen w�rden sich allm�hlich anpassen, und er krieche jetzt in Richtung Schiffsmitte voran.</p><p>Murchison und Conway h�rten, wie der Captain au�erhalb ihres Laderaums eine Pause einlegte, und pl�tzlich sprang an der Decke neben ihnen die gesamte Beleuchtung an. Conway und Murchison schalteten daraufhin die jetzt �berfl�ssig gewordenen Helmlampen aus.</p><p>�Vielen Dank, Captain�, sagte er und setzte dann die schon seit l�ngerem mit Murchison gef�hrte Diskussion fort. �Im Sch�del ist zwar gen�gend Platz f�r ein Gehirn, aber wir k�nnen nicht davon ausgehen, da� das gesamte vorhandene Gehirnvolumen auch zum Denken benutzt wird. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, wie ein Lebewesen mit vier F��en und zwei Greiforganen, die sich kaum von Klauen unterscheiden, Werkzeuge benutzen oder sogar Mitglied einer Schiffsbesatzung sein kann. Au�erdem l��t mir dieses Gebi� keine Ruhe, auf keinen Fall handelt es sich dabei um Rei�z�hne eines Raubtiers. Vielleicht sind diese Z�hne vor langer Zeit einmal eine furchterregende, nat�rliche Waffe gewesen, aber nach ihrem Zustand zu urteilen, haben sie inzwischen nicht mehr allzuviel zu tun.�</p><p>Murchison nickte zustimmend und sagte. �Im Verh�ltnis zur K�rpergr��e ist der Magentrakt deutlich �berproportioniert. Trotzdem kann ich nirgends eine Spur von Fettgewebe oder durch �berern�hrung hervorgerufene Fettpolster erkennen, die bei einem Tier, das zu Ern�hrungszwecken gez�chtet wird, eigentlich vorhanden sein m��ten. Im �brigen �hnelt der Magentrakt dem terrestrischer Wiederk�uer. Eigentlich ist der gesamte Verdauungsapparat recht seltsam, aber ich kann mir erst dann einen Reim darauf machen, wenn ich den gesamten Zyklus von der Nahrungsaufnahme bis hin zur Ausscheidung untersucht hab, und das ist hier unten leider nicht m�glich. Ich w�rde zu gerne wissen, wovon sichdiese Wesen ern�hrt haben, bevor ihnen die Nahrung ausgegangen ist.�</p><p>�Ich komme gerade durch eine Art Vorratsdeck, das durch gro�e Regale in G�nge unterteilt ist�, meldete Fletcher in diesem Moment. �In den Regalen befinden sich verschiedenfarbige und unterschiedlich gro�e Beh�lter mit einem trichterf�rmigen Spender am Ende. Au�erdem stehen hier Abfalleimer mit Leergut herum, und ein paar volle und leere Beh�lter sind aus den Regalen auf den Boden gefallen.�</p><p>�K�nnte ich bitte vom Inhalt der Beh�lter und Eimer bekommen?� fragte Murchison.</p><p>�Nat�rlich, Murchison�, antwortete der Captain. �Wenn man den ausgehungerten Zustand der Verletzten bedenkt, enthalten die vollen Beh�lter wahrscheinlich eher Farbe oder Schmiermittel als irgendwelche Lebensmittel. Aber ich nehme an, Sie m�ssen erst alle anderen M�glichkeiten ausschlie�en, genauso wie ich, stimmt�s? Ich gehe jetzt zur n�chsten. oh!�</p><p>Conway hatte bereits den Mund ge�ffnet, um zu fragen, was denn passiert sei, aber der Captain kam ihm zuvor.</p><p>�Ich hab das Licht in diesem Abschnitt angeschaltet und noch zwei Verungl�ckte gefunden�, berichtete er. �Der eine ist einer der mittelgro�en DCMHs und von einem verbogenen Bauteil mit Sicherheit zu Tode gequetscht worden. Der andere geh�rt zur kleinen DCLG-Lebensform, hat eine Amputationswunde und bewegt sich nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, da� der auch tot ist. Ich befinde mich jetzt �brigens in dem Schiffsabschnitt, der beim Umst�rzen auf den Felsvorsprung gefallen ist.</p><p>Die gesamte Innenkonstruktion hat sich v�llig verformt�, fuhr er fort. ��berall liegen abgesprungene Boden- und Deckenplatten herum. An der Wand befinden sich zwei gro�e Metallzylinder, anscheinend waren das die Druckbeh�lter f�r das hydraulische Steuerungssystem. Aber jetzt sind die Beh�lter gerissen und die Verbindungsleitungen gebrochen, und alles ist in einen d�nnen Nebel geh�llt, als ob noch was vom Inhalt �briggeblieben w�re und nun langsam verdunstet.</p><p>Der Gang vor mir ist teilweise durch Tr�mmerteile blockiert�, berichtete er weiter. �Die kann ich zwar aus dem Weg r�umen, aber nicht ohne eine Menge L�rm zu machen. Kriegen Sie also.�</p><p>�Captain�, unterbrach ihn Conway. �W�rden Sie uns bitte, sobald Sie k�nnen, zusammen mit den anderen Proben auch den DCLG und eine Probe der Hydraulikfl�ssigkeit mitbringen?� An Murchison gewandt f�gte er hinzu: �Mich w�rde interessieren, ob die Lungensch�den mit dem Hydraulikleck zusammenh�ngen. Wenn das so ist, k�nnten zumindest andere M�glichkeiten ausgeschlossen werden.�</p><p>Dem Klang seiner Stimme nach zu urteilen, war Fletcher recht ver�rgert, da� er seine Nachforschungen im Schiff kurz unterbrechen mu�te, und er sagte knapp: �Ich bin in zehn Minuten mit den Proben vor dem Eingang zum Laderaum, Doktor.�</p><p>Als sich Conway die Proben in den Laderaum holte, war der Captain schon wieder zum mittleren Schiffsabschnitt zur�ckgekehrt. Doch erneut wurden Fletchers Nachforschungen unterbrochen, diesmal von Lieutenant Dodds.</p><p>�Die Landef�hre ist abflugbereit, Sir�, meldete der Astronavigator. In seiner Stimme lag ein gewisses Z�gern, als er fortfuhr: �Ich f�rchte, bis Sonnenuntergang bleibt nur noch Zeit f�r einen einzigen Hin- und R�ckflug.</p><p>Vielleicht k�nnten Sie und der Doktor schon mal einteilen, welche Verletzten beim letzten Flug mitkommen sollen und welche bis morgen auf dem Planeten bleiben. Mit Ihnen dreien und Haslam an Bord k�nnen wir etwas mehr als die H�lfte der Verletzten abtransportieren, sofern Sie nicht die gesamte transportable Ausr�stung wieder mitnehmen wollen.�</p><p>�Ich lasse keine unbehandelten Verletzten auf diesem Planeten zur�ck�, entgegnete Conway in bestimmtem Ton. �Sie w�rden den Temperatursturz und die Sandst�rme wahrscheinlich nicht �berleben.�</p><p>�Vielleicht nicht�, merkte Murchison nachdenklich an. �Aber wenn wir schon ein paar Verletzte hier lassen m�ssen � und anscheinend haben wir gar keine andere Wahl �, dann k�nnten wir sie wenigstens mit Sand bedecken. Die Wesen haben eine hohe K�rpertemperatur, der Sand isoliert gut, und au�erdem sind die Verletzten sowieso luftdicht mit eigenem Sauerstofffvorrat eingeschlossen.�</p><p>�Ich hab schon von �rzten geh�rt, die ihre Fehler einfach begraben�, entgegnete Conway zynisch, wurde aber von Dodds an weiteren Einw�nden gehindert.</p><p>�Entschuldigen Sie, aber es gibt da bei Ihnen ein Problem, Murchison�, sagte er. �Auf das Wrack kommen n�mlich vier Dornb�sche zu. Nat�rlich geht das bei denen nicht so schnell, aber wir sch�tzen, die B�sche werden das Wrack bis kurz vor Mitternacht erreicht haben. Meinen Informationen zufolge sind diese Pflanzen Allesfresser und locken ihre bewegliche Beute durch langsames und oftmals gro�r�umiges Einkreisen in die Falle. Dann warten sie ab, bis sich das Tier an den Dornen sticht, die ein Gift absondern, das je nach Gr��e des Beutetiers und Anzahl der Stiche entweder zur L�hmung f�hrt oder sogar t�dlich ist. Wenn sich die Beute schlie�lich nicht mehr bewegen kann, dringen die Dornb�sche mit ihren Wurzeln in den K�rper ein und saugen ihm s�mtliche vorhandenen N�hrsubstanzen aus.</p><p>Deshalb glaube ich auch nicht, da� Ihre eingegrabenen Verletzten bis morgen fr�h �berleben w�rden�, schlo� er m�rrisch.</p><p>Murchison fluchte in f�r sie �u�erst untypischer Weise, und Conway antwortete: �Wir k�nnten sie hier in den Laderaum des Wracks bringen und die Luke schlie�en. Dann brauchten wir aber Heizger�te und ein medizinisches �berwachungsger�t und. tut mir leid, aber ich kann mich noch immer nicht mit dem Gedanken anfreunden, die Verletzten unbeaufsichtigt auf diesem Planeten zur�ckzulassen.�</p><p>�Offensichtlich handelt es sich hierbei um eine sorgf�ltig abzuw�gende Angelegenheit, Doktor�, sagte der Captain. �Denn Ihre Patienten wird man nicht nur beaufsichtigen, sondern vielleicht auch verteidigen m�ssen. Dodds, wie lange k�nnen Sie den Start der F�hre noch verschieben?�</p><p>�Eine halbe Stunde, Sir�, antwortete der Astronavigator. �Dann bleibt noch eine halbe Stunde f�r den Hinflug und mindestens eine Stunde auf dem Planeten zum Einladen und um Vorsorge f�r die zur�ckbleibenden Verletzten zu treffen. Aber wenn die F�hre den Planeten nicht in zweieinhalb Stunden wieder verl��t, bekommen wir beim Start ernsthafte Schwierigkeiten mit dem Wind und dem Sand.�</p><p>�Na sch�n�, erwiderte Fletcher. �In einer halben Stunde sollten wir zu einer Entscheidung gekommen sein. Warten Sie bis dahin mit dem Start.�</p><p>Aber es fand eigentlich gar keine richtige Diskussion statt, und die Entscheidung wurde, allen Einwendungen von Murchison und Conway zum Trotz, vom Captain im Alleingang getroffen. Fletcher stellte fest, die beiden �rzte h�tten auf dem Planeten das Menschenm�gliche f�r die Verungl�ckten getan und k�nnten ohne die Einrichtungen auf der Rhabwar nichts weiter unternehmen, au�er die Verletzten unter Beobachtung zu stellen. Genau dazu aber, so beteuerte der Captain, sei er selbst aber auch in der Lage, und im Falle eines erneuten Angriffs k�nne er die Opfer obendrein noch verteidigen.</p><p>Nach seiner felsenfesten �berzeugung hielt sich der f�r den Zustand der Aliens verantwortliche T�ter gegenw�rtig nicht mehr im Schiff auf, w�rde aber bei Eintritt der K�lte und der Sandst�rme oder sogar auf der Flucht vor den n�herr�ckenden Dornb�schen m�glicherweise wieder den Schutz des Wracks suchen. Der Platz des medizinischen Teams sei auf der Rhabwar, f�gte er hinzu, nur dort k�nne man sich den Patienten mit der angemessenen Aufmerksamkeit widmen.</p><p>�Captain�, entgegnete Conway, wobei er sich �rgerte, Fletchers Argumente kaum widerlegen zu k�nnen, �was den medizinischen Bereich angeht, liegt die Verantwortung allein bei mir.�</p><p>�Und warum �ben Sie diese Verantwortung dann nicht in entsprechend verantwortungsbewu�ter Weise aus, Doktor?� konterte Fletcher.</p><p>�Captain�, mischte sich Murchison schnell ein, um einen drohenden Streit abzuwenden, der das Klima auf dem Ambulanzschiff wochenlang h�tte belasten k�nnen. �Der DCLG, den Sie gefunden haben, war zwar, verglichen mit einigen anderen, nicht besonders schwer verletzt, daf�r aber leider tot. Die Entz�ndung der Atemwege und die Lungensch�den waren genauso schwer wie bei der Leiche, die Sie vorher im Laderaum gefunden haben. In beiden Lungenpaaren hab ich Spuren von der Probe entdeckt, die Sie aus dem hydraulischen Druckbeh�lter genommen haben. Diese Fl�ssigkeit ist absolut t�dlich, Captain, �ffnen Sie also blo� nicht in der N�he eines Lecks das Visier.�</p><p>�Vielen Dank, Murchison, das werde ich bestimmt nicht tun�, entgegnete Fletcher ruhig. Dann fuhr er fort: �Dodds, Sie k�nnen ja sehen, da� der vor mir liegende Abschnitt des Gangs fast vollkommen eingedr�ckt ist. F�r die Besatzungsmitglieder dieses Schiffs ist zwar noch gen�gend Platz zum Durchzw�ngen, aber ich werde eine ganze Menge von diesem ausgefransten Metall wegschneiden m�ssen, wenn.�</p><p>Conway schaltete sein Funkmikrofon ab und pre�te den Helm gegen den von Murchison, um ein Gespr�ch unter vier Augen mit ihr f�hren zu k�nnen. �Auf wessen Seite stehst du eigentlich?� fragte er sie w�tend.</p><p>Sie l�chelte ihn durch das Visier hindurch an, doch bevor sie antworten konnte, schnarrte zaghaft Priliclas Stimme in den Kopfh�rern. Wie zuvor Murchison bem�hte sich nun der Empath, eine potentiell unangenehme Quelle emotionaler Ausstrahlungen zum Versiegen zu bringen.</p><p>�Freund Conway�, sagte er, �auch wenn die Argumente meines Freunds Fletcher stichhaltig sind und ich pers�nlich Murchisons und Ihre R�ckkehr an Bord begr��en w�rde, kommen Freundin Naydrad und ich doch mit den Patienten gut zurecht. Sie befinden sich alle in stabiler Verfassung, bis auf drei, bei denen ein leichter R�ckgang der K�rpertemperatur zu verzeichnen ist.�</p><p>�Glauben Sie, das liegt an einer zunehmenden Schockwirkung?� fragte Conway.</p><p>�Nein, mein Freund�, antwortete Prilicla. �Vielmehr bessert sich anscheinend ihr Allgemeinzustand allm�hlich.�</p><p>�Wie sieht es mit der emotionalen Ausstrahlung aus?�</p><p>�Es gibt zwar noch nichts auf bewu�ter Ebene, mein Freund�,</p><p>entgegnete der Empath, �aber daf�r strahlen die Patienten ein unbewu�tes Gef�hl aus, als ob ihnen irgend etwas fehlte, auf das sie ganz begierig sind.�</p><p>�Kein Wunder, bis auf einen haben die alle Hunger�, erwiderte Conway trocken.</p><p>�Der Gedanke an diesen einen ist mir ebenfalls ziemlich zuwider�, antwortete Prilicla. �Aber um auf den Zustand der Patienten zur�ckzukommen: Auch bei den Verletzten hier oben sind Lungensch�den und Atemwegsentz�ndungen zu beobachten, wie sie bereits von Freundin Murchison festgestellt worden sind und die sie ganz richtig auf die besch�digten Hydraulikbeh�lter zur�ckgef�hrt hat, allerdings in weit geringerem Ma�e. Aber unter den Bedingungen, die auf dem Planeten herrschen, zu operieren, und das mit der sehr viel weniger spezialisierten transportablen Ausr�stung, ist vielleicht nicht unbedingt.�</p><p>�Prilicla�, unterbrach ihn Conway ungeduldig, �eigentlich wollen Sie uns doch nur durch die Blume sagen, da� wir zu blind oder dumm sind, um eine wichtige medizinische Tatsache zu ber�cksichtigen. Sie bringen es aber wegen Ihrer eigenen Nettigkeit wieder einmal nicht �bers Herz, unsere Gef�hle zu verletzen. �u�erste Ungeduld und Neugier k�nnen �brigens auch ziemlich unangenehme Emotionen sein, also sagen Sie uns bitte geradeheraus, was Sie entdeckt haben, Doktor.�</p><p>�Tut mir leid, mein Freund�, erwiderte der Empath. �Ich hab festgestellt, da� bei allen nicht nur die Atemwege, sondern gleicherma�en auch die Speiser�hren entz�ndet sind. Diese Entz�ndung ist zwar noch relativ leicht und tritt nicht so deutlich wie an den anderen Stellen auf, s�mtliche Verletzten sind aber, ungeachtet ihrer physiologischen Klassifikation, in gleicher St�rke davon befallen. Ich hab mich schon gefragt, ob es vielleicht auf dem Wrack irgendeine Erkl�rung daf�r gibt.�</p><p>�Auch die Amputationswunden sind mir ein R�tsel�, fahr Prilicla fort. �Bislang hab ich die Schnittwunden von denen �brigens keine bis zu den lebenswichtigen Organen vorgedrungen ist, vern�ht und generell versorgt. Aber um die St�mpfe herum hab ich vorl�ufig nur sterile Binden gewickelt, bis endg�ltig gekl�rt ist, ob man die urspr�nglichen Glieder wieder ann�hen kann oder nicht. Haben Sie da unten auf dem Planeten irgend etwas gefunden, das vielleicht ein fehlendes Glied oder Organ sein k�nnte? Oder haben Sie sich schon mal Gedanken �ber Form, Gr��e und Zweck dieser fehlenden K�rperteile gemacht?�</p><p>Aus dem mittleren Teil des Wracks drangen die kratzenden Ger�usche von an Metall schabendem Metal her�ber, und in den Kopfh�rern war der unregelm��ige, schwere Atem des Captains zu h�ren, w�hrend er ein Hindernis aus dem Weg r�umte. Als wieder Ruhe eingekehrt war, antwortete Murchison: �Ja, Doktor, aber ich hab bisher noch keine endg�ltigen Schl�sse daraus gezogen. Bei allen drei Klassiffkationstypen sind die St�mpfe mit einem ziemlich komplizierten Nervengeflecht verbunden. Im Fall des gro�en DCOJ gibt es eine zus�tzliche r�hrenf�rmige Verkn�pfung, die kollabiert ist. Da sie mit dem komplexen oberen Darmtrakt eng verbunden ist, kann ich sie nicht bis zu ihrem Ausgangspunkt zur�ckverfolgen. Ber�cksichtigt man allerdings die Plazierung dieser Glieder oder Organe, die sich bei den beiden kleineren Spezies am Ende des R�ckgrats und bei der gro�en Lebensform in der Mitte der K�rperunterseite befinden, dann kann ich nur sagen, da� der Angreifer vor allem die fehlenden Teile f�r genie�bar gehalten haben mu�, da er ansonsten nichts abgeschnitten hat. Ich hab zwar keine genaue Vorstellung von der Form oder Gr��e der fehlenden Glieder oder Organe, aber ich glaube, es handelt sich wahrscheinlich um Schw�nze, Genitalien oder brust�hnliche Gebilde.�</p><p>�Entschuldigen Sie bitte, da� ich so einfach eine medizinische Besprechung unterbreche, Murchison�, fiel ihr Fletcher ins Wort, wobei man ihm deutlich seine Freude anh�ren konnte, sich auf diese Weise weitere Details zu ersparen. Entsprechend schnell fuhr er fort: �Doktor Conway, ich hab noch einen DCMH gefunden. Er hat sich im Bettzeug verheddert, r�hrt sich nicht, scheint aber unverletzt zu sein. Ich hab mir gedacht, Sie wollen ihn vielleicht lieber hier untersuchen, dann mu� ich ihn nicht durch die ganzen Tr�mmer im Gang ziehen.�</p><p>�Bin schon unterwegs�, entgegnete Conway. Er kletterte aus dem Laderaum und kroch, den Spuren des Captains folgend, durch den Gang, wobei er dem von Fletcher fortgesetzten Bericht lauschte. Direkt hinter dem freiger�umten Abschnitt des Gangs war der Captain auf das Schlafdeck gesto�en. Dieses Deck war f�r den fr�hen Hyperraumschiffstyp, die noch nicht mit k�nstlicher Schwerkraft ausger�stet gewesen waren, ganz charakteristisch und mit Reihen von Doppelh�ngematten best�ckt, in denen die Schlafenden in der Schwerelosigkeit wie zwischen den beiden Scheiben eines Sandwiches festgehalten wurden. �berdies waren diese H�ngematten mit einer Art Sto�d�mpfer verbunden, so da� sie von Besatzungsmitgliedern, die gerade keinen Dienst hatten, gleichzeitig als Beschleunigungsliegen genutzt werden konnten.</p><p>Es gab drei verschiedene H�ngemattengr��en, folglich bestand die Besatzung aus DCLGs, DCMHs und DCOJs, was wiederum der Beweis daf�r war, da� auch die gro�en und scheinbar nichtintelligenten DCOJs zur Schiffsbesatzung geh�rten und mitnichten Haustiere waren. Nach Anzahl und Gr��e der H�ngematten zu urteilen, hatte es dreimal so viele Wesen von den beiden kleinen Lebensformen wie von der gro�en Spezies gegeben.</p><p>Als Conway gerade an den besch�digten Druckbeh�ltern des Hydrauliksystems vorbeikam, berichtete der Captain, er habe die H�ngematten schnell einmal durchgez�hlt, und die Gesamtzahl, n�mlich drei�ig, stimme mit der Anzahl der Verletzten �berein, die sie inner- und au�erhalb des Schiffs gefunden h�tten. Das aber bedeutete, da� der gesuchte Verbrecher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keiner der drei Spezies angeh�rte, aus denen sich die Besatzung zusammensetzte.</p><p>Die Situation auf dem Schlafdeck sei nur schwer pr�zise zu schildern, erkl�rte Fletcher, weil sich beim Umst�rzen des Schiffs allerlei lose Gegenst�nde wie Dekorationsst�cke und pers�nliche Habseligkeiten auf der Wand angesammelt h�tten. Ein Drittel der H�ngematten sei ordentlichverstaut, w�hrend die restlichen zwei Drittel so auss�hen, als seien sie in gro�er Eile ger�umt worden. Zweifellos geh�rten die ordentlichen H�ngematten zu den diensthabenden Besatzungsmitgliedern. Wenn aber laut Borddienstplan jeweils nur ein Drittel der Besatzung auf Wache sein mu�te, w�hrend alle anderen freihatten, dann fand es der Captain ausgesprochen merkw�rdig, da� der gesamte Rest in den Kojen lag, anstatt sich wenigstens zur einen H�lfte auf einem Freizeitdeck oder sonstwo au�erhalb des Schlafraums zu erholen. Bei seinen �berlegungen hatte Fletcher allerdings nicht die Tatsache ber�cksichtigt, da� bei einem Landeman�ver mit diesem Schiffstyp der sicherste Platz noch immer in einer Doppelh�ngematte war.</p><p>Als Conway den Schlafraum erreichte, kroch der Captain gerade r�ckw�rts heraus. Fletcher deutete in den Raum und sagte: �Der Verletzte liegt nah an der Innenhaut zwischen den DCMH-H�ngematten. Rufen Sie mich, falls Sie Hilfe brauchen, Doktor.�</p><p>Er drehte sich um und kroch wieder in Richtung Bug weiter. Allerdings schien er nicht besonders weit gekommen zu sein, denn kaum war Conway beim Verletzten angelangt, h�rte er schon das Zischen des Schneidbrenners und den schweren Atem des Captains.</p><p>Conway brauchte nur wenige Minuten, um sich auf das, was hier geschehen war, einen Reim zu machen. Zwei der H�ngemattenbefestigungen waren beim Umkippen des Schiffs aufgrund der seitlichen Ersch�tterung gebrochen � schlie�lich sollte diese Konstruktion nur vertikalem Zug standhalten, nicht aber horizontalem �, woraufhin sich die H�ngematte umgedreht hatte und der in ihr liegende DCMH gegen die pl�tzlich horizontale Wand geflogen war. Am Kopf des DCMH war an der Stelle, wo er gegen die Wand geprallt war, lediglich ein innerer Blutergu� festzustellen und nichts, was auf eine Fraktur hinwies. Die St�rke des Aufpralls hatte zwar nicht zum Tod, daf�r aber zur Bewu�tlosigkeit oder Benommenheit gef�hrt, die bis zum Eindringen des hochgef�hrlichen Dunstes aus den besch�digten Hydraulikbeh�ltern in die Lunge angedauert haben mu�te.</p><p>Dieser DCMH hatte gleich doppeltes Pech gehabt, dachte Conway, als er ihn aus der H�ngematte hob und weiter in die Mitte des Schlafraums zog, um ihn eingehender untersuchen zu k�nnen. Er hatte nur eine Verletzung, n�mlich die �bliche am Ende des R�ckgrats. Bei dem Gedanken, da� sich der Angreifer auf dem Ruhedeck befunden hatte und �ber sein hilfloses Opfer in der H�ngematte hergefallen war, bekam Conway eine G�nsehaut. Was f�r eine Kreatur war das? Eher klein als gro�, dachte er. B�sartig. Und schnell. Er blickte sich noch einmal fl�chtig im Schlafraum um und widmete sich dann wieder der Leiche.</p><p>�Das ist ja h�chst ungew�hnlich�, stellte er laut fest. �Dieser DCMH hat anscheinend eine geringe Menge teilweise verdauter Nahrung im Magen.�</p><p>�Das findest du ungew�hnlich?� entgegnete Murchison mit verbl�ffter Stimme. �Immerhin enthalten die Probenbeh�lter vom Vorratsdeck Lebensmittel, und zwar handelt es sich dabei um fl�ssige, faserige und pulverige Substanzen. Alle enthalten hochwertige N�hrstoffe, die f�r den Stoffwechsel s�mtlicher drei Spezies geeignet sind. Was f�r einen Grund kann es da f�r Kannibalismus geben? Und warum, zum Teufel, haben dann alle gehungert? Das gesamte Deck ist bis oben hin mit Lebensmitteln vollgestopft.�</p><p>�Bist du ganz sicher, da� die.�, hakte Conway nach, wurde aber von einer Stimme unterbrochen, die im Kopfh�rer derart verzerrt klang, da� man den Sprecher unm�glich erkennen konnte.</p><p>�Was ist das denn f�r ein Ding?�</p><p>�Captain?� erkundigte sich Conway unsicher.</p><p>�Ja, Doktor!� die Stimme war noch immer verzerrt, aber zu erkennen.</p><p>�Haben Sie den. den T�ter gefunden?�</p><p>�Nein�, antwortete Fletcher barsch. �Noch ein Opfer. Hier ist ganz eindeutig noch ein Opfer.�</p><p>�Aber das Wesen bewegt sich, Sir!� unterbrach ihn Dodds Stimme.</p><p>�Doktor�, fuhr der Captain fort, �k�nnten Sie sofort kommen? Und Sie bitte auch, Murchison.�</p><p>Fletcher hockte zusammengekauert im Eingang, der offensichtlich zum Kommandodeck des Schiffs f�hrte, und r�ckte mit dem Schneidbrenner einem Gewirr von Tr�mmern zu Leibe, das fast den gesamten Raum zwischen Decke und Boden verstopfte. Wie Conway im Licht der nur noch wenigen intakten Notbeleuchtungsk�rper und der Sonne, die durch die offene Luke �ber ihnen hereinfiel, sehen konnte, herrschte hier ein heilloses Durcheinander. Praktisch hatte sich die gesamte an der Decke montierte Schiffsausr�stung beim Umst�rzen losgerissen. �ber den Steuerungsliegen an der gegen�berliegenden Wand des Decks ragten gebrochene Rohrleitungen und verbogene St�tztr�ger mit gezackten Kanten in den Raum.</p><p>Da es sich um solide verankerte Steuerungsliegen handelte, waren sie an ihrem Platz geblieben. Allerdings waren sie leer, und die Haltegurte hingen schlaff herunter � bis auf eine Ausnahme, und diese bildete eine sehr gro�e, nach oben ge�ffnete Kuppel, um die herum die Steuerungsliegen in geringem Abstand angeordnet waren. Und die Liege in dieser Kuppel war belegt. Conway kletterte auf die Kuppel zu, aber pl�tzlich verlor er mit den F��en den Halt, und der Stumpf eines abgebrochenen Rohrs bohrte sich ihm schmerzhaft in die Seite, ri� dabei aber gl�cklicherweise den Anzug nicht auf.</p><p>�Vorsichtig, verdammt noch mal!� fuhr ihn Fletcher an. �Noch einen Verletzten k�nnen wir uns nun wirklich nicht leisten.�</p><p>�Jetzt rei�en Sie mir bitte nicht gleich den Kopf ab, Captain�, entgegnete Conway und lachte dann verlegen �ber seine recht ungl�ckliche Wortwahl.</p><p>W�hrend er jetzt hinter dem Captain erneut auf die Kuppel zukletterte, dachte er daran, da� sich die diensthabende Crew und die Besatzungsmitglieder, die sich auf dem Schlafdeck befunden hatten, nach dem Absturz einen Weg durch dieses furchtbare Tohuwabohu hatten bahnen m�ssen, und das in aller Eile, weil die giftigen D�mpfe durch das Schiff gestr�mt waren. Nat�rlich waren sie viel kleiner als Terrestrier, aber selbst dann mu�ten sie sich an diesem Metallgewirr zwangsl�ufig schwere Schnittwunden zugezogen haben. Was ja auch mit Ausnahme des DCMH im Schlafraum und des noch unbekannten Aliens in der Kuppel der Fall gewesen war. Letztere hatten allerdings im Gegensatz zu den anderen offenbar keinen Fluchtversuch unternommen.</p><p>�Seien Sie blo� vorsichtig, Doktor�, warnte der Captain.</p><p>Eine Idee, die in Conways Hinterkopf bereits Gestalt angenommen hatte, l�ste sich wieder auf. Ver�rgert entgegnete er: �Was k�nnte mir dieser Alien schon tun, au�er mich anzusehen und mit den St�mpfen zu zucken?�</p><p>Der verletzte Alien hing seitlich in den Gurten bis zum unteren Kuppelrand nach unten und hatte die l�ngliche Form einer fleischigen Riesenbirne und die etwa vierfache Gr��e eines erwachsenen Terrestriers. Am schmalen K�rperende sa� der gewaltige Knollenkopf auf einem walro�artigen Hals, der so weit nach unten gebogen war, da� die beiden gro�en, weit auseinanderstehenden Augen die nahenden Retter beobachten konnten. Conway z�hlte sieben St�mpfe, die zwischen den Gurten hervorstanden und schwach zuckten, wahrscheinlich besa� das Wesen aber noch mehr, die er nur nicht sehen konnte.</p><p>Er lehnte sich gegen ein Steuerpult, das nicht aus der Verankerung gerissen worden war, und nahm den Scanner heraus, wartete aber mit der Untersuchung, bis die gerade auf dem Deck eingetroffene Murchison zu ihm heraufgeklettert war. Dann sagte er in bestimmtem Ton: �Wir m�ssen �ber Nacht bei diesem Verungl�ckten bleiben, Captain. Geben Sie bitte Lieutenant Haslam die Anweisung, beim R�ckflug s�mtliche Verletzten auf die Rhabwar mitzunehmen und beim n�chsten Flug hierher die Bahre ohne unn�tige Lebenserhaltungssysteme mitzubringen, damit der neue Verletzte �berhaupt reinpa�t. Au�erdem ben�tigen wir noch zus�tzliche Sauerstoffflaschen f�r uns selbst und den Verwundeten, Heizger�te, eine Hebevorrichtung, Gurte und was Sie sonst noch f�r erforderlich halten.�</p><p>Der Captain sah Conway eine ganze Weile schweigend an, dann sagte er: �Sie haben den Doktor geh�rt, Haslam.�</p><p>W�hrend Murchison und Conway den neuentdeckten Verletzten untersuchten, gab Fletcher immer noch keinen Ton von sich, bis auf eine Warnung vor einem losen, in der n�chsten Sekunde herabst�rzenden Tr�mmerst�ck. Man brauchte dem Captain nicht zu sagen, da� zwischen der gro�en Kommandokuppel und der offenen Luke ein breiter Pfad freiger�umt werden mu�te, wenn man die Bahre erst herein- und dann mit dem gro�en Alien wieder hinausbringen wollte. Das Ganze versprach zu einer langwierigen Schwerstarbeit zu werden, die wahrscheinlich den gr��ten Teil der kommenden Nacht in Anspruch nehmen w�rde und zus�tzlich dadurch erschwert wurde, da� Murchison, Conway oder der Patient nicht von herabfallenden Tr�mmern getroffen werden durften. Der Chefarzt und die Pathologin aber waren viel zu sehr in die Untersuchung vertieft, um sich Gedanken �ber herabst�rzenden Schutt zu machen.</p><p>�Ich versuche lieber erst gar nicht, diese Spezies zu klassifizieren�, sagte Conway fast eine Stunde sp�ter, als sie Dr. Prilicla eine Zusammenfassung der Ergebnisse ihrer ersten Untersuchung mitteilten. �Der Verletzte hat oder hatte zehn an den Seiten verteilte Glieder von verschiedener Dicke, jedenfalls nach den St�mpfen zu urteilen. Die einzige Ausnahme ist ein an der Unterseite des K�rpers sitzendes Glied, das einen gr��eren Durchmesser als alle anderen hat. Der Zweck dieser fehlenden Gliedma�en bleibt jedoch vollkommen im dunkeln, genauso wie die Anzahl und Art der daran sitzenden Greif- oder Fortbewegungsorgane.</p><p>Das Gehirn ist gro� und gut entwickelt�, fuhr er in seinem Bericht fort und blickte zur Seite, um sich das von Murchison best�tigen zu lassen, �und besitzt einen kleinen, gesonderten Lappen, dessen hoher Mineralgehalt in der Zellstruktur auf einen zur Klassifikation V geh�renden.�</p><p>�Etwa ein Weitstrecken-Telepath?� unterbrach ihn Prilicla aufgeregt.</p><p>�Das w�rde ich nicht sagen�, antwortete Conway. �Und wenn, dann erstrecken sich seine telepathischen F�higkeiten h�chstens auf die eigene Spezies. Wahrscheinlich ist er aber eher bestenfalls ein Empath. Das wird auch durch die Tatsache best�tigt, da� die Ohren gut entwickelt sind und der Mund trotz seiner geringen Gr��e und kaum vorhandenen Z�hne dieF�higkeit zur Artikulation von Sprachlauten aufweist. Ein Wesen, das haupts�chlich durch H�ren und Sprechen kommuniziert, kann aber eigentlich kein Weitstrecken-Telepath sein, da die gesprochene Sprache allenfalls eine Erg�nzung telepathischer F�higkeiten ist. Der Verletzte hat jedenfalls bei unserem Anblick keine Anzeichen von Aufregung gezeigt, und das k�nnte bedeuten, da� er sich durch empathische F�higkeiten unserer guten Absichten bewu�t ist.</p><p>In den Atemwegen und der Lunge kann man zwar die �blichen Entz�ndungen feststellen�, fuhr Conway fort, �aber die Lungensch�den sind relativ gering. Wir vermuten, da� sich der Verletzte zum Zeitpunkt, als das Gas durch das Schiff drang, zwar nicht mehr bewegen konnte, aber dank seines gro�en Lungenvolumens in der Lage war, bis zur Verfl�chtigung des giftigen Dunstes die Luft anzuhalten. Richtig verbl�fft sind wir allerdings von seinem Verdauungsapparat. Die Speiser�hre ist �u�erst eng und scheint an mehreren Stellen zusammengefallen zu sein. Wenn man zus�tzlich bedenkt, da� er mit so wenigen Z�hnen Nahrung zerkleinern mu�, dann kann man sich nur schwer. vorstellen. da�.�</p><p>Conways Stimme hatte sich bis zum endg�ltigen Stillstand immer mehr verlangsamt, w�hrend seine Gedanken unaufhaltsam weiterrasten. Murchison, die neben ihm stand, schimpfte mit sich selbst, weil sie auch nicht schon fr�her darauf gekommen war, und Prilicla fragte: �Denken Sie dasselbe wie ich, meine Freunde?�</p><p>Eine Antwort war gar nicht n�tig, und Conway fragte: �Captain, wo sind Sie?�</p><p>Fletcher hatte sich einen schmalen Weg zu der offenen Luke gebahnt. W�hrend des Gespr�chs hatten Murchison und Conway an den Tritten der Stiefel geh�rt, wie der Captain auf der Au�enhaut hin- und hergegangen war, doch seit ein paar Minuten herrschte Stille.</p><p>�Drau�en auf dem Boden, Doktor�, antwortete Fletcher. �Ich versuche, die beste M�glichkeit zu finden, den gro�en Alien aus dem Wrack herauszuschaffen. Meiner Meinung nach k�nnen wir ihn nicht seitlich am Rumpf runterlassen, weil �berall viel zu viele abgesprungene Teile der Verkleidung und sonstige Tr�mmer h�ngen, und am Heck sieht es auch nicht viel besser aus. Wir m�ssen ihn also vom Bug aus abseilen, aber mit gr��ter Vorsicht. Ich hab mir n�mlich eben b�se die Kn�chel verstaucht, als ich vom Bug gesprungen bin. Nicht einmal zwei Zentimeter unter dem Sand befindet sich hier eine leicht absch�ssige Felsplatte. Offensichtlich benutzt Ihr Patient zum Ein- und Aussteigen normalerweise einen speziellen Lift, denn die ausfahrbare Leiter unter der Luke kann nur von den drei kleineren Spezies benutzt werden.</p><p>Ich komme jetzt gleich wieder durch die Laderaumluke ins Schiff�, schlo� der Captain seinen kurzen Bericht. �Haben Sie irgendwelche Probleme?�</p><p>�Nein, Captain�, antwortete Conway. �Aber k�nnten Sie auf dem Weg hierher gleich die Leiche vom Schlafdeck mitbringen?�</p><p>Fletcher brummte zustimmend, und Murchison und Conway setzten die Besprechung mit Prilicla fort, die sie nur ab und zu unterbrachen, um verschiedene Mutma�ungen mit den Scannern zu best�tigen. Als der Captain mit dem toten DCMH, den er vor sich herschob, eintraf, hatte Conway dem Patienten gerade eine Sauerstoffflasche angelegt und die Atemwege mit dem dazugeh�rigen Luftschlauch verbunden. Zus�tzlich hatte er dem Verungl�ckten schon f�r die Nacht eine Plastikplane um den Kopf gewickelt, weil man bei Sonnenuntergang die Luke schlie�en mu�te und sich die D�mpfe, die vom Schneidbrenner bei der Beseitigung der Metall- und Kunststofftr�mmer verursacht wurden, als noch giftiger herausstellen k�nnten als die Gase aus den Hydraulikbeh�ltern.</p><p>Conway und Murchison nahmen Fletcher die Leiche ab, hoben sie hoch �ber den Kopf und legten sie in eine der Steuerungsliegen. Der gro�e Alien zeigte daraufhin keinerlei Reaktionen, und sie versuchten es mit einer zweiten und einer dritten Liege. Diesmal zuckten die Tentakel stumpfe des Patienten leicht, und einer davon ber�hrte den DCMH sogar. Diese Ber�hrung hielt mehrere Sekunden lang an, dann zog der gro�e Alien den Tentakel stumpf langsam wieder zur�ck und r�hrte sich nicht mehr.</p><p>Conway stie� einen langgezogenen Seufzer der Erleichterung aus und sagte dann: �Jetzt pa�t alles zusammen. Prilicla, versorgen Sie die Patienten weiterhin mit Sauerstoff und intraven�s mit den diversen L�sungen. Ich glaube, da� die Verletzten ihr Bewu�tsein erst dann wiedererlangen, wenn sie Nahrung erhalten, aber die kann sp�ter im Orbit Hospital synthetisch hergestellt werden, sobald wir zur�ck sind.� Zu Murchison sagte er: �Alles, was wir jetzt dringend brauchen, ist eine Analyse des Mageninhalts dieser Leiche. Aber am besten sezierst du die nicht hier, sondern im Gang. Weil dem Captain sonst nur. ehm. unn�tig schlecht wird.�</p><p>�Mir doch nicht!� protestierte Fletcher, der bereits mit dem Schneidbrenner an der Arbeit war. �Ich w�rde einfach nicht hinsehen.�</p><p>Murchison lachte und deutete auf den �ber ihren K�pfen h�ngenden Patienten. �Er hat den anderen Captain gemeint, Captain�, kl�rte sie ihn auf.</p><p>Bevor Fletcher antworten konnte, k�ndigte Haslam seine in etwa f�nfzehn Minuten bevorstehende Landung an.</p><p>�Du bleibst besser beim Patienten, w�hrend ich dem Captain beim Beladen der F�hre helfe�, sagte Conway zu Murchison. �Bem�h dich einfach, beruhigende Emotionen auszustrahlen, das ist alles, was wir im Moment tun k�nnen. Wenn wir alle das Kommandodeck verlassen, glaubt er sonst noch, wir h�tten ihn aufgegeben und w�rden nicht zur�ckkommen.�</p><p>�Sie wollen Murchison wirklich hier alleine zur�cklassen?� fragte Fletcher emp�rt.</p><p>�Ja, schlie�lich besteht keine Gefahr mehr, da wir alle.�, begann Conway, als Dodds Stimme sich einmischte.</p><p>�In einem Umkreis von �ber drei�ig Kilometern vom Wrack regt sich absolut nichts, Sir�, beruhigte er den Captain, �bis auf die Dornb�sche.�</p><p>W�hrend sie zun�chst Haslam beim Transport der Verungl�ckten vom Felsvorsprung ins Wrack halfen und sp�ter die nur mit dem N�tigsten ausger�stete Bahre zum Wrack schoben, kam Fletcher kaum ein Wort �ber die Lippen. So ein Verhalten sah dem Captain �berhaupt nicht �hnlich, da er normalerweise stets seine Meinung sagte, egal, wer oder was ihn st�rte. Aber Conways Gedanken waren viel zu sehr mit anderen Dingen besch�ftigt, als da� er Zeit gehabt h�tte, dieser Sache auf den Grund zu gehen.</p><p>�Ich hab dar�ber nachgedacht�, berichtete er, als sie die offene Laderaumluke erreicht hatten, �da� die Dornb�sche laut Dodds von Nahrung und W�rme angezogen werden. Wir werden nachher im Wrack viel W�rme erzeugen, und obendrein befindet sich dort drin ein Vorratsdeck, das bis oben mit Lebensmittelbeh�lter gef�llt ist. Angenommen, wir tragen so viele Lebensmittel aus dem Wrack raus, wie wir k�nnen, und verteilen sie vor den Dornb�schen, dann verlieren diese Wanderpflanzen vielleicht f�r eine Weile das Interesse am Wrack.�</p><p>�Das hoffe ich�, bemerkte Fletcher.</p><p>Die Landef�hre erhob sich gerade aus einem kleinen, von ihr selbst erzeugten Sandsturm, als Conway die ersten Lebensmittelbeh�lter zum n�chsten Dornbusch schleifte, der sich ungef�hr vierhundert Meter hinter dem Heck des Wracks befand. Gem�� ihrer Vereinbarung schaffte Fletcher die Beh�lter vom Vorratsdeck heran und stellte sie vor der Luke auf dem Boden ab, w�hrend Conway sie vor der vordersten Linie der vorr�ckenden Dornb�sche verteilte. Er h�tte daf�r lieber die Bahre mit den Schwerkraftneutralisatoren und dem gr��eren Fassungsverm�gen benutzt, aber Naydrad hatte ihm in ihrer direkten Art unmi�verst�ndlich erkl�rt, da� er schlie�lich keine Erfahrung habe, die Bahre zu steuern, und sie einfach in Richtung Himmel verschwinden oder wegen des fehlenden Gewichts vom Wind weggeblasen werden k�nnte, wenn die Gravitationseinstellungen falsch w�ren oder ein Teil der Ladung herunterfallen w�rde.</p><p>Also mu�te er die Arbeit auf die umst�ndlichere Art erledigen.</p><p>�Lassen Sie uns lieber langsam Schlu� machen, Doktor�, schlug der Captain vor, als Conway von der achten Runde zur�ckgekehrt war. �Der Wind nimmt allm�hlich wieder zu.�</p><p>Im Verlauf der Arbeit war der Schatten des Wracks zunehmend l�nger und die Farbe des Himmels immer dunkler geworden. Die Anzugsensoren zeigten eine deutliche Abnahme der Au�entemperatur an, aber Conway hatte derart viel K�rperw�rme entwickelt, da� ihm das gar nicht aufgefallen war. Er warf die letzten Beh�lter so weit er konnte nach vorne und zu beiden Seiten von sich. Zuvor hatte er einige davon ge�ffnet, damit die Dornb�sche mit Sicherheit erkannten, da� sich auch in den geschlossenen Beh�ltern Lebensmittel befanden � obwohl sie das wahrscheinlich auch ohne seine Hilfe begreifen konnten. Die Dornb�sche bedeckten den Sand auf breiter Linie wie ein schwarzes, ungleichm��ig schraffiertes Kreuz und bewegten sich scheinbar nicht. Doch jedesmal, wenn Conway ein paar Minuten lang die Augen abwandte und dann wieder hinsah, waren sie ein St�ck n�her ger�ckt.</p><p>Pl�tzlich versanken die Dornb�sche und alles andere hinter einem dunkelbraunen Vorhang aus Sand. Conway wurde von einer heftigen Windb� im R�cken erfa�t, und ihre Wucht zwang ihn in die Knie. Er bem�hte sich, wieder auf die Beine zu kommen, aber ein Wirbel warf ihn auf die Seite. Halb kriechend, halb laufend bewegte er sich auf das Wrack zu, obwohl er in diesem Moment keine genaue Vorstellung davon hatte, wo es sich befand. Der vom Wind aufgepeitschte Sand prasselte so laut gegen den Helm, da� er Dodds Stimme kaum h�ren konnte.</p><p>�Meinen Sensoren zufolge kriechen Sie direkt auf die Dornb�sche zu, Doktor�, warnte ihn der Astronavigator eindringlich. �Drehen Sie sich etwa um einhundertzehn Grad nach rechts, dann befindet sich das Wrack ungef�hr dreihundert Meter vor Ihnen.�</p><p>Fletcher stand mit voll aufgedrehtem Anzugscheinwerfer, der praktisch als Leuchtfeuer diente, vor der Laderaumluke. Er zog Conway schnell durch die Luke herein und schlo� sie sofort hinter sich. Durch den Absturz hatte sich T�r aber so stark verzogen, da� der Sand trotzdem weiterhin an den R�ndern vorbei in den Laderaum hereingeblasen wurde � au�er in der N�he des unteren Lukenrands, wo er lediglich unaufh�rlich hereinrieselte.</p><p>�In wenigen Minuten ist die Luke durch den Flugsand von au�en abgedichtet�, erkl�rte Fletcher, ohne Conway anzublicken. �F�r unseren Kannibalen wird es ganz sch�n schwer werden, hier hereinzukommen.</p><p>Au�erdem macht Dodds ihn sowieso vorher mit den Sensoren aus, und dann werde ich immer noch gen�gend Zeit haben, um die notwendigen Schritte einzuleiten.�</p><p>Conway sch�ttelte den Kopf und entgegnete: �Bis auf den Wind, den Sand und die Dornb�sche gibt es nichts, worum wir uns Sorgen machen m��ten.� In Gedanken f�gte er hinzu: Als wenn das nicht schon genug w�re.</p><p>Der Captain murmelte irgend etwas vor sich hin und kletterte durch die andere Luke in den Gang. Conway kroch ihm hinterher. Erst als Fletcher das Tempo verlangsamte, um vorsichtig an den lecken Hydraulikbeh�ltern vorbeizukriechen, die mittlerweile nur noch schwache D�mpfe freisetzten, sprach ihn Conway wieder an.</p><p>�Macht Ihnen noch irgend etwas anderes Sorgen, Captain?�</p><p>Fletcher hielt inne und blickte Conway zum erstenmal seit �ber einer Stunde wieder direkt in die Augen. Schlie�lich antwortete er: �Ja, da gibt es etwas. Mir l��t dieser Alien auf dem Kommandodeck einfach keine Ruhe. Was k�nnen Sie denn selbst im Orbit Hospital f�r einen solchen Patienten mit mehrfachen Amputationen schon tun? Der bleibt doch sein Leben lang ein vollkommen hilfloser Kr�ppel, kaum mehr als ein lebendes Forschungsobjekt. Ich frage mich, ob es nicht besser w�re, einfach die K�lte hereinzulassen und ihn.�</p><p>�Wir k�nnen eine ganze Menge f�r ihn tun, wenn wir ihn bis morgen fr�h durchbringen, Captain�, unterbrach ihn Conway. �Haben Sie denn Murchison, Prilicla und mir bei der Besprechung des Falls nicht zugeh�rt?�</p><p>�Ja und nein, Doktor�, entgegnete Fletcher und kroch wieder weiter. �Einiges davon war f�r mich nichts als Fachchinesisch, und was mich betrifft, h�tten Sie genausogut un�bersetztes Kelgianisch sprechen k�nnen.�</p><p>Conway lachte leise und erwiderte: �Dann sollte ich Ihnen wohl lieber mal �bersetzen, wor�ber wir uns unterhalten haben.�</p><p>Wie er dem Captain ausf�hrte, hatte das Alienschiff die Notsignalbakenicht wegen einer technischen Funktionsst�rung ausgesetzt, sondern weil sich die gesamte Besatzung eine ernsthafte Krankheit zugezogen hatte. Die Besatzungsmitglieder, die am wenigsten angegriffen waren, hatten vermutlich Dienst auf dem Kommandodeck, w�hrend die anderen in ihren H�ngematten lagen. Warum das Schiff auf einem Planeten landen mu�te, war noch immer nicht klar. Wahrscheinlich gab es physiologische Gr�nde, die nach planetarischer Schwerkraft oder einer Atmosph�re verlangten � vielleicht verschlimmerte sich der Krankheitszustand durch die Schwerelosigkeit an Bord, und k�nstliche Gravitation durch den Einsatz der Triebwerke konnte man nicht mehr erzeugen, weil die Besatzungsmitglieder zu schnell das Bewu�tsein verloren. Aus welchem Grund auch immer, die Besatzung sah sich zu einer Notlandung auf Trugdil gezwungen. Zwar gab es auf dem Planeten sehr viel bessere Landepl�tze, aber die Notlage an Bord mu�te so au�ergew�hnlich extrem gewesen sein, da� sie an der n�chstbesten Stelle gelandet waren.</p><p>Als sie das Kommandodeck erreichten, unterbrach Conway seine Erl�uterungen, denn hoch �ber ihnen schlo� Murchison gerade die Besatzungsluke.</p><p>�Ich will dich ja nicht unterbrechen�, sagte sie, �aber da wir die Schneidbrenner jetzt in einem mehr oder weniger geschlossenem Raum einsetzen, werde ich die Versorgung des Patienten mit reinem Sauerstoff lieber einstellen. Er scheint mittlerweile sowieso m�helos zu atmen. Ist ein Teil Sauerstoff auf vier Teile Edelgas richtig?�</p><p>�Das ist ganz ausgezeichnet�, best�tigte Conway. �Warte, ich helfe dir.�</p><p>Pl�tzlich verst�rkte sich das Prasseln des Sands auf der Au�enhaut, und das ganze Schiff schien ruckartig zur Seite zu rutschen. Vom Mittelschiff her ert�nte ein kreischendes und krachendes Ger�usch, das auf einen Schlag wieder verstummte, als sich ein Teil der Rumpfverkleidung losri� und sofort vom Wind weggetragen wurde.</p><p>��brigens ist gerade eben ein Teil des Wracks abgerissen worden�, meldete Dodds �berfl�ssigerweise und fuhr dann fort: �Die Dornb�sche sind bei den Lebensmittelbeh�ltern zum Stillstand gekommen, und einige, die in unmittelbarer N�he sind, str�men nach. Aber etwas weiter weg, auf der anderen Seite, befindet sich noch eine ganze Menge anderer Dornb�sche, die sich mit relativ hoher Geschwindigkeit direkt dem Wrack n�hern. Sie haben den Wind im R�cken, lassen sich einfach von ihm treiben und setzen nur soviel von ihrem Wurzelgeflecht ein, da� sie gerade noch eine lose Verbindung zum Boden haben. Bei dem vorgelegten Tempo k�nnten die schon in einer halben Stunde beim Schiff sein.�</p><p>Es war, als ob ein riesiges, weiches Kissen gegen die Seite des Schiffs schl�ge. Zuerst neigte sich der Decksboden unter ihren F��en, dann richtete er sich wieder auf. Diesmal klang es fast so, als w�rden Verr�ckte mit Vorschlagh�mmern gleichzeitig auf drei verschiedene Schiffsabschnitte eindreschen, bis das Krachen ein paar Sekunden sp�ter wieder vorbei war. Doch zu dem L�rm des gegen den Rumpf prasselnden Sands gesellte sich jetzt das disharmonische St�hnen und Pfeifen des Winds, der sich gewaltsam seinen Weg ins Wrack bahnte.</p><p>�Unser Schutzwall ist offensichtlich por�s geworden�, stellte Fletcher beunruhigt fest. �Aber erz�hlen Sie weiter, Doktor.�</p><p>�Das Schiff machte hier also eine Notlandung�, wiederholte Conway, �weil die Besatzung keine Zeit hatte, nach einem besseren Platz zu suchen. Alles in allem klappte die Landung auch gut, und es war reines Pech, da� das Schiff umgekippt ist und dabei die Hydraulikbeh�lter gerissen sind. W�re das nicht passiert, h�tten die Besatzungsmitglieder wahrscheinlich ihre Krankheit aus welchem Grund auch immer �berwunden und w�ren mit der Zeit wieder gestartet. Vielleicht h�tte aber auch der erste Sandsturm das Schiff so oder so umgeworfen. Wie dem auch sei, die Besatzung befand sich nach der Bruchlandung pl�tzlich in einem Wrack, das sich blitzschnell mit giftigen D�mpfen f�llte. Trotz ihres angeschlagenen Gesundheitszustands mu�ten die Aliens schleunigst ins Freie, und da die Fluchtwege zum Heck direkt an der Verseuchungsquelle vorbeif�hrten und obendrein teilweise durch Tr�mmer vom Absturz versperrt waren, blieb ihnen nichts anderes �brig, als das Schiff �ber das Kommandodeck und dieOberseite des Rumpfs zu verlassen und sich dann auf den Boden rutschen zu lassen.</p><p>Und dabei haben sie sich diese schweren Verletzungen zugezogen�, f�gte Conway hinzu.</p><p>Er hielt kurz inne und half Murchison beim Umstellen des Luftgemischs, mit dem der Patient versorgt werden sollte. Vom Heck her war jetzt ein klirrendes Ger�usch zu vernehmen, das ununterbrochen und monoton durchs ganze Schiff hallte � irgendeines der Wrackteile wollte sich einfach nicht losrei�en.</p><p>�Es gibt wahrscheinlich zwei Gr�nde, warum sich die Besatzungsmitglieder nicht weiter vom Schiff entfernt haben�, fuhr Conway mit lauterer Stimme fort. �Erstens hatten sie durch die Auswirkungen der Krankheit nicht mehr die Kraft dazu, und zweitens gab es meiner Vermutung nach auch gewichtige psychologische Gr�nde, in der N�he des Schiffs zu bleiben. Die von uns festgestellte k�rperliche Verfassung, die hohe K�rpertemperatur und die Anzeichen einer Unterern�hrung, die wir zuerst irrt�mlicherweise erzwungenem Hungern zugeschrieben haben, waren samt und sonders Symptome der Krankheit. M�glicherweise ist sogar die tiefe Bewu�tlosigkeit ein Krankheitssymptom oder vielleicht sogar irgendeine Form von Winterschlaf, in den die Aliens bei Verletzungen oder sonstigen Leiden fallen, wenn sie wissen, da� Hilfe erst sp�ter eintreffen kann. Dieser bewu�tlose Zustand setzt die Stoffwechselgeschwindigkeit herab und d�mmt die Blutungen ein.�</p><p>Fletcher machte gerade den Schneidbrenner einsatzbereit und blickte verbl�fft drein. �An eine Krankheit und an die durch die Flucht hervorgerufenen Verletzungen kann ich ja noch glauben�, sagte er. �Aber was ist mit den fehlenden Gliedma�en und den.�</p><p>�Hier Dodds, Sir�, unterbrach ihn der Astronavigator von der Rhabwar aus. �Leider wirkt sich das mittern�chtliche Nachlassen des Winds nicht auf Ihren derzeitigen Aufenthaltsort aus. Es gibt n�mlich �rtliche Wetterst�rungen. Au�erdem haben drei gro�e Dornb�sche das Heck erreicht und dringen mit Teilen ihrer �u�eren Triebe in das Vorratsdeck ein. Dort hat sich ein gro�es St�ck der Rumpfverkleidung losgerissen. Wenn die B�sche erst einmal an diesen geballten Lebensmittelvorrat gelangt sind, verlieren sie wahrscheinlich das Interesse an anderen Nahrungsquellen.�</p><p>Dodds Optimismus klang gezwungen.</p><p>Jetzt ergriff Murchison das Wort. �Ob wirklich eine Krankheit f�r die Schwierigkeiten der Aliens verantwortlich ist, k�nnen wir nicht mit absoluter Sicherheit sagen, Captain. Laut Analyse des Mageninhalts der Leiche vom Schlafdeck gibt es Anzeichen f�r eine schwere Magen-Darm-Krankheit, die durch eine Bakterie vom Heimatplaneten der Aliens ausgel�st wurde, und bei dem Symptom, das zum Verdacht auf Unterern�hrung f�hrte, handelte es sich bei allen F�llen in Wirklichkeit nur um das Erbrechen des gesamten Mageninhalts. Der Verungl�ckte auf dem Schlafdeck wurde vor Beendigung des Vorgangs durch einen Schlag bewu�tlos und erstickte kurz darauf, so da� er nicht mehr den gesamten Mageninhalt durch das unwillk�rlich gesteuerte Erbrechen aussto�en konnte. M�glicherweise war aber auch der Schiffsproviant durch Krankheitserreger verseucht und damit f�r die aufgetretenen Probleme verantwortlich.�</p><p>Conway fragte sich, ob wohl auch eine fortbewegungsf�hige, allesfressende Pflanze an einer Lebensmittelvergiftung erkranken k�nnte. Selbst wenn dies der Fall war, so zweifelte er doch sehr daran, da� diese Vergiftung rechtzeitig genug eintreten w�rde, um sie vor den Dornb�schen zu sch�tzen.</p><p>�Ich danke Ihnen f�r diese Informationen, Murchison�, sagte Fletcher und hakte sofort nach: �Aber was ist nun mit den fehlenden Gliedern?�</p><p>�Es fehlen �berhaupt keine Glieder, Captain�, antwortete die Pathologin. �Die Besatzungsmitglieder vermissen allenfalls nur ein einziges Organ � n�mlich ihren Kopf. Wegen der vielen anderen Wunden sind wir nicht gleich auf die Wahrheit gesto�en, aber es gibt weder fehlende Gliedma�en noch irgendeinen Verbrecher.�</p><p>Fletcher starrte Conway an, da er zu h�flich war, seine Zweifel an den Ausf�hrungen der Pathologin in Worte zu fassen, und der Chefarzt �bernahm die weiteren Erl�uterungen. W�hrend er erz�hlte, mu�te er gleichzeitig arbeiten, weil er sich zusammen mit Murchison vor die langwierige und schwierige Aufgabe gestellt sah, den gro�en Alien von der Kuppel zur Bahre zu schaffen.</p><p>Man konnte sich nur schwer die Kette von Umwelteinfl�ssen vorstellen, die zur Entwicklung solch einer im Grunde genommen hilflosen Spezies zur dominanten Lebensform gef�hrt hatte, deren Zivilisationsstand sie im Laufe der Zeit sogar zu Raumreisen bef�higte, erkl�rte Conway. Aber diese plumpen, nur allzu deutlich gehunf�higen Wesen ohne Gliedma�en hatten all das geschafft. Wie er und Murchison inzwischen wu�ten, war der gro�e Alien ein in Symbiose lebender Wirt, der mehrere spezialisierte Symbionten entwickelt hatte, die ihm als Greiforgane und F�hler f�r die n�here und fernere Umgebung dienten. Die St�mpfe des Aliens und die bei den Verungl�ckten irrt�mlich f�r Amputationswunden gehaltenen Stellen waren die Verkn�pfungspunkte, �ber die der Wirt im Fall einer unumg�nglichen k�rperlichen T�tigkeit oder bei Nahrungsbedarf mit den Symbionten in Verbindung trat.</p><p>Wahrscheinlich bestanden zwischen dem als Wir fungierenden Captain und seiner Besatzung sowohl starke geistige als auch k�rperliche Verbindungen, aber st�ndiger Kontakt mit allen Besatzungsmitgliedern war anscheinend dennoch nicht n�tig, denn inner- und au�erhalb des Wracks hatten sich dreimal so viele Aliens wie organische Verbindungsstellen am Wirt befunden. Es war auch wahrscheinlich, da� der Wirt nie schlief und seinen Symbionten ununterbrochen nichtk�rperliche Unterst�tzung zukommen lie�. Diese Annahme wurde durch die von Prilicla auf der Rhabwar wahrgenommene emotionale Ausstrahlung best�tigt, die von Gef�hlen der Verwirrung und des Verlusts gepr�gt war denn die telepathischen oder empathischen F�higkeiten des Wirt-Captains reichten nat�rlich nicht bis zur Umlaufbahn der Rhabwar hinauf.</p><p>�Die kleinste, als DCLG klassifizierte Lebensform verf�gt genauso wie die etwas gr��eren DCMHs �ber eine unabh�ngige Intelligenz und f�hrt diefeineren komplizierteren Handgriffe aus�, �bernahm nun Murchison die weitere Erl�uterung des Sachverhalts � und das nicht nur f�r den Captain, der kurz in den Gang verschwunden war, um dort nachzusehen, wie weit die Dornb�sche bereits vorgedrungen waren, sondern auch um ihre eigenen Gedanken zu ordnen. �Die Funktion des gro�en DCOJ hingegen besteht allein im Essen und in der Versorgung des Wirts mit vorverdauter Nahrung. Jedoch spricht alles daf�r, da� alle drei Lebensformen �ber ihre eigenen Systeme zur Nahrungsaufnahme, Verdauung und Fortpflanzung verf�gen. Eine der Spezies mu� au�erdem beim Austausch von Sperma oder Eizellen zwischen den unbeweglichen Wirten mithelfen.�</p><p>Sie brach ab, als der Captain mit dem Schneidbrenner in der einen Hand und einem in sich verhedderten Gebilde in der anderen zur�ckkehrte, das wie ein kurzes St�ck Stacheldraht aussah. �Die Triebe der Dornb�sche sind schon aus dem Vorratsdeck heraus und durch den halben Gang gewachsen�, berichtete er. �Ich hab Ihnen eine Probe mitgebracht, Murchison.�</p><p>Die Pathologin nahm sie ihm vorsichtig ab, und Conway kam zu ihr her�ber, um einen n�heren Blick darauf zu werfen. Bei der Probe handelte es sich um ein dunkelbraunes Gebilde, das wie ein dreidimensionaler Zickzackkurs verlief und in jeder Ecke mit einer gr�nen Dorne besetzt war. Nur aus einem Knick der Ranke spro� eine lange, spitz zulaufende Hohlr�hre, wahrscheinlich eine Wurzel, die wie das pflanzliche Gegenst�ck einer dicken Spritzennadel aussah. Murchison schnitt die Dornen mit einer chirurgischen Schere ab und lie� sie in den Analysator fallen.</p><p>�Warum mu�ten wir eigentlich leichte Anz�ge anziehen?� fragte sie ein paar Minuten sp�ter. �Zwar w�re ein einzelner Kratzer von einem dieser Dornen noch nicht t�dlich, drei oder vier davon aber schon. Was machen Sie da, Captain?�</p><p>Fletcher nahm gerade den Leuchtsignalk�rper von seinem Rucksack ab. �Aufgrund der verkohlten Stielenden kann man sehen, da� diese B�sche brennbar sind�, antwortete er. �Ich hab dieses St�ck n�mlich mit dem Schneidbrenner abgeschnitten. Leider brennen die Ranken nicht von alleineweiter, aber vielleicht hemmt das Leuchtsignal wenigstens f�r eine Weile das weitere Wachstum der Triebe. Treten Sie beide bitte von der T�r zum Gang zur�ck. Dieses Leuchtsignal ist eigentlich nicht zur Verwendung in geschlossenen R�umen bestimmt.�</p><p>Nachdem er den Zeitz�nder eingestellt hatte, warf er den Leuchtk�rper mit aller Kraft in den Gang hinein. Die durch den T�rrahmen str�menden Lichtstrahlen waren so intensiv, da� sie fast k�rperliche Gestalt angenommen zu haben schienen, und das Zischen des Leuchtsignals �bert�nte sogar noch das Ger�usch des gegen die Au�enhaut peitschende Sands. Das Licht blieb gleichm��ig hell, begann aber allm�hlich zu flackern, als aus dem Gang Rauch durch die T�r quoll.</p><p>Die Dornb�sche brennen, dachte Conway aufgeregt und hoffte nur, da� dieses kleine Feuerwerk dem Patienten nicht allzusehr zu schaffen machte. Er schien n�mlich ungew�hnlich aufgeregt zu sein.</p><p>Pl�tzlich gab es eine krachende Explosion. Durch die T�r flogen Teile des Leuchtk�rpers, brennende Dornenzweige und Leichenteile des sezierten DCMH. Der Kuppelrand, an dem sich Conway in aller Eile festgeklammert hatte, schien in seinen H�nden zu rucken. Er hielt sich verzweifelt daran fest, als der senkrecht stehende Boden, begleitet von dem ohrenbet�ubenden Kreischen berstenden Metalls, auf ihn zuzufallen schien. Dann folgte eine etwas weniger starke Ersch�tterung, und die metallischen Ger�usche lie�en allm�hlich nach. Die Notbeleuchtung war zwar ausgefallen, aber die zischenden Reste des Leuchtsignals und die Helmlampen erzeugten gen�gend Licht, um den aus der Kuppel gefallenen Patienten zu sehen, der jetzt direkt �ber ihnen hing und nur noch von den Gurten gehalten wurde, die teilweise bereits gerissen waren.</p><p>�Die Bahre!� schrie Conway. �Schnell, helft mir!� Auf dem Kommandodeck hing nun so dichter Rauch, da� Conway nur die Helmlampen von Murchison und Fletcher einigerma�en deutlich sehen konnte. Er nahm die eine Hand von der Kuppel und tastete nach der Bahre umher, die vor der Explosion schwerelos mit auf minus ein Ge eingestellten Repulsoren in der Luft geschwebt hatte, um das Man�vrieren des Gef�hrts in dem beengten Raum zu vereinfachen. Schlie�lich ertastete Conway die Bahre und sp�rte wenige Sekunden sp�ter, wie sie von anderen H�nden in die richtige Position gebracht wurde. �ber ihm hing immer noch der Alien wie ein riesiger Baumstamm aus Fleisch und Blut, dessen Str�nke zwischen den Gurten hervorragten, und der jeden Moment herunterzufallen drohte, wobei er zun�chst Conway zerquetschen und anschlie�end durch den Sturz auf die zwar verkohlten, aber vermutlich immer noch giftigen Dornb�sche wahrscheinlich selbst sterben w�rde.</p><p>Pl�tzlich sackte der extraterrestrische Kolo� �ber ihm ein St�ck weiter herunter. Conway zuckte zwar im ersten Moment zur�ck, aber die restlichen Gurte hielten den Alien gl�cklicherweise noch, und er tastete nach dem Bedienungsfeld der Elektrobahre. �Schiebt die Bahre unter den Alien!� br�llte er. �Ja, genau unter seinen Schwerpunkt. Ja, gut so!�</p><p>Er steigerte allm�hlich die Repulsion, bis die Bahre fest gegen die untere K�rperseite des Patienten gedr�ckt wurde und schlie�lich das gesamte Gewicht des Aliens trug, so da� die Gurte ihn nur noch an seitlichen Bewegungen hinderten. Erst als das geschafft war, bemerkte Conway die Stimme von Dodds im Kopfh�rer, der immer und immer wieder fragte, was denn blo� passiert sei und ob sie alle in Ordnung seien.</p><p>�Uns geht�s gut�, antwortete Fletcher w�tend. �Aber was da eigentlich passiert ist, m�ssen uns schon Sie erz�hlen, Lieutenant. Wozu sind denn schlie�lich die Sensoren da?�</p><p>�Eine Explosion an der Stelle, wo sich die besch�digten Hydraulikbeh�lter befinden, Sir�, erwiderte Dodds, und man konnte ihm seine Erleichterung anh�ren. �Bei der Hydraulikfl�ssigkeit handelt es sich anscheinend nicht nur um ein hochgiftiges, sondern auch um ein leichtentz�ndliches Gemisch, das durch das Leuchtsignal hochgegangen ist. Durch die Explosion ist die auf dem Felsvorsprung liegende Seite des Schiffs geborsten, und jetzt liegt auch der Bug auf dem Sand. Am Mittelschiff und Heck haben die Explosion und der Wind einen gro�en Teil der Rumpfverkleidung abgerissen. Das Schiff sieht jetzt ziemlich. luftdurchl�ssig aus, Sir.�</p><p>Der Rauch hatte sich zwar inzwischen verfl�chtigt, aber daf�r strichen jetzt von irgendwoher feine Sandwolken durch das Kommandodeck. �Das glaube ich Ihnen sofort, Dodds�, antwortete Fletcher trocken. �Au�erdem ist es hier ziemlich kalt. Wann k�nnen Sie uns fr�hestens abholen?�</p><p>�In knapp drei Stunden, Sir�, entgegnete Dodds. �In zwei Stunden geht die Sonne auf, und eine Stunde sp�ter m��te sich der Wind gelegt haben.�</p><p>Die beiden tragbaren Heizger�te und ein Ersatzschneidbrenner hatten sich durch die Explosion gel�st und waren mitten in die Dornb�sche gefallen. Eins der Heizger�te funktionierte sogar noch, doch der aus dem Gang fegende eisige und sandige Wind verminderte die Wirkung erheblich. Conway zitterte und bi� die Z�hne zusammen, sowohl um das K�lteklappern zu unterbinden, als auch als Reaktion auf den unbeschreiblichen L�rm des durch die nackten Rippen des Hecks heulenden Winds und auf das unregelm��ige, donnernde Get�se der sich losrei�enden restlichen Rumpfverkleidung. Er stellte die tragbaren Scheinwerfer, die die Explosion unbeschadet �berstanden hatten und wenigstens einen Hauch von W�rme spendeten, wieder an ihren alten Platz, ungef�hr einen Meter von der Bahre entfernt.</p><p>Um den Alien aus der Kuppel herauszuholen, richtig in die Bahre zu legen und anschlie�end zu sichern, brauchten Murchison und Conway mehr als eine Stunde. Auch der ET litt unter der K�lte. Seine organischen Verbindungsstellen zuckten unaufh�rlich, und der glatte, ansonsten keine besonderen Merkmale aufweisende K�rper �berzog sich mit einem Gewirr von Runzeln. Conway versuchte, irgend etwas Geeignetes zum Zudecken des Aliens zu finden, aber au�er den breiten Gurten aus der Kommandokuppel und von den Besatzungsliegen konnte er auf diesem Deck nichts Passendes entdecken. Als er schlie�lich sein anstrengendes Werk vollendet hatte, war der Alien von den Gurten praktisch wie in einem Kokon eingewickelt. Nur die wenigen noch sichtbaren Hautstellen zuckten weiterhin und warfen Runzeln.</p><p>In der Hoffnung, die vorhandene W�rme w�rde nach oben steigen und die Luft dort wenigstens etwas mehr aufheizen, brachten sie den ET nach oben zur verschlossenen Besatzungsluke. Conway konnte allerdings keinen Temperaturunterschied feststellen, und er fragte sich, ob es eine M�glichkeit geben k�nnte, das zweite Heizger�t zu bergen. Aber durch einen Blick nach unten sah er zu seinem Entsetzen, da� neue, nicht verkohlte Dornenranken aus dem Gang heraus auf das Kommandodeck wuchsen und sich bereits auf sie zuschl�ngelten.</p><p>�Doktor�, sagte Fletcher schnell und deutete auf eine gro�e Deckenplatte, die nur noch von einer einzelnen St�tzstrebe getragen wurde. �Halten Sie die Platte fest, w�hrend ich sie losschwei�e.�</p><p>Kurz darauf warfen sie die Platte auf die Dornenranken und knoteten einzelne Gutst�cke zu einem Seil zusammen, damit sich der Captain daran auf die Platte hinunterlassen konnte. Zwar verbog sich die Platte durch sein Gewicht ein wenig, aber die Dornenranken darunter wurden von dem Gewicht gewaltsam zwei Meter oder mehr nach unten gedr�ckt. Fletcher kniete vorsichtig auf dem Behelfsflo� nieder, machte den Schneidbrenner bereit und griff mit der wie zu einer langen, d�nnen Nadel geb�ndelten Flamme die ihn von allen Seiten umgebenden Dornb�sche an.</p><p>Nach beinahe sechsst�ndigem Dauerbetrieb war die Energie verbraucht. Als die Flamme schw�cher wurde und schlie�lich erlosch, richtete sich Fletcher genauso vorsichtig wieder auf und beugte und streckte die Beine, wodurch die Deckenplatte leicht auf- und abfederte und die Dornenranken weiter heruntergedr�ckt wurden. Er legte eine kurze Verschnaufpause ein. Die Platte sank zwar immer noch weiter nach unten, aber jetzt wuchsen die spitzen Dornenranken �ber die R�nder des Flo�es hinweg und drohten es allm�hlich zu �berwuchern.</p><p>Das aus den Gurten geknotete Seil befand sich kaum noch in Fletchers Reichweite. Er ging leicht in die Hocke, sprang hoch und ergriff mit beiden H�nden das Ende des Seils, gerade als die Platte zu schaukeln begann und schlie�lich seitlich zwischen den Dornb�schen verschwand. Conway kletterte so weit wie er konnte am Seil herunter und zog das untere Ende zu sich heran, damit der Captain den Fu� auf die hervorspringende Kante eines Schranks setzen konnte.</p><p>�Haben Sie mitgekriegt, wie sich dieses Ding unter der Platte von selbst befreit und Sie umzingelt hat, Captain?� fragte Murchison aufgeregt, als Conway und Fletcher wieder bei ihr waren. �Diese B�sche sind zwar sehr langsam, aber glauben Sie nicht auch, da� wir einer pflanzlichen Lebensform, die m�glicherweise intelligent ist, starke Schmerzen zuf�gen?�</p><p>�Doch, Murchison�, antwortete der Captain mitf�hlend. �Aber bei weitem nicht genug.�</p><p>�Noch achtzig Minuten, Sir�, meldete Dodds.</p><p>Sie l�sten die wenigen Tr�mmerst�cke und Ausr�stungsgegenst�nde, die man von Hand losbekam, und warfen sie auf das Dorngestr�pp. Die Wirkung war allerdings gering. Fletcher und Conway schlugen abwechselnd mit einer langen Metallstrebe auf die Ranken ein, die sich aber auch davon kaum beeindrucken lie�en und sich weiter auf sie zuschoben. Schon bald gab es nicht mehr gen�gend Platz, um sich frei bewegen zu k�nnen oder sich durch Bewegung warm zu halten oder, besser gesagt, die K�lte zu vertreiben. Sie konnten sich nur noch dicht an der Besatzungsluke zusammenkauern, die Z�hne zusammenbei�en, damit sie nicht klapperten, und den Dornenranken beim Herankriechen tatenlos zusehen.</p><p>Dieses Bild wurde auch zur Rhabwar �bertragen, wo es bereits wachsende Beunruhigung hervorgerufen hatte, und Lieutenant Haslam meldete sich pl�tzlich: �Ich kann auch jetzt schon starten, Sir, und Sie.�</p><p>�Nein!� fuhr der Captain energisch dazwischen. �Wenn Sie landen, solange noch die Gefahr besteht, da� die Landef�hre vom Wind umgeblasen wird, dann wird hier unten niemand mehr aus diesem Schlamassel heraus.�</p><p>Er brach mitten im Satz ab, weil sich seine Stimme pl�tzlich sehr laut angeh�rt hatte.</p><p>Der Wind hatte sich gelegt!</p><p>��ffnen Sie die Luke�, befahl er. �Und nichts wie raus hier!�</p><p>Durch die ge�ffnete Luke zeigte sich der dunkelblaue Morgenhimmel, und es wurde nur eine geringf�gige Menge Sand hereingeblasen. Mit vereinten Kr�ften man�vrierten sie die Bahre und den daran festgeschn�rten Verungl�ckten durch die �ffnung hindurch bis auf die Oberseite des Rumpfs.</p><p>�Diese Flaute ist vielleicht nur vor�bergehend, Sir�, warnte Dodds. �Die Gegend, in der sie sich befinden, wird noch immer von heftigen Sturmb�en heimgesucht.�</p><p>Die aufgehende Sonne versteckte sich zwar noch hinter Sandwolken, spendete aber bereits genug Licht, um die drastischen Ver�nderungen auf der Planetenoberfl�che zu erkennen, die durch die n�chtlichen Verlagerungen gro�er Mengen Flugsands hervorgerufen worden waren.</p><p>Das Wrack hatte vom Mittelschiff bis zum Heck die gesamte Rumpfverkleidung verloren, und das ganze Schiffsgerippe war von einem dichten Gewirr aus Dornenranken �berwuchert. Bis hin zum Bug war die Oberseite des Schiffs noch intakt, und auf der Felsplatte, die direkt vor ihnen lag, befanden sich gl�cklicherweise keine Dornb�sche.</p><p>�In ungef�hr zw�lf Minuten wird eine starke B� �ber Sie hinwegfegen�, meldete Dodds.</p><p>Sie dr�ckten die Bahre gegen die ge�ffnete Luke und befestigten sie mit ihren Magnethaken am Rumpf. Dann banden sie die Sicherheitsleinen ihrer Anz�ge an den massiven Scharnieren der Luke fest und warfen sich �ber die Bahre, wobei sie die Finger in die Gurte hakten, in die der Alien eingewickelt war. Das war nur eine von vielen k�rperlichen Dem�tigungen f�r den Captain der Aliens, dachte Conway, aber wahrscheinlich k�mmerte sich dieser sowieso schon lange nicht mehr um solche Dinge.</p><p>Auf einen Schlag war der Himmel wieder dunkel. Wind und Sand rissen an ihnen und drohten sie gewaltsam vom Rumpf zu schleudern. Conway krallte sich verzweifelt an den Gurten fest, als er pl�tzlich sp�rte, da� die Magnethaken langsam wegrutschten und sich die Bahre herumdrehte. Kurz fragte er sich, ob ihn der Wind bis hinter die Dornb�sche rund ums Wrack blasen w�rde, falls er tats�chlich loslassen und die Sicherheitsleine kappen m��te. Aber seine Finger hatten sich derart verkrampft, da� er gar nicht loslassen konnte, und er hatte das Gef�hl, als w�rden ihm jeden Augenblick seine Arme vom K�rper abgerissen werden und nur noch St�mpfe �brigbleiben wie beim Captain der Aliens. Dann legte sich der Sturm genauso unvermittelt, wie er zuvor eingesetzt hatte, und es war wieder hell.</p><p>Conway sah, da� Murchison, Fletcher und der Patient immer noch sicher an der Bahre befestigt waren, trotzdem r�hrte er sich nicht. Es wurde immer heller, und gerade als er auf einer K�rperseite die warmen Sonnenstrahlen sp�ren konnte, peitschte ihnen erneut der Sand entgegen, dieses Mal begleitet von einem hohen, kreischenden Donnern.</p><p>�So ein Angeber!� br�llte Murchison.</p><p>Conway blickte auf und sah, wie die Landef�hre �ber dem Wrack schwebte und mit den Triebwerken den Sand in alle Richtungen blies. Haslam landete schlie�lich auf der kaum f�nfzig Meter entfernten Felsplatte, die bislang von den Dornb�schen verschont geblieben war.</p><p>W�hrend des Transports der Bahre zur F�hre gab es keine Probleme, zumal sie kaum unter Zeitdruck standen, auch wenn sich ihnen die Dornb�sche St�ck f�r St�ck n�herten. Bevor die Bahre an Bord geladen wurde, befreite Conway den Patienten von den zus�tzlichen Gurten und der provisorischen Augenbinde und unterzog ihn einer gr�ndlichen Untersuchung. Trotz allem, was er durchgemacht hatte, lebte der Alien noch, und nach Conways Daf�rhalten ging es ihm sogar ausgesprochen gut.</p><p>�Wie steht�s mit den anderen Verletzten, Prilicla?� fragte er.</p><p>�Bei s�mtlichen Patienten ist die Temperatur gesunken, mein Freund�, antwortete der Empath. �Zwar strahlen alle starke Hungergef�hle aus, leiden aber nicht mehr so darunter. Da der gesamte Schiffsproviant verloren ist und wahrscheinlich sowieso verseucht war, werden unsere Patienten warten m�ssen, bis das Orbit Hospital sie mit synthetisch hergestellter Nahrung versorgen kann. Ansonsten sind ihre Emotionen nach wie vor von Gef�hlen der Verwirrung und des Verlustes gepr�gt.</p><p>Aber wenn erst mal ihr Captain wieder bei ihnen ist�, f�gte Prilicla hinzu, �werden sich bestimmt gleich alle sehr viel besser f�hlen.�</p><p>Gemeinschaftsoperation combined operation Sie tauchten an einer Stelle wieder im Normalraum auf, nach deren Koordinaten sie sich weit drau�en am Rande der Galaxis befanden. Der hellste sichtbare Himmelsk�rper war eine nahe Sonne, die kalt vor einem blassen Sternhaufen brannte. Aber w�hrend Conway auf dem Kommandodeck noch durch das Direktsichtfenster hinausblickte, wurde offensichtlich, da� es sich hierbei nur um eine scheinbare Leere handelte. Denn pl�tzlich zeigten sowohl das Radar als auch die Displays der weitreichenden Sensoren zwei dicht beieinanderliegende Objekte an, die nur knapp zweitausend Kilometer entfernt waren. Conway rechnete fest damit, in den n�chsten Minuten wie Luft behandelt zu werden.</p><p>�Kommandodeck an Maschinenraum�, sagte Captain Fletcher in lebhaftem Ton. �Ich will in f�nf Minuten Maximalschub haben. Astronavigator, geben Sie mir die Kurswerte zur Verfolgung dieses Echobilds und die gesch�tzte Ankunft.�</p><p>Die Lieutenants Chen und Dodds, der eine sieben Decks tiefer, der andere nicht einmal einen Meter entfernt, best�tigten. Schlie�lich beteiligte sich auch Lieutenant Haslam vom Platz des Kommunikationsoffiziers aus an diesem Wortwechsel.</p><p>�Sir�, sagte er, ohne seinen Blick von den Displays abzuwenden, �nach den Me�werten der Sensoren hat das gr��ere der beiden Objekte die Masse, Form und Antennenverteilung eines Aufkl�rungsschiffs im Vermessungseinsatz. Das zweite Echobild ist momentan noch nicht identifizierbar, aber die relativen Positionen der beiden Objekte k�nnten auf eine vor kurzem erfolgte Kollision hindeuten.�</p><p>�Na gut�, erwiderte der Captain. Er dr�ckte auf den Sendeknopf und fuhr langsam und deutlich sprechend fort: �Hier Ambulanzschiff Rhabwar vom Orbit Hospital im galaktischen Sektor zw�lf im Einsatz. Antworten hiermit auf Ihre vor �ber sechs Stunden ausgesetzte Notsignalbake. Wir n�hern uns Ihnen in.�</p><p>�Dreiundf�nfzig Minuten�, erg�nzte Dodds.</p><p>�.falls Sie eine Verbindung herstellen k�nnen, identifizieren Sie sich bitte. Machen Sie genaue Angaben �ber die Art Ihrer Schwierigkeiten, und teilen Sie uns die Anzahl der Opfer und deren Verletzungsarten mit.�</p><p>Der auf einem �berz�hligen Platz sitzende Conway lehnte sich aufmerksam nach vorne, obwohl sich der Unterschied von ein paar Zentimetern wohl kaum auf die Verst�ndlichkeit eines eingehenden Funkspruchs auswirken konnte. Als dann tats�chlich eine Stimme zu vernehmen war, klang sie eher entschuldigend als der Verzweiflung nah.</p><p>�Hier spricht das Aufkl�rungsschiff des Monitorkorps Tyrell, unter dem Kommando von Major Nelson�, meldete die Stimme. �Die Notsignalbake ist zwar von uns, aber wir haben sie f�r das Wrack ausgesetzt, das Sie neben uns sehen. Auch wenn sich unser medizinischer Offizier nicht ganz sicher ist � Sie m�ssen wissen, da� sich seine medizinischen Kenntnisse nur auf drei Spezies erstrecken �, so glaubt er doch, da� noch Leben an Bord sein k�nnte.�</p><p>�Doktor.�, begann der Captain und blickte zu Conway hin�ber. Aber bevor er fortfahren konnte, hatte Haslam schon Neues zu berichten.</p><p>�Sir! Noch ein. nein, zwei Echobilder. �hnliche Form und Gr��e wie das in Not geratene Schiff Au�erdem kleinere, weit verstreute Metalltr�mmer.�</p><p>�Das ist der zweite Grund, warum wir die Notsignalbake ausgesetzt haben�, erkl�rte Nelsons Stimme von der Tyrell. �Wir verf�gen zwar nicht �ber Ihre weitreichenden Sensoren � unsere Ausr�stung besteht haupts�chlich aus photooptischen Ger�ten, Computereinrichtungen und Sensoren, die in erster Linie f�r Vermessungsarbeiten notwendig sind �, aber dieses Gebiet scheint von Wrackteilen zu wimmeln. Und obwohl ich nicht vollkommen die Ansicht unseres Arztes teile, da� in einigen dieser Tr�mmerst�cke �berlebende stecken k�nnten, besteht doch immerhin die M�glichkeit, da�.�</p><p>�Sie hatten v�llig recht, um Hilfe zu rufen, Captain Nelson�, unterbrach ihn Conway. �Wir reagieren viel lieber ein dutzendmal auf einen Fehlalarm, als das Risiko einzugehen, auch nur einen einzigen wirklich notwendigen Rettungseinsatz zu verpassen. Raumunf�lle sind nun einmal so gelagert, da� die Hilfe meistens sowieso zu sp�t eintrifft. Unabh�ngig davon ben�tigen wir dringend die physiologische Klassifikation der �berlebenden im Wrack sowie Angaben �ber Art und Ausma� der Verletzungen, damit wir mit den Vorbereitungen f�r die Unterbringung und Behandlung beginnen k�nnen.</p><p>Ich bin �brigens Chefarzt Conway�, schlo� er. �K�nnte ich bitte mit Ihrem medizinischen Offizier sprechen?�</p><p>In der Funkverbindung war jetzt lange Zeit nur ein Zischen zu vernehmen, und Haslam meldete in dieser Zeit mehrere neue Echobilder. Wie er weiterhin berichtete, lieferten die bisher vorliegenden Informationen zwar noch lange kein vollst�ndiges Bild, doch war er sich wegen der Verteilung der Wrackst�cke ziemlich sicher, da� der Unfall auf einem sehr gro�en Schiff stattgefunden hatte, das dabei in relativ gleichm��ig gro�e Teile zersprengt worden war. Bei den Tr�mmern neben der Tyrell und den �brigen gleichartigen Teilen, die �berall auf den Bildschirmen erschienen, handelte es sich um Rettungsboote. Im �brigen hatte sich die Katastrophe, nach der breiten Streuung der bisher entdeckten Wrackst�cke zu urteilen, keineswegs erst in j�ngster Zeit ereignet.</p><p>Schlie�lich drang eine matte, ausdruckslose Stimme aus den Lautsprechern, der durch den �bersetzungsvorgang jegliche Betonung genommen war. �Ich bin Schiffsarzt Lieutenant Krach-Yul, Doktor Conway�, stellte sich der Arzt der Tyrell vor. �Meine Kenntnisse auf dem Gebiet der Physiologie von anderen Spezies sind sehr begrenzt, da ich bisher nur bei der Behandlung von Terrestriern, Nidianern und meiner eigenen orligianischen Spezies medizinische Erfahrungen sammeln konnte. Wie Sie wissen, handelt es sich bei diesen Spezies ausnahmslos um warmbl�tige Sauerstoffatmer der Klassifikation DBDG.�</p><p>W�hrend Krach-Yuls Bericht ging Conway durch den Kopf, da� sich die Bewohner von Orligia und dem benachbarten Planeten Nidia von der K�rpergr��e her zwar deutlich von Terrestriern unterschieden und die K�rper der Nidianer sogar von oben bis unten von einem dichten, krausen Pelz �berzogen waren, sich aber diese relativ geringf�gigen Abweichungen nicht auf die aus vier Buchstaben bestehende Klassifikation auswirkten. Diese geringf�gigen Unterschiede hatten �brigens auch bei der geringf�gigen Meinungsverschiedenheit keine Rolle gespielt, wegen der Orligia und die Erde in den fr�hen Tagen ihrer Weltraumerforschung den ersten kurzen und bisher einzigen interstellaren Krieg gegeneinander gef�hrt hatten.</p><p>Aus diesem Grund war der Umgang der Orligianer und der Terrestrier miteinander mehr als freundlich, sie strengten sich heutzutage sogar besonders an, einander zu helfen. Es war sehr schade, da� Krach-Yul zuwenig Berufserfahrung hatte, um eine wirkliche Hilfe zu sein. Conway konnte nur hoffen, da� der orligianische Arzt genug Vernunft besessen hatte, seine fachliche Neugier zu z�geln und seine freundliche Pelznase nicht in eine Situation zu stecken, die weit �ber seinen Erfahrungshorizont hinausging.</p><p>�Wir sind nicht an Bord des Wracks gegangen�, berichtete der Orligianer gerade, �weil unsere Besatzungsmitglieder keine Experten f�r Alientechnologie sind und die Gefahr bestand, da� sie, ohne es zu wollen, eher zur Verst�rkung des Problems als zu seiner L�sung beigetragen h�tten. Ich hatte dar�ber nachgedacht, ein Loch durch den Rumpf zu bohren und aus dem Wrack Atmosph�reproben zu nehmen in der Hoffnung, da� die eventuell �berlebenden warmbl�tige Sauerstoffatmer wie wir sind und man einfach Luft ins Wrack pumpen k�nnte. Aber dann hab ich mich doch gegen dieses Vorgehen entschieden, weil es sich bei der Schiffsatmosph�re genausogut um eine exotische Mischung h�tte handeln k�nnen, mit der wir einen �berlebenden gar nicht h�tten versorgen k�nnen, und wir in so einem Fall nur den Innendruck des Wracks ohne den geringsten Nutzen gesenkt h�tten.</p><p>Wir sind uns nat�rlich nicht sicher, ob �berhaupt ein �berlebender im Wrack ist, Doktor�, fuhr Krach-Yul fort. �Laut Sensorenabtastung enth�lt das Wrack noch atmosph�rischen Druck. Au�erdem zeigen die Sensoren eine kleine Energiequelle und die Existenz einer gro�en Masse organischer Materie an, die man zum Teil auch durch die Sichtluken sehen kann. Aber ob diese organische Masse lebt, das wissen wir nat�rlich nicht.�</p><p>Conway seufzte � auf den Gebieten der extraterrestrischen Physiologie und Medizin mochte dieser Krach-Yul noch relativ unerfahren sein, aber gewi� mangelte es ihm nicht an Intelligenz. Conway konnte sich nur zu gut vorstellen, wie der Orligianer nach der Ausbildung auf seinem Heimatplaneten zur Weiterbildung auf den Nachbarplaneten Nidia geflogen war, um danach seine Kenntnisse �ber ETs beim Monitorkorps zu vertiefen. Und w�hrend er heute die leichten Krankheiten und Verletzungen der terrestrischen Besatzung eines Aufkl�rungs- und Vermessungsschiffs kurierte, hatte er bestimmt st�ndig auf einen Zwischenfall wie diesen gehofft. Wahrscheinlich platzte der gro�e, pelzige Orligianer mittlerweile fast vor Neugier auf den organischen Inhalt des Wracks, aber zumindest kannte er die Grenzen seiner fachlichen Leistungsf�higkeit. Conway entwickelte bereits Sympathie f�r diesen orligianischen Arzt, bevor er ihn �berhaupt gesehen hatte.</p><p>�Sehr gut, Doktor�, lobte ihn Conway herzlich. �Aber ich hab eine Frage. Ihr Schiff hat doch eine transportable Luftschleuse. W�rde es Ihnen etwas ausmachen, wenn Sie, nur um Zeit zu sparen, mit der.�</p><p>�Die Luftschleuse ist bereits vor der gr��ten auszumachenden Einstiegsluke angebracht worden, Doktor�, unterbrach ihn der Orligianer. �Wir nehmen jedenfalls an, da� es sich um eine Einstiegsluke handelt. Da wir sie aber nicht zu �ffnen versucht haben, k�nnte es sich nat�rlich auch nur um eine gro�e Abdeckplatte handeln. Zum Zeitpunkt der Entdeckung hatte sich das Wrack um die Seitenachse gedreht, und diese Rotation haben wir mit den Traktorstrahlen der Tyrell gestoppt. Ansonsten befindet sich das Schiff aber noch in dem Zustand, in dem wir es vorgefunden haben.�</p><p>Conway dankte dem Schiffsarzt und schnallte den Couchgurt ab. Auf dem Radarschirm konnte er zwar mehrere neue Echobilder sehen, aber seine unmittelbare Sorge galt jetzt der zusehends gr��er werdenden Darstellung der Tyrell und des Wracks auf dem Frontbildschirm.</p><p>�Was haben Sie denn vor, Doktor?� fragte der Captain.</p><p>Conway deutete auf die Abbildung des Wracks und antwortete: �Das Schiff scheint nicht allzu schwer besch�digt worden zu sein, und viel scharfkantiges Metall ist auch nicht zu sehen, deshalb werden meine Helfer im Interesse einer z�gigen Bergung leichte Raumanz�ge tragen. Ich nehme Pathologin Murchison und Doktor Prilicla mit. Oberschwester Naydrad bleibt mit der Bahre in der Unfalldeckschleuse und h�lt sich bereit, sie sofort nach Murchisons Analyse mit der Atmosph�re des �berlebenden unter Druck zu setzen. Wollen Sie zum �ffnen der Luftschleuse des Alienschiffs mitkommen Sir?�</p><p>Die Rhabwar war das erste Schiff seiner Art. Konstruiert als spezielles Ambulanzschiff, hatte es Form und Gr��e eines leichten F�derationskreuzers, des gr��ten Korpsschiffstyps, der in der Lage war, innerhalb einer Planetenatmosph�re zu man�vrieren. Als sich Conway den schwerelosen Hauptverbindungsschacht entlang in Richtung Heck zog, stellte er sich die strahlend wei�e Schiffsh�lle, und die deltaf�rmigen Fl�gel mit der orangefarbenen Sonne, dem gelben Blatt, dem roten Kreuz und den vielf�ltigen anderen Symbolen vor, die den Grundgedanken der �berall in der F�deration uneingeschr�nkt gew�hrten Hilfe repr�sentierten.</p><p>Das Schiff war auf Traltha gebaut worden, besa� daher die typische Form und verf�gte �ber alle sich daraus ergebenden Konstruktionsvorteile. Man hatte es nach einer der gro�en Pers�nlichkeiten in der medizinischen Geschichte Tralthas benannt, n�mlich Rhabwar. Das Ambulanzschiff war f�r die F�hrung durch eine aus Terrestriern bestehende Besatzung vorgesehen, deren Unterk�nfte sich direkt unter der Kommandozentrale auf dem zweiten Deck befanden. Das medizinische Personal bewohnte �hnliche Unterk�nfte auf Deck drei, die sich nur hinsichtlich des Mobiliars und des Betts der kelgianischen Oberschwester sowie der k�nstlichen Schwerkraft f�r den Empathen unterschieden.</p><p>Deck vier war eine Kompromi�l�sung, dachte Conway, als er sich gerade durch den Schacht daran vorbeizog, eine Mischung aus Speisedeck und Freizeitraum, wo die miteinander arbeitenden Schiffsinsassen unabh�ngig von ihrer physiologischen Klassifikation eigentlich auch ohne Probleme ihre Freizeit gemeinsam h�tten verbringen sollen � doch wenn sich alle Mitarbeiter gleichzeitig auf diesem Deck aufhielten, blieb nicht einmal mehr gen�gend Platz f�r eine Partie Schach zu zweit. Das gesamte f�nfte Deck war ausschlie�lich der Lagerung von Gebrauchsg�tern vorbehalten. Dazu geh�rten nicht nur die von sechs Terrestriern, einer Kelgianerin und einem Cinrussker der Klassifikationen DBDG, DBLF beziehungsweise GLNO ben�tigten Lebensmittel, sondern auch die Vorratstanks, mit deren Inhalt man die Atmosph�re jeder der F�deration bekannten Spezies reproduzieren oder synthetisch herstellen konnte.</p><p>Auf den Decks sechs und sieben, Conways Ziel, lag das Unfalldeck beziehungsweise die eine Ebene tiefer befindliche Behandlungsstation mit anschlie�endem Labor. Hier konnten die Schwerkraft, der Druck und die Zusammensetzung der Atmosph�re beliebig ver�ndert werden, um sie den jeweiligen Umwelterfordernissen eines eingelieferten Patienten anzupassen. Deck acht beherbergte den Maschinenraum, den Bereich von Lieutenant Chen, der f�r die Kontrolle der Hyperraumantriebsgeneratoren und der Triebwerke f�r den Normalraum verantwortlich war. Zudem k�mmerte er sich um die Energieversorgung der k�nstlichen Schwerkraftgitter, der Traktor- und Pressorstrahlen, des Kommunikationssystems, der Sensoren und sonstiger Einrichtungen, die ein nach Energie d�rstendes Schiff zum Leben erwecken.</p><p>Conway dachte immer noch an den kleinen Chen und an die furchtbare Macht, die dieser in den H�nden hielt und mit einem einzigen Knopfdruck seiner Wurstfinger ausl�sen konnte, als er auf dem Unfalldeck eintraf. Er mu�te nichts erkl�ren, da sein vorheriges Gespr�ch mit dem Captain genauso wie die interessanteren und wichtigeren Darstellungen auf den Bildschirmen vom Kommandodeck zum Unfalldeck �bertragen worden waren. Folglich brauchte er nichts weiter zu tun, als sich seinen Raumanzug zu holen. Er hatte ein sehr gutes medizinisches Team, das die Ausr�stungund sich selbst in st�ndiger Bereitschaft hielt und seinem Leiter ununterbrochen das Gef�hl zu geben versuchte, vollkommen �berfl�ssig zu sein.</p><p>Murchison beugte und streckte sich zur �berpr�fung der luftdichten Verschl�sse ihres leichten Raumanzugs, und Naydrad kontrollierte bereits die Druckbahre in der Einla�schleuse zum Unfalldeck, wobei sich ihr sch�nes, silbergraues Fell in Wellen legte, die langsam �ber ihren raupen�hnlichen K�rper verliefen. Der unglaublich zarte Prilicla schwebte, unterst�tzt von G-G�rteln und zwei schillernden Fl�gelpaaren, nahe an der Decke, wo er nicht Gefahr lief, versehentlich mit einem seiner gr��eren Kollegen zusammenzusto�en. Die sechs bleistiftd�nnen Beine zitterten langsam im harmonischen Einklang, ein Zeichen daf�r, da� der Cinrussker �u�erst angenehmer emotionaler Ausstrahlung ausgesetzt war.</p><p>Murchison blickte von Prilicla zu Conway und sagte: �H�r sofort damit auf.�</p><p>Conway wu�te, da� er und indirekt auch Murchison f�r das Zittern des Empathen verantwortlich waren. Wie alle Mitglieder seiner intelligenten und sensiblen Spezies besa� Prilicla hochentwickelte empathische F�higkeiten, die ihn dazu veranla�ten, selbst auf die geringsten Gef�hlsschwankungen der Wesen in seiner n�heren Umgebung zu reagieren. Pathologin Murchison wies jene Kombination physiologischer Merkmale auf, bei deren Anblick es jedem m�nnlichen terrestrischen DBDG �u�erst schwerfiel, eine Haltung zu bewahren, die auch nur entfernt an k�hle Gelassenheit erinnerte � und wenn sie einen hauteng anliegenden leichten Anzug trug, war das schlichtweg unm�glich.</p><p>�Entschuldigung�, erwiderte Conway lachend und stieg endlich in seinen eigenen Raumanzug.</p><p>Das Wrackteil hatte das Aussehen eines abges�gten, metallenen Baumstamms, aus dem ein paar wenige kurze, verbogene �ste sprossen, dachte Conway, als er zusammen mit Murchison, Fletcher und Prilicla von der Unfalldeckschleuse der Rhabwar aus auf das verungl�ckte Alienschiff zuschwebte. Abgesehen von diesen hervorstehenden Metallteilen schien die Schiffskonstruktion unversehrt geblieben zu sein. Dann sah er die beiden kleinen Sichtluken, in denen sich die Scheinwerfer des Ambulanzschiffs wie zwei winzige Sonnen spiegelten. Eine der Luken befand sich ungef�hr zwei Meter hinter dem Bug des Wracks und die zweite in �hnlicher Entfernung vor dem Heck, obwohl man im Moment unm�glich sagen konnte, was der Bug und was das Heck war. Wie Conway unterrichtet worden war, gab es zwei weitere Luken an den gleichen Stellen auf der Seite, die seinem Blick entzogen war.</p><p>Au�erdem konnte er die lockeren Falten im transparenten Stoff der transportablen Luftschleuse von der Tyrell erkennen, die wie eine runzlige Klette am Rumpf des Alienschiffs hing, und daneben eine kleine Gestalt, bei der es sich nur um Krach-Yul, den orligianischen Arzt des Aufkl�rungsschiffs, handeln konnte.</p><p>Fletcher, Murchison und Conway landeten neben dem Orligianer. Sie sagten kein Wort und bem�hten sich angestrengt, an nichts zu denken, damit Prilicla, der langsam das verungl�ckte Schiff umkreiste, mit einem Minimum an emotionalen St�rungseinfl�ssen etwaige �berlebende aufsp�ren konnte. Falls irgendein Wesen in diesem Wrack noch lebte, egal, wie schwach dessen Lebensfunke auch sein mochte, dann w�rde es der kleine Empath entdecken.</p><p>�Das ist ja �u�erst merkw�rdig, Freund Conway�, meldete Prilicla, nachdem fast f�nfzehn Minuten verstrichen waren und sie alle unwillk�rlich Gef�hle der Ungeduld ausstrahlten. �An Bord ist noch Leben, wenn auch nur ein einzelnes Wesen, dessen emotionale Ausstrahlung viel zu schwach ist, als da� ich sie genau lokalisieren k�nnte. Aber im Gegensatz zu dem, was normalerweise unter solchen Umst�nden zu erwarten ist, gibt es keinerlei Anzeichen daf�r, da� sich der �berlebende in einer Notlage befindet.�</p><p>�K�nnte es sich bei dem �berlebenden vielleicht um ein Kleinkind handeln?� fragte Krach-Yul. �Eins, das die Eltern an einen sicheren Platz gebracht haben, bevor sie selbst umgekommen sind, und das noch zu jung ist, um die Gefahr zu erkennen?�</p><p>Prilicla, der niemals gegen�ber einem anderen Wesen eine abweichende Meinung �u�erte, weil er sonst der Gegenseite Anla� zu unangenehmer emotionaler Ausstrahlung geben k�nnte, antwortete: �Selbst diese M�glichkeit kann nicht ausgeschlossen werden, mein Freund.�</p><p>�Dann vielleicht ein Embryo, der immer noch in seinem toten Elternteil lebt?� fragte Murchison.</p><p>�Das scheint ebenfalls nicht ganz unm�glich zu sein, meine Freundin�, antwortete Prilicla auf f�r seine Verh�ltnisse fast unmi�verst�ndliche Art.</p><p>�Das hei�t also, da� Sie von dieser Idee auch nichts halten�, erwiderte die Pathologin lachend.</p><p>�Aber im Wrack befindet sich doch wirklich ein �berlebender�, mischte sich der Captain ungeduldig ein. �Also lassen Sie uns reingehen und ihn da rausholen.�</p><p>Fletcher schl�ngelte sich durch die Doppelluke der transportablen Luftschleuse hindurch bis unter die Falten des widerstandsf�higen, durchsichtigen Plastikstoffs. Im aufgeblasenen Zustand bildete der Stoff eine Kammer, die gro� genug war, um sich darin mit der Befreiung des �berlebenden zu befassen und ihn, falls erforderlich, einer ersten Notbehandlung zu unterziehen.</p><p>Murchison und Conway verbrachten in der Zwischenzeit mehrere Minuten an je einer der winzigen Sichtluken, die so tief versenkt waren, da� sie im Licht der Helmlampen nur lederne Haut erkennen konnte, die keine besonderen Merkmale aufwies.</p><p>Als sie sich schlie�lich zum Captain in die Schleuse hineinzw�ngten, sagte Fletcher: �Wenn es nur nicht so viele verschiedene M�glichkeiten geben w�rde, eine T�r zu �ffnen. Sie k�nnte in den Angeln nach innen oder au�en aufschwingen, sich durch das Herausdrehen von Schrauben mit Links- oder Rechtsgewinde �ffnen lassen oder zu den Seiten oder auch nach oben oder unten aufschieben lassen. Der �ffnungsschalter f�r diese Luke scheint ein einfacher versenkter Hebel zu sein, der sich, oh!�</p><p>Die gro�e Metalluke schwang auf. Conway spannte die Muskeln an undwartete darauf, da� der Luftstrom aus dem Schiff die transportable Schleuse aufblasen und an seinem Anzug zerren w�rde � aber nichts dergleichen geschah. Der Captain hielt sich mit beiden H�nden am Lukenrand fest, stie� sich mit den Fu�magneten ab, so da� sich seine Beine vom Schiffsrumpf l�sten und zog sich mit dem Kopf tief in die �ffnung hinein. �Das ist �berhaupt keine Luftschleuse, sondern nur eine Abdeckplatte, um an mechanische und elektrische Einrichtungen zu gelangen, die sich zwischen Innen- und Au�enhaut befinden. Ich kann Kabelstr�nge und Rohre erkennen, au�erdem irgendwas, das dem Aussehen nach ein.�</p><p>�Ich brauche sofort eine Atmosph�reprobe, schnell�, unterbrach ihn Murchison.</p><p>�Tut mir leid, Murchison�, erwiderte Fletcher. Er lie� mit einer Hand den Lukenrand los, deutete vorsichtig in die �ffnung und fuhr fort: �Es sieht eindeutig so aus, als ob nur die Innenhaut luftdicht ist. Wenn Sie eine Probe ziehen wollen, m�ssen Sie den Bohrer genau hier in der Ecke zwischen der St�tzstrebe und dem Kabeltunnel ansetzen, dann d�rfte eigentlich nichts passieren. Ich wei� zwar nicht, wie gut die Isolierung ist, aber nach dem geringen Durchmesser zu urteilen, flie�t bestimmt nicht allzuviel Spannung durch die Kabel. Angesichts der Farbkennzeichnung w�rde ich sagen, die Aliens verf�gen �ber eine �hnliche visuelle Wahrnehmung wie wir, oder glauben Sie nicht?�</p><p>�Doch, das glaube ich auch�, stimmte ihm Murchison zu.</p><p>Conway schlug schnell vor: �Wenn du einen F�nf-Millimeter-Bohrer nimmst, k�nnte man von der Gr��e her auch gleich die Kamerasonde durchs Loch stecken.�</p><p>�Genau das hab ich vor�, entgegnete sie trocken.</p><p>Der Bohrer surrte kurz � das Ger�usch drang durch den Metallrumpf und den Raumanzug hindurch bis an Conways Ohren �, und dann zischte die Schiffsatmosph�re durch den hohlen Bohrkopf direkt in den angeschlossen Analysator.</p><p>�F�r unsere Verh�ltnisse ist der Druck ein wenig niedrig�, berichtete Murchison ruhig. �Aber f�r den �berlebenden k�nnte er sowohl gef�hrlich niedrig als auch vollkommen normal sein. Nach der Zusammensetzung, dem Verh�ltnis zwischen Sauerstoff und Edelgasen, handelt es sich um eine warmbl�tige sauerstoffatmende Lebensform. Ich f�hre jetzt die Sonde ein.�</p><p>Conway beobachtete, wie sie das Verbindungsst�ck zum Analysator vom hohlen Bohrer abzog und es dann so geschickt durch die Kamerasonde ersetzte, da� dabei nicht mehr als ein paar Kubikzentimeter der Schiffsatmosph�re verlorengegangen sein konnten. Dabei f�delte sie die durchsichtige R�hre samt eingebauter Linse, Lichtquelle und �bertragungskamera mit gr��ter Sorgfalt in den hohlen Bohrschaft ein und befestigte an deren Ende das mit einem Vergr��erungsschirm versehene Okular, so da� sie trotz des Raumhelms das von der Sonde �bertragene Bild erkennen konnte.</p><p>W�hrend der n�chsten zehn Minuten, die den anderen wie eine Stunde vorkam, sagte sie kein Wort und drehte die Linse in alle Richtungen, wobei sie die Lichtst�rke variierte. Bis sie sich schlie�lich r�ckw�rts aus der �ffnung herausschl�ngelte, damit auch Conway und die anderen einen Blick auf den Bildschirm werfen konnten.</p><p>�Der Alien ist groߓ, merkte Murchison kurz an.</p><p>Der Innenraum des Wracks war ein hohler Zylinder, der weder Trennw�nde noch irgendwelche Querstreben hatte. In der Mitte des Deckbodens, den Conway deshalb daf�r hielt, weil er eine durch das gesamte Schiff verlaufende Fl�che bildete, erstreckten sich zwei Reihen dicht nebeneinander gesetzter L�cher, die einen Durchmesser zwischen acht und zehn Zentimetern hatten. Sieben oder acht Fu�paare des �berlebenden steckten in diesen L�chern, die deshalb wahrscheinlich genauso Bestandteil des Sicherungssystems des Schiffs waren wie die breiten, gerissenen Gurte, die lose auf dem K�rper des Aliens lagen.</p><p>Die Kamerasonde befand sich dicht �ber dem Boden, so da� Conway an dem Teil der K�rperseite entlangsehen konnte, von dem die F��e noch von den L�chern im Boden festgehalten wurden. In etwas gr��erer Entfernung, wo die F��e durch die Wucht des Unfalls aus den L�chern herausgerissen worden waren, erkannte er die kurzen und st�mmigen Beinpaare und die bla�graue K�rperunterseite des �Hundertf��ers� in allen Einzelheiten. In entgegengesetzter Richtung � ob sich dort der Kopf oder der Schwanz des Wesens befand, vermochte Conway nicht zu sagen � sah er einen Teil der K�rperoberfl�che und ein einzelnes B�ndel R�ckententakel. Der langgezogene, zylindrische Innenraum lie� dem Wesen nicht viel Bewegungsfreiheit. Trotz der starken Sichtbehinderung, die durch die Windungen und Biegungen des schlaffen und gewichtslosen Alienk�rpers verursacht wurde, konnte Conway am Rande seines Blickfelds gerade noch drei bleistiftd�nne, durchsichtige und anscheinend elastische Schlauchst�cke ausmachen, die von einem an der Wand befestigten Beh�lter aus mit dem K�rper des �berlebenden verbunden waren.</p><p>Trotz der vielen Arme und Beine schien man f�r das Wesen nicht viel tun zu k�nnen. Au�er einer gro�en Anzahl an der Wand angebrachter Lagerschr�nke enthielt der Innenraum des Schiffs nichts, das auch nur entfernt eine �hnlichkeit mit Steuerungssystemen, Kontrollanzeigen oder einem deutlich erkennbaren Instrument zur Steuerung des Schiffs gehabt h�tte � es sei denn, an der Stelle weiter vorne, die vom K�rper des �berlebenden verdeckt wurde, befand sich noch eine kleine Steuerungszentrale.</p><p>Conway mu�te laut gedacht haben, denn der gerade von einer Untersuchung der Schiffsau�enhaut zur�ckgekehrte Captain sagte in ernstem Ton: �Wir k�nnen wirklich nichts f�r den Alien tun, Doktor. Au�er einer �u�erst simplen Energiezelle, die im Moment allerdings nicht genutzt wird, ist am Rumpf absolut nichts zu entdecken. Kein Antriebsaggregat, keine Lagesteuerungsd�sen, keine erkennbaren Au�ensensoren oder Funkantennen und auch keine Besatzungsschleuse. Langsam frage ich mich, ob das �berhaupt ein Schiff oder nicht vielmehr eine Art Rettungsinsel ist. Das w�rde n�mlich auch die merkw�rdige Schiffsform erkl�ren, die ja nichts anderes als ein an beiden Enden vollkommen flacher Zylinder mit gleichm��igem Durchmesser ist. Als ich eben die Au�enhaut nach kleineren Ausbuchtungen untersucht hab, in denen sich Sensoren h�tten befinden k�nnen, ist mir aufgefallen, da� der Zylinder entlang der L�ngsachse ganz leicht gekr�mmt ist. Das wiederum er�ffnet eine weitere M�glichkeit, die.�</p><p>�Was ist mit au�enbords angebrachten Energiequellen oder Komm�nikationsinstr�menten?� fragte Conway schnell, bevor sich die Beobachtungen des Captains zu einem Vortrag �ber die Philosophie der verschiedenen Schifffbautechniken ausweiten konnten. �Wir selbst haben zum Beispiel synchronisierte Hyperraumantriebsgeneratoren an den Fl�gelspitzen, vielleicht hatten diese Aliens eine �hnliche Idee.�</p><p>�Nein, Doktor�, antwortete Fletcher in dem k�hlen und formellen Ton, den er jedesmal anschlug, wenn er argw�hnte, jemand versuche ihm in seinen Zust�ndigkeitsbereich hereinzureden. �Ich hab die Au�enholme untersucht. Leider sind die zu kurz abgebrochen, als da� man erkennen k�nnte, was f�r Konstruktionsteile die mal getragen haben. Aber die abgerissenen Kabelstr�nge k�nnen niemals Energie zu einem Hyperraumantriebsgenerator geleitet haben, weil sie einen viel zu geringen Durchmesser haben. Ich bin mir ziemlich sicher, da� die Aliens weder �ber Hyperraumantrieb noch �ber k�nstliche Schwerkraft verf�gt haben. Schlie�lich ist das erkennbare allgemeine technische Niveau f�r eine raumreisende Spezies ziemlich gering. Hinzu kommt noch das offensichtliche Fehlen einer Einstiegsluke. Eine Luftschleuse f�r diesen Alien m��te beinahe genauso lang sein wie das Schiff selbst.�</p><p>�Es gibt ein paar raumreisende Spezies, die keine Luftschleusen ben�tigen�, erwiderte Conway. �Diese Lebensformen f�hren aus rein physiologischen Gr�nden keine Au�eneins�tze durch und besteigen und verlassen ihre Schiffe nur vor dem Start beziehungsweise nach der Landung.�</p><p>�Angenommen, das hier ist gar nicht das Schiff, sondern der Raumanzug des Wesens�, warf Murchison ein.</p><p>�Das ist eine gute Idee, die aber leider nicht zutrifft, Murchison�, entgegnete Fletcher mit Bedauern. �Mal ganz abgesehen von den vier Sichtluken, die wegen der geringen Gr��e und des Abstands zwischen Innen- und Au�enhaut nur ein stark begrenztes Blickfeld bieten, gibt es keine mir bekannte Art sensorischer F�hler und, was noch wichtiger ist, auch keine �u�eren Greifvorrichtungen. Aber es mu� irgendeine einfache M�glichkeit geben, den Alien in dieses Ding rein- und wieder rauszubekommen, ob es sich bei diesem Wrack nun um ein Schiff, eine Rettungsinsel oder irgend etwas anderes handelt.�</p><p>Lange Zeit herrschte Schweigen, dann sagte Conway: �Entschuldigen Sie, Captain. Als ich Sie vor ein paar Minuten unterbrochen hab, wollten Sie gerade eine dritte M�glichkeit erw�hnen.�</p><p>�Stimmt, das wollte ich gerade�, antwortete Fletcher im Ton eines Menschen, der eine Entschuldigung gn�dig annimmt. �Aber Sie werden sicher verstehen, Doktor, da� sich diese Theorie nur auf meine anf�nglichen visuellen Beobachtungen st�tzt und � jedenfalls bis jetzt � noch nicht von genauen Messungen untermauert werden kann. Wie dem auch sei, dieses Schiff ist, wie ich schon dargelegt hab, kein echter Zylinder, sondern scheint entlang der L�ngsachse leicht gekr�mmt zu sein.</p><p>Also, durch eine Explosion oder Kollision, die stark genug sein mu�, um den Zylinder zu verbiegen, w�rden sich die N�hte in der Rumpfverkleidung verziehen und aufrei�en. Au�erdem w�rden deutliche Spuren einer Hitzeverf�rbung sowie Dellen durch umherfliegende Tr�mmer zur�ckbleiben�, fuhr Fletcher fort, wobei er unversehens wieder in seinen �blichen Vortragston verfiel. �Solche Spuren gibt es aber nicht. Wenn also die L�ngsachse des Schiffs keine gerade Linie, sondern, wie es sich ja wirklich verh�lt, eine ganz leichte Kurve ist, dann ist diese Kr�mmung absichtlich so gebaut worden. Das w�rde auch das Fehlen von Energie, Steuerungsgest�ngen und einem k�nstlichen Schwerkraftsystem erkl�ren, weil diese Aliens n�mlich.�</p><p>�Nat�rlich!� unterbrach ihn Conway. �Der Rumpf unter dem flachen Boden zeigt normalerweise nicht nach unten, sondern nach au�en, und hat keine vorspringenden Bauteile, weil die Aliens Schwerkraft auf diealtmodische Art erzeugen, indem sie.�</p><p>�K�nnte mir vielleicht jemand freundlicherweise erkl�ren, wovon hier �berhaupt die Rede ist?� fragte Murchison ver�rgert.</p><p>�Na klar�, entgegnete Conway. �Der Captain hat mich �berzeugt, da� dieses Gebilde kein Schiff oder Rettungsboot ist, sondern der Teil einer Raumstation, einem fr�hen kreisf�rmigen Typ mit riesigem Durchmesser, der einem Zusammensto� zum Opfer gefallen ist.�</p><p>�Eine Raumstation so weit drau�en?� fragte Murchison ungl�ubig. Dann begriff sie jedoch allm�hlich die Zusammenh�nge und f�gte mitf�hlend hinzu: �Oh je, in dem Fall kann uns ja noch eine ganze Menge Arbeit bevorstehen.�</p><p>�Vielleicht auch nicht, Murchison�, entgegnete Fletcher. �Zugegebenerma�en ist es recht wahrscheinlich, noch etliche andere Abschnitte der Raumstation zu finden, aber �berlebende wird es vielleicht nur sehr wenige geben.� Sein Ton wurde auf einmal energisch. �Der Transport dieses Wesens auf das Unfalldeck kommt jedenfalls nicht in Frage. Ich schlage statt dessen vor, wir befestigen das Segment an unserem Rumpf, dehnen die Hyperraumh�lle der Rhabwar entsprechend aus und fliegen mit dem Wrackteil im Schlepptau in null Komma nichts zum Orbit Hospital. Dort kann man sich in einer der Luftschleusen ohne Probleme mit der Befreiung eines solch gro�en Patienten n�her befassen. Ich bin nat�rlich nicht der Experte auf dem Gebiet der extraterrestrischen Medizin, aber ich denke, wir sollten uns unverz�glich an die Arbeit machen. Die Tyrell lassen wir zur Suche nach weiteren �berlebenden hier, und wir selbst kommen so schnell wie m�glich zur Behandlung der anderen Verungl�ckten wieder hierher zur�ck.�</p><p>�Nein!� widersprach Conway entschieden.</p><p>�Ich verstehe nicht ganz, Doktor.� Fletchers Gesicht war hinter dem Helmvisier knallrot angelaufen.</p><p>Conway beachtete ihn im Moment einfach nicht und wandte sich an Murchison und Prilicla. Der Empath war trotz der in diesem Bereichstarken emotionalen Ausstrahlungen n�her gekommen. �Der �berlebende ist, soweit wir das beurteilen k�nnen, durch drei getrennte Schlauchpaare vermutlich mit einer Art Lebenserhaltungssystem verbunden�, sagte Conway. �Er befindet sich zwar in einem Zustand tiefer Bewu�tlosigkeit, ist k�rperlich aber wohlauf. Au�erdem verf�gt das Schiff �ber Energiereserven, die bisher noch nicht angegriffen worden sind. Meine Frage ist nun, ob ich recht in der Annahme gehe, da� die beobachtete emotionale Ausstrahlung und das offensichtliche Fehlen �u�erer Verletzungen darauf schlie�en lassen, da� sich dieses Wesen in einem winterschlaf�hnlichen Zustand befindet.�</p><p>Bevor Murchison oder Prilicla darauf antworten konnte, f�gte Conway hinzu: �Es gibt nur drei in den K�rper des Aliens verlaufende Schlauchpaare, aber keinerlei Anzeichen f�r das Vorhandensein eines stets viel Energie verschlingenden und komplexen K�hlsystems, das wir normalerweise mit Techniken zur Aufrechterhaltung eines scheintod�hnlichen Zustands in Verbindung bringen. Gehe ich deshalb des weiteren recht in der Annahme, da� diese Lebensform von Natur aus ein Winterschl�fer ist?�</p><p>Auf diese Frage folgte ein kurzes Schweigen, dann antwortete Murchison: �Die Vorstellung eines langfristigen Scheintods in Verbindung mit Weltraumreisen ist uns ja durchaus vertraut. Fr�her war das sogar die einzige M�glichkeit, um durchs All zu fliegen. Die in der K�lte schlafenden Raumreisenden brauchten w�hrend des Flugs weder Luft noch Nahrung. Im Fall einer Spezies, die allein schon aufgrund der Umweltbedingungen ihres Heimatplaneten in einen regelm��igen Winterschlaf f�llt, brauchte man nur geringe Lebensmittel- und Luftvorr�te mitzunehmen. Es ist gut m�glich, da� man den nat�rlichen Proze� des Winterschlafs k�nstlich anregen, verl�ngern und durch bestimmte Medikamente und die Zusammensetzung der intraven�sen Ern�hrung wieder aufheben kann, so, wie es bei unserem Freund hier der Fall zu sein scheint.�</p><p>�Das feste Schema der emotionalen Ausstrahlung des �berlebenden stimmt in jedem Punkt mit der Hypothese eines winterschlaf�hnlichen Zustands �berein, mein Freund�, pflichtete Prilicla ihr und somit auch Conway bei.</p><p>Captain Fletcher verstand sofort, worum es ging, und sagte: �Na sch�n, Doktor, der �berlebende befindet sich schon seit sehr langer Zeit in diesem Zustand, also besteht keine gro�e Eile, diesen oder andere �berlebende, die wir noch finden, zum Hospital zu transportieren. Aber wie sehen jetzt Ihre unmittelbaren Absichten aus?�</p><p>Conway war sich der allgemeinen, rein auf ihn bezogenen Stille v�llig bewu�t, als die Gruppe auf dem Rumpf des Alienschiffs sowie die auf der Rhabwar und der Tyrell lauschenden Kommunikationsoffiziere gemeinsam den Atem anhielten. Er r�usperte sich und antwortete: �Wir werden diesen Abschnitt der vermeintlichen Raumstation so eingehend untersuchen, wie uns das ohne dessen Betreten m�glich ist, und gleichzeitig den Patienten einer ausf�hrlichen visuellen Untersuchung unterziehen, soweit die Kamerasonde das zul��t. Und dann werden wir uns alle bem�hen nachzudenken.�</p><p>Er hatte das sehr starke und � dem Zittern von Priliclas spinnenhaften Gliedern nach zu urteilen � �berhaupt nicht angenehme Gef�hl, da� ihnen keine leichte Rettungsaktion bevorstand.</p><p>Die Luftreserven der leichten Raumanz�ge reichten noch f�r gut drei Stunden, und w�hrend dieser Zeit taten sie nichts anderes, als nachzudenken und gleichzeitig die Au�enhaut des Wracks und das wenige, das sie von dem Insassen sehen konnten, zu untersuchen. Auf diese Weise trugen sie immer mehr Details zusammen, die sich sp�ter als wichtig herausstellen k�nnten oder auch nicht. Da aber jeder f�r sich einzeln �berlegte und dabei immer mehr vor einem R�tsel stand, konnten sie sich erst bei einer Zusammenkunft auf dem Speise- und Freizeitdeck der Rhabwar als Gruppe Gedanken machen, was allerdings lediglich dazu f�hrte, da� sie nun gemeinsam vor einem R�tsel standen.</p><p>Die Tyrell war durch den Captain, Major Nelson, und den Schiffsarzt, Lieutenant Krach-Yul, vertreten, w�hrend Major Fletcher und der Offizier f�r Astronavigation, Lieutenant Dodds, f�r die Rhabwar das notwendige milit�rische Gleichgewicht wiederherstellten. Murchison, Prilicla, Naydrad und Conway � samt und sonders einfache Zivilisten � nahmen den restlichen Platz auf dem Deck ein, mit Ausnahme des Empathen, der an der sicheren Decke hing.</p><p>Prilicla, der als einziger wu�te, da� noch niemand bereit war, irgendwelche brauchbaren Ideen beizusteuern, ergriff als erster das Wort.</p><p>�Wie ich sp�ren kann, sind wir uns alle einig dar�ber, da� sich der Alien in einem scheintoten Zustand befindet und er mit gro�er Wahrscheinlichkeit kein Patient, sondern ein �berlebender ist, der bei der n�chsten g�nstigen Gelegenheit auf seinen Heimatplaneten zur�ckgebracht werden sollte, sofern man diesen Planeten ausfindig machen kann. Au�erdem stimmen wir alle darin �berein, da� f�r diesen Transport derzeit keine dringende Notwendigkeit besteht�, stellte er in seiner melodischen cinrusskischen Sprache fest, die von rollenden Schnalzlauten gepr�gt war und aus den Translatoren der Anwesenden als fehlerfreies, wenn auch ein wenig tonloses Kelgianisch, Orligianisch und Terrestrisch drang.</p><p>Lieutenant Dodds bat Fletcher mit einem Blick um Sprecherlaubnis und sagte: �Das kommt ganz darauf an, was Sie unter bringender Notwendigkeit verstehen, Doktor. Ich hab bei diesem und anderen Wrackteilen, die innerhalb der Reichweite des Detektors liegen, eine �berpr�fung der Vektoren und Geschwindigkeiten vorgenommen. Diese Segmente, die zu einer Raumstation oder einem Alienschiff geh�rt haben, befanden sich vor etwa siebenundachtzig Jahren ungef�hr an derselben Stelle im Weltraum. Zu diesem Zeitpunkt mu� sich die Katastrophe also ereignet haben. Wenn es ein Schiff gewesen ist, war es meiner Meinung nicht auf dem Weg zu der nahe gelegenen Sonne, da es dort �berhaupt keine Planeten gibt. Trotzdem wird ein gro�er Teil dieser verstreuten Wrackteile entweder direkt in die Sonne st�rzen oder so dicht an ihr vorbeifliegen, da� das f�r irgendwelche �berlebenden, die sich im Winterschlaf befinden, auch keinen Unterschied mehr macht. Das alles passiert �brigens in den n�chsten elf Wochen.�</p><p>Diese Informationen mu�te die Gespr�chsrunde erst einmal verdauen.</p><p>Schlie�lich sagte der Captain der Tyrell: �Ich halte eine Raumstation hier drau�en noch immer f�r unm�glich, besonders eine, die in einem so scharfen Tempo fliegt, da� sie diese Sonne da in elf Wochen erreicht. Da ist es doch viel wahrscheinlicher, da� sich der �berlebende in einer Art scheintotem Zustand in einem Rettungsboot befindet, damit der Proviant l�nger reicht.�</p><p>Fletcher starrte seinen Kollegen zornig an, bemerkte dann aber, da� Prilicla zu zittern begann. Er beherrschte sich sichtlich, als er erwiderte: �Das ist nicht unm�glich, Major Nelson, auch wenn es recht unwahrscheinlich ist. Aber nehmen wir einmal an, die Spezies des �berlebenden, die sich auf dem technologischen Entwicklungsstand interplanetarischer Fl�ge befindet, hatte auf der Raumstation mit Experimenten zur Erzeugung von Hyperraumgeschwindigkeit begonnen. Die Besatzung machte versehentlich einen Sprung ins Blaue, fand sich pl�tzlich wirklich weit entfernt von ihrem Heimatplaneten wieder und begab sich anschlie�end aus den von Ihnen schon genannten Gr�nden in den Winterschlaf. W�hrend der fr�hen Experimente mit Hyperraumreisen hat es viele solcher Unf�lle gegeben. Auf jeden Fall glaube ich, wir ziehen einfach zu viele Schl�sse aus dem, was letztendlich nur ein einziges kleines Teil eines riesigen Puzzles ist.�</p><p>Conway entschlo� sich einzugreifen, bevor sich aus diesem lebendig gef�hrten fachlichen Meinungsaustausch ein handfester Streit entwickeln konnte. Deshalb sagte er beschwichtigend: �Aber welche vorl�ufigen Schl�sse k�nnen wir dann aus dem von Ihnen untersuchten Teil des Wracks ziehen, Captain? Welchen �berblick, und sei er noch so allgemein, haben Sie sich �ber die Gesamtsituation verschafft?�</p><p>�Also gut�, entgegnete Fletcher und steckte den von ihm w�hrend der Untersuchung des Wracks aufgenommenen Videochip in das Wiedergabeger�t des Freizeitdecks. Dann beschrieb er seine Beobachtungen, die er w�hrend seiner Nachforschungen am Wrack gemacht hatte, und welche Schlu�folgerungen er nun daraus zog. So stellte er sich das Wrack nicht als Teil eines Raumschiffs vor, sondern vielmehr als einen einfachen, unter Druck gesetzten Container. Bei diesem Container handelte sich um einen gut zwanzig Meter langen Zylinder mit einem Durchmesser von etwa drei Metern, der an beiden Enden vollkommen flach war, sah man von den jeweils acht hervorstehenden Verbindungsst�cken ab, die der beidseitigen Kopplung mit anderen Containern derselben Bauart dienten. Die Verbindungsst�cke waren so konstruiert, da� sie aufsprangen, noch bevor der Container durch �u�ere Gewalteinwirkung oder einen Schlag auf benachbarte Bauteile besch�digt oder verformt werden konnte. Wenn die restlichen Container oder Segmente einer Raumstation die gleichen Abmessungen wie das untersuchte Wrackteil hatten und alle dieselbe L�ngskr�mmung aufwiesen, dann w�rden ungef�hr achtzig dieser Teile ein Rad mit knapp unter f�nfhundert Metern Durchmesser bilden.</p><p>Fletcher legte einer kurze Pause ein, aber Major Nelson pre�te die Lippen noch immer fest zusammen, und auch die �brigen Anwesenden, die wu�ten, da� man von ihnen eine Reaktion erwartete, schwiegen beharrlich.</p><p>Also fuhr Fletcher mit seinem Bericht fort. Das entdeckte Segment hatte einen Doppelrumpf von dem nur der innere unter Druck stand. Bis auf die mit der Winterschlafausr�stung in Verbindung stehenden Ger�te verf�gte es �ber keine Steuerungs-, Sensoren- oder Energiesysteme. Nach Einsch�tzung des Captains lie� das technologische Niveau eher auf einen fortgeschrittenen interplanetarischen als auf einen interstellaren Entwicklungsstand schlie�en, so da� die Raumstation an ihrem urspr�nglichen Platz gar nichts zu suchen gehabt hatte. Aber das r�tselhafteste Merkmal an diesem Beh�lter war f�r Fletcher immer noch die zum Ein- und Aussteigen angewandte Methode.</p><p>Wie alle Anwesenden bereits gesehen hatten, befanden sich im Rumpf keine �ffnungen, die f�r den �berlebenden zum Ein- oder Aussteigen gro� genug waren, was bedeutete, da� er dazu die flachen, runden Platten an den beiden Enden des Zylinders benutzen mu�te. Nach Fletchers Ansicht stieg das Wesen an der einen Seite ein und an der anderen wieder aus, weil es sich wegen seiner enormen K�rpergr��e in dem engen Zylinder nicht umdrehen konnte. Doch an beiden Enden befand sich nichts, das �hnlichkeit mit einer T�r gehabt h�tte, nur die beiden gro�en, runden Platten, die in die breiten Zylinderrahmen eingepa�t waren, an denen sich auf jeder Seite auch die jeweils acht Kupplungen befanden.</p><p>�Soweit ich sehen kann, gibt es f�r die beiden Abschlu�platten keinen Bet�tigungsmechanismus�, fuhr Fletcher fort, wobei seine Stimme leicht entschuldigend klang. �Leider gibt es sehr viele M�glichkeiten, eine T�r zu �ffnen, und es mu� in diesem Container irgendwo zwei �ffnungen geben, von denen die eine rein- und die andere rausf�hrt, aber ich kann keine entdecken. Ich hab sogar an Sprengbolzen gedacht, die den Container hermetisch abschlie�en, bis er sein Ziel erreicht hat oder durch Bergungstrupps an einen Ort gebracht wurde, der f�r seinen Insassen geeignete Umweltbedingungen bietet � also entweder auf einen Planeten oder in den Laderaum des Bergungsschiffs. Erst dann sprengt der Insasse die Verschl�sse der Luke auf und kriecht ins Freie. Dummerweise kann ich aber keine Verschl�sse entdecken, und wegen des rings um die Luken verlaufenden Zylinderrahmens, wenn es sich denn um Luken handelt, kann man sie auch nicht als Ganzes heraussprengen. Auch nach innen kann man sie nicht �ffnen, weil der Durchmesser der unter Druck stehenden Innenhaut wiederum viel geringer als der der Abschlu�platten ist.�</p><p>Fletcher sch�ttelte ratlos den Kopf und beendete seine Folgerungen mit den Worten: �Es tut mir leid, Doktor. Im Moment sehe ich keine M�glichkeit, wie Sie an Ihren Patienten herankommen k�nnen, ohne gleich das ganze Schiff auseinanderzuschwei�en. Ich mu� unbedingt noch ein weiteres Teil dieses Puzzles untersuchen, eins, das kaputt ist, um zu sehen, wie die anderen, unbesch�digten Teile zusammengesetzt sind.�</p><p>Einen Moment lang herrschte Schweigen, und Prilicla zitterte voller Mitgef�hl mit der Ratlosigkeit des Captains. Dann meldete sich Murchison zu Wort.</p><p>�Ich w�rde ebenfalls gern ein kaputtes Teil untersuchen�, sagte sie ruhig. �Genauer gesagt, eins mit einem Toten, damit ich sehen kann, wie unser �berlebender zusammengesetzt ist.�</p><p>Conway wandte sich an Dodds. �Gibt es viele Teile, die so aussehen, als ob sie auseinandergebrochen sein k�nnten?�</p><p>�Ein paar�, antwortete der Astronavigator. �Bei den meisten Echobildern liefern die Sensoren �hnliche Me�werte wie bei dem ersten Teil. Das hei�t, ein Flugobjekt von gleicher Masse mit Innendruck und einer schwachen Energiequelle. Aber s�mtliche Segmente, auch die wenigen besch�digten, befinden sich nur noch gerade in der Reichweite der Sensoren. Mit normalem Raketenantrieb ist das eine ganz sch�ne Entfernung, und wenn wir durch den Hyperraum springen, w�rden wir wahrscheinlich �bers Ziel hinausschie�en.�</p><p>�Um wie viele Segmente handelt es sich denn insgesamt?� fragte Nelson.</p><p>�Bisher dreiundzwanzig feste Objekte und ein paar anscheinend aus losen Tr�mmern bestehende Haufen. Au�erdem gibt es noch ein recht gro�es Gebilde, radioaktiv und ohne Innendruck, das meiner Vermutung nach zu einer Energiezentrale geh�rt hat.�</p><p>Von der Decke fragte Prilicla: �Wenn ich vielleicht einen Vorschlag machen d�rfte? Wie w�re es, wenn Major Nelson die Freundlichkeit besitzen w�rde, den Vermessungseinsatz der Tyrell zu unterbrechen, damit.�</p><p>Nelson lachte pl�tzlich, und auch die �brigen anwesenden Offiziere des Monitorkorps l�chelten. Mit emotionsgeladener Stimme antwortete Nelson: �Es gibt in der ganzen Galaxis keine Besatzung eines Aufkl�rungsschiffs im Vermessungseinsatz, die nicht sofort lieber irgend etwas anderes tun w�rde � ganz egal, was! Sie brauchen mich nur zu fragen und mir eine halbwegs einleuchtende Entschuldigung f�r meine Vorgesetzten zu nennen, und schon ist Ihr Vorschlag angenommen, Doktor.�</p><p>�Vielen Dank, mein Freund�, entgegnete der vor Erheiterung langsam zitternde Empath. �Mein Vorschlag ist, da� die Rhabwar und die Tyrell getrennt nach weiteren �berlebenden suchen und sie dann hierherbringen � und zwar mit Hilfe der Traktorstrahlen, wenn die Entfernung kurz genug f�r den Raketenantrieb ist, oder mittels der ausgedehnten Hyperraumh�lle, falls ein Sprung durch den Hyperraum unumg�nglich erscheint. Dank meiner empathischen F�higkeiten kann ich lebende Insassen in den Segmenten aufsp�ren, und wegen der gro�en K�rpermasse dieser Wesen sollten mich Doktor Krach-Yul und Schwester Naydrad auf der Tyrell begleiten, um mir bei der Behandlung zu helfen, falls eine solche �berhaupt m�glich ist. Pathologin Murchison und Sie, Freund Conway, sind genausogut in der Lage, lebende Verungl�ckte mit konventionelleren Methoden aufzusp�ren, falls Ihnen die Angaben der Schiffssensoren keinen genauen Aufschlu� geben sollten.</p><p>Auf diese Weise halbieren wir die f�r die Suche nach weiteren �berlebenden ben�tigte Zeit, obwohl es auch so noch recht lange dauern wird�, beendete Prilicla seinen Vorschlag in entschuldigendem Ton.</p><p>Jetzt meldete sich der medizinische Offizier der Tyrell zum erstenmal zu Wort. Seine jaulende und bellende Sprache wurde �bersetzt als: �Ich hab immer gedacht, bei einem Weltraumeinsatz eines Ambulanzschiffs w�rde es sich stets um eine dramatische Rettungsaktion handeln, bei der es auf Schnelligkeit und Entschlossenheit ankommt. Aber dieser Einsatz scheint sich zu einer entt�uschend langwierigen Geschichte zu entwickeln.�</p><p>�Ich bin ganz Ihrer Meinung, Doktor�, pflichtete ihm Conway bei. �Wir brauchen dringend Hilfe, wenn dieses Unternehmen nur ein paar Tage und nicht gleich monatelang dauern soll. Und damit meine ich nicht nur ein einzelnes Aufkl�rungsschiff, sondern eine ganze Flottille oder, noch besser, ein komplettes Geschwader zum Absuchen des gesamten.�</p><p>Captain Nelson fing an zu lachen, h�rte aber schnell wieder auf, als er Conways Ernsthaftigkeit bemerkte, und sagte schlie�lich: �Doktor, ich bin nur ein Major des Monitorkorps, und dasselbe gilt f�r Captain Fletcher. Unser Rang gibt uns gar nicht die Befugnis, eine ganze Flottille Aufkl�rungsschiffe herzubeordern, egal, f�r wie dringend erforderlich Sie oder wir deren Einsatz halten. Wir k�nnen lediglich den Sachverhalt erkl�ren und dabei eine bescheidene Bitte einflie�en lassen.�</p><p>Fletcher blickte seinen Kollegen an und �ffnete bereits den Mund zum Sprechen, besann sich aber lieber eines Besseren.</p><p>Conway l�chelte und erwiderte: �Ich bin zwar nur ein einfacher Zivilist und nehme �berhaupt keinen Rang ein, Captain, aber andersherum betrachtet, bin ich Mitglied dieser Gesellschaft, der Sie beide als Staatsbeamte dienen, und besitze letztendlich die Befehlsgewalt �ber Leute wie Sie.�</p><p>Fletcher r�usperte sich ger�uschvoll und sagte: �Bitte ersparen Sie uns Ihre politisch-philosophischen Ansichten, Doktor. Soll ich der Monitorkorpsbasis dieses Sektors �ber Subraumflink eine Nachricht �bermitteln und um massive Unterst�tzung bitten, da wir es in einem un�bersehbar gro�en Gebiet mit einer Menge potentiell �berlebender zu tun haben, die einer bisher unbekannten Spezies angeh�ren?�</p><p>�Genau das�, antwortete Conway. �W�rden Sie bitte auch die Zuteilung der zu durchsuchenden Abschnitte an die Aufkl�rungsschiffe �bernehmen, wenn und falls die Schiffe eintreffen? In der Zwischenzeit werden wir Priliclas Vorschlag in die Tat umsetzen, nur mit der Ab�nderung, da� sich Murchison und ich auf die Tyrell begeben werden, falls Sie damit einverstanden sind, Captain.�</p><p>�Es ist mir ein Vergn�gen�, entgegnete Nelson mit einem Blick auf Murchison. �Aber warum diese Ab�nderung?�</p><p>�Nun, schlie�lich ist Ihre Besatzung nicht daran gew�hnt, da� unser zerbrechlicher Freund �berall an den Decken und W�nden entlangtrippelt, und die Gefahr, da� ihm etwas zust��t, ist viel zu gro�. Aber jetzt brauchen wir erst einmal Ihre Hilfe, um Teile unserer transportablen Ausr�stung auf Ihr Schiff zu schaffen.�</p><p>Als die Ger�tschaft kurz darauf auf das Aufkl�rungsschiff gebracht wurde, konnte Conway Murchison nur mit M�he und Not davon abhalten, die gesamte Diagnose- und Behandlungsapparatur vom Unfalldeck auf die Tyrell mitzunehmen. Parallel wurde die transportable Luftschleuse vom Wrack abmontiert und wieder an Bord der Tyrell verstaut � bestimmt w�rde man sie bei einem der anderen weit im All verstreuten Objekte erneut einsetzen m�ssen. Im Verlauf dieser T�tigkeiten traten wegen kurzzeitiger �berlastung hin und wieder Schwankungen in der Beleuchtung und der Schwerkraftregulierung der Rhabwar auf � ein eindeutiges Indiz, da� die Nachricht an die Monitorkorpsbasis bereits �ber Subraumfunk gesendet wurde.</p><p>Conway wu�te, da� Fletcher den Funkspruch so knapp wie m�glich formulierte und Lieutenant Chen im Maschinenraum bestimmt schon nerv�s an den N�geln kaute, da f�r das Senden einer Mitteilung durch das �beraus schwer zu begreifende Medium des Hyperraums ungeheure Energiemengen ben�tigt wurden, was f�r ein Schiff mit der relativ geringen Gr��e der Rhabwar bedeutete, s�mtliche vorhandenen Kapazit�ten auszunutzen. Trotz des hohen Energieverbrauchs w�rde die Nachricht von interstellaren St�rger�uschen und vernehmlichen L�chern durchsetzt sein, die durch zwischen Sender und Empf�nger liegende Wolken aus ionisiertem Gas, Sterne und stern�hnliche Objekte verursacht wurden. Aus diesem Grund mu�te die Nachricht oft beschleunigt und viele Male wiederholt werden, damit sich die Empf�nger aus den bei ihnen eintreffenden Wortfetzen eine zusammenh�ngende Mitteilung in normalem Tempo wieder zusammensetzen konnten.</p><p>Die eigentliche Antwort des Monitorkorps auf diese Nachricht war nat�rlich noch einmal eine ganz andere Geschichte, dachte Conway betr�bt. Und trotz seiner scheinbaren Zuversicht, die er den anderen gegen�ber an den Tag gelegt hatte, war ihm v�llig schleierhaft, wie das Korps reagieren w�rde, denn noch nie zuvor hatte er eine solche Anfrage gestellt.</p><p>Nelson hatte Murchison und Conway zu sich aufs Kommandodeck eingeladen, damit sie den Anflug der Tyrell auf das zweite Segment der Alienraumstation, das als n�chstes untersucht werden sollte, genauer beobachten konnten � und um der Besatzung den Anblick der h�bschen Pathologin zu erm�glichen. Seit �bermittlung der Nachricht �ber S�braumfUnk etwa sechs Stunden zuvor hatte der Captain den Chefarzt mit einer Mischung aus Sorge und Ehrfurcht betrachtet, als w��te er nicht genau, ob sich Conway selbst etwas vormachte oder wirklich ein �u�erst einflu�reicher Mensch war.</p><p>Die kurz darauf aus dem Lautsprecher des Kontrollraums dringenden Mitteilungen, die sich den gr��ten Teil der folgenden Stunde mit Unterbrechungen von nur wenigen Minuten fortsetzten, befreiten ihn zwar von allen Zweifeln, verwirrten ihn aber nur um so mehr.</p><p>�Aufkl�rungsschiff Tedlin an Rhabwar. Erbitten Instruktionen.�</p><p>�Aufkl�rungsschiff Tenelphi an Rhabwar. Bitten um erneute Zuteilung.�</p><p>�Hier Aufkl�rungsschiff Torrance, es spricht der stellvertretende Flottillenf�hrer. Ich verf�ge �ber sieben Einheiten, denen sich bald achtzehn weitere anschlie�en. Sie haben Arbeit f�r uns, Rhabwar?�</p><p>Schlie�lich schaltete Nelson den Lautsprecher und die Stimme von Captain Fletcher ab, der den neu eingetroffenen Aufkl�rungsschiffen die zu durchsuchenden Abschnitte zuteilte. Aufgabe der Aufkl�rungsschiffe war, nach Teilen der Raumstation zu suchen und sie zur Rhabwar zu bringen. Gem�� Fletchers Entscheidung sollte sich das Ambulanzschiff selbst an der Suche nicht beteiligen, sondern zur Koordinierung der Operation und zur medizinischen Versorgung beim ersten �berlebenden bleiben. In der Zuversicht, da� man die Lage unter Kontrolle hatte, entspannte sich Conway und wandte sich Captain Nelson zu, dessen Neugier inzwischen fast schon greifbar geworden war.</p><p>�Und Sie. Sie sind wirklich nur ein Arzt, Doktor?� fragte er.</p><p>�So ist es, Captain�, best�tigte Murchison, bevor Conway antworten konnte. Sie lachte und fuhr fort: �Und h�ren Sie auf damit, ihn so anzusehen, sonst h�lt er sich wom�glich tats�chlich noch f�r wichtiger als er in Wirklichkeit ist.�</p><p>�Wie Sie sehen, liegen meine Kollegen st�ndig auf der Lauer, damit so etwas nicht passieren kann�, sagte Conway trocken. �Aber Pathologin Murchison hat recht. Ich bin nicht wichtig, genausowenig wie die Offiziere des Monitorkorps oder die Mitarbeiter des medizinischen Teams auf der Rhabwar. Es ist nichts weiter als unsere Arbeit, die so wichtig ist, da� einem zu ihrer Unterst�tzung das Kommando �ber ein paar Flottillen Aufkl�rungsschiffe erteilt wird.�</p><p>�Aber um so etwas anzuordnen, mu� man schon wenigstens den Rang eines Untergeschwaderkommandanten bekleiden.�, begann Nelson, brach aber auf Conways Kopfsch�tteln hin ab.</p><p>�Um das zu erkl�ren, mu� ich Ihnen schon ein paar Zusammenh�nge genauer erl�utern, Captain�, sagte er. �Einige dieser Informationen sind bereits allgemein bekannt, viele aber noch nicht. Einige relevante Entscheidungen des F�derationsrats, die sich insbesondere auf die Priorit�tensetzung bei Monitorkorpseins�tzen ausgewirkt haben, sind n�mlich erst vor kurzem getroffen worden und k�nnen noch gar nicht bis zu Ihnen durchgesickert sein. Falls einige meiner Ausf�hrungen f�r den Captain eines Aufkl�rungsschiffs zu selbstverst�ndlich sein sollten, werden Sie mir das hoffentlich verzeihen.�</p><p>Wie Conway erz�hlte, war bisher nur ein winziger Bruchteil der Galaxis von Terrestriern oder einer anderen der �ber sechzig Spezies der F�deration erforscht worden. Deshalb befanden sich die Mitgliedsspezies praktisch in der merkw�rdigen Lage eines Terrestriers, der zwar Freunde in entfernten L�ndern hatte, aber keine Ahnung davon, wer bei ihm um die Ecke wohnte. Der Grund daf�r war, da� sich Reisende �fter trafen als Leute, die zu Hause blieben, besonders dann, wenn diese Reisenden ihre Adressen austauschten und sich regelm��ig trafen.</p><p>Diese gegenseitigen Besuche waren verh�ltnism��ig einfach zu bewerkstelligen. Vorausgesetzt, es traten unterwegs keine st�renden Einfl�sse auf, und die genauen Zielkoordinaten waren bekannt, dann war es wirklich genauso einfach, durch den Hyperraum zu einem benachbarten Sonnensystem zu reisen wie zu einem Planeten am anderen Ende der Galaxis. Aber man mu�te erst einmal ein bewohntes Sonnensystem entdecken, bevor man dessen Koordinaten ins Logbuch eintragen konnte, und das erwies sich als eine nicht ganz leichte Aufgabe.</p><p>Es dauerte sehr lange, bis man wenigstens ein paar der kleineren wei�en Flecken auf den Sternkarten erkundet und beschriftet hatte, allerdings mit nur wenig Erfolg.</p><p>Wenn ein Aufkl�rungsschiff wie die Tyrell einen Stern mit Planeten fand, war das schon an sich eine seltene Entdeckung � und eine noch seltenere, wenn auf dem Planeten Leben existierte. Und falls sogar eine der einheimischen Lebensformen intelligent war, dann fegte eine Welle des Jubels �ber die Planeten der F�deration hinweg, allerdings stets verbunden mit der Sorge, ob der Pax Galactica durch diese Aliens nicht m�glicherweise bedroht sein k�nnte. Man sandte Spezialisten des Monitorkorps aus, um die knifflige, zeitraubende und oft gef�hrliche Arbeit zu verrichten, erste Kontakte zu kn�pfen und diese sp�ter zu vertiefen.</p><p>Die Fachleute f�r Erstkontakte stellten die Elite des Monitorkorps dar, eine kleine Gruppe von Spezialisten f�r extraterrestrische Kommunikation, Philosophie und Psychologie. Obwohl diese Gruppe nur relativ klein war, war sie bedauerlicherweise nicht gerade mit Arbeit �berlastet.</p><p>�Im Verlauf der letzten zwanzig Jahre�, fuhr Conway fort, �hat sie in nur drei F�llen das Erstkontaktverfahren eingeleitet, und jedesmal trat die betreffende Spezies der F�deration bei. Ich will Sie jetzt nicht mit Einzelheiten langweilen, was die Anzahl der dazu erforderlichen Erkundungsfl�ge angeht oder wie viele Schiffe und Personen daran beteiligt waren und wieviel Material ben�tigt wurde.</p><p>Erst recht werde ich Sie nicht mit den Gesamtkosten f�r diese Unternehmungen schockieren. Ich erw�hne die drei Erfolge der Kontaktgruppe nur, um zu verdeutlichen, da� das Orbit Hospital im galaktischen Sektor zw�lf, unser erstes medizinisches Behandlungszentrum mit vielf�ltigen Umweltbedingungen, im selben Zeitraum nicht nur voll einsatzf�hig gemacht wurde, sondern auch Erstkontakte eingeleitet hat, die zum Eintritt von sieben neuen Spezies in die F�deration gef�hrt haben.</p><p>Und das wurde nicht etwa durch einen allm�hlichen, beharrlichen Aufbau und eine Ausweitung der Kommunikation bewirkt, bis ein Austausch komplexer philosophischer und soziologischer Auffassungen m�glich geworden w�re�, setzte er seine Erkl�rungen fort, �sondern indem einem kranken Allen medizinische Hilfe geleistet wurde.�</p><p>Das sei nat�rlich eine bewu�t sehr vereinfachte Darstellung, gestand Conway. Man mu�te sich in solchen F�llen jeweils mit den medizinischen und chirurgischen Problemen auseinandersetzen, die bei der Behandlung einer bislang unbekannten Lebensform auftraten. Dabei stand einem sowohl der �bersetzungscomputer des Orbit Hospitals, der zweitgr��te in der F�deration �berhaupt, als auch die im Krankenhaus stationierten Kommunikationsspezialisten des Monitorkorps zur Verf�gung, wobei das Korps zus�tzlich f�r die Bergung und Einlieferung vieler extraterrestrischer Opfer verantwortlich war. Aber die Tatsache blieb bestehen, da� das Hospital, indem es medizinische Hilfe gew�hrte, den guten Willen der F�deration fremden Spezies gegen�ber viel einfacher und direkter demonstriert hatte als es jeder langatmige Gedankenaustausch h�tte tun k�nnen.</p><p>Da s�mtliche Schiffe der F�deration vor dem Abflug Einzelheiten �ber Kurs und Passagiere oder die Besatzung einreichen mu�ten, war die Position eines Notsignals normalerweise ein guter Hinweis auf das Schiff und somit auch auf die physiologische Klassifikation einer Spezies, die in Schwierigkeiten geraten war. Dann wurde ein Ambulanzschiff mit der entsprechenden Mannschaft und Ausr�stung zur Lebenserhaltung an Bord vom Orbit Hospital oder vom Heimatplaneten des Schiffs geschickt. Aber es gab F�lle, und zwar viel mehr als allgemein angenommen, in denen f�r die F�deration unbekannte Wesen in ein Ungl�ck verwickelt waren und dringend Hilfe ben�tigten � Hilfe, die die Ambulanzschiffe mitsamt ihren Besatzungen kaum zu leisten vermochten.</p><p>Nur wenn beim betreffenden Bergungsschiff die Hyperraumantriebsh�lle zu vergr��ern war, um das verungl�ckte Schiff darin einzuschlie�en, oder aber die Wesen unversehrt befreit und in eine f�r sie passende Umweltbedingung auf dem F�derationsschiff geschafft werden konnten, transportierte man sie zur Behandlung ins Orbit Hospital im galaktischen Sektor zw�lf. Folge davon war, da� viele bislang unbekannte Lebensformen, die �ber eine hohe Intelligenz und eine fortgeschritteneTechnologie verf�gten, starben und allenfalls noch als interessante Studienobjekte f�r die Pathologie dienten.</p><p>Doch hatte man bereits seit langem nach einer L�sung dieses Problems gesucht und die Antwort darauf vielleicht sogar schon gefunden.</p><p>�Man hatte entschieden, ein ganz spezielles Ambulanzschiff auszur�sten, das vorrangig auf diejenigen Notsignale reagieren sollte, deren Position sich nicht mit den von den F�derationsschiffen eingereichten Flugpl�nen deckte�, fuhr Conway fort. �Die Fachleute f�r Erstkontakte halten die Rhabwar f�r die fast perfekte L�sung, weil wir ausschlie�lich raumreisenden Spezies begegnen, Wesen also, die damit rechnen, auf neue und f�r sie unbekannte Lebensformen zu sto�en, und bei denen man, sollten sie einmal in Schwierigkeiten geraten, keine ernsthaften xenophobischen Reaktionen erwarten mu�, wenn man ihnen zu helfen versucht. Ein weiterer Grund, warum die Fachleute lieber mit raumreisenden Wesen in Kontakt treten als mit einer Spezies, die ihren Planeten nicht verlassen kann, ist der, da� man sich bei letzterer nie sicher sein kann, ob man ihre nat�rliche Entwicklung f�rdert oder nur behindert, ob man diesen Wesen technologisch unter die Arme greift oder ihnen nur einen vernichtenden Minderwertigkeitskomplex zuf�gt.</p><p>Jedenfalls wissen Sie jetzt�, sagte Conway und deutete l�chelnd auf Nelsons Hauptschirm, auf dem sich die j�ngst eingetroffenen Aufkl�rungsschiffe dr�ngten, �da� es die Rhabwar ist, die diesen hohen Rang einnimmt, und nicht irgendein Mitglied der Besatzung.�</p><p>Nelson wirkte recht beeindruckt, doch bevor er sich �u�ern konnte, ert�nten kurz hintereinander die Stimmen zweier Aufkl�rungsschiffskommandanten, die der Rhabwar Bericht erstatteten. Beide Schiffe waren in der N�he von Wrackteilen der Raumstation aus dem Hyperraum aufgetaucht und bereits auf dem R�ckflug zum Treffpunkt, wobei sie die von ihnen geborgenen Container mit Hilfe von Traktorstrahlen, die auf lange Brennweite eingestellt worden waren, hinter sich herzogen. In beiden F�llen lie�en die Angaben der Sensoren auf Leben schlie�en.</p><p>�Aber es gibt auch eine schlechte Nachricht�, sagte Nelson und deutete auf den Hauptschirm, auf dem eine vergr��erte Abbildung des Segments zu sehen war, das von der Tyrell angesteuert wurde. �Das Ding da vorne hat ganz sch�n was abbekommen, und ich kann mir nicht vorstellen, wie der Insasse das �berlebt haben sollte.�</p><p>Conway nickte, und als sich der besch�digte Zylinder langsam drehte und man ihn von hinten sehen konnte, f�gte Murchison hinzu: �Das hat er offensichtlich auch nicht.�</p><p>Der Aliencontainer war durch mehrere Kollisionen mit einigen immer noch in der N�he schwebenden Bauteilen, die das stabilisierende Grundger�st der urspr�nglichen Raumstation gebildet hatten, v�llig verbeult und durchl�chert worden. Mitten in diesem losen Tr�mmergewirr befand sich auch eine der runden Abschlu�platten des Zylinders, und aus dem offenen Ende des Containers ragte der K�rper des Insassen wie eine riesige, vertrocknete Raupe heraus.</p><p>�K�nnen Sie dieses Bild zur Rhabwar �bertragen?� fragte Conway.</p><p>�Nur, wenn die mich mal zu Wort kommen lassen�, antwortete Nelson, wobei er einen kurzen Blick auf den Lautsprecher warf, aus dem ein ununterbrochener, wenn auch von der Lautst�rke her leise gedrehter Wortwechsel zwischen Fletcher und den Aufkl�rungsschiffen drang.</p><p>Murchison hatte die ganze Zeit gebannt auf den Bildschirm geschaut und sagte pl�tzlich: �Die Leiche hier drau�en zu untersuchen w�re reine Zeitverschwendung. K�nnten Sie nicht einen Traktorstrahl auf das Wrack richten und zur Rhabwar zur�ckfliegen, Captain?�</p><p>�Wir m�ssen das Wrack sowieso zur genauen �berpr�fung mitnehmen�, merkte Conway an. �Das Lebenserhaltungssystem und die Ger�te, die den scheintod�hnlichen Zustand aufrechterhalten, werden uns wichtige Informationen �ber die Physiologie des Wesens liefern und.�</p><p>�Entschuldigen Sie, Doktor�, unterbrach ihn Nelson. Die Stimmen von der Rhabwar und den Aufkl�rungsschiffen waren bereits seit einigen Sekunden verstummt, und der Captain wollte die Chance nutzen, eineNachricht zu senden. �Hier spricht die Tyrell. W�rden Sie bitte eine Bild�bertragung annehmen? Doktor Conway meint, es sei wichtig.�</p><p>�Nur zu, Tyrell�, antwortete Fletchers Stimme. �An alle! Bis zum Ende der �bertragung bitte keinen anderen Funkverkehr!�</p><p>W�hrend sich der Captain der Rhabwar das Bild des langsam rotierenden Wracks mit der halb heraush�ngenden Leiche drei komplette Umdrehungen lang genau ansah, herrschte absolute Stille im Funk. Dann kam Fletchers Antwort. Die Intonation und Wortwahl waren f�r ihn so untypisch, da� man seine Stimme kaum erkennen konnte. �O ich Idiot! Ich bin so ein verdammter, unglaublicher Idiot, da� mir das nicht schon vorher aufgefallen ist!�</p><p>Die naheliegende Frage stellte ihm Murchison.</p><p>�Weil ich nicht begriffen hab, wie man die Abschlu�platte �ffnet�, antwortete Fletcher und gab noch mit ged�mpfter Stimme ein paar abf�llige Bemerkungen �ber die eigene Person von sich, bevor er fortfuhr: �Die Platte f�llt einfach nach unten raus oder wird vielleicht auch durch einen Sprungfedermechanismus durch den Schlitz herausgedr�ckt, der sich direkt hinter dem Zylinderrahmen befindet. Dieser Mechanismus ist bestimmt mit einem Innendrucksensor verbunden, durch den ein unbeabsichtigtes Herausspringen der Abschlu�platte verhindert wird, wenn sich der Zylinder im All befindet oder in dem angekoppelten Raumstationssegment kein Druck herrscht. Sie kommen doch wohl nicht nur mit der Leiche, sondern mit dem ganzen Wrack hierher, oder?�</p><p>Schon der Tonfall seiner Frage deutete an, da� der Captain stichhaltige Argumente ins Feld f�hren w�rde, um die Meinung des Chefarztes zu �ndern, falls dieser etwas anderes zu tun gedachte.</p><p>�So schnell wie m�glich�, antwortete Conway trocken. �Pathologin Murchison kann es genausowenig erwarten, einen Blick in den Alien zu werfen, wie Sie ins Schiff. Bitten Sie Naydrad, sich an der Schleuse zum Unfalldeck bereitzuhalten.�</p><p>�Mach ich�, entgegnete Fletcher. Er hielt kurz inne und sagte dann:</p><p>�Ihnen ist doch klar, Doktor, da� nach der Methode, diese Zylinder zu �ffnen, die Insassen logischerweise noch in der Atmosph�re � h�chstwahrscheinlich auf ihrem Heimatplaneten � in diesen Winterschlafcontainern eingeschlossen worden sind und die Zylinder nicht vor der Ankunft auf dem Zielplaneten ge�ffnet werden sollen. Diese Aliens sind eindeutig Teilnehmer eines Kolonisierungsversuchs mit einem unter Lichtgeschwindigkeit fliegenden Raumschiff�</p><p>�Ja�, erwiderte Conway abwesend. Er dachte gerade �ber die m�gliche Reaktion des Orbit Hospitals auf die Einlieferung eines Haufens riesiger, im Winterschlaf liegender ETs nach, die genaugenommen gar keine Patienten, sondern �berlebende eines gescheiterten Kolonisierungsfugs waren. Das Orbit Hospital war schlie�lich ein Krankenhaus und kein Fl�chtlingslager und w�rde zu Recht � auf dem Abtransport der Kolonisten zum Heimatoder Zielplaneten bestehen. Da sich die �berlebenden Kolonisten nicht in unmittelbarer Gefahr befanden, bestand f�r die Einbeziehung des Orbit Hospitals oder des Ambulanzschiffs � vielleicht gar keine Notwendigkeit, allenfalls in rein beratender Funktion. �Wir werden noch mehr Hilfe brauchen�, f�gte er hinzu.</p><p>�Ja�, entgegnete Fletcher begeistert. Ganz offensichtlich hatte er die gleichen Gedanken gehabt wie Conway. �Rhabwar Ende.�</p><p>Als die Tyrell zum Treffpunkt zur�ckgekehrt war, sah es dort allm�hlich �berf�llt aus. Achtundzwanzig Winterschlafcontainer, in denen sich laut Prilicla ausnahmslos lebende Aliens befanden, hingen wie eine gigantische, dreidimensionale Darstellung einer Zusammenballung von St�bchenbakterien in der Dunkelheit. Zur sp�teren Identifikation und Untersuchung war jeder Zylinder bereits numeriert worden. Au�er der Tyrell befanden sich keine anderen Aufkl�rungsschiffe am Treffpunkt, da diese schon wieder mit dem Heranschaffen weiterer Zylinder besch�ftigt waren.</p><p>Obwohl das k�nstliche Schwerkraftsystem auf dem Unfalldeck abgeschaltet worden war und Traktorstrahlen beim Transport halfen, ben�tigten Murchison, Naydrad und Conway dennoch �ber eine Stunde,</p><p>um die Leiche aus dem Wrack zu befreien und auf das Unfalldeck der Rhabwar zu bringen. Als der tote Alien endlich auf dem Untersuchungstisch lag, hing der massive Leib nach allen Seiten �ber die Kanten herunter, wo er von Instrumentenwagen, Betten und dem, was man sonst noch im Raum hatte auftreiben k�nnen, gest�tzt wurde.</p><p>Fletcher stattete ihnen ein paar Stunden sp�ter einen Besuch ab, um den Leichnam aus der N�he zu betrachten. Dabei erwischte er ausgerechnet den Moment, als Murchison ihre optische Begutachtung bereits abgeschlossen hatte und gerade zur Sezierung �berging, so da� er sich nur kurz auf dem Unfalldeck aufhielt. Bevor er ging, fragte er noch: �Doktor, k�nnten Sie bitte nach oben aufs Kommandodeck kommen, sobald man Sie hier entbehren kann?�</p><p>Conway nickte, ohne von der Untersuchung aufzublicken, die er gerade mit dem Scanner an einer der Atem�ffnungen des Aliens und deren Verbindung mit den Luftr�hren durchf�hrte. Einige Minuten nachdem der Captain gegangen war, richtete sich Conway auf und sagte: �Also, ich kann weder den Kopf noch den Schwanz dieses Aliens ausfindig machen.�</p><p>�Das ist nur allzu verst�ndlich, Doktor�, entgegnete Naydrad, die einer sehr realistisch veranlagten Spezies angeh�rte. �Das Wesen scheint ganz einfach weder das eine noch das andere zu haben.�</p><p>Murchison schaute von der Untersuchung eines Ganglienkettenst�cks mit dem Mikroskop auf und rieb sich die Augen. �Naydrad hat vollkommen recht�, best�tigte sie. �Sowohl der Kopf- als auch der Schwanzbereich fehlen. Vielleicht sind beide chirurgisch entfernt worden, obwohl ich das trotz der Anzeichen f�r einen kleineren chirurgischen Eingriff am einen K�rperende nicht mit Sicherheit sagen kann. Gewi� ist nur, da� es sich um einen warmbl�tigen Sauerstoffatmer und wahrscheinlich um einen Erwachsenen handelt. �Wahrscheinlich� sage ich trotz der Tatsache, da� der Alien in dem ersten Zylinder vergleichsweise gr��er war. Im allgemeinen sind f�r Gr��enunterschiede zwischen Erwachsenen bei den meisten Spezies genetische Faktoren verantwortlich, deshalb kann ich bei dem toten Alien nicht von einem halbw�chsigen oder einem noch j�ngeren Wesen ausgehen. Aber �ber eins bin ich mir jetzt schon ganz sicher: Thornnastor wird an dieser Leiche noch seinen Spa� haben.�</p><p>�Genau wie du�, erwiderte Conway.</p><p>Sie l�chelte m�de und fuhr fort: �Ich will wirklich nicht den Eindruck erwecken, da� du uns hier keine Hilfe w�rst. Das bist du auf jeden Fall. Aber ich hatte vorhin das eindeutige Gef�hl, da� der Captain seine Frage nur deshalb so h�flich formuliert hat, weil er dich sehr dringend sprechen will.�</p><p>Prilicla, der sich zwischen seinen kurzen Abstechern in den Weltraum, wo er die emotionale Ausstrahlung neu eintreffender �berlebender �berpr�fte, an der Decke ausgeruht hatte, gab rollende Schnalzlaute von sich, die der Translator als �F�r eine Nichtempathin war ihr Gef�hl au�ergew�hnlich zutreffend, meine Freundin� �bersetzte.</p><p>Als Conway wenige Minuten sp�ter das Kommandodeck betrat, waren beide Captains anwesend, und sie wirkten bei seinem Anblick ausgesprochen erleichtert. Nelson ergriff als erster das Wort.</p><p>�Doktor�, sagte er schnell, �ich glaube, diese Rettungsaktion ger�t langsam au�er Kontrolle. Wir haben bislang achtunddrei�ig Container gefunden, und laut Sensoren�berpr�fung enthalten sie bis auf zwei ausnahmslos lebende Wesen, und alle paar Minuten berichtet man uns von weiteren Zylinderfuinden. Die Objekte haben samt und sonders die gleiche Gr��e, und nach den gegenw�rtigen Anzeichen gibt es noch viel mehr da drau�en, als f�r das Zusammensetzen eines vollst�ndigen Rads notwendig w�ren.�</p><p>�Falls das Alienschiff aus technischen oder physiologischen Gr�nden die Form eines Rads gehabt haben mu�te�, entgegnete Conway nachdenklich, �dann k�nnte es wie einige unserer ersten Raumstationen aus einer ganzen Reihe konzentrischer Kreise gebaut worden sei, also aus mehreren R�dern, die zur Mitte hin immer kleiner werden.�</p><p>Nelson sch�ttelte den Kopf. �Nein, denn die L�ngskr�mmung ist bei allen Segmenten gleich. Aber k�nnten vielleicht zwei R�der, also zwei einzelne, aber identische Schiffe zusammengesto�en sein?�</p><p>�Mit dieser Zusammensto�theorie bin ich nicht einverstanden�, meldete sich erstmals Fletcher zu Wort. �Zumindest nicht zwischen zwei oder mehreren R�dern. Daf�r gibt es meines Erachtens viel zu viele �berlebende und vor allem v�llig unbesch�digte Segmente. Vielmehr scheint mir das Alienschiff auseinandergefallen zu sein. Ich glaube, es hat bei hoher Geschwindigkeit eine Kollision mit einem Himmelsk�rper gegeben, durch deren Wucht die zentrale St�tzkonstruktion von der Radnabe abgerissen ist.�</p><p>Conway versuchte, sich die endg�ltige Form dieses Alien-Puzzles bildlich vorzustellen. �Aber Sie glauben trotzdem, da� es mehr als ein Rad gegeben hat?� fragte er.</p><p>�Nicht ganz�, antwortete Fletcher. �Ich denke an zwei R�der, direkt �bereinander liegend angebracht, jedes mit je einem oder mehreren Aliens besetzt. Bis jetzt wissen wir ja noch gar nicht, ob wir einzelne, f�r die Reise chirurgisch ver�nderte Aliens oder nur St�cke von viel gr��eren Kreaturen bergen. Au�erdem tappen wir so lange �ber die Anzahl der Aliens im dunkeln, bis die Aufkl�rungsschiffe endlich K�pfe und Schw�nze bringen. Ich nehme an, da� sich s�mtliche Insassen in einem scheintoten Zustand befunden haben, wobei ihr Schiff von alleine geflogen ist und die Geschwindigkeit entlang der Vertikalachse selbstt�tig gesteigert oder verringert hat. Wenn meine Vermutung zutrifft, d�rfte es nur eine einzelne havarierte Radnabe geben, in der sich vermutlich die �berreste der Antriebseinheit und ein Abschnitt mit der automatischen Navigation und der Sensorenanlage befinden.�</p><p>Conway nickte. �Eine tolle Idee, Captain! Aber kann man Ihre Theorie auch �berpr�fen?�</p><p>Fletcher l�chelte und antwortete: �Sicher. Schlie�lich sind s�mtliche Wrackteile da drau�en. Obwohl einige in s�mtliche Einzelteile zersprengt worden sein d�rften und entsprechend schwer zu identifizieren sein werden. Aber wenn man uns gen�gend Zeit und die notwendige Hilfe gew�hrt, k�nnten wir die Teile wieder zusammensetzen.� �Sie meinen, die urspr�ngliche Zusammensetzung rekonstruieren?�</p><p>�Vielleicht�, erwiderte Fletcher in merkw�rdig neutralem Ton. �Aber ist das wirklich noch unsere Angelegenheit?�</p><p>Conway �ffnete bereits den Mund, um dem Captain einmal genau zu sagen, was er von solch einer d�mlichen Frage hielt, schlo� ihn aber wieder schnell, als er die Mienen der beiden Captains bemerkte.</p><p>Denn die Wahrheit war, da� die sich hier allm�hlich entwickelnde Lage wirklich nicht mehr ihre Angelegenheit war. Schlie�lich war die Rhabwar ein Ambulanzschiff, konstruiert und ausgestattet f�r kurze Eins�tze, deren einziges Ziel es war, Opfer eines Unfalls oder einer Krankheit im Weltraum zu bergen, die �berlebenden soweit wie m�glich zu behandeln und zum Orbit Hospital zu transportieren. Doch die �berlebenden, mit denen man es hier zu tun hatte, brauchten weder behandelt noch schleunigst ins Hospital eingeliefert zu werden. Sie waren schon seit langem scheintot und konnten wahrscheinlich auch noch lange Zeit in diesem Zustand bleiben. S�mtliche Aliens wiederzubeleben und, noch wichtiger, sie auf einen geeigneten Planeten umzusiedeln, w�re ein gewaltiges Vorhaben.</p><p>F�r Conway w�rde es das vern�nftigste sein, sich mit einer eleganten Verbeugung zu verabschieden und das Problem den Spezialisten f�r Erstkontakte zu �berlassen. Dann k�nnte die Rhabwar ins Dock zur�ckkehren und das medizinische Team sich wieder an die Behandlung der skurrilen und oft exotisch anmutenden Patienten im Orbit Hospital machen und dort auf den n�chsten Notruf f�r ihr spezielles Ambulanzschiff warten.</p><p>Doch bei den beiden M�nner, die ihn so aufmerksam musterten, handelte es sich zum einen um den Kommandanten eines Aufkl�rungsschiffs, das sich im Vermessungseinsatz befand, der schon �ber die Entdeckung eines einzigen bewohnten Sonnensystems in zehn Jahren st�ndiger Suche froh w�re, und zum anderen um Major Fletcher, Captain der Rhabwar und anerkannte Kapazit�t auf dem Gebiet vergleichender ET-Technologie. Die Bergung dieses unter Lichtgeschwindigkeit geflogenen ET-Kolonisierungstransporters k�nnte sich f�r die F�deration ohne weiteres zum gr��ten Problem entwickeln, vor dem sie seit der Entdeckung und Behandlung des Schichtwesens auf dem Planeten Drambo stand, das einen ganzen Kontinent bedeckte.</p><p>Conway blickte von Nelson zu Fletcher und sagte dann ruhig: �Sie haben recht, Captain, das f�llt nicht mehr in unseren Verantwortungsbereich. Das ist ein Problem der Kontaktspezialisten, und die w�rden auch nicht schlechter von uns denken, wenn wir es ihnen �berantworten. In Wirklichkeit erwarten die das sogar von uns. Aber wenn ich mir Sie so ansehe, gewinne ich allm�hlich den Eindruck, Sie beide wollen das gar nicht.�</p><p>Fletcher sch�ttelte bestimmt den Kopf, und Nelson entgegnete: �Doktor, falls Sie irgendwelche einflu�reichen Freunde haben, dann sagen Sie denen, da� ich liebend gerne einen Arm oder ein Bein opfern w�rde, nur um weiterhin dabeisein zu d�rfen.�</p><p>Der abgekl�rt und logisch denkende Anteil seines Verstands dr�ngte Conway, vern�nftig zu bleiben, zu �berlegen, worauf er sich da einlie�, und vor allem nicht zu vergessen, wer schlie�lich die Schuld bekommen w�rde, wenn etwas schiefging. Aber die Vernunft hatte von Anfang an keine Chance gehabt, in diesem Gewissenskonflikt zu siegen.</p><p>�Gut�, sagte Conway, �damit ist die Entscheidung einstimmig.�</p><p>Beide Captains grinsten ihn auf eine Weise an, die f�r ihren Rang und der damit verbundenen Verantwortung v�llig unpassend war � so, als h�tte er ihnen gerade einen gro�en Gefallen getan, anstatt sie zu Monaten unaufh�rlicher geistiger und k�rperlicher Schwerstarbeit zu verdonnern.</p><p>�Als das Schiff, das f�r die urspr�ngliche Entdeckung des Alienwracks verantwortlich ist, w�re das Bleiben der Tyrell gerechtfertigt. Dasselbe gilt f�r die Rhabwar, da ihr medizinisches Team die Behandlung durchf�hrt�, fuhr Conway fort. �Aber wir werden reichlich Hilfe brauchen. Und wenn wir auch nur ein F�nkchen Hoffnung haben wollen, diese Unterst�tzung zu erhalten, dann werden Sie mir detaillierte Informationen �ber s�mtliche Aspekte dieses Problems � und damit meine ich nicht nur die medizinische Seite � geben m�ssen und auch die Antworten auf die Fragen, die man mir stellen wird.</p><p>Zuerst einmal mu� ich eine ganze Menge mehr �ber die Physiologie der �berlebenden wissen, deshalb m�ssen Sie noch ein paar Leichen f�r Thornnastor ausfindig machen, den leitenden Diagnostiker der Pathologie im Orbit Hospital. Sie m�ssen wissen, er hat sechs F��e und wiegt eine halbe Tonne, und wenn Murchison und ich keine vern�nftigen Ergebnisse vorlegen k�nnen und f�r Thorny keine Sezierobjekte zur unabh�ngigen Untersuchung parat haben, steigt er mir glatt aufs Dach. Und was die beiden Monitorkorpsoffiziere O�Mara und Skempton mit mir machen werden, daran m�chte ich lieber gar nicht erst denken.�</p><p>�Die beiden sind doch nur Staatsbeamte�, unterbrach ihn Nelson grinsend. �Oder andersherum betrachtet, besitzen Sie als Mitglied dieser Gesellschaft die absolute Befehlsgewalt �ber solche Leute.�</p><p>Conway stand auf und sagte in ernstem Ton: �Hier geht es nicht einfach darum, noch eine Flottille Aufkl�rungsschiffe herzubeordern, meine Herren, und diesmal wird etwas mehr als nur ein Hyperraumfunkspruch notwendig sein. Um die erforderliche Hilfe zu erhalten, mu� ich zum Orbit Hospital zur�ckkehren und werde dort Diskussionen f�hren, als Bittsteller auftreten und vielleicht auch ein wenig mit der Faust auf den Tisch hauen m�ssen.�</p><p>Als er in den schwerelosen Hauptverbindungsschacht stieg und sich in Richtung Unfalldeck voranzog, konnte er Fletcher noch sagen h�ren: �Ihre Bemerkung vorhin war sicherlich kein besonderer Ansporn, Nelson. Die meisten seiner hochgestellten Freunde wissen n�mlich gar nicht, was sie mit ihren vielen Armen und Beinen tun sollen.�</p><p>Die Rhabwar und der Rest des medizinische Teams waren am Ort des Ungl�cks geblieben, w�hrend Conway mit der Tyrell zum Orbit Hospital geflogen war. Gleich nachdem das Aufkl�rungsschiff wieder im Normalraum aufgetaucht war, hatte er um eine dringende Besprechung mit den gro�en Drei des Hospitals � Skempton, Thornnastor und O�Mara � gebeten. Diesem Wunsch war zwar entsprechen worden, aber Chefpsychologe O�Mara hatte ihm unmi�verst�ndlich erkl�rt, er solle lieber gar nicht erst versuchen, mit der Besprechung schon vorzeitig zu beginnen, indem er ihm �ber Funk etwas vorjammerte.</p><p>Also hatte sich Conway vorerst in Geduld �ben m�ssen und war in Gedanken noch einmal s�mtliche Argumente durchgegangen, w�hrend das Orbit Hospital auf dem Frontbildschirm langsam immer gr��er geworden war.</p><p>Als Conway schlie�lich im B�ro des Chefpsychologen eintraf, wurde er dort von Thornnastor, Skempton und O�Mara bereits erwartet. Colonel Skempton hatte, als rangh�chster Offizier im Hospital, den einzigen Stuhl, der au�er O�Maras noch f�r Terrestrier geeignet war, in Beschlag genommen. Thornnastor brauchte keinen, da er wie alle seine tralthanischen Artgenossen ununterbrochen auf den sechs mammuthaften Beinen stand, selbst im Schlaf.</p><p>Der Chefpsychologe deutete mit der Hand auf die vor dem Schreibtisch stehende Auswahl extraterrestrischer Sitzm�bel und sagte: �Nehmen Sie doch Platz, Doktor, und zwar m�glichst so, da� Sie sich nicht dabei verletzen. Also, berichten Sie.�</p><p>Conway wand sich vorsichtig in ein f�r Kelgianer konstruiertes Sitzgestell hinein und beschrieb in aller K�rze die Vorf�lle, die sich seit dem Eintreffen der Rhabwar als Reaktion auf die von der Tyrell ausgesetzte Notsignalbake ereignet hatten. Er berichtete von der Untersuchung des ersten Wrackteils des auseinandergefallenen Alienschiffs, dem Produkt einer Spezies im Anfangsstadium der Raumfahrttechnologie, das noch keinen Hyperraumantrieb hatte und Schwerkraft durch Rotation erzeugte. Wie er weiter erz�hlte, bef�nde sich in jedem unbesch�digt entdeckten Zylinder ein scheintoter ET, und weil der Gro�teil dieser weit verstreuten Container innerhalb von knapp zw�lf Wochen in eine nahe Sonne zu st�rzen oder so dicht daran vorbeizufliegen drohte, da� die Folge davon der sichere Tod dieser Insassen sein w�rde, habe man zus�tzliche Aufkl�rungsschiffe angefordert, damit sie bei der Suche und der Bergung der restlichen �berlebenden behilflich sein konnten.</p><p>W�hrend Conways Bericht musterte O�Mara den Chefarzt mit seinen stahlgrauen Augen, die einen so scharf analytischen Verstand enth�llten, da� der Chefpsychologe das besa�, was man fast als telepathische F�higkeiten bezeichnen konnte. Thornnastors vier Augen waren zur einen H�lfte auf Conway gerichtet und zur anderen auf Colonel Skempton, der auf seinen Notizblock starrte und einen Kreis malte, den er immer wieder nachzog, ohne den Stift abzusetzen. Als Conway sich dabei ertappte, ebenfalls auf diesen Block zu sehen, verstummte er schlagartig.</p><p>Pl�tzlich starrten alle mit s�mtlichen Augen Skempton an, woraufhin dieser peinlich ber�hrt �Oh, tut mir leid, Doktor, lenkt Sie mein Gekritzel ab?� fragte.</p><p>�Ganz im Gegenteil, Sir�, antwortete Conway l�chelnd. �Sie haben mir ein ganzes St�ck weitergeholfen.�</p><p>Er �bersah das verdutzte Gesicht des Colonels und fuhr fort: �Nach unserer urspr�nglichen Theorie hatte ein unter Lichtgeschwindigkeit fliegendes Schiff von der Form einer rotierenden, radartigen Raumstation eine verheerende Funktionsst�rung oder einen Zusammensto�, der die in der Nabe untergebrachten Antriebs- und Navigationssysteme abri� und den Radkranz auseinandersprengte. Die daraufhin erfolgende Verstreuung der frei seh webenden Container, in denen sich die Aliens in ihrem scheintoten Zustand befinden, wurde durch die Zentrifugalkraft, die das Schiff mit k�nstlicher Gravitation versorgte, unterst�tzt. Aber allein die bis kurz vor meinem Abflug gefundenen Segmente w�rden schon mehr als drei komplette R�der bilden, und da ich mich an der Tatsache st�re, da� wir bis jetzt noch keinen Kopfabschnitt eines Aliens gefunden haben, halte ich es f�r richtig, die Theorie von einem oder mehreren R�dern zugunsten der einfacheren Form aufzugeben, die der Colonel mit seiner Skizze einer durchgehenden.�</p><p>�Doktor�, unterbrach ihn Thornnastor in bestimmtem Ton. Als leitender Diagnostiker der Pathologie war er gew�hnlich recht zielstrebig, wenn es um sein Spezialgebiet ging. �Seien Sie doch bitte so freundlich, und geben Sie mir eine ausf�hrliche Beschreibung dieser Lebensform, die physiologische Klassifikation und nat�rlich Ihre Sch�tzung bez�glich der Anzahl der zu behandelnden Verungl�ckten. Au�erdem w�rde ich gerne wissen, ob von dieser Lebensform Studienobjekte vorhanden sind.�</p><p>Conway sp�rte, wie er err�tete, als er ein Gest�ndnis ablegen mu�te, zu dem kein am Orbit Hospital arbeitender Chefarzt jemals gezwungen sein sollte. �Wir k�nnen diese Spezies nicht mit absoluter Sicherheit klassifizieren, Sir�, antwortete er. �Aber in der Hoffnung, da� Sie vielleicht dazu in der Lage sind, hab ich ihnen zwei Leichen mitgebracht. Wie ich bereits erw�hnt hab, sind die �berlebenden immer noch in diesen Containern im scheintoten Zustand, und die wenigen wirklich Toten sind stark entstellt, das hei�t in mehrere St�cke zerrissen worden.�</p><p>Thornnastor stie� un�bersetzbare, m�glicherweise zustimmende Laute aus und entgegnete: �Wenn die Leichen noch nicht in ihre Einzelteile zerlegt worden w�ren, h�tte ich schon beizeiten daf�r gesorgt. Da� sich weder Sie noch Murchison �ber die Klassifikation sicher sind, �berrascht mich allerdings und macht mich gleichzeitig um so neugieriger, Doktor. Einige vorsichtige Schlu�folgerungen werden Sie aber doch ziehen k�nnen, oder?�</p><p>Pl�tzlich war Conway froh, da� Prilicla an Bord der Rhabwar geblieben war, denn von seiner momentanen Verlegenheit h�tte der Empath einen b�sen Sch�ttelanfall bekommen. Gefa�t antwortete er: �Ja, Sir. Das untersuchte Wesen ist ein warmbl�tiger Sauerstoffatmer und hat den mit dieser physiologischen Klasse in Verbindung gebrachten Grundstoffwechsel. Die Leiche ist gro�, hat keine �berstehende Forts�tze, ist ann�hernd zwanzig Meter lang und mi�t drei Meter im Durchmesser. K�rperlich �hnelt der Alien den kelgianischen DBLFs, nur ist er sehr viel gr��er und besitzt nicht das silberne Fell der Kelgianer, sondern eine lederne Haut. Er hat wie die DBLFs viele Beine, aber die Greiforgane sitzen in einer einzigen Reihe auf dem R�cken.</p><p>Von diesen R�ckengliedma�en gibt es einundzwanzig, die sich den Anzeichen nach alle schon auf einer fr�hen Evolutionsstufe spezialisiert haben. Sechs dieser Glieder sind lang und dick, verf�gen zudem �ber Klauen und dienen offensichtlich nur der Verteidigung, da das Wesen ein Pflanzenfresser ist. Zwischen diesen sechs dickeren Tentakeln sind die restlichen f�nfzehn in f�nf Dreiergruppen angeordnet. Auf jedem dieser d�nneren Glieder sitzen vier ineinander verschr�nkbare Finger, die sich urspr�nglich als Greiforgane entwickelt hatten, mit denen das Wesen Nahrung sammelt und zu den sechs M�ndern f�hrt, von denen sich jeweils drei auf jeder Seite des K�rpers befinden und die mit drei M�gen verbunden sind. Zwei weitere �ffnungen auf jeder Seite f�hren zu einer sehr gro�en und komplizierten Lunge. Nach dem inneren Aufbau dieser Atem�ffnungen zu schlie�en, k�nnen diese Wesen den Strom ausgeatmeter Luft unterbrechen und modulieren und so bedeutungstragende Laute hervorbringen. Schlie�lich befinden sich noch an der K�rperunterseite �ffnungen zur Ausscheidung von Abfallstoffen.</p><p>�ber den Fortpflanzungsmechanismus besteht jedoch noch keine Klarheit�, fuhr er fort. �Der Alien weist sowohl m�nnliche als auch weibliche Genitalien am vorderen beziehungsweise hinteren Ende auf. Das Gehirn, wenn es das Gehirn ist, hat die Form einer Ganglienkette mit drei Schwellungen, die den K�rper der L�nge nach wie eine zentrale Schnur durchzieht. Parallel zu dieser Ganglienkette verl�uft noch ein zweiter, viel d�nnerer Nervenstrang, allerdings weiter darunter, ungef�hr f�nfundzwanzig Zentimeter von der K�rperunterseite entfernt. Dicht an jedem K�rperende befinden sich zweimal drei Augen, zwei auf dem R�cken und je zwei an der vorderen und hinteren K�rperseite. Die Augen waren zwar bei der Untersuchung eingezogen, k�nnen ansonsten aber in gewissem Umfang ausgefahren werden, und alle zusammen erm�glichen dem Alien eine vollst�ndige und gleichm��ige horizontale und vertikale Sicht. Nach Art und Lage der Sehorgane und Gliedma�en zu urteilen, hat sich diese Spezies unter sehr ung�nstigen Umweltbedingungen entwickelt.</p><p>Wir haben den Alien vorl�ufig als unvollst�ndigen CRLT klassifiziert�, schlo� Conway seine Untersuchungsergebnisse.</p><p>�Unvollst�ndig?� fragte Thornnastor.</p><p>�Ja, Sir�, antwortete Conway. �Der untersuchte Leichnam hat nur geringe Sch�den aufgewiesen, weil das Wesen im Verlauf einer langsamen Dekompression in scheintotem Zustand gestorben ist. Wir k�nnten uns zwar irren, aber beim Alien waren Anzeichen eines radikalchirurgischen Eingriffs zu erkennen, n�mlich die Abtrennung zweier K�rperteile, bei denen es sich m�glicherweise um Kopf und Schwanz gehandelt hat. Diese Amputationen sind aber nicht gewaltsam durch das Schiffsungl�ck, sondern durch eine bewu�te Ma�nahme herbeigef�hrt worden, die vielleicht notwendig geworden war, damit das Wesen f�r den Kolonisierungsversuch in den Zylinder pa�te. Die Haut ist am gesamten K�rper sehr dick und �u�erst widerstandsf�hig. Der einzige Schutz an den K�rperenden besteht allerdings nur aus einer harten, durchsichtigen Schicht aus organischer Substanz, und das darunterliegende, von Vorspr�ngen, Rissen und L�chern zerkl�ftete Gewebe und die Muskulatur sehen wund aus. Das deutet darauf hin, da� diese.�</p><p>�Conway!� unterbrach ihn O�Mara in scharfem Ton, wobei er einen Blick auf den pl�tzlich erbla�ten Colonel Skempton warf �Wegen der Anwesenheit Ihres Kollegen Thornnastor sind Sie viel zu schnell ins Detail gegangen. Bitte beschr�nken Sie sich an diesem Punkt auf eine einfache Darstellung des Problems und Ihren L�sungsvorschlag.�</p><p>Colonel Skempton war f�r den reibungslosen organisatorischen Ablauf im Orbit Hospital verantwortlich � und wie er seinen medizinisch geschulten Freunden gern erz�hlte, sobald diese in s�mtlichen grausamen Einzelheiten von ihrer Arbeit zu reden anfingen, sei er lediglich ein besserer Buchhalter und keiner von diesen verdammten �rzten. Die Schwierigkeit war nur, da� Conway keine M�glichkeit einer einfachen Darstellung des Problems sah, ohne die Gef�hle des �beraus zartbesaiteten Colonels zu verletzen.</p><p>�Ganz einfach dargestellt, besteht das Problem aus einem riesigen, wurmartigen Lebewesen, vielleicht f�nf oder mehr Kilometer lang�, fa�te Conway zusammen, �das man in viele hundert St�cke zerhackt hat. Die angezeigte Behandlung besteht darin, die verschiedenen Teile wieder zusammenzusetzen, und das in der richtigen Reihenfolge.�</p><p>Der Stift des Colonels hielt mitten im Gekritzel inne, Thornnastor gab einen lauten, un�bersetzbaren Ton von sich, und O�Mara, normalerweiseeher ein stoischer Mensch, entgegnete mit au�ergew�hnlicher Heftigkeit: �Conway! Haben Sie etwa vor, diese, diese Midgardschlange ins Hospital zu bringen?�</p><p>Conway sch�ttelte den Kopf. �Das Orbit Hospital ist daf�r viel zu klein.�</p><p>�Genauso wie Ihr Ambulanzschiff�, erg�nzte Skempton und blickte zum erstenmal vom Notizblock auf.</p><p>Bevor Conway antworten konnte, sagte Thornnastor: �Ich kann mir kaum vorstellen, da� das von Ihnen beschriebene Wesen solch radikale Mehrfachamputationen �berleben konnte. Wenn die bis jetzt entdeckten Einzelteile nach Priliclas und Ihrer Meinung allerdings am Leben sind, dann mu� ich das wohl glauben. Aber haben Sie auch schon die M�glichkeit eines Gruppenwesens in Betracht gezogen, �hnlich wie die telfische Spezies, die als Einzelwesen dumm, im gemeinsamen Verbund hingegen hochintelligent sind? In solch einem Fall w�re eine k�rperliche Zerst�ckelung etwas einleuchtender, Doktor.�</p><p>�Ja, Sir, bis jetzt haben wir diese M�glichkeit auch noch nicht ausgeschlossen.�, begann Conway.</p><p>�Also gut, Doktor�, unterbrach ihn O�Mara. �Jetzt d�rfen Sie das Problem noch einmal in einer etwas weniger einfachen Form vortragen.�</p><p>Das Problem�. dachte Conway.</p><p>Er begann die erneute Darstellung mit der Bitte, sich das gewaltige Alienschiff im Zustand vor dem Ungl�ck vorzustellen, also nicht in der zun�chst er�rterten Form mehrerer R�der, sondern als gro�e, durchgehende Spule oder Wendel wie bei einer Zug- oder Schraubfeder mit Abst�nden zwischen den Windungen, gleichm��igem Durchmesser und von �hnlicher Form wie die Figur auf Skemptons Block. Die einzelnen gekr�mmten Zylinder dieser Spule waren durch ein Gitterwerk aus Metallstangen miteinander verbunden, das das gesamte Schiff als starre Einheit zusammenhielt und die l�ngs der Flugachse ben�tigte Stabilit�t der Konstruktion beim Start, bei Beschleunigung und bei der Landunggew�hrleistete. Im Orbit zusammengebaut, hatte das Schiff einen Durchmesser von ungef�hr f�nfhundert Metern bei einer L�nge von �ber anderthalb Kilometern. An dem einen Ende der Achsenst�tzkonstruktion befanden sich die Energie- und Antriebssysteme und am anderen das automatische Steuerungssystem und die Sensoren.</p><p>Die genaue Art des Unfalls oder der Funktionsst�rung war bisher nicht bekannt. Nach den festgestellten Auswirkungen zu urteilen, mu�te die Ursache jedoch der Frontalzusammensto� mit einem gro�en Himmelsk�rper gewesen sein, der das am Bug sitzende Steuerungssystem, die Achsenkonstruktion und die Hecktriebwerke weggerissen hatte. Durch die Ersch�tterung bei der Kollision war die gro�e, rotierende Spule in die einzelnen Container auseinandergefallen, und die Zentrifugalkraft hatte dann den Rest erledigt.</p><p>�Wenn wir diesem Alien � oder den Aliens � helfen wollen�, fuhr Conway fort, �m�ssen wir wegen des physiologischen Aufbaus zuerst wieder das Schiff zusammenbauen und dann erfolgreich landen. Das Zusammensetzen der Einzelteile kann man am einfachsten in der Schwerelosigkeit bewerkstelligen. Die Tatsache, da� die zwanzig Meter langen Teile der Spule nach dem Auseinanderbrachten die jeweilige Position im Verh�ltnis zueinander beibehalten haben, wird beim Zusammenbau eine gro�e Hilfe sein.�</p><p>�Moment mal, Moment mal�, unterbrach ihn der Colonel. �Ich halte so ein Unternehmen f�r unm�glich. Erstens brauchen Sie einen wirklich leistungsstarken Computer, um die Flugbahnen dieser sich immer weiter entfernenden Teile genau genug berechnen und sie wieder an ihre urspr�nglichen Positionen in diesem. diesem Puzzle bringen zu k�nnen, und zweitens w�re die zum Zusammenbau ben�tigte Ausr�stung.�</p><p>�Captain Fletcher h�lt die Montage f�r m�glich�, erwiderte Conway bestimmt. �Schlie�lich hat man schon h�ufig die �berreste eines extraterrestrischen Schiffs zusammengebaut und dabei nebenbei viele wertvolle Kenntnisse gewonnen. Ich r�ume allerdings gerne ein, da� man bei fr�heren Gelegenheiten noch nie �berlebende zusammensetzen mu�teund die Arbeiten mit weit geringerem Aufwand erledigt werden konnten, als es hier der Fall sein wird.�</p><p>�Mit weit geringerem Aufwand.�, wiederholte O�Mara sp�ttisch. �Captain Fletcher ist ein Theoretiker und auf der Rhabwar hat er seinen ersten Einsatz als Kommandant. Macht es dem Captain etwa Spa�, drei Flottillen Aufkl�rungsschiffe herumkommandieren zu d�rfen?�</p><p>Wie Conway wu�te, betrachtete der Chefpsychologe das Problem aus dem Blickwinkel seines eigenen Spezialgebiets, und wie �blich war O�Mara allen anderen einen gro�en Schritt voraus.</p><p>�Es scheint ihm eher Vergn�gen zu bereiten, sich dar�ber den Kopf zu zerbrechen�, antwortete Conway vorsichtig. �Und bisher sind bei ihm noch keine unverhohlenen Anzeichen von Gr��enwahn festzustellen.�</p><p>O�Mara nickte und lehnte sich wieder zur�ck.</p><p>Aber auch der Colonel konnte in gro�en Schritten zu Folgerungen gelangen, wenn auch nicht immer so schnell wie der Chefpsychologe. �Wollen Sie etwa damit vorschlagen, da� die Rhabwar dieses Unternehmen leiten soll, O�Mara? Das Ambulanzschiff ist viel zu gro� und teuer. Nein, die Entscheidung dar�ber mu� weitergeleitet werden, und zwar am besten.�</p><p>�Wir k�nnen aber nicht auf die Entscheidungen eines Ausschusses warten�, warf Conway ein.</p><p>��direkt an den F�derationsrat�, fuhr der Colonel fort. �Hat Ihnen denn Fletcher schon erz�hlt, wie er dieses Puzzle �berhaupt zusammensetzen will?�</p><p>Conway nickte. �Ja, Sir. Das ist eine Frage der grundlegenden Konstruktionsphilosophie.� Wie er weiter erz�hlte, war Captain Fletcher der Meinung � die �brigens von der Mehrheit der Spitzenkonstrukteure der F�deration geteilt wurde �, da� jedes maschinenbetriebene Fortbewegungsger�t, sei es ein einfaches Bodenfahrzeug oder ein kilometerlanges Raumschiff, ab einem gewissen Kompliziertheitsgrad ein gewaltiges Ma� an Vorarbeiten f�r den Entwurf sowie f�r die Planung undBearbeitung ben�tigte, bevor die ersten einfachen Bau- und Montageteile auf irgendeiner �Werkbank� zu einem dreidimensionalen Gebilde aus Metall zusammengebaut werden konnten. Selbst bei einem kleinen Raumschiff raubte einem die Unmenge an notwendigen Detailzeichnungen, Montage- und Schaltpl�nen und so weiter schier den Verstand. Dabei bestand der Zweck dieser ganzen Konstruktionsarbeit lediglich darin, Wesen mit durchschnittlicher Intelligenz in der Fertigung und Montage der Einzelteile des Puzzles anzuleiten, ohne da� diese irgendeine Ahnung vom Gesamtbild hatten oder sich vielleicht sogar daf�r interessierten.</p><p>Wenn man der gebr�uchlichen terrestrischen, tralthanischen, illensanischen und melfanischen Praxis folgen wollte � und nach den Beteuerungen der Ingenieure dieser Spezies und vieler anderer gab es keine einfachere Methode �, mu�ten diese Baupl�ne und die darin beschriebenen Bauteile Anweisungen in Form von Kennzeichnungssymbolen enthalten, um den Arbeiter bei der richtigen Plazierung der Teile im Puzzle als Richtschnur zu dienen.</p><p>M�glicherweise gab es extraterrestrische Spezies, die vor dem Zusammenbau ausgefallenere Kennzeichnungsmethoden von Bauteilen anwandten, indem zum Beispiel jedes Element durch eine Art Geruchsoder Tastcode markiert wurde, aber in diesem Fall w�re das bei der gigantischen Gr��e der Spule und der hohen Anzahl zu identifizierender und verbindender Teile eine vollkommen unn�tige Erschwernis, es sei denn, physiologische Gr�nde w�rden f�r ein solch kompliziertes Vorgehen sprechen.</p><p>Die sezierte Leiche besa� Augen, die im normalen sichtbaren Spektrum funktionierten, und Captain Fletcher war sich sicher, da� die extraterrestrischen Schiffbauer die einfache M�glichkeit gew�hlt und die Oberfl�che der einzelnen Bauteile mit Symbolen markiert hatten, die man auf einen Blick erkennen konnte. Durch eine ausf�hrliche Untersuchung eines besch�digten Zylinders und der �berreste des dazugeh�rigen St�tzger�sts fand Fletcher tats�chlich heraus, da� das benutzte Kennzeichnungssystem aus in das Metall gestanzten Symbolgruppen bestand und benachbarte Zylinder bis auf den letzten Buchstaben oder die letzte Ziffer die gleiche Symbolform und � reihenfolge aufwiesen.</p><p>�Ganz offensichtlich ist die gesamte Denkungsart dieser Aliens unserer sehr �hnlich�, schlo� Conway seinen Bericht.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Colonel Skempton und beugte sich im Stuhl nach vorne. �Trotzdem wird man f�r das Entschl�sseln dieser Symbole und den Zusammenbau der Teile eine Menge Zeit ben�tigen.�</p><p>�Oder eine Menge zus�tzliche Hilfe�, entgegnete Conway.</p><p>Skempton lehnte sich wieder zur�ck und sch�ttelte den Kopf. Auch Thornnastor schwieg, aber dem langsamen und ungeduldigen Klopfen seiner huf�hnlichen F��e konnte man entnehmen, da� er das nicht mehr lange tun w�rde.</p><p>Zuerst ergriff jedoch O�Mara das Wort. �An welche Hilfe haben Sie denn dabei gedacht, Doktor?�</p><p>Conway warf dem Chefpsychologen einen dankbaren Blick zu, weil er einerseits direkt zur Sache kam und ihn andererseits mit dieser Frage indirekt unterst�tzte. Allerdings wu�te er, da� O�Mara ihm sofort diese Unterst�tzung entziehen w�rde, sollte er auch nur den leisesten Zweifel an seinen F�higkeiten hegen, mit diesem Problem fertig zu werden. Wollte er von O�Mara in seinem Vorhaben best�rkt werden, mu�te er den Chefpsychologen davon �berzeugen, da� er genau wu�te, was er vorhatte. Er r�usperte sich.</p><p>�Zuerst m�ssen wir die sofortige Suche nach dem Heimatplaneten des Schiffs aufnehmen, damit wir soviel wie m�glich �ber Kultur, Umweltbedingungen und Ern�hrungsbed�rfnisse des Aliens herausfinden und ihn nach gegl�ckter Rettung irgendwo hinbringen k�nnen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat der Unfall zu einer gro�en Kursabweichung des spulenf�rmigen Schiffs gef�hrt. Vielleicht ist auch ganz unabh�ngig vom Unfall, durch den das Schiff in seine Einzelteile zerrissen wurde, eine Funktionsst�rung im Steuerungssystem aufgetreten, und die Zylinder sind bereits weit �ber den Zielplaneten hinausgeschossen.</p><p>Das w�rde die Suche nat�rlich erschweren und die Anzahl der am Einsatz beteiligten Einheiten erh�hen.�</p><p>Bevor der Colonel darauf reagieren konnte, fuhr Conway schnell fort: �Au�erdem mu� ein genauer Blick in die F�derationsarchive geworfen werden. Denn schon viele Jahrhunderte vor Entstehung der F�deration gab es raumreisende Spezies, die das All bereits selbst�ndig erforscht haben. Deshalb besteht zumindest die geringe Chance, da� vielleicht eine dieser Spezies auf Wesen gesto�en ist oder Berichte �ber Aliens geh�rt hat, die �hnlichkeit mit einer intelligenten Midgardschlange haben.�</p><p>Er unterbrach seine Ausf�hrungen kurz, denn er mu�te Thornnastor erkl�ren, da� die Midgardschlange eine Kreatur aus der terrestrischen Mythologie war � eine riesige Schlange, die den Planeten Erde umschlungen haben soll. Thornnastor bedankte sich und gab seiner Erleichterung Ausdruck, da� diese Schlange ins Reich der Mythologie geh�rte.</p><p>�Jedenfalls bis jetzt�, merkte der Colonel m�rrisch an.</p><p>�Als zweites kommt das Problem der schnellen Bergung und richtigen Plazierung der verstreuten Zylinder auf uns zu�, fuhr Conway fort. �Daf�r werden noch viel mehr Aufkl�rungsschiffe sowie alle verf�gbaren Spezialisten f�r ET-Sprachen und fachspezifische Schriftsysteme erforderlich sein. Au�erdem ben�tigen wir ausreichende Computerkapazit�ten, um dieses Material analysieren zu k�nnen. Ein Schiff mit einem gro�en �bersetzungscomputer w�re bestimmt in der Lage.�</p><p>�Das w�rde ja die Descartes bedeuten!� protestierte Skempton.</p><p>��diese Aufgabe in der verbleibenden Zeit zu bew�ltigen�, fuhr Conway fort. �Wie ich geh�rt habe, hat die Descartes gerade ihr Erstkontaktprogramm auf Dwerla beendet und steht demnach zur Verf�gung. Doch der dritte und zugleich technisch schwierigste Teil des Problems ist die eigentliche Schiffsmontage. Daf�r ben�tigen wir eine Hilfsflotte mit der entsprechenden technischen Ausr�stung sowie dem Personal f�r die Raummontage, um diejenigen St�tzger�stteile des Alienschiffs schnell zu rekonstruieren, die nicht aus den Tr�mmern geborgen werden k�nnen. Im Idealfall sollte man daf�r erfahrene tralthanische und hudlarische Raummontagetrupps einsetzen.</p><p>Viertens�, fuhr Conway fort, ohne Zeit f�r irgendwelche Einw�nde zu lassen, �brauchen wir ein Schiff, das die Operation koordinieren und eine gro�e Anzahl Traktor- und Pressorstrahlbatterien einrichten kann und zu deren Bedienung entsprechend gut ausgebildete Offiziere an Bord hat. Dadurch wird das Risiko eines Zusammensto�es zwischen den geborgenen Teilen und unseren eigenen Schiffen im Montagegebiet verringert. Dieses Koordinationsschiff wird �ber einen eigenen Computer zur Bew�ltigung der Logistik.�</p><p>�Er will die Vespasian haben�, murmelte Skempton ungl�ubig vor sich hin.</p><p>�Genau. Der taktische Computer der Vespasian w�re n�mlich optimal�, best�tigte Conway. �Obendrein besitzt das Schiff die erforderlichen Traktor- und Pressorstrahlbatterien und meines Wissens eine sehr gro�e Frachtschleuse, nur falls ich ein paar CRLTs aus den Zylindern holen mu�. Bestimmt erinnern Sie sich, da� mehrere Segmente des Aliens vernichtet sind. Deshalb werden an diesen Stellen chirurgische Eingriffe notwendig sein, um diese L�cken zu schlie�en. Aber bevor wir nicht sehr viel mehr Informationen �ber die Physiologie und die Umweltbedingungen dieser Spezies haben, hab ich keine klare Vorstellung davon, wie und in welchem Umfang medizinische Hilfe erforderlich sein wird.�</p><p>�Endlich kommen Sie auch mal auf die Bed�rfnisse des Patienten zu sprechen�, knurrte Thornnastor durch den Translator.</p><p>�Diese leichte Verz�gerung war durchaus beabsichtigt, Sir�, erwiderte Conway. �Schlie�lich m�ssen wir erst das Schiff reparieren, bevor wir dem Insassen helfen k�nnen. Aber nun zum Alien oder den Aliens selbst. Pathologin Murchison und ich haben eine Leiche oder ein Leichenteil seziert, und wir suchen noch immer nach einer Best�tigung unserer vorl�ufigen Befunde. Au�erdem brauchen wir so viele zus�tzliche physiologische Daten, wie Sie den in der Tyrell mitgebrachten Leichen entnehmen k�nnen und auch den Fl�ssigkeiten in den Infusionsger�ten, die anscheinend zur Einleitung, Verl�ngerung und Aufhebung des Scheintodvorgangs dienen. Ganz besonders ben�tigen wir noch viel mehr Informationen �ber das Nervensystem, die Verbindungen zur willk�rlichen und unwillk�rlichen Muskulatur, das voraussichtliche Ausma� und die Geschwindigkeit der Geweberegeneration nach einem notwendigen chirurgischen Eingriff sowie �ber die durchsichtige Schutzschicht an den wunden Stellen am vorderen und hinteren K�rperende. Nat�rlich brauchen wir all diese Angaben am besten schon gestern, Sir.�</p><p>�Nat�rlich�, knurrte Thornnastor. Seine sechs riesigen F��e, die sich w�hrend Conways Aufz�hlung ruhig verhalten hatten, setzten nun wieder das langsame Klopfen fort. Offensichtlich war der Tralthaner ganz begierig darauf, sich an die Untersuchung dieser Exemplare einer vollkommen neuen Lebensform zu machen.</p><p>O�Mara wartete exakt drei Sekunden lang, dann blickte er Conway m�rrisch an und fragte: �Und das ist wirklich schon alles, was Sie brauchen, Doktor?�</p><p>Conway nickte und erwiderte l�chelnd: �Im Moment schon.�</p><p>Colonel Skempton beugte sich vor und sagte: �Im Moment ben�tigt er die Dienste eines Untergeschwaders eines ganzen Sektors, einschlie�lich der Descartes und der Vespasian. Bevor wir einen Einsatz derart vieler milit�rischen Einheiten empfehlen k�nnen, sollten wir die Angelegenheit auf jeden Fall an den F�derationsrat weiterleiten, um.� An dieser Stelle brach er ab, weil das unaufh�rliche Klopfen von Thornnastors F��en ein weiteres Gespr�ch fast unm�glich machte.</p><p>�Entschuldigen Sie bitte, Colonel�, sagte der Tralthaner, �aber ich glaube, wenn wir diese Angelegenheit an den Rat weiterleiten, wird man dort nur lang und breit hin und her �berlegen, um sich dann dazu entschlie�en, die Entscheidung denjenigen zu �berlassen, die das Problem am besten �berblicken und l�sen k�nnen � und das ist die technische und medizinische Besatzung der Rhabwar. Schlie�lich wurde das spezielle Ambulanzschiffprogramm deshalb geplant, um mit dem Unvorhergesehen klarzukommen, und die Tatsache, da� wir es hier mit einem Problem von unvorhersehbaren Ausma�en zu tun haben, ist dabei v�llig unerheblich.</p><p>Hier handelt es sich um ein oder mehrere Wesen einer bislang unbekannten Spezies�, fuhr er fort, �und mein Rat ist, Chefarzt Conway die erforderliche Hilfe zur Bergung und Behandlung dieser oder dieses Wesens zu gew�hren. Allerdings hab ich auch nichts dagegen, wenn Sie unbedingt Ihren Kurs verfolgen und die Angelegenheit dem Rat vorlegen wollen, damit dieser nach reiflicher Diskussion unsere Empfehlung genehmigt oder ab�ndert, um wom�glich einen besseren Vorschlag zu machen. Also, was meinen Sie, Colonel?�</p><p>Skempton sch�ttelte den Kopf. �Es ist nicht richtig. Ich wei�, da� es nicht richtig ist, einem frischgebackenen Schiffskommandanten und einem Arzt so viel Macht zu geben. Andererseits sind die Besatzungsmitglieder der Rhabwar im Moment die einzigen, die wissen, was sie tun. Ich mu� also, wenn auch widerwillig, zustimmen. O�Mara?�</p><p>Alle Augen, beide von Skempton und Conway und die vier von Thornnastor, hefteten sich auf den Chefpsychologen, der wiederum Conway k�hl musterte.</p><p>Schlie�lich antwortete er: �Wenn Sie sonst nichts mehr zu sagen haben, Doktor, w�rde ich Ihnen vorschlagen, m�glichst schnell zur Rhabwar zur�ckzukehren, bevor es dort von so vielen Schiffen wimmelt, da� Sie Ihr eigenes nicht mehr wiederfinden.�</p><p>Die Reaktionszeit des Monitorkorps auf einen Notfall, egal, ob es sich dabei um einen leichten oder schweren handelte, war stets beeindruckend kurz. Auf dem Frontbildschirm der Tyrell �hnelte das Ungl�cksgebiet einem kleinen, unordentlichen Sternhaufen, in dessen Mitte die Positionslampe der Rhabwar wie ein ver�nderlicher Stern mit einer kurzen Leuchtperiode blinkte. Fletcher best�tigte die Ankunft und erteilte die Erlaubnis zum Andocken, sprach jedoch ansonsten nicht mit der Tyrell, weil, wie er erkl�rte, unerwartet schon f�nfzehn weitere Aufkl�rungsschiffe eingetroffen seien und er alle H�nde voll damit zu tun habe, sie in seine Planung der Bergungsaktion einzubauen. Aus diesem Grund bot sich Conway erst wieder an Bord der Rhabwar die Gelegenheit, dem Captain von all den anderen unvorhergesehenen Dingen zu berichten, die unmittelbar bevorstanden, doch zu diesem Zeitpunkt war es bereits zu sp�t.</p><p>�Rhabwar�, meldete sich gerade eine Stimme aus dem Lautsprecher, als Conway das Kommandodeck betrat, �hier Kontakt- und Vermessungsschiff Descartes unter dem Kommando von Colonel Okaussie. Man hat mir mitgeteilt, Sie h�tten Arbeit f�r uns, Major Fletcher.�</p><p>�Nun ja, Sir�, antwortete der Captain. Er blickte Conway flehentlich an und fuhr dann fort: �Wenn ich vielleicht respektvoll vorschlagen d�rfte, da� Ihre �bersetzungsspezialisten.�</p><p>�Mir war�s lieber, Sie w�rden das nicht tun�, unterbrach ihn Colonel Okaussie. �Ich meine, irgend etwas respektvoll �vorschlagen�. Wenn ich erst einmal genausoviel �ber die hiesige Lage wei� wie Sie, dann akzeptiere ich auch Vorschl�ge, egal, ob sie nun respektvoll oder respektlos vorgetragen werden. Aber bis dahin h�ren Sie bitte auf, kostbare Zeit zu vergeuden, Major, und sagen Sie uns einfach, was wir tun sollen.�</p><p>�Ja, Sir�, erwiderte Fletcher. Rasch, pr�zise und � aus alter Gewohnheit � respektvoll formulierend, befolgte er die Aufforderung. Ein paar Sekunden nach dem Abbruch der Verbindung tauchte auf dem Radarschirm ein neues Echobild auf, das noch gr��er als das der Descartes war. Der Neuank�mmling gab sich als DepotschiffMotann mit hudlarischer Besatzung zu erkennen. Dieses Schiff war ein einziger fliegender Maschinenbaukomplex, der mit seiner technischen Ausr�stung gew�hnlich Schiffen weiterhalf, die nach einem glimpflich abgelaufenen Ausfall der Hyperraumgeneratoren im Normalraum zwischen den Sternen gestrandet waren. Der Captain der Motann, der kein Offizier des Monitorkorps war, nahm genauso bereitwillig wie Okaussie Fletchers Anweisungen entgegen. Aber dann erschien ein noch gr��erer leuchtender Punkt auf dem Radarschirm, dem zufolge gerade ein wirklich sehr gro�es Schiff aus dem Hyperraum aufgetaucht sein mu�te. Automatisch f�tterteLieutenant Haslam das Teleskop mit den Positionsdaten und rief die st�rkste Vergr��erung ab.</p><p>Der gewaltige, ehrfurchtgebietende Anblick eines Schlachtkreuzers der Imperatorklasse breitete sich auf dem Bildschirm aus.</p><p>�Rhabwar, hier ist die Vespasian��</p><p>Bei dem Gedanken, dem gottgleichen Wesen, das das Kommando �ber dieses Schiff hatte, Anweisungen erteilen zu m�ssen, erbla�te Fletcher. Der Kommunikationsoffizier der Vespasian richtete die Gr��e des Flottenkommandanten Dermod aus und bat um vollen Sichtkontakt, sobald es genehm sei. Conway, der keine Zeit gehabt hatte, den Captain rechtzeitig davon zu unterrichten, was auf ihn zukommen w�rde, weil all das bereits eintrat, stand auf.</p><p>�Ich bin im Labor auf dem Unfalldeck, Captain�, sagte er. L�chelnd streckte er den Arm aus, um Fletcher beruhigend auf die Schulter zu klopfen, und f�gte hinzu: �Das machen Sie ganz gro�artig, Captain. Denken Sie einfach daran, da� der Flottenkommandant fr�her einmal auch nicht mehr als ein Major gewesen ist.�</p><p>Als er auf dem Unfalldeck ankam, konnte man das Gespr�ch zwischen Fletcher und dem Flottenkommandanten der beiden auf dem Repeaterschirm nur visuell verfolgen, weil Prilicla �ber eine andere Tonfrequenz dem medizinischen Offizier eines Aufkl�rungsschiffs gerade die Anweisung gab, eine von diesem gefundene Leiche Murchison zur Untersuchung auf die Rhabwar zu bringen. Murchison und Naydrad waren immer noch mit dem ersten Exemplar besch�ftigt, das inzwischen in s�mtliche Bestandteile zerlegt worden war.</p><p>Murchison wies mit dem Kopf in Richtung Repeaterschirm und sagte: �Du scheinst ja alles, was du brauchst, gekriegt zu haben. Hatte O�Mara ausnahmsweise gute Laune?�</p><p>�Sarkastisch und hilfsbereit wie immer�, antwortete Conway grinsend und gesellte sich zu ihr an den Seziertisch. �Wissen wir inzwischen schon mehr �ber diese riesige Boa constrictor?�</p><p>�Ich hab zwar keine Ahnung, was wir wissen�, entgegnete Murchison m�rrisch, �aber ich bin schon ein wenig schlauer als zuvor und f�hle mich allerdings mehr als nur ein wenig verwirrt, was ich dabei herausgefunden hab. Zum Beispiel ist.�</p><p>Die dicke Ganglienkette mit den �rtlich konzentrierten Knoten und Verdickungen, die durch die Mitte des zylindrischen K�rpers verlief, war mit fast absoluter Gewi�heit das einem Gehirn entsprechende Organ des CRLT, so da� die Vorstellung eines fehlenden Kopfs und Schwanzes allm�hlich unwahrscheinlich schien � besonders weil die durchsichtige Schutzschicht auf den wunden Stellen an den K�rperenden genauso widerstandsf�hig wie die lederne Haut des Wesens war, auch wenn sie nicht so aussah.</p><p>Murchison war es gegl�ckt, die Nervenverbindungen zwischen den Ganglien und den Augen, M�ndern und Greiforganen zu verfolgen und eine Verkn�pfung beider Enden des zentralen Nervenstrangs mit der verwirrenden Muskulatur, die unter den wunden Stellen am vorderen und hinteren Ende des Wesens lag, ausfindig zu machen.</p><p>Die Leiche schien m�nnlichen Geschlechts zu sein � zumindest waren die weiblichen Genitalien am anderen K�rperende geschrumpft und befanden sich anscheinend schon in einem fr�hen Stadium v�lligen Schwunds �, und Murchison hatte das Organ zur Produktion der m�nnlichen Geschlechtszellen und die Methode der �bertragung zum Weibchen entdeckt.</p><p>�Es gibt Anzeichen f�r eine unnat�rliche Organverlagerung�, fuhr sie fort, �deren einzige Ursache Schwerelosigkeit sein kann, denn nat�rliche oder k�nstliche Schwerkraft ist f�r diese Lebensform physiologisch unbedingt notwendig. W�hrend des Winterschlafs macht die Schwerelosigkeit diesen Wesen nichts aus, wenn sie aber bei Bewu�tsein sind, ruft sie schwere �belkeit, eine Beeintr�chtigung der Sinneswahrnehmung und, dessen bin ich mir ziemlich sicher, psychische und physische Schmerzen hervor.�</p><p>Das Wesen mu�te sich zur Wiederbelebung demnach also entweder am Rand seines rotierenden Schiffs befinden oder unter der Einwirkung nat�rlicher Schwerkraft stehen, n�mlich der des Zielplaneten.</p><p>Dieser Patient braucht keinen Arzt, sondern einen Wundert�ter, dachte Conway sp�ttisch.</p><p>�Mit Unterst�tzung des Captains konnten wir nachweisen�, fuhr Murchison fort, �da� sich in dem Spender, in dem sich zum gr��ten Teil das Medikament befindet, durch das der Winterschlaf hervorgerufen und oder verl�ngert wird, auch geringere Mengen eines komplexen organischen Sekrets enthalten sind, bei dem es sich nur um ein Mittel zur Wiederbelebung handeln kann. Fletcher hat sogar den F�hler des automatischen Sensors und Ausl�sers gefunden, der den Spender vom Winterschlaf auf Wiederbelebung umschaltet, und entdeckt, da� dieser F�hler auf das gleichzeitige Vorhandensein von Schwerkraft und Au�endruck reagiert. Derselbe Mechanismus ist auch f�r das Abwerfen der Abschlu�platten des Zylinders verantwortlich, damit der CRLT seinen Container verlassen kann.</p><p>Fr�her oder sp�ter werden wir eins dieser Wesen wieder zum Leben erwecken m�ssen�, sagte sie zum Abschlu� ihres kurzen Berichts mit besorgter Stimme, �und bis dahin sollten wir uns fast absolut sicher sein, das wir �berhaupt wissen, was wir tun.�</p><p>Conway hatte sich bereits den Raumanzug ausgezogen und stieg gerade in den Chirurgenoverall. �M�chtest du, da� ich irgend etwas Bestimmtes tue?�</p><p>W�hrend sie sich mit der Leiche besch�ftigten, wurden aus den auf der Digitalanzeige der Uhr verstreichenden Minuten erst Tage und dann Wochen. Von Zeit zu Zeit traf �ber SubreumM: eine kurze Nachricht von Thornnastor ein, die Murchisons und Conways Befunde best�tigte oder neue Untersuchungsmethoden vorschlug, aber selbst so schienen sie nur langsame bis gar keine Fortschritte zu machen.</p><p>Gelegentlich blickten sie von der Arbeit auf und sahen zum Repeaterschirm hin�ber, um sich �ber die Ereignisse zu informieren, aber auch das geschah immer seltener.</p><p>Fletcher, ein hudlarischer Fachmann f�r Weltraumkonstruktionen und unterschiedlich bef�higte Offiziere des Monitorkorps zeigten sich gegenseitig �ber die verschiedenen Bildkan�le zumeist irgendwelche verbogenen Metallst�cke, verglichen Kennzeichnungssymbole und f�hrten endlose Gespr�che dar�ber. Zweifellos war das alles immens wichtig, aber f�r den Zuh�rer einfach todlangweilig. Au�erdem hatten Conway und Murchison ja ihr eigenes, aus organischen Teilen bestehendes Puzzle, �ber das sie sich den Kopf zerbrechen konnten.</p><p>Eine angenehme Unterbrechung dieser allt�glichen Routine bot sich immer dann, wenn sie einen kurzen Abstecher in den Weltraum machen mu�ten, um einen Blick auf eine der neu herangeschafften Leichen zu werfen. Die toten Aliens wurden an der Au�enhaut befestigt, weil der Platz auf der Rhabwar immer nur f�r einen CRLT zur gleichen Zeit reichte. Bei diesen Gelegenheiten f�hrten sie die Untersuchungen in der Schwerelosigkeit durch und schnitten nur besonders interessante organische Substanzen zum sp�teren Studium heraus. Dabei stie�en sie auf eine verbl�ffend vielf�ltige Mischung aus Alter und Geschlecht, die darauf hinzudeuten schien, da� es sich bei den �lteren CRLTs um gut entwickelte M�nnchen handelte, deren wunde Stellen an den K�rperenden eine br�unliche F�rbung aufwiesen, w�hrend die j�ngeren eindeutig Weibchen waren, die unter der durchsichtigen Schutzschicht bla�rosa Stellen hatten.</p><p>Einmal mu�ten die erm�denden Untersuchungsarbeiten unterbrochen werden, was allerdings unangenehm war. Schon mehrere Stunden lang hatten sich Conway und Murchison mit einem schlaffen, leicht violetten Gewebest�ck befa�t, das der organische Ausl�ser der Winterschlafphase des Wesens h�tte gewesen sein k�nnen. Sie hatten noch immer keine Fortschritte gemacht, als pl�tzlich Prilicla in ihr ver�rgertes, angespanntes Schweigen hereinplatzte.</p><p>�Meine Freundin Murchison ist m�de�, stellte der Empath fest.</p><p>�Nein, bin ich nicht�, protestierte die Pathologin mit einem G�hnen, das ihr den kr�ftigen und dennoch h�bsch geformten Unterkiefer auszurenken drohte. �Zumindest war ich das nicht, bis Sie mich daran erinnert haben.�</p><p>�Genau wie Sie, mein Freund.�, sagte Prilicla zu Conway, bevor er unterbrochen wurde � denn statt irgendeines der Teile des Alienschiffs erschienen jetzt die pelzigen Gesichtsz�ge von Schiffsarzt Lieutenant Krach-Yul auf dem Repeaterschirm.</p><p>�Doktor Conway�, sagte der orligianische Arzt, �ich mu� einen Unfall melden. Zwei terrestrische DBDGs, einfache Frakturen, keine Dekompressionsverletzungen.�</p><p>�Na gut�, erwiderte Conway und bi� die Z�hne zusammen, um nicht zu g�hnen. �Jetzt haben Sie endlich einmal wieder die Chance, chirurgische Erfahrungen mit anderen Spezies zu sammeln.�</p><p>�.und ein hudlarischer Ingenieur, physiologische Klassifikation PROB�, fuhr Krach-Yul fort. �Der Hudlarer hat eine tiefe Schnittwunde davongetragen, die er zwar rasch, aber nur unzul�nglich selbst behandelt hat. Ich hab bei ihm den Verlust einer betr�chtlichen Menge K�rperfl�ssigkeit und das damit verbundene Absinken des Innendrucks festgestellt, sowie eine verminderte Sinneswahrnehmung und das.�</p><p>�Komme schon�, unterbrach ihn Conway, und an Murchison gewandt murmelte er: �Du brauchst wegen mir nicht aufzubleiben.�</p><p>W�hrend ihn die Tyrell zum Unfallort brachte, ein Gebiet, in dem gerade drei Teile des Spulenschiffs zusammengebaut wurden, lie� Conway seine notgedrungen d�rftigen chirurgischen Erfahrungen mit der hudlarischen Lebensform Revue passieren.</p><p>Die Spezies der Hudlarer wurde nur sehr selten krank und wenn doch, dann fast ausschlie�lich im vorpubert�ren Alter. Gegen �u�ere Verletzungen waren Hudlarer unglaublich unanf�llig, denn ihre Augen wurden durch harte, transparente Membranen gesch�tzt, und ihre Haut glich einer biegsamen Panzerplatte. Ihr K�rper besa� praktisch �berhaupt keine �ffnungen, mit Ausnahme derer, die zur Paarung und Geburt vor�bergehend ge�ffnet wurden.</p><p>Deshalb eigneten sich FROBs hervorragend f�r Bauvorhaben im All. Ihr Heimatplanet Hudlar hatte die vierfache Erdanziehungskraft, und der atmosph�rische Druck war siebenmal so hoch wie auf der Erde, falls man diese dichte, suppenartige Mischung aus Sauerstoff, Edelgasen und rauhen Mengen von Schwebeteilchen, die sich aus mikroskopisch kleinen tierischen und pflanzlichen N�hrstoffen zusammensetzten, �berhaupt als �Atmosph�re� bezeichnen konnte. Auf ihrem Heimatplaneten nahmen die Hudlarer die nahrhafte Luft direkt durch ihre robuste, aber dennoch por�se Haut auf, wohingegen sie sich an anderen Orten regelm��ig in kurzen Abst�nden mit einem konzentrierten Nahrungspr�parat bespr�hen mu�ten. Ihre sechs biegsamen und enorm starken Gliedma�en endeten in vierfingrigen H�nden, die bei nach innen gebogenen Fingern und dem Boden zugewandten Kn�cheln gleichzeitig als F��e dienten.</p><p>Hinsichtlich der Umweltbedingungen waren die Hudlarer eine sehr anpassungsf�hige Spezies, denn die physiologischen Merkmale, die sie vor der zermalmenden Schwerkraft und dem Druck des eigenen Planeten sch�tzten, erm�glichten es ihnen auch, in jeder nicht�tzenden Atmosph�re mit geringerem Druck bis hin zum Vakuum des Weltraums zu arbeiten. Abgesehen von den Werkzeugen, ben�tigte ein hudlarischer Weltraumbauarbeiter als Ausr�stung lediglich Ger�te zur Kommunikation � n�mlich die Stimmembran des FROBs und ein Funkger�t �, die von einer kleinen, mit Luft gef�llten Blase umschlossen wurden.</p><p>Conway brauchte gar nicht erst zu fragen, ob sich ein hudlarischer Arzt auf dem Schiff von diesem Planeten aufhielt. F�r diese wirklich unzerst�rbare Spezies war die heilende Chirurgie vor ihrem Beitritt zur F�deration und der Bekanntschaft mit solchen Einrichtungen wie dem Orbit Hospital ein v�llig unbekannter Begriff gewesen.</p><p>Deshalb waren medizinisch ausgebildete Hudlarer au�erhalb des Hospitals ungef�hr ebenso selten wie welche mit k�rperlichen Verletzungen im Innern des Krankenhauses.</p><p>Gleich nachdem Captain Nelson knapp f�nfzig Meter vom Schauplatz des Unfalls entfernt mit der Tyrell in Position gegangen war, begab sich Conway in den Weltraum und steuerte auf den verwundeten Hudlarer zu. Krach-Yul war bereits bei den terrestrischen Unfallopfern angelangt, von denen sich einer in lauten und nicht druckreifen Worten die Schuld am Unfall gab und dadurch die Frequenz des Anzugfunks lahmlegte.</p><p>Aus diesen vehement vorgetragenen Selbstvorw�rfen konnte Conway dennoch folgern, da� die beiden Terrestrier nur deshalb dem sicheren Tod durch Zerquetschen entronnen waren, weil sich der Hudlarer mit seinem enorm kr�ftigen K�rper zwischen zwei Schiffssegmente geworfen hatte, die f�r den Ankopplungsvorgang langsam aufeinander zugetrieben waren. Der FROB h�tte diesen Zwischenfall ohne Verletzungen �berstanden, wenn ihm nicht der scharfkantige Stumpf eines Teils der Au�enverstrebung eine seiner Gliedma�en direkt unterhalb des K�rperansatzes aufgeschlitzt h�tte.</p><p>Als Conway bei ihm eintraf, hielt der Hudlarer das verletzte Glied mit dreien seiner H�nde fest, die auf diese Weise als Aderpresse dienten, w�hrend er mit den beiden �brigen, noch freien H�nden versuchte, die R�nder der Wunde zusammenzupressen, allerdings ohne Erfolg. Zwischen seinen Fingern bildeten sich kleine, h��liche K�gelchen aus Blut, die stark dampften und schwerelos davontrieben. Er konnte nicht sprechen, da er die Luftblase verloren hatte und seine Stimmembran vollkommen lautlos im luftleeren Raum vibrierte.</p><p>Conway zog den gr��ten vorhandenen Schutzverband aus der speziell f�r Hudlarer ausger�steten Medizintasche und n�herte sich dem Verletzten, um die Wunde freizulegen.</p><p>Da� es sich dabei um eine tiefe Wunde handelte, konnte er daran erkennen, wie die leuchtendgelben Blutstropfen abrupt anschwollen, bevor sie sich losrissen. Es gelang ihm aber, den Schutzverband anzulegen und die Wunde abzuschn�ren, bevor der Blutverlust zu hoch wurde. Trotzdem trat noch an beiden Enden des Verbands eine Menge Blut aus, weil der hohe Innendruck des Hudlarerk�rpers s�mtliche K�rperfl�ssigkeiten auszusto�en versuchte. Conway setzte an beiden Enden des Verbands sofort Verschlu�klammern an, wobei die eine von ihm selbst und die andere vom Hudlarer festgezogen wurde. Nach und nach verringerte sichder Fl�ssigkeitsverlust. Als schlie�lich kein Blut mehr austrat, glitten die H�nde des Verletzten von der Wunde, und seine Stimmembran vibrierte nicht mehr � der Hudlarer hatte das Bewu�tsein verloren.</p><p>Schon wenige Minuten sp�ter befand er sich in der Frachtschleuse der Tyrell, und Conway suchte mit dem Scanner nach m�glichen inneren Verletzungen, die durch die traumatische Dekompression hervorgerufen worden sein k�nnten. Je l�nger er nachsah, desto weniger gefiel ihm das, was er dabei erblickte, und als er die Untersuchung gerade beenden wollte, gesellte sich Krach-Yul zu ihm.</p><p>�Die Terrestrier haben nur einfache Frakturen, Doktor�, berichtete der Orligianer. �Bevor ich die Knochen schiene, wollte ich Sie, da Sie derselben Spezies angeh�ren, lieber erst fragen, ob Sie nicht mitkommen wollen, um.�</p><p>�Um Ihnen die Chance zu nehmen, Ihr Wissen �ber andere Spezies zu erweitern?� unterbrach Conway ihn. �Nein, Doktor, Sie behandeln die beiden allein. Ich nehme an, Sie haben Ihnen schmerzstillende Mittel gegeben, und es eilt nicht allzusehr, richtig?�</p><p>�Das stimmt, Doktor�, antwortete Krach-Yul.</p><p>�Gut�, erwiderte Conway, �ich hab n�mlich noch eine andere Aufgabe f�r Sie. K�mmern Sie sich um den Hudlarer, bis Sie ihn zum Orbit Hospital bringen k�nnen. Erst mal m�ssen Sie sich eine Spr�hdose mit Nahrungspr�parat vom hudlarischen Schiff besorgen, und dann machen Sie mit Captain Nelson aus, da� er den Luftdruck und die k�nstliche Schwerkraft in der Frachtschleuse so weit erh�ht, bis er den hudlarischen Normalwerten so nah wie m�glich gekommen ist. Die eigentliche Behandlung besteht darin, den Verletzten in st�ndlichen Abst�nden mit dem Nahrungspr�parat zu bespr�hen, die Herzt�tigkeit zu kontrollieren und periodisch den Verband zu lockern, sobald Ihr Scanner einen starken R�ckgang der Blutzirkulation in dem verletzten Glied anzeigt. W�hrend der Behandlung werden Sie zwei G-G�rtel tragen m�ssen. Wenn Sie nur einen anlegen und der bei einer Schwerkraft von vier Ge versagen sollte, h�tten wir n�mlich noch einen weiteren Schwerverletzten, und zwar Sie. Normalerweise w�rde ich ja diesen Patienten zum Orbit Hospital begleiten�, fuhr er fort, wobei er ein G�hnen unterdr�ckte, �aber ich mu� sofort zur Stelle sein, falls beim CRLT irgendwelche schwerwiegenden Komplikationen auftreten. Der chirurgische Eingriff bei einem Hudlarer kann sich �brigens zu einer recht heiklen Angelegenheit entwickeln, deshalb werde ich dem OP-Team einige Anmerkungen �ber den Verletzten auf Band sprechen und gleichzeitig vorschlagen, Ihnen das Zuschauen bei der Operation zu erlauben, falls Sie das m�chten.�</p><p>�O ja, sehr gerne sogar�, erwiderte Krach-Yul, �und vielen Dank, Doktor.�</p><p>�Und jetzt lasse ich Sie hier mit Ihren Patienten allein und kehre auf die Rhabwar zur�ck�, sagte Conway und f�gte in Gedanken hinzu: Und zwar um zu schlafen!</p><p>Die Tyrell wurde nach acht Tagen Abwesenheit mit Kurierdiensten betraut, wobei sie tote Aliens zum Orbit Hospital brachte und mit Informationen, Ratschl�gen und detaillierten Fragelisten von Thornnastor wieder zur�ckkam. Die Fragen des Diagnostikers drehten sich in erster Linie um die j�ngsten Fortschritte, die Murchison und Conway bei ihren Untersuchungen gemacht hatten. W�hrend die einzelnen Segmente identifiziert, positioniert und zusammengekoppelt wurden, nahm das gro�e, spulenf�rmige Puzzle, das einst das Alienschiff gewesen war, langsam Gestalt an � oder genauer gesagt, glich einer ganzen Menge halb- und viertelkreisf�rmiger Gestalten. Viele der Zylinder konnten allerdings noch nicht zusammengef�gt werden � entweder weil sie so stark besch�digt waren, da� deren Insassen gestorben waren, oder weil sie von den Aufkl�rungsschiffen erst einmal gefunden und zum Montageplatz gebracht werden mu�ten.</p><p>Conway machte sich Sorgen, weil sich das noch unvollst�ndige Spulenschiff gemeinsam mit der bunt zusammengew�rfelten Flotte aus Korpsschiffen und dem Hilfsger�t auf direktem Kollisionskurs mit der nahe gelegenen Sonne befand, die mit jedem Tag merklich heller wurde. Weit weniger merklich war hingegen die Geschwindigkeit, mit der die Schiffsmontage fortschritt. Als er seine Sorgen dem Flottenkommandanten mitteilte, bat ihn Dermod h�flich, er m�ge sich um seine eigenen, medizinischen Angelegenheiten k�mmern.</p><p>Ein paar Tage darauf kehrte die Tyrell mit Informationen zur�ck, die es Conway sehr einfach machten, sich wieder mehr um seine medizinischen Angelegenheiten zu k�mmern.</p><p>Der Kommunikationsoffizier der Vespasian, normalerweise ein Meister der diplomatischen Verz�gerungstaktik, lie� im Gegensatz zu seinen sonstigen Gepflogenheiten Conway diesmal nicht langsam die gesamte Befehlsleiter des Schiffs nach oben klettern, sondern stellte ihn innerhalb k�rzester Zeit direkt zum Flottenkommandanten durch. Das lag allerdings nicht an einer pl�tzlichen Verbesserung der Beziehungen zwischen Conway und dem ranghohen Korpsoffizier, sondern lediglich daran, da� sich der Flottenkommandant zuf�lligerweise gerade ebenfalls mit dem Chefarzt in Verbindung setzen wollte, als sich dieser meldete.</p><p>Dermod ergriff als erster das Wort. Seinem leicht gek�nstelten Tonfall entnahm Conway jedoch, da� der Flottenkommandant nicht nur in Eile war und unter Druck stand, sondern au�erdem andere Leute au�erhalb der Reichweite der Kamera anwesend waren und zuh�rten.</p><p>�Doktor�, sagte Dermod, �es gibt da ein ernsthaftes Problem in bezug auf die letzte Phase der Schiffsmontage, und deshalb brauche ich Ihre Hilfe. Nun, Sie bef�rchten schon seit l�ngerem, da� uns nur noch eine begrenzte Zeit zur Verf�gung steht. Ehrlich gesagt, wollte ich mit Ihnen erst dann dar�ber diskutieren, sobald ich Ihnen einen �berblick �ber den gesamten Umfang des Problems einschlie�lich seiner L�sung pr�sentieren k�nnte. Jetzt ist es soweit, am liebsten in umgekehrter Reihenfolge. Am dringendsten brauche ich zur L�sung des Problems ein weiteres Gro�kampfschiff Die Claudius steht zur Verf�gung und k�nnte.�</p><p>�Und warum.?� stammelte Conway und sch�ttelte v�llig verdutzt den Kopf. Eigentlich hatte er seine eigenen Probleme und Bed�rfnisse loswerden wollen und fand sich nun pl�tzlich selbst in der Rolle als Zielscheibe wieder.</p><p>�Also gut, Doktor, dann werde ich Ihnen erst einmal das Problem erkl�ren�, erwiderte der Flottenkommandant und nickte jemandem au�erhalb des Bildschirms stirnrunzelnd zu. Der Monitor wurde f�r ein paar Sekunden dunkel, dann erschien ein schwarzes Feld mit einer breiten, grauen Linie, die vertikal �ber den Bildschirm verlief. Am unteren Ende der Linie erschien ein gro�er, roter Kasten und am anderen Ende ein blauer Kreis. �Wir haben jetzt eine ziemlich genaue Vorstellung von der Form des Alienschiffs�, fuhr Dermod energisch fort, �aber ich zeige Ihnen nur eine stark vereinfachte Darstellung, weil ich f�r eine differenziertere Version im Moment keine Zeit hab.</p><p>Das Schiff hat einen zentralen Kern � diese graue Linie�, erkl�rte Dermod. �Achtern befinden sich der Kernreaktor und die Triebwerke, dargestellt als roter Kasten, und am Bug sind die Sensor- und Navigationssysteme montiert, symbolisiert durch den blauen Kreis. Da sich die Schiffsinsassen im bewu�tlosen Zustand befinden, arbeiten diese Systeme allesamt vollautomatisch. Am Kern sitzen auch die Verankerungspunkte des St�tzger�sts f�r die bemannte Spule. Sie werden bemerken, da� die Hauptstreben nach vorne ausgerichtet sind, um die Belastungen aufzufangen, die beim Beschleunigen und w�hrend der Landeman�ver auftreten.�</p><p>Pl�tzlich wuchs aus dem Kern ein ganzer Strebenwald heraus, wodurch das Alienschiff wie ein gedrungener, zylindrischer Weihnachtsbaum aussah, der in einem roten K�bel stand und eine hellblaue Lichtkrone hatte. Dann wurde die durchgehende Spule aus gekoppelten Winterschlafcontainern mit den Enden der Streben verbunden, und kurz darauf erschienen die Verbindungsstreben, mit denen die einzelnen Windungen der Spule stabilisiert wurden � nun hatte das Bild jede �hnlichkeit mit einem Baum verloren.</p><p>�Der Spulendurchmesser ist �berall gleich und betr�gt knapp f�nfhundert Meter�, fuhr die Stimme des Flottenkommandanten fort. �Urspr�nglich besa� die Spule zw�lf Windungen. Demnach befanden sich bei einer L�ngevon zwanzig Metern pro Container ungef�hr achtzig scheintote CRLTs in jeder Windung der Spule und beinahe eintausend im gesamten SchiffDer Abstand zwischen den einzelnen Windungen der Spule betr�gt immer siebzig Meter, die Gesamth�he des Spulenschiffs liegt also knapp �ber achthundert Meter. Zuerst haben uns diese Abst�nde ziemlich verwirrt, weil es von der Konstruktion her viel einfacher gewesen w�re, die eine Windung direkt an die andere zu legen. Inzwischen glauben wir aber, da� diese offene Spulenkonstruktion entwickelt wurde, damit Sch�den durch Meteoritenkollisionen reduziert und lokal begrenzt werden, aber auch um den Gro�teil der Container m�glichst weit entfernt vom Kernreaktor zu haben, falls dieser einmal leckschlagen sollte. Nach unserer Vermutung ist das recht ungew�hnliche Schiff mit dem Schwanz nach vorn geflogen, damit das denkende K�rperende des Aliens im Heck nach der Landung die Vorbereitungen zum Aussteigen einleiten konnte. Ungl�cklicherweise mu�te der Heckabschnitt schwerer und steifer als der vordere Teil ausfallen, da er beim Abbremsen und Landen das Gewicht des gesamten Schiffs zu tragen hat, und deshalb hat auch das Heck bei der Kollision die meisten Sch�den davongetragen, und der Gro�teil der verletzten CRLTs stammt aus der hintersten Spulenwindung.�</p><p>Der Computerrekonstruktion der Vespasian zufolge war das Schiff frontal mit einem Meteoriten zusammengesto�en, wobei durch die hohe Kollisionsgeschwindigkeit der zentrale Kern regelrecht herausgestanzt worden war � als h�tte man eine alte Handfeuerwaffe benutzt, nur um die Kerne aus einem Apfel zu entfernen. Von dem Kernreaktor und dem Steuerungssystem waren nur wenige Tr�mmerteilchen �briggeblieben � gerade genug zur Identifikation, aber nicht f�r die Rekonstruktion �, und die Ersch�tterung der Kollision hatte die gesamte Spulenkonstruktion auseinandergesprengt.</p><p>Auf dem Bildschirm wurden die weit verstreuten Winterschlafcontainer wieder zu einer nicht ganz vollst�ndigen Spule zusammengesetzt. Mehrere Teile fehlten, besonders in Heckn�he. Dann verschwanden der Spulenkern, die Energie- und Steuerungssysteme und das gesamte St�tzger�st wieder vom Bildschirm, und zur�ck blieb nur die unvollst�ndige Spule.</p><p>�Der zentrale Kern des Schiffs ist jetzt eine einzige pulverisierte Tr�mmerwolke, die viele Lichtjahre entfernt ist�, fuhr Dermod rasch fort. �Wir sind zu dem Schlu� gekommen, da� ein Bergungs- und Rekonstruktionsversuch reine Zeit- und Materialverschwendung w�re, zumal es eine viel einfachere L�sung gibt. Aber daf�r w�re die Anwesenheit eines zweiten Schiffs der Imperatorklasse erforderlich, das.�</p><p>�Aber warum brauchen Sie dazu.?� begann Con-way.</p><p>�Ich bin doch gerade dabei, Ihnen zu erkl�ren, warum, Doktor!� erwiderte der Flottenkommandant in scharfem Ton. Die Bildschirmdarstellung ver�nderte sich wieder, und Dermod fuhr fort: �Die beiden Gro�kampfschiffe und die Descartes nehmen in dichter Formation hintereinander Aufstellung und koppeln sich mit synchronisierten Traktor- und Pressorstrahlen zusammen. Dadurch werden die drei Schiffe zu einer einzigen, starren Konstruktion, die den zentralen Kern des Alienschiffs ersetzt, und als St�tzverstrebungen, durch die die Spule zusammengehalten wurde, werden uns ebenfalls nichtmaterielle, aber genauso starre Traktor- und Pressorstrahlen dienen.</p><p>Bei der Landung wird sich die Vespasian am unteren Ende befinden�, fuhr Dermod fort, wobei sich ein Hauch von Stolz in seine Stimme einschlich. �Schlie�lich sind unsere Triebwerke in der Lage, die anderen beiden Schiffe und das Alienschiff beim Abbremsen und w�hrend der Landung zu tragen. Dabei m�ssen die Claudius und die Descartes f�r die Seitenstabilit�t sorgen und uns durch auf den Boden gerichtete Pressorstrahlen ein wenig von der Last abnehmen. Nach dem Aufsetzen reichen die Energiereserven aller drei Schiffe aus, um das ganze Gebilde mindestens noch zw�lf Stunden lang zusammenzuhalten. Ich hoffe, das reicht dem Alien zum Aussteigen. Das hei�t, falls wir irgendeine geeignete Stelle f�r ihn finden k�nnen.�</p><p>Die Darstellung verschwand vom Bildschirm und wurde wieder durch das Gesicht des Flottenkommandanten ersetzt. �Sie sehen also, Doktor, ich brauche die Claudius, um diese, diese teilweise nichtmaterielle Konstruktion zu vervollst�ndigen und ihre Praxistauglichkeit in der Schwerelosigkeit zu testen, bevor ich die beim Landeman�ver auftretenden Belastungen errechnen kann. Ebenso dringend sind die notwendigen Berechnungen f�r die Ausdehnung der Hyperraumh�llen der drei Schiffe, damit wir die Spule darin einschlie�en und mit ihr schleunigst in den Hyperraum springen k�nnen, bevor wir dieser verdammten Sonne zu nahe kommen.�</p><p>Conway schwieg einen Augenblick lang � ihm schauderte bei der Vorstellung, welch verheerenden Dinge schiefgehen konnten, wenn drei aneinandergekoppelte Schiffe gleichzeitig in den Hyperraum sprangen. Aber er traute sich nicht, seine Besorgnis zu �u�ern, denn die Durchf�hrung von Schiffsman�vern lag einzig und allein in der Verantwortung des Flottenkommandanten und geh�rte nicht zu den Aufgaben eines Chefarztes, und genau das h�tte ihm Dermod auch mit Fug und Recht entgegnet. Au�erdem hatte Conway genug eigene Probleme am Hals, f�r die er auf der Stelle Hilfe brauchte.</p><p>�Sir�, antwortete er etwas verlegen, �Ihr L�sungsvorschlag ist wirklich genial, und vielen Dank auch f�r die Erl�uterungen. Aber ich wollte Sie eigentlich gar nicht fragen, warum Sie die Claudius anfordern wollen, sondern warum Sie in dieser Angelegenheit meine Hilfe brauchen.�</p><p>Einen Moment lang starrte ihn der Flottenkommandant verbl�fft an, dann wurde sein Gesichtsausdruck jedoch wieder milder, als er entgegnete: �Entschuldigen Sie, Doktor, falls ich Ihnen gegen�ber ein wenig ungeduldig gewesen sein sollte. Die Situation ist folgende: Wegen der neuen Weisung des F�derationsrats bez�glich extraterrestrischer Rettungsaktionen seitens der Rhabwar mu� ich mir bei solch einer kombinierten medizinischen und milit�rischen Gro�operation Ihre Zustimmung einholen, wenn ich zus�tzliche Mannschaften und weiteres Material anfordern will, erst recht, wenn es um ein zweites Gro�kampfschiff geht. Ich nehme an, Sie sind einverstanden, oder?�</p><p>�Nat�rlich�, antwortete Conway.</p><p>Trotz seiner offensichtlichen Verlegenheit nickte Dermod freundlich, aber rund um seinen Mund stellten sich bereits wieder die ungeduldigen Falten ein, als er fortfuhr: �Es reicht v�llig, wenn Sie als leitender Arzt dieses Falls mit ein paar Worten auf Band erl�utern, da� die Claudius zur Aufrechterhaltung der gegenw�rtigen Sicherheit und zur Gew�hrleistung des weiteren Wohlbefindens Ihres Patienten hier dringend ben�tigt wird. Aber Sie wollten ja eigentlich etwas von mir, Doktor. Kann ich Ihnen helfen?�</p><p>�Ja, Sir�, erwiderte Conway und fuhr schnell fort: �Sie haben sich darauf konzentriert, die einzelnen Teile des Spulenschiffs in der richtigen Reihenfolge zusammenzusetzen. Jetzt mu� ich damit anfangen, den Patienten wieder zusammenzusetzen, wobei der Schwerpunkt auf der Zusammenf�gung der Segmente liegt, die sich zur Zeit in keiner Reihenfolge befinden � also diejenigen, die von den Winterschlafcontainer getrennt wurden, in denen sich tote Insassen befanden. Wir sind uns inzwischen n�mlich sicher, da� es sich bei dem Alien um ein Gruppenwesen handelt, dessen einzelne Mitglieder �ber eigene Intelligenz verf�gen und sich unter den richtigen Bedingungen vielleicht auf nat�rliche Art mit den benachbarten Mitgliedern der Gruppe verbinden k�nnen. So lautet zumindest die Theorie, Sir, die aber erst noch durch Experimente best�tigt werden mu�.</p><p>Die Wesen in falscher Reihenfolge k�nnten noch ernsthafte Probleme aufwerfen�, fuhr Conway fort. �Man mu� sie aus ihren Containern herausholen und jeden Alien an den anderen legen, damit ich das Ausma� des chirurgischen Eingriffs ermitteln kann, das beim Zusammensetzen des Gruppenwesens erforderlich wird.�</p><p>�Also wollen Sie damit sagen, da� Sie noch dringender Hilfe ben�tigen als ich, Doktor, stimmt�s?� entgegnete Dermod, wobei er das Gesicht kurz zu einer mitleidsvollen Miene verzog. �Nun gut, Sie haben jetzt das Sagen. Also, was genau brauchen Sie?�</p><p>Dermod ist wie O�Mara, dachte Conway, Ungeduld gepaart mit einer v�llig abwegigen Denkweise.</p><p>�Ich brauche zwei kleine Schiffe, die die CRLT-Segmente, die ich noch genau bestimmen werde, zu mir transportieren und zum richtigen Platz in der Spule zur�ckbringen�, sagte er. �Au�erdem einen gro�en Frachtraum, in dem ich zwei gekoppelte Container samt den zwei Wesen, die ich aus den Zylindern herausholen werde, unterbringen kann. Die Schleuse mu� mit k�nstlichen Schwerkraftgittern und Traktor- und Pressorstrahlbatterien ausger�stet sein, um die CRLTs ruhigstellen zu k�nnen, falls sie bei Wiedererlangung des Bewu�tseins verwirrt und aggressiv reagieren sollten. Au�erdem ben�tige ich nat�rlich das zur Bedienung der Ger�te erforderliche Personal. Mir ist klar, da� man daf�r den Laderaum und die Frachtschleuse eins der gr��ten Schiffe nehmen mu�, aber ich brauche wirklich nur den Frachtraum. Das Schiff kann trotzdem die ihm zugeteilten Aufgaben weiter erf�llen.�</p><p>�Vielen Dank�, erwiderte Dermod trocken. Er hielt kurz inne, weil jemand au�erhalb des Bildschirms leise mit ihm sprach. Dann fuhr er fort: �Sie k�nnen den vorderen Laderaum der Descartes benutzen, die Ihnen auch das Personal stellen wird. Die beiden Planetenlandef�hren dieses Schiffs stehen Ihnen zum Holen und Transportieren der CRLTs zur Verf�gung. Gibt�s sonst noch was?�</p><p>Conway sch�ttelte den Kopf. �Eigentlich nicht, Sir, nur noch eine kurze Funkmeldung. Die Archivare der F�deration glauben, den Heimatplaneten der CRLTs gefunden zu haben. Er ist aber wegen dramatischer Ver�nderungen der Umlaufbahn und der damit verbundenen gro�fl�chigen seismischen St�rungen nicht mehr bewohnbar. Die Abteilung f�r Kolonisierung hat schon einen neuen Planeten ins Auge gefa�t und wird uns die Koordinaten geben, wenn man sich absolut sicher ist, da� die dort herrschenden Umweltbedingungen und die physiologische Klassifikation der CRLTs zusammenpassen. Damit h�tten wir also einen Ort, an den wir unser kleines Dickerchen bringen k�nnen, sobald wir ihn wieder zusammengeflickt haben.</p><p>Alle Anzeichen sprechen jedenfalls daf�r, da� es sich bei dieser Spule nicht um ein einfaches Kolonisierungsschiff handelt, das in irgendwelcheSchwierigkeiten geraten ist�, schlo� Conway seinen Bericht in ernstem Ton, �sondern um ein planetarisches Rettungsboot, das die letzten �berlebenden dieser Spezies an Bord hatte.�</p><p>Conway blickte sich besorgt in dem riesigen vorderen Laderaum der Descartes um � h�tte er geahnt, da� sich dort so viele Schaulustige versammeln w�rden, h�tte er von vornherein um einen sehr viel gr��eren Operationssaal gebeten. Gl�cklicherweise handelte es sich bei einem der Schaulustigen um Colonel Okaussie, den befehlshabenden Offizier des Schiffs. Er sorgte daf�r, da� niemand im Weg stand und keiner au�er Conway, Murchison, Naydrad, Prilicla, Fletcher und ihm selbst Zutritt zu dem Bereich des Decks hatte, in dem sich die beiden gekoppelten Zylinder befanden. �ber eins war sich Conway nun sicher: Egal, ob sich der erste Verbindungsversuch der CRLTs als Erfolg oder Fehlschlag herausstellen sollte, auf jeden Fall w�rde es nicht die geringste Chance geben, das Ergebnis geheimzuhalten.</p><p>Er benetzte die Lippen und ordnete in ruhigem Ton an: �Entkoppeln Sie die Zylinder, und schieben Sie die Verbindungsseiten drei Meter weit auseinander. Erh�hen Sie die k�nstliche Schwerkraft bis zum terrestrischen Normalwert, aber langsam, und stellen Sie die Atmosph�re mit dem normalen Druck und der Zusammensetzung f�r diese Lebensform her. Die Werte daf�r haben Sie ja.�</p><p>W�hrend er die Verbindungsfl�chen der beiden Zylinder beobachtete, schmiegte sich der Stoff des leichten Raumanzugs langsam an seinen K�rper, und gegen seine Fu�sohlen pre�te ein allm�hlich steigender Druck. Auf einmal rutschten die runden Abschlu�platten aus ihren Befestigungsschlitzen, schlugen klirrend auf den Boden und rollten wie riesige, eiernde M�nzen aus. Die Winterschlafcontainer waren jetzt auf beiden Seiten offen, und die beiden CRLTs konnten sich nun aufeinander zubewegen, sich voneinander entfernen oder sich von einem Zylinder in den anderen begeben.</p><p>�Prima!� rief Fletcher. �Wenn das Spulenschiff durch den Weltraum fliegt, wird der Insasse durch die Zentrifugalkraft gegen die Au�enseite des Zylinders gedr�ckt. Sobald die Rotation aufgrund der Einwirkung echter Schwerkraft aufh�rt und die luftdichten Luken nach unten fallen, steht der einzelne Zylinder allen anderen Wesen offen. Daraufhin verl��t nun der Alien, das hei�t, das komplette Gruppenwesen, das Schiff, indem die Mitglieder der Gruppe heckw�rts durch s�mtliche Zylinder hinunterrutschen, bis sie alle auf der Planetenoberfl�che angelangt sind. Da die Druck- und Gravitationssensoren mit den Medikamentenbeh�ltern verbunden sind, wachen diese Wesen aus ihrem Winterschlaf auf. Also haben Sie gerade die Bedingungen reproduziert, die nach der Landung auf einem Planeten zur Wiederbelebung f�hren, Doktor, stimmt�s?�</p><p>Conway nickte nur und fragte dann Prilicla: �K�nnen Sie schon irgend etwas feststellen?�</p><p>�Bisher noch nicht, mein Freund.�</p><p>Sie gingen n�her an die zwei ge�ffneten Zylinder heran, um einen Blick hineinwerfen zu k�nnen, wobei sie abwechselnd die beiden Insassen betrachteten, die schlaff dalagen und deren Greiforgane kraftlos vom R�cken �ber die Seiten herunterhingen. Dann zuckte pl�tzlich einer der riesigen r�hrenf�rmigen K�rper, und auf einmal bewegten sich beide schwerf�llig aufeinander zu.</p><p>�Bitte alle zur�cktreten!� forderte Conway die anderen auf. �Prilicla?�</p><p>�Die beiden kommen wieder zu Bewu�tsein, mein Freund�, antwortete der Empath, der sowohl aufgrund der eigenen als auch wegen der Aufregung der anderen automatisch zittern mu�te. �Allerdings nur langsam. Die momentanen Bewegungen sind instinktiv, unwillk�rlich.�</p><p>Als sich die vordere Seite des einen CRLT der hinteren des anderen n�herte, weichte bei beiden die organische Schutzschicht �ber den wunden Stellen auf, verfl�ssigte sich und tropfte schlie�lich zu Boden. Mitten auf der Vorderseite des ersten Aliens formte sich jetzt ein stumpfer Kegel, der von Muskelgewebe umgeben war, das sich zuckend in Erhebungen, Vertiefungen und unregelm��ige Spalten legte. Auf der Hinterseite des zweiten CRLT hatten sich ebenfalls Vertiefungen und L�cher gebildet, die exakt den Beulen des ersten entsprachen, genauso wie vier dreieckige Muskellappen, die sich wie die fleischigen Bl�tenbl�tter einer bizarren Blume �ffneten. Und dann befand sich mit einem Mal nur noch ein einziges Wesen von doppelter L�nge und mit einer praktisch v�llig unsichtbaren Nahtstelle im Laderaum.</p><p>Und ich Idiot hab mir dar�ber den Kopf zerbrochen, wie ich die beiden miteinander verbinde! dachte Conway. Dabei k�nnte das eigentliche Problem darin bestehen, die Aliens auseinanderzuhalten�</p><p>�Sind wir hier gerade Zeugen einer k�rperlichen Vereinigung zur Fortpflanzung?� fragte Murchison ganz allgemein in die Runde.</p><p>�Meine Freundin�, entgegnete Prilicla, �nach der emotionalen Ausstrahlung beider Wesen zu urteilen, handelt es sich weder um einen bewu�ten noch um einen unbewu�ten sexuellen Akt. Ein treffenderer Vergleich w�re ein Kleinkind, das den beruhigenden K�rperkontakt mit einem Elternteil sucht. Die Aliens suchen jedenfalls beide beruhigenden k�rperlichen und geistigen Kontakt und strahlen zudem Gef�hle der Verwirrung und des Verlustes aus. Erstaunlicherweise decken sich diese Emotionen bei beiden so genau, da� als einzige Erkl�rung gemeinsames Denken bleibt.�</p><p>�Achtung, Techniker an den Traktorstrahlen!� rief Conway energisch. �Ziehen Sie die Aliens wieder auseinander, aber sachte!�</p><p>Zwar freute er sich �ber die Entdeckung, da� wahrscheinlich s�mtliche Aliens, die zusammen das riesige Gruppenwesen bildeten, unter normalen Bedingungen auf nat�rliche Weise miteinander verschmelzen w�rden, doch k�nnte das vielleicht nicht mehr der Fall sein, wenn durch den Unfall zu viele dazwischenliegende Zylinder zerst�rt worden waren. Auf gar keinen Fall w�nschte er sich aber bereits zu diesem Zeitpunkt eine vorzeitige, dauerhafte Verschmelzung der beiden Aliens im Laderaum. Man mu�te sie wieder in den scheintoten Zustand versetzen und an ihren Platz in der Spule bringen, weil sie sich sonst wom�glich f�r immer vom Gruppenwesen getrennt und praktisch wie Waisen vorkommen k�nnten.</p><p>Obwohl die Traktorstrahlen l�ngst nicht mehr sanft zogen, widersetzten sich die beiden CRLTs noch immer hartn�ckig einer Trennung. Sie entwickelten dabei sogar eine um so gr��ere k�rperliche Aktivit�t und versuchten, ihre Winterschlafcontainer ganz zu verlassen. Ihre emotionale Ausstrahlung bereitete Prilicla zusehends ernstliche Unannehmlichkeiten.</p><p>�Irgendwie m�ssen wir es doch schaffen, den Vorgang wieder umzukehren,�, begann Conway.</p><p>�Die Sensoren reagieren auf Schwerkraft und Luftdruck�, unterbrach ihn Fletcher schnell. �Wir k�nnen zwar nicht die Atmosph�re aus dem Laderaum ablassen, ohne die Aliens zu t�ten, aber wenn wir nur die k�nstliche Schwerkraft abschalten, dann h�rt vielleicht.�</p><p>�Aber der Auswurfmechanismus der Abschlu�platten war doch auch mit diesen Sensoren verbunden�, entgegnete Conway. �Und die Abschlu�platten k�nnen wir nicht wieder in die Befestigungsschlitze zur�ckschieben, ohne die beiden Wesen dabei auseinanderzuschneiden, und das bestimmt an der falschen Stelle.�</p><p>�� dann h�rt vielleicht die Verabreichung der Wiederbelebungsmedikamente auf�, fuhr Fletcher fort, �und die Einschl�ferungsphase wird erneut gestartet. Noch stecken die Nadeln in beiden Wesen, und der Verbindungsschlauch ist biegsam und bislang unbesch�digt geblieben. Allerdings nicht mehr lange, wenn wir die Wesen nicht bald davon abhalten, die Zylinder zu verlassen. Wenn man die Wiederbelebungsschl�uche der beiden Aliens mit einer Klemme unterbrechen w�rde, Doktor, dann k�nnte ich vielleicht den Ausl�ser der Abschlu�platten �berbr�cken und dadurch die medikament�se Einleitung des Winterschlafs starten.�</p><p>�Aber dazu m��ten Sie neben zwei sehr gro�en und aggressiven Aliens direkt in den Zylindern arbeiten�, gab Murchison zu bedenken.</p><p>�Nein, Murchison�, erwiderte der Captain. �Ich bin weder tollk�hn, noch hab ich einen Hang zur Xenophobie. Ich werde durch eine Abdeckplatte in der Au�enhaut arbeiten. Das dauert ungef�hr zwanzig Minuten.�</p><p>�Zu lange�, entgegnete Conway. �Bis dahin haben sich die Aliens schon l�ngst die Schl�uche herausgezogen. Aber wir k�nnen die Dosis berechnen, die f�r das Einschl�fern ben�tigt wird. W�re es denkbar, da� Sie einfach die Sensoren und Ausl�semechanismen vergessen und ein Loch in die Zylinderwand bohren, damit wir die ben�tigte Medikamentenmenge direkt aus den Beh�ltern entnehmen k�nnen?�</p><p>Einen Moment lang herrschte Stille, w�hrend der Fletchers Gesicht einen ver�rgerten �Warum-bin-ich-blo�-nicht-selbst-darauf-gekommen?�-Ausdruck annahm. Schlie�lich antwortete er: �Klar, Doktor!�</p><p>Aber selbst als die Spritzen mit der spezieseigenen Winterschlafmedizin der CRLTs bereitlagen, waren die Schwierigkeiten damit noch lange nicht vorbei. Denn die Pressorstrahlentechniker, die f�r die Ruhigstellung der Wesen sorgten, konnten die beiden verschmolzenen ETs nicht festhalten, ohne dabei gleichzeitig die �rzte zu Boden zu dr�cken, die sich mit den Aliens zu befassen versuchten. Der beste Kompromi� bestand noch darin, auf jeder Seite des Einsatzfelds eine freie Zone von zwei Metern zu lassen, innerhalb der das medizinische Team nicht durch Pressorstrahlen behindert wurde. Nat�rlich wurde dadurch den K�rperbewegungen des Aliens in dieser insgesamt vier Meter breiten Zone �berhaupt nichts entgegengesetzt, und der CRLT wand sich an dieser Stelle dementsprechend hin und her, machte einen Buckel, schlug mit den R�ckengliedma�en wild um sich und gab ganz allgemein zu verstehen, da� er es �berhaupt nicht mochte, wenn �berall seltsame Wesen auf ihm herumkletterten und ihn mit Nadeln stachen.</p><p>Conway wurde mehrere Male von dem Patienten abgeworfen, und wenn er von Fletcher nicht rechtzeitig gewarnt worden w�re, h�tte er dabei einmal beinahe seinen Helm verloren und wahrscheinlich auch den Kopf darunter. Murchison stellte ver�rgert fest, der gro�e Vorteil bei der Besch�ftigung mit Leichen bestehe � ganz unabh�ngig von ihrer physiologischen Klassifikation � schlicht und ergreifend darin, da� diese sie nicht angreifen und ihre normalerweise pfirsichfarbene Haut auch nicht mit blauen Flecken �bers�en w�rden. Aber als sich schlie�lich Naydrads langer, raupen�hnlicher K�rper um ein Glied des Aliens wand, Fletcher und Okaussie sich an das zweite Glied h�ngten, weil es eine Bedrohung f�r das Einsatzfeld darstellte, und Murchison den Scanner f�r Conway hielt, w�hrend er wie ein Reiter auf einem ungesattelten Pferd rittlings auf dem Alien sa�, gelang es ihm, die Spritze in die richtige Ader zu stechen und den Inhalt zu verabreichen, bevor die Nadel durch eine besonders heftige Bewegung des CRLTs wieder herausrutschte.</p><p>Nur wenige Sekunden sp�ter berichtete Prilicla, dessen zerbrechlicher K�rper in der N�he solch heftiger Muskelt�tigkeit nichts zu suchen hatte, von seinem Platz an der Decke aus, da� der Alien langsam wieder einschlief. Als sie sich schlie�lich vom ersten Alien zur�ckzogen und sich mit dem zweiten befassen wollten, waren dessen Bewegungen ebenfalls bereits schw�cher geworden.</p><p>Nachdem sie mit dem zweiten CRLT auf die gleiche Weise verfahren waren, trennten sich die beiden Wesen wieder voneinander. Die Vertiefungen, Beulen und Muskellappen gl�tteten sich, und die wunden Verschmelzungsfl�chen sonderten die klare Fl�ssigkeit ab, die sogleich zu einer d�nnen, transparenten Schutzschicht erstarrte. Schlie�lich hoben und schoben die Traktor- und Pressorstrahlentechniker die beiden Wesen sanft in ihren jeweiligen Winterschlafcontainer zur�ck.</p><p>Conway ordnete durch ein Zeichen die Reduzierung der k�nstlichen Schwerkraft auf null an, woraufhin man die Abschlu�platten erwartungsgem�� ohne Schwierigkeiten wieder in die Zylinder hineinschieben konnte. Der Luftdruck des Laderaums wurde langsam herabgesetzt, um zu �berpr�fen, ob durch das vorzeitige �ffnen der Zylinder ein Leck entstanden sein k�nnte, was aber nicht der Fall war.</p><p>�So weit, so gut�, sagte Conway. �Bringen Sie die beiden an ihren Platz in der Spule zur�ck, und holen Sie die n�chsten beiden herein.�</p><p>Bei den ersten beiden Wesen hatte es sich um die Insassen benachbarter Zylinder gehandelt, und ihre Verschmelzung war vollkommen automatisch abgelaufen � also als ein in jeder Hinsicht nat�rlicher Vorgang. Das zweite Paar war hingegen durch einen Container voneinander getrennt gewesen, der von einem herumfliegenden Tr�mmerteil zerrissen worden war und dessen Insasse dabei ums Leben gekommen war. Conway glaubte nun, da� die Verbundenheit zwischen diesen beiden Aliens m�glicherweise nicht so stark ausgepr�gt war wie bei dem vorhergehenden Paar.</p><p>Aber trotz des fehlenden Zylinders schmolz auch dieses Paar genauso unwiderstehlich und nat�rlich zusammen wie das erste. Dieses Mal kehrte man den Wiederbelebungsproze� bereits um, bevor die beiden Aliens zu vollem Bewu�tsein gekommen waren, weil man sich einen erneuten Ringkampf zwischen den verschiedenen Spezies ersparen wollte, der sonst f�r das Einschl�fern unumg�nglich gewesen w�re. Zwar berichtete Prilicla von einer geringf�gigen Abweichung der emotionalen Ausstrahlung bei der ersten Ber�hrung der K�rper, einem sehr schwachen und kurzen Gef�hl der Entt�uschung, aber die beiden Mitglieder des Gruppenwesens pa�ten trotzdem zusammen, und diese bestimmte L�cke in der fortlaufenden Spule lie� sich also schlie�en.</p><p>Conway f�hlte sich unbehaglich � zu viel Gl�ck beunruhigte ihn einfach. Wie er merkte, st�rte auch Prilicla irgend etwas, denn er hatte l�ngst gelernt, den Unterschied zwischen der Reaktion des Empathen auf seine eigenen Gef�hle und die der Wesen in seiner Umgebung zu erkennen.</p><p>�Freund Conway�, sagte Prilicla, w�hrend sie auf das Eintreffen des dritten CRLT-Paares warteten. �Die ersten beiden Wesen waren noch relativ unreif und stammten aus dem vorderen Teil der Spule, das hei�t, sie geh�ren zum Schwanzteil dieses Gruppenwesens. Der Platz des zweiten Paares befindet sich ein betr�chtliches St�ck hinter dem Mittelschiff. Unsere von uns selbst aufgestellten Schlu�folgerungen sind durch die Informationen �ber den mutma�lichen Heimatplaneten dieser Spezies, die mit der Tyrell eintrafen, erh�rtet worden. Demnach m��te es sich bei den Wesen im Schwanzteil um unreife Aliens, vielleicht sehr junge Erwachsene handeln, wohingegen sich der Kopfabschnitt weiter achtern aus den �lteren, erfahreneren und intelligentesten Aliens zusammensetzt. Schlie�lich sind sie diejenigen, die sowohl die Verantwortung f�r die Schiffsf�hrung als auch f�r das Aussteigen nach der Hecklandung haben.�</p><p>�Richtig�, stimmte Conway ihm zu und w�nschte sich, Prilicla k�me endlich zur Sache, egal, wie unangenehm das auch immer werden w�rde, anstatt um den hei�en Brei herumzureden.</p><p>�Achtern vom Mittelschiff m��ten die CRLTs also �lter sein, mein Freund�, fuhr Prilicla fort. �Aber die beiden, die man gerade wieder abtransportiert hat, waren noch unreifer als das erste Paar, jedenfalls nach ihrer emotionalen Ausstrahlung zu urteilen.�</p><p>Conway blickte Murchison an, die in verteidigendem Ton sagte: �Tut mir leid, ich hab keine Ahnung, warum das so ist. Deuten vielleicht die Informationen �ber den Heimatplaneten der Aliens, falls es �berhaupt ihr Heimatplanet war, auf eine Antwort hin?�</p><p>�Ich bin mir ziemlich sicher, da� es sich dabei um ihren Heimatplaneten gehandelt hat�, entgegnete Conway nachdenklich, �weil es dort unm�glich noch solch einen Planeten geben kann. Aber all diese Informationen sind schon alt und nur recht d�rftig. Zudem stammen die Daten aus einer Zeit, die noch vor dem Bau des Spulenschiffs und dessen Start aus der Umlaufbahn lag. Seit uns die von der Tyrell mitgebrachten Informationen vorliegen, waren wir au�erdem viel zu besch�ftigt, um uns richtig mit ihnen auseinanderzusetzen.�</p><p>�Wir haben noch eine halbe Stunde Zeit, bevor die n�chsten beiden CRLTs eintreffen�, stellte Murchison dazu lakonisch fest.</p><p>Schon viele Jahrhunderte vor der Gr�ndung der galaktischen F�deration waren die Eurilen durch den interstellaren Raum gereist, getrieben von so riesiger Neugier und gleichzeitig behindert durch so extreme Vorsicht, da� im Vergleich dazu selbst die Spezies der Cinrussker, der Prilicla angeh�rte, als unerschrocken, ja geradezu als tollk�hn galt. Physiologisch geh�rten die Eurilen der Klassifikation MSVK an � eine dreibeinige und entfernt an St�rche erinnernde Lebensform, die unter �u�erst geringen Schwerkraftverh�ltnissen lebte. Ihre Zwillingsfl�gel waren verk�mmert und hatten sich zu zwei Paaren mehrfingriger Greiforgane entwickelt. Die MSVKs waren schon immer die wichtigsten Beobachter der Galaxis. Bis zum heutigen Zeitpunkt gaben sie sich damit zufrieden, mit Hilfe weitreichender Sonden und Sensoren zu beobachten und zu lernen und ihre Forschungsergebnisse aufzuzeichnen, ohne dabei jemals den gro�en und gef�hrlich kr�ftig wirkenden Wesen, die sie gerade studierten, ihre Gegenwart zu verraten.</p><p>W�hrend einer dieser Reisen waren die Eurilen auf ein Sternsystem gesto�en, dessen einziger bewohnter Planet sich auf einer �u�erst exzentrischen Umlaufbahn um den Hauptplaneten befand, wodurch die heimische Flora und Fauna gezwungen war, sich den dort herrschenden Umweltbedingungen anzupassen, die so extrem waren, da� sie von dampfenden Polardschungeln im Sommer bis zu einer scheinbar leblosen Welt aus Eis im Winter reichten. Als die Eurilen den Planeten damals zum erstenmal in seinem kalten Winterkleid sahen und ihn bereits f�r unbewohnbar hielten, entdeckten ihre Sonden pl�tzlich Spuren einer hochtechnisierten Kultur, die im Eis eingeschlossen war. N�here Untersuchungen enth�llten, da� es sich um eine noch bestehende Zivilisation handelte, die wie jedes Tier und alle pflanzlichen Lebensformen des Planeten auf den Fr�hling und das Ende des Winterschlafs wartete.</p><p>Erst als der polare Fr�hling schon weit fortgeschritten war, konnten die langen, baumstamm�hnlichen Gebilde, die in und rings um die St�dte unter dem Eis gelegen hatten, als die Angeh�rigen dieser Winterschlaf haltenden Spezies identifiziert werden.</p><p>�Aus diesem Bericht ist klar ersichtlich, da� der gesamte Alien ein Gruppenwesen ist, das sich aus f�r uns noch unerfindlichen Gr�nden vor dem Winterschlaf in die einzelnen Wesen aufspalten muߓ, fuhr Conway fort. �Da der Winterschlaf f�r diese Spezies etwas ganz Nat�rliches ist, war das Problem der k�nstlichen Verl�ngerung und der Umkehr dieses Vorgangs zum Zweck der interstellaren Auswanderung aus medizinischer Sicht relativ einfach zu l�sen.</p><p>Im darauffolgenden Jahr wurde eine ganze Anzahl der Wesen von den Eurilen bei vollem Bewu�tsein beobachtet�, fuhr Conway fort. �Die CRLTs verrichteten ihre Arbeit in geheizten Gew�lben unter dem Eis, wozu sie sich zu kleinen Gruppenwesen zusammenschlossen. Daraus kann man entnehmen, da� sie erst dann in den Winterschlaf fallen, wenn sie dazu gezwungen sind. Deshalb ist es auch nicht notwendig, die extremen Temperaturen ihres alten Heimatplaneten auf einem neuen zu reproduzieren, da f�r sie jeder neue Planet geeignet ist, auf dem ein �hnliches Sommerklima herrscht, wie sie es gewohnt sind. W�re das nicht so, h�tte ihre Auswanderung von Anfang an keine Chancen auf Erfolg gehabt, da es praktisch unm�glich ist, einen anderen Planeten zu finden, auf dem dieselben Umweltbedingungen wie auf ihrem eigenen herrschen. Und die Gr�nde, warum sich die CRLT-Lebensform zu einem Gruppenwesen entwickelte, das anfangs nur sehr klein ist, werden aus diesem Bericht auch ersichtlich.�</p><p>Trotz ihrer fortschrittlichen Technologie lief selbst zu Zeiten des eurilischen Besuchs f�r die CRLTs noch lange nicht alles nach Wunsch. Sie lebten auf einem unglaublich grausamen Planeten, auf dem es keine klare Trennung zwischen tierischen und pflanzlichen Raubtieren gab. Um �berhaupt eine �berlebenschance zu haben, mu�ten die jungen CRLTs schon bei der Geburt k�rperlich sehr weit entwickelt sein und so lange wie m�glich unter elterlichem Schutz stehen. Deshalb wurde die Entbindung so lange hinausgez�gert, bis aus dem Nachwuchs ein junger Erwachsener geworden war, der sein eigenes �berleben gelernt hatte und wu�te, wie er das Fortleben seines Elternteils unterst�tzen mu�te.</p><p>In jedem Winter, wenn alles schlief und keine k�rperliche Bedrohung bestand, fand die Abtrennung des Kindes vom Elternteil statt, und im Fr�hling vereinigten sich beide wieder, um den �berlebensunterricht fortzusetzen.</p><p>Das Kind, das in diesem Stadium immer weiblich war, erreichte fr�h die k�rperliche Reife und gebar ein eigenes Kind. So setzte es sich unentwegt fort, und der jeweilige Erwachsene, der sein anf�nglich weibliches Geschlecht allm�hlich in ein m�nnliches verwandelte, zog im Laufe der Jahre eine zunehmend l�ngere Kette von Wesen hinter sich her, die nach hinten immer weniger M�nnlichkeit und st�ndig abnehmende Erfahrung aufwiesen. Zudem r�ckten durch das Absterben vorderer Kettenglieder diedahinterliegenden Segmente des Gruppenwesens langsam immer weiter zum Kopf vor.</p><p>�Das Gehirn des CRLT ist ein Teil des zentralen Nervenstrangs, der bei der Verschmelzung �ber die Schnittstellen an beiden K�rperenden mit den Gehirnen der einzelnen Wesen verbunden wird�, fuhr Conway fort. �Deshalb lernt das Individuum im Gruppenwesen nicht nur durch eigene Erfahrung, sondern auch durch die seiner Vorfahren weiter vorne in der Schlange. Je gr��er also die Zahl der Individuen im Gruppenwesen ist, desto schlauer sind der m�nnliche Kopf der Schlange und die vorderen K�rpersegmente. Sollte der Kopfabschnitt, das �lteste Wesen der Gruppe also und wahrscheinlich dasjenige, das die Entscheidungen trifft, aus nat�rlichem oder unnat�rlichem Grund sterben, �bernimmt das m�nnliche Wesen dahinter dessen Position.�</p><p>Murchison r�usperte sich vornehm und sagte: �Sollte irgend jemand zu diesem Zeitpunkt eine allgemeine Bemerkung �ber die k�rperliche oder geistige �berlegenheit des m�nnlichen �ber das weibliche Geschlecht machen wollen, dann soll er oder sie wissen, da� sich er oder sie meiner Verachtung sicher sein darf.�</p><p>Conway l�chelte und sch�ttelte den Kopf. Dann fuhr er in ernstem Ton fort: �Der m�nnliche Kopf befruchtet nat�rlich eine Anzahl junger weiblicher Schwanzsegmente anderer Gruppenwesen, aber dabei gibt es ein Problem. Da so viele Individuen in der Mitte des Gruppenwesens weder vollkommen m�nnlich noch weiblich sind, entstehen bestimmt ernstliche psychologische Schwierigkeiten, sexuelle Frustrationen, zumal sie nicht in der Lage sind, das.�</p><p>�Wenn aber alle Individuen einer Gruppe dasselbe denken und somit vermutlich auch schmerzvolle wie angenehme Empfindungen miteinander teilen, gibt es kein Problem�, unterbrach ihn Murchison.</p><p>�Nat�rlich, daran hab ich gar nicht gedacht�, entgegnete Conway. �Aber es gibt trotzdem noch ein Problem. Denkt mal an die L�nge unseres Patienten. Wenn die Individuen tats�chlich allesamt dieselben Gedanken und Erfahrungen teilen, k�nnte es sich um ein wirklich langlebiges und hochintelligentes Gruppenwesen handeln, das.�</p><p>Die kurze Diskussion wurde an dieser Stelle vom Betriebssignal der Luftschleuse vorzeitig unterbrochen. Das dritte CRLT-Paar war eingetroffen.</p><p>Diese beiden Wesen stammten aus den am weitesten achtern liegenden Windungen des Spulenschiffs, wo die Opfer unter den �ltesten und intelligentesten CRLTs am schwersten gewesen waren. Laut Angaben des taktischen Computers der Vespasian und der Erkenntnisse der Spezialisten f�r ET-Schriften und Zahlensysteme waren bei der Kollision insgesamt dreiundf�nfzig Winterschlafcontainer samt Insassen vernichtet worden. Zwischen den beiden jetzt in den Laderaum gebrachten CRLTs hatten sich siebzehn Mitglieder des Gruppenwesens befunden, die umgekommen waren.</p><p>Die �brigen L�cken in der Spule waren allesamt sehr viel kleiner � in der gr��ten fehlten f�nf und in den restlichen jeweils drei bis vier Zylinder. Falls es ihnen gelingen w�rde, die gr��te L�cke erfolgreich zu schlie�en, dann d�rften ihnen die kleineren weit geringere Schwierigkeiten bereiten, hoffte Conway.</p><p>Wie beim vorhergehenden CRLT-Paar sprach der Ausl�semechanismus auf die Kombination von k�nstlicher Schwerkraft und atmosph�rischem Druck sofort an, �ffnete die Zylinder und weckte die CRLTs allm�hlich aus dem Winterschlaf Conway hatte bereits die Spritzen bereitgelegt, um die Aliens wieder in den Schlaf zu bef�rdern, falls sie �rger machen sollten. Laut Prilicla wachten sie jetzt langsam auf, und der emotionalen Ausstrahlung zufolge handelte es sich um k�rperlich voll entwickelte und hochintelligente Wesen. Nachdem die CRLTs wieder zu Bewu�tsein gekommen waren, verlie�en sie langsam die Zylinder und bewegten sich aufeinander zu.</p><p>Sie ber�hrten sich zun�chst und sprangen dann ruckartig wieder auseinander.</p><p>�Was.?� setzte Conway zu einer Frage an, die Prilicla aber schon beantwortete.</p><p>�Ich sp�re Gef�hle �u�ersten Unbehagens, mein Freund�, berichtete der heftig zitternde Empath. �Au�erdem Verwirrung, Entt�uschung und Ablehnung. Ich nehme auch noch eine schwache Emotion wahr, eine Mischung aus Besorgnis und Neugier, die sich wahrscheinlich auf die momentane Umgebung bezieht.�</p><p>Weil er darauf nichts zu entgegnen wu�te, ging Conway direkt zwischen die vordere und hintere Verbindungsseite der CRLTs. Er hielt diese Stelle f�r ungef�hrlich, denn falls Priliclas emotionale Wahrnehmung richtig war, w�rden sich die beiden CRLTs mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr einander n�hern. Er untersuchte die beiden Verbindungsfl�chen sowohl mit den Augen als auch mit dem R�ntgenscanner und verma� sie. Wenige Minuten sp�ter gesellte sich Murchison zu ihm, und Prilicla verlie� die Decke und schwebte nur wenige Meter �ber der Stelle.</p><p>�Man kann schon mit blo�em Auge erkennen, da� die beiden Fl�chen nicht zusammenpassen�, stellte Conway besorgt fest. �Es gibt insgesamt drei Stellen, die sich nicht ohne einen chirurgischen Eingriff verbinden lassen. Aber ich w�rde nur ungern mit der Operation beginnen, bevor ich keine klarere Vorstellung von der weiteren Vorgehensweise hab. Ich w�nschte, ich k�nnte mir das Einverst�ndnis der Patienten einholen und sie zur Mitarbeit bringen.�</p><p>�Das d�rfte ziemlich schwierig sein�, erwiderte Colonel Okaussie. �Aber ich k�nnte meine M�nner versuchen lassen, die beiden CRLTs.�</p><p>��mit Traktorstrahlen hochzuheben und sie zu einem erneuten Kontakt zu zwingen�, beendete Conway den Satz. �Ich brauche mindestens noch einen Verschmelzungsversuch, den wir dann in Nahaufnahme von vorne, von hinten und von der Seite mit Kameras aufzeichnen werden. Au�erdem mu� Prilicla bei dem Versuch die emotionale Ausstrahlung scharf �berwachen, damit wir wissen, welche Stellen das gr��te Unbehagen verursachen und die demzufolge am dringendsten operativ behandelt werden m�ssen. F�r die Operation brauchen wir ja keine Narkose, sondern wir versetzen die CRLTs einfach wieder in ihren Winterschlafzustand. Einverstanden, Doktor?� �Haben Sie auch daran gedacht, mein Freund, da�.�, holte Prilicla zu einem l�ngeren Einwand aus, aber Conway unterbrach ihn kurzerhand.</p><p>�Mein kleiner Freund�, sagte er. �Ich kenne Ihre umst�ndliche Art, eine abweichende Meinung zu �u�ern, schon seit ewigen Zeiten. Genausogut ist mir Ihre Ansicht vertraut, da� man Patienten keine unn�tigen Schmerzen zuf�gen darf, und wie Sie wissen, teile ich Ihre Meinung. Aber so ungern ich auch irgend jemandem Schmerzen bereite, in diesem Fall ist das einfach notwendig.�</p><p>�Doktor Conway�, sagte Colonel Okaussie mit ungeduldigem Unterton, �da die Aliens bei vollem Bewu�tsein sind, �ber Intelligenz und ein �hnliches Sehverm�gen wie wir verf�gen, wollte ich vorhin eigentlich vorschlagen, da� wir sie vielleicht mit einer bildlichen Erkl�rung der Situation zur Mitarbeit bewegen k�nnten. Ich glaube, das w�re zumindest einen Versuch wert.�</p><p>�Aber ganz bestimmt�, erwiderte Conway. Er wandte sich an Fletcher und murmelte: �Also, warum bin ich blo� nicht selbst darauf gekommen?�</p><p>Der befehlshabende Offizier der Descartes l�chelte und antwortete: �Ich werde so schnell wie m�glich einen Gro�bildschirm aufstellen lassen, Doktor.�</p><p>W�hrend Murchison und Naydrad das Ausmessen der Andockfl�chen der beiden Aliens �bernahmen und Prilicla �ber die Patienten schwebte, um sie mit der Ausstrahlung beruhigender Gef�hle zu bes�nftigen, begann Conway die f�r die Operation ben�tigten Instrumente zusammenzustellen.</p><p>Der Gro�bildschirm wurde zwischen der Decke und der nach achtern liegenden Wand befestigt, damit die CRLTs mit ihren auf dem R�cken sitzenden Augen ohne perspektivische Verzerrung direkt auf den Schirm blicken konnten. Die Offiziere der Descartes waren Spezialisten auf dem Gebiet der extraterrestrischen Kommunikation, und die Vorf�hrung war kurz, einfach und sehr exakt.</p><p>Die Anfangssequenz war Conway bekannt, denn sie geh�rte zu dem Material, das ihm der Flottenkommandant w�hrend der kurzen Einsatzbesprechung vorgef�hrt hatte. Sie zeigte eine als Schaubild dargestellte Rekonstruktion des gro�en, spulenf�rmigen Schiffs einschlie�lich des zentralen Kerns, des St�tzger�sts der Spule, der Triebwerke und des Steuerungssystems. Das Spulenschiff flog langsam vor einem sternenklaren Hintergrund. Pl�tzlich erschien am Rand des Gro�bildschirms ein gro�er, direkt auf das Schiff zuschie�ender Meteor. Er prallte gegen das Schiff, flog dann direkt durch den inneren Hohlraum der Spule und ri� dabei Triebwerke, Steuerungssystem und das gesamte zentrale St�tzger�st der durchgehenden Windungen aus Winterschlafcontainern mit sich. Durch die Wucht des Aufpralls wurde die Spule auseinandergesprengt, und die einzelnen Zylinder stoben aufgrund der Schiffsrotation wie die in Zeitlupe gefilmten Granatsplitter eines explodierenden Schrapnells in alle Richtungen davon.</p><p>Weil die Heckkonstruktion viel steifer war, wirkte sich die Ersch�tterung im hinteren Bereich wesentlich st�rker aus und forderte dort unter den im Winterschlaf liegenden CRLTs die meisten Todesopfer. Die Zylinder, deren Insassen die Kollision nicht �berlebt hatten, waren auf dem Schaubild rot dargestellt. Dann folgte eine zweimin�tige Aufnahme vom Ort des Geschehens, wie er heute tats�chlich aussah: Man sah die Vespasian, die Claudius, die Descartes und einen Schwarm von kleineren Schiffen, die allesamt mit dem Zusammenbau des Spulenschiffs besch�ftigt waren. Danach kam eine l�ngere Computersimulation, w�hrend der ein modifiziertes Spulenschiff zu sehen war. Es war mit zwei Gro�kampfschiffen und der Descartes gekoppelt, die das fehlende St�tzger�st und den Antrieb ersetzten, und landete mit ihnen gemeinsam auf einem neuen, gr�nen Planeten.</p><p>Zum Abschlu� der Vorf�hrung wurden die fehlenden Segmente in der Darstellung des Spulenschiffs mit einem pulsierenden Rot gekennzeichnet, dann verschwanden diese roten Abschnitte wieder, und schlie�lich schlossen sich die entstandenen L�cken, wodurch die Spule ein wenig k�rzer wurde. In der Schlu�szene konnte man schlie�lich die erfolgreiche Verschmelzung der ersten beiden CRLTs mitverfolgen.</p><p>Als ein St�ck visueller Kommunikation lie� diese Vorf�hrung nur wenig Raum f�r Mi�verst�ndnisse, und Conway brauchte Priliclas empathische F�higkeiten gar nicht in Anspruch zu nehmen, um zu wissen, da� die Botschaft angekommen war � die beiden CRLTs bewegten sich bereits wieder vorsichtig aufeinander zu.</p><p>�Laufen die Kameras?� fragte Conway.</p><p>�Laufen�, best�tigte Murchison.</p><p>Conway hielt den Atem an, als die beiden riesigen Wesen ein erneutes Andocken versuchten. Die Bewegungen der raupen�hnlichen Stummelbeine waren kaum zu bemerken, die R�ckengliedma�en angespannt und absolut reglos, wodurch die beiden Aliens zwei gewaltigen, fremdartigen Baumst�mmen �hnelten, die in der Str�mung eines unsichtbaren Flusses aufeinander zutrieben. Als die CRLTs noch ungef�hr f�nfzehn Zentimeter voneinander entfernt waren, hatten sich auf der Vorderseite des hinteren Aliens die schon w�hrend der ersten beiden Verschmelzungen beobachtete Struktur aus Beulen und fleischigen Erhebungen gebildet, w�hrend auf der Hinterseite des vorderen Aliens zuckend ein Muster aus Spalten und einer einzelnen tiefen Rille entstanden war. Am Rand der Verbindungsfl�che waren pl�tzlich die vier breiten, dreieckigen Muskellappen mit kn�chernen Spitzen beinahe viermal so gro� wie im bewu�tlosen Zustand geworden und �ffneten sich nun wie fleischige, geh�rnte Bl�tenbl�tter � Eigenschaften, die man bei der Untersuchung von schlafenden oder toten CRLTs nicht f�r wichtig gehalten hatte. Aber bei diesen beiden CRLTs pa�ten die Verbindungsfl�chen einfach nicht zusammen. Sie ber�hrten sich, hielten den Kontakt vielleicht drei Sekunden lang aufrecht, und sprangen dann wieder ruckartig auseinander.</p><p>Bevor sich Conway dazu �u�ern konnte, bewegten sich die Aliens schon wieder aufeinander zu. Diesmal hielt der vordere CRLT still, w�hrend der hintere seine Verbindungsseite f�r einen erneuten Versuch in eine etwas andere Stellung drehte, aber mit demselben Ergebnis.</p><p>Diese Ber�hrungen waren ganz offensichtlich �u�erst unangenehm, und der daraus resultierende Schmerz hatte die unwillk�rliche Muskelbewegung ausgel�st, die die Aliens auseinanderspringen lie�. Aber die CRLTs gaben nicht so leicht auf, obwohl es zun�chst den Anschein erweckte. Sie entfernten sich voneinander, bis sie sich wieder in ihren Containern befanden. Dann setzten sich ihre Stummelbeine in rasende Bewegung, und die beiden CRLTs schossen regelrecht aufeinander zu, wobei sie anscheinend allein mit roher Gewalt und der Tr�gheit der K�rpermasse eine Verschmelzung zu erzwingen versuchten. Als sie schlie�lich mit einem lauten, mehrfachen Klatschen zusammenstie�en, zuckte Conway zusammen.</p><p>Aber auch dieser Versuch war vergeblich. Die beiden CRLTs prallten wieder auseinander und blieben ungef�hr einen Meter voneinander entfernt liegen, ihre R�ckengliedma�en zuckten schwach, und beim Ein- und Ausatmen zischte die Luft laut durch die Atem�ffnungen. Dann gingen die Aliens wieder langsam aufeinander zu.</p><p>�Die bem�hen sich wirklich redlich�, stellte Murchison leise fest.</p><p>�Freund Conway�, sagte Prilicla, �die emotionale Ausstrahlung der beiden Aliens ist inzwischen differenzierter geworden. Zwar empfinden sie immer noch tiefe Besorgnis, aber meiner Meinung nach keine pers�nliche Angst mehr. Au�erdem nehme ich Verst�ndnis und gro�e Entschlossenheit wahr, wobei letztere deutlich �berwiegt.</p><p>Ich w�rde sagen, da� beide Wesen die Situation v�llig verstehen und sich verzweifelt bem�hen, zur L�sung des Problems beizutragen. Aber diese erfolglosen Andockversuche bereiten ihnen gro�e Schmerzen, mein Freund.�</p><p>Es war typisch f�r den kleinen Empathen, da� er seine eigenen Schmerzen nicht erw�hnte, die nur um Nuancen geringer als die der CRLTs waren. Doch das unkontrollierte Zittern der bleistiftd�nnen Beine und des zerbrechlichen Eierschalenk�rpers des Empathen sagte mehr als tausend Worte.</p><p>�Bef�rdert die CRLTs wieder in den Schlaf!� ordnete Conway an.</p><p>W�hrend die Winterschlafmedizin langsam wirkte, herrschte allgemeines Schweigen, das schlie�lich von Prilicla unterbrochen wurde. �Die CRLTs verlieren zwar allm�hlich das Bewu�tsein�, sagte er, �aber in der emotionalen Ausstrahlung ist eine merkliche �nderung eingetreten. Sie empfinden jetzt zwar immer noch Besorgnis, aber auch Hoffnung. Ich glaube, die erwarten von uns, da� wir ihr Problem l�sen, mein Freund.�</p><p>Alle Augen im Laderaum richteten sich auf den kleinen Empathen, aber erst Naydrad, deren wogendes Fell ihre Verwirrung und Besorgnis verriet, stellte die Frage, die sich aus H�flichkeit niemand anders zu stellen traute.</p><p>�Und wie?�</p><p>Conway antwortete nicht sofort. Er dachte dar�ber nach, da� zwei hochintelligente, �ltere CRLTs aus dem Heck des Spulenschiffs schon beim ersten gescheiterten Verschmelzungsversuch h�tten erkennen m�ssen, da� eine Verbindung zwischen ihnen unm�glich war. Trotzdem hatten sie noch zwei weitere Versuche unternommen � den ersten, als der hintere Alien sich und seine Verbindungsseite in eine andere Stellung drehte, und den zweiten, als beide CRLTs eine Verschmelzung durch rohe Gewalt erzwingen wollten. Conway begann sich zu fragen, ob der kurz zuvor stattgefundene Kommunikationsversuch mit den Aliens wirklich nur einseitig verlaufen war. Erst wenn man den Linguisten der Descartes die Gelegenheit geben k�nnte, die CRLT-Sprache zu erlernen, w�rde ein klarer Gedankenaustausch m�glich werden. Wie sich allerdings bereits gezeigt hatte, waren Bilder bei der Vermittlung von Informationen sehr wirkungsvoll, und sie schienen alle vergessen zu haben, da� Taten � genauso wie Bilder � oftmals mehr sagten als Worte.</p><p>Conway rief sich die drei erfolglosen Andockversuche in die Erinnerung zur�ck und fragte sich, ob die beiden CRLTs tats�chlich versucht hatten, ihnen zu demonstrieren, da� f�r sie eine Verbindung ohne Hilfe zwar unm�glich, aber durchaus zu bewerkstelligen war, wenn man ihre Positionen verlagerte, vielleicht einige Manipulationen an der Oberfl�chenstruktur der Verbindungsfl�chen vornahm und zus�tzlich ein bi�chen Gewalt anwandte.</p><p>�Freund Conway strahlt Optimismus aus�, verk�ndete Prilicla erleichtert.</p><p>�Vielleicht erl�utert er ja sogar uns Nichtempathen den Grund f�r seinen Optimismus � nat�rlich nur, wenn�s dem Herrn recht ist�, warf Murchison ungeduldig ein.</p><p>Conway �berh�rte einfach die giftige Bemerkung und umri� kurz seine j�ngsten Gedankeng�nge, obwohl er selbst seine momentanen Gef�hle eher als schwache Hoffnung denn als Optimismus bezeichnet h�tte. �Deshalb glaube ich, die CRLTs haben uns mitzuteilen versucht, da� zwar ein chirurgischer Eingriff, aber keine rohe Gewalt zur Verschmelzung notwendig ist. Und gerade ist mir eingefallen, da� es f�r so ein Verfahren bereits einen Pr�zedenzfall gibt. Bei einer der auf der Rhabwar untersuchten Leichen waren n�mlich auf der vorderen Verbindungsseite Spuren eines chirurgischen Eingriffs zu erkennen. Und das k�nnte bedeuten.�</p><p>�Aber dabei handelte es sich um einen jugendlichen CRLT, selbst wenn er k�rperlich schon ausgewachsen war�, unterbrach ihn Murchison. �Au�erdem war der chirurgische Eingriff nicht der Rede wert, und wir waren beide der Meinung, da� man ihn wahrscheinlich nur aus kosmetischen Gr�nden operiert hatte.�</p><p>�Dann haben wir uns vermutlich geirrt�, erwiderte Conway und fuhr aufgeregt fort: �Denk mal an den k�rperlichen Aufbau des Gruppenwesens. Am Kopf befindet sich der k�rperlich reifste, m�nnliche Erwachsene und am Schwanz das zuletzt geborene Kind, weil es, wie wir wissen, ohne Abtrennung von seinem Elternteil zu voller k�rperlicher Reife heranw�chst. Zwischen Kopf und Schwanz besteht also eine allm�hliche und gleichm��ige Abfolge von den �ltesten und intelligentesten m�nnlichen Individuen bis zu den immer j�ngeren weiblichen Kindern, aus denen sich der Schwanz zusammensetzt. Aber Prilicla hat von Anomalien in dieser Abfolge berichtet. So weisen junge CRLTs, die sich relativ dicht am Schwanz befinden, Anzeichen h�heren k�rperlichen Alters und eines weiter entwickelten Gehirns auf als Individuen im Mittelteil. Bisher konnte ich mir keinen Grund f�r diese Anomalien vorstellen.</p><p>Aber la� uns jetzt einfach mal annehmen, dieses Gruppenwesen ist bei den Vorbereitungen zu einem umfassenden Kolonisierungsprojekt k�nstlich verl�ngert worden. Die au�ergew�hnlich hohe Anzahl von Individuen in der Gruppe hat mich zwar schon immer gest�rt, aber jetzt gibt es daf�r eine einfache Erkl�rung.</p><p>Angenommen, es gibt einen Kopf oder, genauer gesagt, die vorderen Segmente bestehen aus einer recht gro�en Anzahl �lterer Individuen, hinter denen der Reihe nach mehrere Schw�nze geh�ngt wurden. Eigentlich m��te es sich dann um sehr junge Schw�nze handeln, weil ein operativer Eingriff, der eine solche Verschmelzung erst erm�glicht, bei jungen CRLTs bestimmt viel einfacher durchzuf�hren ist. Das f�r die Kolonisierung zusammengef�gte Gruppenwesen besteht aus �lteren Individuen mit Intelligenz und Erfahrung am Kopf, der mit einem k�nstlich verl�ngerten Schwanz verbunden ist, der sich aus etlichen jungen und unerfahrenen Untergruppen zusammensetzt. Die Verbindungen zwischen diesen Untergruppen sind durch operative Eingriffe erm�glicht worden, und das nur als vor�bergehende Ma�nahme, dessen bin ich mir jetzt sicher. Denn nach der Landung auf dem Zielplaneten k�nnten sich die einzelnen Untergruppen wieder voneinander trennen, die jungen Individuen am Kopf w�rden zu voller k�rperlicher Reife heranwachsen, und die Gefahr der Inzucht w�re gebannt.</p><p>Vielleicht ist der Kopf des Gruppenwesens zus�tzlich k�nstlich verl�ngert worden, um auch �ltere CRLTs mit einzubeziehen, die im Zusammenhang mit dem Kolonisierungsprojekt �ber wichtiges Fachwissen verf�gen�, vervollst�ndigte Conway seine Ausf�hrungen. �Diese CRLTs k�nnten zum Beispiel anf�nglich die j�ngeren Gruppenwesen besch�tzen und sie sp�ter unterrichten und ausbilden und ihnen geschichtliche und wissenschaftliche Kenntnisse vermitteln.�</p><p>W�hrend Conways Vortrag war Prilicla n�her herangeflogen und schwebte jetzt knapp einen Meter �ber dem Kopf des Chefarztes. Gutgelaunt sagte er: �Eine geniale Theorie, mein Freund, sie pa�t sowohl zu den uns bislang bekannten Fakten als auch zu der emotionalen Ausstrahlung, wie ich sie von den Wesen empfange.�</p><p>�Ganz meine Meinung�, stimmte Murchison zu. �Ich hatte n�mlich auch Schwierigkeiten, die extreme L�nge des Gruppenwesens zu akzeptieren. Da f�llt es mir sehr viel leichter, mir einen klugen alten Kopf vorzustellen, der als F�hrer und Mentor einer bislang noch unbekannten Anzahl junger Untergruppen fungiert. Trotzdem mu� ich wohl oder �bel daran erinnern, da� es gerade unter den Kopfsegmenten die meisten Opfer gegeben hat. M�glicherweise ist der Kopf jetzt nicht mehr so klug, wie er sein sollte, so da� diesem Mehrfachgruppenwesen vielleicht eine gewaltige Menge an �u�erst wichtigem Wissen verlorengegangen ist.�</p><p>Colonel Okaussie wartete kurz ab, ob noch jemand vom medizinischen Team etwas sagen wollte, r�usperte sich schlie�lich und entgegnete: �Vielleicht auch nicht, Murchison. Die meisten Kopfsegmente, die beim Zusammensto� umgekommen sind, haben sich sehr nah am Heck und damit an der Kommando- und Steuerungszentrale des Schiffs befunden. Deshalb k�nnte man durchaus annehmen, da� es sich bei diesen Segmenten um diejenigen Wesen handelte, die mit der F�hrung des Schiffs und der Abwicklung der Landeman�ver betraut waren, also Funktionen hatten, die jetzt das Monitorkorps �bernehmen wird. Die Wissenschaftler und Lehrer hat man wahrscheinlich ein bi�chen weiter hinten in der Schlange plaziert. Folglich geh�rte der Gro�teil der Unfallopfer der Schiffsbesatzung an, deren Fachkenntnisse f�r das Kolonisierungsprojekt nicht mehr von allzu gro�er Wichtigkeit sein d�rften, sobald das Schiff erst einmal gelandet ist.�</p><p>Bevor Murchison antworten konnte, gab Naydrad ein ungeduldiges, artikuliertes Knurren von sich, das der Translator als �Warum h�ren wir nicht endlich mit dem Reden auf und machen uns einfach wieder an die Arbeit?� �bersetzte.</p><p>Der f�r die Verst�ndigung mit den CRLTs benutzte Bildschirm zeigte jetzt st�ndig Nah- und Gro�aufnahmen von Gestalten in Raumanz�gen, die verschiedenen physiologischen Klassifikationen angeh�rten. Sie waren eifrig mit dem mittlerweile in der Endphase befindlichen Zusammenbau des Spulenschiffs besch�ftigt. Conway wu�te nicht recht, ob der befehlshabende Offizier der Descartes diese Bilder zur Hilfe und Information der medizinischen Mitarbeiter zeigen lie� oder um auf diese Weise leise anzudeuten, da� diese denselben Flei� an den Tag legen sollten wie ihre Kollegen im All. Dieser Versuch war allerdings in beiderlei Hinsicht zum Scheitern verurteilt, dachte Conway, weil die medizinischen Mitarbeiter der Rhabwar sowieso viel zu besch�ftigt waren, um sich Okaussies Bilder anzusehen. Statt auf den Bildschirm konzentrierten sie sich darauf, die Merkmale auf den Verbindungsfl�chen der CRLTs immer wieder nachzumessen und mit den Scannern den Verlauf der unter der Haut liegenden Blutgef��e und die Verteilung der Nervenganglien zu erfassen. Au�erdem markierten sie mit gro�er Sorgfalt und Genauigkeit die Stellen, an denen chirurgische Eingriffe m�glich waren, ohne gr��ere Blutungen oder eine sp�tere Beeintr�chtigung der Sinneswahrnehmung zu verursachen.</p><p>Das war nat�rlich eine zeitraubende, langweilige Arbeit, die in optischer Hinsicht keine dramatischen Bilder lieferte, so da� man Colonel Okaussie auch die Vorstellung verzeihen konnte, das Personal des Ambulanzschiffs habe sich schlafen gelegt.</p><p>�Freund Conway�, sagte Prilicla w�hrend einer besonders schwierigen Phase der Untersuchung, �die k�rperlichen Unterschiede sind bei diesen beiden Wesen so stark ausgepr�gt, da� ich mich fragen mu�, ob sie nicht verschiedenen Unterarten einer Spezies angeh�ren.�</p><p>Conway konzentrierte sich im Moment gerade so stark auf den mutma�lichen Hauptschlie�muskel an der hinteren Verbindungsseite des vorderen CRLT, da� Murchison schon l�ngst f�r ihn geantwortet hatte, als er endlich selbst soweit war.</p><p>�In gewisser Hinsicht haben Sie recht, Doktor Prilicla�, entgegnete sie. �Das ist eine nat�rliche Folge der Fortpflanzungsart. Stellen Sie sich mal den vorderen CRLT vor, als er noch das letzte weibliche Segment in der Schlange des Gruppenwesens war. Im Laufe der Zeit wuchs er zur vollen k�rperlichen Reife heran und wurde von dem m�nnlichen Kopf eines anderen Gruppenwesens befruchtet, wobei er immer noch mit seinem Elternteil verbunden war. Nun wuchs sein eigenes Kind bis zur Geschlechtsreife heran und bekam ebenfalls ein Kind, und dieser Vorgang setzte sich mit verschiedenen m�nnlichen K�pfen fort, die bei der Zeugung des n�chsten Kinds ihre eigenen Gene hinzuf�gten.</p><p>Die k�rperliche Verbindung zwischen einem CRLT und seinem Kind ist immer vollkommen�, fuhr sie fort. �Vielleicht ist sogar zwischen einem Elternteil und dessen Enkel oder Urenkel eine vollkommene Verschmelzung m�glich. Aber die Auswirkungen der Gene der verschiedenen m�nnlichen Kopfsegmente, die jedes neue Schlu�segment der Schlange befruchten, m�ssen sich zwangsl�ufig addieren. Wenn man all das bedenkt, ist es ganz verst�ndlich, da� Sie, Doktor, die Unterschiede zwischen den Verbindungsfl�chen dieser beiden Aliens, die durch siebzehn Segmente voneinander getrennt waren, f�r betr�chtlich halten.�</p><p>�Danke, meine Freundin�, erwiderte Prilicla. �Mein Gehirn scheint heute nicht so recht zu funktionieren.�</p><p>�Vielleicht deshalb, weil Ihr Gehirn schon halb eingeschlafen ist, genau wie meins�, antwortete Murchison in verst�ndnisvollem Ton.</p><p>�Und meins�, f�gte Naydrad hinzu.</p><p>Conway, der die ganze Zeit nicht daran zu denken versucht hatte, wann er das letztemal gegessen oder geschlafen hatte, entschied sich f�r den seiner Meinung nach besten Weg, mit einer drohenden Meuterei seiner �berarbeiteten medizinischen Mitarbeiter fertig zu werden, indem er sie einfach ignorierte. Er deutete auf eine kleine Stelle an der hinteren Verbindungsseite des ersten Aliens, die sich genau zwischen der kegelf�rmigen Vertiefung in der Mitte und dem oberen Rand der Fl�che befand, und zeigte dann auf die entsprechende Stelle an der Hinterseite des zweiten CRLT. �Um diese Fortpflanzungsorgane brauchen wir uns bei beiden Wesen erst gar nicht zu k�mmern�, sagte er, �weil die Verbindung beim Geschlechtsakt nur vor�bergehend ist und in physiologischer Hinsicht nicht mit dem Verschmelzungsmechanismus von Elternteil und Kindzusammenh�ngt. Die drei Stellen, auf die wir uns konzentrieren m�ssen, sind meiner Ansicht nach erst einmal die kegelf�rmige Erhebung und die entsprechende Vertiefung, wo sich die Verbindungspunkte der zentralen Ganglienkette befinden, die unser Hauptanliegen sind. Als zweites m�ssen wir uns mit dem schmalen, halbstarren Zapfen mit diesem fleischigen, pilzf�rmigen Gebilde an der Spitze befassen, der in den Schlitz am anderen Alien pa�t und.�</p><p>�Diese Verbindung ist ebenfalls von gr��ter Bedeutung�, unterbrach ihn Murchison, �weil sie die f�r die Steuerung der willk�rlichen und unwillk�rlichen Muskeln verantwortlichen Nervengeflechte verkn�pft, durch die sich die Beine des CRLT synchron bewegen, so da� das Gruppenwesen im Gleichschritt gehen kann. Schlie�lich w�re der Nutzen des Gruppenwesens nur gering, wenn zwar alle Mitglieder dieselben Gedanken h�tten, einige Segmente aber nicht gehen k�nnten.�</p><p>�Meine Freundin�, entgegnete der Empath sch�chtern, �meiner Ansicht nach w�rde aber der vom Kopfsegment oder irgendeinem anderen CRLT ausgehende Nervenreiz nicht stark genug sein, um �ber die gesamte L�nge dieses riesigen Gruppenwesens die Bewegung s�mtlicher Fortbewegungsmuskeln auszul�sen.�</p><p>�Das ist richtig�, stimmte ihm die Pathologin zu. �Aber es gibt einen aus einem Ganglienb�ndel bestehenden organischen Verst�rker direkt �ber der Geb�rmutter, beziehungsweise bei den m�nnlichen Wesen �ber der einstigen Geb�rmutter, an einer Stelle also, wo das umliegende Zellgewebe einen hohen Mineralgehalt aufweist und besonders reich an Kupfersalzen ist. Dieser biologische Verst�rker sorgt daf�r, da� die Fortbewegungsmuskeln die Reize �ber die gesamte L�nge der Schlange mit unverminderter St�rke empfangen.�</p><p>�Drittens�, fuhr Conway mit etwas lauterer Stimme fort, um weitere Unterbrechungen zu verhindern, �gibt es die vier Muskellappen, die mit ihren kn�chernen Haken an der Spitze in die vier durch Knochen verst�rkte �ffnungen des anderen Wesens passen. Das ist der eigentliche Andockmechanismus, durch den die Verbindungsfl�chen der einzelnen Segmente zusammengehalten werden, und in diesem Fall.�</p><p>�Gleichzeitig ist das auch die Methode, mit der das weibliche Segment am Ende der Schlange sein heranwachsendes Kind festh�lt�, unterbrach ihn Murchison erneut. �In dieser Entwicklungsphase bleibt dem Kind auch noch gar nichts anderes �brig. Aber wenn es erwachsen ist, ein eigenes Kind hat und in der Schlange weiter aufger�ckt ist, dann w�re bestimmt eine freiwillige Trennung m�glich, da bin ich mir sicher. Bei bestimmten T�tigkeiten, f�r die man nicht das ganze Gruppenwesen braucht, ist eine Trennung h�chstwahrscheinlich sogar notwendig.�</p><p>�Das ist h�chst interessant, meine Freundin�, erwiderte Prilicla. �Man sollte meinen, da� die erste freiwillige Trennung einen gewissen seelischen Schock hervorrufen w�rde. M�glicherweise w�re das so �hnlich wie eine Feier zur Vollj�hrigkeit, obwohl diese Trennung m�glicherweise nicht f�r immer.�</p><p>Bevor Conway den Empathen unterbrechen konnte, verstummte dieser bereits von selbst und begann wegen der von Conway ausgestrahlten Gef�hle der Ver�rgerung und Ungeduld zu zittern. �Das ist ja alles hochinteressant, meine Freunde�, sagte Conway. �Aber im Moment haben wir f�r eine allgemeine Diskussion �berhaupt keine Zeit. Jedenfalls w�rde sich nach der eben erw�hnten vor�bergehenden Trennung der junge Erwachsene ohnehin wieder mit seinem urspr�nglichen Elternteil verbinden und nicht mit einem. ich glaube, man k�nnte ihn einen Vorfahren siebzehnten Grades nennen. Genau das ist n�mlich das Problem, vor dem wir zur Zeit stehen. Und auf dieses Problem und die f�r seine L�sung notwendigen chirurgischen Schritte werden wir uns jetzt konzentrieren, wenn es niemandem etwas ausmacht.</p><p>Nat�rlich steht es jedem frei, die Operation durch irgendeinen klugen Kommentar jederzeit zu unterbrechen�, f�gte er noch trocken hinzu.</p><p>Aber es gab nur wenige Kommentare, die dann allerdings f�r die Operation sehr hilfreich waren. Und schon sehr bald wurde sogar den zuschauenden Traktor- und Pressorstrahlentechnikern, dem befehlshabenden Offizier der Descartes und dem Flottenkommandanten Dermod, dessen Gesicht zwar nur kurz, aber immer h�ufiger auf dem schr�g zwischen Wand und Decke h�ngenden Gro�bildschirm auftauchte, klar, da� auch das medizinische Team hart arbeitete.</p><p>Da das Orbit Hospital in erster Linie das f�hrende Unfallkrankenhaus der F�deration war, handelte es sich bei den dort an terrestrischen oder extraterrestrischen Patienten durchgef�hrten Operationen eher um heilende als um plastische Chirurgie. Daher kam es Conway ziemlich seltsam vor � und wie er wu�te, teilten alle Mitglieder seines Teams seine Gef�hle �, einen kerngesunden ET mit dem einzigen Zweck zu operieren, die Gr��e und Konturen bestimmter physiologischer Merkmale zu ver�ndern. Die Operation selbst war allerdings alles andere als leicht.</p><p>Der gr��ere Teil des operativen Eingriffs mu�te am zweiten Alien vorgenommen werden, dessen vordere kegelf�rmige Erhebung zur Verbindung der Ganglienketten an der Basis zu gro� war, um in den Schlie�muskel der entsprechenden �ffnung des ersten CRLTs zu passen. Bei dem halbstarren Zapfen und dem Schlitz, durch die das f�r die Koordination der Fortbewegung der beiden Wesen verantwortliche Nervengeflecht miteinander verbunden wurde, war die L�sung viel einfacher. Die tiefe Rille beim ersten Alien wurde operativ so weit vergr��ert, bis Messungen erwiesen, da� der Zapfen bequem hineinpassen w�rde. Danach wurde der Schlitz mit N�hten verst�rkt, um eine weitere unbeabsichtigte Vergr��erung zu verhindern. Aber die vier dreieckigen Muskellappen mit den hakenartigen Knochenspitzen warfen ein v�llig anderes und schwierigeres Problem auf.</p><p>Die vier Muskellappen bildeten zusammen die organische Hauptverbindung, durch die die betr�chtliche K�rpermasse des hinteren CRLT am vorderen festgehalten wurde. Sie pa�ten nicht zusammen, weil die Haken nicht bis in die f�r sie bestimmten �ffnungen hineinreichten.</p><p>Eine Verl�ngerung der vier dreieckigen Lappen war nicht angezeigt, da ein solcher operativer Eingriff eine ernstliche Schw�chung der Muskulatur zur Folge gehabt h�tte. Obendrein konnte man nicht die Auswirkungen auf das Geflecht aus Blutgef��en vorhersehen, die, sobald das Wesen sein Bewu�tsein wiedererlangte, anschwollen und die Lappen zu vierfacher Gr��e anwachsen lie�en. Statt dessen nahmen Conway und Murchison von den Haken Abdr�cke und fertigten k�nstliche Haken an, wobei sie f�r die Spitze einen harten, biologisch neutralen Kunststoff und rund um die Basis einen breiten Streifen aus d�nnerem und flexiblerem Material verwendeten. Das Ergebnis war eine Reihe hohler, hakenbesetzter Gebilde, die gro�en Handschuhen glichen. Nachdem die echten Haken passend zurechtgefeilt worden waren, st�lpte man die handschuh�hnlichen Prothesen dar�ber und befestigte sie mit Nieten und N�hten in der richtigen Position.</p><p>Pl�tzlich gab es nichts anderes mehr zu tun, als zu hoffen.</p><p>Der Gro�bildschirm �ber den beiden bewu�tlosen CRLTs zeigte eine Gesamtansicht des Spulenschiffs, das mittlerweile bis auf die Zylinder, in denen sich noch zu operierende Insassen befanden, fertig zusammengebaut war. Au�erdem sah man das undurchdringliche, aber methodische Gewimmel �berall umherfliegender Schiffe.</p><p>So sehr sich Conway auch dagegen wehrte, qu�lte ihn doch immer wieder ein und derselbe Gedanke: Falls sich diese Operation als Fehlschlag herausstellen sollte, w�re der Einsatz der gewaltigen Flotte, die von den riesigen Gro�kampfschiffen samt ihren Hilfsger�ten bis hin zu den Schw�rmen von Aufkl�rungsschiffen reichte, praktisch umsonst gewesen, und die Armee von Spezialisten f�r Schiffsbau und Kommunikation h�tten hier nur ihre kostbare Zeit vergeudet.</p><p>Und f�r die alleinige �bernahme dieser Verantwortung hatte er damals lang und breit mit Thornnastor, O�Mara und Skempton im Orbit Hospital diskutiert � er mu�te verr�ckt gewesen sein.</p><p>�Weckt sofort die CRLTs auf!� ordnete er in einem ungewohnt r�den Ton an.</p><p>Alle beobachteten besorgt, wie die beiden CRLTs erneut aus dem Winterschlaf erwachten und sich aufeinander zubewegten. Die Aliens ber�hrten sich einmal � eine kurze Ber�hrung zur Probe �, dann verschmolzen sie miteinander. Wo sich vorher zwei gro�e, zwanzig Meter lange, raupen�hnliche Wesen befunden hatten, war jetzt nur noch eins von doppelter L�nge.</p><p>Die Verbindungsstelle war nat�rlich zu sehen, aber man mu�te schon sehr genau hinschauen. Conway zwang sich zu einer Wartezeit von zehn endlosen Sekunden, aber auch danach hatten sich die CRLTs noch nicht wieder getrennt.</p><p>�Prilicla?�</p><p>�Die Aliens haben Schmerzen, mein Freund�, antwortete der leicht zitternde Empath, �die sich aber in ertr�glichen Grenzen halten. Au�erdem nehme ich Gef�hle der gegenseitigen Akzeptanz und der Dankbarkeit wahr.�</p><p>Conway stie� einen Seufzer der Erleichterung aus, der nahtlos in ein gewaltiges G�hnen �berging, das ihm die Tr�nen in die Augen trieb. �Ich danke euch allen�, sagte er, wobei er sich angestrengt die Augen rieb. �Bef�rdert die CRLTs wieder in ihren Winterschlaf, �berpr�ft noch mal die N�hte und versiegelt die Zylinder. Die beiden brauchen sich erst nach der Landung wieder miteinander verbinden, und bis dahin m��ten die Wunden weitgehend verheilt sein, was den Verschmelzungsvorgang bestimmt angenehmer gestalten wird. Und f�r uns selbst verschreibe ich hiermit acht Stunden festen Schlaf, bevor wir.�</p><p>Als Flottenkommandant Dermods Gesicht auf dem Gro�bildschirm erschien, verstummte er schlagartig.</p><p>�Anscheinend ist es Ihnen tats�chlich gelungen, einen gr��eren Ri� in unserer Alienkette zu flicken, Doktor�, sagte er ernst. �Gl�ckwunsch, aber die daf�r ben�tigte Zeit war nicht gerade kurz. Es gibt noch viele andere Risse, und uns bleiben nur noch drei Tage f�r einen gemeinsamen Sprung. Danach ist aufgrund der gravitationsbedingten St�rungen der Sonne, der wir uns immer schneller n�hern, selbst f�r einzelne Schiffe kein genauer Sprung mehr m�glich.</p><p>Sollten wir den letzten Termin in drei Tagen �berschreiten, Doktor�, fuhr er grimmig fort, �w�re weitere zwanzig Stunden lang der Sprung eines einzelnen Schiffs innerhalb der Grenzen der Betriebssicherheit durchf�hrbar. Wenn wir das Spulenschiff nicht in die Sonne st�rzen lassen wollen, m�ssen wir es innerhalb dieser Zeitspanne von zwanzig Stunden in einzelne Teile zerlegen, die wenigstens so klein sind, da� sie in die Hyperraumh�llen der in diesem Gebiet verf�gbaren Schiffe passen. Sie werden wohl begreifen, da� das notgedrungen ein h�chst �berst�rzter Einsatz w�re, bei dem die Unfallopfer auf unserer Seite genauso zahlreich w�ren wie auf Seiten der CRLTs.</p><p>Was ich Ihnen damit sagen will, Doktor, ist folgendes�, sagte Dermod mit ernster Stimme, �falls Sie Ihre Operationen f�r die organischen Verschmelzungen innerhalb von drei Tagen nicht abschlie�en k�nnen, dann teilen Sie mir das bitte jetzt mit, damit wir auf geordnetere und vor allem sicherere Art und Weise umgehend mit dem Zerlegen des Spulenschiffs anfangen k�nnen.�</p><p>Conway rieb sich die Augen und antwortete: �Zwischen der gerade von uns erzielten Verbindung haben siebzehn Segmente gefehlt, und deshalb war das auch die bei weitem schwierigste Operation von allen. Die L�cken, die es jetzt noch zu schlie�en gilt, setzen sich aus zwei, drei oder h�chstens f�nf Segmenten zusammen, deshalb werden die folgenden Operationen zur Verbindung der CRLTs entsprechend einfacher. Wir haben jetzt den Bogen raus, und drei Tage sollten uns vollauf gen�gen, falls keine unvorhergesehene Katastrophe eintritt.�</p><p>�F�r unvorhergesehene Katastrophen kann ich Sie nat�rlich nicht verantwortlich machen, Doktor�, entgegnete der Flottenkommandant trocken. �Also gut. Und was haben Sie als n�chstes vor?�</p><p>�In diesem Augenblick beabsichtigen wir, ins Bett zu gehen�, antwortete Conway entschlossen.</p><p>Dermod blickte ein wenig �berrascht drein, als ob ihm die genaue Vorstellung von Schlaf im Verlauf der letzten Tage fremd geworden w�re. Dann nickte er etwas unwirsch und brach sofort die Verbindung wortlos ab.</p><p>Als sie sich ausgeruht, wach und sehr viel menschlicher und nat�rlich auch kelgianischer und cinrusskischer f�hlten, kehrten sie in den Laderaum der Descartes zur�ck, in dem bereits das n�chste CRLT-Paar auf sie wartete. Die restlichen noch zu verschmelzenden Aliens waren in ihren Containern an der Au�enhaut befestigt. Der Flottenkommandant, das war ganz klar, war ein Mann, der an die Wirkung von aufrechterhaltenem Druck glaubte.</p><p>Bei den beiden CRLTs im Laderaum war die Verschmelzung bemerkenswert leicht zu erzielen. Da zwischen den Verbindungsfl�chen nur zwei Segmente fehlten, handelte es sich bei der erforderlichen Operation wirklich nur um einen geringen Eingriff. Das n�chste Paar warf allerdings mehr Probleme auf, trotzdem hatte man schon nach knapp zwei Stunden eine zufriedenstellende Verbindung erzielt, was sich dank des wachsenden Selbstvertrauens und der zunehmenden Sachkenntnis des Operationsteams als durchschnittlich ben�tigte Zeitspanne herausstellen sollte. Mit der Zeit machten sie sogar so gute Fortschritte, da� sie schon fast auf sich selbst b�se waren, wenn sie die Arbeit zum Essen oder Schlafen notgedrungen unterbrechen mu�ten.</p><p>Und auf einmal waren sie mit ihrer Arbeit fertig, und es gab f�r sie nichts anderes mehr zu tun, als auf dem Gro�bildschirm das Schlie�en der letzten L�cke in der Spule zu beobachten. Hunderte von Gestalten in Raumanz�gen schw�rmten um das Spulenschiff herum und �berpr�ften ein letztes Mal bei s�mtlichen Zylindern den von Sensoren gesteuerten Mechanismus, der nach der Landung die Abschlu�platten heraussto�en und die Wiederbelebung der CRLTs einleiten w�rde.</p><p>Mit Ausnahme der Rhabwar und einer der Landef�hren der Descartes zog sich die gro�e Flotte aus Aufkl�rungsschiffen und Hilfsger�t bis zu einer Entfernung von anderthalbtausend Kilometern zur�ck. Das war weit genug, um die Gegend vom Flugverkehr zu entlasten, und gleichzeitig nah genug, um schnell eingreifen zu k�nnen, falls irgend etwas Unvorhergesehenes passieren sollte.</p><p>�Ich w��te nicht, was hier bei uns jetzt noch ernstlich schiefgehen sollte�, sagte der Flottenkommandant, als das Schiff schlie�lich nur nocheine einzige gewaltige Spule war. �Durch Ihre schnelle Arbeit haben wir jetzt gen�gend Zeit, die f�r den Sprung erforderlichen Berechnungen und Kalibrierungen vorzunehmen, Doktor. Das wird ein ziemlich zeitraubender Vorgang, da unsere drei Schiffe, deren Hyperraumh�llen ausgedehnt werden m�ssen, um das Spulenschiff zu umschlie�en, gemeinsam springen werden. Falls ein Problem auftauchen sollte und wir diesen Sprung nicht durchf�hren k�nnen, werden die bereitstehenden Einheiten sofort herbeieilen, das Spulenschiff so schnell wie m�glich auseinanderbauen und mit den Einzelteilen in den Hyperraum springen. Auf diese Weise w�rde die ganze Operation wenigstens kein totaler Mi�erfolg sein.</p><p>Auf den betreffenden Schiffen sind auch gen�gend �rzte des Monitorkorps, um die zu erwartende Menge an Unfallopfern bew�ltigen zu k�nnen�, fuhr er fort. �Deshalb m�chte ich, da� die Rhabwar sofort losfliegt und sich in der N�he des neuen Zielplaneten der CRLTs in Bereitschaft h�lt. Sollte es n�mlich Schwierigkeiten geben, dann werden sie wahrscheinlich eher dort auftreten.�</p><p>�Ich verstehe�, entgegnete Conway leise.</p><p>Der Flottenkommandant nickte. �Ich danke Ihnen, Doktor. Von jetzt an ist dieser Einsatz ein reines Transportproblem und liegt damit in meiner Verantwortung.�</p><p>Nun gut, Sie haben jetzt das Sagen, dachte Conway grimmig, als Dermod die Verbindung abbrach.</p><p>W�hrend er sich mit seinem Team von Colonel Okaussie und den Traktor- und Pressorstrahlentechnikern verabschiedete und ihnen noch viel Gl�ck w�nschte, dachte er �ber das Problem des Flottenkommandanten nach. Und es ging ihm noch immer durch den Kopf, nachdem das medizinische Team wieder an Bord der Rhabwar gegangen war und sich das Ambulanzschiff von den vereinigten CRLT- und F�derationsschiffen bereits entfernte, um auf Sprungdistanz zu gehen.</p><p>Conway verstand Dermods Problem und den �berzeugenden, wenn auch unausgesprochenen Grund, warum der Flottenkommandant das Ambulanzschiff im Zielsystem in Bereitschaft wissen wollte, nur zu gut. Schlie�lich wu�ten sie beide, da� sich der �berwiegende Teil der Unf�lle einzelner Schiffe durch das verfr�hte Auftauchen im Normalraum ereignete, wenn einer der gleichgeschalteten Hyperraumantriebsgeneratoren nicht absolut synchron lief. Tauchte ein einzelnes Generatorgeh�use in den Normalraum ein, w�hrend sich der Rest des Schiffs noch in der Hyperraumdimension befand, wurden beide regelrecht auseinandergerissen, wobei die Wrackteile �ber Millionen von Kilometern verstreut werden konnten. Deshalb war das Timing schon auf einem einzelnen Schiff kritisch, wo nur zwei oder vielleicht vier Generatoren synchron laufen mu�ten. Das Problem des Flottenkommandanten bestand nun darin, da� die Vespasian, die Claudius und die Descartes gemeinsam mit dem gewaltigen Spulenschiff der CRLTs eine einzige starre Konstruktion bildeten, die lediglich von Traktor- und Pressorstrahlen zusammengehalten wurde.</p><p>Die Kreuzer der Imperatorklasse waren die gr��ten Schiffe, die vom Monitorkorps eingesetzt wurden. Um mit ihrer gewaltigen Masse in den Hyperraum zu springen und wieder daraus aufzutauchen, ben�tigte man sechs Generatoren, das Kontakt- und Vermessungsschiff Descartes brauchte dagegen nur vier. F�r einen gleichzeitigen Sprung und das sp�tere Wiederauftauchen im Normalraum waren also insgesamt sechzehn Generatoren erforderlich, die absolut synchron funktionieren mu�ten. Noch komplizierter wurde das Problem dadurch, da� s�mtliche Generatoren unter kontrollierter �berbelastung arbeiten w�rden, weil die gemeinsame Hyperraumh�lle der drei Schiffe zus�tzlich auf das Spulenschiff ausgedehnt werden mu�te.</p><p>Als die Rhabwar den Sprung in den Hyperraum vollzog, wurde Conway von solch schweren Sorgen geplagt, da� ihn nicht einmal Prilicla beruhigen konnte. Er hatte das furchtbare Gef�hl, sie w�rden demn�chst Zeugen der schlimmsten Weltraumkatastrophe in der Geschichte der F�deration werden.</p><p>Der f�r die CRLTs ausgew�hlte neue Heimatplanet war der F�deration schon seit fast zwei Jahrhunderten bekannt und als m�gliche Kolonie f�r die Chalder vorgemerkt. Die Bewohner von Chalderescol II, Wasseratmer, die riesigen Krokodilen mit Tentakeln �hnelten und k�rperliche Tr�gheit mit geistiger Wendigkeit vereinten, waren von diesem Planeten allerdings nicht sonderlich begeistert, zumal sie bereits zwei Kolonien hatten und ihr Heimatplanet alles andere als �berbev�lkert war. Als sie von der Misere der CRLT-Kolonisten h�rten, traten sie deshalb bereitwillig ihren Anspruch auf einen Planeten ab, der f�r sie sowieso nur von geringem Interesse war.</p><p>Die neue Welt der CRLTs war eine warmer, angenehmer Planet. Wie ein breiter, zerkl�fteter G�rtel zog sich rings um seinen �quator ein W�stenkontinent. Diese �quatoriale Landmasse wurde an beiden Seiten durch relativ schmale Meeresstreifen von zwei gr�nen Kontinenten getrennt, auf denen ein gem��igtes Klima herrschte und deren Pole eisfrei waren.</p><p>Nach den ersch�pfenden Untersuchungen der Leichen, die dem Orbit Hospital zur Verf�gung gestanden hatten, waren sowohl Murchison als auch Thornnastor zu der festen �berzeugung gelangt, da� dieser Planet die ideale Heimat f�r die CRLTs sein w�rde � zudem herrschten dort Umweltbedingungen, die sie zu keinem Winterschlaf mehr zwingen w�rden.</p><p>Der Landeplatz, eine gro�e Lichtung am Ufer eines gewaltigen Binnenmeers, war bereits mit Leuchtbaken markiert worden. Er wartete nur noch auf die Ankunft der CRLTs � wie die Besatzung an Bord der Rhabwar, diese allerdings mit wachsender Sorge. Auf dem Unfalldeck suchten sich Conway und alle anderen Mitglieder des medizinischen Teams je eine Direktsichtluke aus. Anscheinend hofften sie aus einem unerfindlichen Grund, da� man auf diese Weise � wenn man also Ausschau hielte und sich mit aller Kraft Sorgen machte � das unbeschadete Eintreffen des Spulenschiffs sicherstellen k�nnte.</p><p>Angesichts der Entfernungen im Weltraum war es nicht verwunderlich, da� sie schlie�lich �ber das Auftauchen der vier Schiffe durch den Repeaterschirm unterrichtet wurden, der mit dem Kontrollraum verbunden war.</p><p>�Ich hab ein Echobild, Sir!� Haslams Stimme klang aufgeregt. �Die Position ist.�</p><p>�Sind Sie sicher, da� es die vier sind?�</p><p>�Ein einzelnes Echo von der Gr��e kann gar nichts anderes sein, Sir. Au�erdem best�tigen das auch die Sensoren.�</p><p>�Sehr sch�n�, antwortete der Captain, wobei er erfolglos versuchte, die Erleichterung in seiner Stimme zu verbergen. �Arretieren Sie das Teleskop auf Ihre Radarpeilung, und stellen Sie die volle Vergr��erung ein. Dodds, setzen Sie sich mit der Astronavigation der Vespasian in Verbindung, und vereinbaren Sie ein Treffen. Maschinenraum, halten Sie sich bereit.�</p><p>Den weiteren Wortwechsel der Besatzungsmitglieder nahm das medizinische Team nicht mehr wahr, als es sich um den Repeaterschirm auf dem Unfalldeck dr�ngte. Ein einziger Blick offenbarte allen Mitarbeitern, da� sie sich s�mtliche Vorbereitungen h�tten sparen k�nnen, die sie zur Aufnahme der zahlreichen Opfer des erwarteten Ungl�cks bereits getroffen hatten � wogegen nat�rlich niemand etwas hatte. Der gemeinsame Sprung in den Hyperraum und das Wiederauftauchen in den Normalraum waren vollkommen erfolgreich verlaufen.</p><p>In der Mitte des Repeaterschirms war die kleine, scharfe Abbildung des Spulenschiffs zu sehen, entlang dessen Achse die drei Schiffe des Monitorkorps in gleichen Abst�nden hintereinander flogen. Die Formation sah wie eine �bung in au�erirdischer Stereometrie aus. Die Vespasian am Heck gab bereits Schub, und die drei Schiffe begannen sich um die L�ngsachse zu drehen, um die urspr�ngliche Rotationsgeschwindigkeit und Zentrifugalkraft des Spulenschiffs vor dem Unfall wiederherzustellen. Nur allm�hlich drang durch den terrestrischen und extraterrestrischen Jubel des medizinischen Teams eine Stimme vom Kommandodeck hindurch.</p><p>�� treffen in vier Stunden und dreizehn Minuten ein, Sir�, meldete Haslam. �Kein vorheriges Umlaufbahnman�ver, Sir. Die wollen direkt in die Atmosph�re eintauchen.�</p><p>Da die Rhabwar die Form eines �berschallgleiters hatte, umkreiste siedas Spulenschiff in einer Entfernung von drei Kilometern und benutzte die Triebwerke nur, wenn es zur Aufrechterhaltung der Abstiegsgeschwindigkeit absolut erforderlich war. Das Spulenschiff drehte sich langsam und wurde von der Sonne des Sternsystems und der mitt�gigen Reflexion der Wolkendecke des Planeten mit beinahe wei�gl�hender Helligkeit beleuchtet. Conway kam es so vor, als w�rde es sich wie ein riesiger, au�erirdischer Bohrer in die tieferen Schichten der Atmosph�re regelrecht hineinschrauben. Schon wegen ihrer tristen Dienstlackierung waren die drei F�derationsschiffe in der gewaltigen, gl�nzenden Spule �berhaupt nicht zu sehen. Lediglich die Flammen aus den Triebwerken der Vespasian waren zu erkennen. Die Vespasian trug nicht nur das Gewicht des Spulenschiffs, sondern auch das der beiden �ber ihr aufget�rmten Schiffe. Das gemeinsame Flugobjekt der Aliens und der F�deration setzte seinen Abstieg fort und gab in drei Kilometern Flugh�he Schub, um die Drehung zu stoppen.</p><p>Pl�tzlich wurden die aus den Triebwerken der Vespasian schlagenden Flammen l�nger und heller. Der Abstieg verlangsamte sich, bis das Schiff nur noch einen Meter �ber der Planetenoberfl�che schwebte. Dann h�rte die Rotation des Spulenschiffs auf, und kurz darauf setzten die Stabilisierungsfl�chen der Vespasian und das hinterste Hecksegment des Spulenschiffs gleichzeitig auf dem schwarz verbrannten Boden auf.</p><p>Einige Sekunden lang geschah nichts, doch dann reagierten die Sensoren auf die Beendigung der Schiffsrotation und das Vorhandensein einer geeigneten Atmosph�re, und die Ausl�semechanismen erf�llten bei s�mtlichen Winter schlaf Containern ihre Funktion. Die Abschlu�platten, die die einzelnen CRLTs voneinander trennten, wurden ausgesto�en und fielen wie ein Hagel gigantischer M�nzen zu Boden, und damit war die Wiederbelebung des Gruppenwesens eingeleitet. Conway konnte sich gut vorstellen, wie die einzelnen CRLTs jetzt erwachten, sich reckten und sich miteinander verbanden � Insassen von fast neunhundert Winterschlafcontainern, die die vergangenen siebenundachtzig Jahre seit der Kollision �berlebt hatten. Doch dann beunruhigte ihn der Gedanke, da�</p><p>sich vielleicht einige der Wesen nicht miteinander verbinden konnten, weil es irgendwo in einer der Spulenwindungen zu einer Verstopfung durch einen dieser organischen Baumst�mme gekommen sein k�nnte, wodurch die CRLTs dar�ber in der Falle sitzen w�rden.</p><p>Aber schon nach �berraschend kurzer Zeit verlie� das gro�e Gruppenwesen das Schiff, und die f�hrenden Kopfsegmente gingen vorsichtig um den verbrannten Boden unter dem Heck der Vespasian herum und steuerten auf die Vegetation am Rand der Lichtung zu. Nach und nach tauchten wie bei einer endlosen, ledernen Raupe die j�ngeren Segmente mit Ger�ten und Vorr�ten aus der Spule auf und folgten den Spuren ihrer Vorfahren.</p><p>Als sich schlie�lich auch der Schwanz vom Spulenschiff entfernt hatte, drosselte man allm�hlich die Energieversorgung der noch immer als St�tzger�st fungierenden Traktor- und Pressorstrahlen, woraufhin die in den Himmel ragende, offene Spule langsam in sich zusammenfiel und wie eine riesige, lose Schraubenfeder am Boden liegenblieb. Ein paar Minuten sp�ter starteten die Vespasian, die Claudius und die Descartes und trennten sich. Die beiden Gro�kampfschiffe flogen in den Orbit, und die Descartes landete nur wenige Kilometer vom Spulenschiff entfernt an der Uferlinie und wartete dort auf die offizielle Kontaktaufnahme mit dem CRLT-Gruppenwesen. Man war sich sicher, da� ein solcher Kontakt zustande kommen w�rde, weil jeder einzelne CRLT, der operiert worden war, wu�te, da� die Wesen in den Schiffen der F�deration nur beste Absichten mit ihnen hatten. Und da die CRLT-Spezies gemeinsam dachte, w�rde sich das gesamte Gruppenwesen �ber dieses Wohlwollen im klaren sein.</p><p>Inzwischen war auch die Landef�hre der Rhabwar auf dem Planeten gelandet, und die Mitglieder des medizinischen Teams standen jetzt so dicht wie m�glich auf dem Boden neben dem endlos vorbeimarschierenden Wesen. Offiziell waren sie hier, um jede erforderliche medizinische Hilfe zu leisten. In Wirklichkeit befriedigten sie nat�rlich nur ihre Neugier auf ein Wesen, das sicherlich zu den seltsamsten Lebensformen geh�rte, denen siebisher begegnet waren.</p><p>Wie gew�hnlich ergab sich Conway einem Anfall postoperativer Sorgen. Er winkte mit den H�nden, deutete auf die endlose Reihe der R�ckententakel, die entweder St�cke e�barer Pflanzen ausrissen oder ihm zur�ckwirkten, und sagte: �Ich wei� ja, da� ein oder mehrere Kopfsegmente die hiesigen Pflanzen ohne schlimme Folgen probiert haben m�ssen und nun das gesamte Gruppenwesen wei�, was es ohne Gefahr essen kann, aber ein solches Verfahren scheint mir doch etwas schludrig zu sein. Und au�erdem konnte ich bis jetzt noch keine unserer operativen Verbindungen entdecken, w�hrend das Wesen an uns vorbeizog. An diesen Stellen mu� n�mlich ein gewisses Ma� an Muskelschw�che auftreten, vielleicht sogar eine Beeintr�chtigung der Verst�ndigung durch die Sinnesorgane und. Was, zum Teufel, ist das denn?�</p><p>Das war ein tiefes, st�hnendes Gejaule, das �ber das kilometerlange Wesen von vorne nach hinten und wieder zur�ck verlief und abrupt zu gro�er Lautst�rke anstieg, bevor es wieder verstummte. Es klang, als w�rde jeder einzelne CRLT physische oder psychische H�llenqualen leiden. Aber merkw�rdigerweise st�rten die Emotionen, die dabei zwangsl�ufig ausgestrahlt werden mu�ten, Prilicla �berhaupt nicht.</p><p>�Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen�, sagte der kleine Empath. �Das war nur ein Ausdruck der gemeinsamen Freude, Dankbarkeit und Erleichterung. Die CRLTs haben nur gejubelt, mein Freund.�</p></section></body><binary id="cover" 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