<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_space</genre><author><first-name>Lois</first-name><middle-name>McMaster</middle-name><last-name>Bujold</last-name></author><book-title>Barrayar</book-title><annotation><p>Cordelia Naismith ist mit einem Lord aus der regierenden Familie des Planeten Barrayar verheiratet. Ihre Stellung als Kommandantin gibt sie auf, als sie ein Kind erwartet. Da droht nach dem Tod des Herrschers auf Barrayar ein B�rgerkrieg auszubrechen. Cordelia stimmt nur schweren Herzens zu, als der Lord die Regentschaft �bernehmen soll. Ahnt sie, was auf sie und ihr ungeborenens Kind zukommen wird?</p></annotation><date>1993</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Michael</first-name><last-name>Morgental</last-name></translator><sequence name="Barrayar (de)" number="04"/></title-info><src-title-info><genre>sf_space</genre><author><first-name>Lois</first-name><middle-name>McMaster</middle-name><last-name>Bujold</last-name></author><book-title>Barrayar</book-title><date>1991</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>Verdi1</nickname></author><program-used>Fiction Book Designer, FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2011-09-14">14.09.2011</date><id>FBD-324224-E884-144E-A2A0-8934-99AD-A4D80D</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Barrayar</book-name><publisher>Wilhelm Heyne Verlag</publisher><city>M�nchen</city><year>1993</year><isbn>3-453-07.227-8</isbn></publish-info></description><body><title><p>Lois McMaster Bujold</p><p>Barrayar</p></title><section><title><p>KAPITEL 1</p></title><p><emphasis>Ich habe Angst.</emphasis> Cordelias Hand schob den Vorhang vor dem Fenster des Salons im zweiten Stock des Palais Vorkosigan zur Seite. Sie starrte hinab auf die sonnenbeschienene Stra�e. Ein langer silberner Bodenwagen bog in die halbkreisf�rmige Auffahrt ein, die zu dem S�ulengang an der Vorderfront f�hrte, bremste hinter dem spitzenbewehrten Eisenzaun und dem von der Erde importierten Geb�sch. Ein Regierungswagen. Die T�r des hinteren Fahrgastabteils schwang hoch, und ein Mann in einer gr�nen Uniform stieg aus. Trotz ihrer perspektivisch verzerrten Sicht erkannte Cordelia Oberstleutnant Illyan, wie gew�hnlich ohne Hut auf seinem braunen Haar. Er trat aus ihrem Gesichtskreis unter den S�ulengang. <emphasis>Vielleicht brauche ich mir nicht wirklich Sorgen zu machen,</emphasis> so<emphasis>lange die Kaiserliche Sicherheitspolizei nicht in der Nacht zu uns kommt.</emphasis> Aber ein Rest von Furcht blieb zur�ck, versteckt in ihrem Unterleib. <emphasis>Warum bin ich �berhaupt hierher nach Barrayar gekommen.</emphasis> Was <emphasis>habe ich mir und meinem Leben damit angetan?</emphasis></p><p>Stiefelschritte ert�nten im Korridor, und die T�r des Salons �ffnete sich knarrend. Sergeant Bothari steckte seinen Kopf herein und brummte, zufrieden, da� er sie gefunden hatte: �Mylady, es ist Zeit zu gehen.�</p><p>�Danke, Sergeant.� Sie lie� den Vorhang fallen und wandte sich um, um sich ein letztes Mal in dem Wandspiegel �ber dem archaischen offenen Kamin pr�fend zu betrachten. Schwer zu glauben, da� die Leute hier immer noch pflanzliches Material verbrannten, um nur die darin chemisch gebundene Hitze freizusetzen.</p><p>Sie hob ihr Kinn �ber dem steifen wei�en Spitzenkragen ihrer Bluse, zog die �rmel ihrer gelbbraunen Jacke zurecht und stie� mit dem Knie zerstreut gegen den langen, schwingenden Rock einer Frau aus der Klasse der Vor, der ebenfalls gelbbraun war, passend zur Jacke. Die Farbe ermutigte sie, es war fast das gleiche Gelbbraun wie ihr alter Arbeitsanzug vom Betanischen Astronomischen Erkundungsdienst. Sie strich mit ihren H�nden �ber ihr rotes Haar, das in der Mitte gescheitelt war und mit zwei emaillierten K�mmen vom Gesicht ferngehalten wurde, und sie lie� es �ber ihre Schultern nach hinten fallen, wo es sich in der Mitte ihres R�ckens zu offenen Locken ringelte. Ihre grauen Augen starrten ihr aus dem bleichen Gesicht im Spiegel entgegen. Die Nase war etwas zu knochig, das Kinn ein bi�chen zu lang, aber es war sicher ein brauchbares Gesicht, gut f�r alle praktischen Zwecke.</p><p>Nun, wenn sie zierlich aussehen wollte, dann brauchte sie sich nur neben Sergeant Bothari zu stellen. Mit seinen zwei Metern ragte er d�ster neben ihr empor. Cordelia hielt sich f�r eine gro�gewachsene Frau, aber ihr Scheitel reichte nur bis zu seiner Schulter. Er hatte ein Gesicht wie ein Wasserspeier einer gotischen Kathedrale, verschlossen, argw�hnisch, mit einer scharf geschnittenen Nase, und durch den milit�risch kurzen Haarschnitt bekamen seine klobigen Z�ge fast etwas Kriminelles. Nicht einmal die elegante Livree des Grafen Vorkosigan, dunkelbraun mit den silbern aufgestickten Symbolen des Hauses, konnte Bothari aus seiner verbl�ffenden H��lichkeit retten. <emphasis>Aber wirklich ein sehr gutes Gesicht�� f�r praktische Zwecke.</emphasis></p><p>Ein Gefolgsmann in Livree. Was f�r ein Begriff. Wem galt sein Folgen?</p><p><emphasis>Unserem Leben, unserem Schicksal und vor allem unserer heiligen Ehre.</emphasis></p><p>Sie nickte ihm im Spiegel freundlich zu und wandte sich um, um ihm durch das Labyrinth von Palais Vorkosigan zu folgen.</p><p>Sie mu�te so schnell wie m�glich lernen, sich in dem gro�en Geb�udekomplex zurechtzufinden. Es war peinlich, sich im eigenen Heim zu verlaufen und einen vorbeikommenden W�chter oder Diener bitten zu m�ssen, einem den Weg zu weisen. Mitten in der Nacht, nur mit einem Handtuch bekleidet. <emphasis>Ich war einmal Navigatorin eines Sprungschiffes. Wirklich!</emphasis> Wenn sie schon mit f�nf Dimensionen aufw�rts umgehen konnte, dann sollte sie doch sicherlich in der Lage sein, auch mit nur drei Dimensionen abw�rts fertig zu werden.</p><p>Sie kamen zum obersten Absatz einer gro�en, runden Treppe, die in drei eleganten B�gen hinab in ein schwarz-wei� gefliestes Foyer f�hrte. Ihre leichten Schritte folgten Botharis gemessenen Tritten. Ihre R�cke vermittelten ihr ein Gef�hl von Gleiten, als schwebte sie mit einem Fallschirm unaufhaltsam in einer Spirale hinab.</p><p>Ein hochgewachsener junger Mann, der am Fu� der Treppe sich auf einen Stock st�tzte, blickte beim Ger�usch ihrer Schritte auf. Leutnant Koudelkas Gesicht, ebenm��ig und angenehm, war das genaue Gegenst�ck zu Botharis schmalen und fremdartigen Z�gen, und er l�chelte Cordelia offen entgegen. Nicht einmal den Kummerfalten in den Augen- und Mundwinkeln gelang es, dieses Gesicht altern zu lassen. Er trug die gr�ne kaiserliche Interimsuniform, die bis auf die Abzeichen der des Sicherheitsoffiziers Illyan glich. Die langen �rmel und der hohe Kragen seiner Jacke verbargen das Flechtwerk feiner roter Narben, die seinen halben K�rper wie ein Netz �berzogen, aber Cordelia sah sie mit ihrem geistigen Auge vor sich. Nackt konnte Koudelka als sichtbares Modell f�r eine Vorlesung �ber die Struktur des menschlichen Nervensystems posieren, denn jede rote Narbe stand f�r einen toten Nerv, der entfernt und durch k�nstliche Silberdr�hte ersetzt worden war. Leutnant Koudelka war noch nicht ganz an sein neues Nervensystem gew�hnt. <emphasis>Sag die Wahrheit. Die Chirurgen hier sind unwissende, grobschl�chtige Metzger.</emphasis></p><p>Die Arbeit entsprach sicher nicht dem betanischen Standard. Cordelia erlaubte keiner Andeutung dieses privaten Urteils, sich auf ihrem Gesicht abzuzeichnen.</p><p>Koudelka drehte sich mit einem Ruck um und nickte Bothari zu. �Hallo, Sergeant. Guten Morgen, Lady Vorkosigan.�</p><p>Ihr neuer Name klang in ihrem Ohr immer noch fremd, unpassend. Sie erwiderte sein L�cheln. �Guten Morgen, Kou. Wo ist Aral?�</p><p>�Er und Oberstleutnant Illyan sind in die Bibliothek gegangen, um zu pr�fen, wo die neue gesicherte Kommunikationskonsole installiert werden soll. Sie m��ten gleich wieder da sein. Aha.� Er nickte, als Schritte im Bogengang ert�nten. Cordelia folgte seinem Blick. Illyan, schm�chtig, sanft und h�flich, flankierte einen Mann Mitte Vierzig, der ihn in den Schatten stellte in seiner pr�chtigen gr�nen kaiserlichen Uniform. Und dieser Mann war der Grund, warum sie nach Barrayar gekommen war.</p><p>Lord Aral Vorkosigan, Admiral au�er Dienst. D. h. ehemals au�er Dienst, bis gestern. Ihrer beider Leben war gestern gewi� auf den Kopf gestellt worden. <emphasis>Aber wir werden sicherlich irgendwie auf unseren F��en landen.</emphasis> Vorkosigans K�rper war st�mmig und kraftvoll, sein dunkles Haar von grauen F�den durchzogen. Sein schweres Kinn war mit einer alten Narbe in Form eines L gezeichnet. Er bewegte sich mit geballter Energie, der intensive Blick seiner grauen Augen wirkte nach innen gerichtet, bis er auf Cordelia fiel.</p><p>�Ich w�nsche einen guten Morgen, Mylady�, rief er aus und griff nach ihrer Hand. Der Gru� klang befangen, aber die Empfindung in seinen spiegelklaren Augen war aufrichtig. <emphasis>In diesen Spiegeln bin ich ganz und gar sch�n,</emphasis> erkannte Cordelia, und es wurde ihr warm ums Herz. <emphasis>Sie schmeicheln mir viel mehr als der eine droben an der Wand. Von jetzt an werde ich sie benutzen, um mich darin anzuschauen.</emphasis> Seine kr�ftige Hand war trokken und warm, willkommene W�rme, lebendige W�rme, und sie schlo� sich um ihre k�hlen, schlanken Finger. <emphasis>Mein Mann.</emphasis> Das pa�te, so ruhig und fest, wie ihre Hand in die seine pa�te, selbst wenn ihr neuer Name, <emphasis>Lady Vorkosigan,</emphasis> ihr immer noch von den Schultern zu gleiten schien.</p><p>Sie beobachtete Bothari, Koudelka und Vorkosigan, wie sie f�r diesen kurzen Augenblick beieinander standen. <emphasis>Die Leichtverwundeten, einer, zwei, drei. Und ich, die Dame vom Hilfsdienst.</emphasis> Die �berlebenden. Alle drei hatten in dem letzten Krieg gegen Escobar fast t�dliche Wunden erlitten, Kou in seinem K�rper, Bothari in seinem Gem�t, Vorkosigan in seinem Geist. <emphasis>Das Leben geht weiter. Marschieren oder sterben. Fangen wir endlich an, wieder gesund zu werden?</emphasis> Sie hoffte es.</p><p>�Bereit zu gehen, lieber Captain?�, fragte Vorkosigan sie. Seine Stimme war ein Bariton, mit einem kehligwarmen barrayaranischen Akzent.</p><p>�So bereit wie nur je, nehme ich an.�</p><p>Illyan und Koudelka gingen voran nach drau�en. Koudelkas Gang war ein schlaksiges Watscheln neben Illyans forschem Schritt, und Cordelia runzelte zweifelnd die Stirn. Sie nahm Vorkosigans Arm, und so folgten sie den anderen und lie�en Bothari bei seinen Aufgaben im Haus zur�ck.</p><p>�Wie ist der Zeitplan f�r die kommenden Tage?�, fragte sie.</p><p>�Nun, zun�chst nat�rlich diese Audienz�, antwortete Vorkosigan.</p><p>�Danach werde ich verschiedene Leute treffen. Graf Vortala wird das einf�deln. In ein paar Tagen kommt die Abstimmung �ber das Einverst�ndnis in den Versammelten R�ten und meine Vereidigung. Wir haben schon hundertzwanzig Jahre lang keinen Regenten mehr gehabt. Gott allein wei�, was sie da an Protokoll ausgraben und abstauben werden.�</p><p>Koudelka sa� im Vorderabteil des Bodenwagens neben dem uniformierten Fahrer. Illyan schl�pfte in das hintere Abteil, gegen�ber Cordelia und Vorkosigan, mit dem Blick nach hinten. <emphasis>Dieser Wagen ist gepanzert,</emphasis> erkannte Cordelia aus der Dicke des durchsichtigen Verdecks, als es sich �ber ihnen schlo�. Auf ein Signal von Illyan an den Fahrer hin fuhren sie ruhig an, hinaus <emphasis>auf</emphasis> die Stra�e. Von drau�en drang so gut wie kein Ger�usch nach drinnen.</p><p>�Gemahlin des Regenten�, Cordelia kostete die Formulierung aus. �Ist das mein offizieller Titel?�</p><p>�Ja, Mylady�, sagte Illyan.</p><p>�Sind damit irgendwelche offiziellen Pflichten verbunden?�</p><p>Illyan blickte zu Vorkosigan, der sagte: �Hm. Ja und nein. Da werden allerhand Zeremonien stattfinden, bei denen du dabei sein solltest�� zur Zierde, in deinem Fall. Zuerst die Bestattung des Kaisers, die f�r alle Beteiligten sehr anstrengende sein wird�� au�er, vielleicht, f�r Kaiser Ezar.</p><p>All das wartet auf seinen letzten Atemzug. Ich wei� nicht, ob er daf�r einen Zeitplan hat, aber ich traue es ihm glatt zu.</p><p>Die gesellschaftliche Seite deiner Pflichten kann genau das Ausma� haben, das du w�nschst. Ansprachen und Zeremonien, wichtige Hochzeiten und Namenstage und Begr�bnisse, Begr��ungen von Abordnungen aus den Distrikten�� �ffentlichkeitsarbeit, kurz gesagt. Die Art von Sachen, die Prinzessin-Witwe Kareen mit solcher Begabung absolviert.� Vorkosigan brach ab, als er ihren erschrockenen Blick wahrnahm, und f�gte hastig an: �Oder du kannst, wenn du es willst, ein v�llig privates Leben f�hren. Du hast ja gerade jetzt die beste Entschuldigung daf�r�, seine Hand, um ihre H�fte gelegt, streichelte heimlich ihren noch flachen Scho�, �� und ich w�re tats�chlich sehr daf�r, da� du dich eher etwas rar machst.</p><p>Wichtiger ist die politische Seite� Ich h�tte dich sehr gern als meine Verbindung zur Prinzessin-Witwe und zum�� kleinen Kaiser. Freunde dich mit ihr an, wenn du kannst: sie ist eine au�erordentlich zur�ckhaltende Frau. Die Erziehung des Jungen ist au�erordentlich wichtig. Wir d�rfen nicht Ezar Vorbarras Fehler wiederholen.�</p><p>�Ich werde es versuchen�, seufzte sie. �Ich sehe schon, es wird keine leichte Aufgabe sein, als eine Vor von Barrayar zu gelten.�</p><p>�Mach es dir nicht zu schwer. Ich m�chte dich nicht eingeengt sehen. Au�erdem hat die Sache noch einen anderen Aspekt.�</p><p>�Das �berrascht mich nicht. Los, erz�hl!�</p><p>Er machte eine Pause, um seine Worte zu w�hlen. �Als der verstorbene Kronprinz Serg den Grafen Vortala einen Scheinprogressiven nannte, so war das nicht v�lliger Unsinn. Beschimpfungen, die verletzen, enthalten immer ein K�rnchen Wahrheit. Graf Vortala hat sich um die Formierung seiner progressiven Partei nur in den oberen Klassen bem�ht, unter den Leuten, auf die es ankommt, wie er sagen w�rde. Siehst du den kleinen Bruch in seinem Denken?�</p><p>�So gro� wie der Hogarth-Canon bei mir zu Hause? Ja.�</p><p>�Du bist eine Betanerin, eine Frau von galaktischem Ruf.�</p><p>�Na, na!�</p><p>�So sieht man dich hier. Ich glaube, du begreifst gar nicht ganz, wie du hier wahrgenommen wirst. Ziemlich schmeichelhaft f�r mich, wie die Dinge stehen.�</p><p>�Am liebsten w�re ich unsichtbar. Aber ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, da� ich allzu popul�r bin, nach dem, was wir eurer Seite in Escobar zugef�gt haben.�</p><p>�Das ist unsere Kultur. Mein Volk vergibt einem tapferen Soldaten fast alles. Und du vereinigst in deiner Person zwei gegnerische Parteien: das aristokratische Milit�r und die progalaktischen Plebejer. Ich glaube wirklich, ich k�nnte durch dich die ganze Mitte aus der Volksverteidigungsliga herausziehen, wenn du bereit w�rest, meine Karten f�r mich zu spielen.�</p><p>�Du lieber Himmel! Seit wann denkst du denn dar�ber schon nach?�</p><p>��ber das Problem schon lange. �ber dich als Teil der L�sung erst seit heute.�</p><p>�Was, willst du mir die Rolle einer Galeonsfigur f�r eine Art konstitutioneller Partei zuteilen?�</p><p>�Nein, nein. Das ist gerade eines von den Dingen, die zu verhindern ich bei meiner Ehre schw�ren werde. Es w�rde dem Sinn meines Eides widersprechen, Prinz Gregor eine Kaiserw�rde zu �berreichen, die aller Macht entleert w�re. Was ich m�chte�� was ich m�chte, ist, einen Weg zu finden, um die besten Leute, aus allen Klassen, Sprachen und Parteien, in den Dienst des Kaisers zu ziehen. Die Vor haben einfach eine zu geringe Auswahl an Talenten. Ich m�chte die Regierung im besten Sinne dem Milit�r angleichen, wo Begabungen ungeachtet ihrer Herkunft gef�rdert werden. Kaiser Ezar hat etwas �hnliches versucht, als er die Ministerien auf Kosten der Grafen st�rkte, aber das ging zu weit. Die Grafen sind bedeutungslos geworden, und die Ministerien sind korrupt. Es mu� einen Weg geben, zwischen beiden ein Gleichgewicht herzustellen.�</p><p>Cordelia seufzte: �Ich nehme an, wir m�ssen uns einfach einigen, da� wir uns nicht einig sind, �ber Verfassungen. Niemand hat mich zur Regentin von Barrayar ernannt. Ich warne dich trotzdem: ich werde weiterhin versuchen, deine Meinung zu �ndern.�</p><p>Bei diesen Worten hob Illyan seine Augenbrauen. Cordelia lehnte sich zur�ck und betrachtete durch das Verdeck die Hauptstadt von Barrayar, Vorbarr Sultana, die drau�en vor�berzog. Sie hatte vor vier Monaten nicht den Regenten von Barrayar geheiratet. Sie hatte einen Soldaten au�er Dienst geheiratet. Nun ja, M�nner sollten sich ja angeblich nach der Heirat ver�ndern, f�r gew�hnlich zum Schlechteren, aber�� so sehr? So schnell? <emphasis>Das ist nicht die Aufgabe, zu der ich mich verpflichtet habe, Sir.</emphasis></p><p>�Das ist doch eine Geste von betr�chtlichem Vertrauen, die Kaiser Ezar dir gestern erwiesen hat, indem er dich zum Regenten ernannte. Ich denke nicht, da� er ein so skrupelloser Pragmatiker ist, wie du mich glauben machen m�chtest�, bemerkte sie.</p><p>�Ja gut, es ist eine Geste des Vertrauens, aber er wurde von der Notwendigkeit dazu getrieben. Du verstehst wohl nicht die Bedeutung der Versetzung von Oberst Negri an den Hof der Prinzessin?�</p><p>�Nein. Hatte das eine Bedeutung?�</p><p>�O ja, eine sehr deutliche Botschaft. Negri soll seine alte Aufgabe als Chef der Kaiserlichen Sicherheitspolizei weiterf�hren. Er wird nat�rlich seine Berichte nicht einem vierj�hrigen Knaben erstatten, sondern mir.</p><p>Oberstleutnant Illyan wird tats�chlich nur sein Assistent sein.� Vorkosigan und Illyan nickten sich in sanfter Ironie zu. �Aber es steht au�er Frage, wem Negris Loyalit�t gilt, falls ich, na ja, durchdrehen und nach der kaiserlichen Macht greifen sollte, sei es nominell oder wirklich. Er hat zweifellos den geheimen Befehl, in einem solchen Fall mich aus dem Weg zu schaffen.�</p><p>�Oh, gut, ich garantiere, da� ich keinerlei Verlangen hege, Kaiserin von Barrayar zu werden. Nur falls du dich dies fragen solltest.�</p><p>�Das habe ich nicht gedacht.�</p><p>Der Bodenwagen hielt an einem Tor in einer Steinmauer. Vier Wachen inspizierten sie gr�ndlich, pr�ften Illyans Passierschein und winkten sie dann durch. All diese Wachen, hier und am Palais Vorkosigan�� wogegen hielten sie Wache? Gegen andere Barrayaraner, vermutlich, in der in viele Gruppen aufgesplitterten politischen Landschaft. Eine typisch barrayaranische Redewendung, die der alte Graf benutzt hatte und die sie am�sierte, ging ihr jetzt beunruhigend durch den Kopf. <emphasis>Mit all dem Mist hier mu� es doch irgendwo ein Pony geben.</emphasis> Pferde waren praktisch unbekannt auf Kolonie Beta, au�er einigen wenigen Tieren in Zoos. <emphasis>Mit all den Wachen hier�� Aber wenn ich niemandes Feind bin, wie kann dann irgend jemand mein Feind sein?</emphasis></p><p>Illyan, der auf seinem Sitz herumgerutscht war, meldete sich jetzt zu Wort.</p><p>�Sir, ich m�chte anregen�, sagte er vorsichtig zu Vorkosigan, �ja sogar darum bitten, da� Sie es sich noch einmal �berlegen und hier in der kaiserlichen Residenz Quartier beziehen. Sicherheitsprobleme�� meine Probleme��� er l�chelte schwach, was nicht gut f�r sein Image war, denn bei seinen stumpfen Z�gen sah er dabei wie ein junger Hund aus�� �kann man hier viel leichter in den Griff bekommen.�</p><p>�An welche Suite haben Sie dabei gedacht?�, fragte Vorkosigan.</p><p>�Nun ja, wenn�� Gregor die Nachfolge antritt, dann werden er und seine Mutter in die Kaisersuite umziehen. Dann werden Kareens R�ume leerstehen.�</p><p>�Prinz Sergs R�ume, meinen Sie.� Vorkosigan blickte grimmig drein. �Ich�� ich denke, ich w�rde es vorziehen, meine offizielle Residenz im Palais Vorkosigan zu haben. Mein Vater verbringt in letzter Zeit mehr und mehr Zeit auf dem Land in Vorkosigan Surleau, ich glaube, er hat �berhaupt nichts dagegen, dorthin umzuziehen.�</p><p>�Ich kann diese Idee nicht unterst�tzen, Sir. Ausschlie�lich vom Standpunkt der Sicherheit. Das Palais liegt in der Altstadt. Die Stra�en dort sind Labyrinthe. Die ganze Gegend ist von mindestens drei alten Tunnelsystemen durchzogen, von alten Abwasser- und Transportkan�len, und es gibt dort zu viele neue hohe Geb�ude, von denen man einen beherrschenden Ausblick hat. Es werden mindestens sechs Vollzeitpatrouillen f�r den alleroberfl�chlichsten Schutz notwendig sein.�</p><p>�Haben Sie die Leute?�</p><p>�Hm, ja.�</p><p>�Also dann Palais Vorkosigan.� Illyan schaute entt�uscht drein, Vorkosigan wollte ihn tr�sten: �Das mag schlecht sein vom Standpunkt der Sicherheit, aber daf�r gibt es einen guten Eindruck in der �ffentlichkeit. Es verleiht der neuen Regentschaft einen ausgezeichneten Stil von soldatischer Bescheidenheit. Und d�rfte helfen, paranoide �ngste vor einem Palastputsch zu verringern.�</p><p>Und jetzt kamen sie an dem Palast an, von dem die Rede war. Der Geb�udekomplex der kaiserlichen Residenz lie� Palais Vorkosigan klein aussehen. Breit hingelagerte Fl�gel erhoben sich zwei bis vier Stockwerke hoch und wurden da und dort von T�rmen akzentuiert. Anbauten aus verschiedenen Epochen verliefen kreuz und quer und schufen sowohl weite wie heimelige H�fe, einige davon waren richtig proportioniert, andere sahen eher zuf�llig aus. Die Ostfassade war im einheitlichsten Stil gehalten, �berladen mit Steinmetzarbeiten. Die Nordseite war aufgelockerter und gliederte sich kunstvoll gestaltete architektonische G�rten ein. Der Westteil war das �lteste, der S�dteil das j�ngste Bauwerk.</p><p>Der Bodenwagen fuhr an eine zweist�ckige Vorhalle heran, und Illyan f�hrte sie vorbei an noch mehr Wachen und �ber weite Steintreppen in eine ausgedehnte Zimmerflucht im ersten Stock. Sie stiegen langsam hinauf, da sie ihre Schritte Leutnant Koudelkas unbeholfenem Gang anpa�ten. Koudelka blickte auf mit einem befangenen, entschuldigenden Stirnrunzeln, dann senkte er wieder seinen Kopf in Konzentration�� oder in Scham? <emphasis>Hat denn dieser Platz hier keinen Lift?</emphasis> fragte sich Cordelia irritiert. Auf der anderen Seite dieses Steinlabyrinths, in einem Raum mit einem Ausblick auf die n�rdlichen G�rten, lag ein wei�haariger alter Mann ausgelaugt und sterbend auf dem riesigen Bett seiner Vorfahren��</p><p>In dem ger�umigen oberen Korridor, der mit weichen Teppichen ausgelegt war und geschm�ckt mit Gem�lden und mit Wandtischen, auf denen Unmengen Nippsachen standen�� wohl Kunstwerke, vermutete Cordelia��, trafen sie auf Oberst Negri, der leise mit einer Frau sprach, die mit verschr�nkten Armen dastand. Cordelia hatte den ber�hmten�� oder ber�chtigten�� Chef der kaiserlichen Sicherheitspolizei von Barrayar tags zuvor zum erstenmal getroffen, nach Vorkosigans historischem Berufungsgespr�ch mit dem bald hinscheidenden Ezar Vorbarra. Negri war ein z�her, rundsch�deliger Mann mit hartem Gesichtsausdruck, der seinem Kaiser fast vierzig Jahre mit Leib und Leben gedient hatte, eine finstere Legende mit schwer zu lesenden Augen.</p><p>Jetzt verneigte er sich �ber ihrer Hand und nannte sie �Mylady�, als meinte er es, oder zumindest nicht mit mehr Ironie als bei ihm �blich. Die alerte blonde Frau�� ein M�dchen?�� trug gew�hnliche zivile Kleidung.</p><p>Sie war gro� und muskul�s, und sie erwiderte Cordelias Blick mit noch gr��erem Interesse.</p><p>Vorkosigan und Negri tauschten kurze Gr��e aus in dem telegraphischen Stil zweier M�nner, die schon so lange miteinander verkehrt hatten, da� alle konventionellen H�flichkeiten in eine Art von knappem Code komprimiert waren. �Und das ist Fr�ulein Droushnakovi.� Mit einer Handbewegung stellte Negri die Frau vor, doch klang es eher, als habe er sie zu Cordelias Nutzen mit einem Namensetikett versehen.</p><p>�Und was ist eine Droushnakovi?�, fragte Cordelia leichthin und etwas entmutigt. Alle Leute hier schienen immer eher informiert zu werden als sie, obwohl Negri es auch unterlassen hatte, Leutnant Koudelka vorzustellen.</p><p>Koudelka und Droushnakovi blickten sich verstohlen an.</p><p>�Ich bin eine Dienerin der Inneren Kammer, Mylady.� Droushnakovi verneigte sich vor Cordelia und deutete einen Knicks an.</p><p>�Und wem dienen Sie, au�er der Kammer?�</p><p>�Prinzessin Kareen, Mylady. Das ist nur mein offizieller Titel. Ich stehe auf Oberst Negris Personaletat als Leibwache Erster Klasse.� Es war schwer zu sagen, welcher Titel ihr mehr Stolz und Vergn�gen bereitete, aber Cordelia vermutete, es war der zweite.</p><p>�Ich bin sicher, Sie m�ssen gut sein, wenn Sie von ihm so eingestuft wurden.�</p><p>Dies gewann ihr ein L�cheln ab und: �Danke, Mylady. Ich bem�he mich.�</p><p>Sie alle folgten Negri durch eine nahe gelegene T�r in einen langen, gelben, sonnigen Raum mit vielen Fenstern nach S�den zu. Cordelia fragte sich, ob die bunt gemischte Einrichtung aus unbezahlbaren antiken St�cken oder nur aus sch�bigen M�beln zweiter Wahl bestand. Sie konnte es nicht erkennen. Eine Frau sa� wartend auf einem kleinen gelben Sofa am anderen Ende des Raumes und blickte ihnen ernst entgegen, w�hrend sie zusammen auf sie zugingen.</p><p>Prinzessin-Witwe Kareen war eine schm�chtige, angespannt aussehende Frau von drei�ig, ihr sch�nes dunkles Haar war kunstvoll frisiert, ihr graues Kleid jedoch von einfachem Schnitt. Einfach, aber vollkommen.</p><p>Ein dunkelhaariger Junge von etwa vier Jahren lag b�uchlings ausgestreckt auf dem Boden und hielt gemurmelte Zwiesprache mit seinem Spielzeugstegosaurus in der Gr��e einer Katze. Sie hie� ihn aufstehen, den Spielroboter ausschalten und sich neben sie setzen, dabei hielten seine H�nde das lederne ausgestopfte Tier in seinem Scho� fest umklammert. Cordelia war erleichtert zu sehen, da� der kleine Prinz seinem Alter entsprechend vern�nftige, bequeme Spielkleidung trug.</p><p>Mit formellen Worten stellte Negri Cordelia der Prinzessin und Prinz Gregor vor. Cordelia war nicht sicher, ob sie sich verbeugen, einen Hofknicks machen oder salutieren sollte, und schlie�lich verneigte sie sich fl�chtig wie zuvor Droushnakovi. Gregor blickte sie ernst und zweifelnd an, und sie l�chelte ihm auf�� wie sie hoffte�� beruhigende Weise zu.</p><p>Vorkosigan lie� sich auf einem Knie vor dem Jungen nieder�� nur Cordelia sah, wie Aral dabei schluckte�� und sagte: �Wei�t du, wer ich bin, Prinz Gregor?�</p><p>Gregor wich ein wenig zur�ck, schmiegte sich an seine Mutter und blickte zu ihr empor. Sie nickte ihm ermutigend zu. �Lord Aral Vorkosigan�, sagte Gregor mit zarter Stimme.</p><p>Vorkosigan lockerte seine H�nde, versuchte befangen seine �bliche Intensit�t zu d�mpfen und sprach in freundlichem Ton: �Dein Gro�vater hat mich gebeten, dein Regent zu sein. Hat dir schon jemand erkl�rt, was das bedeutet?�</p><p>Gregor sch�ttelte stumm den Kopf. Vorkosigan zuckte, auf Negri blickend, mit den Brauen�� eine Andeutung von Tadel. Negris Gesichtsausdruck �nderte sich nicht.</p><p>�Das bedeutet, da� ich die Aufgaben deines Gro�vaters erf�llen werde, bis du alt genug bist, sie selbst zu erf�llen, wenn du zwanzig Jahre alt wirst.</p><p>Die n�chsten sechzehn Jahre werde ich mich an deines Gro�vaters Stelle um dich und deine Mutter k�mmern, und ich werde daf�r sorgen, da� du die Erziehung und die Ausbildung bekommst, um gute Arbeit zu leisten, wie es dein Gro�vater tat. Eine gute Regierung.�</p><p>Wu�te das Kind �berhaupt schon, was eine Regierung war? Vorkosigan war umsichtig genug gewesen, nicht zu sagen, <emphasis>an deines Vaters Stelle,</emphasis> bemerkte Cordelia n�chtern. Umsichtig genug, Kronprinz Serg �berhaupt nicht zu erw�hnen. Serg war drauf und dran, aus der Geschichte von Barrayar zu verschwinden, schien es, so gr�ndlich, wie er im Kampf im Weltraum ausgel�scht worden war.</p><p>�F�r jetzt�, fuhr Vorkosigan fort, �ist deine Aufgabe, eifrig mit deinen Lehrern zu lernen und das zu tun, was deine Mutter dir sagt. Bringst du das fertig?�</p><p>Gregor schluckte und nickte dann.</p><p>�Ich glaube, du machst das gut.� Vorkosigan nickte ihm kr�ftig zu, so wie er seinen Stabsoffizieren zunickte, und erhob sich.</p><p><emphasis>Ich glaube, du machst das gut, Aral,</emphasis> dachte Cordelia.</p><p>�W�hrend Sie noch hier sind, Sir�, begann Negri, nachdem er kurz gewartet hatte, um sicherzugehen, da� er Vorkosigan nicht ins Wort fiel, �bitte ich Sie, hinabzukommen ins Lagezentrum. Das gibt es zwei oder drei Berichte, die ich Ihnen gerne vorlegen w�rde. Der letzte aus Darkoi scheint anzudeuten, da� Graf Vorlakil tot war, bevor seine Residenz niedergebrannt wurde, was ein neues Licht�� oder einen neuen Schatten�� auf diese Sache wirft. Und dann ist da noch das Problem der Reform des Ministeriums f�r Politische Bildung���</p><p>�Das Problem der Aufl�sung, sicherlich�, murmelte Vorkosigan.</p><p>�Mag sein. Und, wie immer, die neueste Sabotage von Komarr.�</p><p>�Ich kann es mir vorstellen. La�t uns gehen. Cordelia, ach���</p><p>�Vielleicht m�chte Lady Vorkosigan noch bleiben und f�r eine Weile unser Besuch sein�, murmelte Prinzessin Kareen wie auf ein Stichwort hin, mit nur einem feinen Anflug von Ironie.</p><p>Vorkosigan warf ihr einen dankbaren Blick zu: �Danke, Mylady.�</p><p>Sie strich zerstreut mit einem Finger �ber ihre zarten Lippen, w�hrend die M�nner den Raum verlie�en, und sie entspannte sich leicht, als sie drau�en waren. �Gut. Ich hatte gehofft, da� ich Sie einmal ganz f�r mich allein habe.� Ihr Gesichtsausdruck wurde lebhafter, als sie Cordelia anschaute. Auf eine wortlose Ber�hrung hin lie� sich der Junge vom Sofa gleiten und kehrte, ein paarmal hinter sich blickend, wieder zu seinem Spiel zur�ck.</p><p>Droushnakovi schaute stirnrunzelnd in Richtung der T�r. �Was war denn mit diesem Leutnant los?�, fragte sie Cordelia.</p><p>�Leutnant Koudelka wurde von Nervendisruptor-Feuer getroffen�, sagte Cordelia steif, unsicher dar�ber, ob der seltsame Ton des M�dchens eine Art von Mi�billigung verbarg. �Vor einem Jahr, als er Aral an Bord der <emphasis>General Vorkraft</emphasis> diente. Die neuralen Reparaturen scheinen nicht ganz dem galaktischen Standard zu entsprechen.� Sie verstummte, weil sie bef�rchtete, da� es scheinen k�nnte, als kritisierte sie die Hausherrin. Ohne da� Prinzessin Kareen f�r den zweifelhaften Standard der Medizin auf Barrayar verantwortlich w�re.</p><p>�Oh, nicht w�hrend des Kriegs um Escobar?�, sagte Droushnakovi.</p><p>�Tats�chlich war es verr�ckterweise der Schu�, der den Krieg um Escobar er�ffnet hatte. Obwohl ich vermute, da� Sie es freundliches Feuer nennen w�rden.� Ein irres Oxymoron, dieser Ausdruck.</p><p>�Lady Vorkosigan�� oder sollte ich sagen: Captain Naismith�� war damals dabei�, bemerkte Prinzessin Kareen, �sie m��te es wissen.�</p><p>Es war schwer f�r Cordelia, in den Z�gen der Prinzessin zu lesen. In wieviele von Negris ber�hmten Berichten war sie eingeweiht?</p><p>�Wie schrecklich f�r ihn! Er sieht aus, als w�re er einmal ziemlich athletisch gewesen�, sagte die Leibw�chterin.</p><p>�Ja, das war er.� Cordelia l�chelte dem M�dchen freundlicher zu und gab ihre Verteidigungshaltung auf. �Nervendisruptoren sind schmutzige Waffen, meiner Meinung nach.� Sie rieb zerstreut �ber den empfindungslosen Punkt an ihrem Oberschenkel, der von dem blo�en Widerschein einer Disruptorenexplosion verbrannt worden war, der gl�cklicherweise nicht das subkutane Fett durchdrungen und keinen Schaden an der Muskelfunktion angerichtet hatte. Vern�nftigerweise h�tte sie das wiederherstellen lassen sollen, bevor sie ihre Heimat verlie�.</p><p>�Setzen Sie sich, Lady Vorkosigan�, Prinzessin Kareen klopfte auf den Platz neben sich auf dem Sofa, den der zuk�nftige Kaiser gerade freigegeben hatte. �Drou, bringen Sie bitte Gregor zu seinem Mittagstisch.�</p><p>Droushnakovi nickte verst�ndnisvoll, als h�tte sie mit dieser einfachen Bitte noch eine verschl�sselte Zusatzbotschaft erhalten, nahm den Jungen und ging mit ihm Hand in Hand hinaus. Seine Kinderstimme war noch zu h�ren: �Droushie, kann ich ein St�ck Sahnetorte haben? Und eins f�r Steggie?�</p><p>Cordelia setzte sich behutsam und dachte an Negris Berichte und an die barrayaranische Desinformation bez�glich ihrer gescheiterten Kampagne einer Invasion des Planeten Escobar. Escobar, der gute Nachbar und Verb�ndete von Kolonie Beta�� Die Waffen, die Kronprinz Serg und sein Schiff hoch �ber Escobar ausgel�scht hatten, waren mutig durch die barrayaranische Blockade hindurch eskortiert worden von Captain Cordelia Naismith von der Betanischen Expeditionsstreitmacht.</p><p>Soviel Wahrheit war offenkundig und �ffentlich, und man mu�te sich nicht daf�r entschuldigen. Jedoch die geheime Geschichte hinter der Szenerie im barrayaranischen Oberkommando war so�� verr�terisch, ja, das war, entschied Cordelia, das richtige Wort. Gef�hrlich, wie schlecht gelagerter Giftm�ll.</p><p>Zu Cordelias Verwunderung lehnte sich Prinzessin Kareen zu ihr her�ber, ergriff ihre rechte Hand, f�hrte sie an die Lippen und k��te sie heftig.</p><p>�Ich habe geschworen�, sagte Kareen mit belegter Stimme, �die Hand zu k�ssen, die Ges Vorrutyer erschlagen hat. Danke, danke!� Ihr Atem ging heftig, sie k�mpfte mit den Tr�nen, ihr Gesicht verriet Gef�hle der Dankbarkeit. Sie setzte sich auf, ihr Gesichtsausdruck wurde wieder reserviert, und sie nickte. �Ich danke Ihnen. Segen �ber Sie!�</p><p>�Mmh���, Cordelia rieb die Stelle auf ihrer Hand, die der Ku� getroffen hatte, �mmh�� ich�� diese Ehre geh�rt einem anderen, Mylady. Ich war zwar zugegen, als Admiral Vorrutyers Kehle durchgeschnitten wurde, aber das geschah nicht von meiner Hand.�</p><p>Kareens H�nde ballten sich in ihrem Scho� zu F�usten, und ihre Augen gl�hten. �Dann <emphasis>war </emphasis>es Lord Vorkosigan!�</p><p>�Nein!� Cordelia pre�te �rgerlich ihre Lippen zusammen. �Negri h�tte Ihnen die Wahrheit berichten sollen. Es war Sergeant Bothari. Er rettete mein Leben bei dieser Gelegenheit.�</p><p>�Bothari?� Kareen setzte sich in ihrer �berraschung kerzengerade auf. �Bothari, das Monster? Bothari, Vorrutyers verr�ckter Offiziersbursche?�</p><p>�Es macht mir nichts aus, wenn ich an seiner Stelle daf�r verantwortlich gehalten werde, Madame, denn wenn es �ffentlich bekannt geworden w�re, so w�re man gezwungen gewesen, ihn wegen Mord und Meuterei hinzurichten, und auf diese Weise kommt er ungeschoren davon. Aber ich�� aber ich sollte ihm nicht seinen Ruhm wegnehmen. Ich �berlasse ihn ihm, wenn Sie es w�nschen, aber ich bin nicht sicher, ob er sich an den Vorfall erinnert. Er hat nach dem Krieg eine ziemlich drakonische Bewu�tseinstherapie durchgemacht, bevor sie ihn entlassen haben�� was Ihr Barrayaraner so Therapie nennt����� auf gleichem Niveau mit ihrer Neurochirurgie, so argw�hnte sie�� �und soviel ich wei�, war er vorher auch nicht gerade�� hm�� normal.�</p><p>�Nein�, sagte Kareen, �das war er nicht. Ich dachte, er war Vorrutyers Kreatur.�</p><p>�Er entschied�� er entschied sich, anders zu sein. Ich glaube, das war die heldenhafteste Tat, die ich je gesehen habe. Mitten aus jenem Sumpf von Bosheit und Verr�cktheit, zu greifen nach��� Cordelia brach ab, es war ihr zu peinlich zu sagen: <emphasis>zu greifen nach Erl�sung.</emphasis> Nach einer Pause fragte sie: �Geben Sie Admiral Vorrutyer die Schuld daf�r, da� Prinz Serg�� hm�� verdorben wurde?� Solange sie die Atmosph�re reinigten��</p><p><emphasis>Niemand erw�hnt Prinz Serg. Er dachte, eine blutige Abk�rzung zur Kaiserherrschaft zu nehmen, und jetzt ist er einfach�� verschwunden.</emphasis></p><p>�Ges Vorrutyer����� Kareens Hand zuckte�� �fand in Serg einen gleichgesinnten Freund. Einen sch�pferischen Gefolgsmann in seinen sch�ndlichen Vergn�gungen. Vielleicht war nicht�� alles Vorrutyers Schuld. Ich wei� es nicht.�</p><p>Cordelia sp�rte, da� dies eine ehrliche Antwort war. Kareen f�gte leise hinzu: �Ezar hat mich vor Serg besch�tzt, nachdem ich schwanger geworden war. Ich hatte meinen Mann sogar mehr als ein Jahr lang nicht gesehen, als er in Escobar get�tet wurde.�</p><p><emphasis>Vielleicht werde ich auch Prinz Serg nicht wieder erw�hnen. </emphasis>�Ezar war ein machtvoller Besch�tzer. Ich hoffe, da� Aral es ebenso gut macht�, bot Cordelia an. Sollte sie von Kaiser Ezar schon in der Vergangenheitsform sprechen? Jeder andere schien das zu tun.</p><p>Kareen kehrte wieder in die Gegenwart zur�ck und sch�ttelte sich wach.</p><p>�Tee, Lady Vorkosigan?� Sie l�chelte und ber�hrte ein Komm-Link, ein winziges Funksprechger�t, das in einer juwelenbesetzten Nadel auf ihrer Schulter verborgen war, und gab Befehle an das Haushaltspersonal.</p><p>Offensichtlich war der private Teil des Gespr�chs vor�ber. Captain Naismith mu�te nun herausfinden, wie Lady Vorkosigan zusammen mit einer Prinzessin Tee trinken sollte.</p><p>Gregor und die Leibw�chterin kamen etwa zur gleichen Zeit zur�ck, als die Cremetorten serviert wurden, und Gregor machte sich erfolgreich daran, den Damen ein zweites St�ck abzuschmeicheln. Beim dritten St�ck jedoch sagte Kareen unnachgiebig nein. Prinz Sergs Sohn schien ein v�llig normaler Junge zu sein, wenn auch etwas scheu in Gegenwart von Fremden. Cordelia beobachtete ihn und Kareen mit tiefer pers�nlicher Anteilnahme.</p><p>Mutterschaft, jede Frau erlebte sie. Wie schwer konnte das sein?</p><p>�Wie gef�llt Ihnen Ihr neues Zuhause bisher, Lady Vorkosigan?�, fragte die Prinzessin, um h�fliche Konversation bem�ht. Jetzt ging es nur um Plauderei am Teetisch, nicht um nackte Wahrheiten. Nicht vor den Kindern.</p><p>Cordelia �berlegte. �Der Wohnsitz auf dem Land, im S�den in Vorkosigan Surleau, ist einfach sch�n. Dieser wundervolle See�� er ist gr��er als jedes offene Gew�sser auf ganz Kolonie Beta, aber f�r Aral ist das einfach selbstverst�ndlich. Ihr Planet ist unvergleichlich sch�n.� <emphasis>Ihr Planet. Nicht mein Planet?</emphasis> Bei einem Test freier Assoziationen l�ste das Wort �Zuhause� in Cordelias Bewu�tsein immer noch die Vorstellung �Kolonie Beta� aus. Aber sie k�nnte f�r immer an diesem See in Vorkosigans Armen ruhen.</p><p>�Die Hauptstadt hier�� nun, sie ist sicherlich vielf�ltiger als alles, was wir zu Hau��� auf Kolonie Beta haben. Obwohl�, sie lachte befangen, �hier scheinen so viele Soldaten zu sein. Das letztemal, wo ich von so vielen gr�nen Uniformen umgeben war, da befand ich mich in einem Kriegsgefangenenlager.�</p><p>�Sehen Sie in uns immer noch den Feind?�, fragte die Prinzessin neugierig.</p><p>�Oh�� ich hatte schon aufgeh�rt, in Ihnen allen den Feind zu sehen, bevor der Krieg zu Ende war. Nur verschiedenartige Opfer, auf verschiedene Weise blind.�</p><p>�Sie haben einen durchdringenden Blick, Lady Vorkosigan.� Die Prinzessin nippte an ihrem Tee und l�chelte in ihre Tasse. Cordelia blinzelte.</p><p>�Palais Vorkosigan tendiert zu einer Kasernenatmosph�re, wenn Graf Piotr dort residiert�, merkte Cordelia an. �All seine M�nner in Livree. Ich glaube, ich habe auch schon ein paar Dienstm�dchen gesehen, die um die Ecken huschten, aber ich habe noch keines treffen k�nnen. Eine barrayaranische Kaserne, das ist es. Mein Dienst in Beta war eine ganz andere Sache.�</p><p>�Gemischt�, sagte Droushnakovi. Blitzte in ihren Augen Neid? �Frauen und M�nner in gemeinsamem Dienst.�</p><p>�Die Zuteilung der Aufgaben erfolgt nach einem Eignungstest�, stimmte Cordelia zu. �Ganz konsequent. Nat�rlich werden die k�rperlich anstrengenderen Arbeiten den M�nnern zugeschoben, aber es scheint mit ihnen nicht dieses seltsame, zwanghafte Statusdenken verkn�pft zu sein,�</p><p>�Respekt�, seufzte Droushnakovi.</p><p>�Ja, wenn Menschen ihr Leben f�r ihre Gemeinschaft aufs Spiel setzen, dann sollten sie sicherlich deren Respekt genie�en�, sagte Cordelia gleichm�tig. �Ich vermisse meine�� meine Offizierskolleginnen, glaube ich. Die intelligenten Frauen, die Technikerinnen, wie auch meinen Freundeskreis zu Hause.� Da war wieder dieses heikle Wort, �zu Hause�.</p><p>�Es mu� doch auch hier irgendwo gescheite Frauen geben, bei all den gescheiten M�nnern. Wo verstecken sie sich nur?� Cordelia verstummte, als ihr pl�tzlich bewu�t wurde, da� Kareen diese Bemerkung irrt�mlicherweise als eine Verunglimpfung ihrer selbst auffassen k�nnte.</p><p>Wenn sie jetzt anf�gte <emphasis>Anwesende ausgenommen, </emphasis>dann w�rde sie jedoch ganz sicher ins Fettn�pfchen treten.</p><p>Doch wenn Kareen es so auffa�te, so behielt sie dies f�r sich, und Cordelia wurde vor weiteren m�glichen gesellschaftlichen Peinlichkeiten durch die R�ckkehr von Aral und Illyan bewahrt. Man verabschiedete sich allseits h�flich, und sie kehrten nach Palais Vorkosigan zur�ck.</p><p>Am selben Abend tauchte Kommandant Illyan �berraschend in Palais Vorkosigan mit Droushnakovi im Schlepptau auf. Sie schleifte einen gro�en Koffer mit sich und blickte sich mit vor Neugierde funkelnden Augen um.</p><p>�Oberst Negri beauftragt Fr�ulein Droushnakovi mit der pers�nlichen Sicherheit der Gemahlin des Regenten�, erkl�rte Illyan knapp. Aral nickte zustimmend.</p><p>Sp�ter �berreichte Droushnakovi Cordelia eine versiegelte Botschaft auf dickem, cremefarbenem Papier.</p><p>Cordelia hob die Augenbrauen und �ffnete das Schreiben. Die Handschrift war klein und regelm��ig, die Unterschrift leserlich und ohne Schn�rkel.</p><p><emphasis>Mit meinen besten W�nschen,</emphasis> stand da. <emphasis>Sie wird bestens zu Ihnen passen.</emphasis></p><p><emphasis>Kareen.</emphasis></p></section><section><title><p>KAPITEL 2</p></title><p>Als Cordelia am n�chsten Morgen erwachte, war Vorkosigan schon weggegangen, und sie selbst fand sich konfrontiert mit dem ersten Tag auf Barrayar ohne seinen Beistand. Sie entschlo� sich, den Tag dem Kauf zu widmen, der ihr in den Sinn gekommen war, als sie am Abend zuvor beobachtet hatte, wie Koudelka sich mit der Wendeltreppe abm�hte. Sie vermutete, da� Droushnakovi die ideale einheimische F�hrerin f�r das war, was sie vorhatte.</p><p>Sie kleidete sich an und machte sich auf die Suche nach ihrer Leibw�chterin. Es war nicht schwer, sie zu finden: Droushnakovi sa� im Flur, direkt vor der T�r des Schlafzimmers, sie sprang auf und nahm Haltung an, als Cordelia erschien. Das M�dchen sollte wirklich eine Uniform tragen, �berlegte Cordelia. Das Kleid, das sie trug, lie� sie mit ihren gut ein Meter achtzig und ihrer ausgezeichneten Muskulatur schwerf�llig erscheinen. Cordelia fragte sich, ob sie als Gemahlin des Regenten das Recht auf eine eigene Livree h�tte, und w�hrend des Fr�hst�cks war sie in Gedanken damit besch�ftigt, eine Livree zu entwerfen, die des M�dchens walk�renhaftes gutes Aussehen hervorheben w�rde.</p><p>�Wissen Sie, Sie sind die erste barrayaranische Leibw�chterin, die ich getroffen habe�, bemerkte Cordelia bei Ei und Kaffee und einer Art von ged�nsteter einheimischer Hafergr�tze mit Butter, die hier offensichtlich den Schwerpunkt des Fr�hst�cks bildete. �Wie sind Sie zu dieser Arbeit gekommen?�</p><p>�Nun, ich bin nicht eine wirkliche Wache, wie die M�nner in Livree���</p><p>Aha, wieder der Zauber der Uniform.</p><p>�� aber mein Vater und alle meine drei Br�der sind im Armeedienst. Damit bin ich so nah dran, wie ich kann, ein wirklicher Soldat zu sein wie Sie.�</p><p>Vernarrt ins Milit�r, wie alle hier auf Barrayar. �Ja?�</p><p>�Als ich j�nger war, habe ich Judo als Sport getrieben. Aber ich war zu gro� f�r die Frauenkurse. Niemand konnte mir echte Praxis vermitteln, und im �brigen war es so langweilig, all die Katas zu absolvieren. Meine Br�der schmuggelten mich mit sich in die M�nnerkurse. Eins kam zum anderen. Als ich noch in der Schule war, war ich zwei Jahre hintereinander barrayaranische Nationalmeisterin. Dann trat vor drei Jahren ein Mann von Oberst Negris Stab an meinen Vater heran mit dem Angebot eines Postens f�r mich. Da bekam ich dann Waffenausbildung.</p><p>Es scheint, da� die Prinzessin seit Jahren um weibliche Wachen gebeten hat, aber es war sehr schwierig, jemanden zu finden, der all die Tests bestehen konnte. Obwohl�, sie l�chelte selbstkritisch, �die Dame, die das Attentat auf Admiral Vorrutyer ver�bt hat, wohl kaum meine geringen Dienste ben�tigen d�rfte.�</p><p>Cordelia bi� sich auf die Zunge. �Hm, ich hatte Gl�ck. Au�erdem w�rde ich mich gerade jetzt gerne aus handgreiflichen Verwicklungen heraushalten. Ich bin schwanger, wissen Sie.�</p><p>�Ja, Mylady. Es war in einem von Oberst���</p><p>�Negris Berichten�, beendete Cordelia den Satz unisono mit Droushnakovi. �Ich bin sicher, da� es das war. Er wu�te es vermutlich eher als ich.�</p><p>�Ja, Mylady.�</p><p>�Wurden Sie als Kind in Ihren Interessen sehr gef�rdert?�</p><p>�Nicht�� wirklich. Alle dachten, ich sei einfach seltsam.� Sie legte die Stirn in tiefe Falten, und Cordelia hatte die Empfindung, da� sie schmerzliche Erinnerungen aufr�hrte.</p><p>Sie betrachtete das M�dchen nachdenklich. ��ltere Br�der?�</p><p>Droushnakovi erwiderte den Blick mit gro�en, blauen Augen: �Ja, warum?�</p><p>�Hab ich mir so vorgestellt.� <emphasis>Und ich habe Barrayar f�r das gef�rchtet, was es seinen S�hnen antat. Kein Wunder, da� sie Schwierigkeiten haben, jemanden zu bekommen, der die Tests besteht.</emphasis> �So, Sie haben also Waffenausbildung gehabt. Ausgezeichnet. Sie k�nnen mich heute auf meiner Einkaufsfahrt begleiten.�</p><p>Ein leichter Schatten zog �ber Droushnakovis Gesicht. �Jawohl, Mylady. Welche Art von Kleidung wollen Sie anschauen?�, fragte sie h�flich und konnte dabei ein dumpfe Entt�uschung �ber die Interessen ihrer wirklichen Soldatin nicht ganz verbergen.</p><p>�Wohin w�rden Sie in dieser Stadt gehen, um einen wirklich guten Stockdegen zu kaufen?�</p><p>Der Schatten verschwand. �Oh, ich kenne nur die Adresse, wo die Offiziere der Vor hingehen, und die Grafen, um ihre Livrierten auszur�sten. Das hei�t: ich war nie innen drin. Meine Familie geh�rt nicht zu den Vor, und deshalb d�rfen wir nat�rlich keine pers�nlichen Waffen besitzen. Nur Dienstwaffen. Aber man sagt von diesem Laden, er sei der beste.�</p><p>Einer von Graf Vorkosigans livrierten W�chtern chauffierte sie zu dem Laden. Cordelia entspannte sich und geno� den Blick auf die vor�berziehende Stadt. Droushnakovi, ganz im Dienst, blieb wachsam, ihre Blicke glitten unabl�ssig pr�fend �ber all die Menschenmengen rundum. Cordelia hatte das Gef�hl, da� ihr kaum etwas entging. Immer wieder wanderte ihre Hand pr�fend zu der Bet�ubungswaffe, die sie an der Innenseite ihres bestickten Bolero verborgen trug.</p><p>Sie bogen in einen sauberen, engen Stra�enzug von �lteren Geb�uden mit gemei�elten Steinfassaden ein. Das Waffengesch�ft war nur durch seinen Namen gekennzeichnet, <emphasis>Siegling,</emphasis> in diskreten Goldbuchstaben.</p><p>Offensichtlich sollten nur die Eingeweihten wissen, wo sie sich hier befanden. Der Livrierte wartete drau�en, w�hrend Cordelia und Droushnakovi den Laden betraten, einen Raum mit dicken Teppichen und Holzt�felung und etwas von dem Geruch nach Waffenkammer, an den sich Cordelia von ihrem Raumschiff her erinnerte, ein seltsam heimatlicher Hauch an einem fremden Ort. Sie staunte heimlich �ber die Holzt�felung und sch�tzte in Gedanken ihren Wert in betanischen Dollar.</p><p>Eine ganze Menge betanischer Dollar. Aber Holz schien hier fast so gew�hnlich wie Plastik zu sein, und ebenso gering geachtet. Jene pers�nlichen Waffen, deren Besitz f�r die oberen Klassen legal war, waren in Vitrinen und an den W�nden elegant zur Schau gestellt. Au�er Bet�ubungs- und Jagdwaffen gab es eine beachtliche Menge von Schwertern und Dolchen, die strengen kaiserlichen Edikte gegen das Duellieren untersagten offensichtlich nur ihren Gebrauch, nicht ihren Besitz.</p><p>Der Verk�ufer, ein leiser �lterer Mann mit zusammengekniffenen Augen, trat an sie heran. �Was kann ich f�r die Damen tun?�, fragte er freundlich genug. Cordelia vermutete, da� Frauen aus der Klasse der Vor gelegentlich hierherkamen, um Geschenke f�r ihre m�nnlichen Verwandten zu kaufen. Aber er k�nnte in genau dem gleichen Ton gesagt haben: <emphasis>Was kann ich f�r euch Kinder tun?</emphasis> Herabsetzung durch K�rpersprache? Ach, la� es nur.</p><p>�Ich suche einen Stockdegen, f�r einen Mann von etwa ein Meter neunzig.</p><p>Sollte ungef�hr, ja, so lang sein�, sie rief sich Koudelkas Armund Beinl�nge in Erinnerung, sch�tzte sie ab und zeigte sie mit einer Geste in der H�he ihrer H�fte an. �Mit einer Scheide mit Sprungfeder, vermutlich.�</p><p>�Jawohl, Madame.� Der Angestellte verschwand und kehrte dann mit einem Exemplar zur�ck, das in kunstvoll geschnitztem hellem Holz gehalten war.</p><p>�Das wirkt ein bi�chen�� ich wei� nicht.� <emphasis>Protzig.</emphasis> �Wie funktioniert es?�</p><p>Der Verk�ufer demonstrierte den Federmechanismus. Die h�lzerne Scheide fiel ab und enth�llte eine lange, d�nne Klinge. Cordelia streckte ihre Hand aus, und der Angestellte reichte ihr, ziemlich widerstrebend, die Klinge zur Pr�fung.</p><p>Sie drehte sie ein wenig, schaute daran entlang und gab sie dann an ihre Leibw�chterin weiter. �Was denken Sie dar�ber?�</p><p>Droushnakovi l�chelte zuerst, dann runzelte sie zweifelnd die Stirn. �Sie ist nicht ganz ausgewogen.� Sie blickte unsicher zu dem Verk�ufer.</p><p>�Denken Sie daran, da� Sie f�r mich arbeiten, nicht f�r ihn�, sagte Cordelia, die richtig erkannt hatte, da� hier Klassenbewu�tsein am Werk war.</p><p>�Ich glaube nicht, da� das eine sehr gute Klinge ist.�</p><p>�Das ist ausgezeichnete Darkoi-Qualit�t, Madame�, rechtfertigte sich der Verk�ufer k�hl.</p><p>L�chelnd nahm Cordelia die Klinge zur�ck. �Dann wollen wir Ihre Hypothese mal testen.�</p><p>Sie hob die Klinge pl�tzlich zum Salut und machte dann einen geschickten Ausfall in Richtung der Wand. Die Spitze drang in das Holz und blieb darin stecken, und Cordelia st�tzte sich darauf. Die Klinge sprang entzwei. K�hl gab sie die St�cke dem Verk�ufer zur�ck. �Wie bleiben Sie eigentlich im Gesch�ft, wenn Ihre Kunden nicht lange genug �berleben, um einen zweiten Kauf zu t�tigen? Siegling hat seinen Ruf bestimmt nicht durch den Verkauf solcher Spielzeuge bekommen. Bringen Sie mir etwas, das ein anst�ndiger Soldat tragen kann, nicht ein Spielzeug f�r einen Zuh�lter.�</p><p>�Madame�, sagte der Angestellte spr�de, �ich mu� darauf bestehen, da� die besch�digte Ware bezahlt wird.�</p><p>Cordelia, zutiefst gereizt, sagte: �Gut, schicken Sie die Rechnung an meinen Gatten, Admiral Aral Vorkosigan, im Palais Vorkosigan. Bei der Gelegenheit k�nnen Sie dann auch erkl�ren, warum Sie an seine Frau Schund abgeben wollten, Feldwebel.� Das letztere war nur geraten, aufgrund seines Alters und seiner Gangart, aber sie konnte an seinen Augen ablesen, da� sie ins Schwarze getroffen hatte.</p><p>Der Verk�ufer verneigte sich tief. �Ich bitte um Verzeihung, Mylady. Ich glaube, ich habe etwas tauglicheres, wenn Mylady bitte warten wollen.�</p><p>Er verschwand wieder, und Cordelia seufzte: �Es ist viel leichter, bei Maschinen zu kaufen. Aber wenigstens funktioniert hier die Berufung auf die Autorit�t des Hauptquartiers genauso gut wie zu Hause.�</p><p>Das n�chste Exemplar war schlichtes schwarzes Holz, mit einer Oberfl�che wie Satin. Der Verk�ufer �berreichte es ihr unge�ffnet, mit einer weiteren kleinen Verbeugung. �Sie dr�cken den Griff hier, Mylady.�</p><p>Dieser Stockdegen war viel schwerer als der erste. Die Scheide sprang blitzschnell ab und landete mit einem befriedigenden Knall an der Wand auf der anderen Seite des Raumes�� schon das war fast eine eigene Waffe. Cordelia untersuchte wieder die Klinge. Ein seltsames Muster wie ein Wasserzeichen changierte im Licht entlang der Klinge. Sie salutierte erneut vor der Wand und fing den Blick des Angestellten auf. �Geht das auf Ihr Gehalt?�</p><p>�Nur los, Mylady.� In seinen Augen glomm Genugtuung auf. �Diese k�nnen Sie nicht zerbrechen.�</p><p>Sie unterzog die Klinge dem gleichen Test wie die andere. Die Spitze drang viel tiefer in das Holz, und obwohl sie sich mit all ihrer Kraft darauf st�tzte, konnte sie sie kaum biegen. Trotzdem vertrug die Klinge noch mehr Biegung, Cordelia konnte sp�ren, da� sie noch lange nicht die Grenze ihrer Zugfestigkeit erreicht hatte. Sie �berreichte die Waffe Droushnakovi, die sie liebevoll untersuchte.</p><p>�Die ist <emphasis>gut,</emphasis> Madame. Die ist es wert.�</p><p>�Ich bin sicher, er wird sie mehr als Stock denn als Schwert benutzen. Nichtsdestoweniger�� sie sollte es tats�chlich wert sein. Die nehmen wir.�</p><p>W�hrend der Verk�ufer die Waffe einwickelte, verweilte Cordelia vor einer Vitrine mit emailverzierten Bet�ubungswaffen.</p><p>�Denken Sie daran, eine f�r sich selbst zu kaufen, Mylady?�, fragte Droushnakovi.</p><p>�Ich�� denke nein. Barrayar hat genug Soldaten, ohne da� es welche von Kolonie Beta importiert. Wof�r auch immer ich hier bin, es ist auf jeden Fall nicht der Milit�rdienst. Sehen Sie irgend etwas, das Sie wollen?�</p><p>Droushnakovi blickte nachdenklich, aber sie sch�ttelte den Kopf. Ihre Hand griff nach ihrem Bolero. �Oberst Negris Ausr�stung ist die beste. Sogar Siegling hat nichts besseres, h�chstens h�bscheres.�</p><p>Sp�t an jenem Abend setzten sie sich zu dritt zum Essen, Vorkosigan, Cordelia und Leutnant Koudelka. Vorkosigans neuer pers�nlicher Sekret�r schaute etwas m�de aus.</p><p>�Was habt ihr beide den ganzen Tag getrieben?�, fragte Cordelia.</p><p>�Menschen in den Pferch getrieben, vor allem�, antwortete Vorkosigan.</p><p>�Premierminister Vortala hatte einige Stimmen noch nicht so sicher bei der Stange, wie er behauptete, und wir haben sie bearbeitet, jeweils einen oder zwei, hinter verschlossenen T�ren. Was du morgen in den Ratskammern erleben wirst, ist nicht barrayaranische Politik in Aktion, sondern nur ihr Ergebnis. Wie ging es dir heute?�</p><p>�Prima. Ich ging einkaufen. Ihr k�nnt es gleich sehen.� Sie holte den Stockdegen hervor und entfernte die Verpackung. �Das soll dazu beitragen, da� du Kou nicht zur v�lligen Ersch�pfung treibst.�</p><p>Koudelka zeigte h�fliche Dankbarkeit, war aber im Grunde irritiert. Sein Ausdruck wandelte sich in �berraschung, als er den Stock zur Hand nahm und wegen des unerwarteten Gewichts beinah fallen lie�. �Holla! Das ist doch nicht��<emphasis>�</emphasis></p><p><emphasis>�</emphasis>Man dr�ckt den Griff hier. Richten Sie es nicht��!� <emphasis>Peng!</emphasis></p><p>�� auf das Fenster.� Gl�cklicherweise schlug die Scheide gegen den Fensterrahmen und prallte mit einem Krach zur�ck. Kou und Aral sprangen beide auf.</p><p>In Koudelkas Augen begann es zu leuchten, als er die Klinge untersuchte, w�hrend Cordelia die Scheide aufhob. �O Mylady!� Dann fiel ein Schatten �ber sein Gesicht. Er schob die Waffe behutsam in die Scheide und gab sie dann betr�bt zur�ck. �Ich nehme an, Sie haben es nicht gewu�t. Ich bin kein Vor. F�r mich ist es illegal, ein privates Schwert zu besitzen.�</p><p>�Ach!� Cordelia war geknickt.</p><p>Vorkosigan hob die Augenbrauen. �Darf ich das einmal sehen, Cordelia?�</p><p>Er zog die Waffe vorsichtig aus der Scheide und pr�fte sie. �Hm. Habe ich recht, wenn ich vermute, da� ich daf�r gezahlt habe?�</p><p>�Nun, du wirst daf�r zahlen, nehme ich an, wenn die Rechnung kommt. Allerdings meine ich, du solltest nicht f�r das andere zahlen, das ich zerbrochen habe. Aber ich kann das hier wieder zur�ckbringen.�</p><p>�Ich verstehe.� Er l�chelte verhalten. �Leutnant Koudelka, als Ihr vorgesetzter Offizier und ein Vasall von Ezar Vorbarra �bergebe ich Ihnen offiziell diese meine Waffe, zu tragen im Dienste des Kaisers, lang m�ge er herrschen.� Die unvermeidliche Ironie der formellen Floskel lie� ihn die Lippen aufeinanderpressen, aber er sch�ttelte den d�steren Schatten ab und gab den Stock an Koudelka zur�ck, der wieder strahlte.</p><p>�Danke, Sir!�</p><p>Cordelia sch�ttelte nur den Kopf: �Ich glaube nicht, da� ich dieses Land je verstehen werde.�</p><p>�Ich mu� Kou bitten, f�r dich ein paar juristische Beispiele herauszusuchen. Aber nicht mehr heute abend. Er hat ja kaum Zeit, seine Notizen von heute ins reine zu schreiben, bevor Vortala hier ankommt mit noch ein paar von seinen Abweichlern. Kou, Sie k�nnen sich in der Bibliothek meines Vaters, des Grafen, einrichten, wir treffen uns dann dort.�</p><p>Die Tafel wurde aufgehoben. Koudelka zog sich zur Arbeit in die Bibliothek zur�ck, w�hrend sich Vorkosigan und Cordelia zum Lesen in den danebenliegenden Salon zur�ckzogen, bis zu Vorkosigans abendlichem Termin. Er hatte noch mehr Berichte durchzuschauen und lie� sie schnell durch einen Handprojektor laufen. Cordelia nutzte die Zeit zuerst f�r die Besch�ftigung mit einer Miniaudiokassette �ber Barrayaranisch-Russische Konversation und dann f�r eine noch einsch�chterndere Platte �ber Kinderpflege. Gelegentlich wurde das Schweigen unterbrochen von einem unterdr�ckten Ausruf von Vorkosigan, mehr an sich selbst gerichtet als an Cordelia, wie etwa: �Aha! Also das war�s, worauf der Kerl wirklich aus war!� oder: �Verflucht! Diese Zahlen sind komisch. Mu� ich mal �berpr�fen���</p><p>Oder Cordelia: �Ach du lieber Himmel, ob das wirklich alle Babies machen?� Und von Zeit zu Zeit drang ein <emphasis>Peng!</emphasis> durch die Wand aus der Bibliothek, und dann blickten sie auf, schauten einander an und brachen in Gel�chter aus.</p><p>�Ach, Liebster�, sagte Cordelia nach dem dritten oder vierten Knall, �ich hoffe, ich habe ihn nicht ungeb�hrlich von seinen Pflichten abgelenkt.�</p><p>�Er wird seine Sache schon gut machen, wenn er sich beruhigt. Vorbarras pers�nlicher Sekret�r hat ihn unter seine Fittiche genommen und zeigt ihm, wie er sich selbst organisieren mu�. Wenn Kou ihm durch das ganze Trauerprotokoll folgt, dann d�rfte er in der Lage sein, mit allem fertig zu werden. Dieser Stockdegen war �brigens ein genialer Einfall. Danke!�</p><p>�Nun ja, ich hatte gemerkt, da� er ziemlich gereizt war wegen seiner Behinderung. Ich dachte, das k�nnte ihn etwas entspannen.�</p><p>�Es ist unsere Gesellschaft. Sie tendiert dazu, ziemlich�� hart zu sein zu jemand, der nicht mithalten kann.�</p><p>�Ich verstehe. Seltsam� jetzt, das du es erw�hnst, erinnere ich mich, da� ich nur gesund aussehende Leute auf den Stra�en und anderswo gesehen habe, ausgenommen im Krankenhaus. Keine Schwebest�hle, keine Kinder mit ausdruckslosen Gesichtern im Gefolge ihrer Eltern���</p><p>�Du wirst auch keine sehen�, Vorkosigan blickte grimmig drein. �Alle Probleme, die entdeckt werden k�nnen, werden vor der Geburt eliminiert.�</p><p>�Nun, wir tun das auch. Allerdings gew�hnlich vor der Empf�ngnis.�</p><p>�Auch bei der Geburt. Und danach, im Hinterland.�</p><p>�Oh.�</p><p>�Was die zu Kr�ppeln gemachten Erwachsenen anbelangt���</p><p>�Guter Gott, ihr praktiziert mit denen doch nicht etwa Euthanasie, oder?�</p><p>�Dein F�hnrich Dubauer w�rde hier nicht mehr leben.�</p><p>Dubauer hatte Disruptor-Feuer auf den Kopf bekommen und �berlebt. Irgendwie.</p><p>�Was Verletzungen wie die Koudelkas oder noch schlimmere angeht�� das soziale Stigma ist da sehr gro�. Beobachte ihn einmal in einer gr��eren Gruppe, die nicht seine engen Freunde sind. Es ist kein Zufall, da� die Selbstmordrate unter den aus medizinischen Gr�nden entlassenen Soldaten hoch ist.�</p><p>�Das ist ja schrecklich.�</p><p>�Ich habe das einmal als selbstverst�ndlich hingenommen. Jetzt�� nicht mehr. Aber viele Leute tun es noch.�</p><p>�Und was ist mit Problemen wie dem von Bothari?�</p><p>�Das kommt darauf an. Er war ein brauchbarer Spinner. Die unbrauchbaren��� Er brach ab und starrte auf seine Stiefel.</p><p>Cordelia fr�stelte. �Ich denke immer, da� ich anfange, mich an diese Welt hier anzupassen. Dann gehe ich um eine andere Ecke und sto�e dann blindlings auf Sachen wie diese.�</p><p>�Es ist erst achtzig Jahre her, seit Barrayar wieder Kontakt mit der umfassenderen galaktischen Zivilisation aufgenommen hat. In der Zeit der Isolation haben wir nicht nur Technologie verloren. Die haben wir schnell wieder drauf gehabt, wie einen geborgten Mantel. Aber darunter�� sind wir an manchen Stellen noch ziemlich nackt. In vierundvierzig Jahren habe ich erst begonnen zu sehen, wie nackt.�</p><p>Bald darauf kamen Graf Vortala und seine �Abweichler�, und Vorkosigan verschwand mit ihnen in der Bibliothek. Der alte Graf Piotr Vorkosigan, Arals Vater, traf sp�ter an diesem Abend aus seinem Landbezirk ein, er war gekommen, um bei der Vollversammlung des Rates abzustimmen.</p><p>�Nun, da ist ja eine Stimme, derer er sich morgen sicher sein kann�, scherzte Cordelia mit ihrem Schwiegervater, als sie ihm im Foyer aus der Jacke half.</p><p>�Ha, er hat Gl�ck, da� er sie bekommt. Er hat in den letzten paar Jahren einige verflucht radikale Ideen aufgeschnappt. Wenn er nicht mein Sohn w�re, dann k�nnte er auf meine Stimme lange warten.� Aber auf Piotrs runzeligem Gesicht war Stolz zu lesen.</p><p>Cordelia zwinkerte bei dieser Beschreibung von Aral Vorkosigans politischen Ansichten. �Ich gestehe, ich habe ihn nie f�r einen Revolution�r gehalten. Radikal mu� ein viel dehnbarerer Begriff sein, als ich dachte.�</p><p>�Ach, er sch�tzt sich selber auch nicht so ein. Er meint, er kann die H�lfte des Weges gehen und dann haltmachen. Aber ich glaube, er wird sich auf dem R�cken eines Tigers reitend wiederfinden, wenn er diesen Weg ein paar Jahre gegangen sein wird.� Der Graf sch�ttelte grimmig den Kopf. �Aber komm, mein M�dchen, und setz dich und sag mir, da� es dir gut geht. Du siehst gut aus�<emphasis>�</emphasis> ist alles in Ordnung?�</p><p>Der alte Graf war leidenschaftlich interessiert an der Entwicklung seines zuk�nftigen Enkels. Cordelia sp�rte, da� ihre Schwangerschaft ihren Status bei ihm enorm angehoben hatte, von einer geduldeten Kaprice Arals zu etwas, das schon gef�hrlich ans Halbg�ttliche grenzte. Er nahm sie geradezu unter Beschu� mit seinem Beifall. Es war nahezu unwiderstehlich, und sie lachte nie �ber ihn, obwohl sie sich keinen Illusionen hingab.</p><p>Cordelia hatte erfahren, da� Aral mit seiner Voraussage �ber die Reaktion seines Vaters auf ihre Schwangerschaft, die er an jenem Tag gemacht hatte, als sie mit der best�tigenden Botschaft nach Hause gekommen war, voll ins Schwarze getroffen hatte. Sie war an jenem Sommertag auf das Gut in Vorkosigan Surleau zur�ckgekehrt, um Aral drunten bei der Bootsanlegestelle zu suchen. Er machte sich an seinem Segelboot zu schaffen und hatte seine Segel ausgelegt, die in der Sonne trockneten, w�hrend er mit nassen Schuhen um sie herumplatschte.</p><p>Er schaute auf und begegnete ihrem L�cheln, und dabei konnte er die Ungeduld in seinen Augen nicht verbergen. �Nun?� Dabei h�pfte er ein wenig auf seinen Abs�tzen hin und her.</p><p>�Nun.� Sie versuchte einen traurigen und entt�uschten Ausdruck anzunehmen, aber ein Grinsen entschl�pfte ihr und breitete sich �ber ihr ganzes Gesicht aus. �Dein Doktor sagt, es ist ein Junge.�</p><p>�Ah.� Ein langer und vielsagender Seufzer entwich ihm, und er packte sie und wirbelte sie herum.</p><p>�Aral! Pa� auf! La� mich nicht fallen!� Er war nicht gr��er als sie, nur�� hm�� kr�ftiger.</p><p>�Niemals!� Er lie� sie an sich heruntergleiten und sie gaben sich einen langen Ku�, der in Gel�chter endete.</p><p>�Mein Vater wird begeistert sein.�</p><p>�Du siehst ja selbst schon ziemlich begeistert aus.�</p><p>�Ja, aber du hast noch nichts dergleichen gesehen, solange du nicht einen altmodischen barrayaranischen <emphasis>pater familias</emphasis> gesehen hast in Verz�ckung �ber einen neuen Spro� an seinem Stammbaum. Seit Jahren war der arme alte Herr davon �berzeugt, seine Linie w�rde mit mir enden.�</p><p>�Wird er mit verzeihen, da� ich aus dem gew�hnlichen Volk und von einer anderen Welt stamme?�</p><p>�Ich m�chte dir nicht zu nahe treten, aber diesmal glaube ich nicht, da� es ihm was ausgemacht hat, welche <emphasis>Spezies</emphasis> von Frau ich heimgeschleift habe, solange sie nur fruchtbar ist. Du glaubst, ich �bertreibe?�, f�gte er hinzu, als sie hell auflachte. �Du wirst es schon sehen.�</p><p>�Ist es zu fr�h, schon an einen Namen zu denken?�, fragte sie etwas nachdenklich.</p><p>�Da gibt es nichts zu denken. Erstgeborener Sohn. Das ist hier eine strenge Sitte: Er bekommt seine Namen nach seinen beiden Gro�v�tern.</p><p>Nach dem v�terlichen den ersten, nach dem m�tterlichen den zweiten.�</p><p>�Ach, deshalb ist eure Geschichte so verwirrend zu lesen. Ich mu�te immer Jahreszahlen neben diese immer gleichen Namen stellen, damit ich den �berblick behielt. Piotr Miles. Hm. Nun, ich glaube, ich kann mich daran gew�hnen. Ich hatte an etwas�� anderes gedacht.�</p><p>�Das n�chste Mal, vielleicht.�</p><p>�Ganz sch�n ehrgeizig.�</p><p>Dem folgte eine kurze Rangelei, denn Cordelia hatte zuvor schon die n�tzliche Entdeckung gemacht, da� er in bestimmten Stimmungen kitzliger war als sie. Sie errang sich eine geh�rige Portion Rache, und schlie�lich lagen sie lachend im Gras in der Sonne.</p><p>�Das ist sehr w�rdelos�, beschwerte sich Aral, als sie ihn aufstehen lie�.</p><p>�Hast du Angst, ich schockiere Negris Menschenfischer dort drau�en auf dem See?�</p><p>�Den kann nichts mehr schockieren, das garantiere ich dir.�</p><p>Cordelia winkte zu dem fernen Luftkissenboot hin�ber, aber dessen Insasse ignorierte standhaft ihre Geste. Zuerst war sie �rgerlich gewesen, als sie erfuhr, da� Aral unter st�ndiger Beobachtung des kaiserlichen Sicherheitsdienstes stand, sp�ter hatte sie sich damit abgefunden. Sie vermutete, da� dies der Preis f�r seine Verwicklung in die geheime und t�dliche Politik des Krieges um Escobar, und die Strafe f�r einige seiner weniger willkommenen unverbl�mten Meinungs�u�erungen.</p><p>�Ich kann verstehen, warum du es dir zum Hobby gemacht hast, mit ihnen Katz und Maus zu spielen. Vielleicht sollten wir freundlicher werden und sie zum Essen oder so einladen. Ich meine, da� sie mich jetzt schon so gut kennen m�ssen, da m�chte ich sie auch gern mal kennenlernen.� Hatte Negris Mann die famili�re Unterhaltung aufgezeichnet, die sie gerade gef�hrt hatten? Gab es Abh�rger�te in ihrem Schlafzimmer? In ihrem Bad?</p><p>Aral grinste, aber er antwortete: �Sie d�rften es nicht annehmen. Sie essen oder trinken nur das, was sie selber mitbringen.�</p><p>�Du lieber Himmel, wie paranoid. Ist das wirklich n�tig?�</p><p>�Manchmal. Ihr Gesch�ft ist gef�hrlich. Ich beneide Sie nicht.�</p><p>�Ich denke, da drau�en herumzusitzen und dich zu beobachten d�rfte einen netten kleinen Urlaub ausmachen. Der wird doch eine tolle Sonnenbr�une heimbringen.�</p><p>�Das Herumsitzen ist der h�rteste Teil. Sie sitzen vielleicht ein ganzes Jahr, und dann werden sie auf einmal zu f�nf Minuten totaler Aktion von t�dlicher Wichtigkeit gerufen. Aber sie m�ssen das ganze Jahr �ber jeden Augenblick f�r diese f�nf Minuten bereit sein. Das ist sehr anstrengend. Ich ziehe den Angriff der Verteidigung vor.�</p><p>�Ich verstehe immer noch nicht, warum irgend jemand dich bel�stigen sollte. Ich will sagen, du bist doch nur ein Offizier au�er Dienst, der zur�ckgezogen lebt. Es mu� doch Hunderte wie dich geben, selbst von edlem Vor-Gebl�t.�</p><p>�Hm.� Er blickte lange nach dem fernen Boot und vermied eine Antwort, dann sprang er auf die F��e. �Komm, �berraschen wir Vater mit der guten Nachricht.�</p><p>Ja, jetzt verstand sie es. Graf Piotr zog ihre Hand auf seinen Arm und entf�hrte sie in das E�zimmer, wo er ein sp�tes Abendessen einnahm, nach den neuesten Schwangerschaftsberichten fragte und ihr frische Gartenk�stlichkeiten aufn�tigte, die er vom Lande mitgebracht hatte. Sie a� gehorsam Weintrauben.</p><p>Als sie nach dem Abendessen Arm in Arm mit dem Grafen in das Foyer schritt, drangen an ihr Ohr die Laute erhobener Stimmen aus der Bibliothek. Die Worte waren nicht zu verstehen, aber sie klangen scharf und wie Hiebe. Beunruhigt blieb Cordelia stehen.</p><p>Einen Moment sp�ter endete der�� Streit? Die T�r der Bibliothek sprang auf, und ein Mann stolzierte heraus. Cordelia konnte durch die T�r�ffnung Aral und Graf Vortala sehen. Arals Gesicht war starr, doch seine Augen brannten. Vortala, ein vom Alter gebeugter Mann, das fast kahle Haupt mit Leberflecken �bers�t und von einem wei�em Haarkranz umrahmt, war knallrot bis �ber seinen nackten Sch�del. Der Mann, der die Bibliothek verlassen hatte, rief mit einer schroffen Geste seinen wartenden livrierten Diener herbei, der ihm schneidig folgte, mit ausdruckslosem Gesicht.</p><p>Der schroffe Mann war etwa vierzig Jahre alt, vermutete Cordelia, er war teuer im Stil der oberen Klassen gekleidet und hatte dunkles Haar. Eine markante Stirn und vorstehende Backenknochen, gegen die seine Nase und sein Schnurrbart nicht ankamen, lie�en sein Gesicht wie einen Teller erscheinen. Er war weder gutaussehend noch h��lich, und in einer anderen Stimmung h�tte man ihn als einen Mann mit entschlossenen Z�gen bezeichnen k�nnen. Jetzt sah er nur m�rrisch aus. Als er im Foyer auf Graf Piotr traf, hielt er an und brachte�� gerade noch�� ein h�flich gr��endes Nicken zustande. �Vorkosigan�, sagte er dumpf. Ein widerwilliges �Guten Abend� war in seiner ruckartigen Andeutung einer Verbeugung verschl�sselt.</p><p>Der alte Graf antwortete mit einem Kopfnicken und hob die Augenbrauen.</p><p>�Vordarian�, sein Ton machte aus dem Namen eine Frage.</p><p>Vordarian pre�te seine Lippen aufeinander, seine F�uste ballten sich unbewu�t im Rhythmus seiner mahlenden Kiefer. �Merken Sie sich meine Worte�, stie� er hervor, �Sie und ich und jeder andere Mann von W�rde auf Barrayar wird den morgigen Tag noch sehr bereuen.�</p><p>Piotr sch�rzte seine Lippen, in den von Kr�henf��en umgebenen Winkeln seiner Augen zeichnete sich Vorsicht ab. �Mein Sohn wird seine Klasse nicht verraten, Vordarian.�</p><p>�Sie blenden sich selbst.� Sein Blick ging durch Cordelia hindurch und verweilte nicht lang genug, um als Beleidigung gedeutet zu werden, aber als k�hle, sehr k�hle, zur�ckweisende Vorstellung. Mit M�he brachte er ein Minimum an H�flichkeit auf und nickte zum Abschied, drehte sich um und ging durch die Vordert�r nach drau�en, gefolgt von seinem Schatten von Gefolgsmann.</p><p>Aral und Vortala kamen aus der Bibliothek. Aral ging ins Foyer und blickt verstimmt durch die geschliffenen Glasscheiben, die die T�r flankierten, hinaus in die Dunkelheit. Vortala legte beschwichtigend die Hand auf seinen Arm.</p><p>�Lassen Sie ihn gehen�, sagte Vortala, �wir k�nnen auch ohne seine Stimme morgen leben.�</p><p>�Ich habe nicht vor, auf der Stra�e hinter ihm herzurennen�, versetzte Aral. �Trotzdem�� n�chstes Mal sparen Sie bitte Ihren Esprit f�r jemanden auf, der gen�gend Hirn hat, um ihn w�rdigen zu k�nnen, ja?�</p><p>�Wer war denn dieser w�tende Kerl?�, fragte Cordelia leichthin, in einem Versuch, die d�stere Stimmung zu heben.</p><p>�Graf Vidal Vordarian.� Aral wandte sich von der Glasscheibe ab, ihr zu, und brachte ihr zuliebe ein L�cheln zustande. �Kommodore Vidal Vordarian. Ich habe gelegentlich mit ihm zusammengearbeitet, als ich dem Generalstab angeh�rte. Er ist jetzt ein F�hrer der wohl zweitkonservativsten Partei auf Barrayar: nicht die Spinner, die wieder zur�ck in die Zeit der Isolation wollen, sondern, so kann man sagen, jene, die ehrlich f�rchten, da� jede Ver�nderung eine Ver�nderung zum Schlechteren ist.� Er blickte verstohlen zu Graf Piotr hin�ber.</p><p>�Sein Name wurde oft erw�hnt in Spekulationen �ber die zuk�nftige Regentschaft�, merkte Vortala an. �Ich f�rchte, er hat selbst damit gerechnet. Er hat sich gro�e M�he gegeben, Kareen auf seine Seite zu bringen.�</p><p>�Er h�tte Ezar auf seine Seite bringen sollen�, sagte Aral trokken. �Nun ja�� vielleicht beruhigt er sich wieder �ber Nacht. Versuchen Sie es noch mal mit ihm am Morgen, Vortala�� dann aber ein bi�chen behutsamer, ja?�</p><p>�Vordarians Ego zu h�tscheln k�nnte eine Vollzeitaufgabe werden�, brummte Vortala. �Er verbringt zuviel Zeit mit dem Studium seines Stammbaums.�</p><p>Aral grinste zustimmend: �Er ist nicht der einzige.�</p><p>�Aber er h�rt sich gerne davon reden�, knurrte Vortala.</p></section><section><title><p>KAPITEL 3</p></title><p>Am n�chsten Tag hatte Cordelia einen offiziellen Begleiter zur Vollversammlung des Vereinigten Rates in der Person von Oberst Lord Padma Xav Vorpatril. Es stellte sich heraus, das er nicht nur ein Mitglied des neuen Stabs ihres Mannes war, sondern auch sein Cousin ersten Grades, Sohn der j�ngeren Schwester von Arals schon lang verstorbener Mutter. Lord Vorpatril war Arals erster naher Verwandter, den Cordelia au�er Graf Piotr bisher getroffen hatte. Es war nicht, da� Arals Verwandte ihr auswichen, wie sie bef�rchtet haben mochte, er hatte einfach nur wenige.</p><p>Er und Vorpatril waren die einzigen �berlebenden Nachkommen der vorausgegangenen Generation, deren letzter lebender Vertreter Graf Piotr selbst war. Vorpatril war ein gro�er, fr�hlicher Mann von etwa f�nfunddrei�ig, wohlproportioniert in seiner gr�nen Uniform. Er war auch, das entdeckte sie bald, einer von ihres Mannes j�ngeren Offizieren gewesen, in der Anfangszeit seines Dienstes als Kapit�n, vor Vorkosigans milit�rischen Erfolgen der Komarr-Kampagne und ihren verheerenden politischen Nachwirkungen.</p><p>Sie sa� mit Vorpatril auf der einen und Droushnakovi auf der anderen Seite auf einer Galerie, die einen �berblick �ber den Ratssaal gew�hrte.</p><p>Der Saal war ein �berraschend schlichter Raum, allerdings ganz mit Holz get�felt, was f�r Cordelias betanische Augen immer noch als unglaublicher Luxus erschien. H�lzerne B�nke und Tische s�umten den Raum. Morgenlicht str�mte durch bunte Glasfenster hoch in der Ostwand.</p><p>Drunten wurden die farbenpr�chtigen Zeremonien mit gro�er F�rmlichkeit abgewickelt.</p><p>Die Minister trugen archaisch wirkende Roben in Schwarz und Purpur, von denen sich die goldenen Amtsketten abhoben. Sie waren allerdings in der Minderheit gegen�ber den nahezu sechzig Bezirksgrafen, die in Scharlach und Silber noch pr�chtiger aussahen. Einige M�nner, die jung genug waren, um noch im aktiven Milit�rdienst zu stehen, trugen die rotblaue Paradeuniform. Vorkosigan hatte recht gehabt, als er die Paradeuniform als �bertrieben prunkvoll bezeichnete, dachte Cordelia, aber in dem wundervollen Rahmen dieses altehrw�rdigen Raumes erschien dieser Prunk durchaus am Platz. Vorkosigan schaute sehr gut aus in diesem Kreis.</p><p>Prinz Gregor und seine Mutter sa�en auf einem Podium auf einer Seite des Saales. Die Prinzessin trug ein schwarzes, silbern verziertes hochgeschlossenes Kleid mit langen �rmeln. Ihr dunkelhaariger Sohn sah in seiner rot-blauen Uniform eher wie ein Elf aus. Cordelia dachte, da� er sich angesichts der ganzen Umst�nde bemerkenswert ruhig hielt.</p><p>Auch der Kaiser war auf gespenstische Weise anwesend, durch eine direkte Konferenzschaltung aus der Kaiserlichen Residenz. In dem Holovid wurde Ezar im Sitzen gezeigt, in voller Uniform. Cordelia wollte sich nicht ausmalen, welche physischen Strapazen dies f�r ihn bedeutete, die Schl�uche und Monitorkabel, die an seinem K�rper hingen, wurden wenigstens vor der Vidapparatur verborgen. Sein Gesicht war wei� wie Papier, seine Haut fast durchscheinend, als ob er buchst�blich von der B�hne schwinden w�rde, die er so lang beherrscht hatte.</p><p>Die Galerie war �berf�llt mit Ehefrauen, Stabspersonal und Wachen. Die Frauen waren elegant gekleidet und mit Juwelen geschm�ckt, und Cordelia musterte sie interessiert, dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder darauf, einige Informationen aus Vorpatril herauszuholen.</p><p>�Hat dich Arals Ernennung zum Regenten �berrascht?�, fragte sie.</p><p>�Nicht wirklich. Ein paar Leute nahmen diese Geschichte von R�cktritt und R�ckzug ins Privatleben nach dem Schlamassel von Escobar ernst, aber ich nie.�</p><p>�Er hat es ernst gemeint, dachte ich.�</p><p>�Oh, daran zweifle ich nicht. Der erste, den Aral mit diesem Getue vom prosaisch steinernen Soldaten zum Narren h�lt, ist er selber. Ich denke, das ist die Art von Mann, der er schon immer gern sein wollte. Wie sein Vater.�</p><p>�Hm. Nun ja, ich hatte bei ihm einen gewissen Hang zum Politisieren in der Konversation bemerkt. Auch mitten in den au�erordentlichsten Umst�nden. Zum Beispiel bei Heiratsantr�gen.�</p><p>Vorpatril lachte. �Das kann ich mir gut vorstellen. Als er jung war, war er ein echter Konservativer�� wenn man wissen wollte, was Aral �ber irgendeine Sache dachte, dann mu�te man nur Graf Piotr fragen und dessen Antwort mit zwei multiplizieren. Aber zu der Zeit, als wir zusammen dienten, da wurde er�� hm�� komisch. Wenn man ihn in Fahrt brachte��� In seinen Augen war ein gewisses schelmisches Funkeln, das Cordelia sofort ermunterte.</p><p>�Wie brachtest du ihn in Fahrt? Ich dachte, politische Diskussionen waren f�r Offiziere verboten.�</p><p>Er schnaubte ver�chtlich: �Ich glaube, man h�tte das Atmen mit etwa der gleichen Erfolgschance verbieten k�nnen. Der Vorschrift wird, sagen wir mal, nur sporadisch Geltung verschafft. Aral hielt sich daran, es sei denn, Rulf Vorhalas und ich nahmen ihn mit und brachten ihn dazu, sich wirklich zu entspannen.�</p><p>�Aral? Entspannen?�</p><p>�O ja. Nun, Arals Trinken war bemerkenswert���</p><p>�Ich dachte, er war ein lausiger Trinker. Er hatte keine Lust darauf.�</p><p>�Das war es ja, was bemerkenswert war. Er trank selten. Obwohl er eine schlimme Zeit durchmachte, nachdem seine erste Frau gestorben war, als er sich viel mit Ges Vorrutyer herumtrieb�� hm��� Er warf einen Blick zur Seite und nahm dann einen anderen Anlauf: �Auf jeden Fall war es gef�hrlich, ihn dazu zu bringen, sich zu sehr zu entspannen, denn dann wurde er niedergeschlagen und ernst, und dann brauchte es nur wenig, um dahinterzukommen, welche gegenw�rtige Ungerechtigkeit oder Unf�higkeit oder Verr�cktheit seinen Zorn erregte. Gott, konnte der Mann reden. Wenn er dann seinen f�nften Drink hinuntergegossen hatte�� kurz bevor er unter den Tisch glitt f�r die Nacht��, da konnte er in jambischen Pentametern �ber die Revolution deklamieren. Ich dachte immer, er werde eines Tages auf der politischen Seite landen.� Er lachte in sich hinein und blickte fast liebevoll auf die kr�ftige, in Rot und Blau gekleidete Figur, die mit den Grafen am anderen Ende des Saals sa�.</p><p>Die Abstimmung des Vereinigten Rates �ber die Best�tigung von Vorkosigans kaiserlicher Ernennung war nach Cordelias Meinung eine seltsame Sache. Sie hatte es bisher nicht f�r m�glich gehalten, da� man f�nfundsiebzig Barrayaraner zur �bereinstimmung dar�ber bringen k�nnte, in welcher Himmelsrichtung ihre Sonne am Morgen aufging, aber hier war das Votum f�r Kaiser Ezars Entscheidung fast einstimmig. Die Ausnahme bildeten f�nf M�nner, die sich der Stimme enthielten, vier laut, einer so leise, da� der Lordw�chter des Sprecherkreises ihn auffordern mu�te, sein Votum zu wiederholen. Selbst Graf Vordarian stimmte mit ja, fiel Cordelia auf�� vielleicht hatte Vortala den Zwist vom Abend zuvor letztlich noch in einem fr�hmorgendlichen Treffen beilegen k�nnen. Es schien alles auf einen sehr verhei�ungsvollen und ermutigenden Start von Vorkosigans neuer Aufgabe hinzuweisen, und sie sagte das auch zu Lord Vorpatril.</p><p>�Oh�� ja, Madame�, sagte Lord Vorpatril, nachdem er ihr zugel�chelt hatte, �Kaiser Ezar hat deutlich gemacht, da� er geschlossene Zustimmung w�nscht.�</p><p>Sein Ton machte ihr klar, da� sie wieder einen Fingerzeig �bersehen hatte.</p><p>�Willst du damit sagen, da� einige dieser M�nner lieber mit nein gestimmt h�tten?�</p><p>�Das w�re unklug von ihnen, zum jetzigen Zeitpunkt.�</p><p>�Dann m�ssen die M�nner, die sich enthalten haben�� ziemlich viel Zivilcourage haben.� Sie musterte die kleine Gruppe mit neuem Interesse.</p><p>�Ach, <emphasis>die sind </emphasis>schon in Ordnung�, sagte Vorpatril.</p><p>�Was meinst du damit? Sie bilden doch sicher die Opposition.�</p><p>�Ja, aber sie sind die offene Opposition. Niemand, der ernsthaften Verrat plant, w�rde sich so �ffentlich zu erkennen geben. Die Burschen, vor denen Aral seinen R�cken wird sch�tzen m�ssen, sind unter der anderen Sippschaft, unter den JaSagern.�</p><p>�Wer sind sie?� Cordelia runzelte besorgt die Stirn.</p><p>�Wer wei�?� Lord Vorpatril zuckte die Achseln, dann beantwortete er seine eigene Frage: �Negri, wahrscheinlich.�</p><p>Sie waren ringsum von leeren Sitzen umgeben. Cordelia war sich nicht sicher gewesen, ob dies aus Sicherheits- oder aus H�flichkeitsgr�nden so eingerichtet war. Offensichtlich aus letzteren, denn zwei Zusp�tgekommene, ein Mann in der gr�nen Uniform eines Oberstleutnants und ein j�ngerer in teurer Zivilkleidung, trafen ein und setzten sich unter Entschuldigungen vor sie hin. Cordelia dachte, sie seien Br�der, und ihre Vermutung wurde best�tigt, als der j�ngere sagte: �Schau, da ist Vater, drei Sitze hinter dem alten Vortala. Welcher ist denn der neue Regent?�</p><p>�Der s�belbeinige Kerl in der rot-blauen Uniform, der sich gerade zu Vortalas Rechter hinsetzt.�</p><p>Cordelia und Vorpatril tauschten hinter den R�cken der beiden M�nner einen Blick aus, und Cordelia legte den Finger auf ihre Lippen. Vorpatril grinste und zuckte die Achseln.</p><p>�Was sagt man �ber ihn beim Milit�r?�</p><p>�Das kommt darauf an, wen du fragst�, sagte der Oberstleutnant. �Sardi h�lt ihn f�r ein strategisches Genie und ist in seine Kommuniques vernarrt. Er ist �berall dabei gewesen. Bei jedem Scharm�tzel in den letzten f�nfundzwanzig Jahren scheint irgendwo sein Name aufzutauchen.</p><p>Onkel Rulf pflegte gro�e St�cke auf ihn zu halten. Andererseits sagte Niels, der in Escobar dabei war, da� er der kaltbl�tigste Bastard sei, dem er je begegnete.�</p><p>�Ich habe geh�rt, da� man ihn f�r einen heimlichen Progressiven h�lt.�</p><p>�Da ist nichts Heimliches dabei. Einige der �lteren VorOffiziere f�rchten ihn wie die Pest. Er hat versucht, Vater zu bewegen, mit ihm und Vortala die neue Steuerverf�gung zu unterst�tzen.�</p><p>�So, so.�</p><p>�Da geht es um die direkte kaiserliche Steuer auf Erbschaften.�</p><p>�Auweh! Nun ja, <emphasis>ihn</emphasis> w�rde das ja nicht treffen, nicht wahr? Die Vorkosigans sind doch schrecklich arm. La�t Komarr zahlen. Deshalb haben wir es doch erobert, oder nicht?�</p><p>�Nicht gerade deshalb, du kleiner Ignorant. Ist einer von euch Stadtclowns schon seiner betanischen Puppe begegnet?�</p><p>�M�nner von feiner Lebensart, du Kerl�, korrigierte ihn sein Bruder.</p><p>�Nicht zu verwechseln mit euch Kommi�stiefeln.�</p><p>�F�r eine solche Verwechslung besteht keine Gefahr. Nein, mal im Ernst. Es kursieren da die verr�cktesten Ger�chte �ber sie, Vorkosigan und Vorrutyer in Escobar, von denen sich die meisten widersprechen. Ich dachte, da� Mutter dar�ber etwas zu sagen w��te.�</p><p>�Diese Frau h�lt sich ziemlich im Hintergrund, wenn man bedenkt, da� sie drei Meter gro� sein und Kampfkreuzer zum Fr�hst�ck verspeisen soll. Bisher hat kaum jemand sie gesehen. Vielleicht ist sie h��lich.�</p><p>�Dann passen sie ja gut zusammen. Vorkosigan ist ja auch keine Sch�nheit.�</p><p>Cordelia war ungemein am�siert und verbarg ihr Grinsen hinter der vorgehaltenen Hand, bis der Oberstleutnant sagte: �Ich wei� nicht, wer der dreibeinige Spastiker ist, den er da im Schlepptau hat. Einer von seinem Stab, was meinst du?�</p><p>�Man sollte meinen, er k�nnte sich einen Besseren leisten. Was f�r ein Mutant! Sicherlich hat Vorkosigan die freie Wahl unter allen Milit�rs, als Regent.�</p><p>Es war ihr, als h�tte sie einen Schlag versetzt bekommen, so weh tat ihr unerwarteterweise diese gedankenlose Bemerkung. Oberst Lord Vorpatril schien dies kaum wahrzunehmen. Er hatte die Worte zwar geh�rt, aber seine Aufmerksamkeit galt dem Geschehen unten im Saal, wo gerade die Eide geleistet wurden. Droushnakovi err�tete �berraschenderweise und wendete ihr Gesicht ab.</p><p>Cordelia beugte sich vor. Worte kochten in ihr hoch, aber sie w�hlte nur einige wenige davon aus und feuerte sie in ihrer k�hlsten Kapit�nsstimme ab.</p><p>�Oberstleutnant. Und Sie, wer auch immer Sie sind.� Sie drehten sich nach ihr um, �berrascht ob dieser Unterbrechung. �Zu Ihrer Information, der fragliche Herr ist Leutnant Koudelka. Und es gibt keine besseren Offiziere als ihn. Bei keinem Milit�r.�</p><p>Sie starrten sie an, irritiert und verbl�fft, und wu�ten nicht, wie sie sie einordnen sollten. �Ich denke, das war eine private Unterhaltung, Madame�, sagte der Offizier steif.</p><p>�Ganz recht�, erwiderte sie ebenso steif, obwohl es in ihr immer noch brodelte. �Daf�r, da� ich Ihr Gespr�ch belauscht habe, bitte ich um Verzeihung, obwohl das unvermeidlich war. Aber f�r diese sch�ndliche Bemerkung �ber Admiral Vorkosigans Sekret�r, da m�ssen <emphasis>Sie </emphasis>sich entschuldigen. Denn damit haben Sie die Uniform beschmutzt, die Sie beide tragen, und den soldatischen Dienst f�r Ihren Kaiser, den Sie beide leisten.� Sie d�mpfte ihre Stimme, fast zu einem Zischen. Sie zitterte. <emphasis>Eine �berdosis Barrayar. Rei� dich zusammen.</emphasis></p><p>Vorpatrils herumwandernde Aufmerksamkeit wurde durch diese Worte wieder auf sie gelenkt. Er war best�rzt. �Halt, halt�, protestiert er. �Was ist los?�</p><p>Der Oberstleutnant drehte sich noch weiter um. �Oh, Oberst Vorpatril. Ich habe Sie nicht gleich erkannt. Hmm���, er gestikulierte hilflos in Richtung seiner rothaarigen Angreiferin, als wollte er sagen: Geh�rt diese Dame zu Ihnen? Und wenn ja, k�nnen Sie sie nicht im Zaum halten? Er f�gte k�hl an: �Wir sind uns noch nicht begegnet, Madame.�</p><p>�Nein, aber ich laufe ja auch nicht herum und hebe Steine auf, um zu sehen, was darunter lebt.� Sofort wurde ihr bewu�t, da� sie sich hatte verleiten lassen, zu weit zu gehen. Mit M�he b�ndigte sie ihre Erregung.</p><p>Es w�re nichts damit gewonnen, Vorkosigan gerade in dem Augenblick neue Feinde zu machen, wo er seine Pflichten auf sich nahm.</p><p>Vorpatril, der sich jetzt an seine Verantwortung als Begleiter erinnerte, begann: �Oberstleutnat, Sie wissen nicht, wer���</p><p><emphasis>�Nein��</emphasis> stellen Sie uns nicht vor, Lord Vorpatril�, unterbrach ihn Cordelia. �Das w�re nur eine weitere Peinlichkeit f�r uns.� Sie kniff sich mit Daumen und Zeigefinger in ihren Nasenr�kken, schlo� die Augen und suchte nach vers�hnlicheren Worten. <emphasis>Und ich pflegte stolz darauf zu sein, wie ruhig ich immer blieb. </emphasis>Sie schaute wieder in ihre w�tenden Gesichter.</p><p>�Oberstleutnant! Euer Lordschaft!� Sie leitete den Titel des jungen Mannes aus der Erw�hnung seines Vaters ab, der unten inmitten der Grafen sa�. �Meine Worte waren voreilig und heftig, und ich nehme sie zur�ck. Ich hatte kein Recht, eine private Unterhaltung zu kommentieren. Ich entschuldige mich. In aller Ergebenheit.�</p><p>�Das sollten Sie wohl�, versetzte der junge Lord.</p><p>Sein Bruder besa� mehr Selbstbeherrschung und antwortete widerstrebend: �Ich nehme Ihre Entschuldigung an, Madame. Ich nehme an, der Leutnant ist ein Verwandter von Ihnen. Ich entschuldige mich f�r jede Art von Beleidigung, die Ihrer Empfindung nach in meinen Worten enthalten war.�</p><p>�Und ich nehme Ihre Entschuldigung an, Oberstleutnant. Obwohl Leutnant Koudelka kein Verwandter von mir ist, sondern mein zweitliebster�� Feind.� Sie hielt inne, und sie tauschten ein Stirnrunzeln miteinander aus: sie aus Ironie, er aus Verwirrung. �Ich m�chte jedoch etwas von Ihnen erbitten, mein Herr: Machen Sie nie eine derartige Bemerkung wie zuvor in H�rweite von Admiral Vorkosigan. Koudelka war einer seiner Offiziere an Bord der <emphasis>General Vorkraft,</emphasis> und er ist in seiner Verteidigung w�hrend jener politischen Meuterei letztes Jahr verwundet worden. Vorkosigan liebt ihn wie einen Sohn.�</p><p>Der Fregattenkapit�n beruhigte sich, obwohl Droushnakovi immer noch dreinschaute, als h�tte sie einen schlechten Geschmack im Mund. Er l�chelte leicht: �Wollen Sie damit andeuten, ich w�rde mich dann beim Wachdienst auf der Insel Kyril wiederfinden?�</p><p>Was war die Insel Kyril? Anscheinend ein ferner und unangenehmer Au�enposten. �Ich�� bezweifle das. Er w�rde nicht sein Amt benutzen, um einem pers�nlichen Groll nachzugeben. Aber es w�rde ihm unn�tigen Kummer bereiten.�</p><p>�Madame.� Sie hatte ihn jetzt v�llig verwirrt, diese so unscheinbar wirkende Frau, so fehl am Platz auf der glitzernden Galerie. Er wendete sich wieder mit seinem Bruder zusammen nach vorn, um dem Geschehen unten im Saal zu folgen, und alle bewahrten ein befangenes Schweigen w�hrend weiterer zwanzig Minuten, bis die Zeremonien zum Mittagsmahl zu Ende kamen. Die Menschenmengen aus dem Saal und von der Galerie str�mten hinaus, um sich auf den Korridoren der Macht zu begegnen.</p><p>Sie fand Vorkosigan mit Koudelka an seiner Seite im Gespr�ch mit seinem Vater, Graf Piotr, und einem anderen Mann in Grafenrobe.</p><p>Vorpatril lieferte sie ab und verschwand, und Aral begr��te sie mit einem m�den L�cheln.</p><p>�Lieber Captain, h�ltst du immer noch durch? Ich m�chte, da� du Graf Vorhalas kennenlernst. Admiral Rulf Vorhalas war sein j�ngerer Bruder. Wir m�ssen bald aufbrechen, wir sind zu einem privaten Essen mit der Prinzessin und mit Prinz Gregor eingeladen.�</p><p>Graf Vorhalas beugte sich tief �ber ihre Hand. �Mylady, ich f�hle mich geehrt.�</p><p>�Graf, ich�� begegnete Ihrem Bruder nur kurz. Aber Admiral Vorhalas machte auf mich einen Eindruck als Mann von �berragenden Qualit�ten.�</p><p><emphasis>Und meine Seite hat ihn in die Luft gejagt.</emphasis> Ihr war nicht recht wohl, mit ihrer Hand in der seinen, aber er schien keine pers�nlichen Animosit�ten gegen sie zu hegen.</p><p>�Danke, Mylady. Wir waren alle dieser Meinung. Aha, da sind ja die Jungen. Ich habe ihnen versprochen, sie vorzustellen. Evon brennt auf einen Posten im Stab, aber ich habe ihm gesagt, da� er sich den verdienen mu�. Ich w�nsche mir, Carl h�tte ebensoviel Interesse f�r den Dienst. Meine Tochter wird vor Neid fast vergehen. Sie haben alle M�dchen aufgew�hlt, wissen Sie das, Mylady?�</p><p>Der Graf rannte davon, um seine S�hne herbeizuholen. O <emphasis>Gott,</emphasis> dachte Cordelia, <emphasis>das mu�ten ausgerechnet sie sein.</emphasis></p><p>Die beiden M�nner, die auf der Galerie vor ihr gesessen waren, wurden ihr vorgestellt. Beide erbleichten und beugten sich nerv�s �ber ihre Hand.</p><p>�Aber ihr seid euch schon begegnet�, sagte Vorkosigan. �Ich habe euch auf der Galerie miteinander reden sehen. Was f�r ein anregendes Gespr�chsthema hattet ihr denn, Cordelia?�</p><p>�Ach�� Geologie. Zoologie. H�flichkeit. Besonders H�flichkeit. Wir hatten eine sehr weitgespannte Diskussion. Wir haben jeder etwas vom anderen gelernt, so meine ich.� Sie l�chelte und zuckte mit keinem Augenlid.</p><p>Oberstleutnant Evon Vorhalas blickte reichlich unbehaglich drein und sagte: �Ja, ich habe�� etwas gelernt, was ich nie vergessen werde, Mylady.�</p><p>Vorkosigan fuhr mit der Vorstellung fort: �Oberstleutnant Evon Vorhalas, Lord Carl, Leutnant Koudelka.�</p><p>Koudelka, der beladen war mit Schreibfolien, Disketten, dem Kommandostab des Oberbefehlshabers der Streitkr�fte, den man gerade Vorkosigan als designiertem Regenten �bergeben hatte, und seinem eigenen Stock, war unsicher, ob er die H�nde sch�tteln oder salutieren sollte, und so brachte er keines von beiden fertig, statt dessen fiel ihm alles auf den Boden. Das Bem�hen der anderen, beim Aufheben zu helfen, hatte ein allgemeines Durcheinander zur Folge, und Koudelka lief rot an, w�hrend er sich nach seinen Sachen b�ckte. Droushnakovi und er griffen zur gleichen Zeit nach seinem Stock.</p><p>�Ich brauche Ihre Hilfe nicht, Fr�ulein�, fauchte Koudelka sie leise an, und sie prallte zur�ck und stellte sich steif hinter Cordelia.</p><p>Oberstleutnant Vorhalas gab ihm einige Disketten zur�ck. �Verzeihen Sie�, sagte Koudelka, �danke.�</p><p>�Nichts zu danken, Leutnant. Ich bin selbst einmal beinahe von Disruptor-Feuer getroffen worden. Das hat mir einen h�llischen Schreck eingejagt. Sie sind ein Beispiel f�r uns alle.�</p><p>�Es�� hat nicht weh getan.�</p><p>Cordelia, die aus pers�nlicher Erfahrung wu�te, da� dies eine L�ge war, blieb ruhig, denn sie war zufrieden. Die Gruppe trennte sich in verschiedene Richtungen. Cordelia machte bei Evon Vorhalas halt.</p><p>�Es freut mich, da� ich Sie kennengelernt habe, Herr Oberstleutnant. Ich prophezeie Ihnen, da� Sie es in Ihrer Karriere weit bringen werden�� und <emphasis>nicht</emphasis> in Richtung der Insel Kyril.�</p><p>Vorhalas l�chelte angespannt. �Ich glaube, auch Sie werden es weit bringen, Mylady.� Sie verabschiedeten sich mit einem vorsichtigen und h�flichen Nicken, und Cordelia wandte sich um, nahm Vorkosigans Arm und folgte ihm zu seiner n�chsten Aufgabe, mit Koudelka und Droushnakovi im Schlepptau.</p><p>Der Kaiser von Barrayar glitt eine Woche sp�ter in sein endg�ltiges Koma, siechte aber noch eine weitere Woche dahin. Eines Morgens wurden Aral und Cordelia in aller Fr�he von einem besonderen Boten aus der Kaiserlichen Residenz aus dem Bett geholt mit den einfachen Worten: �Der Doktor denkt, es ist so weit, Exzellenz.� Sie kleideten sich hastig an und begleiteten den Boten in den sch�nen Raum, den Ezar f�r die letzten Monate seines Lebens ausgew�hlt hatte. Die wertvollen Antiquit�ten waren von medizinischen Ger�ten von anderen Planeten in den Hintergrund gedr�ngt worden.</p><p>Der Raum war voller Menschen: den �rzten des alten Mannes, Vortala, Graf Piotr, die Prinzessin und Prinz Gregor, verschiedenen Ministern und einigen M�nnern vom Generalstab. Sie hielten eine stille, stehende Totenwache, fast eine Stunde lang, und dann kam �ber die reglose, verfallene Gestalt auf dem Bett fast unmerkbar eine tiefere Stille. Cordelia dachte, welch schauerliche Szene dies f�r den Jungen sein mu�te, aber seine Anwesenheit schien aus zeremoniellen Gr�nden notwendig. Sehr leise wandten sie sich um, Vorkosigan zuerst, knieten vor Gregor nieder, legten ihre H�nde in die seinen und erneuerten ihre Treueeide.</p><p>Auch Cordelia wurde von Vorkosigan angeleitet, vor dem Jungen niederzuknien. Der Prinz�� jetzt Kaiser�� hatte das Haar seiner Mutter, aber haselnu�braune Augen wie Ezar und Serg, und Cordelia ertappte sich bei der �berlegung, wieviel von seinem Vater oder seinem Gro�vater in ihm verborgen war, dessen Ausdruck nur auf die Macht wartete, die mit dem entsprechenden Alter kommen w�rde. <emphasis>Tr�gst du einen Fluch in deinen Chromosomen, Kind?</emphasis> ging es ihr durch den Kopf, als ihre H�nde in die seinen gelegt wurden. Ob Fluch oder Segen, dennoch leistete sie ihm ihren Eid. Die Worte schienen ihre letzte Bindung an Kolonie Beta zu durchschneiden, sie l�ste sich mit einem <emphasis>Ping!, </emphasis>das nur f�r Cordelia h�rbar war. <emphasis>Jetzt bin ich eine Barrayaranerin.</emphasis> Es war eine lange, sonderbare Reise gewesen, die begonnen hatte mit dem Anblick eines Paars Stiefel im Schlamm und die jetzt endete in diesen unbefleckten Kinderh�nden.</p><p><emphasis>Wei�t du, Junge, da� ich half, deinen Vater zu t�ten? Wirst du das je erfahren?</emphasis></p><p>Sie fragte sich, ob es R�cksichtnahme oder Versehen gewesen war, da� man nie von ihr verlangt hatte, Ezar Vorbarra den Eid zu leisten.</p><p>Von allen Anwesenden weinte nur Oberst Negri. Cordelia nahm dies nur wahr, weil sie direkt neben ihm stand, im dunkelsten Winkel des Raums, und sah, wie er zweimal sein Gesicht mit dem R�cken seiner Hand abwischte. F�r einen Augenblick war sein Gesicht von Rot �berzogen und tiefer gefurcht, als er vortrat, um seinen Eid zu leisten, zeigten seine Z�ge wieder ihre normale ausdruckslose H�rte.</p><p>Die f�nf Tage der Trauerzeremonien, die dann folgten, waren aufreibend f�r Cordelia, aber�� zu dieser Einsicht kam sie�� nicht so aufreibend, wie die Feierlichkeiten f�r Kronprinz Serg, die zwei Wochen lang gedauert hatten, obwohl ein Leichnam als Mittelpunkt gefehlt hatte. F�r die �ffentliche Meinung war Prinz Serg den Tod eines heldenhaften Soldaten gestorben. Nach Cordelias Z�hlung kannten nur f�nf Menschen die ganze Wahrheit �ber jenes raffinierte Attentat. Nein, nur vier, nun, da Ezar nicht mehr lebte. Vielleicht war das Grab der beste Verwahrungsort f�r Ezars Geheimnisse. Nun, die Qual des alten Mannes war vor�ber, seine Zeit vorbei, seine �ra am Vergehen.</p><p>Es gab keine eigentliche Kr�nung f�r den Knabenkaiser, statt dessen einige Tage, die �berraschend gesch�ftsm��ig, wenn auch in eleganter Kleidung, wieder in den Kammern der R�te verbracht wurden, mit der Eidesleistung von Ministern, Grafen, einer Schar ihrer Angeh�rigen und allen anderen, die ihren Schwur nicht schon in Ezars Sterbezimmer getan hatten. Auch Vorkosigan wurden Eide geleistet, und je mehr es waren, um so schwerer schien die Last auf seinen Schultern zu werden, als ob jeder einzelne von ihnen ein me�bares Gewicht h�tte.</p><p>Der Junge hielt sich gut, unter engem Beistand seiner Mutter. Kareen trug daf�r Sorge, da� Gregors stundenweise Ruhepausen von den gesch�ftigen, ungeduldigen M�nnern respektiert wurden, die sich in der Hauptstadt versammelt hatten, um ihrer Verpflichtung nachzukommen. Die Merkw�rdigkeit des barrayaranischen Regierungssystems mit all seinen ungeschriebenen Br�uchen dr�ngte sich Cordelia nicht beim ersten Blick auf, sondern nach und nach. Und doch schien es irgendwie f�r die Leute hier zu funktionieren. Sie machten, da� es funktionierte. Durch �so-tun-als-ob� eine Regierung hervorbringen. Vielleicht sind alle Regierungsformen im Kern solche Fiktionen durch Konsens.</p><p>Nachdem die Flut der Zeremonien verebbt war, begann Cordelia endlich, ihre h�usliche Routine im Palais Vorkosigan einzurichten. Allerdings gab es da nicht viel zu tun. An den meisten Tagen verlie� Vorkosigan bei Morgengrauen das Haus, mit Koudelka im Schlepptau, und kehrte erst nach Einbruch der Dunkelheit zur�ck, nahm einen kalten Abendimbi� zu sich und schlo� sich bis zur Bettzeit in der Bibliothek ein oder empfing dort irgendwelche Leute. Cordelia sagte sich, seine lange Arbeitszeit sei der Tribut an den Beginn seiner neuen T�tigkeit. Er w�rde sich eingew�hnen und dann effizienter werden, wenn nicht mehr alles zum erstenmal getan w�rde. Sie erinnerte sich an ihr erstes Raumschiffkommando im Betanischen Astronomischen Erkundungsdienst�� das war gar noch nicht so lange her�� und an ihre ersten Monate von nerv�ser �berbereitschaft. Sp�ter waren die m�hevoll erlernten Aufgaben erst automatisch, dann nahezu unbewu�t geworden, und ihr Privatleben war wieder aufgetaucht. Genauso w�rde es mit Aral geschehen. Sie wartete geduldig und l�chelte, wenn sie ihn sah.</p><p>Au�erdem hatte sie ja eine Aufgabe: die Schwangerschaft. Das war eine Aufgabe von nicht geringem Status, der Verh�tschelung nach zu urteilen, die ihr von allen zuteil wurde, angefangen von Graf Piotr bis zur K�chenmagd, die ihr zwischendurch nahrhafte kleine Happen brachte. Soviel Zuspruch hatte sie nicht einmal dann bekommen, wenn sie von einer einj�hrigen Erkundungsmission ohne einen einzigen Unfall zur�ckkam.</p><p>Die Fortpflanzung schien hier viel begeisterter gef�rdert zu werden als auf Kolonie Beta.</p><p>An einem Nachmittag lag sie nach dem Mittagessen mit den F��en nach oben auf einem Sofa in einem schattigen Innenhof zwischen dem Haus und seinem r�ckw�rtigen Garten und dachte �ber die verschiedenartigen Fortpflanzungsbr�uche von Barrayar und Kolonie Beta nach. Den F�tus im Uterusreplikator, der k�nstlichen Geb�rmutter, wachsen zu lassen, war hier unbekannt. Auf Kolonie Beta waren Replikatoren die popul�rste Methode, gew�hlt im Verh�ltnis drei zu eins, aber eine gro�e Minderheit hielt sich aufgrund behaupteter psychosozialer Vorteile an die altmodische nat�rliche Methode. Cordelia hatte nie Unterschiede zwischen �Vitro�- und �Vivo�-Babies feststellen k�nnen, jedenfalls nicht zu der Zeit, wenn sie mit zweiundzwanzig erwachsen wurden. Ihr Bruder war vivo gewesen, sie selbst vitro, die Gef�hrtin ihres Bruders hatte f�r beide ihre Kinder vivo gew�hlt und damit ganz sch�n geprahlt.</p><p>Cordelia hatte immer angenommen, sie w�rde, wenn die Reihe an sie k�me, ihr eigenes Kind in einer Replikatorenbank am Beginn einer Erkundungsmission zeugen lassen, und dann w�re es bei ihrer R�ckkehr bereit, von ihr in die Arme genommen zu werden. Falls sie zur�ckkehrte�� das war immer der m�gliche Haken daran, wenn sie das dunkle Unbekannte erkundete. Und sie hatte ebenfalls angenommen, da� sie einen interessierten Gef�hrten finden w�rde, mit dem sie sich zusammentun k�nnte und der willens und f�hig w�re, die medizinischen, psychologischen und �konomischen Tests abzulegen und den Kurs mitzumachen, der f�r eine Elternlizenz qualifizierte.</p><p>Aral war dabei, ein hervorragender Vater zu werden, dessen war sie sich sicher. Falls er je wieder auf den Boden herabkam, von seiner neuen hohen Stellung. Sicherlich mu�te der erste Ansturm bald vor�ber sein. Es war ein langer Fall von jener hohen Stelle, mit keinem Landeplatz in Sicht. Aral war ihr sicherer Hafen. Wenn er zuerst fiel�� Sie zwang ihre �berlegungen entschlossen in positivere Bahnen.</p><p>Nun, die Familien<emphasis>gr��e,</emphasis> das war die wirkliche, geheime, schlimme Faszination von Barrayar. Es gab hier keine gesetzlichen Beschr�nkungen, keine Zertifikate, die man sich verdienen mu�te, keine knapp bemessenen Drittkinder-Abweichungen, tats�chlich gab es �berhaupt keine Regeln.</p><p>Sie hatte auf der Stra�e eine Frau gesehen, die nicht drei, sondern vier Kinder hinter sich herschleppte, und niemand gaffte sie an. Cordelia hatte ihren eigenen Nachwuchs in ihrer Vorstellung von zwei auf drei vermehrt und sich herrlich s�ndig dabei gef�hlt, bis sie eine Frau mit zehn Kindern traf. Vier vielleicht? Sechs? Vorkosigan konnte es sich leisten. Cordelia kr�mmte ihre Zehen und kuschelte sich in die Kissen, sie schwebte auf einer atavistischen Wolke genetischer Gier.</p><p>Barrayars Wirtschaft war jetzt weit offen, sagte Aral, trotz der Verluste des letzten Krieges. Diesmal hatte die Oberfl�che des Planeten keine Sch�den davongetragen. Die Trockenlegung des zweiten Kontinents er�ffnete tagt�glich neue Horizonte, und sobald der neue Planet Sergyar f�r die Kolonisation freigegeben war, w�rde sich der Erfolg verdreifachen.</p><p>�berall herrschte Arbeitskr�ftemangel, die L�hne stiegen. Barrayar betrachtete sich selbst als entschieden unterbev�lkert. Vorkosigan bezeichnete die wirtschaftliche Situation als sein G�ttergeschenk, politisch gesehen. Cordelia war der gleichen Ansicht, aus pers�nlicheren, geheimeren Gr�nden: <emphasis>Rudel</emphasis> kleiner Vorkosigans��</p><p>Sie k�nnte eine Tochter haben. Nicht nur eine, sondern zwei�� Schwestern! Cordelia hatte nie eine Schwester gehabt. Oberst Vorpatrils Frau hatte zwei, hatte sie gesagt.</p><p>Cordelia hatte Lady Vorpatril bei einer der seltenen politischgesellschaftlichen Einladungen in Palais Vorkosigan kennengelernt. Das Ereignis wurde reibungslos organisiert vom Personal des Palais Vorkosigan. Alles, was Cordelia zu tun hatte, war, angemessen gekleidet zu erscheinen (sie hatte sich mehr Kleider gekauft), viel zu l�cheln und ihren Mund zu halten. Sie h�rte fasziniert zu und versuchte, noch mehr dar�ber herauszubringen, wie die Dinge hier liefen.</p><p>Alys Vorpatril war ebenfalls schwanger. Lord Vorpatril hatte die beiden zusammengebracht und sich dann aus dem Staub gemacht. Nat�rlich hatten sie gefachsimpelt. Lady Vorpatril jammerte viel �ber ihre pers�nlichen Beschwerden. Cordelia kam zu dem Schlu�, da� sie selbst Gl�ck hatte, das Mittel gegen �belkeit wirkte, mit der gleichen chemischen Formel wie zu Hause, und sie war nur auf nat�rliche Weise m�de, nicht vom Gewicht des noch winzigen Babys, sondern von der �berraschenden Belastung des Stoffwechsels. <emphasis>Pinkeln f�r zwei, </emphasis>nannte Cordelia dies bei sich. Nun, wie schwer konnte die Mutterschaft noch sein, nach der Mathematik der f�nfdimensionalen Navigation?</p><p>Falls man nat�rlich Alys� gefl�sterte geburtsmedizinische Horrorgeschichten beiseite lie�. Blutungen, Anf�lle, Nierenversagen, Geburtsverletzungen, Sauerstoffunterversorgung von kindlichen Gehirnen, Kinderk�pfe, die gr��er waren als der Geburtskanal, und ein in Kr�mpfen zuckender Uterus, der Mutter und Kind zu Tode brachte�� Medizinische Komplikationen waren nur ein Problem, wenn man von der Geburt allein und isoliert �berrascht wurde, und mit diesen Scharen von Wachen um sie herum d�rfte ihr das wohl nicht zusto�en. Bothari als Hebamme? Ein verwirrender Gedanke. Sie schauderte.</p><p>Sie rollte sich auf ihrem Gartensofa auf die andere Seite und runzelte die Stirn. Ach ja, Barrayars primitive Medizin. Es stimmte, M�tter hatten Hundertausende von Jahren hindurch Kinder zur Welt gebracht, im Zeitalter vor der Raumfahrt, mit weniger Hilfe als hier auf Barrayar verf�gbar war. Aber trotzdem qu�lte sie noch der besorgte Gedanke: <emphasis>Vielleicht sollte ich f�r die Geburt nach Hause zur�ckkehren?</emphasis></p><p>Nein. Sie war jetzt eine Barrayaranerin, durch Eid gebunden wie der Rest dieser Verr�ckten. Nach Hause war es eine Reise von zwei Monaten. Und au�erdem, so weit sie wu�te, gab es immer noch einen g�ltigen Haftbefehl f�r sie, in dem ihr Fahnenflucht, Verdacht der Spionage, Betrug, antisoziale Gewaltt�tigkeit vorgeworfen wurde�� wahrscheinlich h�tte sie nicht versuchen sollen, jene idiotischen Armeepsychiaterin in ihrem Aquarium zu ertr�nken, vermutete Cordelia und seufzte bei der Erinnerung an ihren qu�lenden und chaotischen Abschied von Kolonie Beta. W�rde ihr guter Ruf je wieder hergestellt werden? Sicher nicht, solange Ezars Geheimnisse in nur vier K�pfen aufbewahrt wurden.</p><p>Nein. Kolonie Beta war f�r sie verschlossen, hatte sie vertrieben. Barrayar besa� kein Privileg auf politische Idiotie, soviel war sicher.</p><p><emphasis>Ich komme mit Barrayar zurecht. Aral und ich. Darauf kannst du wetten.</emphasis></p><p>Es war Zeit, ins Haus zu gehen. Die Sonne verursachte ihr leichte Kopfschmerzen.</p></section><section><title><p>KAPITEL 4</p></title><p>Ein Aspekt ihres neuen Lebens als Gemahlin des Regenten, mit dem Cordelia leichter zurechtkam, als sie erwartet hatte, war der Zustrom von pers�nlichen Wachen in ihr Heim. Ihre Erfahrungen im Betanischen Erkundungsdienst und Vorkosigans Erfahrungen im barrayaranischen Milit�r hatten ihnen beiden Praxis darin gegeben, eng aufeinander zu leben. Cordelia brauchte nicht lange, bis sie die Leute in den Uniformen kannte und sie in ihrer Art akzeptierte. Die Wachen waren eine lebhafte junge Gruppe, handverlesen f�r ihren Dienst und stolz darauf. Wenn allerdings auch Piotr mit all seinen Livrierten im Haus war, dann wurde Cordelias Gef�hl, in einer Kaserne zu wohnen, akut.</p><p>Es war der Graf, der zuerst die Idee aufbrachte, zwischen Illyans Leuten und seinen M�nnern ein inoffizielles Turnier im Nahkampf abzuhalten.</p><p>Obwohl der Sicherheitskommandant etwas von freiem Training auf des Kaisers Kosten murmelte, wurde ein Kampfring im Hintergarten eingerichtet, und der Wettbewerb wurde schnell zu einer allw�chentlichen Tradition. Selbst Koudelka trat in den Ring, als Schiedsrichter und Experte, w�hrend Piotr und Cordelia f�r Beifall sorgten. Zu Cordelias Befriedigung schaute Vorkosigan zu, wann immer seine Zeit es erlaubte, sie f�hlte, er brauchte die Pausen in der aufreibenden Routine der Regierungsgesch�fte, der er sich tagt�glich unterwarf.</p><p>Als sich Cordelia an einem sonnigen Herbstmorgen auf ihrem Gartensofa niederlie�, um�� betreut von ihrem Dienstm�dchen�� den Wettkampf zu beobachten, da fragte sie aus heiterem Himmel: �Warum machen Sie nicht mit, Drou? Sicherlich brauchen Sie die �bung genauso wie jeder von ihnen. Der Vorwand f�r diese Sache hier�� nicht da� ihr Barrayaraner einen Vorwand zu brauchen scheint, um K�rperverletzung zu �ben�� <emphasis>war</emphasis> doch in erster Linie, da� dadurch alle auf Draht bleiben sollen.�</p><p>Droushnakovi blickte sehns�chtig in den Kampfring, aber sie sagte: �Man hat mich nicht eingeladen, Mylady.�</p><p>�Das hat irgend jemand plumperweise �bersehen. Hm. Ich sage Ihnen was�� gehen Sie und ziehen Sie sich um. Sie k�nnen mein Team sein. Aral kann heute seines selbst anfeuern. Ein richtiger barrayaranischer Wettkampf sollte ja sowieso mindestens drei Parteien haben, das ist Tradition.�</p><p>�Glauben Sie, da� das in Ordnung ist?�, fragte Droushnakovi zweifelnd. �Es k�nnte sein, da� sie es nicht m�gen.�</p><p>Die <emphasis>sie, </emphasis>um die es hier ging, waren die �echten� Wachen, wie Droushnakovi sie nannte, die M�nner in Livree.</p><p>�Aral w�rde es nichts ausmachen. Und jeder andere, der was dagegen hat, kann sich mit ihm streiten. Wenn er es wagt.� Cordelia grinste, und Droushnakovi erwiderte das Grinsen, dann eilte sie weg.</p><p>Aral kam und lie� sich bequem neben ihr nieder, und sie erz�hlte ihm von ihrem Plan. Er hob die Augenbrauen. �Eine betanische Neuerung? Nun ja, warum nicht? Mach dich aber auf Sticheleien gefa�t.�</p><p>�Ich bin darauf gefa�t. Sie werden aber gar nicht so sehr zu Witzeleien aufgelegt sein, wenn Droushnakovi ein paar von ihnen fertigmacht. Ich denke, sie kann das�� auf Kolonie Beta w�re dieses M�dchen schon jetzt Offizier eines Kommandos. All dieses nat�rliche Talent wird damit vergeudet, da� sie den ganzen lieben langen Tag hinter mir hertrottet. Wenn sie es nicht kann�� nun, dann sollte sie mich sowieso nicht bewachen, oder?� Ihr Blick traf den seinen.</p><p>�Diesen Punkt hast du gewonnen�� Ich sorge daf�r, da� Koudelka sie in der ersten Runde gegen jemand von ihrer eigenen Gr��en- und Gewichtsklasse aufstellt. Absolut gesehen ist sie etwas klein.�</p><p>�Sie ist gr��er als du.�</p><p>�Der K�rpergr��e nach. Ich stelle mir aber vor, da� ich ein paar Kilo mehr habe als sie. Nichtsdestoweniger, dein Wunsch ist mir Befehl, uff.� Er stand wieder auf und ging hin, um Droushnakovi auf Koudelkas Kampfliste eintragen zu lassen. Cordelia konnte nicht h�ren, was sie am anderen Ende des Gartens miteinander redeten, aber sie erg�nzte den Dialog nach den Gesten und dem Mienenspiel auf ihre Weise und murmelte: �Aral: �Cordelia w�nscht, da� Droushnakovi mitmacht.� Kou: �O weh! Wer will denn <emphasis>M�dels?� </emphasis>Aral: �Sie gibt nicht nach.� Kou: �Sie bringen alles durcheinander und au�erdem heulen sie so viel. Feldwebel Bothari wird sie zerquetschen��� hm, ich hoffe, das ist es, was diese Geste bedeutet, sonst werden Sie obsz�n, Kou��, la� dein bl�des Grinsen, Vorkosigan�� Aral: �Meine Frau besteht darauf. Sie wissen ja, wie sehr ich unter dem Pantoffel stehe.� Kou: �O ja, geht in Ordnung.� Pffft. Verhandlung abgeschlossen: der Rest liegt bei Ihnen, Drou.�</p><p>Vorkosigan gesellte sich wieder zu ihr, �Alles geregelt. Sie startet gegen einen der M�nner meines Vaters.�</p><p>Droushnakovi kehrte zur�ck, in lockeren Freizeithosen und mit einem Strickhemd, das war aus ihrer Garderobe das, was den Trainingsanz�gen der M�nner am n�chsten kam. Der Graf trat heraus, um sich mit Feldwebel Bothari, seinem Teamchef, zu beraten und um neben ihnen ein sonniges Pl�tzchen f�r seine alten Knochen zu finden.</p><p>�Was bedeutet das?�, fragte Piotr, als Koudelka Droushnakovis Namen f�r die zweite Paarung aufrief. �F�hren wir jetzt betanische Sitten ein?�</p><p>�Das M�dchen hat eine Menge nat�rliches Talent�, erkl�rte Vorkosigan, �au�erdem braucht sie die �bung genauso wie jeder von ihnen�� sogar noch mehr, denn sie hat ja von allen die wichtigste Aufgabe.�</p><p>�Als n�chstes willst du noch Frauen in den Milit�rdienst nehmen�, beschwerte sich Piotr. �Wo wird das alles enden? Das m�chte ich gerne wissen.�</p><p>�Was ist verkehrt an Frauen im Milit�rdienst?�, fragte Cordelia, um ihn ein bi�chen zu reizen.</p><p>�Es ist unmilit�risch�, versetzte der alte Mann.</p><p>��Milit�risch� ist doch alles, was den Krieg gewinnt, sollte man meinen.�</p><p>Sie l�chelte sanft. Vorkosigan warnte sie freundschaftlich mit einem leichten Zwicken, und sie lie� davon ab, an dieser Stelle weiter zu bohren.</p><p>Aber das war sowieso nicht n�tig. Piotr wandte sich der Beobachtung seines K�mpfers zu und sagte nur: �Pfff!�</p><p>Der K�mpfer des Grafen untersch�tzte etwas sorglos seine Gegnerin und erkannte seinen Irrtum bei seinem ersten Niederwurf. Der r�ttelte ihn ganz sch�n wach. Die Zuschauer riefen derbe Kommentare. Beim n�chsten Wurf pre�te er sie an den Boden.</p><p>�Koudelka hat hier ein bi�chen schnell gez�hlt, nicht wahr?�, fragte Cordelia, als der K�mpfer des Grafen Droushnakovi nach der Entscheidung aufstehen lie�.</p><p>�Mm, vielleicht�, sagte Vorkosigan in unverbindlichem Ton. �Sie h�lt sich auch ein bi�chen zur�ck, merke ich. Sie wird es nie bis zur n�chsten Runde schaffen, wenn sie sich hier so verh�lt.�</p><p>Bei der n�chsten Begegnung, der entscheidenden f�r das Zwei-von-Drei, verwendete Droushnakovi eine erfolgreiche Armsperre, lie� aber dann den Gegner entschl�pfen.</p><p>�Ach, schade�, murmelte der Graf vergn�gt.</p><p>�Sie h�tten ihn zwingen sollen, die Sperre zu durchbrechen!�, rief Cordelia, die immer engagierter wurde. Der Mann des Grafen lie� sich weich und nachl�ssig auf den Boden fallen. �Ausrufen, Kou!� Aber der Schiedsrichter, der sich auf seinen Stock st�tzte, lie� es durchgehen. Auf jeden Fall entdeckte Droushnakovi eine Gelegenheit f�r einen W�rgegriff und n�tzte sie.</p><p>�Warum klopft er nicht ab?�, fragte Cordelia.</p><p>�Er w�rde lieber ohnm�chtig werden�, erwiderte Aral. �Auf diese Weise mu� er nicht seinen Freunden zuh�ren.�</p><p>Droushnakovi begann zweifelnd dreinzublicken, als das unter ihrem Arm eingeklammerte Gesicht dunkelrot anlief. Cordelia sah, da� Droushnakovi drauf und dran war, loszulassen, sie sprang auf und rief: �Halten Sie durch, Drou! Lassen Sie sich nicht von ihm t�uschen!� Droushnakovi packte fester zu, und der andere h�rte auf zu zappeln.</p><p>�Los, rufen Sie aus, Koudelka�, rief Piotr, der mit Bedauern seinen Kopf sch�ttelte. �Er hat heute abend Dienst.� Und so ging die Runde an Droushnakovi.</p><p>�Gute Arbeit, Drou!�, sagte Cordelia, als Droushnakovi zu ihnen zur�ckkehrte. �Aber Sie m�ssen aggressiver werden. Lassen Sie Ihren Killerinstinkt heraus.�</p><p>�Ich bin der gleichen Meinung�, sagte Vorkosigan unerwarteterweise.</p><p>�Das winzige Z�gern, das Sie an den Tag legen, k�nnte t�dlich sein�� und nicht nur f�r Sie selbst.� Er schaute sie fest an. �Sie �ben hier f�r die Realit�t, obwohl wir alle darum beten, da� eine solche Situation nie eintritt. Aber die Art von totalem Einsatz, die sie verlangt, sollte absolut automatisch sein.�</p><p>�Jawohl, Sir. Ich werde mich bem�hen, Sir.�</p><p>In der n�chsten Runde k�mpfte Sergeant Bothari, der seinen Gegner zweimal kurz hintereinander auf den Boden legte. Der Besiegte kroch aus dem Ring. Einige weitere Runden gingen vor�ber, und dann war wieder Droushnakovi an der Reihe, diesmal mit einem von Illyans M�nnern.</p><p>Sie gerieten aneinander, und im Kampf zwickte er sie kr�ftig in ihr Hinterteil, was Buhrufe aus dem Publikum hervorrief. In ihrem �rger und ihrer Verwirrung ri� er sie aus ihrem Gleichgewicht zu einem ziemlich sauberen Wurf.</p><p>�Hast du das gesehen!�, rief Cordelia Aral zu. �Das war ein schmutziger Trick.�</p><p>�Mmm. Es war allerdings keiner der acht verbotenen Schl�ge. Man k�nnte ihn deswegen nicht disqualifizieren. Jedoch��� Er forderte Koudelka mit einem Wink zu einer Auszeit auf und rief Droushnakovi zu sich f�r ein paar ruhige Worte.</p><p>�Wir haben den Streich gesehen�, murmelte er. Sie pre�te die Lippen aufeinander, ihr Gesicht war ganz rot. �Nun, da Sie Lady Cordelias K�mpferin sind, ist jede Beleidigung Ihrer Person auch eine Beleidigung von Mylady. Und au�erdem ist es ein b�ser Pr�zedenzfall. Es ist mein Wunsch, da� Ihr Gegner den Ring nicht mit Bewu�tsein verl��t. Wie Sie das machen, ist Ihr Problem. Sie k�nnen das als einen Befehl auffassen, wenn Sie das m�chten. Und machen Sie sich auch keine unn�tigen Sorgen �ber das Brechen von Knochen�, f�gte er k�hl hinzu.</p><p>Droushnakovi kehrte in den Ring zur�ck mit einem leichten L�cheln und zusammengekniffenen, funkelnden Augen. Nach einer Finte landete sie einen blitzschnellen Sto� gegen das Kinn ihres Gegners, dann einen Faustschlag in seinen Bauch und zuletzt einen tiefen Sto� mit dem K�rper gegen seine Knie, der ihn mit einem Bums auf die Matte warf. Er kam nicht mehr hoch. Es herrschte ein leicht schockiertes Schweigen.</p><p>�Du hast recht�, sagte Vorkosigan, �sie hatte sich vorhin zur�ckgehalten.�</p><p>Cordelia l�chelte selbstgef�llig und machte es sich bequemer auf dem Sofa. �Ich dachte es mir doch.�</p><p>Die n�chste Runde, bei der Droushnakovi drankam, war das Semifinale, und durch den Zufall der Auslosung war ihr Gegner Sergeant Bothari.</p><p>�Hm�, murmelte Cordelia zu Vorkosigan. �Ich bin mir nicht im klaren �ber die Psychodynamik dieses Kampfes. Ist das sicher? Ich meine f�r beide, nicht nur f�r sie. Und nicht nur k�rperlich.�</p><p>�Ich denke schon�, erwiderte er, gleichfalls leise. �Das Leben im Dienste des Grafen war eine h�bsche, ruhige Routine f�r Bothari. Er hat immer seine Medikamente eingenommen. Ich glaube, er ist im Augenblick in ziemlich guter Verfassung. Und die Atmosph�re des �bungsrings ist f�r ihn sicher und vertraut. Da� er durchdreht, dazu braucht es mehr Spannung, als Drou schaffen kann.�</p><p>Cordelia nickte befriedigt und lehnte sich zur�ck, um den Kampf zu beobachten. Droushnakovi sah nerv�s aus.</p><p>Der Anfang war langsam, und dabei konzentrierte sich Droushnakovi haupts�chlich darauf, au�er Reichweite zu bleiben. Als er sich umdrehte, um den Kampf zu beobachten, dr�ckte Leutnant Koudelka aus Versehen den Ausl�ser an seinem Stockdegen, und die Scheide scho� davon in die B�sche. Bothari war f�r einen Augenblick abgelenkt, und Drou schlug zu, tief und schnell. Bothari landete sauber mit einem festen Aufprall, obwohl er unmittelbar danach wieder auf die F��e kam, fast ohne Unterbrechung.</p><p>�Oh, ein guter Wurf!�, rief Cordelia begeistert. Drou schaute genauso verwundert drein wie alle anderen. �Ausrufen, Kou!�</p><p>Leutnant Koudelka runzelte die Stirn. �Es war kein fairer Wurf, Mylady.�</p><p>Einer von den M�nnern des Grafen hob die Scheide auf und Koudelka steckte die Waffe wieder ein. �Es war meine Schuld. Unfaire Ablenkung.�</p><p>�Vor einer Weile haben Sie das andere keine unfaire Ablenkung genannt�, widersprach Cordelia.</p><p>�La� es sein, Cordelia�, sagte Vorkosigan ruhig.</p><p>�Aber er betr�gt sie um ihren Punkt!�, fl�sterte sie w�tend zur�ck. �Und um was f�r einen Punkt! Bothari war bis jetzt Spitze in jeder Runde.�</p><p>�Ja. Es brauchte sechs Monate �bung auf der alten <emphasis>General Vorkraft,</emphasis> bevor Koudelka ihn umwarf.�</p><p>�Oh. Hm.� Das gab ihr zu denken. �Eifersucht?�</p><p>�Hast du es nicht gesehen? Sie hat alles, was er verloren hat.�</p><p>�Ich habe gesehen, da� er bei Gelegenheit ziemlich grob zu ihr war. Es ist eine Schande. Sie ist offensichtlich��<emphasis>�</emphasis></p><p>Vorkosigan hob warnend den Finger. �Sprich dar�ber sp�ter. Nicht hier.�</p><p>Sie hielt inne, dann nickte sie zustimmend. �In Ordnung.�</p><p>Die Runde ging weiter, wobei Sergeant Bothari Droushnakovi praktisch durch die Matte dr�ckte, zweimal, ganz schnell, und dann seinen letzten Herausforderer mit nahezu gleicher Leichtigkeit erledigte.</p><p>Einige K�mpfer beratschlagten am anderen Ende des Gartens und sandten dann Koudelka, der als Emiss�r her�berhinkte.</p><p>�Sir? Wir haben �berlegt, ob Sie wohl eine Demonstrationsrunde einlegen w�rden. Mit Sergeant Bothari. Keiner von den Burschen hier hat das je gesehen.�</p><p>Vorkosigan winkte bei dieser Idee ab, nicht sehr �berzeugend. �Ich bin nicht in Form daf�r, Leutnant. �brigens, wie haben die das �berhaupt herausbekommen. Haben Sie ihnen Geschichten erz�hlt?�</p><p>Koudelka grinste: �Ein paar. Ich denke, es w�rde ihnen ein Licht aufstecken. Was f�r eine Art Spiel das wirklich sein kann.�</p><p>�Ein schlechtes Beispiel, f�rchte ich.�</p><p>�Ich habe dies nie gesehen�, murmelte Cordelia. �Ist das wirklich eine so gute Show?�</p><p>�Ich wei� nicht. Habe ich dich in letzter Zeit mal beleidigt? W�re es f�r dich eine Genugtuung zu sehen, wie Bothari mich zusammenschl�gt?�</p><p>�Ich denke, es w�re f�r dich�, sagte Cordelia und ging damit auf seinen offensichtlichen Wunsch ein, �berredet zu werden. �Ich denke, dir hat diese Art von Aktivit�t gefehlt, in diesem Leben im Hauptquartier, das du in letzter Zeit gef�hrt hast.�</p><p>�Ja��� Er erhob sich, w�hrend einige Leute klatschten, legte die Uniformjacke ab, die Schuhe, die Ringe und den Inhalt seiner Taschen und trat an den Ring heran, um sich dann zu strekken und Aufw�rm�bungen zu machen. �Sie sollten lieber Schiedsrichter machen, Kou�, rief er zur�ck. �Nur, damit es keine unn�tige Aufregung gibt.�</p><p>�Ja, Sir.� Koudelka wandte sich Cordelia zu, bevor er zur Kampfarena zur�ckhinkte. �Ahem. Erinnern Sie sich nur daran, Mylady, sie haben sich in den vier Jahren, wo sie diesen Sport trieben, nie umgebracht.�</p><p>�Warum nur empfinde ich das eher omin�s als beruhigend? Und doch: Bothari hat heute morgen sechs Runden gek�mpft. Vielleicht wird er jetzt m�de.�</p><p>Die beiden M�nner traten in der Arena aufeinander zu und verneigten sich formell. Koudelka zog sich hastig aus ihrer Reichweite zur�ck. Die rauhen, gutgelaunten Rufe der Zuschauer erstarben, w�hrend die eiskalte und konzentrierte Ruhe der beiden K�mpfer alle Blicke auf sich zog. Sie begannen, sich leichtf��ig zu umkreisen, dann trafen sie in einer blitzschnellen Aktion aufeinander. Cordelia sah nicht genau, was geschah, aber als sie sich wieder trennten, spuckte Vorkosigan Blut aus dem verletzten Mund, und Bothari kr�mmte sich �ber seinen Bauch.</p><p>Beim n�chsten Kontakt landete Bothari einen Tritt gegen Vorkosigans R�cken, dessen Echo von den Gartenmauern widerhallte und der ihn aus der Arena herausschleuderte. Vorkosigan rollte sich wieder hoch und rannte zur�ck, obwohl ihm der Atem wegblieb. Die M�nner, deren Schutz das Leben des Regenten anvertraut war, begannen einander besorgt anzublicken. Beim n�chsten Griff erlebte Vorkosigan einen heftigen Sturz, und sofort landete Bothari auf ihm f�r einen anschlie�enden W�rgegriff, Cordelia meinte, sie k�nnte sehen, wie sich seine Rippen unter den Knien auf seinem Brustkasten bogen. Ein paar von den Wachen st�rzten nach vorn, aber Koudelka winkte sie zur�ck, und Vorkosigan, dessen Gesicht dunkelrot anlief, klopfte ab.</p><p>�Erster Punkt an Sergeant Bothari�, rief Koudelka. �Die besten zwei von drei, Sir?�</p><p>Sergeant Bothari stand leicht l�chelnd da, und Vorkosigan blieb f�r eine Minute auf der Matte sitzen, um wieder zu Atem zu kommen. �Noch einen, auf jeden Fall. Mu� unbedingt meine Revanche bekommen. Nicht in Form.�</p><p>�Sagte ich Ihnen�, murmelte Bothari, Wieder umkreisten sie sich. Sie trafen aufeinander, trennten sich, trafen wieder aufeinander, und pl�tzlich vollf�hrte Bothari einen spektakul�ren Radschlag, w�hrend Vorkosigan unter ihn rollte, um eine Armsperre zu greifen, bei der er sich in seinem gedrehten Wurf fast die Schulter ausrenkte. Bothari zappelte kurz gegen den Fesselgriff, dann klopfte er ab.</p><p>Diesmal war es Bothari, der eine Minute lang auf der Matte sa�, bevor er wieder hochkam.</p><p>�Das ist unglaublich�, kommentierte Droushnakovi mit begeistertem Blick, �vor allem, wenn man bedenkt, um wieviel kleiner er ist.�</p><p>�Klein, aber gef�hrlich�, stimmte Cordelia fasziniert zu. �Denken Sie dran.�</p><p>Die dritte Runde war kurz. Ein Durcheinander von Griffen und Schl�gen und schlampigen gemeinsamen St�rzen endete pl�tzlich in einer Armfesselung mit Bothari in der Oberhand. Vorkosigan versuchte unklugerweise, die Sperre zu durchbrechen, und Bothari verrenkte ihm v�llig ausdruckslos den Ellbogen mit einem h�rbaren Knacks. Vorkosigan br�llte auf und klopfte ab. Wieder unterdr�ckte Koudelka den Impuls, unaufgefordert zur Hilfe zu eilen.</p><p>�Wieder einrenken, Sergeant�, st�hnte Vorkosigan von seinem Platz am Boden, und Bothari st�tzte einen Fu� auf seinen fr�heren Kapit�n und zog an dem Arm mit einem genau dosierten Ruck.</p><p>�Sie m�ssen dran denken�, keuchte Vorkosigan, �das nicht mehr zu tun.�</p><p>�Wenigstens hat er ihn diesmal nicht gebrochen�, sagte Koudelka aufmunternd und half ihm mit Botharis Unterst�tzung hoch. Vorkosigan hinkte zu seinem Gartenstuhl zur�ck und setzte sich sehr vorsichtig zu Cordelias F��en. Auch Bothari bewegte sich betr�chtlich langsamer und steifer.</p><p>�Und das�, sagte Vorkosigan, immer noch um Atem ringend, �war, wie�� wir das Spiel an Bord der alten <emphasis>General Vorkraft</emphasis> trieben.�</p><p>�All diese Anstrengung�, bemerkte Cordelia. �Und wie oft seid ihr wirklich in die Situation eines echten Nahkampfes geraten?�</p><p>�Sehr, sehr selten. Aber wenn, dann haben wir gewonnen.�</p><p>Die Gesellschaft l�ste sich auf, unter gemurmelten Kommentaren der anderen K�mpfer. Cordelia begleitete Aral, um seinem Ellbogen und seinem Mund Erste Hilfe angedeihen zu lassen und um ihm bei einer hei�en Dusche, dem anschlie�enden Trockenreiben und dem Umziehen zu helfen.</p><p>W�hrend sie ihn frottierte, brachte sie das Personalproblem zur Sprache, das sie seit einiger Zeit besch�ftigte.</p><p>�Meinst du, du k�nntest etwas zu Kou sagen �ber die Art, wie er Drou behandelt? Das pa�t gar nicht zu ihm. Sie macht schon fast Saltos im Bem�hen, nett zu ihm zu sein. Und er behandelt sie nicht einmal mit der gleichen H�flichkeit, die er einem seiner M�nner entgegenbringen w�rde.</p><p>Sie ist praktisch eine Offizierskollegin. Und, wenn ich nicht total daneben liege, wahnsinnig in ihn verliebt. Warum sieht er das nicht?�</p><p>�Was l��t dich glauben, da� er es nicht sieht?�, fragte Aral langsam.</p><p>�Sein Benehmen, nat�rlich. Eine Schande. Und sie w�ren so ein sch�nes Paar. Glaubst du nicht, da� sie attraktiv ist?�</p><p>�Unglaublich attraktiv. Aber ich mag ja gro�e Amazonen�, er grinste ihr �ber seine Schulter hinweg zu, �wie jedermann wei�. Doch das ist nicht jedermanns Geschmack, Aber falls das ein kupplerisches Funkeln ist, was ich in deinen Augen entdecke�� meinst du nicht, es k�nnten irgendwelche m�tterlichen Hormone dabei im Spiel sein?�</p><p>�Soll ich dir auch den anderen Ellbogen ausrenken?�</p><p>�Uff, nein danke. Ich hatte vergessen, wie schmerzhaft ein Training mit Bothari sein kann. Ah, das ist besser. Jetzt noch ein bi�chen weiter unten���</p><p>�Du wirst morgen hier ein paar wunderbare blaue Flecken haben.�</p><p>�Meinst du, ich wei� das nicht? Aber bevor du wegen Drous Liebesleben in Verz�ckung ger�tst�� hast du schon einmal gr�ndlich �ber Koudelkas Verwundungen nachgedacht?�</p><p>�Oh.� Cordelia schwieg betroffen. �Ich hatte angenommen� da� seine Sexualfunktionen ebenso gut wiederhergestellt ist wie der Rest von ihm.�</p><p>�Oder ebenso schlecht. Das ist ein ziemlich heikles Kapitel Chirurgie.�</p><p>Cordelia sch�rzte ihre Lippen: �Wei�t du das tats�chlich?�</p><p>�Nein, ich wei� es nicht. Aber ich wei�, da� in all unseren Gespr�chen dieses Thema nie ber�hrt wurde. Nie.�</p><p>�Hm. Ich w�nsche mir, ich w��te, wie ich das deuten soll. Es klingt ein bi�chen problematisch. Meinst du nicht, du k�nntest einmal fragen��?�</p><p>�Du lieber Gott, Cordelia, nat�rlich nicht! Was f�r eine Frage an einen Mann. Vor allem, wenn die Antwort nein lautet. Ich mu� mit ihm zusammenarbeiten, denk dran.�</p><p>�Nun ja, und ich mu� mit Droushnakovi zusammenarbeiten. Sie n�tzt mir nichts, wenn sie verschmachtet und an gebrochenem Herzen stirbt. Er hat sie zum Weinen gebracht, mehr als einmal. Sie heult los, wenn sie denkt, da� niemand sie sieht.�</p><p>�Wirklich? Das kann ich mir nur schwer vorstellen.�</p><p>�Du kannst nicht von mir erwarten, da� ich ihr sage, er sei es gar nicht wert, wenn man alles in Betracht zieht. Aber hat er wirklich eine Abneigung gegen sie? Oder ist das nur Selbstschutz?�</p><p>�Eine gute Frage�� Ich wei� nicht, was ich davon halten soll: mein Fahrer machte neulich eine scherzhafte Bemerkung �ber sie�� keine sehr anst��ige��, und Kou reagierte darauf sehr frostig. Ich glaube nicht, da� er eine Abneigung gegen sie hat. Aber ich glaube, da� er sie beneidet.�</p><p>Cordelia belie� das Thema bei diesem Unentschieden. Sie wollte dem Paar helfen, wu�te aber keine Antwort f�r dessen Dilemma. Ihr Verstand hatte zwar keine Schwierigkeiten, sich kreative L�sungen auszudenken f�r die praktischen Probleme der k�rperlichen Intimit�t, die durch die Verwundungen des Leutnants verursacht waren, aber sie zuckte zur�ck vor der Verletzung ihrer scheuen Zur�ckhaltung, die ein solches Angebot zur Folge haben w�rde. Sie vermutete, da� sie sie nur schockieren w�rde.</p><p>Sextherapie war anscheinend hierzulande noch unbekannt.</p><p>Als wahre Betanerin hatte sie immer eine doppelte Moral im Sexualverhalten f�r eine logische Unm�glichkeit gehalten. Seit sie sich in Vorkosigans Kielwasser jetzt am Rande der guten Gesellschaft von Barrayar bewegte, begann sie endlich zu verstehen, wie dies doch m�glich war. Es schien alles darauf hinauszulaufen, da� der freie Flu� von Informationen gegen�ber bestimmten Personen behindert wurde, vorsortiert nach einem unausgesprochenen Code, der allen Anwesenden au�er ihr irgendwie bekannt und akzeptiert war. Man konnte Sex nicht gegen�ber oder vor unverheirateten Frauen oder Kindern erw�hnen. Junge M�nner, so schien es, waren von allen Regeln befreit, wenn sie miteinander sprachen, aber nicht, wenn irgendeine Frau�� gleich welchen Alters oder Ranges�� zugegen war. Die Regeln �nderten sich auch auf verwirrende Weise mit Ver�nderungen im sozialen Status der Anwesenden. Und verheiratete Frauen in Gruppen, die sich sicher vor m�nnlichen Lauschern f�hlten, verwandelten sich manchmal ganz �berraschend in scheinbare Datenbanken. �ber manche Themen konnte man zwar Witze machen, aber nicht ernsthaft reden. Und manche Varianten konnten �berhaupt nicht erw�hnt werden. Sie hatte mehr als eine Konversation hoffnungslos aus dem Geleise gebracht mit dem, was sie f�r eine v�llig selbstverst�ndliche und beil�ufige Bemerkung gehalten hatte, und war dann von Aral beiseite genommen worden f�r eine schnelle Lagebesprechung.</p><p>Sie versuchte, eine Liste der Regeln zusammenzustellen, von denen sie glaubte, sie habe sie herausgefunden, aber sie fand sie so unlogisch und widerspr�chlich, vor allem da, wo es darum ging, was bestimmte Leute in Gegenwart anderer bestimmter Leute vorgeben sollten, nicht zu wissen, da� sie ihre Bem�hung aufgab. Sie zeigte die Liste Aral, der sie eines Nachts im Bett las und sich vor Lachen fast kr�mmte.</p><p>�Sehen wir so wirklich f�r dich aus? Ich mag deine Regel Sieben. Mu� sie mir merken�� Ich w�nschte mir, ich h�tte sie in meiner Jugend gekannt. Dann h�tte ich mir all die scheu�lichen Trainingsvids bei der Armee ersparen k�nnen.�</p><p>�Wenn du noch mehr wieherst, dann kriegst du Nasenbluten�, sagte sie scharf. �Das sind eure Regeln, nicht meine. Deine Leute verhalten sich danach. Ich versuche nur, sie herauszufinden.�</p><p>�Mein s��e Wissenschaftlerin. Hm. Du nennst sicherlich die Dinge bei ihren richtigen Namen. Wir haben das nie versucht�� W�rdest du gern mit mir gegen Regel Elf versto�en, lieber Captain?�</p><p>�La� mich mal sehen, welche das ist�� o ja! Sicher. Jetzt? Und wenn wir schon dabei sind, erledigen wir noch schnell Regel Dreizehn. Meine Hormone sind aktiv. Ich erinnere mich, da� die Gef�hrtin meines Bruders mir �ber diese Wirkung erz�hlt hat, aber damals habe ich ihr nicht wirklich geglaubt. Sie sagte, man macht das sp�ter wieder gut, nach der Geburt.�</p><p>�Dreizehn? Ich h�tte nie gedacht���</p><p>�Das liegt daran, da� du als Barrayaraner soviel Zeit damit verbringst, Regel Zwei zu befolgen.�</p><p>F�r einige Zeit war die Anthropologie vergessen. Aber sie fand heraus, da� sie ihn sp�ter immer mit einem zum richtigen Zeitpunkt gemurmelten �RegeI Neun, Sir� zum Lachen bringen konnte.</p><p>Die Jahreszeiten wechselten. An diesem Morgen war eine Andeutung von Winter in der Luft gewesen, Frost, der einige Pflanzen in Graf Piotrs Hintergarten hatte eingehen lassen. Cordelia erwartete ihrem ersten echten Winter mit Faszination. Vorkosigan versprach ihr Schnee, gefrorenes Wasser, etwas, das sie nur auf zwei Erkundungsmissionen erlebt hatte.</p><p><emphasis>Noch vor dem Fr�hling werde ich einen Sohn geb�ren. Ha!</emphasis></p><p>Aber der Nachmittag war �bersonnt vom Herbstlicht, und es war wieder warm geworden. Das flache Dach des Vorderfl�gels von Palais Vorkosigan strahlte nun diese W�rme wieder ab, um Cordelias Fu�kn�chel herum, als sie dort oben sich ihren Weg suchte, w�hrend die Luft in H�he ihrer Wangen schon wieder zur Frische abk�hlte und die Sonne zum Horizont der Stadt hinabsank.</p><p>�Guten Abend, Jungs.� Cordelia nickte den beiden Wachen zu, die hier auf dem Dach postiert waren.</p><p>Sie nickten zur�ck, der �ltere ber�hrte seine Stirn in einem z�gernden Geste des Salutierens: �Mylady.�</p><p>Cordelia hatte es sich angew�hnt, von hier oben regelm��ig den Sonnenuntergang zu betrachten. Der Ausblick auf die Stadtlandschaft von diesem Aussichtspunkt �ber dem dritten Stock war sehr sch�n. Sie konnte jenseits von B�umen und Geb�uden den Flu� glitzern sehen, der die Stadt teilte. Ein tiefes Loch, das ein paar H�userblocks weiter in Blickrichtung ausgehoben war, lie� allerdings den Schlu� zu, da� die Flu�szenerie bald von neuer Architektur verdeckt sein w�rde. Von dem Steilufer oberhalb des Wassers gr��te das h�chste T�rmchen von Schlo� Vorhartung, wo sie all diesen Zeremonien im Saal des Rates der Grafen beigewohnt hatte. Jenseits von Schlo� Vorhartung lagen die �ltesten Viertel der Hauptstadt.</p><p>Diese Gegend hatte sie noch nicht gesehen, denn ihre verwinkelten Gassen, gerade breit genug f�r ein Pferd, waren unpassierbar f�r Bodenwagen.</p><p>Allerdings war sie schon hinweggeflogen �ber diese seltsamen, niedrigen dunklen Flecken im Herzen der Stadt. Die neueren Stadtteile, die sich glitzernd bis zum Horizont ausdehnten, entsprachen mehr dem galaktischen Standard, und sie waren um die modernen Verkehrssysteme herum angelegt.</p><p>Nichts davon war wie auf Kolonie Beta. Vorbarr Sultana dehnte sich ganz auf der Oberfl�che aus oder stieg zum Himmel empor, auf seltsame Weise zweidimensional und ungesch�tzt. Die St�dte auf Kolonie Beta jedoch tauchten hinab in Sch�chte und Tunnel, vielschichtig und komplex, behaglich und sicher. In der Tat, auf Kolonie Beta war Architektur eigentlich mehr Innenarchitektur. Erstaunlich war die Vielfalt von Mustern, mit denen die Menschen Wohnungen variierten, die <emphasis>Au�enseiten</emphasis> hatten.</p><p>Die Wachen zuckten zusammen und seufzten, als sie sich auf das Steingel�nder lehnte und hinabblickte. Sie mochten es gar nicht, wenn sie n�her als drei Meter an den Rand herantrat, obwohl die ganze �rtlichkeit nur sechs Meter breit war. Aber sie wollte Vorkosigans Bodenwagen erkennen, der bald in die Stra�e einbiegen mu�te. Sonnenunterg�nge waren recht sch�n, aber jetzt waren ihre Augen nach unten gerichtet.</p><p>Sie atmete den vielf�ltigen Geruch ein, von Vegetation, Wasserdunst, industriellen Abgasen. Barrayar erlaubte ein erstaunliches Ausma� von Luftimmission, als ob�� Nun ja, die Luft war hier kostenlos. Niemand ma� sie zu, es gab keine Geb�hren f�r Luftbearbeitung und Filtration��</p><p>Wu�ten diese Leute �berhaupt, wie reich sie waren? All die Luft, die sie atmen konnten, einfach indem sie nach drau�en traten, betrachteten sie gleichg�ltigerweise als so selbstverst�ndlich wie das gefrorene Wasser, das vom Himmel fiel. Sie nahm einen extra Atemzug, als k�nnte sie die Luft irgendwie gierig horten, und l�chelte��</p><p>Ein fernes, scharfes, knatterndes Krachen unterbrach ihre Gedanken und lie� sie den Atem anhalten. Beide Wachen sprangen auf. <emphasis>Also, du hast einen Knall geh�rt. Das mu� nicht unbedingt etwas mit Aral zu tun haben.</emphasis> Und dann der eisige Gedanke: <emphasis>Es klang wie eine Schallgranate.</emphasis></p><p><emphasis>Keine kleine. </emphasis>Lieber Gott! Da stieg eine S�ule von Rauch und Staub aus einer Stra�enschlucht ein paar H�userblocks weiter, sie konnte deren Ursprung nicht sehen�� sie lehnte sich hinaus��</p><p>�Mylady!� Der j�ngere der beiden W�chter ergriff ihren Oberarm. �Bitte gehen Sie hinein.� Sein Gesicht war gespannt, seine Augen geweitet. Der �ltere hielt die Hand ans Ohr gepre�t, er versuchte Informationen �ber seinen Kommunikationskanal zu bekommen�� sie hatte kein Kom-Link dabei.</p><p>�Was ist los?�, fragte sie.</p><p>�Mylady, bitte gehen Sie nach unten!� Der W�chter dr�ngte sie zu der Fallt�r zur Dachstube, von der eine Treppe zum dritten Stock f�hrte. �Ich bin sicher, das war nichts besonderes�, beschwichtigte er, w�hrend er sie schob.</p><p>�Das war eine Schallgranate Klasse Vier, vermutlich mit einem Luftrohr abgefeuert�, setzte sie seiner be�ngstigenden Unwissenheit entgegen. �Es sei denn, ein Selbstm�rder hat sie geworfen. Haben Sie noch nie eine explodieren h�ren?�</p><p>Droushnakovi kam durch die Fallt�r geschossen, eine zerdr�ckte Buttersemmel in der einen Hand und ihren Bet�uber in der anderen.</p><p>�Mylady?� Der W�chter blickte erleichtert drein, schob Cordelia ihr zu und kehrte zu seinem Vorgesetzten zur�ck. Cordelia, die am liebsten laut geschrieen hatte, grinste mit zusammengebissenen Z�hnen, lie� sich besch�tzen und kletterte folgsam durch die Fallt�r hinab.</p><p>�Was ist geschehen?�, zischte sie Droushnakovi zu.</p><p>�Ich wei� es noch nicht. Das rote Alarmsignal leuchtete im Erfrischungsraum im Keller auf, und jeder rannte auf seinen Posten�, keuchte Drou. Sie mu�te sich praktisch die sechs Treppen hinaufteleportiert haben.</p><p>Cordelia raste die Treppen hinab und w�nschte sich, es g�be hier ein Fallrohr. Die Kommunikationskonsole in der Bibliothek war sicherlich besetzt�� irgend jemand mu�te ein Kom-Link haben�� sie wirbelte die Wendeltreppe hinunter und flitzte �ber die schwarzen und wei�en Steinfliesen.</p><p>Der Wachkommandant des Hauses war tats�chlich auf seinem Posten und erteilte Befehle �ber das Mikrophon. Der Oberste von Graf Piotrs Livrierten hampelte nerv�s hinter ihm herum. �Sie kommen direkt hierher�, sagte der Sicherheitsbeamte �ber seine Schulter, �holen Sie den Doktor!� Der Mann in der braunen Uniform rannte davon.</p><p>�Was ist geschehen?�, wollte Cordelia wissen. Ihr Herz h�mmerte in der Brust, und das nicht nur davon, da� sie die Treppe herabgerannt war.</p><p>Der Sicherheitsmann blickte zu ihr auf, setzte an, etwas Beruhigendes und Bedeutungsloses zu sagen, doch dann besann er sich anders und sagte: �Jemand hat aus dem Hinterhalt auf den Bodenwagen des Regenten geschossen. Daneben. Sie fahren weiter, hierher.�</p><p>�Wie nah daneben?�</p><p>�Ich wei� es nicht, Mylady.�</p><p>Vermutlich wu�te er es nicht. Aber wenn der Bodenwagen noch funktionierte�� Mit einer hilflosen Geste bedeutete sie ihm, sich wieder seiner Arbeit zu widmen, und eilte in das Foyer, wo jetzt einige von Graf Piotrs M�nnern zusammengelaufen waren, die sie davon abhielten, zu nahe an der T�r zu stehen. Sie nahm drei Stufen, klammerte sich ans Treppengel�nder und bi� sich auf die Lippe.</p><p>�War Leutnant Koudelka bei ihm, was meinen Sie?�, fragte Droushnakovi zaghaft.</p><p>�Vermutlich, Gew�hnlich ist er ja dabei�, antwortete Cordelia geistesabwesend, den Blick auf die T�r gerichtet, und wartete, wartete��</p><p>Sie h�rte den Wagen herankommen. Einer von Graf Piotrs M�nnern �ffnete die Haust�r. Sicherheitsleute umschw�rmten das silbrige Fahrzeug im S�ulengang�� Gott, woher waren denn die alle <emphasis>gekommen?</emphasis> Der gl�nzende Lack des Wagens war verkratzt und zeigte Brandspuren, aber es gab keine tiefen Dellen. Das hintere Verdeck war nicht zerbrochen, das vordere hatte Schrammen abbekommen. Die hinteren T�ren schwangen hoch, und Cordelia streckte sich, um einen Blick auf Vorkosigan werfen zu k�nnen, doch es war zum Verr�cktwerden: die gr�nen R�cken der Sicherheitsleute nahmen ihr die Sicht. Endlich gingen sie zur Seite. In der T�r�ffnung sa� Leutnant Koudelka und blinzelte benommen, w�hrend Blut an seinem Kinn herabtropfte. Ein W�chter half ihm auf die F��e.</p><p>Schlie�lich kam Vorkosigan heraus, er lie� sich nicht heben und lehnte Hilfe ab. Selbst die besorgtesten Wachen wagten es nicht, ihn ohne Aufforderung zu ber�hren. Er schritt ins Haus, mit grimmigem und bleichem Gesicht. Koudelka folgte, gest�tzt auf seinen Stock und einen Korporal der Sicherheitstruppe. Er sah verst�rter aus als Vorkosigan, aus seiner Nase str�mte Blut. Piotrs Mann schlug die Vordert�r von Palais Vorkosigan zu und schlo� damit drei Viertel des Durcheinanders aus.</p><p>�ber die K�pfe der M�nner hinweg begegnete Aral ihrem Blick, und der finstere Ausdruck auf seinem Gesicht lie� etwas nach. Er nickte ihr unmerklich zu: Mir <emphasis>ist nichts passiert.</emphasis> Sie pre�te ihre Lippen erwidernd zusammen: <emphasis>Ich hoffe bei Gott, das stimmt��</emphasis></p><p>Kou sagte mit zitternder Stimme: �� schrecklich gro�es Loch in der Stra�e! H�tte glatt ein Lastwagen drin verschwinden k�nnen. Dieser Fahrer hat erstaunliche Reflexe�� was?� Er sch�ttelte den Kopf, als ihm jemand eine Frage stellte. �Tut mir leid, mir klingen meine Ohren�� was haben Sie gesagt?� Er stand da mit offenem Mund, als k�nnte er die T�ne durch den Mund aufnehmen, ber�hrte sein Gesicht und starrte �berrascht auf seine blutverschmierte Hand.</p><p>�Ihre Ohren sind nur bet�ubt�, sagte Vorkosigan. Seine Stimme war ruhig, aber viel zu laut. �Morgen fr�h werden sie wieder in Ordnung sein.� Nur Cordelia erkannte, da� er nicht Koudelka zuliebe so laut sprach�� Vorkosigan selbst konnte auch nichts h�ren. Seine Augen wanderten zu schnell umher: das einzige Anzeichen daf�r, da� er versuchte, den anderen von den Lippen abzulesen.</p><p>Simon Illyan und ein Arzt kamen fast im gleichen Augenblick an.</p><p>Vorkosigan und Koudelka wurden in ein ruhiges Hinterzimmer gebracht, und die ganzen�� nach Cordelias Auffassung ziemlich nutzlosen�� Wachen wurden weggeschickt. Cordelia und Droushnakovi folgten den Verletzten. Der Arzt begann sofort mit der Untersuchung, und zwar, auf Vorkosigans Befehl, bei dem blutbesudelten Koudelka.</p><p>�Ein Schu�?�, fragte Illyan.</p><p>�Nur einer�, best�tigte Vorkosigan, der auf Illyans Gesicht blickte. �Wenn sie lang genug f�r einen zweiten Versuch geblieben w�ren, dann h�tten sie mich in die Zange nehmen k�nnen.�</p><p>�Wenn er l�nger geblieben w�re, dann h�tten wir <emphasis>ihn</emphasis> in die Zange nehmen k�nnen. Ein Spurensicherungsteam ist jetzt am Tatort. Der Attent�ter ist nat�rlich l�ngst auf und davon. Eine schlau ausgew�hlte Stelle: von dort hatte er ein Dutzend Fluchtwege.�</p><p>�Wir �ndern unsere Route t�glich�, sagte Leutnant Koudelka, der dem Gespr�ch mit M�he folgte, w�hrend er ein Tuch an sein Gesicht pre�te. �Wie wu�te er, wo er seinen Hinterhalt legen mu�te?�</p><p>�Interne Informationen?� Illyan hob die Schultern und bi� seine Z�hne zusammen.</p><p>�Nicht unbedingt�, sagte Vorkosigan. �Es gibt nur ein paar Routen, so nahe am Haus. Er kann schon Tage darauf gewartet haben.�</p><p>�Genau an der Grenze unseres Intensivschutz-Bereichs?�, sagte Illyan. �Das gef�llt mir nicht.�</p><p>�Mich beunruhigt mehr, da� er danebengeschossen hat�, sagte Vorkosigan. �Warum? Kann es ein Warnschu� gewesen sein? Ein Angriff nicht auf mein Leben, sondern auf mein seelisches Gleichgewicht?�</p><p>�Das Gesch�tz war alt�, sagte Illyan. �M�glicherweise war etwas mit seiner Zieleinrichtung nicht in Ordnung�� niemand hat einen Impuls eines Laser-Entfernungsmessers festgestellt.� Er hielt inne und blickte auf Cordelias bleiches Gesicht. �Ich bin sicher, das war ein verr�ckter Einzelg�nger, Mylady. Zumindest war es sicherlich nur ein einziger Mann.�</p><p>�Wie kommt ein verr�ckter Einzelg�nger an milit�rische Waffen?�, fragte sie scharf.</p><p>Illyan schaute unbehaglich drein. �Wir werden das untersuchen. Es war auf jeden Fall ein veraltetes Ger�t.�</p><p>�Werden denn veraltete Waffenbest�nde hier nicht vernichtet?�</p><p>�Es gibt so viel davon���</p><p>Auf diese t�richte Aussage reagierte Cordelia w�tend: �Er brauchte nur einen einzigen Schu�. Wenn ihm ein direkter Treffer auf den hermetisch abgeschlossenen Wagen gelungen w�re, dann w�re Aral jetzt emulgiert. Und Ihr Spurensicherungsteam w�re jetzt dabei, auseinanderzusortieren, welche Molek�le zu ihm und welche zu Koudelka geh�rten.�</p><p>Droushnakovi wurde leicht gr�n im Gesicht, Vorkosigans Z�ge zeigten jetzt wieder den finsteren Ausdruck wie zuvor.</p><p>�Wollen Sie, da� ich Ihnen eine genaue Resonanzreflektionsamplitude f�r diese geschlossene Passagierkabine ausrechne, Simon?�, fuhr Cordelia gereizt fort, �Wer auch immer diese Waffe ausw�hlte, war ein f�higer Milit�rtechniker�� wenn auch, gl�cklicherweise, ein schlechter Sch�tze.� Sie schluckte weitere Worte hinunter, da sie, vielleicht sogar als einzige, die unterdr�ckte Hysterie sp�rte, die sie ihre S�tze hervorsprudeln lie�.</p><p>�Ich bitte um Verzeihung, Captain Naismith.� Illyans Ton war schneidig. �Sie haben v�llig recht.� Sein Kopfnicken war eine Nuance respektvoller.</p><p>Aral hatte dieses Intermezzo mit verborgenem Am�sement verfolgt, und dabei hatte sein Gesicht sich zum ersten Mal aufgehellt.</p><p>Illyan machte sich fort, ohne Zweifel den Kopf voller Verschw�rungstheorien. Der Doktor best�tigte Arals aus Kampferfahrung stammende Diagnose auraler Bet�ubung, verschrieb starke Tabletten gegen Kopfschmerzen�� Aral bestand entschlossen auf seinem gewohnten Medikament�� und vereinbarte eine Nachuntersuchung der beiden M�nner am n�chsten Morgen.</p><p>Als Illyan am sp�ten Abend wieder in Palais Vorkosigan eintraf, um sich mit seinem Wachkommandanten zu beraten, mu�te Cordelia sehr an sich halten, um ihn nicht an seiner Jacke zu packen und an die n�chste Wand dr�cken, um seine Informationen aus ihm herauszupressen. Statt dessen beschr�nkte sie sich darauf, ihn einfach zu fragen: �Wer hat versucht, Aral umzubringen? Wer will Aral umbringen? Welchen Nutzen versprechen sie sich davon?�</p><p>Illyan seufzte: �Wollen Sie die kurze Liste oder die lange, Mylady?�</p><p>�Wie lang ist die kurze Liste?�, fragte sie in morbider Faszination.</p><p>�Zu lang. Aber ich kann Ihnen den oberen Teil aufz�hlen, wenn Sie wollen.� Er z�hlte sie an den Fingern ab: �Die Cetagandaner, immer. Sie hatten mit politischem Chaos hier gerechnet, nach Ezars Tod. Sie scheuen sich nicht, es hier zu provozieren. Ein Attentat ist eine billige Einmischung, verglichen mit einer Invasionsflotte. Die Komarraner, als alte Rache oder neue Revolte. Dort bezeichnen einige den Admiral immer noch als den Schl�chter von Komarr���</p><p>Cordelia, die die ganze Geschichte hinter diesem verha�ten Beinamen kannte, zuckte zusammen.</p><p>�Die Anti-Vor, denn der Regent ist f�r ihren Geschmack zu konservativ. Die rechten Milit�rs, die f�rchten, er sei zu progressiv. �briggebliebene Mitglieder von Prinz Sergs und Vorrutyers alter Kriegspartei. Fr�here Funktion�re des jetzt unterdr�ckten Ministeriums f�r Politische Erziehung, obwohl ich bezweifle, da� einer von denen danebengeschossen h�tte. Denn Negris Abteilung hatte sie trainiert. Irgendein ver�rgerter Vor, der meint, er sei beim k�rzlichen Machtwechsel zu kurz gekommen. Ein x-beliebiger Verr�ckter mit Zugang zu Waffen und dem Verlangen nach schnellem Ruhm als Gro�wildj�ger�� soll ich weitermachen?�</p><p>�Nein, bitte nicht. Aber wie steht�s heute? Wenn das Motiv eine zu gro�e Auswahl an Verd�chtigen zul��t, was ist dann mit Methode und Gelegenheit?�</p><p>�In dieser Hinsicht haben wir noch einiges zu tun, obwohl zu viel davon negativ ausgeht. Wie ich schon festgestellt habe, war es ein ganz geschickt ausgef�hrter Versuch. Wer auch immer ihn geplant hat, mu�te Zugang zu einer bestimmten Art von Wissen haben. Wir werden zuerst diese Aspekte untersuchen.�</p><p>Cordelia kam zu dem Schlu�, da� die Anonymit�t des versuchten Attentats es war, was sie am meisten beunruhigte. Wenn der M�rder jeder Beliebige sein konnte, dann wurde das Verlangen �berm�chtig, jeden zu verd�chtigen. Verfolgungswahn war hier anscheinend eine ansteckende Krankheit, die Barrayaraner infizierten sich damit gegenseitig. Nun ja, die vereinten Mannschaften von Negri und Illyan mu�ten ja bald einige konkrete Fakten ans Tageslicht bringen. Sie packte alle ihre �ngste in ein kleines, winziges Verlies in ihrer Magengrube und schlo� sie dort ein.</p><p>Neben ihrem Kind.</p><p>In dieser Nacht hielt Vorkosigan sie ganz eng in die W�lbung seines kr�ftigen K�rpers gekuschelt, obwohl er ihr keine sexuellen Avancen machte. Er hielt sie nur. Er blieb stundenlang wach, trotz der Schmerztabletten, die seine Augen glasig machten. Sie schlief erst ein, als er schon schlief. Sein Schnarchen lullte sie ein. Es gab nicht viel zu sagen.</p><p><emphasis>Sie haben danebengetroffen: wir machen weiter.</emphasis></p><p><emphasis>Bis zum n�chsten Versuch.</emphasis></p></section><section><title><p>KAPITEL 5</p></title><p>Der Geburtstag des Kaisers war ein traditioneller barrayaranischer Feiertag, er wurde gefeiert mit Festessen, Tanz, Trinkgelagen, Veteranenparaden und einer unglaublichen Menge von offensichtlich v�llig unkontrolliertem Feuerwerk. Es w�re ein gro�artiger Tag f�r einen �berraschungsangriff auf die Hauptstadt, fand Cordelia, ein Artilleriefeuer k�nnte schon l�ngst im Gange sein, bevor es irgend jemand in dem allgemeinen L�rm merkte. Der Tumult begann schon bei Morgengrauen.</p><p>Die diensthabenden Wachen, die sowieso schon von Natur aus bei jedem pl�tzlichen L�rm aufschreckten, waren unruhig und ungl�cklich, au�er ein paar J�ngeren, die versuchten, den Tag durch Abbrennen von ein paar Knallfr�schen innerhalb der Mauern zu feiern. Sie wurden vom Wachkommandanten zur Seite genommen und kamen viel sp�ter wieder heraus, bleich und kleinlaut, und stahlen sich leise davon. Cordelia sah sie sp�ter unter dem Kommando einer bissigen Hausangestellten M�ll wegbringen, w�hrend ein K�chenm�dchen und die zweite K�chin fr�hlich aus dem Haus eilten, um einen �berraschenden freien Tag zu genie�en.</p><p>Der Geburtstag des Kaisers war ein beweglicher Feiertag. Die Begeisterung der Barrayaraner f�r diesen Feiertag wurde nicht getr�bt durch die Tatsache, da� sie ihn, wegen Ezars Tod und Gregors Thronbesteigung, in diesem Jahr schon zum zweiten Mal feierten.</p><p>Cordelia schlug eine Einladung zu einer gro�en Truppenparade aus, die Arals ganzen Vormittag kostete, um statt dessen f�r das Ereignis des Abends frisch zu bleiben�� f�r das Ereignis des Jahres, wie man ihr zu verstehen gab�� pers�nliche Anwesenheit beim Geburtstagsdinner des Kaisers in der Kaiserlichen Residenz. Sie freute sich, Kareen und Gregor wiederzusehen, wenn auch nur kurz. Zumindest war sie sicher, da� ihre Kleidung in Ordnung war. Lady Vorpatril, die �ber einen ausgezeichneten Geschmack sowie Erfahrung mit Umstandskleidung im barrayaranischen Stil verf�gte, hatte Mitleid mit Cordelia in deren kultureller Verwirrung gehabt und sich als fachkundige einheimische Beraterin angeboten.</p><p>Als Ergebnis trug Cordelia ein tadellos geschnittenes waldgr�nes Seidenkleid, das mit einem �bergewand aus dickem, elfenbeinfarbenem Samt von der Schulter bis zum Boden wirbelte. Echte Blumen in passenden Farben waren von einer echten menschlichen Friseuse die auch Alys zu ihr geschickt hatte, in ihrem kupferfarbenen Haar arrangiert. Wie bei ihren �ffentlichen Veranstaltungen machten die Barrayaraner aus ihrer Kleidung eine Art Volkskunst, die so kompliziert war wie eine betanische K�rperbemalung. �ber Arals Meinung war sich Cordelia nicht sicher�� sein Gesicht hellte sich immer auf, wenn er sie sah��, aber nach den entz�ckten �Oohs� von Graf Piotrs weiblichem Personal zu urteilen, hatte Cordelias Schneiderteam sich selbst �bertroffen.</p><p>Als sie in der vorderen Halle am Fu� der Wendeltreppe wartete, gl�ttete sie verstohlen den Streifen gr�ner Seide �ber ihrem Unterleib. Etwas mehr als drei Monate erh�hter Stoffwechselaktivit�t, und alles, was sie vorweisen konnte, war diese Schwellung von der Gr��e einer Grapefruit�� seit der Sommermitte hatte sich so viel ereignet, da� es ihr schien, ihre Schwangerschaft m��te schneller vorankommen, um mit allem Schritt zu halten. Sie summte ein mentales Mantra in Richtung auf ihren Unterleib:</p><p><emphasis>Wachse, wachse, wachse��</emphasis> Wenigstens begann sie jetzt schon tats�chlich schwanger auszusehen, anstatt sich nur ersch�pft zu f�hlen. Aral teilte ihre n�chtliche Faszination �ber ihren Fortschritt, indem er sanft mit gespreizten Fingern nach zarten Bewegungen unter ihrer Haut f�hlte�� bis jetzt noch ohne Erfolg.</p><p>Jetzt erschien Aral mit Leutnant Koudelka. Sie hatten sich beide gr�ndlich gebadet, rasiert, die Haare geschnitten und gek�mmt, und jetzt funkelten sie in ihren formellen, rot-blauen kaiserlichen Paradeuniformen. Graf Piotr schlo� sich ihnen an, er trug die Uniform, in der Cordelia ihn bei den Sitzungen der Vereinigten R�te gesehen hatte: braun und silbern, eine pr�chtigere Version der Livree seiner Garde. Piotrs zwanzig Gefolgsm�nner hatten an diesem Abend alle eine Art offizieller Funktion und waren schon die ganze Woche �ber von ihrem hektischen Kommandanten zu peinlich genauen Vorbereitungen angetrieben worden. Droushnakovi, die Cordelia begleitete, trug ein einfacheres Kleid in Cordelias Farben, dessen sorgf�ltiger Schnitt rasche Bewegungen erleichterte und Waffen sowie Kom-Links verbarg.</p><p>Nachdem jeder jeden geb�hrend bewundert hatte, begaben sie sich durch die Vordert�ren zu den wartenden Bodenwagen. Aral half Cordelia pers�nlich in ihr Fahrzeug, dann trat er zur�ck: �Ich treffe dich dann dort, Liebste.�</p><p>�Was?� Ihr Kopf fuhr herum. �Oh. Der zweite Wagen�� ist dann nicht nur wegen der Gr��e der Gruppe dabei?�</p><p>Arals Mund verzog sich leicht: �Nein. Es scheint mir�� kl�ger, da� wir von jetzt an in getrennten Fahrzeugen fahren.�</p><p>�Ja�, sagte sie schwach, �wirklich kl�ger.�</p><p>Er nickte und wendete sich dann ab. <emphasis>Zum Teufel</emphasis> mit diesem Land! Wieder wurde ein St�ck aus ihrem Leben, aus ihrem Herzen genommen. Sie hatten nur noch so wenig Zeit miteinander, da� selbst ein kleiner Verlust schmerzte.</p><p>Graf Piotr sollte offensichtlich Aral vertreten, zumindest heute abend, er rutschte auf den Sitz neben ihr. Droushnakovi setzte sich ihnen gegen�ber, und das Verdeck wurde geschlossen. Der Wagen bog ruhig in die Stra�e ein. Cordelia blickte �ber ihre Schulter und versuchte nach Arals Wagen zu schauen, aber er folgte zu weit hinten, als da� sie ihn h�tte sehen k�nnen. Sie richtete sich auf und seufzte.</p><p>Die Sonne sank gelb in eine graue Wolkenbank, Lichter ergl�hten in dem k�hlen, dunstigen Herbstabend und gaben der Stadt eine d�stere, melancholische Atmosph�re. Vielleicht war ein l�rmendes Stra�enfest�� sie fuhren an einigen vorbei�� keine so schlechte Idee. Die Feiernden erinnerten Cordelia an primitive Menschen von der Erde, die auf T�pfen trommelten und Sch�sse abfeuerten, um den Drachen zu verjagen, der den sich verfinsternden Mond verschlingen wollte. Diese seltsame, herbstliche Traurigkeit konnte eine unvorsichtige Seele verzehren. Gregors Geburtstag kam zur rechten Zeit.</p><p>Piotrs knorrige H�nde fingerten an einem braunen Seidens�ckchen herum, auf das in Silber das Wappen der Vorkosigans gestickt war.</p><p>Cordelia betrachtete es interessiert. �Was ist das?�</p><p>Piotr l�chelte leicht und gab es ihr. �Goldm�nzen.�</p><p>Noch mehr Volkskunst, das S�ckchen und sein Inhalt waren ein Vergn�gen f�r den Tastsinn. Sie streichelte �ber die Seide, bewunderte die Stickerei und sch�ttelte ein paar der gl�nzenden Scheibchen heraus, auf ihre Hand. �H�bsch.� Cordelia erinnerte sich gelesen zu haben, da� vor dem Ende der Zeit der Isolation Gold auf Barrayar einen gro�en Wert besessen hatte. <emphasis>Gold </emphasis>war f�r ihr betanisches Denken etwa <emphasis>Metall, das manchmal f�r die elektronische Industrie n�tzlich ist,</emphasis> aber alte V�lker hatten damit etwas Mystisches verbunden. �Bedeutet das irgend etwas?�</p><p>�Aber ja! Das ist das Geburtstagsgeschenk f�r den Kaiser.�</p><p>Cordelia stellte sich den f�nfj�hrigen Gregor vor, wie er mit einem S�ckchen voll Gold spielte. Was konnte der Junge denn damit anfangen, au�er T�rmchen zu bauen und vielleicht das Z�hlen zu �ben? Sie hoffte, da� er schon aus dem Alter heraus war, wo Kinder alles in den Mund stecken, denn diese Scheibchen hatten genau die richtige Gr��e, da� ein Kind sie verschlucken oder daran ersticken konnte. �Ich bin sicher, er wird sich freuen�, sagte sie mit leisem Zweifel.</p><p>Piotr kicherte. �Du wei�t, was damit los ist, nicht wahr?�</p><p>Cordelia seufzte: �Das wei� ich fast nie. Gib mir einen Tip.� Sie lehnte sich zur�ck und l�chelte. Piotr hatte sich nach und nach daf�r begeistert, ihr Barrayar zu erkl�ren, er schien sich immer zu freuen, wenn er einen neuen wei�en Fleck der Unwissenheit bei ihr entdeckte, den er mit Informationen und Meinungen f�llen konnte. Sie hatte das Gef�hl, er k�nnte ihr die ganzen n�chsten <emphasis>zwanzig</emphasis> Jahre lang Vortr�ge halten, ohne Mangel an verbl�ffenden Themen zu haben.</p><p>�Des Kaisers Geburtstag ist das traditionelle Ende des Rechnungsjahres, f�r den Distrikt eines jeden Grafen in Beziehung zur kaiserlichen Regierung. Mit anderen Worten, es ist der Tag, an dem die Steuern f�llig werden, au�er�� da� die Vor nicht besteuert werden. Das w�rde eine zu untergeordnete Beziehung zum Imperium bedeuten. Statt dessen geben wir dem Kaiser ein Geschenk.�</p><p>�Aha���, sagte Cordelia. �Sie verwalten doch diese Gegend nicht f�r ein Jahr um sechzig kleiner S�cke voll Gold willen, Sir.�</p><p>�Nat�rlich nicht. Die wirklichen Summen sind heute schon vorher von Hassadar nach Vorbar Sultana �ber Kom-Link transferiert worden. Das Gold ist nur symbolisch.�</p><p>Cordelia runzelte die Stirn: �Einen Augenblick. Habt ihr das nicht schon einmal in diesem Jahr getan?�</p><p>�Im Fr�hling f�r Ezar, ja. So haben wir nur das Datum f�r unser Rechnungsjahr ge�ndert.�</p><p>�Bringt das nicht euer Banksystem durcheinander?�</p><p>Er zuckte die Achseln: �Wir kommen zurecht.� Pl�tzlich grinste er: �Was glaubst du, woher �berhaupt das Wort �Graf� kommt?�</p><p>�Von der Erde, dachte ich. Ein Wort aus der Voratomzeit�� tats�chlich sp�tr�misch�� f�r einen Adeligen, der eine Grafschaft leitete. Oder vielleicht war der Distrikt nach dem Rang benannt.�</p><p>�Auf Barrayar ist Count, also �Graf�, eine Abk�rzung von �Accountant�, d. h. Buchhalter. Die ersten �Counts� waren Varadar Taus Steuereintreiber. �brigens ein erstaunlicher Bandit, dieser Varadar Tau, du solltest einmal etwas �ber ihn nachlesen.�</p><p>�Und die ganze Zeit dachte ich, Graf w�re ein milit�rischer Rang, der mittelalterliche Geschichte nachahmt!�</p><p>�Oh, der milit�rische Teil kam gleich darauf, als die alten Schl�ger zum erstenmal versuchten, einen fertigzumachen, der keinen Tribut zahlen wollte. Sp�ter bekam dann der Rang mehr Glanz.�</p><p>�Das habe ich nicht gewu�t.� Sie schaute ihn mit einem pl�tzlichen Verdacht an: �Du nimmst mich doch nicht auf den Arm, Sir, oder?�</p><p>Er breitete seine H�nde in einer abwehrenden Geste aus.</p><p><emphasis>�berpr�fe deine Vermutungen,</emphasis> dachte Cordelia am�siert bei sich, <emphasis>wirklich, �berpr�fe deine Vermutungen schon an der T�r.</emphasis></p><p>Sie kamen am gro�en Tor der Kaiserlichen Residenz an. Die Atmosph�re war an diesem Abend ganz anders als bei einigen von Cordelias fr�heren Besuchen bei dem sterbenden Ezar und den anschlie�enden Trauerzeremonien.</p><p>Bunte Lichter hoben architektonische Details an den steinernen Fassaden hervor. Die G�rten leuchteten, Font�nen glitzerten.</p><p>Sch�n gekleidete Menschen belebten die Szenerie, sie str�mten aus den Staatsr�umen des Nordfl�gels auf die Terrassen. Aber die �berpr�fungen durch die Wachen waren nicht weniger gr�ndlich, und die Anzahl der Wachen hatte sich betr�chtlich vervielfacht. Cordelia hatte das Gef�hl, dies w�rde ein wesentlich weniger ausgelassenes Fest als manche, an denen sie in den Stra�en der Stadt vorbeigekommen waren.</p><p>Arals Wagen hielt hinter ihrem, als sie bei einem westlichen S�ulengang ausstiegen, und Cordelia h�ngte sich wieder dankbar an seinem Arm ein.</p><p>Er l�chelte sie stolz an, und als sie einen Augenblick relativ unbeobachtet waren, k��te er sie verstohlen auf ihren Nacken und geno� den Duft der Blumen in ihrem Haar. Sie erwiderte seine Z�rtlichkeit, indem sie heimlich seine Hand dr�ckte. Sie schritten durch die T�ren und einen Korridor. Ein Haushofmeister in der Livree des Hauses Vorbarra k�ndigte sie laut und vernehmlich an, und dann fanden sie die Blicke von�� so schien es Cordelia einen Moment lang�� einigen tausend kritischen Augenpaaren der barrayaranischen Vor-Klasse auf sich gerichtet. In Wirklichkeit waren nur ein paar hundert Leute in dem Raum. Besser als die M�ndung eines auf volle Kraft eingestellten Nervendisruptors zu schauen, allemal. Wirklich.</p><p>Sie gingen herum, tauschten Gr��e aus, erwiesen Reverenzen. <emphasis>Warum k�nnen diese Leute keine Namensschilder tragen?</emphasis> dachte Cordelia hilflos.</p><p>Wie �blich schien jeder au�er ihr jeden anderen zu kennen. Sie stellte sich vor, eine Gespr�ch so zu er�ffnen: <emphasis>Hallo Sie, VorTyp��</emphasis> Sie packte Aral fester und versuchte, eher geheimnisvoll und exotisch auszusehen als sprachlos und verloren.</p><p>Die kleine Zeremonie mit den S�ckchen voller M�nzen fand in einem anderen Saal statt, die Grafen oder ihre Repr�sentanten standen Schlange, um sich jeder mit ein paar formellen Worten ihrer Verpflichtung zu entledigen.</p><p>Kaiser Gregor, dessen Zeit ins Bett zu gehen nach Cordelias Vermutung schon l�ngst gekommen war, sa� mit seiner Mutter auf einer erh�hten Bank, er wirkte klein und wie in einer Falle gefangen und versuchte mannhaft, sein G�hnen zu unterdr�kken. Cordelia kam der Gedanke, ob er die S�cke mit den M�nzen tats�chlich behalten mu�te oder ob sie einfach wieder in Umlauf gebracht und n�chstes Jahr wieder pr�sentiert wurden.</p><p>Tolle Geburtstagsfeier: Kein einziges anderes Kind war zu sehen. Aber die Abfertigung der Grafen ging ziemlich flott vor sich, vielleicht konnte das Kind dem Ganzen bald entfliehen.</p><p>Ein Vasall in rot-blauer Uniform kniete vor Gregor und Kareen nieder und �berreichte sein S�ckchen aus kastanienbrauner und goldener Seide.</p><p>Cordelia erkannte Graf Vidal Vordarian, den tellergesichtigen Mann, von dem Aral h�flich gesagt hatte, er geh�re der �zweitkonservativsten Partei� an, d. h. er habe in etwa die gleichen politischen Anschauungen wie Graf Piotr. Arals Ton hatte dabei aber geklungen, als sei dies eine Code-Formel f�r �isolationistischer Fanatiker�. Der Mann sah nicht wie ein Fanatiker aus. Frei von entstellendem �rger war sein Gesicht viel anziehender, er wandte es jetzt Prinzessin Kareen zu und sagte etwas, das sie veranla�te, ihr Kinn zu heben und zu lachen. Seine Hand ruhte f�r einen Moment auf ihrem vom Kleid verdeckten Knie, und ihre Hand bedeckte kurz die seine, bevor er sich wieder etwas m�hsam erhob, sich verneigte und Platz f�r den n�chsten Mann machte. Kareens L�cheln erlosch, als Vordarian ihr den R�cken kehrte.</p><p>Gregors bek�mmerter Blick traf auf Aral, Cordelia und Droushnakovi, er sprach ernst zu seiner Mutter. Kareen winkte eine Wache herbei, und ein paar Minuten sp�ter n�herte sich ein Wachkommandant Aral und Cordelia und bat um die Erlaubnis, Drou wegholen zu d�rfen. Sie wurde durch einen unauff�lligen jungen Mann ersetzt, der ihnen au�erhalb H�rweite folgte und nur undeutlich in den Augenwinkeln sichtbar wurde, ein h�bscher Trick f�r einen Kerl dieser Gr��e.</p><p>Gl�cklicherweise trafen Cordelia und Aral bald auf Lord und Lady Vorpatril, mit denen sich Cordelia ohne politisch-soziale Vorbehalte zu sprechen traute. Lord Vorpatrils rot-blaue Paradeuniform machte die gute Erscheinung des dunkelhaarigen Obersten vollkommen. Lady Vorpatril �bertraf ihn noch in einem karneolfarbenen Kleid mit dazu passenden Rosen in der Wolke ihres schwarzen Haares, das die samtige Wei�e ihrer Haut bet�rend hervorhob. Die beiden bildeten, so dachte Cordelia, ein archetypisches Vor-Paar, kultiviert und von heiterer Gelassenheit. Der Eindruck wurde nur leicht getr�bt dadurch, da� Cordelia allm�hlich aus der etwas zusammenhanglosen Konversation Oberst Vorpatrils erkannte, da� dieser betrunken war. Er war allerdings ein fr�hlicher Betrunkener, seine Pers�nlichkeit wurde nur etwas erweitert, nicht unangenehm ver�ndert.</p><p>Vorkosigan, der von einigen M�nnern weggezogen wurde, die sich ihm mit entschlossenem Blick gen�hert hatten, �bergab Cordelia der Obhut von Lady Vorpatril. Die beiden Frauen steuerten auf die eleganten Hors d�oeuvre-Tabletts zu, die von noch mehr menschlichen Dienern dargereicht wurden, und tauschten Schwangerschaftsklatsch aus. Lord Vorpatril entschuldigte sich hastig und folgte einem Tablett, auf dem Wein angeboten wurde. Alys entwarf die Farben und den Schnitt f�r Cordelias n�chstes Kleid. �Schwarz und wei�, f�r dich, f�r das Winterfest�, entschied sie mit Autorit�t. Cordelia nickte sanft und fragte sich, ob sie sich wirklich bald zu einem Festmahl niedersetzen w�rde oder ob man von ihnen erwartete, da� sie weiterhin die vorbeigetragenen Tabletts leerten.</p><p>Alys f�hrte sie auf die Damentoilette, einem Gegenstand ihres st�ndlichen Interesses aufgrund ihrer schwangerschaftsbelasteten Blasen, und stellte sie auf dem R�ckweg einigen weiteren Damen ihres verfeinerten gesellschaftlichen Kreises vor. Alys geriet dann in eine lebhafte Diskussion mit einer alten Freundin bez�glich einer bevorstehenden Party f�r die Tochter dieser Frau, und Cordelia wanderte an den Rand der Gruppe.</p><p>Sie trat still zur�ck und trennte sich von ihnen (sie versuchte, nicht zu denken: <emphasis>von der Herde)</emphasis> f�r einen Moment ruhiger Betrachtung. Was f�r eine seltsame Mischung Barrayar war, im einen Augenblick heimelig und vertraut, im n�chsten erschrekkend und fremdartig�� aber sie zogen eine tolle Show ab�� ah! Das war es, was an der Szene fehlte, erkannte Cordelia: Auf Kolonie Beta w�rde man eine Zeremonie dieser Gr��e komplett �ber Holovid �bertragen, damit man planetenweit live daran teilnehmen konnte. Jede Bewegung w�rde zu einem sorgf�ltig choreographierten Tanz um die Vid-Ecken und das Timing der Kommentatoren geh�ren, und zwar so sehr, da� das Ereignis, das aufgezeichnet wurde, dadurch fast zunichte gemacht w�rde. Hier war kein Holovid in Sicht. Die einzigen Aufnahmen wurden von der Sicherheitsabteilung gemacht, und zwar f�r deren eigene Zwecke, zu denen Choreographie nicht geh�rte. Die Menschen in diesem Raum tanzten nur f�reinander, die ganze prunkvolle Darbietung wurde vergn�gt der Zeit �berantwortet, die sie f�r immer mit sich nahm: schon morgen w�rde das Ereignis nur noch in ihren Ged�chtnissen existieren.</p><p>�Lady Vorkosigan?�</p><p>Cordelia wurde von einer h�flichen Stimme aus ihrem Nachsinnen gerissen. Sie wandte sich um und sah Kommodore Graf Vordarian. Da� er die rot-blaue Uniform trug statt der pers�nlichen Livree in den Farben seines Hauses, zeigte an, da� er im aktiven Dienst stand, zweifellos schm�ckte er das Kaiserliche Hauptquartier�� in welcher Abteilung? Ach ja, Einsatzplanung, hatte Aral gesagt. Er hatte ein Glas in der Hand und l�chelte freundlich.</p><p>�Graf Vordarian�, erwiderte sie und l�chelte ebenfalls. <emphasis>Sie </emphasis>hatten sich oft genug im Vor�bergehen gesehen, so da� Cordelia beschlo�, sie als einander vorgestellt zu betrachten. Diese Geschichte mit der Regentschaft w�rde nicht vorbeigehen, wie sehr sie sich das auch w�nschte, es war Zeit, und zwar schon l�ngst, da� sie ihre eigenen Beziehungen kn�pfte und aufh�rte, Aral bei jedem neuen Schritt mit der Bitte um Rat zu behelligen.</p><p>�Gef�llt es Ihnen hier?�, fragte er.</p><p>�O ja.� Sie versuchte, noch ein paar weitere Worte zu finden. �Es ist au�erordentlich sch�n.�</p><p>�Wie Sie, Mylady.� Er hob sein Glas in ihre Richtung mit der Geste eines Toasts und nippte dann daran.</p><p>Ihr Herz krampfte sich zusammen, aber sie erkannte den Grund daf�r, bevor ihre Augen mehr taten als sich nur leicht zu weiten: Der letzte barrayaranische Offizier, der ihr zugetoastet hatte, war der verstorbene Admiral Vorrutyer gewesen, in einer ganz anderen gesellschaftlichen Situation. Vordarian hatte zuf�llig genau diese Geste nachgeahmt. Aber jetzt war keine Zeit f�r Erinnerungen an die damalige Tortur. Cordelia blinzelte. �Lady Vorpatril hat mir viel geholfen. Sie ist sehr gro�z�gig.�</p><p>Vordarian nickte taktvoll in Richtung ihres Rumpfes. �Ich habe geh�rt, da� man auch Ihnen gratulieren darf. Wird es ein Junge oder ein M�dchen?�</p><p>�Wie? Ach ja. Ja, ein Junge, danke. Er soll Piotr Miles hei�en, sagte man mir.�</p><p>�Ich bin �berrascht. Ich dachte, der Lordregent h�tte zuerst gern eine Tochter gehabt.�</p><p>Cordelia reckte den Kopf, Vordarians ironischer Ton irritierte sie. �Wir haben das begonnen, bevor Aral Regent wurde.�</p><p>�Aber Sie wu�ten sicher, da� er die Ernennung bekommen w�rde.�</p><p>�Ich wu�te es nicht. Aber ich dachte, ihr barrayaranischen Militaristen w�ret alle verr�ckt auf S�hne. Warum dachten Sie an eine Tochter?� <emphasis>Ich m�chte ja eine Tochter��</emphasis></p><p>�Ich nahm an, Lord Vorkosigan w�rde bez�glich seiner langandauernden�� hm�� T�tigkeit nat�rlich vorausdenken. Was f�r eine bessere Methode g�be es denn, die Fortdauer seiner Macht nach dem Ende der Regentschaft zu sichern, als h�bsch in die Position des Schwiegervaters des Kaisers zu schl�pfen?�</p><p>Cordelia stutzte. �Denken Sie, er w�rde bei der Kontinuit�t einer planetarischen Regierung auf den Zufall setzen, da� zwei Teenager in eineinhalb Jahrzehnten sich ineinander verlieben k�nnten?�</p><p>�Verlieben?� Jetzt schaute er verbl�fft drein.</p><p>�Ihr Barrayaraner seid ja���, sie bi� sich auf die Lippe, bevor sie sagen konnte: <emphasis>verr�ckt.</emphasis> Das w�re unh�flich gewesen. �Aral ist sicher�� praktischer.� Obwohl sie ihn wohl kaum unromantisch nennen konnte.</p><p>�Das ist au�erordentlich interessant�, stie� er hervor. Sein Blick fiel immer wieder auf ihren Unterleib. �Glauben Sie, er erw�gt etwas Direkteres?�</p><p>Ihr Denken lief irgendwie nur am Rande des sich im Kreis drehenden Gespr�chs nebenher. �Wie bitte?�</p><p>Er l�chelte und zuckte die Achseln.</p><p>Cordelia runzelte die Stirn. �Wollen Sie damit sagen, wenn wir ein M�dchen h�tten, dann w�rden alle so denken?�</p><p>�Sicherlich.�</p><p>Sie atmete h�rbar aus. �O Gott. Das ist ja�� Ich kann mir nicht vorstellen, da� jemand, der seinen Verstand beisammen hat, es sich w�nschen kann, in die N�he der Herrschaft �ber Barrayar zu kommen. Dadurch macht man sich doch nur zur Zielscheibe f�r jeden Verr�ckten, der irgendeinen Groll hegt, soweit ich sehen kann.� Das Bild von Leutnant Koudelka, mit blutigem Gesicht und bet�ubt, kam ihr in den Sinn. �Es w�re auch schlimm f�r den armen Kerl, der Pech genug hat, neben einem zu stehen.�</p><p>Seine Aufmerksamkeit nahm zu. �Ach ja, der ungl�ckliche Vorfall neulich. Wissen Sie vielleicht, ob bei den Untersuchungen schon irgend etwas herausgekommen ist?�</p><p>�Nichts, von dem ich geh�rt h�tte. Negri und Illyan reden meistens �ber Cetagandaner. Aber der Kerl, der die Granate abgeschossen hat, ist unbehelligt davongekommen.�</p><p>�Zu schlimm.� Er leerte sein Glas und tauschte es dann gegen ein frisch gef�lltes aus, das ihm sofort von einem vor�bergehenden Diener in der Livree des Hauses Vorbarra gereicht wurde. Cordelia blickte sehns�chtig auf die Weingl�ser. Aber f�r die Zeit der Schwangerschaft enthielt sie sich der Stoffwechselgifte. Das war noch ein anderer Vorteil der Schwangerschaft in Uterusreplikatoren auf betanische Art: kein Zwang zu diesem verdammten enthaltsamen Leben. Zu Hause h�tte sie sich nach Belieben vergiften und gef�hrden k�nnen, w�hrend ihr Kind heranwuchs, rund um die Uhr von n�chternen Fortpflanzungstechnikern voll �berwacht, sicher und gesch�tzt in den Replikatorenbanken. Wenn sie sich nur vorstellte, <emphasis>sie </emphasis>w�re mit der Schallgranate beschossen worden��</p><p>Sie hatte Verlangen nach einem Drink.</p><p>Nun ja, sie brauchte nicht die den Verstand bet�ubende Euphorie des �thanols, Konversation mit Barrayaranern bet�ubte den Verstand zur Gen�ge. Ihre Augen suchten Aral in der Menge�� da war er, mit Kou neben sich, im Gespr�ch mit Piotr und zwei anderen grauhaarigen alten M�nnern in Grafenlivree. Wie Aral vorhergesagt hatte, war sein Geh�r innerhalb weniger Tage wieder normal geworden. Aber immer noch wanderten seine Blicke von Gesicht zu Gesicht, nahmen Hinweise aus Gesten und Nuancen auf, sein Glas, von dem er noch nicht getrunken hatte, war nur Dekoration in seiner Hand. Er war im Dienst, ohne Frage.</p><p>War er �berhaupt noch einmal au�er Dienst?</p><p>�War er sehr beunruhigt durch diesen Angriff?�, fragte Vordarian, der ihrem Blick zu Aral gefolgt war.</p><p>�W�ren Sie nicht beunruhigt?�, sagte Cordelia. �Ich wei� es nicht�� Er hat so viel Gewalt in seinem Leben gesehen, fast mehr als ich mir vorstellen kann. Vielleicht ist es f�r ihn fast so etwas wie�� wei�es Rauschen. Einfach ausgeblendet.� <emphasis>Ich w�nsche, ich k�nnte es ausblenden.</emphasis></p><p>�Sie kennen ihn allerdings noch nicht so lang. Erst seit Escobar.�</p><p>�Wir haben uns einmal vor dem Krieg getroffen. Kurz.�</p><p>�Oh?� Seine Augenbrauen hoben sich. �Das wu�te ich nicht. Wie wenig man doch wirklich von den Leuten wei�.� Er machte eine Pause, beobachtete Aral, beobachtete sie, wie sie Aral beobachtete. Einer seiner Mundwinkel kr�mmte sich nach oben, dann verschwand das Zucken, als er nachdenklich seine Lippen sch�rzte. �Er ist bisexuell, wissen Sie.� Er trank einen kleinen Schluck von seinem Wein.</p><p>�War bisexuell�, korrigierte sie gedankenverloren, w�hrend sie z�rtlich durch den Saal blickte. �Jetzt ist er monogam.�</p><p>Vordarian verschluckte sich und prustete. Cordelia beobachtete ihn besorgt und �berlegte, ob sie ihn auf den R�cken klopfen sollte oder so, aber er kam wieder zu Atem und fa�te sich. �Er hat Ihnen das <emphasis>gesagt?</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> schnaufte er verwundert.</p><p>�Nein, Vorrutyer sagte es mir. Kurz bevor ihm sein�� �hm�� t�dlicher Unfall widerfuhr.� Vordarian stand wie zu Eis erstarrt da: es bereitete ihr ein gewisses boshaftes Vergn�gen, endlich einen Barrayaraner so sehr verbl�fft zu haben, wie die Barrayaraner manchmal sie verbl�fften. Nun, wenn sie nur herausbringen k�nnte, welcher Teil ihrer Aussage ihn aus der Fassung gebracht hatte�� Sie fuhr ernsthaft fort: �Je mehr ich auf Vorrutyer zur�ckschaue, desto mehr erscheint er mir als tragische Figur. Immer noch besessen von einer Liebesaff�re, die schon seit achtzehn Jahren vorbei war. Aber ich frage mich manchmal, ob er das, was er damals wollte, h�tte haben k�nnen�� Aral behalten��, wenn Aral die sadistische Veranlagung, die am Ende Vorrutyers geistige Gesundheit zerst�rte, h�tte unter Kontrolle halten k�nnen. Es ist, als h�tten die beiden sich auf einer unheimlichen Schaukel befunden, wo das �berleben des einen immer die Zerst�rung des anderen zur Folge hatte.�</p><p>�Eine Betanerin.� Sein Gesichtsausdruck der Verbl�ffung wich allm�hlich einem anderen, den Cordelia im stillen �furchtbare Erkenntnis� nannte.</p><p>�Ich h�tte darauf kommen sollen. Ihr seid immerhin, die Leute, die mit Biotechnik Hermaphroditen hervorgebracht haben��� Er machte eine Pause. �Wie lange kannten Sie Vorrutyer?�</p><p>�Ungef�hr zwanzig Minuten. Aber das waren sehr <emphasis>intensive</emphasis> zwanzig Minuten.� Sie beschlo�, ihn raten zu lassen, was, zum Teufel, <emphasis>das</emphasis> bedeutete.</p><p>�Ihre�� hm�� Aff�re, wie Sie es nennen, war seinerzeit ein gro�er geheimer Skandal.�</p><p>Sie r�mpfte die Nase. �Gro�er geheimer Skandal? Ist das nicht ein Oxymoron? Wie �milit�rische Intelligenz� oder �freundliches Feuer�. Also ein typischer Barrayarismus, wenn ich es mir recht �berlege.�</p><p>Vordarians Gesicht zeigte den seltsamsten Ausdruck. Er sah aus, fand sie, genau wie ein Mann, der eine Bombe geworfen hatte, die nur �fffft� machte statt �BUMM!�, und der nun zu entscheiden versuchte, ob er seine Hand hineinstecken und auf den Z�ndmechanismus klopfen sollte, um ihn zu testen.</p><p>Dann war sie an der Reihe mit der furchtbaren Erkenntnis. <emphasis>Dieser Mann hat gerade versucht, meine Ehe zu zerst�ren.</emphasis> Nein�� <emphasis>Aral�s Ehe. </emphasis>Sie setzte ein strahlendes, sonniges, unschuldiges L�cheln auf und ihr Gehirn schaltete�� endlich!�� in den Schnellgang. Vordarian konnte keiner von Vorrutyers alter Kriegspartei sein, ihre F�hrer hatten alle ihre t�dlichen Unf�lle erlitten, bevor Ezar sich verabschiedet hatte, und der Rest war zerstreut und hielt sich versteckt. Was wollte er eigentlich? Sie fingerte an einer Blume in ihrem Haar herum und sagte einf�ltig l�chelnd: �Ich hatte mir nicht vorgestellt, da� ich einen vierundvierzigj�hrigen unber�hrten J�ngling heiraten w�rde, Graf Vordarian.�</p><p>�Es scheint so.� Er kippte einen weiteren Schluck Wein hinunter. �Ihr Galaktiker seid alle degeneriert�� Welche Perversionen toleriert er seinerseits, frage ich mich.� In seinen Augen funkelte pl�tzlich offene Bosheit. �Wissen Sie, wie Lord Vorkosigans erste Frau starb?�</p><p>�Selbstmord. Plasmabogen in den Kopf�, erwiderte sie prompt.</p><p>�Es gab das Ger�cht, da� er sie ermordet hat. Wegen Ehebruchs. Betanerin, seien Sie auf der Hut.� Sein L�cheln war jetzt ganz bissig geworden.</p><p>�Ja, das wu�te ich auch. In diesem Fall ein unwahres Ger�cht.� Jeder Schein von Freundlichkeit war jetzt von ihrem Gespr�ch gewichen.</p><p>Cordelia hatte das schlimme Gef�hl, da� auch alle ihre Beherrschung von ihr wich. Sie lehnte sich vor und d�mpfte ihre Stimme. �Wissen Sie, warum Vorrutyer starb?�</p><p>Er konnte nicht widerstehen, er neigte sich ihr wi�begierig zu. �Nein���</p><p>�Er versuchte, Aral durch mich zu verwunden. Ich empfand das�� �rgerlich. Ich w�nsche mir, Sie w�rden aufh�ren mit Ihren Versuchen, mich zu �rgern, Graf Vordarian, ich f�rchte, Sie k�nnten n�mlich Erfolg haben.� Ihre Stimme wurde noch leiser, fast ein Fl�stern: �Sie sollten das auch f�rchten.�</p><p>Sein anf�nglicher herablassender Ton war der Vorsicht gewichen. Er machte eine sanfte, gro�z�gige Geste, die eine Verbeugung des Abschieds zu symbolisieren schien und zog sich zur�ck. �Mylady.� W�hrend er wegging, schaute er noch einmal �ber seine Schulter zur�ck, mit einem zutiefst erschrockenen Blick.</p><p>Stirnrunzelnd blickte sie ihm nach. Puh! Was f�r ein <emphasis>seltsamer </emphasis>Wortwechsel. Was hatte der Mann sich davon erwartet, da� er sie mit diesem uralten Kram behelligte, als handelte es sich darum um eine schockierende �berraschung? Stellte sich Vordarian wirklich vor, sie w�rde in die Luft gehen und ihren Ehemann zur Rede stellen, was f�r einen schlechten Geschmack bei der Auswahl seiner Gef�hrten er vor zwanzig Jahren gehabt hatte? H�tte eine naive junge barrayaranische Braut wohl einen hysterischen Anfall bekommen? Nicht Lady Vorpa-tril, deren gesellschaftliche Schw�rmerei nur eine scharfe Urteilskraft kaschierte, und nicht Prinzessin Kareen, deren Naivit�t sicher schon vor langer Zeit von dem erfahrenen Sadisten Serg zunichte gemacht worden war. <emphasis>Er hat geschossen, aber er traf daneben.</emphasis></p><p>Und, k�hler: <emphasis>Hat er schon einmal zuvor geschossen und danebengetroffen?</emphasis> Das war keine normal gesellschaftliche Begegnung gewesen, nicht einmal nach den barrayaranischen Ma�st�ben der Kunst, dem andern immer um eine Nasenl�nge voraus zu sein. <emphasis>Oder vielleicht war er einfach betrunken.</emphasis> Sie hatte pl�tzlich den Wunsch, mit Illyan zu sprechen. Sie schlo� die Augen und versuchte, Klarheit in ihren verwirrten Kopf zu bringen.</p><p>�F�hlst du dich wohl, Liebste?�, murmelte Arals besorgte Stimme in ihr Ohr. �Brauchst du dein Mittel gegen �belkeit?�</p><p>Sie ri� die Augen auf. Da war er, gesund und sicher, neben ihr.</p><p>�Oh, mir geht es gut.� Sie h�ngte sich an seinen Arm ein, ganz leicht, nicht mit panischer Anklammerung. �Ich dachte nur �ber etwas nach.�</p><p>�Wir sollten uns nun an die Tafel setzen.�</p><p>�Gut. Es wird mir guttun zu sitzen, meine F��e schwellen an.�</p><p>Er schaute sie an, als wollte er sie hochheben und zum Tisch tragen, aber sie schritten ganz normal zu ihren Pl�tzen und schlossen sich den anderen Paaren an. Sie sa�en an einem erh�hten Tisch etwas entfernt von den anderen, mit Gregor, Kareen, Piotr, dem Lordw�chter des Sprecherkreises und seiner Frau, und Premierminister Vortala, auf Gregors ausdr�cklichen Wunsch hin sa� auch Droushnakovi bei ihnen, der Knabe schien hocherfreut zu sein, da� er seine fr�here Leibw�chterin wieder bei sich hatte.</p><p><emphasis>Habe ich dir deine Spielkameradin genommen, Kind?</emphasis> fragte sich Cordelia reum�tig. Es sah so aus. Gregor verhandelte mit Kareen dar�ber, da� Drou allw�chentlich wiederkommen sollte, �f�r Judo-Stunden�. Drou, die an die Atmosph�re der Residenz gew�hnt war, war nicht so eingesch�chtert wie Koudelka, der ganz steif war vor �bertriebener Sorge, er k�nnte sich durch seine eigene Unbeholfenheit verraten.</p><p>Cordelia sa� zwischen Vortala und dem Sprecher und f�hrte mit ihnen ein ungezwungenes Gespr�ch, Vortala war charmant, in seiner etwas ungeschliffenen Art. Cordelia brachte es fertig, von jeder der elegant servierten Speisen einen Happen zu essen, au�er einem St�ck vom Rumpf eines gebratenen Rindes, das im Ganzen hereingetragen wurde.</p><p>Gew�hnlich konnte Cordelia vergessen, da� auf Barrayar das Protein nicht in Bottichen wuchs, sondern von den K�rpern wirklicher toter Tiere stammte. Sie hatte immerhin �ber die hiesigen primitiven kulinarischen Praktiken Bescheid gewu�t, bevor sie sich entschieden hatte, hierher zu kommen, und sie hatte von Tiermuskeln schon fr�her gekostet, auf Erkundungsmissionen, im Interesse der Wissenschaft, des �berlebens oder der Entwicklung potentieller neuer Produkte f�r den Heimatplaneten.</p><p>Die Barrayaraner klatschten Beifall f�r das mit Fr�chten und Blumen garnierte Tier: sie schienen es wirklich reizvoll zu finden und nicht schrecklich, und der Koch, der besorgt hinterhergekommen war, verbeugte sich. Die primitiven Geruchszentren ihres Gehirns mu�ten beistimmen: es roch gro�artig. Vorkosigan nahm eine Portion, die nicht durchgebraten, sondern noch blutig war. Cordelia nippte an ihrem Wasser.</p><p>Nach dem Dessert und einigen kurzen offiziellen Trinkspr�chen, die Vortala und Vorkosigan ausbrachten, wurde Gregor endlich von seiner Mutter zu Bett gebracht.</p><p>Kareen gab Cordelia und Droushnakovi ein Zeichen, ihr zu folgen. Die Spannung in Cordelias Schultern lie� nach, als sie die gro�e �ffentliche Versammlung verlie�en und zu den ruhigen Privatr�umen des Kaisers hinaufstiegen.</p><p>Gregor wurde aus seiner kleinen Uniform gesch�lt und in einen Pyjama gesteckt, und so wurde aus dem Symbol wieder ein Junge. Drou beaufsichtigte sein Z�hneputzen und wurde dann verf�hrt zu �nur einer einzigen Runde� eines Spiels, das sie mit einem Brett und Spielfiguren als Betthupferl zu spielen pflegten. Kareen erlaubte dies nachsichtig, und nach einem Ku� von Mutter und Sohn zog sie sich mit Cordelia in ein ged�mpft beleuchtetes Wohnzimmer nebenan zur�ck. Die beiden Frauen setzten sich mit einem Seufzer der Erleichterung nieder und entspannten sich. Kareen entledigte sich ihrer Schuhe, und Cordelia folgte sofort ihrem Beispiel. Durch die Fenster kamen die durch die Entfernung ged�mpften Laute von Stimmen und Gel�chter aus den G�rten unten.</p><p>�Wie lange wird dieses Fest noch dauern?�, fragte Cordelia.</p><p>�Bis zum Morgengrauen, f�r die Leute mit mehr Ausdauer als ich. Ich werde mich um Mitternacht zur�ckziehen, danach bestimmen die ernsthaften Trinker die Szene.�</p><p>�Einige von ihnen schienen schon jetzt ziemlich ernsthaft.�</p><p>�Ungl�cklicherweise.� Kareen l�chelte. �Sie werden die VorKIasse sowohl von ihrer besten wie von ihrer schlechtesten Seite erleben, bevor die Nacht vor�ber ist.�</p><p>�Ich kann es mir vorstellen. Ich bin �berrascht, da� ihr keine weniger gef�hrlichen stimmungsver�ndernden Drogen importiert.�</p><p>Kareens L�cheln wurde herb. �Aber Raufereien im Suff haben <emphasis>Tradition.�</emphasis></p><p>Sie nahm die Sch�rfe aus ihrer Stimme. �Tats�chlich kommen solche Dinge herein, zumindest in den St�dten mit Shuttleh�fen. Wie �blich scheinen wir neue Gewohnheiten hinzuzunehmen, statt unsere alten zu ersetzen.�</p><p>�Vielleicht ist das die beste Methode.� Cordelia runzelte die Stirn. Wie konnte sie taktvoll sondieren��? �Ist Graf Vidal Vordarian einer von denen, die die Gewohnheit haben, sich in der �ffentlichkeit zu betrinken?�</p><p>�Nein.� Kareen blickte auf und kniff die Augen zusammen. �Warum fragen Sie danach?�</p><p>�Ich hatte eine eigenartige Unterhaltung mit ihm. Ich dachte, eine �berdosis von �thanol k�nnte daf�r die Ursache sein.� Sie erinnerte sich daran, wie Vordarians Hand leicht auf dem Knie der Prinzessin gelegen war, knapp vor einer intimen Liebkosung. �Kennen Sie ihn gut? Wie w�rden Sie ihn einsch�tzen?�</p><p>Kareen sagte wohl�berlegt: �Er ist reich�� stolz�� Er hielt loyal zu Ezar w�hrend Sergs letzten Machenschaften gegen seinen Vater. Loyal zum Imperium, zur Vor-Klasse. In Vordarians Distrikt gibt es vier bedeutende Industriest�dte, dazu Milit�rbasen, Nachschubdepots, den gr��ten milit�rischen Shuttlehafen�� Vidals Distrikt ist heute sicherlich das wirtschaftlich bedeutendste Gebiet auf Barrayar. Der Krieg hat den Distrikt der Vordarians kaum ber�hrt, er ist einer der wenigen, aus dem die Cetagandaner nach Verhandlungen abgezogen sind. Wir haben dort unsere ersten Raumbasen errichtet, weil wir Einrichtungen �bernahmen, die die Cetagandaner gebaut und dann verlassen hatten, und daraus folgte ein gr��er Anteil der wirtschaftlichen Entwicklung.�</p><p>�Das ist�� interessant�, sagte Cordelia, �aber ich wollte gern etwas �ber den Mann selbst wissen. Seine�� hm�� Vorlieben und Abneigungen, zum Beispiel. M�gen Sie ihn?�</p><p>�Fr�her einmal�, sagte Kareen langsam, ��berlegte ich, ob Vidal m�chtig genug w�re, um mich vor Serg zu besch�tzen. Nachdem Ezar gestorben w�re. Als Ezar kr�nker wurde, dachte ich, ich sollte mich besser nach meinem eigenen Schutz umschauen. Nichts schien zu geschehen, und niemand sagte mir irgend etwas.�</p><p>�Wenn Serg Kaiser geworden w�re, wie h�tte denn ein blo�er Graf Sie sch�tzen k�nnen?�, fragte Cordelia.</p><p>�Er h�tte�� mehr werden m�ssen. Vidal hatte Ehrgeiz, wenn der richtig ermutigt wurde�� und Patriotismus. Gott wei�, wenn Serg �berlebt h�tte, so h�tte er vielleicht Barrayar zerst�rt�� Vidal h�tte vielleicht uns alle gerettet. Aber Ezar versprach, ich h�tte nichts zu f�rchten, und Ezar rettete uns. Serg starb vor Ezar und�� und ich habe seitdem versucht, die Beziehung zu Vidal abk�hlen zu lassen.�</p><p>Cordelia rieb zerstreut ihre Unterlippe. �Oh. Aber Sie pers�nlich�� ich meine, m�gen Sie ihn? W�re es eines Tages nicht sch�n, als Gr�fin Vordarian sich von den Aufgaben der Prinzessin-Witwe zur�ckziehen zu k�nnen?�</p><p>�Oh! Nicht jetzt. Der Stiefvater des Kaisers w�re ein zu m�chtiger Mann gegen�ber dem Regenten. Eine gef�hrliche Polarit�t, wenn sie nicht verb�ndet oder genau im Gleichgewicht w�ren. Oder nicht in einer Person kombiniert w�ren.�</p><p>�Wie zum Beispiel es beim Schwiegervater des Kaisers w�re?�</p><p>�Ja, genau.�</p><p>�Ich habe Schwierigkeiten, diese�� geschlechtliche �bertragung von Macht zu verstehen. Haben Sie einen Anspruch auf die Herrschaft aus eigenem Recht, oder nicht?�</p><p>�Nun, hier haben wir�� psst�, er grinste ihr in der Dunkelheit zu und dr�ckte warnend ihre Hand. Sie hielten beide an, vor ihnen der Eingang zu einem kleinen offenen Fleck, der von Eiben und irgendeiner rosafarbenen, federartigen nichtirdischen Pflanze gegen Blicke von oben abgeschirmt war. Die Musik drang klar h�rbar bis hierher.</p><p>�Versuchen Sie es, Kou�, dr�ngte Droushnakovis Stimme. Drou und Kou standen am anderen Ende des Terrassenwinkels einander gegen�ber.</p><p>Z�gernd setzte Koudelka seinen Stock an der Steinbalustrade ab und hielt seine H�nde den ihren entgegen. Sie begannen zu schreiten, zu gleiten und sich zu verneigen, wobei Drou ernsthaft z�hlte: �Eins-zwei-drei, eins-zwei- drei���</p><p>Koudelka stolperte, und sie fing ihn auf, er griff sie um die Taille. �Da wird nichts draus, Drou.� Er sch�ttelte frustriert den Kopf.</p><p>�Pst��� Ihre Hand ber�hrte seine Lippen. �Versuchen Sie es noch einmal. Ich bin daf�r. Was sagten Sie, wie lange mu�ten Sie diese Handkoordination �ben, bevor Sie es konnten? Mehr als einmal, da wette ich.�</p><p>�Der Alte wollte mich nicht aufgeben lassen.�</p><p>�Nun, vielleicht lasse auch ich Sie nicht aufgeben.�</p><p>�Ich bin m�de�, beschwerte sich Koudelka.</p><p><emphasis>Also, dann geht doch zum K�ssen �ber,</emphasis> dachte sich Cordelia im stillen und unterdr�ckte ein Lachen. <emphasis>Das kann man auch im Sitzen machen.</emphasis></p><p>Droushnakovi jedoch war fest entschlossen, und sie fingen wieder an.</p><p>�Eins-zwei-drei, eins-zwei-drei��� Wieder endeten die Bem�hungen in etwas, das Cordelia als ein sehr guter Beginn einer Umarmung erschien, wenn nur einer von beiden seinen Kopf und seine Nerven beisammen gehabt h�tte, um die Sache voranzutreiben.</p><p>Aral sch�ttelte den Kopf, und sie zogen sich schweigend hinter das Geb�sch zur�ck. Offensichtlich war er ein bi�chen vom Gesehenen inspiriert, seine Lippen suchten die ihren, um sein eigenes Kichern zu ersticken.</p><p>Leider war ihr Taktgef�hl umsonst: ein unbekannter Vor-Lord hastete blind an ihnen vorbei, stolperte durch den Winkel der Terrasse (Kou und Drou erstarrten mitten in der Bewegung) und beugte sich dann �ber die Steinbalustrade, um sich sehr traditionell in die darunter stehenden B�sche zu erbrechen. Pl�tzlich ert�nten Fl�che anderer Stimmen, einer m�nnlichen und einer weiblichen, aus dem dunklen, abgeschirmten Zielgebiet. Koudelka nahm seinen Stock und die beiden Beinahe-T�nzer zogen sich hastig zur�ck. Der Vor-Lord mu�te sich wieder �bergeben, und sein m�nnliches Opfer begann hochzuklettern, rutschte auf den besudelten Steinen aus und versprach gewaltt�tige Vergeltung. Vorkosigan f�hrte Cordelia klugerweise vom Schauplatz hinweg.</p><p>Sp�ter, w�hrend sie an einem der Eing�nge der Residenz auf die Bodenwagen warteten, stand Cordelia zuf�llig neben dem Leutnant.</p><p>Koudelka blickte nachdenklich �ber seine Schulter auf die Residenz zur�ck, von wo Musik und Festl�rm fast unvermindert her�berklangen.</p><p>�Hat es Ihnen gefallen, Kou?�, fragte sie freundlich.</p><p>�Wie? O ja, erstaunlich. Als ich in den Armeedienst eintrat, h�tte ich mir nie tr�umen lassen, da� ich mal hierher kommen w�rde.� Er blinzelte. �Es gab eine Zeit, da dachte ich, ich w�rde nirgendwohin kommen.� Und dann f�gte er etwas hinzu, das f�r Cordelia wie eine Art sanfter, mentaler Peitschenschlag war: �Ich w�nschte mir, es g�be Bedienungsanleitungen f�r Frauen.�</p><p>Cordelia lachte laut: �Dasselbe k�nnte ich �ber die M�nner sagen.�</p><p>�Aber Sie und Admiral Vorkosigan�� Sie sind anders.�</p><p>�Nicht�� wirklich. Vielleicht haben wir aus Erfahrungen gelernt. Viele Leute tun das nicht.�</p><p>�Glauben Sie, da� ich eine Chance f�r ein normales Leben habe?� Er blickte sie nicht an, sondern schaute in die Dunkelheit.</p><p>�Sie schaffen sich Ihre eigenen Chancen. Und Ihre eigenen T�nze.�</p><p>�Sie reden genau wie der Admiral.�</p><p>Cordelia fing Illyan am n�chsten Morgen ab, als er in Palais Vorkosigan vorbeikam, um den t�glichen Bericht seines Wachkommandanten zu h�ren.</p><p>�Sagen Sie mir, Simon: Steht <emphasis>Vidal Vordarian</emphasis> auf Ihrer kurzen Liste, oder auf der langen?�</p><p>�Jeder steht auf meiner langen Liste�, seufzte Illyan.</p><p>�Ich m�chte, da� Sie ihn auf Ihre kurze Liste setzen.�</p><p>Sein Kopf fuhr hoch. �Warum?�</p><p>Sie z�gerte. Sie wollte nicht antworten: <emphasis>Intuition,</emphasis> obwohl das es genau war, worauf diese unterbewu�ten Signale hinausliefen. �Er scheint mir die Mentalit�t eines Attent�ters zu haben. Die Art, die aus einer Deckung in den R�cken des Feindes schie�t.�</p><p>Illyan l�chelte am�siert. �Verzeihen Sie, Mylady, aber das klingt nicht nach dem Vordarian, den ich kenne. Ich habe ihn mehr als den offen und ungest�m losst�rmenden Typ erlebt.�</p><p>Wie schlimm mu�te ein ungest�mer Mann verletzt sein, von welch brennendem Verlangen gequ�lt, da� er auf einmal raffiniert wurde? Sie war unsicher. Vielleicht ahnte Vordarian nicht, wie tief Arals Gl�ck mit ihr reichte, und begriff deshalb nicht, wie gemein sein Angriff auf dieses Gl�ck war? Und: liefen pers�nliche und politische Animosit�ten notwendigerweise zusammen? <emphasis>Nein.</emphasis> Der Ha� des Mannes war abgrundtief gewesen, sein Schlag, wenn auch irrt�mlich, genau gezielt.</p><p>�Setzen Sie ihn auf Ihre kurze Liste�, sagte sie.</p><p>Illyan �ffnete seine Hand. Es war keine Geste der Beschwichtigung, sein Gesichtsausdruck verriet, da� ein Gedankengang eingesetzt hatte. �Na sch�n, Mylady.�</p></section><section><title><p>KAPITEL 6</p></title><p>Cordelia beobachtete, wie der Schatten des Leichtfliegers �ber den Boden dort unten dahinglitt, ein d�nner Fleck, der wie ein Pfeil nach S�den flog. Der Pfeil zitterte �ber Felder, B�che, Fl�sse und staubige Stra�en dahin�� das <emphasis>Stra�ennetz</emphasis> war nur rudiment�r vorhanden, verk�mmert, seine Entwicklung war �berholt worden vom Personenlufttransport, der mit der Woge galaktischer Technologie am Ende des Zeitalters der Isolation gekommen war. Mit jedem Kilometer, den sie zwischen sich und die hektische Treibhausatmosph�re der Hauptstadt brachten, l�sten sich Kn�uel von Spannung in Cordelias Hals. Ein Tag auf dem Land�� eine ausgezeichnete Idee, schon l�ngst �berf�llig. Sie w�nschte sich nur, da� Aral mit von der Partie h�tte sein k�nnen.</p><p>Sergeant Bothari, dem irgendeine Landmarke dort drunten als Anhaltspunkt gedient hatte, legte den Leichtflieger sanft in eine Kurve f�r den neuen Kurs. Droushnakovi, die den R�cksitz mit Cordelia teilte, versteifte sich bei dem Versuch, sich nicht an Cordelia zu lehnen. Dr. Henri, der vorn neben dem Sergeanten sa�, blickte durch das Verdeck nach drau�en mit einem Interesse, das fast so gro� war wie das von Cordelia.</p><p>Dr. Henri machte eine halbe Drehung nach hinten, um �ber seine Schulter zu Cordelia zu sprechen: �Ich danke Ihnen f�r die Einladung zum Essen, Lady Vorkosigan. Es ist ein seltenes Privileg, den Familienbesitz der Vorkosigans besuchen zu d�rfen.�</p><p>�Wirklich?�, sagte Cordelia. �Ich wei�, da� sie dort keine Scharen dulden, aber Graf Piotrs Pferdefreunde schauen ziemlich h�ufig dort vorbei. Faszinierende Tiere.� Cordelia dachte dar�ber eine Sekunde lang nach, dann entschied sie, da� Dr. Henri ohne weitere Worte begreifen w�rde, da� mit �faszinierende Tiere� die Pferde gemeint waren und nicht die Freunde von Graf Piotr. �Lassen Sie nur den allerkleinsten Hinweis fallen, da� Sie daf�r Interesse haben, und Graf Piotr wird Sie wahrscheinlich h�chstpers�nlich im Stall umherf�hren.�</p><p>�Ich habe den General noch nie getroffen.� Dr. Henri wirkte, als habe ihn der Gedanke an eine solche Begegnung etwas eingesch�chtert, und er fingerte am Kragen seiner gr�nen Interimsuniform herum. Als Wissenschaftler vom Kaiserlichen Milit�rkrankenhaus hatte Henri oft genug mit hochrangigen Personen zu tun, um keine Scheu vor ihnen zu haben, es mu�te Piotrs Rolle in der Geschichte von Barrayar sein, die den Unterschied ausmachte.</p><p>Piotr hatte seinen jetzigen Rang im Alter von zweiundzwanzig erhalten, als er gegen die Cetagandaner in dem erbitterten Guerillakrieg k�mpfte, der in den Dendarii-Bergen gew�tet hatte, die sich gerade jetzt am s�dlichen Horizont blau abzeichneten. Der Rang war alles, was der seinerzeitige Kaiser, Dorca Vorbarra, ihm damals geben konnte, greifbarere Werte wie Verst�rkungen, Nachschub und Geld standen in jener verzweifelten Zeit au�er Frage. Zwanzig Jahre sp�ter hatte Piotr wieder in die Geschichte von Barrayar eingegriffen, als er in dem B�rgerkrieg, der den verr�ckten Kaiser Yuri st�rzte, den K�nigsmacher f�r Ezar Vorbarra spielte. Kein durchschnittlicher Generalst�bler, dieser General Piotr Vorkosigan, egal, welchen Ma�stab man anlegte.</p><p>�Er ist umg�nglich�, beruhigte Cordelia Dr. Henri. �Bewundern Sie einfach die Pferde und stellen Sie ein paar Suggestivfragen �ber die Kriege, und schon k�nnen Sie sich entspannen und den Rest der Zeit mit Zuh�ren verbringen.�</p><p>Henris Augenbrauen hoben sich, und er suchte auf ihrem Gesicht nach Zeichen von Ironie. Henri war ein gescheiter Mann. Cordelia l�chelte ihm fr�hlich zu.</p><p>Sie bemerkte, da� Bothari sie in dem Spiegel �ber seinem Armaturenbrett still beobachtete. Wieder. Der Sergeant schien heute angespannt zu sein.</p><p>Die Stellung seiner H�nde und die Straffheit seiner Nackenmuskeln verrieten ihn. In Botharis ausdruckslosen gelben Augen konnte man nie etwas lesen, sie sa�en tief, zu nahe beieinander und nicht ganz auf derselben H�he �ber seinen scharfen Bakkenknochen und seiner langen, engen Kiefernpartie. War er wegen des Besuchs des Doktors besorgt? Verst�ndlich.</p><p>Das Land unter ihnen zog sich sanft gewellt dahin, bald aber faltete es sich auf zu zerkl�fteten Bergketten, die den Seendistrikt durchfurchten.</p><p>Dahinter erhoben sich die Berge, und Cordelia meinte, ein fernes Glitzern fr�hen Schnees auf dem h�chsten Gipfel zu ersp�hen. Bothari �berquerte drei querverlaufende Gebirgsk�mme, flog wieder eine Kurve und zog dann den Flieger in ein enges Tal hoch. Noch ein paar Minuten, noch ein Bergkamm, und dann kam der lange See in Sicht. Ein gewaltiges Labyrinth niedergebrannter Befestigungen bildete eine schwarze Krone auf einer Landzunge, und darunter duckte sich ein Dorf. Bothari landete den Flieger genau auf einem Kreis, der auf dem Pflaster der breitesten Stra�e des Dorfes aufgemalt war.</p><p>Dr. Henri nahm seine Tasche mit den medizinischen Ger�ten auf. �Die Untersuchung wird nur ein paar Minuten dauern�, beruhigte er Cordelia, �dann k�nnen wir weitermachen.�</p><p><emphasis>Sagen Sie das nicht mir, sagen Sie das Bothari.</emphasis> Cordelia sp�rte, da� Dr. Henri wegen Bothari etwas nerv�s war. Er sprach immer sie an statt den Sergeanten, als ob sie eine �bersetzerin w�re, die alles in Begriffe �bertrug, die Bothari verst�nde. Bothari wirkte furchterregend, zugegeben, aber wenn man an ihm vorbeisprach, so w�rde das ihn nicht auf magische Weise verschwinden lassen.</p><p>Bothari f�hrte sie in ein kleines Haus in einer engen Seitenstra�e, die zu dem schimmernden Wasser hinabf�hrte. Auf sein Klopfen hin �ffnete eine massige Frau mit ergrauendem Haar die T�r und l�chelte ihnen zu: �Guten Morgen, Sergeant. Kommen Sie herein, alles ist bereit. Mylady.� Sie ehrte Cordelia mit einem unbeholfenen Knicks.</p><p>Cordelia antwortete mit einem Nicken und schaute sich interessiert um.</p><p>�Guten Morgen, Frau Hysopi. Wie sch�n Ihr Haus heute aussieht.� Die Wohnung war sorgf�ltig geputzt und aufger�umt�� als Soldatenwitwe wu�te Frau Hysopi �ber Inspektionen Bescheid. Cordelia vertraute darauf, da� die Alltagsstimmung im Haus der Pflegemutter etwas entspannter war.</p><p>�Ihre kleine Tochter war sehr brav heute morgen�, versicherte Frau Hysopi dem Sergeanten. �Hat ihre Flasche getrunken�� sie hat gerade gebadet. Hier geht es lang, Doktor. Ich hoffe, Sie finden alles in Ordnung���</p><p>Sie ging voran, eine enge Stiege hinauf. Das eine Schlafzimmer war offensichtlich das ihre, das andere, wo man durch ein gro�es Fenster �ber die D�cher hinweg zum See hinuntersehen konnte, war k�rzlich in ein Kinderzimmer umgewandelt worden. In einem Kinderbettchen brabbelte ein dunkelhaariges Baby mit sich selber. �Du bist ein liebes M�dchen�, sagte Frau Hysopi l�chelnd und hob das Kind hoch. �Sag hallo zu deinem Papa, na, Elena. Sch�n sch�n.�</p><p>Bothari blieb in der T�r stehen und betrachtete das Kind aufmerksam. �Ihr Kopf ist sehr gewachsen�, bemerkte er nach einer kleinen Weile.</p><p>�Das ist immer so, zwischen drei und vier Monaten�, stimmte Frau Hysopi zu.</p><p>Dr. Henri legte seine Instrumente auf dem Bettlaken bereit, Frau Hysopi brachte das Kind zur�ck und fing an, es auszuziehen. Die beiden begannen eine Fachsimpelei �ber Rezepte und Stuhlgang, und Bothari ging in dem kleinen Zimmer umher, schaute alles an, ber�hrte aber nichts.</p><p>Er wirkte schrecklich gro� und fehl am Platz inmitten der farbenfrohen, zierlichen Kinderm�bel, dunkel und gef�hrlich in seiner braun-silbernen Uniform. Sein Kopf stie� an die schr�ge Decke, und er zog sich vorsichtig zur T�r zur�ck.</p><p>Cordelia sp�hte neugierig �ber die Schultern von Dr. Henri und Frau Hysopi und beobachtete das kleine M�dchen, wie es sich bewegte und sich umzurollen versuchte. Kleine Kinder. Bald w�rde sie auch eines haben. Als k�me da eine Antwort, bewegte es sich in ihrem Bauch. Piotr Miles war gl�cklicherweise noch nicht stark genug, um sich seinen Weg aus einer Papiert�te freizuk�mpfen, aber wenn seine Entwicklung weiter so anhielt wie bisher, dann w�rden die letzten paar Monate der Schwangerschaft f�r Cordelia dauernde Schlaflosigkeit bedeuten. Jetzt w�nschte sie sich, sie h�tte damals auf Kolonie Beta einen Trainingskurs f�r Eltern mitgemacht, selbst wenn sie noch nicht bereit gewesen war, eine Elternlizenz zu beantragen. Aber barrayaranische Eltern schienen aus dem Stegreif damit fertigzuwerden. Frau Hysopi hatte durch die Praxis gelernt, und sie hatte jetzt schon drei erwachsene Kinder.</p><p>�Erstaunlich�, sagte Dr. Henri, w�hrend er unter Kopfsch�tteln seine Ergebnisse notierte. �Absolut normale Entwicklung, so weit ich sagen kann. Nichts l��t erkennen, da� sie aus einem Uterusreplikator kam.�</p><p>�<emphasis>Ich</emphasis> kam auch aus einem Uterusreplikator�, merkte Cordelia am�siert an.</p><p>Henri schaute sie unwillk�rlich von oben bis unten an, als ob er pl�tzlich erwartete, Antennen zu entdecken, die aus ihrem Kopf wuchsen.</p><p>�Die betanischen Erfahrungen deuten darauf hin, da� es nicht so sehr darauf ankommt, wie man hierher gelangt, sondern allein darauf, was man nach seiner Ankunft macht.�</p><p>�Wirklich?� Er runzelte nachdenklich die Stirn. �Und Sie sind frei von genetischen Defekten?�</p><p>�Ist mir bescheinigt�, best�tigte Cordelia.</p><p>�Wir <emphasis>brauchen</emphasis> diese Technologie.� Er seufzte und begann, seine Sachen wieder einzupacken. �Es geht ihr gut, Sie k�nnen sie wieder anziehen�, f�gte er zu Frau Hysopi gewandt hinzu.</p><p>Bothari baute sich schlie�lich vor dem Kinderbett auf und blickte hinein, mit tiefen Falten zwischen den Augen. Er ber�hrte das Kind nur einmal, mit einem Finger an der Wange, dann rieb er den Finger an seinem Daumen, als wolle er seine Nervenfunktion pr�fen. Frau Hysopi beobachtete ihn von der Seite, sagte aber nichts. W�hrend Bothari noch blieb, um Frau Hysopi die monatlichen Ausgaben zu begleichen, schlenderten Cordelia und Dr. Henri zum See hinunter. Droushnakovi folgte ihnen.</p><p>�Als diese siebzehn escobaranischen Uterusreplikatoren im Kaiserlichen Milit�rkrankenhaus ankamen�, sagte Henri, �zu uns aus dem Kriegsgebiet geschickt, da war ich echt erschrocken. Warum sollte man diese unerw�nschten F�ten retten, und noch dazu zu solchen Kosten? Warum hat man sie ausgerechnet an <emphasis>meine</emphasis> Abteilung abgeschoben? Inzwischen halte ich sehr viel davon, Mylady. Ich habe sogar an eine Anwendung gedacht, ein technologisches Nebenprodukt, f�r Verbrennungspatienten. Jetzt arbeite ich daran, die Zustimmung zu dem Projekt traf vor genau einer Woche ein.� Seine Augen funkelten vor Eifer, als er seine Theorie darlegte, die sich vern�nftig anh�rte, soweit Cordelia die Prinzipien verstand.</p><p>�Meine Mutter ist Ingenieurin f�r medizinische Ger�te im Silica- Hospital�, erkl�rte sie Henri, als er innehielt, um Atem zu sch�pfen und Zustimmung zu ernten. �Sie arbeitet st�ndig an dieser Art von Anwendung.� Henri intensivierte daraufhin seine technischen Ausf�hrungen.</p><p>Cordelia gr��te zwei Frauen auf der Stra�e mit Namen und stellte sie Dr. Henri vor.</p><p>�Sie sind die Ehefrauen von zwei geschworenen Gefolgsleuten von Graf Piotr�, erkl�rte sie, als sie weitergingen.</p><p>�Eigentlich m��ten die doch in der Hauptstadt leben wollen, sollte man annehmen.�</p><p>�Einige leben dort, einige bleiben hier. Es scheint von ihrer Neigung abzuh�ngen. Die Lebenskosten sind hier drau�en viel niedriger, und diese Burschen sind nicht so gut bezahlt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Einige von den Landbewohnern trauen dem Leben in der Stadt nicht, sie scheinen zu denken, da� es hier sauberer ist.� Sie mu�te kurz grinsen. �Einer der Kerle hat an jedem Standort eine Frau. Keiner seiner Kameraden hat ihn bis jetzt verpfiffen. Der Haufen h�lt zusammen.�</p><p>Henris Augenbrauen hoben sich: �Wie h�bsch f�r ihn.�</p><p>�Eigentlich nicht. Er ist immer knapp bei Kasse und sieht immer sorgengeplagt aus. Aber er kann sich nicht entscheiden, welche Frau er aufgeben soll. Anscheinend liebt er wirklich beide.�</p><p>An der Bootsanlegestelle sahen sie einen alten Mann herumwerkeln. Als Dr. Henri zu ihm ging und sich bei ihm nach der M�glichkeit erkundigte, ein Boot zu mieten, trat Droushnakovi zu Cordelia und sprach sie leise an.</p><p>Sie schaute verwirrt drein. �Mylady�� wie in der Welt ist Sergeant Bothari zu einem Baby gekommen? Er ist doch nicht verheiratet, oder?�</p><p>�Glauben Sie, der Storch hat die Kleine gebracht?�, sagte Cordelia leichthin.</p><p>�Nein.�</p><p>Nach ihrem Stirnrunzeln zu schlie�en schien Drou diese Frivolit�t nicht zu billigen. Cordelia konnte es ihr nicht �belnehmen. Sie seufzte. <emphasis>Wie kann ich mich da blo� herauswinden?</emphasis> �Aber so war es fast. Ihr Uterusreplikator wurde mit einem Schnellkurier aus Escobar gebracht, nach dem Krieg. Sie hat ihre vorgeburtliche Zeit in einem Labor im Kaiserlichen Milit�rkrankenhaus vollendet, unter der Aufsicht von Dr. Henri.�</p><p>�Ist sie wirklich Botharis Kind?�</p><p>�O ja, genetisch best�tigt. Auf diese Weise identifizierte man��� Cordelia brach den Satz mittendrin ab. Jetzt vorsichtig��</p><p>�Aber war da nicht die Rede von siebzehn Replikatoren? Und wie kam das Baby in den Replikator? War�� war es ein Experiment?�</p><p>�Plazenta�bertragung. Eine schwierige Operation, selbst nach galaktischen Ma�st�ben, aber kein Experiment mehr. Schauen Sie�, Cordelia hielt inne und �berlegte schnell, �ich werde Ihnen die Wahrheit sagen.� <emphasis>Aber nicht die ganze Wahrheit.</emphasis> �Die kleine Elena ist die Tochter von Bothari und einer jungen escobaranischen Offizierin namens Elena Visconti. Bothari�� liebte sie�� sehr. Aber nach dem Krieg wollte sie nicht mit ihm nach Barrayar kommen. Das Kind wurde gezeugt, hm�� auf barrayaranische Weise, und sp�ter in den Replikator �bertragen, als sie sich trennten. Es gab einige �hnliche F�lle. Die Replikatoren wurden alle an das Kaiserliche Milit�rkrankenhaus geschickt, das mehr �ber diese Technologie lernen wollte. Bothari befand sich in�� medizinischer Behandlung, ziemlich lange Zeit, nach dem Krieg. Aber als er entlassen wurde und sie aus dem Replikator kam, �bernahm er das Sorgerecht f�r sie.�</p><p>�Nahmen die anderen auch ihre Babies?�</p><p>�Die meisten anderen V�ter waren damals schon tot. Die Kinder kamen in das Waisenhaus der Kaiserlichen Armee.�</p><p>Das also war die offizielle Version, ganz korrekt und schl�ssig.</p><p>�Oh.� Drou blickte mit gerunzelter Stirn auf ihre F��e. �Das ist �berhaupt nicht�� es ist schwer, sich Bothari vorzustellen�� Um ganz ehrlich zu sein�, sagte sie in einem Anfall von Offenheit, �ich glaube nicht, da� ich auch nur eine Katze der Obhut von Bothari anvertrauen w�rde. Kommt er Ihnen nicht ein bi�chen seltsam vor?�</p><p>�Aral und ich haben ein Auge auf ihn. Bothari macht sich bis jetzt sehr gut, glaube ich. Er hat Frau Hysopi auf eigene Faust gefunden, und er stellt sicher, da� sie alles bekommt, was sie braucht. Hat Bothari�� das hei�t, sind Sie wegen Bothari beunruhigt?�</p><p>Droushnakovi schaute Cordelia an, als bezweifelte sie die Ernsthaftigkeit ihrer Worte. �Er ist so gro�. Und h��lich. Und er�� f�hrt an manchen Tagen Selbstgespr�che. Und er ist so oft krank, tagelang, wo er dann nicht aus dem Bett kommt, aber er hat dann kein Fieber oder so etwas. Der Kommandant von Graf Piotrs Leuten meint, er sei ein Simulant.�</p><p>�Er simuliert nicht. Aber es ist gut, da� Sie das erw�hnen, ich werde Aral sagen, er soll mit dem Kommandanten reden und die Sache kl�ren.�</p><p>�Aber haben Sie denn �berhaupt keine Angst vor ihm? Zumindest an seinen schlechten Tagen?�</p><p>�Ich k�nnte �ber Bothari weinen�, sagte Cordelia langsam, �aber ich habe keine Angst vor ihm. Nicht an den schlechten Tagen, und nicht an anderen Tagen. Und auch Sie sollten keine Angst vor ihm haben. Es w�re�� es w�re eine schlimme Beleidigung f�r ihn.�</p><p>�Tut mir leid.� Droushnakovi scharrte mit ihrem Schuh �ber den Kies.</p><p>�Es ist eine traurige Geschichte. Kein Wunder, da� er nicht �ber den Escobar-Krieg redet.�</p><p>�Ja, ich w�re Ihnen�� dankbar, wenn Sie nie die Rede darauf bringen. F�r ihn ist das sehr schmerzlich.�</p><p>Ein kurzer Sprung mit dem Leichtflieger von dem Dorf �ber eine Landzunge des Sees brachte sie zum Landgut der Vorkosigans. Vor einem Jahrhundert war das Haus ein vorgeschobener Wachposten des Forts auf der Landzunge gewesen. Die moderne Waffentechnik hatte oberirdische Befestigungen �berfl�ssig gemacht, und die alten Steingeb�ude waren einer friedlicheren Nutzung zugef�hrt worden. Dr. Henri hatte offensichtlich mehr Pracht erwartet, denn er sagte: �Es ist kleiner, als ich erwartet habe.�</p><p>Piotrs Haush�lterin hatte f�r sie auf einer mit Blumen geschm�ckten Terrasse am S�dende des Hauses bei der K�che ein h�bsches Mittagessen vorbereitet. W�hrend sie die G�ste dorthin f�hrte, nahm Cordelia Graf Piotr beiseite.</p><p>�Danke, da� wir hier bei dir einfallen durften.�</p><p>�Bei mir einfallen, also wirklich! Das ist dein Haus, meine Liebe. Du kannst hier ganz nach Belieben alle Freunde einladen, die du m�chtest. Dies ist das erstemal, da� du es getan hast, verstehst du?� Er blieb mit ihr in der T�r stehen. �Wei�t du, als meine Mutter meinen Vater heiratete, da hat sie Palais Vorkosigan v�llig umdekoriert. Meine Frau tat das gleiche zu ihrer Zeit. Aral hat so sp�t geheiratet, da� ich f�rchte, eine Renovierung ist schon l�ngst �berf�llig. W�rdest du nicht�� auch m�gen?�</p><p>Aber es ist <emphasis>dein</emphasis> Haus, dachte Cordelia hilflos, nicht einmal das von Aral, wirklich��</p><p>�Du bist so leicht bei uns gelandet, da� man fast f�rchtet, du wirst wieder wegfliegen�. Piotr lachte leise, aber in seinen Augen war Besorgnis zu lesen.</p><p>Cordelia klopfte auf ihren sich rundenden Bauch. �Oh, ich bin jetzt durchaus schwer auf dem Boden, Herr Graf.� Sie z�gerte. �Um die Wahrheit zu sagen, ich dachte, es w�re h�bsch, in Palais Vorkosigan eine Liftr�hre zu haben. Wenn man Basement, Subbasement, Dachgescho� und Dach dazuz�hlt, dann gibt es jetzt acht Stockwerke im Hauptgeb�ude. Zu Fu� ist das ein ganz sch�ner Weg!�</p><p>�Eine Liftr�hre? Wir haben nie����� er bi� sich auf die Lippe. �Wo?�</p><p>�Du k�nntest es im hinteren Teil des Korridors einbauen lassen, neben den Versorgungsleitungen, ohne da� dadurch die Innenkonstruktion beeintr�chtigt wird.�</p><p>�Du k�nntest es auch. Prima. Finde einen Bauunternehmer. Tu�s!�</p><p>�Ich werde mich morgen darum k�mmern. Danke, Sir.� Hinter seinem R�cken hob sie die Augenbrauen.</p><p>Offensichtlich in der Absicht, sie zu ermutigen, war Graf Piotr w�hrend des Mittagessens bem�ht freundlich zu Dr. Henri, obwohl dieser deutlich ein Mann der neuen Zeit war. Henri seinerseits, der Cordelias Rat folgte, kam gl�nzend mit Piotr aus. Piotr erz�hlte Henri alles �ber das neue Fohlen, das in seinen St�llen hinter der H�gelkette geboren worden war.</p><p>Das Tier war ein genetisch bescheinigtes Vollblut, das Piotr ein <emphasis>Quarterhorse</emphasis> nannte, obwohl es f�r Cordelia wie ein ganzes Pferd aussah. Das Hengstfohlen war unter gro�en Kosten als tiefgefrorener Embryo von der Erde importiert und einer Rassestute implantiert worden, und Piotr hatte die Entwicklung bis zur Geburt sorgf�ltig �berwacht. Der biologisch geschulte Henri zeigte fachliches Interesse, und nach dem Essen nahm Piotr ihn mit zu einer pers�nlichen Besichtigung der gro�en Tiere.</p><p>Cordelia entschuldigte sich: �Ich m�chte mich ein bi�chen ausruhen. Sie k�nnen gehen, Drou. Sergeant Bothari wird bei mir bleiben.� Tats�chlich machte Cordelia sich Sorgen �ber Bothari. Er hatte mittags nicht einen einzigen Bissen zu sich genommen, und seit �ber einer Stunde auch kein einziges Wort mehr gesprochen.</p><p>Drou, die Bedenken hatte, andererseits aber ganz versessen auf die Pferde war, lie� sich �berreden. Die drei stapften also den H�gel hinauf. Cordelia blickte ihnen nach, dann wandte sie ihr Gesicht Bothari zu, der sie wieder beobachtete. Er nickte ihr auf seltsame Weise zustimmend zu.</p><p>�Danke, Mylady.�</p><p>�Hmm, ja. Ich habe �berlegt, ob Sie sich nicht wohlf�hlen.�</p><p>�Nein�� ja. Ich wei� nicht. Ich wollte�� ich wollte mit Ihnen sprechen, Mylady. Seit�� seit einigen Wochen. Aber es schien sich nie eine gute Gelegenheit daf�r zu ergeben. In der letzten Zeit wurde es noch schlimmer. Ich kann nicht mehr l�nger warten. Ich hatte gehofft, da� heute���</p><p>�Nutzen wir den Augenblick.� Die Haush�lterin klapperte in Piotrs K�che herum. �H�tten Sie Lust auf einen Spaziergang?�</p><p>�Bitte sehr, Mylady.�</p><p>Sie gingen zusammen um das alte Steinhaus herum. Der Pavillon oben auf dem H�gel mit seinem �berblick �ber den See w�re ein gro�artiger Ort zum Sitzen und Reden, aber Cordelia f�hlte sich zu voll und zu schwanger f�r den Aufstieg. Sie f�hrte statt dessen nach links, auf dem Pfad, der parallel zum Abhang verlief, bis sie zu einer Art kleinem ummauertem Garten kamen.</p><p>Der Familienfriedhof der Vorkosigans war bis zum letzten Winkel belegt mit unterschiedlichsten Gr�bern: engere Familie, entfernte Verwandte, Gefolgsleute mit besonderen Verdiensten. Der Friedhof war urspr�nglich ein Teil der Anlage des zerst�rten Forts gewesen, und die �ltesten Gr�ber von Wachen und Offizieren waren schon vor Jahrhunderten angelegt worden. Die Vorkosigans waren hier erst nach der atomaren Zerst�rung der alten Distrikthauptstadt Vorkosigan Vashnoi w�hrend der cetagandanischen Invasion aufgetaucht. Die Toten waren damals mit den Lebenden verschmolzen worden, und eine Familiengeschichte von acht Generationen war ausgel�scht worden. Es war aufschlu�reich, wenn man Geburts- und Sterbedaten aus neuerer Zeit in Beziehung zu den jeweiligen historischen Ereignissen brachte, z.B. zur cetagandanischen Invasion oder zum Krieg von Yuri dem Wahnsinnigen. Das Grab von Arals Mutter stammte genau aus dem Jahr, in dem Yuris Krieg begann. Neben ihr war eine Grabstelle f�r Piotr reserviert, und das schon seit dreiundrei�ig Jahren. Sie wartete geduldig auf ihren Ehemann. <emphasis>Und die M�nner beschuldigen</emphasis> uns <emphasis>Frauen, wir lie�en immer auf uns warten.</emphasis> Ihr �ltester Sohn, Arals Bruder, lag an ihrer anderen Seite bestattet.</p><p>�Setzen wir uns dort dr�ben hin.� Cordelia nickte in Richtung einer Steinbank, die von kleinen orangefarbenen Blumen umgeben war und der eine von der Erde importierte, mindestens schon ein Jahrhundert alte Eiche Schatten spendete. �Die Leute hier sind jetzt alle gute Zuh�rer. Und sie tratschen keinen Klatsch weiter.�</p><p>Cordelia setzte sich auf den warmen Stein und musterte Bothari. Er sa� so weit entfernt von ihr, wie es die Bank gerade zulie�. Die Furchen in seinem Gesicht wirkten heute tief und schroff, obwohl das Licht des Nachmittags durch den warmen Herbstdunst gemildert wurde. Eine Hand klammerte sich um die rauhe Steinkante der Bank und spannte immer wieder ihre Muskeln. Er atmete zu bedacht.</p><p>Cordelia d�mpfte ihre Stimme: �Also, was ist los, Sergeant? Sie sehen heute ein bi�chen�� angespannt aus. Ist etwas mit Elena?�</p><p>Er gab ein freudloses Lachen von sich. <emphasis>�Angespannt.</emphasis> Ja, ich sch�tze, so kann man sagen. Es geht nicht um das Baby�� es geht�� nun ja, nicht direkt.� Er blickte ihr direkt in die Augen, zum erstenmal an diesem Tag.</p><p>�Sie erinnern sich an Escobar, Mylady. Sie waren dort. Richtig?�</p><p>�Richtig.� <emphasis>Dieser Mann leidet Qualen, </emphasis>erkannte Cordelia. Welche Qualen?</p><p>�Ich kann mich nicht an Escobar erinnern.�</p><p>�Das habe ich geh�rt. Ich glaube, Ihre Armeetherapeuten haben sich gro�e M�he gegeben, um sicherzustellen, da� Sie sich nicht an Escobar erinnern.�</p><p>�O ja.�</p><p>�Ich billige die barrayaranischen Vorstellungen von Therapie nicht, besonders, wenn sie von politischen Zweck�berlegungen beeinflu�t sind.�</p><p>�Zu dieser Erkenntnis bin ich gekommen, Mylady.� In seinen Augen glimmte eine vorsichtige Hoffnung auf.</p><p>�Wie haben sie es gemacht? Haben sie ausgew�hlte Neuronen ausgebrannt? Oder war es chemische L�schung?�</p><p>�Nein�� sie haben Drogen verwendet, aber nichts wurde zerst�rt. So sagt man mir. Die �rzte nannten es Suppressionstherapie. Wir nannten es einfach die H�lle. Jeden Tag gingen wir in die H�lle, bis wir nicht mehr dorthin gehen wollten.� Bothari rutschte auf seinem Sitz hin und her und runzelte die Stirn. �Wenn ich versuche, mich zu erinnern�� �berhaupt �ber Escobar zu sprechen��, so verursacht mir das Kopfschmerzen. Klingt dumm, nicht wahr. Ein gro�es Mannsbild wie ich winselt �ber Kopfschmerzen wie ein altes Weib. Bestimmte besondere Teile, Erinnerungen, verursachen mir diese wirklich schlimmen Kopfschmerzen, ich sehe dann rote Ringe um alles und fange an, mich zu �bergeben. Wenn ich aufh�re, dar�ber nachzudenken, dann lassen die Schmerzen nach. Ganz einfach.�</p><p>Cordelia schluckte. �Ich verstehe. Es tut mir leid. Ich wu�te, da� es schlimm war, aber ich wu�te nicht, da� es�� so schlimm war.�</p><p>�Das Schlimmste davon sind die Tr�ume. Ich tr�ume�� davon und wenn ich zu langsam aufwache, dann erinnere ich mich an den Traum. Ich erinnere mich dann an zuviel auf einmal, und mein Kopf�� alles, was ich dann tun kann, ist mich auf die andere Seite zu rollen und zu weinen, bis ich anfangen kann, von etwas anderem zu denken. Graf Piotrs andere Leute�� sie denken, ich sei verr�ckt, sie denken, ich sei dumm, sie wissen nicht, was ich da drinnen mit ihnen mache. <emphasis>Ich</emphasis> wei� nicht, was ich da drinnen mit ihnen mache.� Er rieb seine gro�en H�nde in einer gequ�lten Bewegung �ber die kurzgeschorenen Haare auf seinem Sch�del. �Der vereidigte Gefolgsmann eines Grafen zu sein�� das ist eine Ehre. Es gibt daf�r nur zwanzig Posten. Sie nehmen die Besten, sie nehmen die tollen Helden, die M�nner mit Tapferkeitsmedaillen, die M�nner mit zwanzig Jahren Dienst und vollkommenem Leumund. Wenn das, was ich getan habe�� in Escobar��, so schlimm war, warum hat dann der Admiral den Grafen veranla�t, mir einen Posten zu geben? Und wenn ich ein so toller Held war, warum haben sie mir dann meine Erinnerung daran genommen?� Sein Atem ging jetzt schneller, er pfiff durch seine langen gelben Z�hne.</p><p>�Wie weh tut Ihnen das jetzt? Wenn Sie versuchen, dar�ber zu sprechen?�</p><p>�Ziemlich. Und es wird noch schlimmer werden.� Er schaute sie an, mit tiefen Falten auf der Stirn. �Ich mu� dar�ber sprechen. Mit Ihnen. Es macht mich sonst���</p><p>Sie atmete bewu�t ruhig und versuchte, mit ihrem ganzen Geist, ihrem ganzen Leib und ihrer ganzen Seele zuzuh�ren. Und achtsam. Ganz achtsam. �Fahren Sie fort.�</p><p>�Ich habe�� vier Bilder�� in meinem Kopf, von Escobar. Vier Bilder, und ich kann sie nicht erkl�ren. Mir selbst. Ein paar Minuten, von�� drei Monaten? Oder vier? Sie alle qu�len mich, aber eines qu�lt mich am meisten. Darin kommen Sie vor�, f�gte er abrupt hinzu und starrte auf den Boden. Beide H�nde umklammerten jetzt die Bank, die Kn�chel traten wei� hervor.</p><p>�Ich verstehe. Fahren Sie fort.�</p><p>�Eines�� das am wenigsten schlimme��, das war ein Streit. Prinz Serg war da und Admiral Vorrutyer, Lord Vorkosigan, und Admiral Rulf Vorhalas. Und ich war dabei. Au�er da� ich keinerlei Kleider anhatte.�</p><p>�Sind Sie sicher, da� das kein Traum ist?�</p><p>�Nein, ich bin nicht sicher. Admiral Vorrutyer sagte�� etwas sehr Beleidigendes zu Lord Vorkosigan. Er hatte Lord Vorkosigan gegen die Wand zur�ckgedr�ngt. Prinz Serg lachte. Dann k��te Vorrutyer ihn, voll auf den Mund, und Vorhalas versuchte, Vorrutyers Kopf wegzuschlagen, aber Lord Vorkosigan lie� ihn nicht. Und wie es dann weiterging, daran erinnere ich mich nicht.�</p><p>�Hmm�� ja�, sagte Cordelia. �Bei dieser Szene war ich nicht dabei, aber ich wei�, da� da im Oberkommando einige wirklich verr�ckte Dinge geschahen, als Vorrutyer und Serg es zum �u�ersten trieben. Also ist das vermutlich eine echte Erinnerung. Ich k�nnte Aral fragen, falls Sie das w�nschen.�</p><p>�Nein! Nein. Dieses Bild kommt mir sowieso nicht so wichtig vor, wie die anderen.�</p><p>�Erz�hlen Sie mir dann die anderen.�</p><p>Seine Stimme ging zu einem Fl�stern �ber. �Ich erinnere mich an Elena. So h�bsch. Ich habe nur zwei Bilder von Elena in meinem Kopf. In dem einen erinnere ich mich, wie Vorrutyer mich�� nein, dar�ber will ich nicht reden.� Er hielt eine ganze Minute lang inne, und dabei wankte er leicht, vor und zur�ck. �Das andere�� wir waren in meiner Kabine. Sie und ich. Sie war meine Frau��� Seine Stimme stockte. �Sie war nicht meine Frau, nicht war.� Das war nicht einmal eine Frage.</p><p>�Nein. Aber Sie wissen das.�</p><p>�Aber ich erinnere mich, da� ich <emphasis>glaubte,</emphasis> sie sei meine Frau.� Seine H�nde dr�ckten gegen seine Stirn und rieben seinen Hals, heftig und sinnlos.</p><p>�Sie war eine Kriegsgefangene�, sagte Cordelia. �Ihre Sch�nheit hatte Vorrutyers und Sergs Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und sie fa�ten den Plan, sie zu foltern, ohne Grund�� nicht wegen ihres milit�rischen Wissens, nicht einmal aus politischem Terrorismus�� nur zum Vergn�gen dieser beiden. Sie wurde vergewaltigt. Aber das wissen Sie auch. Auf einer bestimmten Ebene.�</p><p>�Ja�, fl�sterte er.</p><p>�Da� man ihr empf�ngnisverh�tendes Implantat entfernte und Ihnen erlaubte�� oder Sie zwang��, sie zu schw�ngern, war Teil der sadistischen Absicht von Vorrutyer und Serg. Der erste Teil. Sie lebten, Gott sei Dank, nicht lang genug, um zum zweiten Teil zu gelangen.�</p><p>Er hatte seine Beine hochgezogen und seine langen Arme fest darum geschlungen. Sein Atem ging schnell und flach, keuchend. Sein Gesicht war schneewei� und gl�nzte vor kaltem Schwei�.</p><p>�Habe ich rote Ringe rings um mich?�, fragte Cordelia neugierig.</p><p>�Alles ist�� irgendwie rosa.�</p><p>�Und das letzte Bild?�</p><p>�O Mylady.� Er schluckte. �Was immer <emphasis>es </emphasis>auch war�� ich wei�, es mu� ganz nah an dem dran sein, von dem man am meisten w�nscht, da� ich mich nicht daran erinnere.� Er schluckte wieder. Cordelia begann zu verstehen, warum er sein Mittagessen nicht anger�hrt hatte.</p><p>�Wollen Sie fortfahren? <emphasis>K�nnen </emphasis>Sie fortfahren?�</p><p>�Ich mu� fortfahren. Mylady. Captain Naismith. Denn ich erinnere mich an Sie. Erinnere mich, Sie zu sehen. Ausgestreckt auf Vorrutyers Bett, all Ihre Kleider weggeschnitten, nackt. Sie bluteten. Ich schaute auf Ihr�� Was ich wissen will. Wissen mu�.� Seine Arme waren jetzt um seinen Kopf geschlungen, der auf seinen Knien in ihre Richtung geneigt war, sein Gesicht war eingefallen, gehetzt, hungrig. Sein Blutdruck mu�te unglaublich hoch sein, um ihn in diese monstr�se Migr�ne zu treiben. Wenn sie jetzt zu weit gingen, bis zur letzten Wahrheit vorstie�en, bestand dann f�r ihn vielleicht die Gefahr eines Schlaganfalls? Ein unglaubliches St�ck Psychotechnik, seinen eigenen K�rper darauf zu programmieren, da� er ihn f�r verbotene Gedanken bestrafte��</p><p>�Habe ich Sie vergewaltigt, Mylady?�</p><p>�Wie? <emphasis>Nein!</emphasis>� Sie setzte sich kerzengerade hin, voller heftiger Emp�rung. Sie hatten ihm <emphasis>dieses </emphasis>Wissen genommen? Sie hatten <emphasis>gewagt,</emphasis> ihm dies zu nehmen?</p><p>Er begann zu weinen, wenn man sein sto�weises Atmen, sein verzogenes Gesicht und das Sickern von Tr�nen aus seinen Augen als Weinen bezeichnen wollte. Es kam zu gleichen Teilen aus Qual und Freude. �O Gott sei Dank.� Und dann: �Sind Sie <emphasis>sicher��?</emphasis>�</p><p>�Vorrutyer befahl es Ihnen. Aber Sie weigerten sich. Aus Ihrem eigenen Willen, ohne Hoffnung auf Rettung oder Belohnung. Das brachte Sie in Teufels K�che, f�r einige Zeit.� Sie hatte das Verlangen, ihm auch den Rest zu erz�hlen, aber er war jetzt in einem so schrecklichen Zustand, da� es unm�glich war, die Folgen abzusch�tzen. �Wie lange haben Sie sich schon daran erinnert? Sich diese Fragen gestellt?�</p><p>�Seit ich Sie zum erstenmal wiedersah. In diesem Sommer. Als Sie kamen, um Lord Vorkosigan zu heiraten.�</p><p>�Sie sind seit mehr als <emphasis>sechs Monaten</emphasis> mit diesem Zeug in Ihrem Kopf herumgelaufen und haben nicht gewagt, zu fragen?�</p><p>�Ja, Mylady.�</p><p>Sie lehnte sich erschrocken zur�ck. �N�chstesmal warten Sie aber nicht so lange.�</p><p>Er schluckte heftig, rappelte sich hoch und winkte mit seiner Hand in einer verzweifelten Geste, die bedeuten sollte: �Warten Sie auf mich!� Er schwang seine Beine �ber die niedrige Steinmauer und verschwand hinter einigen B�schen. Besorgt h�rte sie zu, wie er einige Minuten lang w�rgte und sich aus seinem leeren Magen erbrach. Sie kam zu dem Schlu�, da� es sich hierbei um einen �u�erst schlimmen Anfall handeln mu�te, aber endlich wurden die heftigen Kr�mpfe schw�cher, dann h�rten sie auf.</p><p>Er kehrte zur�ck, wischte die Lippen ab und sah kreidebleich aus, nicht viel besser als vorher, ausgenommen in den Augen. In diesen Augen flackerte jetzt etwas Leben, ein halb unterdr�cktes Leuchten von �berw�ltigender Erleichterung.</p><p>Dieses Licht wurde schw�cher, w�hrend er in Gedanken dasa�. Er rieb seine Handfl�chen an den Knien seiner Hose und starrte auf seine Stiefel.</p><p>�Aber ich bin deshalb nicht weniger ein Vergewaltiger, nur weil <emphasis>Sie</emphasis> nicht mein Opfer waren.�</p><p>�Das stimmt.�</p><p>�Ich kann�� mir selbst nicht trauen. Wie k�nnen Sie mir trauen?�� Wissen Sie, was besser als Sex ist?�</p><p>Sie fragte sich, ob sie diesem Gespr�ch noch eine scharfe Wendung geben konnte, ohne laut kreischend davonzulaufen. <emphasis>Du hast ihn ermutigt, den Korken zu �ffnen, nun steckst du mit drin.</emphasis> �Fahren Sie fort.�</p><p>�T�ten. Man f�hlt sich besser, danach. Es sollte nicht�� ein solches Vergn�gen sein. Lord Vorkosigan t�tet nicht auf diese Weise.� Seine Augen waren zusammengekniffen, seine Stirn gerunzelt, aber er hatte sich aus seiner Kugel der Qual wieder entwirrt: sicher sprach er jetzt ganz allgemein und dachte nicht mehr an Vorrutyer.</p><p>�Es ist vielleicht eine Entfesselung von Wut, vermute ich�, sagte Cordelia vorsichtig. �Wie sind Sie zu soviel Wut gekommen, die in Ihnen drinnen zusammengeballt ist? Die Dichte ist sp�rbar. Die Leute k�nnen es f�hlen.�</p><p>Seine Hand ballte sich vor seinem Solarplexus zusammen. �Das geht weit, weit zur�ck. Aber die meiste Zeit empfinde ich keinen �rger. Es klinkt pl�tzlich aus.�</p><p>�Selbst Bothari f�rchtet Bothari�, murmelte sie verwundert.</p><p>�Aber Sie f�rchten ihn nicht. Sie haben noch weniger Furcht als Lord Vorkosigan.�</p><p>�Ich sehe Sie als irgendwie mit ihm verkn�pft. Und er ist mein eigenes Herz. Wie kann ich mein eigenes Herz f�rchten?�</p><p>�Mylady, ich schlage einen Handel vor.�</p><p>�Hm?�</p><p>�Sie sagen mir�� wenn es in Ordnung ist. Zu t�ten. Und dann wei� ich Bescheid.�</p><p>�Das kann ich nicht�� schauen Sie, zum Beispiel, wenn ich nicht da bin? Wenn diese Sache Sie �berkommt, dann ist f�r gew�hnlich keine Zeit, innezuhalten und zu analysieren. Selbstverteidigung mu� Ihnen erlaubt sein, aber Sie m�ssen auch in der Lage sein zu erkennen, ob Sie wirklich angegriffen werden.� Sie setzte sich auf, und ihre Augen weiteten sich in einer pl�tzlichen Einsicht. �Deshalb ist Ihre Uniform so wichtig f�r Sie, nicht wahr? Sie sagt Ihnen, wann es in Ordnung ist. Wenn Sie es sich nicht selbst sagen k�nnen. All diese strengen Routinen, an die Sie sich halten, sie sind dazu da, Ihnen zu sagen, da� Sie in Ordnung sind, da� Sie sich auf dem richtigen Weg befinden.�</p><p>�Ja, ich bin jetzt vereidigt auf die Verteidigung des Hauses Vorkosigan. Also ist <emphasis>das</emphasis> in Ordnung.� Er nickte, offensichtlich beruhigt. Wodurch, um Gottes willen?</p><p>�Sie bitten mich, Ihr Gewissen zu sein. Ihre Urteile f�r Sie zu f�llen. Aber Sie sind ein ganzer Mann, ich habe Sie richtige Entscheidungen treffen sehen, und zwar unter schwerstem Stress.�</p><p>Seine H�nde pre�ten sich wieder gegen seinen Sch�del, seine Z�hne waren zusammengebissen, und er stie� knirschend hervor: �Aber ich kann mich nicht an sie <emphasis>erinnern.</emphasis> Kann mich nicht erinnern, wie ich sie getroffen habe.�</p><p>�Oh.� Sie kam sich sehr klein vor. �Nun ja�� was immer Sie denken, da� ich f�r Sie tun kann. Sie haben ein Blutrecht darauf. Das schulden wir Ihnen, Aral und ich. Wir erinnern uns daran, warum, selbst wenn Sie es nicht k�nnen.�</p><p>�Erinnern Sie sich dann f�r mich, Mylady�, sagte er leise, �und es wird f�r mich in Ordnung sein.�</p><p>�Ja, glauben Sie daran!�</p></section><section><title><p>KAPITEL 7</p></title><p>Cordelia hatte an einem Morgen der darauffolgenden Woche ein gemeinsames Fr�hst�ck mit Aral und Piotr in einem privaten Salon, von dem aus man den hinteren Garten �berblickte. Aral winkte dem Burschen des Grafen, der sie bediente.</p><p>�K�nnten Sie bitte Leutnant Koudelka f�r mich herbeiholen? Sagen Sie ihm, er soll diese Tagesordnung f�r heute vormittag mitbringen, die wir besprochen haben.�</p><p>�Oh, ich vermute, Sie haben es noch nicht erfahren, Mylord?�, murmelte der Mann. Cordelia hatte den Eindruck, seine Augen suchten den Raum nach einem Fluchtweg ab.</p><p>�Was erfahren? Wir sind gerade heruntergekommen.�</p><p>�Leutnant Koudelka wurde heute morgen ins Krankenhaus gebracht.�</p><p>�Krankenhaus? Guter Gott, warum hat man mir das nicht sofort gesagt? Was ist geschehen?�</p><p>�Uns wurde gesagt, Oberstleutnant Illyan w�rde einen vollst�ndigen Bericht mitbringen. Der Kommandant der Wache�� dachte, er sollte auf ihn warten.�</p><p>Best�rzung k�mpfte mit Verstimmung auf Vorkosigans Gesicht. �Wie schlimm ist es? Es ist keine�� versp�tete Nachwirkung der Schallgranate, nicht wahr? Was ist ihm zugesto�en?�</p><p>�Er wurde zusammengeschlagen, Mylord�, sagte der Bursche ausdruckslos.</p><p>Vorkosigan lehnte sich mit leisem Zischen zur�ck. An seinem Kinn spannten sich die Muskeln. �Schicken Sie mir diesen Wachkommandanten her�, knurrte er.</p><p>Der Diener verschwand auf der Stelle, und Vorkosigan klopfte nerv�s und ungeduldig mit einem L�ffel auf den Tisch. Seine Augen begegneten Cordelias erschrockenem Blick und er setzte ihr zuliebe ein leichtes, falsches L�cheln der Beruhigung auf. Selbst Piotr blickte erschrocken drein.</p><p>�Wer k�nnte denn wohl Kou zusammenschlagen wollen?�, fragte Cordelia verwundert. �Da kann einem ja �bel werden. Er kann doch gar nicht richtig zur�ckschlagen.�</p><p>Vorkosigan sch�ttelte den Kopf: �Ich vermute, es ist jemand, der ein sicheres Opfer suchte. Wir werden es herausfinden. O ja, wir werden es herausfinden.�</p><p>Der gr�n uniformierte Wachkommandant des Kaiserlichen Sicherheitsdienstes erschien und nahm Haltung an. �Sir.�</p><p>�Zu Ihrer k�nftigen Information, und Sie k�nnen das weitergeben, sollte einem meiner ma�gebenden Stabsmitglieder irgendein Unfall zusto�en, so w�nsche ich sofort informiert zu werden. Verstanden?�</p><p>�Jawohl, Sir. Es war sehr sp�t, als die Nachricht hier eintraf, Sir. Und da wir da schon wu�ten, da� beide �berleben w�rden, sagte Oberstleutnant Illyan, ich k�nnte Sie schlafen lassen, Sir.�</p><p>�Ich verstehe.� Vorkosigan rieb sich sein Gesicht. �Beide?�</p><p>�Leutnant Koudelka und Sergeant Bothari, Sir.�</p><p>�Sie sind doch nicht in einen Streit geraten, oder?�, fragte Cordelia, die jetzt zutiefst erschrocken war.</p><p>�Ja. Oh�� nicht miteinander, Mylady. Sie wurden �berfallen.�</p><p>Vorkosigans Gesicht verd�sterte sich. �Sie sollten besser beim Anfang beginnen.�</p><p>�Jawohl, Sir. Hmm. Leutnant Koudelka und Sergeant Bothari gingen gestern abend aus. Nicht in Uniform. In die Gegend hinter der alten Karawanserei.�</p><p>�Mein Gott, wozu denn das?�</p><p>�Hmm.� Der Wachkommandant warf einen unsicheren Blick auf Cordelia. �Zur Unterhaltung, glaube ich, Sir.�</p><p>�Zur Unterhaltung?�</p><p>�Jawohl, Sir. Sergeant Bothari geht dort ungef�hr einmal im Monat hin, an seinem dienstfreien Tag, wenn der Herr Graf in der Stadt ist. Es handelt sich offensichtlich um einen Ort, wo er schon seit Jahren hingeht.�</p><p>�In die Karawanserei?�, sagte Graf Piotr in ungl�ubigem Ton.</p><p>�Hmm�, der Wachkommandant warf dem Diener einen hilfeheischenden Blick zu.</p><p>�Sergeant Bothari ist nicht sehr w�hlerisch bei seiner Unterhaltung, Sir�, meldete sich der Diener unsicher zu Wort.</p><p>�Offensichtlich nicht!�, sagte Piotr.</p><p>Cordelia gab Vorkosigan mit den Augenbrauen ein fragendes Zeichen.</p><p>�Das ist eine ziemlich �ble Gegend�, erkl�rte er. �Ich selbst w�rde dorthin nicht ohne eine Begleitpatrouille gehen. Und bei Nacht mit zwei Patrouillen. Und ich w�rde auf jeden Fall meine Uniform tragen, allerdings nicht meine Rangabzeichen�� aber ich glaube, Bothari ist dort aufgewachsen. Ich stelle mir vor, da� er es anders sieht.�</p><p>�Warum so �bel?�</p><p>�Die Gegend ist sehr arm. Dort war das Stadtzentrum in der Zeit der Isolation, und die Stadterneuerung hat dort noch nicht begonnen. Wasser ist dort knapp, es gibt keine Elektrizit�t, die Gegend erstickt f�rmlich im M�ll���</p><p>�Am meisten im menschlichen M�ll�, f�gte Piotr bissig hinzu.</p><p>�Arm?�, sagte Cordelia verbl�fft. �Keine Elektrizit�t? Wie kann die Gegend dann ans Kommunikationsnetzwerk angeschlossen sein?�</p><p>�Ist sie nat�rlich nicht�, antwortete Vorkosigan.</p><p>�Wie bekommen dann die dort ihre Ausbildung?�</p><p>�Gar nicht.�</p><p>Cordelia machte gro�e Augen, �Ich verstehe das nicht. Wie bekommen dann die Leute dort ihre Jobs?�</p><p>�Ein paar fliehen in den Milit�rdienst. Die restlichen rauben sich gr��tenteils gegenseitig aus.� Vorkosigan schaute sie voller Unbehagen an. �Habt ihr auf Kolonie Beta keine Armut?�</p><p>�Armut? Na ja, einige Leute haben nat�rlich mehr Geld als andere, aber�� keine Kommunikationskonsolen?�</p><p>Vorkosigan war jetzt von seiner Befragung abgelenkt. �Ist das der niedrigste Lebensstandard, den du dir vorstellen kannst, wenn man keine Kommunikationskonsole hat?�, sagte er verwundert.</p><p>�Der erste Artikel in der Verfassung lautet: �Der Zugang zu Informationen darf nicht beschr�nkt werden.��</p><p>�Cordelia�� diese Leute haben kaum Zugang zu Nahrung, Kleidung und Unterkunft. Sie haben ein paar Lumpen und Kocht�pfe, und sie nisten sich in Geb�uden ein, deren Renovierung oder Abri� sich noch nicht lohnt, w�hrend der Wind durch die Mauerritzen pfeift.�</p><p>�Gibt es dort keine Klimaanlagen?�</p><p>�Keine Heizung im Winter ist da das gr��ere Problem.�</p><p>�Das denke ich mir. Hier bei euch gibt es ja keinen wirklichen Sommer�� Wie rufen sie Hilfe herbei, wenn sie krank oder verletzt sind?�</p><p>�Was f�r eine Hilfe?�, sagte Vorkosigan grimmig. �Wenn sie krank sind, dann werden sie entweder wieder gesund oder sie sterben.�</p><p>�Sie sterben, wenn wir Gl�ck haben�, murmelte Piotr, �die W�rmer.�</p><p>�Macht ihr Witze?� Sie schaute abwechselnd Vater und Sohn an. �Das ist ja schrecklich�� also, denkt an all die Begabungen, die euch da verloren gehen.�</p><p>�Ich bezweifle, da� uns da viele verloren gehen, von der Karawanserei�, bemerkte Piotr trocken.</p><p>�Warum nicht? Sie haben das gleiche genetische Potential wie ihr�, wies Cordelia auf das hin, was ihr einleuchtend erschien.</p><p>Der Graf erstarrte. �Mein liebes M�dchen! Das haben sie auf jeden Fall nicht! Meine Familie geh�rt sein neun Generationen zu den Vor.�</p><p>Cordelia hob ihre Augenbrauen: �Wie wei�t du das, wenn ihr vor achtzig Jahren noch keine Gentypisierung hattet?�</p><p>Der Wachkommandant und der Diener nahmen einen eigent�mlich starren Gesichtsausdruck an. Der Diener bi� sich auf die Lippe.</p><p>�Au�erdem�, fuhr sie mit ihrer Argumentation fort, �wenn ihr Vor nur halb soviel Erfolg hattet, wie die Geschichten andeuten, die ich gelesen habe, dann m�ssen neunzig Prozent der Bewohner dieses Planeten inzwischen Vor-Blut in sich haben. Wer wei�, wer eure Verwandten auf der v�terlichen Seite sind?�</p><p>Vorkosigan bi� zerstreut in seine Leinenserviette, sein Gesichtsausdruck erstarrte wie bei dem Diener, und er murmelte: �Cordelia, du kannst doch nicht�� also wirklich, du <emphasis>kannst nicht</emphasis> hier am Fr�hst�ckstisch sitzen und andeuten, meine Vorfahren seien Bastarde gewesen. Das ist hierzulande eine t�dliche Beleidigung.�</p><p><emphasis>Wo sollte ich denn sitzen?</emphasis> �Oh, das werde ich vermutlich nie verstehen. Ach, mach dir nichts draus. Was ist mit Koudelka und Bothari?�</p><p>�Ganz recht. Fahren Sie fort, Kommandant.�</p><p>�Jawohl, Sir. Also, Sir, sie waren, wie man mir sagte, auf dem R�ckweg, etwa eine Stunde nach Mitternacht, als sie von einer Bande lokaler Schl�ger �berfallen wurden. Offensichtlich war Leutnant Koudelka zu gut gekleidet, und au�erdem hat er diesen Gang und den Stock�� jedenfalls hat er die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ich kenne die Details nicht, Sir, aber es gab vier Tote und heute fr�h wurden drei ins Krankenhaus eingeliefert, abgesehen von denen, die davonkamen.�</p><p>Vorkosigan pfiff leicht durch die Z�hne. �Welche Verletzungen haben Bothari und Koudelka?�</p><p>�Sie�� ich habe keinen offiziellen Bericht, Sir. Ich wei� es nur vom H�rensagen.�</p><p>�Dann sagen Sie schon.�</p><p>Der diensthabende Offizier schluckte leicht. �Sergeant Bothari hat einen Arm gebrochen, einige Rippen gebrochen, innere Verletzungen und eine Gehirnersch�tterung. Leutnant Koudelka hat beide Beine gebrochen und eine Menge�� hm�� Schockbrandwunden.� Seine Stimme verlor sich.</p><p>�Was?�</p><p>�Offensichtlich�� so h�rte ich�� hatten die Angreifer einige Hochspannungsschockst�cke, und sie entdeckten, da� sie damit einige�� besondere Effekte an seinen Nervenprothesen erzielen konnten. Nachdem sie ihm die Beine gebrochen hatten, verwendeten sie�� ziemlich viel Zeit darauf, ihn zu bearbeiten. Das ist der Grund, warum Oberstleutnant Illyans M�nner sie eingeholt haben. Sie sind nicht rechtzeitig abgehauen.�</p><p>Cordelia schob ihren Teller weg und sa� zitternd da.</p><p>�H�rensagen, wie? Nun gut. Sie k�nnen gehen. Sorgen Sie daf�r, da� Oberstleutnant Illyan sofort zu mir geschickt wird, wenn er eintrifft.� Vorkosigans blickte grimmig vor sich hin.</p><p>Piotr zeigte m�rrische Genugtuung. �W�rmer�, knurrte er, �man sollte sie alle ausr�uchern.�</p><p>Vorkosigan seufzte. �Es ist leichter, einen Krieg zu beginnen, als ihn zu beenden. Nicht diese Woche, Sir.�</p><p>Innerhalb einer Stunde erschien Illyan bei Vorkosigan in der Bibliothek und erstattete m�ndlich einen vorl�ufigen Bericht. Cordelia gesellte sich zu ihnen, setzte sich nieder und h�rte zu.</p><p>�Bist du sicher, da� du das h�ren willst?�, fragte Vorkosigan sie leise.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Nach dir sind sie meine besten Freunde hier. Ich m�chte lieber wissen als raten.�</p><p>Die Zusammenfassung des diensthabenden Offiziers erwies sich als leidlich genau, aber Illyan hatte mit Bothari und Koudelka im Kaiserlichen Milit�rkrankenhaus gesprochen, wohin sie gebracht worden waren, und konnte jetzt in ungeschminkten Worten eine Menge Details liefern.</p><p>�Ihr Sekret�r war anscheinend vom Verlangen nach einer hei�en Nummer gepackt�, begann er. �Warum er sich Bothari als einheimischen F�hrer ausgesucht hat, ist mir schleierhaft.�</p><p>�Wir drei sind die einzigen �berlebenden der <emphasis>General Vorkraft</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> erwiderte Vorkosigan. �Es ist eine Bindung, vermute ich. Allerdings kamen Kou und Bothari immer gut miteinander aus. Er spricht vielleicht Botharis latente Vaterinstinkte an. Und Kou ist ein anst�ndiger Junge�� sagen Sie ihm nicht, da� ich das gesagt habe, er w�rde es als eine Beleidigung auffassen. Es ist gut zu wissen, da� es solche Leute noch gibt. Ich w�nsche mir allerdings, er w�re zu mir gekommen.�</p><p>�Nun gut, Bothari tat sein Bestes�, sagte Illyan. �Nahm ihn in diese d�stere Spelunke mit, die von Botharis Standpunkt aus einige Pluspunkte f�r sich hat. Es ist billig dort, es geht schnell, und niemand spricht mit ihm. Au�erdem ist es weit entfernt von Admiral Vorrutyers alten Kreisen. Also keine unangenehmen Assoziationen. Er hat eine strikte Routine.</p><p>Nach Kous Aussage ist die Frau, deren Stammkunde Bothari ist, fast so h��lich wie er. Bothari mag sie, scheint es, weil sie nie Ger�usche von sich gibt. Was das bedeutet, dar�ber m�chte ich nicht nachdenken.</p><p>Sei es<emphasis>,</emphasis> wie es mag, Kou hatte Probleme mit einer der anderen Angestellten, die ihm einen Schrecken einjagte. Bothari sagt, er habe das beste M�dchen f�r Kou verlangt�� kaum ein M�dchen, eine Frau, was auch immer��, und anscheinend wurden Kous Bed�rfnisse mi�deutet. Jedenfalls war Bothari schon fertig und wartete ungeduldig, w�hrend Kou noch versuchte, h�fliche Konversation zu machen und ein Sortiment von Vergn�gungen f�r abgestumpfte Geschm�cker angeboten bekam, von denen er noch nie zuvor geh�rt hatte. Er gab auf und floh schlie�lich �ber die Treppe nach drunten, wo Bothari zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich vollgetankt war. Wie es scheint, nimmt er gew�hnlich nur einen Drink und geht dann.</p><p>Kou, Bothari und diese Hure gerieten dann in einen Streit �ber die Bezahlung: er habe soviel Zeit verbraucht wie sonst vier Kunden, sagte sie, dagegen hielten die M�nner�� das meiste hiervon wird nicht im offiziellen Bericht enthalten sein, ist das in Ordnung?��, sie habe seinen Motor nicht in Gang gebracht. Kou blechte dann eine Teilzahlung�� Bothari brummt immer noch dar�ber, wieviel das war, soweit er mit seinem Mund in diesem Zustand heute �berhaupt sprechen kann��, und sie machten einen unordentlichen R�ckzug, nachdem es f�r alle Beteiligten miserabel verlaufen war.�</p><p>�Die erste offensichtliche Frage, die sich stellt�, sagte Vorkosigan, �ist: Wurde der Angriff von irgend jemandem aus jenem Etablissement befohlen?�</p><p>�Meines Wissens nicht. Ich lie� den ganzen Ort abriegeln, nachdem wir ihn gefunden hatten, und verh�rte jeden, der drin war, unter Schnell-Penta. Ich habe ihnen allen einen h�llischen Schrecken eingejagt, und das freut mich. Sie sind an Graf Vorbohns st�dtische Wachen gew�hnt, die sie bestechen oder von denen sie erpre�t werden, und umgekehrt. Wir haben eine Menge Informationen �ber Bagatellverbrechen bekommen, von denen keine uns irgendwie interessiert�� w�nschen Sie, da� wir sie an die Stadtbeh�rden weitergeben?�</p><p>�Hm. Wenn die Leute an dem �berfall unschuldig sind, dann legen Sie die Informationen einfach zu den Akten. Vielleicht m�chte Bothari eines Tages wieder dort hingehen. Wissen sie, warum sie verh�rt wurden?�</p><p>�Sicher nicht! Ich bestehe darauf, da� meine M�nner sauber arbeiten. Wir sind dazu da, Informationen zu sammeln, nicht sie auszuteilen.�</p><p>�Verzeihung, Oberstleutnant. Ich h�tte es wissen sollen. Fahren Sie fort.�</p><p>�Also, sie verlie�en den Ort etwa eine Stunde nach Mitternacht, zu Fu�, und haben sich irgendwo verlaufen. Bothari regt sich deshalb ziemlich auf. Er denkt, es ist seine Schuld, weil er sich so betrunken hatte. Bothari und Koudelka sagen beide, da� sie etwa zehn Minuten vor dem �berfall Bewegungen in den Schatten wahrnahmen. So hat man sie anscheinend verfolgt, bis sie in eine enge Gasse mit hohen Mauern man�vriert waren und auf einmal sechs Leute vor sich und sechs hinter sich sahen.</p><p>Bothari zog seinen Bet�uber und feuerte�� er traf drei, bevor sie �ber ihn herfielen. Irgend jemand dort drunten ist heute morgen um einen guten Armeebet�uber reicher. Kou hatte seinen Stockdegen, aber sonst nichts.</p><p>Sie haben sich zuerst an Bothari herangemacht. Er machte zwei weitere fertig, nachdem er den Bet�uber verloren hatte. Sie bet�ubten ihn, dann versuchten sie ihn zu Tode zu pr�geln, nachdem er am Boden lag. Kou hatte bis dahin seinen Stock als Kampfstab benutzt, aber an diesem Punkt lie� er die H�lle abfallen. Er sagt jetzt, er w�nscht, er h�tte das nicht getan, denn da gab es ein allgemeines Geraune: �Vor!� und es wurde jetzt erst recht schlimm.</p><p>Er stach zwei nieder, bis jemand das Schwert mit einem Schockstab schlug und seine Hand Kr�mpfe bekam. Die f�nf, die noch �brig waren, setzten sich auf ihn und brachen seine beiden Beine an den Knien nach hinten. Er bat mich, Ihnen zu sagen, da� es nicht so schmerzhaft war, wie es klingt. Er sagt, sie h�tten so viele Nervenleitungen gebrochen, da� er fast empfindungslos war. Ich wei� nicht, ob das stimmt.�</p><p>�Bei Kou wei� man nie so recht�, sagte Vorkosigan. �Er hat schon so lange Schmerzen verheimlicht, da� dies fast zu seiner zweiten Natur geworden ist. Fahren Sie fort.�</p><p>�Ich mu� jetzt ein bi�chen zur�ckgehen. Mein Mann, der auf Kou angesetzt war, folgte ihnen selbst in dieses Labyrinth hinein. Er war vermutlich keiner von denen, die mit dieser Gegend vertraut sind, und er war auch nicht entsprechend gekleidet�� Kou hatte zwei Reservierungen f�r irgendeine Musikveranstaltung gestern abend, und bis drei Stunden vor Mitternacht dachten wir, er w�rde dorthin gehen. Mein Mann ging in das Geb�ude hinein und verschwand, zwischen der ersten und zweiten st�ndlichen Kontrollmeldung. Das ist es, was mich heute fr�h besch�ftigt. Wurde er ermordet? Oder entf�hrt? Beraubt und ausgepl�ndert? Oder war er ein Spitzel, ein Eingeschleuster, ein Doppelagent? Wir werden es nicht wissen, bis wir ihn finden, so oder so.</p><p>Drei�ig Minuten nach der ausgebliebenen Kontrollmeldung schickten meine Leute einen anderen Beschatter hin. Aber der hielt Ausschau nach dem ersten Mann. Kou war drei ganze verfluchte Stunden letzte Nacht unbeobachtet, bevor mein Nachtschichtleiter zum Dienst kam und sich dieser Tatsache bewu�t wurde. Gl�cklicherweise verbrachte Kou den gr��ten Teil dieser Zeit in Botharis Hurenaltersheim, Mein Nachtschichtmann, auf den ich gro�e St�cke halte, dirigierte den vor Ort eingesetzten Agenten um und lie� au�erdem noch eine Flugpatrouille starten. Als unser Mann dann schlie�lich auf diese widerliche Szene traf, konnte er fast sofort einen Flieger herbeirufen und ein halbes Dutzend meiner uniformierten Schl�ger hinkommen und die Party platzen lassen. Diese Geschichte mit den Schockst�ben�� das war schlimm, aber nicht so schlimm, wie es h�tte es sein k�nnen. Kous Angreifern fehlte offensichtlich die Art von�� hm�� Erfindungsreichtum, die etwa der verstorbene Admiral Vorrutyer in einer solchen Situation gehabt h�tte. Oder vielleicht hatten sie blo� nicht die Zeit, wirklich raffiniert zu werden.�</p><p>�Gott sei Dank�, murmelte Vorkosigan. �Und die Toten?�</p><p>�Zwei waren Botharis Werk, saubere Schl�ge, einen erledigte Kou�� schlitzte ihm den Hals auf�� und einen, f�rchte ich, t�tete ich. Der Bursche geriet in einen anaphylaktischen Schock in einer allergischen Reaktion auf Schnell-Penta. Wir brachten ihn ins Kaiserliche Milit�rkrankenhaus, aber sie brachten ihn nicht wieder auf die Beine. Mir gef�llt das nicht. Jetzt wird an ihm eine Autopsie vorgenommen, um herauszufinden, ob das nat�rliche Ursachen hatte oder ob ein eingepflanztes Verteidigungsmittel gegen Verh�re schuld ist.�</p><p>�Und die Bande?�</p><p>�Scheint eine v�llig gesetzm��ige�� wenn das der richtige Ausdruck ist�� genossenschaftliche Unterst�tzungsgesellschaft der Karawanserei zu sein. Laut den �berlebenden, die wir schnappten, entschieden sie sich f�r Kou, weil er �komisch� ging. Reizend. Obwohl ja Bothari auch nicht eben auf einer geraden Linie lief. Keiner von denen, die wir verhaftet haben, hat f�r jemanden anderen gehandelt als f�r sich selbst. �ber die Toten kann ich nichts sagen. Ich habe die Verh�re pers�nlich �berwacht und kann darauf schw�ren. Sie waren ganz sch�n geschockt dar�ber, da� sich pl�tzlich der Kaiserliche Sicherheitsdienst f�r sie interessierte.�</p><p>�Sonst noch etwas?�, fragte Vorkosigan.</p><p>Illyan g�hnte hinter vorgehaltener Hand und entschuldigte sich: �Das war eine lange Nacht. Mein Mann von der Nachtschicht hat mich nach Mitternacht aus dem Bett geholt. Ein guter Mann mit gutem Urteilsverm�gen. Nein, ich glaube, das war�s f�r heute, abgesehen von Kous Motivation, �berhaupt dort hinzugehen. Er dr�ckte sich sehr unklar aus und fing an, nach Schmerzmitteln zu fragen, als wir auf dieses Thema kamen. Ich hoffte, Sie h�tten vielleicht eine Idee, die meine paranoiden Anwandlungen bes�nftigen k�nnte. Kou zu verd�chtigen verursacht mir einen steifen Hals.� Er g�hnte wieder.</p><p>�Ich habe eine�, sagte Cordelia, �aber nur f�r Ihre Paranoia, nicht f�r Ihren Bericht, einverstanden?�</p><p>Illyan nickte.</p><p>�Ich denke, er hat sich in jemanden verliebt. Schlie�lich probiert man ja etwas nur aus, wenn man vorhat, es zu gebrauchen. Ungl�cklicherweise war sein Versuch eine mittlere Katastrophe. Ich bef�rchte, er wird eine ganze Zeit lang ziemlich deprimiert und empfindlich sein,�</p><p>Vorkosigan nickte verst�ndnisvoll.</p><p>�Haben Sie eine Vermutung, um wen es geht?�, fragte Illyan automatisch.</p><p>�Ja, aber ich glaube nicht, da� Sie das etwas angeht. Vor allem, wenn nichts draus wird.�</p><p>Illyan akzeptierte diese Antwort mit einem Achselzucken und verlie� sie, um sein verlorenes Schaf zu suchen, den fehlenden Mann, der urspr�nglich auf Koudelka angesetzt gewesen war.</p><p>Innerhalb von f�nf Tagen war Sergeant Bothari wieder im Palais Vorkosigan, allerdings noch nicht wieder im Dienst: seinen gebrochenen Arm trug er in einer Plastikumh�llung. Er r�ckte keine Informationen �ber das brutale Geschehen heraus und entmutigte neugierige Fragesteller mit einem sauren Blick und nichtsagendem Brummen.</p><p>Droushnakovi stellte keine Fragen und gab keine Kommentare. Aber Cordelia sah, wie sie gelegentlich in der Bibliothek einen gequ�lten Blick auf die unbesetzte Kommunikationskonsole mit ihren doppelt gesicherten Verbindungen zur Kaiserlichen Residenz und zum Hauptquartier des Generalstabs warf, an der Koudelka gew�hnlich sa� und arbeitete, wenn er im Palais Vorkosigan war. Cordelia fragte sich, wie viele Einzelheiten von den Ereignissen jener Nacht wohl Drou zu Ohren gekommen waren.</p><p>Leutnant Koudelka kehrte im darauffolgenden Monat in den Dienst zu eingeschr�nkten, leichteren Aufgaben zur�ck, anscheinend ganz fr�hlich und unber�hrt von dem, was er durchgemacht hatte. Aber auf seine Art war er genauso wenig mitteilsam wie Bothari. Bothari zu befragen war wie die Befragung einer Wand gewesen. Koudelka zu befragen war wie Sprechen mit einem Wasserlauf: man erhielt als Echo Gepl�tscher, oder kleine Strudel von Witzen, oder Anekdoten, die die Str�mung des Gespr�chs unerbittlich vom urspr�nglichen Thema abzogen. Cordelia reagierte auf seine sonnige Heiterkeit mit automatischer Bereitwilligkeit und spielte bei seinem offensichtlichen Wunsch mit, �ber die Angelegenheit so leicht wie m�glich hinwegzugehen. Innerlich hegte sie viel mehr Zweifel.</p><p>Ihre eigene Stimmung war nicht die beste. Ihre Vorstellung kehrte immer wieder zu den Schrecken des Attentats vor sechs Wochen zur�ck und besch�ftigte sich unbehaglich mit dem Schicksal, das ihr fast Vorkosigan genommen h�tte. Nur wenn er bei ihr war, f�hlte sie sich ganz beruhigt, und er war doch jetzt mehr und mehr von zu Hause weg. Irgend etwas war im Kaiserlichen Hauptquartier am Kochen: er war viermal zu Sitzungen gegangen, die die ganze Nacht hindurch dauerten, und hatte eine Reise ohne sie unternommen, eine Fluginspektion milit�rischer Angelegenheiten, �ber die er ihr keine Details mitteilte und von der er bleich und mit m�den Augen zur�ckkehrte. Der Flu� von milit�rischem und politischem Klatsch und Tratsch, mit dem er sie bisher gern bei den Mahlzeiten oder beim Ausziehen unterhalten hatte, versickerte zu einem unkommunikativen Schweigen, obwohl er ihre Gegenwart nicht weniger zu brauchen schien.</p><p>Wo w�rde sie ohne ihn sein? Eine schwangere Witwe, ohne Familie oder Freunde, die ein Kind zur Welt bringen sollte, auf das sich schon jetzt dynastische Wahnvorstellungen konzentrierten und das ein Erbe der Gewalt antreten w�rde. K�nnte sie den Planeten verlassen?</p><p>Und wenn sie k�nnte, wohin w�rde sie dann gehen? W�rde Kolonie Beta sie je zur�ckkehren lassen?</p><p>Selbst der Herbstregen und die anhaltende gr�ne �ppigkeit der Stadtparks gefiel ihr inzwischen nicht mehr. Ach, was g�be sie jetzt f�r einen Atemzug von wirklich trockener W�stenluft, f�r den vertrauten alkalischen Geruch, f�r die endlosen, ebenen Weiten! W�rde ihr Sohn je wissen, was eine wirkliche W�ste war? Die Horizonte hier, dicht ges�umt mit Geb�uden und Vegetation, schienen sich manchmal um sie herum zu erheben wie eine hohe Mauer. An wirklich schlimmen Tagen schien die Mauer nach innen einzust�rzen.</p><p>Sie hatte sich an einem regnerischen Nachmittag in der Bibliothek verkrochen, zusammengekuschelt auf einem alten Sofa mit hoher Lehne, und las zum dritten Mal eine Seite in einem alten Band aus den B�cherregalen des Grafen. Das Buch war ein Relikt der Druckerkunst aus der Zeit der Isolation. Es war auf Englisch geschrieben, aber gedruckt in einer abgewandelten Variante des kyrillischen Alphabets, das mit seinen insgesamt sechsundvierzig Zeichen einst f�r alle Sprachen auf Barrayar benutzt worden war. Ihr Geist schien heute ungewohnt zerstreut und unempf�nglich daf�r zu sein. Sie schaltete das Licht aus und lie� ihre Augen einige Minuten ausruhen. Mit Erleichterung beobachtete sie, wie Leutnant Koudelka die Bibliothek betrat und sich steif und bedachtsam an der Kommunikationskonsole niedersetzte. <emphasis>Ich werde ihn nicht unterbrechen, wenigstens er hat echte Arbeit zu erledigen,</emphasis> dachte sie und kehrte noch nicht zu ihrer Seite zur�ck, aber sie f�hlte sich dennoch getr�stet durch seine unabsichtliche Gesellschaft.</p><p>Er arbeitete nur ein paar Augenblicke lang, dann schaltete er die Maschine mit einem Seufzer ab, starrte geistesabwesend auf die leere, mit Steinmetzarbeiten verzierte Feuerstelle, die urspr�nglich der Mittelpunkt des Raumes gewesen war, und bemerkte sie immer noch nicht. <emphasis>Also bin ich nicht die einzige hier, die sich nicht konzentrieren kann. Vielleicht ist es dieses seltsame graue Wetter. Es scheint eine deprimierende Wirkung auf die Leute zu haben��</emphasis></p><p>Er nahm seinen Stockdegen und lie� eine Hand an der glatten Scheide entlanggleiten. Er klickte sie auf, wobei er sie festhielt und die Feder schweigend und langsam loslie�. Er blickte die schimmernde Klinge an, die in dem d�mmerigen Raum fast mit einem eigenen Licht zu gl�hen schien, und drehte sie, als d�chte er �ber ihr Muster und ihre exzellente Qualit�t nach. Dann wendete er sie um, die Spitze �ber seine linke Schulter und das Heft weg von sich. Er wickelte ein Handtuch als Halt um die Klinge und dr�ckte sie, sehr sanft, gegen die Seite seines Halses �ber der Halsschlagader. Der Ausdruck auf seinem Gesicht war k�hl und nachdenklich, sein Griff an der Klinge so leicht wie der eines Liebhabers.</p><p>Pl�tzlich spannte sich seine Hand.</p><p>Ihr vernehmliches Einatmen, die erste H�lfte eines Schluchzens, lie� ihn aus seiner Tr�umerei aufschrecken. Er blickte auf und sah sie erst jetzt, seine Lippen pre�ten sich aufeinander und sein Gesicht r�tete sich. Er senkte die Klinge. Sie lie� eine wei�e Linie auf seinem Hals zur�ck, wie eine Halskette, und ein paar rote Tropfen Blut quollen daran hervor.</p><p>�Ich�� habe Sie nicht gesehen, Mylady�, sagte er heiser. �Ich�� machen Sie sich keine Gedanken �ber mich. Ich habe nur ein bi�chen herumgespielt.�</p><p>Sie blickten sich schweigend an. Gegen ihren Willen kamen ihr ihre Worte �ber die Lippen: �Ich hasse diesen Ort! Ich habe jetzt immerzu Angst.�</p><p>Sie drehte ihr Gesicht zu der hohen Lehne des Sofas und begann zu ihrem eigenen Entsetzen zu weinen. <emphasis>H�r damit auf! Von allen Leuten nicht vor Koudelka! Der Mann hat schon gen�gend echte Schwierigkeiten, ohne da� du deine eingebildeten bei ihm abl�dst.</emphasis></p><p>Er stand auf und hinkte zu ihrer Couch. Er sah beunruhigt aus. Vorsichtig setzte er sich neben sie. �Hm���, begann er, �weinen Sie nicht, Mylady. Ich habe nur herumgespielt, wirklich.� Er klopfte ihr unbeholfen auf die Schulter.</p><p>�Unfug�, erwiderte sie ihm mit erstickter Stimme, �Sie haben mir einen h�llischen Schreck eingejagt.� In einem Impuls nahm sie ihr tr�nenverschmiertes Gesicht von dem kalten Seidenstoff des Sofas und lehnte es an die rauhe W�rme der Schulter seiner gr�nen Uniform. Dies provozierte ihn zu gleicher Offenheit.</p><p>�Sie k�nnen sich nicht vorstellen, wie das ist�, fl�sterte er heftig. �Die anderen bemitleiden mich alle, wissen Sie? Sogar er.� Mit einem unbestimmten Ruck seines Kopfes wies er auf Vorkosigan hin. �Das ist hundertmal schlimmer als Verachtung. Und das wird <emphasis>immer</emphasis> so weitergehen.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. Angesichts dieser unzweifelhaften Wahrheit gab es keine Antwort.</p><p>�Ich hasse diesen Ort auch�, fuhr er fort, �genauso, wie er mich ha�t. Und an manchen Tagen noch mehr. Also sehen Sie, Sie sind nicht allein.�</p><p>�So viele Leute versuchen, ihn umzubringen�, fl�sterte sie zur�ck und verachtete sich dabei ob ihrer Schw�che. �V�llig Fremde�� einer von ihnen wird am Ende auch Erfolg haben. Ich denke jetzt die ganze Zeit daran.� W�rde es eine Bombe sein? Ein Gift? Ein Plasmabogen, der Arals Gesicht wegbrannte und nicht einmal Lippen �briglie�, die sie zum Abschied k�ssen k�nnte?</p><p>Koudelkas Aufmerksamkeit wurde schmerzlich von seinem Kummer auf den ihren gelenkt. Er zog irritiert seine Augenbrauen zusammen.</p><p>�O Kou�, sprach sie weiter und streichelte seinen �rmel, �ganz gleich, wie weh es tut, tun Sie ihm das nicht an. Er liebt Sie�� Sie sind wie ein Sohn f�r ihn, gerade die Art Sohn, die er immer wollte. Das�, sie deutete mit einem Nicken auf das Schwert, das auf der Couch lag und mehr gl�nzte als die Seide, �w�rde ihm das Herz zerschneiden. Diese Welt hier sch�ttet jeden Tag Wahnsinn �ber ihn aus und verlangt, da� er Gerechtigkeit zur�ckgibt. Er kann das nur mit einem ganzen Herzen tun. Oder er mu� schlie�lich beginnen, den Wahnsinn zur�ckzugeben, wie jeder seiner Vorg�nger. Und�, f�gte sie in einem Ausbruch unkontrollierbarer Unlogik hinzu, �es ist so verdammt <emphasis>feucht</emphasis> hier! Es wird nicht meine Schuld sein, wenn mein Sohn mit <emphasis>Kiemen</emphasis> geboren wird!�</p><p>Seine Arme umfa�ten sie in einer g�tigen Umarmung. �Haben Sie�� Angst vor der Geburt?� fragte er, mit einer zarten und unerwarteten Empfindsamkeit.</p><p>Cordelia verstummte, pl�tzlich konfrontiert mit ihren fest unterdr�ckten �ngsten. �Ich vertraue euren �rzten nicht�, gab sie unsicher zu.</p><p>Er l�chelte in bitterer Ironie: �Daf�r kann ich Sie nicht tadeln.�</p><p>Ein Lachen stieg in ihr auf, sie erwiderte seine Umarmung und hob die Hand, um die winzigen Bluttropfen von der Seite seines Halses zu wischen. �Wenn man jemanden liebt, dann ist es, als ob die eigene Haut die des anderen bedeckt. Jede Wunde ist doppelt. Und ich liebe Sie so, Koudelka. Ich w�nschte, Sie lie�en mich Ihnen helfen.�</p><p>�Therapie, Cordelia?� Vorkosigans Stimme war kalt und schneidend wie ein herabprasselnder Hagelschauer. Sie blickte �berrascht auf und sah ihn vor ihnen stehen mit einem Gesicht, das so kalt war wie seine Stimme.</p><p>�Mir wird bewu�t, da� du eine h�bsche Portion betanischer�� Fachkenntnis in solchen Dingen hast, aber ich bitte dich, dieses Vorhaben jemandem anderen zu �berlassen.�</p><p>Koudelka err�tete und prallte von ihr zur�ck. �Sir�, begann er und verstummte dann, ebenso erschrocken wie Cordelia �ber den eisigen Zorn in Vorkosigans Augen. Vorkosigans Blick huschte �ber ihn hinweg, und sie pre�ten beide die Z�hne aufeinander.</p><p>Cordelia atmete tief ein und wollte etwas erwidern, aber sie gab nur ein w�tendes �Oh!� gegen Vorkosigans R�cken von sich, als er sich umdrehte und hinausschritt, das R�ckgrat steif wie Koudelkas Schwertklinge.</p><p>Koudelka, der noch rot im Gesicht war, zog sich von ihr zur�ck und stemmte sich auf die Beine, wobei er sein Schwert als St�tze verwendete und sein Atem zu schnell ging. �Mylady, ich bitte Sie um Verzeihung.�</p><p>Die Worte schienen ganz ohne Bedeutung.</p><p>�Kou�, sagte Cordelia, �Sie wissen, da� er es nicht so schlimm meinte. Er hat gesprochen, ohne zu denken. Ich bin sicher, er tut nicht, tut nicht���</p><p>�Ja, ich sehe es ein�, erwiderte Koudelka mit ausdruckslosem Blick. �Man wei� allgemein, da� ich v�llig ungef�hrlich bin f�r jedermanns Ehe, glaube ich. Aber wenn Sie mich entschuldigen wollen�� Mylady�� ich habe so etwas wie eine Arbeit zu erledigen.�</p><p>�Oh!� Cordelia wu�te nicht, auf wen sie am meisten Wut hatte, auf Vorkosigan, Koudelka oder sich selbst. Erregt sprang sie auf und verlie� den Raum, und �ber die Schulter rief sie zur�ck: �Verdammt, zur H�lle mit allen Barrayaranern!�</p><p>Droushnakovi begegnete ihr mit einem sch�chternen �Mylady?�</p><p>�Und Sie, Sie nutzloses�� P�ppchen�, fauchte Cordelia, deren Wut sich jetzt hilflos in alle Richtungen entlud. <emphasis>�Warum k�nnen Sie Ihre eigenen Angelegenheiten</emphasis> nicht regeln? Ihr barrayaranischen Frauen scheint zu erwarten, da� man euch euer Leben auf einem Tablett serviert. So funktioniert das nicht!�</p><p>Das M�dchen wich verwirrt einen Schritt zur�ck. Cordelia z�gelte ihren Ausbruch und fragte vern�nftiger: �Wohin ist Aral gegangen?�</p><p>�Warum�� nach oben, denke ich, Mylady.�</p><p>Ein Anflug ihres alten und arg mitgenommenen Humors kam jetzt Cordelia zu Hilfe: �Und hat er zuf�llig zwei Stufen auf einmal genommen?�</p><p>�Hm�� tats�chlich drei�, erwiderte Drou zaghaft.</p><p>�Ich glaube, ich sollte besser gehen und mit ihm reden�, sagte Cordelia und fuhr sich mit den H�nden durch ihr Haar. Sie fragte sich, ob es irgendeinen praktischen Nutzen h�tte, wenn sie sich ihre Haare ausrei�en w�rde. �Schei�kerl.� Sie wu�te selbst nicht, ob dies als Kraftausdruck oder als Beschreibung gemeint war. <emphasis>Und wenn ich daran denke, da� ich nie geflucht habe.</emphasis></p><p>Sie trottete hinter ihm her, und w�hrend sie die Treppe hinaufstieg, versickerte ihre Wut zusammen mit ihrer Energie. <emphasis>Diese Schwangerschaftssache macht mich gewi� langsam.</emphasis></p><p>Sie kam an einem Wachtposten im Korridor vorbei. �Wohin ist Lord Vorkosigan gegangen?�, fragte sie ihn.</p><p>�In seine R�ume, Mylady�, antwortete der Mann und blickte ihr neugierig nach. <emphasis>Gro�artig. Das hab ich gern,</emphasis> dachte sie w�tend. <emphasis>Der erste echte Streit der alten Jungverm�hlten wird eine Menge automatischer Zuh�rer haben. Diese alten W�nde sind nicht schalldicht. Ich bin gespannt, ob ich meine Lautst�rke m��igen kann. Aral hat da keine Probleme: wenn er wild wird, dann fl�stert er.</emphasis></p><p>Sie betrat ihrer beider Schlafzimmer und fand ihn, wie er auf der Seite des Bettes sa� und mit heftigen, ruckartigen Bewegungen sich seiner Uniformjacke und seiner Stiefel entledigte. Er blickte auf, und sie starrten einander w�tend an. Cordelia er�ffnete das Feuer, wobei Sie dachte: <emphasis>Bringen wir es hinter uns.</emphasis></p><p>�Diese Bemerkung, die du vor Koudelka gemacht hast, war v�llig fehl am Platz.�</p><p>�Was, ich komme herein und finde meine Frau, wie sie�� mit einem meiner Offiziere schmust, und du erwartest, da� ich h�fliche Konversation �ber das Wetter mache?�, erwiderte er.</p><p>�Du wei�t, da� es nichts derartiges war.�</p><p>�Sch�n. Und wenn es nicht ich gewesen w�re? Wenn es einer von der Wache gewesen w�re, oder mein Vater. Wie h�ttest du es dann erkl�rt? Du wei�t, was sie �ber die Betaner denken. Das w�re ein gefundenes Fressen f�r sie gewesen, und man h�tte die Ger�chte nicht mehr aufhalten k�nnen. Und dann w�re es als politischer Tratsch wieder auf mich zur�ckgefallen. Jeder Feind, den ich dort drau�en habe, wartet nur auf einen schwachen Punkt, um darauf loszugehen. Sie h�tten so etwas gern.�</p><p>�Wie, zum Teufel, sind wir auf deine verdammte Politik gekommen? Ich spreche �ber einen Freund. Ich bezweifle, da� du mit einer noch verletzenderen Bemerkung h�ttest daherkommen k�nnen, wenn du ein Studienprojekt daf�r finanziert h�ttest. Das war gemein, Aral! Was ist �berhaupt mit dir los?�</p><p>�Ich wei� es nicht.� Er rieb sich m�de sein Gesicht. �Es ist der verdammte Job, nehme ich an. Ich m�chte es nicht auf dich abladen.�</p><p>Cordelia vermutete, da� diese Aussage einem Eingest�ndnis, da� er unrecht hatte, so nahe kam, wie sie gerade noch erwarten durfte, und sie akzeptierte sie mit einem leichten Nicken. Dabei lie� sie ihre eigene Wut verrauchen. Dann erinnerte sie sich, warum die Wut ihr so gut getan hatte, denn die Leere, die sie hinterlie�, f�llte sich wieder mit Angst.</p><p>�Ja, also gut�� wieviel Lust hast du eigentlich darauf, eines Morgens seine T�r aufbrechen zu m�ssen?�</p><p>Vorkosigan runzelte die Stirn und wurde still. �Hast du�� einen Grund zu der Annahme, da� er Selbstmordgedanken hegt? Er schien mir ganz zufrieden zu sein.�</p><p>�Das schien er�� dir.� Cordelia lie� die Worte einen Moment im Raum stehen, um ihnen Nachdruck zu verleihen. �Ich denke, er ist etwa so nahe daran.� Sie hielt ihre Hand hoch, Daumen und Zeigefinger knapp einen Millimeter auseinander. Am Zeigefinger klebte noch ein bi�chen Blut, sie blickte darauf mit trauriger Faszination.</p><p>�Er hat mit diesem verdammten Schwert herumgespielt. Ich w�nsche mir, ich h�tte es ihm nie geschenkt. Ich denke, ich k�nnte es nicht ertragen, wenn er sich damit seine eigene Kehle durchschneidet. Das�� schien es zu sein, woran er dachte.�</p><p>�Oh.� Vorkosigan sah irgendwie kleiner aus, ohne seine glitzernde Milit�rjacke, ohne seinen Zorn. Er hielt ihr seine Hand entgegen, sie nahm sie und setzte sich neben ihn.</p><p>�Also, wenn du in diesem deinem�� Dicksch�del Visionen hast, K�nig Arthur zu spielen gegen�ber uns, Lancelot und Guinevere, dann vergi� es. Das zieht nicht.�</p><p>Er lachte endlich ein bi�chen. �Meine Visionen waren n�her an meinem Heim, f�rchte ich, und betr�chtlich sch�biger. Einfach ein alter schlechter Traum.�</p><p>�Ja, ich�� nehme an, es traf einen Nerv, obendrein.� Sie fragte sich, ob der Geist seiner ersten Frau sich je bei ihm aufhielt und ihn mit Todesk�lte anhauchte, wie es Vorrutyers Gespenst manchmal bei ihr tat. Er schaute toten�hnlich genug aus. �Aber ich bin Cordelia, denk daran. Nicht�� irgend jemand anderer.�</p><p>Er lehnte seine Stirn gegen die ihre. �Vergib mir, lieber Captain. Ich bin nur ein h��licher, ver�ngstigter alter Mann, und ich werde jeden Tag �lter und h��licher und furchtsamer.�</p><p>�Du auch?� Sie ruhte in seinen Armen. �Ich protestiere jedoch gegen die Ausdr�cke alt und h��lich. Dicksch�del bezog sich <emphasis>nicht</emphasis> auf deine �u�ere Erscheinung.�</p><p>�Danke sehr�� ich beherzige es.�</p><p>Es gefiel ihr, ihn wenigstens ein bi�chen zu belustigen. �Es ist der Job, nicht wahr?�, sagte sie. �Kannst du dar�ber �berhaupt sprechen?�</p><p>Er pre�te seine Lippen aufeinander. �Im Vertrauen�� obwohl das dein nat�rlicher Zustand zu sein scheint, wei� ich nicht, warum ich mich damit aufhalte, es zu betonen�� es sieht aus, als w�ren wir noch vor dem Ende des Jahres in einen neuen Krieg verwickelt. Und wir haben uns noch nicht einmal richtig erholt, nach Escobar.�</p><p>�Was! Ich dachte, die Kriegspartei w�re halb gel�hmt.�</p><p>�Unsere schon. Die der Cetagandaner ist jedoch noch in gut funktionierendem Zustand. Unser Nachrichtendienst hat Hinweise, da� sie planten, das politische Chaos, das hier auf Ezar Vorbarras Tod folgen sollte, auszunutzen, um einen Zugriff auf jene umstrittenen Wurmloch-Sprungpunkte zu verbergen. Statt dessen bekamen sie mich und�� nun ja, ich kann es wohl kaum Stabilit�t nennen, bestenfalls dynamisches Gleichgewicht. Jedenfalls nicht die Art von Zerr�ttung, auf die sie gez�hlt hatten. Daher der kleine Vorfall mit der Schallgranate. Negri und Illyan sind sich jetzt zu siebzig Prozent sicher, das dies das Werk der Cetagandaner war.�</p><p>�Werden sie es�� noch einmal versuchen?�</p><p>�Fast sicher. Aber ob mit mir oder ohne mich, im Stab ist man der einhelligen Meinung, da� sie vor Ende des Jahres in gro�er Zahl hier eindringen werden. Und wenn wir schwach sind�� dann werden sie sich einfach weiter voranbewegen, bis sie gestoppt werden.�</p><p>�Kein Wunder, da� du so�� geistesabwesend gewesen bist.�</p><p>�Ist das der h�fliche Ausdruck daf�r? Aber nein. Ich habe schon seit einiger Zeit �ber die Cetagandaner Bescheid gewu�t. Etwas anderes kam heute zur Sprache, nach der Ratssitzung. Eine private Audienz. Graf Vorhalas kam zu mir, um eine Gunst zu erbitten.�</p><p>�Ich h�tte gedacht, es w�rde dir ein Vergn�gen bereiten, dem Bruder von Rulf Vorhalas einen Gefallen zu tun. Aber dem ist wohl nicht so?�</p><p>Er sch�ttelte ungl�cklich den Kopf. �Der j�ngste Sohn des Grafen, ein hitzk�pfiger junger Narr von achtzehn, den man auf eine Milit�rschule h�tte schicken sollen�� wie ich mich erinnere, hast du ihn bei der Ratssitzung zur Eidesleistung getroffen���</p><p>�Lord Carl?�</p><p>�Ja. Er ist gestern abend bei einer Party in einen Streit zwischen Betrunkenen geraten.�</p><p>�Das ist eine universelle Tradition. Solche Dinge geschehen sogar auf Kolonie Beta.�</p><p>�Ganz richtig. Aber sie gingen nach drau�en, um ihre Sache mit Waffen zu regeln, jeder von beiden, mit einem Paar stumpfer Schwerter, die Teil der Wanddekoration gewesen waren, und einigen K�chenmessern. Das machte das ganze genaugenommen zu einem Duell mit den zwei Schwertern.�</p><p>�O je. Ist dabei jemand verletzt worden?�</p><p>�Ungl�cklicherweise ja. Mehr oder weniger zuf�llig, nach dem, was ich geh�rt habe, fiel der Sohn des Grafen bei der Rauferei hin und brachte es dabei fertig, sein Schwert seinem Freund in den Bauch zu sto�en und ihm die Unterleibsaorta zu durchtrennen. Der Freund ist fast auf der Stelle verblutet. Als die Zuschauer endlich gen�gend zur Vernunft gekommen waren, um einen Notarzt zu holen, da war es schon viel zu sp�t.�</p><p>�Du lieber Gott!�</p><p>�Es war ein Duell, Cordelia. Es begann als eine Nachahmung, aber es endete in der Realit�t. Und deshalb gelten die Strafen f�r ein Duell.� Er stand auf und durchschritt dem Raum, hielt am Fenster inne und starrte hinaus in den Regen. �Sein Vater kam und bat mich um eine kaiserliche Begnadigung. Oder, falls ich die nicht gew�hren k�nnte, ob ich nicht daf�r sorgen k�nnte, da� die Anklage auf Totschlag abge�ndert wird.</p><p>Wenn das ganze als Totschlag verhandelt w�rde, dann k�nnte der Junge auf Notwehr pl�dieren und k�me mit einer blo�en Gef�ngnisstrafe davon.�</p><p>�Das scheint�� ziemlich fair, nehme ich an.�</p><p>�Ja.� Er ging wieder auf und ab. �Eine Gef�lligkeit f�r einen Freund. Oder�� der erste Spalt in der T�r, um diese teuflische Sitte wieder in unsere Gesellschaft zur�ckkehren zu lassen. Was geschieht, wenn der n�chste Fall mir vorgetragen wird, und dann der n�chste, und wieder der n�chste? Wo fange ich an, die Grenze zu ziehen? Was ist, wenn der n�chste Fall einen meiner politischen Feinde betrifft, und nicht ein Mitglied meiner eigenen Partei? Sollen all die Toten, die es gekostet hat, diese Sache auszurotten, umsonst gestorben sein? Ich erinnere mich an die Duelle und wie damals alles war. Und schlimmer�� ein Ansatzpunkt f�r eine Regierung durch Freunde, dann durch Cliquen. Man kann �ber Ezar Vorbarra sagen, was man will, in drei�ig Jahren r�cksichtloser Arbeit hat er die Regierung von einem Club der Vor-Klasse in so etwas wie eine Herrschaft des Gesetzes umgewandelt, ein Gesetz f�r alle.�</p><p>�Ich fange an, das Problem zu sehen.�</p><p>�Und ich�� unter all den M�nnern mu� ich diese Entscheidung treffen! Der ich vor zweiundzwanzig Jahren f�r genau das gleiche Verbrechen h�tte �ffentlich hingerichtet werden sollen!� Er blieb vor ihr stehen. �Die Geschichte von dem Vorfall gestern abend ist heute morgen in verschiedenen Varianten schon in der ganzen Stadt verbreitet. In ein paar Tagen wird sie �berall bekannt sein. Ich lie� sie vom Informationsdienst unterdr�cken, vorl�ufig, aber das war wie Spucken gegen den Wind. Es ist zu sp�t, um das Ganze zu vertuschen, selbst wenn ich das tun wollte. Also wen soll ich jetzt verraten? Einen Freund? Oder Ezar Vorbarras Vertrauen? Es gibt keinen Zweifel, welche Entscheidung <emphasis>er </emphasis>gef�llt h�tte.�</p><p>Er setzte sich wieder neben sie und nahm sie in die Arme. �Und das ist erst der Anfang. Jeden Monat, jede Woche wird es wieder irgendeine unm�gliche Sache geben. Was wird von mir �brigbleiben, wenn das f�nfzehn Jahre lang so weitergeht? Eine leere H�lle, wie das Ding, das wir vor drei Monaten beerdigt haben, nachdem wir bei seinem letzten Atemzug darum beteten, da� es keinen Gott geben m�ge? Oder eine von der Macht korrumpierte Monstrosit�t wie sein Sohn, der so infiziert war, da� er nur durch einen Plasmabogen sterilisiert werden konnte? Oder etwas noch Schlimmeres?�</p><p>Seine unverh�llte Qual erschreckte sie. Als Antwort hielt sie ihn fest umschlungen. �Ich wei� es nicht. Ich wei� es nicht. Aber irgend jemand�� irgend jemand hat schon immer diese Art von Entscheidungen getroffen, w�hrend wir in gl�cklicher Unwissenheit dahinspazierten und die Welt als gegeben nahmen. Und dieser Jemand war auch nur ein Mensch. Nicht besser, nicht schlechter als du.�</p><p>�Ein erschreckender Gedanke.�</p><p>Sie seufzte. �Du kannst nicht im Dunkeln mit Hilfe der Logik zwischen zwei �beln w�hlen. Du kannst dich nur an die Sicherheitslinie eines Prinzips halten. Ich kann nicht deine Entscheidung treffen. Aber welche Prinzipien auch immer du jetzt w�hlst, die werden deine Sicherheitslinien sein, die dich voranbringen. Und um deines Volkes willen m�ssen sie konsequent sein.�</p><p>Er ruhte in ihren Armen. �Ich wei�. Es gab eigentlich keine wirkliche Frage �ber diese Entscheidung. Ich habe nur�� noch ein bi�chen um mich geschlagen, w�hrend ich zu Boden ging.� Er l�ste sich von ihr und stand wieder auf. �Lieber Captain, wenn ich in f�nfzehn Jahren noch bei gesundem Verstand bin, dann wird das, glaube ich, dein Werk sein.�</p><p>Sie schaute zu ihm empor. �Und wie lautet deine Entscheidung?�</p><p>Die Qual in seinen Augen gab ihr die Antwort.</p><p>�O nein�, sagte sie unwillk�rlich, dann bi� sie sich auf die Lippe. <emphasis>Und ich habe versucht, so weise zu sprechen. Ich habe aber nicht das gemeint.</emphasis></p><p>�Wei�t du?�, sagte er sanft, resigniert. �Ezars Methode ist die einzige, die hier funktionieren kann. Letztlich stimmt es. Er herrscht noch von seinem Grab aus.� Er machte sich auf den Weg zum Bad, um sich zu waschen und die Kleider zu wechseln.</p><p>�Aber du bist nicht er�, fl�sterte sie in den leeren Raum. �Kannst du nicht deine eigene Methode finden?�</p></section><section><title><p>KAPITEL 8</p></title><p>Vorkosigan war drei Wochen sp�ter bei Carl Vorhalas �ffentlicher Hinrichtung anwesend.</p><p>�Ist es notwendig, da� du hingehst?�, fragte ihn Cordelia am Morgen, als er sich ankleidete, k�hl und in sich gekehrt. �Ich mu� doch nicht hingehen, oder?�</p><p>�Gott, nein, nat�rlich nicht. Ich mu� nicht gehen, offiziell, au�er�� Ich mu� gehen. Du kannst sicher verstehen, warum.�</p><p>�Nein�� wirklich, au�er als einer Art von Selbstbestrafung. Ich bin mir nicht sicher, da� du dir diesen Luxus leisten kannst, bei deiner Arbeit.�</p><p>�Ich mu� gehen. Ein Hund kehrt zu seinem Erbrochenen zur�ck, nicht wahr? Seine Eltern werden dort sein, wei�t du das? Und sein Bruder.�</p><p>�Was f�r eine barbarische Sitte.�</p><p>�Nun ja, wir k�nnten das Verbrechen als Krankheit behandeln, wie ihr Betaner das tut. Du wei�t, wie das vor sich geht. Wir t�ten einen Menschen wenigstens sauber, auf einmal, statt st�ckweise �ber Jahre hinweg�� ich wei� nicht.�</p><p>�Wie wird�� es gemacht?�</p><p>�Enthauptung. Man h�lt sie f�r fast schmerzlos.�</p><p>�Wie wei� man das?�</p><p>Sein Lachen war v�llig ohne Humor. �Eine sehr triftige Frage.�</p><p>Er umarmte sie nicht, als er wegging. Er kehrte knapp zwei Stunden sp�ter zur�ck, schweigend, lehnte mit Kopfsch�tteln das vorsichtige Angebot eines Mittagessens ab, sagte einen Nachmittagstermin ab und zog sich in Graf Piotrs Bibliothek zur�ck. Dort sa� er an einem Buchprojektor, ohne zu lesen. Nach einer Weile schlo� sich Cordelia ihm dort an, setzte sich auf die Couch und wartete geduldig darauf, da� er zu ihr zur�ckkam aus jenem fernen Bereich seines Geistes, in dem er sich jetzt aufhielt.</p><p>�Der Junge wollte tapfer sein�, sagte er nach einer Stunde Schweigen. �Man konnte sehen, da� er jede Geste im voraus geplant hatte. Aber niemand sonst folgte seinem Drehbuch. Seine Mutter machte ihn fertig�� Und zur Kr�nung des Ganzen verfehlte der Henker seinen Hieb. Er brauchte drei Schl�ge, um den Kopf abzutrennen.�</p><p>�Das klingt ja, als h�tte Sergeant Bothari es mit einem Taschenmesser besser gemacht.� Vorrutyer hatte sie an diesem Morgen mehr als gew�hnlich heimgesucht, scharlachrot.</p><p>�Es hat nichts gefehlt zur vollkommenen Scheu�lichkeit. Seine Mutter hat mich auch noch verflucht. Bis Evon und Graf Vorhalas sie weggebracht haben.� Der leblose Ausdruck fiel von seiner Stimme ab. �O Cordelia! Das kann nicht die richtige Entscheidung gewesen sein! Und doch�� und doch�� es war keine andere m�glich. Nicht wahr?�</p><p>Er kam zu ihr und hielt sie schweigend. Er schien sehr nahe daran zu sein, zu weinen, und es erschreckte sie fast noch mehr, da� er es nicht tat.</p><p>Schlie�lich wich die Spannung von ihm.</p><p>�Ich nehme an, ich sollte mich lieber zusammenrei�en und umziehen. Vortala hat ein Treffen mit dem Minister f�r Landwirtschaft angesetzt, das zu wichtig ist, als da� ich es vers�ume, und danach ist da noch der Generalstab��� Als er das Haus verlie�, war seine gew�hnliche Selbstbeherrschung zur�ckgekehrt.</p><p>In dieser Nacht lag er lange wach neben ihr. Seine Augen waren geschlossen, aber aus seiner Atmung erkannte sie, da� er den Schlaf nur vort�uschte. Sie konnte kein Wort des Trostes finden, das nicht hohl klang, deshalb schwieg sie mit ihm die langen Nachstunden hindurch.</p><p>Drau�en begann es zu regnen, ein best�ndiges Nieseln. Einmal redete er.</p><p>�Ich habe schon fr�her Menschen sterben sehen. Habe Hinrichtungen befohlen, habe M�nner in die Schlacht befohlen, habe einen dem anderen vorgezogen, habe drei nackte Morde ver�bt und h�tte noch ein vierten begangen, wenn nicht Gott und Sergeant Bothari dazwischengekommen w�ren�� Ich wei� nicht, warum mich dieser wie eine Mauer treffen sollte. Er hat mich gestoppt, Cordelia. Und ich darf nicht stoppen, sonst fallen wir alle zusammen. Mu� irgendwie in der Luft bleiben.�</p><p>Sie erwachte in der Dunkelheit von einem klingelnden Krachen und einem weichen Knall und atmete erschrocken ein. Eine �tzende Sch�rfe brannte in ihrer Lunge und ihrem Mund, in ihren Nasenl�chern und ihren Augen.</p><p>Ein Nebengeschmack, der in den Eingeweiden zerrte, pumpte ihren Magen in die Kehle. Neben ihr fuhr Vorkosigan mit einem Fluch aus dem Schlaf hoch.</p><p>�Eine Soltoxingas-Granate! Nicht atmen, Cordelia!� Um seinen Ausruf zu bekr�ftigen, schob er ein Kissen �ber ihr Gesicht, seine hei�en starken Arme packten sie und zogen sie vom Bett. Sie kam auf die F��e im selben Augenblick, wo ihr Magen sich entleerte, und sie stolperte in den Korridor. Aral schlug hinter ihnen die Schlafzimmert�r zu.</p><p>Der Boden vibrierte von rennenden Schritten. Vorkosigan schrie: �Zur�ck! Soltoxingas! R�umt das Stockwerk! Ruft Illyan!�, bevor auch er sich zusammenkr�mmte, hustend und w�rgend. Fremde H�nde packten sie und schafften sie zu den Treppen. Durch ihre wie verr�ckt tr�nenden Augen konnte sie kaum etwas sehen.</p><p>Zwischen den Kr�mpfen keuchte Vorkosigan: �Sie haben das Gegenmittel�� Kaiserliche Residenz�� n�her als das Milit�rkrankenhaus�� holt Illyan sofort. Er wei� es. In die Dusche�� wo ist Myladys Frau? Holt eines von den M�dchen��!�</p><p>Innerhalb weniger Augenblicke wurde sie zusammen mit Vorkosigan in einer Dusche im Erdgescho� abgelegt. Er zitterte und konnte kaum stehen, aber er versuchte immer noch, ihr zu helfen. �Fang schon an, das Zeug von deiner Haut abzuwaschen, und h�r nicht auf mit dem Waschen. H�r nicht auf. Und halt das Wasser k�hl!�</p><p>�Du also auch. Was f�r ein Mist war das?� Sie hustete wieder im Wassergespritze, und sie halfen sich gegenseitig mit der Seife.</p><p>�Wasch auch deinen Mund aus�� Soltoxin. Es ist f�nfzehn, sechzehn Jahre her, seit ich diesen Gestank das letztemal gerochen habe, aber das vergi�t man nicht. Es ist ein Giftgas. Vom Milit�r. Sollte streng kontrolliert werden. Wie, zum Teufel, ist da einer drangekommen�� Verfluchter Sicherheitsdienst! Die werden morgen wie kopflose H�hner herumflattern�� zu sp�t.� Unter den n�chtlichen Bartstoppeln war sein Gesicht gr�nlichwei�.</p><p>�Ich f�hle mich jetzt nicht allzu schlecht�, sagte Cordelia. �Der Brechreiz l��t nach. Sind wir wohl vor der vollen Dosis verschont geblieben?�</p><p>�Nein. Es wirkt nur langsam. Es braucht nicht viel davon, um dich fertigzumachen. Es greift vor allem die weichen Gewebe an�� die Lungen sind in einer Stunde S�lze, wenn das Gegenmittel nicht bald kommt.�</p><p>Die wachsende Angst, die in ihren Eingeweiden, ihrem Herzen und ihrem Kopf pochte, lie� ihre Worte fast gerinnen: �Dringt es auch durch die Plazentaschranke?�</p><p>Er schwieg zu lange, bevor er sagte: �Ich bin mir nicht sicher. Mu� den Doktor fragen. Ich habe nur die Wirkungen auf junge M�nner gesehen.�</p><p>Wieder packte ihn ein Krampf tiefen Hustens, der nicht aufh�ren wollte.</p><p>Eines von Graf Piotrs Dienstm�dchen kam, zerzaust und erschrocken, um Cordelia und dem entsetzten jungen W�chter zu helfen, der ihnen beigestanden war. Ein anderer W�chter kam, um zu berichten, und rief durch das laufende Wasser: �Wir haben die Residenz erreicht, Sir. Sie haben einige Leute losgeschickt.�</p><p>Cordelias eigene Kehle, Bronchien und Lungen begannen einen �bel schmeckenden Schleim auszuscheiden: sie hustete und spuckte aus. �Hat jemand Drou gesehen?�</p><p>�Ich glaube, sie war hinter den Attent�tern her.�</p><p>�Nicht ihre Aufgabe. Wenn ein Alarm ert�nt, dann soll sie zu Cordelia rennen�, knurrte Vorkosigan. Das Sprechen l�ste noch mehr Husten aus.</p><p>�Sie war unten, Sir, als der Angriff stattfand, bei Koudelka. Sie sind beide zur Hintert�r hinaus.�</p><p>�Verdammt�, murmelte Vorkosigan, �das ist auch nicht seine Aufgabe.� Seine Anstrengung wurde mit einem neuen Hustenanfall bestraft. �Haben sie jemand geschnappt?�</p><p>�Ich glaube schon, Sir. Es gab irgendeinen Tumult am Ende des Gartens, an der Mauer.�</p><p>Sie standen einige weitere Minuten unter dem Wasser, bis der W�chter sich wieder meldete: �Der Doktor von der Residenz ist hier, Sir.�</p><p>Das Dienstm�dchen h�llte Cordelia in einen Bademantel, Vorkosigan wickelte sich ein Badetuch um und knurrte den W�chter an: �Hol mir was zum Anziehen, Mann!� Seine Stimme rasselte wie Schottersteine.</p><p>Ein Mann in mittlerem Alter, dessen Haare steif in die Luft standen und der zur Hose eine Pyjamajacke und Hauspantoffeln trug, lud im G�steschlafzimmer Ger�te ab, als sie aus der Dusche kamen. Er nahm einen Druckkanister aus seiner gro�en Tasche und befestigte daran eine Atemmaske, dabei schaute auf Cordelias sich rundenden Unterleib und dann auf Vorkosigan.</p><p>�Mylord, sind Sie sicher bez�glich der Bestimmung des Gases?�</p><p>�Ungl�cklicherweise ja. Es war Soltoxin.�</p><p>Der Doktor neigte den Kopf: �Es tut mir leid, Mylady.�</p><p>�Schadet das meinem��� Sie w�rgte an dem Schleim.</p><p>�Schweigen Sie und geben Sie es ihr�, fauchte Vorkosigan.</p><p>Der Doktor setzte ihr die Maske �ber Nase und Mund. �Atmen Sie tief. Einatmen�� ausatmen. Weiter ausatmen. Jetzt einatmen. Anhalten���</p><p>Das Gegengiftgas hatte einen frischen Geschmack, k�hler, aber fast ebenso ekelerregend wie das urspr�ngliche Gift. Ihr Magen rebellierte, aber er hatte nichts mehr, das er von sich geben konnte. Sie blickte �ber die Maske zu Vorkosigan, der sie anschaute, und sie versuchte, beruhigend zu l�cheln. Die Wirkung des Giftes schien bei ihm zuzunehmen: er schien grauer und gequ�lter mit jedem Atemzug, den sie tat. Sie war sich sicher, da� er eine gr��ere Dosis abbekommen hatte als sie, und deshalb schob die die Maske beiseite und sagte: �Bist nicht jetzt du an der Reihe?�</p><p>Der Doktor dr�ckte die Maske wieder zur�ck und sagte: �Noch einen weiteren Zug, Mylady, um sicherzugehen.� Sie inhalierte tief, und der Doktor brachte die Maske zu Vorkosigan, der keine Anleitung f�r die Prozedur zu brauchen schien.</p><p>�Vor wievielen Minuten ging das Gift los?�, fragte der Arzt besorgt.</p><p>�Ich bin mir nicht sicher. Hat jemand sich die Zeit gemerkt? Sie, ach���</p><p>Sie hatte den Namen des jungen W�chters vergessen.</p><p>�Vor etwa f�nfzehn oder zwanzig Minuten, glaube ich, Mylady.�</p><p>Die Erleichterung des Arztes war sp�rbar. �Dann d�rfte es jetzt in Ordnung sein. Sie beide werden f�r ein paar Tage ins Krankenhaus gehen. Ich arrangiere den Transport. War sonst noch jemand dem Gift ausgesetzt?� fragte er den W�chter.</p><p>�Doktor, warten Sie.� Der Arzt hatte schon den Kanister und die Maske wieder an sich genommen und war auf dem Weg zur T�r. �Was wird dieses�� Soltoxin meinem Baby antun?�</p><p>Er wich ihrem Blick aus. �Das wei� niemand. Bisher hat noch keiner dieses Gift �berlebt ohne sofortige Behandlung mit dem Gegenmittel.�</p><p>Cordelia sp�rte, wie ihr Herz klopfte. �Aber vorausgesetzt, die Behandlung��� Ihr gefiel sein mitleidiger Blick nicht, deshalb wandte sie sich an Vorkosigan: �Ist das���, aber das Wort blieb ihr im Hals stecken, als sie sein Gesicht sah: bleiern grau, durchzuckt von Schmerz und aufkommendem Zorn, das Gesicht eines Fremden mit den Augen eines Liebenden, die endlich ihrem Blick begegneten.</p><p>�Sagen Sie es ihr�, fl�sterte er dem Arzt zu, �ich kann es nicht.�</p><p>�M�ssen wir sie beunruhigen?�</p><p><emphasis>�Jetzt.</emphasis> Bringen Sie�s hinter sich.� Seine Stimme klang br�chig und kr�chzend.</p><p>�Das Problem ist das Gegenmittel, Mylady�, sagte der Arzt z�gernd. �Es ist ein starkes Teratogen. Zerst�rt die Knochenentwicklung im heranwachsenden F�tus. Ihre Knochen sind schon ausgewachsen, deshalb macht es Ihnen nichts, abgesehen von einer erh�hten Neigung zu arthritischen St�rungen, die man behandeln kann�� falls und sobald sie auftreten��� Er verstummte, als sie ihre Augen schlo� und ihn nicht mehr anblickte.</p><p>�Ich mu� den W�chter in der Halle sprechen�, f�gte der Arzt hinzu.</p><p>�Gehen Sie, gehen Sie!�, erwiderte Vorkosigan und entlie� ihn. Der Arzt zog sich durch die T�r nach drau�en zur�ck, vorbei an dem W�chter, der mit Vorkosigans Kleidern eintraf.</p><p>Cordelia �ffnete ihre Augen wieder, zu Vorkosigan gewandt, und sie blickten einander an.</p><p>�Der Ausdruck auf deinem Gesicht���, fl�sterte er, �das ist nicht�� Weine! W�te! Tu etwas!� Seine Stimme wurde rauh und heiser. �Hasse mich wenigstens!�</p><p>�Ich kann noch nichts f�hlen�, erwiderte sie fl�sternd, �morgen vielleicht.� Jeder Atemzug brannte wie Feuer.</p><p>Mit einem gemurmelten Fluch zog er sich die Kleider �ber, eine Garnitur der gr�nen Interimsuniform. �Ich kann etwas tun.�</p><p>Es war das Gesicht des Fremden, das das seine besetzt hielt. Worte hallten hohl in ihrem Ged�chtnis wider: <emphasis>Wenn der Tod eine Uniform tr�ge, dann w�rde er genau so aussehen.</emphasis></p><p>�Wohin gehst du?�</p><p>�Nachsehen, wen Koudelka geschnappt hat.� Sie folgte ihm durch die T�r. �Du bleibst hier�, befahl er.</p><p>�Nein.�</p><p>Er blickte zornig zu ihr zur�ck, und sie fegte den Blick mit einer ebenso wilden Geste zur Seite, als pariere sie einen Schwerthieb. �Ich gehe mit dir.�</p><p>�Also, dann komm.� Er drehte sich mit einem Ruck um und ging auf die Treppe zum Erdgescho� zu, den R�cken zornig gestrafft.</p><p>�Du wirst doch nicht�, fl�sterte sie grimmig, nur f�r ihn h�rbar, �jemanden in meiner Gegenwart umbringen.�</p><p>�Werde ich das nicht?�, fl�sterte er zur�ck. �Werde ich nicht?� Seine Schritte waren heftig, die nackten F��e quietschten auf den Steinstufen.</p><p>In der gro�en Eingangshalle herrschte Chaos: sie war voll von ihren Wachen, M�nnern in der Livree des Grafen und Sanit�tern. Ein Mann in der schwarzen Arbeitsuniform der Nachtwachen, von dem Cordelia nicht erkennen konnte, ob er noch lebte, lag auf dem Mosaikboden, zu seinen H�upten stand ein Sanit�ter. Beide waren vom Regen durchn��t und mit Schlamm beschmiert. Mit Blut vermischtes Wasser bildete kleine Pf�tzen unter ihnen.</p><p>Oberstleutnant Illyan kam gerade mit einem Adjutanten zur Vordert�r herein, in seinem Haar glitzerten Wassertropfen von dem nebligen Nieselregen. Er sagte: �La�t mich wissen, sobald die Techniker mit dem Kirlian-Detektor hier sind. In der Zwischenzeit soll sich jeder von der Wand da und aus dem Durchgang fernhalten. Mylord!�, rief er, als er Vorkosigan erblickte. �Gott sei Dank, Sie sind in Ordnung!�</p><p>Vorkosigan knurrte wortlos in tiefer Kehle. Ein Haufen M�nner umringte den Gefangenen, der mit dem Gesicht zur Wand lehnte, eine Hand hielt er �ber seinem Kopf, die andere steif an der Seit seltsam abgewinkelt.</p><p>Droushnakovi stand in der N�he, in einem nassen Nachthemd. Eine metallene Armbrust baumelte von ihrer Hand, offensichtlich war dies die Waffe, mit der man die Gasgranate durch das Fenster geschossen hatte.</p><p>Sie hatte einen blauen Flecken im Gesicht und stillte mit der anderen Hand ihr Nasenbluten. Auf ihrem Nachthemd waren vereinzelte Blutflecken. Auch Koudelka war anwesend, auf sein Schwert gest�tzt, ein Fu� nachgezogen. Er trug eine nasse und beschmutzte Uniform und Hauspantoffel und blickte s�uerlich drein.</p><p>�Ich h�tte ihn gehabt�, stie� er hervor, offensichtlich einen in Gang befindlichen Streit fortsetzend, �wenn du nicht angerannt gekommen w�rst und mir zugerufen h�ttest���</p><p>�Ach, wirklich!�, gab Droushnakovi zur�ck. �Nun gut, entschuldige, aber ich seh� das nicht so. Mir scheint, er hatte dich gepackt und flach auf den Boden gelegt. Wenn ich nicht gesehen h�tte, wie seine Beine die Mauer hinaufkletterten���</p><p>�Haltet die Klappe! Da kommt Lord Vorkosigan!�, zischte ein anderer W�chter. Die M�nner drehten sich um und traten vor ihm zur�ck.</p><p>�Wie ist er hereingekommen?�, begann Vorkosigan und hielt dann inne.</p><p>Der Mann trug die schwarze Arbeitsuniform des Milit�rs. �Sicherlich keiner von Ihren Leuten, Illyan!� Seine Stimme knirschte wie Metall auf Stein.</p><p>�Mylord, wir mu�ten ihn lebend bekommen, damit wir ihn verh�ren k�nnen�, sagte Illyan unsicher neben Vorkosigans Schulter, halb hypnotisiert durch denselben Blick, vor dem die Wachen zur�ckgewichen waren. �Vielleicht steckt mehr in dieser Verschw�rung. Man kann nicht���</p><p>Der Gefangene drehte sich um und wendete seinen F�ngern das Gesicht zu. Einer der W�chter sprang vor, um ihn wieder in die Stellung an die Wand zu schieben, aber Vorkosigan winkte ihm, beiseite zu treten. Da Cordelia in diesem Augenblick hinter ihrem Mann stand, konnte sie Vorkosigans Gesicht nicht sehen, aber seine Schultern verloren ihre m�rderische Spannung und der Zorn verschwand aus seinem R�ckgrat und hinterlie� nur ein Rinnsal von Schmerz. Das verzerrte Gesicht �ber dem schwarzen Kragen geh�rte Evon Vorhalas.</p><p>�Ach, doch nicht sie <emphasis>beide</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> st�hnte Cordelia.</p><p>Ha� lie� Vorhalas sto�weise atmen, als er sein beabsichtigtes Opfer w�tend anstarrte. �Du Schei�kerl, Du schlangenkalter Schei�kerl. Sitzt da kalt wie Stein, w�hrend sie ihm den Kopf abschlagen. Hast du da was gef�hlt? Oder haben Exzellenz es genossen? Ich habe mir damals geschworen, ich werde dich umlegen.�</p><p>Es herrschte ein langes Schweigen, dann lehnte sich Vorkosigan nahe neben ihn und st�tzte sich mit einem Arm neben Vorhalas Kopf auf der Wand ab. Er fl�sterte heiser: �Du hast mich verfehlt, Evon.�</p><p>Vorhalas spie ihm ins Gesicht, der Speichel war blutig von den Verletzungen seines Mundes. Vorkosigan machte keine Anstalten, sich abzuwischen. �Du hast meine Frau verfehlt�, fuhr er in einem langsamen, weichen Tonfall fort. �Aber du hast meinen Sohn getroffen. Hast du von s��er Rache getr�umt? Du hast sie. Schau auf ihre Augen, Evon. Ein Mann k�nnte ertrinken in diesen meergrauen Augen. Ich werde f�r den Rest meines Lebens jeden Tag auf sie schauen. Also verschlinge deine Rache, Evon. Trinke sie. H�tschle sie. H�ll dich in sie w�hrend der Nachtwachen. Sie geh�rt dir. Ich vermache sie dir ganz. Ich habe mich an ihr schon vollgefressen bis zum �berdru� und habe jede Lust daran verloren.�</p><p>Vorhalas schaute da zum erstenmal an Vorkosigan vorbei auf Cordelia.</p><p>Sie dachte an das Kind in ihrem Leib, dessen zartes Skelett aus jungen, noch knorpeligen Knochen vielleicht schon jetzt zu faulen, sich zu kr�mmen und aufzul�sen begann, aber sie konnte Vorhalas nicht hassen, obwohl sie es einen Augenblick lang versuchte. Sie konnte ihn nicht einmal als r�tselhaft empfinden. Sie hatte ein Gef�hl wie das zweite Gesicht, da� sie direkt in seinen verwundeten Geist schauen konnte, wie �rzte mit ihren diagnostischen Sichtger�ten in einen verwundeten K�rper schauen. Jede Verzerrung und Tr�ne und emotionale Schramme, jedes junge Geschw�r von Groll, das aus ihnen wuchs, und vor allem die gro�e, klaffende Wunde von seines Bruders Tod erschienenen rot ges�umt vor ihrem geistigen Auge.</p><p>�Er hat es nicht genossen, Evon�, sagte sie. �Was h�tten Sie denn von ihm gewollt? Wissen Sie das �berhaupt?�</p><p>�Ein bi�chen menschliches Erbarmen�, knurrte er. �Er h�tte Carl retten k�nnen. Selbst dann h�tte er es noch gekonnt. Ich dachte zuerst, deshalb sei er gekommen.�</p><p>�O Gott�, sagte Vorkosigan. Er wirkte todungl�cklich angesichts der aufblitzenden Vision von Aufstieg und Fall der Hoffnungen, die diese Worte hervorriefen. �Ich spiele nicht Theater mit dem Leben von Menschen, Evon!�</p><p>Vorhalas hielt seinen Ha� wie einen Schild vor sich: �Fahr doch zur H�lle!�</p><p>Vorkosigan seufzte und stie� sich von der Wand ab. Der Arzt dr�ckte sich bei ihnen herum, um sie in das wartende Fahrzeug zu bugsieren, das sie zum Kaiserlichen Milit�rkrankenhaus bringen sollte. �F�hren Sie ihn ab, Illyan�, sagte Vorkosigan m�de.</p><p>�Warten Sie�, sagte Cordelia. �Ich mu� es wissen�� ich mu� ihn etwas fragen.� Vorhalas betrachtete sie d�ster. �Haben Sie dieses Ergebnis beabsichtigt? Ich meine, als Sie diese spezielle Waffe ausw�hlten? Dieses besondere Gift?�</p><p>Er blickte von ihr weg und sprach zu der Wand am anderen Ende: �Es war das, was ich mitnehmen konnte, als ich das Waffenlager durchsuchte. Ich dachte nicht daran, da� ihr es identifizieren und das Gegenmittel rechtzeitig vom Kaiserlichen Milit�rkrankenhaus bekommen k�nntet���</p><p>�Sie befreien mich von einer gro�en Last�, fl�sterte sie.</p><p>�Das Gegenmittel kam von der Kaiserlichen Residenz�, erkl�rte Vorkosigan. �Nur ein Viertel der Entfernung. Die Krankenstation des Kaisers dort hat alles. Und was die Identifikation angeht�� Ich war damals dabei, bei der Niederschlagung der karianischen Meuterei. Etwa in deinem Alter, glaube ich, oder noch etwas j�nger. Der Geruch brachte mir alles in Erinnerung, gerade jetzt. Jungen, die ihre Lungen in roten Klumpen heraushusteten���</p><p>Er schien in sich selber zur�ckzuweichen, in die Vergangenheit.</p><p>�Ich hatte Ihren Tod nicht speziell beabsichtigt. Sie waren nur im Weg, zwischen mir und ihm.� Vorhalas wies blind auf ihren sich w�lbenden Unterleib. �Das war nicht das Ergebnis, das ich beabsichtigte. Ich hatte vor, ihn zu t�ten. Ich wu�te nicht einmal sicher, da� ihr nachts im gleichen Zimmer schlaft.� Er schaute jetzt �berallhin, nur nicht in ihr Gesicht. �Ich dachte nie an den Tod Ihres���</p><p>�Schauen Sie mich an�, sagte sie heiser, �und sprechen Sie das Wort laut aus.�</p><p>�Babys�, fl�sterte er und brach pl�tzlich in heftiges Schluchzen aus.</p><p>Vorkosigan trat zur�ck. �Ich w�nsche, du h�ttest das nicht getan�, fl�sterte er. �Das erinnert mich an seinen Bruder. Warum bin ich der Tod dieser Familie?�</p><p>�Willst du immer noch, da� er seine Rache verschlingt?�</p><p>Er lehnte seine Stirn kurz auf ihre Schulter. �Nicht einmal das. Du machst uns alle leer, lieber Captain. Aber, oh��� Er streckte seine Hand aus, als wollte er sie �ber ihrem Leib w�lben, zog sie aber dann zur�ck, als er sich des Kreises schweigender Zuschauer um sie herum bewu�t wurde. Er richtete sich auf. �Bringen Sie mir am Morgen einen kompletten Bericht, Illyan�, sagte er, �ins Krankenhaus.�</p><p>Er nahm sie beim Arm, als sie sich umwandten, um dem Arzt zu folgen. Sie konnte nicht unterscheiden, ob er damit sie oder sich selbst st�tzen wollte.</p><p>Sie war im Komplex des Kaiserlichen Milit�rkrankenhauses von Helfern umgeben und wurde dahingetragen wie auf einem Flu�. �rzte, Krankenschwestern, Sanit�ter, Wachen. Aral wurde von ihr an der T�r getrennt, und das machte sie unsicher und allein in der Menge. Sie sprach sehr wenig mit ihnen, nur leere H�flichkeitsfloskeln, die sie automatisch benutzte wie irgendwelche Hebel. Sie w�nschte sich, da� ein Schock ihr das Bewu�tsein n�hme, oder Bet�ubung, wirklichkeitsverneinender Wahnsinn, Halluzinationen, irgend etwas. Statt dessen f�hlte sie sich nur m�de.</p><p>Das Baby bewegte sich in ihr, flatternd, in knetenden Wendungen, offensichtlich war das teratogene Gegenmittel ein sehr langsam wirkendes Gift. Ihnen beiden war noch ein bi�chen Zeit zusammen verg�nnt, so schien es, und sie liebte ihr Kind durch ihre Haut hindurch, ihre Fingerspitzen bewegten sich in einer langsamen Massage �ber ihrem Unterleib. <emphasis>Willkommen, mein Sohn</emphasis>, <emphasis>auf Barrayar, dein Wohnsitz von Kannibalen, diese Welt hat nicht einmal die �blichen achtzehn oder zwanzig Jahre gewartet, um dich aufzufressen.</emphasis> Dieser gefr��ige Planet.</p><p>Sie wurde in ein luxuri�ses Privatzimmer gelegt, in einem VIP-Fl�gel, der hastig f�r ihren exklusiven Gebrauch ger�umt worden war. Sie war erleichtert, als sie entdeckte, da� Vorkosigan genau auf der anderen Seite des Korridors einquartiert worden war. Schon in den gr�nen Armeeschlafanzug gekleidet, kam er sofort her�ber, um zu beobachten, wie sie ins Bett gesteckt wurde. Sie l�chelte ihm verhalten entgegen, versuchte aber nicht, sich aufzusetzen. Die Macht der Schwerkraft zog sie hinab in den Mittelpunkt der Welt. Nur die Festigkeit des Bettes, des Geb�udes, der Kruste des Planeten hielt sie gegen die Schwerkraft hoch, keineswegs ihr eigener Wille.</p><p>Hinter Vorkosigan kam ein besorgter Sanit�ter, der sagte: �Erinnern Sie sich daran, Sir, versuchen Sie so wenig wie m�glich zu sprechen, bevor nicht der Doktor Gelegenheit hatte, Ihre Kehle zu sp�len.�</p><p>Das graue Licht der Morgend�mmerung lie� die Fenster bleich erscheinen. Vorkosigan setzte sich auf den Rand des Bettes, nahm ihre Hand und rieb sie sanft. �Du f�hlst dich kalt an, lieber Captain�, fl�sterte er heiser. Sie nickte. Ihr Brustkorb schmerzte, ihre Kehle war wund und ihre Stirnh�hlen brannten.</p><p>�Ich h�tte mich nie dazu �berreden lassen sollen, diese Aufgabe zu �bernehmen�, fuhr er fort, �es tut mir so leid���</p><p>�Auch ich habe dich dazu �berredet. Du hast versucht, mich zu warnen. Es ist nicht deine Schuld. Es erschien richtig f�r dich. Es ist richtig.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf: �Sprich nicht! Das besch�digt das Gewebe der Stimmb�nder.�</p><p>Sie machte sich Luft in einem freudlosen �Ha!� und legte einen Finger �ber die Lippen, als er wieder zu sprechen anfing. Er nickte, gab es auf und sie schauten einander einige Zeit einfach nur an. Er schob ihre wirren Haare z�rtlich aus ihrem Gesicht, und sie ergriff seine bereite Hand, um sie als Trost gegen ihre Wange zu pressen, bis er von einer Schar von �rzten und Technikern aufgesp�rt und zu einer Behandlung fortgebracht wurde. �Wir werden bald zu Ihnen zur�ckkommen, Mylady�, versprach ihr Anf�hrer drohend.</p><p>Sie kehrten nach einer Weile zur�ck, lie�en sie mit einer ekligen rosafarbenen Fl�ssigkeit gurgeln und in eine Maschine atmen, darauf polterten sie wieder hinaus. Eine Krankenschwester brachte ihr ein Fr�hst�ck, das sie nicht anr�hrte. Dann betrat ein Komitee grimmig dreinblickender �rzte ihr Zimmer.</p><p>Derjenige, der in der Nacht von der Kaiserlichen Residenz gekommen war, sah jetzt elegant und gepflegt aus und trug adrette Zivilkleidung. Ihr pers�nlicher Leibarzt war flankiert von einem j�ngeren Mann mit schwarzen Augenbrauen in gr�ner Armeeuniform mit den Rangabzeichen eines Hauptmanns an seinem Kragen. Sie blickte auf die drei Gesichter und f�hlte sich an Zerberus erinnert.</p><p>Ihr Leibarzt stellte den Fremden vor: �Das hier ist Hauptmann Vaagen von der Forschungsabteilung des Kaiserlichen Milit�rkrankenhauses. Er ist unser hiesiger Experte f�r milit�rische Gifte.�</p><p>�Um sie zu erfinden, Herr Hauptmann, oder nach ihrem Einsatz wieder alles in Ordnung zu bringen?�, fragte Cordelia.</p><p>�Beides, Mylady.� Er stand in einer Art aggressiver R�hrtEuch-Haltung da.</p><p>Ihr eigener Arzt hatte um seine Augen einen Ausdruck wie jemand, der das schlechteste Los gezogen hat, obwohl er mit den Lippen l�chelte.</p><p>�Seine Exzellenz der Regent hat mich gebeten, Sie �ber den Ablauf der Behandlungen und so weiter zu informieren. Ich f�rchte�, er r�usperte sich, �da� es das beste w�re, wenn wir die Abtreibung an erste Stelle setzten. Es ist in Ihrer Schwangerschaft schon ungew�hnlich sp�t daf�r, und es w�re auch f�r Ihre Genesung gut, wenn wir Sie m�glichst schnell von der physiologischen Belastung befreiten.�</p><p>�Kann man da nichts machen?�, fragte sie ohne Hoffnung und konnte die Antwort schon auf ihren Gesichtern lesen.</p><p>�Ich f�rchte, nein�, sagte ihr Arzt bedr�ckt. Der Mann von der Kaiserlichen Residenz nickte zustimmend.</p><p>�Ich habe die Literatur durchsucht�, sagte der Hauptmann unerwarteterweise, w�hrend er aus dem Fenster blickte, �und da gab es dieses Kalzium-Experiment. Es stimmt, die Ergebnisse, die man dabei erzielte, waren nicht sonderlich ermutigend���</p><p>�Ich dachte, wir sind uns einig gewesen, das nicht zur Sprache zu bringen�, fiel ihm der Mann von der Residenz ungehalten ins Wort.</p><p>�Vaagen, das ist grausam�, sagte ihr Leibarzt. �Sie wecken nur falsche Hoffnungen. Sie k�nnen die Frau des Regenten nicht zu einem Ihrer ungl�cklichen Versuchstiere machen f�r ein paar versuchsweise Sch�sse ins Dunkel. Sie haben die Erlaubnis vom Regenten f�r die Autopsie�� belassen Sie es dabei.�</p><p>Ihre Welt drehte sich in einer Sekunde wieder mit der richtigen Seite nach oben, als sie in das Gesicht des Mannes mit Ideen blickte. Sie kannte den Typ: halb geeignet, halb bereit, halb erfolgreich, von einer Monomanie zu anderen flatternd wie eine Biene, die Blumen best�ubte, wenig Fr�chte einbringend, aber Samen hinter sich zur�cklassend. Sie pers�nlich bedeutete ihm nichts, war nur Rohmaterial f�r eine Monographie. Die Risiken, die sie auf sich nahm, erschreckten seine Vorstellungskraft nicht, sie war f�r ihn keine Person, sondern ein Krankheitsfall. Sie l�chelte ihn an, langsam, wild, und wu�te nun, da� er f�r sie ein Verb�ndeter im gegnerischen Lager war.</p><p>�Wie steht�s mit Ihnen, Dr. Vaagen? Wie w�rde es Ihnen gefallen, die Abhandlung Ihres Lebens zu schreiben?�</p><p>Der Mann von der Residenz lachte bellend: �Sie hat Sie durchschaut, Vaagen.�</p><p>Er l�chelte zur�ck, erstaunt dar�ber, da� er so schnell verstanden worden war. �Sie sind sich klar dar�ber, da� ich keine Ergebnisse garantieren kann���</p><p>�Ergebnisse!�, unterbrach ihn ihr Leibarzt. �Mein Gott, Sie sollten sie besser wissen lassen, was Ihre Vorstellung von Ergebnissen ist. Oder ihr die Bilder zeigen�� nein, tun Sie das nicht. Mylady�, er wendete sich ihr zu, �die Behandlung, �ber die er redet, wurde zum letztenmal vor zwanzig Jahren versucht. Sie f�gte den M�ttern irreparable Sch�den zu. Und die Ergebnisse�� die allerbesten Ergebnisse, auf die man hoffen k�nnte, w�ren ein verdrehter Kr�ppel. Vielleicht viel schlimmer. Unbeschreiblich viel schlimmer.�</p><p>�Mit Qualle ist es ziemlich gut beschrieben�, sagte Vaagen.</p><p>�Sie sind ein Unmensch, Vaagen!�, stie� ihr Arzt hervor und blickte auf sie, um das Ausma� des Schmerzes zu �berpr�fen.</p><p>�Eine lebensf�hige Qualle, Dr. Vaagen?�, fragte Cordelia gespannt.</p><p>�Mm. Vielleicht�, erwiderte er, gehemmt durch die �rgerlichen Blicke seiner Kollegen. �Aber da gibt es die Schwierigkeit, was mit den M�ttern geschieht, wenn die Behandlung in vivo angewendet wird.�</p><p>�Also k�nnen Sie es nicht in vitro machen?�, stellte Cordelia die offensichtliche Frage.</p><p>Vaagen warf ihrem Arzt einen triumphierenden Blick zu. �Es w�rde sicherlich eine Anzahl m�glicher Versuchsmethoden er�ffnen, wenn es eingerichtet werden k�nnte�, murmelte er zur Zimmerdecke.</p><p>�In vitro?�, sagte der Arzt von der Residenz verwirrt. �Wie?�</p><p>�Was: wie?�, sagte Cordelia. �Ihr habt siebzehn Uterusreplikatoren aus escobaranischer Produktion hier irgendwo in einer Kammer gestapelt, die aus dem Krieg mitgebracht wurden.� Sie wandte sich aufgeregt an Vaagen. �Kennen Sie zuf�llig einen Dr. Henri?�</p><p>Vaagen nickte: �Wir haben zusammengearbeitet.�</p><p>�Dann wissen Sie alles �ber die Replikatoren.�</p><p>�Nun ja�� nicht exakt alles. Aber�� ah�� er hat mich in der Tat informiert, da� sie verf�gbar sind. Aber verstehen Sie bitte, ich bin kein Geburtshelfer.�</p><p>�Das sind Sie gewi� nicht�, sagte ihr Arzt. �Mylady, dieser Mann ist nicht einmal ein Arzt. Er ist nur Biochemiker.�</p><p>�Aber Sie sind ein Geburtshelfer�, betonte sie. �Also haben wir dann das ganze Team beisammen. Dr. Henri und�� hm�� Hauptmann Vaagen hier f�r Piotr Miles, und Sie f�r die �bertragung.�</p><p>Seine Lippen waren zusammengepre�t, und seine Augen zeigten einen sehr seltsamen Ausdruck. Sie brauchte einen Augenblick, um zu erkennen, da� dies der Ausdruck von Angst war. �Ich kann die �bertragung nicht durchf�hren, Mylady�, sagte er. �Ich wei� nicht, wie man das macht. Niemand auf Barrayar hat je eine ausgef�hrt.�</p><p>�Sie raten dann also nicht dazu?�</p><p>�Ganz entschieden nicht. Die M�glichkeit eines dauerhaften Schadens�� Sie k�nnen schlie�lich in ein paar Monaten neu beginnen, wenn die Sch�digung der weichen Gewebe sich nicht auf die�� hm�� Hoden erstreckt. Sie k�nnen neu beginnen. Ich bin Ihr Arzt, und das ist meine wohl�berlegte Meinung.�</p><p>�Ja, wenn in der Zwischenzeit nicht jemand anderer Aral umbringt. Ich mu� mir ins Ged�chtnis rufen, da� dies hier Barrayar ist, wo man den Tod so sehr liebt, da� man M�nner begr�bt, die noch zucken. <emphasis>Sind </emphasis>Sie bereit, die Operation zu versuchen?�</p><p>Der Arzt richtete sich w�rdevoll auf: �Nein, Mylady. Und das ist endg�ltig.�</p><p>�Also gut.� Sie richtete den Finger auf ihren Arzt: �Sie sind drau�en�, dann zeigte sie auf Vaagen: �Sie sind dabei. Sie sind jetzt f�r diesen Fall verantwortlich. Ich verlasse mich auf Sie, da� Sie einen Chirurgen finden�� oder einen Medizinstudenten oder einen Pferdedoktor, oder <emphasis>irgend jemanden,</emphasis> der es versuchen will. Und dann k�nnen Sie nach Herzenslust experimentieren.�</p><p>Vaagen blickte leicht triumphierend drein, ihr fr�herer Arzt jedoch w�tend: �Wir sollten lieber abwarten, was Seine Exzellenz der Regent sagen wird, bevor Sie seine Frau auf dieser Welle eines kriminell falschen Optimismus davontragen.�</p><p>Vaagen sah etwas weniger triumphierend aus.</p><p>�Haben Sie vor, jetzt sofort zu ihm hin�berzust�rmen?�, fragte Cordelia.</p><p>�Es tut mir leid, Mylady�, sagte der Mann von der Residenz, �aber ich glaube, wir sollten diese Sache sofort verwerfen. Sie kennen Hauptmann Vaagens Reputation nicht. Verzeihen Sie, Vaagen, da� ich so offen bin, aber Sie bauen sich Ihr eigenes Imperium auf, und diesmal sind Sie zu weit gegangen.�</p><p>�Haben Sie Ambitionen auf ein Forschungsgeb�ude, Hauptmann Vaagen?�, wollte Cordelia wissen.</p><p>Er zuckte die Achseln, eher verlegen als erz�rnt, und so wu�te sie, da� die Worte des Arztes aus der Residenz zumindest halb wahr waren. Sie fa�te Vaagen ins Auge in dem Willen, ihn an Leib, Geist und Seele zu besitzen, vor allem aber am Geist, und sie fragte sich, wie sie am besten seine Vorstellungskraft zu ihrem Dienst anfeuern k�nnte.</p><p>�Sie sollen ein Institut bekommen, wenn Sie dies fertigbringen. Sagen Sie ihm��� sie ruckte mit ihrem Kopf in Richtung des Korridors, auf Arals Zimmer zu��, �da� <emphasis>ich</emphasis> das gesagt habe.�</p><p>Sie zogen sich zur�ck, der eine aus der Fassung gebracht, der andere ver�rgert, der dritte voller Hoffnungen. Cordelia legte sich wieder im Bett zur�ck und pfiff eine kleine tonlose Melodie vor sich hin, w�hrend ihre Fingerspitzen die langsame Massage ihres Unterleibs fortsetzten. Die Schwerkraft hatte aufgeh�rt zu existieren.</p></section><section><title><p>KAPITEL 9</p></title><p>Sie schlief endlich, bis zur Tagesmitte, und erwachte desorientiert. Sie schielte nach dem Nachmittagslicht, das schr�g durch die Fenster des Krankenzimmers einfiel. Der graue Regen war vor�ber. Sie ber�hrte ihren Bauch, aus Kummer und zur Beruhigung, rollte sich auf die andere Seite und sah Graf Piotr an ihrem Bett sitzen.</p><p>Er trug seine Landkleidung: eine alte Uniformhose, ein gew�hnliches Hemd, eine Jacke, die er nur in Vorkosigan Surleau trug. Er mu�te direkt zum Kaiserlichen Milit�rkrankenhaus gekommen sein. Seine d�nnen Lippen l�chelten ihr besorgt zu. Seine Augen wirkten m�de und bek�mmert.</p><p>�Liebes M�dchen. Du mu�t nicht f�r mich aufwachen.�</p><p>�Das ist schon in Ordnung.� Sie zwinkerte, um den verschwommenen Blick ihrer Augen zu kl�ren und f�hlte sich dabei �lter als der alte Mann.</p><p>�Gibt es hier etwas zu trinken?�</p><p>Er go� ihr hastig kaltes Wasser aus dem Hahn �ber dem Bekken neben dem Bett ein und schaute zu, wie sie trank. �Noch mehr?�</p><p>�Das reicht. Hast du Aral schon gesehen?�</p><p>Er t�tschelte ihre Hand. �Ich habe schon mit Aral gesprochen. Er ruht sich jetzt aus. Es tut mir so leid, Cordelia.�</p><p>�Es ist vielleicht nicht so schlimm, wie wir zuerst gef�rchtet haben. Es gibt noch eine Chance. Eine Hoffnung. Hat Aral dir von dem Uterusreplikator erz�hlt?�</p><p>�Irgend etwas. Aber der Schaden ist sicher schon geschehen. Unwiderruflicher Schaden.�</p><p>�Schaden, ja. Wie unwiderruflich er ist, das wei� niemand. Nicht einmal Hauptmann Vaagen.�</p><p>�Ja. Ich habe Vaagen kurz vorher getroffen.� Piotr runzelte die Stirn. �Ein streberischer Kerl. Der Typ des Mannes der neuen Zeit.�</p><p>�Barrayar braucht seine M�nner der neuen Zeit. Und die Frauen. Seine technologisch ausgebildete Generation.�</p><p>�O ja. Wir haben gek�mpft und geschuftet, um sie zu schaffen. Sie sind unbedingt notwendig. Sie wissen es auch, manche von ihnen.� Ein Anflug von selbstbewu�ter Ironie machte seinen Mund weich. �Aber die Operation, die du vorschl�gst, diese Plazenta�bertragung�� das klingt nicht allzu sicher.�</p><p>�Auf Kolonie Beta w�re es Routine�, sagte Cordelia mit einem Achselzucken. Wir <emphasis>sind nat�rlich hier nicht auf Kolonie Beta.</emphasis></p><p>�Aber etwas Direkteres, besser Verstandenes�� du w�rest in der Lage, schon viel eher noch einmal zu beginnen. Auf lange Sicht gesehen, w�rdest du tats�chlich weniger Zeit verlieren.�</p><p>�Zeit�� ist es nicht, was ich zu verlieren f�rchte.� Ein bedeutungsloser Begriff, wenn sie jetzt daran dachte. Sie verlor 26,7 Stunden an jedem barrayanischen Tag. �Jedenfalls m�chte ich <emphasis>das</emphasis> nicht noch einmal durchmachen. Ich lerne nicht langsam, Sir.�</p><p>�ber sein Gesicht huschte Best�rzung. �Du wirst anders dar�ber denken, wenn du dich besser f�hlst. Was jetzt wichtig ist�� ich habe mit Hauptmann Vaagen gesprochen. Er schien nicht daran zu zweifeln, da� gro�er Schaden entstanden ist.�</p><p>�Nun ja. Unbekannt ist nur, ob nicht auch gro�e Wiederherstellung m�glich ist.�</p><p>�Liebes M�dchen.� Sein besorgtes L�cheln wurde gezwungener. �So ist es. Wenn das Ungeborene nur ein M�dchen w�re�� oder sogar ein zweiter Sohn�� dann k�nnten es wir uns leisten, deinen verst�ndlichen, ja sogar lobenswerten m�tterlichen Gef�hlen nachzugeben. Aber dieses Ding, wenn es denn lebte, w�re eines Tages <emphasis>Graf Vorkosigan.</emphasis> Wir k�nnen es uns nicht leisten, einen mi�gebildeten <emphasis>Grafen Varkosigan</emphasis> zu haben.� Er lehnte sich zur�ck, als h�tte er gerade ein zwingendes Argument vorgetragen.</p><p>Cordelia hob ihre Augenbrauen: �Wer ist �wir�?�</p><p>�Das Haus Vorkosigan. Wir sind eines der �ltesten der gro�en H�user auf Barrayar. Vielleicht nie das reichste, selten das st�rkste, aber was uns an Wohlstand gefehlt hat, das haben wir an Ehre wettgemacht. Neun Generationen von Vor-Kriegern. Es w�re ein schreckliches Ende, zu dem es nach neun Generationen damit k�me. Verstehst du das nicht?�</p><p>�Das Haus Vorkosigan besteht zu diesem Zeitpunkt aus zwei Personen, aus dir und Aral�, merkte Cordelia ebenso am�siert wie beunruhigt an, �und Grafen Vorkosigan haben w�hrend eurer Geschichte �fter ein schreckliches Ende genommen. Ihr seid in die Luft gejagt worden, erschossen, ausgehungert, ertr�nkt, bei lebendigem Leibe verbrannt, enthauptet, von Krankheiten befallen und um den Verstand gebracht. Das einzige, was ihr nie getan habt, war, im Bett zu sterben. Ich dachte, Schrecken w�ren euer Repertoire.�</p><p>Er l�chelte gequ�lt zur�ck: �Aber wir sind nie <emphasis>Mutanten</emphasis> gewesen.�</p><p>�Ich glaube, du mu�t noch einmal mit Vaagen sprechen. Die Sch�digung des F�tus, die er beschrieben hat, war teratogen, nicht genetisch, falls ich ihn richtig verstanden habe.�</p><p>�Aber die Leute werden denken, es handle sich um einen Mutanten.�</p><p>�Was, zum Teufel, k�mmerst du dich darum, was irgendwelche unwissenden Proleten denken?�</p><p>�Andere Vor, meine Liebe.�</p><p>�Vor und Proleten: sie sind gleicherweise Ignoranten, das versichere ich dir.�</p><p>Seine Hand zuckte. Er �ffnete seinen Mund, schlo� ihn dann wieder, runzelte die Stirn und sagte sch�rfer als zuvor: �Ein Graf Vorkosigan war auch nie ein Versuchstier in einem Labor.�</p><p>�Na siehst du, er dient Barrayar schon, bevor er �berhaupt geboren ist. Kein schlechter Start zu einem Leben der Ehre.� Vielleicht w�rde am Ende etwas Gutes dabei herauskommen, neues Wissen gewonnen: wenn nicht Hilfe f�r sie selbst, dann f�r den Kummer anderer Eltern. Je mehr sie dar�ber nachdachte, um so mehr f�hlte sie, da� ihre Entscheidung richtig war, auf mehr als einer Ebene.</p><p>Piotr warf den Kopf in den Nacken. �Daf�r, da� ihr Betaner so weich erscheint, hast du eine be�ngstigend kaltbl�tige Ader in dir.�</p><p>�Eine rationale Ader. Rationalit�t hat ihre Vorteile. Ihr Barrayaraner solltet es einmal mit ihr versuchen.� Sie bi� sich auf die Lippe. �Aber ich glaube, wir eilen den Dingen zu weit voraus, Sir. Es gibt eine Menge von��� <emphasis>Gefahren��</emphasis> �Schwierigkeiten, die noch auf uns zukommen. Eine Plazenta�bertragung so sp�t in der Schwangerschaft ist selbst f�r Galaktiker heikel. Ich gebe zu, ich w�nsche mir, es w�re genug Zeit, um einen erfahreneren Chirurgen einfliegen zu lassen. Aber die Zeit haben wir nicht.�</p><p>�Ja�� ja�� es kann noch sterben, du hast recht. Keine Notwendigkeit zu�� aber ich f�rchte auch um dich, M�dchen. Ist es das wert?�</p><p>Was war was wert? Wie konnte sie das wissen? Ihre Lungen brannten. Sie l�chelte ihm ersch�pft zu und sch�ttelte den Kopf, der ihr mit engem Druck in den Schl�fen und im Hals schmerzte.</p><p>�Vater�, kam eine kr�chzende Stimme von der T�r. Aral lehnte dort, in einem gr�nen Pyjama und mit einem tragbaren Oxygenerator, der an seiner Nase angeschlossen war. Wie lange war er dort gestanden? �Ich glaube, Cordelia braucht Ruhe.�</p><p>Ihre Blicke trafen sich, �ber Piotr. <emphasis>Alles Gute, Liebster��</emphasis></p><p>�Ja, nat�rlich.� Graf Piotr raffte sich zusammen und erhob sich mit knirschenden Gelenken. �Es tut mir leid, du hast v�llig recht.� Er dr�ckte Cordelias Hand noch einmal mit seinem trokkenen Altm�nnergriff. �Schlafe. Du wirst sp�ter klarer denken k�nnen.�</p><p>�Vater!�</p><p>�Du solltest dich doch nicht au�erhalb des Bettes aufhalten, nicht wahr?�, sagte Piotr abgelenkt. �Geh zur�ck und leg dich hin, Junge��� Seine Stimme entfernte sich im Korridor.</p><p>Aral kam sp�ter zur�ck, als Graf Piotr endg�ltig gegangen war.</p><p>�Hat Vater dich beunruhigt?�, fragte er mit grimmigem Blick. Sie streckte die Hand nach ihm aus, und er setzte sich neben ihr nieder. Sie hob den Kopf vom Kissen und legte ihn in Arals Scho�, mit ihrer Wange auf dem muskul�sen Bein unter dem d�nnen Pyjama, und Aral streichelte ihr Haar.</p><p>�Nicht mehr als sonst�, seufzte sie.</p><p>�Ich bef�rchtete, da� er dich aufregt.�</p><p>�Es ist nicht so, da� ich nicht aufgeregt w�re. Ich bin einfach zu m�de, um im Korridor hin- und herzurennen und zu schreien.�</p><p>�Aha. Er hat dich also aufgeregt.�</p><p>�Ja.� Sie z�gerte. �In gewisser Weise hat er recht. Ich hatte so lange Angst und wartete auf den Schlag, von irgendwo her, von nirgendwo her, egal, von wo her. Dann kam die gestrige Nacht, und das Schlimmste war geschehen, vorbei�� ausgenommen, da� es noch nicht vorbei ist. Wenn der Schlag vollst�ndiger gewesen w�re, dann k�nnte ich jetzt aufh�ren, aufgeben. Aber das wird weiter und immer weiter gehen.� Sie rieb ihre Wange an dem Stoff. �Hat Illyan irgendwas Neues berichtet? Ich dachte, ich h�tte seine Stimme dort drau�en geh�rt, vorhin.�</p><p>Seine Hand fuhr fort, ihr Haar in einem gleichm��igen Rhythmus zu streicheln. �Er hat die vorl�ufige Schnell-PentaVernehmung von Evon Vorhalas abgeschlossen. Er untersucht jetzt das alte Waffenlager, wo Evon das Soltoxin gestohlen hat. Es sieht so aus, als h�tte sich Evon nicht so ad hoc auf sich allein gestellt ausr�sten k�nnen, wie er behauptet. Ein Waffenmajor, der dort verantwortlich war, ist verschwunden, unerlaubte Entfernung von der Truppe. Illyan ist sich noch nicht sicher, ob der Mann eliminiert wurde, um Evon den Weg freizumachen, oder ob er tats�chlich Evon geholfen hat und dann untergetaucht ist.�</p><p>�Vielleicht hat er nur Angst. Falls es ein Pflichtvers�umnis war.�</p><p>�Er sollte wohl Angst haben. Wenn er diese Sache in irgendeiner Weise bewu�t beg�nstigt hat��� Seine Hand ballte sich in ihrem Haar zusammen, und als er sich dessen bewu�t wurde, murmelte er: �Verzeih!� und fuhr fort, sie zu liebkosen. Cordelia, die sich ganz wie ein verletztes Tier f�hlte, kroch tiefer in seinen Scho�, ihre Hand auf seinem Knie.</p><p>�Was Vater anlangt�� wenn er dich wieder aufregt, dann sende ihn zu mir. Du solltest dich nicht mit ihm befassen m�ssen. Ich habe ihm gesagt, da� es deine Entscheidung war.�</p><p>�Meine Entscheidung?� Ihre Hand ruhte bewegungslos. �Nicht unsere Entscheidung?�</p><p>Er z�gerte. �Was immer du willst, ich unterst�tze dich.�</p><p>�Aber was willst du? Etwas, das du mir nicht sagst?�</p><p>�Ich kann es nicht �ndern, ich verstehe seine �ngste. Aber�� da gibt es noch etwas, das ich noch nicht mit ihm besprochen habe, und �ber das ich auch nicht mit ihm sprechen werde. Zum zweiten Kind werden wir vielleicht nicht so leicht kommen wie zum ersten.�</p><p><emphasis>Leicht? Das nennst du leicht?</emphasis></p><p>Er fuhr fort: �Einer der weniger bekannten Nebeneffekte einer Soltoxin-Vergiftung ist eine testikulare Sch�digung, im Mikrobereich. Sie k�nnte die Zeugungsf�higkeit bis zum Punkt Null reduzieren. Warnt mich zumindest der Arzt, der mich untersucht hat.�</p><p>�Unsinn�, sagte Cordelia. �Alles, was man braucht, sind irgendwelche zwei K�rperzellen und ein Replikator. Wenn nach der n�chsten Bombe dein kleiner Finger und meine gro�e Zehe alles sind, was man von uns von der Wand abkratzt, dann k�nnte man davon bis ins n�chste Jahrhundert kleine Vorkosigans reproduzieren. So viele davon, wie die uns �berlebenden meinen, sich leisten zu k�nnen.�</p><p>�Aber nicht auf nat�rliche Weise. Nicht ohne Barrayar zu verlassen.�</p><p>�Oder Barrayar zu ver�ndern. <emphasis>Verdammt!�</emphasis> Seine Hand zuckte zur�ck, so bissig war ihr Ton. �Wenn ich nur darauf <emphasis>bestanden </emphasis>h�tte, von Anfang an den Replikator zu benutzen, dann w�re das Baby nie dem Risiko ausgesetzt gewesen. Ich wu�te, da� es sicherer war, ich wu�te, da� es den Replikator gab��� Ihre Stimme versagte.</p><p>�Pst, pst. Wenn ich nur�� nicht das Amt angenommen h�tte. Dich in Vorkosigan Surleau gelassen h�tte. Diesen m�rderischen Idioten Carl um Gottes willen begnadigt h�tte. Wenn wir nur in getrennten R�umen geschlafen h�tten���</p><p>�Nein!� Ihre Hand ballte sich auf seinem Knie. �Und ich weigere mich, in den n�chsten f�nfzehn Jahren in einem Luftschutzbunker zu leben. Aral, dieser Planet mu� sich �ndern. Das ist unertr�glich.�</p><p><emphasis>Wenn ich doch nur nie hierhergekommen w�re.</emphasis></p><p>Wenn doch nur�� Wenn doch nur�� Wenn doch nur��</p><p>Monitore, ein Operationstisch mit einem Auffangbecken darunter, ein Techniker, der einen Tank mit einer sprudelnden klargelben Fl�ssigkeit �berpr�fte. Das war nicht, sagte sie sich unnachgiebig, der Punkt ohne Wiederkehr. Das war einfach der n�chste logische Schritt.</p><p>Hauptmann Vaagen und Dr. Henri standen in sterilisierter Kleidung auf der anderen Seite des Operationstisches und warteten. Neben ihnen befand sich der tragbare Uterusreplikator, ein Kanister aus Metall und Plastik von einem halben Meter H�he, versehen mit Bedienungsfeldern und Zugangs�ffnungen. Die Lichter an seinen Seiten gl�hten gr�n und bernsteingelb. Er war gereinigt und sterilisiert worden, seine N�hrmittel- und Sauerstofftanks waren aufgeladen und bereit�� Cordelia betrachtete den Replikator mit tiefer Erleichterung. Die primitive barrayaranische Art der Schwangerschaft nach dem Motto �Zur�ck zu den Affen!� war doch nichts anderes als die totale Niederlage der Vernunft im Kampf mit der Emotion. Sie hatte so sehr gew�nscht, zu gefallen, sich anzupassen, zu versuchen, barrayaranisch zu werden�� <emphasis>Und jetzt bezahlt mein Kind den Preis. Nie wieder!</emphasis></p><p>Dr<emphasis>.</emphasis> Ritter, der Chirurg, war gro� und dunkelhaarig, mit olivbrauner Haut und langen, schlanken H�nden. Cordelia hatte seine H�nde von dem ersten Augenblick an gemocht, als sie sie sah. Sie waren zuverl�ssig.</p><p>Ritter und eine medizinisch-technische Assistentin nahmen �ber dem Operationtisch ihre Pl�tze ein und schoben das Schwebebett unter ihr weg, Dr. Ritter l�chelte ihr beruhigend zu. �Sie sind in gro�artiger Verfassung.�</p><p><emphasis>Nat�rlich bin ich in guter Verfassung, wir haben ja noch nicht mal angefangen,</emphasis> dachte Cordelia gereizt. Dr. Ritter war sp�rbar nerv�s, obwohl die Spannung irgendwie an seinen Ellbogen aufh�rte. Der Chirurg war ein Freund von Vaagen, den Vaagen zur dieser Aufgabe gedr�ngt hatte, nachdem sie einen ganzen Tag damit verbracht hatten, eine Liste erfahrener M�nner durchzugehen, die es abgelehnt hatten, diesen Fall anzunehmen.</p><p>Vaagen hatte es Cordelia erkl�rt: �Wie bezeichnet man vier riesige Schl�ger mit Kn�ppeln in einer dunklen Gasse?�</p><p>�Wie denn?�</p><p>�Kunstfehlerproze� eines Vor-Lords.� Er hatte dabei gekichert. Vaagens Humor war �tzend und rabenschwarz. Cordelia h�tte ihn daf�r umarmen k�nnen. Er war der einzige gewesen, der in den letzten drei Tagen in ihrer Gegenwart Witze gemacht hatte, m�glicherweise war er der vern�nftigste und ehrlichste Mensch, dem sie seit dem Weggang von Kolonie Beta begegnet war. Sie war froh, da� er hier zugegen war.</p><p>Man rollte sie auf die Seite und ber�hrte ihr R�ckgrat mit dem medizinischen Bet�uber. Ein Krabbeln, und ihre kalten F��e f�hlten sich pl�tzlich warm an. Ihre Beine wurden abrupt schlaff, wie Beutel mit Schweineschmalz.</p><p>�K�nnen Sie das sp�ren?�, fragte Dr. Ritter.</p><p>�Was sp�ren?�</p><p>�Gut.� Er nickte der Assistentin zu, und sie legten sie wieder in die Ausgangslage. Die Assistentin machte Cordelias Bauch frei und schaltete das Sterilisierfeld ein. Der Chirurg tastete sie ab und �berpr�fte mit Hilfe der Holovid-Monitore die genaue Lage des Kindes im Mutterleib.</p><p>�Sind Sie sicher, da� Sie w�hrend der ganzen Sache nicht lieber schlafen m�chten?�, fragte Dr. Richter sie zum letztenmal.</p><p>�Nein. Ich m�chte zusehen. Da wird mein erstes Kind geboren.�</p><p><emphasis>Vielleicht wird mein einziges Kind geboren.</emphasis></p><p>Er l�chelte matt: �Tapferes M�dchen.�</p><p><emphasis>M�dchen, zum Teufel, ich bin �lter als Sie.</emphasis> Sie sp�rte, da� Dr. Ritter allerdings lieber unbeobachtet w�re.</p><p>Dr. Ritter hielt inne und blickte sich noch einmal in der Runde um, als ob er in Gedanken auf einer Pr�fliste seine Ger�te und Leute als bereit abhakte. Und seinen Willen und seine Nerven, vermutete Cordelia.</p><p>�Los, Ritter, guter Mann, bringen wir�s hinter uns�, sagte Vaagen und klopfte ungeduldig mit seinen Fingern. Sein Ton war eine eigenartige Mischung, ein leichter sarkastischer anstachelnder Klang �ber der zugrundeliegenden W�rme echter Ermutigung. �Meine Untersuchungen zeigen, da� die Aufl�sung der Knochen schon im Gange ist. Wenn sie zu weit fortschreitet, dann bleibt mir keine Gewebesubstanz mehr f�r den Neuaufbau �brig. Schneiden Sie jetzt und kauen Sie an Ihren N�geln sp�ter.�</p><p>�Kauen Sie an Ihren eigenen N�geln, Vaagen�, sagte der Chirurg freundlich. �Stupsen Sie noch einmal meinen Ellbogen, und ich lasse meine Assistentin Ihnen ein Spekulum in den Rachen stecken.�</p><p>Sehr alte Freunde, urteilte Cordelia. Aber der Chirurg hob seine H�nde, holte Atem und griff nach seinem Vibra-Skalpell und dann schnitt er mit einer perfekt gef�hrten Bewegung ihren Bauch auf. Die Assistentin folgte seiner Bewegung geschmeidig mit dem chirurgischen Handtraktor und klemmte die Blutgef��e ab, es entwich nur sehr wenig Blut. Cordelia f�hlte Druck, aber keinen Schmerz. Weitere Schnitte legten ihre Geb�rmutter frei.</p><p>Eine Plazenta�bertragung war weitaus schwieriger als ein ganz normaler Kaiserschnitt. Die empfindliche Plazenta mu�te chemisch und hormoneil dazu gebracht werden, sich aus der an Blutgef��en reichen Geb�rmutter zu l�sen, ohne da� dabei zu viele ihrer zahlreichen winzigen Zotten besch�digt wurden, dann mu�te sie von der Geb�rmutterwand in einem laufenden Bad einer stark mit Sauerstoff angereicherten N�hrl�sung losgeschwemmt werden. Danach mu�te der Replikatorschwamm zwischen die Plazenta und die Geb�rmutterwand geschoben und die Plazentazotten zumindest teilweise dazu angeregt werden, sich mit ihrer neuen Matrix zu verbinden, bevor das Ganze aus dem lebendigen K�rper der Mutter gehoben und in den Replikator gelegt werden konnte. Je weiter fortgeschritten die Schwangerschaft, desto schwieriger die �bertragung.</p><p>Die Nabelschnur zwischen Plazenta und Kind wurde �berpr�ft und bei Bedarf wurde zus�tzlicher Sauerstoff per Hypospray injiziert. Auf Kolonie Beta machte dies ein raffiniertes kleines Ger�t, hier stand ein besorgter Medizintechniker bereit.</p><p>Der Techniker begann damit, das klare, hellgelbe L�sungsbad in Cordelias Geb�rmutter einflie�en zu lassen. Es f�llte sie an und lief �ber, tr�pfelte rosa gef�rbt an ihren Seiten herab und in das Auffangbecken. Der Chirurg arbeitete nun tats�chlich unter Wasser. Keine Frage, eine Plazenta�bertragung war eine glitschige Operation.</p><p>�Den Schwamm�, rief der Chirurg sacht, und Vaagen und Henri rollten den Uterusreplikator an ihre Seite und hoben den Matrixschwamm an seinen Versorgungsleitungen heraus. Der Chirurg fummelte endlos mit einem winzigen Handtraktor herum, seine H�nde befanden sich au�erhalb Cordelias Sichtbereich, als sie �ber ihre Brust zu ihrem gerundeten�� so gerade noch gerundeten�� Bauch hinunterschielte. Sie zitterte. Dr. Ritter schwitzte.</p><p>�Doktor��� Ein Techniker zeigte auf etwas auf einem VidMonitor.</p><p>�Mm�, sagte Ritter, blickte auf und fuhr dann mit dem Herumgefummel fort. Die Techniker murmelten, Vaagen und Henri murmelten, ruhig, professionell, beruhigend�� ihr war so kalt��</p><p>Die Fl�ssigkeit, die �ber den wei�en Damm ihrer Haut sickerte, �nderte sich abrupt von rosaget�nt zu hellrot, pl�tscherte und flo� viel schneller als die zugef�hrte N�hrl�sung.</p><p>�Das hier <emphasis>abklemmen</emphasis>�<emphasis>,</emphasis> zischte der Chirurg.</p><p>Cordelia erhaschte gerade einen fl�chtigen Blick von etwas, das unter einer Membran auf den behandschuhten H�nden des Chirurgen zappelte, mit winzigen Armen, Beinen und einem nassen dunklen Kopf, nicht gr��er als ein halbertr�nktes K�tzchen.</p><p>�Vaagen! Nehmen Sie Ihr Ding <emphasis>jetzt,</emphasis> wenn Sie es wollen!� stie� Ritter hervor.</p><p>Vaagen tauchte seine behandschuhten H�nde in ihren Bauch, als dunkle Wirbel Cordelias Sicht tr�bten, ihr Kopf schmerzte und barst in pl�tzlichen, Funken spr�henden Blitzen. Die Schw�rze dehnte sich aus, �berw�ltigte sie. Das letzte, was sie h�rte, war die verzweifelte zischende Stimme des Chirurgen: �O <emphasis>Schei�e��</emphasis>�</p><p>Ihre Tr�ume waren verschwommen vor Schmerz. Das Schlimmste war das Ersticken. Sie w�rgte und w�rgte und weinte vor Luftmangel. Ihre Kehle war ganz verstopft, und sie kratzte daran, bis ihre H�nde gebunden wurden. Sie tr�umte dann von Vorrutyers Foltern, die vervielfacht und in wahnsinnige Komplikationen ausgedehnt waren und Stunden um Stunden dauerten. Ein verr�ckter Bothari kniete auf ihrer Brust, und sie konnte �berhaupt keine Luft mehr bekommen.</p><p>Als sie endlich mit klarem Kopf aufwachte, war dies wie der Ausbruch aus einer unterirdischen Gef�ngnish�lle in Gottes eigenes Licht. Ihre Erleichterung war so tief, da� sie wieder weinte, ein stummes Wimmern und Feuchtigkeit in ihren Augen. Sie konnte atmen, obwohl es wehtat, sie war wund, f�hlte Schmerzen und konnte sich nicht bewegen. Aber sie konnte atmen. Das reichte.</p><p>�Pst, pst.� Ein kr�ftiger warmer Finger ber�hrte ihre Augenlider und wischte die Feuchtigkeit hinweg. �Es ist alles in Ordnung.�</p><p>�Isses?� Sie blinzelte und schielte. Es war Nacht, k�nstliches Licht bildete warme Bereiche in dem Zimmer, Arals Gesicht schwankte �ber dem ihren.</p><p>�Isses�� heute abend? Was is� passiert?�</p><p>�Pst. Du bist sehr, sehr krank gewesen. Du hattest eine heftige Blutung w�hrend der Plazenta�bertragung. Dein Herz blieb zweimal stehen.� Er befeuchtete seine Lippen und redete weiter: �Das Trauma der Vergiftung brach obendrein in eine SoltoxinLugenentz�ndung aus. Du hattest gestern einen sehr schlechten Tag, aber jetzt bist du �ber den Berg und nicht mehr am Atemger�t.�</p><p>�Wie�� lange?�</p><p>�Drei Tage.�</p><p>�Aha. Das Baby, Aral. Hat�s geklappt? Einzelheiten!�</p><p>�Es ging alles gut. Vaagen sagt, da� die �bertragung erfolgreich war.</p><p>Etwa drei�ig Prozent der Plazentafunktionen gingen verloren, aber Henri hat das mit einem verst�rkten Zuflu� an angereicherter Oxy-L�sung kompensiert, und alles schein gut zu sein, oder so gut, wie man es erwarten kann. Das Baby lebt auf jeden Fall noch. Vaagen hat seinen ersten Versuch mit der KalziumBehandlung begonnen und verspricht uns einen baldigen grunds�tzlichen Bericht.� Er liebkoste ihre Stirn. �Vaagen hat vorrangigen Zugriff auf alle Ger�te, alles Material oder alle Techniker, die er in Anspruch nehmen m�chte, einschlie�lich au�enstehender Berater. Er hat einen beratenden zivilen Kinderarzt und Henri, Vaagen selbst wei� mehr �ber unsere milit�rischen Gifte als jeder andere Mann auf Barrayar und dar�ber hinaus. Wir k�nnen jetzt nicht mehr tun. Also ruh dich aus, meine Liebe.�</p><p>�Das Baby�� wo?�</p><p>�Ah�� du kannst sehen, wo, wenn du willst.� Er half ihr, den Kopf zu heben, und zeigte durch das Fenster. �Siehst du das zweite Geb�ude, mit den roten Lichtern auf dem Dach? Das ist das biochemische Forschungsinstitut. Vaagens und Henris Labor ist im zweiten Stock.�</p><p>�Oh, ich erkenne es jetzt wieder. Ich sah es von der anderen Seite, an dem Tag, als wir Elena holten.�</p><p>�Das stimmt.� Sein Gesicht wurde weich. �Es ist gut, dich wiederzuhaben, lieber Captain. Als ich dich so krank sah�� ich habe mich nicht mehr so hilflos und nutzlos gef�hlt, seit ich elf Jahre alt war.�</p><p>Das war das Jahr, als das Todeskommando Yuri des Wahnsinnigen seine Mutter und seinen Bruder ermordete. �Pst�, sagte sie ihrerseits. �Nein, nein�� alles in Ordnung jetzt.�</p><p>Am n�chsten Morgen nahm man alle restlichen Schl�uche von ihrem K�rper ab, au�er dem f�r Sauerstoff. Tage ruhiger Routine folgten. Ihre Genesung wurde weniger unterbrochen als die Arals. Zu allen Stunden kamen anscheinend Scharen von M�nnern, um ihn zu besuchen, angef�hrt von Minister Vortala. Trotz �rztlicher Proteste lie� er sich eine gesicherte Kommunikationskonsole in seinem Zimmer installieren. Koudelka leistete ihm acht Stunden am Tag Gesellschaft in dem provisorischen B�ro.</p><p>Koudelka erschien sehr still, so deprimiert wie jeder andere in den Nachwehen der Katastrophe. Allerdings nicht so morbid wie die anderen, die mit dem Versagen des Sicherheitsdienstes zu tun hatten. Selbst Illyan wurde kleiner, wenn er sie sah.</p><p>Aral f�hrte sie ein paarmal jeden Tag behutsam den Korridor hinauf und hinab. Das Vibra-Skalpell hatte einen saubereren Schnitt durch ihren Unterleib gemacht als etwa ein durchschnittlicher S�belhieb, aber der Schnitt war nicht weniger tief. Jedoch schmerzte die heilende Narbe weniger als ihre Lungen. Oder ihr Herz. Ihr Bauch war nicht so sehr flach als schlaff, aber zweifellos nicht mehr besetzt. Sie war allein, unbewohnt, sie war wieder sie selbst, nach f�nf Monaten dieser seltsamen verdoppelten Existenz.</p><p>Dr. Henri kam eines Tages mit einem Schwebestuhl und nahm sie zu einem kurzen Ausflug hin�ber in sein Labor, damit sie sehen konnte, wo der Replikator sicher installiert war. Sie beobachtete, wie sich ihr Baby in den Vid-Aufnahmen bewegte und studierte die technischen Datensammlungen und Berichte des Teams. Nerven, Haut und Augen ihres Patienten lieferten ermutigende Testergebnisse, jedoch war sich Henri nicht so sicher �ber die Ohren, wegen der winzigen Knochen im Ohr. Henri und Vaagen waren richtig ausgebildete Wissenschaftler, fast betanisch in ihrer Einstellung, und sie segnete sie schweigend und dankte ihnen laut, und als sie dann in ihr Zimmer zur�ckkehrte, f�hlte sie sich bedeutend besser.</p><p>Als Hauptmann Vaagen am n�chsten Nachmittag in ihr Zimmer platzte, sank jedoch ihr Herz. Sein Gesicht war gewittrig dunkel, seine Lippen waren schroff aufeinandergepre�t.</p><p>�Was ist los, Hauptmann?�, fragte sie heftig. �Der zweite Versuch mit Kalzium�� ist er fehlgeschlagen?�</p><p>�Es ist noch zu fr�h, um das zu sagen. Nein, Ihrem Baby geht es wie immer, Mylady. Unsere Schwierigkeiten betreffen Ihren Schwiegervater.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�General Graf Vorkosigan kam heute vormittag uns zu besuchen.�</p><p>�Oh! Er kam, um das Baby zu sehen? Oh, das ist gut. Er ist so verwirrt durch all die neue Lebenstechnologie. Vielleicht beginnt er endlich, diese emotionalen Blockierungen abzubauen. Die neuen Todestechnologien akzeptiert er ja auch ziemlich bereitwillig, als der alte Vor-Krieger, der er ist.�</p><p>�Ich an Ihrer Stelle w�rde �ber ihn nicht zu optimistisch werden, Mylady.� Er holte tief Atem und nahm Zuflucht zu einer formellen Haltung. �Dr. Henri hatte die gleiche Idee wie Sie. Wir f�hrten den General im ganzen Labor umher, zeigten die Ausr�stung, erl�uterten unsere therapeutischen Theorien. Wir waren absolut ehrlich, so wie wir es mit Ihnen gewesen sind. Vielleicht zu ehrlich. Er wollte wissen, welche Resultate wir bekommen w�rden. Zum Teufel, wir wissen es nicht. Und das sagten wir ihm.</p><p>Nachdem er ein wenig auf den Busch geklopft hatte, Andeutungen gemacht hatte�� nun ja, um es kurz zu machen, zuerst bat der General, dann befahl er, dann versuchte er Dr. Henri zu bestechen, den Absperrhahn zu �ffnen. Den F�tus zu vernichten. Die Mutation, wie er sagt. Wir warfen ihn schlie�lich hinaus. Er schwor, da� er wiederkommen werde.�</p><p>Sie zitterte, drunten in ihrem Bauch, obgleich sie ihr Gesicht ausdruckslos hielt. �Ich verstehe.�</p><p>�Ich m�chte, da� dieser alte Mann aus meinem Labor <emphasis>drau�en</emphasis> bleibt, Mylady. Und mir ist es gleich, wie Sie das schaffen. Ich kann es nicht brauchen, da� solcher Mist auf uns herunterkommt. Nicht von so hoch oben.�</p><p>�Ich werde mal schauen�� warten Sie hier.� Sie wickelte ihren Bademantel enger um ihren eigenen gr�nen Pyjama, pa�te ihren Sauerstoffschlauch fester an und schritt vorsichtig �ber den Korridor.</p><p>Aral, leger in Uniformhosen und ein Hemd gekleidet, sa� an einem kleinen Tisch neben seinem Fenster. Das einzige Zeichen seines fortdauernden Patientenstandes war der Sauerstoffschlauch in seiner Nase, Behandlung seiner eigenen abklingenden Soltoxin-Pneumonie. Er konferierte mit einem Mann, w�hrend Koudelka Notizen machte. Der Mann war, Gott sei Dank, nicht Piotr, sondern nur einer von Vortalas Ministerialsekret�ren.</p><p>�Aral. Ich brauche dich.�</p><p>�Kann es warten?�</p><p>�Nein.�</p><p>Er stand von seinem Stuhl mit einem kurzen �Entschuldigen Sie mich einen Augenblick, meine Herren!� auf und folgte ihr �ber den Korridor.</p><p>Cordelia schlo� die T�r hinter ihnen.</p><p>�Hauptmann Vaagen, bitte erz�hlen Sie Aral, was Sie gerade mir erz�hlt haben.�</p><p>Vaagen, der um ein Grad nerv�ser ausschaute, wiederholte seinen Bericht. Zu seiner Ehre mu� gesagt werden, da� er die Details nicht abschw�chte.</p><p>W�hrend Aral zuh�rte, schien sich ein Gewicht auf seinen Schultern niederzulassen, er machte sie rund und zog sie hoch.</p><p>�Danke sehr, Hauptmann. Es war korrekt von Ihnen, dies zu berichten. Ich werde mich augenblicklich darum k�mmern.�</p><p>�Ist das alles?� Vaagen blickte Cordelia zweifelnd an.</p><p>Sie machte ihm eine Geste mit der offenen Hand. �Sie haben geh�rt, was er gesagt hat.�</p><p>Vaagen zuckte die Achseln, salutierte und verlie� den Raum.</p><p>�Du zweifelst doch nicht an seiner Geschichte?�, fragte Cordelia.</p><p>�Ich habe die Gedanken meines Vaters, des Grafen, �ber dieses Thema schon eine Woche lang geh�rt, meine Liebe.�</p><p>�Habt ihr euch gestritten?�</p><p>�Er hat gestritten. Ich habe nur zugeh�rt.�</p><p>Aral kehrte in sein eigenes Zimmer zur�ck und bat Koudelka und den Sekret�r, auf dem Korridor zu warten. Cordelia sa� auf seinem Bett und sah zu, wie er die Codes an seiner Kommunikationskonsole eintippte.</p><p>�Hier spricht Lord Vorkosigan. Ich m�chte simultan mit dem Sicherheitschef im Kaiserlichen Milit�rkrankenhaus und mit Oberstleutnant Simon Illyan sprechen. Bringen Sie bitte beide auf die Leitung.�</p><p>Er mu�te kurz warten, bis die beiden M�nner ausfindig gemacht waren.</p><p>Aus dem verschwommenen Hintergrund auf dem Vid-Monitor zu schlie�en, war der Mann vom Milit�rkrankenhaus in seinem B�ro irgendwo im Krankenhauskomplex. Illyan wurde in einem forensischen Labor im Hauptquartier des Kaiserlichen Sicherheitsdienstes aufgesp�rt.</p><p>�Meine Herren!� Arals Gesicht war v�llig ausdruckslos. �Ich m�chte eine Sicherheitserlaubnis widerrufen.� Beide M�nner bereiteten sich aufmerksam vor, sich an ihren jeweiligen Konsolen Notizen zu machen.</p><p>�General Graf Piotr Vorkosigan wird der Zutritt zu Geb�ude 6, Biochemische Forschung, im Kaiserlichen Milit�rkrankenhaus bis auf weiteres verweigert. Anweisung von mir pers�nlich.�</p><p>Illyan z�gerte. �Sir�� General Vorkosigan hat absolute Erlaubnis, auf kaiserlichen Befehl. Und zwar schon seit Jahren. Ich brauche einen kaiserlichen Befehl, um diese Erlaubnis zu widerrufen.�</p><p>�Genau darum handelt es sich hier, Illyan.� Eine Spur von Ungeduld klang in Vorkosigans Stimme an. �Auf meinen Befehl, Aral Vorkosigan, Regent Seiner Kaiserlichen Majest�t Gregor Vorbarra. Ist das offiziell genug?�</p><p>Illyan pfiff leise, aber als Vorkosigan die Stirn runzelte, wurde sein Gesicht ausdruckslos. �Jawohl, Sir. Verstanden. Gibt es noch etwas anderes?�</p><p>�Das ist alles. Nur dieses eine Geb�ude.�</p><p>�Sir���, sagte der Sicherheitskommandant des Krankenhauses, �was ist, wenn�� General Vorkosigan sich weigert, auf Befehl anzuhalten?�</p><p>Cordelia konnte es sich gerade vorstellen: ein paar junge Wachen, die geradezu niedergem�ht wurden von all der Historie��</p><p>�Wenn Ihre Sicherheitsleute wirklich von einem einzigen alten Mann so �berw�ltigt werden, dann k�nnen sie Gewalt anwenden bis einschlie�lich Bet�ubersch�sse�, sagte Aral m�de. �Das war�s. Ich danke Ihnen.�</p><p>Der Mann vom Milit�rhospital nickte vorsichtig und schaltete die Verbindung ab.</p><p>Illyan blieb noch einen Augenblick dran, voller Zweifel. �Ist das eine gute Idee, bei seinem Alter? Bet�ubung kann schlecht f�r das Herz sein. Und er wird es ganz und gar nicht m�gen, wenn wir ihm sagen, da� es da einen Ort gibt, wo er nicht hingehen darf. �brigens, warum��?� Aral blickte ihn nur kalt an, bis er schluckte: �Jawohl, Sir�, salutierte und abschaltete.</p><p>Aral lehnte sich zur�ck und schaute nachdenklich auf die leere Stelle, wo die Vid-Bilder geleuchtet hatten. Er blickte zu Cordelia auf und seine Lippen verzogen sich in einer Mischung von Ironie und Schmerz. �Er ist ein alter Mann�, sagte er schlie�lich.</p><p>�Der alte Mann hat gerade versucht, deinen Sohn umzubringen. Das, was von deinem Sohn �brig ist.�</p><p>�Ich verstehe seine Sichtweise. Ich verstehe seine �ngste.�</p><p>�Verstehst du meine auch?�</p><p>�Ja, beide.�</p><p>�Wenn es hart auf hart kommt�� wenn er versucht, wieder dort hinzugehen���</p><p>�Er ist meine Vergangenheit.� Er begegnete ihrem Blick. �Du bist meine Zukunft. Der Rest meines Lebens geh�rt der Zukunft. Das schw�re ich bei meinem Ehrenwort als Vorkosigan.�</p><p>Cordelia seufzte und rieb ihren schmerzenden Hals, ihre schmerzenden Augen.</p><p>Koudelka klopfte an der T�r und streckte verstohlen seinen Kopf herein, �Sir? Der Sekret�r des Ministers m�chte gerne wissen���</p><p>�In einer Minute, Leutnant.� Vorkosigan schickte ihn wieder hinaus.</p><p>�Hauen wir doch von hier ab�, sagte Cordelia pl�tzlich.</p><p>�Mylady?�</p><p>�Kaiserliches Milit�rkrankenhaus und Kaiserlicher Sicherheitsdienst und Kaiserliches Dies und Das, ich bekomme bald einen schlimmen Anfall von Kaiserlicher Klaustrophobie. Gehen wir doch ein paar Tage hinaus nach Vorkosigan Surleau. Du selbst wirst dich dort besser erholen, es wird f�r alle deine eifrigen Chargen�, sie ruckte mit ihrem Kopf in Richtung auf den Korridor, �dort schwieriger sein, an dich heranzukommen. Nur du und ich, mein Freund.� W�rde das funktionieren? Angenommen, sie zogen sich in die Szenerie ihres sommerlichen Gl�cks zur�ck, und es gab sie nicht mehr? Versunken in den herbstlichen Regenf�llen�� Sie konnte die Verzweiflung in sich selbst sp�ren, auf der Suche nach ihrer beider verlorenem Gleichgewicht, nach einer festen Mitte.</p><p>Seine Augenbrauen hoben sich zustimmend. �Ausgezeichnete Idee, lieber Captain. Wir nehmen den alten Herrn mit.�</p><p>�Oh, m�ssen wir�� ach. Ja, ich verstehe. V�llig. Unbedingt.�</p></section><section><title><p>KAPITEL 10</p></title><p>Cordelia erwachte langsam, streckte sich und zog die gro�artige federngef�llte Seidensteppdecke zu sich. Die andere Seite des Bettes war leer�� sie ber�hrte das eingedr�ckte Kissen��, kalt und leer. Aral mu�te zeitig auf den Zehenspitzen hinausgeschlichen sein. Sie schwelgte in dem Gef�hl, endlich gen�gend Schlaf zu haben und nicht mehr zu jener l�hmenden Ersch�pfung zu erwachen, die ihren Geist und ihren Leib so lang gefangengehalten hatte. Das war jetzt schon die dritte Nacht hintereinander, die sie gut geschlafen hatte, gew�rmt vom K�rper ihres Mannes, und beide gl�cklicherweise befreit von den irritierenden Sauerstoffleitungen in ihren Gesichtern.</p><p>Ihr Eckzimmer im ersten Stock der alten, umgewandelten Steinkaserne war an diesem Morgen k�hl und ganz still. Das Vorderfenster ging auf den hellen gr�nen Rasen hinaus, der in dem Nebel verschwand, in den der See und das Dorf und die H�gel des jenseitigen Ufers geh�llt waren. Der feuchte Morgen vermittelte ihr ein Gef�hl von Behaglichkeit, er stand in rechtem Kontrast zu der Federsteppdecke. Wenn sie sich aufsetzte, dann verursachte die neue bla�rote Narbe auf ihrem Unterleib nur ein leichtes Stechen.</p><p>Droushnakovis Kopf erschien im T�rrahmen. �Mylady?�, rief sie sanft, dann sah sie, wie Cordelia sich aufsetzte und ihre blo�en F��e �ber den Rand des Bettes h�ngen lie�. Cordelia schwang versuchsweise ihre F��e vorw�rts und r�ckw�rts, um so den Kreislauf anzuregen. �Oh, gut, da� Sie wach sind.� Drou stie� mit der Schulter die T�r auf und brachte ein gro�es und vielversprechendes Tablett herein. Sie trug eines ihrer bequemeren Kleider mit einem weiten, schwingenden Rock und einer warm gef�tterten bestickten Weste. Ihre Schritte klangen auf den breiten h�lzernen Bodenbrettern und wurden dann von dem handgewebten Bettvorleger ged�mpft, als sie das Zimmer durchquerte.</p><p>�Ich bin hungrig�, sagte Cordelia verwundert, als die von dem Tablett aufsteigenden D�fte ihre Nase reizten, �Ich glaube, das ist das erste Mal in drei Wochen.� Drei Wochen, seit jener Nacht der Schrecken in Palais Vorkosigan.</p><p>Drou l�chelte und setzte das Tablett auf dem Tisch am Vorderfenster ab.</p><p>Cordelia zog Bademantel und Hausschuhe �ber und steuerte auf die Kaffeekanne zu. Drou blieb in ihrer N�he, sichtlich bereit, sie aufzufangen, falls sie hinfallen sollte, aber Cordelia f�hlte sich heute nicht ann�hernd so wackelig. Sie setzte sich und langte nach der dampfenden Hafergr�tze mit Butter und einem Krug mit hei�em Sirup, den die Barrayaraner aus eingekochtem Baumsaft herstellten. Eine wundervolle Nahrung.</p><p>�Haben Sie schon gegessen, Drou? Wollen Sie etwas Kaffee? Wie sp�t ist es?�</p><p>Die Leibw�chterin sch�ttelte den blonden Kopf. �Ich habe schon gegessen, Mylady. Es ist ungef�hr elf.�</p><p>Droushnakovi hatte die letzten paar Tage hier in Vorkosigan Surleau zum selbstverst�ndlichen Hintergrund geh�rt. Cordelia wurde sich bewu�t, da� sie jetzt das M�dchen fast zum erstenmal wirklich anschaute, seit sie das Milit�rhospital verlassen hatte. Drou war aufmerksam und wachsam wie immer, aber mit einer zugrunde liegenden Spannung, als sei sie verstohlen auf der Hut vor etwas Schlimmem�� vielleicht lag es nur daran, da� Cordelia sich selbst besser f�hlte, aber sie hatte das selbsts�chtige Verlangen, da� die Leute um sie herum sich auch besser f�hlten, und wenn auch nur deshalb, damit sie sie nicht wieder hinunterzogen.</p><p>�Ich f�hle mich heute schon viel weniger tr�ge. Ich habe gestern mit Hauptmann Vaagen per Vid gesprochen. Er meint, er hat schon die ersten Anzeichen f�r molekulare Rekalzifizierung beim kleinen Piotr Miles gesehen. Das ist sehr ermutigend, wenn man wei�, wie man Vaagen zu interpretieren hat. Er macht einem keine falschen Hoffnungen, aber auf das wenige, was er sagt, kann man sich verlassen.�</p><p>Drou schaute von ihrem Scho� auf und setzte als Antwort ein L�cheln in ihr bedr�cktes Gesicht. Sie sch�ttelte den Kopf. �Uterusreplikatoren erscheinen mir so seltsam. So fremdartig.�</p><p>�Nicht so seltsam wie das, was die Evolution uns auferlegt hat, improvisiert aus der Erfahrung.� Cordelia grinste zur�ck. �Gott sei Dank f�r Technologie und rationale Planung. Ich wei� jetzt, wovon ich spreche.�</p><p>�Mylady�� wie haben Sie zuerst erfahren, da� Sie schwanger waren? Blieb die Regel aus?�</p><p>�Die Menstruation? Nein, eigentlich nicht.� Sie versetzte sich in Gedanken in den vergangenen Sommer. Hier in diesem Zimmer, tats�chlich in diesem ungemachten Bett. Sie und Aral w�rden hier bald wieder Intimit�ten austauschen k�nnen, allerdings mit einem gewissen Verlust an Pikantheit ohne Fortpflanzung als einem Ziel. �Aral und ich glaubten im Sommer, wir h�tten es uns hier sch�n eingerichtet. Er hatte sich vom Dienst zur�ckgezogen, ich war aus meinem Dienst ausgeschieden�� es gab keine Hindernisse mehr. Ich war schon nahe daran, zu alt zu sein f�r die organische Methode, die hier auf Barrayar die einzige verf�gbare zu sein schien, oder genauer, er wollte bald beginnen. Als wir also ein paar Wochen verheiratet waren, lie� ich mein empf�ngnisverh�tendes Implantat entfernen. Ich kam mir dabei ganz sch�n verrucht vor, denn bei mir zu Hause h�tte ich es nicht herausnehmen lassen k�nnen, ohne zuvor eine Lizenz zu erwerben.�</p><p>�Wirklich?� Drou lauschte fasziniert mit offenem Mund.</p><p>�Ja, so verlangen es die betanischen Gesetze. Man mu� sich zuerst f�r eine Elternlizenz qualifizieren. Ich hatte mein Implantat, seit ich vierzehn war. Ich hatte damals eine Menstruation, wie ich mich erinnere. Wir schalten sie ab, bis sie gebraucht wird. Ich bekam mein Implantat, mein Hymen wurde aufgeschnitten und meine Ohrl�ppchen durchl�chert, und ich feierte meine Deb�tantinnenparty���</p><p>�Sie haben doch nicht�� mit Sex angefangen, als Sie vierzehn waren, oder?� Droushnakovis Stimme klang sehr leise.</p><p>�Ich h�tte k�nnen. Aber dazu braucht es zwei, nicht wahr. Ich fand erst sp�ter einen richtigen Liebhaber.� Cordelia sch�mte sich, einzugestehen, wieviel sp�ter. Sie war damals gesellschaftlich so ungeschickt gewesen��</p><p><emphasis>Und du hast dich nicht viel ge�ndert,</emphasis> gestand sie sich sarkastisch ein.</p><p>�Ich dachte nicht, da� es so schnell gehen w�rde�, fuhr Cordelia fort. �Ich dachte, wir brauchten daf�r einige Monate ernster und vergn�glicher Versuche. Aber wir bekamen das Baby beim ersten Versuch. So habe ich hier auf Barrayar noch keine Menstruation gehabt.�</p><p>�Beim ersten Versuch�, wiederholte Drou. Sie bi� sich best�rzt auf die Lippe. �Wie wu�ten Sie, da� Sie es�� bekamen? An der �belkeit?�</p><p>�M�digkeit, noch vor der �belkeit. Aber es waren die kleinen blauen Flecken��� Ihre Stimme stockte, als sie die verzerrten Z�ge des M�dchens betrachtete. �Drou, sind all diese Fragen theoretischer Natur, oder haben Sie ein eher pers�nliches Interesse an den Antworten?�</p><p>Drous Gesicht war von tiefen Falten durchzogen. �Pers�nliches Interesse�, stie� sie hervor.</p><p>�Ach so.� Cordelia lehnte sich zur�ck. �Wollen Sie�� dar�ber sprechen?�</p><p>�Nein�� ich wei� nicht���</p><p>�Ich nehme an, das hei�t ja�, seufzte Cordelia. Ach ja. Das war genau wie Mama Captain zu spielen f�r sechzig betanische Wissenschaftler, damals, bei den Erkundungsfl�gen, nur da� Ungewi�heit �ber Schwangerschaft vielleicht das einzige zwischenmenschliche Problem war, das sie ihr nie in den Scho� gelegt hatten. Aber angesichts der wirklichen dummen Geschichten, mit der jene vernunftorientierte und ausgew�hlte Gruppe sie von Zeit zu Zeit behelligt hatte, w�re diese barbarische barrayaranische Version wohl nur�� �Wissen Sie, ich freue mich, Ihnen auf jede Weise zu helfen, die ich kann.�</p><p>�Es war in der Nacht des Soltoxin-Attentats�, schniefte Drou. �Ich konnte nicht schlafen. Ich ging hinunter in die K�che des Speisesaals, um mir etwas zu essen zu holen. Auf dem Weg zur�ck nach oben bemerkte ich ein Licht in der Bibliothek. Leutnant Koudelka war da drinnen. Er konnte auch nicht schlafen.�</p><p><emphasis>Kou, sieh an. Ach, gut, gut.</emphasis> Es ist vielleicht endlich alles in Ordnung.</p><p>Cordelia l�chelte in aufrichtiger Ermunterung. �Ja?�</p><p>�Wir�� ich�� er�� k��te mich.�</p><p>�Ich hoffe, Sie k��ten zur�ck?�</p><p>�Es klingt, als w�ren Sie <emphasis>einverstanden.</emphasis>�</p><p>�Bin ich auch. Ihr geh�rt zu denen, die ich am liebsten habe, Sie und Kou. Wenn ihr nur eure K�pfe beisammen h�ttet�� aber fahren Sie fort, da mu� noch mehr kommen.� Es sei denn, Drou war noch unwissender, als Cordelia es f�r m�glich hielt.</p><p>�Wir�� wir�� wir���</p><p>�Haben gev�gelt?�, schlug Cordelia hoffnungsvoll vor.</p><p>�Ja, Mylady.� Drou wurde knallrot und schluckte. �Kou schien so gl�cklich zu sein�� ein paar Minuten lang. Und ich war so gl�cklich �ber ihn, so aufgeregt. Es machte mir nichts aus, wie weh es tat.�</p><p>Ach ja, die barbarische barrayaranische Sitte, ihre Frauen in den Sex einzuf�hren mit dem Schmerz einer Defloration ohne Bet�ubung.</p><p>Allerdings, wenn man in Betracht zog, wieviel mehr an Schmerz ihre Fortpflanzungsmethode sp�ter im Gefolge hatte, dann stellte dies vielleicht eine faire Warnung dar. Aber Kou war bei den wenigen Malen, wo sie ihn gesehen hatte, auch nicht so gl�cklich erschienen, wie ein frischgebackener Liebhaber eigentlich sein sollte. Was taten diese beiden einander an? �Fahren Sie fort.�</p><p>�Ich dachte, ich sah eine Bewegung im Hintergarten, aus der T�r von der Bibliothek heraus. Dann kam der Krach im Obergeschoߠ� o Mylady! Es tut mir so leid! Wenn ich Sie bewacht h�tte, anstatt <emphasis>das</emphasis> zu tun���</p><p>�Halt, M�dchen! Sie hatten dienstfrei. Wenn Sie nicht <emphasis>das</emphasis> getan h�tten, dann w�ren Sie schlafend im Bett gelegen. Auf keinen Fall ist das Soltoxin-Attentat Ihre Schuld oder die von Kou. Tatsache ist, wenn Sie nicht aufgewesen und mehr oder weniger angezogen gewesen w�ren, dann w�re der Attent�ter vielleicht entkommen.� <emphasis>Und wir w�rden nicht einer weiteren �ffentlichen Enthauptung oder was auch immer entgegensehen, m�ge Gott uns helfen.</emphasis> Ein Teil von Cordelia w�nschte, die beiden w�ren f�r Sekunden weg gewesen und h�tten nie aus dem verdammten Fenster geschaut. Aber Droushnakovi mu�te sich gerade jetzt mit gen�gend Konsequenzen auseinandersetzen ohne diese t�dlichen Verwicklungen.</p><p>�Aber wenn doch nur��<emphasis>�</emphasis></p><p>�Mit �wenn doch nur� war die Luft hier diese letzten Wochen �bervoll. Ich denke, es ist Zeit, wenn wir jetzt statt dessen sagen: <emphasis>Jetzt machen wir weiter, </emphasis>offen gesagt.� Cordelias Denken holte sie selbst endlich wieder ein. Drou war eine Barrayaranerin, deshalb hatte sie kein empf�ngnisverh�tendes Implantat. Es klang auch nicht danach, als h�tte dieser Idiot Koudelka eine Alternative angeboten. Drou hatte deshalb die letzten drei Wochen damit zugebracht, sich zu fragen�� �W�rden Sie ein paar von meinen kleinen blauen Flecken versuchen wollen? Ich habe noch jede Menge davon �brig.�</p><p>�Blaue Flecken?�</p><p>�Ja, ich hatte angefangen, Ihnen davon zu erz�hlen. Ich habe ein P�ckchen von diesen kleinen Diagnosestreifen. Hatte sie in Vorbarr Sultana im letzten Sommer in einem Importladen gekauft. Sie pinkeln auf so einen Streifen, und wenn der Fleck blau wird, dann sind Sie dran. Ich habe nur drei davon verbraucht, im Sommer.� Cordelia ging zu ihrer Kommodenschublade und durchw�hlte sie nach dem �berholten Vorrat.</p><p>�Hier.� Sie reichte Drou einen Streifen. �Gehen Sie und erleichtern Sie sich. Und Ihre Gedanken.�</p><p>�Funktioniert das so bald schon?�</p><p>�Nach f�nf Tagen.� Cordelia hielt ihre Hand hoch: �Ich verspreche es.�</p><p>Beunruhigt auf den kleinen Papierstreifen starrend verschwand Droushnakovi in Cordelias und Arals Bad, neben dem Schlafzimmer. Sie kam nach ein paar Minuten wieder. Ihr Gesicht war niedergeschlagen, und sie lie� die Schultern h�ngen.</p><p><emphasis>Was bedeutet das? </emphasis>fragte sich Cordelia w�tend. �Also?�</p><p>�Der Streifen blieb wei�.�</p><p>�Dann sind Sie nicht schwanger.�</p><p>�Ich glaub nicht.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob Sie sich freuen oder ob es Ihnen leid tut. Glauben Sie mir, wenn Sie ein Baby bekommen wollen, dann sollten Sie besser noch ein paar Jahre warten, bis man hier mehr medizinische Technologie zur Verf�gung hat.� Obwohl die organische Methode eine Zeitlang faszinierend war��</p><p>�Ich will nicht�� ich will�� ich wei� nicht�� Kou hat kaum mit mir gesprochen seit jener Nacht. Ich wollte nicht schwanger sein, das w�rde mich zerst�ren, und doch dachte ich, er w�rde�� w�rde�� vielleicht so aufgeregt und gl�cklich dar�ber sein wie er �ber den Sex war. Vielleicht w�rde er zur�ckkommen und�� oh, es ging alles so gut, und jetzt ist alles verdorben.� Ihre H�nde ballten sich zu F�usten, ihr Gesicht war wei� und ihre Z�hne knirschten.</p><p><emphasis>Weine, M�dchen, dann kann ich atmen.</emphasis> Aber Droushnakovi gewann ihre Selbstbeherrschung zur�ck. �Es tut mir leid, Mylady. Ich hatte nicht vor, Ihnen all diese Dummheiten zu erz�hlen.�</p><p>Dummheiten, ja, aber nicht Dummheiten nur einer Seite. Etwas so Verkorkstes erforderte ein ganzes Komitee. �Was ist also mit Kou los? Ich dachte, er litte nur an Soltoxin-Schuld, wie jeder andere im Haushalt.� <emphasis>Mit Aral und mir angefangen.</emphasis></p><p>�Ich wei� es nicht, Mylady.�</p><p>�Haben Sie schon einmal etwas wirklich Radikales versucht, wie zum Beispiel ihn zu fragen?�</p><p>�Er <emphasis>versteckt</emphasis> sich, wenn er mich kommen sieht.�</p><p>Cordelia seufzte und wandte ihre Aufmerksamkeit dem Ankleiden zu. Heute waren wirkliche Kleider dran, keine Patienten-Morgenm�ntel, In Arals Wandschrank hingen hinten ihre gelbbraunen Hosen von ihrer alten Erkundungsteam-Uniform. Neugierig probierte sie sie an. Sie lie�en sich nicht nur zukn�pfen, sie waren sogar locker. Sie war wirklich krank gewesen. Ziemlich aggressiv lie� sie die Hosen an und suchte sich dazu eine gebl�mte Kittelbluse mit langen �rmeln aus. Sehr bequem. Sie l�chelte ihrem schlanken, wenn auch bleichen Profil im Spiegel zu.</p><p>�Ah, lieber Captain�, Aral streckte seinen Kopf durch die Schlafzimmert�r, �du bist auf.� Er blickte auf Droushnakovi. �Ihr seid beide hier. Noch besser. Ich glaube, ich brauche deine Hilfe, Cordelia. Tats�chlich, ich bin mir sicher.� Arals Augen leuchteten mit dem eigenartigsten Ausdruck. Staunen, Verwirrung, Sorge? Er betrat den Raum.</p><p>Er trug seine �bliche Kleidung f�r dienstfreie Zeit in Vorkosigan Surleau, alte Uniformhosen und ein ziviles Hemd. Hinter ihm kam Koudelka, angespannt und ungl�cklich, in einer frischen schwarzen Arbeitsuniform mit den roten Leutnantsabzeichen am Kragen. Er umklammerte seinen Stockdegen. Drou trat mit dem R�cken zur Wand und verschr�nkte die Arme.</p><p>�Leutnant Koudelka�� so sagte er mir�� will ein Gest�ndnis ablegen. Er hofft auch, habe ich den Verdacht, auf Absolution�, sagte Aral.</p><p>�Ich verdiene das nicht, Sir�, murmelte Koudelka. �Aber ich hielt es nicht mehr aus. Das mu� heraus.� Er starrte auf den Boden und vermied die Blicke der anderen. Droushnakovi beobachtete ihn atemlos. Aral trat sachte zu Cordelia und setzte sich neben sie auf den Bettrand.</p><p>�Mach dich auf etwas gefa�t�, murmelte er ihr aus dem Mundwinkel zu. �Das hat <emphasis>mich</emphasis> �berrascht.�</p><p>�Ich glaube, ich bin dir vielleicht ein bi�chen voraus.�</p><p>�Das w�re nicht das erste Mal.� Er hob seine Stimme: �Los, Leutnant. Das wird nicht leichter, wenn Sie es in die L�nge ziehen.�</p><p>�Drou�� Fr�ulein Droushnakovi�� ich bin gekommen, um mich zu stellen. Und um Verzeihung zu bitten. Nein, das klingt trivial, und glauben Sie mir, ich halte es nicht f�r trivial. Sie verdienen mehr als nur eine Entschuldigung, ich schulde Ihnen S�hne. Was immer Sie wollen. Aber es tut mir leid, so <emphasis>leid,</emphasis> da� ich Sie vergewaltigt habe.�</p><p>Droushnakovis Mund blieb volle drei Sekunden offenstehen, dann klappte sie ihn so fest zu, da� Cordelia h�ren konnte, wie ihre Z�hne klickten.</p><p><emphasis>�Was?!�</emphasis></p><p>Koudelka zuckte zusammen, blickte aber nicht auf. �Tut mir leid�� tut mir leid�, murmelte er.</p><p>�Du!�� Denkst!�� Du!�� Hast!�� Was!?�, keuchte Droushnakovi entsetzt und emp�rt. �Du denkst, du k�nntest�� oh!� Sie stand nun starr, mit geballten F�usten und schnell atmend. �Kou, du Esel! Du Idiot! Du Trottel! Du�� du�� du���, sprudelte sie heraus. Sie zitterte am ganzen K�rper.</p><p>Cordelia beobachtete sie voller Faszination. Aral rieb nachdenklich seine Lippen.</p><p>Droushnakovi ging hin�ber zu Koudelka und schlug ihm den Stockdegen aus der Hand. Kou fiel fast zu Boden, mit einem �berraschten �Hah?�, und griff nach dem Stock, doch er verfehlte ihn, und die Waffe klapperte den Boden entlang.</p><p>Drou knallte Koudelka geschickt gegen die Wand und l�hmte ihn mit einem Nervensto�, indem sie ihm ihre Finger in den Solarplexus pre�te. Sein Atem blieb stehen.</p><p>�Du <emphasis>Flasche. </emphasis>Du meinst, du k�nntest ohne meine Erlaubnis Hand an mich legen? Oh! Was bist du doch f�r ein�� f�r ein�� ein��� Ihre Worte der Verbl�ffung gingen in einen Schrei der Emp�rung �ber, direkt neben seinem Ohr. Koudelka zuckte zusammen.</p><p>�Bitte besch�digen Sie nicht meinen Sekret�r, Drou, die Reparaturen sind teuer�, sagte Aral sanft.</p><p>�Oh!� Sie drehte sich rasch um und gab Koudelka frei. Er taumelte und fiel auf die Knie. Mit den H�nden vor dem Gesicht st�rmte Droushnakovi aus dem Zimmer und schlug die T�r hinter sich zu. Erst jetzt begann sie zu schluchzen, laut und vernehmlich, als sie den Korridor entlangging. Eine andere T�r wurde zugeschlagen. Dann herrschte Schweigen.</p><p>�Tut mir leid, Kou�, sagte Aral in die lang anhaltende Stille, �aber es sieht nicht so aus, als hielte Ihre Selbstanklage vor Gericht stand.�</p><p>�Ich versteh das nicht!� Kou sch�ttelte den Kopf, dann krabbelte er zu seinem Stockdegen und kam sehr wackelig auf die Beine.</p><p>�Gehe ich recht in der Annahme, da� Sie beide �ber das sprechen, was sich zwischen Ihnen in der Nacht des SoltoxinAttentats ereignet hat?�, fragte Cordelia.</p><p>�Ja, Mylady. Ich sa� noch in der Bibliothek. Konnte nicht schlafen und dachte, ich m��te noch einmal ein paar Zahlen durchgehen. Sie kam herein. Wir sa�en, unterhielten uns�� Pl�tzlich merkte ich, da� ich�� na ja, es war das erstemal, da� ich funktionierte, seit ich von dem Nervendisruptor getroffen worden war. Ich dachte, es k�nnte wieder ein Jahr dauern, bis�� oder <emphasis>nie wieder</emphasis>���� ich geriet in Panik, ich geriet einfach in Panik. Ich�� ah�� ich nahm sie�� auf der Stelle. Fragte sie nicht, sagte kein einziges Wort. Und dann kam der Knall von oben, und wir beide rannten in den Hintergarten hinaus und�� sie klagte mich nicht an, am n�chsten Tag. Ich wartete und wartete.�</p><p>�Aber wenn er sie nicht vergewaltigt hat, warum ist sie dann eben so w�tend geworden?�, fragte Aral.</p><p>�Aber sie war b�se auf mich�, sagte Koudelka. �Wie sie mich in diesen letzten drei Wochen angeschaut hat���</p><p>�Die Blicke waren Angst, Kou�, erkl�rte Cordelia ihm.</p><p>�Ja, das dachte ich auch.�</p><p>�Weil sie Angst hatte, da� sie <emphasis>schwanger</emphasis> war, nicht weil sie etwa Angst vor <emphasis>Ihnen </emphasis>hatte�, stellte Cordelia klar.</p><p>�Oh.� Koudelkas Stimme wurde schwach.</p><p>�Sie ist es nicht, wie sich ergeben hat.� (Koudelka wiederholte sich mit einem weiteren schwachen �Oh�.) �Aber sie ist jetzt b�se auf Sie, und ich kann es ihr nicht ver�beln.�</p><p>�Aber wenn sie nicht meint, da� ich�� welchen Grund hat sie?�</p><p>�Sie begreifen es nicht?� Sie blickte mit gerunzelter Stirn zu Aral. �Du auch nicht?�</p><p>�Nun ja���</p><p>�Weil Sie sie gerade beleidigt haben, Kou. Nicht damals, sondern gerade eben, in diesem Zimmer. Und nicht nur dadurch, da� Sie ihre T�chtigkeit im Zweikampf geringsch�tzig behandelt haben. Was Sie eben gesagt haben, hat ihr zum erstenmal enth�llt, da� Sie in jener Nacht so sehr mit <emphasis>sich selbst</emphasis> besch�ftigt waren, da� Sie <emphasis>sie</emphasis> gar nicht wahrgenommen haben. Schlimm, Kou. Sehr schlimm. Sie m�ssen sie ganz tief um Verzeihung bitten. Hier war sie und gab sich als Barrayaranerin Ihnen ganz, und Sie sch�tzten das, was sie tat, so gering ein, da� Sie es gar nicht wahrnahmen.�</p><p>Sein Kopf hob sich mit einem Ruck. �Gab mir? Wie ein Almosen?�</p><p>�Mehr wie ein Geschenk der G�tter�, murmelte Aral, der sich seine eigenen Gedanken machte.</p><p>�Ich bin doch kein��� Koudelkas Kopf dreht sich in Richtung auf die T�r. �Meinen Sie, da� ich hinter ihr herrennen soll?�</p><p>�Kriechen, sogar, wenn ich Sie w�re�, empfahl Aral. �Kriechen Sie schnell. Schl�pfen Sie unter ihrer T�r durch und ergeben Sie sich. Lassen Sie sie auf Ihnen herumtrampeln, bis ihr Zorn ganz und gar verraucht ist. Dann bitten Sie erneut um Verzeihung. Sie k�nnen die Situation noch retten.� Arals Augen leuchteten jetzt mit offensichtlichem Vergn�gen.</p><p>�Wie nennen Sie das? Totale Kapitulation?�, sagte Koudelka ungehalten.</p><p>�Nein. Ich nenne es gewinnen.� Arals Stimme wurde eine Nuance k�hler.</p><p>�Ich habe gesehen, wie der Krieg zwischen Mann und Frau zu Heldentaten der verbrannten Erde herabsinken kann. Scheiterhaufen des Stolzes. Sie wollen nicht diesen Weg gehen, das garantiere ich.�</p><p>�Sie sind�� Mylady! Sie lachen �ber mich! H�ren Sie auf!�</p><p>�Dann h�ren Sie damit auf, sich l�cherlich zu machen�, sagte Cordelia scharf. �Setzen Sie sich Ihren Kopf dorthin, wo er hingeh�rt. Denken Sie mal sechzig aufeinanderfolgende Sekunden an jemand anderen als sich selbst.�</p><p>�Mylady. Mylord.� Seine Z�hne waren jetzt in erstarrter W�rde zusammengebissen. Er verabschiedete sich geschlagen.</p><p>Aber im Korridor ging er in die falsche Richtung, nicht dorthin, wohin Droushnakovi geflohen war, sondern entgegengesetzt, und dann tappte er die Treppe hinab.</p><p>Aral sch�ttelte hilflos den Kopf, w�hrend Koudelkas Schritte drau�en verklangen. Er zischte leise.</p><p>Cordelia knuffte ihn sanft in den Arm. �H�r damit auf! F�r die beiden ist es nicht spa�ig.� Ihre Blicke trafen sich: sie kicherte, dann hielt sie ihren Atem an: �G�tiger Himmel, ich glaube, er <emphasis>wollte </emphasis>ein Vergewaltiger sein. Seltsamer Ehrgeiz. War er zuviel mit Bothari zusammen?�</p><p>Dieser etwas makabre Witz ern�chterte sie beide. Aral sah nachdenklich aus: �Ich glaube�� Kou schmeichelte seinen Selbstzweifeln. Aber seine Reue war aufrichtig.�</p><p>�Aufrichtig, aber ein bi�chen selbstgef�llig. Ich denke, wir haben vielleicht seine Selbstzweifel lang genug geh�tschelt. Vielleicht ist es Zeit, ihn mal in den Hintern zu treten.�</p><p>Arals Schultern fielen m�de zusammen. �Er steht in ihrer Schuld, ohne Zweifel. Aber was soll ich ihm denn befehlen? Es ist wertlos, wenn er es nicht freiwillig tut.�</p><p>Cordelia brummte zustimmend.</p><p>Erst beim Mittagessen bemerkte Cordelia, da� in ihrer kleinen Welt etwas fehlte.</p><p>�Wo ist der Graf?�, fragte sie Aral, als sie sahen, da� Piotrs Haush�lterin den Tisch nur f�r zwei gedeckte hatte, in einem E�zimmer an der Wasserseite, von wo aus man eine Aussicht auf den See hatte. An diesem Tag war es nicht richtig warm geworden. Der Morgennebel war nur aufgestiegen, um zu niedrig dahintreibenden grauen Wolkenfetzen zu werden, es war windig und k�hl. Cordelia hatte eine alte schwarze Arbeitsjacke von Aral �ber ihre gebl�mte Bluse angezogen.</p><p>�Ich dachte, er sei in die St�lle gegangen. Um mit seinem neuen Dressurkandidaten zu trainieren�, sagte Aral, der ebenfalls mit Unbehagen auf den Tisch blickte. �Jedenfalls hat er zu mir gesagt, da� er das tun wollte.�</p><p>Die Haush�lterin, die die Suppe auftrug, mischte sich ein: �Nein, Mylord. Er ist fr�h mit dem Bodenwagen weggefahren, zusammen mit zwei von seinen M�nnern.�</p><p>�Oh. Entschuldige mich.� Aral nickte Cordelia zu und stand auf. Einer der Lagerr�ume auf der R�ckseite des Hauses, der in den H�gel gebaut war, war in ein gesichertes Kommunikationszentrum umgewandelt worden, mit einer doppelt gesch�tzten Kommunikationskonsole und einem W�chter vom Sicherheitsdienst vor der T�r rund um die Uhr. Die Echos von Arals Schritten im Korridor zeigten an, da� er in diese Richtung ging.</p><p>Cordelia nahm einen Schluck Suppe, der wie fl�ssiges Blei die Kehle hinabrann, dann legte sie den L�ffel beiseite und wartete. Sie konnte in dem stillen Haus Arals Stimme h�ren und die elektronisch verzerrten Antworten in der Sprechweise eines Fremden, aber beides war zu ged�mpft, als da� sie die Worte h�tte verstehen k�nnen. Nach einer kleinen Ewigkeit, so schien es ihr (allerdings war tats�chlich die Suppe noch hei�), kam Aral zur�ck, mit d�sterem Gesicht.</p><p>�Ist er dorthin gefahren?�, fragte Cordelia. �Ins Milit�rkrankenhaus?�</p><p>�Ja. Er war dort und ist wieder gegangen. Es ist alles in Ordnung.� Sein schweres Kinn nahm einen harten Zug an.</p><p>�Bedeutet das, mit dem Baby ist alles in Ordnung?�</p><p>�Ja. Man verweigerte ihm den Zutritt, er hat sich eine Weile mit den Wachen gestritten, dann ist er gegangen. Nichts Schlimmeres.� Er begann niedergeschlagen seine Suppe auszul�ffeln.</p><p>Der Graf kehrte einige Stunden sp�ter zur�ck. Cordelia h�rte, wie das Summen seines Bodenwagens die Zufahrt heraufkam, um das Nordende des Hauses bog und dann innehielt, wie ein Verdeck ge�ffnet und geschlossen wurde, und wie der Wagen dann zu den Garagen weiterfuhr, die auf der anderen Seite des H�gels neben den St�llen lagen. Sie sa� mit Aral in dem Vorderzimmer mit den neuen gro�en Fenstern. Er war in einen Regierungsbericht auf seinem Handprojektor vertieft gewesen, aber als drau�en das Verdeck zugeschlagen wurde, stellte er das Ger�t auf �Pause� und wartete mit Cordelia und lauschte auf die schweren Schritte, die schnell ums Haus herumgingen und �ber die Vordertreppe kamen.</p><p>Arals Mund war gespannt in unangenehmen Vorahnungen, sein Blick war zornig. Cordelia verkroch sich in ihrem Sessel und wappnete ihre Nerven.</p><p>Graf Piotr kam in ihr Zimmer gefegt und pflanzte sich vor ihnen auf. Er war formell gekleidet, in seiner alten Uniform mit seinen Generalsabzeichen. �Hier seid ihr also.� Der Livrierte, der ihm gefolgt war, blickte unsicher auf Aral und Cordelia und zog sich dann zur�ck, ohne darauf zu warten, da� er entlassen wurde. Graf Piotr bemerkte gar nicht, da� der Mann wegging.</p><p>Piotr konzentrierte sich zuerst auf Aral. �Du! Du hast es <emphasis>gewagt,</emphasis> mich in der �ffentlichkeit blo�zustellen. Mich in eine Falle laufen lassen.�</p><p>�Ich f�rchte, du hast dich selbst blo�gestellt, Sir. Wenn du nicht diesem Pfad gefolgt w�rest, dann w�rst du nicht auf diese Falle gesto�en.�</p><p>Mit zusammengebissenen Z�hnen nahm Piotr diese Erwiderung auf. Sein Gesicht war von tiefen Falten durchzogen. Wut, Verlegenheit im Kampf mit Selbstgerechtigkeit. In Verlegenheit gebracht, wie es nur jemand sein kann, der unrecht hat. <emphasis>Er zweifelt an sich selbst,</emphasis> erkannte Cordelia. Ein Hoffnungsfaden. <emphasis>Da� wir nur diesen Faden nicht verlieren, er ist vielleicht unser einziger Ausweg aus diesem Labyrinth.</emphasis></p><p>Die Selbstgerechtigkeit gewann das Obergewicht. �Ich h�tte das nicht tun sollen�, knurrte Piotr. �Das ist eine Aufgabe der Frauen. Unser Gen-Erbe zu sch�tzen.�</p><p>�War eine Aufgabe der Frauen, in der Zeit der Isolation�, sagte Aral ruhig, �als die einzige Antwort auf Mutationen die Kindst�tung war. Jetzt gibt es andere Antworten.�</p><p>�Wie <emphasis>seltsam</emphasis> m�ssen die Gef�hle der Frauen �ber ihre Schwangerschaften gewesen sein, wenn sie nie wu�ten, ob an deren Ende Leben oder Tod stand�, �berlegte Cordelia laut. Einen Schluck von diesem Kelch war alles, was sie f�r ein ganzes Leben w�nschte, und doch hatten die Frauen von Barrayar ihn immer wieder und wieder bis zur Neige geleert�� Das Erstaunliche war nicht, da� die Kultur ihrer Nachkommen chaotisch war, sondern, da� sie nicht ganz und gar wahnsinnig war.</p><p>�Du l��t uns alle im Stich, wenn du es nicht fertig bringst, sie zu z�geln�, sagte Piotr. �Wie stellst du dir vor, einen ganzen Planeten leiten zu k�nnen, wenn du nicht mal deinen eigenen Haushalt leiten kannst?�</p><p>Ein Winkel von Arals Mund kr�mmte sich leicht nach oben. �In der Tat, sie ist schwer zu z�geln. Sie ist mir zweimal entkommen. Ihre freiwillige R�ckkehr erstaunt mich immer noch.�</p><p>�Werde dir deiner Pflichten bewu�t! Deiner Pflichten mir gegen�ber, als deinem Grafen, wenn schon nicht als deinem Vater. Du hast mir den Lehnseid geschworen. Willst du dieser Frau aus einer anderen Welt eher gehorchen als mir?�</p><p>�Ja.� Aral blickte ihm geradewegs in die Augen. Seine Stimme ging in ein Fl�stern �ber. �Das ist die rechte Ordnung der Dinge.� Piotr zuckte zusammen. Aral f�gte trocken hinzu: �Der Versuch, das Thema von der Kindst�tung auf den Gehorsam zu wechseln, wird dir nicht helfen, Sir. Du hast mir selbst beigebracht, wie man Scheinargumente zerpfl�ckt.�</p><p>�In den alten Tagen h�ttest du schon f�r eine geringere Unversch�mtheit enthauptet werden k�nnen.�</p><p>�Ja, die gegenw�rtige Situation ist schon ein bi�chen eigenartig. Da ich dein Erbe bin, sind meine H�nde zwischen den deinen, aber da ich dein Regent bin, sind deine H�nde zwischen den meinen. Ein Patt der Gefolgschaftseide. In den alten Tagen h�tten wir die Pattsituation mit einem h�bschen kleinen Krieg aufbrechen k�nnen.� Aral grinste seinen Vater an, oder zumindest zeigte er seine Z�hne. In Cordelias Gedanken wirbelte die Vorstellung: <emphasis>Nur einen Tag: Die Unwiderstehliche Macht trifft auf das Unbewegliche Objekt. Eintritt: f�nf Mark.</emphasis></p><p>Die T�r zum Korridor wurde aufgerissen und Leutnant Koudelka blickte nerv�s herein. �Sir? Tut mir leid, da� ich st�re. Ich habe Schwierigkeiten mit der Kommunikationskonsole. Sie funktioniert wieder nicht.�</p><p>�Welche Art von Schwierigkeiten, Leutnant?�, fragte Vorkosigan und zwang sich dabei, seine Aufmerksamkeit dieser Sache zu widmen. �Gibt es Unterbrechungen?�</p><p>�Sie funktioniert einfach nicht.�</p><p>�Vor ein paar Stunden war sie noch in Ordnung. �berpr�fen Sie die Stromzuf�hrung.�</p><p>�Hab ich schon getan, Sir.�</p><p>�Rufen Sie einen Techniker.�</p><p>�Das kann ich ja nicht, ohne die Konsole.�</p><p>�Ach so, ja. Lassen Sie den Wachkommandanten die Konsole �ffnen und schauen Sie dann, ob das Problem irgend etwas Naheliegendes ist. Dann fordern Sie einen Techniker �ber seine offene Leitung an.�</p><p>�Jawohl, Sir.� Koudelka zog sich zur�ck, nachdem er einen vorsichtigen Blick auf die drei Leute geworfen hatte, die da angespannt und starr auf ihren Pl�tzen darauf warteten, da� er sie allein lie�.</p><p>Der Graf wollte nicht nachgeben: �Ich schw�re, da� ich es versto�en werde. Das Ding in dem Kanister im Milit�rkrankenhaus. Ich werde es vollst�ndig enterben.�</p><p>�Diese Drohung wirkt nicht, Sir. Du kannst nur mich direkt versto�en. Durch einen kaiserlichen Befehl. Um den du�� <emphasis>mich </emphasis>untert�nigst ersuchen m��test.� Er l�chelte schneidend, und seine Augen funkelten. �Ich w�rde nat�rlich deinem Ersuchen stattgeben.�</p><p>Die Muskeln in Piotrs Kieferpartie spannten sich. Also doch nicht die unwiderstehliche Macht und das unbewegliche Objekt, sondern die unwiderstehliche Macht und ein fl�ssiges Meer, Piotrs Schl�ge schafften es nicht, zu landen, sondern klatschten hilflos vorbei. Mentales Judo. Er war aus dem Gleichgewicht, suchte fuchtelnd seine Mitte und schlug nun wild um sich.</p><p>�Denke an Barrayar! Denke an das Beispiel, das du gibst.�</p><p>�O ja�, fl�sterte Aral, �daran denke ich.� Er hielt inne. �Wir haben nie aus dem Hintergrund gef�hrt, du oder ich. Wo ein Vorkosigan vorangeht, da finden es andere vielleicht nicht so unm�glich, zu folgen. Ein bi�chen pers�nliche�� angewandte Sozialwissenschaft.�</p><p>�Vielleicht f�r Galaktiker. Aber unsere Gesellschaft kann sich diesen Luxus nicht leisten. So wie die Dinge liegen, halten wir kaum unsere eigene Stellung. Wir k�nnen nicht die Last von Millionen Gest�rten tragen.�</p><p>�Millionen?� Aral hob seine Augenbrauen. �Jetzt extrapolierst du von einem zu unendlich. Ein schwaches Argument, Sir, deiner unw�rdig.�</p><p>�Und sicherlich�, sagte Cordelia ruhig, �wieviel tragbar ist, das mu� jedes Individuum, das seine eigene Last tr�gt, selbst entscheiden.�</p><p>Piotr wandte sich ihr zu: �Ja, und wer zahlt f�r das alles, na? Das Kaiserreich. Vaagens Labor l�uft unter dem Budget f�r milit�rische Forschungen. Ganz Barrayar zahlt f�r die Verl�ngerung des Lebens deiner Mi�geburt.�</p><p>Aus der Fassung gebracht, erwiderte Cordelia: �Vielleicht wird sich das als eine bessere Investition herausstellen, als du denkst.�</p><p>Piotr schnaufte, sein Kopf senkte sich st�rrisch zwischen seine hochgezogenen mageren Schultern. Er blickte durch Cordelia hindurch auf Aral. �Du bist entschlossen, mir dies aufzub�rden. Meinem Haus. Ich kann dich nicht auf andere Weise �berzeugen, ich kann dir nicht befehlen�� also gut. Du bist so versessen auf Ver�nderungen, hier ist eine Ver�nderung f�r dich. Ich will nicht, da� dieses Ding meinen Namen tr�gt. Das kann ich dir verweigern, wenn auch sonst nichts.�</p><p>Arals Lippen waren aufeinandergepre�t, seine Nasenfl�gel zitterten. Aber er bewegte sich nicht an seinem Platz. Der Projektor leuchtete weiter, vergessen in seinen bewegungslosen H�nden. Er hielt seine H�nde ruhig und v�llig beherrscht und erlaubte ihnen nicht, sich zu F�usten zu ballen.</p><p>�Sehr wohl, Sir.�</p><p>�Nenne ihn dann Miles Naismith Vorkosigan�, sagte Cordelia, die Ruhe vort�uschte, obwohl ihr �bel war und ihr Unterleib zitterte. �Mein Vater wird nichts dagegen haben.�</p><p>�Dein Vater ist tot�, versetzte Piotr.</p><p>Aufgel�st in leuchtendes Plasma bei einem Shuttleunfall vor mehr als zehn Jahren�� Manchmal bildete sie sich ein, wenn sie die Augen schlo�, da� sie seinen Tod noch f�hlen konnte, wie er in Magenta und dunklem Gr�nblau in ihre Netzhaut eingepr�gt war. �Nicht ganz. Nicht, solange ich lebe und mich an ihn erinnere.�</p><p>Piotr schaute drein, als h�tte sie ihm gerade einen Sto� in seinen barrayaranischen Magen versetzt. Barrayaranische Zeremonien f�r die Toten n�herten sich der Ahnenverehrung, als k�nnte die Erinnerung die Seelen lebendig erhalten. Lie� seine eigene Sterblichkeit heute seine Adern fr�steln? Er war zu weit gegangen und er wu�te es, aber er konnte nicht mehr einlenken. �Nichts, nichts weckt dich auf! Dann versuchen wir�s mal damit.� Er stellte sich breitbeinig hin und blickte Aral w�tend an: �Verla� mein Haus! Beide H�user! Auch Palais Vorkosigan! Nimm dein Weib und hebe dich hinweg! Heute noch!�</p><p>Aral blickte sich nur einmal kurz um im Heim seiner Kindheit. Er legte den Projektor sorgf�ltig beiseite und stand auf. �Sehr wohl, Sir.�</p><p>In Piotrs Wut mischte sich Angst: �Du w�rdest dein Heim daf�r wegwerfen?�</p><p>�Mein Heim ist nicht ein Platz. Es ist eine Person, Sir�, sagte Aral ernst. Dann f�gte er z�gernd hinzu: �Es sind Menschen.�</p><p>Damit meinte er Piotr genauso wie Cordelia. Sie sa� vorn�bergebeugt, die Spannung tat ihr weh. War der alte Mann aus Stein? Sogar jetzt brachte ihm Aral noch Gesten der H�flichkeit entgegen, da� ihr fast das Herz stehenblieb.</p><p>�Du wirst deine Pachtgelder und Eink�nfte der Distriktskasse zur�ckzahlen�, sagte Piotr v�llig verzweifelt.</p><p>�Wie Sie w�nschen, Sir.� Aral war schon auf dem Weg zur T�r.</p><p>Piotrs Stimme wurde schw�cher: �Wo wirst du leben?�</p><p>�Illyan dr�ngt mich schon seit einiger Zeit, in die Kaiserliche Residenz umzuziehen, aus Sicherheitsgr�nden. Evon Vorhalas hat mich �berzeugt, da� Illyan recht hat.�</p><p>Cordelia war mit Aral zusammen aufgestanden. Sie ging nun zum Fenster und blickte �ber die tr�bsinnige grau-gr�nbraune Landschaft. Die Wellen im zinngrauen Wasser des Sees trugen Schaumkronen. Der barrayaranische Winter w�rde so kalt werden��</p><p>�So, etablierst du dich endlich mit kaiserlichem Gehabe, ha?�, spottete Piotr. �Ist es das, worum es dir geht: Hybris?�</p><p>Aral verzog sein Gesicht in tiefem �rger: �Im Gegenteil, Sir. Wenn ich kein anderes Einkommen haben soll, als mein halbes Admiralsgehalt, dann kann ich es mir nicht leisten, mir eine mietfreie Unterbringung entgehen zu lassen.�</p><p>Eine Bewegung in den dahintreibenden Wolken zog Cordelias Aufmerksamkeit auf sich. Sie kniff beunruhigt die Augen zusammen.</p><p>�Was ist mit diesem Leichtflieger los?�, murmelte sie halb im Selbstgespr�ch.</p><p>Der Punkt zwischen den Wolken wuchs, f�hrte seltsame Flugman�ver aus und zog eine Rauchspur hinter sich her. Er flog ruckweise �ber den See, direkt auf sie zu. �Gott, ist das Ding etwa voller Bomben?�</p><p>�Was?�, fragten Aral und Piotr gleichzeitig und traten schnell neben sie ans Fenster, Aral zu ihrer rechten Seite, Piotr zur linken.</p><p>�Es tr�gt die Hoheitsabzeichen des Sicherheitsdienstes�, sagte Aral.</p><p>Piotr kniff seine alten Augen zusammen: �So?�</p><p>Cordelia bereitete sich geistig darauf vor, den hinteren Korridor entlangzurennen und dann hinaus zur Hintert�r. Es gab da ein St�ckchen Graben auf der anderen Seite der Auffahrt, wenn sie sich dort flach hinlegten, dann vielleicht�� Aber der Leichtflieger n�herte sich langsam dem Ende seiner Flugbahn. Er landete wackelnd auf dem vorderen Rasen.</p><p>M�nner in Vorkosigan-Livree und der gr�n-schwarzen Uniform des Sicherheitsdienstes umringten ihn vorsichtig. Der Schaden des Fliegers war deutlich zu sehen: ein von einem Plasmatreffer eingebranntes Loch, schwarze Ru�streifen, verzogene Steuerfl�chen�� es war ein Wunder, da� er �berhaupt noch geflogen war.</p><p>�Wer��?�, fragte Aral.</p><p>Piotrs Blick wurde sch�rfer, als durch das besch�digte Verdeck der Pilot sichtbar wurde. �Ihr G�tter, es ist Negri!�</p><p>�Aber wer ist das mit���� los!� Aral drehte sich blitzschnell um und rannte zur T�r hinaus. Piotr und Cordelia folgten ihm, durch die vordere Halle und durch die T�r und den gr�nen Abhang hinab.</p><p>Die Wachen mu�ten das verzogene Verdeck aufbrechen. Negri fiel in ihre Arme. Sie legten ihn auf das Gras. Er hatte eine scheu�liche Brandwunde von etwa einem Meter L�nge auf seiner linken K�rperseite, seine gr�ne Uniform war hier geschmolzen und verkohlt und gab den Blick frei auf blutende wei�e Brandblasen und aufgerissenes Fleisch. Er zitterte unaufh�rlich.</p><p>Die kleine Gestalt, die auf dem Passagiersitz festgegurtet sa�, war Kaiser Gregor. Der f�nfj�hrige Junge weinte erschrocken, nicht laut, sondern in ged�mpftem, unterdr�cktem Wimmern. Soviel Selbstbeherrschung in einem so jungen Knaben war Cordelia unheimlich. Er sollte laut schreien.</p><p>Ihr selber war danach, laut zu schreien. Gregor trug gew�hnliche Spielkleidung, ein leichtes Hemd und dunkelblaue Hosen. Ihm fehlte ein Schuh. Ein Sicherheitsbeamter hakte seinen Sitzgurt auf und zog ihn aus dem Flieger. Er wich vor dem Mann zur�ck und blickte erschreckt und verwirrt auf Negri. <emphasis>Hast du gedacht, Erwachsene seien unzerst�rbar, Kind?</emphasis> dachte Cordelia voll Kummer.</p><p>Kou und Drou tauchten aus ihren jeweiligen Schlupfl�chern im Haus auf, um die Szenerie mit dem Rest der Wachen anzugucken. Gregor erkannte Droushnakovi, eilte pfeilschnell auf sie zu und klammerte sich fest an ihren Rock. �Droushie, hilf mir!� Jetzt erst wagte er, h�rbar zu weinen.</p><p>Sie schlang ihre Arme um ihn und hob ihn hoch.</p><p>Aral kniete sich neben dem verletzten Sicherheitschef nieder. �Negri, was ist passiert?�</p><p>Negri streckte seinen unverletzten rechten Arm aus und griff nach Arals Jacke. �Er versucht einen Putsch�� in der Hauptstadt. Seine Truppen haben die Sicherheitszentrale und das Kommunikationszentrum eingenommen�� warum habt ihr nicht reagiert? Das Hauptquartier ist umzingelt, unterwandert�� heftige K�mpfe jetzt an der Kaiserlichen Residenz. Wir hatten ihn entlarvt�� waren dabei, ihn zu verhaften�� er geriet in Panik. Schlug zu fr�h zu. Ich glaube, er hat Kareen���</p><p>�Wer hat, Negri�, wollte Piotr wissen, �wer?�</p><p>�Vordarian.�</p><p>Aral nickte grimmig. �Ja���</p><p>�Sie�� nehmen Sie den Jungen�, keuchte Negri. �Vordarian hat uns fast besiegt��� Sein Zittern ging in konvulsivisches Zucken �ber, seine Augen verdrehten sich, bis das Wei�e sichtbar wurde. Sein Atem ging sto�weise und w�rgend. Pl�tzlich blickten seine Augen noch einmal intensiv und konzentriert. �Sagen Sie Ezar��� die Kr�mpfe �berfielen ihn wieder und qu�lten seinen kr�ftigen Leib. Dann h�rten sie mit einen Mal auf. Das Ganze halt! Er atmete nicht mehr.</p></section><section><title><p>KAPITEL 11</p></title><p>�Sir�, sagte Koudelka, nachdem er sich zu Vorkosigan vorgedr�ngt hatte, �die gesicherte Kommunikationskonsole war sabotiert.� Der Kommandant der Sicherheitswache neben ihm nickte zustimmend. �Ich wollte gerade kommen und es Ihnen melden��� Koudelka blickte auf Negris K�rper, der auf dem Gras lag. Zwei Sicherheitsleute knieten jetzt neben ihm und versuchten es verzweifelt mit Erster Hilfe: Herzmassage, Sauerstoff und Injektionen von Hypospray. Aber trotz ihrer Bem�hungen blieb der K�rper schlaff, das Gesicht w�chsern und bewegungslos. Cordelia war dem Tod schon fr�her begegnet und erkannte die Anzeichen. <emphasis>Das hat keinen Zweck, Leute, den werdet ihr nicht zur�ckholen. Nicht diesmal. Er ist gegangen, um seinen letzten Bericht Ezar pers�nlich zu �berbringen,</emphasis> Negris letzter Bericht��</p><p>�Welcher Zeitrahmen bei der Sabotage?�, wollte Vorkosigan wissen. �Verz�gert oder unmittelbar?�</p><p>�Es sah nach unmittelbar aus�, berichtete der Wachkommandant. �Kein Anzeichen f�r einen Zeitschalter oder irgendein Ger�t. Irgend jemand hat die Konsole einfach auf der R�ckseite aufgebrochen und sie innendrin zerst�rt.�</p><p>Aller Augen wandten sich auf den Mann vom Sicherheitsdienst, der den Wachposten au�erhalb des Raumes mit der Kommunikationskonsole innegehabt hatte. Er stand, wie die meisten anderen in schwarzer Arbeitsuniform, entwaffnet zwischen zweien seiner Kameraden. Sie waren ihrem Kommandanten nach drau�en gefolgt, als der Tumult auf dem Rasen begann. Das Gesicht des Verhafteten hatte etwa die gleiche bleigraue Farbe wie das von Negri, aber es war von aufflackernder Angst belebt.</p><p>�Und?�, fragte Vorkosigan den Wachkommandanten.</p><p>�Er leugnet, es getan zu haben�, der Kommandant zuckte die Achseln, �nat�rlich.�</p><p>Vorkosigan schaute den Festgenommenen an, �Wer ging nach mir hinein?�</p><p>Der W�chter blickte verst�rt in der Runde umher. Er zeigte pl�tzlich auf Droushnakovi, die noch den wimmernden Gregor trug. �Sie!�</p><p>�Ich nie!�, sagte Droushnakovi ungehalten und packte den Jungen fester.</p><p>Vorkosigan bi� die Z�hne aufeinander. �Also, ich brauche kein Schnellpenta, um zu wissen, da� einer von euch beiden l�gt. Jetzt ist daf�r keine Zeit. Kommandant, verhaften Sie beide. Wir werden das sp�ter kl�ren.� Vorkosigans Augen suchten besorgt den n�rdlichen Horizont ab.</p><p>�Sie�, er zeigte auf einen anderen Sicherheitsmann, �bringen alle Transportmittel zusammen, die Sie finden k�nnen. Wir evakuieren das Haus sofort. Sie�, er wendete sich an einen von Piotrs Gefolgsleuten, �gehen und warnen die Leute im Dorf. Kou, holen Sie die Unterlagen, nehmen Sie einen Plasmabogen und verbrennen Sie endg�ltig diese Kommunikationskonsole, und dann kommen Sie zur�ck zu mir.�</p><p>Koudelka blickte kurz besorgt �ber seine Schulter nach Droushnakovi und stapfte dann in Richtung auf das Haus davon. Drou stand steif, wie vor den Kopf geschlagen, zornig und erschreckt, der kalte Wind lie� ihren Rock flattern. Sie blickte mit gerunzelter Stirn auf Vorkosigan und nahm Koudelkas Weggang kaum wahr.</p><p>�Gehst du zuerst nach Hassadar?�, fragte Piotr seinen Sohn in einem seltsamen, sanften Ton.</p><p>�Ganz recht.�</p><p>Hassadar, die Distrikthauptstadt der Vorkosigans: dort waren kaiserliche Truppen stationiert. Eine loyale Garnison?</p><p>�Du hast aber nicht vor, es zu halten, hoffe ich�, sagte Piotr.</p><p>�Nat�rlich nicht. Hassadar�, Vorkosigan zwinkerte mit einem w�lfischen Grinsen, �wird mein erstes Geschenk f�r Kommodore Vordarian sein.�</p><p>Piotr nickte, als w�re er befriedigt. In Cordelias Kopf drehte sich alles. Trotz Negris �berraschung schienen weder Piotr noch Aral von Panik gepackt. Keine �berfl�ssigen Bewegungen, keine �berfl�ssigen Worte.</p><p>�Du�, sagte Aral zu Piotr in ged�mpfter Stimme, �nimmst den Jungen.�</p><p>Piotr nickte.</p><p>�Triff uns�� nein. Sag nicht einmal mir, wo. Du wirst uns kontaktieren.�</p><p>�Ganz recht.�</p><p>�Nimm Cordelia.�</p><p>Piotr �ffnete den Mund, dann schlo� er ihn wieder und sagte nur: �Aha.�</p><p>�Und Sergeant Bothari. F�r Cordelia. Drou ist�� einstweilen�� au�er Dienst.�</p><p>�Ich brauche dann Esterhazy�, sagte Piotr.</p><p>�Ich werde den Rest deiner Leute brauchen�, sagte Aral.</p><p>�Ganz recht.� Piotr nahm seinen Gefolgsmann Esterhazy beiseite und redet leise auf ihn ein, Esterhazy rannte pl�tzlich den Hang hinauf. Die M�nner verteilten sich in alle Richtungen, nachdem die Befehle sich entsprechend der Befehlskette vermehrt hatten. Piotr rief einen anderen livrierten Gefolgsmann zu sich und befahl ihm, seinen Bodenwagen zu nehmen und damit in Richtung Westen loszufahren.</p><p>�Wie weit, Mylord?�</p><p>�So weit, wie deine Findigkeit dich bringt. Dann fliehe, wenn du kannst, und schlie�e dich wieder dem Lordregenten an, ja?�</p><p>Der Mann nickte und rannte los wie Esterhazy.</p><p>�Sergenat, Sie werden Lady Vorkosigans Stimme gehorchen wie meiner eigenen�, sagte Aral zu Bothari.</p><p>�Immer, Mylord.�</p><p>�Ich m�chte den Leichtflieger da haben.� Piotr nickte in Richtung auf Negris besch�digten Apparat, der zwar nicht mehr rauchte, aber Cordelia trotzdem nicht sehr flugf�hig erschien. Nicht im geringsten bereit f�r eine wilde Flucht, bei der man mit waghalsigen Man�vern entschlossenen Feinden ausweichen mu�te�� <emphasis>Der Flieger ist f�r so etwas in etwa der gleichen Verfassung wie ich,</emphasis> bef�rchtete Cordelia. �Und Negri�, fuhr Piotr fort.</p><p>�Er w�rde das zu sch�tzen wissen�, sagte Aral.</p><p>�Dessen bin ich sicher.� Piotr nickte kurz und wendete sich dann an die Erste-Hilfe-Gruppe. �H�rt auf, Jungs, das hat jetzt alles keinen Zweck mehr.� Er befahl ihnen statt dessen, den Leichnam in den Leichtflieger zu laden.</p><p>Aral wandte sich zuletzt endlich Cordelia zu, zum erstenmal. �Lieber Captain��� Seit Negri aus dem Leichtflieger gefallen war, blieb der immer gleiche welke Ausdruck auf seinem Gesicht.</p><p>�Aral, war das �berhaupt eine �berraschung f�r jemand anderen als mich?�</p><p>�Ich wollte dich nicht damit beunruhigen, als du so krank warst.� Seine Lippen wurden schmal. �Wir hatten herausgefunden, da� Vordarian konspirierte, im Hauptquartier und anderswo. Illyans Untersuchungen waren inspiriert. Spitzenleute im Sicherheitsdienst m�ssen diese Art von Intuition haben, nehme ich an. Aber um einen Mann von Vordarians Bedeutung und Beziehungen des Verrats zu verurteilen, brauchten wir die h�rtesten Beweise. Der Rat der Grafen ist als K�rperschaft au�erordentlich unduldsam gegen�ber eine Einmischung der kaiserlichen Zentralgewalt gegen�ber einem ihrer Mitglieder. Wir k�nnen ihnen nicht mit einem blo�en Wischiwaschi kommen.</p><p>Aber Negri rief mich gestern abend an und teilte mir mit, er habe seine Beweise in der Hand, genug um endlich zuzuschlagen. Er brauchte einen kaiserlichen Befehl von mir, um einen regierenden Distriktsgrafen zu verhaften. Ich sollte heute abend nach Vorbarr Sultana reisen und die Operation �berwachen. Es ist ganz klar, da� Vordarian gewarnt wurde. Sein urspr�nglicher Schlag war erst f�r einen sp�teren Monat geplant, vorzugsweise direkt nach meiner erfolgreichen Ermordung.�</p><p>�Aber���</p><p>�Geh jetzt!� Er schob sie in Richtung auf den Leichtflieger. �Vordarians Truppen werden binnen Minuten hier sein. Du mu�t verschwinden. Egal, was er sonst in H�nden h�lt, er kann seine Position nicht sicher machen, solange Gregor frei ist.�</p><p>�Aral��� Ihre Stimme klang wie ein d�nnes Gepiepse, sie schluckte etwas herunter, was sich anf�hlte wie trockengefrorene St�cke von Speichel. Sie wollte tausend Fragen herunterleiern, zehntausend Proteste. �Pa� auf dich auf!�</p><p>�Du auch!� Ein letztes Licht leuchtete in seinen Augen auf, aber sein Gesicht war schon weit weg, ganz verschlungen von dem ihn antreibenden inneren Rhythmus der taktischen �berlegungen. Keine Zeit mehr.</p><p>Aral ging, um Gregor aus Drous Armen zu nehmen, er fl�sterte ihr etwas zu, und sie �berlie� ihm den Jungen widerstrebend. Sie stiegen in den Leichtflieger, Bothari an der Steuerung, Cordelia zw�ngte sich auf den R�cksitz neben Negris Leiche, und Gregor kam auf ihren Scho�. Der Junge gab keinen Laut mehr von sich, sondern zitterte nur. Seine Augen waren vom Schock geweitet und suchten ihren Blick. Ihre Arme umschlangen ihn automatisch. Er erwiderte die Umarmung nicht, sondern schlang seine Arme um seinen eigenen Leib Negri, der schlaff auf dem Sitz lag, f�rchtete jetzt nichts mehr, und sie beneidete ihn fast.</p><p>�Hast du gesehen, was mit deiner Mutter geschehen ist, Gregor?�, murmelte Cordelia dem Jungen ins Ohr.</p><p>�Die Soldaten nahmen sie mit.� Seine Stimme war d�nn und ausdruckslos.</p><p>Der �berladene Leichtflieger h�pfte in die Luft, und Bothari steuerte ihn in etwa den H�gel hinauf, nur wenige Meter �ber dem Boden. Der Flieger jaulte und st�hnte und klapperte. Cordelia tat dies ebenfalls, innerlich. Sie drehte sich um, um durch das verzogene Verdeck einen Blick�� einen letzten Blick?�� auf Aral zu werfen, der sich schon abgewendet hatte und der Auffahrt zueilte, wo seine Soldaten eine kunterbunte Sammlung von Fahrzeugen, privaten und dienstlichen, zusammenbrachten.</p><p><emphasis>Warum nehmen wir nicht eines von denen?</emphasis></p><p>�Wenn Sie �ber den zweiten H�gelkamm setzen�� falls Sie das k�nnen��, dann gehen Sie nach rechts, Sergeant�, dirigierte Piotr Bothari. �Folgen Sie dem Bach.�</p><p>Zweige schlugen gegen das Verdeck, als Bothari weniger als einen Meter hoch �ber dem Rinnsal und den scharfen Felsen dahinflog.</p><p>�Landen Sie auf dem kleinen Platz dort und schalten Sie die Maschine ab�, befahl Piotr. �Jeder von uns soll alle strombetriebenen Ger�te ablegen, die er tr�gt.� Er entledigte sich seines Chronos und seines Kom-Links. Cordelia streifte ihr Chrono ab.</p><p>Bothari, der den Flieger neben dem Bach sanft landete, unter einigen von der Erde importierten B�umen, die ihre Bl�tter erst zur H�lfte abgeworfen hatte, fragte: �Schlie�t das auch Waffen ein, Mylord?�</p><p>�Besonders Waffen, Sergeant. Die Ladeeinheit eines Bet�ubers wirkt auf einem Scanner wie eine Fackel. Und die Stromzelle eines Plasmabogens leuchtet darauf wie ein Sonnwendfeuer.�</p><p>Bothari fischte je zwei der angesprochenen Ger�te aus seinen Taschen, daneben andere n�tzliche Ger�te: einen Handtraktor, sein Kom-Link, sein Chrono und eine Art von kleinem medizinischen Diagnoseger�t. �Auch mein Messer, Mylord?�</p><p>�Ist es ein Vibra-Messer?�</p><p>�Nein, blo� aus Stahl.�</p><p>�Dann behalten Sie es.� Piotr beugte sich �ber das Steuerpult des Leichtfliegers und begann damit, den Autopiloten umzuprogrammieren.</p><p>�Alle aussteigen. Sergeant, blockieren Sie das Verdeck so, da� es halb offen bleibt.�</p><p>Bothari erf�llte diese Aufgabe, indem er einen Stein mit Gewalt in die Auflagerille des Verdecks zw�ngte, dann wirbelte er herum: es kam ein Ger�usch aus dem Unterholz.</p><p>�Ich bin�s�, ert�nte die atemlose Stimme von Esterhazy. Esterhazy, der vierzig Jahre alt war und damit noch als junger Bursche neben einigen von Piotrs grauhaarigen Veteranen gelten konnte, hielt sich immer in Topform, er mu�te sich wirklich arg beeilt haben, wenn er so au�er Atem war. �Ich habe sie, Mylord.�</p><p>�Sie� stellten sich heraus als vier von Piotrs Pferden, sie waren mit Leinen zusammengebunden, die an den Metallst�cken in ihren M�ulern befestigt waren, welche auf Barrayar �Gebisse� genannt wurden. Cordelia erschien das als eine sehr kleine Steuereinrichtung f�r ein so gro�es Transportmittel. Die gro�en Tiere zuckten und stampften und sch�ttelten ihre klirrenden K�pfe, ihre roten N�stern waren rund und bebten.</p><p>Piotr war fertig mit der Umprogrammierung des Autopiloten. �Bothari, hierher�, rief er. Zusammen hoben sie Negris Leiche wieder auf den Pilotensitz und gurteten sie dort an. Bothari lie� den Motor des Leichtfliegers an und sprang heraus. Der Flieger taumelte in die Luft, krachte fast in einen Baum und tuckerte dann zur�ck �ber den H�gelkamm. Piotr, der dastand und beobachtete, wie der Leichtflieger hochstieg, murmelte leise: �Gr��e ihn von mir, Negri.�</p><p>�Wohin schickst du ihn?�, fragte Cordelia. <emphasis>Nach Walhalla?</emphasis></p><p>�Auf den Grund des Sees�, sagte Piotr mit einiger Befriedigung. �Das wird ihnen Kopfzerbrechen bereiten.�</p><p>�Werden die, die ihn verfolgen, nicht aufsp�ren? Und ihn wieder heraushieven?�</p><p>�Am Ende schon. Aber der Flieger d�rfte in dem Bereich untergehen, wo der See zweihundert Meter tief ist. <emphasis>Das</emphasis> wird sie Zeit kosten. Und sie werden zuerst nicht wissen, wann er untergegangen ist und wieviele Leichen daraus fehlen. Sie werden dieses ganze St�ck des Seebodens absuchen m�ssen, um sicher zu sein, da� Gregor nicht dort unten steckt. Und negative Indizien sind nie ganz beweiskr�ftig, nicht wahr? Sie werden es nicht <emphasis>wissen,</emphasis> selbst dann nicht. Steigt auf, Leute, wir machen uns auf den Weg.�</p><p>Er ging entschlossen auf seine Pferde zu.</p><p>Cordelia folgte ihm unsicher. Pferde. Als was waren sie zu bezeichnen: Sklaven, Symbionten, Kommensalen? Das Pferd, auf das Esterhazy sie zuf�hrte, war f�nf Fu� hoch. Er gab ihr die Leinen in die Hand und wendete sich ab. Der Sattel war in H�he ihres Kinns: wie sollte sie da hochkommen? Aus diesem Blickwinkel erschien das Pferd viel gr��er, als wenn es sich in gewisser Entfernung dekorativ auf seiner Weide herumtrieb. Die braune, fellbedeckte Haut auf seiner Schulter zitterte pl�tzlich. <emphasis>O Gott, sie haben mir ein defektes gegeben, es wird gleich in Kr�mpfe verfallen</emphasis>�� sie stie� einen kleinen Angstschrei aus.</p><p>Bothari war irgendwie auf sein Pferd gestiegen. Er zumindest war nicht von der Gr��e des Tieres �berw�ltigt. Mit seiner eigenen Gr��e lie� er das ausgewachsene Tier wie ein Pony aussehen. Da er in der Stadt aufgewachsen war, war Bothari kein ge�bter Reiter, trotz des Kavallerietrainings, das ihm Piotr in den Monaten seines Dienstes aufgen�tigt hatte, schien er nur aus Knien und Ellbogen zu bestehen. Aber er beherrschte deutlich sein Reittier, wie linkisch und grob auch seine Bewegungen sein mochten.</p><p>�Sie reiten als erster, Sergeant�, sagte Piotr zu ihm. �Ich m�chte, da� wir so weit auseinandergezogen reiten, da� wir uns gerade noch sehen k�nnen. Keine Gruppe bilden! Reiten Sie los zum dem flachen Felsen�� Sie kennen den Ort und warten Sie dort auf uns.�</p><p>Bothari ri� den Kopf seines Pferdes herum und stie� ihm mit den F��en in die Seiten, dann trappelte er auf dem Waldpfad los in der den Sitz ersch�tternden Gangart, die man K�ufer nennt.</p><p>Piotr, von dem man h�tte annehmen k�nnen, seine Gelenke w�rden schon knirschen, schwang sich in einer geschmeidigen Bewegung in den Sattel, Esterhazy reichte ihm Gregor hoch und Piotr setzte den Jungen vor sich hin. Gregor hatte anscheinend wirklich wieder Mut gefa�t, als er die Pferde erblickt hatte, doch Cordelia konnte nicht verstehen, warum. Piotr schien �berhaupt nichts zu tun, aber sein Pferd stellte sich ganz von selbst startbereit f�r den Weg auf�� <emphasis>Telepathie,</emphasis> entschied Cordelia verwirrt.</p><p><emphasis>Die haben hierzu Telepathen mutiert und mir nie etwas davon erz�hlt��</emphasis> oder vielleicht war das Pferd telepathisch veranlagt?</p><p>�Los, Frau, du bist die N�chste.�</p><p>Verzweifelt steckte Cordelia ihren Fu� in dieses Dings von Fu�halter, <emphasis>Steigb�gel,</emphasis> fa�te irgendwo an und stemmte sich hoch. Der Sattel glitt langsam um den Bauch des Pferdes herum, und Cordelia mit ihm, bis sie unten zwischen einem Wald von Pferdebeinen hing. Sie fiel mit einem Plumps auf den Boden und krabbelte zur Seite. Das Pferd drehte seinen Hals herum und schaute sie an, weitaus weniger erschrocken als sie selber, dann richtete es seine gummiweichen Lippen auf den Boden und begann Gras zu fressen.</p><p>�O Gott�, st�hnte Piotr aufgebracht.</p><p>Esterhazy stieg wieder ab und eilte an ihre Seite, um ihr hinaufzuhelfen. �Mylady, sind Sie in Ordnung? Tut mir leid, das war mein Fehler, h�tte noch mal �berpr�fen sollen�� hm�� sind Sie noch nie geritten?�</p><p>�Noch nie�, gestand Cordelia. Er zog hastig den Sattel herunter, legte ihn wieder richtig auf und befestigte ihn straffer. �Vielleicht kann ich laufen. Oder rennen.� <emphasis>Oder meine Pulsadern aufschneiden. Aral, warum hast du mich mit diesen Verr�ckten weggeschickt?</emphasis></p><p>�Es ist nicht so schwer, Mylady�, versprach ihr Esterhazy. �Ihr Pferd wird den anderen folgen. Rose ist die sanfteste Stute in unseren St�llen. Hat sie nicht ein liebes Gesicht?�</p><p>Feindselige braune Augen mit Purpur in der Mitte ignorierten Cordelia. �Ich kann nicht.� Ihr Atem ging in ein Schluchzen �ber, das erste an diesem heillosen Tag.</p><p>Piotr blickte zuerst zum Himmel empor, dann zur�ck �ber seine Schulter. �Nutzloses betanisches P�ppchen�, knurrte er ihr zu. �Sag <emphasis>mir </emphasis>nicht, da� du noch nie mit gespreizten Beinen geritten bist.� Er bleckte die Z�hne. �Stell dir einfach vor, das sei mein Sohn.�</p><p>�Hier, geben Sie mir Ihr Knie�, sagte Esterhazy nach einem �ngstlichen Blick auf den Grafen und legte seine H�nde gew�lbt ineinander.</p><p><emphasis>Nimm doch das ganze verdammt Bein!</emphasis> Sie zitterte vor Wut und Angst. Sie warf Piotr einen w�tenden Blick zu und griff wieder nach dem Sattel.</p><p>Irgendwie gelang es Esterhazy, sie hinaufzuschieben. Sie klammerte sich verbissen fest und beschlo� nach einem kurzen Blick, nicht nach unten zu schauen. Esterhazy warf ihre Z�gel Piotr zu, der sie mit einer leichten Bewegung des Handgelenks auffing und ihr Pferd ins Schlepptau nahm.</p><p>Der Pfad wurde zu einem Kaleidoskop aus B�umen, Felsen, schmatzenden Schlammpf�tzen, peitschenden Zweigen�� all dies wirbelte vor�ber. Ihr Bauch begann zu schmerzen, ihre frische Narbe meldete sich mit Stechen.</p><p><emphasis>Wenn das wieder drinnen zu bluten anf�ngt��</emphasis> Sie ritten weiter und weiter und immer weiter.</p><p>Schlie�lich fielen sie aus dem leichten Galopp in den Schritt. Cordelia blinzelte, mit rotem Gesicht, keuchend und schwindelig. Sie waren irgendwie zu einer Lichtung hinaufgestiegen, von der aus man den See �berblicken konnte, nachdem sie um die breite, seichte Bucht herumgeritten waren, die auf der linken Seite des Vorkosigan-Gutes lag.</p><p>Als ihr Blick wieder klar wurde, konnte sie in dem allgemeinen rotbraunen Hintergrund den kleinen gr�nen Flecken erkennen, den der rasenbewachsene Abhang vor dem alten Steinhaus bildete. Jenseits des Wassers lag das winzige Dorf.</p><p>Bothari war schon vor ihnen da und wartete auf sie, ohne gesehen zu werden, niedergekauert im Geb�sch, w�hrend sein schnaufendes Pferd an einen Baum gebunden war. Er stand schweigend auf, n�herte sich ihnen und blickte dann besorgt auf Cordelia. Halb fiel, halb glitt sie herab in seine Arme.</p><p>�Sie reiten zu schnell f�r sie, Mylord. Sie ist noch krank.�</p><p>Piotr schnaubte: �Sie wird noch viel kr�nker sein, wenn Vordarians Kommandos uns einholen.�</p><p>�Ich schaff�s schon�, keuchte Cordelia zusammengekr�mmt. �In einer Minute. Gebt mir�� bloߠ� eine Minute.� Der Wind, der k�lter wurde, da die Herbstsonne nach Westen sank, fuhr �ber ihre hei�e Haut hinweg. Der Himmel hatte eine einheitliche schattenlose Milchfarbe angenommen.</p><p>Nach und nach konnte sich Cordelia wieder aufrichten, w�hrend der Schmerz im Unterleib nachlie�. Esterhazy erreichte die Lichtung, als Nachhut bewegte er sich in einem weniger hektischen Schritt.</p><p>Bothari nickte in Richtung auf den gr�nen Fleck: �Da sind sie.�</p><p>Piotr kniff die Augen zusammen, Cordelia starrte in die gleiche Richtung. Einige Leichtflieger landeten gerade auf dem Rasen. Keine von Arals Maschinen. M�nner in Arbeitsuniformen quollen aus ihnen hervor wie schwarze Ameisen, darunter vielleicht ein oder zwei helle Tupfen in Kastanienbraun und Gold, und ein paar Flecken im Dunkelgr�n der Offiziere. <emphasis>Gro�artig. Unsere Freunde und unsere Feinde tragen alle die gleichen Uniformen.</emphasis> Was <emphasis>sollen wir tun, auf sie alle schie�en und dann Gott sie aussortieren lassen?</emphasis></p><p>Piotr sah wirklich sauer drein. Verw�steten sie dort drunten gerade sein Heim, rissen sie auf der Suche nach den Fl�chtigen das Haus ein?</p><p>�Wenn sie die Pferde z�hlen, die im Stall fehlen, werden sie dann nicht wissen, wohin wir gegangen sind und wie?�, fragte Cordelia.</p><p>�Ich habe alle rausgelassen, Mylady�, sagte Esterhazy. �Wenigstens haben auf diese Weise alle eine Chance. Ich wei� nicht, wieviel wir zur�ckbekommen werden.�</p><p>�Die meisten von ihnen werden sich bei den St�llen herumtreiben, f�rchte ich�, sagte Piotr, �in der Hoffnung auf ihren Hafer. Ich w�nschte mir, sie w�ren so gescheit und zerstreuten sich. Gott allein wei�, auf welche Sch�ndlichkeiten diese Vandalen verfallen, wenn sie sich um ihre ganze andere Beute geprellt sehen.�</p><p>Drei Flieger landeten am Rand des kleinen Dorfes. Bewaffnete M�nner stiegen aus und verschwanden zwischen den H�usern. �Ich hoffe, Zai hat sie alle rechtzeitig gewarnt�, murmelte Esterhazy.</p><p>�Warum sollten sie diese armen Leute bel�stigen?� fragte Cordelia. �Was wollen sie denn dort?�</p><p>�Uns, Mylady�, sagte Esterhazy grimmig. Als sie ihn verwirrt anblickte, fuhr er fort: �Uns, die Gefolgsleute. Unsere Familien. Die machen dort unten Jagd auf Geiseln.�</p><p>Esterhazy hatte eine Frau und zwei Kinder in der Hauptstadt, erinnerte sich Cordelia. Und was geschah mit denen jetzt gerade? Hat sie jemand gewarnt? Esterhazy sah aus, als stellte er sich auch diese Fragen.</p><p>�Kein Zweifel, Vordarian wird das Geiselspiel spielen�, sagte Piotr. �Er kann jetzt nicht mehr zur�ck. Er mu� gewinnen oder sterben.�</p><p>Sergeant Botharis schmale Kinnbacken zuckten, als er durch die dunstige Luft starrte. Hatte irgend jemand daran gedacht, Frau Hysopi zu warnen?</p><p>�Sie werden bald mit der Suche aus der Luft anfangen�, sagte Piotr. �Es ist Zeit, in Deckung zu gehen. Ich gehe voran. Sergeant, f�hren Sie sie.�</p><p>Er wendete sein Pferd und verschwand im Gestr�pp, dabei folgte er einem Pfad, der so undeutlich war, da� Cordelia ihn gar nicht erkannt h�tte.</p><p>Bothari und Esterhazy waren beide n�tig, um sie wieder auf ihr Reittier zu heben. Piotr w�hlte als Gangart den Schritt, nicht um ihretwillen, vermutete Cordelia, sondern den schwei�bedeckten Tieren zuliebe. Nach diesem ersten gr��lichen Galopp erschien der Schritt wie eine Atempause. Zuerst.</p><p>Sie ritten zwischen B�umen und B�schen, entlang einer Schlucht, �ber einen H�gelkamm, und die Hufe der Pferde scharrten �ber Stein. Cordelia spitzte die Ohren f�r das Jaulen von Leichtfliegern �ber ihren K�pfen. Als es einmal kam, f�hrte Bothari sie in einem wilden und schwindelerregenden Gerutschte in eine Schlucht hinunter, wo sie abstiegen und sich minutenlang unter einen Felsvorsprung kauerten, bis das Jaulen verklungen war. Wieder aus der Schlucht herauszukommen war sogar noch schwieriger. Sie mu�ten die Pferde hinauff�hren, wobei Bothari seines den gef�hrlichen, mit Gestr�pp bewachsenen Hang praktisch hinaufzuziehen schien.</p><p>Es wurde dunkler, k�lter und windiger. Aus zwei Stunden wurden drei, vier, f�nf, und die rauchgraue Dunkelheit wurde pechschwarz. Sie ritten jetzt eng hintereinander, um Piotr nicht zu verlieren. Es begann zu regnen, ein trister schwarzer Nieselregen, der Cordelias Sattel noch schl�pfriger machte.</p><p>Um Mitternacht kamen sie auf eine Lichtung, die kaum weniger schwarz als die Schatten war, und Piotr rief endlich zu einem Halt. Cordelia sa� mit dem R�cken an einem Baum, vor Ersch�pfung ganz bet�ubt, mit angespannten Nerven, und hielt Gregor. Bothari teilte f�r Cordelia und Gregor einen N�hrriegel, den er in seiner Tasche getragen hatte, und das war ihr einziger Proviant. In Botharis Uniformjacke eingewickelt, schlief Gregor schlie�lich trotz der K�lte ein. In Cordelias Beinen, auf denen Gregor lag, kribbelte es, aber das Kind war wenigstens ein Klumpen W�rme.</p><p>Wo war Aral jetzt? Und wo waren sie selbst �berhaupt? Cordelia hoffte, da� Piotr dies wu�te. Sie konnten maximal nicht mehr als f�nf Kilometer pro Stunde zur�ckgelegt haben, mit all dem Auf und Ab und all den Haken, die sie geschlagen hatten. Stellte sich Piotr wirklich vor, sie k�nnten auf diese Weise ihren Verfolgern entkommen?</p><p>Piotr, der eine Weile unter seinem eigenen Baum ein paar Meter entfernt gesessen war, stand auf und ging ins Geb�sch, um zu pinkeln, dann kam er zur�ck, um in der Dunkelheit nach Gregor zu gucken. �Schl�ft er?�</p><p>�Ja. Erstaunlicherweise.�</p><p>�Mmm. Jugend�, brummte Piotr. War es Neid?</p><p>Sein Ton war nicht so feindselig wie zuvor, und Cordelia wagte zu fragen: �Glaubst du, Aral ist jetzt in Hassadar?� Sie konnte sich nicht ganz dazu bringen zu fragen: <emphasis>Glaubst du, er hat es �berhaupt bis Hassadar geschafft?</emphasis></p><p>�Er wird dort gewesen und inzwischen schon weitergegangen sein.�</p><p>�Ich dachte, er w�rde die dortige Garnison alarmieren.�</p><p>�Alarmieren und auseinanderschicken, in hundert verschiedene Richtungen. Und welches Kommando hat den Kaiser bei sich? Vordarian wird es nicht wissen. Aber mit etwas Gl�ck wird dieser Verr�ter dazu verleitet werden, Hassadar zu besetzen.�</p><p>�Gl�ck?�</p><p>�Eine kleine, aber wertvolle Ablenkung. Hassadar hat f�r keine der beiden Seiten einen nennenswerten strategischen Wert. Aber Vordarian mu� einen Teil seiner�� sicherlich zahlenm��ig begrenzten�� loyalen Truppen darauf verwenden, es zu halten, tief in einem feindlichen Territorium mit einer langen Guerillatradition. Wir werden gute Informationen bekommen �ber alles, was die dort machen, aber die Bev�lkerung wird sich ihnen verschlie�en.</p><p>Und es ist meine Hauptstadt. Er besetzt die DistriktsHauptstadt eines Grafen mit kaiserlichen Truppen�� alle meine Mitbr�der im Grafenstand m�ssen innehalten und dar�ber nachdenken. <emphasis>Bin ich der n�chste?</emphasis> Aral ist vermutlich zum Raumhafen Basis Tanery weitergegangen. Er mu� eine unabh�ngige Kommunikationslinie mit den Streitkr�ften im Weltraum aufbauen, falls Vordarian das kaiserliche Hauptquartier wirklich umzingelt hat. Es wird entscheidend sein, wem gegen�ber die Leute im Weltraum loyal sind. Ich prophezeie den Ausbruch erheblicher technischer Schwierigkeiten in ihren Funkstationen, w�hrend die Schiffskommandanten krampfhaft herausfinden wollen, welche Seite gewinnen wird.� Piotr gab in der Dunkelheit ein makabres Kichern von sich. �Vordarian ist zu jung, um sich an den Krieg von Kaiser Yuri dem Wahnsinnigen zu erinnern. Das ist schlecht f�r ihn. Er hat gen�gend Vorteile durch seinen raschen Start gewonnen, sehr ungern w�rde ich ihm noch mehr einr�umen.�</p><p>�Wie schnell�� geschah das alles?�</p><p>�Schnell. Es gab noch keinen Hinweis auf irgendwelche Schwierigkeiten, als ich um Mittag in der Hauptstadt war. Das Ganze mu� gleich nach meiner Abfahrt ausgebrochen sein.�</p><p>Ein Fr�steln, das nichts mit dem Regen zu tun hatte, �berfiel beide kurz, als sie sich erinnerten, warum Piotr diese Reise heute unternommen hatte.</p><p>�Hat die Hauptstadt�� einen gro�en strategischen Wert?�, fragte Cordelia und wechselte damit das Thema, da sie nicht wieder den wunden Punkt ber�hren wollte.</p><p>�In manchen Kriegen h�tte sie einen. Nicht in diesem. Das ist kein Krieg um Territorium. Ich frage mich, ob Vordarian das erkennt. Es ist ein Kampf um Loyalit�ten, um die Herzen von Menschen. Kein physisches Objekt in der Hauptstadt hat mehr als nur vor�bergehende taktische Bedeutung. Vorbarr Sultana ist allerdings ein Kommunikationszentrum, und Kommunikation ist viel. Aber es ist nicht das einzige Zentrum. Der Umgehungskreislauf wird seinen Dienst tun.�</p><p>Wir haben �berhaupt keine Kommunikation, dachte Cordelia stumpf. Hier drau�en in den W�ldern im Regen. �Aber wenn Vordarian gerade jetzt das kaiserliche Milit�rhauptquartier besetzt h�lt���</p><p>�Was er jetzt im Augenblick besetzt h�lt, ist, wenn ich mich nicht ganz t�usche, ein sehr gro�es Geb�ude voller Chaos. Ich bezweifle, ob �berhaupt ein Viertel der M�nner auf ihrem Posten ist, und die H�lfte von denen hecken Sabotageakte zugunsten der jeweiligen Seite aus, die sie insgeheim bevorzugen. Die �brigen sind unterwegs, um unterzutauchen oder zu versuchen, zu ihren Familien au�erhalb der Stadt zu gelangen.�</p><p>�Wird Oberst Vorpatril ganz�� wird Vordarian Lord und Lady Vorpatril bel�stigen, was meinst du?� Alys Vorpatrils Niederkunft stand nahe bevor. Als sie Cordelia im Milit�rkrankenhaus besucht hatte�� war das erst vor zehn Tagen gewesen?��, da war aus ihrem gleitenden Schritt ein schweres, plattf��iges Gewatschel geworden und aus ihrem Bauch eine hohe, schwankende W�lbung. Ihr Doktor hatte ihr einen gro�en Jungen versprochen. Er sollte Ivan genannt werden. Sein Kinderzimmer war schon komplett eingerichtet und voll ausgeschm�ckt, hatte sie gest�hnt, wobei sie ihren Bauch in ihrem Scho� zurechtschob, und <emphasis>jetzt</emphasis> w�re eine gute Gelegenheit�� <emphasis>jetzt</emphasis> war keine gute Gelegenheit mehr.</p><p>�Padma Vorpatril wird die Liste anf�hren. Er wird auf jeden Fall gejagt werden. Er und Aral sind jetzt die letzten Nachkommen von Prinz Xav, falls irgend jemand Narr genug ist, diese verdammte Thronfolgedebatte wieder zu beginnen. Oder wenn Gregor irgend etwas passiert.� Er bi� nach dem letzten Satz die Z�hne zusammen, als k�nnte er das Schicksal mit seinen Z�hnen zur�ckhalten.</p><p>�Lady Vorpatril und das Baby auch?�</p><p>�Vielleicht Alys Vorpatril nicht. Der Junge auf jeden Fall.�</p><p>Aber das konnte man gerade zum jetzigen Zeitpunkt nicht exakt auseinanderhalten.</p><p>Endlich hatte sich der Wind gelegt. Cordelia konnte h�ren, wie die Z�hne der Pferde Pflanzen abrissen, ein best�ndiges <emphasis>Mampfmampf-mampf.</emphasis></p><p>�Werden die Pferde nicht von ihren W�rmesensoren angezeigt werden? Und wir auch, obwohl wir die Stromzellen abgeworfen haben? Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie uns auf die Dauer �bersehen sollten?� Waren die Soldaten jetzt schon �ber ihnen, Augen in den Wolken?</p><p>�Ha, alle Menschen und Tiere in diesen H�geln werden von ihren W�rmesensoren angezeigt werden, wenn sie erst mal anfangen, damit in die richtige Richtung zu zielen.�</p><p>�Alle? Ich habe noch gar keine gesehen.�</p><p>�Wir sind bis jetzt an ungef�hr zwanzig kleinen Geh�ften vorbeigekommen. All die Leute und ihre K�he, ihre Ziegen und ihr Rotwild, ihre Pferde und ihre Kinder. Wir sind wie Strohhalme in einem Heuschober. Aber es wird trotzdem gut f�r uns sein, wenn wir uns bald teilen. Wenn wir es bis zum Pfad am Fu�e des Amie-Passes noch schaffen, bevor der Morgen um ist, dann hab ich ein paar gute Ideen.�</p><p>Als Bothari sie wieder auf Rose hinaufschob, ging die tiefe Schw�rze in Grau �ber. Das Licht der D�mmerung sickerte in die W�lder, als sie sich wieder in Bewegung setzten. Die Baumzweige waren Kohlestriche im tropfenden Nebel. Sie klammerte sich in stummem Elend an den Sattel, w�hrend Bothari sie hinter sich herzog. Gregor schlief tats�chlich noch die ersten zwanzig Minuten des Rittes mit offenem Mund, schlaff und bleich, in Piotrs Arm.</p><p>Das zunehmende Licht enth�llte die Auswirkungen der Nacht. Bothari und Esterhazy waren beide schmutzig und hatten Schrammen, im Gesicht stand ihnen der Stoppelbart, ihre braunsilbernen Uniformen waren zerknittert. Bothari, der seine Jacke f�r Gregor weggegeben hatte, war hemds�rmelig. Mit dem offenen runden Kragen seines Hemdes sah er aus wie ein verurteilten Verbrecher, der zum Richtblock gef�hrt wurde. Piotrs gr�ne Generalsuniform hatte die Nacht ziemlich gut �berstanden, aber sein stoppelb�rtiges Gesicht mit den ger�teten Augen sah wie das eines Stadtstreichers aus. Cordelia f�hlte sich selbst hoffnungslos durcheinander, mit ihren nassen Haarstr�hnen und ihrem Mischmasch aus alten Kleidern und Hausschuhen.</p><p><emphasis>Es k�nnte schlimmer sein. Ich k�nnte noch schwanger sein. Falls ich jetzt sterbe, so sterbe ich wenigstens allein.</emphasis> War der kleine Miles jetzt im Augenblick sicherer als sie selbst? Anonym in seinem Replikator in irgendeinem Regal in Vaagens und Henris Labor, das der Geheimhaltung unterlag? Sie betete darum, auch wenn sie es nicht glauben konnte. <emphasis>Ihr barrayaranischen Mistkerle solltet lieber meinen Sohn in Ruhe lassen!</emphasis></p><p>Sie ritten im Zickzack einen langen Abhang hinauf. Die Pferde schnauften wie Gebl�se, obwohl sie nur im Schritt gingen, und sie wurden st�rrisch, weil sie immer wieder �ber Wurzeln oder Felsen strauchelten. Sie hielten am Grund einer kleinen Mulde an. Sowohl Pferde wie Menschen tranken aus dem tr�ben Wasserlauf. Esterhazy lockerte die Gurte wieder. Er kraulte die Pferde unter ihren Kopfriemen, sie stie�en ihn sanft mit ihren K�pfen und st�berten mit ihren N�stern nach Leckerbissen in seinen leeren Taschen. Er murmelte ihnen entschuldigend und aufmunternd zu: �Alles in Ordnung, Rose, du kannst dich am Ende des Tages ausruhen. Nur noch ein paar Stunden.� Sie bekamen mehr Zuspruch als Cordelia.</p><p>Esterhazy �berlie� die Pferde Botharis Obhut und begleitete Piotr in die W�lder. Beide krabbelten den Abhang hoch. Gregor besch�ftigte sich damit, Pflanzen auszurei�en und die Tiere damit aus der Hand zu f�ttern.</p><p>Sie ber�hrten die einheimischen barrayaranischen Pflanzen mit den Lippen und lie�en sie dann unordentlich aus ihren M�ulern fallen: ungenie�bar. Gregor hob die B�schel immer wieder auf und bot sie den Pferden erneut an, dabei versuchte er sie ihnen an ihren Gebi�stangen vorbei in die M�uler zu schieben.</p><p>�Wissen Sie, was der Graf vorhat?�, fragte Cordelia Bothari.</p><p>Er zuckte die Achseln. �Er ist unterwegs, um mit irgend jemandem Kontakt aufzunehmen. Das <emphasis>hier</emphasis> geht doch nicht.� Ein Ruck seines Kopfes in unbestimmte Richtung meinte die Nacht, die sie sich im Gestr�pp herumgeschlagen hatten.</p><p>Cordelia konnte nur zustimmen. Sie lehnte sich zur�ck und lauschte auf Leichtflieger, aber sie h�rte nur das Gepl�tscher des Wassers in dem Fl��chen, zu dem das Knurren ihres Magens ein Echo bildete. Sie sprang nur einmal auf, um den hungrigen Gregor davon abzuhalten, einige der m�glicherweise giftigen Pflanzen selbst zu probieren.</p><p>�Aber die Pferde haben sie gefressen!�, protestierte er.</p><p>�Nein!� Cordelia schauderte es, und detaillierte Visionen von ung�nstigen biochemischen und hormonellen Reaktionen tanzten in einem molekularen Ringelreihen durch ihren Kopf. �Es ist eine der ersten Gewohnheiten, die man im Betanischen Astronomischen Erkundungsdienst lernen mu�, wei�t du. Stekke nie unbekannte Dinge in deinen Mund, solange sie nicht vom Labor freigegeben sind. Genaugenommen mu�t du sogar vermeiden, deine Augen, deinen Mund und deine Schleimh�ute damit in Ber�hrung zu bringen.�</p><p>Gregor rieb sich unter unbewu�tem Zwang sofort die Nase und die Augen.</p><p>Cordelia seufzte und setzte sich wieder hin. Sie saugte an ihrer Zunge, dachte an das Wasser aus dem Bach und hoffte, Gregor w�rde sie nicht auf ihre Inkonsequenz hinweisen. Gregor warf Kieselsteine in die T�mpel.</p><p>Eine Stunde sp�ter kam Esterhazy zur�ck. �Los!� Diesmal f�hrten sie die Pferde nur, ein sicheres Zeichen daf�r, da� eine steile Kletterpartie bevorstand. Cordelia mu�te stellenweise auf allen vieren kriechen und sch�rfte sich die H�nde auf. Die Hinterbacken der Pferde hoben und senkten sich. �ber den H�gelkamm hin�ber, hinab, wieder hinauf, und dann kamen sie hinaus auf einen schlammigen doppelspurigen Trampelpfad, der durch den Wald schnitt.</p><p>�Wo sind wir?�, fragte Cordelia.</p><p>�An der Amie-Pa�stra�e, Mylady�, erkl�rte Esterhazy.</p><p>�Das ist eine Stra�e?�, murmelte Cordelia erschrocken und blickte in beide Richtungen. Piotr stand ein kleines St�ck entfernt mit einem anderen alten Mann, der die Z�gel eines kr�ftigen kleinen schwarz-wei�en Pferdes hielt.</p><p>Das Pferd war betr�chtlich besser gepflegt als der alte Mann. Sein wei�es Fell leuchtete und sein schwarzes Fell gl�nzte. Seine M�hne und sein Schweif waren zu federhafter Weichheit geb�rstet. Seine F��e und Fesseln waren allerdings na� und dunkel, und sein Bauch war gesprenkelt mit frischem Lehm. Zus�tzlich zu einem alten Kavalleriesattel trug der Schecke vier gro�e Satteltaschen, zwei vorn und zwei hinten, sowie zusammengerolltes Bettzeug.</p><p>Der alte Mann, der ebenso unrasiert war wie Piotr, trug eine Jacke des Kaiserlichen Postdienstes, die so vom Wetter mitgenommen war, da� ihr Blau schon zu Grau verschossen war. Sie wurde erg�nzt von Einzelteilen anderer alter Uniformen: ein schwarzes Arbeitshemd, ein Paar alter Hosen von einer gr�nen Uniform, abgetragene, aber gut ge�lte kniehohe Offiziersreitstiefel an den krummen Beinen. Er trug auch einen unvorschriftsm��igen Filzhut, hinter dessen zerschlissenem Band ein paar getrocknete Blumen steckten. Er leckte sich seine schwarzgefleckten Lippen und schaute zu Cordelia her�ber. Ihm fehlten einige Z�hne, die restlichen waren lang und gelbbraun.</p><p>Der Blick des alten Mannes fiel auf Gregor, der Cordelias Hand hielt. �So, das ist er also? Haha, nicht viel.� Er spuckte nachdenklich in das Gras neben dem Pfad.</p><p>�K�nnte sich mit der Zeit machen�, erkl�rte Piotr, �wenn er die Zeit bekommt.�</p><p>�Ich will sehen, was ich tun kann, General.�</p><p>Piotr grinste, wie auf einen privaten Scherz hin. �Haben Sie irgendwelche Rationen mit sich?�</p><p>�Nat�rlich.� Der alte Mann grinste ebenfalls, drehte sich um und kramte in einer seiner Satteltaschen. Er holte ein P�ckchen Rosinen in einer alten Plastikfolie heraus, einige kleine Riegel von br�unlichen Kristallen, die in Bl�tter gewickelt waren, dazu etwas, das aussah wie eine Handvoll Lederstreifen, wieder in einem Kn�uel von gebrauchter Plastikfolie, Cordelia erblickte darauf eine �berschrift: <emphasis>Neue Version der Postbestimmungen C6.77a, modifiziert 6/17. Sofort in die Dauerakte ablegen.</emphasis></p><p>Piotr unterzog die Vorr�te einer eingehenden Untersuchung. �Getrocknete Ziege?�, nickte er �ber dem ledrigen Zeug.</p><p>�Zum gr��ten Teil�, sagte der alte Mann.</p><p>�Wir nehmen die H�lfte. Und die Rosinen. Heben Sie den Ahornzucker f�r die Kinder auf.� Piotr stopfte allerdings einen W�rfel in den Mund.</p><p>�Ich werde Sie in vielleicht drei Tagen, vielleicht einer Woche aufsuchen. Sie erinnern sich an den Drill von Yuris Krieg, ja?�</p><p>�O ja�, sagte der alte Mann gedehnt.</p><p>�Sergeant�, Piotr winkte Bothari zu sich, �Sie gehen mit dem Major hier. Nehmen Sie <emphasis>sie</emphasis> und den Jungen. Er nimmt Sie in Deckung. Versteckt euch, bis ich euch holen komme.�</p><p>�Jawohl, Mylord�, sagte Bothari ausdruckslos. Nur seine unruhigen Augen verrieten, da� ihm nicht wohl war.</p><p>�Was haben wir denn hier, General?�, forschte der alte Mann und schaute Bothari an. �Ein Neuer?�</p><p>�Ein Stadtjunge�, sagte Piotr. �Geh�rt zu meinem Sohn. Spricht nicht viel. Er ist aber gut im Durchschneiden von Kehlen. Er pa�t.�</p><p>�Ja? Also gut.�</p><p>Piotr bewegte sich sehr viel langsamer als zuvor. Er lie� sich von Esterhazy aufs Pferd helfen. Er setzte sich in seinem Sattel mit einem Seufzer zurecht, dabei war sein R�cken zeitweise in einer f�r ihn untypischen Weise gekr�mmt. �Verdammt, aber ich werde zu alt f�r solche Sachen.�</p><p>Nachdenklich griff der Mann, den Piotr den Major genannt hatte, in eine Seitentasche und holte einen Lederbeutel heraus. �Wollen Sie mein Gummiblatt, General? Besser zu kauen als Ziege, wenn�s auch nicht so lang anh�lt.�</p><p>Piotrs Gesicht erhellte sich. �Oh, ich w�re �u�erst dankbar. Aber nicht Ihren ganzen Beutel, Mann.� Piotr stocherte unter den gepre�ten trockenen Bl�ttern, mit denen der Beutel gef�llt war, herum und holte sich eine gro�z�gige H�lfte heraus, die er sich in seine Brusttasche stopfte. Er steckte eine Portion in seine Backe und gab den Beutel mit einem aufrichtigen Dank zur�ck. Gummiblatt war ein leichtes Stimulans, Cordelia hatte es Piotr in Vorbarr Sultana nie kauen sehen.</p><p>�Pa� auf die Pferde von Mylord auf�, rief Esterhazy ziemlich verzweifelt Bothari zu. �Sie sind keine Maschinen, denk dran!�</p><p>Bothari brummelte etwas Nichtssagendes, w�hrend der Graf und Esterhazy ihre Tiere wieder auf den Pfad bergab lenkten. In wenigen Augenblicken waren sie au�er Sicht. Ringsum kehrte tiefe Stille ein.</p></section><section><title><p>KAPITEL 12</p></title><p>Der Major setzte Gregor hinter sich, wo er durch die Bettrolle und die Satteltaschen bequem gepolstert war.</p><p>Cordelia stand vor einer weiteren Kletterei in jenes Folterinstrument f�r Menschen und Pferde, das Sattel genannt wurde. Ohne Bothari h�tte sie es nie geschafft Der Major nahm diesmal ihre Z�gel, und Rose und sein Pferd gingen Seite an Seite, und dabei gab es viel weniger Gezerre am Zaumzeug. Bothari setzte sich ans Ende und folgte ihnen wachsam.</p><p>�Also�, sagte der alte Mann nach einiger Zeit mit einem Seitenblick auf Cordelia, �Sie sind die neue Lady Vorkosigan.�</p><p>Cordelia, zerknittert und schmutzig, antwortete mit gequ�ltem L�cheln: �Ja. Ach �brigens, Graf Piotr hat Ihren Namen nicht erw�hnte, Major��?�</p><p>�Amor Klyeuvi, Mylady. Aber die Leute hier oben nennen mich einfach Kly.�</p><p>�Und�� ah�� was sind Sie?� Au�er eine Art Bergkobold, den Piotr aus dem Boden hervorgezaubert hatte.</p><p>Er l�chelte, was beim Zustand seiner Zahne eher absto�end als anziehend wirkte. �Ich bin die Kaiserliche Post, Mylady. Ich reite die Runde durch diese Berge, von Vorkosigan Surleau aus, alle zehn Tage. Mache das jetzt schon achtzehn Jahre. Inzwischen sind aus Kindern Leute geworden und haben jetzt schon wieder eigene Kinder, und diese Leute kannten mich nie als was anderes als Kly von der Post.�</p><p>�Ich dachte, die Post k�me in diese Gegend per Leichtflieger.�</p><p>�Sie werden stufenweise eingef�hrt. Aber die Flieger kommen nicht zu jedem Haus, sondern nur zu den zentralen Abwurfpunkten. Heutzutage ist da keine H�flichkeit mehr dabei.� Er spuckte Abscheu und Gummiblatt aus. �Aber wenn der General sie hier noch weitere zwei Jahre fernh�lt, dann mach ich meine letzten zwanzig Jahre voll, und dann bin ich dreimal zwanzig Jahre im Dienst. Ich bin nach zweimal zwanzig Jahren aus der Armee ausgeschieden.�</p><p>�Von welcher Waffengattung, Major Klyeuvi?�</p><p>�Kaiserliche Ranger.� Er schaute verstohlen nach ihrer Reaktion, sie belohnte ihn, indem sie beeindruckt die Augenbrauen hob. �Ich war ein K�mpfer, kein Techniker. Deshalb konnte ich es nicht weiter als bis zum Major bringen. Fing mit vierzehn Jahren an, in diesen Bergen, da tricksten wir mit dem General und Ezar die Cetagandaner aus. Seitdem bin ich nicht mehr in die Schule zur�ckgekehrt. Nur Trainingskurse. Mit der Zeit ging dann der Dienst an mir vorbei.�</p><p>�Nicht g�nzlich, scheint es�, sagte Cordelia und blickte sich in der anscheinend menschenleeren Wildnis um.</p><p>�Nein��� Er seufzte mit gesch�rzten Lippen und blickte nachdenklich und besorgt �ber seine Schulter zur�ck auf Gregor.</p><p>�Hat Piotr Ihnen erz�hlt, was gestern nachmittag geschehen ist?�</p><p>�Ja. Ich habe den See vorgestern morgen verlassen. Hab die ganze Aufregung verpa�t. Ich nehme an, die Nachrichten werden mich noch vor dem Mittag einholen.�</p><p>�Wird�� irgend etwas anderes uns bis dahin vielleicht auch einholen?�</p><p>�Wir m�ssen einfach abwarten.� Etwas z�gernd f�gte er hinzu: �Sie m�ssen diese Kleider ablegen, Mylady. Der Name VORKOSIGAN A. in gro�en Blockbuchstaben auf Ihrer Jakkentasche ist nicht sehr anonym.�</p><p>Cordelia schaute zerknirscht auf Arals schwarzes Arbeitshemd hinunter.</p><p>�Mylords Livree f�llt auch auf wie eine Fahne�, f�gte Kly hinzu und blickte zur�ck auf Bothari. �Aber in den richtigen Kleidern werden Sie gut durchkommen. Ich werde sehen, was ich tun kann, bald.�</p><p>Cordelia sackte fast zusammen, ihr Bauch schmerzte in Erwartung der Rast. Zuflucht. Aber um welchen Preis f�r diejenigen, die ihr Zuflucht gaben? �Wird es Sie gef�hrden, da� Sie uns helfen?�</p><p>Seine buschigen Augenbrauen hoben sich. �Vielleicht.� Sein Ton ermutigte nicht zu weiteren Anmerkungen zu diesem Thema.</p><p>Sie mu�te ihren m�den Geist irgendwie wieder auf die Reihe bringen, wenn sie f�r all die Leute um sie herum ein Aktivposten sein sollte und nicht nur eine Gefahrenquelle. �Ihr Gummiblatt da, wirkt das so ungef�hr wie Kaffee?�</p><p>�Oh, besser als Kaffee, Mylady.�</p><p>�Kann ich mal probieren?�, fragte sie etwas leiser, aus Sch�chternheit: vielleicht war diese Bitte zu vertraulich.</p><p>Seine Wangen verzogen sich zu einem trockenen Grinsen: �Nur Hinterw�ldler wie ich kauen Gummiblatt, Mylady. H�bsche Vor-Damen aus der Hauptstadt w�rden sich um keinen Preis mit Gummiblatt zwischen ihren perlwei�en Z�hnen erwischen lassen.�</p><p>�Ich bin nicht h�bsch, ich bin keine Dame, und ich bin nicht aus der Hauptstadt. Und f�r Kaffee w�rde ich jetzt sogar jemanden umbringen. Ich werde es mal probieren.�</p><p>Er lie� seine Z�gel auf den Hals seines ruhig dahintrottenden Pferdes fallen, kramte in der Tasche seiner blaugrauen Jacke herum und holte seinen Beutel heraus. Er brach mit nicht sonderlich sauberen Fingern ein St�ck ab und lehnte sich zu ihr her�ber.</p><p>Sie betrachtete das Zeug einen Moment lang mi�trauisch, wie es da dunkel und blattartig in ihrer Hand lag. <emphasis>Stecken Sie nie fremde organische Stoffe in Ihren Mund, solange sie nicht vom Labor freigegeben sind.</emphasis></p><p>Dann nahm sie es in den Mund. Das St�ck war mit etwas Ahornsirup selbstklebend gemacht, aber nachdem ihr Speichel die erste �berraschende S��e abgewaschen hatte, war der Geschmack angenehm bitter und adstringierend, Es schien den Belag abzul�sen, der von der Nacht her an ihren Z�hnen haftete, eine echte Verbesserung. Sie richtete sich auf.</p><p>Kly betrachtete sie nachdenklich. �Also, und was sind Sie, Nicht-Dame von einem anderen Planeten?�</p><p>�Ich war Astrokartographin. Dann Captain beim Astronomischen Erkundungsdienst. Dann Soldatin, dann Kriegsgefangene, dann Fl�chtling. Und dann war ich Ehefrau, und schlie�lich war ich Mutter. Ich wei� nicht, was ich als n�chstes sein werde�, antwortete sie offen, w�hrend sie das Gummiblatt kaute. Hoffentlich nicht <emphasis>Witwe.</emphasis></p><p>�Mutter? Ich habe geh�rt, da� Sie schwanger waren, aber�� haben Sie Ihr Baby nicht wegen dem Soltoxin verloren?� Er blickte verwirrt auf ihre Taille.</p><p>�Noch nicht. Es hat noch eine Chance zu k�mpfen. Obwohl es ein bi�chen unausgeglichen erscheint, ihn gerade jetzt gegen ganz Barrayar antreten zu lassen�� Er ist eine Fr�hgeburt. Durch chirurgischen Eingriff.� (Sie entschied, nicht zu versuchen, den Uterusreplikator zu erkl�ren.) �Er ist im Kaiserlichen Milit�rkrankenhaus. In Vorbarr Sultana. Das meines Wissens nach gerade von Vordarians Rebellentruppen eingenommen wurde��</p><p>Sie zitterte. Vaagens Labor war geheim, nichts, das irgend jemands Aufmerksamkeit auf sich ziehen k�nnte. Miles ging es gut, ging es gut, ging es gut, und ein Ri� in dieser d�nnen Schale aus �berzeugung h�tte Hysterie zur Folge�� Aral, nun, Aral konnte f�r sich selbst sorgen, wenn das �berhaupt jemand konnte. Und wie war er so �berrumpelt worden, na wie? Keine Frage, der Sicherheitsdienst war mit Verr�tern durchsetzt. Man konnte hier niemandem trauen, und wo war Illyan? Gefangen in Vorbarr Sultana? Oder war er Vordarians Kollaborateur? Nein�� Abgeschnitten, viel wahrscheinlicher. Wie Kareen. Wie Padma und Alys Vorpatril. Das Leben im Wettlauf mit dem Tode��</p><p>�Keiner wird das Krankenhaus behelligen�, sagte Kly, der ihr Gesicht beobachtete.</p><p>�Ich�� ja. Das stimmt.�</p><p>�Warum sind Sie von einem anderen Planeten nach Barrayar gekommen?�</p><p>�Ich wollte Kinder haben.� Ein unfrohes Lachen kam von ihren Lippen. �Haben Sie Kinder, Kly von der Post?�</p><p>�Soweit ich wei�, nicht.�</p><p>�Sie waren sehr weise.�</p><p>�Oh��� Sein Gesichtsausdruck wurde abweisend. �Ich wei� nicht. Seit meine Alte gestorben ist, ist�s ziemlich still. Bei einigen M�nnern, die ich kenne, haben die Kinder ihnen gro�e Schwierigkeiten gemacht. Ezar. Piotr. Ich wei� nicht, wer die Opfergaben an meinem Grab entz�nden wird. Meine Nichte, vielleicht.�</p><p>Cordelia blickte auf Gregor, der auf den Satteltaschen ritt und zuh�rte. Gregor hatte die Kerze f�r den gro�en Opferscheiterhaufen bei Ezars Begr�bnis entz�ndet, Aral hatte dabei seine Hand gef�hrt.</p><p>Sie ritten weiter die Stra�e hinauf, bergan. Viermal verschwand Kly auf Seitenpfaden, w�hrend Cordelia, Bothari und Gregor au�er Sicht warteten.</p><p>Vom dritten dieser Zustellungsg�nge kehrte Kly mit einem B�ndel zur�ck, das einen alten Rock, ein Paar abgetragener Hosen und etwas Hafer f�r die m�den Pferde enthielt. Cordelia, die immer noch fror, zog den Rock �ber ihre alten Hosen. Bothari tauschte seine auff�lligen braunen Uniformhosen mit dem Silbersteifen an der Seite gegen die ausrangierten Hosen des Bergbewohners. Die Hosen waren zu kurz: sie endeten oberhalb der Kn�chel und gaben ihm das Aussehen einer unheimlichen Vogelscheuche.</p><p>Botharis Uniform und Cordelias schwarzes Hemd wurden in einem leeren Postsack versteckt. Kly l�ste das Problem von Gregors fehlendem Schuh, indem er ihm den anderen einfach auszog und den Jungen barfu� gehen lie�, seinen allzu sch�nen blauen Spielanzug verbarg er unter einem �bergro�en M�nnerhemd, dessen �rmel er aufrollte. Mann, Frau, Kind: sie schauten aus wie eine abgeh�rmte, heruntergekommene Familie aus dem Bergland.</p><p>Sie erreichten die H�he des Amie-Passes und begannen dann mit dem Abstieg. Gelegentlich warteten am Stra�enrand Leute auf Kly, er gab m�ndliche Botschaften weiter, die er�� so schien es Cordelia�� wortw�rtlich herunterratterte. Er verteilte Briefe auf Papier und billige Vocodisks, deren Selbstplaybacks blechern und d�nn klangen. Zweimal hielt er an, um anscheinend leseunkundigen Empf�ngern Briefe vorzulesen, einmal las er einem Blinden vor, der von einem kleinen M�dchen gef�hrt wurde. Cordelia wurde mit jeder freundlichen Begegnung nerv�ser, entkr�ftet durch die Ersch�pfung ihrer Nerven. <emphasis>Wird dieser Kerl uns verraten? Wie sehen wir f�r diese Frau aus? Der Blinde kann uns wenigstens nicht beschreiben��</emphasis></p><p>Gegen Einbruch der D�mmerung kam Kly von einem seiner Abstecher zur�ck, blickte in beide Richtungen des stillen, dunklen Pfads durch die Wildnis und erkl�rte: �Diese Gegend wimmelt einfach von Leuten.� Es war ein Zeichen f�r Cordelias �beranstrengung, da� sie ihm innerlich zustimmte. Er betrachtete sie mit Sorge in seinem Blick: �Glauben Sie, da� Sie noch weitere vier Stunden weiterreiten k�nnen, Mylady?�</p><p><emphasis>Was ist die Alternative? An dieser Schlammpf�tze hocken bleiben und heulen, bis wir gefangen werden?</emphasis> Sie rappelte sich auf die Beine und erhob sich von dem gef�llten Baumstamm, auf dem sie gehockt hatte, w�hrend sie auf die R�ckkehr ihres F�hrers warteten. �Das h�ngt davon ab, was am Ende dieser vier Stunden kommt.�</p><p>�Mein Haus. Gew�hnlich verbringe ich diese Nacht bei meiner Nichte, hier in der N�he. Meine Tour endet etwa zehn Stunden von hier, wenn ich meine Zustellungen erledige, aber wenn wir direkt weitergehen, k�nnen wir es in vier Stunden schaffen. Ich kann morgen fr�h hierher zur�ckkommen und meinen Plan wie gewohnt einhalten. Ganz unauff�llig, ohne da� irgend jemand was bemerkt.�</p><p>Was <emphasis>bedeutet �direkt�?</emphasis> Aber Kly hatte recht: ihre ganze Sicherheit lag in ihrer Anonymit�t, ihrer Unsichtbarkeit. Je eher sie au�er Sicht waren, um so besser. �Gehen wir weiter, Major.�</p><p>Es dauerte sechs Stunden. Botharis Pferd begann kurz vor ihrem Ziel zu lahmen. Er stieg ab und zog es hinter sich her. Es hinkte und warf seinen Kopf umher. Auch Cordelia ging zu Fu�, um ihre wundgeriebenen Beine zu schonen und sich in der frostigen Dunkelheit warm und wach zu halten. Gregor schlief ein und fiel vom Pferd, schrie nach seiner Mutter und schlief dann wieder ein, als Kly ihn vor sich setzte, um ihn besser im Griff zu haben. Der letzte Aufstieg raubte Cordelia den Atem und lie� ihr Herz wild schlagen, obwohl sie sich zur Erleichterung an Roses Steigb�gel h�ngte. Beide Pferde bewegten sich wie alte Weiber mit Arthritis und stapften ruckelnd dahin: nur der angeborene Herdentrieb der Tiere lie� sie weiter Klys z�hem Schekken folgen.</p><p>Der Aufstieg wurde pl�tzlich zu einem Abstieg �ber einen H�gelkamm in ein gro�es Tal hinab. Die W�lder wurden d�nner und offener, Bergwiesen waren dazwischen gestreut. Cordelia konnte die freien R�ume um sich herum sp�ren, die jetzt der Gr��enordnung echter Berge entsprachen, weite Abgr�nde voll Dunkelheit, riesige Massen aus Stein, schweigend wie die Ewigkeit. Drei Schneeflocken schmolzen auf ihrem Gesicht, als sie nach oben blickte. Am Rand einer nur verschwommen erkennbaren Baumgruppe hielt Kly an: �Endstation, Leute.�</p><p>Cordelia trug den schlafenden Gregor in die winzige H�tte, tastete sich zu einer Bettstelle und rollte ihn darauf. Er wimmerte in seinem Schlaf, als sie die Decken �ber ihn zog. Sie stand schwankend da, wie bet�ubt, dann streifte sie in einem letzten Aufflackern von Geistesklarheit ihre Hausschuhe ab und stieg neben Gregor ins Bett. Seine F��e waren eiskalt. W�hrend sie sie an ihrem Leib w�rmte, lie� sein Zittern allm�hlich nach, und er fiel in einen tieferen Schlaf. Undeutlich bekam sie noch mit, da� Kly�� Bothari�� irgend jemand ein Feuer im Kamin entz�ndet hatte.</p><p>Armer Bothari, er war genauso lang wach gewesen wie sie. Im milit�rischen Sinn war er ihr Untergebener, sie m��te darauf achten, da� er a�, seine F��e versorgte, schlief�� sie m��te�� sie m��te��</p><p>Cordelia schreckte aus dem Schlaf hoch und entdeckte, da� die Bewegung, die sie geweckt hatte, von Gregor ausgegangen war, der sich neben ihr aufgesetzt hatte und sich verschlafen und verwirrt die Augen rieb. Licht str�mte durch zwei schmutzige Fenster an beiden Seiten der h�lzernen Vordert�r herein. Das H�uschen oder die H�tte bestand nur aus einem einzigen Raum, zwei der W�nde schienen aus �bereinandergeschichteten ganzen Baumst�mmen zu bestehen. An der Feuerstelle aus grauen Steinen am einen Ende standen auf einem Rost �ber einem Bett aus gl�henden Kohlen ein Kessel und ein zugedeckter Topf. Cordelia rief sich wieder in Erinnerung, da� Holz hier Armut und nicht Wohlstand bedeutete. Sie mu�ten tags zuvor an zehn Millionen B�umen vorbeigekommen sein.</p><p>Sie setzte sich auf und keuchte vor Schmerz wegen der Milchs�ure, die sich in ihren Muskeln aufgebaut hatte. Sie streckte ihre Beine aus. Das Bett bestand aus einem Netz aus Seilen, das auf einen Rahmen gespannt war und zuerst eine mit Stroh gef�llte Matratze und dar�ber eine mit Federn gef�llte trug. Sie und Gregor waren zumindest warm in ihrem Nest. Die Luft in dem Raum roch nach Staub, vermischt mit dem angenehmen Aroma des Rauchs eines Holzfeuers.</p><p>Stiefelschritte erklangen auf den Brettern der Veranda drau�en, und Cordelia packte Gregors Arm in pl�tzlicher Panik. Sie konnte nicht laufen�� der schwarze Feuerhaken dort dr�ben w�rde nur eine ziemlich armselige Waffe abgeben gegen einen Bet�uber oder Nervendis-ruptor��, aber es waren Botharis Schritte. Er schl�pfte durch die T�r zusammen mit einem Hauch von frischer Luft. Seine grob gen�hte gelbbraune Stoffjacke mu�te er von Kly geborgt haben, nach der Art zu schlie�en, wie seine knochigen Handgelenke aus den umgeschlagenen �rmelaufschl�gen herausragten. Man konnte ihn leicht f�r einen Bergbewohner halten, solange er seinen Mund hielt und nicht seinen Stadtakzent verriet.</p><p>Er nickte ihnen zu: �Mylady! Euere Majest�t!� Er kniete an der Feuerstelle nieder, guckte unter den Topfdeckel und pr�fte die Temperatur des Kessels, indem er seine gro�e Hand ein paar Zentimeter �ber dem Kessel w�lbte. �Es gibt Hafergr�tze und Sirup�, sagte er, �hei�es Wasser, Kr�utertee, getrocknete Fr�chte, keine Butter.�</p><p>�Was passiert eigentlich?� Cordelia rieb sich das Gesicht und schwang ihre Beine aus dem Bett in der Absicht, zum Kr�utertee zu stolpern.</p><p>�Nicht viel. Der Major hat sein Pferd etwas ausruhen lassen, dann ist er vor dem Morgengrauen losgeritten, um seinen Zeitplan einzuhalten. Es war seitdem wirklich ruhig.�</p><p>�Haben Sie schon etwas geschlafen?�</p><p>�Ein paar Stunden, glaube ich.�</p><p>Der Tee mu�te warten, w�hrend Cordelia den Kaiser hinab zu Klys Aborth�uschen begleitete. Gregor r�mpfte die Nase und be�ugte nerv�s den Sitz in Erwachsenengr��e. Als sie wieder auf der Veranda vor der H�tte waren, �berwachte Cordelia das Waschen von H�nden und Gesicht �ber einem verbeulten Metallbecken.</p><p>Nachdem sie ihr Gesicht getrocknet hatte und wieder klar sehen konnte, geno� Cordelia den phantastischen Ausblick von der Veranda. Die H�lfte des Distrikts der Vorkosigans schien dort unten ausgebreitet, die braunen H�gel am Fu� der Berge, die gr�n- und gelbgefleckten besiedelten Ebenen dahinter. �Ist das unser See?� Cordelia nickte in Richtung auf ein silbernes Glitzern in den H�geln, das sie gerade noch sehen konnte.</p><p>�Ich glaube schon�, sagte Bothari, der seine Augen zusammenkniff.</p><p>So weit, wenn man so schnell zu Fu� gekommen war. So schrecklich nah, in einem Leichtflieger�� Nun ja, wenigstens konnte man von hier aus alles sehen, was sich da n�hern mochte.</p><p>Die Hafergr�tze mit Sirup, serviert auf einem abgesplitterten wei�en Teller, schmeckte gro�artig. Cordelia trank Unmengen von Kr�utertee und erkannte, da� sie schon gef�hrlich ausgetrocknet gewesen war. Sie versuchte Gregor zum Trinken zu ermuntern, aber er mochte den adstringierenden Geschmack des Tees nicht. Bothari schien vor Scham fast zu versinken, da� er nicht auf seines Kaisers direkten Wunsch Milch aus der Luft zaubern konnte. Cordelia l�ste das Problem, indem sie den Tee mit Sirup s��te und ihn somit annehmbar machte.</p><p>Als sie das Fr�hst�ck beendet, die wenigen Utensilien und Teller gewaschen und das bi�chen Waschwasser �ber das Gel�nder der Veranda gesch�ttet hatte, war inzwischen die Veranda in der Morgensonne gen�gend warm geworden, da� man drau�en sitzen konnte.</p><p>�Warum �bernehmen Sie nicht das Bett, Sergeant. Ich werde Wache halten. Ach �brigens�� gab Ihnen Kly irgendeinen Rat, was wir tun sollten, wenn ein Feind uns hier �berrascht, bevor er zur�ckkommt? Es sieht fast so aus, als h�tten wir keine Orte mehr, wohin wir fl�chten k�nnten.�</p><p>�Nicht ganz, Mylady. Es gibt ein Netz von H�hlen, dort oben in dem Waldst�ck da hinten. Ein altes Guerillaversteck. Kly nahm mich in der Nacht mit dorthin und zeigte mir den Eingang.�</p><p>Cordelia seufzte: �Das ist gut. Schlafen Sie ein wenig, Sergeant, wir werden Sie bestimmt sp�ter noch brauchen.�</p><p>Sie setzte sich in die Sonne auf einen der Holzst�hle und lie� ihren Leib ausruhen, allerdings nicht ihren Geist. Ihre Augen und Ohren warteten angespannt auf das Jaulen eines fernen Leichtfliegers oder eines schweren Luftwagens. Sie umwickelte Gregors F��e mit behelfsm��igen Schuhen aus Lumpen, und er wanderte umher und untersuchte alles, was er fand.</p><p>Sie begleitete ihn bei einem Besuch im Stall, um nach den Pferden zu sehen. Das Tier des Sergeanten lahmte noch sehr und Rose bewegte sich so wenig wie m�glich, aber sie hatten Futter in einer Raufe und Wasser von einem kleinen Bach, der am Ende ihrer Umfriedung vorbeiflo�. Klys anderes Pferd, ein schlanker Fuchs, der gesund und munter aussah, schien das Eindringen der anderen Pferde zu ertragen und bi� nur nach Rose, wenn sie sich zu nah an seine Seite der Heuraufe dr�ngte.</p><p>Cordelia und Gregor sa�en auf den Stufen der Veranda, als die Sonne den Zenith erreichte, und jetzt war es angenehm warm. Der einzige Laut in dem weiten Tal au�er dem Wind in den Zweigen war Botharis Schnarchen, das durch die H�ttenw�nde drang. Jetzt waren sie so entspannt, wie sie es unter diesen Umst�nden �berhaupt sein konnten, entschied Cordelia und sie wagte endlich, Gregor nach seinem Eindruck�� ihrem einzigen Augenzeugenbericht�� �ber den Putsch in der Hauptstadt auszufragen. Es war keine gro�e Hilfe, Gregors Augen, die eines F�nfj�hrigen, sahen das <emphasis>Was</emphasis> gut genug, aber das <emphasis>Warum</emphasis> entging ihm. Auf einer h�heren Ebene hatte sie das gleiche Problem, gab Cordelia vor sich selbst entt�uscht zu.</p><p>�Die Soldaten kamen. Ein Oberst befahl Mama und mir, mit ihm zu gehen. Einer von unseren Livrierten kam herein. Der Oberst scho� auf ihn.�</p><p>�Mit einem Bet�uber oder einem Nervendisruptor?�</p><p>�Mit einem Nervendisruptor. Blaues Feuer. Er fiel hin. Sie nahmen uns zum Marmorhof. Sie hatten Luftwagen. Dann rannte Negri mit ein paar M�nnern herein. Ein Soldat packte mich, und Mama packte mich wieder, und dabei passierte das mit meinem Schuh. Er ging ab und sie hielt ihn in der Hand. Ich h�tte�� ihn fester zubinden sollen, am Morgen. Dann scho� Oberst Negri auf den Soldaten, der mich trug, und einige Soldaten schossen auf Oberst Negri���</p><p>�Mit Plasmab�gen? Wurde er dabei so schrecklich verbrannt?�, fragte Cordelia. Sie versuchte, in ganz ruhigem Ton zu sprechen.</p><p>Gregor nickte stumm. �Einige Soldaten nahmen Mama, die anderen, nicht die von Negri. Negri nahm mich hoch und rannte weg. Wir liefen durch die Tunnel, unter der Residenz und kamen in einer Garage heraus. Wir stiegen in den Leichtflieger. Sie schossen auf uns. Oberst Negri sagte zu mir, ich soll den Mund halten, ich soll still sein. Wir flogen und flogen, und er schrie immer, ich soll still sein, aber ich <emphasis>war</emphasis> still. Und dann landeten wir am See.� Gregor zitterte wieder.</p><p>�Mm.� Kareen wirbelte in lebhaften Bildern durch Cordelias Vorstellung, trotz der Einfachheit von Gregors Bericht. Jenes heitere Gesicht, jetzt verzerrt im Aufschrei von Zorn und Schrecken, als man den Sohn, den sie auf die schwere barrayaranisehe Art und Weise geboren hatte, von ihr ri� und ihr�� nichts �briglie� als einen Schuh, von all ihrem unsicheren Leben und all ihrem illusorischen Besitz. Vordarians Truppen hatten also Kareen. Als Geisel? Oder Opfer? Lebendig oder tot?</p><p>�Glaubst du, da� es Mama gutgeht?�</p><p>�Sicher.� Cordelia r�ckte verlegen hin und her. �Sie ist eine sehr wertvolle Dame. Man wird ihr nichts antun.� <emphasis>Bis es ihnen zweckm��ig erscheint, ihr doch etwas anzutun.</emphasis></p><p>�Sie hat geweint.�</p><p>�Ja.� Sie konnte das gleiche Kn�uel in ihrem eigenen Bauch sp�ren. Der geistige Blitz, vor dem sie gestern den ganzen Tag zur�ckgescheut war, explodierte in ihrem Gehirn. Stiefel, die eine gesicherte Labort�r aufstie�en. Die Pulte und Tische umstie�en. Keine Gesichter, nur Stiefel.</p><p>Gewehrkolben, die zerbrechliche Glasbeh�lter und Computermonitore von Arbeitstischen fegten, zu einem wirren Scherbenhaufen auf dem Boden.</p><p>Ein Uterusreplikator, der grob aufgerissen wurde, dessen sterile Verschl�sse aufgeschlitzt wurden, dessen feuchter Inhalt herausgefetzt und auf die Fliesen gesch�ttet wurde�� nicht einmal die Notwendigkeit f�r die traditionelle Methode des Kindermordes, wo das Kind bei den F��en gepackt und sein Kopf gegen die n�chste Betonmauer geschleudert wurde, Miles war so klein, da� die Stiefel nur auf ihn <emphasis>zu treten </emphasis>brauchten, um ihn zu Brei zu zermalmen�� Sie holte tief Luft.</p><p><emphasis>Miles geht es gut. Er ist anonym, genau wie wir. Wir sind sehr klein und sehr still und sicher. Schweige, sei still, Kind.</emphasis> Sie umarmte Gregor fest.</p><p>�Mein kleiner Sohn ist auch in der Hauptstadt, wie deine Mama. Und du bist bei mir. Wir werden aufeinander aufpassen. Ganz sicher!�</p><p>Nach dem Abendessen, als es immer noch kein Zeichen von Kly gab, sagte Cordelia: �Zeigen Sie mir die H�hle, Sergeant.� Kly bewahrte auf seinem Kaminsims eine Schachtel mit Kaltlichtern auf. Bothari brach eins auf und f�hrte Cordelia und Gregor auf einem kaum sichtbaren steinigen Pfad hinauf in die W�lder. Er wirkte wie ein bedrohliches Irrlicht mit dem hellen, gr�nlich gef�rbten Licht, das aus dem Rohr zwischen seinen Fingern leuchtete.</p><p>Der Platz vor dem H�hleneingang zeigte Anzeichen daf�r, da� man hier einmal gerodet hatte, obwohl inzwischen die wild wuchernde Vegetation schon wieder bis zur H�hle vorger�ckt war. Der Gang war keineswegs verborgen: ein g�hnendes schwarzes Loch, dessen H�he der doppelten Gr��e von Bothari entsprach und das breit genug war, da� man einen Leichtflieger hindurchschieben konnte. Unmittelbar hinter dem Eingang hob sich die H�hlendecke und W�nde ragten auf und bildeten eine gro�e, staubige H�hle. Ganze Patrouillen konnten hier drinnen kampieren und hatten das auch in ferner Vergangenheit getan, nach dem uralten Abfall zu schlie�en, der herumlag. Nischen f�r Schlafkojen waren in den Fels gemei�elt, Namen, Initialen, Daten und derbe Kommentare bedeckten die W�nde.</p><p>Eine kalte Feuergrube in der Mitte hatte ihre Entsprechung in einem rauchgeschw�rzten L�ftungsloch in der Decke, durch das einst der Rauch entwichen war. Vor Cordelias geistigem Auge erschien eine geisterhafte Schar von Bergbewohnern, Guerillakriegern, die a�en, scherzten, Gummiblatt ausspuckten, ihre Waffe reinigten und ihren n�chsten Oberfall planten. Sp�her und Kundschafter kamen und gingen, Gespenster unter den Gespenstern, um ihre wertvollen, mit Blut erkauften Informationen ihrem jungen General vorzutragen, der seine Landkarten auf dem flachen Fels dort dr�ben ausgebreitet hatte�� Sie sch�ttelte die Vision aus ihrem Kopf, nahm das Licht und erforschte die Nischen. Mindestens f�nf passierbare Ausg�nge f�hrten aus der H�hle fort, von denen drei allem Anschein nach h�ufig benutzt worden waren.</p><p>�Hat Kly gesagt, wohin die f�hren, wo sie herauskommen, Sergeant?�</p><p>�Nicht genau, Mylady. Er sagte, die G�nge f�hrten kilometerweit in die H�gel. Er war schon sp�t dran und hatte es eilig, weiterzukommen.�</p><p>�Ist das ein vertikales oder horizontales System? Was hat er gesagt?�</p><p>�Verzeihung, Mylady?�</p><p>�Sind alle auf ein und derselben Ebene, oder gibt es unerwartete tiefe Abst�rze? Gibt es viele Sackgassen? Welchen Weg sollten wir nehmen? Gibt es unterirdische Wasserl�ufe?�</p><p>�Ich glaube, er erwartet, da� er uns f�hrt, falls wir hier reingehen. Er fing an zu erkl�ren, sagte dann aber, es sei zu kompliziert.�</p><p>Sie runzelte die Stirn und erwog die M�glichkeiten. Sie hatte ein bi�chen H�hlenausbildung bei ihrem Training f�r den Erkundungsdienst mitbekommen, und zwar genug, um zu begreifen, was der Ausdruck <emphasis>Achtung vor den Gefahren</emphasis> bedeutete. Luftl�cher, Abst�rze, Felsspalten, labyrinthische Querg�nge�� dazu, hier, das unerwartete Steigen und Fallen von Wasser, wor�ber man sich auf Kolonie Beta nicht viele Sorgen zu machen brauchte. Es hatte in der vergangenen Nacht geregnet. Sensoren waren keine gro�e Hilfe, wenn es darum ging, einen verlorenen H�hlenforscher zu finden. Und wessen Sensoren? Wenn das System so ausgedehnt war, wie Kly angedeutet hatte, dann konnte es Hunderte von Suchenden verschlucken�� Ihr Stirnrunzeln wandelte sich langsam zu einem L�cheln.</p><p>�Sergeant, heute nacht kampieren wir hier!�</p><p>Die H�hle gefiel Gregor, besonders als Cordelia die Geschichte des Ortes beschrieb. Er tobte in der H�hle herum, wobei er kriegerische Selbstgespr�che f�hrte wie: �Zack, zack, zack!�, kletterte in alle Nischen und versuchte, die derben Worte herauszubringen, die in die W�nde geritzt waren. Bothari entz�ndete ein kleines Feuer in der Grube, breitete eine Bettrolle f�r Gregor und Cordelia aus und �bernahm selbst die Nachtwache. Cordelia rollte ein zweites Bettzeug um Proviant f�r einen Marsch und legte das B�ndel griffbereit in die N�he des Eingangs. Sie breitete das schwarze Arbeitshemd mit dem Namen VORKOS1GAN A. kunstvoll in einer Nische aus, als sei es zum Draufsitzen benutzt und dann vor�bergehend vergessen worden, als der Sitzende aufgestanden war.</p><p>Zuletzt brachte Bothari ihre lahmenden und nutzlosen Pferde herauf, neu gesattelt und mit Z�geln versehen, und band sie direkt vor der H�hle fest.</p><p>Cordelia kam aus dem weitesten Gang zur�ck, wo sie in etwa einem Viertel Kilometer Entfernung ein fast verbrauchtes Kaltlicht �ber ein Zehnmeterabhang hatte fallen lassen, der von einem Seil �berspannt war.</p><p>Das Seil war aus Naturfasern, sehr alt und spr�de. Sie hatte sich entschlossen, es nicht zu testen.</p><p>�Ich verstehe das nicht ganz, Mylady�, sagte Bothari. �Mit den Pferden dort drau�en, wenn jemand kommt und nach uns schaut, dann finden sie uns sofort und wissen genau, wohin wir gegangen sind.�</p><p>�Finden, ja�, sagte Cordelia, �wissen, wohin wir gegangen sind, nein. Ohne Kly werde ich Gregor auf keinen Fall in dieses Labyrinth hinabnehmen. Aber die beste Methode, um den Eindruck zu erwecken, wir seien hier, ist, tats�chlich ein bi�chen hier zu bleiben.�</p><p>In Botharis ausdruckslosen Augen leuchtete endlich Verstehen auf, als er auf die f�nf schwarzen Eing�nge auf ihren verschiedenen Ebenen blickte.</p><p>�Ach so!�</p><p>�Das bedeutet, wir m�ssen noch ein wirkliches Schlupfloch finden. Irgendwo oben in den W�ldern, wo wir uns zu dem Pfad durchschlagen k�nnen, �ber den Kly uns gestern hochgebracht hat. Ich w�nsche mir, wir h�tten das schon bei Tageslicht getan.�</p><p>�Ich verstehe, was Sie meinen, Mylady. Ich werde es mal auskundschaften.�</p><p>�Bitte, tun Sie das, Sergeant.�</p><p>Er nahm ihr Proviantb�ndel und verschwand in die dunklen W�lder.</p><p>Cordelia steckte Gregor ins Bett und dann hockte sie sich drau�en zwischen die Felsen �ber dem H�hleneingang und hielt Wache. Sie konnte das Tal sehen, das sich grau unter den Baumwipfeln ausdehnte, und sie konnte das Dach von Klys H�tte erkennen. Kein Rauch stieg jetzt aus seinem Schornstein auf. Unter dem Stein w�rde kein ferner W�rmesensor ihr neues Feuer finden, obwohl dessen Geruch in der k�hlen Luft hing und f�r nahe Nasen erkennbar war. Sie schaute nach sich bewegenden Lichtern am Himmel, bis sie die Sterne mit tr�nenden Augen nur noch verschwommen sah.</p><p>Es dauerte ziemlich lange, bis Bothari zur�ckkehrte. �Ich habe einen Platz gefunden. Gehen wir sofort dorthin?�</p><p>�Noch nicht. Kly k�nnte noch auftauchen.� <emphasis>Zuerst.</emphasis></p><p>�Dann sind Sie jetzt mit Schlafen an der Reihe, Mylady.�</p><p>�O ja.� Die Anstrengungen des Abends hatte die saure M�digkeit nur teilweise aus ihren Muskeln vertrieben. Sie verlie� Bothari, der im Sternenlicht wie ein bizarres Schutzwesen auf dem Kalksteinfelsen hockte, und kroch zu Gregor ins Bett. Schlie�lich schlief sie ein.</p><p>Sie erwachte beim grauen Licht der Morgend�mmerung, das aus dem H�hleneingang ein leuchtendes nebliges Oval machte. Bothari bereitete hei�en Tee zu, und sie teilten unter sich die kalten Fladen von Pfannenbrot auf, die noch vom vergangenen Abend �brig waren, und knabberten getrocknetes Obst.</p><p>�Ich werde noch etwas Wache schieben�, bot Bothari an. �Ich kann ohne meine Medikamente nicht so gut schlafen.�</p><p>�Medikamente?�, sagte Cordelia.</p><p>�Ja, ich habe meine Pillen in Vorkosigan Surleau gelassen. Ich merke allm�hlich, wie mein Organismus sie ausscheidet. Die Dinge erscheinen sch�rfer.�</p><p>Cordelia schwemmte einen pl�tzlich sehr klumpigen Bissen Brot mit einem Schluck hei�en Tees hinunter. Aber waren seine psychoaktiven Drogen wirklich therapeutisch, oder in ihrer Auswirkung nur politisch?</p><p>�Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie irgendwelche Schwierigkeiten haben, Sergeant�, sagte sie vorsichtig.</p><p>�Bis jetzt noch nicht. Au�er, da� es schwieriger wird zu schlafen. Sie unterdr�cken die Tr�ume.� Er nahm seinen Tee und wanderte zur�ck auf seinen Posten.</p><p>Cordelia unterlie� es bewu�t, ihren Lagerplatz aufzur�umen. Sie begleitete Gregor zum n�chsten Fl��chen, wo sie sich H�nde und Gesicht wuschen.</p><p>Sie rochen sicher bald wie echte Bergbewohner. Dann kehrten sie zur H�hle zur�ck, wo Cordelia sich eine Weile auf dem Bett ausruhte. Sie mu�te darauf bestehen, da� Bothari bald abgel�st wurde. Wenn doch Kly k�me�</p><p>Botharis angespannte leise Stimme hallte in der H�hle wider:</p><p>�Mylady. Majest�t. Zeit zu gehen.�</p><p>�Kly?�</p><p>�Nein.�</p><p>Cordelia rollte auf ihre F��e, stie� einen vorbereiteten Erdhaufen �ber die letzten Kohlen ihres Feuers, packte Gregor und verfrachtete ihn aus der H�hle hinaus. Er sah pl�tzlich erschrocken und kr�nklich aus. Bothari zog die Z�gel von den Pferden los, lockerte sie und warf die Geschirre auf einen Haufen mit den S�tteln. Cordelia kletterte ein St�ck neben der H�hle hoch und warf einen Blick �ber die Baumwipfel. Ein Flieger war vor Klys H�tte gelandet. Zwei schwarzuniformierte Soldaten umkreisten sie von beiden Seiten. Ein dritter verschwand unter dem Dach der Veranda. Schwach und verz�gert kam aus der Ferne das Ger�usch, das verriet, da� Klys Vordert�r eingetreten wurde. Nur Soldaten waren in dem Flieger, keine Bergbewohner, weder als F�hrer noch als Gefangene. Kein Zeichen von Kly.</p><p>Bothari nahm Gregor hoch und trug ihn huckepack, und so rannten sie in die W�lder, Rose machte Anstalten, ihnen zu folgen, und Cordelia drehte sich um, winkte mit den Armen und fl�sterte verzweifelt: �Nein! Geh weg, du dummes Vieh!�, um sie zu verscheuchen.</p><p>Rose z�gerte, dann machte sie kehrt, um bei ihrem lahmenden Gef�hrten zu bleiben.</p><p>Sie lief gleichm��ig, ohne Panik. Bothari hatte den Weg gut ausgesucht und nutzte sch�tzende Felsen und B�ume und vom Wasser gegrabene Stufen aus. Sie krabbelten hinauf, hinunter, wieder hinauf, aber als Cordelia gerade dachte, ihre Lungen w�rden bersten und ihre Verfolger m��ten sie aufsp�ren, da verschwand Bothari an einer steilen Felswand.</p><p>�Hierher, Mylady!�</p><p>Er hatte eine d�nne horizontale Spalte in dem Felsen gefunden, einen halben Meter hoch und drei Meter tief. Sie rollte neben ihm hinein und sah, da� die Nische auf allen Seiten von solidem Fels abgeschirmt wurde, au�er auf der Vorderseite, und die war von herabgest�rzten Steinen fast blockiert. Ihr Bettzeug und ihr Proviant warteten schon auf sie.</p><p>�Kein Wunder�, keuchte Cordelia, �da� die Cetagandaner hier oben Schwierigkeiten hatten.� Ein W�rmesensor mu�te direkt in die H�hle gerichtet werden, damit er sie ausfindig machen konnte, und zwar von einem Punkt zwanzig Meter in der Luft �ber der Schlucht. Und an dieser Stelle gab es Hunderte �hnlicher Spalten.</p><p>�Noch besser�, Bothari holte aus der Rolle mit ihrem Bettzeug einen uralten Feldstecher, den er aus Klys Kabine hatte mitgehen lassen, �wir k�nnen sie sehen.�</p><p>Das Fernglas bestand aus nichts anderem als zwei miteinander verbundenen R�hren mit verstellbaren Glaslinsen, also aus v�llig passiven Lichtkollektoren. Es mu�te noch aus der Zeit der Isolation stammen. Die Vergr��erung war schwach im Vergleich zum modernen Standard, es gab keine UV- oder InfrarotVerst�rkung, keinen Entfernungsmesser-Impuls�� also auch keine Stromzelle, die aufsp�rbare Energiespuren hinterlassen konnte. Flach auf dem Bauch liegend, mit dem Kinn im Ger�ll, konnte Cordelia den fernen H�hleneingang ersp�hen, auf dem Abhang, der sich jenseits der Schlucht und eines scharfen Felskamms erhob. Als sie sagte: �Jetzt m�ssen wir sehr leise sein�, rollte sich Gregor, der ganz bleich im Gesicht war, in Embryohaltung zusammen.</p><p>Die schwarzgekleideten M�nner fanden schlie�lich die Pferde, obwohl sie eine Ewigkeit daf�r zu brauchen schienen. Dann fanden sie den H�hleneingang. Die kleinen Figuren gestikulierten aufgeregt miteinander, liefen hinein und heraus, und riefen den Flieger, der dann vor dem Eingang landete, wobei viel Geb�sch niedergewalzt wurde. Vier M�nner gingen hinein, einer kam wieder heraus. Nach einiger Zeit landete ein weiterer Flieger. Dann kam ein Luftlaster und entlud eine ganze Patrouille.</p><p>Der Eingang zum Berg nahm alle auf. Ein weiterer Luftlaster kam, und es wurden Lichter aufgestellt, ein Feldgenerator, Funkger�te.</p><p>Cordelia machte im Bettzeug ein Nest f�r Gregor, f�tterte ihn mit kleinen Happen und lie� ihn aus ihrer Wasserflasche trinken, Bothari streckte sich an der R�ckwand der Nische aus, wobei er nur die d�nnste Decke zusammengefaltet unter den Kopf legte, ansonsten schien er gegen den Stein unempfindlich zu sein. W�hrend Bothari schlummerte, z�hlte Cordelia sorgf�ltig, wieviele J�ger eintrafen. Am sp�ten Nachmittag waren nach ihrer Rechnung schon etwa vierzig M�nner in die H�hlen hinabgegangen und nicht wieder hochgekommen.</p><p>Zwei M�nner wurden auf Schwebebahren festgegurtet herausgebracht, in einen Sanit�tstransporter geladen und weggeflogen. Ein Leichtflieger baute inmitten des Gewimmels eine Bruchlandung, kippte hangabw�rts um und prallte gegen einen Baum. Aber noch mehr M�nner wurden eingesetzt, um ihn herauszuziehen, aufzurichten und zu reparieren. Gegen Abend waren schon �ber sechzig M�nner in das H�hlensystem hinabgestiegen.</p><p>Eine ganze Kompanie, die von der Hauptstadt abgezogen worden war, keine Fl�chtigen mehr verfolgte, nicht verf�gbar war zur Aufdeckung der Geheimnisse des Milit�rkrankenhauses�� Aber es reichte gewi� nicht aus, um die Lage grunds�tzlich zu �ndern. <emphasis>Aber es war ein Anfang.</emphasis></p><p>In der Abendd�mmerung schl�pften Cordelia, Bothari und Gregor aus der Felsnische, durchquerten die Schluchten und suchten sich schweigend ihren Weg durch die W�lder. Es war schon v�llig dunkel, als sie zum Waldrand kamen und auf Klys Pfad stie�en. Als sie den H�gelkamm �berquerten, der das Tal einschlo�, schaute Cordelia zur�ck. Das Gebiet um den H�hleneingang war von Suchscheinwerfern markiert, die wie leuchtende Dolche durch den Dunst nach oben stie�en. Leichtflieger jaulten �ber dem Platz.</p><p>Auf der anderen Seite des Bergkamms schlitterten die drei den Abhang hinab, der Cordelia beim Aufstieg fast umgebracht h�tte, als sie vor zwei Tagen an Roses Steigb�geln hing. Volle f�nf Kilometer bergab, in einer felsigen Gegend mit baumlosem Geb�sch, hielt Bothari abrupt an. �Pst, Mylady, horchen Sie mal.�</p><p>Stimmen. M�nnerstimmen, nicht weit weg, aber seltsam hohl klingend. Cordelia starrte in die Dunkelheit, aber dort bewegten sich keine Lichter. Nichts bewegte sich. Sie kauerten sich neben dem Pfad nieder, alle Sinne waren angespannt.</p><p>Bothari kroch davon, mit schr�g geneigtem Kopf, auf das Ger�usch zu. Nach einigen Augenblicken folgten ihm Cordelia und Gregor vorsichtig.</p><p>Sie fanden Bothari neben einem gefurchten Felsbuckel kniend. Er winkte ihr, n�her heranzukommen. �Das ist ein Loch�, fl�sterte er, �h�ren Sie mal!�</p><p>Die Stimmen waren jetzt viel klarer, scharfe T�ne, �rgerliche Kehllaute, durchsetzt mit Fl�chen in zwei oder drei Sprachen.</p><p>�Verdammt noch mal, ich wei�, wir sind an der dritten Biegung nach links gegangen.�</p><p>�Das war nicht die dritte Biegung, das war die vierte.�</p><p>�Wir haben wieder den Wasserlauf �berquert.�</p><p>�Das war nicht derselbe Schei�wasserlauf, <emphasis>sabaki!�</emphasis></p><p><emphasis>�Merde. Perdu!�</emphasis></p><p>�Leutnant, Sie sind ein Idiot!��� �Korporal, Sie vergessen sich!�</p><p>�Dieses Kaltlicht h�lt nicht eine Stunde durch. Schauen Sie, es wird schon schw�cher.�</p><p>�Na, dann sch�tteln Sie es nicht, Sie Trottel, wenn es heller leuchtet, dann ist es schneller am Ende.�</p><p>�Geben Sie mir das���</p><p>Botharis Z�hne schimmerten in der Dunkelheit. Es war das erste L�cheln, das Cordelia seit Monaten auf seinem Gesicht gesehen hatte. Er salutierte schweigend. Sie stahlen sich leise auf den Zehenspitzen davon, in die kalte Nacht der Dendarii-Berge.</p><p>Als sie wieder auf dem Pfad waren, seufzte Bothari tief auf: �Wenn ich nur eine Granate gehabt h�tte, um sie in dieses Loch hinabzuwerfen. Ihre Suchtrupps w�rden noch n�chste Woche um diese Zeit aufeinander schie�en.�</p></section><section><title><p>KAPITEL 13</p></title><p>Nach vier Stunden auf dem n�chtlichen Pfad tauchte das unverwechselbare schwarz-wei�e Pferd aus der Dunkelheit auf. Kly sa� auf ihm wie ein Schatten, aber sein kr�ftiges Profil und sein zerbeulter Hut waren sofort zu erkennen.</p><p>�Bothari!�, schnaufte Kly. �Wir leben, Gott sei Dank!�</p><p>Botharis Stimme war ausdruckslos. �Was ist mit Ihnen passiert, Major?�</p><p>�Ich bin fast in eines von Vordarians Kommandos gelaufen, an einer H�tte, wo ich Post ablieferte. Sie versuchen wirklich, diese H�gel Haus um Haus abzusuchen. Sie verpassen jedem, den sie treffen, Schnell-Penta. Sie m�ssen die Droge f�sserweise mitschleppen.�</p><p>�Wir hatten Sie gestern abend zur�ckerwartet�, sagte Cordelia. Sie versuchte, nicht zu vorwurfsvoll zu klingen.</p><p>Der Filzhut h�pfte, als Kly sie mit einem m�den Nicken gr��te. �W�re auch zur�ckgewesen, ohne Vordarians verdammtes Kommando. Ich habe es nicht gewagt, mich von ihnen ausfragen zu lassen. Ich habe einen Tag und eine Nacht damit verbracht, ihnen auszuweichen. Ich schickte den Mann meiner Nichte, euch abzuholen. Aber als er an diesem Morgen bei meiner H�tte ankam, da waren schon �berall Vordarians Leute da. Ich dachte schon, alles w�re verloren. Aber als sie bei Anbruch der Nacht immer noch da waren, da fa�te ich Mut. Sie w�rden nicht mehr nach euch suchen, wenn sie euch schon h�tten. Da dachte ich, ich sollte besser meinen Arsch hochkriegen und selbst nach euch Ausschau halten. Das ist wider alle Hoffnung!�</p><p>Kly wendete sein Pferd wieder in die Richtung, aus der er gekommen war. �Hier, Sergeant, setzen Sie den Jungen rauf.�</p><p>�Ich kann den Jungen tragen. Ich glaube, Sie sollten lieber Mylady mitreiten lassen. Sie ist schon fast am Ende.�</p><p>Das war nur allzu wahr. Cordelia war so ersch�pft, da� sie bereitwillig zu Klys Pferd trat. Bothari und Kly hoben sie mit vereinten Kr�ften hoch auf den warmen R�cken des Schecken. Dann setzten sie sich in Bewegung.</p><p>Cordelia hielt sich an der Jacke des Postboten fest.</p><p>�Was ist mit euch passiert?�, fragte Kly seinerseits.</p><p>Cordelia lie� Bothari antworten, in seinen kurzen S�tzen, die noch k�rzer gerieten als gew�hnlich, da er Gregor huckepack auf dem R�cken trug. Als er von den M�nnern erz�hlte, die sie durch das Loch im Fels geh�rt hatten, lachte Kly br�llend los, dann schlug er sich mit der Hand auf den Mund. �Die werden Wochen brauchen, um da wieder rauszukommen. Gute Arbeit, Sergeant!�</p><p>�Es war Lady Vorkosigans Idee.�</p><p>�So?� Kly wandte sich um und warf einen Blick auf Cordelia, die sich matt an ihn klammerte.</p><p>�Aral und Piotr schienen beide zu meinen, Ablenkung sei der M�he wert�, erkl�rte Cordelia. �Soviel ich verstanden habe, hat Vordarian nur begrenzte Reserven.�</p><p>�Sie denken wie ein Soldat, Mylady�, sagte Kly in einem Ton, der nach Anerkennung klang.</p><p>Cordelia runzelte best�rzt die Stirn. Was f�r ein erschreckendes Kompliment. Das war das letzte, was sie wollte: anfangen wie die Soldaten zu denken und deren Spiel nach deren Regeln zu spielen. Die halluzinatorische Weltsicht der Milit�rs war allerdings entsetzlich ansteckend, wenn man in sie so eingetaucht war wie jetzt Cordelia. <emphasis>Wie lange kann ich Wasser treten?</emphasis></p><p>Kly f�hrte sie weitere zwei Stunden durch die Nacht, wobei er ungewohnte Pfade einschlug. In der tiefen Dunkelheit vor der Morgend�mmerung kamen sie zu einer H�tte oder einem Haus. Es schien �hnlich gebaut wie Klys Heim, aber ausgedehnter, mit angebauten Zimmern und daran wiederum anderen angebauten R�umen. Das Licht einer winzigen Flamme, von einer Art selbstgefertigter Talgkerze, leuchtete in einem der Fenster.</p><p>Eine alte Frau in einem Nachtgewand und einer Jacke, ihr graues Haar zu einem Zopf geflochten, kam zur T�r und winkte sie herein. Ein alter Mann�� der allerdings j�nger war als Kly�� nahm das Pferd und f�hrte es zu einem Stall. Kly schickte sich an, mit ihm zu gehen.</p><p>�Ist es hier sicher?�, fragte Cordelia benommen. Wo <emphasis>sind wir hier?</emphasis></p><p>Kly hob die Schultern. �Das Haus hier wurde vorgestern durchsucht. Bevor ich nach meinem Schwiegerneffen schickte. Man hat es als sauber abgehakt.�</p><p>Die alte Frau schnaubte ver�chtlich, in ihren Augen standen d�stere Erinnerungen.</p><p>�Mit den H�hlen und all den noch nicht �berpr�ften Geh�ften und dem See, da wird es eine Weile dauern, bis sie wieder hierher kommen, um ein zweites Mal zu pr�fen. Sie suchen immer noch auf dem Grund des Sees, wie ich erfahren habe, sie haben alles m�gliche Ger�t eingeflogen. Hier ist es so sicher wie nur irgendwo.� Kly ging nach seinem Pferd zu schauen.</p><p>Das bedeutete, so unsicher wie �berall. Bothari zog schon seine Stiefel aus. Seine F��e mu�ten �bel dran sein. Ihre F��e sahen gr��lich aus, ihre Hausschuhe waren zerrissen, und von Gregors Lumpenschuhen war nicht mehr viel �brig. Sie hatte sich noch nie so nahe am Ende aller Kraft gef�hlt, m�de bis auf die Knochen, todm�de, obwohl sie fr�her schon viel l�ngere Strecken zu Fu� gewandert war. Es war, als h�tte ihre abgebrochene Schwangerschaft das Leben selbst aus ihr herausgesogen, um es an jemanden anderen weiterzugeben. Sie lie� sich ins Haus f�hren, mit Brot und K�se und Milch abf�ttern und dann in einem kleinen Nebenraum zu Bett bringen, auf eine schmale Liege, nachdem sie Gregor auf einer anderen niedergelegt hatten. Sie w�rde heute Nacht an Sicherheit glauben, so wie die barrayaranischen Kinder an V�terchen Frost beim Winterfest glaubten: es war wahr, weil sie verzweifelt w�nschte, es sollte wahr sein.</p><p>Am n�chsten Tag tauchte ein zerlumpter Junge von etwa zehn Jahren aus den W�ldern auf, der auf Klys Fuchs ohne Sattel ritt, mit einem Seil als Halfter. Kly hie� Cordelia, Gregor und Bothari sich im Verborgenen halten, w�hrend er den Jungen mit ein paar M�nzen belohnte und Sonia, Klys Nichte, packte ihm ein paar s��e Kuchen ein und schickte ihn auf den Heimweg. Gregor spitzte sehns�chtig an einer Gardine vorbei durchs Fenster, als das Kind wieder verschwand.</p><p>�Ich habe nicht gewagt, selber zu gehen�, erkl�rte Kly Cordelia.</p><p>�Vordarian hat jetzt schon drei Z�ge Soldaten dort oben.� Er stellte sich innerlich etwas vor und brach in prustendes Gekicher aus. �Aber der Junge wei� nichts, au�er, da� der alte Postbote krank war und sein Ersatzpferd brauchte.�</p><p>�Die haben doch nicht etwa Schnell-Penta bei dem Kind angewendet, oder?�</p><p>�O doch.�</p><p>�Wie k�nnen die es nur wagen!�</p><p>Kly pre�te seine schwarzgefleckten Lippen zusammen, aus Mitempfinden f�r ihre Emp�rung. �Wenn er Gregor nicht zu fassen bekommt, dann ist Vordarians Putsch wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt. Und das wei� er. Es gibt nur wenig, was er jetzt, bei diesem Stand der Dinge, nicht wagen w�rde.� Er hielt kurz inne. �Sie k�nnen froh sein, da� Schnell-Penta die Folter ersetzt hat, oder?�</p><p>Klys Schwiegerneffe half ihm, den Fuchs zu satteln und die Posts�cke festzuschnallen. Der Postbote schob seinen Hut zurecht und stieg auf das Pferd.</p><p>�Wenn ich meinen Zeitplan nicht einhalte, dann wird es f�r den General fast unm�glich sein, Kontakt mit mir aufzunehmen�, erkl�rte er. �Ich mu� los, ich bin schon sp�t dran. Ich komme wieder zur�ck. Sie und der Junge sollen drinnen bleiben, au�er Sicht, soviel Sie nur k�nnen, Mylady.� Er wendete sein Pferd in Richtung auf die W�lder, die ihr Laub schon abgeworfen hatten. Das Tier verschwand schnell im rotbraunen Geb�sch.</p><p>Cordelia fand Klys letzten Rat nur allzu leicht zu befolgen. Sie verbrachte den gr��ten Teil der n�chsten vier Tage auf ihrem Bett. Wie in einem Nebel vergingen die Stunden in stumpfem Schweigen, es war ein R�ckfall in die erschreckende M�digkeit, die sie nach der Operation zur Plazenta�bertragung und deren fast lebensgef�hrlicher Komplikationen erlebt hatte. Gespr�che gaben keine Ablenkung. Die Bergbewohner waren genauso wortkarg wie Bothari. �ber ihnen lag die Drohung mit SchnellPenta, dachte Cordelia. Je weniger man wu�te, desto weniger konnte man sagen. Die Augen der alten Sonia musterten Cordelia neugierig, aber sie fragte nie mehr als nur: �Haben Sie Hunger?� Cordelia wu�te nicht einmal ihren Familiennamen.</p><p>Baden. Nach dem ersten Bad verzichtete Cordelia auf weitere. Das alte Ehepaar arbeitete den ganzen Nachmittag hindurch, um gen�gend Wasser f�r Cordelia und Gregor zu holen und zu erhitzen. Ihre einfachen Mahlzeiten erforderten fast ebensoviel Anstrengung. Hier oben gab es kein <emphasis>Lasche ziehen, um Inhalt zu erhitzen. </emphasis>Technologie, der beste Freund einer Frau. Hier erschien Technologie nur in der Form eines Nervendisruptors in der Hand eines zielsicheren Soldaten, der einen r�cksichtslos jagte wie ein Tier.</p><p>Cordelia z�hlte nach, wieviele Tage seit dem Putsch vergangen waren, seit die ganze H�lle ausgebrochen war. Was geschah in der gro�en weiten Welt? Welche Reaktionen kamen von den Streitkr�ften im Weltraum, von den Botschaften anderer Planeten, vom eroberten Komarr? W�rde Komarr das Chaos f�r eine Revolte ausn�tzen, oder hatte Vordarian die Komarraner auch �berrumpelt? <emphasis>Aral, was tust du jetzt dort drau�en?</emphasis></p><p>Obwohl Sonia keine Fragen stellte, brachte sie dann und wann von drau�en Fetzen lokaler Neuigkeiten mit. Vordarians Truppen, die ihr Hauptquartier in Piotrs Residenz hatten, waren nahe daran, die Suche auf dem Grund des Sees aufzugeben. Hassadar war abgeriegelt, aber immer wieder entkamen Fl�chtlinge. Die Kinder von irgend jemand waren herausgeschmuggelt worden und hielten sich jetzt bei Verwandten in der N�he auf. In Vorkosigan Surleau waren die meisten Familien von Piotrs Gefolgsleuten entkommen, ausgenommen die Frau und die sehr betagte Mutter von Gefolgsmann Vogti, die in einem Bodenwagen weggebracht worden waren, niemand wu�te, wohin.</p><p>�Und, ach ja, sehr seltsam�, f�gte Sonia hinzu, �sie haben Karla Hysopi mitgenommen. Das ergibt keinen Sinn. Sie war nur die Witwe eines ausgeschiedenen Armeesergeanten, was f�r einen Nutzen versprechen sie sich von ihr?�</p><p>Cordelia erstarrte. �Haben Sie auch das Baby mitgenommen?�</p><p>�Baby? Donnia hat nichts �ber ein Baby erz�hlt. War es ein Enkelkind?�</p><p>Bothari sa� am Fenster und sch�rfte sein Messer an Sonias K�chenschleifstein. Er hielt mitten in der Bewegung inne und sah auf.</p><p>Seine Augen begegneten Cordelias erschrecktem Blick. Sein Gesichtsausdruck �nderte sich fast nicht, nur seine Kinnbacken strafften sich, aber der pl�tzliche Anstieg der Spannung in seinem K�rper lie� Cordelias Magen sich zusammenkrampfen. Er blickte wieder auf das hinab, was er tat und machte dann einen l�ngeren, festeren Zug, der �ber den Schleifstein zischte wie Wasser auf gl�henden Kohlen.</p><p>�Vielleicht�� wei� Kly etwas mehr, wenn er zur�ckkommt�, sagte Cordelia mit zitteriger Stimme.</p><p>�Vielleicht�, sagte Sonia unsicher. Endlich ritt Kly, seinem Zeitplan entsprechend, am Abend des siebten Tages auf seinem Fuchs auf die Lichtung.</p><p>Wenige Minuten sp�ter kam hinter ihm Gefolgsmann Esterhazy geritten. Er war in die Kluft eines Bergbewohners gekleidet und ritt auf einem mageren Bergpferd mit d�nnen Beinen, nicht auf einem von Piotrs gro�en, pr�chtigen Tieren. Sie brachten ihre Pferde weg und kamen dann zu einem Abendessen, das Sonia anscheinend schon seit achtzehn Jahren immer an diesem Abend von Klys Rundritt zubereitete.</p><p>Nach dem Essen schoben sie die St�hle an die steinerne Feuerstelle heran und Kly und Esterhazy informierten Cordelia und Bothari mit leisen Worten. Gregor sa� zu Cordelias F��en.</p><p>�Da Vordarian sein Suchgebiet sehr ausgeweitet hat�, begann Esterhazy, �haben Graf und Lord Vorkosigan entschieden, da� die Berge immer noch der beste Platz sind, um Gregor zu verstecken. In dem Ma�, wie sich der Radius der Suche ausweitet, werden die feindlichen Kr�fte durch die Ausdehnung immer d�nner und d�nner.�</p><p>�Hier in der Gegend durchsuchen Vordarians Truppen immer noch die H�hlen nach allen Richtungen�, warf Kly ein. �Es sind immer noch zweihundert Mann dort oben. Aber sobald sie es geschafft haben, einander wiederzufinden, werden sie meiner Einsch�tzung nach dort oben abziehen.</p><p>Wie ich erfahren habe, haben sie es aufgegeben, Sie dort drinnen zu finden, Mylady. Morgen, Majest�t�, Kly blickte zu Gregor hinab und sprach ihn direkt an, �wird Gefolgsmann Esterhazy Sie an einen neuen Ort bringen, der ganz wie dieser hier aussieht. Sie werden f�r eine Weile einen neuen Namen haben, zum Schutz. Und Gefolgsmann Esterhazy wird so tun, als sei er Ihr Vater. Glauben Sie, da� Sie das mitmachen k�nnen?�</p><p>Gregors Hand griff nach Cordelias Rock. �Wird Lady Vorkosigan so tun, als sei sie meine Mama?�</p><p>�Wir werden Lady Vorkosigan wieder zu Lord Vorkosigan bringen, zum Raumhafen Basis Tanery.� Auf Gregors erschreckten Blick f�gte Kly hinzu: �Dort, wo Sie hingehen, gibt es ein Pony. Und Ziegen. Die Dame dort kann Ihnen beibringen, wie man die Ziegen melkt.�</p><p>Gregor schaute unsicher drein, aber er machte keine weiteren Schwierigkeiten, allerdings schien er am n�chsten Morgen, als er hinter Esterhazy auf das struppige Pferd gesetzt wurde, den Tr�nen sehr nahe zu sein.</p><p>Cordelia sagte besorgt: �Passen Sie gut auf ihn auf, Gefolgsmann!�</p><p>Esterhazy blickte sie eindringlich an. �Er ist mein Kaiser, Mylady. Ich bin durch meinen Eid an ihn gebunden.�</p><p>�Er ist auch ein kleiner Junge, Gefolgsmann. Kaiser�� das ist ein Wahn, den ihr alle in euren K�pfen habt. Passen Sie f�r Piotr auf den Kaiser auf, ja, aber passen Sie f�r mich auf diesen Jungen auf, einverstanden?�</p><p>Esterhazy begegnete ihrem Blick. Seine Stimme wurde weicher. �Mein kleiner Sohn ist vier Jahre alt, Mylady.�</p><p>Er hatte also verstanden. Cordelia schluckte erleichtert und bek�mmert zugleich. �Haben Sie�� irgend etwas aus der Hauptstadt geh�rt? �ber Ihre Familie?�</p><p>�Noch nicht�, sagte Esterhazy d�ster.</p><p>�Ich werde meine Ohren offenhalten. Ich tue, was ich kann.�</p><p>�Ich danke Ihnen.� Er nickte ihr zu, nicht wie ein Gefolgsmann seiner Herrin, sondern wie ein Vater einer anderen Mutter. Kein weiteres Wort schien notwendig.</p><p>Bothari war au�er H�rweite, er war in die H�tte zur�ckgegangen, um ihre wenigen Sachen zusammenzupacken. Cordelia trat an Klys Steigb�gel heran, als Kly gerade ansetzte, sein schwarzwei�es Pferd zu wenden und Esterhazy und Gregor auf ihrem Weg voranzureiten. �Major, Sonia hat ein Ger�cht mitgebracht, da� Vordarians Truppen Frau Hysopi mitgenommen haben. Bothari hatte sie daf�r engagiert, seine kleine Tochter gro�zuziehen. Wissen Sie, ob sie auch Elena, das Baby, mitgenommen haben?�</p><p>Kly sagte leise: �Es war anders herum, soweit ich wei�. Sie kamen wegen dem Baby, Karla Hysopi schlug einen Mordskrach, also nahmen sie sie auch mit, obwohl sie nicht auf der Liste stand.�</p><p>�Wissen Sie, wohin?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Irgendwohin in Vorbarr Sultana. Vielleicht wei� der Nachrichtendienst Ihres Mannes jetzt schon genaueres.�</p><p>�Haben Sie das schon dem Sergeanten gesagt?�</p><p>�Sein Kamerad hat es ihm gestern abend gesagt.�</p><p>�Aha.�</p><p>Als sie fortritten, blickte Gregor �ber seine Schulter zu ihr zur�ck, bis sie hinter den Baumst�mmen verschwunden waren.</p><p>Drei Tage lang f�hrte Klys Neffe sie durch die Berge, Bothari ging zu Fu� und f�hrte Cordelia auf einem kleinen, knochigen Pferd aus den Bergen, dem man ein Schaffell auf den R�cken gegurtet hatte. Am dritten Nachmittag kamen sie zu einer H�tte, in der ein magerer Bursche hauste, der sie zu einem Schuppen f�hrte, wo�� Wunder �ber Wunder!�� ein klappriger Leichtflieger versteckt war. Er lud Cordelia und sechs Kr�ge mit Ahornsirup auf den R�cksitz. Bothari sch�ttelte schweigend die Hand von Klys Neffen, der stieg dann auf das kleine Pferd und verschwand in die W�lder.</p><p>Unter Botharis aufmerksamem Blick brachte der magere Bursche sein Vehikel in die Luft. Sie streiften Baumwipfel und folgten den Schluchten und Bergk�mmen hinauf �ber das schneebedeckte R�ckgrat der Berge und dann auf der anderen Seite hinab, hinaus aus Vorkosigans Distrikt.</p><p>Um die Abendd�mmerung kamen sie zu einem kleinen Marktflecken. Der junge Mann landete seinen Flieger in einer Seitenstra�e. Cordelia und Bothari halfen ihm, sein gluckerndes Erzeugnis zu einem kleinen Lebensmittelladen zu bringen, wo er den Sirup gegen Kaffee, Mehl, Seife und Stromzellen eintauschte.</p><p>Als sie zu seinem Leichtflieger zur�ckkehrten, fanden sie einen zerbeulten Lastwagen, der neben dem Flieger geparkt war. Der junge Mann wechselte mit dem Fahrer nur ein Kopfnicken, worauf der aus dem Fahrzeug sprang und die T�r zum Frachtraum f�r Bothari und Cordelia aufzog. Der Frachtraum war zu einem Viertel mit Stoffs�cken voll Kohl gef�llt. Die S�cke bildeten keine guten Kissen, obwohl Bothari sein Bestes tat, um aus ihnen f�r Cordelia ein Nest herzurichten, w�hrend der Lastwagen auf den schrecklich holperigen Stra�en entlangrumpelte. Bothari sa� dann gegen die Seite des Frachtraumes gestemmt und wetzte wie unter Zwang die Schneide seines Messers an einem selbstgemachten Streichriemen, einem St�ck Leder, das er sich von Sonia erbeten hatte. Das dauerte vier Stunden, und Cordelia war schon nahe daran, mit den Kohlk�pfen zu reden.</p><p>Endlich kam der Lastwagen zum Stehen. Die T�r wurde aufgeschoben, zuerst stieg Bothari aus, dann Cordelia, und sie fanden sich mitten im Nirgendwo: auf einer Schotterpiste, die einen Bach �berquerte, im Dunkeln, auf dem Land, in einem fremden Distrikt von unbekannter Loyalit�t.</p><p>�Man wird sie bei Kilometerstein 96 aufnehmen�, sagte der Lastwagenfahrer und deutete auf einen wei�en Flecken in der Dunkelheit, der nur ein bemalter Felsblock zu sein schien.</p><p>�Wann?�, fragte Cordelia verzweifelt. Und �brigens, wer war man?</p><p>�Wei� nicht.� Der Mann kehrte zu seinem Lastwagen zur�ck und fuhr los, als w�rde er schon verfolgt, wobei der Schotter nach allen Seiten spritzte.</p><p>Cordelia hockte sich auf den bemalten Felsblock und fragte sich gequ�lt, welche Seite zuerst aus der Nacht heraus auf sie zu springen w�rde und mit welcher Methode sie sie auseinanderhalten k�nnte. Die Zeit verging, und sie steigerte sich in die noch bedr�ckendere Vorstellung, da� �berhaupt niemand sie auflesen w�rde.</p><p>Aber schlie�lich schwebte ein verdunkelter Leichtflieger aus dem Nachthimmel herab, seine Motoren waren auf unheimliche Weise fast lautlos. Er landete knirschend auf dem Schotter. Bothari kauerte neben ihr, das nutzlose Messer fest in der Hand. Aber der Mann, der sich linkisch aus dem Passagiersitz hob, war Leutnant Koudelka. �Mylady?�, rief er unsicher den beiden menschlichen Vogelscheuchen zu. �Sergeant?�</p><p>Cordelia atmete erleichtert auf, als sie in dem blonden Piloten Droushnakovi erkannte. <emphasis>Meine Heimat ist nicht ein Ort, Sir, es sind Menschen��</emphasis></p><p>Mit Botharis Hand an ihrem Ellbogen lie� sich Cordelia auf Koudelkas besorgte Geste hin dankbar auf den gepolsterten R�cksitz des Fliegers fallen. Droushnakovi warf einen d�steren Blick �ber ihre Schulter auf Bothari, zog ihre Nase kraus und fragte: �Geht es Ihnen gut, Mylady?�</p><p>�Besser als ich erwartet hatte, wirklich. Los, los!�</p><p>Das Verdeck wurde geschlossen und sie stiegen in die Luft empor Die Ventilatoren begannen zu rotieren und sorgten f�r gefilterte Luft. Farbige Lichter vom Armaturenbrett beleuchteten die Gesichter von Kou und Drou. Eine Schutzh�lle aus Technologie. Cordelia blickte �ber Droushnakovis Schulter auf die Systemanzeigen und dann nach oben durch das Verdeck: ja, dunkle Umrisse folgten ihnen, sch�tzende Armeeflieger. Bothari sah sie auch, und seine Augen verengten sich anerkennend. Ein Teil der Spannung wich aus seinem K�rper.</p><p>�Es ist gut, Sie zu sehen���, irgendein subtiles Signal der K�rpersprache der beiden, eine verborgene Reserve, hielt Cordelia davon ab, hinzuzuf�gen: <emphasis>wieder zusammen. </emphasis>�Ich nehme an, die Beschuldigung �ber die Sabotage an der Kommunikationskonsole wurde richtig klargestellt?�</p><p>�Sobald wir die Gelegenheit hatten, anzuhalten und diesen Wachkorporal mit Schnell-Penta zu behandeln, Mylady�, antwortete Droushnakovi. �Er hatte nicht den Mumm, vor der Befragung Selbstmord zu begehen.�</p><p>�War er der Saboteur?�</p><p>�Ja�, antwortete Koudelka. �Er hatte beabsichtigt, zu Vordarians Truppen zu entkommen, wenn sie eintr�fen, um uns zu schnappen. Vordarian hat ihn anscheinend schon Monate vorher angestiftet.�</p><p>�Das erkl�rt unsere Sicherheitsprobleme, nicht wahr?�</p><p>�Er gab Informationen �ber unsere Route weiter, an dem Tag des Attentats mit der Schallgranate.� Koudelka rieb sich an seinen Schl�fen bei dieser Erinnerung.</p><p>�Also stand Vordarian dahinter!�</p><p>�Ja, das wurde best�tigt. Aber dieser W�chter scheint nichts �ber das Soltoxin gewu�t zu haben. Wir haben ihn auf Herz und Nieren untersucht. Er war kein Verschw�rer auf hoher Ebene, nur ein Werkzeug.�</p><p>Schlimme Gedanken kamen ihr, aber: �Hat sich Illyan schon gemeldet?�</p><p>�Noch nicht. Admiral Vorkosigan hofft, da� er sich in der Hauptstadt verbirgt, wenn er nicht bei den ersten K�mpfen get�tet wurde.�</p><p>�Hm. Nun gut, es wird Sie sicher freuen zu h�ren, da� es Gregor gut geht���</p><p>Koudelka unterbrach sie mit erhobener Hand: �Verzeihen Sie mir, Mylady. Der Admiral hat befohlen�� Sie und der Sergeant sollen niemandem Informationen �ber Gregor geben au�er dem Grafen und ihm selbst.�</p><p>�In Ordnung. Verdammtes Schnell-Penta. Wie geht es Aral?�</p><p>�Es geht ihm gut, Mylady. Er hat mir befohlen, Sie auf den neuesten Stand �ber die strategische Lage zu bringen���</p><p><emphasis>Zum Teufel mit der strategischen Lage, wie geht es meinem Baby?</emphasis> Leider schienen beide unaufl�sbar miteinander verwikkelt.</p><p>�� und alle Fragen zu beantworten, die Sie haben.�</p><p>Sehr gut. �Wie geht es unserem Baby? Pi� Miles?�</p><p>�Wir haben nichts Schlimmes geh�rt, Mylady.�</p><p>�Was bedeutet das?�</p><p>�Es bedeutet, da� wir nichts geh�rt haben�, warf Droushnakovi bedr�ckt ein.</p><p>Koudelka warf ihr einen zornigen Blick zu, den sie mit einem Achselzucken �berging. �Keine Nachrichten, das kann gute Nachrichten bedeuten�, fuhr Koudelka fort. �W�hrend es stimmt, da� Vordarian die Hauptstadt besetzt h�lt���</p><p>�Und deshalb auch das Milit�rkrankenhaus, ja�, sagte Cordelia.</p><p>�Und er Namen von Geiseln ver�ffentlicht, die mit irgend jemandem in unserer Kommandostruktur verwandt sind, wurde Ihr�� Ihr Kind in den Listen nicht erw�hnt. Der Admiral meint, da� Vordarian einfach nicht erkennt, da� das, was in den Replikator �bertragen wurde, lebensf�hig ist. Er wei� nicht, was er hat.�</p><p>�Noch nicht�, fiel Cordelia ein.</p><p>�Noch nicht�, gestand Koudelka widerstrebend ein.</p><p>�Also gut. Fahren Sie fort.�</p><p>�Die Gesamtsituation ist nicht so schlecht, wie wir zuerst bef�rchtet hatten. Vordarian h�lt Vorbarr Sultana, seinen eigenen Distrikt und dessen Milit�rst�tzpunkte, und er hat Truppen in Vorkosigans Distrikt geschickt, aber er hat nur etwa f�nf Distriktsgrafen als ergebene Verb�ndete.</p><p>Etwa drei�ig der anderen Grafen wurden in der Hauptstadt gefangen, und wir k�nnen �ber ihre tats�chliche Loyalit�t nichts sagen, solange Vordarian Pistolen an ihre K�pfe h�lt. Die meisten der dreiundzwanzig �brigen Distrikte haben ihre Eide gegen�ber dem Lordregenten wiederholt. Ein paar schwafeln allerdings herum, weil sie Verwandte in der Hauptstadt haben oder in prek�ren strategischen Positionen sind mit ihren Distrikten als potentiellen Kampfschaupl�tzen.�</p><p>�Und die Streitkr�fte im Weltraum?�</p><p>�Ja, zu denen wollte ich gerade kommen, Mylady. �ber die H�lfte ihres Nachschubs kommt aus den Shuttlehafen in Vordarians Distrikt hoch. Im Augenblick warten sie eher noch auf ein klares Ergebnis, anstatt sich einzumischen und es herbeizuf�hren. Aber sie haben es abgelehnt, sich offen Vordarian anzuschlie�en. Es herrscht ein Gleichgewicht, und wer immer es als erster zu seinen Gunsten verschieben kann, wird einen Erdrutsch ausl�sen. Admiral Vorkosigan ist schrecklich zuversichtlich.�</p><p>Cordelia konnte nicht sicher aus dem Ton des Leutnants schlie�en, ob er �berhaupt diese Zuversicht teilte. �Aber er mu� ja. Wegen der Moral. Er sagt, Vordarian habe den Krieg in der Stunde verloren, als Negri mit Gregor entkam, und der Rest ist nur Herumman�vrieren, um die Verluste zu begrenzen. Aber Vordarian h�lt Prinzessin Kareen in seiner Gewalt.�</p><p>�Zweifellos einer der Verluste, den Aral begrenzen m�chte. Geht es ihr gut? Haben Vordarians Schl�ger sie nicht mi�handelt?�</p><p>�Soweit wir wissen, nicht. Sie scheint in ihren eigenen Gem�chern in der Kaiserlichen Residenz unter Hausarrest zu stehen. Etliche der wichtigeren Geiseln sind dort eingeschlossen.�</p><p>�Ich verstehe.� Sie blickte in der dunklen Kabine zur Seite, auf Bothari, dessen Gesichtsausdruck sich nicht ver�nderte. Sie wartete darauf, da� er nach Elena fragte, aber er sagte nichts. Droushnakovi blickte d�ster in die Nacht, seit Kareen erw�hnt worden war.</p><p>Hatten sich Kou und Drou vers�hnt? Sie erschienen k�hl, h�flich, ganz dienstlich und im Dienst. Aber welche Entschuldigungen auch immer an der Oberfl�che ausgetauscht worden sein mochten, Cordelia sp�rte keine Vers�hnung bei ihnen. Die geheime Verehrung und der Wunsch nach Vertrauen waren ganz aus den blauen Augen verschwunden, die ab und zu vom Armaturenbrett zu dem Mann auf dem Passagiersitz aufblickten.</p><p>Drous Blicke waren lediglich wachsam.</p><p>Lichter gl�hten voraus auf der Erde, das Lichtergesprenkel einer Stadt mittlerer Gr��e, und jenseits davon die wirre Geometrie eines ausgedehnten milit�rischen Raumf�hrenhafens. Drou absolvierte Code-Pr�fung um Code-Pr�fung, w�hrend sie n�her kamen. Sie gingen in einer Spirale auf einen Landeplatz herunter, der f�r sie erleuchtet und von bewaffneten Wachen umgeben war. Ihre Begleitflieger flogen �ber ihnen weiter zu ihren eigenen Landezonen.</p><p>Die Wachen umringten sie, als sie den Flieger verlie�en, und eskortierten sie so schnell, wie Koudelkas Schritt es erlaubte, zu einer Liftr�hre. Sie fuhren abw�rts, nahmen einen Rollsteig und gingen durch D�sent�ren wieder hinab. Basis Tanery besa� offensichtlich eine bestens abgesicherte unterirdische Kommandozentrale. Willkommen im Bunker! Und doch wurde Cordelia einen schrecklichen Moment der Verwirrung und des Verlustes lang von einem w�rgenden Gef�hl der Vertrautheit gesch�ttelt.</p><p>Auf Kolonie Beta hatte man mehr Sinn f�r Innenarchitektur, als sich an diesen kahlen Korridoren hier zeigte, aber ihr war, als w�re sie jetzt auf die Versorgungsebene einer unterirdischen betanischen Stadt hinabgestiegen, wo es sicher und k�hl war�� <emphasis>Ich m�chte nach Hause.</emphasis></p><p>In einem Korridor unterhielten sich drei Offiziere in gr�nen Uniformen. Einer von ihnen war Aral. Er sah sie. �Danke, meine Herren, Sie sind entlassen�, sagte er mitten in den Satz eines seiner Gespr�chspartner, dann bewu�ter: �Wir werden in K�rze dar�ber weitersprechen.� Aber die anderen blieben, um zu gukken.</p><p>Er schien nur m�de zu sein, sonst sah er gut aus. Ihr tat es ums Herz weh, als sie ihn anschaute, und dennoch�� <emphasis>Dir zu folgen hat mich hierher gebracht. Nicht auf das Barrayar meiner Hoffnungen, sondern auf das Barrayar meiner �ngste.</emphasis></p><p>Mit einem stimmlosen �Ha!� umarmte er sie und zog sie fest an sich. Sie erwiderte seine Umarmung. <emphasis>Das tut gut. Geh weg, Welt!</emphasis> Aber als sie aufblickte, wartete die Welt immer noch, in der Gestalt von sieben Beobachtern, die alle dienstliche Anliegen hatten.</p><p>Er hielt sie etwas von sich weg und musterte sie besorgt von oben bis unten. �Du siehst schrecklich aus, lieber Captain.�</p><p>Wenigstens war er h�flich genug, nicht zu sagen: Du <emphasis>riechst </emphasis>schrecklich.</p><p>�Nichts, das nicht ein Bad beheben k�nnte.�</p><p>�Das ist es nicht, was ich gemeint habe. Du mu�t zu allererst auf die Krankenstation.� Er wandte sich um und sah Sergeant Bothari ihm am n�chsten stehen.</p><p>�Sir, ich mu� mich beim Herrn Grafen melden�, sagte Bothari.</p><p>�Mein Vater ist nicht hier. Er ist in meinem Auftrag auf einer diplomatischen Mission bei einigen seiner alten Freunde. Hier, Sie, Kou�� nehmen Sie Bothari und versorgen Sie ihn mit Quartier, Essensgutscheinen, Ausweisen und Kleidern. Ich erwarte Ihren pers�nlichen Bericht sofort, wenn ich mich um Cordelia gek�mmert habe, Sergeant.�</p><p>�Jawohl, Sir.� Koudelka ging mit Bothari weg.</p><p>�Bothari war erstaunlich�, vertraute Cordelia Aral an. �Nein�� das ist ungerecht. Bothari war Bothari, und ich sollte �berhaupt nicht erstaunt sein. Ohne ihn h�tten wir es nicht geschafft.�</p><p>Aral nickte und l�chelte leicht: �Ich dachte, er w�rde zu dir passen.�</p><p>�Das tat er wirklich.�</p><p>Droushnakovi, die ihren alten Platz neben Cordelia in dem Moment wieder einnahm, wo Bothari ihn verlie�, sch�ttelte zweifelnd den Kopf und folgte, als Aral Cordelia den Korridor hinabf�hrte. Die anderen gingen etwas unsicher hinterher.</p><p>�Habt ihr schon mehr �ber Illyan geh�rt?�, fragte Cordelia.</p><p>�Noch nicht. Hat Kou dich informiert?�</p><p>�In groben Z�gen, ausreichend f�r den Augenblick. Ich nehme an, ihr habt auch nicht mehr �ber Padma und Alys Vorpatril erfahren?�</p><p>Er sch�ttelte bedauernd den Kopf. �Aber sie sind auch nicht auf der Liste von Vordarians best�tigten Gefangenen. Ich glaube, sie verstecken sich in der Stadt. Vordarians Seite l��t Informationen durchsickern wie ein Sieb: wir w�rden es wissen, wenn eine Verhaftung von solcher Bedeutung stattgefunden h�tte. Ich kann mich nur fragen, ob unsere eigenen Einrichtungen auch so durchl�ssig sind. Das ist der �rger mit diesen verdammten zivilen Raufh�ndeln, jedermann hat einen Bruder���</p><p>Eine Stimme vom Ende des Korridors meldete sich laut: �Sir! O Sir!� Nur Cordelia f�hlte, wie Aral zusammenzuckte, sein Arm machte einen Ruck unter ihrer Hand.</p><p>Ein Stabsangeh�riger f�hrte einen gro�en Mann in schwarzer Felduniform mit den Abzeichen eines Obersten am Kragen auf sie zu. �Hier sind Sie ja, Sir. Oberst Gerould ist hier aus Marigrad.�</p><p>�Oh, gut. Ich mu� mich jetzt mit diesem Mann befassen��� Aral blickte schnell umher und sein Blick fiel auf Droushnakovi. �Drou, bitte bringen Sie statt meiner Cordelia zur Krankenstation. Sorgen Sie daf�r, da� sie untersucht wird, sorgen Sie�� sorgen Sie daf�r, da� sie alles bekommt, was sie braucht.�</p><p>Der Oberst war kein Schreibtischpilot vom Hauptquartier. Er sah aus, als sei er tats�chlich soeben von irgendeiner Front eingeflogen, wo immer auch die Front in diesem Kampf um Loyalit�t war. Seine Kampfuniform war schmutzig und zerknittert und sah aus, als habe er darin geschlafen, ihr Gestank nach Rauch war st�rker als Cordelias Ger�che aus den Bergen. Sein Gesicht war von Ersch�pfung gezeichnet. Aber er sah nur grimmig aus, nicht geschlagen. �Der Kampf in Marigrad wurde von Haus zu Haus gef�hrt, Admiral�, berichtete er ohne lange Einleitung.</p><p>Vorkosigan verzog das Gesicht. �Dann m�chte ich nichts davon h�ren. Kommen Sie mit mir ins Taktikzentrum�� <emphasis>was</emphasis> ist das da an Ihrem Arm, Oberst?�</p><p>Ein breites St�ck aus wei�em Tuch und ein schmalerer Streifen Braun umgaben den linken oberen schwarzen �rmel des Offiziers.</p><p>�Identifikation, Sir. Wir konnten nicht unterscheiden, auf wen wir im Nahkampf schossen. Vordarians Leute tragen Rot und Gelb, das ist vermutlich das �hnlichste, was sie f�r Kastanienbraun und Gold haben. Und das hier soll nat�rlich Braun und Silber f�r Vorkosigan sein.�</p><p>�Das ist es, was ich bef�rchtet habe.� Vorkosigan blickte �u�erst streng drein. �Nehmen Sie es ab! Verbrennen Sie es! Und sagen Sie das auch allen Ihren Untergebenen. Sie haben schon eine Uniform, Oberst, die Ihnen vom Kaiser gegeben wurde. Daf�r k�mpfen Sie. Lassen Sie die Verr�ter ihre Uniformen �ndern.�</p><p>Der Oberst war erschrocken �ber Vorkosigans Vehemenz, aber einen Herzschlag sp�ter hatte er es begriffen: er ri� den Stoff hastig von seinem Arm und steckte ihn in die Tasche. �Ganz recht, Sir.�</p><p>Es <emphasis>fiel Aral sp�rbar schwer, Cordelias Hand loszulassen. </emphasis>�Ich besuche dich in deinem Quartier, Liebste. Sp�ter.�</p><p>Sp�ter in dieser Woche, wenn dies so weiterging. Cordelia sch�ttelte hilflos den Kopf, nahm seine st�mmige Gestalt in einem letzten Blick in sich auf, als k�nnte sie mit ihrer Intensit�t ihn irgendwie digitalisieren und f�r erneute Projektion abspeichern, dann folgte sie Droushnakovi in das unterirdische Labyrinth von Basis Tanery. Wenigstens bei Drou konnte Cordelia Vorkosigans Durchlaufplan beiseiteschieben und zuerst auf einem Bad bestehen. Fast ebenso gut war, da� sie in einem Schrank in Arals Unterkunft ein halbes Dutzend neuer Kleidungsst�cke in ihrer korrekten Gr��e fand, die etwas von Drous im Palast trainiertem guten Geschmack verrieten.</p><p>Der Standortarzt hatte keine Krankenkarte: Cordelias medizinische Unterlagen waren gegenw�rtig nat�rlich alle hinter den feindlichen Linien in Vorbarr Sultana. Er sch�ttelte den Kopf und begann, die Daten f�r ein neues Formular an seinem Berichtsterminal einzutippen. �Es tut mir leid, Lady Vorkosigan. Wir m�ssen einfach am Punkt Null beginnen. Bitte haben Sie Nachsicht mit mir. Habe ich richtig verstanden, da� Sie ein Frauenleiden hatten?�</p><p><emphasis>Nein, die meisten meiner Leiden kamen von M�nnern. </emphasis>Cordelia bi� sich auf die Zunge. �Ich hatte eine Plazenta�bertragung, lassen Sie mich mal �berlegen, drei plus�, sie mu�te es an ihren Fingern abz�hlen, �vor ungef�hr f�nf Wochen.�</p><p>�Verzeihen Sie, was hatten Sie?�</p><p>�Ich hatte eine Entbindung durch Kaiserschnitt. Es ging nicht sonderlich gut.�</p><p>�Ich verstehe. F�nf Wochen post partum.� Er machte sich eine Notiz.</p><p>�Und was sind Ihre gegenw�rtigen Beschwerden?�</p><p><emphasis>Ich mag Barrayar nicht. Ich m�chte nach Hause, mein Schwiegervater will mein Baby umbringen, die H�lfte meiner Freunde rennen um ihr Leben, und ich kann keine zehn Minuten mit meinem Mann allein sein, den ihr vor meinen Augen aufbraucht, meine F��e tun weh, mein Kopf tut weh, meine Seele tut weh��</emphasis> es war alles zu kompliziert. Der arme Mann vor ihr wollte nur irgend etwas haben, das er in sein Formular eintragen konnte, er wollte keinen Aufsatz. �Ersch�pfung�, brachte Cordelia schlie�lich heraus.</p><p>�Aha.� Sein Gesicht erhellte sich und er gab diese Aussage an seinem Ger�t ein. �Ersch�pfung post partum. Das ist normal.� Er blickte auf und sah sie ernsthaft an: �Haben Sie schon daran gedacht, mit einem Gymnastikprogramm zu beginnen, Lady Vorkosigan?�</p></section><section><title><p>KAPITEL 14</p></title><p>�Wer sind denn Vordarians Leute?�, fragte Cordelia Aral deprimiert. �Ich bin vor ihnen wochenlang davongerannt, aber es ist, als h�tte ich sie nur kurz in einem R�ckspiegel gesehen. Kenne deinen Feind, und all das. Woher bekommt er seinen unaufh�rlichen Nachschub an Schl�gern?�</p><p>�Oh, nicht unaufh�rlich.� Aral l�chelte leicht und nahm ein weiteres St�ck Schmorbraten. Sie waren�� was f�r ein Wunder!�� endlich allein, in seinem einfachen unterirdischen Apartment f�r h�here Offiziere. Ein Offiziersbursche hatte ihnen ihr Abendessen auf einem Tablett gebracht und auf dem niedrigen Tisch zwischen ihnen angerichtet. Dann hatte Aral, zu Cordelias Erleichterung, ihn entlassen mit den Worten: �Danke, Korporal, wir brauchen Sie nicht mehr.�</p><p>Aral schluckte seinen Bissen hinunter und fuhr fort: �Wer sind sie? Im gro�en und ganzen alle, die �ber sich in der Befehlskette einen Offizier haben, der Vordarians Seite gew�hlt hat, und die entweder nicht den Nerv oder in einigen F�llen nicht den Verstand haben, entweder den Offizier umzulegen oder ihre Einheit zu verlassen und sich anderswo zu melden. Und Gehorsam und Zusammenhalt der Einheiten sind in diese M�nner tief eingepr�gt. �Wenn es st�rmisch wird, halte dich an deine Einheit� ist ihnen buchst�blich eingedrillt worden. Also macht die verh�ngnisvolle Tatsache, da� ihr Offizier sie in den Verrat f�hrt, es noch nat�rlicher, da� sie sich an ihre Kameraden klammern. Au�erdem�, er grinste d�ster, �ist es nur dann Verrat, wenn Vordarian verliert.�</p><p>�Wird Vordarian verlieren?�</p><p>�Solange ich lebe und Gregor am Leben erhalte, kann Vordarian nicht gewinnen.� Er nickte voller �berzeugung. �Vordarian bezichtigt mich aller m�glichen Verbrechen, so schnell er sie nur erfinden kann. Am ernstesten ist das Ger�cht, das er ausstreut, ich h�tte mich mit Gregor aus dem Staub gemacht und w�rde die Kaiserherrschaft f�r mich selber suchen. Ich betrachte das als einen Trick, um Gregors Versteck ausfindig zu machen. Er wei�, da� Gregor nicht bei mir ist. Sonst w�re er versucht, hier eine Nuklearbombe reinzuschmei�en.�</p><p>Cordelia verzog ihre Lippen voller Abneigung. �Will er also Gregor fangen oder ihn t�ten?�</p><p>�T�ten nur, wenn er ihn nicht fangen kann. Wenn die Zeit reif ist, werde ich Gregor an die �ffentlichkeit bringen.�</p><p>�Warum nicht schon jetzt?�</p><p>Er lehnte sich mit einem m�den L�cheln zur�ck und schob sein Tablett zur Seite, auf dem in seiner Sch�ssel noch ein paar Bissen Schmorbraten und Brotst�ckchen �brig waren. �Weil ich sehen m�chte, wieviele von Vordarians Streitkr�ften ich noch vor der L�sung des Knotens zur�ckgewinnen kann. Zu mir desertieren ist nicht ganz der richtige Ausdruck�� r�berkommen, vielleicht. Ich m�chte mein zweites Amtsjahr nicht mit der Exekution von viertausend Soldaten beginnen. Allen unterhalb eines bestimmten Ranges kann Pardon gegeben werden mit der Begr�ndung, da� sie durch Eid gebunden waren, ihren Offizieren zu folgen, aber ich m�chte auch so viele von den Rangh�heren retten, wie ich kann. F�nf Distriktsgrafen und Vordarian sind dem Untergang geweiht, f�r sie gibt es keine Hoffnung. <emphasis>Verdammt sei er</emphasis>, da� er das alles angefangen hat.�</p><p>�Was tun denn Vordarians Truppen? Ist das ein Sitzkrieg?�</p><p>�Nicht ganz. Er verschwendet eine Menge seiner und meiner Zeit, indem er ein paar nutzlose St�tzpunkte gewinnen m�chte, wie zum Beispiel das Nachschubdepot in Marigrad. Wir gehen darauf ein und ziehen ihn hinein oder hinaus. Das h�lt Vordarians Kommandeure besch�ftigt und lenkt sie von dem wirklich wichtigen Gebiet ab, das sind die Streitkr�fte im Weltraum. Wenn ich nur Kanzian h�tte!�</p><p>�Haben deine Geheimdienstleute ihn schon ausfindig gemacht?� Der hochgesch�tzte Admiral Kanzian war einer von den beiden M�nnern im barrayaranischen Oberkommando, die Vorkosigan als ihm selbst �berlegen in strategischen Fragen betrachtete. Kanzian war ein Spezialist f�r besondere Raumoperationen, die Weltraumstreitkr�fte brachten ihm gro�es Vertrauen entgegen. �An <emphasis>seinen</emphasis> Stiefeln hat kein Pferdemist geklebt�, hatte es Kou einmal, zu Cordelias Am�sement, ausgedr�ckt.</p><p>�Nein, aber Vordarian hat ihn auch nicht. Er ist verschwunden. Ich hoffe bei Gott, da� er nicht in irgendein dummes Stra�enkreuzfeuer geriet und jetzt unidentifiziert irgendwo in einem Leichenhaus liegt. Was f�r ein Verlust das w�re!�</p><p>�W�rde es helfen, nach oben zu starten? Um die Weltraumkr�fte auf deine Seite zu bringen?�</p><p>�Warum mache ich mir deiner Meinung nach die M�he, Basis Tanery zu halten? Ich habe die Vor- und Nachteile einer Verlegung meines Feldhauptquartiers auf ein Raumschiff erwogen. Ich denke, der Zeitpunkt ist noch nicht gekommen, jetzt k�nnte es falsch interpretiert werden als der erste Schritt zum Davonlaufen.�</p><p>Davonlaufen. Was f�r ein verf�hrerischer Gedanke. Weit, weit weg von all diesem Irrsinn, bis all das auf die blo�e Dimension eines nebens�chlichen F�llsels in einem galaktischen Nachrichtenvid reduziert w�re. Aber�� von Aral davonlaufen? Sie betrachtete ihn genau, als er sich auf dem gepolsterten Sofa zur�cklehnte und auf die Reste seines Abendessens starrte, ohne sie zu sehen. Ein m�der Mann mittleren Alters in einer gr�nen Uniform, ohne besonders gutes Aussehen (vielleicht abgesehen von seinen scharfen grauen Augen), ein hungriger Intellekt in st�ndigem innerem Krieg mit von Furcht getriebener Aggression, beide gespeist von einem Leben voller bizarrer Erfahrungen, barrayaranischer Erfahrungen.</p><p>Du <emphasis>h�ttest dich in einen gl�cklichen Mann verlieben sollen, wenn du Gl�ck wolltest. Aber nein, du hast dich in die atemberaubende Sch�nheit des Schmerzes verknallt��</emphasis></p><p>Und die beiden werden ein Fleisch sein. Wie sehr hatte sich diese alte fromme Formel als wahr herausgestellt. Ein kleines bi�chen Fleisch, gefangen in einem Uterusreplikator hinter den feindlichen Linien, band sie nun zusammen wie siamesische Zwillinge. Und wenn der kleine Miles starb, w�rde dann dieses Band zertrennt?</p><p>�Was�� was machen wir hinsichtlich Vordarians Geiseln?�</p><p>Er seufzte. �Das ist die harte Nu� im Mittelpunkt. Wenn man ihm auch alles andere wegnimmt, was wir schrittweise tun, dann hat Vordarian noch �ber zwanzig Distriktsgrafen und Kareen in seiner Gewalt. Und einige hundert geringere Leute.�</p><p>�Solche wie Elena?�</p><p>�Ja. Und die Stadt Vorbarr Sultana selbst, zum Beispiel. Er k�nnte am Ende drohen, die Stadt zu atomisieren, um die M�glichkeit zu erzwingen, den Planeten verlassen zu k�nnen. Ich habe mit der Idee gespielt, mich auf Verhandlungen einzulassen. Und ihn dann sp�ter mit einem Attentat zu beseitigen. Ich kann ihn einfach nicht frei davonkommen lassen, es w�re ungerecht gegen�ber allen, die schon aus Loyalit�t zu mir gestorben sind. Welches Opferfeuer k�nnte diese verratenen Seelen befriedigen? Nein.</p><p>Also planen wir verschiedene Optionen f�r Rettungsaktionen f�r das Ende. Der Augenblick, wenn die Verschiebung an Menschen und Loyalit�ten ein kritisches Stadium erreicht und Vordarian wirklich beginnt, in Panik zu geraten. In der Zwischenzeit warten wir ab. Am Ende�� w�rde ich Geiseln opfern, bevor ich Vordarian gewinnen lie�e.�</p><p>Sein abwesender Blick war jetzt schwarz.</p><p>�Sogar Kareen?� <emphasis>Alle Geiseln? Auch die kleinsten?</emphasis></p><p>�Sogar Kareen. Sie ist eine Vor. Sie versteht es.�</p><p>�Der sicherste Beweis, da� ich keine Vor bin�, sagte Cordelia niedergeschlagen. �Ich verstehe nichts von dieser�� stilisierten Verr�cktheit. Ich denke, ihr geh�rt alle in Therapie, bis zum letzten Mann.�</p><p>Er l�chelte leicht. �Meinst du, Kolonie Beta k�nnte �berredet werden, uns ein Bataillon von Psychiatern als humanit�re Hilfe zu schicken? Vielleicht den, mit dem du deinen letzten Streit hattest?�</p><p>Cordelia schnaubte. Nun ja, die barrayaranische Geschichte war von einer Art unheimlicher, dramatischer Sch�nheit, abstrakt gesehen, aus der Distanz. Ein Spiel der Leidenschaften. Betrachtete man sie aber aus der N�he, dann wurde die Stupidit�t des Ganzen sp�rbarer, und wie bei einem Mosaik l�ste sich alles in sinnlose Einzelteilchen auf.</p><p>Cordelia z�gerte, dann fragte sie: �Spielen wir das Geiselspiel?� Sie war sich nicht sicher, ob sie die Antwort h�ren wollte.</p><p>Vorkosigan sch�ttelte den Kopf. �Nein. Das waren f�r mich in all den Wochen die h�rtesten Auseinandersetzungen, M�nnern in die Augen zu blicken, die Frauen und Kinder droben in der Hauptstadt haben, und dann nein zu sagen.�</p><p>Er legte sein Besteck auf seinem Tablett ordentlich im urspr�nglichen Muster zurecht und f�gte in einem nachdenklichen Ton an: �Aber sie blicken nicht weit genug. Das alles ist bis jetzt keine Revolution, nur ein Putsch. Die Bev�lkerung ist unt�tig, oder besser gesagt: sie verh�lt sich ruhig und abwartend, von einigen Denunzianten abgesehen. Vordarian appelliert an die konservative Elite, an die alten Vor und das Milit�r. Der Graf kann nicht z�hlen. Die neue Technokultur bringt so schnell, wie unsere Schulen sie produzieren k�nnen, Progressive aus dem gew�hnlichen Volk hervor. Sie sind die Mehrheit der Zukunft. Ich m�chte ihnen eine andere Methode als nur bunte Armb�nder geben, um die Guten von den B�sen zu unterscheiden. Moralische Oberzeugung ist eine m�chtigere Kraft, als Vordarian vermutet. Welcher General auf der alten Erde hat gesagt, da� die Moral sich zur Physik verh�lt wie drei zu eins? Ach ja, das war Napoleon. Schade, da� er seinen eigenen Rat nicht befolgt hat. F�r diesen Krieg hier beziffere ich das Verh�ltnis auf f�nf zu eins.�</p><p>�Aber halten sich eure Kr�fte die Waage? Wie steht es mit der Physik?�</p><p>Vorkosigan hob die Schultern. �Wir haben jeder Zugang zu genug Waffen, um Barrayar zu verw�sten. Rohe Gewalt ist nicht das wirkliche Thema. Aber meine Legitimit�t ist ein enormer Vorteil, solange Waffen bemannt werden m�ssen. Daher Vordarians Versuche, diese Legitimit�t zu unterminieren mit seinen Beschuldigungen, ich h�tte Gregor beseitigt. Ich schlage vor, ihn mit seiner L�ge zu fangen.�</p><p>Cordelia zitterte. �Du wei�t, ich w�re nicht gerne auf Vordarians Seite.�</p><p>�Oh, es gibt da noch ein paar Methoden, wie er gewinnen k�nnte. Mein Tod ist bei ihnen allen erforderlich. Ohne mich als einen Mittelpunkt, den einzigen Regenten, den der verstorbene Ezar eingesetzt hat, was g�be es da noch zu w�hlen? Vordarians Anspruch ist dann so gut wie jedermanns.</p><p>Wenn er mich umbr�chte und Gregor in Besitz bek�me, oder umgekehrt, dann w�re es durchaus denkbar, da� er sich von da an konsolidieren k�nnte. Bis zum n�chsten Putsch und einer Folge von Revolten und Rachemorden, die dann immer weiter und weiter ginge��� Seine Augen verengten sich, als er diese d�stere Vision betrachtete. �Das ist mein schlimmster Alptraum. Da� dieser Krieg nicht aufh�rt, wenn wir verlieren, bis ein weiterer Dorca Vorbarra der Gerechte auftritt, der einem weiteren Blutigen Jahrhundert ein Ende setzt. Gott allein wei�, wann das w�re. Offen gesagt, ich sehe keinen Mann von diesem Kaliber in meiner Generation.�</p><p><emphasis>Schau mal in deinen Spiegel,</emphasis> dachte Cordelia melancholisch.</p><p>�Aha, <emphasis>deshalb</emphasis> wolltest du, da� ich zuerst zum Doktor gehe�, neckte Cordelia Aral in der gleichen Nacht. Nachdem Cordelia einige der wirren Vermutungen des Arztes zurechtger�ckt hatte, hatte dieser sie gr�ndlich untersucht, seine Verordnung von Gymnastik auf Ruhe abge�ndert und ihr erlaubt, mit Vorsicht die ehelichen Beziehungen wieder aufzunehmen.</p><p>Aral grinste nur und nahm sie, als w�re sie aus gesponnenem Glas. Sie schlo� daraus, da� er sich von dem Soltoxin nahezu vollst�ndig erholt hatte. Er schlief wie ein Stein, nur w�rmer, bis die Kommunikationskonsole sie im Morgengrauen weckte. Es mu�te da eine Art milit�rischer Verschw�rung funktioniert haben, da� die Konsole nicht schon eher aufgeleuchtet hatte. Cordelia stellte sich vor, wie irgendein Stabsangeh�riger vertraulich zu Kou gesagt hatte: �Also, lassen wir den Alten mal wieder in Ruhe bumsen, vielleicht wird er dann etwas sanfter���</p><p>Und doch, der elende Nebel der Ersch�pfung hob sich diesmal schneller.</p><p>Innerhalb eines Tages war Cordelia auf und erforschte mit Droushnakovi in ihrer Begleitung ihre neue Umgebung.</p><p>Sie traf in der Sporthalle der Basis auf Bothari. Graf Piotr war noch nicht zur�ckgekehrt, und so hatte auch Bothari keine Pflichten, nachdem er Aral seinen Bericht erstattet hatte. �Es ist gut, in Form zu bleiben�, sagte er kurz angebunden zu ihr.</p><p>�Haben Sie geschlafen?�</p><p>�Nicht viel�, sagte er und nahm seinen Lauf wieder auf. Zwanghaft, zu lang, weit �ber den Punkt hinaus, wo die aufgewendete Zeit in einem optimalen Verh�ltnis zum Effekt stand. Er schwitzte, um die Zeit auszuf�llen.</p><p>Am dritten Tag traf sie auf einem Korridor Leutnant Koudelka, der fast im Laufschritt vorbeistampfte, mit einem vor Aufregung ger�teten Gesicht.</p><p>�Was ist los, Kou?�</p><p>�Illyan ist hier. Und er hat Kanzian mitgebracht.�</p><p>Cordelia folgte ihm in einen Besprechungsraum. Droushnakovi mu�te noch l�ngere Schritte als sonst machen, um mithalten zu k�nnen. Aral sa�, flankiert von zwei Stabsmitgliedern, mit seinen verschr�nkten H�nden vor sich auf dem Tisch und lauschte mit �u�erster Aufmerksamkeit.</p><p>Oberstleutnant Illyan sa� auf dem Rand des Tisches und schwang ein Bein im Rhythmus seiner Stimme. Am linken Arm trug er eine Bandage mit gelben Flecken. Er war bleich und schmutzig, aber seine Augen gl�nzten triumphierend und leicht fiebrig. Er war in Zivilkleidung, die aussah, als h�tte er sie aus einer Waschk�che gestohlen und w�re dann damit bergab gerollt.</p><p>Ein �lterer Mann sa� neben Illyan�� ein Stabsmitglied reichte ihm gerade ein Getr�nk, das Cordelia als einen Mineraltrunk mit Fruchtgeschmack f�r metabolisch Ersch�pfte erkannte. Der Mann kostete pflichtgem�� davon und machte ein Gesicht, als hatte er eine altmodischere St�rkung wie etwa Brandy vorgezogen. �bergewichtig und von unterdurchschnittlicher Gr��e, mit grauem Haar dort, wohin sich seine Glatze noch nicht ausgedehnt hatte, sah Admiral Kanzian nicht sehr martialisch aus. Er wirkte gro�v�terlich�� allerdings nur, wenn der Gro�vater Professor an einem Forschungsinstitut war. Sein Gesicht war von einer Intensit�t des Intellekts gepr�gt, die dem Begriff Milit�rwissenschaften wirkliche Bedeutung zu geben schien. Cordelia hatte ihn schon einmal in Uniform getroffen, seine Ausstrahlung von ruhiger Autorit�t wurde nicht beeintr�chtigt durch die Zivilkleidung, ein Hemd und eine Freizeithose, die aus demselben W�schekorb wie Illyans Kleider gekommen sein mochten.</p><p>Illyan sagte gerade: �� verbrachten wir die n�chste Nacht in dem Keller. Vordarians Kommando kam am n�chsten Morgen wieder, aber�� Mylady!�</p><p>Sein begr��endes L�cheln wurde durch einen Anflug von Schuld geschw�cht, als er einen schnellen Blick auf ihre Taille warf. Ihr w�re es lieber gewesen, er h�tte weiter aufgeregt dahergeredet �ber seine Abenteuer, aber ihre Ankunft schien ihn zu ern�chtern, als w�re sie der Geist seines denkw�rdigsten Scheiterns beim Bankett seines Sieges.</p><p>�Es ist wunderbar, Sie beide zu sehen, Simon, Admiral.� Sie nickten sich gr��end zu, Kanzian schickte sich an, aufzustehen, ihm wurde aber von allen bedeutet, sich wieder zu setzen, woraufhin er verwirrt die Lippen verzog. Aral machte ihr ein Zeichen, sie solle sich neben ihn setzen.</p><p>Illyan setzte seinen Bericht in einer gestraffteren Weise fort. Seine vergangenen zwei Wochen Versteckspiel mit Vordarians Leuten schienen Cordelias Erlebnissen zu entsprechen, allerdings vor dem weit komplexeren Hintergrund der besetzten Hauptstadt. Aber Cordelia erkannte hinter seinen einfachen Worten die vertrauten Schrecken. Er brachte seine Erz�hlung schnell zum gegenw�rtigen Augenblick. Kanzian nickte gelegentlich best�tigend.</p><p>�Gut gemacht, Simon�, sagte Vorkosigan, als Illyan geendet hatte. Er nickte Kanzian zu. �Au�erordentlich gut gemacht.�</p><p>Illyan l�chelte: �Ich dachte, es w�rde Ihnen gefallen, Sir.�</p><p>Vorkosigan wandte sich an Kanzian: �Sobald Sie sich dazu in der Lage f�hlen, w�rde ich Sie gern im Taktikzentrum �ber die Lage informieren, Sir.�</p><p>�Danke, Mylord. Ich war von aller Kommunikation abgeschnitten�� ausgenommen Vordarians Nachrichtensendungen��, seit ich aus dem Hauptquartier geflohen bin. Allerdings konnten wir viele Schl�sse aus dem ziehen, was wir sahen. �brigens stimme ich Ihrer Strategie der Zur�ckhaltung zu. Bis jetzt war sie gut. Aber Sie sind nahe an ihren Grenzen.�</p><p>�Das habe ich schon gesp�rt, Sir.�</p><p>�Was macht Jolly Nolly auf Sprungpunkt-Station Eins?�</p><p>�Er antwortet nicht auf seiner Standardfequenz. Letzte Woche brachten seine Stabsmitarbeiter eine erstaunliche Menge von Entschuldigungen an, aber ihr Erfindungsreichtum ist schlie�lich ausgetrocknet.�</p><p>�Ha, ich kann es mir richtig vorstellen. Seine Dickdarmentz�ndung mu� in wunderbarem Zustand sein. Ich wette, nicht alle diese Meldung �ber Indisponiertheit waren L�gen. Ich glaube, ich sollte mal einen privaten Plausch mit Admiral Knollys beginnen, nur zu zweit.�</p><p>�Ich w�rde das zu sch�tzen wissen, Sir.�</p><p>�Wir werden �ber die Zwangsl�ufigkeiten der Zeit reden. Und �ber die Schw�chen eines potentiellen Kommandeurs, der seine ganze Strategie auf einen Mordanschlag aufbaut, den er dann nicht erfolgreich ausf�hrt.�</p><p>Kanzian runzelte kritisch die Stirn. �Nicht gut konstruiert, wenn man einen ganzen Krieg von einem einzigen Ereignis abh�ngen l��t. Vordarian hatte immer eine Neigung, pl�tzlich loszuballern.�</p><p>Cordelia lenkte Illyans Aufmerksamkeit auf sich: �Simon, haben Sie, als Sie in Vorbarr Sultana eingeschlossen waren, irgendwelche Informationen �ber das Kaiserliche Milit�rkrankenhaus aufschnappen k�nnen? �ber Vaagen und Henris Labor?� <emphasis>�ber mein Baby?</emphasis></p><p>Bedauernd sch�ttelte er den Kopf: �Nein, Mylady.� Illyan seinerseits richtete seinen Blick auf Vorkosigan: �Mylord, stimmt das mit Oberst Negris Tod? Wir h�rten nur ger�chtweise davon und aus Vordarians Propagandasendungen. Wir dachten, es k�nnte eine L�ge gewesen sein.�</p><p>�Negri ist tot. Ungl�cklicherweise.� Vorkosigan verzog sein Gesicht.</p><p>Illyan richtete sich erschreckt auf. �Und der Kaiser auch?�</p><p>�Gregor ist in Sicherheit, es geht ihm gut.�</p><p>Illyan sank wieder zusammen. �Gott sei Dank. Wo?�</p><p>�Woanders�, sagte Vorkosigan trocken.</p><p>�O ja, ganz recht, Sir. Verzeihen Sie bitte.�</p><p>�Sobald Sie die Krankenstation durchlaufen und geduscht haben, Simon, habe ich eine Aufgabe f�r Sie, ein Gro�reinemachen�, fuhr Vorkosigan fort. �Ich m�chte ganz genau wissen, wie es kam, da� der Sicherheitsdienst von Vordarians Putsch �berrascht wurde. Ich m�chte nicht schlecht �ber Tote reden�� und Gott wei�, da� der Mann f�r seine Fehler bezahlt hat��, aber Negris altes pers�nliches System, den Sicherheitsdienst zu leiten, mit all seinen kleinen Geheimf�chern, die er nur mit Ezar geteilt hat, mu� komplett auseinandergenommen werden. Jede Komponente, jeder Mann mu� �berpr�ft werden, bevor wieder alles zusammengef�gt wird. Das wird Ihre erste Aufgabe als neuer Chef des Kaiserlichen Geheimdienstes sein, Oberst Illyan.�</p><p>Illyans Gesicht wechselte seine Farbe von m�der Bl�sse zu gr�nlichem Wei�. �Sir�� Sie wollen, da� ich in <emphasis>Negris</emphasis> Schuhe steige?�</p><p>�Sch�tteln Sie sie erst mal aus�, riet Vorkosigan trocken. �Und zwar eilends, bitte ich. Ich kann den Kaiser erst dann an die �ffentlichkeit bringen, wenn der Sicherheitsdienst wieder in der Lage ist, ihn zu sch�tzen.�</p><p>�Jawohl, Sir.� Illyans Stimme war ganz d�nn vor �berw�ltigung.</p><p>Kanzian erhob sich von seinem Sitz und wies die Hilfe eines besorgten Stabsoffiziers zur�ck. Aral dr�ckte Cordelias Hand unter dem Tisch und stand auf, um den Kern seines neuen Generalstabs zu begleiten. Als sie alle den Raum verlie�en, grinste Kou �ber seine Schulter Cordelia zu und fl�sterte: �Die Dinge sehen jetzt besser aus, nicht wahr?�</p><p>Sie l�chelte d�ster zur�ck. Sie hatte das Echo von Vorkosigans Worten im Kopf: <emphasis>wenn die Verschiebung von Menschen und Loyalit�ten ein kritisches Stadium erreicht und Vordarian beginnt, in Panik zu geraten��</emphasis></p><p>Das Rinnsal von Fl�chtlingen, die auf Basis Tanery erschienen, wurde w�hrend der Wochen zu einem stetigen Strom. Am spektakul�rsten nach der Flucht Kanzians war der Ausbruch von Premierminister Vortala aus Vordarians Hausarrest. Er traf mit einigen verwundeten Livrierten ein und mit einer haarstr�ubenden Geschichte von Bestechung, Gaunerei, Jagd und Feuerwechsel. Zwei andere Minister der Kaiserlichen Regierung tauchten auch auf, der eine von ihnen zu Fu�. Die Moral stieg mit jedem bemerkenswerten Neuzugang, die Atmosph�re der Basis war elektrisiert mit der Erwartung auf Aktion. Die Frage, die sich die Stabsangeh�rigen auf den Korridoren stellten, lautete nicht: �Wer ist angekommen?�, sondern: �Wer ist heute morgen angekommen?� Cordelia versuchte, durch all dies ermutigt zu erscheinen und verbarg ihre Furcht in den Abgr�nden ihres Herzens. Vorkosigan freute sich �ber die Entwicklung, wurde aber gleichzeitig immer angespannter.</p><p>Wie man sie instruiert hatte, ruhte sich Cordelia viel in Vorkosigans Quartier aus. Aber allzu bald f�hlte sie sich wieder gen�gend mit Energie geladen, da� sie h�tte anfangen k�nnen, gegen die W�nde zu schlagen. Sie versuchte dann, ihre Verordnung mit ein paar versuchsweisen Liegest�tzen und Kniebeugen (aber keinem Aufsetzen aus der Hockstellung) zu variieren. Sie erwog gerade die Vor- und Nachteile einer Teilnahme an Botharis �bungen in der Sporthalle, als die Kommunikationskonsole summte.</p><p>Koudelkas besorgtes Gesicht erschien auf dem Bildschirm: �Mylady, Mylord bittet Sie, zu ihm in Besprechungsraum Sieben zu kommen. Es ist etwas eingetroffen, das er Ihnen zeigen will.�</p><p>Cordelias Magen dreht sich um. �In Ordnung. Bin schon auf dem Weg.�</p><p>Eine Schar M�nner wartete in Besprechungsraum Sieben dicht gedr�ngt um eine Vidkonsole und debattierte leise miteinander. Stabsmitglieder, Kanzian, sogar Minister Vortala. Vorkosigan blickte auf und l�chelte sie kurz und fast automatisch an.</p><p>�Cordelia, ich h�tte gerne deine Meinung �ber etwas, das hier angekommen ist.�</p><p>Das war schmeichelhaft, aber: �Was f�r eine Art von Etwas ist das?�</p><p>�Vordarians letzter Sonderbericht hat einen neuen Knalleffekt. Kou, spielen Sie das Vid noch mal ab, bitte.�</p><p>Vordarians Propagandasendungen aus der Hauptstadt waren f�r Vorkosigans M�nner meistenteils Anla� zur Belustigung. Aber diesmal sahen ihre Gesichter eher ernster aus.</p><p>Vordarian erschien in einem Raum, der erkennbar einer der Staatsr�ume in der Kaiserlichen Residenz war, der feierliche und zugleich heitere Blaue Salon. Ezar Vorbarra pflegte seine seltenen �ffentlichen Erkl�rungen vor diesem Hintergrund abzugeben. Vorkosigan runzelte die Stirn.</p><p>Vordarian sa� in voller gr�ner Galauniform auf einem elfenbeinfarbenen Seidensofa, mit Prinzessin Kareen an seiner Seite. Ihr dunkles Haar wurde von juwelenbesetzten K�mmen streng von ihrem ovalen Gesicht nach hinten gehalten. Sie trug ein auffallendes schwarzes Kleid, das d�ster und formell wirkte.</p><p>Vordarian sprach nur ein paar ernste Worte, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich zu lenken. Dann gab es einen Schnitt, eine neue Szene zeigte die gro�e Halle des Rates der Grafen in Schlo� Vorhartung. Die Kamera zoomte auf den Lordw�chter des Sprecherkreises, der seine volle Amtskleidung trug. Das Vid zeigte nicht, was au�er dem eigenen Mikrophon auf den Kopf des Lordw�chters zielte, aber etwas an seinen wiederholten Blicken auf eine Seite anstatt direkt in die Linse lie� Cordelia vermuten, da� an dieser unsichtbaren Stellung ein schwerbewaffneter Mann oder vielleicht ein ganzes Kommando stand.</p><p>Der Lordw�chter hob eine Plastikfolie und begann: �Ich zitiere�� auf Grund des���</p><p>�Ach, raffiniert!�, murmelte Vortala, und Koudelka hielt das Vid an und sagte: �Verzeihung, Herr Minister?�</p><p>�Dieses �Ich zitiere��� damit hat er sich gerade juristisch von den Worten distanziert, die da jetzt von dieser Folie und aus seinem Mund kommen. Beim ersten Mal habe ich das nicht mitbekommen. Gut, Georgos, gut�, sprach Vortala die erstarrte Gestalt auf dem Bildschirm an. �Machen Sie weiter, Leutnant, ich wollte nicht unterbrechen.�</p><p>Das Holovid-Bild fuhr fort �� sch�ndlichen Mordes an unserem jungen Kaiser Gregor Vorbarra und des Verrats an seinem heiligen Eid durch den M�chtegern-Usurpator Vorkosigan erkl�rt der Rat der Grafen den falschen Regenten f�r treulos, ausgesto�en, aller Macht entkleidet und vogelfrei.</p><p>Am heutigen Tag best�tigt der Rat der Grafen Kommodore Graf Vidal Vordarian als Premierminister und amtierenden Regenten f�r die Prinzessin-Witwe Kareen Vorbarra, der eine gesch�ftsf�hrende Regierung bildet, bis ein neuer Erbe gefunden ist und vom Rat der Grafen und vom Rat der Minister in Vollversammlung best�tigt wird.�</p><p>Er fuhr mit weiteren rechtlichen Einzelheiten fort, w�hrend die Kamera auf die Halle schwenkte. �Halten Sie es mal an, Koudelka�, bat Vortala.</p><p>Seine Lippen bewegten sich, w�hrend er z�hlte. �Ha! Nicht einmal ein Drittel anwesend. Er kommt �berhaupt nicht an ein Quorum heran. Wen meint er damit zum Narren halten zu k�nnen?�</p><p>�Verzweifelter Mann, verzweifelte Ma�nahmen�, murmelte Kanzian, als das Holo auf Koudelkas Tastendruck weiterlief.</p><p>�Beobachte Kareen�, sagte Vorkosigan zu Cordelia.</p><p>Nach einem Schnitt sah man jetzt wieder Vordarian und die Prinzessin.</p><p>Vordarian redete in so sch�nf�rberisch-verschl�sselten Begriffen weiter, da� Cordelia einen Augenblick brauchte, um die Tatsache herauszufinden, da� Vordarian mit der Phrase pers�nlicher Besch�tzer eine Verlobung ank�ndigte. Seine Hand schlo� sich ernsthaft �ber der von Kareen, obwohl sein Blickkontakt nur der Kamera galt. Kareen hob ihre Hand, um einen Ring zu empfangen, ohne da� ihr ruhiger Gesichtsausdruck sich im geringsten ver�nderte. Das Video schlo� mit feierlicher Musik. Ende.</p><p>Dankbarerweise blieb ihnen eine nachtr�gliche Diskussion im betanischen Stil erspart, offensichtlich fragte nie jemand sonderlich nach der Meinung des barrayaranisehen Mannes auf der Stra�e, zumindest solange ein allgemeiner Aufruhr die Lautst�rke nicht so gro� werden lie�, da� man sie nicht mehr ignorieren konnte.</p><p>�Wie w�rdest du Kareens Reaktion analysieren?�, fragte Aral Cordelia.</p><p>Cordelia hob ihre Augenbrauen. �Welche Reaktion? Wie analysieren? Sie hat ja kein einziges Wort gesagt.�</p><p>�Einfach so. Sah sie f�r dich aus, als h�tte sie unter Drogen gestanden? Oder unter Zwang? Oder war das echte Zustimmung? Ist sie auf Vordarians Propaganda hereingefallen, oder was?� Frustriert blickte Vorkosigan auf die Stelle, wo gerade noch das Bild dieser Frau gewesen war. �Sie ist immer sehr reserviert gewesen, aber das war die am wenigsten durchschaubare Vorstellung, die ich je gesehen habe.�</p><p>�Lassen Sie es noch einmal laufen, Kou�, sagte Cordelia. Sie lie� ihn an den Stellen anhalten, wo Kareen am besten zu sehen war. Sie betrachtete das erstarrte Gesicht, das jetzt kaum weniger belebt wirkte, als wenn das Holo lief. �Sie sieht nicht benebelt oder sediert aus. Und ihre Augen blicken nicht in der Art zur Seite, wie es bei dem Sprecher der Fall war.�</p><p>�Niemand bedroht sie mit einer Waffe?�, mutma�te Vortala.</p><p>�Oder vielleicht ist es ihr einfach egal�, vermutete Cordelia grimmig.</p><p>�Zustimmung oder Zwang?�, wiederholte Vorkosigan.</p><p>�Vielleicht keines von beiden. Sie hat sich mit dieser Art von Unsinn ihr ganzes erwachsenes Leben besch�ftigen m�ssen�� was erwartest du von ihr? Sie hat drei Jahre der Ehe mit Serg �berlebt, bevor Ezar sie in seinen Schutz nahm, Sie mu� eine echte Expertin darin sein zu erraten, was sie nicht sagen soll und wann sie es nicht sagen soll.�</p><p>�Aber sich �ffentlich Vordarian zu unterwerfen�� wenn sie glaubt, da� er f�r Gregors Tod verantwortlich ist���</p><p>�Ja, was glaubt sie denn? Wenn sie wirklich denkt, ihr Sohn sei tot�� selbst wenn sie nicht glaubt, da� du ihn umgebracht hast��, dann bleibt ihr nur �brig, nach ihrem eigenen �berleben Ausschau zu halten. Warum soll sie dieses �berleben f�r eine dramatische Sinnlosigkeit riskieren, wenn das Gregor nicht mehr hilft? Was schuldet sie dir, schuldet sie uns, alles in allem? Wir alle haben ihr gegen�ber versagt, so weit sie es wei�.�</p><p>Vorkosigan zuckte zusammen.</p><p>Cordelia fuhr fort: �Vordarian hat sicher ihren Zugang zu Informationen unter Kontrolle. Sie ist vielleicht sogar �berzeugt, da� er gewinnt. Sie ist eine �berlebende: bis jetzt hat sie Serg und Ezar �berlebt. Vielleicht hat sie die Absicht, euch beide, dich und Vordarian, zu �berleben. Vielleicht denkt sie, die einzige Rache, die sie je bekommt, wird sein, lang genug zu leben, um auf all eure Gr�ber spucken zu k�nnen.�</p><p>Einer der Stabsoffiziere murmelte: �Aber sie ist eine Vor. Sie h�tte ihm widerstehen m�ssen.�</p><p>Cordelia widmete ihm ein strahlendes L�cheln. �Oh, aber man wei� nie, was ein barrayaranische Frau denkt, wenn man nur nach dem geht, was sie vor barrayaranischen M�nnern sagt. Ehrlichkeit wird hier nicht gerade belohnt, nicht wahr?�</p><p>Der Stabsangeh�rige blickte sie unsicher an. Drou l�chelte s�uerlich. Vorkosigan atmete laut h�rbar aus. Koudelka blinzelte.</p><p>�Also, Vordarian wird des Wartens �berdr�ssig und ernennt sich selbst zum Regenten�, murmelte Vortala.</p><p>�Und zum Premierminister�, wies Vorkosigan seinerseits hin.</p><p>�In der Tat, er plustert sich auf.�</p><p>�Warum greift er nicht gleich nach dem Kaisertum?�, fragte der Stabsoffizier.</p><p>�Er sondiert erst das Gel�nde�, sagte Kanzian.</p><p>�Das kommt noch, sp�ter im Drehbuch�, meinte Vortala.</p><p>�Oder vielleicht eher, wenn wir ihn zwingen zu handeln�, regte Kanzian an. �Der letzte und fatale Schritt. Wir m�ssen �berlegen, wie wir ihn gerade noch ein bi�chen nerv�ser machen.�</p><p>�Nicht viel l�nger�, sagte Vorkosigan bestimmt.</p><p>Die geisterhafte Maske von Kareens Gesicht erschien den ganzen Tag vor Cordelias geistigem Auge und kehrte am n�chsten Morgen nach dem Aufwachen wieder. Was dachte Kareen? Was f�hlte Kareen schlie�lich?</p><p>Vielleicht war sie abgestumpft, wie es der Augenschein vermuten lie�. Vielleicht wartete sie den rechten Augenblick ab. Vielleicht stand sie ganz auf Vordarians Seite. <emphasis>Wenn ich w��te, was sie glaubt, dann w�rde ich wissen, was sie tut. Wenn ich w��te, was sie tut, dann w�rde ich wissen, was sie glaubt.</emphasis></p><p>Zu viele Unbekannte in dieser Gleichung. <emphasis>Wenn ich Kareen w�re��</emphasis> War das eine g�ltige Analogie? Konnte Cordelia von sich auf jemand anderen schlie�en? Konnte das �berhaupt jemand? Es gab �hnlichkeiten zwischen ihnen, Kareen und Cordelia, beide waren Frauen, in vergleichbarem Alter, M�tter von gef�hrdeten S�hnen�� Cordelia nahm Gregors Schuh aus ihrem kleinen Haufen von Erinnerungsst�cken aus den Bergen und drehte ihn in ihrer Hand. <emphasis>Mama packte mich, aber mein Schuh ging ab in ihrer Hand. Ich h�tte ihn fester zubinden sollen��</emphasis> Vielleicht sollte sie ihrem eigenen Urteil vertrauen. Vielleicht wu�te sie genau, was Kareen dachte.</p><p>Als die Kommunikationskonsole ert�nte, etwa um die Zeit wie der gestrige Anruf, da scho� Cordelia hoch, um sich zu melden. Eine neue Sendung aus der Hauptstadt, neue Beweise, etwas, das diesen Teufelskreis der Unvernunft durchbrechen konnte? Aber das Gesicht, das auf dem Bildschirm erschien, war nicht Koudelka, sondern ein Fremder mit dem Abzeichen des Sicherheitsdienstes am Kragen.</p><p>�Lady Vorkosigan?�, begann er respektvoll.</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich bin Major Sircoj, Offizier vom Dienst am Hauptportal. Es ist meine Aufgabe, alle neuen Leute, die sich hier melden, zu �berpr�fen, M�nner, die Verr�tereinheiten verlassen haben und so weiter, und alle Nachrichten zu sammeln, die sie mit sich gebracht haben. Wir haben einen Mann hier, der vor einer halben Stunde auftauchte und sagte, er sei aus der Hauptstadt geflohen, und er weigert sich, freiwillig seine Informationen preiszugeben.</p><p>Wir haben die Richtigkeit seiner Behauptung best�tigen k�nnen, da� er einer Antiverh�r-Konditionierung unterzogen wurde�� wenn wir ihn mit Schnell-Penta behandeln, dann bringt ihn das um. Er bittet dauernd darum�� tats�chlich besteht er sogar darauf��, mit Ihnen zu sprechen. Er k�nnte ein Attentat auf Sie vorhaben.�</p><p>Cordelias Herz pochte laut. Sie lehnte sich in Richtung auf das Holovid, als k�nnte sie hindurchsteigen. �Brachte er etwas mit sich mit?�, fragte sie atemlos. �Wie einen Kanister, etwa einen halben Meter hoch�� mit einer Menge blinkender Lichter und gro�en roten Buchstaben obendrauf, die sagen �Hier Oben�? Sieht h�llisch geheimnisvoll aus, bereitet garantiert jeder Sicherheitswache Kopfzerbechen�� wie hei�t er, Major?�</p><p>�Er brachte nichts mit au�er den Kleidern, die er am Leib tr�gt. Er ist in keiner guten Verfassung. Sein Name ist Vaagen, Hauptmann Vaagen.�</p><p>�Ich bin gleich bei Ihnen.�</p><p>�Nein, Mylady! Der Mann tobt praktisch. K�nnte gef�hrlich sein, ich kann nicht zulassen, da� Sie���</p><p>Cordelia lie� ihn zu einem leeren Zimmer sprechen. Droushnakovi mu�te in Laufschritt fallen, um sie einzuholen. Cordelia brauchte weniger als sieben Minuten bis zu den Sicherheitsb�ros am Hauptportal und hielt im Korridor an, um Luft zu holen. Um ihre Seele zur�ckzuholen, die ihr aus dem Mund davonfliegen wollte. Ruhig. Ruhig. Toben w�rde offensichtlich nicht das Eis bei Sircoj brechen.</p><p>Sie hob das Kinn und betrat das B�ro. �Sagen Sie Major Sircoj, da� Lady Vorkosigan hier ist, um ihn zu sprechen�, sagte sie dem Sekret�r, der beeindruckt seine Augenbrauen hob und sich gehorsam �ber seine Kommunikationskonsole beugte.</p><p>Sircoj erschien nach einigen endlos scheinenden Minuten�� durch <emphasis>jene </emphasis>T�r, notierte sich Cordelia seine Route im Kopf. �Ich mu� Hauptmann Vaagen sprechen.�</p><p>�Mylady, er k�nnte gef�hrlich sein�, begann Sircoj genau da, wo sie ihn vorhin abgeschnitten hatte. �Er k�nnte auf eine unerwartete Weise programmiert sein.�</p><p>Cordelia �berlegte, ob sie unerwarteterweise Sircoj am Hals packen und versuchen sollte, ihm Vernunft einzutrichtern. Unklug. Sie holte tief Atem. �Was wollen Sie mich tun lassen? Kann ich ihn wenigstens �ber das Vid sehen?�</p><p>Sircoj sah nachdenklich aus. �Das k�nnte in Ordnung gehen. Eine �berpr�fung unserer Identifikation, und wir k�nnen das aufnehmen. Sehr gut.�</p><p>Er nahm sie in einen anderen Raum mit und schaltete einen Monitor ein. Cordelia atmete mit einem leichten St�hnen aus.</p><p>Vaagen war allein in einem Haftraum und ging st�ndig hin und her. Er trug gr�ne Uniformhosen und ein wei�es Hemd mit braunen Flecken. Er hatte sich schrecklich ver�ndert im Vergleich zu dem schmucken und energischen Wissenschaftler, den sie zuletzt in seinem Labor im Milit�rkrankenhaus gesehen hatte. Beide Augen waren umgeben von purpurroten Flecken, ein Lid war so geschwollen, da� es fast geschlossen war, der Schlitz war be�ngstigend blutig ger�tet. Er bewegte sich nach vorn gekr�mmt. Er hatte nicht mehr gebadet, nicht mehr geschlafen, seine Lippen waren geschwollen��</p><p>�Holen Sie einen Sanit�ter f�r diesen Mann!� Als Sircoj zusammenfuhr, wurde sich Cordelia bewu�t, da� sie geschrien hatte.</p><p>�Er ist schon durch die Triage gegangen, sein Zustand ist nicht lebensbedrohend. Wir k�nnen erst dann anfangen, ihn zu behandeln, wenn er sicherheits�berpr�ft ist�, sagte Sircoj hartn�kkig.</p><p>�Dann verbinden Sie ihn online mit mir�, sagte Cordelia durch ihre zusammengebissenen Z�hne. �Drou, gehen Sie zur�ck ins B�ro, rufen Sie Aral. Sagen Sie ihm, was hier vor sich geht.�</p><p>Sircoj blickte besorgt drein ob dieser Entwicklung, hielt sich aber tapfer an seine Prozeduren. Weitere endlose Sekunden, w�hrend jemand zur�ck in die Haftzone ging und Vaagen an eine Kommunikationskonsole holte.</p><p>Sein Gesicht kam endlich �ber den Bildschirm, Cordelia konnte sehen, wie ihr eigenes Gesicht in der leidenschaftlichen Intensit�t des seinen reflektiert wurde. Endlich verbunden.</p><p>�Vaagen! Was ist geschehen?�</p><p>�Mylady!� Seine H�nde verkrampften sich, zitterten, als er sich auf sie aufst�tzte und in Richtung der Aufnahmeapparatur lehnte. �Die Idioten, die Trottel, die Ignoranten, dumme����� er sprudelte hilflose Beschimpfungen hervor, dann holte er Luft und begann noch einmal, schnell, knapp, als k�nnte man ihm ihr Bild jeden Augenblick wegschnappen.</p><p>�Wir dachten zuerst, wir k�nnten unbehelligt bleiben, nachdem die K�mpfe der ersten beiden Tage abgeflaut waren. Wir versteckten den Replikator im Milit�rkrankenhaus, aber niemand kam. Wir warteten in Ruhe ab und schliefen abwechselnd im Labor. Dann gelang es Henri, seine Frau aus der Stadt zu schmuggeln, und wir blieben beide zur�ck.</p><p>Wir versuchten, die Behandlung im Geheimen fortzusetzen. Dachten, wir k�nnten einfach warten, bis alles vorbei w�re, bis Hilfe k�me. Die Lage mu�te sich ja ver�ndern, in die eine oder andere Richtung��</p><p>Wir hatten schon fast aufgeh�rt, Vordarians Leute zu erwarten, aber sie kamen. Letzten���� gestern�, er fuhr sich mit der Hand durchs Haar, als suchte er irgendeine Verbindung zwischen der wirklichen Zeit und einer Alptraumzeit, wo die Uhren verr�ckt spielten. �Vordarians Kommando. Kam nach dem Replikator zu suchen. Wir sperrten das Labor zu, sie brachen ein. Forderten ihn. Wir lehnten ab, lehnten ab zu sprechen, sie konnten keinen von uns beiden mit Schnell-Penta behandeln. Also schlugen sie uns zusammen. Sie pr�gelten ihn systematisch zu <emphasis>Tode,</emphasis> als w�re er ein Niemand, all die Intelligenz, all die Bildung, all die Verhei�ung <emphasis>zerst�rt, </emphasis>zu Boden geschlagen von einem stammelnden Trottel, der einen Gewehrkolben schwingt��� Tr�nen rannen �ber sein Gesicht herab.</p><p>Cordelia stand bleich und wie vom Blitz getroffen, ein schlimmer, schlimmer Anfall von mangelhaftem <emphasis>deja vu,</emphasis> Sie hatte die Laborszene schon tausendmal in ihrem Kopf durchgespielt, aber nie hatte sie dabei Dr. Henri erschlagen auf dem Boden oder Vaagen bewu�tlos gepr�gelt gesehen.</p><p>�Dann gingen sie auf das Labor los. Auf alles, auf alle Behandlungsberichte. Alle Arbeiten von Henri �ber Verbrennungen sind futsch. Sie mu�ten das nicht tun. Alles verloren!� Seine Stimme schnappte �ber, heiser vor Wut.</p><p>�Haben sie�� den Replikator gefunden? Ausgeleert?� Sie konnte es sehen, sie hatte es immer wieder und wieder gesehen, wie er ausgesch�ttet wurde.</p><p>�Sie haben ihn schlie�lich gefunden. Aber sie nahmen ihn dann mit. Und dann lie�en sie <emphasis>mich</emphasis> gehen.� Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nahmen ihn mit�, wiederholte sie stupide. Warum? Was f�r einen Sinn hat es, die Technologie mitzunehmen und nicht die Techniker? �Und lie�en Sie gehen. Damit Sie zu uns gerannt kommen, vermute ich. Um uns das zu melden.�</p><p>�Sie haben es kapiert, Mylady.�</p><p>�Wohin, was meinen Sie? Wohin haben sie ihn genommen?�</p><p>Vorkosigans Stimme erklang neben ihr: �In die Kaiserliche Residenz, sehr wahrscheinlich. All die wichtigen Geiseln werden dort gefangen gehalten. Ich werde sofort den Nachrichtendienst darauf ansetzen.� Er stand da wie angewurzelt, mit grauem Gesicht. �Es scheint, wir sind nicht die einzige Seite, die den Druck erh�ht.�</p></section><section><title><p>KAPITEL 15</p></title><p>Innerhalb von zehn Minuten nach Vorkosigans Ankunft im Sicherheitsposten am Hauptportal lag Hauptmann Vaagen flach auf einer Schwebebahre und war auf seinem Weg zum Lazarett, w�hrend man den besten Trauma-Arzt der Basis zur Untersuchung rief. Cordelia dachte voll Bitterkeit �ber die Natur der Befehlskette nach: alle Wahrheit und guten Gr�nde und dringende Notwendigkeit waren offensichtlich nicht genug, um jemandem au�erhalb dieser Kette urs�chliche Macht zu verleihen.</p><p>Eine weitere Befragung des Wissenschaftlers hatte zu warten bis nach seiner medizinischen Behandlung. Vorkosigan nutzte die Zeit, um Illyan und dessen Abteilung auf das neue Problem anzusetzen. Cordelia nutzte die Zeit, um im Wartebereich des Lazaretts im Kreis herumzulaufen.</p><p>Droushnakovi beobachtete sie mit stiller Sorge, sie war nicht so t�richt, beruhigende Versicherungen anzubieten, von denen sie beide wu�ten, da� sie nichtssagend waren.</p><p>Endlich kam der Traumaspezialist aus dem Operationssaal und verk�ndete, Vaagen sei bei Bewu�tsein und gen�gend orientiert f�r eine kurze�� er betonte: kurze�� Befragung. Aral kam, hinter ihm Koudelka und Illyan, und sie alle marschierten hinein und fanden Vaagen in einem Lazarettbett mit einer Klappe auf dem Auge und an einen intraven�sen Tropfer angeschlossen.</p><p>Vaagen f�gte in seiner heiseren und m�den Stimme noch ein paar schreckliche Details an, jedoch nichts, was das Bild �ndern konnte, da� er zuerst Cordelia geschildert hatte.</p><p>Illyan h�rte mit stetiger Aufmerksamkeit zu. �Unsere Leute in der Residenz best�tigen das�, berichtete er, als Vaagen ersch�pft war und sein bedr�cktes Fl�stern in Schweigen �berging. �Der Replikator wurde offensichtlich gestern in die Residenz gebracht und in dem am schwersten bewachten Fl�gel untergebracht, in der N�he von Prinzessin Kareens Gem�chern. Unsere Loyalisten wissen nicht, was es ist, sie denken, es ist irgendeine Art von Apparat, vielleicht eine Bombe, die die Residenz und alle ihre Insassen im Endkampf ausschalten soll.�</p><p>Vaagen schnaubte, hustete und zuckte zusammen.</p><p>�Haben sie irgend jemand, der sich darum k�mmert?�, stellte Cordelia die Frage, die bis jetzt jeder vermieden hatte. �Einen Doktor, einen Medizintechniker, irgend jemanden?�</p><p>Illyan runzelte die Stirn. �Ich wei� es nicht, Mylady. Ich kann versuchen, es herauszufinden, aber jede besondere Kommunikation gef�hrdet unsere Leute dort oben.�</p><p>�Hmm.�</p><p>�Die Behandlung ist sowieso unterbrochen worden�, murmelte Vaagen. Seine Hand fummelte am Rand seiner Bettdecke herum. �Das ist jetzt h�llisch verpfuscht.�</p><p>�Ich bin mir bewu�t, da� Sie Ihre Aufzeichnungen verloren haben, aber k�nnten Sie�� Ihre Arbeit rekonstruieren?�, fragte Cordelia zaghaft. �Wenn Sie den Replikator wiederh�tten, meine ich. Da weitermachen, wo Sie aufgeh�rt haben.�</p><p>�Es w�re nicht mehr da, wo wir aufgeh�rt haben, dann, wenn wir ihn zur�ckbek�men. Und es war nicht alles in meinem Kopf. Einiges davon war in Henris Kopf.�</p><p>Cordelia atmete tief durch. �Soweit ich mich erinnere, laufen diese escobaranischen tragbaren Replikatoren in einem Zyklus mit zweiw�chentlicher Wartung. Wann haben Sie zum letztenmal Elektrizit�t nachgeladen, die Filter ausgewechselt und N�hrl�sungen hinzugegeben?�</p><p>�Die Stromzellen halten noch Monate�, verbesserte Vaagen. �Die Filter sind eher ein Problem. Aber die N�hrl�sung wird der erste begrenzende Faktor sein, auf den der Replikator trifft. Bei seinem erh�hten Stoffwechselumsatz w�rde der F�tus ein paar Tage, bevor das System an seinen Abf�llen erstickt, verhungern. Abfallprodukte k�nnten allerdings ziemlich bald die Filter �berlasten, nachdem der Stoffwechsel der St�tzgewebe begann.�</p><p>Cordelia vermied Arals Blick und schaute direkt auf Vaagen, der mit seinem einen unversehrten Auge direkt zur�ckblickte, mit mehr als physischem Schmerz in seinem Gesicht. �Und wann haben Sie und Henri den Replikator das letztemal gewartet?�</p><p>�Am vierzehnten.�</p><p>�Da bleiben noch weniger als sechs Tage�, fl�sterte Cordelia erschrocken.</p><p>�Etwa�� etwa soviel. Welcher Tag ist heute?� Vaagen blickte um sich mit einer f�r ihn uncharakteristischen Unsicherheit, deren Anblick Cordelias Herz weh tat.</p><p>�Die Zeitgrenze gilt nur, wenn der Replikator nicht richtig behandelt wird�, warf Aral ein. �Der Arzt in der Residenz, Kareens und Gregors Doktor�� w�rde der nicht erkennen, da� etwas gebraucht wird?�</p><p>�Sir�, sagte Illyan, �nach den Berichten wurde der Arzt der Prinzessin am ersten Tag der K�mpfe in der Residenz get�tet. Es gibt zwei sich �berschneidende Berichte�� ich mu� das als gesichert annehmen.�</p><p>�Sie k�nnten Miles dort oben aus blo�er Unwissenheit sterben lassen�, erkannte Cordelia verzweifelt, �genauso wie mit Absicht.� Sogar einer ihrer eigenen geheimen Loyalisten k�nnte unter der heroischen Vorstellung, er w�rde eine Bombe entsch�rfen, eine Bedrohung f�r ihr Kind darstellen.</p><p>Vaagen drehte sich im Bett herum. Aral fing Cordelias Blick auf und machte mit seinem Kopf einen Ruck in Richtung der T�r. �Ich danke Ihnen, Hauptmann Vaagen. Sie haben uns einen au�erordentlichen Dienst erwiesen. Weit �ber Ihre Dienstpflichten hinaus.�</p><p>�Zum Teufel mit den Dienstpflichten�, murmelte Vaagen, �h�llisch verpfuscht�� verdammte ignorante Schl�ger�� Gesindel��� Sie zogen sich zur�ck und �berlie�en Vaagen seiner ruhelosen Genesung.</p><p>Vorkosigan schickte Illyan zu seinen vervielfachten Aufgaben.</p><p>Cordelia blickte Aral ins Gesicht: �Was nun?�</p><p>Seine Lippen bildeten eine flache, harte Linie, sein Blick war halb abwesend, da er rechnete, dieselben Rechnungen, die auch sie durchf�hrte, vermutete Cordelia, kompliziert durch tausend zus�tzliche Faktoren, die sie sich nur vorstellen konnte. Er sagte langsam: �Es hat sich nichts ge�ndert, wirklich. Gegen�ber vorher.�</p><p>�Es hat sich ge�ndert. Was auch immer der Unterschied ist zwischen Versteck und Gefangenschaft. Aber warum wartete Vordarian bis jetzt mit dieser Gefangennahme? Wenn er zuvor nichts von Miles� Existenz wu�te, wer hat ihm davon erz�hlt? Vielleicht Kareen, als sie sich entschied, mit ihm zusammenzuarbeiten?�</p><p>Auf diese Andeutung hin sah Droushnakovi aus, als w�rde ihr schlecht.</p><p>Aral sagte: �Vielleicht spielt Vordarian mit uns. Vielleicht hat er immer den Replikator in Reserve gehabt, bis er dringend einen neuen Hebel brauchte.�</p><p>�Unser Sohn. In Reserve�, verbesserte Cordelia. Sie blickte fest in diese nur halb-anwesenden grauen Augen, und gab mit ihrem Willen die Botschaft <emphasis>Sieh mich an, Aral!</emphasis> �Wir m�ssen dar�ber reden.� Sie zog ihn hinter sich her den Korridor hinab zum n�chsten abgeschirmten Raum, einem Konferenzzimmer der �rzte, und schaltete die Lichter ein.</p><p>Gehorsam setzte er sich an den Tisch, Kou neben sich, und wartete auf sie.</p><p>Sie setzte sich ihm gegen�ber. Wir <emphasis>sind immer auf derselben Seite gesessen, vorher��</emphasis> Drou stand hinter ihr.</p><p>Aral betrachtete sie vorsichtig. �Ja, Cordelia?�</p><p>�Was geht in deinem Kopf vor?�, fragte sie. �Wo sind wir, in all dem?�</p><p>�Ich�� bereue. Im nachhinein gesehen. Ich bereue, da� ich nicht fr�her einen Sto�trupp geschickt habe. Die Residenz ist eine Festung, in die einzudringen gerade jetzt viel schwieriger ist als in das Milit�rkrankenhaus, wie gef�hrlich ein Sto�truppunternehmen aufs Krankenhaus auch immer gewesen w�re. Und doch�� ich konnte diese Wahl nicht �ndern. Wenn die M�nner in meinem eigenen Stab gebeten wurden, zu warten und zu schwitzen, dann konnte ich nicht f�r meinen privaten Nutzen M�nner riskieren und Mittel aufwenden. Miles��� Lage gab mir die Macht, von ihnen Loyalit�t trotz Vordarians Druck zu fordern. Sie wu�ten, da� ich von ihnen und den Ihren kein Risiko forderte, das ich nicht selbst zu teilen willens war.�</p><p>�Aber jetzt hat sich die Situation ge�ndert�, f�hrte Cordelia aus. �Nun teilst du nicht die gleichen Risiken. Ihre Verwandten haben alle Zeit der Welt zur Verf�gung. Miles hat nur sechs Tage, minus die Zeit, die wir mit dem Argumentieren verbringen.� Sie konnte f�hlen, wie diese Uhr tickte, in ihrem Kopf.</p><p>Er sagte nichts.</p><p>�Aral�� in unserer ganzen Zeit hier, welchen Gefallen habe ich je von dir erbeten, von deinen offiziellen Befugnissen?�</p><p>Ein trauriges halbes L�cheln huschte �ber seine Lippen und verschwand. �Nichts�, fl�sterte er. Sie sa�en sich beide voller Spannung gegen�ber, einander zugeneigt, er mit aufgest�tzten Ellbogen, die H�nde vor dem Kinn verschr�nkt, sie mit ihren H�nden flach auf dem Tisch, ganz beherrscht.</p><p>�Ich bitte dich jetzt.�</p><p>�Jetzt�, sagte er nach langem Z�gern, �ist ein �u�erst delikater Zeitpunkt, in der gesamten strategischen Lage. Wir befinden uns gerade in geheimen Verhandlungen mit zwei von Vordarians Spitzenkommandanten, ihn zu verlassen. Die Streitkr�fte im Weltraum sind nahe daran, sich auf uns festzulegen. Wir sind nahe daran, es zu schaffen, Vordarian ohne eine gr��ere Schlacht auszuschalten.�</p><p>Cordelia wurde in ihren Gedanken gerade lang genug abgelenkt, um sich zu fragen, wieviele von Vorkosigans Kommandanten gerade jetzt heimlich verhandelten, um <emphasis>sie zu</emphasis> verraten.</p><p>Die Zeit w�rde es zeigen. Die Zeit.</p><p>Vorkosigan fuhr fort: �Falls�� <emphasis>falls</emphasis> wir diese Verhandlungen so abschlie�en, wie ich w�nsche, dann werden wir in der Lage sein, die meisten Geiseln mit einem einzigen gr��eren Sto�truppunternehmen zu befreien, aus einer Richtung, woher Vordarian es nicht erwartet.�</p><p>�Ich bitte nicht um ein gro�es Unternehmen.�</p><p>�Nein. Aber ich sage dir, da� ein kleines Unternehmen, vor allem wenn es scheitert, ernsthaft den Erfolg des gr��eren sp�teren beeintr�chtigen k�nnte.�</p><p>�K�nnte.�</p><p>�K�nnte.� Er neigte den Kopf zur Seite, als Eingest�ndnis der Ungewi�heit.</p><p>�Der Zeitpunkt?�</p><p>�In etwa zehn Tagen.�</p><p>�Nicht gut genug.�</p><p>�Nein. Ich werde versuchen, die Dinge zu beschleunigen. Aber du verstehst�� wenn ich diese Chance verpfusche, diesen Zeitplan, dann k�nnten einige tausend M�nner f�r meine Fehler mit ihrem Leben zahlen.�</p><p>Sie verstand ganz klar. �In Ordnung. Stell dir vor, wir lassen die Armeen von Barrayar f�r den Augenblick aus der Sache drau�en. La� mich gehen. Mit vielleicht einem Livrierten oder deren zwei und mit genauer, hundertprozentiger Geheimhaltung. Ein v�llig privates Unternehmen.�</p><p>Seine H�nde schlugen auf den Tisch, und er sprudelte hervor: �Nein! Gott, Cordelia!�</p><p>�Zweifelst du an meinen F�higkeiten?�, fragte sie drohend. <emphasis>Ich sicherlich.</emphasis> Jetzt war jedoch nicht der Augenblick, dies zuzugeben. �Ist dieses �lieber Captain� nur ein Kosename f�r ein Sch�tzchen, oder hast du das wirklich ernst gemeint?�</p><p>�Ich habe gesehen, wie du au�ergew�hnliche Dinge getan hast���</p><p><emphasis>Hast du mich also auch auf die Schnauze fallen sehen?</emphasis></p><p>�� aber du bist unentbehrlich. Gott! Das w�rde mich wirklich endg�ltig um den Verstand bringen. Zu warten, nicht zu wissen���</p><p>�Das verlangst du von mir. Zu warten, nicht zu wissen. Du verlangst das jeden Tag.�</p><p>�Du bist st�rker als ich. Du bist �ber die Ma�en stark.�</p><p>�Das ist schmeichelhaft, aber nicht �berzeugend.�</p><p>Seine Gedanken umkreisten die ihren, sie konnte es in seinen messerscharfen Augen sehen. �Nein. Du darfst nicht auf eigene Faust losschlagen. Ich verbiete es, Cordelia. Kategorisch, absolut. Schlag dir das sofort aus dem Kopf. Ich kann nicht euch beide riskieren.�</p><p>�Du tust es. Hiermit.�</p><p>Er bi� die Z�hne zusammen und senkte seinen Kopf. Die Botschaft war angekommen und verstanden worden. Koudelka, der besorgt neben ihm sa�, blickte betroffen zwischen ihnen beiden hin und her. Cordelia sp�rte den Druck von Drous vor Anspannung wei�er Hand an der Lehne ihres Stuhls.</p><p>Vorkosigan sah aus, als w�rde er zwischen zwei gro�en Steinen zerrieben, sie hatte kein Verlangen zu sehen, wie er zu Pulver zermahlen wurde. Im n�chsten Augenblick w�rde er ihr Wort daf�r fordern, da� sie in der Basis bliebe und kein Risiko einginge.</p><p>Sie �ffnete ihre Hand, die jetzt gekr�mmt auf der Tischfl�che lag. �Ich w�rde anders entscheiden. Aber niemand hat mich zur Regentin von Barrayar ernannt.�</p><p>Mit einem Seufzer verlie� ihn die Spannung. �Ungen�gende Vorstellungskraft.�</p><p><emphasis>Ein allgemeiner Mangel unter den Barrayaranern, mein Liebster.</emphasis></p><p>Als sie zu Arals Quartier zur�ckkam, traf Cordelia im Korridor Graf Piotr, der sich gerade von ihrer T�r abwandte. Er hatte sich sehr ver�ndert in Vergleich zu dem ersch�pften, wilden Mann, der sie auf einem Bergpfad zur�ckgelassen hatte. Jetzt trug er die Art unauff�lliger Oberschichtkleider, die von Vor-Lords im Ruhestand und �lteren kaiserlichen Ministern bevorzugt wurden: ordentliche Hosen, blitzblanke Halbstiefel, eine sorgf�ltig geschnittene, uniform�hnliche Jacke. Hinter ihm ragte Bothari empor, wieder in seiner formellen braun-silbernen Livree. Bothari trug einen dicken Mantel zusammengefaltet �ber dem Arm, woraus Cordelia schlo�, da� Piotr gerade von seiner diplomatischen Mission zu einigen Mitgrafen im winterlichen Norden von Vordarians besetztem Gebiet zur�ckgekehrt war. Vorkosigans Leute schienen jetzt gewi� in der Lage zu sein, sich au�erhalb Vordarians Kerngebiet nach Belieben zu bewegen.</p><p>�Ach, Cordelia.� Piotr gr��te sie mit einem formellen, vorsichtigen Kopfnicken, er er�ffnete hier nicht wieder die Feindseligkeiten. Das kam Cordelia entgegen. Sie war nicht sicher, da� noch Willenskraft f�r einen Kampf in ihrem kummerzerfressenen Herzen �brig war.</p><p>�Guten Tag, Sir. War deine Reise ein Erfolg?�</p><p>�In der Tat war sie das. Wo ist Aral?�</p><p>�Er ist zum Sektor Nachrichtendienst gegangen. Ich glaube, um sich mit Illyan �ber die neuesten Berichte aus Vorbarr Sultana zu beraten.�</p><p>�Aha? Was passiert da?�</p><p>�Hauptmann Vaagen ist hier bei uns aufgetaucht. Er wurde halb bewu�tlos geschlagen, aber er hat es irgendwie von der Hauptstadt hierher geschafft�� es scheint, da� Vordarian endlich bewu�t wurde, da� er noch eine andere Geisel hat. Sein Kommando hat Miles� Replikator aus dem Milit�rkrankenhaus geraubt und ihn in die Residenz gebracht. Ich nehme an, wir werden bald mehr von Vordarian dar�ber h�ren, aber er hat zweifellos gewartet, um uns zuerst das volle Vergn�gen an Hauptmann Vaagens Geschichte zu gew�hren.�</p><p>Piotr warf seinen Kopf mit einem scharfen, bitteren Lachen zur�ck. �Nun, <emphasis>das</emphasis> ist eine leere Drohung.�</p><p>Cordelia zwang ihre Z�hne lang genug auseinander, um zu sagen: �Was meinst du damit, Sir?� Sie wu�te ganz genau, was er meinte, aber sie wollte sehen, wie er an seine Grenzen stie�. <emphasis>Bis zum Ende, verdammt, spuck es alles aus.</emphasis></p><p>Seine Lippen zuckten, halb mi�billigend, halb l�chelnd. �Ich meine, Vordarian bietet unwissentlich dem Haus Vorkosigan einen Dienst an. Ich bin sicher, er ist sich dessen nicht bewu�t.�</p><p><emphasis>Du w�rdest das nicht sagen, wenn Aral hier st�nde, du starrsinniger alter Mann. Hast du das so arrangiert?</emphasis> Gott, sie konnte ihm das nicht ins Gesicht sagen�� �Hast du das so arrangiert?�, wollte Cordelia hartn�ckig wissen.</p><p>Piotr warf seinen Kopf zur�ck. �Ich verhandle nicht mit Verr�tern!�</p><p>�Er geh�rt deiner Partei der Alten Vor an. Deine wahre Loyalit�t. Du hast immer gesagt, Aral w�re viel zu progressiv.�</p><p>�Du wagst es, mich zu beschuldigen?!� Seine Emp�rung kippte in blanke Wut um.</p><p>Ihre eigene Wut r�tete ihre Sicht. �Ich wei�, da� du Mord versucht hast, warum hast du nicht auch Verrat versucht? Ich kann nur hoffen, da� deine Unf�higkeit dich daran hindert.�</p><p>Seine Stimme keuchte vor Wut: �Das geht zu weit!�</p><p>�Nein, alter Mann. Noch nicht weit genug!�</p><p>Drou blickte v�llig verschreckt drein. Botharis Gesicht war starr und ausdruckslos. Piotrs Hand zuckte, als wollte er Cordelia schlagen. Bothari beobachtete diese Hand, seine Augen funkelten dabei seltsam und bewegten sich hin und her.</p><p>�W�hrend es der gr��te Gefallen ist, den Vidal Vordarian mir tun k�nnte, wenn er diesen Mutanten aus seinem Kanister sch�ttet, so w�rde ich ihn das kaum wissen lassen�, stie� Piotr hervor. �Es wird viel am�santer sein zu beobachten, wie er versucht, diesen Joker auszuspielen, als sei er ein As, und sich dann wundert, was schiefgelaufen ist. Aral weiߠ� ich stelle mir vor, er ist h�llisch erleichtert, da� Vordarian ihm diese Arbeit abnimmt. Oder hast du ihn behext, da� er irgend etwas spektakul�r Dummes plant?�</p><p>�Aral unternimmt nichts.�</p><p>�Ach, der gute Junge. Ich hatte mich schon gefragt, ob du ihm sein R�ckgrat auf die Dauer geraubt hast. Schlie�lich ist er doch Barrayaraner.�</p><p>�So scheint es�, sagte sie h�lzern. Sie zitterte. Piotr war in viel besserer Verfassung.</p><p>�Das ist ein Randthema�, sagte er, ebenso viel zu sich selbst wie zu ihr, wobei er versuchte, seine Selbstbeherrschung wiederzugewinnen. �Ich habe wichtigere Themen mit dem Lordregenten zu er�rtern. Leb wohl, Mylady.� Er neigte den Kopf in einem Versuch, ironisch zu sein, und wandte sich ab.</p><p>�Einen sch�nen Tag noch�, knurrte sie hinter ihm her und rauschte durch die T�r in Arals Quartier.</p><p>Zwanzig Minuten lang lief sie im Zimmer hin und her, bevor sie es wagte, selbst mit Drou zu reden, die sich in einen Sessel in der Ecke verkrochen hatte, als wollte sie sich selber ganz klein machen.</p><p>�Sie glauben doch wohl nicht wirklich, da� Graf Piotr ein Verr�ter ist, nicht wahr, Mylady?�, fragte Droushnakovi, als Cordelias Schritte schlie�lich langsamer wurden.</p><p>Cordelia sch�ttelte den Kopf. �Nein�� nein. Ich wollte ihn nur seinerseits verletzen. Dieses Land hier macht mich fertig. Hat mich fertiggemacht.�</p><p>Ersch�pft sank sie in einen Sessel und lehnte ihren Kopf an die Polsterung zur�ck. Nach einiger Zeit des Schweigens f�gte sie hinzu: �Aral hat recht. Ich habe kein Recht, ein Risiko einzugehen. Nein, das ist nicht ganz richtig. Ich habe kein Recht zu <emphasis>scheitern.</emphasis> Und ich vertraue mir selber nicht mehr. Ich wei� nicht, was mit meinen Nerven passiert ist. Ich habe sie in einem fremden Land verloren.� <emphasis>Ich kann mich nicht erinnern. Kann mich nicht erinnern, wie ich es getan habe.</emphasis> Sie und Bothari waren Zwillinge, richtig genug, zwei Pers�nlichkeiten, die getrennt aber in gleichem Ma�e von einer �berdosis Barrayar zu Kr�ppeln gemacht worden waren.</p><p>�Mylady��� Droushnakovi zupfte an ihren R�cken und blickte in ihren Scho�. �Ich geh�rte drei Jahre lang zum Sicherheitsteam der Kaiserlichen Residenz.�</p><p>�Ja��� Ihr Herz taumelte, w�rgte. Als �bung der Selbstdisziplin schlo� Cordelia die Augen und �ffnete sie nicht wieder. �Erz�hlen Sie mir davon, Drou.�</p><p>�Negri hat mich selbst trainiert. Weil ich Kareens Leibw�chterin war, sagte er immer, ich w�re die letzte Schranke zwischen Kareen und Gregor und�� und allem, was schlimm genug war, so weit zu kommen. Er zeigte mir alles in der Residenz. Er drillte mich daf�r. Er zeigte mir Sachen, von denen ich nicht glaube, da� er sie anderen zeigte. Wir hatten in unseren Katastrophen�bungen f�nf Notfluchtwege ausgearbeitet. Zwei von ihnen waren allgemeine Sicherheitsprozeduren. Einen dritten zeigte er nur ein paar f�hrenden Leuten wie Illyan. Die anderen beiden�� ich wei� nicht, ob jemand anderer au�er Negri und Kaiser Ezar �berhaupt etwas von ihnen wu�te. Und ich denke����� sie befeuchtete ihre Lippen��, �ein geheimer Weg, der von irgendwo herausf�hrt, sollte doch auch genauso ein geheimer Weg hinein sein. Meinen Sie nicht auch?�</p><p>�Ihre Gedankeng�nge interessieren mich au�erordentlich. Wie Aral sagen w�rde. Fahren Sie fort.� Cordelia �ffnete ihre Augen immer noch nicht.</p><p>�Es geht darum: Wenn ich irgendwie bis zur Residenz kommen k�nnte, dann wette ich, da� ich auch hinein k�nnte. Wenn Vordarian genau all die Standardsicherheitsvorkehrungen �bernommen und verst�rkt hat.�</p><p>�Und auch wieder herauskommen?�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>Cordelia bemerkte, da� sie vergessen hatte zu atmen. �F�r wen arbeiten Sie, Drou?�</p><p>�Oberst���, sie setzte an zu antworten, hielt dann aber befangen inne. �Negri. Aber er ist tot. Oberstleutnant�� Oberst Illyan, jetzt, nehme ich an.�</p><p>�Lassen Sie es mich anders formulieren.� Cordelia �ffnete endlich ihre Augen. �F�r wen haben Sie ihr Leben eingesetzt?�</p><p>�Kareen. Und Gregor nat�rlich. Sie waren sozusagen eins.�</p><p>�Sie sind es noch. Darauf wette ich als Mutter.� Sie begegnete dem Blick aus Drous blauen Augen. �Und Kareen hat Sie mir gegeben.�</p><p>�Sie sollten mein Mentor sein. Wir dachten, Sie seien eine Soldatin.�</p><p>�Das war ich nie. Aber das bedeutet nicht, da� ich nie gek�mpft habe.� Cordelia machte eine Pause. �Worum wollen Sie handeln, Drou? Ihr Leben in meiner Hand�� ich sage nicht eidgebunden, das ist f�r diese anderen Idioten�� gegen was?�</p><p>�Kareen�, antwortete Droushnakovi standhaft. �Ich habe die Leute hier beobachtet, wie sie Kareen nach und nach als entbehrlich einstufen. Drei Jahre lang habe ich jeden Tag mein Leben f�r sie eingesetzt, weil ich glaubte, da� ihr Leben wichtig war. Wenn man jemanden so lang von so nahe beobachtet, dann hat man nicht mehr zu viele Illusionen �ber ihn oder sie. Jetzt scheinen alle zu denken, ich sollte meine Loyalit�t einfach umschalten, wie eine Art Wachmaschine. Da stimmt etwas nicht dabei. Ich m�chte�� m�chte wenigstens einen Versuch zugunsten von Kareen wagen. Im Tausch daf�r�� was immer Sie wollen, Mylady.�</p><p>�Ah�, Cordelia rieb ihre Lippen. �Das scheint�� recht und billig. Ein entbehrliches Leben f�r ein anderes. Kareen f�r Miles.� Sie versank in ihrem Sessel in tiefem Nachsinnen.</p><p><emphasis>Zuerst siehst du es. Dann bist du es. </emphasis>�Das ist nicht genug�, Cordelia sch�ttelte schlie�lich den Kopf. �Wir brauchen�� jemanden, der die Stadt kennt. Jemanden mit Muskeln, als Verst�rkung. Einen Waffenexperten, ein schlafloses Auge. Ich brauche einen Freund.� Die Winkel ihres Mundes hoben sich in einem sehr subtilen L�cheln. �Der mir n�her ist als ein Bruder.� Sie erhob sich und schritt zur Kommunikationskonsole.</p><p>�Sie wollten mich sprechen, Mylady?�, sagte Sergeant Bothari.</p><p>�Ja. Bitte kommen Sie herein.�</p><p>Die Quartiere h�herer Offiziere sch�chterten Bothari nicht ein, aber er zog seinen Augenbrauen doch zusammen, als Cordelia ihm bedeutete, er sollte sich setzen. Sie nahm ihm gegen�ber an dem niederen Tisch Arals �blichen Platz ein. Drou sa� wieder in der Ecke und beobachtete die beiden in zur�ckhaltendem Schweigen.</p><p>Cordelia blickte Bothari an, der sie seinerseits anblickte. Er schien k�rperlich in Ordnung zu sein, obwohl sein Gesicht von Falten der Spannung durchzogen war. Sie sp�rte, wie mit einem dritten Auge, frustrierte Energien, die durch seinen K�rper liefen, Lichtb�gen der Wut, Netze der Beherrschung, ein verwikkelter elektrischer Knoten von gef�hrlicher Sexualit�t unter all dem. Energien, die zur�ckstrahlten, die immer wieder ohne Entladung aufgebaut wurden, die verzweifelt eine Aktion verordnet brauchten, damit sie nicht wild auf eigene Faust ausbrachen. Sie blinzelte und stellte ihren Blick wieder auf sein weniger erschreckendes �u�eres ein: ein m�de aussehender, h��licher Mann in einer eleganten braunen Uniform.</p><p>Zu ihrer �berraschung begann Bothari: �Mylady, haben Sie etwas Neues �ber Elena geh�rt?�</p><p><emphasis>Sie fragen sich wohl, warum ich Sie hierhergerufen habe?</emphasis> Zu ihrer Schande hatte sie Elena fast vergessen. �Nichts Neues, f�rchte ich. Man berichtet, da� sie zusammen mit Frau Hysopi in jenem Hotel im Stadtzentrum gefangengehalten wird, das Vordarians Sicherheitsabteilung beschlagnahmt hat, als sie keine freien Zellen mehr hatten, sie ist dort mit einer Menge anderer Geiseln der zweiten und dritten Stufe. Sie wurde nicht in die Residenz oder sonstwo hingebracht.� Elena war nicht, anders als Kareen, ein direktes Ziel von Cordelias geheimer Mission. Wenn er darum bat, wieviel sollte sie wagen zu versprechen?</p><p>�Es tut mir leid, was man �ber Ihren Sohn h�rt, Mylady.�</p><p>�Mein Mutant, wie Piotr sagen w�rde.� Sie beobachtete ihn: sie konnte in seinen Schultern, seinem R�ckgrat, seinem Unterleib besser lesen als in diesem ausdruckslosen vogelartigen Gesicht.</p><p>��ber Graf Piotr�, sagte er und brach dann ab. Seine H�nde verhakten sich ineinander, zwischen sein Knien, und bogen sich. �Ich dachte, den Admiral deswegen anzusprechen. Ich hatte nicht daran gedacht, mit Ihnen zu sprechen. Ich h�tte an Sie denken sollen.�</p><p>�Immer.� Also was nun?</p><p>�Ein Mann kam gestern auf mich zu. In der Sporthalle. Nicht in Uniform, kein Rangabzeichen, kein Namensschild. Er bot mir Elena an. Elenas Leben, falls ich Graf Piotr umbr�chte.�</p><p>�Was f�r eine Versuchung�, Cordelia w�rgte, bevor sie sich Einhalt gebieten konnte. �Was f�r�� hmm�� Garantien hat er angeboten?�</p><p>�Die Frage kam mir auch, kurz darauf. Da w�re ich tief in der Schei�e, w�rde vielleicht hingerichtet, und wer w�rde sich dann um den Bankert eines toten Mannes k�mmern? Ich hielt es f�r einen Schwindel, einfach einen weiteren Schwindel. Ich ging zur�ck, um nach ihm zu schauen, ich habe nach ihm Ausschau gehalten, aber ich habe ihn seitdem nicht mehr getroffen.� Er seufzte. �Jetzt erscheint es fast wie eine Halluzination.�</p><p>Der Ausdruck auf Drous Gesicht war eine Studie tiefster Verunsicherung, aber gl�cklicherweise war Bothari von ihr abgewandt und bemerkte es nicht. Cordelia warf ihr schnell einen beschwichtigenden Blick zu.</p><p>�Haben Sie schon �fter Halluzinationen gehabt?�, fragte sie.</p><p>�Ich glaube nicht. Nur schlimme Tr�ume. Ich versuche, nicht zu schlafen.�</p><p>�Ich�� habe ein eigenes Dilemma�, sagte Cordelia. �Sie haben ja geh�rt, was ich zu Piotr gesagt habe.�</p><p>�Ja, Mylady.�</p><p>�Haben Sie von dem Zeitlimit geh�rt?�</p><p>�Zeitlimit?�</p><p>�Wenn er nicht gewartet wird, dann wird der Replikator in weniger als sechs Tagen Miles nicht mehr versorgen. Aral argumentiert, da� Miles in keiner gr��eren Gefahr ist als die Familienangeh�rigen seiner Stabsangeh�rigen. Ich stimme damit nicht �berein.�</p><p>�Hinter seinem R�cken habe ich einige geh�rt, die etwas anderes sagen.�</p><p>�So?�</p><p>�Sie sagen, es sei ein Schwindel. Der Sohn des Admirals ist eine Art Mutant, nicht lebensf�hig, w�hrend sie gesunde Kinder riskieren.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� er weiߠ� da� irgend jemand das sagt.�</p><p>�Wer w�rde es ihm ins Gesicht wiederholen?�</p><p>�Sehr wenige. Vielleicht nicht einmal Illyan.� Piotr jedoch w�rde vermutlich nicht vers�umen, dieses Gerede weiterzugeben, wenn er es aufgeschnappt h�tte. �Verdammt! Niemand auf beiden Seiten w�rde z�gern, diesen Replikator zu entleeren.� Sie br�tete vor sich hin, und begann dann erneut. �Sergeant. F�r wen arbeiten Sie?�</p><p>�Ich bin ein eidgebundener Gefolgsmann von Graf Piotr�, rezitierte Bothari das Offensichtliche. Er beobachtete sie jetzt ganz genau, ein seltsames L�cheln erschien in einem Winkel seines Mundes.</p><p>�Lassen Sie es mich anders formulieren. Ich wei�, die offiziellen Strafen f�r einen Gefolgsmann, der sich unerlaubt von der Truppe entfernt, sind schrecklich. Aber nehmen wir mal an���</p><p>�Mylady!� Er erhob eine Hand, sie brach mitten im Satz ab. �Erinnern Sie sich, damals auf dem Rasen vor dem Haus in Vorkosigan Surleau, als wir Negris K�rper in den Leichtflieger hoben, wie der Lordregent zu mir sagte, ich sollte Ihrer Stimme gehorchen wie seiner eigenen?�</p><p>Cordelias Brauen hoben sich: �Ja��?�</p><p>�Er hat diesen Befehl nie zur�ckgenommen.�</p><p>�Sergeant�, sagte sie schlie�lich nach einem tiefen Atemzug, �ich hatte in Ihnen nie einen Kasernenjuristen vermutet.�</p><p>Sein L�cheln wurde einen Millimeter deutlicher. �Ihre Stimme ist f�r mich wie die Stimme des Kaisers selbst. Technisch gesehen.�</p><p>�Ist sie das, jetzt�, fl�sterte sie erfreut. Ihre Fingern�gel gruben sich in ihre Handfl�chen.</p><p>Er lehnte sich vor und hielt jetzt seine H�nde zwischen seinen Knien still wie Steine. �Also, Mylady. Was wollten Sie gerade sagen?�</p><p>Die Bereitstellungszone der Fahrbereitschaft war ein echowerfendes niedriges Gew�lbe, in dessen Schatten Licht aus einem B�ro mit Glasw�nden fiel. Cordelia wartete stehend in dem abgedunkelten Eingang zum Liftrohr, Drou neben sich, und beobachtete durch das ferne Rechteck aus Glas, wie Bothari mit dem Transportoffizier verhandelte. General Vorkosigans Gefolgsmann lie� sich ein Fahrzeug f�r seinen Herrn zur Verf�gung stellen.</p><p>Die P�sse und Ausweise, die an Bothari ausgegeben worden waren, schienen ihren Dienst zu erf�llen. Der Mann von der Fahrbereitschaft steckte Botharis Karten in seinen Computer, nahm Botharis Handfl�chenabdruck auf seiner Sensorfl�che ab und fertigte die Anforderungen im Nu ab.</p><p><emphasis>W�rde dieser einfache Plan funktionieren?</emphasis> fragte sich Cordelia verzweifelt. Und wenn er nicht funktionierte, welche Alternative hatten sie? Ihre geplante Route erschien vor ihrem geistigen Auge: Linien aus roten Lichtern schl�ngelten sich �ber eine Landkarte. Nicht nach Norden in Richtung auf ihr Ziel, sondern zuerst genau nach S�den, per Bodenwagen in den n�chsten loyalen Distrikt. Dort w�rden sie das auff�llige Regierungsfahrzeug zur�cklassen, den Monorail nach Westen in einen anderen Distrikt nehmen, dann nach Nordwesten in wieder einen anderen Distrikt: dann sollte es genau nach Osten gehen in die neutrale Zone von Graf Vorinnis, den Brennpunkt von so viel diplomatischer Aufmerksamkeit beider Seiten.</p><p>Sie hatte noch Piotrs Kommentar im Ohr: �Das sage ich dir, Aral, wenn Vorinnis nicht aufh�rt mit seinem vorsichtigen Lavieren, dann solltest du ihn h�her h�ngen als Vordarian, wenn das alles vorbei ist.� Dann in den Hauptstadtdistrikt selbst, und schlie�lich irgendwie in die abgeriegelte Stadt. Sie hatten eine be�ngstigende Anzahl von Kilometern zur�ckzulegen: dreimal die Entfernung der direkten Strecke. Soviel Zeit. Ihr Herz zeigte nach Norden wie eine Kompa�nadel.</p><p>Der erste und der letzte Distrikt w�rden am schlimmsten sein. Arals Streitkr�fte konnten ihrem Ausflug fast noch feindlicher gegen�berstehen als die von Vordarian. In ihrem Kopf drehte sich alles, wenn sie an die sich summierende Unm�glichkeit des Ganzen dachte.</p><p>Schritt um Schritt, sagte sie sich entschlossen. Eines nach dem anderen. Jetzt erst mal von Basis Tanery wegkommen: das konnten sie schaffen.</p><p>Einfach die endlose Zukunft in Bl�cke von f�nf Minuten aufteilen, und die dann einen nach dem anderen hinter sich bringen.</p><p>Da, die ersten f�nf Minuten waren schon um, und aus der unterirdischen Garage erschien ein schneller und gl�nzender Generalstabswagen. Ein kleiner Sieg, als Belohnung f�r ein bi�chen Geduld und Wagemut. Was w�rden gro�e Geduld und gro�er Wagemut noch bringen?</p><p>Bothari inspizierte das Fahrzeug umsichtig, als hege er Zweifel, da� es f�r seinen Herrn voll tauge. Der Transportoffizier wartete besorgt und schien gewaltig erleichtert, als der Gefolgsmann des gro�en Generals, nachdem er mit der Hand �ber das Verdeck gewischt und wegen eines winzigen St�ubchens die Stirn gerunzelt hatte, zustimmend knurrte. Bothari fuhr das Fahrzeug bis zum Eingang des Liftrohrs herum und parkte es so, da� der Blick vom B�ro auf die einsteigenden Passagiere blokkiert war.</p><p>Drou beugte sich nieder, um ihren Ranzen aufzuheben, in den allerhand verschiedene Kleidung gepackt war (einschlie�lich der Sachen, die Bothari und Cordelia aus dem Gebirge mitgebracht hatten) sowie ihre sp�rliche Waffenausr�stung. Bothari schaltete die Polarisation am hinteren Verdeck auf Spiegelreflexion und �ffnete es.</p><p>�Mylady!�, erklang Leutnant Koudelkas besorgte Stimme hinter ihnen vom Eingang des Liftrohrs her. �Was machen Sie da?�</p><p>Cordelia bi� sich auf die Z�hne und schluckte einige Fl�che hinunter. Sie verwandelte ihren wilden Gesichtsausdruck in ein leichtes, �berraschtes L�cheln und wandte sich um.</p><p>�Hallo, Kou. Was gibt�s?�</p><p>Er runzelte die Stirn, blickte auf sie, auf Droushnakovi, auf den Ranzen.</p><p>�Ich habe zuerst gefragt.� Er war au�er Atem: er mu�te schon einige Minuten hinter ihnen hergerannt sein, nachdem er Cordelia nicht in Arals Quartier gefunden hatte. Ein Auftrag zur falschen Zeit, Cordelia behielt ihr L�cheln bei, w�hrend sie sich vorstellte, wie jetzt gleich ein Team von Sicherheitsleuten aus dem Liftrohr herausstr�mte, um sie festzunehmen oder zumindest ihre Pl�ne zu vereiteln. �Wir fahren�� in die Stadt.�</p><p>Seine Lippen verzogen sich skeptisch. �So? Wei� der Admiral davon? Und wo ist dann Illyans Begleitteam?�</p><p>�Schon vorausgefahren�, sagte Cordelia k�hl.</p><p>Die vage Plausibilit�t ihrer Erkl�rung lie� tats�chlich Zweifel in seinem Blick aufflackern. Leider nur f�r einen Augenblick. �Nun, dann warten Sie nur eine einzige lausige Minute���</p><p>�Leutnant�, unterbrach Sergeant Bothari. �Schauen Sie sich das mal an.� Er wies mit einer Geste auf das hintere Fahrgastabteil des Stabswagens.</p><p>Koudelka lehnte sich vor, um zu schauen. �Was ist?�, sagte er ungeduldig.</p><p>Cordelia zuckte zusammen, als Botharis offene Hand auf Koudelkas Nacken herabsauste, und sie zuckte wieder, als Koudelkas Kopf mit einem schweren Bums am anderen Ende des Innenraums aufschlug, nachdem Bothari ihn am Hals und G�rtel gepackt und hineingeworfen hatte. Sein Stockdegen fiel klappernd zu Boden.</p><p>�Hinein!�, knurrte Bothari angespannt und leise, w�hrend er schnell einen Blick zu den Glasw�nden des Transportb�ros warf.</p><p>Droushnakovi warf den Ranzen in den Wagen und schl�pfte hinter Koudelka hinein, wobei sie seine langen, schlaffen Gliedma�en zur Seite schob. Cordelia hob den Stockdegen auf und zw�ngte sich hinter Drou in das Fahrzeug. Bothari trat zur�ck, salutierte, schlo� das spiegelnde Verdeck und begab sich dann in das Fahrerabteil.</p><p>Sie fuhren langsam los. Cordelia mu�te eine unvern�nftige panische Angst z�geln, als Bothari am ersten Kontrollpunkt anhielt. Sie konnte die Wachen so deutlich sehen und h�ren, da� es ihr schwerfiel, sich zu vergegenw�rtigen, da� die M�nner nur die Spiegelung ihrer eigenen strengen Augen sehen konnten. Aber offensichtlich konnte General Piotr tats�chlich �berall nach Belieben passieren. Wie angenehm, General Piotr zu sein. In diesen schwierigen Zeiten h�tte vermutlich jedoch auch Piotr nicht nach Basis Tanery einfahren k�nnen, ohne da� das hintere Verdeck ge�ffnet und das hintere Abteil einer Sichtkontrolle unterzogen wurde. Die Wachmannschaft am letzten Tor, die ihnen freie Fahrt nach drau�en zuwinkte, war gerade mit einer solchen �berpr�fung an einem langen Konvoi von Frachttransportern besch�ftigt, die in die Basis hineinwollten. Ihr Eintreffen war gerade das, was Cordelia geplant und worum sie gebetet hatte.</p><p>Schlie�lich richteten Cordelia und Droushnakovi den ausgestreckt liegenden Koudelka zwischen sich auf. Seine erste besorgniserregende Schlaffheit lie� nach. Er blinzelte und st�hnte. Koudelkas Kopf, Hals und oberer Rumpf geh�rten zu den wenigen Bereichen seines K�rpers, in denen keine k�nstlichen Nerven angelegt waren, Cordelia vertraute darauf, da� nichts Unorganisches gebrochen war.</p><p>Droushnakovis Stimme klang angespannt und besorgt: �Was machen wir mit ihm?�</p><p>�Wir k�nnen ihn nicht auf die Stra�e rausschmei�en, er w�rde zur�ckrennen und Meldung machen�, sagte Cordelia. �Aber wenn wir ihn irgendwo au�er Sicht an einen Baum binden, dann besteht die M�glichkeit, da� er nicht gefunden wird�� wir sollten ihn besser fesseln, er kommt zu sich.�</p><p>�Ich schaffe ihn schon.�</p><p>�Ich f�rchte, er ist schon genug geschafft.�</p><p>Es gelang Droushnakovi, Koudelkas H�nde mit einem Schal aus dem Ranzen zu umwickeln und unbeweglich zu machen, sie war ziemlich gut im Schn�ren von Knoten.</p><p>�Er k�nnte sich als n�tzlich erweisen�, �berlegte Cordelia.</p><p>�Er wird uns verraten�, sagte Droushnakovi mit gerunzelter Stirn.</p><p>�Vielleicht nicht. Jedenfalls nicht, sobald wir auf feindlichem Territorium sind. Sobald der einzige Ausweg der nach vorn ist.�</p><p>Koudelkas Augen h�rten auf, herumzuirren und irgendwelchen unsichtbaren, verschwommenen Sternen zu folgen, und stellten sich auf die Umgebung ein. Mit Erleichterung stellte Cordelia fest, da� beide Pupillen noch gleich gro� waren.</p><p>�Mylady�� Cordelia�, kr�chzte er. Seine H�nde zogen vergeblich an den seidenen Fesseln. �Das ist verr�ckt. Sie laufen direkt Vordarians Leuten in die H�nde. Und dann wird Vordarian zwei Hebel gegen den Admiral haben statt nur einen. Und Sie und Bothari wissen, wo der Kaiser ist!�</p><p>�War�, korrigierte Cordelia. �Vor einer Woche. Er wurde seitdem woandershin gebracht, dessen bin ich mir sicher. Und Aral hat seine F�higkeit demonstriert, Vordarians Hebelwirkung zu widerstehen, meine ich. Untersch�tzen Sie ihn nicht.�</p><p>�Sergeant Bothari!� Koudelka lehnte sich nach vorn und sprach in die Sprechanlage. Das vordere Verdeck war jetzt auch ein silberner Spiegel.</p><p>�Ja, Leutnant?�, erwiderte Botharis monotoner Bass.</p><p>�Ich befehle Ihnen, mit diesem Fahrzeug umzukehren.�</p><p>Eine kurze Pause. �Ich bin nicht mehr im Dienst der Kaiserlichen Armee, Sir. Ich bin im Ruhestand.�</p><p>�Das hat Piotr nicht befohlen! Sie sind Graf Piotrs Mann.�</p><p>Eine l�ngere Pause, eine leisere Stimme, �Nein. Ich bin Lady Vorkosigans Hund.�</p><p>�Sie haben Ihre Medikamente nicht genommen!�</p><p>Wie so etwas �ber eine rein akustische Verbindung �bertragen werden konnte, dessen war sich Cordelia nicht sicher, aber in der Luft vor ihnen schwebte ein h�ndisches Grinsen.</p><p>�Machen Sie mit, Kou�, redete Cordelia auf ihn ein. �Unterst�tzen Sie mich. Machen Sie mit beim Gl�ck. Machen Sie mit beim Leben. Machen Sie mit beim Adrenalinsto�.�</p><p>Droushnakovi lehnte sich mit einem scharfen L�cheln auf den Lippen her�ber und fl�sterte in Koudelkas anderes Ohr: �Schauen Sie die Sache so an, Koudelka: Wer sonst wird Ihnen je eine Chance f�r einen Einsatz im Feld geben?�</p><p>Seine Augen wanderten hin und her, zwischen links und rechts, zwischen den beiden Frauen, die ihn gefangen hatten. Der Motor des Bodenwagens jaulte auf, w�hrend sie in das einfallende Zwielicht davonschossen.</p></section><section><title><p>KAPITEL 16</p></title><p>Illegales Gem�se. Cordelia sa� in gedankenverlorener Betrachtung zwischen S�cken voll Blumenkohl und Schachteln mit gez�chteten Brillbeeren, w�hrend der Luftkissenlaster sich quietschend und hustend dahinbewegte. Gem�se aus dem S�den, das nach Vorbarr Sultana auf einer ebenso heimlichen Route wie der ihren unterwegs war. Sie war sich fast sicher, da� in diesem Haufen auch ein paar S�cke mit dem gleichen gr�nen Kohl waren, mit dem sie vor zwei oder drei Wochen schon einmal gereist war und der in seinen Wanderungen den seltsamen wirtschaftlichen Zw�ngen des Krieges folgte.</p><p>Die Distrikte, die Vordarian kontrollierte, standen jetzt unter einem strikten Embargo durch die Distrikte, die loyal zu Vorkosigan hielten.</p><p>Obwohl noch lange niemand Hunger leiden w�rde, waren angesichts der Hamsterei und des bevorstehenden Winters die Lebensmittelpreise in der Hauptstadt Vorbarr Sultana sprunghaft gestiegen. Auf diese Weise wurden arme Leute angeregt, ihre Chancen zu ergreifen. Und ein armer Mann, der schon eine Chance ergriffen hatte, war nicht abgeneigt, seiner Ladung gegen ein Schmiergeld noch ein paar unregistrierte Fahrg�ste hinzuzuf�gen.</p><p>Diesen Plan hatte Koudelka ausgeheckt, der seine heftige Mi�billigung aufgegeben hatte, nachdem er fast unwillk�rlich in ihren strategischen �berlegungen hineingezogen worden war.</p><p>Es war Koudelka gewesen, der die Gro�handelslager f�r landwirtschaftliche Produkte in der Stadt in Vorinnis� Distrikt ausfindig gemacht und die Laderampen nach unabh�ngigen H�ndlern abgesucht hatte, die dort mit ihren Frachten starteten. Allerdings war es Bothari, der �ber die H�he der Bestechung entschieden hatte, die Cordelia erb�rmlich gering vorkam, aber genau richtig war f�r die Rolle der verzweifelten Landleute, die sie jetzt spielten.</p><p>�Mein Vater war Lebensmittelh�ndler�, hatte Koudelka etwas befangen erkl�rt, als er ihnen seinen Plan schmackhaft machte. �Ich wei�, was ich tue.�</p><p>Cordelia hatte einen Augenblick lang ger�tselt, was der wachsame Blick zu bedeuten hatte, den er dabei auf Droushnakovi richtete, bis sie sich erinnerte, da� Drous Vater Soldat war. Kou hatte von seiner Schwester und seiner verwitweten Mutter erz�hlt, aber erst in diesem Augenblick war Cordelia bewu�t geworden, da� Kou seinen Vater nicht aus irgendeinem Mangel an Liebe zwischen ihnen beiden aus seiner Erinnerung verdr�ngt hatte, sondern weil der Status seines Vaters ihm gesellschaftlich peinlich war. Koudelka hatte ein Veto dagegen eingelegt, einen Fleischtransporter als Transportmittel zu w�hlen: �Der wird eher von Vordarians Wachen angehalten�, erkl�rte er, �weil sie dann dem Fahrer Steaks abnehmen k�nnen.� Cordelia war sich nicht sicher, ob er aus Erfahrungen beim Milit�r oder im Lebensmittelhandel oder bei beiden sprach. Auf jeden Fall war sie dankbar, da� sie nicht mit gr��lichen gek�hlten Tierleichen reisen mu�te.</p><p>Sie kleideten sich f�r ihre Rollen, so gut sie konnten, indem sie die Sachen aus dem Ranzen und die Kleider, die sie bei der Abfahrt getragen hatten, untereinander verteilten. Bothari und Koudelka spielten zwei k�rzlich entlassene Soldaten, die ihr bedauernswertes Los zu verbessern suchten, Cordelia und Drou zwei Frauen vom Land, die an den Pl�nen der M�nner beteiligt waren.</p><p>Die Frauen trugen eine realistisch kuriose Mischung aus abgetragenen Kleidern aus den Bergen und abgelegtem Oberklassenoutfit, das anscheinend aus einem Secondhand-Shop stammte. Sie erreichten das passende Aussehen von Frauen in schlechtsitzenden Kleidern, indem sie ihre Kleidung tauschten.</p><p>Cordelia schlo� ersch�pft ihre Augen, obwohl sie nicht schlafen konnte. Die Zeit tickte in ihrem Gehirn. Sie hatten zwei Tage gebraucht, um so weit zu kommen. So nahe an ihrem Ziel, so weit weg vom Erfolg�� Sie schlug die Augen wieder auf, als der Laster anhielt und auf dem Boden aufschlug. Bothari bewegte sich vorsichtig durch die �ffnung in die Fahrerzelle.</p><p>�Wir steigen hier aus�, rief er leise. Sie gingen hintereinander hindurch und sprangen am Stra�enmarkt der Stadt ab. In der K�lte stieg ihr Atem wie Rauch auf. Es herrschte die Dunkelheit vor der Morgend�mmerung, und es gab weniger Lichter in der Umgegend, als nach Cordelias Meinung eigentlich vorhanden sein sollten. Bothari winkte dem Transporter, weiterzufahren.</p><p>�Ich dachte, wir sollten nicht bis zur Zentralmarkthalle mitfahren�, knurrte Bothari. �Der Fahrer sagte, da� Vorbohns Stadtwachen dort massenweise rumstehen um diese Tageszeit, wenn die neuen Lieferungen eintreffen.�</p><p>�Erwartet man Unruhen wegen Lebensmittelknappheit?�, fragte Cordelia.</p><p>�Ohne Zweifel, au�erdem wollen die ihren Nachschub als erste bekommen�, sagte Koudelka. �Vordarian mu� bald die Armee aufbieten, bevor der Schwarzmarkt alle Lebensmittel aus dem Rationierungssystem absaugt.� In den Momenten, wo Kou verga�, so zu tun, als sei er ein k�nstlicher Vor, zeigte er ein erstaunliche und detaillierte Kenntnis der Schwarzmarktwirtschaft. Oder wie <emphasis>hatte </emphasis>ein Lebensmittelh�ndler seinem Sohn die Erziehung erkauft, die ihm trotz heftigen Wettbewerbs den Eintritt in die Kaiserliche Milit�rakademie erm�glichte? Cordelia grinste vor sich hin und schaute die Stra�e hinauf und hinab. Es war ein altes Stadtviertel, aus der Zeit vor Einf�hrung der Liftrohre, keine Geb�ude, die mehr als sechs Treppen hoch waren. Alles sch�big: Wasser-, Strom- und sonstige Leitungen waren in die Architektur eingeschnitten, nachtr�glich hinzugef�gt.</p><p>Bothari f�hrte sie, er schien zu wissen, wohin er ging. In der Richtung, in der sie gingen, wurde der Zustand der H�user nicht besser. Die Stra�en und Gassen wurden enger, hatten den feuchten Geruch des Verfalls, in den sich gelegentlich der nach Urin mischte. Die Lichter wurden weniger.</p><p>Drous Schultern sanken zusammen. Koudelka packte seinen Stockdegen.</p><p>Bothari hielt vor einem engen, schlecht beleuchteten Eingang, auf dem ein handgeschriebenes Schild <emphasis>Zimmer</emphasis> versprach. �Das reicht.� Die T�r, eine alte, nichtautomatische mit T�rangeln, war verschlosssen. Er r�ttelte daran, dann klopfte er. Nach einer Weile �ffnete sich eine kleine T�r in der T�r und mi�trauische Augen schauten heraus.</p><p>�Was willste denn?�</p><p>�Zimmer.�</p><p>�Um diese Zeit? Das glaubste wohl selbst nich.�</p><p>Bothari zog Drou nach vorn. Der Streifen Licht aus der �ffnung fiel auf ihr Gesicht.</p><p>�Aha�, knurrte die von der T�r ged�mpfte Stimme. �Na dann��� Ketten klirrten, Metall knirschte, und die T�r �ffnete sich.</p><p>Sie dr�ngten sich alle in einen engen Vorraum mit Treppen, einer Theke f�r die Anmeldung und einem Durchgang zu einem abgedunkelten Zimmer. Der Wirt wurde noch m�rrischer, als er h�rte, da� sie zu viert nur ein einziges Zimmer wollten. Aber er widersprach nicht, anscheinend verlieh ihre wirkliche Verzweiflung ihrer gespielten Armut den Hauch der Echtheit. Da zwei Frauen bei ihnen waren und vor allem so jemand wie Koudelka, schien niemand auf die Idee zu verfallen, sie f�r Geheimagenten zu halten.</p><p>Sie quartierten sich in einem engen, billigen Raum im Obergescho� ein, Kou und Drou durften als erste die Betten ausprobieren. Als das Licht der Morgend�mmerung durch das Fenster sickerte, folgte Cordelia Bothari �ber die Treppe nach unten, um nach Essen zu suchen.</p><p>�Ich h�tte daran denken sollen, da� wir in eine belagerte Stadt Proviant mitbringen m��ten�, murmelte Cordelia.</p><p>�Es ist noch nicht so schlimm�, sagte Bothari. �Ach�� am besten sagen Sie nichts, Mylady. Ihr Akzent.�</p><p>�Sie haben recht. Verwickeln Sie aber mal den Kerl da unten in ein Gespr�ch, wenn Sie k�nnen. Ich m�chte gerne h�ren, wie man hier die Dinge sieht.�</p><p>Sie fanden den Wirt, oder was immer er war, in dem kleinen Zimmer hinter dem Durchgang, das nach einer Theke und ein paar abgenutzten Tischen mit St�hlen zu schlie�en sowohl als Bar wie auch als Speiseraum diente. Der Mann verkaufte ihnen widerstrebend einige in Folien verpackte Lebensmittel und ein paar Flaschen mit Getr�nken, allerdings zu stark �berh�hten Preisen, er jammerte dabei �ber die Rationierung und versuchte, etwas �ber sie zu erfahren.</p><p>�Jch habe diese Reise schon seit Monaten geplant�, sagte Bothari und lehnte sich an die Bar, �und der verdammte Krieg hat alles versaut.�</p><p>Der Wirt gab ein aufmunterndes Knurren von sich, von einem Unternehmer zum anderen sozusagen. �Aha? Was hast du vor?�</p><p>Bothari leckte seine Lippen, seine Augen verengten sich nachdenklich.</p><p>�Hast du die Blondine gesehen?�</p><p>�Ja?�</p><p>�Jungfrau.�</p><p>�Auf keinen Fall. Zu alt.�</p><p>�O doch. Die hat Klasse. Wir wollten das ganze einem VorLord beim Winterfest verkaufen. Und uns damit sanieren. Aber die sind ja alle aus der Stadt abgehauen. Vielleicht sollten wir es bei einem reichen Kaufmann versuchen. Aber das wird sie nicht m�gen. Ich hab ihr einen echten Lord versprochen.�</p><p>Cordelia verbarg ihren Mund hinter ihrer Hand und versuchte, kein Ger�usch von sich zu geben, das die Aufmerksamkeit auf sie lenken w�rde. Es war gut, da� Drou nicht hier war, um Botharis Idee f�r ihre Tarnung zu h�ren. Guter Gott! Zahlten barrayaranische M�nner wirklich f�r das Privileg, an unerfahrenen Frauen dieses St�ckchen sexueller Qu�lerei aus�ben zu d�rfen?</p><p>Der Wirt blickte auf Cordelia. �Du l��t sie allein mit deinem Partner, ohne ihre Anstandsdame. Da k�nntest du ja das verlieren, was du hier in der Stadt verkaufen willst.�</p><p>�N��, sagte Bothari. �Er w�rde, wenn er k�nnte, aber er ist einmal von einem Nervendisruptor getroffen worden. Unter der G�rtellinie, sozusagen. Er wurde wegen seiner Verletzung aus dem Dienst entlassen.�</p><p>�Und warum bist du drau�en.�</p><p>�Entlassen ohne Verbindlichkeit.�</p><p>Das war ein anderer Ausdruck f�r: �Quittier den Dienst oder du wanderst in den Bau!�, wie Cordelia annahm, die Endstation f�r notorische Unruhestifter, die kurz, aber nur kurz vor einem Verbrechen haltmachten.</p><p>�Du hast dich mit einem Spastiker zusammengetan?� Der Wirt machte eine Bewegung mit seinem Kopf in Richtung auf das Zimmer im Obergescho�.</p><p>�Er ist das Gehirn der Firma.�</p><p>�Da ist nicht viel Gehirn da, wenn ihr hierher kommt und jetzt diese Art von Gesch�ft machen wollt.�</p><p>�Na ja. Ich glaube, ich k�nnte einen besseren Preis f�r das gleiche St�ck Fleisch bekommen, wenn ich sie schlachten und garnieren lie�e.�</p><p>�Da hast du recht�, grunzte der Wirt d�ster und betrachtete den Haufen Lebensmittel, der vor Cordelia auf der Theke lag.</p><p>�Sie ist aber zu schade f�r solche Verschwendung. Ich glaube, ich mu� was anderes finden, bis dieser ganze Schlamassel vorbei ist. Ein bi�chen Zeit totschlagen. Vielleicht braucht jemand Muskelkraft��� Bothari verstummte.</p><p>War er am Ende mit seiner Inspiration?</p><p>Der Wirt musterte ihn interessiert. �Ja? Ich hab da etwas im Auge, wof�r ich einen, na ja, eine Art Agenten brauchte. Ich f�rchte schon die ganze Woche, da� mir jemand anderer zuvorkommt. Du k�nntest genau der Kerl sein, den ich brauche.�</p><p>�Ja?�</p><p>Der Wirt lehnte sich vertraulich �ber die Theke. �Graf Vordarians Burschen geben fette Belohnungen, drunten beim Sicherheitsdienst, f�r bestimmte Informationen. Nun, normalerweise w�rde ich mich nicht mit dem Sicherheitsdienst einlassen, egal, wer ihn gerade dirigiert in dieser Woche, aber da gibt es einen komischen Kerl weiter unten in der Stra�e, der hat dort ein Zimmer gemietet und bleibt immer da drin, au�er wenn er Essen holt, mehr Essen, als ein einzelner Mann verputzen kann�� er hat noch jemanden mit sich in seinem Zimmer, jemanden, den keiner sieht. Und er ist ganz sicher keiner von uns. Ich werde den Gedanken nicht los, da� er vielleicht�� jemandem etwas wert sein d�rfte, oder?�</p><p>Bothari runzelte nachdenklich die Stirn: �K�nnte gef�hrlich sein. Wenn Admiral Vorkosigan wieder die Stadt �bernimmt, dann werden sie ziemlich eifrig nach der kleinen Liste mit den Informanten suchen. Und du hast eine Adresse.�</p><p>�Aber du scheinst keine zu haben. Wenn du das vorbringen w�rdest, dann k�nnte ich dir einen Anteil von zehn Prozent geben. Ich denke, der ist ein gro�es Tier, der Bursche. Er hat sicher Angst.�</p><p>Bothari sch�ttelte den Kopf. �Ich war drau�en auf dem Land und bin jetzt hierher gekommen�� k�nnt ihr es nicht riechen, in der Stadt? Niederlage, Mann. Vordarians Leute schauen f�r mich total krank aus. Ich w�rde wirklich gr�ndlich nachdenken �ber diese Liste, wenn ich du w�re.�</p><p>Der Wirt pre�te entt�uscht die Lippen zusammen. �So oder so, die g�nstige Gelegenheit wird nicht bleiben.�</p><p>Cordelia zog Bothari zu sich und fl�sterte ihm ins Ohr: �Spielen Sie mit. Finden Sie heraus, wer das ist. K�nnte ein Verb�ndeter sein.� Sie dachte einen Augenblick nach und f�gte dann hinzu: �Fordern Sie f�nfzig Prozent.�</p><p>Bothari richtete sich auf und nickte. �Fifty-fifty�, sagte er zum Wirt, �f�r das Risiko.�</p><p>Der Wirt blickte finster, aber respektvoll auf Cordelia. Z�gernd sagte er: �F�nfzig Prozent von etwas ist wahrscheinlich besser als hundert Prozent von nichts.�</p><p>�Kannst du mir den Kerl mal zeigen?�, fragte Bothari.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Hier, Frau�, Bothari legte die Packungen mit den Lebensmitteln in Cordelias Arme, �bring das rauf ins Zimmer.�</p><p>Cordelia r�usperte sich und versuchte den Akzent der Bergbewohner nachzuahmen: �Du solltest vorsichtig sein. Der Stadtmensch wird dich ausnehmen.�</p><p>Bothari grinste dem Wirt verschw�rerisch zu. �Ach, der w�rde es nicht wagen und einen alten Kommi�stiefel betr�gen. Mehr als einmal.�</p><p>Der Wirt l�chelte nerv�s zur�ck.</p><p>Cordelia d�ste unbehaglich vor sich hin und schrak hoch, als Bothari in ihr kleines Zimmer zur�ckkehrte. Er �berpr�fte den Gang sorgf�ltig, bevor er die T�r hinter sich schlo�. Er schaute grimmig drein.</p><p>�Also, Sergeant? Was haben Sie herausgefunden?� Was war, wenn sich herausstellte, da� der andere Untergetauchte jemand strategisch so wichtiger war wie etwa Admiral Kanzian? Der Gedanke erschreckte sie.</p><p>Wie konnte sie einer Ablenkung von ihrer pers�nlichen Mission noch widerstehen, wenn es allzu kristallklar um etwas gr��eres Gutes ginge��</p><p>Kou auf einer Bettdecke auf dem Boden und Drou auf der anderen Bettstatt blinzelten verschlafen und richteten sich auf ihren Ellbogen auf, um Botharis Bericht zu h�ren.</p><p>�Es ist Lord Vorpatril. Und auch Lady Vorpatril.�</p><p>�O nein!� Cordelia setzte sich kerzengerade auf. �Sind Sie sicher?�</p><p>�O ja!�</p><p>Kou kratzte sich am Kopf, seine Haare waren vom Schlaf zerzaust.</p><p>�Haben Sie Kontakt mit ihnen aufgenommen?�</p><p>�Noch nicht.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Es ist Lady Vorkosigans Entscheidung. Ob wir von unserer urspr�nglichen Mission abweichen.�</p><p>Und zu denken, da� sie das Kommando gewollt hatte. �Scheint es ihnen gut zu gehen?�</p><p>�Sie sind am Leben und verhalten sich ruhig. Aber�� der Kerl da unten kann nicht der einzige sein, dem sie aufgefallen sind. Ich habe ihn einstweilen gebremst, aber jemand anderer k�nnte jederzeit scharf auf die Belohnung werden.�</p><p>�Gibt es ein Anzeichen f�r das Baby?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf: �Sie hat es noch nicht bekommen.�</p><p>�Es ist schon sp�t! Sie h�tte es schon vor mehr als zwei Wochen bekommen sollen. Wie scheu�lich!� Sie dachte einen Augenblick nach.</p><p>�Glauben Sie, wir k�nnten aus der Stadt zusammen entkommen?�</p><p>�Je mehr Leute in einer Sache, desto auff�lliger�, sagte Bothari langsam. �Und ich habe einen Blick auf Lady Vorpatril werfen k�nnen. Sie ist wirklich auff�llig. Die Leute w�rden sie bemerken.�</p><p>�Ich sehe nicht, wie es ihre Lage verbessern w�rde, wenn sie sich uns jetzt anschlie�en. Ihre Tarnung hat einige Wochen funktioniert. Wenn wir in der Residenz Erfolg haben, dann k�nnen wir vielleicht auf dem R�ckweg etwas f�r sie versuchen. Bestimmt Illyan veranlassen, da� er ihnen loyalistische Agenten zur Unterst�tzung schickt. Wenn wir zur�ckkommen��� Verdammt! Wenn sie ein offizielles Kommandounternehmen w�ren, dann h�tten sie genau die Kontakte, die die Vorpatrils brauchten. Aber wenn sie ein offizielles Kommando w�ren, dann w�ren sie zweifellos nicht auf diesem Weg gekommen. Sie sa� da und dachte nach. �Nein. Noch kein Kontakt. Aber wir sollten lieber etwas tun, um unseren Freund im Erdgescho� zu entmutigen.�</p><p>�Habe ich schon gemacht�, sagte Bothari. �Ich sagte ihm, ich w��te, wo ich einen besseren Preis bek�me und nicht sp�ter meinen Kopf riskieren w�rde. Wir k�nnen ihn vielleicht bestechen, da� er uns hilft.�</p><p>�Trauen Sie ihm?�, sagte Droushnakovi zweifelnd.</p><p>Bothari verzog das Gesicht. �So weit ich ihn beurteilen kann. Ich werde versuchen, ein Auge auf ihn zu haben, solange wir hier sind. Noch was. Ich habe eine Sendung auf seinem Vid im Hinterzimmer gesehen. Vordarian hat sich selbst gestern abend zum Kaiser ausgerufen.�</p><p>Kou fluchte: �So ist er endlich ausgeflippt und hat�s gemacht.�</p><p>�Aber was bedeutet das?�, fragte Cordelia. �F�hlt er sich stark, oder ist das ein Akt der Verzweiflung?�</p><p>�Das ist der letzte Trick aus der Kiste, um die Raumstreitkr�fte auf seine Seite zu ziehen, vermute ich�, sagte Kou.</p><p>�Wird er dadurch wirklich mehr Leute anziehen, als er dadurch vor den Kopf st��t?�</p><p>Kou sch�ttelte den Kopf: �Wir auf Barrayar f�rchten wirklich das Chaos. Wir haben es schon einmal versucht. Es ist schlimm. Das Kaisertum wurde als Garant der Ordnung angesehen, seit Dorca Vorbarra die Macht der kriegf�hrenden Grafen brach und den Planeten einte. Kaiser ist hier ein wirkliches Wort der Macht.�</p><p>�Nicht f�r mich�, seufzte Cordelia. �Sorgen wir daf�r, da� wir etwas ausruhen k�nnen. Vielleicht ist morgen um diese Zeit schon alles vorbei.�</p><p>Ein hoffnungsvoller oder grausiger Gedanke, je nachdem, wie man�s verstand. Sie z�hlte zum tausendsten Mal die Stunden, ein Tag war noch �brig, um in die Residenz einzudringen, zwei, um in Vorkosigans Territorium zur�ckzukehren�� da war nicht mehr viel �brig. Es kam ihr vor, als w�rde sie fliegen, schneller und immer schneller. Und als h�tte sie fast keinen Raum mehr zum Wenden.</p><p>Die letzte Chance, die ganze Sache abzublasen. Ein feiner nebliger Nieselregen hatte in der Stadt den Einbruch der Abendd�mmerung beschleunigt. Cordelia schaute durch das schmutzige Fenster hinaus auf die glitschige Stra�e, die das Licht einiger schwacher gelblicher Stra�enlaternen spiegelte. Nur ein paar vermummte Gestalten hasteten mit gesenktem Kopf vorbei. Es war, als h�tten der Krieg und der Winter den letzten Hauch des Herbstes eingeatmet und atmeten jetzt ein t�dliches Schweigen aus. <emphasis>Die Nerven,</emphasis> sagte sich Cordelia, straffte ihren R�cken und f�hrte ihre kleine Gruppe die Treppe hinab.</p><p>Die Anmeldung war nicht besetzt. Cordelia wollte sich gerade daf�r entscheiden, solche Formalit�ten wie die Abmeldung zu �bergehen�� schlie�lich hatten sie schon im Voraus bezahlt��, da kam der Wirt stampfend durch die Vordert�r herein und sch�ttelte fluchend kalte Regentropfen von seiner Jacke. Dann erblickte er Bothari.</p><p>�Du! Das ist alles deine Schuld, du feiger Kerl. Wir haben es verpa�t, wir haben es verdammt noch mal verpa�t, und jetzt streicht sich ein anderer die Belohnung ein. Die h�tte mir geh�ren k�nnen, h�tte mir geh�ren sollen���</p><p>Die Schimpfkanonade des Wirtes wurde von einem dumpfen Schlag unterbrochen, als Bothari ihn gegen die Wand dr�ckte. Die Zehen des Mannes suchten Halt am Boden, w�hrend Botharis pl�tzlich wildes Gesicht sich dem seinen n�herte. <emphasis>�Was ist passiert?�</emphasis></p><p>�Eines von Vordarians Kommandos hat diesen Kerl geschnappt. Es sieht so aus, als h�tte er sie auch zu seiner Partnerin gef�hrt.� Die Stimme des Wirtes schwankte zwischen Arger und Angst. �Sie haben sie jetzt beide, und ich habe nichts.�</p><p>�Haben sie?�, wiederholte Cordelia matt.</p><p>�Haben sie eben gerade geschnappt, verdammt!�</p><p><emphasis>Es k�nnte noch eine Chance geben</emphasis>, erkannte Cordelia.</p><p>F�hrungsentscheidung oder taktischer Zwang, das spielte jetzt kaum noch eine Rolle. Sie zog einen Bet�uber aus dem Ranzen, Bothari trat zur�ck, und sie l�hmte den Wirt, der mit offenem Mund dastand. Bothari schob die reglose Gestalt hinter die Anmeldetheke. �Wir m�ssen versuchen, ihnen zu helfen. Drou, holen Sie die restlichen Waffen heraus. Sergeant, f�hren Sie uns dorthin. Los!�</p><p>Und so fand sie sich auf einmal, wie sie die Stra�e hinab auf eine Szene zurannte, die zu vermeiden jeder vern�nftige Barrayaraner in die entgegengesetzte Richtung laufen w�rde: eine n�chtliche Verhaftung durch die Sicherheitskr�fte. Drou hielt Schritt mit Bothari, Koudelka, der mit dem Ranzen beladen war, hinkte hinterher. Cordelia w�nschte sich, der Nebel w�re dichter.</p><p>Das Versteck der Vorpatrils war, wie sich herausstellte, zwei Blocks die Stra�e hinab und dann um die Ecke, in einem sch�bigen, engen Geb�ude, sehr �hnlich dem Haus, worin sie den Tag verbracht hatten. Bothari hob eine Hand und sie lugten vorsichtig um die Ecke, dann zogen sie sich zur�ck. Zwei Bodenwagen des Sicherheitsdienstes waren vor einem kleinen Gasthaus geparkt und versperrten den Eingang. Die ganze Gegend war seltsam menschenleer, au�er ihnen war niemand auf der Stra�e.</p><p>Koudelka holte sie keuchend ein.</p><p>�Droushnakovi�, sagte Bothari, �gehen Sie um das Haus herum. Suchen Sie sich eine Kreuzfeuerstellung, mit der Sie die andere Seite dieser Bodenwagen abdecken. Passen Sie gut auf, die haben sicher auch Leute am Hinterausgang.�</p><p>Ja, Stra�entaktik war sichtlich Botharis Berufung.</p><p>Drou nickte, �berpr�fte die Ladung ihrer Waffen und spazierte wie beil�ufig �ber die Ecke, ohne auch nur den Kopf zu drehen. Sobald sie aus der gegnerischen Sichtlinie war, begann sie lautlos zu laufen.</p><p>�Wir m�ssen uns eine bessere Stellung suchen�, murmelte Bothari und riskierte noch einen Blick um die Ecke. �Ich kann verdammt nichts sehen.�</p><p>�Ein Mann und eine Frau gehen die Stra�e entlang�, entwarf Cordelia verzweifelt ein Bild, �sie halten an, um sich in einem Hauseingang zu unterhalten. Sie gucken neugierig auf die Sicherheitsleute, die mit ihrer Verhaftung besch�ftigt sind�� k�nnten wir so durchkommen?�</p><p>�Nicht lange�, sagte Bothari, �sobald sie unsere Energiewaffen mit ihren Umgebungsscannern erkannt haben. Aber wir k�nnten l�nger durchkommen als zwei M�nner, Wenn es los geht, dann mu� es schnell gehen. Wir k�nnten es gerade lang genug schaffen. Leutnant, geben Sie uns Deckung von hier. Halten Sie den Plasmabogen bereit, es ist alles, was wir haben, um ein Fahrzeug zu stoppen.�</p><p>Bothari versteckte seinen Nervendisruptor unter seiner Jacke. Cordelia steckte ihren Bet�uber in den Bund ihres Rocks und h�ngte sich leicht bei Bothari ein. Sie spazierten um die Ecke.</p><p>Das war eine wirklich dumme Idee, entschied Cordelia, als sie ihren Gang Botharis Stiefelschritten anpa�te. Sie h�tten sich schon vor Stunden auf die Lauer legen sollen, wenn sie einen solchen �berfall versuchen wollten. Oder sie h�tten Padma und Alys schon vor Stunden herausholen sollen.</p><p>Und doch�� wie lange war Padma schon entdeckt gewesen? Vielleicht w�ren sie in eine schon lange aufgestellte Falle gegangen und zusammen untergegangen? <emphasis>Kein Vielleicht. Achte auf das Jetzt.</emphasis></p><p>Botharis Schritte wurden langsamer, als sie sich einem tiefen dunklen Hauseingang n�herten. Er schwang sie herum und lehnte sich mit einem Arm gegen die Hauswand, nahe an Cordelia. Sie waren jetzt nah genug am Schauplatz der Verhaftung, da� sie Stimmen h�ren konnten. Fetzen von Geknister aus den KomLinks waren deutlich in der feuchten Luft zu vernehmen.</p><p>Gerade rechtzeitig. Trotz des sch�bigen Hemdes und der ebenso sch�bigen Hosen erkannte Cordelia sofort in dem dunkelhaarigen Mann, der von einem W�chter gegen den Bodenwagen gedr�ckt wurde, Oberst Vorpatril. Sein Gesicht war verunstaltet von einer blutenden Quetschwunde und geschwollenen Lippen, die in einem stereotypen, von Schnell-Penta verursachten L�cheln verzogen waren. Das L�cheln wechselte sich mit einem Ausdruck der Angst ab, und sein Gekicher ging �ber in w�rgendes St�hnen.</p><p>Schwarzgekleidete Sicherheitsleute brachten eine Frau durch die Gasthaust�r auf die Stra�e. Die Aufmerksamkeit des Sicherheitsteams wurde auf sie gelenkt, ebenso die Aufmerksamkeit von Cordelia und Bothari.</p><p>Alys Vorpatril trug nur ein Nachthemd und einen Morgenmantel, ihre nackten F��e steckten in flachen Schuhen. Ihr dunkles Haar war lose und umflo� wild ihr wei�es Gesicht. Sie sah aus wie eine sch�ne Wahnsinnige.</p><p>Sie war tats�chlich auffallend schwanger, der schwarze Morgenmantel �ffnete sich um ihren Bauch, der das wei�e Nachtgewand dehnte. Der Sicherheitsmann, der sie abf�hrte, hatte ihr die Arme hinter dem R�cken gefesselt, mit gespreizten Beinen versuchte sie die Balance zu halten gegen sein r�ckw�rtiges Ziehen.</p><p>Der Wachkommandant, ein Oberst, �berpr�fte ein Reportpanel. �Das war�s dann. Der Lord und sein Erbe.� Sein Blick fixierte Alys Vorpatrils Unterleib, er sch�ttelte den Kopf, als m��te er ihn von etwas freimachen, und sprach in sein KomLink: �Zieht euch zur�ck, Jungs, wir haben hier alles erledigt.�</p><p>�Was, zum Teufel, sollen wir hiermit tun, Herr Oberst?�, fragte sein Leutnant unsicher. In seiner Stirn mischten sich Faszination und Best�rzung, als er zu Lady Vorpatril hin�berging und ihr Nachthemd in die H�he hob. Sie hatte in den letzten zwei Monaten zugenommen, ihr Kinn und ihre Br�ste hatten sich gerundet, die Schenkel waren kr�ftiger geworden, der Bauch gepolstert. Er stie� einen neugierigen Finger tief in das weiche, wei�e Fleisch. Sie stand schweigend und zitternd, das Gesicht entflammt vor Emp�rung �ber seine Dreistigkeit, in den dunklen Augen glitzerten Tr�nen der Angst. �Unser Befehl lautet, den Lord und den Erben zu t�ten. Er sagt nichts �ber sie. Sollen wir herumsitzen und warten? Sie quetschen? Oder aufschneiden? Oder�, seine Stimme einen Ton an, als wollte er seinen Vorgesetzten zu etwas �berreden, �sie vielleicht einfach ins Hauptquartier mitnehmen?�</p><p>Der W�chter, der sie von hinten hielt, grinste und stie� seine H�ften gegen ihr Ges��, eine unmi�verst�ndliche Nach�ffung. �Wir m�ssen sie nicht sofort dorthin bringen, nicht wahr? Ich meine, das hier ist Vor-Fleisch. Was f�r eine Chance.�</p><p>Der Oberst schaute ihn an und spuckte angewidert aus. �Korporal, Sie sind pervers.�</p><p>Cordelia erkannte mit einem Schock, da� Botharis Aufmerksamkeit nicht mehr nur aus taktischen Gr�nden auf diese Szene fixiert war. Er war zutiefst erregt. Seine Augen schienen glasig zu werden, w�hrend sie ihn beobachtete, seine Lippen �ffneten sich. Der Oberst steckte sein Kom-Link in die Tasche und zog seinen Nervendisruptor. �Nein.� Er sch�ttelte den Kopf. �Wir machen das schnell und sauber. Treten Sie zur Seite, Korporal.�</p><p><emphasis>Ein seltsames Mitleid��</emphasis></p><p>Der Korporal stie� fachkundig gegen Alys� Knie, schubste sie zu Boden und trat zur�ck. Alys warf ihre H�nde dem Pflaster entgegen, jedoch zu sp�t, um das harte Aufklatschen ihres dikken Bauches zu verhindern.</p><p>Padma Vorpatril st�hnte, obwohl sein Bewu�tsein durch Schnell-Penta umnebelt war. Der Oberst hob seinen Nervendisruptor und z�gerte, als sei er unsicher, ob er auf ihren Kopf oder ihren Rumpf zielen sollte.</p><p><emphasis>�T�ten Sie die Kerle!�,</emphasis> zischte Cordelia in Botharis Ohr, ri� ihren Bet�uber heraus und feuerte.</p><p>Bothari wurde nicht nur pl�tzlich hellwach, sondern auch zu einer Art Berserker, der Schu� seines Nervendisruptors traf den Oberst im selben Moment wie der Strahl von Cordelias Bet�uber, obwohl sie zuerst gezogen hatte. Dann bewegte er sich, ein dunkler Schatten, der hinter eines der geparkten Fahrzeuge sprang. Er gab Schu� um Schu� ab, deren blaues Knistern die Luft elektrifizierte, zwei weitere Wachen fielen, w�hrend die �brigen hinter ihren Bodenwagen in Deckung gingen.</p><p>Alys Vorpatril rollte sich auf dem Pflaster zu einer Kugel zusammen und versuchte, mit Armen und Beinen ihren Unterleib zu sch�tzen. Padma Vorpatril, berauscht vom Penta, torkelte verwirrt in ihre Richtung, mit ausgestreckten Armen, anscheinend mit der Absicht, sie zu sch�tzen. Der Leutnant, der sich auf dem Pflaster in Deckung w�lzte, hielt einen Augenblick inne, um mit seinem Nervendisruptor auf den Verwirrten zu zielen.</p><p>Das Z�gern des Leutnants, um genau zu zielen, war fatal: das Kreuzfeuer aus Droushnakovis Nervendisruptor und der Strahl aus Cordelias Bet�uber trafen sich auf seinem K�rper�� eine Millisekunde zu sp�t. Sein Disruptorschu� traf Padma Vorpatril mitten auf dem Hinterkopf. Blaue Funken tanzten umher, dunkles Haar spr�hte orangefarbene Funken, Padmas K�rper bog sich in einem heftigen Krampf und fiel zuckend zu Boden. Alys Vorpatril heulte auf, ein kurzer, scharfer Schrei, der von einem Keuchen abgew�rgt wurde. Auf ihren H�nden und F��en schien sie einen Moment erstarrt zwischen dem Impuls, auf ihn zuzukriechen, und dem Reflex, zu fliehen.</p><p>Droushnakovis Kreuzfeuerstellung war perfekt. Der letzte W�chter wurde get�tet, w�hrend er noch versuchte, das Verdeck des gepanzerten Bodenwagens zu heben. Ein Fahrer, der im zweiten Fahrzeug abgeschirmt sa�, entschied sich klugerweise daf�r, davonzurasen. Der Schu� aus Koudelkas Plasmabogen, der auf Starkstrom geschaltet war, traf den Bodenwagen, als er hinter der Hausecke beschleunigte. Das Fahrzeug schleuderte wild umher, schrammte dabei funkenspr�hend an der Bordsteinkante entlang und rammte dann gegen ein Backsteingeb�ude.</p><p><emphasis>Ja, war denn meine ganze Strategie f�r diese Mission nicht darauf aufgebaut, da� wir unsichtbar bleiben?</emphasis> dachte Cordelia fl�chtig und rannte los. Sie und Droushnakovi erreichten Alys Vorpatril im selben Augenblick, zusammen hoben sie die zitternde Frau auf die Beine.</p><p>�Wir m�ssen hier abhauen�, sagte Bothari, der sich aus seiner kauernden Feuerstellung erhob und zu ihnen trat.</p><p>�Ganz recht�, stimmte Koudelka zu, der herbeigehumpelt war und sich das Ergebnis des pl�tzlichen und spektakul�ren Gemetzels anschaute. Die Stra�e war erstaunlich ruhig. Nicht mehr lange, vermutete Cordelia.</p><p>�In diese Richtung.� Bothari zeigte auf eine enge und dunkle Gasse. �Rennt!�</p><p>�Sollten wir nicht versuchen, den Wagen da zu nehmen?� Cordelia zeigte auf das Fahrzeug, neben dem die reglosen K�rper der Sicherheitsleute lagen.</p><p>�Nein, man kann ihn aufsp�ren. Und er pa�t dort nicht hinein, wo wir hingehen.�</p><p>Cordelia war nicht sicher, ob die verst�rt dreinblickende und weinende Alys �berhaupt irgendwohin rennen konnte, aber sie steckte wieder ihren Bet�uber in ihren Rockbund und nahm einen der Arme der Schwangeren.</p><p>Drou nahm den anderen, und zusammen f�hrten sie sie hinter dem Sergeanten her. Wenigstens war Koudelka nicht mehr der langsamste der Gruppe.</p><p>Alys weinte, aber noch nicht hysterisch, sie warf nur einen einzigen Blick �ber ihre Schulter auf den Leichnam ihres Mannes, dann konzentrierte sie sich entschlossen auf den Versuch, zu rennen. Sie rannte nicht gut. Sie hatte erhebliche Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht, ihre Arme hatte sie um den Bauch gelegt in einem Versuch, die Ersch�tterungen ihrer schweren Schritte abzufangen. �Cordelia�, keuchte sie. Damit zeigte sie, da� sie ihre Retterin erkannt hatte, aber sie hatte weder Zeit noch Atem f�r Fragen nach Erkl�rungen.</p><p>Sie waren noch nicht mehr als drei H�userblocks weit getorkelt, als Cordelia Sirenen aus der Gegend h�rte, aus der sie flohen. Aber Bothari schien sich wieder im Griff zu haben und reagierte nicht panisch. Sie durchquerten eine andere enge Gasse, und Cordelia wurde bewu�t, da� sie in ein Stadtviertel ohne Stra�enbeleuchtung gelangt waren. Sie strengte ihre Augen in der nebligen Dunkelheit an.</p><p>Alys hielt pl�tzlich an und Cordelia kam schlitternd zu stehen, wobei sie die Frau fast von den Beinen ri�. Alys blieb eine halbe Minute stehen, gekr�mmt und keuchend.</p><p>Cordelia erkannte, da� Alys� Unterleib unter seinem t�uschenden Fettpolster hart wie Stein war, ihr Morgenmantel war am R�cken ganz durchn��t. �Fangen die Wehen an?�, fragte sie. Sie wu�te nicht, warum sie diese Frage stellte, denn die Antwort war offensichtlich.</p><p>�Dies geht schon anderthalb Tage so�, stie� Alys hervor. Sie schien sich nicht aufrichten zu k�nnen. �Ich glaube, meine Fruchtblase ist gesprungen, als der Mistkerl mich hingeworfen hat. Wenn es nicht Blut ist�� ich h�tte schon l�ngst bewu�tlos sein m�ssen, wenn das alles Blut gewesen w�re��, es tut jetzt soviel mehr weh��� Ihr Atem verlangsamte sich, mit M�he zog sie ihre Schultern hoch.</p><p>�Wie lange noch?�, fragte Kou beunruhigt.</p><p>�Wie sollte ich das wissen? Ich habe das noch nie gemacht. Sie k�nnen da genauso gut raten wie ich�, versetzte Lady Vorpatril. Hei�er Zorn, um kalte Angst zu w�rmen. Es war nicht genug W�rme, eine Kerze gegen einen Schneesturm.</p><p>�Nicht mehr lange, w�rde ich sagen�, kam Botharis Stimme aus der Dunkelheit. �Wir sollten lieber untertauchen. Los, weiter!�</p><p>Lady Vorpatril konnte nicht l�nger rennen, aber sie brachte es fertig, schnell zu watscheln, wobei sie alle zwei Minuten hilflos stehenblieb. Dann jede Minute.</p><p>�Sie schafft nicht mehr den ganzen Weg�, murmelte Bothari. �Wartet hier!� Er verschwand�� in einer Seitengasse? Die Durchg�nge hier schienen alles Gassen zu sein, kalt und stinkend, viel zu eng f�r Bodenwagen. Sie waren an genau zwei Leuten in diesem Irrgarten begegnet, die sich in den Schutz jenes Durchgangs gedr�ngt hatten, und waren vorsichtig um sie herumgegangen.</p><p>�K�nnen Sie irgend etwas tun, wie etwa, es zur�ckzuhalten?�, fragte Kou, als er sah, wie Lady Vorpatril sich wieder zusammenkr�mmte. �Wir sollten es�� versuchen und einen Arzt oder jemanden holen.�</p><p>�Das war es, wof�r dieser Idiot Padma hinausgegangen ist�, brachte Alys m�hsam hervor. �Ich habe ihn angebettelt, nicht zu gehen�� o Gott!� Einen Moment sp�ter f�gte sie in einem �berraschenden Plauderton hinzu: �Das n�chstemal, wenn Sie Ihre Eingeweide herauskotzen, Kou, schlage ich Ihnen vor, da� Sie einfach Ihren Mund schlie�en und fest schlucken�� es ist nicht gerade ein willk�rlicher Reflex!� Sie richtete sich wieder auf und zitterte heftig.</p><p>�Sie braucht keinen Doktor, sie braucht eine flache Stelle�, sprach Bothari aus dem Dunkeln. �Hier entlang.�</p><p>Er f�hrte sie eine kurze Entfernung zu einer Holzt�r, die fr�her einmal in einer alten, festen, mit Stuck verzierten Wand zugenagelt gewesen war. Nach den frischen Splittern zu schlie�en, hatte er sie gerade aufgebrochen.</p><p>Als sie drinnen waren und die T�r wieder ganz zugezogen war, wagte es Droushnakovi endlich, ein Handlicht aus dem Ranzen zu holen. Es beleuchtete einen kleinen, leeren, schmutzigen Raum. Bothan erkundete schnell die angrenzenden R�ume. Zwei innere T�ren waren vor langer Zeit aufgebrochen worden, aber dahinter war alles still und dunkel und anscheinend verlassen.</p><p>�Das mu� reichen�, sagte Bothari.</p><p>Cordelia fragte sich, was, zum Teufel, als n�chstes zu tun w�re. Sie wu�te jetzt alles �ber Plazenta�bertragungen und Kaiserschnitt, aber bei sogenannten normalen Geburten konnte sie sich nur an die Theorie halten.</p><p>Alys Vorpatril hatte wahrscheinlich noch weniger Wissen von Biologie, Drou noch weniger, und Kou war absolut nutzlos. �Hat irgend jemand hier das schon einmal mitgemacht?�</p><p>�Ich nicht�, murmelte Alys. Ihre Blicke trafen sich und sie verstanden sich nur allzu klar.</p><p>�Du bist nicht allein�, sagte Cordelia tapfer. Zutrauen sollte zur Entspannung f�hren, sollte zu irgend etwas f�hren. �Wir werden dir alle helfen.�</p><p>Bothari sagte�� seltsam widerstrebend: �Meine Mutter hat gelegentlich als Hebamme gearbeitet. Manchmal hat sie mich mitgeschleppt, damit ich ihr helfe. Das ist nicht so schlimm.�</p><p>Cordelia bem�hte sich, nicht die Stirn zu runzeln, Dies war das erste Mal, da� sie den Sergeanten ein Wort �ber seine Eltern sagen h�rte. Der Sergeant seufzte, als er aus ihren auf ihn gerichteten Blicken klar erkannte, da� er soeben die Leitung �bernommen hatte. �Borgen Sie mir Ihre Jacke, Kou.�</p><p>Koudelka entledigte sich ritterlich seines Kleidungsst�cks und schickte sich an, es der zitternden Lady Vorpatril umzulegen. Er blickte etwas betroffener drein, als der Sergeant seine eigene Jacke um Lady Vorpatrils Schultern legte, sie sich dann auf den Boden niederlegen lie� und Koudelkas Jacke unter ihren H�ften ausbreitete. Als sie sich hingelegt hatte, sah sie weniger bla� aus, weniger als w�rde sie jeden Moment ohnm�chtig. Aber ihr Atem hielt an, und dann stie� sie einen Schrei aus, als die Muskeln ihres Unterleibs sich wieder zusammenzogen.</p><p>�Bleiben Sie bei mir, Lady Vorkosigan�, murmelte Bothari Cordelia zu.</p><p>Wof�r? fragte sich Cordelia, dann erkannte sie, warum, als er niederkniete und sanft Alys Vorpatrils Nachthemd hochschob. <emphasis>Er will mich als Kontrollmechanismus haben.</emphasis> Aber das T�ten der Sicherheitsleute schien jene erschreckende Woge von Wollust ersch�pft zu haben, die dort auf der Stra�e sein Gesicht so verzerrt hatte. Sein Blick war jetzt nur normal interessiert. Gl�cklicherweise war Alys Vorpatril zu sehr mit sich selbst besch�ftigt, um zu bemerken, da� Botharis Versuch, medizinische Gelassenheit auszudr�cken, nicht ganz erfolgreich war.</p><p>�Der Kopf des Babys zeigt sich noch nicht�, berichtete er, �aber bald.�</p><p>Eine weitere Kontraktion, und er schaute unbestimmt herum und f�gte an: �Ich glaube. Sie sollten besser nicht schreien, Lady Vorpatril. Sie werden uns jetzt schon suchen.�</p><p>Sie zeigte durch ein Nicken, da� sie verstanden hatte, und winkte verzweifelt mit der Hand, Drou kapierte, rollte ein St�ck Stoff zu einem strickartigen Lumpen zusammen und gab ihn Alys, damit sie daraufbei�en konnte.</p><p>Und diese Szene dauerte an, w�hrend eine Wehe nach der anderen kam.</p><p>Alys schaute v�llig ersch�pft aus und weinte ganz leise, sie konnte den wiederholten Versuchen ihres Leibes, sein Innerstes nach au�en zu kehren, nicht lang genug Einhalt gebieten, um entweder Atem zu holen oder ihre innere Balance zu finden. Der Kopf des Babys zeigte sich, dunkelhaarig, aber er schien unf�hig zu sein, weiter hervorzukommen.</p><p>�Wie lange soll das dauern?�, fragte Kou, mit einer Stimme, die versuchte, wohl�berlegt zu klingen, aber sehr beunruhigt wirkte.</p><p>�Ich glaube, er mag es, wo er ist�, sagte Bothari. �Er mag nicht in die K�lte herauskommen.� Alys bekam diesen Scherz tats�chlich mit, ihr schluchzendes Atmen �nderte sich nicht, aber in ihren Augen blitzte einen Moment lang Dankbarkeit auf. Bothari sa� in Hockstellung, runzelte �berlegend die Stirn, kauerte sich dann an ihre Seite, legte seine gro�e Hand auf ihren Bauch und wartete auf die n�chste Kontraktion. Dann st�tzte er sich auf ihr auf.</p><p>Der Kopf des Kindes trat geschwind heraus zwischen Lady Vorpatrils blutigen Schenkeln.</p><p>�Da�, sagte der Sergeant und klang ziemlich zufrieden. Koudelka schaute total beeindruckt drein.</p><p>Cordelia nahm den Kopf zwischen ihre H�nde und zog den K�rper bei der n�chsten Kontraktion heraus. Das Kn�blein hustete zweimal, nieste wie ein K�tzchen in das ehrf�rchtige Schweigen, atmete ein, wurde rosiger und gab einen nervenzerrei�enden Schrei von sich. Cordelia lie� ihn fast fallen.</p><p>Bothari fluchte bei dem Ger�usch. �Geben Sie mir Ihren Stockdegen, Kou.�</p><p>Lady Vorpatril blickte wild auf: �Nein! Geben Sie ihn mir zur�ck, ich mache, da� er ruhig ist!�</p><p>�Das war�s nicht, woran ich dachte�, sagte Bothari mit einer gewissen W�rde. �Obwohl es eine Idee ist�, f�gte er hinzu, als das Geschrei weiterging. Er zog die Flasmabogenwaffe heraus und erhitzte das Schwert bei niedriger Stromst�rke. Er sterilisierte es, erkannte Cordelia.</p><p>Bei der n�chsten Kontraktion folgte der Nabelschnur die Plazenta, ein schmieriger Haufen auf Koudelkas Jacke. Cordelia starrte mit geheimer Faszination auf die verbrauchte Version des unterst�tzenden Organs, um das man sich in ihrem eigenen Fall soviel Sorgen gemacht hatte. <emphasis>Zeit.</emphasis></p><p><emphasis>Diese Rettung hat soviel Zeit genommen. Wie gross sind Miles� Chancen jetzt noch?</emphasis> Hatte sie gerade das Leben ihres Sohnes gegen das des kleinen Ivan eingetauscht? Des gar nicht so kleinen Ivan, in Wirklichkeit: kein Wunder, da� er seiner Mutter so viele Schwierigkeiten bereitet hatte. Alys mu�te mit einem ungew�hnlichen Beckenboden gesegnet sein, oder sie h�tte diese alptraumhafte Nacht nie lebend �berstanden.</p><p>Nachdem die Nabelschnur wei� geworden war, schnitt Bothari sie mit der sterilisierten Klinge durch, und Cordelia knotete das gummiartige Ding zusammen, so gut sie konnte. Sie wischte das Baby ab, wickelte es in ihr sauberes Ersatzhemd und reichte es schlie�lich in Alys� ausgestreckte Arme.</p><p>Alys blickte auf das Baby und begann wieder zu weinen, in ged�mpften Schluchzern. �Padma sagte�� ich w�rde die besten �rzte haben. Padma sagte�� es w�rde nicht weh tun. Padma sagte, er w�rde bei mir bleiben�� zum Teufel mit dir, Padma!� Sie dr�ckte Padmas Sohn an sich. In einem ver�nderten Ton sanfter �berraschung f�gte sie hinzu: �Au!�</p><p>Der Mund des Kindes hatte ihre Brust gefunden und packte anscheinend zu wie ein Barracuda.</p><p>�Gute Reflexe�, stellte Bothari fest.</p></section><section><title><p>KAPITEL 17</p></title><p>�Um Gottes willen, Bothari, wir k�nnen sie doch nicht <emphasis>dahinein</emphasis> mitnehmen�, zischte Koudelka.</p><p>Sie standen in einer Gasse tief im Labyrinth der Karawanserei. Ein Geb�ude mit dicken Mauern ragte ungew�hnliche drei Stockwerke hoch in der kalten, feuchten Dunkelheit. Gelbes Licht schimmerte durch geschnitzte Fensterl�den hoch oben in der stuckverzierten Fassade, die wegen der sich abl�senden Farbe schuppig aussah. Eine �llampe brannte tr�b �ber einer h�lzernen T�r, dem einzigen Eingang, den Cordelia sehen konnte.</p><p>�Kann sie nicht hier drau�en lassen. Sie braucht viel W�rme�, antwortete der Sergeant. Er trug Lady Vorpatril auf seinen Armen, sie klammerte sich an ihn, matt und zitternd.</p><p>�Es ist sowieso eine langweilige Nacht hier. Sp�t. Sie machen zu.�</p><p>�Was ist das f�r ein Ort?�, fragte Droushnakovi.</p><p>Koudelka r�usperte sich. �Damals in der Zeit der Isolation, als dies das Zentrum von Vorbarr Sultana war, war dies die Residenz eines Lords. Eines der j�ngeren Vorbarra-Prinzen, glaube ich. Deshalb ist es wie eine Festung gebaut. Jetzt ist es eine�� Art Gasthaus.�</p><p><emphasis>Aha, das</emphasis> ist also <emphasis>Ihr Freudenhaus, Kou.</emphasis> Cordelia gelang es, damit nicht herauszuplatzen. Statt dessen sprach sie Bothari an: �Ist es sicher? Oder ist es mit Denunzianten besetzt wie das letzte Gasthaus?�</p><p>�Sicher f�r ein paar Stunden�, urteilte Bothari. �Und wir haben sowieso nur ein paar Stunden.� Er setzte Lady Vorpatril ab, �bergab sie an Droushnakovi und schl�pfte nach einem ged�mpften Wortwechsel durch die T�r mit einem W�chter in das Geb�ude hinein. Cordelia dr�ckte den kleinen Ivan noch fester an sich und zog ihre Jacke �ber ihn, damit sie all ihre W�rme an ihn abgeben konnte. Gl�cklicherweise hatte er w�hrend ihres einige Minuten langen Fu�marsches von dem verlassenen Geb�ude bis hierher ruhig geschlafen. Ein paar Augenblicke sp�ter kam Bothari zur�ck und machte ihnen ein Zeichen, ihm zu folgen.</p><p>Sie gingen durch einen Eingangskorridor, der fast wie ein Steintunnel aussah, mit engen Schlitzen in den W�nden und L�chern jeden halben Meter dar�ber. �Zur Verteidigung, in den alten Tagen�, fl�sterte Koudelka, und Droushnakovi nickte verstehend. Allerdings erwartete sie heute nacht kein Pfeilregen und kein siedendes �l. Ein Marin so gro� wie Bothari, aber etwas breiter, sperrte die T�r hinter ihnen wieder ab.</p><p>Sie kamen in einen gro�en, tr�b beleuchteten Raum, der in eine Art Bar und Speisesaal umgewandelt worden war. Darin waren nur zwei deprimiert aussehende Frauen in Morgenm�nteln und ein Mann, der mit dem Kopf auf dem Tisch schnarchte. Wie �blich glimmten Holzkohlen in einem �berdimensionierten offenen Kamin.</p><p>Sie hatten eine F�hrerin oder Gastgeberin. Eine schlaksige Frau winkte sie schweigend zur Treppe. Vor f�nfzehn oder vielleicht sogar zehn Jahren mochte sie noch mit langen, wohlgeformten Beinen ein Aussehen von adlerhafter Eleganz gehabt haben, jetzt war sie knochig und verwelkt, unpassend gekleidet in einen grell magentaroten Morgenmantel mit herabh�ngenden R�schen, die die innewohnende Traurigkeit wiederzugeben schienen. Bothari nahm Lady Vorpatril hoch und trug sie die steile Treppe hinauf. Koudelka blickte sich unsicher um und schien etwas erleichtert zu sein dar�ber, da� er jemand Bestimmten nicht entdeckt hatte.</p><p>Die Frau f�hrte sie zu einem Zimmer am Ende eines Korridors in einem Obergescho�. �Wechseln Sie die Bettlaken�, murmelte Bothari, die Frau nickte und verschwand. Bothari setzte die ersch�pfte Lady Vorpatril nicht ab. Nach ein paar Minuten kam die Frau zur�ck, zog die zerknitterten Bett�cher ab und ersetzte sie mit frischem Leinen. Bothari legte Lady Vorpatril in das Bett und trat zur�ck. Cordelia legte ihr den schlafenden S�ugling in den Arm, und Lady Vorpatril nickte ihr dankbar zu.</p><p>Die Hausdame�� Cordelia entschied sich, die Frau daf�r zu halten�� blickte mit einem Funken Anteilnahme auf das Baby. �Das ist ja neugeboren. Ein gro�er Bub, nicht wahr?� Ihre Stimme ging in ein vorsichtiges Gurren �ber.</p><p>�Zwei Wochen alt�, stellte Bothari in einem abweisenden Ton fest.</p><p>Die Frau prustete, mit den H�nden auf den H�ften. �Ich spiele manchmal auch Hebamme, Bothari. Eher zwei Stunden, w�rde ich sagen.�</p><p>Botahri warf Cordelia einen seltsamen Blick zu, in dem fast Angst aufblitzte. Die Hausdame wehrte mit erhobener Hand seinen kritischen Blick ab. �Was auch immer du sagst.�</p><p>�Wir sollten sie schlafen lassen�, sagte Bothari, �bis wir sicher sind, da� sie keine Blutungen hat.�</p><p>�Ja, aber nicht allein�, sagte Cordelia. �F�r den Fall, da� sie verwirrt an einem fremden Ort aufwacht.� Im Bereich des Fremden mu�te dieses Haus, so vermutete Cordelia, f�r eine Vorfrau als absolut fremdartig eingestuft werden.</p><p>�Ich werde eine Weile bei ihr sitzenbleiben�, bot Droushnakovi an. Sie blickte mi�trauisch auf die Hausdame, die anscheinend f�r Drous Geschmack sich dem Baby zu nah zuneigte. Cordelia glaubte nicht, da� Koudelka mit seinem Getue, als seien sie da in eine Art Museum gestolpert, Droushnakovi �berhaupt hatte t�uschen k�nnen. Und auch Lady Vorpatril w�rde man nicht zum Narren halten k�nnen, sobald sie sich genug ausgeruht hatte, um wieder ihren Verstand einsetzen zu k�nnen.</p><p>Droushnakovi lie� sich in einen sch�bigen gepolsterten Sessel fallen und r�mpfte die Nase �ber dessen muffigen Geruch. Die anderen zogen sich aus dem Zimmer zur�ck. Koudelka ging weg, um zu suchen, wo in diesem alten Geb�ude so etwas wie eine Toilette war, und um zu versuchen, ihnen etwas zum Essen zu kaufen. Eine bestimmte Geruchsnuance in der Luft brachte Cordelia auf den Gedanken, da� nichts in der Karawanserei an die st�dtische Kanalisation angeschlossen war. Und es gab auch keine Zentralheizung. Auf Botharis finsteren Blick hin machte die Hausdame sich d�nn.</p><p>Ein Sofa, ein paar St�hle und ein niedriger Tisch standen am Ende des Korridors beisammen, beleuchtet von einer batteriegetriebenen Lampe mit rotem Schirm. Bothari und Cordelia setzten sich m�de dorthin. Jetzt, da der Druck f�r einen Moment nicht mehr da war und er nicht gegen die Spannung ank�mpfte, sah Bothari heruntergekommen aus. Cordelia hatte keine Vorstellung, wie sie selbst aussah, aber sie war sicher, da� es mit ihrem �u�eren auch nicht zum besten stand.</p><p>�Gibt es Huren auf Kolonie Beta?�, fragte Bothari pl�tzlich.</p><p>F�r Cordelia war dies wie ein geistiger Peitschenschlag. Seine Stimme war so m�de, da� die Frage fast beil�ufig klang, au�er da� Bothari nie beil�ufige Konversation pflegte, Wie sehr hatten die gewaltsamen Erlebnisse der heutigen Nacht sein prek�res Gleichgewicht durcheinandergebracht, seine eigent�mlichen Bruchlinien belastet?</p><p>�Nun ja� wir haben die LPSTs�, antwortete sie vorsichtig. �Ich vermute, sie erf�llen einige der gleichen sozialen Funktionen.�</p><p>�Ellpee Estees?�</p><p>�Lizenzierte Praktische Sexual-Therapeuten. Man mu� von den Regierungsbeh�rden gepr�ft werden und eine Lizenz bekommen. Man braucht dazu mindestens einen akademischen Grad in Psychotherapie. Abgesehen davon, da� alle drei Geschlechter diesen Beruf aus�ben. Am meisten verdienen die Hermaphroditen, sie sind sehr beliebt bei den Touristen. Es ist kein�� kein Beruf mit einem hohen sozialen Status, aber sie geh�ren auch nicht zum Abschaum. Ich glaube, wir haben �berhaupt keinen Abschaum auf Kolonie Beta, wir h�ren sozusagen bei der unteren Mittelklasse auf. Es ist ein Beruf wie����� sie machte eine Pause und suchte nach einer kulturellen �bersetzungsm�glichkeit�� �wie ungef�hr ein Friseur auf Barrayar. Eine pers�nliche Dienstleistung nach professionellen Standards mit ein bi�chen Kunstgewerbe.�</p><p>Es war ihr tats�chlich gelungen, Bothari stutzen zu machen, sicherlich zum erstenmal. Er hob die Augenbrauen. �Nur die Betaner w�rden meinen, da� man einen verdammten Universit�tsgrad daf�r braucht�� Tun auch <emphasis>Frauen </emphasis>sie engagieren?�</p><p>�Sicherlich. Auch Paare. Das�� das belehrende Element wird dort mehr betont.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf und z�gerte. Er warf ihr einen schnellen Seitenblick zu. �Meine Mutter war eine Hure.� Sein Ton war seltsam distanziert. Er wartete.</p><p>�Ich hatte�� mir schon so etwas gedacht.�</p><p>�Wei� nicht, warum sie mich nicht abgetrieben hat. Sie h�tte es k�nnen, sie machte Abtreibungen ebenso wie Geburtshilfe. Vielleicht dachte sie an ihr Alter. Sie pflegte mich an ihre Kunden zu verkaufen.�</p><p>Cordelia w�rgte. �Nun�� nun, <emphasis>das</emphasis> w�re auf Kolonie Beta nicht erlaubt.�</p><p>�Ich kann mich nicht mehr viel an diese Zeit erinnern. Ich lief weg, als ich zw�lf war, als ich gro� genug war, um ihre verdammten Kunden zu verpr�geln. Ich trieb mich mit Banden rum, bis ich sechzehn war, wirkte damals wie achtzehn und log mich so in den Armeedienst. Dann war ich von hier weg.� Seine Handfl�chen glitten �bereinander weg, um zu zeigen, wie glatt und schnell seine Flucht ging.</p><p>�Der Armeedienst mu� Ihnen im Vergleich dazu wie der Himmel erschienen sein.�</p><p>�Bis ich Vorrutyer begegnete.� Er blickte unbestimmt herum. �Damals waren hier mehr Leute. Heute ist�s hier fast tot.� Seine Stimme wurde nachdenklich. �Es gibt einen gro�en Teil in meinem Leben, woran ich mich nicht mehr gut erinnern kann. Es ist, als�� best�nde ich aus lauter verschiedenen St�cken. Aber da gibt es einige Dinge, die ich vergessen will, aber nicht vergessen kann.�</p><p>Sie hatte nicht vor, ihn zu fragen: �Was?� Aber sie machte mit ihrer Kehle einen Laut, der anzeigte, da� sie zuh�rte.</p><p>�Wei� nicht, wer mein Vater war. Ein Bastard zu sein ist hier fast so schlimm, wie ein Mutant zu sein.�</p><p>��Bastard� wird verwendet als negative Beschreibung einer Pers�nlichkeit, aber es hat im betanischen Kontext wirklich keine objektive Bedeutung. Unlizenzierte Kinder sind nicht dasselbe, und sie sind so selten, da� man sich mit ihnen auf der Basis der Einzelf�lle besch�ftigt.� <emphasis>Warum erz�hlt er mit all dies? Was will er von mir? Als er begann schien er fast �ngstlich, jetzt sieht er fast zufrieden aus. Was habe ich richtig gesagt? Sie </emphasis>seufzte.</p><p>Zu ihrer geheimen Erleichterung kam da Koudelka zur�ck, der echte frische Sandwiches aus Brot und K�se sowie Bier in Flaschen mitbrachte.</p><p>Cordelia war froh �ber das Bier, denn sie war dem Wasser in einem solchen Haus gegen�ber mi�trauisch. Sie a� dankbar den ersten Bissen und sagte: �Kou, wir m�ssen unsere Strategie jetzt neu �berdenken.�</p><p>Er lie� sich linkisch neben ihr nieder und h�rte ernsthaft zu. �Ja?�</p><p>�Wir k�nnen offensichtlich Lady Vorpatril und das Baby nicht mit uns nehmen. Und wir k�nnen sie nicht hier zur�cklassen. Wir haben f�r Vordarians Sicherheitsleute f�nf Leichen und einen brennenden Bodenwagen zur�ckgelassen. Sie werden diese Gegend hier gr�ndlich durchsuchen. Aber noch f�r eine kleine Weile werden sie nach einer sehr schwangeren Frau suchen. Wir m�ssen uns trennen.�</p><p>Er f�llte einen Moment des Z�gerns mit einem Bissen Sandwich. �Werden Sie dann mit ihr gehen, Mylady?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich mu� mit dem Residenzteam gehen. Und wenn nur deshalb, weil ich die einzige bin, die sagen kann: Das ist jetzt unm�glich, es ist Zeit aufzugeben. Drou ist absolut notwendig, und ich brauche Bothari.� <emphasis>Und auf eine seltsame </emphasis>Weise <emphasis>braucht Bothari mich.</emphasis> �Damit bleiben Sie �brig.�</p><p>Seine Lippen pre�ten sich bitter zusammen. �Wenigstens w�rde ich Sie dann nicht langsamer machen.�</p><p>�Sie sind nicht die letzte Wahl�, sagte sie scharf. �Ihre Findigkeit hat uns nach Vorbarr Sultana hineingebracht. Ich glaube, Ihre Findigkeit kann Lady Vorpatril herausbringen. Sie sind ihre beste Chance.�</p><p>�Aber das ist, als liefen Sie in die Gefahr hinein, und ich laufe weg.�</p><p>�Eine gef�hrliche Illusion. Kou, denken Sie nach. Wenn Vordarians Schl�ger sie wieder fangen, werden sie keine Gnade mit ihr haben, Auch nicht mit Ihnen, und besonders nicht mit dem Baby. Es gibt da kein �sicherer�. Nur t�dliche Notwendigkeit, und Logik, und die absolute Notwendigkeit, Ihren Kopf zu behalten.�</p><p>Er seufzte. �Ich werde es versuchen, Mylady.�</p><p>�Versuchen ist nicht genug. Padma Vorpatril hat �versucht�. Verdammt noch mal, Sie m�ssen <emphasis>Erfolg</emphasis> haben, Kou!�</p><p>Er nickte langsam. �Jawohl, Mylady.�</p><p>Bothari ging weg, um Kleidung f�r Kous neue Rolle als armer junger Ehemann und Vater zu organisieren. �Kunden lassen immer Sachen zur�ck�, bemerkte er, Cordelia fragte sich, was f�r Stra�enkleidung er hier f�r Lady Vorpatril finden k�nnte. Kou brachte Lady Vorpatril und Drou Essen. Er kehrte mit einem sehr d�steren Ausdruck auf seinem Gesicht zur�ck und lie� sich wieder neben Cordelia nieder.</p><p>Nach einer Weile sagte er: �Ich glaube, ich verstehe jetzt, warum Drou so besorgt war dar�ber, ob sie schwanger war.�</p><p>�Wirklich?�, sagte Cordelia.</p><p>�Lady Vorpatrils Schwierigkeiten lassen meine�� ziemlich klein aussehen. Gott, sah das schmerzhaft aus.�</p><p>�Mm. Aber der Schmerz dauert nur einen Tag.� Sie rieb ihre Narbe.</p><p>�Oder ein paar Wochen. Ich glaube nicht, da� es das ist.�</p><p>�Was ist es dann?�</p><p>�Es ist�� ein transzendentaler Akt. Leben machen. Ich dachte dar�ber nach, als ich mit Miles ging. �Durch diesen Akt bringe ich einen Tod in die Welt.� Eine Geburt, ein Tod, und all der Schmerz und all die Willensakte dazwischen. Ich verstand bestimmte orientalische mystische Symbole wie die Todesmutter, Kali, nicht, bis ich erkannte, es war �berhaupt nicht mystisch, nur blanke Tatsache. Ein sexueller �Unfall� im barrayaranischen Stil kann eine Kette von Kausalit�t beginnen, die bis zum Ende der Zeiten nicht aufh�rt. Unsere Kinder ver�ndern uns�� ob sie leben oder nicht. Obwohl euer Kind diesesmal sich als blo�e Schim�re herausstellte, war Drou von dieser Ver�nderung ber�hrt. Waren Sie es nicht auch?�</p><p>Er sch�ttelte verwirrt den Kopf. �Ich dachte nicht �ber all dies nach. Ich wollte nur normal sein. Wie andere M�nner.�</p><p>�Ich denke, Ihre Instinkte waren in Ordnung. Sie sind nur nicht alles. Glauben Sie nicht, Sie k�nnten Ihre Instinkte und Ihren Intellekt einmal dazu bringen, zusammenzuarbeiten, anstatt gegeneinander?�</p><p>Er schnaubte. �Ich wei� nicht. Ich wei� nicht�� wie ich jetzt zu ihr durchkomme. Ich habe gesagt, da� es mir leid tut.�</p><p>�Es funktioniert nicht zwischen euch beiden, nicht wahr?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wissen Sie, was mich am meisten besch�ftigt hat, auf der Reise hierher?�, sagte Cordelia.</p><p>�Nein���</p><p>�Ich konnte nicht Adieu zu Aral sagen. Falls�� irgend etwas mir�� oder auch ihm�� zust��t, dann wird etwas zwischen uns h�ngen bleiben, unentwirrt. Und es wird keine M�glichkeit mehr geben, das richtigzustellen.�</p><p>�Mm.� Er kroch noch ein bi�chen mehr in sich hinein, wie er da in den Sessel gesunken dasa�.</p><p>Sie dachte ein bi�chen nach. �Was haben Sie versucht au�er �Es tut mir leid�? Was halten Sie von: �Wie geht es dir?�, �Ist alles in Ordnung?�, �Kann ich helfen?�, �Ich liebe dich�, das ist ein Klassiker. W�rter aus wenigen Silben. Meistens Fragen, wenn ich jetzt dar�ber nachdenke. Zeigt, da� man Interesse hat, ein Gespr�ch zu beginnen, nicht wahr?�</p><p>Er l�chelte traurig: �Ich glaube nicht, da� sie �berhaupt noch mit mir sprechen will.�</p><p>�Nehmen wir mal an�, sie lehnte ihren Kopf zur�ck und starrte ohne zu sehen den Korridor hinab, �nehmen wir mal an, die Dinge h�tten in jener Nacht nicht eine solche falsche Wendung genommen. Nehmen wir mal an, Sie w�ren nicht in Panik verfallen. Nehmen wir mal an, der Idiot Vorhalas h�tte Sie nicht mit seiner kleinen Horrorshow unterbrochen.� Da war ein Gedanke. Zu schmerzlich, dieses W�re-vielleicht-nicht-gewesen, �Kehren wir zum Start zur�ck. Da wart ihr, gl�cklich schmusend.� Aral hatte dieses Wort benutzt, �schmusen�. Es schmerzte auch zu sehr, gerade jetzt an Aral zu denken. �Ihr trennt euch als Freunde, Sie wachen am n�chsten Morgen auf mit�� hm�� Schmerzen von unerwiderter Liebe�� was geschieht dann als n�chstes, auf Barrayar?�</p><p>�Ein Vermittler.�</p><p>�So?�</p><p>�Ihre Eltern, oder meine, w�rden einen Vermittler engagieren. Und dann w�rde man, na ja, die Dinge arrangieren.�</p><p>�Und was tun Sie?�</p><p>Er hob die Schultern. �P�nktlich zur Hochzeit erscheinen und die Rechnung zahlen, nehme ich an. Tats�chlich zahlen die Eltern die Rechnung.�</p><p>Kein Wunder, da� der Mann in Verlegenheit war. �Wollten Sie eine Hochzeit? Nicht nur einfach v�geln?�</p><p>�Ja! Aber�� Mylady, ich bin nur ein halber Mann, an guten Tagen. Ihre Familie w�rde mich blo� anschauen und dann lachen.�</p><p>�Haben Sie je ihre Familie getroffen? Haben sie Sie getroffen?�</p><p>�Nein���</p><p>�Kou, h�ren Sie auf sich selbst?�</p><p>Er blickte ziemlich besch�mt drein. �Nun ja���</p><p>�Ein Vermittler. So, so.� Sie stand auf.</p><p>�Wohin gehen Sie?�, fragte er nerv�s.</p><p>�Vermitteln�, sagte sie bestimmt. Sie ging den Korridor hinab bis zu Lady Vorpatrils T�r und steckte den Kopf hinein. Droushnakovi sa� da und beobachtete die schlafende Frau. Zwei Biere und die Sandwiches befanden sich unber�hrt auf einem Tisch neben dem Bett.</p><p>Cordelia schl�pfte hinein und schlo� sanft die T�r. �Wissen Sie�, murmelte sie, �gute Soldaten lassen sich nie eine Chance f�r Essen oder Schlaf entgehen. Sie wissen nie, zu wieviel Dienst sie gerufen werden, bevor sie wieder eine Chance haben.�</p><p>�Ich bin nicht hungrig.� Auch Drou hatte einen nach innen gerichteten Blick, als w�re sie in einer Falle in sich selbst gefangen.</p><p>�Wollen Sie dar�ber sprechen?�</p><p>Drou machte ein unsicheres Gesicht und bewegte sich vom Bett weg zur einem kleinen Sofa in der anderen Ecke des Zimmers.</p><p>Cordelia setzte sich neben sie. �Heute nacht�, sagte Drou langsam, �war ich zum erstenmal in einem echten Kampf.�</p><p>�Sie haben es gut gemacht. Sie haben Ihre Stellung gefunden, Sie haben reagiert���</p><p>�Nein.� Droushnakovi machte eine bittere Geste in der Art eines Handschlags. �Das tat ich nicht.�</p><p>�So? Mir erschien es gut.�</p><p>�Ich bin um das Haus gerannt�� habe die beiden Sicherheitsleute bet�ubt, die an der Hintert�r warteten. Die haben mich gar nicht gesehen. Ich habe meine Stellung an der Hausecke eingenommen. Ich beobachtete diese M�nner, wie sie Lady Vorpatril auf der Stra�e qu�lten. Sie haben sie beschimpft und begafft und herumgesto�en und an ihr herumgefummelt�� es machte mich so zornig, ich nahm meinen Nervendisruptor. Ich wollte sie t�ten. Dann begann das Feuer. Und�� ich z�gerte! Und deshalb starb Lord Vorpatril. Mein Fehler���</p><p>�O je, M�dchen! Der Kerl, der Padma Vorpatril erscho�, war nicht der einzige, der auf ihn zielte. Padma war so voll von Penta und so verwirrt, da� er nicht einmal Deckung suchte. Sie m�ssen ihm eine doppelte Dosis gegeben haben, um ihn zu zwingen, da� er sie zu Alys zur�ckf�hrt. Er h�tte genauso leicht durch einen anderen Schu� sterben oder in unser eigenes Kreuzfeuer hineintappen k�nnen.�</p><p>�Sergeant Bothari hat nicht gez�gert�, sagte Droushnakovi ausdruckslos.</p><p>�Nein�, stimmte Cordelia zu.</p><p>�Sergeant Bothari verschwendet auch keine Energie mit�� Mitleid f�r den Feind.�</p><p>�Nein. Tun Sie das?�</p><p>�Mir wird �bel dabei.�</p><p>�Sie t�ten zwei v�llig fremde Menschen und erwarten, sich dann fr�hlich zu f�hlen?�</p><p>�Bothari tut es.�</p><p>�Ja, Bothari geno� es. Aber Bothari ist kein normaler Mann, nicht einmal nach barrayaranisehen Ma�st�ben. Trachten Sie danach, ein Monster zu sein?�</p><p>�Sie nennen ihn ein Monster!�</p><p>�O ja, aber er ist <emphasis>mein</emphasis> Monster. Mein guter Hund.� Sie hatte immer Schwierigkeiten, Bothari zu erkl�ren, manchmal sogar sich selber gegen�ber. Cordelia fragte sich, ob Droushnakovi den in der Geschichte der Erde wurzelnden Ursprung des Ausdrucks S�ndenbock kannte. Das Opfertier, das allj�hrlich in die Wildnis geschickt wurde, um die S�nden der Gemeinschaft davonzutragen�� Bothari war sicherlich ihr Lasttier, sie sah klar, was er f�r sie tat. Sie war sich weniger sicher, was sie f�r ihn tat, au�er da� er es verzweifelt wichtig zu finden schien. �Ich zum Beispiel bin froh, da� Sie betroffen sind. Zwei pathologische Killer in meinem Dienst�� das w�re zu viel. Bewahren Sie sich diesen Ekel, Drou.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich denke, da� ich vielleicht den falschen Beruf habe.�</p><p>�Vielleicht. Vielleicht nicht. Denken Sie daran, was f�r eine monstr�se Sache eine Armee aus lauter Botharis w�re. Jeder gewaltaus�bende Arm einer Gemeinschaft�� Milit�r, Polizei, Sicherheitsdienst�� braucht Leute f�r sich, die das notwendige �bel ausf�hren k�nnen, aber dadurch nicht �bel werden. Nur das Notwendige tun, und nicht mehr. Die Voraussetzungen immer in Frage stellen, das Abrutschen in Grausamkeiten stoppen.�</p><p>�Die Art und Weise, wie dieser Oberst vom Sicherheitsdienst den zotigen Korporal zurechtwies.�</p><p>�Ja. Oder wie der Leutnant den Oberst zur Rede stellte�� Ich w�nschte mir, wir h�tten ihn gerettet�, seufzte Cordelia.</p><p>Drou blickte finster in ihren Scho�.</p><p>�Kou dachte, Sie seien b�se auf ihn�, sagte Cordelia.</p><p>�Kou?� Droushnakovi schaute verwirrt auf. �Ach ja, er war gerade hier. Wollte er etwas?�</p><p>Cordelia l�chelte. �Das ist typisch Kou, sich vorzustellen, da� all Ihr Ungl�ck ihn zum Mittelpunkt hat.� Ihr L�cheln verschwand. �Ich werde ihn mit Lady Vorpatril wegschicken, er soll versuchen, sie und das Baby hinauszuschmuggeln. Wir werden getrennte Wege gehen, sobald sie laufen kann.�</p><p>In Drous Gesicht erschien Sorge. �Er wird in schrecklicher Gefahr sein. Vordarians Leute werden w�tend sein, da� sie sie und den jungen Lord heute nacht verloren haben.�</p><p>Ja, es gab noch einen Lord Vorpatril, der Vordarians genealogische Berechnungen st�ren k�nnte, nicht wahr. Ein verr�cktes System, das ein neugeborenes Kind als t�dliche Gefahr f�r einen erwachsenen Mann erscheinen lie�. �Es gibt f�r niemand Sicherheit, solange dieser �ble Krieg nicht beendet ist. Sagen Sie mir: Lieben Sie Kou noch? Ich wei�, Sie sind �ber Ihre anf�ngliche romantische Verliebtheit schon hinweg. Sie sehen seine Fehler. Er ist egozentrisch, hat einen Spleen mit seinen Verletzungen und macht sich schreckliche Sorgen �ber seine M�nnlichkeit. Aber er ist nicht dumm. Es gibt Hoffnung f�r ihn. Er hat ein interessantes Leben vor sich im Dienste des Regenten.� Vorausgesetzt, sie alle �berlebten die n�chsten achtundvierzig Stunden. Es war gut, in ihren Leuten ein leidenschaftliches Verlangen nach Leben zu wecken, dachte Cordelia.</p><p>�Wollen Sie ihn?�</p><p>�Ich bin�� nun an ihn gebunden. Ich wei� nicht, wie ich es erkl�ren soll�� ich gab ihm meine Jungfr�ulichkeit. Wer sonst w�rde mich wollen? Ich w�rde mich sch�men���</p><p>�Vergessen Sie das! Wenn wir dieses Unternehmen hinter uns bringen, dann werden Sie mit so viel Ruhm �berh�uft, da� die M�nner Schlange stehen werden, um Sie umwerben zu d�rfen. Sie werden die Wahl haben. In Arals Haus werden Sie die Chancen haben, die Besten zu treffen. Was wollen Sie? Einen General? Einen kaiserlichen Minister? Einen jungen Vor-Lord? Einen Botschafter auf einem anderen Planeten? Ihr einziges Problem wird die Wahl sein, da die barrayaranische Sitte knausrigerweise Ihnen nur einen Ehemann auf einmal erlaubt. Ein schwerf�lliger junger Leutnant hat nicht die geringste Chance, mit all diesen eleganten reifen Herren zu konkurrieren.�</p><p>Droushnakovi l�chelte ein bi�chen skeptisch �ber die Vision, die Cordelia da malte. �Wer sagt, da� Kou nicht eines Tages selber ein General sein wird?�, sagte sie sanft. Sie seufzte und zog die Stirn in Falten. �Ja, ich will ihn. Aber�� ich nehme an, ich habe Angst, da� er mich wieder verletzen wird.�</p><p>Cordelia dachte dar�ber nach. �Vielleicht. Aral und ich verletzen einander fortw�hrend.�</p><p>�O nein, nicht Sie beide, Mylady! Sie erscheinen so, so vollkommen.�</p><p>�Denken Sie mal nach, Drou. K�nnen Sie sich vorstellen, in welcher geistigen Verfassung Aral genau in dieser Minute ist, wegen meiner Taten? Ich kann es. Ich tue es.�</p><p>�Oh.�</p><p>�Aber Schmerz�� erscheint mir ein unzureichender Grund zu sein, das Leben nicht zu umarmen. Totsein ist ganz schmerzlos. Schmerz kommt wie die Zeit einfach so, trotz allem. Die Frage ist, welche glorreichen Augenblicke Sie dem Leben abgewinnen k�nnen, zus�tzlich zum Schmerz.�</p><p>�Ich wei� nicht sicher, ob ich dem folge, Mylady. Aber�� ich habe ein Bild, in meinem Kopf. Von mir und Kou, an einem Strand, ganz allein. Es ist so warm. Und wenn er mich anschaut, dann sieht er mich, sieht wirklich mich, und liebt mich��<emphasis>�</emphasis></p><p>Cordelia sch�rzte ihre Lippen. �Ja�� das gen�gt. Kommen Sie mit mir.�</p><p>Das M�dchen stand folgsam auf. Cordelia f�hrte sie zur�ck in den Korridor, plazierte mit sanfter Gewalt Kou am einen Ende des Sofas, setzte Drou ans andere und lie� sich zwischen beide plumpsen. �Drou, Kou hat Ihnen ein paar Dinge zu sagen. Da Sie beide anscheinend verschiedene Sprachen sprechen, hat er mich gebeten, seine Dolmetscherin zu sein.�</p><p>Kou machte eine verlegene, verneinende Geste �ber Cordelias Kopf hinweg.</p><p>�Dieses Handzeichen bedeutet: Ich w�rde lieber den Rest meines Lebens in die Luft jagen, als f�nf Minuten wie ein Narr aussehen. Ignorieren Sie�s�, sagte Cordelia. �Nun, la�t mich mal sehen. Wer beginnt?�</p><p>Es herrschte ein kurzes Schweigen. �Habe ich erw�hnt, da� ich auch die Rollen euer beider Eltern spiele? Ich denke, ich fange damit an, Kous Mama zu sein. Nun gut, Sohn, hast du schon irgendein nettes M�dchen getroffen? Du bist jetzt schon fast sechsundzwanzig, wei�t du. Ich habe jenes Vid gesehen�, f�gte sie in ihrer normalen Stimme hinzu, als Kou sich zusammenkrampfte.</p><p>�Ich habe ihren Stil, nicht wahr? Und ihr Wesen. Und Kou sagt: �Ja, Mama, da gibt es dieses gro�artige M�dchen. Jung, gro�, intelligent��� und Kous Mama sagt: �Hihi!� Und engagiert mich, eure freundliche Vermittlerin aus der Nachbarschaft. Und ich gehe zu Ihrem Vater, Drou, und sage: �Da gibt es diesen jungen Mann. Er ist kaiserlicher Leutnant, pers�nlicher Sekret�r des Lordregenten, Kriegsheld, vorgesehen f�r eine Karriere im Kaiserlichen Hauptquartier��� und er sagt: �Sie brauchen nichts weiter zu erz�hlen! Wir nehmen ihn. Hihi!� Und���</p><p>�Ich denke, er wird mehr zu sagen haben als nur das!�, unterbrach Kou.</p><p>Cordelia wendete sich Droushnakovi zu. �Was Kou gerade sagte, hei�t, er meint. Ihre Familie wird ihn nicht m�gen, weil er ein Kr�ppel ist.�</p><p>�Nein!�, sagte Drou ungehalten. �Das ist nicht so���</p><p>Cordelia hielt ihre Hand Einhalt gebietend hoch. �Als Ihre Vermittlerin, Kou, lassen Sie mich Ihnen sagen: Wenn die liebreizende einzige Tochter eines Mannes auf jemanden zeigt und mit Bestimmtheit sagt: Papa, <emphasis>den</emphasis> m�chte ich haben, dann antwortet ein kluger Vater nur: Jawohl, meine Liebe. Ich gebe zu, die drei gro�en Br�der m�gen schwerer zu �berzeugen sein. Bringen Sie das M�dchen zum Weinen, dann k�nnten Sie mal ein ernstes Problem in einem finsteren Seiteng��chen bekommen. Womit ich annehme, da� Sie sich noch nicht bei ihnen beschwert haben, Drou?�</p><p>Das M�dchen unterdr�ckte ein unwillk�rliches Kichern. �Nein!�</p><p>Kou blickte drein, als sei dies ein neuer und erschreckender Gedanke.</p><p>�Sehen Sie�, sagte Cordelia, �Sie k�nnen noch der br�derlichen Vergeltung entkommen, Kou, wenn Sie sich beeilen.� Sie wandte sich zu Drou: �Ich wei�, er war ein Flegel, aber ich verspreche Ihnen, er ist ein erziehbarer Flegel.�</p><p>�Ich <emphasis>habe gesagt,</emphasis> da� es mir leid tut�, sagte Kou, es klang pikiert.</p><p>Drou wurde starr, �Ja. Mehrfach�, sagte sie k�hl.</p><p>�Und <emphasis>hier </emphasis>kommen wir zum Kern der Geschichte�, sagte Cordelia langsam und ernst. �Was Kou wirklich meint, Drou, ist, da� es ihm nicht im geringsten leid tut. Der Augenblick war wundervoll, Sie waren wundervoll, und er m�chte es wieder tun. Und wieder und immer wieder, mit niemandem anderen als Ihnen, f�r immer, von der Gesellschaft gebilligt und ohne Unterla�. Ist das richtig so, Kou?�</p><p>Kou schaut ganz verbl�fft drein. �Nun gut�� ja!�</p><p>Drou blinzelte. �Aber�� das ist es doch! Ich hatte immer gehofft, da� du das irgendwann mal sagst!�</p><p>�Das war es?� Er lugte �ber Cordelias Kopf.</p><p><emphasis>Dieses System der Vermittler hat vielleicht echte Vorteile.</emphasis></p><p>Aber auch seine Grenzen. Cordelia stand zwischen ihnen beiden auf und blickte auf ihr Chrono. Ihr Humor verfl�chtigte sich. �Sie haben noch ein bi�chen Zeit. Sie k�nnen in dem bi�chen Zeit viel sagen, wenn Sie sich an W�rter mit wenigen Silben halten.�</p></section><section><title><p>KAPITEL 18</p></title><p>In der Stunde vor der Morgend�mmerung war es in den Gassen der Karawanserei nicht so pechrabenschwarz wie in der Nacht in den Bergen. Der neblige Nachthimmel reflektierte ein schwaches gelbliches Gl�hen von der Stadt ringsum. Die Gesichter ihrer Freunde waren grau und verschwommen, wie auf den allerfr�hesten der alten Photographien. Cordelia versuchte nicht zu denken: Wie die Gesichter von Toten.</p><p>Lady Vorpatril, gewaschen, ges�ttigt und ein paar Stunden ausgeruht, war zwar noch nicht allzu fest auf den Beinen, aber sie konnte alleine laufen.</p><p>Die Hausdame hatte ein paar �berraschend unauff�llige Kleider f�r sie beigesteuert, einen kn�chellangen grauen Rock und ein paar Pullover gegen die K�lte. Koudelka hatte alle seine Milit�rsachen gegen eine weite Hose, alte Schuhe und eine Jacke ausgetauscht, letztere war der Ersatz f�r die Jacke, die durch ihren geburtshilflichen Einsatz unbrauchbar geworden war. Er trug das Baby, Lord Ivan, das jetzt mit provisorischen Windeln ausgestattet und warm eingepackt war und so das Bild einer scheuen kleinen Familie abrundete, die versuchte, sich aus der Stadt davonzumachen zu den Eltern der Frau auf dem Lande, bevor die K�mpfe begannen. Cordelia hatte Hunderte von Fl�chtlingen genau wie sie vor�berziehen sehen, als sie nach Vorbarr Sultana unterwegs gewesen war.</p><p>Koudelka inspizierte seine kleine Gruppe und warf zuletzt einen kritischen Blick auf den Stockdegen in seiner Hand. Selbst wenn der nur als blo�er Gehstock gesehen wurde, dann sahen das Satinholz, die Stockzwinge aus poliertem Stahl und der mit Einlegearbeiten verzierte Griff nicht sehr nach Mittelklasse aus. Koudelka seufzte. �Drou, kannst du ihn irgendwie verstecken? Er ist h�llisch auff�llig bei dieser Verkleidung, und au�erdem mehr Hindernis als Hilfe, wenn ich versuche, dieses Baby zu tragen.�</p><p>Droushnakovi nickte, kniete nieder und wickelte den Stock in ein Hemd und stopfte ihn in den Ranzen. Cordelia erinnerte sich daran, was das letztemal geschehen war, als Kou diesen Stock in die Karawanserei gebracht hatte, und sie blickte nerv�s in die Schatten. �Wie wahrscheinlich ist es, da� wir um diese Zeit von jemandem �berfallen werden? Wir sehen sicherlich nicht reich aus.�</p><p>�Einige Leute w�rden Sie schon wegen Ihrer Kleider umbringen�, sagte Bothari d�ster, �wenn jetzt der Winter naht. Aber es ist sicherer als gew�hnlich. Vordarians Truppen haben dieses Viertel nach �Freiwilligen� durchk�mmt, die helfen sollen, diese Bombenunterst�nde in den Stadtparks zu graben.�</p><p>�Ich h�tte nie gedacht, da� ich einmal Sklavenarbeit guthei�en w�rde�, st�hnte Cordelia.</p><p>�Es sowieso Unsinn�, sagte Koudelka, �die Parks aufzurei�en. Selbst wenn diese Arbeiten fertiggestellt w�rden, k�nnten da nicht gen�gend Menschen Schutz finden. Aber es sieht eindrucksvoll aus, und es pr�gt Lord Vorkosigan als Bedrohung in das Bewu�tsein der Leute ein.�</p><p>�Au�erdem�, Bothari hob seine Jacke, um das silberne Schimmern seines Nervendisruptors zu zeigen, �diesmal habe ich die richtige Waffe dabei.�</p><p>Das war�s dann. Cordelia umarmte Alys Vorpatril, die diese Umarmung erwiderte und murmelte: �Gott helfe dir, Cordelia. Und Gott lasse Vidal Vordarian in der H�lle schmoren.�</p><p>�Gute Reise. Ich sehe dich dann wieder auf Basis Ta-nery nicht wahr?� Cordelia blickte auf Koudelka. �Lebendig, und, zum Teufel, mit unseren Feinden.�</p><p>�Wir werden ver� wir werden es schaffen, Mylady�, sagte Koudelka. Ernst salutierte er vor Droushnakovi.</p><p>Es war keine Ironie in dieser milit�rischen H�flichkeitsbezeugung, jedoch vielleicht ein letzter Hauch von Neid. Sie erwiderte seinen Gru� mit einem langsamen, verst�ndnisvollen Nicken. Keiner von beiden wollte den Augenblick durch weitere Worte st�ren. Die beiden Gruppen trennten sich in der feuchtkalten Finsternis. Drou beobachtete �ber ihre Schulter Koudelka und Lady Vorpatril, bis beide au�er Sicht waren, dann setzte sie sich in Bewegung.</p><p>Sie kamen von dunklen Gassen in beleuchtete Stra�en, von menschenleerer Dunkelheit zu gelegentlichen Gestalten anderer Menschen, die eilig ihren Gesch�ften an einem fr�hen Wintermorgen zustrebten. Jeder schien die Stra�en zu �berqueren, um jedem anderen aus dem Weg zu gehen, und Cordelia kam sich ein bi�chen weniger auff�llig vor. Sie erstarrte innerlich, als ein Bodenwagen der Stadtwache langsam an ihnen vorbeifuhr, aber er hielt nicht an.</p><p>Sie machten auf der anderen Stra�enseite eine Pause, um sicher zu sein, da� das Haus, dem sie zustrebten, schon f�r den Morgen ge�ffnet war. Es war ein vielst�ckiges Geb�ude in dem zweckm��igen Stil des Baubooms, der im Gefolge von Ezar Vorbarras Machtergreifung und der damit verbundenen Stabilit�t vor etwas mehr als drei�ig Jahren ausgebrochen war. Es war ein Gesch�ftsgeb�ude, keine Regierungseinrichtung, sie durchquerten die Lobby, betraten die Liftr�hre und fuhren ungehindert hinab.</p><p>Drou blickte wachsam �ber die Schulter, als sie das Subbasement erreichten. <emphasis>�Jetzt</emphasis> erscheinen wir fehl am Platze.� Bothari hielt Wache, als sie sich b�ckte und ein Schlo� zu einem Versorgungstunnel aufbrach. Der Gang wurde offensichtlich oft benutzt, da die Lichter anblieben. Cordelia spitzte ihre Ohren nach anderen Schritten als den ihren.</p><p>Ein Einstiegsdeckel war an den Boden geschraubt. Droushnakovi lockerte ihn schnell. �La�t euch h�ngen und fallen. Es ist nicht viel mehr als zwei Meter, Es wird wahrscheinlich na� sein.�</p><p>Cordelia glitt in den dunklen Kreis und landete mit einem Platschen. Sie schaltete ihr Handlicht an. Das Wasser reichte in dem Rohr aus Synthabeton bis zu den Kn�cheln ihrer Stiefel, glitschig, schwarz und schimmernd. Es war eiskalt. Bothari folgte. Drou kniete sich auf seine Schultern, um den Deckel wieder an seinen Platz zu r�cken und kam dann platschend neben Cordelia herab. �Dieser Abwasserkanal f�r Gewitterregen ist ungef�hr einen halben Kilometer lang. Kommt weiter!�, fl�sterte sie. So nah an ihrem Ziel mu�te Cordelia niemand zur Eile dr�ngen.</p><p>Nach dem halben Kilometer kletterten sie in eine dunkle �ffnung, hoch an der gew�lbten Wand, und kamen zu einem viel �lteren und kleineren Tunnel aus Backsteinen, die das Alter geschw�rzt hatte. Knie und R�cken gebeugt, schlurften sie dahin. Das mu�te f�r Bothari besonders schmerzvoll sein, �berlegte Cordelia. Drou wurde langsamer und begann mit der Stahlzwinge von Koudelkas Stock an das Tunneldach zu klopfen.</p><p>Als aus dem �Tick, tick� ein hohles �Tock, tock� wurde, hielt sie an.</p><p>�Hier. Es geht nach unten auf. Achtung!� Sie zog das Schwert aus der Scheide und schob die Klinge sorgf�ltig zwischen eine Reihe von glitschigen Ziegeln. Es gab ein Klicken und das mit falschen Ziegeln besetzte Paneel klappte nach unten und krachte fast auf ihren Kopf. Sie steckte das Schwert wieder in seine H�lle. �Hinauf!� Sie zog sich selber hindurch.</p><p>Sie folgten und fanden sich in einem weiteren Abwasserkanal, der noch enger war. Er f�hrte ziemlich steil nach oben. Sie gingen geduckt voran und streiften mit ihrer Kleidung an den Seitenw�nden. Drou erhob sich pl�tzlich und kletterte �ber einen Haufen zerbrochener Ziegel in einen dunklen, mit S�ulen versehenen Raum.</p><p>�Was ist das?�, fl�sterte Cordelia. �Zu gro� f�r einen Tunnel���</p><p>�Die alten St�lle�, fl�sterte Drou zur�ck. �Wir sind jetzt unter dem Boden der Residenz.�</p><p>�Das klingt f�r mich nicht so geheim. Sicherlich m�ssen sie auf alten Zeichnungen und Aufrissen erscheinen. Leute�� der Sicherheitsdienst�� m�ssen wissen, da� es das hier gibt.� Cordelia blickte in die d�steren, modrigen Nischen, vorbei an bleichen B�gen, die von ihren flackernden Handlichtern hervorgehoben wurden.</p><p>�Ja, aber das ist der Keller der <emphasis>alten</emphasis> alten St�lle. Nicht die von Dorca, sondern von Dorcas Gro�onkel. Er hielt �ber dreihundert Pferde. Die St�lle brannten von etwa zweihundert Jahren in einem spektakul�ren Feuer ab, und anstatt sie an dieser Stelle wieder aufzubauen, ebnete man sie ein und errichtete die <emphasis>neuen</emphasis> alten St�lle auf der Ostseite, auf der dem Wind abgekehrten Seite. Die wurden dann in Dorcas Tagen zu Bedienstetenwohnungen umgewandelt. Die meisten der Geiseln werden jetzt dort gefangen gehalten.� Drou schritt entschlossen voran, als befinde sie sich jetzt auf ihrem eigenen Territorium. �Wir sind jetzt im Norden des Hauptgeb�udes der Residenz, unter den von Ezar entworfenen G�rten.</p><p>Ezar fand anscheinend diesen alten Keller und richtete diesen Gang vor drei�ig Jahren mit Negri ein. Ein Schlupfloch, von dem selbst ihr eigener Sicherheitsdienst nichts wu�te. Das ist Vertrauen, was?�</p><p>�Danke, Ezar�, murmelte Cordelia sarkastisch.</p><p>�Sobald wir aus Ezars Geheimgang heraus sind, wird es wirklich riskant�, erkl�rte das M�dchen.</p><p>Ja, jetzt konnten sie noch aus der Sache aussteigen, ihren eigenen Spuren zur�ck folgen, und dann w�ren sie nicht kl�ger als zuvor. <emphasis>Warum haben diese Leute so unbek�mmert mir das Recht �bertragen, ihr Leben zu riskieren? Gott, ich hasse es, zu befehlen.</emphasis> Irgend etwas h�pfte in der Dunkelheit, und irgendwo tropfte Wasser.</p><p>�Hier�, sagte Droushnakovi und richtete ihr Licht auf einen Stapel Kisten, �Ezars Geheimlager. Kleider, Waffen, Geld�� Oberst Negri hatte mich gerade im letzten Jahr auch ein paar Frauen- und Kinderkleider dazugeben lassen, zur Zeit der Invasion in Escobar. Er war damals nerv�s wegen der Konflikte, die damit verbunden waren, aber die Unruhen kamen nicht bis hierher. Meine Kleider d�rften allerdings ein bi�chen gro� f�r Sie sein.�</p><p>Sie legten ihre schlammverschmierten Stra�enkleider ab. Droushnakovi holte saubere Kleider heraus, die f�r weibliche Bedienstete der Residenz taugten, deren Rang f�r die Uniformen des niederen Personals zu hoch war, sie selbst hatte sie bei genau diesem Dienst getragen. Bothari packte seine schwarze Arbeitsuniform wieder aus dem Ranzen, legte sie an und f�gte die korrekten Abzeichen des Kaiserlichen Sicherheitsdienstes hinzu.</p><p>Aus der Entfernung wirkte er wie ein echter Wachmann, obwohl er vielleicht etwas zu zerknittert war, um eine Inspektion aus der N�he zu bestehen. Wie Drou versprochen hatte, lag eine komplette Auswahl von Waffen voll geladen in versiegelten K�sten. Cordelia w�hlte einen frischen Bet�uber, ebenso Drou. Ihre Blicke begegneten sich. �Kein Z�gern diesmal, ja?�, murmelte Cordelia. Drou nickte grimmig. Bothari nahm von jeder Waffenart ein Exemplar, Bet�uber, Nervendisruptor und Plasmabogen. Cordelia hoffte, er w�rde nicht klappern, wenn er ging.</p><p>�Sie k�nnen das Ding aber nicht innerhalb des Geb�udes abfeuern�, protestierte Droushnakovi mit Blick auf den Plasmabogen.</p><p>�Man wei� nie�, sagte Bothari mit einem Achselzucken.</p><p>Nach einem Augenblick der �berlegung f�gte Cordelia den Stockdegen hinzu und befestigte seinen Griff an einer Schlaufe ihres G�rtels. Er war keine ernsthafte Waffe, aber es hatte sich als unerwartet n�tzliches Ger�t auf dieser Reise erwiesen. <emphasis>Ein Gl�cksbringer!</emphasis> Dann holte Cordelia aus den letzten Tiefen des Ranzens das, was sie f�r die m�chtigste Waffe von allen hielt.</p><p>�Ein Schuh?�, sagte Droushnakovi verst�ndnislos.</p><p>�Gregors Schuh. F�r den Fall, da� wir Kareen begegnen. Ich nehme an, da� sie den anderen noch hat.� Cordelia versteckte ihn tief in der inneren Tasche eines von Drous Boleros mit dem Wappen der Vorbarras, den sie �ber ihren Kleidern trug, um so das Bild einer Bediensteten der inneren Residenz zu vervollst�ndigen.</p><p>Als sie ihre Vorbereitungen so weit wie m�glich abgeschlossen hatten, f�hrte Drou sie wieder in die dunkle Enge. �Jetzt sind wir direkt unter der Residenz�, fl�sterte sie und wandte sich seitw�rts. �Wir steigen diese Leiter zwischen den W�nden hoch. Sie wurde erst sp�ter hinzugef�gt, und deshalb ist hier nicht viel Platz.�</p><p>Dies stellte sich als Untertreibung heraus. Cordelia holte Atem und kletterte hinter Drou her, flach eingeklemmt zwischen zwei W�nden, und bem�hte sich, nicht anzusto�en oder dagegenzubumsen. Die Leiter war nat�rlich aus Holz gemacht. In ihrem Kopf pochte es vor Ersch�pfung und Adrenalin. In Gedanken ma� sie die Breite des Schachtes. Mit dem Uterusreplikator diese Leiter wieder hinabzuklettern w�rde eine heikle Sache werden. Sie ermahnte sich selbst hartn�ckig, positiv zu denken, dann entschied sie, da� dies positiv war. <emphasis>Warum tue ich das? Ich k�nnte genau jetzt auf Basis Tannery bei Aral sein und es diesen Barrayaranern �berlassen, sich den ganzen Tag lang gegenseitig umzubringen, wenn ihnen das Vergn�gen bereitet</emphasis>��</p><p>�ber ihr trat Drou zur Seite auf eine Art kleinen Sims, ein blo�es Brett. Als Cordelia neben ihr heraufkam, machte sie eine Geste �Halt!� und l�schte ihr Handlicht aus. Drou ber�hrte einen lautlosen Schnappschlo�mechanismus, und ein Wandpaneel schwang vor ihnen nach au�en. Offensichtlich war alles bis zu Ezars Tod gut ge�lt gehalten worden.</p><p>Sie blickten hinaus in das Schlafzimmer des alten Kaisers. Sie hatten erwartet, da� es leer w�re. Drous Mund �ffnete sich in einem stimmlosen O der Best�rzung und des Schreckens.</p><p>Ezars riesiges altes geschnitztes Holzbett, dasselbe, in dem er�� um Gottes willen!�� <emphasis>gestorben</emphasis> war, war belegt. Ein abgeschirmtes Licht, zu einem gelben Gl�hen ged�mpft, warf Licht und Schatten �ber zwei nackte schlafende Gestalten. Selbst aus dieser perspektivisch verzerrten Sicht erkannte Cordelia sofort das Tellergesicht und den Schnurrbart von Vidal Vordarian. Er lag ausgebreitet �ber vier F�nfteln des Bettes, sein schwerer Arm lag besitzergreifend auf Prinzessin Kareen. Ihr schwarzes Haar flo� �ber das Kissen. Sie schlief zu einer kleinen, festen Kugel zusammengerollt in der oberen Ecke des Bettes, mit dem Gesicht nach au�en und den wei�en Armen vor der Brust zusammengezogen, und es sah fast so aus, als w�rde sie im n�chsten Augenblick aus dem Bett fallen.</p><p><emphasis>Nun gut, wir haben Kareen erreicht. Aber die Sache hat einen Haken.</emphasis></p><p>Cordelia zitterte in dem Impuls, Vordarian im Schlaf zu erschie�en. Aber die Energieentladung w�rde Alarm ausl�sen. Solange sie nicht Miles� Replikator in der Hand hatte, war sie nicht bereit, wegzulaufen. Sie bedeutete mit einer Bewegung Drou, die Geheimt�r wieder zu schlie�en und hauchte �Hinunter!� zu Bothari, der unter ihr wartete. Sie wiederholten ihre anstrengende Kletterei �ber vier Stockwerke in umgekehrter Richtung. Wieder im Tunnel drehte sich Cordelia um und blickte das M�dchen an, das still weinte.</p><p>�Sie hat sich an ihn verkauft�, fl�sterte Droushnakovi, und dabei zitterte ihre Stimme vor Kummer und Widerwillen.</p><p>�Wenn Sie mir erkl�ren, welche Machtbasis sie Ihrer Vorstellung nach hat, um diesem Mann gerade jetzt zu widerstehen, dann w�re ich interessiert, davon zu h�ren�, sagte Cordelia schroff. �Was erwarten Sie von ihr? Da� sie sich zum Fenster hinausst�rzt, um einem Schicksal zu entgehen, das angeblich schlimmer als der Tod ist? Sie hatte mit Serg ein Schicksal, das schlimmer war als der Tod, und ich glaube, so etwas weckt keine Emotionen mehr in ihr.�</p><p>�Aber wenn wir nur eher hierhergekommen w�ren, dann h�tte ich�� h�tten wir sie vielleicht noch gerettet.�</p><p>�Wir k�nnten es immer noch.�</p><p>�Aber sie hat sich an ihn verkauft.�</p><p>�L�gen Leute in ihrem Schlaf?�, fragte Cordelia. Auf Drous verwirrten Blick erkl�rte sie: �Sie sah f�r mich nicht wie eine Liebende aus. Sie lag da wie eine Gefangene. Ich habe versprochen, wir w�rden uns f�r sie einsetzen, und das werden wir auch.� <emphasis>Die Zeit!</emphasis> �Aber wir bem�hen uns zuerst um Miles. Versuchen wir den zweiten Ausgang.�</p><p>.�Wir werden durch mehr �berwachte Korridore gehen m�ssen�, warnte Droushnakovi.</p><p>�Das k�nnen wir nicht �ndern. Wenn wir warten, dann wird dieses Haus aufwachen und wir werden auf noch mehr Leute sto�en.�</p><p>�Sie kommen gerade jetzt zum Dienst in die K�chen�, seufzte Droushnakovi. �An manchen Tagen bin ich dort zu Kaffee und hei�en Pasteten eingekehrt.�</p><p>Aber leider konnte man ein Kommandounternehmen nicht f�r eine Fr�hst�ckspause unterbrechen. Das war es. Loslegen oder nicht loslegen? War es Mut oder Dummheit, was sie vorantrieb? Es konnte nicht Mut sein, ihr war �bel vor Furcht, der gleiche hei�e saure Ekel, wie sie ihn kurz vor den K�mpfen im Krieg um Escobar empfunden hatte. Die Vertrautheit mit dieser Empfindung half ihr nicht. <emphasis>Wenn ich nicht handle, wird mein Kind sterben.</emphasis> Sie mu�te einfach ohne Mut auskommen.</p><p>�Jetzt�, entschied Cordelia. �Es wird keine bessere Chance geben.�</p><p>Wieder die Leiter hinauf. Das zweite Paneel �ffnete sich im Privatb�ro des alten Kaisers. Zu Cordelias Erleichterung blieb es noch dunkel, unbenutzt und unber�hrt, seit es nach Ezars Tod im letzten Fr�hling aufger�umt und abgesperrt worden war. Das Schaltpult seiner Kommunikationskonsole mit all ihren Sicherheitsvorkehrungen, war abgeh�ngt, der Geheimnisse entleert, tot wie sein Besitzer. Die Fenster waren noch dunkel an diesem tr�gen Wintermorgen.</p><p>Kous Stock stie� gegen Cordelias Kn�chel, als sie durch den Raum schritt. Er sah seltsam aus: er war an ihrer Taille zu offensichtlich wie ein Schwert befestigt. Auf einer Kommode befand sich ein breites, altes Tablett mit einer flachen Keramikschale, typisch f�r die Nippsachen, die �berall in der Residenz herumstanden. Cordelia legte den Stock auf das Tablett und hob es feierlich hoch, nach Art einer Dienerin.</p><p>Droushnakovi nickte zustimmend. �Tragen Sie es auf halber H�he zwischen Ihrer Taille und Ihrer Brust�, fl�sterte sie, �und halten Sie Ihr R�ckgrat gerade, wie man es mir immer gesagt hat.�</p><p>Cordelia nickte. Sie schlossen die Wandt�felung, richteten sich auf und betraten den unteren Korridor des Nordfl�gels.</p><p>Zwei weibliche Bedienstete der Residenz und ein Sicherheitsmann. Auf den ersten Blick sahen sie in diesem Aufzug v�llig nat�rlich aus, sogar in diesen unruhigen Zeiten. Ein Korporal, der am Fu� der Kleinen Treppe am Westende des Korridors Wache stand, nahm Haltung an, als er Botharis Sicherheits- und Rangabzeichen sah, sie salutierten voreinander. Die drei entfernten sich schon aus seinem Gesichtskreis, die Treppenbiegung hinauf, als er noch einmal genauer hinschaute. Cordelia zwang sich, nicht panisch loszurennen. Ein subtiler Fall von Irref�hrung: die beiden Frauen konnten keine Bedrohung bedeuten, denn sie wurden ja schon bewacht.</p><p>Da� ihr W�chter eine Bedrohung darstellen k�nnte, mochte dem Korporal noch f�r Minuten entgehen.</p><p>Sie bogen in den oberen Korridor ein. Da. Hinter <emphasis>dieser</emphasis> T�r, bewahrte Vordarian nach den Berichten der Loyalisten den erbeuteten Replikator auf. Direkt unter seinen Augen. Vielleicht als einen menschlichen Schild: jede Bombe, die auf Vordarians Quartier geworfen wurde, m��te ebenso den winzigen Miles t�ten. Hielt der Barrayaraner ihr gesch�digtes Kind �berhaupt f�r einen Menschen?</p><p>Ein weiterer W�chter stand vor dieser T�r. Er betrachtete sie mi�trauisch, seine Hand ber�hrte seine Seitenwaffe. Cordelia und Droushnakovi gingen an ihm vorbei, ohne den Kopf zu wenden. Botharis milit�rischer Gru� ging flie�end in einen Schlag gegen das Kinn des Mannes �ber, und dessen Kopf knallte gegen die Wand. Bothari fing den W�chter auf, bevor er zu Boden fiel. Sie rissen die T�r auf und schleiften den Mann nach drinnen, Bothari nahm seinen Platz auf dem Korridor ein. Drou schlo� schweigend die T�r.</p><p>Cordelia b�ckte gehetzt in dem kleinen Raum umher und suchte nach automatischen Monitoren. Hier war fr�her vielleicht ein Schlafzimmer gewesen von der Art, wo die Leibdiener schliefen, um ihren Vor-Herren nahe zu sein, oder vielleicht eine ungew�hnlich gro�e Garderobe, es gab nicht einmal ein Fenster, von dem aus man in irgendeinen langweiligen Innenhof h�tte schauen k�nnen. Der tragbare Uterusreplikator stand auf einem tuchbedeckten Tisch genau in der Mitte des Raums. Seine Lichter gl�hten noch in beruhigendem Gr�n und Gelb. Noch kein alarmierendes Rot, das vor einer Fehlfunktion warnte. Als Cordelia das Ger�t sah, entrang sich ihr ein Seufzer, halb aus Qual, halb aus Erleichterung.</p><p>Droushnakovi blickte ungl�cklich in dem Raum umher.</p><p>�Was ist los, Drou?�, fl�sterte Cordelia.</p><p>�Zu einfach�, murmelte das M�dchen.</p><p>�Wir haben es noch nicht geschafft. Sagen Sie in einer Stunde �einfach�.� Sie leckte sich die Lippen, ersch�ttert durch geheime, unterbewu�te Zustimmung zu Droushnakovis Einsch�tzung. Aber man konnte es nicht �ndern. Den Replikator nehmen und abhauen.</p><p>Schnelligkeit, nicht Geheimhaltung, war jetzt ihre Hoffnung.</p><p>Sie setzte das Tablett auf dem Tisch ab, streckte die Hand nach dem Tragegriff des Replikators aus und hielt inne. Irgend etwas, irgend etwas stimmte nicht�� sie blickte n�her auf die Anzeigen. Der Monitor des Oxyge-nerators funktionierte �berhaupt nicht. Obwohl sein Indikatorlicht gr�n leuchtete, wurde der Stand der N�hrfl�ssigkeit mit 00.00 angezeigt.</p><p><emphasis>Leer.</emphasis></p><p>Cordelias Mund �ffnete sich zu einem lautlosen Schrei. Ihr Magen drehte sich um. Sie neigte sich noch n�her an das Ger�t und verschlang mit den Augen das ganze unlogische Durcheinander falscher Anzeigen. Der Alptraum, der sie verfolgt hatte, war pl�tzlich und schrecklich Wirklichkeit geworden�� hatten sie den Inhalt auf den Boden gesch�ttet, in einen Abwasserkanal, in eine Toilette? War Miles schnell gestorben, aus Mitleid erschlagen, mit dem Absatz zermalmt, oder hatten sie das winzige Kind, seiner Lebensunterst�tzung beraubt, sich in Schmerzen zu Tode zucken lassen, w�hrend sie zuschauten? Vielleicht hatten sie sich nicht einmal die M�he gemacht, zuzuschauen��</p><p><emphasis>Die Seriennummer. Schau auf die Seriennummer!</emphasis> Eine hoffnungslose Hoffnung, aber�� sie zwang ihren verschwimmenden Blick zur Sch�rfe, ihre sich �berschlagenden Gedanken zur Erinnerung. Sie hatte diese Nummer damals in Vaagens und Henris Labor nachdenklich befingert und dabei �ber dieses St�ck Technologie und die ferne Welt, auf der es geschaffen worden ward, nachgesonnen�� und diese Nummer hier stimmte nicht. Es war nicht derselbe Replikator, nicht der von Miles!</p><p>Einer der sechzehn anderen, als K�der f�r diese Falle benutzt.</p><p>Ihr sank das Herz. Wieviele andere Fallen waren gelegt? Sie sah sich verr�ckt von Replikator zu Replikator rennen, wie ein verzweifeltes Kind auf der Suche in einem grausamen Versteckspiel�� <emphasis>Ich werde gleich verr�ckt.</emphasis></p><p>Nein. Wo auch immer der echte Replikator sich befand, er war in der N�he von Vordarians Person. Dessen war sie sicher. Sie kniete neben dem Tisch nieder und st�tzte f�r einen Moment ihren Kopf auf, um die blutleeren schwarzen Blasen zur�ckzudr�ngen, die ihren Blick tr�bten und ihrem Geist das Bewu�tsein zu rauben drohten. Sie hob das Tuch hoch.</p><p><emphasis>Da!</emphasis> Ein Drucksensor. War dies Vordarians eigene schlaue Idee? Raffiniert und t�ckisch. Drou b�ckte sich auf ihren Wink hin.</p><p>�Eine Falle�, fl�sterte Cordelia. �Wenn man den Replikator hebt, dann wird der Alarm ausgel�st.�</p><p>�Wenn wir ihn lahmlegen���</p><p>�Nein, verschwenden Sie daran keinen Gedanken. Das ist nur ein K�der. Nicht der richtige Replikator. Der hier ist leer, und man hat an den Kontrollen herumgepfuscht, um den Eindruck zu erwecken, da� er in Betrieb w�re.� Cordelia versuchte trotz des Pochens in ihrem Sch�del klar zu denken. �Wir m�ssen den gleichen Weg zur�ckgehen. Wieder hinunter, und dann wieder hinauf. Ich hatte nicht erwartet, dort auf Vordarian zu sto�en. Aber ich garantiere, er wird wissen, wo Miles ist. Ein kleines altmodisches Verh�r. Wir werden gegen die Zeit arbeiten. Wenn der Alarm losgeht���</p><p>Schritte auf dem Korridor, dann folgten Rufe. Das zirpende Summen eines Schusses aus dem Bet�uber. Fluchen. Bothari kam r�ckw�rts durch die T�r. �Jetzt ist�s passiert. Sie haben uns entdeckt.�</p><p>Wenn <emphasis>der Alarm losgeht, dann ist alles vorbei,</emphasis> erg�nzten Cordelias Gedanken in einem Schwindelgef�hl des Verlustes. Kein Fenster, nur eine einzige T�r, und gerade hatten sie die Kontrolle �ber ihren einzigen Ausweg verloren. Vordarians Falle hatte schlie�lich doch funktioniert.</p><p><emphasis>Vidal Vordarian soll in der H�lle schmoren��</emphasis></p><p>Droushnakovi griff nach ihrem Bet�uber. �Wir werden Sie nicht ausliefern, Mylady. Wir werden bis zum Ende k�mpfen.�</p><p>�Unsinn�, versetzte Cordelia, �es gibt nichts, was unser Tod hier erkaufen w�rde, au�er dem Tod von ein paar mehr von Vordarians Schl�gern. Das ist sinnlos.�</p><p>�Sie meinen, wir sollten einfach aufgeben?�</p><p>�Der Ruhm des Selbstmords ist der Luxus der Unverantwortlichen. Wir geben nicht auf. Wir warten auf eine bessere Gelegenheit, um zu gewinnen. Die wir nicht wahrnehmen k�nnen, wenn wir bet�ubt oder von Nervenfeuer getroffen sind.� Nat�rlich, wenn dies der echte Replikator gewesen w�re, da auf dem Tisch�� sie war jetzt wahnsinnig genug, das Leben dieser Leute f�r das Leben ihres Sohnes zu opfern, �berlegte Cordelia reum�tig, aber noch nicht verr�ckt genug, sie gegen nichts zu tauschen. Sie war noch keine Barrayaranerin geworden.</p><p>�Sie geben sich Vordarian als Geisel in die Hand�, warnte Bothari.</p><p>�Vordarian h�lt mich als Geisel, seit dem Tag, wo er Miles genommen hat�, sagte Cordelia traurig. �Das �ndert nichts.�</p><p>Ein paar Minuten laut durch die T�r gef�hrter Verhandlungen vollendeten ihre Kapitulation, obwohl die Nerven der Sicherheitsleute aufs �u�erste gespannt waren. Sie warfen ihre Waffen hinaus. Die Wachen machten sicherheitshalber eine �berpr�fung mit dem Energiescanner, dann dr�ngten sich vier von ihnen in den kleinen Raum, um ihre neuen Gefangenen zu durchsuchen. Zwei weitere warteten zur Verst�rkung drau�en. Cordelia machte keine pl�tzlichen Bewegungen, um sie nicht zu verwirren. Einer der W�chter runzelte irritiert die Stirn, als der interessante Klumpen in Cordelias Weste sich als ein blo�er Kinderschuh herausstellte. Er legte ihn auf den Tisch neben das Tablett.</p><p>Der Kommandant, ein Mann in der kastanienbraungoldenen Livree der Vordarians, sprach in sein Kom-Link am Handgelenk. �Ja, wir sind hier sicher. Sagen Sie es Mylord. Nein, er hat gesagt, man solle ihn wecken. Wollen Sie erkl�ren, warum Sie es nicht getan haben? Danke.�</p><p>Die Wachen f�hrten sie nicht hinaus auf den Korridor, sondern warteten. Der noch bewu�tlose Mann, den Bothari niedergeschlagen hatte, wurde hinausgeschleift. Die Wachen stellten Cordelia mit zur Wand ausgestreckten Armen und gespreizten Beinen in eine Reihe mit Bothari und Droushnakovi. Sie war benommen vor lauter Verzweiflung. Aber Kareen w�rde irgendwann zu ihr kommen, selbst wenn Cordelia gefangen war. Mu�te zu ihr kommen. Alles, was sie brauchte, waren drei�ig Sekunden mit Kareen, vielleicht sogar weniger. <emphasis>Wenn ich Kareen begegne, bist du ein toter Mann, Vordarian. Du magst herumgehen und reden und Befehle geben und dir wochenlang deines Ablebens nicht bewu�t sein, aber ich werde dein Schicksal so sicher besiegeln, wie du das meines Sohnes besiegelt hast.</emphasis></p><p>Der Grund f�r das Warten erschien schlie�lich auf der Bildfl�che: Vordarian selbst, in gr�nen Uniformhosen und Hausschuhen und mit nackter Brust, bahnte sich seinen Weg durch die T�r. Hinter ihm folgte Prinzessin Kareen, die sich in einen dunkelroten Morgenmantel aus Samt geh�llt hatte. Cordelias Herz pochte doppelt so schnell, <emphasis>jetzt?</emphasis></p><p>�So, so. Die Falle hat funktioniert�, begann Vordarian selbstgef�llig, f�gte jedoch ein �Was?� echter �berraschung hinzu, als sich Cordelia von der Wand abstie� und sich umwandte, um ihn anzublicken. Ein Zeichen mit der Hand hielt einen der W�chter davon ab, sie wieder in ihre Stellung zur�ckzuschieben. Die �berraschung auf Vordarians Gesicht wich einem w�lfischen Grinsen. �Mein Gott, hat das aber funktioniert! Ausgezeichnet! � Kareen, die hinter ihm stand, blickte in Best�rzung und Staunen auf Cordelia.</p><p><emphasis>MEINE Falle hat funktioniert,</emphasis> dachte Cordelia, �berw�ltigt von ihrer Gelegenheit. <emphasis>Schau mich nur an��</emphasis></p><p>�Die Sache ist so, Mylord�, sagte der Livrierte keineswegs gl�cklich. �Es hat nicht funktioniert. Wir haben diese Gruppe nicht im Au�enbereich der Residenz aufgesp�rt und dann ihren Weg verfolgt, sondern sie tauchten verdammt noch mal hier auf�� ohne irgendeinen Alarm auszul�sen. Das h�tte nicht passieren d�rfen. Wenn ich nicht vorbeigekommen w�re, um nach Roget zu suchen, h�tten wir sie vielleicht nicht entdeckt.�</p><p>Vordarian zuckte die Achseln, viel zu erfreut von der Bedeutung seiner Beute, als da� er jetzt seine Zeit mit einem Tadel vertr�delt h�tte. �Behandeln Sie das P�ppchen da mit SchnellPenta�, er zeigte auf Droushnakovi, �und Sie werden meiner Meinung nach herausfinden, wie die hereinkamen. Sie hat im Sicherheitsdienst der Residenz gearbeitet.�</p><p>Droushnakovi warf �ber ihre Schulter einen finsteren Blick auf Prinzessin Kareen, gekr�nkt und anklagend, Kareen zog unbewu�t den Morgenmantel enger um ihren Hals, ihre dunklen Augen blickten ebenso gekr�nkt und fragend.</p><p>�Nun gut�, sagte Vordarian, immer noch Cordelia anl�chelnd, �hat Mylord Vorkosigan so wenig Truppen, da� er seine Frau schickt, um deren Arbeit zu tun? Wir k�nnen nicht verlieren.� Er l�chelte seinen Wachen zu, die das L�cheln erwiderten.</p><p><emphasis>Verdammt, ich w�nsche mir, ich h�tte diesen Flegel im Schlaf erschossen.</emphasis> �Was haben Sie mit meinem Sohn gemacht, Vordarian?�</p><p>Vordarian sagte durch seine Z�hne: �Ein Weibsst�ck von einem anderen Planeten wird nie die Macht auf Barrayar gewinnen, indem sie intrigiert, um einem Mutanten die Kaiserherrschaft zu geben. Das garantiere ich.�</p><p>�Ist das jetzt die offizielle Linie? Ich will keine Macht. Ich bin nur dagegen, da� Idioten die Macht �ber mich haben.�</p><p>Hinter Vordarian zuckte Kareen mit den Lippen, <emphasis>ja, h�ren Sie mir zu, Kareen!</emphasis></p><p>�Wo ist mein Sohn, Vordarian?�, wiederholte Cordelia hartn�ckig.</p><p>�Er ist jetzt Kaiser Vidal�, bemerkte Kareen, w�hrend ihr Blick zwischen den beiden hin- und herging, �wenn er sich halten kann.�</p><p>�Das werde ich�, versprach Vordarian. �Aral Vorkosigan hat keinen besseren Anspruch aufgrund seines Blutes als ich selbst. Und ich werde sch�tzen, wo Vorkosigans Partei versagt hat. Das echte Barrayar sch�tzen und bewahren.� Er drehte den Kopf, anscheinend war diese Erkl�rung �ber seine Schulter an Kareen gerichtet.</p><p>�Wir haben nicht versagt�, fl�sterte Cordelia und begegnete mit ihren Augen Kareens Blick. <emphasis>Jetzt.</emphasis> Sie hob den Schuh vom Tisch und streckte ihren Arm damit aus, Kareens Augen weiteten sich. Sie st�rzte vor und griff danach. Cordelias Hand krampfte sich zusammen wie die Hand eines sterbenden L�ufers, der den Stab in einem t�dlichen Staffellauf weitergab.</p><p>Wilde Gewi�heit loderte wie Feuer in ihrem Herzen auf. <emphasis>Jetzt habe ich dich, Vordarian.</emphasis> Die pl�tzliche Bewegung fand ein Echo in der �berraschung der Wachen. Kareen pr�fte den Schuh mit leidenschaftlicher Gr�ndlichkeit und drehte ihn in ihren H�nden hin und her. Vordarian hob verbl�fft seine Augenbrauen, dann zog er seine Aufmerksamkeit von Kareen ab und wandte sich an seinen livrierten Wachkommandanten.</p><p>�Wir werden diese Gefangenen alle drei hier in der Residenz festhalten. Ich werde pers�nlich an den Verh�ren mit SchnellPenta teilnehmen. Das ist eine spektakul�re Gelegenheit���</p><p>Kareens Gesicht war, als sie wieder zu Cordelia blickte, furchtbar vor Hoffnung. <emphasis>Ja, </emphasis>dachte Cordelia. Du wurdest betrogen. Belogen. Dein Sohn lebt, du mu�t dich wieder bewegen, denken und f�hlen, nichts mehr von der wandelnden Stumpfheit eines toten Geistes jenseits aller Schmerzen. Was ich dir gebracht habe, ist kein Geschenk. Es ist ein Fluch.</p><p>�Kareen�, sagte Cordelia sanft, �wo ist mein Sohn?�</p><p>�Der Replikator ist auf einem Bord in dem eichernen Wandschrank, im Schlafzimmer des alten Kaisers�, erwiderte Kareen ruhig und blickte Cordelia fest in die Augen. �Und wo ist mein Sohn?�</p><p>Cordelias Herz schmolz in Dankbarkeit f�r ihren Fluch, den lebendigen Schmerz. �Sicher und wohlauf, wie ich ihn das letztemal gesehen habe, solange dieser Thronr�uber�, sie machte mit ihrem Kopf einen Ruck in Richtung von Vordarian, �nicht herausfindet, wo. Du fehlst Gregor sehr. Er schickt dir liebe Gr��e.� Ihre Worte waren wie Dornen, die in Kareens Leib getrieben wurden.</p><p>Das weckte Vordarians Aufmerksamkeit. �Gregor ist auf dem Grund eines Sees, get�tet beim Absturz eines Fliegers mit dem Verr�ter Negri�, sagte er hart. �Die hinterh�ltigste L�ge ist die, die du zu h�ren w�nschst. Pa� auf dich auf, Mylady Kareen. Ich konnte ihn nicht retten, aber ich werde ihn r�chen. Das verspreche ich dir.�</p><p><emphasis>Ach nein, warte, Kareen.</emphasis> Cordelia bi� sich auf die Lippen. <emphasis>Nicht hier. Zu gef�hrlich. Warte auf deine beste Gelegenheit. Warte wenigstens, bis der Mistkerl schl�ft��</emphasis> aber wenn selbst eine Betanerin z�gerte, ihren Feind im Schlaf zu erschie�en, um wieviel weniger eine Vor? <emphasis>Sie ist eine echte Vor��</emphasis></p><p>Ein unfreundliches L�cheln kr�uselte Kareens Lippen. Ihre Augen leuchteten. �Dieser Schuh war nie unter Wasser�, sagte sie sanft.</p><p>Cordelia h�rte die m�rderischen Untert�ne wie eine Glocke l�uten, Vordarian h�rte anscheinend nur den Hauch eines m�dchenhaften Kummers. Er blickte auf den Schuh, ohne dessen Botschaft zu begreifen, und sch�ttelte den Kopf, als m��te er ihn von statischen St�rungen befreien. �Du wirst eines Tages einen anderen Sohn geb�ren�, versprach er ihr g�tig. �Unseren Sohn.�</p><p><emphasis>Warte, warte, warte, </emphasis>schrie Cordelia innerlich.</p><p>�Niemals�, fl�sterte Kareen. Sie trat zur�ck neben den W�chter am Eingang, schnappte seinen Nervendisruptor aus seinem offenen Halfter, zielte direkt auf Vordarian und feuerte.</p><p>Der verbl�ffte W�chter schlug ihre Hand nach oben, der Schu� ging weit daneben und prasselte in die Decke. Vordarian warf sich hinter dem Tisch, dem einzigen M�belst�ck in dem Raum, in Deckung und rollte zu Boden. Sein Livrierter griff in einer reinen Reflexbewegung nach seinem Nervendisruptor und feuerte. Kareens Gesichtsmuskeln verkrampften sich im Todeskampf, w�hrend das blaue Feuer ihren Kopf umflo�, ihr Mund �ffnete sich zu einem letzten lautlosen Schrei. <emphasis>Warte! </emphasis>schrie Cordelias Gedanke.</p><p>Vordarian, der aufs �u�erste erschrocken war, bellte: �Nein!�, rappelte sich auf und ri� einem anderen W�chter dessen Disruptor aus der Hand. Der Livrierte, der die Ungeheuerlichkeit seines Fehlers erkannte, warf seine Waffe weg, als wollte er sich von seiner Tat distanzieren. Vordarian erscho� ihn.</p><p>Cordelia war es, als kippte der ganze Raum um sie herum um. Ihre Hand umklammerte das Heft des Stockdegens und l�ste den Mechanismus aus, der die Scheide gegen den Kopf eines der W�chter fliegen lie�, dann lie� sie die Klinge hart auf das Gelenk von Vordarians Waffenhand niedersausen. Er schrie auf, Blut spritzte, und der Nervendisruptor flog zur Seite. Droushnakovi sprang schon nach dem ersten weggeworfenen Disruptor. Bothari erledigte sein Ziel mit nur einem t�dlichen Handkantenschlag in den Nacken. Cordelia dr�ngte sich nach vorn und schlug die T�r vor den Wachen im Korridor zu. Eine Ladung aus einem Bet�uber zischte in die W�nde, dann erledigten drei blaue Blitze, die Droushnakovi in rascher Folge abfeuerte, die letzten von Vordarians Leuten.</p><p>�Packen Sie ihn�, schrie Cordelia Bothari zu. Vordarian, der am ganzen Leib zitterte und mit seiner linken Hand sein halb durchtrenntes rechtes Handgelenk umklammert hielt, war in einer denkbar schlechten Verfassung f�r Widerstand, obwohl er um sich schlug und schrie. Sein Blut lief herab in der Farbe von Kareens Morgenmantel. Bothari umfa�te Vordarians Kopf mit einem festen Griff und pre�te ihm den Nervendisruptor an den Sch�del.</p><p>�Raus hier�, stie� Cordelia hervor und stie� die T�r wieder auf. �Zum Schlafzimmer des Kaisers.� <emphasis>Zu Miles! </emphasis>Vordarians andere W�chter, die bereit waren zu feuern, hielten sich beim Anblick ihres Herrn zur�ck.</p><p>�Haut ab!�, br�llte Bothari, und die Wachen zogen sich von der T�r zur�ck. Cordelia packte Droushnakovi am Arm und sie stiegen �ber Kareens K�rper. Ihre elfenbeinernen Glieder lagen �bereinander in dem roten Stoff, abstrakt sch�ne Formen selbst noch im Tod. Die Frauen hielten Bothari und Vordarian zwischen sich und Vordarians Leuten und zogen sich den Korridor hinab zur�ck.</p><p>�Ziehen Sie diesen Plasmabogen aus meinem Halfter und fangen Sie zu feuern an�, instruiertes Bothari Cordelia grimmig. Ja, Bothari war es gelungen, diese Waffe in dem Durcheinander wiederzufinden, vielleicht war deshalb die Zahl seiner Opfer nicht h�her.</p><p>�Sie k�nnen doch nicht die <emphasis>Residenz </emphasis>in Brand stecken�, keuchte Drou erschrocken.</p><p>Ein Verm�gen an Antiquit�ten und historischen barrayaranischen Kunstwerken war ohne Zweifel allein schon in diesem Fl�gel untergebracht. Cordelia grinste wild, packte die Waffe und feuerte zur�ck in den Korridor. Holzm�bel, Holzparkett und altersd�rre Tapisserien explodierten in einer Flammenh�lle, als die sengenden Finger des Plasmastrahls sie ber�hrten.</p><p><emphasis>Brenne nur. Brenne f�r Kareen. H�ufe ein Totenopfer auf, das ihrem Mut und ihrer Qual entspricht, lodere immer h�her und h�her empor��</emphasis> Als sie die T�r zum Schlafzimmer des alten Kaisers erreichten, feuerte sie sicherheitshalber auch noch in die andere Richtung des Korridors. DAS <emphasis>ist f�r das, was du mir angetan hast, und meinem Jungen��</emphasis> Die Flammen sollten die Verfolgung f�r ein paar Minuten aufhalten. Es kam ihr vor, als schwebte ihr K�rper, leicht wie Luft.</p><p><emphasis>Ist es das, was Bothari empfindet, wenn er t�tet?</emphasis></p><p>Droushnakovi ging zur der Wand, um die T�felung zur geheimen Leiter zu �ffnen. Sie funktionierte jetzt ganz ruhig, als geh�rten ihre H�nde zu einem anderen K�rper als ihr tr�nenverschmiertes Gesicht. Cordelia lie� das Schwert auf das Bett fallen und rannte direkt auf den riesigen alten geschnitzten eichernen Kleiderschrank zu, der an der vorderen Wand stand und ri� seine T�ren auf. Gr�ne und gelbe Lichter gl�hten in der d�steren Nische des mittleren Bords. <emphasis>Gott, la� nicht zu, da� das auch nur ein K�der ist��</emphasis> Cordelia schlang ihre Arme um den Kanister und hob ihn heraus ins Licht. Das richtige Gewicht, diesmal, schwer mit den N�hrl�sungen, die richtigen Anzeigen, die richtigen Nummern. Der richtige Replikator!</p><p><emphasis>Dank dir, Kareen. Ich hatte nicht vor, dich zu t�ten.</emphasis> Sicherlich war sie verr�ckt. Sie f�hlte gar nichts, keinen Kummer, kein Bedauern, obwohl ihr Herz jagte und ihr Atem keuchend ging. Eine heftige Kampfesstimmung, eine Art Euphorie, dieser unsterbliche Impuls, der Menschen gegen Maschinengewehre anst�rmen l��t. Das war es also, hinter was die Kriegss�chtigen her waren.</p><p>Vordarian str�ubte sich noch gegen Botharis Griff und fluchte entsetzlich. �Ihr werdet nicht entkommen!� Dann unterbrach er sein Bocken und suchte Cordelias Blick. Er holte tief Atem. �Bedenken Sie, Lady Vorkosigan. Sie werden es nie schaffen. Sie m�ssen mich als Schild haben, aber Sie k�nnen mich nicht tragen, wenn ich bet�ubt bin. Solange ich bei Bewu�tsein bin, werde ich jeden Meter des Weges gegen euch k�mpfen. Meine M�nner werden �berall um euch herum sein, dort drau�en.� Sein Kopf ruckte in Richtung auf das Fenster. �Sie werden uns alle bet�uben und euch als Gefangene nehmen.�</p><p>Seine Stimme nahm den Ton des �berredens an. �Ergebt euch jetzt, und ich werde euer Leben retten. Auch dessen Leben, wenn es Ihnen so viel bedeutet�, er nickte dem Replikator zu, den Cordelia in ihren Armen hielt. Ihre Schritte waren jetzt schwerer als die von Alys Vorpatril.</p><p>�Ich gab nie diesem Narren Vorhalas Befehle, Vorkosigans Erben zu t�ten�, fuhr Vordarian verzweifelt in ihr Schweigen hinein fort. Blut tr�pfelte st�ndig von seinen Fingern. �Es ging nur um seinen Vater mit seiner fatalen progressiven Politik, die Barrayar bedrohte. Ihr Sohn h�tte mit meiner Zustimmung die Grafschaft von Piotr erben k�nnen. Piotr h�tte nie von der Partei seiner wahren Loyalit�t getrennt werden sollen. Es ist ein Verbrechen, was Lord Aral Piotr zugef�gt hat!�</p><p>So. <emphasis>Du warst es also. Sogar ganz am Beginn.</emphasis> Blutverlust und Schock machten aus Vordarians �blicher gewandter Darlegung politischer Argumente eine alberne Parodie. Es war, als empfinde er, er k�nnte sich auf seine Weise aus der Vergeltung herausreden, wenn er nur die richtigen Stichw�rter traf. Irgendwie bezweifelte Cordelia aber, da� er sie treffen w�rde. Vordarian war nicht auf pomp�se Weise b�se, wie Vorrutyer es gewesen war, nicht pers�nlich pervertiert wie Serg, doch nichtsdestoweniger war von ihm B�ses ausgegangen, nicht von seinen Lastern, sondern von seinen Tugenden: dem Mut seiner konservativen �berzeugungen, seiner Leidenschaft f�r Kareen. Cordelias Kopf tat scheu�lich weh.</p><p>�Wir haben nie bewiesen, da� Sie hinter Evon Vorhalas steckten�, sagte sie ruhig. �Danke f�r die Information.�</p><p>Das lie� ihn f�r einen Moment verstummen. Seine Augen wanderten unruhig zu der T�r, die bald nach innen bersten w�rde, entz�ndet von dem Inferno dahinter.</p><p>�Wenn ich tot bin, bin ich f�r Sie nicht mehr n�tzlich als Geisel�, sagte er und straffte sich w�rdevoll.</p><p>�Sie sind f�r mich �berhaupt nicht mehr n�tzlich, Kaiser Vidal�, sagte Cordelia offen. �Bis jetzt hat es in diesem Krieg mindestens f�nftausend Tote gegeben. Jetzt, da Kareen tot ist�� wie lange wollen Sie noch weiterk�mpfen?�</p><p>�Immer weiter�, knurrte er bleich. �Ich werde Kareen r�chen�� werde sie alle r�chen���</p><p><emphasis>Die falsche Antwort,</emphasis> dachte Cordelia mit einer seltsam euphorischen Traurigkeit. �Bothari!� Er war sofort an ihrer Seite. �Heben Sie das Schwert auf!� Er tat es. Sie setzte den Replikator auf dem Boden ab und legte ihre Hand kurz auf seine, die das Heft des Schwertes umschlossen hielt. �Bothari, richten Sie diesen Mann f�r mich hin, bitte.� Der Ton ihrer Stimme klang in ihren eigenen Ohren auf unheimliche Weise heiter und gelassen, als h�tte sie gerade Bothari gebeten, ihr die Butter zu reichen. Mord brauchte wirklich keine Hysterie.</p><p>�Jawohl, Mylady�, erwiderte Bothari und hob die Klinge. Seine Augen funkelten freudig.</p><p>�Was?�, kreischte Vordarian �berrascht. �Sie sind eine Betanerin! Sie k�nnen das nicht���</p><p>Der blitzende Schwertschlag schnitt seine Worte, seinen Kopf und sein Leben ab. Es war wirklich au�erordentlich glatt und sauber gegangen, trotz der letzten Blutspritzer aus seinem Halsstumpf. Vorkosigan h�tte Botharis Dienste an dem Tag in Anspruch nehmen sollen, als sie Carl Vorhalas hinrichteten. Diese ganze Kraft des Oberk�rpers, verbunden mit diesem au�erordentlichen Stahl�� sie schreckte aus diesen Wendungen ihrer Gedanken wieder in die Realit�t, als Bothari neben Vordarians Leichnam auf die Knie fiel, das Schwert fallen lie� und sich an den Kopf fa�te. Er schrie. Es war, als k�me Vordarians Todesschrei aus Botharis Mund.</p><p>Sie lie� sich neben ihm nieder und hatte pl�tzlich wieder Angst, obwohl sie unempfindlich gegen�ber Furcht gewesen war, seit Kareen nach dem Nervendisruptor gegriffen und dieses ganze Chaos ausgel�st hatte. Von �hnlichen Stimuli erregt, hatte Bothari die verbotene R�ckerinnerung, vermutete Cordelia, an jene aufr�hrerischen Enthauptungen, �ber die das barrayaranische Oberkommando entschieden hatte, da� er sie vergessen m��te. Sie verw�nschte sich selbst daf�r, da� sie diese M�glichkeit nicht vorhergesehen hatte. W�rde ihn das umbringen?</p><p>�Diese T�r ist schon h�llisch hei߫, berichtete Droushnakovi, die bleich und zitternd neben dem Eingang stand. �Mylady, wir m�ssen von hier <emphasis>jetzt</emphasis> verschwinden.�</p><p>Bothari keuchte heftig und pre�te noch seine H�nde gegen seinen Kopf, aber noch w�hrend sie ihn beobachtete, wurde sein Atem etwas ruhiger. Sie verlie� ihn und kroch blind auf dem Boden umher. Sie brauchte etwas, etwas Wasserfestes�� Da, am Boden des Kleiderschranks, lag ein robuster Plastikbeutel, der einige Paare von Kareens Schuhen enthielt, die zweifellos hastig von einer Dienerin hierhergebracht worden waren, als Vordarian angeordnet hatte, da� Kareen in seine Gem�cher ziehen sollte.</p><p>Cordelia leerte die Schuhe aus, stolperte zur�ck um das Bett herum und hob Vordarians Kopf von der Stelle auf, wo er hingerollt war. Er war schwer, aber nicht so schwer wie der Uterusreplikator. Sie zog die Verschlu�schn�re fest zu.</p><p>�Drou. Sie sind in der besten Verfassung. Tragen Sie den Replikator. Beginnen Sie mit dem Abstieg. Lassen Sie ihn nicht fallen.� Wenn sie selbst Vordarian fallen lie�e, sagte sich Cordelia, so w�rde ihm das kaum noch Schaden zuf�gen.</p><p>Droushnakovi nickte und nahm sowohl den Replikator wie das weggeworfene Schwert auf. Cordelia war sich nicht sicher, ob Drou das Schwert wegen seines neu erworbenen historischen Wertes aufhob oder aus einem Gef�hl der Verpflichtung f�r eines von Kous Besitzt�mern.</p><p>Cordelia redete Bothari zu, er solle aufstehen. K�hle Luft kam aus der �ffnung in der Wandt�felung heraufgestr�mt, angezogen von dem Feuer auf der anderen Seite der T�r. Das w�rde eine sch�ne Feueresse geben, bis die brennende Wand einst�rzen und den Eingang blockieren w�rde.</p><p>Vordarians Leute w�rden viel zu r�tseln haben, wenn sie die Asche durchsuchten und sich fragten, wohin die Gesuchten verschwunden w�ren.</p><p>Der Abstieg war alptraumhaft in dem engen Zwischenraum, wobei Bothari zu ihren F��en wimmerte. Sie konnte den Beutel weder neben sich noch vor sich tragen, so mu�te sie ihn auf einer Schulter balancieren und einh�ndig gehen, wobei ihre Handfl�che auf die Sprossen herabklatschte und ihr Handgelenk schmerzte.</p><p>Als sie ebenen Boden erreicht hatten, trieb sie den weinenden Bothari r�cksichtslos voran und erlaubte ihm nicht stehenzubleiben, bis sie wieder zu Ezars Geheimversteck im Keller der alten St�lle kamen.</p><p>�Ist er in Ordnung?�, fragte Droushnakovi nerv�s, als Bothari sich hinsetzte und den Kopf zwischen seine Knie steckte.</p><p>�Er hat Kopfschmerzen�, sagte Cordelia. �Es kann eine Zeit dauern, bis die vorbei sind.�</p><p>Droushnakovi fragte noch zaghafter: �Sind <emphasis>Sie</emphasis> in Ordnung, Mylady?�</p><p>Cordelia konnte nichts dagegen tun, sie mu�te lachen. Sie w�rgte die Hysterie hinunter, als Drou wirklich erschrocken dreinzublicken begann.</p><p>�Nein.�</p></section><section><title><p>KAPITEL 19</p></title><p>Ezars Geheimversteck enthielt einen Kasten mit Geld, barrayaranische Mark in Banknoten zu unterschiedlichen Nennwerten. Es enthielt auch eine Auswahl von Ausweisen, die auf Drou abgestimmt waren, und einige davon waren noch g�ltig. Cordelia brachte beides, Geld und Ausweise, zusammen und schickte Drou hinaus, einen gebrauchten Bodenwagen zu kaufen. Sie selbst wartete neben dem Versteck, w�hrend sich Bothari langsam aus seiner zusammengerollten Embryohaltung des Schmerzes l�ste und sich gen�gend erholte, um laufen zu k�nnen.</p><p>Aus Vorbarr Sultana wieder herauszukommen war immer der schwache Teil ihres Plans gewesen, fand Cordelia, vielleicht weil sie nie wirklich geglaubt hatte, da� sie so weit kommen w�rden. Reisen war streng eingeschr�nkt, da Vordarian verhindern wollte, da� die Stadt unter ihm zusammenbrach, falls ihre ge�ngstigte Bev�lkerung wegstr�men sollte.</p><p>F�r den Monorail brauchte man P�sse, und au�erdem wurden dort Kontrollen durchgef�hrt. Leichtflieger waren absolut verboten, willkommene Ziele f�r schie�w�tige Wachen. Bodenwagen mu�ten immer wieder Stra�ensperren passieren. Eine Reise zu Fu� war zu langsam f�r ihre beladene und ersch�pfte Gruppe. Es gab keine wirklich gute Wahl.</p><p>Nach einer Ewigkeit kam Drou zur�ck, ganz bleich im Gesicht, und f�hrte sie hinaus durch die Tunnels in eine verborgene Seitenstra�e. Die Stadt war von ru�igem Schnee �berst�ubt. Aus der Richtung der Residenz, einen Kilometer entfernt, stieg eine dunklere Wolke auf und vermischte sich mit dem wintergrauen Himmel, das Feuer war anscheinend noch nicht unter Kontrolle. Wie lang w�rde Vordarians kopflose Kommandostruktur noch funktionieren? War das Ger�cht von seinem Tod schon nach drau�en gedrungen?</p><p>Wie sie instruiert worden war, hatte Drou einen sehr einfachen und unauff�lligen Bodenwagen ausgesucht, obwohl sie genug Mittel hatten, um das luxuri�seste neue Fahrzeug zu kaufen, das es in der Stadt noch gab. Cordelia wollte diese Geldreserve f�r die Kontrollpunkte aufheben.</p><p>Aber diese Kontrollpunkte waren nicht so schlimm, wie Cordelia gef�rchtet hatte. Tats�chlich war der erste unbesetzt, seine Wachmannschaft war abgezogen worden, vielleicht um das Feuer zu bek�mpfen oder die Umgebung der Residenz abzuriegeln. Am zweiten wartete eine Menge Fahrzeuge mit ungeduldigen Fahrern. Die Kontrolleure arbeiteten nur oberfl�chlich, sie waren nerv�s, abgelenkt und halb zerm�rbt von wei� Gott was f�r Ger�chten, die aus der Innenstadt kamen. Ein dickes B�ndel Geld, �berreicht zusammen mit Drous perfekt gef�lschtem Ausweis, verschwand in die Tasche eines W�chters. Er winkte Drou durch, die angeblich ihren �kranken Onkel� heimfuhr.</p><p>Bothari sah gewi� krank genug aus, zusammengekauert unter einer Decke, die auch den Replikator verbarg. Am letzten Kontrollpunkt �wiederholte� Drou eine wahrscheinliche Version eines Ger�chts von Vordarians Tod, und der beunruhigte W�chter desertierte auf der Stelle, warf seine Uniform zugunsten eines zivilen Mantels ab und verschwand in einer Seitenstra�e.</p><p>Sie fuhren den ganzen Nachmittag im Zickzack �ber schlechte Seitenstra�en, um Vorinnis� neutralen Distrikt zu erreichen, wo der altersschwache Bodenwagen nach einem Bruch der Kraft�bertragung den Geist aufgab. Sie verlie�en ihn und wechselten jetzt zum Monorail-System �ber, wobei Cordelia ihre ersch�pfte kleine Gruppe vorantrieb, im Wettlauf mit der Uhr in ihrem Kopf.</p><p>Um Mitternacht meldeten sie sich bei der ersten milit�rischen Einrichtung hinter der n�chsten loyalistischen Grenze, einem Nachschubdepot. Drou mu�te sich einige Minuten mit dem Nachdienstoffizier herumstreiten, bis sie ihn �berreden konnte, 1. die Gruppe zu identifizieren, 2, sie hereinzulassen und 3. sie das milit�rische Kommunikationsnetz benutzen zu lassen, um in Basis Tanery anzurufen und ein Transportmittel anzufordern. An diesem Punkt wurde der Offizier vom Dienst erheblich effizienter. Ein Hochgeschwindig-keitsshuttle mit einem frischen Piloten wurde eilends losgeschickt, um sie abzuholen.</p><p>Als sie sich Basis Tanery im Morgengrauen aus der Luft n�herten, erlebte Cordelia ein au�erordentlich unangenehmes <emphasis>deja vu.</emphasis> Es glich alles so ihrer ersten Ankunft aus den Bergen, da� sie das Gef�hl hatte, in einer Zeitschleife gefangen zu sein. Vielleicht war sie gestorben und in die H�lle gekommen, und ihre ewige Qual w�rde darin bestehen, die Ereignisse der letzten drei Wochen immer wieder und wieder ohne Ende wiederholen zu m�ssen. Sie zitterte.</p><p>Droushnakovi beobachtete sie besorgt. Der ersch�pfte Bothari schlummerte in der Passagierkabine des Shuttle. Illyans zwei M�nner vom Sicherheitsdienst, die nach Cordelias Eindruck wie Zwillinge der M�nner Vordarians aussahen, die sie in der Residenz get�tet hatten, bewahrten nerv�ses Schweigen. Cordelia hielt den Uterusreplikator besitzergreifend auf ihrem Scho�. Der Plastikbeutel befand sich zwischen ihren F��en. Sie war auf irrationale Weise unf�hig, eines dieser beiden Objekte aus ihrer Sicht wegzugeben, obwohl es klar war, da� es Drou vorgezogen h�tte, wenn der Beutel im Gep�ckbereich bef�rdert worden w�re.</p><p>Die Luftf�hre kam elegant auf ihrer Landezone nieder, ihre Motoren heulten noch einmal auf und schwiegen dann.</p><p>�Ich m�chte Hauptmann Vaagen sehen, und ich m�chte ihn <emphasis>sofort</emphasis> sehen�, wiederholte Cordelia zum f�nftenmal, als Illyans M�nner sie unterirdisch in den Meldebereich des Sicherheitsdienstes f�hrten.</p><p>�Jawohl, Mylady. Er ist schon unterwegs�, versicherte ihr der Sicherheitsoffizier erneut. Sie warf ihm einen finsteren, mi�trauischen Blick zu.</p><p>Vorsichtig nahmen die Sicherheitsleute ihnen ihr pers�nliches Waffenarsenal ab. Cordelia konnte sie daf�r nicht tadeln, sie h�tte ihrer wild aussehenden Mannschaft auch keine geladenen Waffen anvertraut.</p><p>Dank Ezars Geheimversteck waren die Frauen nicht schlecht gekleidet, allerdings war da nichts in Botharis Gr��e gewesen, und deshalb hatte er seine verr�ucherte und stinkende schwarze Arbeitsuniform angelassen. Gl�cklicherweise fielen die getrockneten Blutspritzer nicht sonderlich auf.</p><p>Aber ihrer aller Gesichter waren hohl�ugig, von Falten durchzogen und �berschattet. Cordelia zitterte, Botharis H�nde und Augenlider zuckten, und Droushnakovi hatte die beunruhigende Neigung, pl�tzlich und unvermittelt anzufangen, leise zu weinen, und dann ebenso pl�tzlich aufzuh�ren, wie sie begonnen hatte.</p><p>Endlich�� es waren nur Minuten, sagte Cordelia sich selbst entschlossen�� erschien Hauptmann Vaagen, mit einem Medizintechniker an seiner Seite. Er trug die gr�ne Interimsuniform und seine Schritte waren schnell, wieder die alte VaagenGeschwindigkeit. Das einzige �berbleibsel seiner Verletzungen schien die schwarze Augenklappe zu sein: sie sah an ihm gut aus und gab ihm das elegante Aussehen eines Piraten. Cordelia hoffte, da� die Klappe nur der vor�bergehende Teil einer sich noch hinziehenden Behandlung war.</p><p>�Mylady!� Er brachte ein L�cheln zustande, das erste, das seit langer Zeit diese Gesichtsmuskeln verzogen hatte, empfand Cordelia. Sein eines Auge funkelte triumphierend. �Sie haben ihn!�</p><p>�Ich hoffe, Hauptmann.� Sie hielt den Replikator hoch, den zu ber�hren sie den Sicherheitsleuten verwehrt hatte. �Ich hoffe, wir sind noch rechtzeitig angekommen, Es leuchten noch keine roten Lichter auf, aber es gab schon ein warnendes Piepsen. Ich habe es abgeschaltet, es h�tte mich verr�ckt gemacht.�</p><p>Er untersuchte den Deckel des Ger�ts und �berpr�fte die wichtigsten Anzeigen. �Gut, gut. Der Vorrat an N�hrl�sungen ist sehr niedrig, aber noch nicht leer. Die Filter funktionieren noch, der Harns�urepegel ist hoch, aber noch nicht �ber dem Toleranzwert�� ich denke, es ist alles in Ordnung, Mylady. Das hei�t, am Leben. Was diese Unterbrechung f�r Auswirkungen auf meine Kalzifikationsbehandlung hatte, das zu bestimmen wird mehr Zeit erfordern. Wir werden im Lazarett sein. Ich d�rfte innerhalb einer Stunde mit der Wartung beginnen k�nnen.�</p><p>�Haben Sie hier alles, was Sie brauchen? Vorr�te?�</p><p>Seine wei�en Zahne blitzten. �Lord Vorkosigan lie� mich einen Tag, nachdem Sie weggegangen waren, mit der Einrichtung eines Labors beginnen. F�r alle F�lle, sagte er.�</p><p><emphasis>Aral, ich liebe dich.</emphasis> �Danke sehr. Los, los!� Sie �bergab den Replikator in Vaagens H�nde, und er eilte damit hinaus.</p><p>Sie setzte sich wieder hin, wie eine Marionette, bei der die F�den abgeschnitten worden waren. Nun konnte sie es sich erlauben, die volle Last ihrer Ersch�pfung zu sp�ren. Aber sie konnte noch nicht ganz innehalten. Sie mu�te noch eine sehr wichtige Information loswerden. Aber nicht an diese Trottel vom Sicherheitsdienst, die sie plagten�� sie schlo� die Augen und ignorierte sie demonstrativ und �berlie� es Drou, Antworten auf ihre t�richten Fragen hervorzustammeln.</p><p>Verlangen lag im Kampf mit Furcht. Sie wollte Aral haben. Sie hatte Aral ganz offen herausgefordert. Hatte das seine Ehre ber�hrt, sein�� zugegebenerma�en ungew�hnlich flexibles�� barrayaranisches m�nnliches Ego �ber das Ertr�gliche hinaus verletzt? W�rde sie f�r immer aus seinem Vertrauen ausgeschlossen sein? Nein, dieser Verdacht war sicher ungerecht. Aber seine �ffentliche Glaubw�rdigkeit unter seinesgleichen, Teil der heiklen Psychologie der Macht�� hatte sie die besch�digt? W�rden irgendwelche verdammten unvorhergesehenen politischen Konsequenzen aus all dem entstehen? Sorgte sie sich darum?</p><p>Ja, entschied sie traurig. Es war h�llisch, so m�de zu sein und sich doch Sorgen zu machen.</p><p>�Kou!�</p><p>Drous Ruf lie� Cordelia die Augen wieder aufrei�en. Koudelka hinkte in das Meldeb�ro des Sicherheitsdienstes am Haupteingang. Guter Gott, der Mann war wieder in Uniform, rasiert und ordentlich. Nur die grauen Ringe unter seinen Augen entsprachen nicht der Vorschrift.</p><p>Kous und Drous Wiederbegegnung war, Cordelia stellte es mit Vergn�gen fest, nicht im geringsten milit�risch. Der Stabsoffizier war sofort von langem, schmuddeligem blondem Haar umh�llt, und sie tauschten ged�mpfte unvorschriftsm��ige Gr��e aus wie <emphasis>Liebling, Liebste, Gott sei Dank, sicher, s�ߠ� </emphasis>Die Sicherheitsleute wendeten sich irritiert von dem Ausbruch nackter Emotionen ab, die von den beiden Gesichtern ausstrahlten. Cordelia geno� die Szene. Eine viel vern�nftigere Art, einen Freund zu begr��en, als all das idiotische Salutieren.</p><p>Sie lie�en nur voneinander ab, um sich gegenseitig noch besser sehen zu k�nnen, und hielten dabei immer noch die H�nde. �Du hast es geschafft�, gluckste Droushnakovi. �Wie lang bist du�� ist Lady Vorpatril��?�</p><p>�Wir sind nur etwa zwei Stunden vor euch eingetroffen�, sagte Kou atemlos und holte Luft nach einem heroischen Ku�. �Lady Vorpatril und der junge Lord liegen im Lazarett. Der Doktor sagt, sie leidet vor allem an Stress und Ersch�pfung. Sie war unglaublich. Wir hatten ein paar schlimme Momente als wir an Vordarians Sicherheitsleuten vorbeikamen.Aber sie ist nicht zusammengebrochen. Und du�� Du hast es geschafft! Ich bin an Vaagen auf dem Korridor vorbeigekommen, er hatte den Replikator�� du hast Mylords Sohn gerettet!�</p><p>Droushnakovis Schultern sackten zusammen. �Aber wir haben Prinzessin Kareen verloren.�</p><p>�Oh.� Er ber�hrte ihre Lippen. �Erz�hl mir nichts�� Lord Vorkosigan hat mich angewiesen, euch alle zu ihm zu bringen, sobald ihr eingetroffen seid. Erz�hlt alles zuerst ihm, vor allen anderen. Ich nehme euch jetzt mit zu ihm.� Er scheuchte die Sicherheitsleute wie Fliegen weg, etwas, das Cordelia schon hatte tun wollen.</p><p>Bothari mu�te ihr beim Aufstehen helfen. Sie hob den gelben Plastikbeutel hoch. Sie bemerkte mit Ironie, da� er den Namen und das Logo eines der exklusivsten Damenbekleidungsh�user der Hauptstadt trug. <emphasis>Kareen umzingelt dich noch zuletzt, du Mistkerl.</emphasis></p><p>�Was ist das?�, fragte Kou.</p><p>�Ja, Leutnant�, warf der aufdringliche Sicherheitsmann ein, �bitte�� sie hat sich geweigert, uns das irgendwie untersuchen zu lassen. Nach den Vorschriften d�rften wir sie das nicht in die Basis tragen lassen.�</p><p>Cordelia zog den Beutel oben auf und hielt ihn Kou zur �berpr�fung hin. Er guckte hinein.</p><p>�<emphasis>Schei�e!</emphasis>� Die Sicherheitsleute dr�ngten sich nach vorn, als Koudelka zur�cksprang. Er winkte sie beiseite. �Ich�� ich verstehe�, er schluckte. �Ja, Admiral Vorkosigan wird <emphasis>das</emphasis> sicherlich sehen wollen.�</p><p>�Leutnant, was soll ich auf meine Kontrolliste schreiben?�, sagte der Sicherheitsmann�� quengelnd, entschied Cordelia, war sein Ton. �Ich mu� es registrieren, wenn es hineingebracht wird.�</p><p>�Bringen Sie ihn endlich zum Schweigen, Kou�, seufzte Cordelia.</p><p>Kou schaute nochmal in den Beutel und seine Lippen verzogen sich zu einem listigen Grinsen. �Geht in Ordnung. Tragen Sie es ein als ein Winterfest-Geschenk f�r Admiral Vorkosigan. Von seiner Frau.�</p><p>�O Kou�, Drou hielt ihm sein Schwert hin, �ich habe das gerettet. Aber wir haben leider die H�lle verloren.�</p><p>Kou nahm es, schaute auf den Sack, erkannte die Verbindung zwischen beiden und trug das Schwert sorgsamer. �Das ist�� das ist in Ordnung. Danke sehr.�</p><p>�Ich nehme es noch mal zu Siegling und lasse ein Duplikat der H�lle anfertigen�, versprach Cordelia.</p><p>Der Sicherheitsmann gab Admiral Vorkosigans oberstem Adjutanten den Weg frei. Kou f�hrte Cordelia, Bothari und Drou in die Basis. Cordelia zog die Schnur fest zu und lie� den Beutel von ihrer Hand baumeln.</p><p>�Wir gehen hinab auf die Stabsebene. Der Admiral ist seit einer Stunde in einer absolut geheimen Sitzung. Zwei von Vordarians obersten Offizieren sind gestern abend heimlich hier eingetroffen. Sie verhandeln dar�ber, ihn zu verraten. Der beste Plan zur Rettung der Geiseln beruht auf ihrer Kooperation.�</p><p>�Wu�ten sie schon davon?� Cordelia hielt den Beutel hoch.</p><p>�Ich glaube nicht, Mylady. Sie haben gerade alles ver�ndert.� Er grinste grimmig, und seine ungleichen Schritte wurden l�nger.</p><p>�Ich nehme an, da� dieses Kommandounternehmen noch notwendig ist�, seufzte Cordelia. �Selbst im Zusammenbruch ist Vordarians Seite noch gef�hrlich. Vielleicht noch gef�hrlicher, in ihrer Verzweiflung.� Sie dachte an jenes Hotel im Zentrum von Vorbarr Sultana, wo Botharis kleine Tochter Elena immer noch, soweit sie wu�te, untergebracht war.</p><p>Geringere Geiseln. Konnte sie Aral dazu �berreden, f�r geringere Geiseln noch etwas mehr Kr�fte einzuteilen? Leider hatte sie wahrscheinlich noch nicht einmal jetzt all die Soldaten arbeitslos gemacht. <emphasis>Ich habe es versucht. Mein Gott, ich habe es versucht.</emphasis></p><p>Sie gingen hinab und immer weiter hinab, ins Nervenzentrum von Basis Tanery. Sie kamen zu einem hochgesicherten Konferenzraum, davor stand eine bis zu den Z�hnen bewaffnete Gruppe Soldaten kerzengerade Wache.</p><p>Koudelka hie� sie zur Seite treten. Die T�ren glitten auf und schlossen sich wieder hinter ihnen.</p><p>Cordelia nahm die Szene in sich auf, wo jeder innehielt, um von dem polierten Tisch zu ihr aufzuschauen. Aral war in der Mitte, nat�rlich.</p><p>Illyan und Graf Piotr flankierten ihn auf beiden Seiten. Premierminister Vortala war da und Kanzian und ein paar andere hohe Stabsoffiziere, alle in der formellen gr�nen Uniform. Die beiden Doppelspieler mit ihren Adjutanten sa�en auf der Gegenseite. Ganze Rudel von Zeugen. Sie wollte mit Aral allein sein, ohne die ganze verdammte Bande. <emphasis>Bald.</emphasis></p><p>Arals Blicke trafen die ihren in schweigendem Schmerz. Seine Lippen kr�uselten sich zu einem �u�erst ironischen L�cheln. Das war alles, und doch wurde es ihr wieder innerlich warm vor Zuversicht, sie war sich seiner sicher. Kein Frost. Es w�rde alles gut sein. Sie waren wieder im Gleichschritt, und selbst eine Sturzflut von Worten und heftigen Umarmungen h�tte das nicht besser mitteilen k�nnen. Umarmungen w�rden jedoch kommen, das versprachen die grauen Augen. Ihre eigenen Lippen verzogen sich zu einem L�cheln, zum erstenmal seit�� wann?</p><p>Graf Piotrs Hand schlug hart auf den Tisch. �Guter Gott, Frau, wo bist du <emphasis>gewesen</emphasis>?�, schrie er zornig.</p><p>Eine morbide Verr�cktheit ergriff von ihr Besitz. Sie l�chelte ihn grimmig an und hielt den Beutel hoch. �Einkaufen.�</p><p>Eine Sekunde lang glaubte ihr der alte Mann fast, widerstreitende Gef�hle zeichneten sich auf seinem Gesicht ab: Erstaunen, Zweifel, dann �rger, als ihm klar wurde, da� er auf den Arm genommen wurde.</p><p>�Willst du sehen, was ich gekauft habe?�, fuhr Cordelia fort, die sich immer noch treiben lie�. Sie ri� den Beutel auf und rollte Vordarians Kopf heraus, �ber den Tisch. Gl�cklicherweise hatte er schon vor ein paar Stunden aufgeh�rt zu bluten. Er kam mit dem Gesicht nach oben vor Piotr zum Halt, mit grinsenden Lippen und starren, austrocknenden Augen.</p><p>Piotr blieb der Mund offen stehen, Kanzian sprang auf, die Stabsoffiziere fluchten, und einer von Vordarians Verr�tern schreckte so sehr zur�ck, da� er von seinem Stuhl fiel. Vortala sch�rzte die Lippen und hob die Augenbrauen. Koudelka, der grimmigen Stolz empfand ob seiner Schl�sselrolle in der Inszenierung dieser historischen Vorf�hrung der Kunst, den anderen immer voraus zu sein, legte den Stockdegen als weiteres Beweisst�ck auf den Tisch. Illyan schnaufte vernehmlich, dann wich seine �berraschung einem triumphierenden Grinsen.</p><p>Aral war perfekt. Seine Augen weiteten sich nur f�r einen Moment, dann st�tzte er sein Kinn in die H�nde und blickte �ber die Schultern seines Vaters mit einem Ausdruck k�hlen Interesses. �Aber nat�rlich�, sagte er leise, �jede Vor-Lady geht in die Hauptstadt zum Einkaufen.�</p><p>�Ich habe aber zu viel daf�r bezahlt�, gestand Cordelia.</p><p>�Auch das entspricht der Tradition.� Ein sardonisches L�cheln verzog seine Lippen.</p><p>�Kareen ist tot. In dem Handgemenge erschossen. Ich konnte sie nicht retten.�</p><p>Aral �ffnete seine Hand, als ob er den aufkeimenden schwarzen Humor durch seine Finger fallen lie�e. �Ich verstehe.� Er hob wieder seinen Blick zu ihr, als fragte er: <emphasis>Bist du heil davongekommen?</emphasis> und fand anscheinend die Antwort: <emphasis>Nein.</emphasis></p><p>�Meine Herren. W�rden Sie sich bitte eine paar Minuten nach drau�en begeben? Ich m�chte mit meiner Frau allein sein.�</p><p>In dem Durcheinander von St�hler�cken und Aufstehen h�rte Cordelia jemanden murmeln: �Tapferer Mann���</p><p>Sie fa�te Vordarians M�nner fest ins Auge, als sie vom Tisch zur�cktraten. �Meine Herren Offiziere, ich empfehle Ihnen, da� Sie sich, sobald diese Konferenz fortgesetzt wird, bedingungslos der Gnade von Lord Vorkosigan ergeben. Vielleicht hat er sie noch.� <emphasis>Ich sicherlich nicht mehr,</emphasis> war die unausgesprochene Botschaft. �Ich bin Ihres dummen Krieges m�de. Beenden Sie ihn.�</p><p>Piotr schob sich an ihr vorbei. Sie l�chelte ihn bitter an. Er verzog verlegen das Gesicht. �Es scheint, als h�tte ich dich untersch�tzt�, murmelte er.</p><p>�Komm mir niemals mehr�� in die Quere. Und halte dich von meinem Sohn fern.�</p><p>Ein Blick von Vorkosigan hielt sie davon ab, ihren Zorn �ber ihn zu ergie�en. Sie und Piotr nickten sich vorsichtig zu, es war, als tauschten zwei Duellanten rudiment�re Verbeugungen aus.</p><p>�Kou�, sagte Vorkosigan und blickte nachdenklich auf das gr��liche Objekt, das neben seinem Ellbogen lag, �sorgen Sie bitte daf�r, da� dieses Ding in die Leichenhalle der Basis gebracht wird. Ich sch�tze es nicht als Tischdekoration. Es mu� aufbewahrt werden, bis es mit dem Rest von ihm bestattet werden kann. Wo immer das auch sein mag.�</p><p>�Sind Sie sicher, da� Sie es nicht hierlassen wollen, um Vordarians Offiziere zu inspirieren, endlich mit uns einig zu werden?�, sagte Kou.</p><p>�Nein�, sagte Vorkosigan bestimmt. �Es hatte schon einen ausreichend heilsamen Effekt.�</p><p>Kou nahm vorsichtig den Beutel von Cordelia und benutzte ihn, um Vordarians Kopf an sich zu nehmen, ohne ihn tats�chlich zu ber�hren.</p><p>Aral betrachtete ihr m�des Team, Droushnakovis Kummer, Botharis zwanghaftes Zucken. �Drou, Sergeant. Sie k�nnen gehen, um sich zu waschen und zu essen. Berichten Sie mir sp�ter in meinem Quartier, wenn wir hier fertig sind.�</p><p>Droushnakovi nickte, der Sergeant salutierte, und sie folgten Koudelka nach drau�en.</p><p>Cordelia fiel in Arals Arme, als sich die T�r seufzend schlo�, in seinen Scho�, als sie ihn umfing, wie er gerade f�r sie aufstand. Sie beide landeten mit soviel Wucht, da� beinahe der Stuhl umgekippt w�re. Sie umarmten sich so fest, da� sie wieder ein Schritt zur�cktreten mu�ten, um einen Ku� fertigzubringen.</p><p>�Mach nie wieder�, sagte er mit heiserer Stimme, �einen solchen Trick.�</p><p>�La� ihn nie wieder notwendig werden.�</p><p>�Einverstanden.�</p><p>Er hielt ihr Gesicht ein St�ck weg, zwischen seinen H�nden, und verschlang sie mit den Augen. �Ich hatte solche Angst um dich, da� ich verga�, Angst f�r deine Feinde zu haben. Ich h�tte mich erinnern sollen, lieber Captain.�</p><p>�Allein h�tte ich �berhaupt nichts fertiggebracht. Drou war mein Auge, Bothari mein rechter Arm, Koudelka unser Fu�. Du mu�t Kou verzeihen, da� er sich unerlaubt von Dienst entfernt hat. Wir haben ihn praktisch gekidnappt.�</p><p>�Das habe ich schon geh�rt.�</p><p>�Hat er dir von deinem Cousin Padma erz�hlt?�</p><p>�Ja�, antwortete Aral mit einem traurigen Seufzer. Er starrte in die Vergangenheit. �Padma und ich haben als einzige von Prinz Xavs Nachkommen das Massaker von Yuri dem Wahnsinnigen an jenem Tag �berlebt. Ich war elf j�hre alt, Padma war ein einj�hriges Baby�� Ich habe seitdem von ihm immer als dem Baby gedacht. Versuchte, auf ihn aufzupassen�� Nun bin ich der einzige, der �brig ist. Yuris Werk ist fast vollendet.�</p><p>�Botharis Elena. Sie mu� gerettet werden. Sie ist viel viel wichtiger als der ganze Stall voller Grafen in der Residenz.�</p><p>�Wir arbeiten gerade daran�, versprach er. �H�chste Priorit�t, nachdem du jetzt daf�r gesorgt hast, da� man Kaiser Vidal nicht mehr in Betracht ziehen mu�.� Er machte eine Pause und l�chelte bed�chtig. �Ich f�rchte, du hast meine Barrayaraner geschockt, Liebste.�</p><p>�Warum? Dachten sie, sie h�tten ein Monopol auf Barbarei. Vordarians letzte Worte waren: �Sie sind eine Betanerin. Sie k�nnen das nicht tun.��</p><p>�Was tun?�</p><p><emphasis>�Das hier,</emphasis> h�tte er wohl gesagt, nehme ich an. Wenn er die Chance gehabt h�tte.�</p><p>�Da hast du ja eine unheimliche Troph�e im Monorail mit dir gef�hrt. Stell dir vor, jemand h�tte dich gebeten, den Beutel zu �ffnen?�</p><p>�Ich h�tte es getan.�</p><p>�Bist du�� ganz in Ordnung, Liebste?� Sein Mund war ernst, unter seinem L�cheln.</p><p>�Meinst du damit, ob ich meinen gesunden Menschenverstand verloren habe? Ja, ein bi�chen. Mehr als ein bi�chen.� Ihre H�nde zitterten noch, wie sie es schon einen Tag lang getan hatten, ein anhaltender Tremor, der nicht verging. �Es erschien mir�� notwendig, Vordarians Kopf mitzubringen. Ich hatte nicht wirklich daran gedacht, ihn an der Wand im Palais Vorkosigan neben den Jagdtroph�en deines Vaters zu befestigen, obwohl das eine Idee w�re. Ich glaube nicht, da� mir bewu�t klar war, warum ich ihn nicht zur�cklie�, bis ich diesen Raum betrat. Wenn ich hier mit leeren H�nden hereingestolpert w�re und all diesen M�nnern erkl�rte h�tte, ich h�tte Vordarian get�tet, und h�tte dann ihren Krieg f�r erledigt erkl�rt, wer h�tte mir geglaubt? Au�er dir.�</p><p>�Illyan vielleicht. Er hat dich schon vorher in Aktion gesehen. Die anderen�� da hast du ganz recht.�</p><p>�Ich glaube, ich hatte auch irgendeinen Gedanken im Kopf aus der alten Geschichte. Pflegte man nicht die Leichen erschlagener Herrscher �ffentlich zur Schau stellen, um falsche Thronbewerber unm�glich zu machen? Das schien angemessen. Obwohl von meinem Standpunkt aus gesehen Vordarian fast eine Nebensache war.�</p><p>�Der Sicherheitsmann, der dich begleitet hat, hat mir berichtet, da� du den Replikator zur�ckgebracht hast, Hat er noch funktioniert?�</p><p>�Vaagen hat ihn jetzt und �berpr�ft ihn. Miles lebt. Schaden noch unbekannt. Ach ja, es sieht aus, als h�tte Vordarian bei Evon Vorhalas die Hand im Spiel gehabt. Nicht direkt, sondern durch einen Mittelsmann.�</p><p>�Illyan hatte schon den Verdacht.� Seine Arme umschlangen sie fest.</p><p>�Wegen Bothari�, sagte sie. �Er ist in keiner guten Verfassung. Irgendwie �beranstrengt. Er braucht echte Behandlung, eine medizinische, nicht eine politische. Diese Ged�chtnisl�schung war eine Horrorshow.�</p><p>�Zu jener Zeit hat sie ihm das Leben gerettet. Mein Kompromi� mit Ezar. Ich hatte damals keine Macht. Ich kann jetzt etwas besseres bewirken.�</p><p>�Das solltest du tun. Er ist auf mich fixiert wie ein Hund. Seine Worte. Und ich habe ihn wie einen Hund benutzt. Ich schulde ihm�� alles. Aber er macht mir Angst. Warum <emphasis>mir?�</emphasis></p><p>Vorkosigan sah sehr nachdenklich aus. �Bothari�� hat kein gutes Selbstwertgef�hl. Keine starke Mitte. Als ich ihn zuerst traf, als es ihm am schlechtesten ging, da war seine Pers�nlichkeit nahe daran, sich in viele Teile aufzul�sen. Wenn er eine bessere Erziehung gehabt h�tte und nicht so beeintr�chtigt w�re, dann h�tte er einen idealen Spion abgegeben, einen Maulwurf, der tief eindringen k�nnte. Er ist ein Cham�leon. Ein Spiegel.</p><p>Er wird, was auch immer man von ihm verlangt. Kein bewu�ter Proze�, glaube ich. Piotr erwartet einen loyalen Gefolgsmann, und Bothari spielt die Rolle, todernst, wie man es von ihm w�nscht. Vorrutyer wollte ein Monster haben, und Bothari wurde sein Folterer. Und Opfer. Ich verlangte einen guten Soldaten, und er wurde einer f�r mich. Du����� seine Stimme wurde weich�� �du bist die einzige Person, die ich kenne, die Bothari anschaut und einen Helden sieht. So wird er einer f�r dich. Er klammert sich an dich, weil du aus ihm einen gr��eren Mann machst, als er je in seinen Tr�umen war.�</p><p>�Aral, das ist verr�ckt.�</p><p>�So?� Er schnupperte an ihrem Haar. �Aber er ist nicht der einzige Mann, auf den du diese eigenartige Wirkung hast. Lieber Captain.�</p><p>�Ich f�rchte, ich bin in keiner viel besseren Verfassung als Bothari. Ich habe es verpfuscht, und Kareen ist gestorben. Wer wird das Gregor sagen? Wenn es nicht um Miles gegangen w�re, dann h�tte ich aufgegeben. Halte Piotr fern von mir, oder ich schw�re, da� ich ihn das n�chstemal in der Luft zerrei�e.� Sie zitterte wieder.</p><p>�Pst.� Er schaukelte sie ein wenig. �Ich denke, du kannst wenigstens das Aufr�umen mir �berlassen, oder? Wirst du mir wieder vertrauen? Wir m�ssen etwas aus diesen Opfern machen. Sie sollen nicht vergeblich sein.�</p><p>�Ich f�hle mich schmutzig. Ich f�hle mich krank.�</p><p>�Ja, den meisten seelisch gesunden Menschen geht es so, wenn sie von einem Kampfauftrag zur�ckkommen. Es ist ein vertrauter Geisteszustand.� Er machte eine Pause. �Aber wenn eine Betanerin so barrayaranisch werden kann, dann ist es vielleicht nicht so unm�glich f�r Barrayaraner, ein bi�chen mehr betanisch zu werden. Ver�nderung <emphasis>ist</emphasis> m�glich.�</p><p>�Ver�nderung ist unvermeidlich�, betonte sie. �Aber du kannst sie nicht mit Ezars Methode bewirken. Das ist nicht mehr Ezars �ra. Du mu�t deinen eigenen Weg finden. Mache diese Welt zu einer, in der Miles �berleben kann. Und Elena. Und Ivan. Und Gregor.�</p><p>�Wie Sie w�nschen, Mylady.�</p><p>Am dritten Tag nach Vordarians Tod fiel die Hauptstadt an loyale kaiserliche Truppen, wenn auch nicht ohne Schie�en, so zumindest nicht auf ann�hernd so blutige Weise, wie Cordelia gef�rchtet hatte. Nur zwei Widerstandsnester, in der Sicherheitszentrale und in der Residenz selbst, mu�ten von Bodentruppen eingenommen werden. Das Hotel im Stadtzentrum mit seinen Geiseln wurde von seiner Besatzung kampflos �bergeben, nach Stunden intensiver geheimer Verhandlungen. Piotr gab Bothari einen Tag Urlaub, damit er sein Kind und dessen Pflegemutter holen und nach Hause begleiten konnte. Cordelia schlief in dieser Nacht zum erstenmal seit ihrer R�ckkehr durch.</p><p>Evon Vorhalas hatte f�r Vordarian in der Hauptstadt Bodentruppen befehligt, er war verantwortlich f�r die letzte Verteidigung des Weltraumkommunikationszentrums im Komplex des milit�rischen Hauptquartiers. Er starb in den letzten Zuckungen der K�mpfe, erschossen von seinen eigenen Leuten, als er ein Angebot der Amnestie f�r ihre Kapitulation ablehnte. Irgendwie war Cordelia erleichtert. Die traditionelle Strafe f�r den Verrat eines Vor-Lords war �ffentliche Zurschaustellung und Tod durch Verhungern. Der verstorbene Kaiser Ezar hatte nicht gez�gert, diese grausame Tradition aufrechtzuerhalten. Cordelia konnte nur darum beten, da� unter Gregors Herrschaft diese Sitte sterben w�rde.</p><p>Ohne den Zusammenhalt durch Vordarian zerbrach seine Rebellenkoalition schnell in verschiedene Splittergruppen. Ein extrem konservativer Vor-Lord in der Stadt Federstok erhob seine Standarte und erkl�rte sich zum Kaiser, in der Nachfolge von Vordarian, seine Rolle als Thronpr�tendent dauerte etwas weniger als drei�ig Stunden. In einem �stlichen K�stendistrikt, der einem von Vordarians Verb�ndeten geh�rte, beging der Graf nach der Eroberung Selbstmord. In dem Chaos rief eine AntiVor-Gruppe die Republik aus. Der neue Graf, ein Infanterieoberst aus einer Nebenlinie der Familie, der nie erwartet hatte, da� ihm eine solche Ehre zufiele, erhob sofort wirksame Einw�nde gegen diesen heftigen Schwenk ins allzu Progressive. Vorkosigan �berlie� es ihm und seiner Distriktsmiliz und reservierte die kaiserlichen Truppen f�r nicht distriktsinterne Angelegenheiten, �Du kannst nicht auf halbem Wege haltmachen�, murmelte Piotr Unheil witternd ob solchen Taktgef�hls.</p><p>�Einen Schritt nach dem anderen�, erwiderte Vorkosigan grimmig, �so kann ich die ganze Welt umrunden. Schau mir nur zu.�</p><p>Am f�nften Tag wurde Gregor zur�ck in die Hauptstadt gebracht.</p><p>Vorkosigan und Cordelia nahmen es beide zusammen auf sich, ihm von Kareens Tod zu erz�hlen, Er weinte verwirrt. Als er wieder ruhig war, wurde er in einem Bodenwagen mit einem durchsichtigen Schutzschirm zu einer Truppenbesichtigung gefahren, tats�chlich besichtigten die Truppen ihn, damit er lebendig gesehen wurde und so schlie�lich Vordarians Ger�chte �ber seinen Tod zerstreute. Cordelia fuhr mit ihm.</p><p>Seine stille Verst�rtheit tat ihr im Herzen weh, aber es war ihrer Meinung nach besser so, als wenn man zuerst vor ihm paradiert und dann erst �ber Kareen erz�hlt h�tte. Wenn sie es in diesem Falle h�tte ertragen m�ssen, da� er w�hrend der ganzen Fahrt immer wieder gefragt h�tte, wann er denn seine Mutter wieder sehen k�nnte, dann w�re sie am Ende selbst zusammengebrochen.</p><p>Kareens Bestattung war �ffentlich, allerdings viel weniger zeremoni�s, als sie unter weniger chaotischen Umst�nden stattgefunden h�tte. Zum zweiten Mal in einem Jahr mu�te Gregor ein Opferfeuer entz�nden. Vorkosigan bat Cordelia, Gregors Hand mit der Fackel zu f�hren. Dieser Teil der Trauer-Zeremonie erschien ihr fast �berfl�ssig nach dem, was sie der Residenz angetan hatte. Cordelia warf eine �ppige Locke ihres eigenen Haars in das Feuer. Gregor klammerte sich eng an sie.</p><p>�Werden die mich auch umbringen?�, fl�sterte er ihr zu. Er klang dabei nicht ge�ngstigt, sondern nur auf morbide Weise neugierig. Vater, Gro�vater, Mutter�� alle in einem Jahr gestorben: kein Wunder, da� er sich als Ziel f�hlte, obwohl in seinem Alter sein Verst�ndnis f�r den Tod noch konfus war.</p><p>�Nein�, sagte sie entschlossen. Ihr Arm fa�te kr�ftiger um seine Schulter. �Ich werde sie nicht lassen.� Gott helfe ihr, diese unbegr�ndete Zusicherung schien ihn wirklich zu tr�sten.</p><p><emphasis>Ich werde f�r deinen Sohn sorgen, Kareen,</emphasis> dachte Cordelia, als die Flammen emporloderten. Dieser Schwur war teurer als alle Geschenke, die da verbrannt wurden, denn er band ihr Leben untrennbar an Barrayar. Aber die Hitze auf ihrem Gesicht milderte ein wenig den Schmerz in ihrem Kopf.</p><p>Cordelias Seele f�hlte sich wie eine ersch�pfte Schnecke, in einer Schale aus gl�serner Benommenheit. Sie bewegte sich wie ein Automat durch den Rest der Zeremonie, obwohl es blitzartige Augenblicke der Klarheit gab, wenn ihre Umgebung �berhaupt keinen Sinn machte. Die versammelten barrayaranischen Vor reagierten auf sie mit einer starren, tiefen F�rmlichkeit. <emphasis>Sie halten mich sicher f�r verr�ckt und gef�hrlich, eine Wahnsinnige, die von allzu nachsichtigen Verwandten aus der Dachkammer gelassen wurde.</emphasis> Schlie�lich d�mmerte es ihr, da� die �bertriebenen H�flichkeiten der Vor Respekt bedeuteten.</p><p>Es machte sie w�tend. Kareens ganze Tapferkeit des Erduldens hatte ihr nichts gebracht. Lady Vorpatrils tapfere und blutige Entbindung wurde f�r selbstverst�ndlich genommen, aber wenn man irgendeinem Idioten den Kopf abschl�gt, dann war man wirklich jemand�� bei Gott!</p><p>Aral brauchte, als sie zu seinem Quartier zur�ckgekehrt waren, eine Stunde, um sie zu beruhigen, und dann hatte sie einen Weinkrampf. Er hielt es aus.</p><p>�Wirst du davon Gebrauch machen?�, fragte sie, als die pure M�digkeit sie wieder zu einem Anschein von Gefa�theit brachte. �Von diesem, diesem�� meinem erstaunlichen neuen <emphasis>Status?�</emphasis> Wie sie das Wort verabscheute, das in ihrem Mund so sauer schmeckte.</p><p>�Ich werde alles gebrauchen�, versprach er ruhig, �wenn es mir helfen wird, in f�nfzehn Jahren Gregor als geistig gesunden und f�higen Mann auf den Thron zu bringen, der eine stabile Regierung f�hrt. Dich gebrauchen, mich gebrauchen, was immer notwendig ist. So viel zu zahlen und dann zu scheitern, das w�re unertr�glich.�</p><p>Sie seufzte und legte ihre Hand in die seine. �Im Falle eines Unfalls spende auch meine �briggebliebenen K�rperteile. Das ist die betanische Sitte. Vergeude nichts.�</p><p>Er sch�rzte hilflos seine Lippen. Gesicht an Gesicht lehnten sie einen Augenblick lang ihre Stirnen aneinander und umarmten sich. �Das will ich nicht.�</p><p>Ihr stummes Versprechen an Kareen wurde zur Politik, als sie und Aral vom Rat der Grafen offiziell zu Gregors Vormunden bestellt wurden. Das war juristisch irgendwie verschieden von Arals Vormundschaft des Reiches als Regent. Premierminister Vortala nahm sich die Zeit, ihr dar�ber einen Vortrag zu halten und ihr klarzumachen, da� ihre neuen Pflichten keinerlei politische Vollmachten einschlossen. Sie hatte wirtschaftliche Funktionen, einschlie�lich der Treuh�nderschaft �ber gewisse Vorbarra-Besitzt�mer, die vom kaiserlichen Besitz getrennt waren und strikt zu Gregors Titel als Graf Vorbarra geh�rten. Und durch Arals Auftrag erhielt sie die Aufsicht �ber den Haushalt des Kaisers. Und seine Erziehung.</p><p>�Aber, Aral�, sagte Cordelia verwirrt, �Vortala hat betont, da� ich keine Macht h�tte.�</p><p>�Vortala�� ist nicht allwissend. Sagen wir einfach, er hat ein bi�chen Schwierigkeiten, gewisse Formen der Macht zu erkennen, die nicht gleichbedeutend mit Gewalt sind. Die M�glichkeit deiner Einflu�nahme ist allerdings beschr�nkt, denn mit zw�lf Jahren wird Gregor in eine Vorbereitungsschule auf die Akademie eintreten.�</p><p>�Aber k�nnen die denn erkennen��?�</p><p>�Ich kann es. Und du kannst es. Das ist genug.�</p></section><section><title><p>KAPITEL 20</p></title><p>Eine von Cordelias ersten Anordnungen war, Droushnakovi wieder mit dem Schutz von Gregors Person zu betrauen, seiner emotionalen Kontinuit�t zuliebe. Dies bedeutete nicht, da� sie auf die Gesellschaft des M�dchens verzichten mu�te, auf diesen Beistand, an den sie sich zutiefst gew�hnt hatte, denn auf Illyans erneutes Dr�ngen bezog Aral endlich Wohnr�ume in der kaiserlichen Residenz. Es erleichterte Cordelias Herz, als Drou und Kou einen Monat nach dem Winterfest heirateten.</p><p>Cordelia bot sich als Vermittlerin zwischen den beiden Familien an. Aus irgendeinem Grund lehnten Kou und Drou beide das Angebot hastig ab, allerdings mit �berschwenglichem Dank. Angesichts der verwirrenden Fallstricke der gesellschaftlichen Sitten von Barrayar, �berlie� Cordelia diese Aufgabe ebenso gl�cklich der erfahrenen �lteren Dame, die das Paar engagierte.</p><p>Cordelia sah Alys Vorpatril oft, denn sie besuchten sich gegenseitig zu Hause. Der kleine Lord Ivan war f�r Alys wenn auch nicht gerade ein Trost, so doch sicher eine Ablenkung in ihrer langsamen Genesung von ihrer physischen Zerrei�probe. Er wuchs schnell, trotz einer Neigung zu unn�tigen Aufregungen, die Cordelia nach einiger <emphasis>Zeit</emphasis> als iatrogenen Charakterzug erkannte, ausgel�st von dem vielen Wirbel, den Alys um ihn machte. Ivan sollte drei oder vier Geschwister haben, die sich die Aufmerksamkeit seiner Mutter teilten, schlo� Cordelia, als sie Alys beobachtete, wie sie Klein-Ivan an ihrer Schulter sein B�uerchen machen lie� und gleichzeitig laut ihre Pl�ne verk�ndete, wie er aufgrund seiner Erziehung mit achtzehn Jahren die schwierigen Aufnahmepr�fungen der Kaiserlichen Milit�rakademie in Angriff nehmen w�rde.</p><p>Alys Vorpatril wurde von ihrer bitteren Trauer um Padma und ihren detailfreudigen Planungen von Ivans Leben abgelenkt, als sie einen Blick auf ein Bild des Brautkleides werfen durfte, f�r das Drou sich begeisterte.</p><p>�Nein, nein, nein!�, rief sie und schauderte zur�ck. �All das Spitzenzeug�� Sie w�rden so pelzig wie ein gro�er wei�er B�r aussehen. Seide, meine Liebe, lange Faltenw�rfe aus Seide, das ist es, was Sie brauchen!�, und schon war sie unterwegs. Die mutter- und schwesterlose Drou konnte kaum eine kundigere Brautberaterin gefunden haben. Lady Vorpatril machte schlie�lich das Kleid zu einem ihrer verschiedenen Geschenke, um sich dessen �sthetischer Vollkommenheit gewi� zu sein, zusammen mit einem �kleinen Ferienh�uschen�, das sich dann als ein stattliches Haus an der Ostk�ste herausstellte. Im Sommer w�rde Drous Traum vom Strand wahr werden. Cordelia grinste und erwarb f�r das M�dchen ein Nachtgewand und einen Morgenmantel, die mit gen�gend Schichten von Spitze besetzt waren, um auch das am meisten nach Verzierungen lechzende Herz zu befriedigen.</p><p>Aral stellte die R�ume f�r die Hochzeit zur Verf�gung: den Roten Salon der Kaiserlichen Residenz und den anschlie�enden Ballsaal, den mit dem sch�nen Parkettboden, der zu Cordelias ungeheurer Erleichterung dem Feuer entgangen war. Theoretisch war diese gro�z�gige Geste notwendig, um Illyans Kopfschmerzen bez�glich der Sicherheit zu lindern, da Cordelia und Aral zu den wichtigsten Trauzeugen geh�rten. Pers�nlich dachte Cordelia, da� es eine verhei�ungsvolle Wende der Ereignisse sei, wenn der Sicherheitsdienst zu einer Cater-Firma f�r Hochzeitsfeierlichkeiten umfunktioniert wurde.</p><p>Aral ging die G�steliste durch und l�chelte. �Hast du gemerkt�, sagte er zu Cordelia, �jede Klasse ist vertreten? Vor einem Jahr noch w�re dieses Ereignis hier nicht m�glich gewesen. Der Sohn des Lebensmittelh�ndlers und die Tochter des Unteroffiziers. Sie haben es mit Blut erkauft, aber vielleicht kann es im n�chsten Jahr mit friedlichen Leistungen erkauft werden. Medizin, Erziehung, Ingenieurwesen, Unternehmertum�� werden wir eine Party f�r Bibliothekare haben?�</p><p>�Werden diese schrecklichen alten Vor-Weiber, mit denen alle von Piotrs Freunden verheiratet sind, sich nicht �ber gesellschaftliche �berfortschrittlichkeit beschweren?�</p><p>�Mit Alys Vorpatril hinter alldem? Sie w�rden es nicht wagen.�</p><p>Von da an nahm die Sache zu. Eine Woche vorher �berlegten Kou und Drou aus reiner Panik, ob sie nicht durchbrennen sollten, da sie die Kontrolle �ber das Ganze an ihre eifrigen Helfer verloren hatten. Aber das Personal der Residenz bereitete alles mit Erfahrung und Gelassenheit vor.</p><p>Die leitende Hausdame eilte gesch�ftig umher und gluckste: �Und da hatte ich bef�rchtet, wir h�tten nichts mehr zu tun, sobald der Admiral hier einzieht, au�er diesen schrecklich langweiligen General-stabsessen.�</p><p>Der Tag und die Stunde kamen endlich. Ein gro�er Kreis aus gef�rbter Hafergr�tze war auf dem Boden des Roten Salons ausgelegt, umgeben von einem Stern, der eine variable Anzahl von Spitzen haben konnte: an jeder Spitze sollte einer der Elternteile oder der haupts�chlichen Trauzeugen stehen, in diesem Fall also vier. Nach barrayaranischer Sitte traute ein Paar sich selbst, indem beide ihr feierliches Versprechen innerhalb des Kreises sprachen, wozu sie weder einen Priester noch einen Standesbeamten brauchten. Tats�chlich stand ein Helfer, der treffenderweise der Einpauker genannt wurde, au�erhalb des Kreises und las den Text vor, damit die Zaghaften oder Aufgeregten ihn wiederholen konnten. Auf diese Weise war das gestresste Paar von der Notwendigkeit h�herer neuraler Funktionen wie Lernen oder Erinnern entbunden. Der Verlust der Bewegungs-Koordination wurde ersetzt von je einem Freund bzw. einer Freundin, die das Paar in den Kreis steuerten. Es war alles sehr praktisch, entschied Cordelia, und ebenso pr�chtig.</p><p>Mit einem Grinsen und einer schwungvollen Geb�rde plazierte Aral sie auf der ihr zugewiesenen Sternspitze, als arrangierte er ein Blumenbukett, und nahm seinen eigenen Platz ein. Lady Vorpatril hatte auf einem neuen Kleid f�r Cordelia bestanden, einem schwungvoll langen aus Blau und Wei� mit roten Blumenakzenten, deren Farbe abgestimmt war auf Arals ultraformelle rotblaue Paradeuniform. Drous stolzer und nerv�ser Vater trug auch seine rot-blaue Uniform und besetzte seine Sternspitze. Es war seltsam, vom Milit�r, das Cordelia normalerweise mit totalit�ren Bestrebungen in Zusammenhang brachte, als der Speerspitze des Egalitarismus auf Barrayar zu denken. Das Geschenk der Cetagandaner, nannte es Aral, ihre Invasion hatte zuerst die F�rderung der Begabung ungeachtet der Herkunft erzwungen, und die Wellen dieses Wandels bewegten sich immer noch durch die barrayaranische Gesellschaft.</p><p>Sergeant Droushnakovi war kleiner und schm�chtiger, als Cordelia erwartet hatte. Entweder durch die Gene von Drous Mutter oder durch bessere Ern�hrung oder aber durch beides waren alle seine Kinder gr��er geraten als er selbst. Alle drei Br�der, vom Hauptmann bis zum Korporal, hatten Urlaub von ihren milit�rischen Aufgaben bekommen, um an der Hochzeit teilzunehmen, und standen jetzt in dem gr��eren �u�eren Kreis der anderen Zeugen zusammen mit Kous aufgeregter j�ngerer Schwester.</p><p>Kous Mutter stand weinend und l�chelnd auf der letzten Spitze des Sterns, in einem blauen Kleid, dessen Farbe so vollkommen war, da� Cordelia zu dem Schlu� kam, da� auch da Alys Vorpatril ihre Hand im Spiel gehabt haben mu�te.</p><p>Koudelka kam als erster herein, auf seinen Stock mit einer neuen H�lle und auf Sergeant Bothari gest�tzt.</p><p>Sergeant Bothari trug die pr�chtigste Version von Piotrs braunsilberner Livree und fl�sterte hilfreiche, schrecklich vielsagende Ratschl�ge wie: �Wenn Ihnen wirklich �bel ist, Leutnant, dann halten Sie Ihren Kopf nach unten.� Der blo�e Gedanke daran lie� Kous Gesicht gr�ner werden, ein au�erordentlicher Farbkontrast zu seiner rot-blauen Uniform, den Lady Vorpatril zweifellos nicht gebilligt h�tte.</p><p>Die K�pfe wandten sich um. <emphasis>Du meine G�te.</emphasis> Alys Vorpatril hatte �ber Drous Kleid absolut recht gehabt. Sie rauschte herein, so phantastisch elegant wie ein Segelschiff, eine gro�e makellose Perfektion von Form und Funktion, elfenbeinfarbene Seide, goldenes Haar, blaue Augen, wei�e, blaue und rote Blumen, so da� man, als sie neben Kou trat, pl�tzlich erkannte, wie gro� er sein mu�te. Alys Vorpatril, in Silbergrau gekleidet, entlie� Drou am Rand des Kreises mit einer Geste, als schickte eine Jagdg�ttin einen wei�en Falken los, der aufsteigen und dann auf Kous ausgestrecktem Arm landen sollte.</p><p>Kou und Drou schafften ihre Eheschw�re ohne Gestotter und Ohnmacht, und es gelang ihnen auch, ihre gegenseitige Verlegenheit �ber die �ffentliche Erw�hnung ihrer verschm�hten Vornamen, Clement und Ludmilla, zu verbergen.</p><p>(�Meine Br�der pflegten mich Lud zu rufen�, hatte Drou gestern Cordelia bei der Generalprobe anvertraut. �Das reimt sich auf Blut. Und Hut, Wut, Flut.�</p><p>�F�r mich wirst du immer Drou sein�, hatte Kou versprochen.)</p><p>Als Hauptzeuge zerbrach dann Aral den Kreis aus Hafergr�tze mit einer fegenden Bewegung seines gestiefelten Fu�es und lie� die beiden aus dem Kreis heraus, und dann begannen Musik, Tanzen, Essen und Trinken.</p><p>Das B�ffet war unglaublich, die Musik live, und das Trinken�� der Tradition entsprechend. Nach dem ersten zeremoniellen Glas von dem guten Wein, den Piotr geschickt hatte, n�herte Cordelia sich Kou und fl�sterte ein paar Worte �ber betanische Forschungen �ber die nachteiligen Wirkungen von �thanol auf die Sexualfunktionen, woraufhin Kou zum Wasser �berwechselte.</p><p>�Du grausames Weib�, fl�sterte Aral lachend in ihr Ohr.</p><p>�Nicht gegen�ber Drou, ihr gegen�ber bin ich�s nicht�, erwiderte sie murmelnd.</p><p>Sie wurde offiziell mit den Br�dern bekanntgemacht, die jetzt Schw�ger waren und sie mit jenem ehrf�rchtigen Respekt betrachteten, der ihre Z�hne knirschen lie�. Allerdings konnten sich ihre Kiefernmuskeln ein wenig entspannen, als Papa einem der Br�der, der Verse vortrug, mit einem Wink Schweigen gebot, um einer Bemerkung der Braut �ber das Thema Handwaffen Raum zu geben. �Still, Jos�, sagte Sergeant Droushnakovi zu seinem Sohn, �du hast noch nie einen Nervendisruptor im Kampf verwendet.� Drou blinzelte, dann l�chelte sie, mit einem Funkeln in ihren Augen.</p><p>Cordelia nutzte die Gelegenheit zu einem kurzen Gespr�ch mit Bothari, den sie jetzt allzuselten sah, seit Aral seinen Haushalt von dem Piotrs getrennt hatte.</p><p>�Wie geht es Elena, nun, da sie wieder zu Hause ist? Hat sich Frau Hysopi von all dem schon erholt?�</p><p>�Es geht ihnen gut, Mylady�, Bothari senkte den Kopf und l�chelte fast. �Ich habe sie vor f�nf Tagen besucht, als Graf Piotr hinfuhr, um nach seinen Pferden zu sehen. Elena�� hm�� krabbelt schon. Wenn man sie auf den Boden setzt und eine Minute wegschaut und dann wieder hinguckt, dann ist sie schon woanders��� Er runzelte die Stirn. �Ich hoffe, Carla Hysopi bleibt auf dem Posten.�</p><p>�Sie hat Elena sicher durch Vordarians Krieg gebracht, ich nehme an, sie wird mit dem Krabbeln gleicherweise leicht fertig. Eine mutige Frau. Sie sollte eine von diesen Medaillen bekommen, die jetzt verteilt werden.�</p><p>Bothari zog seine Stirn kraus. �Ich wei� nicht, ob diese Medaillen ihr viel bedeuten.�</p><p>�Mm. Ich hoffe, sie wei�, da� sie sich an mich wenden kann, wenn sie irgend etwas braucht. Jederzeit.�</p><p>�Ja, Mylady. Aber im Augenblick fehlt es uns an nichts.� In dieser Feststellung, da� sie ihr Auskommen h�tten, blitzte Stolz auf. �Es ist sehr ruhig dort drau�en in Vorkosigan Surleau, im Winter. Sauber. Ein richtiger und passender Ort f�r ein kleines Kind.� <emphasis>Nicht wie der Ort, an dem ich aufwuchs,</emphasis> konnte Cordelia ihn fast hinzuf�gen h�ren. �Ich m�chte, da� sie alles richtig und passend hat. Sogar ihren Papa.�</p><p>�Wie geht es Ihnen selbst?�</p><p>�Das neue Medikament ist besser. Jedenfalls f�hlt sich mein Kopf nicht mehr an, als w�re er voller Nebel. Und ich schlafe nachts. Abgesehen davon kann ich nicht sagen, was es bewirkt.�</p><p>Seinen Zweck, anscheinend, er schien entspannt und ruhig, fast frei von dieser unheimlichen Gereiztheit. Allerdings war er noch der erste im Raum, der zum B�ffet hin�berschaute und fragte: �Darf <emphasis>er</emphasis> noch aufbleiben?�</p><p>Gregor krabbelte im Pyjama am Rand des kulinarischen Aufgebots entlang und versuchte dabei, unsichtbar zu bleiben und sich ein paar Leckerbissen zu ergattern, bevor man ihn entdeckte und wieder wegbrachte. Cordelia war als erste bei ihm, bevor ein unaufmerksamer Gast auf ihn trat oder er wieder von den Sicherheitskr�ften in den Gestalten der atemlosen Dienerin und des erschreckten Leibw�chters geschnappt wurde, die Drou vertreten sollten. Ihnen folgte Simon Illyan, wei� im Gesicht wie Papier. Gl�cklicherweise f�r Illyans Herz war Gregor anscheinend offiziell nur etwa sechzig Sekunden vermi�t worden, Gregor versteckte sich in ihren R�cken, als die aufgeregten Erwachsenen ihn drohend umringten.</p><p>Drou, die bemerkt hatte, wie Illyan sein Kom-Link ber�hrte, bleich wurde und sich in Bewegung setzte, kam von der Macht der Gewohnheit gef�hrt herbei. �Was ist los?�</p><p>�Wie konnte er wegkommen?�, knurrte Illyan Gregors Bewacher an, die etwas Unh�rbares stammelten wie <emphasis>dachte, er ist eingeschlafen</emphasis> und <emphasis>habe nie meinen Blick von ihm abgewendet.</emphasis></p><p>�Er ist doch nicht weg�, warf Cordelia scharf ein. �Das hier ist sein Heim. Er sollte doch wenigstens hier drin herumlaufen d�rfen, oder warum halten Sie all diese verdammt nutzlosen Wachen auf den Mauern dort drau�en in Bereitschaft?�</p><p>�Droushie, kann ich nicht zu deiner Party kommen?�, fragte Gregor traurig und blickte sich verzweifelt um nach einer Autorit�t, die h�heren Rang hatte als Illyan.</p><p>Drou blickte Illyan an, der mi�billigend dreinschaute. Cordelia �berwand den toten Punkt ohne Z�gern: �Ja, du kannst.�</p><p>So tanzte der Kaiser unter Cordelias Aufsicht mit der Braut, a� drei St�ck Cremetorte und wurde dann befriedigt zu Bett gebracht. F�nfzehn Minuten waren alles, was er sich gew�nscht hatte, das arme Kind.</p><p>Die Party ging weiter, in gehobener Stimmung. �Einen Tanz, Mylady?�, fragte Aral hoffnungsvoll an ihrer Seite.</p><p>Durfte sie es versuchen? Man spielte den ma�vollen Rhythmus des Spiegeltanzes�� sicher konnte sie dabei nichts falsch machen. Sie nickte, und Aral leerte sein Glas und f�hrte sie auf das polierte Parkett. Schritt, Gleiten, Gesten: w�hrend sie sich konzentrierte, machte sie eine interessante und unerwartete Entdekkung. Jeder von beiden Partnern konnte f�hren, und wenn die T�nzer aufmerksam und auf Draht waren, dann konnten die Zuschauer keinen Unterschied feststellen. Sie versuchte ein paar eigene Schritte, und Aral folgte ihr geschmeidig. Vor und zur�ck wechselte die F�hrung zwischen ihnen wie ein Ball hin und her, das Spiel nahm sie immer mehr in Anspruch, bis sie mit der Musik und dem Atem am Ende waren.</p><p>Der letzte Schnee des Winters schmolz in den Stra�en von Vorbarr Sultana, als Hauptmann Vaagen Cordelia vom Milit�rkrankenhaus aus anrief, �Es ist Zeit, Mylady. Ich habe alles getan, was ich in vitro tun konnte. Die Plazenta ist zehn Monate alt und altert deutlich. Die Maschine kann nicht weiter hochgefahren werden, um das zu kompensieren.�</p><p>�Wann also?�</p><p>�Morgen w�re gut.�</p><p>In dieser Nacht schlief sie kaum. Am n�chsten Morgen zogen sie alle zum Kaiserlichen Milit�rkrankenhaus, Aral, Cordelia, Graf Piotr mit Bothari an seiner Seite. Cordelia war sich gar nicht sicher, ob sie Piotrs Anwesenheit �berhaupt wollte, aber solange der alte Mann ihnen nicht den Gefallen tat, tot umzufallen, hatte sie ihn am Hals. Vielleicht w�rde ein weiterer Appell an seine Vernunft, eine weitere Darstellung der Fakten, ein weiterer Versuch den Ausschlag geben. Ihre unaufgel�ste Gegnerschaft bek�mmerte Aral, wenigstens sollte die Last f�r das Sch�ren der Spannung auf Piotr fallen, nicht auf sie selbst. <emphasis>Tu dein Schlimmstes, alter Mann. Du hast keine Zukunft au�er durch mich. Mein Sohn wird dein Opferfeuer entz�nden.</emphasis> Sie war allerdings froh, Bothari wieder zu sehen.</p><p>Vaagens neues Labor belegte ein ganzes Stockwerk in dem modernsten Geb�ude des Komplexes. Cordelia hatte seinen Umzug aus seinem alten Labor wegen Gespenstern veranla�t: Als sie zu einem ihrer h�ufigen Besuche nach ihrer R�ckkehr nach Vorbarr Sultana zu ihm gekommen war, hatte sie ihn in einem fast total entnervten Zustand angetroffen, unf�hig zur Arbeit. Jedesmal, wenn er den Raum betrat, so hatte er erz�hlt, spielte sich in seiner Erinnerung Dr. Henris gewaltsamer und sinnloser Tod wieder ab. Er konnte nicht auf den Boden treten an der Stelle, wo Henris K�rper hingefallen war, sondern mu�te einen weiten Bogen darum machen, schon die geringsten Ger�usche lie�en ihn zusammenzucken und hochschrecken. �Ich bin ein Mann der Vernunft�, sagte er heiser, �dieser abergl�ubische Unsinn bedeutet mir nichts.� So hatte Cordelia ihm geholfen, ein privates Opfer f�r Henri in einem Kohlenbecken auf dem Fu�boden des Labors zu entz�nden und hatte den Umzug als eine Bef�rderung getarnt.</p><p>Das neue Labor war hell und ger�umig und frei von den Geistern Verstorbener. Cordelia fand eine Schar wartender M�nner, als Vaagen sie hineinf�hrte: Forscher, die Vaagen zugewiesen worden waren, um die Replikatortechnologie zu ergr�nden, interessierte zivile Geburtshelfer einschlie�lich Dr. Ritter, Miles� eigenen zuk�nftigen Kinderarzt und seinen beratenden Chirurgen. Der Wachwechsel. Blo�e Eltern brauchten Entschlossenheit, um sich mit den Ellbogen ihren Eintritt zu erk�mpfen.</p><p>Vaagen eilte gesch�ftig hin und her, in gl�cklicher Bedeutsamkeit. Er trug immer noch seine Augenklappe, aber er versprach Cordelia, er w�rde sich jetzt bald die Zeit nehmen f�r die letzte Runde der Operationen, die sein Sehverm�gen wiederherstellen sollten. Ein Medizintechniker brachte den Uterusreplikator auf einem Rollwagen herbei und Vaagen hielt inne, als versuchte er sich zu �berlegen, wie er aus dem, was Cordelia als sehr einfaches Ereignis kannte, die passende dramatische Zeremonie machen konnte. Er entschlo� sich, es zu einem fachtechnischen Vortrag f�r seine Kollegen zu machen und erl�uterte detailliert die Zusammensetzung der Hormonl�sungen, w�hrend er sie in die entsprechenden N�hrleitungen injizierte, er interpretierte die Anzeigen und beschrieb die plazentale Trennung, die im Innern des Replikators vor sich ging, die �hnlichkeiten und Unterschiede zwischen Replikator- und K�rpergeburten. Es gab einige Unterschiede, die Vaagen nicht erw�hnte. <emphasis>Alys Vorpatril sollte das sehen,</emphasis> dachte Cordelia.</p><p>Vaagen blickte auf und sah, da� sie ihn beobachtete, er machte eine verlegene Pause und l�chelte. �Lady Vorkosigan.� Er wies mit einer Geste auf die Verschl�sse des Replikators. �W�rden Sie uns die Ehre erweisen, es zu tun?�</p><p>Sie streckte die Hand aus, z�gerte und schaute sich nach Aral um. Da war er, feierlich und aufmerksam am Rande der Schar. �Aral?�</p><p>Er trat vor. �Bist du dir sicher?�</p><p>�Wenn du eine Picknick-K�hlbox �ffnen kannst, dann kannst du auch das hier �ffnen.� Sie nahmen beide je einen Verschlu�griff, hoben sie gemeinsam an, brachen so die sterile Abschlie�ung des Replikators und nahmen den Deckel ab. Dr. Ritter hielt ein Vibra-Skalpell hinein, schnitt die dicke Filzmatte der N�hrschl�uche mit einer so sanften Bewegung durch, da� die darunter liegende amniotische H�lle unverletzt blieb, dann schnitt er Miles frei aus seinem letzten Rest biologischer Verpackung und reinigte seinen Mund und seine Nase von der Fl�ssigkeit vor seinem ersten �berraschten Atemholen. Arals Arm umschlang sie so fest, da� es weh tat. Ein ged�mpftes Lachen, nicht mehr als ein Atemsto�, kam von seinen Lippen: er schluckte und blinzelte, um seine Gesichtsz�ge, auf denen sich Stolz und Schmerz abzeichneten, wieder unter strenge Kontrolle zu bringen.</p><p><emphasis>Happy birthday,</emphasis> dachte Cordelia, <emphasis>eine gute Farbe��</emphasis></p><p>Ungl�cklicherweise war dies so ziemlich alles, was wirklich gut war. Der Kontrast zu dem Baby Ivan war �berw�ltigend. Trotz der extra Wochen k�nstlicher Schwangerschaft, zehn Monate im Vergleich zu Ivans neuneinhalb, war Miles kaum halb so gro� wie Ivan bei seiner Geburt und viel faltiger und schrumpeliger. Sein R�ckgrat war merklich deformiert, und seine Beine waren hochgezogen und in einer festen Kr�mmung verschr�nkt. Allerdings war er zweifellos ein m�nnlicher Erbe, keine Frage.</p><p>Sein erster Schrei war d�nn und schwach, �berhaupt nicht wie Ivans �rgerliches, hungriges Gebr�ll. Hinter ihr h�rte Cordelia Piotr entt�uscht zischen.</p><p>�Hat er gen�gend Nahrung bekommen?�, fragte sie Vaagen. Es war schwer, ihren Ton frei von jeder Anklage zu halten.</p><p>Vaagen zuckte hilflos die Schultern. �Alle, die er aufnehmen w�rde.�</p><p>Der Kinderarzt und sein Kollege legten Miles unter ein warmes Licht und begannen mit ihrer Untersuchung, Cordelia und Aral zu beiden Seiten.</p><p>�Diese Kr�mmung wird von selbst verschwinden, Mylady�, f�hrte der Kinderarzt aus. �Aber das untere R�ckgrat sollte so fr�h wie m�glich chirurgisch korrigiert werden. Sie hatten recht, Vaagen, die Behandlung zur Optimierung der Sch�delentwicklung hat auch seine H�ftgelenkspfannen verschmolzen. Das ist der Grund, weshalb die Beine in dieser seltsamen Stellung verschr�nkt sind, Mylord. Er wird chirurgische Behandlung brauchen, um diese Knochen zu lockern und herumzudrehen, bevor er anfangen kann, zu krabbeln oder zu laufen. Ich empfehle das noch nicht f�r das erste Jahr, zus�tzlich zur Arbeit am R�ckgrat, lassen Sie ihn zuerst Kraft und Gewicht zulegen���</p><p>Der Chirurg, der die Arme des Kindes untersuchte, fluchte pl�tzlich und griff nach seinem Diagnoseprojektor. Miles wimmerte. Arals Hand ballte sich an seiner Hosennaht zur Faust. Cordelia wurde es flau im Magen.</p><p>�Zum Teufel!�, sagte der Chirurg. �Sein Oberarmknochen ist gerade gebrochen. Sie hatten recht, Vaagen, die Knochen sind abnorm spr�de.�</p><p>�Wenigstens hat er Knochen�, seufzte Vaagen. �Zu einem bestimmten Zeitpunkt hatte er fast keine.�</p><p>�Seien Sie vorsichtig�, sagte der Chirurg, �besonders mit dem Kopf und dem R�ckgrat. Wenn die �brigen genauso schlecht sind wie die langen Knochen, dann werden wir uns irgendeine Art von Verst�rkung ausdenken m�ssen���</p><p>Piotr stapfte zur T�r. Aral blickte auf, pre�te seine Lippen zu einem Ausdruck der Mi�billigung zusammen und entschuldigte sich, dann folgte er Piotr. Cordelia war hin- und hergerissen, aber nachdem ihre Beobach tung sie vergewissert hatte, da� das Einrichten der Knochen in Angriff genommen wurde und da� die neue Vorsicht der �rzte Miles vor weiteren Sch�den sch�tzen w�rde, lie� sie die K�pfe der Kapazit�ten �ber ihn gebeugt zur�ck und folgte Aral.</p><p>Piotr ging im Korridor auf und ab. Aral stand in �R�hrt-euch!�Stellung, unbewegt und ohne sich zu bewegen. Bothari war ein schweigender Zeuge im Hintergrund.</p><p>Piotr drehte sich um und sah sie. �Du! Du hast mich eingewikkelt! Ist es das, was du �gro�e Wiederherstellung� genannt hast? Pfff!�</p><p>�Es sind gro�e Verbesserungen. Miles ist ohne Frage viel besser beieinander, als er war. Niemand hat Vollkommenheit versprochen.�</p><p>�Du hast gelogen. Vaagen hat gelogen.�</p><p>�Wir haben nicht gelogen�, widersprach Cordelia. �Ich habe versucht, dir die ganze Zeit genaue Zusammenfassungen von Vaagens Experimenten zu geben. Was herausgekommen ist, ist in etwa das, was seine Berichte uns erwarten lie�en. �berpr�f mal deine Ohren.�</p><p>�Ich sehe, was du versuchst, und es funktioniert nicht. Ich habe es ihm gerade gesagt�, er zeigte auf Aral, �hier mache ich halt. Ich m�chte diesen Mutanten nicht mehr sehen. Niemals. Solange er lebt, falls er lebt, und er sieht mir verdammt ziemlich kr�nklich aus, bringt ihn nicht zu meiner T�r. Gott ist mein Zeuge, Weib, du wirst keinen Narren aus mir machen.�</p><p>�Das w�re �berfl�ssig�, versetzte Cordelia.</p><p>Piotrs Lippen verzogen sich zu einem stummen Knurren. Da er um ein willf�hriges Ziel gebracht war, wandte er sich Aral zu. �Und du, du r�ckgratloser Pantoffelheld�� wenn dein �lterer Bruder noch lebte���</p><p>Piotr schlo� abrupt den Mund, zu sp�t, Arals Gesicht nahm eine graue F�rbung an, die Cordelia nur zweimal vorher an ihm gesehen hatte, beide Male war er nur einen Atemzug davon entfernt gewesen, einen Mord zu begehen. Piotr hatte sich �ber Arals ber�hmte Wutanf�lle lustig gemacht. Erst jetzt erkannte Cordelia, da� Piotr, obwohl er seinen Sohn im Zustand der Gereiztheit erlebt haben mochte, nie einen wirklichen Wutanfall gesehen hatte. Piotr schien dies jetzt auch bewu�t zu werden. Seine Augenbrauen senkten sich, und er starrte, aus dem Gleichgewicht geraten, vor sich hin.</p><p>Aral verschr�nkte seine H�nde hinter seinem R�cken. Cordelia sah, wie sie zitterten, mit wei�en Kn�cheln. Sein Kinn hob sich, und er sprach fl�sternd: �Wenn mein Bruder noch lebte, dann w�re er vollkommen gewesen. So dachtest du, so dachte ich, so dachte auch Kaiser Yuri. Also mu�test du danach mit dem zurechtkommen, was von jenem blutigen Bankett �brigblieb, mit dem Sohn, den das Todeskommando von Yuri dem Wahnsinnigen �bersehen hat. Wir Vorko-sigans, wir k�nnen uns behelfen.� Seine Stimme wurde noch leiser. �Aber <emphasis>mein </emphasis>Erstgeborener wird leben. Ich werde ihn nicht im Stich lassen.�</p><p>Diese eisige Aussage war ein nahezu t�dlicher Schnitt �ber den Unterleib, ein Streich so exakt, wie ihn Bothari h�tte mit Koudelkas Schwert f�hren k�nnen, und sehr genau plaziert. Wahrlich, Piotr h�tte nicht das Niveau dieses Disputs senken sollen. Ungl�ubig und voller Schmerz stie� er den Atem aus.</p><p>Arals Ausdruck war nach innen gerichtet. �Ich werde ihn nicht <emphasis>wieder </emphasis>im Stich lassen�, korrigierte er sich leise. �Ein zweite Chance wurde dir nie gegeben, Sir.� Hinter seinem R�cken lokkerten sich seine H�nde. Ein kleiner Ruck seines Kopfes verabschiedete Piotr und alles, was Piotr vielleicht sagen mochte.</p><p>Zweimal abgeblockt, sichtlich unter seinem gro�en Fehlgriff leidend, schaute sich Piotr nach einem m�glichen anderen Ziel um, an dem er seine Frustration auslassen konnte. Sein Blick fiel auf Bothari, der ihn mit ausdruckslosem Gesicht beobachtete.</p><p>�Und du. Deine Hand war in diesem Spiel vom Anfang bis zum Ende. Hat dich mein Sohn als Spion in meinem Haushalt plaziert? Wo liegt deine Loyalit�t? Gehorchst du mir oder ihm?�</p><p>Ein seltsames Funkeln erschien in Botharis Augen. Er neigte seinen Kopf in Richtung auf Cordelia. �Ihr.�</p><p>Piotr war so verbl�fft, da� er einige Sekunden brauchte, bis er seine Sprache wiederfand. �Sch�n�, sprudelte er zuletzt heraus, �sie kann dich haben. Ich will dein h��liches Gesicht nie wieder sehen. Komm nicht wieder ins Palais Vorkosigan zur�ck. Esterhazy wird dir noch vor Anbruch der Nacht deine Sachen bringen.�</p><p>Er drehte sich herum und marschierte davon. Sein gro�er Abgang, der schon schwach war, wurde dadurch verdorben, da� er �ber seine Schulter zur�ckblickte, bevor er die Ecke umrundete.</p><p>Ara gab einen sehr ersch�pften Seufzer von sich.</p><p>�Glaubst du, er meint das diesmal so?�, fragte Cordelia. �All das Zeug �ber �niemals wieder�?�</p><p>�Regierungsangelegenheiten werden es erforderlich machen, da� wir miteinander kommunizieren. Er wei� das. La� ihn heimgehen und ein bi�chen dem Schweigen lauschen. Dann werden wir sehen.� Er l�chelte d�ster. �Solange wir leben, k�nnen wir nicht voneinander loskommen.�</p><p>Sie dachte an das Kind, dessen Blut sie nun verband, sie mit Aral, Aral mit Piotr, und Piotr mit ihr selbst. �So scheint es.� Sie blickte entschuldigend zu Bothari. �Es tut mir leid, Sergeant. Ich wu�te nicht, da� Piotr einen durch Eid gebundenen Gefolgsmann feuern konnte.�</p><p>�Nun ja, genaugenommen kann er auch nicht�, erkl�rte Aral. �Bothari wurde gerade einem anderen Zweig des Haushalts zugewiesen. Dir.�</p><p>�Oh.� <emphasis>Genau das, was ich immer schon wollte, mein eigenes Monster. Was envartet man von mir, da� ich ihn in meinem Wandschrank aufhebe?</emphasis> Sie rieb sich den Nasenr�cken und betrachtete dann ihre Hand. Die Hand, die Botharis Hand auf dem Schwertgriff umfa�t hatte. So. Und so. �Lord Miles wird einen Leibw�chter brauchen, nicht wahr?�</p><p>Aral neigte interessiert den Kopf. �In der Tat���</p><p>Bothari sah pl�tzlich so gespannt hoffnungsvoll aus, da� Cordelia den Atem anhielt. �Einen Leibw�chter�, sagte er, �und eine R�ckendeckung.</p><p>Kein R�pel k�nnte ihm etwas zuleide tun, wenn�� lassen Sie mich ihm helfen, Mylady.�</p><p><emphasis>Lassen Sie mich helfen.</emphasis> Das reimt sich mit <emphasis>Ich liebe Sie,</emphasis> nicht wahr? �Das w�re����� <emphasis>unm�glich, verr�ckt, gef�hrlich, unverantwortlich��</emphasis> �mir ein Vergn�gen, Sergeant.�</p><p>Sein Gesicht leuchtete auf wie eine Fackel. �Kann ich schon jetzt damit anfangen?�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Ich werde also da drin auf Sie warten�, er nickte in Richtung auf Vaagens Labor. Dann schl�pfte er zur�ck durch die T�r. Cordelia konnte sich ihn genau vorstellen, wie er wachsam an der Wand lehnte�� sie hoffte, da� seine argw�hnische Anwesenheit nicht die �rzte so nerv�s machen w�rde, da� sie ihren zerbrechlichen Patienten fallen lie�en.</p><p>Aral atmete laut und vernehmlich aus und nahm sie in seine Arme. �Habt ihr Betaner irgendwelche Kindergeschichten �ber die Namenstagsgeschenke der Hexe?�</p><p>�Die guten und die b�sen Feen scheinen f�r dieses Kind alle in gro�er Zahl unterwegs zu sein, nicht wahr?� Sie lehnte sich gegen den kratzenden Stoff seiner uniformierten Schulter. �Ich wei� nicht, ob Piotr Bothari f�r einen Segen oder f�r einen Fluch hielt. Aber ich wette, er wird wirklich die R�pel fernhalten. Wer auch immer die R�pel sein m�gen. Es ist eine seltsame Liste von Geburtstagsgeschenken, die wir unserem Kleinen �berreicht haben.�</p><p>Sie kehrten ins Labor zur�ck und lauschten aufmerksam dem Rest des Vortrags des Doktors �ber Miles� besondere Bed�rfnisse und Verletzlichkeiten, arrangierten den Zeitplan f�r die erste Behandlungsrunde und wickelten ihn warm f�r die Fahrt nach Haus ein.</p><p>Er war so klein, ein St�cklein Fleisch, leichter als eine Katze, fand Cordelia, als sie ihn endlich in ihre Arme nahm, Haut an Haut zum erstenmal, seit er aus ihrem Leib geschnitten worden war. Einen Moment lang �berkam sie Panik.</p><p><emphasis>Legt ihn nochmals f�r achtzehn Jahre zur�ck in sein Fa�, ich kann damit nicht umgehen��</emphasis> Kinder mochten ein Segen sein oder nicht, aber sie zu schaffen und dann im Stich zu lassen, das war sicher Verdammnis. Selbst Piotr wu�te das. Aral hielt die T�r f�r sie auf.</p><p><emphasis>Willkommen auf Barrayar, mein Sohn.</emphasis> Hier f�ngst du an, empfange eine Welt aus Wohlstand und Armut, aus heftigem Wandel und eingewurzelter Geschichte. Du bist geboren, zweimal geboren. Empfange einen Namen.</p><p>Miles bedeutet �Soldat�, aber la� dich nicht von der suggestiven Kraft dieses Namens �berw�ltigen. Empfange eine verzerrte Gestalt in einer Gesellschaft, die die Mutationen verabscheut und f�rchtet, die ihre tiefste Seelenangst gewesen sind. Empfange einen Titel, Wohlstand, Macht, und all den Ha� und Neid, die sie anziehen werden. Nimm es an, da� dein Leib auseinandergeschnitten und wieder zusammengef�gt wird. Erbe eine Schar Freunde und Feinde, die du selber dir nie gemacht hast. Empfange einen Gro�vater aus der H�lle. Ertrage den Schmerz, finde Freude, und schaffe dir deine eigene Bedeutung, denn das Universum wird sie dir sicher nicht liefern. Sei immer ein bewegliches Ziel. Lebe! Lebe! Lebe!</p></section><section><title><p>EPILOG</p></title><p><strong><emphasis>Vorkosigan Surleau. F�nf Jahre sp�ter.</emphasis></strong></p><p>�Verdammt, Vaagen�, keuchte Cordelia atemholend, �Sie haben mir nie gesagt, da� der kleine Bursche <emphasis>hyperaktiv sein</emphasis> w�rde.�</p><p>Sie galoppierte die Treppe hinab, durch die K�che und hinaus auf die Terrasse am Ende der weitl�ufigen steinernen Residenz. Ihr Blick ging �ber den Rasen hin, �berpr�fte die B�ume und suchte den langen See ab, der in der Sommersonne funkelte. Keine Bewegung.</p><p>Aral, in eine alte Uniformhose und ein ausgebleichtes Kattunhemd gekleidet, kam um das Haus herum, sah sie und �ffnete seine H�nde in einer Geste, die sagte: Nichts. �Er ist nicht hier drau�en.�</p><p>�Er ist auch nicht drinnen. Unten, oder oben, was meinst du? Wo ist die kleine Elena? Ich wette, sie sind beide zusammen. Ich habe ihm verboten, ohne einen Erwachsenen zum See hinabzugehen, aber ich wei� nicht���</p><p>�Sicherlich nicht am See�, sagte Aral, �sie sind schon den ganzen Morgen geschwommen. Ich war schon ersch�pft vom blo�en Zuschauen. In den f�nfzehn Minuten, wo ich mitgez�hlt habe, ist er neunzehnmal auf die Anlegestelle geklettert und wieder hineingesprungen. Multipliziere das mit drei Stunden!�</p><p>�Also dann nach oben�, entschied Cordelia. Sie drehten sich um und stapften zusammen den H�gel hinauf auf dem Kiespfad, der mit einheimischen, von der Erde importierten und exotischen B�schen und Blumen ges�umt war. �Und zu denken�, keuchte Cordelia, �da� ich um den Tag gebetet habe, an dem er laufen k�nnte.�</p><p>�Es sind f�nf Jahre angestauter Bewegung, die auf einmal freigesetzt wurde�, analysierte Aral. �Auf gewisse Weise ist es beruhigend, da� sich diese ganze Frustration nicht nach innen gewandt hat und zu Verzweiflung wurde. Eine Zeitlang bef�rchtete ich, es k�nnte so kommen.�</p><p>�Ja. Hast du bemerkt, da� seit der letzten Operation dieses endlose Geplapper aufgeh�rt hat? Zuerst war ich froh, aber glaubst du, er wird stumm werden? Ich wu�te nicht einmal, da� diese K�hleinheit auseinandergenommen werden konnte. Ein stummer Ingenieur.�</p><p>�Ich glaube, da� schlie�lich die verbalen und die mechanischen F�higkeiten in ein Gleichgewicht kommen werden. Wenn er �berlebt.�</p><p>�Da sind all wir Erwachsenen, und er ist nur einer. Wir sollten eigentlich mit ihm Schritt halten k�nnen. Warum kommt es mir so vor, als sei er uns zahlenm��ig �berlegen und h�tte uns umzingelt?� Sie hatte den H�gel erklommen. Piotrs St�lle lagen drunten in dem niedrigen Tal, ein halbes Dutzend rot gestrichene Geb�ude aus Holz und Stein, umz�unte Koppeln, Weiden, die mit den kr�ftig gr�nen Erdgr�sern bepflanzt waren. Sie sah Pferde, aber keine Kinder. Bothari war ihnen allerdings voraus, er kam gerade aus einem Geb�ude und ging in ein anderes hinein. Sein Gebr�ll drang bis zu ihnen herauf, wenn auch ged�mpft durch die Entfernung:</p><p>�Lord Miles?�</p><p>�O Liebster, ich hoffe, er bel�stigt nicht Piotrs Pferde�, sagte Cordelia. �Glaubst du wirklich, dieser Versuch zur Vers�hnung wird diesmal funktionieren? Einfach weil Miles endlich l�uft?�</p><p>�Er war h�flich, gestern abend beim Dinner�, sagte Aral, es klang wohl�berlegt hoffnungsvoll.</p><p><emphasis>�Ich</emphasis> war h�flich, gestern abend beim Dinner�, sagte Cordelia und zuckte die Achseln. �Er hat mich fast angeklagt, deinen Sohn zum Zwergenwuchs hungern zu lassen. Kann ich es �ndern, wenn das Kind lieber mit seinen Speisen spielt, als sie zu essen? Ich wei� einfach nicht, ob man das Wachstumshormon noch steigern soll, Vaagen ist so unsicher �ber dessen Wirkung auf die Br�chigkeit der Knochen.�</p><p>Ein listiges L�cheln stahl sich auf Arals Gesicht. �Ich dachte, der Dialog mit den Erbsen, die aufmarschierten und die Semmel umringten und von ihr verlangten, sich zu ergeben, war ziemlich raffiniert. Man konnte sie sich fast als kleine Soldaten in gr�ner kaiserlicher Uniform vorstellen.�</p><p>�Ja, und du warst keine Hilfe, weil du gelacht hast, anstatt ihn einzusch�chtern, damit er i�t, wie ein richtiger Papa.�</p><p>�Ich habe nicht gelacht.�</p><p>�Deine Augen haben gelacht. Das hat er auch gemerkt. Er wickelt dich um den Finger.�</p><p>Der warme organische Geruch von Pferden und ihren unvermeidlichen Nebenprodukten erf�llte die Luft, als sie sich den Geb�uden n�herten.</p><p>Bothari erschien wieder, sah sie und winkte entschuldigend mit der Hand. �Ich habe gerade Elena gesehen. Ich habe ihr gesagt, sie soll vom Heuboden herunterkommen. Sie sagte, Lord Miles sei nicht da oben, aber er ist irgendwo hier in der N�he. Es tut mir leid, Mylady, als er davon redete, die Tiere anzuschauen, da habe ich nicht begriffen, da� er meinte, sofort. Ich bin sicher, ich werde ihn im n�chsten Moment finden.�</p><p>�Ich hoffte, Piotr w�rde einen Rundgang anbieten.�</p><p>�Ich dachte, du magst Pferde nicht�, sagte Aral.</p><p>�Ich kann sie nicht ausstehen. Aber ich dachte, es k�nnte den alten Mann dazu bringen, zu ihm wie zu einem menschlichen Wesen zu sprechen, anstatt �ber ihn wie �ber eine Topfpflanze. Und Miles war so aufgeregt �ber die dummen Viecher. Ich mag aber nicht hier herumh�ngen. Dieser Ort ist so�� von Piotr gepr�gt.� <emphasis>Archaisch, gef�hrlich, und man mu� auf seine Schritte aufpassen.</emphasis></p><p>Wenn man vom Teufel spricht�� Piotr h�chstpers�nlich kam aus dem alten Steinschuppen, wo das Sattelzeug aufbewahrt wurde, und rollte ein Seil auf. �Ach, da seid ihr ja�, sagte er in neutralem Ton. Er schlo� sich ihnen jedoch ungezwungen an. �Ihr seid doch wohl nicht gekommen, um das neue Stutenfohlen zu sehen.�</p><p>Sein Ton war so ausdruckslos, da� Cordelia nicht sagen konnte, ob er wollte, da� sie ja oder nein sagte. Aber sie ergriff die Gelegenheit, �Ich bin sicher, Miles w�rde es gerne sehen.�</p><p>�Mm.�</p><p>Sie wandte sich an Bothari. �Warum gehen Sie nicht und holen��� Aber Bothari starrte an ihr vorbei, und seine Lippen kr�uselten sich best�rzt.</p><p>Sie drehte sich um. Eines von Piotrs riesigen Pferden, ganz ohne Z�gel, Sattel, Halfter oder einen anderen Griff, an dem man sich h�tte festhalten k�nnen, trottete aus der Scheune. An seine M�hne klammerte sich wie eine Klette ein dunkelhaariger, zwergenhaft kleiner Junge. Miles scharfe Gesichtsz�ge gl�nzten in einer Mischung aus Begeisterung und Schrecken. Cordelia wurde beinahe ohnm�chtig.</p><p>�Mein importierter Hengst!�, schrie Piotr entsetzt auf.</p><p>In einem blo�en Reflex zog Bothari seinen Bet�uber aus seinem Halfter. Dann stand er gel�hmt von der Ungewi�heit, worauf und wohin er schie�en sollte. Wenn das Pferd umfiel und auf seinen kleinen Reiter rollte��</p><p>�Schauen Sie, Sergeant�, rief Miles� d�nne Stimme eifrig. �Ich bin gr��er als Sie.�</p><p>Bothari rannte auf ihn los. Das Pferd scheute, drehte sich um und fiel in einen leichten Galopp.</p><p>�� und-ich-kann-auch-schneller-rennen!� Die Worte kamen im Rhythmus der Gangart. Das Pferd verschwand hinter dem Stall.</p><p>Die vier Erwachsenen st�rmten hinterher. Cordelia h�rte keinen weiteren Schrei, aber als sie um die Ecke kamen, lag Miles auf dem Boden und das Pferd hatte ein St�ck weiter angehalten und senkte seinen Kopf, um von dem Gras zu rupfen. Es schnaubte feindselig, als es sie sah, hob seinen Kopf, tanzte von Fu� zu Fu� und ri� sich dann noch ein paar Bissen Gras ab.</p><p>Cordelia fiel auf die Knie neben Miles, der sich schon aufsetzte und sie wegwinkte. Er war bleich, und seine rechte Hand hielt den linken Arm in dem allzu vertrauten Zeichen von Schmerz umklammert.</p><p>�Sehen Sie, Sergeant?�, keuchte Miles. �Ich kann reiten. Ich kann es.�</p><p>Piotr hielt auf dem Weg zu seinem Pferd inne und blickte auf den Jungen hinab. �Ich wollte nicht sagen, da� du nicht dazu <emphasis>f�hig</emphasis> bist�, sagte der Sergeant in einem gehetzten Ton. �Ich wollte sagen, da� du keine <emphasis>Erlaubnis</emphasis> hattest.�</p><p>�Oh.�</p><p>�Hast du ihn gebrochen?� Bothari nickte in Richtung auf den Arm.</p><p>�Ja�, seufzte der Junge. Es waren Tr�nen des Schmerzes in seinen Augen, aber seine Z�hne widersetzten sich jedem Zittern seiner Stimme.</p><p>Der Sergeant brummte, rollte Miles� �rmel hoch und tastete den Unterarm ab. Miles zischte. �Ja.� Bothari zog, drehte, richtete ein, holte einen Plastik�rmel aus seiner Tasche, zog ihn �ber Arm und Handgelenk und blies ihn auf. �Das wird ihn halten, bis der Doktor ihn sieht.�</p><p>�Solltest du nicht lieber�� das schreckliche Pferd einsperren?�, sagte Cordelia zu Piotr.</p><p>�Das is� nich� schrecklich�, beteuerte Miles und rappelte sich hoch. �Es ist das h�bscheste.�</p><p>�Meinst du, ja?�, sagte Piotr rauh. �Wie kommst du darauf? Magst du Braun?�</p><p>�Es bewegt sich am schwungvollsten�, erkl�rte Miies ernsthaft und h�pfte nachahmend herum.</p><p>Piotrs Aufmerksamkeit war gefesselt. �Und das tut es�, sagte er, und es klang nachdenklich. �Es ist mein hei�ester Dressurkandidat�� Magst du Pferde?�</p><p>�Sie sind gro�artig. Sie sind wunderbar.� Miles drehte eine Pirouette.</p><p>�Ich konnte deinen Vater nie sehr f�r sie interessieren.� Piotr warf Aral einen unfreundlichen Blick zu.</p><p><emphasis>Gott sei dank,</emphasis> dachte Cordelia.</p><p>�Auf einem Pferd w�re ich so schnell wie jeder andere, das wette ich�, sagte Miles.</p><p>�Das bezweifle ich�, sagte Piotr kalt, �wenn dies ein Beispiel daf�r war. Wenn du reiten willst, dann mu�t du es richtig tun.�</p><p>�Bring es mir bei�, sagte Miles sofort.</p><p>Piotrs Brauen hoben sich. Er blickte auf Cordelia und l�chelte s�uerlich. �Wenn deine Mutter es erlaubt.� Er wippte auf seinen Fersen, in selbstgef�lliger Sicherheit, da er Cordelias tief verwurzelte Antipathie gegen die Tiere kannte.</p><p>Cordelia, die hatte sagen wollen: Nur <emphasis>�ber meine Leiche,</emphasis> bi� sich auf die Zunge und dachte schnell nach. Arals aufmerksame Augen signalisierten etwas, aber sie konnte es nicht lesen. War diese eine neue Methode f�r Piotr, zu versuchen, Miles umzubringen? Ihn hinaus nehmen und dann zerschmettern, zertrampeln, zerbrechen�� erm�den lassen? Nun war da ein Gedanke��</p><p>Risiko oder Sicherheit? In den wenigen Monaten, seit Miles endlich den vollen Umfang der Bewegungen erworben hatte, war sie in panischer �bertreibung herumgerannt und hatte versucht, ihn vor k�rperlichen Sch�den zu bewahren, er hatte die gleiche Zeit mit fast verzweifelten Versuchen zugebracht, ihrer Aufsicht zu entfliehen. Noch mehr von diesem Kampf, und entweder w�rde sie dabei verr�ckt werden oder er.</p><p>Wenn sie ihn schon nicht in Sicherheit halten konnte, dann war vielleicht die zweitbeste Sache, ihn Kompetenz darin zu lehren, gef�hrlich zu leben.</p><p>Er war schon fast unsinkbar. Seine gro�en grauen Augen strahlten eine verzweifelte, stumme Bitte auf sie aus <emphasis>La� mich, la� mich, la� mich��</emphasis> mit gen�gend �bertragungsenergie, um Stahl zu durchbrennen. <emphasis>Ich w�rde gegen die ganze Welt f�r dich k�mpfen, aber ich bin verdammt, wenn ich herausfinden kann, wie ich dich vor dir selber sch�tzen kann. Also los, mein Kind.</emphasis></p><p>�Ja�, sagte sie, �wenn der Sergeant dich begleitet.�</p><p>Bothari warf ihr einen Blick entsetzten Vorwurfs zu. Aral rieb sein Kinn, seine Augen leuchteten. Piotr sah total verbl�fft aus, da� man ihn zwang, Farbe zu bekennen.</p><p>�Gut�, sagte Miles. �Kann ich mein eigenes Pferd haben? Kann ich dieses haben?�</p><p><emphasis>�Nein,</emphasis> nicht dieses�, sagte Piotr ungehalten. Dann f�gte er hinzu: �Vielleicht ein Pony.�</p><p>�Ein Pferd�, sagte Miles und beobachtete sein Gesicht.</p><p>Cordelia erkannte, was sie den �Modus zur sofortigen neuen Verhandlung� nannte, einen spinalen Reflex, soweit sie es sagen konnte, der durch das geringste Zugest�ndnis ausgel�st wurde. Das Kind sollte dazu eingesetzt werden, Vertr�ge mit den Cetagandanern auszuhandeln.</p><p>Sie fragte sich, wieviele Pferde er wohl am Ende haben w�rde. �Ein Pony�, warf sie ein und gab Piotr die Unterst�tzung, von der er jetzt noch nicht einsah, wie dringend er sie brauchen w�rde. �Ein sanftes Pony. Ein sanftes <emphasis>kleines</emphasis> Pony.�</p><p>Piotr sch�rzte seine Lippen und blickte sie herausfordernd an. �Vielleicht kannst du dich zu einem Pferd emporarbeiten�, sagte er zu Miles. �Verdiene es dir, indem du gut lernst.�</p><p>�Kann ich jetzt anfangen?�</p><p>�Du mu�t zuerst deinen Arm eingerichtet bekommen�, sagte Cordelia bestimmt.</p><p>�Ich mu� doch nicht warten, bis er <emphasis>heilt,</emphasis> oder?�</p><p>�Das wird dich lehren, nicht herumzulaufen und etwas zu brechen.�</p><p>Piotr betrachtete Cordelia durch halbgeschlossene Augen. �Tats�chlich beginnt ein richtiges Dressurtraining an der Longe. Du darfst gar nicht deine Arme benutzen, bis du nicht deinen Sitz entwickelt hast.�</p><p>�Ja?�, sagte Miles, der ehrf�rchtig an seinen Lippen hing. �Was noch?�</p><p>Zu diesem Zeitpunkt zog sich Cordelia zur�ck, um den Leibarzt zu finden, der den Wanderzirkus�� hm�� das Gefolge des Lordregenten begleitete.</p><p>Piotr hatte sein Pferd wieder eingefangen�� ziemlich wirkungsvoll, obwohl Cordelia sich fragte, ob der Zucker in seinen Taschen nicht Schwindel war�� und erkl�rte Miles schon, wie man aus einer einfachen Leine ein Halfter machte, auf welcher Seite des Tieres man stehen mu�te und in welche Richtung man blickte, wenn man es f�hrte. Der Junge, der dem alten Mann kaum bis zur H�fte reichte, sog alles in sich auf wie ein Schwamm, sein nach oben gerichtetes Gesicht war leidenschaftlich aufmerksam.</p><p>�Willst du eine Zusatzwette abschlie�en, wer wen am Ende der Woche an der Longe f�hren wird?�, murmelte Aral ihr ins Ohr.</p><p>�Ich setze nicht dagegen. Ich mu� sagen, die Monate, die Miles unbeweglich in diesem schrecklichen Wirbels�ulenkorsett zugebracht hat, haben ihn gelehrt, wie man jemanden bezaubert. Das ist auf lange Sicht die wirkungsvollste Methode, die Menschen um einen herum zu beherrschen und so seinen Willen durchzusetzen. Ich bin froh, da� er sich nicht daf�r entschieden hat, das Jammern als seine Strategie zu vervollkommnen. Er ist das willensst�rkste kleine Monster, das ich je getroffen habe, aber er l��t es einen nicht merken.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� der Graf eine Chance hat�, stimmte Aral zu.</p><p>Sie l�chelte �ber diese Vorstellung, dann blickte sie ihn ernster an. �Als mein Vater einmal zu Hause war, im Urlaub vom Betanischen Astronomischen Erkundungsdienst, da bastelten wir zusammen Modellsegelflieger. Zwei Dinge waren n�tig, um sie fliegen zu lassen, Zuerst mu�te man rennen, um sie zu starten. Dann mu�ten man sie loslassen.� Sie seufzte. �Zu lernen, wann genau man loslassen mu�te, war der schwierigste Teil.�</p><p>Piotr, sein Pferd, Bothari und Miles verschwanden hinter der Scheune.</p><p>Nach seinen Gesten zu schlie�en, stellte Miles seine Fragen im Maschinengewehrtempo.</p><p>Aral griff nach ihrer Hand, als sie sich umwandten, um den H�gel hinaufzugehen. �Ich glaube, er wird hoch steigen, lieber Captain.�</p></section><section><p>Barrayar</p><p>Ein Roman aus dem BARRAYAR-UNIVERSUM</p><empty-line/><p>Aus dem Amerikanischen von MICHAEL MORGENTAL</p><p>Deutsche Erstausgabe</p><empty-line/><p>Wilhelm Heyne Verlag</p><p>M�nchen</p><empty-line/><p>HEYNE SCIENCE FICTION FANTASY</p><p>Band 06/5061</p><empty-line/><p>Titel der amerikanischen Originalausgabe: BARRAYAR</p><p>Deutsch von Michael Morgental</p><p>Das Umschlagbild malte Michael Hasted</p><empty-line/><p>Redaktion: Wolfgang Jeschke</p><p>Copyright � 1991 by Lois McMaster Bujold</p><p>Erstausgabe by Baen Books, New York</p><p>Copyright � 1993 der deutschen Ausgabe und der �bersetzung by</p><p>Wilhelm Heyne Verlag GmbH Co. KG, M�nchen</p><p>Printed in Germany 1993</p><p>Umschlaggestaltung: Atelier Ingrid Sch�tz, M�nchen</p><p>Technische Betreuung: Manfred Spinola</p><p>Satz: Schaber Satz- und Datentechnik, Wels</p><p>Druck und Bindung: Eisnerdruck, Berlin</p><empty-line/><p>ISBN 3-453-07.227-8</p></section></body><binary id="cover" content-type="image/jpeg">/9j/2wBDAAUDBAQEAwUEBAQFBQUGBwwIBwcHBw8LCwkMEQ8SEhEPERETFhwXExQaFRERGCEYGh0dHx8fExciJCIeJBweHx7/2wBDAQUFBQcGBw4ICA4eFBEUHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh7/wAARCAE/AMgDASIAAhEBAxEB/8QAHQAAAAcBAQEAAAAAAAAAAAAAAAECBAUGBwMICf/EAFYQAAEDAwMBBQMHBgoECgsAAAECAwQABREGEiExBxMiQVEUMmEII0JScYGRFTNiobHBFiRDU3KCkrLR4Rdjc6I0NUR0g5SjwtLxGCU2RlRWZLPT4vD/xAAbAQACAwEBAQAAAAAAAAAAAAACBAEDBQAGB//EADURAAEEAAQEBAQFAwUAAAAAAAEAAgMRBBIhMQUTQVEiYXGBFJGhwSMysdHwBkLhM2Jy8fL/2gAMAwEAAhEDEQA/ANtlvtxo7kh5W1ttJWs46ADJNQP8NNO//G/9kv8AwqS1bgaauX/NXP7przxP1HZ42wGY04suobKG3ElXiWE56+WRmvkvCuGtxQcT0XqsXinQ1S3Uaz06f+W/9kv/AAqeYeS80l1s5QsApPrnpXm+16lss9MdTE9gKfICW1rAXk9Bj1r0TZv+Kov+xR/dFBxXAtweWr17osJiXTXfRO9yhS0rVtoxjFKAAFZTKTxXOglP6NLCxnBwKWlI9a7KoJXLaaWAfSum0UoYqbtCSkgfClAfClY/SoY/SogLQZkSaCqG4BWMj8aBWgHBUBRAIbQSPOjJzxR5G0EEEHoRRdBk1FrrRUKJLiFe6d3wBo+8QTtKhn0zzU2opKGcUDnFLSBilEDFcG2otckj4V3A6cUk8EcV0zR7KCUg+90oE+HpS+tHjI6UNKLpNnzhFCukpHgoUOVWNOirGsv/AGZug/8ApXP7teLblZYzLMh5i6R5ClFXzaThXeKKRwTxwoZ617S1hzpy5/8ANl/3awA2K0kcWuIVH/UJ9c+nrXpP6Zk5TJPVZ/ET4m+izjTNlZgXeDJVd4W7vmfme85ztUMff6dD0NeyrL/xVF/2KP7orz6zZLW0+25+ToqVoIIIZSCkg8EccEZNeg7KD+Sov+xR/dFV/wBUS8xsZ9VZwzUuT3JxSgSMUnBCc0lxW1JUegGTXmGFa1Lz4i0Q758se4oeYcKLZHbnEBZwXUttbFfdvTx04rWu1TtCtHZ/YRcbglciS8ru4kRs+N9foPQDzPl9pAOHdm2rI9m7YdaapvcO8lFwWW4TjducVvb7zjy48KEdaX2zTr3fbf2f9ok+xSGoMSWtc2IEZ9nAdb2lXT3kp6njP217abAPlxETZxTQ1o33OW6Hvos1sgDXFu9n9aWv6D7QLvfb0bLqXSrum57kT2yKhclLiXmwQCM4G1YKhlJ5GecVA/J5udnvdx1nqO1x7m0Jl0+dVMlB7dt3EbcAY4V8eNoycULfcJGrtRP6ztFvnt2y12yQza/aWdhmvuBJUpCepR82kAnrmst7G7hqS29kOoLfpy1z0zEyC7NlIaO9gEoQUtp+ksISpXUbaojwTHxSBoDScoIvQWT3PkPdG55BB33Wx9jfaye0W/3yNHsaocKAlKm31SApTgUohIUnA2kgE8ZAxjNae47831xXlnsgtkaL2/MSOzpNxd0yqBi4uraWlCfByk7vVxLZ+3pxXoLtAvytN6Rn3ZuO9IfbaKY7bTSnFKdIwgYSCcbsc0jxbCsjxLGQCg6tOovTXzR4d2ZpLui8xT7kmP8AKlhX+BFVHt71+9iCyvwuLTtbeV9hLmaLtrvTuse2qyNLStdhauiLS1hRAdUlxv2j8e8AyOoxTjtN0hcx2Qdnkiy226uT2FuF4lpXeh5071f744p92oabXphfZhaI1suE1VlxLuLsaK4tOVutqVhXxUlzjqABXr45InPjcPzAOaPRt6++nzWc5pIcPO/nS2ntC7R7ZoRm0actNqXc7xKCGIFtZeCNqchKdyjnYnyBx5egJBdn3ae1qZvUUS625u2TLFkTQiR3zAThXIcwM+6c8VmnaEiVp/5RVn17d4M86cLQR7QIanPZ/mlo2KTz5q3dPpcZIp/r+4RWNCX46V0hOtjupX1NtutwFb5LeU96+4nb82nxOBIPJzuArzrcBC6NjQLLqOa9jeo9h79U42Q2T2We/JxvH8G+2iVIuTAtMO62yQ+20pWUNNHDyefQJRwfSk6Dmva1+U7b7tqCE53Fxddmx2XSRtaQ0vuPw7tJ9D186m+2vs/uc/tV0rb9Pxp7UJ22sQ1SWm1fMNbloVuV8GuvqOKfuw12r5T9nft1lnm1Qmm4HfeyuFtB7gtp8X1RlIz0H2VuOkjkDpW/mdGfav3+yWDS12U7By0nWfbFJga8VozSOmHdSXJhkuywJHcJZxgkZKSD19euB1NP+xLtUV2lflh1Fidt0eC8htlxT2/vgoKPOBhJG0ZAJ94c1j2l5t60J20a8TK0zcLhc7wX1Wsx2twXvc3p8X1PEncfo7aadjNy1pZ+yLVtm05pm4C8pfW6uV3X5skNIKW08bnQnvlY8ilPBJrOk4XCYaYBfhp199zvVdEQldm181rPZb2vTNda7v1iYsIjQ7a2tbTipHjUULCMKSUjG4nPw+NUy09p/ajP7brjb42ni83Bi/PWD8ptFCBhHj7/AG43ZXnA+zyNVvs0tdvY7frPI7OEXgWZMEIu7rzLrYSopVvS5ux1KWzjpu6cVY+yFy62/wCURrJEuxTHHbhOW2l9SdrbcYKcPeZ887G8DzzVhwsEL5XMaCMgIB3GtHr79+yHM5wFnqrpqrtreiaivVo0zp9m8/kGKuRdJDk3uWmin+TSdp3L8sfWBHkTTG7/AChUQtBWTU7Wk5Twn8yUGV3bUbxuI9/YdxJaXgYHAycZGcu0JpKHpvVWrLT2gadvt4kPuoct6I4kd1PUFLVlSm1bVZJQfFux4s4Iwb18pOyX279lmjtPW7TRjynZranolvZ3tQxsI2eBPugufAeGpODwccrI8tg9bqxVnr+1eaHO8glXTs87WputNbP2mJo26xbMmL7S1c5CFJ3g42+HbjxZynCjkc+uBWlxmER47bLaQkISEgAdABQry8+Jjc642ZR62nGtIGpTC6RWpsJ2I9u7t5BQracHBphabFa7YMQ4wQo8FZ5UfvNSyuVVzVwusjmOaKB0TgaDvuoy76btFzG6TGHe/wA6jwr/AB8/vqQabDMVtsdEJCR9wxXTqnNDOUYonzOc3KSoYwA2EMjYKVgEUnACRSsihYbRlF3Y9TSdicYIBH2V0xRhNWuJUJJQlQTxgDpRhtIPCRj4edKI4waNPBxQrkhKQM7UgD4DFKCQRk5+ylgDBowOOOK7NahcinKQMDA8qUE5GMA/bSyjilJGKlopRaAbBThSQoehGaSpI3dBS+aI4UaImkNqs9p90m2HQN4v1sEMzLfGU+gSgotqCeSMJIOSMgc9SKxu0dsusI1r0vf7/Z7JItOoJRjIbhOONyGiHNm4pUVZHmBxnpkdau/yppxgdit6w5tVJLMdPx3Opz/uhVYo3ZH9Jaj7KJU2ai+xp3dmPbpDeExC6WSVJweoU6FA46oHwx6vhOGikwxc8WST9G3oeiTmeQ7RerG7vZV3RVsTcYRuSEb1Re9T3wT67c5xRs3e0ybm/bI1xhvTo4BfjtvJU40D03JByn7685uxLbB+VtHXEVsRDivSZ7ilfyrjTysk/wDSJx6DAp98my4wrn2h9oeozJBRMuARDW4fE4krdXxnnhCUnHkPspOXg7RGZA41lB26k7fdGJ7NV1I+S1nR+oLxdNb6ntshFn/JNtW2iK5GkpceWTu3d4EqOwggjBSk8efWpm3aq0xOvC7TEv1peuKNwVHbltl3w9fDnPFeVNM3m4QuxPtF1lH75uZe7s3GDrR/Ng5UpX399j1Bq72jSum7R2Z9nUm1wGFagnXC3SUSUpzIKlLC3huH8mEbsjoPPmnpeDRREgGhYAodQASTr3VbJy7otBumvrjH+UFbNAQGYLlufgGTMWpCi62va4oAEKAAwlHUH3qvVz1Vp2zzmoF0vlshS3gC2w/KQhxQJwMJJyckYFYdo1+NM+Vlq27FQ7qPDERBV/PANN7R/ZcqjdnaLZqrS/arrzVbceVN9mX3Cnhu9nWoKKQ3z4fEUpHpjHnwLuFxyZSTQDW3W5LihMxHzP0W7fJ77Qb52iWi8XW6xoDMeNPMaN7MhQyAkKO4qUc8KTzgUKhfkdsRYnZAw2260ZMuU9LcQF+MJKy0klPkD3JwfPB9KFZXFYGfGSBmgBqvRFG85Ra15dVu46kRFukiI3aLjMUwoIcWyWQkEpCseNxJ6KHlVjJ3CqBq6DKiashzIlydbYlvKMqKptCkrwyAFBWNycbE55PUdPPIwvIe/wDF26b/AGWvAzO4NUr/AAtxkfwcvH9uN/8Amo29UIPK7JdWh+l3H7nDWL6M13e7vo3WuqJK2AzBLwgfN8IKU5T/AEuqaleymTri86Jj60u14iS7a8l1a4nsYQ4EtrUglK0qAz4ScFPPTjrW3Nwp0QcXhvhNddzrSsZ8MctX4tVslovkG5Phhl3Y9/NOpLa8euFAZHxGR8al8DOKxNm8Ny9W3LRlxIDnsgn26ShW1zaVbeCPdWhWcEdUj7c2nsX1nI1TBulquq2zeLFLMOUWxgOpBIS5jy3bVD7QT54pafh3JjMrdqBryOyqnYGOpvcj3C0XjFDHFJGcUodOtZIdaqQ+lSh1NJIO6jAOaNQlDO00pPuUkA7aNIOypAUFLzxQUaLHFAippClUkdaPBoAc1Lcyjwqq9oegLBryNHi6g9uUxGUVttsvqbQpRxyodFEY49Mn1NMNL9l2k7Bc27mzCcmT2G+6jyZkhx5bKB0CNyiE4yeg86vec0VNDHYhjMkchDewKqyC7I1Weas7H9Haj1c3qa5xnnJSUJS62lzDb+3pvHnxxxjI65qkXvQrGgLldpejNFXa6u3SK4mM6y8laIby9wKe747tPunfk8eHit760XSmIOKzN0cSW7USaUOY07brKuyPsri2vsbRpHVcVqQuepUiewHCUoWojCQoeaQlPI6KGQTgGpfQPZLpPRcz2y2omSZCNwYXLe7z2cK94IHQZ8zjPJ55q/D0ox6VEnEJ5Q8Odo82QoawCvJUaJ2V6Sja+d1s1FdF0dWpwp7z5pLh/lAn63XqSMnIAPNR73YR2dP32fdX7Y+sT8l+IH1JY3HqsJGMHkkeSScgCtLrojpUjiOIbs47Vv0UGNp6KpdnHZ/pvQNuehWGO6A8R3jrzhW4vBJAz0AGTgADzPUk0KtxHgoUpJJJK4vebJXDKNAo5R8OKzztXuHsCzOAyYFrlyD9+0j/AO2a0BR8VYr8oW4dxpnVkhrGRCYgn+s5/g/XcJg5k7fUD5mlpwuyEv7An6LJbUs2j5LlwWk83GTnr6vBB/Uit80c2i0dhNqY2bAqztYSfpOOISrH3qOPvrNWtAHU/Y1p2xMT/YwlDUxZ7vdnchRx1HmvNaSsXB2C0xLejrEVP8VbbY2toUE4BIzlWPtH4816DieKhmaWl1EvcTv6BWRYOUuaWjQNb+6zcNe1/KCZdZJEexWrZLc8vEFYT/2mf6tSvyV3vylq/tC1AzzCmzGgyv62FOq/YpP41TLlG1XfLjK0RpSyTreqcd9zus/5tchCj4lKV9Xy8OcjgCtXYhWXsn7OI9sjLUChDj8qVgBThTjesg5GSSlIHkCOuOWcXQgEY1c4NaB/tHis+p2CVk8clHoSSfPavYdVpb15tTMz2N64xGn+Pm3H0pVz04JzXWVcrbFfaYlT47Drv5tDjgSVeXGfjXl3+Fd/b1Ba7ZZ7czctR3b512C7u9miMK8Qb28fObfEpZyftqf7Q5C4cm1ezqLLDlvnzp8fvt+C2xtS3n6qVKwB0B6Css8CcHBpdvdedfzTujaGuFg7Vfla9HEgKSrIxjrSWn2XVqS26haknxBKgSK856J1lfInYHa7ldxPujI9p8Z3ZW2l3YlCnOePe6kZCdvSnC9USpF1PcSmtOxxYI13MlptO+Juc8TXluCk+RB58qg8FeHObm2NKqMhzQ7ut9eutsZliI9cIrUhXAaU8kLOenGc05ckMN7W1vtpUo8BSgCa8/SO1vQregn5jC5JXKQ4kRnmFlx50+8Sr3ftO7gfcKrydfuI0nqeRaoKH02JMNCJk7L65m9e0hwq8QSr0SRj1o4+BSnexrWvrSkhg/K616imzI8OP38l9ppodVrWAB99HDnRZjSXokhp9tWdq21hSTjryKxCFrXTGm9VS9O3i9TJzkXe9FUppTqIjeNwaBGVbgD1PQcZ4xVVvGtVXW93XVWn5Ux21ENWaDDQ4pCblOWdwUpPGEpHmeoAGecVXHwaSQ9h3rTyXOawCs2q9HtX6zuTPY03OEp/OO7EhJXn0xnOa6fla2/lH8n+3R/av5nvBv6Z93r0rzXYNUXlzW8jTFshsXqHa2lOXq4SQrI7v853Z4De1XhSgDnrTPthuKra9qiJbrjKQ1aoECO388rPfuvb9/8AT2j3quZwN75Wxl1WAfrSrcYwxz2nbT3Xqp55lhpTr7qW208lSjgCjYeZkNByO6h1KhlKknIP3150ldo92gRNHIv1rXOE1qMnvZDSuMsN94+n6Kl7l89eOOKZu651FpKS7cHJQzaNQGFeo6mwkSobwCmZCkJwEubR1TjPGcjihZwOR+ztf5/PdASAvS6n2W1bVLSFHoCaJ55pmOp991LSE5KlLOAkDqSawf5R99Nt0rc7rGX3U8SosKK+g4W0Rh4qSfI8qrhfdR3iTpzSlgkSVG4y2EJMmT4+7LLWZEpX1lJO5I3cZ8VVM4S58bZA7QmvpakgZ8vktzgX2zz3+5g3KJKWOdrLyVHH3Gu0K72ubKcjQ7hFfea99tt5KlJ+0A15z7NNUXHVrk1LFjSNHMOiIbg444JhdV7qu8+kv3d3TaFdcVWe0TUV3FxQbNcH2Lk9rByPbu6d9xtlttsJT6J3K5HQ+YpxnAS6UxF1H+boHPby+Y02F67lSWIzfeyHm2WwcFS1AClsyI644ktPtuMqG4OJUCnHrmsZ1Lqy4DtftVgk21xTM9UlDLzqFILLbbeT3RI2kkp3FWDkKCfo1TrPr60W7S+mdUapuk1Srwt1l22RkfNPbHlpTJW2OE4TtykZ3ZHBxSkfC3uaCOvv3/YqSAOq9HwrxappUIdxivlPUNuBX38eXxoV5v7ZO0B7UuorBpbs4FyXfo9xDhfbZWyphQBBQQsJOOhXuG0Ac55wKaZwNzmB5eG30Oh/VLyTRxuLST/PZeiHE4Kj615q+Uw+6dNSltHi4XwMbPghBR+1qvS7xx9wJry52rA3fVugYYz/ABq4uTXB+g4ptf8A4qQ/p8Vig4jbX5AlajhcLx3ofMgJx2ge0ye0jRei7bcZ8Bp5Ke+EN4o+aKtv2cBCsZBxWmOaSGlIPfR79e7k044lt5Fwk97tSeNyCACnGeecEfECs+sSTc/lZQ0jpZ7WQv72z+96tm7RlMqsardn5ya4hn7BnK/wHP6vOnMfO6PCwxnYtBPuSVZG7NjHkd6HtQWS2y4zrvMv+i3pjqb1ZHEv2mcF/OpQtO5OT8MoSfrBWDVX1lrJzXHZZMlu/NTEiJEuKPJDiX1FSh8DgH9VPdLT2h2ma01zyLLFY9lD384W0I3bfs7v/eFN+xbRLuqey69SuSi5T3QtG3koASUqT+klYJx91aTDHF+I4Vl5Z9yLcPv6qqWQuIHfMPYGgVL9jAZ/01a51DduttaDaCfoNZ4P9huq72rynmnr3KV829G041GfaP0HpEncsf2c05mXt203J1qJpi73TWb+xlxXsriG5Ab91xxn6WNv2eYVTzWkUWwyrprbTE5S75GYU9FSndtkM7uUrTkDhWMHHmRmmIA2ORj5NNGgDvlq6HbfVVuy+NrTdkn53V+ey0jsuj2+F2EW1nLD7bNqU8tPvYcI71QUOmQVdDWHdruIber0sH5hcy3WxrHklpgrUn7lbavvYxpbVk1m+avnW5UJdxaTHiQnSUZZDiSrhXu+FOE56/ZVQ1Lp+/3vVUSytaW1MiPL1KubKkSrcpDSUrUhJwoEgpSlJ8RxkeVTw8Nixb3OI7nXrYP0pUSPBgLW+g+RH3XpXSWnLda9LW2ypixyzCZSgDuxgrA8S+fMnJJ9TWZdtLKBcosKG22n2++26HKCR76EBT3P+7W2AYbwB51iPa5DvMLUcS6IsV7uIRJlSWEW2L7QlThYS0grOQUbevQ55A6ZPmuDvMmJIJ1Nn33TWzFGfJKgx7pc9X6xdjZclzSy0tQzsST3i0g/HKM/YKe69ioa7UtHRkIShh67zpLrQGB3jbSe7V+FWH5L2nJ+nezJtq5Q5cKVMmvSHGJLRbWjokZSeRkJB++pPtT0pMmYultQ65JYkNTWiygLcZfbTt3JSSN6VIASUgg8ZGSeNPE4prcfI29Bp9K/yl8MDygep1+trNPk2tIb7M9TzjzcbtcVxN5PKyWxt/AurJ+Gao3bDITcFagcbb2v3TU6IqQAeUxWe7/vK6VbYd/m/wAIk27s97P7s7Nelh24d8HUMIXn50pSr83npuIGBwBTfWzcTTD77UjS92m3sXN26WwbFhuM65tPvpKkrwpKTwfLnFbGGeW4syEau2Gl6fp0VbmN+HLc225XpOJEtk61RkNtRnoyWEoaAAICCkDA9ARXnXtEs0l/UE6yJT3jmorU5GWPpPToCwULP9JKTj+lVy+TXHOndJPzNSPOxLhe5ZfSmQ2ptOMAJRlXGTyRzyCMdDhfbC1bYs96/PzUxRYZ8a59+D4lK2FKow/pbWs/0qwsCDhMW+MGxsD3P/qvkrwOYyz6/wA9rWba6gS7xqjQPZaol+ShKZV4H6ZG5z+yhLhHwVT/AFqh5q9z5bf5wdn29I/SW7hxX96rB8mKwXG+Xu69qt6SS/cXVtw9w+h9NSfs9wc9AoVaO0LSz9vubOo49ufnNxQ93rTMbv8AvGHvzjDjfBU3nlOM4804rTkxgilEI1yjX/kdT+yXYQ63nS9vQaD90w7GGodu7FNMQ090FTXnJshwnHhbc3lXxxtaT+FY5ZHUSdW9l6J/zJMl68yXT5hUpS9x/qsj7qvmirvdbndYtj0boC7xtLNMuNSnJ+7vAjYrKW1OZ28q4GSSfSoHULE+GzG09YNBXubquPF/Jbc96IttKYvI9zcUbsH3+mOd3lTEAIlkLtC7XcWLzb9t0Li0xta03X+Nvkt37XZjdvs65TJSXItvmTm3Un3djJTwf+k/VWG9llmjXjt20hafZdyNPadjvPJcHG8t97u+5chJ+2rze9CX6wdhbOn0xH7jNRb1sSBBb71xKnn0rWlCMjfgcZyOATXL5P2n9SP9sGptbXfT9wssV2EiJGamslC1D5sADPXCWhnHqKRwmTD4WTK69xfft+pQzEuytrZb8GUBRVtG71xzQrquhXkKPdX2qJrS9CNcGISJ/sSFMKW4TtCuThPXPx8qob9g009qi1ahVdz7Ta43s8ZrvUd0E4I93HHXyxWqap05ZtT2tdsvcFuZFcI3IUSnOCD1BBHIHnVN/wBB/Zd/8pMf9Ze/8dPYbExAuLnOaTpoOnzCeZiOWwNDAfX/AKKrUC0WO1atuOs2NRmJNnNhlwKeZ27fD03JP1E+dRms9X6URCeRctbhTjysuOQ3e/kn1SNue7468D7c1eP9B/Zcf/dJj/rL3/jqWtHZh2f2kpVC0faAtJylTscPKB+BXk06MfhzRe5zq02A29yuOKIJLYwD639gvP1vtWou1Rcaw6UtK9NaEjuYVJcbwXk+pH8orqcDjJyo9Mem9KWG36a03BsNraDUSE0G0ADk+ZUfiSST8SalG2EBQISlIA4AGBSjwaRx/E3YoBoGVo6fcnqUsGdTukBAyCc59RRqbG4DH76WegoH3hWYDnVmyLYAceVDuxnOaUB4uaUMc1zm5tVBKTtG2j7sUoJOKWAMVLTeii6SNoHWlFINGtINADFQNENpHdhJyngmmV5twuVpmwN/dmSwtnfjO3ckjP66kT71F9KpbuuzEDRYl2vuyPyIrTd50NqS7NvFDhNmR3rC9vON/KkDPkUg+lVKxdmutO0e7QF6sgHTekofzjVsUfnnc/724+a14PoOa9MlJUokHFBAwD61tw8XMceWNtHvZ+g6HzVcgMpBcU3tkKLbYEeBCjojxo7YaZaQMJQkDAAHpTrGa5THVx4j0hLK3y02pYbRjcsgZ2jJAyfiRVD0Z2taf1PPtMRm23mAq8B021yXHARJ7r39pSpWMYPvY6fEZzmYaadrnMFgb/r9lBcBoVoBSB7oAHwpYAJzgZ9a4plMF5xkOtl1vG5AUCpOfUeVJEyIn/lTPiyv84Og6/cKoylTac4NdUA+dNVzobcQSnJTKI5GQ8pYCMHoc9K6NzYq2+8TJZUgL2bwsEbs4xn1zVgzdkJKcOe5QrjHlR5JcEd9p4tK2OBCwdivQ46GhQ5SENpmM4FADk0DkAUBnmkyaTiBzxRqBKhR4OBSj71Q00oKTtyo0AnijSfEaPOBVrQFBJRFPSj24VQznFKJ8VFYCiyk8e8a5OPtt+I1G6nXOati34J8TJ3qH1gOoqmydTSVoO0bFD3E5zz60xDAZRYQvflWjQn2ZMcLZcC0+ortioHQ7DjOn2nHffkKLv2A8D9Qz99WAUD25X5QoJ0tEaM44oEUCMUFKLR0mlUwnz2Yp2qOVnyowCTooT1NBVMosvvEEqOKj7hPdZWe7ewKIQkmlBdSV2gy5MLRN5kwWH5EtuE4Y7TDSnHFubcICUgEnxEVgXY9py+6W1VBj3Ky3ieuRZW3bLKcbV3Vrcdyp5tWcBs7s588cedbvAvalrCHxlJ+lU/GWy6gKQdyT51q4fFvwcJiLbtA5oebBWA9immHpP5KFw09cYd0j+3HUU2UhbKpned42Gt/Bc3bkryCQO7z1VVIs3ZpcfZ7HNe0ZNU77NdpsqO5EUjxbdsZlXA807gjz3dK9c7Ug8CjKAOcU0OPSBznBu/n6/v9AgMIoBeaPyVcFaP7L4U7S2oJmn7eJH5Ug+xFbi3tvze5rOdveKVjdgY68Uzg6Julw+TzH0wNH3pm6PX5Ped7HWksFTvL3J90NJ27iMfGvUiUDbXVKBs61DuOPFUzY3v5k/dAYR3WRdilkf072ia8jjT062W+RKZEN1TJTHW20naNivplW5RJGefeOTQrXvDihSM2M5z85Gun0FI2soUs8e1VN/1G/wDon/GpXTN7VcVLZWMLCd2fv/zqhSn0Ib/Tq2aEYSd7497btP4/5UpNBVJtj7Vv53Cjwdxox1FJ53Gs7LSJHzR44FECeaM52ijBXJWBkUOM0n6QpQI5owVC5uNIdbW0sZQsEGsyuthetl3Qp8b4pWSlX1h6Vp+cAgdao3aPNPtMWMDhKElf2mm8DK7NlVUosWVP2aWlDbLYcC4qkbU+qPhU+k7sGst05dSy8gLGW1HKgav9vmDelorylafAr91Hioi02q2OvRSfnR/SovOj+lSasTe4SBHjqeV0T0qoOvoekKcUfETkVOavVttzf+1H7DVMJO4nNaGFhtuZC4qablrTlAOKbPvLX7xTx61D3CT3CErypRPoah3LjNcUoJSUp9VCmmw2qXFWGY86lRdZX4EdeOtWDTNx+eb5JQv3hnpWcmfOUMKdyj0xUjZrpJZeQENhS88D1o5YcwQtdS2baCetDYc9a4sqJAJPUU4GDWKdExui2cdaUAQmk8DzronG2p3QlEv3cUKNfvYoVWRquadFhzh5q7aD3dw/n9H99VJ63XHj+IyOP9WauWjWnmoK1vtLaUtXCVDBwKcxLwa1V8bSOisiCM9aGR4jXFKxuoKI2mstoKspdU7Qg0vAO2m4WNlKU6EgGjCkhdHFBBz0ArmHkHPiqq3K+rMxYbV82OAK5xLqtWc5PpTTcNmVfMpW1MhsjG4AmqR2nQnkvx5yEEtbNhI+ial2panMKHBBqcksNT4RaeSFtuJwQasj/BeCocM4WOR3lIPJq46YuyXNkV9XCxwfqmq7qizu2W4KZVlTKxubX6j0ppDeWhwDOMHrWu5rZmJLVpWuR7mhn5qUspP1z0pw1dIDh8MtlX2LFURi5qucX2OS4lI+v51xhaTmTCvu5TCSnnz6fhWccKG7lXCW+iu+oUNzLW4lshRSQoYPp/lmqNKWge57tSllsN5tlzQUpbeZXw6pK+g+w4pnqy1v22QX8ZjOe7j6Pwq2CojV2ucbXG2RWblNbjvEbTn3etW+NGEVgQ2mVLbSMDNUGzz0NSUOtqAUg5x61a4d+LiD3gAJ6c1ZOHOKKINK5TrbbG5Dq5bDDfB8KeucedVu3rbbkJASkEHw4FWKVIRJdUpxyKM9ApXNC92EC0t3CMkJcSkFSUDrQNdlFFDK29kuPeLkggpe3AeSuc0b2orr3gO5CAPIJ61VF3V5lAbbQCfrEV3bvC1JHfMoUfgas+HHZVNfSv8AaNRxXgEyyWnT96T9/lViByAayP2+E59dBrQtJXIXC2Jyrctrwq+PoaXnw2TVEHZlOKNCkqoUhSKliX5euR6zHvxFd41/uSRj2xzH2igu0w0nwtL/ALRrom2RUpztUD9prTPLdrSbbFL3Thu+XEp4lLz9tJcvd1II9rc/Gm3szKFbd6kj4GnEa3MOrwJD34/5VB5Z0Q8qRJRfLmkeKS6fvruL1PcSP4y5j0NLXYG0JKjLX99RTrqYbqmfznoahjGk6IJA5m6ehAWvvVYyactuMowC4kVXZMx8kJTwD5Uhhx5ThCj0q8wWFRzFbo7zaXAUHcM1a7ZNZdbSjOCBWdRHSnBzirBbpIQQpJyapmitHHIrBqK2RrxCXGdxnHgV9U+RrKLhFegzFxn0lKkefkfsrUWZaXMDmnE6x225FKpsfvSgYSdxGB91BDNySQUbo84tZTEe2qSSr3TVv0/eSmQUHG/qlX1x6U01pplFuHtkFBEUnxpz7pqvMOqBCgcEHy609pM1JuJYVq067IbsS5zI3qT7yTwQazq9ayuk59UBO1DaxggdSKk2JLtytbzDCiHsDegdFAVW24jSbiHHUFC05B9apgw7Wk5lYZC4Lk1HcaUFfHPSpSK/EdTtdeU0R8KnYVrYnwCrcd30TVcn2tbSyNjhweDjrV7XtcaRGMsTtu2pmOpRFktuqWeEj3q1K2sFiAywvBUhASQawpya7Z5geYcWlzByk8EVddL6znuNsh3EltZAyeFClsXA4iwoa7up+4aIgvPF2O65Hz1TwU/cKiXdDzw981JiKR6q3D9WDV+ScmlJxtNLMxD2oixp3WP3u2SLbKDEtracZSodFfZUvpa5uWp5LiQVIUMKTnqKv11tUK5tbJbO4p91fmKyHVbi7JLehJWlakq4VnypuGUYkUVXlyLbEuhSQoeYoViWidZ3Zm6IiOOl+MrqhX0fsNClThTe6sDwp1LgK9qQftpTzPetFBWCT5Vmovl9a92Qk/bTyHqe+pWnKWlD1Iq6TCvDrT4xrCFaJ8F1nad4PwFPbYEtfOuZBqHh36a+rdIabIHwpyLg3LfASsD9EUcmctpTHKwlSb0tSyQpwqHpVeuR/wDWCVHgGu0+4JiuBKkjKqjpMpp9YWSeKmKMtVGJlBXWWRvBGeKEdZLvXrTd6ShRSEZNdmFDcFelMFIqUiqVuweak4b2xeMHJqHZdA5KcVadHCPIeUHUBSvIGl5jTbRxi3KRtPeHbhsnnrip5+U3GjKdeUEJSOppaG0NpwhISPsqrarmNKC4qnuvkKQa7nPpNnwNUFdL1KuDi0SHSGjkBsdMVXHVFmSWyMA8hXlin9waca25GAckGoK5ye8BbJ8YIxWzHTRokXaq3aekIipL3vKUOAPIetcL1NamS8hru9v1R73xqNtzxTGbSo87ea7Ie2qyMc0BGY2oGiu2gu7/ACY5/T+n9gp5dWWj5VQF3W4xmF/k6V3DnvYKQQrHlzVckdql8yhl1qFkfoH/ABxVBideicE4rZSXaRapMWQLhx3RPdq/Dj99cdNrfYgNOMObHAdyVY6VXXb5c77cG0TpK3WlHJTnCUgA84q2wdjbSQj3SOKZaKbRScht1p2NZamiTW2pVw4X9PuUeL9VXC0a2/k5rXeeriP8On7Koc5pDqFIX0NMoMsNd4067+bXt/wzVT4WEaBcHu6lbja9QW6eoNMvAOnohQwTWWdoNlffvzrqnAlJJx58UVhkpS57cHSpwDwY8h8KkbnMVNQC6sqWnnJ86rihMbvCic+wqbY7S7b7h3xd8COn6X2+lCplxYFCmaVVqopbIVzTuMgEjAoBIIp5GDbccuq8qgnKrAlSJHs7eBUCi4LampdBwrByfWukyZuWQaiFOeJ5Svc2nP3Ch5LSRmU5ndFPXOcFyI7xUAcH9YqRtrjbzfjxurM5t5SbXHWVniSW0q9OKtdkuaS2N3vU2/DhjRSGyd1bXmEbCpHWmDbziFlJFOYclLyQoUianarfil6pcnMZa1nBNWzSshqFJ3uZOR5VTYa8qTmpqNIDahiqZRnFI2Gloj10ZXb3ZCFqAbHmPOs+eXKflqf2k71ZPFPJ13AtYhNghSzlRzUM5McbOEuEDHrVWHw9ao5n2nU+S4rKeSnHTHnVRu6lNXWKnb+cPi4qX9pcccPB2+uacm2Ny20vLSS4PdOelPjwbqndIaWCgEccUkuAUzluGAgBXi521S9QaxafJhQs96s7Dzz92KNkRk2XE0r3EmNSZYiREqkvE4KUDOKofadbJtqvSHHoK4yXE7hxwT91WfSUSXYorMpS0luRhanEjJ3eYJq7zX7fqOxSIUloOhaSASOU/EGha/I7QWEBKw+xe0rZS2k/n3Ak/W2itLdQ4qIWGnVNLUjCVj6Jpnp60ptVvWS2hx3edpAyQnyp23KS4VxXlhDqh4Ejqa55t1tXXom1uF1jRHBdVod2nwLT5iq5f3HImokykqUlt9KSUZ4VjirjdlFu0vKPUI4qnazQvu7Q4AVLDZKvjyDUA2UQCfWa9+yX72Un5rfz+4j9VWuVcmWmO+R409euOPWq1D7L9SXKGu5tpQylSN6ELV4ljGeMZ/XigzYb5Z4SBc4jyPqbh4fxrs7HHQqCCEqDd5Mu6yPm/wCL+7/RUPOhVbgQ50O8cggfToUQUK3toTvAzSL3ISzHCKZ2iJqedvTBhsvlHx2/tqra5k6qs8hLdzgtMJV0+l+yq4Wc011VpFC+iksrcPXio28FzvW47fuEHcr91V1OrH2R44wX9i/8q5x9ZxBPje2NOtt/Ob/pdRxxTseBxIum2htvdJ1dHVG082dhwqXwMfo040xd1RmWkSXcoSjknnHpTq+3uLdLWgsthbCSSkqHOai7VbxMAQRtC8dPTNPj/QqcITZOi0W2X1he0xlSJLrg8KAOBxU0JTz8ruZTC2t6fCPjURpG2KtamlpWUpUngFPSrt7N37AWCCr1rEnIB0RgXomEVshQ+FPWsZJUcYri2kg4NcroVtw3Ft9cUG66k0vV9jQTvkSW6jzqOCtG8lagfqpJqsQLa89PMy7NOypGfmIv2eZHkM9M04a009cLi25PiNwYwXuLYfUpz14Odoz8OlNiJo6qASr1amkTE+0958wOQKcSLgplWwuBpA4BzRIdaQhLTaQhtIwlI8qzbtheLSo+CRv3fqwP2Ggji5jqXE0FdtQTY/5PeRvBGzcfjXniDdvZdQok47wJd9akJN+kfk2WyZDx+b7vZ9RP/wDcfjVQi8rBHrW/gsHy2utVF1r0ppK6sSkLsc9zLaleA5Jxnoc0jUuqTpqX7A2zueUMgZ4IrPf4QexphrZkNb0IBdWTjdj6OKvq47OutLtyI5aNyYH8XeHhz6pNYnIyau2Rbp7pTUq7wl5vuwhxHJT8KWLvbXbqIa0FqWDhKlJxz6VXezmx323T1l62SCtaigrI8IHrmpjXmh7rcpse62uM43MaIKm8YCiOiqgMYyQgnRdrSnp7bq7U4lGFLIAGaldH2Fi9Tobc1oKREG4586grqidF086t1C2ZDbKjg+oSDUj2AXmZcbpKZlqSooayFfeKUmBEZcFYwarbG0pSgJHQcCiUhKh4kg/aKMA7aUgcVi5rWjajJlktUv8A4Rboyvj3eD+NCpbFCutV0srsdr1BZJMZnuWlxXXPndni2f4cenFW242qFcmO5mxmZDZ8nE5qQ27qPbilnzkptrAFl+puySyS8u25runD1R9H7qzbUXY3OYyWmct/2v2cj8K9OJbrm63WhhuLYmMW42qX4ZjjS8WStOTLPJVGWlfdlPhbx8alLQy09LYjIeLK0HAJr01qbR1rvqmlyWEpW3wFJGMiqtqLQdmtzsP2JjYtRUFKPJ6VrjjkcsP4m6VfhXtOiqUZ15uOEFwKPkMVZdNwJ05DpadUEoTkj1rjqqzsWic1HZ8SCkEE9aueiEsqtKlxzxjCh8cUnJL+HmCiKK5KKqz8ORGXh1sgHofWmkxBMchRxk1od+jtvWkKKQC34s1S5sbvYzqkjOwbqOGXPqhmjyFViLFEZ51/ducdPPwFOELSqR06UlxaeB0qO9pU3c1NZ8O3Ipy7VXRSLUpsynGs+NHlVE7XA9NXAbitl1xJUFJTyU7sYJ9BweTTDXV5XaLi7Kiqw658fTjFZVe7nLuM5cuQ6ouLOTg1rcPwRec9qt7q0SbpNO4sM8NDr+mr63+HpTaBJVEeDiUhXqD0IpsqjbANelygCkvauujPydP1DFaktksurCXEq5HNelbV/B7SFuag2pKXnnCVcnhNYB2TWdl6QZage8aWCjPQ+daNcZTaXnH3ng2hocrWcD0ryPFHZ8WGC6V7fy2rJfdV3QDiSAP0PD+ymNuvsxxsOB9zd67qqbV1FzQ25a7bJno3bFr91KfX4/qpu/quxRJzsSXDnRvZ/wA4v6KPwOfP0pcYSR2jG3SiwNytDvOrXrbYZL00pfbU3tCD5k9BSvk1td9cbjP8u624/pKB/wC7WIdouoWrlIjRLVKU/FKd6iPNfkK3/wCTe9Etel3Yk98NTnHgVpWMY8Irsdh/h8PfUqyM+JbY30pQ4NcG15xg5FOUivMbLRIpKFChQqMyFRuOBREc0skYpJIzSNJy0AOKS4klQpe7igSNwog3MutIxVd1k2cxJChhtpfv/UUVJ8X4bqsnHrTeV3ZQQ4ElPnnpV0bspXOCzDVrhlXEvJV3raR3aXAOFY54/Grb2dtJRaHEgfyx/upqA1bfLc4lFuhJSsNOb1LaHg6HgevWnOirwtlRS8Q3Gz8ev3VpAOfA2gk8zWyusq43BhIjO94rDO07vsqlWhkyXXWh9Jo7vsPFWTUN9tiYDrKZSHHVoKQlJz1FVzT00Rnu8IyDxXQA5SomcCQqPcW1x7g7FdBStBwRUHcne7v0Vv66efuratQ2W16hY72OrZLQOF4/UfWsW1vY9RW2cZi4extvhLmeBWlh5Q/TZKSMpZX2qOR5WpVuxX0uJ2AL2/RUOCP1VR3utXt6CwtLnfDcpeeaqE6AW3V4VkA9K9jgpBkDeyXdqVGqBoI4px3I/nK6QoD8t3u2Eblc8fZT+YBBlpXnssvgt92KXx3jC292E9QqmGsH75eLrFYcUcOn5hhv3P8AM+pqJsdnuswtqgpPdrXsKvq/0vStRsFjQxZ3GIk5li9LHs0dS/5MH3lp+JrKmcyB+cblGLIpJ0/rLSeiIJsqlS5Mts7pa2m8pLmADtJIzgAV1udvtOubLKuun45iSn3NjpeGO9HXPBPnUXE7E3niTK1AhBPXYxu/aRV+01pSJo+zltuZIko+nkeZ44A8qRxEuHj8UTiXIgHbEaKuWbs8gxXobod3KZWlax6kU7vAWdSIkMFxtlJSlRHGcHmtF0rZ0yGEvlOxJPhxzn0qQvumo7sdW0oG0bgSMHNY0+LL3anVXNhseSedmV9ly7r+T++7yP3P0/o49D+6tRRWSdjtqnM3B2VJbAbCdqVA9c4/dWtIrGxgAfomIjolKoUFUKrtWUqbJvgT0Qfxpv8AwgUeA0T99PnbRHPVAoN2iJ5til6hAT9WmqdQLA/MZ++jF/WTzH/XT8WqEP5P9dEq1Q/Js/jXNMI6KKUXM1GptlbgZ90etU293W6XU7XpJQz/ADaE4B+31++tHRZ4gOe7z9pzTlu3Q0j/AIM0f6tXRTsZqGqmSIu6rIGIKUKJL6Av02n/AApxHiALJW+2D/W/wrWRBjjBS02D/RrqmGyghRbT+FXv4g4f2pf4Ro/uWSrZ3kEut58zzz+qp+xWBVwQpXtJaCPLuzz+OK0VCEfRQn8KUpIA5AoTiyBoFDYa3KrDOnX28FE/bjoQ30/XUN2g2V67twLb320YcW4vy4AwT95/XV+OA3VVnNO3h99aI7LyW8JZ71ZCB65A61EchcbUvZovLE+Ao6jTbirAL2wrx5etRnaZpqc3IdubLI9l89i0+FOBjjOfWrF2lR5Vn1i+0nCXmV+HHT7a43uNc52hJ1wfmAFlOVtGvZYWYsyuHVZrm7hZja7Jdbm2p2BAkyW0HClNozg1pmkdNixab9ougAlznE47z+RT+4kdfuql6N1Nc7VFdjQinapzeeB6CrbJvUu+WBHfn5xmUE8Y5yk1oY17ya6IBSc6QYuYvdwYg9z7JIkbw3+kcZVwM9P/ACpheLpabNrZq4CDmdDcIe+d4cXjHx6eRAGahbRqS5Wq6tOI7vYc7dy9vT7j+ypnTOlP4di5XR6f7JK9rP5tG9HQeuD+sVTyuWS6Q6UiBvQLQdOa4td42NpdQiST4mwFeH78UXaJJmv2pLEV0JZVnvuQPsOT05qPtGhb/bWm4zOp0iOj6Psv+ZP66nZGmYjkVXt75muAH6JQn8Mk5++sR8cMcmZjrH88grLdWqrume0SdYYzULPfNNNp/wD2opXaXftRydrTfsML7ty/vxwKxuZdSmapPOAoj9dab2c2KbfryBB/k/zi/oIT+H6sVpzYGKAcxwQte46BbP2Fz3H7lLW+94yyOCR4vEOePT99bO30rJdE6RkWWUZkoNyo+7YQjO5PAO8ZA4H+NajBWre40r6OCPv/APKvH4otkkLmpyKwNU8oUVCqaV1qIJohRZzQB8qSWjsl5pPShSSeaEoBuugNKQquWa6IHnUtXOXQDJzXTqKQ2a6CoKrKGeaIk5pX0qBAzVoQUm0t8MxXXSMhCCr8KjtPbDHWW/cJTjPX3B1p7cwTb5IAz80rj14pnZXWmm1tY471e1f1uavbqEJKwXt5tLx1k7JDe1DqUqSfuAP6wapNyuLMexXK3PIWozGdiNvkR6/jXqrVFviXG0SEyGI7pS2ooLjSV7Tg9M9K8x3SxMPSXe/usRrB6I5UP6vlXo+HYrmNojalnTsyn1WSQYj0V4k+dTVikONyAyFEbnEqx8RnH7asjlltYOG75GJ/TTj99HbtPSWbgZZXbGmW/wCX70q2fpenx9K9CcSJNwlg2lnV5JbUg+e9f7q2L5Ns2L+SLmy8glxElKh/WTj9xrJ9YO292YTbSCyk7AR9IjAKvvIJ++nnZ9q+VpZ6R3DLbzcgpK0qOD4c4wfvNOYuEz4fKN0LXU+16rZEF1e1KCKj76+3AtMmQvjYhRCvTg1R9E9pdtuEpLb8SSw4EqWcYUn8cj9lLU1qTtSt7do0swphh5HezJMs7EMoPupJAPvegyTx5Zryfwz4n3L4WDcnomQ4OGiyRcTSrMJT8wz1yyScN7Qj8SDWh/JhuzCdXy4T+QJLf8XWf5z/ADH+HnU1/wCjBdmu7P5WhPfXC3VpH6kE/d+urFYexHUFmnxpNvn2lsx1pWsd455f1K0MVxPBTxFkcma/ogZG9pshbc1IbDHDflyPSntubU2wkufnCBuqPhw5fdJ9uejAj3ksk4V+IFTSCCBgg144+SftGqhRKoVy5Q6+tBPQ0ZGaSng0lS07R9E80SjwKNfCa5nkCgtCuw5IpaK5pPIrqKMISuo92lJ92uYOE0oK4og1Au2KT1VQCqNGM1KBIWjIIqLsqG2VSILpBKHDtHqDz++pZRphIhkvl9PJVgccFJHQ5+zj8KsaVWUc+2wiwoGO0rIx7teOO1G5t2HWk23tR3MNubUrSsD8QQa9gBq4Z/jPdlv6iPe+/PH4Vgnyg9KC9X55SIXcvd2k5O3d+3ofhW7wSZjZSH7FK4kWNF56ud8MgkBJQP6IH7KiC9nKt6vszT6/2iTZ5RjyWyg/FJH7aijX0KONtaLJMhCNSs1I2+0T5ozGYQv+mtKP2kVHJGatWlmILyD7TOcZPkENlX7CKid/LbYXMZmUt2RRLPN1MiDe70zaGJKkx1PueSVZzjyHQcngedew9Z2NenNGWFGkoklUO03SG7Jag5W67FR4VjA5WcdRznFeD70w3FmFLe7BJPJrYexXt1vOjmI9jnRnLnZUHhsuZcjp/wBWT5D6vT0xWFxXBSyyMxEZvL/b0KYikH5T1WvStT3tdw7RA1Z9W9xc4LbVgza5Iw93KkK2+H5vx7TzjI5qrpj6+g2GbcHLNq2ZqW3zmWoUpt7+LKZQG07e53guBXzmSGzkqzmvQWkNT2TVlpRdLHcG5UdXBAPjbP1VJ6pPwNUztTtbQ1JpaRCky2rnNvLDHgmupQGEb3l/NBW05CMEkVg4TGhrywx16+Xy7apzcXax61ab7Qmbe3JlR76y5Jg3MpW05LdkPu7HO7bfbPhaySChXmUorUuxrR2pbFLVdbtc1NtPQW2TbkvyHklz3i8svKJSv6O1IA61od3uMC0QHrjc5jUOKyNzjrqtqQKZaQ1Hb9UWJq92ouKhPrWlla07SsJUU7sdQMg9arxfEZcRA5uWgev1VrWtaQphRoUlRoVhAqylHiknANEpWKQpVKOdafSlnKaIAYFJzR7ulc0WuK6DrXZPu1xBzXRJ4q0NQFLJwmiz0pClHFDPSpIQ0u4V4qWa4A810Cq6kBSj7tKR0rkpXFBKuKJpQLqo1i3yi0+zP26UH1RlrQpPeDorB6H8a2ZR4rJPlHRy9ZLe5gOLQtY7tXQjGf3U9gH/AIoVOI/KsBvtyund7HGo85pQ6ghQ/A8/qrOry00JGWme6/QqXut2jF4tpaejOJ42oVuT+J5qCnSC87nceK+j4OExhZEhtNasuiS4qahLYQdv1jVa+NTOkyj8rtJWCQr0pmYWwoGlPO0Fl4Xr5w95835VFWea4yDFAGF+dbpqvR1mu3ZW5fm4QZnQ+AtDhHg888+LHx9T61576O8eVL4LENxMZAG2imRpjcCrvobVd70Xdk3Oyz3mHgcKQFnu3E+aVp6KH7Oowea9DRvlGaPf0y1db5as6gg59nhoRvysjBU27jwAjg55A48Xn5NSt5xvldc3UEJ5VVWI4ThsYQZm6jsrGzOH5Vde1HtO1J2g3Mv3SR3MJH/B4TR+aZH/AHleqjz6YHFbL8kPXnesPaLuD+O7+et4J/to/HxAfb6V5fb61MaQvkrTmoYV4hKKX4ryXEkHBIB5H2EZH30eM4bHNhzC0V2XRzHNa+i7ZyetCozTFzYu9niXOMVFqUyl5G4YOCM0K+XvaWuIK1gv/9k=</binary>
</FictionBook>