<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Stanislaw</first-name><last-name>Lem</last-name></author><book-title>Eden</book-title><annotation><p>Aufgrund eines Berechnungsfehlers bohrt sich das Raumschiff in die Oberfl�che des Planeten Eden.</p><p>W�hrend der Zeit, in der die sechs Besatzungsmitglieder ihr Schiff wieder instand setzen, unternehmen sie einige Expeditionen, und es gelingt ihnen, sich schlie�lich mit einem der seltsamen Doppelwesen, die diesen Planeten bewohnen, zu verst�ndigen. Die unheimliche Tyrannei, mit der sie auf diese Weise Bekanntschaft machen, veranla�t sie zu der �berlegung, ob die Edenbewohner befreit werden k�nnten und sollten � was sie dann aber doch nicht verantworten zu k�nnen glauben. �Der Pole Stanislaw Lern gilt als einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren des Ostblocks � zu Recht. Denn obwohl es offensichtlich ist, da� hier mancherlei h�chst irdische Probleme ins Weltall projiziert werden (und dieser utopische Roman einer au�erirdischen Zivilisation daher m�glicherweise auch seinen politischen Stellenwert hat), obwohl Lems wissenschaftlich-technisches Vokabular einiges an Wissen auch vom Leser fordert � seine Phantasie ist hinrei�end und unersch�pflich, seine Kunst, mit unterk�hlten Stilmitteln Spannung aufzubauen und Konflikte dramatisch zuzuspitzen, vollendet.� (Mannheimer Morgen)</p></annotation><date>2011-09-30</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>pl</src-lang><translator><first-name>Caesar</first-name><last-name>Rymarowicz</last-name></translator><sequence name="&#x420;&#x43E;&#x43C;&#x430;&#x43D;&#x44B; &#x421;&#x442;&#x430;&#x43D;&#x438;&#x441;&#x43B;&#x430;&#x432;&#x430; &#x41B;&#x435;&#x43C;&#x430;"/></title-info><document-info><author><nickname>Haereticus</nickname></author><program-used>doc2fb, FictionBook Editor Release 2.5, ImageFB2, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2011-09-30">2011-09-30</date><id>0643BD22-8F55-4F54-AE45-B05260F52084</id><version>2</version></document-info><publish-info><book-name>Eden</book-name><publisher>DTV</publisher><year>1989</year></publish-info></description><body><section><title><p>Stanislaw Lem</p><p>Eden</p></title><p><emphasis>Deutsch von Caesar Rymarowicz</emphasis></p></section><section><title><p>Erstes Kapitel</p></title><p>In den Berechnungen war ein Fehler. Sie waren nicht �ber die Atmosph�re hinweggeflogen, sondern waren mit ihr zusammengesto�en. Das Raumschiff bohrte sich mit lautem Krachen, von dem die Trommelfelle anschwollen, in die Lufth�lle. Sie sp�rten auf ihren Liegen das Nachgleiten der Sto�d�mpfer. Die vorderen Bildschirme flammten auf und erloschen. Das Kissen der gl�henden Gase, das auf die Raketenspitze dr�ckte, �berzog die Au�enobjektive mit einem Schleier. Der Bremsvorgang war ungen�gend und hatte zu sp�t eingesetzt. Gestank von schwelendem Gummi erf�llte den Steuerraum. Der Bremsdruck machte sie blind und taub. Das war das Ende. Doch auch daran vermochte keiner von ihnen zu denken. Ihre Kr�fte reichten nicht einmal zum Atemholen. Das besorgten f�r sie die bis zuletzt arbeitenden Sauerstoffpulsatoren. Sie pressten die Luft in sie hinein wie in Ballons. J�h verstummte das Tosen.</p><p>Die Havarielichter flammten auf, sechs auf jeder Seite. �ber der Schalttafel des Antriebs gl�hte das Alarmsignal. Die Armatur war geborsten und wie eine Ziehharmonika zusammengequetscht.</p><p>Isolationsfetzen, Plexiglassplitter glitten raschelnd �ber den Fu�boden. Kein Donner mehr, ein dumpfes, immer lauter werdendes Pfeifen erfasste alles. �Was ist los?� st�hnte der Doktor und spie das Gummimundst�ck aus. �Liegenbleiben!� schrie der Koordinator ihn an, der auf den letzten heilen Bildschirm starrte. Die Rakete schoss einen Purzelbaum, als sei sie von einem Sturmbock gerammt worden. Die Nylonnetze, in denen sie lagen, klimperten wie Saiten. Einen Moment hielt sich alles in der Schwebe wie bei einer Schaukel, die auf dem h�chsten Punkt ihrer Bewegung inneh�lt � dann setzte ein Dr�hnen ein. Die Muskeln, in Erwartung des letzten Schlags erstarrt, erschlafften. Die Rakete senkte sich auf der Feuers�ule nieder. Die D�sen brummten bes�nftigend. Aber nur wenige Minuten. Dann erfasste ein Schauder die W�nde. Die Vibration wurde zusehends st�rker. Sicherlich hatten sich die Lageraufh�ngungen der Turbinen gelockert. Die M�nner blickten einander an. Keiner sprach. Sie wussten, alles hing davon ab, ob die Rotoren die Beanspruchung aushielten. Der Steuerraum erbebte pl�tzlich, als schl�ge ein st�hlerner Hammer wie rasend auf ihn ein. Die dicke konvexe Linse des letzten Bildschirms bedeckte sich mit einem dichten Spinnennetz von Rissen, ihre Phosphorscheibe erlosch. Von unten her drang der blasse Schimmer der Havarielampen herauf und warf die vergr��erten Schatten der M�nner gegen die schr�gen W�nde. Das Dr�hnen ging in ein Br�llen �ber. Unter ihnen schabte etwas, zerbrach, spaltete sich mit einem metallischen Schrillen. Der Rumpf flog, von einem scheu�lichen Sch�tteln gepackt, blind weiter, wie tot. Sie duckten sich, hielten den Atem an. V�llige Finsternis und Chaos herrschten. Ihre K�rper schossen pl�tzlich an den langen Nylonleinen nach vorn, fast w�ren sie gegen die zerschmetterten Schalttafeln geprallt. Dann baumelten sie, sanft schaukelnd, wie schwere Uhrpendel in den Raum� Die Rakete kippte um wie ein st�rzender Berg. Der Donner schien aus der Ferne zu kommen, schwach rollend. Die hochgeschleuderten Erdmassen glitten am Au�enpanzer entlang. Alles erstarrte. Unter ihnen zischten die Leitungen. Etwas gluckste entsetzlich, schnell, immer schneller. Das Rauschen abflie�enden Wassers, vermischt mit ohrenbet�ubendem, sich immerfort wiederholendem Zischen, wie wenn eine Fl�ssigkeit auf gl�hende Bleche tropfte. �Wir leben�, sagte der Chemiker. Er sprach das in v�llige Dunkelheit. Man sah nicht das geringste. Er hing in seinem Nylonnetz wie in einem Sack, der an vier Zipfeln mit Seilen verkn�pft ist. Er schloss daraus: Die Rakete lag auf der Seite. Etwas klickte. Ein blasses Benzinfl�mmchen �ber dem alten Feuerzeug des Doktors. </p><p>�Die Besatzung?� fragte der Koordinator. Ein Seil seines Netzes war gerissen. Er drehte sich langsam, war ganz hilflos. Vergebens versuchte er, durch die Maschen hindurch sich an der Wand festzuhalten. �Erster�, rief der Ingenieur.</p><p>�Zweiter�, rief der Physiker. </p><p>�Dritter�, der Chemiker.</p><p>�Vierter�, der Kybernetiker; er hielt sich die Stirn. </p><p>�F�nfter�, meldete sich als letzter der Doktor.</p><p>�Alle. Ich gratuliere.� Die Stimme des Koordinators klang ruhig. �Die Automaten?� Stille.</p><p>�Die Automaten?� Schweigen. Der Doktor verbrannte sich die Finger am Feuerzeug. Er machte es aus. Wieder war es dunkel.</p><p>�Habe ich nicht immer gesagt, dass wir aus besserem Material sind�, sprach der Doktor in die Dunkelheit hinein. �Hat jemand von euch ein Messer?� </p><p>�Ich� Die Seile durchschneiden?�</p><p>�Wenn du ohne Durchschneiden herauskommst, um so besser. Ich kann es nicht.� </p><p>�Ich versuche es.�</p><p>Der Chemiker zerrte an den Seilen. Sein Atem ging schneller. Etwas klopfte. Glas klirrte. �Ich bin unten. Das hei�t auf der Wand�, meldete er sich aus dem Schacht der Finsternis. �Doktor, leuchte mal, dann helfe ich euch.� </p><p>�Aber beeil dich, das Benzin ist bald alle.�</p><p>Das Feuerzeug flammte wieder auf. Der Chemiker machte sich am Schlafsack des Koordinators zu schaffen, reichte aber nur bis an dessen Beine. Schlie�lich gelang es ihm, den Rei�verschluss ein St�ck zu �ffnen, der Koordinator plumpste auf die F��e. Zu zweit ging es schneller. Wenig sp�ter standen sie alle auf der schr�gen, mit halbelastischer Masse belegten Wand des Steuerraums. �Womit fangen wir an?� fragte der Doktor. Er presste die Wundr�nder auf der Stirn des Kybernetikers zusammen und heftete ein Pflaster darauf. Er hatte es in der Tasche. Kleinkram trug er immer bei sich.</p><p>�Wir stellen erst mal fest, ob es uns gelingt, hinauszukommen�, entschied der Koordinator. �Zun�chst brauchen wir Licht. Was? Schon? Doktor, leuchten Sie hierher, vielleicht ist in den Kabelenden der Schalttafel noch Strom oder wenigstens im Regler der Alarmanlage.� Diesmal gab das Feuerzeug nur Funken her. Der Doktor rieb sich die Finger wund. Die Funken spr�hten �ber den Resten der zertr�mmerten Schalttafel, an denen der Koordinator und der Ingenieur kniend kramten. </p><p>�Ist Strom?� fragte der Chemiker. Er stand hinten, weil kein Platz mehr f�r ihn war.</p><p>�Vorl�ufig nicht. Hat denn keiner Streichh�lzer?� </p><p>�Streichh�lzer habe ich vor drei Jahren zum letzten Mal gesehen. Im Museum�, nuschelte der Ingenieur; er versuchte gerade, mit den Z�hnen die Isolierung von einem Leitungsende abzurei�en. Pl�tzlich zuckte ein kleiner blauer Funke in den muschelf�rmig zusammengelegten H�nden des Koordinators. �Strom ist da�, sagte er. �Eine Gl�hbirne her.� Sie fanden eine heil gebliebene im Alarmsignal �ber der Seitenarmatur. Ein grelles elektrisches Fl�mmchen erhellte den Steuerraum, der wie ein Teil eines schr�g ansteigenden Tunnelrohres mit kegelf�rmigen W�nden wirkte. Hoch �ber ihnen war in dem, was jetzt die Decke darstellte, eine verschlossene T�r zu sehen. ��ber sieben Meter hoch�, sagte der Chemiker melancholisch. �Wie kommen wir blo� da hinauf?�</p><p>�Ich habe im Zirkus mal eine lebende S�ule gesehen � f�nf Menschen, einer auf dem anderen�, schlug der Doktor vor. �Das ist f�r uns zu schwer. Wir m�ssen �ber den Fu�boden dorthin gelangen�, entschied der Koordinator. Er lie� sich vom Chemiker das Messer geben und schnitt damit breite Kerben in den Plastikbelag des Bodens. �Stufen?� </p><p>�Ja.�</p><p>�Warum h�rt man den Kybernetiker nicht?� fragte auf einmal der Ingenieur verwundert. Er sa� auf den Tr�mmern der geborstenen Schalttafel und hielt ein Amperemeter an die herausgezogenen Kabelschn�re. �Er ist Witwer geworden�, erwiderte der Doktor l�chelnd. �Was ist ein Kybernetiker ohne Automaten?�</p><p>�Die wickle ich noch�, meldete sich der Kybernetiker. Er blickte in die �ffnungen der ausgeschlagenen Bildschirme. Das elektrische Fl�mmchen f�rbte sich langsam gelb, es wurde immerdunkler und blasser. �Die Akkumulatoren auch?� murmelte der Physiker. Der Ingenieur erhob sich.</p><p>�Sieht so aus.�</p><p>Eine Viertelstunde sp�ter r�ckte die aus sechs Personen bestehende Expedition in die Tiefe oder vielmehr in die H�he vor. Zuerst gelangte sie in den Gang und von da in die einzelnen R�ume. In der Kaj�te des Doktors fanden sie eine Taschenlampe. Der Doktor hatte eine Vorliebe f�r allerlei �berfl�ssige Dinge. Sie nahmen sie mit. �berall trafen sie Verw�stungen an. Die an den Fu�b�den befestigten M�bel waren unbesch�digt, aber aus den Apparaten, aus dem Werkzeug, aus den Hilfsvehikeln und aus dem �brigen Material hatte sich eine unbeschreibliche Gr�tze gebildet, in der sie bis �ber die Knie wateten.</p><p>�Und jetzt wollen wir versuchen, hinauszukommen�, erkl�rte der Koordinator, als sie sich wieder im Gang befanden. �Und die Raumanz�ge?� </p><p>�Die sind in der Druckkammer. Ihnen wird nichts zugesto�en sein. Aber wir brauchen gar keine Raumanz�ge. Eden hat eine ertr�gliche Atmosph�re.�</p><p>�Ist �berhaupt jemals einer hier gewesen?� </p><p>�Ja. Vor zehn oder elf Jahren. Die kosmische Sonde einer Suchpatrouille. Damals, als Altair mit seinem Raumschiff umgekommen ist. Erinnert ihr euch?�</p><p>�Aber kein Mensch.� </p><p>�Nein, keiner.� Die Innenklappe der Schleuse befand sich schr�g �ber ihren K�pfen. Allm�hlich schwand der erste eigenartige Eindruck, der dadurch entstanden war, dass sie die vertrauten R�ume in einer v�llig anderen Lage durchquerten � der Fu�boden und die Decke waren jetzt die W�nde. �Ohne lebende Leiter kommen wir wirklich nicht hinaus�, sagte der Koordinator und beleuchtete die Luke mit der Taschenlampe des Doktors. Der Lichtfleck huschte �ber die R�nder. Sie war hermetisch verschlossen. �Sieht nicht �bel aus.� Der Kybernetiker hatte den Kopf weit in den Nacken gelegt.</p><p>�Freilich.� Der Ingenieur �berlegte: Die ungeheure Kraft, die die Tr�ger derma�en zusammengepresst hatte, dass die Schalttafel zwischen ihnen geborsten war, konnte nat�rlich auch die Luke verkeilt haben. Doch er behielt den Gedanken f�r sich. Der Koordinator schielte zum Kybernetiker hin und wollte ihm schon vorschlagen, den R�cken zu beugen und sich an die Wand zu stellen, als ihm das Eisenger�mpel einfiel, das sie im Automatenraum gesehen hatten. Er sagte zum Chemiker: �Stell dich breitbeinig hin, mit den H�nden auf den Knien, so hast du es besser.�</p><p>�Ich habe schon immer davon getr�umt, einmal im Zirkus aufzutreten�, versicherte der Chemiker und b�ckte sich. Der Koordinator stellte ihm den Fu� auf die Schulter, schwang sich hoch, reckte sich, schmiegte sich an die Wand und bekam mit den Fingerspitzen den keulenf�rmig verdickten Nickelhebel der Luke zu fassen.</p><p>Er zog und zerrte und h�ngte sich schlie�lich daran. Der Hebel gab knirschend nach, als sei der Schlossmechanismus mit Glassplittern gef�llt; er machte eine Viertelumdrehung und r�hrte sich nicht mehr.</p><p>�Drehst du nach der richtigen Seite?� fragte der Doktor, der mit der Taschenlampe von unten leuchtete. �Die Rakete liegt.� </p><p>�Das habe ich ber�cksichtigt.� </p><p>�Kannst du nicht st�rker?�</p><p>Der Koordinator erwiderte nichts. Er hing platt an der Wand, mit der einen Hand am Hebel. Er versuchte, ihn mit der anderen Hand zu packen, was sehr schwierig war, aber schlie�lich gelang es ihm. Jetzt hing er wie am Trapez, zog die Beine an, um nicht den Chemiker zu sto�en, der sich unter ihm b�ckte, und zerrte ein paar Mal heftig am Hebel, indem er einen Klimmzug machte und sich dann mit der vollen Last seines K�rpergewichts fallen lie�. Er st�hnte jedes Mal auf, wenn sein K�rper im Schwung gegen die Wand prallte.</p><p>Beim dritten oder vierten Male gab der Hebel etwas nach. Nur noch f�nf Zentimeter fehlten. Der Koordinator sammelte alle Kraft und warf sich erneut nach unten. Der Hebel schlug mit gr�sslichemKnirschen gegen das Schloss. Der innere Riegel war zur�ckgeschoben.</p><p>�Das ging ja wie geschmiert!� rief der Physiker erfreut. Der Ingenieur schwieg. Er wusste Bescheid.</p><p>Die Klappe musste erst noch ge�ffnet werden, das war viel schwieriger. Der Ingenieur r�ttelte daran, dr�ckte den Griff der hydraulischen Vorrichtung, aber er wusste von vornherein, daraus w�rde nichts werden. Die Rohre waren an vielen Stellen geborsten, und die Fl�ssigkeit war ausgelaufen. Als der Doktor seine Taschenlampe nach oben richtete, leuchtete die Handkurbel �ber ihnen mit ihrem R�dchen wie eine Aureole auf. F�r ihre gymnastischen M�glichkeiten war das zu hoch � mehr als vier Meter.</p><p>Sie trugen deshalb aus allen R�umen die zerschlagenen Ger�te, die Kissen und B�cher zusammen. Als besonders n�tzlich erwies sich die Bibliothek, vor allem die Sternatlanten, sie waren sch�n dick. Sie errichteten daraus eine Pyramide, wie aus Ziegelsteinen. Fast eine ganze Stunde brauchten sie dazu.</p><p>Einmal rutschte ein Teil herunter, daraufhin gingen sie unter dem Befehl des Ingenieurs systematisch vor.</p><p>�Physische Arbeit ist doch ein Gr�uel!� rief der Doktor keuchend. Die Taschenlampe steckte in einer Ritze der Klimaanlage und beleuchtete ihnen den Weg, w�hrend sie zur Bibliothek liefen und, mit B�chern beladen, zur�ckkehrten. �Ich habe mir nie tr�umen lassen, dass es bei einer Reise zu den Sternen so primitive Bedingungen geben kann�, schnaufte der Doktor. Er allein redete noch.</p><p>Schlie�lich kroch der Koordinator, von seinen Gef�hrten gest�tzt, vorsichtig auf die Pyramide, er konnte die Kurbel mit den Fingern gerade ber�hren. �Zuwenig�, sagte er. �F�nf Zentimeter fehlen.</p><p>Ich kann nicht hochspringen, weil sonst alles zusammenst�rzt.� </p><p>�Hier habe ich die �Theorie der schnellen Fl�ge�.� Der Doktor wog einen dicken W�lzer in der Hand. �Ich denke, das wird genau das Richtige sein.�</p><p>Der Koordinator klammerte sich an die Kurbel. Sie leuchteten ihm von unten mit der Taschenlampe.</p><p>Sein Schatten flatterte auf der wei�en Fl�che des Plastikbelages, mit dem die Wand, die jetzt die Decke bildete, verkleidet war. Pl�tzlich rutschte ihm die Kurbel aus den H�nden, er schwankte einen Augenblick und verlor das Gleichgewicht. Keiner schaute mehr hinauf. Sie fassten sich an den H�nden und dr�ngten sich gegen die wacklige Pyramide aus B�chern, damit sie nicht auseinander glitt. �Nur nicht fluchen. Wenn man erst damit anf�ngt, nimmt das kein Ende�, rief der Doktor warnend von unten. Der Koordinator ergriff wieder die Kurbel. Pl�tzlich ein Knirschen und dann das dumpfe Poltern herabgleitender B�nde. Der Koordinator hing �ber ihnen in der Luft, aber die Kurbel, an die er sich klammerte, vollf�hrte eine ganze Umdrehung. �Weiter so, noch elfmal�, sagte er und landete auf dem B�cherschlachtfeld.</p><p>Zwei Stunden sp�ter war die Klappe zur Strecke gebracht. Als sie sich langsam �ffnete, stie�en sie ein Siegesgeheul aus. Die offene Klappe bildete eine Art Zugbr�cke, �ber die sie ohne gr��ere Schwierigkeiten in die Schleuse gelangen konnten. Die Raumanz�ge im flachen Wandschrank waren unbesch�digt.</p><p>Der Schrank lag jetzt waagerecht. Sie stiegen �ber ihn hinweg. �Gehen wir alle raus?� fragte der Chemiker. �Erst versuchen wir den Eingang zu �ffnen.� Er war verschlossen, mit dem Rumpf wie aus einem Guss. Der Hebel lie�en sich nicht bewegen. Sie stemmten sich alle sechs dagegen, versuchten die Gewinde zu lockern, warfen sich mal hier und mal dort dagegen � die Gewinde r�hrten sich nicht.</p><p>�Wie man sieht, ist die Hauptsache nicht, anzukommen, sondern auszusteigen�, bemerkte der Doktor.</p><p>�Ein gesunder Humor�, nuschelte der Ingenieur. Der Schwei� rann ihm �ber die Stirn. Sie setzten sich auf den Wandschrank. �Ich habe Hunger�, gestand der Kybernetiker in dem allgemeinen Schweigen. �Also m�ssen wir etwas essen.� Der Physiker erbot sich, in das Vorratslager zu steigen.�Eher schon in die K�che. Vielleicht etwas aus dem K�hlraum�� </p><p>�Allein schaffe ich das nicht. Da muss man erst eine halbe Tonne Schrott beiseite r�umen, um an die Vorr�te zu kommen. Wer geht mit?� Der Doktor meldete sich. Der Chemiker raffte sich mit einem gewissen Widerwillen auf. Als ihre K�pfe hinter der aufgeschlagenen Lukent�r verschwunden waren und der letzte Schein der Taschenlampe, die sie mitnahmen, erlosch, begann der Koordinator leise: �Ich wollte nur nichts sagen. Ihr wisst doch mehr oder weniger Bescheid, wie es um uns steht?�</p><p>�Das schon.� Der Ingenieur tastete in der Finsternis mit der Hand nach den Sohlen des Koordinators.</p><p>Er brauchte diese Ber�hrung. �Du nimmst an, die Klappe l�sst sich nicht durchschneiden?�</p><p>�Womit?� fragte der Ingenieur. �Mit einem Elektrobrenner oder mit einem Gasbrenner. Wir k�nnen autogen schneiden und��</p><p>�Hast du schon mal von einem autogenen Brenner geh�rt, mit dem man einen Viertelmeter Keramit durchschneiden kann?� Sie verstummten. Aus der Tiefe des Raumschiffes dr�hnte dumpfer L�rm, wie aus eisernen Katakomben. �Also was?� sagte der Kybernetiker nerv�s. Sie h�rten seine Gelenke knirschen. Er stand auf.</p><p>�Setz dich�, sagte der Koordinator sanft, aber entschieden. �Ihr glaubt, die Klappe ist mit dem Panzer verschwei�t?� </p><p>�Nicht unbedingt�, erwiderte der Ingenieur. �Wei�t du �berhaupt, was geschehen ist?�</p><p>�Genaugenommen nicht. Wir sind mit kosmischer Geschwindigkeit genau dort in die Atmosph�re geraten, wo sie nicht sein sollte. Und warum? Der Automat kann sich nicht geirrt haben.�</p><p>�Der Automat hat sich nicht geirrt. Wir haben uns geirrt�, sagte der Koordinator. �Wir haben die Korrektur f�r den Schweif vergessen.�</p><p>�Welchen Schweif? Was verstehst du darunter?� </p><p>�F�r den Gasschweif, den jeder Planet, der eine Atmosph�re besitzt, in entgegengesetzter Richtung zu seiner Bewegung bildet. Hast du noch nichts davon geh�rt?� </p><p>�O ja, doch. Wir sind also in diesen Schweif geraten? Muss er nicht sehr d�nn sein?�</p><p>�Zehn zu minus sechs�, erwiderte der Koordinator. �Etwa in dieser Gr��enordnung, aber wir hatten �ber siebzig Kilometer in der Sekunde, mein Verehrtester. Das hat uns wie eine Mauer gebremst. Das war die erste Ersch�tterung, entsinnt ihr euch?� </p><p>�Ja�, fuhr der Ingenieur fort, �und als wir in die Stratosph�re drangen, hatten wir noch zehn oder zw�lf. Eigentlich h�tte die Rakete in tausend St�cke zerspringen m�ssen. Merkw�rdig, dass sie es �berhaupt ausgehalten hat.� </p><p>�Die Rakete?�</p><p>�Die ist f�r eine zwanzigfache �berbelastung berechnet. Aber bevor der Bildschirm barst, habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie der Zeiger aus der Skala sprang. Die Skala hatte eine Reserve bis drei�ig.� </p><p>�Und wir?� </p><p>�Was wir?� </p><p>�Wie konnten wir das aushalten? Willst du behaupten, dass die Drosselung drei�ig g betrug?�</p><p>�St�ndig nicht. Nur in den Spitzen. Die Bremsen gaben doch alles her. Deshalb kam es auch zu den Schwingungen.� </p><p>�Aber die Automaten glichen das aus, und w�ren nicht die Kompressoren��, widersprach der Kybernetiker mit trotzigem Unterton, hielt dann aber inne, weil unten im Schiff ein Gegenstand rumorte � es klang, als rollten Eisenr�der �ber Blech. Dann wurde es still.</p><p>�Was verlangst du eigentlich von den Kompressoren?� fragte der Ingenieur. �Wenn wir in den Maschinenraum gehen, zeige ich dir, dass sie f�nfmal mehr geleistet haben, als sie leisten konnten. Sie sind doch nur Hilfsaggregate. Zuerst gingen ihre Lager in die Br�che, und als die Schwingungen auftraten�� </p><p>�Meinst du die Resonanz?�</p><p>�Mit der Resonanz ist das eine andere Sache. Eigentlich h�tten wir auf einer Strecke von wenigen Kilometern zerquetscht werden m�ssen, wie jener Frachter auf dem Neptun, wei�t du noch? Du wirst dich selbst davon �berzeugen k�nnen, wenn du den Maschinenraum zu sehen bekommst. Ich kann dirvon vornherein sagen, was da los ist.�</p><p>�Ich versp�re nicht die geringste Lust, den Maschinenraum zu besichtigen. Verdammt, warum lassen die so lange auf sich warten? In dieser Dunkelheit tun einem ja die Augen weh.� </p><p>�Wir werden schon Licht haben, keine Panik�, tr�stete ihn der Ingenieur.</p><p>Er hielt noch immer, scheinbar unabsichtlich, die Fingerspitzen am Fu� des Koordinators, der sich nicht r�hrte und dem Gespr�ch schweigend zuh�rte. �Und in den Maschinenraum gehen wir nur so, aus lauter Langeweile. Was bleibt uns denn sonst zu tun?� </p><p>�Glaubst du im Ernst, dass wir von hier nicht wegkommen?� </p><p>�Ach wo, ich mache nur Spa�. Ich liebe solche Scherze.� </p><p>�H�r auf�, sagte der Koordinator. �Da ist ein Notausgang.� </p><p>�Mann! Der Notausgang ist genau unter uns. Die Rakete hat sich offenbar tief in den Boden gew�hlt, und ich bin mir nicht sicher, ob der Teil mit der T�r noch aus dem Boden ragt.�</p><p>�Was tut's? Wir haben das n�tige Werkzeug, dann graben wir eben einen Tunnel.� </p><p>�Und die Ladeluke?� fragte der Kybernetiker. �Die ist �berflutet�, erkl�rte der Ingenieur lakonisch. �Ich hab einen Blick in den Kontrollraum geworfen. Einer der Hauptbeh�lter muss einen Sprung bekommen haben. Mindestens zwei Meter tief Wasser. Und wahrscheinlich auch verseucht.� </p><p>�Woher willst du das wissen?�</p><p>�Weil das immer so ist. Zuerst setzt die K�hlung des Reaktors aus. Hast du das nicht gewusst? Die Ladeluke kannst du ruhig aus deinem Ged�chtnis streichen. Wir kommen nur hier heraus, und das auch nur, wenn�� </p><p>�Wir graben den Tunnel�, wiederholte der Koordinator leise. �Theoretisch ist das m�glich.� Der Ingenieur nickte. Sie schwiegen. Schritte n�herten sich, im Gang unter ihnen wurde es hell. Sie kniffen die Augen zusammen.</p><p>�Schinken, Zwieback, Zunge oder was da in der Schachtel sein mag � die eiserne Ration! Hier ist Schokolade, und da sind die Thermosflaschen. Reicht das hinauf!� Der Doktor kroch als erster auf die Klappe. Er leuchtete mit der Taschenlampe, als sie die Kammer betraten und die Konservendosen hinstellten. Sie hatten auch Aluminiumteller mitgebracht. Sie a�en stumm beim Schein der Taschenlampe. �Die Thermosflaschen sind also ganz geblieben?� sagte der Kybernetiker erstaunt und schenkte sich Kaffee ein. �Merkw�rdig, aber es stimmt. Mit den Konserven steht es gar nicht so schlecht. Nur die Gefrieranlage, die K�hlschr�nke, die Backr�hren, der kleine Synthetisierapparat, die Kl�ranlage, die Wasserfilter � das ist alles hin.� </p><p>�Die Kl�ranlage auch?� fragte der Kybernetiker besorgt. �Auch. Vielleicht lie�e sie sich reparieren, wenn wir Werkzeug h�tten. Aber das ist eben der Teufelskreis. Um den einfachsten Apparat in Gang zu bringen, brauchen wir Strom. Um Strom zu haben, m�ssen wir das Aggregat reparieren, und dazu brauchen wir wieder einen Halbautomaten.�</p><p>�Ihr Technikbeflissenen, habt ihr genug beratschlagt? Also was? Wo bleibt der Strahl der Hoffnung?�</p><p>Der Doktor beschmierte sich den Zwieback dick mit Butter und legte Schinken obendrauf. Ohne die Antwort abzuwarten, fuhr er fort: �Ich habe als Junge wohl mehr B�cher �ber die Kosmonautik gelesen, als unser gestrandetes Raumschiff wiegt, trotzdem kenne ich keine einzige Erz�hlung, keine Geschichte, nicht einmal eine Anekdote �ber das, was uns widerfahren ist. Wie das m�glich ist, verstehe ich selber nicht!�</p><p>�Weil die Sache langweilig ist�, erkl�rte der Kybernetiker sp�ttisch.</p><p>�Ja, etwas Neues ist das schon, so ein interplanetarer Robinson.� Der Doktor schraubte seine Thermosflasche zu. �Wenn ich nach Hause komme, will ich mich bem�hen, das zu schildern, falls mein Talent dazu reicht.� Pl�tzlich wurde es still. Sie nahmen die Konservendosen auf. Der Physiker schlug vor, sie in dem Schrank mit den Raumanz�gen aufzubewahren. Sie traten also an die Wand zur�ck, weil sich die T�r im Fu�boden anders nicht �ffnen lie�. �Wisst ihr was? Wir haben da soeigenartige Laute vernommen, als wir im Lager herumsuchten�, erz�hlte der Chemiker. �Was f�r Laute?�</p><p>�Ein St�hnen und Krachen. Als ob eine Last uns presste.� </p><p>�Glaubst du, dass ein Felsen auf uns gefallen ist?� fragte der Kybernetiker.</p><p>�Das ist etwas ganz anderes�, erkl�rte der Ingenieur. �Die �u�ere H�lle der Rakete hat sich beim Eindringen in die Atmosph�re stark erhitzt. Die Spitze kann sogar ein wenig geschmolzen sein. Die Teile erstarren jetzt wieder, verschieben sich, innere Spannungen entstehen, daher r�hren die Laute.</p><p>Ja, man kann sie auch jetzt h�ren��</p><p>Sie verstummten. Ihre Gesichter waren von der Taschenlampe erhellt, die auf einer flachen Scheibe �ber dem Eingang lag. Aus dem Innern des Raumschiffes kam ein durchdringendes St�hnen, eine Folge kurzer, leiser werdender Ger�usche, dann folgte Stille.</p><p>�Vielleicht ist das ein Automat?� Die Stimme des Kybernetikers verriet ein wenig Hoffnung. �Du hast es ja selbst gesehen.� </p><p>�Ja, aber in die Notluke haben wir nicht geschaut.� Der Kybernetiker beugte sich in das Dunkel des Ganges und rief vom Rand der Klappe: �Reserveautomaten, herh�ren!�</p><p>Die Stimme hallte im Raum. Stille war die Antwort. �Komm her, wir untersuchen den Eingang.� Der Ingenieur kniete sich vor die eingew�lbte Platte, hielt die Augen dicht an den Rand und leuchtete Zentimeter um Zentimeter die Fugen ab. Der Lichtfleck glitt �ber die Abdichtungen, die mit einem feinen Netz von Spr�ngen gezeichnet waren.</p><p>�Von innen ist nichts geschmolzen. �brigens kein Wunder, denn Keramit ist ein schlechter W�rmeleiter.� </p><p>�Vielleicht versuchen wir es noch einmal?� schlug der Doktor vor und packte die Kurbel.</p><p>�Das hat keinen Sinn�, protestierte der Chemiker. Der Ingenieur hielt die Hand an die Klappe und sprang auf. �Jungs, wir brauchen Wasser! Viel kaltes Wasser!� </p><p>�Wof�r?�</p><p>�Fasst die Klappe an. Sie ist hei�, nicht wahr?� Mehrere H�nde ber�hrten sie gleichzeitig.</p><p>�Sie ist so hei�, dass man sich die Finger verbrennen kann�, stellte jemand fest. �Das ist unser Gl�ck!� </p><p>�Wieso?�</p><p>�Der Rumpf ist erhitzt, er hat sich geweitet, die Klappe auch. Wenn wir die Klappe abk�hlen, schrumpft sie und wird sich vielleicht �ffnen lassen.� </p><p>�Wasser � das gen�gt nicht. Vielleicht ist noch Eis da. In der Gefrieranlage m�sste welches sein�, sagte der Koordinator. Einer nach dem anderen sprangen sie in den Gang, der von ihren Schritten widerhallte. Der Koordinator blieb mit dem Ingenieur am Eingang zur�ck. �Sie wird nachgeben�, sagte er leise, wie zu sich selbst. �Wenn sie nicht zugeschmolzen ist.� Der Ingenieur tastete den Rand mit den H�nden ab, um den Grad der Erhitzung festzustellen. �Keramit wird erst bei �ber dreitausendsiebenhundert Grad fl�ssig. Hast du nicht bemerkt, wie hei� die H�lle zuletzt war?� </p><p>�Zuletzt zeigten alle Uhren die Daten vom vergangenen Jahr an. Wenn ich mich nicht irre, hatten wir �ber zweieinhalb, als gebremst wurde.�</p><p>�Zweieinhalbtausend Grad ist nicht viel!� </p><p>�Ja, aber dann!�</p><p>Das erhitzte Gesicht des Chemikers erschien dicht �ber der aufgeklappten Luke. Die Taschenlampe baumelte an seinem Hals. Ihr Schein h�pfte �ber die Eisst�ckchen, die aus dem Eimer ragten. Er reichte ihn dem Koordinator.</p><p>�Warte, wie wollen wir das eigentlich machen mit dem K�hlen�� Der Ingenieur verzog das Gesicht. �Moment.� Er verschwand in der Dunkelheit. Wieder hallten Schritte. Der Doktor schlepptezwei Eimer herbei, in denen Eis schwamm. Der Chemiker leuchtete. Der Doktor und der Physiker begossen die Klappe mit dem Wasser. Es lief �ber den Fu�boden in den Gang. Der Kybernetiker brachte einen K�bel mit kleingehacktem Eis und ging noch mehr holen. Als sie die Klappe zum zehntenmal besp�lten, glaubten sie etwas zu h�ren � ein schwaches Quietschen. Sie stie�en einen Freudenschrei aus. Der Ingenieur erschien. Vor die Brust hatte er sich einen ziemlich starken Raumanzugscheinwerfer gebunden. Gleich wurde es heller. Der Ingenieur warf einen Armvoll Plastikplatten aus dem Steuerraum auf den Fu�boden. Sie packten Eisst�cke auf die Lukent�r und dr�ckten sie mit den Plastikplatten und mit Luftkissen fest sowie mit den B�chern, die der Physiker unterdessen zusammentrug. Schlie�lich, als sie schon ihre R�cken kaum mehr geradebiegen konnten und von der kleinen Eismauer kaum etwas �briggeblieben war, so rasch schmolz sie bei der Ber�hrung mit der erhitzten Lukent�r, packte der Kybernetiker die Kurbel mit beiden H�nden und versuchte sie zu drehen. �Warte, noch nicht!� rief der Ingenieur �rgerlich. Aber die Kurbel gab ziemlich leicht nach. Alle sprangen auf. Die Kurbel drehte sich immer schneller. Der Ingenieur packte in der Mitte den Griff des dreifachen Riegels, der die Klappe absicherte, und zerrte daran. Ein Klirren war zu h�ren, als ob eine Scheibe zersprang, und die Lukent�r presste sich gegen sie, zun�chst leicht. Auf einmal riss sie die N�chststehenden fast um, eine schwarze Lawine quoll polternd aus dem dunklen Rachen und sch�ttete die M�nner, die sich ihr entgegenstellten, bis an die Knie zu. Der Chemiker und der Koordinator wurden beiseite geschleudert. Den Chemiker dr�ckte die Klappe an die Seitenwand, so dass er sich nicht bewegen konnte; er kam aber unverletzt davon. Der Koordinator konnte noch im letzten Augenblick zur�ckspringen. Beinahe h�tte er dabei den Doktor umgesto�en.</p><p>Sie r�hrten sich nicht. Die Taschenlampe des Doktors war erloschen, sie war irgendwo versch�ttet.</p><p>Nur der Scheinwerfer auf der Brust des Ingenieurs leuchtete.</p><p>�Was ist das?� fragte der Kybernetiker mit einer Stimme, die nicht die seine zu sein schien. Er stand hinter den anderen, als letzter, am Rand der kleinen Plattform. �Eine Probe vom Planeten Eden.�</p><p>Der Koordinator half dem Chemiker, sich von der Lukent�r zu befreien. �Ja�, best�tigte der Ingenieur, �der Eingang ist versch�ttet, wir m�ssen uns ganz t�chtig in den Boden gebohrt haben!�</p><p>�Das ist die erste Landung unter der Oberfl�che eines unbekannten Planeten, nicht wahr?� meinte der Doktor. Alle lachten. Der Kybernetiker sch�ttelte sich, dass ihm die Tr�nen kamen. �Genug!� rief er.</p><p>�Wir wollen doch nicht bis zum fr�hen Morgen so herumstehen. Holt das Werkzeug, wir m�ssen uns freigraben.� Der Chemiker b�ckte sich und nahm einen schweren Klumpen von dem Erdh�gel vor seinen F��en in die Hand. Aus der ovalen �ffnung sickerte noch immer Erde nach. Von Zeit zu Zeit rutschten einige fett leuchtende, schwarze Brocken von dem H�gel bis in den Gang. Die M�nner zogen sich dorthin zur�ck, denn auf der Plattform war nicht genug Platz, sich hinzusetzen. Der Koordinator und der Ingenieur sprangen zuletzt hinunter.</p><p>�Wie tief m�gen wir uns wohl in den Boden gebohrt haben?� fragte der Koordinator leise den Ingenieur, als sie beide den Gang entlangschritten. Weit vor ihnen huschte der Lichtkegel auf und ab.</p><p>Der Ingenieur reichte dem Chemiker den Scheinwerfer. �Wie tief? Das h�ngt von vielen Faktoren ab.</p><p>Tagerssen hatte sich achtzig Meter in den Boden gebohrt.� </p><p>�Ja, aber was war von der Rakete und von ihm �briggeblieben!� </p><p>�Und die Mondsonde? Einen Stollen mussten sie in den Felsen schlagen, um sie freizugraben. In den Felsen!� </p><p>�Auf dem Mond ist Pumex�� </p><p>�Woher sollen wir wissen, was hier ist?� </p><p>�Du hast es doch gesehen. Sieht nach Mergel aus.� </p><p>�Ja, dicht am Eingang, aber weiter!� Mit dem Werkzeug stand es schlecht. Wie alle Weltraumschiffe besa� auch dieses eine doppelte Ausstattung von Automaten und ferngesteuerten Halbautomaten f�r einen Allroundeinsatz, auch f�r Erdarbeiten, wie ihn die unterschiedlichen planetaren Bedingungen erforderlich machen k�nnen.</p><p>Diese Aggregate waren jedoch alle ausgefallen, und ohne Stromzufuhr war an ihre Inbetriebnahme �berhaupt nicht zu denken. Die einzige Apparatur, �ber die sie verf�gten, ein Bagger, der von einerAtommikros�ule angetrieben wurde, brauchte ebenfalls Strom f�r den Initialantrieb. So mussten sie auf primitives Werkzeug zur�ckgreifen: auf Spaten und Spitzhacken. Ihre Anfertigung bereitete ihnen ebenfalls Schwierigkeiten. Nach f�nf Stunden m�hevoller Arbeit kehrte die Besatzung durch den Gang zur Schleuse zur�ck. Sie hatten drei flache, am Ende gebogene Hacken, zwei st�hlerne Stangen und gro�e Blechtafeln bei sich, die zum Abst�tzen der W�nde des Grabens dienen sollten. Au�erdem K�bel und mehrere gro�e Plastikschachteln zum Wegr�umen der Erde, an denen sie zum Tragen kurze Aluminiumrohre befestigten. Achtzehn Stunden waren seit der Katastrophe vergangen. Alle fielen fast um vor Ersch�pfung. Der Doktor entschied, dass sie wenigstens ein paar Stunden schlafen sollten. Zuerst mussten sie sich aber provisorische Schlaflager bereiten, denn die Kojen in den Schlafr�umen, die an den Fu�b�den befestigt waren, standen senkrecht. Sie loszuschrauben h�tte sie zuviel Arbeit gekostet. Also trugen sie Luftmatratzen in die Bibliothek; sie hatten am wenigsten gelitten, fast die H�lfte der B�cher hatten sie schon vorher in den Flur getragen. Sehr bald stellte sich heraus, dass au�er dem Chemiker und dem Ingenieur keiner einschlafen konnte. Der Doktor stand auf und ging mit der Taschenlampe ein Schlafmittel suchen. Dazu brauchte er fast eine Stunde, denn er musste sich den Weg zum Verbandraum erst bahnen. Der Gang war mit Bergen von zertr�mmerten Ger�ten und Laborgef��en verstopft. Alles war aus den Wandschr�nken gefallen und verbarrikadierte den Zugang zur T�r. Schlie�lich � seine Armbanduhr zeigte bereits vier Uhr Bordzeit � verteilte er die Schlaftabletten, das Licht wurde gel�scht, und bald darauf erf�llten unruhige Atemz�ge den dunklen Raum. Sie erwachten unerwartet schnell, mit Ausnahme des Kybernetikers, der eine zu gro�e Dosis Tabletten genommen hatte und wie betrunken war. Der Ingenieur klagte �ber heftige Schmerzen im R�cken. Der Doktor entdeckte dort eine Schwellung; vermutlich hatte sich der Ingenieur beim Ziehen an den Griffen des Eingangs einen Muskel gezerrt.</p><p>Sie waren schlechter Stimmung. Keiner sprach, nicht einmal der Doktor. An die restlichen Vorr�te in der Schleuse kamen sie nicht heran, denn auf dem Schrank, in dem die Raumanz�ge hingen, lag ein gewaltiger Erdhaufen. Der Physiker und der Chemiker gingen in die Vorratskammer und kehrten mit Konservendosen zur�ck. Es war neun, als sie das Ausschachten des Tunnels in Angriff nahmen.</p><p>Die Arbeit ging im Schneckentempo voran. In der ovalen �ffnung konnten sie sich nicht frei bewegen. Die M�nner vorn lockerten mit den Hacken die festen Erdklumpen, und die hinter ihnen wurden in den Gang gedr�ngt. Nach einigem �berlegen beschlossen sie, die Erde in den Steuerraum zu sch�tten. Er lag am n�chsten und enthielt nichts, was in n�chster Zeit ben�tigt wurde. Vier Stunden sp�ter war der Steuerraum kniehoch mit Erdreich bedeckt. Der Tunnel war aber erst zwei Meter tief.</p><p>Der Mergel war z�h. Die Bohrstangen und Hacken blieben darin stecken. Die eisernen Griffe verbogen sich unter den H�nden der heftig zupackenden M�nner. Die beste Arbeit leistete noch die st�hlerne Hacke des Koordinators.</p><p>Der Ingenieur sorgte sich, dass die Decke einst�rzen k�nnte, und bem�hte sich vor allem darum, sie ordentlich abzust�tzen. Gegen Abend, als sie lehmbeschmiert am Tisch Platz nahmen, war der Tunnel, der von der Klappe fast siebzig Grad steil nach oben f�hrte, kaum f�nfeinhalb Meter vorgetrieben. Der Ingenieur blickte noch einmal in den Brunnen, durch den man in die tiefer gelegenen R�ume dringen konnte, wo sich, drei�ig Meter vom Haupteingang entfernt, im Panzer die Verladeluke befand, aber er sah nur den schwarzen Wasserspiegel � h�her als am Vortag.</p><p>Offensichtlich hatte ein Beh�lter ein Leck, und sein Inhalt sickerte langsam heraus. Das Wasser war radioaktiv verseucht. Das hatte er sofort mit einem kleinen Geigerz�hler festgestellt. Er schloss den Brunnen und kehrte zu seinen Freunden zur�ck, ohne ihnen etwas von seiner Entdeckung zu sagen.</p><p>�Wenn es gut geht, kommen wir morgen heraus, sonst erst in zwei Tagen.� Der Kybernetiker trank die dritte Tasse Kaffee aus der Thermosflasche. Sie tranken alle sehr viel. �Woher wei�t du das?� fragte der Ingenieur verwundert. �Ich f�hle es.� </p><p>�Er hat Intuition, die seine Automaten nicht haben.�</p><p>Der Doktor lachte. Je mehr der Tag sich neigte, um so besser wurde seine Laune. Als ihn die anderenvorn beim Ausschachten abl�sten, lief er durch die R�ume der Rakete und bereicherte die Belegschaft um zwei magnetoelektrische Taschenlampen, eine Haarschneidemaschine, Vitaminschokolade und einen ganzen Berg Handt�cher. Alle waren lehmbeschmiert, ihre Kombinationen voller Flecke. Sie rasierten sich nicht, weil es keinen Strom gab, und die Haar-Schneidemaschine, die der Doktor mitbrachte, verschm�hten sie. Er benutzte sie �brigens selber nicht.</p><p>Auch der folgende Tag verging mit dem Graben des Tunnels. Im Steuerraum lag die Erde so hoch, dass es immer schwerer fiel, den Sand durch die T�r hineinzusch�tten. Nun war die Bibliothek an der Reihe. Der Doktor hegte ihretwegen gewisse Zweifel, aber der Chemiker, mit dem er die aus Blech gefertigten Eimer trug, sch�ttete die Erde, ohne zu z�gern, auf die B�cher. Der Tunnel �ffnete sich v�llig unerwartet. Der Boden war zwar mittlerweile trockener geworden und weniger fest, aber diese Beobachtung des Physikers hatten die anderen nicht geteilt. Der Mergel, den sie in die Rakete schleppten, mutete noch genauso an wie fr�her. Gerade hatten der Ingenieur und der Koordinator die neue Schicht vorn �bernommen und mit dem Werkzeug, das von den H�nden ihrer Vorg�nger noch warm war, den aus der klobigen Wand herausragenden Klumpen die ersten Schl�ge versetzt, da verschwand pl�tzlich der Brocken, und ein sanfter Lufthauch drang durch die entstandene �ffnung.</p><p>Sie sp�rten den lauen Zug, denn der Druck drau�en war etwas h�her als im Tunnel und in der Rakete.</p><p>Die Hacke und die st�hlerne Stange begannen fieberhaft zu w�hlen. Keiner trug mehr die Erde fort.</p><p>Die M�nner, die vorn nicht helfen konnten, da zuwenig Platz war, standen hinten bereit. Nach den letzten Schl�gen wollte der Ingenieur hinausklettern, aber der Koordinator hielt ihn zur�ck. Zuerst sollte der Ausgang erweitert werden. Der Koordinator lie� auch noch den letzten Berg Erde in die Rakete tragen, damit der Schacht frei war. Noch wenige Minuten, und die sechs M�nner konnten durch die ungleichm��ige �ffnung an die Oberfl�che des Planeten kriechen.</p></section><section><title><p>Zweites Kapitel</p></title><p>D�mmerung brach herein. Das schwarze Loch des Tunnels klaffte in dem sanften Abhang eines H�gels von etwa einem Dutzend Meter H�he. Dicht vor ihnen endete die Neigung. Weiter weg, bis zum Horizont, an dem die ersten Sterne blinkten, erstreckte sich eine gro�e Ebene. In betr�chtlicher Entfernung ragten hier und da undeutliche schlanke Formen auf, die B�umen �hnelten. Das wenige Licht, das ein schmaler Streifen im Westen noch spendete, bewirkte, dass die Farben der Umgebung in ein einheitliches Grau zusammenfl�ssen. Links von ihnen stach schr�g und starr der gewaltige rundliche Rumpf der Rakete in den Himmel. Der Ingenieur sch�tzte seine L�nge auf siebzig Meter.</p><p>Das Raumschiff hatte sich also vierzig Meter tief in den H�gel gebohrt. In diesem Augenblick achtete jedoch keiner von ihnen auf das ungeheure Rohr, das sich schwarz vom Himmel abhob und in den regellos herausragenden T�llen der Steuerd�sen endete. Sie atmeten die k�hle Luft mit ihrem kaum sp�rbaren, unbekannten, undefinierbaren Geruch in vollen Z�gen ein und blickten stumm vor sich hin.</p><p>Erst jetzt bem�chtigte sich ihrer ein Gef�hl der Ratlosigkeit. Die eisernen Stiele der Hacken glitten ihnen wie von selbst aus den H�nden. Sie standen da und beobachteten den unermesslichen Raum mit seinen Horizontlinien, die in der Dunkelheit versanken, und die tr�ge und gleichm��ig zitternden Sterne in der H�he. �Der Polarstern?� fragte der Chemiker leise und deutete auf ein tiefstehendes Gestirn, das am finsteren Himmel im Osten schwach blinkte. �Nein, er ist von hier nicht zu sehen.</p><p>Wir sind jetzt�, ja, wir befinden uns unter dem S�dpol der Milchstra�e. Einen Augenblick, hier m�sste irgendwo das Kreuz des S�dens sein�� Den Kopf in den Nacken gelegt, schauten sie alle zu dem tiefschwarzen Himmel auf, an dem die Sternkonstellationen intensiv gl�hten. Sie nannten Namen, deuteten mit den Fingernauf die Gestirne. Das regte sie f�r eine Weile an. Die Sterne waren das einzige, was ihnen �ber dieser toten, �den Ebene nicht v�llig fremd war. �Es wird immer k�lter, wie in der W�ste�, sagte der Koordinator. �Nichts zu machen, heute kriegen wir sowieso nichts fertig. Wir m�ssen wieder zur�ck ins Schiff.�</p><p>�Was? Zur�ck in dieses Grab?� rief der Kybernetiker entr�stet. �Ohne dieses Grab k�men wir in zwei Tagen um�, erwiderte der Koordinator k�hl. �Benehmt euch nicht wie Kinder.� Wortlos machte er kehrt und ging langsam und mit gleichm��igen Schritten zur �ffnung zur�ck, die sich wenige Meter �ber dem Fu� des H�gels kaum sichtbar als schwarzer Fleck abzeichnete. Er lie� zuerst die Beine hineingleiten und zog den K�rper nach. Eine Weile war sein Kopf noch zu sehen, dann verschwand er. Die M�nner blickten einander stumm an.</p><p>�Gehen wir�, sagte der Physiker halb fragend, halb best�tigend. Z�gernd folgten sie ihm. Als die ersten in die enge �ffnung schl�pften, fragte der Ingenieur den Kybernetiker: �Ist dir aufgefallen, welch sonderbaren Geruch die Luft hier hat?� </p><p>�Ja. So bitter � Ist dir die Zusammensetzung bekannt?� </p><p>��hnelt der irdischen, hat au�erdem Beimengungen, die aber unsch�dlich sind. Genau wei� ich es nicht. Die Angaben sind in einem kleinen gr�nen Band enthalten, der auf dem zweiten Regal in der Bibliothek�� Er unterbrach sich, denn ihm war eingefallen, dass er selbst die Bibliothek mit dem Mergel zugesch�ttet hatte. �Hol's der Teufel.��, sagte er, nicht aufgebracht, eher tieftraurig, und zw�ngte sich in das schwarze Loch. Der Kybernetiker, allein geblieben, f�hlte sich pl�tzlich unbehaglich. Angst war es nicht, eher ein bedr�ckendes Gef�hl des Verlorenseins, der entsetzlichen Fremdheit der Landschaft. Zudem hatte diese R�ckkehr in die Tiefe der lehmigen Ausschachtung etwas Erniedrigendes. Wie die W�rmer, ging es ihm durch den Sinn. Er lie� den Kopf sinken und kroch, dem Ingenieur folgend, in den Tunnel. Dennoch, er hielt es nicht aus. Obwohl er bereits bis zu den Schultern darin steckte, hob er noch mal den Kopf, schaute nach oben und verabschiedete sich mit einem Blick von den ruhig flimmernden Sternen. Am Tag darauf wollten einige von ihnen die Vorr�te an die Oberfl�che tragen, um das Fr�hst�ck dort einzunehmen, aber der Koordinator erhob Einspruch. Das w�rde nur unn�tige M�he bereiten, behauptete er. So a�en sie beim Schein zweier Taschenlampen unter der Eingangsklappe und tranken kalten Kaffee. Pl�tzlich sagte der Kybernetiker: �H�rt mal, wie kommt es eigentlich, dass wir die ganze Zeit hindurch gute Luft hatten?� Der Koordinator l�chelte. Graue Streifen zeigten sich auf seinen eingefallenen Wangen. �Die Sauerstoffbeh�lter sind ganz. Mit der Reinigung steht es schlimmer. Nur ein einziger selbstt�tiger Filter arbeitet normal, der chemische f�r Havarief�lle, die elektrischen sind nat�rlich ausgefallen. In sechs, sieben Tagen w�ren wir am Ersticken.�</p><p>�Du hast es gewusst?� fragte der Kybernetiker langsam. Der Koordinator erwiderte nichts, nur sein L�cheln �nderte sich. Eine Sekunde lang war es fast grausam. �Was werden wir tun?� fragte der Physiker. Sie wuschen das Geschirr in einem K�bel mit Wasser ab. Der Doktor trocknete es mit einem seiner Handt�cher. �Hier ist Sauerstoff�, sagte der Doktor, w�hrend er seinen Aluminiumteller klirrend zu den anderen warf. �Das bedeutet, dass es hier Leben gibt. Was ist dir dar�ber bekannt?�</p><p>�Soviel wie gar nichts. Die kosmische Sonde hatte eine Atmosph�renprobe des Planeten genommen, und daher r�hrt unser ganzes Wissen.� </p><p>�Wie? Sie war nicht einmal gelandet?� </p><p>�Nein.� </p><p>�Das sind nat�rlich eine Menge Neuigkeiten.� Der Kybernetiker versuchte sich das Gesicht mit Spiritus zu waschen, den er aus einem Fl�schchen auf ein St�ck Watte tr�ufelte. Das Wasser war knapp, sie wuschen sich schon den zweiten Tag nicht. Der Physiker betrachtete beim Schein der Lampe sein Abbild in der polierten Fl�che der Klimaanlage. �Das ist sehr viel�, erwiderte der Koordinator ruhig.</p><p>�W�re die Luftzusammensetzung anders, w�re kein Sauerstoff darin enthalten, m�sste ich euch t�ten.� </p><p>�Was sagst du da?� Der Kybernetiker h�tte beinahe das Fl�schchen fallen gelassen.</p><p>�Mich selbst nat�rlich auch. Wir h�tten nicht einmal die Chance von eins zu einer Milliarde. Jetzthaben wir sie.� Sie schwiegen.</p><p>�Setzt das Vorhandensein von Sauerstoff die Existenz von Pflanzen und Tieren voraus?� fragte der Ingenieur.</p><p>�Nicht unbedingt�, antwortete der Chemiker. �Auf den Alpha-Planeten des Kleinen Hundes gibt es Sauerstoff, aber es gibt dort weder Pflanzen noch Tiere.� </p><p>�Und was gibt es?� </p><p>�Lumenoiden.� </p><p>�Diese Bakterien?� </p><p>�Das sind keine Bakterien.�</p><p>�Nicht so wichtig.� Der Doktor steckte das Geschirr weg und verschloss die Dosen mit den Lebensmitteln. �Wir haben jetzt wirklich andere Sorgen. Der �Besch�tzer� ist wohl nicht so schnell zu reparieren, wie?� </p><p>�Ich habe ihn nicht einmal zu Gesicht bekommen�, gestand der Kybernetiker.</p><p>�Unm�glich, bis zu ihm vorzudringen. Alle Automaten haben sich von ihren St�ndern losgerissen. Es sieht so aus, als ob wir einen Zweitonnenkran brauchen, um den ganzen Eisenkram zu entwirren. Er liegt ganz unten.� </p><p>�Aber irgendeine Waffe m�ssen wir doch haben!� Die Stimme des Kybernetikers klang besorgt. �Wir haben die Elektrowerfer.� </p><p>�Ich bin gespannt, womit du sie laden willst.� </p><p>�Ist im Steuerraum kein Strom? Da war doch welcher.�</p><p>�Da ist kein Strom, offenbar hat es im Akkuraum einen Kurzschluss gegeben.� </p><p>�Warum sind die Elektrowerfer nicht geladen?� </p><p>�Die Instruktion verbietet den Transport geladener Elektrowerfer�, warf der Ingenieur unwillig ein. �Hol der Teufel die In�� </p><p>�H�r auf!�</p><p>Der Kybernetiker wandte sich achselzuckend von dem Koordinator ab. Der Doktor ging hinaus, w�hrend der Ingenieur aus seiner Kaj�te einen leichten Nylonrucksack anbrachte und darin die flachen Dosen mit den eisernen Rationen verstaute. Der Doktor kehrte zur�ck, in der Hand einen kurzen oxydierten Zylinder mit einem Hahn an einem Ende. �Was ist das?� fragte der Ingenieur neugierig. </p><p>�Eine Waffe.� </p><p>�Was f�r eine?� </p><p>�Schlaf gas.� Der Ingenieur lachte. �Woher willst du wissen, ob sich das, was auf diesem Planeten lebt, mit deinem Gas einschl�fern l�sst? Vor allem, wie willst du dich im Falle eines Angriffs wehren? Mittels einer Tropfennarkose?� </p><p>�Wenn die Gefahr gro� ist, kannst du dir wenigstens selbst eine Narkose verpassen�, meinte der Chemiker. Alle lachten, der Doktor am lautesten.</p><p>�Jedes Gesch�pf, das Sauerstoff atmet, kann damit eingeschl�fert werden�, erkl�rte er, �und was die Verteidigung betrifft � schau!� Er dr�ckte auf den Abzugshahn am Zylinderansatz. Ein nadeld�nner Spritzer einer dampfenden Fl�ssigkeit schoss in den d�steren Gang.</p><p>�Nun ja�, besser als gar nichts��, meinte der Ingenieur reserviert.</p><p>�Gehen wir?� fragte der Doktor und steckte den Zylinder in die Tasche seiner Kombination. �Wir gehen.� Die Sonne stand hoch am Himmel, sie war klein, weiter entfernt, aber auch hei�er als auf der Erde. Doch etwas fiel allen auf: Sie war nicht v�llig rund. Die M�nner betrachteten sie zwischen den Fingern durch das dunkelrote Papier, in das ihre Antistrahlen-P�ckchen geh�llt waren. �Sie ist infolge sehr schneller Achsenumdrehung abgeflacht, nicht wahr?� Der Chemiker sah den Koordinator fragend an. �Stimmt. W�hrend des Fluges konnte man das besser sehen. Erinnerst du dich?�</p><p>�Vielleicht� Wie soll ich das sagen� Vielleicht k�mmerte mich das damals wenig�� Sie wandten sich von der Sonne ab und blickten zur Rakete hin�ber. Der walzenf�rmige wei�e Rumpf stie� schr�g aus dem niedrigen H�gel hervor, in den er sich hineingew�hlt hatte. Er sah aus wie ein ungeheuer gro�es Gesch�tz. Die Au�enh�lle, milchig im Schatten, silbern im Sonnenlicht, wirkte unbesch�digt. Der Ingenieur ging bis an die Stelle, wo der Rumpf aus der Erde trat, kletterte �ber diewallf�rmige Erh�hung, die den Koloss umgab, und strich mit der Hand �ber die Panzerplatte. �Kein schlechtes Material, dieses Keramit�, murmelte er, ohne sich umzudrehen. �Wenn ich nur einen Blick in die D�sen werfen k�nnte�� Ratlos schaute er zu den �ffnungen hinauf, die �ber der Ebene hingen.</p><p>�Die sehen wir uns noch an�, sagte der Physiker. �Aber jetzt gehen wir, nicht wahr? Eine kleine Erkundung.� Der Koordinator erklomm den H�gel. Sie folgten ihm. Die vom Sonnenschein �berflutete Ebene zog sich nach allen Seiten hin, sie war flach, fahl, in der Ferne ragten die schlanken Silhouetten auf, die sie schon am Vortag gesehen hatten. In dem hellen Licht war jedoch zu erkennen, dass es sich nicht um B�ume handeln konnte. Der Himmel �ber ihnen war blau wie auf der Erde, am Horizont nahm er eine gr�nliche F�rbung an. Winzige Federwolken glitten fast unmerklich nach Norden. Der Koordinator �berpr�fte die Himmelsrichtungen mit Hilfe eines Kompasses, der an seinem Handgelenk baumelte. Der Doktor b�ckte sich und stocherte mit dem Fu� im Boden. �Warum w�chst hier nichts?� fragte er verwundert. Alle stutzten. In der Tat, die Ebene war kahl, so weit das Auge reichte. �Wie es scheint, ist diese Gegend der Versteppung ausgesetzt�, mutma�te der Chemiker. �Dort weiter hinten, siehst du die Fl�che? Da wird es immer gelber, im Westen. Ich nehme an, dass dort die W�ste ist, von wo der Wind den Sand herweht. Denn der H�gel hier ist lehmig.� </p><p>�Davon haben wir uns �berzeugen k�nnen�, bemerkte der Doktor. �Wir m�ssen uns wenigstens einen allgemeinen Expeditionsplan zurechtlegen�, sagte der Koordinator.</p><p>�Unsere Vorr�te reichen f�r zwei Tage.� </p><p>�Wohl kaum. Wir haben wenig Wasser�, wandte der Kybernetiker ein.</p><p>�Solange wir hier kein Wasser finden, m�ssen wir damit sparsam umgehen. Wenn es Sauerstoff gibt, wird sich auch Wasser finden. Ich denke, wir gehen so vor: Wir machen von hier aus eine Reihe geradliniger Ausf�lle, immer nur so weit, dass wir sicher und ohne �berm��ige Eile zur�ckkehren k�nnen.�</p><p>�H�chstens drei�ig Kilometer in einer Richtung�, bemerkte der Physiker.</p><p>�Einverstanden. Es handelt sich um eine einleitende Erkundung.� </p><p>�Moment.� Der Ingenieur hatte etwas abseits von ihnen gestanden, anscheinend vertieft in unfrohe Gedanken. �Kommt es euch nicht so vor, dass wir ein bisschen wie Verr�ckte handeln? Wir haben eine Katastrophe auf einem unbekannten Planeten hinter uns. Es ist uns gelungen, das Raumschiff zu verlassen. Statt, was das Wichtigste w�re, all unsere Kr�fte auf die Instandsetzung der Rakete zu verwenden, auf eine Wiederherstellung all dessen, was sich reparieren l�sst, auf die Freilegung des Raumschiffs und so weiter, machen wir Ausfl�ge, ohne Waffen, ohne jeden Schutz, und wissen nicht einmal, was uns hier begegnen kann.�</p><p>Der Koordinator h�rte ihm schweigend zu und sah die Gef�hrten der Reihe nach an. Alle waren unrasiert. Der dreit�gige Bartwuchs gab ihnen bereits ein stark verwildertes Aussehen. Die Worte des Ingenieurs hatten offenbar Eindruck gemacht. Keiner sagte jedoch etwas, als warteten sie, was der Koordinator erwidern werde. �Sechs Mann k�nnen die Rakete nicht freigraben, Henrik�, sagte er, die Worte vorsichtig w�gend. �Du wei�t das genau. In dieser Situation erfordert die Instandsetzung des kleinsten Aggregats einen Zeitraum, den wir nicht einmal zu sch�tzen verm�gen. Der Planet ist bewohnt. Aber wir wissen nichts �ber ihn. Wir haben es nicht einmal geschafft, ihn vor der Katastrophe zu umrunden. Wir n�herten uns von der n�chtlichen Halbkugel her und st�rzten infolge eines fatalen Fehlers in den Gasschweif. Im Sturz gelangten wir bis zur Linie des Terminators! Ich habe am Bildschirm gesehen, der zuletzt barst, oder glaube zumindest, etwas gesehen zu haben, was an eine Stadt erinnerte.��Warum hast du uns das nicht gesagt?� fragte der Ingenieur ruhig. �Ja, warum nicht?� wollte auch der Physiker wissen. �Weil ich meiner Beobachtung nicht sicher bin. Ich wei� nicht einmal, in welcher Richtung ich sie suchen soll. Die Rakete drehte sich. Ich verlor die Orientierung. Dennoch besteht eine Chance, auch wenn sie gering ist, dass wir auf Hilfe rechnen k�nnen. Ich m�chte nicht davon reden, aber jeder von euch wei� es ebenso gut, dass unsere Chancen sehr gering sind.</p><p>Au�erdem brauchen wir Wasser. Der gr��te Teil des Vorrats hat die untere Etage �berflutet und ist verseucht. Ich glaube deshalb, dass wir ein gewisses Risiko auf uns nehmen d�rfen.�</p><p>�Einverstanden�, sagte der Doktor. �Ich ebenfalls�, f�gte der Physiker hinzu.</p><p>�Meinetwegen�, brummte der Kybernetiker und entfernte sich ein paar Schritte, den Blick nach S�den gewandt, als wollte er nicht h�ren, was die anderen sagten. Der Chemiker nickte. Der Ingenieur schwieg, er stieg den H�gel hinunter, warf sich den Rucksack auf die Schultern und fragte: �Wohin?�</p><p>�Nach Norden�, antwortete der Koordinator. Der Ingenieur marschierte los, die anderen schl�ssen sich ihm an. Als sie sich nach einigen Minuten umsahen, war der H�gel kaum noch zu erkennen. Nur der Rumpf der Rakete hob sich wie das Rohr eines Feldgesch�tzes vom Himmel ab. Es war sehr hei�.</p><p>Ihre Schatten waren zusammengeschrumpft. Die Schuhe blieben im Sand stecken. Man h�rte nur rhythmisches Stampfen und rasche Atemz�ge. Sie n�herten sich einer jener schlanken Formen, die sie in der D�mmerung f�r B�ume gehalten hatten, und verlangsamten den Schritt. Ein senkrechter Stamm ragte aus dem br�unlichen Boden, grau wie Elefantenleder, mit schwachem metallischem Glanz.</p><p>Dieser Stamm, am Ansatz kaum dicker als ein M�nnerarm, ging oben in eine kelchartige Erweiterung �ber, die sich etwa zwei Meter �ber dem Boden flach ausbreitete. Ob der Kelch offen war, konnten sie nicht sehen. Er blieb v�llig unbeweglich. Sie hielten wenige Meter vor einem solchen Gebilde. Der Ingenieur trat impulsiv vor und hob bereits die Hand, um den �Stamm� zu ber�hren, da schrie der Doktor: �Halt!� Der Ingenieur wich erschrocken zur�ck. Der Doktor zog ihn am Arm weg, hob einen Stein auf, nicht gr��er als eine Bohne, und warf ihn hoch. Der Stein fiel in steilem Bogen auf die leicht gewellte flache Kelchoberfl�che. Alle zuckten zusammen, so heftig und so unerwartet war die Reaktion. Der Kelch wogte, faltete sich blitzartig, ein kurzes Zischen war zu h�ren, als str�mte Gas aus, und die ganze, nun fieberhaft zitternde graue S�ule versank im Erdboden, als w�rde sie hineingesaugt. Die �ffnung, die sich im Boden gebildet hatte, f�llte sich f�r einen Augenblick mit einer br�unlichen, sch�umenden Schmiere, dann schwammen Sandkr�mel auf der Oberfl�che, die Haut wurde immer dicker, und nach ein paar Sekunden war von der �ffnung nicht die geringste Spur geblieben; die Oberfl�che des sandigen Bodens war glatt wie �berall ringsum. Die M�nner hatten sich noch nicht von ihrem Staunen erholt, als der Chemiker rief: �Schaut nur!� Sie sahen sich um. Vor einer Weile noch hatten in einer Entfernung von einigen Dutzend Metern drei oder vier �hnliche hohe, schlanke Gebilde gestanden, nun war kein einziges mehr da. �Sind alle versunken?� rief der Kybernetiker. Soviel sie auch suchten, von den Kelchen fanden sie keine Spur mehr. Die Sonne brannte immer st�rker, die Hitze war schwer zu ertragen. Sie gingen weiter. Eine Stunde lang marschierten sie in langer Karawane dahin, an der Spitze der Doktor, der den Rucksack trug, hinter ihm der Koordinator. Den Schluss bildete der Chemiker. Alle hatten ihre Kombinationen aufgekn�pft, einige hatten sogar die �rmel hochgekrempelt. Mit rissigen Lippen, triefend vor Schwei�, schleppten sie sich durch die Ebene. Am Horizont schimmerte ein langer waagerechter Streifen. Der Doktor blieb stehen und wartete auf den Koordinator. </p><p>�Was meinst du, wieviel Kilometer haben wir zur�ckgelegt?� Der Koordinator blickte sich um, gegen die Sonne, wo die Rakete zur�ckgeblieben war. Sie war nicht mehr zu sehen. �Der Planet hat einen kleineren Radius als die Erde�, sagte er, r�usperte sich und wischte sich mit einem Taschentuch das Gesicht. �Wir werden acht Kilometer hinter uns haben.� Der Doktor konnte durch die Schlitze der geschwollenen Lider kaum noch sehen. Er hatte eine Leinenm�tze auf dem lockigen Rabenhaar. Hin und wieder feuchtete er sie mit Wasser aus seiner Trinkflasche an.�Das ist Wahnsinn, wei�t du!� sagte er und l�chelte unvermittelt. Beide blickten in die Richtung, wo sich vor kurzem noch am Horizont die Rakete als feiner schr�ger Strich abgezeichnet hatte. Jetzt sahen sie dort nur die d�nnen Schatten der Kelche bla�grau in der Ferne. Sie waren unbemerkt wieder aufgetaucht. Die anderen kamen n�her. Der Chemiker warf die zusammengerollte Zeltplane auf den Boden und setzte, richtiger, st�rzte sich darauf. </p><p>�Von der hiesigen Zivilisation sind seltsamerweise keine Spuren zu finden.� Der Kybernetiker w�hlte in seinen Taschen, er fand Vitamintabletten in zerdr�ckter Verpackung und bot sie allen an. �Auf der Erde gibt es eine solche Ein�de nicht, was?� meinte der Ingenieur. �Keine Stra�en, keine fliegenden Maschinen.� </p><p>�Du wirst doch nicht annehmen wollen, dass wir ausgerechnet hier eine getreue Kopie unserer irdischen Zivilisation vorfinden!� Der Physiker sah den Ingenieur sp�ttisch an. �Das Sternsystem hier ist stabil, und die Zivilisation konnte sich auf Eden l�nger als auf der Erde entfalten, somit.�� </p><p>�Unter der Bedingung, dass es eine Zivilisation von Primaten ist�, unterbrach ihn der Kybernetiker. �H�rt mal, warum halten wir eigentlich hier? Gehen wir doch weiter. In einer halben Stunde m�ssten wir das da erreicht haben.�</p><p>Der Koordinator deutete auf einen zarten lila Streifen am Horizont. �Und was ist das?� </p><p>�Wei� ich nicht. Immerhin etwas. Vielleicht finden wir Wasser.� Die Gurte der Gep�ckst�cke auf den R�cken knarrten, die Gruppe zog sich wieder in die L�nge und stapfte gleichm��ig durch den Sand. Sie kamen an einem Dutzend Kelchen und an einigen gr��eren Gebilden vorbei, die sich durch herabh�ngende Lianen oder Triebe auf den Boden zu st�tzen schienen, aber keines davon war n�her als zweihundert Meter, und sie wollten von der eingeschlagenen Richtung nicht abweichen. Die Sonne erreichte fast den Zenit, als sich das Bild der Landschaft �nderte. Sie sahen immer weniger Sand. In langen, flachen Buckeln schimmerte darunter rostbraune, von der Sonne verbrannte Erde.</p><p>Hier und da war sie von d�rren, grauen Moosb�scheln bewachsen, die unter den Sohlen wie verbranntes Papier zerfielen. Der lila Streifen spaltete sich deutlich in einzelne Gruppen, seine Farbe wurde allm�hlich heller. Es war eher Gr�n, best�ubt mit verblasstem Blau. Der Nordwind trug ein schwaches, zartes Aroma heran, das sie mit argw�hnischer Neugier einsogen. In der N�he einer leicht gekr�mmten Wand aus dunklen, wirren Formen verlangsamten die Vorderen ein wenig den Schritt, damit die anderen aufschlie�en konnten. Gemeinsam gingen sie n�her, bis sie vor einer starren Front aus seltsamen Gebilden standen� Aus hundert Schritt Entfernung mochten sie ihnen noch als Geb�sch, als Str�ucher vorgekommen sein, die voller gro�er grauer Vogelnester waren � weniger weil sie wirklich so aussahen, als vielmehr dadurch, dass die Augen st�ndig versucht waren, den fremden Formen etwas Vertrautes abzugewinnen. �K�nnten Spinnen sein�, sagte der Physiker z�gernd, und alle glaubten auf einmal, spinnenartige Gesch�pfe mit kleinen, dicht behaarten spindelf�rmigen R�mpfen zu sehen, die ihre �berlangen, d�rren Beine unter sich eingezogen hatten.</p><p>�Das sind doch Pflanzen!� rief der Doktor und trat langsam an eine solche hohe graugr�ne �Spinne� heran. In der Tat erwiesen sich die �Beine� als dicke Stiele, deren verdickte und mit H�rchen bedeckte Glieder leicht f�r Gelenke eines Gliederf��ers gehalten werden konnten. Sieben oder acht solcher Stiele liefen jedes Mal oben bogenf�rmig in einem tannenzapfenartigen, dicken �Leib� zusammen, der an ein abgeflachtes Insektenhinterteil erinnerte und von zarten, in der Sonne glitzernden Spinnwebenstreifen umgeben war. Die �Pflanzenspinnen� wuchsen dicht nebeneinander, doch man konnte zwischen ihnen hindurchkommen. Da und dort sprossen aus den Stengeln hellere Sch�sslinge und Triebe, die fast die Farbe irdischen Laubs hatten und in zusammengerollten Knospen endeten. Der Doktor warf wieder einen Stein gegen einen der mehrere Meter �ber der Erde h�ngenden �Insektenleiber�, und als nichts geschah, untersuchte er einen St�ngel, schnitt sogar mit dem Messer hinein. Ein hellgelber, w�ssriger Saft sickerte in kleinen Tropfen heraus, begann sofort zu sch�umen und f�rbte sich orange und rostrot, bis er nach einiger Zeit zu einem harz�hnlichen Gerinnsel mit starkem Aroma erstarrte, das anfangs allen gefiel, sie dann aber abstie�. In dieser eigenartigen Schonung war es etwas k�hler als auf der Ebene. Die knolligen �Leiber� der Pflanzen warfen etwas Schatten. Er wurde immer dichter, je weiter sie in das Geb�sch vordrangen. Sie bem�hten sich, dieSt�ngel nicht zu ber�hren, vor allem nicht die wei�lichen Triebe, in denen die j�ngsten Sch�sslinge endeten; sie erregten n�mlich bei ihnen einen unerkl�rlichen Ekel. Der Boden war schwammig und weich und sonderte feuchte D�nste aus, in denen das Atmen schwerfiel. �ber ihre Gesichter und Arme glitten die Schatten der �Insektenleiber�, einmal h�her, einmal tiefer, gro�e und kleine. Diese �Leiber� waren entweder schlank und hatten grell orangerote Stacheln, oder sie waren welk, vertrocknet, abgestorben. Lange zarte Spinnweben hingen von ihnen herab. Wenn ein Windsto� kam, ging von dem Gestr�pp ein unangenehmes dumpfes Rauschen aus, nicht das sanfte Rauschen eines irdischen Waldes, sondern mehr ein Rascheln von Tausenden und aber Tausenden rauher Papierfetzen. Mitunter versperrten ihnen einzelne Pflanzen mit ihren verflochtenen Trieben den Weg, und sie mussten erst einen Durchgang suchen. Nach einer Weile gaben sie es auf, nach oben zu den stachligen �Leibern� zu blicken und in ihnen �hnlichkeiten mit Nestern, Tannenzapfen oder Kokons zu suchen.</p><p>Auf einmal bemerkte der Doktor, der an der Spitze ging, vor seinem Gesicht ein dickes, schwarzes, senkrecht herabh�ngendes Haar, gleichsam einen starken, gl�nzenden Faden oder lackierten, d�nnen Draht. Schon wollte er ihn mit der Hand beiseite schieben. Da sie aber bisher noch nichts �hnliches gefunden hatten, hob er instinktiv den Blick und blieb wie angewurzelt stehen. Etwas Bla�perlgraues, das knollig �ber den zusammengewachsenen Stengeln am Ansatz eines der �Kokons� hing, starrte ihn an. Er f�hlte den Blick, bevor er entdeckte, wo sich die Augen dieses mi�gestalteten Gesch�pfes befanden. Er konnte weder Kopf noch Beine erkennen, er sah nur eine sackartig aufgebl�hte, von innen gleichsam mit blasigen Kr�pfen ausgestopfte Haut, die schwach gl�nzte. Aus einem dunklen, l�nglichen Trichter ragte das dicke schwarze Haar hervor, das wohl zwei Meter lang war. �Was ist da?� fragte der Ingenieur, der gerade an ihn herantrat. Der Doktor antwortete nicht. Der Ingenieur blickte hinauf und stutzte ebenfalls. �Womit mag das wohl sehen?� fragte er unwillk�rlich und wich einen Schritt zur�ck, angeekelt von diesem Wesen, das sich mit einem gierigen, �u�erst konzentrierten Blick in ihn hineinzusaugen schien, obwohl er weder sehen noch erraten konnte, wo es seine Augen hatte. �Einfach widerlich!� rief der Chemiker aus. Sie standen jetzt alle hinter dem Ingenieur und dem Doktor, der ebenfalls einen Schritt von dem herabh�ngenden Gebilde zur�cktrat. Die anderen machten ihm Platz, soweit es die elastischen St�ngel zulie�en. Er holte aus der Tasche seiner Kombination den br�nierten Zylinder hervor, zielte gelassen auf den blasigen K�rper, der heller als seine pflanzliche Umgebung war, und dr�ckte ab. Im Bruchteil einer Sekunde geschah sehr viel auf einmal. Zuerst �berraschte sie ein Aufblitzen. Es war so heftig, dass es sie blendete, den Doktor ausgenommen, der in diesem Augenblick gerade geblinzelt hatte, und das Blitzen w�hrte nur so lange, wie er die Lider geschlossen hielt. Der d�nne Strahl flog noch, da bogen sich die St�ngel bereits, raschelten, ein Ballen schwarzen Dampfes umgab sie, das Wesen st�rzte und klatschte schwammig und schwer auf den Boden. Etwa eine Sekunde lang lag es reglos da, wie ein grauer Ballon voller Kl�mpchen, aus dem die Luft entweicht. Nur das schwarze Haar wand sich und tanzte wie rasend �ber ihm, peitschte mit blitzartigem Zucken die Luft. Dann verschwand das Haar, und �ber das schwammige Moos begannen die unf�rmigen, bl�schenartigen Glieder dieses Gesch�pfes mit Schneckenbewegungen nach allen Seiten zu kriechen. Bevor sich einer der M�nner regen konnte, war die Flucht oder vielmehr das Auseinanderlaufen beendet. Die letzten Teilchen des Gebildes, klein wie Raupen, bohrten sich in den Boden � der Platz vor den M�nnern war leer. Nur in der Nase brannte ihnen noch der unertr�glich s��liche Gestank. �War das eine Kolonie?� Der Chemiker hob die Hand und rieb sich die Augen.</p><p>Die anderen blinzelten. Sie waren geblendet und sahen noch schwarze Flecken. �E pluribus unum�, entgegnete der Doktor, �oder vielmehr ex uno plures. Ich wei� nicht, ob das gutes Latein ist, aber das ist eben wohl solch ein mehrz�hliges Gesch�pf, das sich im Notfall teilen kann.��Stinkt entsetzlich�, sagte der Physiker. �Gehen wir weiter.� </p><p>�Gehen wir�, willigte der Doktor ein.</p><p>Als sie sich ein Dutzend Schritte von der Stelle entfernt hatten, sagte er unvermittelt: �Ich bin gespannt, was geschehen w�re, wenn ich dieses Haar ber�hrt h�tte�� </p><p>�Die Befriedigung deiner Neugier h�tte uns teuer zu stehen kommen k�nnen�, hielt ihm der Chemiker entgegen.</p><p>�Vielleicht auch nicht. Dir ist bekannt, wie h�ufig die Evolution v�llig harmlose Gesch�pfe in scheinbar gef�hrliche Formen kleidet.�</p><p>�H�rt endlich mit dieser Diskussion auf. Dort dr�ben wird es heller�, rief der Kybernetiker. �Warum haben wir �berhaupt diesen Spinnenwald betreten?� Sie h�rten das Rauschen eines Baches und blieben stehen. Als sie weitergingen, wurde das Rauschen lauter, schw�chte sich ab, verschwand vollends. Es gelang ihnen nicht, den Bach zu finden. Das Gestr�pp war nicht mehr so dicht, der Boden dagegen wurde weicher, war wie die pelzige Kruste eines Sumpfes und erschwerte das Vorw�rtskommen. Manchmal quietschte etwas unter ihren F��en, als w�re es wassergetr�nktes Gras, doch nirgends war eine Spur Wasser zu erkennen.</p><p>Unversehens standen sie am Rande einer kreisf�rmigen Vertiefung mit einem Durchmesser von etwa sechzig Metern. Ein paar acht-f��ige Pflanzen standen darin, in gr��erem Abstand voneinander; sie wirkten sehr alt. Ihre Stiele liefen unten auseinander, als k�nnten sie die Verdickung in der Mitte nicht mehr tragen. Sie erinnerten dadurch noch mehr an gro�e, vertrocknete Spinnen als jene anderen, an denen die M�nner vor kurzem vorbeigekommen waren. Den Boden bedeckten stellenweise rostige, gezahnte St�cke einer por�sen Masse, die zum Teil in der Erde staken und von Pflanzentrieben umwuchert waren. Der Ingenieur rutschte den steilen, nicht sehr hohen Hang hinunter � und sonderbar, erst als er unten war, kam seinen Gef�hrten oben die Vertiefung wie ein Krater vor, wie ein Ort, an dem eine Katastrophe stattgefunden hatte.</p><p>�Wie von einer Bombe�, murmelte der Physiker. Er stand auf dem Wall und sah zu, wie der Ingenieur an die gro�en Tr�mmer vor der h�chsten �Spinne� trat und daran r�ttelte.</p><p>�Eisen?� rief der Koordinator.</p><p>�Nein!� Der Ingenieur verschwand zwischen den ungef�gen Bruchst�cken eines Teils, das an einen geborstenen Kegel erinnerte. Er trat zwischen den hohen Stielen wieder hervor, die knisternd zerbrachen, als er sie auseinanderbog, und kehrte mit d�sterer Miene zur�ck. Mehrere H�nde streckten sich ihm entgegen, er klomm hinauf und zuckte beim Anblick der erwartungsvollen Gesichter mit den Schultern. �Keine Ahnung, was es sein k�nnte. Ich wei� es nicht. Das da ist leer.</p><p>Darunter ist nichts. Weit fortgeschrittene Korrosion. Eine alte Geschichte, vielleicht vor hundert, vielleicht auch vor dreihundert Jahren passiert.�� Sie schritten stumm um den Krater herum und w�hlten den Weg durch das Geb�sch, wo es am niedrigsten war. Pl�tzlich wich es nach beiden Seiten zur�ck. In der Mitte zog sich ein schmaler Streifen hin. Er war so schmal, dass ein Mensch kaum darauf gehen konnte, eine Art Furche, schnurgerade. Die Stiele zu beiden Seiten schienen zerschnitten und zerdr�ckt zu sein, die tannenzapfenartigen Verdickungen zum Teil beiseite gedr�ngt, auf die anderen Spinnenpflanzen, zum Teil auch in den Boden gepre�t. Sie waren v�llig platt, trocken, ihre H�llen knirschten unter den Sohlen wie ausged�rrte Baumrinde. Die M�nner beschlossen, dem ausgeschnittenen Trakt durch das Geb�sch im G�nsemarsch zu folgen. Sie mussten zwar die Reste der trockenen Stiele erst beiseite r�umen, aber sie kamen doch schneller voran als vorher. Die Schneise f�hrte in gro�em Bogen immer deutlicher nach Norden. Endlich konnten sie die letzten Pflanzenkr�ppel hinter sich lassen, sie hatten die Schonung durchquert. Vor ihnen lag wieder die Ebene.</p><p>Dort, wo der Pfad das Geb�sch verlie�, schloss sich ihm eine flache Spur an. Beim ersten Hinsehenglaubten sie, es sei ein Steg, es war aber keiner. Eine Furche, ein schmaler Graben war in den Boden gew�hlt, etwa ein Dutzend Zentimeter tief und kaum breiter. Er war von Flechten bewachsen, die gr�nlich-silbern und samtweich waren. Dieser eigenartige �Rasen�, wie der Doktor ihn nannte, f�hrte pfeilgerade zu einem hellen G�rtel, der wie eine Mauer von einem Rand der Ebene zum anderen reichte und den ganzen Horizont vor ihnen abschloss. Spitze Erhebungen, wie silberblechbeschlagene gotische T�rme, leuchteten �ber jenem G�rtel. Sie gingen in schnellem Schritt weiter, und je n�her sie kamen, um so mehr Einzelheiten waren zu erkennen.</p><p>Seitw�rts erstreckte sich kilometerweit eine Fl�che, von regelm��igen B�gen durchzogen, gleichsam das Dach eines �berdimensionalen Hangars, wobei die W�lbung der B�gen nach unten gekehrt war.</p><p>Darunter flimmerte es grau, als riesele von den Gew�lben feiner Staub oder als st�ube dort tr�bes Wasser herab. Als sie noch n�her kamen, trug der Wind einen fremdartigen Geruch herbei, der bitter, aber angenehm war, wie von unbekannten Blumen. Sie marschierten mittlerweile in k�rzerem Abstand zueinander. Die bogenf�rmige �berdachung ragte immer h�her auf, jeder Bogen �berspannte wie ein gigantisches umgekehrtes Br�ckenjoch eine Entfernung von fast einem Kilometer. Dort, wo sich vor dem Hintergrund der Wolken zwei B�gen in sichtbarer Spitze vereinigten, leuchtete irgend etwas intensiv in gleichm��ig flackerndem Licht, als reflektierten feststehende Spiegel die Sonnenstrahlen nach unten.</p><p>Die Wand ihnen gegen�ber bewegte sich. Sie bestand aus B�chen oder Schn�ren von fahlgrauer Farbe und wies eine Art Peristaltik auf. Von links nach rechts liefen in gleichm��igen Abst�nden wellenf�rmige Erhebungen dar�ber hin. Es sah aus wie ein Vorhang aus einem ungew�hnlichen Stoff, hinter dem in gleichm��igem Abstand Elefanten vorbeischritten und ihn dabei streiften � eigentlich noch gr��ere Tiere als Elefanten. Als sie endlich die Stelle erreichten, wo der schmale, gefurchte, mit samtenem Moos bewachsene Pfad endete, wurde der bittere Geruch unertr�glich. �Das k�nnen giftige Ausd�nstungen sein�, warnte der Kybernetiker, der einen Hustenanfall bekam. Sie beobachteten eine Weile das gleichm��ige Vor�bergleiten der Wellen. Aus einer Entfernung von wenigen Schritten kam ihnen der �Vorhang� homogen vor, wie aus dicken, matten Fasern geflochten. Der Doktor hob einen Stein auf und warf ihn dagegen. Der Stein verschwand, als sei er geschmolzen oder verdampft, ohne die wogende Fl�che ber�hrt zu haben. �Ist er hineingefallen?� fragte der Kybernetiker z�gernd. �Nein!� schrie der Chemiker. �Er hat es nicht einmal ber�hrt.� Der Doktor hob eine Handvoll Steine und Erdklumpen und warf sie nacheinander dagegen. Alle verschwanden wenige Zentimeter vor dem �Vorhang�, ohne ihn erreicht zu haben. Der Ingenieur l�ste einen Schl�ssel von einem kleinen Schl�sselbund und schleuderte ihn gegen die gerade anschwellende Fl�che. Der Schl�ssel klirrte, als schl�ge er gegen Blech, und verschwand. �Was jetzt?� Ratlos sah der Kybernetiker den Koordinator an. Der schwieg. Der Doktor legte den Rucksack ab, holte eine Konservendose hervor, schnitt mit dem Messer einen W�rfel Fleischgelee heraus und warf ihn gegen den �Vorhang�. Das Geleest�ck blieb an der matten Oberfl�che h�ngen und klebte ein Weilchen daran, dann schwand es allm�hlich, als ob es schmolz. �Wisst ihr was�, sagte der Doktor mit leuchtenden Augen, �das da ist ein Filter, eine Art selektiver Vorhang�� Der Chemiker entdeckte im Gurtring seines Rucksacks einen abgebrochenen d�rren Trieb einer �Spinnenpflanze�, der beim Durchwandern der Schonung dort h�ngengeblieben war, und warf ihn kurzerhand gegen den wogenden Vorhang. Der spr�de Zweig prallte von der Wand ab und fiel ihnen vor die F��e. �Ein Selektor��, sagte er unsicher.</p><p>�Aber ja! Ganz bestimmt!� Der Doktor n�herte sich dem �Vorhang�, bis sein kurzer Schatten am Boden den Rand des �Vorhangs� ber�hrte, z�ckte seine schwarze Waffe, zielte und dr�ckte ab. Kaum hatte der nadeld�nne Strahl den aufgebl�hten Vorhang getroffen, entstand darin eine linsenf�rmige �ffnung. Dahinter wurde ein gro�er, dunkler Raum sichtbar, in dem unten und oben Funken spr�hten und weiter hinten eine Unzahl wei�licher und rosafarbener Fl�mmchen z�ngelte. Der Doktor zucktezusammen, keuchte und hustete. Der bittere Geruch stach ihm in Nase und Rachen. Sie zogen den Doktor ein St�ck zur�ck. Die �ffnung verengte sich. Die Wellen wurden langsamer, wenn sie sich ihr n�herten, wichen ihr oben und unten aus und schwammen flugs weiter. Die �ffnung verengte sich weiter. Pl�tzlich ragte von innen etwas Schwarzes heraus, das in einem finger�hnlichen Fortsatz endete, und lief blitzschnell um den Rand der �ffnung, die sich sofort schloss. Wieder standen sie ratlos vor der regelm��ig sich bauchenden H�lle. Der Ingenieur schlug vor, sich zu beraten. Das war, nach den Worten des Doktors, eine Manifestation ihrer Hilflosigkeit. Zu guter Letzt beschlossen sie, weiterzugehen, den gro�en Bau entlang. Sie nahmen ihre Sachen auf und machten sich auf den Weg.</p><p>So gingen sie etwa drei Kilometer. Unterwegs �berquerten sie ein Dutzend Rasenstreifen, die in die Ebene f�hrten. Eine Zeitlang �berlegten sie, was sie wohl darstellen mochten. Die Vermutung, sie h�tten etwas mit Bodenkultur zu tun, lie�en sie fallen, da sie zu unglaubw�rdig war. Der Doktor bem�hte sich sogar, einige Flechten aus dem dunkelgr�nen Streifen zu untersuchen. Sie erinnerten ein wenig an Moos, hatten aber an den kleinen Wurzeln perlenartige Verdickungen, in denen harte schwarze K�rnchen staken. Mittag war l�ngst vor�ber. Sie versp�rten Hunger und hielten Rast, um sich zu st�rken � in der prallen Sonne, denn nirgends war Schatten, und die achthundert Meter zur Schonung zur�ckzukehren, versp�rten sie keine Lust. Das Spinnendickicht hatte keinen g�nstigen Eindruck auf sie gemacht.</p><p>�Nach den Geschichten, die ich als Junge zu lesen bekam�, erz�hlte der Doktor mit vollem Mund, �m�sste in diesem verdammten Vorhang jetzt ein feuerspeiendes Loch entstehen und ein Individuum mit drei H�nden und mit nur einem sehr dicken Bein herauskommen, mit einem interplanetaren Telekommunikator unterm Arm, sich eventuell als Sterntelepath vorstellen und uns zu verstehen geben, dass es der Vertreter einer hochentwickelten Zivilisation sei, die��</p><p>�H�r auf mit dem Gefasel�, schnitt ihm der Koordinator das Wort ab und go� Wasser aus der Thermosflasche in seinen Becher, der sich sogleich mit Tau bedeckte. �Es w�re besser, wenn wir uns �berlegen, was zu tun ist.� </p><p>�Ich denke, wir sollten dort hineingehen�, sagte der Doktor und erhob sich, als wolle er es auf der Stelle tun.</p><p>�Ich bin neugierig, auf welche Weise�, warf der Physiker gelassen ein.</p><p>�Du bist wohl wahnsinnig!� rief der Kybernetiker. �Ich bin nicht wahnsinnig. Nat�rlich, wir k�nnen auch so weiterwandern, unter der Bedingung, dass uns die Individuen mit einem Bein etwas zu essen vorwerfen.� </p><p>�Du meinst das doch nicht im Ernst?� fragte der Ingenieur. �Nat�rlich, und wei�t du, weshalb? Weil ich das ganz einfach satt habe.� Er drehte sich um. �Halt!� schrie der Koordinator.</p><p>Ohne darauf zu achten, schritt der Doktor auf die Wand zu. Die anderen sprangen auf, um ihn zu halten. Aber w�hrend sie ihm noch nachliefen, ber�hrte er bereits mit der Hand den Vorhang. Die Hand verschwand. Eine Sekunde lang stand der Doktor reglos da, dann machte er einen Schritt nach vorn und war verschwunden. Die f�nf starrten entgeistert auf die Stelle, wo der Abdruck seines linken Schuhs zu erkennen war. Pl�tzlich tauchte der Kopf des Doktors �ber dem Vorhang auf. Sein Hals war wie mit dem Messer abgeschnitten, ihm tr�nten die Augen, und er nieste ein paarmal. �Etwas stickig hier drinnen�, sagte er, �und es juckt verteufelt in der Nase, aber ein paar Minuten kann man es wohl hier schon aushaken. Wirkt wie Tr�nengas. Kommt nach, es tut nicht weh. Man sp�rt �berhaupt nichts.�</p><p>Dort, wo sich seine Schulter befinden musste, tauchte sein Arm in der Luft auf. �Dass dich der�!� rief der Ingenieur halb �rgerlich, halb begeistert und ergriff die Hand des Doktors, der ihn mitri�, so dass auch er den �brigen aus dem Blickfeld entschwand. Einer nach dem anderen traten sie an den wogenden Vorhang. Als letzter der Kybernetiker. Er z�gerte, r�usperte sich, sein Herz pochte. Er kniff die Augen zu und tat einen Schritt nach vorn. Dunkelheit umschloss ihn, dann wurde es hell. Er warbei den anderen � in einem gewaltigen Raum, der von einem rauschenden asthmatischen Schnaufen erf�llt war. Schr�g nach oben, senkrecht und waagerecht, �ber Kreuz und einander �berschneidend, wirbelten und vibrierten riesige Walzen, Rohre oder S�ulen unterschiedlicher Dicke; an manchen Stellen bauchten sie sich aus, an anderen wieder wurden sie d�nner. Aus der Tiefe dieses sich immerfort in alle Richtungen bewegenden Waldes aus leuchtenden K�rpern drang ein hastiges Schmatzen, das urpl�tzlich verstummte, worauf ein paar glucksende Laute folgten. Diese Lautserie wiederholte sich. Der bittere Geruch war schwer zu ertragen. Sie mussten alle niesen. Tr�nen fl�ssen ihnen aus den Augen. Mit Taschent�chern vor dem Gesicht entfernten sie sich ein wenig von dem Vorhang, der von innen wie ein Wasserfall aus einer schwarzen sirupartigen Fl�ssigkeit aussah. �So, da w�ren wir endlich zu Hause! Eine Fabrik, eine automatische Fabrik!� rief der Ingenieur zwischen zwei Niesanf�llen. Nach und nach, als sie sich an den bitteren Geruch gew�hnt hatten, vergingen die Niesanf�lle, und sie sahen einander mit tr�nenden, zusammengekniffenen Augen an.</p><p>Nach einem Dutzend Schritten auf dem elastischen, wie gespannter Gummi nachgebenden Untergrund tauchten schwarze Brunnen vor ihnen auf. Leuchtende Gegenst�nde sprangen darin hoch, aber so schnell, dass man ihre Form nicht erkennen konnte. Sie hatten die Gr��e eines menschlichen Kopfes und schienen zu gl�hen. Sie flogen in die H�he, wo eine der S�ulen, die sich pfeifenartig �ber die Brunnen bog, sie einsog, ohne mit dem Rotieren aufzuh�ren. Die Gegenst�nde verschwanden nicht gleich, ihr rosa Schein leuchtete noch durch die zitternden W�nde der S�ule wie durch dunkles Glas, schw�cher und schw�cher werdend. Man konnte sehen, wie sie im Innern weiterwanderten.</p><p>�Serienproduktion vom Band�, brummte der Ingenieur in sein Taschentuch.</p><p>Vorsichtig ging er um die Brunnen herum. Woher mochte das Licht kommen? Die Decke war halb durchsichtig, der graue, eint�nige Schimmer verlor sich im Meer der biegsamen, schrumpfenden, rotiertenden, wie B�che in der Luft dahingleitenden K�rper. Alle diese federnden Gebilde schienen nach einem Kommando zu handeln, in einem einheitlichen Tempo. Die Font�nen der gl�henden Gegenst�nde spritzten hoch, das gleiche spielte sich in gro�er H�he ab. Unter der Decke zeichneten die roten Perlen der fliegenden Quader ebenfalls B�gen in die Luft, allerdings waren die Quader da oben weit gr��er.</p><p>�Wir m�ssen ein Lager mit fertiger Produktion finden oder wenigstens mit dem, was hier das Endprodukt ist�, meinte der Ingenieur. Der Koordinator ber�hrte seinen Arm. �Welche Art von Energie ist das, was meinst du?� Der Ingenieur zuckte mit den Schultern. �Keine Ahnung.� </p><p>�Ich bef�rchte, dass wir vor einem Jahr das Endprodukt nicht finden. Diese Halle ist kilometerlang�, gab der Physiker zu bedenken. Merkw�rdig, je tiefer sie in der Halle vordrangen, um so leichter fiel ihnen das Atmen, als str�me nur der �Vorhang� den bitteren Geruch aus. �Ob wir uns hier nicht verlaufen?�</p><p>Der Kybernetiker hob besorgt den Kopf.</p><p>Der Koordinator schaute auf den Kompa�. �Nein. Er zeigt gut an � Eisen wird es wohl hier nicht geben, Elektromagneten ebenfalls nicht.�</p><p>L�nger als eine Stunde wanderten sie durch den zitternden Wald der wundersamen Fabrik, bis es rings um sie etwas freier wurde. Ein frischer Lufthauch war zu sp�ren, als ob die Luft gek�hlt w�re. Die mal hierhin, mal dahin laufenden Walzen wichen zur�ck. Unvermittelt standen sie vor einer gewaltigen, kuppelf�rmig aufgestockten Spirale. Von oben ragten S-f�rmig gebogene Abzweigungen herab, flatternd wie Peitschenschn�re. Sie endeten in stumpfen, abgerundeten Verdickungen, aus denen ein Hagelschlag von Objekten prasselte. Die schwarzen Gegenst�nde schienen mit einem leuchtenden Lack �berzogen zu sein und st�rzten in die Spirale, an einer Stelle jedoch, die sie nicht sehen konnten, weil sie sich einige Meter �ber ihren K�pfen befand. Auf einmal weitete sich die linsenf�rmig gew�lbte graue Wand der Spirale ihnen gegen�ber, innen zerrte etwas, und sie schwoll an. Sie traten unwillk�rlich zur�ck, die sich aufbl�hende, schmutziggraue Blase sah gef�hrlich aus.Lautlos barst sie, und aus der runden �ffnung ergo� sich ein Strom schwarzer K�rper. In demselben Augenblick tauchte weiter unten aus einem breiten Brunnen ein Trog mit gew�lbtem Rand auf, und die Gegenst�nde purzelten trommelnd hinein, als ob sie auf ein dickes Gummikissen schl�gen. Der Trog h�pfte dabei auf erstaunliche Weise hoch, wurde gesch�ttelt und ger�ttelt, so dass sich die schwarzen Gegenst�nde schon nach wenigen Sekunden auf seinem flachen Boden zu einem gleichm��igen Karree ordneten. �Die Fertigprodukte!� Der Ingenieur lief an den Rand, beugte sich vor und ergriff eins der schwarzen Objekte. Der Koordinator packte ihn im letzten Augenblick am G�rtel, und nur diesem Umstand verdankte es der Ingenieur, dass er nicht kopf�ber in den Trog st�rzte, denn er wollte den schweren Gegenstand nicht loslassen, obwohl er ihn allein gar nicht halten konnte. Der Physiker und der Doktor halfen ihm, die schwere Last hochzuhieven. Der Gegenstand war so gro� wie ein menschlicher Rumpf. Er hatte hellere, halb durchsichtige Segmente, in denen eingeschmolzene Reihen feiner, metallisch gl�nzender Kristalle leuchteten, und kleine, von ohrenartigen Verdickungen umgebene �ffnungen. Obenauf befand sich ein rauhes Mosaik von Vorspr�ngen aus einer �beraus harten dunkelvioletten Masse, die gegen das Licht schwarz wirkte. Mit einem Wort � der Gegenstand war h�chst kompliziert. Der Ingenieur kniete davor und betastete und beklopfte ihn ziemlich lange. Unterdessen beobachtete der Doktor, was im Trog vorging. Nachdem sich darin ein gleichm��iges Karree gebildet hatte, wurde der Trog langsam von einem dicken, vor Anstrengung bebenden Bolzen in die H�he gehoben und erweichte pl�tzlich, aber nur auf einer Seite.</p><p>Er verwandelte sich in einen riesigen L�ffel. Ein gro�er R�ssel streckte sich ihm entgegen und wurde aufgerissen, ein hei�er, bitterer Gestank str�mte heraus. Der g�hnende Rachen saugte mit entsetzlichem Schmatzen alle Gegenst�nde ein und schloss sich, als verschlinge er sie. Auf einmal leuchtete dieses r�sselartige Ungeheuer innen auf. Der Doktor konnte den feurigen Glutkern sehen, der die Gegenst�nde aufl�ste. Sie zerflossen und bildeten einen gleichm��igen, orangefarbenen, brennenden Brei. Der Glanz wurde schw�cher und der r�sselartige Rachen dunkler. Der Doktor verga� seine Gef�hrten vollends und ging an zwei gro�en, hochragenden S�ulen entlang, in deren Innerem jetzt die feurigen Massekerne wie in einer gewaltigen Speiser�hre schwammen. Er starrte in das Labyrinth und versuchte, hin und wieder die tr�nenden Augen wischend, den Weg des gl�henden Breis zu verfolgen. Bisweilen verlor er ihn aus den Augen, dann kam er ihm von neuem auf die Spur, denn wieder leuchtete der Brei in schmalen, sich schlangelnden schwarzen B�chen. Als der Doktor an einer Stelle anlangte, die ihm bekannt vorkam, sah er die gl�henden K�rper, schon teilweise geformt, in einen Schlund fliegen und nebenher andere herausspringen, als w�rden sie aus dem offenen Brunnen in die H�he geschossen. Dicke schwarze R�hren, dick wie Elefantenr�ssel, baumelten in einer Reihe von oben herab und verschlangen sie. Als rosa Spalier sch�ssen sie im Inneren dieser R�hren, immer kleiner werdend, in die H�he. Den Kopf im Nacken, schritt der Doktor weiter und verga� alles um sich her. Die gl�henden K�rper �berholten ihn, aber das war f�r ihn unwichtig, denn unausgesetzt folgten ihnen andere. Auf einmal w�re er beinahe gest�rzt, er stie� einen unterdr�ckten Schrei aus: Er stand wieder auf dem freien Platz. Vor ihm erhob sich der kuppelartige Wall der Spirale. Von oben st�rzte ein Schwall der w�hrend der langen Wanderung vollends erkalteten schwarzen Gegenst�nde in ihren Schlund. Der Doktor ging um die Spirale herum, denn er wusste bereits, auf welcher Seite die Geburt zu erwarten war, und da befand er sich wieder neben den anderen, die den Ingenieur umstanden. Der Ingenieur untersuchte noch immer den schwarzen Gegenstand, w�hrend die bestehende gro�e Blase abermals die �Fertigproduktion� in den neu geformten Trog spie. �Hallo! Ihr braucht euch nicht zu bem�hen! Ich wei� bereits alles! Und ich werde es euch gleich erkl�ren!� rief der Doktor.</p><p>�Wo hast du gesteckt? Ich hab mir schon Sorgen gemacht.� Der Koordinator hatte sich zu ihm umgewandt. �Hast du wirklich etwas entdeckt? Der Ingenieur wei� n�mlich nichts.� </p><p>�Wenn es blo� nichts w�re, dann w�re das nicht so schlimm!� knurrte der, stie� w�tend mit dem Fu� gegen dasschwarze Objekt und bedachte den Doktor mit einem �rgerlichen Blick. �Nun, und was hast du entdeckt?�</p><p>�Die Sache sieht folgenderma�en aus�, begann der Doktor mit einem seltsamen L�cheln. �Das da wird dort eingesaugt�, er deutete auf den Rachen des R�ssels, der sich gerade �ffnete. �So, jetzt erhitzt er sich innen, seht ihr? Sie schmelzen jetzt alle, werden durchgemischt, fahren in Portionen nach oben, und dort beginnt ihre Bearbeitung. Wenn sie noch kirschrot vor Hitze sind, fliegen sie nach unten, unter den Boden, da muss noch eine Etage sein. Wieder geschieht mit ihnen etwas, dann kehren sie durch diesen Brunnen zwar bla�, aber noch leuchtend zur�ck, machen einen Ausflug bis unters Dach, st�rzen in diese Form� � er zeigte die Spirale � �und dann in das �Lager f�r Fertigprodukte^ Von hier fahren sie zur�ck in den R�ssel, schmelzen, und so endlos im Kreis. Sie werden geformt, nehmen Gestalt an, schmelzen, formen sich von neuem�� </p><p>�Bist du wahnsinnig�, fl�sterte der Ingenieur, dicke Schwei�tropfen auf der Stirn. �Du glaubst es nicht? Pr�f es selber nach.� Der Ingenieur pr�fte nach, zweimal. Das dauerte eine gute Stunde. Als sie sich wieder am Trog einfanden, den gerade eine neue Portion des �Endprodukts� ausf�llte, brach die D�mmerung herein, in der Halle wurde es fahlgrau.</p><p>Der Ingenieur schien wie von Sinnen. Er sch�ttelte sich vor Wut. Krampfhafte Zuckungen liefen �ber sein Gesicht. Die anderen, die kaum weniger verbl�fft waren, hatte die Entdeckung nicht so sehr ergriffen. �Wir m�ssen hier raus, es kann im Dunkeln Schwierigkeiten geben.� Der Koordinator packte den Ingenieur am Arm. Der lie� sich willenlos ziehen, dann riss er sich los, st�rzte sich auf den schwarzen Gegenstand, den sie liegengelassen hatten, und hob ihn mit M�he hoch.</p><p>�Willst du das mitnehmen?� fragte der Koordinator. �Gut, helft ihm.�</p><p>Der Physiker packte den unf�rmigen Gegenstand an den ohrenf�rmigen Vorspr�ngen und schleppte ihn zusammen mit dem Ingenieur bis an die wellige Grenze der Halle. Der Doktor trat gelassen gegen die sirupartig gl�nzende Wand des �Wasserfalls� und stand drau�en auf der Ebene im k�hlenden Hauch des Abends. Genie�erisch sog er die Luft tief in die Lungen. Die anderen waren ihm gefolgt.</p><p>Der Ingenieur und der Physiker trugen die Last an die Stelle, wo sie die Rucks�cke zur�ckgelassen hatten, und warfen sie dort auf den Boden.</p><p>Sie z�ndeten den Kocher an, w�rmten etwas Wasser, l�sten das Fleischkonzentrat darin auf und machten sich hungrig ans Essen. Sie a�en schweigend. Es war unterdessen v�llig dunkel geworden, die Sterne traten hervor. Ihr Schein wurde mit jedem Augenblick st�rker, kompakter. Das verschwommene Gestr�pp der fernen Schonung verschmolz mit der Dunkelheit. Nur die bl�uliche Flamme des Brenners, von einem sanften Hauch bewegt, warf etwas Licht. Die hohe Wand der Halle in ihrem R�cken, versunken in der Nacht, gab nicht den leisesten Laut von sich. Man sah nicht einmal, ob die Wellen dar�ber schwammen.</p><p>�Die Finsternis bricht hier genauso rasch herein wie bei uns in den Tropen�, sagte der Chemiker.</p><p>�Wir sind doch in der �quatorzone niedergegangen, nicht wahr?�</p><p>�Ich glaube�, erwiderte der Koordinator. �Aber ich kenne nicht einmal den Neigungswinkel des Planeten zur Ekliptik.� </p><p>�Wieso? Das muss doch bekannt sein.� </p><p>�Nat�rlich, die Daten sind auf dem Schiff.�</p><p>Sie verstummten. Die n�chtliche K�lte machte sich bemerkbar. Sie h�llten sich in die Decken ein, unterdessen ging der Physiker daran, das Zelt aufzustellen. Er pumpte die Plane auf, bis sie steifdastand, einer abgeflachten Halbkugel gleichend, mit einem kleinen Eingang dicht �ber dem Boden.</p><p>Dann suchte er in der N�he Steine, um die R�nder des Zeltes zu beschweren, damit es der Wind nicht fortri�. Sie hatten Pfl�cke, jedoch nichts, womit man sie in die Erde schlagen konnte. Er fand nur kleinere Steinchen und kehrte mit leeren H�nden an das bl�uliche Feuer zur�ck. Pl�tzlich fiel sein Blick auf den schwarzen Gegenstand, den sie aus der Halle mitgebracht hatten. Er hob ihn auf und legte ihn auf den Zeltrand.</p><p>�Wenigstens zu etwas ist das Ding n�tze�, bemerkte der Doktor, der ihm zusah. Der Ingenieur sa� geduckt da, den Kopf in den H�nden, ein Bild v�lliger Niedergeschlagenheit. Er sagte nichts, auch um seinen Teller bat er nur mit einem unartikulierten Knurren. �Was nun, liebe Leute?� fragte er pl�tzlich und richtete sich auf. �Nat�rlich wird geschlafen�, antwortete der Doktor ruhig, zog piet�tvoll eine Zigarette aus einer Packung, steckte sie an und tat genie�erisch einen Zug.</p><p>�Und was morgen?� Man sah dem Ingenieur an, dass seine Ruhe nur vorget�uscht, dass er bis zum �u�ersten gespannt war. �Henrik, du f�hrst dich auf wie ein Kind�, sagte der Koordinator, der gerade dabei war, den Topf mit schlammiger Erde zu s�ubern. �Morgen untersuchen wir die n�chste Sektion der Halle. Heute haben wir uns nach meinen Sch�tzungen rund vierhundert Meter angesehen.�</p><p>�Und du glaubst, dass wir etwas anderes finden?� </p><p>�Ich wei� es nicht. Einen Tag haben wir noch vor uns. Am Nachmittag m�ssen wir zur Rakete zur�ck.� </p><p>�Freut mich au�erordentlich�, brummte der Ingenieur, stand auf, reckte sich und st�hnte. �Ich f�hle mich, als h�tte ich keinen heilen Knochen mehr im Leibe�, gestand er.</p><p>�Es geht uns allen so�, erwiderte der Doktor gutm�tig. �H�r zu, kannst du wirklich nichts zu dem da sagen?� Er deutete mit dem Ende der brennenden Zigarette auf den Gegenstand, der den Zeltrand festhielt. �Kann ich. Warum nicht? Nat�rlich kann ich das. Das ist eine Vorrichtung, die dazu dient, damit man sie zuerst.�� </p><p>�Nein, im Ernst. Das hat doch bestimmte Teile. Ich kenne mich nicht so aus.�</p><p>�Denkst du etwa, ich kenne mich da aus?� brauste der Ingenieur auf. �Das ist das Produkt eines Wahnsinnigen. Eine Zivilisation von Verr�ckten. Das ist dieses verdammte Eden. Was wir da mitgeschleppt haben, wurde in einer Reihe von Prozessen erzeugt�, f�gte er ruhiger hinzu. �Pressen, Eindr�cken der durchsichtigen Segmente, thermische Behandlung, Polieren. Es m�ssen hochmolekulare Polymere und anorganische Kristalle sein. Wozu das dienen soll, wei� ich nicht. Das ist ein Teil, nicht das Ganze. Doch selbst aus dieser verr�ckten M�hle herausgenommen, kommt mir dieser Teil in sich irrsinnig vor.�</p><p>�Was verstehst du darunter?� fragte der Koordinator. Der Chemiker legte die Teller und die Vorr�te zusammen und rollte die Decke auseinander. Der Doktor dr�ckte die Zigarette aus und steckte die restliche H�lfte behutsam in die Schachtel zur�ck. �Ich habe keine Beweise daf�r. Da drinnen gibt es gewisse Bindeglieder. Sie sind mit nichts verbunden. Wie ein geschlossener Stromkreis, der von Isolatoren durchschnitten ist. Das kann nie wirksam sein. Diesen Eindruck habe ich gewonnen.</p><p>Schlie�lich hat man nach so vielen Jahren doch so etwas wie eine berufliche Intuition. Ich kann mich nat�rlich irren, aber ich m�chte �berhaupt nicht dar�ber reden.�</p><p>Der Koordinator stand auf. Die anderen folgten seinem Beispiel. Als sie den Kocher ausgemacht hatten, h�llte brutale Schw�rze sie ein. Die Sterne gaben kein Licht, sie gl�nzten nur stark an dem merkw�rdig niedrigen Himmel. �Deneb�, sagte der Physiker leise. Sie blickten hoch. �Wo? Dort?�</p><p>Auch der Doktor d�mpfte unbewu�t die Stimme. �Ja. Und der kleinere daneben, das ist Gamma Cygni. Verdammt hell!�</p><p>�Dreimal so hell wie auf der Erde�, sagte der Koordinator. �Es ist k�hl, und nach Hause ist es weit�,murmelte der Doktor.</p><p>Keiner sprach noch etwas. Einzeln krochen sie in das aufgeblasene Zelt. Sie waren so ersch�pft, dass dem Doktor, als er nach seiner Gewohnheit im Dunkeln eine gute Nacht w�nschte, nur die Atemz�ge der Schlafenden antworteten. Er selbst schlief noch nicht. Ihm fiel ein, dass sie unachtsam handelten.</p><p>Aus der nahen Schonung konnte in der Nacht ein Unget�m herauskommen. Sie h�tten eine Wache aufstellen sollen. Eine Weile �berlegte er, ob er nicht selbst diesen Posten �bernehmen sollte. Aber er lachte nur ironisch in die Finsternis, drehte sich um und seufzte. Er merkte gar nicht, wie er einschlief.</p><p>Und er schlief wie ein Stein. Der Morgen gr��te sie mit Sonne. Am Himmel zeigten sich diesmal ein paar wei�e Kn�uelwolken mehr als am Vortag. Sie a�en ihr frugales Fr�hst�ck. Die Reste hoben sie f�r die letzte Mahlzeit auf. Neuen Vorrat mussten sie sich aus der Rakete holen. �Wenn man sich wenigstens mal waschen k�nnte�, klagte der Kybernetiker. �Das ist mir noch nicht passiert, man stinkt ja richtig nach Schwei�, entsetzlich! Es muss hier doch irgendwo Wasser geben!� </p><p>�Wo es Wasser gibt, da gibt es auch einen Fris�r�, erwiderte der Doktor heiter, w�hrend er in seinen kleinen Spiegel schaute. Er schnitt skeptische und heroische Grimassen. �Ich bef�rchte allerdings, dass der Fris�r auf diesem Planeten zuerst rasiert und dann alle Haare wieder einsetzt, das ist hier sehr wahrscheinlich, wei�t du!�</p><p>�Du wirst wohl noch im Grab Witze rei�en�, versetzte der Ingenieur. Verwirrt f�gte er hinzu: �Verzeihung. Ich wollte nicht.��</p><p>�Macht nichts�, entgegnete der Doktor. �Im Grab nicht, aber solange es geht, ja. So, nun machen wir uns wohl auf den Weg, wie?�</p><p>Sie packten die Sachen, lie�en die Luft aus dem Zelt ab und zogen mit ihrer Last den gleichm��ig wogenden Vorhang entlang, bis sie sich einen guten Kilometer von ihrer Raststelle entfernt hatten.</p><p>�Ich kann mir nicht helfen, vielleicht irre ich mich auch, aber hier sieht es so aus, als sei der Vorhang h�her.� Der Physiker betrachtete aus zusammengekniffenen Augen die B�gen, die sich nach beiden Seiten spannten. Hoch oben flimmerten ihre Spitzen in silbrigem Feuer.</p><p>Sie warfen das Gep�ck auf einen Haufen und gingen zur Halle. Wie am Vortag kamen sie ohne Schwierigkeiten hinein. Der Physiker und der Chemiker blieben etwas zur�ck. �Was meinst du, wie ist das mit dem Verschwinden?� fragte der Chemiker. �Hier geschieht so viel, dass ich das gestern v�llig verga�.� </p><p>�Eine Art Refraktion�, erwiderte der Physiker mit wenig �berzeugung. �Und worauf st�tzt sich die Decke? Doch wohl nicht darauf.� Er wies auf den sich in Wellen bauschenden Vorhang, auf den sie zutraten. �Ich wei� es nicht. Vielleicht sind innen verborgene St�tzen, oder sie befinden sich an der anderen Seite.�</p><p>�Alice im Wunderland�, begr��te sie von innen der Doktor. �Fangen wir an? Heute niese ich weniger. Vielleicht ist das Anpassung. In welche Richtung gehen wir zuerst?� Die Umgebung glich ziemlich genau derjenigen vom Vortag. Sie bewegten sich diesmal sicherer und schneller. Zun�chst schien es ihnen sogar, dass alles genauso war wie dort. Die S�ulen, die Brunnen, der Wald der schr�gen, pulsierenden und wirbelnden �Speiser�hren�, das Aufgl�hen, das Flimmern � dieser ganze Reigen von Prozessen verlief in dem gleichen Tempo. Nachdem sie sich jedoch die Fertigprodukte angesehen hatten, deren trog�hnliche Beh�lter sie nach einiger Zeit fanden, entdeckten sie, dass sie anders waren, gr��er und von anderer Gestalt als die am Tage zuvor. Das war nicht alles. Die �Produkte� � die �brigens ebenso wie dort wieder herausgegriffen und in einen Kreislauf gebracht wurden � waren etwas anderer Art. Sie erinnerten sie an eine oben eingekerbte Eih�lfte. Diese H�lfte trug deutliche Spuren, dass sie mit anderen Teilen zusammengepa�t werden sollte. �berdies ragtenhornartige Verdickungen daraus hervor, in der Art einer Rohrm�ndung, in der sich ein linsenf�rmiges Pl�ttchen bewegte, gewisserma�en ein Druckventil. Als sie jedoch mehrere solche Gegenst�nde miteinander verglichen, stellte sich heraus, dass manche zwei offene H�rner hatten, andere drei oder vier, wobei diese zus�tzlichen Vorspr�nge kleiner und sozusagen nicht ganz zu Ende gefertigt waren, als sei die Bearbeitung unterbrochen worden. Das Linsenpl�ttchen f�llte manchmal die ganze M�ndung aus, manchmal nur einen Teil davon. Bisweilen fehlte es �berhaupt. Einmal fanden sie nur so etwas wie eine Knospe, ein verk�mmertes, kaum erbsengro�es K�rnchen. Die Oberfl�che des �Eis� war glatt poliert, bei einigen Exemplaren war sie rauh, die T�lle des �Druckventils� war bei den diversen Objekten ebenfalls unterschiedlich gestaltet. In einem fanden sie sogar Zwillingsst�cke, teilweise verschmolzen und durch eine kleine �ffnung miteinander kommunizierend, und die Linsen-pl�ttchen bildeten eine Acht. Der Doktor bezeichnete das als siamesische Zwillinge. Dieser Teil hatte obendrein acht H�rner, von denen eins immer kleiner als das andere war; die kleinsten waren nicht einmal nach au�en ge�ffnet.</p><p>�Was meinst du dazu?� fragte der Koordinator den Ingenieur. Der kniete neben ihm und w�hlte in einer ganzen Kollektion, die sie dem Trog entnommen hatten. �Vorl�ufig nichts. Gehen wir weiter.�</p><p>Der Ingenieur stand auf. Man sah ihm an, dass sich seine Laune etwas gebessert hatte. Jetzt begriffen sie schon, dass die Halle in Sektionen eingeteilt war, die lediglich durch den inneren Zusammenhang der Zyklen voneinander getrennt waren. Die Produktionsvorrichtungen, der sich schlangelnde, r�sselartig zuckende, schnaufende Wald, waren �berall die gleichen. Einige hundert Meter weiter stie�en sie auf eine Sektion, die dieselben Bewegungen wie die vorigen vollf�hrte, sich wand, schmatzte, schnaufte, aber in ihren Leitungen gar nichts mitf�hrte, �berhaupt nichts in die offenen Brunnen warf, nichts aus der H�he fallen lie� oder verschlang. Sie bearbeitete, h�ufte und schmolz-nichts. �berall da, wo sie bei den anderen Sektionen gl�hende Halbprodukte oder die schon erkaltenden bearbeiteten Gegenst�nde beobachten konnten, fanden sie hier nur Leere. Zun�chst glaubte der Ingenieur, das Produkt sei vielleicht so durchsichtig, dass man es nicht sehen k�nne. Er beugte sich weit �ber die Aussto�aggregate vor, und mit den H�nden etwas von dem zu erfassen, was aus den offenen Schl�nden h�tte herausfliegen m�ssen, aber er griff ins Leere.</p><p>�Eine verr�ckte Sache�, murmelte der Chemiker entsetzt. Der Ingenieur war gar nicht mehr so sehr ersch�ttert. �Sehr interessant�, sagte er nur, und sie gingen weiter.</p><p>Sie n�herten sich einem Raum, aus dem lauter L�rm erscholl. Ein L�rm, der weich klang, gerade deshalb aber um so bet�ubender war, etwa wie wenn Millionen schwerer, feuchter Lederdecken auf eine gro�e, schwach gespannte Trommel fallen. Pl�tzlich wurde es heller.</p><p>Aus Dutzenden keulenf�rmiger Zapfen, die oben an der Decke pendelten, prasselte ein wahrer Regen von schwarzen Gegenst�nden herab, prallte gegen die sich ihnen mal von der einen, mal von der anderen Seite entgegenw�lbenden, durchsichtig grauen Membranen, die senkrecht gespannt waren und gleichm��ig wie Blasen anschwollen, als w�ren sie mit Gas gef�llt. Danach wurden die Teile auf halbem Weg von schnell arbeitenden Schlangenarmen erfa�t, die wie ein Strudel anmuteten, und kamen als Hagel unten an. Hier ordneten sich die Objekte nebeneinander zu Karrees, in geraden Reihen, w�hrend von der entgegengesetzten Seite in gewissen Abst�nden eine gewaltige Masse herauskroch, plattgedr�ckt wie der Kopf eines Wals, und mit einem langen Seufzer mehrere Reihen der �Fertigprodukte� auf einmal aufsaugte. �Das Lager�, erl�uterte der Ingenieur phlegmatisch. �Von oben kommen sie in fertigem Zustand herunter, und das ist wie ein Transportband, es nimmt sie mit und f�hrt sie in den Umlauf zur�ck.� </p><p>�Woher willst du wissen, dass es sie wieder zur�ckf�hrt? Vielleicht ist es hier anders?� fragte der Physiker. �Weil das Lager voll ist.� Keiner hatte das zwar ganz begriffen, aber sie schwiegen und gingen weiter. Es war gegen vier, als der Koordinator die R�ckkehr anordnete. Sie befanden sich in einer Sektion, die aus zwei Abteilungen bestand. Die ersteerzeugte dicke Schilder, die mit ohrenf�rmigen Griffen versehen waren, die andere schnitt die Griffe ab und befestigte an ihrer Stelle Teile von elliptischen Ringen. Darauf wanderten die Schilder in die Bodenkammern, woher sie �glattrasiert�, wie der Doktor es nannte, zur�ckkamen, um von neuem dem Proze� des Anschwei�ens der ohrenf�rmigen Griffe ausgesetzt zu werden.</p><p>Als die M�nner wieder in die Ebene hinaustraten und bei noch ziemlich hoch stehender Sonne die Richtung einschlugen, in der sie das Zelt und die Sachen zur�ckgelassen hatten, sagte der Ingenieur: �So jetzt wird das allm�hlich klar.� </p><p>�Wirklich?� fragte der Chemiker mit einer Spur von Ironie.</p><p>�Jawohl�, best�tigte der Koordinator. �Und was meinst du?� wandte er sich an den Doktor. �Eine Leiche�, erwiderte der.</p><p>�Wieso Leiche?� fragte der Chemiker, der offenbar nichts verstand. �Eine Leiche, die sich bewegt�, f�gte der Doktor hinzu. Eine Weile gingen sie stumm weiter. �Darf ich endlich erfahren, was das bedeutet?� fragte der Chemiker ein wenig ver�rgert.</p><p>�Ein ferngesteuerter Komplex zur Erzeugung diverser Teile, der mit der Zeit v�llig au�er Kontrolle geraten ist, weil er ohne jede Aufsicht war�, erkl�rte der Ingenieur. �Ach! Und wie lange, meinst du?�</p><p>�Das wei� ich nicht.� </p><p>�Sehr grob gesch�tzt und mit gro�em Risiko kann man die Hypothese aufstellen, dass es mindestens sechzig Jahre sind�, sagte der Kybernetiker. �Vielleicht noch mehr.</p><p>Wenn ich erf�hre, dass es vor zweihundert Jahren geschah, w�rde ich mich auch nicht wundern.�</p><p>�Oder vor tausend Jahren�, f�gte der Koordinator l�ssig hinzu. �Wie dir bekannt sein d�rfte, geraten beaufsichtigende Elektronenhirne in einem Tempo au�er Kontrolle, das dem Irradiationsfaktor entspricht�, begann der Kybernetiker. Aber der Ingenieur unterbrach ihn: �Sie k�nnen nach einem anderen Prinzip arbeiten als unsere, und wir wissen ja �berhaupt nicht, ob es Elektronensysteme sind.</p><p>Ich selbst bezweifle das. Der Baustoff ist nichtmetallisch, halbfl�ssig.�</p><p>�Einzelheiten sind nicht so wichtig�, sagte der Doktor. �Aber was haltet ihr davon? Das hei�t, welche Horoskope stellt ihr? Ich sehe nur d�stere.� </p><p>�Du denkst an die Bewohner des Planeten?� fragte der Chemiker. �Ja, ich denke an die Bewohner dieses Planeten.�</p></section><section><title><p>Drittes Kapitel</p></title><p>In sp�ter Nacht erreichten sie den H�gel, �ber dem der Rumpf des Raumschiffes aufragte. Um den Marsch zu beschleunigen, aber auch, um einer Begegnung mit den Bewohnern der Schonung auszuweichen, hatten sie sie dort durchquert, wo die B�sche gut ein Dutzend Meter auseinandertraten.</p><p>Es war, als h�tte ein gewaltiger Pflug das Gestr�pp beiseite ger�umt, auf den umgelegten Schollen wucherten nur die samtenen Flechten. J�he D�mmerung legte sich �ber die Ebene, als die schr�ge Silhouette der Rakete schon deutlich zu erkennen war. Sie konnten also auf die Taschenlampen verzichten. Hunger qu�lte sie, aber noch mehr die Ersch�pfung. So beschlossen sie, das Zelt drau�en aufzustellen. Vom Durst gepeinigt, denn das Wasser war ihnen auf dem R�ckmarsch ausgegangen, begab sich der Physiker durch den Tunnel in die Rakete. Er blieb lange weg. Sie pumpten gerade das Zelt auf, als sie ihn unter der Erde schreien h�rten. Sie eilten zum Eingang und halfen ihm heraus.</p><p>Seine H�nde zitterten. Er war so aufgeregt, dass er kaum ein Wort hervorbrachte.</p><p>�Was ist los! Beruhige dich!� redeten sie auf ihn ein. Der Koordinator packte ihn fest bei den Schultern. �Da�, er deutete auf den dunklen Rumpf �ber ihnen, �da war jemand.� </p><p>�Wie?� </p><p>�Woran hast du das erkannt?� </p><p>�Wer war da?� </p><p>�Das wei� ich nicht.� </p><p>�Woran hast du erkannt, dass jemand da war?� </p><p>�An � an den Spuren. Ich betrat versehentlich den Steuerraum. Wir hatten ihn vorher mit Sandvollgesch�ttet, jetzt ist keiner da.� </p><p>�Wieso ist keiner da?�</p><p>�Er fehlt. Es ist fast sauber.�</p><p>�Und wo ist der Sand geblieben?�</p><p>�Das wei� ich nicht.�</p><p>�Hast du in die anderen R�ume geschaut?�</p><p>�Hab ich. Das hei�t, ich hatte vergessen, dass im Steuerraum Erde lag, und dachte mir zun�chst gar nichts, ich wollte ja nur trinken. Ich ging also in das Lager, fand das Wasser, hatte aber nichts zum Sch�pfen, so ging ich in deine Kabine � und da � �</p><p>�Was zum Teufel!�</p><p>�Alles war mit Schleim bedeckt.� </p><p>�Mit Schleim?� </p><p>�Ja, mit durchsichtigem, klebrigem Schleim. Sicherlich habe ich noch was an meinen Schuhen! Ich sah gar nichts, erst sp�ter merkte ich, dass die Sohlen klebten.� </p><p>�Vielleicht sind die Beh�lter leck, oder es ist eine chemische Reaktion eingetreten. Du wei�t doch, dass die H�lfte der Gef��e im Labor zerschlagen ist.� </p><p>�Red keinen Unsinn! Leuchte hier, auf die F��e.� Der Lichtfleck wanderte nach unten. Die Schuhe des Physikers gl�nzten an einigen Stellen, als h�tten sie einen �berzug aus farblosem Lack. �Das ist noch kein Beweis daf�r, dass dort jemand gewesen ist�, erwiderte der Chemiker.</p><p>�Aber ich kam ja da noch gar nicht darauf! Ich nahm einen Becher und kehrte zum Lager zur�ck.</p><p>Dass die Schuhsohlen klebrig waren, f�hlte ich, aber ich beachtete es nicht. Ich trank das Wasser, und als ich zur�ckging, fiel mir ein, mal in der Bibliothek nachzusehen. Warum, wei� ich selbst nicht.</p><p>Etwas unruhig war ich ja, aber daran habe ich nicht im geringsten gedacht. Ich mach die T�r auf, leuchte hinein, und da ist es sauber. Keine Spur von Sand! Ich hatte den Sand doch selbst hineingesch�ttet, deshalb stie� mir das gleich auf, und auch, dass welcher im Steuerraum gewesen ist!�</p><p>�Und was weiter?� fragte der Koordinator.</p><p>�Nichts, dann lief ich her.�</p><p>�Er ist vielleicht noch da, im Navigationsraum oder in dem anderen Lager�, sagte der Kybernetiker leise. �Glaub ich nicht�, murmelte der Koordinator. Die Taschenlampe, die der Doktor nach unten hielt, erhellte ein St�ck Boden. Sie standen um den Physiker herum, der noch immer heftig atmete.</p><p>�Ob wir hingehen?� �berlegte der Chemiker laut, aber es war zu sehen, dass es ihn nicht sonderlich danach dr�ngte. �Zeig doch noch mal deine Schuhe�, bat der Koordinator. Er betrachtete aufmerksam die eingetrocknete gl�nzende Schicht, die an dem Leder klebte. Fast w�re er mit dem Kopf des Doktors zusammengesto�en, als sich der ebenfalls b�ckte. �Wir m�ssen etwas unternehmen�, sagte der Kybernetiker verzweifelt.</p><p>�Es ist ja nichts geschehen. Irgendein Vertreter der lokalen Fauna ist in das Raumschiff gekrochen und dann verschwunden, nachdem er nichts gefunden hat, was f�r ihn von Belang sein k�nnte�, entschied der Koordinator. �Wohl ein Regenwurm, was? Ungef�hr so gro� wie ein Hai oder wie zwei Haie�, spottete der Kybernetiker. �Was ist mit dem Sand geschehen?� </p><p>�Das ist tats�chlich sonderbar. Vielleicht�� Ohne den Satz zu beenden, begann der Doktor die n�chste Umgebung abzusuchen. Sie konnten seinen Schatten im Schein der Taschenlampe verfolgen. Der Lichtstrahl beleuchtete den Boden oder huschte bla� in die Finsternis. �He!� rief er pl�tzlich. �He, kommt mal her! Ich hab's.�</p><p>Sie rannten zu ihm hin. Er stand vor einem mehrere Meter langen Erdwall, der hier und da von Fetzengl�nzender d�nner Haut bedeckt war. �Scheint tats�chlich irgendein Regenwurm zu sein�, stammelte der Physiker. �Demnach m�ssen wir also doch in der Rakete �bernachten� entschied der Koordinator pl�tzlich. �Zuerst durchsuchen wir sie, um Gewi�heit zu haben, dann schlie�en wir die Klappe.�</p><p>�Mann, das wird die ganze Nacht dauern�, st�hnte der Chemiker. �Wir haben noch kein einziges Mal in alle R�ume geschaut.� </p><p>�Es muss sein!� Sie �berlie�en das aufgeblasene Zelt seinem Schicksal und tauchten in den Tunnel.</p><p>Lange suchten sie im Schiff umher, leuchteten in alle Winkel und Ecken. Der Physiker glaubte zu bemerken, dass im Steuerraum die Bruchst�cke der Schalttafeln umgestapelt seien, aber keiner wusste das mit Sicherheit zu sagen. Dann zweifelte wieder der Ingenieur, ob er das Werkzeug, das er zur Anfertigung der Hacken gebraucht hatte, in der Ordnung liegengelassen habe, in der es sich nun befand.</p><p>�Das ist nicht so wichtig�, sagte der Doktor ungeduldig. �Spielen wir doch jetzt nicht die Detektive, es ist gleich zwei.� Erst um drei legten sie sich zum Schlafen auf die Matratzen, die sie aus den Kojen geholt hatten, und das auch nur, weil der Ingenieur beschloss, in den beiden Etagen des Maschinenraums nicht nachzusehen, sondern die T�r im st�hlernen Schott, die dorthin f�hrte, von innen abzuriegeln. Die Luft in dem abgeschlossenen Raum kam ihnen stickig vor. Ein unangenehmer Geruch hielt sich darin. Sie fielen um vor Ersch�pfung, und kaum hatten sie die Kombinationen und die Schuhe abgelegt und das Licht gel�scht, sanken sie auch schon in einen schweren, unruhigen Schlaf.</p><p>Der Doktor schrak in v�lliger Dunkelheit auf und war gleich hellwach. Er hielt die Uhr vor die Augen. Eine Weile konnte er nicht erkennen, wie sp�t es war. Die Zeit wollte nicht zu der herrschenden Dunkelheit passen. Er hatte vergessen, dass er sich in der Rakete unter der Erde befand.</p><p>Schlie�lich entzifferte er auf dem Kranz der gr�nen F�nkchen, dass es schon acht war. Er wunderte sich, dass er nur so kurz geschlafen hatte, und wollte sich schon auf die andere Seite legen, da stutzte er. Im Raumschiff ging etwas vor. Er konnte das eher sp�ren als h�ren. Der Fu�boden war von einem leichten Zittern erfa�t. Weit weg klirrte etwas kaum h�rbar. Sofort setzte er sich auf. Sein Herz schlug wild. Es ist wieder da! Er dachte an das Gesch�pf, dessen Schleimspuren der Physiker entdeckt hatte. Es versucht, die Eingangsklappe einzudr�cken, war sein n�chster Gedanke. Die Rakete erbebte pl�tzlich, als wollte eine gewaltige Kraft sie noch tiefer in die Erde sto�en. Einer der unruhig Liegenden st�hnte im Schlaf auf. Der Doktor hatte einen Augenblick lang das Gef�hl, als ob sich seine Haare in gl�hende Dr�htchen verwandelten. Das Raumschiff wog sechzehntausend Tonnen! Der Fu�boden bebte. Es war ein ungleichm��iger, rei�ender Schauer. Pl�tzlich begriff er: Das war eines der Antriebsaggregate! Jemand versuchte es in Gang zusetzen!!</p><p>�Auf!� schrie er und suchte im Dunkeln nach der Taschenlampe. Die M�nner fuhren hoch, rempelten einander in der �gyptischen Finsternis an, schrien laut durcheinander. Endlich hatte der Doktor die Taschenlampe gefunden und knipste sie an. Mit wenigen Worten erl�uterte er, was los war.</p><p>Schlaftrunken lauschte der Ingenieur den fernen Ger�uschen. Ersch�tterungen sch�ttelten den Rumpf, lautes Heulen erf�llte die Luft. �Die Kompressoren der linken D�sen!� zischte der Ingenieur. Der Koordinator kn�pfte wortlos seine Kombination zu. Die anderen zogen sich ebenfalls schnell an. Der Ingenieur rannte so, wie er war, in Hemd und Turnhose, in den Gang. Im Laufen riss er dem Doktor die Taschenlampe aus der Hand. �Was hat du vor?� Sie rannten hinter ihm her zum Navigationsraum.</p><p>Der Fu�boden unter ihnen dr�hnte und bebte immer st�rker. �Er kann die Schaufeln abbrechen!� st�hnte der Ingenieur und st�rzte in den Navigationsraum, den der Eindringling ges�ubert hatte. Er sprang zu den Hauptklemmen, warf den Hebel herum. Ein Licht flammte in der Ecke auf. Der Ingenieur und der Koordinator zerrten einen Elektrowerfer aus dem Wandverschlag, befreiten ihn von dem Futteral und schl�ssen ihn mit gr��ter Eile an die Ladeklemmen an. Die Kontrolluhr warzerschlagen, aber das l�ngliche R�hrchen am Lauf leuchtete blau auf: Ladestrom war vorhanden!</p><p>Der Fu�boden bebte. Alles, was nicht befestigt war, h�pfte. In den Regalen rasselte das Metallwerkzeug, ein gl�serner Gegenstand fiel herunter und zersprang. Die Reste des Plastikumbaus dr�hnten mit lauter Resonanz, dann brach Stille herein, gleichzeitig erlosch das einzige Licht. Der Doktor schaltete sofort die Taschenlampe ein.</p><p>�Ist er geladen?� fragte der Physiker. �H�chstens f�r zwei Serien, aber auch das ist gut�, schrie der Ingenieur zur�ck, wobei er die Klemmen mehr abri� als herauszog. Er packte den Elektrowerfer, hielt ihn mit dem Aluminiumrohr nach unten, legte die Hand an den Griff und ging den Korridor entlang in Richtung Maschinenraum. Sie waren bereits auf halbem Weg, neben der Bibliothek, als ein lang anhaltendes h�llisches Knirschen ert�nte. Zwei oder drei krampfartige Zuckungen ersch�tterten das Raumschiff, im Maschinenraum st�rzte etwas mit entsetzlichem Krachen um, und wieder trat Totenstille ein. Der Ingenieur und der Koordinator schritten Schulter an Schulter zur gepanzerten T�r.</p><p>Der Koordinator schob den Deckel vom Guckloch zur�ck und blickte hinein. �Die Taschenlampe her�, zischte er.</p><p>Der Doktor gab sie ihm. Durch die schmale, verglaste �ffnung ins Innere zu leuchten und gleichzeitig etwas zu sehen fiel nicht leicht. Der Ingenieur �ffnete das zweite Visier, legte die Augen daran, atmete aus und hielt die Luft an. �Da liegt er�, sagte er nach einer Weile. �Wer? Was?� </p><p>�Der Gast. Leuchte mal besser, tiefer, noch tiefer � ja! Er r�hrt sich nicht. Er r�hrt sich �berhaupt nicht. Gro� wie ein Elefant�, sagte er dumpf. �Ist er an die Sammelschienen gekommen?� fragte der Koordinator. Er konnte nichts erkennen, weil ihm die Taschenlampe das Guckloch verdeckte. �Er wird wohl eher zwischen die gerissenen Leitungen gekrochen sein. Ich sehe die Enden unter ihm hervorragen.� </p><p>�Was f�r Enden?� fragte der Physiker ungeduldig.</p><p>�Die vom Hochspannungskabel. Stimmt, er bewegt sich nicht. Also was, machen wir auf?� </p><p>�Wir m�ssen.� Der Doktor schob den Hauptriegel zur�ck. �Vielleicht verstellt er sich nur?� gab hinten jemand zu bedenken. �Sich so gut zu verstellen, das kann nur eine Leiche.� Der Doktor presste das Gesicht an das zweite Visier, bis der Koordinator die Taschenlampe wegnahm.</p><p>Die Stahlriegel schnappten weich zur�ck. Die T�r war offen. Eine Weile wollte niemand �ber die Schwelle treten. Der Physiker und der Kybernetiker schauten ihren Vorderm�nnern �ber die Schultern. Im Hintergrund lag eine im Licht schwach gl�nzende, bucklige, nackte Masse auf den zertr�mmerten Platten der Bildschirme, eingezw�ngt zwischen die gewaltsam beiseite geschobenen Trennw�nde. Hin und wieder huschte ein leises Zittern �ber die Masse. �Er lebt�, fl�sterte der Physiker mit einem W�rgen in der Kehle. Scharfer, ekelhafter Brandgeruch, wie von versengtem Haar, stand in der Luft. Ein zarter graublauer Rauchfaden zerflo� im Lichtkegel.</p><p>�F�r alle F�lle�, sagte der Ingenieur, hob den Elektrowerfer, dr�ckte den durchsichtigen Kolben an die H�fte und richtete ihn auf die unf�rmige Masse. Es zischte. Die funkenlose Entladung traf den schwappenden Leib unterhalb des Buckels, der sich in der Mitte w�lbte. Der m�chtige K�rper spannte sich und bl�hte sich auf, sackte dann in sich zusammen und lag noch platter da als zuvor. Die oberen R�nder der wei�en Trennw�nde erbebten dabei, die gro�e Masse bog sie auseinander. �Schluߓ, erkl�rte der Ingenieur und trat �ber die hohe st�hlerne Schwelle. Alle folgten ihm. Vergebens suchten sie nach den Beinen, den Tastorganen, dem Kopf dieses Wesens. Als tr�ge Masse ruhte es auf der herausgerissenen Sektion des Transformators, ohne feste Form � der Buckel hing nach einer Seite �ber, wie ein loser Sack voll Gelee. Der Doktor ber�hrte den toten Leib. Er b�ckte sich. �Das alles ist eher wohl��, murmelte er. �Riecht mal daran.� Er hielt seine Hand hin. An den Fingerspitzen glitzerte es wieTropfen von Fischleim. Der Chemiker �berwand als erster seinen Ekel. Er schrie erstaunt auf.</p><p>�Kennst du das?� fragte der Doktor.</p><p>Alle schnupperten nun und erkannten den bitteren Geruch wieder, der die �Fabrikhallen� erf�llt hatte.</p><p>Der Doktor fand in der Ecke einen Hebel, der sich von der Achse ziehen lie�. Er schob das breitere Ende unter den Leib und versuchte, ihn auf die Seite zu w�lzen. Auf einmal rutschte er aus, das Ende des Hebels durchstach die Haut, und der Stahl drang fast bis zur H�lfte in das Gewebe.</p><p>�Ein Pech ist das�, knurrte der Kybernetiker. �Jetzt haben wir nicht nur ein Wrack, sondern auch noch einen Friedhof!� </p><p>�Du t�test besser daran, uns zu helfen!� schimpfte der Doktor, der sich allein bem�hte, den gewaltigen Leib umzudrehen. �Warte, mein Lieber�, sagte der Ingenieur. �Wie ist das m�glich, dass so ein St�ck Vieh ein Aggregat in Gang setzen kann?� Alle sahen ihn verbl�fft an.</p><p>�In der Tat.��, stammelte der Physiker. �Was macht's?� f�gte er d�mmlich hinzu. �Selbst wenn wir dabei platzen sollten, wir m�ssen ihn umwenden, ich sage euch, wir m�ssen!� befahl der Doktor.</p><p>�Kommt mal alle her, nein, nicht von der Seite. So! Nicht ekeln! Was ist?� </p><p>�Warte!� Der Ingenieur ging hinaus und kam nach einer Weile mit den Stahlstangen wieder, die sie zum Graben des Tunnels benutzt hatten. Sie schoben sie wie Hebeb�ume unter den toten Leib und hoben sie auf das Kommando des Doktors an. Der Kybernetiker sch�ttelte sich, seine Hand war am glatten Stahl abgerutscht und hatte die nackte Haut des Gesch�pfes ber�hrt. Mit entsetzlichem Klatschen w�lzte es sich tr�ge auf die Seite. Sie sprangen zur�ck. Jemand schrie auf.</p><p>Wie aus einer riesigen, spindelf�rmig verl�ngerten Auster schob sich ein zweih�ndiger kleiner Rumpf aus den dicken, fl�gelartig zusammengelegten, faltigen fleischigen H�llen und glitt durch das eigene Gewicht nach unten, bis er mit den knotigen Fingerchen den Fu�boden ber�hrte. Er war kaum gr��er als ein Kinderrumpf, wie er so an den sich dehnenden H�uten der bla�gelben Bindelappen baumelte und nach und nach aufh�rte zu wackeln. Der Doktor fa�te als erster Mut, ging heran, ergriff ein Ende der weichen, vielgelenkigen Hand, und der kleine, bla� ge�derte Torso spannte sich und zeigte ein flaches Gesichtchen, ohne Augen, mit klaffenden N�stern und etwas Zerfetztem, das wie eine zerbissene Zunge aussah, dort, wo beim Menschen der Mund ist. �Ein Edenbewohner��, sagte der Chemiker dumpf. Der Ingenieur, der vor Ersch�tterung kein Wort hervorbrachte, setzte sich auf den Generator und rieb sich, ohne es zu merken, an seiner Kombination die H�nde ab. �Ist das ein Wesen, oder sind es zwei?� fragte der Physiker, der aus der N�he zuschaute, wie der Doktor die Brust des hilflosen kleinen Rumpfes ber�hrte.</p><p>�Zwei in einem oder eins in zweien � oder sind es vielleicht Symbionten? Nicht ausgeschlossen, dass sie sich periodisch trennen.� </p><p>�Ja, wie dieses Teufelswerk mit dem schwarzen Haar�, meinte der Physiker. Der Doktor nickte, ohne seine Untersuchung zu unterbrechen. �Dieser Gro�e hier hat weder Beine noch Augen noch einen Kopf, gar nichts!� sagte der Ingenieur und steckte sich eine Zigarette an, was er sonst nie tat. �Das wird sich erst erweisen�, antwortete der Doktor. �Ich denke, ihr habt nichts dagegen, wenn ich eine Sektion vornehme. Wir m�ssen ihn so oder so zerst�ckeln, weil wir ihn sonst nicht hinaustragen k�nnen. Ich h�tte gern jemanden, der mir assistiert, aber das kann unangenehm werden. Wer meldet sich freiwillig?� </p><p>�Ich.� � �Meinetwegen ich.� Fast gleichzeitig riefen es der Koordinator und der Kybernetiker. Der Doktor erhob sich von den Knien. �Zwei, noch besser. Ich suche jetzt die Instrumente, das wird eine Weile dauern. Ich muss gestehen, unser Aufenthalt hier ist mit ziemlichen Komplikationen verbunden. Noch etwas mehr davon, und wir brauchen eine ganze Woche, um einen Schuh sauber zu bekommen � man kriegt nichts fertig, was man angefangen hat.�Der Ingenieur und der Physiker traten auf den Gang hinaus. Der Koordinator kehrte gerade aus dem Verbandsaal zur�ck. Er hatte eine Gummisch�rze umgebunden und die �rmel hochgekrempelt und trug ein Nickeltablett voll chirurgischer Instrumente. Er blieb bei ihnen stehen. �Ihr wi�t, wie ein Reiniger arbeitet. Wenn ihr rauchen wollt, macht es oben.� Sie gingen zum Tunnel. Der Chemiker schloss sich ihnen an. F�r alle F�lle nahm er den Elektrowerfer mit, den der Ingenieur im Maschinenraum zur�ckgelassen hatte.</p><p>Die Sonne stand hoch am Himmel, klein und abgeflacht wie immer. In der Ferne zitterte die erhitzte Luft wie Gelee �ber dem Sand. Sie setzten sich in den langen Schattenstreifen der Rakete. �Ein sehr seltsames Tier und eine sehr seltsame Geschichte, wie es den Generator in Gang bringen konnte.� Der Ingenieur rieb sich die Wange, die Stoppeln stachen nicht mehr. Sie hatten alle Barte bekommen und sagten stets, dass sie sich rasieren m�ssten, aber irgendwie fand keiner Zeit dazu. �Jetzt freut mich, offen gesagt, von alledem noch am meisten, dass der Generator �berhaupt Strom gibt. Das bedeutet, dass wenigstens die Wicklungen ganz sind.� </p><p>�Und der Kurzschluss?� bemerkte der Physiker. �Macht nichts, da ist eine automatische Sicherung herausgesprungen, v�llig belanglos. Der mechanische Teil ist zwar ganz und gar zu Bruch gegangen, aber dagegen werden wir schon Rat wissen. Die Lager, wir haben welche zur Reserve da, man muss sie nur suchen. Nat�rlich, theoretisch kann man die Wicklung ebenfalls reparieren, aber so mit blo�en H�nden w�rden wir dabei grau werden. Ich glaube jetzt, ich habe einfach deshalb keine Hand ger�hrt, um mir alles genau anzusehen, weil ich Angst hatte, ich finde dort nur noch Pulver vor, und ihr k�nnt euch denken, was dann aus uns w�rde.�</p><p>�Der Reaktor�, warf der Chemiker ein. Der Ingenieur schnitt eine Grimasse. �Ja, nat�rlich, auch der Reaktor. Der kommt auch noch dran. Aber erst m�ssen wir Strom haben. Ohne Strom k�nnen wir nichts anfangen. Das Leck in der K�hlung ist in f�nf Minuten repariert, aber die Leitungen m�ssen geschwei�t werden. Dazu brauche ich wieder Strom.� </p><p>�Was, du willst dich jetzt an die Maschinen heranmachen?� fragte der Physiker mit Hoffnung in der Stimme.</p><p>�Ja. Wir arbeiten einen Plan f�r die Reihenfolge der Reparaturen aus. Ich habe schon dar�ber mit dem Koordinator gesprochen. Zuerst m�ssen wir wenigstens ein leistungsf�higes Aggregat haben.</p><p>Nat�rlich l�sst sich ohne Risiko nichts machen, denn das Aggregat muss ohne Atomenergie in Gang gesetzt werden, wei� der Teufel wie! Wohl mit einem G�pel� Solange der elektrische Regler nicht arbeitet, habe ich keine Ahnung, was in der S�ule vor sich geht.�</p><p>�Nichts Besonderes, die Neutronenblenden arbeiten auch ohne Fernsteuerung�, meinte der Physiker.</p><p>�Die Atoms�ule ist selbstt�tig in Leerlauf �bergegangen. H�chstens beim Anlassen k�nnte eine etwas zu hohe Temperatur entstehen, wenn die K�hlung�� </p><p>�Danke sch�n! Die S�ule kann schmelzen, und du sagst dazu �nichts Besonderes�?�</p><p>Sie stritten sich eine Weile heftig, diskutierten bald aber sachlicher, und da keiner die Lust versp�rte, in die Rakete hinunterzugehen, zeichneten sie die Schemata in den Sand. Pl�tzlich erschien im Tunneleingang der Kopf des Doktors. Sie sprangen auf. �Gibt's was Neues?�</p><p>�In gewisser Hinsicht wenig, in anderer wieder viel�, antwortete der Doktor. Er wirkte komisch, wie er so sprach, da nur sein Kopf aus dem Boden ragte. �Wenig�, fuhr er fort, �weil, so seltsam es klingen mag, ich mir noch immer nicht sicher bin, ob das ein Tier ist oder zwei. Jedenfalls ist es ein Tier. Es besitzt zwei Blutsysteme, aber sie sind nicht v�llig voneinander getrennt. Das gro�e Tier, der Tr�ger, bewegt sich, wie ich glaube, mit Spr�ngen oder mit Schritten vorw�rts.�</p><p>�Das ist ein gro�er Unterschied�, sagte der Ingenieur. �Ja und nein�, erwiderte der Doktor. �Was wie ein Buckel aussieht, enth�lt die Speiser�hre.� </p><p>�Die Speiser�hre auf dem Buckel?�</p><p>�Das ist kein Buckel! Als der Strom das Tier niederschlug, fiel es eben mit dem Bauch nach oben!��Was! Willst du damit sagen, dass das kleinere, das so �hnlich aussah wie�� Der Ingenieur stockte.</p><p>�Wie ein Kind�, erg�nzte der Doktor gelassen. �Ja, es ritt gewisserma�en auf diesem Tr�ger � jedenfalls ist das m�glich. Nun, es ritt nicht obenauf�, berichtigte er sich. �Am h�ufigsten wahrscheinlich sitzt es mitten in diesem gr��eren Rumpf. Er hat da so ein taschenf�rmiges Nest. Das einzige, was sich damit vergleichen l�sst, ist die Bauchfalte eines K�nguruhs, jedoch besteht nur wenig �hnlichkeit damit und funktionell gar keine.� </p><p>�Und du nimmst an, dass es ein intelligentes Gesch�pf ist?� fragte der Physiker.</p><p>�Sicherlich, es muss intelligent sein, wenn es die T�r �ffnen und schlie�en kann, ganz zu schweigen davon, dass es die Maschinen in Gang setzte�, erwiderte der Doktor, der wenig Lust zeigte, nach oben zu kommen. �Die Sache ist blo� die � es besitzt kein Nervensystem in unserem Sinne.� </p><p>�Wieso?� Im Nu war der Kybernetiker bei ihm. Der Doktor hob die Brauen. �Da ist nichts zu machen. Es ist eben so. Organe sind da, von deren Bestimmung ich keine Ahnung habe. Mark ist vorhanden, aber in dem Sch�del, in dem kleinen Sch�del, ist kein Gehirn. Das hei�t, etwas ist schon drin, aber jeder Anatom w�rde mich als unwissend bezeichnen, wenn ich ihm einzureden versuchte, dass das ein Gehirn sei�</p><p>Irgendwelche Dr�sen, eher lymphatisch, und zwischen den Lungen wieder � es hat n�mlich drei Lungen � habe ich das Sonderbarste von der Welt gefunden. Etwas, was mir gar nicht gefallen will.</p><p>Ich habe es ins Spiritusbad gelegt. Sp�ter k�nnt ihr es euch ansehen. Im Augenblick haben wir wichtigere Dinge vor. Der Maschinenraum sieht leider wie ein Schlachthaus aus. Es muss alles hinausgetragen und vergraben werden, denn es ist ziemlich warm in der Rakete, Eile w�re geboten, vor allem bei dieser Hitze. Ihr k�nnt euch dunkle Brillen aufsetzen und die Gesichter verbinden. Der Geruch ist nicht unangenehm, aber so eine Menge rohes Fleisch��</p><p>�Du scherzt?� fragte der Physiker unsicher. �Keineswegs.�</p><p>Jetzt erst trat der Doktor aus dem Tunnel. �ber dem Gummimantel trug er einen zweiten wei�en, der von oben bis unten rot bespritzt war.</p><p>�Wirklich, man kann dabei umfallen, es ist mir �u�erst unangenehm. Aber was soll ich tun? Es muss sein. Kommt gleich.� Der Doktor wandte sich um und verschwand. Die anderen blickten einander an und folgten ihm in den Tunnel. Ihre Totengr�berarbeit, wie der Chemiker sie nannte, war erst am sp�ten Nachmittag beendet. Sie arbeiteten halbnackt, um die Kombinationen nicht zu beschmutzen, und schleppten die schreckliche Last hinaus, wie es gerade ging, in K�beln, auf blechernen Tragen.</p><p>Sie vergruben die zerst�ckelten Teile ungef�hr zweihundert Schritt von der Rakete entfernt, auf dem Gipfel des H�gels, und verbrauchten trotz der Ermahnungen des Koordinators f�nf Eimer Wasser zum Waschen. Solange das Blut des gro�en Gesch�pfes nicht gerann, erinnerte es an menschliches, aber es wurde rasch orangerot und trocknete zu gelblichem rasch sich zerstreuendem Pulver. Die ersch�pfte Mannschaft lagerte am Fu� der Rakete. Niemand mochte auch nur an Essen denken, alle schl�rften gierig ihren Kaffee und nickten einer nach dem anderen ein, obwohl sie eigentlich vorgehabt hatten, sich die erste Etappe der Reparaturarbeiten zu �berlegen. Als sie erwachten, wurde es Nacht. Wieder mussten sie zur�ck in die Rakete, um Lebensmittel zu holen, mussten sie Konservendosen �ffnen, sie erw�rmen und nach dem Essen das Geschirr waschen. Dabei wurde es Mitternacht. Da alle ausgeschlafen waren, beschlossen sie, sich nicht hinzulegen, sondern die Instandsetzungsarbeiten in Angriff zu nehmen.</p><p>Die Herzen schlugen ihnen h�her, als sie das Plastik� und Metallger�mpel wegr�umten, das von dem Geh�use des schadhaften Generators �briggeblieben war. Sie arbeiteten mit Brecheisen und Winden und verwandten Stunden darauf, den st�hlernen Schutt auf der Suche nach jedem Ersatzteil, nach jeder Kleinigkeit, ob Libelle oder Schl�ssel, zu durchw�hlen.Schlie�lich hatten sie es geschafft. Der seitliche Generator war vollst�ndig �berpr�ft, das schadhafte Lager ausgewechselt, auch die Schaufeln des kleinsten Kompressors waren wieder gebrauchsf�hig.</p><p>Der Ingenieur hatte das �brigens auf eine ebenso einfache wie primitive Weise fertiggebracht: Da zuwenig Reserveschaufeln vorhanden waren, schnitt er jede zweite Schaufel ab. Der Rotor musste auf die Weise freilich mit geringerer Effektivit�t arbeiten, war aber jedenfalls wieder funktionst�chtig.</p><p>Gegen f�nf Uhr fr�h verk�ndete der Koordinator das Ende der Arbeiten. Er meinte, sie w�rden ohnehin noch manchen Ausflug machen m�ssen, sei es auch nur, um den Wasservorrat zu erg�nzen.</p><p>Anl�sse w�rde es noch manche geben, doch der Schlaf� und Wachrhythmus d�rfe deswegen nicht gest�rt werden. Bis zum Morgengrauen sollten sie noch schlafen, dann ginge es wieder ans Werk. Der Rest der Nacht verlief ruhig. Nach der Ruhe versp�rte keiner Lust, die Rakete zu verlassen. Alle waren bereit, unverz�glich weiterzuarbeiten. Der Ingenieur hatte sich einen Satz der wichtigsten Werkzeuge zusammengesucht, sie brauchten nun nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit durch alle Kaj�ten zu rennen. Zuerst �berpr�ften sie die Schalttafel, in der es von Kurzschl�ssen wimmelte. Sie mussten sie fast von neuem bauen. Den Bruch ersetzten sie durch Teile, die sie r�cksichtslos aus anderen, nicht funktionierenden Anlagen ausbauten. Dann gingen sie daran, den Generator anzulassen. Der vom Ingenieur ausgearbeitete Plan war ziemlich riskant: Den Dynamo drehten sie mit dem Kompressor, der in eine Turbine mit Sauerstoffantrieb aus der Flasche umgewandelt wurde.</p><p>Unter normalen Bedingungen wurde der Havariekomplex durch Hochdruckwasserdampf aus dem Reaktor angetrieben. Der Reaktor, das Herz des Raumschiffs, galt als der widerstandsf�higste aller Mechanismen. Aber daran war jetzt nicht im entferntesten zu denken, immerhin war die gesamte elektrische Installation demoliert. Sie mussten also die eiserne Sauerstoffreserve antasten. Aber das unsch�tzbare Gas w�rde nur scheinbar vergeudet werden.</p><p>Sie rechneten n�mlich damit, die leeren Flaschen wieder mit atmosph�rischem Sauerstoff f�llen zu k�nnen, sobald der ganze Maschinenraum erst in Betrieb war. Sie hatten einfach keine andere Wahl.</p><p>Die Atoms�ule ohne Strom anzulassen w�re Wahnsinn gewesen. Der Ingenieur war allerdings, ohne jemandem etwas davon zu sagen, auch dazu bereit, falls der Plan mit dem Sauerstoff schiefginge; denn ob der fl�ssige Sauerstoff ausreichen w�rde, bis die S�ule angelassen war, war nicht vorauszusehen. Der Doktor stand in einem kleinen Stollen unter dem oberen Maschinenraum und las laut den fallenden Druck auf den Sauerstoffmanometern ab. Die anderen f�nf arbeiteten oben emsig.</p><p>Der Physiker hatte sich vor dem provisorischen Schaltbrett der S�ule postiert, das so meisterhaft montiert war, dass jedem Spezialisten auf der Erde die Haare zu Berge gestanden h�tten. Der Ingenieur hing mit dem Kopf unter dem schweren Geh�use des Generators und befestigte die B�rstenringe. Er war von der Schmiere schwarz wie ein Neger. Der Koordinator und der Kybernetiker starrten auf die zun�chst noch blinde Scheibe des Neutronenz�hlers, und der Chemiker rannte wie ein Laufbursche zwischen ihnen hin und her.</p><p>Der Sauerstoff zischte, der Kompressor in seiner Rolle als Gasturbine rauschte �rgerlich, klirrte leise und bebte, denn der vom Ingenieur so barbarisch behandelte Rotor war nicht genau ausgewuchtet. Die Umdrehungen des Generators nahmen zu, sein Summen ging in ein immer h�heres Singen �ber. Die Lampen, die an den behelfsm��ig unter der Decke gespannten Kabeln baumelten, strahlten bereits einen starken wei�en Schein aus. �Zweihundertachtzehn � zweihundertzwei � hundertf�nfund-neunzig��, ert�nte die monotone, vom blechernen Echo entstellte Stimme des unsichtbaren Doktors.</p><p>Der Ingenieur kroch unter dem Generator hervor und wischte sich die Schmiere und den Schwei� vom b�rtigen Gesicht. �Es geht�, keuchte er. Die H�nde zitterten ihm von der gro�en Anstrengung, er war nicht einmal erregt, als der Physiker sagte: �Ich schalte die erste ein.� </p><p>�Hundertsiebzig, hundertdreiundsechzig, hundertsechzig ��, rezitierte der Doktor gleichm��ig, das Heulen des Dynamos �bert�nend, der bereits den Anla�stroman den Reaktor gab und mit jedem Augenblick mehr Sauerstoff brauchte, um die Umdrehungszahl zu halten. �Volle Belastung!� schrie der Ingenieur, der die elektrischen Uhren beobachtete. �Ich schalte alles ein!� rief der Physiker mit br�chiger, verzweifelter Stimme, duckte sich, wie in Erwartung eines Schlages, und dr�ckte mit beiden H�nden die schwarzen Hebel nach unten. Er riss den Mund auf.</p><p>Unbewu�t presste der Koordinator seinen Arm. Sie starrten auf die rechteckigen Scheiben, von denen das Glas abgesplittert war, und die provisorisch geradegebogenen Zeiger. Sie beobachteten den Z�hler f�r die Stromdichte der schnellen Neutronen, die Kontrolluhr f�r die Zirkulation der elektromagnetischen Pumpen, die Anzeiger der Isotopenverunreinigungen und die vereinten Thermod�mpfe im Innern der S�ule. Der Elektrogenerator st�hnte und heulte, Funken spr�hten zwischen den ungenau anliegenden Ringen. Hinter dem dicken, gl�nzenden Panzer der S�ule herrschte Totenstille. Die Zeiger zuckten nicht einmal. Pl�tzlich wurde vor den Augen des Physikers alles tr�be und verschwamm. Er kniff die Augen zu, und als er sie aufschlug, noch voller Tr�nen, sah er die Zeiger auf Arbeitspositionen. �Der kritische Punkt ist �berschritten!� schrie der Physiker laut und schluchzte, ohne die beiden Hebel loszulassen. Er sp�rte, wie seine Muskeln erschlafften. Die ganze Zeit erwartete er eine Detonation. �Die Zeiger klemmen wahrscheinlich�, sagte der Koordinator ruhig, als s�he er nicht, was mit dem Physiker geschah. Er konnte nur mit M�he sprechen, so fest presste er die Kiefer zusammen. �Neunzig, achtzig, zweiundsiebzig��, rief der Doktor. �Jetzt!� br�llte der Ingenieur und warf mit der Hand, �ber die er einen gro�en roten Handschuh gezogen hatte, den Hauptschalter herum. Der Generator st�hnte auf und verlor sofort an Umdrehungen.</p><p>Der Ingenieur st�rzte zum Kompressor und schloss beide Zuf�hrventile. �Sechsundvierzig, sechsundvierzig, sechsundvierzig�, wiederholte der Doktor gleichm��ig.</p><p>Die Turbine bekam keinen Sauerstoff mehr aus der Flasche. Die Lampen erbla�ten rasch; es wurde immer dunkler. �Sechsundvierzig, sechsundvierzig��, rief der Doktor aus dem Stollen.</p><p>Pl�tzlich erstrahlten die Lampen von neuem. Der Generator bewegte sich kaum noch, aber Strom war da, denn alle angeschlossenen Uhren zeigten wachsende Spannung an. �Sechsundvierzig� sechsundvierzig��, wiederholte nach wie vor der Doktor, der in seinem st�hlernen Brunnen noch nichts wusste. Der Physiker lie� sich auf den Fu�boden fallen und bedeckte das Gesicht mit den H�nden. Es war fast still. Der Rotor des Generators drehte sich immer langsamer, schaukelte aus, wackelte noch einmal und blieb stehen.</p><p>�Sechsundvierzig� sechsundvierzig�, hallte die Stimme des Doktors unabl�ssig. �Was macht das Leck?� fragte der Koordinator. �Normal�, erwiderte der Kybernetiker. �Offenbar ist vorher auf dem H�hepunkt der Drosselung etwas durchgesickert, aber der Automat hat das Leck zementiert, ehe der Kurzschluss eintreten konnte.� Er sagte nichts weiter, doch sie begriffen, wie stolz er auf diesen Automaten war. Mit der einen Hand hielt er heimlich die Finger der anderen, weil sie zitterten.</p><p>�Sechsundvierzig��, rief der Doktor noch immer. �Mann, h�r auf!� br�llte der Chemiker pl�tzlich in den Stollen. �Nicht mehr n�tig! Die S�ule gibt Strom!� Ein kurzes Schweigen folgte. Die S�ule arbeitete ger�uschlos wie immer. In der st�hlernen Umrandung tauchte das blasse, vom dunklen Bart gerahmte Gesicht des Doktors auf. �Wirklich?� Keiner antwortete. Sie blickten auf die Uhren, als ob sie sich an den Zeigern nicht satt sehen konnten, die, ohne zu zittern, auf Arbeitspositionen standen.</p><p>�Wirklich?� fragte der Doktor noch einmal und lachte lautlos. �Was ist mit dem los?� fragte der Kybernetiker �rgerlich. �La� das!� Der Doktor kroch heraus, hockte sich neben den Physiker und schaute wie die anderen auf die Uhren. Keiner wusste, wie lange das dauerte. �Soll ich euch mal was sagen?� begann der Doktor mit jugendlicher, frischer Stimme. Alle sahen ihn an, als habe er sie aufgeweckt. �Ich war noch nie so gl�cklich�, fl�sterte er und wandte das Gesicht ab.</p></section><section><title><p>Viertes Kapitel</p></title><p>In der sp�ten D�mmerung traten der Koordinator und der Ingenieur ins Freie, um Luft zu sch�pfen.</p><p>Sie setzten sich auf den Haufen Sand, den sie herausgeschafft hatten, und betrachteten den letzten Saum der rubinroten Sonnenscheibe. �Das h�tte ich nicht gedacht�, murmelte der Ingenieur. �Ich auch nicht.�</p><p>�Keine schlechte Arbeit, die S�ule, stimmt's?� </p><p>�Solide irdische Arbeit.�</p><p>�Kaum vorzustellen, dass sie das ausgehalten hat!� Sie schwiegen eine Weile. �Ein sch�ner Anfang�, begann der Koordinator wieder. �Es wird noch etwas zu nerv�s gearbeitet�, bemerkte der Ingenieur.</p><p>�Wei�t du, das ist ein Langstreckenlauf. Unter uns gesagt, wir haben ungef�hr ein Hundertstel von dem getan, was zu tun ist, damit.��</p><p>�Ich wei�. �brigens steht noch nicht fest, ob�� </p><p>�Der gravimetrische Regler, wie?� </p><p>�Nicht nur. Die Steuerd�sen, das gesamte untere Deck.� </p><p>�Das schaffen wir.� </p><p>�Ja.� Die Blicke des Ingenieurs, die blind �ber die Umgebung schweiften, blieben dicht hinter dem H�gel an einer l�nglichen, nicht sehr hohen Aufsch�ttung h�ngen. Das war die Stelle, wo sie die Reste des Gesch�pfes vergraben hatten.</p><p>�Ich hatte das v�llig vergessen�, sagte er verwundert. �Mir ist, als w�re es vor einem Jahr geschehen, wei�t du.�</p><p>�Ich nicht. Ich habe die ganze Zeit daran gedacht, das hei�t an dieses Tier. Und zwar an diesen Gegenstand, den der Arzt in seiner Lunge fand.� </p><p>�Wie? Ach so, er sagte ja etwas dar�ber. Was ist es denn gewesen?� </p><p>�Eine Nadel.� </p><p>�Was?� </p><p>�Vielleicht auch keine Nadel. Du kannst es dir selbst ansehen. Es steht im Glas, in der Bibliothek. Ein St�ck d�nnes Rohr, abgebrochen, mit einem scharfen Ende, das schr�g geschnitten ist, wie die Injektionsnadeln.� </p><p>�Was denn.�?� </p><p>�Mehr wei� ich nicht.�</p><p>Der Ingenieur stand auf. �Es ist erstaunlich, aber ich begreife selbst nicht, warum mich das so wenig interessiert. Eigentlich gar nicht, wenn ich ehrlich sein soll. Wei�t du, ich f�hle mich jetzt so wie vor dem Start. Oder wie ein Flugpassagier, der f�r ein paar Minuten auf einem fremden Flughafen gelandet ist, sich unter die Menge der Einheimischen gemischt hat und Zeuge einer sonderbaren, unbegreiflichen Szene geworden ist, der aber wei�, dass er nicht zu diesem Ort geh�rt, dass er wenig sp�ter wegfliegen wird. Und so dringt aus der Umgebung alles wie aus gro�er Entfernung zu ihm, fremd und unfa�bar.� </p><p>�Wir fliegen nicht gleich weg�� </p><p>�Ich wei�, aber ich habe eben dieses Gef�hl.� </p><p>�Gehen wir jetzt zu ihnen. Hinlegen k�nnen wir uns nicht, solange wir nicht die Provisorien ausgewechselt haben. Auch die Sicherungen m�ssen ordentlich befestigt werden. Die S�ule kann dann im Leerlauf arbeiten.� </p><p>�Gut, gehen wir.�</p><p>Sie verbrachten die Nacht in der Rakete, ohne die kleinen Lichter zu l�schen. Hin und wieder wachte einer von ihnen auf, �berpr�fte mit einem geistesabwesenden Blick, wie die Gl�hbirnen brannten, und schlief beruhigt wieder ein. Fr�h standen sie mit frischen Kr�ften auf. Zuerst machten sie den einfachsten Reinigungshalbautomaten flott, der alle paar Minuten klemmte, weil er machtlos in den Schutthaufen steckenblieb, die alles verrammelten. Der Kybernetiker war andauernd mit dem Werkzeug hinter ihm her, zog ihn wie einen Dackel aus einem Fuchsloch, beseitigte das Gerumpel, das zu gro� f�r den Rachen des Greifers war, und brachte ihn wieder in Gang. Der Halbautomat scharrte emsig vor sich hin, fra� sich in den n�chsten Ger�mpelberg, und alles ging von vorne los.</p><p>Nach dem Fr�hst�ck erprobte der Doktor seinen Rasierapparat, mit dem Erfolg, dass die Freunde glaubten, er trage eine braune Maske: Die Stirn, die Haut rings um die Augen und die obere Gesichtsh�lfte waren von der Sonne verbrannt, die untere dagegen war v�llig wei�. Die anderen folgten seinem Beispiel und erkannten einander in den Hungerleidern mit den hervortretenden Kiefernkaum wieder. �Wir m�ssen uns besser ern�hren.� Der Chemiker musterte entsetzt sein Bild im Spiegel.</p><p>�M�chtest du frisches Wildbret?� fragte der Kybernetiker. Der Chemiker sch�ttelte sich. �Danke, nein. Sprich bitte nicht davon. Mir ist es erst jetzt eingefallen. Ich habe davon getr�umt, von dieser� von diesem�� </p><p>�Von dem Tier?� </p><p>�Wer wei�, ob es ein Tier war.� </p><p>�Was dann?� </p><p>�Welches Tier w�re imstande, einen Generator in Gang zu setzen?� Die anderen h�rten dem Gespr�ch zu.</p><p>�Man hat festgestellt, dass alle Wesen auf einer h�heren Entwicklungsstufe Kleidung erfinden�, sagte der Ingenieur. �Dieses Doppelwesen dagegen war nackt.�</p><p>�Was sagst du? Nackt?� fragte der Doktor nachdenklich. �Warum zweifelst du?� </p><p>�Von einer Kuh oder von einem Affen w�rdest du nicht sagen, dass sie nackt sind.� </p><p>�Weil sie ein Fell haben.�</p><p>�Ein Flu�pferd oder ein Krokodil hat kein Fell, dennoch w�rdest du sie nicht nackt nennen.� </p><p>�Was tut's? Ich habe es nur so gesagt.�</p><p>�Eben.� � Sie verstummten f�r eine Weile.</p><p>�Es wird zehn�, sagte der Koordinator. �Wir sind ausgeruht, ich denke, wir machen diesmal einen Ausfall in eine andere Richtung als neulich. Der Ingenieur sollte die Elektrowerfer vorbereiten. Wie steht's damit?� </p><p>�Wir haben f�nf St�ck. Alle sind geladen.�</p><p>�Gut. Das letztemal gingen wir nach Norden, jetzt gehen wir nach Osten. Und zwar mit Waffen, nat�rlich werden wir uns bem�hen, sie nicht zu benutzen. Vor allem, wenn wir diesen Doppelwesen begegnen sollten, wie der Ingenieur sie genannt hat.� </p><p>�Doppelt? Doppelt?� wiederholte der Doktor unzufrieden, wie um den Namen auszuprobieren. �Das scheint mir wenig gegl�ckt und wird sich deshalb wohl halten. Das ist immer so.� </p><p>�Gehen wir gleich?� fragte der Physiker. �Ich denke, ja. Wir m�ssen nur die Klappe sichern, um neuen �berraschungen vorzubeugen.� </p><p>�K�nnten wir nicht den Gel�ndewagen mitnehmen?� schlug der Kybernetiker vor.</p><p>�Kaum. Ich brauche mindestens f�nf Stunden, um ihn flottzumachen�, entgegnete der Ingenieur. �Es sei denn, wir verschieben den Ausflug auf morgen.� Keiner hatte jedoch Lust, die Expedition zu verschieben. Also zogen sie gegen elf Uhr los, weil noch etwas Zeit f�r die Vorbereitung des Gep�cks draufging. Sie marschierten paarweise, als ob sie es abgesprochen h�tten, in geringem Abstand voneinander, obwohl keiner so etwas vorgeschlagen hatte. Der Doktor, der als einziger ohne Waffe war, ging in der Mitte. Ob der Boden tats�chlich g�nstigere Bedingungen f�r eine Fu�wanderung bot oder ob sie munterer ausschritten, jedenfalls hatten sie vor Ablauf einer Stunde die Rakete aus den Augen verloren. Die Landschaft �nderte sich allm�hlich. Immer mehr schlanke graue �Kelche�</p><p>tauchten auf, um die sie einen Bogen machten. In der Ferne zeigten sich H�gel, kuppeif�rmig im Norden, zur Ebene hin in ziemlich steilen Furchen und Br�chen abfallend, in H�he ihrer Marschlinie mit dunklen Flecken von Flora bedeckt. Unter ihren F��en raschelten die trockenen Flechten, grau, wie mit Asche zugesch�ttet, aber das war ihre nat�rliche Farbe; ihre jungen Triebe waren wei�lich ge�derte R�hrchen, aus denen kleine perlenartige Bl�schen wuchsen.</p><p>�Soll ich euch sagen, was hier am meisten fehlt?� sagte der Physiker pl�tzlich. �Gras. Gew�hnliches Gras. Ich h�tte nie geglaubt, dass es so��, er suchte nach dem richtigen Ausdruck, �dass es so unentbehrlich sein kann�� Die Sonne brannte. Als sie sich den H�geln gen�hert hatten, drang ein gleichm��iges fernes Rauschen zu ihnen.</p><p>�Eigenartig, es weht kein Wind, und dort rauscht es�, bemerkte der Chemiker. �Das kommt von dorther.� Der Koordinator, der hinter ihm ging, deutete mit der Hand auf die H�gel. �Offenbar ist derWind weiter oben. Aber das sind ja ganz und gar irdische B�ume!� </p><p>�Sie haben eine andere Farbe und gl�nzen so�� </p><p>�Nein, sie sind zweifarbig�, warf der Doktor ein, der ein gutes Auge hatte.</p><p>�Sie sind abwechselnd zweifarbig, mal mehr violett, mal blau mit einer gelben Schattierung.� Die Ebene blieb hinter ihnen zur�ck. Sie betraten auf gut Gl�ck den breiten Hals einer Schlucht mit lehmigen, abbr�ckelnden W�nden. Die W�nde waren im Schatten mit einem zarten Nebel bedeckt, der sich, aus der N�he gesehen, als eine Art Flechte oder auch als Spinnweben erwies. Die Meinungen waren geteilt, die Gebilde erinnerten an lockere Kn�uel von Glaswolle, die nur lose an den H�ngen befestigt waren. Sie hoben die K�pfe, weil sie gerade die erste Ansammlung von B�umen passierten, die am Rande des Bruches, etwa ein Dutzend Meter �ber ihnen, wuchsen. �Das sind ja gar keine B�ume!� rief der Kybernetiker entt�uscht aus.</p><p>Die sogenannten �B�ume� hatten dicke, stark gl�nzende, gleichsam mit Fett eingeriebene St�mme und vielschichtige Kronen, die gleichm��ig pulsierten: einmal dunkler und voller, einmal blasser und lichtdurchl�ssiger. Diese Wandlungen waren von einem tr�gen Ger�usch begleitet, wie wenn jemand mit den Lippen an einem elastischen Material fl�sternd �Fssss � hhaaa � fsss � hhaaa� wiederholte. Als sie sich einen der B�ume genauer ansahen, entdeckten sie bananenlange Blasen, die aus den gewundenen �sten herausragten, mit traubenartigen Verdickungen, die sich aufbl�hten und dabei dunkler wurden, dann zusammenfielen, sich aufhellten und verbla�ten.</p><p>�Der Baum atmet�, murmelte der Ingenieur erstaunt und lauschte dem unabl�ssigen Widerhall, der die ganze Schlucht erf�llte. �Horcht nur, jeder hat einen anderen Rhythmus�, rief der Doktor wie begl�ckt. �Je kleiner, desto schneller atmet er! Das sind Lungenb�ume!�</p><p>�Weiter! Kommt weiter!� dr�ngte der Koordinator, der schon ein St�ck vorausgegangen war. Sie folgten ihm. Die Schlucht, die anfangs ziemlich breit gewesen war, wurde allm�hlich enger. Ihr Grund stieg leicht an und f�hrte sie schlie�lich auf einen kuppeif�rmigen H�gel zwischen zwei tiefer gelegenen Baumgruppen.</p><p>�Wenn du die Augen zumachst, hast du den Eindruck, du stehst am Meer. Versuch's mal!� sagte der Physiker zum Ingenieur. �Ich schlie�e lieber nicht die Augen�, erwiderte der. Sie n�herten sich dem h�chsten Punkt des H�gels, wobei sie ein wenig von der Marschrichtung abwichen. Vor ihnen lag eine faltige, verschiedenfarbige Gegend: gegliederte Schonungen von atmenden B�umen, die olivgr�n und rostbraun flimmerten, honighelle H�nge der lehmigen H�gel und Erdflecken, die in der Sonne mit silbrigem und im Schatten mit graugr�nem Moos bedeckt waren. Das Gel�nde war in verschiedenen Richtungen von schmalen Linien durchschnitten. Sie zogen sich �ber den Boden der Talkessel hin und wichen den fingerartig vorgeschobenen H�ngen aus. Die einen waren rostbraun, andere fast wei�, wie mit Sand besch�ttete Pfade, wieder andere waren nahezu schwarz, wie Streifen von Kohlengrus.</p><p>�Das sind Wege!� rief der Ingenieur, aber er berichtigte sich sogleich. �Nein, als Wege sind sie zu schmal.�� Was mag das sein?�</p><p>�Hinter dem Spinnenw�ldchen hatten wir etwas �hnliches entdeckt, jenen kleinen Rasen�, sagte der Chemiker und blickte durch das Fernglas. �Nein, die waren anders�, wandte der Kybernetiker ein.</p><p>�Seht nur, seht!� Alle zuckten beim Aufschrei des Doktors zusammen.</p><p>In mehreren hundert Meter Entfernung glitt etwas Durchsichtiges �ber einen gelben Strich, der von einem breiten Sattel zwischen zwei H�geln herunterf�hrte. Das Gebilde schimmerte bla� in der Sonne wie ein transparentes, sich schnell drehendes Speichenrad. Als es sich f�r einen Augenblick vor dem Hintergrund des Himmels befand, war es fast gar nicht mehr zu sehen, erst weiter unten, zu F��en der B�schung, blitzte es als wirbelndes Kn�uel heller auf, schwamm mit gro�er Geschwindigkeit dieGerade hinunter, vorbei an einer Gruppe atmender B�ume, vor deren dunklem Hintergrund es aufleuchtete, und verschwand dann im Ausgang einer fernen Schlucht.</p><p>Der Doktor sah die Gef�hrten an, er war bla�, seine Augen gl�hten.</p><p>�Interessant, was�, sagte er und zeigte die Z�hne, als ob er l�chelte, aber seine Augen verrieten keine Freude.</p><p>�Verdammt, ich hab mein Fernglas vergessen, gib mal deins�, bat der Ingenieur den Kybernetiker.</p><p>�Operngl�ser�, murmelte er nach einer Weile ver�chtlich und reichte ihm das Fernglas zur�ck. Der Kybernetiker ergriff den glasigen Kolben des Elektrowerfers und schien sein Gewicht in der Hand abzusch�tzen. �Ich glaube, wir sind ziemlich schlecht bewaffnet�, sagte er z�gernd.</p><p>�Warum denkst du jetzt an Kampf?� fragte der Chemiker. Sie schwiegen eine Weile und hielten Ausschau. �Gehen wir weiter?� Der Kybernetiker wurde ungeduldig. �Nat�rlich�, erwiderte der Koordinator. �Da, noch eines! Seht!� Ein zweites flatterndes Blitzen. Es sauste viel schneller als das erste dahin, beschrieb einen S-Bogen zwischen den H�geln und schien ein paarmal dicht �ber dem Boden zu segeln. Als es eine Zeitlang auf sie zu jagte, verloren sie es vollends aus den Augen. Erst als es wieder abbog, konnten sie die schnell rotierende, nebelhaft schimmernde Scheibe wieder sehen.</p><p>�Sicher ein Fahrzeug��, murmelte der Physiker und ber�hrte den Arm des Ingenieurs, ohne den Blick von der Erscheinung zu wenden, die sich, schw�cher und kleiner werdend, bereits in der wogenden Schonung verlor. �Ich habe auf der Erde die Technische Hochschule absolviert�, sagte der Ingenieur, der aus irgendeinem Grunde pl�tzlich gereizt war. �Auf jeden Fall�, setzte er z�gernd hinzu, �muss da in der Mitte irgend etwas sein, vielleicht der Zapfen eines Propellers.� </p><p>�Stimmt, in der Mitte gl�nzt etwas sehr stark�, best�tigte der Koordinator. �Wie gro� mag das Ding sein, was meinst du?� </p><p>�Wenn die B�ume dort unten die gleiche H�he haben wie in der Schlucht, dann mindestens zehn Meter.� </p><p>�Im Durchmesser? Ich glaube auch. Mindestens zehn.� </p><p>�Beide sind dort verschwunden.� Der Doktor wies auf die letzte, die h�chste H�gelkette, die ihnen die Sicht nahm.</p><p>�Wir gehen also auch in dieser Richtung weiter, nicht wahr?�</p><p>Die Arme schwenkend, begann er den Abhang hinabzusteigen. Die anderen folgten ihm. �Wir m�ssen uns auf den ersten Kontakt vorbereiten�, sagte der Kybernetiker; er kaute an den Lippen und benetzte sie. �Was geschehen wird, k�nnen wir nicht voraussehen. Die einzige Richtschnur, an die wir uns zu halten haben, sind Ruhe, Vernunft und Beherrschtheit�, erkl�rte der Koordinator. �Vielleicht ist es besser, wenn wir unsere Marschordnung �ndern. Eine Sicherung vorn und eine hinten. Wir m�ssen unseren Zug au�erdem etwas mehr in die L�nge ziehen.� </p><p>�Sollen wir offen auftreten? Besser wird sein, wenn wir uns bem�hen, m�glichst viel zu beobachten, ohne selbst bemerkt zu werden�, sagte der Physiker.</p><p>�Uns zu verstecken, w�rde ich nicht raten. Das erregt nur Verdacht. Aber selbstverst�ndlich, je mehr wir sehen, desto gr��eren Nutzen k�nnen wir daraus ziehen��</p><p>W�hrend sie die Taktik er�rterten, erreichten sie das Tal und gelangten nach mehreren hundert Schritten an die erste r�tselhafte Linie.</p><p>Sie erinnerte ein wenig an die Furche eines alten irdischen Pfluges. Der Boden war flach gepfl�gt, gleichsam zerkr�melt und zu beiden Seiten der Furche aufgesch�ttet, die kaum zwei Hand breit war.</p><p>Die moosbewachsenen Streifen, auf die sie beim ersten Ausflug gesto�en waren, hatten �hnliche Abmessungen gehabt, doch wiesen sie einen recht wesentlichen Unterschied auf: Dort war die Umgebung der Furche kahl, w�hrend sie selbst mit Moos bewachsen war, hier hingegen war es umgekehrt, ein Streifen zermahlenen, entbl��ten Grundes f�hrte durch eine geschlossene Decke auswei�lichen Flechten. �Merkw�rdig�, murmelte der Ingenieur, richtete sich auf und wischte die lehmbeschmierten Finger an der Kombination ab. �Wisst ihr was?� sagte der Doktor. �Ich nehme an, die im Norden sind sehr alt, sie wurden lange nicht mehr benutzt und sind daher mit diesem himmlischen Moos bewachsen.� </p><p>�M�glich�, versetzte der Physiker, �aber was ist das? Sicherlich kein Rad. Eine Radspur s�he anders aus.�</p><p>�Vielleicht eine landwirtschaftliche Maschine?� warf der Kybernetiker ein. �Was denn, sollten sie den Boden nur in einer Breite von zehn Zentimetern bebauen?� Sie �bersprangen die Furche und gingen querfeldein weiter, auf die anderen Furchen zu. Als sie gerade am Rande einer Schonung entlangschritten, deren dumpfes Rauschen sogar die Unterhaltung erschwerte, vernahmen sie von hinten ein durchdringendes, klagendes Pfeifen. Instinktiv sprangen sie hinter die B�ume. Aus ihrem Versteck gewahrten sie �ber der Wiese einen senkrechten, blitzenden Wirbel, der mit der Geschwindigkeit eines Schnellzuges die Gerade entlangraste. Sein Rand war dunkler, die Mitte leuchtete entweder violett oder orange. Sie sch�tzten den Durchmesser dieser Mitte, die Imsenartig nach den Seiten ausgebaucht war, auf zwei bis drei Meter. Kaum hatte das flimmernde Fahrzeug sie �berholt und war verschwunden, setzten sie ihren Weg in der gleichen Richtung fort. Die Schonung war zu Ende, sie �berquerten jetzt notgedrungen offenes Gel�nde und f�hlten sich dabei ziemlich unsicher. Andauernd schauten sie sich um. Die durch flache Sattel verbundenen H�gel waren bereits ganz nahe, als sie wieder dieses durchdringende klagende Pfeifen vernahmen. Mangels eines Verstecks warfen sie sich zu Boden. Ungef�hr zweihundert Meter vor ihnen flog eine wirbelnde Scheibe vor�ber. Diesmal hatte die Ausbuchtung in der Mitte eine himmelblaue Farbe. �Die war wohl mindestens zwanzig Meter hoch!� zischte erregt der Ingenieur. Sie erhoben sich. Zwischen ihnen und den H�geln tat sich ein Kessel auf, der von einem bunten Streifen eigenartig halbiert wurde. Als sie nahe herangekommen waren, bemerkten sie, dass es ein Bach war, dessen heller sandiger Grund durch das Wasser hindurchschimmerte. Seine beiden Ufer leuchteten in allen Farben. Ein G�rtel bl�ulichen Gr�ns rahmte den Wasserlauf, nach au�en hin schloss sich ein Band von blassem Rosa an, und noch weiter weg funkelten schlanke Pflanzen in silbrigem Glanz, die dicht mit flauschigen Kugeln, gro� wie Menschenk�pfe, besetzt waren. �ber jeder Kugel ragte, wei� wie Schnee, der dreibl�ttrige Kelch einer riesigen Bl�te auf. Staunend �ber diesen au�ergew�hnlichen Regenbogen, verlangsamten sie den Schritt. Als sie sich den flauschigen Kugeln n�herten, fingen die �Blumen� an zu zittern und stiegen langsam in die Luft. Eine Weile hingen sie als flatternde Schar �ber ihren K�pfen und gaben dabei ein leises Klirren von sich, das Wei� ihrer wirbelnden �Kelche� blitzte in der Sonne, dann lie�en sie sich auf der anderen Seite des Baches im Dickicht der hellen Kugeln nieder.</p><p>An der Stelle, wo die Furche an den Bach heranf�hrte, verband ein Bogen aus einer glasigen Substanz, der in regelm��igen Abst�nden runde �ffnungen aufwies, die Ufer miteinander. Der Ingenieur erprobte mit dem Fu� die Festigkeit der Br�cke und schritt dann langsam hin�ber. Kaum war er dr�ben angelangt, flatterten wieder Scharen wei�er �Bl�ten� vor ihm auf und kreisten wie ein aufgescheuchterTaubenschwarm.</p><p>Sie machten am Bach halt, um eine Feldflasche mit dem Wasser zu f�llen. Es war offensichtlich nicht trinkbar, und an Ort und Stelle konnten sie keine Analyse vornehmen. Sie ben�tigten lediglich eine Probe f�r sp�tere Untersuchungen. Der Doktor riss eines der kleinen Pfl�nzchen ab, die den rosa Streifen bildeten, und steckte es wie eine Blume ins Knopfloch. Der Stiel war von oben bis unten mit fleischfarben durchscheinenden K�gelchen beklebt, deren Duft der Doktor als k�stlich bezeichnete.</p><p>Obwohl es keiner aussprach, tat es ihnen allen doch leid, sich von diesem sch�nen Ort zu trennen.</p><p>Der Hang, den sie nun hinaufstiegen, war mit raschelndem Moos bewachsen. �Da auf dem Gipfel ist was!� rief der Koordinator pl�tzlich. Vor dem Hintergrund des Himmels bewegte sich an einer Stelle ein verschwommenes Gebilde, das ihnen alle paar Sekunden mit blendendem Glanz in die Augen stach. Mehrere hundert Schritt von dem Gipfel entfernt erkannten sie eine kleine, niedrige Kuppel, diesich um eine Achse drehte. Sie war mit Spiegelsektoren verkleidet, in denen sich die Sonnenstrahlen oder Ausschnitte der Landschaft spiegelten.</p><p>Oben auf dem Gipfel lie�en sie den Blick �ber die Linie der Buckel schweifen. Dabei bemerkten sie ein Gebilde, das dem ersten �hnlich war. Jedenfalls schl�ssen sie aus dem gleichm��igen Blitzen und Flimmern auf sein Vorhandensein. Immer mehr solcher funkelnder Punkte entdeckten sie auf allen Gipfeln, bis hin zum Horizont.</p><p>Von dem kleinen Pa� unterhalb der H�gelspitze aus konnten sie schlie�lich das bisher verborgen gebliebene Gel�nde in seiner ganzen Tiefe �berschauen. Der Hang fiel zu leicht gewellten Feldern ab, �ber die lange Reihen spitzer M�ste f�hrten. Sie verschwanden in der Ferne zu F��en einer blauen Konstruktion, die schwach her�berschimmerte. �ber den n�chsten Masten zitterte die Luft in deutlich erkennbaren senkrechten S�ulen, als w�re sie stark erhitzt. Zwischen den Reihen der M�ste hindurch wanden sich Dutzende von Furchen, b�ndelten und gabelten sich, kreuzten einander und f�hrten alle in eine Richtung � hin zur �stlichen Linie des Horizonts. Dort zeichnete sich eine gro�e Anzahl von Geb�uden ab, durch die betr�chtliche Entfernung zu einer bl�ulich schimmernden Masse verschwommen, einem blassen Mosaik unregelm��iger Einkerbungen, Erhebungen, goldener und silberner Nadelspitzen. Der Himmel war in dieser Richtung etwas dunkler. An einigen Stellen stiegen Streifen milchigen Dampfes auf und breiteten sich pilz-f�rmig zu einer d�nnen Nebel oder Wolkenschicht aus, in der bei genauerem Hinsehen kleine schwarze P�nktchen auftauchten und verschwanden.</p><p>�Eine Stadt.��, fl�sterte der Ingenieur.</p><p>�Ich habe sie damals gesehen��, sagte der Koordinator ebenso leise.</p><p>Sie begannen den Abstieg. Die erste Reihe der M�ste kreuzte ihren Weg am Ende des Abhanges.</p><p>Ihr pechschwarzer Fu� ragte kegelf�rmig aus dem Boden. Ungef�hr drei Meter �ber der Erde erhob sich darauf ein durchsichtiger Mast mit einem durchscheinenden Metallkern. Die Luft dar�ber zitterte stark, und sie h�rten ein gleichm��iges, dumpfes Zischen. �Ist das ein Propeller?� fragte der Physiker.</p><p>Sie ber�hrten vorsichtig den kegelf�rmigen Schaft � nicht die leiseste Bewegung war zu sp�ren.</p><p>�Nein, hier wirbelt nichts�, sagte der Ingenieur. �Man f�hlt keinen Luftzug. Es muss ein Sender sein oder��</p><p>Sie schritten �ber ein Gel�nde mit sanften, flachen Falten. Die Stadt hatten sie inzwischen aus den Augen verloren, aber sie konnten sich nicht verlaufen. Nicht nur die langen Mastreihen, auch die zahlreichen Furchen mitten auf den Feldern zeigten ihnen die Richtung an. Von Zeit zu Zeit fegte ein hell wirbelndes Kn�uel auf der einen oder anderen Seite vor�ber, immer jedoch in einer solchen Entfernung, dass sie sich nicht einmal zu verstecken versuchten.</p><p>Bald tauchte vor ihnen der olivgelbe Fleck einer Schonung auf. Anfangs wollten sie ihr ausweichen, wie es die Linie der Masten tat, aber sie erstreckte sich zu weit nach beiden Seiten, so dass sie einen zu gro�en Umweg h�tten machen m�ssen. So entschlossen sie sich, das Dickicht zu durchqueren.</p><p>Atmende B�ume umgaben sie. Trockene, bl�schenartige Bl�tter, die bei jedem Schritt unter ihren Schuhsohlen unangenehm knirschten, bedeckten den mit r�hrchenf�rmigen Pfl�nzchen und wei�lichem Moos bewachsenen Boden. Hie und da zeigten sich zwischen dicken Wurzeln die M�ulchen blasser, fleischiger Bl�ten, aus deren Mitte ahlenf�rmige Stacheln spie�ten. �ber die dickeRinde der St�mme rannen Tropfen von aromatischem Harz. Der Ingenieur, der vorn ging, verlangsamte pl�tzlich den Schritt und sagte unwirsch: �Verdammt, wir h�tten hier doch nicht gehen sollen.�</p><p>Mitten zwischen den B�umen klaffte eine tiefe Schlucht, deren lehmige W�nde mit Girlanden aus langen, schlangenartigen Flechten bedeckt waren. Die M�nner hatten sich zu weit vorgewagt, um noch umkehren zu k�nnen. Sie glitten �ber die mit biegsamen Lianen �berwucherte Wand auf den Grund der Schlucht hinab, wo sich ein d�nner Wasserlauf schl�ngelte. Der Hang gegen�ber war zu steil, so marschierten sie die Schlucht entlang und hielten nach einer Stelle Ausschau, wo sie wieder hinaufklettern konnten. Auf diese Weise legten sie etwa hundert Schritt zur�ck. Die Schlucht weitete sich, ihre R�nder wurden flacher. Gleichzeitig wurde es etwas heller.</p><p>�Was ist das?� rief der Ingenieur pl�tzlich und verstummte ebenso schnell wieder. Der Wind trug einen faden, s��lichen Dunst heran. Sie machten halt. Ein Guss Sonnenkringel �bersch�ttete sie, dann verst�rkte sich die Dunkelheit. Hoch oben rauschte in dumpfen Atemwogen das Gew�lbe der B�ume.</p><p>�Da muss etwas sein�, fl�sterte der Ingenieur. Sie h�tten jetzt den anderen Rand der Schlucht erreichen k�nnen, die B�schung war flach und niedrig, aber sie hielten sich dicht beieinander und schritten, leicht vorgebeugt, weiter auf die Wand der B�sche zu, durch die hin und wieder, wenn der Wind darin einen Spalt aufri�, eine l�ngliche, dunkle Masse schimmerte. Der Boden wurde sumpfig. Er schmatzte unter den F��en. Sie achteten nicht darauf. Als sie die mit traubenf�rmigen Verdickungen behangenen Zweige auseinanderschoben, erblickten sie eine sonnen�berflutete Lichtung. Die B�ume wichen links und rechts zur�ck und traten erst weiter vorn wieder zusammen, nur durch einen schmalen Einschnitt getrennt, aus dem eine Furche auf die Lichtung f�hrte. Sie endete an einem rechteckigen Graben, der von einem Lehmwall umgeben war. Wie angewurzelt blieben sie in dem Randdickicht stehen. Raschelnd streiften die sich sacht schlangelnden Stiele ihre Kombinationen, ber�hrten mit den traubenf�rmigen Sch��lingen tr�ge ihre Schuhe und schienen nur ungern zur�ckzuweichen. Die M�nner standen da und schauten sich um. Der w�chserne Wall am Rand des Grabens kam ihnen im ersten Augenblick wie ein gleichm��ig angeschwollener Quader vor.</p><p>Ein f�rchterlicher Gestank verschlug ihnen den Atem. Nur mit M�he konnten sie einzelne Gestalten erkennen. Manche lagen mit dem Buckel nach oben, andere auf der Seite. Zwischen den zusammengedr�ckten Brustmuskeln ragten, eingekeilt zwischen andere, k�mmerliche blasse Torsos mit abgekehrten Gesichtchen heraus. Die gro�en R�mpfe, zerdr�ckt, gepre�t, vermengt mit mageren H�ndchen und knotigen Fingerchen, waren von gelben Rinnsalen �berzogen. Die H�nde des Doktors krallten sich schmerzhaft in die Arme der M�nner, die neben ihm standen. Seite an Seite r�ckten sie langsam vor. Ihre Augen starrten auf die Masse, die den Graben ausf�llte. Ein tiefer Graben. Dicke Tropfen einer w��rigen Fl�ssigkeit rannen �ber die w�chsernen Buckel und �ber die Seiten, sammelten sich in den eingefallenen, augenlosen Gesichtern. Man glaubte fast den Laut zu h�ren, mit dem die Tropfen zerplatzten.</p><p>Ein rasch n�herkommendes Pfeifen lie� sie zusammenzucken. Im Nu warfen sie sich in die B�sche und st�rzten zu Boden. Ihre H�nde griffen von selbst nach den Kolben der Elektrowerfer. Die Zweige schwankten noch vor ihnen, als eine senkrecht rotierende Scheibe zwischen den B�umen auf der anderen Seite schwach aufleuchtete und auf die Lichtung rollte. Ein Dutzend Schritt vor dem Graben verlangsamte sie die Fahrt, ihr Pfeifen aber verst�rkte sich. Die mit rasender Geschwindigkeit zerschnittene Luft sang. Die Scheibe umkreiste den Graben, n�herte sich ihm, und pl�tzlich wirbelte der Lehm hoch. Eine rostbraune Wolke h�llte das glei�ende Gef�hrt fast bis zur H�lfte ein. Unz�hlige Kl�mpchen hagelten auf die B�sche und auf die M�nner herab, die sich an den Boden pressten. Ein gr��licher dumpfer Laut war zu h�ren, wie wenn ein gewaltiger Sporn nasses Leinen zerrei�t. Die wirbelnde Scheibe war bereits am anderen Ende der Lichtung, nahte von neuem, blieb einenAugenblick stehen. Ihr zitterndes Lot richtete sich wie absichtlich mal nach rechts, mal nach links.</p><p>Pl�tzlich beschleunigte die Scheibe die Fahrt wieder, die andere Seite des Grabens bedeckte sich mit einer Wolke von ger�uschvoll aufgesch�ttetem Lehm. Die Scheibe summte, zitterte und schien sich aufzubl�hen. Sie erkannten Spiegelkuppeln zu beiden Seiten. Verkleinerte B�ume und B�sche spiegelten sich darin. Innen bewegte sich etwas, ein b�rengleicher Schatten. Der scharf vibrierende Laut wurde mit einemmal schw�cher, und die Scheibe huschte in derselben Furche, in der sie gekommen war, davon. Auf der Lichtung erhob sich nun ein Wall aus frischem Lehm. Eine nahezu metertiefe Furche f�hrte um ihn herum. Der Doktor schaute die anderen an. Sie standen langsam auf und sch�ttelten mechanisch die Pflanzenreste und die Spinnenf�den von ihren Kombinationen. Dann gingen sie wie auf Verabredung den Weg, den sie gekommen waren, zur�ck. Sie hatten die Schlucht bereits weit hinter sich gelassen, auch die B�ume und die Reihen der M�ste, sie waren schon fast auf halber H�he des H�gels mit der flimmernden Spiegelkuppel, als der Ingenieur das Schweigen brach: �Ob das vielleicht doch nur Tiere sind?� </p><p>�Und was sind wir?� fragte der Doktor im gleichen Ton, wie ein Echo.</p><p>�Nein, ich denke�� </p><p>�Konntet ihr erkennen, wer in der wirbelnden Scheibe gesessen hat?� </p><p>�Ich habe da �berhaupt keinen gesehen�, sagte der Physiker. �Ich ja. Nat�rlich. Mittendrin, wie in einer Gondel. Die Oberfl�che ist poliert, l�sst aber etwas Licht durch. Hast du's gesehen?� fragte der Koordinator den Doktor.</p><p>�Gesehen habe ich's, aber ich bin mir nicht sicher, das hei�t.�� </p><p>�Das hei�t, du ziehst es vor, keine Gewi�heit zu haben!� </p><p>�Ja.�</p><p>Sie marschierten weiter. Schweigend �berquerten sie die Kette der h�chsten H�gel. Auf der anderen Seite, am Bach, warfen sie sich beim Anblick einer aus der n�chsten Schonung heranbrausenden gl�nzenden Scheibe abermals zu Boden.</p><p>�Die Kombinationen haben eine g�nstige Farbe�, sagte der Chemiker, als sie aufstanden und weitergingen.</p><p>�Trotzdem ist es seltsam, dass sie uns bisher nicht bemerkt haben�, meinte der Ingenieur. Der Koordinator, der bis dahin geschwiegen hatte, hielt pl�tzlich an. �Die untere Ra-Leitung ist doch nicht besch�digt, nicht wahr, Henrik?� </p><p>�Sie ist ganz. Woran denkst du?�</p><p>�Die Atoms�ule hat eine Reserve. Man k�nnte etwas L�sung ablassen.� </p><p>�Sogar zwanzig Liter.� �ber das Gesicht des Ingenieurs lief ein b�ses L�cheln. �Versteh ich nicht�, warf der Doktor ein.</p><p>�Sie wollen die angereicherte Uranl�sung ablassen, um damit den Werfer zu laden�, erkl�rte der Physiker. �Uran?� Der Doktor erbla�te. �Ihr denkt doch nicht etwa�� </p><p>�Wir denken gar nichts�, schnitt ihm der Koordinator das Wort ab. �Seit dem Augenblick, wo ich das gesehen habe, denke ich �berhaupt nichts mehr. Denken werden wir nachher. Jetzt.�� </p><p>�Achtung!� schrie der Chemiker. Alle warfen sich hin. Eine flimmernde Scheibe sauste an ihnen vor�ber und wurde immer kleiner. Auf einmal verlangsamte sie die Fahrt, beschrieb einen gro�en Bogen und nahte sich von neuem. F�nf L�ufe hoben sich vom Erdboden, klein wie Kinderpistolen im Vergleich zu dem Ungeheuer, das den halben Himmel mit seinem Schimmern verdeckte. Pl�tzlich hielt sie inne, das Klirren wurde erst st�rker, dann schw�cher. Aus der Scheibe schob sich ein Vieleck hervor, eine durchbrochene Konstruktion, neigte sich zur Seite, als wollte sie umfallen, wurde jedoch von zwei schr�g herausschie�enden Armen abgefangen und gest�tzt. Aus der Gondel in der Mitte, die mittlerweile ihren Spiegelglanz verloren hatte, kroch ein kleines, zottiges Wesen. Es bewegte blitzschnell die mit einer faltigen Haut bedeckten Beine, rutschte die schr�ge St�tze hinunter, sprang auf die Erde und kroch, gleichsam auf dem Bauch, stracks auf die M�nner zu.Fast gleichzeitig �ffnete sich die Gondel nach allen Seiten, wie ein Bl�tenkelch, und ein gro�er, gl�nzender Rumpf schwamm an einem Gegenstand herunter, der zun�chst oval und dick war, sich dann rasch verd�nnte und verschwand.</p><p>Unten richtete sich das gro�e Gesch�pf langsam zu voller Gr��e auf. Da erkannten sie es, obwohl es eigenartig ver�ndert war, mit einer silbergl�nzenden Substanz bedeckt, die es spiralenf�rmig von unten bis oben einh�llte: Oben, in einer schwarz eingerahmten H�hlung, zeigte sich ein kleines, flaches Gesicht. Das zottige Tier, das als erstes aus der Scheibe herausgesprungen war, kroch rasch und gewandt auf sie zu, ohne sich vom Boden zu l�sen. Erst da entdeckten sie, dass es etwas hinter sich her zog, was einem sehr gro�en, spatenf�rmigen Schwanz �hnelte. �Ich schie�e�, sagte der Ingenieur leise und presste die Wange an den Kolben. �Nein!� schrie der Doktor.</p><p>�Warte noch!�, wollte der Koordinator sagen, doch der Ingenieur feuerte bereits eine Serie ab. Er hatte auf das kriechende Etwas gezielt und es verfehlt. Die Flugbahn der elektrischen Ladung war nicht zu sehen, sie vernahmen nur ein schwaches Zischen. Der Ingenieur lie� den Hahn los, ohne den Finger vom Abzug zu nehmen. Das silbrig gl�nzende Gesch�pf r�hrte sich nicht vom Fleck. Pl�tzlich vollf�hrte es eine Bewegung und pfiff � jedenfalls glaubten sie so etwas zu h�ren.</p><p>Das kriechende Wesen riss sich unverz�glich vom Boden los und legte in einem Sprung mindestens f�nf Meter zur�ck. Beim Abspringen rollte es sich zu einer Kugel zusammen, str�ubte sich, schwoll seltsam an, der spatenf�rmige Schwanz spreizte sich. Auf seiner hohlen, muschelf�rmigen Oberfl�che blitzte etwas schwach auf und schwamm, wie vom Wind getragen, auf sie zu. �Feuer!!� schrie der Koordinator.</p><p>Eine Kugel, kaum gr��er als eine Nu�, schwebte in der Luft, schwankte von einer Seite zur anderen, kam aber immer n�her. Schon h�rten sie ihr Zischen, wie bei einem Tropfen Wasser, der auf einem gl�henden Blech tanzt. Sie sch�ssen alle auf einmal. Das mehrfach getroffene kleine Tier schlug hin und kr�mmte sich, sein f�cherartiger Schwanz bedeckte es v�llig, gleichzeitig wurde die flammende Nu� vom Wind abgetrieben, als habe sie pl�tzlich ihre Lenkbarkeit eingeb��t, und flog in einer Entfernung von etwa einem Dutzend Schritt an ihnen vorbei, sie verloren sie aus den Augen.</p><p>Der silberne Riese reckte sich, ein d�nner Gegenstand tauchte �ber ihm auf, und er begann daran in die offene Gondel zu steigen. Sie h�rten alle das Krachen, mit dem er von den Sch�ssen getroffen wurde. Er kr�mmte sich und st�rzte dumpf zu Boden. Sie sprangen auf und liefen zu ihm hin.</p><p>�Achtung!� schrie der Chemiker.</p><p>Am Wald waren zwei gl�nzende Scheiben aufgetaucht und rasten auf die H�gelkette zu. Die M�nner pressten sich in eine Bodenvertiefung und waren auf alles gefa�t. Aber seltsamerweise sausten beide Scheiben, ohne ihre Fahrt zu verlangsamen, vorbei und verschwanden hinter den Buckeln der H�gel.</p><p>Sekunden sp�ter gab es einen dumpfen Knall. Sie drehten sich um. Der Knall kam aus der Schonung der atmenden B�ume. In der N�he st�rzte, zur H�lfte gespalten, ein Baum um. Rauchwolken wirbelten auf. �Schnell, schnell!� rief der Koordinator und lief zu dem zottigen Tierchen, dessen Pf�tchen unter dem fleischigen nackten Schwanz hervorragten, zielte mit dem Rohr darauf und lie� es in einem Dauerfeuer von einem Dutzend Sekunden zu Asche verbrennen. Der Ingenieur und der Physiker traten zu dem silbrig schimmernden Klumpen unter dem durchsichtigen Vieleck. Der Ingenieur ber�hrte den Buckel, der herausgeschoben war und so aussah, als nehme er allm�hlich an Gr��e zu.</p><p>�So k�nnen wir ihn nicht zur�cklassen!� rief der Koordinator, der dazukam; er war sehr bla�. �Solch eine Masse kannst du nicht ein�schern�, murmelte der Ingenieur.</p><p>�Wir werden ja sehen!� stie� der Koordinator durch die Z�hne und schoss aus zwei SchrittEntfernung. Die Luft zitterte rings um den Lauf. Der silbrige Rumpf bedeckte sich sofort mit schw�rzlichen Flecken. Ru� wirbelte durch die Luft, ein schrecklicher Gestank von verbranntem Fleisch verbreitete sich, es gluckste. Der Chemiker schaute sich das eine Weile mit blassem Gesicht an, dann wandte er sich um und rannte weg. Der Kybernetiker folgte ihm. Als der Koordinator seine Waffe leergeschossen hatte, streckte er stumm die Hand nach dem Elektrowerfer des Ingenieurs aus.</p><p>Der schw�rzliche K�rper sackte zusammen, wurde flacher, Rauch stieg auf, Ru�flocken wirbelten umher, das Sieden verwandelte sich in ein Knistern, wie bei Holzscheiten, die im Feuer lodern. Der Koordinator indes dr�ckte noch immer mit dem �hnlich steif werdenden Finger auf den Hahn, bis die �berreste des K�rpers in einen formlosen Aschenhaufen zerfielen. Dann hob er den Elektrowerfer hoch, sprang mit den F��en in den Haufen und begann, ihn auseinanderzuscharren. </p><p>�Helft mir!� schrie er heiser. �Ich kann nicht�, st�hnte der Chemiker, der mit geschlossenen Augen dastand. Auf seiner Stirn perlte Schwei�. Er griff sich mit beiden H�nden an den Hals, als ob er sich erw�rgen wollte. Der Doktor presste die Z�hne zusammen, dass sie knirschten, und sprang in die hei�e Asche, dem Beispiel des Koordinators folgend. Der schrie: �Denkst du denn, mir f�llt es leicht!� Der Doktor schaute nicht auf die F��e, er trampelte und trampelte. Es muss komisch wirken, wie wir so auf einer Stelle h�pfen, dachte er. Sie trampelten die St�ckchen, die nicht ganz verbrannt waren, in den Boden, dr�ckten die Asche in den Sand und scharrten dann die Erde ringsherum mit den Kolben zusammen, bis sie die letzten Spuren verwischt hatten.</p><p>�Worin sind wir besser als sie?� fragte der Doktor, als sie keuchend und schwei�triefend eine Weile innehielten.</p><p>�Er hat uns angegriffen�, knurrte der Ingenieur und entfernte w�tend und angeekelt die Ru�spuren vom Kolben seines Elektro-werfers.</p><p>�Ihr k�nnt kommen, es ist alles vorbei!� rief der Koordinator. Die anderen traten langsam n�her.</p><p>Bei�ender Brandgestank lag in der Luft. Die moosartigen Flechten waren in weitem Umkreis verkohlt.</p><p>�Und was geschieht damit?� fragte der Kybernetiker und wies auf die durchsichtige Konstruktion, die neben ihnen vier Stockwerke hoch aufragte. �Die versuchen wir in Betrieb zu nehmen", murmelte der Koordinator. Der Ingenieur riss die Augen auf. �Glaubst du, das geht?� </p><p>�Achtung!� schrie der Doktor. Drei flimmernde Scheiben tauchten nacheinander vor dem Hintergrund der Schonung auf.</p><p>Die M�nner liefen ein paar Schritt zur�ck und warfen sich zu Boden. Die Scheiben fuhren vorbei und rollten weiter. �Kommst du mit?� Der Koordinator wies mit einer Kopfbewegung auf die sechs Meter �ber dem Erdboden h�ngende Gondel. Wortlos rannte der Ingenieur zu dem Fahrzeug, packte mit beiden H�nden den Griff an einer der beiden St�tzen und stieg hinauf. Der Koordinator folgte ihm.</p><p>Der Ingenieur, der als erster die Gondel erreichte, bewegte einen Hebel. Man h�rte Metall gegen Metall schlagen. Gleich darauf schwang er sich hoch und verschwand im Innern. Er hielt dem Koordinator die Hand hin und half ihm herein. L�ngere Zeit geschah nichts, dann schl�ssen sich langsam die f�nf gespreizten Fl�chen der Gondel ohne das leiseste Ger�usch. Die M�nner unten zuckten unwillk�rlich zusammen und traten zur�ck.</p><p>�Was war das f�r eine Feuerkugel?� fragte der Doktor den Physiker. Beide blickten hinauf. In der Gondel bewegten sich wie im Nebel verschwommene Schatten, gleichsam zu H�lften zusammengelegt.</p><p>�Sah wie ein kleiner Kugelblitz aus�, sagte der Physiker. �Aber das Tier hat sie doch ausgesto�en!�</p><p>�Stimmt, ich habe es auch gesehen. Vielleicht gibt es hier elektrische � Pa� auf!� Das durchsichtige Vieleck erbebte pl�tzlich, klirrte und drehte sich gleichzeitig um seine senkrechte Achse. Fast w�re esumgest�rzt, weil die Beine, die es von der Seite st�tzten, hilflos auseinanderglitten. Im letzten Augenblick, als sich das Fahrzeug schon bedrohlich neigte, klirrte wieder etwas, diesmal mit einem hohen Ton. Die ganze Konstruktion verschwamm in einem flimmernden Wirbel, und ein schwacher Lufthauch wehte den Zuschauenden ins Gesicht. Die Scheibe drehte sich mal schneller, mal langsamer, r�hrte sich aber nicht vom Fleck. Sie br�llte wie der Motor eines gro�en Flugzeugs. Die Kombinationen der M�nner, die in der N�he standen, flatterten in dem ungleichm��igen Luftzug. Die M�nner wichen noch ein St�ck zur�ck. Das eine St�tzbein hob sich, dann das andere, sie verschwanden in dem gl�nzenden Wirbel. Auf einmal jagte die gro�e Scheibe wie katapuliert die Furche entlang, sprang heraus, bremste pl�tzlich, w�hlte und schleuderte die Erde unter entsetzlichem Gebr�ll hoch, obwohl sie sich nur langsam fortbewegte. Kaum war sie wieder in der Furche, raste sie mit atemberaubender Geschwindigkeit davon und war in wenigen Sekunden zu einem zitternden Lichtchen auf dem Hang am Wald zusammengeschrumpft.</p><p>Bei der R�ckkehr geriet sie abermals aus der Furche, kroch langsam, wie mit gro�er M�he, weiter und wirbelte Sand und Erde hoch.</p><p>Es klirrte, die Konstruktion tauchte aus dem gl�nzenden Sturmwind auf, die Gondel �ffnete sich, der Koordinator beugte sich vor und rief: �Kommt herauf!� </p><p>�Was?� Der Chemiker war verbl�fft, aber der Doktor hatte begriffen. �Wir fahren damit.�</p><p>�Haben denn alle Platz?� fragte der Kybernetiker und hielt sich an der Metallst�tze fest. Der Doktor kletterte bereits hinauf. �Irgendwie werden schon alle Platz finden, kommt nur!� Ein paar Scheiben huschten an der Schonung vorbei, aber sie schienen sie nicht zu beachten. Es war sehr eng in der Gondel, vier h�tten noch stehen k�nnen, aber sechs lie�en sich da nicht unterbringen. Zwei von ihnen mussten sich flach auf den Boden legen. Der bittere Geruch, den sie bereits kannten, juckte unangenehm in der Nase. Auf einmal wurden sich alle dessen bewu�t, was vorgefallen war, ihre Munterkeit war wie weggeweht. Der Doktor und der Physiker legten sich hin. Unter sich hatten sie l�ngliche Platten, die wie bei einem Boot zusammengef�gt waren, �ber ihren K�pfen t�nte durchdringendes Klirren, und sie sp�rten, dass das Fahrzeug losfuhr. Sehen konnten sie in ihrer Lage nichts' Fast zur gleichen Zeit wurden die Platten unter ihnen g�nzlich durchsichtig, und sie konnten aus der H�he von zwei Stockwerken die Ebene sehen, als fl�gen sie in einem Ballon dar�ber hinweg.</p><p>Ringsum war L�rm. Der Koordinator verst�ndigte sich fieberhaft mit dem Ingenieur. Beide mussten eine unnat�rliche, sehr qualvolle Haltung an der flossenartigen Erhebung vorn in der Gondel einnehmen, um die Scheibe zu steuern. Alle paar Minuten l�sten sie sich ab. Und das bei diesem Gedr�nge. Der Chemiker und der Kybernetiker mussten sich dann beinahe auf die unten Liegenden legen. �Wie funktioniert denn das?� fragte der Chemiker den Ingenieur, der beide H�nde in die tiefen �ffnungen des flossenartigen Vorsprungs gesteckt hatte und das Fahrzeug in der Geraden hielt. Sie fuhren schnell die Furche dahin. Von der Gondel aus war die Rotation �berhaupt nicht zu sehen. Man h�tte meinen k�nnen, dass sie in der Luft schwammen.</p><p>�Ich habe keine Ahnung�, st�hnte der Ingenieur. �Ich bekomme einen Krampf, jetzt du!� Er machte dem Koordinator Platz, so gut er konnte.</p><p>Die riesige, dr�hnende Scheibe schwankte, sprang aus der Furche, bremste heftig und zog eine scharfe Kurve. Der Koordinator zw�ngte die H�nde in die �ffnungen der Steuervorrichtung. Nach einer Weile gelang es ihm, den gigantischen Brummkreisel aus der Kurve in die Furche zur�ckzuf�hren. Sofort wurde die Fahrt wieder schneller.</p><p>�Warum f�hrt das Ding au�erhalb der Furche so langsam?� fragte der Chemiker, der sich, um dasGleichgewicht zu halten, auf den R�cken des Ingenieurs st�tzte; zwischen seinen gespreizten Beinen lag der Doktor. �Ich sage dir, ich habe nicht die geringste Ahnung.� Der Ingenieur massierte sich die Unterarme, auf denen sich blutige Abdr�cke an den Stellen zeigten, wo er die Gelenke in die Maschine gezw�ngt hatte. �Es wahrt sein Gleichgewicht nach dem Prinzip eines Giroskops, aber was das �brige betrifft, habe ich keinen blassen Schimmer.� Sie befanden sich bereits hinter der zweiten H�gelkette. Das Gel�nde mutete, von oben betrachtet, durchsichtig an. �brigens hatten sie es zum Teil schon bei ihrer Wanderung kennengelernt. �ber ihren K�pfen und unter ihnen pfiff die kaum wahrnehmbare Scheibe. Die Furche �nderte pl�tzlich die Richtung. Sie mussten sie verlassen, wenn sie zur Rakete zur�ckkehren wollten. Die Geschwindigkeit fiel sofort. Sie machten nicht einmal mehr zwanzig Kilometer in der Stunde. �Au�erhalb der Furchen sind die Dinger eigentlich hilflos. Das darf man nicht vergessen!� rief der Ingenieur, das Pfeifen und Klirren �bert�nend. �Abl�sung! Abl�sung!�</p><p>schrie der Koordinator. Das Man�ver verlief diesmal ziemlich glatt. Sie erstiegen einen steilen Hang, sehr langsam, kaum schneller als ein r�stiger Fu�g�nger. Der Ingenieur entdeckte in der Ferne die bewusste Schlucht, die zur Ebene f�hrte. Sie fuhren gerade unter die B�ume, die �ber dem lehmigen Hang standen, als den Ingenieur ein Krampf packte. �Greif zu!� schrie er und riss die H�nde aus den �ffnungen. Der Koordinator st�rzte hinzu, doch da neigte sich die riesige Scheibe bereits zur Seite und n�herte sich bedrohlich dem rostbraunen Abhang. Pl�tzlich knirschte etwas, es gab ein entsetzliches Krachen. Der pfeifende M�hlenfl�gel schlug mit seinem Rand in eine Baumkrone.</p><p>Astfetzen wirbelten durch die Luft. Die Gondel sprang hoch und kippte mit einem H�llenl�rm zur Seite. Der entwurzelte Baum fegte mit seiner Krone �ber den Himmel. Der letzte Fl�gel, der sich noch bewegte, riss ihn nach unten. Tausende bl�schenartiger Bl�tter zerplatzten zischend. �ber der zertr�mmerten Konstruktion, die sich mit ihren St�mpfen in den Hang gew�hlt hatte, stieg wie aus einem Bovist eine Wolke wei�lichen Samens auf, und alles wurde still. Die Gondel lehnte mit der eingedr�ckten Seite am Hang. �Die Besatzung?� fragte mechanisch der Koordinator und sch�ttelte den Kopf, seine Ohren schienen mit Watte vollgestopft zu sein. Verwundert betrachtete er die Wolken wei�licher Staubk�rnchen, die ihm um die Nase flogen. �Erster�, st�hnte der Ingenieur und richtete sich vom Fu�boden auf. �Zweiter�, kam die Stimme des Physikers von unten. �Dritter.� Der Chemiker konnte kaum sprechen und hielt sich die Hand vor den Mund, Blut lief ihm �bers Kinn.</p><p>�Vierter�, sagte der Kybernetiker. Ihn hatte es nach hinten geworfen. Passiert war ihm nichts.</p><p>�F�nf-ter��, st�hnte der Doktor. Er lag auf dem Boden der Gondel, unter den anderen begraben.</p><p>Pl�tzlich brachen sie in schallendes Lachen aus. Sie lagen �bereinander, von einer dicken Schicht juckender, flauschiger Samen zugedeckt, die durch den oberen Spalt der Gondel hereinrieselten. Der Ingenieur versuchte die Gondel mit wuchtigen Schl�gen zu �ffnen. Alle halfen, so gut sie konnten und soweit der Platz es ihnen erlaubte, mit Schultern, H�nden und R�cken nach. Die H�lle bebte, man h�rte ein schwaches Krachen, doch die Gondel lie� sich nicht �ffnen. �Noch einmal?� fragte der Doktor ruhig. Er lag noch immer auf dem Boden und konnte sich nicht r�hren. �Wenn ihr's wissen wollt, ich hab es jetzt satt! He, wer ist das? Sofort runter von mir, verstanden!� Gemeinsam rissen sie vorn den kammartigen Rahmen ab und begannen damit im Takt, wie mit einem Rammbock, gegen die Decke zu schlagen. Sie verbog sich, verbeulte sich, gab aber nicht nach. �Ich habe das satt�, knurrte der Doktor �rgerlich und stemmte sich langsam hoch. In diesem Augenblick krachte unten etwas, und alle purzelten wie reife Birnen durch den Boden heraus. Sie rollten �ber den f�nf Meter hohen Hang auf die Sohle der Schlucht. �Ist jemandem was passiert?� fragte der Koordinator, der mit Lehm beschmiert war und als erster auf die Beine sprang. �Nein, aber du bist ja ganz blutig! La� dich anschauen!� rief der Doktor. Der Koordinator hatte in der Tat auf dem Kopf einen tiefen Hautri�. Die Wunde reichte bis zur Mitte der Stirn. Der Doktor verband ihn, so gut er konnte. Die anderen hatten nur blaue Flecken davongetragen. Der Chemiker spuckte Blut � er hatte sich auf die Lippe gebissen.</p><p>Sie setzen sich in Richtung der Rakete in Marsch. Nach dem zertr�mmerten Fahrzeug blickten sie sich nicht einmal mehr.</p></section><section><title><p>F�nftes Kapitel</p></title><p>Als sie zu dem kleinen H�gel gelangten, ber�hrte die Sonne den Horizont. Die Rakete warf einen langen Schatten, der verlor sich weit im Sand der Ebene. Bevor sie hineingingen, untersuchten sie gewissenhaft die Umgebung, fanden aber keine Spuren, die erkennen lie�en, dass jemand in ihrer Abwesenheit dagewesen war. Die Atoms�ule arbeitete ohne St�rungen. Der Halbautomat hatte inzwischen die Seiteng�nge und die Bibliothek ges�ubert, war dann aber im Labor rettungslos in einer dicken Schicht von Plastik-und Glasscherben steckengeblieben.</p><p>Nach dem Abendessen musste der Doktor dem Koordinator die Wunde n�hen, weil sie noch immer blutete. Unterdessen analysierte der Chemiker das Wasser, das sie dem Bach entnommen hatten, und stellte fest, dass es zum Trinken taugte, obwohl es stark mit Eisensalzen angereichert war, was den Geschmack beeintr�chtigte. �Wir m�ssen jetzt endlich beraten�, erkl�rte der Koordinator. Sie nahmen in der Bibliothek auf Luftkissen Platz, der Koordinator mit dem wei�bandagierten Kopf in der Mitte.</p><p>�Was wissen wir?� begann er. �Wir wissen, dass der Planet von vernunftbegabten Wesen bewohnt ist, die der Ingenieur als Dop-pelts bezeichnet. Der Name entspricht zwar nicht ganz den Tatsachen, aber das soll uns jetzt nicht k�mmern. Wir sind mit folgenden Fragmenten der Doppeltzivilisation in Ber�hrung gekommen: Mit einer automatischen Fabrik, von der wir glauben, dass sie verlassen wurde und au�er Kontrolle geriet � ich bin �brigens dessen jetzt gar nicht mehr so sicher � , zweitens mit den Spiegelkuppeln auf den H�geln, deren Bestimmung uns unbekannt ist, drittens mit Masten, die etwas auszustrahlen scheinen, h�chst- wahrscheinlich eine Art Energie, viertens mit diesen Vehikeln, wobei wir eines nach einem Angriff auf uns eroberten. Wir meisterten es und erlitten dann Schiffbruch. F�nftens, wir sahen von fern ihre Stadt, �ber die wir nichts Genaues sagen k�nnen. Sechstens, der Angriff, den ich erw�hnt habe, hat sich folgenderma�en abgespielt: Der Doppelt hetzte offenbar ein Tier auf uns, das wahrscheinlich darauf abgerichtet war. Dieses Tier strahlte eine Art Kugelblitz aus und steuerte ihn so lange, bis wir es t�teten. Siebentens und letztens waren wir Zeugen, wie ein Graben zugesch�ttet wurde � ein Grab, das voll von toten Einwohnern des Planeten war. Das ist alles. Berichtigt mich bitte oder vervollst�ndigt meine Angaben, falls ich etwas ausgelassen oder mich geirrt haben sollte.� </p><p>�Im Grunde w�re das alles, beinahe alles��, sagte der Doktor. �Abgesehen davon, was vorgestern auf dem Raumschiff geschah�� </p><p>�Stimmt. Du hattest �brigens recht, dieses Gesch�pf war nackt.</p><p>Vielleicht versuchte es, sich irgendwo zu verstecken, und kroch in seiner Panik in die erste beste �ffnung. Das war ausgerechnet der Tunnel, der in unsere Rakete f�hrt.�</p><p>�Diese Hypothese ist ebenso verlockend wie riskant�, erwiderte der Doktor. �Wir sind Menschen, wir assoziieren und �berlegen auf irdische Weise und k�nnen deshalb schwere Fehler begehen, wenn wir fremden Schein f�r unsere Wahrheit gelten lassen, das hei�t, wenn wir gewisse Fakten in Schemata pressen, die wir von der Erde mitgebracht haben. Ich bin mir v�llig sicher, dass wir heute fr�h alle dasselbe gedacht haben, n�mlich, dass wir auf ein Grab mit Opfern von Gewaltt�tigkeit gesto�en seien, ein Grab mit ermordeten Opfern, aber in Wirklichkeit wei� ich nicht, wissen wir nicht��</p><p>�Du wiederholst das, obwohl du selbst nicht daran glaubst�, begann der Ingenieur erregt. �Es geht nicht um das, was ich glaube�, unterbrach ihn der Doktor. �Wenn Glauben irgendwo besonders fehl am Platze ist, dann hier auf Eden. Nehmen wir zum Beispiel die Hypothese vom �Hetzen� des elektrischen Hundes��</p><p>�Wieso?� </p><p>�Du nennst das Hypothese? Das war doch eine Tatsache�, riefen Chemiker und Ingenieurfast gleichzeitig.</p><p>�Ihr irrt euch. Warum griff er uns an? Dar�ber wissen wir nichts. M�glich, dass wir ihn mit unserem Aussehen an hiesige K�chenschaben oder an Hasen erinnerten� Und ihr habt, Verzeihung, wir haben dieses aggressive Verhalten mit dem in Zusammenhang gebracht, was wir zuvor gesehen hatten und was einen ersch�tternden Eindruck auf uns gemacht hatte, so dass wir die F�higkeit, ruhig zu denken, einb��ten.� </p><p>�Aber h�tten wir sie uns bewahrt und nicht sofort geschossen, wehte jetzt unsere Asche dort am W�ldchen, oder etwa nicht?� versetzte der Ingenieur �rgerlich. Der Koordinator schwieg. Seine Blicke wanderten von einem zum anderen. �Wir taten, was wir tun mussten, aber es ist durchaus m�glich, dass ein Mi�verst�ndnis vorlag � auf beiden Seiten� Glaubt ihr, dass jetzt schon alle Steinchen des Puzzlespiels geordnet sind? Und die Fabrik, die angeblich vor mehreren hundert Jahren verlassen wurde und au�er Kontrolle geriet? Was ist damit? Wohin pa�t dieses Steinchen?�</p><p>Sie schwiegen eine Weile. �Ich bin der Meinung, dass viel Wahres an dem ist, was der Doktor sagt�, begann der Koordinator von neuem. �Wir wissen noch zu wenig. Die Situation ist insofern g�nstig, als dass sie, wie wir annehmen k�nnen, noch nichts von uns wissen. Wie ich glaube, haupts�chlich deshalb, weil keiner ihrer Wege, keine Furche in die N�he dieses Ortes hier f�hrt. Aber wir k�nnen kaum damit rechnen, dass das lange so bleibt. Ich m�chte euch bitten, unsere Lage einmal von diesem Gesichtspunkt aus zu betrachten und eure Vorschl�ge dazu zu �u�ern.� </p><p>�Augenblicklich sind wir in unserem Wrack eigentlich wehrlos. Man braucht ja nur den Tunnel richtig zuzuspunden, und wir ersticken wie die M�use. Deshalb ist gr��te Eile geboten, gerade mit R�cksicht darauf, dass wir jeden Moment entdeckt werden k�nnen. Und obwohl meine Hypothese von der Aggressivit�t der Doppelts angeblich nur meine irdische Einbildung ist�, sagte der Ingenieur leidenschaftlich, �schlage ich, da ich nicht anders denken kann, trotzdem vor, eigentlich fordere ich es, dass wir unverz�glich alle Vorrichtungen reparieren und die Aggregate in Betrieb nehmen.�</p><p>�Wieviel Zeit, sch�tzt du, werden wir daf�r brauchen?� fragte der Doktor. Der Ingenieur z�gerte mit der Antwort. �Da siehst du��, versetzte der Doktor gelangweilt. �Warum sollen wir uns Illusionen machen? Sie entdecken uns, bevor wir fertig sind. Denn eines will ich euch sagen, wenn ich auch kein Fachmann bin, es werden lange Wochen vergehen, ehe�� </p><p>�Das stimmt leider�, warf der Koordinator ein. �Au�erdem werden wir unseren Wasservorrat erg�nzen m�ssen, ganz zu schweigen von dem �rger, den wir mit dem verseuchten Wasser haben werden, das die untere Etage �berflutet hat. Ebenso ist nicht bekannt, ob wir selbst alles tun k�nnen, was n�tig ist, um die Sch�den zu beheben.� </p><p>�Zweifellos wird ein weiterer Ausflug erforderlich sein�, r�umte der Ingenieur ein. �Sogar noch mehr Ausfl�ge, aber die k�nnen nachts unternommen werden. Au�erdem sollte ein Teil von uns, sagen wir die H�lfte oder zwei Mann, st�ndig bei der Rakete bleiben. Aber warum reden nur immer wir?� Er wandte sich unvermittelt an die drei anderen, die dem Streit stumm zugeh�rt hatten.</p><p>�Eigentlich m�ssten wir so intensiv wie nur m�glich in der Rakete arbeiten und zugleich die hiesige Zivilisation erforschen�, sagte der Physiker bed�chtig. �Diese Aufgaben kollidieren erheblich miteinander. Die Anzahl der Unbekannten ist so gro�, dass selbst eine strategische Rechnung nicht viel helfen w�rde. Eines unterliegt keinem Zweifel � ein Risiko, das an eine Katastrophe grenzt, werden wir trotz der erw�hlten Verfahrensweise nicht vermeiden k�nnen.�</p><p>�Ich sehe schon, worauf das hinausl�uft.� Die tiefe Stimme des Doktors klang m�de. �Ihr wollt euch selbst davon �berzeugen, dass wir weitere Ausfl�ge unternehmen m�ssen, weil wir m�chtige, das hei�t atomare Schl�ge zu versetzen verm�gen. Selbstverst�ndlich zur eigenen Verteidigung. Und da das damit enden wird, dass wir den ganzen Planeten gegen uns haben, versp�re ich nicht die geringste Lust, mich an einem solchen Pyrrhusunternehmen zu beteiligen. Es bleibt selbst dann ein Pyrrhusunternehmen, wenn die hier keine Atomenergie kennen, was im �brigen noch gar nichtfeststeht. Welche Art von Motor trieb denn das Rad an?� </p><p>�Das wei� ich nicht�, erwiderte der Ingenieur. �Jedenfalls kein atomarer. Dessen bin ich mir so gut wie sicher.� </p><p>�Dieses �so gut wie� kann uns alles kosten.� Der Doktor lehnte sich zur�ck, schloss die Augen und legte den Kopf an den Rand des schr�g h�ngenden Bibliothekschranks, womit er zu verstehen gab, dass er an der Diskussion nicht weiter teilzunehmen gedenke. �Eine Quadratur des Kreises�, murmelte der Kybernetiker. �Und wenn wir versuchten� uns mit ihnen zu verst�ndigen?� schlug der Chemiker z�gernd vor. Der Doktor setzte sich auf. �Ich danke dir. Ich hatte schon bef�rchtet, dass niemand es sagen w�rde!�</p><p>�Sich mit ihnen verst�ndigen wollen bedeutet doch sich ihnen ausliefern!� schrie der Kybernetiker und sprang auf. �Wieso?� fragte der Doktor k�hl. �Wir haben doch Waffen, sogar Atomwerfer. Aber wir werden uns nicht nachts an ihre St�dte oder an ihre Fabriken heranschleichen.� </p><p>�Schon gut. Wie stellst du dir also einen solchen Verst�ndigungsversuch vor?�</p><p>�Ja, bitte, sag es�, verlangte der Koordinator. �Ich r�ume ein, dass wir ihn in diesem Augenblick nicht versuchen sollten�, erwiderte der Doktor. �Je mehr Ger�te wir in der Rakete reparieren, um so besser.</p><p>Wir sollten uns bewaffnen, wenn auch nicht unbedingt mit Atomwerfern� Ein Teil von uns bleibt bei der Rakete, der andere Teil, sagen wir drei Mann, geht in die Stadt. Zwei halten sich zur�ck, um den dritten im Auge zu behalten, der versuchen wird, sich mit den Einwohnern zu verst�ndigen.� </p><p>�Du wei�t alles sehr genau. Du wei�t nat�rlich auch, wer derjenige sein wird, der in die Stadt geht�, sagte der Ingenieur in einem Ton, der nichts Gutes verhie�.</p><p>�Ja. Ich wei� es.� </p><p>�Und ich werde dir nicht erlauben, Selbstmord vor meinen Augen zu begehen!�</p><p>schrie der Ingenieur, sprang auf und trat an den Doktor heran, der nicht einmal aufsah. Der Ingenieur zitterte am ganzen Leib. So erregt hatten sie ihn noch nie gesehen. �Wenn wir diese Katastrophe alle �berlebt haben, wenn es uns gelungen ist, uns aus diesem Grab, in das sich die Rakete verwandelte, zu befreien, wenn wir heil herausgekommen sind und das unberechenbare Risiko leichtsinniger Eskapaden auf uns genommen haben, als ob der Planet, ein fremder Planet, ein Gel�nde f�r Spazierg�nge w�re, so nicht deshalb, damit durch irgendwelche verdammten Hirngespinste, durch Phantastereien�� Der �rger w�rgte ihn in der Kehle. �Ich wei�, worauf es dir ankommt�, schrie er, die F�uste ballend. �Die Sendung des Menschen! Der Mensch in den Sternen! Du bist ein Narr mit deinen Ideen, verstehst du! Niemand wollte uns heute t�ten! Kein Massengrab wurde zugesch�ttet!</p><p>Wie? Nicht wahr?� Er beugte sich �ber den Doktor. Der schaute ihn an, und' der Ingenieur verstummte.</p><p>�Man wollte uns t�ten. Und es ist durchaus m�glich, dass das ein Grab von Ermordeten war�, sagte der Doktor. Alle sahen, wie er sich zur Ruhe zwang. �Aber in die Stadt m�ssen wir gehen.� </p><p>�Nach alldem, was wir getan haben?� fragte der Koordinator. Der Doktor zuckte mit den Schultern. �Ja, wir haben eine Leiche verbrannt� zugegeben. Tut, was ihr f�r richtig haltet. Fasst einen Entschlu�. Ich werde mich f�gen.� Er stand auf, schob sich durch die waagerecht ge�ffnete T�r und schloss sie hinter sich. Sie starrten ihm eine Weile nach, als warteten sie darauf, dass er sich besinne und zur�ckkehre. �Du hast dich unn�tig so ereifert�, sagte der Koordinator leise zum Ingenieur.</p><p>�Du wei�t sehr gut�, begann der Ingenieur, gab aber nach einem Blick in seine Augen zu: �Stimmt.</p><p>Es war nicht n�tig.� </p><p>�In einem hat der Doktor recht.� Der Koordinator zog den Verband hoch, der heruntergerutscht war. �Was wir im Norden entdeckt haben, ist nicht mit dem zu vereinbaren, was wir im Osten sahen. Grob gesch�tzt, befindet sich die Stadt so weit von uns entfernt wie die Fabrik � kaum mehr als drei�ig bis f�nfund-drei�ig Kilometer Luftlinie.� </p><p>�Mehr�, sagte der Physiker.</p><p>�M�glich. Aber ich bin der Ansicht, dass im S�den oder im Westen in gleicher Entfernung Elementeder Zivilisation zu finden sind. Daraus ginge n�mlich hervor, dass wir in der Mitte einer �rtlichen �Zivilisationsw�ste�, einer �Zivilisationsleere� von sechzig Kilometer Durchmesser niedergegangen sind. Das w�re ein zu sonderbarer Zufall. Seid ihr der gleichen Meinung?� </p><p>�Ich ja�, sagte der Ingenieur, ohne jemanden anzusehen. �Ich auch.� Der Chemiker nickte und f�gte hinzu: �Wir h�tten von Anfang an diese Sprache sprechen sollen.� </p><p>�Ich teile die Zweifel des Doktors�, fuhr der Koordinator fort, �aber ich halte seinen Vorschlag f�r naiv und in unserer Lage f�r unangebracht. Er wird der Situation nicht gerecht. Die Regeln bei der Kontaktaufnahme mit fremden Wesen sind uns allen bekannt. Sie sehen leider keine solche Situation vor wie die, in der wir uns befinden � als nahezu wehrlose Schiffbr�chige und als Bewohner eines im Sande steckenden Wracks. Selbstverst�ndlich m�ssen wir die Sch�den an der Rakete beheben. Gleichzeitig findet aber auch ein Wettlauf im Sammeln von Informationen zwischen uns und ihnen statt. Vorerst f�hren wir. Den, der uns angegriffen hat, haben wir vernichtet. Warum er uns angegriffen hat, wissen wir nicht. Vielleicht erinnern wir sie wirklich an gewisse Feinde, das muss ebenfalls nach M�glichkeit festgestellt werden.</p><p>Da in n�chster Zukunft nicht mit der Inbetriebnahme des Raumschiffes zu rechnen ist, m�ssen wir gegen alles gewappnet sein. Wenn die uns umgebende Zivilisation auf einer beachtlichen H�he steht, und ich glaube, dass das der Fall ist, dann wird das, was ich, was wir getan haben, im besten Falle nur den Zeitpunkt verz�gern, wo man uns findet. Unsere gr��ten Anstrengungen m�ssen wir jetzt auf unsere Bewaffnung richten.�</p><p>�Darf ich dazu etwas sagen?� meldete sich der Physiker. �Bitte.�</p><p>�Ich m�chte auf den Gesichtspunkt des Doktors zur�ckkommen. Er ist, so m�chte ich das bezeichnen, vor allen Dingen emotional, es stehen jedoch auch andere Argumente dahinter. Ihr alle kennt den Doktor recht gut. Ich wei�, dass er von dem, was ich zur Verteidigung seines Vorschlages vorbringen kann, nicht gerade begeistert w�re, aber ich will es sagen. Es ist n�mlich durchaus nicht gleichg�ltig, in welcher Situation der erste Kontakt zwischen uns und ihnen stattfindet. Wenn sie zu uns kommen, folgen sie unseren Spuren. Dann wird es schwerfallen, an eine Verst�ndigung zu denken. Zweifellos haben wir dann mit einem Angriff zu rechnen und werden gezwungen sein, um unser Leben zu k�mpfen. Wenn aber wir ihnen entgegentreten, ist eine Verst�ndigungschance, obwohl gering, so doch vorhanden. Vom taktischen Standpunkt aus ist es also besser, die Initiative und die Handlungsfreiheit zu behalten, ganz unabh�ngig davon, welche moralischen Ansichten man dar�ber haben mag��</p><p>�Nun gut, aber wie soll das in der Praxis aussehen?� hielt ihm der Ingenieur entgegen. �In der Praxis wird sich vorl�ufig nichts �ndern. Wir m�ssen Waffen haben, und das auf schnellstem Wege. Es geht darum, dass wir, mit Waffen ger�stet, versuchen, Kontakt aufzunehmen, jedoch nicht auf dem bereits erforschten Gebiet.� </p><p>�Warum?� fragte der Koordinator. �Weil wir dann h�chstwahrscheinlich in einen Kampf verwickelt werden, bevor wir in die Stadt gelangen. Man kann sich nicht mit den Wesen verst�ndigen, die in den Scheiben dahinsausen. Das w�ren die schwierigsten Umst�nde, die man sich denken kann.� </p><p>�Wie willst du wissen, dass wir woanders auf bessere sto�en?� </p><p>�Ich wei� es nicht, aber ich wei�, dass wir im Norden und Osten erst gar nichts zu suchen brauchen. Wenigstens vorl�ufig nicht.� </p><p>�Das k�nnen wir uns �berlegen�, sagte der Koordinator. �Was weiter?�</p><p>�Wir m�ssen den Besch�tzer in Betrieb nehmen�, schlug der Chemiker vor. �In welcher Zeit lie�e sich das bewerkstelligen?� Der Koordinator sah den Ingenieur an. �Das kann ich nicht sagen. Ohne die Automaten kommen wir nicht einmal bis zum Besch�tzer durch. Er wiegt vierzehn Tonnen. Der Kybernetiker sollte sich dazu �u�ern.�</p><p>�Ich brauche zwei Tage, um ihn zu �berpr�fen. Wenigstens zwei.� Der Kybernetiker betonte die letzten Worte. �Zuerst m�ssen aber meine Automaten in Ordnung sein.� </p><p>�In dieser Zeit willst du s�mtliche Automaten repariert haben?� Das Gesicht des Koordinators dr�ckte Zweifel aus. �Ach wo!Zwei Tage kostet mich allein der Besch�tzer, wenn ich einen Automaten in Ordnung habe. Den zu Reparaturzwecken. Und ich brauche noch einen, den Lastautomaten. Um den zu �berpr�fen, ben�tige ich weitere zwei Tage. Dabei wei� ich nicht, ob sie sich �berhaupt instand setzen lassen.�</p><p>�Kann man nicht das Herz aus dem Besch�tzer herausmontieren und es hinter einem provisorischen Panzer aufstellen, hier oben, im Schutz des Raketenrumpfes?� Der Koordinator sah den Physiker an.</p><p>Der sch�ttelte den Kopf. �Nein. Jeder Pol des Herzens wiegt mehr als eine Tonne. Au�erdem lassen sich die Pole nicht durch den Tunnel zw�ngen.� </p><p>�Man k�nnte den Tunnel erweitern.�</p><p>�Sie passen nicht durch den Eingang. Und die Lastklappe ist f�nf Meter �ber dem Boden, au�erdem vom Wasser aus dem geborstenen Heckbeh�lter �berflutet, das wei�t du doch.� </p><p>�Hast du den Verseuchungsgrad des Wassers untersucht?� fragte der Ingenieur.</p><p>�Ja. Strontium, Kalzium, Zer. Alle Bariumisotope, alles, was du willst. Ablassen k�nnen wir das Wasser nicht. Es w�rde den Boden im Umkreis von vierhundert Metern vergiften. Und reinigen k�nnen wir es auch nicht, solange die Antiradiatoren keine leistungsf�higen Filter haben.� </p><p>�Und ich kann die Filter nicht ohne den Mikroautomaten reinigen�, f�gte der Ingenieur hinzu.</p><p>Der Koordinator, dessen Blick w�hrend des Gespr�chs von einem zum anderen gewandert war, sagte: �Die Liste unserer Unm�glichkeiten ist ziemlich lang, aber das macht nichts. Gut, dass wir sie einmal von diesem Standpunkt aus durchgesprochen haben. Ich denke dabei an unsere Bewaffnung. So bleiben uns nur die Werfer?�</p><p>�Das sind ja keine Werfer�, entgegnete der Ingenieur mit einem Anflug von Gereiztheit. �Wir wollen uns doch nicht selbst betr�gen. Der Doktor hat ihretwegen einen L�rm geschlagen, als wollten wir einen Atomkrieg entfachen. Nat�rlich, man kann aus ihnen eine angereicherte L�sung schleudern, aber die Schu�weite betr�gt h�chstens siebenhundert Meter. Es sind Handsp�lwerfer, weiter nichts, obendrein sind sie f�r den Schie�enden gef�hrlich, wenn er keinen Panzer tr�gt. Und ein Panzer wiegt hundertdrei�ig Kilo.�</p><p>�In der Tat, wir haben nur schwere Sachen an Deck.� Der Koordinator sagte das in einem Ton, dass niemand wusste, ob es Spott war oder nicht. �Du hast diese Berechnung gemacht, nicht wahr?� Er sah den Physiker an. �Ja. Da ist noch eine Variante: Zwei Werfer, mindestens hundert Meter voneinander entfernt, schie�en so konzentrisch, dass sich beide Strahlen im Ziel treffen. Aus beiden subkritischen Strahlen entsteht dann ein �berkritisches Volumen, was eine Kettenreaktion zur Folge hat.� </p><p>�Das ist gut f�r ein Spiel auf dem �bungsplatz�, bemerkte der Chemiker. �Ich kann mir bei feldm��igen Bedingungen eine solche Pr�zision nicht vorstellen.� </p><p>�Das hei�t, dass wir �berhaupt keine Atomwerfer besitzen?� Der Kybernetiker beugte sich erstaunt vor. Wut hatte ihn gepackt. �Wozu dann diese Diskussion, dieser Streit, ob wir mit schrecklicher Bewaffnung ausziehen sollen oder nicht? Wir bewegen uns im Kreis!� </p><p>�Ich gebe zu, dass wir vieles ohne �bersicht tun�, antwortete der Koordinator noch immer ruhig. �Ich r�ume ein, dass wir es bisher getan haben. Einen solchen Luxus k�nnen wir uns nicht mehr erlauben. Aber es ist nicht ganz so, wie du sagst.� Er sah den Kybernetiker an. �Es gibt n�mlich noch die erste Variante des Einsatzes von Werfern, das Herausschleudern des halben Beh�ltervolumens, was zu einer Explosion im Ziel f�hrt. Man muss nur aus einem m�glichst guten Versteck schie�en und stets aus maximaler Entfernung.� </p><p>�Das bedeutet, dass man vor dem Er�ffnen des Feuers einen Meter tief in die Erde kriechen muss, ja?�</p><p>�Mindestens anderthalb Meter, bei einer zwei Meter hohen Brustwehr�, warf der Physiker ein. �Nun, im Stellungskrieg mag das gut sein. Auf Ausfl�gen wird das einfach l�cherlich.� Der Chemiker verzog ver�chtlich die Lippen. �Du vergi�t die Lage, in der wir uns befinden�, entgegnete der Koordinator. �Wenn die Notwendigkeit eintritt, wird ein Mann mit einem Werfer den anderen dieUmkehr erm�glichen.� </p><p>�Ach so! Also ohne dass dazu eine meterhohe Aufsch�ttung gegraben wurde?� </p><p>�Wenn keine Zeit daf�r bleibt, ohne sie.� Sie schwiegen eine Weile. �Wieviel Wasser haben wir noch?� fragte der Kybernetiker. �Nicht ganz zw�lfhundert Liter.� </p><p>�Das ist sehr wenig.� </p><p>�Sehr wenig.� </p><p>�Ich bitte jetzt um konkrete Vorschl�ge�, sagte der Koordinator. Auf seinem wei�en Verband zeigte sich ein roter Fleck. �Unser Ziel ist, uns� und die Bewohner des Planeten zu retten.� In dem Augenblick der Stille, der folgte, erklang hinter der Wand pl�tzlich ged�mpfte Musik; sie lauschten ergriffen den langsamen Takten einer Melodie, die sie alle kannten.</p><p>�Der Apparat ist ganz geblieben�, fl�sterte der Kybernetiker erstaunt. Keiner antwortete. �Ich warte�, begann der Koordinator wieder. �Meldet sich keiner? Ich beschlie�e somit: Die Ausfl�ge werden fortgesetzt. Wenn es gelingen sollte, einen Kontakt unter g�nstigen Bedingungen herbeizuf�hren, werden wir alles nur M�gliche tun, um zu einer Verst�ndigung zu kommen. Unser Wasservorrat ist �u�erst knapp. Da uns Transportmittel fehlen, k�nnen wir ihn nur schwer erg�nzen. Wir m�ssen uns deshalb aufteilen. Eine H�lfte der Besatzung wird st�ndig in der Rakete arbeiten, die andere erforscht die Umgebung. Morgen gehen wir an die Reparatur des Gel�ndewagens und die Montage der Werfer.</p><p>Wenn wir es schaffen, unternehmen wir schon abends einen Ausfall auf R�dern. Wer m�chte dazu etwas sagen?� </p><p>�Ich.� Der Ingenieur, das Gesicht in den H�nden, schien zwischen den Fingern hindurch den Fu�boden zu betrachten. �Der Doktor soll bei der Rakete bleiben��</p><p>�Warum?� Der Kybernetiker tat verwundert. Die anderen hatten begriffen. �Er� wird nichts unternehmen. Wenn du das gemeint hast.� Der Koordinator sprach langsam, sorgsam die Worte w�hlend. Der rote Fleck auf seinem Verband war etwas gr��er geworden. �Du irrst, wenn du ihn verurteilst.� </p><p>�K�nnte man ihn nicht rufen? So m�chte ich nicht.�� </p><p>�Sprich�, sagte der Kybernetiker.</p><p>�Ihr wi�t, wie er bei der Fabrik gehandelt hat. Er h�tte umkommen k�nnen.� </p><p>�Ja. Aber er allein hat mir geholfen, die verbrannte Leiche zu zertreten�� </p><p>�Das stimmt.� Der Ingenieur nahm die H�nde nicht vom Gesicht. �Dann will ich nichts gesagt haben.�</p><p>�Wer m�chte das Wort ergreifen?� Der Koordinator richtete sich ein wenig auf, hob die Hand an den Kopf, ber�hrte den Verband und sah auf die Finger. Die Musik hinter der Wand spielte noch. �Hier oder dort im Gel�nde? Wer wei�, wo wir ihnen zuerst begegnen�, sagte der Physiker ged�mpft zum Ingenieur. �Werden wir losen?� fragte der Chemiker. �Das geht nicht. Zur�ck bleiben immer die, die Arbeit in der Rakete haben, das hei�t die Spezialisten.� Der Koordinator erhob sich langsam, mit einer gewissen Unsicherheit. Pl�tzlich taumelte er. Der Ingenieur sprang hinzu und st�tzte ihn. Er sah ihm ins Gesicht. Der Physiker st�tzte ihn von der anderen Seite. Sie hoben ihn hoch. Die anderen legten Kissen auf den Fu�boden.</p><p>�Ich m�chte nicht liegen�, sagte er. Er hatte die Augen geschlossen. �Helft mir � danke. Es ist nichts.</p><p>Ich glaube, die Naht will aufgehen.�</p><p>�Gleich wird es still sein.� Der Chemiker wandte sich zur T�r. Der Koordinator riss die Augen auf.</p><p>�Nein, nicht, er soll weiterspielen��</p><p>Sie riefen den Doktor. Er wechselte den Verband, legte zus�tzlich ein paar Klammern an und gab dem Koordinator ein st�rkendes Pulver. Dann legten sich alle in der Bibliothek schlafen. Gegen zwei Uhr nachts l�schten sie schlie�lich das Licht, Stille befiel das Raumschiff.</p></section><section><title><p>Sechstes Kapitel</p></title><p>Am Morgen lie�en der Physiker und der Ingenieur vier Liter angereicherte Uransalzl�sung von der Reserve der Atoms�ule ab. Die schwere Fl�ssigkeit befand sich in dem mittlerweile ges�uberten Labor in einem Bleibeh�lter, dessen Deckel nur mit Manipulierzangen zu bewegen war. Die beiden M�nner hatten blasenartig aufgebl�hte Plastikschutzanz�ge an und trugen unter den Kapuzen Sauerstoffmasken. Mit gro�er Sorgfalt ma�en sie die Portionen der kostbaren Fl�ssigkeit in einem Me�glas und achteten darauf, dass kein Tropfen versch�ttet wurde. Schon bei vier Kubikzentimeter Volumen konnte eine Kettenreaktion erfolgen. Besondere Kapillarr�hrchen aus Bleiglas dienten als Ladevorrichtungen f�r die Werfer, die sie an Stativen auf dem Tisch befestigt hatten. Als die Arbeit beendet war, pr�ften sie mit dem Geigerz�hler die Dichte der Beh�lterventile und drehten und wendeten jeden Werfer nach allen Seiten. Ein Leck war nicht vorhanden. �Keine Beschleunigung, liegt in der Norm�, sagte voller Genugtuung der Physiker; die Maske entstellte seine Stimme. Die Panzert�r der radioaktiven Schatzkammer, ein bleierner Klotz, �ffnete sich langsam, der Drehung der Kurbel folgend. Sie stellten das Gef�� mit Uran hinein. Als die Riegel zuschnappten, rissen sie die Kapuzen mit den Masken erleichtert von den verschwitzten Gesichtern.</p><p>Den Rest des Tages qu�lten sie sich mit dem Gel�ndewagen herum. Da die Lastklappe durch das verseuchte Wasser blockiert war, mussten sie ihn zuerst in seine Bestandteile zerlegen, die sie dann durch den Tunnel nach oben trugen. An den beiden engsten Stellen musste der Tunnel erweitert werden. Der Gel�ndewagen bedurfte fast keiner Reparatur; er konnte sowieso bisher nicht benutzt werden, denn solange der Atomreaktor stillstand, hatten sie keine Radioisotopenmischung, die unmittelbar den Strom f�r seine Elektromotoren erzeugte. Das Fahrzeug war kaum gr��er als ein Feldbett. Vier Mann fanden darin Platz, den Fahrer mitgerechnet. Hinten hatte er ein Gep�ckgitter f�r zweihundert Kilogramm Nutzlast. Am winzigsten waren seine R�der. Ihr Durchmesser lie� sich w�hrend der Fahrt regulieren, indem man Luft in die Reifen pumpte. Auf diese Weise konnten sie sogar eine H�he von anderthalb Metern erreichen.</p><p>Die Zubereitung der Antriebsmischung w�hrte sechs Stunden, doch daf�r wurde nur ein Mann ben�tigt, der die Arbeit der Atoms�ule �berwachte. Der Ingenieur und der Koordinator krochen unterdessen auf allen vieren durch die Tunnel an Deck, verlegten und kontrollierten Leitungen auf einer Strecke von achtzig Metern zwischen dem Steuerraum an der Spitze und den Verteileraggregaten des Maschinenraums. Der Chemiker hatte sich drau�en im Schutz der Rakete eine Art H�llenk�che eingerichtet und siedete in hitzebest�ndigen Gef��en einen Brei, der auf dem offenen Feuer wie ein Sumpfvulkan brodelte. Er zerlie�, schmolz und mischte die durchgesiebten St�ckchen der Plaststoffe, die er k�belweise aus dem Schiff getragen hatte. Nahebei warteten schon die Matrizen. Er wollte die zerschlagenen Schalttafelplatten des Steuerraums gie�en. Mit ihm war nicht gut reden, er war w�tend, denn die ersten Abg�sse hatten sich als br�chig erwiesen. Der Koordinator, der Chemiker und der Doktor sollten um f�nf Uhr, drei Stunden vor Einbruch der D�mmerung, einen Ausflug in Richtung S�den unternehmen. Wie gew�hnlich lie� sich der Termin nicht einhalten, erst gegen sechs war alles fertig und gepackt. Auf dem vierten Sitz fand ein Werfer Platz. Sie nahmen nur wenig Gep�ck mit, daf�r befestigten sie am Gep�ckgitter einen Hundertliterkanister f�r Wasser. Ein gr��erer lie� sich nicht durch den Tunnel tragen. Der Ingenieur wappnete sich nach dem Mittagessen mit einem gro�en Fernglas und kroch vorsichtig auf den Rumpf der schr�g aus der Erde ragenden Rakete. Sie hatte sich zwar unter einem sehr kleinen Winkel in den Boden gebohrt, dank ihrer L�nge erhob sich aber das Ende des Rumpfes mit den Aussto�t�llen mehr als zwei Stockwerke hoch �ber die Ebene.</p><p>Als er einen recht guten Sitzplatz zwischen der kegelf�rmig erweiterten �ffnung der oberen T�lle und der Einbuchtung des Hauptrumpfes gefunden hatte, blickte er den riesigen sonnenerhellten Rumpf entlang nach unten: Vor dem schwarzen Fleck des Tunnelausgangs standen die M�nner, kaum gr��erals K�fer. Der Ingenieur hielt das Fernglas an die Augen und dr�ckte die beiden Muscheln fest an die Jochb�gen. Die Vergr��erung war betr�chtlich, aber das Bild zitterte. Diese Haltung strengte die Arme an, er musste die Ellenbogen auf die Knie st�tzen, und das war nicht leicht. Nichts einfacher, als hier herunterzufallen, dachte er. Die harte Keramitoberfl�che war so glatt, dass sie geradezu schl�pfrig wirkte, als w�re sie mit einer d�nnen Fettschicht versehen. Er stemmte sich mit der Profilgummisohle seines Schuhs gegen die abstehende T�lle und begann mit dem Fernglas systematisch den Horizont abzusuchen. Die Luft zitterte vor Hitze. Er empfand fast einen physischen Druck auf dem Gesicht, als er nach S�den in die Sonne schaute, �brigens ohne viel Hoffnung, dort etwas zu entdecken. Er war froh, dass der Doktor den Plan des Koordinators, der von allen gebilligt worden war, angenommen hatte. Er selbst hatte ihn dem Doktor vorgestellt. Der wollte nicht einmal etwas von Entschuldigung h�ren. Er machte einen Scherz daraus. Nur das Ende des Gespr�chs verwunderte ihn, es hatte ihn sogar �berrascht. Er war mit dem Doktor allein, und es schien, als h�tten sie sich nichts weiter zu sagen, da ber�hrte jener pl�tzlich wie zerstreut seine Brust. </p><p>�Ich wollte dich um etwas fragen� ach so. Wei�t du, wie man die Rakete senkrecht aufstellen kann, wenn wir sie instand gesetzt haben?� </p><p>�Zuerst werden wir die Lastautomaten und den Bagger reparieren m�ssen�, begann er. </p><p>�Nein�, unterbrach ihn der Doktor, �in den technischen Einzelheiten kenne ich mich nicht aus, das wei�t du doch. Sag mir nur, ob du � du selbst � es wei�t, wie das zu machen geht?� </p><p>�Die zehntausend Tonnen erschrecken dich, nicht wahr? Archimedes war bereit, die Erde zu bewegen, wenn er einen Punkt der Anlehnung f�nde. Wir werden die Rakete unterh�hlen und��</p><p>��Verzeihung � nicht das. Nicht, ob du es theoretisch wei�t, ob du die Methoden aus den Nachschlagewerken kennst, sondern ob du die Gewi�heit hast, dass du es wirst tun k�nnen � warte!�� , und ob du mir dein Wort geben kannst, dass du, wenn du ja sagst, auch das sagst, was du denkst.� Hier hatte der Ingenieur gez�gert. Es gab da ein paar ungekl�rte Punkte in dem noch recht nebul�sen Arbeitsprogramm, aber er sagte sich immer, wenn er die Nase in diese �u�erst schwierige Phase steckte, m�sste es schon irgendwie zu schaffen sein. Bevor er etwas erwidern konnte, hatte der Doktor seine Hand ergriffen und sie gedr�ckt. �Nein, nichts mehr, Henryk. Wei�t du, weshalb du mich so angeschrien hast? Nicht doch, ich halte es dir ja nicht vor. Du bist n�mlich genauso ein Schafskopf wie ich, du willst es nur nicht zugeben.� L�chelnd, so dass er pl�tzlich seinem Foto aus der Studienzeit �hnelte, das der Ingenieur bei ihm in der Schublade gesehen hatte, f�gte er hinzu: �Credo, quia absurdum. Hast du Latein gelernt?�</p><p>�Ja, aber ich habe schon alles vergessen.� Der Doktor blinzelte, lie� seine Hand los und ging. Der Ingenieur blieb zur�ck. Er f�hlte, wie der Druck der Finger in seiner Hand allm�hlich schwand, und dachte, dass der Doktor etwas ganz anderes hatte sagen wollen, und wenn er �berlegte, w�rde er erraten, worum es ihm in Wirklichkeit gegangen war. Statt sich jedoch zu konzentrieren, sp�rte er aus irgendeinem Grunde Verzweiflung und Angst. Der Koordinator hatte ihn dann in den Maschinenraum gerufen, wo zum Gl�ck so viel Arbeit wartete, dass er keine Sekunde Zeit zum Nachdenken fand.</p><p>Jetzt erinnerte er sich an diese Szene und an dieses Gef�hl, aber so, als ob ihm jemand das erz�hlte. Er war keinen Schritt weitergekommen. Das Fernglas zeigte die Ebene. Sie war bis hin an den himmelblauen Horizont in sanfte Buckel gefaltet und von Schattenstreifen gefurcht. Womit er am Abend zuvor gerechnet, was er aber f�r sich behalten hatte, n�mlich, dass die anderen sie finden und es am Morgen vielleicht zum Kampf kommen w�rde, war nicht eingetreten. Schon oft hatte er sich vorgenommen, nichts auf solche Ahnungen zu geben, die ihn so h�ufig befielen und an die er mit Zuversicht glaubte. Er kniff die Augen zusammen, um besser sehen zu k�nnen. Durch die doppelten Gl�ser bemerkte er Ansammlungen jener schlanken grauen Kelche. Sie waren zeitweilig in Staub geh�llt, den der Wind aufwirbelte. Dort musste eine ziemlich steife Brise wehen, obwohl er auf seinem Beobachtungspunkt nichts davon sp�rte. Am Horizont stieg das Gel�nde allm�hlich an, und noch weiter hinten � aber hier war er sich nicht mehr sicher, ob er nicht einfach blo� Wolken sah, diein zw�lf bis f�nfzehn Kilometer Entfernung �ber die Landschaft hinwegzogen � flimmerten l�ngliche Verdichtungen von einer dunkleren F�rbung. Von Zeit zu Zeit stieg dort etwas hoch und l�ste sich auf oder verschwand. Die Sicht war so schlecht, dass er nichts Genaues ausmachen konnte. Doch zeichnete sich in jener Erscheinung eine unbegreifliche Regelm��igkeit ab. Er wusste nicht, was er sah, aber er konnte auf die H�ufigkeit der Ver�nderung achten, und das tat er. Den Blick auf den Sekundenzeiger, z�hlte er zwischen dem ersten und zweiten Hervortreten sechsundachtzig Sekunden.</p><p>Er steckte das Fernglas ins Futteral und begann den Abstieg, die Sohlen immer mit der ganzen Fl�che auf die Keramitplatten aufsetzend. Da h�rte er hinter sich Schritte. Er drehte sich so ungest�m um, dass er das Gleichgewicht verlor, die H�nde ausstreckte, schwankte und der L�nge nach hinschlug.</p><p>Bevor er den Kopf hob, vernahm er ganz deutlich den Widerhall des eigenen Sturzes. Vorsichtig richtete er sich etwas auf. Etwa neun Meter entfernt, am Rand der oberen Steuerungsd�se, sa� etwas, klein wie eine Katze, und beobachtete ihn aufmerksam. Das Tierchen � der Eindruck, dass es ein Tier war, dr�ngte sich ihm mit Selbstverst�ndlichkeit auf � hatte ein bla�graues, aufgebl�htes B�uchlein, und da es wie ein Eichh�rnchen M�nnchen machte, konnte er seine Pfoten auf dem Bauch sehen, alle vier, mit den possierlich in der Mitte zusammenlaufenden Krallen. Es umfa�te den Rand der Keramitt�lle mit etwas gelblich Gl�nzendem, das wie erstarrtes Gelee aussah und unten aus seinem Leib ragte. Der graue runde Katzenkopf hatte weder Augen noch Schnauze, war aber �berall mit schwarzen blitzenden Glasperlen besetzt, wie ein Nadelkissen mit vielen Stecknadelk�pfen. Der Ingenieur machte drei Schritte auf das Tier zu. Er war so verbl�fft, dass er fast verga�, wo er stand: Er h�rte ein dreifaches Echo, wie vom Widerhall seiner Schritte. Er begriff, dass das Tierchen Laute nachahmen konnte. Langsam trat er noch n�her und �berlegte gerade, ob er nicht das Hemd ausziehen sollte, um es als Fangnetz zu benutzen. Auf einmal verwandelte sich das Tierchen.</p><p>Die Pf�tchen auf dem trommelartigen kleinen Bauch zuckten, das gl�nzende Hinterteil wurde breiter und entfaltete sich wie ein gro�er F�cher, das Katzenk�pfchen reckte sich auf dem langen nackten Hals steil auf, und das Tier flog davon, umgeben von einer schwach flimmernden Aureole. Eine Weile schwebte es unbeweglich �ber ihm, dann drehte es eine Spirale, gewann H�he, zog noch einen Kreis und verschwand. Der Ingenieur stieg hinunter und schilderte in allen Einzelheiten, was ihm widerfahren war.</p><p>�Das ist sogar gut. Ich habe mich schon gewundert, warum es hier keine fliegenden Tiere gibt�, meinte der Doktor. Der Chemiker erinnerte ihn an die �wei�en Bl�ten� am Bach. �Die sahen eher wie Insekten aus�, wandte der Doktor ein, �etwa wie Schmetterlinge. Die Luft ist hier �berhaupt sehr schwach �bev�lkert�. Wenn sich auf einem Planeten lebende Organismen entwickeln, entsteht ein biologischer Druck, durch den alle m�glichen Milieus, die sogenannten �kologischen Nischen, besetzt werden m�ssen. V�gel haben mir hier sehr gefehlt.� </p><p>�Das Ding glich eher einer Fledermaus�, sagte der Ingenieur. �Es hatte ein Fell.� </p><p>�M�glich�, erwiderte der Doktor; es dr�ngte ihn nicht sonderlich, sein Monopol an biologischem Wissen auszunutzen. Und wohl mehr aus Freundlichkeit als aus Interesse f�gte er hinzu: �Du sagst, dass es den Widerhall von Schritten imitierte? Das ist merkw�rdig. Nun, darin d�rfte irgendeine zielgerichtete Anpassung liegen.�</p><p>�Eine l�ngere Gel�ndeprobe w�re vonn�ten, aber es wird schon schiefgehen�, meinte der Koordinator und kroch unter dem Wagen hervor. Der Ingenieur war von der Gleichg�ltigkeit, mit der sie seine Entdeckung aufnahmen, entt�uscht. Er sagte sich aber, dass ihn haupts�chlich die besonderen Umst�nde der Begegnung �berrascht hatten, weniger das fliegende Tierchen selbst. Alle f�rchteten sich ein wenig vor dem Augenblick der Trennung. Die Zur�ckbleibenden standen unter der Rakete und schauten zu, wie das komische Fahrzeug immer gr��ere Kreise um sie zog, gelenkt von der sicheren Hand des Koordinators, der rittlings auf dem Vordersitz sa�, vor sich die Scheibe, die ihnsch�tzte. Der Doktor und der Chemiker hatten hinter ihm Platz genommen. Neben sich hatte er nur den Werfer mit dem d�nnen Rohr. Auf einmal fuhr er dicht an die Rakete heran und rief: �Also, wir werden uns bem�hen, bis Mitternacht zur�ck zu sein. Auf Wiedersehen!� Er beschleunigte abrupt die Geschwindigkeit, und nach einer Weile war nur noch eine goldene Staubwand zu sehen, die immer h�her stieg und weiterglitt und sanft nach Westen abtrieb. Der Gel�ndewagen war eigentlich nichts weiter als ein Metallskelett, sein Boden war durchsichtig, damit der Fahrer die �berwundenen Hindernisse bis zuletzt sehen konnte. Die Elektromotoren befanden sich in den Radnaben. Die beiden Reservereifen schwankten hinten �ber dem Wasserkanister. Solange das Terrain eben war, fuhren sie bis zu sechzig Kilometer in der Stunde. Sehr bald hatte der Doktor, der sich hin und wieder umsah, die letzte Spur der Rakete aus den Augen verloren. Die Motoren sangen leise, der Staub schlug in Wogen vom trockenen Boden hoch, lichtete sich und bog in die Steppenlandschaft ab. Sie schwiegen l�ngere Zeit. �brigens sch�tzte die Plastikscheibe nur den Fahrer vor dem Wind, den hinten Sitzenden blies er recht ungest�m ins Gesicht, so dass sie sich nur schreiend unterhalten konnten. Das Gel�nde stieg an, gleichzeitig wurde es welliger. Die letzten grauen Kelche waren verschwunden. Sie fuhren an weit im Raum verteilten, einzeln stehenden Spinnenb�schen vorbei. Hie und da ragten halbvertrocknete atmende B�ume auf mit tr�ge herab h�ngenden Bl�ttertrauben, die ab und zu in einem schwachen Wechselpuls zitterten. Vor ihnen in der Ferne tauchten, weit auseinandergezogen, die langen Furchen auf. Doch die wirbelnden Scheiben konnten sie nicht entdecken. Jedesmal wenn sie eine der Furchen �berquerten, machte der Wagen einen Satz.</p><p>Scharfkantige Felsen ragten aus dem Boden auf, wei� wie trockene Knochen und mit langen Ger�llhalden zu ihren F��en. Der scharfe Kies knirschte unter den bauchigen R�dern, wenn der Wagen �ber sie hinwegfuhr. Das Gef�lle wurde gr��er, sie kamen nur noch ziemlich langsam voran, obwohl die Motoren schnellere Fahrt erlaubt h�tten. Der Koordinator drossselte sie jedoch in dem schwierigen Terrain.</p><p>Weiter oben, zwischen den fahlbraunen Buckeln, gl�nzte vor ihnen irgend etwas � ein langes d�nnes Band. Der Koordinator verringerte die Geschwindigkeit noch mehr. Quer zum Hang, dort, wo er in ein Hochplateau �berging, �ber dem in weiter Ferne undeutliche Formen aufragten, spannte sich nach beiden Seiten, so weit das Auge reichte, ein glatt in den Boden eingef�gter spiegelnder G�rtel. Der Gel�ndewagen stoppte, als die Vorderr�der seinen Rand ber�hrten. Der Koordinator sprang vom Sitz, stie� mit dem Kolben des Elektrowerfers gegen die Spiegelfl�che, schlug etwas kr�ftiger darauf und stampfte schlie�lich mit den F��en auf ihr herum � nicht das leiseste Zittern. �Wieviel Kilometer haben wir schon zur�ckgelegt?� fragte der Chemiker, als der Koordinator wieder einstieg.</p><p>�Vierundf�nfzig�, erwiderte er und fuhr vorsichtig an. Der Gel�ndewagen schaukelte sanft. Sie �berquerten das Band. Es glich einem gleichm��igen Kanal voll gefrorenen Quecksilbers. Mit steigender Geschwindigkeit lie�en sie immer rascher die links und rechts heranfliegenden Masten mit den S�ulen hinter sich. An ihren Spitzen zeigten sich oszilierende Wirbel. Dann bogen die langen Reihen der Masten in gro�em Bogen nach Osten ab. Die Kompa�nadel zeigte unabl�ssig auf den Buchstaben S. Die Hochebene bot ein d�steres Bild. Die Flora unterlag allm�hlich in dem Kampf mit den Sandmassen, die der gl�hendhei�e Ostwind herantrug. Auf den niedrigen D�nen wuchsen schw�rzliche B�sche, die dicht �ber dem Erdboden ein blasses Karminrot zeigten. Lederne Schoten fielen von ihnen ab. Hin und wieder raschelte etwas Aschfarbenes in dem trockenen Dickicht.</p><p>Ein-oder zweimal jagte ein fl�chtendes Tier vor den R�dern des Gel�ndewagens davon, aber es st�rzte mit solchem Ungest�m ins Dickicht, dass sie nicht einmal seine Umrisse erkennen konnten.</p><p>Der Koordinator lavierte, um den Dornb�schen auszuweichen. Einmal musste er sogar umkehren, weil sie in eine schmale Schneise geraten waren, die inmitten der Str�ucher mit einem Sandberg endete. Das Gel�nde wurde immer un�bersichtlicher, es verriet Wassermangel. Die meisten Pflanzen waren von der Sonne verbrannt und raschelten tot, wie papieren, im hei�en Wind. Der Gel�ndewagenwand sich emsig zwischen den W�nden der �berh�ngenden �ste hindurch. Aus den geplatzten Trauben rieselte gelblicher Staub auf die Frontscheibe, die Kleidung und die Gesichter. Angestaute Glut str�mte ihnen aus den Str�uchern entgegen, das Atmen fiel schwer. Der Doktor erhob sich von seinem Sitz und beugte sich vor. Da quietschten die Bremsen, und sie hielten.</p><p>Das Hochplateau, bisher glatt wie ein Tisch, brach f�nfzig Schritt vor ihnen ab. Das Buschwerk zog sich wie eine schwarze, gegen die Sonne bernsteingelb schimmernde B�rste bis zur Abbruchkante hin. In der Ferne t�rmten sich Bergh�nge auf, jenseits des Kessels, der ihnen noch verborgen blieb.</p><p>Der Koordinator stieg aus und ging vor bis zum letzten Strauch, dessen lange Zweige sich sanft vor dem Hintergrund des Himmels wiegten. �Wir fahren hinunter�, entschied er, als er zur�ckkam. Der Wagen rollte vorsichtig nach vorn, pl�tzlich hob sich das Heck, als wollte er einen Purzelbaum schie�en. Der Kanister schlug polternd gegen das Gep�ckgitter, die Bremsen quietschten warnend. Der Koordinator schaltete die Pumpe ein. Die R�der wurden zusehends gr��er, gleich waren die Unebenheiten des Steilhanges weniger zu sp�ren. Sie glitten auf eine wollige Wolkenschicht zu, aus der von innen her eine walzenf�rmige, oben knollige Keule von braunem Rauch schlug. Der Rauch l�ste sich in der Luft fast gar nicht auf, er stieg hoch �ber die Gipfel der Berge hinaus. Diese gleichsam vulkanische Eruption dauerte ungef�hr achtzig Sekunden, dann verfl�chtigte sich die Rauchs�ule sehr rasch, verkroch sich in den wei�en Wolken, bis sie darin v�llig verschwunden war, zur�ckgesaugt in den gigantischen Rachen, der sie zuvor hinausgeschleudert hatte.</p><p>Das ganze Tal teilte sich in zwei Geschosse, das obere lag unter sonnigem Himmel, das untere war unsichtbar, von einer Schicht undurchdringlicher Wolken verdeckt, auf die der Gel�ndewagen schaukelnd und h�pfend und mit quietschenden Bremsen zurollte. Die Strahlen der tiefstehenden Sonne erhellten noch f�r einige Augenblicke die fernen H�nge auf der anderen Seite, wo aus dem Dickicht grauer und violetter B�sche niedrige Gebilde mit blanken Fl�chen leuchteten. Man konnte nur schwer erkennen, was es war, weil die Sonne sich darin spiegelte. Die wei�e Wolkenschicht lag nun unmittelbar vor ihnen. Die von der gezahnten Linie des Buschwerks markierte Grenze des Plateaus war unterdessen schon hoch �ber ihnen. Sie verlangsamten die Fahrt immer mehr. Auf einmal waren sie von wehenden Schwaden umgeben. Sie versp�rten eine w�rgende Feuchtigkeit. Es war fast dunkel geworden. Der Koordinator bremste noch mehr. Sie rollten nur noch mit Schrittgeschwindigkeit. Bald hatten sich ihre Augen an das milchige Zwielicht gew�hnt. Der Koordinator schaltete die Scheinwerfer an, l�schte sie aber sofort wieder, weil sich ihr Schein machtlos im Nebel verfing. Doch auf einmal h�rten die Schwaden auf. Es wurde k�hler, Feuchtigkeit hing in der Luft. Sie befanden sich nun auf einer sanfteren Neigung, dicht unter den tiefliegenden Wolken, die weit, bis an die grauen, schw�rzlich fahlen Flecke unten im Tal reichten. Vor ihnen gl�nzte etwas in der Luft wie eine Schicht �liger Fl�ssigkeit. Ihnen war, als s�hen sie pl�tzlich durch einen Schleier. Der Doktor und der Chemiker rieben sich die Augen, doch es nutzte nichts. Aus dem schillernden Dunst trat ein dunkler Punkt hervor, der geradewegs auf sie zukam. Der Wagen fuhr nun �ber ein nahezu ebenes Gel�nde. Es war so glatt, als sei es k�nstlich nivelliert und geh�rtet worden.</p><p>Der schwarze Punkt vor ihnen wuchs, sie sahen, dass er auf runden Ballons rollte. Es war ihr Gel�ndewagen, sein Spiegelbild auf einer Fl�che. Als das Bild so gro� war, dass sie schon fast ihre Gesichter erkennen konnten, begann es sich aufzul�sen und verschwand. Sie passierten die Stelle, an der sie den unsichtbaren Spiegel erwarteten, ohne auf ein Hindernis zu sto�en. Nur eine Woge fader W�rme streifte sie j�hlings, als durchbr�chen sie eine unsichtbare hei�e Schranke. Zugleich verschwand auch diese l�stige Erscheinung, die ihnen eben noch den Blick getr�bt und das Sehen erschwert hatte. Die Reifen schmatzten laut. Der Wagen durchquerte einen flachen, sumpfigen T�mpel, eher eine Pf�tze. Der Boden war mit tr�ben Wasserlachen bedeckt. Ein bitterer Geruch stieg von ihnen auf wie von Brandresten. Hie und da buckelten sich unregelm��ige Aufsch�ttungen aus hellerem Boden. Er schien von Wasser durchweicht zu sein, es sickerte in Rinnsalen heraus undsammelte sich zu Pf�tzen. Etwas weiter rechts hoben sich dunkel irgendwelche h��lichen Ruinen ab.</p><p>Keine Tr�mmer, sondern gleichsam Reste von verschmutzten, faltigen Geweben, die durcheinander und �bereinander get�rmt mehrere Meter hoch aufragten oder dicht �ber dem Erdboden kauerten, mit unregelm��igen leeren, schwarzen �ffnungen darin. Der Wagen fuhr an Gruben vorbei. Was sie enthielten, konnten sie nicht feststellen. Der Koordinator bremste, lenkte den Wagen dicht an den aufgesch�tteten Lehmberg heran, bis das Vorderrad ihn ber�hrte, stieg aus und kletterte hinauf. Er beugte sich �ber eine rechteckige Grube. Als die anderen sahen, wie sich seine Miene ver�nderte, sprangen sie von den Sitzen und kletterten auch hinaus. Dem Doktor rutschte ein Lehmklumpen unter dem Fu� weg, Schlamm spritzte auf. Der Chemiker hielt ihn fest. In der Grube, deren senkrechte W�nde von einer Maschine abgesto�en schienen, lag auf dem R�cken ein nackter Leichnam, das Gesicht im schmutzigen Wasser. Nur der obere Teil der dicken Brustmuskeln, aus denen ein kindlicher Torso hervorschaute, ragte �ber den schwarzen Wasserspiegel. Die drei hoben den Kopf, sahen einander an und kehrten um. Wasser sickerte aus dem teigigen Lehm, wenn sie darauftraten.</p><p>�Sind denn nur Gr�ber auf diesem Planeten?� fragte der Chemiker. Sie standen am Gel�ndewagen und schienen nicht zu wissen, was sie anfangen sollten. Der Koordinator wandte das blasse Gesicht ab und blickte sich um. �berall erhoben sich in unregelm��igen Reihen solche Lehmh�gel. Rechts waren wieder Teile jener lumpenartigen Ruinen zu erkennen. Dazwischen schl�ngelte sich eine wei� schimmernde Linie. Auf der anderen Seite, hinter den Flecken von aufgew�hltem Lehm, gl�nzte eine schiefe Ebene, die sich nach oben zu verj�ngte. Sie schien aus einem erdigen por�sen Metall zu bestehen. Zu ihrer Basis f�hrten gezahnte Streifen. In der Ferne, zwischen tr�ge dahinziehenden Wolken, schimmerte etwas Senkrechtes, Schwarzes wie die Wand eines riesigen Kessels. Es konnte aber auch etwas anderes sein, denn durch die Risse im Nebel oder im Dampf waren nur Bruchst�cke des Ganzen zu erkennen. Man f�hlte lediglich, dass dort etwas stand, was so gewaltig war, als sei es aus einem Berg gehauen.</p><p>Der Koordinator wollte sich eben in den Wagen setzen, als ein tiefer, gewisserma�en unterirdischer Seufzer sie erreichte. Die wei�en Nebelschleier auf der linken Seite, die bisher alles verdeckt hatten, l�sten sich in einen m�chtigen Hauch auf, im n�chsten Augenblick waren die M�nner von einem durchdringenden, bitteren Gestank umgeben. Sie erblickten den zu den Wolken aufschie�enden Rumpf eines seltsam geformten Schornsteins. In einem umgekehrten Wasserfall schlug eine braune S�ule von etwa hundert Meter Dicke daraus hervor, zerstie� die unstet wogende Milch der Wolken und verschwand darin. Das w�hrte ungef�hr eine Minute, dann trat Stille ein. Wieder ert�nte das dumpfe St�hnen, der Hauch, der ihr Haar flattern lie�, �nderte die Richtung, und die Wolken sanken tiefer herab. Lange Federb�sche l�sten sich von ihnen und umh�llten den schwarzen Schlot, bis er fast v�llig in ihnen verschwand.</p><p>Auf ein Zeichen des Koordinators stiegen sie ein. Der Gel�ndewagen holperte �ber Lehmklumpen bis zur n�chsten Grube. Sie schauten hinein. Sie war leer, nur schwarzes Wasser stand darin. Wieder lie� sich von fern ein ged�mpftes Rauschen vernehmen. Die Wolken bl�hten sich auf, aus dem Vulkanschornstein spr�hte ein brauner Geysir, wieder folgte das Saugen. Sie achteten bald kaum noch auf diesen rhythmischen Wandel, auf das Sieden der Wolken und des Rauches im Talkessel, denn die Fahrt nahm sie jetzt voll in Anspruch. Bespritzt bis �ber beide Knie, sprangen sie zwischen die teigigen Klumpen, erklommen die glitschigen H�gel und schauten in die Gruben. Manchmal gluckste das Wasser unter ihren F��en, und der Boden rutschte weg. Sie stiegen hinunter, setzten sich in den Wagen und fuhren weiter. In sieben von achtzehn Gruben, die sie untersuchten, fanden sie Leichen.</p><p>Aber seltsam, ihr Entsetzen, ihr Abscheu, ihr Schrecken wurden mit jedem neuen Fund geringer. Sie hatten die F�higkeit zu beobachten wiedererlangt. So fiel ihnen auf, dass in den Gruben um so weniger Wasser war, je mehr sie sich, im Zickzack �ber den sumpfigen Boden fahrend, der Wand der Nebelschwaden n�herten, die den schwarzen Koloss abwechselnd verh�llte und enth�llte. Als sie sichwieder �ber eine solche quadratische Grube beugten, deren Boden ein gekr�mmter Leib bedeckte, bemerkten sie, dass sich der Leichnam in gewisser Hinsicht von den anderen unterschied. Er war blasser und schien anders geformt zu sein. Sie konnten diesen Eindruck nicht �berpr�fen. Sie fuhren weiter, stiegen aus, stie�en auf zwei Gruben, die leer waren, und in der vierten, einer bereits ausgetrockneten, kaum hundert Schritt von der schaufeif�rmigen schiefen Ebene entfernt, entdeckten sie eine auf der Seite liegende Leiche, deren kleiner Torso die H�nde ausgebreitet hielt. Eine Hand war am Ende in zwei dicke Forts�tze gespalten.</p><p>�Was ist das?� stammelte der Chemiker heiser und presste die Schulter des Doktors. �Siehst du das?�</p><p>�Ja.� </p><p>�Der scheint anders zu sein. Die Finger fehlen.� </p><p>�Vielleicht ein Invalide�, murmelte der Koordinator. Es klang nicht sehr �berzeugend. Sie hielten noch einmal, an der letzten Grube vor der schiefen Ebene. Sie wirkte noch ganz frisch. Der Lehm br�ckelte langsam von den W�nden, zitternd, als h�tte sich der gewaltige Spaten erst vor einer Weile aus der viereckigen Gruft entfernt. �Gro�er Gott�, kr�chzte der Chemiker und sprang, bla� wie der Tod, von dem Lehmhaufen herunter. Beinahe w�re er gest�rzt. Der Doktor sah den Koordinator fragend an. �Wirst du mir beim Herausklettern helfen?� </p><p>�Gut. Was hast du vor?�</p><p>Der Doktor kniete nieder, st�tzte sich auf den Rand der Gruft und lie� sich vorsichtig hinunter, bem�ht, den gro�en Rumpf nicht mit den F��en zu ber�hren. Er beugte sich �ber ihn und hielt instinktiv den Atem an. Von oben hatte es ausgesehen, als sei unterhalb der Brustmuskeln, dicht unterhalb der Stelle, wo sich der fleischige Torso aus den beiden Hautfalten hervorschob, ein Metallstab in die kraftlose Masse gesto�en worden. Aus der N�he stellte er fest, dass er sich geirrt hatte. Ein graugr�ner, d�nnwandiger Nabelfortsatz ragte unter den Hautfalten aus dem K�rper. Das Metallr�hrchen, dessen langes, gebogenes Ende der Buckel des Toten verbarg, war damit verbunden.</p><p>Der Doktor ber�hrte es zuerst behutsam, dann zog er daran. Er beugte sich noch weiter vor und entdeckte, dass die Metallm�ndung, die durch die dar�bergezogene Haut hindurchschimmerte, mit ihr wie durch eine Naht von kleinen, nebeneinander gl�nzenden Perlen zusammengehalten wurde. Eine Weile �berlegte er, ob er nicht das R�hrchen mit dem Fortsatz abschneiden sollte. Langsam griff er nach dem Messer in der Tasche, immer noch unentschlossen, aber als er sich aufrichtete, fiel sein Blick auf das flache Gesichtchen, das sich in unnat�rlicher Haltung an die Grubenwand lehnte, und er stutzte. Dort, wo bei dem Gesch�pf, das er in der Rakete seziert hatte, die Nase sa�, hatte dieses ein breit ge�ffnetes, blaues Auge, das ihn mit stummer Gewalt anzuschauen schien. Er hob den Blick.</p><p>�Was gibt es da?� h�rte er den Koordinator fragen, sah seinen Kopf, schwarz vor dem Hintergrund der Wolken, und begriff, weshalb sie das von oben nicht bemerkt hatten: Das K�pfchen war an die Wand gelehnt, und man musste sich dort befinden, wo er stand, um es gerade anzuschauen.</p><p>�Hilf mir heraus�, sagte er und stellte sich auf die Zehenspitzen. Er ergriff die hingehaltene Hand des Koordinators, der ihn am Kragen seiner Kombination packte und mit Hilfe des Chemikers hochzog.</p><p>Er sah die beiden aus zusammengekniffenen Augen an. �Wir verstehen nichts davon�, sagte er. �Habt ihr geh�rt? Nichts. Gar nichts!� Leiser f�gte er hinzu: �Ich konnte mir bisher �berhaupt keine Situation vorstellen, in der ein Mensch gar nichts, aber auch wirklich gar nichts begreift.� </p><p>�Was hast du gefunden?� fragte der Chemiker. �Sie unterscheiden sich tats�chlich voneinander�, sagte der Doktor, w�hrend sie zum Gel�ndewagen gingen. �Die einen haben Finger, die anderen keine. Die einen haben eine Nase, daf�r kein Auge, andere haben ein Auge und wiederum keine Nase. Die einen sind gr��er und dunkler, die anderen sind wei�er und haben einen etwas k�rzeren Rumpf. Die einen�� </p><p>�Was macht das schon�, unterbrach ihn der Chemiker ungeduldig. �Auch die Menschen haben verschiedene Rassen, verschiedene Z�ge, eine unterschiedliche Hautfarbe. Und was gibt es hier, was du nicht begreifen kannst? Hier geht es um etwas anderes, n�mlich darum, wer diese scheu�lichen Schl�chtereien anstellt und zu welchem Zweck.� </p><p>�Ich bin mir gar nicht so sicher, dass hier gemordet wurde�, erwiderte der Doktor leise, den Kopf gesenkt. Der Chemiker betrachtete ihn verbl�fft. �Wassoll das� Was hast du?� </p><p>�Ich wei� nichts�, sagte der Doktor mit einiger �berwindung. Mechanisch wischte er sich mit dem Taschentuch den Lehm von den H�nden. �Eins wei� ich aber bestimmt.� Er richtete sich pl�tzlich auf. �Erkl�ren kann ich es nicht, aber diese Unterschiede sehen mir nicht wie Rassenunterschiede innerhalb einer Gattung aus. Augen und Nase, der Geruchs- und der Gesichtssinn sind daf�r zu wichtig.� </p><p>�Es gibt auf der Erde Ameisen, die sich noch mehr spezialisiert haben. Die einen haben Augen, die anderen keine, die einen k�nnen fliegen, die anderen k�nnen nur laufen, die einen sind N�herinnen, die anderen sind Krieger. W�nschst du, dass ich dir Biologieunterricht erteile?� Der Doktor zuckte mit den Schultern. �F�r alles, was geschieht, hast du ein fertiges Schema, das du von der Erde mitgebracht hast. Wenn eine Einzelheit, eine Tatsache da nicht hineinpa�t, verwirfst du sie einfach. Ich kann dir das in diesem Augenblick nicht beweisen, aber ich wei� einfach, dass das weder mit Rassenmerkmalen noch mit spezialisierter Unterscheidung der Art etwas zu tun hat. K�nnt ihr euch an das Bruchst�ck, an das Rohrende, an das Ende der Nadel erinnern, das ich bei der Sektion fand? Nat�rlich hatten wir alle geglaubt � auch ich � , dass man an jenem Gesch�pf, was wei� ich, einen Mord begangen habe oder begehen wollte. Dabei ist das hier etwas ganz anderes. Der da hat einen Fortsatz, einen Sauger oder etwas in dieser Art, und das R�hrchen ist einfach dort eingesetzt, hineingef�hrt. Wie man einem Menschen bei der Tracheotomie ein R�hrchen in die Luftr�hre einf�hrt. Nat�rlich hat das nichts mit Tracheotomie zu tun, er hat ja an dieser Stelle keine Luftr�hre. Ich wei� nicht, was das ist, und ich begreife nichts, aber das eine wenigstens wei� ich!� Er bestieg den Gel�ndewagen und fragte den Koordinator, der um den Wagen herumging, um auf seinen Platz zu gelangen: �Was meinst du dazu?� </p><p>�Dass wir weiterfahren m�ssen�, antwortete der und ergriff das Lenkrad.</p></section><section><title><p>Siebentes Kapitel</p></title><p>Die D�mmerung brach herein. Sie umfuhren die schr�ge Fl�che in weitem Bogen. Sie war nicht, wie sie angenommen hatten, ein architektonisches Gebilde, sondern der am weitesten vorgedrungene, zur Ebene hin abgeflachte Ausl�ufer eines Magmastromes, dessen Gr��e sie erst jetzt erfassten. Sie stieg vom oberen Talgescho� den Hang hinunter, zu Dutzenden zerkl�fteter Br�che und Kaskaden erstarrt, und war in ihrem unteren Teil voller Buckel, wie metallische Schlacke. Nur oben, wo der Hang erheblich steiler war, ragten nackte Felsrippen aus der totenstarren Sintflut. Auf der anderen Seite wurde der mehrere hundert Meter lange Pa� mit seinem ausgetrockneten, von zickzackf�rmigen Rissen durchzogenen Lehmboden durch den Wall einer in den Wolken verschwindenden Bergkette verbarrikadiert. Sie war, soweit man das durch die Wolkenfenster sehen konnte, mit einem schw�rzlichen Florag�rtel bedeckt. Der geronnene Strom, sicherlich das �berbleibsel einer m�chtigen vulkanischen Eruption, wirkte mit den leuchtenden Stirnen seiner starren Wellen wie ein gro�er Eisberg in dem bleiernen Abendlicht.</p><p>Das Tal war viel breiter, als es, von oben gesehen, den Anschein hatte. Hinter dem Gebirgspa� �ffnete sich ein Seitenarm, der flach an den brotlaibf�rmigen Magmavorspr�ngen entlangf�hrte. Rechts stieg der nahezu kahle Boden in terrassenf�rmigen Schr�gen bergan. Einzelne graue Wolkenfetzen trieben dort vor�ber. Noch h�her, genau vor ihnen, lie� sich alle paar Sekunden aus der Tiefe des oberen Talkessels der Geysir vernehmen, den augenblicklich die Felsstufe verdeckte. Dann erf�llte jedes Mal ein lang anhaltendes, dumpfes Rauschen das Tal. Die Umgebung verlor allm�hlich ihre Farben. Die Formen verschwammen, als w�rden sie von Wasser �berflutet. In der Ferne zeichneten sich die rostbraunen Falten von Mauern oder Felsh�ngen ab. �ber ihrem Gewirr lag ein zarter Schimmer, wie von den Strahlen der untergehenden Sonne, obwohl die Sonne hinter den Wolken versteckt war. Zubeiden Seiten des sich immer mehr erweiternden Gebirgspasses standen dunkle, keulenartige Unget�me in einer regelm��igen Doppelreihe. Sie �hnelten �berm��ig hohen, schmalen Ballons. Als der Wagen unter den ersten von ihnen hindurchfuhr, verst�rkten die Schatten der gro�en Gebilde die D�mmerung. Der Koordinator schaltete die Scheinwerfer ein, sofort wurde es au�erhalb der Lichtkegel dunkel, als sei pl�tzlich die Nacht hereingebrochen. Die R�der rollten �ber D�nen aus erstarrter Schlacke. Wie Glas klirrten die Schlackest�ckchen. Die Lichtkegel wanderten durch das Dunkel. Wenn sie die W�nde der Beh�lter oder Ballons trafen, entflammten diese in allen Regenbogenfarben. Die letzten Spuren des Lehmbodens waren verschwunden. Sie fuhren auf einer sanft gewellten Fl�che, die erstarrter Lava glich. In den Senken standen dunkle, flache Wasserpf�tzen, die klatschend unter den R�dern zerstoben. Vor der Wolkenwand war eine schwarze, einem S�ulengang �hnelnde Konstruktion zu erkennen, zart wie ein Spinnwebennetz. Sie verband zwei etwa hundert Meter voneinander entfernte keulenf�rmige Bauten. Das Scheinwerferlicht erfasste einige auf der Seite liegende Maschinen. In ihren gew�lbten B�den waren lauter �ffnungen. Darin waren Zacken zu sehen, von denen verbrannte Fetzen herabhingen. Der Wagen hielt. Sie stellten fest, dass das Metall von Rost zerfressen war, die Maschinen mussten also schon lange da liegen.</p><p>Die Luft wurde immer feuchter. Wind kam auf, er brachte Brandgeruch mit. Der Koordinator drosselte das Tempo und bog zum Fu�gestell des n�chsten Keulenbaus ab. Sie �berquerten eine glatte, an den Seiten da und dort abbr�ckelnde Platte, die durch schr�ge, mit einem Kerbensystem versehene Fl�chen eingefa�t war. Der untere Teil des Geb�udes war eine lange schwarze Linie, die sich verbreiterte, vergr��erte und schlie�lich in einen Eingang verwandelte. Die Wand dar�ber w�lbte sich zylindrisch. Ihre volle Gr��e war auf den ersten Blick nicht zu erfassen. Das dunkel g�hnende, in eine unsichtbare Tiefe f�hrende Loch wurde von einem pilzf�rmigen Dach �berragt, das faltig �berhing, als habe es der Baumeister vergessen und in dieser unvollendeten Form zur�ckgelassen. Sie fuhren bereits unter das breite Dach. Der Koordinator nahm den Fu� vom Beschleuniger. Finster klaffte der ger�umige Eingang. Die Scheinwerfer verloren sich hilflos darin. Links und rechts standen breite, konkav gew�lbte Ruinen, die wie Windungen gewaltiger Spiralen hinanstiegen. Der Wagen bremste und rollte vorsichtig in die Rinne, die nach rechts f�hrte. Tiefe Finsternis umgab sie. In den Lichtkegeln tauchten �ber den R�ndern der Rinne f�r Sekunden lange gef�cherte Reihen schr�ger, teleskopartig sich herausschiebender Masten auf. Mit eipemmal flackerte �ber ihnen etwas in vielfachem Leuchten. Als sie die Kopfe hoben, erblickten sie �ber sich einen Reigen wei�lich schimmernder Gespenster. Der Koordinator schaltete den breitwinkligen Scheinwerfer neben dem Lenkrad ein und leuchtete mit ihm die Umgebung ab. Der Lichtstrahl glitt �ber wei�e, k�figartige Gebilde wie �ber Leitersprossen nach oben. Aus der Finsternis gerissen, gl�hten sie in einem kn�chernen Schein auf und verschwanden sofort wieder. Tausende Spiegelbilder stachen ihnen mit blendendem Flackern in die Augen. �Das taugt nichts.� Die Stimme des Koordinators wurde durch das laute, blecherne Echo des geschlossenen Raumes verzerrt. �Moment, wir haben doch Blitzlichter!� Er stieg aus. Im Scheinwerferlicht beugte er sich als schwarzer Schatten �ber den Rand der Rinne. Man h�rte ein metallisches Klopfen, dann rief er: �Schaut nicht hierher, schaut nach oben!� Er sprang zur�ck. Fast im gleichen Augenblick entz�ndete sich die Magnesia mit f�rchterlichem Zischen, ein gespenstisch flackernder Schein verdr�ngte die Dunkelheit im Nu nach den Seiten. Die f�nf Meter breite Rinne, in der sie standen, endete etwas h�her in einem Bogen, der in einen durchsichtigen Gang oder vielmehr Schacht f�hrte. Sie stieg steil an und drang als silbergl�nzendes Rohr in das entsetzliche gl�hende Dickicht der Blasen, die �ber ihnen hingen und wie das Zellengewimmel eines gl�sernen Bienenstocks den ganzen kuppeif�rmigen Raum ausf�llten.</p><p>Der Widerschein des Blitzlichts vervielfachte sich in den d�nnen, durchsichtigen W�nden. Dahinter, im Innern der gl�sernen Zellen, die eine gew�lbte, gleichsam aufgebl�hte H�lle aufwiesen, war eine ganze Galerie mi�gestalteter Skelette zu sehen � schneewei�e, fast funkelnde, auf schaufeif�rmigenFu�gestellen ruhende Knochenger�ste mit einem F�cher von Rippen, die strahlenf�rmig von einer oval verl�ngerten kn�chernen Scheibe ausgingen. Jeder dieser vorn offenen Brustk�rbe barg ein d�nnes, ein wenig nach vorn geneigtes Skelett, das von einem Vogel oder einem �ffchen herr�hren mochte und einen zahnlosen, kugelf�rmigen Sch�del hatte. Ungez�hlte Spaliere schimmerten wie in gl�serne Eier eingeschlossen und zogen sich spiralenf�rmig durch viele Etagen, immer weiter und immer h�her. Tausende blasenartiger W�nde vervielfachten und spalteten das Licht, so dass man die wirklichen Formen von ihren Spiegelbildern nicht zu unterscheiden vermochte. Wie in Stein gehauen sa�en sie mehrere Sekunden lang da, dann erloschen die Magnesiumflammen. Von dem letzten vergilbten Blitz zerrissen, in dem die B�uche der blasigen Gl�ser noch einmal auffunkelten, brach die Finsternis herein. Etwa nach einer Minute merkten sie, dass die Scheinwerfer des Wagens noch brannten. Ihre Lichtkegel ruhten auf den B�den der gl�sernen Blasen.</p><p>Der Koordinator fuhr dicht an den Eingang des Schachtes heran, in den die Rinne mit einer kegelf�rmigen T�lle m�ndete. Die Bremsen quietschten. Der Wagen drehte sich ein wenig, um quer zum Gefalle zu stehen, damit er nicht hinunterrollte, falls sich die Bremsen lockerten. Sie stiegen aus.</p><p>Der Tunnel f�hrte mit seinem durchsichtigen Rohr steil hinauf, aber unter Zuhilfenahme der Arme w�rde die Schr�ge wahrscheinlich zu bew�ltigen sein. Sie l�sten den Scheinwerfer aus der Kugelfassung und kletterten in den. Schacht, die Kabelschnur hinter sich herziehend. Wie sie nach ungef�hr vierzig Metern feststellten, f�hrte der Schacht durch das gesamte Innere der Kuppel. Die durchsichtigen Zellen lagen zu beiden Seiten dicht �ber dem konkav gew�lbten Boden, auf dem sie weit vorgebeugt gehen mussten, was sehr erm�dend war. Bald jedoch lie� die Steigung nach. Jede Blase war dort, wo sie an die Wand der n�chsten grenzte, abgeflacht und ragte mit ihrem r�sself�rmigen Ende in den Tunnel. Das Ende war mit einem runden, genau in die �ffnung passenden linsenf�rmigen Deckel aus getr�btem Glas verschlossen. Sie gingen weiter. In dem beweglichen Licht zog der kn�cherne Reigen vor�ber. Die Gerippe hatten unterschiedliche Gestalt. Das erkannten sie jedoch erst nach geraumer Zeit, nachdem sie eine lange Reihe von Gerippen abgeschritten hatten. Um die Vielfalt der Formen zu erkennen, musste man die Exemplare aus weit voneinander entfernten K�figen vergleichen.</p><p>Je h�her sie kamen, desto deutlicher war zu sehen, dass sich die Brustk�rbe der Skelette schlossen.</p><p>Die Fu�gestelle wurden kleiner, als w�ren sie von der breiten Knochenscheibe verschlungen. Daf�r hatten die Torsos gr��ere K�pfe, die Sch�del schwollen an den Seiten eigenartig an, die Schl�fen rundeten sich, so dass manche gewisserma�en drei miteinander verschmolzene Sch�delw�lbungen besa�en, die gro�e mittlere und zwei seitliche oberhalb der Ohr�ffnungen. Die M�nner hatten, hintereinander gehend, anderthalb Etagen der Spirale durchmessen, als ein pl�tzlicher Ruck sie innehalten lie�. Das Kabel, das den Scheinwerfer mit dem Gel�ndewagen verband, war abgespult. Der Doktor wollte mit seiner Taschenlampe weitergehen, aber der Koordinator war dagegen. Vom Haupttunnel zweigten alle paar Meter andere ab, so dass man sich in diesem gleichsam aus Glas geblasenen Labyrinth leicht verlaufen konnte. Sie kehrten um. Unterwegs versuchten sie, einen der Deckel zu �ffnen. Sie versuchten es bei einem zweiten, bei einem dritten, doch alle waren mit den R�ndern der durchsichtigen Verschalung wie verschmolzen. Der Boden in den Blasen war mit einer Schicht feinen, wei�lichen Staubes bedeckt, in der sich durch die unterschiedliche Dichte sonderbare Figuren abzeichneten. Der Doktor, der als letzter ging, blieb alle paar Schritte vor den gew�lbten W�nden stehen. Er kam nicht dahinter, wie das Skelett aufgeh�ngt war, worauf es sich st�tzte. Er wollte eine der �Trauben� in einem Seitengang umgehen, aber der Koordinator dr�ngte zur Eile. So musste er auf eine Untersuchung verzichten, um so mehr, als der Chemiker, der den Scheinwerfer trug, sich entfernt hatte und ringsum Dunkelheit herrschte, voll von schimmernden W�nden.Sie beeilten sich mit dem Abstieg. Endlich konnten sie erleichtert Luft sch�pfen, die dort, wo der Gel�ndewagen stand, viel frischer war als die abgestandene und �berhitzte im Glastunnel. �Kehren wir um?� fragte der Chemiker unentschlossen. �Noch nicht�, erwiderte der Koordinator. Er wendete den Wagen in der Rinne, die Scheinwerfer beschrieben einen gro�en Bogen durch die blitzende Dunkelheit. Sie fuhren die gewundene Schr�ge hinunter und n�herten sich dem Eingang, der, vom letzten Abendlicht ausgef�llt, wie ein Bildschirm wirkte. Drau�en beschloss der Koordinator, um das zylindrische Bauwerk herumzufahren. Das Fundament hatte einen kegelf�rmigen, gew�lbten Kragen aus gegossenem Metall. Sie hatten noch nicht einmal die H�lfte umkreist, als im Scheinwerferlicht ineinander verkeilte l�ngliche Bl�cke mit rasierklingenscharfen R�ndern auftauchten und ihnen den Weg versperrten.</p><p>Der Koordinator richtete den mittleren Scheinwerfer nach den Seiten. In der unheimlichen Beleuchtung zeigte sich im Hintergrund ein aufget�rmter schwarzer Lavafall. Das Magma st�rzte aus der H�he von einem im Dunkeln unsichtbaren Hang herab und hing als halbmondf�rmige Wand �ber der Umgebung, gest�tzt durch einen dichten Wald von Pfeilern, schr�g eingew�hlten Masten und Armen. Ein weiteres Vordringen war unm�glich. Das Gewirr dieser Konstruktionen mit den dunklen, sich im Scheinwerferlicht bewegenden Schatten dr�ckte mit einem System miteinander verbundener dicker Schilde gegen die Stirn der erstarrten Lavawoge. An einigen Stellen waren gro�e, oben matt und an den Bruchfl�chen wie frisches schwarzes Glas leuchtende St�cke hinuntergest�rzt und hatten den metallenen Zaun mit Schutt �berh�uft. Zugleich war die Magmafront angeschwollen, hatte mancherorts die Schilde auseinandergeschoben, war zwischen sie gedrungen und hatte die Masten verbogen, sie stellenweise aus ihren Verankerungen gerissen. Dieses Bild des ohnm�chtigen Ringens gegen die bergformenden Kr�fte des Planeten entsetzte durch seine Z�higkeit, war aber den M�nnern so nah und vertraut, dass es ihnen irgendwie Mut machte. Der Gel�ndewagen stie� zur�ck in den freien Raum zwischen den keulenf�rmigen Kolossen und fuhr in das Tal weiter. Die seltsame Allee zog sich schnurgerade dahin. Pl�tzlich gerieten sie zwischen kornfeld �hnliche Karrees der schlanken Kelche, die sie bereits von der Ebene bei der Rakete her kannten. In den Scheinwerferfingern zeigten schlangenartige B�sche rosafarbenes Fruchtfleisch unter dem Hautgrau der Oberfl�che. Vom Licht getroffen, begannen sie zu schrumpfen, als w�ren sie aufgeschreckt, doch war diese Regung zu verschlafen, um sich in eine entschiedene Handlung zu verwandeln. Lediglich eine Woge kraftlosen Zitterns lief einige Meter vor dem Scheinwerferlicht her. Am vorletzten zylindrischen Bau hielten sie noch einmal. Der Eingang war durch heruntergefallene Teile versperrt. Unter ihren F��en knirschte es. Sie leuchteten hinein, aber der Schein der Taschenlampen war zu schwach. Sie mussten abermals den Scheinwerfer aus dem Wagen nehmen und betraten mit ihm das Innere. Ein scharfer Gestank erf�llte die Dunkelheit mit dem darin umherirrenden Lichtfleck, ein Gestank wie von organischer Materie, die von Chemikalien zerfressen ist. Bereits bei den ersten Schritten blieben sie bis �ber die Knie in gl�sernen Scherben stecken. Der Chemiker verfing sich in einem metallischen Netz. Als er sich davon befreite, sahen sie unter dem Schutt l�ngliche, gelblichwei�e Bruchst�cke. Der Scheinwerfer zeigte in der H�he ein klaffendes Loch im Gew�lbe, aus dem angeschlagene gl�serne Traubenb�schel hingen. Einige von ihnen waren offen und leer. Ringsum lagen Skelettreste. Sie kehrten zum Wagen zur�ck und fuhren weiter, vorbei an einer Ansammlung grauer, in einer Senke verborgener Ruinen. Der Scheinwerfer fegte �ber einen weiteren Hang und �ber die schr�gen, oben trichterf�rmig erweiterten Konstruktionen, die mit hakenf�rmigen Greifern im Boden verankert waren und den Hang st�tzten. Der Wagen schaukelte und h�pfte nicht mehr, er jagte �ber die glatte, wie aus Beton gegossene Fl�che. In den Lichtern, die weit vorn zu grauen W�lkchen zerst�ubten, tauchte ein undeutliches Spalier auf und versperrte den Weg � eine lange S�ulenreihe, dahinter noch eine, ein ganzer Wald, der ein Bogengew�lbe st�tzte. Dieses eigenartige Kirchenschiff ohne W�nde stand nachallen Seiten hin offen. Unterhalb der Stelle, wo die B�gen wie flugbereite Schwingen die S�ule verlie�en, waren blattartig zusammengerollte, verklebte, behutsam sprie�ende Ans�tze neuer, m�glicher, noch nicht entfalteter B�gen zu sehen. �ber eine Reihe von Stufen, fein wie Z�hnchen, fuhr der Wagen zwischen die S�ulen. Ihre Form war von besonderer Regelm��igkeit, nicht geometrischer, eher pflanzenm��iger Beschaffenheit. Obwohl alle einander glichen, gab es nicht zwei von derselben Art. �berall traten winzige Verschiebungen der Proportionen zutage, Verlegungen der knotenartigen Verdickungen, in denen sich die Keime der gefl�gelten Fl�chen bargen.</p><p>Der Wagen rollte lautlos �ber das steinerne Plateau. Die langen Reihen der S�ulen schnellten nach hinten zur�ck, mit ihnen der Wald der sich drehenden flachen Schatten. Dann noch eine und noch eine Reihe, und das Gew�lbe verschwand. Sie sahen nun freien Raum vor sich. In der Ferne glomm ein schwacher Schein. Der Gel�ndewagen rollte langsam �ber den gegossenen Felsen. Die Bremsen quietschten leise, der Wagen hielt einen Meter vor einem steinernen Hohlweg, dessen B�schung sich unverhofft vor ihnen auftat.</p><p>Unter ihnen zeichnete sich ein Gewirr von Mauern ab, die gleich alten Erdbefestigungen tief in den Boden eingelassen waren. Ihre Spitzen befanden sich in gleicher H�he mit ihnen. Sie schauten wie aus der Vogelperspektive in das schwarze Innere der engen, krummen Gassen mit den senkrechten W�nden. In den Mauern konnte man dunklere, sich nach hinten neigende, schr�g zum Himmel aufragende Reihen quadratischer �ffnungen mit abgerundeten Ecken erkennen. Die steinernen Konturen verschwammen, von keiner Lichtflamme erhellt, zu einer einheitlichen Masse. Weiter hinten, �ber den Buckeln der n�chsten Mauern, wohin der Blick nicht mehr drang, schimmerte ein unregelm��iger Widerschein. In noch gr��erer Entfernung wurden die Lichtflecken zahlreicher. Wie ein regloser, goldgelber Nebel best�ubten sie, zu einem einheitlichen Glanz verschmolzen, die steinernen R�nder. Der Koordinator stand auf und richtete den Scheinwerfer in die Gasse unmittelbar unter ihnen. Das Lichtb�ndel erfasste eine einsame spindelf�rmige S�ule, die etwa hundert Schritt entfernt von ihnen zwischen bogenf�rmig zur�ckweichenden W�nden stand. An ihren Seiten rieselte Wasser herab, das lautlos zitterte und funkelte. Auf den dreieckigen Platten rings um die S�ule lag etwas Flu�sand. In der N�he, am Rand der Helligkeit, ruhte ein umgest�lptes flaches Gef��. Sie sp�rten den Hauch des Nachtwindes, dem unten in den Gassen ein leises Rascheln antwortete, wie Halme, die �ber Steine schleifen. �Das wird eine Siedlung sein�, sagte der Koordinator bed�chtig und lie� im Stehen den Scheinwerfer immer weiter schweifen. Von einem kleinen Platz mit einem Brunnen zweigten schmale, von senkrechten Mauern ges�umte Stra�en ab. Die Mauern sahen aus wie aneinandergef�gte Schiffsschn�bel. Die Zwischenr�ume waren wie bei einer Festungswehr mit hohlen, rechteckigen �ffnungen nach hinten geneigt. Von diesen �ffnungen f�hrten verwaschene schw�rzliche Streifen nach oben, sie glichen den Ru�spuren eines Brandes, der einst hier gew�tet haben mochte. Der Scheinwerferstrahl huschte auf die andere Seite, glitt �ber die spitzen Mauern, prallte in die schwarze H�hle eines Kellereingangs und wanderte weiter durch die offenen Schl�nde der Gassen. �Licht aus!� rief der Doktor pl�tzlich. Der Koordinator gehorchte. Erst in dem Dunkel, das hereinbrach, bemerkte er die Ver�nderung, die in dem Raum vor sich gegangen war. Der gleichm��ige gespenstische Schein, der die Zinnen der entfernten Mauern mit den Silhouetten der Rohre oder Rauchabz�ge davor umschloss, zerfiel zu einzelnen Inseln und wurde schw�cher, eine von der Mitte her nach den R�ndern zu rollende Woge der Dunkelheit l�schte ihn aus. Eine Weile noch schimmerten einzelne S�ulen, dann verschwanden auch sie. Die Nacht verschlang ein St�ck der steinernen Hohlwege nach dem anderen, bis die letzte Spur von Licht erloschen war. Kein einziger Funken zuckte mehr in der toten Finsternis. �Sie wissen, dass wir hier sind��, sagte der Chemiker. �M�glich�, erwiderte der Doktor, �aber warum waren dort Lichter? Und habt ihr bemerkt, wie sie ausgegangen sind? Von der Mitte her.� Keiner antwortete. Der Koordinator setzte sich. Die Finsternis umschloss sie wie einschwarzer Umhang.</p><p>�Wir k�nnen da nicht hinunterfahren. Wenn wir den Wagen hierlassen, muss jemand bei ihm bleiben�, sagte er. Sie schwiegen. Sie sahen nicht einmal ihre Gesichter. Sie h�rten nur das schwache Rauschen des Windes irgendwo �ber sich. Dann drang von hinten, von dem Kirchenschiff ohne W�nde her, ein leises Ger�usch zu ihnen, als schritte jemand behutsam. Der Koordinator lauschte angestrengt, drehte langsam den erloschenen Scheinwerfer, zielte damit blind und schaltete ihn ein.</p><p>Im Halbkreis der wei�en Lichtflecke, der S�ulen und der schwarzen Schatten lauerte unbewegliche Leere auf sie. �Wer bleibt?� fragte er. Keine Antwort. �Also dann ich�, entschied er. Er ergriff das Lenkrad. Der Gel�ndewagen fuhr mit brennenden Lichtern am Rand der Siedlung entlang. Etliche hundert Schritt weiter stie�en sie auf eine nach unten f�hrende, von steinernen W�llen eingefa�te Treppe mit schmalen, niedrigen Stufen. �Ich bleibe hier�, sagte er. �Wieviel Zeit haben wir?� fragte der Chemiker. �Es ist neun. Ich gebe euch eine Stunde. Binnen einer Stunde m��t ihr wieder hier sein. Ihr k�nnt Schwierigkeiten mit dem Zur�ckfinden haben. In genau vierzig Minuten z�nde ich ein Blitzlicht an. Zehn Minuten sp�ter das zweite, das n�chste nach f�nf Minuten. Seht zu, dass ihr zu diesem Zeitpunkt auf irgendeiner Erhebung steht, damit ihr mein Signal bemerkt. Wir vergleichen jetzt die Uhren.� In der Stille, die sie umgab, waren nur die Laute des Windes zu h�ren. Die Luft wurde merklich k�hler.</p><p>�Den gro�en Werfer la�t ihr hier. In dieser Enge kann man ihn sowieso nicht benutzen.� Der Koordinator senkte ebenso wie die beiden anderen beim Sprechen die Stimme. �Die Elektrowerfer m�ssten gen�gen. �brigens sollen wir ja Kontakt aufnehmen. Aber nicht um jeden Preis. Das ist doch klar, nicht wahr?� Er sagte das zum Doktor, der best�tigend nickte. �Die Nacht ist dazu nicht die beste Zeit. Vielleicht versucht ihr euch nur im Gel�nde zu orientieren. Das w�re das Vern�nftigste.</p><p>Wir k�nnen ja noch hierher zur�ckkehren. Achtet darauf, dass ihr zusammen bleibt, deckt einander immer den R�cken und dringt nicht zu weit in irgendwelche Winkel vor.�</p><p>�Wie lange wirst du warten?� fragte der Chemiker. Der Koordinator l�chelte. In dem Widerschein der Lichter wirkte sein Gesicht aschfahl. �Bis sich der Erfolg einstellt. Geht jetzt.� Der Chemiker h�ngte sich den Elektrowerfer um den Hals, damit er die Arme freibehielt. Die Waffe baumelte ihm vor der Brust. Er leuchtete mit der Taschenlampe auf die Treppenstufen. Der Doktor stieg bereits hinunter.</p><p>Pl�tzlich erstrahlte wei�es Licht von oben, der Koordinator erhellte ihnen den Weg. Die Unebenheiten der steinernen Fl�che erschienen ins Riesenhafte gesteigert und waren voller Schatten.</p><p>Sie schritten in den langen Lichtsch�chten die Wand entlang, bis sich an der gegen�berliegenden Ecke ein ger�umiger Flur auftat. Er war an beiden Seiten von S�ulen eingefa�t, die auf halber H�he aus der Mauer traten, als w�chsen sie aus ihr hervor. Oben bedeckte eine traubenartige Skulptur die T�rfassung. Das schwache Scheinwerferlicht des fernen Gel�ndewagens fiel als halbrunder F�cher auf die schwarze Glasur des Flurs, dessen Schwelle wie von tausendfachen Schritten ausgeh�hlt war. Sie gingen langsam hinein. Der Eingang war sehr gro�, wie f�r Riesen errichtet. Die Innenw�nde zeigten keinerlei Fugen, als sei das Geb�ude als Ganzes gegossen worden. Der Flur endete mit einer leicht nach innen gew�lbten Wand. Zu beiden Seiten waren ganze Reihen von Nischen zu erkennen. Jede hatte tiefe Einbuchtungen am Boden, die wie Gebetmulden aussahen. Dar�ber f�hrte eine Art Rauchfang in die Mauer. Die Taschenlampen erhellten nur den untersten, dreieckigen Teil, der schwarze, von einer Glasur �berzogene W�nde hatte.</p><p>Sie traten ins Freie. Ein halbes Hundert Schritte weiter riss das sie begleitende Licht ab, weil die Mauer eine Biegung machte. An dieser Stelle zweigte, von einem regelm��igen Hexaeder eingerahmt, eine Gasse ab. Kaum hatten sie diese Gasse betreten, da �nderte sich unversehens etwas. Das steinerne Grau der Umgebung erlosch wie weggeblasen. Der Chemiker schaute sich um. Finsternis umringte sie von allen Seiten. Der Koordinator hatte die Scheinwerfer gel�scht, deren letzter Schimmer noch bis andiesen Ort gedrungen war.</p><p>Der Chemiker hob den Blick. Den Himmel konnte er nicht sehen, er ahnte ihn nur, sp�rte seine ferne, k�hle Gegenwart mit dem Gesicht.</p><p>Ihre Schritte hallten in der Stille laut wider. Der Stein antwortete gleichm��ig. Das Echo in dem G��chen klang kurz und dumpf. Wie auf Verabredung hoben beide die linke Hand und lie�en sie im Gehen an der Mauer entlanggleiten. Der Stein war kalt und fast so glatt wie Glas. Nach einer Weile knipste der Doktor die Taschenlampe an, denn er glaubte eine Verdichtung von dunklen Flecken zu sehen. Sie befanden sich auf einem kleinen Platz, der wie der Boden eines Brunnens von Mauern eingefa�t war. In den konkaven W�nden, die nur von den einm�ndenden Gassen unterbrochen wurden, befanden sich in einer Doppelreihe nach hinten geneigte, zum Himmel gerichtete und deshalb von unten fast unsichtbare Fenster. Sie leuchteten �berall mit den Taschenlampen hinein. In der schm�lsten Gasse entdeckten sie Stufen, die steil nach unten f�hrten, dar�ber war ein waagerechter steinerner Balken glatt in die Mauern eingepa�t. Darunter hing ein dunkles Fa�, das wie eine Wasseruhr an beiden Enden erweitert war. Sie w�hlten die breiteste Gasse.</p><p>Sehr bald sp�rten sie, dass sich die Luft ver�nderte. Der nach oben gerichtete Taschenlampenstrahl zeigte ein Gew�lbe, das wie ein Sieb durchl�chert war, als habe jemand in die wie eine Haut gespannte glatte Steinschicht dreieckige �ffnungen geschlagen. Sie gingen lange, kamen durch Gassen, die mit Steinen gepflastert und ger�umig waren wie Galerien, schritten unter Gew�lben dahin, von denen unf�rmige Glocken oder F�sser herabhingen. Spinnwebenartige Fetzen klebten an den mit reichen Pflanzenornamenten verzierten Supraporten. Sie schauten in leere breite Flure, deren fa�artige Gew�lbe gro�e runde �ffnungen hatten. Aus diesen �ffnungen ragten Felsst�cke wie Zapfen. An den Mauern liefen hin und wieder schr�ge Rinnen mit Querverdickungen nach oben, sie sahen aus wie die Reste von Leitern und schienen mit einer erstarrten Masse �berg�ssen zu sein. Ab und zu traf ein warmer Luftzug ihr Gesicht. Einige hundert Schritte, bis zur n�chsten Gabel, gingen sie auf nahezu wei�en Platten. Sie w�hlten die Gasse, die abw�rts f�hrte. Die Mauern ruhten auf schweren Fundamenten, in denen sich mit welkem Laub gef�llte Nischen befanden. Sie stiegen �ber eine Schr�gfl�che mit fein gezahnten Stufen immer tiefer hinab. Staub wirbelte im Schein der Taschenlampen unter ihren F��en auf. Links und rechts klafften Eing�nge von Krypten, aus denen ihnen abgestandene, stickige Luft entgegenschlug. Die Strahlen ihrer Taschenlampen waren machtlos gegen die dort herrschende Finsternis und blieben an einem Chaos von unverst�ndlichen Formen h�ngen, die seit langer Zeit sich selbst �berlassen schienen. Der Weg f�hrte wieder aufw�rts. Sie schritten weiter, bis von oben der Hauch pl�tzlich enth�llter H�hen herabwehte.</p><p>Sie gingen durch Gassen, vorbei an einander kreuzenden Gangfluchten, �berquerten Pl�tze. Das Licht schlug gegen die Mauern. Die Schatten schienen Fl�gel zu bekommen und in schwarzen Scharen vor ihren F��en davonzustieben, sie ballten sich zusammen und verwirrten sich in den offenen Passagen.</p><p>An deren Eing�ngen lauerten aus Mauern ragende S�ulen, die sich einander zuneigten. Das bellende Echo der Schritte begleitete unabl�ssig ihre Wanderung.</p><p>Zuweilen hatten sie den Eindruck, als w�re irgendein Lebewesen in ihrer N�he. Dann l�schten sie die Taschenlampen und lehnten sich an eine Wand. Ihre Herzen pochten. Etwas raschelte, schlurfte, Schrittger�usche brachen sich in einem undeutlichen Echo, wurden schw�cher, an den Mauern entlang ert�nte leises Gemurmel, wie von unterirdischen B�chen, manchmal auch wie aus der Tiefe eines Brunnens. Aus einer steinernen Nische drang nicht enden wollendes St�hnen inmitten muffiger Ausd�nstungen. War das nun die Stimme eines Lebewesens, oder waren es Laute der zitternden Luft?</p><p>Sie gingen weiter. In der Dunkelheit war ihnen, als schlichen Gestalten um sie herum. Einmal bemerkten sie, wie sich aus einer Seitengasse ein Gesichtchen vorschob, bla� im Licht, von tiefen Falten gezeichnet. Als sie an diese Stelle gelangten, war niemand da, nur ein Fetzen Goldfolie, d�nnwie Papier, lag auf den Steinen. Der Doktor schwieg. Er wusste, diese Wanderung mit ihren Gefahren war geradezu ein Wahnsinn unter diesen n�chtlichen Bedingungen. Sie ging zu seinen Lasten, denn der Koordinator hatte dieses Risiko auf sich genommen, weil die Zeit dr�ngte und er, der Doktor, am hartn�ckigsten einen Verst�ndigungsversuch gefordert hatte. Dutzende Male nahm er sich vor, nur noch bis zur n�chsten Mauerbiegung zu gehen, bis zur n�chsten Querstra�e, um dann umzukehren � und er ging weiter. In einer hohen Galerie fiel eine traubenartige Schote wenige Schritt vor ihnen auf den Boden. Sie hoben sie auf. Sie war noch warm, als h�tte eine Hand sie ber�hrt. Am meisten wunderten sie sich �ber die Dunkelheit, die kein Licht erhellte. Die Bewohner des Planeten hatten doch Augen, hatten einen Gesichtssinn. Sicherlich hatten sie ihre Ankunft bemerkt, also war damit zu rechnen, dass sie irgendwo Wachen begegneten. Die absolute Stille in diesem immerhin bewohnten Raum � davon zeugten die Lichter, die sie zuvor von oben gesehen hatten � �berraschte sie.</p><p>Je l�nger die Wanderung dauerte, um so mehr glich sie einem Alptraum. Am meisten verlangte es sie nach Licht. Die Taschenlampen vermittelten nur eine Illusion davon, sie vertieften nur die Finsternis ringsum, aus der sie lediglich einzelne, aus dem Zusammenhang gel�ste und deshalb unbegreifliche Teile herausrissen. Einmal h�rten die beiden in ihrer N�he ein deutliches Schlurfen. Als sie ihm nachliefen, wurde es hastiger. Das Getrappel der Flucht und der Jagd erf�llte die Gasse. Der Widerhall brach sich an den engen Mauern. Sie rannten mit brennenden Taschenlampen. Ein grauer Schein zu ihren K�pfen begleitete sie wie ein Gew�lbe, fiel fast auf sie, wenn es sich senkte, schnellte dann wieder hoch. Die Decke des Scheins schwamm in Wellen, die schwarzen Schl�nde der Quergassen flogen vorbei. Ersch�pft von der unsinnigen Jagd ins Leere blieben sie stehen.</p><p>�H�r mal, vielleicht wollen sie uns damit nur locken�, sagte der Chemiker keuchend. �Unsinn!� zischte der Doktor �rgerlich und leuchtete mit der Taschenlampe umher. Sie standen an einem ausgetrockneten Steinbrunnen. In den Mauern klafften schwarze H�hlen. In einer war f�r einen Augenblick ein blasses, flaches Gesichtchen zu sehen. Als sie den Lichtkegel dorthin richteten, war die �ffnung leer. Sie gingen weiter. Dass sie von irgendwelchen Gesch�pfen umgeben waren, war nun sicher. Es wurde unertr�glich. Sie sp�rten sie von allen Seiten. Dem Doktor dr�ngte sich sogar der Gedanke auf, dass selbst ein Angriff, ein Kampf in dieser Finsternis besser w�re als diese sinnlose Wanderung, die nirgends hinf�hrte. Er blickte auf die Uhr. Schon fast eine halbe Stunde war vergangen, sie mussten gleich umkehren.</p><p>Der Chemiker, der ihm einige Schritte vorausging, hob die Taschenlampe. In einer Mauerbiegung klaffte ein Tor mit einem Spitzbogen dar�ber. Zu beiden Seiten der Schwelle standen zwei knollige Steinst�mpfe. Als er an dem dunklen Eingang vorbeiging, richtete er die Taschenlampe darauf. Das Licht glitt �ber eine Reihe Wandnischen und fiel auf mehrere zusammengedr�ngte nackte Buckel, die kauernd erstarrt waren. �Dort sind sie!� zischte er und wich instinktiv zur�ck. Der Doktor ging hinein.</p><p>Der Chemiker leuchtete unterdessen. Die nackte Gruppe dr�ngte sich wie versteinert an die Wand. Im ersten Augenblick glaubte er, dass sie nicht mehr lebten. Im Schein der Taschenlampe gl�nzten w�sserige Tropfen auf ihren R�cken. Er stand eine Weile ratlos da.</p><p>�He!� sagte er leise, denn er sp�rte, dass in der ganzen Situation nicht eine Spur von Logik war.</p><p>Drau�en ert�nte irgendwo in der H�he ein durchdringendes, vibrierendes Pfeifen. Ein vielstimmiges St�hnen stieg zum steinernen Gew�lbe hinauf. Keiner der Kauernden r�hrte sich. Sie st�hnten nur mit kratzenden Stimmen. Daf�r gab es jetzt Bewegung auf der Stra�e. Man h�rte entferntes Stampfen, das in Galopp �berging. Mehrere dunkle Gestalten huschten in m�chtigen S�tzen vor�ber, das Echo antwortete aus immer gr��erer Entfernung. Der Doktor schaute durch das Tor � nichts zu sehen. Seine Ratlosigkeit schlug in brennende Wut um. Er stand im Eingang und knipste die Taschenlampe aus, um besser zu h�ren. Aus der Dunkelheit erscholl nahendes Stampfen. �Sie kommen!�</p><p>Der Doktor f�hlte, dass der Chemiker die Waffe hochri�. Er schlug von oben auf den Lauf und r�ckteihn nach unten. �Nicht schie�en!� schrie er. Die Stra�enbiegung war pl�tzlich bev�lkert. In den Lichtkegeln sahen sie Buckel auf und ab h�pfen, es wimmelte nur so davon. Sie h�rten die gro�en weichen K�rper zusammenprallen. Riesige, gleichsam gefl�gelte Schatten flogen im Hintergrund hin und her, zugleich hob ein Geschrei an, ein kratzendes Husten. Mehrere br�chige Stimmen begannen entsetzlich zu wimmern. Eine gewaltige Masse st�rzte dem Chemiker vor die F��e und schlug ihm die Beine weg. Im Fallen sah er f�r den Bruchteil einer Sekunde ein Gesichtchen, das ihn mit wei�en Augen anstarrte. Die Taschenlampe schlug auf die Steine, es wurde stockfinster. Der Chemiker suchte verzweifelt nach der Lampe und tastete wie ein Blinder das Pflaster ab.</p><p>�Doktor, Doktor!� schrie er. Seine Stimme ging in dem Durcheinander unter. Ringsum huschten Dutzende von Leibern vor�ber. Die gewaltigen R�mpfe mit den kleinen H�ndchen stie�en zusammen, schlugen aufeinander. Er bekam einen Metallzylinder zu fassen und richtete sich auf, da warf ihn ein m�chtiger Schlag gegen die Wand. Von oben ert�nte Pfeifen. Es schien von der Spitze der Mauer zu kommen. Alles erstarrte f�r einen Augenblick. Er sp�rte die W�rmewelle, die von den erhitzten Leibern ausging. Etwas stie� ihn an, er taumelte und schrie auf bei der ekelhaften glitschigen Ber�hrung. Pl�tzlich war er ringsum von keuchenden Atemz�gen umgeben.</p><p>Er schob den Kontakt an der Taschenlampe vor, sie flammte auf. Sekundenlang spannten sich vor ihm gewaltige bucklige Torsos in gewundener Linie. Von oben blinzelten ihn, so weit er sehen konnte, geblendete Augen an, die runzligen K�pfchen schwankten, dann st�rzten die Nackten, von hinten gedr�ngt, auf ihn los. Er stie� einen Schrei aus. In dem wilden Durcheinander h�rte er die eigene Stimme nicht mehr. Die Rippen wurden ihm gequetscht. Eingekeilt zwischen die feuchten, warmen Leiber, verlor er den Boden unter den F��en. Er versuchte nicht einmal sich zu wehren, er sp�rte, dass er irgendwohin gesto�en, mitgeschleppt, gezogen wurde. Der scharfe Gestank w�rgte ihn. Krampfhaft hielt er die Taschenlampe umklammert, die gegen seine Brust gedr�ckt wurde. Sie erhellte einige der ihn umgebenden Gesichtchen. Sie starrten ihn verbl�fft an und wichen zur�ck. Aber die Menge gab keinen Platz frei. Die Finsternis war erf�llt von dem Geheul heiserer Stimmen. Die kleinen Torsos, triefend von einer w�sserigen Fl�ssigkeit, suchten Schutz in den Falten der Brustmuskeln. Pl�tzlich warf eine ungeheure Druckwelle die Gruppe, in der sich der Chemiker befand, zum Eingang hin. In dem Gedr�nge vermochte er noch durch das Dickicht der verschlungenen H�nde und R�mpfe das aufblitzende Licht und das Gesicht des Doktors zu sehen, dessen im Schrei aufgerissenen Mund, dann war das Bild verschwunden. Er glaubte von dem penetranten Gestank zu ersticken. Die Taschenlampe h�pfte mit dem Glas unter seinem Kinn, riss Gesichtchen ohne Augen, ohne Nase, ohne Mund aus dem Dunkel, flache, greisenhafte, herabh�ngende Gesichtchen, und alle waren wie mit Wasser �bergossen. Er sp�rte die Schl�ge, die ihm die Buckel versetzten. Einen Augenblick lang war etwas Luft um ihn, dann wurde er wieder gepre�t, mit dem R�cken gegen die Wand geworfen. Er stie� mit dem Nacken gegen eine kleine S�ule, hielt sich an ihr fest, versuchte sich an sie zu dr�cken. Die neuen Wogen der Herandr�ngenden warfen ihn zur�ck. Er stemmte sich mit aller Kraft dagegen, k�mpfte nur darum, stehenzubleiben. Wenn er hinfiel, bedeutete das den Tod. Er ertastete eine steinerne Stufe, nein, es war ein St�ck Felsen. Er kletterte hinauf und hob die Taschenlampe �ber den Kopf.</p><p>Das Bild, das sich ihm bot, war erschreckend. Ein Meer von K�pfen wogte von einer Wand zur anderen. Die vor der Nische standen, starrten ihn mit aufgerissenen Augen an. Er sah ihre verzweifelten Bem�hungen, sich krampfhaft, wie von einem Schauder erfa�t, von ihm zu entfernen.</p><p>Aber als Teil der nackten Masse wurden sie in die Gasse gedr�ngt, und wer sich an den R�ndern befand, wurde an die Mauern gequetscht. Gr��licher L�rm erf�llte den Platz. Da erblickte er den Doktor wieder. Er hatte keine Taschenlampe und bewegte sich, vielmehr schwamm in der Menge, bald vorw�rts, bald zur Seite, wie verloren zwischen den gro�en R�mpfen, die ihn �berragten.Irgendwelche Fetzen flatterten in der Luft. Der Chemiker wehrte sich nun gegen die Herandr�ngenden mit dem Elektrowerfer, den er am Kolben und am Magazin festhielt, so gut er konnte. Er sp�rte, wie ihm die H�nde erlahmten. Die feuchten, schl�pfrigen Leiber stie�en wie Sturmb�cke gegen ihn vor, sprangen zur�ck, hetzten weiter. Die Menge lief allm�hlich auseinander, aber in der Dunkelheit str�mten neue Scharen heran. Die Taschenlampe erlosch. Ein Hin und Her, ein Stammeln, ein St�hnen inmitten undurchdringlicher Finsternis. Der Schwei� rann ihm in die Augen, er sog die Luft ein, die in den Lungen brannte, und war nahe daran, das Bewu�tsein zu verlieren. Er sank auf die steinerne Stufe, lehnte sich mit dem R�cken gegen die kalten Felsen, rang nach Atem. Er konnte nun einzelnes Stampfen unterscheiden, lange, klatschende S�tze. Der lamentierende Chor entfernte sich.</p><p>Er st�tzte sich mit den H�nden gegen die Wand und richtete sich auf. Seine Knie waren wie aus Watte. Er wollte den Doktor rufen, doch die Stimme versagte ihm. Pl�tzlich riss ein wei�licher Schein die Krone der gegen�berliegenden Mauer aus der Dunkelheit. Es dauerte eine Weile, bis ihm klar wurde, dass das wohl der Koordinator war, der ihnen mit einem Magnesiumfeuer die Richtung f�r den R�ckweg anzeigte.</p><p>Er b�ckte sich und suchte die Taschenlampe. Er wusste gar nicht mehr, wann sie ihm aus der Hand geschlagen worden war. Am Boden war die Luft voll scheu�lichen faden Gestanks, den er nicht ertrug, er bekam Kr�mpfe davon. Er stand auf. In der Ferne h�rte er einen Schrei � die Stimme eines Menschen. �Hier, Doktor, hier!� br�llte er. Ein erneuter Schrei antwortete ihm, schon n�her. Eine Lichtzunge tauchte zwischen den schwarzen Mauern auf. Der Doktor kam rasch auf ihn zu, schwankend, als sei er betrunken.</p><p>�Ach�, sagte er, �du bist hier, gut�� Er packte den Chemiker am Arm. �Sie haben mich ein St�ck mitgerissen, aber es gelang mir, mich in einen Flur zu verdr�cken� Hast du die Taschenlampe verloren?� </p><p>�Ja.� Der Doktor hielt sich noch immer an seinem Arm fest. �Nur ein Schwindelgef�hl�, erkl�rte er in ruhigem Ton, aber noch etwas atemlos. �Das ist nichts, das geht gleich vor�ber��</p><p>�Was war das?� fl�sterte der Chemiker, als fragte er sich selbst. Der andere antwortete nicht. Sie lauschten beide in die Finsternis. Wieder n�herte sich fernes Stampfen, die Dunkelheit war voller Ger�usche. Einige Male wehte ein ged�mpftes St�hnen zu ihnen heran. Wieder erhellte ein Leuchten die Mauerkronen, zitterte, str�mte mit gelblichem Schimmern abw�rts wie ein kurzer Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. �Gehen wir�, sagten beide gleichzeitig.</p><p>Ohne diese Signale w�ren sie wohl kaum vor Tagesanbruch zur�ckgekehrt. So aber konnten sie, gelenkt von dem Schein, der noch zweimal wie eine Feuersbrunst das Dunkel der steinernen Hohlwege erhellte, die Marschrichtung einhalten. Unterwegs begegneten sie einigen Fl�chtenden, die, vom Licht der Taschenlampe erschreckt, rasch das Weite suchten. An einer steilen Treppe stie�en sie auf einen bereits erkalteten Leichnam. Sie �bersprangen ihn wortlos. Wenige Minuten sp�ter fanden sie den kleinen Platz mit dem steinernen Brunnen wieder. Kaum fiel der Schein der Taschenlampe des Doktors darauf, flammten �ber ihnen die Scheinwerfer mit dreifacher Helligkeit auf. Der Koordinator stand oben an der Treppe, die sie keuchend hinaufliefen. Langsam folgte er ihnen zum Wagen, wo sie sich auf die Trittbretter setzten. Er l�schte die Lichter und schritt in der Dunkelheit auf und ab. Er wartete, bis sie sprechen konnten. Als sie ihm alles berichtet hatten, sagte er nur: �Nun ja. Gut, dass das so geendet hat. Hier ist einer, wi�t ihr�� Sie verstanden ihn nicht. Erst als er den seitlichen Scheinwerfer einschaltete und nach hinten drehte, sprangen sie auf: Ein Dutzend Schritte hinter dem Gel�ndewagen lag bewegungslos ein Doppelt. Der Doktor war als erster bei ihm. Das Licht des Scheinwerfers war so stark, dass man auf den Steinplatten selbst die geringste Vertiefung erkennen konnte.</p><p>Der Doppelt war nackt, die obere H�lfte seines gro�en Rumpfes war schr�g aufgerichtet. Ein gro�es bla�blaues Auge starrte sie zwischen den klaffenden Brustmuskeln an. Sie konnten nur den Rand desplatten Gesichtchens sehen, wie durch den Spalt einer angelehnten T�r.</p><p>�Wie kam er hierher?� fragte der Doktor leise. �Er kam von unten, wenige Minuten vor euch. Als ich das Blitzlicht anz�ndete, floh er, dann kam er wieder.� </p><p>�Er kam wieder?� </p><p>�Ja, an diese Stelle.�</p><p>Sie standen da und wussten nicht, was sie anfangen sollten. Das Gesch�pf atmete keuchend, wie nach einem langen Lauf. Der Doktor b�ckte sich und wollte es streicheln, ihm auf die Schulter klopfen. Es zitterte, auf seiner blassen Haut erschienen gro�e, w�ssrige Tropfen.</p><p>�Er hat Angst vor uns�, sagte der Doktor leise. �Was tun?� </p><p>�Wir lassen ihn zur�ck und fahren ab�, schlug der Chemiker vor. �Es ist Zeit.� </p><p>�Wir fahren nirgendshin. H�rt zu�� Der Doktor z�gerte.</p><p>�Wisst ihr was� Na, setzen wir uns erst einmal.�� Der Doppelt r�hrte sich nicht. W�ren nicht die gleichm��igen Bewegungen seiner schildartig geweiteten Brust gewesen, man h�tte meinen k�nnen, dass er nicht lebte. Dem Beispiel des Doktors folgend, setzten sie sich um den Doppelt herum auf die Steinfl�che. Aus der Finsternis drang das ferne Rauschen des Geysirs. Hin und wieder raschelte der Wind in den unsichtbaren B�schen. Undurchdringliche Nacht deckte die Siedlung zu. D�nne Nebelschwaden schwammen durch die Luft. Nach etwa zehn Minuten, als sie schon die Hoffnung aufgeben wollten, lugte der Doppelt durch den Spalt seines inneren Verstecks. Eine unvorsichtige Bewegung des Chemikers gen�gte, dass sich die Muskeln wieder schl�ssen, aber diesmal nur f�r kurze Zeit.</p><p>Schlie�lich, nach etwa einer halben Stunde, richtete sich der Riese auf. Er war ungef�hr zwei Meter gro�, w�re aber noch gr��er gewesen, wenn er sich ganz aufgerichtet h�tte. Beim Gehen ver�nderte sich der untere Teil seines unf�rmigen K�rpers. Er sah aus, als k�nnte er beliebig die Beine einziehen und ausstrecken, doch das waren nur die Muskeln, die bei der Kontraktion st�rker hervortraten.</p><p>Keiner wusste genau, wie der Doktor es fertiggebracht hatte � er selbst versicherte sp�ter, dass er es auch nicht w��te � , jedenfalls lie� sich der Doppelt, der seinen beweglichen Torso aus dem inneren Nest hervorgeholt hatte, nach l�ngerem Schulterklopfen, verschiedenen ermunternden Gesten und Einfl�sterungen von dem Doktor an der d�nnen Hand zum Gel�ndewagen f�hren. Sein kleiner, nach vorn h�ngender Kopf betrachtete sie mit naivem Erstaunen, als sie in den Lichtkegel des Scheinwerfers traten.</p><p>�Und was jetzt?� fragte der Chemiker. �Hier wirst du dich mit ihm nicht verst�ndigen.�</p><p>�Was hei�t was jetzt?� erwiderte der Doktor. �Wir nehmen ihn mit.�</p><p>�Bist du noch bei Troste?�</p><p>�Wir h�tten viel davon�, gab der Koordinator zu bedenken, �aber er wiegt sicherlich eine halbe Tonne!�</p><p>�Das macht nichts. Der Wagen ist f�r mehr berechnet.�</p><p>�Du bist gut! Wir sind drei, dazu die Ladung, das sind schon �ber dreihundert Kilo. Die Torsionsst�be k�nnen brechen.�</p><p>�So?� sagte der Doktor. �Dann eben nicht. Soll er gehen.� Er stie� den Doppelt auf die Treppe zu. Im Licht des Scheinwerfers, das unmittelbar auf ihn fiel, sah es aus, als sei sein Kopf abgeschnitten und gegen einen anderen, fremden, zu kleinen, au�erdem zu tief angesetzten ausgewechselt worden. Das gro�e Gesch�pf duckte sich pl�tzlich, als sackte es in sich zusammen. Seine Haut bedeckte sich im Nu mit opalisierenden Tropfen.�Aber nein, zum Teufel� Ich habe ja nur Spa� gemacht��, stammelte der Doktor. Die anderen waren �ber diese Reaktion ebenfalls verbl�fft. Nur mit M�he gelang es dem Doktor, den Doppelt zu beruhigen. Es war schwierig, f�r den neuen Passagier einen Sitzplatz zu finden. Der Koordinator lie� fast die ganze Luft aus den Reifen, so dass das Chassis beinahe aufsetzte. Im Licht des Handscheinwerfers demontierten sie die beiden hinteren Sitze und befestigten sie am Gep�ckgitter.</p><p>Ganz oben legten sie noch den Werfer darauf. Der Doppelt str�ubte sich jedoch, in den Wagen zu steigen. Der Doktor t�tschelte ihn, redete ihm gut zu, schubste ihn, setzte sich selbst hinein und sprang wieder heraus. Unter anderen Umst�nden w�re das sicherlich ein lustiges Schauspiel geworden. Es ging schon auf Mitternacht, und sie hatten bis zur Rakete noch mehr als hundert Kilometer bei Finsternis und auf schwierigem, zumeist steil ansteigendem Gel�nde zur�ckzulegen. Schlie�lich riss dem Doktor die Geduld. Er ergriff eine Hand des Torsos und rief: �Gebt ihm mal von hinten einen Sto�!� Der Chemiker z�gerte, aber der Koordinator st�tzte mit dem Arm den Buckel des Doppelt, der gab einen winselnden Laut von sich, schwankte und war mit einem Satz im Wagen. Nun ging alles schnell. Der Koordinator lie� Luft in die Reifen, und der Wagen fuhr gehorsam an trotz des einseitigen �bergewichts. Der Doktor setzte sich vor den neuen Passagier. Der Chemiker nahm die Unbequemlichkeit in Kauf und stellte sich hinter den Koordinator. Sie fuhren in dem dreifachen Strahl der Scheinwerfer durch die S�uleng�nge, dann die glatten Fl�chen entlang zur �Keulenallee�.</p><p>Der Wagen entwickelte auf dem ebenen Boden eine betr�chtliche Geschwindigkeit, erst unterhalb des Magma�berhanges mussten sie wieder langsamer fahren. Nach wenigen Minuten waren sie bei den Lehmh�geln und den Gruben mit ihrem schrecklichen Inhalt. Eine Zeitlang fuhren sie durch dichten, schauderhaft schmatzenden Morast, dann fanden sie ihre eigenen Reifenspuren im Lehm und folgten ihnen. Der Wagen schleuderte unter seinen R�dern Wasser� und Schlammfont�nen hoch und lavierte geschickt zwischen den Lehmh�geln hindurch, die links oder rechts in dem dreifachen Lichtstreifen auftauchten. In der Ferne zuckte ein verschwommenes Fl�mmchen, kam auf sie zu und wurde mit jedem Augenblick gr��er. Bald konnten sie drei verschiedene Lichter unterscheiden. Der Koordinator verlangsamte die Fahrt nicht, er wusste, es war ihr eigenes Spiegelbild. Der Doppelt wurde unruhig, er bewegte sich, r�usperte sich, r�ckte sogar gef�hrlich in die Ecke, so dass sich der Wagen noch st�rker nach links neigte. Der Doktor versuchte ihn mit Worten zu beruhigen � ohne sp�rbaren Erfolg. Als er sich wieder einmal nach ihm umsah, fiel ihm auf, dass die blasse Silhouette einem oben abgerundeten Zuckerhut �hnelte: Der Doppelt hatte seinen Torso eingezogen und schien kaum noch zu atmen. Erst als ihnen die hei�e Welle und das Verschwinden des Spiegelbildes verrieten, dass sie die r�tselhafte Linie �berschritten hatten, beruhigte sich der gewichtige Passagier. Er r�hrte sich nicht und zeigte keine Erregung mehr w�hrend der n�chtlichen Fahrt, obwohl der Wagen sich m�hsam die Berge hinaufqu�lte, heftig schaukelte und schwankte. Die R�der scheuerten zuweilen an der Karosserie, sie mussten immer langsamer fahren. Das laute, angestrengte Summen der Motoren �bert�nte das Prasseln der Reifen. Ein paarmal hob sich der Vorderteil des Wagens gef�hrlich. Sie kamen kaum noch voran. Pl�tzlich rutschte der Wagen nach hinten ab. Eine Sandbank glitt unter ihnen hinweg. Der Koordinator riss das Lenkrad herum. Sie standen.</p><p>Er wendete vorsichtig und fuhr schr�g zum Hang ins Tal zur�ck. �Wohin?� rief der Chemiker. Der k�hle Nachtwind trieb ihnen feine Tr�pfchen ins Gesicht, obwohl es nicht regnete. �Wir versuchen es an einer anderen Stelle�, schrie der Koordinator zur�ck.</p><p>Wieder hielten sie an. Der Strahl des beweglichen Scheinwerfers kroch nach oben, verbla�te immer mehr in der Ferne. Sie strengten ihre Augen an, konnten aber wenig sehen. So fuhren sie auf gut Gl�ck weiter bergan. Der Hang wurde bald genauso steil wie der, wo sie abgerutscht waren, aber der Boden war trocken, und der Wagen zog t�chtig. Sooft der Koordinator jedoch versuchte, ihn wieder nach Norden zu lenken, bockte er gef�hrlich, stellte sich nahezu auf die Hinterr�der. So waren sie gezwungen, mit zunehmender westlicher Abweichung zu fahren. Das war ung�nstig, weil sie damitrechnen mussten, in ein Dickicht von Str�uchern zu geraten. Der Koordinator erinnerte sich, dass fast der ganze Rand des Hochplateaus, dem sie entgegenfuhren, mit B�schen bewachsen war. Aber sie hatten keine andere Wahl. Die Scheinwerfer trafen im Dunkeln auf eine Reihe wei�er Gestalten, die sich bewegten. Es waren Nebelschwaden. Pl�tzlich gerieten sie in eine Wolke. Es wurde dunkler. Das Atmen fiel schwer. Es war auch k�hler geworden. An der Frontscheibe und an den Nickelrohren der Lehnen sammelte sich Kondenswasser und tropfte herunter. An ein zielgerichtetes Lenken des Wagens war nicht zu denken. Der Koordinator fuhr blind und bem�hte sich lediglich, m�glichst steil bergan zu fahren.</p><p>Auf einmal drangen die Scheinwerfer wieder durch, die milchigen Ballen zerflossen, blieben hinter ihnen zur�ck. In den hellen Streifen erblickten sie den aufget�rmten Buckel des Hanges und dar�ber den schwarzen Himmel. Sie f�hlten sich alle etwas wohler. �Wie geht es unserem Passagier?� erkundigte sich der Koordinator, ohne sich umzuwenden. �Gut. Er scheint zu schlafen�, antwortete der Doktor. Der Hang, den sie hinauffuhren, wurde immer steiler. Der Wagen schwankte unangenehm. Die Vorderr�der gehorchten dem Lenkrad immer weniger. Der Schwerpunkt hatte sich nach hinten verschoben. Pl�tzlich begann der Wagen fast auf der Stelle zu tanzen, er ging vorne hoch und rutschte dann mehrere Meter seitlich ab. �H�r mal, vielleicht setze ich mich vorn zwischen die Scheinwerfer auf die Sto�stange, wie?� rief der Doktor beunruhigt. �Noch nicht�, erwiderte der Koordinator. Er lie� etwas Luft aus den Reifen. Der Wagen sackte nach unten und fuhr eine Weile besser. In den h�pfenden Lichtstreifen sahen sie bereits hoch oben die gezackte Linie der Str�ucher.</p><p>Sie hatten die gro�e kahle Lehmfl�che hinter sich gelassen. Die Str�ucher kamen immer n�her, wie eine schwarze B�rste s�umten sie den lehmigen Bruch. Von Durchkommen konnte keine Rede sein, doch abzubiegen und eine bessere Stelle zu suchen war auch nicht m�glich. Sie fuhren also immer weiter aufw�rts, bis der Wagen ein Dutzend Schritt vor einer zwei Meter dicken Wand hielt. Das heftige Zupacken der Bremsen ging wie ein Ruck durch den Wagen. In dem starken Lichtschein leuchtete gelber Lehm, der von fadenartigen Wurzeln durchzogen war. �Da w�ren wir ja�, rief der Chemiker.</p><p>�Gib mal den Spaten.� Der Koordinator stieg aus, schnitt mit dem Spaten ein paar Lehmziegel aus, schob sie unter die Hinterr�der des Wagens und kehrte zum Bruch zur�ck. Er kletterte hinauf. Der Chemiker folgte ihm eilig. Der Doktor h�rte, wie sie sich einen Weg durch das trockene Dickicht bahnten. �ste knackten, die Taschenlampe des Koordinators blitzte auf, verlosch, flammte an anderer Stelle wieder auf. �Scheu�lich!� h�rte er den Chemiker knurren. Etwas raschelte. Der Lichtfleck schwankte im Dunkeln auf und ab, blieb dann unbeweglich stehen. �Eine riskante Sache�, vernahm er wieder die Stimme des Chemikers. �Die Astronautik hat es eben in sich�, erwiderte der Koordinator und rief: �Doktor! Wir m�ssen ein St�ck abgraben, hier am Rand. Ich denke, dass wir dann durchfahren k�nnen. Gib acht auf den Passagier, dass er nicht erschrickt!�</p><p>�In Ordnung!� Der Doktor drehte sich zu dem Doppelt um, der geduckt und unbeweglich dasa�.</p><p>Irgendwo rieselte raschelnd Lehm herab. �Noch einmal!� rief der Koordinator st�hnend. B�che von Lehmbrocken rutschten �ber den Abhang. Pl�tzlich barst etwas mit dumpfem Knall, und ein gro�er Klumpen kollerte dicht am Wagen vorbei in die Tiefe. Erdkr�mel prasselten gegen die Frontscheibe.</p><p>Unten verhallte das Ger�usch des ausrollenden Klumpens. Eine Weile noch rieselte der Boden die Wand hinab. Der Doktor beugte sich vor � den Doppelt ber�hrte das Geschehen �berhaupt nicht � und richtete den beweglichen Scheinwerfer nach der Seite. In dem lehmigen �berhang war ein breiter, trichterf�rmiger Einbruch entstanden. Der Koordinator grub darin energisch mit dem Spaten.</p><p>Mitternacht war vor�ber, als sie die Schleppspule, die kleinen Anker und Haken hervorholten, ein Ende der Leine am Wagen zwischen den Scheinwerfern befestigten und das andere durch die Bresche nach oben in das Dickicht zogen, wo sie es doppelt verankerten. Dann schaltete der Koordinator die Motoren aller R�der und den der vorderen Trommel ein. Die Leine wickelte sich auf und zog denWagen Schritt f�r Schritt in den lehmigen Schlund hinauf. Sie mussten die Durchfahrt noch einmal erweitern, eine halbe Stunde sp�ter aber waren Anker und Leine verstaut, der Wagen bahnte sich mit entsetzlichem Rasseln und Krachen seinen Weg durch das Geb�sch. Eine Zeitlang kamen sie sehr langsam voran. Erst als das Dickicht, das zum Gl�ck trocken und br�chig war und deshalb keinen allzu gro�en Widerstand bot, aufh�rte, konnten sie das Tempo beschleunigen. �Die H�lfte des Weges!� rief der Chemiker dem Doktor zu. Er beobachtete aufmerksam den Kilometerz�hler �ber dem Arm des Koordinators. Der Koordinator �berlegte sich, dass sie wohl noch nicht einmal die H�lfte zur�ckgelegt hatten. Er sch�tzte den Umweg, zu der die Kletterfahrt �ber.den Hang sie gezwungen hatte, auf ein Dutzend Kilometer. Vorgebeugt, das Gesicht dicht an der Scheibe, beobachtete er den Weg oder vielmehr das weglose Gel�nde, versuchte gr��eren Hindernissen auszuweichen und die kleineren zwischen die R�der zu nehmen. Trotzdem schleuderte und holperte der Wagen, dass der Blechkanister rasselte. Bei kleineren L�chern sprang der Wagen hoch und landete mit zischenden Sto�d�mpfern auf allen vier R�dern. Aber die Sicht war nicht schlecht.</p><p>Vorl�ufig gab es keine �berraschungen. Vorn, wo sich die B�ndel der Scheinwerfer zu grauem Nebel zerst�ubten, huschte etwas vor�ber, ein hoher Strich, ein zweiter, ein dritter, ein vierter. Es waren die Masten, deren Reihe sie kreuzten. Der Doktor versuchte vor dem Hintergrund des Himmels zu beobachten, ob die Spitzen der Masten st�ndig von zitternder Luft umgeben seien, doch dazu war es zu dunkel. Die Sterne blinzelten ruhig. Der Doppelt hinter ihm r�hrte sich nicht. Nur einmal r�ckte er etwas zur Seite, als sei er durch die Haltung erm�det. Diese so menschliche Regung ber�hrte den Doktor eigenartig. Die Reifen sprangen �ber Querfurchen. Sie fuhren nunmehr �ber eine l�ngs gewellte Ebene talabw�rts. Der Koordinator drosselte die Fahrt ein wenig. Hinter einer vorspringenden Kalkaufsch�ttung sah er bereits im Lichtkegel die n�chsten Furchen. Von links vernahm er lauter werdendes Pfeifen, ein entsetzliches dumpfes Rauschen. Dann kreuzte eine wogende Masse ihren Weg, gl�nzte mit ihrer ungeheuer gro�en Form im Scheinwerferlicht auf und verschwand. Die Bremsen quietschten heftig. Ein Ruck. Auf ihren Gesichtern sp�rten sie einen hei�en, bitteren Hauch. Ein neues Pfeifen nahte. Der Koordinator schaltete die Scheinwerfer aus.</p><p>Dunkelheit brach herein, darin flogen posaunenartige Gebilde wenige Schritte vor ihnen vorbei, eines nach dem anderen. Phosphoreszierende Gondeln rasten hoch �ber dem Boden dahin, umweht von unsichtbaren Wirbelscheiben. Sie neigten sich ein wenig, als sie eine nach der anderen in eine Kurve bogen. Die M�nner z�hlten: acht, neun, zehn� Nach der f�nfzehnten folgte eine Pause, sie konnten weiterfahren. Der Doktor sagte: �So vielen sind wir noch nie begegnet.� Wieder war etwas zu h�ren.</p><p>Ein neuer, unbekannter Laut, viel tiefer. Er nahte langsamer. Der Koordinator schaltete den R�ckw�rtsgang ein und stie� ein St�ck zur�ck, hangw�rts. Die Reifen schepperten �ber den Kalkboden, als der Wagen bremste. In der Finsternis glitt ein Gebilde von undefinierbarer Form vor�ber, begleitet von tiefem Ba�get�se, das den Wagen erbeben lie�. Das Licht der Sterne hoch �ber den B�umen wurde dunkler, und der Boden schwankte, als w�lze sich eine Lawine dar�ber hinweg.</p><p>Wie ein riesiger K�fer zog brummend die n�chste Erscheinung vorbei, dann noch eine. Die Gondel war nicht zu sehen, nur der unregelm��ige, an den sternartigen Enden zugespitzte Umri� eines Gegenstandes, der r�tlich glomm und sich entgegengesetzt zur Bewegungsrichtung langsam drehte.</p><p>Wieder herrschte Stille. In der Ferne verhallte leises an� und abschwellendes Rauschen.</p><p>�Das waren Kolosse! Habt ihr die gesehen?� rief der Chemiker. Der Koordinator wartete noch eine Weile, dann schaltete er die Scheinwerfer wieder ein und l�ste die Bremsen. Der Wagen rollte durch sein Eigengewicht von allein abw�rts. Zwar war es bequemer, in den Furchen zu fahren, weil sie den gr��eren Unebenheiten auswichen, aber er wollte nichts riskieren. Eines der durchsichtigen Ungeheuer k�nnte von hinten auf sie auffahren. Durch leichtes Drehen des Lenkrads versuchte er die Fahrtrichtung der Vehikel einzuhalten, die ihren Weg gekreuzt hatten. Sie waren von Nordwesten gekommen und hatten sich nach Osten hin entfernt. Doch was hie� das schon. Sie machten Kurven, und sie konnten mehrere solcher Kurven gemacht haben. Er sagte nichts, doch er war unruhig.Es war schon zwei Uhr durch, als vor ihnen das spiegelnde Band im Scheinwerferlicht aufgl�nzte. Der Doppelt hatte sich nicht ger�hrt, als sie den eigenartigen Gebilden begegnet waren. Nun aber betrachtete er schon seit einer Weile die Umgebung, nachdem er seinen Kopf herausgeschoben hatte. Als sie den Spiegelg�rtel erreichten, hustete er pl�tzlich und schnaufte, begann sich st�hnend aufzurichten und dr�ngte nach der einen Seite, als wollte er aus dem Wagen springen. �Halt! Halt!� schrie der Doktor. Der Koordinator bremste. Sie blieben einen Meter vor dem Spiegelband stehen. �Was ist los?� </p><p>�Er will fliehen!�</p><p>�Warum?�</p><p>�Keine Ahnung, vielleicht deswegen hier. Schalte die Scheinwerfer aus!� Der Koordinator gehorchte.</p><p>Kaum war es dunkel, sackte der Doppelt auf seinen Sitz zur�ck. Sie fuhren mit gel�schten Lichtern weiter. Eine Sekunde lang spiegelten sich zu beiden Seiten des Wagens die Sterne in den schwarzen Platten. Nun rollte der Wagen wieder �ber Sandboden. Die Scheinwerfer strahlten von neuem in die Nacht. Sie befanden sich auf der Ebene. Der Wagen raste nun dahin, dass alles an ihm vibrierte. Die kleinen Kalkfelsen und ihre sich im Sand wie um eine senkrechte Achse drehenden gro�en Schatten flogen nach hinten. Sand spritzte unter den Reifen hervor. Die kalte Luft, die ihnen ins Gesicht schlug, bi� beim Atmen geradezu. Der Antrieb summte, rauschte. Steine klirrten gegen das Fahrgestell. Der Chemiker duckte sich, um mit dem Kopf, so gut es ging, hinter der Windschutzscheibe Deckung zu suchen. Sie fuhren �ber ebenen Boden. Das Tempo nahm st�ndig zu. Jeden Augenblick hofften sie, die Rakete zu erblicken. Sie hatten verabredet, dass die Zur�ckbleibenden eine Laterne am Heck der Rakete aufh�ngen sollten. Sie suchten dieses flimmernde Licht, jedoch die Minuten verrannen. Der Wagen verlangsamte etwas die Fahrt, zog eine Kurve. Sie fuhren nun in nord�stlicher Richtung, doch ringsum herrschte gleichm��ige Finsternis. Seit geraumer Zeit fuhren sie schon mit kleinem Licht.</p><p>Nun schaltete der Koordinator auch das noch aus und nahm damit das Risiko in Kauf, mit einem Hindernis zusammenzusto�en. Einmal gewahrten sie ein kleines flimmerndes Licht und rasten mit gr��ter Geschwindigkeit darauf zu, doch schon nach wenigen Minuten mussten sie sich davon �berzeugen, dass es einfach ein tiefstehender Stern war. Die Uhr zeigte zwanzig nach zwei.</p><p>�Vielleicht ist die Laterne kaputt�, meinte der Chemiker. Er bekam keine Antwort. Nach f�nf Kilometern machten sie wieder eine Kurve. Der Doktor erhob sich von seinem Sitz und starrte in die Dunkelheit. Pl�tzlich machte der Wagen einen Satz, zuerst mit den Vorder-, dann mit den Hinterr�dern. Sie hatten einen Graben �berquert. �Fahr links�, sagte der Doktor. Der Wagen bog ab.</p><p>Sandbuckel zeigten sich im Schein des inzwischen wieder eingeschalteten kleinen Lichtes. Sie �bersprangen eine zweite Furche, die etwa einen halben Meter tief war. Nun entdeckten alle auf einmal einen verschwommenen Schein und davor einen l�nglichen, schr�gen Schatten, dessen Gipfel eine Sekunde lang von einer Aureole umgeben war. Als sie verschwand, verloren sie ihn aus den Augen. Der Wagen fuhr mit voller Fahrt darauf zu. Ein neues Aufblitzen der Laterne am Heck des Raumschiffes lie� drei winzige Gestalten erkennen. Der Koordinator schaltete die Scheinwerfer ein.</p><p>Die drei rannten ihnen mit erhobenen H�nden entgegen. Der Koordinator bremste und hielt, als die Ankommenden den Weg freigaben, wenige Meter hinter ihnen an. �Seid ihr da? Alle drei?� rief der Ingenieur und trat an den Wagen heran, wich aber erschrocken zur�ck, als er die vierte, kopflose Gestalt erblickte, die sich unruhig bewegte.</p><p>Der Koordinator legte die eine Hand dem Ingenieur, die andere dem Physiker auf die Schulter, als wollte er sich auf sie st�tzen. Sie traten in das Licht des seitlichen Scheinwerfers, der Doktor redete leise auf den Doppelt ein. �Bei uns ist alles in Ordnung�, sagte der Chemiker. �Und bei euch?� </p><p>�Wie man's nimmt�, antwortete der Kybernetiker. Sie sahen einander eine Weile an. Keiner sprach.</p><p>�Wollen wir berichten, oder gehen wir schlafen?� fragte der Chemiker.�Du kannst schlafen? Das ist ja gro�artig!� rief der Physiker. �Schlafen! Du lieber Gott! Sie waren hier, wi�t ihr das?� </p><p>�Ich hatte es mir gedacht�, sagte der Koordinator. �Ist es zu einem Kampf gekommen?� � �Nein. Und bei euch?� </p><p>�Auch nicht. Ich glaube, der Umstand, dass sie die Rakete entdeckt haben, kann wichtiger sein als das, was wir gesehen haben. Erz�hlt! Vielleicht machst du den Anfang, Henrik�� </p><p>�Habt ihr ihn gefangen�?� fragte der Ingenieur. �Eigentlich hat er uns gefangen. Das hei�t, er lie� sich freiwillig mitnehmen. Aber das ist eine lange Geschichte.</p><p>Kompliziert, obwohl wir leider nichts davon begreifen.�</p><p>�Bei uns ist es genauso!� sagte der Kybernetiker. �Sie kamen etwa eine Stunde, nachdem ihr abgefahren wart. Ich dachte schon, das w�re das Ende�, gestand er leise. �Habt ihr keinen Hunger?� fragte der Ingenieur. �Mir scheint, wir haben das v�llig vergessen, Doktor!� rief der Koordinator.</p><p>�Bitte kommt!�</p><p>�Eine Beratung?� Der Doktor gesellte sich zu ihnen, behielt aber den Doppelt weiter im Auge, der unvermittelt mit einer seltsam beschwingten Bewegung aus dem Wagen sprang und langsam zu den M�nnern schlurfte. Kaum hatte er die Grenze des Lichtkreises erreicht, wich er zur�ck und blieb stehen. Sie schauten ihn stumm an. Das gro�e Gesch�pf sackte zusammen und lagerte sich auf dem Boden. Eine Sekunde lang sahen sie seinen Kopf, dann schl�ssen sich die Muskeln und lie�en nur einen Spalt frei. Im Licht der Scheinwerfer konnten sie feststellen, dass sein blaues Auge auf ihnen ruhte.</p><p>�Sie sind also hiergewesen?� Der Doktor war in diesem Augenblick der einzige, der den Doppelt nicht anstarrte. �Ja. Sie sind gekommen. F�nfundzwanzig wirbelnde Scheiben, die gleichen wie die eine, die wir erobert hatten. Dazu vier gr��ere Maschinen, keine senkrechten Scheiben, sondern eher durchsichtige Brummkreisel.�</p><p>�Wir sind ihnen begegnet!� rief der Chemiker. �Wann? Wo?�</p><p>�Ungef�hr vor einer Stunde, auf der R�ckfahrt! Fast w�ren wir mit ihnen zusammengesto�en. Was haben sie hier gemacht?� </p><p>�Nicht viel�, begann der Ingenieur. �Sie kamen in einer Reihe an, woher, wissen wir nicht, denn als wir nach oben stiegen � der Zufall wollte es, dass wir uns alle in der Rakete befanden, buchst�blich nur f�nf Minuten � , da trafen sie schon nacheinander ein und umkreisten die Rakete. N�her heran kamen sie nicht. Wir glaubten schon, es sei ein Sp�htrupp, eine Patrouille. Wir stellten also den Werfer unter die Rakete und warteten. Aber sie umkreisten uns nur, immer in der gleichen Richtung und der gleichen Entfernung. Das dauerte wohl anderthalb Stunden. Dann erschienen die gr��eren, die Brummkreisel, jeder drei�ig Meter hoch! Wahre Kolosse! Aber viel langsamer. Offenbar k�nnen sie nur in den Furchen fahren, die von den anderen gezogen werden. Die wirbelnden Scheiben machten ihnen in ihrem Kreis Platz, so dass immer abwechselnd eine gr��ere Maschine auf eine kleinere folgte. Sie umkreisten uns weiter, mal schneller, mal langsamer, einmal w�ren beinahe zwei zusammengesto�en. Sie ber�hrten sich eigentlich nur mit den R�ndern. Es gab ein gewaltiges Krachen, aber es geschah ihnen nichts, sie wirbelten weiter.� </p><p>�Und ihr?�</p><p>�Wir? Wir schwitzten am Werfer. Angenehm war das nicht.� </p><p>�Das glaube ich�, sagte der Doktor feierlich. �Und was weiter?� </p><p>�Weiter? Anfangs dachte ich, sie w�rden uns jeden Augenblick angreifen, dann, dass sie uns nur unter Beobachtung hielten. Aber ihre strenge Ordnung versetzte mich in Erstaunen, ebenso der Umstand, dass sie keinen Augenblick anhielten, dabei wissen wir doch, dass so eine Scheibe auf der Stelle wirbeln kann. Es war schon sieben Uhr durch, da schickte ich den Physiker, die Blinklampe holen. Wir sollten sie ja f�r euch aufh�ngen. Aber ihr h�ttet durch diese Mauer nicht durchdringen k�nnen. Erst da kam ich auf den Gedanken, dass das eine Blockade sein k�nnte. Nun, dachte ich, auf jeden Fall muss man erst nach Verst�ndigung trachten, solange das m�glich ist. Wir hockten nach wie vor am Werfer und fingen an, mit der Laterne Zeichen zu geben,serienweise, zuerst zwei Blitze, dann drei, dann vier.�</p><p>�Nach Pythagoras?� fragte der Doktor. Der Ingenieur versuchte im Schein der Lampe vergebens zu erkennen, ob der Doktor ihn verspotten wollte oder nicht. �Nein�, sagte er schlie�lich, �ganz gew�hnliche Zahlenserien.� </p><p>�Und was haben sie getan?� Der Chemiker blickte ihn gespannt an. �Wie soll ich dir das beschreiben� Eigentlich nichts.� </p><p>�Was hei�t �eigentlich�? Und �uneigentlich�?�</p><p>�Das hei�t, sie haben verschiedenes getan, die ganze Zeit, bevor wir mit dem Blinken anfingen, w�hrenddessen und hinterher, aber sie haben nichts getan, was wie der Versuch einer Antwort oder einer Kontaktaufnahme ausgesehen h�tte.� </p><p>�Was haben sie denn getan?�</p><p>�Sie kreisten entweder schneller oder langsamer, n�herten sich einander und entfernten sich wieder.</p><p>In den Gondeln bewegte sich irgend etwas.� </p><p>�Haben die gro�en Brummkreisel auch Gondeln?� </p><p>�Du sagtest doch, ihr h�ttet sie gesehen?� </p><p>�Es war dunkel, als wir ihnen begegneten.� </p><p>�Sie haben keine Gondeln. Mittendrin ist �berhaupt nichts. Sie sind einfach leer. Daf�r l�uft, besser, schwimmt an der Peripherie ein gro�er Beh�lter, au�en gew�lbt, innen eingebuchtet, und der kann verschiedene Stellungen einnehmen. An den Seiten hat er eine Reihe H�rner, kegelartige Verdickungen. V�llig sinnlos, nat�rlich von mir aus gesehen. Also was sagte ich, ach ja, diese Brummkreisel verlie�en manchmal den Kreis und wechselten mit den kleineren Scheiben die Pl�tze.� </p><p>�Wie oft?�</p><p>�Das war verschieden. Jedenfalls konnten wir daraus keine Zahlenregel ableiten. Ich sage euch, ich habe alles registriert, was irgendeinen Zusammenhang mit ihren Bewegungen haben konnte, denn ich erwartete ja Antwort. Sie vollf�hrten sogar einen komplizierten Wechsel. Zum Beispiel wurden in der zweiten Stunde die gro�en so langsam, dass sie fast stillstanden. Vor jedem Brummkreisel war eine kleinere Scheibe, die allm�hlich auf uns zukam. Aber sie bewegte sich vielleicht nur f�nfzehn Meter in dieser Richtung, gefolgt von dem gro�en Brummkreisel, dann begannen sie wieder Kreise zu ziehen. Inzwischen waren es schon zwei, ein innerer, in dem vier gro�e und vier kleinere kreisten, und ein �u�erer mit dem Rest der flachen Scheiben. Ich hatte schon vor, etwas zu unternehmen, um euch die R�ckkehr zu erm�glichen, doch da bildeten sie pl�tzlich eine lange Reihe und zogen ab, anfangs in einer Spirale, dann geradeaus nach S�den.� </p><p>�Um welche Zeit mag das gewesen sein?� </p><p>�Einige Minuten nach elf.�</p><p>�Das bedeutet, dass wir anderen begegnet sein m�ssen�, sagte der Chemiker zum Koordinator.</p><p>�Nicht unbedingt. Sie k�nnen ja irgendwo gehalten haben.� </p><p>�Jetzt erz�hlt ihr�, sagte der Physiker.</p><p>�Mag der Doktor berichten.� Der Koordinator nickte ihm zu. �Gut. Also�� Der Doktor schilderte in kurzen Z�gen den Verlauf der Expedition und fuhr dann fort: �Beachtet bitte, dass alles, was hier geschieht, uns teilweise an verschiedene Dinge erinnert, die uns von der Erde bekannt sind, aber nur teilweise. Es fehlen immer ein paar Steinchen in dem Mosaik. Das ist sehr bezeichnend. Ihre Fahrzeuge sind hier in Schlachtordnung erschienen. Vielleicht war das ihr Sp�htrupp, vielleicht die Spitze einer Armee, vielleicht auch der Beginn einer Blockade. Sozusagen von allem etwas, aber am Ende ist nichts daraus geworden, und wir wissen nicht weiter. Diese Lehmgruben, nat�rlich, sie waren gr��lich. Aber was haben sie eigentlich zu bedeuten? Sind es Gr�ber? Es sah so aus. Dann die Siedlung oder wie man sie bezeichnen soll. V�llig unwahrscheinlich! Ein Alptraum. Und die Skelette? Ein Museum? Ein Schlachthaus? Eine Kapelle? Eine Fabrik biologischer Exponate? Ein Gef�ngnis? Alles m�glich, selbst ein Konzentrationslager! Aber wir trafen dort niemanden an, der uns angehalten h�tte oder Kontakt mit uns kn�pfen wollte! Das ist das Unbegreiflichste, jedenfalls f�r mich. Die Zivilisation ist auf diesem Planeten zweifellos hoch. Die Architektur ist technisch sehr entwickelt. Der Bau solcher Kuppeln, wie wir sie gesehen haben, wirft schwierige Probleme auf. Und daneben die steinerne Siedlung, die an eine mittelalterliche Stadt erinnert. Eine erstaunliche Mischung von Zivilisationsstufen! Dabei m�ssen sie �ber ausgezeichnete Kommunikationen verf�gen, wenn siedie Lichter in ihrer alten Stadt buchst�blich eine Minute nach unserer Ankunft l�schen k�nnen. Wir sind sehr schnell gefahren und unterwegs niemandem begegnet� Zweifellos sind sie mit Intelligenz begabt, aber die Menge, die uns �berfallen hat, verhielt sich in ihrer Panik wie eine Herde Schafe.</p><p>Keine Spur von Organisation� Anfangs schienen sie vor uns zu fliehen, dann umringten sie uns, pressten uns, ein unbeschreibliches Chaos entstand. All das hatte keinen Sinn, es wirkte geradezu irrsinnig! So war es mit allem. Das Exemplar, das wir get�tet haben, war mit einer Silberfolie bekleidet. Die dort waren nackt. Nur wenige trugen irgendwelche Geflechte oder Lumpen. Die Leiche in der Grube hatte ein R�hrchen, das in einen Hautfortsatz eingef�hrt war, und was noch merkw�rdiger ist, sie hatte ein Auge wie der Doppelt, den ihr hier seht. Andere hatten keine Augen, daf�r eine Nase und umgekehrt. Wenn ich daran denke, bef�rchte ich, dass selbst der, den wir mitgebracht haben, uns nicht viel helfen wird. Nat�rlich werden wir versuchen, uns mit ihm zu verst�ndigen, aber ich glaube kaum, dass uns das gelingt.�� </p><p>�Wir m�ssen das bisher gesammelte Informationsmaterial aufschreiben und katalogisieren�, schlug der Kybernetiker vor, �sonst verlieren wir uns darin. Ich muss sagen� Sicherlich hat der Doktor recht, aber� Waren diese Skelette wirklich Skelette? Und diese Geschichte mit der Menge auf der Stra�e, die euch zuerst umringte und dann fl�chtete.��</p><p>�Die Skelette sah ich genauso, wie ich dich hier sehe. Das ist kaum zu glauben, aber es ist die Wahrheit. Na, und die Menge�� Der Doktor winkte ratlos ab. �Das war kompletter Wahnsinn�, warf der Chemiker ein. �Vielleicht hattet ihr die Siedlung geweckt, und sie waren �berrascht. Stell dir auf der Erde ein Hotel vor, in das pl�tzlich solch eine wirbelnde Scheibe f�hrt. Klar, dass da Panik entsteht!� Der Chemiker sch�ttelte den Kopf. Der Doktor l�chelte. �Du bist nicht dabeigewesen, deshalb f�llt es schwer, dir das zu erkl�ren. Eine Panik � warum nicht. Aber wenn sich dann alle Menschen versteckt haben und geflohen sind, f�hrt die Scheibe auf die Stra�e, und einer der Fl�chtenden rennt angstschlotternd, nackt, als w�re er gerade aus dem Bett gesprungen, hinter ihr her und gibt dem Kommandanten zu verstehen, dass er mitfahren will. Nun?� </p><p>�Na, gebeten hat er euch ja nicht.�� </p><p>�Nicht gebeten? Frag sie, wenn du mir nicht glaubst. Sie k�nnen dir sagen, was passierte, als ich so tat, als wollte ich ihn zur�cksto�en, damit er zu den Seinen zur�ckkehre. �brigens � ein Hotel und ein St�ckchen weiter Gr�ber, offene Gr�ber, voll von Leichen?� </p><p>�Liebe Leute, es ist drei Viertel vier�, sagte der Koordinator, �und morgen, das hei�t heute schon, k�nnen sie uns neue Besuche abstatten. �berhaupt kann hier jeden Augenblick alles m�gliche geschehen. Mich wundert nichts mehr! Was habt ihr in der Rakete gemacht?� wandte er sich an den Ingenieur.</p><p>�Wenig, wir haben ja vier Stunden am Werfer zugebracht! Ein Elektrohirn vom Typ �Mikro� ist �berpr�ft, die Radioapparatur steht kurz vor der Inbetriebnahme. Der Kybernetiker wird es dir genauer sagen. Leider viel Bruch darunter.�</p><p>�Mir fehlen sechzehn Niob-Tantal-Dioden�, sagte der Kybernetiker. �Die Krytrone sind heil, aber ohne die Dioden kann ich mit dem Hirn nichts anfangen.� </p><p>�Kannst du sie nicht von den anderen nehmen?� </p><p>�Habe ich, eine Menge, �ber siebenhundert.� </p><p>�Mehr sind nicht da?�</p><p>�Vielleicht noch im Besch�tzer, aber bis zu ihm konnte ich nicht vordringen. Er liegt ganz unten.�</p><p>�Wollen wir etwa die ganze Nacht hier drau�en stehenbleiben?� </p><p>�Richtig, gehen wir. Einen Augenblick: Was geschieht mit dem Doppelt?� </p><p>�Und der Gel�ndewagen?�</p><p>�Ich muss euch etwas Unangenehmes sagen: Ab sofort m�ssen wir einen Posten aufstellen.� Der Koordinator sah alle der Reihe nach an. �Es war heller Wahnsinn, dass wir das bisher nicht getan haben. Wer meldet sich f�r die ersten zwei Stunden bis zum Morgengrauen?�</p><p>�Meinetwegen ich.� Der Doktor hob die Hand. �Du? Niemals, nur einer von uns�, sagte der Ingenieur. �Wir waren wenigstens hier.��Und ich habe im Gel�ndewagen gesessen; ich bin nicht mehr ersch�pft als du.� </p><p>�Genug. Zuerst der Ingenieur, dann der Doktor�, entschied der Koordinator. Er reckte sich, rieb sich die kalt gewordenen H�nde, trat an den Wagen, schaltete die Scheinwerfer aus und rollte ihn langsam unter den Rumpf der Rakete. �H�rt mal.� Der Kybernetiker stand vor dem unbeweglichen liegenden Doppelt. �Was wird mit ihm?�</p><p>�Er bleibt am besten hier. Sicherlich schl�ft er. Fliehen wird er nicht. Wozu ist er sonst mitgekommen?� meinte der Physiker. �Aber so geht das nicht, man muss ihn irgendwie sichern�, wandte der Chemiker ein. Doch die anderen betraten bereits nacheinander den Tunnel. Er blickte sich um, zuckte �rgerlich mit den Schultern und folgte ihnen. Der Ingenieur legte ein paar Luftkissen auf den Boden neben den Werfer und setzte sich darauf, aber als er sp�rte, wie sich der Schlaf seiner bem�chtigen wollte, erhob er sich wieder und begann gleichm��ig auf und ab zu schreiten. Der Sand knirschte leise unter seinen Sohlen. Im Osten stand das erste Grau, die Sterne h�rten allm�hlich auf zu zittern und verbla�ten. Kalte, reine Luft f�llte die Lungen. Der Ingenieur versuchte jenen fremden Geruch herauszusp�ren, an den er sich noch vom ersten Betreten der Oberfl�che des Planeten erinnerte, doch es gelang ihm nicht. Die Flanke des Doppelt hob und senkte sich gleichm��ig.</p><p>Pl�tzlich erblickte der Ingenieur lange, d�nne Taster, die aus der Brust des Gesch�pfes krochen und ihn am Bein packten.</p><p>Er zerrte verzweifelt, stolperte, w�re beinahe hingefallen � und riss die Augen auf. Er war im Gehen eingeschlafen. Es wurde heller. Flockige W�lkchen hatten im Osten eine schr�ge Linie gebildet. Ihr Ende begann allm�hlich zu gl�hen. Das verschwommene Grau des Himmels mischte sich mit Blau, in dem der letzte Stern verschwand. Die graubraunen Wolken verwandelten sich in braungoldene, Feuer brandete an ihren R�ndern. Ein rosafarbener Streifen, vermischt mit untadeligem Wei�, durchschnitt den Himmel. Der flache, wie ausgebrannte Rand des Planeten sank pl�tzlich unter der Ber�hrung der schweren roten Scheibe in sich zusammen. Das h�tte auch die Erde sein k�nnen. Der Ingenieur empfand eine unaussprechliche, bohrende Verzweiflung. �Wachabl�sung!� rief eine laute Stimme hinter seinem R�cken. Er zuckte zusammen. L�chelnd sah ihn der Doktor an. Der Ingenieur wollte ihm f�r etwas danken, wollte ihm sagen, dass � er wusste es selbst nicht, was; es war von unerme�licher Bedeutung, aber er fand nicht die richtigen Worte. Er sch�ttelte den Kopf, antwortete mit einem L�cheln und verschwand in dem dunklen Tunnel.</p></section><section><title><p>Achtes Kapitel</p></title><p>Um die Mittagszeit ruhten f�nf halbnackte M�nner mit braungebrannten Nacken und Gesichtern im Schatten unter dem wei�en Bauch der Rakete, umgeben von allerlei Gef��en und Ger�teteilen. Auf der Zeltplane lagen die Kombinationen, die Schuhe und die Handt�cher. Einer ge�ffneten Thermosflasche entstieg der Duft frischgebriihten Kaffees. Wolkenschatten krochen �ber die weite Ebene. Es herrschte Ruhe, und w�re nicht das nackte Gesch�pf gewesen, das einige Schritt von ihnen entfernt reglos unter dem Rumpf hockte, h�tte die Szene ein irdisches Biwak darstellen k�nnen.</p><p>�Wo steckt eigentlich der Ingenieur?� Der Physiker richtete sich tr�ge mit den Ellenbogen auf und starrte vor sich hin. In seiner dunklen Brille spiegelte sich eine Sch�fchenwolke. �Er schreibt sein Buch.�</p><p>�Was f�r ein Buch? Ach so, die Aufstellung der Reparaturen.� </p><p>�Ja, es wird ein dickes Buch werden und interessant, sage ich dir.� Der Physiker sah den Sprechenden an. �Du hast gute Laune. Das istviel wert. Deine Wunde ist schon fast verheilt, was? Auf der Erde h�tte sie sich nicht so rasch geschlossen.� Der Koordinator bef�hlte die Stelle an der Stirn und hob die Brauen. �Kann sein. Das Raumschiff war steril, und die Bakterien hier sind f�r uns unsch�dlich. Insekten scheint es hier �berhaupt nicht zu geben. Ich hab noch keine gesehen. Und ihr?� </p><p>�Die wei�en Schmetterlinge des Doktors�, murmelte der Physiker; bei Hitze fiel ihm sogar das Sprechen schwer. �Nun, das ist nur eine Hypothese.� </p><p>�Und was ist hier keine Hypothese?� Der Doktor sah ihn an. �Unsere Anwesenheit�, erwiderte der Chemiker und w�lzte sich auf den R�cken. �Ich h�tte Lust, die Gegend zu wechseln�� </p><p>�Ich auch�, bemerkte der Doktor.</p><p>�Ist dir aufgefallen, wie rot seine Haut wurde, als er ein paar Minuten in der Sonne gesessen hatte?� fragte der Koordinator. Der Doktor nickte. �Ja. Das bedeutet, dass er entweder bisher noch nicht in der Sonne war oder dass er ein Kleidungsst�ck hatte, eine Kopfbedeckung oder�� </p><p>�Was oder?�</p><p>�Oder noch etwas anderes, was ich nicht wei߅� </p><p>�Die Sache steht nicht schlecht.� Der Kybernetiker hob den Blick von einem beschriebenen Blatt Papier. �Henrik versprach mir, die Dioden aus dem Besch�tzer auszubauen. Wenn ich morgen mit der Durchsicht fertig bin und alles in Schu� ist, k�nnen wir schon morgen den ersten Automaten in Betrieb nehmen. Dem unterstelle ich dann den ganzen Rest. Wenn er nur drei St�ck zusammenbaut, kommt alles vom Fleck. Wir setzen die Lastautomaten und die Bagger instand, die Rakete wird hochgestellt und�� Er brach ab. �Was�, rief der Chemiker, �du glaubst also, wir setzen uns einfach so hinein und fliegen davon?� Der Doktor lachte. �Die Astronautik ist eine reine, untadelige Frucht der menschlichen Neugier. Habt ihr es geh�rt? Der Chemiker will nicht mehr von hier fort!�</p><p>�Keine Scherze, Doktor, was ist mit dem Doppelt? Du hast den ganzen Tag bei ihm gesessen!�</p><p>�Habe ich.�</p><p>�Was ist? Tu nicht so geheimnisvoll! Wir haben genug Geheimnisse um uns herum��</p><p>�Ich tue gar nicht so geheimnisvoll. Wozu auch. Er benimmt sich wie ein Kind. Wie ein geistig unterentwickeltes Kind. Er erkennt mich. Wenn ich ihn rufe, kommt er. Wenn ich ihn ansto�e, setzt er sich hin � auf seine Art.�</p><p>�Du hast ihn in den Maschinenraum mitgenommen. Wie hat er sich dort angestellt?�</p><p>�Wie ein S�ugling. Keinerlei Interesse. Als ich mich hinter dem Generator b�ckte und er mich nicht mehr sah, schwitzte er vor Angst. Wenn es Schwei� ist und wenn das Angst bedeutet.�� </p><p>�Spricht er etwas? Einmal h�rte ich, wie er dich angluckste.� </p><p>�Artikulierte Laute gibt er nicht von sich. Ich habe Bandaufnahmen gemacht und die Frequenzen analysiert. Die Stimme h�rt er, jedenfalls reagiert er darauf. Ich habe f�r all das einfach keinen Platz in meinem Kopf� �ngstlich wie 'ne Kuh ist er und sch�chtern. Und aus solchen Exemplaren setzt sich diese ganze Gesellschaft zusammen. Es sei denn, dass er allein� Aber ein solcher Zufall.��</p><p>�Vielleicht ist er noch jung? Vielleicht sind sie gleich so gro�.� </p><p>�O nein, er ist nicht jung. Das erkennt man schon an der Haut, an den Runzeln. Das sind allgemeine biologische Gesetzm��igkeiten.</p><p>Au�erdem sind die Sohlen, die Verdickungen, auf denen er geht, ganz fest und mit Hornhaut verh�rtet. Ein Kind in unserem Sinne ist er jedenfalls nicht. �brigens hat er in der Nacht im Wagen, als wir zur�ckkehrten, auf gewisse Dinge fr�her als wir und auf seine Art reagiert, zum Beispiel auf die Luftspiegelung, von der ich euch erz�hlt habe. Er f�rchtete sich davor. Seine Siedlung schien er ebenfalls zu f�rchten. Warum w�re er sonst von da geflohen?� </p><p>�Vielleicht k�nnten wir ihm etwas beibringen? Schlie�lich haben sie ja Fabriken und die wirbelnden Scheiben gebaut. Intelligent m�ssen sie also sein�, gab der Physiker zu bedenken. �Der hier ist es nicht.�</p><p>�Warte. Wei�t du, was mir eingefallen ist?� Der Chemiker stemmte sich mit den Armen hoch, setzte sich auf und wischte die Sandk�rnchen ab, die an seinen Ellenbogen klebten. �Vielleicht ist das ein Schwachsinniger? Ein Unterentwickelter? Oder�� </p><p>�Ach so, du meinst, da w�re dort ein Asyl f�rSchwachsinnige?� Der Doktor setzte sich ebenfalls auf. �Du spottest wohl?� </p><p>�Warum sollte ich spotten? Vielleicht war das ein isolierter Winkel, in dem sie ihre Kranken halten.� </p><p>�Um Experimente an ihnen vorzunehmen�, warf der Chemiker �Du bezeichnest das, was du gesehen hast, als Experimente?� mischte sich der Koordinator in das Gespr�ch. �Ich bewerte das nicht von der moralischen Seite. Wie k�nnte ich? Wir wissen ja nichts�, erwiderte der Chemiker. �Der Doktor entdeckte dort in einem der Doppelts ein R�hrchen, das dem gleicht, das er im K�rper des Sezierten fand��</p><p>�Ach so, das hei�t also, dass der, der in die Rakete gekrochen war, auch von dort stammte? Er war geflohen und in der Nacht hierhergelangt?� </p><p>�Warum nicht? Ist das unm�glich?�</p><p>�Und die Skelette?� Des Physikers Miene verriet, dass er die Ausf�hrungen des Chemikers sehr skeptisch aufnahm. �Nun � ich wei� es nicht. Vielleicht ist das eine Art von Konservierung, oder vielleicht werden sie geheilt, indem man ihnen das zeigt. Ich meine so etwas wie psychische Schocks.� </p><p>�Nat�rlich. Auch sie haben ihren Freud�, sagte der Doktor. �La� das lieber. Und erz�hl mir nicht, das w�re zur Unterhaltung oder sei ein Gespensterschloss. Es ist irgendeine gewaltige Einrichtung. Man braucht eine ganze Masse Chemie, um die Skelette in diese Glasbl�cke einzuschmelzen.�</p><p>�Der Umstand, dass du aus diesem Doppelt nichts herausbekommen kannst, will noch nichts besagen�, meinte der Physiker. �Du solltest mal versuchen, von dem Pf�rtner an meiner Universit�t etwas �ber die irdische Zivilisation zu erfahren.� </p><p>�Ein unterentwickelter Pf�rtner also�, meinte der Chemiker. Alle lachten, verstummten jedoch sofort. Der Doppelt stand vor ihnen. Er bewegte die knotigen Fingerchen in der Luft, sein flaches Gesichtchen, das am Halse herabhing, zitterte. �Was ist?� fragte der Chemiker. �Er lacht�, sagte der Koordinator.</p><p>Der Torso hatte eine Art Schluckauf, er schien sich vor Heiterkeit zu sch�tteln. Die unf�rmigen gro�en F��e trippelten auf der Stelle. Angesichts der f�nf Augenpaare, die ihn anstarrten, wurde er allm�hlich ruhiger. Er lie� seinen himmelblauen Blick von einem zum anderen wandern, zog pl�tzlich den Torso, die H�ndchen und den Kopf ein, lugte noch einmal durch den Spalt der Muskeln und stapfte an seinen Platz zur�ck, wo er sich mit leisem Schnaufen niederlie�. �Wenn das Lachen ist�, fl�sterte der Physiker.</p><p>�Auch das h�tte noch nichts zu bedeuten. Selbst Affen k�nnen lachen.� </p><p>�Moment�, sagte der Koordinator. Die Augen in seinem hageren, sonnenverbrannten Gesicht leuchteten. �Nehmen wir mal an, dass es bei ihnen eine erheblich gr��ere Diskrepanz in den biologisch angeborenen F�higkeiten gibt als bei uns. Dass es mit einem Wort Schichten oder Gruppen gibt, Kasten sch�pferisch Arbeitender, Konstruierender, und daneben eine gro�e Menge anderer, die zu keiner Arbeit taugen. Und dass in diesem Zusammenhang die Unbrauchbaren.�� </p><p>�.. get�tet werden. Man macht Versuche an ihnen. Sie werden aufgefressen�, spann der Doktor den Gedanken weiter. �Keine Angst, sag ruhig alles, was dir in den Sinn kommt.Niemand wird dich auslachen, weil alles m�glich ist. Leider ist der Mensch nicht imstande, alles, was m�glich ist, zu verstehen.�</p><p>�Halt. Was meinst du zu dem, was ich gesagt habe?�</p><p>�Und die Skelette?� wandte der Chemiker ein.</p><p>�Nach dem Mittagessen sind sie eben Lehrmittel�, erkl�rte der Kybernetiker bissig. �Wenn ich dir s�mtliche Theorien schildern sollte, die mir seit gestern durch den Kopf gehen, wann immer ich daran denke�, sagte der Doktor, �dann g�be das ein Buch, das f�nfmal dicker w�re als das, an dem Henrik jetzt schreibt, wenn auch nicht ganz so logisch. Als Junge lernte ich mal einen Kosmonauten kennen.</p><p>Der hatte mehr Planeten gesehen, als er Haare auf dem Kopfe hatte, und er hatte keine Glatze. Er hatte die beste Absicht, mir die Landschaft auf einem Mond zu schildern, ich wei� nicht mehr, auf welchem. Da gibt es solche, und da haben sie solche, und das ist dort so, und der Himmel, der ist anders als bei uns, anders, und zwar so � Er wiederholte das so lange, bis er schlie�lich selbst lachte und abwinkte. Man kann einem, der nie im Weltraum war, nicht sagen, wie es ist, wenn man im Vakuum schwebt und die Sterne unter den F��en hat. Und das sind nur die ver�nderten physikalischen Bedingungen! Hier haben wir eine Zivilisation vor uns, die sich mindestens durch f�nfzig Jahrhunderte hindurch entwickelt hat. Mindestens sage ich. Und wir wollen sie nach wenigen Tagen begreifen?� </p><p>�Wir m�ssen uns sehr bem�hen, denn der Preis, den wir zu zahlen h�tten, falls wir sie nicht begreifen, k�nnte zu hoch sein.� Der Koordinator schwieg einen Augenblick, wandte sich dann an den Doktor: �Was sollten wir also deiner Ansicht nach tun?� </p><p>�Was wir bisher getan haben!</p><p>Aber ich f�rchte, die Chancen sind gering, etwa wie eins � na, sagen wir zu der Anzahl von Jahren, die die Zivilisation auf Eden existiert.� Der Ingenieur erschien im Tunnelausgang. Als er die Freunde in dem breiten Schatten wie an einem Strand ruhen sah, warf er die Kombination ab und setzte sich zu ihnen. �Wie steht's mit der Arbeit?� fragte der Koordinator. �Nicht schlecht, drei Viertel habe ich bereits geschafft.� �brigens habe ich schon lange nicht mehr daran gearbeitet. Ich habe inzwischen versucht, unsere vorherige Ansicht zu revidieren, n�mlich dass die erste Fabrik, die im Norden, so funktioniert, weil sie au�er Kontrolle und aus ihrem Arbeitsrhythmus geraten ist � Was ist los? Was findet ihr daran komisch? Warum lacht ihr?� </p><p>�Ich will euch was sagen�, erkl�rte der Doktor, der als einziger ernst geblieben war. �Sobald das Schiff startklar ist, wird es einen Aufruhr geben. Keiner wird mehr fliegen wollen, bis er nicht erfahren hat� Wenn wir n�mlich jetzt schon, statt im Schwei�e unseres Angesichts Schrauben einzudrehen�� Er winkte ratlos ab.</p><p>�Ach so, ihr habt euch damit befa�t? Und zu welchem Schlu� seid ihr gekommen?� </p><p>�Zu keinem. Und du?�</p><p>�Zu dem gleichen wie ihr. Aber ich habe gewisse allgemeine und zugleich allen Erscheinungen gemeinsame Z�ge ausgesucht, und dabei fiel mir auf, dass die Fabrik, die automatische, ihr wi�t schon, nicht nur im Kreise produzierte, sondern es auch nachl�ssig tat. Die einzelnen �Fertigprodukte� unterschieden sich voneinander. Erinnert ihr euch?� Er vernahm ein zustimmendes Knurren.</p><p>�Na, und gestern machte uns der Doktor darauf aufmerksam, dass sich die einzelnen Doppelts auf eigenartige Weise voneinander unterscheiden. Die einen haben kein Auge, die anderen keine Nase, auch die Anzahl der Finger ist unterschiedlich, ebenso die Hautfarbe. All das schwankt innerhalb gewisser Grenzen. Und das scheint sozusagen die Folge einer gewissen Ungenauigkeit des Prozesses der �organischen� Technologie zu sein, hier wie dort.�� </p><p>�Das ist aber wirklich interessant!� rief der Physiker, der ihm aufmerksam zugeh�rt hatte. �Ja, endlich etwas Wesentliches�, meinte der Doktor.</p><p>�Aber was weiter?� Der Ingenieur sch�ttelte verwirrt den Kopf. �Wirklich, ich habe nicht den Mut, eszu sagen. Wenn man so allein sitzt, kommen einem so allerhand Dinge in den Sinn�� </p><p>�So sprich doch!� schrie der Chemiker entr�stet. �Wenn du schon einmal angefangen hast�, ermunterte ihn der Kybernetiker.</p><p>�Ich habe mir folgendes �berlegt: Wir hatten dort einen kreisf�rmigen Proze� von Produktion, Destruktion und erneuter Produktion vor uns. Und gestern habt ihr etwas entdeckt, was auch wie eine Fabrik aussah. Wenn das eine Fabrik war, so muss sie etwas produzieren.�</p><p>�Nein, dort war nichts�, sagte der Chemiker. �Nichts, nur Skelette � Wir haben zwar nicht �berall gesucht�, f�gte er z�gernd hinzu.</p><p>�Und wenn diese Fabrik� Doppelts erzeugt?� fragte der Ingenieur leise und fuhr, da alle schwiegen, fort: �Das Produktionssystem w�re analog: eine Serienproduktion, eine Massenproduktion, mit Abweichungen, zu denen es, sagen wir, nicht durch die fehlende Kontrolle kam, sondern durch die Eigenart der Prozesse, und die so kompliziert sind, dass in ihnen bestimmte Schwankungen, bestimmte Abweichungen von der geplanten Norm auftraten und sich nicht mehr steuern lie�en. Auch die Skelette wiesen Unterschiede auf.�</p><p>�Und du glaubst � sie t�ten die �schlecht Produziertem?� fragte der Chemiker mit rauher Stimme.</p><p>�Keineswegs! Ich meine die Leiber, die ihr gefunden habt, haben �berhaupt nie gelebt! Die Synthese war so weit gegl�ckt, dass muskul�se Organismen erzeugt wurden, die mit allen inneren Organen ausgestattet waren, aber sie wichen von der Norm stark ab, sie waren funktionsunt�chtig, sie lebten �berhaupt nicht und wurden daher entfernt, aus dem Produktionszyklus ausgeschieden�� </p><p>�Und der Graben vor der Stadt, was war damit? Auch �Ausschuߓ?� fragte der Kybernetiker.</p><p>�Ich wei� es nicht, aber auch das ist nicht ausgeschlossen�� </p><p>�Nein, ausgeschlossen ist das nicht.�</p><p>Der Doktor betrachtete den bl�ulich getr�bten Rand des Horizonts. �An dem, was du sagst, ist etwas dran� jenes abgebrochene R�hrchen, das eine und das andere��</p><p>�Vielleicht haben sie damit irgendwelche belebenden Substanzen w�hrend der Synthese eingef�hrt.�</p><p>�Das w�rde zum Teil auch erkl�ren, weshalb der Doppelt, den ihr mitgebracht habt, gewisserma�en geistig unterentwickelt ist�, f�gte der Kybernetiker hinzu. �Er wurde gleich �erwachsen� erschaffen, er spricht nicht, ihm fehlen Erfahrungen�� </p><p>�Nein�, entgegnete der Chemiker. �Unser Doppelt wei� immerhin einiges. Er f�rchtete sich nicht nur, in jenes steinerne Asyl zur�ckzukehren, was schlie�lich irgendwie begreiflich ist, er hatte auch vor dem Spiegelg�rtel Angst. Au�erdem wusste er auch etwas von jener Luftspiegelung, von der unsichtbaren Grenze, die wir �berquerten��</p><p>�Wenn wir Henryks Hypothese fortsetzen wollten, entst�nde ein Bild, das wir schwerlich akzeptieren k�nnen.� Der Koordinator starrte in den Sand. �Die erste Fabrik erzeugt Teile, die nicht gebraucht werden. Und die zweite? Etwa Lebewesen? Wozu?</p><p>Glaubst du, dass auch sie � in einen Kreisproze� eingef�hrt werden?�</p><p>�Du gro�er Gott!� Der Kybernetiker sch�ttelte sich. �Das ist doch wohl nicht dein Ernst?� </p><p>�Einen Augenblick.� Der Chemiker setzte sich. �Wenn die Lebenden in die Retorte zur�ckkehrten, w�re die Beseitigung unvollkommener Gesch�pfe, die sich nicht beleben lie�en, v�llig �berfl�ssig. �brigens haben wir keine Spuren eines solchen Prozesses gesehen�� In der Stille, die nun eintrat, stand der Doktor auf und lie� den Blick �ber seine Freunde schweifen.</p><p>�Wisst ihr�, begann er, �ich kann mir nicht helfen� Ich muss es sagen. Wir haben uns alle durchdas, was der Ingenieur entdeckt zu haben glaubt, beeinflussen lassen und bem�hen uns jetzt, die Tatsachen dieser �Produktionshypothese� anzupassen. Aus alledem geht nur eins unwiderlegbar hervor, n�mlich, dass wir kreuzbrave und naive Menschen sind�� Sie sahen ihn mit wachsendem Erstaunen an, als er fortfuhr: �Vor einer Weile habt ihr versucht, euch die schrecklichsten Dinge auszudenken, zu denen ihr f�hig seid, und ihr seid zu einem Bild gelangt, wie es sich ein Kind machen k�nnte. Eine Fabrik, die Lebewesen erzeugt, um sie zu zermahlen� Liebe Leute, die Wirklichkeit kann schlimmer sein.� </p><p>�Na, wei�t du!� platzte der Kybernetiker heraus. �Moment. La� ihn doch ausreden�, sagte der Ingenieur. �Je l�nger ich �ber unser Erlebnis in jener Siedlung nachdenke, desto fester wird in mir die Gewi�heit, dass wir etwas ganz anderes gesehen haben, als wir zu sehen glaubten.�</p><p>�Dr�ck dich bitte klarer aus. Also was geschah dort?� dr�ngte der Physiker. �Was geschah, wei� ich nicht. Dagegen wei� ich, und dessen bin ich mir sicher, was nicht geschah.� </p><p>�Bitte! Vielleicht l�sst du das jetzt mit den R�tseln.� </p><p>�Ich will nur so viel sagen: Nach l�ngerer Wanderung in jenem unterirdischen Labyrinth wurden wir unvermittelt von einer Menge �berfallen, die uns in dem Gedr�nge ein wenig bel�stigte, dann jedoch auseinanderstob und fl�chtete. Da wir bei der Ann�herung an die Siedlung beobachteten, wie darin die Lichter erloschen, glaubten wir nat�rlich, dass das mit unserer Ankunft zusammenhinge und die Bewohner sich vor uns versteckten. Ich habe mir diese ganze Folge von Ereignissen noch einmal vergegenw�rtigt, alles, was mit uns und um uns geschah und ich sage euch: Das war etwas ganz anderes, etwas, wogegen sich der Verstand str�ubt wie gegen etwas Wahnwitziges.� </p><p>�Du wolltest ohne alle Umschweife reden�, erinnerte der Physiker.</p><p>�Ich rede geradeheraus. Ich bitte euch, folgende Situation zu �berlegen: Auf einem Planeten, der von intelligenten Gesch�pfen bewohnt ist, landen Wesen von den Sternen. Welche Reaktionen der Bewohner sind m�glich?�</p><p>Da keiner antwortete, fuhr der Doktor fort: �Selbst wenn die Bewohner dieses Planeten in Retorten hergestellt sein sollten oder unter noch unheimlicheren Bedingungen auf die Welt gekommen sind, sehe ich nur drei m�gliche Verhaltensweisen: den Versuch, mit den Ank�mmlingen Kontakt aufzunehmen, den Versuch, sie anzugreifen, oder Panik. Es hat sich erwiesen, dass noch eine vierte m�glich ist, n�mlich v�llige Gleichg�ltigkeit!� </p><p>�Du hast doch selbst erz�hlt, dass sie euch fast die Rippen gebrochen haben, und das nennst du Gleichg�ltigkeit!� rief der Kybernetiker. Der Chemiker machte bei den Ausf�hrungen des Doktors gro�e Augen. Seine Gedanken schienen ihm irgendwie einzuleuchten. �Wenn du einer Viehherde im Wege stehst, die vor einem Brand flieht, kann dir noch Schlimmeres passieren, dann hei�t das aber noch lange nicht, dass die Herde dich beachtet�, fuhr der Doktor fort. �Ich sage euch, die Menge, in die wir gerieten, hat uns �berhaupt nicht gesehen! Sie hat sich f�r uns gar nicht interessiert. Zugegeben, sie war in Panik, aber nicht unsertwegen. Wir waren ganz zuf�llig hineingeraten. Nat�rlich glaubten wir fest, dass wir die Ursache waren f�r das Hereinbrechen der Dunkelheit und f�r das Chaos, f�r alles, was wir dort sahen. Aber es stimmt nicht. Es war nicht so.� </p><p>�Beweise!� rief der Ingenieur.</p><p>�Zuerst m�chte ich h�ren, was mein Begleiter dazu meint.� Der Doktor sah den Chemiker an. Der sa� da und bewegte lautlos die Lippen, als spr�che er mit sich selbst. Pl�tzlich zuckte er zusammen.</p><p>�Ja�, sagte er. �So wird es wohl gewesen sein. Sicherlich. Die ganze Zeit hindurch hat mich bei dieser Sache etwas gequ�lt, es lie� mir keine Ruhe. Ich hatte das Gef�hl, dass es sich um eine Verschiebung, ein Mi�verst�ndnis handelte, oder, wie soll ich sagen, es war so, als ob ich einen wirren Text lese und komme nicht dahinter, wo die S�tze umgestellt wurden. Jetzt ist alles klar. So muss es gewesen sein.</p><p>Ich f�rchte nur, wir k�nnen das nicht beweisen, das l�sst sich nicht beweisen. Man muss eben selber dort in dieser Menge gewesen sein. Sie haben uns einfach nicht gesehen. Nat�rlich, mit Ausnahmederjenigen, die uns am n�chsten standen, aber gerade die, die mich umgaben, waren nicht von der allgemeinen Panik erfa�t. Im Gegenteil, m�chte ich behaupten, mein Anblick wirkte ern�chternd auf sie. Solange sie mich ansahen, waren sie einfach die verbl�fften, �ber die Ma�en �berraschten Bewohner des Planeten, die unbekannte Gesch�pfe erblickten. Sie wollten mir �berhaupt nichts B�ses antun. Ich erinnere mich, dass sie mir in gewisser Weise sogar halfen, mich aus dem Gedr�nge zu befreien, soweit das freilich m�glich war��</p><p>�Und wenn jemand die Menge auf euch gehetzt hat? Wenn das nur eine Treibjagd sein sollte?� warf der Ingenieur ein. Der Chemiker sch�ttelte den Kopf. �Da war nichts dergleichen, keine wirbelnden Scheiben, keine bewaffneten W�chter, keine Organisation. Es war v�lliges Chaos, nichts weiter.</p><p>Stimmt�, f�gte er hinzu, �ich wundere mich wirklich, dass ich das erst jetzt begreife. Diejenigen, die mich aus der N�he sahen, schienen zur Besinnung zu kommen. Der Rest benahm sich eben wie rasend!� </p><p>�Wenn das so war, wie ihr schildert�, sagte der Koordinator, �dann w�re das ein recht merkw�rdiger Zufall. Warum wurden die Lichter gerade in dem Augenblick gel�scht, als wir dort ankamen?� </p><p>�Ach so, die Wahrscheinlichkeitsrechnung�, murmelte der Doktor, und lauter f�gte er hinzu: �Ich w�rde darin nichts Ungew�hnliches sehen, ausgenommen die nicht begr�ndete Annahme, dass solche Zust�nde ziemlich h�ufig auftreten.� </p><p>�Was f�r Zust�nde?� </p><p>�Die der allgemeinen Panik.�</p><p>�Und was mag sie ausl�sen?�</p><p>�M�glicherweise der r�ckl�ufige Zivilisationsproze� auf dem Planeten�, meinte der Kybernetiker nach einem Augenblick des Schweigens. �Eine Periode der R�ckentwicklung, einfacher ausgedr�ckt: Die Zivilisation wird von einer Art� gesellschaftlichem Krebs zerfressen.� </p><p>�Das ist sehr verschwommen�, meinte der Koordinator. �Die Erde ist bekanntlich ein ganz durchschnittlicher Planet. Es hat dort Epochen der Involution gegeben, ganze Zivilisationen entstanden und vergingen wieder, �berblicken wir aber die Jahrtausende, so erhalten wir ein Bild zunehmender Kompliziertheit des Lebens und seines wachsenden Schutzes. Wir bezeichnen das als Fortschritt. Der Fortschritt erfolgt auf durchschnittlichen Planeten. Aber es gibt auch, gem�� dem Gesetz der gro�en Zahl, statistische Abweichungen vom Durchschnitt, positive wie negative. Man braucht sich gar nicht auf Hypothesen von einer periodischen Degeneration, von einer R�ckentwicklung, zu berufen. Es ist doch m�glich, dass die sch�dlichen Begleitumst�nde bei der Entstehung der Zivilisation hier gr��er sind und gr��er waren als anderswo. Vielleicht sind wir gerade w�hrend eines Prozesses der negativen Abweichung gelandet.��</p><p>�Mathematischer D�monismus�, sagte der Ingenieur. �Die Fabrik existiert�, bemerkte der Physiker.</p><p>�Zugegeben, die erste, die Existenz der zweiten ist eine Hypothese, die sich nicht halten l��t.�</p><p>�Mit einem Wort, eine neue Expedition ist notwendig�, schloss der Chemiker. �In dieser Hinsicht hatte und habe ich nicht die geringsten Zweifel.� Der Ingenieur schaute sich um. Die Sonne neigte sich bereits deutlich dem Horizont zu, die Schatten auf dem Sand wurden l�nger. Ein schwacher Wind wehte.</p><p>�Heute noch�?� Der Ingenieur sah den Koordinator fragend an. �Heute sollten wir nach Wasser fahren, sonst nichts.� Der Ingenieur stand auf. �Eine sehr interessante Diskussion�, sagte er mit einer Miene, als d�chte er an etwas anderes. Er hob seine Kombination auf und lie� sie gleich wieder fallen, so hei� war sie von der Sonne. �Ich denke, gegen Abend werden wir einen Ausfall auf R�dern zum Bach machen. Wir lassen uns durch nichts von unserem Plan abbringen, es sei denn, wir werden unmittelbar bedroht.� Er kehrte zu den im Sand Sitzenden zur�ck, betrachtete sie eine Weile und f�gte dann z�gernd hinzu: �Ich muss euch gestehen, dass ich etwas� unruhig bin.� </p><p>�Warum?� </p><p>�Mir gef�llt nicht, dass sie uns in Ruhe lassen, nach diesem Besuch vor zwei Tagen. So verh�lt sich keine Gesellschaft, in die ein bemanntes Raumschiff vom Himmel f�llt.��Das w�rde in gewisser Weise meine Annahme st�tzen�, bemerkte der Kybernetiker. �Die mit dem �Krebs�, der Eden auffri�t? Nun, von unserem Standpunkt aus w�re das nicht das Schlimmste, nur�</p><p>�Was?� </p><p>�Nichts. H�rt zu, wir m�ssen uns endlich den Besch�tzer vornehmen. Das Ger�mpel dar�ber wird wegger�umt, die Dioden darin sind sicherlich unversehrt.�</p></section><section><title><p>Neuntes Kapitel</p></title><p>Etwa zwei Stunden lang wurde schwer gearbeitet. Sie trugen aus der unteren Kammer die zertr�mmerten Automatenst�cke heraus, die ineinandergebohrten, kaum noch voneinander zu l�senden Teile, die der Zusammenprall aus den Fassungen gerissen und auf die Lafette des Besch�tzers geworfen hatte. Die gr��ten Lasten r�umten sie mit dem Scherenkran weg, und alles, was sich nicht durch die T�r zw�ngen lie�, montierten der Ingenieur und der Koordinator auseinander.</p><p>Zwei Panzerplatten, die zwischen dem Turm des Besch�tzers und einer Kiste mit Bleiziegeln eingekeilt waren, zerschnitten sie mit Hilfe des Lichtbogens, nachdem sie ein Kabel von der Schalttafel des Reaktors aus dem Maschinenraum nach unten gelegt hatten. Der Kybernetiker und der Physiker sortierten alles, was von den entsetzlich knirschenden Wrackteilen freigelegt war. Was sich nicht reparieren lie�, warfen sie zum Schrott. Der Chemiker seinerseits sortierte den Schrott nach Materialarten. Sobald ein besonders massives Konstruktionselement herausgehievt werden musste, warfen alle die Arbeit hin und eilten den Tr�gern zu Hilfe. Kurz vor sechs war der Zugang zu dem abgeflachten Kopf des Besch�tzers so weit frei, dass sie seine obere Klappe abschrauben konnten. Der Kybernetiker sprang als erster in das dunkle Innere. Bald darauf bat er um eine Lampe. Sie lie�en sie ihm an einem Kabel hinab. Auf einmal h�rten sie einen unterdr�ckten, triumphierenden Schrei, wie aus der Tiefe eines Brunnens. �Sie sind da!� Er steckte f�r einen Augenblick den Kopf heraus. �Wir brauchen uns nur hineinzusetzen und zu fahren! Die gesamte Installation ist intakt!!� </p><p>�Na klar, der Besch�tzer ist doch dazu da, dass er einen Puff vertr�gt.� Der Ingenieur strahlte, obwohl seine Unterarme vom Schleppen der Kisten mit den Reserveventils�tzen zerschrammt und blutig waren.</p><p>�Leute, es ist sechs. Wenn wir Wasser holen wollen, m�ssen wir das gleich tun�, rief der Koordinator.</p><p>�Der Kybernetiker und der Ingenieur haben alle H�nde voll zu tun. Ich denke, wir fahren in der gleichen Zusammensetzung wie gestern.� </p><p>�Damit bin ich nicht einverstanden!� </p><p>�Du begreifst doch��, hob der Koordinator an, doch der Ingenieur fiel ihm ins Wort: �Du verstehst davon genausoviel wie ich. Diesmal bleibst du hier.�</p><p>Sie stritten sich eine Weile, schlie�lich gab der Koordinator nach. Zur Expeditionsmannschaft geh�rten der Ingenieur, der Physiker und der Doktor. Beim Doktor war mit �berredung nichts zu machen, er bestand darauf, mitzufahren.</p><p>�Es ist noch gar nicht raus, wo es sicherer ist, ob hier oder da, falls es darum gehen sollte�, sagte er, ver�rgert �ber die Einw�nde des Ingenieurs, und stieg die st�hlerne Leiter nach oben. �Die Beh�lter sind schon vorbereitet�, rief der Koordinator ihnen nach. �Bis zum Bach sind es nicht mehr als zwanzig Kilometer. Kommt gleich mit dem Wasser zur�ck, verstanden!� </p><p>�Wenn wir es schaffen, fahren wir gleich noch einmal�, sagte der Ingenieur. �Dann h�tten wir vierhundert Liter.� </p><p>�Wie das mit dem Noch einmal fahren wird, werden wir nachher sehen.� Der Chemiker und der Kybernetiker wollten sie hinausbegleiten, doch der Ingenieur versperrte ihnen den Weg. �Keinen gro�en Abschied, das hat keinen Sinn. Also, bis nachher. Einer muss oben bleiben. Der kann mitkommen.�</p><p>�Eben, das will ich ja�, sagte der Chemiker. �Du siehst doch, dass ich keine Arbeit habe.� Die Sonne stand schon tief am Himmel. Der Ingenieur �berpr�fte die Befestigung der Kanister, das Lenkrad undden Vorrat an Isotopenmischung und setzte sich dann vorn in den Wagen. Kaum war der Doktor eingestiegen, richtete sich der Doppelt, der unter der Rakete gelegen hatte, in seiner ganzen Gr��e auf und schlurfte auf sie zu. Der Gel�ndewagen fuhr an. Das gro�e Gesch�pf st�hnte auf und lief hinter ihnen her, mit einer Geschwindigkeit, die den Chemiker verbl�ffte. Der Doktor rief dem Ingenieur etwas zu, der Wagen hielt. �Was willst du denn�, murrte der Ingenieur, �du wirst ihn doch nicht mitnehmen?� Der Doktor war verwirrt und wusste nicht, was er tun sollte. Er sah den Riesen an, der auf ihn herabschaute, von einem Bein aufs andere trat und kr�chzende Laute ausstie�.</p><p>�Schlie� ihn in der Rakete ein, sonst folgt er uns�, riet der Ingenieur.</p><p>�Oder schl�fere ihn ein�, meinte der Physiker. �Wenn er n�mlich hinter uns herl�uft, kann er noch einen von uns aus dem Wagen ziehen.�</p><p>Das leuchtete ihnen ein. Der Ingenieur fuhr langsam an die Rakete heran. Der Doppelt h�pfte mit seltsamen Spr�ngen hinter ihnen her. Der Doktor lockte den Riesen in den Tunnel. Das Durchkommen war beschwerlich. Eine Viertelstunde darauf kehrte der Doktor ver�rgert und nerv�s zur�ck. �Ich habe ihn im Vorzimmer des Verbandsaals eingeschlossen. Da gibt es weder Glas noch scharfe Gegenst�nde. Aber ich f�rchte, er wird toben.� </p><p>�Na, na�, meinte der Ingenieur, �mach dich nicht l�cherlich.� Der Doktor wollte etwas entgegnen, schwieg aber. Sie fuhren einen gro�en Bogen um die Rakete. Der Chemiker winkte ihnen nach, selbst als er nur noch einen hohen Staubschweif sah. Dann nahm er seine Wache bei dem flach eingegrabenen Werfer wieder auf.</p><p>Ungef�hr zwei Stunden sp�ter sah er zwischen den schlanken Kelchen, die lange Schatten warfen, ein Staubw�lkchen auftauchen. Die eif�rmige, rot angeschwollene Sonnenscheibe ber�hrte gerade den Horizont. Von Norden dr�ngten blaue Wolken heran. Die sonst um diese Zeit eintretende K�hle blieb diesmal aus, die Luft war noch immer stickig. Der Chemiker trat aus dem Schatten der Rakete und beobachtete, wie der Wagen �ber die Furchen h�pfte, die die wirbelnden Scheiben aufgew�hlt hatten. Er st�rzte Zum Wagen, als der noch rollte. Er brauchte nicht nach dem Erfolg des Ausflugs zu fragen. Der Wagen sa� schwer auf dem breitgedr�ckten Reifen. In allen Kanistern gluckste Wasser. Selbst auf dem freien Sitz pl�tscherte ein voller Beh�lter. �Wie war's?� fragte der Chemiker. Der Ingenieur nahm seine dunkle Brille ab und wischte sich mit dem Taschentuch den Schwei� und den Staub vom Gesicht. �Sehr angenehm�, sagte er. �Seid ihr jemand begegnet?� </p><p>�Wie gew�hnlich, die Scheiben waren da, aber wir sahen sie nur von weitem. Wir fuhren von der anderen Seite heran, dort wo die Schonung mit der Schlucht ist, wei�t du. Dort sind fast gar keine Furchen.</p><p>Schwierigkeiten hatten wir mit dem F�llen der Kanister. Uns fehlte eine kleine Pumpe.� </p><p>�Wir fahren noch einmal�, f�gte der Physiker hinzu. �Zuerst m��t ihr das Wasser umgie�en��</p><p>�Lohnt nicht�, erwiderte der Physiker. �Hier liegen so viele leere Beh�lter herum, wir nehmen davon welche mit. Dann k�nnen wir alles auf einmal umsch�tten. Recht so?� Er sah dem Ingenieur in die Augen, als h�tte er dabei einen Hintergedanken. Der Chemiker bemerkte es nicht. Er wunderte sich nur �ber ihre unn�tige Eile. Sie luden die Kanister mit einer Hast ab, als gelte es, irgendwo einen Brand zu l�schen. Kaum hatten sie die neuen auf dem Gep�ckgitter befestigt � �brigens weniger als das erstemal �, sprangen sie wieder in den Wagen und fuhren davon, eine riesige Staubfahne hinter sich herziehend. Als der Koordinator nach oben kam, sank die Staubwand, vom Licht der untergehenden Sonne purpurn �berg�ssen, gerade auf die Ebene. �Sie sind noch nicht da?� fragte er.</p><p>�Sie waren schon hier, haben die Beh�lter ausgewechselt und sind noch einmal gefahren.� Der Koordinator war mehr erstaunt als ver�rgert. �Wieso, sie sind also gleich wieder abgefahren?�</p><p>Bevor er in die Rakete zur�ckging, versprach er dem Chemiker, ihn gleich abl�sen zu lassen. Der Kybernetiker arbeitete gerade am Universalautomaten. Es w�re schwierig gewesen, mit ihm eineUnterhaltung anzufangen, er hatte ungef�hr zwanzig Transistoren im Mund, die er nacheinander wie Kerne in die Hand spuckte. Auf seiner Brust baumelten mehrere hundert aus ihren Porzelit-h�llen hervorgezogene Leitungen, die er mit einer Fixigkeit zusammenkn�pfte, dass die Finger nur so durcheinanderwirbelten. Manchmal hielt er inne und starrte minutenlang wie in Trance auf das gro�e Schema, das vor seinen Augen hing. Der Koordinator ging deswegen wieder hinauf und l�ste selber den Chemiker auf seinem Posten ab, damit der das Abendbrot zubereiten konnte. Er setzte sich an den Werfer und vertrieb sich die Langeweile, indem er einige Beobachtungen in das vom Ingenieur angelegte Montagebuch eintrug.</p><p>Seit zwei Tagen zerbrachen sie sich dar�ber den Kopf, was sie mit den neunzigtausend Litern radioaktiv verseuchten Wassers anfangen sollten, das den Raum �ber dem Lasteneingang �berflutet hatte. Das war einer der Teufelskreise, auf die sie st�ndig stie�en. Um das Wasser zu reinigen, brauchten sie die Filter, aber zu dem Stromkabel, das sie versorgte, gelangte man eben nur durch den �berfluteten Raum. Sie hatten zwar einen Taucheranzug an Bord, aber sie ben�tigten einen, der auch vor Strahlung sch�tzte. Es lohnte jedoch nicht, ihn eigens daf�r herzurichten, ihn mit Blei zu panzern.</p><p>Dann konnten sie auch warten, bis die in Betrieb genommenen Automaten in das Wasser tauchten.</p><p>Der Koordinator sa� unter dem Heck der Rakete, an dem seit Anbruch der D�mmerung alle drei Sekunden die Lampe aufflammte, und beeilte sich, im kurzen Lichtschein alles niederzuschreiben, was ihm in den Sinn kam. Er lachte hinterher selbst dar�ber, als er sein Geschreibsel betrachtete. Ein Blick auf die Uhr: Es war kurz vor zehn.</p><p>Er erhob sich, begann auf und ab zu schreiten und hielt nach den Lichtern des Gel�ndewagens Ausschau. Doch es war nichts zu sehen. Allerdings erschwerte die Signallampe die Beobachtung.</p><p>Deshalb entfernte er sich ein St�ck von der Rakete in der Richtung, aus der der Wagen zur�ckkehren musste.</p><p>Wie gew�hnlich, wenn er allein war, schaute er zu den Sternen hinauf. Die Milchstra�e ragte steil in die Finsternis. Sein Blick schweifte vom Skorpion nach links hin�ber, auf einmal hielt er verbl�fft inne. Die hellsten Sterne des Widders waren kaum zu erkennen. Sie gingen in einem blassen Schein unter, als h�tte sich die Milchstra�e ausgedehnt und sie verschlungen; dabei lagen sie au�erhalb ihrer Grenzen. Pl�tzlich begriff er. Das war eine Feuersbrunst, eben dort, �ber dem �stlichen Horizont. Sein Herz begann langsam und kr�ftig zu schlagen. Er sp�rte ein W�rgen im Hals, das aber gleich verging.</p><p>Er presste die Kiefer zusammen und schritt weiter. Der wei�liche Schein der Feuersbrunst hing tief �ber dem Horizont und flackerte ungleichm��ig. Er schloss die Augen und lauschte mit gr��ter Konzentration in die Stille, h�rte aber nur das Rauschen seines Blutes. Nun waren die Sternbilder fast gar nicht mehr zu sehen. Er stand reglos da, starrte zum Himmel, der sich mit einem tr�ben Schimmer �berzog.</p><p>Anfangs wollte er zur Rakete zur�ckkehren und die anderen nach oben holen. Sie konnten ja mit dem Werfer dorthin gehen. Zu Fu� h�tten sie mindestens drei Stunden gebraucht. Sie hatten au�er dem Gel�ndewagen noch einen kleinen Hubschrauber, aber der steckte eingekeilt zwischen Kisten, im Zwischendeck, das vom Wasser �berflutet war. Sie hatten nur die Spitze herausragen sehen. Eine der beiden Luftschrauben war bei der Katastrophe zerbrochen, die Kabine sah wahrscheinlich schlimm aus. Blieb nur der Besch�tzer. Der Koordinator �berlegte: Vielleicht setzten sie sich einfach hinein und �ffneten die Lastenklappe, deren Schalttafel im Maschinenraum war, durch Fernsteuerung.</p><p>Sobald die Klappe aufging, w�rde das Wasser ablaufen. Im Besch�tzer w�ren sie vor Radioaktivit�t sicher. Unklar war jedoch, ob sich die Klappe �berhaupt �ffnen w�rde, ebenso, was sie danach tun sollten, wenn sich der Boden rund um die Rakete in einen einzigen radioaktiven Fleck verwandelt hatte. Dennoch: Wenn er nur die Gewi�heit h�tte, dass die Klappe nachgeben w�rde�Er beschloss, noch zehn Minuten zu warten. Wenn er bis dahin die Lichter des Wagens nicht entdeckte, w�rden sie fahren. Es war dreizehn Minuten nach zehn. Er lie� die Hand mit der Uhr sinken. Der Feuerschein � ja, er irrte sich nicht � glitt langsam am Horizont entlang, erreichte bereits den Alpha Ph�nix und bewegte sich mit einem Streifen, der oben r�tlich, unten wei�lich tr�b war, nach Norden. Wieder schaute er auf die Uhr: Es fehlten noch vier Minuten. Da erblickte er die Scheinwerfer. Zun�chst waren sie nur ein blinkendes Irrlicht, ein Sternchen, das im schnellen Rhythmus zitterte, dann teilten sie sich in zwei Lichter, sprangen nach oben und nach unten, begannen schlie�lich immer st�rker zu blenden. Er h�rte bereits das Rauschen der R�der. Sie fuhren wohl schnell, doch er wusste, dass man aus dem Wagen mehr herausholen konnte. Das beruhigte ihn.</p><p>Dennoch sp�rte er wie immer unter solchen Umst�nden wachsenden �rger.</p><p>Ohne es zu merken, hatte er sich mindestens dreihundert Schritt von der Rakete entfernt. Der Gel�ndewagen bremste scharf. Der Doktor rief: �Steig ein!� Er lief hinzu und sprang von der Seite her auf den freien Sitz. Als er den Beh�lter beiseite schob, sp�rte er, dass er leer war. Er sah die drei an. Dem Augenschein nach war ihnen nichts zugesto�en. Er beugte sich vor, ber�hrte das Rohr des Werfers � es war kalt. Der Physiker beantwortete seinen Blick mit einem nichtssagenden Ausdruck in den Augen. Der Koordinator wartete deshalb schweigend, bis sie die Rakete erreicht hatten. Der Ingenieur bog scharf ein, die Fliehkraft dr�ckte den Koordinator in den Sitz. Die leeren Kanister polterten, der Wagen hielt vor dem Tunneleingang. �Ist das Wasser ausgetrocknet?� fragte der Koordinator in gleichg�ltigem Ton. �Wir konnten kein Wasser sch�pfen.� Der Ingenieur drehte sich auf seinem Sitz zu ihm um. �Wir kamen nicht durch bis zum Bach.� Er deutete mit der Hand nach Osten. Keiner r�hrte sich von seinem Platz. Der Koordinator sah zuerst den Physiker, dann den Ingenieur pr�fend an. �Wir hatten schon beim erstenmal entdeckt, dass sich dort etwas ver�ndert hatte�, gestand der Physiker. �Aber wir wussten nicht, was es war, und wollten uns vergewissern.� </p><p>�Und wenn es sich so gr�ndlich ver�ndert h�tte, dass ihr nicht zur�ckgekommen w�ret, was h�tte uns dann diese Umsicht genutzt?� Der Koordinator verbarg seinen �rger nicht mehr.</p><p>�Also bitte, erz�hlt alles, aber ohne Tropfenmesser!� </p><p>�Sie machen dort etwas am Bach, davor und dahinter, rings um die H�gel, in allen Talkesseln, die gr��eren Furchen entlang, und das auf mehreren Kilometern L�nge�, begann der Doktor. Der Ingenieur nickte. �Beim erstenmal, als es noch hell war, hatten wir nur ganze Scharen von diesen Brummkreiseln bemerkt. Sie fuhren alle in V-Formation und warfen Erde heraus, als f�hrten sie Ausgrabungen durch. Wir entdeckten sie erst auf dem R�ckweg vom H�gel aus. Sie wollten mir nicht gefallen.� </p><p>�Und was wollte dir an ihnen nicht gefallen?� fragte der Koordinator sanft. �Dass sie sich dreieckig formierten und dass die Spitzen der Dreiecke in unsere Richtung zeigten.� </p><p>�Wunderbar. Und ohne uns auch nur ein Wort davon zu sagen, seid ihr noch einmal hingefahren? Wei�t du, wie man so etwas nennt?� </p><p>�Vielleicht haben wir eine Dummheit gemacht�, sagte der Ingenieur. �Bestimmt sogar, aber wir dachten uns, ehe wir erst wieder lange beratschlagen, ob wir ein zweites Mal fahren sollen, und dann von neuem der Streit losgeht, wer sein unsch�tzbares Leben aufs Spiel setzen darf und wer nicht, da wollten wir lieber die Sache selbst rasch erledigen. Ich rechnete damit, dass sie das Arbeitsgel�nde bei Dunkelheit irgendwie beleuchten w�rden.� </p><p>�Haben sie euch bemerkt?�</p><p>�Offenbar nicht. Jedenfalls habe ich keine Anzeichen daf�r beobachtet. Sie haben uns nicht angegriffen.� </p><p>�Wie seid ihr jetzt gefahren?�</p><p>�Fast die ganze Zeit �ber die H�gelr�cken, nicht auf dem Kamm, sondern etwas darunter, damit sie uns nicht vor dem Hintergrund des Himmels erkennen konnten. Nat�rlich ohne Licht. Deshalb hat es so lange gedauert.� </p><p>�Das hei�t, ihr seid �berhaupt nicht mit der Absicht gefahren, Wasser zu tanken, und die Kanister habt ihr nur mitgenommen, um den Chemiker zu t�uschen?��Nein, so war es nicht�, widersprach der Doktor. Sie sa�en noch immer im Wagen, im Schein der gleichm��ig aufflammenden Lampe. �Wir hatten vor, den Bach weiter hinten zu erreichen, von der anderen Seite her, aber es ging nicht.� </p><p>�Warum?� </p><p>�Sie f�hren dort die gleichen Arbeiten durch. Jetzt, das hei�t seit Anbruch der Dunkelheit, gie�en sie eine leuchtende Fl�ssigkeit in die Gr�ben. Sie gibt so viel Licht, dass man ausgezeichnet sieht.� </p><p>�Was war das?� Der Koordinator sah den Ingenieur an.</p><p>Der zuckte mit den Schultern. �Vielleicht gie�en sie dort etwas. Obwohl mir das Material f�r geschmolzenes Metall zu d�nnfl�ssig vorkam.� </p><p>�Womit wurde das herangeschafft?�</p><p>�Gar nicht. Sie legten etwas in die Furchen. Ich nehme an, es war eine Rohrleitung, aber mit Bestimmtheit kann ich das nicht sagen.� </p><p>�Sie pressten fl�ssiges Metall durch eine Rohrleitung?� </p><p>�Ich sage dir nur, was ich in der Dunkelheit durch das Fernglas gesehen habe, bei sehr schlechten Lichtverh�ltnissen. In der Mitte leuchtet jeder Graben wie ein Quecksilberbrenner, ringsherum ist alles dunkel. Wir kamen �brigens nirgends n�her als siebenhundert Meter heran.� Die Signallampe verlosch, minutenlang sa�en sie da, ohne einander zu sehen, dann flammte sie wieder auf. �Ich denke, wir werden sie entfernen m�ssen�, sagte der Koordinator mit einem Blick nach oben. �Und das sofort� Was ist?� Er sah in die Dunkelheit, wo der Chemiker gerade aus dem Tunnel trat. Sie wechselten ein paar Worte miteinander, der Ingenieur ging unterdessen nach unten und schaltete die Stromzufuhr im Maschinenraum aus. Die Lampe blitzte zum letztenmal auf, dann umgab sie v�llige Finsternis. Um so deutlicher war der Schein am Horizont zu sehen. Er hatte sich inzwischen mehr nach S�den verzogen. �Es wimmelt dort von ihnen � wie Sand am Meer�, sagte der Ingenieur, der zur�ckgekehrt war. Seine Gesichtsz�ge wirkten in dem unbeweglichen Widerschein der Feuersbrunst wie grau gezeichnet. �Die gro�en Brummkreisel?�</p><p>�Nein, die Doppelts. Man konnte ihre Gestalten im Licht des leuchtenden Breis erkennen. Sie hatten es sehr eilig, offenbar erkaltete er und wurde dick. Sie stellten irgendwelche Gitter auf, hinten und an den Seiten. Der uns zugewandte Teil blieb frei.� </p><p>�Was nun? Werden wir mit den H�nden im Scho� dasitzen und abwarten?� fragte der Chemiker laut. �Keineswegs�, erwiderte der Koordinator. �Wir werden sofort die Bordsysteme des Besch�tzers �berpr�fen.� Sie schwiegen eine Weile und betrachteten den Schein am Horizont. Einige Male leuchtete er st�rker auf. �Willst du das Wasser ablassen?� fragte der Ingenieur d�ster. �Damit warten wir so lange wie m�glich. Ich hatte schon daran gedacht. Wir wollen versuchen, die Klappe zu �ffnen. Wenn die Kontroll�mpchen anzeigen, dass der Schlossmechanismus in Ordnung ist, schlagen wir sie wieder zu und warten ab. Die Klappe wird sich bei dem Versuch nur millimeterweit �ffnen, schlimmstenfalls flie�t ein halbes Hundert Liter Wasser heraus. Ein so kleiner radioaktiver Fleck ist kein Problem, damit werden wir schon fertig.</p><p>Daf�r haben wir dann die Gewi�heit, dass wir jederzeit mit dem Besch�tzer herausfahren k�nnen und Man�vrierfreiheit haben.� </p><p>�Schlimmstenfalls bleibt ein Fleck zur�ck, aber von uns�, sagte der Chemiker. �Ich bin gespannt, was du dir von diesen Experimenten versprichtst, falls ein Atomangriff erfolgt?�</p><p>�Keramit h�lt eine Explosion bis zu dreihundert Meter vom Punkt Null aus.� </p><p>�Und wenn sie nur hundert Meter weg ist?�</p><p>�Der Besch�tzer h�lt auch auf hundert Meter Entfernung eine Explosion aus.� </p><p>�Ja, wenn er eingegraben ist�, berichtigte ihn der Physiker. �Nun gut. Notfalls graben wir uns ein.�</p><p>�Selbst wenn die Explosion vierhundert Meter entfernt erfolgen sollte, verklemmt sich die Klappe thermisch, und du kannst nicht rausfahren. Dann kochen wir drinnen wie die Krebse.� </p><p>�Das hat alles keinen Sinn. Vorl�ufig fliegen keine Bomben, und �brigens, verflixt noch mal, das m�ssen wir uns schlie�lich eingestehen � verlassen werden wir die Rakete nicht� Wenn sie die Rakete zerst�ren, woraus willst du dann eine zweite bauen? Kannst du mir das verraten?� Eine Weile herrschte Schweigen. �Moment.� Dem Physiker war etwas eingefallen. �Der Besch�tzer ist doch nichtkomplett! Der Kybernetiker hat die Dioden herausgenommen.� </p><p>�Nur aus dem Zielautomaten. Man kann auch ohne den Automaten zielen. Au�erdem wei�t du ja: Wenn mit Antiprotonen geschossen wird, kann man ruhig danebentreffen. Die Wirkung bleibt die gleiche.� </p><p>�H�rt mal, ich hab da eine Frage�, sagte der Doktor. Alle wandten sich ihm zu. �Was denn?� </p><p>�Ach, nichts Besonderes. Ich h�tte nur gern gewusst, was unser Doppelt macht.��</p><p>Eine Sekunde lang herrschte Schweigen, dann barsten alle vor Lachen.</p><p>�Das ist sch�n!� rief der Ingenieur. Die Stimmung besserte sich, als w�re die Gefahr auf einmal gebannt. �Er schl�ft�, sagte der Koordinator. �Wenigstens schlief er um acht, als ich nach ihm sah. Er ist �berhaupt imstande, beinahe pausenlos zu schlafen. Ob er was i�t?� Die Frage galt dem Doktor.</p><p>�Er will bei uns nichts essen. Ich wei� nicht, was er i�t. Von den Speisen, die ich ihm hinhielt, hat er nichts anger�hrt.� </p><p>�Ja, jeder hat eben seine Sorgen�, seufzte der Ingenieur und l�chelte im Dunkeln.</p><p>�Achtung!� Von unten ert�nte eine Stimme. �Achtung! Achtung!� Sie drehten sich ungest�m um. Ein gro�es dunkles Gebilde kroch aus dem Tunnel, rasselte leise �ber den Boden und blieb stehen. Hinter ihm tauchte der Kybernetiker auf, eine brennende Taschenlampe auf der Brust.</p><p>�Unser erster Universalautomat!� rief er triumphierend. �Was ist�?� Er blickte in die Gesichter der Kameraden. �Was ist geschehen?�</p><p>�Vorl�ufig noch nichts�, antwortete der Chemiker. �Aber es kann mehr geschehen, als wir uns w�nschen.� </p><p>�Wieso das? Wir haben doch einen Automaten�, versetzte der Kybernetiker ratlos.</p><p>�So? Na dann sag ihm, dass er gleich anfangen kann.� </p><p>�Womit?�</p><p>�Gr�ber schaufeln!� schrie der Chemiker, stie� die Gef�hrten beiseite und schritt geradeaus in die Dunkelheit. Der Koordinator stand eine Weile starr da und schaute ihm nach, dann folgte er ihm.</p><p>�Was hat er?� fragte der Kybernetiker verbl�fft. �Ein Schock�, erwiderte der Ingenieur. �Sie bereiten dort in den kleinen T�lern im Osten etwas gegen uns vor. Wir haben das bei unserem Ausflug festgestellt. Wahrscheinlich werden sie uns angreifen, aber wir wissen noch nicht, wie.� </p><p>�Angreifen.</p><p>?� Der Kybernetiker stand noch immer im Banne seiner erfolgreichen Arbeit. Was der Ingenieur sagte, schien gar nicht in sein Bewu�tsein zu dringen. Er sah die anderen mit gro�en Augen an, dann drehte er sich um: Hinter ihm stand der Automat, der die Menschen �berragte, unbeweglich, wie aus einem Felsen gehauen. �Man muss etwas unternehmen��, fl�sterte der Kybernetiker. �Wir wollen den Besch�tzer in Betrieb nehmen�, sagte der Physiker. �Ganz gleich, ob das was n�tzt oder nicht, jedenfalls m�ssen wir uns an die Arbeit machen. Sag dem Koordinator, er soll uns den Chemiker schicken, wir gehen nach unten. Wir m�ssen die Filter reparieren. Der Automat wird das Kabel anschlie�en. Komm�, er nickte dem Kybernetiker zu. �Das schlimmste ist, mit verschr�nkten Armen zu warten.� Sie gingen in den Tunnel. Der Automat machte auf der Stelle kehrt und folgte ihnen.</p><p>�Sieh einer an, er hat mit ihm schon R�ckkopplung�, sagte voll Bewunderung der Ingenieur zum Doktor. �Das wird sich gleich als n�tzlich f�r uns erweisen. Wir lassen den Schwarzen unter Wasser tauchen. Einem Untergetauchten k�nnte man mit der Stimme keine Befehle erteilen.� </p><p>�Wie dann?</p><p>Durch Funk?� fragte der Doktor zerstreut, als sagte er nur etwas, um die Unterhaltung nicht abbrechen zu lassen. Er verfolgte die beiden Silhouetten vor dem Schein am Horizont. Sie waren umgekehrt. Sie sahen aus wie n�chtliche Spazierg�nger unter den Sternen.</p><p>�Mit einem Mikrosender, das wei�t du doch�, erkl�rte der Ingenieur. Mit den Augen folgte er dem Blick des Doktors und fuhr dann in dem gleichen Ton fort: �Das ist deshalb, weil er schon �berzeugt war, es w�rde uns gelingen�� </p><p>�Ja.� Der Doktor nickte. �Darum weigerte er sich heute fr�h so heftig, Eden zu verlassen��</p><p>�Das macht nichts�� Der Ingenieur wandte sich wieder dem Tunneleingang zu. �Ich kenne ihn.Sobald es richtig losgeht, ist er dar�ber hinweg.� </p><p>�Ja, dann vergeht alles�, pflichtete der Doktor ihm bei. Der Ingenieur hielt inne und versuchte ihm im Dunkeln ins Gesicht zu schauen, da er unsicher war, ob sich nicht Spott hinter den Worten verbarg. Doch er bemerkte nichts, denn es war zu dunkel.</p><p>Nach einer guten Viertelstunde kamen der Koordinator und der Chemiker in die Rakete hinunter.</p><p>Inzwischen hatte der Schwarze oben einen zwei Meter hohen Wall rings um den Tunnelausgang aufgeschichtet, ihn festgestampft und abgest�tzt und dann die oben zur�ckgelassenen Sachen nach unten transportiert. Au�er dem eingegrabenen Werfer blieb nur der Gel�ndewagen oben zur�ck. Sie wollten sich die Zeit sparen, die sie gebraucht h�tten, ihn auseinanderzunehmen, und auf die Hilfe des Automaten wollten sie auch nicht verzichten.</p><p>Um Mitternacht legten sie sich t�chtig ins Zeug. Der Kybernetiker �berpr�fte die gesamte innere Installation des Besch�tzers. Der Physiker und der Ingenieur regulierten die kleine Batterie der Radioaktivit�tsfilter, und der Koordinator stand im Schutzanzug �ber der �ffnung des Geschosses unter dem Maschinenraum. Der Automat war auf den Boden getaucht und arbeitete an den Kabelverzweigungen zwei Meter tief unter Wasser. Die Filter wiesen auch nach der Reparatur eine verminderte Durchl�ssigkeit auf, weil ein paar Sektionen ausgefallen waren. Sie halfen sich, indem sie die Zirkulation des Wassers beschleunigten. Seine Reinigung vollzog sich unter ziemlich primitiven Bedingungen. Der Chemiker entnahm alle zehn Minuten Proben aus dem Beh�lter und untersuchte den Grad der radioaktiven Verseuchung. Der selbstt�tige Anzeiger arbeitete nicht, und sie h�tten viel Zeit zu seiner Instandsetzung ben�tigt.</p><p>Gegen drei Uhr fr�h war das Wasser gereinigt. Der Beh�lter, aus dem es ausgelaufen war, hatte drei Lecks. Sein Beharrungsverm�gen hatte ihn aus der Lagerung gerissen. Er war mit der Vorderseite gegen einen Hauptspanten des Panzers geprallt. Statt ihn zu schwei�en, pumpten sie in der Eile das Wasser einfach in den oberen leeren Beh�lter. Unter normalen Bedingungen w�re eine solche asymmetrische Verteilung der Ladung undenkbar gewesen, aber die Rakete war ja vorl�ufig nicht startbereit. Nachdem das Wasser ausgepumpt war, bliesen sie die Bodenr�ume mit fl�ssiger Luft durch. An den W�nden blieb etwas radioaktiver Niederschlag zur�ck, aber dem ma�en sie keine Bedeutung bei. Vorl�ufig beabsichtigte niemand, dort hineinzugehen. Nun kam das Wichtigste � das �ffnen der Lastenklappe. Die Kontrollichter zeigten die volle Leistungsf�higkeit des Schlossmechanismus an, dennoch wollte er sich beim ersten Versuch nicht �ffnen. Sie schwankten einen Augenblick, ob sie den Druck in den hydraulischen Vorrichtungen nicht verst�rken sollten, aber der Ingenieur entschied, dass es besser sei, wenn sie die Klappe von au�en untersuchten, und so gingen sie nach oben.</p><p>Es war nicht leicht, an die Klappe zu gelangen. Sie befand sich unten am Rumpf, vier Meter �ber der Erde. Sie errichteten aus den Metallbruchst�cken ein provisorisches Ger�st. Das dauerte nicht lange.</p><p>Der Automat schwei�te die st�hlernen Fragmente zu einem unf�rmigen, aber haltbaren Laufsteg zusammen, und die Besichtigung im Lichte der Taschenlampen und des Scheinwerfers auf dem St�nder konnte beginnen. Der Himmel war im Osten grau geworden, der Feuerschein war nicht mehr zu sehen. Die Sterne verbla�ten allm�hlich, und von den Keramitplatten des Rumpfes tropfte dicker Tau. �Komisch�, sagte der Physiker, �der Mechanismus ist in Ordnung, die Klappe sieht wie Gold aus und hat nur den einen Fehler, dass sie sich nicht �ffnen l��t.� </p><p>�Ich liebe keine Wunder�, versetzte der Kybernetiker und schlug mit dem Feilengriff gegen das Metall. Der Ingenieur schwieg. Er war w�tend. �Moment�, sagte der Koordinator, �vielleicht versuchen wir es einmal mit der alten, durch Generationen erprobten Methode�� Er griff nach dem Achtkilohammer, der auf dem Ger�st vor seinen F��en lag. �Man kann den Rand abklopfen, aber nur einmal�, warnte der Ingenieur nach einigem Z�gern. Er sch�tzte solche Methoden nicht. Der Koordinator schielte zu dem schwarzen Automaten hin�ber, der sich wie ein kantiges Denkmal imMorgengrauen abzeichnete, wie er so den Laufsteg mit der Brust st�tzte, wog dann den Hammer in den H�nden, holte aus und schlug zu. Er schlug gleichm��ig. Ohne weit auszuholen, setzte er einen Schlag neben den anderen, jeden ein paar Zentimeter weiter. Der Panzer antwortete mit einem kurzen, vollen Laut. Es war unbequem, nach oben auszuholen, aber die physische Anstrengung tat dem Koordinator gut. Pl�tzlich mischte sich in das gleichm��ige H�mmern ein anderer Laut � ein tiefes St�hnen, als h�tte sich der Boden unter ihnen selbst gemeldet. Der Koordinator hielt mit dem H�mmern inne. Sie vernahmen ein durchdringendes Pfeifen in der H�he, dann ein dumpfes Krachen.</p><p>Das Ger�st erzitterte.</p><p>�Runter!� schrie der Physiker. Sie sprangen nacheinander vom Ger�st. Nur der Automat r�hrte sich nicht. Es war schon ziemlich hell. Die Ebene und der Himmel hatten die Farbe von Asche angenommen. Ein zweites brummendes St�hnen ert�nte. Das durchdringende Pfeifen schien auf sie zu zielen. Sie duckten sich instinktiv, zogen die K�pfe ein. Noch standen sie im Schutz des gro�en Raketenrumpfes. Einige hundert Meter weiter spritzte der Boden in einem senkrechten Geysir hoch. Der Laut, der damit verbunden war, klang eigenartig schwach, wie ged�mpft. Sie liefen zum Tunnel. Der Automat folgte ihnen. Der Koordinator und der Ingenieur blieben eine Weile im Schutz der Brustwehr stehen. Der ganze Horizont im Osten st�hnte von unterirdischem Donner. Ein Tosen rollte �ber die Ebene, das Pfeifen schwoll an, wurde machtvoller, schon waren keine einzelnen T�ne mehr zu unterscheiden. Der Himmel spielte Orgel, es war, als st�rzten Rudel von �berschallj�gern vom Zenit auf sie herab. Das ganze Vorfeld war �bers�t von kleinen Sandfont�nen, sie zeichneten sich schwarz vor dem bleiernen Hintergrund des Himmels ab. Der Boden erbebte immer von neuem. Von der Brustwehr rollten kleine Brocken in den Tunnel. �Eine v�llig normale Zivilisation�, meldete sich die Stimme des Physikers aus der Tiefe. �Nicht wahr?�</p><p>�Entweder zu kurz oder zu weit gezielt�, murmelte der Ingenieur. Der Koordinator verstand ihn nicht, denn in der Luft zischte es ununterbrochen. Der Sand spritzte, aber die Font�nen n�herten sich der Rakete nicht. So standen sie, bis �ber die Schultern verdeckt, mehrere lange Minuten. Es �nderte sich nichts. Der grollende Donner am Horizont war in ein lang anhaltendes, ba�tiefes, fast gleichm��iges Tosen �bergegangen, doch man h�rte keine Explosionen. Die Geschosse gingen fast lautlos nieder.</p><p>Der hochgeschleuderte Sand sank zur�ck auf die Erde. Es war bereits so hell, dass sie die kleinen Erhebungen der Einschu�stellen sehen konnten. Sie glichen Maulwurfsh�geln. �Reicht mir mal das Fernglas�, rief der Koordinator in den Tunnel. Wenig sp�ter hielt er es in der Hand. Er sagte nichts, doch sein Staunen wuchs immer mehr. Anfangs hatte er angenommen, die angreifende Artillerie wolle sich einschlie�en. Er suchte mit dem Fernglas den ganzen Horizont ab und sah auf allen Seiten Treffer einschlagen, bald n�her, bald weiter, aber keiner n�her als zweihundert Meter. �Also was ist? Nichts Atomares, wie?� drang es ged�mpft aus dem Tunnel. �Nein!� schrie der Koordinator zur�ck.</p><p>�Siehst du? Lauter Blindg�nger!� fl�sterte ihm der Ingenieur ins Ohr.</p><p>�Ich sehe!� </p><p>�Sie kreisen uns von allen Seiten ein.�</p><p>Er nickte. Jetzt beobachtete der Ingenieur mit dem Fernglas das Vorfeld. Jeden Augenblick konnte die Sonne aufgehen. W��riges Blau f�llte den blassen Himmel, der wie leergewaschen aussah. Auf der Ebene r�hrte sich nichts, abgesehen von den Federb�schen der Einschl�ge, die den H�gel, in dem die Rakete steckte, mit einem buschigen, immer wieder in sich zusammenfallenden Kreis wie mit einer seltsam flimmernden Hecke umgab. Der Koordinator fa�te einen Entschlu�. Er kroch aus dem Tunnel und war mit drei S�tzen auf der H�gelspitze. Dort warf er sich flach auf den Boden und schaute in dieRichtung, die er vom Tunnel aus nicht sehen konnte. Das Bild, das sich ihm von dort aus bot, war �hnlich: Ringsum wuchs eine breite Sichel von Einschl�gen mit staubenden und spritzenden Explosionsfont�nen aus dem d�rren Boden. Jemand warf sich mit Schwung neben ihn in den trockenen Sand. Es war der Ingenieur. Sie lagen dicht nebeneinander und beobachteten das Geschehen. Schon h�rten sie den ununterbrochenen Donner kaum noch, der vom Horizont in eisernen Wogen heranstr�mte. Bisweilen schien er sich zu entfernen, das lag jedoch an dem Wind, den die ersten Sonnenstrahlen geweckt hatten. �Das sind gar keine Blindg�nger!� rief der Ingenieur. �Was dann?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Warten wir ab�� </p><p>�Gehen wir in die Rakete!�</p><p>Sie liefen den Hang hinunter. Nacheinander sprangen sie in den Tunnel. Den Automaten lie�en sie zur�ck. Sie begaben sich in die Bibliothek. Dort war kaum etwas zu h�ren. Sogar von dem Beben des Bodens sp�rte man fast nichts. �Was nun? Wollen die uns etwa weiter so belagern? Um uns auszuhungern?� fragte der Physiker erstaunt, nachdem alle berichtet hatten, was ihnen aufgefallen war.</p><p>�Wei� der Teufel. Ich m�chte mir so ein Gescho� mal aus der N�he ansehen�, sagte der Ingenieur.</p><p>�Wenn die eine Pause machen, lohnt es sich vielleicht, mal nach oben zu gehen.� </p><p>�Der Automat wird es tun�, entschied der Koordinator k�hl. �Der Automat?� Der Kybernetiker unterdr�ckte ein St�hnen.</p><p>�Ihm wird nichts geschehen, keine Bange.�</p><p>Sie f�hlten, wie der Rumpf auf einmal erbebte, aber anders als sonst. Sie sahen einander an. �Ein Treffer!� schrie der Chemiker und sprang auf. �Sollten sie das Feuer verlegt haben�?� Der Koordinator eilte zum Tunnel. Oben hatte sich anscheinend nichts ver�ndert. Der Horizont toste, unter dem Heck der Rakete lag jedoch auf dem sonnenhellen Sand etwas Schwarzes, �hnlich einem geplatzten Sack Schrott. Der Koordinator versuchte die Stelle zu finden, wo das seltsame Gescho� am Panzer zerschellt war. Das Keramit zeigte jedoch nicht die geringsten Spuren. Bevor die anderen ihn zur�ckhalten konnten, lief er hin und stopfte mit beiden H�nden einige der zersplitterten, noch warmen Teilchen in das leere Fernglasfutteral.</p><p>Als er mit der Beute zur�ckkehrte, fielen alle �ber ihn her, der Chemiker am lautesten. �Du mu�t wohl nicht bei Sinnen sein, wei�t du! Das kann radioaktiv sein!� Sie st�rzten in die Rakete. Die Teilchen sahen sehr seltsam aus, waren aber nicht radioaktiv. Der Geigerz�hler schwieg, als sie ihn daranhielten. Keine Spur von einem Panzer oder einer Gescho�h�lle. Nichts weiter als eine Unmenge feinster Kr�mel, die zwischen den Fingern in grobk�rnige, fett gl�nzende Metallsp�ne zerfielen. Der Physiker nahm das Pulver unter die Lupe, hob die Augenbrauen, holte ein Mikroskop aus dem Schrank, schaute hinein und stie� einen Schrei der Verwunderung aus. Sie rissen ihm fast mit Gewalt den Kopf von der Optik weg. �Sie schicken uns Uhren��, sagte der Chemiker leise, nachdem er in das Mikroskop geschaut hatte.</p><p>Auf dem Objekttr�ger lagen R�llchen und Kettchen, Dutzende, ja Hunderte kleiner Zahnr�der, Exzenter, Sprungfedern und verbogener kleiner Achsen. Sie schoben den Objekttr�ger hin und her, sch�tteten.neue Proben unter das Objektiv und sahen immer wieder dasselbe. �Was kann das sein?�</p><p>rief der Ingenieur. Der Physiker rannte in der Bibliothek hin und her, raufte sich die Haare, blieb stehen, sah die Kameraden mit wirrem Blick an und lief weiter. �Ein unerh�rt komplizierter Mechanismus, geradezu ungeheuerlich.� Der Ingenieur hielt w�gend ein H�ufchen des metallischen Staubs in der Hand. �Darin sind Milliarden, wenn nicht gar Billionen dieser verdammten R�dchen!</p><p>Gehen wir nach oben�, sagte er in einem pl�tzlichen Entschlu�. �Sehen wir nach, was da los ist.� Die Kanonade dauerte unver�ndert an. Der Automat hatte seit der �bernahme des Postens bereits elfhundertneun Einschl�ge gez�hlt. �Versuchen wir es jetzt mit der Klappe�, riet der Chemiker,nachdem sie zur Rakete zur�ckgekehrt waren. Der Kybernetiker blickte ins Mikroskop und schwieg sich aus.</p><p>Es war in der Tat schwierig, dazusitzen und nichts zu tun. Sie begaben sich also in den Maschinenraum. Die Kontrollichter des Schlossmechanismus brannten noch immer. Der Ingenieur bewegte nur den Griff, und der Zeiger zitterte gehorsam. Die Klappe bewegte sich. Er schloss sie gleich wieder und sagte: �Wir k�nnen jederzeit mit dem Besch�tzer rausfahren.� </p><p>�Die Klappe wird in der Luft h�ngen�, bemerkte der Physiker. �Schadet nichts, h�chstens anderthalb Meter �ber der Erde.</p><p>F�r den Besch�tzer ein Kinderspiel. Das �berspringt er.� Vorl�ufig bestand jedoch keine dringende Notwendigkeit zur Ausfahrt, also kehrten sie in die Bibliothek zur�ck. Der Kybernetiker sa� noch immer �ber das Mikroskop gebeugt. Er war wie in Trance.</p><p>�La�t ihn, vielleicht f�llt ihm etwas ein�, sagte der Doktor. �Aber jetzt m�ssen wir etwas tun. Ich schlage vor, wir setzen die Reparatur des Raumschiffes fort.�� Schwerf�llig erhoben sie sich von ihren Pl�tzen. Was blieb ihnen auch weiter �brig? Alle f�nf stiegen sie in den Steuerraum hinunter, in dem die Zerst�rung am gr��ten war. Der Regler erforderte viel m�hselige Uhrmacherarbeit. Sie �berpr�ften zuerst jeden Stromkreis mit gelockerten Sicherungen, dann unter Spannung. Alle Augenblicke lief der Koordinator nach oben und kehrte schweigend zur�ck. Keiner fragte ihn. Im Steuerraum, f�nfzehn Meter unter der Erde, sp�rte man ein schwaches Schwanken des Bodens. So wurde es Mittag. Sie kamen mit der Arbeit trotz allem voran. Mit Hilfe des Automaten w�re es viel schneller gegangen, aber der Beobachtungsposten war notwendig. Bis um eins hatte er mehr als achttausend Einschl�ge registriert. Obwohl keiner Hunger versp�rte, bereiteten sie sich wie alle Tage ein Mittagessen, zur St�rkung und wegen der Gesundheit, wie der Doktor erkl�rte. Das Geschirr brauchten sie nun nicht mehr abzuwaschen, das erledigte der Sp�ler f�r sie. Zw�lf Minuten nach zwei h�rte das Beben pl�tzlich auf. Sofort lie�en sie die Arbeit liegen und rannten durch den Tunnel nach oben. Eine kleine, golden brennende Wolke verdeckte die Sonne. Die Ebene lag ruhig da in der Hitze.</p><p>Der feine Staub, den die Explosionen aufgewirbelt hatten, legte sich langsam. Totenstille herrschte.</p><p>�Schlu߅?� fragte er z�gernd den Physiker. Seine Stimme klang merkw�rdig laut. Sie hatten sich in den langen Stunden an das unabl�ssige Dr�hnen gew�hnt. Der letzte Einschlag, den der Automat registriert hatte, war der neuntausendsechshundertvierte. Einer nach dem �ndern verlie�en sie den Tunnel. Nichts geschah. In zweihundertf�nfzig bis dreihundert Meter Entfernung zog sich ein G�rtel durchw�hlten, zermahlenen Sandbodens rings um die Rakete. An manchen Stellen hatten sich die einzelnen Trichter zu Gr�bern vereinigt. Der Doktor kletterte auf die Brustwehr.</p><p>�Noch nicht.� Der Ingenieur hielt ihn zur�ck. �Warten wir ab.� </p><p>�Wie lange?� </p><p>�Wenigstens eine halbe Stunde, besser eine ganze.� </p><p>�Sp�tz�nder? Das waren doch keine explosiven Ladungen!� </p><p>�Man kann nie wissen!� Die Wolke war von der Sonne gewichen, es wurde heller. Sie standen da und schauten sich um. Der Wind hatte sich fast gelegt, es wurde hei�er. Der Koordinator vernahm als erster ein Ger�usch. �Was ist das?� fragte er fl�sternd.</p><p>Sie spitzten die Ohren. Auch die anderen glaubten etwas zu h�ren. Es raschelte, als bewegte der Wind die Bl�tter an irgendwelchen Str�uchern. In ihrem Blickfeld befanden sich jedoch weder Str�ucher noch Bl�tter, da war nichts au�er einem aufgew�hlten Kreis aus Sand. Die erhitzte Luft wurde totenstarr, in der Ferne, �ber den D�nen, flimmerte sie vor Glut. Das Rascheln hielt an. �Ob das von da kommt?� </p><p>�Ja.� Sie unterhielten sich fl�sternd. Das Ger�usch kam gleichm��ig aus allen Richtungen.</p><p>�Es weht kein Wind��, sagte leise der Chemiker. �Nein, das ist nicht der Wind. Das ist dort, wo die Geschosse niedergingen.�� </p><p>�Ich sehe nach.� </p><p>�Bist du wahnsinnig! Und wenn das Zeitz�nder sind?�</p><p>Der Chemiker erbla�te. Er wich zur�ck, als wollte er sich im Tunnel verkriechen. Aber es war so hell,alles schien so friedlich � sie standen alle da, er bi� die Z�hne zusammen, ballte die F�uste und blieb.</p><p>Das Rascheln dauerte an, gleichm��ig, mit einer erstaunlichen Emsigkeit, es schien von allen Seiten zu kommen. Sie standen geb�ckt, mit gespannten Muskeln, ohne zu zittern, wie in unbewusster Erwartung eines Hiebes. Das war tausendmal schlimmer als die Kanonade! Die Sonne hing am Zenit, Schatten flauschiger Wolken zogen langsam �ber die Ebene. Die Wolken hatten sich aufget�rmt, waren unten flach, sahen aus wie wei�e Inseln. Am Horizont bewegte sich nichts. �berall war es �de und leer. Sogar die grauen Kelche, deren Striche sich zuvor unscharf von den fernen D�nen abgehoben hatten, waren verschwunden! Das fiel ihnen erst jetzt auf.</p><p>�Da!� Der Physiker wies mit ausgestreckter Hand auf den Sand vor sich. Es geschah auf allen Seiten gleichzeitig. Wo sie auch hinsahen, �berall der gleiche Anblick. Der aufgew�hlte Boden erbebte, bewegte sich. Etwas funkelte in der Sonne, schob sich daraus hervor, dort, wo die Geschosse eingeschlagen waren. Eine nahezu regelm��ige kammartige Linie von gl�nzenden Keimen, in vier, in f�nf, manchmal auch in sechs Reihen. Da wuchs etwas aus der Erde, so schnell, dass man, wenn man genau hinsah, fast das Wachsen beobachten konnte.</p><p>Jemand st�rzte aus dem Tunnel und rannte, ohne auf sie zu achten, zu der neuen Erscheinung. Der Kybernetiker. Sie schrien und liefen ihm nach. �Ich wei� es!� rief er. �Ich wei� es!�</p><p>Er fiel vor der gl�sernen Reihe der Keime auf die Knie. Sie ragten bereits eine Fingerl�nge aus dem Boden, am Ansatz dick wie eine Faust. In der Tiefe zitterte etwas fieberhaft, arbeitete, r�hrte sich gesch�ftig. Es war, als h�rte man das gleichzeitige Umsch�tten von Milliarden feinster Sandk�rnchen.</p><p>�Mechanischer Samen!� Der Kybernetiker versuchte den Boden rings um einen Keim mit den H�nden wegzur�umen. Es wollte ihm nicht recht gelingen. Der Sand war hei�. Der Kybernetiker hob die H�nde. Einer lief die Spaten holen. Sie begannen zu graben, dass die Erde nur so flog. Lange, gegliederte, wie Wurzeln miteinander verflochtene Sehnen der Spiegelmasse blitzten in der Erde auf.</p><p>Die Masse war hart, unter den Schl�gen des Spatens klang sie wie Metall. Als die Grube einen Meter tief war, versuchten die M�nner das seltsame Gebilde herauszurei�en. Es r�hrte sich nicht, so fest war es mit der Masse verwachsen.</p><p>�Schwarzer!� riefen sie im Chor wie ein Mann. Der Automat eilte herbei, der Sand spritzte unter seinen F��en auf. �Rei� das heraus!�</p><p>Die Greifzangen schl�ssen sich um die Spiegelsehnen, die dick wie M�nnerarme waren. Der st�hlerne Rumpf spannte sich. Sie sahen, wie seine F��e langsam im Boden versanken. Ein leises Summen wie bei einer bis zum �u�ersten gespannten Saite drang aus dem Rumpf. Der Automat richtete sich auf und versank noch tiefer. �La� los!� rief der Ingenieur. Der Schwarze befreite sich aus dem Sand und erstarrte.</p><p>Sie standen ebenfalls wie erstarrt da. Der Spiegelzaun hatte schon nahezu einen halben Meter H�he.</p><p>Unten, dicht �ber dem Erdboden, nahm er langsam eine etwas dunklere, milchblaue Farbe an, und oben wuchs er st�ndig. �Das ist es also�, sagte der Koordinator ruhig. �Ja.�</p><p>�Einschlie�en wollen sie uns?� Sie schwiegen eine Weile.</p><p>�Aber das ist doch reichlich primitiv. Schlie�lich k�nnten wir jetzt hinausgehen�, sagte der Chemiker.</p><p>�Und die Rakete zur�cklassen�, erwiderte der Koordinator. �Der Sp�htrupp muss sich alles gut angesehen haben! Schaut nur, sie haben sich ziemlich genau auf die von ihren Scheiben aufgew�hlte Furche eingeschossen!� </p><p>�Tats�chlich!�</p><p>�Anorganische Keime.� Der Kybernetiker hatte sich wieder beruhigt. Er s�uberte seine H�nde vom Sand. �Anorganische Keime! Samen! Begreift ihr? Sie haben sie mit ihrer Artillerie eingepflanzt!��Das ist kein Metall�, sagte der Chemiker. �Das h�tte der Schwarze verbogen. Wahrscheinlich ist das so etwas wie Supranit oder Keramit, mit H�rtebearbeitung.� </p><p>�Nicht doch, es ist einfach Sand!� rief der Kybernetiker. �Begreifst du nicht? Anorganischer Stoffwechsel! Sie verwandeln katalytisch den Sand in eine hochmolekulare Ableitung von Silizium und schaffen daraus diese Sehnen, �hnlich wie die Pflanzen die Salze dem Boden entnehmen.� </p><p>�Meinst du wirklich?� Der Chemiker kniete nieder, ber�hrte die gl�nzende Oberfl�che, hob dann den Kopf.</p><p>�Und w�ren sie auf anderen Boden gesto�en?� </p><p>�Sie h�tten sich ihm angepa�t. Davon bin ich �berzeugt! Deshalb sind sie auch so verteufelt kompliziert. Ihre Aufgabe ist es, aus dem, was sie zur Verf�gung haben, immer die h�rteste, widerstandsf�higste Substanz von allen m�glichen zu erzeugen.� </p><p>�Wenn es weiter nichts w�re. Der Besch�tzer bei�t sich �berall durch. Und er wird sich nicht die Z�hne daran zerbrechen�, sagte der Ingenieur l�chelnd.</p><p>�War das nun wirklich ein Angriff?� fragte der Doktor leise. Die anderen sahen ihn erstaunt an. �Was sonst, wenn kein Angriff?�</p><p>�Ich w�rde eher sagen � der Versuch einer Verteidigung. Sie wollen uns isolieren.� </p><p>�Also was ist nun? Sollen wir hier hocken und warten, bis wir wie die W�rmer unter der K�seglocke stecken?�</p><p>�Und wozu wollt ihr den Besch�tzer?� Eine Weile schwiegen alle.</p><p>�Wasser brauchen wir nicht mehr. Die Rakete werden wir wahrscheinlich binnen einer Woche repariert haben. Sagen wir: in zehn Tagen. Die Atomsynthetisatoren sind in den n�chsten Stunden soweit. Ich nehme nicht an, dass das eine K�seglocke werden soll. Eher eine hohe Mauer. Ein Hindernis, das sie nicht �berwinden k�nnen, und sie glauben, uns w�rde es ebenso ergehen. Dank den Synthetisatoren werden wir Nahrung haben. Wir ben�tigen von ihnen nichts, und sie konnten uns wirklich kaum deutlicher zu verstehen geben, dass sie von uns nichts w�nschen�� Sie h�rten ihn mit finsterer Miene an. Der Ingenieur sah sich um. Die Spitzen der Keimlinge reichten ihm schon bis an die Knie, verflachten sich, wuchsen zusammen. Das Ger�usch war mittlerweile so stark wie das Summen Hunderter unsichtbarer Bienenst�cke unter der Erde. Die bl�ulichen Wurzeln am Boden schwollen an, sie waren schon fast so dick wie Baumst�mme. �Bitte, f�hr den Doppelt hierher�, sagte der Koordinator unvermittelt. Der Doktor sah ihn an, als h�tte er nicht recht verstanden. �Jetzt?</p><p>Hierher? Wozu?� </p><p>�Ich wei� nicht� Das hei�t� Ich m�chte einfach, dass du ihn hierherf�hrst.</p><p>Kapiert?� Der Doktor nickte und entfernte sich. Sie standen schweigend in der Sonne. Nach einer Weile kroch der nackte Riese mit M�he hinter dem Doktor aus dem Tunnel und sprang �ber den Erdwall. Er schien munter und zufrieden zu sein, hielt sich immer in der N�he des Doktors auf und gluckste leise. Auf einmal spannte sich sein flaches Gesichtchen, das blaue Auge starrte vor sich hin, er schnaufte, drehte sich mit dem ganzen Rumpf herum und begann entsetzlich zu winseln. Mit ein paar S�tzen st�rzte er auf den st�ndig h�her werdenden Spiegelzaun, als wollte er sich darauf werfen, lief torkelnd an ihm entlang und st�hnte in einem fort. Dann hustete er eigenartig dr�hnend, rannte zum Doktor, fummelte mit den knotigen Fingerchen an seiner Kombination herum, kratzte an dem elastischen Stoff, schaute dem Doktor in die Augen. Schwei� tropfte von seinem K�rper. Er stie� den Doktor an, sprang zur�ck, blickte sich noch einmal um und verschwand, nachdem er mit einem kratzenden Laut den Torso eingezogen hatte, in der schwarzen Tunnel�ffnung.</p><p>Alle schwiegen. Nach einer Weile fragte der Doktor den Koordinator: �Hattest du das erwartet?�</p><p>�Nein� Ich glaube kaum� Wirklich� Ich hatte nur gedacht, dass ihm das vielleicht nicht fremd w�re. Irgendeine Reaktion habe ich erwartet. Eine unverst�ndliche, sagen wir. Aber keine dieser Art.�</p><p>�Soll das bedeuten, dass sie verst�ndlich ist?� fragte der Physiker. �In gewissem Sinne ja�, antwortete der Doktor. �Er kennt das. Auf jeden Fall kennt er etwas �hnliches, und davor hat er Angst. F�r ihnist das eine schreckliche, sicherlich mit Todesgefahr verbundene Erscheinung.� </p><p>�Eine Exekution a la Eden etwa?� fragte der Chemiker leise. �Ich wei� es nicht. Auf jeden Fall deutet es darauf hin, dass sie diese �lebende Mauer� nicht nur gegen�ber planetaren G�sten anwenden. Man kann sie sicherlich auch ohne Artillerie anlegen.� </p><p>�Vielleicht f�rchtet er einfach alles, was gl�nzt�, sagte der Physiker.</p><p>�Eine einfache Assoziation. Das w�rde auch die Geschichte mit dem Spiegelg�rtel erkl�ren.� </p><p>�Nein, ich habe ihm einen Spiegel gezeigt. Er hatte keine Angst davor, es ber�hrte ihn �berhaupt nicht�, entgegnete der Doktor. �Also ist er gar nicht so dumm und so unterentwickelt�, warf der Physiker ein und trat an den spiegelnden Glasverhau, der ihm schon bis an den G�rtel reichte. �Gebranntes Kind scheut das Feuer.�</p><p>�H�rt mal her!� Der Koordinator hob die Hand. �Mir scheint, wir sind an einem toten Punkt angelangt. Was weiter? Die Instandsetzung ist eine Sache, nat�rlich, aber ich m�chte�� </p><p>�Eine neue Expedition?� fragte der Doktor. Der Ingenieur lachte bitter. �Ich gehe immer mit. Wohin? In die Stadt?� </p><p>�Das w�rde gewi� Kampf bedeuten�, gab der Doktor zu bedenken. �Denn anders als mit dem Besch�tzer kommen wir nicht durch. Und auf der Stufe der Zivilisation, die wir in gemeinsamer Anstrengung zu erreichen vermochten � immerhin steht uns ein Antiprotonenwerfer zur Verf�gung � , haben wir eins, zwei, drei zu schie�en angefangen. Wir sollten um jeden Preis einen Kampf vermeiden. Der Krieg ist die schlechteste Methode, Kenntnisse �ber eine fremde Kultur zu sammeln.�</p><p>�Ich habe gar nicht an Krieg gedacht�, erwiderte der Koordinator. �Der Besch�tzer ist eben ein ausgezeichnetes Versteck, weil er soviel aush�lt. Alle Anzeichen scheinen darauf hinzuweisen, dass die Bev�lkerung Edens aus verschiedenen Schichten besteht und dass wir mit der Schicht, die vern�nftige Handlungen vollf�hrt, bisher noch keinen Kontakt ankn�pfen konnten. Ich verstehe, dass sie einen Ausfall in Richtung Stadt als einen Gegenschlag auslegen k�nnten. Uns jedoch bleibt die westliche Richtung, die wir �berhaupt noch nicht erforscht haben. Zwei Mann gen�gen zur Bedienung des Wagens vollauf, die anderen bleiben hier und arbeiten in der Rakete.� </p><p>�Du und der Ingenieur?�</p><p>�Nicht unbedingt. Ich kann nat�rlich mit Henrik fahren.�</p><p>�In diesem Fall brauche ich noch einen Mann, der mit dem Besch�tzer vertraut ist�, sagte der Ingenieur. �Wer m�chte fahren?�</p><p>Alle wollten. Der Koordinator musste unwillk�rlich l�cheln. �Kaum hat der Kanonendonner aufgeh�rt, fri�t euch das Gift der Neugier auf.�</p><p>�Also, dann fahren wir�, erkl�rte der Ingenieur. �Der Doktor will nat�rlich als Vertreter der Vernunft und der Sanftmut mitkommen. Ausgezeichnet. Gut, dass du bleibst�, wandte er sich an den Koordinator. �Du kennst die Reihenfolge der Arbeiten. Am besten, ihr stellt den Schwarzen gleich bei einem Lastautomaten an, beginnt aber nicht mit den Grabungen unter der Rakete, bevor wir zur�ckgekehrt sind. Ich will noch die statischen Berechnungen �berpr�fen.�</p><p>�Als Vertreter der Vernunft m�chte ich mich nach dem Ziel dieses Ausflugs erkundigen�, sagte der Doktor. �Dadurch, dass wir uns den Weg bahnen, treten wir, ob wir wollen oder nicht, in eine Konfliktphase ein.� </p><p>�Dann mach bitte einen Gegenvorschlag�, erwiderte der Ingenieur. Um sie herum rauschte leise, fast melodisch die wachsende Hecke, die stellenweise schon Mannsh�he erreicht hatte.</p><p>In ihren sehnigen Verflechtungen brach sich mit wei�en, irisierenden Funken die Sonne.</p><p>�Ich habe keinen�, gestand der Doktor. �Die Ereignisse kommen uns immer zuvor, bisher haben alle unsere Pl�ne nicht hingehauen. Vielleicht w�re es am vern�nftigsten, �berhaupt keine Ausfl�ge mehr zu unternehmen. In wenigen Tagen ist die Rakete startklar. Wenn wir den Planeten in geringer H�he umkreisen, k�nnen wir vielleicht ohne Behinderung mehr als jetzt erfahren.� </p><p>�Das glaubst du doch selbst nicht�, widersprach der Ingenieur. �Wir erfahren ja schon jetzt nichts, wo wir die Dinge aus derN�he untersuchen, was kann uns dann ein Flug au�erhalb der Atmosph�re geben? Und von wegen vern�nftig, du lieber Himmel� W�ren die Menschen vern�nftig, h�tten wir uns hier nie eingefunden! Was ist an Raketen vern�nftig, die zu den Sternen fliegen?� </p><p>�Das ist Demagogie�, brummte der Doktor und schritt langsam an dem Glaszaun entlang. �Ich habe ja gewusst, dass ich euch nicht �berzeugen werde.� Die anderen kehrten zur Rakete zur�ck.</p><p>�Rechne nicht mit sensationellen Entdeckungen! Ich nehme an, dass sich nach dem Westen hin ein �hnliches Terrain erstreckt wie hier�, sagte der Koordinator zum Ingenieur. �Woher willst du das wissen?�</p><p>�Wir k�nnen doch nicht mitten in einem W�stenfleck niedergegangen sein. Im Norden die Fabrik, im Osten die Stadt, im S�den die H�gelkette mit der �Siedlung� im Talkessel. Wahrscheinlich sitzen wir am Rande einer W�stenzunge, die sich nach Westen ausweitet.� </p><p>�M�glich, wir werden ja sehen.�</p></section><section><title><p>Zehntes Kapitel</p></title><p>Wenige Minuten nach vier erbebte die Lastenklappe, senkte sich langsam, wie der Kiefer eines Nu�knackers, und blieb wie eine Zugbr�cke schr�g in der Luft h�ngen � bis zum Boden fehlte mehr als ein Meter.</p><p>Sie standen unter der Rakete zu beiden Seiten des Eingangs und blickten nach oben. Breite Raupenketten erschienen in der klaffenden �ffnung und schoben sich mit wachsendem Brummen vor, als wollte die m�chtige Maschine in die Luft springen. Einige Sekunden lang sahen sie noch ihren graugelben Boden, dann schwankte der Riese �ber ihren K�pfen, neigte sich nach unten, schlug mit beiden Raupenketten auf die Br�cke, dass es dr�hnte, und fuhr darauf hinunter. Sie �berschritt die meterhohe L�cke, packte den Boden vorn mit den Raupenketten. F�r den Bruchteil einer Sekunde sah es so aus, als w�rden sich die beiden langsam mahlenden B�nder mit den Profilklappen nicht weiterbewegen, doch dann ruckte der Besch�tzer an, hob seinen abgeflachten Kopf in die Horizontale, fuhr ein Dutzend Meter �ber ebenen Boden und kam mit melodischem Brummen zum Stehen. �So, und jetzt, liebe Leute�, rief der Ingenieur, dessen Kopf aus der hinteren Einstiegsluke herausragte, �versteckt euch in der Rakete, es wird n�mlich hei�, und la�t euch fr�hestens in einer halben Stunde wieder sehen. Am besten, ihr schickt den Schwarzen vorher hinaus, damit er den Boden auf restliche Radioaktivit�t untersucht.�</p><p>Die Klappe schloss sich. Die drei M�nner verschwanden in dem Tunnel und nahmen den Automaten mit. Den Tunneleingang sicherten sie von innen mit einem luftdicht schlie�enden Schild. Der Besch�tzer stand regungslos da.</p><p>Der Ingenieur wischte die Bildschirme ab und �berpr�fte die Armaturen. Schlie�lich sagte er ruhig: �Wir fangen an.� Der kurze, d�nne, mit einer ringf�rmigen Wulst versehene R�ssel des Besch�tzers schob sich langsam vor. Der Ingenieur richtete das schwarze Fadenkreuz auf das massive Glas der Hecke, blickte zur Seite, um die Lage der drei kleinen Scheiben, der wei�en, roten und blauen, festzustellen, und dr�ckte auf das Pedal. Der Bildschirm war f�r den Bruchteil einer Sekunde schwarz, wie mit Ru� �bersch�ttet. Der Besch�tzer schwankte, als w�re ein m�chtiger Brecher auf ihn niedergegangen, und gab einen Ton von sich, als h�tte ein Riese in der Erde �umpf� gesagt. Der Bildschirm wurde wieder hell.</p><p>Eine flammende, kugelf�rmige Wolke dehnte sich nach allen Seiten aus, die Luft wogte wie fl�ssigesGlas. Die Spiegelhecke war in einer Breite von zehn Metern verschwunden. Aus einer Senke mit gewundenen, kirschrot gl�henden R�ndern wirbelte Dampf auf. Wenige Schritte vor dem Besch�tzer sah der Boden wie verglast aus und funkelte in der Sonne. Wei�e Asche rieselte auf den Besch�tzer herab. Ich habe etwas zuviel gegeben, �berlegte der Ingenieur, sagte aber nur: �Alles in Ordnung, wir fahren.� Der untersetzte Rumpf erbebte, rollte seltsam leicht auf die Bresche zu und schaukelte sanft, als sie hindurchfuhren. Am Boden erstarrte eine flammende Fl�ssigkeit � geschmolzene Kieselerde.</p><p>Eigentlich sind wir Barbaren, ging es dem Doktor durch den Sinn. Was habe ich hier zu suchen�?</p><p>Der Ingenieur korrigierte den Kurs und beschleunigte das Tempo. Der Besch�tzer flitzte wie �ber eine Autobahn dahin. Es schmatzte leise, wenn die elastischen Innenfl�chen der Kettenglieder �ber die Gleitrollen liefen. Sie fuhren fast sechzig, ohne es zu sp�ren. �Kann man aufmachen?� fragte der Doktor aus der Tiefe des kleinen Sessels. Der gew�lbte Bildschirm �ber seiner Schulter glich einem Bullauge.</p><p>�Nat�rlich k�nnen wir, aber�� Der Ingenieur bet�tigte den Kompressor. Vom Turmkranz spritzte nadelscharf eine farblose Fl�ssigkeit �ber den Panzer und sp�lte die Reste der radioaktiven Asche herunter. Dann wurde es hell, der gepanzerte Kopf �ffnete sich, sein Deckel glitt nach hinten, die Seiten versanken im Rumpf. Nun waren sie nur noch durch eine dicke, gebogene Scheibe gesch�tzt, die rings um die Sitze verlief. Von oben blies der Wind herein und zauste den drei M�nnern das Haar.</p><p>�Mir scheint, der Koordinator hat recht�, murmelte der Chemiker nach einer Weile. Die Landschaft ver�nderte sich nicht, sie schwammen durch ein Meer von Sand. Das schwere Fahrzeug wiegte sich sanft beim �berqueren der flossenartigen, buckligen D�nen. Als der Ingenieur die Geschwindigkeit erh�hte, wurden sie hin und her geworfen, die Raupenketten pfiffen entsetzlich, das Vorderteil sprang von einer D�ne zur �ndern, w�hlte sich in sie hinein, warf dicke Staubwolken hoch und �bersch�ttete sie ein paarmal mit Sand. Der Ingenieur verminderte die Geschwindigkeit. Das �berm��ige Schaukeln lie� nach. So fuhren sie volle zwei Stunden. �Vielleicht hat er recht gehabt�, sagte der Ingenieur und �nderte den Kurs kaum merklich von West auf Wests�dwest. Eine Stunde darauf �nderte er den Kurs noch einmal. Nun fuhren sie eindeutig nach S�dwesten. Bisher hatten sie hundertvierzig Kilometer zur�ckgelegt.</p><p>Der wei�e, lose Sand, der wie ein Zopf hinter ihnen hochwirbelte, wurde allm�hlich schwerer und nahm eine r�tliche F�rbung an. Er st�ubte nicht mehr so sehr. Wenn ihn die Raupenketten hochschleuderten, fiel er sogleich wieder nieder. Auch die D�nen traten nicht mehr so h�ufig und in dieser H�he auf. Bisweilen spie�ten die Spitzen zugewehter Str�ucher aus dem Sand. Undeutliche kleine Flecke erschienen in der Ferne, etwas seitlich zur Fahrtrichtung. Der Ingenieur bog zu ihnen ab.</p><p>Rasch wurden sie gr��er, schon wenige Minuten sp�ter sahen sie drei Platten senkrecht aus dem Boden ragen. Sie glichen den Resten von Mauern oder W�nden. Der Ingenieur drosselte die Geschwindigkeit, als sie in einen schmalen Durchgang fuhren. Die Mauerpfosten links und rechts waren von der Erosion zerfressen. In der Mitte versperrte ihnen ein gro�er steinerner Klotz den Weg. Der Besch�tzer hob den Kopf und nahm das Hindernis m�helos. Sie befanden sich in einer engen Gasse. Durch den Spalt zwischen den nicht ganz schlie�enden Platten bemerkten sie weitere Ruinenteile. Auch hier hatte die Erosion ihr Vernichtungswerk getan. Von einer Tr�mmerfl�che aus gelangten sie in einen freien Raum. Wieder �berquerten sie D�nen, diesmal waren sie aber fest, wie gestampft, kein Staub wirbelte von ihnen auf.</p><p>Das Gel�nde neigte sich allm�hlich. Sie fuhren einen sanften Hang hinunter. Etwas tiefer sahen sie stumpfe, keulenartige kleine Felsen und wei�liche Umrisse von Ruinen. Der Hang war zu Ende. Sie �berquerten die Talsohle, die von fleckigen Felsen �bers�t war, und fuhren den Gegenhang hinauf, der sich bis zum Horizont hin erstreckte. Die Raupenketten sanken kaum noch ein, denn der Boden war hart. Die ersten teigartigen Haufen der Traubenb�sche tauchten auf, sie waren fast schwarz, nurgegen die tiefstehende Sonne leuchteten sie kirschrot, als w�ren die Laubbl�schen mit Blut gef�llt.</p><p>Nach S�dwesten hin wurden die B�sche gr��er. Da und dort versperrten sie ihnen den Weg. Der Besch�tzer �berwand sie spielend. Wohl sank er mit den Ketten etwas ein, verlor jedoch dabei kaum an Fahrt. Allerdings gab es jedes Mal ein unangenehmes dumpfes Krachen von den Tausenden von platzenden Bl�schen. Dunkle, klebrige Schmiere spritzte aus ihnen auf die Keramitplatten. Bald war der Rumpf bis an den Turm wie mit rostbrauner Farbe bekleistert.</p><p>Sie hatten den zweihundertsten Kilometer zur�ckgelegt. Die Sonne ber�hrte bereits den westlichen Horizont. Der lange, ins Riesenhafte gewachsene Schatten des Besch�tzers wogte, bog und streckte sich immer mehr. Pl�tzlich knirschte es entsetzlich unter den Ketten, das Fahrzeug schien einen Augenblick lang zu schweben, dann versank es mit ohrenbet�ubendem Rasseln in etwas Zersplitterndem. Der Ingenieur bremste, sie rollten noch ein Paar Dutzend Meter, ehe der Wagen hielt. In der breiten, im Dickicht ausgewalzten Fahrrinne hinter sich erblickten sie die Tr�mmer einer rostigen Konstruktion. Die Last des Besch�tzers hatte sie zermalmt. Sie setzten die Fahrt fort, wieder rollte der Panzer, diesmal nur mit einer Raupenkette, �ber Gitterteile, verbogene Pfeiler und Fetzen l�chriger Bleche, die v�llig unter warzenartigen Str�uchern verborgen waren. Er brach alles kurz und klein und presste es mit der Schmiere aus den platzenden Trauben zu einem knirschenden Teig zusammen.</p><p>Nach einiger Zeit wurde die Mauer der B�sche noch h�her. Das scheu�liche Kratzen und Kreischen des rostigen Schrotts hatte nachgelassen. Auf einmal liefen die schw�rzlichen, gegen den Panzer schlagenden St�ngel mit ihren warzenartigen Verdickungen nach beiden Seiten auseinander. Sie standen auf einer Schneise von einigen Metern Breite. Vor ihnen t�rmte sich eine dunkle Mauer aus Gestr�pp, �hnlich der, durch die sie sich soeben hindurchgek�mpft hatten. Der Ingenieur bog in die Schneise ein und fuhr auf ihr wie auf einem Waldweg den sanft geneigten Hang hinab. Der lehmige Grund war fest. Schlammkrusten zeugten davon, dass es hier bisweilen Wasser gab.</p><p>Die Schneise verlief nicht gerade. Bald stand die scharlachrot gl�hende Sonnenscheibe genau vor ihnen und blendete sie, bald versteckte sie sich in den Kurven und zerri� nur mit blutigen Strahlen das tintenblaue, zwei bis drei Meter hohe Dickicht. Der Weg verengte sich, zugleich wurde der Abhang steiler. Pl�tzlich hatten sie die ganze Scheibe der untergehenden Sonne unmittelbar vor sich.</p><p>Zwischen ihnen und der Sonnenscheibe erstreckte sich, mehrere hundert Meter unter ihnen, eine in vielen Farben schillernde Ebene. Dahinter leuchtete eine Wasserfl�che, die das Rot der Sonne widerspiegelte. Das ungleichm��ige Ufer des Sees war mit Flecken von dunklem Geb�sch bedeckt, da und dort konnten sie k�nstliche Befestigungen und Maschinen mit gespreizten F��en erkennen.</p><p>Etwas n�her, zu F��en des Hangs, an dessen Rand der Besch�tzer scharf gebremst hatte, erstreckten sich in unregelm��igem Mosaik irgendwelche Bauwerke an hellen Streifen entlang, ganze Reihen hell gl�nzender Masten, nicht gr��er als Streichh�lzer. Unten herrschte lebhafter Verkehr. Kolonnen grauer, wei�er und brauner P�nktchen krochen in verschiedene Richtungen dahin. Sie vermischten sich miteinander, bildeten an manchen Stellen Ansammlungen und liefen wieder in langgezogenen Schn�rchen auseinander. In dem dicht besiedelten Gel�nde blitzten unausgesetzt feine Funken auf, als ob die Bewohner in Dutzenden von H�usern unerm�dlich die im Glanz der Abendsonne blinkenden Fenster �ffneten und schl�ssen. Der Doktor stie� einen Ruf der Bewunderung aus. �Henrik, das ist dir wirklich gelungen! Endlich etwas Normales, das gew�hnliche Leben, und was f�r ein herrlicher Beobachtungspunkt!� Er schob sich, die Beine voran, aus dem offenen Turm heraus. Der Ingenieur hielt ihn zur�ck. �Warte, siehst du die Sonne? In f�nf Minuten geht sie unter, dann bekommen wir nichts zu sehen. Wir m�ssen das ganze Panorama filmen, und das so schnell wie m�glich, sonst schaffen wir es nicht.� Der Chemiker holte bereits die Kamera unter den Sitzen hervor. Sie halfen ihm rasch, das gr��te Teleobjektiv aufzusetzen, das dem Rohr einer altenMuskete glich. Da sie es eilig hatten, warfen sie die Stative hinaus. Der Ingenieur rollte unterdessen eine Nylonleine auseinander, befestigte sie am Rand des Turmes, schleuderte die beiden Enden �ber den Besch�tzer hinweg nach vorn und sprang hinunter.</p><p>Seine Gef�hrten hoben unterdessen die Stative auf und liefen an den Rand des Hanges. Der Ingenieur holte sie mit den beiden Enden der Leine ein und befestigte sie bei jedem am Karabinerhaken. �Ihr w�rdet in eurem Eifer noch hinunterfallen�, sagte er. Die Sonnenscheibe begann bereits in dem flammenden Wasser des Sees zu versinken, als sie die Kamera aufstellten. Der Mechanismus surrte, das gro�e Objektiv blickte nach unten. Der Doktor kniete nieder, er hielt die beiden Vorderf��e des Stativs, damit sie nicht in den Abgrund st�rzten. Der Chemiker dr�ckte ein Auge an die Zielvorrichtung und schnitt eine Grimasse. �Die Blenden her!� Der Ingenieur rannte zur�ck und brachte die gr��te, die sie hatten. Sie drehten in gro�er Eile weiter. Die Sonnenscheibe war schon bis zur H�lfte im See verschwunden. Der Ingenieur hielt mit beiden H�nden die Laufschiene und lenkte die Kamera gleichm��ig nach links und nach rechts. Der Chemiker bremste zuweilen diese Bewegung und richtete das Objektiv auf die Stellen, wo eine dichtere Zirkulation von Fleckchen und Formen in der Zielvorrichtung zu beobachten war. Er bewegte die Blendeneinstellung, ver�nderte die Brennweite. Der Doktor kniete noch immer. Die Kamera surrte leise, das Band rollte von den Trommeln. Das erste war abgelaufen.</p><p>Sie wechselten hastig die Spulen. Schon lief das zweite. Als sich das Objektiv auf die Stelle richtete, wo die gr��te Verkehrsdichte war, ragte nur noch ein kleines St�ck der Sonnenscheibe �ber das immer dunkler werdende Wasser. Der Doktor beugte sich weit vor, gehalten von der gespannten Leine � anders lie� sich die Aufnahme nicht machen. Unter sich erblickte er die steil hinabf�hrenden rostbraunen Falten der lehmigen Wand, die in immer blasserem Rot schimmerten. Bei den letzten Metern der zweiten Spule erlosch die rote Scheibe. Der Himmel war noch voller Lichtreflexe, aber �ber der Ebene und dem See lagen schon graublaue Schatten. Au�er dem Funkeln der kleinen Lichter war dort nichts mehr zu erkennen. Der Doktor richtete sich mit Hilfe der Leine wieder auf. Zu dritt trugen sie die Kamera behutsam wie einen Schatz zur�ck. �Glaubst du, dass die Aufnahmen gelungen sind?� fragte der Chemiker den Ingenieur. �Nicht alles. Ein Teil wird �berbelichtet sein. Wir werden's ja sehen. Schlie�lich kann man noch immer hierher zur�ckkehren.� Sie verstauten die Kamera, die Spulen und die Stative und traten dann noch einmal an den Rand des Hanges. Erst da bemerkten sie, dass sich das Seeufer im Osten steil auft�rmte und im Hintergrund in eine zerkl�ftete Felsmauer �berging, deren Gipfel im letzten rosafarbenen Schimmer der untergegangenen Sonne lagen. Dar�ber stieg eine braune, pilzf�rmige Rauchs�ule in den Himmel, an dem sich die ersten Sterne zeigten. Sie stand eine Weile, ohne sich zu ver�ndern, dann versank sie hinter der Gebirgsschranke und verschwand aus dem Blickfeld.</p><p>�Aha, dort ist also das Tal!� rief der Chemiker dem Doktor zu. Wieder schauten sie nach unten.</p><p>Lange Reihen wei�er und gr�ner Lichter krochen in verschiedener Richtung langsam das Seeufer entlang, wendeten, bildeten ungleichm��ig rinnende B�chlein. Stellenweise erloschen sie, andere, gr��ere tauchten auf.</p><p>Allm�hlich wurde es immer dunkler, die Anzahl der Lichter nahm zu. Hinter den drei M�nnern rauschte friedlich das hohe nachtschwarze Dickicht. Die Aussicht war so sch�n, dass sie sich von ihr nur schwer trennen konnten. Das Bild des Sees mit den sich darin spiegelnden milchigen Sternen w�rden sie nicht so bald vergessen. W�hrend sie �ber den schlammigen Boden der Schneise schritten, fragte der Doktor den Chemiker: �Was hast du gesehen?� Der l�chelte verwirrt. �Nichts. Ich habe �berhaupt nicht an das gedacht, was ich sah, ich habe mich nur die ganze Zeit um die richtige Bildsch�rfe bem�ht, au�erdem werkte Henrik so rasch mit dem Objektiv in der Gegend herum, dass ich mich gar nicht orientieren konnte.� </p><p>�Schadet nichts�, sagte der Ingenieur und lehnte sich an denabgek�hlten Panzer des Besch�tzers. �Wir haben zweihundert Aufnahmen in der Sekunde gemacht.</p><p>Alles, was dort war, werden wir sehen, wenn der Film entwickelt ist. Jetzt fahren wir zur�ck!� </p><p>�Ein idyllischer Ausflug�, murmelte der Doktor. Sie erklommen den Hang. Der Ingenieur drehte die Sehschlitze des Telebildschirms nach hinten und schaltete den R�ckw�rtsgang ein. Sie fuhren eine Zeitlang r�ckw�rts, weiter oben wendeten sie an einer breiteren Stelle, dann ging es in hohem Tempo geradewegs nach Norden. �Wir nehmen nicht denselben Weg wie auf der Hinfahrt�, sagte der Ingenieur. �Das w�ren hundert Kilometer mehr. Solange es geht, fahre ich die Schneise entlang. In zwei Stunden sind wir an Ort und Stelle.�</p></section><section><title><p>Elftes Kapitel</p></title><p>Die Strecke f�hrte durch weniger gewelltes Gel�nde als auf der Hinfahrt. Ab und zu musste sich der Besch�tzer den Weg durch dichtes Dickicht bahnen. Sie h�rten die �ste gegen die dicke, gebogene Scheibe peitschen. Von Zeit zu Zeit fiel eine Traubenschote dem Chemiker oder dem Doktor auf die Knie. Der Doktor hob ein B�schel an die Nase und staunte. �Das riecht ja sehr angenehm.� Sie waren in ausgezeichneter Stimmung. Der flimmernde Himmel wurde klarer und h�her. Die Schlange der Galaxis stand �ber ihnen als klumpiges, glimmendes Gebilde. Windb�en k�mmten leise raschelnd das Dickicht. Der Besch�tzer rollte weich und mit kaum h�rbarem melodischem Brummen dahin.</p><p>�Interessant, dass es auf Eden keinerlei Greifarme gibt�, bemerkte der Doktor. �In allen B�chern, die ich bisher gelesen habe, gibt es auf anderen Planeten lauter schlingende, w�rgende Greifarme.� </p><p>�Und ihre Bewohner haben sechs Finger�, f�gte der Chemiker hinzu. �Fast immer sechs. Kannst du mir zuf�llig sagen, warum?� </p><p>�Sechs ist eine mystische Zahl�, erwiderte der Doktor. �Zweimal drei ist sechs, und dreimal darfst du raten.�</p><p>�H�r auf zu schwafeln, ich komme sonst noch von der Richtung ab�, sagte der Ingenieur, der etwas h�her sa�. Er konnte sich noch immer nicht entschlie�en, die Lichter einzuschalten, obwohl er fast nichts mehr sah. Die Nacht war ungew�hnlich sch�n, und er wusste, dass dieser Eindruck schwinden w�rde, sobald er die Scheinwerfer einschaltete. Mit Radar wollte er auch nicht fahren, denn dann m�sste er zuvor den Turm schlie�en. Er konnte kaum die eigenen H�nde am Lenkrad sehen. Nur die Zeiger und Ger�te auf den Armaturenbrettern vor ihm, weiter unten und hinten im Fahrzeug schimmerten bla�gr�n und rosa, und die Zeiger der Atomme�uhren zitterten schwach wie orangerote Sternchen. �Kannst du Verbindung mit der Rakete aufnehmen?� fragte der Doktor.</p><p>�Nein�, erwiderte der Ingenieur. �Hier gibt es keine E-Schicht, das hei�t, es gibt wohl eine, aber sie ist l�chrig wie ein Sieb. Von einer Verbindung �ber Kurzwelle kann keine Rede sein, und f�r die Einrichtung eines anderen Senders hatten wir keine Zeit. Das wei�t du ja.� Bald darauf rasselten die Raupenketten laut, der Wagen schwankte. Der Ingenieur schaltete die Lichter f�r eine Weile ein und sah, dass sie �ber wei�e, rund geschliffene Felsen rollten. Hoch �ber den B�schen schimmerten phantastische Formen von Kalknadeln. Sie fuhren durch einen trockenen Hohlweg.</p><p>Dem Ingenieur gefiel das nicht, er hatte keine Ahnung, wohin der Weg f�hrte, und so steile W�nde w�rde nicht einmal der Besch�tzer nehmen k�nnen. Sie fuhren weiter. Immer mehr Steine lagen herum, die B�sche standen in Haufen und hoben sich schwarz im Licht der Scheinwerfer ab. Der Weg wand sich zun�chst aufw�rts, bis er �ber eine fast ebene Fl�che f�hrte. Die Felsen wurden auf der einen Seite niedriger, schlie�lich verschwanden sie ganz. Der Besch�tzer erreichte eine sanft geneigte Wiese. Sie war oben von Kalkstufen begrenzt, kleine Ger�llrinnen liefen von ihnen herab. Zwischenden Felsen wanden sich lange krumme Stiele am Boden entlang. Sie gl�nzten silbergr�n im Licht des Scheinwerfers. Seit einer Viertelstunde fuhren sie bereits mit starker Nordostabweichung, es war an der Zeit, wieder den richtigen Kurs einzuschlagen, aber die Kalkfurche, in die der Besch�tzer geraten war, lie� das nicht zu. �Wir hatten Gl�ck�, sagte der Chemiker unvermittelt. �Wir h�tten in den See st�rzen oder auf Felsen sto�en k�nnen, und ich zweifle, ob wir da herausgekommen w�ren.�</p><p>�Stimmt.� Der Ingenieur stutzte. �Moment mal.�� Etwas Zottiges versperrte ihnen den Weg. Es glich einem Netz mit langen haarigen Fransen. Der Besch�tzer rollte langsam an dieses Hindernis heran, stie� mit dem Bug dagegen. Der Ingenieur dr�ckte sanft auf den Beschleuniger. Mit einem leisen Ruck riss das sonderbare Netz und verschwand, von den Raupenketten in den Boden gedr�ckt. Die Lichter fingen hohe schwarze Gestalten aus der Dunkelheit, einen ganzen Wald davon, es war wie ein versteinertes Heer in entfalteter Gefechtsordnung. Ein spitzes Postament tauchte vor dem Wagen auf, fast w�ren sie dagegengefahren. Der gro�e Mittelscheinwerfer flammte auf, beleckte die schwarze S�ule, fuhr an ihr hoch.</p><p>Es war eine �berlebensgro�e Skulptur, in der man mit einiger M�he einen Doppelttorso erkennen konnte � nur den kleinen Torso, riesenhaft vergr��ert. Er hielt die H�nde gekreuzt und hoch erhoben und hatte ein flaches, fast eingefallenes Gesicht mit vier gleichf�rmigen H�hlen, sah also anders aus als jene, die sie kannten. Und er neigte sich zur Seite, als schaue er aus der H�he aus vierfachen Augenh�hlen auf sie herab. Der Eindruck war so stark, dass eine Weile keiner sich r�hrte oder etwas zu sagen wagte. Dann lie� die Zunge des Scheinwerfers von dem Denkmal ab, glitt in die Finsternis und stie� auf andere Postamente. Die einen waren hoch und schmal, andere niedrig. Schwarze, fleckige Torsos thronten auf ihnen. Hin und wieder stand auch ein milchigwei�er da, der aus Knochen gemei�elt schien. Alle Gesichter hatten vier Augen, einige waren seltsam entstellt, wie angeschwollen, besa�en eine hohe Stirn. Noch weiter weg, ungef�hr zweihundert Meter entfernt, verlief eine Mauer, aus der gespreizte, geflochtene oder gekreuzte H�nde von �bernat�rlicher Gr��e herausragten. Sie schienen die verschiedenen Richtungen des gestirnten Himmels anzuzeigen. �Wird wohl ein Friedhof sein�, fl�sterte der Chemiker. Der Doktor kletterte bereits vom Heck des Panzers herunter, der Chemiker folgte ihm, w�hrend der Ingenieur den Scheinwerferkegel nach der anderen Seite richtete, dorthin, wo sich zuvor die Kalkbarriere erhoben hatte. Jetzt erblickte er dort ein d�nnes Spalier von Figuren mit verwaschenen, gleichsam ausgesp�lten Z�gen, verworrene Geflechte von Formen, in denen sich der Blick hilflos verlor. Kaum glaubte er etwas Bekanntes wahrzunehmen, entglitt das Ganze schon wieder seinem Verst�ndnis.</p><p>Der Chemiker und der Doktor schritten unterdessen langsam zwischen den Denkm�lern dahin. Der Ingenieur leuchtete ihnen vom Besch�tzer aus. Eine ganze Weile schon glaubte er aus der Ferne ein weinerliches Jammern zu h�ren, da ihn jedoch der ungew�hnliche Anblick gefangenhielt, achtete er nicht auf die Laute, die so schwach und so undeutlich waren, dass er nicht einmal erraten konnte, woher sie kamen. Der Lichtkegel schwebte �ber den K�pfen der beiden M�nner und holte neue Figuren aus der Dunkelheit. Pl�tzlich h�rten sie in der N�he ein giftiges Zischen. Zwischen dem Spalier der Denkm�ler schwammen langsam zerflie�ende graue Wolken. Eine Schar Doppelts hetzte mit lang anhaltendem St�hnen, Husten und Wimmern durch sie hindurch. Irgendwelche Lumpen und Fetzen flatterten �ber ihnen, w�hrend sie blindlings dahinst�rmten, einander rempelten und umrissen.</p><p>Der Ingenieur drehte sich auf seinem Sitz herum, griff nach dem Hebel und wollte instinktiv seinen Gef�hrten nachfahren. Etwa hundert Schritt vor sich, am Ende der kleinen Allee, sah er die blassen Gesichter des Doktors und des Chemikers, die verbl�fft den hastenden Gestalten nachstarrten. Er konnte jedoch nicht anfahren, denn die Fl�chtenden st�rzten, ohne auf das Fahrzeug zu achten, dicht an ihm vorbei. Mehrere gro�e K�rper brachen zusammen. Das entsetzliche Zischen war ganz nahe, esschien aus der Erde zu dringen.</p><p>Zwischen den n�chsten, von den Scheinwerfern des Besch�tzers erhellten Postamenten kroch ein biegsames Rohr mehrere Zentimeter hoch �ber den Boden dahin, daraus spritzte ein Strahl kochenden Schaums, der die Erde bedeckte, heftig dampfte und die Umgebung in nebliges Grau h�llte. Als die ersten Schwaden den Turm umwehten, hatte der Ingenieur das Gef�hl, als zerrissen ihm Tausende von Stacheln die Lunge. Tr�nen st�rzten ihm aus den Augen, er stie� einen dumpfen Schrei aus und dr�ckte, w�rgend und vor Schmerz schluchzend, ungest�m auf den Beschleuniger. Der Besch�tzer schoss nach vorn, st�rzte das schwarze Denkmal um und rollte br�llend �ber die Tr�mmer hinweg.</p><p>Der Ingenieur bekam kaum noch Luft, doch er schloss den Turm nicht, denn vorher mussten die anderen noch herein. Er fuhr weiter, ohne dabei mit den tr�nenden Augen wahrzunehmen, wie der Besch�tzer auch die anderen Denkm�ler niederwalzte. Die Luft wurde reiner. Er h�rte es eher, als dass er es sah, wie der Chemiker und der Doktor aus dem Dickicht schnellten und den Panzer erklommen. Er wollte �Einsteigen!� rufen, aber nur ein Kr�chzen entrang sich seiner verbrannten Kehle. Die beiden sprangen hustend herein. Blindlings dr�ckte er auf den Hebel. Die Metallkuppel schloss sich, doch der Nebel, der ihnen in der Kehle w�rgte, f�llte noch den Innenraum. Der Ingenieur st�hnte und �ffnete mit letzter Kraft den Hahn an einer Stahlrohrleitung. Sauerstoff schoss unter hohem Druck aus dem Reduktor. Er f�hlte seinen Schlag im Gesicht. Das Gas war so stark komprimiert, dass es ihn wie eine Faust zwischen die Augen traf. Es scherte ihn wenig. Der belebende Zustrom half. Die beiden anderen hingen ihm keuchend �ber den Schultern. Die Filter arbeiteten. Der Sauerstoff vertrieb den giftigen Schwaden. Sie konnten wieder sehen, aber sie atmeten noch immer schwer. In der Brust sp�rten sie einen bohrenden Schmerz, als striche bei jedem Atemzug jemand �ber offene Wunden in der Luftr�hre. Aber das gab sich bald. Nach ein paar Sekunden konnte der Ingenieur wieder gut sehen. Er schaltete den Bildschirm ein. In der Seitenallee, an die er nicht herangekommen war, zuckten zwischen den Postamenten der dreieckigen Denkm�ler noch ein paar K�rper. Die meisten r�hrten sich nicht mehr. H�ndchen, kleine Torsos, K�pfe, alles miteinander vermengt, verschwand hinter den tr�ge dahinflie�enden grauen Schwaden und tauchte wieder daraus hervor. Der Ingenieur schaltete das Au�enh�rger�t ein. Ein schw�cher werdendes fernes H�steln und Heulen drang an ihr Ohr. Hinter ihnen stampfte etwas. Noch einmal wehte ein Chor br�chiger Laute aus der Richtung der miteinander verflochtenen wei�en Figuren heran, doch au�er dem Wogen des grauen Nebels war dort nichts mehr zu sehen. Der Ingenieur vergewisserte sich, dass der Turm hermetisch abgeschlossen war, und bet�tigte dann mit zusammengebissenen Z�hnen einige Hebel.</p><p>Der Besch�tzer drehte sich langsam auf der Stelle, seine Ketten knirschten auf den steinernen Tr�mmern. Die drei Scheinwerferb�ndel versuchten die Wolke zu durchsto�en. Er fuhr an den zertr�mmerten Denkm�lern vorbei und suchte nach dem zischenden Rohr, dessen Versteck er etwa zehn Meter weiter vermutete, dort, wo der Schlamm in die H�he spritzte. Die schwankende Dampfwoge reichte nun bereits bis an die hoch erhobenen H�nde der n�chsten Figur. �Nein!� rief der Doktor. �Nicht schie�en! Dort k�nnen Lebende sein!� Zu sp�t. Der Bildschirm verfinsterte sich f�r den Bruchteil einer Sekunde. Der Besch�tzer sprang hoch, wie von einer gewaltigen Faust getroffen, und sackte mit entsetzlichem Knirschen ein. Kaum hatte sich der Wellenstrahl von der Spitze des im R�ssel verborgenen Generators gel�st, war er auch schon im Ziel, das hei�t dort, wo der zischende Schaum ausgesto�en wurde. Die Antiprotonen-ladung hatte sich mit der gleichwertigen Menge Materie verbunden. Als der Bildschirm wieder aufblitzte, klaffte zwischen den weit auseinandergeworfenen Tr�mmern der Postamente ein feuriger Krater. Der Ingenieur sah nicht hin. Er bem�hte sich, herauszufinden, was mit dem Rest der Leitung geschehen und wohin sie verschwunden war. Wieder wendete er den Besch�tzer auf der Stelle um neunzig Grad und fuhr dann langsam die Reihe der umgest�rzten Denkm�ler entlang. Der graue Nebel l�ste sich allm�hlich auf. Sie fuhren an drei oder vier in Lumpen geh�llten Leibern vorbei. Der Ingenieur musste aufpassen, dass er sie nicht zermalmte. Weiter entfernt war ein gro�es, unbewegliches Gebilde zu erkennen. Dort �ffnete sicheine l�ngliche Lichtung, in deren Hintergrund silbrige Gestalten in den Scheinwerferkegeln aufblitzten. Sie fl�chteten in die B�sche. Statt der wei�en kleinen Torsos hatten sie unheimlich lange, schmale H�llen oder Helme, die an den Seiten abgeflacht waren und oben in einer Spitze endeten. Etwas prallte dumpf gegen den Bug des Panzers. Der Bildschirm verdunkelte sich und wurde wieder hell. Der linke Scheinwerfer war erloschen.</p><p>Der Ingenieur lie� den beweglichen Mittelscheinwerfer �ber den dunklen Rand der Schonung schweifen und zauberte aus dem Dunkel zwischen den �sten verschiedene silbern gl�nzende Flecke hervor, hinter denen etwas immer schneller zu wirbeln begann. �ste flogen nach allen Seiten, St�cke zerfetzter Str�ucher, eine gro�e, wirbelnde Masse mahlte im Licht der Scheinwerfer die Luft. Der Ingenieur richtete den R�ssel mitten in die gr��te Betriebsamkeit und dr�ckte auf das Pedal. Ein dumpfes, machtvolles �Umpf" ersch�tterte den Turm. Als der Bildschirm wieder aufflammte, drehte der Ingenieur den Turm herum. Ihnen war, als sei die Sonne aufgegangen. Der Besch�tzer stand beinahe mitten auf der Lichtung. Weiter unten, wo vorher die Schonung gewesen war, hatte sich der Horizont in ein wei�es Feuermeer verwandelt. Die Sterne waren verschwunden, die Luft zitterte. Vor dieser schmutzigen Rauchwand rollte eine pralle, im feurigen Schein funkelnde Kugel auf den Besch�tzer zu. Der Ingenieur h�rte nur das Tosen des Brandes. Der Besch�tzer wirkte wie ein am Boden kauernder Zwerg angesichts der ungeheuren Ausma�e der Kugel, die sich nun in einen haushohen, durch eine schwarze Zickzacklinie in der Mitte unterteilten Strudel verwandelte. Schon hatte der Ingenieur die Kugel in dem Fadenkreuz, als er mehrere hundert Schritt weiter fl�chtende blasse Gestalten erblickte.</p><p>�Haltet euch fest!� br�llte er und glaubte zu sp�ren, wie ihm N�gel in die Kehle drangen. Ein h�llisches Knirschen und Krachen, der Besch�tzer schien zu bersten � sie waren zusammengesto�en.</p><p>Eine Sekunde lang glaubte er, der Turm breche ein. Der Besch�tzer st�hnte, seine Sto�d�mpfer quietschten, der Panzer dr�hnte wie eine Glocke. Der Bildschirm verdunkelte sich sekundenlang, flammte dann wieder auf. Das Krachen lie� nicht nach, es war, als h�mmerten hundert h�llische H�mmer wie versessen gegen die Deckenpanzerung. Dann flaute der ohrenbet�ubende L�rm etwas ab, die Schl�ge fielen in immer gr��eren Abst�nden, einigemal zerschnitt noch ein kantiger Arm pfeifend die Luft. Pl�tzlich scheuerte niederst�rzendes Eisen dumpf rasselnd am Panzer entlang, und mehrere armartige Gebilde, tr�ge die spinnenartigen Glieder zusammenkrampfend und wieder geradebiegend, fielen vor dem Besch�tzer nieder. Eines davon trommelte noch ein paarmal rhythmisch auf den Panzer, als wollte es ihn streicheln. Aber auch diese Bewegung wurde immer schw�cher und h�rte schlie�lich ganz auf. Der Ingenieur versuchte anzufahren, doch die Ketten gehorchten den Lenkbewegungen nur unvollkommen und verklemmten sich knirschend. Er schaltete den R�ckw�rtsgang ein. Nun ging es. Wie ein Krebs schl�ngelte und w�hlte sich das Fahrzeug aus den Tr�mmern. Pl�tzlich lie� der Druck nach, ein metallisches Klirren, die Maschine sprang befreit nach hinten. Das Wrack sah vor der feurigen Wand der brennenden Schonung aus wie eine drei�ig Meter hohe zertretene Spinne. Ein Armstumpf stocherte noch fieberhaft im Boden. Zwischen den langen, spitzen Beinen war eine kantige Kuppel zu erkennen, silbrig schimmernde Gestalten sprangen aus ihr heraus.</p><p>Der Ingenieur �berpr�fte instinktiv, ob die Schu�linie frei war, und dr�ckte aufs Pedal. Abermals zerri� eine Sonne donnernd die Lichtung. Die Wrackteile flogen heulend und pfeifend nach allen Seiten. In der Mitte fuhr eine S�ule aus siedendem Lehm und Sand in die H�he. Gro�e Ru�flocken segelten durch die Luft. Pl�tzlich �berkam den Ingenieur ein Schw�chegef�hl. Er sp�rte: Noch einen Augenblick, und er w�rde sich in Kr�mpfen winden. Eiskalter Schwei� rann ihm in den Nacken. Er legte gerade die verkrampfte Hand auf den Hebel, als er den Doktor schreien h�rte: �Kehr um, h�rstdu! Kehr um!�</p><p>Rot leuchtender Rauch schlug aus der brennenden Grube hoch, als habe sich dort, wo zuvor die Schonung gestanden hatte, ein Vulkan ge�ffnet. Siedende Schlacke flo� den Hang hinab und setzte die Reste des niedergewalzten, zermalmten Dickichts in Flammen.</p><p>�Ich bin ja schon dabei�, sagte der Ingenieur. �Ich kehre um.� Aber er r�hrte sich nicht.</p><p>Schwei�tropfen rannen ihm �bers Gesicht. �Was hast du?� Wie aus weiter Ferne h�rte er die Stimme des Doktors, dann erblickte er �ber sich sein Gesicht. Er sch�ttelte den Kopf, riss die Augen auf.</p><p>�Wie? Nein, nichts�, stammelte er. Der Doktor zw�ngte sich wieder nach hinten. Der Ingenieur schaltete den Motor ein. Der Besch�tzer erbebte, drehte sich auf der Stelle. Sie h�rten nichts. Alle Laute wurden von dem Rauschen des riesigen Brandes verschlungen. Sie fuhren denselben Weg zur�ck, den sie gekommen waren. Der Strahl des einzigen Scheinwerfers � den mittleren hatten sie beim Zusammensto� verloren � huschte �ber Leichname und Denkmalstr�mmer. �ber allem lag ein metallischer grauer Niederschlag. Sie fuhren zwischen den Bruchst�cken zweier wei�er Figuren hindurch und bogen nach Norden ab. Wie ein Schiff, das ins Wasser gleitet, zerschnitt der Besch�tzer das Dickicht. Ein paar wei�e Gestalten fl�chteten in Panik aus dem Bereich des Lichts. Der Besch�tzer brauste mit wachsender Geschwindigkeit weiter und sch�ttelte seine Insassen m�chtig durcheinander. Der Ingenieur atmete schwer und presste die Kiefer zusammen, um nicht schwach zu werden. Er hatte noch immer die wirbelnden Ru�flecken vor Augen � das war alles, was von den herausspringenden, silbrig schimmernden Gestalten �briggeblieben war. Er riss die Augen auf. Gelber Lehm zeigte sich jetzt im Licht, ein schr�ger, buckliger Hang. Der Besch�tzer hob die Nase und st�rmte hinauf. Zweige peitschten gegen den Panzer. Die Ketten rollten knirschend �ber etwas Unsichtbares. Der Besch�tzer jagte immer schneller dahin, mal aufw�rts, mal abw�rts. Das Gel�nde wurde ab und zu von kleinen Schluchten durchschnitten. Sie tauchten in gewundene Hohlwege und brachen baumartiges Gestr�pp nieder. Wie ein Sturmbock brauste der Wagen durch eine Schonung spinnenartiger B�ume. Ihre stachligen Insektenleiber bombardierten den Panzer mit kraftlosen, weichen Schl�gen. Das Krachen und Zischen der zermahlenen St�ngel und �ste h�rte sich entsetzlich an. Auf den hinteren Bildschirmen flammte noch die Feuersbrunst. Allm�hlich wurde sie tr�ber.</p><p>Schlie�lich herrschte ringsum gleichm��ige Dunkelheit.</p></section><section><title><p>Zw�lftes Kapitel</p></title><p>Eine Stunde lang rasten sie bereits �ber die Ebene. Die Nacht war sternklar. Immer seltener flogen Str�ucher an der rhythmisch heulenden Maschine vor�ber. Schlie�lich verschwanden auch die letzten.</p><p>Nichts war mehr da au�er den langen sanften Buckeln, die im Scheinwerferlicht aufzuleben und zu wogen schienen. Der Besch�tzer nahm sie mit einem Schwung, als wollte er sich in die Luft schwingen. Die Sitze federten weich. Das gleichm��ige Kreischen der Raupenketten erinnerte an den verbissenen Laut eines Bohrers, der sich in Metall fri�t. Die Instrumente leuchteten rosa, orangerot und gr�n. Im Bildschirm suchte der Ingenieur das Signallicht der Rakete.</p><p>Was sie vorher gedankenlos hingenommen hatten � dass sie ohne Funkverbindung aufgebrochen waren � , hielt er jetzt f�r Wahnsinn. Sie hatten sich beeilt, als w�ren die zum Aufbau eines Senders erforderlichen zwei Stunden zu kostbar daf�r gewesen. Er f�rchtete schon, die Rakete im Dunkeln verfehlt zu haben und zu weit nach Norden gefahren zu sein. Doch da erblickte er sie. Sie sah aus wie eine eigenartig zerflie�ende Lichtblase. Er drosselte die Geschwindigkeit. Es war jedes Mal einungew�hnlicher Anblick, wenn das Signallicht der Rakete aufleuchtete und den mehrst�ckigen Rumpf in unz�hlige flammende Regenb�gen tauchte. Der Widerschein erhellte weithin den Sand. Da der Ingenieur nicht noch einmal schie�en wollte, richtete er die stumpfe Panzernase auf die Stelle, wo sie bei der Abfahrt die Spiegelmauer durchbrochen hatten. Die L�cke in der gl�sernen Mauer war von beiden Seiten her wieder zugewachsen. Als einzige Spur ihres ersten Durchbruchs war ein Brocken in Schlacke verwandelten Sandes zur�ckgeblieben. Der Besch�tzer st�rmte mit der ganzen Masse seiner sechzehn Tonnen gegen die Mauer an. Die Wand hielt stand. Der Ingenieur stie� etwa zweihundert Meter zur�ck, zielte mit dem Fadenkreuz so tief wie m�glich und dr�ckte in dem Augenblick, als die Lichtglocke aus dem Dunkel tauchte, auf das Pedal.</p><p>Ohne erst abzuwarten, bis die siedenden R�nder der Bresche wieder erstarrt waren, fuhr er los. Der Turm stie� oben an, doch das erweichte Material gab nach. Der ein�ugige Besch�tzer brach in den leeren Kreis ein und rollte mit ersterbendem Brummen an die Rakete heran.</p><p>Nur der Schwarze begr��te sie, aber auch er verschwand sofort. Sie sp�lten den radioaktiven Belag von der Panzerhaut des Besch�tzers und pr�ften die Strahlungsintensit�t der Umgebung, erst dann konnten sie den engen Innenraum der Maschine verlassen.</p><p>Die Lampe flammte auf. Der Koordinator trat als erster aus dem Tunnel. Mit einem Blick erfasste er die schwarzen Flecke auf dem Bug des Besch�tzers, die demolierten Scheinwerfer und die eingefallenen, blassen Gesichter der R�ckkehrer. Dann sagte er: �Ihr habt gek�mpft.� </p><p>�Ja�, antwortete der Doktor. �Ihr k�nnt aussteigen. Es sind nur noch 0,9 R�ntgen pro Minute. Der Schwarze wird hierbleiben.�</p><p>Die anderen schwiegen. Sie stiegen durch den Tunnel in die Rakete hinunter. Der Ingenieur bemerkte einen zweiten, kleineren Automaten, der im Durchgang zum Maschinenraum die Leitungen flickte, aber er hielt sich nicht bei ihm auf. In der Bibliothek brannte Licht. Der kleine Tisch war gedeckt: Aluminiumteller, Besteck, eine Flasche Wein. Der Koordinator sagte: �Das sollte eine kleine Feier werden, denn die Automaten haben den gravimetrischen Regler �berpr�ft. Er ist heil� Die Haupts�ule ist in Betrieb. Wenn wir es fertigbringen, die Rakete aufzurichten, k�nnen wir starten.</p><p>Jetzt habt ihr das Wort.�</p><p>Eine Weile herrschte Schweigen. Der Doktor sah den Ingenieur an, begriff pl�tzlich und sagte: �Du hattest recht. Im Westen erstreckt sich wirklich eine W�ste. Wir sind etwa zweihundert Kilometer gefahren mit einem gro�en Bogen in s�dlicher Richtung.� Er schilderte, wie sie an die bewohnte Ebene am See gelangt waren, und sie gefilmt hatten und auf dem R�ckweg auf die Ansammlung von Denkm�lern gesto�en waren � dann stockte er. �Es sah wirklich wie ein Friedhof aus oder wie eine Kultst�tte. Was nachher geschah, l�sst sich schwer beschreiben, ich kann n�mlich nicht mit Gewi�heit sagen, was es bedeutete � aber das Lied kennt ihr ja schon. Eine Schar Doppelts fl�chtete in Panik. Es sah so aus, als h�tten sie sich versteckt gehalten und seien durch eine Treibjagd aufgescheucht und zwischen die Denkm�ler gehetzt worden. Ich sage, es sah so aus, mehr wei� ich nicht. Einige hundert Meter tiefer, denn das geschah alles auf einem Hang, befand sich eine kleine Schonung. Dort hielten sich andere Doppelts versteckt, solche wie der silberne, den wir get�tet haben. Hinter ihnen stand, wahrscheinlich getarnt, einer von den gro�en Brummkreiseln. Aber den hatten wir da noch gar nicht bemerkt � auch nicht, dass die Doppelts, die sich in der Schonung versteckt hielten, eine biegsame Leitung am Boden verlegt hatten, eine Art Blasrohr, aus dem eine giftige Substanz unter Druck ausstr�mte, ein Schaum, der sich in eine Emulsion oder in ein Gas verwandelte. Man wird ihn untersuchen k�nnen, er muss sich ja in den Filtern abgesetzt haben, nicht wahr?� Er wandte sich an den Ingenieur, der ihm zunickte.</p><p>�Ich bin mit dem Chemiker ausgestiegen, weil wir uns die Denkm�ler ansehen wollten, der Turmstand offen. Wir w�ren beinahe erstickt. Am schlimmsten war es mit Henrik, denn die erste Gaswelle traf den Besch�tzer. Als wir wieder drinnen waren und den Innenraum mit Sauerstoff durchgeblasen hatten, schoss Henrik auf die Leitung, vielmehr auf die Stelle, wo er sie vorher gesehen hatte, denn wir standen bereits in einer dichten Wolke.� </p><p>�Mit Antimaterie?� fragte der Koordinator. �Ja.�</p><p>�Konntest du nicht den kleinen Werfer benutzen?� </p><p>�Konnte ich, aber ich habe ihn nicht benutzt.�</p><p>�Wir waren alle��, der Doktor suchte eine Weile nach einem passenden Wort,��wir waren entr�stet. Wir sahen die Niederst�rzenden. Diese Doppelts waren nicht nackt. Sie hatten Lumpen an.</p><p>Ich hatte den Eindruck, als ob sie im Kampf zerfetzt worden w�ren, aber ich bin mir dessen nicht sicher. Vor unseren Augen kamen sie alle oder fast alle um. Beinahe w�ren wir selbst vergiftet worden. So war das. Dann versuchte Henrik den Rest der Leitung zu finden, wenn ich mich recht entsinne. Nicht wahr?� Der Ingenieur nickte. �Wir fuhren dann hinunter, in die Schonung, und dort entdeckten wir die Silbernen. Sie hatten Masken um. Ich nehme an, um die Luft zu filtern. Sie beschossen uns, womit, wei� ich nicht. Wir verloren einen Scheinwerfer. Gleichzeitig fuhr der gro�e Brummkreisel los. Er wollte uns von der Seite her angreifen. Er kam von den Str�uchern her. Da feuerte Henrik eine ganze Serie ab.� </p><p>�In der Schonung?� </p><p>�Ja.� </p><p>�Auf die Silbernen?� </p><p>�Ja.�</p><p>�Und auf den Brummkreisel?� </p><p>�Nein. Der fuhr uns auf und zerschellte am Besch�tzer. Nat�rlich entstand dabei ein Brand. Die Str�ucher waren von dem thermischen Schlag bei der Explosion ausgetrocknet, sie brannten wie Papier.� </p><p>�Versuchten sie keinen Gegenangriff?� </p><p>�Nein.� </p><p>�Verfolgten sie euch?� </p><p>�Das wei� ich nicht. Wohl kaum. Die wirbelnden Scheiben h�tten uns sicherlich einholen k�nnen.�</p><p>�Nicht auf dem Gel�nde. Es gibt dort eine Menge Hohlwege und Schluchten, �hnlich wie in unserem Juragebirge, Kalkfelsen, Stufen, Ger�llhaufen�, erl�uterte der Ingenieur. �Ach so. Und dann seid ihr geradenwegs hierhergefahren?� </p><p>�Nicht ganz, wir hatten eine �stliche Abweichung.� Sie sa�en eine Weile schweigend da. Der Koordinator hob den Kopf. �Habt ihr viele get�tet?� Der Doktor sah den Ingenieur an. Als er merkte, dass der mit der Antwort z�gerte, sagte er: �Es war dunkel. Sie waren im Dickicht versteckt. Ich glaube, ich habe mindestens zwanzig Schimmer auf einmal gesehen. Aber tiefer im Geb�sch blinkte auch noch etwas. Es k�nnen mehr gewesen sein.�</p><p>�Waren es bestimmt Doppelts, die auf euch geschossen haben? Oder andere?� </p><p>�Ich sagte schon, sie hatten Masken auf, helm�hnliche Bedeckungen. Aber nach der Gestalt, nach der Gr��e und nach der Art ihrer Bewegungen zu urteilen, waren es Doppelts.� </p><p>�Womit haben sie euch beschossen?� Der Doktor schwieg.</p><p>�Wahrscheinlich waren es nichtmetallische Geschosse�, sagte der Ingenieur. �Ich kann das nat�rlich nur nach dem Gef�hl beurteilen. Ich habe die getroffenen Stellen nicht untersucht, habe sie mir nicht einmal angesehen. Geringe Durchschlagskraft, das war mein Eindruck.�</p><p>�Ja, sehr gering.� Der Physiker stimmte zu. �Ich habe mir die Scheinwerfer fl�chtig angesehen. Sie sind eher eingedr�ckt als durchschossen.� </p><p>�Der eine ging beim Zusammenprall mit dem Brummkreisel zu Bruch�, erkl�rte der Chemiker. �Und jetzt die Denkm�ler. Wie sahen sie aus?� Der Doktor beschrieb sie, so gut er konnte. Als die wei�en Figuren an die Reihe kamen, brach er ab. Nach einer Weile f�gte er mit blassem L�cheln hinzu: �Hier kann man leider nur mit Gesten schildern.��</p><p>�Vier Augen? Erhabene Stirnen?� wiederholte der Koordinator langsam. �Ja.�</p><p>�Waren es Skulpturen? Stein? Metall? Eisengu�?� </p><p>�Das kann ich nicht sagen. Guss sicherlich nicht.</p><p>Die Gr��e war �bernat�rlich, wenn dich das interessiert. Auch eine gewisse Deformation war festzustellen, eine Ver�nderung der Proportionen.� Er z�gerte. �Was?� </p><p>�Ein gewisses Bem�hen um Erhabenheit�, sagteder Doktor verlegen. �Das ist aber nur so ein Eindruck. �brigens hatten wir keine Zeit, sie lange zu betrachten, denn danach geschah noch sehr viel� Nat�rlich bietet sich jetzt wieder viel Raum zu simplen Analogien. Der Friedhof. Die ungl�cklichen Verfolgten. Eine Polizeijagd. Eine Motorpumpe mit Giftgas. Die Polizei mit Gasmasken. Ich gebrauche absichtlich diese Bezeichnungen, es k�nnte n�mlich tats�chlich sein, dass es so war, aber wir wissen es nicht. Die einen t�teten vor unseren Augen andere. Das ist eine unumstrittene Tatsache. Aber wer wen und ob es genau die gleichen Wesen oder andere waren, die sich von ihnen unterschieden, das wei� ich nicht.�</p><p>�Und wenn sie sich unterschieden, w�re dann schon alles klar?� fragte der Kybernetiker. �Das nicht.</p><p>Aber ich habe auch diese M�glichkeit erwogen. Ich r�ume ein, sie ist von unserem Standpunkt aus makaber. Bekanntlich verurteilt der Mensch den Kannibalismus aufs strengste. Doch einen Affenbraten zu verspeisen gilt in den Augen unserer Moralisten im allgemeinen nicht mehr als schlimm. Was aber, wenn die biologische Evolution hier so verlaufen ist, dass die �u�eren Unterschiede zwischen Wesen mit einer Intelligenz wie der menschlichen und solchen, die auf einer tierischen Entwicklungsstufe stehengeblieben sind, weit geringer sind als die zwischen dem Menschen und den Primaten? In dem Falle sind wir m�glicherweise Zeugen einer Jagd gewesen.� </p><p>�Und der Graben vor der Stadt?� warf der Ingenieur ein. �Waren das auch Jagdtroph�en? Ich bewundere deine Ausfl�chte, Doktor, sie w�rden einem Winkeladvokaten gut anstehen.� </p><p>�Solange wir nicht die Gewi�heit haben��</p><p>�Wir haben noch den Film�, unterbrach ihn der Chemiker. �Ich wei� nicht, wie es kommt, dass es uns bisher noch nicht gelungen ist, das normale, das gew�hnliche Leben auf diesem Planeten zu beobachten. Diese Aufnahmen bedeuten eben den Durchschnitt, sie zeigen etwas Allt�gliches, wenigstens habe ich diesen Eindruck gewonnen.�� </p><p>�Was, ihr habt nichts gesehen?� fragte der Physiker verwundert. �Nein, wir mussten uns beeilen, um das letzte Licht auszunutzen. Die Entfernung war ziemlich gro�, mindestens achthundert Meter, vielleicht noch mehr, aber wir haben zwei Filme gedreht � mit dem Teleobjektiv.</p><p>Wie sp�t ist es? Noch nicht zw�lf. Wir k�nnen sie gleich entwickeln.� </p><p>�Gib sie dem Schwarzen�, sagte der Koordinator. �Wisst ihr, der zweite Automat. Doktor, Henrik, ich sehe, es hat euch sehr mitgenommen. Stimmt, wir stecken verdammt tief in alldem drin, aber.�� </p><p>�M�ssen Kontakte zwischen hochentwickelten Zivilisationen immer so enden?� sagte der Doktor. �Ich h�tte gern einmal eine Antwort auf diese Frage��</p><p>Der Koordinator sch�ttelte den Kopf, stand auf und nahm die Flasche vom Tisch. �Wir bewahren sie f�r eine andere Gelegenheit auf.�</p><p>Der Ingenieur und der Physiker gingen hinaus, um sich den Besch�tzer anzusehen, der Chemiker wollte beim Entwickeln des Films auf alle F�lle dabeisein. Als sie allein geblieben waren, fa�te der Koordinator den Doktor am Arm, trat mit ihm an die schiefstehenden B�cherregale heran und sagte leise: �H�r zu, ist es nicht m�glich, dass ihr diese panische Flucht durch euer unerwartetes Erscheinen verursacht habt und dass man nur euch, nicht aber die Fl�chtenden anzugreifen versuchte?� Der Doktor sah ihn erstaunt an. �Das ist mir noch gar nicht in den Sinn gekommen.� Er schwieg eine Weile nachdenklich. �Ich wei� es nicht�, sagte er schlie�lich. �Wohl kaum� H�chstens, dass es ein mi�lungener Angriff war, der sich gleich gegen einige von ihnen selbst kehrte� Nat�rlich�, f�gte er hinzu und richtete sich auf, �man kann das alles v�llig anders auslegen. Ja, jetzt sehe ich es deutlich.</p><p>Sagen wir: Wir sind auf ein bewachtes Gebiet gesto�en.</p><p>Angenommen, die Fl�chtenden waren eine Pilgergruppe, was wei� ich. Der Posten, der diesen Ort bewachte, f�hrte die Waffe � jene bewusste Leitung � in dem Augenblick an die Denkm�ler heran, als der Besch�tzer hielt. Ja, aber die erste Gaswelle hat zuerst jene erfa�t und nicht uns� Gut, nehmenwir an, dass das von ihrem Standpunkt ein Ungl�cksfall war. Dann ja, dann mag es so gewesen sein.�</p><p>�Ausschlie�en kannst du es also nicht?�</p><p>�Nein, das kann ich nicht. Und wei�t du, je l�nger ich dar�ber nachdenke, um so mehr scheint mir auch diese Auslegung berechtigt zu sein. Es w�re ja m�glich, dass sie mehrere Wachen in der Umgebung aufgestellt haben, als sich die Nachricht von uns verbreitete. Als wir in dem Tal waren, wussten sie noch nichts, und deshalb trafen wir dort keine Bewaffneten an � An jenem Abend erschienen die wirbelnden Scheiben zum erstenmal bei der Rakete.� </p><p>�Unser Pech ist, dass wir bis jetzt auf keinerlei Spuren ihres Informationsnetzes gesto�en sind�, rief der Kybernetiker von hinten aus der Kaj�te. �Telegraf, Radio, Schrift, Dokumente, Dinge dieser Art� Jede Zivilisation schafft solche technischen Mittel und fixiert mit ihrer Hilfe ihre Geschichte und ihre Erfahrung. Diese sicherlich auch. Ja, wenn wir in die Stadt gelangen k�nnten!� </p><p>�Mit dem Besch�tzer gewiߓ, antwortete der Koordinator. �Aber dann g�be es eine Schlacht, deren Verlauf und deren Ergebnisse wir nicht absehen k�nnen. Dar�ber bist du dir wohl im klaren.� </p><p>�Wenn wir mit einem ihrer vernunftbegabten Fachleute, mit einem Techniker aus ihren Reihen zusammenkommen k�nnten.� </p><p>�Wie sollten wir das bewerkstelligen? Uns auf die Jagd begeben?� fragte der Doktor.</p><p>�Wenn ich nur w��te, wie! Es mutet alles so einfach an: Man erscheint mit einem ganzen Armvoll Interkommunikatoren und �bersetzenden Elektronenhirnen auf dem Planeten, zeichnet die Dreiecke des Pythagoras in den Sand, tauscht Geschenke aus.� </p><p>�Bitte, la� das M�rchenerz�hlen, ja!� Der Ingenieur stand auf der Schwelle. �Kommt, der Film ist entwickelt.� Sie beschlossen, ihn gleich im Labor vorzuf�hren. Als sie es betraten, befand sich der Film gerade zum Trocknen in der Trommel.</p><p>Der Koordinator setzte sich hinter den Apparat, um ihn jeden Augenblick anhalten oder notfalls auch zur�ckdrehen zu k�nnen. Alle nahmen Platz, der Automat l�schte das Licht. Die ersten Meter waren v�llig schwarz. Einigemal flimmerten Fragmente des Sees auf, dann zeigte sich sein Ufer. Es war befestigt. An einigen Stellen fielen lange Schr�gen zum Wasser hinab, �ber denen sich breitbeinige, mit durchsichtigen B�ndern verbundene T�rme erhoben. Das Bild wurde ein paar Sekunden lang unscharf. Als wieder Einzelheiten zu erkennen waren, sahen sie, dass jeder Turm an der Spitze zwei f�nfschauflige Propeller hatte, die sich in entgegengesetzter Richtung drehten. Sie kreisten sehr langsam, weil die Aufnahme mit �berh�hter Geschwindigkeit gedreht worden war. Auf den zum See hin abfallenden Schr�gen bewegten sich Gegenst�nde, die anscheinend im See versenkt wurden. Man konnte ihre Umrisse nicht erkennen. Au�erdem spielte sich alles unerh�rt langsam ab. Der Koordinator spulte ein Dutzend Meter zur�ck und lie� den Apparat etwas schneller laufen. Die Gegenst�nde, die an schmalen, verschwommenen Streifen wie an dicken, zitternden Saiten hinabgelassen wurden, rutschten jetzt rasch hinunter und st�rzten ins Wasser. Auf der Oberfl�che bildeten sich Kreise. Am Ufer stand, mit dem R�cken zum Beschauer, ein Doppelt. Der obere Teil seines gro�en Rumpfes trat aus einer fa��hnlichen Vorrichtung hervor, �ber der eine d�nne, in einem verwaschenen Fleck endende Peitsche aufragte. Das Ufer verschwand. Jetzt glitten flache, schachtel�hnliche Gebilde �ber die Leinwand, die an durchsichtigen Pfosten angebracht waren.</p><p>Dar�ber standen zahlreiche fa��hnliche Gebilde, �hnlich dem, in dem der Doppelt an der Anlegestelle steckte. Alle waren leer, einige bewegten sich tr�ge zu zweit oder zu dritt in der gleichen Richtung, hielten an und fuhren zur�ck. Das Bild glitt weiter. Blitze zuckten, recht h�ufig, man sah sie als schwarze Flecke. Der Film war �berbelichtet. Obendrein waren die Flecke von tr�ben Ringen umgeben. Hinter diesen verschwommenen Kreisen schimmerten kleine Gestalten, man sah sie von oben und deshalb verk�rzt. Doppelts gingen paarweise in verschiedene Richtungen. Ihre kleinen Torsos waren m etwas Flauschiges geh�llt, nur das K�pfchen ragte daraus hervor. Das Bild war jedoch nicht so deutlich, dass sich die Gesichtsz�ge erkennen lie�en. Nun schwamm eine gro�e Masse �ber die Bildfl�che, sie hob und senkte sich gleichm��ig und flo� wie sch�umender Sirup zur unteren Ecke der Leinwand ab. Dutzende von Doppelts schritten auf elliptischen Unterlagen darauf herum.Sie schienen in ihren H�ndchen etwas zu halten, und sie ber�hrten diese Masse, gl�tteten sie oder sch�pften daraus. Von Zeit zu Zeit t�rmte sie sich zu einem oben zugespitzten H�gel auf. Daraus spritzte etwas, was einem grauen Kelch glich. Das Bild glitt weiter, aber die bewegliche Masse f�llte es noch immer aus. Die Einzelheiten traten nun sehr klar hervor. In der Mitte bildete sich eine Anh�ufung schlanker Kelche, so als w�chse sie im Zusehen. Vor jedem standen zwei oder drei Doppelts und beugten sich mit ihren Gesichtern dar�ber. Eine Weile verharrten sie davor, dann zogen sie ihre Gesichter zur�ck. Das wiederholte sich mehrmals. Der Koordinator spulte das Band zur�ck und lie� es schneller ablaufen. Jetzt schienen die Doppelts das Innere der Kelche zu k�ssen. Andere, die sich im Hintergrund aufhielten und die sie zuvor nicht beachtet hatten, standen mit halb eingezogenem kleinem Torso da und schienen das Tun zu beobachten. Das Bild glitt weiter. Man sah jetzt den Rand der Masse, die von einer dunklen Linie eingefa�t war. Dicht daneben fuhren wirbelnde Scheiben vor�ber. Sie waren viel kleiner als die, die sie kannten. Ihr Wirbeln war tr�ge und schien sich sprungweise zu vollziehen. Man konnte das Schwingen der durchsichtigen Fl�gel beobachten.</p><p>Das war ein filmischer Effekt, der die Rotation in Einzelbewegungen aufl�ste. Die Leinwand f�llte sich allm�hlich mit immer lebhafterer Bewegung, sie vollzog sich jedoch wegen der Verlangsamung wie in einem sehr dichten, luftreinen Medium. Nun erschien auf der Leinwand die Gegend, die alle drei Ausfl�gler f�r die Stadtmitte gehalten hatten. Es war ein dichtes Netz von kleinen Gr�ben, in denen einzelne, an einer Seite abgeschr�gte, an der anderen abgerundete, fa��hnliche Gebilde in verschiedenen Richtungen fuhren. Auf jedem standen Doppeltgestalten eng beieinander, jeweils zwei bis f�nf. Meist fuhren sie zu dritt. Es sah aus, als ob ihre kleinen Torsos mit irgend etwas festgeschnallt seien. Das konnte aber auch der Widerschein sein. Die Schatten der untergehenden Sonne waren sehr lang und erschwerten es, die einzelnen Bildelemente auseinanderzuhalten. �ber die grabenartigen Arterien spannten sich kleine luftige Br�cken in anmutigen Formen. Auf einigen dieser Br�cken standen gro�e Brummkreisel, die auf der Stelle wirbelten, und wieder zerfiel dieses Wirbeln auf der Leinwand in Serien komplizierter kreisend-st�tzender Bewegungen, so als fischten die gliedma��hnlichen Extremit�ten etwas Unsichtbares aus der Luft. Ein Brummkreisel blieb stehen, Gestalten stiegen aus, die mit einer stark gl�nzenden Substanz bedeckt waren. Da es ein Schwarzwei�film war, konnten sie nicht entscheiden, ob sie silbern leuchtete. Als der dritte Doppelt ausstieg, der etwas Verschwommenes hinter sich herzog, glitt das Bild weiter. Eine dicke Leine lief durch die Mitte. Sie befand sich dem Objektiv viel n�her als das, was im Hintergrund war. Diese Leine � oder war es eine Rohrleitung?�� schaukelte, an ihr hing eine Zigarre, aus der etwas Flimmerndes rieselte, wie eine Wolke von Laub. Die herausfallenden kleinen Gegenst�nde waren offenbar jedoch schwerer als Bl�tter, sie flatterten n�mlich nicht, sondern fielen wie Gewichte herab.</p><p>Dort standen Doppelts in mehreren Reihen auf einer konkaven Fl�che, aus ihren H�ndchen spr�hten unausgesetzt feine Funken zu Boden. Das Bild war �berhaupt nicht zu verstehen, denn die Wolke der herabfallenden Gegenst�nde schien zu verschwinden, ohne die darunter Stehenden zu treffen. Das Bild glitt langsam weiter. Dicht am Rand lagen reglos zwei Doppelts, ein dritter n�herte sich ihnen.</p><p>Da erhoben sich die beiden langsam. Einer von ihnen taumelte hin und her. Er wirkte mit dem versteckten kleinen Torso wie ein Zuckerhut. Der Koordinator spulte den Film zur�ck und lie� ihn noch einmal laufen. Als die liegenden Leiber erschienen, hielt er ihn an. Er versuchte das Bild sch�rfer einzustellen und trat dann mit einem Vergr��erungsglas vor die Leinwand. Durch das Glas sah er nur gro�e zerflie�ende Flecke. Es wurde dunkel, der erste Film war zu Ende. Der Anfang des zweiten zeigte das gleiche Bild, nur ein wenig verschoben und etwas dunkler. Offenbar war das Licht schw�cher geworden, was sich durch das v�llige �ffnen des Objektivs nicht kompensieren lie�. Die beiden Doppelts entfernten sich langsam, der dritte lag halb auf dem Boden. �ber die Leinwand zogen flatternde Streifen. Das Objektiv bewegte sich jedoch so schnell, dass nichts zu sehen war.</p><p>Dann kam ein gro�es Netz mit f�nfeckigen Maschen ins Blickfeld. In jeder Masche stand ein Doppelt, in einigen auch zwei. Unter diesem Netz zitterte ein verschwommenes zweites Netz. Sie begriffen nicht sofort, dass das erste echt und das zweite sein Schatten war. Der Boden war glatt, wie mit einerbeton�hnlichen Substanz �berzogen. Die in den Maschen des Netzes h�ngenden Gestalten hatten dunkle bauschige Kleidung, die sie dicker und breiter machte. Sie f�hrten fast alle die gleichen Bewegungen aus. Ihre kleinen Torsos, von einem durchsichtigen Stoff umh�llt, neigten sich langsam zur Seite. Diese eigenartige Gymnastik ging �u�erst langsam vonstatten. Das Bild zitterte, es war verwackelt. Eine Weile konnten man kaum etwas erkennen. Obendrein wurde es immer dunkler. Der Rand des mit Seilen bespannten Netzes wurde sichtbar. Ein Seil endete an einer schr�g stehenden gro�en Scheibe. Weiter hinten spielte sich der gleiche �Stra�enverkehr� ab, den sie schon einmal gesehen hatten. Fa��hnliche Gebilde voller Doppelts fuhren in verschiedene Richtungen. Die Kamera stie� wieder auf das Netz, diesmal von der anderen Seite. Es war abger�ckt, Fu�g�nger tauchten auf, gefilmt mit starker Verk�rzung von oben. Sie watschelten wie Enten in Paaren, dann tauchte eine Menge auf, die durch eine lange schmale Gasse in der Mitte in zwei Teile geteilt war. Mitten durch die Gasse f�hrte �ber undeutlich zu sehende R�dchen eine Leine, die �ber den Rand des Bildes hinauslief. Sie zog einen langen Gegenstand, von dem grelle Blitze ausgingen. Er �hnelte einem l�nglichen, kantigen Kristall oder einem mit Spiegeln bedeckten Klotz, schwankte von einer Seite zur anderen und warf auf die Stehenden einen flackernden Lichtschein. Pl�tzlich hielt er f�r einen kurzen Augenblick an und wurde durchsichtig. Eine liegende Gestalt war in ihm eingeschlossen. Jemand stie� einen unterdr�ckten Schrei aus. Der Koordinator spulte das Band zur�ck und arretierte das Bild, als der l�ngliche Gegenstand nach jenem bewussten Schwanken seinen Inhalt zeigte. Sie traten alle vor die Leinwand. Zwischen einem Spalier von Doppelts lag dort mitten auf der Stra�e ein Mensch.</p><p>Totenstille herrschte.</p><p>�Mir scheint, wir verlieren noch den Verstand�, sagte jemand im Dunkeln. �Das sehen wir uns erst bis zu Ende an.� Der Koordinator kehrte auf seinen Platz zur�ck. Die anderen folgten ihm. Das Band surrte, das Bild zitterte, es belebte sich. Inmitten der Menge zogen hintereinander l�ngliche, sarg�hnliche Quader die Gasse entlang. Sie waren mit einem hellen Stoff zugedeckt, der so lang war, dass er �ber dem Boden schleifte. Das Bild glitt weiter, es zeigte eine Ein�de, sie war auf einer Seite von einer schr�gen Mauer eingefa�t, davor standen einige B�sche. Ein einsamer Doppelt schritt eine Furche entlang, die �ber den ganzen Bildschirm lief. Pl�tzlich sprang er erschrocken zur Seite und segelte in einem verlangsamten gewaltigen Satz durch die Luft. Ein Brummkreisel glitt die Furche entlang, etwas blitzte heftig. Nebel schien sich vor das Bild zu schieben. Als er sich verzogen hatte, lag der Doppelt ausgestreckt auf der Seite, sein K�rper war schwarz. Alles war mittlerweile in D�mmerlicht getaucht. Es hatte den Anschein, dass sich der Doppelt r�hrte und zu kriechen begann.</p><p>Auf der Leinwand zeigten sich dunkle Streifen, dann blendete grelles Wei�. Der Film war zu Ende.</p><p>Als das Licht aufleuchtete, nahm der Chemiker die Spulen und ging damit in die Dunkelkammer, um von den ausgew�hlten Szenen Vergr��erungen anzufertigen. Die anderen blieben im Labor zur�ck.</p><p>�So, und jetzt die Interpretationsmangel�, sagte der Doktor. �Ich habe gleich zwei oder drei verschiedene Auslegungen parat.� </p><p>�Willst du uns unbedingt zur Verzweiflung treiben?� rief der Ingenieur gereizt. �H�ttest du die Physiologie des Doppelts gr�ndlich studiert, vor allem die Physiologie der Sinne, dann w��ten wir heute schon viel mehr!� </p><p>�Wann sollte ich das denn machen?�</p><p>fragte der Doktor. �Kollegen!� Der Koordinator hob die Stimme. �Es f�ngt genauso an wie eine Sitzung im kosmologischen Institut! Nat�rlich hat uns diese menschliche Gestalt alle schockiert.</p><p>Zweifellos war das eine Figur, ein starres Abbild, anscheinend aus einer Masse geschmolzen.</p><p>Durchaus m�glich, dass sie unsere Konterfeis durch ihr Informationsnetz an alle Siedlungen des Planeten ausgesandt haben, wo in Anlehnung an die darin enthaltene Beschreibung Puppen in Menschengestalt angefertigt wurden.� </p><p>�Woher sollten sie unsere Konterfeis haben?� fragte der Doktor. �Sie kreisten doch vor zwei Tagen mehrere Stunden lang um die Rakete, dabei k�nnen sie uns sogar bis ins einzelne beobachtet haben.� </p><p>�Und wozu sollten sie diese �Portr�ts� ben�tigen?��F�r wissenschaftliche oder religi�se Zwecke. Das k�nnen wir allerdings auch in der l�ngsten Diskussion nicht entscheiden. Jedenfalls ist das kein unerkl�rliches Ph�nomen. Wir haben wohl eher ein kleineres Zentrum gesehen, in dem sch�pferische Arbeiten ausgef�hrt werden. Vielleicht haben wir auch ihre Spiele und Unterhaltungen beobachtet und gesehen, wie ihre �Kunst� funktioniert. Oder einen normalen Stra�enverkehr?. Ferner Arbeiten an einer Anlegestelle und bei jenen fallenden Gegenst�nden, die uns unverst�ndlich vorkommen.� </p><p>�Das ist eine prima Definition�, warf der Doktor sarkastisch ein. �Da waren wohl auch noch �Szenen aus dem Soldatenleben�. Wahrscheinlich sind die mit den silbernen H�llen Milit�rs. Die Szene am Ende ist unklar. Das konnte nat�rlich die Bestrafung eines Individuums sein: Es hatte gegen die herrschende Ordnung versto�en, indem es eine Strecke entlang ging, die f�r Brummkreisel bestimmt ist.� </p><p>�Findest du nicht, dass die sofortige Exekution als Strafe f�r das unbefugte Betreten eines Bahndamms etwas zu hart ist?� fragte der Doktor.</p><p>�Warum versuchst du alles ins L�cherliche zu ziehen?� </p><p>�Weil ich weiterhin behaupte, dass wir gerade so viel gesehen haben, wie Blinde sehen k�nnen.� </p><p>�Hat noch jemand etwas zu sagen�, fragte der Koordinator, �abgesehen von Bekenntnissen zum Agnostizismus?� </p><p>�Ich�, meldete sich der Physiker.</p><p>�Es sieht aus, dass sich die Doppelts nur in Ausnahmef�llen zu Fu� bewegen, worauf �brigens schon das Mi�verst�ndnis zwischen der Gr��e der Extremit�ten und der K�rpermasse hinweist. Mir scheint, es w�re h�chst aufschlu�reich, wenn wir den m�glichen Entwicklungsbaum zu skizzieren versuchten, der so geartete Individuen hervorgebracht hat. Ist euch ihre lebhafte Gestikulation aufgefallen? Aber keiner hat mit den H�ndchen ein Gewicht gehoben, etwas gezogen oder geschleppt. In einer Stadt auf der Erde sind solche Bilder doch an der Tagesordnung. Vielleicht dienen ihnen die H�nde zu anderen Zwecken.�</p><p>�Zu welchen?� fragte der Doktor interessiert. �Ich wei� es nicht. Das ist dein Gebiet. Hier ist jedenfalls noch viel aufzuholen. Vielleicht hatten wir es zu eilig damit, gleich den Aufbau ihrer Gesellschaft begreifen zu wollen, wir h�tten lieber darangehen sollen ihre einzelnen Bausteine zu untersuchen.� </p><p>�Das ist richtig�, sagte der Doktor. �Die H�nde � stimmt, das ist sicherlich ein wichtiges Problem. Der Entwicklungsbaum auch. Wir wissen nicht einmal, ob sie S�uger sind. Ich w�rde es auf mich nehmen, solche Fragen binnen weniger Tage zu beantworten, aber das, was mich an diesem Schauspiel am meisten beeindruckt hat, f�rchte ich, werde ich nicht beantworten k�nnen.�</p><p>�Und das ist?� </p><p>�Der Umstand, dass ich keinen einzigen einsamen Fu�g�nger gesehen habe. Keinen einzigen. Ist euch das nicht aufgefallen?� </p><p>�Doch, da war einer � ganz am Schluߓ, sagte der Physiker.</p><p>�Ja, eben.� Sie schwiegen alle eine Zeitlang.</p><p>�Wir m�ssen uns den Film noch einmal ansehen�, sagte der Koordinator z�gernd. �Ich glaube, der Doktor hat recht. Einsame Fu�g�nger hat es nicht gegeben, sie haben sich zumindest paarweise bewegt. Obschon am Anfang einer da war. Er hat am Hafen gestanden.� </p><p>�Er sa� in dem kegelf�rmigen Apparat�, sagte der Doktor. �In den Scheiben sitzen sie auch einzeln. Ich habe von Fu�g�ngern gesprochen. Nur von Fu�g�ngern.� </p><p>�Viele waren es nicht.�</p><p>�Mehrere hundert bestimmt. Stell dir die Stra�e einer Stadt auf der Erde aus der Vogelperspektive vor. Der Prozentsatz an einsamen Fu�g�ngern wird bestimmt gro� sein. Zu gewissen Zeiten bilden sie sogar die Mehrheit, und hier fehlen sie ganz.� </p><p>�Was hat das zu bedeuten?� fragte der Ingenieur.</p><p>�Leider wei� ich es nicht.� Der Doktor sch�ttelte den Kopf. �Das frage ich mich auch.�</p><p>�Ein einzelner kam doch mit euch mit�, sagte der Ingenieur. �Ja, aber kennst du die Umst�nde, die dazu gef�hrt haben?� Der Ingenieur antwortete nicht. �H�rt�, begann der Koordinator. �Solch eine Diskussion artet leicht in einen unfruchtbaren Streit aus. Wir haben keine systematischen Untersuchungen durchgef�hrt, weil wir keine Forschungsexpedition sind. Wir hatten andere Sorgen, Sorgen vom Typ Kampf ums Dasein. Wir m�ssen jetzt weitere Pl�ne festlegen. Morgen wird derBagger in Betrieb genommen, das steht schon fest. Dann werden wir zwei Automaten, zwei Halbautomaten, einen Bagger und den Besch�tzer haben, der unter Einhaltung der entsprechenden Vorsichtsma�nahmen ebenfalls beim Aufrichten der Rakete helfen kann. Ich wei� nicht, ob euch der Plan bekannt ist, den ich mit dem Ingenieur ausgearbeitet habe. Unsere urspr�ngliche Konzeption war, dass wir die Rakete in die Horizontale herunterlassen und dann durch Ansch�tten des Bodens den Rumpf allm�hlich aufrichten. Diese Methode haben schon die Erbauer der Pyramiden angewendet. Jetzt wollen wir unsere gl�serne Mauer in St�cke von geeigneter Gr��e schneiden und Ger�ste daraus bauen. Material werden wir genug haben, wir wissen jetzt auch, dass sich diese Substanz bei hoher Temperatur schmelzen und schwei�en l��t. Durch die Verwendung dieses Baustoffs, den uns die Eden bewohner so verschwenderisch geliefert haben, sind wir in der Lage, den ganzen Proze� radikal zu verk�rzen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir in drei Tagen starten k�nnen� Moment!� Er hob die Hand, als er die Bewegung unter den Anwesenden beobachtete.</p><p>�Ich wollte euch also bei dieser Gelegenheit fragen, ob wir starten werden.� </p><p>�Ja�, sagte der Physiker.</p><p>�Nein�, rief der Chemiker fast gleichzeitig. �Noch nicht�, antwortete der Kybernetiker. Eine Pause trat ein. Der Ingenieur und der Doktor hatten sich noch nicht ge�u�ert. �Ich denke, wir sollten fliegen�, sagte der Ingenieur schlie�lich. Alle sahen ihn verbl�fft an.</p><p>Als das Schweigen andauerte � als erwarteten alle eine Erkl�rung von ihm � , sagte er: �Vorher war ich anderer Meinung. Aber es geht um den Preis. Ganz einfach um den Preis. Zweifellos k�nnten wir noch viel erfahren, aber der Preis daf�r k�nnte zu hoch sein. F�r beide Seiten. Nach allem, was geschehen ist, halte ich die friedlichen Versuche einer Verst�ndigung, einer Ankn�pfung von Kontakten f�r irreal. Abgesehen von dem, was wir uns hier gesagt haben, hat wohl jeder, ganz gleich, ob er es wollte oder nicht, eine eigene Auffassung von dieser Welt. Auch ich hatte eine. Mir schien, dass hier ungeheuerliche Dinge geschehen und dass wir deshalb eingreifen sollten. Solange wir Robinsone waren und jedes St�ckchen Erde mit der Hand bewegen mussten, habe ich nichts davon gesagt. Ich wollte warten, bis ich mehr erfahre und wir unsere technischen Mittel zur Verf�gung haben. Jetzt muss ich bekennen, dass ich keinen �berzeugenden Anla� sehe, meine Ansichten �ber Eden zu �ndern. Und jede Intervention im Dienste desssen, was wir f�r gut und richtig halten, jeder Versuch dieser Art w�rde h�chstwahrscheinlich genauso enden wie unser heutiger Ausflug. Mit dem Gebrauch des Annihilators. Nat�rlich werden wir immer die Rechtfertigung finden, dass es Notwehr gewesen sei und so weiter, aber anstatt Hilfe werden wir Vernichtung bringen. So, das w�re alles.�</p><p>�Wenn wir nur einen besseren Einblick in das bek�men, was hier wirklich geschieht!� Der Ingenieur sch�ttelte den Kopf. �Dann wird sich herausstellen, dass jede Seite �ihre Gr�nde� hatte��</p><p>�Was macht das schon, dass M�rder �ihre Gr�nde� haben?� warf der Chemiker ein. �Nicht ihre Gr�nde werden uns interessieren, sondern unsere Rettung.� </p><p>�Aber was k�nnen wir ihnen au�er dem Annihilator des Besch�tzers anbieten? Nehmen wir an, wir �schern den halben Planeten ein, um diese Ausrottungsaktionen, diese unbegreifliche �Produktion�, diese Jagden und Vergiftungen einzud�mmen � was dann?� </p><p>�Wir k�nnten diese Frage beantworten, wenn wir mehr Kenntnisse bes��en�, beharrte der Chemiker. �Das ist nicht so einfach�, entgegnete der Koordinator. �Alles, was hier geschieht, ist ein Glied in der Kette eines langwierigen historischen Prozesses. Der Gedanke an Hilfe resultierte aus der Annahme, die Gesellschaft teile sich in �Gute� und in �B�se�.� </p><p>�Stopp!�</p><p>rief der Chemiker. �Sag lieber: in Verfolgte und Verfolger. Das ist nicht dasselbe.�</p><p>�Einverstanden� Stell dir vor, zum Zeitpunkt der Religionskriege, vor mehreren hundert Jahren, sei eine hochentwickelte Rasse auf die Erde gekommen und habe sich in den Konflikt auf der Seite der Schwachen einmischen wollen. Gest�tzt auf ihre Macht, verbieten sie das Verbrennen von Ketzern, verbieten sie die Verfolgung der Andersgl�ubigen und so weiter. Glaubst du, sie h�tten ihren Rationalismus auf der Erde verbreiten k�nnen? Damals war doch fast die ganze Menschheit gl�ubig, sie h�tten sie nach und nach bis zum letzten Menschen ausrotten m�ssen und w�ren mit ihrenrationalen Ideen allein geblieben!� </p><p>�Was dann, glaubst du wirklich, dass keine Hilfe m�glich ist?� rief der Chemiker entr�stet.</p><p>Der Koordinator sah ihn lange an, ehe er antwortete: �Hilfe, mein Gott, was bedeutet Hilfe? Das, was hier geschieht, was wir hier sehen, ist das Ergebnis eines bestimmten gesellschaftlichen Aufbaus. Man m�sste ihn umst�rzen und m�sste einen neuen, besseren schaffen. Wie sollen wir das machen? Es sind doch Wesen mit einer anderen Physiologie, mit einer anderen Psychologie, sie haben eine andere Geschichte als wir. Du kannst hier nicht das Modell unserer Zivilisation einf�hren. Du m��test den Plan einer anderen entwerfen, die auch noch nach unserem Abflug funktionierte. Nat�rlich habe ich seit l�ngerer Zeit angenommen, dass sich einige von euch mit solchen Gedanken herumtragen, wie sie der Ingenieur und der Chemiker �u�erten. Ich glaube, dass auch der Doktor dieser Meinung war und deshalb Wasser auf das Feuer verschiedener von der Erde herr�hrender Analogien go� � stimmt's?�</p><p>�Stimmt�, sagte der Doktor. �Ich bef�rchtete, ihr w�rdet in einem Anfall von Edelmut hier �Ordnung� machen wollen, was, in die Praxis �bertragen, Terror bedeutet h�tte.�</p><p>�Und vielleicht wissen die Verfolgten, wie sie leben wollen, und sind nur zu schwach, sich durchzusetzen�, sagte der Chemiker. �Wenn wir nur das Leben einer Gruppe von Verurteilten retteten, w�re das schon viel.�� </p><p>�Wir haben ja schon einen gerettet�, warf der Koordinator ein.</p><p>�Vielleicht wei�t du, was wir weiter mit ihm tun sollen.� Er erhielt keine Antwort. �Wenn ich mich nicht irre, ist der Doktor ebenfalls f�r den Start�, sagte der Koordinator. �Gut. Da ich ihn auch bef�rworte, bedeutet das die Mehrheit�� Er verstummte. Seine Augen � er sa� mit dem Blick zur T�r � weiteten sich. Durch die Stilk drang nur das schwache Pl�tschern von Wasser irgendwoher aus der Finsternis. Alle wandten sich um. In der offenen T�r stand ein Doppelt.</p><p>�Wie kommt der�� Dem Physiker erstarben die Worte auf den Lippen. Er erkannte seinen Irrtum.</p><p>Das war nicht ihr Doppelt. Der sa� eingeschlossen im Verbandsaal. Auf der Schwelle stand ein gro�es braunh�utiges Individuum mit einem tief gebeugten kleinen Torso und einem Kopf, der fast den T�rrahmen ber�hrte. Er war in einen erdfarbenen Stoff geh�llt, der von oben glatt herunterhing und wie ein Kragen den kleinen Torso umgab. Der Kragen war mit einem gr�nen Drahtgeflecht umwickelt. Durch einen Schlitz an der Seite des Umhangs war ein breiter, metallisch leuchtender G�rtel zu erkennen, der sich fest um den K�rper schlang. Der Doppelt stand reglos da. Ein durchsichtiger, trichterf�rmiger Schleier verh�llte das runzlige, flache Gesicht mit den zwei gro�en blauen Augen. Graue, d�nne Streifen hingen davon herab und umschlangen den kleinen Torso mehrfach, sie waren vorn �ber Kreuz geschn�rt und bildeten dort eine Art Nest, in dem die ebenso geschn�rten H�nde ruhten. Nur die knotigen Finger ragten heraus und ber�hrten einander mit den Spitzen. Die M�nner waren von diesem Anblick v�llig �berrascht. Der Doppelt beugte sich noch mehr vor, r�usperte sich umst�ndlich und trat langsam nach vorn.</p><p>�Wie ist er hereingekommen�? Der Schwarze ist im Tunnel.��, fl�sterte der Chemiker. Der Doppelt wich zur�ck, er ging hinaus und stand eine Weile im Halbd�mmer des Flurs, dann kam er zum zweitenmal herein, richtiger: Er steckte nur den Kopf durch die T�r. �Er fragt, ob er hereinkommen darf��, fl�sterte der Ingenieur und platzte heraus: �Bitte, kommen Sie, kommen Sie nur!� Er stand auf und stellte sich an die Wand. Die anderen folgten seinem Beispiel. Der Doppelt schaute ausdruckslos auf die leer gewordene Mitte der Kaj�te. Er trat ein und sah sich langsam um.</p><p>Der Koordinator ging zur Leinwand, zog an dem Stab, an dem sie aufgespannt war, und sagte, als sich der Stoff surrend zusammenrollte und die Tafel freigab: �Macht bitte Platz.� Er nahm ein St�ck Kreide in die Hand, zeichnete eine Ellipse und in ihre rechte H�lfte einen kleinen Kreis und drei weitere dazu. Dann trat er an den Riesen heran, der in der Mitte stand, und steckte ihm die Kreide zwischen die knotigen Finger. Der Doppelt sah sie an, blickte auf die Tafel und schritt langsamauf sie zu. Er musste sich mit dem kleinen Torso b�cken, der schr�g aus dem Kragen herausragte, um mit der verbundenen Hand die Tafel ber�hren zu k�nnen. Alle schauten atemlos zu. Er w�hlte den von der Mitte aus gesehen dritten Kreis in der Ellipse und klopfte ungeschickt einigemal darauf, dann beschmierte er ihn noch, so dass er fast ganz mit Kreide ausgef�llt war. Der Koordinator nickte. Alle atmeten auf. �Eden�, er zeigte auf den Kreidekreis. �Eden�, wiederholte er.</p><p>Der Doppelt betrachtete seinen Mund mit sichtlichem Interesse. Er hustete. �Eden�, sagte der Koordinator besonders deutlich und langsam. Der Doppelt hustete mehrere mal.</p><p>�Er spricht nicht�, sagte der Koordinator zu seinen Gef�hrten. �Das steht fest.� Sie sahen einander an, ohne zu wissen, was sie tun sollten. Der Doppelt machte eine Bewegung und lie� die Kreide los, die laut auf den Fu�boden fiel. Es gab ein Knacken, als w�rde ein Schloss ge�ffnet. Der erdfarbene Stoff ging auf wie bei einem Rei�verschlu�, sie erblickten den breiten, golden gl�nzenden Gurt an seinem Leib. Das Gurtende rollte sich auf, es raschelte wie eine Metallfolie. Der kleine Torso beugte sich weit vor, als wollte er aus dem K�rper springen, kr�mmte sich in der Mitte und ergriff mit den kleinen Fingern das Ende der Folie. Sie rollte sich zu einem langen Bogen auseinander, den er ihnen hinzuhalten schien. Der Koordinator und der Ingenieur streckten gleichzeitig die Hand danach aus.</p><p>Beide zuckten zusammen. Der Ingenieur stie� einen leisen Schrei aus. Der Doppelt schien �berrascht zu sein, er hustete mehrmals. Der Schleier vor seinem Gesicht bl�hte sich. �Eine elektrische Ladung, aber nur schwach�, sagte der Koordinator und ber�hrte zum zweitenmal den Rand der Folie. Der Doppelt lie� sie los. Sie sahen sich die goldgl�nzende Fl�che im Licht genau an. Sie war glatt und leer. Der Koordinator ber�hrte auf gut Gl�ck mit dem Finger wieder eine Stelle und sp�rte abermals einen leichten elektrischen Schlag. �Was ist das?� Der Physiker trat n�her und strich mit der Hand vorsichtig �ber die Folie. Elektrische Ladungen schlugen in seine Finger, dass die Sehnen zuckten.</p><p>�Graphitpulver her!� rief er. �Es steht auf dem Schrank!�</p><p>Er breitete die Folie auf dem Tisch aus, ohne darauf zu achten, dass die Muskeln seiner H�nde unangenehm zitterten. Er besch�ttete den Bogen sorgf�ltig mit dem Pulver, das ihm der Kybernetiker reichte, und blies weg, was zuviel war. Winzige schwarze Punkte blieben auf der goldgl�nzenden Fl�che zur�ck, scheinbar ohne irgendeine erkennbare Ordnung. �Lacerta!� rief pl�tzlich der Koordinator. �Alpha Cygni!� </p><p>�Die Leier!� </p><p>�Cepheus!�</p><p>Sie wandten sich zum Doppelt um, der sie ruhig betrachtete. Ihre Augen leuchteten triumphierend. �Eine Sternkarte!� konstatierte der Ingenieur. �Nat�rlich!� </p><p>�Na, dann w�ren wir ja zu Hause.� Der Koordinator l�chelte breit. Der Doppelt hustete. �Sie haben eine elektrische Schrift.� </p><p>�Es scheint so.� </p><p>�Wie sind die Ladungen fixiert?�</p><p>�Ich habe keine Ahnung. Vielleicht ist das Elektrim.� </p><p>�Sie m�ssen einen elektrischen Sinn haben!�</p><p>�M�glich.� </p><p>�Liebe Kollegen, ich bitte um Ruhe! Wir m�ssen systematisch vorgehen�, sagte der Koordinator. �Womit beginnen wir?� </p><p>�Zeichne ihm auf, woher wir kommen.�</p><p>�Richtig.� Der Koordinator wischte rasch die Tafel sauber. Er zeichnete das Sternbild des Zentauren, z�gerte dann aber, weil er die Projektion aus dem Ged�chtnis malen musste, so wie sich die Gegend der Milchstra�e von Eden aus darstellte. Er machte einen dicken Punkt, der den Sirius verk�rpern sollte, f�gte ein Dutzend kleinerer Sterne hinzu und setzte in den Raum vor dem Gro�en B�ren einKreuzchen, das die Sonne bedeutete. Danach ber�hrte er nacheinander seine Brust und die der Gef�hrten, deutete mit der Hand auf den Raum und klopfte mit der Kreide auf das Kreuzchen. Der Doppelt hustete. Er nahm von ihm die Kreide, schob angestrengt den Torso dicht an die Tafel und vervollst�ndigte die Zeichnung des Koordinators durch eine Projektion des Alphasterns im Sternbild des Adlers und des doppelten Protionsystems. �Ein Astronom!� rief der Physiker, und leiser f�gte er hinzu: �Ein Kollege�� </p><p>�Durchaus m�glich!� meinte der Koordinator. �Jetzt geht's weiter!� Ein gro�es Zeichnen hob an. Der Planet Eden und die Bahn des Raumschiffes. Das Eindringen in den Gasschweif. Die Karambolage � dabei war nicht klar, ob die Zeichnung deutlich genug die Katastrophe schilderte, vorerst jedoch wussten sie sich nicht besser zu helfen. Das Eindringen der Rakete in den Boden � die Zeichnung stellte einen Querschnitt des H�gels mit der darin steckenden Rakete dar. Die Fortsetzung der Bildergeschichte wurde schwierig, sie hielten inne. Der Doppelt sah sich die Zeichnungen an und hustete. Er schob wieder den Torso dicht an die Tafel und zog ihn zur�ck. Dann trat er an den Tisch, holte ein d�nnes, biegsames Dr�htchen aus dem gr�nen Kragengeflecht, beugte sich vor und begann es mit ungew�hnlicher Geschwindigkeit �ber die goldgl�nzende Folie zu bewegen. Das w�hrte eine ganze Weile. Schlie�lich trat er von dem Tisch wieder zur�ck. Sie besch�tteten die Folie mit Graphit. Es zeigte sich etwas sehr Seltsames. Noch w�hrend sie das �berfl�ssige Pulver wegbliesen, begannen sich die immer deutlicher werdenden Umrisse zu bewegen. Als erstes erkannten sie eine gro�e Halbkugel mit einer schiefstehenden S�ule darin. Dann erschien ein kleiner Fleck, der auf die Halbkugel zukroch. Er wurde immer gr��er. Sie erkannten die Silhouette des schematisch und ungenau gezeichneten Besch�tzers. Ein St�ck aus dem Kreisbogen der Halbkugel verschwand. Durch die entstandene �ffnung fuhr der Besch�tzer herein.</p><p>Das Bild wurde gel�scht. Die Folie war wieder gleichm��ig mit Graphitpulver bedeckt. Vor ihrem Hintergrund erschien, mit langen Strichen gezeichnet, die Gestalt des Doppelts. Der Doppelt hinter ihrem R�cken hustete. �Das soll er sein�, sagte der Koordinator. Die Karte verschwand, nur der Doppelt blieb. Dann verschwanden auch seine Umrisse, aber die Karte erschien von neuem. Das wiederholte sich viermal. Abermals ordnete sich das Graphitpulver, wie von einem unsichtbaren Hauch gelenkt, zu den Umrissen der Halbkugel mit der L�cke im Halbbogen. Die kleine Gestalt des Doppelts n�herte sich kriechend dieser L�cke und drang durch sie hinein. Die Halbkugel zerplatzte.</p><p>Die schiefstehende S�ule � die Rakete � wurde gr��er. Vorn, unter dem Rumpf, war ein Vorsprung zu erkennen. Der Doppelt richtete sich darunter auf, stieg in die dort befindliche �ffnung und verschwand in der Rakete. Das Graphitpulver zerstreute sich zu chaotischen H�ufchen. Das war das Ende der Information. �So ist der also zu uns gelangt � durch die Lastenklappe!� Der Ingenieur sch�ttelte den Kopf. �Wir sind aber wirklich Trottel, dass wir sie offengelassen haben!�</p><p>�Moment, mir f�llt da gerade was ein�, sagte der Doktor. �Vielleicht wollten sie uns gar nicht einschlie�en mit dieser Mauer, sondern nur ihre Gelehrten davon abhalten, Kontakt mit uns aufzunehmen!� </p><p>�Durchaus m�glich.� Sie wandten sich an den Doppelt. Er hustete.</p><p>�So, genug davon�, sagte der Koordinator. �Ist ja recht angenehm, so ein geselliges Beisammensein, aber uns schweben wichtigere Dinge vor! Das Handeln auf eigene Faust h�rt jetzt auf! Wir m�ssen an die Dinge systematisch herangehen. Fangen wir mit der Mathematik an. Damit wird sich der Physiker befassen. Mathematik � nat�rlich auch die Mathematik. Dann die Theorie der Materie, Atomistik, Energetik. Weiter � Informationstheorie, Informationsnetze. Methoden der �bermittlung und Fixierung. Nicht zu vergessen die satzbildenden Faktoren, die Satzfunktionen. Das grammatische Skelett, die Semantik. Die Zuordnung der Begriffe. Die Arten der angewandten Logiken. Sprache.</p><p>Wortschatz. Das alles ist dein Gebiet� � er sah den Kybernetiker an � , �und wenn wir dann diese Br�cke haben, kommt das �brige an die Reihe: der Stoffwechsel, die Ern�hrungsweise, die Produktionsweisen, die Formen der Gruppenbeziehungen, die Reaktionen, die Gewohnheiten, die Klassifizierung, die Gruppenkonflikte und so weiter. Damit brauchen wir uns nicht mehr so zubeeilen. Vorl�ufig� � er wandte sich an den Kybernetiker und an den Physiker � �beginnt ihr. Man wird den Kalkulator dazu vorbereiten m�ssen. Nat�rlich habt ihr die Filme zu eurer Unterst�tzung und die Bibliothek. Nehmt alles, was euch nutzen kann.� </p><p>�Zu Beginn k�nnte man ihm das Raumschiff zeigen�, sagte der Ingenieur. �Was meinst du? Das kann ihm so manches sagen, au�erdem wird er sehen, dass wir nichts vor ihm verbergen.� Der Koordinator stimmte zu. �Vor allem ist das zweite wichtig. Aber wenn wir uns nicht mit ihm verst�ndigen k�nnen, d�rft ihr ihn nicht in den Verbandsaal lassen. Es k�nnte ein Mi�verst�ndnis geben. Gehen wir jetzt mit ihm durch das Raumschiff. Wie sp�t ist es?� Es war drei Uhr nachts.</p></section><section><title><p>Dreizehntes Kapitel</p></title><p>Die F�hrung durch die Rakete dauerte ziemlich lange. Der Doppelt zeigte vor allem f�r die Atoms�ule und f�r die Automaten Interesse. Der Ingenieur entwarf f�r ihn eine Menge Skizzen auf Bl�cken, von denen allein vier im Maschinenraum draufgingen. Der Automat weckte die uneingeschr�nkte Bewunderung des Gastes. Er schaute sich genau das Mikronetz an und wunderte sich ma�los, als er sah, dass es in einen Beh�lter getaucht war, der mit fl�ssigem Helium gek�hlt wurde. Das war ein Krytrionen-hirn f�r besonders schnelle Reaktionen. Offenbar hatte er den Zweck begriffen, dem die K�hlung diente, denn er hustete ziemlich lange und studierte mit gro�er Anerkennung die Skizzen, die ihm der Kybernetiker zeichnete. �ber die elektrischen Verbindungen verst�ndigten sie sich offenbar schneller als dar�ber, mit welcher Geste oder mit welchem Symbol die einfachsten Begriffe zu kennzeichnen seien. Gegen f�nf Uhr morgens legten sich der Chemiker, der Koordinator und der Ingenieur schlafen. Der Schwarze bezog den Posten im Tunnel, nachdem sie die Lastenklappe geschlossen hatten. Die drei anderen begaben sich mit dem Doppelt in die Bibliothek. �Einen Augenblick�, sagte der Physiker, als sie am Labor vorbeigingen. �Wir zeigen ihm noch die Mendelejew-tabelle. Dort sind die schematischen Zeichnungen der Atome.�</p><p>Sie gingen hinein. Der Physiker w�hlte in einem Sto� Papiere unter den Regalen. Pl�tzlich begann etwas zu ticken. Der Physiker h�rte es nicht, da das Papier zu laut raschelte, aber der Doktor spitzte die Ohren. �Was ist das?� Der Physiker richtete sich auf und vernahm nun ebenfalls das Ticken. Er musterte sie nacheinander. In seinen Augen malte sich Entsetzen. �Das ist der Geigerz�hler� Halt!</p><p>Ein Leck�� Er sprang zum Z�hler. Der Doppelt stand bisher unbeweglich da und lie� seinen Blick �ber die Apparate schweifen. Als er sich jedoch dem Tisch n�herte, rasselte der Z�hler in langen Serien, wie ein Trommler, der einen langen Wirbel schl�gt. �Er ist es!� rief der Physiker, ergriff den Geigerz�hler mit beiden H�nden und richtete ihn auf den Riesen. Das Ger�t schnarrte. �Er ist radioaktiv? Was bedeutet das?� fragte der Kybernetiker entsetzt. Der Doktor erbla�te. Er trat an den Tisch, sah den zitternden Zeiger an, nahm dem Physiker das Ger�t aus der Hand und bewegte es um den Doppelt herum. Das Trommeln wurde schw�cher, je h�her er ihn hielt. Als er ihn an die dicken, unf�rmigen Beine des Ank�mmlings f�hrte, schnarrte die Membran. Ein rotes Feuerchen flammte auf der Scheibe des Ger�tes auf.</p><p>�Radioaktive Verseuchung��, murmelte der Physiker. Der Doppelt lie� erstaunt die Augen von einem zum anderen wandern, war aber offensichtlich nicht beunruhigt durch das f�r ihn unbegreifliche Benehmen der beiden. �Er ist durch die Bresche gekommen, die der Besch�tzer geschlagen hat�, sagte der Doktor leise. �Dort ist eine radioaktive Stelle. Da ist er durchgegangen ���Komm nicht zu nah an ihn heran!� rief der Physiker. �Er strahlt mindestens ein Millir�ntgen pro Sekunde aus! Warte, wir m�ssen ihn� Wenn wir ihn mit Keramitfolie umwickeln, kann man esriskieren��</p><p>�Es geht hier ja gar nicht um uns!� sagte der Doktor. �Es geht um ihn! Wie lange kann er auf der Stelle gewesen sein? Wieviel R�ntgen hat er abbekommen?� </p><p>�Keine Ahnung. Woher soll ich das wissen?�� Der Physiker starrte nach wie vor auf den tickenden Z�hler. �Du mu�t etwas unternehmen! Ein essigsaures Bad, Hautabrasion � da, sieh mal, er begreift das nicht!� Der Doktor rannte wortlos aus dem Labor. Nach einer Weile kehrte er mit einer Kassette f�r Erste Hilfe bei radioaktiven Verseuchungen zur�ck. Der Doppelt wollte sich anfangs gegen die unverst�ndlichen Ma�nahmen wehren, lie� jedoch dann alles mit sich geschehen. �Zieh die Handschuhe an!� schrie der Physiker, weil der Doktor die Haut des liegenden Doppelts mit blo�en H�nden angefa�t hatte. �Sollen wir die anderen wecken?� �berlegte der Kybernetiker laut. Er stand ratlos an der Wand.</p><p>Der Doktor streifte die dicken Handschuhe �ber. �Wozu?� Er b�ckte sich tief. �Vorl�ufig nichts zu sehen� Eine R�tung wird erst in zehn bis zw�lf Stunden auftreten, sofern�� </p><p>�Wenn wir uns mit ihm verst�ndigen k�nnten�, murmelte der Physiker.</p><p>�Eine Bluttransfusion? Aber wie? Woher das Blut nehmen?� Der Doktor starrte blicklos vor sich hin.</p><p>�Der andere!� rief er pl�tzlich. Er �berlegte. �Nein�, f�gte er leiser hinzu. �Das geht nicht. Man m�sste zuerst das Blut beider untersuchen, um festzustellen, ob es gerinnt. Sie k�nnen verschiedene Gruppen haben.�</p><p>�H�r zu.� Der Physiker zog ihn beiseite. �Das ist eine schlimme Sache. Ich bef�rchte� Verstehst du? Er muss �ber die Stelle gegangen sein, als die Temperatur gerade nachgelassen hatte. Am Rand einer kleinen Annihilationsreaktion entstehen immer verschiedene Radioisotope. Rubidium, Trontium, Yprium und all die anderen. Seltene Erden. Vorl�ufig sp�rt er noch nichts, fr�hestens morgen, so denke ich. Hat er wei�e Blutk�rperchen?� </p><p>�Ja, aber sie sehen ganz anders aus als beim Menschen.� </p><p>�Alle sich stark vermehrenden Zellen sind stets auf die gleiche Weise betroffen, ganz gleich, wie die Gattung ist. Er m�sste eine etwas gr��ere Widerstandskraft haben als der Mensch, aber�� </p><p>�Woher willst du das wissen?� </p><p>�Weil hier die normale Radioaktivit�t des Bodens fast zweimal so hoch ist wie auf der Erde. In gewisser Weise sind sie also angepa�t. Deine Antibiotika werden wahrscheinlich nichts taugen?� </p><p>�Nat�rlich nicht. Es muss hier ganz andere Bakterien geben��</p><p>�Das habe ich mir auch gedacht. Wei�t du was? Wir m�ssten uns mit ihm vor allem auf einer allgemeineren Basis verst�ndigen. Die Wirkung tritt fr�hestens in einigen Stunden ein.� </p><p>�Ach so!�</p><p>Der Doktor sah ihn rasch an und senkte den Blick. Sie standen f�nf Schritt von dem auf der Seite liegenden Doppelt entfernt, er beobachtete sie aus seinen bla�blauen Augen. �Um soviel wie m�glich von ihm zu erfahren, eh's mit ihm zu Ende geht?� </p><p>�So habe ich das nicht gemeint�, erwiderte der Physiker gereizt. �Ich nehme an, dass er sich �hnlich wie ein Mensch verhalten wird. Seine psychische Leistungsf�higkeit wird er sich vielleicht noch ein paar Stunden bewahren, dann folgt Apathie. Du wei�t doch, jeder von uns w�rde an seiner Stelle vor allem an die Erf�llung der Aufgabe denken.�</p><p>Der Doktor zuckte mit den Schultern, sah ihn schief an und musste unwillk�rlich l�cheln. �Jeder von uns, sagst du? Ja, m�glich, wenn er w��te, was geschehen ist. Aber er wurde ja durch uns verseucht.</p><p>Durch unsere Schuld!� </p><p>�Also was? M�chtest du S�hne leisten? Mach dich nicht l�cherlich!� Rote Flecke traten auf sein Gesicht.</p><p>�Nein�, sagte der Doktor. �Ich bin nicht einverstanden. Begreifst du nicht? Das da ist ein Kranker� � er deutete auf den Doppelt � �und das� � er schlug sich an die Brust � �ein Arzt. Au�er dem Arzt hat jetzt hier niemand etwas zu suchen.� </p><p>�Meinst du?� erwiderte der Physiker dumpf. �Das ist doch unsere einzige Chance. Wir tun ihm ja nichts B�ses. Es ist nicht unsere Schuld, dass er�� </p><p>�Das stimmt nicht! Er wurde verseucht, weil er der Spur des Besch�tzers gefolgt ist! Und nun genug. Ichmuss ihm Blut abnehmen.� Der Doktor trat mit der Spritze an den Doppelt heran, stand eine Weile z�gernd vor ihm, ging dann zum Tisch, um eine zweite Spritze zu holen. In beide setzte er Nadeln, die er dem Gamma-Sterilisator entnommen hatte. �Assistiere mir�, sagte er zum Kybernetiker. Er n�herte sich dem Doppelt und entbl��te den Arm vor seinen Augen. Der Kybernetiker f�hrte ihm die Nadel in die Vene, entnahm ihr etwas Blut und trat zur�ck. Der Doktor ergriff die zweite Spritze, ber�hrte damit die Haut des Liegenden, suchte das Gef�� heraus, schaute ihm in die Augen und stach dann die Nadel hinein. Der Kybernetiker sah ihm zu. Der Doppelt hatte nicht einmal gezuckt. Sein hellrubinrotes Blut lief in den gl�sernen Zylinder. Der Doktor zog geschickt die Nadel heraus, dr�ckte etwas Watte auf die blutende Wunde und ging mit hoch erhobener Spritze hinaus. Die beiden anderen wechselten einen Blick miteinander. Der Kybernetiker hielt noch die Spritze mit dem Blut des Doktors in der Hand. Er legte sie auf den Tisch. �Was nun?� fragte der Kybernetiker. �Er k�nnte uns alles sagen!�</p><p>Der Physiker war wie im Fieber. �Aber der� der�� Er sah dem Kybernetiker in die Augen.</p><p>�Sollte man sie vielleicht doch wecken?� fragte der Kybernetiker. �Das f�hrt zu nichts. Der Doktor wird ihnen dasselbe sagen wie mir. Es gibt nur eine M�glichkeit. Er muss selbst entscheiden. Wenn er es wollte, kann sich der Doktor ihm nicht widersetzen.� </p><p>�Er?� Der Kybernetiker sah ihn pl�tzlich verbl�fft an. �Nun gut, aber wie soll er denn entscheiden? Er wei� doch nichts. Und wir k�nnen es ihm nicht sagen!� </p><p>�Doch, wir k�nnen.� Der Physiker betrachtete noch immer den gl�sernen Zylinder mit dem Blut, der neben dem Sterilisator lag. �Wir haben f�nfzehn Minuten Zeit, bis der Doktor seine Blutk�rperchen gez�hlt hat. Gib mal die Tafel her!� </p><p>�Aber das hat doch keinen Sinn��</p><p>�Gib die Tafel her!� rief der Physiker und sammelte die herumliegenden Kreidest�ckchen. Der Kybernetiker nahm die Tafel von der Wand. Sie stellten sie gegen�ber dem Doppelt auf.</p><p>�Zuwenig Kreide! Bring die bunte aus der Bibliothek!� Als der Kybernetiker hinausging, nahm der Physiker das erste St�ckchen Kreide und zeichnete damit rasch die gro�e Halbkugel, in der sich die Rakete befand. Er f�hlte den bla�blauen unbeweglichen Blick auf sich ruhen und zeichnete immer schneller. Als er fertig war, wandte er sich zu dem Doppelt um, blickte ihm fest in die Augen, klopfte mit dem Finger an die Tafel, wischte sie mit dem Schwamm ab und zeichnete weiter. Die Wand der Halbkugel, noch unversehrt. Die Wand, und davor der Besch�tzer. Der R�ssel des Besch�tzers und das herausfliegende Gescho�. Er suchte ein St�ck lila Kreide, beschmierte damit einen Teil der Wand vor dem Besch�tzer, zerrieb die Kreide mit dem Finger, so dass darin eine �ffnung entstand. Die Gestalt des Doppelt. Er trat an den liegenden Doppelt heran, ber�hrte seinen Rumpf, kehrte zur Tafel zur�ck, klopfte mit der Kreide auf den gezeichneten Doppelt, wischte alles so vehement ab, dass Wasser auf den Fu�boden spritzte, malte rasch noch einmal die Bresche in der Wand, dick mit lila Farbe umgeben, und in der �ffnung den Doppelt. Dann wischte er alles ringsherum weg. Auf der Tafel blieben nur die Umrisse der gro�en Gestalt �brig. Der Physiker stellte sich so, dass der Doppelt jede seiner Bewegungen sehen konnte, und begann langsam die zu Pulver zerriebene lila Kreide in die Beine der aufgerichteten Gestalt einzureihen. Er drehte sich um. Der kleine Torso des Doppelt, der vorher an dem vom Doktor aufgeblasenen Gummikissen gelehnt hatte, streckte sich langsam. Sein Gesicht, das gerunzelt war und affenartig wirkte, wandte die vern�nftig blickenden Augen von der Tafel ab und richtete sie fragend auf den Physiker.</p><p>Der Physiker nickte, ergriff eine Blechb�chse und ein paar Schutzhandschuhe und rannte aus dem Labor. Im Tunnel w�re er fast mit dem Automaten zusammengesto�en, der ihm Platz machte, als er ihn erkannte. Er lief nach oben, zog im Laufen die Handschuhe an und st�rmte in die Richtung, wo sich die vom Besch�tzer ausgebrannte Bresche befand. Vor dem flachen Trichter st�rzte er auf die Knie und riss in gr��ter Eile St�cke des von der Glut erstarrten, verglasten Sandes aus der Erde undwarf sie in die B�chse. Dann sprang er auf und lief zur Rakete zur�ck. Im Labor stand jemand. Der Physiker blinzelte geblendet. Es war der Kybernetiker. �Wo ist der Doktor?� rief er. �Er ist noch nicht zur�ck.� </p><p>�Geh mir aus dem Weg. Am besten setz dich dorthin, an die Wand.� Wie vermutet, zeigte der glasige Sand eine bla�lila Farbe. Der Physiker hatte absichtlich ein St�ck Kreide von dieser Farbe gew�hlt. Der Doppelt wandte ihm das Gesicht zu, offenbar hatte er auf ihn gewartet. Der Physiker sch�ttete den Inhalt der B�chse vor der Tafel auf den Fu�boden.</p><p>�Bist du verr�ckt!� rief der Kybernetiker und sprang von seinem Platz auf. Der Z�hler am anderen Tischende war erwacht und begann rasch zu ticken. �Sei still! St�r mich bitte nicht!�</p><p>In der Stimme des Physikers schwang solche Wut mit, dass der Kybernetiker wie angewurzelt an der Wand stehenblieb. Der Physiker warf einen Blick auf die Uhr. Zw�lf Minuten waren vergangen.</p><p>Gleich konnte der Doktor zur�ckkehren. Er b�ckte sich, deutete auf die tr�ben, lilafarbenen Brocken des halbgeschmolzenen Sandes. Er hob eine Handvoll davon auf, dr�ckte sie mit der offenen Hand an die Stelle, wo die Beine des Stehenden mit lila Kreide angedeutet waren, zerrieb ein paar Sandkr�mel auf der Zeichnung und blickte dem Doppelt in die Augen. Dann sch�ttete er den Rest des Staubs auf den Fu�boden, trat ein paar Schritt zur�ck und ging dann mit entschlossenen Schritten nach vorn, als ob er weit gehen wollte, trat in die Mitte des lila Flecks, stand eine Weile so, schloss die Augen und lie� sich langsam mit gelockerten Muskeln fallen. Dumpf schlug sein K�rper auf den Fu�boden. So lag er ein paar Sekunden, dann sprang er auf, rannte zum Tisch, ergriff den Geigerz�hler, trug ihn wie einen Scheinwerfer vor sich her und trat an die Tafel. Kaum hatte sich die M�ndung des schwarzen Zylinders den mit Kreide gezeichneten Beinen gen�hert, lie� sich ein heftiger Wirbel vernehmen. Der Physiker schob mehreremal den Z�hler an die Tafel und zog ihn zur�ck, um den Effekt vor dem unbewegt zuschauenden Doppelt zu wiederholen, dann wandte er sich ihm zu und schob die M�ndung des Geigerz�hlers langsam an seine entbl��ten Sohlen heran. Der Z�hler schnurrte. Der Doppelt stie� einen schwachen Laut aus, als h�tte er sich verschluckt. Ein paar Sekunden lang � dem Physiker kamen sie wie eine Ewigkeit vor � sah er ihm in die Augen, mit einem blassen, forschenden Blick. Dem Physiker traten die Schwei�tropfen auf die Stirn. Da lockerte der Doppelt pl�tzlich den Torso, schloss die Augen und lie� sich ohnm�chtig auf die Kissen sinken; die knotigen Fingerchen beider H�nde spannten sich seltsam.</p><p>So ruhte er eine Weile wie ein Toter. Pl�tzlich schlug er die Augen auf, setzte sich auf und starrte dem Physiker ins Gesicht. Der nickte, stellte den Apparat auf den Tisch, stie� mit dem Fu� an die Tafel und sagte dumpf zum Kybernetiker: �Er hat begriffen.� </p><p>�Was hat er begriffen?� stammelte der Kybernetiker, der die Szene entgeistert verfolgt hatte. �Dass er sterben mu�.� Der Doktor trat ein, sah die Tafel, die glasigen Kr�mel auf dem Boden, blickte sie an. �Was ist hier los? Was bedeutet das?�</p><p>�Nichts Besonderes. Du hast mittlerweile schon zwei Patienten.� Der Physiker nahm, als der Doktor ihn verbl�fft anstarrte, gleichg�ltig den Z�hler vom Tisch und hielt die M�ndung an seinen K�rper.</p><p>Der radioaktive Staub war in den Stoff der Kombination gedrungen. Der Geigerz�hler ratterte schreckenerregend. Das Gesicht des Doktors lief rot an. Er stand eine Weile reglos da, es sah so aus, als w�rde er die Spritze, die er in der Hand hielt, auf den Fu�boden werfen. Langsam wich das Blut aus seinem Gesicht. �So?� sagte er. �Also gut. Komm mit.� Kaum hatten die beiden das Labor verlassen, warf sich der Kybernetiker den Schutzmantel �ber, holte den Reinigungshalbautomaten aus der Wandnische hervor und lie� ihn auf die restlichen glasigen Kr�mel los. Der Doppelt lag da, ohne sich zu r�hren, und sah der Gesch�ftigkeit zu. Einige Male hustete er schwach. Nach zehn Minuten kam der Physiker mit dem Doktor zur�ck. Er trug einen wei�en Leinenanzug. Hals und H�nde waren mit dicken Bandagen bedeckt. �In Ordnung�, sagte er fast fr�hlich zum Kybernetiker. �Nichts Besonderes. Erster Grad, oder nicht mal das.� Der Doktor und der Kybernetiker bem�hten sich, dem Doppelt hochzuhelfen. Der hattebegriffen, worum es ging, stand auf und verlie� folgsam das Labor. �Und wozu das alles?� Der Kybernetiker schritt nerv�s im Raum auf und ab und steckte das schwarze Maul des Geigerz�hlers in alle Ritzen und Winkel. Von Zeit zu Zeit wurde das Ticken etwas schneller. �Du wirst sehen�, sagte der Physiker ruhig. �Wenn er den Kopf auf dem richtigen Fleck hat, wirst du sehen.�</p><p>�Warum hast du nicht den Schutzanzug angezogen? Hat dir die eine Minute leid getan?� </p><p>�Ich musste ihm das ganz einfach zeigen�, antwortete der Physiker. �So nat�rlich wie m�glich, ohne Getue, verstehst du?� Sie verstummten. Der Zeiger der Wanduhr glitt langsam weiter. Schl�frigkeit befiel den Kybernetiker. Der Physiker fummelte ungeschickt mit den Fingern, die aus den Bandagen hervorsahen, um sich eine Zigarette anzustecken. Der Doktor st�rzte mit befleckter Sch�rze herein.</p><p>W�tend ging er auf den Physiker zu. �Du bist es gewesen, du! Was hast du mit ihm angestellt?� </p><p>�Was ist denn los?� Der Physiker hob den Kopf. �Er will nicht liegen! Lie� sich kaum verbinden, schon steht er auf und geht zur T�r. Da hast du ihn��, f�gte er etwas leiser hinzu. Der Doppelt kam herein. Er hinkte unbeholfen. Das Ende einer aufgerollten Mullbinde schleifte auf dem Fu�boden hinter ihm her. �Du kannst ihn nicht gegen seinen Willen behandeln�, entgegnete der Physiker k�hl.</p><p>Er warf die Zigarette auf den Fu�boden, erhob sich und trat sie mit dem Fu� aus. �Wir werden wohl den Kalkulator aus dem Navigationsraum nehmen, wie? Er hat den gr��ten Extrapolationsbereich�, wandte er sich an den Kybernetiker. Der zuckte zusammen, sprang hoch, blickte schlaftrunken vor sich hin und ging rasch hinaus. Die T�r lie� er offen. Der Doktor stand mitten im Labor und stemmte die F�uste in die Taschen seiner Sch�rze. Er sah den Riesen an, der langsam n�her kam, und atmete auf. �Du wei�t es schon?� fragte er. �Du wei�t es, nicht wahr?� Der Doppelt hustete. Die drei anderen schliefen den ganzen Tag �ber. Als sie aufwachten, brach bereits die Abendd�mmerung herein. Sie kamen in die Bibliothek. Ein erschreckender Anblick bot sich ihnen. Die Tische, der Fu�boden, alle freien Sessel waren mit St��en von B�chern, Atlanten, aufgeschlagenen Alben bedeckt. Hunderte vollgezeichneter Bogen lagen verstreut auf dem Boden, Teile von Apparaten, vermischt mit B�chern, bunte Stiche, Konservendosen, Teller, optische Gl�ser, Arhythometer, Spulen.</p><p>Die Tafel lehnte an der Wand, kreidiges Wasser lief an ihr herunter. Finger, �rmel und Knie der drei M�nner waren mit Kreide beschmiert. Sie sa�en dem Doppelt gegen�ber, unrasiert, mit ger�teten Augen, und tranken Kaffee aus gro�en Tassen. In der Mitte, wo zuvor der Tisch gestanden hatte, spreizte sich der gro�e Elektronenrechner. �Wie geht es?� fragte der Koordinator auf der Schwelle.</p><p>�Ausgezeichnet. Wir haben schon sechzehnhundert Begriffe fixiert�, antwortete der Kybernetiker.</p><p>Der Doktor erhob sich. Er hatte noch seine wei�e Sch�rze um. �Sie haben mich dazu gezwungen, obwohl er radioaktiv verseucht ist.� Er deutete auf den Doppelt. �Verseucht!� Der Koordinator zog die T�r hinter sich zu. �Was soll das hei�en?� </p><p>�Er ist durch den radioaktiven Fleck in der Mauerbresche gekommen�, erkl�rte der Physiker, stellte die Kaffeetasse weg und kniete vor dem Apparat nieder.</p><p>�Er hat schon zehn Prozent wei�e Blutk�rperchen weniger als vor sieben Stunden�, informierte der Doktor. �Hyalindegeneration � das gleiche wie beim Menschen. Ich wollte ihn isolieren, er braucht Ruhe, aber er l�sst sich nicht behandeln. Der Physiker hat ihm n�mlich gesagt, dass das sowieso nicht helfen wird!� </p><p>�Stimmt das?� Der Koordinator wandte sich an den Physiker. Der nickte, ohne sich von dem pfeifenden Apparat zu trennen. �Und er ist� nicht mehr zu retten?� fragte der Ingenieur. Der Doktor zuckte mit den Schultern.</p><p>�Ich wei� es nicht! W�re er ein Mensch, w�rde ich sagen, seine Chancen st�nden drei�ig zu hundert.</p><p>Aber er ist ja kein Mensch. Er ist etwas apathisch. Aber das kann auch Ersch�pfung sein, weil er nicht geschlafen hat. Wenn ich ihn isolieren k�nnte!� </p><p>�Was willst du denn noch? Du tust ja sowieso mit ihm alles, was du willst?� sagte der Physiker und wandte nicht einmal den Kopf nach ihm um. Er manipulierte ununterbrochen mit seinen verbundenen H�nden an dem Ger�t. �Und was ist dir zugesto�en?� erkundigte sich der Koordinator. �Ich habe ihm erkl�rt, auf welche Weise er sichradioaktiv verseucht hat.� </p><p>�So genau hast du ihm das erkl�rt?� schrie der Ingenieur. �Ich musste es.�</p><p>Sie schwiegen eine Weile.</p><p>�Geschehenes l�sst sich nicht ungeschehen machen�, entschied der Koordinator langsam. �Ob gut oder schlecht, es ist nun einmal geschehen. Was nun? Was habt ihr bisher erfahren?� </p><p>�Eine ganze Menge�, berichtete der Kybernetiker. �Er beherrscht schon eine ganze Masse von unseren Symbolen, vor allem die mathematischen. Die Informationstheorie h�tten wir eigentlich bew�ltigt. Am schlimmsten ist es mit seiner elektrischen Schrift. Ohne ein besonderes Ger�t k�nnen wir sie nicht lernen, und uns fehlt das Ger�t und auch die Zeit, es zu bauen. Erinnert ihr euch an die in den K�rper eingef�hrten Teile? Das sind einfach nur Vorrichtungen zum Schreiben. Wenn ein Doppelt auf die Welt kommt, wird ihm gleich ein solches R�hrchen eingepflanzt, so wie man fr�her bei uns den M�dchen die Ohrl�ppchen durchbohrte� Sie haben zu beiden Seiten des gro�en K�rpers elektrische Organe. Deshalb ist der Leib auch so gro�! Das ist gewisserma�en das Hirn und zugleich eine Plasmabatterie. Sie gibt die Ladungen unmittelbar an die schreibende Leitung� weiter. Bei ihm hier endet sie in diesen Dr�hten am Kragen, doch das ist bei jedem anders. Schreiben m�ssen sie nat�rlich lernen.</p><p>Diese Operation zum Einsetzen des Drahtes, seit Jahrtausenden praktiziert, ist nur ein vorbereitender Schritt.� </p><p>�Also kann er wirklich nicht sprechen?� fragte der Chemiker. �O doch! Dieses Husten, das ihr geh�rt habt, ist seine Sprache. Ein einmaliges Husten ist ein ganzer, mit gro�er Beschleunigung gesprochener Satz. Wir haben ihn auf Band aufgenommen. Er zerf�llt in eine Frequenzskala.� </p><p>�Ach so! Also eine Sprache, die auf dem Prinzip der modulierten Frequenz von Klangschwingungen beruht?�</p><p>�Eher von Ger�uschen. Sie ist klanglos. Mit T�nen dr�cken sie ausschlie�lich Gef�hle, emotionale Zust�nde aus.� </p><p>�Und die elektrischen Organe? Sind sie ihre Waffe?� </p><p>�Das wei� ich nicht. Aber wir k�nnen ihn fragen.� Er b�ckte sich, holte eine gro�e Platte zwischen den Papieren hervor, auf der ein schematischer senkrechter Querschnitt des Doppelts zu sehen war, zeigte auf die beiden segmentierten l�nglichen Gebilde in seinem Inneren, f�hrte den Mund zum Mikrophon und sagte: �Waffen?� Der Lautsprecher, der gegen�ber dem Liegenden auf der anderen Seite angebracht war, kr�chzte. Der Doppelt, der den kleinen Torso ein wenig angehoben hatte, als die anderen hereinkamen, hielt eine Weile inne, dann hustete er. �Waffen � nein�, schnarrte der Lautsprecher. �Zahlreiche planetare Bewegungen � einst � Waffe.� Der Doppelt hustete abermals.</p><p>�Rudiment�rorgan � biologische Evolution � sekund�re Anpassung � Zivilisation�, knarrte der Lautsprecher ohne jede Intonation.</p><p>�Sieh an�, murmelte der Ingenieur. Der Chemiker lauschte, die Augen zusammenkneifend. �Nicht zu glauben!� entfuhr es dem Koordinator. �Und wie sieht es mit ihrer Wissenschaft aus?� </p><p>�Von unserem Standpunkt aus gesehen recht eigenartig.� Der Physiker erhob sich aus seiner knienden Haltung. �Ich kriege dieses verdammte Schnarren nicht weg�, bemerkte er, zum Kybernetiker gewandt. �Gro�e Kenntnisse auf dem Gebiet der klassischen Physik�, fuhr er fort. �Optik. Elektrizit�t. Mechanik in spezifischer Verbindung mit der Chemie � so etwas wie Mechanochemie. Da haben sie interessante Errungenschaften.� </p><p>�So?� Der Chemiker trat n�her. �Einzelheiten sp�ter. Wir haben alles fixiert, keine Angst. In der anderen Richtung sind sie von diesen Ausgangspositionen zur Informationstheorie gelangt. Jedoch ist bei ihnen das Studium au�erhalb besonderer Einrichtungen verboten. Schlecht ist es um ihre Atomistik bestellt, vor allem umd die Kernchemie.� </p><p>�Moment, wieso verboten?� fragte der Ingenieur erstaunt. �Sie d�rfen einfach keine Forschungen dieser Art betreiben.� </p><p>�Wer verbietet das?� </p><p>�Das ist sehr kompliziert, und wir wissen bisher kaum etwas dar�ber�, warf der Doktor ein.</p><p>�Mit ihrer gesellschaftlichen Dynamik sind wir noch am wenigsten vertraut.� </p><p>�Wie mir scheint, hat ihnen der Ansporn zur Kernforschung gefehlt�, sagte der Physiker. �Sie haben keinen Mangel anEnergie.� </p><p>�Kommen wir erst mit der einen Sache zum Schlu�! Wie ist das mit der verbotenen Forschung?� </p><p>�Setzt euch, wir werden ihn weiter fragen�, sagte der Kybernetiker. Der Koordinator wollte ins Mikrophon sprechen, doch der Kybernetiker zog ihn zur�ck. �Warte. Die Schwierigkeit ist die, dass der Kalkulator um so weniger mit der Grammatik zurechtkommt, je komplizierter die Satzkonstruktion wird. Au�erdem scheint der Analysator der Laute zu wenig selektiv zu sein. Oft erhalten wir Wortr�tsel. Ihr werdet es ja selbst sehen.� </p><p>�Ihr seid viele auf dem Planeten�, sagte der Physiker deutlich und langsam. �Wie ist die dynamische Struktur � von euch vielen � auf diesem Planeten?� Der Lautsprecher kl�ffte zweimal. Der Doppelt z�gerte ziemlich lange mit der Antwort.</p><p>Dann hustete er heiser. �Die dynamische Struktur � doppelt. Die Beziehungen � doppelt�, brummte der Lautsprecher. �Die Gesellschaft � gesteuert � zentral ganzer Planet.� </p><p>�Ausgezeichnet!� rief der Ingenieur. Er war ebenso wie die beiden anderen Hinzugekommen sehr erregt. Die anderen drei sa�en, vielleicht vor M�digkeit, unbewegt und mit gleichg�ltigen Mienen. �Wer regiert die Gesellschaft? Wer steht an der Spitze? Ein Individuum oder eine Gruppe?� fragte der Koordinator ins Mikrophon. Der Lautsprecher schnarrte, ein lang anhaltendes Brummen ert�nte, auf dem Schirm des Apparats leuchtete mehreremal ein roter Zeiger auf.</p><p>�So kann man nicht fragen�, beeilte sich der Kybernetiker zu erkl�ren. �Wenn du �an der Spitze� sagst, so ist das im �bertragenen Sinne gemeint, und es gibt daf�r im Wortschatz des Kalkulators keine Entsprechung. Warte, ich werde es versuchen.� Er beugte sich vor. �Wie viele seid ihr am Steuer der Gesellschaft? Einer? Mehrere? Eine gro�e Zahl?� Der Lautsprecher stie� einige Kr�chzer aus.</p><p>�Und ist �Steuer� kein Wort in �bertragenem Sinne?� fragte der Koordinator. Der Kybernetiker sch�ttelte den Kopf. �Ein Begriff aus der Informationstheorie�, konnte er gerade noch antworten, da lie� sich der Doppelt vernehmen, und der Lautsprecher erl�uterte rhythmisch abgehackt: �Ein � mehrere � viele � Steuer � nicht bekannt. Nicht � bekannt�, wiederholte er. �Wieso nicht bekannt? Was soll das bedeuten?� fragte der Koordinator �berrascht.</p><p>�Gleich werden wir es erfahren. �Dir unbekannt oder keinem � auf dem Planeten � bekannt?�� sagte er ins Mikrophon. Der Doppelt antwortete, und der Kalkulator dolmetschte durch den Lautsprecher: �Beziehung � dynamisch � doppelt. Bekannt � eins � ist. Bekannt � zweites � nicht ist.� </p><p>�Ich verstehe gar nichts!� Der Koordinator sah die anderen an. �Und ihr?� </p><p>�Moment�, sagte der Kybernetiker. Der Doppelt hielt noch einmal das Gesicht an sein Mikrophon und hustete mehrere Male. Der Kalkulator �bersetzte: �Viele Umdrehungen des Planeten � einst � zentrale Steuerung verteilt. Pause. Ein Doppelt � ein Steuer. Pause. Hundertdreizehn Umdrehungen des Planeten ist es so. Pause. Hundertelfte Umdrehung des Planeten ein Doppelt � Steuer � Tod. Hundertzw�lfte Umdrehung des Planeten � ein Doppelt � Steuer � Tod. Pause. Ein anderer � Steuer � Tod. Pause. Ein � ein � Tod. Pause. Dann � ein Doppelt Steuer � nicht bekannt � wer. Nicht bekannt � wer � Steuer. Bekannt � zentral � Steuer.</p><p>Pause. Nicht bekannt � wer � Steuer. Pause.� </p><p>�Ja, das ist tats�chlich ein R�tsel�, sagte der Koordinator. �Und was macht ihr damit?�</p><p>�Das ist gar kein R�tsel�, erwiderte der Kybernetiker. �Er hat gesagt, dass sie bis zum Jahre hundertdreizehn, von heute an r�ckw�rts gerechnet, eine zentrale Mehrpersonenregierung hatten.</p><p>�Zentrale Steuerung verteilte Dann folgten Regierungen einzelner Individuen. Ich nehme an, in der Art einer Monarchie oder einer Tyrannei. In den Jahren hundertzw�lf und hundertelf � sie rechnen vom gegenw�rtigen Augenblick an, jetzt ist das Jahr Null � hat es gewaltsame Palastrevolutionen gegeben. Vier Herrscher wechselten einander innerhalb von zwei Jahren ab und besiegelten ihre Herrschaft mit dem Tod. Offensichtlich nicht mit einem nat�rlichen Tod. Dann erschien ein neuer Herrscher, und es ist nicht bekannt, wer es war. Es war bekannt, dass er existierte, aber es war nicht bekannt, wer er war.�</p><p>�Was denn, ein anonymer Herrscher?� fragte der Ingenieur verwundert. �Offenbar. Wir wollen uns bem�hen, mehr zu erfahren.� Er wandte sich an das Mikrophon. �Jetzt ist bekannt, dass ein Individuum am Steuer der Gesellschaft ist, es ist aber nicht bekannt, wer es ist? Stimmt das?� fragte er. Der Kalkulator r�usperte sich undeutlich, der Doppelt hustete zur�ck, schien zu z�gern, hustete erneut mehreremal, und der Lautsprecher antwortete: �Nein. So nicht. Pause. Sechzig Umdrehungen des Planeten � bekannt, ein Doppelt zentrales Steuer. Pause. Dann bekannt, keiner. Pause. Niemand.</p><p>Niemand zentrales Steuer. So bekannt. Niemand Steuer. Pause.�</p><p>�Jetzt verstehe ich das auch nicht�, gestand der Physiker. Der Kybernetiker sa� gebeugt vor dem Apparat. Er b�ckte sich, kaute an den Lippen. �Moment. Die allgemeine Information ist so, dass es keine zentrale Gewalt gibt? Ja?� sagte er ins Mikrophon. �Und die Wirklichkeit ist so, dass es eine zentrale Gewalt gibt. Ja?� Der Kalkulator verst�ndigte sich mit dem Doppelt durch kr�chzende Laute.</p><p>Sie warteten, den Kopf dem Lautsprecher zugewandt. �So ist die Wahrheit. Ja. Pause. Wer Information � ist zentrales Steuer, der � ist, ist nicht. Wer so Information � der ist, ist nicht. Der ist einst, dann ist nicht.� Sie sahen sich schweigend an. �Wer sagt, dass eine Obrigkeit existiert, h�rt selber auf zu sein. Hat er so gesagt?� Der Kybernetiker nickte. �Aber das ist doch unm�glich!� rief der Ingenieur. �Die Obrigkeit hat doch ihren Sitz, sie muss Verf�gungen, muss Gesetze erlassen, ausf�hrende Organe m�ssen vorhanden sein, die niedriger in der Hierarchie stehen, Milit�r � wir sind doch Bewaffneten begegnet.� Der Physiker legte ihm die Hand auf den Arm. Der Ingenieur verstummte. Der Doppelt h�stelte eine ganze Weile. Das gr�ne Auge des Kalkulators flatterte, surrte.</p><p>In dem Apparat summte es. Der Lautsprecher meldete: �Information � doppelt. Pause. Eine Information wer � der ist. Pause. Zweite Information � wer � der einst ist, dann nicht ist. Pause.� </p><p>�Gibt es Information, die blockiert wird?� fragte der Physiker ins Mikrophon. �Wer Fragen aus dem Bereich dieser Information stellt, dem droht der Tod, ist das so?�</p><p>Wieder h�rte man auf der anderen Seite des Apparats den kr�chzenden Lautsprecher und das Husten des Doppelts. �Nein, so nicht. Pause�, antwortete der Kalkulator mit monotoner Stimme. Er trennte die Worte rhythmisch voneinander. �Wer ein-mals ist, dann nicht ist � der nicht tot. Pause.� Sie atmeten auf.</p><p>�Also keine Todesstrafe!� rief der Ingenieur. �Frag ihn, was mit solchen geschieht�, bat er den Kybernetiker. �Ich f�rchte, das l�sst sich nicht machen�, antwortete der, aber der Koordinator und der Ingenieur bestanden darauf. Er sagte: �Wie ihr wollt. Doch f�r das Resultat bin ich nicht verantwortlich.�</p><p>�Wie ist die Zukunft dessen, der blockierte Information verbreitet?� fragte er ins Mikrophon. Der heisere Dialog des Kalkulators mit dem reglos ruhenden Doppelt dauerte ziemlich lange. Zum Schlu� schnarrte der Lautsprecher: �Wer solche Information wird inkorporiert selbststeuernde Gruppe unbekannter Grad Wahrscheinlichkeit Degeneration Bereich Pause. Kumulativer Effekt fehlt Begriff Anpassung solche Notwendigkeit Kampf Verlangsamung der Kraft Potential fehlt Begriff. Pause.</p><p>Geringe Zahl Planetenumdrehungen Tod Pause.� </p><p>�Was hat er gesagt?� fragten gleichzeitig der Chemiker, der Koordinator und der Ingenieur. Der Kybernetiker zuckte mit den Schultern. �Keine Ahnung. Ich habe euch doch gesagt, dass sich das nicht machen l��t. Das Problem ist zu kompliziert.</p><p>Wir m�ssen schrittweise vorgehen. Ich vermute, dass das Schicksal eines solchen Individuums nicht beneidenswert ist. Vorzeitiger Tod harrt seiner, der letzte Satz war v�llig klar, aber wie der Mechanismus dieses Prozesses aussieht, wei� ich nicht. Irgendwelche selbststeuernden Gruppen.</p><p>Nat�rlich kann man zu diesem Thema Hypothesen aufstellen, aber ich habe die willk�rlichen Kombinationen satt.� </p><p>�Gut�, sagte der Ingenieur. �Dann frag ihn nach der Fabrik im Norden.�</p><p>�Haben wir bereits getan�, erwiderte der Physiker. �Das ist ebenfalls eine sehr komplizierteAngelegenheit. Dazu haben wir folgende Theorie�� </p><p>�Was denn, eine Theorie? Hat er euch nicht deutlich geantwortet?� unterbrach ihn der Koordinator.</p><p>�Nein, das betrifft ebenfalls eine Erscheinung h�heren Ranges. Was die Fabrik selbst angeht, so wurde sie zu dem Zeitpunkt sich selbst �berlassen, als sie die Produktion aufnehmen sollte. Das wissen wir ganz genau. Schlimmer steht es um die Kenntnis der Gr�nde, weshalb das so geschah. Vor ungef�hr f�nfzig Jahren wurde bei ihnen ein Plan zur biologischen Rekonstruktion eingef�hrt � zur Umbildung der K�rperfunktionen, vielleicht auch der K�rperformen. Eine dunkle Geschichte. Fast die gesamte Bev�lkerung des Planeten wurde im Laufe mehrerer Jahre einer Serie von Eingriffen ausgesetzt. Wie es scheint, ging es nicht so sehr um die Umbildung der lebenden Generation als vielmehr um die der nachfolgenden, und zwar durch gesteuerte Mutationen der Vermehrungszellen.</p><p>So erkl�ren wir uns das. Auf dem Gebiet der Biologie ist die Verst�ndigung sehr schwierig.� </p><p>�Was f�r eine Umbildung sollte das sein? In welcher Hinsicht?� fragte der Koordinator.</p><p>�Das konnten wir nicht ermitteln�, antwortete der Physiker. �Nun, etwas wissen wir schon�, widersprach der Kybernetiker. �Bei ihnen besitzt die Biologie, vor allem die Erforschung der Lebensprozesse, einen eigenartigen Charakter, der doktrin�r zu sein scheint, anders als auf den �brigen Gebieten der Wissenschaft.� </p><p>�M�glich, dass er religi�s ist�, warf der Doktor ein. �Wobei zu beachten w�re, dass ihr Glaube eher ein System von Geboten und Regeln darstellt, die das zeitliche Leben betreffen, und dass er keine transzendentalen Elemente enth�lt.�</p><p>�Haben sie nie an einen Sch�pfer geglaubt?� fragte der Koordinator.</p><p>�Das ist nicht bekannt. Versteh doch, solche abstrakten Begriffe wie Glaube, Gott, Moral, Seele lassen sich vom Kalkulator �berhaupt nicht eindeutig fixieren. Wir m�ssen eine Menge sachlicher Fragen stellen, und aus der Masse von Antworten und Mi�verst�ndnissen, aus der teilweisen Entsprechung der Bedeutungen versuchen wir erst eine sinngem��e und verallgemeinerte Extrapolation abzuleiten. Mir scheint, dass es historisch �bereinander geschichtete Gewohnheiten sind, was der Doktor Religion nennt.� </p><p>�Aber was kann Religion oder Tradition mit biologischen Untersuchungen gemein haben?� fragte der Ingenieur. �Eben das haben wir nicht feststellen k�nnen.</p><p>Auf jeden Fall besteht da ein sehr enger Zusammenhang.� </p><p>�Vielleicht hatten sie versucht, gewisse biologische Tatsachen ihrem Glauben oder ihren Vorurteilen anzupassen?� </p><p>�Nein, die Geschichte ist viel komplizierter.�</p><p>�Kehren wir zu den Tatsachen zur�ck�, schlug der Koordinator vor. �Welche Konsequenzen hatte die Verwirklichung dieses biologischen Plans?� </p><p>�Die Konsequenzen waren, dass augenlose Individuen oder solche mit einer ver�nderten Anzahl von Augen auf die Welt kamen, lebensunf�hig, degeneriert, ohne Nasen, auch eine betr�chtliche Anzahl psychisch Unterentwickelter.� </p><p>�Ach ja, unser Doppelt und all die anderen!� </p><p>�Ja. Offenbar war die Theorie, auf die sie sich st�tzten, falsch. Im Laufe einiger Dutzend Jahre tauchten Zehntausende verst�mmelter, deformierter Mutanten auf. An den tragischen Folgen dieses Experimentes leidet die Gesellschaft noch heute.� </p><p>�Hat man den Plan verworfen?�</p><p>�Danach haben wir gar nicht gefragt�, gestand der Kybernetiker und wandte sich zum Mikrophon.</p><p>�Existiert der Plan der biologischen Rekonstruktion noch? Wie ist seine Zukunft?� Der Kalkulator schien sich eine Weile kr�chzend mit dem Doppelt zu streiten. Der gab nur ein schwaches R�uspern von sich. �Geht es ihm schlecht?� fragte der Koordinator den Doktor leise. �Nun, besser, als ich erwartet hatte. Er ist ersch�pft, aber wollte vorher nicht weg von hier. Nicht einmal eine Transfusion kann ich bei ihm machen, denn das Blut unseres anderen Doppelts schl�gt seine Blutk�rperchen nieder. Offenbar�� </p><p>�Ssst!� zischte der Physiker. Der Lautsprecher schnarrte heiser: �Der Plan � ist, ist nicht. Pause. Jetzt Plan einst � war nicht. Pause. Jetzt Mutationen Krankheit. Pause. Information wahr � Plan war � jetzt ist nicht.� </p><p>�Ich verstehe das nicht�, gestand der Ingenieur. �Er sagt, dassgegenw�rtig die Existenz dieses Plans geleugnet wird, als h�tte es ihn �berhaupt nicht gegeben, und die Mutationen seien angeblich eine Art Krankheit. In Wirklichkeit wurde der Plan realisiert, dann aber verworfen. Man verheimlicht das Fiasko vor der �ffentlichkeit.� </p><p>�Wer?� </p><p>�Die angeblich nicht existierende Obrigkeit.� </p><p>�Moment�, sagte der Ingenieur. �Wie ist das? Seit der Zeit, da der letzte anonyme Herrscher zu existieren aufh�rte, war doch gewisserma�en eine Epoche der Anarchie ausgebrochen, nicht wahr? Wer hat also die Sache eingef�hrt?�</p><p>�Du hast es doch geh�rt. Niemand, einen Plan hat es nicht gegeben. So behauptet man wenigstens heute.� </p><p>�Nun gut, aber damals, vor f�nfzig oder noch mehr Jahren?� </p><p>�Damals hatten sie etwas anderes verk�ndet.� </p><p>�Nein, das ist einfach nicht zu begreifen!�</p><p>�Warum? Du wei�t doch, dass es auch auf der Erde gewisse Erscheinungen gibt, die �ffentlich nicht genannt werden, obwohl man von ihnen wei�. Nimm das gesellige Zusammenleben, ohne eine gewisse Dosis Heuchelei k�nnte es nicht bestehen. Was bei uns eine Randerscheinung ist, ist bei ihnen die Hauptstr�mung.� </p><p>�Das alles klingt verschroben und unglaubw�rdig�, sagte der Ingenieur.</p><p>�Und in welcher Beziehung steht dazu die Fabrik?� </p><p>�Sie sollte etwas erzeugen, was mit der Verwirklichung des Plans zusammenhing, vielleicht die Apparatur f�r die Eingriffe oder Objekte, die nicht ben�tigt wurden, sich aber den k�nftigen �rekonstruierten� Generationen als n�tzlich erweisen sollten. Doch das sind nur meine Vermutungen�, schloss der Kybernetiker mit Nachdruck. �Was sie dort in Wirklichkeit erzeugen wollten, wissen wir nicht.� </p><p>�Sicherlich hat es mehrere solcher Fabriken gegeben?� </p><p>�Gab es wenige oder viele Fabriken, die zum biologischen Plan geh�rten? Wie viele?� sprach der Kybernetiker in das Mikrophon. Der Doppelt hustete, und der Kalkulator antwortete fast gleichzeitig: �Nicht bekannt. Fabriken wahrscheinlich viele. Pause. Information � keine Fabriken.�</p><p>�Das ist wirklich eine schreckliche Gesellschaftsordnung!� rief der Ingenieur.</p><p>�Wieso? Hast du nie etwas von milit�rischen Geheimnissen geh�rt oder von anderen Dingen dieser Art?� </p><p>�Mit was f�r Energie werden diese Fabriken betrieben?� fragte der Ingenieur den Kybernetiker.</p><p>Er sagte das so nahe am Mikrophon, dass der Kalkulator die Frage sogleich �bersetzte. Der Lautsprecher brummte eine Weile und rezitierte dann: �Anorgan Begriff fehlt, Bio Bio, Pause.</p><p>Entropie constans Bio System�, der Rest ging in immer lauter werdendem Brummen unter. Rotes Licht flimmerte auf der Skala.</p><p>�L�cken im Wortschatz�, erl�uterte der Kybernetiker. �Was meinst du, wir schalten ihn polyvalent ein�, schlug der Physiker vor.</p><p>�Wozu? Damit er wie ein Schizophrener zu reden anf�ngt?� </p><p>�Vielleicht k�nnen wir dann mehr verstehen.� </p><p>�Worum geht es?� fragte der Doktor. �Er will die Auswahlf�higkeit des Kalkulators verringern�, erl�uterte der Kybernetiker. �Wenn die Begriffsskala eines Wortes nicht exakt ist, antwortet der Kalkulator, dass der Begriff fehlt. Wenn ich ihn polyvalent schalte, wird er kontaminieren. Er bildet dann Wortkonglomerate, die es in keiner menschlichen Sprache gibt.�</p><p>�Auf diese Weise kommen wir seiner Sprache n�her�, beharrte der Physiker. �Bitte, wir k�nnen es ja versuchen.�</p><p>Der Kybernetiker wechselte die Stecker. Der Koordinator betrachtete besorgt den Doppelt, der mit geschlossenen Augen dalag. Der Doktor trat an den Doppelt heran, untersuchte ihn eine Weile und kehrte dann wortlos an seinen Platz zur�ck. Der Koordinator sagte ins Mikrophon: �S�dlich von diesem Ort � hier � ist ein Tal. Dort sind hohe Geb�ude, in den Geb�uden stehen Skelette, ringsherum, in der Erde, sind Gr�ber. Was ist das?� </p><p>�Moment, �Gr�ber� bedeutet nichts.� Der Kybernetiker zog den biegsamen Arm des Mikrophons n�her heran. �Im S�den � architektonische Konstruktion, in ihrer N�he � tote Leiber in Erdgruben. Tote Doppelts. Was bedeutet das?� Diesmal tauschte der Kalkulator l�ngere Zeit knirschende Laute mit dem Doppelt aus. Sie bemerkten, dass die Maschine zum erstenmal von sich aus etwas noch einmal zu fragen schien. Zum Schlu� antwortete der Lautsprecher monoton: �Doppelt keine physische Arbeit. Pause. Elektrisches Organ Arbeit ja, aber Akzeleroinvolution Degeneration Mi�brauch. Pause. Der S�den eine Exemplifikation selbststeuernder Prokruistik Pause. Biosoziokurzschlu� Antitod Pause. Gesellschaftliche Isolierung keine Gewalt, kein Zwang Pause. Freiwilligkeit Pause. Mikroanpassung der Gruppe Zentroselbstzug Produktion ja nein Pause.� </p><p>�Da hast du's.� Der Kybernetiker sah den Physiker �rgerlich an.</p><p>��Zentroselbstzug�, �Antitod�, �Biosoziokurzschluߋ. Ich sagte es dir doch. Bitte, was f�ngst du jetzt damit an?� </p><p>�Immer mit der Ruhe!� Der Physiker hob die Hand. �Das hat etwas mit Zwangsarbeit zu tun.� </p><p>�Das ist nicht wahr. Er hat �nicht Gewalt, nicht Zwang� gesagt. �Freiwilligkeit�.�</p><p>�So? Dann fragen wir noch einmal.� Der Physiker zog das Mikrophon zu sich heran. �Nicht verstanden. Sag, sag es ganz einfach. Was befindet sich im S�den im Tal? Eine Kolonie? Eine Str�flingsgruppe? Isolation? Produktion? Was f�r Produktion? Wer produziert? Was? Und wozu? Zu welchem Zweck?� Der Kalkulator verst�ndigte sich wieder mit dem Doppelt. Das dauerte etwa f�nf Minuten. Dann sagte er: �Isolomikrogruppe Freiwilligkeit Interadh�sion Zwang nicht. Pause. Jeder Doppelt gegenspielt Isolomikrogruppe. Pause. Hauptbeziehungen zentripetaler Selbstzug. Pause.</p><p>Bindeglied �rgha�, Pause. Wer Schuld, der Strafe. Pause. Wer Strafe, der Isolomikrogruppe Freiwilligkeit. Pause. Was ist Isolomikrogruppe? Pause. Polyindividuelle Umkehrzwischenbeziehungen Kopplung �rgha� Selbsthalt �rgha� Selbsthalt. Pause. Innere Soziopsychozirkulation Antitod. Pause.� </p><p>�Moment!� rief der Kybernetiker, als er sah, dass die anderen unruhig wurden. �Was bedeutet �Selbsthalt�? Was f�r ein Halt?� </p><p>�Selbsterhaltung�, stammelte der Kalkulator, der sich diesmal nicht an den Doppelt wandte. �Ach so! Der Selbsterhaltungstrieb!� rief der Physiker, und der Kalkulator pflichtete ihm bei: �Selbsterhaltungstrieb. Ja. Ja.�</p><p>�Willst du etwa behaupten, du verstehst, was er gesagt hat?� Der Ingenieur war aufgesprungen und lief erregt hin und her. �Ich wei� nicht, ob ich es verstehe, aber ich vermute es. Anscheinend handelt es sich hier um Teile ihres Straf Systems. Offenbar gibt es da irgendwelche Mikrogesellschaften, autonome Gruppen, die sich gewisserma�en gegenseitig in Schach halten.� </p><p>�Wie denn? Ohne Wachen? Ohne Aufseher?� </p><p>�Ja. Er hat ausdr�cklich gesagt, dass es keinen Zwang gibt.� </p><p>�Das ist unm�glich!�</p><p>�Wieso? Stell dir zwei Menschen vor, der eine hat die Streichh�lzer, der andere die Schachtel. Sie k�nnen sich hassen, aber Feuer k�nnen sie nur zusammen entfachen. �rgha�, das ist �rger und Ha� oder etwas �hnliches. Die Kooperation resultiert in der Gruppe somit aus den Umkehrkoppelungen, wie bei meinem Beispiel, freilich nicht so simpel. Der Zwang entsteht sozusagen aus sich selbst, die innere Situation der Gruppe erzeugt ihn.� </p><p>�Na sch�n, aber was machen sie dort? Was tun sie da? Wer liegt in diesen Gr�bern? Warum?�</p><p>�Hast du nicht geh�rt, was der Kalkulator gesagt hat? �Prokrustik� � vom Prokrustesbett.� </p><p>�Du faselst! Woher soll der Doppelt etwas von Prokrustes geh�rt haben?� </p><p>�Der Kalkulator, nicht der Doppelt! Er sucht sich die Begriffe aus, die im semantischen Spektrum einander nach der Resonanz am n�chsten stehen. Dort, in diesen Gruppen, wird erm�dende Arbeit geleistet. M�glich, dass diese Arbeit weder Sinn noch Zweck hat. Er sagte Produktion ja nein�. Also produzieren sie, sie m�ssen das, weil es eine Strafe ist.�</p><p>�Wieso m�ssen sie? Wer zwingt sie dazu, wenn es keine Aufpasser gibt?� </p><p>�Du bist ganz sch�n hartn�ckig. Ob das mit der Produktion so ist, sei dahingestellt, aber den Zwang schafft die Situation.</p><p>Hast du noch nicht von Zwangslagen geh�rt? Auf einem untergehenden Schiff zum Beispiel hast du wenig Entscheidungsm�glichkeiten. Vielleicht haben sie ihr ganzes Leben lang das Deck einessolchen Schiffes unter ihren F��en � Da ihnen physische, vor allem ersch�pfende Arbeit schadet, entsteht ein �Biokurzschluߋ, vielleicht innerhalb jenes elektrischen Organs.�</p><p>�Er hatte �Biosoziokurzschluߋ gesagt. Das muss etwas anderes sein.� </p><p>�Aber von ann�hernder Bedeutung. In der Gruppe besteht eine Adh�sion, eine gegenseitige Anziehungskraft, das hei�t, eine Gruppe ist gewisserma�en sich selbst �berlassen, von der Gesellschaft isoliert.�</p><p>�Das ist ja entsetzlich schleierhaft. Was tun sie denn dort?� </p><p>�Wie soll ich dir das beantworten? Ich wei� auch nicht mehr als du. In unserm Gespr�ch kommt es ja zu Mi�verst�ndnissen und Begriffsverschiebungen, nicht nur auf unserer Seite, sondern auch zwischen dem Kalkulator und dem Doppelt. Vielleicht haben sie eine spezielle wissenschaftliche Disziplin � die �Prokrustik�, eine Theorie der Dynamik solcher Gruppen. Sie planen den Typ der Handlungen, der Konflikte und der gegenseitigen Anziehungen in ihrem Bereich von oben. Die Funktionen sind so gelagert und eingeplant, dass ein spezifisches Gleichgewicht, ein Austausch, ein Kreisen von �rger, Angst und Ha� entsteht, damit diese Gef�hle sie vereinen und sie zugleich keine gemeinsame Sprache mit jemandem au�erhalb der Gruppe finden k�nnen�� </p><p>�Das sind deine privaten Variationen �ber die schizophrenen Auslassungen des Kalkulators, aber keine �bersetzung�, rief der Chemiker. �Dann nimm du bitte meinen Platz ein. Vielleicht hast du besseren Erfolg.� Sie schwiegen eine Weile.</p><p>�Er ist sehr ersch�pft�, sagte der Doktor. �H�chstens noch eine oder zwei Fragen. Wer m�chte sie stellen?� </p><p>�Ich�, sagte der Koordinator. �Woher hast du von uns gewusst?� fragte er ins Mikrophon.</p><p>�Information � Meteorit � Schiff�, antwortete der Kalkulator, nachdem er ein paar kurze, schnarrende Laute mit dem Doppelt gewechselt hatte. �Schiff � vom anderen Planeten � kosmische Strahlen � Degeneration der Lebewesen, Pause. Tod zuf�gen. Pause. Glaseinfassung zwecks Liquidierung. Pause. Observatorium. Pause. Donner. Habe Messungen durchgef�hrt � Richtung der Ger�usche � Quellen des Donners � Trefferherd Rakete. Pause. Ich ging, als es Nacht wurde. Pause. Ich wartete � Besch�tzer �ffnete Einfassung. Ich ging hinein. Ich bin. Pause.� </p><p>�Sie hatten verk�ndet, dass ein Schiff mit Ungeheuern heruntergefallen sei, nicht wahr?� fragte der Ingenieur. �Ja. Dass wir unter dem Einflu� der kosmischen Strahlung degeneriert seien.</p><p>Und dass sie beabsichtigen, uns einzuschlie�en, uns mit der glasigen Masse zu isolieren. Er stellte Schallmessungen der Schu�richtung an, bestimmte ihr Ziel und hat uns so gefunden.� </p><p>�Hattest du nicht vor den Ungeheuern Angst?� fragte der Koordinator. ��Angst haben� bedeutet nichts. Moment, wie war doch das Wort? Ach ja, �rgha�. Vielleicht �bersetzt er es so?� Der Kybernetiker wiederholte die Frage in dem sonderbaren Jargon des Kalkulators. �Ja�, wiederholte der Lautsprecher fast gleichzeitig. �Ja. Aber die Chance ist eins zu einer Million Planetenumdrehungen.� </p><p>�Kann man wohl sagen. Jeder von uns w�re gegangen.� Der Physiker nickte verst�ndnisvoll. �Willst du bei uns bleiben? Wir werden dich heilen. Es wird keinen Tod geben�, sagte der Doktor langsam. �Bleibst du bei uns?� </p><p>�Nein�, antwortete der Lautsprecher.</p><p>�Du willst fortgehen? Du willst� zu den Deinen zur�ckkehren?� </p><p>�R�ckkehr-nicht�, antwortete der Lautsprecher. Sie sahen einander an.</p><p>�Du stirbst wirklich nicht! Wir heilen dich, Tatsache!� rief der Doktor. �Sag, was du tun willst, wenn du geheilt sein wirst?� Der Kalkulator kr�chzte, der Doppelt antwortete mit einem kurzen, kaum h�rbaren Laut. �Null�, sagte der Lautsprecher nach einem gewissen Z�gern. Und nach einer Weile f�gte er hinzu, als w�re er nicht sicher, ob sie ihn richtig verstanden hatten: �Null. Null.� </p><p>�Er will nicht bleiben, zur�ckkehren will er auch nicht�, murmelte der Chemiker. �Vielleicht phantasiert er?�</p><p>Sie sahen den Doppelt an. Seine bla�blauen Augen ruhten unbeweglich auf ihnen. In der Stille h�rtensie seine langsamen, dumpfen Atemz�ge. �Genug�, sagte der Doktor und stand auf. �Geht alle hinaus.� </p><p>�Und du?� </p><p>�Ich komme nach einer Weile nach. Ich habe zweimal Psychedrin eingenommen.</p><p>Eine Weile kann ich noch bei ihm sitzen bleiben.� Als die M�nner aufstanden und zur T�r gingen, brach der kleine Torso des Doppelts, der bislang wie von einer unsichtbaren St�tze gehalten worden war, pl�tzlich zusammen. Seine Augen schl�ssen sich, der Kopf sank kraftlos nach hinten. �Seltsam.</p><p>Wir haben ihn ausgefragt. Warum hat er uns keine Fragen gestellt�, �berlegte der Ingenieur laut, als sie drau�en im Gang waren.</p><p>�O doch, vorher hat er uns Fragen gestellt�, antwortete der Kybernetiker. �Er erkundigte sich nach den Verh�ltnissen, die auf der Erde herrschen, nach unserer Geschichte, nach der Entwicklung der Astronautik. Bevor ihr gekommen seid, hat er viel mehr gesprochen.�</p><p>�Er muss wohl sehr geschw�cht sein?� </p><p>�Sicherlich. Er hat ja eine gro�e Dosis Strahlung abbekommen. Der Weg durch die W�ste hat ihn bestimmt auch sehr ersch�pft, um so mehr, als er ziemlich alt ist.� ' �Wie lange leben sie?� </p><p>�Ungef�hr sechzig Planetenumdrehungen, also nicht ganz sechzig Jahre bei uns. Eden dreht sich schneller um seine Sonne als die Erde. Sie k�nnen sich unmittelbar verschiedene anorganische Substanzen einverleiben.� </p><p>�Das ist wirklich h�chst merkw�rdig�, sagte der Ingenieur. �Richtig, der erste hat ja die Erde herausgetragen!� rief der Chemiker, stolz, dass ihm das wieder eingefallen war. Sie blieben alle wie auf Verabredung stehen.</p><p>�Ja, aber so haben sie sich vor Jahrtausenden ern�hrt. Jetzt ist das nur noch die Ausnahme. Erinnert ihr euch an die d�nnen Kelche auf der Ebene? Das sind sozusagen ihre Lebensmittel-akkumulatoren.�</p><p>�Sind das lebende Wesen?� </p><p>�Das wei� ich nicht. Jedenfalls nehmen sie nach einem Auswahlprinzip Substanzen aus dem Boden auf, die den Doppelts als Nahrung dienen, und lagern sie im Kelch ab. Es gibt davon viele Sorten.� </p><p>�Ja, nat�rlich. Sie z�chten sie sicherlich, oder vielmehr sie bauen sie an�, sagte der Chemiker. �Im S�den haben wir ganze Plantagen von solchen Kelchen gesehen. Aber warum w�hlte der Doppelt, der die Rakete fand, im Lehm?� </p><p>�Weil die Kelche nach Einbruch der Dunkelheit in der Erde versinken.�</p><p>�Er hatte doch auch sonst genug Erde �berall. Warum w�hlte er ausgerechnet die in der Rakete?�</p><p>�Vielleicht, weil sie zerkleinert war und er Hunger hatte. Wir haben mit unserem Astronomen-Doppelt nicht dar�ber gesprochen. M�glich, dass jener wirklich aus dem Tal im S�den geflohen war.�� </p><p>�So, Freunde, geht jetzt schlafen�, beendete der Koordinator die Diskussion, an den Physiker und den Kybernetiker gewandt. �Und wir machen uns an die Arbeit. Es ist kurz vor zw�lf.�</p><p>�Zw�lf Uhr nachts?� </p><p>�Oje! Ich sehe, du hast den Zeitsinn schon v�llig eingeb��t.� </p><p>�Unter solchen Bedingungen��</p><p>Sie h�rten Schritte hinter sich. Der Doktor kam aus der Bibliothek. Sie sahen ihn fragend an. �Er schl�ft�, sagte er. �Es steht nicht gut um ihn. Als ihr gegangen wart, hatte ich schon den Eindruck�� Er vollendete den Satz nicht. �Hast du nicht mit ihm gesprochen?�</p><p>�Doch. Das habe ich. Das hei�t, ich glaubte schon, es sei soweit, versteht ihr. Ich fragte, ob wir etwas f�r sie tun k�nnten. F�r sie alle.�</p><p>�Und was hat er gesagt?� </p><p>�Null�, wiederholte langsam der Doktor, und sie glaubten die tote Stimme des Kalkulators zu h�ren.</p><p>�Ihr legt euch jetzt alle hin�, sagte der Koordinator nach einer Weile. �Ich nutze noch die Gelegenheit, wo wir alle beisammen sind, und frage euch, ob wir starten wollen.��Ja�, antwortete der Ingenieur. �Ja�, antworteten der Physiker und der Chemiker fast gleichzeitig.</p><p>�Ja�, sagte der Chemiker noch einmal.</p><p>�Und du? Du schweigst?� Der Koordinator sah den Doktor an.</p><p>�Ich �berlege. Wisst ihr, ich bin nie sehr neugierig gewesen��</p><p>�Ich wei�. Dir ging es eher darum, wie man ihnen helfen kann.</p><p>Aber jetzt wei�t du ja�� </p><p>�Nein. Ich wei� es nicht�, sagte leise der Doktor.</p></section><section><title><p>Vierzehntes Kapitel</p></title><p>Eine Stunde sp�ter fuhr der Besch�tzer �ber die heruntergelassene Lastenklappe. Der Ingenieur lenkte ihn bis auf zweihundert Meter an die glasige Mauer heran, deren Krone sich wie ein unvollendetes Gew�lbe nach innen neigte, und ging ans Werk. Die Dunkelheit fl�chtete mit gigantischen S�tzen in die W�ste. Die donnernden Linien der Schnitte, heller als die Sonne, zerlegten die spiegelnde Wand.</p><p>Die gl�henden Platten polterten zu Boden. Wei�er Rauch wallte �ber der siedenden Arbeitsst�tte. Der Ingenieur lie� die Platten liegen, damit sie erkalteten, und schnitt mit dem Annihilator weiter, hackte Fenster in das Gew�lbe, von denen flammende Eiszapfen tropften. Lange Reihen viereckiger L�cher entstanden in der tr�ben, fast durchsichtigen H�lle. Sch�chte des gestirnten Himmels tauchten darin auf. Der Rauch w�lzte sich �ber dem Sand. In den Adern der gewaltigen Glaswand st�hnte und �chzte es, die Bruchst�cke bedeckten sich mit dunkler Glut. Schlie�lich fuhr der Besch�tzer r�ckw�rts zur Rakete zur�ck. Der Ingenieur untersuchte die Strahlung der St�cke aus der Entfernung. Die Z�hler summten warnend. �Eigentlich m�ssten wir mindestens vier Tage hier warten�, sagte der Koordinator. �Aber wir schicken den Schwarzen hin und die Reiniger.�</p><p>�Richtig. Die Radioaktivit�t ist vor allem an der Oberfl�che. Ein t�chtiger Sandstrahl wird mit ihr schon fertig. Und die kleinen Reste werden an einer Stelle zusammengetragen und vergraben.� </p><p>�Man k�nnte sie in das Klarbecken im Heck laden.� Der Koordinator starrte nachdenklich in die kirschrote Glut der Tr�mmer.</p><p>�Meinst du? Wozu?� Der Ingenieur sah ihn verwundert an. �Wir haben doch nichts davon, nur unn�tzer Ballast.� </p><p>�Ich m�chte lieber keine radioaktiven Spuren hinterlassen� Sie kennen die Atomenergie nicht, und es ist besser, sie lernen sie nicht kennen�� </p><p>�Vielleicht hast du recht�, murmelte der Ingenieur. �Eden� Wei�t du�, f�gte er nach einer Weile nachdenklich hinzu, �allm�hlich beginnt sich mir ein Bild zu formen, nach den Worten des Doppelt, dieses Astronomen oder vielmehr� des Kalkulators.� Ungeheuerlich.�</p><p>�Ja.� Der Koordinator nickte langsam. �Ein extremer Mi�brauch der Informationstheorie, und dabei so konsequent, dass er Bewunderung erweckt. Sie erweist sich als ein Werkzeug, das schrecklichere Torturen zuf�gen kann als alle physischen Qu�lereien, wei�t du? Selektionieren, Hemmen, Blockieren von Informationen. Man kann auf diese Weise tats�chlich eine geometrisch exakte, gr��liche �Prokrustik� betreiben, wie sich der Kalkulator ausdr�ckte.�</p><p>�Meinst du, dass sie�, dass er das begreift?�</p><p>�Was hei�t, ob er das begreift? Denkst du, er h�lt diesen Zustand f�r normal? In gewissem Sinne vielleicht. Er kennt ja nichts anderes. Obwohl er sich auf ihre fr�here Geschichte berief, auf die der gew�hnlichen und dann der anonymen Tyrannen. Er hat also eine Vergleichsskala. Ja, ganz bestimmt,ohne sie h�tte er uns das nicht sagen k�nnen.� </p><p>�Wenn die Berufung auf Tyranneien die Erinnerung an bessere Zeiten bedeuten soll, dann� danke sch�n!� </p><p>�Und dennoch. Eigentlich ist das ein zusammenh�ngender Entwicklungsablauf. Einer der Tyrannen kam offenbar auf den Gedanken, die Anonymit�t k�nnte ihm bei dem bestehenden Herrschaftssystem n�tzen. Eine Gesellschaft, die keinen Widerstand konzentrieren, keine feindlichen Gef�hle gegen eine konkrete Person richten kann, wird entwaffnet.� </p><p>�Ach, so verstehst du das! Der Tyrann ohne Gesicht!� </p><p>�Vielleicht ist das eine falsche Analogie, aber als sich nach einiger Zeit die theoretischen Grundlagen f�r ihre �Prokrustik� herausbildeten, ging einer seiner Nachfolger noch weiter. Er liquidierte zum Schein sogar sein Inkognito, setzte sich selbst und das Regierungssystem ab � nat�rlich nur im Bereich der Begriffe, der Worte, der �ffentlichen Kommunikation�� </p><p>�Aber warum gibt es hier keine Befreiungsbewegungen? Das will mir nicht in den Kopf! Und selbst, wenn sie ihre �Strafgefangenen� auf die Weise bestrafen, dass sie sie in autonome, isolierte Gruppen eingliedern, so muss doch, da jede Art von Bewachung, von Aufsicht, von �u�erer Gewalt fehlt, eine individuelle Flucht und sogar ein organisierter Widerstand m�glich sein.� </p><p>�Damit eine Organisiation entstehen kann, m�ssen zuerst Verst�ndigungsmittel vorhanden sein.�</p><p>Der Koordinator schob das Endst�ck des Geigerz�hlers durch die Turmluke hinaus. Sein Ticken wurde allm�hlich schw�cher. �Beachte bitte, dass bestimmte Erscheinungen bei ihnen nicht grunds�tzlich namenlos sind, auch nicht im Zusammenhang mit anderen. Sowohl die Namen wie die Zusammenh�nge, die man als wirklich hinstellt, sind lediglich Maskierungen. Die Verunstaltungen, die durch Mutationen verursacht wurden, bezeichnet man als eine Krankheitsepidemie, und so muss es wohl mit allem sein. Um die Welt zu beherrschen, muss man sie zuerst benennen. Ohne Wissen, ohne Waffen und ohne Organisation, von anderem Leben abgeschnitten, k�nnen sie nicht viel anfangen.� </p><p>�Da hast du recht. Aber die Szene auf dem Friedhof und der Graben vor der Stadt weisen doch darauf hin, dass die Ordnung m�glicherweise hier nicht so vollkommen ist, wie sich das der unsichtbare Herrscher vielleicht w�nscht. Hinzu kommt, dass unser Doppelt so sehr �ber die glasige Mauer erschrak, entsinnst du dich? Offenbar verl�uft hier nicht alles so glatt.� Der Geigerz�hler �ber ihren K�pfen tickte nur noch tr�ge. Die Tr�mmer der das Raumschiff umgebenden Wand waren dunkler geworden. Nur die Erde rauchte noch, und die Luft dar�ber zitterte, so dass die Sternbilder eigenartig schwankten. �Der Start ist beschlossen�, sagte der Ingenieur. �Dabei k�nnten wir ihre Sprache noch viel besser kennenlernen, k�nnten erfahren, wie ihre verdammte Obrigkeit schaltet und waltet, die ihre eigene Nichtexistenz vort�uscht. Und� wir k�nnten ihnen Waffen geben.��</p><p>�Wem? Diesen Ungl�ckseligen, solchen wie unserem Doppelt? W�rdest du ihm den Annihilator anvertrauen? Mensch!� </p><p>�Anfangs k�nnten wir ja selbst.��</p><p>�Diese Obrigkeit zerst�ren, ja? Mit anderen Worten, sie mit Gewalt befreien?� </p><p>�Wenn es kein anderes Mittel gibt.� </p><p>�Einmal sind sie keine Menschen, auf jeden Fall nicht Menschen wie wir. Du darfst nicht vergessen, dass du letzlich immer mit dem Kalkulator sprichst und dass du den Doppelt nur so weit verstehst, wie ihn der Kalkulator begreift. Zum �ndern, es hat ihnen niemand das, was ist, aufgezwungen. Zumindest niemand aus dem Kosmos. Sie selbst.�� </p><p>�Wenn du so argumentierst, dr�ckst du dein Einverst�ndnis mit allem aus. Mit allem!� rief der Ingenieur.</p><p>�Und wie m�chtest du, dass ich argumentiere? Ist denn die Bev�lkerung dieses Planeten ein Kind, das in eine Sackgasse geraten ist, aus der man es an der Hand herausf�hren kann? W�re das so einfach, du lieber Gott! Die Befreiung beg�nne damit, Henrik, dass wir t�ten m�ssten, und je verbissener der Kampf w�re, desto geringer w�re die Vernunft, mit der wir handelten. Schlie�lich w�rden wir nur noch t�ten, um uns die R�ckkehr oder einen Weg zum Gegenangriff offenzuhalten, und w�rden alle umbringen, die sich dem Besch�tzer in den Weg stellten. Du wei�t sehr gut, wie leicht das ist!�</p><p>�Ich weiߓ, murmelte der Ingenieur. ��brigens�, f�gte er nach einer Weile hinzu, �ist noch nichts bekannt. Zweifellos beobachten sie uns, und die Fenster, die wir in ihre Sperrmauer geschlagen haben,werden ihnen kaum gefallen. Ich nehme an, dass wir in K�rze mit dem n�chsten Versuch zu rechnen haben.� </p><p>�Ja, durchaus m�glich�, r�umte der Koordinator ein. �Ich habe mir sogar �berlegt, ob es nicht geboten w�re, vorgeschobene Posten aufzustellen. Elektronenaugen und Elektronenohren.�</p><p>�Das w�rde uns viel Zeit kosten und au�erdem Material verschlingen, von dem wir nicht allzuviel besitzen.� </p><p>�Das habe ich mir auch �berlegt, deshalb z�gere ich noch�� </p><p>�Zwei R�ntgen pro Sekunde. Wir k�nnen die Automaten hinausschicken.�</p><p>�Gut. Den Besch�tzer ziehen wir besser in die Rakete hoch, um sicherzugehen.� Am Nachmittag bedeckte sich der Himmel mit Wolken, zum erstenmal seit ihrer Ankunft auf dem Planeten fiel ein feiner, warmer Regen. Die Spiegelmauer wurde dunkel, das Wasser tropfte von ihren gr��eren und kleineren Vorspr�ngen, man h�rte es bis in die Rakete. Die Automaten arbeiteten unerm�dlich. Die Sandpeitschen, die aus den Pulsomotoren geschleudert wurden, knirschten und zischten �ber die Oberfl�che der herausgeschnittenen Platten, Glasst�ckchen wirbelten durch die Luft. Der Sand bildete mit dem Regen einen d�nnen Morast. Der Schwarze zog die Beh�lter mit den radioaktiven �berresten durch den Lasteneingang in die Rakete. Der zweite Automat kontrollierte mit dem Geigerz�hler, ob die Deckel hermetisch schl�ssen. Danach schleppten beide Maschinen die gereinigten Platten an die vom Ingenieur vorgesehenen Stellen, wo die gro�en Brocken in den spr�henden Funkenfont�nen Schwei�ger�te miteinander verschmolzen und die Grundlage f�r das k�nftige Ger�st bildeten. Bald stellte sich heraus, dass das Baumaterial nicht reichen w�rde. In der Abendd�mmerung � der Regen st�rzte mittlerweile in B�chen herab � kroch der Besch�tzer abermals aus der Rakete und postierte sich vor der durchl�cherten Wand. Was nun folgte, war ein unheimliches Schauspiel. Die quadratischen Sonnen explodierten in der Dunkelheit mit grellem Schein, das Get�se der nuklearen Detonationen vermischte sich mit dem dumpfen Widerhall der zu Boden st�rzenden flammenden Glasbrocken. Dichte Rauch- und Dampfwolken schossen in die H�he. Die Regenpf�tzen kochten und zischten. Der Regen siedete schon, bevor er die Erde erreichte. Hoch oben spiegelten sich die Blitze der Explosionen in Myriaden rosa, gr�ner und gelber Regenbogen wider. Der Besch�tzer, schwarz wie aus Kohle gehauen, wich in dem Zucken der Blitze zur�ck, drehte sich langsam auf der Stelle, hob den stumpfen R�ssel, und wieder ersch�tterten Donner und Grollen die Umgebung. �Das ist gut so�, br�llte der Ingenieur dem Koordinator ins Ohr. �Vielleicht schreckt sie eine solche Kanonade ab, und sie lassen uns in Ruhe. Wir brauchen noch mindestens zwei Tage.� Sein schwei�nasses Gesicht sah aus wie eine Quecksilbermaske, im Turm war es hei� wie in einem Ofen.</p><p>Als sie sich zur Ruhe begaben, gingen die Automaten wieder an die Arbeit und l�rmten bis zum Morgen. Sie schleppten die Schl�uche der Sandstrahlgebl�se hinter sich her und polterten mit den Glasplatten. Der Regen spr�hte und nieselte in klarstem, blendendem Blau auf die Schwei�ger�te herab. Die Lastenklappe verschlang neue Beh�lter mit radioaktiven �berresten. Die parabolische Konstruktion hinter dem Heck der Rakete wuchs langsam h�her, gleichzeitig fra�en sich der Lastenautomat und der Bagger unter dem Bauch des Raumschiffes beharrlich in den Hang hinein. Als sie im Morgengrauen aufstanden, war ein Teil des glasigen Baustoffs bereits zum Abst�tzen der Stellen draufgegangen. �Das war ein guter Einfall�, konstatierte der Koordinator. Sie sa�en im Navigationsraum. Auf dem Tisch lagen ganze St��e von technischen Zeichnungen. �Tats�chlich, wenn wir die St�tzpfosten entfernten, k�nnte die Decke unter der Last der Rakete einst�rzen und dabei auch die Automaten zertr�mmern. Sie w�rden es bestimmt nicht schaffen, sich rechtzeitig aus der Grube zur�ckzuziehen.� </p><p>�Haben wir dann noch genug Energie f�r den Flug?� fragte der Kybernetiker, der in der offenen T�r stand. �F�r zehn Fl�ge! Au�erdem k�nnen wir notfalls die radioaktiven �berreste annihilieren, die im Klarbecken untergebracht sind. Das wird nicht n�tig sein.</p><p>Wir legen W�rmeleitungen in den Stollen, mit ihnen k�nnen wir die Temperatur dort genau regulieren. Wenn der Schmelzpunkt des Glases erreicht ist, sinken die St�tzpfosten langsam in sich zusammen. Sollte das zu schnell gehen, k�nnen wir jederzeit eine Portion fl�ssige Luft in den Stollenspritzen. Auf diese Weise haben wir die Rakete bis zum Abend aus dem Sand gezogen. Dann folgt das Aufstellen in die Vertikale�� </p><p>�Das ist schon das n�chste Kapitel�, fiel ihm der Ingenieur ins Wort. Um acht Uhr fr�h hatten sich die Wolken verzogen, die Sonne blitzte auf. Die riesige Walze des Raumschiffes, die bisher regungslos in dem Hang gesteckt hatte, bebte. Der Ingenieur �berwachte mit Hilfe eines Theodolits das langsame Absinken des Hecks. Der Boden unter dem Bug des Schiffes war bereits tief unterh�hlt. An der Stelle, wo der Lehmh�gel abgetragen war, stand ein Wald gl�serner S�ulen in betr�chtlicher Entfernung von der Rakete, fast schon an der Mauer, die mit ihren vielen L�chern wie ein gl�sernes Colosseum aussah. Menschen und Doppelts waren f�r die Dauer der Operation aus der Rakete evakuiert. Der Ingenieur erblickte in der Ferne die kleine Gestalt des Doktors, der einen gro�en Bogen um das Heck der Rakete machte. Aber das Bild drang nicht in sein Bewu�tsein, die Beobachtung der Instrumente verlangte seine ganze Aufmerksamkeit. Nur eine d�nne Erdschicht und das System der weich werdenden Grubenstempel trugen die Last der Rakete.</p><p>Achtzehn dicke Taue spannten sich von den Heckt�llen zu den Haken, die in die massiven Mauertr�mmer eingeschmolzen waren. Der Ingenieur pries diese Mauer fast in den Himmel. Ohne sie h�tte das Herunterlassen und Aufstellen des Raumschiffes viermal so lange gedauert. Durch ein ganzes Netz von Kabeln, die sich durch den Sand schl�ngelten, flo� Strom in die Heizr�hren im Innern des Stollens. Aus seiner �ffnung, dicht unter der Stelle, wo sich der Rumpf in den Hang gebohrt hatte, drang etwas Rauch. Tr�ge, graugelbe Wolken krochen �ber den Boden, der nach dem n�chtlichen Regen noch nicht getrocknet war. Das Heck senkte sich langsam. Wenn die Bewegung heftiger wurde, �ffnete der Ingenieur die linken Klemmb�gel des Apparats. Sofort spr�hte fl�ssige Luft aus vier ringbewehrten Leitungen in den Stollen, und aus der �ffnung quollen mit Gedr�hn schmutzigwei�e Wolken.</p><p>W�hrend der n�chsten Schmelzphase des glasigen Stollenger�sts ruckte pl�tzlich der ganze Rumpf, die etwa hundert Meter lange Walze neigte sich mit knirschendem St�hnen hinten�ber, bevor der Ingenieur die Klemme bet�tigen konnte. Das Heck beschrieb im Bruchteil einer Sekunde einen Bogen von ungef�hr vier Meter L�nge, w�hrend sich der Bug des Projektils aus dem Hang riss und dabei einen ganzen Wall von Sand und Lehm hochschleuderte. Dann lag das Keramitungeheuer bewegungslos da; die Kabel und die Metallschl�uche hatte es unter sich begraben, ein Schlauch war geborsten. Ein heulender Geysir fl�ssiger Luft schoss daraus hervor. �Sie liegt! Sie liegt!� br�llte der Ingenieur. Er kam erst nach einer Weile wieder zu sich. Neben ihm stand der Doktor und sagte irgend etwas. �Wie? Was?� stammelte der Ingenieur wie bet�ubt. �Es sieht tats�chlich so aus, als ob wir zur�ckkehren werden� nach Hause zur�ckkehren�, wiederholte der Doktor. Der Ingenieur blieb stumm. �Er wird leben�, fuhr der Doktor fort. �Wer? Von wem sprichst du?� Da fiel es ihm wieder ein. Er vergewisserte sich noch einmal, dass die Rakete auch wirklich frei dalag. �Also was? Wird er mit uns fliegen?� Er hatte es auf einmal eilig, er wollte so schnell wie m�glich die Au�enhaut der Raketenspitze untersuchen.</p><p>�Nein�, antwortete der Doktor und folgte dem Ingenieur ein paar Schritte, schien es sich aber dann anders �berlegt zu haben und blieb zur�ck. Von der fl�ssigen Gasfont�ne, die noch immer aus dem zerquetschten Rohr spritzte, war es sichtlich k�hler geworden. Auf dem Rumpf tauchten kleine Gestalten auf. Eine davon verschwand. Kurz darauf sank die Font�ne in sich zusammen. Eine Weile spuckte das Rohr noch Schaum, von dem ein eisiger Hauch her�berwehte, bis auch der verschwand.</p><p>Pl�tzlich wurde es seltsam still. Der Doktor sah sich erstaunt um, als w��te er nicht, wie er dorthin gelangt war, und ging dann langsam weiter. Die Rakete war nun aufgerichtet und stand senkrecht da.</p><p>Sie war wei�, wei�er als die sonnigen Wolken, mit denen ihr zugespitzter Schnabel weit oben bereits zu wandern schien. Drei Tage, ausgef�llt mit schwerer Arbeit, lagen hinter ihnen. Alles war verladen.</p><p>Die gro�e parabolische Schr�ge, zusammengeschwei�t aus den St�cken der Mauer, die sie hatte einschlie�en sollen, zog sich den H�gelhang hinauf. Vier M�nner standen achtzig Meter hoch �berdem Boden in der offenen Luke. Sie blickten hinunter. Auf der graugelben Fl�che waren zwei winzige Gestalten zu erkennen, eine etwas heller als die andere. Sie waren nur ein halbes Hundert Meter von den riesigen, gigantischen S�ulen gleichenden T�llen entfernt und r�hrten sich nicht.</p><p>�Warum gehen sie nicht weg?� sagte der Physiker ungeduldig. �Wir werden nicht starten k�nnen.�</p><p>�Sie werden nicht weggehen�, antwortete der Doktor. �Was soll das bedeuten? Will er nicht, dass wir abfliegen?� Der Doktor wusste, was das bedeutete, aber er schwieg. Die Sonne stand hoch am Himmel. Von Westen schwammen geballte Wolken heran. Wie aus dem Fenster eines hohen Turmes, der urpl�tzlich in der Ein�de errichtet worden war, sahen sie von dem offenen Eingang aus die blau schimmernden Berge im S�den, die mit den Wolken vermischten Gipfel, die gro�e W�ste im Westen, die sich Hunderte Kilometer weit in sonnenerhellten D�nenstreifen erstreckte, und den lilafarbenen Pelz der W�lder, die im Osten die H�nge bedeckten. Ein gewaltiger Raum breitete sich unter dem Firmament mit der kleinen, stechenden, im Zenit stehenden Sonne aus. Der Mauerkreis unten umgab die Rakete wie ein Spitzenschleier. Ihr Schatten glitt �ber ihn hinweg wie der Zeiger einer Titanensonnenuhr. Er n�herte sich bereits den beiden kleinen Gestalten.</p><p>Im Osten krachte es. Die Luft antwortete mit schrillem Pfeifen, aus dem schwarzen Explosionstrichter schlug eine das Sonnenlicht �berstrahlende Flamme. �Sieh da, etwas Neues�, sagte der Ingenieur. Ein zweites Grollen. Das unsichtbare Gescho� n�herte sich heulend. Das h�llische Pfeifen zielte auf sie, auf die Spitze der Rakete.</p><p>Die Erde st�hnte auf, eine Flamme schoss etwa f�nfzig Meter vom Raumschiff entfernt in die H�he.</p><p>Sie f�hlten, wie die Erde schwankte. �Alle Mann auf die Pl�tze!� befahl der Koordinator.</p><p>�Und die beiden?� fragte der Chemiker �rgerlich mit einem Blick nach unten. Die Klappe schloss sich. Das Tosen war im Steuerraum nicht zu h�ren. Auf dem hinteren Bildschirm sah man feurige B�sche im Sand hochspringen. Die beiden hellen Punkte standen noch immer reglos zu F��en der Rakete. �Gurte festschnallen!� befahl der Koordinator. �Bereit?�</p><p>�Bereit�, murmelten alle der Reihe nach.</p><p>�Zw�lf Uhr sieben. Fertig zum Start. Volle Fahrt!�</p><p>�Ich schalte die S�ule ein�, meldete der Ingenieur.</p><p>�Die Kritische ist erreicht�, meldete der Physiker.</p><p>�Zirkulation normal�, meldete der Chemiker.</p><p>�Das Gravimeter ist auf der Achse�, meldete der Kybernetiker. Der Doktor starrte auf den hinteren Bildschirm.</p><p>�Sind sie da?� fragte der Koordinator. Alle sahen ihn an. Diese Worte geh�rten nicht zum Startritual.</p><p>�Sie sind da�, sagte der Doktor. Die Rakete wurde von einer nahen Explosionswelle erfa�t und erbebte.</p><p>�Start!� kommandierte der Koordinator. Der Ingenieur setzte mit unbewegtem Gesicht die Triebwerke in Gang. Noch einmal waren ferne, schwache Detonationen zu h�ren. Sie schienen aus einer anderen Welt zu kommen, die mit der ihren nichts gemein hatte. Das Pfeifen wurde allm�hlich lauter, durchdringender. Alles schien sich darin aufzul�sen, zu zerflie�en. In einem sanften Wiegen fielen sie einer unbezwingbaren Kraft in die Arme.</p><p>�Wir stehen auf dem Feuer�, sagte der Ingenieur. Das bedeutete, dass sich die Rakete vom Bodenerhoben hatte undgerade so viel flammende Gase ausstie�, dass sie das eigene Gewicht hielt.</p><p>�Die normale Synergische�, befahl der Koordinator. �Wir folgen der normalen�, meldete der Kybernetiker, und die Nylonseile fingen an zu zittern. Die Sto�d�mpfer glitten langsam nach hinten.</p><p>�Sauerstoff!� rief der Doktor unwillk�rlich, als sei er pl�tzlich erwacht, und bi� in das elastische Mundst�ck. Zw�lf Minuten sp�ter hatten sie die Edenatmosph�re verlassen. Ohne die Geschwindigkeit zu drosseln, entfernten sie sich in einer immer breiter werdenden Spirale in die interstellare Schw�rze. Siebenhundertvierzig Lichter, Zeiger, Kontrollampen, Instrumen-tenskalen pulsten, zitterten, flimmerten und leuchteten im Steuerraum. Die M�nner hatten die Gurte abgeschnallt, sie warfen die Karabinerverschl�sse und die Haken auf den Fu�boden, traten an die Schalttafeln, legten fast ungl�ubig die H�nde darauf, pr�ften, ob sich die Leitungen nicht erhitzten, ob nicht das Zischen eines Kurzschlusses zu h�ren sei, schnupperten argw�hnisch in der Luft, ob es nicht brenzlig roch, schauten auf die Bildschirme, musterten die Datenzeiger der astrod�sischen Rechenmaschinen � alles war so, wie es sein musste. Die Luft war rein, die Temperatur ausgeglichen, der Regler in einem Zustand, als h�tte er sich nie in einen Haufen Splitter verwandelt. Im Navigationsraum beugten sich der Ingenieur und der Koordinator �ber die Sternenkarten.</p><p>Die Karten waren gr��er als der Tisch, an den Seiten hingen sie herab, waren stellenweise an den R�ndern eingerissen. Schon lange war davon die Rede, dass im Navigationsraum ein gr��erer Tisch gebraucht wurde, weil man auf die Karten trete. Doch ge�ndert hatte sich nichts.</p><p>�Hast du Eden gesehen?� fragte der Ingenieur. Der Koordinator starrte ihn verst�ndnislos an. �Was hei�t, ob ich ihn gesehen habe?� � �Jetzt, schau hin.� Der Koordinator wandte sich um. Auf dem Bildschirm flammte ein gewaltiger opalener Tropfen, der die umliegenden Sterne ausl�schte.</p><p>�Sch�n�, sagte der Ingenieur. �Wir waren von unserem Kurs abgewichen, weil er so sch�n war. Wir wollten nur �ber ihn hinwegfliegen.� </p><p>�Ja, wir wollten nur �ber ihn hinwegfliegen�, wiederholte der Koordinator. �Ein ausnehmend sch�ner Schein. Andere Planeten haben keinen so reinen. Die Erde ist einfach nur blau.� </p><p>�Sie sind also zur�ckgeblieben�, sagte der Koordinator nach einer Weile. �Ja. Er wollte es so.� </p><p>�Glaubst du?�</p><p>�Ich bin mir fast sicher. Er wollte, dass es durch uns geschah, nicht durch jene. Das war alles, was wir f�r ihn tun konnten.� Eine Zeitlang sprach keiner ein Wort. Eden r�ckte immer ferner. �Wie sch�n!�</p><p>Der Koordinator blickte noch immer auf den Bildschirm. �Aber, wei�t du, nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung gibt es noch sch�nere.�</p><empty-line/><p><emphasis>Ende.</emphasis></p></section></body><binary id="cover" 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