<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>thriller</genre><author><first-name>DAN</first-name><last-name>BROWN</last-name></author><book-title>I L L U M I N A T I (Angels and Demons)</book-title><annotation><p>Ein Kernforscher wird in seinem Schweizer Labor ermordet aufgefunden. Auf seiner Brust finden sich merkw�rdige Symbole eingraviert, Symbole, die nur der Harvardprofessor Robert Langdon zu entziffern vermag. Was er dabei entdeckt, erschreckt ihn zutiefst: Die Symbole geh�ren zu der legend�ren Geheimgesellschaft der "Illuminati". Diese Gemeinschaft scheint wieder zum Leben erweckt zu sein, und sie verfolgt einen finsteren Plan, denn aus dem Labor des ermordeten Kernforschers wurde Antimaterie entwendet.</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Axel</first-name><last-name>Merz</last-name></translator><sequence name="Robert Langdon"/></title-info><document-info><author><nickname>walter_52</nickname></author><program-used>ABBYY FineReader 11, FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-02-27">129748376818100000</date><src-ocr>ABBYY FineReader 11</src-ocr><id>{4765678C-9A98-4DDB-B0C5-A8C37C25C8F6}</id><version>1</version></document-info></description><body><section><title><p>Dan Brown</p><p>ILLUMINATI (Angels und Demons)</p></title><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p><strong><emphasis>DANKSAGUNGEN</emphasis></strong></p></title><empty-line/><p>Dank an Emily Bestier, Jason Kaufman, Ben Kaplan und allen bei Pocket Books f�r ihren Glauben an dieses Projekt.</p><p>Meinem Freund und Agenten Jack Elwell f�r seine Begeisterung und unerm�dliche Unterst�tzung.</p><p>Dem legend�ren George Wiesner, weil er mich �berzeugt hat, B�cher zu schreiben.</p><p>Meinem lieben Freund Irv Sittler, der mir eine Audienz beim Papst erm�glicht und mich in Bereiche der Vatikanstadt eingeweiht hat, die nur wenige Menschen je zu sehen bekommen, und der meine Zeit in Rom unvergesslich machte.</p><p>Einem der genialsten und begabtesten lebenden K�nstler, John Langdon, der sich mit Brillanz meiner unm�glichen Forderung gestellt und die Ambigramme f�r diesen Roman erschaffen hat.</p><p>Stan Planton, Bibliotheksdirektor der Ohio-Universit�t, Chillicothe, der meine erste Informationsquelle bei zahllosen Fragen war.</p><p>Sylvia Cavazzini f�r ihre liebensw�rdige F�hrung durch den geheimen <emphasis>Passetto.</emphasis></p><p>Und den besten Eltern, die ein Kind sich nur w�nschen kann, Dick und Connie Brown... Danke f�r alles.</p><p>Dank auch an CERN, Henry Beckett, Brett Trotter, die P�pstliche Akademie der Wissenschaften, das Brookhaven Institute, die Fermi Lab Library, Olga Wieser, Don Ulsch vom National Security Institute, Caroline H. Thompson von der University of Wales, Kathryn Gerhard und Omar Al Kindi, John Pike und der Federation of American Scientists, Heimlich Viserholder, Corinna und Davis Hammond, Aizaz Ali, dem Galileo Project der Rice University, Julie Lynn und Charlie</p><p>Ryan von Mockingbird Pictures, Gary Goldstein, Dave (Vilas) Arnold und Andra Crawford, dem Global Fraternal Network, der Phillips Exeter Academy Library, Jim Barringron, John Maier, dem au�erordentlich scharfen Auge von Margie Wachtel, alt.masonic.members, Alan Wooley, der Library of Congress Vatican Codices Exhibit, Lisa Callamaro und der Allamaro Agency, Jon A. Stowell, Musei Vaticani, Aldo Baggia, Noah Alireza, Harriet Walker, Charles Terry, Micron Electronics, Mindy Homan, Nancy und Dick Curtin, Thomas D. Nadeau, NuvoMedia und Rocket E-Books, Frank und Sylvia Kennedy, dem r�mischen Fremdenverkehrsamt, Maestro Gregory Brown, Val Brown, Werner Brandes, Paul Krupin von Direct Contact, Paul Stark, Tom King at CompuTalk Network, Sandy und Jerry Nolan, Web Guru Linda George, der Nationalen Kunstakademie in Rom, dem Physiker und Kollegen Steve Howe, Robert Weston, dem Water Street Bookstore in Exeter, New Hampshire, und dem Observatorium des Vatikan.</p></section><section><title><p><strong><emphasis>DICHTUNG UND WAHRHEIT</emphasis></strong></p></title><empty-line/><p>Die gr��te Forschungseinrichtung der Welt, das Schweizer <emphasis>Conseil Europeen pour la Recherche Nucleare</emphasis> (CERN), hat vor kurzem zum ersten Mal erfolgreich Antimaterie-Partikel hergestellt. Antimaterie ist identisch mit physischer Materie, mit einem Unterschied - sie besteht aus Partikeln, deren elektrische Ladung derjenigen in nat�rlicher Materie <emphasis>entgegengesetzt</emphasis> ist.</p><p>Antimaterie ist die gr��te bekannte Energiequelle. Die Reaktion von Antimaterie f�hrt zu einer vollst�ndigen Freisetzung s�mtlicher enthaltenen Energie (Wirkungsgrad: 100%. Kernspaltung: 1,5%). Antimaterie erzeugt weder</p><p>Umweltverschmutzung noch Strahlung, und ein winziger Tropfen w�rde reichen, um New York einen ganzen Tag lang mit Energie zu versorgen.</p><p>Es gibt nur einen Nachteil.</p><p>Antimaterie ist extrem instabil.</p><p>Sie explodiert beim Kontakt mit nahezu allem, selbst Luft. Ein einziges Gramm Antimaterie enth�lt die Energie von zwanzig Kilotonnen TNT - die Zerst�rungskraft der HiroshimaAtombombe.</p><p>Bis vor kurzem wurde Antimaterie lediglich in extrem kleinen Mengen hergestellt (nicht mehr als ein paar Atome zur gleichen Zeit), doch mit dem neuen Antiproonen-Verz�gerer ist CERN ein Durchbruch gelungen. Der Verz�gerer ist eine hoch entwickelte Antimaterieproduktionsanlage, mit der die Erzeugung weit gr��erer Mengen von Antimaterie erm�glicht wird.</p><p>Eine Frage allerdings �berschattet dies alles: Wird die hoch empfindliche neue Substanz unsere Welt retten - oder wird sie zur Schaffung der t�dlichsten Waffe aller Zeiten missbraucht?</p></section><section><title><p><strong><emphasis>ANMERKUNG DES VERFASSERS</emphasis></strong></p></title><empty-line/><p>Hinweise auf Kunstwerke, Gr�ften, Tunnel und Bauten in Rom beruhen auf Tatsachen, einschlie�lich ihrer genauen Lage. Man kann sie heute noch besichtigen. Die Bruderschaft der Illuminati existiert ebenfalls.</p><p><strong>ROM HEUTE</strong></p><p><image l:href="#0"/></p><p>t, Petersdom 2. Petersplatz 3. Sixtinische Kapelle</p><p><strong>VATIKANSTADT</strong></p><p><image l:href="#1"/></p><p>4. BorgiAhof 5, Amtszimmer des Papstes 6. Varikamsche Museen</p><p>7, Kaserne der Schweizergarde 8. Hubschrauberlandeplatz 9. Vatikanische G�rten</p><p>10. // <emphasis>Passetto</emphasis> 11. Belvederchof 12. Postamt</p><p>13. Papst I k he Audienzhalle 14. Gouverneurspalast</p></section><section><title><p><strong><emphasis>PROLOG</emphasis></strong></p></title><empty-line/><p>Der Physiker Leonardo Vetra roch brennendes Fleisch, und es war sein eigenes. Er starrte voller Angst und Entsetzen zu der dunklen Gestalt hinauf, die drohend �ber ihm stand.</p><p>�Was wollen Sie?�</p><p><emphasis>�La chiave�,</emphasis> antwortete die kr�chzende Stimme. �Das Passwort.�</p><p>�Aber... Ich wei� kein...�:</p><p>Der Eindringling �bte erneut Druck aus, bohrte das wei� gl�hende Objekt tiefer in Vetras Brust. Es zischte, als wieder Fleisch verbrannte.</p><p>Vetra schrie schmerzerf�llt auf. �Es gibt kein Passwort!� Er sp�rte, wie er das Bewusstsein zu verlieren drohte.</p><p>Die Gestalt finkelte ihn an. <emphasis>�Ne avevopaura.</emphasis> Das hatte ich bef�rchtet.�</p><p>Vetra k�mpfte gegen die Ohnmacht an, doch von allen Seiten n�herte sich die Dunkelheit. Sein einziger Trost bestand darin, dass der Eindringling niemals bekommen w�rde, wonach er suchte. Einen Augenblick sp�ter z�ckte die Gestalt eine Klinge und brachte sie vor Vetras Gesicht. Dort verharrte sie. Drohend. Chirurgisch.</p><p>�Um Gottes willen, nein!�, schrie Vetra auf. Doch es war zu sp�t.</p></section><section><title><p>Kapitel 1.</p></title><p>Die junge Frau hoch oben auf den Stufen der Gro�en Pyramide von Gizeh lachte. �Beeil dich, Robert!�, rief sie zu ihm hinunter. �Ich h�tte wirklich einen j�ngeren Mann heiraten sollen!� Ihr L�cheln war zauberhaft.</p><p>Er bem�hte sich mitzuhalten, doch seine Beine f�hlten sich an wie Blei. �Warte!�, flehte er. �Bitte.�</p><p>Er m�hte sich weiter, und seine Sicht begann zu verschwimmen. In seinen Ohren rauschte es. <emphasis>Ich muss zu ihr! </emphasis>Doch als er erneut nach oben sah, war die Frau verschwunden. An ihrer Stelle stand ein alter Mann mit faulen Z�hnen. Der Mann starrte zu ihm hinunter und verzog das Gesicht zu einer sehns�chtigen Grimasse. Dann stie� er einen gequ�lten Schrei aus, der weit �ber die W�ste hallte.</p><p>Robert Langdon schrak aus seinem Albtraum hoch. Das Telefon neben dem Bett klingelte. Benommen nahm er den H�rer ab.</p><p>�Hallo?�</p><p>�Ich suche Robert Langdon�, sagte eine M�nnerstimme.</p><p>Langdon richtete sich in seinem Bett auf und versuchte die Benommenheit abzusch�tteln. �Hier. hier ist Robert Langdon.� Er schielte auf seine Digitaluhr. Es war f�nf Uhr achtzehn.</p><p>�Ich muss Sie unbedingt treffen.�</p><p>�Wer ist denn da?�</p><p>�Mein Name ist Maximilian Kohler. Ich bin Teilchenphys iker.�</p><p>�Was?� Langdon konnte sich kaum auf das Gespr�ch konzentrieren. �Sind Sie sicher, dass Sie den richtigen Langdon</p><p>gefunden haben?�</p><p>�Sie sind Professor f�r religi�se Symbolologie an der Harvard University. Sie haben drei B�cher �ber Symbolologie</p><p>geschrieben und.�</p><p>�Wissen Sie eigentlich, wie sp�t es ist?�</p><p>�Bitte entschuldigen Sie. Ich habe etwas, das Sie sich ansehen m�ssen. Ich kann am Telefon nicht dar�ber sprechen.�</p><p>Ein ahnungsvolles St�hnen drang �ber Langdons Lippen. Es war nicht das erste Mal, dass so etwas geschah. Eine der</p><p>Gefahren beim Schreiben von B�chern �ber religi�se</p><p>Symbolologie waren die Anrufe von religi�sen Eiferern, die ihre j�ngsten Zeichen Gottes von ihm best�tigt haben wollten.</p><p>Letzten Monat erst hatte eine Stripperin Langdon den besten Sex seines Lebens versprochen, wenn er nach Oklahoma fliegen und die Echtheit eines Kreuzes best�tigen w�rde, das auf magische Weise auf ihrem Bettlaken entstanden war. Das <emphasis>Leichentuch von Tulsa,</emphasis> hatte Langdon es genannt.</p><p>�Woher haben Sie meine Nummer?� Langdon bem�hte sich, h�flich zu bleiben, trotz der fr�hen Stunde.</p><p>�Aus dem Internet. Von der Web sei te, auf der Ihr Buch vorgestellt wird.�</p><p>Langdon runzelte die Stirn. Er war verdammt sicher, dass seine Telefonnummer nicht auf der Seite zu finden war. Der Mann log offensichtlich.</p><p>�Ich muss Sie treffen!�, beharrte der Anrufer. �Ich werde Sie gro�z�gig entlohnen!�</p><p>Allm�hlich verlor Langdon die Geduld. �Es tut mir Leid, aber ich habe wirklich.�</p><p>�Wenn Sie auf der Stelle aufbrechen, k�nnten Sie gegen.�</p><p>�Ich werde nirgendwohin aufbrechen! Es ist f�nf Uhr morgens!� Langdon warf den H�rer auf die Gabel und fiel zur�ck ins Bett. Er schloss die Augen und versuchte wieder einzuschlafen - vergebens. Seine Gedanken kreisten immer wiederum den Traum. Schlie�lich schl�pfte er in seinen Morgenmantel und ging nach unten.</p><p>Barfu� wanderte Robert Langdon durch das leere viktorianische Haus in Massachusetts, in der Hand sein traditionelles Mittel gegen Schlaflosigkeit - einen Becher dampfenden Nesquik. Der Aprilmond schimmerte durch die Erkerfenster und spielte auf den Orientteppichen. Langdons Kollegen witzelten oft, dass sein Haus mehr nach einem anthropologischen Museum aussah als nach einem Heim. Die Regale waren voll gestopft mit religi�sen Artefakten aus der ganzen Welt - einem <emphasis>ekuaba</emphasis> aus Ghana, einem goldenen Kreuz aus Spanien, einem kykladischen Idol aus der �g�is; sogar ein seltener gewebter <emphasis>boccus</emphasis> aus Borneo war darunter, das Kriegersymbol ewiger Jugend.</p><p>Als Langdon auf seiner messingbeschlagenen Maharischi Truhe sa� und die warme Schokolade genoss, bemerkte er im Glas des Erkerfensters sein Spiegelbild. Es war verzerrt und bleich. wie ein Gespenst. <emphasis>Ein alterndes Gespenst,</emphasis> dachte Langdon und f�hlte sich auf grausame Weise daran erinnert, dass sein jugendlicher Geist in einer sterblichen H�lle wohnte.</p><p>Obwohl im klassischen Sinn nicht ausgesprochen gut aussehend, besa� der f�nfundvierzigj�hrige Langdon doch, was seine weiblichen Kolleginnen als die Anziehungskraft der �Weisheit� bezeichneten - graue Str�hnen in dem dichten braunen Haar, durchdringend blaue Augen, eine fesselnde dunkle Stimme und das selbstbewusste, sorgenfreie L�cheln des Collegesportlers. Er war sowohl in der Vorbereitungsschule als auch am College als Turmspringer in der Schulmannschaft gewesen, und er besa� noch immer die Figur eines Schwimmers, kraftvoll und �ber einsachtzig gro�, die er wachsam mit t�glich f�nfzig Bahnen im Becken der Universit�t trainierte.</p><p>Langdons Freunde waren nie ganz klug aus ihm geworden.</p><p>Ein Mann, der zwischen den Jahrhunderten gefangen war. An Wochenenden konnte man ihn in Bluejeans im Viertel treffen, wo er mit Studenten �ber Computergrafik oder Religionsgeschichte diskutierte; dann wieder sah man ihn in seinem Jackett aus Harris-Tweed mitsamt Paisley-Weste, wenn er zu Museumser�ffnungen eingeladen wurde, Vortr�ge hielt oder f�r die Titelseiten teurer Kunstmagazine fotografiert wurde.</p><p>Obwohl Langdon ein strenger Lehrer und Zuchtmeister war, geh�rte er doch zu jenen, die der �verlorenen Kunst von gutem, harmlosem Spa߫ anhingen. Er genoss seine Freizeit mit einem ansteckenden Fanatismus, der ihm inter seinen Studenten eine fast br�derliche Anerkennung eingebracht hatte. Sein Spitzname auf dem Campus - �der Delfin� - war eine Anspielung nicht nur auf seine umg�ngliche Art, sondern auch auf die F�higkeit, in ein Becken zu springen und in einem Wasserballspiel eine ganze gegnerische Mannschaft zum Narren zu halten.</p><p>W�hrend Langdon dasa� und geistesabwesend in die Dunkelheit starrte, wurde die Stille seines Hauses erneut gest�rt, diesmal vom Klingeln des Faxger�ts. Zu ersch�pft, um sich zu �rgern, stie� Langdon ein m�des Kichern aus.</p><p><emphasis>Gottes Volk,</emphasis> dachte er. <emphasis>Seit zweitausend Jahren warten sie auf ihren Messias, und sie sind immer noch hartn�ckig wie die Pest.</emphasis></p><p>�bern�chtigt brachte er den leeren Becher in die K�che und tappte von dort aus langsam in sein mit Eichenpaneelen verkleidetes Arbeitszimmer. Das angekommene Fax lag im Ausgabebeh�lter. Seufzend nahm er das Blatt und warf einen Blick darauf.</p><p>Im gleichen Augenblick stieg eine Welle von �belkeit in ihm hoch.</p><p>Es war das Bild eines menschlichen Leichnams. Der K�rper war splitternackt und der Kopf so weit verdreht, dass das Gesicht ganz nach hinten zeigte. Auf der Brust des Toten war</p><p>eine gr�ssliche Brandwunde. Der Mann war gebrandmarkt worden. mit einem einzigen Wort. Es war ein Wort, das Langdon bestens kannte. Er starrte ungl�ubig auf die kunstvollen Buchstaben.</p><p>�Illuminati�, stammelte er, und das Herz schlug ihm bis zum Hals. <emphasis>Das kann nicht sein...</emphasis></p><p>Wie in Zeitlupe, als f�rchtete er, was seine Augen sehen w�rden, drehte er das Blatt um hundertachtzig Grad und betrachtete das Wort auf dem Kopf.</p><p>Ihm stockte der Atem. Es war, als w�re er gegen eine Wand gelaufen. Er traute seinen Augen nicht, als er das Fax erneut drehte und das Brandmal einmal auf dem Kopf und einmal richtig herum las.</p><p>�Illuminati�, fl�sterte er.</p><p>Wie bet�ubt sank er in einen Sessel, wo er f�r ein paar Augenblicke in v�lliger Best�rzung verharrte. Nach und nach wurde sein Blick vom blinkenden roten Licht des Faxger�ts angezogen. Wer auch immer dieses Fax geschickt hatte, er war noch in der Leitung. wartete darauf, mit ihm zu sprechen. Lange Zeit starrte Langdon reglos auf das blinkende Licht.</p><p>Dann, mit zitternden Fingern, nahm er den H�rer ab.</p></section><section><title><p>Kapitel 2.</p></title><p>Schenken Sie mir jetzt Ihre Aufmerksamkeit?�, fragte die Stimme des Anrufers.</p><p>�Jawohl, Sir, darauf k�nnen Sie Gift nehmen! W�rden Sie sich erkl�ren?�</p><p>�Das habe ich vorhin bereits versucht.� Die Stimme klang steif, mechanisch. �Ich bin Physiker. Ich leite eine Forschungseinrichtung. Dort wurde ein Mord begangen. Sie haben den Leichnam gesehen.�</p><p>�Wie haben Sie mich gefunden?� Langdon konnte sich kaum konzentrieren. Sein Verstand raste, kreiste um das Bild auf dem Fax.</p><p>�Das habe ich Ihnen bereits gesagt. Dank des World Wide Web. Ich meine die Webseite Ihres Buches, <emphasis>Die Kunst der Illuminati. �</emphasis></p><p>Langdon versuchte seine Gedanken zu sammeln. Sein Buch war in literarischen Kreisen praktisch unbekannt, auch wenn es online eine betr�chtliche Anh�ngerschaft gewonnen hatte. Nichtsdestotrotz ergab die Behauptung des Anrufers keinen Sinn. �Auf der Webseite finden sich keine Kontaktinformationen�, widersprach Langdon herausfordernd. �Da bin ich ganz sicher.�</p><p>�Ich verf�ge �ber eine Reihe von Mitarbeitern, die sehr geschickt sind, wenn es darum geht, Userinformationen aus dem Web zu beschaffen.�</p><p>Langdon blieb skeptisch. �H�rt sich so an, als w�ssten Sie und Ihre Leute eine ganze Menge �ber das Web.�</p><p>�Das sollten wir auch�, schoss der andere zur�ck. �Wir haben es <emphasis>erfunden.�</emphasis></p><p>Irgendetwas in der Stimme des anderen verriet Langdon, dass</p><p>seine Behauptung ernst gemeint war.</p><p>�Ich muss Sie treffen�, beharrte die Stimme. �Es geht um eine Angelegenheit, die wir nicht am Telefon besprechen k�nnen. Die Forschungseinrichtung liegt nur eine Flugstunde von Boston entfernt.�</p><p>Langdon stand im schwachen Licht seines Arbeitszimmers und betrachtete erneut das Fax in seiner Hand. Das Bild war �berw�ltigend. Wahrscheinlich war es die epigrafische Entdeckung des Jahrhunderts. Dieses eine Symbol - falls es echt war best�tigte ein ganzes Jahrzehnt seiner Forschungen.</p><p>�Es ist von �u�erster Wichtigkeit!�, dr�ngte die Stimme.</p><p>Langdons Blick ruhte auf dem Brandmal. <emphasis>Illuminati,</emphasis> las er immer und immer wieder. Bis zum heutigen Tag hatte seine Arbeit auf dem symbolologischen �quivalent von Fossilien beruht - alten Dokumenten und historischem Material -, doch dieses Bild hier stammte aus der Gegenwart. Pr�sens. Er f�hlte sich wie ein Pal�ontologe, der unvermittelt einem lebenden Dinosaurier gegen�bersteht.</p><p>�Ich war so frei, Ihnen ein Flugzeug zu schicken�, sagte die Stimme. �Es wird in etwa zwanzig Minuten in Boston landen.�</p><p>Langdon sp�rte, wie sein Mund trocken wurde. <emphasis>Eine Flugstunde</emphasis>...</p><p>�Bitte verzeihen Sie meine Vermessenheit�, fuhr die Stimme fort, �aber ich brauche Sie hier.�</p><p>Langdon starrte erneut auf das Fax. Ein alter Mythos, der auf diesem Schwarzwei�bild seine Best�tigung gefunden hatte. Die Schlussfolgerungen waren be�ngstigend. Abwesend starrte er durch das Erkerfenster nach drau�en. Das erste Licht des heraufd�mmernden Morgens schimmerte durch die Birken in seinem Garten, doch diesmal sah es irgendwie anders aus. W�hrend eine eigenartige Mischung von Furcht und Aufregung in ihm aufstieg, wurde ihm bewusst, dass er �berhaupt keine Wahl hatte.</p><p>�Sie haben gewonnen�, sagte er schlie�lich. �Sagen Sie mir, wie ich zu diesem Flugzeug komme.�</p></section><section><title><p>Kapitel 3.</p></title><p>Tausende von Meilen entfernt trafen sich zwei M�nner. Das Zimmer war d�ster. Mittelalterlich. Nackter Stein.</p><p><emphasis>�Benvenuto�,</emphasis> sagte der Auftraggeber. Er sa� im Schatten, fast unsichtbar. �Waren Sie erfolgreich?�</p><p><emphasis>�Si�,</emphasis> antwortete die dunkle Gestalt. <emphasis>�Perfettamente.�</emphasis> Ihre Aussprache war so hart wie die Steinw�nde.</p><p>�Und es wird keinen Zweifel geben, wer verantwortlich ist?�</p><p>�Keinen.�</p><p>�Ausgezeichnet. Haben Sie, was ich wollte?�</p><p>Die Augen des Killers glitzerten schwarz wie �l. Er nahm ein schweres elektronisches Ger�t und stellte es auf den Tisch.</p><p>Der Mann im Schatten schien erfreut. �Sie haben Ihre Sache gut gemacht.�</p><p>�Es ist mir eine Ehre, der Bruderschaft zu dienen�, erwiderte der Killer.</p><p>�Phase zwei beginnt in K�rze. Ruhen Sie sich aus. Heute Nacht ver�ndern wir den Lauf der Welt.�</p></section><section><title><p>Kapitel 4.</p></title><p>Robert Langdons Saab 900S schoss durch den Callahan Tunnel und kam auf der Ostseite des Boston Harbour ganz in der N�he der Einfahrt zum Logan Airport wieder hervor. Nach kurzer Orientierung fand Langdon die Aviation Road und bog hinter den alten Geb�uden der Eastern Airlines links ab. Dreihundert Meter weiter ragte ein Hangar in der Dunkelheit auf. Er war mit einer gro�en �4� gekennzeichnet. Langdon steuerte auf den Parkplatz und stieg aus dem Wagen.</p><p>Ein rundgesichtiger Mann in einem blauen Fliegeranzug kam hinter dem Geb�ude hervor. �Robert Langdon?�, rief er. Die Stimme des Mannes klang freundlich Er besa� einen Akzent, den Langdon nicht einzuordnen vermochte.</p><p>�Das bin ich�, antwortete Langdon und verschloss seinen Wagen.</p><p>�Perfektes Timing�, sagte der Mann. �Ich bin eben erst gelandet. Folgen Sie mir bitte.�</p><p>Sie umrundeten das Geb�ude, und in Langdon wuchs die Anspannung. Er war nicht an r�tselhafte Telefonanrufe und geheime Treffen mit Fremden gew�hnt. Da er nicht gewusst hatte, was ihn erwartete, hatte er seine �bliche Vorlesungsgarderobe gew�hlt - eine strapazierf�hige Baumwollhose, einen Rollkragenpullover und ein Jackett aus Harris-Tweed. W�hrend er dem Piloten folgte, musste er erneut an das Fax in seiner Jackentasche denken - er konnte immer noch nicht glauben, was auf dem Bild zu sehen war.</p><p>Der Pilot schien Langdons Besorgnis zu sp�ren. �Fliegen bereitet Ihnen doch keine Probleme, Sir?�</p><p>��berhaupt nicht�, antwortete Langdon. <emphasis>Leichen mit Brandmalen sind ein Problem f�r mich, aber fliegen? Damit</emphasis></p><p><emphasis>komme ich klar.</emphasis></p><p>Der Mann f�hrte Langdon um den gesamten Hangar herum. Sie erreichten die Ecke, und vor ihnen erstreckte sich das Rollfeld.</p><p>Als Langdon das auf dem Vorfeld parkende Flugzeug sah, blieb er wie angewurzelt stehen. �Wir fliegen mit <emphasis>dieser </emphasis>Maschine?�</p><p>Der Mann grinste. �Gef�llt sie Ihnen?�</p><p>Langdon starrte das Flugzeug sprachlos an. �Ob es mir gef�llt? Was zur H�lle <emphasis>ist</emphasis> das?�</p><p>Das Flugzeug war riesig. Es erinnerte vage an ein Space Shuttle, mit dem Unterschied, dass die Oberseite v�llig flach war. Wie es dort auf dem Rollfeld stand, sah es wie ein gewaltiger Keil aus. Langdons erster Gedanke war, dass er tr�umen musste. Dieses Gebilde sah aus, als w�re es ungef�hr so flugtauglich wie eine Buick-Limousine. Fl�gel gab es praktisch nicht, nur winzige Stummelfinnen am hinteren Ende des Rumpfs. Zwei Seitenruder ragten aus dem Heck. Der Rest der Maschine war Rumpf - ungef�hr sechzig Meter L�nge insgesamt - , fensterloser, nackter Rumpf.</p><p>�Zweihundertf�nfzigtausend Kilo voll betankt�, erkl�rte der Pilot wie ein Vater, der stolz von seinem Neugeborenen spricht. �Fliegt mit fl�ssigem Wasserstoff. Der Rumpf besteht aus einer Titan-Siliziumcarbid-Matrix. Die Lady besitzt ein SchubGewichtsverh�ltnis von zwanzig zu eins. Die meisten Jets schaffen h�chstens sieben zu eins. Der Direktor muss es wirklich verflixt eilig haben, Sie zu sehen. Normalerweise schickt er nicht die gro�e Lady hier.�</p><p>�Dieses Ding <emphasis>fliegt</emphasis> ?�, fragte Langdon.</p><p>Der Pilot l�chelte. �O ja.� Er f�hrte Langdon �ber den Beton zu dem Flugzeug. �Sieht ziemlich verbl�ffend aus, ich wei�, aber daran gew�hnen Sie sich besser. In f�nf Jahren sehen Sie nur noch diese Babys. HSCTs, High Speed Civil Transports.</p><p>Unsere Einrichtung geh�rt zu den ersten, die �ber so eine Hoc hgeschwindigkeitsmaschine verf�gen.�</p><p><emphasis>Muss ja eine wahnsinnig wichtige Einrichtung sein,</emphasis> dachte Langdon.</p><p>�Das hier ist ein Prototyp einer Boeing X-33�, fuhr der Pilot fort. �Inzwischen gibt es Dutzende anderer Entwicklungen das National Aero Space Plane, den Scramjet der Russen, das HOTOL der Engl�nder. Das dort ist die Zukunft; es dauert nur noch kurze Zeit, bis diese Flugzeuge zum Standard geh�ren. Konventionelle Jets sind jedenfalls Schnee von gestern.�</p><p>Misstrauisch starrte Langdon zu dem Flugzeug hoch. �Ich denke, ich ziehe konventionelle Jets vor.�</p><p>Der Pilot deutete auf die Gangway. �Hier entlang bitte, Mr. Langdon. Und passen Sie auf, wo Sie hintreten.�</p><p>Minuten sp�ter sa� Langdon in einer leeren Kabine. Der Pilot schnallte ihn in der vordersten Reihe an und verschwand im Cockpit.</p><p>Die Kabine sah der Flugzeugkabine eines gew�hnlichen kommerziellen Passagierflugzeugs verbl�ffend �hnlich - mit der einzigen Ausnahme, dass es keine Fenster gab, sehr zu Langdons Beunruhigung. Er hatte sein Leben lang unter einer schwach ausgepr�gten Klaustrophobie gelitten - die Folge eines Kindheitserlebnisses, das er niemals ganz �berwunden hatte.</p><p>Langdons Aversion gegen geschlossene R�ume war keineswegs so schlimm, dass sie ihn schw�chte, doch es war eine frustrierende Angelegenheit. Sie manifestierte sich auf vielfache und subtile Weise. Er mied Sportarten, die in geschlossenen kleinen Hallen stattfanden - Badminton oder Squash, zum Beispiel -, und er hatte ohne mit der Wimper zu zucken ein kleines Verm�gen f�r sein luftiges viktorianisches Haus mit den hohen Zimmern gezahlt, obwohl die Fakult�t preiswerte Wohnungen und H�user anbot. Langdon vermutete, dass auch sein aus der Jugend stammendes Interesse an der</p><p>Kunst seiner Liebe f�r die weiten, offenen R�ume von Museen entsprang.</p><p>Die Motoren des Flugzeugs erwachten br�llend zum Leben und sandten ein dumpfes Vibrieren durch den gesamten Rumpf. Langdon schluckte m�hsam und wartete. Er sp�rte, wie das Flugzeug sich in Bewegung setzte. Aus den Deckenlautsprechern drang leise Country-Musik.</p><p>Ein Telefon an der Wand neben ihm summte zweimal. Langdon nahm den H�rer ab. �Hallo?�</p><p>�Haben Sie es sich bequem gemacht, Mr. Langdon?�</p><p>��berhaupt nicht.�</p><p>�Entspannen Sie sich, Sir. Wir sind in einer Stunde da.�</p><p>�Und wo genau ist <emphasis>da?�,</emphasis> fragte Langdon, als ihm bewusst wurde, dass er vollkommen ahnungslos war, wohin die Reise ging.</p><p><emphasis>� Geneve�,</emphasis> antwortete der Pilot und erh�hte den Schub. �Die Anlage befindet sich in <emphasis>Geneve.�</emphasis></p><p><emphasis>�Geneva</emphasis> also�, sagte Langdon und entspannte sich ein wenig. �Im Norden von New York. Ich habe Verwandte in der N�he von Seneca Lake. Ich wusste gar nicht, dass es in Geneva eine Forschungseinrichtung gibt.�</p><p>Der Pilot lachte. �Nicht Geneva, <emphasis>New York,</emphasis> Mr. Langdon. Geneve, <emphasis>Schweiz.�</emphasis></p><p>Langdon ben�tigte ein paar Sekunden, bis er die Worte des Piloten begriff. �Sie meinen Genf? In der Schweiz?� Langdons Puls begann zu rasen. �Ich dachte, es w�re nur eine Flugstunde entfernt!�</p><p>�Ist es auch, Mr. Langdon.� Der Pilot kicherte. �Dieser Vogel schafft locker Mach f�nfzehn.�</p></section><section><title><p>Kapitel 5.</p></title><p>Irgendwo in Europa schl�ngelte sich der Killer durch eine gesch�ftige Stra�e. Er war ein kraftvoller, dunkler Mann. Ausgesprochen beweglich. Seine Muskeln f�hlten sich noch immer hart an vom Nervenkitzel der zur�ckliegenden Begegnung.</p><p><emphasis>Alles ist gut gegangen,</emphasis> sagte er sich. Obwohl sein Auftraggeber zu keinem Zeitpunkt sein Gesicht gezeigt hatte, f�hlte der Killer sich geehrt, weil er pers�nlich mit ihm gesprochen hatte. Waren es wirklich erst f�nfzehn Tage, seit der Auftraggeber zum ersten Mal Kontakt zu ihm aufgenommen hatte? Der Killer erinnerte sich noch immer an jedes Wort dieses Anrufs.</p><p>�Mein Name ist Janus�, hatte der Anrufer gesagt. �Wir sind in gewisser Weise verwandt. Wir haben einen gemeinsamen Feind. Wie ich h�rte, kann man Ihre Dienste in Anspruch nehmen.�</p><p>�Das kommt ganz darauf an, wen Sie repr�sentieren�, hatte der Killer geantwortet.</p><p>Der Anrufer sagte es ihm.</p><p>�Soll das ein Witz sein?�</p><p>�Ich sehe, Sie haben schon von uns geh�rt�, antwortete der Anrufer.</p><p>�Selbstverst�ndlich. Die Bruderschaft ist legend�r!�</p><p>�Und doch bezweifeln Sie, dass ich bin, wer ich zu sein behaupte?�</p><p>�Jedermann wei�, dass die Bruderschaft l�ngst zu Staub zerfallen ist.�</p><p>�Eine listige T�uschung. Der gef�hrlichste Feind ist der, den</p><p>niemand f�rchtet.�</p><p>Der Killer war skeptisch. �Die Bruderschaft existiert also noch?�</p><p>�Tiefer im Untergrund als je zuvor. Unsere Wurzeln durchdringen alles, was Sie um sich herum sehen... sogar bis in die heilige Festung unserer erbittertsten Feinde.�</p><p>�Unm�glich! Sie sind unverwundbar!�</p><p>�Unser Arm reicht weit.�</p><p>�Niemand besitzt so viel Einfluss.�</p><p>�Sehr bald schon werden Sie mir glauben. Ich habe bereits eine unwiderlegbare Demonstration der Macht der Bruderschaft initiiert. Ein Akt des Verrats soll Ihnen als Beweis gelten.�</p><p>�Was haben Sie getan?�</p><p>Der Anrufer sagte es ihm. Der Killer riss die Augen auf. �Vollkommen unm�glich!�</p><p>Am n�chsten Tag hatte auf s�mtlichen Zeitungen der Welt die gleiche Schlagzeile geprangt, und der Killer war zum Gl�ubigen geworden.</p><p>Heute, f�nfzehn Tage sp�ter, hatte sich der Glaube des Killers so verfestigt, dass nicht die Spur eines Zweifels geblieben war. <emphasis>Die Bruderschaft lebt,</emphasis> dachte er. <emphasis>Und heute Nacht wird sie hervortreten, um ihre wahre Macht zu demonstrieren.</emphasis></p><p>W�hrend er sich durch die belebten Stra�en bewegte, funkelten seine schwarzen Augen voller Vorfreude. Eine der geheimsten und gef�rchtetsten Bruderschaften in der Geschichte der Menschheit hatte <emphasis>ihn</emphasis> gerufen, um ihr zu dienen. <emphasis>Sie haben eine kluge Wahl getroffen,</emphasis> dachte er. Seine Diskretion wurde nur noch von seiner t�dlichen Effizienz �bertroffen.</p><p>Bisher hatte er zu ihrer vollsten Zufriedenheit gearbeitet. Er hatte das Zielobjekt ausgeschaltet und Janus den verlangten Gegenstand geliefert. Jetzt war es an Janus, seinen Einfluss zu nutzen, um f�r die richtige Platzierung des Gegenstands zu</p><p>sorgen.</p><p><emphasis>Die Platzierung...</emphasis></p><p>Der Killer fragte sich, wie Janus eine derart schwierige Aufgabe vollbringen wollte. Der Mann hatte offensichtlich Verbindungen nach drinnen. Die Macht der Bruderschaft schien grenzenlos.</p><p><emphasis>Janus,</emphasis> dachte der Killer. <emphasis>Ein Kodename, ohne Zweifel.</emphasis> War es, so fragte er sich, eine Anspielung auf jenen r�mischen Gott mit den zwei Gesichtern, oder den Mond des Saturn? Nicht, dass es einen Unterschied gemacht h�tte. Janus verf�gte �ber unvorstellbare Macht. Das hatte er �ber jeden Zweifel hinaus bewiesen.</p><p>Der Killer bewegte sich durch die Stra�en, und er stellte sich vor, wie seine Vorfahren zu ihm herabl�chelten. Heute k�mpfte er ihre Schlacht, k�mpfte gegen den gleichen Feind, den sie seit Menschengedenken bek�mpft hatten, seit dem elften christlichen Jahrhundert. als die Kreuzfahrerarmeen zum ersten Mal sein Land gepl�ndert, sein Volk vergewaltigt und get�tet, es f�r unrein erkl�rt und seine Tempel und G�tter entweiht hatten.</p><p>Seine Ahnen hatten eine kleine, t�dliche Armee aufgestellt, um sich zu verteidigen. Sie waren im ganzen Land als Besch�tzer ber�hmt geworden - erbarmungslose Vollstrecker, die umhergestreift waren und jeden Feind niedergemetzelt hatten, der ihnen begegnet war. Sie waren nicht nur f�r die brutalen Morde ber�chtigt gewesen, sondern auch daf�r, dass sie ihre Siege im Drogenrausch gefeiert hatten. Ihre Droge war ein starkes Gift, das sie <emphasis>hashish</emphasis> nannten.</p><p>Als ihr Ruf sich �ber das gesamte Land ausbreitete, erhielten die t�dlichen K�mpfer einen Namen: <emphasis>Hashishin.</emphasis> W�rtlich bedeutete er <emphasis>�Anh�nger des hashish�.</emphasis> Das Wort <emphasis>Hashishin </emphasis>wurde in fast jedem Land der Erde zu einem Synonym f�r den Tod. Es war auch heute noch in Gebrauch. doch wie die Kunst des T�tens, so hatte auch das Wort eine Entwicklung</p><p>durchlaufen.</p><p>Es lautete nun <emphasis>Assassine.</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel <emphasis>6.</emphasis></p></title><p>Vierundsechzig Minuten waren seit dem Start vergangen, als ein ungl�ubiger und ein wenig luftkranker Robert</p><p>Langdon auf dem sonnen�berfluteten Rollfeld die Gangway hinunterschritt. Eine steife Brise zerrte an den Revers seiner Tweedjacke. Der freie Raum ringsum war ein wunderbares Gef�hl. Er sp�hte hinaus in das �ppig gr�ne Tal, das von schneebedeckten Bergen umgeben war.</p><p><emphasis>Ich tr�ume. Es ist alles nur ein Traum, und ich wache jeden Augenblick auf.</emphasis></p><p>�Willkommen in der Schweiz�, sagte der Pilot. Er musste last br�llen, um den L�rm der herunterfahrenden HEDM-Motoren der X-33 zu �bert�nen.</p><p>Langdon blickte auf die Uhr. Es war sieben Minuten nach sieben.</p><p>�Sie haben sechs Zeitzonen durchquert�, beschied ihn der Pilot. �Wir haben kurz nach dreizehn Uhr Ortszeit.�</p><p>Langdon stellte seine Uhr.</p><p>�Wie f�hlen Sie sich?�</p><p>Langdon rieb sich den Magen. �Als h�tte ich Styropor gegessen.�</p><p>Der Pilot nickte. �H�henkrankheit. Wir waren in f�nfundzwanzigtausend Metern H�he. Dort oben sind Sie ein Drittel leichter. Zum Gl�ck war es nur ein kurzer Sprung - w�re es nach Tokio gegangen, hatte ich die Lady ganz nach oben gebracht - hundertf�nfzig Kilometer. <emphasis>Das</emphasis> dreht Ihnen die Eingeweide wirklich um, glauben Sie mir.�</p><p>Langdon nickte schwach und begl�ckw�nschte sich im Stillen. Wenn man es genau bedachte, war der Flug</p><p>bemerkenswert ereignislos verlaufen. Abgesehen von einer knochenzermalmenden Beschleunigung w�hrend des Starts, hatte das Flugzeug sich normal verhalten - hin und wieder kleinere Turbulenzen, ein paar Druckver�nderungen w�hrend des Steigflugs, doch ansonsten hatte nichts darauf hingedeutet, dass sie mit der irrsinnigen Geschwindigkeit von achtzehntausend Stundenkilometern durch den Fast-Weltraum gerast waren.</p><p>Eine Hand voll Techniker eilte auf das Vorfeld, um die X-33 zu warten. Der Pilot f�hrte Langdon zu einer schwarzen Limousine auf einem Parkplatz direkt beim Kontrollturm. Augenblicke sp�ter rasten sie �ber eine asphaltierte Stra�e, die sich durch das gesamte Tal zog. In der Ferne erhob sich eine Reihe von Geb�uden. Jenseits der Scheiben schienen die Wiesen und Felder zu verschwimmen.</p><p>Langdon beobachtete ungl�ubig, wie der Fahrer bis auf �ber hundertsiebzig Stundenkilometer beschleunigte. <emphasis>Was hat dieser Typ f�r ein Problem mit normalen Geschwindigkeiten?,</emphasis> dachte er.</p><p>�F�nf Kilometer bis zu unserem Ziel�, verk�ndete der Fahrer. �In zwei Minuten sind Sie da.�</p><p>Langdon suchte vergeblich nach einem Sicherheitsgurt. <emphasis>Warum nicht in drei Minuten und daf�r mit heiler Haut?</emphasis></p><p>Der Peugeot raste weiter.</p><p>�M�gen Sie <emphasis>Reba?�,</emphasis> fragte der Pilot und schob eine Kassette in das Abspielger�t.</p><p>Eine Frau sang: �It�s just the fear of being alone.�</p><p><emphasis>Nein, keine Angst, allein zu sein,</emphasis> dachte Langdon geistesabwesend. Seine Kolleginnen zogen ihn h�ufig damit auf, dass seine Sammlung musealer Artefakte nichts weiter w�re als der leicht durchschaubare Versuch, ein leeres Heim zu f�llen, ein Heim, das ihrer beharrlichen Meinung nach sehr von der Gegenwart einer Frau profitieren w�rde. Langdon tat die</p><p>Bemerkungen stets lachend ab und entgegnete, dass es bereits drei gro�e Lieben in seinem Leben g�be - Symbolologie, Wasserball und Singledasein. Letzteres bot ihm die Freiheit, durch die Welt zu reisen, so lange zu schlafen, wie er wollte, und stille Abende zu Hause mit einem Brandy und einem guten Buch zu genie�en.</p><p>�Es ist wie eine kleine Stadt�, sagte der Pilot und riss Langdon aus seinen Tagtr�umen. �Mehr als nur Labors. Wir haben Superm�rkte, ein Spital und sogar ein Kino.�</p><p>Langdon nickte mechanisch und blickte hinaus auf die ausgedehnte Ansammlung von Geb�uden, die sich vor ihnen erhob.</p><p>�Tats�chlich besitzen wir sogar die gr��te Maschine der Welt�, f�gte der Pilot hinzu.</p><p>�Wirklich?� Langdon suchte die Landschaft ab.</p><p>�Da drau�en suchen Sie vergeblich, Sir.� Der Pilot l�chelte. �Sie befindet sich sechs Stockwerke unter der Erde.�</p><p>Langdon hatte keine Gelegenheit nachzufragen. Ohne Vorwarnung trat der Pilot auf die Bremse. Mit quietschenden Reifen kam der Wagen vor einem Wachhaus aus Stahlbeton zum Stehen.</p><p>Langdon las das Schild vor ihnen: SECURITE. ARRETEZ. Pl�tzlich begriff er, wo er war, und Panik stieg in ihm auf. �Mein Gott, ich habe keinen Pass dabei!�</p><p>�P�sse sind unn�tig�, versicherte ihm der Fahrer. �Wir haben eine Ausnahmeregelung mit der schweizerischen Regierung.�</p><p>Verbl�fft beobachtete Langdon, wie der Fahrer dem Wachtposten einen Ausweis gab. Der Posten schob den Ausweis in einen elektronischen Scanner. Die Maschine blinkte gr�n.</p><p>�Name des Passagiers?�</p><p>�Robert Langdon�, antwortete der Fahrer.</p><p>�Gast von?�</p><p>�Direktor Kohler.�</p><p>Der Wachtposten hob die Augenbrauen. Er wandte sich um, bl�tterte durch einen Computerausdruck und verglich die Daten mit den Anzeigen auf seinem Monitor. Dann wandte er sich wieder dem Fenster zu. �Einen angenehmen Aufenthalt, Professor Langdon.�</p><p>Der Wagen raste erneut los und beschleunigte bis kurz vor einen Kreisverkehr, von dem aus es zum Haupteingang der Anlage ging. Vor ihnen ragte eine rechteckige, ultramoderne Konstruktion aus Stahl und Glas auf. Langdon war hingerissen von dem transparenten Design. Er hatte schon immer eine Vorliebe f�r gro�z�gige Architektur gehabt.</p><p>�Die Glaskathedrale�, erkl�rte sein Begleiter.</p><p>�Eine Kirche?�</p><p>�Oh, nein. Wir haben hier fast alles, nur keine Kirche. Unsere Religion hei�t Physik. Sie k�nnen so viele gottesl�sterliche Fl�che aussto�en, wie Sie wollen.� Der Fahrer lachte. �Aber wagen Sie nicht, etwas gegen Quarks oder Mesonen zu sagen.�</p><p>Langdon schwieg benommen, w�hrend der Fahrer den Wagen durch den Kreisel lenkte und vor dem Glasgeb�ude hielt. Quarks und Mesonen? Keine Passkontrolle? Mach-15-Jets? Wer, zur H�lle, sind diese Leute?</p><p>Die gro�e behauene Granitplatte vor dem Geb�ude gab ihm die Antwort:</p><p>CERN</p><p><emphasis>Conseil Europeen pour la Recherche Nucleaire</emphasis></p><p>�Nukleare Forschung?�, fragte Langdon und war ziemlich sicher, dass seine �bersetzung korrekt war.</p><p>Der Fahrer antwortete nicht. Er hatte sich vorgebeugt und drehte an den Kn�pfen des Kassettenspielers. �So, wir sind da. Der Direktor wird Sie am Eingang in Empfang nehmen.�</p><p>Langdon sah einen Mann in einem Rollstuhl aus dem Geb�ude kommen. Er sah aus wie Anfang sechzig, hager, vollkommen kahl und mit strengem Gesichtsausdruck. Er trug einen wei�en Laborkittel, und seine Schuhe waren fest in die Fu�st�tze des Rollstuhls gestemmt. Selbst auf die Entfernung wirkten seine Augen leblos wie graue Steine.</p><p>�Das ist er?�, fragte Langdon.</p><p>Der Fahrer blickte auf. �Also, wenn das nicht.� Er wandte sich zu Langdon um und grinste beunruhigend. �Wenn man vom Teufel spricht.�</p><p>Unsicher, was ihn erwartete, stieg Robert Langdon aus dem Wagen.</p><p>Der Mann im Rollstuhl kam auf ihn zu und reichte ihm eine feuchtkalte Hand. �Mr. Langdon? Wir haben miteinander telefoniert. Ich bin Maximilian Kohler.�</p></section><section><title><p>Kapitel 7.</p></title><p>Maximilian Kohler, Generaldirektor von CERN, wurde hinter seinem R�cken �der K�nig� genannt. Es war ein Titel, der mehr von Furcht zeugte denn von Ehrerbietung f�r einen Mann, der sein Reich vom Rollstuhl aus regierte. Nur wenige kannten Kohler pers�nlich, doch jeder bei CERN hatte die schreckliche Geschichte geh�rt, wie es zu seiner Verkr�ppelung gekommen war, und kaum jemand machte ihm seine Bitterkeit zum Vorwurf. genauso wenig wie seine v�llige Hingabe an die reine Wissenschaft.</p><p>Langdon kannte den Direktor erst seit wenigen Augenblicken und sp�rte bereits jetzt, dass Kohler ein sehr distanzierter Mensch war. Langdon musste beinahe rennen, um mit Kohlers elektrischem Rollstuhl Schritt zu halten, als dieser lautlos auf den Eingang zuglitt. Einen solchen Rollstuhl hatte Langdon noch nie gesehen; er war ausgestattet mit einer ganzen Batterie elektronischer Ger�te einschlie�lich Mobiltelefon, Pager, Computerbildschirm, selbst einer kleinen transportablen Videokamera. K�nig Kohlers mobiles Kommandozentrum.</p><p>Langdon folgte Kohler durch eine mechanische T�r in die gewaltige Eingangshalle von CERN.</p><p><emphasis>Die Glaskathedrale,</emphasis> sinnierte Langdon und starrte himmelw�rts.</p><p>Das bl�uliche Glasdach gl�nzte im Licht der Nachmittagssonne. Die geometrischen Schatten der Sonnenstrahlen verliehen dem Raum eine Aura von Erhabenheit, und egelm��ige Muster aus Licht und Schatten �berzogen die wei�en W�nde und den Marmorboden. Die Luft roch rein, beinahe steril. Eine Hand voll Wissenschaftler bewegte sich zielstrebig hin und her, und ihre Schritte hallten von den W�nden wider.</p><p>�Hier entlang bitte, Mr. Langdon.� Kohlers Stimme klang fast, als stammte sie aus einem Computer. Seine Aussprache war hart und pr�zise, sie passte zu seinen strengen Gesichtsz�gen. Kohler hustete und wischte sich mit einem wei�en Taschentuch �ber den Mund, w�hrend er Langdon mit seinen toten grauen Augen fixierte. �Bitte beeilen Sie sich.� Der Rollstuhl schien �ber den wei�en Marmorboden zu schweben.</p><p>Langdon folgte ihm durch scheinbar endlose G�nge und Korridore, in denen ausnahmslos hektische Betriebsamkeit herrschte. Die Wissenschaftler, die ihnen unterwegs begegneten, starrten Langdon �berrascht an, als fragten sie sich, wer er war, dass er solche Aufmerksamkeit erhielt.</p><p>�Ich gestehe zu meiner Schande�, sagte Langdon in dem Versuch, Konversation zu machen, �dass ich noch nie etwas von CERN geh�rt habe.�</p><p>�Das �berrascht mich nicht�, erwiderte Kohler. Seine abgehackte Antwort klang n�chtern und emotionslos. �Die meisten Amerikaner sehen Europa nicht als f�hrende wissenschaftliche Kraft in der Welt. F�r sie ist Europa nichts weiter als eine abgelegene Gegend, wo man billig einkaufen kann eine merkw�rdige Einstellung, wenn man bedenkt, dass M�nner wie Einstein, Galileo oder Newton alle Europ�er waren.�</p><p>Langdon wusste nicht recht, wie er darauf antworten sollte. Er zog das Fax aus der Jackentasche. �Dieser Mann auf dem Foto -k�nnten Sie.?�</p><p>Kohler schnitt ihm mit einer Handbewegung das Wort ab. �Nicht hier, bitte. Ich bringe Sie jetzt zu der Stelle.� Er streckte Langdon die Hand hin. �Vielleicht sollte ich das wieder an mich nehmen.�</p><p>Langdon reichte ihm das Fax und trottete schweigend hinter dem Rollstuhl her.</p><p>Kohler bog nach links in einen breiten, hohen Korridor, dessen W�nde mit zahllosen Urkunden und Auszeichnungen geschm�ckt waren. Der Eingang wurde von einer besonders gro�en Plakette beherrscht. Langdon verlangsamte seinen Schritt, um die in Bronze gravierte Inschrift im Vor�bergehen zu lesen:</p><p>ARS ELECTRONICA AWARD</p><p>F�r kulturelle Innovation im Digitalen Zeitalter</p><p>Verliehen an Tim Berners und CERN</p><p>F�r die Erfindung des</p><p>WORLD WIDE WEB</p><p><emphasis>Ich will verdammt sein,</emphasis> dachte Langdon, als er den Text las. <emphasis>Dieser Typ hat keinen Scherz gemacht!</emphasis> Langdon hatte immer gedacht, das Web sei eine amerikanische Erfindung. Andererseits waren seine Kenntnisse auf die Seite f�r seine eigenen B�cher und gelegentliche Online-Besuche im Louvre oder Prado beschr�nkt, die er mit seinem alten Macintosh unternahm.</p><p>�Das Web�, sagte Kohler, hustete erneut und wischte sich mit dem Taschentuch �ber den Mund, �hat hier seinen Anfang genommen, als ein Netzwerk von lokalen Computern. Dadurch waren Wissenschaftler aus verschiedenen Abteilungen imstande, ihre neuesten Erkenntnisse miteinander zu teilen. Heute glaubt die ganze Welt, das Internet w�re eine Erfindung der Amerikaner.�</p><p>Langdon folgte Kohler weiter durch den Gang. �Warum unternehmen Sie nichts, um das richtig zu stellen?�</p><p>Kohler zuckte scheinbar desinteressiert die Schultern. �Eine unbedeutende Fehleinsch�tzung einer unbedeutenden Technologie. CERN ist weit mehr als eine globale Vernetzung von Computern. Unsere Wissenschaftler produzieren fast t�glich neue Wunder.�</p><p>Langdon starrte Kohler fragend an. �Wunder?� Das Wort �Wunder� geh�rte sicherlich nicht zum allgemeinen Vokabular im Fairchild Science Building von Harvard. Wunder waren im Allgemeinen den theologischen Fakult�ten vorbehalten.</p><p>�Sie scheinen skeptisch zu sein�, sagte Kohler. �Ich dachte, Sie w�ren Spezialist f�r religi�se Symbolologie. Glauben Sie denn nicht an Wunder?�</p><p>�Ich wei� nicht recht, was ich von Wundern halten soll�, erwiderte Langdon. <emphasis>Insbesondere von Wundern, die aus den Labors der Wissenschaft kommen.</emphasis></p><p>�Wunder ist vielleicht auch das falsche Wort. Ich habe versucht, in Ihrer Sprache zu sprechen.�</p><p>�Meiner Sprache?� Pl�tzlich f�hlte Langdon sich unbehaglich. �Ich m�chte Sie nicht entt�uschen, Sir, aber ich <emphasis>studiere</emphasis> religi�se Symbolologie - ich bin Wissenschaftler und kein Priester.�</p><p>Kohler verlangsamte seine Fahrt. Er wandte sich zu Langdon um, und sein Blick wurde eine Spur freundlicher. �Selbstverst�ndlich. Wie dumm von mir. Man muss schlie�lich nicht an Krebs leiden, um seine Symptome zu analysieren.�</p><p>So hatte Langdon die Sache noch nie betrachtet.</p><p>Sie setzten ihren Weg durch den Korridor fort, und Kohler nickte einlenkend. �Ich glaube, wir werden uns sehr gut verstehen, Mr. Langdon.�</p><p>Irgendwie zweifelte Langdon daran.</p><p>Sie eilten weiter, und unvermittelt h�rte Langdon ein tiefes Rumpeln ein St�ck voraus. Das Ger�usch wurde mit jedem Schritt lauter, bis die W�nde selbst vibrierten. Es schien vom Ende des Korridors zu kommen.</p><p>�Was ist das?�, fragte Langdon schlie�lich und musste fast schreien. Es klang, als n�herten sie sich einem aktiven Vulkan.</p><p>�Ein Freifallschacht�, erwiderte Kohler mit einer Stimme, die m�helos den L�rm durchschnitt. Auf eine weitere Erkl�rung</p><p>wartete Langdon vergeblich.</p><p>Er fragte auch nicht nach. Er war ersch�pft, und Maximilian Kohler schien kein Interesse daran zu haben, einen Preis f�r herausragende Gastfreundschaft zu gewinnen. Langdon rief sich den Grund f�r seine Anwesenheit ins Ged�chtnis. <emphasis>Illuminati.</emphasis> Er nahm an, dass irgendwo in dieser gewaltigen Einrichtung ein Leichnam lag. ein Leichnam mit einem Brandmal, das zu sehen er f�nftausend Kilometer weit geflogen war.</p><p>Sie n�herten sich dem Ende des Korridors, und das Rumpeln wurde ohrenbet�ubend. Der Boden vibrierte unter Langdons F��en. Sie umrundeten eine Biegung, und zur Rechten erstreckte sich eine Aussichtsgalerie. Vier Fenster mit dicken Scheiben waren in eine runde Wand eingelassen wie Bullaugen in einem Unterseeboot. Langdon blieb stehen und warf einen Blick auf das, was dahinter lag.</p><p>Professor Robert Langdon hatte in seinem Leben schon eine Reihe von merkw�rdigen Dingen gesehen, doch was er nun sah, war mit Abstand das Merkw�rdigste. Er blinzelte ein paar Mal und fragte sich, ob er unter Halluzinationen leide. Er starrte hinaus in eine weite, runde Kammer. Im Innern der Kammer schwebten Menschen, als w�ren sie <emphasis>schwerelos.</emphasis> Drei Leute. Einer von ihnen winkte und schlug mitten in der Luft einen Salto.</p><p><emphasis>Mein Gott,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Ich bin im Land Oz.</emphasis></p><p>Den Boden der Kammer bildete ein Gitter, das aussah wie ein gewaltiger Maschendraht. Unter dem Gitter erkannte Langdon das metallische Flirren eines gigantischen Propellers.</p><p>�Der Freifallschacht�, sagte Kohler. Er hatte angehalten und wartete auf Langdon. �Indoor-Fallschirmspringen. Zum Stressabbau. Ein ganz gew�hnlicher Windkanal, aber vertikal ausgerichtet.�</p><p>Sprachlos beobachtete Langdon das Geschehen in der Kammer. Eine der drei Personen, eine dicke Frau, man�vrierte auf das Fenster zu. Die Luftstr�mungen zerrten an ihr, doch sie grinste und winkte Langdon mit erhobenem Daumen. Langdon l�chelte schwach und fragte sich, ob sie wusste, dass der Daumen ein altes phallisches Symbol f�r Virilit�t war.</p><p>Langdon bemerkte, dass die korpulente Frau die Einzige war, die eine Art Mini-Fallschirm trug. Das St�ck Stoff bl�hte sich �ber ihr wie ein Spielzeugsegel. �Wozu ist der kleine Fallschirm?�, fragte er Kohler. �Er kann h�chstens einen Meter Durchmesser haben.�</p><p>�Reibung�, erwiderte Kohler. �Er verringert ihre</p><p>Aerodynamik so weit, dass die Luftstr�mung sie tragen kann.� Er setzte sich erneut in Bewegung. �Ein Quadratmeter Stoff verlangsamt einen K�rper im freien Fall um fast zwanzig Prozent.�</p><p>Langdon nickte verdutzt.</p><p>Er h�tte niemals f�r m�glich gehalten, dass diese Information ihm noch in der gleichen Nacht das Leben retten w�rde, in einem viele Hundert Kilometer entfernten Land.</p></section><section><title><p>Kapitel 8.</p></title><p>Als Langdon und Kohler auf der R�ckseite des Hauptgeb�udes von CERN in das grelle Licht der Sonne traten, f�hlte sich Langdon, als w�re er irgendwie nach Hause versetzt worden. Die Szenerie vor seinen Augen besa� verbl�ffende �hnlichkeit mit dem Campus einer amerikanischen Eliteuniversit�t.</p><p>Ein grasbewachsener Hang erstreckte sich in eine weite Ebene hinein. Kleine Gruppen von Zuckerahorn auf gro�z�gigen Freifl�chen waren ges�umt von Wohnheimen und Fu�wegen, Leute mit B�chern und Papieren eilten zwischen den Geb�uden umher. Wie um die Campus-Atmosph�re zu untermalen, schleuderten zwei langhaarige Hippies eine Frisbeescheibe, w�hrend aus einem offenen Fenster Gustav Mahlers Vierte Symphonie erklang.</p><p>�Das sind die Unterk�nfte f�r unsere Mitarbeiter�, erkl�rte Kohler, w�hrend er mit seinem Rollstuhl den Weg hinunter zu den Geb�uden einschlug. �Wir besch�ftigen �ber dreitausend Physiker. Mehr als die H�lfte aller Teilchenphysiker der Welt arbeitet bei CERN, die kl�gsten K�pfe auf diesem Planeten. Deutsche, Japaner, Italiener, Holl�nder, was immer Sie wollen. Unsere Physiker repr�sentieren mehr als f�nfhundert Universit�ten und sechzig Nationalit�ten.�</p><p>Langdon staunte einmal mehr. �Und wie kommunizieren so viele verschiedene Nationalit�ten miteinander?�</p><p>�Auf Englisch nat�rlich. Die universale Sprache der Wissenschaft.�</p><p>Langdon hatte stets geglaubt, Mathematik sei die universale Sprache der Wissenschaft, doch er war zu m�de, als dass er widersprochen h�tte. Pflichtschuldigst folgte er Kohler den Weg</p><p>hinunter.</p><p>Auf halbem Weg joggte ein junger Mann vor�ber. Er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift: NO GUT, NO GLORY!</p><p>Langdon starrte ihm verwirrt hinterher. �GUT?�</p><p>�Grand Unified Theory oder gro�e Vereinigungstheorie aller Kr�fte�, sp�ttelte Kohler. �Die Theorie von allem, sozusagen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Langdon und verstand �berhaupt nichts.</p><p>�Sind Sie vertraut mit Teilchenphysik, Mr. Langdon?�</p><p>Langdon zuckte die Schultern. �Ich bin ein wenig mit allgemeiner Physik vertraut - fallende K�rper und dergleichen.�</p><p>Seine Jahre als Turmspringer hatten ihm einen geh�rigen Respekt vor den beeindruckenden Kr�ften der Erdbeschleunigung eingefl��t. �Die Teilchenphysik besch�ftigt sich mit Atomen, nicht wahr?�</p><p>Kohler sch�ttelte den Kopf. �Atome sind so gro� wie Planeten im Vergleich zu dem, womit wir uns befassen. Unser Interesse gilt dem Kern von Atomen, dem Nukleus - ein Zehntausendstel dessen, was ein Atom ausmacht.� Er hustete erneut. Es klang krank. �Die M�nner und Frauen bei CERN suchen nach Antworten auf eine Frage, die die Menschheit seit Anbeginn der Zeit besch�ftigt. Woher kommen wir, und woraus sind wir gemacht?�</p><p>�Und diese Antworten findet man in einem Physiklabor?�</p><p>�Das klingt gerade so, als w�ren Sie �berrascht.�</p><p>�Bin ich auch. Die Frage erscheint mir eher spiritueller Natur.�</p><p>�Mr. Langdon, fr�her einmal waren <emphasis>alle</emphasis> Fragen spirituell. Seit Anbeginn der Zeit hat man Spiritualit�t und Religion benutzt, um die L�cken aufzuf�llen, die von der Wissenschaft nicht erkl�rt werden konnten. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang wurden einst Helios und seinem flammenden Streitwagen zugeschrieben. Erdbeben und Flutwellen waren die Rache</p><p>Poseidons. Die Wissenschaft hat bewiesen, dass diese G�tter falsche Idole waren. Bald schon werden wir s�mtliche G�tter als falsche Idole entlarvt haben. Die Wissenschaft hat Antworten auf nahezu jede Frage geliefert, die ein Mensch nur stellen kann. Es gibt nur noch wenige offene Fragen, und sie sind esoterischer Natur. Woher kommen wir? Was tun wir hier? Welche Bedeutung hat das Leben, das Universum?�</p><p>Langdon staunte. �Und CERN versucht diese Fragen zu beantworten?�</p><p>�CERN <emphasis>beantwortet</emphasis> diese Fragen.�</p><p>Langdon verstummte, und die beiden M�nner eilten zwischen den Wohnheimen hindurch. Die Frisbeescheibe segelte �ber sie hinweg und landete vor Langdons F��en. Langdon hob sie auf und warf sie geschickt zur�ck. Der alte Mann fing die Scheibe mit der Fingerspitze und lie� sie einige Male kreiseln, bevor er sie �ber die Schulter zu seinem Partner schleuderte. <emphasis>�Merci!�, </emphasis>rief er Langdon zu.</p><p>�Meinen Gl�ckwunsch�, sagte Kohler, als Langdon ihn endlich eingeholt hatte. �Sie haben gerade mit einem Nobelpreistr�ger Frisbee gespielt. George Charpak, Erfinder der mehradrigen Proportionalkammer.�</p><p>Langdon nickte. <emphasis>Ist wohl mein Gl�ckstag heute.</emphasis></p><p>Es dauerte weitere drei Minuten, bis Kohler und Langdon ihr Ziel erreicht hatten, ein gro�es, gepflegtes Wohngeb�ude inmitten eines Pappelhains. Im Vergleich zu den anderen Wohnheimen wirkte es geradezu luxuri�s. Die Steintafel neben dem Eingang trug die Aufschrift BULDING C.</p><p><emphasis>Fantasievolle Bezeichnung,</emphasis> dachte Langdon.</p><p>Trotz des nichts sagenden Namens fand Langdon Gefallen an dem Geb�ude und seinem architektonischen Stil - konservativ und solide. Die Fassade bestand aus roten Ziegelsteinen und besa� eine reich verzierte Balustrade. Das ganze Geb�ude war eingefasst von einer symmetrischen, sauber getrimmten Hecke.</p><p>Auf dem Weg zum Eingang passierten die beiden M�nner einen Torbogen, der von zwei Marmors�ulen gest�tzt wurde. Irgendjemand hatte eine gelbe Haftnotiz an eine der S�ulen geklebt:</p><p>DIESE S�ULE IST IONISCH.</p><p><emphasis>Physiker-Graffiti?,</emphasis> sinnierte Langdon, w�hrend er die S�ule musterte und leise vor sich hinkicherte. �Ich sehe mit Erleichterung, dass selbst die brillantesten Physiker hin und wieder Fehler machen�, sagte er.</p><p>Kohler wandte sich zu ihm um. �Wie meinen Sie das?�, fragte er.</p><p>�Wer immer diesen Zettel geschrieben hat, ist im Irrtum. Diese S�ulen sind nicht ionisch. Ionische S�ulen sind gerade. Diese hier verj�ngen sich nach oben hin. Sie sind dorisch - das griechische Gegenst�ck. Ein weit verbreiteter Irrtum.�</p><p>Kohler l�chelte nicht. �Der Urheber wollte einen Scherz machen, Mr. Langdon. Ionisch bedeutet, dass <emphasis>Ionen</emphasis> enthalten sind - elektrisch geladene Partikel. Die meisten Objekte enthalten Ionen.�</p><p>Langdon starrte auf die S�ule und st�hnte resigniert.</p><p>Langdon f�hlte sich immer noch wie ein dummer Junge, als er im obersten Stockwerk von Building C aus dem Aufzug trat. Er folgte Kohler durch einen m�blierten Korridor. Die Ausstattung war eine �berraschung - traditioneller franz�sischer Kolonialstil, ein Diwan aus Kirsche, eine Bodenvase aus Porzellan, verschn�rkelte Holzarbeiten.</p><p>�Wir bieten unseren fest angestellten Wissenschaftlern nach M�glichkeit eine komfortable Umgebung�, erkl�rte Kohler.</p><p><emphasis>Offensichtlich,</emphasis> dachte Langdon. �Also hat der Mann auf dem Fax hier oben gewohnt? Einer Ihrer leitenden Angestellten?�</p><p>�Sozusagen�, antwortete Kohler. �Er kam heute Morgen nicht zu einer Besprechung und hat auch nicht auf den Pager geantwortet. Ich kam hierher, um ihn zu suchen, und fand ihn tot in seinem Wohnzimmer.�</p><p>Langdon erschauerte unwillk�rlich, als ihm bewusst wurde, dass er nun einen Leichnam zu sehen bekam. Sein Magen war nie sonderlich robust gewesen - eine Schw�che, die er zum ersten Mal als Kunststudent entdeckt hatte. Damals hatte die Professorin ihren Studenten erz�hlt, wie Leonardo da Vinci sein Wissen �ber den menschlichen K�rper erlangt hatte. Durch das Sezieren exhumierter Leichen.</p><p>Kohler f�hrte ihn bis ans Ende des Korridors. Sie kamen zu einer einzelnen T�r. �Das Penthouse, wie Sie es wahrscheinlich nennen w�rden�, verk�ndete Kohler und tupfte sich mit einem wei�en Taschentuch Schwei�perlen von der Stirn.</p><p>Langdon musterte die Eichent�r. Auf dem Namensschild stand:</p><p>LEONARDO VETRA</p><p>�Leonardo Vetra w�re n�chste Woche achtundf�nfzig geworden�, verk�ndete Kohler. �Er war einer der brillantesten K�pfe unserer Zeit. Sein Tod ist ein herber Verlust f�r die gesamte Wissenschaft.�</p><p>Einen Augenblick lang meinte Langdon, in Kohlers hartem Gesicht Emotionen zu entdecken. Doch sie vergingen so schnell, wie sie gekommen waren. Kohler griff in seine Tasche und zog einen gro�en Schl�sselbund hervor.</p><p>Ein eigenartiger Gedanke stieg in Langdon auf. Das Geb�ude wirkte verlassen. �Wo sind die anderen alle?�, fragte er. Angesichts der Tatsache, dass sie im Begriff waren, den Schauplatz eines Mordes zu betreten, hatte er nicht mit solcher Stille gerechnet.</p><p>�Die Bewohner sind in ihren Labors�, erwiderte Kohler, w�hrend er nach dem richtigen Schl�ssel suchte.</p><p>�Ich meine die <emphasis>Polizei!�,</emphasis> erkl�rte Langdon. �Ist sie schon wieder weg?�</p><p>Kohler z�gerte mit dem Schl�ssel halb im Loch. <emphasis>�Polizei?�</emphasis></p><p>Langdon hielt dem Blick des Direktors stand. �Ja. Sie haben mir ein Fax geschickt, auf dem ein Ermordeter zu sehen ist. Sie <emphasis>m�ssen</emphasis> doch die Polizei gerufen haben!�</p><p>�Das habe ich <emphasis>ganz gewiss nicht.�</emphasis></p><p><emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>Kohlers graue Augen wurden hart. �Die Situation ist nicht so einfach, wie Sie denken, Mr. Langdon.�</p><p>Langdon sp�rte eine dunkle Vorahnung in sich aufsteigen. �Aber. irgendjemand muss doch Bescheid wissen?�</p><p>�Ja. Leonardos Adoptivtochter. Sie ist ebenfalls Physikerin hier beim CERN. Sie und ihr Vater teilten sich ein Labor. Sie waren Partner. Miss Vetra war diese Woche zu Feldversuchen au�er Haus. Ich habe sie selbstverst�ndlich �ber den Tod ihres Vaters benachrichtigt. Sie ist auf dem Weg hierher.�</p><p>�Aber ein Mensch wurde ermordet.�</p><p>�Eine f�rmliche Untersuchung <emphasis>wird</emphasis> stattfinden�, beschied ihn Kohler mit fester Stimme. �Und sie wird sich auch auf das Labor der Vetras erstrecken, das Leonardo und seine Tochter hermetisch abgeschirmt haben. Deswegen werde ich warten, bis Miss Vetra zur�ck ist. So viel Diskretion bin ich ihr schuldig.�</p><p>Kohler drehte den Schl�ssel im Schloss.</p><p>Die T�r schwang auf, und ein Schwall eisiger Luft traf Langdon im Gesicht. Er wich erschrocken zur�ck. Er starrte �ber die Schwelle in eine fremdartige Welt. Die Wohnung war in dichten wei�en Nebel geh�llt. Der Nebel wirbelte um das Mobiliar und h�llte den gesamten Raum in einen undurchdringlichen Dunst.</p><p>�Was, zur.?�, stammelte Langdon.</p><p>�Ein Freon-K�hlsystem�, erkl�rte Kohler. �Ich habe die Wohnung gek�hlt, um den Leichnam zu konservieren.�</p><p>Langdon kn�pfte seine Jacke zu; er hatte bereits zu fr�steln begonnen. <emphasis>Ich bin tats�chlich in Oz,</emphasis> dachte er. <emphasis>Und ich habe meine magischen Schuhe vergessen.</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel <emphasis>9.</emphasis></p></title><p>Der Leichnam sah grauenhaft aus. Der tote Leonardo Vetra lag splitternackt auf dem Boden. Die Haut schimmerte blaugrau. Die Halswirbel traten dort hervor, wo sie gebrochen worden waren, und der Kopf war v�llig nach hinten verdreht. Das Gesicht war nicht zu sehen; es zeigte nach unten. Der Mann lag in einer gefrorenen Lache seines eigenen Urins. Das Schamhaar um die geschrumpelten Genitalien war von Frost �berzogen.</p><p>Langdon k�mpfte gegen die aufsteigende �belkeit, w�hrend er sich dem Toten n�herte, um dessen Brust zu betrachten. Obwohl er die symmetrische Brandwunde Dutzende Male auf dem Fax angestarrt hatte, war sie in der Realit�t wesentlich eindrucksvoller. Das Symbol aus verbranntem Fleisch war vollendet geformt und besa� nicht den kleinsten Makel.</p><p>Langdon fragte sich, ob das Fr�steln, das von ihm Besitz ergriff, von der K�lte herr�hrte oder von seiner ihn sprachlos machenden Best�rzung �ber die Bedeutung dessen, was sich seinen Blicken bot:</p><p>Langdon schlug das Herz bis zum Hals, w�hrend er um den Toten herumging und das Wort auf dem Kopf stehend las, um einmal mehr die beinahe unglaubliche Symmetrie zu bestaunen. Das Symbol schien jetzt, w�hrend er mit eigenen Augen darauf blickte, noch unvorstellbarer als zuvor.</p><p>�Mr. Langdon?�</p><p>Langdon h�rte nichts. Er war in einer anderen Welt. seiner Welt, seinem Element, einer Realit�t, in der Geschichte, Mythen und Fakten aufeinander prallten und seine Sinne �berfluteten. Sein Verstand arbeitete auf Hochtouren.</p><p>�Mr. Langdon?� Kohler starrte ihn erwartungsvoll an.</p><p>Langdons Blick haftete unverwandt auf dem Toten. Er wirkte vollkommen abwesend, vollkommen konzentriert. �Wie viel wissen Sie bereits?�</p><p>�Nur das Wenige, das ich auf Ihrer Webseite lesen konnte. Das Wort Illuminati bedeutet&gt;die Erleuchtetem. Es ist der Name irgendeiner alten Bruderschaft.�</p><p>Langdon nickte. �Haben Sie den Namen fr�her schon einmal geh�rt?�</p><p>�Nicht, bevor ich ihn auf Mr. Vetras Brust eingebrannt sah.�</p><p>�Haben Sie eine Websuche durchgef�hrt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und der Begriff hat Hunderte von Treffern ergeben, wie ich annehme?�</p><p>�Tausende�, sagte Kohler. �Ihr Name war jedoch mit Referenzen auf Harvard, Oxford, einen angesehenen Verleger und einer Liste weiterf�hrender Publikationen verbunden. Als Wissenschaftler habe ich die Erfahrung gemacht, dass Informationen lediglich so viel wert sind wie ihre Quelle. Ihre Referenzen schienen authentisch.�</p><p>Langdons Blicke ruhten noch immer auf dem Toten.</p><p>Kohler verstummte. Er wartete offensichtlich darauf, dass Langdon ein wenig Licht auf die Szene vor ihm werfen w�rde.</p><p>Schlie�lich schaute Langdon auf, und sein Blick wanderte durch die tiefgek�hlte Wohnung. �Vielleicht sollten wir an einem w�rmeren Ort dar�ber diskutieren.�</p><p>�Dieser Raum ist so gut wie jeder andere.� Kohler schien die K�lte nicht zu sp�ren. �Wir reden hier.�</p><p>Langdon runzelte die Stirn. Die Geschichte der Illuminati war alles andere als schnell erz�hlt. <emphasis>Ich friere mich zu Tode bei dem Versuch, es zu erkl�ren.</emphasis> Er starrte einmal mehr auf das Brandmal und sp�rte, wie erneut Ehrfurcht in ihm aufstieg.</p><p>Obwohl in der modernen Symbolologie zahllose Berichte �ber das Wappen der Illuminati existierten, hatte noch kein Forscher es tats�chlich zu Gesicht bekommen. Einige Dokumente beschrieben das Symbol als ein �Ambigramm� -<emphasis>ambi</emphasis> bedeutete allseitig und hie�, dass man es in beide Richtungen lesen konnte. Ambigramme waren in der Symbolologie weit verbreitet, <emphasis>Swastikas, Yin Yang,</emphasis> j�dische Sterne, symmetrische Kreuze - die Vorstellung allerdings, dass ein Wort in einem Ambigramm dargestellt werden konnte, erschien v�llig absurd. Moderne Symbolologen hatten jahrelang versucht, das Wort �Illuminati� als Ambigramm darzustellen und waren kl�glich gescheitert. Die meisten Akademiker waren zu dem Schluss gelangt, dass die Existenz des Symbols nur ein Mythos war.</p><p>�Wer sind nun diese Illuminati?�, wollte Kohler wissen.</p><p><emphasis>Ja,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Wer sind sie? Er</emphasis> begann seine Geschichte zu erz�hlen.</p><p>�Seit Anbeginn der Zeit�, erkl�rte Langdon, �hat es eine tiefe Kluft gegeben zwischen Wissenschaft und Religion. Namhafte Forscher wie Kopernikus.�</p><p>�. wurden ermordet!�, rief Kohler dazwischen. �Ermordet <emphasis>von</emphasis> der Kirche, weil sie wissenschaftliche Wahrheiten enth�llt hatten. Schon immer hat die Religion die Wissenschaft verfolgt!�</p><p>�Ja. Doch um das Jahr 1500 herum gab es in Rom eine Gruppe von M�nnern, die sich gegen die Kirche wehrten. Einige von Italiens kl�gsten K�pfen - Physiker, Mathematiker und Astronomen - trafen sich heimlich, um sich wegen der unrichtigen Lehren der Kirche auszutauschen. Sie f�rchteten, dass das kirchliche Monopol auf die&gt;Wahrheit&lt;den weltweiten akademischen Fortschritt behindern k�nnte. Also gr�ndeten sie die erste wissenschaftliche Denkfabrik in der Geschichte der Menschheit und nannten sich&gt;die Erleuchtetem.�</p><p>�Die Illuminati.�</p><p>�Ganz recht�, erwiderte Langdon. �Die gebildetsten K�pfe Europas, die sich der Suche nach der wissenschaftlichen Wahrheit verschrieben hatten.�</p><p>Kohler sagte nichts.</p><p>�Selbstverst�ndlich wurden die Illuminati erbarmungslos von der katholischen Kirche verfolgt. Nur durch extreme Sicherheitsvorkehrungen konnten sich die Wissenschaftler sch�tzen. Die Nachricht verbreitete sich im akademischen Untergrund, und die Bruderschaft der Illuminati wuchs, bis Gelehrte aus ganz Europa zu ihr geh�rten. Sie trafen sich regelm��ig in einem geheimen Unterschlupf in Rom, den sie <emphasis>Kirche der Erleuchtung</emphasis> nannten.�</p><p>Kohler h�stelte und verlagerte sein Gewicht im Rollstuhl.</p><p>�Viele der Illuminati wollten der Tyrannei der Kirche mit Gewalt begegnen�, fuhr Langdon fort, �doch das geachtetste Mitglied von allen �berzeugte sie davon, dass das falsch sei. Er war Pazifist und einer der ber�hmtesten Wissenschaftler der Geschichte.�</p><p>Langdon war sicher, dass Kohler den Namen kannte. Selbst Laien hatten von dem ungl�ckseligen Astronomen geh�rt, der verhaftet und beinahe hingerichtet worden w�re, weil er behauptet hatte, dass die Sonne und nicht die Erde der Mittelpunkt des Sonnensystems sei. Obwohl seine Beweise unumst��lich waren, wurde er hart daf�r bestraft, dass er mit seinen Behauptungen angedeutet hatte, Gott k�nnte die Menschen woanders als im Zentrum Seines Universums erschaffen haben, �Sein Name war Galileo Galilei�, schloss Langdon.</p><p>Kohler blickte auf. �Galileo?�</p><p>�Ja. Galileo war ein Illuminatus. Und er wir ein gl�ubiger Katholik. Er versuchte die Position der Kirche aufzuweichen, indem er behauptete, Wissenschaft w�rde die Existenz Gottes nicht unterminieren, sondern vielmehr zementieren. Er schrieb, dass er beim Blick durch das Teleskop auf die sich drehenden Planeten Gottes Stimme in der Musik der Sph�ren h�ren k�nne. Er war �berzeugt, dass Wissenschaft und Religion Alliierte statt Feinde sein sollten - zwei verschiedene Sprachen, die die gleiche Geschichte erz�hlten, eine Geschichte von Symmetrie und Ausgewogenheit. Himmel und Holle, Tag und Nacht, hei� und kalt, Gott und Satan. Wissenschaft und Religion vereinigt in g�ttlicher Symmetrie. dem endlosen Widerstreit von Gut und B�se.� Langdon z�gerte. Er stampfte mit den F��en auf, um warm zu bleiben.</p><p>Kohler sa� in seinem Rollstuhl und starrte ihn abwartend an</p><p>�Ungl�cklicherweise�, fuhr Langdon fort, �war die Vereinigung von Wissenschaft und Religion nicht das, was die Kirche wollte.�</p><p>�Nat�rlich nicht!�, rief Kohler. �Die Vereinigung h�tte den Anspruch der Kirche, einzige Quelle zum Verst�ndnis Gottes zu sein, zerst�rt. Also klagte die Kirche Galileo wegen Gottesl�sterung an, befand ihn f�r schuldig und stellte ihn unter Hausarrest. Ich bin mir der Geschichte der Wissenschaft durchaus bewusst, Mr. Langdon. Doch das alles liegt Jahrhunderte zur�ck. Was hat es mit Leonardo Vetra zu tun?�</p><p><emphasis>Die Millionen-Dollar-Frage.</emphasis> Langdon machte es kurz. �Galileos Verhaftung l�ste bei den Illuminati einen Aufruhr aus. Man beging Fehler, und die Kirche kam hinter die Identit�t von vier Mitgliedern. Sie wurden festgenommen und verh�rt. Doch die vier Wissenschaftler schwiegen. selbst unter der Folter.�</p><p>�Folter?�</p><p>Langdon nickte �Sie wurden bei lebendigem Leib</p><p>gebrandmarkt. Auf der Brust. Mit einem Kreuz.�</p><p>Kohlers Augen weiteten sich, und er warf einen beunruhigten Blick auf Vetras Leichnam.</p><p>�Anschlie�end wurden die Wissenschaftler brutal ermordet und die Leichen in die Stra�en Roms geworfen, als Warnung f�r andere, die mit den Illuminati sympathisierten. Nachdem die Kirche den Illuminati so nahe gekommen war, flohen die �berlebenden aus Italien.�</p><p>Langdon hielt inne, um seinen n�chsten Worten den n�tigen Nachdruck zu verleihen. Er sah Kohler direkt in die toten grauen Augen. �Die Illuminati gingen noch tiefer in den Untergrund, wo sie sich mit anderen Gruppierungen vermischten, die allesamt von der katholischen Kirche verfolgt wurden -Mystikern, Alchimisten, Okkultisten, Muslimen, Juden. Im Verlauf der Jahre gewannen die Illuminati neue Mitglieder hinzu. Eine neue Bruderschaft entstand. Eine dunklere Bruderschaft. Eine tief antichristliche Bruderschaft von Illuminati. Eine sehr m�chtige, sehr geheime Sekte mit mysteri�sen Riten, die sich geschworen hatte, eines Tages aus der Versenkung zur�ckzukehren und Rache an der katholischen Kirche zu nehmen. Ihre Macht wuchs bis zu einem Punkt, an dem die Kirche sie als die gef�hrlichste antichristliche Macht auf Erden betrachtete. Der Vatikan erkl�rte die Bruderschaft zu <emphasis>Shaitan.�</emphasis></p><p>�Shaitan?�</p><p>�Ein islamisches Wort. Es bedeutet&gt;Todfeinde&lt;... Gottes Todfeinde. Die Kirche w�hlte einen islamischen Namen, weil es eine Sprache war, die als schmutzig galt.� Langdon z�gerte. �Shaitan ist die Wurzel eines Wortes, das auch heute noch verwendet wird - <emphasis>Satan.�</emphasis></p><p>Auf Kohlers Gesicht zeigte sich Beunruhigung.</p><p>Mit grimmiger Stimme fuhr Langdon fort: �Mr. Kohler, ich wei� nicht, wie oder warum dieses Zeichen auf die Brust des</p><p>Toten gekommen ist, aber Sie sehen hier das Symbol des �ltesten und m�chtigsten satanischen Kultes auf Erden.�</p></section><section><title><p>Kapitel 10.</p></title><p>Die Gasse war schmal und verlassen. Der <emphasis>Hashishin</emphasis> bewegte sich schnell, und in seinen Augen leuchtete Erwartung. Als er sich seinem Ziel n�herte, hallten die Abschiedsworte von Janus in seinem Bewusstsein wider. <emphasis>Phase zwei beginnt in K�rze. Ruhen Sie sich aus.</emphasis></p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> grinste b�se. Er war die ganze Nacht auf den Beinen gewesen, dachte aber nicht an Schlaf. Schlaf war f�r die Schwachen. Er war ein Krieger wie seine Vorfahren, und seine Vorfahren hatten niemals geschlafen, wenn die Schlacht erst entbrannt war. Und die Schlacht <emphasis>hatte</emphasis> begonnen. Ihm war die Ehre zuteil geworden, das erste Blut zu vergie�en. Jetzt blieben ihm zwei Stunden, um seinen Sieg zu feiern, bevor es an die Arbeit zur�ckging.</p><p><emphasis>Schlaf? Es gibt bessere Wege zu entspannen...</emphasis></p><p>Den Appetit auf Sinnesfreuden hatte er von seinen Ahnen geerbt. Sie hatten sich dem <emphasis>hashish</emphasis> hingegeben, doch er bevorzugte eine andere Art von Vergn�gen. Er war stolz auf seinen K�rper - eine gut entwickelte, t�dliche Maschine, die er - trotz seines Erbes - unter keinen Umst�nden mit Rauschmitteln vergiften w�rde. Er hatte eine nahrhaftere Sucht als die auf Drogen entwickelt. eine weit ges�ndere und befriedigendere Belohnung obendrein.</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> sp�rte, wie eine vertraute Vorfreude in ihm aufstieg, und er beschleunigte seine Schritte durch die Gasse. Er gelangte zu einer unauff�lligen T�r und bet�tigte die Klingel. Ein Sehschlitz wurde ge�ffnet, und zwei sanfte braune Augen betrachteten ihn absch�tzend. Dann wurde die T�r ge�ffnet.</p><p>�Willkommen�, sagte die gut gekleidete Frau. Sie f�hrte ihn in ein tadellos eingerichtetes Wohnzimmer, in dem ged�mpftes</p><p>Licht brannte. Die Luft roch nach teurem Parf�m und Moschus. �Wann immer Sie bereit sind.� Sie reichte ihm ein Fotoalbum. �L�uten Sie nach mir, wenn Sie Ihre Wahl getroffen haben.� Mit diesen Worten verschwand sie.</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> l�chelte.</p><p>W�hrend er auf dem Pl�schsofa sa� und das Fotoalbum studierte, sp�rte er einen animalischen Hunger in sich aufsteigen. Er schlug das Album auf und betrachtete die Fotos, die ihm s�mtliche sexuellen Fantasien zeigten, die er sich je ertr�umt hatte.</p><p><emphasis>Marisa.</emphasis> Eine italienische G�ttin. Feurig. Eine junge Sophia Loren.</p><p><emphasis>Sachiko.</emphasis> Eine japanische Geisha. Geschmeidig. Ohne Zweifel sehr geschickt.</p><p><emphasis>Kanara.</emphasis> Ein atemberaubender Anblick in Schwarz. Muskul�s und exotisch.</p><p>Er ging das gesamte Album zweimal durch und traf seine</p><p>Wahl. Er dr�ckte einen Knopf auf dem Tisch neben sich. Einen Augenblick sp�ter erschien die Frau, die ihn eingelassen hatte. Er deutete auf seine Favoritin. Die Frau l�chelte. �Folgen Sie mir.�</p><p>Nachdem die letzten Arrangements ausgehandelt waren, telefonierte die Frau kurz und mit ged�mpfter Stimme. Sie wartete ein paar Minuten; dann f�hrte sie ihn eine gewundene Marmortreppe hinauf in einen luxuri�s eingerichteten Korridor. �Es ist die goldene T�r am Ende des Gangs�, sagte sie. �Sie haben einen kostspieligen Geschmack.�</p><p><emphasis>Das sollte ich auch,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich bin ein Connaisseur.</emphasis></p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> bewegte sich durch den Korridor wie ein Panter in Erwartung seiner l�ngst �berf�lligen Mahlzeit. Als er die T�r erreichte, l�chelte er in sich hinein. Sie war nur angelehnt. und lud ihn ein. Er dr�ckte dagegen, und sie �ffnete</p><p>sich lautlos.</p><p>Als er sie sah, wusste er, dass er eine gute Wahl getroffen hatte. Sie erwartete ihn genauso, wie er es verlangt hatte. nackt, auf dem R�cken liegend, die Arme mit dicken Samtschn�ren an die Bettpfosten gefesselt.</p><p>Er durchquerte das Zimmer und fuhr mit seinen dunklen Fingern �ber ihren elfenbeinernen Unterleib. <emphasis>Ich habe letzte Nacht get�tet,</emphasis> dachte er. <emphasis>Du bist meine Belohnung.</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel 11.</p></title><p>Satanisch?� Kohler wischte sich �ber den Mund und rutschte unbehaglich hin und her. �Das ist das Symbol eines Satanskultes?�</p><p>Langdon ging in dem eiskalten Zimmer auf und ab, um warm zu bleiben. �Die Illuminati waren satanisch, ja. Allerdings nicht im modernen Sinn des Wortes.�</p><p>Rasch erkl�rte er, dass die meisten Menschen sich einen Satanskult als eine Bande teufelsanbetender Schurken vorstellten, doch in historischer Hinsicht waren Satanisten gebildete M�nner gewesen, die der Kirche ablehnend gegen�bergestanden hatten. <emphasis>Shaitan.</emphasis> �Die Ger�chte �ber satanische Tieropfer, schwarze Magie und das Ritual des Pentagramms waren nichts als L�gen, die die Kirche �ber ihren Gegnern ausgesch�ttet hat. Eine Schmutzkampagne. Mit den Jahren begannen andere Gegner der Kirche, in dem Wunsch, es den Illuminati gleichzutun, diese L�gen zu glauben und nach ihnen zu leben. Auf diese Weise wurde der moderne Satanismus geboren.�</p><p>�Das ist doch alles Schnee von gestern!�, brummte Kohler ungeduldig. �Ich will wissen, wie dieses Symbol <emphasis>hierher </emphasis>gekommen ist!�</p><p>Langdon atmete tief durch. �Das Symbol selbst wurde im sechzehnten Jahrhundert von einem anonymen Illuminati als Tribut an Galileos Liebe zur Symmetrie erschaffen - eine Art heiliges Wappen. Die Bruderschaft hielt es geheim, und der Sage nach sollte es erst dann enth�llt werden, wenn sie gen�gend Macht erlangt hatte, um an das Licht der �ffentlichkeit zur�ckzukehren und ihr gro�es Ziel zu verwirklichen.�</p><p>Kohler blickte beunruhigt auf. �Also bedeutet dieses Symbol, dass die Bruderschaft der Illuminati zur�ckgekehrt ist?�</p><p>Langdon runzelte die Stirn. �Unm�glich. Es gibt ein Kapitel in der Geschichte der Illuminati, �ber das ich noch nicht Besprochen habe.�</p><p>Kohlers Stimme wurde dr�ngend. �Erleuchten Sie mich.�</p><p>Langdon rieb sich die kalten H�nde, w�hrend er in Gedanken die Hunderte von Dokumenten durchging, die er �ber die Illuminati gelesen oder selbst geschrieben hatte. �Die Illuminati waren �berlebensk�nstler�, begann er. �Als sie aus Rom flohen, reisten sie durch ganz Europa auf der Suche nach einem sicheren Ort, wo sie sich neu gruppieren konnten. Sie wurden von einer anderen geheimen Gesellschaft aufgenommen. einer Bruderschaft wohlhabender bayerischer Steinmetze, die sich Freimaurer nannten.�</p><p>Kohler schaute ihn verbl�fft an. �Die Freimaurer?�</p><p>Langdon nickte. Es �berraschte ihn nicht, dass Kohler von den Freimaurern geh�rt hatte. Die Freimaurer besa�en</p><p>heutzutage weltweit mehr als f�nf Millionen Mitglieder, die H�lfte davon in den USA und mehr als eine Million in Europa.</p><p>�Aber die Freimaurer sind doch wohl nicht satanisch!�, erkl�rte Kohler mit pl�tzlich erwachendem Misstrauen.</p><p>�Ganz und gar nicht. Die Freimaurer fielen ihrer eigenen Wohlt�tigkeit zum Opfer. Nachdem sie im achtzehnten</p><p>Jahrhundert die fl�chtigen Wissenschaftler bei sich aufgenommen hatten, wurden sie unwissentlich zu</p><p>Strohm�nnern f�r die Illuminati. Die Illuminati stiegen in ihren R�ngen auf und �bernahmen nach und nach die</p><p>einflussreichsten Positionen in den Logen. Unauff�llig</p><p>errichteten sie verborgen unter dem Deckmantel der Freimaurer ihre alte wissenschaftliche Bruderschaft - eine Geheimgesellschaft innerhalb einer Geheimgesellschaft. Und von dort aus nutzten die Illuminati ihre weltweiten</p><p>Verbindungen, um ihren Einfluss auszuweiten.�</p><p>Langdon holte tief Luft, bevor er weitersprach. �Die Vernichtung des Katholizismus war das vorrangige Ziel der Illuminati. F�r die Bruderschaft war das abergl�ubische Dogma, das die Kirche verbreitete, der gr��te Feind der gesamten Menschheit. Sie bef�rchtete, dass der wissenschaftliche Fortschritt zum Erliegen kommen k�nnte, falls die Religion weiterhin fromme L�gen als absolute Wahrheit darstellte, und dass die Menschheit zu einer Zukunft voll sinnloser heiliger Kriege verdammt w�re.�</p><p>�Also ganz �hnlich dem, was wir heute haben.�</p><p>Langdon runzelte die Stirn. Kohler hatte Recht. Noch immer bestimmten heilige Kriege die Schlagzeilen. <emphasis>Mein Gott ist besser als dein Gott.</emphasis> Es schien, dass ein enger Zusammenhang zwischen wahren Gl�ubigen und der Zahl ihrer Opfer bestand.</p><p>�Sprechen Sie weiter�, forderte Kohler ihn auf.</p><p>�Die Illuminati�, fuhr Langdon fort, �gewannen in Europa an Einfluss und richteten schlie�lich ihr Augenmerk auf Amerika und eine junge Regierung, deren f�hrende K�pfe h�ufig Freimaurer waren - George Washington, Benjamin Franklin, ehrenhafte M�nner, die nichts von den Illuminati unter den Freimaurern wussten. Die Illuminati nutzten ihren Vorteil und halfen bei der Gr�ndung von Universit�ten, Banken und Industrien, um ihr ultimatives Ziel zu finanzieren.� Langdon stockte, bevor er fortfuhr: �Die Schaffung einer einzigen Weltregierung, eines weltumspannenden Staates, einer s�kularisierten neuen Weltordnung.�</p><p>Kohler r�hrte sich nicht.</p><p>�Einer neuen Weltordnung�, wiederholte Langdon, �die auf wissenschaftlicher Erleuchtung basieren sollte. Sie nannten es ihre Luziferische Doktrin. Die Kirche behauptete, dass Luzifer mit dem Teufel gleichzusetzen w�re, doch die Bruderschaft bestand darauf, den Namen in seiner buchst�blichen lateinischen Bedeutung zu lesen - <emphasis>Bringer des Lichts.</emphasis> Oder <emphasis>Illuminator.�</emphasis></p><p>Kohler seufzte, und seine Stimme klang ernst. �Mr. Langdon, bitte setzen Sie sich.�</p><p>Langdon nahm vorsichtig auf einem frostbedeckten Stuhl Platz.</p><p>Kohler rollte n�her zu ihm heran. �Ich wei� nicht, ob ich alles verstehe, was Sie mir soeben erz�hlt haben. Aber ich wei�, dass Leonardo Vetra einer der besten Wissenschaftler von CERN war. Und er war mein Freund. Ich brauche Ihre Hilfe, um diese Illuminati zu finden.�</p><p>Langdon wusste nicht, was er darauf antworten sollte. �Die Illuminati finden?� <emphasis>Das soll wohl ein schlechter Scherz sein, Mann!</emphasis> �Ich f�rchte, das ist ganz und gar unm�glich, Sir.�</p><p>Kohler legte die Stirn in Falten. �Was soll das hei�en? Sie wollen nicht.?�</p><p>�Mr. Kohler.� Langdon beugte sich zu seinem Gastgeber vor. Er wusste nicht, wie er Kohler verst�ndlich machen konnte, was er zu sagen hatte. �Ich war noch nicht fertig mit meiner Geschichte. Obwohl alles ganz danach aussieht, halte ich es f�r extrem unwahrscheinlich, dass dieses Brandmal hier von den Illuminati stammt. Es hat seit mehr als einem halben Jahrhundert keinerlei Hinweise mehr gegeben, dass sie noch existieren, und viele meiner Kollegen sind sich darin einig, dass der Geheimbund l�ngst erloschen ist.�</p><p>Kohler starrte mit einer Mischung aus �rger und Best�rzung in den Nebel. �Wie zur H�lle k�nnen Sie mir erz�hlen, dass dieser Geheimbund nicht mehr existiert, wenn sein Name in den Leichnam dieses Mannes gebrannt ist?�</p><p>Langdon hatte sich diese Frage den ganzen Morgen �ber gestellt. Das Auftauchen des Illuminati-Ambigramms war eine Sensation. Die Symbolologen der ganzen Welt w�rden mit Verbl�ffung reagieren. Und doch - der Wissenschaftler in</p><p>Langdon begriff rasch, dass das blo�e Wiederauftauchen des Symbols �berhaupt nichts bewies.</p><p>�Symbole�, erwiderte Langdon, �beweisen noch lange nicht, dass ihre urspr�nglichen Sch�pfer am Werk sind.�</p><p>�Was soll das nun wieder hei�en?�</p><p>�Das soll hei�en, dass die Symbole �berleben, wenn Gemeinschaften wie die der Illuminati aufh�ren zu existieren. Jeder kann sie sich aneignen. Dieses Ph�nomen nennen Symbolologen Transferenz. Es ist ein weit verbreitetes Ph�nomen. Die Nazis beispielsweise haben die Swastika der Hindus �bernommen, die Christen das Kreuz von den �gyptern, die.�</p><p>�Heute Morgen, als ich das Wort&gt;Illuminati&lt;in den Computer eingetippt habe�, sagte Kohler, �fand ich Tausende von Referenzen. Offensichtlich sind eine Menge Leute der Meinung, dass die Illuminati noch immer aktiv sind.�</p><p>�Die ewigen Konspirationstheorien�, entgegnete Langdon. Er hatte sich stets �ber die Unzahl von Theorien �ber angebliche Verschw�rungen ge�rgert, die in der modernen Popkultur zirkulierten. Die Medien gierten nach apokalyptischen Schlagzeilen, und selbst ernannte �Kult-Spezialisten� machten schnelles Geld mit dem immer noch grassierenden MillenniumHype, dass die Illuminati wohlauf und lebendig w�ren wie eh und je und dabei, ihre neue Weltordnung zu organisieren. Erst vor kurzem hatte die <emphasis>New York Times</emphasis> einen Bericht gebracht, in dem die Freimaurer-Wurzeln zahlreicher ber�hmter Pers�nlichkeiten offen gelegt worden waren - Sir Arthur Conan Doyle, der Herzog von Kent, Peter Seilers, Irving Berlin, Prinz Philip, Louis Armstrong und ein ganzes Pantheon voller Industriemagnaten und Gro�bankiers.</p><p>Kohler deutete zornig auf den Leichnam. �Wenn man die Beweise bedenkt, w�rde ich sagen, die Konspirationstheoretiker haben Recht.�</p><p>�Mir ist durchaus bewusst, dass es diesen Anschein hat�, sagte Langdon so diplomatisch er konnte. �Und doch w�re eine weit plausiblere Erkl�rung, dass eine andere Organisation das Symbol der Illuminati �bernommen hat und nun f�r ihre eigenen Zwecke benutzt.�</p><p>�Welche Zwecke? Was hat das mit diesem Mord zu tun?�</p><p><emphasis>Gute Frage,</emphasis> dachte Langdon. Auch er glaubte nicht so recht an die M�glichkeit, dass irgendjemand nach vierhundert Jahren das Zeichen f�r sich entdeckt haben k�nnte. �Ich vermag nur eines mit Bestimmtheit zu sagen, Mr. Kohler, dass n�mlich die Illuminati ganz sicher nichts mit dem Tod von Leonardo Vetra zu tun gehabt h�tten, selbst wenn es sie heute noch g�be.�</p><p>�Nein?�</p><p>�Nein. Die Illuminati m�gen das Christentum gehasst haben, aber ihre Macht war politischer und finanzieller Natur. Sie begingen keine terroristischen Verbrechen. Und sie besa�en einen strikten Moralkodex, wer ihre Feinde waren und wer nicht. M�nner der Wissenschaft genossen allerh�chstes Ansehen. Sie h�tten einen Wissenschaftskollegen wie Leonardo Vetra ganz bestimmt nicht ermordet.�</p><p>Kohlers Augen verwandelten sich in Eis. �Vielleicht habe ich noch nicht erw�hnt, dass Leonardo Vetra alles andere als ein gew�hnlicher Wissenschaftler war.�</p><p>Langdon atmete geduldig durch. �Mr. Kohler, ich bin sicher, Leonardo Vetra war in mancherlei Hinsicht ein brillanter Kopf, doch die Tatsache bleibt.�</p><p>Ohne Vorwarnung wirbelte Kohler in seinem Rollstuhl herum und raste aus dem Wohnzimmer. Hinter ihm blieb eine Wolke aufgewirbelten Nebels zur�ck, als er in einer angrenzenden Diele verschwand.</p><p><emphasis>G�tiger Gott!</emphasis> Langdon st�hnte und folgte dem Generaldirektor. Kohler wartete am Ende der Diele in einem kleinen Alkoven auf ihn. �Vielleicht verstehen Sie, wenn ich es</p><p>Ihnen zeige�, sagte er und deutete auf eine Schiebet�r. �Das hier ist Leonardos Arbeitszimmer.� Kohler dr�ckte auf einen Knopf, und die T�r glitt zur Seite.</p><p>Langdon sp�hte in den Raum und sp�rte, wie seine Nackenhaare sich augenblicklich aufrichteten. <emphasis>Heilige Mutter Gottes,</emphasis> dachte er.</p></section><section><title><p>Kapitel 12.</p></title><p>In einem anderen Land sa� ein junger Wachmann geduldig vor einer Reihe von Videomonitoren. Er beobachtete die Bilder auf den Schirmen - live �bertragen von Hunderten drahtloser Kameras, die �berall in dem ausgedehnten Komplex verteilt waren. Die Bilder wechselten unabl�ssig wie eine endlose Prozession.</p><p>Ein reich geschm�ckter weiter Gang.</p><p>Ein privates B�ro.</p><p>Eine Gro�k�che.</p><p>W�hrend die Bilder an ihm vor�berzogen, k�mpfte der junge Wachmann gegen einen Tagtraum. Das Ende seiner Schicht war nahe, und doch war er noch immer wachsam. Der Dienst war eine Ehre. Eines Tages w�rde ihm daf�r die h�chste aller Belohnungen zuteil werden.</p><p>W�hrend seine Gedanken kreisten, erweckte ein Bild seine Aufmerksamkeit. Pl�tzlich und in einem trainierten Reflex, der ihm selbst �berraschte, schoss seine Hand vor und h�mmerte auf einen Knopf auf dem Kontrollpult. Das Bild vor ihm erstarrte.</p><p>Hellwach beugte er sich vor und betrachtete das Bild aufmerksam. Die Unterschrift sagte ihm, dass das Bild von Kamera Nummer 86 �bertragen wurde - eine Kamera, die einen Gang �berwachen sollte.</p><p>Doch das Bild vor ihm zeigte definitiv keinen Gang.</p></section><section><title><p>Kapitel 13.</p></title><p>Befremdet starrte Langdon in das Arbeitszimmer vor ihm. �Was ist das?� Trotz des willkommenen Schwalls warmer Luft trat er zitternd �ber die Schwelle.</p><p>Kohler folgte Langdon schweigend hinein.</p><p>Langdons Blicke glitten durch den Raum; er hatte nicht die leiseste Idee, was er davon halten sollte. Das Zimmer enthielt die eigenartigste Mischung von Maschinen und Artefakten, die er jemals gesehen hatte. An der Wand und alles �berragend hing ein gewaltiges Holzkreuz, das Langdon als spanisch und aus dem vierzehnten Jahrhundert stammend einordnete. �ber dem Kreuz, an der Decke aufgeh�ngt, schwebte ein Metallmobile des Planetensystems. Zur Linken hing ein �lgem�lde der Jungfrau Maria und daneben eine laminierte Periodentafel der Elemente. Auf der Seitenwand flankierten zwei weitere Kreuze, diesmal aus Messing, ein Poster von Albert Einstein mit dem ber�hmten Ausspruch GOTT W�RFELT NICHT.</p><p>Langdon bewegte sich durch den Raum, w�hrend er in sprachlosem Staunen seine Umgebung in sich aufnahm. Auf Vetras Schreibtisch lag eine in Leder gebundene Bibel neben einem Bohr�schen Atommodell aus Plastik und einer Miniaturreplik von Michelangelos Moses.</p><p><emphasis>So viel zum Eklektizismus,</emphasis> dachte Langdon. Die W�rme tat gut, doch die Ausstattung dieses Raums brachte ihn erneut zum Fr�steln. Er hatte das Gef�hl, als sei er Augenzeuge des Aufeinanderprall s zweier philosophischer Titanen. ein beunruhigender, nebelhafter Eindruck verfeindeter Kr�fte. Er �berflog die Titel im B�cherregal.</p><p><emphasis>Der Gott-Partikel Das Tao der Physik Gott: Der Beweis.</emphasis></p><p>Eine B�cherst�tze zeigte ein eingraviertes Zitat:</p><p><emphasis>Wahre Wissenschaft findet schnell heraus, dass Gott hinter jeder neuen T�r wartet.</emphasis></p><p><emphasis>Papst Pius XII.</emphasis></p><p>Leonardo war katholischer Priester�, sagte Kohler.</p><p>Langdon wandte sich �berrascht um. �Ein Priester? Ich dachte, er sei Physiker?�</p><p>�Er war beides. M�nner der Religion und der Wissenschaft sind in der Geschichte keine Seltenheit. Leonardo war einer von ihnen. Er betrachtete die Physik als&gt;Gottes Naturgesetzen Seiner Meinung nach war Gottes Handschrift �berall in der nat�rlichen Ordnung rings um uns zu erkennen. Er hoffte, den zweifelnden Massen mithilfe der Wissenschaft Gottes Existenz beweisen zu k�nnen. Er betrachtete sich selbst als&gt;Theo-Physiker&lt;.�</p><p><emphasis>Theo-Physiker?</emphasis> F�r Langdons Geschmack klang der Ausdruck unglaublich widerspr�chlich.</p><p>�Auf dem Gebiet der Teilchenphysik hat es in j�ngster Zeit ein paar schockierende Entdeckungen gegeben�, erkl�rte Kohler. �Entdeckungen, die durch und durch spirituelle Implikationen nahe legen. Leonardo war f�r viele davon verantwortlich.�</p><p>Langdon musterte den Generaldirektor, w�hrend er immer noch versuchte, die bizarre Umgebung zu verarbeiten. �Spiritualit�t und Physik?� Langdon hatte seine gesamte Karriere mit dem Studium der Religionsgeschichte verbracht, und wenn es ein immer wiederkehrendes Thema gab, dann war es die Tatsache, dass Wissenschaft und Religion vom Tag eins an gewesen waren wie �l und Wasser. Erzfeinde. durch und durch unvereinbar.</p><p>� Vetra ist. war an der vordersten Front der Teilchenphysik�, fuhr Kohler fort. �Er hatte angefangen, Religion und Wissenschaft zu verschmelzen. zu zeigen, dass sie sich auf h�chst unerwartete Weise gegenseitig erg�nzen. Er nannte sein Forschungsgebiet die <emphasis>Neue Physik.�</emphasis> Kohler nahm</p><p>ein Buch aus dem Regal und reichte es Langdon.</p><p>Langdon betrachtete den Einband. <emphasis>Gott, Wunder und die Neue Physik - von Leonardo Vetra.</emphasis></p><p>�Es ist ein eng begrenztes Forschungsfeld�, sagte Kohler, �doch es liefert uns neue Antworten auf ein paar alte Fragen -Fragen �ber den Ursprung des Universums und die Kr�fte, die uns alle binden. Leonardo glaubte, dass seine Forschung das Potenzial besa�, Millionen Menschen zu einem spirituelleren Leben zu f�hren. Erst letztes Jahr bewies er die Existenz einer energetischen Kraft, die uns alle vereint. Er demonstrierte auf beeindruckende Weise, dass wir alle physisch miteinander in Verbindung stehen. und dass die Molek�le in Ihrem K�rper mit den Molek�len in meinem in Wechselwirkung stehen. dass es eine einzige Kraft ist, die uns alle antreibt.�</p><p>Langdon war fassungslos. <emphasis>Und die Macht Gottes wird uns alle vereinen.</emphasis> �Mr. Vetra hat einen Weg gefunden, um zu <emphasis>beweisen, </emphasis>dass alle Partikel verbunden sind?�</p><p>�Einen <emphasis>schl�ssigen</emphasis> Beweis. Eine der letzten Ausgaben von</p><p><emphasis>Scientific American</emphasis> nannte die Neue Physik einen Weg, der sicherer zu Gott f�hrt als jede Religion.�</p><p>Die Bemerkung sa�. Langdon musste an die antireligi�sen Illuminati denken. Z�gernd zwang er sich zu einem vor�bergehenden Abstecher in das Unm�gliche. Falls die Illuminati tats�chlich noch immer aktiv waren - h�tten sie Leonardo get�tet, um zu verhindern, dass er den Massen seine religi�se Botschaft verk�ndete? Langdon wies den Gedanken von sich. <emphasis>Absurd! Die Illuminati sind Geschichte! Das wei� jeder, der sich mit dem Thema besch�ftigt hat.</emphasis></p><p>�Vetra besa� zahlreiche Feinde in der wissenschaftlichen Welt�, fuhr Kohler fort. �Viele Puristen haben ihn verachtet, selbst hier bei CERN. Sie sind �berzeugt, dass der Gebrauch analytischer Physik zur Untermauerung religi�ser Prinzipien ein Verrat an der Wissenschaft ist.�</p><p>�Aber stehen die heutigen Wissenschaftler der Kirche denn immer noch so ablehnend gegen�ber?�</p><p>Kohler grunzte abf�llig. �Warum sollten wir nicht? Die Kirche mag vielleicht niemanden mehr auf dem Scheiterhaufen verbrennen, aber wenn Sie glauben, sie h�tte ihre Herrschaft �ber die Wissenschaft aufgegeben, dann fragen Sie sich doch bitte, wieso die H�lfte aller Schulen in Ihrem Land keine Evolution unterrichten darf! Fragen Sie sich, warum die Christliche Koalition der Vereinigten Staaten die einflussreichste Lobby der Welt gegen wissenschaftlichen Fortschritt ist! Der Krieg zwischen Religion und Wissenschaft ist noch immer in vollem Gang, Mr. Langdon. Er findet nicht mehr auf Schlachtfeldern statt, sondern in Konferenzr�umen und Vorstandszimmern, doch er findet noch statt.�</p><p>Langdon erkannte, dass Kohler Recht hatte. Erst eine Woche zuvor hatte die Theologische Fakult�t von Harvard geschlossen vor dem Geb�ude der Biologischen Fakult�t gegen die gentechnischen Versuche demonstriert, die dort auf dem Lehrplan standen. Der Dekan der Biologischen Fakult�t, der ber�hmte Ornithologe Richard Aaronian, hatte seinen Lehrplan mit einem gro�en Banner vor der Fensterfront verteidigt. Auf dem Banner war der christliche Fisch zu sehen gewesen, mit vier kleinen F��en - als Tribut an die Evolution der afrikanischen Lungenfische, die sich auf das Land vorgewagt hatten. Unter dem Fisch hatte �DARWIN LEBT!� gestanden, nicht �Jesus�.</p><p>Ein helles Summen riss Langdon aus seinen Gedanken. Er Nickte auf. Kohler nahm einen Pager aus der Halterung am Rollstuhl und las die hereinkommende Nachricht.</p><p>�Gut�, sagte er. �Das war Leonardos Tochter. Miss Vetra Landet in diesem Augenblick. Wir werden sie beim Hubschrauberlandeplatz empfangen. Ich halte es f�r besser, wenn sie nicht hierher kommt und ihren Vater so daliegen sieht.�</p><p>Langdon stimmte ihm zu. Es w�re ein zu gro�er Schock f�r Vetras Tochter.</p><p>�Ich werde Miss Vetra bitten, �ber das Projekt zu sprechen, an dem sie und ihr Vater gearbeitet haben. vielleicht wirft das ein neues Licht auf den Mord an Leonardo.�</p><p>�Sie glauben, dass Vetra <emphasis>wegen seiner Arbeit</emphasis> ermordet wurde?�</p><p>�Durchaus m�glich, ja. Leonardo hat mir verraten, dass er in einer bahnbrechenden Sache arbeitet. Mehr hat er nicht gesagt. Er war sehr geheimnistuerisch mit diesem Projekt. Deswegen dieses private B�ro in seiner Wohnung und die Abgeschiedenheit, die ich ihm wegen seiner Genialit�t nur zu bereitwillig gew�hrt habe. Leonardo verbrauchte in letzter Zeit irrsinnige Mengen an elektrischer Energie, doch ich habe bewusst darauf verzichtet, ihn nach dem Grund zu fragen.� Kohler wendete den Rollstuhl in Richtung Schiebet�r. �Da gibt es allerdings noch eine Sache, die Sie vielleicht wissen sollten, bevor wir diese Wohnung verlassen.�</p><p>Langdon war nicht sicher, ob er es h�ren wollte.</p><p>�Der M�rder hat etwas gestohlen.�</p><p>�Gestohlen?�</p><p>�Folgen Sie mir.�</p><p>Der Direktor rollte zur�ck in das eisige, von Nebelschwaden erf�llte Wohnzimmer. Langdon folgte ihm, ohne zu wissen, was ihn nun schon wieder erwartete. Kohler steuerte seinen Rollstuhl ganz nah an den Leichnam Vetras heran und hielt. Er bedeutete Langdon, zu ihm zu kommen. Z�gernd n�herte er sich. �belkeit stieg in ihm auf, als er den gefrorenen Urin des Toten roch.</p><p>�Sehen Sie sein Gesicht an�, forderte Kohler ihn auf.</p><p><emphasis>Ich soll sein Gesicht ansehen?,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Ich dachte, es geht um einem gestohlenen Gegenstand?</emphasis></p><p>Z�gernd kniete Langdon nieder. Er versuchte in Vetras</p><p>Gesicht zu sehen, doch der Kopf war um einhundertachtzig Grad nach hinten verdreht. Das Gesicht war dem Teppich zugewandt.</p><p>Kohler k�mpfte gegen seine Behinderung und beugte sich nach vorn, um Vetras gefrorenen Kopf herumzudrehen. Unter lautem Krachen und Knirschen wurde das Gesicht erkennbar. Es war von Todesqualen verzerrt. Kohler hielt es einen Augenblick fest, damit Langdon es sehen konnte.</p><p>�Heilige Mutter Gottes!�, �chzte Langdon und stolperte entsetzt zur�ck. Vetras Gesicht war blut�berstr�mt. Ein braunes Auge starrte ihn leblos an. Die andere Augenh�hle war zerfetzt und leer. �Sie. sie haben <emphasis>sein Auge</emphasis> gestohlen?�</p></section><section><title><p>Kapitel 14.</p></title><p>Langdon kam aus Building C an die frische Luft, dankbar, dass er Vetras Wohnung hinter sich lassen konnte. Die Sonne half, den Anblick der leeren Augenh�hle zu verdr�ngen, der sich hartn�ckig in seinem Verstand festgefressen hatte.</p><p>�Hier entlang bitte�, sagte Kohler und steuerte einen steilen Weg hinauf. Der elektrische Rollstuhl beschleunigte scheinbar m�helos. �Miss Vetra wird jeden Augenblick eintreffen.�</p><p>Langdon beeilte sich, um nicht den Anschluss zu verlieren.</p><p>�Und?�, fragte Kohler. �Bezweifeln Sie immer noch, dass die Illuminati in die Sache verwickelt sind?�</p><p>Langdon wusste �berhaupt nicht mehr, was er von alledem halten sollte. Vetras religi�se �berzeugungen waren definitiv beunruhigend, und doch konnte sich Langdon nicht dazu �berwinden, jede wissenschaftliche Erkenntnis, die er in den vergangenen Jahren gewonnen hatte, beiseite zu schieben. Au�erdem war da noch das Auge.</p><p>�Ich behaupte immer noch�, sagte Langdon entschiedener, als er beabsichtigt hatte, �dass die Illuminati nicht f�r diesen Mord verantwortlich sind. Das fehlende Auge ist der Beweis.�</p><p>�Wie das?�</p><p>�Willk�rliche Verst�mmelungen sind f�r Illuminati �u�erst. ungew�hnlich�, erkl�rte Langdon. �Sie sind nach einschl�giger Meinung das Werk unerfahrener Randgruppen oder Sekten -terroristische Akte von Eiferern. Die Illuminati sind stets viel umsichtiger zu Werke gegangen.�</p><p>�Umsichtig? Sie meinen, die chirurgische Entfernung eines Augapfels w�re nicht umsichtig?�</p><p>�Sie beinhaltet zumindest keine eindeutige Botschaft. Sie dient keinem h�heren Zweck.�</p><p>Kurz vor Erreichen der Anh�he hielt Kohler an. Er wandle sich um. �Mr. Langdon, bitte glauben Sie mir, dieses fehlende Auge dient einem h�heren Zweck. einem sehr viel h�heren Zweck.�</p><p>W�hrend die beiden M�nner die grasbewachsene Anh�he �berquerten, h�rte man im Westen das unverkennbare Schlagen von Rotorbl�ttern. Ein Hubschrauber tauchte auf und kam in weitem Bogen durch das vor ihnen liegende Tal heran. Er ging in eine enge Kurve und verlangsamte seine Geschwindigkeit, bis er �ber einem auf das Gras gemalten Landekreuz schwebte.</p><p>Langdon beobachtete das Geschehen, w�hrend sein Verstand Purzelb�ume schlug und er sich fragte, ob eine Nacht voll Schlaf die gegenw�rtige Desorientierung lindern w�rde. Irgendwie bezweifelte er es.</p><p>Die Kufen ber�hrten den Boden, und ein Pilot sprang heraus. Unverz�glich begann er mit dem Entladen von Ausr�stung. Es war eine ganze Menge - Sees�cke, wasserdichte S�cke aus Vinyl, Pressluftflaschen und Kisten mit modernsten Tauchger�ten.</p><p>�Ist das Miss Vetras Ausr�stung?�, rief Langdon verwirrt zu Kohler hin�ber. Er musste schreien, um den Motorenl�rm zu �bert�nen.</p><p>Kohler nickte und rief zur�ck: �Sie war zu biologischen Forschungen auf den Balearen.�</p><p>�Hatten Sie nicht gesagt, Miss Vetra sei Physikerin?�</p><p>�Ist sie auch. Sie untersucht die Zusammenh�nge zwischen Biologie und Physik. Die Verbindungen zwischen verschiedenen Lebensr�umen. Ihre Arbeit h�ngt eng mit der ihres Vaters auf dem Gebiet der Teilchenphysik zusammen. Erst vor kurzem hat sie eine von Einsteins fundamentalen Theorien widerlegt, mithilfe einer Reihe vollautomatisch synchronisierender Kameras, mit denen sie einen Thunfischschwarm beobachtet hat.�</p><p>Langdon suchte in Kohlers Gesicht nach einer Spur von heimlichem Humor. <emphasis>Einstein und Thunfisch?</emphasis> Allm�hlich fragte er sich, ob die X-33 ihn vielleicht versehentlich auf einem anderen Planeten abgesetzt hatte.</p><p>Einen Augenblick sp�ter kam Vittoria Vetra in sein Blickfeld, und Robert Langdon erkannte, dass die �berraschungen des heutigen Tages noch l�ngst nicht zu Ende waren. Miss Vetra sah in ihren Khakihosen und dem wei�en �rmellosen Top �berhaupt nicht wie eine gelehrte Physikerin aus. Geschmeidig und elegant, gro� gewachsen, sonnengebr�unt und mit langem schwarzen Haar, das im Wind der Rotoren flatterte, stieg sie aus dem Hubschrauber. Ihr Gesicht war unverwechselbar italienisch</p><p>- nicht atemberaubend sch�n, aber mit markanten Z�gen, die selbst auf zwanzig Meter Entfernung eine unverh�llte Sinnlichkeit verrieten. Die an ihrer Kleidung zerrenden Luftstr�mungen betonten ihren schlanken Leib und die kleinen Br�ste.</p><p>�Miss Vetra ist eine Frau mit beeindruckender pers�nlicher Ausstrahlung�, sagte Kohler, dem nicht entging, wie sehr Langdon von ihrem Anblick gefesselt war. �Sie verbringt manchmal Monate in gef�hrdeten �kosystemen, um dort zu arbeiten und zu forschen. Sie ist strenge Vegetarierin und unser Guru in Hatha-Yoga.�</p><p><emphasis>Hatha-Yoga?,</emphasis> sinnierte Langdon. Die alte buddhistische Kunst meditativer Dehn�bungen erschien ihm als ein �berraschendes Hobby f�r eine Physikerin und Tochter eines katholischen Priesters.</p><p>Langdon beobachtete, wie sie n�her kam. Sie hatte offensichtlich geweint; ihre gro�en schwarzen Augen waren voller Emotionen, die Langdon nicht einzuordnen vermochte. Trotzdem bewegte sie sich z�gig und beherrscht. Ihre Gliedma�en waren muskul�s und geschmeidig; sie hatten die Art von gesunder Farbe, die mediterrane Haut nach vielen Stunden in der Sonne annimmt.</p><p>�Vittoria�, begann Kohler, als sie heran war. �Mein herzliches Beileid. Es ist ein schrecklicher Verlust f�r die Wissenschaft und. und f�r uns alle hier bei CERN.�</p><p>Vittoria nickte dankbar. Als sie sprach, klang ihre Stimme sanft und kehlig und mit einem italienischen Akzent behaftet. �Wissen Sie bereits, wer daf�r verantwortlich ist?�</p><p>�Wir arbeiten daran.�</p><p>Sie wandte sich zu Langdon und streckte ihm die schlanke Hand entgegen. �Mein Name ist Vittoria Vetra. Ich nehme an, Sie sind von Interpol?�</p><p>Langdon ergriff ihre Hand, verzaubert von ihrem Blick, stille, tiefe Wasser. �Robert Langdon.� Er wusste nicht, was er sonst sagen sollte.</p><p>�Mr. Langdon ist nicht von der Polizei�, erkl�rte Kohler. �Er ist ein Spezialist aus den Vereinigten Staaten, und er hilft uns herauszufinden, wer hinter diesem Verbrechen steckt.�</p><p>Vittoria schien verunsichert. �Und die Polizei?�</p><p>Kohler stie� die Luft aus und schwieg.</p><p>�Wo ist sein Leichnam?�, verlangte sie zu wissen.</p><p>�Man k�mmert sich darum.�</p><p>Die Notl�ge �berraschte Langdon.</p><p>�Ich will ihn sehen�, sagte Vittoria.</p><p>�Vittoria!�, dr�ngte Kohler. �Ihr Vater wurde brutal ermordet. Sie sollten ihn besser so in Erinnerung behalten, wie er war.�</p><p>Vittoria wollte etwas erwidern, doch sie kam nicht dazu.</p><p>�Hey, Vittoria!�, riefen Stimmen aus der Ferne. �Willkommen daheim!�</p><p>Sie wandte sich um. Eine Gruppe vorbeieilender Wissenschaftler winkte fr�hlich.</p><p>�Hast du noch eine von Einsteins Theorien widerlegt?�, rief</p><p>einer.</p><p>�Dein Vater muss stolz auf dich sein!�, f�gte ein anderer hinzu.</p><p>Vittoria winkte den M�nnern betreten zu, dann wandte sie sich an Kohler. Auf ihrem Gesicht spiegelte sich Verwirrung. �Wei� noch niemand Bescheid?�</p><p>�Ich habe beschlossen, vorerst Diskretion zu wahren.�</p><p>�Sie haben den Beh�rden nicht gemeldet, dass mein Vater <emphasis>ermordet</emphasis> wurde?� Ihre Verwirrung wich unverh�lltem Zorn.</p><p>Kohlers Gesichtsz�ge wurden augenblicklich hart. �Vielleicht haben Sie vergessen, Miss Vetra, dass es eine Untersuchung geben wird, sobald ich den Mord an Ihrem Vater melde. Einschlie�lich einer gr�ndlichen Untersuchung des Labors. Ich habe mich stets bem�ht, die Privatsph�re Ihres Vaters zu respektieren. Er hat mir lediglich zwei Dinge �ber Ihr gegenw�rtiges Projekt verraten. Einmal, dass es CERN m�glicherweise im Lauf des n�chsten Jahrzehnts Millionen von Schweizer Franken an Lizenzgeb�hren einbringen k�nnte, und zum anderen, dass es noch nicht bereit ist f�r eine Vorstellung in der �ffentlichkeit, weil die Technologie noch immer gef�hrlich ist. Angesichts dieser beiden Fakten ziehe ich es vor, wenn keine Fremden in seinem Labor herumw�hlen und seine Arbeit stehlen oder sich bei dem Versuch selbst umbringen und CERN die Verantwortung in die Schuhe schieben. Habe ich mich klar genug ausgedr�ckt?�</p><p>Vittoria starrte ihn schweigend an. Langdon sp�rte, dass sie Kohlers Logik �widerstrebend akzeptierte.</p><p>�Bevor wir den Beh�rden irgendetwas melden�, fuhr Kohler fort, �muss ich wissen, woran Sie beide gearbeitet haben. Sie m�ssen uns in Ihr Labor begleiten.�</p><p>�Das Labor ist unwichtig�, entgegnete Vittoria. �Niemand wusste, woran Vater und ich gearbeitet haben. Das Experiment kann unm�glich etwas mit Vaters Ermordung zu tun haben.�</p><p>Kohler schnaubte rasselnd. �Die Indizien legen eine andere Vermutung nahe.�</p><p>�Indizien? Welche Indizien?�</p><p>Das fragte sich Langdon auch.</p><p>Kohler tupfte sich schon wieder �ber den Mund. �Sie m�ssen mir wohl oder �bel vertrauen.�</p><p>Nach Vittorias feindseligen Blicken zu urteilen, tat sie es offensichtlich nicht.</p></section><section><title><p>Kapitel 15.</p></title><p>Langdon stapfte schweigend hinter Vittoria und Kohler her, w�hrend sie zu der Eingangshalle im Hauptgeb�ude zur�ckkehrten, wo Langdons bizarrer Besuch seinen Anfang Benommen hatte. Vittoria hielt m�helos mit dem Rollstuhl Schritt. Sie bewegte sich wie eine ge�bte Schwimmerin. Langdon h�rte ihren leisen, kontrollierten Atem, als wollte sie auf diese Weise ihre Trauer absch�tteln.</p><p>Der Harvardprofessor wollte etwas zu ihr sagen, ihr sein Mitgef�hl ausdr�cken. Auch er hatte einst die abrupte Leere des Verlusts gesp�rt, als sein Vater unerwartet gestorben war. Er erinnerte sich an die Beerdigung; es war ein grauer, verregneter Tag gewesen, zwei Tage nach seinem zw�lften Geburtstag. Das Haus war voller Menschen in grauen und schwarzen Anz�gen und Kost�men, Kollegen aus dem B�ro, Verwandte, die ihm die Hand beim Sch�tteln fast zerquetschten. Alle hatten etwas von <emphasis>Herz</emphasis> und <emphasis>Stress</emphasis> gemurmelt, und seine Mutter hatte durch tr�nenverhangene Augen gescherzt, dass sie die Aktienkurse immer allein dadurch h�tte verfolgen k�nnen, dass sie die Hand ihres Mannes gehalten hatte. sein Puls sei ihr eigener privater Wirtschaftsticker gewesen.</p><p>Fr�her, als Langdons Vater noch am Leben gewesen war, hatte Robert einmal geh�rt, wie seine Mutter zu ihm gesagt hatte, er solle endlich innehalten und sich an den Rosen erfreuen. In jenem Jahr hatte Langdon seinem Vater eine winzige Glasrose zu Weihnachten geschenkt. Es war das Sch�nste, das er je gesehen hatte. wie sich die Sonne darin spiegelte und einen Regenbogen aus Farben an die W�nde geworfen hatte. �Es ist wundervoll�, hatte sein Vater nach dem Auspacken gesagt und Robert auf die Stirn gek�sst. �Komm, wir suchen einen sicheren Ort daf�r.� Dann hatte sein Vater die</p><p>Rose vorsichtig auf ein hohes, staubiges Regal in der dunkelsten Ecke des Wohnzimmers gelegt. Ein paar Tage sp�ter hatte Robert einen Stuhl genommen, die Rose vom Regal geholt und in das Gesch�ft zur�ckgebracht. Sein Vater hatte nie bemerkt, dass sie verschwunden war.</p><p>Der Gong eines Aufzugs riss ihn in die Wirklichkeit zur�ck. Vittoria und Kohler waren vor ihm und stiegen in den Lift. Langdon z�gerte vor der offenen T�r.</p><p>�Stimmt etwas nicht?�, fragte Kohler mehr ungeduldig als besorgt.</p><p>�Doch, doch, alles in Ordnung�, antwortete Langdon und setzte einen Fu� in den engen Aufzug. Er benutzte Aufz�ge nur, wenn es absolut unumg�nglich war. Langdon zog den freien Raum offener Treppenh�user vor.</p><p>�Dr. Vetras Labor liegt unterirdisch�, erkl�rte Kohler.</p><p>Wunderbar, dachte Langdon, als er �ber die Schwelle trat und den eisigen Lufthauch sp�rte, der durch den breiten Spalt nach oben zog. Die T�r schloss sich, und der Lift fuhr los.</p><p>�Sechs Stockwerke�, sagte Kohler tonlos wie eine analytische Maschine.</p><p>Langdon stellte sich die Schw�rze des leeren Schachts vor, durch die der Lift nach unten sank. Er versuchte den Gedanken auszusperren, indem er auf das Display und die wechselnden Etagenlichter starrte. Eigenartigerweise blinkten nur zwei: Erdgeschoss und LHC.</p><p>�Wof�r steht LHC?�, fragte Langdon und bem�hte sich, nicht nerv�s zu klingen.</p><p>�F�r Large Hadron Collider<a l:href="#bookmark0" type="note"><sup>1</sup></a> sagte Kohler. �Das ist ein</p><p>Teilchenbeschleuniger.�</p><p><emphasis>Ein Teilchenbeschleuniger?</emphasis> Langdon besa� eine vage Vorstellung davon, was das war. Er hatte den Ausdruck zum ersten Mal beim Abendessen mit ein paar Kollegen im Dunster House in Cambridge geh�rt. Ein befreundeter Physiker, Bob Brownell, war wutentbrannt zum Essen erschienen.</p><p>�Die Bastarde haben den Collider gestrichen!�, hatte Brownell geflucht.</p><p>�Wen gestrichen?�, hatten alle gefragt.</p><p>�Den SSC!�</p><p>�SSC?�</p><p>�Superconducting Super Collider. Den</p><p>Teilchenbeschleuniger!�</p><p>Jemand hatte die Schultern gezuckt. �Ich wusste gar nicht, dass Harvard einen baut.�</p><p>�Nicht Harvard!�, hatte Brownell geschnaubt. �Die Regierung! Es sollte der st�rkste Teilchenbeschleuniger der Welt werden! Eines der wichtigsten wissenschaftlichen Projekte des Jahrhunderts! Zwei Milliarden Dollar wurden bereits hineingesteckt, und dann streicht der Senat das Projekt! Verdammte Bibellobbyisten!�</p><p>Schlie�lich hatte Brownell sich ein wenig beruhigt und erkl�rt, dass ein Teilchenbeschleuniger eine gro�e, runde R�hre war, in der subatomare Partikel beschleunigt wurden. Starke Magneten rings um die R�hre wurden in rascher Folge ein- und ausgeschaltet und �stie�en� die Partikel immer wieder herum, bis sie gewaltige Geschwindigkeiten erreicht hatten. Voll beschleunigte Partikel flogen mit mehr als zweihundertneunzigtausend Kilometern <emphasis>in der Sekunde</emphasis> durch die R�hre.</p><p>�Aber das ist ja beinahe Lichtgeschwindigkeit!�, hatte einer der Professoren gerufen.</p><p>�Verdammt richtig!�, hatte Brownell gesagt und weiter erkl�rt, dass man zwei Partikel durch Beschleunigen in entgegengesetzte Richtungen und anschlie�ende kontrollierte Kollision in ihre Bestandteile zerlegen konnte und dass die Wissenschaftler auf diese Weise einen Einblick in die fundamentalsten Bausteine der Natur gewannen. �Teilchenbeschleuniger�, hatte Brownell gesagt, �sind von entscheidender Bedeutung f�r die Zukunft der Wissenschaft. Teilchenkollisionen sind der Schl�ssel zum Verst�ndnis des Universums.�</p><p>Der Philosoph der Universit�t, ein stiller Mann namens Charles Pratt, war nicht sonderlich beeindruckt gewesen. �In meinen Augen sieht das nach einer verdammt steinzeitlichen Methode aus. Als w�rde man Uhren gegeneinander schlagen, um ihre inneren Bestandteile zu untersuchen.�</p><p>Brownell hatte seine Gabel hingeworfen und war aus dem Lokal gest�rmt.</p><p><emphasis>Also hat CERN einen Teilchenbeschleuniger,</emphasis> dachte Langdon, wahrend der Lift weiter in die Tiefe glitt. <emphasis>Eine runde R�hre zum Zerlegen von Partikeln.</emphasis> Er fragte sich, warum der Beschleuniger unter der Erde lag.</p><p>Der Aufzug hielt, und Langdon war erleichtert, wieder <emphasis>Terfirma</emphasis> unter den F��en zu sp�ren. Dann �ffneten sich die T�ren, und seine Erleichterung verflog. Robert Langdon fand sich einmal mehr in einer v�llig fremdartigen Welt wieder.</p><p>Ein Gang erstreckte sich vom Aufzug scheinbar endlos in beide Richtungen. Es war ein glatter Tunnel mit Betonw�nden, breit genug f�r einen Sattelschlepper. Hell erleuchtet vor dem Aufzug, wo sie standen, doch ein St�ck weiter rechts und links herrschte tiefste Dunkelheit. Ein feuchter Wind schlug Langdon entgegen und erinnerte ihn auf beunruhigende Weise daran, dass er sich nun tief unter der Erde befand. Fast konnte er das Gewicht der Felsen �ber seinem Kopf sp�ren. f�r einen</p><p>Augenblick war er wieder neun Jahre alt. Die Dunkelheit versetzte ihn in die Vergangenheit, zur�ck zu den f�nf Stunden erdr�ckender Schw�rze, die ihn bis heute verfolgten. Er biss die Z�hne zusammen und k�mpfte gegen die aufsteigende Panik an.</p><p>Vittoria stieg schweigend aus dem Lift und marschierte los, ohne auf die anderen zu warten. An der Decke flackerten Fluoreszenzlampen auf und erhellten ihren Weg. Es sah be�ngstigend aus. <emphasis>Als w�re der Tunnel lebendig,</emphasis> dachte Langdon; als w�rde er ihre Bewegungen erahnen. Langdon und Kohler folgten Vittoria in kurzem Abstand. Hinter ihnen erlosch die Beleuchtung ebenso automatisch, wie sie sich eingeschaltet hatte.</p><p>�Dieser Teilchenbeschleuniger�, sagte Langdon leise, �ist er irgendwo hier unten?�</p><p>�Das dort ist er.� Kohler deutete nach links auf eine polierte Edelstahlr�hre, die an der Wand des Tunnels entlang verlief.</p><p>Langdon starrte verwirrt auf das Rohr. �Das ist der Beschleuniger?� Er sah ganz anders aus, als er ihn sich vorgestellt hatte. Eine v�llig gerade R�hre, knapp einen Meter im Durchmesser, die sich waagerecht durch den gesamten Tunnel erstreckte und vor und hinter ihnen in der Dunkelheit verschwand. <emphasis>Sieht eher wie ein Hightech-Abwasserrohr aus, </emphasis>dachte Langdon. �Ich dachte eigentlich, Teilchenbeschleuniger w�ren rund.�</p><p>�Dieser Beschleuniger <emphasis>ist</emphasis> rund�, erwiderte Kohler. �Ein perfekter Ring. Er sieht zwar gerade aus, doch das ist eine optische T�uschung. Der Umfang des Tunnels ist so gro�, dass Sie die Kr�mmung in der Dunkelheit nicht wahrnehmen. So, wie Sie die Erde nicht als Kugel wahrnehmen.�</p><p>Langdon war verbl�fft. <emphasis>Dieser Tunnel soll ein Ring sein? </emphasis>�Aber. er muss <emphasis>riesig</emphasis> sein!�</p><p>�Der LHC ist die gr��te Maschine der Welt.�</p><p>Langdon stutzte. Er erinnerte sich, dass der Pilot und Fahrer irgendetwas von einer riesigen Maschine unter der Erde erz�hlt hatte, doch.</p><p>�Der Ring besitzt einen Durchmesser von mehr als acht Kilometern.�</p><p>Langdon riss die Augen auf. �Acht Kilometer?� Er starrte den Generaldirektor an, dann blickte er hinaus in den dunklen Tunnel. �Aber. aber das bedeutet ja, dass er siebenundzwanzig Kilometer lang ist!�</p><p>Kohler nickte. �Wie gesagt, ein vollkommener Kreis. Er erstreckt sich unterirdisch bis �ber die franz�sische Grenze. Voll beschleunigte Partikel rasen in einer einzigen Sekunde mehr als zehntausendmal durch den Ring, bevor sie kollidieren.�</p><p>Langdons Beine f�hlten sich an wie Gummi, als er in die Dunkelheit starrte. �Wollen Sie damit sagen, dass CERN Millionen Tonnen Erde bewegt hat, nur um winzige Partikel aufeinander zu schie�en?�</p><p>Kohler zuckte die Schultern. �Manchmal muss man eben Berge versetzen, um die Wahrheit zu finden.�</p></section><section><title><p>Kapitel 16.</p></title><p>Hunderte von Meilen von CERN entfernt drang eine Stimme durch das Rauschen eines Walkie-Talkies. �In Ordnung, ich bin jetzt im Korridor.�</p><p>Der Wachmann vor den Monitoren dr�ckte den Sendeknopf. �Suchen Sie Kamera Nummer 86. Sie muss irgendwo am anderen Ende sein.�</p><p>Eine Weile herrschte Funkstille. Der wartende Wachmann begann zu schwitzen. Schlie�lich meldete sich das Funkger�t wieder.</p><p>�Die Kamera ist nicht hier�, sagte die Stimme. �Ich sehe die Stelle, wo sie montiert war. Irgendjemand muss sie entfernt haben.�</p><p>Der Wachmann stie� den Atem aus. �Danke. Warten Sie eine Sekunde, ja?�</p><p>Seufzend richtete er seine Aufmerksamkeit auf die Bank von Monitoren vor sich. Gro�e Bereiche des Komplexes waren f�r die �ffentlichkeit zug�nglich, und es hatte schon fr�her F�lle von gestohlenen drahtlosen Kameras gegeben. �blicherweise steckten Scherzbolde dahinter, die auf der Suche nach einem Souvenir waren. Doch sobald eine Kamera aus dem Geb�ude verschwand und au�er Reichweite war, ging auch ihr Signal verloren, und der Schirm wurde schwarz. Verdutzt starrte der Wachmann auf den Monitor. Kamera Nummer 86 �bertrug noch immer ein kristallklares Bild.</p><p>Wenn die Kamera gestohlen wurde, fragte er sich, warum erhalten wir dann immer noch ein Signal? Er wusste, dass es daf�r nur eine m�gliche Erkl�rung gab. Die Kamera war noch innerhalb des Komplexes. Irgendjemand hatte sie einfach an eine andere Stelle gebracht. <emphasis>Aber wer? Und warum?</emphasis></p><p>Er betrachtete das Bild auf dem Monitor. Schlie�lich nahm er das Funkger�t wieder auf. �Sind in diesem Treppenhaus irgendwo Schr�nke? Irgendwelche Kammern oder dunkle Alkoven?�</p><p>�Nein.� Die Stimme klang verwirrt. �Wieso?�</p><p>Der Wachmann runzelte die Stirn. �Schon gut. Danke f�r Ihre Hilfe.� Er schaltete das Walkie-Talkie aus und sch�rzte nachdenklich die Lippen.</p><p>Angesichts der geringen Gr��e und des geringen Gewichts der drahtlosen Kamera konnte sie so gut wie �berall innerhalb der schwer bewachten Anlage sein - eine dicht an dicht stehende Ansammlung von zweiunddrei�ig Einzelgeb�uden auf einer kreisf�rmigen Fl�che von anderthalb Kilometern Durchmesser. Der einzige Hinweis war, dass die Kamera an irgendeinem dunklen Ort sein misste. Was nat�rlich nicht viel weiterhalf. Es gab zahllose dunkle Stellen im Komplex - Spinde und Kammern, Bel�ftungssch�chte, Schr�nke, ein ganzes Labyrinth aus unterirdischen Tunnels. Es w�rde Wochen dauern, Kamera Nummer 86 aufzusp�ren.</p><p><emphasis>Aber das ist noch das geringste Problem,</emphasis> dachte der Wachmann.</p><p>Etwas anderes bereitete ihm sehr viel mehr Kopfzerbrechen, auch wenn es mit Kamera Nummer 86 zusammenhing - und das war das Bild, das sie �bertrug. Ein station�res Objekt, eine kompliziert aussehende Apparatur, wie sie der Wachmann nie zuvor gesehen hatte. Er betrachtete das blinkende elektronische Display an seiner Basis.</p><p>Obwohl er eine gr�ndliche Ausbildung absolviert hatte und auf alle nur denkbaren Situationen vorbereitet worden war, sp�rte er, wie sein Puls schneller ging. Er versuchte sich zu beruhigen. Es musste eine Erkl�rung gpben. Das Objekt war zu klein, um eine signifikante Bedrohung darzustellen. Andererseits war die blo�e Anwesenheit dieses fremden</p><p>Gegenstands im Komplex beunruhigend. Genau genommen sogar �u�erst beunruhigend.</p><p><emphasis>Ausgerechnet heute,</emphasis> dachte er.</p><p>Sicherheit stand f�r seinen Arbeitgeber stets an oberster Stelle, doch der heutige Tag war wichtiger als jeder andere in den vergangenen zw�lf Jahren. Am heutigen Tag war Sicherheit von allergr��ter Bedeutung. Der Wachmann starrte lange Zeit auf das fremdartige Objekt und sp�rte, wie sich in der Ferne ein Sturm zusammenzubrauen begann.</p><p>Dann w�hlte er schwitzend die Nummer seines Vorgesetzten.</p></section><section><title><p>Kapitel 17.</p></title><p>Nicht viele Kinder konnten von sich sagen, dass sie sich an den Tag erinnerten, an dem sie ihren Vater kennen gelernt hatten. Anders Vittoria Vetra. Sie war acht Jahre alt gewesen und hatte gewohnt, wo sie immer gewohnt hatte: im <emphasis>Orfanotrofio di Siena,</emphasis> einem katholischen Waisenhaus in der N�he von Florenz, ausgesetzt von Eltern, die sie niemals gekannt hatte. Es hatte geregnet an jenem Tag. Die Nonnen hatten sie zweimal zum Abendessen gerufen, doch wie stets hatte sie getan, als h�re sie nichts. Sie lag drau�en im Hof und starrte die Regentropfen an. sp�rte, wie sie von ihnen getroffen wurde. versuchte zu raten, wo der n�chste treffen w�rde. Die Nonnen riefen erneut und drohten, dass eine Lungenentz�ndung einem so unertr�glich halsstarrigen Kind wie ihr die Neugier auf die Natur schon austreiben w�rde.</p><p><emphasis>Ich kann nichts h�ren,</emphasis> hatte Vittoria gedacht.</p><p>Sie war durchn�sst bis auf die Haut, als ein junger Priester kam, um sie zu holen. Sie kannte ihn nicht; er musste neu sein. Vittoria wartete, bis er sie packte und nach drinnen schleppte.</p><p>Doch das geschah nicht. Stattdessen legte er sich zu hrem gr��ten Erstaunen neben sie auf den nassen Boden, direkt in eine Pf�tze.</p><p>�Man erz�hlt sich hier, dass du eine Menge Fragen stellst�, sagte der junge Priester.</p><p>Vittoria blickte ihn finster an. �Sind Fragen vielleicht S�nde?�</p><p>Er lachte. �Sch�tze, die Leute hatten Recht.�</p><p>�Was tun Sie hier?�</p><p>�Das Gleiche wie du. ich frage mich, wieso Regentropfen nach unten fallen.�</p><p>�Ich frage mich nicht, warum sie fallen! Das wei� ich n�mlich!�</p><p>Der Priester schenkte ihr einen erstaunten Blick. �Tats�chlich?�</p><p>�Schwester Francisca sagt, Regentropfen w�ren die Tr�nen von Engeln, die auf die Erde fallen, um die Menschen von ihren S�nden reinzuwaschen.�</p><p>�Aha!�, rief er erstaunt. �Das erkl�rt nat�rlich einiges!�</p><p>�Nein, es erkl�rt �berhaupt nichts!�, giftete sie zur�ck. �Regentropfen fallen, weil <emphasis>alles</emphasis> f�llt! Alles f�llt zu Boden! Nicht nur Regentropfen!�</p><p>Der Priester kratzte sich verbl�fft am Kopf. �Du hast Recht, junge Dame! Alle Dinge fallen! Es muss an der Gravitation liegen.�</p><p>�An <emphasis>was?�</emphasis></p><p>Er schaute sie erstaunt an. �Hast du noch nie von Gravitation geh�rt?�</p><p>�Nein.�</p><p>Der Priester sch�ttelte traurig den Kopf. �Zu schade. Die Gravitation beantwortet uns n�mlich <emphasis>eine ganze Menge</emphasis> Fragen.�</p><p>Vittoria setzte sich auf. �Was ist Gravitation?�, wollte sie wissen. �Sagen Sie�s mir!�</p><p>Der Priester zwinkerte. �Was h�ltst du davon, wenn wir beim Abendessen dar�ber reden?�</p><p>Der junge Priester war Leonardo Vetra. Obwohl er an der</p><p>Universit�t zu den besten Physikstudenten seines Jahrgangs geh�rt hatte, war er einem anderen Ruf gefolgt und dem Priesterseminar beigetreten. Leonardo und Vittoria waren in der einsamen Welt der Nonnen und Statuten zu Freunden geworden. Vittoria brachte Leonardo zum Lachen. Er nahm sie unter seine Fittiche und lehrte sie, dass es Erkl�rungen gab f�r so wundersch�ne Dinge wie Regenb�gen oder Fl�sse. Er erz�hlte</p><p>ihr vom Licht, von den Planeten, den Sternen und von der Natur und betrachtete die Dinge genauso sehr durch das Auge Gottes wie mit den Augen des Wissenschaftlers. Vittorias angeborener Intellekt und ihre Neugier machten sie zu einer gelehrigen Sch�lerin. Leonardo Vetra beh�tete sie wie eine eigene Tochter.</p><p>Auch Vittoria war gl�cklich. Sie hatte nie gewusst, wie sch�n es war, einen Vater zu haben. Wo jeder andere Erwachsene ihre Fragen mit einem Schlag auf die Finger beantwortete, verbrachte Leonardo Stunden damit, ihr B�cher zu zeigen. Er fragte sie sogar nach <emphasis>ihren eigenen</emphasis> Ideen. Vittoria betete, dass Leonardo f�r immer bei ihr bleiben w�rde. Dann aber, eines Tages, war ihr schlimmster Albtraum Wirklichkeit geworden. Vater Leonardo sagte ihr, dass er das Waisenhaus verlassen w�rde.</p><p>�Ich gehe in die Schweiz�, gestand Leonardo. �Ich habe ein Stipendium erhalten und studiere an der Universit�t von Genf Physik.�</p><p>�Physik? Ich dachte, du liebst Gott!�</p><p>�Das tue ich auch, sehr sogar. Das ist der Grund, warum ich seine g�ttlichen Gesetze studieren m�chte. Die Gesetze der Physik sind die Leinwand, die Gott ausgelegt hat, um darauf seine Sch�pfung auszubreiten.�</p><p>Vittoria war am Boden zerst�rt. Doch Vater Leonardo hatte noch weitere Neuigkeiten. Er berichtete Vittoria, dass er mit seinen Vorgesetzten gesprochen hatte und dass sie einverstanden waren, wenn er Vittoria adoptierte.</p><p>�M�chtest du, dass ich dich adoptiere?�, fragte Leonardo.</p><p>�Was bedeutet&gt;adoptieren&lt;?�</p><p>Vater Leonardo erkl�rte es ihr.</p><p>Vittoria dr�ckte sich volle f�nf Minuten vor Freude weinend an ihn. �Ja! O ja!�</p><p>Leonardo sagte ihr, dass er eine Weile fort sein w�rde, um in der Schweiz ein neues Heim f�r sie beide einzurichten, doch er versprach, sie in sp�testens sechs Monaten zu holen. Es war die l�ngste Zeit in Vittorias Leben, doch Leonardo hielt Wort. F�nf Tage vor ihrem neunten Geburtstag zog sie nach Genf. W�hrend des Tages besuchte sie die Internationale Schule, und abends lernte sie von ihrem Vater.</p><p>Drei Jahre sp�ter wurde Leonardo von CERN angestellt. Vittoria und Leonardo zogen erneut um und landeten in einem Wunderland, wie es sich die kleine Vittoria niemals h�tte tr�umen lassen.</p><p>Vittoria Vetras K�rper f�hlte sich taub an, w�hrend sie durch den Tunnel des LHC marschierte. Sie sah ihr verzerrtes Spiegelbild in dem polierten Edelstahl und sp�rte das Fehlen ihres Vaters. Normalerweise ruhte sie in sich selbst, im Frieden und in Harmonie mit der Welt ringsum. Doch pl�tzlich, auf einen Schlag, schien alles sinnlos geworden. Die letzten drei Stunden waren v�llig verschwommen.</p><p>Es war zehn Uhr morgens auf den Balearen gewesen, als Kohlers Anruf sie erreicht hatte. <emphasis>Vittoria, Ihr Vater wurde ermordet. Bitte kommen Sie sofort nach Hause.</emphasis> Trotz der dr�ckenden Hitze an Bord des Tauchbootes war ihr eiskalt ums Herz geworden. Kohlers emotionslose Stimme schmerzte fast so sehr wie die Nachricht, die er �berbrachte.</p><p>Jetzt war sie nach Hause zur�ckgekehrt. <emphasis>Nach Hause zu wem? </emphasis>CERN, ihre Welt, seit sie zw�lf gewesen war, schien pl�tzlich fremd. Ihr Vater, der Mann, der CERN so magisch gemacht hatte, war tot.</p><p><emphasis>Tief durchatmen,</emphasis> sagte sie sich, doch es gelang ihr nicht, ihren Verstand zu beruhigen. Die Fragen kreisten schneller und schneller in ihrem Kopf. Wer hatte ihren Vater ermordet, und warum? Wer war dieser �amerikanische Spezialist�? Warum bestand Kohler darauf, das Labor zu sehen?</p><p>Kohler hatte gesagt, dass Indizien auf einen Zusammenhang zwischen dem Mord an ihrem Vater und ihrem gegenw�rtigen Projekt deuteten. <emphasis>Was f�r Indizien? Niemand wusste, woran wir gearbeitet haben! Und selbst wenn es jemand herausgefunden h�tte - warum h�tte er Vater ermorden sollen?</emphasis></p><p>Als sie durch den LHC-Tunnel in Richtung des Labors ging, wurde ihr bewusst, dass sie im Begriff stand, die gr��te Errungenschaft ihres Vaters zu enth�llen, ohne dass er zugegen war. Sie hatte sich diesen Augenblick immer ganz anders vorgestellt. Sie hatte sich ausgemalt, wie ihr Vater die besten K�pfe von CERN in seinem Labor versammelte, ihnen seine Entdeckung zeigte und ihre ehrf�rchtigen Gesichter beobachtete. Und er h�tte vor v�terlichem Stolz gestrahlt und ihnen erkl�rt, wie eine von <emphasis>Vittorias</emphasis> Ideen ihm geholfen hatte, das Projekt umzusetzen. dass <emphasis>seine</emphasis> Tochter eine entscheidende Rolle bei dem Durchbruch gespielt hatte. Vittoria sp�rte einen schmerzhaften Klo� im Hals. <emphasis>Vater und ich wollten diesen Augenblick gemeinsam genie�en.</emphasis> Und jetzt stand sie hier, allein. Keine Kollegen. Keine gl�cklichen Gesichter. Nur ein fremder Amerikaner und Maximilian Kohler.</p><p><emphasis>Maximilian Kohler. Der K�nig.</emphasis></p><p>Schon als Kind hatte Vittoria den Mann nicht gemocht. Auch wenn sie irgendwann gelernt hatte, seinen gewaltigen Intellekt zu respektieren, so war ihr seine eisige Distanz stets unmenschlich erschienen - das genaue Gegenteil der W�rme, die sie bei ihrem Vater gesp�rt hatte. Kohler ging der Wissenschaft wegen ihrer unbestechlichen Logik nach. ihr Vater verfolgte sie wegen ihrer spirituellen Erhabenheit. Und doch hatten beide M�nner sich auf eine unerkl�rliche Weise respektiert. <emphasis>Genius,</emphasis> hatte einmal jemand erkl�rt, <emphasis>akzeptiert Genius bedingungslos.</emphasis></p><p><emphasis>Genius,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Vater... Papa. Tot.</emphasis></p><p>Der Eingang zum Labor Leonardos war ein steriler, bis unter die Decke mit wei�en Fliesen ausgekleideter Korridor. Langdon hatte das Gef�hl, als betr�te er ein unterirdisches Sanatorium f�r Geistesgest�rte. Dutzende von Schwarzwei�fotografien reihten sich an den W�nden. Obwohl das Studium von Fotos zu Langdons Beruf geh�rte, konnte er mit diesen hier nicht das Geringste anfangen. Sie sahen aus wie chaotische Negative aus zuf�lligen Strichen und Spiralen. <emphasis>Moderne Kunst?,</emphasis> �berlegte <emphasis>er. Jackson Pollock auf Amphetaminen?</emphasis></p><p>�Streuaufnahmen�, erkl�rte Vittoria, als sie Langdons Interesse bemerkte. �Computerisierte Darstellungen von Partikelkollisionen. Das dort ist ein Z-Partikel�, sagte sie und deutete auf eine schwache Spur, die in all dem Durcheinander fast nicht zu erkennen war. �Mein Vater hat sie vor f�nf Jahren entdeckt. Reine Energie - keinerlei Masse. Durchaus m�glich, dass es die kleinsten Partikel sind, die es gibt. Masse ist nichts anderes als eingesperrte Energie.�</p><p><emphasis>Masse ist Energie?</emphasis> Langdon neigte den Kopf zur Seite. <emphasis>Das klingt ja fast wie Zen.</emphasis> Er starrte die schwache Spur auf der Fotografie an und fragte sich, was seine Freunde in der physikalischen Fakult�t von Harvard wohl sagen w�rden, wenn sie erfuhren, dass er das Wochenende in einem LHC verbracht und Z-Partikel bewundert hatte.</p><p>�Vittoria�, begann Kohler, als sie sich der imposanten Stahlt�r des Labors n�herten. �Ich sollte vielleicht erw�hnen, dass ich heute Morgen hier unten war, um nach Ihrem Vater zu suchen.�</p><p>Vittoria err�tete leicht. �Und?�</p><p>�Und stellen Sie sich meine �berraschung vor, als ich herausfand, dass das Standard-Tastenfeld zur Sicherung der T�r durch einen anderen Mechanismus ersetzt worden war.� Kohler deutete auf einen komplizierten Mechanismus neben der T�r.</p><p>�Bitte entschuldigen Sie�, antwortete Vittoria. �Sie wissen doch, dass Vater ungest�rt sein wollte. Er wollte unter allen Umst�nden verhindern, dass sich ein anderer au�er uns beiden</p><p>Zutritt verschafft.�</p><p>�Sch�n�, sagte Kohler. �Dann �ffnen Sie jetzt bitte die T�r.�</p><p>Vittoria z�gerte einen langen Augenblick, ohne sich zu regen, Dann atmete sie tief durch und trat zu dem Mechanismus an der Wand.</p><p>Langdon war nicht im Geringsten auf das vorbereitet, was als N�chstes geschah.</p><p>Vittoria n�herte sich dem Mechanismus und legte das rechte Auge auf ein vorstehendes Objektiv, das wie ein Teleskop herausgefahren war. Dann dr�ckte sie auf einen Knopf. Im Innern der Apparatur ert�nte ein lautes Klicken. Ein Lichtstrahl wanderte �ber ihr Auge wie der Abtaster eines Fotokopierers.</p><p>�Ein Retina-Scanner�, erkl�rte sie. �Unfehlbar sicher. Er Lasst nur zwei Muster passieren, meines und das meines Vaters.�</p><p>Robert Langdon stand da wie vom Donner ger�hrt. Entsetzen stieg in ihm auf. Er sah das Bild des toten Leonardo Vetra in allen gr�sslichen Einzelheiten. Das blutige Gesicht, das einzelne braune Auge, die leere Augenh�hle. Er versuchte, die offensichtliche Wahrheit zu verdr�ngen, doch dann sah er es. auf den wei�en Bodenfliesen, unter dem Retina-Scanner. winzige Tropfen von etwas Rotem. Getrocknetes Blut.</p><p>Gl�cklicherweise schien Vittoria nichts davon zu bemerken.</p><p>Die Stahlt�r glitt auf, und sie trat ein.</p><p>K�hler fixierte Langdon mit eisernem Blick. Seine Botschaft war deutlich. <emphasis>Wie ich Ihnen bereits sagte - dieses fehlende Auge diente einem sehr viel h�heren Zweck.</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel 18.</p></title><p>Die H�nde der Frau waren gefesselt, ihre Handgelenke rot und geschwollen von der Reibung. Der dunkelh�utige <emphasis>Hashishin </emphasis>lag ersch�pft neben ihr und bewunderte seine nackte Beute. Er fragte sich, ob ihr Schlaf nur vorget�uscht war, ein erb�rmlicher Versuch, weiteren Forderungen von seiner Seite zu entgehen.</p><p>Es war ihm egal. Er hatte genug. Ges�ttigt richtete er sich auf.</p><p>In seiner Heimat waren Frauen Besitz. Schwach. Werkzeuge zum Vergn�gen, Leibeigene, die gehandelt wurden wie Vieh. Und sie wussten, wo ihr Platz war. Hier in Europa t�uschten die Frauen eine St�rke und Unabh�ngigkeit vor, die ihn zugleich erheiterte und erregte. Sie physisch zu unterjochen war ein Vergn�gen, das er stets aufs Neue genoss.</p><p>Trotz der Zufriedenheit in den Lenden sp�rte der <emphasis>Hashishin, </emphasis>wie neuer Appetit in ihm wuchs. Er hatte in der vergangenen Nacht get�tet, get�tet und verst�mmelt, und das T�ten war f�r ihn wie Heroin. jede Befriedigung war immer nur von kurzer Dauer, und jedes Mal war die Gier umso gr��er. Das Hochgef�hl hatte sich verfl�chtigt. Das Verlangen kehrte zur�ck.</p><p>Er betrachtete die schlafende Frau neben sich. Er fuhr mit der Hand �ber ihren Hals und sp�rte die Erregung des Gef�hls, sie in einem einzigen Augenblick t�ten zu k�nnen. Was spielte es f�r eine Rolle? Sie war ein Niemand, ein Ding, das zum Dienen und zum Vergn�gen da war, weiter nichts. Seine starken Finger umfassten ihre Kehle, und er sp�rte ihren schwachen Puls. Doch er k�mpfte gegen das Verlangen an und zog die Hand zur�ck. Arbeit wartete auf ihn. Arbeit f�r eine h�here Sache als sein pers�nliches Vergn�gen.</p><p>W�hrend er aus dem Bett stieg, wurde ihm einmal mehr</p><p>bewusst, welch gro�e Ehre der vor ihm liegende Auftrag bedeutete. Er hatte noch immer keine Vorstellung vom Einfluss dieses Mannes namens Janus und der alten Bruderschaft, die er huldigte. Wunderbarerweise hatten sie ihn auserw�hlt. Irgendwie mussten sie von seinem Abscheu erfahren haben. und von seiner Geschicklichkeit. Wie, w�rde er nie herausfinden. <emphasis>Ihre Wurzeln reichen weit...</emphasis></p><p>Und nun hatten sie ihm die h�chste aller Ehren zuteil werden lassen. Er w�rde ihre Hand und ihre Stimme sein. Ihr Assassine und ihr Bote. Er w�rde derjenige sein, den sein Volk <emphasis>Malak alhaq</emphasis> nannte - der Engel der Wahrheit.</p></section><section><title><p>Kapitel 19.</p></title><p>Vetras Labor war - mit einem Wort beschrieben futuristisch.</p><p>Wei�e W�nde, wei�er Boden, wei�e Decke, Computer, wohin das Auge sah, sowie spezielle elektronische Apparaturen; es erinnerte an einen hochmodernen Operationssaal. Langdon fragte sich, welche Geheimnisse es in diesem Labor geben mochte, die es rechtfertigten, einem Menschen ein Auge herauszuschneiden, um sich Zutritt zu verschaffen.</p><p>Kohler wirkte nerv�s, als sie eintraten. Seine Blicke wanderten hierhin und dorthin und suchten nach Anzeichen eines Eindringlings. Doch das Labor war leer. Vittoria bewegte sich ebenfalls langsam. als w�re das Labor ein v�llig unbekannter Raum, wenn ihr Vater sich nicht hier aufhielt.</p><p>Langdons Blick blieb in der Mitte des Labors h�ngen, wo eine Reihe kleiner S�ulen stand. Es sah aus wie ein MiniaturStonehenge; ein Dutzend der vielleicht einen Meter hohen Gebilde aus poliertem Edelstahl war in einem Kreis angeordnet. Auf jeder S�ule stand ein transparenter Beh�lter von der Gr��e einer Tennisballdose. Die Beh�lter schienen leer zu sein.</p><p>Kohler betrachtete die Beh�lter verwirrt; dann beschloss er offenbar, sie f�r den Augenblick zu ignorieren. Er wandte sich zu Vittoria um. �Wurde irgendetwas gestohlen?�, fragte er.</p><p>�Gestohlen? Wie denn?�, entgegnete sie. �Der RetinaScanner l�sst niemanden hinein au�er uns!�</p><p>�Sehen Sie sich einfach nur um.�</p><p>Vittoria seufzte und untersuchte den Raum einige Minuten lang. Dann zuckte sie die Schultern. �Alles sieht so aus wie immer. Geordnetes Chaos.�</p><p>Langdon sp�rte, wie Kohler z�gerte. Wahrscheinlich fragte er sich, wie weit er gehen konnte. wie viel er Vittoria sagen</p><p>durfte. Offensichtlich entschied er sich, es f�r den Augenblick zu lassen. Er lenkte seinen Rollstuhl zur Mitte des Labors und betrachtete die mysteri�se Anordnung scheinbar leerer Beh�lter auf den S�ulen.</p><p>�Geheimnisse sind ein Luxus�, sagte er schlie�lich, �den wir uns nicht mehr l�nger leisten k�nnen.�</p><p>Vittoria nickte ergeben. Sie wirkte mit einem Mal mitgenommen, als w�re hier im Labor eine Flut von Erinnerungen auf sie eingest�rzt.</p><p><emphasis>Lass ihr einen Augenblick Zeit,</emphasis> dachte Langdon.</p><p>Sie schloss die Augen und atmete tief durch, als m�sste sie sich innerlich auf das vorbereiten, was zu enth�llen sie im Begriff stand. Atmete erneut. Und noch einmal. Und noch einmal.</p><p>Langdon beobachtete sie, und in ihm regte sich Besorgnis. <emphasis>Ist alles in Ordnung mit ihr?</emphasis> Er warf einen Blick zu Kohler, der unger�hrt schien - offenbar hatte er dieses Ritual schon h�ufiger beobachtet. Zehn Sekunden vergingen, bevor Vittoria die Augen wieder aufschlug.</p><p>Die Verwandlung war unglaublich. Vittoria Vetra war ein anderer Mensch. Ihre vollen Lippen schlaff, die Schultern h�ngend, die Augen weich und nachgiebig. Es war, als h�tte sie jeden Muskel in ihrem K�rper dazu gebracht, die Situation hinzunehmen. Das Feuer und der pers�nliche Schmerz waren irgendwie unter einer Oberfl�che aus Gelassenheit verschwunden.</p><p>�Wo soll ich anfangen?�, fragte sie mit n�chterner Stimme.</p><p>�Am besten ganz am Anfang�, entgegnete Kohler. �Berichten Sie uns von den Experimenten Ihres Vaters.�</p><p>�Sein Lebenstraum war, Religion und Wissenschaft zu vereinen�, sagte sie. �Er hoffte beweisen zu k�nnen, dass Religion und Wissenschaft zwei durchaus miteinander vereinbare Dinge seien - zwei verschiedene Wege zu ein und derselben Wahrheit.� Sie z�gerte, als glaubte sie selbst nicht an das, was als N�chstes kam. �Und vor kurzem. fand er einen Weg dorthin.�</p><p>Kohler schwieg.</p><p>�Er entwickelte ein Experiment, von dem er hoffte, dass es einen der erbittertsten Konflikte in der Geschichte von Wissenschaft und Religion beenden k�nnte.�</p><p>Langdon fragte sich, welchen Konflikt sie meinte. Es gab zu viele.</p><p>�Die Sch�pfung�, erkl�rte Vittoria. �Der Streit dar�ber, wie das Universum entstanden ist.�</p><p><emphasis>Oh,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Dieser Streit.</emphasis></p><p>�Die Bibel behauptet selbstverst�ndlich, dass Gott das Universum erschaffen hat�, fuhr sie fort. �Gott sprach:&gt;Es werde Lichts und alles um uns herum entstand aus der unendlichen Leere. Ungl�cklicherweise besagt eines der grundlegenden Gesetze der Physik, dass Materie nicht aus Nichts erschaffen werden kann.�</p><p>Langdon hatte von dieser Pattsituation gelesen. Die Vorstellung, dass Gott angeblich �Irgendetwas� aus einem absoluten �Nichts� erschaffen habe, stand in totalem Widerspruch zu s�mtlichen anerkannten Gesetzen der modernen Physik; deswegen, so der Standpunkt der Wissenschaftler, war die Genesis wissenschaftlich gesehen absurd.</p><p>�Mr. Langdon�, sagte Vittoria und wandte sich zu Robert um. �Ich nehme an, Sie sind mit der Urknalltheorie vertraut?�</p><p>Langdon zuckte die Schultern. �Mehr oder weniger.� Der Urknall, so viel wusste er, war <emphasis>das</emphasis> wissenschaftlich akzeptierte Modell f�r die Entstehung des Universums. Er verstand die Zusammenh�nge nicht wirklich, doch nach der Theorie hatte es einen unendlich dichten Punkt konzentrierter Energie gegeben, der in einer kataklysmischen Explosion auseinander geflogen war und dies auch heute noch tat. So war das Universum entstanden. Oder so �hnlich.</p><p>Vittoria fuhr fort: �Als die katholische Kirche im Jahr 1927 zum ersten Mal die Urknalltheorie vorlegte, waren die.�</p><p>�Verzeihung�, unterbrach Langdon sie. �Sie sagen, die Urknalltheorie war eine <emphasis>katholische</emphasis> Idee?�</p><p>Vittoria wirkte �berrascht. �Selbstverst�ndlich. Ein katholischer M�nch hat sie entwickelt, Georges Lemaitre, 1927.�</p><p>�Aber ich. ich dachte.� Langdon z�gerte. �Stammt die Urknall-Theorie nicht von dem Harvard-Astronomen Edwin Hubble?�</p><p>Kohler funkelte ihn an. �Wieder einmal die typische Arroganz der amerikanischen Wissenschaft! Hubble ver�ffentlichte seine Arbeit 1929, <emphasis>zwei Jahre nach</emphasis> Lemaitre!�</p><p>Langdon runzelte die Stirn. <emphasis>Aber es hei�t Hubble-Teleskop, Sir. Ich habe nie etwas von einem Lemaitre-Teleskop geh�rt!</emphasis></p><p>�Mr. Kohler hat Recht�, sagte Vittoria. �Die Idee kam von Lemaitre. Hubble best�tigte seine Theorie lediglich, indem er den Nachweis erbrachte, dass der Urknall wissenschaftlich m�glich ist.�</p><p>�Oh�, sagte Langdon und fragte sich im gleichen Augenblick, ob die Hubble-Fanatiker in der Astronomischen Fakult�t von Harvard in ihren Vorlesungen jemals Lemaitre erw�hnten.</p><p>�Jedenfalls, als Lemaitre zum ersten Mal den Urknall ins Spiel brachte�, fuhr Vittoria fort, �hielten Wissenschaftler seine Theorie f�r absoluten Schwachsinn. Materie, so sagt die Wissenschaft, kann nicht aus dem Nichts erschaffen werden. Und als Hubble die Welt mit dem wissenschaftlichen Beweis schockierte, dass der Urknall tats�chlich stattgefunden haben k�nnte, wertete die Kirche dies als Sieg und dar�ber hinaus als</p><p>Beweis f�r die wissenschaftliche Korrektheit der Bibel. Die g�ttliche Wahrheit.�</p><p>Langdon nickte. Das Thema wurde richtig interessant.</p><p>�Selbstverst�ndlich gefiel es den Wissenschaftlern �berhaupt nicht, dass ihre Erkenntnisse von der Kirche dazu benutzt wurden, der Religion neues Gewicht zu verschaffen, und so mathematisierten sie die Urknalltheorie, streiften s�mtliche religi�sen Untert�ne ab und verkauften sie als ihre eigene Entwicklung. Ungl�cklicherweise jedoch haben all ihre mathematischen L�sungsans�tze einen gemeinsamen Schwachpunkt, den die Kirche gerne gegen sie verwendet.�</p><p>�Die Singularit�t.� Kohler spie das Wort aus, als w�re es der Fluch seiner gesamten Existenz.</p><p>�Richtig, die Singularit�t�, sagte Vittoria. �Der genaue Zeitpunkt der Sch�pfung. Die Stunde null.� Sie sah Langdon an. �Selbst heute noch ist die Wissenschaft nicht imstande, diesen Augenblick zu formulieren. Unsere Gleichungen erkl�ren das fr�he Universum sehr plausibel, doch je weiter wir in der Zeit zur�ckgehen, je mehr wir uns dem Nullpunkt n�hern, desto weniger exakt wird uisere Mathematik. Sie �st sich f�rmlich auf, und die Ergebnisse werden v�llig sinnlos.�</p><p>�Richtig�, sagte Kohler mit nerv�ser Stimme. �Und die Kirche behauptet weiter steif und fest, dass dieser Fehler ein Beweis f�r Gottes wunderbares Werk sei. Kommen Sie zur Sache, Vittoria.�</p><p>Vittorias Gesichtsausdruck wurde entr�ckt. �Die Sache ist die, dass mein Vater immer an Gottes Beteiligung am Ifknall geglaubt hat. Auch wenn die heutige Wissenschaft nicht in der Lage ist, den g�ttlichen Augenblick der Sch�pfung zu verstehen</p><p>- Vater war �berzeugt, dass sie es eines Tages begreifen w�rde.� Sie trat traurig zu einem Computerausdruck �ber dem Arbeitsplatz ihres Vaters. �Jedes Mal, wenn ich Zweifel bekam, hielt Vater mir das hier unter die Nase.�</p><p>Langdon las den Text:</p><p>WISSENSCHAFT UND RELIGION SIND KEIN</p><p>WIDERSPRUCH</p><p>DIE WISSENSCHAFT IST NUR VIEL ZU JUNG ZUM BEGREIFEN</p><p>�Mein Vater wollte die Wissenschaft voranbringen�, sagte Vittoria. �Auf eine Ebene, wo sie das Konzept von Gott unterst�tzt.� Sie fuhr sich mit der Hand durch die langen Haare und blickte melancholisch um sich. �Er machte sich daran, etwas zu tun, an das noch kein Wissenschaftler vor ihm gedacht hat. Etwas, wozu es bis dato keine <emphasis>Technologie</emphasis> gab.� Sie z�gerte, als w�re sie unsicher, wie sie die n�chsten Worte formulieren sollte. �Er entwickelte ein Experiment, das die M�glichkeit der Genesis <emphasis>beweisen</emphasis> sollte.�</p><p><emphasis>Die Genesis beweisen?,</emphasis> wunderte sich Langdon. <emphasis>Es werde Licht? Materie aus Nichts?</emphasis></p><p>Kohlers toter Blick durchbohrte Vittoria fast. <emphasis>�Wie war das?�</emphasis></p><p>�Mein Vater erschuf ein Universum. aus dem Nichts.�</p><p>Kohler riss den Mund auf. <emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>�Besser gesagt, er hat den Urknall nachvollzogen.�</p><p>Kohler sah aus, als w�rde er jeden Augenblick aus dem Rollstuhl springen.</p><p>Langdon hatte den Anschluss verloren. <emphasis>Ein Universum erschaffen? Den Urknall nachvollziehen?</emphasis></p><p>�Selbstverst�ndlich in einem viel kleineren Ma�stab�, erkl�rte Vittoria. Sie redete inzwischen schneller. �Der Vorgang war bemerkenswert einfach. Vater beschleunigte zwei ultrad�nne Partikelstrahlen in entgegengesetzte Richtungen durch den Ring. Die beiden Strahlen kollidierten frontal bei einer gewaltigen</p><p>Geschwindigkeit, bohrten sich ineinander und komprimierten s�mtliche Materie in einem einzigen winzigen Punkt. Auf diese Weise erreichte Vater noch nie da gewesene Energiedichten.� Sie leierte einen Strom von Zahlen und Einheiten herunter, und Kohlers Augen weiteten sich noch mehr. Langdon bem�hte sich, Vittorias Erkl�rungen zu folgen. <emphasis>Also hat Leonardo den winzigen Punkt simuliert, aus dem das Universum angeblich entstanden ist?</emphasis></p><p>�Das Resultat�, fuhr Vittoria fort, �ist nichts anderes als ein Wunder. Wenn es ver�ffentlicht ist, wird es die moderne Physik in ihren Fundamenten ersch�ttern.� Sie wartete, als wolle sie die Ungeheuerlichkeit ihrer Neuigkeiten auskosten. �Zum Zeitpunkt der maximalen Energiedichte erschienen im Innern des Beschleunigers ohne jede Vorwarnung Materiepartikel aus dem Nichts.�</p><p>K�hler zeigte keine Reaktion. Er starrte Vittoria nur an.</p><p><emphasis>�Materie!�,</emphasis> wiederholte sie. <emphasis>�Aus dem Nichts!</emphasis> Ein unglaubliches subatomares Feuerwerk! Ein Miniaturuniversum im Augenblick der Entstehung. Vater hat nicht nur bewiesen, dass Materie aus dem Nichts heraus entstehen kann, sondern auch, dass sowohl Urknall als auch Genesis ganz einfach durch die Annahme einer gigantischen Energiequelle zu erkl�ren sind.�</p><p>�Sie meinen Gott?�, fragte Kohler.</p><p>�Gott, Buddha, die Macht, JHWH, die Singularit�t, die Dreieinigkeit - nennen Sie es, wie Sie wollen, das Resultat ist das Gleiche. Wissenschaft und Religion f�hren zur gleichen Wahrheit - reine <emphasis>Energie</emphasis> ist der Vater der Sch�pfung.�</p><p>Als Kohler endlich sprach, klang er sehr ernst. �Vittoria, ich muss gestehen, dass ich Ihnen nicht folgen kann. Wollen Sie mir sagen, dass Ihr Vater <emphasis>Materie aus Energie</emphasis> geschaffen hat? Aus dem Nichts?�</p><p>�Genau.� Vittoria deutete auf die Beh�lter. �Dort ist der</p><p>Beweis. In diesen Beh�ltern sind die eingefangenen Partikel. Die erschaffene Materie.�</p><p>Kohler hustete und rollte zu den Beh�ltern wie ein Tier, das misstrauisch etwas umkreist, von dem es instinktiv sp�rt, dass es gef�hrlich ist. �Ich muss wohl irgendetwas �bersehen haben�, sagte er schlie�lich. �Wie k�nnen Sie erwarten, dass irgendjemand glaubt, in diesen Beh�ltern bef�nde sich Materie, die Ihr Vater tats�chlich erschaffen hat? Die Partikel k�nnten von �berall her stammen.�</p><p>�K�nnten sie nicht�, widersprach Vittoria zuversichtlich. �Diese Partikel sind einzigartig. Es ist eine Form von Materie, die auf der Erde nicht existiert. daher <emphasis>muss</emphasis> sie erschaffen worden sein.�</p><p>Kohlers Miene verd�sterte sich. �Vittoria, was meinen Sie mit einer&gt;Form von Materie, die auf der Erde nicht existiert&lt;? Es gibt nur eine Form von Materie, und sie.� Kohler verstummte erschrocken.</p><p>Vittoria blickte ihn triumphierend an. �Sie selbst halten Vorlesungen dar�ber, Herr Direktor. Das Universum enth�lt zwei Formen von Materie. Eine wissenschaftliche Tatsache.� Sie wandte sich an Langdon. �Mr. Langdon, was sagt die Bibel �ber die Sch�pfung aus? Was genau hat Gott erschaffen?�</p><p>Langdon wand sich verlegen; er wusste nicht, was diese Frage mit allem anderen zu tun haben sollte. ��h. Gott erschuf das Licht und die Dunkelheit, den Himmel und die H�lle.�</p><p>�Genau!�, unterbrach ihn Vittoria. �Er erschuf alles in Gegens�tzen. Symmetrie. Vollkommene Balance.� Sie sah wieder Kohler an. �Herr Direktor, die Wissenschaft behauptet das Gleiche wie die Religion, dass der Urknall alles im Universum zusammen mit seinem Gegensatz erschuf.�</p><p><emphasis>�Einschlie�lich der Materie selbst�,</emphasis> fl�sterte Kohler wie zu sich selbst.</p><p>Vittoria nickte. �Einschlie�lich der Materie selbst. Und als mein Vater sein Experiment durchf�hrte, entstanden zwei Formen von Materie.�</p><p>Langdon fragte sich, was das zu bedeuten hatte. <emphasis>Leonardo Vetra hat den Gegensatz von Materie erschaffen?</emphasis></p><p>Kohler starrte sie �rgerlich an. �Die Substanz, auf die Sie hier anspielen, existiert <emphasis>irgendwo</emphasis> im Universum, aber ganz gewiss nicht hier! Sehr wahrscheinlich nicht einmal in unserer Milchstra�e.�</p><p>�Ganz genau�, erwiderte Vittoria. �Und das ist der Beweis daf�r, dass die Partikel in diesen Beh�ltern erschaffen worden sein <emphasis>m�ssen!�</emphasis></p><p>Kohlers Miene wurde hart. �Vittoria, Sie wollen doch wohl nicht behaupten, dass sich in diesen Beh�ltern tats�chlich Proben davon befinden?�</p><p>�Genau das.� Sie schaute stolz auf die Beh�lter. �Herr Direktor, vor sich sehen Sie die erste <emphasis>Antimaterie</emphasis> dieser Welt.�</p></section><section><title><p>Kapitel 20.</p></title><p><emphasis>Phase zwei,</emphasis> dachte der <emphasis>Hashishin,</emphasis> w�hrend er durch den dunklen Tunnel marschierte.</p><p>Die Fackel in seiner Hand war �berfl�ssig, das wusste er. Er trug sie nur um der Wirkung willen. Die Wirkung war alles. Furcht, so hatte er gelernt, war seine Verb�ndete. <emphasis>Furcht l�hmt schneller und zuverl�ssiger als jedes Kriegsger�t.</emphasis></p><p>Nirgendwo in der Passage gab es einen Spiegel, in dem er seine Verkleidung h�tte bewundern k�nnen, doch nach den Schatten seines wehenden Umhangs zu urteilen, stimmte alles bis ins Detail. Sich unauff�llig in die Menge zu mischen war Teil des Plans. Teil der Verderbtheit der Verschw�rung. Nicht in seinen k�hnsten Tr�umen h�tte er erwartet, dass er diese Rolle w�rde �bernehmen d�rfen.</p><p>Zwei Wochen zuvor h�tte er die Aufgabe, die er am anderen Ende des Tunnels durchzuf�hren hatte, als unm�glich zur�ckgewiesen. Ein H�llenfahrtskommando. Russisches Roulette mit gef�llten Kammern. Doch Janus hatte die Definition des Wortes �unm�glich� ver�ndert.</p><p>Janus hatte dem <emphasis>Hashishin</emphasis> im Verlauf der letzten beiden Wochen eine Menge Geheimnisse anvertraut. dieser Tunnel hier war eines davon. Uralt und doch immer noch in gutem Zustand.</p><p>Je n�her der <emphasis>Hashishin</emphasis> seinen Feinden kam, desto mehr dachte er �ber die Frage nach, ob das, was ihn erwartete, genauso leicht werden w�rde, wie Janus es versprochen hatte. Janus hatte ihm versichert, dass jemand auf der anderen Seite alle notwendigen Vorkehrungen treffen <emphasis>w�rde. Jemand auf der anderen Seite. Unvorstellbar!</emphasis> Je l�nger er dar�ber nachdachte, desto �berzeugter war er, dass alles tats�chlich ein Kinderspiel</p><p>w�rde.</p><p><emphasis>�Wahad... tintain... thalatha... arbaa...�,</emphasis> sagte er leise auf Arabisch vor sich hin, w�hrend er sich dem Ende n�herte. <emphasis>�Eins</emphasis>... <emphasis>zwei</emphasis>... <emphasis>drei</emphasis>... <emphasis>vier.�</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel 21.</p></title><p>Ich nehme an, Sie haben von Antimaterie geh�rt, Mr. Langdon?� Vittoria musterte ihn aufmerksam. Ihre dunkle Haut stand in starkem Kontrast zum Wei� des Labors.</p><p>Langdon blickte auf. Pl�tzlich hatte er einen Klo� im Hals. �Nun, ich. �h, sozusagen.�</p><p>Um ihre Lippen spielte ein schwaches L�cheln. �Sie schauen sich doch <emphasis>Star Trek</emphasis> an?�</p><p>Langdon err�tete. �Nun ja, meine Studenten.� Er runzelte die Stirn. �Ist Antimaterie nicht die Substanz, die die <emphasis>U.S.S. Enterprise</emphasis> antreibt?�</p><p>Vittoria nickte. �Gute Science Fiction hat ihre Wurzeln in guter Science, in guter Wissenschaft.�</p><p>�Also ist Antimaterie real?�</p><p>�Ja. Ein Fakt der Natur. Alles hat ein Gegenst�ck. Protonen haben Elektronen, Up-Quarks haben Down-Quarks. Es gibt eine fundamentale kosmische Symmetrie auf subatomarer Ebene. Antimaterie ist das Yin vom Yang der Materie. Sie balanciert die physikalische Gleichung aus.�</p><p><emphasis>Galileos Glaube an die Dualit�t,</emphasis> dachte Langdon.</p><p>�Die Wissenschaft wei� seit 1918, dass beim Urknall zwei Formen von Materie entstanden sein m�ssen�, sagte Vittoria. �Eine ist die Art von Materie, die wir hier auf der Erde sehen und aus der Felsen, B�ume, Menschen und so weiter bestehen. Die andere ist das genaue Gegenst�ck - in jeglicher Hinsicht identisch mit gew�hnlicher Materie, bis auf die umgekehrten Ladungen ihrer Partikel.�</p><p>Kohler meldete sich zu Wort. Pl�tzlich klang seine Stimme unsicher. �Aber es gibt gewaltige technologische Barrieren, wenn es um die <emphasis>Lagerung</emphasis> von Antimaterie geht. Was ist mit</p><p>Neutralisation?�</p><p>�Mein Vater hat ein revers polarisiertes Vakuum erzeugt, um die Positronen aus dem Beschleuniger zu ziehen, bevor sie annihilieren konnten.�</p><p>Kohler runzelte die Stirn. �Aber ein Vakuum h�tte <emphasis>Materie </emphasis>ebenfalls angezogen. Es gibt keine M�glichkeit, die Partikel zu trennen.�</p><p>�Er hat es mithilfe eines Magnetfelds gemacht. Materie nach rechts, Antimaterie nach links. Sie sind entgegengesetzt polar.�</p><p>In diesem Augenblick fiel Kohlers Mauer aus Skepsis in sich Zusammen. Er blickte voller Staunen zu Vittoria auf und erlitt dann ohne Vorwarnung einen heftigen Hustenanfall. �Unglaublich�, keuchte er und wischte sich den Mund. �Und doch.� Seine Logik schien sich noch immer zu widersetzen. �Und doch, selbst wenn es auf diese Weise funktioniert h�tte diese Beh�lter dort bestehen aus <emphasis>Materie.</emphasis> Die Antimaterie w�rde augenblicklich mit den W�nden reagieren.�</p><p>�Die Proben ber�hren die W�nde nicht�, sagte Vittoria, die offensichtlich mit Kohlers Einwand gerechnet hatte. �Die Antimaterie befindet sich in einem Schwebezustand. Die Beh�lter sind&gt;Antimateriefallen&lt;, denn sie halten die Antimaterie buchst�blich in der Mitte des Beh�lters gefangen, in sicherem Ab stand von den Seitenw�nden und vom Boden.�</p><p>�Schwebezustand? Aber. wie?�</p><p>�Zwischen zwei sich �berschneidenden Magnetfeldern. Hier, sehen Sie.�</p><p>Vittoria ging durch den Raum und holte einen gro�en elektronischen Apparat. Das Ger�t erinnerte Langdon an eine Strahlenkanone aus einem Comic - ein weites, waffen�hnliches Rohr mit einem Zielfernrohr auf der Oberseite und einem Gewirr elektronischer Armaturen darunter. Vittoria richtete das Rohr mithilfe der Zieloptik auf einen der Beh�lter aus, sp�hte durch das Rohr und drehte an ein paar Kn�pfen. Dann trat sie zur�ck und lie� Kohler an das Okular.</p><p>F�r einen kurzen Moment verschlug es ihm die Sprache.</p><p>�Sie haben <emphasis>sichtbare Mengen</emphasis> gesammelt?�</p><p>�F�nfhundert Nanogramm�, antwortete Vittoria. �Ein fl�ssiges Plasma aus Millionen Antielektronen, aus Positronen.�</p><p>�Millionen? Aber. niemand hat bis heute mehr als ein paar Partikel entdeckt. nirgendwo auf der Welt!�</p><p>�Xenon�, sagte Vittoria unbeeindruckt. �Vater hat den Partikelstrahl durch einen Xenon-Jet hindurch beschleunigt und auf diese Weise die Elektronen weggerissen. Der exakte Vorgang war sein Geheimnis, doch er injizierte simultan nackte Elektronen in den Beschleuniger.�</p><p>Langdon begriff �berhaupt nichts mehr. Er fragte sich, ob die beiden Wissenschaftler �berhaupt noch in seiner Sprache diskutierten.</p><p>Kohler z�gerte. Die Furchen auf seiner Stirn wurden tiefer, w�hrend er nachdachte. Pl�tzlich atmete er h�rbar durch; dann sank er wie von einer Kugel getroffen in sich zusammen.</p><p>�Rein technisch betrachtet w�rde das bedeuten.�</p><p>�Genau.� Vittoria nickte. �Ziemlich gro�e <emphasis>Mengen.�</emphasis></p><p>Kohler wandte den Blick erneut auf den Beh�lter vor sich. Verunsichert richtete er sich in seinem Rollstuhl auf und schaute durch das Okular. Lange Zeit sagte er kein Wort, doch als er sich schlie�lich zur�cklehnte, standen dicke Schwei�perlen auf seiner Stirn. Die Falten auf seinem Gesicht waren verschwunden. Seine Stimme war ein heiseres Fl�stern. �Mein Gott, Vittoria. Sie haben es tats�chlich geschafft!�</p><p>Vittoria nickte. <emphasis>�Mein Vater</emphasis> hat es geschafft.�</p><p>�Ich. ich wei� �berhaupt nicht, was ich sagen soll.�</p><p>Vittoria wandte sich zu Langdon um. �M�chten Sie auch einen Blick darauf werfen?� Sie deutete auf das elektronische Ger�t.</p><p>Ohne zu wissen, was ihn erwartete, trat Langdon vor. Aus einer Entfernung von wenig mehr als einem halben Meter schien der Beh�lter leer. Was immer sich darin befand, es war unendlich klein. Langdon blickte durch das Okular. Es dauerte einen Augenblick, bevor das Bild scharf wurde.</p><p>Dann sah er es.</p><p>Das Objekt befand sich nicht am Boden des Beh�lters, wie er es erwartet h�tte, sondern es schwebte tats�chlich in der Mitte, eine schimmernde Kugel aus einer quecksilber�hnlichen Fl�ssigkeit, wie von Magie gehalten. Metallische Wellen zogen �ber die Oberfl�che des Gebildes, das Langdon an ein Video �ber einen Wassertropfen in Schwerelosigkeit erinnerte. Obwohl er wusste, dass der Tropfen mikroskopisch klein war, erkannte er jede Einzelheit, jede Welle, jedes Schwanken des schwebenden Plasmaballs.</p><p>�Es. schwebt�, fl�sterte er.</p><p>�Das ist auch besser so, glauben Sie mir�, erwiderte Vittoria. �Antimaterie ist extrem instabil. Energetisch gesprochen ist sie das genaue Gegenteil von Materie. Beide l�schen sich augenblicklich gegenseitig aus, wenn sie miteinander in Ber�hrung kommen. Antimaterie am Kontakt mit Materie zu hindern, ist eine gro�e technologische Herausforderung, weil <emphasis>einfach alles</emphasis> auf der Erde aus Materie besteht. Die Proben m�ssen gelagert werden, ohne irgendetwas zu ber�hren, nicht einmal Luft.�</p><p>Langdon wusste nicht, was er sagen sollte. <emphasis>Also in einem Vakuum.</emphasis></p><p>�Diese Antimateriefallen�, unterbrach Kohler, w�hrend er mit einem Finger �ber eine der S�ulen aus Edelstahl strich wie ein staunender kleiner Junge. �Hat Ihr Vater sie entworfen?�</p><p>�Offen gestanden, sie sind meine Entwicklung.�</p><p>Kohler blickte auf.</p><p>�Mein Vater stellte die ersten Antimateriepartikel her�, fuhr Vittoria bescheiden fort, �doch er wusste nicht, wie er sie lagern sollte. Ich schlug Magnetfelder vor. Luftdichte H�llen aus Nano-Verbundstoffen mit entgegengesetzten Elektromagneten an jedem Ende.�</p><p>�Mir scheint, das Genie Ihres Vaters hat abgef�rbt.�</p><p>�Nicht wirklich. Ich habe die Idee aus der Natur entliehen. Portugiesische Galeeren fangen Fische zwischen ihren Tentakeln mithilfe von Nesseln, die sie aus allen Richtungen auf die Fische abschie�en. Das gleiche Prinzip kommt hier zur Anwendung. Jeder Beh�lter ist mit zwei Elektromagneten ausger�stet, einer oben, einer unten. Die entgegengesetzten Magnetfelder �berschneiden sich in der Mitte des Beh�lters und halten die Antimaterie dort fest, mitten im Vakuum.�</p><p>Langdon blickte erneut auf den Beh�lter. Antimaterie, die schwerelos in einem Vakuum schwebte, ohne irgendetwas zu ber�hren. Kohler hatte Recht. Es war eine geniale Konstruktion.</p><p>�Wo befindet sich die Energiequelle f�r die Magneten?�, fragte Kohler.</p><p>Vittoria deutete auf die Edelstahls�ulen. �Dort drin. Die Beh�lter werden in einen speziellen Adapter gesteckt, der sie kontinuierlich l�dt, sodass die Magneten niemals ausfallen k�nnen.�</p><p>�Und wenn das Feld zusammenbricht?�</p><p>�Das ist doch offensichtlich. Die Antimaterie f�llt auf den Boden des Beh�lters, und wir beobachten eine Annihilation.�</p><p>�Annihilation?�, warf Langdon ein. Der Klang des Wortes gefiel ihm nicht.</p><p>Vittoria wirkte unbeeindruckt. �Ja. Wenn Antimaterie und Materie miteinander in Ber�hrung kommen, werden beide augenblicklich zerst�rt. Physiker nennen diesen Vorgang Annihilation.�</p><p>�Oh.� Langdon nickte.</p><p>�Es ist die einfachste Reaktion im gesamten Universum. Wenn ein Partikel Materie und ein Partikel Antimaterie zusammentreffen, kommt es zur vollst�ndigen Zerstrahlung, und dabei entstehen zwei neue Partikel, die wir Photonen nennen. Ein Photon ist sozusagen ein winziges W�lkchen Licht.�</p><p>Langdon hatte von Photonen gelesen - Lichtpartikeln -, der reinsten Form von Energie. Er beschloss, lieber nicht nach Captain Kirk und den Photonentorpedos zu fragen, die die Enterprise gegen Klingonen einsetzte. �Also sehen wir einen winzigen Lichtblitz, wenn die Antimaterie zu Boden f�llt?�</p><p>Vittoria zuckte die Schultern. �Kommt darauf an, was Sie unter&gt;winzig&lt;verstehen. Ich werde es Ihnen zeigen.� Sie griff nach dem Beh�lter und begann, ihn aus seinem Adapter zu schrauben.</p><p>Kohler stie� einen entsetzten Schrei aus und sprang vor, um ihre H�nde wegzuschlagen. �Vittoria! Sind Sie wahnsinnig?�</p></section><section><title><p>Kapitel 22.</p></title><p>Kohler hatte sich aus dem Rollstuhl erhoben und stand unsicher schwankend auf zwei verkr�ppelten Beinen. Sein Gesicht war wei� vor Angst. �Vittoria! Sie d�rfen diese Falle nicht entfernen!�</p><p>Langdon beobachtete verst�ndnislos das Geschehen. Er begriff die pl�tzliche Panik des Direktors nicht.</p><p>�F�nfhundert Nanogramm!�, rief Kohler. �Wenn das magnetische Feld zusammenbricht.�</p><p>�Herr Direktor, es ist absolut sicher�, beruhigte ihn Vittoria. �Jede Antimateriefalle ist mit einer Sicherung ausger�stet -einer Batterie f�r den Fall, dass die Stromversorgung zusammenbricht oder die Falle aus ihrer Halterung genommen wird. Die Probe bleibt in ihrem Magnetfeld gefangen, selbst wenn ich den Beh�lter herausnehme.�</p><p>Kohler blickte sie unsicher an. Dann sank er z�gernd in seinen Rollstuhl zur�ck.</p><p>�Die Batterien aktivieren sich automatisch�, fuhr Vittoria fort. �Sobald die Energieversorgung unterbrochen wird. Sie reichen f�r vierundzwanzig Stunden. Wie ein Reservetank.� Sie wandte sich zu Langdon um, als h�tte sie sein Unbehagen gesp�rt. �Antimaterie besitzt ein paar ganz und gar erstaunliche Eigenschaften, Mr. Langdon, die sie �u�erst gef�hrlich machen. Eine Probe von zehn Milligramm - so gro� wie ein Sandkorn -enth�lt der Theorie nach genauso viel Energie wie zweihundert Tonnen konventioneller Raketentreibstoff.�</p><p>Langdons Verstand geriet erneut ins Rotieren.</p><p>�Antimaterie ist die Energiequelle von morgen. Tausend Mal wirksamer als Nuklearenergie. Einhundert Prozent Effizienz. Keine Nebenprodukte. Keine Strahlung. Keine</p><p>Umweltverschmutzung. Ein paar Gramm Antimaterie reichen aus, um eine Gro�stadt eine Woche lang mit Energie zu versorgen.�</p><p><emphasis>Ein paar Gramm?</emphasis> Langdon wich erschrocken von den Pfeilern zur�ck.</p><p>�Keine Sorge�, versicherte Vittoria. �Diese Proben hier sind viel kleiner. Millionstel Gramm. Relativ harmlos.� Sie griff erneut nach dem Beh�lter und schraubte ihn aus seiner Fassung.</p><p>Kohler zuckte nerv�s, doch diesmal lie� er es geschehen. Als der Kontakt zum Adapter unterbrochen war, ert�nte ein lautes Piepsen, und in der N�he des Beh�lterbodens leuchtete ein Display auf. Rote Zahlen blinkten und z�hlten r�ckw�rts:</p><p>24:00:00.</p><p>23:59:59.</p><p>23:59:58.</p><p>Langdon starrte auf das Display und hatte das unangenehme Gef�hl, eine Zeitbombe vor sich zu haben.</p><p>�Die Batterie�, erkl�rte Vittoria, �l�uft volle vierundzwanzig Stunden, bevor sie leer ist. Sie l�dt sich wieder auf, sobald der Beh�lter in seine Fassung gesetzt wird. Es ist eine Sicherheitsma�nahme, aber sie erm�glicht auch einen einfachen Transport.�</p><p>�Transport?� Kohler sah aus wie vom Donner ger�hrt. �Sie nehmen dieses Zeug mit aus dem Labor?�</p><p>�Selbstverst�ndlich nicht�, erwiderte Vittoria. �Aber die Transportf�higkeit erm�glicht uns, die Substanz zu studieren.�</p><p>Vittoria f�hrte Kohler und Langdon zur anderen Seite des Labors. Sie zog einen Vorhang beiseite, und ein Fenster kam zum Vorschein, hinter dem ein weiterer gro�er Raum lag. Die W�nde, die Decke, der Boden, alles war vollst�ndig mit Stahl ausgekleidet. Der Raum erinnerte Langdon an den Tank eines gro�en �lfrachters, mit dem er einmal nach Neu Guinea</p><p>gefahren war, um die K�rperbemalung der <emphasis>Hanta</emphasis> zu studieren.</p><p>�Wir benutzen diesen Raum als Annihilationskammer�, erkl�rte Vittoria.</p><p>�Wollen Sie damit etwa andeuten, dass Sie tats�chlich Annihilationen beobachtet haben?�, fragte Kohler.</p><p>�Mein Vater war fasziniert von der Physik des Urknalls gro�e Mengen Energie aus winzigen Mengen Materie.� Vittoria zog eine Stahlschublade unter dem Fenster auf. Sie legte die Falle hinein und schloss die Lade wieder. Dann zog sie an einem Hebel neben der Schublade. Einen Augenblick sp�ter erschien die Antimateriefalle auf der anderen Seite des Fensters. Sie rollte sanft �ber den Metallboden, bis sie fast genau in der Mitte der Kammer liegen blieb.</p><p>Vittoria l�chelte angespannt. �Sie stehen im Begriff, Ihre erste Materie-Antimaterie-Annihilation zu beobachten. Ein paar Millionstel Gramm, eine vergleichsweise winzige Probe.�</p><p>Langdon starrte auf den kleinen Beh�lter, der einsam in der Mitte der riesigen Kammer lag. Auch Kohler sah verunsichert durch das Fenster.</p><p>�Normalerweise m�ssten wir jetzt volle vierundzwanzig Stunden warten, bis die Batterien leer sind, doch diese Kammer ist im Boden mit Magneten ausger�stet, die st�rker sind als die Magnete in der Falle und die Suspension der Positronen �berwinden k�nnen. Sobald Antimaterie und Materie sich ber�hren.�</p><p>�Annihilation�, fl�sterte Kohler.</p><p>�Eine Sache noch�, fuhr Vittoria fort. �Bei der Annihilation wird reine Energie freigesetzt. Einhundert Prozent der Masse werden in Photonen umgewandelt. Also blicken Sie nicht direkt auf die Probe. Schirmen Sie Ihre Augen ab.�</p><p>Langdon war misstrauisch, doch jetzt beschlich ihn das Gef�hl, als �bertriebe sie ein wenig. <emphasis>Sehen Sie nicht direkt auf die Probe?</emphasis> Diese Antimateriefalle war mehr als drei�ig Meter weit weg, hinter einer ultradicken Wand aus get�ntem Plexiglas! Mehr noch, die Probe in der Falle war winzig, so klein, dass sie mit blo�em Auge nicht zu erkennen war. <emphasis>Die Augen abschirmen?,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Wie viel Energie soll denn in so einer winzigen Probe...?</emphasis></p><p>Vittoria dr�ckte auf einen Knopf.</p><p>Langdon wurde augenblicklich geblendet. Ein unglaublich heller Lichtpunkt erstrahlte in der Falle und breitete sich in einer Schockwelle aus reinem wei�en Licht in alle Richtungen aus. Sie donnerte mit �berw�ltigender Macht gegen die Plexiglasscheibe. Langdon stolperte zur�ck, als die Wucht der Detonation den umliegenden Fels ersch�tterte. Einen Augenblick lang herrschte eine alles �berstrahlende Helligkeit, dann kollabierte sie in sich selbst und erlosch, als h�tte es sie nie gegeben.</p><p>Langdon blinzelte in Panik, w�hrend sein normales Augenlicht langsam zur�ckkehrte. Er sp�hte in das schwelende Innere der Kammer. Der Beh�lter am Boden war verschwunden. Verdampft. Nicht eine Spur war zur�ckgeblieben.</p><p>Es war wie ein Wunder. �Mein. Gott!�, kr�chzte er.</p><p>Vittoria nickte traurig. �Genau die gleichen Worte hat mein Vater auch benutzt.</p></section><section><title><p>Kapitel 23.</p></title><p>Kohler starrte vollkommen konsterniert in die Annihilationskammer. Er hatte das Schauspiel noch nicht verdaut, das sich vor seinen eigenen Augen ereignet hatte. Robert Langdon stand neben ihm und sah noch fassungsloser aus.</p><p>�Ich m�chte meinen Vater sehen!�, sagte Vittoria. �Ich habe Ihnen das Labor gezeigt, und jetzt will ich meinen Vater sehen!�</p><p>Kohler wandte sich langsam zu ihr um, ohne ihre Worte zu h�ren. �Warum haben Sie so lange gewartet, Vittoria? Sie und Ihr Vater h�tten mir sofort von Ihrer Entdeckung berichten m�ssen!�</p><p>Vittoria starrte ihn an. <emphasis>Wie viele Gr�nde brauchst du denn noch?</emphasis> �Herr Direktor, wir k�nnen gerne sp�ter dar�ber diskutieren. Ich m�chte jetzt endlich meinen Vater sehen!�</p><p>�Wissen Sie �berhaupt, was diese Technologie bedeutet?�</p><p>�Selbstverst�ndlich!�, schoss Vittoria zur�ck. �Gelder f�r CERN. Eine Menge Gelder. Und jetzt will ich mei.�</p><p>�Ist das der Grund, warum Sie es geheim gehalten haben?�, fragte Kohler. Langdon bemerkte, dass er sie k�dern wollte. �Hatten Sie Angst, der Vorstand und ich k�nnten entscheiden, die Technologie zu lizenzieren?�</p><p>�Sie <emphasis>muss</emphasis> lizenziert werden!�, giftete Vittoria zur�ck und lie� sich in eine Diskussion verwickeln. �Antimaterie ist eine wichtige Technologie! Aber sie ist auch gef�hrlich. Vater und ich wollten die Methoden noch ein wenig verfeinern, um sie sicher zu machen.�</p><p>�Mit anderen Worten, Sie haben dem Vorstand kein Vertrauen entgegengebracht. Sie halten uns f�r nicht besonnen genug, Wissenschaft vor finanzielle Gier zu stellen.�</p><p>Vittoria war �berrascht von der Gleichg�ltigkeit in Kohlers Worten. �Es gab noch andere Probleme�, sagte sie. �Mein Vater wollte gen�gend Zeit haben, um Antimaterie im richtigen Licht darzustellen.�</p><p>�Und was hei�t das?�</p><p><emphasis>Was glaubst du denn, was es hei�t?</emphasis> �Materie aus Energie. Etwas aus Nichts. Es ist der praktische Beweis, dass die Genesis der Bibel eine wissenschaftliche M�glichkeit darstellt.�</p><p>�Also wollte Ihr Vater verhindern, dass die religi�sen Schlussfolgerungen aus seiner Arbeit in der bevorstehenden Kommerzialisierung untergingen?�</p><p>�Sozusagen, ja.�</p><p>�Und Sie?�</p><p>Vittorias Sorgen beruhten ironischerweise auf dem genauen Gegenteil. Kommerzialisierung war notwendig f�r den Erfolg jeder neuen Energiequelle. Obwohl Antimaterietechnologie ein atemberaubendes Potenzial als effiziente und saubere Energiequelle besa�, bestand die Gefahr, dass sie von der Politik und den Medien auf die gleiche Weise niedergemacht wurde, wie es der Nuklear- und Sonnenenergie widerfahren war. Atomenergie hatte sich ausgebreitet, bevor sie wirklich sicher gewesen war, und es war zu Unf�llen gekommen. Solarenergie hatte ihre Verbreitung gefunden, bevor sie effizient genug gewesen war, und die meisten Menschen hatten viel Geld verloren. Beide Technologien waren in ein schlechtes Licht ger�ckt worden und mehr oder weniger am Ende.</p><p>�Meine Interessen�, sagte Vittoria, �sind ein gutes St�ck profaner als die Vereinigung von Wissenschaft und Religion.�</p><p>�Die Umwelt�, sagte Kohler. Es war mehr eine Feststellung als eine Frage.</p><p>�Unbeschr�nkte Energie. Kein Tagebau mehr. Keine Umweltverschmutzung. Keine Strahlung.</p><p>Antimaterietechnologie k�nnte den Planeten retten.�</p><p>�Oder ihn zerst�ren�, sagte Kohler scharf. �Es kommt immer darauf an, was man daraus macht.� Vittoria sp�rte die K�lte, die von der verkr�ppelten Gestalt ausging. �Wer sonst wei� noch davon?�, fragte Kohler.</p><p>�Niemand!�, erwiderte Vittoria. �Das habe ich Ihnen doch schon gesagt!�</p><p>�Und was glauben Sie, warum Ihr Vater umgebracht wurde?�</p><p>Vittorias Gesicht wurde hart. �Das wei� ich nicht! Er hatte Feinde hier bei CERN, das wissen Sie so gut wie ich, aber es kann unm�glich mit der Antimaterie zu tun haben. Wir haben einander geschworen, es noch ein paar Monate f�r uns zu behalten.�</p><p>�Und Sie sind sicher, dass Ihr Vater seinen Schwur eingehalten hat?�</p><p>�Mein Vater hat ganz andere Schw�re gehalten als diesen!�, fauchte sie �rgerlich.</p><p>�Und Sie haben ebenfalls niemandem davon erz�hlt?�</p><p>�Selbstverst�ndlich nicht!�</p><p>Kohler atmete aus. Er w�hlte seine n�chsten Worte mit Bedacht. �Angenommen, jemand hat es herausgefunden. Und weiter angenommen, irgendjemand hat sich Zutritt zu diesem Labor verschafft. Was glauben Sie, wonach er gesucht haben k�nnte? Hat Ihr Vater hier unten Notizen aufbewahrt? Hat er sein Verfahren dokumentiert?�</p><p>�Herr Direktor, bis jetzt war ich sehr geduldig. Aber ich m�chte ein paar Antworten. Sie reden ununterbrochen von einem Einbruch, aber Sie haben den Retina-Scanner gesehen. Mein Vater war �u�erst vorsichtig, was Geheimhaltung und Sicherheit angeht.�</p><p>�Bitte haben Sie noch einen Augenblick Geduld�, fauchte Kohler so heftig, dass Sie ihn verbl�fft ansah. �Was k�nnte</p><p>gestohlen worden sein?�</p><p>�Ich wei� es wirklich nicht.� �rgerlich �berflog sie das Labor. S�mtliche Antimaterieproben waren noch vorhanden. Der Arbeitsbereich ihres Vaters sah aus wie immer. �Niemand war hier drin�, erkl�rte sie schlie�lich. �Hier oben ist alles in Ordnung.�</p><p>Kohler sah �berrascht hoch. <emphasis>�Hier oben?�</emphasis></p><p>�Ja, hier oben, im oberen Labor.�</p><p>�Sie benutzen auch das untere Labor?�</p><p>�Zum Lagern, ja.�</p><p>Kohler rollte auf sie zu. Er hustete erneut. �Sie benutzen das HAZMAT-Labor<a l:href="#bookmark1" type="note"><sup>2</sup></a> zum Lagern? Vittoria, <emphasis>was</emphasis> lagern Sie dort?�</p><p><emphasis>Gef�hrliche Substanzen, was denn sonst?</emphasis> Vittoria verlor allm�hlich die Geduld. �Antimaterie.�</p><p>Kohler stemmte sich auf den Armlehnen seines Rollstuhls hoch. �Es gibt noch mehr Antimaterie? Warum, zur H�lle, haben Sie nichts davon gesagt?�</p><p>�Das habe ich doch gerade�, erwiderte Vittoria. �Au�erdem haben Sie mich ja kaum zu Wort kommen lassen!�</p><p>�Wir m�ssen nachsehen, ob die Proben noch da sind�, entschied Kohler. �Auf der Stelle.�</p><p><emphasis>�Die</emphasis> Probe�, verbesserte ihn Vittoria. �Singular. Und sie ist noch da. Niemand k�nnte.�</p><p>�Nur eine einzige? Warum.� Kohler z�gerte. �Warum ist sie nicht hier oben?�</p><p>�Mein Vater wollte sie unter dem Fels aufbewahren, zur Sicherheit. Sie ist gr��er als die anderen.�</p><p>Der alarmierte Blickwechsel zwischen Kohler und Langdon blieb Vittoria nicht verborgen. Kohler rollte erneut auf sie zu.</p><p>�Sie haben eine noch gr��ere Probe als f�nfhundert Nanogramm hergestellt?�</p><p>�Eine Notwendigkeit�, verteidigte sich Vittoria. �Wir mussten beweisen, dass die Energiebilanz ohne Probleme in den positiven Bereich verschoben werden kann.� Die Frage nach neuen Energiequellen, das wusste sie, war stets verbunden mit der Frage nach dem erforderlichen Aufwand, nach dem Betrag an Geld, der investiert werden musste, um den Treibstoff zu erzeugen. Wenn man eine Bohrinsel errichtete, um ein einziges Barrel �l zu f�rdern, war das ein Verlustgesch�ft. Wenn jedoch die gleiche Insel mit minimalen zus�tzlichen Kosten Millionen Barrels f�rdern konnte, machte man Gewinn. F�r Antimaterie galt das gleiche Prinzip. Die Versorgung von siebenundzwanzig Kilometern Elektromagneten mit Energie, um eine winzige Probe zu sammeln, f�hrte unausweichlich zu einer negativen Energiebilanz. Um die Effizienz und leichte Herstellbarkeit zu beweisen, mussten wesentlich gr��ere Mengen erzeugt werden.</p><p>Vittorias Vater hatte zwar anf�nglich gez�gert, doch Vittoria hatte lange auf ihn eingeredet. Ihr Argument war gewesen, dass sie und ihr Vater zwei Dinge beweisen mussten, damit Antimaterie ernst genommen wurde. Erstens, dass man kosteneffiziente Mengen herstellen konnte, und zweitens, dass es eine Methode gab, um die Proben sicher zu lagern. Am Ende hatte sie gewonnen, und ihr Vater hatte wider seine eigene �berzeugung nachgegeben. Allerdings nicht ohne genaue Absprachen, was die Geheimhaltung und den Zugriff auf das Material anging. Die Antimaterie, darauf hatte Leonardo Vetra bestanden, w�rde im HAZMAT-Labor gelagert werden, einem kleinen Hohlraum im Granitgestein, weitere f�nfundzwanzig Meter tiefer unter der Oberfl�che. Die Existenz der Probe w�rde ihr Geheimnis bleiben. Nur sie beide w�rden Zugang zum HAZMAT-Labor haben.</p><p>�Vittoria?�, beharrte Kohler mit angespannter Stimme. Sie wusste, dass die Menge selbst den gro�en Maximilian Kohler sprachlos machen w�rde. Sie stellte sich den Anblick unten im Lagerraum vor. Ein <emphasis>unglaublicher</emphasis> Anblick. In der Falle, sichtbar mit blo�em Auge, tanzte eine winzige Kugel aus Antimaterie. Kein mikroskopisch kleiner Fleck, nein, sondern eine Menge so gro� wie eine Schrotkugel.</p><p>Vittoria atmete tief durch. �Ein viertel Gramm.�</p><p><emphasis>�Was?�</emphasis> Aus Kohlers Gesicht wich alles Blut, und er erlitt einen weiteren Histenanfall. �Ein viertel Gramm? Das sind. das w�ren ja f�nf Kilotonnen!�</p><p><emphasis>Kilotonnen.</emphasis> Vittoria hasste diesen Ausdruck. Ihr Vater und sie hatten ihn nie benutzt. Eine Kilotonne war das �quivalent von eintausend Kilogramm TNT, dem st�rksten herk�mmlichen Sprengstoff, den die Menschheit kannte. �Kilotonnen� war ein Ausdruck aus der Waffentechnik. Zerst�rungskraft. Sie und ihr Vater hatten �ber Elektronenvolt und Joule gesprochen -konstruktive Energien. Nutzbare Energien.</p><p>�So viel Antimaterie k�nnte buchst�blich alles im Umkreis von einem drei Viertel Kilometer ausl�schen!�, rief Kohler.</p><p>�Ja, wenn man sie auf einen Schlag annihiliert�, schoss Vittoria zur�ck. �Was niemand jemals tun w�rde!�</p><p>�Es sei denn, jemand wei� es nicht besser. Oder die Energieversorgung fillt aus.� Kohler war bereits auf dem Weg zum Aufzug.</p><p>�Deswegen hat mein Vater die Probe ja auch im HAZMAT gelagert und ein ausfalltolerantes, redundantes Sicherheitssystem eingerichtet!�</p><p>Kohler wandte sich zu ihr um und fragte hoffnungsvoll: �Gibt es unten im HAZMAT-Labor zus�tzliche Sicherheitsma�nahmen?�</p><p>�Ja. Einen zweiten Retina-Scanner.�</p><p>�Nach unten. Sofort�, war alles, was Kohler erwiderte.</p><p>Der Lastaufzug fiel wie ein Stein.</p><p>Weitere f�nfundzwanzig Meter in die Tiefe.</p><p>Vittoria war sicher, dass sie Angst bei den beiden M�nnern sp�rte, w�hrend der Lift nach unten sackte. Kohlers f�r gew�hnlich reglose Miene war angespannt. <emphasis>Ich wei�,</emphasis> dachte Vittoria, <emphasis>die Probe ist gigantisch, aber wir haben so starke Sicherheitsvorkehrungen getroffen, dass</emphasis>...</p><p>Der Aufzug hielt.</p><p>Die T�ren glitten auf, und Vittoria f�hrte sie durch einen schwach beleuchteten Gang. Ein St�ck voraus endete er vor einer massiven Stahlt�r. HAZMAT. Der Retina-Scanner neben der T�r war identisch mit dem Ger�t vor dem Labor oben. Sie n�herte sich und brachte ihr Auge vorsichtig vor die Linse.</p><p>Und wich zur�ck. Irgendetwas stimmte nicht. Die f�r gew�hnlich makellos saubere Linse war verschmiert mit. mit etwas, das aussah wie. <emphasis>Blut?</emphasis> Verwirrt wandte sie sich zu den beiden M�nnern um, doch ihr Blick begegnete wachsbleichen Gesichtern. Kohler und Langdon starrten fassungslos auf etwas am Boden, zu Vittorias F��en.</p><p>Vittoria folgte ihren Blicken.</p><p>�Nein!�, rief Langdon und streckte die Hand nach ihr aus. Doch es war zu sp�t.</p><p>Vittoria hatte den Gegenstand am Boden bereits entdeckt. Er war zugleich unglaublich fremdartig und vollkommen vertraut.</p><p>Es dauerte nur einen Augenblick.</p><p>Dann, mit pl�tzlichem Entsetzen, wusste sie Bescheid. Es war ein Augapfel, weggeworfen wie ein St�ck Abfall. Sie h�tte den Braunton dieser Iris �berall erkannt.</p></section><section><title><p>Kapitel 24.</p></title><p>Der junge Wachmann hielt den Atem an, als sein Vorgesetzter sich �ber seine Schulter beugte und die lange Reihe von �berwachungsbildschirmen studierte. Eine Minute verging</p><p>Das Schweigen des Offiziers war zu erwarten gewesen, sagte sich der Wachmann. Der Kommandant war ein Mann, der sich in jeder Lage im Griff hatte. Er war nicht zum Chef eines der elit�rsten Sicherheitsapparate der Welt geworden, indem er zuerst sprach und dann dachte.</p><p><emphasis>Aber was denkt er?</emphasis></p><p>Das Objekt auf dem Schirm war eine Art Beh�lter - ein Kanister mit Transportgriffen. So viel schien offensichtlich. Der Rest war es, der beiden Kopfzerbrechen bereitete.</p><p>Im Innern des Beh�lters schwebte, wie durch Magie gehalten, ein kleiner Tropfen einer metallischen Fl�ssigkeit <emphasis>mitten in der Luft.</emphasis> Der Tropfen erschien und verschwand im Gleichtakt zu dem Blinken eines roten LED-Displays, auf dem ein unerbittlicher Countdown ablief, der dem Wachmann eine G�nsehaut nach der anderen �ber den R�cken jagte.</p><p>�K�nnen Sie den Kontrast verst�rken?�, fragte der Kommandant, und der Wachmann zuckte zusammen.</p><p>Er kam der Bitte nach, und das Bild wurde ein wenig heller. Der Kommandant beugte sich erneut vor und starrte aus verkniffenen Augen auf etwas, das soeben unten an der Basis des Beh�lters sichtbar geworden war.</p><p>Der Wachmann folgte dem Blick des Kommandanten. Neben dem leuchtenden Display war ein Akronym zu erkennen, ganz schwach. Vier Gro�buchstaben, die im pulsierenden An-Aus gl�nzten.</p><p>�Bleiben Sie hier�, befahl der Kommandant. �Sagen Sie zu</p><p>niemandem ein Wort. Ich werde mich pers�nlich darum k�mmern.�</p></section><section><title><p>Kapitel 25.</p></title><p>HAZMAT. F�nfzig Meter unter der Erde. Vittoria Vetra stolperte vorw�rts; beinahe w�re sie auf den Scanner gefallen. Sie sp�rte, dass der Amerikaner herbeist�rzte, um ihr zu helfen, sie zu halten, ihr Gewicht aufzufangen. Auf dem Boden zu ihren F��en lag der Augapfel ihres Vaters und starrte sie blicklos an. Sie sp�rte, wie die Luft aus ihren Lungen entwich. <emphasis>Sie haben ihm das Auge herausgeschnitten!</emphasis> Ihre Welt begann sich zu drehen. Kohler war dicht hinter ihnen und sagte irgendetwas. Langdon f�hrte sie. Wie in einem Traum fand sie sich vor dem Scanner wieder. Ein Summen ert�nte.</p><p>Die T�r glitt auf.</p><p>Trotz des Entsetzens, das sich wie ein eisiger Speer in ihre Seele gebohrt hatte, trotz des leblosen Auges ihres Vaters sp�rte sie irgendwie, dass hinter der T�r weiterer Schrecken wartete. Sie richtete den Blick in das Labor und fand ihre schlimmsten Ahnungen best�tigt. Der einzelne Sockel, der Lademechanismus f�r die Antimateriefalle, war leer.</p><p>Der Beh�lter war verschwunden. Sie hatten ihrem Vater das Auge herausgeschnitten, um ihn zu stehlen! Die Schlussfolgerungen st�rzten zu schnell auf sie ein, als dass sie ihre volle Tragweite begriffen h�tte. Alles war nach hinten losgegangen, Die Probe, die beweisen sollte, dass Antimaterie eine sichere und realisierbare Energiequelle war. jemand hatte sie gestohlen. <emphasis>Aber</emphasis>... <emphasis>niemand hat gewusst, dass diese Probe �berhaupt existiert!</emphasis> Doch es war eine unbestreitbare Tatsache -irgendjemand hatte es herausgefunden. Vittoria wusste nicht, wie und wo, ganz zu schweigen, wer. Selbst Kohler, von dem gesagt wurde, dass er alles wusste, was in CERN vorging, hatte ganz offensichtlich nichts vom Projekt ihres Vaters geahnt.</p><p>Ihr Vater war tot. Ermordet wegen seiner Genialit�t.</p><p>W�hrend die Trauer ihr Herz zu �berfluten drohte, stieg ein Gedanke in ihr auf. Ein schrecklicher Gedanke. Niederschmetternd. Durchbohrend. Schuldgef�hle.</p><p>Unkontrollierbar, erbarmungslos. Vittoria selbst war es gewesen, die ihren Vater �berredet hatte, die gro�e Probe herzustellen. Gegen sein Gewissen. Und nun war er daf�r ermordet worden.</p><p><emphasis>Ein viertel Gramm...</emphasis></p><p>Wie jede andere Technologie auch - Feuer, Schie�pulver, der Verbrennungsmotor - war Antimaterie in den falschen H�nden t�dlich. Extrem t�dlich. Antimaterie war eine t�dliche Waffe, machtvoll und unaufhaltsam. Nachdem der Beh�lter von seiner Ladestation entfernt worden war, w�rde sich die Batterie entladen. Der Countdown hatte begonnen. Ein Zug, der f�hrerlos dahinraste.</p><p>Und wenn die Zeit abgelaufen war.</p><p>Ein blendendes Licht, hell wie die Sonne. Br�llender Donner. Spontane Annihilation. Eine Sekunde sp�ter - ein leerer Krater. Ein gewaltiger leerer Krater.</p><p>Die Vorstellung, dass der stille Genius ihres Vaters als Werkzeug der Zerst�rung eingesetzt werden sollte, war wie Gift in ihrem Blut. Antimaterie war die ultimative Waffe f�r Terroristen. Sie besa� keine metallischen Teile, die von Detektoren aufgesp�rt werden konnten, keine chemischen Signaturen, die von Hunden aufgesp�rt werden konnten, keinen Z�nder, den man deaktivieren konnte. falls die Polizei den Beh�lter �berhaupt fand. Der Countdown hatte begonnen.</p><p>Langdon wusste nicht, was er sonst tun sollte, daher nahm er sein Taschentuch und legte es �ber Leonardo Vetras Augapfel am Boden. Vittoria stand im Eingang des ausgeraubten HAZMAT-Labors, und auf ihrem Gesicht zeigten sich �berw�ltigende Trauer und aufkeimende Panik. Langdon n�herte sich ihr, um sie zu tr�sten, doch Kohler kam ihm zuvor.</p><p>�Mr. Langdon?� Kohlers Gesicht war v�llig ausdruckslos. Er bedeutete Langdon, ihm au�er H�rweite zu folgen. Langdon gehorchte z�gerlich und lie� Vittoria allein zur�ck. �Sie sind der Spezialist�, fl�sterte Kohler eindringlich. �Ich m�chte von Ihnen wissen, was diese Illuminati-Bastarde mit der Antimaterie vorhaben.�</p><p>Langdon versuchte sich zu konzentrieren. Trotz des Irrsinns um ihn herum war seine erste Reaktion streng logisch. Akademische Zur�ckweisung. Kohler ging noch immer von haltlosen Annahmen aus. Unm�glichen Annahmen. �Die Illuminati existieren nicht mehr, Mr. Kohler. Ich stehe nach wie vor dazu. Dieses Verbrechen k�nnte von wem auch immer begangen worden sein - vielleicht war es sogar ein anderer Mitarbeiter von CERN, der etwas von Mr. Vetras wissenschaftlichem Durchbruch erfahren hat und der Meinung war, dass dieses Projekt zu gef�hrlich sei, um fortgesetzt zu werden.�</p><p>Kohler blickte ihn wie bet�ubt an. �Sie meinen, dieses Verbrechen wurde aus <emphasis>Gewissensgr�nden</emphasis> begangen, Mr. Langdon? Das ist absurd! Wer auch immer Leonardo Vetra ermordet hat, er tat es nur aus einem einzigen Grund - er wollte die Antimaterie. Und er hat ohne Zweifel etwas ganz Bestimmtes damit vor.�</p><p>�Sie meinen Terroristen.�</p><p>�Offen gestanden - ja.�</p><p>�Aber die Illuminati waren niemals Terroristen.�</p><p>�Sagen Sie das Leonardo Vetra.�</p><p>Langdon sp�rte einen Stich. In Kohlers Worten lag Wahrheit. Leonardo Vetra war in der Tat mit dem Zeichen der Illuminati gebrandmarkt worden. Woher war es gekommen? Das geheime Zeichen erschien Langdon als ein viel zu aufw�ndiger Trick, als dass jemand mit seiner Hilfe versucht haben k�nnte, seine Spuren zu verwischen und den Verdacht auf andere zu lenken.</p><p>Es musste eine bessere Erkl�rung geben.</p><p>Erneut zwang er sich, das Unlogische zu bedenken. <emphasis>Falls die Illuminati tats�chlich noch immer aktiv sind, und falls sie tats�chlich die Antimaterie gestohlen haben - welche Absicht steckt dahinter? Was w�re ihr Ziel?</emphasis></p><p>Die Antwort kam augenblicklich. Langdon verwarf sie genauso schnell.</p><p>Zugegeben, die Illuminati hatten einen Erzfeind - doch ein terroristischer Angriff dieser Tragweite gegen den Feind war unvorstellbar. Er war �berhaupt nicht typisch. Sicher, die Illuminati hatten Menschen umgebracht, doch es waren stets nur <emphasis>Individuen</emphasis> gewesen, sorgf�ltig ausgew�hlte Ziele. Massenvernichtung erschien irgendwie zu plump. Langdon z�gerte.</p><p><emphasis>Andererseits,</emphasis> dachte er, <emphasis>steckt eine majest�tische Eloquenz dahinter. Antimaterie, die ultimative wissenschaftliche Errungenschaft, um den uralten Feind zu verdampfen</emphasis>...</p><p>Er weigerte sich, den ungeheuerlichen Gedanken zu akzeptieren. �Es gibt�, sagte er pl�tzlich, �eine andere logische Erkl�rung au�er Terrorismus.�</p><p>Kohler starrte ihn an. Er wartete.</p><p>Langdon versuchte seine Gedanken zu ordnen. Die Illuminati hatten stets gewaltige finanzielle Macht besessen. Damit hatten sie ihren Einfluss ausge�bt. Sie hatten Banken kontrolliert. Sie hatten Gold gehortet. Die Ger�chte besagten, dass sie den gr��ten und wertvollsten Diamanten besa�en, den es je gegeben hatte - den Illuminati-Diamanten, einen riesigen, makellosen Stein. �Geld�, sagte Langdon schlie�lich. �M�glicherweise hat jemand die Antimaterie gestohlen, um einen finanziellen Vorteil daraus zu schlagen.�</p><p>Kohler starrte ihn ungl�ubig an. �Einen finanziellen Vorteil? Wo um alles in der Welt verkauft man einen Tropfen Antimaterie?� �Nicht die Antimaterie�, entgegnete Langdon. �Die Technologie. Antimaterie-Technologie muss ein Verm�gen wert sein. Vielleicht hat jemand die Probe gestohlen, um sie zu analysieren und seine eigenen Forschungen anzustellen?�</p><p>�Industriespionage? Aber dieser Beh�lter hat nur vierundzwanzig Stunden, bevor die Batterie leer ist! Die Forscher w�rden sich selbst umbringen, bevor sie irgendetwas herausgefunden h�tten!�</p><p>�Sie k�nnten die Batterien nachladen, bevor sie leer sind. Sie k�nnten eine �hnliche Ladestation bauen wie diese hier in den beiden Labors von CERN.�</p><p>�In vierundzwanzig Stunden?�, spottete Kohler. �Selbst wenn sie die Pl�ne gleich mitgestohlen h�tten, w�rden sie Monate daf�r ben�tigen! Ganz bestimmt jedenfalls nicht nur ein paar Stunden!�</p><p>�Er hat Recht.� Vittorias Stimme klang br�chig.</p><p>Beide M�nner wandten sich zu ihr um. Vittoria kam ihnen entgegen. Ihr Gang war so unsicher wie ihre Stimme.</p><p>�Er hat Recht�, wiederholte sie. �Niemand k�nnte rechtzeitig eine neue Ladestation bauen. Allein das Interface braucht Wochen. Fluxfilter, Servospulen, Gleichrichter, alles</p><p>genauestens kalibriert auf die spezifische Energie ihrer Position.�</p><p>Langdon runzelte die Stirn. Er hatte begriffen. Eine Antimateriefalle war nichts, das irgendjemand einfach</p><p>mitnehmen und woanders in eine Steckdose stecken konnte. Wenn der Beh�lter aus CERN gestohlen worden war, dann befand er sich auf einem vierundzwanzig Stunden w�hrenden Trip ins Nichts.</p><p>Was nur eine einzige, �u�erst beunruhigende</p><p>Schlussfolgerung �brig lie�.</p><p>�Wir m�ssen Interpol informieren!�, sagte Vittoria. Ihre</p><p>Stimme klang selbst in ihren eigenen Ohren fremd. �Wir m�ssen die Beh�rden benachrichtigen! Auf der Stelle.�</p><p>Kohler sch�ttelte den Kopf. �Nein, auf keinen Fall.�</p><p>Die Worte verbl�fften sie. �Nein? Was wollen Sie damit sagen?�</p><p>�Sie und Ihr Vater haben mich in eine sehr schwierige Lage gebracht.�</p><p>�Herr Direktor, wir <emphasis>brauchen</emphasis> Hilfe! Wir m�ssen den Beh�lter finden und hierher zur�ckschaffen, bevor irgendjemand zu Schaden kommt! Wir haben eine Verpflichtung!�</p><p>�Wir haben die Verpflichtung zu denken!�, entgegnete Kohler hart. �Diese Situation k�nnte sehr, sehr ernste Folgen f�r CERN haben.�</p><p>�Sie machen sich Sorgen wegen CERNs Ruf? Wissen Sie eigentlich, was geschieht, wenn die Batterie in einem Wohngebiet leer wird? Die Antimaterie hat einen Explosionsradius von fast einem Kilometer! Neun dicht bewohnte Blocks!�</p><p>�Dar�ber h�tten Sie und Ihr Vater nachdenken sollen, bevor Sie eine so gro�e Probe erschaffen haben.�</p><p>Vittoria f�hlte sich, als h�tte ihr jemand einen Dolch in den R�cken gerammt. �Aber. wir haben jede nur denkbare Vorsichtsma�nahme ergriffen!�</p><p>�Offensichtlich nicht.�</p><p>�Niemand wusste von der Antimaterie! Niemand!� Dann erkannte sie, wie absurd ihre Behauptung war. Selbstverst�ndlich hatte jemand davon gewusst. Irgendjemand hatte es herausgefunden.</p><p>Vittoria hatte mit niemandem gesprochen. Damit blieben nur zwei Erkl�rungen. Entweder, ihr Vater hatte jemanden ins Vertrauen gezogen, ohne es ihr zu sagen - was keinen Sinn ergab, weil es ihr Vater gewesen war, der darauf bestanden hatte, dass es unter allen Umst�nden ihrer beider Geheimnis bleiben m�sse. Oder sie oder ihr Vater waren �berwacht worden. Das Mobiltelefon vielleicht? Sie hatten ein paar Mal telefoniert, w�hrend Vittoria zu Feldversuchen unterwegs gewesen war. Hatten sie zu viel gesagt? M�glich war es. Au�erdem hatten sie Kontakt per E-Mail gehabt. Doch auch dort waren sie diskret gewesen - oder nicht? Das Sicherheitssystem von CERN? Hatte man sie �berwacht, ohne dass sie es gewusst hatten? Vittoria wusste, dass nichts von alledem jetzt noch eine Rolle spielte. Was geschehen war, war geschehen. <emphasis>Mein Vater ist tot.</emphasis></p><p>Der Gedanke riss sie aus ihrer Lethargie. Sie zerrte das Mobiltelefon aus der Hosentasche.</p><p>Kohlers Augen blitzten vor Zorn. �Wen. wen wollen Sie anrufen?�</p><p>�Die Vermittlung von CERN. Sie k�nnen uns direkt zu Interpol durchstellen.�</p><p>�Denken Sie nach!� Kohler hustete. �Sind Sie wirklich so naiv? Dieser Beh�lter kann inzwischen �berall auf der Welt sein! Kein Nachrichtendienst der Erde k�nnte gen�gend Leute mobilisieren, um ihn rechtzeitig zu finden!�</p><p>�Also tun wir <emphasis>�berhaupt nichts�?�</emphasis> Vittoria beschlichen Schuldgef�hle, weil sie einen gesundheitlich derart beeintr�chtigten Mann herausforderte, doch der Direktor hatte die Grenze so weit �berschritten, dass sie ihn nicht mehr wiedererkannte.</p><p>�Wir werden tun, was <emphasis>klug</emphasis> ist�, sagte Kohler. �Wir werden nicht CERNs Ruf riskieren, indem wir Beh�rden einschalten, die uns sowieso nicht weiterhelfen k�nnen. Noch nicht. Nicht ohne nachzudenken.�</p><p>Vittoria wusste, dass Kohlers Argumente nicht einer gewissen Logik entbehrten, doch sie wusste auch, dass Logik - per Definition - frei war von jeglicher moralischen Verantwortung.</p><p>Ihr Vater hatte f�r seine moralische Verantwortung <emphasis>gelebt v</emphasis> orsichtige Wissenschaft, Zuverl�ssigkeit, Vertrauen in das Gute im Menschen. Vittoria glaubte ebenfalls an diese Dinge, doch sie sah sie aus der Sicht des Karma. Sie wandte sich von Kohler ab und klappte ihr Handy auf.</p><p>�Das k�nnen Sie nicht�, sagte er.</p><p>�Versuchen Sie doch, mich daran zu hindern!�</p><p>Kohler r�hrte sich nicht.</p><p>Einen Augenblick sp�ter wusste sie, warum. So tief unter der Erde gab es keine Tr�gerfrequenz.</p><p>Wutsch�umend machte sie kehrt und marschierte zum Aufzug.</p></section><section><title><p>Kapitel 26.</p></title><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> stand am Ende des gemauerten Tunnels. Seine Fackel brannte noch immer hell, und der Geruch dos Rauchs mischte sich mit der abgestandenen feuchten Luft. Die Eisent�r, die seinen Weg versperrte, sah so alt aus wie der Tunnel selbst, rostig, doch immer noch stark. Der <emphasis>Hashishin</emphasis> wartete, umgeben von Dunkelheit, voll Vertrauen.</p><p>Der Zeitpunkt war fast gekommen.</p><p>Janus hatte versprochen, dass jemand auf der anderen Seite die T�r �ffnen w�rde. Der <emphasis>Hashishin</emphasis> war au�erordentlich erstaunt �ber diesen Verrat. Er h�tte die ganze Nacht vor der rostigen Eisent�r gewartet, um seine Aufgabe zu erf�llen, doch er sp�rte, dass es nicht n�tig sein w�rde. Seine Auftraggeber waren entschlossene M�nner.</p><p>Minuten sp�ter, genau zur verabredeten Zeit, ert�nte ein lautes Rasseln von schweren Schl�sseln auf der anderen Seite der T�r. Metall schrammte �ber Metall, als eine Reihe von Schl�ssern aufgesperrt wurde. Mit einem Kreischen, als w�ren sie seit Jahrhunderten nicht mehr benutzt worden, wurden drei schwere Riegel zur�ckgeschoben.</p><p>Dann herrschte Stille.</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> wartete geduldig, f�nf Minuten, genau wie Janus ihm aufgetragen hatte. Schlie�lich dr�ckte er gegen die massive T�r. Adrenalin rauschte in seinem Blut, als sie nach innen aufschwang.</p></section><section><title><p>Kapitel 27.</p></title><p>Vittoria, das lasse ich nicht zu!� Kohlers Atem ging m�hsam, und sein Husten verschlimmerte sich, w�hrend der Lastenaufzug nach oben fuhr.</p><p>Vittoria h�rte ihm gar nicht zu. Sie sehnte sich nach Geborgenheit, nach irgendetwas Vertrautem an diesem Ort, der ihr nicht l�nger ein Zuhause erschien. Sie wusste, dass ihre Sehnsucht unerf�llt bleiben w�rde. Im Augenblick blieb ihr nichts anderes �brig, als den Schmerz zu ertragen. Sie musste handeln. <emphasis>Ich muss zu einem Telefon.</emphasis></p><p>Robert Langdon war neben ihr, schweigsam wie gewohnt. Vittoria fragte sich nicht mehr, wer der Mann war. <emphasis>Ein Spezialist?</emphasis> Konnte Kohler sich �berhaupt noch undeutlicher ausdr�cken? <emphasis>Mr. Langdon wird uns helfen, den M�rder Ihres Vaters zu finden.</emphasis> Langdon war �berhaupt keine Hilfe. Seine W�rme und Freundlichkeit schienen echt, doch er verbarg offensichtlich etwas. Alle beide verbargen etwas vor ihr.</p><p>Kohler redete schon wieder auf sie ein. �Als Generaldirektor von CERN bin ich mitverantwortlich f�r die Zukunft der Forschung. Wenn Sie durch Ihre Voreiligkeit einen internationalen Zwischenfall heraufbeschw�ren und CERN darunter lei.�</p><p>�Zukunft der Forschung?� Vittoria wandte sich za ihm um. �Wollen Sie sich wirklich aus der Verantwortung stehlen, indem Sie verschweigen, dass die Antimaterie von CERN stammt? Wollen Sie ignorieren, dass wir Menschenleben gef�hrden?�</p><p>�Nicht <emphasis>wir�,</emphasis> konterte Kohler. <emphasis>�Sie.</emphasis> Sie und Ihr Vater, Miss Vetra.�</p><p>Vittoria blickte zur Seite.</p><p>�Was die Gef�hrdung von Menschenleben angeht�, sagte</p><p>Kohler, �genau darum geht es hier. Sie wissen, welche enormen Folgen Antimaterie f�r das Leben auf diesem Planeten hat. Falls CERN geschlossen wird, vernichtet durch einen Skandal, verlieren <emphasis>alle.</emphasis> Die Zukunft der Menschheit liegt in den H�nden von Einrichtungen wie CERN. In den H�nden von Wissenschaftlern wie Ihnen und Ihrem Vater, die an der L�sung von Problemen arbeiten, die sich erst morgen stellen.�</p><p>Vittoria hatte Kohlers Vortr�ge schon fr�her geh�rt, Wissenschaft als Ersatz f�r Gott, und sie hatte sie stets abgelehnt, Die Wissenschaft selbst hatte die Probleme verursacht, die sie nun zu l�sen versuchte. �Fortschritt� war die ultimative Arglist von Mutter Natur.</p><p>�Wissenschaftlicher Fortschritt ist stets mit einem Risiko behaftet�, argumentierte Kohler. �So war es immer, und so wird es immer sein. Weltraumprogramme, genetische Forschung, Medizin - �berall werden Fehler gemacht. Die Wissenschaft muss ihre eigenen Fehler �berleben, koste es, was es wolle. F�r das Wohl <emphasis>aller.�</emphasis></p><p>Vittoria staunte �ber Kohlers F�higkeit, moralische Probleme mit wissenschaftlicher Sachlichkeit abzuw�gen. Sein Intellekt schien das Produkt einer v�lligen Trennung von jeglichen Gef�hlen zu sein. �Wollen Sie etwa behaupten, CERN sei so wichtig f�r die Zukunft der Erde, dass wir frei sind von jeglicher moralischen Verantwortung?�</p><p>�Versuchen Sie blo� nicht, mir mit Moral zu kommen! <emphasis>Sie </emphasis>haben die Grenze �berschritten, als Sie diese gro�e Probe hergestellt haben, und <emphasis>Sie</emphasis> sind es, die damit CERN gef�hrden! Ich versuche nicht nur, die Arbeitspl�tze von dreitausend Wissenschaftlern zu retten, sondern auch den Ruf Ihres Vaters. Denken Sie dar�ber nach! Ein Mann wie Leonardo Vetra verdient einfach nicht, als Sch�pfer einer Massenvernichtungswaffe in die Geschichte einzugehen.�</p><p>Dieser Pfeil traf. <emphasis>Ich bin diejenige, die ihn �berredet hat,</emphasis></p><p><emphasis>diese Probe herzustellen. Ich bin diejenige, die an allem die Schuld tr�gt!</emphasis></p><p>Als die T�ren aufglitten, redete Kohler noch immer. Vittoria trat aus dem Lift, zog ihr Mobiltelefon aus der Tasche und versuchte es erneut.</p><p>Noch immer kein W�hlton. <emphasis>Verdammt!</emphasis> Sie marschierte in Richtung T�r.</p><p>�Vittoria! Warten Sie!� Der Direktor klang asthmatisch, w�hrend er ihr in seinem Rollstuhl folgte. �Warten Sie! Wir m�ssen reden!�</p><p><emphasis>�Basta diparlare!�</emphasis></p><p>�Denken Sie an Ihren Vater!�, dr�ngte Kohler. �Was h�tte er an Ihrer Stelle getan?�</p><p>Sie marschierte weiter.</p><p>�Vittoria, ich war nicht ganz ehrlich zu Ihnen.�</p><p>Vittoria ging langsamer.</p><p>�Ich wei� nicht, was ich mir dabei gedacht habe�, gestand Kohler. �Ich wollte Sie nur sch�tzen. Sagen Sie mir einfach, was Sie vorhaben. Wir m�ssen zusammen an dieser Sache arbeiten.�</p><p>Vittoria blieb auf halbem Weg zum Labor stehen, doch sie wandte sich immer noch nicht um. �Ich will die Antimaterie finden. Und ich will wissen, wer meinen Vater ermordet hat.� Sie wartete.</p><p>Kohler seufzte. �Vittoria, wir wissen bereits, wer Ihren Vater get�tet hat. Es. es tut mir Leid.�</p><p>Jetzt drehte sie sich zu ihm um. <emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>�Ich wusste nicht, wie ich es Ihnen sagen sollte. Es ist eine schwierige.�</p><p>�Sie <emphasis>wissen,</emphasis> wer meinen Vater umgebracht hat?�</p><p>�Wir haben einen begr�ndeten Verdacht, ja. Der M�rder hat eine Art Visitenkarte hinterlassen. Das ist der Grund, warum ich Mr. Langdon hierher gebeten habe. Die Gruppierung, die hinter diesem Mord steckt, ist sozusagen sein Spezialgebiet.�</p><p>�Die Gruppierung? Eine terroristische Vereinigung?�</p><p>�Vittoria, ein <emphasis>viertel Gramm</emphasis> Antimaterie wurde gestohlen!�</p><p>Vittoria starrte Robert Langdon an, der sich bisher im Hintergrund gehalten hatte. Nach und nach ergab alles einen Sinn. <emphasis>Das erkl�rt die Heimlichtuerei.</emphasis> Sie war verbl�fft, dass ihr der Gedanke nicht fr�her gekommen war. Kohler hatte den Vorfall gemeldet. Robert Langdon war Amerikaner, sportlich gebaut, konservativ gekleidet, offensichtlich �u�erst scharfsinnig - wer sonst konnte er sein? Vittoria h�tte es von Anfang an erraten m�ssen. Sie sch�pfte neue Hoffnung, als sie sich an Langdon wandte.</p><p>�Mr. Langdon, ich m�chte wissen, wer meinen Vater ermordet hat. Und bitte sagen Sie mir, ob Ihr Nachrichtendienst die Antimaterie bereits gefunden hat.�</p><p>Langdon war ehrlich verbl�fft. <emphasis>�Mein Nachrichtendienst?�</emphasis></p><p>�Ich nehme an, Sie sind von der CIA?�</p><p>�Offen gestanden, nein.�</p><p>�Mr. Langdon ist Professor f�r Kunstgeschichte an der Harvard-Universit�t�, warf Kohler ein.</p><p>Vittoria stand da wie ein begossener Pudel. �Ein Kunstprofessor?�</p><p>�Er ist Spezialist f�r Symbolologie.� Kohler seufzte. �Vittoria, wir glauben, Ihr Vater wurde von den Anh�ngern eines satanischen Kultes ermordet.�</p><p>Vittoria h�rte die Worte, doch sie war au�erstande, sie zu verarbeiten. <emphasis>Von einem Satanskult.</emphasis></p><p>�Die Gruppe, die sich zu der Tat bekennt, nennt sich <emphasis>Illuminati.�</emphasis></p><p>Vittoria starrte Kohler an, dann Langdon, und fragte sich, ob</p><p>das alles vielleicht nur ein perverser Witz sein sollte. �Die Illuminati?�, fragte sie. �Wie in <emphasis>Bayerische Illuminaten?�</emphasis></p><p>Kohler schien verbl�fft. �Sie haben von ihnen geh�rt?�</p><p>Vittoria sp�rte, wie Tr�nen in ihr aufstiegen. <emphasis>�Bavarian Illuminati: New World Order.</emphasis> Von Steve Jackson Computer Games. Die H�lfte der Techies hier spielt im Internet mit.� Ihre Stimme brach. �Aber ich verstehe nicht.�</p><p>Kohler warf Langdon einen verwirrten Blick zu.</p><p>Langdon nickte. �Ein beliebtes Spiel. Eine uralte Bruderschaft �bernimmt die Weltherrschaft. Sernihistorisch. Ich wusste gar nicht, dass es in Europa auch gespielt wird.�</p><p>�Wovon reden Sie da? Von den Illuminati? Das ist doch nur ein Computerspiel!�, rief Vittoria.</p><p>�Die Illuminati�, sagte Kohler, �sind die Gruppierung, von der ich sprach. Sie haben die Verantwortung f�r den Tod Ihres Vaters �bernommen.�</p><p>Vittoria nahm all ihre Kr�fte zusammen, um die Tr�nen zu unterdr�cken. Sie zwang sich durchzuhalten und die Situation logisch zu analysieren. Doch je mehr sie sich konzentrierte, desto weniger begriff sie. Ihr Vater war ermordet worden. Jemand war in CERN eingedrungen und hatte die Sicherheitsvorkehrungen �berwunden. Irgendwo tickte eine Zeitbombe, f�r die <emphasis>sie</emphasis> verantwortlich war. Und der Direktor hatte einen Kunstprofessor engagiert, der ihnen bei der Suche nach einer geheimnisvollen Bruderschaft von Teufelsanbetern helfen sollte.</p><p>Mit einem Mal f�hlte sie sich sehr allein. Sie wandte sich um und wollte gehen, doch Kohler schnitt ihr den Weg ab. Er griff in seine Tasche und brachte ein zerknittertes Blatt zum Vorschein, das er ihr hinhielt.</p><p>Vittoria wich entsetzt zur�ck, als ihr Blick auf das Foto fiel.</p><p>�Sie haben Leonardo gebrandmarkt�, sagte Kohler. �Die</p><p>llluminati haben ihr gottverdammtes Zeichen in Leonardos Brust gebrannt.�</p></section><section><title><p>Kapitel 28.</p></title><p>Die Sekret�rin Sylvie Baudeloque geriet allm�hlich in Panik. Nerv�s ging sie vor dem leeren B�ro des Generaldirektors auf und ab. <emphasis>Wo, zur H�lle, steckt er? Was mache ich jetzt nur?</emphasis></p><p>Es war ein verr�ckter Tag gewesen. Zwar hatte jeder Tag, an dem sie f�r Maximilian Kohler arbeitete, ein gewisses Potenzial, aus der Bahn zu laufen - heute jedoch war Kohler in einer Form wie selten.</p><p>�Finden Sie Leonardo Vetra, auf der Stelle!�, hatte er sie angeherrscht, als sie am Morgen zur Arbeit erschienen war.</p><p>Pflichtergeben hatte Sylvie den Wissenschaftler mit dem Pager, per E-Mail und �ber das Telefon zu erreichen versucht.</p><p>Vergeblich.</p><p>Schlie�lich war Kohler aus seinem B�ro gerast, allem Anschein nach, um pers�nlich nach Vetra zu suchen. Als er einige Stunden sp�ter wieder in sein B�ro zur�ckgekehrt war, hatte er �berhaupt nicht gut ausgesehen. nicht, dass Kohler jemals <emphasis>gut</emphasis> ausgesehen h�tte - doch diesmal hatte er ganz besonders schlecht ausgesehen. Er hatte sich in seinem B�ro eingeschlossen, und Sylvie hatte geh�rt, wie er telefoniert, Faxe verschickt und hektisch an seinem Computer gearbeitet hatte.</p><p>Dann war er erneut nach drau�en gerollt und seither nicht wieder aufgetaucht.</p><p>Sylvie hatte seine M�tzchen ignoriert - ein weiteres Kohlerianisches Melodram-, doch als Kohler nicht zur rechten Zeit f�r seine t�glichen Injektionen zur�ckgekehrt war, hatte sie sich Sorgen gemacht. Der Gesundheitszustand des Direktors erforderte regelm��ige Behandlung, und wenn er beschloss, sein Gl�ck herauszufordern, waren die Resultate alles andere als berauschend. Respiratorischer Schock, Hustenanf�lle und helle</p><p>Aufregung beim Pflegepersonal der Krankenabteilung. <emphasis>Manchmal sieht es aus,</emphasis> dachte Sylvie, <emphasis>als h�tte Maximilian Kohler Todessehnsucht.</emphasis></p><p>Sie �berlegte, ob sie ihn noch einmal mit dem Pager rufen sollte, um ihn an seine Medikamente zu erinnern, doch Kohler war ein Mann, der jede Form von Mitleid oder Sorge um seine Gesundheit verabscheute. Erst letzte Woche war er ausgeflippt, weil ein Wissenschaftler, der ihn besucht hatte, �berm��ige R�cksicht an den Tag legte. Kohler hatte sich auf seine verkr�ppelten Beine gestemmt und ein Klemmbrett nach dem Mann geworfen. K�nig Kohler konnte �berraschend agil werden, wenn <emphasis>er pisse</emphasis> war.</p><p>Im Augenblick jedoch war Sylvies Sorge um Kohlers Gesundheit eher zweitrangig. verdr�ngt von einem sehr viel dr�ngenderen Dilemma. Die Telefonzentrale CERNs hatte vor ein paar Minuten voller Hektik durchgeklingelt und gesagt, dass ein wichtiger Anrufer in der Leitung warte, der unbedingt mit Kohler sprechen wolle.</p><p>�Er ist nicht da�, hatte Sylvie geantwortet.</p><p>Dann hatte der Operator ihr verraten, wer der Anrufer war.</p><p>Sylvie h�tte fast laut aufgelacht. �Das soll wohl ein Witz sein?�</p><p>Sie lauschte, und ungl�ubiges Staunen schlich sich auf ihr Gesicht. �Und der Anrufer ist wirklich.?� Sylvie runzelte die Stirn. �Ich verstehe. In Ordnung. K�nnen Sie ihn fragen, was er.� Sie seufzte. �Nein. Ja, ich verstehe. Sagen Sie ihm, er soll in der Leitung bleiben. Ich werde den Direktor unverz�glich informieren. Ja, ich verstehe. Ich werde mich beeilen.�</p><p>Doch Sylvie hatte den Direktor nicht gefunden. Sie hatte dreimal seine Mobilnummer gew�hlt und jedes Mal die gleiche Auskunft erhalten: �Der gew�nschte Gespr�chspartner ist zurzeit nicht zu erreichen.� Nicht zu erreichen? <emphasis>Wie weit kann er sein?</emphasis> Also hatte Sylvie Kohlers Pager angew�hlt. Zweimal.</p><p>Keine Reaktion. Das sah ihm �berhaupt nicht �hnlich. Sie hatte seinem mobilen Computer eine E-Mail geschickt. Nichts. Als w�re der Mann spurlos von der Erdoberfl�che verschwunden.</p><p><emphasis>Was mache ich jetzt nur?,</emphasis> fragte sie sich.</p><p>Es gab nur noch eine M�glichkeit, Kohlers Aufmerksamkeit zu wecken, bevor sie ganz CERN nach dem Direktor absuchte. Kohler w�re sicher nicht erfreut, doch der Mann am Telefon war eine Pers�nlichkeit, die der Direktor besser nicht warten lie�. Und der Anrufer klang auch nicht danach, als w�rde er sich mit der Auskunft zufrieden geben, dass der Direktor gegenw�rtig nicht zu sprechen sei.</p><p>Verbl�fft von ihrer eigenen Tapferkeit traf Sylvie eine Entscheidung. Sie ging in Kohlers B�ro und zu dem Metallkasten an der Wand hinter seinem Schreibtisch. Sie �ffnete die Klappe, starrte auf die Kontrollen und fand den richtigen Knopf.</p><p>Dann atmete sie ein letztes Mal tief durch und packte das</p><p>Mikrofon.</p></section><section><title><p>Kapitel 29.</p></title><p>Vittoria wusste nicht mehr, wie sie zum Hauptaufzug gekommen waren, doch nun fuhren sie nach oben. Kohler befand sich hinter ihr. Das Atmen bereitete ihm offenbar gro�e M�he. Langdons besorgter Blick ging durch Vittoria hindurch, als w�re sie ein Geist. Er hatte ihr das Fax aus der Hand genommen und es zur�ck in seine Jackentasche gesteckt, wo sie es nicht mehr sehen konnte, doch das Bild hatte sich unausl�schlich in ihr Ged�chtnis eingebrannt.</p><p>W�hrend der Lift nach oben fuhr, versank Vittorias Welt in Dunkelheit. <emphasis>Papa!</emphasis> Sie streckte die H�nde nach ihm aus, und f�r einen Augenblick war sie wieder bei ihm, entr�ckt in der Oase ihrer Erinnerungen. Sie war neun Jahre alt, rollte H�gel voller Edelwei� hinunter, und der blaue Himmel drehte sich �ber ihr.</p><p><emphasis>Papa! Papa!</emphasis></p><p>Leonardo Vetra lachte neben ihr und strahlte sie an. �Was ist denn, mein Engel?�</p><p>�Papa!� Sie kicherte und kuschelte sich ganz dicht an ihn. �Frag mich, was eine Blume ist.�</p><p>�Warum sollte ich dich fragen, was eine Blume ist, mein Engel? Du wei�t doch die Antwort.�</p><p>�Frag mich einfach, Papa!�</p><p>Er zuckte die Schultern. �Also gut, was ist eine Blume?�</p><p>Augenblicklich fing sie an zu kichern. �Was eine Blume ist? <emphasis>Materie,</emphasis> Papa! Alles ist Materie! Felsen, B�ume, Atome, Ameisenfresser! Alles ist Materie!�</p><p>Er lachte. �Hast du dir das ausgedacht?�</p><p>�Ziemlich schlau, wie?�</p><p>�Mein kleiner Einstein.�</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Er hat so schreckliche Haare! Ich hab� ein Bild gesehen.�</p><p>�Aber einen klugen Kopf. Ich hab� dir erz�hlt, was er herausgefunden hat, oder?�</p><p>Ihre Augen weiteten sich vor Abscheu. �Nein, Papa! Nein! Du hast es <emphasis>versprochen!.�</emphasis></p><p>�E gleich M mal C zum Quadrat.� Er kitzelte sie ausgelassen. �E gleich M mal C zum Quadrat!�</p><p><emphasis>�Keine Mathematik!</emphasis> Ich hab�s dir gesagt! Ich hasse Mathematik!�</p><p>�Ich bin froh, dass du die Mathematik hasst. Weil kleine M�dchen n�mlich �berhaupt nicht rechnen <emphasis>d�rfen!�</emphasis></p><p>Vittoria verstummte ungl�ubig. �Sie <emphasis>d�rfen</emphasis> nicht?�</p><p>�Selbstverst�ndlich nicht. Jeder wei� das. Kleine M�dchen spielen mit Puppen. Jungen rechnen. Rechnen ist nichts f�r M�dchen. Ich d�rfte eigentlich nicht einmal mit dir dar�ber reden!�</p><p>�Was? Aber das ist nicht gerecht!�</p><p>�Gesetze sind Gesetze. Und Mathematik ist f�r kleine M�dchen streng verboten!�</p><p>Vittoria blickte ihn entsetzt an. �Aber immer nur Puppen ist</p><p><emphasis>langweilig!�</emphasis></p><p>�Tut mir Leid�, sagte ihr Vater. �Ich k�nnte dir etwas �ber die Mathematik erz�hlen, aber wenn ich erwischt werde.� Er schaute nerv�s zu den einsamen H�geln ringsum.</p><p>Vittoria folgte seinem Blick. �Also gut�, fl�sterte sie, �dann erz�hl�s mir ganz leise.�</p><p>Die Bewegung des Aufzugs riss sie aus ihren Tr�umen. Vittoria �ffnete die Augen. Er war verschwunden.</p><p>Die Wirklichkeit st�rzte auf sie ein und packte sie mit eisigem Griff. Sie sah zu Langdon. Die ernste Besorgnis in seinem Blick</p><p>erinnerte sie an die W�rme eines Schutzengels, insbesondere in Kohlers eisiger N�he.</p><p>Ein einziger Gedanke stieg in ihr auf und h�mmerte mit erbarmungsloser Wucht auf sie ein.</p><p>Wo ist die Antimaterie?</p><p>Die schreckliche Antwort lie� nur Sekunden auf sich warten.</p></section><section><title><p>Kapitel 30.</p></title><p>Maximilian Kohler, bitte setzen Sie sich unverz�glich mit Ihrem B�ro in Verbindung!�</p><p>Blendendes Sonnenlicht �berflutete Langdons Augen, als sich die Aufzugst�ren in das Atrium des Hauptgeb�udes �ffneten. Bevor das Echo der Lautsprecherdurchsage verklingen konnte, fingen s�mtliche elektronischen Ger�te auf Kohlers Rollstuhl gleichzeitig an zu summen, zu blinken und zu piepsen. Der Pager. Das Mobiltelefon. Der Posteingang. Kohler starrte verbl�fft auf das Sammelsurium verr�ckt spielender Apparate. Der Direktor war zur Oberfl�che zur�ckgekehrt und in Reichweite der Kommunikationsverbindungen.</p><p><emphasis>�Direktor Kohler, bitte rufen Sie Ihr B�ro an.�</emphasis></p><p>Der Klang seines Namens aus der Lautsprecheranlage schien Kohler einen Schreck einzujagen.</p><p>Er sah ver�rgert zur Dicke hinauf, doch sein Zorn wich im gleichen Augenblick Besorgnis. Er blickte zuerst Langdon, dann Vittoria an. Alle drei standen f�r eine Sekunde reglos da als w�ren s�mtliche Spannungen zwischen ihnen verschwunden und einer dunklen Vorahnung gewichen.</p><p>Kohler zog sein Mobiltelefon aus der Halterung. Er w�hlte eine Nummer und k�mpfte gegen einen weiteren Hustenanfall. Vittoria und Langdon warteten.</p><p>�Hier ist. Direktor Kohler�, sagte er schnaufend. �Ja? Ich war unter der Erde, au�er Reichweite.� Er lauschte, und seine grauen Augen weiteten sich. �Wer? Ja, stellen Sie ihn durch.� Eine kurze Pause trat ein. �Hallo? Hier ist Maximilian Kohler. Ich bin der Generaldirektor von CERN. Mit wem spreche ich?�</p><p>Vittoria und Langdon beobachteten schweigend, wie Kohler lauschte.</p><p>�Es w�re nicht klug, diese Sache am Telefon zu besprechen�, sagte Kohler schlie�lich. �Ich werde zu Ihnen kommen.� Er hustete erneut. �Holen Sie mich. am Flughafen Leonardo da Vinci ab. In vierzig Minuten.� Kohler schien nun endg�ltig keine Luft mehr zu bekommen. Er erlitt einen nicht enden wollenden Hustenanfall und stie� unter gr��ter M�he hervor: �Finden Sie. diesen Beh�lter. so schnell Sie k�nnen. ich bin unterwegs.� Damit beendete er das Gespr�ch.</p><p>Vittoria hastete zu ihm, doch Kohler hatte aufgeh�rt zu telefonieren. Langdon beobachtete, wie sie ihr eigenes Mobiltelefon hervorzog und die Krankenstation von CERN alarmierte. Langdon f�hlte sich wie ein Schiff in den Ausl�ufern eines Sturms. durchgesch�ttelt und doch entr�ckt.</p><p><emphasis>Holen Sie mich am Flughafen Leonardo da Vinci ab,</emphasis> echoten Kohlers Worte durch seinen Verstand.</p><p>Die Ungewissen Schatten, die den ganzen Morgen �ber sein Bewusstsein getr�bt hatten, verdichteten sich innerhalb eines Sekundenbruchteils zu einem lebendigen Bild. Es war, als h�tte jemand eine T�r vor ihm aufgesto�en. <emphasis>Das Ambigramm. Der ermordete Wissenschaftler. Die Antimaterie. Und jetzt</emphasis>... <emphasis>das Ziel.</emphasis> Der Flughafen Leonardo da Vinci konnte nur eins Bedeuten. In einem Augenblick der Offenbarung erkannte Langdon, dass er eine Schwelle �berschritten hatte. Er zweifelte nicht l�nger.</p><p><emphasis>F�nf Kilotonnen. Es werde Licht.</emphasis></p><p>Zwei Sanit�ter trafen ein und rannten in ihren wei�en Kitteln durch die Halle. Sie knieten bei Kohler nieder und legten ihm eine Sauerstoffmaske an. Andere Wissenschaftler blieben stehen und sahen neugierig aus sicherer Entfernung her�ber.</p><p>Kohler nahm zwei tiefe Atemz�ge, schob die Maske beiseite und starrte Vittoria und Langdon an, noch immer nach Luft �chzend. �Rom!�</p><p>�Rom?�, fragte Vittoria. �Die Antimaterie ist in Rom? Wer war der Anrufer?�</p><p>Kohlers Gesicht war schmerzverzerrt, und seine Augen tr�nten. �Die Schweizer.� Er hustete, und die Sanit�ter dr�ckten ihm die Maske wieder auf das Gesicht. Sie machten Anstalten ihn mitzunehmen, doch Kohler griff nach oben und packte Langdons Arm.</p><p>Langdon nickte. Er wusste Bescheid.</p><p>�Gehen Sie.�, schnaufte er unter seiner Maske. �Gehen Sie. rufen Sie mich an.� Die Sanit�ter rollten ihn weg.</p><p>Vittoria stand wie angewachsen und sah ihm hinterher. Dann wandte sie sich zu Langdon um. �Rom? Aber. aber was hat er mit &gt;Schweizer &lt; gemeint?�</p><p>Langdon legte eine Hand auf ihre Schulter. �Die Schweizergarde�, antwortete er so leise, dass sie seine Worte kaum verstand. �Die eingeschworenen W�chter des Vatikans.�</p></section><section><title><p>Kapitel 31.</p></title><p>Die X-33 raste in den Himmel und schwenkte auf S�dkurs in Richtung Rom. Langdon sa� schweigend auf seinem Sitz. Die letzten f�nfzehn Minuten waren verschwommen. Nachdem er Vittoria �ber die Illuminati und ihre Verschw�rung gegen den Vatikan unterrichtet und ein wenig Zeit zum Verschnaufen gehabt hatte, begriff er allm�hlich die ganze Tragweite der Situation.</p><p><emphasis>Was, zur H�lle, mache ich hier?,</emphasis> fragte er sich. <emphasis>Ich h�tte nach Hause fliegen sollen, solange ich eine Gelegenheit dazu hatte! </emphasis>Doch tief im Innern wusste er, dass sich diese Gelegenheit zu keiner Zeit geboten hatte.</p><p>Langdons gesunder Menschenverstand schrie f�rmlich danach, auf der Stelle nach Boston zur�ckzukehren. Nichtsdestotrotz hatte akademische Neugier irgendwie vern�nftige Besonnenheit verdr�ngt. Alles, was er bisher �ber den Untergang der Illuminati zu wissen geglaubt hatte, entpuppte sich mit einem Mal als brillanter Schwindel. Ein Teil von ihm verlangte Beweise. Best�tigung. Au�erdem war es eine Frage des Gewissens. Kohler war krank und Vittoria auf sich allein gestellt, und Langdon wusste, dass er eine moralische Verpflichtung hatte zu bleiben, wenn sein Wissen �ber die Illuminati in irgendeiner Weise weiterhelfen konnte.</p><p>Doch es steckte noch mehr dahinter. Auch wenn Langdon sich sch�mte, es sich einzugestehen - sein anf�ngliches Entsetzen, als er erfahren hatte, dass die Antimaterie im Vatikan gelandet war, hatte nicht allein den gef�hrdeten Menschenleben gegolten, sondern auch noch etwas anderem.</p><p><emphasis>Kunst.</emphasis></p><p>Die gr��te Kunstsammlung der Welt sa� auf einer Zeitbombe.</p><p>Die Vatikanischen Museen beherbergte mehr als sechzigtausend zeitlose Werke in �ber tausend R�umen - Michelangelo, da Vinci, Bernini, Botticelli. Langdon fragte sich, ob die Kunstwerke �berhaupt in Sicherheit gebracht werden konnten, falls n�tig. Es war unm�glich. Viele der St�cke waren Skulpturen und wogen Tonnen. Ganz zu schweigen davon, dass die gr��ten Sch�tze architektonischer Natur waren - die Sixtinische Kapelle, der Petersdom, Michelangelos ber�hmte Treppe, die in das <emphasis>Museo Vaticano</emphasis> f�hrt - unsch�tzbare Zeugnisse menschlicher Sch�pferkraft. Langdon fragte sich, wie lange es noch dauerte, bis die Batterie des Beh�lters leer war.</p><p>�Danke, dass Sie mitgekommen sind�, sagte Vittoria leise.</p><p>Langdon kehrte aus seinen Tagtr�umen zur�ck und blickte auf. Vittoria sa� auf der anderen Seite des Mittelgangs. Selbst im bleichen, fluoreszierenden Licht der Kabine besa� sie immer noch diese Aura von Gelassenheit - die fast magnetische Ausstrahlung eines Menschen, der in sich selbst ruht. Ihr Atem ging nun gleichm��iger, als h�tte ihr Selbsterhaltungstrieb die Oberhand gewonnen. als sehne sie sich nach Vergeltung und Gerechtigkeit, angetrieben von der Liebe zu ihrem Vater.</p><p>Vittoria hatte keine Zeit zum Umziehen gefunden. Sie trug immer noch ihre Shorts und das �rmellose wei�e Top, und auf ihren gebr�unten Beinen zeigte sich nun wegen der K�lte an Bord un�bersehbar eine G�nsehaut. Instinktiv zog Langdon sein Jackett aus und bot es ihr an.</p><p>�Amerikanische Ritterlichkeit?� Sie nahm die Jacke entgegen und dankte ihm mit einem stillen Blick.</p><p>Das Flugzeug holperte durch ein paar Turbulenzen, und Langdon sp�rte, wie sein Puls in die H�he schnellte. Die fensterlose Kabine wirkte mit einem Mal wieder eng, und er versuchte sich ein freies, offenes Feld vorzustellen. Doch dann fiel ihm die Ironie dieser Vorstellung ein. Er war auf freiem Feld gewesen, als es geschehen war. <emphasis>Dr�ckende Dunkelheit.</emphasis> Er</p><p>verdr�ngte den Gedanken aus seinem Kopf. <emphasis>Schnee von gestern.</emphasis></p><p>Vittoria beobachtete ihn. �Glauben Sie an Gott, Mr. Langdon?�</p><p>Die Frage verbl�ffte ihn. Die Ernsthaftigkeit ihrer Frage war noch entwaffnender als ihr Inhalt. <emphasis>Glaube ich an Gott?</emphasis> Er hatte auf ein leichteres Thema gehofft, um die Zeit bis zur Landung totzuschlagen.</p><p><emphasis>Ein spirituelles R�tsel,</emphasis> dachte Langdon. So <emphasis>nennen mich meine Freunde.</emphasis> Er hatte jahrelang Religion studiert, doch er war deswegen kein religi�ser Mensch geworden. Er respektierte die Macht des Glaubens, die Wohlt�tigkeit der Kirchen und die Kraft, die der Glaube so vielen Menschen zu geben schien. und doch, f�r ihn war die intellektuelle Sperre stets ein zu gro�es Hindernis gewesen, als dass sein akademischer Verstand den Weg zum Glauben h�tte finden k�nnen. �Ich w�rde gerne glauben�, h�rte er sich selbst sagen.</p><p>In Vittorias Antwort lagen weder Urteil noch Herausforderung. �Und warum glauben Sie nicht?�</p><p>Er kicherte. �Nun, es ist nicht ganz einfach. Zu glauben bedeutet, Wunder intellektuell zu akzeptieren, unbefleckte Empf�ngnis und g�ttliche Intervention. Und dann sind da auch noch die vielen Verhaltenskodizes. Die Bibel, der Koran, die Schriften der Buddhisten. alle enthalten �hnliche Vorschriften und �hnliche Strafen f�r diejenigen, die dagegen versto�en. Denen zufolge werde ich in der H�lle schmoren, weil ich mich nicht an ihre Vorschriften halte. Ich kann mir keinen Gott vorstellen, der auf diese Weise �ber die Menschen herrscht.�</p><p>�Ich hoffe, Sie gestatten Ihren Studenten nicht, derart schamlos Fragen auszuweichen.�</p><p>Die Bemerkung traf ihn unvorbereitet. �Was?�</p><p>�Mr. Langdon, ich habe nicht gefragt, ob Sie an das glauben, was Menschen �ber Gott sagen Ich habe gefragt, ob Sie an Gott glauben. Das ist ein Unterschied. Die heiligen Schriften</p><p>bestehen aus Geschichten. Legenden und Erz�hlungen von der Suche des Menschen nach einem Sinn. Ich habe Sie nicht nach Ihrem Urteil �ber die Schriften gefragt. Ich habe gefragt, ob Sie an Gott glauben. Wenn Sie im Freien unter den Sternen liegen -sp�ren Sie da das G�ttliche? Sp�ren Sie, dass Sie hinaufsehen auf das Werk Gottes?�</p><p>Langdon �berlegte eine ganze Weile schweigend.</p><p>�Ich bin neugierig. Bitte verzeihen Sie�, entschuldigte sich Vittoria.</p><p>�Nein, nein, ich habe nur.�</p><p>�Sicher f�hren Sie mit Ihren Studenten endlose Debatten �ber den Glauben?�</p><p>�Endlose.�</p><p>�Und Sie spielen den Advocatus Diaboli, k�nnte ich mir denken. Sie heizen die Debatte an.�</p><p>Langdon l�chelte. �Sie sind ebenfalls Lehrer?�</p><p>�Nein, aber ich habe von einem Meister gelernt. Mein V�ter konnte f�r die beiden Seiten eines M�biusbands argumentieren.�</p><p>Langdon lachte, als er sich das kunstvolle Gebilde eines M�biusbands vorstellte - ein ineinander verdrehtes Band, das zu einem Kreis zusammengef�gt war und rein technisch betrachtet nur eine Seite besa�. Langdon hatte es zum ersten Mal in einem Bild von M. C. Escher gesehen. �Darf ich Ihnen eine Frage stellen, Miss Vetra?�</p><p>�Nennen Sie mich Vittoria. Miss Vetra klingt, als w�re ich alt.�</p><p>Er l�chelte innerlich, als ihm sein eigenes Alter bewusst wurde. �Nur, wenn Sie mich Robert nennen.�</p><p>�Sie hatten eine Frage.�</p><p>�Ja. Als Wissenschaftlerin und Tochter eines katholischen Priesters - wie denken <emphasis>Sie</emphasis> �ber Religion?�</p><p>Vittoria z�gerte und schob eine Haarstr�hne aus den Augen.</p><p>�Religion ist wie Sprache oder Kleidung. Wir tendieren zu den Praktiken, mit denen wir aufgewachsen sind. Am Ende jedoch kommt immer das Gleiche heraus. Dass Leben einen Sinn hat. Und dass wir der Macht dankbar sind, die uns erschaffen hat.�</p><p>Langdon war fasziniert. �Sie sagen also, dass die Frage, ob man Christ oder Muslim oder was auch immer wird, einfach davon abh�ngt, wo man aufw�chst?�</p><p>�Ist das nicht offensichtlich? Sehen Sie sich die Verbreitung der Religionen �berall in der Welt an.�</p><p>�Also ist Glaube zuf�llig?�</p><p>�Kaum. Glaube ist universell. Unsere spezifischen Methoden zum Verst�ndnis sind zuf�llig. Einige von uns beten zu Jesus, andere pilgern nach Mekka, dritte studieren subatomare Partikel. Am Ende suchen wir alle einfach nur nach der Wahrheit hinter den Dingen. Nach etwas, das gr��er ist als wir selbst.�</p><p>Langdon w�nschte, seine Studenten k�nnten sich so klar und deutlich ausdr�cken. <emphasis>Verdammt, ich w�nschte, ich k�nnte mich selbst so klar ausdr�cken!</emphasis> �Und Gott?�, fragte er. �Glauben <emphasis>Sie </emphasis>an Gott?�</p><p>Vittoria schwieg eine ganze Weile, bevor sie antwortete. �Die Wissenschaft verr�t mir, dass es einen Gott geben <emphasis>muss.</emphasis> Mein Verstand sagt mir, dass ich diesen Gott niemals begreifen werde. Und mein Herz sagt, dass ich ihn niemals begreifen <emphasis>soll.�</emphasis></p><p><emphasis>So viel zur pr�gnanten Ausdrucksweise,</emphasis> dachte Langdon. �Also glauben Sie, dass Gott eine Tatsache ist, obwohl Sie wissen, dass Sie Ihn nie verstehen werden?�</p><p><emphasis>�Sie�,</emphasis> entgegnete Vittoria mit einem L�cheln. �Ihre amerikanischen Ureinwohner hatten schon Recht.�</p><p>Langdon kicherte. �Mutter Erde.�</p><p><emphasis>�Gaia.</emphasis> Der gesamte Planet ist ein Organismus. Wir alle sind</p><p>Zellen mit unterschiedlichen Aufgaben. Und doch sind wir miteinander verflochten. Dienen einander. Dienen dem Ganzen.�</p><p>Langdon schaute sie an und merkte, wie sich in ihm etwas regte, das er seit langer Zeit nicht mehr gesp�rt hatte. In ihren Augen lag eine bezaubernde Klarheit, und ihre Stimme klang so rein. er f�hlte sich zu ihr hingezogen.</p><p>�Mr. Langdon, lassen Sie mich Ihnen eine andere Frage stellen.�</p><p>�Robert�, sagte er. <emphasis>Wenn ich Mr. Langdon h�re, f�hle ich mich alt. Ich bin alt!</emphasis></p><p>�Wenn mir die Frage erlaubt ist, Robert - wie kamen Sie auf den Illuminati?�</p><p>Langdon �berlegte. �Offen gestanden - es war Geld.�</p><p>Vittoria wirkte entt�uscht. �Geld? Sie meinen, Sie haben f�r sie gearbeitet?�</p><p>Langdon erkannte, wie seine Antwort in ihren Ohren geklungen haben musste, und lachte auf. �Nein, Geld als W�hrung.� Er griff in seine Jackentasche und zog ein paar Scheine hervor. Er fand eine Ein-Dollar-Note. �Die Bruderschaft erweckte meine Neugier, als ich herausfand, dass die gesamte amerikanische W�hrung mit Symbolen der Illuminati �bers�t ist.�</p><p>Vittoria kniff die Augen zusammen. Sie war unsicher, ob sie ihn ernst nehmen sollte oder nicht.</p><p>Langdon reichte ihr die Note. �Betrachten Sie die R�ckseite. Sehen Sie das Gro�siegel auf der linken Seite?�</p><p>Vittoria drehte die Banknote herum. �Sie meinen die Pyramide?�</p><p>�Genau die. Wissen Sie, was Pyramiden mit der Geschichte der USA zu tun haben?�</p><p>Vittoria zuckte die Schultern.</p><p>�Exakt. Absolut <emphasis>nichts�,</emphasis> sagte Langdon.</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Und warum ist die Pyramide das zentrale Symbol des Gro�siegels?�</p><p>�Ein schauriges St�ck Geschichte�, erkl�rte Langdon. �Die Pyramide ist ein okkultes Symbol. Sie repr�sentiert eine nach oben gerichtete Konvergenz, in Richtung der ultimativen Quelle der Erleuchtung. Sehen Sie, was �ber der Pyramide schwebt?�</p><p>Vittoria studierte das Siegel. �Ein Auge in einem Dreieck.�</p><p>�Man nennt es <emphasis>trinacria.</emphasis> Haben Sie dieses Auge in einem Dreieck vielleicht schon einmal irgendwo gesehen?�</p><p>Vittoria �berlegte einen Augenblick. �Offen gestanden, ja, aber ich bin nicht sicher.�</p><p>�Es ziert die Freimaurerlogen �berall auf der Welt.�</p><p>�Das Auge ist ein Freimaurersymbol?�</p><p>�Eigentlich nicht. Es ist ein Symbol der Illuminati. Sie nannten es ihr feuchtendes Delta&lt;. Ein Ruf nach erleuchteter Ver�nderung. Das Auge versinnbildlicht die F�higkeit der Illuminati, zu infiltrieren und alles zu beobachten. Das leuchtende Dreieck repr�sentiert die Erleuchtung. Es ist zugleich ein griechischer Buchstabe, das Delta, welches wiederum ein mathematisches Symbol ist f�r.�</p><p>�Ver�nderung. �bergang.�</p><p>Langdon l�chelte. �Ich verga�, dass ich zu einer Wissenschaftlerin spreche.�</p><p>�Sie sagen also, dass das Gro�siegel der Vereinigten Staaten f�r einen erleuchteten, alles sehenden Wechsel steht?�</p><p>�Manche w�rden es&gt;Neue Weltordnung&lt;nennen.�</p><p>Vittoria war verbl�fft. Sie betrachtete den Geldschein erneut. �Die Schrift unter der Pyramide sagt <emphasis>Novus... Ordo...�</emphasis></p><p><emphasis>�Novus Ordo Saeculorum�,</emphasis> erl�uterte Langdon. �Es bedeutet&gt;Neue s�kulare Ordnung&lt;.�</p><p>�S�kular wie&gt;nichtreligi�s&lt;?�</p><p>�Ganz genau. Dieser Sinnspruch verdeutlicht nicht nur das Ziel der Illuminati, sondern er steht auch in krassem Widerspruch zu der Phrase daneben, &gt;In God We Trust&lt;.�</p><p>Vittoria schien verwirrt. �Aber wie kommt es, dass all diese Symbole auf der st�rksten W�hrung der Welt erscheinen?�</p><p>�Die meisten Wissenschaftler glauben, dass Vizepr�sident Henry Wallace dahinter gesteckt hat. Er geh�rte einem der oberen R�nge der Freimaurer an und hatte nachgewiesenerma�en Verbindungen zu den Illuminati. Ob er Mitglied war oder uischuldig unter ihrem Einfluss stand, l�sst sich aus heutiger Sicht nicht mehr kl�ren. Doch es war Wallace, der dem Pr�sidenten den Entwurf des Gro�siegels vorgestellt hat.�</p><p>�Aber. warum sollte der Pr�sident diesem Entwurf zugestimmt haben.?�</p><p>�Der Pr�sident war Franklin D. Roosevelt. Wallace musste ihm nur sagen, dass <emphasis>Novus Ordo Saeculorum</emphasis> das Gleiche bedeutet wie <emphasis>New Deal.�</emphasis></p><p>Vittoria blieb skeptisch. �Und Roosevelt hat niemandem sonst das Symbol gezeigt, bevor er das Finanzministerium anwies, die neuen Banknoten zu drucken?�</p><p>�Nicht n�tig. Er und Wallace waren sozusagen Br�der.�</p><p>�Br�der?�</p><p>�Sehen Sie in Ihren Geschichtsb�chern nach�, entgegnete Langdon l�chelnd. �Franklin D. Roosevelt war ein bekannter Freimaurer.�</p></section><section><title><p>Kapitel 32.</p></title><p>Langdon hielt den Atem an, als die X-33 in den Landeanflug auf den Leonardo da Vinci International Airport �berging. Vittoria sa� ihm gegen�ber, die Augen geschlossen, als versuchte sie, die Situation allein durch Willenskraft unter Kontrolle zu bekommen. Die Maschine setzte auf und rollte zu einem privaten Hangar.</p><p>�Tut mir Leid, dass es so lange gedauert hat�, entschuldigte sich der Pilot, als er aus dem Cockpit kam. �Aber ich musste die Lady im Zaum halten. L�rmvorschriften �ber Wohngebieten.�</p><p>New Deal = interventionistische Reformpolitik Roosevelts, mit der die Folgen der Weltwirtschaftskrise in den USA �berwunden werden sollten (Anm. d. �bers.).</p><p>Langdon warf einen Blick auf seine Uhr. Sie waren siebenunddrei�ig Minuten in der Luft gewesen.</p><p>Der Pilot �ffnete den Einstieg. �Will mir vielleicht jemand erz�hlen, was eigentlich los ist?�</p><p>Weder Vittoria noch Langdon antworteten.</p><p>�Na sch�n�, brummte der Pilot und streckte sich. �Ich bin dann im Cockpit bei der Klimaanlage und meiner Musik. Nur Garth und ich.�</p><p>Die sp�tnachmitt�gliche Sonne schien grell drau�en vor dem Hangar. Langdon trug sein Tweedjackett �ber der Schulter. Vittoria schaute nach oben und atmete tief durch, als w�rde sie auf irgendeine geheimnisvolle Weise neue Energie aus den Sonnenstrahlen ziehen.</p><p><emphasis>S�dl�nder,</emphasis> dachte Langdon. Er schwitzte bereits.</p><p>�Sind Sie nicht schon ein wenig zu alt f�r Cartoons?�, fragte Vittoria, ohne die Augen zu �ffnen.</p><p>�Verzeihung?�</p><p>�Ihre Armbanduhr. Sie ist mir schon im Flugzeug aufgefallen.�</p><p>Langdon err�tete leicht. Er war daran gew�hnt, seine Uhr zu verteidigen. Die Mickey-Mouse-Uhr war ein Sammlerst�ck, das er als Kind von seinen Eltern geschenkt bekommen hatte. Trotz der ausgesprochen albernen ausgestreckten Mickey-Mouse-Arme, die als Zeiger dienten, war es die einzige Uhr, die Langdon jemals getragen hatte. Sie war wasserdicht, fluoreszierte im Dunkeln und war perfekt geeignet f�rs Bahnenschwimmen oder f�r n�chtliche Spazierg�nge auf den unbeleuchteten Wegen des Campus. Wenn Langdons Studenten seinen modischen Geschmack infrage stellten, erz�hlte er ihnen, dass er die Uhr als st�ndige Erinnerung trug, im Herzen jung zu bleiben.</p><p>�Es ist sechs Uhr�, sagte er.</p><p>Vittoria nickte. Sie hatte die Augen immer noch geschlossen. �Ich denke, unser Fahrer ist da.�</p><p>Langdon h�rte das ferne Flattern, blickte nach oben, und sein Mut sank erneut. Von Norden her n�herte sich ein Helikopter in geringer Flugh�he �ber dem Rollfeld. Langdon war schon einmal in einem Helikopter geflogen, im Palpa-Tal in den Anden, um die Sandzeichnungen der <emphasis>Nazca</emphasis> zu studieren, und er hatte den Flug nicht eine Sekunde lang genossen. <emphasis>Ein fliegender Schuhkarton.</emphasis> Er hatte eigentlich gehofft, der Vatikan w�rde einen Wagen schicken - zwei Fl�ge an einem Tag waren mehr als genug.</p><p>Offensichtlich nicht.</p><p>Der Hubschrauber wurde �ber ihnen langsamer, schwebte einen Augenblick an Ort und Stelle und ging dann auf dem Vorfeld direkt vor ihnen nieder. Die Maschine war wei� und trug ein gro�es Wappen auf der Seite - zwei gekreuzte Schl�ssel und dar�ber die Tiara. Langdon kannte das Symbol - es war das traditionelle Wappen des Vatikans, des Heiligen Stuhls, und dieser Stuhl war der Thron des heiligen Petrus.</p><p><emphasis>Der heilige Hubschrauber,</emphasis> st�hnte Langdon innerlich, w�hrend er zu der landenden Maschine sah. Er hatte ganz vergessen, dass der Vatikan einen Hubschrauber besa�, mit dem der Papst zum Flughafen, zu Konferenzen oder zu seinem Sommerpalast nach Castel Gandolfo flog. Langdon h�tte eine Limousine entschieden vorgezogen.</p><p>Der Pilot sprang aus dem Cockpit und kam �ber den Beton auf sie zu.</p><p>Jetzt blickte Vittoria beunruhigt drein. <emphasis>�Das</emphasis> ist unser Pilot?�</p><p>Langdon teilte ihre Besorgnis. �Fliegen oder nicht fliegen, das ist hier die Frage.�</p><p>Der Pilot sah aus, als h�tte er sich f�r eine Rolle in einem Shakespeare-Melodram verkleidet. Sein weiter Umhang besa� senkrechte blaue und goldene Streifen. Dazu trug er passende Pantalons und Gamaschen. An den F��en sa�en schwarze flache Halbschuhe, die aussahen wie Slipper. Auf dem Kopf hatte er ein schwarzes Filzbarett.</p><p>�Die traditionelle Uniform der Schweizergarde�, erkl�rte</p><p>Langdon. �Entworfen von Michelangelo pers�nlich.� Der Mann kam n�her, und Langdon zuckte zusammen. �Ich gebe zu, es ist keiner seiner guten Entw�rfe.�</p><p>Trotz der schrillen Kleidung erkannte Langdon die Professionalit�t des Mannes. Er bewegte sich mit der Effizienz und Schn�rkellosigkeit eines US-Marines. Langdon hatte �ber die strengen Auswahlkriterien gelesen, die die Nachwuchskr�fte der Schweizergarde erf�llen mussten. Sie stammten aus einem einzigen der vier katholischen Schweizer Kantone, mussten wenigstens einen Meter vierundsiebzig gro� und ledig sein sowie den Schweizer Wehrdienst absolviert haben. Die meisten</p><p>Regierungen der Welt beneideten den Vatikan f�r diese loyalsten und effizientesten aller Sicherheitskr�fte.</p><p>�Sie kommen von CERN?�, fragte der Pilot, als er vor ihnen stand. Seine Stimme klang wie Stahl.</p><p>�Jawohl, Sir�, antwortete Langdon.</p><p>�Sie waren bemerkenswert schnell hier�, sagte der Gardist mit einem neugierigen Blick auf die X-33, bevor er sich an Vittoria wandte. �Signora, haben Sie keine andere Kleidung?�</p><p>�Verzeihung?�</p><p>Er deutete auf ihre Beine. �Im Vatikan sind kurze Hosen nicht erlaubt.�</p><p>Langdon runzelte die Stirn. Er hatte ganz vergessen, dass nackte Beine oberhalb der Knie im Vatikan strikt verboten waren - sowohl f�r M�nner als auch f�r Frauen. Die Vorschrift sollte Gottes Heiliger Stadt den n�tigen Respekt verschaffen.</p><p>�Das ist alles, was ich bei mir habe�, sagte Vittoria. �Wir haben uns sehr beeilt herzukommen.�</p><p>Der Gardist nickte. Sein Missvergn�gen war nicht zu �bersehen. Er wandte sich erneut an Langdon. �Tragen Sie Waffen bei sich?�</p><p><emphasis>Waffen?,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Ich habe nicht einmal Unterw�sche zum Wechseln mit!</emphasis> Er sch�ttelte verneinend den Kopf.</p><p>Der Gardist b�ckte sich vor Langdon und tastete ihn von den Kn�cheln aufw�rts ab. <emphasis>Vertrauensvoller Bursche,</emphasis> dachte Langdon. Die kr�ftigen H�nde des Gardisten bewegten sich an Langdons Beinen entlang nach oben und kamen seinem Schritt unbehaglich nahe. Schlie�lich war er bei Brust und Schultern angelangt. Offensichtlich zufrieden, dass Langdon �sauber� war, wandte sich der Gardist zu Vittoria um. Er musterte sie von oben bis unten.</p><p>�Denken Sie nicht einmal daran!� Vittoria funkelte ihn an.</p><p>Der Gardist fixierte sie mit einem Blick, der unverhohlen einsch�chtern sollte. Vittoria zuckte mit keiner Wimper.</p><p>�Was ist das?�, fragte der Gardist und deutete auf eine schwache Ausw�lbung in ihrer Hosentasche.</p><p>Vittoria zog ihr ultrad�nnes Mobiltelefon hervor. Der Gardist nahm es, schaltete es ein, wartete auf einen W�hlton, und als er sich �berzeugt hatte, dass es tats�chlich ein Telefon war und nichts weiter, reichte er es Vittoria zur�ck. Sie schob es in die Tasche.</p><p>�Drehen Sie sich bitte um�, verlangte er.</p><p>Vittoria gehorchte. Sie streckte die Arme waagerecht aus und drehte sich einmal um die eigene Achse.</p><p>Der Gardist musterte sie wachsam. Langdon war l�ngst zu der Erkenntnis gelangt, dass Vittorias figurbetonte Kleidung nirgendwo Ausw�lbungen zeigte, wo keine hingeh�rten. Der Gardist kam offensichtlich zu dem gleichen Schluss.</p><p>�Danke sehr. Wenn Sie mir bitte folgen w�rden.�</p><p>Der Hubschrauber wartete im Leerlauf, als Langdon und Vittoria sich n�herten. Vittoria stieg zuerst ein. Sie bewegte sich wie ein Profi und b�ckte sich kaum, als sie unter den wirbelnden Rotoren hindurchging. Langdon z�gerte einen Augenblick.</p><p>�Keine Chance auf eine Limousine?�, rief er dem Gardisten halb im Scherz zu.</p><p>Der Pilot antwortete nicht.</p><p>Langdon wusste, dass Fliegen angesichts der wahnwitzigen italienischen Autofahrer wahrscheinlich sowieso sicherer war. Er atmete tief durch, zog den Kopf unter den Rotorbl�ttern ein und kletterte in die Maschine.</p><p>W�hrend der Gardist die Rotoren hochdrehen lie�, rief Vittoria ihm zu: �Haben Sie den Beh�lter gefunden?�</p><p>Der Gardist sah verwirrt �ber die Schulter nach hinten. �Welchen Beh�lter?�</p><p>�Den Beh�lter! Sie haben deswegen doch bei CERN</p><p>angerufen, oder nicht?�</p><p>Der Mann zuckte die Schultern. �Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Wir hatten einen sehr hektischen Tag. Der Kommandant hat mich hergeschickt, um Sie abzuholen. Mehr wei� ich nicht.�</p><p>Vittoria warf Langdon einen beunruhigten Blick zu.</p><p>�Schnallen Sie sich jetzt bitte an�, sagte der Pilot, w�hrend die Rotoren schneller und schneller liefen.</p><p>Langdon griff nach seinem Gurt und legte ihn an. Die winzige Kabine schien noch enger zu werden. Mit einem lauten Aufbr�llen hob die Maschine vom Boden ab und legte sich gleich in eine scharfe Kurve nach Norden, in Richtung Rom.</p><p>Rom. <emphasis>caput mundi,</emphasis> das Haupt der Welt, von dem aus C�sar einst herrschte und wo der heilige Petrus gekreuzigt worden war. Die Wiege der modernen Zivilisation. Und genau im Zentrum. eine tickende Bombe.</p></section><section><title><p>Kapitel 33.</p></title><p>Aus der Luft betrachtet war Rom ein Labyrinth - ein unentwirrbares Dickicht alter Stra�en, die sich um Geb�ude, Brunnen und einst�rzende Ruinen wanden.</p><p>Der Hubschrauber des Vatikans flog in geringer H�he durch die permanente Smogschicht. Unter ihnen erstreckte sich das r�mische Gewimmel. Langdon starrte auf Mopedfahrer, Touristenbusse und Armeen winziger Fiat-Limousinen, die in alle Richtungen unterwegs waren. <emphasis>Koyaanisqatsi,</emphasis> dachte Langdon; der Hopi-Ausdruck f�r ein Leben, das aus dem Gleichgewicht geraten war.</p><p>Vittoria sa� in schweigsamer Entschlossenheit im Sitz neben ihm.</p><p>Der Hubschrauber legte sich in eine scharfe Kurve.</p><p>Langdons Magen drohte zu rebellieren. Er richtete den Blick weiter in die Ferne und entdeckte am Horizont die Ruinen des r�mischen Kolosseums. Langdon hatte es stets als eine der gr��ten Ironien der Geschichte betrachtet - heute war es das erhabene Symbol f�r den Aufstieg der menschlichen Zivilisation und Kultur, doch es war errichtet worden als Schauplatz jahrhundertelanger Barbarei. Hungrige L�wen hatten Gefangene zerfetzt, Armeen von Sklaven hatten sich bis zum Tod bek�mpft, wilde Banden hatten exotische Frauen vergewaltigt, Menschen waren �ffentlich enthauptet oder kastriert worden. <emphasis>Welch eine Ironie,</emphasis> dachte Langdon, <emphasis>ausgerechnet das Kolosseum ist die architektonische Vorlage f�r das</emphasis> Soldier Field <emphasis>von Harvard, das Football-Stadion, in dem jeden Herbst die alte Tradition der Barbarei wieder auflebt und wo rasende Fans nach Blut schreien, wenn sich Harvard und Yale bek�mpfen.</emphasis></p><p>Der Hubschrauber setzte seinen Weg nach Norden fort, und</p><p>Langdon ersp�hte das Forum Romanum - das Herz des vorchristlichen Roms. Die verwitterten S�ulen sahen aus wie umgest�rzte Grabsteine auf einem Friedhof, der aus unerfindlichen Gr�nden noch nicht von der Metropole ringsum verschluckt worden war. Weiter im Vordergrund wand sich der Tiber in gewaltigen Schleifen durch die Stadt. Selbst aus der Luft erkannte Langdon, dass der Fluss Hochwasser f�hrte. Die wirbelnden Fluten waren braun und schmutzig, angeschwollen von schweren Regenf�llen.</p><p>�Direkt vor uns�, sagte der Pilot und stieg h�her.</p><p>Langdon und Vittoria sahen nach drau�en. Dort ragte die gewaltige Kuppel des Petersdoms auf wie ein Berg, der den Smog �berragte.</p><p>�Das hingegen hat Michelangelo ganz ausgezeichnet hinbekommen�, sagte Langdon zu Vittoria und deutete auf die Kuppel.</p><p>Er hatte den Dom noch nie aus der Luft gesehen. Die Marmorfassade strahlte wie Feuer im Licht der Nachmittagssonne. Das gigantische Bauwerk erstreckte sich in der Breite �ber zwei Footballfelder und in der L�nge �ber sechs. Es war mit hundertvierzig Statuen verziert, und der gigantische Innenraum bot Platz f�r mehr als sechzigtausend Gl�ubige. hundertmal mehr, als die Vatikanstadt - der kleinste Staat der Welt -Einwohner hatte.</p><p>Doch nicht einmal so eine gigantische Zitadelle wie der Petersdom t�uschte �ber die Gr��e des Platzes davor hinweg. Eine gewaltige Fl�che aus Granit, ein gigantischer freier Raum inmitten des H�usergewirrs von Rom, wie ein Stein gewordener Central Park der Antike, erstreckte sich vor dem Dom. Die riesige Fl�che wurde ges�umt von 284 m�chtigen S�ulen, die von hier oben winzig aussahen. ein architektonisches <emphasis>Trompel�CEil,</emphasis> das die Gro�artigkeit des Platzes noch mehr hervorhob.</p><p>Als Langdon auf den prachtvollen Schrein tief unten sah, fragte er sich, was Petrus wohl dazu gesagt h�tte, w�rde er heute noch leben. Der Heilige war einen grausamen Tod gestorben, kopf�ber an das Kreuz genagelt, genau an der Stelle, �ber der heute der Dom stand. Er ruhte im heiligsten aller Gr�ber, f�nf Stockwerke unter der Erde, direkt unter der zentralen Kuppel der Basilika.</p><p>�Vatikanstadt�, verk�ndete der Pilot. Es klang alles andere als einladend.</p><p>Langdon blickte hinunter auf die steinernen Bastionen, die sich vor ihnen erhoben. Undurchdringliche Befestigungsmauern umgaben den Komplex. eine merkw�rdig irdische Verteidigung f�r eine spirituelle Welt voller Geheimnisse, Macht und Mysterien.</p><p>�Sehen Sie nur!�, rief Vittoria pl�tzlich und packte Langdons Arm. Hektisch deutete sie hinunter auf den Petersplatz, der sich inzwischen genau unter ihnen befand. Langdon legte das Gesicht an die Scheibe und sah hinunter.</p><p>�Dort dr�ben�, sagte Vittoria und deutete in die Richtung.</p><p>Der hintere Teil des Petersplatzes sah aus wie ein Parkplatz, auf dem sich ein Dutzend oder mehr gro�e Lieferwagen dr�ngten. Auf jedem stand eine gewaltige Satellitensch�ssel, und auf den Sch�sseln prangten bekannte Namen</p><p>TELEVISOR EUROPA</p><p>VIDEO ITALIA</p><p>BBC</p><p>UNITED PRESS INTERNATIONAL</p><p>Langdon sp�rte Verwirrung in sich aufsteigen. Er fragte sich, ob die Nachricht von der Antimaterie schon nach drau�en gedrungen war.</p><p>Vittoria erging es nicht aiders. �Warum sind die Medien hier? Was geht da vor?�</p><p>Der Pilot wandte sich um und bedachte seine beiden Passagiere mit einem merkw�rdigen Blick. �Was da vorgeht? Das wissen Sie nicht?�</p><p>�Nein!�, giftete Vittoria zur�ck.</p><p><emphasis>�Il Conclavo�,</emphasis> sagte der Pilot. �Die Sixtinische Kapelle wird in ungef�hr einer Stunde versiegelt. Die ganze Welt sieht zu.�</p><p><emphasis>Il Conclavo.</emphasis></p><p>Der Klang des Wortes hallte eine ganze Weile in Langdons Ohren nach, bevor es ihm wie Schuppen von den Augen fiel.</p><p><emphasis>Il Conclavo. Das Vatikanische Konklave.</emphasis> Wie konnte er das nur vergessen? Es war schlie�lich durch s�mtliche Nachrichten gegangen!</p><p>Zwei Wochen zuvor war der alte, �u�erst beliebte Papst nach zw�lfj�hriger Amtszeit �berraschend gestorben. Jede Zeitung der Welt hatte in gro�en Lettern von dem Hirnschlag berichtet, der den Papst im Schlaf ereilt hatte - ein pl�tzlicher und unerwarteter Tod, der vielen verd�chtig vorgekommen war. Doch nun, f�nfzehn Tage nach dem Ableben des alten Papstes, hielt der Vatikan traditionsgem�� das Konklave ab, die heilige Zeremonie, w�hrend der sich alle 165 Kardinale der Welt, die m�chtigsten M�nner der Christenheit, in der Vatikanstadt versammelten, um einen neuen Papst zu w�hlen.</p><p><emphasis>Jeder Kardinal der Welt ist heute hier,</emphasis> dachte Langdon, w�hrend der Hubschrauber den Petersdom passierte. Die ausgedehnte geheime Welt der Vatikanstadt erstreckte sich unter ihm. <emphasis>Die gesamte Machtstruktur der r�mischkatholischen Kirche sitzt auf einer tickenden Bombe!</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel 34.</p></title><p>Kardinal Mortati starrte hinauf zur prunkvollen Decke der Sixtinischen Kapelle und versank in stiller Kontemplation. Die freskenverzierten W�nde echoten von den Stimmen der Kardinale aus aller Herren L�nder. Die M�nner hatten sich im nur von Kerzenlicht erleuchteten Chor versammelt. Sie unterhielten sich aufgeregt und in zahlreichen verschiedenen Sprachen, meist jedoch auf Englisch, Italienisch oder Spanisch.</p><p>Das Licht in der Kapelle war f�r gew�hnlich ged�mpft -lange farbige Sonnenstrahlen, die wie Licht vom Himmel die Dunkelheit zerschnitten -, doch nicht heute. Wie es der Brauch wollte, waren s�mtliche Fenster der Sixtinischen Kapelle wegen der Geheimhaltung mit schwarzem Samt verhangen. Auf diese Weise war sichergestellt, dass niemand aus dem Innern Signale sendete oder auf irgendeine Weise mit der Au�enwelt in Kontakt trat. Das Ergebnis war sattschwarze Dunkelheit, erhellt allein durch Kerzen. ein flackerndes Licht, das jeden zu reinigen schien, auf den es fiel, jeden geisterhaft aussehen lie�. wie einen Heiligen.</p><p><emphasis>Welch ein Privileg,</emphasis> dachte Mortati, <emphasis>dass ich derjenige bin, der diese heilige Zeremonie leiten darf.</emphasis> �ber achtzigj�hrige Kardinale waren zu alt, um gew�hlt zu werden, daher besuchten sie das Konklave nicht, und so war Mortati mit seinen neunundsiebzig Jahren der �lteste anwesende Kardinal und von den anderen bestellt worden, die Zeremonie zu leiten.</p><p>Traditionsgem�� hatten sie sich zwei Stunden vor Beginn des Konklave versammelt, um Freunde zu treffen und ein paar Unterhaltungen zu f�hren. Punkt sieben Uhr w�rde der Camerlengo des verstorbenen Papstes erscheinen, das Er�ffnungsgebet sprechen und dann gehen. Anschlie�end w�rde die Schweizergarde die T�ren schlie�en und die Kardinale in der</p><p>Sixtinischen Kapelle einschlie�en. Danach nahm das �lteste und geheimste Ritual der Welt seinen Lauf. Man w�rde die Kardinale erst wieder nach drau�en lassen, wenn sie entschieden hatten, wer von ihnen der n�chste Papst sein sollte.</p><p><emphasis>Conclave.</emphasis> Selbst der Name war geheimnisvoll. <emphasis>Con clave </emphasis>bedeutete w�rtlich �mit dem Schl�ssel�, hinter Schloss und Riegel. Den Kardinalen war jeglicher Kontakt mit der Au�enwelt verwehrt. Keine Telefonanrufe. Keine Nachrichten. Kein Fl�stern durch Schl�ssell�cher. Das Konklave war ein Vakuum, das durch nichts in der Au�enwelt beeinflusst werden durfte. Nur so war sichergestellt, dass die Kardinale sich an <emphasis>solum Deum prae oculis habentes</emphasis> hielten, nur Gott vor Augen und sonst nichts.</p><p>Vor den Mauern der Kapelle warteten die Vertreter der Medien und beobachteten, spekulierten, welcher der Kardin�le der n�chste Hirte �ber eine Milliarde Christen weltweit werden w�rde. Konklaven schufen eine intensive, politisch geladene Atmosph�re, und im Lauf der Jahrhunderte waren viele Konklaven t�dlich verlaufen: Giftanschl�ge, Faustk�mpfe, selbst Mord hatte sich hinter den geheiligten Mauern zugetragen. <emphasis>Geschichten von gestern,</emphasis> dachte Mortati. <emphasis>Das heutige Konklave wird anders verlaufen. Einm�tig, gelassen und vor allen anderen Dingen - kurz.</emphasis></p><p>Oder zumindest hatte er das bis zu diesem Augenblick erwartet.</p><p>Doch jetzt hatte es eine unerwartete Entwicklung gegeben. Mysteri�serweise fehlten vier Kardinale in der Kapelle. Mortati wusste, dass s�mtliche Eing�nge zur Vatikanstadt streng bewacht wurden. Die fehlenden Kardinale konnten nicht weit sein - trotzdem, mit nur noch wenig mehr als einer Stunde bis zum Er�ffnungsgebet wuchs in Mortati ein Gef�hl von Unruhe. Schlie�lich waren die vier Verschwundenen keine gew�hnlichen Kardinale. Sie waren <emphasis>il preferiti.</emphasis></p><p>Die vier Auserw�hlten.</p><p>Als Zeremonienmeister des Konklaves hatte Mortati bereits �ber die entsprechenden Kan�le mit der Schweizergarde Verbindung aufgenommen und sie �ber die Abwesenheit der Kardinale informiert. Er hatte noch keine R�ckmeldung erhalten. Andere Kardinale hatten inzwischen ebenfalls die r�tselhafte Abwesenheit bemerkt. Besorgtes Getuschel hatte eingesetzt. Von allen Kardinalen durften diese vier sich am wenigsten versp�ten! Kardinal Mortati f�rchtete allm�hlich, dass dieses Konklave vielleicht doch l�nger dauern k�nnte als erwartet.</p><p>Er konnte nicht ahnen, wie viel l�nger.</p></section><section><title><p>Kapitel 35.</p></title><p>Der Hubschrauberlandeplatz des Vatikans befand sich aus Gr�nden des L�rmschutzes und der Sicherheit in der westlichsten Ecke der Vatikanstadt, so weit vorn Petersdom entlernt wie m�glich.</p><p><emphasis>�Terra firma�,</emphasis> verk�ndete der Pilot, als sie landeten. Er sprang hinaus und �ffnete die Schiebet�r f�r Langdon und Vittoria.</p><p>Langdon stieg aus und wollte Vittoria behilflich sein, doch sie war bereits gesprungen und landete leichtf��ig auf dem Boden. Jeder Muskel in ihrem K�rper schien nur noch ein Ziel zu kennen - die Antimaterie zu finden, bevor das Undenkbare eintrat.</p><p>Der Pilot spannte eine versilberte Schutzplane �ber das Kanzelfenster, dann f�hrte er Langdon und Vittoria zu einem �berdimensionierten elektrischen Golfkart, das neben dem Landeplatz wartete. Das Kart summte leise an der Westmauer entlang, einem f�nfzehn Meter hohen Bollwerk, das dick genug war, um selbst Panzerangriffen standzuhalten. Auf der Innenseite der Mauer, in Abst�nden von f�nfzig Metern, waren Schweizergardisten postiert, die das Innere der Vatikanstadt sicherten. Das Kart bog unvermittelt nach rechts in die Via della Osservatorio ein. Schilder wiesen in alle Richtungen:</p><p>PALAZZO GOVERNATIVO COLLEGIO ETHIOPIANA BASILICA SAN PIETRO CAPPELLA SISTINA</p><p>Sie folgten der gepflegten Stra�e an einem flachen Geb�ude vorbei, das ein Schild mit der Aufschrift RADIO VATICANO</p><p>trug. Dies, so erkannte Langdon zu seinem Erstaunen, war</p><p>die Zentrale des meistgeh�rten Radioprogramms der Welt, welches das Wort Gottes zu Millionen von H�rern �berall auf der Welt brachte.</p><p><emphasis>�Attenzione!�,</emphasis> rief der Pilot und bog in einen Kreisverkehr ein.</p><p>Der Wagen folgte der Kurve, und Langdon traute seinen Augen nicht, als er zum ersten Mal die Vatikanischen G�rten erblickte. <emphasis>Das Herz der Vatikanstadt,</emphasis> dachte er. Direkt vor ihm erhob sich die R�ckseite des Petersdoms, ein Anblick, den die meisten Menschen niemals zu Gesicht bekamen. Zur Rechten ragte der Palast des Tribunals in die H�he, die p�pstliche Residenz, die in ihrer barocken Pracht nur von Versailles �bertroffen wurde. Das schlichte Geb�ude des Governatorato, in dem die Verwaltung des Vatikans untergebracht war, lag nun hinter ihnen. Ein St�ck voraus und zur Linken erhob sich das massive Bauwerk des Vatikanischen Museums. Langdon wusste, dass diesmal wohl keine Zeit f�r eine Besichtigungstour blieb.</p><p>�Wo sind nur alle?�, fragte Vittoria mit einem Blick auf die menschenleeren G�rten und Gehwege.</p><p>Der Gardist warf einen Blick auf seine Armbanduhr - ein seltsamer Anachronismus unter den Puff�rmeln seiner altert�mlichen Uniform. �Die Kardinale haben sich in der Sixtinischen Kapelle versammelt. Das Konklave beginnt in etwas weniger als einer Stunde.�</p><p>Langdon nickte. Er erinnerte sich undeutlich, dass die Kardinale traditionsgem�� die beiden letzten Stunden vor dem Konklave in stiller Kontemplation in der Sixtinischen Kapelle verbrachten, oder um ihre Kollegen von �berall auf der Welt zu treffen und alte Freundschaften zu erneuern. Dies gew�hrleistete manchmal eine weniger hitzige Wahl. �Und die restlichen Bewohner? Die Belegschaft?�</p><p>�Sie alle sind aus Gr�nden der Geheimhaltung und Sicherheit</p><p>bis zum Ende des Konklaves aus der Stadt verbannt.�</p><p>�Und wann endet das Konklave?�</p><p>Der Gardist zuckte die Schultern. �Das wei� Gott allein.�</p><p>Nachdem der Gardist das Kart auf dem Rasen direkt hinter dem Petersdom geparkt hatte, f�hrte er Langdon und Vittoria eine breite Treppe zu einer Piazza auf der R�ckseite der Basilika hinauf. Sie �berquerten die Piazza und folgten den Mauern bis zur Via Belvedere und einer Reihe eng beieinander stehender kleinerer Geb�ude. Langdon beherrschte genug Italienisch, um die Wegweiser zur Vatikanischen Druckerei, zum Restaurationsbetrieb f�r Wandteppiche, zum Postamt und zur Kirche von St. Anna zu entziffern. Sie �berquerten einen weiteren kleinen Platz und �waren am Ziel.</p><p>Die Kaserne der Schweizergarde war ein flaches, lang gestrecktes Steingeb�ude� Zu beiden Seiten des Eingangs standen zwei Wachen, steif wie Statuen.</p><p>Sie sahen alles andere als komisch aus. Auch sie trugen die blaugoldene Uniform, doch jeder hielt au�erdem die ber�hmte Hellebarde - einen �ber zwei Meter langen Speer mit einer rasiermesserscharfen Axtklinge und einer Spitze am Ende. Berichten zufolge hatte diese Waffe im f�nfzehnten Jahrhundert bei der Verteidigung der christlichen Kreuzfahrer zahllose Muslime enthauptet.</p><p>Als Langdon und Vittoria n�her kamen, traten die beiden Wachen vor, kreuzten ihre Hellebarden und versperrten den Eingang. Einer blickte den Piloten fragend an. <emphasis>�Il pantaloni�, </emphasis>sagte er und deutete auf Vittorias Shorts.</p><p>Der Pilot winkte ab. <emphasis>�Il Comandante vuole vederli subito.�</emphasis></p><p>Z�gernd gaben die Wachen den Weg frei.</p><p>Die Luft im Innern war k�hl. Es sah bei weitem nicht so aus, wie Langdon es erwartet hatte. Die G�nge waren mit kunstvoll verziertem Mobiliar und Wandteppichen ausgestattet, die</p><p>Langdons Meinung nach jedes Museum der Welt mit Freuden in seine Hauptausstellung aufgenommen h�tte.</p><p>Der Pilot deutete auf eine Treppenflucht, die nach unten f�hrte. �Dort entlang bitte.�</p><p>Langdon und Vittoria stiegen wei�e Marmorstufen hinunter, die rechts und links von einer Galerie nackter m�nnlicher Skulpturen ges�umt waren. Jede Statue trug ein gro�es Feigenblatt, dessen Farbe ein klein wenig heller war als der Rest der Skulptur.</p><p><emphasis>Die Gro�e Kastration,</emphasis> dachte Langdon.</p><p>Es war eine der entsetzlichsten Trag�dien f�r die Kunst der Renaissance. Im Jahre 1857 hatte der amtierende Papst Pius IX. entschieden, dass die genaue Wiedergabe m�nnlicher Formen Lust in den Mauern des Vatikans provozieren k�nnte. Also hatte er einen Hammer und einen Mei�el genommen und pers�nlich die Geschlechtsteile jeder einzelnen m�nnlichen Statue in der ganzen Vatikanstadt abgeschlagen. Er hatte Arbeiten von Michelangelo, Bramante und Bernini zerst�rt. Hunderte von Skulpturen waren entmannt worden. Die Feigenbl�tter aus Gips sollten die Besch�digungen maskieren. Langdon hatte sich h�ufig gefragt, ob nicht irgendwo auf dem Gel�nde eine gro�e Kiste mit Steinpenissen lagerte.</p><p>�Hier�, verk�ndete der Gardist.</p><p>Sie hatten den Fu� der Treppe erreicht und waren vor einer massiven Stahlt�r angelangt. Der Gardist tippte einen Kode in ein Tastenfeld, und die T�r glitt auf. Langdon und Vittoria traten ein.</p><p>Hinter der Schwelle herrschte das Chaos.</p></section><section><title><p>Kapitel 36.</p></title><p>Die Dienstr�ume der Schweizergarde.</p><p>Langdon stand im Eingang und betrachtete staunend den Aufeinanderprall der Jahrhunderte. <emphasis>Mixed Media.</emphasis> Der Raum war eine prachtvoll ausgestattete Renaissancebibliothek, komplett mit verzierten B�cherregalen, orientalischen Teppichen und farbenfrohen Wandbeh�ngen. und doch starrte alles vor modernster Technologie. Computer, Faxger�te, elektronische Karten des gesamten Komplexes, Fernsehger�te, die auf CNN eingestellt waren. M�nner in bunten Uniformen arbeiteten fieberhaft an Bildschirmen oder lauschten angestrengt auf das, was aus futuristischen Kopfh�rern drang.</p><p>�Warten Sie hier!�, befahl der Gardist.</p><p>Langdon und Vittoria gehorchten, w�hrend der Mann den Raum durchquerte und einem ungew�hnlich gro�en, drahtigen Offizier in dunkler milit�rischer Uniform Bericht erstattete. Der Offizier sprach in ein mobiles Telefon und stand so steif, dass es aussah, als m�sste er jeden Augenblick nach hinten kippen. Der Gardist sagte etwas zu ihm, und der Mann warf einen Blick zu Langdon und Vittoria her�ber. Er nickte; dann wandte er den beiden wieder den R�cken zu und telefonierte weiter.</p><p>Der Gardist kehrte zur�ck. �Oberst Olivetti wird sich gleich um Sie beide k�mmern.�</p><p>�Danke sehr.�</p><p>Der Gardist machte kehrt und verlie� den Raum.</p><p>Langdon betrachtete Oberst Olivetti, w�hrend ihm allm�hlich bewusst wurde, dass der Mann genau genommen der Befehlshaber der bewaffneten Streitkr�fte eines ganzen Landes war. Langdon und Vittoria beobachteten das hektische Treiben ringsum. Bunt gekleidete Gardisten wimmelten durcheinander und br�llten sich auf Italienisch Befehle und Meldungen zu.</p><p><emphasis>�Continua cercando!�,</emphasis> rief einer in ein Telefon.</p><p><emphasis>�Probasti il museo?�,</emphasis> fragte ein anderer.</p><p>Obwohl Langdons Italienisch-Kenntnisse gering waren, verstand er sofort, dass die Gardisten hektisch suchten. Das war ein gutes Zeichen. Die schlechte Nachricht war, dass sie die Antimaterie offensichtlich noch nicht gefunden hatten.</p><p>�Alles in Ordnung mit Ihnen?�, fragte er Vittoria.</p><p>Sie zuckte die Schultern und l�chelte m�de.</p><p>Als der Kommandant der Schweizergarde schlie�lich das Gespr�ch beendete und sich durch den Raum hindurch n�herte, schien er mit jedem Schritt zu wachsen. Langdon war selbst gro� gewachsen und musste nur selten zu anderen Menschen aufblicken, doch Kommandant Olivetti lie� ihm keine andere Wahl. Langdon sp�rte augenblicklich, dass der Oberst ein erfahrener Mann war. Sein Gesicht war hager und hart. Er trug das dunkle Haar milit�risch kurz. Seine Augen strahlten jene Art eiserner Entschlossenheit aus, die man nur durch Jahre intensiven Trainings erwerben konnte. Er bewegte sich so steif, als h�tte er einen Besenstiel verschluckt, und der H�rer, den er diskret hinter dem Ohr trug, verlieh ihm mehr �hnlichkeit mit einem Agenten des Secret Service als einem Schweizergardisten.</p><p>Er begr��te sie in nicht ganz akzentfreiem Englisch. Seine Stimme war f�r einen so gro�en Mann verbl�ffend leise, kaum mehr als ein Fl�stern. Die milit�rische Strenge und Effizienz war dennoch nicht zu �berh�ren. �Guten Tag�, sagte er. �Ich bin Oberst Olivetti - <emphasis>Comandante Principale</emphasis> der Schweizergarde. Ich habe Ihren Direktor angerufen.�</p><p>Vittoria begegnete seinem Blick. �Danke sehr, dass Sie uns gerufen haben, Sir.�</p><p>Der Kommandant antwortete nicht. Er bedeutete ihnen mit einem Wink, ihm zu folgen, und f�hrte sie durch das Gewirr aus Elektronik zu einer T�r. �Bitte treten Sie ein�, sagte er und hielt</p><p>die T�r auf.</p><p>Langdon und Vittoria betraten den Raum und fanden sich in einem verdunkelten Zimmer mit einer Wand aus Monitoren wieder, die abwechselnd verschiedene Schwarzwei�bilder des gesamten Komplexes zeigten. Ein junger Gardist sa� vor dem Kontrollpult und beobachtete die Monitore.</p><p><emphasis>�Fuory!�,</emphasis> sagte Olivetti.</p><p>Der Gardist erhob sich und ging.</p><p>Olivetti trat zu einem der Schirme und deutete darauf. Dann wandte er sich seinen Besuchern zu. �Dieses Bild wird von einer drahtlosen Kamera �bertragen, die irgendwo in der Vatikanstadt versteckt wurde. Ich h�tte gerne eine Erkl�rung.�</p><p>Langdon und Vittoria sahen auf den Schirm und atmeten tief ein. Das Bild war eindeutig. Kein Zweifel. Es war der Antimateriebeh�lter von CERN. Im Innern schwebte auf geheimnisvolle Weise ein winziger Tropfen einer metallischen Fl�ssigkeit, beleuchtet vom rhythmischen Blinken einer digitalen LED-Uhr. Die Umgebung rings um den Beh�lter war v�llig dunkel, als bef�nde er sich in einem Schrank oder einem lichtlosen Raum. Am Rand des Monitors leuchtete eine eingeblendete Textmeldung: Live�bertragung - Kamera #86.</p><p>Vittoria starrte auf das rot blinkende Display. �Weniger als sechs Stunden�, fl�sterte sie Langdon mit angespannter Miene zu.</p><p>Langdon warf einen Blick auf seine Armbanduhr. �Also bleibt uns noch Zeit bis.� Er verstummte, und in seinem Magen bildete sich ein Klumpen.</p><p>�Mitternacht�, vollendete Vittoria seinen Satz mit aufsteigender Panik.</p><p><emphasis>Mitternacht,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Ein Gesp�r f�r das Dramatische.</emphasis> Wer auch immer f�r den Diebstahl des Beh�lters verantwortlich war, hatte offensichtlich die Entnahme aus der</p><p>Ladestation zeitlich perfekt abgepasst. Eine d�stere Vorahnung stieg in Langdon auf, als ihm bewusst wurde, dass er mitten auf dem Pulverfass sa�.</p><p>Olivettis leise Stimme war mehr wie ein Zischen, als er fragte: �Geh�rt dieses Objekt Ihrer Einrichtung?�</p><p>Vittoria nickte. �Ja. Es wurde aus einem CERN-Labor gestohlen. Es enth�lt eine extrem instabile Substanz, die wir Antimaterie nennen.�</p><p>Olivetti blickte sie unger�hrt an. �Ich bin durchaus vertraut mit Sprengstoffen, Signorina Vetra. Ich habe noch nie von Antimaterie geh�rt.�</p><p>�Es ist eine neue Technologie. Wir m�ssen die Antimaterie augenblicklich bergen oder die Vatikanstadt evakuieren!�</p><p>Olivetti schloss die Augen und �ffnete sie wieder, als k�nnte er damit das, was er soeben erfahren hatte, irgendwie �ndern. �Evakuieren? Wissen Sie eigentlich, was heute Abend an diesem Ort stattfindet?�</p><p>�Das wissen wir. Die Kardinale schweben genauso in Lebensgefahr wie jeder andere hier. Uns bleiben etwa sechs Stunden. Haben Sie bereits Fortschritte bei Ihrer Suche nach dem Beh�lter gemacht?�</p><p>Olivetti sch�ttelte den Kopf. �Wir haben noch gar nicht damit angefangen.�</p><p>Vittoria st�hnte auf. �Was? Aber wir haben doch geh�rt, wie Ihre M�nner �ber die Suche geredet.�</p><p>�Sie suchen, das stimmt�, unterbrach sie Olivetti. �Allerdings nicht nach Ihrem Beh�lter. Meine M�nner suchen nach etwas anderem, das Sie beide wohl kaum interessieren d�rfte.�</p><p>Vittorias Stimme klirrte vor K�lte. �Sie haben noch gar nicht mit der Suche <emphasis>angefangen�?�</emphasis></p><p>Olivettis Pupillen verengten sich zu winzigen Punkten. Er blickte Vittoria leidenschaftslos an wie ein Insekt. �Signorina</p><p>Vetra, nicht wahr? Lassen Sie mich Ihnen etwas erkl�ren. Der Direktor Ihrer Einrichtung hat sich geweigert, mir am Telefon Einzelheiten �ber dieses Objekt mitzuteilen. Er hat lediglich gesagt, ich m�sste es auf der Stelle finden. Wir sind sehr besch�ftigt, und ich bin nicht in der Lage, zus�tzliche Leute f�r ein Problem abzustellen, solange ich keine genaueren Einzelheiten erfahre.�</p><p>�Jetzt, in diesem Augenblick, gibt es nur eine entscheidende Einzelheit�, entgegnete Vittoria. �Dieser Beh�lter wird in weniger als sechs Stunden den gesamten Vatikan atomisieren.�</p><p>Olivetti stand reglos da. �Signorina Vetra, etwas sollten Sie wissen.� Sein Tonfall klang v�terlich herablassend. �Trotz des archaischen Erscheinungsbilds der Vatikanstadt ist jeder Eingang, sowohl die �ffentlichen als auch die privaten, mit der fortgeschrittensten Detektortechnologie ausgestattet, die es gibt. Falls jemand versuchen sollte, die Vatikanstadt mit Sprengstoff zu betreten, w�rde er augenblicklich entdeckt. Wir verf�gen �ber Isotopenscanner, die jegliches radioaktive Material aufsp�ren, und Geruchsscanner, die von der amerikanischen DEA entwickelt wurden, um auch die schw�chsten chemischen Spuren von Sprengstoffen und Toxinen zu finden. Dar�ber hinaus setzen wir die modernsten Metalldetektoren und R�ntgenapparate ein, die es auf dem Markt gibt.�</p><p>�Sehr beeindruckend�, entgegnete Vittoria mit der gleichen herablassenden K�lte wie Olivetti. �Ungl�cklicherweise ist Antimaterie nicht radioaktiv, die chemische Signatur entspricht der von reinem Wasserstoff, und der Beh�lter besteht aus Plastik. Keiner Ihrer Apparate h�tte ihn entdecken k�nnen.�</p><p>�Doch der Beh�lter verf�gt �ber eine Energiequelle�, widersprach Olivetti und deutete auf die blinkende Anzeige, die auf dem Bildschirm zu sehen war. �Selbst die kleinsten Spuren von Nickel oder Cadmium w�rden von unseren.�</p><p>�Die Batterien bestehen ebenfalls aus Kunststoff.�</p><p>Olivettis Geduld schwand sichtlich dahin. �Plastikbatterien?�</p><p>�Polymergel-Elektrolyt mit Teflon.�</p><p>Olivetti beugte sich zu ihr herab, wie um seinen Gr��envorteil zu betonen. �Signorina, der Vatikan ist das Ziel von Dutzenden von Bombendrohungen jeden Monat. Ich pers�nlich bilde jeden Gardisten in moderner Sprengstofftechnologie aus. Ich wei� sehr wohl, dass es auf der ganzen Welt keinen Sprengstoff gibt, der so viel Sprengkraft besitzt, wie Sie es beschreiben, es sei denn, wir sprechen hier von einem nuklearen Gefechtskopf mit einem Kern von der Gr��e eines Baseballs.�</p><p>Vittoria erwiderte seinen Blick mit der gleichen H�rte. �Die Natur besitzt viele Geheimnisse, die es erst noch zu entdecken gilt�, sagte sie.</p><p>Olivetti brachte sein Gesicht noch n�her an das ihre. �Darf ich erfahren, wer genau Sie �berhaupt sind? Welche Position haben Sie bei CERN?�</p><p>�Ich bin ein ranghohes Mitglied des Forschungspersonals und f�r die Dauer dieser Krise als Verbindungsfrau zum Vatikan bestellt.�</p><p>�Verzeihen Sie, wenn ich unh�flich erscheine, doch falls es sich hier tats�chlich um eine Krise handelt, warum spreche ich dann mit Ihnen und nicht mit Ihrem Direktor? Und wieso erdreisten Sie sich eigentlich, den Vatikan in kurzen Hosen zu besuchen?�</p><p>Langdon st�hnte. Er konnte nicht fassen, dass der Mann sich unter den gegebenen Umst�nden an Vittorias Kleidung st�rte. Andererseits wurde ihm bewusst, wenn steinerne Penisse bei den Bewohnern des Vatikans lustvolle Gedanken erwecken konnten, stellte Vittoria Vetra in kurzen Hosen tats�chlich eine Gefahr f�r die nationale Sicherheit dar.</p><p>�Oberst Olivetti�, versuchte Langdon die zweite Bombe zu entsch�rfen, die im Begriff stand zu explodieren. �Mein Name ist Robert Langdon. Ich bin Professor f�r Kunstgeschichte in den Vereinigten Staaten und stehe nicht mit CERN in Verbindung. Ich habe eine Demonstration dessen gesehen, wozu Antimaterie imstande ist, und ich verb�rge mich f�r Miss Vetras Aussage, dass die Substanz eine extreme Gefahr darstellt. Wir haben Grund zu der Annahme, dass der Beh�lter von den Anh�ngern eines antichristlichen Kultes gestohlen und in der Vatikanstadt versteckt wurde mit der Absicht, das heilige Konklave zu st�ren.�</p><p>Olivetti wandte sich um und blickte auf Langdon herab. �Eine Frau in kurzen Hosen sagt mir, dass ein Tr�pfchen von einer Fl�ssigkeit die ganze Vatikanstadt in die Luft jagen wird, und ein amerikanischer Professor erz�hlt mir etwas von einem antireligi�sen Kult. Was erwarten Sie beide eigentlich, was ich tun soll?�</p><p>�Finden Sie den Beh�lter�, sagte Vittoria. �Auf der Stelle.�</p><p>�Unm�glich. Dieser Beh�lter kann �berall sein. Die Vatikanstadt ist riesig.�</p><p>�Ihre Kameras sind nicht mit GPS-Sendern ausger�stet?�</p><p>�Unsere Kameras werden im Allgemeinen nicht gestohlen. Es wird wahrscheinlich Tage dauern, die entwendete Kamera zu lokalisieren.�</p><p>�Wir haben aber keine <emphasis>Tage!�,</emphasis> entgegnete Vittoria eisern. �Wir haben etwas weniger als sechs <emphasis>Stunden.�</emphasis></p><p>�Sechs Stunden bis was, Signorina Vetra?� Olivettis Stimme wurde unvermittelt lauter. Er deutete auf den Bildschirm. �Bis dieser Countdown bei null angekommen ist? Bis die Vatikanstadt verschwindet? Glauben Sie mir, ich mag es �berhaupt nicht, wenn irgendjemand sich an meinem Sicherheitssystem zu schaffen macht, genauso wenig, wie ich es mag, wenn irgendwelche elektronischen Apparate unvermutet in meinen Mauern auftauchen. Ich <emphasis>bin</emphasis> besorgt. Es ist mein Job, mir Sorgen zu machen! Doch was Sie mir da erz�hlen, ist inakzeptabel!�</p><p>�Wissen Sie, wer die Illuminati sind, Oberst?�, meldete sich Langdon zu Wort.</p><p>Der Kommandant war mit seiner Geduld sichtlich am Eide. Er verdrehte die Augen, bis das Wei�e zu sehen war. �Ich warne Sie! Ich habe keine Zeit f�r so etwas!�</p><p>�Also wissen Sie, wer die Illuminati sind?�</p><p>Zorn spr�hte aus Olivettis Augen. �Ich habe geschworen, die katholische Kirche mit meinem Leben zu verteidigen! Selbstverst�ndlich wei� ich, wer die Illuminati sind! Und ich wei� auch, dass es sie seit Jahrzehnten nicht mehr gibt!�</p><p>Langdon griff in seine Tasche und zog das Fax hervor, auf dem Leonardo Vetras gebrandmarkter Leichnam zu sehen war. Er reichte es Olivetti.</p><p>�Ich besch�ftige mich von Berufs wegen mit den Illuminati �, sagte Langdon, w�hrend Olivetti das Bild anstarrte. �Es f�llt mir selbst schwer zu akzeptieren, dass die Illuminati immer noch aktiv sind, und doch hat mich das Auftauchen dieses Brandmals zusammen mit der Tatsache, dass die Illuminati eine alte Fehde gegen den Vatikan f�hren, eines Besseren belehrt.�</p><p>�Ein solches Bild l�sst sich mit jedem Computer f�lschen!� Olivetti gab Langdon das Papier zur�ck.</p><p>Langdon starrte ihn ungl�ubig an. �F�lschen? Sehen Sie sich die Symmetrie an! Gerade Sie sollten die Authentizit�t dieses Symbols.�</p><p>�Authentizit�t ist ganz genau das, was Ihnen fehlt, Professor. Vielleicht hat Signorina Vetra Sie nicht dar�ber in Kenntnis gesetzt, doch die Wissenschaftler von CERN kritisieren die Politik des Vatikans seit Jahrzehnten! Sie verlangen in regelm��igen Abst�nden, dass wir die Sch�pfungstheorie zur�cknehmen, dass wir uns formell f�r Galilei und Kopernikus entschuldigen und dass wir unsere Kritik an gef�hrlicher oder unmoralischer Forschung einstellen. Welches Szenario ist in Ihren Augen wahrscheinlicher - dass ein vierhundert Jahre alter</p><p>Satanskult mit einer fortschrittlichen Massenvernichtungswaffe wieder auftaucht oder dass irgendein Witzbold von CERN versucht, eine heilige Zeremonie mit einem gut durchdachten T�uschungsman�ver zu st�ren?�</p><p>�Dieses Foto.�, sagte Vittoria mit einer Stimme wie kochende Lava, �. dieses Foto zeigt meinen Vater. Er wurde <emphasis>ermordet.</emphasis> Glauben Sie allen Ernstes, ich w�rde damit <emphasis>Witze </emphasis>machen?�</p><p>�Das wei� ich nicht, Signorina Vetra. Aber ich wei�, dass ich ganz sicher keinen Alarm geben werde, bevor ich nicht ein paar Antworten erhalte, die einen Sinn ergeben! Wachsamkeit und Diskretion sind meine Pflicht. damit spirituelle Angelegenheiten ohne st�rende Ablenkungen stattfinden k�nnen. Ganz besonders heute.�</p><p>�Dann verschieben Sie wenigstens dieses Konklave�, sagte Langdon.</p><p>�Verschieben?� Olivettis Unterkiefer sank herab. �Wie arrogant sind Sie eigentlich? Ein Konklave ist nicht rgendein amerikanisches Baseballspiel, das man verlegen kann, nur weil es regnet! Das hier ist eine heilige Zeremonie mit einem strikten Kodex und genauen Vorschriften! Ganz zu schweigen davon, dass eine Milliarde Katholiken in aller Welt auf ihren neuen Papst wartet. Die Protokolle f�r das Konklave sind heilig - und sie d�rfen unter keinen Umst�nden ge�ndert werden! Seit 1179 haben Konklaven Erdbeben, Hungersn�te und selbst die Pest �berstanden! Glauben Sie mir, das Konklave wird nicht wegen des Mordes an einem Wissenschaftler verschoben, ganz gewiss nicht wegen eines Tr�pfchens von Gott wei� was!�</p><p>�Bringen Sie mich bitte zu einem Entscheidungstr�ger�, verlangte Vittoria.</p><p>Olivetti funkelte sie an. �Sie stehen bereits vor ihm!�</p><p>�Nein�, widersprach sie. �Ich m�chte mit jemandem vom Klerus sprechen.�</p><p>Die Adern auf Olivettis Stirn traten hervor. �Der Klerus ist nicht mehr da. Mit Ausnahme der Schweizergarde ist nur noch das Kardinalskollegium in der Vatikanstadt, und s�mtliche Kardinale befinden sich in der Sixtinischen Kapelle.�</p><p>�Was ist mit dem Camerlengo?�, erkundigte sich Langdon tonlos.</p><p>�Wem?�</p><p>�Dem Camerlengo des verstorbenen Papstes.� Langdon wiederholte das Wort selbstsicher in der Hoffnung, dass seine Erinnerung ihn nicht im Stich lie�. Er hatte einmal von einer merkw�rdigen Bestimmung im Vatikan gelesen, den Tod eines Papstes betreffend. Falls er sich nicht t�uschte, ging die gesamte Autorit�t w�hrend der Sedisvakanz, bis zur Neuwahl eines Nachfolgers, auf den pers�nlichen Assistenten des verstorbenen Papstes �ber - den Camerlengo, eine Art Privatsekret�r, der auch das Konklave einberief und beaufsichtigte, bis die Kardin�le den neuen Heiligen Vater bestimmt hatten. �Wenn ich mich recht entsinne, ist der Camerlengo im Augenblick derjenige, der die Verantwortung tr�gt.�</p><p><emphasis>�Il Camerlengo?�,</emphasis> sagte Olivetti fassungslos. �Der Camerlengo ist ein gew�hnlicher Priester! Er ist nur der Kammerdiener des toten Papstes.�</p><p>�Aber er ist hier, und Sie haben seinen Anordnungen zu folgen!�</p><p>Olivetti verschr�nkte die Arme. �Professor Langdon, es ist zutreffend, dass die vatikanischen Vorschriften den Camerlengo w�hrend des Konklave zum obersten Beamten des Vatikans bestimmen, doch nur deswegen, weil er nicht zum Papst gew�hlt werden kann und daher eine unbeeinflusste Wahl gew�hrleistet ist. Es ist genau so, wie wenn Ihr Pr�sident stirbt und einer seiner Berater vor�bergehend die Amtsgesch�fte im Wei�en Haus f�hrt. Der Camerlengo ist jung und sein Verst�ndnis f�r die Sicherheit des Vatikans extrem beschr�nkt, genau wie f�r alles andere auch, wenn ich das sagen darf. Ich bin hier der Verantwortliche und niemand sonst.�</p><p>�Bringen Sie uns zu ihm!�, verlangte Vittoria.</p><p>�Unm�glich. Das Konklave beginnt in vierzig Minuten. Der Camerlengo h�lt sich im Amtszimmer des Papstes auf und bereitet alles vor. Ich werde ihn nicht mit belanglosen Sicherheitsangelegenheiten st�ren.�</p><p>Vittoria �ffnete den Mund zu einer Erwiderung, doch ein Klopfen an der T�r kam ihr zuvor. Olivetti �ffnete.</p><p>Ein Gardist in voller Montur stand drau�en und deutete auf seine Uhr. <emphasis>�E l�ora, Comandante.�</emphasis></p><p>Olivetti blickte auf seine eigene Uhr und nickte. Er wandte sich zu Langdon und Vittoria um wie ein Richter, der �ber ihr Schicksal entschied. �Folgen Sie mir.� Er f�hrte sie aus dem �berwachungsraum durch das Sicherheitszentrum zu einem kleinen Raum an der R�ckseite. �Mein B�ro.� Er bat sie einzutreten. Das Zimmer war untypisch - ein �bers�ter Schreibtisch, Aktenschr�nke, Klappst�hle, ein Trinkwasserspender.</p><p>�Ich bin in zehn Minuten zur�ck. Ich schlage vor, Sie verbringen die Zeit damit zu �berlegen, wie Sie weiter vorgehen m�chten.�</p><p>Vittoria wirbelte zu ihm herum. �Sie k�nnen nicht einfach weggehen! Dieser Beh�lter ist.�</p><p>�Ich habe keine Zeit daf�r!�, sch�umte Olivetti. �Vielleicht sollte ich Sie inhaftieren, bis das Konklave vorbei ist. Bis ich mehr Zeit f�r Sie habe.�</p><p><emphasis>�Signore�,</emphasis> dr�ngte der Gardist und deutete erneut auf seine Uhr. <emphasis>�Spazzare di Capella.�</emphasis></p><p>Olivetti nickte und machte Anstalten zu gehen.</p><p><emphasis>�Spazzare di Capella?�,</emphasis> fragte Vittoria verbl�fft. �Sie wollen die Kapelle auskehren?�</p><p>Olivetti wandte sich einmal mehr zu ihr um, und seine Blicke durchbohrten sie. �Wir suchen die Kapelle nach elektronischen Ger�ten ab, Signorina Vetra. Wanzen, wenn Sie verstehen. Eine Frage der <emphasis>Diskretion.�</emphasis> Er deutete auf ihre nackten Beine. �Doch ich erwarte nicht, dass <emphasis>Sie</emphasis> das verstehen.�</p><p>Mit diesen Worten warf er die T�r ins Schloss, dass das schwere Glas klirrte. Mit einer einzigen fl�ssigen Bewegung nahm er einen Schl�ssel aus der Tasche, schob ihn ins Schloss und drehte ihn herum. Ein schwerer Riegel glitt an seinen Platz.</p><p><emphasis>�Idiota!�,</emphasis> fauchte Vittoria. �Sie d�rfen uns nicht hier drin festhalten!�</p><p>Durch das Glas hindurch sah Langdon, wie Olivetti etwas zu dem Gardisten sagte. Der W�chter nickte. Olivetti stapfte aus dem Raum, und der Gardist wandte sich um und bezog vor der Glast�r Posten, die Arme verschr�nkt, eine m�chtige Waffe in einem Halfter an der H�fte.</p><p><emphasis>Gro�artig,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Einfach gro�artig!</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel 37.</p></title><p>Vittoria funkelte den Wachposten drau�en vor Olivettis abgeschlossenem B�ro an. Der Wachposten starrte zjr�ck, und sein buntes Kost�m t�uschte nicht �ber den t�dlichen Ernst hinweg, mit dem er seiner Aufgabe nachkam.</p><p><emphasis>Che fiasco!,</emphasis> dachte Vittoria. <emphasis>Gefangen von einem bewaffneten Soldaten im Pyjama!</emphasis></p><p>Langdon war verstummt, und Vittoria hoffte, dass er sein Harvard-Gehirn dazu benutzte, �ber einen Ausweg nachzudenken. An seinem Gesichtsausdruck erkannte sie jedoch, dass er eher schockiert als nachdenklich war, und sie bedauerte, ihn so tief in diese Geschichte verwickelt zu haben.</p><p>Ihr erster Gedanke war, das Mobiltelefon zu nehmen und Kohler anzurufen, doch sie wusste, dass es zwecklos war. Erstens w�rde der Wachposten wahrscheinlich hereinkommen und ihr das Telefon wegnehmen, und zweitens, falls Kohlers Anfall verlief wie �blich, war er wahrscheinlich immer noch nicht ansprechbar. Nicht, dass es eine Rolle gespielt h�tte. Olivetti sah nicht danach aus, als w�rde er im Augenblick irgendjemandes Ratschlag in Sicherheitsfragen annehmen.</p><p><emphasis>Erinnere dich!,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Erinnere dich an die L�sung dieser Aufgabe!</emphasis></p><p>Es war ein Trick aus der buddhistischen Philosophie. Statt ihren Verstand nach einer L�sung f�r eine m�glicherweise unl�sbare Herausforderung suchen zu lassen, versuchte Vittoria, sich einfach an die L�sung zu <emphasis>erinnern.</emphasis> Die Voraussetzung, dass man die Antwort einmal <emphasis>gewusst</emphasis> hatte, schuf die �berzeugung, dass eine Antwort tats�chlich <emphasis>existierte...</emphasis> und eliminierte auf diese Weise das Gef�hl von Hoffnungslosigkeit. Vittoria setzte diesen Trick h�ufig ein, um wissenschaftliche Probleme</p><p>anzugehen, von denen die meisten Menschen glaubten, dass es keine L�sung f�r sie gab.</p><p>Im Augenblick jedoch wollte der Erinnerungstrick nicht funktionieren. Also dachte sie �ber ihre M�glichkeiten nach. und ihre Bed�rfnisse. Sie hatte das dringende Bed�rfnis, jemanden zu warnen. Irgendjemand im Vatikan musste sie doch ernst nehmen! Aber wer? Der Camerlengo? Wie? Sie sa� in einem Glaskasten mit nur einem einzigen Ausgang.</p><p><emphasis>Werkzeug,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Es gibt immer ein geeignetes Werkzeug. Such deine Umgebung ab.</emphasis></p><p>Instinktiv senkte sie die Schultern, schloss entspannt die Augen und atmete ein paar Mal tief durch. Sie sp�rte, wie sich ihr Herzschlag verlangsamte und ihre Muskeln weich wurden. Die chaotische Panik wich aus ihrem Verstand. <emphasis>In Ordnung, </emphasis>dachte sie. <emphasis>Lass deinen Gedanken freien Lauf. Was ist positiv an dieser Situation? Welche Tr�mpfe halte ich in der Hand?</emphasis></p><p>Der analytische Verstand von Vittoria Vetra, nachdem er sich endlich beruhigt hatte, war ein m�chtiges Instrument. Innerhalb von Sekunden erkannte sie, dass ihre Einkerkerung wahrscheinlich zugleich den Ausweg bedeutete.</p><p>�Ich werde telefonieren�, sagte sie unvermittelt.</p><p>Langdon sah auf. �Ich wollte gerade vorschlagen, dass Sie Kohler anrufen, aber.�</p><p>�Nicht Kohler. Jemand anderen.�</p><p>�Wen?�</p><p>�Den Camerlengo.�</p><p>Langdon starrte sie entgeistert an. �Sie wollen den Camerlengo anrufen? Wie das?�</p><p>�Olivetti hat gesagt, der Camerlengo w�re im Amtszimmer des Papstes.�</p><p>�Sch�n. Wissen Sie die Nummer?�</p><p>�Nein. Aber ich habe nicht vor, mein Telefon zu benutzen.�</p><p>Sie deutete auf das kompliziert aussehende Telefon auf Olivettis Schreibtisch. Es war �bers�t mit Schnellwahlkn�pfen. �Der Sicherheitschef <emphasis>muss</emphasis> eine direkte Leitung zum Papst haben.�</p><p>�Er hat auch einen Gewichtheber mit einer Kanone keine drei Meter weit weg.�</p><p>�Wir sind eingesperrt.�</p><p>�Dessen bin ich mir durchaus bewusst.�</p><p>�Ich meine, der Wachposten ist <emphasis>ausgesperrt.</emphasis> Das hier ist Olivettis B�ro. Ich bezweifle, dass irgendjemand anders einen Schl�ssel besitzt.�</p><p>Langdon schaute zu dem Wachposten jenseits der T�r. �Das Glas ist ziemlich d�nn, und diese Pistole ist ziemlich schwer.�</p><p>�Was soll er denn machen? Mich erschie�en, weil ich versuche zu telefonieren?�</p><p>�Wer wei�, verdammt noch mal! Das ist ein merkw�rdiger Laden, und wie die Dinge hier laufen.�</p><p>�Entweder das�, sagte Vittoria, �oder wir verbringen die n�chsten f�nf Stunden und achtundvierzig Minuten im Gef�ngnis des Vatikans. Wenigstens haben wir Sitzpl�tze in der ersten Reihe, wenn die Antimaterie hochgeht.�</p><p>Langdon erbleichte. �Aber der Wachposten wird Olivetti alarmieren, sobald Sie den H�rer anfassen! Au�erdem sind zwanzig Kn�pfe auf dem Apparat. Ich sehe nirgendwo Schildchen. Wollen Sie etwa jeden einzelnen ausprobieren und hoffen, dass Sie Gl�ck haben?�</p><p>�Bestimmt nicht�, entgegnete Vittoria. �Nur einen einzigen.� Sie nahm den H�rer in die Hand und dr�ckte auf den obersten Knopf. �Nummer <emphasis>eins.</emphasis> Ich wette einen von Ihren Illuminati-Dollars, dass es die Nummer des Amtszimmers ist. Was sonst k�nnte wichtiger sein f�r den Kommandanten der Schweize rgarde?�</p><p>Langdon blieb keine Zeit f�r eine Antwort. Der Wachposten drau�en vor der T�r fing an, mit dem Kolben seiner Waffe gegen das Glas zu h�mmern. Er bedeutete Vittoria mit wilden Handbewegungen, das Telefon wieder hinzulegen.</p><p>Vittoria zwinkerte ihm zu. Der Wachposten schien au�er sich vor Zorn.</p><p>Langdon ging von der T�r weg und wandte sich Vittoria zu. �Ich hoffe wirklich, dass Sie sich nicht irren. Der Bursche da drau�en sieht nicht aus, als w�rde er sich am�sieren.�</p><p>- 168 �Verdammt!�, sagte sie und lauschte. �Eine</p><p>Sprachaufzeichnung!�</p><p>�Was?�, rief Langdon. �Der Papst hat einen Anrufbeantworter?�</p><p>�Es war nicht das Amtszimmer�, entgegnete Vittoria und legte auf. �Es war der w�chentliche Speiseplan der</p><p>vatikanischen Kantine.�</p><p>Langdon grinste dem Wachposten drau�en vor der T�r verlegen zu, der inzwischen sein Walkie-Talkie hervorgezogen hatte und Olivetti rief.</p></section><section><title><p>Kapitel 38.</p></title><p>Die Vermittlungsstelle der Vatikanstadt befand sich im Ufficio di Communicazione hinter dem Vatikanischen Postamt. Es war ein relativ kleiner Raum mit einem Corelco-Vermittlungsapparat und acht Leitungen. Das B�ro hatte etwas mehr als zweitausend Anrufe t�glich zu bew�ltigen, und die meisten davon wurden an das automatische Auskunftssystem weitergeleitet.</p><p>Der einzige Dienst habende Telefonist sa� an seinem Schreibtisch und trank hei�en Tee. Er war stolz darauf, dass er als einer der wenigen Angestellten in dieser Nacht in der Vatikanstadt bleiben durfte. Selbstverst�ndlich war die Ehre ein wenig eingeschr�nkt durch die Anwesenheit der Gardisten, die vor seiner T�r aufmarschiert waren. <emphasis>Mit einer Eskorte auf die Toilette,</emphasis> dachte der Telefonist. <emphasis>Ah, welche Dem�tigungen wir doch im Namen des Heiligen Konklaves �ber uns ergehen lassen.</emphasis></p><p>Gl�cklicherweise hatte es an diesem Abend nur wenige Anrufer gegeben. <emphasis>Oder vielleicht ist es auch kein Gl�ck,</emphasis> dachte der Mann. Das Interesse der Welt�ffentlichkeit am Vatikan war in den letzten paar Jahren stark zur�ckgegangen. Die Zahl der Presseanrufe war gesunken, und selbst die Irren meldeten sich nicht mehr so h�ufig. Das Presseamt hatte eigentlich gehofft, dass der heutige Abend mehr Aufmerksamkeit wecken w�rde. Doch obwohl sich auf dem Petersplatz die �bertragungswagen der Medien dr�ngten, waren es haupts�chlich italienische und europ�ische Medien. Nur eine Hand voll globaler Fernsehstationen war gekommen. ohne Zweifel hatten sie nur ihre <emphasis>giornalisti secundari</emphasis> geschickt, die zweite Garde.</p><p>Der Telefonist packte seinen Becher und fragte sich, wie lange der Abend dauern w�rde. <emphasis>Mitternacht oder so,</emphasis> sch�tzte er.</p><p>Heutzutage wussten die meisten Insider bereits, wer wahrscheinlich der Nachfolger des verstorbenen Papstes wurde, noch bevor sich das Konklave versammelt hatte, daher war das Prozedere mehr ein drei- oder vierst�ndiges Ritual als eine richtige Wahl. Nat�rlich konnten Streitigkeiten in letzter Minute unter den Kardinalen die Zeremonie jederzeit bis zum Morgengrauen verl�ngern. oder auch dar�ber hinaus. Das Konklave von 1831 hatte <emphasis>vierundf�nfzig Tage</emphasis> gedauert. <emphasis>Aber nicht heute Nacht,</emphasis> sagte sich der Telefonist. Den Ger�chten zufolge w�rde dieses Konklave eine �Rauchwache� werden.</p><p>Ein Summen von einem internen Apparat riss den Telefonisten unsanft aus seinen Gedanken. Er starrte auf das blinkende Licht und kratzte sich am Kopf. <emphasis>Das ist eigenartig, </emphasis>dachte er. <emphasis>Ein Gespr�ch aus dem Inneren des Vatikans. Wer k�nnte um diese Zeit noch die Vermittlung in Anspruch nehmen wollen? Wer ist an diesem Abend �berhaupt noch in der Vatikanstadt?</emphasis></p><p><emphasis>�Citta del Vaticano�,</emphasis> sagte er, nachdem er den H�rer abgenommen hatte.</p><p>Die Frau redete schnell und in flie�endem Italienisch. Der Telefonist erkannte den Akzent - er besa� �hnlichkeit mit dem der Schweizergarde. Fl�ssiges Italienisch mit einem frankoschweizerischen Einschlag. Die Anruferin jedoch konnte unm�glich ein Mitglied der Schweizergarde sein.</p><p>Der Telefonist sprang auf und versch�ttete fast seinen Tee. Er starrte auf die Kontrolllampe - er hatte sich nicht vertan. Es <emphasis>ist eine interne Leitung.</emphasis> Der Anruf kam von innen. <emphasis>Das muss ein Irrtum sein!,</emphasis> dachte er. <emphasis>Eine Frau in der Vatikanstadt? Heute Nacht?</emphasis></p><p>Die Frau redete schnell und erregt. Der Telefonist hatte gen�gend Erfahrung gesammelt, um za wissen, wann er es mit einem <emphasis>pazzo</emphasis> zu tun hatte. Diese Frau klang alles andere als verr�ckt. Ihr Ton war dr�ngend, doch vern�nftig. �berlegt und</p><p>effizient. Befremdet lauschte er ihrer Bitte.</p><p><emphasis>�Il Camerlengo?�,</emphasis> fragte der Telefonist, w�hrend er immer noch versuchte herauszufinden, woher der Anruf kam. �Ich kann sie unm�glich mit dem Camerlengo verbinden. ja, ich wei�, dass er sich im Amtszimmer des Papstes aufh�lt, aber. Wer sagen Sie, sind Sie?. und Sie wollen ihn warnen wegen.� Er lauschte immer nerv�ser. <emphasis>Alle sind in Gefahr? Wie? Und von wo rufst du an?</emphasis> �Vielleicht sollte ich die Schweizergarde.� Der Telefonist hielt inne. �Wo, sagen Sie, befinden Sie sich? Wo?�</p><p>Er lauschte schockiert, dann traf er eine Entscheidung. �Bitte bleiben Sie am Apparat�, sagte er und legte die Frau in eine Warteschleife, bevor sie antworten konnte. Dann w�hlte er die Direktverbindung zu Oberst Olivetti. <emphasis>Diese Frau nimmt mich auf den Arm. Sie kann unm�glich direkt aus dem B�ro</emphasis>...</p><p>Die Verbindung kam augenblicklich zustande.</p><p><emphasis>�Per l�amore di Dio!�,</emphasis> zeterte eine vertraute Frauenstimme. �Stellen Sie endlich das verdammte Gespr�ch durch!�</p><p>Die T�r des Sicherheitszentrums glitt zischend auf. Die Wachen wichen auseinander, als Kommandant Olivetti in den Raum schoss wie eine Rakete. Er st�rmte in Richtung seines B�ros und sah mit einem Blick, dass der Posten am Walkie-Talkie die Wahrheit gesagt hatte - Vittoria Vetra stand an seinem Schreibtisch und telefonierte auf der internen Leitung.</p><p><emphasis>Che coglioni ehe ha questa!,</emphasis> dachte er. <emphasis>Die Pest an ihren Hals!</emphasis></p><p>Fuchsteufelswild stapfte er zur T�r und rammte den Schl�ssel ins Schloss. Er riss die T�r auf und br�llte: �Was machen Sie da?�</p><p>Vittoria ignorierte ihn v�llig. �Ja�, sagte sie in den H�rer. �Und ich muss Sie warnen.�</p><p>Olivetti riss ihr den H�rer aus der Hand und hob ihn ans Ohr.</p><p>�Wer, zur H�lle, ist da?�</p><p>F�r einen winzigen Augenblick verga� der Kommandant seine starre Haltung. �Jawohl, Camerlengo.�, sagte er.� <emphasis>Correct, Monsignore</emphasis>... aber Sicherheitsfragen verlangen. selbstverst�ndlich nicht. Ich habe sie hier eingesperrt, weil. Selbstverst�ndlich, aber.� Er lauschte. �Jawohl, Monsignore�, sagte er schlie�lich. �Ich werde sie augenblicklich zu Ihnen bringen.�</p></section><section><title><p>Kapitel 39.</p></title><p>Der Apostolische Palast war eine Ansammlung von Geb�uden in der N�he der Sixtinischen Kapelle und lag in der nord�stlichen Ecke der Vatikanstadt. Er beherrschte den Petersplatz und beherbergte sowohl die p�pstliche Unterkunft als auch das Amtszimmer des Papstes.</p><p>Vittoria Vetra und Robert Langdon folgten dem Kommandanten schweigend durch einen lang gestreckten Rokoko-Korridor. Olivettis Halsmuskeln pulsierten vor Zorn. Sie marschierten drei Treppen hinauf und gelangten in eine breite, schwach erleuchtete Halle.</p><p>Langdon traute seinen Augen nicht, als er die Kunstwerke an den W�nden sah - fantastisch erhaltene B�sten, Wandteppiche, Friese - Arbeiten, die Millionen von Dollar wert waren. Als sie zwei Drittel des Weges durch die Halle hindurch waren, passierten sie einen Springbrunnen aus Alabaster. Olivetti bog nach links in einen Alkoven ein und blieb vor einer der gr��ten T�ren stehen, die Langdon jemals gesehen hatte.</p><p><emphasis>�Ufficio di Papa�,</emphasis> erkl�rte der Kommandant der Schweizergarde und bedachte Vittoria mit einem vernichtenden Blick. Vittoria zuckte nicht mit einer Wimper. Sie dr�ngte sich an Olivetti vorbei und klopfte.</p><p><emphasis>Das Amtszimmer des Papstes,</emphasis> dachte Langdon. Er hatte M�he zu begreifen, dass er unvermittelt vor einem der heiligsten R�ume der Welt stand.</p><p><emphasis>�Avanti!�,</emphasis> rief eine Stimme von drinnen.</p><p>Die T�r �ffnete sich, und Langdon musste die Augen abschirmen. Das Sonnenlicht war blendend hell. Langsam kam der Raum vor ihm in Sicht.</p><p>Das Amtszimmer des Papstes sah eher nach einem Ballsaal</p><p>als nach einem B�ro aus. Roter Marmor erstreckte sich zu allen Seiten bis zu W�nden voller lebendiger Fresken. An der Decke hing ein kolossaler Kronleuchter, und dahinter bot eine Reihe hoher Fenster einen atemberaubenden Ausblick auf den sonnen�berfluteten Petersplatz.</p><p><emphasis>Mein Gott,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Das nenne ich ein �Zimmer mit Aussicht.</emphasis></p><p>Am anderen Ende des Saals, an einem geschnitzten Schreibtisch, sa� ein Mann und schrieb hektisch etwas nieder. <emphasis>�Avanti!�,</emphasis> rief er erneut, legte seinen Stift ab und winkte sie zu sich.</p><p>Olivetti f�hrte sie mit milit�rischer Steifheit nach vorn. <emphasis>�Monsignore�,</emphasis> sagte er entschuldigend, <emphasis>�no hopotuto...�</emphasis></p><p>Der Mann winkte ab. Er stand auf und musterte seine beiden Besucher. Der Camerlengo war alles andere als einer jener zerbrechlichen, seligen alten M�nner, die Langdon sich f�r gew�hnlich vorstellte, wenn er an den Vatikan dachte. Er trug weder einen Rosenkranz noch sonst einen Anh�nger und auch keine schwere rote Amtsrobe. Stattdessen war er in eine einfache schwarze Soutane gekleidet, die seinen kr�ftigen Leib noch zu betonen schien. Er sah aus wie Ende drei�ig, nach Vatikan-Ma�st�ben fast noch ein Kind. Sein Gesicht unter einem Sch�pf unb�ndiger brauner Haare war �berraschend h�bsch, und seine gr�nen Augen strahlten, als erblickten sie s�mtliche Geheimnisse des Universums. Als Langdon n�her kam, bemerkte er jedoch die tiefe Ersch�pfung darin - der Camerlengo sah aus wie ein Mann, der die anstrengendsten f�nfzehn Tage seines Lebens hinter sich hatte.</p><p>�Mein Name ist Carlo Ventresca�, sagte er in perfektem Englisch. �Ich bin der Camerlengo des verstorbenen Papstes.� Seine Stimme klang bescheiden und freundlich.</p><p>�Vittoria Vetra�, stellte Vittoria sich vor und streckte dem Camerlengo die Hand entgegen. �Danke sehr, dass Sie uns</p><p>empfangen.�</p><p>Olivetti zuckte zusammen, als der Camerlengo ihre Hand nahm und sch�ttelte.</p><p>�Mein Begleiter ist Mr. Robert Langdon. Ein Kunsthistoriker von der Harvard University.�</p><p><emphasis>�Padre�,</emphasis> sagte Langdon in seinem besten Italienisch und verneigte sich tief, w�hrend er dem Camerlengo die Hand entgegenstreckte.</p><p>�Nein, nein�, winkte der Camerlengo ab und bedeutete Langdon, sich wieder aufzurichten. �Das B�ro Seiner Heiligkeit macht mich noch lange nicht zum Heiligen. Ich bin lediglich ein Diener - eine Art Haushofmeister, der in Zeiten der Not seinen Pflichten nachkommt.�</p><p>Langdon richtete sich auf.</p><p>�Bitte�, sagte der Camerlengo, �so setzen Sie sich doch.� Er schob ein paar Sessel zurecht. Langdon und Vittoria nahmen Platz. Olivetti zog es offensichtlich vor, stehen zu bleiben.</p><p>Der Camerlengo kehrte hinter den Schreibtisch zur�ck und setzte sich ebenfalls. Dann faltete er die H�nde, seufzte und betrachtete seine Besucher.</p><p>�Monsignore�, sagte Olivetti, �die Kleidung dieser Frau ist meine Schuld. Ich.�</p><p>�Ihre Kleidung ist nicht das, was mir Sorgen bereitet�, unterbrach ihn der Camerlengo. Er klang zu ersch�pft, um sich �ber Kleinigkeiten aufzuregen. �Was mir viel gr��ere Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass die Telefonzentrale mich eine halbe Stunde vor Beginn des Konklave anruft, um mir mitzuteilen, dass eine Frau aus <emphasis>Ihrem</emphasis> B�ro in der Leitung wartet, um mich vor einer gro�en Gefahr f�r Leib und Leben aller hier zu warnen, �ber die ich von <emphasis>Ihnen</emphasis> nicht informiert wurde. <emphasis>Das</emphasis> macht mir Sorgen!�</p><p>Olivetti stand stocksteif, den R�cken durchgedr�ckt wie ein</p><p>Soldat bei einer akribischen Inspektion. Langdon sp�rte die hypnotische Pr�senz des Camerlengos. Trotz seiner Jugend und seiner Ersch�pfung war der geistliche W�rdentr�ger von einer geheimnisvollen Aura aus Charisma und Autorit�t umgeben.</p><p>�Monsignore�, setzte Olivetti erneut an. Sein Tonfall klang entschuldigend und unnachgiebig zugleich. �Sie sollten sich nicht mit Sicherheitsproblemen befassen. Sie haben andere Verantwortlichkeiten.�</p><p>�Ich bin mir meiner Verantwortlichkeiten durchaus bewusst, Herr Oberst. Ich bin mir auch bewusst, dass ich als <emphasis>Direttore intermediario</emphasis> verantwortlich bin f�r die Sicherheit und das Wohlbefinden aller Anwesenden bei diesem Konklave. Was geht hier vor, Oberst Olivetti?�</p><p>�Ich habe alles unter Kontrolle.�</p><p>�Offensichtlich nicht.�</p><p>�Vater�, unterbrach Langdon, indem er das zerknitterte Fax <emphasis>AUS</emphasis> der Tasche nahm und es dem Camerlengo reichte. �Sehen Sie hier, bitte.�</p><p>Oberst Olivetti machte einen raschen Schritt nach vorn und wollte einschreiten. �Vater, bitte k�mmern Sie sich nicht um.�</p><p>Der Camerlengo nahm das Fax, ohne Olivetti zu beachten, und betrachtete es einen langen Augenblick. Als er das Bild des Ermordeten sah, atmete er erschrocken ein. �Was ist das?�</p><p>�Das ist mein Vater�, sagte Vittoria mit bebender Stimme. �Er war Priester und Wissenschaftler. Er wurde letzte Nacht ermordet.�</p><p>Das Gesicht des Camerlengos wurde augenblicklich sanft. Er sah Vittoria an. �Mein armes Kind. Es tut mir so Leid.� Er bekreuzigte sich und betrachtete erneut das Fax. Seine Augen verengten sich vor Abscheu. �Wer w�rde. und dieses Brandmal auf seiner.� Der Camerlengo stockte und untersuchte das Brandmal genauer.</p><p>�Es bedeutet Illuminati�, erkl�rte Langdon. �Ohne Zweifel sind Sie mit dem Namen vertraut?�</p><p>Ein merkw�rdiger Ausdruck schlich sich auf das Gesicht des Camerlengos. �Ich habe den Namen schon das ein oder andere Mal geh�rt, ja, aber.�</p><p>�Die Illuminati haben Leonardo Vetra ermordet, um eine neue Technologie zu stehlen.�</p><p>�Monsignore!�, rief Olivetti dazwischen. �Das ist absurd! Die Illuminati sollen dahinter stecken? Es handelt sich ganz offensichtlich um einen sehr geschickt eingef�delten Schwindel!�</p><p>Der Camerlengo schien �ber Olivettis Einwand nachzudenken. Dann drehte er sich zu Langdon um und musterte ihn so intensiv, dass Langdon der Atem stockte. �Mr. Langdon, ich habe mein ganzes Leben im Dienst der katholischen Kirche verbracht. Ich bin vertraut mit der Geschichte der Illuminati und der Legende von ihren Brandmalen. und doch muss ich Sie warnen! Ich bin ein Mann der Gegenwart. Die Christenheit hat genug reale Feinde, auch ohne wiederauferstandene Gespenster.�</p><p>�Das Symbol ist echt�, entgegnete Langdon ein wenig zu defensiv, wie er im Nachhinein fand. Er streckte die Hand aus und drehte das Fax in den H�nden des Camerlengos.</p><p>Als dieser die Symmetrie erkannte, verstummte er.</p><p>�Selbst moderne Computer�, f�gte Langdon hinzu, �waren bisher nicht imstande, ein Ambigramm dieses Wortes zu entwickeln.�</p><p>Der Camerlengo faltete die H�nde und schwieg lange Zeit. �Die Illuminati sind tot�, sagte er schlie�lich. �Seit vielen Jahren. Das ist eine historische Tatsache.�</p><p>Langdon nickte. �Bis gestern h�tte ich Ihnen ohne zu z�gern beigepflichtet.�</p><p>�Gestern?�</p><p>�Bevor die Ereignisse sich �berschlugen. Heute glaube ich, dass die Illuminati wieder zur�ckgekehrt sind, um eine alte Rechnung zu begleichen.�</p><p>�Verzeihen Sie mir, meine Geschichtskenntnisse sind ein wenig eingerostet. Was meinen Sie?�</p><p>Langdon atmete tief durch. �Sie wollen die Vatikanstadt vernichten.�</p><p>�Die Vatikanstadt <emphasis>vernichten?�</emphasis> Der Camerlengo sah weniger ver�ngstigt als verwirrt aus. �Aber das ist ganz und gar unm�glich!�</p><p>Vittoria sch�ttelte den Kopf. �Ich f�rchte, wir haben noch ein paar weitere schlechte Nachrichten.�</p></section><section><title><p>Kapitel 40.</p></title><p>Ist das wahr?�, fragte der Camerlengo erstaunt und blickte von Vittoria zu Olivetti.</p><p>�Monsignore!�, versicherte ihm der Oberst, �ich gebe zu, wir haben ein fremdes Ger�t entdeckt. Es ist auf einem unserer Sicherheitsmonitore zu sehen, doch was Signorina Vetras Behauptungen �ber die Sprengkraft dieser Substanz angeht, so kann ich nur sagen.�</p><p>�Warten Sie!�, unterbrach ihn der Camerlengo. �Sie k�nnen dieses Ding <emphasis>sehen?�</emphasis></p><p>�Jawohl, Monsignore. Auf der drahtlosen Kamera Nummer sechsundachtzig.�</p><p>�Und warum haben Sie es dann noch nicht geborgen?� In der Stimme des Camerlengos schwang neuer �rger mit.</p><p>�Das ist leider so gut wie unm�glich, Monsignore�, entgegnete Olivetti und stand stramm, w�hrend er das Problem schilderte.</p><p>Der Camerlengo lauschte, und Vittoria bemerkte seine zunehmende Besorgnis. �Und Sie sind ganz sicher, dass sich dieses Ger�t im Innern der Vatikanstadt befindet?�, fragte er schlie�lich. �Vielleicht hat jemand die Kamera mitgenommen, und sie sendet jetzt von woanders?�</p><p>�Unm�glich, Monsignore�, sagte der Oberst. �Unsere Au�enmauern sind elektronisch abgeschirmt, um die interne Kommunikation zu sch�tzen. Dieses Signal kann nur aus dem Innern der Vatikanstadt kommen, sonst w�rden wir es nicht empfangen.�</p><p>�Ich nehme an�, sagte der Camerlengo, �dass Sie inzwischen mit allen zur Verf�gung stehenden Kr�ften nach dieser verschwundenen Kamera suchen?�</p><p>Olivetti sch�ttelte den Kopf. �Nein, Monsignore. Diese Kamera zu finden, w�rde Hunderte von Arbeitsstunden in Anspruch nehmen. Wir haben gegenw�rtig eine Reihe anderer Sicherheitsprobleme, und bei allem n�tigen Respekt gegen�ber Signorina Vetra - dieser Tropfen, von dem sie spricht, ist �u�erst klein. Er kann unm�glich so gef�hrlich sein, wie sie es behauptet.�</p><p>Vittorias Geduld war am Ende. �Dieser Tropfen reicht aus, um die Vatikanstadt zu verdampfen! H�ren Sie eigentlich zu, wenn jemand mit Ihnen redet?�</p><p>�Signorina�, entgegnete Olivetti mit einer Stimme wie Stahl, �meine Erfahrung mit Sprengstoffen ist umfassend.�</p><p>�Ihre Erfahrung ist obsolet�, schoss sie genauso hart zur�ck. �Trotz meiner Kleidung, die Ihnen ja scheinbar einiges Kopfzerbrechen bereitet, bin ich eine hochrangige Wissenschaftlerin bei der weltweit f�hrenden Forschungsanlage f�r subatomare Physik. Ich pers�nlich habe die Antimateriefalle entwickelt, die verhindert, dass diese Probe augenblicklich annihiliert! Und ich sage Ihnen noch einmal, wenn es Ihnen nicht gelingt, diesen Beh�lter innerhalb der n�chsten sechs Stunden zu finden, werden Ihre Gardisten nichts mehr zu bewachen haben au�er einem riesigen Krater im Boden!�</p><p>Olivetti wirbelte zu dem Camerlengo herum. In seinen Insektenaugen blitzte ohnm�chtiger Zorn. �Monsignore, ich kann nicht guten Gewissens zulassen, dass dies hier so weitergeht! Ihre Zeit wird von Schwindlern vergeudet! Die Illuminati! Ein Tropfen Fl�ssigkeit, der uns alle vernichten soll!�</p><p><emphasis>�Basta!�,</emphasis> erkl�rte der Camerlengo. Er sagte es leise, und doch schien es durch den weiten Raum zu hallen. Danach herrschte Stille. Fast unh�rbar leise fuhr er fort: �Gef�hrlich oder nicht, Illuminati oder nicht, was immer dieses Ding ist - es sollte auf gar keinen Fall in der Vatikanstadt sein. erst recht nicht am</p><p>Abend des Konklave. Ich m�chte, dass es gefunden und entfernt wird. Organisieren Sie augenblicklich eine Suche!�</p><p>�Monsignore, selbst wenn wir all unsere M�nner einsetzen, um den gesamten Komplex abzusuchen, w�rden wir Tage ben�tigen, um diesen Beh�lter zu finden!�, beharrte Olivetti. �Au�erdem habe ich, nachdem ich mit Signorina Vetra gesprochen habe, einen meiner Leute abkommandiert, um unsere neuesten Ballistik-Datenb�nke nach einer Substanz namens Antimaterie zu durchsuchen. Er fand nicht einen einzigen Hinweis. Nichts.�</p><p><emphasis>Selbstherrliches Arschloch!,</emphasis> dachte Vittoria. <emphasis>Eine BallistikDatenbank? Hast du es mal mit einem einfachen Lexikon versucht? Unter A?</emphasis></p><p>Olivetti redete noch immer. �Monsignore, wenn Sie verlangen, dass wir die ganze Vatikanstadt mit blo�em Auge absuchen, muss ich Einspruch erheben!�</p><p>�Oberst.� Die Stimme des Camerlengos vibrierte vor Zorn. �Darf ich Sie daran erinnern, dass Sie mit diesem Amt sprechen, wenn Sie mit mir sprechen? Ich wei�, dass Sie meine Position nicht ernst nehmen - nichtsdestotrotz bin ich nach dem Gesetz f�r den Augenblick Ihr Vorgesetzter. Falls ich mich nicht irre, befinden sich die Kardinale inzwischen alle in der Sixtinischen Kapelle. Ihre Sicherheitsprobleme d�rften minimal sein, solange das Konklave andauert. Ich verstehe nicht, warum Sie immer noch z�gern, nach diesem Ger�t zu suchen! W�sste ich es nicht besser, w�rde ich sagen, dass Sie dieses Konklave absichtlich in Gefahr bringen!�</p><p>Olivetti sah den Camerlengo ver�chtlich an. �Wie k�nnen Sie es wagen? Ich habe dem letzten Papst zw�lf Jahre lang gedient! Und dem vorherigen Papst ganze vierzehn Jahre! Die Schweizergarde sorgt seit 1483 f�r.�</p><p>Das Walkie-Talkie an Olivettis G�rtel gab ein lautes Pfeifen von sich und unterbrach ihn mitten im Satz. <emphasis>�Comandante?�</emphasis></p><p>Olivetti riss das Ger�t aus dem G�rtel und dr�ckte auf den Sendeknopf. <emphasis>�Sto occupato! Cosa voi!�</emphasis></p><p><emphasis>�Scusi�,</emphasis> sagte der Soldat am anderen Ende. �Hier Kommunikationszentrale. Ich dachte, Sie wollten informiert werden, wenn eine Bombendrohung eingeht?�</p><p>Olivetti h�tte nicht desinteressierter dreinblicken k�nnen. �Erledigen Sie das! Verfolgen Sie den Anruf wie �blich, und schreiben Sie alles auf!�</p><p>�Das haben wir, doch der Anrufer.� Der Gardist z�gerte. �Ich h�tte Sie nicht gest�rt, <emphasis>Comandante,</emphasis> es ist nur. der Anrufer hat die Substanz erw�hnt, �ber die ich Informationen suchen sollte. <emphasis>Antimaterie.�</emphasis></p><p>Alle Anwesenden wechselten verbl�ffte Blicke.</p><p>�Er hat <emphasis>was?�,</emphasis> stammelte Olivetti.</p><p>�Antimaterie, Herr Oberst. W�hrend wir versuchten, seinen Anruf zur�ckzuverfolgen, habe ich ein paar zus�tzliche Nachforschungen dar�ber angestellt. Die Informationen �ber Antimaterie sind. offen gestanden, sie sind h�chst beunruhigend, Herr Oberst.�</p><p>�Ich dachte, in den ballistischen Datenb�nken w�re nichts dar�ber erw�hnt?�</p><p>�Das trifft zu, Herr Oberst. Ich fand die Informationen online.�</p><p><emphasis>Halleluja!,</emphasis> dachte Vittoria.</p><p>�Die Substanz scheint h�chst explosiv zu sein�, fuhr der</p><p>Gardistfort. �Es ist schwer, sich das vorzustellen, aber es hei�t, Antimaterie w�re um das Hundertfache zerst�rerischer als eine Atombombe.�</p><p>Olivettis Haltung zerbrach wie ein in sich zusammenst�rzender Berg. Vittorias Triumphgef�hl wurde ausgel�scht vom Entsetzen auf dem Gesicht des Camerlengos.</p><p>�Haben Sie den Anruf zur�ckverfolgt?�, stammelte Olivetti.</p><p>� Erfolglos, <emphasis>Comandante.</emphasis> Ein Mobiltelefon mit starker Verschl�sselung. Der Anrufer benutzt mehrere Satellitenverbindungen gleichzeitig, daher k�nnen wir ihn nicht triangulieten. Die IF-Signatur l�sst vermuten, dass er sich irgendwo in Rom aufh�lt, doch es gibt keine M�glichkeit, ihn direkt zu orten.�</p><p>�Hat er Forderungen gestellt?�, fragte Olivetti kleinlaut.</p><p>�Nein. Er hat uns lediglich gewarnt, dass im Innern des Komplexes Antimaterie versteckt ist. Er schien �berrascht, dass ich nichts dar�ber wusste. Er fragte mich, ob ich sie denn noch nicht <emphasis>gesehen</emphasis> h�tte. Sie hatten mich nach Antimaterie gefragt, Herr Oberst, deswegen dachte ich, dass ich Sie informiere.�</p><p>�Sie haben richtig gehandelt�, sagte Olivetti. �Ich bin in einer Minute bei Ihnen. Informieren Sie mich augenblicklich, falls er sich noch einmal meldet.�</p><p>Einen Augenblick herrschte Stille auf dem Walkie-Talkie. Dann: �Der Anrufer ist noch immer in der Leitung,</p><p><emphasis>Comandante.�</emphasis></p><p>Olivetti sah aus, als h�tte er einen elektrischen Schlag erhalten. �Der Anrufer ist <emphasis>was?�</emphasis></p><p>�Er ist noch am Apparat. Wir versuchen seit zehn Minuten, seinen Standort ausfindig zu machen, ohne den geringsten Erfolg. Er muss wissen, dass wir ihn nicht fassen k�nnen, denn er weigert sich aufzulegen, bevor er nicht mit dem Camerlengo gesprochen hat.�</p><p>�Stellen Sie ihn durch!�, befahl der Camerlengo. �Sofort!�</p><p>Olivetti wirbelte herum. �Vater, nein! Ein ausgebildeter</p><p>Unterh�ndler der Schweizergarde ist viel besser geeignet, um mit dieser Situation.�</p><p><emphasis>�Auf der Stelle!�</emphasis></p><p>Olivetti gab den Befehl.</p><p>Einen Augenblick sp�ter klingelte das Telefon auf</p><p>Camerlengo Ventrescas Schreibtisch. Der Camerlengo bet�tigte den Freisprechknopf. �F�r wen, in Gottes Namen, halten Sie sich?�</p></section><section><title><p>Kapitel 41.</p></title><p>Die Stimme aus dem Telefon des Camerlengos klang metallisch und kalt und troff vor Arroganz. Jeder im Raum lauschte gebannt.</p><p>Langdon versuchte den Akzent zu identifizieren. <emphasis>Vielleicht Mittlerer Osten?</emphasis></p><p>�Ich bin ein Bote eines alten Bundes�, verk�ndete die Stimme in merkw�rdigem Ton. �Einer Bruderschaft, die Sie seit Jahrhunderten verleumdet haben. Ich bin ein Bote der Illuminati.�</p><p>Langdon sp�rte, wie er sich versteifte, als die letzten Spuren von Zweifel schwanden. Einen Augenblick lang empfand er den gleicher! vertrauten Widerspruch aus Nervenkitzel, Privilegiertheit und t�dlicher Furcht, der von ihm Besitz ergriffen hatte, als er am fr�hen Morgen zum ersten Mal das Ambigramm gesehen hatte.</p><p>�Was w�nschen Sie?�, fragte der Camerlengo.</p><p>�Ich repr�sentiere M�nner der Wissenschaft. M�nner, die wie Sie selbst nach Antworten suchen. Antworten auf das Schicksal des Menschen, auf den Sinn seines Daseins und auf seinen Sch�pfer.�</p><p>�Wer auch immer Sie sein m�gen�, sagte der Camerlengo, �ich.�</p><p><emphasis>Silenzio!</emphasis> Sie tun besser daran, mir zuzuh�ren. Zwei Jahrtausende hat die Kirche die Suche nach der Wahrheit dominiert. Sie haben Ihre Gegner mit L�gen und Untergangsprophezeiungen vernichtet. Sie haben die Wahrheit zu Ihren Zwecken manipuliert und diejenigen ermordet, deren Entdeckungen Ihrer Politik zuwider liefen. Sind Sie tats�chlich �berrascht, dass Sie sich erleuchtete M�nner aus der ganzen</p><p>Welt zum Feind gemacht haben?�</p><p>� Erleuchtete M�nner fl�chten sich nicht in Erpressung, um ihre Sache voranzubringen.�</p><p>� Erpressung?� Der Anrufer lachte. �Dies ist keine Erpressung. Wir haben keine Forderungen. Die Vernichtung des Vatikans ist nicht verhandelbar. Wir haben vierhundert Jahre auf diesen Tag gewartet. Um Mitternacht wird Ihre Stadt zerst�rt, Es gibt nichts, was Sie dagegen unternehmen k�nnten.�</p><p>Olivetti st�rmte zum Telefon. �Sie k�nnen unm�glich in die Stadt eingedrungen sein! Sie k�nnen keine Bombe in der Vatikanstadt versteckt haben!�</p><p>�Sie sprechen mit der ignoranten Hingabe des Schweizergardisten. Wahrscheinlich sind Sie Offizier? Sicher wissen Sie sehr genau, dass die Illuminati jahrhundertelange Erfahrung im Infiltrieren elit�rer Organisationen �berall auf der Welt besitzen. Glauben Sie allen Ernstes, Ihr Vatikan w�re dagegen immun?�</p><p><emphasis>Mein Gott,</emphasis> dachte Langdon, <emphasis>sie haben jemanden in der Vatikanstadt!</emphasis> Es war kein Geheimnis, dass Infiltration das Markenzeichen der Illuminati und ihr erprobter Weg zur Macht gewesen war. Sie hatten die Freimaurer infiltriert, Gro�banken, Regierungen. Churchill hatte einmal zu Reportern gesagt, dass der Krieg in weniger als einem M^nat vor�ber gewesen w�re, h�tten englische Spione die Nazis in dem Ausma� infiltriert, in dem das englische Parlament von Mitgliedern der Illuminati durchsetzt gewesen sei.</p><p>�Ein durchsichtiger Bluff!�, fauchte Olivetti. �Ihr Einfluss kann sich unm�glich bis hinter unsere Mauern erstrecken!�</p><p>�Warum nicht? Weil Ihre Schweizergarde so wachsam ist? Weil sie jeden Winkel Ihrer privaten Welt �berwacht? Was ist mit den Gardisten selbst? Sind sie nicht auch Menschen? Glauben Sie allen Ernstes, sie w�rden ihr Leben f�r die Fabel um einen Mann hingeben, der �ber das Wasser gelaufen sein soll? Fragen Sie sich, wie der Beh�lter mit Antimaterie in Ihre Stadt gelangen konnte. Oder wie vier Ihrer wichtigsten Aktivposten heute Nachmittag unbemerkt aus der Stadt verschwinden konnten.�</p><p>�Aktivposten?� Olivetti runzelte die Stirn. �Was meinen Sie damit?�</p><p>�Eins, zwei, drei, vier. Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass etwas fehlt?�</p><p>�Wovon reden.?� Olivetti stockte und riss die Augen auf, als h�tte er einen Schlag in den Unterleib erhalten.</p><p>�Ah, ich merke, es d�mmert�, sagte der Anrufer. �Soll ich ihre Namen nennen?�</p><p>�Was geht da eigentlich vor?�, fragte der Camerlengo verwirrt.</p><p>Der Anrufer lachte. �Ihr Offizier hat Sie also noch nicht informiert? Das �berrascht mich nicht. So viel Stolz. Wahrscheinlich sch�mt er sich, Ihnen die Wahrheit zu gestehen. dass vier Kardinale, die er mit seinem Leben zu sch�tzen geschworen hat, spurlos vom Erdboden verschwunden sind.�</p><p>�Woher haben Sie diese Information?�, brauste Olivetti auf.</p><p>�Camerlengo�, spottete der Anrufer, �fragen Sie Ihren Oberst, ob sich s�mtliche Kardinale in der Sixtinischen Kapelle eingefunden haben.�</p><p>Der Camerlengo wandte sich zu Olivetti und funkelte ihn fragend an.</p><p>�Monsignore.� Olivetti beugte sich herab und fl�sterte in das Ohr des Camerlengos. �Es trifft zu, dass vier der Kardinale noch nicht in der Sixtinischen Kapelle erschienen sind, doch es gibt keinen Grund zur Besorgnis. Jeder von ihnen hat sich heute Morgen in der Residenz gemeldet, daher wissen wir, dass sie sich noch in der Vatikanstadt befinden. Sie selbst haben noch vor einigen Stunden mit ihnen Tee getrunken. Sie haben sich lediglich versp�tet und vers�umen die stille Begegnung vor der eigentlichen Konklave. Wir suchen nach ihnen, doch ich bin sicher, sie haben einfach das Gef�hl f�r die Zeit verloren und genie�en noch immer die G�rten.�</p><p>�Genie�en die G�rten?� Die Ruhe aus der Stimme des Camerlengos war wie weggeblasen. �Sie sollten seit �ber einer Stunde in der Kapelle sein!�</p><p>Langdon warf Vittoria einen erstaunten Blick zu. <emphasis>Verschwundene Kardinale? Danach suchen die Gardisten also so hektisch!</emphasis></p><p>�Sie werden unsere Bestandsliste recht �berzeugend finden, denke ich. Wir haben da einen Kardinal Lamasse aus Paris, einen Kardinal Guidera aus Barcelona, Kardinal Ebner aus</p><p>Fankfurt.�</p><p>Mit jedem Namen, den der Anrufer nannte, schien Olivetti zu schrumpfen.</p><p>�Und aus Italien.� Der Anrufer z�gerte, als empf�nde er beim letzten Namen besonderes Vergn�gen.�. Kardinal Baggia.�</p><p>Der Camerlengo sank zusammen wie ein Schiff, das mit vollen Segeln in eine Flaute rauscht. Seine Soutane flatterte, und er sank in seinen Stuhl zur�ck. <emphasis>�Il preferiti�,</emphasis> fl�sterte er. �Die vier Favoriten. einschlie�lich Baggia. der wahrscheinlichste Nachfolger als Pontifex maximus. wie ist das nur m�glich?�</p><p>Langdon hatte genug �ber neuzeitliche Papstwahlen gelesen, um den Ausdruck von Verzweiflung zu verstehen, der sich auf dem Gesicht des Camerlengos wider spiegelte. Obwohl rein technisch betrachtet jeder Kardinal unter achtzig Jahren zum Papst gew�hlt werden konnte, besa�en nur sehr wenige den Respekt, um sich im Verlauf des wilden Abstimmungsmarathons die notwendige Zweidrittelmehrheit zu sichern. Sie wurden <emphasis>preferiti</emphasis> genannt, und sie alle waren</p><p>verschwunden.</p><p>Schwei�perlen bildeten sich auf der Stirn des Camerlengos. �Was haben Sie mit diesen M�nnern vor?�</p><p>�Was glauben Sie denn, was ich mit ihnen vorhabe? Ich bin ein Nachfahre der <emphasis>Hashishin.�</emphasis></p><p>Langdon lief ein Schauer �ber den R�cken. Er kannte den Namen gut. Die Kirche hatte sich im Lauf der Jahrhunderte eine Reihe t�dlicher Feinde gemacht - die <emphasis>Hashishin,</emphasis> die Templer, Armeen, die entweder vom Vatikan gejagt oder betrogen worden waren.</p><p>�Lassen Sie die Kardinale gehen�, sagte der Camerlengo. �Reicht nicht die Drohung, Gottes Stadt zu zerst�ren?�</p><p>�Vergessen Sie Ihre vier Kardinale. Sie werden sie nicht wiedersehen. Doch ich kann Ihnen versichern, dass man sich an ihren Tod noch lange erinnern wird. Millionen werden sich an sie erinnern. Der Traum eines jeden M�rtyrers. Ich werde sie zu Lichtgestalten f�r die Medien machen. Einen nach dem anderen. Um Mitternacht werden die Augen der ganzen Welt auf die Illuminati blicken. Warum sollten wir die Welt �ndern, w�hrend die Welt wegsieht? �ffentliche Hinrichtungen erwecken ein schauriges Interesse, meinen Sie nicht? Sie waren es schlie�lich, die das vor langer Zeit bewiesen haben. die Inquisition, die Folterungen der Templer, die Kreuzz�ge.� Er verstummte. �Und nat�rlich <emphasis>la purga�,</emphasis> f�gte er hinzu.</p><p>Der Camerlengo schwieg.</p><p>�Sie erinnern sich nicht an <emphasis>la purga?�,</emphasis> fragte der Anrufer. �Nein, selbstverst�ndlich nicht. Sie sind ja noch ein halbes Kind. Priester sind au�erdem schlechte Historiker. Liegt es vielleicht daran, dass sie sich ihrer Geschichte sch�men?�</p><p><emphasis>�La purga�,</emphasis> h�rte Langdon sich sagen. �1686. Die Kirche hatte vier Wissenschaftler aus den Reihen der Illuminati mit dem Symbol des Kreuzes gebrandmarkt. Um sie von ihren S�nden zu l�utern.�</p><p>�Wer spricht da?�, fragte der Anrufer. Er klang mehr fasziniert als besorgt. �Wer befindet sich sonst noch alles bei Ihnen, Cammerlengo?�</p><p>� Mein Name tut nichts zur Sache�, entgegnete Langdon mit weichen Knien und m�hsam beherrschter Stimme. Mit einem lebendigen Illuminatus zu sprechen war h�chst be�ngstigend f�r jemanden wie ihn. als spr�che er mit George Washington. �Ich bin Akademiker und habe die Geschichte Ihrer Bruderschaft studiert.�</p><p>�Superb!�, sagte die Stimme. �Ich bin erfreut, dass es noch immer Menschen gibt, die sich der Verbrechen an uns erinnern.�</p><p>�Die meisten halten Ihre Bruderschaft f�r tot.�</p><p>�Eine Fehlinterpretation, an deren Zustandekommen die Bruderschaft hart gearbeitet hat. Was wissen Sie sonst noch �ber <emphasis>lapurga?�</emphasis></p><p>Langdon z�gerte. <emphasis>Was wei� ich sonst noch? Dass diese ganze Situation ein einziger Wahnsinn ist, das wei� ich!</emphasis> �Nach den Brandmarkungen wurden die Wissenschaftler ermordet und ihre Leichen in ganz Rom an �ffentlichen Pl�tzen liegen Belassen, als Warnung an andere Gelehrte, sich nicht den Illuminati anzuschlie�en.�</p><p>�Genau. Wir werden das Gleiche tun. <emphasis>Quid pro quo. </emphasis>Betrachten Sie es als symbolische Vergeltung f�r unsere ermordeten Br�der. Ihre vier Kardinale werden sterben, jede Stunde einer, beginnend um acht Uhr heute Abend. Eine mathematische Progression des Todes. Um Mitternacht ist uns die Aufmerksamkeit der ganzen Welt gewiss.�</p><p>Langdon ging zum Telefon. �Sie haben allen Ernstes vor, diese vier Kardinale zu brandmarken und zu ermorden?�</p><p>�Die Geschichte wiederholt sich, oder nicht? Selbstverst�ndlich werden wir eleganter zu Werke gehen als seinerzeit die Kirche. Sie hat im Geheimen gemordet und die Leichen auf die Stra�en geworfen, als niemand zasah. Es war</p><p>sehr feige.�</p><p>�Was wollen Sie damit sagen?�, fragte Langdon. �Dass Sie diese vier M�nner <emphasis>in der �ffentlichkeit</emphasis> brandmarken und t�ten wollen?�</p><p>�Sehr richtig. Obwohl es ganz davon abh�ngt, was Sie als �ffentlichkeit betrachten. Meines Wissens sind die Kirchen heutzutage nicht mehr so gut besucht wie noch vor einigen Jahren.�</p><p>Langdon �chzte erschrocken. �Sie wollen sie in einer <emphasis>Kirche </emphasis>ermorden?�</p><p>�Eine Geste der Barmherzigkeit. Dadurch kann Gott ihre Seelen schneller zu sich in den Himmel holen. Es scheint nur recht. Die Presse wird das Schauspiel genie�en, k�nnte ich mir vorstellen.�</p><p>�Das ist ein Bluff!�, sagte Olivetti. Die k�hle Arroganz war in seine Stimme zur�ckgekehrt. �Sie k�nnen nicht erwarten, einen Mann in einer Kirche zu ermorden und ungeschoren davonzukommen.�</p><p>�Bluff? Wir bewegen uns unter der Schweizergarde frei und ungehemmt wie Gespenster, entf�hren vier Kardinale vor Ihren Augen, platzieren eine t�dliche Bombe direkt unter Ihrem heiligsten Schrein, und Sie halten das alles f�r einen Bluff? Sobald die Leichen gefunden werden, werden die Medien sich darauf st�rzen. Um Mitternacht wird die ganze Welt wissen, wer die Illuminati sind und was sie wollen.�</p><p>�Und wenn wir in jeder Kirche Wachen aufstellen?�, entgegnete Olivetti.</p><p>Der Anrufer lachte. �Ich f�rchte, die produktive Natur Ihrer Religion macht das zu einer undurchf�hrbaren Aufgabe. Haben Sie in letzter Zeit nicht mehr nachgez�hlt? Allein in Rom gibt es mehr als vierhundert katholische Kirchen. Kathedralen, Kapellen, Schreine, Abteien, Kl�ster, Stifte, Pfarreien.�</p><p>Olivettis Gesichtsausdruck war eine Maske.</p><p>�In neunzig Minuten geht es los�, sagte der Anrufer. �Einer zu jeder vollen Stunde. Eine mathematische Progression des Todes. Jetzt muss ich auflegen.�</p><p>�Warten Sie!�, verlangte Langdon. �Was sind das f�r Zeichen, mit denen Sie diese M�nner brandmarken wollen? Erz�hlen Sie mir davon!�</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> klang belustigt. �Ich denke, Sie wissen sehr genau, was f�r Brandzeichen das sein werden. Oder sind Sie vielleicht immer noch nicht �berzeugt? Sie werden sie fr�h genug zu sehen bekommen. Den Beweis, dass die alten Legenden wahr sind.�</p><p>Langdon wusste tats�chlich, was der Anrufer meinte. Er stellte sich das Brandzeichen auf Leonardo Vetras Brust vor. Die Illuminati-Legenden sprachen von insgesamt f�nf Brandzeichen. <emphasis>Vier sind noch �brig,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Und vier Kardin�le sind verschwunden.</emphasis></p><p>�Ich habe geschworen�, sagte der Camerlengo, �heute Nacht einen neuen Papst vorzustellen. Geschworen bei Gott.�</p><p>�Camerlengo�, sagte der Anrufer, �die Welt braucht keinen neuen Papst. Nach Mitternacht wird er nichts mehr au�er einem Tr�mmerhaufen haben, �ber den er herrschen k�nnte. Die katholische Kirche ist erledigt. Ihre Zeit auf Erden ist vorbei.�</p><p>Stille breitete sich aus.</p><p>�Sie sind fehl geleitet, mein Sohn�, sagte der Camerlengo schlie�lich. �Eine Kirche ist mehr als nur der Stein und der M�rtel, aus dem ihr Geb�ude besteht. Sie k�nnen zwei Jahrtausende des Glaubens nicht einfach ausl�schen. egal welchen Glaubens. Sie k�nnen den Glauben nicht vernichten, indem sie seine irdischen Manifestationen vernichten. Die katholische Kirche wird fortbestehen, mit dem oder ohne den Vatikan.�</p><p>�Eine noble L�ge, nichtsdestotrotz eine L�ge. Wir beide kennen die Wahrheit. Verraten Sie mir doch, warum ist die Vatikanstadt eine von Mauern umgebene Zitadelle?�</p><p>�M�nner Gottes leben in einer gef�hrlichen Welt�, antwortete der Camerlengo.</p><p>�Wie alt sind Sie? Der Vatikan ist eine Festung, weil die katholische Kirche die H�lfte ihrer Sch�tze im Innern versteckt</p><p>- wertvolle Gem�lde, Skulpturen, unsch�tzbare Juwelen, kostbare B�cher. au�erdem gibt es da noch das Barrengold und die Grundbesitzurkunden in den Gew�lben der Vatikanbank. Insidersch�tzungen gehen von einem Wert von an die f�nfzig Milliarden US-Dollar aus. Ein h�bsches Nest, auf dem Sie sitzen, Camerlengo, finden Sie nicht auch? Morgen ist es nur noch Asche. Liquidierte Aktiva, w�rde ich sagen. Sie werden bankrott sein. Nicht einmal M�nner des Glaubens k�nnen ganz ohne Geld arbeiten.�</p><p>Die Folgerichtigkeit dieser Feststellung spiegelte sich auf den geschockten Gesichtern von Olivetti und dem Camerlengo wider. Langdon wusste nicht, was ihn mehr erstaunte - die Tatsache, dass die katholische Kirche �ber derartige Mengen Geld verf�gte oder dass die Illuminati irgendwie davon erfahren hatten.</p><p>Der Camerlengo seufzte schwer. �Glaube, nicht Geld, ist die St�tze der Kirche.�</p><p>�Noch mehr L�gen�, entgegnete der Anrufer. �Allein im letzten Jahr haben sie einhundertdreiundachtzig Millionen Dollar zur Unterst�tzung Ihrer ums �berleben k�mpfenden Di�zesen in der ganzen Welt ausgegeben. Sie hatten weniger Kirchenbesucher als jemals zuvor in Ihrer Geschichte, sechsundvierzig Prozent R�ckgang allein in der letzten Dekade. Die Spendeneinnahmen haben sich in den letzten sieben Jahren halbiert. Weniger und weniger M�nner melden sich f�r das Priesterseminar an. Sie m�gen es abstreiten, so viel Sie wollen, doch Sie sind am Ende. Die Kirche wird sterben. Betrachten Sie es als eine Gelegenheit, sich mit einem gro�en Knall aus der Geschichte zu verabschieden.�</p><p>Olivetti trat vor. Er schien weniger kampflustig als zuvor. Vielleicht sp�rte er zum ersten Mal die nackte Realit�t. Er sah aus wie ein Mann, der nach einem Ausweg sucht. Irgendeinem Ausweg. �Und was, wenn ein Teil dieses Schatzes Ihnen zuk�me? Ihrer Sache?�</p><p>�Beleidigen Sie uns nicht.�</p><p>�Wir haben Geld.�</p><p>�Wir auch. Mehr, als Sie sich vorstellen k�nnen.�</p><p>Langdon dachte an die geheimnisvollen Sch�tze der Illuminati, den Reichtum der Bayerischen Freimaurer, der Rothschilds, der Bilderbergs, den legend�ren Illuminati-Diamanten.</p><p><emphasis>�Il preferiti�,</emphasis> sagte der Camerlengo und wechselte das Thema. Seine Stimme klang nun flehend. �Verschonen Sie die Kardin�le. Bitte. Sie sind alt, und sie.�</p><p>�Sie sind unsere jungfr�ulichen Opfer.� Der Anrufer lachte. �Verraten Sie mir - glauben Sie allen Ernstes, dass die vier noch Jungfrauen sind? Werden die kleinen L�mmer schreien, wenn sie sterben? <emphasis>Sacrifici vergini neu�altare di scienza.�</emphasis></p><p>Der Camerlengo schwieg lange Zeit. �Sie sind M�nner des Glaubens�, sagte er schlie�lich. �Sie f�rchten sich nicht vor dem Tod.�</p><p>Der Anrufer schnaubte. �Leonardo Vetra war ebenfalls ein Mann des Glaubens, und doch habe ich letzte Nacht die Furcht in seinen Augen gesehen. Eine Furcht, von der ich ihn erl�st habe.�</p><p>Vittoria hatte die ganze Zeit geschwiegen, doch bei den letzten Worten sprang sie auf, das Gesicht verzerrt vor Hass. <emphasis>�Asino!</emphasis> Er war mein Vater!�</p><p>Ein h�ssliches Lachen drang aus dem Lautsprecher. �Ihr Vater? Was ist das? Vetra hatte eine Tochter? Sie sollten wissen, dass er am Ende gewimmert hat wie ein kleines Kind. Erb�rmlich. Ein erb�rmlicher Mann.�</p><p>Vittoria zuckte zur�ck, als h�tten die Worte sie k�rperlich Betroffen. Langdon wollte sie halten, doch sie gewann ihr Gleichgewicht zur�ck und starrte mit dunklen Augen auf das Telefon. �Ich schw�re bei meinem Leben, noch bevor diese Nacht vor�ber ist, habe ich Sie gefunden!� Ihre Stimme klang schneidend wie ein Rasiermesser. �Und wenn ich Sie gefunden habe.�</p><p>Der Anrufer lachte heiser. �Eine Frau mit Mumm. Das erregt mich. Vielleicht komme ich zu <emphasis>Ihnen,</emphasis> bevor die Nacht vor�ber ist. Und wenn ich <emphasis>Sie</emphasis> gefunden habe.�</p><p>Die Worte schwebten im Raum, und die Leitung war tot.</p></section><section><title><p>Kapitel 42.</p></title><p>Kardinal Mortati schwitzte in seiner schwarzen Robe. Nicht nur, weil es in der Sixtinischen Kapelle allm�hlich hei� wurde wie in einer Sauna, sondern auch, weil das Konklave in wenig mehr als zwanzig Minuten beginnen w�rde und es noch immer keine Nachricht von den vier fehlenden Kardinalen gab. Das urspr�nglich leise Gemurmel unter den anderen Kardinalen wegen ihrer Abwesenheit hatte sich in offene Besorgnis verwandelt.</p><p>Mortati wusste nicht, wo sich die Pflichtvergessenen herumtrieben. <emphasis>Vielleicht sind sie noch beim Camerlengo?</emphasis> Er wusste, dass der Camerlengo die <emphasis>vier preferiti</emphasis> traditionsgem�� am Nachmittag zum Tee geladen hatte, doch das war Stunden her. <emphasis>Sind sie vielleicht krank geworden? Haben sie etwas Verdorbenes gegessen?</emphasis> Mortati bezweifelte es. Jeder der vier w�rde selbst todkrank noch zum Konklave erscheinen. Es geschah h�chstens einmal im Leben, �blicherweise <emphasis>niemals, </emphasis>dass ein Kardinal eine Chance erhielt, zum Pontifex Maximus gew�hlt zu werden, und nach vatikanischem Gesetz musste der Kardinal anwesend sein, wenn die Wahl stattfand. Wer fehlte, war nicht w�hlbar.</p><p>Obwohl es <emphasis>vier preferiti</emphasis> gab, bestand unter den Kardinalen nur wenig Zweifel, was die Person des n�chsten Papstes anging. Im Verlauf der letzten f�nfzehn Tage hatte es eine wahre Flut von Faxen und Anrufen gegeben, in denen m�gliche Kandidaten vorgeschlagen worden waren. Wie der Brauch es wollte, hatte man aus der F�lle der Vorschl�ge vier <emphasis>preferiti</emphasis> ausgew�hlt, von denen jeder die ungeschriebenen Erfordernisse f�r das Amt des Papstes erf�llte:</p><p><emphasis>Multilingual in Italienisch, Spanisch und Englisch.</emphasis></p><p><emphasis>Keine Leichen im Keller.</emphasis></p><p><emphasis>Zwischen f�nfundsechzig und achtzig Jahren alt.</emphasis></p><p>Wie �blich hatte sich einer der vier �ber die anderen erhoben als derjenige, den das Kollegium zur Wahl vorschlagen w�rde. Heute Nacht war dieser Mann Kardinal Aldo Baggia aus Mailand. Baggias makellose Akte, verbunden mit unvergleichlichen Sprachkenntnissen und der F�higkeit, das Wesen des Christentums zu vermitteln, hatten ihn zum eindeutigen Favoriten gemacht.</p><p><emphasis>Aber wo steckt er?,</emphasis> fragte sich Mortati.</p><p>Das Fehlen der Kardinale war deswegen besonders entnervend, weil Mortati mit der Aufgabe betraut war, das Konklave zu leiten. Eine Woche zuvor war er einstimmig vom Kollegium f�r das Amt des Zeremonienmeisters bestimmt worden zum internen Leiter des Konklaves. Der Camerlengo mochte der offizielle Vertreter des Papstes w�hrend der Sedisvakanz sein, doch er war jung und wenig vertraut mit dem komplizierten Wahlvorgang. Die <emphasis>Universi Dominici Gregis </emphasis>schrieben vor, dass der Zeremonienmeister die Wahl in der Sixtinischen Kapelle zu leiten hatte.</p><p>Kardinale scherzten h�ufig, das Amt des Zeremonienmeisters sei die grausamste Ehre, die es im Christentum gebe. Der Zeremonienmeister konnte nicht als Kandidat zur Papstwahl benannt werden, und sein Amt erforderte dar�ber hinaus, dass er viele Tage vor dem Konklave �ber den <emphasis>Universi Dominici Gregis</emphasis> verbrachte, um sich mit den Einzelheiten der komplizierten Konklavenrituale vertraut zu machen und sicherzustellen, dass die Wahl ordnungsgem�� verlief.</p><p>Mortati war deswegen nicht b�se. Er wusste, dass seine Benennung nur logisch war. Nicht nur, dass er der �lteste unter den Kardinalen war, er war auch ein Vertrauter des verstorbenen Papstes gewesen, eine Tatsache, die seine Wertsch�tzung bei den anderen erh�hte. Obwohl theoretisch noch w�hlbar, war er bereits ein wenig zu alt, um als ernsthafter Kandidat zu gelten.</p><p>Mit seinen neunundsiebzig Jahren hatte er l�ngst die unausgesprochene Schwelle �berschritten, ab der das Kollegium der Gesundheit des Kandidaten ncht mehr zutraute, mit dem engen Terminplan des Papstes zurechtzukommen. Ein Papst arbeitete �blicherweise vierzehn Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche, und starb nach durchschnittlich sechs Komma drei Jahren an Ersch�pfung. Ein hsiderwitz besagte, dass die Annahme der Wahl zum Papst f�r einen Kardinal der schnellste Weg in den Himmel sei.</p><p>Mortati, so glaubten viele, h�tte in seinen j�ngeren Tagen Papst werden k�nnen, w�re er nicht so liberal gewesen. Wenn es um das Papsttum ging, galten noch immer die heiligen drei K�s: konservativ, konservativer, noch konservativer.</p><p>Mortati hatte sich insgeheim stets dar�ber am�siert, dass der verstorbene Papst, Gott hab� ihn selig, sich nach seinem Amtsantritt selbst als �berraschend liberal erwiesen hatte. Vielleicht hatte er gesp�rt, dass sich die moderne Welt von der Kirche weg entwickelte. Der Papst hatte Ann�herungsversuche unternommen, die Position der Kirche gegen�ber den Wissenschaften aufgeweicht und bestimmten wissenschaftlichen Projekten sogar finanzielle Mittel zur Verf�gung gestellt. Leider war es politischem Selbstmord gleichgekommen. Konservative Katholiken hatten den Papst f�r �senil� erkl�rt, und wissenschaftliche Kreise hatten ihn beschuldigt, den Einfluss der Kirche auf Gebiete auszuweiten, wo er nichts zu suchen habe.</p><p>�Wo stecken sie nur?�</p><p>Mortati wandte sich um.</p><p>Einer der Kardinale hatte ihm nerv�s auf die Schulter getippt. �Sie wissen, wo sie stecken, nicht wahr?�</p><p>Mortati verbarg das wahre Ausma� seiner Besorgnis. �Wahrscheinlich noch beim Camerlengo.�</p><p>�So sp�t? Das w�re h�chst ungew�hnlich.� Der Kardinal runzelte misstrauisch die Stirn. �Vielleicht hat der Camerlenge die Zeit vergessen?�</p><p>Mortati bezweifelte es ernsthaft, doch er sagte nichts. Er war sich durchaus der Tatsache bewusst, dass die meisten Kardin�le den Camerlengo nicht besonders mochten. Ihrer Meinung nach war er viel zu jung, um so nah beim Papst zu dienen. Morati vermutete, dass ein Gro�teil ihrer Abneigung aus Eifersucht herr�hrte. Er pers�nlich bewunderte den jungen Mann, und er gratulierte dem verstorbenen Papst insgeheim zur Wahl seines Camerlengo. Mortati fand sich jedes Mal best�tigt, wenn er dem Camerlengo in die Augen sah, und im Gegensatz zu vielen Kardin�len stellte er die Kirche und den Glauben vor die Politik, der junge Camerlengo war ein wahrer Mann Gottes.</p><p>Die bedingungslose Hingabe des Camerlengos war in der Vatikanstadt legend�r. Viele schrieben es dem wunderbaren Ereignis in seiner Kindheit zu. einem Ereignis, das im Herzen eines jeden Menschen bleibenden Eindruck hinterlassen h�tte. Ein wirkliches Wunder, dachte Mortati und w�nschte sich h�ufig, seine eigene Kindheit h�tte ihm ein �hnliches Erlebnis beschert, dazu angetan, unersch�tterlichen Glauben zu erwecken.</p><p>Ungl�cklicherweise und zum gro�en Pech der Kirche w�rde der junge Camerlengo, wie Mortati wusste, auch in sp�teren Jahren niemals Papst werden. Das Papsttum verlangte ein gewisses Ma� an politischer Leidenschaft, etwas, das dem jungen Camerlengo offensichtlich vollkommen fehlte. Er hatte die Angebote �seines� Papstes, ihn in h�here �mter zu bef�rdern, viele Male abgelehnt - mit der Begr�ndung, dass er es vorz�ge, der Kirche als einfacher Mann zu dienen.</p><p>�Was nun?� Der Kardinal tippte Mortati erneut ungeduldig auf die Schulter.</p><p>Mortati sah auf. �Verzeihung?�</p><p>�Sie sind zu sp�t! Was machen wir nun?�</p><p>�Was <emphasis>k�nnen</emphasis> wir machen?�, entgegnete Mortati. �Wir warten. Haben Sie Vertrauen.�</p><p>Allem Anschein nach h�chst unzufrieden �ber Mortatis Antwort zog sich der Kardinal zur�ck.</p><p>Mortati blieb noch einen Augenblick stehen, legte die Fingerspitzen an die Schl�fen und versuchte zu klarem Verstand zu kommen. <emphasis>In der Tat, was k�nnen wir tun?,</emphasis> fragte er sich. Er schaute am Altar vorbei hinauf zu Michelangelos ber�hmtem Fresko �Das J�ngste Gericht�. Das Gem�lde trug nicht dazu bei, seine Besorgnis zu mildern. Es war ein gr�ssliches, f�nfzehn Meter hohes Bild von Jesus, der die Menschen in Gut und B�se teilte und die S�nder in die H�lle verbannte, wo es geschundenes Fleisch und brennende Leiber gab. Michelangelo hatte sogar einen seiner Rivalen in der H�lle abgebildet. Guy de Maupassant hatte einst geschrieben, das Fresko s�he aus wie eine Karikatur, die ein unbegabter Kohlentr�ger gemalt h�tte.</p><p>Kardinal Mortati stimmte Maupassant insgeheim zu.</p></section><section><title><p>Kapitel 43.</p></title><p>Langdon stand am kugelsicheren Fenster des Amtszimmers und schaute hinunter auf das Gewimmel der �bertragungsfahrzeuge, die sich in einer Ecke des Petersplatzes dr�ngten. Der unheimliche Anruf hatte ihn aus der Fassung gebracht. Er f�hlte sich nicht wie er selbst.</p><p>Die Illuminati waren wie eine Schlange aus den vergessenen Tiefen der Geschichte wieder aufgetaucht und hielten nun ihren alten Feind in einer t�dlichen Umklammerung. Keinerlei Forderungen. Keine Verhandlungen. Nur Vergeltung. D�monisch einfach. Erdr�ckend. Ein Rachefeldzug, der vierhundert Jahre lang vorbereitet worden war. Es schien, als h�tte die Wissenschaft nach Jahrhunderten der Verfolgung zur�ckgeschlagen.</p><p>Der Camerlengo stand an seinem Schreibtisch und starrte mit ausdruckslosem Gesicht auf das Telefon. Olivetti brach als Erster das Schweigen. �Carlo�, sagte er und sprach den Camerlengo mit seinem Vornamen an; er klang mehr nach einem ersch�pften Freund als nach dem leitenden Offizier der Schweizergarde. �Sechsundzwanzig Jahre besch�tze ich nun dieses Amt. Heute Nacht, so scheint es, habe ich meine Ehre Verloren.�</p><p>Der Camerlengo sch�ttelte den Kopf. �Sie und ich dienen Gott auf verschiedene Weise, doch der Dienst an Gott bringt stehts nur Ehre.�</p><p>�Diese Ereignisse. ich kann mir �berhaupt nicht vorstellen, wie. diese ganz Situation. � Olivetti brach �berw�ltigt ab.</p><p>�Ihnen ist bewusst, dass uns nur eine M�glichkeit bleibt? Ich bin verantwortlich f�r die Sicherheit des Kardinalskollegiums.�</p><p>�Ich f�rchte, das war einmal meine Aufgabe.�</p><p>�Ihre M�nner werden umgehend die Evakuierung beaufsichtigen.�</p><p>�Monsignore?�</p><p>�Alles andere kommt erst sp�ter - die Suche nach diesem Beh�lter, die Suche nach den entf�hrten Kardinalen und den T�tern. Zuerst muss das Kollegium in Sicherheit gebracht werden. Das Leben dieser M�nner zu sch�tzen ist wichtiger als alles andere. Sie sind das Fundament, auf dem unsere Kirche ruht.�</p><p>�Hei�t das, Sie brechen das Konklave ab?�</p><p>�Bleibt mir eine andere Wahl?� Der junge Camerlengo seufzte und ging zum Fenster. Seine Blicke schweiften �ber das Gewirr r�mischer D�cher. �Seine Heiligkeit hat einmal zu mir Besagt, dass ein Papst ein Mann sei, der zwischen zwei Welten siehe - der wirklichen und der g�ttlichen Welt. Er wusste, dass eine Kirche, welche die Wirklichkeit ignoriert, nicht lange Genug bestehen w�rde, um den Himmel zu erleben.� Seine Stimme klang weise trotz seiner Jugend. �Heute Nacht hat uns die Wirklichkeit in den F�ngen. Es w�re dumm und eitel, dies zu ignorieren. Der Stolz darf nicht die Vernunft �berschatten.�</p><p>Olivetti nickte beeindruckt. �Ich habe Sie untersch�tzt, Monsignore.�</p><p>Der Camerlengo schien es nicht zu h�ren. Er stand am Fenster und blickte in die Ferne.</p><p>�Ich m�chte offen reden, Monsignore. Die Wirklichkeit ist <emphasis>meine</emphasis> Welt. Ich tauche Tag f�r Tag in ihre Abgr�nde ein, damit andere ungehindert nach etwas Gr��erem, Reinerem suchen k�nnen. H�ren Sie auf meinen Rat in dieser Situation. Ich bin daf�r ausgebildet. Ihre Instinkte, so nobel sie auch sein m�gen. k�nnten zu einer Katastrophe f�hren.�</p><p>Der Camerlengo wandte sich um.</p><p>Olivetti seufzte. �Die Evakuierung cfes Kardinalskollegiums aus der Sixtinischen Kapelle. etwas Schlimmeres k�nnten Sie in dieser Situation gar nicht tun.�</p><p>Der Camerlengo reagierte nicht ungehalten, sondern verwirrt. �Was schlagen Sie vor?�</p><p>�Sagen Sie nichts zu den Kardinalen. Versiegeln Sie das Konklave. Damit gewinnen wir Zeit, �ber andere M�glichkeiten nachzudenken.�</p><p>Der Camerlengo schien zu z�gern. �Wollen Sie andeuten, dass ich das gesamte Kollegium der Kardinale auf einer Zeitbombe einsperren soll?�</p><p>�Ja, Monsignore. F�r den Augenblick. Wenn es n�tig werden sollte, k�nnen wir die Evakuierung zu einem sp�teren Zeitpunkt immer noch angehen.�</p><p>Der Camerlengo sch�ttelte den Kopf. �Die Zeremonie zu verschieben, bevor sie angefangen hat, ist allein schon Anlass genug f�r eine Untersuchung. Doch wenn die T�ren erst geschlossen sind, darf nichts mehr das Konklave st�ren. Die <emphasis>UniversiDominici Gregis</emphasis> schreiben vor.�</p><p>�Die <emphasis>reale</emphasis> Welt, Monsignore. Heute Nacht sind wir in der realen Welt. H�ren Sie zu.� Olivetti redete nun im effizienten Tonfall des Feldoffiziers. �Es w�re unverantwortlich, mit hundertf�nfundsechzig unvorbereiteten, schutzlosen Kardin�len nach Rom zu marschieren. Es w�rde f�r Verwirrung und Panik sorgen, und einige der Kardinale sind sehr alte M�nner. Offen gestanden, ein t�dlicher Schlaganfall in diesem Monat ist genug.�</p><p><emphasis>Ein t�dlicher Schlaganfall.</emphasis> Die Worte des Kommandanten riefen Langdons Erinnerung an die Schlagzeile wach, die er hei in Mittagessen mit ein paar Studenten in der Mensa von Harvard gelesen hatte:</p><p>PAPST ERLEIDET SCHLAGANFALL UND STIRBT IM SCHLAF.</p><p>�Au�erdem.�, sagte Olivetti, �haben wir die Kapelle Meter f�r Meter nach Wanzen und anderen elektronischen Ger�ten abgesucht. Sie ist sauber, ein sicherer Hafen, und ich bin zuversichtlich, dass die Antimaterie nicht dort drin versteckt wurde. Es gibt im Augenblick keinen Ort, der sicherer f�r die Kardinale w�re. �ber eine Notevakuierung k�nnen wir immer noch reden, wenn es keine andere M�glichkeit mehr gibt.�</p><p>Langdon war beeindruckt. Olivettis messerscharfe Logik erinnerte ihn an Maximilian Kohler.</p><p>�Herr Oberst�, sagte Vittoria mit nerv�ser Stimme. �Es gibt noch mehr zu bedenken. Bisher hat niemand eine derart gro�e Menge Antimaterie hergestellt. Ich kann nur sch�tzen, wie stark die Explosion sein wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird auch die Umgebung in Mitleidenschaft gezogen. Falls der Beh�lter irgendwo unter der Erde oder in einem der zentralen Geb�ude versteckt wurde, m�gen die Auswirkungen auf die umliegende Stadt vor den Mauern minimal sein, aber falls er sich in der N�he der Mauern befindet. beispielsweise in diesem Geb�ude hier.� Sie blickte vielsagend hinaus zu der Menschenmenge auf dem Petersplatz.</p><p>�Ich bin mir meiner Verantwortung gegen�ber der Welt dort drau�en durchaus bewusst�, entgegnete Olivetti. �Es macht die Situation nicht ernster, als sie ohnehin schon ist. Der Schutz der Vatikanstadt ist seit mehr als zwei Jahrzehnten meine Aufgabe, und ich habe nicht die Absicht, diese Bombe detonieren zu lassen.�</p><p>Camerlengo Ventresca blickte auf. �Sie glauben, Sie k�nnen diesen Beh�lter finden?�</p><p>�Ich m�chte zuerst mit einigen meiner Spezialisten �ber unsere Optionen sprechen. Es besteht vielleicht eine M�glichkeit, wenn wir die Stromversorgung von Vatikanstadt ausschalten und das Hintergrundrauschen eliminieren, sodass wir das magnetische Feld des Beh�lters orten k�nnen.�</p><p>Vittoria blickte den Oberst �berrascht an. �Sie wollen die Vatikanstadt vom Stromnetz trennen?�, fragte sie beeindruckt.</p><p>�M�glicherweise, ja. Ich wei� nicht, ob es sich verwirklichen l�sst, doch es ist eine Option, die ich durchspielen m�chte.�</p><p>�Die Kardinale w�rden sich bestimmt fragen, was passiert ist�, sagte Vittoria.</p><p>Olivetti sch�ttelte den Kopf. �Das Konklave findet bei Kerzenlicht statt. Die Kardinale merken �berhaupt nichts davon. Nachdem die Kapelle verschlossen ist, k�nnte ich die meisten Gardisten abziehen und eine Suche starten. Hundert M�nner k�nnen in f�nf Stunden eine Menge erreichen.�</p><p>�Vier Stunden�, verbesserte ihn Vittoria. �Ich muss den Beh�lter nach CERN zur�ckbringen. Die Detonation ist unvermeidlich, wenn ich die Batterien nicht nachladen kann.�</p><p>�Es gibt keine M�glichkeit, sie hier nachzuladen?�</p><p>Vittoria sch�ttelte den Kopf. �Das Interface ist �u�erst komplex. Ich h�tte es mitgebracht, h�tte ich eine M�glichkeit gesehen.�</p><p>�Also gut, dann eben <emphasis>vier</emphasis> Stunden�, sagte Olivetti. �Immer noch jede Menge Zeit. Panik hilft niemandem weiter. Monsignore, noch zehn Minuten. Gehen Sie zur Kapelle und verschlie�en Sie die T�ren. Lassen Sie meinen Leuten ein wenig Zeit, ihre Arbeit zu erledigen. Wenn der kritische Zeitpunkt n�her r�ckt, zerbrechen wir uns den Kopf �ber kritische Entscheidungen.�</p><p>Langdon fragte sich, ab wann der kritische Zeitpunkt f�r Olivetti nah genug war.</p><p>� Aber. das Kollegium wird wegen der vier <emphasis>preferiti </emphasis>nachfragen�, warf der Camerlengo ein. �Besonders wegen Baggia. sie werden wissen wollen, wo die vier Kardinale stecken.�</p><p>�Dann denken Sie sich etwas aus, Monsignore. Erz�hlen Sie dem Kollegium, Sie h�tten den vier Kardinalen etwas zum Tee serviert, das ihnen nicht bekommen ist.�</p><p>�Ich soll mich vor den Altar der Sixtinischen Kapelle stellen und das Kardinalskollegium <emphasis>bel�gen?�,</emphasis> erwiderte der Camerlengo fassungslos.</p><p>�Um ihrer eigenen Sicherheit willen, Monsignore. <emphasis>Una bugia veniale.</emphasis> Eine Notl�ge. Ihre Aufgabe ist es, den Frieden zu erhalten.� Olivetti wandte sich zur T�r. �Wenn Sie mich nun entschuldigen w�rden, ich muss Vorbereitungen treffen.�</p><p>�Oberst Olivetti!�, dr�ngte der Camerlengo. �Wir d�rfen die verschwundenen Kardin�le nicht einfach aufgeben!�</p><p>Olivetti stand bereits in der T�r. �Auf Baggia und die anderen haben wir derzeit keinen Einfluss. Wir m�ssen sie gehen lassen</p><p>- um des Ganzen willen. Das Milit�r nennt so etwas Triage.�</p><p>�Sie meinen, wir sollen die Kardinale <emphasis>aufgeben�?�</emphasis></p><p>Olivettis Stimme klang gepresst. �Wenn es irgendeinen Weg g�be, Monsignore. irgendeinen Weg, um sie zu finden, ich w�rde mein Leben daf�r opfern. Doch.�Er deutete auf die Fenster, vor denen die Abendsonne auf einem endlosen Meer r�mischer D�cher glitzerte. �Eine Stadt mit f�nf Millionen Einwohnern zu durchsuchen, liegt au�erhalb meiner Macht. Ich werde keine wertvolle Zeit damit verschwenden, mein Gewissen mit einer vergeblichen Anstrengung zu beruhigen. Es tut nur Leid, Monsignore.�</p><p>�Aber. wenn es uns gel�nge, den M�rder zu fassen -k�nnten Sie ihn zum Reden bringen?�, meldete sich Vittoria �berraschend zu Wort.</p><p>Olivetti verzog das Gesicht. �Soldaten k�nnen sich nicht leisten, Heilige zu sein, Signorina Vetra. Glauben Sie mir, ich bin genauso begierig darauf wie Sie, diesen Mann zu fassen.�</p><p>�Es ist nicht nur pers�nlich�, entgegnete Vittoria. �Der M�rder wei�, wo die Antimaterie versteckt ist. und die verschwundenen Kardinale. Wenn es uns irgendwie gel�nge, ihn ausfindig zu machen.�</p><p>�Was denn, Sie wollen ihnen in die H�nde spielen?�, unterbrach Olivetti sie. �Glauben Sie mir, die Illuminati <emphasis>warten </emphasis>nur darauf, dass wir s�mtliche Gardisten aus der Vatikanstadt abziehen, um Hunderte von Kirchen zu durchsuchen und unsere Kr�fte und kostbare Zeit zu verschwenden - oder schlimmer noch, die Vatikanbank ohne jeden Schutz zur�cklassen. Ganz zu schweigen von den Kardinalen in der Sixtinischen Kapelle.�</p><p>Das Argument war berechtigt.</p><p>�Was ist mit der r�mischen Polizei?�, fragte der Camerlengo. �Wir k�nnten sie um Verst�rkung bitten. Die Polizei k�nnte uns helfen, den Entf�hrer der Kardinale zu finden.�</p><p>�Noch ein Fehler�, sagte Olivetti. �Sie wissen, wie die r�mischen Carabinieri �ber uns denken. Sie w�rden uns ein paar M�nner zur Seite stellen und halbherzig helfen, und als Gegenleistung w�rden sie die Medien �ber unsere Krise informieren wollen. Genau das, was unsere Feinde erwarten. Wie die Sache aussieht, m�ssen wir uns fr�h genug mit den Medien auseinander setzen.�</p><p>Langdon erinnerte sich an die Worte des M�rders. <emphasis>Ich werde Ihre Kardinale zu Lichtgestalten f�r die Medien machen. Ihre vier Kardinale werden sterben, jede Stunde einer, beginnend um acht Uhr. Die Medien werden sich freuen.</emphasis></p><p>�Herr Oberst, wir k�nnen nicht guten Gewissens <emphasis>�berhaupt nichts</emphasis> unternehmen, um die vier Kardinale zu retten!� Der Camerlengo klang �rgerlich.</p><p>Olivetti schaute ihm in die Augen. �Sie erinnern sich an das Gebet des heiligen Franziskus, Monsignore?�</p><p>Der junge Geistliche sprach den Vers mit sichtlicher Qual: �Herr, gib mir die Kraft, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht �ndern kann.�</p><p>�Glauben Sie mir, Monsignore�, sagte Olivetti, �die Entf�hrung der vier Kardinale geh�rt zu diesen Dingen.� Mit diesen Worten verlie� er den Raum.</p></section><section><title><p>Kapitel 44.</p></title><p>Im Zentralb�ro der British Broadcasting Corporation in London, westlich vom Piccadilly Circus, klingelte das Telefon. Eine junge Redakteurin nahm den Anruf entgegen.</p><p>�BBC�, sagte sie und dr�ckte ihre Dunhill in einem Aschenbecher aus.</p><p>Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang rau und besa� einen arabischen Akzent. �Ich habe eine Story, die Ihren Sender interessieren d�rfte.�</p><p>Die Redakteurin z�ckte einen Stift und nahm einen Block zur Hand. �Worum geht es?�</p><p>�Die Papstwahl in Rom.�</p><p>Sie runzelte die Stirn. BBC hatte erst am Vortag einen Bericht �ber die bevorstehende Wahl gebracht - mit katastrophalen Zuschauerzahlen. Die �ffentlichkeit, so schien es, interessierte sich herzlich wenig f�r das Geschehen in der Vatikanstadt. �Und was genau?�</p><p>�Haben Sie einen Korrespondenten in Rom?�</p><p>�Ich glaube ja.�</p><p>�Ich muss direkt mit ihm reden.�</p><p>�Es tut mir Leid, aber ohne n�here Einzelheiten kann ich Ihnen die Nummer nicht geben.�</p><p>�Das Konklave befindet sich in ernster Gefahr. Mehr kann ich Ihnen nicht verraten.�</p><p>Die Redakteurin machte sich eine Notiz. �Ihr Name?�</p><p>�Tut nichts zur Sache.�</p><p>Das war nicht weiter �berraschend. �Haben Sie Beweise f�r Ihre Behauptung?�</p><p>�Die habe ich.�</p><p>�Ich w�rde die Information gerne weiterverfolgen, aber es widerspricht der Politik unseres Hauses, die Telefonnummern unserer Reporter bekannt zu geben, es sei denn.�</p><p>�Ich verstehe. Ich werde bei einem anderen Sender anrufen. Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geopfert haben.�</p><p>�Einen Augenblick bitte!�, sagte die Redakteurin. �K�nnen Sie in der Leitung bleiben?�</p><p>Sie legte den Anrufer in eine Warteschleife und massierte sich den Hals. Die Kunst, potenzielle Irre abzuwimmeln, war keineswegs eine exakte Wissenschaft, doch dieser Fremde hatte soeben die beiden grundlegenden Tests der BBC auf Authentizit�t eines Anrufs bestanden. Er hatte sich geweigert, seinen Namen zu nennen, und er war begierig, das Gespr�ch wieder zu beenden. Irre und Sensationsj�ger fingen in der Regel an zu jammern und zu flehen.</p><p>Zu ihrem Gl�ck lebten Reporter in der st�ndigen Furcht, die gro�e Story zu verpassen; deswegen akzeptierten es die Korrespondenten �blicherweise, wenn der eine oder andere wahnsinnige Psychopath unter den Informanten war. Eine Story zu verpassen, w�re unentschuldbar gewesen.</p><p>G�hnend starrte die Redakteurin auf den Bildschirm und tippte den Suchbegriff �Vatikanstadt� ein. Als sie den Namen des Reporters sah, der �ber die Papstwahl berichten sollte, kicherte sie vor sich hin. Er war ein neuer Kollege, den die BBC von irgendeinem schrillen Londoner Klatschblatt abgeworben hatte; seine Aufgabe bestand darin, �ber die profaneren Dinge zu berichten. Der Chefredakteur hatte ihn offensichtlich ganz unten auf der Leiter postiert.</p><p>Er langweilte sich wahrscheinlich zu Tode, w�hrend er die ganze Nacht auf seine Gelegenheit wartete, einen Zehn-Sekunden-Bericht aufzuzeichnen. Wahrscheinlich war er dankbar f�r ein wenig Abwechslung.</p><p>Die Redakteurin notierte die Mobiltelefonnummer des</p><p>Korrespondenten. Dann, nachdem sie sich eine weitere Dunhill angesteckt hatte, befreite sie den Anrufer aus der Warteschlange und nannte ihm die gew�nschte Information.</p></section><section><title><p>Kapitel 45.</p></title><p>Es wird nicht funktionieren!�, sagte Vittoria und ging im Amtszimmer nerv�s auf und ab. Schlie�lich wandte sie sich zum Camerlengo um. �Selbst wenn es einem Team der Schweizergarde gelingen sollte, die elektronischen St�rungen herauszufiltern, m�ssten die Leute praktisch genau �ber dem Beh�lter stehen, bevor sie ein Signal erhalten. Und das hei�t immer noch nicht, dass wir den Beh�lter ohne Weiteres bergen k�nnen. Vielleicht ist er durch andere Barrieren unzug�nglich. Was, wenn er in einer Metallkiste irgendwo auf dem Gel�nde vergraben ist? Oder in einem Bel�ftungsschacht versteckt wurde? Dann finden wir ihn ganz bestimmt nicht. Und wenn die Schweizergarde tats�chlich infiltriert wurde, was dann? Wer garantiert uns, dass die Suche einwandfrei verl�uft?�</p><p>Der Camerlengo sah ersch�pft aus. �Was schlagen Sie vor, Signorina Vetra?�</p><p><emphasis>Ist das nicht offensichtlich?</emphasis> Vittoria err�tete. �Ich schlage vor, Monsignore, dass Sie unverz�glich andere Vorsichtsma�nahmen ergreifen. Wir k�nnen wider alle Wahrscheinlichkeit hoffen, dass die Suche des Obersten erfolgreich verl�uft, aber schauen Sie doch aus dem Fenster! Sehen Sie diese Menschen? Diese Geb�ude auf der anderen Seite des Platzes? Die �bertragungswagen? Die Touristen? Sie alle befinden sich wahrscheinlich innerhalb des Explosionsradius. Sie <emphasis>m�ssen</emphasis> handeln, Monsignore, auf der Stelle!�</p><p>Der Camerlengo nickte abwesend.</p><p>Vittoria versp�rte Frustration. Olivetti hatte jeden �berzeugt, dass mehr als reichlich Zeit blieb. Doch Vittoria wusste, dass sich das gesamte Gebiet um die Vatikanstadt herum binnen weniger Minuten mit Schaulustigen f�llen w�rde, sobald die</p><p>Nachricht von den Schwierigkeiten nach au�en drang. Sie hatte dieses Ph�nomen vor dem Schweizer Parlamentsgeb�ude erlebt. W�hrend einer Geiselnahme hatten sich Tausende von Schaulustigen eingefunden, um das Geschehen zu beobachten, und das, obwohl die Geiselnehmer gedroht hatten, eine Bombe zu z�nden. Trotz aller Warnungen der Polizei hatte sich die Traube aus Neugierigen dichter und dichter um das Geb�ude gedr�ngt. Nichts fesselt menschliches Interesse so sehr wie menschliche Trag�dien.</p><p>�Monsignore�, dr�ngte Vittoria, �der Mann, der meinen Vater ermordet hat, treibt sich irgendwo dort drau�en herum. Ich will ihn stellen! Doch ich stehe hier in Ihrem B�ro. weil ich Ihnen gegen�ber eine Verantwortung f�hle. Ihnen gegen�ber und anderen. Menschenleben sind in Gefahr, Monsignore. Verstehen Sie?�</p><p>Der Camerlengo antwortete nicht.</p><p>Vittoria sp�rte ihren eigenen rasenden Herzschlag. <emphasis>Warum konnte die Schweizergarde diesen verdammten Anrufer nicht zur�ckverfolgen? Der Assassine der Illuminati ist der Schl�ssel zu allem! Er wei�, wo die Antimaterie versteckt ist</emphasis>... <emphasis>verdammt, er wei� auch, wo die Kardinale sind! Fang den M�rder, und alle Probleme sind gel�st!</emphasis></p><p>Sie sp�rte, dass sie allm�hlich die Fassung zu verlieren drohte</p><p>- ein merkw�rdiges Gef�hl, an das sie sich nur noch schwach aus Kindertagen erinnerte, aus den Jahren im Waisenhaus: Frustration und keine M�glichkeit, damit fertig zu werden. <emphasis>Du hast M�glichkeiten,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Du hast immer M�glichkeiten.</emphasis> Doch es war sinnlos. Ihre Gedanken drehten sich im Kreis, drohten sie zu ersticken. Sie war eine Forscherin, darauf spezialisiert, Probleme zu l�sen. Doch dies hier war ein Problem ohne L�sung. <emphasis>Welche Informationen sind n�tig? Was willst du erreichen?</emphasis> Sie versuchte sich zu zwingen, ruhiger zu atmen, doch zum ersten Mal in ihrem Leben gelang es ihr nicht. Sie bekam keine Luft mehr.</p><p>Langdon schmerzte der Kopf. Alles erschien ihm unwirklich, als er Vittoria und den Camerlengo beobachtete - doch seine Sicht war verschwommen und durchsetzt von schlimmen Bildern: Explosionen, ausschw�rmenden Journalisten, laufenden Kameras, gebrandmarkten Leichen.</p><p>Shaitan. Luzifer. Lichtbringer. Satan.</p><p>Er sch�ttelte die Bilder ab. <emphasis>Vors�tzlicher Terror,</emphasis> sagte er sich und griff nach dem Strohhalm der Realit�t. <emphasis>Geplantes Chaos.</emphasis> Er erinnerte sich an ein Seminar in der Radcliffe, das er anl�sslich eines Forschungsprojekts �ber pr�torianische Symbolologie geh�rt hatte. Damals hatte er gelernt, Terroristen mit anderen Augen zu sehen.</p><p>�Terrorismus�, hatte der Dozent gesagt, �verfolgt ein einziges Ziel. Welches?�</p><p>�Unschuldige Menschen zu t�ten?�, hatte ein Student geantwortet.</p><p>�Falsch. Tote sind lediglich ein Nebenprodukt des Terrorismus.�</p><p>�Eine Demonstration von Macht?�</p><p>�Nein. Es gibt nichts, das weniger �berzeugend wirkt.�</p><p>�Angst und Schrecken zu verbreiten?�</p><p>�Mit knappen Worten: ja. Ganz einfach. Das Ziel von Terrorismus besteht darin, Furcht und Schrecken zu verbreiten. Furcht unterminiert das Vertrauen in die Gesellschaft. Sie schw�cht den Gegner von innen heraus und verursacht Unruhe bei den Massen. Schreiben Sie sich das auf. Terrorismus ist kein Ausdruck von Wut. Terrorismus ist eine politische Waffe. Nimm einer Regierung die Fassade der Unfehlbarkeit, und du zerst�rst ihr Vertrauen bei den Menschen.�</p><p>Vertrauen zerst�ren.</p><p><emphasis>Ist es das, worum es hier geht?</emphasis> Langdon fragte sich, wie die Christen der.ganzen Welt reagierten, w�rden die verst�mmelten</p><p>Leichen der Kardinale gefunden. Wenn schon der Glaube eines geweihten Priesters nicht vor dem satanischen B�sen sch�tzte, welche Hoffnung gab es dann f�r den Rest der Christenheit? Die pochenden Schmerzen in seinem Kopf wurden schlimmer. er h�rte leise, widerstreitende Stimmen:</p><p><emphasis>Glaube sch�tzt dich nicht. Medizin und Airbags</emphasis>... <emphasis>das sind die Dinge, die dein Leben sch�tzen. Gott sch�tzt dich nicht</emphasis>... <emphasis>Intelligenz sch�tzt dich. Erleuchtung. Vertrau auf etwas, das sichtbare Ergebnisse vorzuweisen hat. Wie lange ist es her, dass jemand �ber Wasser gelaufen ist? Die modernen Wunder sind Wunder der Wissenschaft</emphasis>... <emphasis>Computer, Impfstoffe, Raumstationen</emphasis>... <emphasis>selbst das �g�ttliche� Wunder der Sch�pfung, Materie aus Nichts</emphasis>... <emphasis>in einem Laboratorium. Wer braucht Gott? Nein, die Wissenschaft ist unser Gott!</emphasis></p><p>Die Stimme des M�rders hallte in Langdons Verstand: <emphasis>Mitternacht</emphasis>... <emphasis>eine mathematische Progression des Todes</emphasis>... <emphasis>sacrfici vergini nell� altare di scienza.</emphasis></p><p>Dann pl�tzlich, wie eine Menge, die beim ersten Pistolenschuss verstummt, waren die Stimmen verschwunden. Robert Langdon sprang auf wie von einer Tarantel gestochen. Sein Stuhl kippte nach hinten um und fiel krachend auf den Marmorboden.</p><p>Vittoria und der Camerlengo zuckten zusammen.</p><p>�Ich habe es die ganze Zeit �bersehen!�, fl�sterte Langdon wie gebannt. �Und dabei hat es mir ins Gesicht gelacht.�</p><p>�Was �bersehen?�, fragte Vittoria.</p><p>Langdon wandte sich an den Geistlichen. �Vater, seit drei Jahren habe ich dieses B�ro immer wieder um Zugang zu den Vatikanischen Archiven gebeten. Ich habe sieben ablehnende Bescheide erhalten.�</p><p>�Es tut mir Leid, Mr. Langdon, doch es scheint mir kaum der geeignete Augenblick, um derartige Beschwerden vorzubringen.� �Ich ben�tige augenblicklich Zugang! Die verschwundenen Kardinale - m�glicherweise kann ich herausfinden, wo sie ermordet werden sollen.�</p><p>Vittoria starrte ihn an, als w�re sie sicher, sich verh�rt zu haben.</p><p>Der Camerlengo blickte traurig drein, als w�re er die Zielscheibe eines schlechten Witzes. �Sie erwarten allen Ernstes von mir, dass ich glaube, die Information bef�nde sich in unseren Archiven?�</p><p>�Ich kann nicht versprechen, dass ich sie rechtzeitig finde, aber wenn Sie mir Zugang gew�hren.�</p><p>�Mr. Langdon, ich muss in vier Minuten in die Sixtinische Kapelle. Die Archive sind �ber ganz Vatikanstadt verteilt.�</p><p>�Das ist nicht Ihr Ernst, oder?�, unterbrach Vittoria. Sie starrte Langdon an und erkannte �berrascht, wie ernst es ihm tats�chlich war.</p><p>�Jetzt ist kaum die Zeit f�r Witze�, entgegnete Langdon.</p><p>�Vater�, sagte Vittoria und wandte sich zum Camerlengo um, �falls es eine Chance gibt. irgendeine Chance herauszufinden, wo diese Morde ver�bt werden sollen, k�nnten wir.�</p><p>�Aber die Archive!�, beharrte der Camerlengo. �Wie k�nnten die Archive die ben�tigten Informationen enthalten?�</p><p>�Das zu erkl�ren w�rde mehr Zeit in Anspruch nehmen, als Sie haben, Monsignore. Doch wenn ich Recht behalte, k�nnten wir die Informationen nutzen, um den Assassinen zu stellen.�</p><p>Der Camerlengo sah aus, als h�tte er Langdon gerne geglaubt, k�nne es aber nicht. �In diesen Archiven werden die heiligsten christlichen Texte aufbewahrt. Sch�tze, die zu sehen nicht einmal ich privilegiert bin.�</p><p>�Dessen bin ich mir durchaus bewusst.�</p><p>- 209 �Der Zutritt ist nur mit einer schriftlichen Genehmigung des Kurators und des Vorstands der Vatikanischen Bibliothek</p><p>m�glich.�</p><p>�Oder�, erkl�rte Langdon, �mit einem p�pstlichen Mandat. So steht es zumindest in jedem Ablehnungsschreiben, das ich von Ihrem Kuratorium erhalten habe.�</p><p>Der Camerlengo nickte.</p><p>�Ich m�chte nicht unh�flich erscheinen�, dr�ngte Langdon, �aber wenn ich nicht sehr irre, ist genau dieses B�ro hier f�r die Ausstellung p�pstlicher Mandate zust�ndig. Und soweit ich es beurteilen kann, sind Sie heute Abend derjenige, der die Gesch�fte des Vatikans f�hrt. Angesichts der Umst�nde.�</p><p>Der Camerlengo zog eine Taschenuhr aus seiner Soutane und warf einen Blick darauf. �Mr. Langdon, ich bin bereit, heute Nacht mein Leben zu geben, buchst�blich, um die Kirche zu retten.�</p><p>Langdon sp�rte, dass der junge Priester aus tiefster �berzeugung sprach.</p><p>�Dieses Dokument.�, fuhr der Camerlengo fort. �Glauben Sie wirklich, dass es in unseren Archiven ruht? Und dass es helfen kann, die vier Kirchen zu finden, in denen die Kardinale ermordet werden sollen?�</p><p>�Ich h�tte nicht zahllose Eingaben um Zutritt an den Vatikan gerichtet, w�re ich nicht davon �berzeugt. Italien liegt ein wenig weit vom Schuss, um ins Blaue zu raten, wenn man das Gehalt eines Lehrers bezieht. Das Dokument in Ihren Archiven ist ein altes.�</p><p>�Bitte entschuldigen Sie�, unterbrach ihn der Camerlengo. �Mein Verstand kann momentan nicht noch mehr Einzelheiten aufnehmen. Wissen Sie, wo sich die Geheimarchive befinden?�</p><p>Langdon sp�rte, wie Aufregung von ihm Besitz ergriff. �Direkt hinter dem Tor von Sankt Anna.�</p><p>�Beeindruckend. Die meisten Gelehrten glauben, dass die</p><p>Geheimt�r hinter dem Apostolischen Stuhl in die Archive</p><p>f�hrt.�</p><p>�Nein. Dort geht es nur zum <emphasis>Archivio della Referenda di Fabbricia di San Pietro.</emphasis> Ein weit verbreiteter Irrtum.�</p><p>�F�r gew�hnlich begleitet ein Bibliothekar jeden Besucher des Archivs, ohne Ausnahme. Allerdings ist heute Abend niemand da, der Sie begleiten k�nnte. Was Sie verlangen, Mr. Langdon, ist ein Freibrief auf unbeschr�nkten Zugriff. Nicht einmal die Kardinale besitzen dieses Recht.�</p><p>�Ich werde Ihre Sch�tze mit dem gr��ten Respekt und der gr��tm�glichen Sorgfalt behandeln. Ihre Bibliothekare werden nicht eine Spur meiner Anwesenheit finden.�</p><p>Die Glocken des Petersdoms begannen zu l�uten. Der Camerlengo warf einen letzten Blick auf seine Taschenuhr. �Ich muss gehen.� Er z�gerte einen angespannten Augenblick, dann blickte er zu Langdon auf. �Also gut. Ich werde einen Hellebardier der Schweizergarde beauftragen, Sie zum Archiv zu begleiten. Ich schenke Ihnen mein Vertrauen, Mr. Langdon. Gehen Sie mit Gott.�</p><p>Langdon war sprachlos.</p><p>Der junge Geistliche schien von einem unheimlichen Selbstbewusstsein erf�llt. Er streckte die Hand aus und dr�ckte Langdons Schulter mit �berraschender Kraft. �Ich m�chte, dass Sie finden, wonach Sie suchen. Und finden Sie es schnell.�</p></section><section><title><p>Kapitel 46.</p></title><p>Langdon stapfte entschlossen �ber die verlassene Via della Fondamenta in Richtung der Geheimarchive auf der anderen Seite des Borgiahofs, in denen mehr als zwanzigtausend alte B�cher lagerten und den Ger�chten zufolge unbezahlbare Sch�tze wie die verlorenen Tageb�cher Leonardo da Vincis und sogar unver�ffentlichte Teile der Bibel enthielten. Sein Verstand hatte noch nicht verdaut, dass der Camerlengo ihm tats�chlich Zutritt gew�hrte.</p><p>Vittoria ging neben ihm. Sie hielt sein Tempo m�helos mit. Ihr Haar flatterte im Wind und roch nach Mandeln. Langdon sp�rte, wie seine Gedanken abzuschweifen drohten, und beschleunigte seine Schritte.</p><p>�Wollen Sie mir nicht verraten, wonach wir suchen?�, fragte Vittoria.</p><p>�Nach einem kleinen Buch, das ein gewisser Galileo geschrieben hat.�</p><p>�Sie geben sich nicht mit Kleinigkeiten zufrieden, wie? Was steht drin?�</p><p>�Angeblich etwas, das man <emphasis>Usegno</emphasis> nennt.�</p><p>�Das Zeichen?�</p><p>�Zeichen, Hinweis, Signal. kommt darauf an, wie man es �bersetzt.�</p><p>�Hinweis worauf?�</p><p>Langdon ging noch schneller. �Auf einen geheimen Ort. Galileos Illuminati mussten sich vor den H�schern des Vatikans sch�tzen, daher schufen sie einen geheimen Treffpunkt hier in Rom. Sie nannten ihn Kirche der Illumination.�</p><p>�Ziemlich vollmundig, einen satanistischen Unterschlupf</p><p>Kirche zu nennen.�</p><p>Langdon sch�ttelte den Kopf. �Galileos Illuminati w�ren mitnichten satanistisch. Sie waren Wissenschaftler, die nach Erleuchtung strebten. Dieser Treffpunkt war nicht mehr, als der Name sagt - ein Ort, an dem sie sich ungef�hrdet treffen und �ber Themen diskutieren konnten, die der Vatikan f�r tabu erkl�rt hatte. Wir wissen zwar, dass der geheime Treffpunkt existiert hat, doch bis zum heutigen Tag hat ihn niemand gefunden.�</p><p>�Also wussten die Illuminati, wie man ein Geheimnis bewahrt.�</p><p>�Absolut. Tats�chlich hat niemals jemand au�erhalb ihrer</p><p>Bruderschaft erfahren, wo dieser Treffpunkt liegt. Die Geheimhaltung war ihr gr��ter Schutz und zugleich ein ziemliches Problem, wenn es darum ging, neue Mitglieder anzuwerben.�</p><p>�Die Illuminati konnten nicht wachsen, wenn niemand zu ihnen fand.�</p><p>�Richtig. Die Neuigkeiten von Galileos geheimer Bruderschaft begannen sich um 1630 herum zu verbreiten, und Wissenschaftler aus der ganzen Welt brachen zu Wallfahrten nach Rom auf - in der heimlichen Hoffnung, die Illuminati zu finden und ihnen beizutreten. Jeder war begierig darauf, einen Blick durch Galileos Teleskop zu werfen und einen Vortrag des Meisters zu h�ren. Ungl�cklicherweise jedoch wussten die Wissenschaftler nicht, wohin sie gehen sollten, nachdem sie erst einmal in Rom waren. Sie kannten den Treffpunkt nicht und konnten niemanden gefahrlos danach fragen. Die Illuminati wollten neue Mitglieder, doch sie durften die Geheimhaltung nicht gef�hrden, indem sie ihren Aufenthaltsort verrieten.�</p><p>Vittoria runzelte die Stirn. �Klingt nach einer <emphasis>situazione senza soluzione.�</emphasis></p><p>�Genau. Eine Zwickm�hle.�</p><p>�Und was haben sie getan?�</p><p>�Sie waren Wissenschaftler. Sie analysierten das Problem und landen eine L�sung. Eine brillante L�sung. Die Illuminati schufen eine Art Karte, die Wissenschaftlern den Weg zu ihrem Treffpunkt verriet.�</p><p>Vittoria blickte Langdon skeptisch an und verlangsamte ihre Schritte. �Eine Karte? Das klingt aber ziemlich unvorsichtig. Wenn sie in die falschen H�nde gefallen w�re.�</p><p>�Konnte sie nicht�, sagte Langdon. �Es gab keine Kopien davon. Es war nicht die Art von Karte, die man auf Papier zeichnet. Diese Karte war gigantisch. Eine leuchtende Spur hoch oben am Himmel, direkt �ber der Stadt.�</p><p>Vittoria wurde noch langsamer. �Was denn, vielleicht Markierungen auf dem B�rgersteig oder an H�usern?�</p><p>�In gewisser Hinsicht - ja. Aber sehr viel subtiler. Die Karte bestand aus einer Reihe sorgf�ltig getarnter symbolischer Markierungen, die �berall in der Stadt auf �ffentlichen Pl�tzen standen. Ein Hinweis f�hrte zum n�chsten. und wieder zum n�chsten. Es war eine Spur, an deren Ende der Treffpunkt der Illuminati lag.�</p><p>Vittoria be�ugte ihn misstrauisch. �Klingt nach einer Schnitzeljagd, wenn Sie mich fragen.�</p><p>Langdon kicherte. �In gewisser Hinsicht war es das auch. Die Illuminati nannten ihre F�hrte den&gt;Weg der Erleuchtungc. Jeder, der zur Bruderschaft wollte, musste diesem Weg bis zum Ende folgen. Es war zugleich eine Art Probe.�</p><p>�Aber wenn der Vatikan nach den Illuminati gesucht hat�, warf Vittoria ein, �warum ist er dann nicht einfach dieser F�hrte gefolgt?�</p><p>�Weil es eine verborgene F�hrte war. Ein Puzzle, auf eine Weise konstruiert, dass nur wenige Leute in der Lage waren, die Markierungen aufzusp�ren und herauszufinden, wo sich die</p><p>Kirche der Illumination verbarg. Die Illuminati hatten es so geplant. Die F�hrte war nicht nur eine Sicherheitsma�nahme gegen den Vatikan, sondern auch ein Auswahlprozess, eine Art Initiierung, die sicherstellen sollte, dass nur die kl�gsten K�pfe vor ihrer T�r eintrafen.�</p><p>�Ich verstehe das nicht. Der Klerus des siebzehnten Jahrhunderts war die geistige Elite der damaligen Welt. Wenn diese Zeichen an �ffentlichen Orten angebracht waren, h�tte doch jemand im Vatikan sie entschl�sseln m�ssen, oder nicht?�</p><p>�Sicher�, erwiderte Langdon. �Wenn sie gewusst h�tten, wonach sie suchen mussten. Doch das wussten sie nicht. Und die Zeichen fielen ihnen niemals auf, weil die Illuminati sie so erschaffen hatten, dass die Kleriker nicht im Traum auf den Gedanken gekommen w�ren, es k�nnte sich um getarnte Wegweiser handeln. Sie benutzten eine Methode, die in der Symbolologie als <emphasis>Dissimulation</emphasis> bekannt ist.�</p><p>�Camouflage.�</p><p>Langdon war beeindruckt. �Sie kennen den Ausdruck?�</p><p><emphasis>�Dissimulazione�,</emphasis> sagte sie. �Die beste Verteidigungsma�nahme in der Natur. Versuchen Sie einen Trompetenfisch zu sehen, der sich aufrecht schwimmend zwischen Seegras versteckt.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Langdon. �Die Illuminati jedenfalls benutzten das gleiche Konzept. Sie schufen Zeichen, die f�r unwissende Augen vor dem Hintergrund des alten Rom unsichtbar waren. Sie konnten keine Ambigramme und keine wissenschaftliche Symbolik benutzen, weil das viel zu verd�chtig gewesen w�re. Also riefen sie einen begnadeten K�nstler - den gleichen unbekannten Meister, der auch das Ambigramm des Namens&gt;Illuminati&lt;erschaffen hatte - und beauftragten ihn, vier Skulpturen zu erschaffen.�</p><p>�Illuminati- Skulpturen?�</p><p>�Genau. Skulpturen, die zwei strengen Richtlinien entsprechen mussten. Erstens, sie mussten genauso aussehen wie die �brigen Kunstwerke im alten Rom. Kunstwerke, von denen der Vatikan niemals vermutet h�tte, dass sie mit den Illuminati in Verbindung standen.�</p><p>�Religi�se Kunstwerke.�</p><p>Langdon nickte. Seine Erregung stieg, und er redete schneller. �Die zweite Richtlinie war, dass die vier Skulpturen sehr spezifische Themen darzustellen hatten. Jedes St�ck musste ein subtiler Tribut an die vier Elemente der Wissenschaft sein.�</p><p>�Vier Elemente?�, fragte Vittoria. �Aber es gibt �ber hundert!�</p><p>�Nicht im siebzehnten Jahrhundert�, erinnerte Langdon. �Die fr�hen Alchimisten glaubten, dass das gesamte Universum aus nicht mehr als vier Substanzen bestehe: Erde, Feuer, Wasser, Luft.�</p><p>Das fr�he Kreuz, so wusste Langdon, war das am meisten verbreitete Symbol der vier gegens�tzlichen Elemente - vier Anne, die Erde, Luft, Feuer und Wasser repr�sentierten. Im Lauf der Geschichte hatte es Hunderte weiterer Symbole f�r die vier Elemente gegeben - die pythagoreischen Lebenszyklen, das chinesische Hong-Fan, die m�nnlichen und weiblichen Rudimente nach Jung, die Quadranten des Tierkreises; selbst die Moslems hatten die vier antiken Elemente verehrt, auch wenn sie im Islam als �Pl�tze, Wolken, Blitze und Wellen� bekannt waren. F�r Langdon war es eher der modernere Gebrauch der Symbole, der ihm Schauer �ber den R�cken laufen lie� - die vier mystischen Zeichen der Absoluten Initiation der Freimaurer: Erde, Luft, Feuer, Wasser.</p><p>Vittoria schien verwirrt. �Also hat dieser Illuminati-K�nstler vier Werke erschaffen, die bei oberfl�chlicher Betrachtung religi�s aussahen, aber in Wirklichkeit ein Tribut an Erde, Luft, Feuer und Wasser waren?�</p><p>�Ganz recht�, sagte Langdon, w�hrend sie in die Via Sentinel einbogen, die zu den Archiven f�hrte. �Die Skulpturen fielen in dem Meer religi�ser Kunstwerke in Rom �berhaupt nicht auf. Die Bruderschaft spendete die Werke anonym an vier ausgew�hlte Kirchen und benutzte ihren politischen Einfluss, um die Aufstellung zu �berwachen. Jedes dieser Werke war ein Wegweiser, der unauff�llig zur n�chsten Kirche deutete, wo ein weiterer Wegweiser wartete. Eine Spur aus Hinweisen, getarnt als religi�se Kunst. Falls es einem Kandidaten gelang, die erste Kirche zu finden und mit ihr das Symbol f�r&gt;Erde&lt;, konnte er ihm zur&gt;Luft&lt;und von dort aus zum&gt;Feuer&lt;und zum&gt;Wasser&lt;folgen und schlie�lich zur Kirche der Illumination.�</p><p>Vittorias Verwirrung nahm immer weiter zu. �Und das alles soll uns zu dem Assassinen f�hren?�</p><p>Langdon l�chelte und spielte seinen Trumpf aus. �O ja. Die Illuminati hatten einen besonderen Namen f�r diese vier Kirchen. Sie nannten sie die&gt;Alt�re der Wissenschaft^</p><p>Vittoria runzelte die Stirn. �Es tut mir wirklich Leid, aber das sagt mir.� Sie stockte. <emphasis>�L�altare di Scienza!�,</emphasis> rief sie dann. �Der Assassine hat gesagt, die Kardinale w�rden als jungfr�uliche Opfer auf den Alt�ren der Wissenschaft sterben!�</p><p>Langdon grinste. �Vier Kardinale. Vier Kirchen. Die vier Alt�re der Wissenschaft.�</p><p>Sie schaute ihn benommen an. �Sie glauben, die vier Kirchen, in denen die Kardinale geopfert werden sollen, sind die gleichen, die den alten Weg der Illumination beschreiben?�</p><p>�Das glaube ich, ja.�</p><p>�Aber warum h�tte uns der Assassine diesen Hinweis geben sollen?�</p><p>�Warum nicht?�, entgegnete Langdon. �Nur sehr wenige Historiker wissen von diesen Skulpturen, und noch weniger glauben, dass sie je existiert haben, ganz zu schweigen davon, dass die Orte, an denen sie stehen, vierhundert Jahre lang geheim geblieben sind. Zweifellos vertrauen die Illuminati darauf, dass dieses Geheimnis auch noch f�nf weitere Stunden �berdauert. Au�erdem brauchen sie ihren Weg zur Erleuchtung nicht l�nger, und ihr geheimer Treffpunkt existiert bestimmt nicht mehr. Wir leben in einer modernen Welt. Heutzutage treffen sie sich in Vorstandszimmern und Konferenzr�umen, gehen zusammen essen oder Golf spielen. Und heute Nacht wollen sie ihre Existenz der Welt�ffentlichkeit enth�llen. Dies ist der Augenblick, auf den sie so lange gewartet haben. Ihr gro�er Auftritt.�</p><p>Langdon bef�rchtete, dass dieser Augenblick einer besonderen Symmetrie gehorchen k�nnte, von der er noch nichts erw�hnt hatte. Die vier Brandzeichen. Der M�rder hatte gesagt, jeder der vier Kardinale w�rde mit einem anderen Symbol gebrandmarkt. �Beweis daf�r, dass die alten Legenden wahr sind�, hatte er gesagt. Die Legende der vier ambigrammatischen Brandzeichen war so alt wie die Illuminati selbst: Erde, Luft, Feuer und Wasser - vier Worte, geschaffen in perfekter Symmetrie. Genau wie das Illuminati-Ambigramm. Jeder der Kardinale w�rde mit einem der antiken Elemente der Wissenschaft gebrandmarkt werden. Die Ger�chte, dass die vier Brandzeichen die englischen Worte zeigten, nicht die alten italienischen, wurden unter Historikern heftig diskutiert. Englisch erschien als eine willk�rliche Abweichung von ihrer Muttersprache - und die Illuminati taten nichts Willk�rliches.</p><p>Langdon gelangte auf den gepflasterten Vorplatz vor dem Archivgeb�ude. Schaurige Bilder geisterten durch seinen Verstand. Die gewaltige Verschw�rung der Illuminati begann endlich ihre Gr��e zu enth�llen. Die Bruderschaft hatte geschworen, im Untergrund zu bleiben und dort gen�gend Macht und Einfluss zu sammeln, bis sie ohne Furcht zur�ckkehren und im hellen Tageslicht ihren Feinden trotzen konnte. Die Illuminati versteckten sich nicht mehr. Sie stellten ihre Macht zur Schau und best�tigten die konspirativen Mythen als Tatsachen. Heute Nacht planten sie einen Auftritt, der ihnen das Interesse der Welt�ffentlichkeit sichern sollte.</p><p>�Dort kommt unsere Eskorte!�, sagte Vittoria.</p><p>Langdon blickte auf und bemerkte einen Hellebardier, der �ber den Rasen in Richtung Eingang eilte.</p><p>Als er Langdon und Vittoria bemerkte, blieb er wie angewurzelt stehen. Er starrte sie an, als w�ren sie Halluzinationen. Ohne ein Wort wandte er sich ab und zerrte sein Walkie-Talkie hervor. Offensichtlich konnte er nicht glauben, was er von seinem Vorgesetzten zu h�ren bekam, denn er redete aufgeregt auf die Person am anderen Ende ein. Das �rgerliche Bellen, das aus dem Lautsprecher des Ger�ts drang, war f�r Langdon und Vittoria unverst�ndlich, doch an der Bedeutung gab es keinen Zweifel. Der Schweizergardist schien zu resignieren. Er steckte das Walkie-Talkie wieder ein und wandte sich mit einem Ausdruck der Missbilligung zu Langdon und Vittoria um.</p><p>Er redete nicht ein Wort, w�hrend er die beiden in das Geb�ude begleitete. Sie passierten vier Stahlt�ren und zwei weitere verschlossene T�ren, dann stiegen sie eine Treppe hinunter und erreichten ein Foyer. Der Gardist tippte Kodes in zwei Tastenfelder, und sie gingen durch eine Reihe elektronischer Detektoren, bevor sie schlie�lich am Ende eines langen Korridors vor eine gro�e Doppelt�r aus Eiche gelangten. Der Schweizergardist blieb stehen, murmelte etwas Unverst�ndliches und �ffnete eine in die Wand neben der T�r eingelassene Metallklappe. Er tippte einen Kode auf die Tastatur dahinter, und an der T�r ert�nte ein Summen.</p><p>Der Gardist �ffnete die T�r und wandte sich zu ihnen um. Zum ersten Mal sprach er direkt zu ihnen. �Die Archive befinden sich hinter dieser T�r. Man hat mich instruiert, Sie bis hierher zu geleiten und anschlie�end zur�ckzukehren.�</p><p>�Sie gehen wieder?�, fragte Vittoria �berrascht.</p><p>�Die Schweizergarde hat keinen Zutritt zu den Geheimarchiven. Sie beide sind nur deswegen hier, weil mein Kommandant einem direkten Befehl des Camerlengo Folge leisten muss.�</p><p>�Aber wie kommen wir wieder heraus?�</p><p>�Die Sicherheitsma�nahmen beschr�nken sich auf den Zutritt. Sie werden keine Probleme haben.� Mit diesen Worten machte er auf dem Absatz kehrt und marschierte durch den langen Gang davon.</p><p>Vittoria murmelte einen Kommentar, doch Langdon h�rte nicht mehr zu. Seine Gedanken kreisten um das, was hinter den m�chtigen Doppelt�ren auf ihn wartete, auf die Geheimnisse, die dort verborgen schlummerten.</p></section><section><title><p>Kapitel 47.</p></title><p>Obwohl die Zeit knapp war, bewegte sich Camerlengo Carlo Ventresca ohne gro�e Eile. Er brauchte die Zeit, um sich vor dem Er�ffnungsgebet zu sammeln. Es geschah so viel auf einmal. W�hrend er in d�sterer Einsamkeit durch den Nordfl�gel ging, sp�rte er die Anstrengung der vergangenen f�nfzehn Tage in den Knochen.</p><p>Er war seinen heiligen Pflichten buchstabengetreu nachgekommen.</p><p>Wie es die vatikanische Tradition verlangte, hatte der Camerlengo pers�nlich den Tod des Papstes best�tigt, indem er einen Finger an die Halsschlagader gelegt, auf seinen Atem gelauscht und schlie�lich dreimal den Namen des Papstes gerufen hatte. Nach dem Gesetz gab es keine Autopsie.</p><p>Hernach hatte er das Schlafzimmer des Papstes verriegelt, den p�pstlichen Fischerring und den Rohling f�r das Siegel zerst�rt und die Vorbereitungen f�r die Bestattung und das anschlie�ende Konklave getroffen.</p><p><emphasis>Konklave,</emphasis> dachte er. <emphasis>Die letzte H�rde.</emphasis> Es war eine der �ltesten Traditionen des Christentums. Das Konklave wurde heutzutage h�ufig kritisiert, weil das Ergebnis in der Regel feststand, bevor das Konklave begonnen hatte - mehr eine Burleske als eine wirkliche Wahl. Der Camerlengo wusste, dass nur ein Mangel an Verst�ndnis f�r diese Kritik verantwortlich war. Das Konklave war mehr als eine Wahl. Es war ein alter, mystischer Transfer von Macht. Die Tradition war zeitlos. die Heimlichkeit, die gefalteten Bl�tter, das Verbrennen der Stimmzettel, die Mischung alter Chemikalien, die Rauchsignale.</p><p>W�hrend der Camerlengo die Loggien von Gregor XIII. durchschritt, �berlegte er, ob Kardinal Mortati bereits in Panik</p><p>war. Ohne Zweifel hatte der Zeremonienmeister inzwischen bemerkt, dass die vier <emphasis>preferiti</emphasis> fehlten. Ohne sie w�rde das Konklave die ganze Nacht andauern. Mortatis Ernennung zum Zeremonienmeister war eine gute Wahl, sagte sich der Camerlengo. Mortati war ein Freidenker und in der Lage, seine Meinung zu sagen. Heute Nacht w�rde das Konklave mehr denn je F�hrung ben�tigen.</p><p>Als der Camerlengo oben auf der Scala Regia angekommen war, erf�llte ihn ein Gef�hl, als st�nde er vor dem tiefsten Abgrund seines Lebens. Selbst von hier oben waren die Stimmen in der Sixtinischen Kapelle zu h�ren, die aufgeregten Unterhaltungen der einhundertf�nfundsechzig Kardinale.</p><p><emphasis>Einhunderteinundsechzig Kardinale,</emphasis> verbesserte er sich.</p><p>Einen Augenblick lang glaubte er zu fallen, tief hinunter in die H�lle, vorbei an schreienden Menschen. Flammen h�llten ihn ein, und vom Himmel regneten Blut und Steine. Dann herrschte Stille.</p><p>Als der Knabe erwachte, fand er sich im Himmel wieder. Alles ringsum war wei�. Das Licht blendete in seiner Reinheit. Obwohl ein Zehnj�hriger normalerweise kaum in der Lage war, den Himmel zu verstehen, begriff der junge Carlo Ventresca sehr genau, wo er sich befand. Er war im Himmel, hier und jetzt. Wo sonst konnte er sein? Selbst in den kurzen zehn Jahren seines Lebens hatte Carlo die Herrlichkeit Gottes gesp�rt die donnernden Kirchenorgeln, die riesigen Kuppeln, die bewegenden Ch�re, die bunten Fenster voll Bronze und Gold. Carlos Mutter Maria nahm den Knaben jeden Tag mit zur Messe. Die Kirche war sein Zuhause.</p><p>�Warum gehen wir jeden Tag zur Messe?�, hatte er einmal gefragt.</p><p>�Weil ich es Gott versprochen habe�, hatte seine Mutter geantwortet. �Und ein Versprechen gegen�ber Gott ist das wichtigste Versprechen von allen. Brich niemals ein</p><p>Versprechen gegen�ber Gott!�</p><p>Carlo hatte es ihr geschworen. Er liebte seine Mutter mehr als alles andere auf der Welt. Sie war sein heiliger Engel. Manchmal nannte er sie <emphasis>gebenedeite Maria, -</emphasis> die gesegnete Maria, obwohl sie das �berhaupt nicht gerne h�rte. Er kniete bei ihr, roch den s��en Duft ihrer Haut und lauschte dem Murmeln ihrer Stimme, w�hrend sie den Rosenkranz betete. <emphasis>Heilige Maria, voll der Gnaden</emphasis>... <emphasis>Mutter Gottes</emphasis>... <emphasis>bete f�r uns Wunder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.</emphasis></p><p>�Wo ist mein Vater?�, fragte Carlo immer, obwohl er bereits wusste, dass er vor seiner Geburt gestorben war.</p><p>�Gott ist dein Vater, mein Sohn�, lautete die stets gleiche Antwort. �Du bist ein Kind der Kirche.�</p><p>Das gefiel Carlo.</p><p>�Wann immer du Angst versp�rst�, sagte sie, �vergiss nie, dass Gott dein Vater ist. Er wird �ber dich wachen und dich sch�tzen, solange du lebst. Gott hat <emphasis>gro�e Pl�ne</emphasis> mit dir, mein Sohn.� Der Knabe wusste, dass sie die Wahrheit sprach. Er konnte Gott in seinem Blut sp�ren.</p><p>Blut.</p><p><emphasis>Blut regnet vom Himmel!</emphasis></p><p>Stille. Dann - der Himmel.</p><p>Doch sein Himmel war in Wirklichkeit die Intensivstation des <emphasis>Santa Clara Ospedale</emphasis> au�erhalb von Palermo, stellte Carlo fest, nachdem jemand das blendende Licht abgeschaltet hatte. Carlo war der einzige �berlebende eines Bombenattentats, das eine Kapelle zum Einsturz gebracht hatte. Er war mit seiner Mutter im Urlaub auf Sizilien, und sie waren zur Messe in die Kapelle gegangen. Siebenunddrei�ig Menschen waren gestorben, darunter Carlos Mutter. Die Zeitungen sprachen von einem Wunder, dem <emphasis>Miracolo di S. Francesco,</emphasis> weil Carlo �berlebt hatte. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund war der Knabe wenige Augenblicke vor der Explosion von der Seite seiner Mutter gewichen und in einen gesch�tzten Alkoven gegangen, um einen Wandteppich zu bewundern, auf dem das Wirken des heiligen Franziskus dargestellt war.</p><p><emphasis>Gott hat mich dorthin gerufen,</emphasis> sagte sich der Knabe. <emphasis>Er wollte mich retten.</emphasis></p><p>Carlo litt unter Schmerzen und Fieberfantasien. Er sah seine Mutter auf der Kirchenbank knien und ihm einen Handkuss zuwerfen - und dann, mit einem ohrenbet�ubenden Krachen, wurde ihr s�� duftendes Fleisch zerfetzt. Er schmeckte das <emphasis>B�se </emphasis>in den Menschen. Blut regnete auf ihn herab. Das Blut seiner Mutter, der gesegneten Maria!</p><p><emphasis>Gott wird �ber dich wachen und dich besch�tzen, solange du lebst!,</emphasis> hatte seine Mutter zu ihm gesagt. <emphasis>Und wo war Gott jetzt?</emphasis></p><p>Dann war ein Geistlicher in das Krankenhaus gekommen, wie eine weltliche Manifestation der Wahrheit hinter den Worten seiner Mutter. Er war nicht irgendein Geistlicher gewesen. Er war ein Bischof. Er betete f�r Carlo. Das Wunder von San Francesco. Als Carlo wieder genesen war, brachte ihn der Bischof zu einer kleinen Abtei, die zu seinem Bistum geh�rte und auf dem Gel�nde seiner Kathedrale stand. Carlo lebte und lernte unter M�nchen. Er wurde sogar Messdiener f�r seinen neuen Besch�tzer. Der Bischof schlug vor, dass Carlo eine �ffentliche Schule besuchen sollte, doch Carlo weigerte sich. Er h�tte nicht gl�cklicher sein k�nnen in seinem neuen Zuhause. Er wusste nun, dass er wirklich und wahrhaftig im Hause Gottes wohnte.</p><p>Jede Nacht betete Carlo f�r seine Mutter.</p><p><emphasis>Gott hat mich aus einem ganz bestimmten Grund gerettet, </emphasis>dachte er. <emphasis>Was ist das f�r ein Grund?</emphasis></p><p>Als Carlo sechzehn Jahre alt war, wurde er nach dem italienischen Gesetz wehrpflichtig. Der Dienst dauerte zwei Jahre, Der Bischof sagte zu ihm, dass er vom Wehrdienst befreit w�rde, falls er das Priesterseminar besuche. Carlo antwortete, dass er sehr gerne in das Seminar eintreten w�rde, doch zuvor m�sse er das B�se verstehen.</p><p>Der Bischof begriff nicht.</p><p>Carlo erkl�rte, dass er vorhabe, sein Leben in der Kirche und mit dem Kampf gegen das B�se zu verbringen, doch dazu m�sse er es zuerst verstehen. Und er konnte sich keinen besseren Ort daf�r denken als die Armee. Die Armee setzte Waffen und Bomben ein. <emphasis>Seine gesegnete Mutter war von einer Bombe zerfetzt worden!</emphasis></p><p>Der Bischof bem�hte sich, ihn von seiner Idee abzubringen, doch Carlos Entschluss stand fest.</p><p>�Sei vorsichtig, mein Sohn�, hatte der Bischof gesagt. �Und vergiss nicht, die Kirche wartet auf dich, wenn du deinen Dienst abgeleistet hast.�</p><p>Die zwei Jahre beim Milit�r waren gr�sslich gewesen. Carlo hatte seine Jugend in Stille und Kontemplation verbracht, in der Armee gab es keine Stille und keine M�glichkeit zur Reflexion. Endloser L�rm. Gewaltige Maschinen �berall. Keinen Augenblick Frieden, Stille. Obwohl die Soldaten einmal in der Woche zur Messe gingen, sp�rte Carlo bei keinem seiner Kameraden die Gegenwart Gottes. Ihre K�pfe waren zu sehr mit Chaos gef�llt, um Gott zu sehen.</p><p>Carlo hasste sein neues Leben, doch er war entschlossen, die Zeit durchzustehen. Er hatte das B�se noch nicht begriffen.</p><p>Er weigerte sich, eine Waffe abzufeuern, und so lehrte ihn das Milit�r, einen Sanit�tshubschrauber zu fliegen. Carlo hasste den L�rm und den Gestank, doch auf diese Weise konnte er hoch in den Himmel steigen und seiner Mutter n�her sein. Als man ihn informierte, dass die Ausbildung auch Fallschirmspringen einschloss, sp�rte Carlo schreckliche Angst. Doch ihm blieb keine andere Wahl, als sich zu f�gen.</p><p><emphasis>Gott wird mich besch�tzen,</emphasis> sagte er sich.</p><p>Carlos erster Absprung mit dem Fallschirm war die aufregendste k�rperliche Erfahrung seines bisherigen Lebens. Es war, als fl�ge er mit Gott. Carlo konnte �berhaupt nicht genug davon bekommen. die Stille. das Schweben. das Gesicht seiner Mutter in den aufget�rmten wei�en Wolken, w�hrend er der Erde entgegenraste. <emphasis>Gott hat Pl�ne mit dir, Carlo.</emphasis> Als er seine Dienstzeit beim Milit�r hinter sich hatte, trat er dem Priesterseminar bei.</p><p>Das war vor dreiundzwanzig Jahren gewesen.</p><p>Der Camerlengo stieg die Scala Regia hinunter und versuchte die Kette von Ereignissen zu verstehen, die ihn in diese ungew�hnlichen Lebensstation gef�hrt hatte.</p><p><emphasis>Leg alle Furcht ab,</emphasis> sagte er sich, <emphasis>und begib dich in die Hand Gottes.</emphasis></p><p>Vor sich sah er die schwere bronzene Doppelt�r der Sixtinischen Kapelle, bewacht von vier pflichtbewussten Schweizergardisten. Die Hellebardiere schoben den massiven Riegel zur�ck und zogen die T�ren auf. Im Innern der Kapelle wandte sich jeder Kopf zu ihm um. Der Camerlengo erwiderte ihre Blicke, musterte die schwarzen Roben und roten Sch�rpen. Er verstand nun, welche Pl�ne Gott mit ihm hatte. Das Schicksal der Kirche lag in seinen H�nden.</p><p>Der Camerlengo bekreuzigte sich und trat �ber die Schwelle.</p></section><section><title><p>Kapitel 48.</p></title><p>Der BBC-Journalist G�nther Glick sa� schwitzend im �bertragungswagen, der auf der �stlichen Seite des Petersplatzes geparkt stand, und verfluchte seinen Chefredakteur, der ihn hierher geschickt hatte. Obwohl Glicks erster Monatsbericht voller Superlative gewesen war -einfallsreich, mit spitzer Feder verfasst und mit zuverl�ssigen Informationen gespickt - sa� er nun hier vor dem Vatikan auf �Papstwache�, Er rief sich ins Ged�chtnis, dass die Berichterstattung f�r die BBC wesentlich glaubw�rdiger war als das Garn, das er sich F�r den <emphasis>British Tattier</emphasis> zurechtgesponnen hatte. Trotzdem entsprach <emphasis>das hier</emphasis> bei weitem nicht seiner Vorstellung von Reportage.</p><p>Glicks Auftrag war einfach. Besch�mend einfach. Er hatte hier zu sitzen und darauf zu warten, dass eine Bande alter Knacker ihren n�chsten Oberfurz w�hlte, um anschlie�end nach drau�en zu gehen und einen F�nfzehn-Sekunden-�Live�-Spot mit dem Vatikan im Hintergrund zu liefern.</p><p><emphasis>Brillant.</emphasis></p><p>Glick konnte einfach nicht glauben, dass die BBC immer noch Reporter aussandte, um von diesem Mst zu berichten. <emphasis>Kein einziger amerikanischer Sender ist beute Nacht hier. Verdammt, nein!</emphasis> Das lag daran, dass die gro�en Jungs es richtig machten. Sie sahen CNN, brachten Zusammenfassungen und filmten anschlie�end ihren �Live�-Bericht vor einem Bluescreen, �ber den in der Nachbearbeitung ein Konservenvideo vom Vatikan gelegt wurde. MSNBC setzte sogar Windmaschinen und Regner im Studio ein, um den �Reporter� authentischer wirken zu lassen. Die Zuschauer interessierten sich l�ngst nicht mehr f�r die Wahrheit; sie wollten Unterhaltung, weiter nichts.</p><p>Glick starrte durch die Scheibe nach drau�en, und seine Depression nahm zu. Der vatikanische Berg ragte vor ihm auf eine beeindruckende Erinnerung an das, was Menschen erreichen konnten, wenn sie nur entschlossen genug ans Werk gingen.</p><p>�Was habe ich in meinem Leben erreicht?�, fragte er sich laut. �Nichts.�</p><p>�Dann gib�s endlich auf�, erwiderte eine Frauenstimme hinter ihm.</p><p>Glick zuckte zusammen. Er hatte fast vergessen, dass er nicht allein war. Er wandte sich nach hinten um, wo seine Kamerafrau Chinita Macri sa� und schweigend ihre Brillengl�ser putzte, wie sie es ununterbrochen tat. Chinita war schwarzh�utig, leicht �bergewichtig und h�llisch gerissen, was sie einen st�ndig sp�ren lie�. Sie war schon ein seltsamer Vogel, doch Glick mochte sie. Und er konnte ein wenig Gesellschaft verdammt gut gebrauchen.</p><p>�Was hast du f�r ein Problem, G�nther?�, fragte sie.</p><p>�Was tun wir hier?�</p><p>Sie polierte weiter ihre Brille. �Wir berichten von einem aufregenden Ereignis.�</p><p>�Alte, im Dunkeln eingesperrte M�nner sollen aufregend sein?�</p><p>�Du wei�t, dass du in die H�lle kommst, nicht wahr?�</p><p>�Ich bin schon da.�</p><p>�Rede mit mir.� Sie klang wie seine Mutter.</p><p>�Ich m�chte nur irgendwas erreichen. Etwas Besonderes.�</p><p>�Du hast f�r den <emphasis>British Tattler</emphasis> geschrieben.�</p><p>�Ja, aber nichts, das irgendwelche Resonanz hervorgerufen h�tte.�</p><p>�Aber, aber, G�nther. Ich habe von deinem irren Artikel �ber</p><p>das geheime Sexualleben der Queen mit Au�erirdischen geh�rt, Einfach toll.�</p><p>�Danke.�</p><p>�Hey, die Dinge wenden sich zum Besseren. Heute Nacht schreibst du deine ersten f�nfzehn Sekunden Fernsehgeschichte.�</p><p>Glick st�hnte auf. Er h�rte bereits den Nachrichtensprecher vor sich. �Danke, G�nther, gro�artiger Bericht.� Dann w�rde er die Augen verdrehen und �ber das Wetter sprechen. �Ich h�tte mich als Sprecher bewerben sollen.�</p><p>Chinita lachte. �Was denn, ohne Erfahrung? Und mit deinem Bart? Vergiss es!�</p><p>Glick fuhr sich mit der Hand durch den r�tlichen Filz unterm Kinn. �Ich dachte eigentlich immer, dass ich damit clever aussehe.�</p><p>Das Mobiltelefon klingelte und unterbrach gl�cklicherweise einen weiteren von Glicks erfolglosen Anl�ufen. �Vielleicht der Chefredakteur�, sagte er in einem Anflug neuer Hoffnung. �Glaubst du, sie wollen einen Zwischenbericht?�</p><p>��ber diese Geschichte?� Chinita lachte. �Tr�um sch�n weiter.</p><p>Glick nahm den Anruf entgegen und meldete sich mit seiner besten Nachrichtensprecherstimme: �G�nther Glick, BBC - live aus Vatikanstadt.�</p><p>Der Mann am anderen Ende sprach mit schwach arabischem Akzent. �H�ren Sie jetzt genau zu�, sagte er. �Ich werde Ihr Leben ver�ndern.�</p></section><section><title><p>Kapitel 49.</p></title><p>Langdon und Vittoria standen allein vor der gro�en Doppelt�r, die ins Innere der Geheimarchive f�hrte. Das Dekor des S�ulengangs bestand aus einer willk�rlichen Mischung von Gobelins �ber marmornen B�den und teilnahmslosen Sicherheitskameras neben Engelsskulpturen an der Decke. Langdon nannte das Sammelsurium im Stillen <emphasis>sterile Renaissance.</emphasis> Neben dem gew�lbten Durchgang hing eine kleine Bronzeplakette.</p><p>ARCHIVIO VATICANO Curatore Padre Jaqui Tomaso</p><p><emphasis>Vater Jaqui Tomaso.</emphasis> Langdon kannte den Namen von den zahlreichen Ablehnungsschreiben, die er bei sich zu Hause auf dem Schreibtisch liegen hatte. <emphasis>Sehr geehrter Mr. Langdon, mit Bedauern muss ich Ihnen mitteilen, dass es unm�glich ist...</emphasis></p><p>Bedauern. <emphasis>Bl�dsinn.</emphasis> Langdon kannte keinen einzigen amerikanischen nichtkatholischen Gelehrten, dem Zutritt zu den Vatikanischen Geheimarchiven gew�hrt worden w�re, seit Jaqui Tomaso die Leitung �bernommen hatte. <emphasis>Il guardiano,</emphasis> so hatten die Historiker ihn getauft. Jaqui Tomaso war der unnachgiebigste Bibliothekar der Welt.</p><p>Als Langdon die T�ren aufzog und durch das gew�lbte Portal in das Allerheiligste trat, rechnete er beinahe damit, dass Vater Jaqui in Uniform und Helm und mit einer Panzerfaust den Eingang bewachte. Doch niemand erwartete sie. Der Raum lag leer vor ihnen.</p><p>Stille. Ged�mpfte Beleuchtung.</p><p>Das <emphasis>Archivio Vaticano.</emphasis> Einer von Robert Langdons Lebenstr�umen wurde wahr.</p><p>W�hrend seine Blicke durch die geheiligten Hallen schweiften, empfand er beinahe so etwas wie Schuldgef�hle. Er</p><p>erkannte, was f�r ein unreifer Romantiker er im Grunde genommen doch war. Das Bild, das er sich im Lauf der Jahre von diesem Raum gemacht hatte, h�tte unzutreffender nicht sein k�nnen. Langdon hatte sich staubige B�cherregale vorgestellt, die vor alten, zerfledderten Folianten �berquollen, Priester, die bei Kerzenlicht die Best�nde katalogisierten, Bleiglasfenster und M�nche mit Federkielen �ber Schriftrollen.</p><p>Was nicht einmal ann�hernd der Wirklichkeit entsprach.</p><p>Auf den ersten Blick erschien der Raum wie ein dunkler Fugzeughangar, in den jemand ein Dutzend frei stehender Raquetballfelder mit gl�sernen W�nden gebaut hatte. Langdon wusste selbstverst�ndlich, wozu die aus Glas bestehenden Zellen dienten. Er war nicht �berrascht, sie hier anzutreffen - es waren B�chertresore, hermetisch gegen Feuchtigkeit und W�rme isoliert, luftdichte Kammern, die verhindern sollten, dass das alte Papier und Pergament noch weiter zerfiel. Langdon war schon h�ufig in B�chertresoren gewesen, doch es war jedes Mal aufs Neue eine beunruhigende Erfahrung, einen luftdichten Container zu betreten, w�hrend drau�en ein fremder Bibliothekar die Sauerstoffzufuhr regulierte.</p><p>Die Tresore lagen in geisterhafter Dunkelheit, kaum zu erkennen im Licht der schwachen Deckenlampen. In der Schw�rze jedes Containers nahm Langdon undeutlich die Umrisse der monstr�sen Regale wahr, Reihe um Reihe mit Geschichte beladene T�rme. Es war eine schier unglaubliche Sammlung.</p><p>Auch Vittoria, die hinter ihm stand, starrte sprachlos auf die gigantischen transparenten Container.</p><p>Die Zeit war knapp, sodass Langdon gar nicht erst im Halbdunkel der Halle nach einem Bibliothekskatalog suchte -den es wohl auch nicht gab, denn er bemerkte eine Hand voll schwach erleuchteter Computerterminals, die gleichm��ig verteilt in der Halle standen. �Sieht aus, als h�tten sie ein</p><p>Bibliotheksprogramm�, sagte er. �Ihr Verzeichnis ist elektronisch gespeichert.�</p><p>Vittoria warf ihm einen hoffnungsvollen Blick zu. �Das sollte die Suche vereinfachen, nicht wahr?�</p><p>Er h�tte gerne ihre Zuversicht geteilt, hatte jedoch das ungute Gef�hl, dass diese Neuigkeit keine gute Nachricht war. Er trat zu einem Terminal und tippte etwas ein. Seine Bef�rchtungen bewahrheiteten sich augenblicklich. �Die altmodische Methode w�re besser gewesen.�</p><p>�Warum?�</p><p>Er wandte sich vom Monitor ab. �Weil richtige B�cher nicht durch Passw�rter gesch�tzt sind. Ich nehme nicht an, dass Physiker geborene Hacker sind?�</p><p>Vittoria sch�ttelte den Kopf. �Ich kann Austern �ffnen, mehr nicht.�</p><p>Langdon atmete tief durch und blickte auf die langen Reihen unheimlicher transparenter Container. Er trat zum n�chststehenden und sp�hte in das d�stere Innere. Hinter dem Glas sah er undeutliche Umrisse, die er als gew�hnliche Regale, Pergamentbeh�lter und Lesetische erkannte. Er starrte angestrengt auf die Beschriftung am Ende jedes einzelnen Regals - wie in allen Bibliotheken der Welt war dort zu lesen, was die Regale enthielten. Er las, w�hrend er langsam an der transparenten Barriere entlangging:</p><p>PIETRO IL ERIMITO. LE COCIATE. URBANO II. LEVANT.</p><p>�Sie sind beschriftet�, sagte er zu Vittoria. �Aber leider nicht alphabetisch nach den Autoren.� Was ihn im Grunde genommen nicht weiter �berraschte. Alte Archive wie dieses waren fast nie alphabetisch geordnet, weil zahlreiche Autoren unbekannt waren. Eine Sortierung nach Titeln war ebenfalls nicht m�glich, weil viele historische Dokumente nur als Fragmente vorlagen oder �berhaupt keinen Titel besa�en. Bei den meisten Katalogen wurde daher chronologisch vorgegangen. Was hier jedoch ebenfalls nicht zutraf, wie Langdon zu seiner Best�rzung rasch feststellte.</p><p>Er sp�rte, wie kostbare Zeit unter seinen Fingern verrann. �Sieht aus, als h�tte der Vatikan sein eigenes System.�</p><p>�Was f�r eine �berraschung.�</p><p>Langdon untersuchte die Beschriftungen erneut. Die Dokumente auf den Regalen umfassten Jahrhunderte - doch die Schl�sselworte standen alle in einem bestimmten Bezug zueinander. �Ich glaube, sie sind thematisch klassifiziert�, sagte er schlie�lich.</p><p>�Thematisch?�, erwiderte Vittoria im Tonfall einer entt�uschten Wissenschaftlerin. �Das klingt nicht gerade effizient.�</p><p><emphasis>Bei genauerer Betrachtung,</emphasis> dachte Langdon, <emphasis>habe ich noch nie eine derart schlaue Katalogisierung gesehen.</emphasis> Er hatte gegen�ber seinen Studenten stets betont, wie wichtig es war, die Gesamtheit der Motive und Schattierungen einer k�nstlerischen Epoche zu betrachten und sich nicht in den einzelnen Daten und spezifischen Arbeiten zu verlieren. Die Vatikanischen Archive waren, wie es schien, nach genau dieser Philosophie katalogisiert. <emphasis>Breite Spektren</emphasis>...</p><p>�Alles in diesem Tresor hier�, sagte er und sp�rte, wie seine Zuversicht wuchs, �hat mit den Kreuzz�gen zu tun. Material aus mehreren Jahrhunderten �ber die Kreuzz�ge. Das ist das Thema dieses Containers.� Es war alles dort. Historische Berichte, Briefe, Kunstwerke, soziopolitische Daten, moderne Analysen. <emphasis>Alles an einem Ort</emphasis>... <emphasis>sodass der tiefere Zugang Zum Thema erleichtert wird. Brillant.</emphasis></p><p>Vittoria runzelte die Stirn. �Aber die Daten k�nnen zu vielen Themen gleichzeitig in Beziehung stehen.�</p><p>�Deswegen gibt es Querverweise zu weiteren Standorten.� Langdon deutete durch das Glas auf die bunten</p><p>Plastikschildchen, die zwischen den langen Reihen von Dokumenten aus den Regalen ragten. �Sie verweisen auf andere Dokumente, die bei anderen Themenbereichen eingegliedert stehen.�</p><p>�Sicher�, sagte sie in offensichtlicher Resignation. Sie stemmte die H�nde in die H�ften und lie� den Blick durch den riesigen Raum schweifen. Dann schaute sie Langdon an. �So, Professor, und wie war der Name von diesem Galileo-Ding, nach dem wir suchen?�</p><p>Langdon musste unwillk�rlich grinsen. Irgendwie konnte er immer noch nicht fassen, dass er tats�chlich im vatikanischen Geheimarchiv stand. <emphasis>Es ist hier drin,</emphasis> dachte er. <emphasis>Irgendwo hier in der Dunkelheit. Es wartet darauf, dass ich es finde.</emphasis></p><p>�Folgen Sie mir�, sagte er und setzte sich durch den ersten Gang zwischen den Containern hindurch in Bewegung, w�hrend er die Beschriftungen las. �Erinnern Sie sich, was ich Ihnen �ber den Weg der Erleuchtung erz�hlt habe? Wie die Illuminati neue Mitglieder rekrutierten und sie dabei zugleich einer kunstvollen Probe unterzogen?�</p><p>�Die Schnitzeljagd�, sagte Vittoria dicht hinter ihm.</p><p>�Nachdem die Illuminati die Wegweiser aufgestellt hatten, blieb ein Problem zu l�sen. Sie mussten der wissenschaftlichen Gemeinde irgendwie mitteilen, dass es den Weg der Erleuchtung gab.�</p><p>�Logisch�, sagte Vittoria. �Ansonsten h�tte wohl kaum jemand danach gesucht.�</p><p>�Richtig. Doch selbst wenn die Wissenschaftler von der Existenz des Weges wussten, konnten sie nicht wissen, wo er begann. Rom ist riesig.�</p><p>�Keine Einw�nde.�</p><p>Langdon �berflog die Beschriftungen im n�chsten Gang, w�hrend er weiterredete. �Vor etwa f�nfzehn Jahren habe ich zusammen mit ein paar Historikern von der Sorbonne eine Reihe von Illuminati-Briefen mit Hinweisen auf <emphasis>il segno</emphasis> entdeckt.�</p><p>�Das Zeichen. Die Ank�ndigung, dass der Weg existiert und wo er seinen Anfang nimmt.�</p><p>�Ja. Seit damals haben viele Illuminati-Forscher -einschlie�lich meiner selbst - weitere Hinweise auf <emphasis>il segno </emphasis>entdeckt. Heutzutage geht man einvernehmlich davon aus, dass dieser Hinweis existiert und dass Galileo ihn der wissenschaftlichen Gemeinde seiner Zeit hat zukommen lassen, ohne dass der Vatikan je etwas erfahren h�tte.�</p><p>�Wie das?�</p><p>�Das wissen wir nicht genau. H�chstwahrscheinlich durch Bedruckte Ver�ffentlichungen. Er hat im Lauf der Jahre sehr viele B�cher und Zeitungen herausgegeben.�</p><p>�Die der Vatikan ohne Zweifel genau unter die Lupe nahm, ziemlich gef�hrlich, wenn Sie mich fragen.�</p><p>�Zugegeben. Nichtsdestotrotz wurde der Hinweis auf diese Weise lanciert.�</p><p>�Und niemand hat ihn je entdeckt?�</p><p>�Niemand. Eigenartigerweise wird h�ufig in Form einer Zahl auf <emphasis>il segno</emphasis> hingewiesen, ganz gleich, wo Hinweise auftauchen in Freimaurerberichten, alten wissenschaftlichen Journalen, Illuminati-Briefen.�</p><p>�666?�</p><p>Langdon l�chelte. �Nein. 503.�</p><p>�Und das bedeutet?�</p><p>�Keiner von uns konnte sich je etwas darunter vorstellen, Ich war fasziniert von dieser Zahl und habe alles M�gliche ausprobiert, um ihre Bedeutung zu entschl�sseln - Numerologie, Kartenreferenzen, Breiten- und L�ngengrade.� Langdon war am Ende des Gangs angekommen und bog um die Ecke in den n�chsten Gang, w�hrend er die Beschriftungen keine Sekunde aus den Augen lie�. �Viele Jahre schien der einzige Hinweis die Tatsache, dass 503 mit der Ziffer f�nf beginnt. eine der Schl�sselzahlen der Illuminati.� Er z�gerte.</p><p>�Irgendetwas verr�t mir, dass Sie es vor kurzem herausgefunden haben. und das ist der Grund, aus dem wir hier sind.�</p><p>�So ist es�, antwortete Langdon und gestattete sich einen seltenen Augenblick von Stolz auf seine Leistung. �Kennen Sie ein Buch von Galileo namens <emphasis>Dialogo?�</emphasis></p><p>�Selbstverst�ndlich. Es ist unter Forschern ber�hmt als der ultimative Verrat an der Wissenschaft.�</p><p>Verrat war nicht ganz das Wort, das Langdon benutzt h�tte, doch er wusste, was Vittoria meinte. Anfang der drei�iger Jahre des siebzehnten Jahrhunderts wollte Galileo ein Buch ver�ffentlichen, in dem er das von Kopernikus entwickelte heliozentrische Modell des Sonnensystems unterst�tzte, doch der Vatikan gestattete die Ver�ffentlichung nicht, bevor Galileo nicht �berzeugende Beweise f�r das geozentrische Modell der Kirche einf�gte - ein Modell, von dem Galileo <emphasis>wusste,</emphasis> dass es vollkommen falsch war. Doch ihm blieb keine andere Wahl, als den Forderungen der Kirche nachzugeben und ein Buch zu publizieren, in dem beide Modelle - das richtige wie das falsche</p><p>- mit gleicher Ausgiebigkeit abgehandelt wurden.</p><p>�Wie Sie vielleicht wissen�, entgegnete Langdon, �wurde <emphasis>Dialogo</emphasis> trotz des Kompromisses von der Kirche immer noch als H�resie betrachtet, und der Vatikan stellte Galileo unter Hausarrest.�</p><p>�Keine gute Tat bleibt ungestraft.�</p><p>Langdon l�chelte. �Wie wahr. Und doch, Galileo blieb unbeugsam. W�hrend er unter Hausarrest stand, verfasste er heimlich ein weniger bekanntes Manuskript, das Gelehrte h�ufig mit <emphasis>Dialogo</emphasis> verwechseln. Dieses Buch nannte er <emphasis>Discorsi.�</emphasis></p><p>Vittoria nickte. �Ich habe davon geh�rt. <emphasis>Diskurs �ber die</emphasis></p><p><emphasis>Gezeiten.�</emphasis></p><p>Langdon blieb �berrascht stehen, erstaunt, dass sie von der obskuren Publikation �ber die Planetenbewegungen und ihren Einfluss auf die Gezeiten geh�rt hatte.</p><p>�Hey!�, sagte sie, �Sie reden mit einer italienischen Meeresphysikerin, deren Vater Galileo angebetet hat!�</p><p>Langdon lachte. <emphasis>Discorsi</emphasis> war nicht das Buch, nach dem sie suchten. Er erkl�rte ihr, dass <emphasis>Discorsi</emphasis> nicht Galileos einziges Werk aus der Zeit war, als er unter Hausarrest stand. Historiker glaubten, dass er au�erdem ein weiteres Buch mit dem Titel <emphasis>Diagramma</emphasis> geschrieben habe.</p><p><emphasis>�Diagramma della Verit�a�,</emphasis> sagte Langdon. �Das Diagramm der Wahrheit.�</p><p>�Nie davon geh�rt.�</p><p>�Das �berrascht mich nicht. <emphasis>Diagramma</emphasis> war Galileos geheimste Arbeit - mutma�lich handelt es sich um eine Art Abhandlung �ber wissenschaftliche Fakten, die er f�r wahr erachtete und mit niemandem teilen durfte. Wie einige der vorhergehenden Manuskripte wurde auch <emphasis>Diagramma</emphasis> von einem Freund aus Rom herausgeschmuggelt und sp�ter in Holland publiziert. Das Buch wurde in den wissenschaftlichen Kreisen, die im Untergrund arbeiteten, �u�erst popul�r. Dann erfuhr der Vatikan davon und begann eine B�cherverbrennung.�</p><p>Vittoria schien fasziniert. �Und Sie glauben, dass der Hinweis in <emphasis>Diagramma</emphasis> steckt? <emphasis>Il segno?</emphasis> Die Informationen, die zum Weg der Erleuchtung f�hren?�</p><p><emphasis>�Diagramma</emphasis> ist jedenfalls das Werk, mit dem Galileo die Nachricht verbreitet hat, dessen bin ich mir sicher.� Langdon betrat den dritten Mittelgang zwischen den B�chertresoren und �berflog weitere Hinweisschilder. �Archivare suchen seit vielen Jahren nach einer erhaltenen Ausgabe von <emphasis>Diagramma.</emphasis> Doch irgendwie scheinen die wenigen Exemplare, die der Verbrennung entgingen, aufgrund ihrer geringen Haltbarkeit</p><p>vom Angesicht der Erde verschwunden zu sein.�</p><p>�Geringe Haltbarkeit?�</p><p>�Ja. Archivare besitzen ein Bewertungssystem f�r die Qualit�t des verwendeten Papiers. <emphasis>Diagramma</emphasis> wurde auf RiedgrasPapyrus gedruckt. Es ist wie ein Papierhandtuch. Lebensdauer unter normalen Bedingungen nicht mehr als ein Jahrhundert.�</p><p>�Warum hat man nichts Besseres genommen?�</p><p>�Es geschah auf Galileos Veranlassung. Um seine Anh�nger zu sch�tzen. Ein Wissenschaftler, der mit dem Buch �berrascht wurde, konnte es rasch in Wasser werfen, und es h�tte sich binnen k�rzester Zeit aufgel�st. Eine gro�artige Methode, um Beweise zu vernichten, aber schrecklich f�r die heutigen Archivare. Man glaubt, dass nur eine einzige Ausgabe von <emphasis>Diagramma</emphasis> die Zeit nach dem achtzehnten Jahrhundert �berlebt hat.�</p><p>�Eine?� Vittoria blickte sich aufgeregt in dem gro�en Gew�lbe um. �Und sie ist <emphasis>hier?�</emphasis></p><p>�Kurz nach Galileos Tod wurde sie in den Niederlanden vom Vatikan konfisziert. Ich richte seit Jahren Eingaben an das Archiv, um es einzusehen. Seit ich zu dem Schluss gelangt bin, dass es hier lagern muss.�</p><p>Als h�tte sie seine Gedanken gelesen, bewegte sich Vittoria auf die andere Seite des Ganges und suchte die aigrenzenden Container ab. Auf diese Weise kamen sie doppelt so schnell voran.</p><p>�Vielen Dank�, rief Langdon. �Suchen Sie nach Hinweisen, die irgendetwas mit Galileo zu tun haben, mit Wissenschaft oder Forschern. Sie werden es erkennen, sobald Sie es erst sehen.�</p><p>�In Ordnung, aber Sie haben mir immer noch nicht erz�hlt, wie Sie herausgefunden haben, dass der Hinweis in <emphasis>Diagramma </emphasis>versteckt sein muss. Hat es etwas mit der Zahl zu tun, die Sie immer wieder in Dokumenten der Illuminati gefunden haben?</p><p>Langdon l�chelte. �Ja. Ich habe eine Weile dazu ben�tigt, aber schlie�lich fand ich heraus, dass 503 ein einfacher Code ist. Er weist ohne jeden Zweifel auf <emphasis>Diagramma</emphasis> hin.�</p><p>Einen Augenblick lang durchlebte Langdon erneut dieses Gef�hl einer unerwarteten Entdeckung, diesen sechzehnten August vor zwei Jahren. Es war auf der Hochzeit des Sohnes eines Kollegen gewesen. Er stand am Ufer eines Sees, und Dudelsackmusik dr�hnte �ber das Wasser, w�hrend Braut und Br�utigam ihren Auftritt hatten. sie kamen mit einem Boot �ber den See. Das Boot war geschm�ckt mit Blumen und Kr�nzen, und es trug eine r�mische Zahl am Bug - DCII.</p><p>Verwirrt hatte Langdon den Vater der Braut gefragt: �Was bedeutet die 602?�</p><p>Der Mann hatte gelacht. �Das ist keine r�mische Zahl, sondern der Name des Bootes.�</p><p>�Was denn, DCII?�</p><p>Der Mann hatte genickt. �Die <emphasis>Dick and Connie II.�</emphasis></p><p>Langdon hatte sich verlegen entschuldigt. Dick und Connie waren das Paar, das damals geheiratet hatte. Das Schiff war offensichtlich ihnen zu Ehren so genannt worden. �Was ist aus der DCI geworden?�</p><p>Der Mann hatte gest�hnt. �Sie ist gestern bei der Generalprobe gesunken.�</p><p>Langdon hatte gelacht. �Tut mir Leid, das zu h�ren.� Er wandte sich ab und schaute wieder zu dem Boot auf dem Wasser. Die DCII, dachte er. Wie eine Miniatur-QE ll3.</p><p>Eine Sekunde sp�ter fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.</p><p>Er wandte sich zu Vittoria um. �503 ist ein Kode!�, erkl�rte</p><p>er. �Wie bereits erw�hnt - ein Illuminati-Trick, um zu verschleiern, was in Wirklichkeit eine r�mische Zahl darstellt. Die 503 in r�mischer Schreibweise bedeutet.�</p><p>�Dm.�</p><p>Langdon blickte sie erstaunt an. �Das war schnell. Erz�hlen Sie mir jetzt nicht, dass Sie auch zu den Illuminati geh�ren.�</p><p>Vittoria lachte. �Nein, bestimmt nicht. Ich benutze r�mische Ziffern, um meine pelagischen Zonen zu kennzeichnen.�</p><p><emphasis>Nat�rlich,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Tun wir das nicht alle?</emphasis></p><p>Vittoria blickte zu ihm her�ber. �Und was bedeutet DIII nun?�</p><p>�DI, DII und DIII sind sehr alte Abk�rzungen. Die zeitgen�ssischen Wissenschaftler benutzten sie, um zwischen den drei h�ufig miteinander verwechselten B�chern Galileos zu unterscheiden.�</p><p>Vittoria atmete scharf ein. <emphasis>�Dialogo</emphasis>... <emphasis>Discorsi... Diagramma.�</emphasis></p><p>�Deins, Dzwei und Ddrei. Allesamt wissenschaftliche Werke. Allesamt kontrovers. 503 steht f�r <emphasis>Diagramma.</emphasis> Das dritte Buch Galileos.�</p><p>Vittoria schien zu zweifeln. �Eine Sache ergibt immer ioch keinen Sinn. Wenn dieses <emphasis>segno,</emphasis> dieser Hinweis auf den Weg der Erleuchtung tats�chlich in Galileos <emphasis>Diagramma</emphasis> zu finden ist</p><p>- warum haben die M�nner des Vatikans es nicht bemerkt, als sie die B�cher einsammelten?�</p><p>�Vielleicht haben sie es gesehen und nicht erkannt, was sich dahinter verbirgt. Erinnern Sie sich an die Zeichen der Illuminati? Vor aller Augen sichtbar und doch verborgen? Dissimulation? Das <emphasis>segno</emphasis> war offensichtlich auf die gleiche Weise getarnt. Unsichtbar f�r alle, die nicht wussten, wonach sie zu suchen hatten. Und unsichtbar f�r diejenigen, die es nicht <emphasis>verstanden.�</emphasis></p><p>�Und was bedeutet das?�</p><p>�Dass Galileo es sehr gut versteckt hat. Nach den historischen Aufzeichnungen zu urteilen, wurde das <emphasis>segno</emphasis> auf eine Weise enth�llt, die die Illuminati <emphasis>linguapura</emphasis> nannten.�</p><p>�Die reine Sprache?�</p><p>�Genau.�</p><p>�Mathematik?�</p><p>�Glaube ich zumindest. Es scheint im Grunde offensichtlich. Galileo war Wissenschaftler, und er schrieb <emphasis>f�r</emphasis> Wissenschaftler. Mathematik w�re die logische Sprache f�r den Hinweis. Das Buch hei�t <emphasis>Diagramma,</emphasis> also bilden mathematische Diagramme m�glicherweise einen Bestandteil des Kodes.�</p><p>Vittoria klang immer noch nicht recht �berzeugt. �Ich nehme an, Galileo h�tte durchaus einen mathematischen Kode verwenden k�nnen, der dem Klerus nicht auff�llt.�</p><p>�Sie scheinen Ihre Zweifel zu haben�, sagte Langdon und betrat den n�chsten Gang.</p><p>�Ich gestehe es. Haupts�chlich deswegen, weil <emphasis>Sie</emphasis> nicht �berzeugt sind. Wenn Sie so sicher sind wegen DIII, warum haben Sie Ihre Theorie dann nicht ver�ffentlicht? Irgendjemand mit Zugang zum Geheimarchiv h�tte l�ngst herkommen und <emphasis>Diagramma</emphasis> �berpr�fen k�nnen.�</p><p>�Ich wollte meine Ergebnisse nicht ver�ffentlichen�, entgegnete Langdon. �Ich habe sehr hart gearbeitet, um die Informationen zu finden, und ich wollte.� Er brach verlegen ab.</p><p>�Sie wollten den Ruhm f�r sich.�</p><p>Langdon sp�rte, dass er err�tete. �In gewisser Hinsicht. Es ist nur, dass.�</p><p>�Schauen Sie mich nicht so verlegen an. Sie sprechen mit einer Wissenschaftlerin. Publiziere oder gehe unter. Bei CERN ist das nicht anders, Robert.�</p><p>�Es war jedenfalls nicht nur der Grund, dass ich der Erste sein wollte. Ich musste bef�rchten, dass <emphasis>Diagramma</emphasis> verschwinden k�nnte, falls die falschen Leute von den Informationen in diesem Buch erfuhren.�</p><p>�Mit falschen Leuten meinen Sie den Vatikan?�</p><p>�Nicht, dass es per se die falschen Leute w�ren, doch die Kirche hat die Bedrohung durch die Illuminati stets heruntergespielt. Noch Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts behauptete der Vatikan, die Illuminati w�ren nichts weiter als ein Hirngespinst von Leuten mit �berbordender Fantasie. Der Klerus war wohl der Meinung - und wahrscheinlich zu Recht - , dass die Christen besser nichts von einer so m�chtigen antichristlichen Bewegung erfuhren, die ihre Banken, Parlamente und Universit�ten infiltrierte.�</p><p><emphasis>Gegenwart, Robert,</emphasis> ermahnte er sich. <emphasis>Es gibt sie noch immer, diese Organisation, und sie infiltriert noch immer Banken, Parlamente und Universit�ten.</emphasis></p><p>�Sie halten es f�r m�glich, dass der Vatikan s�mtliche Beweise vernichtet h�tte, die auf die wirkliche Bedrohung durch die Illuminati hinweisen?�</p><p>�Durchaus m�glich, ja. Jede Bedrohung, gleichg�ltig, ob sie real ist oder eingebildet, schw�cht das Vertrauen in die Macht der Kirche.�</p><p>�Noch eine Frage.� Vittoria blieb stehen und schaute Langdon an, als w�re er ein Au�erirdischer. �Meinen Sie das alles ernst? �</p><p>Langdon hielt inne. �Wie meinen Sie das?�</p><p>�Haben Sie das wirklich vor?�</p><p>Langdon war nicht sicher, ob das Glitzern in ihren Augen nacktes Entsetzen oder heimliche Belustigung war. �Sie meinen die Suche nach <emphasis>Diagramma?�</emphasis></p><p>�Nein, ich meine nicht nur die Suche. Ich meine <emphasis>Diagramma </emphasis>zu finden, ein vierhundert Jahre altes <emphasis>segno</emphasis> aufzusp�ren, irgendeinen mathematischen Kode zu entziffern und einer uralten Spur aus Kunstwerken zu folgen, die zu entdecken allein die brillantesten Wissenschaftler in der Geschichte der Menschheit in der Lage gewesen sind. und all das innerhalb der n�chsten vier Stunden?�</p><p>Langdon zuckte die Schultern. �Wenn Sie einen besseren Vorschlag haben.?�</p></section><section><title><p>Kapitel 50.</p></title><p>Robert Langdon stand vor dem B�chertresor Nummer neun und las die Beschriftungen an den Regalen.</p><p>BRAHE. CLAVIUS. COPERNICUS. KEPLER. NEWTON.</p><p>Er las die Namen erneut und sp�rte ein merkw�rdiges Unbehagen. Hier stehen die Wissenschaftler - aber wo ist Galileo?</p><p>Er wandte sich zu Vittoria um, die vor einem anderen Container stand. �Ich habe das richtige Gebiet gefunden, aber Galileo fehlt.�</p><p>�Nein, er fehlt nicht�, sagte sie mit gerunzelter Stirn, wobei sie auf den n�chsten Tresor deutete. �Er steht hier dr�ben. Ich hoffe nur, Sie haben Ihre Lesebrille mitgebracht, weil <emphasis>dieser ganze Container</emphasis> nur Galileo enth�lt.�</p><p>Langdon eilte zu ihr. Vittoria hatte Recht. Jedes einzelne Schild an den Regalen im Tresor trug die gleiche Aufschrift.</p><p>IL PROCESO GALILEANO</p><p>Langdon stie� einen leisen Pfiff aus, als ihm bewusst wurde-, dass Galileo tats�chlich seinen eigenen Tresor besa�. �Die</p><p>Galileo-Aff�re�, �bersetzte er recht frei und sp�hte durch das</p><p>Glas auf die dunklen Regale. �Der l�ngste und kostspieligste Prozess in der Geschichte des Vatikans. Vierzehn Jahre und sechshundert Millionen Lire. Es steht alles hier.�</p><p>� Ein paar Gerichtsakten?�</p><p>�Ich sch�tze, Anw�lte haben sich im Lauf der Jahrhunderte nicht weiterentwickelt.�</p><p>�Genauso wenig wie Haie.�</p><p>Langdon ging zu einem Paneel an der Seite des Containers</p><p>und dr�ckte auf einen gro�en gelben Knopf Im Innern flammte summend eine Reihe von Lichtern auf und tauchte den Tresor ein tiefes Rot. Ein Labyrinth hoher Regale wurde sichtbar.</p><p>�Mein Gott�, sagte Vittoria und erschauerte. �Wollen wir uns hier br�unen oder arbeiten?�</p><p>�Pergament und Velin verblassen, deswegen sind</p><p>B�chertresore immer mit Rotlicht ausgestattet.�</p><p>�Man k�nnte glatt verr�ckt werden dort drin.�</p><p><emphasis>Oder schlimmer,</emphasis> dachte Langdon und ging zum Eingang des</p><p>Containers. �Ich muss Sie warnen, Vittoria. Sauerstoff ist ein Oxidationsmittel, deswegen gibt es in den hermetisch versiegelten Tresoren nur sehr wenig davon. Es herrscht Unterdruck im Innern, und das Atmen wird erschwert.�</p><p>�Hey, wenn alte Kardinale es �berleben!�</p><p><emphasis>Zugegeben,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Hoffentlich haben wir genauso viel Gl�ck.</emphasis></p><p>Der Eingang bestand aus einer elektrisch betriebenen Dreht�r. Jede der vier Sektionen war mit einem Knopf ausgestattet. Bei Bet�tigung des Knopfes vollf�hrte die T�r genau eine halbe Umdrehung, bevor sie wieder stillstand - die Standardprozedur, um die Integrit�t der Schutzatmosph�re im Innern des Tresors zu erhalten.</p><p>�Wenn ich drin bin, dr�cken Sie auf den Knopf und folgen mir�, sagte Langdon. �Im Innern herrschen nur acht Prozent Luftfeuchtigkeit, also richten Sie sich auf eine trockene Nase ein.�</p><p>Er betrat die erste T�rsektion und dr�ckte auf den Knopf. Die T�r setzte sich laut summend in Bewegung. Er folgte ihrer Bahn und bereitete sich auf den physischen Schock vor, der stets mit den ersten Sekunden in einem hermetischen B�chertresor einherging. Es war, als w�rde man in einem einzigen Augenblick von Meeresh�he auf sechstausend Meter H�he katapultiert. �belkeit und Schwindelgef�hl waren nicht selten die Folge. <emphasis>Sobald dir schwindlig wird, musst du dich b�cken, </emphasis>rief Langdon sich die erste Regel der Bibliothekare ins Ged�chtnis. Er sp�rte, wie es in seinen Ohren knackte. Ein Zischen ert�nte, und die T�r hielt an.</p><p>Er war im Tresor.</p><p>Sein erster Gedanke war, dass die Luft noch d�nner schien, als er erwartet hatte. Der Vatikan sch�tzte seine Archive noch sorgf�ltiger als andere Einrichtungen. Langdon k�mpfte gegen den aufsteigenden W�rgereflex und versuchte sich zu entspannen, w�hrend seine Lungenkapillaren sich weiteten. Das Beklemmungsgef�hl schwand. Also waren die f�nfzig Runden, die er jeden Tag schwamm, doch zu etwas nutze. Sein Atem ging fast wieder normal, als er den ersten Blick aus der N�he auf die hohen Regale warf. Trotz der transparenten W�nde sp�rte er eine vertraute Furcht. Ich bin in einer Kiste eingesperrt, dachte er. Einer verdammten blutroten Kiste.</p><p>Die T�r hinter ihm summte, und Langdon wandte sich zu Vittoria um, die in diesem Augenblick den Tresor betrat. Ihre Augen begannen sofort zu tr�nen, und sie atmete unter gr��ter M�he.</p><p>�Warten Sie einen Moment�, riet Langdon. �Wenn Ihnen schwindlig wird, gehen Sie in die Hocke.�</p><p>� Ich. ich f�hle mich.�, keuchte Vittoria, �. als w�rde ich mit der falschen Pressluftmischung tauchen.�</p><p>Langdon wartete, bis sie sich akklimatisiert hatte. Sie w�rde es �berstehen. Vittoria war ganz offensichtlich in ausgezeichneter Form, nicht zu vergleichen mit den senilen alten Radcliffe-Alumnen, die Langdon durch den hermetischen Tresor der <emphasis>Widener Library</emphasis> gef�hrt hatte. Die F�hrung hatte damit geendet, dass Langdon einer alten Frau, die fast ihre dritten Z�hne verschluckt hatte, Mundzu-Mund-Beatmung geben musste.</p><p>�Geht es besser?�, fragte er.</p><p>Vittoria nickte.</p><p>�Ich bin in Ihrem verdammten Flugzeug geflogen und dachte, ich schulde Ihnen was.�</p><p>Sie l�chelte. <emphasis>�Touche.�</emphasis></p><p>Langdon griff in einen Kasten neben der T�r und zog ein Paar wei�e Baumwollhandschuhe hervor.</p><p>�So f�rmlich?�, fragte Vittoria.</p><p>�S�ure auf der Haut. Wir d�rfen die Dokumente nicht ohne Handschuhe anfassen. Nehmen Sie sich auch welche.�</p><p>Vittoria zog sich Handschuhe �ber. �Wie viel Zeit haben wir?�</p><p>Langdon warf einen Blick auf seine Mickey-Mouse-Uhr. �Es ist kurz nach sieben.�</p><p>�Wir m�ssen dieses Buch innerhalb einer Stunde finden.�</p><p>�Offen gestanden�, erwiderte er, �so viel Zeit bleibt uns nicht.� Er deutete nach oben, wo vor einem Bel�ftungsrohr ein gro�er Filter angebracht war. �Normalerweise w�rde der Bibliothekar die Luftversorgung aktivieren, wenn jemand im Tresor arbeitet. Wir haben maximal zwanzig Minuten, bevor wir ersticken.�</p><p>Vittoria erbleichte merklich, trotz der roten Beleuchtung.</p><p>Langdon l�chelte und streifte die Handschuhe glatt. �Finden wir�s oder sterben bei dem Versuch, Miss Vetra. Alles oder nichts. Mickey Mouse tickt.�</p></section><section><title><p>Kapitel 51.</p></title><p>G�nther Glick starrte fast zehn Sekunden wortlos auf das Mobiltelefon in seiner Hand, bevor er es schlie�lich zuklappte.</p><p>Chinita Macri blickte aus dem hinteren Teil des �bertragungswagens neugierig zu ihm. �Was ist los?�, fragte sie. �Wer war das?�</p><p>Glick wandte sich um. Er f�hlte sich wie ein Kind, das soeben ein Weihnachtsgeschenk erhalten hatte und bef�rchtete, dass es dieses Geschenk nicht behalten durfte. �Ich hab gerade einen Tipp bekommen. Irgendetwas geht da im Vatikan vor.�</p><p>�Man nennt es Konklave�, witzelte Chinita. �Was f�r ein Mordstipp!�</p><p>�Nein, etwas anderes.� <emphasis>Etwas verdammt Gro�es.</emphasis> Er fragte sich, ob die Geschichte, die ihm der Anrufer am Telefon erz�hlt hatte, �berhaupt m�glich war. Glick f�hlte sich besch�mt, als ihm bewusst wurde, dass er es insgeheim hoffte. �Was, wenn ich dir erz�hle, dass vier Kardinale entf�hrt wurden und heute Nacht in verschiedenen Kirchen ermordet werden sollen?�</p><p>�Ich w�rde sagen, dass dich irgendjemand im B�ro mit einem kranken Sinn f�r Humor auf den Arm zu nehmen versucht.�</p><p>�Was, wenn ich dir erz�hle, dass der Anrufer uns den genauen Ort des ersten Mordes nennen wird?�</p><p>�Mit wem, zur H�lle, hast du da geredet?�</p><p>�Er hat seinen Namen nicht genannt.�</p><p>�Vielleicht, weil er nur Schei�e im Kopf hat.�</p><p>Glick kannte Chinitas Zynismus und hatte damit gerechnet, doch sie verga�, dass L�gner und Irre fast ein Jahrzehnt lang G�nther Glicks t�gliches Brot beim <emphasis>British Tattier</emphasis> gewesen waren. Dieser Anrufer geh�rte weder zur einen Gruppe noch zur</p><p>anderen; der Anrufer war eiskalt gewesen und hatte genau gewusst, wor�ber er sprach. K�hl und logisch. <emphasis>Ich rufe Sie kurz vor acht wieder an,</emphasis> waren seine Worte gewesen, <emphasis>und verrate Ihnen, wo der erste Mord ver�bt wird. Die Bilder werden Sie ber�hmt machen.</emphasis> Glick hatte gefragt, warum der Anrufer ihm diese Information gab, und die Antwort war eisig gewesen. <emphasis>Die Medien sind der rechte Arm des Terrors.</emphasis></p><p>�Er hat mir noch etwas anderes verraten�, fuhr Glick fort.</p><p>�Was denn? Dass Elvis Presley zum Papst gew�hlt worden ist.</p><p>�Geh mal in die BBC-Datenbank, ja?� Adrenalin rauschte in seinen Ohren. �Ich m�chte wissen, was wir sonst noch �ber diese Typen haben.�</p><p>�Was f�r Typen?�</p><p>�Immer mit der Ruhe.�</p><p>Chinita Macri seufzte und w�hlte sich in die Datenbank der BBC ein. �Kann ein bisschen dauern.�</p><p>Glicks Gedanken �berschlugen sich. �Der Anrufer wollte wissen, ob ich einen Kameramann bei mir habe.�</p><p>� Ich bin Videografin.�</p><p>�Und ob wir Live �bertragen k�nnen.�</p><p>�Auf eins Komma f�nf drei sieben Megahertz. Was hat das alles zu bedeuten?� Der Bildschirm wurde hell. �In Ordnung, wir sind drin. Wonach suchst du?�</p><p>Glick nannte ihr das Schl�sselwort.</p><p>Chinita starrte ihn aus aufgerissenen Augen an. �Ich hoffe sehr, dass das kein Witz ist!�</p></section><section><title><p>Kapitel 52.</p></title><p>B�chertresor Nummer zehn war nicht so intuitiv organisiert wie Langdon eigentlich gehofft hatte, und <emphasis>Diagramma schien </emphasis>nicht bei den anderen gleichartigen Publikationen Galileis, zu stehen. Ohne Zugriff auf die Datenbank der Bibliothek und eine Referenzangabe k�men sie nicht weiter.</p><p>�Und Sie sind ganz sicher, dass <emphasis>Diagramma</emphasis> hier drin ist?�, fragte Vittoria.</p><p>�Ganz sicher. Ich habe einen offiziellen Katalog vom <emphasis>Ufficio della Propaganda delle...�</emphasis></p><p>�Wie auch immer. Hauptsache, Sie sind sicher.� Sie suchte die Regale zur Linken ab, w�hrend er sich nach rechts wandte.</p><p>Langdon musste sich zusammenrei�en, um nicht bei jedem der zahllosen Sch�tze vor seinen Augen innezuhalten und darin zu lesen. Die Sammlung war schlichtweg atemberaubend.</p><p><emphasis>Saggiatore... Sidereus Nundus... Istoria e dimostrazione intorno alle macchie solari... Apologiapro Galileo</emphasis>... es nahm kein Ende.</p><p>Doch es war Vittoria, die schlie�lich ganz hinten im Tresor den Volltreffer landete. <emphasis>�Diagramma della Verit�!�,</emphasis> rief sie mit heiserer Stimme.</p><p>Langdon war mit einem Satz bei ihr. �Wo?�</p><p>Vittoria deutete auf einen gro�en Kasten, und Langdon erkannte, warum sie es nicht fr�her gefunden hatten. Das Manuskript war ungebunden und lagerte, wie f�r derartige Werke �blich, in einem Foliantenbeh�lter. Das Etikett auf der Vorderseite lie� keinen Zweifel am Inhalt:</p><p>DIAGRAMMA DELLA VERIT� Galileo Galilei, 1639</p><p>Langdon kniete mit klopfendem Herzen vor dem Kasten</p><p>nieder. <emphasis>�Diagramma�,</emphasis> fl�sterte er und grinste sie an. �Gute Arbeit. Helfen Sie mir, den Kasten herauszuziehen.�</p><p>Vittoria kniete neben ihm nieder, und sie zogen. Die Metalllade, auf der die Kiste ruhte, rollte ihnen entgegen, und die Oberseite des Beh�lters wurde sichtbar.</p><p>�Kein Schloss?�, fragte Vittoria �berrascht, als sie den einfachen Riegel bemerkte.</p><p>�Nein, niemals. Manchmal m�ssen Dokumente sehr schnell in Sicherheit gebracht werden. Bei �berschwemmungen oder</p><p>Feuer, zum Beispiel.�</p><p>�Machen Sie�s schon auf.�</p><p>Langdon ben�tigte keine zweite Aufforderung. Der Traum seines akademischen Lebens lag vor ihm, doch die d�nne Luft im Tresor trug ihren Teil dazu bei, dass er den Moment nicht L�nger auskostete. Er schob den Riegel zur�ck und hob den Deckel an. In der Kiste lag eine schwarze Segeltuchh�lle. Die</p><p>Luftdurchl�ssigkeit war lebenswichtig, um den Inhalt zu sch�tzen. Mit beiden H�nden griff Langdon in die Kiste und hob den Stoffumschlag vorsichtig heraus.</p><p>�Ich hatte eigentlich eine Schatztruhe erwartet�, sagte Vittoria. �Wenn Sie mich fragen, so sieht es eher aus wie eine Kissenh�lle.�</p><p>�Kommen Sie mit�, erwiderte Langdon. Er trug die Stoffh�lle vor sich her wie ein geheiligtes Opfer und ging damit zur Mitte des Tresors, wo der in Archiven �bliche Lesetisch mit gl�serner Platte stand. Die zentrale Position diente dazu, die</p><p>Dokumente m�glichst wenig zu bewegen; gleichzeitig boten die Regale ringsum eine gewisse Privatsph�re. In den Gew�lben der gro�en Archive wurden bahnbrechende Erkenntnisse gewonnen, und die meisten Akademiker mochten �berhaupt nicht, wenn Konkurrenten ihnen bei ihren Arbeiten �ber die Schulter sahen.</p><p>Langdon legte die H�lle auf den Tisch und kn�pfte sie auf. Vittoria stand neben ihm und schaute zu. Er kramte in einer Schublade mit Werkzeugen und fand schlie�lich die mit Filz gepolsterten Flachpinzetten, die Archivare zum Umbl�ttern antiker Seiten benutzten. Langdons Aufregung stieg ins Unermessliche. Er bef�rchtete beinahe, jeden Augenblick daheim in Cambridge aus einem Traum aufzuwachen und vor einem Stapel Klausuren zu sitzen, die er korrigieren musste. Er atmete tief durch und �ffnete den Stoffumschlag. Mit zitternden Fingern schob er das Werkzeug hinein.</p><p>�Entspannen Sie sich�, sagte Vittoria. �Es ist Papier, kein Plutonium.�</p><p>Langdon packte den Stapel Papier im Innern und hielt ihn an Ort und Stelle fest, w�hrend er den Stoff nach hinten wegzog -die gew�hnliche Prozedur, um das Artefakt m�glichst schonend aus seiner H�lle zu ziehen. Erst als die H�lle ganz entfernt war und Langdon das Untersuchungslicht eingeschaltet hatte, beruhigte sich sein Atem wieder.</p><p>Vittoria sah im Schein des roten Lichts wie ein Gespenst aus. �Ziemlich kleine Bl�tter�, sagte sie mit ehrf�rchtiger Stimme.</p><p>Langdon nickte. Die Bl�tter waren nicht gr��er als Taschenbuchseiten. Das Deckblatt war kunstvoll mit Titel, Datum und Galileos eigenh�ndiger Unterschrift geschm�ckt.</p><p>Langdon verga� seine beengte Umgebung, seine Klaustrophobie und die schreckliche Lage, die ihn hierher gef�hrt hatte. Er starrte voller Staunen auf das vor ihm liegende Manuskript. Derart hautnahe Begegnungen mit der Geschichte lie�en ihn stets vor Ehrfurcht erstarren. als st�nde er vor der <emphasis>Mona Lisa</emphasis> und s�he die Pinselstriche mit eigenen Augen.</p><p>Der vergilbte, stumpfe Papyrus lie� keinen Zweifel an seinem Alter und seiner Echtheit aufkommen, doch von dem unausweichlichen Verbleichen abgesehen war das gesamte Dokument in fantastischem Zustand. Langdon betrachtete die kunstvolle Schrift auf der ersten Seite, und seine Sicht verschwamm ein wenig wegen der trockenen Luft. Vittoria stand schweigend neben ihm.</p><p>�Geben Sie mir bitte einen Spatel, Vittoria.� Langdon deutete auf die mit Spezialwerkzeugen gef�llte Schublade. Sie reichte ihm den Spatel, und er schob die Klinge unter das Deckblatt, um die erste Seite aufzuschlagen.</p><p>Die erste Seite war in Langschrift beschrieben; die winzigen kalligrafischen Zeichen kaum zu entziffern. Langdon bemerkte sogleich, dass es weder Zahlen noch Diagramme gab. Es handelte sich um einen Aufsatz.</p><p>�Heliozentrizit�t�, sagte Vittoria und �bersetzte damit die</p><p>Kapitel�berschrift auf der ersten Seite. Sie �berflog den Text. Sieht aus, als w�rde Galileo das Modell ein f�r alle Mal von sich weisen. Es ist auf Altitalienisch, deswegen w�rde ich meine Hand f�r die �bersetzung nicht ins Feuer legen.�</p><p>�Vergessen Sie�s�, sagte Langdon. �Wir suchen nach Formeln. Mathematik, die reine Sprache.� Er benutzte den Spatel, um weitere Seiten umzubl�ttern. Ein weiterer Aufsatz. Keine Mathematik, keine Diagramme. Langdon bekam in den Handschuhen feuchte Finger.</p><p>�Die Bewegung der Planeten�, �bersetzte Vittoria die �berschrift.</p><p>Langdon runzelte die Stirn. An jedem anderen Tag h�tte er sich voller Faszination dem Text gewidmet. Es war unglaublich, doch das heutige Planetenmodell, durch hochaufl�sende Teleskope beobachtet, stimmte bis ins Detail mit dem Modell �berein, das Galileo vor Jahrhunderten entwickelt hatte.</p><p>� Keine Mathematik�, sagte Vittoria. �Er schreibt �ber umgekehrte Bewegung und �ber elliptische Orbits, wenn ich mich nicht irre.�</p><p><emphasis>Elliptische Orbits.</emphasis> Langdon rief sich ins Ged�chtnis, dass ein gro�er Teil von Galileos Problemen damit begonnen hatte, dass er die Planetenbewegungen als elliptisch beschrieb. Der Vatikan bestand auf der Vollkommenheit der Kreisbewegung und auf der Behauptung, dass die Himmelsgeometrie kreisf�rmig sein <emphasis>m�sse.</emphasis> Galileos Illuminati jedoch erkannten auch die Perfektion der Ellipse und die mathematische Erhabenheit zweier Brennpunkte.</p><p>�Die n�chste Seite�, sagte Vittoria.</p><p>Langdon bl�tterte um.</p><p>�Mondphasen und Gezeitenbewegungen�, �bersetzte sie. �Keine Zahlen, keine Diagramme.�</p><p>Langdon bl�tterte weiter. Wieder nichts. Er bl�tterte ein Dutzend Seiten oder mehr um. Nichts, nichts und wieder nichts. �Ich dachte, dieser Typ sei Mathematiker gewesen�, sagte Vittoria. �Das hier ist nur Text.�</p><p>Langdon sp�rte, wie er allm�hlich unter Atemnot zu leiden begann. Seine Hoffnungen schwanden dahin.</p><p>�Nichts�, sagte Vittoria. �Keine Mathematik. Ein paar Daten, ein paar Zahlen, aber keine Formeln, nichts, das nach einem Hinweis aussieht.�</p><p>Langdon bl�tterte bis zur letzten Seite und seufzte. Auch sie enthielt nur Text.</p><p>�Ziemlich kurzes Werk�, sagte Vittoria und runzelte die Stirn.</p><p>Langdon nickte.</p><p><emphasis>�Merda,</emphasis> wie wir in Rom zu sagen pflegen.�</p><p><emphasis>�Schei�e� - das trifft es genau,</emphasis> dachte Langdon. Sein Spiegelbild im Glas schien sp�ttisch zu grinsen, wie die Reflexion im Erkerfenster zu Hause, am fr�hen Morgen. <emphasis>Ein alterndes Gespenst.</emphasis> �Es muss aber irgendetwas drinstehen!�, sagte er, und die offenkundige Verzweiflung in seiner Stimme �berraschte ihn selbst. �Das <emphasis>segno</emphasis> ist hier irgendwo versteckt. Ich <emphasis>wei�,</emphasis> dass es hier drin ist!�</p><p>�Vielleicht haben Sie sich mit DIII ja auch geirrt?�</p><p>Langdon starrte sie an.</p><p>�Also sch�n�, gestand sie, �DIII ergibt einen Sinn. Aber vielleicht ist es kein mathematischer Hinweis?�</p><p><emphasis>�Lingua pura.</emphasis> Was sonst sollte es sein, wenn nicht Mathematik?�</p><p>�Kunst?�</p><p>�Aber es gibt weder Diagramme noch Bilder in diesem Buch!�, gab Langdon zu bedenken.</p><p>�Ich wei� nur, dass <emphasis>lingua pura</emphasis> eine andere Sprache als Italienisch meint. Mathematik scheint mir der logische Schluss.�</p><p>�Genau meine Meinung.� Langdon wollte sich nicht so rasch geschlagen geben. �Die Zahlen sind vielleicht ausgeschrieben. Die Formeln sind in Worte gekleidet, nicht in Gleichungen.�</p><p>�Es wird sicher einige Zeit dauern, s�mtliche Seiten zu lesen.�</p><p>�Zeit haben wir aber nicht. Wir m�ssen uns die Arbeit teilen.� Langdon bl�tterte zum Anfang des Manuskripts zur�ck.</p><p>�Ich kann genug Italienisch, um geschriebene Zahlen zu erkennen.� Mit seinem Spatel teilte er den Stapel Seiten wie ein Kartenspiel und legte Vittoria das erste halbe Dutzend Bl�tter hin.</p><p>�Es muss irgendwo in diesem Manuskript sein. Ich bin ganz sicher.�</p><p>Vittoria bl�tterte die erste Seite mit der Hand um.</p><p>�Nehmen Sie einen Spatel�, ermahnte sie Langdon.</p><p>�Ich trage doch Handschuhe!�</p><p>�Trotzdem. Benutzen Sie einen Spatel.� Langdon reichte ihr eines der Instrumente aus der Lade.</p><p>�Sp�ren Sie es eigentlich auch?�, fragte sie.</p><p>�Was?�</p><p>�Kurzatmigkeit.�</p><p>Langdon nickte. Er litt ebenfalls unter Atemnot. Die Luft verbrauchte sich schneller, als er erwartet hatte. Er wusste, dass sie sich beeilen mussten. Die Suche nach verborgenen Andeutungen in antiker Literatur war nichts Neues f�r ihn, doch in der Regel blieben ihm mehr als ein paar Minuten, um ein R�tsel zu l�sen. Ohne ein weiteres Wort senkte er den Kopf und begann die erste Seite seines Stapels zu �bersetzen.</p><p><emphasis>Zeig dich endlich, verdammt! Zeig dich!</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel 53.</p></title><p>Irgendwo in Rom stapfte eine dunkle Gestalt durch einen unterirdischen Tunnel. Die alte Passage war nur von Fackellicht erhellt, was die Luft hei� und stickig machte. Ein St�ck voraus hallten die ver�ngstigten Stimmen von M�nnern durch die Dunkelheit, die vergeblich um Hilfe riefen.</p><p>Die dunkle Gestalt umrundete eine Biegung. Alles war , wie sie es verlassen hatte - vier alte M�nner, ver�ngstigt und eingesperrt in einer kleinen Zelle mit einer rostigen Gittert�r.</p><p><emphasis>�Qui etesvous?�,</emphasis> fragte einer von ihnen auf Franz�sisch. �Was wollen Sie von uns?�</p><p>�Hilfe!�, rief ein anderer auf Deutsch. �Lassen Sie uns gehen!�</p><p>�Wissen Sie �berhaupt, wer wir sind?�, fragte ein dritter mit spanischem Akzent.</p><p>�Ruhe!�, befahl die dunkle Gestalt mit rauer Stimme. Das Wort besa� etwas Endg�ltiges.</p><p>Der vierte Gefangene, ein Italiener, still und nachdenklich, starrte in das d�stere Schwarz der Augen des Fremden und h�tte schw�ren k�nnen, darin die H�lle selbst zu sehen. <emphasis>Gott sei uns allen gn�dig,</emphasis> dachte er.</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> warf einen Blick auf seine Uhr und wandte sich dann wieder seinen Gefangenen zu. �Also sch�n�, sagte er. �Wer ist der Erste?�</p></section><section><title><p>Kapitel 54.</p></title><p>Im Innern des B�chertresors Nummer zehn �berflog Robert Langdon italienische Kalligrafie auf der Suche nach ausgeschriebenen Zahlen. <emphasis>Mille</emphasis>... <emphasis>cento</emphasis>... <emphasis>uno, due, tre... cinquanta. Ich brauche eine Spur! Irgendetwas, verdammt!</emphasis></p><p>Als er auf der unteren Zeile des Blattes angelangt war, bl�tterte er mithilfe des Spatels um und stellte fest, dass er Schwierigkeiten hatte, das Instrument ruhig zu halten. Ein paar Minuten sp�ter wurde ihm bewusst, dass er den Spatel weggelegt hatte und die Seiten mit der Hand wendete. <emphasis>Hoppla, </emphasis>dachte er mit dem dumpfen Gef�hl, etwas Unrechtes zu tun. Der Sauerstoffmangel beeintr�chtigte sein Denkverm�gen. <emphasis>Sieht ganz danach aus, als w�rde ich in der Bibliothekarsh�lle schmoren.</emphasis></p><p>�Das wurde aber auch h�chste Zeit!�, �chzte Vittoria, als sie es bemerkte. Sie lie� ihren Spatel fallen und folgte seinem Beispiel.</p><p>�Hatten Sie bereits Gl�ck?�</p><p>Vittoria sch�ttelte den Kopf. �Nichts, das nach Mathematik ausgesehen h�tte. Ich �berfliege die Seiten, aber nichts von alledem sieht nach versteckten Hinweisen aus.�</p><p>Langdon hatte zunehmend M�he, die kleingeschriebenen Buchstaben zu entziffern. Sein Italienisch war �ckenhaft, und die archaische Sprache machte seine �bersetzungsbem�hungen zu einer langwierigen Angelegenheit. Vittoria war vor Langdon mit ihrem Stapel fertig und beobachtete ihn entmutigt beim Lesen. Sie beugte sich vor, um noch einmal von vorne anzufangen.</p><p>Als Langdon mit seinen Bl�ttern durch war, stie� er einen leisen Fluch aus und wandte sich zu Vittoria. Sie hatte die Stirn</p><p>in Falten gelegt und studierte angestrengt ein Detail auf einer ihrer Seiten. �Haben Sie etwas?�, fragte er.</p><p>Vittoria blickte nicht auf. �Hatten Sie auf Ihren Seiten Fu�noten?�</p><p>�Mir sind keine aufgefallen. Warum?�</p><p>�Diese Seite hat eine Fu�note. Sie ist in den Schn�rkeln der Umrandung versteckt.�</p><p>Langdon versuchte zu erkennen, was sie meinte, doch er sah nur die Seitenzahl in der oberen rechten Ecke des Blattes. Nummer f�nf. Es dauerte einen Augenblick, bis ihm die �berein-Umrandung bewusst wurde, und selbst dann blieb sie noch vage. <emphasis>Blatt Nummer f�nf. F�nf, Pythagoras, Pentagramme, Illuminati.</emphasis> Langdon �berlegte, ob die Illuminati die Seite Nummer f�nf gew�hlt h�tten, um darauf ihren Hinweis zu verstecken, Durch den r�tlichen Nebel, der sein Sichtfeld einengte, sah er einen winzigen Hoffnungsschimmer. �Ist es eine mathematische Fu�note?�, fragte er Vittoria.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Text. Eine Zeile.</p><p>Sehr klein geschrieben und kaum zu entziffern.</p><p>Langdons Hoffnungen schwanden wieder. �Es muss aber Mathematik sein. <emphasis>Lingua pura!�</emphasis></p><p>�Ja, ich wei�.� Sie z�gerte. �Trotzdem glaube ich, dass Sie sich das hier anh�ren sollten.� Er sp�rte die Aufregung in ihrer Stimme.</p><p>�Schie�en Sie los!�</p><p>Vittoria kniff die Augen zusammen, w�hrend sie die Zeile m�hsam entzifferte. <emphasis>�Der Lichtpfad ist gelegt, der heilge Test.�</emphasis></p><p>�Der Lichtpfad?� Langdon richtete sich auf.</p><p>�Das steht hier. Der Lichtpfad.�</p><p>W�hrend die Worte in Langdons Bewusstsein sickerten, erlebte er einen Augenblick der Klarheit. <emphasis>Der Lichtpfad ist gelegt, der heiige Test.</emphasis> Er wusste nicht, wie es ihnen</p><p>weiterhelfen sollte, doch die Zeile war ein direkter Verweis auf den Weg der Erleuchtung, so viel schien sicher. Lichtpfad. Heiliger Test. Sein Kopf f�hlte sich an wie ein Motor mit minderwertigem Kraftstoff. �Sind Sie sicher, dass Sie es richtig aus dem Italienischen �bersetzt haben?�</p><p>Vittoria z�gerte. �Offen gestanden.� Sie schaute ihn mit einem merkw�rdigen Ausdruck an. �... offen gestanden ist es keine �bersetzung aus dem Italienischen. Die Zeile steht in Englisch da.�</p><p>Im ersten Augenblick glaubte Langdon, sich verh�rt zu haben. <emphasis>�Englisch?�</emphasis></p><p>Vittoria schob ihm das Blatt hin, und Langdon las die winzige Schrift am unteren Rand der Seite. <emphasis>�The path of light is laid, the sacred test.</emphasis> Englisch? Was sucht englischer Text in einem italienischen Manuskript?�</p><p>Vittoria zuckte die Schultern. �Vielleicht meinten sie Englisch, wenn sie von der <emphasis>lingua pura,</emphasis> gesprochen haben? Englisch ist die internationale Sprache der Wissenschaft. Bei CERN sprechen wir nur Englisch.�</p><p>�Aber das hier wurde im siebzehnten Jahrhundert geschrieben�, entgegnete Langdon. �Niemand im Italien des siebzehnten Jahrhunderts hat Englisch gesprochen, nicht einmal die..� Er hielt inne, als ihm bewusst wurde, was er sagen wollte. �Nicht einmal. die Geistlichkeit.�</p><p>Sein akademischer Verstand lief auf Hochtouren. �Im siebzehnten Jahrhundert�, fuhr er fort und redete nun hastiger, �hatte sich das Englische noch nicht im Vatikan durchgesetzt. Man unterhielt sich auf Italienisch, Latein, Griechisch, Deutsch, selbst Spanisch und Franz�sisch, aber Englisch war im Vatikan v�llig fremd. Die Geistlichkeit betrachtete das Englische als eine vergiftete Sprache von Freidenkern wie Chaucer oder Shakespeare.� Pl�tzlich kam ihm die wissenschaftlich umstrittene Hypothese wieder in den Sinn, dass die</p><p>Brandzeichen der Illuminati, die Symbole f�r Erde, Luft, Feuer und Wasser, in englischer Sprache gehalten w�ren. Mit einem Mal ergab alles einen bizarren Sinn.</p><p>�Also hat Galileo Englisch als <emphasis>lingua pura,</emphasis> betrachtet, weil es die einzige Sprache war, die im Vatikan nicht gesprochen wurde?�</p><p>�Ja. Vielleicht hat er auch einfach nur versucht, den vatikanischen Pr�fern seine Botschaft vorzuenthalten.�</p><p>� Aber es ist kein Hinweis!�, widersprach Vittoria. <emphasis>Der Licbtpfad ist gelegt, der heilge Test?</emphasis> Was soll das bedeuten?�</p><p><emphasis>Sie hat Recht,</emphasis> dachte Langdon. Die Zeile half ihnen nicht weiter. Doch w�hrend er die Worte in Gedanken wiederholte, kam ihm eine merkw�rdige Idee. <emphasis>Das ist eigenartig,</emphasis> dachte er. <emphasis>Wie gro� stehen die Chancen, dass es sich so verh�lt?</emphasis></p><p>�Wir m�ssen nach drau�en�, sagte Vittoria. Sie klang heiser.</p><p>Langdon h�rte gar nicht zu. <emphasis>Der Lichtpfad ist gelegt, der heilge Test.</emphasis> F�nf Versf��e aus alternativ betonten und unbetonten Silben. �Es ist ein f�nfhebiger Jambus!�, sagte er unvermittelt.</p><p>Vittoria blickte ihn fragend an. �Ein was?�</p><p>F�r einen Augenblick war Langdon wieder auf der Phillips Exeter Academy. Es war Samstagmorgen, und er sa� im Englischunterricht. <emphasis>H�lle auf Erden.</emphasis> Der Baseballstar der Schule, Peter Greer, hatte M�he, sich an die Zahl von Versf��en zu erinnern, die f�r einen typischen shakespeareschen F�nfheber n�tig waren. Der Lehrer, ein lebhafter Schulmeister namens Bisseil, sprang wutentbrannt auf den Tisch und br�llte: �PentaMeter, Greer! Denken Sie an Heimat-Basis! Ein Pentagon! F�nf Seiten! Penta! Penta! Jesses!�</p><p><emphasis>F�nf Versf��e,</emphasis> dachte Langdon. Jeder Versfu� besa� per Definition zwei Silben. Er konnte nicht fassen, dass er in seiner gesamten beruflichen Laufbahn niemals die Verbindung hergestellt hatte. Der f�nfhebige Jambus war ein symmetrisches Versma�, das auf der F�nf und der Zwei basierte, heiligen Zahlen der Illuminati!</p><p><emphasis>Das ist zu weit hergeholt,</emphasis> sagte sich Langdon und versuchte, den Gedanken zu verbannen. <emphasis>Ein bedeutungsloser Zufall, weiter nichts.</emphasis> Doch der Gedanke lie� sich nicht verbannen. <emphasis>F�nf. f�r Pythagoras und das Pentagramm. Zwei. f�r die Dualit�t aller Dinge.</emphasis></p><p>Einen Augenblick sp�ter kam ihm ein weiterer best�rzender Einfall, und seine Knie wurden weich. Der f�nfhebige Jambus wurde wegen seiner Einfachheit auch �reiner Vers� oder �reiner Meter� genannt. <emphasis>La lingua pura?</emphasis> Konnte das die reine Sprache sein, auf die sich die Illuminati bezogen hatten? <emphasis>The path of light is laid, the sacred lest</emphasis>...</p><p>�Oh�, sagte Vittoria.</p><p>Langdon wirbelte herum und sah, wie sie das Blatt auf den Kopf drehte. Er sp�rte, wie sich in seinem Magen ein Knoten bildete. <emphasis>Nicht schon wieder.</emphasis> �Das kann unm�glich ein Ambigramm sein!�</p><p>�Nein, ist es auch nicht. aber es. es ist.� Sie drehte das Blatt in Neunzig-Grad-Schritten weiter.</p><p>�Es ist was?�</p><p>Vittoria blickte auf. �Es ist nicht die einzige Zeile.�</p><p>�Es gibt noch eine?�</p><p>�Auf jedem Rand steht eine Zeile. Oben, unten, rechts und links. Ich glaube, es ist ein Poem.�</p><p>� Vier Zeilen?� Langdon zitterte vor Aufregung. <emphasis>Galileo war ein Poet?</emphasis> �Zeigen Sie her!�</p><p>Vittoria lie� nicht von der Seite ab. Sie drehte sie weiter, immer in Neunzig-Grad-Schritten. �Ich habe die Zeilen vorher nicht gesehen, weil sie in den Schn�rkeln verborgen sind.� Sie neigte den Kopf zur Seite. �Hmmm. Wissen Sie was? Galileo</p><p>hat diese Zeilen nicht einmal selbst geschrieben!�</p><p><emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>�Das Poem tr�gt die Unterschrift von John Milton.�</p><p>�John <emphasis>Milton?�</emphasis> Der einflussreiche englische Poet und Autor von <emphasis>Paradise Lost</emphasis> war ein Zeitgenosse Galileis gewesen - ein Gelehrter, den Konspirationstheoretiker ganz oben auf der Liste von Galileos Illuminati stehen hatten. Miltons angebliche Verbindungen zu Galileos Illuminati waren eine Legende, von der Langdon annahm, dass sie der Wahrheit entsprach. Nicht nur, dass Milton im Jahre 1638 eine schriftlich belegte Reise nach Rom unternommen hatte, um dort mit �erleuchteten M�nnern� zu sprechen - er hatte auch Galileo mehrere Male besucht, als der unter Hausarrest stand, Treffen, die in zahlreichen Gem�lden aus der Renaissance festgehalten waren, einschlie�lich Annibale Gattis ber�hmtem <emphasis>Galileo et Milton,</emphasis> das heute in Florenz in den Uffizien hing.</p><p>�Milton kannte Galileo, oder?�, sagte Vittoria und schob Langdon endlich das Blatt hin. �Vielleicht hat er dieses Poem als Gunstbeweis geschrieben?�</p><p>Langdon biss auf die Z�hne, als er den Bogen nahm. Er lie� ihn flach auf dem Tisch liegen und las die oberste Zeile. Dann drehte er ihn um neunzig Grad und las die Zeile auf dem linken Rand. Eine weitere Drehung, und er las die untere Zeile. Eine dritte vervollst�ndigte den Kreis. Es waren insgesamt vier Zeilen. Die erste Zeile, die Vittoria entdeckt hatte, war die dritte Zeile des Poems. Mit offenem Mund las er die vier Zeilen erneut und im Uhrzeigersinn: oben, rechts, unten, links. Als er fertig war, atmete er tief durch. Es bestand nicht mehr der geringste Zweifel. �Sie haben es gefunden, Miss Vetra.�</p><p>Sie l�chelte angespannt. �Gut. K�nnen wir jetzt endlich von hier verschwinden?�</p><p>�Ich muss diese Zeilen zuerst abschreiben. Ich brauche einen Stift und Papier.�</p><p>Vittoria sch�ttelte den Kopf. �Vergessen Sie�s, Professor. Wir haben keine Zeit, den Schriftgelehrten zu spielen. Mickey Mouse tickt.� Sie nahm ihm das Blatt aus der Hand und marschierte damit zur T�r.</p><p>Langdon stand auf. �Aber. Sie d�rfen das nicht mit nach drau�en nehmen! Es ist ein.�</p><p>Doch Vittoria war bereits drau�en.</p></section><section><title><p>Kapitel 55.</p></title><p>Langdon und Vittoria platzten aus den Geheimarchiven hinaus auf den Hof. Die frische Luft wirkte wie eine Droge in Langdons Lungen. Die roten Flecken vor den Augen verschwanden rasch, die Schuldgef�hle blieben. Er hatte soeben dabei geholfen, ein unsch�tzbares Relikt aus dem privatesten Archiv der Welt zu stehlen. <emphasis>Ich schenke Ihnen mein Vertrauen, </emphasis>hatte der Camerlengo gesagt.</p><p>�Beeilung!�, dr�ngte Vittoria. Sie hielt das Blatt immer noch in der Hand und eilte im Laufschritt �ber die <emphasis>Via Borgia</emphasis> in Richtung von Olivettis B�ro.</p><p>�Wenn auch nur ein Tropfen Wasser auf diesen Papyrus kommt.�</p><p>�Beruhigen Sie sich! Wenn wir dieses Ding erst entziffert haben, k�nnen wir ihr heiliges Blatt Papier ja wieder zur�ckgeben.�</p><p>Langdon beeilte sich, mit ihr Schritt zu halten. Er war noch immer benommen von den fantastischen Implikationen ihrer Entdeckung. John <emphasis>Milton war ein Illuminatus. Er hat das Poem</emphasis></p><p><emphasis>- </emphasis>258 <emphasis>auf Blatt Nummer f�nf f�r Galileo geschrieben... verborgen vor den Augen des Vatikans.</emphasis> Als sie den Borgiahof verlie�en, hielt Vittoria ihm das Blatt entgegen. �Glauben Sie, dass Sie dieses Ding entziffern k�nnen? Oder haben wir gerade all unsere Hirnzellen nur des Nervenkitzels wegen zerst�rt?�</p><p>Langdon nahm das Dokument vorsichtig in die Hand. Ohne Z�gern schob er es in eine der Brusttaschen seines Tweedjacketts, weg vom Sonnenlicht und der gef�hrlichen Feuchtigkeit. �Ich habe es bereits entziffert.�</p><p>Vittoria blieb wie angewurzelt stehen. �Sie haben <emphasis>was�?�</emphasis></p><p>Langdon eilte weiter.</p><p>Vittoria rannte hinter ihm her. �Sie haben es nur ein einziges Mal gelesen! Ich dachte, es m�sste etwas Schwieriges sein!�</p><p>Langdon wusste, dass sie Recht hatte, und doch war es ihm heim ersten Lesen wie Schuppen von den Augen gefallen. Eine einzige Strophe aus Jamben, und der erste Altar der Wissenschaft hatte sich in seiner urspr�nglichen Sch�nheit enth�llt. Zugegeben, die Leichtigkeit, mit der er dieses R�tsel gel�st hatte, hinterlie� eine nagende Unruhe in ihm. Er war ein Kind puritanischer Arbeitsethik. Er konnte noch immer seinen Vater h�ren, wie er den alten Leitspruch aus New England zitierte: <emphasis>Wenn es nicht verdammt schwer war, hast du etwas falsch gemacht.</emphasis> Hoffentlich traf das Sprichwort in diesem Fall nicht zu. �Ich habe es entziffert�, wiederholte er und ging noch schneller. �Ich wei�, wo der erste Mord geschehen soll. Wir m�ssen Olivetti warnen!�</p><p>Vittoria kam bei ihm an. �Wie k�nnen Sie das jetzt schon wissen? Zeigen Sie mir dieses Blatt noch einmal!� Mit der Fingerfertigkeit eines Taschendiebs schob sie die Hand in seine Brusttasche und zog das Pergament hervor.</p><p>�Vorsichtig!�, �warnte Langdon. �Sie k�nnen nicht einfach.�</p><p>Vittoria ignorierte ihn. Mit dem Blatt in der Hand trabte sie neben ihm her, hielt es ins Licht und untersuchte die R�nder. W�hrend sie laut zu lesen anfing, machte Langdon eine Bewegung, um ihr das Blatt wieder abzunehmen, doch dann wurde er von ihrer akzentuierten Altstimme gefangen genommen, die die Silben in perfekter Betonung und im Rhythmus zu ihren Schritten wiedergab.</p><p>Einen Augenblick lang f�hlte sich Langdon in der Zeit zur�ckversetzt. als sei er einer von Galileos Zeitgenossen; als h�rte er das Poem zum ersten Mal und w�sste, dass es eine Pr�fung war, eine Karte, ein Hinweis auf die vier Alt�re der Wissenschaft. die vier Wegmarken, die einen geheimen Pfad quer durch Rom erhellten. Die Verse fl�ssen �ber Vittorias Lippen wie ein Lied.</p><p><emphasis>From Santi�s earthly tomb with demon�s hole �Cross Rome the mystic elements unfold. The path of light is laid, the sacred fest, Let angels guide you on your lofty quest.</emphasis></p><p>Vittoria las die Zeilen zweimal hintereinander und verstummte dann, wie um die alten Worte auf sich einwirken zu lassen. <emphasis>From Santi�s earthly tomb,</emphasis> wiederholte Langdon in Gedanken. Das Poem war kristallklar. Der Weg der Erleuchtung begann bei Santis Grab. Von dort aus zeigten weitere Markierungen die Spur durch Rom:</p><p><emphasis>Von Santis irdnem Grab in D�mons Loch, Durch Rom die myst�schen Urstoffe sich ziehn.</emphasis></p><p>in etwa:</p><p>Von Santis irdnem Grab in D�mons Loch, Durch Rom die myst�schen Urstoffe sich ziehn. Der Lichtpfad ist gelegt, der heilge Test, Lass dich von Engeln f�hr�n auf luft�ger Quest�. (Anm. d. �bers.).</p><p><emphasis>Mystische Urstoffe.</emphasis> Auch das war klar: Erde, Luft, Feuer und Wasser. Die Elemente der Wissenschaft, die vier Illuminati-Wegweiser, getarnt als religi�se Skulpturen.</p><p>�Der erste Hinweis�, sagte Vittoria. �Klingt ganz danach, als bef�nde er sich bei Santis Grab.�</p><p>Langdon grinste. �Ich hab Ihnen doch gesagt, dass es nicht so schwierig ist.�</p><p>�Aber wer ist dieser Santi?�, fragte sie in pl�tzlicher</p><p>Aufregung. �Und wo ist sein Grab?�</p><p>Langdon lachte in sich hinein. Es war doch immer wieder erstaunlich, wie wenige Menschen <emphasis>Santi</emphasis> kannten, den Nachnamen eines der bedeutendsten Renaissance-K�nstler. Sein Vorname war weltbekannt. das Wunderkind, das bereits im Alter von f�nfundzwanzig Jahren f�r Papst Julius II. gearbeitet und der Welt nach seinem fr�hen Tod mit achtunddrei�ig Jahren die gr��te Sammlung von Fresken hinterlassen hatte, die es bis heute gab. Santi war in der Welt der Kunst ein Behemoth, und allein mit seinem Vornamen bekannt zu sein, war ein Ruhm, der nur wenigen jemals zuteil wurde, Menschen wie Napoleon, Galileo, Jesus. und nat�rlich den Halbg�ttern von heute, die Langdon aus den Wohnheimen von Harvard entgegenschallten, Sting oder Madonna oder der �Artist formerly known as Prince�.</p><p>�Santi�, sagte Langdon, �ist der Nachname eines gro�en Meisters der Renaissance, auch bekannt als Raphael.�</p><p>Vittoria starrte ihn �berrascht an. �Raphael? Etwa <emphasis>der </emphasis>Raphael?�</p><p>�Genau der.� Langdon eilte weiter in Richtung der Kaserne der Schweizergarde.</p><p>�Also f�ngt der Weg bei Raphaels Grab an?�</p><p>�Es ergibt Sinn, finden Sie nicht?�, sagte Langdon, w�hrend sie weitereilten. �Die Illuminati betrachteten gro�e K�nstler und Bildhauer als Br�der im Geiste. Kein Wunder, dass sie Raphaels Grab ausw�hlten. Ein Tribut an die Kunst.� Langdon wusste, dass Raphael, genau wie viele andere religi�se K�nstler, vermutlich insgeheim �berzeugter Atheist gewesen war.</p><p>�Und wo ist nun das Grab von Raphael?� Vittoria schob das Blatt vorsichtig in Langdons Brusttasche zur�ck.</p><p>Langdon atmete tief durch. �Ob Sie�s glauben oder nicht -Raphael ist im Pantheon begraben.�</p><p>Vittoria blickte ihn zweifelnd an. �In <emphasis>dem</emphasis> Pantheon?�</p><p>�Genau in dem.� Zugegebenerma�en war auch Langdon �berrascht, dass die Illuminati ausgerechnet das Pantheon als den Anfang ihres Weges der Erleuchtung ausgesucht hatten. Er h�tte eher vermutet, dass der erste Altar der Wissenschaft in einer stillen, kleinen, abgelegenen Kirche stand. Das Pantheon, der gewaltige Kuppelbau mit dem gro�en runden Loch in der Mitte, war auch im siebzehnten Jahrhundert eines der ber�hmtesten Bauwerke in Rom gewesen.</p><p>�Ist das Pantheon �berhaupt eine Kirche?�, fragte Vittoria.</p><p>�Die �lteste katholische Kirche in ganz Rom.�</p><p>Vittoria sch�ttelte den Kopf. �Glauben Sie wirklich, dass der erste Kardinal im Pantheon ermordet werden soll? Es ist doch eine der touristisch meistbesuchten St�tten in Rom!�</p><p>Langdon zuckte die Schultern. �Die Illuminati haben gesagt, dass die ganze Welt ihnen zusehen soll. Ein Mord an einem Kardinal im Pantheon w�rde sicherlich einigen die Augen �ffnen.�</p><p>�Aber wie kann dieser Assassine erwarten, jemanden im Pantheon zu ermorden und unerkannt zu entkommen? Das ist unm�glich!�</p><p>�Genauso unm�glich wie die Entf�hrung von vier Kardinalen aus dem Vatikan, nehme ich an. Das Poem jedenfalls ist eindeutig.�</p><p>�Und Sie sind ganz sicher, dass dieser Raphael im Pantheon begraben ist?�</p><p>�Ich habe schon mehr als einmal an seinem Grab gestanden.�</p><p>Vittoria nickte, doch sie schien immer noch zu zweifeln. �Wie sp�t ist es?�</p><p>Langdon blickte auf seine Mickey-Mouse-Uhr. �Halb acht.�</p><p>�Ist es weit bist zum Pantheon?�</p><p>�Vielleicht anderthalb Kilometer. Wir haben also noch etwas</p><p>Zeit.�</p><p>�Das Poem sagt etwas von Santis <emphasis>irdnem</emphasis> Grab. Haben Sie daf�r auch eine Erkl�rung?�</p><p>Langdon eilte �ber den weiten Hof. �Irden, ja. Offen gestanden gibt es wahrscheinlich keinen Ort in ganz Rom, der irdener w�re als das Pantheon. Der Name kommt von der alten Religion, f�r die das Pantheon erbaut wurde - es ist ein Tempel f�r alle G�tter. Insbesondere die G�tter von Mutter Erde.�</p><p>Als Student der Architektur hatte Langdon staunend erfahren, dass die Abmessungen der Haupthalle ein Tribut an Gaia waren, die G�ttin der Erde. Die Form war so exakt berechnet, dass eine riesige Kugel hineinpasste, so genau, dass an den �u�eren R�ndern weniger als ein Millimeter Zwischenraum blieb.</p><p>�Also sch�n�, sagte Vittoria ein wenig �berzeugter. �Und was ist mit&gt;D�mons Loch&lt;? <emphasis>Von Santis irdnem Grab in D�mons Loch?�.</emphasis></p><p>Langdon war sich nicht sicher, jedenfalls nicht so sicher wie mit Santis Grab. �Es k�nnte der Oculus sein�, sagte er. Es war eine logische Schlussfolgerung. �Die kreisrunde �ffnung im Kuppeldach des Pantheons.�</p><p>�Aber das Pantheon ist eine Kirche!�, entgegnete Vittoria. Sie hielt m�helos mit seinem Laufschritt mit. �Warum sollte jemand die Kuppel�ffnung ein <emphasis>D�monenloch</emphasis> nennen?�</p><p>Diese Frage hatte sich Langdon ebenfalls gestellt. Er hatte den Ausdruck �D�mons Loch� noch nie geh�rt, doch er erinnerte sich an eine Schilderung aus dem siebten Jahrhundert, die aus seiner heutigen Sicht eigenartig passend schien. Angeblich hatten D�monen das Loch in das Kuppeldach gebrochen, als sie auf der Flucht vor der Konsekration durch Bonifaz IV. gewesen waren.</p><p>�Und warum.�, f�gte Vittoria hinzu, als sie einen weiteren kleineren Hof durcheilten, �. warum sollten die Illuminati den Namen Santi benutzen, wenn er in Wirklichkeit als Raphael</p><p>bekannt war?�</p><p>�Sie stellen eine Menge Fragen.�</p><p>�Das hat mein Vater auch immer gesagt.�</p><p>�Zwei m�gliche Gr�nde. Erstens, das Wort Raphael hat eine Silbe zu viel. Es h�tte den f�nfhebigen Jambus zerst�rt.�</p><p>�Klingt ziemlich weit hergeholt.�</p><p>Langdon stimmte ihr zu. �Schon m�glich. Vielleicht haben sie Santi auch deswegen genommen, um den Hinweis st�rker zu verschleiern, sodass nur hoch gebildete M�nner den Hinweis auf Raphaels Grab erkannten.�</p><p>Auch das �berzeugte Vittoria noch nicht. �Ich bin sicher, Raphaels Nachname war zu seinen Lebzeiten �u�erst bekannt.�</p><p>��berraschenderweise nicht, nein. Es war ein Statussymbol, nur mit Vornamen ber�hmt zu sein. Raphael hat seinen Nachnamen weggelassen, genau wie viele Popstars es heute tun. Nehmen Sie beispielsweise Madonna. Wer wei� schon ihren Nachnamen - Ciccone?�</p><p>Vittoria blickte ihn am�siert an. �Sie kennen den Nachnamen von Madonna?�</p><p>Langdon bedauerte seine Bemerkung augenblicklich. Es war schon erstaunlich, was man so alles auffing, wenn man Tag f�r Tag unter zehntausend pubertierenden Studenten lebte.</p><p>Sie passierten das letzte Tor auf dem Weg zur Kaserne der Schweizergarde, doch dann wurden sie unvermittelt aufgehalten.</p><p><emphasis>�Para!�,</emphasis> br�llte eine Stimme hinter ihnen.</p><p>Vittoria und Langdon wirbelten herum und starrten in den Lauf einer Maschinenpistole.</p><p><emphasis>�Attentat�,</emphasis> rief Vittoria und sprang zur�ck. �Passen Sie gef�lligst auf mit.�</p><p><emphasis>�Non sportarti!�,</emphasis> rief der Gardist und legte den Sicherungshebel um.</p><p><emphasis>�Soldato!�,</emphasis> br�llte eine befehlsgewohnte Stimme �ber den Hof. Olivetti kam soeben aus dem Sicherheitszentrum. �Lassen Sie die beiden gehen!�</p><p>Der Gardist starrte seinen Vorgesetzten verwirrt an. <emphasis>�Ma Comandante! E una donna...!�</emphasis></p><p>�Los, hinein!�, br�llte Olivetti seinen Untergebenen an.</p><p><emphasis>�Signore, nonposso...!�</emphasis></p><p>�Auf der Stelle! Sie haben neue Befehle, Soldat. Hauptmann Rocher wird in zwei Minuten eine Lagebesprechung abhalten. Wir werden eine Suchaktion durchf�hren.�</p><p>Verwirrt eilte der Gardist in das Sicherheitszentrum. Olivetti marschierte Langdon und Vittoria entgegen. Er sch�umte f�rmlich. �Sie waren in unseren geheimsten Archiven! Ich verlange augenblicklich eine Erkl�rung!�</p><p>�Wir haben gute Neuigkeiten�, berichtete Langdon.</p><p>Olivettis Augen verengten sich zu Schlitzen. �Ich hoffe f�r Sie, dass es verdammt gute Neuigkeiten sind.�</p></section><section><title><p>Kapitel 56.</p></title><p>Die vier unauff�lligen Alfa Romeo 155 T-Spark rasten durch die Via di Coronari wie Kampf jets �ber eine Startbahn. In den Wagen sa�en zw�lf zivil gekleidete Schweizergardisten mit halbautomatischen Cherchi-Pardinis, Bet�ubungsgasgranaten und Bet�ubungsgewehren. Die drei Scharfsch�tzen hatten Gewehre mit Laseroptiken.</p><p>Auf dem Beifahrersitz des vorderen Wagens sa� Oberst Olivetti. Er drehte sich zu Vittoria und Langdon um. In seinen Augen stand nackte Wut. �Sie haben mir eine vern�nftige Erkl�rung versprochen, und das ist alles, was Sie zu sagen haben?�</p><p>Langdon f�hlte sich beklemmt auf dem R�cksitz des kleinen Wagens. �Ich verstehe Ihren.�</p><p>�Nichts verstehen Sie!� Olivetti hob niemals die Stimme, doch seine Eindringlichkeit war kaum noch zu �berbieten. �Ich habe gerade ein Dutzend meiner besten Leute aus der Vatikanstadt abgezogen, und das am Abend des Konklaves! Ich bin losgezogen, um das Pantheon zu durchsuchen, allein auf das Wort eines Amerikaners hin, den ich noch nie zuvor gesehen habe und der mir ein vierhundert Jahre altes Gedicht vorliest und weiter nichts! Und ich habe die Suche nach dieser Antimaterie in den H�nden untergebener Offiziere gelassen.�</p><p>Langdon widerstand dem Verlangen, Galileos Blatt Nummer f�nf aus der Brusttasche zu ziehen und damit vor Olivettis Gesicht zu wedeln. �Ich wei� nur, dass die Informationen, die wir gefunden haben, auf Raphaels Grab hinweisen, und Raphaels Grab befindet sich im Pantheon.�</p><p>Der Gardist hinter dem Steuer nickte. �Da hat er Recht, Herr Oberst. Meine Frau und ich waren.�</p><p>�Fahren Sie!�, fauchte Olivetti. Er wandte sich wieder zu Langdon um. �Wie kann ein M�rder an so einem belebten Ort seine Tat begehen und unerkannt entkommen?�</p><p>Pantheon der richtige Ort ist, k�nnen wir dieser Spur zu den anderen Wegweisern folgen. Wir haben also vier Chancen, diesen Mann zu fangen.�</p><p>�Das hatte ich zu Anfang auch gehofft�, widersprach</p><p>Langdon. �Und bis vor einem Jahrhundert h�tte es auch gestimmt.�</p><p>Langdons Gedankenblitz, dass der erste Altar der Wissenschaft das Pantheon sein musste, war ein bitters��er Augenblick gewesen. Die Geschichte hatte ihre ganz eigene Art, denjenigen grausame Streiche zu spielen, die ihr hinterher jagten. Sicher, es war eine schwache Hoffnung gewesen, dass der Weg der Erleuchtung nach all den Jahren noch immer intakt war und alle Statuen noch immer an ihrem Platz standen, doch Langdon hatte sich vorgestellt, dem Weg bis ans Ende zu folgen und schlie�lich das ber�hmte Nest der Illuminati zu finden. Aber das sollte nicht sein, erkannte er rasch. �Ende des neunzehnten Jahrhunderts lie� der Vatikan s�mtliche Statuen aus dem Pantheon entfernen und zerst�ren.�</p><p>Vittoria starrte Langdon schockiert an. �Aber warum?�</p><p>�Es waren Statuen von olympischen G�ttern. Heidnischen G�ttern. Ungl�cklicherweise bedeutet es, dass der erste Wegweiser nicht mehr existiert, und mit ihm ist.�</p><p>�. jede Hoffnung verloren, den Weg der Erleuchtung und die �brigen Wegweiser zu finden�, vollendete Vittoria seinen Satz.</p><p>Langdon nickte traurig. �Wir haben nur diese eine Gelegenheit. Das Pantheon. Wie der Weg der Erleuchtung von dort weiterf�hrt, wissen wir nicht.�</p><p>Olivetti starrte die beiden wortlos an; dann drehte er sich wieder nach vorn. �Fahren Sie rechts ran�, befahl er dem Fahrer schroff.</p><p>Der Fahrer lenkte den Wagen an den Stra�enrand und trat auf die Bremse. Die drei anderen Alfa Romeos kirnen hinter ihm zum Stehen.</p><p>�Was machen Sie denn nun schon wieder?�, rief Vittoria �rgerlich.</p><p>�Meine Arbeit.� Olivetti starrte sie aus eisigen Augen an; dann richtete er den Blick auf Langdon. �Als Sie sagten, Sie w�rden die Situation unterwegs erkl�ren, ging ich davon aus, dass wir bis zum Eintreffen beim Pantheon eine genaue Vorstellung von dem haben, was meine M�nner erwartet. Das ist nicht der Fall. Ich vernachl�ssige wichtige Pflichten, indem ich mich hier aufhalte, und Sie haben mir rein gar nichts erz�hlt, was Ihrer Theorie von einem jungfr�ulichen Opfer auf dem Altar der Wissenschaft und diesen alten Versen rgendwelchen Sinn geben w�rde. Deswegen kann ich nicht guten Gewissens mit dieser Schnitzeljagd weitermachen. Ich werde diese Mission augenblicklich beenden, und wir kehren in die Vatikanstadt zur�ck.� Er zog sein Walkie-Talkie hervor und schaltete es ein.</p><p>Vittoria fiel ihm in den Arm. �Das k�nnen Sie nicht machen!�</p><p>Olivetti setzte das Walkie-Talkie krachend auf dem Armaturenbrett ab und drehte sich w�tend zu ihr um. �Waren Sie schon einmal im Pantheon, Signorina Vetra?�</p><p>�Nein, aber ich.�</p><p>�Dann will ich Ihnen etwas �ber dieses Geb�ude erz�hlen. Das Pantheon besteht aus einem einzigen gro�en Raum. Einem kreisrunden Saal aus Stein und M�rtel. Es hat <emphasis>einen</emphasis> Eingang. Keine Fenster. Einen <emphasis>einzigen</emphasis> schmalen Eingang. Dieser Eingang wird Tag und Nacht von vier bewaffneten r�mischen Polizisten bewacht, die diese Kirche vor Kunstsch�ndern, antichristlichen Terroristen und unpassend gekleideten Touristinnen sch�tzen.�</p><p>�Und?�, entgegnete sie k�hl.</p><p>�Und? Und?� Olivetti packte die R�cklehne so fest, dass seine Kn�chel wei� hervortraten. �Was sich Ihrer Meinung nach im Pantheon ereignen soll, ist absolut unm�glich! K�nnen Sie mir <emphasis>ein</emphasis> plausibles Szenario nennen, wie jemand einen Kardinal im Pantheon umbringen k�nnte? Wie er eine Geisel an den Wachen vorbei in das Pantheon schleusen will? Ganz zu schweigen davon, diese Geisel zu ermorden, ohne dabei gestellt zu werden?� Olivetti beugte sich �ber den Sitz, und Langdon roch seinen Kaffeeatem. �Wie, Mr. Langdon, sollte das vor sich gehen?�</p><p>Langdon hatte das Gef�hl, als w�rde der Wagen ringsum noch weiter schrumpfen. <emphasis>Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Ich bin kein M�rder. Ich wei� nicht, wie er es tun wird! Ich wei� nur</emphasis>...</p><p>�Wie w�re es damit?�, sagte Vittoria. �Der M�rder fliegt mit einem Helikopter �ber das Pantheon und wirft den schreienden, gebrandmarkten Kardinal durch das Loch im Dach. Der Kardinal schl�gt auf dem Marmorboden auf und stirbt.�</p><p>Jeder im Wagen drehte sich zu ihr und starrte sie an. Langdon wusste nicht, was er denken sollte. <emphasis>Du hast eine kranke Fantasie, M�dchen, aber du bist schnell.</emphasis></p><p>Olivetti runzelte die Stirn. �M�glich w�re es, das gebe ich zu. aber wohl kaum.�</p><p>�Oder der M�rder setzt den Kardinal unter Drogen�, fuhr</p><p>Vittoria unger�hrt fort, �und bringt ihn als alten Touristen verkleidet im Rollstuhl ins Pantheon. Er rollt ihn hinein, schneidet ihm die Kehle durch und spaziert unerkannt nach drau�en.�</p><p>Das r�ttelte Olivetti ein wenig auf.</p><p><emphasis>Gar nicht schlecht,</emphasis> dachte Langdon.</p><p>�Oder.�, sagte sie, �der M�rder k�nnte.�</p><p>�Ich habe verstanden�, sagte Olivetti. �Genug.� Er atmete tief ein und wieder aus. Jemand klopfte dr�ngend ans Fenster, und alle zuckten zusammen. Es war ein Gardist aus einem der anderen Wagen. Olivetti kurbelte das Fenster herunter.</p><p>�Alles in Ordnung, Herr Oberst?� Der Gardist trug Zivilkleidung. Er schob den �rmel seiner Jacke hoch und deutete auf seine schwarze Armbanduhr. �Zwanzig vor acht, Herr Oberst. Wir brauchen Zeit, um in Position zu gehen.�</p><p>Olivetti nickte abwesend, doch er schwieg eine ganze Weile. Er fuhr mit dem Finger �ber das Armaturenbrett und zeichnete Linien in den Staub, w�hrend er Langdon im Seitenspiegel beobachtete. Langdon sp�rte, wie er taxiert wurde, w�hrend Olivetti mit sich rang. Schlie�lich wandte sich der Kommandant an den Gardisten und sagte z�gernd: �Ich m�chte, dass wir uns aus verschiedenen Richtungen n�hern. Die Wagen sollen zur Piazza della Rotunda, zur Via degli Orf ani, Piazza Sant� Ignacio und Sant Eustachio fahren. Nicht n�her heran als zwei Blocks. Sobald Sie geparkt haben, machen Sie sich bereit und warten auf weitere Befehle. Drei Minuten.�</p><p>�Jawohl, Herr Oberst.� Der Gardist kehrte zu seinem Wagen zur�ck.</p><p>Langdon nickte Vittoria beeindruckt zu. Sie grinste, und f�r einen Augenblick sp�rte Langdon eine unerwartete Verbindung. ein unsichtbares magnetisches Feld zwischen ihnen beiden.</p><p>Der Oberst wandte sich erneut zu ihnen um und starrte Langdon in die Augen. �Mr. Langdon, ich hoffe f�r uns alle, dass uns diese Geschichte nicht vor der Nase hochgeht.�</p><p>Langdon l�chelte unsicher. <emphasis>Ich auch. Ich auch.</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel 57.</p></title><p>Unter dem Einfluss des Cromolyns und Leukotriens in seinen Adern, das die Bronchien und Lungenkapillaren weitete, �ffnete der Generaldirektor von CERN, Maximilian Kohler, die Augen. Er atmete wieder normal. Er lag in einem privaten Zimmer auf der Krankenstation von CERN. Der Rollstuhl stand neben seinem Bett.</p><p>Er musterte seine Umgebung und untersuchte das Papierhemd, in das man ihn gesteckt hatte. Seine Kleidung lag s�uberlich gefaltet auf dem Rollstuhl neben ihm. Drau�en auf dem Gang h�rte er eine Krankenschwester, die ihre Runde machte. Eine lange Minute blieb er liegen und lauschte. Dann zog er sich so leise zur Bettkante, wie er konnte, und nahm seine Kleidung, um sich m�hsam anzuziehen. Schlie�lich stemmte er sich vom Bett in seinen Rollstuhl.</p><p>Er unterdr�ckte ein Husten und rollte lautlos zur T�r. Er verzichtete auf den Elektromotor, um keinen L�rm zu machen. An der T�r angekommen, sp�hte er in den Gang hinaus. Er war leer.</p><p>Leise verlie� Maximilian Kohler die Krankenstation.</p></section><section><title><p>Kapitel 58.</p></title><p>Neunzehn Uhr sechsundvierzig und drei�ig Sekunden -jetzt!� Selbst beim Sprechen in das Walkie-Talkie klang Olivettis Stimme nicht lauter als ein Fl�stern.</p><p>Langdon sa� schwitzend im Fond des Alfa Romeo. Sie standen mit laufendem Motor drei Blocks vom Pantheon entfernt auf der Piazza della Concorde. Vittoria sa� neben ihm und beobachtete fasziniert Olivetti, der die letzten Befehle erteilte.</p><p>�Wir werden von acht Punkten aus gleichzeitig vorr�cken�, erkl�rte der Oberst. �Vollst�ndiges Einschlie�ungsman�ver mit Schwerpunkt auf den Eingang. Das Zielobjekt k�nnte Sie erkennen, also machen Sie sich unsichtbar. Keine t�dlichen Sch�sse. Wir brauchen jemanden, der das Dach im Auge beh�lt. Das Zielobjekt hat oberste Priorit�t. Die Geisel ist sekund�r.�</p><p><emphasis>Mein Gott,</emphasis> dachte Langdon. Die kalte Effizienz, mit der Olivetti seinen Leuten mitteilte, dass der Kardinal entbehrlich war, jagte ihm einen eisigen Schauer �ber den R�cken. <emphasis>Die Geisel ist sekund�r.</emphasis></p><p>�Ich wiederhole. Keine t�dlichen Sch�sse. Wir brauchen das Zielobjekt lebendig. Los.� Olivetti schaltete sein Walkie-Talkie ab.</p><p>Vittoria schaute ihn fassungslos an. �Oberst, wollen Sie denn niemanden <emphasis>hinein schicken?�,</emphasis> fragte sie �rgerlich.</p><p>Olivetti drehte sich zu ihr um. �Hinein?�</p><p>�In das Pantheon! Was glauben Sie, wo der Mord geschehen soll!�</p><p><emphasis>�Attento!�,</emphasis> sagte Olivetti scharf, und sein Blick wurde hart, �Attentos die Garde tats�chlich infiltriert wurde, wird der T�ter meine Leute vielleicht beim ersten Anblick erkennen. Ihr</p><p>Kollege hat mich gerade gewarnt, dass dies hier unsere einzige Chance ist, das Zielobjekt zu fassen. Ich beabsichtige nicht, irgendjemand zu verscheuchen, indem ich meine Leute im Pantheon aufmarschieren lasse.�</p><p>�Aber was, wenn der M�rder schon im Pantheon ist?�</p><p>Olivetti sah auf seine Uhr. �Die Zielperson war sehr deutlich. Punkt acht. Uns bleiben also f�nfzehn Minuten.�</p><p>�Er sagte, er w�rde den Kardinal Punkt acht Uhr <emphasis>umbringen. </emphasis>Aber vielleicht hat er sein Opfer schon ins Pantheon geschafft. Was ist, wenn Ihre M�nner den M�rder herauskommen sehen, ohne zu wissen, dass er es ist? Irgendjemand muss daf�r sorgen, dass er nicht schon im Pantheon wartet.�</p><p>�Zu riskant. Dazu ist es zu sp�t.�</p><p>�Nicht, wenn er die Person nicht kennt.�</p><p>�Verkleidung kostet Zeit und.�</p><p>�Ich meinte <emphasis>mich�,</emphasis> sagte Vittoria.</p><p>Langdon starrte sie an.</p><p>Olivetti sch�ttelte den Kopf. �Ganz bestimmt nicht.�</p><p>�Er hat meinen Vater ermordet.�</p><p>�Genau, und deswegen wei� er wahrscheinlich auch, wer Sie sind.�</p><p>�Sie haben ihn selbst am Telefon geh�rt. Er wusste nicht einmal, dass Leonardo Vetra eine Tochter hat. Und ganz bestimmt wei� er nicht, wie ich aussehe. Ich k�nnte als Touristin hinein. Wenn ich etwas Verd�chtiges sehe, komme ich wieder nach drau�en und gebe Ihnen und hren M�nnern ein Signal.�</p><p>�Es tut mir Leid, aber das kann ich nicht erlauben.�</p><p><emphasis>�Comandante?�</emphasis> Olivettis Walkie-Talkie knackte. �Wir haben hier oben ein Problem, Herr Oberst. Der Brunnen versperrt uns die Sicht. Wir k�nnen den Eingang nicht beobachten, es sei denn, wir geben uns selbst auf der Piazza zu erkennen. Was sollen wir tun?�</p><p>Vittoria hatte offensichtlich lange genug gewartet. �Das reicht. Ich gehe rein.� Sie �ffnete die T�r und stieg aus.</p><p>Olivetti lie� sein Walkie-Talkie fallen und sprang aus dem Wagen. Er rannte um die K�hlerhaube herum und zu Vittoria.</p><p>Auch Langdon stieg aus. <emphasis>Was glaubt sie, was sie da tut, verdammt?</emphasis></p><p>Olivetti versperrte Vittoria den Weg. �Signorina Vetra, ich kann nicht zulassen, dass eine Zivilistin sich einmischt.�</p><p>�Einmischt? Sie sind blind! Ich will Ihnen doch nur helfen!�</p><p>�Ich h�tte wirklich gerne jemanden im Innern des Pantheons, aber.�</p><p>�Aber was?�, schnaubte Vittoria. �Aber ich bin eine Frau?�</p><p>Olivetti schwieg verbissen.</p><p>�Besser, wenn Sie sich eine andere Antwort �berlegen, Herr Oberst. Sie wissen sehr genau, dass es eine gute Idee ist, und wenn Sie irgendeinen archaischen Macho-Schei� von sich geben wollen.�</p><p>�Lassen Sie uns unsere Arbeit tun.�</p><p>�Lassen Sie mich helfen.�</p><p>�Zu gef�hrlich. Wir h�tten keine Verbindung zu Ihnen. Sie k�nnen schlie�lich kein Walkie-Talkie mitnehmen; es w�rde Sie augenblicklich verraten.�</p><p>Vittoria griff in ihre Hosentasche und zog ihr winziges Mobiltelefon hervor. �Viele Touristen haben so etwas bei sich.�</p><p>Olivetti runzelte die Stirn.</p><p>Vittoria klappte das Ger�t auf und tat, als telefonierte sie. �Hallo, Liebling! Ich stehe im Pantheon! Du solltest das sehen!� Sie klappte das Telefon wieder zu und funkelte Olivetti an. �Wer soll schon wissen, mit wem ich spreche? Es besteht nicht das geringste Risiko! Lassen Sie mich Ihnen helfen!� Sie deutete auf das Mobiltelefon an Olivettis G�rtel. �Wie lautet Ihre Nummer?�</p><p>Olivetti antwortete nicht.</p><p>Der Fahrer hatte schweigend zugesehen und schien sich seinen Teil zu denken. Jetzt stieg er aus und bat seinen Vorgesetzten beiseite. Sie redeten eine Weile mit ged�mpften Stimmen. Schlie�lich nickte Olivetti und kam zu Vittoria zur�ck. �Also sch�n, programmieren Sie diese Nummer ein.� Er diktierte ihr die Zahlen.</p><p>Vittoria speicherte sie in ihrem Telefon.</p><p>�Und jetzt rufen Sie die Nummer an.�</p><p>Vittoria dr�ckte auf die W�hltaste. Das Telefon an Olivettis G�rtel summte. Er zog es hervor und hielt es ans Ohr. �Gehen Sie ins Pantheon, Signorina Vetra, sehen Sie sich um, kommen Sie wieder heraus, rufen Sie mich an und berichten mir, was Sie gesehen haben.�</p><p>Vittoria klappte ihr Telefon zu. �Danke sehr, Oberst.�</p><p>Langdon sp�rte, wie sein Besch�tzerinstinkt unerwartet erwachte. �Warten Sie�, sagte er zu Olivetti. �Sie wollen die Dame <emphasis>ganz allein</emphasis> dort hineinschicken?�</p><p>Vittoria starrte ihn finster an. �Robert, mir geschieht schon nichts.�</p><p>Der Schweizergardist redete erneut auf Olivetti ein.</p><p>�Es ist gef�hrlich�, sagte Langdon zu Vittoria.</p><p>�Er hat Recht�, stimmte Olivetti ihm zu. �Selbst meine besten M�nner arbeiten niemals allein. Mein Leutnant hat mich soeben darauf hingewiesen, dass die Tarnung noch effektiver w�re, wenn Sie beide hineingingen.�</p><p><emphasis>Wir beide?,</emphasis> dachte Langdon best�rzt. <emphasis>Ehrlich gesagt, das ist es nicht, was ich wollte</emphasis>...</p><p>�Wenn Sie beide zusammen ins Pantheon gehen�, fuhr</p><p>Olivetti fort, �sieht es aus, als w�ren Sie ein Paar im Urlaub. Au�erdem k�nnen Sie sich gegenseitig R�ckendeckung geben, sollte es n�tig werden. Mit dieser L�sung w�rde ich mich wohler f�hlen.�</p><p>Vittoria zuckte die Schultern. �Meinetwegen. Aber wir haben nicht mehr viel Zeit.�</p><p>Langdon st�hnte. <emphasis>Geschickter Schachzug, Cowboy.</emphasis></p><p>Olivetti deutete die Stra�e entlang. �Zuerst gehen Sie auf die Via degli Orfani. Halten Sie sich links, dann kommen Sie direkt beim Pantheon heraus. Es liegt nicht mehr als zwei Minuten von hier, h�chstenfalls. Ich werde hier warten und meine M�nner dirigieren, w�hrend ich auf Ihre Antwort warte. Ich m�chte, dass Sie das hier zu Ihrem Schutz mitnehmen.� Er zog seine Pistole. �Kann einer von Ihnen beiden damit umgehen?�</p><p>Langdons Herz drohte zu stocken. <emphasis>Wir brauchen keine Pistole!</emphasis></p><p>Vittoria streckte die Hand nach der Waffe aus. �Ich kann eine Galionsfigur aus vierzig Meter Entfernung von einem schaukelnden Schiff schie�en�, behauptete sie.</p><p>�Gut.� Olivetti reichte ihr die Waffe. �Sie m�ssen sie irgendwie verbergen.�</p><p>Vittoria sah an sich herab, auf ihre nackten Beine und die Shorts. Dann fiel ihr Blick auf Langdon.</p><p>O <emphasis>nein, das wirst du nicht,</emphasis> dachte Langdon, doch Vittoria war zu schnell. Sie �ffnete sein Jackett und lie� die Waffe in eine Innentasche fallen. Sie f�hlte sich an wie ein gro�er Stein, und sein einziger Trost war, dass die Seite aus Galileos <emphasis>Diagramma </emphasis>in der anderen Brusttasche steckte.</p><p>�Wir sehen harmlos aus�, sagte Vittoria. �Gehen wir.� Sie hakte sich bei Langdon unter, und gemeinsam setzten sie sich in Bewegung.</p><p>�Arm in Arm ist gut!�, rief Olivettis Leutnant hinter ihnen her. �Vergessen Sie nicht, Sie sind gew�hnliche Touristen! Vielleicht k�nnten Sie beide ja H�ndchen halten?�</p><p>Als sie um die Ecke in die n�chste Stra�e bogen, h�tte Langdon schw�ren k�nnen, dass er auf Vittorias Gesicht die Andeutung eines L�chelns bemerkte.</p></section><section><title><p>Kapitel 59.</p></title><p>Der Einsatzraum der Schweizergarde befand sich neben dem Corpo di Vigilanza und diente in der Regel dazu, die Sicherheitsvorkehrungen bei p�pstlichen Auftritten und vatikanischen Ereignissen zu planen. An diesem Tag jedoch wurde er f�r etwas anderes benutzt.</p><p>Der Mann, der vor der versammelten Garde sprach, war der stellvertretende Kommandant, Hauptmann Elias Rocher. Hauptmann Rocher war ein Mann mit einem gewaltigen Brustkorb und weichen, putten�hnlichen Gesichtsz�gen. Er trug die traditionelle Offiziersuniform mit einer pers�nlichen Note einem roten Barett, das schief auf seinem Kopf sa�. Seine Stimme klang f�r einen massigen Mann wie ihn erstaunlich hoch. Seine Augen waren dunkel wie die eines n�chtlichen Raubtiers. Seine Leute nannten ihn <emphasis>Orso -</emphasis> der B�r. Sie witzelten, dass er der B�r sei, der im Schatten der Viper wandele - die �Viper� war Oberst Olivetti. Rocher war genauso t�dlich wie die Viper, doch ihn sah man wenigstens kommen.</p><p>Die Gardisten standen stramm. Niemand regte sich, auch wenn die Informationen, die sie soeben erhalten hatten, durchaus dazu angetan waren, ihren Blutdruck in die H�he schnellen zu lassen.</p><p>Leutnant Chartrand stand im hinteren Bereich des Einsatzraums und w�nschte sich zum ersten Mal, er h�tte zu jenen neunundneunzig Prozent der Bewerber geh�rt, die nicht bei der Schweizergarde angenommen worden waren. Mit seinen zwanzig Jahren war Chartrand der j�ngste unter den Gardisten und erst seit drei Monaten im Vatikan. Wie jeder andere Gardist in vatikanischen Diensten hatte auch Chartrand seinen Dienst bei der Schweizer Armee absolviert und sich anschlie�end einer intensiven, zweij�hrigen Ausbildung in Bern unterzogen, bevor</p><p>er sich der m�rderischen Aufnahmepr�fung des Vatikans gestellt hatte, die an einem geheimen Ort au�erhalb Roms stattfand. Nichts in seiner Ausbildung hatte ihn auf das vorbereitet, was nun eingetreten war.</p><p>Zuerst hatte Chartrand noch geglaubt, die Einsatzbesprechung sei irgendein bizarres Trainingsszenario. <emphasis>Futuristische Waffen? Alte Geheimbruderschaften? Entf�hrte Kardinale?</emphasis> Dann hatte Hauptmann Rocher ihnen die Liveaufnahmen gezeigt, auf denen die fragliche Waffe zu sehen war. Offensichtlich handelte es sich nicht um eine �bung.</p><p>�Wir werden in bestimmten Bereichen die Stromversorgung abschalten�, sagte Rocher, �um jegliche st�rende magnetische Interferenz zu unterbinden. Wir werden in Viererteams vorgehen und Infrarotbrillen tragen. Als Ortungsger�te werden wir herk�mmliche Wanzensp�rer einsetzen, die wir f�r Feldst�rken im Millitesla-Bereich rekalibriert haben. Noch Fragen?�</p><p>Keine.</p><p>Chartrands Gedanken rasten. �Was, wenn wir diese Bombe nicht rechtzeitig finden?�, fragte er und w�nschte sich augenblicklich, er h�tte geschwiegen.</p><p>Der B�r starrte ihn unter seinem roten Barett hervor wortlos an, dann entlie� er seine M�nner mit einem ernsten milit�rischen Gru�. �Viel Erfolg, Leute.�</p></section><section><title><p>Kapitel 60.</p></title><p>Zwei Blocks vom Pantheon entfernt schlenderten Langdon und Vittoria an einer Reihe Taxis vorbei. Die Fahrer d�sten auf ihren Sitzen. �ffentliche Nickerchen geh�rten in der Ewigen Stadt zur Tagesordnung; die R�mer hatten die nachmitt�glichen Siestas aus dem alten Spanien �bernommen und perfektioniert.</p><p>Langdon riss sich zusammen. Er versuchte nachzudenken, doch die Situation war einfach zu bizarr und entzog sich jeder logik. Zw�lf Stunden zuvor hatte er noch in seinem Bett in Cambridge gelegen und tief und fest geschlafen. Jetzt war er in Europa und in eine surreale Schlacht antiker Titanen verwickelt, trug eine Halbautomatik im Jackett und hielt H�ndchen mit einer Frau, die er gerade erst kennen gelernt hatte.</p><p>Er blickte Vittoria an. Sie konzentrierte sich ganz auf den vor ihnen liegenden Weg. Ihr Griff war fest und sicher - der Griff einer unabh�ngigen und entschlossenen Frau. Ihre Finger waren wie selbstverst�ndlich um die seinen geschlungen. Kein Z�gern. Langdon f�hlte sich in zunehmendem Ma� zu ihr hingezogen. <emphasis>Bilde dir nichts ein,</emphasis> riss er sich zusammen.</p><p>Vittoria schien seine Unruhe zu sp�ren. �Entspannen Sie sich�, sagte sie, ohne den Kopf zu wenden. �Wir sollen schlie�lich aussehen wie ein frisch verheiratetes Paar.�</p><p>�Ich bin entspannt.�</p><p>�Sie zerquetschen meine Hand.�</p><p>Langdon err�tete und lie� locker.</p><p>�Atmen Sie mit den Augen�, sagte sie.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Es entspannt die Muskulatur. Man nennt <emphasis>es pranayama.�</emphasis></p><p>�Piranha?�</p><p>�Pranayama. Na ja, ist auch egal.�</p><p>Sie bogen um die Ecke auf die Piazza della Rotunda, und vor ihnen lag das Pantheon. Wie immer betrachtete Langdon das alte Bauwerk mit Ehrfurcht. <emphasis>Pantheon. Tempel aller G�tter. Paganische G�tter. G�tter der Natur und der Erde.</emphasis> Das Bauwerk kam ihm von au�en klobiger vor, als er es in Erinnerung hatte. Der S�ulenvorbau mit seinem Giebeldach verdeckte den Kuppelbau dahinter fast zur G�nze, doch die stolze, unbescheidene Inschrift �ber dem Eingang zeigte ihm, dass sie am richtigen Ort waren. M AGRIPPA L F COS TERTIUM FECIT. Am�siert �bersetzte Langdon die Inschrift: <emphasis>Marcus Agrippa hat diesen Tempel in seiner dritten Amtszeit als Konsul errichtet.</emphasis></p><p><emphasis>So viel zum Thema Bescheidenheit,</emphasis> dachte Langdon und lie� den Blick �ber den Platz schweifen. Ein paar vereinzelte Touristen mit Kameras schlenderten umher. Andere sa�en im <emphasis>La Tazza di Oro,</emphasis> dem bekannten Stra�encafe, und tranken den besten r�mischen Eiskaffee. Vor dem Eingang zum Pantheon standen vier bewaffnete Polizisten, genau wie Olivetti es gesagt hatte.</p><p>�Sieht eigentlich alles ziemlich ruhig aus�, sagte Vittoria.</p><p>Langdon nickte, doch er war innerlich aufgew�hlt. Nun, da er hier stand, erschien ihm die ganze Geschichte v�llig surreal. Obwohl Vittoria offensichtlich �berzeugt war, dass er mit seiner Theorie Recht hatte, wurde ihm bewusst, dass er alles auf eine Karte setzte. Das Poem Miltons ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. <emphasis>From Santi�s earthly tomb with demon�s hole. Ja,</emphasis> sagte er sich einmal mehr. <emphasis>Das hier ist die Stelle. Santis Grab.</emphasis> Er hatte schon oft unter dem Loch in der Decke des Pantheons und vor dem Grab des gro�en Raphael gestanden.</p><p>�Wie sp�t ist es?�, fragte Vittoria.</p><p>Langdon schaute auf die Uhr. �Zehn vor acht. Noch zehn Minuten.�</p><p>�Ich hoffe nur, diese Gardisten sind so gut, wie sie aussehen�, sagte Vittoria mit einem Blick zu den vereinzelten Touristen, die das Pantheon betraten. �Wenn dort drin irgendetwas passiert, sitzen wir genau zwischen den Fronten.�</p><p>Langdon atmete tief durch, w�hrend sie sich dem Geb�ude n�herten. Die Waffe f�hlte sich schwer an in seiner Tasche. Er fragte sich, was wohl geschehen w�rde, wenn die Polizisten ihn filzten und die Waffe bei ihm f�nden. Doch die Beamten w�rdigten das Paar keines Blickes. Offensichtlich funktionierte ihre Tarnung.</p><p>�Kennen Sie sich wirklich mit Waffen aus?�, fl�sterte Langdon fragend.</p><p>�Vertrauen Sie mir etwa nicht?�</p><p>�Ihnen vertrauen? Ich kenne Sie kaum!�</p><p>Vittoria runzelte die Stirn. �Und ich dachte doch tats�chlich, wir w�ren frisch verheiratet.�</p></section><section><title><p>Kapitel 61.</p></title><p>Die Luft im Innern des Pantheons war k�hl und feucht und roch nach Geschichte. Die gewaltige Kuppel der Decke hoch �ber ihnen wirkte eigenartig schwerelos, obwohl ihr Durchmesser von mehr als dreiundvierzig Metern sogar den der Kuppel des Petersdoms �bertraf. Wie immer liefen Langdon Schauer �ber den R�cken, als er die gewaltige Halle betrat. Sie war eine bemerkenswerte Verschmelzung von Architektur und Kunst. �ber ihnen fiel ein warmer Sonnenstrahl durch das ber�hmte D�monenloch ins Innere. <emphasis>Der Oculus,</emphasis> dachte Langdon.</p><p>Sie waren angekommen.</p><p>Langdons Augen folgten dem Verlauf der gew�lbten Kuppel bis zu der Stelle, wo sie in die senkrechte Au�enwand �berging, und von dort aus weiter zum Marmorfu�boden. Das leise Echo von Schritten und murmelnden Stimmen von Touristen hallte durch den Saal. Langdon musterte verstohlen die Besucher, die ziellos in den Schatten umherwanderten. <emphasis>Bist du hier?</emphasis></p><p>�Sieht ziemlich still aus�, sagte Vittoria. Sie hielt immer noch seine Hand.</p><p>Langdon nickte.</p><p>�Wo ist Raphaels Grab?�</p><p>Langdon �berlegte einen Augenblick und versuchte sich zu orientieren. Er musterte die Peripherie des Raums. Gr�ber. Alt�re. S�ulen. Nischen. Er deutete auf eine besonders prachtvoll ausgeschm�ckte Nische auf der anderen Seite der Halle, ein St�ck zur Linken. �Ich glaube, dort dr�ben�, sagte er.</p><p>Vittoria blickte sich suchend um. �Ich sehe niemanden, der aussieht, als w�rde er im n�chsten Augenblick einen Kardinal ermorden. Sollen wir uns ein wenig umsehen?�</p><p>Langdon nickte. �Es gibt nur eine Stelle, wo jemand sich verstecken k�nnte. Besser, wir sehen in den <emphasis>rientranze</emphasis> nach.�</p><p>�In den Alkoven?�</p><p>�Ja. Die Nischen in den W�nden.�</p><p>Die Nischen zwischen den S�ulen waren gro� genug, um sich in ihren Schatten zu verstecken. Langdon wusste, dass sie einst die Statuen der r�mischen G�tter beherbergt hatten, doch die heidnischen Skulpturen waren zerst�rt worden. Erneut stiegen Entt�uschung und ein Gef�hl der Hilflosigkeit in ihm auf; hier stand er nun am ersten Altar der Wissenschaft, und der Wegweiser war verschwunden. Er fragte sich, welche Statue es gewesen sein mochte und wohin sie gezeigt hatte. Langdon konnte sich nichts Aufregenderes vorstellen, als einen Wegweiser der Illuminati zu entdecken - eine Statue, die verstohlen in die Richtung deutete, in die der Weg der Erleuchtung f�hrte. Einmal mehr fragte er sich, wer der unbekannte Illuminati-Bildhauer gewesen sein mochte.</p><p>�Ich gehe links herum�, entschied Vittoria. �Sie nehmen die rechte Seite. Wir treffen uns auf der gegen�berliegenden Seite.�</p><p>Langdon grinste d�ster.</p><p>Als Vittoria gegangen war, schritt auch Langdon aus. Die Stimme des Assassinen schien in dem toten Raum ringsum widerzuhallen. <emphasis>Acht Uhr. jungfr�uliche Opfer auf den Alt�ren der Wissenschaft</emphasis>... <emphasis>eine mathematische Progression des Todes. Acht</emphasis>... <emphasis>neun</emphasis>... <emphasis>zehn</emphasis>... <emphasis>elf. und um Mitternacht.</emphasis> Langdon warf einen Blick auf die Uhr. Acht Minuten vor acht. Noch acht Minuten.</p><p>Er n�herte sich der ersten Nische und kam am Grab eines der katholischen K�nige von Italien vorbei. Der Sarkophag lag schief. Eine Gruppe von Besuchern schien deswegen zu r�tseln. Langdon blieb nicht stehen, um es zu erkl�ren. Christliche Gr�ber waren h�ufig so ausgerichtet, dass die Gesichter der Toten nach Osten zeigten, ohne R�cksicht auf die umgebende</p><p>Architektur. Erst letzten Monat hatte Langdon noch in der Symbolologie-Vorlesung mit seinen Studenten �ber diesen alten Aberglauben diskutiert.</p><p>�Das ist v�llig absurd!�, hatte eine Studentin in der ersten Reihe gerufen, als Langdon den Grund f�r die nach Osten zeigenden Gr�ber erkl�rt hatte. �Warum sollten Christen ihre Gr�ber der aufgehenden Sonne zuwenden? Wir sprechen vom Glauben an Christus, nicht von irgendwelchen Sonnenanbetern.�</p><p>Langdon hatte still gel�chelt und war, einen Apfel kauend, vor der Tafel auf und ab gegangen. �Mr. Hitzrot�, rief er.</p><p>�Wer, ich?� Ein junger Mann, der in einer der hinteren Reihen geistesabwesend ged�st hatte, schrak hoch.</p><p>Langdon deutete auf das Poster an der Wand, auf dem ein Renaissancebild zu sehen war. �Wer ist dieser Mann, der vor Gott kniet?�</p><p>�Ah. irgendein Heiliger?�</p><p>�Brillant. Und woher wissen Sie, dass er ein Heiliger ist?�</p><p>�Er hat einen Heiligenschein?�</p><p>�Ausgezeichnet. Und an was erinnert Sie dieser goldene Heiligenschein?�</p><p>Hitzrot l�chelte verlegen. �Diese �gyptischen Dinger, �ber die wir im letzten Semester gesprochen haben? Diese. �h, Sonne nscheiben?�</p><p>�Danke sehr, Mr. Hitzrot. Legen Sie sich wieder hin.� Langdon wandte sich an seine H�rer. �Halos entstammen, wie viele andere Gegenst�nde der christlichen Symbolologie, der �gyptischen Sonnenanbetung. Das gesamte Christentum ist durchsetzt mit Beispielen daf�r.�</p><p>�Verzeihung�, widersprach die junge Studentin in der ersten Reihe. �Ich gehe regelm��ig zur Kirche, aber ich habe noch nie gesehen, dass dort die Sonne angebetet w�rde.�</p><p>�Tats�chlich nicht? Und was feiern Sie am f�nfundzwanzigsten Dezember?�</p><p>�Weihnachten. Christi Geburt.�</p><p>�Und doch wurde Christus der Bibel nach im M�rz geboren. Warum also feiert die Christenheit dieses Ereignis Ende Dezember?�</p><p>Schweigen.</p><p>Langdon l�chelte. �Der f�nfundzwanzigste Dezember, meine Freunde, ist der alte heidnische Feiertag der unbesiegten Sonne, des Gottes Sol Invictus Heliogabalus. Er f�llt mehr oder weniger mit der Wintersonnenwende zusammen. Das ist dieser wundervolle Tag im Jahr, an dem die Sonne zur�ckkehrt und von wo an die Tage wieder l�nger werden.�</p><p>Langdon nahm einen weiteren Bissen vom Apfel.</p><p>�Aufbl�hende Religionen adoptieren h�ufig existierende Feiertage, um neuen Gl�ubigen den �bertritt zu erleichtern�, fuhr er fort. �Man nennt dieses Ph�nomen <emphasis>Transmutation.</emphasis> Es hilft den Menschen, sich an den neuen Glauben zu gew�hnen. Sie behalten ihre alten Feiertage, beten an den gleichen heiligen Orten, benutzen �hnliche Symbole. lediglich die Gottheit wird ersetzt.�</p><p>Jetzt wurde die junge Frau in der ersten Reihe richtig w�tend. �Sie wollen doch wohl nicht andeuten, dass das Christentum nichts weiter ist als eine Art. eine Art <emphasis>Sonnenanbeterei in neuer Verpackung?�</emphasis></p><p>�Nicht im Geringsten. Das Christentum hat nicht nur bei den Sonnenanbetern Anleihen gemacht. Das Ritual der Heiligsprechung beispielsweise ist den</p><p>alten&gt;Gottwerdungsritualen&lt;des Euhemerismus entliehen, und die Praxis des&gt;Gott-Essens&lt;entstammt dem Mithra-Kult und geht auf Zarathustra zur�ck. Nicht einmal das Konzept, dass Christus f�r unsere S�nden starb, ist exklusiv; das Selbstopfer eines jungen Mannes, um die S�nden seines Stammes auf sich</p><p>zu nehmen, reicht bis in die fr�heste Zeit zur�ck.�</p><p>Die junge Frau funkelte ihn w�tend an. �Ist denn �berhaupt etwas am Christentum echt?�</p><p>�Es ist eine Tatsache, dass <emphasis>jede</emphasis> organisierte Religion nur wenig Echtes besitzt. Religionen entstehen nicht aus dem Nichts. Sie entstehen <emphasis>auseinander.</emphasis> Moderne Religionen sind ein Sammelsurium. eine historische Abfolge, welche die Suche des Menschen nach g�ttlichem Verst�ndnis widerspiegelt.�</p><p>��h. einen Augenblick bitte!�, rief Hitzrot, der mit einem Mal hellwach wirkte. �Ich wei� etwas, das urspr�nglich christlich ist! Oder was sagen Sie zu unserem Bild von Gott? Christliche Kunst portr�tiert Gott niemals als Falken oder Sonne oder sonst irgendetwas, sondern stets als alten Mann mit langem, wei�em Bart. Also ist unser Bild von Gott urspr�nglich, richtig?�</p><p>Langdon l�chelte erneut. �Als die fr�hen Christen ihre alten Gottheiten aufgaben - heidnische G�tter, r�mische G�tter, griechische G�tter -, wollten sie von der Kirche wissen, wie ihr neuer Gott denn aussieht. Und die Kirche w�hlte in kluger Umsicht das meistgef�rchtete, weiseste, m�chtigste und vertrauteste Gesicht in der Geschichte der heidnischen G�tter.�</p><p>Hitzrot schien skeptisch. �Ein alter Mann mit einem wei�en Rauschebart?�</p><p>Langdon deutete auf die Hierarchie der griechischen G�tter auf einer Wandtafel. Zuoberst sa� ein Mann mit wei�em, langem Bart. �Kommt Ihnen Zeus �nicht irgendwie bekannt vor?�</p><p>Das Klingelzeichen beendete die Stunde wie auf ein Stichwort.</p><p>�Guten Abend�, sagte eine M�nnerstimme.</p><p>Langdon zuckte zusammen. Er war wieder im Pantheon. Er wandte sich um und sah sich einem �lteren Mann gegen�ber, der ein blaues Cape mit einem roten Kreuz auf der Brust trug. Er l�chelte Langdon an und entbl��te eine Reihe vergilbter Z�hne.</p><p>�Sie sind Engl�nder, habe ich Recht?� Der Mann sprach mit starkem toskanischem Akzent.</p><p>Langdon blinzelte verwirrt. �Offen gestanden, nein. Ich bin Amerikaner.�</p><p>Der Mann blinzelte verlegen. �Oh, bitte verzeihen Sie. Sie waren so schick gekleidet, und da dachte ich. bitte entschuldigen Sie.�</p><p>�Kann ich Ihnen helfen?�, fragte Langdon mit wild pochendem Herzen.</p><p>�Offen gestanden, dachte ich eigentlich, ich k�nnte <emphasis>Ihnen </emphasis>helfen. Ich bin der <emphasis>Cicerone,</emphasis> wissen Sie?� Der Mann deutete stolz auf sein Abzeichen, das ihn als st�dtischen Fremdenf�hrer auswies. �Meine Aufgabe besteht darin, Ihren Aufenthalt in Rom so abwechslungsreich wie m�glich zu gestalten.�</p><p><emphasis>Noch abwechslungsreicher?,</emphasis> dachte Langdon. Eigentlich war sein Aufenthalt in Rom durchaus kurzweilig genug.</p><p>�Sie sehen wie ein gebildeter Mann aus�, schmeichelte der F�hrer. �Ohne Zweifel haben Sie gr��eres Interesse an der Kultur als viele andere. Vielleicht darf ich Ihnen ein wenig �ber die Geschichte dieses faszinierenden Bauwerks erz�hlen?�</p><p>Langdon l�chelte freundlich. �Das ist sehr nett von Ihnen, doch ich bin, offen gestanden, selbst Kunsthistoriker und wei�.�</p><p>�Ausgezeichnet!� Die Augen des Fremdenf�hrers leuchteten auf, als h�tte er sechs Richtige im Lotto. �Dann wissen Sie dieses Geb�ude ohne Zweifel zu w�rdigen!�</p><p>�Ich denke, ich w�rde lieber.�</p><p>�Das Pantheon.�, erkl�rte der Mann und begann seinen einstudierten Vortrag, �wurde im Jahre siebenundzwanzig vor Christus von Marcus Agrippa gebaut.�</p><p>�Ja�, unterbrach ihn Langdon. �Und Hadrian errichtete es l19 nach Christus neu.�</p><p>�Es war bis ins Jahr 1960 die weltgr��te freitragende Kuppelkonstruktion. Erst das Superdome in New Orleans war gr��er.�</p><p>Langdon st�hnte auf. Der Mann lie� sich nicht unterbrechen.</p><p>�Ein Theologe des f�nften Jahrhunderts nannte das Pantheon das <emphasis>Haus des Teufels,</emphasis> und er glaubte, das Loch in der Kuppel sei der Eingang f�r D�monen.�</p><p>Langdon h�rte ihm nicht mehr zu. Er richtete den Blick nach oben, und das erste von Vittoria vorgeschlagene Szenario stieg vor seinem geistigen Auge auf. ein gpbrandmarkter Kardinal, der schreiend durch das Loch st�rzte und auf dem Marmorboden aufschlug. <emphasis>Das w�re wirklich ein Ereignis, auf das die Medien sich st�rzen w�rden.</emphasis> Unwillk�rlich suchte er das Pantheon nach Reportern ab. Niemand zu sehen. Er atmete auf. Es war eine absurde Vorstellung. Die Logistik f�r ein derartiges Unternehmen w�re viel zu aufw�ndig.</p><p>W�hrend Langdon seine Inspektion fortsetzte, folgte ihm der plappernde F�hrer wie ein nach Liebe hungernder Welpe. <emphasis>Erinnere mich daran,</emphasis> dachte Langdon, <emphasis>dass es nichts Schlimmeres gibt als einen Kunsthistoriker, der sich gerne reden h�rt.</emphasis></p><p>Auf der anderen Seite des Saals war Vittoria in ihre eigene Suche vertieft. Zum ersten Mal, seit sie die Nachricht vom Tod ihres Vaters erreicht hatte, stand niemand bei ihr, und sie sp�rte, wie die Realit�t der letzten acht Stunden auf sie eindrang. Ihr Vater war ermordet worden. grausam und ohne jede Warnung. Wenigstens genauso schmerzhaft war die Erkenntnis, dass jemand die Erfindung ihres Vaters gestohlen und sie zu einem Werkzeug f�r Terroristen umfunktioniert hatte. Vittoria wurde von Schuldgef�hlen geplagt - der Gedanke, dass es ihre Erfindung war, die es den Dieben erm�glicht hatte, die</p><p>Antimaterie zu stehlen. ihr Beh�lter, der nun irgendwo im Vatikan stand und vor sich hin tickte. In ihren Bem�hungen, ihrem Vater bei der Suche nach der reinen Wahrheit zu helfen, hatte sie sich zu einer Handlangerin des Terrors gemacht.</p><p>Eigenartigerweise war das Einzige, das Vittoria in ihrem Leben derzeit <emphasis>richtig</emphasis> erschien, die Gegenwart eines Fremden. Robert Langdon. Sie fand eine unerkl�rliche Zuflucht in seinen Augen. wie die Harmonie der Ozeane, die sie am Morgen hinter sich gelassen hatte. Sie war froh, dass er in ihrer N�he war. Nicht nur, dass er sie mit Kraft und Hoffnung erf�llte, er besa� auch einen raschen Verstand und hatte diese eine Chance entdeckt, den M�rder ihres Vaters zu finden.</p><p>Vittoria atmete tief durch, als sie ihre Suche fortsetzte und sich entlang den Nischen des Pantheons bewegte. Sie wurde �bermannt von dem unerwarteten Wunsch nach pers�nlicher Rache, der schon den ganzen Tag ihre Gedanken beherrschte. Auch wenn sie alles Leben liebte. sie wollte diesen M�rder <emphasis>tot </emphasis>sehen. Kein noch so gutes Karma w�rde sie an diesem Tag dazu bringen, auch die andere Wange hinzuhalten. Aufgeschreckt und fasziniert bemerkte sie, dass sich etwas in ihrem italienischen Blut regte, das sie noch nie zuvor gef�hlt hatte. das Fl�stern siziliani scher Vorfahren, die ihre Familien mit brutaler Selbstjustiz verteidigten. <emphasis>Vendetta,</emphasis> dachte Vittoria, und Zum ersten Mal im Leben verstand sie dieses Gef�hl.</p><p>Visionen von Rache spornten sie an. Sie n�herte sich dem Grab von Raphael Santi. Selbst auf einige Entfernung hin war zu erkennen, dass dieser Mann etwas Besonderes gewesen sein musste. Die Nische in der Wand, die den Sarkophag enthielt, war im Gegensatz zu den anderen durch eine Plexiglasscheibe gesch�tzt. Durch die Scheibe hindurch war nur die Vorderseite des Sarkophags zu erkennen.</p><p>RAPHAEL SANTI, 1483-1520</p><p>Vittoria betrachtete das Grab; dann las sie die Plakette direkt</p><p>daneben.</p><p>Und las sie erneut.</p><p>Und ein drittes Mal.</p><p>Einen Augenblick sp�ter rannte sie entsetzt quer durch die Halle zu Langdon. �Robert! Robert!�</p></section><section><title><p>Kapitel 62.</p></title><p>Langdon wurde immer noch von dem Fremdenf�hrer verfolgt, als er sich der letzten Nische auf seiner Seite n�herte. Der <emphasis>Cicerone</emphasis> redete unerm�dlich auf Robert ein.</p><p>�Die schienen diese Nischen wirklich zu m�gen, Signore�, sagte er und strahlte. �Wussten Sie, dass die Vorspr�nge und Vertiefungen der Grund daf�r sind, dass die Decke so schwerelos erscheint?�</p><p>Langdon nickte ohne hinzuh�ren, w�hrend er misstrauisch in die Nische sp�hte. Pl�tzlich packte ihn jemand am �rmel. Es war Vittoria. Sie zitterte vor Aufregung und zog ihn mit sich. Nach dem Schrecken auf ihrem Gesicht zu urteilen, musste sie eine Leiche gefunden haben. Langdon sp�rte, wie Furcht in ihm aufstieg.</p><p>�Ah, Ihre Frau!�, rief der Fremdenf�hrer erfreut, offensichtlich begl�ckt durch die Tatsache, einen weiteren Zuh�rer gefunden zu haben. Er deutete auf Vittorias kurze Hosen und Wanderstiefel. <emphasis>�Jetzt</emphasis> sehe ich, dass Sie beide Amerikaner sein m�ssen!�</p><p>Vittorias Augen verengten sich zu Schlitzen. �Ich bin Italienerin.�</p><p>Das L�cheln auf dem Gesicht des Fremdenf�hrers erstarb. �Ach du meine G�te.�</p><p>�Robert�, fl�sterte Vittoria und wandte dem <emphasis>Cicerone</emphasis> den R�cken zu. �Galileos <emphasis>Diagramma!</emphasis> Zeigen Sie es mir, ich muss es sehen!�</p><p><emphasis>�Diagramma?�,</emphasis> sagte der F�hrer und dr�ngte sich neugierig heran. �Meine G�te, Sie beide kennen sich wirklich in Geschichte aus! Ungl�cklicherweise ist dieses einzigartige Dokument nicht f�r die �ffentlichkeit zug�nglich. Es wird in</p><p>den Geheimarchiven des Vatikans aufbewahrt und.�</p><p>�W�rden Sie uns <emphasis>bitte</emphasis> entschuldigen?�, verlangte Langdon, verwirrt wegen Vittorias Panik. Er zog sie zur Seite und griff in die Tasche, um das Blatt Nummer f�nf vorsichtig herauszuziehen. �Was ist denn los?�</p><p>�Welches Datum hat dieses Werk?�, fragte sie, w�hrend sie das Blatt �berflog.</p><p>Der F�hrer stand schon wieder bei ihnen und starrte aus weit aufgerissenen Augen auf das Dokument. �Das ist nicht. das ist doch nicht wirklich.�</p><p>�Eine Reproduktion, f�r Touristen�, sagte Langdon schroff. �Danke sehr f�r Ihre Hilfe. W�rden Sie meine Frau und mich nun f�r einen Augenblick entschuldigen?�</p><p>Der F�hrer wich ein paar Schritte zur�ck, ohne das Blatt aus den Augen zu lassen.</p><p>�Das Datum!�, dr�ngte Vittoria. �Wann hat Galileo dieses Manuskript ver�ffentlicht.?�</p><p>Langdon deutete auf die r�mischen Ziffern in der untersten Zeile. �Das hier ist die Jahreszahl. Was ist denn los?�</p><p>Vittoria entzifferte die Zahl. �1639?�</p><p>�Ja. Stimmt was nicht?�</p><p>Ein Blick in ihre Augen lie� Langdon D�steres ahnen.</p><p>�Wir sind in Schwierigkeiten, Robert. In gro�en Schwierigkeiten. Die Daten passen nicht zueinander.�</p><p>�Welche Daten passen nicht zueinander?�</p><p>�Raphaels Grab. Er wurde erst 1759 im Pantheon beigesetzt. Mehr als ein Jahrhundert nach der Ver�ffentlichung von <emphasis>Diagramma.�</emphasis></p><p>Langdon starrte sie an, w�hrend er versuchte, das eben Gesagte zu begreifen. �Nein�, sagte er schlie�lich. �Das kann nicht sein. Raphael starb 1520, lange vor Galileos <emphasis>Diagramma.� </emphasis>�Das stimmt. Aber er wurde erst mehr als zwei Jahrhunderte sp�ter hier im Pantheon beigesetzt. Es war eine Art historischer Tribut an bedeutende Italiener.�</p><p>Die Erkenntnis kam langsam, und mit einem Mal f�hlte sich Langdon, als h�tte ihm jemand den Boden unter den F��en weggezogen.</p><p>�Als dieses Gedicht geschrieben wurde�, fuhr Vittoria fort, �war Raphael noch irgendwo anders begraben. Damals stand das Pantheon noch in �berhaupt keiner Verbindung mit Raphael!�</p><p>Langdon stockte der Atem. �Aber. aber das. das w�rde bedeuten.�</p><p>�Genau! Wir sind am falschen Ort!�</p><p>Langdon schwankte. <emphasis>Das ist unm�glich. Ich war sicher.</emphasis></p><p>Vittoria rannte zu dem Fremdenf�hrer und zerrte ihn herbei. �Signore, bitte entschuldigen Sie. Wo lagen Raphaels sterbliche �berreste im siebzehnten Jahrhundert?�</p><p>�In Urb. Urbino�, stammelte der F�hrer befremdet. �In seinem Geburtsort.�</p><p>�Unm�glich!� Langdon fluchte in sich hinein. �Die Illuminati-Alt�re der Wissenschaft befanden sich hier in Rom, da bin ich absolut sicher!�</p><p>�Illuminati?� Der Fremdenf�hrer �chzte erschrocken und starrte erneut auf das Dokument in Langdons Hand. �Wer <emphasis>sind </emphasis>Sie?�</p><p>Vittoria antwortete an Langdons Stelle. �Wir suchen nach etwas, das sich&gt;Santis irdenes Grabcnennt. Hier in Rom. K�nnen Sie uns sagen, worum es sich dabei handelt?�</p><p>Der F�hrer blickte sie verunsichert an. �Das hier ist Raphaels einziges Grab in Rom.�</p><p>Langdon versuchte nachzudenken, doch sein Verstand weigerte sich. Wenn Raphaels Grab 1655 noch nicht in Rom gewesen war - auf was bezog sich dann Miltons Gedicht? <emphasis>Santi�s earthly tomb with demon�s hole? Was, zur H�lle, ist das? Denk nach, Mann!</emphasis></p><p>�Gab es noch einen anderen K�nstler mit Namen Santi?�, fragte Vittoria.</p><p>Der Fremdenf�hrer zuckte die Schultern. �Nicht dass ich w�sste.�</p><p>�Was ist mit anderen ber�hmten Pers�nlichkeiten? Vielleicht ein Wissenschaftler oder ein Dichter oder ein Astronom namens Santi?�</p><p>Der F�hrer sah aus, als w�rde er am liebsten weglaufen. �Nein, Signora. Der einzige Santi, von dem ich je geh�rt habe, ist Raphael, der Baumeister.�</p><p>�Baumeister?�, fragte Vittoria. �Ich dachte, er w�re Maler gewesen?�</p><p>�Er war beides, Signora. Wie all die anderen Gro�en auch. Michelangelo, Leonardo, Raphael.�</p><p>Ob es nun an den Worten des Fremdenf�hrers lag oder an den kunstvollen Sarkophagen ringsum - mit einem Mal d�mmerte es Langdon. <emphasis>Santi war Baumeister.</emphasis> Nun fielen die Fakten wie Puzzlesteine an ihren Platz. Die Baumeister der Renaissance hatten nur zwei Ziele im Leben gehabt - Gott mit m�glichst gro�en Kirchen zu verehren und weltliche W�rdentr�ger in m�glichst prachtvollen Gr�bern zu bestatten. <emphasis>Santis irdnes Grab. K�nnte es das sein...?</emphasis> Immer schneller kreisten Langdons Gedanken.</p><p>Da Vincis <emphasis>Mona Lisa.</emphasis></p><p>Monets <emphasis>Wasserlilien.</emphasis></p><p>Michelangelos <emphasis>David.</emphasis></p><p>Santis <emphasis>irdnes Grab</emphasis>...</p><p>�Santi hat das Grab entworfen�, sagte Langdon unvermittelt.</p><p>Vittoria wirbelte zu ihm herum. <emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>�Das Poem. Es ist kein Hinweis auf Raphaels Begr�bnisst�tte, sondern auf ein Grab, das von Raphael Santi <emphasis>erbaut</emphasis> wurde!�</p><p>�Wovon reden Sie?�</p><p>�Ich habe die Zeile falsch interpretiert. Wir suchen nicht nach Raphaels Grab, sondern nach einem Grab, das er f�r jemand anderen <emphasis>erbaut</emphasis> hat! Ich kann nicht glauben, dass ich so blind sein konnte! Die H�lfte aller Kunstwerke in der Renaissance und im barocken Rom wurde f�r Begr�bnisst�tten angefertigt!� Langdon l�chelte verlegen. �Raphael muss Hunderte von Grabm�lern erschaffen haben!�</p><p>Vittoria sah gar nicht gl�cklich drein. �Hunderte? Waren darunter irgendwelche <emphasis>irdenen</emphasis> Grabst�tten, Professor?�</p><p>Langdon f�hlte sich pl�tzlich �berfordert. Er wusste erschreckend wenig �ber Raphaels Arbeiten. Bei Michelangelo h�tte er mehr sagen k�nnen, doch Raphael hatte ihn nie sonderlich interessiert. Er kannte zwar die Namen von einigen seiner ber�hmtesten Gr�ber, doch er wusste nicht einmal, wie sie aussahen.</p><p>Vittoria sp�rte offensichtlich, was in hm vorging, denn sie wandte sich an den Fremdenf�hrer, der sich unauff�llig davonzustehlen versuchte. Sie packte ihn am Arm und zerrte ihn herbei. �Wir suchen ein Grab. Ein Grab, das von Raphael geschaffen wurde. Ein Grab, das man als <emphasis>irden</emphasis> bezeichnen k�nnte.�</p><p>Der F�hrer war einer Panik nahe. �Ein Grab von Raphael? Ich wei� nicht! Er hat so viele geschaffen! Wahrscheinlich meinen Sie ein Bethaus, eine Kapelle, kein Grab. Die Baumeister der Renaissance haben stets Beth�user �ber den Gr�bern errichtet.�</p><p><emphasis>Der Mann hat Recht,</emphasis> erkannte Langdon.</p><p>�Was denn nun, gibt es Gr�ber oder Kapellen von Raphael, die man als <emphasis>irden</emphasis> bezeichnen k�nnte?�</p><p>Der F�hrer zuckte die Schultern. �Es tut mir Leid, aber ich wei� wirklich nicht, was Sie meinen! Der Ausdruck <emphasis>irden</emphasis> passt auf nichts, das mir bekannt w�re. Ich glaube, ich sollte jetzt lieber gehen.�</p><p>Vittoria hielt ihn fest und las die entsprechende Zeile aus Miltons Gedicht vor. <emphasis>�From Santi�s earthly tomb with demon�s hole</emphasis>... sagt Ihnen das etwas?�</p><p>�Nicht das Geringste.�</p><p>Langdon blickte unvermittelt auf. Er hatte den zweiten Teil fast vergessen, doch jetzt fiel es ihm wieder ein. <emphasis>Demon�s hole! Das ist es!</emphasis> �Das ist es!�, sagte er zu dem Fremdenf�hrer. �Gibt es eine Kapelle von Raphael mit einem Oculus?�</p><p>Der F�hrer sch�ttelte den Kopf. �Meines Wissens ist das Pantheon einzigartig.� Er z�gerte. �Aber.�</p><p>�Aber was?�, fragten Langdon und Vittoria unisono.</p><p>Jetzt neigte der F�hrer den Kopf und kam ihnen einen Schritt entgegen. <emphasis>�Demon�s hole,</emphasis> sagen Sie?� Er murmelte etwas vor sich hin und fragte dann laut: �Das w�re ein. ein <emphasis>buco diavolo�?�</emphasis></p><p>Vittoria nickte. �W�rtlich �bersetzt, ja.�</p><p>Der F�hrer l�chelte schwach. �Das ist ein Ausdruck, den ich schon eine ganze Weile nicht mehr geh�rt habe, wissen Sie. Wenn ich mich nicht irre, bedeutet er so etwas wie Krypta.�</p><p>�Eine Krypta?�, fragte Langdon �berrascht.</p><p>�Ja, jedenfalls so etwas �hnliches. Ich glaube, <emphasis>buco diavolo </emphasis>ist ein alter Begriff f�r eine gro�e Begr�bnish�hle unter einer Kapelle. unter einem anderen Grab.�</p><p>�Sie meinen eine Art Ossuarium?�, fragte Langdon, der augenblicklich erkannte, was der F�hrer zu beschreiben versuchte.</p><p>�Ja! Das ist der Ausdruck!� Der Fremdenf�hrer war beeindruckt. �Das ist der Ausdruck, der mir nicht einfallen wollte.�</p><p>Langdon dachte dar�ber nach. Ossuarien stellten eine preiswerte M�glichkeit dar, ein peinliches Dilemma zu beheben. Eine Kirche, die ihre wichtigsten und ehrenwertesten Gemeindemitglieder mit einem Grab im Innern des Gotteshauses ehrte, sah sich h�ufig den Forderungen der �berlebenden Familienangeh�rigen ausgesetzt, dass die Familie gemeinsam bestattet werden sollte. Auf diese Weise sicherten sie sich einen der begehrten Pl�tze im Innern der Kirche. Falls die Kirche jedoch nicht gen�gend Platz oder Geld besa�, um Gr�ber f�r eine ganze Familie zur Verf�gung zu stellen, behalf sie sich mit einem Ossuarium - einem Loch im Boden des Gotteshauses, unter oder neben dem Grab des Verstorbenen, wo die weniger bedeutenden Angeh�rigen beigesetzt wurden. Das Loch wurde anschlie�end mit einem Deckel verschlossen - eine bequeme Methode, die jedoch bald wieder aus der Mode gekommen war, haupts�chlich wegen des Gestanks, der sich h�ufig in der dar�ber stehenden Kirche ausgebreitet hatte. <emphasis>Buco diavolo,</emphasis> dachte Langdon. Er hatte den Ausdruck noch nie geh�rt, doch er war auf schauerliche Weise passend.</p><p>Langdons Herz hatte heftig zu pochen angefangen. <emphasis>From Santi�s earthly tomb with demon�s hole.</emphasis> Nur eine Frage schien noch offen: �Hat Raphael Gr�ber erschaffen, die mit</p><p>D�monenl�chern ausgestattet sind?�</p><p>Der F�hrer kratzte sich am Kopf. �Offen gestanden. mir f�llt nur eins ein.�</p><p><emphasis>Nur eins?</emphasis> Eine bessere Antwort h�tte sich Langdon nicht zu ertr�umen gewagt.</p><p>�Und wo befindet sich dieses Grab?� Vittoria rief es beinahe.</p><p>Der F�hrer blickte sie etwas merkw�rdig an. �Es ist die Chigi-Kapelle. Das Grab von Agostino Chigi und seinem Bruder, zwei wohlhabenden F�rderern von Kunst und Wissenschaft.�</p><p><emphasis>�Wissenschaft?�,</emphasis> fragte Langdon und wechselte einen</p><p>bedeutsamen Blick mit Vittoria.</p><p><emphasis>�Wo befindet sich dieses Grab?�,</emphasis> wiederholte Vittoria.</p><p>Der F�hrer ignorierte ihre Frage. Mit einem Mal schien seine Begeisterung wieder zu erwachen, den beiden merkw�rdigen Touristen behilflich sein zu k�nnen. �Ob dieses Grab nun <emphasis>irden </emphasis>ist oder nicht, vermag ich nicht zu sagen, doch es ist mit Sicherheit. es ist, sagen wir, <emphasis>differente.�</emphasis></p><p>�Anders?�, fragte Langdon. �Inwiefern?�</p><p>�Es passt nicht zur restlichen Architektur. Raphael war nur der Architekt. Die Verzierungen im Innern stammen von einem anderen K�nstler. Ich erinnere mich nicht an seinen Namen.�</p><p>Langdon hing an den Lippen des Mannes. <emphasis>Der anonyme Illuminati-Meister vielleicht?</emphasis></p><p>�Wer auch immer es war - er besa� keinen Geschmack!�, sagte der Fremdenf�hrer. <emphasis>�Dio mio!</emphasis> Eine Monstrosit�t! Wer will schon unter einer<emphasis>piramide</emphasis> begraben sein?�</p><p>Langdon traute seinen Ohren nicht. �Pyramide? Die Kapelle besitzt eine <emphasis>Pyramide?�</emphasis></p><p>�Es ist schrecklich, nicht wahr?�, sagte der Fremdenf�hrer.</p><p>Vittoria riss ihn zu sich herum. �Signore, wo befindet sich diese Chigi-Kapelle?�</p><p>�Ungef�hr anderthalb Kilometer n�rdlich von hier, Signora. In der Kirche von Santa Maria del Popolo.�</p><p>Vittoria stie� den Atem aus. �Danke sehr. Kommen Sie, Robert, wir.�</p><p>�Oh!�, rief der Fremdenf�hrer, �da f�llt mir noch etwas ein! Wie dumm von mir, das zu vergessen!�</p><p>Vittoria blieb wie angewurzelt stehen. �Jetzt sagen Sie mir nicht, dass Sie sich geirrt haben!�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Nein, aber ich h�tte wirklich fr�her daran denken m�ssen. Die Chigi-Kapelle hie� nicht immer so.</p><p>Fr�her nannte man sie <emphasis>Capella della Terra.�</emphasis></p><p>�Terra wie <emphasis>Land!�,</emphasis> fragte Langdon.</p><p>�Nein�, sagte Vittoria und zog ihn mit sich zum Ausgang. �Terra wie <emphasis>irden.�</emphasis></p><p>Vittoria Vetra riss ihr Mobiltelefon aus der Tasche, w�hrend sie hinaus auf die Piazza della Rotunda rannten. �Oberst Olivetti? Wir sind am falschen Ort!�</p><p>Olivetti klang verwirrt. �Falsch? Was soll das hei�en, wir sind am falschen Ort?�</p><p>�Der erste Altar der Wissenschaft! Er befindet sich nicht im Pantheon, sondern in der Chigi-Kapelle!�</p><p>�Wo?� Olivetti klang un�berh�rbar erz�rnt. �Aber Mr. Langdon hat doch gesagt.�</p><p>�Santa Maria del Popolo! Anderthalb Kilometer n�rdlich von hier! Schaffen Sie Ihre M�nner dorthin! Uns bleiben noch genau vier Minuten!�</p><p>�Aber meine M�nner sind hier beim Pantheon in Stellung gegangen! Ich kann sie unm�glich.�</p><p>�Beeilung!� Vittoria klappte das Telefon zu.</p><p>Hinter ihr kam Langdon aus dem Pantheon und blinzelte benommen.</p><p>Sie packte ihn bei der Hand und zog ihn mit sich zu der Schlange scheinbar fahrerloser Taxis, die am Stra�enrand warteten. Sie h�mmerte auf die Motorhaube des ersten Wagens. Der d�sende Fahrer stie� einen erschrockenen Ruf aus und schoss kerzengerade in die H�he. Vittoria riss die hintere T�r auf und schob Langdon in den Wagen, bevor sie selbst hineinkletterte.</p><p>�Santa Maria del Popolo!�, wies sie den Fahrer an. <emphasis>�Presto!�</emphasis></p><p>Ver�ngstigt und noch ein wenig verschlafen trat der Fahrer aufs Gas und f�delte sich in den Verkehr ein.</p></section><section><title><p>Kapitel 63.</p></title><p>Glick sa� im �bertragungswagen am Bildschirm und tippte weitere Schlagworte in die Eingabemaske der BBC-Datenbank. Chinita Macri stand hinter ihm und sah ihm best�rzt �ber die Schulter.</p><p>�Ich hab�s dir doch gesagt�, murmelte Glick, als die Suchergebnisse �ber den Bildschirm liefen. �Der <emphasis>British Tattier </emphasis>ist nicht die einzige Zeitung, die Storys �ber diese Typen bringt.�</p><p>Macri las vom Bildschirm ab. Glick hatte Recht. Die BBC hatte im Verlauf der letzten zehn Jahre sechs gr��ere Beitr�ge �ber die Geheimbruderschaft gesendet, die sich �Illuminati� nannte. <emphasis>Da brat mir einer �nen Storch,</emphasis> dachte sie. �Wer waren die Reporter, die diese Geschichten recherchiert haben?�, fragte sie. �Mistfinken?�</p><p>�Die BBC stellt keine Mistfinken ein.�</p><p><emphasis>�Dich</emphasis> hat man eingestellt.�</p><p>Glick verzog das Gesicht. �Ich wei� �berhaupt nicht, warum du so skeptisch bist. Die Illuminati sind eine geschichtliche Tatsache, so viel steht fest.�</p><p>�Genau wie Hexen, UFOs und das Ungeheuer von Loch Ness.�</p><p>Glick bl�tterte die Liste von Artikeln durch. �Schon mal was von einem Typen namens Winston Churchill geh�rt?�</p><p>�Kommt mir bekannt vor.�</p><p>�Die BBC hat vor einer Weile einen Bericht �ber Churchills Leben gebracht. Ein strenger Katholik, nebenbei bemerkt. Wusstest du, dass Churchill 1920 eine Verlautbarung herausgab, in der er die Illuminati verurteilte und die Bev�lkerung vor einer weltweiten Verschw�rung warnte?�</p><p>Macri blieb misstrauisch. �Wo stand diese Geschichte? Im <emphasis>British Tattier?�</emphasis></p><p>Glick grinste. �Im London Herald. Am achten Februar 1920.�</p><p>�Das glaube ich nicht.�</p><p>�Sieh her.�</p><p>Macri las mit zusammengekniffenen Augen vom Bildschirm. <emphasis>Tats�chlich. London Herald, 8. 2. 1920. Das wusste ich nicht. </emphasis>�Wenn du mich fragst, Churchill war sowieso paranoid.�</p><p>�Da war er nicht allein�, fuhr Glick fort und las weiter. �Sieht so aus, als h�tte Woodrow Wilson 1921 in drei Radioansprachen vor dem zunehmenden Einfluss der Illuminati auf das Notenbanksystem der Vereinigten Staaten gewarnt. M�chtest du ein Zitat aus der Radioaufnahme h�ren?�</p><p>�Nicht unbedingt.�</p><p>Glick las trotzdem vor.&gt;�Es gibt eine Macht in unserem Land, die so geheim, so wohl organisiert und alles durchdringend ist, dass niemand lauter als im Fl�sterton �ber sie sprechen sollte, wenn er Missbilligendes zu sagen hat.&lt;�</p><p>�Davon habe ich nie geh�rt.�</p><p>�Vielleicht, weil du 1921 noch ein Kind warst.�</p><p>�Wie charmant.� Chinita steckte den Seitenhieb weg. Sie wusste, dass sie ihr Alter nicht verbergen konnte. Mit dreiundvierzig zeigten sich die ersten grauen Str�hnen in den schwarzen Krauslocken. Sie war zu stolz, um sich das Haar zu f�rben. Ihre Mutter, eine S�dstaaten-Baptistin, hatte Chinita Zufriedenheit und Selbstachtung gelehrt. <emphasis>Du bist eine schwarze Frau,</emphasis> hatte ihre Mutter gesagt, <emphasis>und das l�sst sich nun mal nicht verbergen. Der Tag, an dem du es versuchst, ist der Tag, an dem du stirbst. Steh aufrecht, l�chle und lass die anderen sich wundern, welches Geheimnis dahinter stecken mag.</emphasis></p><p>�Sagt dir der Name Cecil Rhodes etwas?�, fragte G�nther.</p><p>Chinita blickte auf. �Du meinst den britischen</p><p>Finanzmagnaten?�</p><p>�Ja, der. Er hat die Rhodes-Stiftung gegr�ndet.�</p><p>�Erz�hl mir nicht.�</p><p>�Illuminatus.�</p><p>�Gequirlte Kacke.�</p><p>�Nein, BBC. Sechster November 1984.�</p><p>� <emphasis>Wir</emphasis> sollen verbreitet haben, dass Cecil Rhodes zu den Illuminati geh�rt?�</p><p>�Wir, ja. Und nach den Unterlagen unseres Senders zu urteilen, wurde die Rhodes-Stiftung vor mehr als hundert Jahren eigens dazu gegr�ndet, die hellsten K�pfe auf die Seite der Illuminati zu ziehen.�</p><p>�Das ist l�cherlich! Mein Onkel war ein Rhodes-Stipendiat.�</p><p>G�nther zwinkerte. �Bill Clinton auch.�</p><p>Jetzt wurde Chinita �rgerlich. Sie hatte noch nie viel f�r schlampig recherchierten Sensationsjournalismus �brig gehabt. Andererseits kannte sie die BBC gut genug, um zu wissen, dass jede Story mit gr��ter Sorgfalt recherchiert und durch Fakten belegt war.</p><p>�Hier ist noch ein Beitrag, an den du dich bestimmt erinnerst�, fuhr G�nther fort. �BBC, f�nfter M�rz 1998. Der Ausschussvorsitzende des Parlaments, Chris Mullin, verlangte von s�mtlichen Mitgliedern des britischen Parlaments, die zu den Freimaurern geh�rten, offen ihre Mitgliedschaft bekannt zu geben.�</p><p>Chinita erinnerte sich. Die Verordnung war schlie�lich so weit ausgedehnt worden, dass selbst Richter und Polizisten diese Erkl�rung abgeben mussten. �Warum war das noch mal gemacht worden.?�</p><p>�Aus Sorge, dass eine geheime Fraktion innerhalb der Freimaurerlogen betr�chtliche Kontrolle �ber die politischen und finanziellen Systeme des Staates erlangen k�nnte�, las</p><p>G�nther vor.</p><p>�Ja, genau.�</p><p>�Hat ziemlichen Aufruhr verursacht, diese Geschichte. Die Freimaurer im Parlament waren au�er sich. Sie hatten auch jedes Recht dazu. Die gro�e Mehrheit erwies sich als v�llig unschuldig. Sie waren den Freimaurern wegen der Kontakte beigetreten und um wohlt�tige Arbeit zu verrichten. Sie hatten nicht die geringste Ahnung von den fr�heren Verwicklungen der Freimaurer.�</p><p>�Angeblichen Verwicklungen.�</p><p>�Was auch immer.� Glick �berflog die restlichen Artikel. �Sieh dir das hier an! Die Illuminati sollen bis auf Galileo zur�ckgehen, bis auf die <emphasis>Guerenets</emphasis> in Frankreich und die <emphasis>Alumbrados</emphasis> in Spanien. Selbst Karl Marx und einige russische Revolution�re waren angeblich Illuminati.�</p><p>�Geschichte ist immer die Geschichte der Sieger�, entgegnete sie.</p><p>�M�chtest du etwas, das nicht so weit zur�ckliegt? Wie w�re es hiermit? Ein Verweis auf die Illuminati in einem neueren <emphasis>Wall Street Journal.�</emphasis></p><p>Endlich schien sie ihre Skepsis abzulegen. �Das <emphasis>Wall Street Journal?�</emphasis></p><p>�Wei�t du, welches Online-Computerspiel im Augenblick in Amerika am beliebtesten ist?�</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>�Es hei�t <emphasis>Illuminati: New World Order.�</emphasis></p><p>Chinita Macri starrte ihm aus zusammengekniffenen Augen �ber die Schulter. <emphasis>�Steve Jackson Games hat einen Megahit gelandet</emphasis>... <emphasis>ein quasihistorisches Adventure, in welchem eine alte satanische Bruderschaft aus Bayern aufbricht, um die Welt zu erobern. Die Online-Adresse lautet.�</emphasis> Chinita blickte fragend auf. �Was haben diese Illuminati-Typen eigentlich gegen das Christentum?�</p><p>�Nicht nur das Christentum�, sagte G�nther. �Die Religion im Allgemeinen.� Er legte den Kopf zur Seite und grinste. �Obwohl. nach dem Telefonanruf von eben scheint es so, als h�tte der Vatikan bei ihnen einen besonderen Stein im Brett.�</p><p>�Also wirklich, G�nther! Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass dieser Typ das war, wof�r er sich ausgegeben hat?�</p><p>�Ein Sendbote der Illuminati? Der vier Kardinale umbringen will?� Glick grinste. �Ich hoffe es zumindest, Chinita. Ich hoffe es wirklich.�</p></section><section><title><p>Kapitel 64.</p></title><p>Das Taxi schaffte den Sprint �ber die breite Via della Scrofa in etwas mehr als einer Minute. Als Langdon und Vittoria auf der Piazza del Popolo aus dem Wagen sprangen, war es fast acht. Robert hatte kein italienisches Geld und bezahlte den Fahrer mit (zu vielen) amerikanischen Dollar. Die Piazza lag ruhig, bis auf das fr�hliche Lachen und die Unterhaltungen einiger Einheimischer in einem Stra�encafe. Es war das Rosati -ein beliebter Treff italienischer Literaten. Der Duft von frischem Espresso und Geb�ck hing in der Luft.</p><p>Langdon hatte sich immer noch nicht von dem Schock seiner Fehlinterpretation mit dem Pantheon erholt. Jetzt, als er den Blick �ber die Piazza schweifen lie�, schrillten seine inneren Alarmglocken. Alles roch f�rmlich nach Hluminati. Der Platz besa� eine elliptische Grundform, und genau im Zentrum stand ein �gyptischer Obelisk - eine quadratische, sich nach oben hin verj�ngende Steins�ule mit einer pyramidenf�rmigen Spitze. Ein Beutest�ck aus der imperialen Zeit der Pl�nderungen; �berall in Rom fanden sich Obelisken dieser Art, himmelw�rts gerichtete Erweiterungen des heiligen Pyramidensymbols.</p><p>W�hrend Langdon den Obelisken betrachtete, wurde sein Blick von einem unauff�lligen Detail im Hintergrund angezogen.</p><p>�Wir sind am richtigen Ort�, sagte er leise zu Vittoria und sp�rte, wie ihn Erregung erfasste. �Sehen Sie sich das dort an� Er deutete auf die imposante Porta del Popolo - den gro�en Torbogen auf der anderen Seite der Piazza. Das Bauwerk �berragte den Platz seit Jahrhunderten. Genau in der Mitte, �ber dem h�chsten Punkt des Torbogens und einem Wappen aus Stuck, prangte eine Giebelverzierung. �Kommt Ihnen das nicht irgendwie bekannt vor?�</p><p>Vittoria blickte hinauf zu dem gro�en Bild. �Eine Sonne �ber einem dreieckigen Steinhaufen?�</p><p>Langdon sch�ttelte den Kopf. �Ein Licht �ber einer Pyramide.�</p><p>Vittoria drehte sich um und starrte ihn aus geweiteten Augen an. �Wie. wie das Gro�e Siegel der Vereinigten Staaten?�</p><p>�Exakt. Das Freimaurersymbol auf der amerikanischen EinDollar-Note.�</p><p>Vittoria atmete tief durch und suchte mit Blicken die Piazza ab. �Und wo ist nun diese verdammte Kirche?�</p><p>Die Kirche Santa Maria del Popolo stand schr�g am Hang eines H�gels, der an den s�d�stlichen Rand der Piazza grenzte. Sie ragte aus ihrer Umgebung wie ein gestrandetes Schlachtschiff, Die Steinfassade aus dem elften Jahrhundert wirkte noch plumper durch das Bauger�st, das die gesamte Vorderseite bedeckte.</p><p>Langdons Gedanken rasten, als sie auf die Kirche zueilten, Die Waffe in seiner Brusttasche war schwer und unangenehm, Er starrte auf die Kirche und fragte sich, ob dort drinnen tatsachlich jeden Augenblick ein Mord geschehen w�rde. Hoffentlich beeilte sich Olivetti!</p><p>Die weit ausladende Treppe vor dem Haupteingang wirkte einladend - ein Eindruck, der im krassen Gegensatz zum Ger�st und dem roten Warnschild stand:</p><p>CONSTRUZZIONE. NON ENTRARE.</p><p>Langdon wurde bewusst, dass eine Kirche, die aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen war, dem M�rder v�llige Ungest�rtheit verschaffte. Im Gegensatz zum Pantheon. Hier waren keine fantasievollen Tricks n�tig, um die Tat zu begehen. Der Assassine musste nur einen Weg hineinfinden.</p><p>Ohne zu z�gern schl�pfte Vittoria zwischen den Ger�sten hindurch und die Treppe hinauf.</p><p>�Vittoria!�, warnte Langdon. �Wenn er immer noch da drin ist.!�</p><p>Sie schien ihn nicht zu h�ren und n�herte sich unbeirrt dem Portikus und der gro�en T�r darunter. Langdon eilte hinter ihr her. Bevor er noch ein Wort sagen konnte, hatte sie bereits den T�rgriff in der Hand und dr�ckte die Klinke herunter. Langdon hielt den Atem an. Die T�r war verschlossen.</p><p>�Es gibt sicher noch einen weiteren Eingang�, sagte Vittoria.</p><p>�Ja, m�glich�, entgegnete Langdon aufatmend. �Aber Olivetti ist in einer Minute hier. Es ist viel zu gef�hrlich, jetzt reinzugehen. Wir sollten die Kirche aus sicherer Entfernung im Auge behalten, bis.�</p><p>Vittoria drehte sich mit blitzenden Augen zu ihm um. �Wenn es einen anderen Weg <emphasis>hinein</emphasis> gibt, dann f�hrt er auch wieder <emphasis>hinaus!</emphasis> Wenn dieser Kerl verschwindet, sind <emphasis>wir fungito.�</emphasis></p><p>Langdon verstand gen�gend Italienisch, um zu wissen, dass sie Recht hatte.</p><p>Die Gasse zur rechten Seite der Kirche war eng und dunkel, mit hohen Mauern zu beiden Seiten. Es stank nach Urin - ein verbreiteter Geruch in St�dten, wo es zwanzig Mal mehr Lokale als �ffentliche Toiletten gab.</p><p>Langdon und Vittoria eilten durch das �bel riechende Halbdunkel. Sie waren vielleicht f�nfzehn Meter weit gekommen, als Vittoria ihn am Arm zog und mit dem Finger auf irgendetwas deutete.</p><p>Langdon hatte es ebenfalls gesehen. In der Kirchenmauer befand sich eine unauff�llige Holzt�r mit schweren Angeln. Es war eine gew�hnliche <emphasis>porta sacra,</emphasis> ein Nebeneingang f�r die Geistlichen. Die meisten derartigen Eing�nge wurden seit Jahren nicht mehr benutzt, seit Neubauten in der Umgebung und</p><p>Grundst�cksmangel die Seiteneing�nge in d�stere schmale Gassen verwandelt hatten.</p><p>Vittoria rannte zur T�r, blieb davor stehen und starrte verdutzt auf das Schloss. Langdon kam hinter ihr an und betrachtete den eigenartig geformten Ring an der Stelle, wo sich normalerweise der T�rknopf befunden h�tte.</p><p>�Ein Anulus�, fl�sterte er. Er streckte die Hand aus und hob den Ring vorsichtig und leise an; dann zog er ihn zu sich. Das Schloss klickte. Vittoria erschauerte und wirkte pl�tzlich aufgeregt. Leise drehte Langdon den Ring im Uhrzeigersinn. Er lie� sich ohne Widerstand und ohne einzurasten um dreihundert sechzig Grad drehen. Langdon runzelte die Stirn und drehte den Ring in die andere Richtung - mit dem gleichen Ergebnis.</p><p>Vittoria starrte suchend in die Gasse hinaus. �Glauben Sie, es k�nnte noch einen dritten Eingang geben?�</p><p>Langdon bezweifelte es. Die meisten Renaissancekirchen waren so gebaut, dass sie als improvisierte Fluchtburgen dienen konnten f�r den Fall, dass fremde Armeen die Stadt st�rmten. Es gab so wenig Eing�nge wie m�glich. �Falls es einen dritten Eingang gibt�, sagte er, �befindet er sich aller Wahrscheinlichkeit nach im hinteren Teil - mehr ein Fluchtweg als ein richtiger Eingang.�</p><p>Vittoria war bereits wieder in Bewegung.</p><p>Langdon folgte ihr tiefer in die Gasse hinein. Die W�nde tagten rechts und links von ihm in den Himmel. Irgendwo begann eine Glocke zu l�uten. Es war acht Uhr.</p><p>Robert Langdon h�rte Vittoria nicht gleich beim ersten Mal, als sie seinen Namen rief. Er war vor einem vergitterten Bleiglasfenster stehen geblieben und versuchte ins Innere der Kirche zu schauen.</p><p>�Robert!� Ihre Stimme war ein dr�ngendes Fl�stern.</p><p>Langdon drehte sich zu ihr um. Sie stand am Ende der Gasse, deutete mit ausgestrecktem Arm auf die R�ckseite der Kirche und winkte ihm mit der anderen Hand, zu ihr zu kommen. Z�gernd fiel Langdon in Laufschritt. An der r�ckw�rtigen Mauer ragte ein Vorsprung in die Gasse, und dahinter verbarg sich ein schmaler Gang - eine Passage, die direkt bis zum Fundament der Kirche hinunterf�hrte.</p><p>�Ein Eingang?�, fragte Vittoria.</p><p>Langdon nickte. <emphasis>Eigentlich ein Ausgang, aber wir wollen nicht p�pstlicher sein als der Papst.</emphasis></p><p>Vittoria ging in die Hocke und sp�hte in den Tunnel. �Kommen Sie, wir �berpr�fen die T�r und sehen nach, ob sie offen ist.�</p><p>Langdon �ffnete den Mund, um zu widersprechen, doch Vittoria nahm ihn bei der Hand und zog ihn mit sich in den Gang hinunter.</p><p>�Warten Sie�, sagte er.</p><p>Sie wandte sich ungeduldig zu ihm um.</p><p>Langdon seufzte. �Ich gehe zuerst.�</p><p>Vittoria blickte ihn �berrascht an. �Es gibt doch noch Kavaliere?�</p><p>�Alter vor Sch�nheit.�</p><p>�War das ein Kompliment?�</p><p>Langdon l�chelte und schob sich an ihr vorbei in die Dunkelheit. �Vorsicht bei den Stufen.�</p><p>Langsam, vorsichtig tastete er sich mit einer Hand an der Wand tiefer in die Dunkelheit. Die Steine unter seinen Fingerspitzen waren scharfkantig und feucht. Die Legende von Daidalos kam ihm in den Sinn, dem griechischen Baumeister, der wusste, dass er aus dem Labyrinth des Minotaurus entkommen w�rde, wenn er nur immer an einer Wand entlang ging. Langdon war nicht so sicher, ob er wissen wollte, was ihn</p><p>am Ende dieses Ganges erwartete.</p><p>Der Tunnel wurde enger, und Langdon tastete sich noch langsamer voran. Er sp�rte Vittoria dicht hinter sich. Die Wand wich nach links zur�ck, und der Tunnel �ffnete sich in einen halbkreisf�rmigen Alkoven hinein. Merkw�rdigerweise war es hier drin heller als im Gang. Im Halbdunkel bemerkte Langdon die Umrisse einer schweren Holzt�r.</p><p>�Oh�, sagte er.</p><p>�Verschlossen?�</p><p>�Das <emphasis>war</emphasis> sie.�</p><p><emphasis>�War?�</emphasis> Vittoria trat neben ihn.</p><p>Langdon deutete auf das Schloss. Schwaches Licht kam aus dem Raum hinter der offen stehenden T�r. noch immer steckte das Brecheisen im Holz, mit dem sie aufgebrochen worden war.</p><p>Sie standen einen Augenblick schweigend da. Dann sp�rte Langdon in der Dunkelheit Vittorias Hand auf seiner Brust. tastend glitt sie unter sein Jackett.</p><p>�Entspannen Sie sich, Professor�, sagte sie. �Ich hole nur die Waffe heraus.�</p><p>In diesem Augenblick schw�rmte im Vatikanischen Museum ein gro�er Trupp Schweizergardisten in alle Richtungen aus. Das Museum lag dunkel da, und die Gardisten trugen Infrarotbrillen. Alles schimmerte in gespenstischen Gr�nt�nen. Die Gardisten f�hrten antennenartige Detektoren mit sich, die sie vor sich schwenkten - die gleichen Ger�te, die sie zweimal in der Woche einsetzten, um in den R�umen des Vatikans nach elektronischen Wanzen zu suchen. Sie bewegten sich langsam und methodisch, sahen hinter den Statuen nach, in Nischen, Schr�nken und unter M�beln. Die Ger�te w�rden ein Warnsignal aussto�en, sobald sie auch nur die kleinste Spur eines magnetischen Feldes fanden.</p><p>Doch die Gardisten warteten vergeblich auf dieses Signal.</p><p>S�mtliche Ger�te blieben stumm.</p></section><section><title><p>Kapitel 65.</p></title><p>Der Innenraum von Santa Maria del Popolo lag d�ster im rasch schwindenden Licht des Abends, das durch die Bleiglasfenster hereinfiel. Er erinnerte mehr an eine halb fertige U-Bahn-Station als an eine Kathedrale. Das Hauptschiff stand voller Baumaterial und Schutt: herausgerissener Fu�boden, Paletten voller Steine, Schubkarren. Sogar ein rostiger Bagger war zu sehen. Das Dachgew�lbe wurde von gewaltigen S�ulen getragen. Staub hing tr�ge in der Luft und schwebte schimmernd in den Sonnenstrahlen, die durch die bunten Bleiglasfenster fielen. Langdon stand zusammen mit Vittoria unter einem ausladenden Fresko von Pinturicchio und suchte den Innenraum ab.</p><p>Nichts bewegte sich. Totenstille.</p><p>Vittoria hielt die Pistole mit beiden H�nden. Langdon schaute auf die Uhr. Vier Minuten nach acht. <emphasis>Wir m�ssen verr�ckt sein, uns hier hereinzuwagen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Es ist viel zu gef�hrlich. </emphasis>Doch er wusste, dass Vittoria Recht hatte - falls der M�rder noch immer hier drin lauerte, konnte er durch jeden der Ausg�nge entkommen. Es w�re sinnlos gewesen, drau�en vor einer T�r und nur mit einer Waffe auf ihn zu warten. Die einzige M�glichkeit bestand darin, ihn hier zu stellen. falls er �berhaupt noch da war. Langdon wurde von Schuldgef�hlen gequ�lt wegen seines Fehlers, der sie zuerst zum Pantheon gef�hrt und deshalb ihrer Chance beraubt hatte. Es stand ihm nicht an, jetzt zur Vorsicht zu mahnen - er war schlie�lich derjenige, der sie in diese Klemme man�vriert hatte, mit dem R�cken zur Wand.</p><p>Vittoria blickte sich in der Kirche um. �Wo ist diese Chigi-Kapelle?�</p><p>Langdon starrte suchend in das staubige Halbdunkel und auf</p><p>die W�nde. Im Gegensatz zur allgemeinen Vorstellung besa�en Kathedralen aus der Zeit der Renaissance stets mehrere angegliederte Kapellen; gro�e Bauwerke wie Notre Dame in Paris sogar Dutzende. Es waren keine R�ume oder gar eigenst�ndigen Geb�ude, sondern Nischen - halbrunde Alkoven in der Au�enwand einer Kirche, in der Sarkophage aufgestellt wurden.</p><p><emphasis>Schlechte Neuigkeiten,</emphasis> dachte Langdon, als er die vier Nischen in jeder der beiden Seitenw�nde sah. Acht Kapellen also insgesamt. Das war zwar keine �berw�ltigende Zahl, doch alle acht �ffnungen waren mit gewebeverst�rkten transparenten Kunststofffolien verh�ngt, um die Kapellen w�hrend der Renovierungsma�nahmen vor Staub und Schmutz zu sch�tzen.</p><p>�Es k�nnte jede dieser verh�ngten Nischen sein�, sagte Langdon. �Wir k�nnen nicht entscheiden, welche die Chigikapelle ist, ohne in jede einzelne hineinzusehen. Ich w�rde sagen, das ist ein guter Grund, um auf Olivetti.�</p><p>�Was ist das dort, diese zweite Apsis auf der linken Seite?�, unterbrach Vittoria, ohne Langdon ausreden zu lassen.</p><p>Langdon starrte sie �berrascht an. �Die zweite Apsis auf der linken Seite?�</p><p>Vittoria deutete auf die Wand hinter ihm. Dort war eine Fliese in die Mauer eingelassen, auf der das gleiche Symbol zu sehen war wie drau�en auf der Piazza - eine Pyramide unter einem leuchtenden Stern. Die staubbedeckte Plakette darunter trug die Aufschrift:</p><p>WAPPEN DES ALEXANDER CHIGI</p><p>SEIN GRAB BEFINDET SICH IN DER ZWEITEN APSIS</p><p>AUF DER LINKEN SEITE DER KATHEDRALE</p><p>Langdon nickte. <emphasis>Chigis Wappen war eine Pyramide mit einem leuchtenden Stern dar�ber?</emphasis> Unvermittelt fragte er sich, ob dieser reiche M�zen Chigi ein Illuminatus gewesen war. Er nickte Vittoria anerkennend zu. �Gute Arbeit, Nancy Drew.�</p><p>�Was?�</p><p>�Schon gut, ich.�</p><p>Ein Metallst�ck fiel scheppernd zu Boden - nur wenige Meter von ihnen entfernt. Das Ger�usch hallte durch die gesamte Kathedrale. Hastig zog Langdon Vittoria hinter einen Pfeiler, w�hrend sie die Waffe herumriss und auf die Stelle zielte, wo das Metall heruntergefallen war. Stille. Sie warteten. Erneut ein Ger�usch, diesmal ein Rascheln. Langdon hielt den Atem an. <emphasis>Ich h�tte nie zulassen d�rfen, dass wir alleine hierher kommen! </emphasis>Das Ger�usch kam n�her, ein rhythmisches Schlurfen, wie ein hinkender Mann. Pl�tzlich tauchte um den Pfeiler herum die Ursache f�r das Rascheln auf.</p><p><emphasis>�Figlio diputtana!�,</emphasis> fluchte Vittoria leise und schrak zusammen.</p><p>Neben dem Pfeiler sa� eine gewaltige Ratte, die �berreste eines zur H�lfte aufgegessenen, in Papier eingeschlagenen Sandwichs im Maul, das sie hinter sich hergezogen hatte. Das Tier stockte, als es die beiden Menschen erblickte, und starrte lange Sekunden in den Lauf von Vittorias Pistole, bevor es sich v�llig unger�hrt wieder in Bewegung setzte und seine Beute in die tieferen Winkel und Ecken der Kathedrale schleppte.</p><p>�So ein verdammtes.�, �chzte Langdon. Sein Herz raste.</p><p>Vittoria senkte die Pistole. Sie fasste sich rasch wieder. Langdon sp�hte um den Pfeiler herum und sah die Brotdose eines Arbeiters auf dem Boden liegen. Offensichtlich hatte der einfallsreiche Nager die Dose von einem daneben stehenden S�gebock gesto�en.</p><p>Langdon suchte den Innenraum der Kirche nach einer Bewegung ab und fl�sterte schlie�lich: �Wenn dieser Mann noch immer hier ist, hat er den L�rm ebenfalls geh�rt, so viel steht fest. Sind Sie ganz sicher, dass Sie nicht auf Olivetti warten wollen?�</p><p>�Die zweite Apsis auf der linken Seite�, wiederholte Vittoria. �Welche ist das?�</p><p>Z�gernd wandte Langdon sich um und versuchte sich zu orientieren. Er blickte vom Altar zum Haupteingang und deutete dann auf eine Nische zur Rechten, der zweitletzten oder dritten von ihrem Standort aus gesehen. Sie waren auf der richtigen <emphasis>Seite</emphasis> der Kathedrale, jedoch am falschen <emphasis>Ende.</emphasis> Sie mussten durch den gesamten Raum und an zwei weiteren Kapellen vorbei, die beide - wie die Begr�bnisst�tte der Chigis - mit transparentem Plastik verh�ngt waren.</p><p>�Warten Sie hier�, sagte Langdon. �Ich gehe zuerst.�</p><p>�Vergessen Sie�s.�</p><p>�Ich bin derjenige, der Mist gebaut hat, oder?�</p><p>Sie schaute ihn an. �Aber ich bin diejenige mit der Pistole.�</p><p>In ihren Augen sah Langdon, was sie wirklich dachte: <emphasis>Ich bin diejenige, die ihren Vater verloren hat. Ich bin diejenige, die beim Bau einer Massenvernichtungswaffe mitgeholfen hat. Dieser Assassine geh�rt mir allein...</emphasis></p><p>Langdon sp�rte, dass weitere Einw�nde vergeblich sein w�rden, und lenkte ein. Gemeinsam schlichen sie an der Seitenwand entlang in Richtung der Chigi-Kapelle. Als sie die erste Nische passierten, f�hlte Langdon sich wie ein Kandidat bei einer surrealistischen Spiel show. <emphasis>Ich nehme Vorhang Nummer drei,</emphasis> dachte er.</p><p>Die Kirche lag still. Die dicken W�nde blockten jedes Ger�usch von drau�en ab. Sie eilten an den Nischen vorbei und sahen undeutlich helle Schemen von menschlicher Gestalt, die sich scheinbar wie Geister hinter dem raschelnden Plastik bewegten. <emphasis>Marmorstatuen,</emphasis> dachte Langdon und hoffte, dass er damit Recht hatte. Es war sechs Minuten nach acht. War der</p><p>M�rder p�nktlich gewesen? Hatte er die Kirche schon wieder verlassen, bevor Langdon und Vittoria hergekommen waren? Oder lauerte er noch irgendwo hier im Geb�ude? Beide Vorstellungen waren wenig angenehm.</p><p>Sie passierten die zweite Nische. Inzwischen wurde es rasch dunkler, und die Bleiglasfenster verst�rkten die unheimliche Atmosph�re. Der Plastikvorhang neben ihnen wallte, als h�tte jemand irgendwo eine T�r ge�ffnet, und ein Luftzug h�tte den Vorhang erfasst.</p><p>Vittoria blieb mit vorgehaltener Waffe vor der dritten Kapelle stehen. Sie deutete mit der Hand auf eine Stelle neben der Apsis. Zwei Worte waren in die S�ule aus Granit gehauen:</p><p>CAPELLA CHIGI</p><p>Langdon nickte. Ohne einen Laut schoben sie sich zum Rand der Nische und gingen hinter einem breiten Pfeiler in Deckung. Vittoria zielte mit der Waffe um die Ecke in Richtung des Plastikvorhangs. Dann bedeutete sie Langdon mit einer Kopfbewegung, das Plastik beiseite zu ziehen.</p><p><emphasis>Jetzt w�re ein geeigneter Zeitpunkt, mit Beten anzufangen, </emphasis>dachte Langdon. Z�gernd streckte er die Hand �ber ihre Schulter hinweg nach dem Vorhang aus und schob ihn beiseite, so vorsichtig es ging. Das transparente Miterial bewegte sich ein paar Zentimeter; dann raschelte es laut. Beide erstarrten. Stille. Nach einem langen Augenblick, der wie in Zeitlupe verging, beugte Vittoria sich vor und sp�hte durch den schmalen Spalt. Langdon blickte ihr �ber die Schulter.</p><p>Keiner von beiden wagte zu atmen.</p><p>�Leer�, sagte Vittoria schlie�lich und senkte die Pistole. �Wir kommen zu sp�t.�</p><p>Langdon h�rte nicht zu. F�r einen Moment war er in eine andere Welt versetzt. Nie im Leben h�tte er sich eine Kapelle wie diese vorgestellt. Sie war atemberaubend. Alles war mit rotem Marmor ausgekleidet. Langdon sog den Anblick in sich auf. Die Kapelle war so <emphasis>irden,</emphasis> wie man es sich nur vorstellen konnte, beinahe so, als h�tten Galileo und seine Illuminati sie entworfen.</p><p>Das Kuppeldach zeigte ein Sternenfeld und die sieben zur damaligen Zeit bekannten Planeten. Darunter die zw�lf Tierkreiszeichen - heidnische Symbole, <emphasis>irdene</emphasis> Symbole, die in der Astronomie wurzelten. Der Tierkreis war direkt mit der Erde verbunden, mit der Luft, dem Feuer und dem Wasser. die Quadranten repr�sentierten Macht, Intellekt, Wissensdurst und Emotionen. <emphasis>Die Erde steht f�r Macht,</emphasis> rief Langdon sich ins Ged�chtnis.</p><p>Ein St�ck weiter an der Wand bemerkte er Anspielungen auf die vier Jahreszeiten <emphasis>primavera, estate, autunno</emphasis> und <emphasis>inverno. </emphasis>Doch viel unglaublicher als das alles waren die beiden gewaltigen Gebilde, die den Innenraum beherrschten. Langdon starrte sie voller Staunen an. <emphasis>Das kann nicht sein, dachte er. Das kann einfach nicht sein!</emphasis> Doch sie standen dort. Zu beiden Seiten der Kapelle und in vollkommener Symmetrie ragten zwei drei Meter hohe Pyramiden aus Marmor auf.</p><p>�Ich sehe keinen Kardinal�, fl�sterte Vittoria. �Und auch keinen Assassinen.� Sie schlug den Plastikvorhang beiseite und betrat die Nische.</p><p>Langdons Blicke hafteten unverwandt auf den Pyramiden. <emphasis>Was machen Pyramiden in einer christlichen Kapelle?,</emphasis> fragte er sich. Unglaublicherweise war das noch l�ngst nicht alles. Genau in der Mitte der Pyramidenseiten, eingefasst von Marmor, erblickte Langdon goldene Medaillons. Medaillons, wie er es noch nie zuvor gesehen hatte. Vollkommene, auf der Seite liegende <emphasis>Ellipsen</emphasis>... Die polierten Gebilde gl�nzten im schwachen Lichtschein, der durch hohe Bleiglasfenster in die Nische drang.</p><p><emphasis>Galileos Ellipsen?,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Pyramiden? Eine Kuppeldecke voller Sterne?</emphasis> Der Raum enthielt mehr unverh�llte</p><p>Hinweise auf die Illuminati, als Langdon sich jemals h�tte vorstellen k�nnen.</p><p>�Robert!�, stie� Vittoria leise hervor. �Sehen Sie nur!�</p><p>Langdon wirbelte herum, und die Wirklichkeit kehrte zur�ck, als sein Blick auf das fiel, was sie ihm zeigen wollte.</p><p>�Verdammt!�, rief er und zuckte zusammen.</p><p>Das Bild eines Skeletts grinste sie vom Marmorboden herauf an - ein kunstvolles, detailliertes Marmormosaik, das den Tod zeigte. Das Skelett trug ein Tablett mit der gleichen Pyramide und dem Stern dar�ber, wie sie es drau�en auf der Piazza �ber der Porta del Popolo gesehen hatten.</p><p>Doch es war nicht das Mosaik, das ihm das Blut in den Adern gefrieren lie�. Es war vielmehr die Tatsache, dass es eine runde Steinplatte zierte - einen <emphasis>cupermento -,</emphasis> die wie ein Schachtdeckel aus dem Boden genommen worden war und nun neben einem g�hnend schwarzen Loch lag.</p><p>�Das D�monenloch!�, �chzte Langdon. Er war so in die Decke und die Pyramiden versunken gewesen, dass er es nicht gleich bemerkt hatte. Nerv�s n�herte er sich dem Loch. Der von unten heraufdringende Gestank war �berw�ltigend.</p><p>Vittoria legte eine Hand vor den Mund. <emphasis>�Che puzzo!�</emphasis></p><p>�Effluvium�, erkl�rte Langdon. �D�mpfe aus vermodernden Gebeinen.� Er hielt sich den Jacken�rmel vor die Nase, w�hrend er sich �ber das Loch beugte und nach unten sp�hte. Schw�rze. �Ich kann nichts erkennen.�</p><p>�Glauben Sie, dort unten ist jemand?�</p><p>�Woher soll ich das wissen?�</p><p>Vittoria deutete auf die gegen�berliegende Seite des Lochs, wo eine modrige Holzleiter in die Tiefe f�hrte.</p><p>Langdon sch�ttelte den Kopf. �Ganz bestimmt nicht.�</p><p>�Vielleicht liegt drau�en zwischen all dem Werkzeug eine Lampe.� Vittoria klang, als suchte sie einen Grund, sich dem</p><p>bestialischen Gestank zu entziehen. �Ich gehe nachsehen.�</p><p>�Seien Sie vorsichtig!�, warnte Langdon. �Wir wissen nicht mit Sicherheit, ob dieser Assassine noch.�</p><p>Doch Vittoria marschierte bereits durch das Kirchenschiff.</p><p><emphasis>Was f�r eine Willensstarke Frau,</emphasis> dachte Langdon.</p><p>Er wandte sich wieder dem Loch zu und sp�rte, wie ihm von den D�mpfen schwindlig wurde. Mit angehaltenem Atem steckte er den Kopf hinein und sp�hte hinunter in die Dunkelheit. Langsam, nachdem seine Augen sich an die Lichtverh�ltnisse gew�hnt hatten, erkannte er unten schwache Umrisse. Das Loch weitete sich anscheinend zu einer kleinen Kammer. <emphasis>D�monenloch.</emphasis> Wie viele Generationen von Chigis hier wohl h�chst unfeierlich hineingeworfen worden waren? Langdon zog sich zur�ck und wartete mit geschlossenen Augen, um seine Pupillen noch mehr an die Dunkelheit zu gew�hnen. Als er sie erneut �ffnete, schwebte unten in der Dunkelheit eine bleiche Gestalt. Langdon erschauerte und k�mpfte gegen den instinktiven Fluchtreflex an. <emphasis>Sehe ich jetzt schon Gespenster? Ist das ein Leichnam?</emphasis> Er schloss die Augen erneut, noch l�nger diesmal, bis er sicher war, dass er auch das schw�chste Licht wahrnehmen w�rde.</p><p>Ihm wurde schwindlig, und seine Gedanken begannen ziellos zu kreisen. <emphasis>Nur noch ein paar Sekunden.</emphasis> Vielleicht lag es an den D�mpfen oder daran, dass er den Kopf so tief nach unten hielt, doch allm�hlich stieg �belkeit in ihm auf. Als er die Augen schlie�lich wieder �ffnete, erlebte er eine �berraschung.</p><p>Er starrte in eine Krypta, die in blaues Licht gebadet war. In seinen Ohren hallte ein schwaches Zischen wider. Licht flackerte auf den glatten W�nden des Schachts. Unvermittelt materialisierte �ber ihm ein langer Schatten. Erschrocken zuckte Langdon hoch.</p><p>�Aufgepasst!�, rief Vittoria hinter ihm.</p><p>Bevor Langdon sich umdrehen konnte, sp�rte er einen brennenden Schmerz am Hals. Er wirbelte herum und sah, wie Vittoria einen Schwei�brenner von ihm wegdrehte; die fauchende Flamme tauchte die Kapelle in blaues Licht.</p><p>Langdon betastete seinen Nacken. �Was tun Sie da, um Himmels willen?�, fragte er.</p><p>�Ich wollte Ihnen leuchten!�, sagte sie. �Sie sind direkt in mich hineingerannt.�</p><p>Langdon starrte auf den Schwei�brenner in ihrer Hand.</p><p>�Etwas Besseres habe ich nicht gefunden�, verteidigte sie sich. �Es gibt keine Lampen.�</p><p>�Ich habe Sie nicht zur�ckkommen h�ren.�</p><p>Vittoria reichte ihm den transportablen Brenner. Sie verzog das Gesicht wegen des Gestanks, der aus dem Loch schlug. �Sind diese D�mpfe feuergef�hrlich?�</p><p>�Ich hoffe nicht.�</p><p>Er nahm den Brenner und bewegte sich vorsichtig auf das Loch zu. Er leuchtete in den Schacht hinunter und erkannte zum ersten Mal die genauen Umrisse des Ossuariums. Es war rund und besa� einen Durchmesser von vielleicht sechs Metern. Der Boden lag zehn Meter unter ihm. Festgestampfter Erdboden, dunkel und modrig. Keine Fliesen oder Platten. <emphasis>Irden.</emphasis> Dann entdeckte er den Leichnam.</p><p>Langdon zuckte zusammen. �Er ist hier�, fl�sterte er heiser und zwang sich, genauer hinzusehen. Die Gestalt hob sich bleich vom dunklen Boden ab. �Ich glaube, er wurde nackt ausgezogen.� Das Bild des ermordeten Leonardo Vetra stieg vor Langdons geistigem Auge auf.</p><p>�Ist es einer der Kardinale?�</p><p>Es war von hier oben nicht zu erkennen, doch Langdon konnte sich nicht vorstellen, wer es sonst h�tte sein sollen. Er starrte die reglose Gestalt an. Leblos. <emphasis>Und doch</emphasis>... Langdon z�gerte. Die Gestalt hatte etwas sehr Eigenartiges an sich. Wie</p><p>sie dort <emphasis>stand</emphasis>...</p><p>�Hallo?�, rief er hinunter.</p><p>�Glauben Sie, er lebt noch?�</p><p>Von unten kam keine Antwort.</p><p>�Er bewegt sich nicht�, sagte Langdon. �Aber es sieht aus, als.� <emphasis>Nein, unm�glich!</emphasis></p><p>�Es sieht aus, als.?� Vittoria sp�hte nun ebenfalls �ber den Rand des Lochs.</p><p>Langdon blinzelte in die Dunkelheit. �Es sieht aus, als st�nde er <emphasis>aufrecht.�</emphasis></p><p>Vittoria hielt den Atem an und brachte ihr Gesicht noch weiter �ber das Loch. Nach einem Augenblick zog sie sich wieder zur�ck. �Sie haben Recht, er steht. Vielleicht ist er noch am Leben und braucht Hilfe! Hallo? Signore? <emphasis>Mi puo sentiere?�,</emphasis> rief sie in das Loch hinunter.</p><p>Nicht einmal ein Echo kam von den moosbewachsenen W�nden zur�ck. Nur Stille.</p><p>Vittoria setzte sich in Richtung der gebrechlichen alten Leiter in Bewegung. �Ich steige hinunter.�</p><p>Langdon packte sie am Arm. �Nein. Es ist zu gef�hrlich! Ich gehe.�</p><p>Diesmal widersprach sie nicht.</p></section><section><title><p>Kapitel 66.</p></title><p>Chinita Macri war stocksauer. Sie sa� auf dem Beifahrersitz des �bertragungswagens, der mit laufendem Motor am Stra�enrand der Via Tomacelli stand. G�nther Glick hatte sich offensichtlich verfahren und war in den Stadtplan von Rom auf seinem Scho� vertieft. Wie um Chinitas Bef�rchtungen zu best�tigen, hatte sich der anonyme Anrufer erneut gemeldet und weitere Informationen mitgeteilt.</p><p>�Piazza del Popolo!�, sagte G�nther. �Wir m�ssen sie finden! Dort steht eine Kirche, und in der Kirche finden wir Beweise!�</p><p>�Beweise, pah!� Chinita unterbrach das Polieren der Brille in ihrer Hand und wandte sich zu Glick. �Beweise wof�r? Dass der Kardinal ermordet wurde?�</p><p>�Das hat er gesagt, ja.�</p><p>�Du glaubst wohl alles, was man dir erz�hlt!� Wie schon so h�ufig w�nschte sich Chinita, diejenige zu sein, die das Sagen h�tte. Doch Videografen waren der Willk�r der Reporter ausgeliefert, denen sie zugeteilt wurden. Wenn G�nther Glick einem anonymen Anruf nachgehen wollte, musste sie ihm folgen, ob sie wollte oder nicht. Wie ein H�ndchen an der Leine.</p><p>Sie musterte ihn, wie er auf dem Fahrersitz sa�, die Kiefer entschlossen zusammengebissen. Die Eltern dieses Mannes waren wahrscheinlich frustrierte Schauspieler gewesen, sonst h�tten sie ihr Kind nicht mit so einem Namen geschlagen. G�nther Glick. Kein Wunder, dass er st�ndig glaubte, irgendetwas beweisen zu m�ssen. Doch trotz seines ungl�ckseligen Namens und seines �rgerlichen Eifers, unbedingt einen Treffer zu landen, war Glick irgendwie s��. charmant auf eine blasse, <emphasis>britische</emphasis> Art. Wie Hugh Grant auf Lithium.</p><p>�Sollten wir nicht lieber wieder zur�ck zum Petersdom?�,</p><p>fragte Chinita so ruhig, wie es ihr m�glich war. �Wir k�nnen diese mysteri�se Kirche sp�ter immer noch �berpr�fen. Das Konklave hat vor einer Stunde angefangen. Was, wenn die Kardinale zu einer Entscheidung finden, w�hrend wir nicht dort sind?�</p><p>G�nther schien sie �berhaupt nicht zu h�ren. �Ich glaube, wir m�ssen dort vorne rechts abbiegen.� Er drehte die Karte um neunzig Grad und studierte sie erneut. �Genau. Wenn ich dort rechts abbiege. und dann gleich wieder links.� Er ordnete sich in den flie�enden Verkehr auf der schmalen Stra�e ein.</p><p>�Pass auf!�, rief Chinita. Als Videografin hatte sie scharfe Augen. Zum Gl�ck war G�nther genauso schnell. Er stieg mit aller Kraft auf die Bremse und brachte den Wagen gerade noch vor der Kreuzung zum Stehen. Eine Reihe von vier schwarzen Alfa Romeos erschien wie aus dem Nichts und raste an ihnen vorbei. Gleich an der n�chsten Kreuzung bremsten die Fahrzeuge mit quietschenden Reifen und bogen nach links ab -auf der gleichen Route, die G�nther ebenfalls ausgesucht hatte.</p><p>�Die sind wohl verr�ckt!�, schimpfte Chinita.</p><p>G�nther hatte einen gewaltigen Schrecken davongetragen. �Hast du das gesehen?�, fragte er mit zitternder Stimme.</p><p>�Und ob! Die h�tten uns fast umgebracht!�</p><p>�Nein, ich meine die Wagen!� Pl�tzlich klang seine Stimme aufgeregt. �Es waren vier identische Wagen!�</p><p>�Na und? Dann hatten sie eben keine Fantasie!�</p><p>�Die Wagen waren voll besetzt!�</p><p>�Na und?�</p><p>�Vier identische Fahrzeuge mit jeweils vier Passagieren?�</p><p>�Hast du schon mal was von Fahrgemeinschaften geh�rt?�</p><p>�Was denn, hier in Italien?� G�nther warf einen pr�fenden Blick auf die Kreuzung, bevor er wieder losfuhr. �Hier haben sie ja noch nicht mal von bleifreiem Benzin geh�rt.� Er trat auf das Gaspedal und jagte hinter den vier Alfas her.</p><p>Chinita wurde in den Sitz gepresst. �Was, zur H�lle, hast du vor?�</p><p>G�nther Glick raste die Stra�e hinunter und gleich wieder links - den Weg, den auch die Alfas genommen hatten �Irgendetwas sagt mir, dass du und ich nicht die Einzigen sind, die heule Abend in diese Kirche wollen.�</p></section><section><title><p>Kapitel 67.</p></title><p>Der Abstieg war m�hselig.</p><p>Langdon kletterte vorsichtig Stufe um Stufe die knarrende Leiter hinunter, tiefer und tiefer unter den Boden der Chigi-Kapelle. <emphasis>Hinein ins D�monenloch,</emphasis> dachte er. Er kletterte mit dem Gesicht zur Wand und dem R�cken zu der Kammer hinter sich, w�hrend er sich fragte, wie viele beengte dunkle Kammern man an einem einzigen Tag antreffen konnte.</p><p>Die Leiter �chzte bei jeder Stufe aufs Neue, und der durchdringende Gestank nach verrottendem Fleisch und modriger Feuchtigkeit nahm ihm den Atem. Langdon fragte sich nicht zum ersten Mal, wo Olivetti so lange blieb.</p><p>Vittoria stand noch immer oben am Rand des Lochs. Sie schaute zu ihm hinunter und leuchtete ihm mit dem Schwei�brenner, doch je tiefer Langdon kam, desto schw�cher wurde das Licht der blauen Flamme. Daf�r wurde der Gestank mit jedem Schritt st�rker.</p><p>Zw�lf Sprossen weiter geschah es. Langdon setzte den Fu� auf eine schl�pfrige Stelle und verlor das Gleichgewicht. Er umklammerte mit den Unterarmen die Leiter, um nicht nach hinten zu fallen, und rutschte ein St�ck weit hinunter, bevor er wieder Halt fand. Fluchend und schimpfend setzte er seinen Abstieg fort.</p><p>Drei Sprossen weiter w�re er fast ein weiteres Mal gefallen; diesmal jedoch war es keine schl�pfrige Leiter, die das Missgeschick verursachte, sondern Angst. Langdon war an einer hohlen Nische vorbeigeklettert und sah sich von einem Augenblick zum anderen einer Reihe grinsender Totensch�del gegen�ber.</p><p>Nachdem er sich ein wenig beruhigt und sich umgeschaut</p><p>hatte, erkannte er, dass die W�nde auf dieser H�he f�rmlich durchl�chert waren von derartigen Nischen und Kammern, ausnahmslos gef�llt mit Skeletten. Im phosphoreszierenden Licht war der Anblick leerer Augenh�hlen noch unheimlicher, als es bei Tageslicht der Fall gewesen w�re.</p><p><emphasis>Skelette im Fackellicht,</emphasis> dachte er und verzog das Gesicht, als ihm bewusst wurde, dass er kaum einen Monat zuvor einen ganz �hnlichen Abend erlebt hatte. Das Wohlt�tigkeitsdinner des New York Museum of Archeology - flambierter Lachs im Schatten eines Brontosaurus-Skeletts. Er war auf Einladung von Rebecca Strauss dort gewesen, des einstigen Top-Models, das heute f�r die <emphasis>Times</emphasis> als Kunstkritikerin schrieb. Rebecca war ein Wirbelwind aus schwarzem Samt, Zigaretten und un�bersehbar vergr��erten Br�sten. Sie hatte ihn seither zweimal angerufen, und Langdon hatte sich nicht zur�ckgemeldet. <emphasis>Nicht sehr gentlemanlike,</emphasis> schimpfte er mit sich selbst und fragte sich zugleich, wie lange Rebecca es wohl in einem stinkenden Loch wie diesem ausgehalten h�tte.</p><p>Er war erleichtert, als die letzte Sprosse endlich festem Erdboden wich. Der Untergrund unter seinen Schuhen f�hlte sich feucht an. Nachdem er sich versichert hatte, dass die W�nde ihn nicht zerquetschen w�rden, wandte er sich um und warf einen Blick auf seine Umgebung. Die Krypta war rund und durchma� vielleicht sechs Meter. Langdon atmete erneut durch den Stoff seines Jackett�rmels und betrachtete den K�rper. Das Bild war undeutlich im schwachen Lichtschein von oben. Ein fahler, fleischiger Umriss, der in die andere Richtung sah. Reglos. Still.</p><p>Langdon versuchte einen Sinn in dem zu erkennen, was sich seinen Augen bot. Der Mann wandte ihm den R�cken zu; Langdon konnte das Gesicht nicht sehen, doch es sah in der</p><p>Tat so aus, als <emphasis>st�nde</emphasis> er.</p><p>�Hallo?�, w�rgte Langdon durch seinen �rmel hindurch.</p><p>Keine Reaktion. Als er n�her kam, wurde ihm bewusst, dass der Mann sehr <emphasis>klein</emphasis> war. Zu klein.</p><p>�Was ist los bei Ihnen?�, rief Vittoria von oben herab und schwenkte den Schwei�brenner.</p><p>Langdon antwortete nicht. Er war jetzt nahe genug, um alles deutlich zu sehen. Mit dem Begreifen kam das Entsetzen. Die Krypta schien sich rings um ihn herum zusammenzuziehen.</p><p>Es war ein alter Mann, und er kam aus der nackten Erde des Bodens wie ein D�mon. oder wenigstens seine obere K�rperh�lfte. Er war bis zum Bauch in die Erde eingegraben. Nackt. Die H�nde waren mit einer roten Kardinalssch�rpe auf den R�cken gefesselt. Er steckte schief in der Erde, und sein Kopf lag im Nacken, die Augen himmelw�rts gerichtet, als flehte er Gott pers�nlich um Hilfe an.</p><p>�Ist er tot?�, rief Vittoria.</p><p>Langdon bewegte sich auf den reglosen K�rper zu. <emphasis>Ich hoffe es, um seinetwillen.</emphasis> Er blickte in das Gesicht. Die Augen waren weit ge�ffnet, blutunterlaufen, und die Aug�pfel traten hervor. Langdon beugte sich hinunter, um nachzupr�fen, ob der Mann noch atmete, und zuckte zur�ck. �Um Gottes willen!�</p><p>�Was ist denn?�</p><p>Langdon h�tte sich beinahe �bergeben. �Er ist tot, so viel steht fest. Und die Todesursache ist leicht zu erkennen.�</p><p>Der Anblick war grauenhaft. Der Mund des Mannes war weit aufgerissen und voller Dreck. �Irgendjemand hat ihm Dreck in den Hals gestopft, bis er erstickt ist.�</p><p>�Dreck?�, fragte Vittoria. <emphasis>�Erde?�</emphasis></p><p>Langdon begriff. <emphasis>Erde.</emphasis> Er hatte es beinahe vergessen. <emphasis>Die Brandzeichen. Erde. Luft, Feuer, Wasser.</emphasis> Der M�rder hatte gedroht, jedes seiner Opfer mit einem der alten Elemente der Wissenschaft zu brandmarken. Das erste Element war <emphasis>Erde. Aus Santis irdenem Grab</emphasis>... Halb bet�ubt von den Ausd�nstungen umrundete Langdon den Leichnam, und der Wissenschaftler in ihm erkannte einmal mehr die k�nstlerische Herausforderung, ein entsprechendes Ambigramm zu schaffen. <emphasis>Erde. Wie?</emphasis> Und doch - einen Augenblick sp�ter sah er es vor sich. Jahrhunderte voller Illuminati-Legenden wirbelten durch seinen Verstand. Das Brandzeichen auf der Brust des toten Kardinals war schwarz und n�sste. Das Fleisch um die R�nder war rot. <emphasis>La lingua pura</emphasis>...</p><p>Langdon starrte auf das Brandzeichen, und rings um ihn herum begann sich der Raum zu drehen.</p><p>�Erde�, fl�sterte er und verdrehte den Kopf, um das Symbol andersherum zu betrachten. Es war tats�chlich in englischer Sprache. Genau wie das Gedicht John Miltons. �Earth.�</p><p>In einer Woge des Entsetzens d�mmerte ihm noch etwas. Es <emphasis>gibt drei weitere Brandzeichen.</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel 68.</p></title><p>Trotz des sanften Kerzenlichts im Innern der Sixtinischen Kapelle war Kardinal Mortati nerv�s. Das Konklave hatte offiziell begonnen - und zwar auf eine h�chst Unheil verk�ndende Weise.</p><p>Vor einer halben Stunde, genau zur vereinbarten Zeit, war der Camerlengo Carlo Ventresca in die Kapelle gekommen. Er war zum Altar gegangen und hatte das Er�ffnungsgebet gesprochen. Dann hatte er die Arme ausgebreitet und zu ihnen geredet, wie Mortati es vom Altar der Sixtinischen Kapelle noch nie geh�rt hatte.</p><p>�Sie alle wissen sehr wohl�, hatte der Camerlengo gesagt, �dass unsere vier <emphasis>preferiti</emphasis> zurzeit noch nicht im Konklave sind. Ich bitte Sie daher im Namen Seiner verstorbenen Heiligkeit, so vorzugehen, wie es von Ihnen erwartet wird. voll Glauben und Zuversicht. M�gen Sie alle Gott vor Augen haben.� Dann hatte er sich zum Gehen gewandt.</p><p>�Aber.�, hatte ein Kardinal gerufen, �. aber wo <emphasis>sind</emphasis> die <emphasis>preferiti?�</emphasis></p><p>Der Camerlengo hatte gez�gert. �Das wei� ich nicht.�</p><p>�Wann werden sie kommen?�</p><p>�Das wei� ich nicht.�</p><p>�Sind sie gesund und wohlauf?�</p><p>�Das wei� ich nicht.�</p><p>�Werden sie �berhaupt kommen?�</p><p>Der Camerlengo hatte sichtlich nicht gewusst, was er darauf antworten sollte. �Vertrauen Sie auf Gott�, hatte er schlie�lich gesagt. Dann hatte er die Kapelle verlassen.</p><p>Die T�ren der Sixtinischen Kapelle waren, wie der Brauch es</p><p>verlangte, mit zwei schweren Ketten von au�en verschlossen worden. Vier Hellebardiere der Schweizergarde standen im Gang davor Wache. Die T�ren, das wusste Mortati, w�rden erst wieder ge�ffnet, wenn das Konklave einen neuen Papst gew�hlt hatte - es sei denn, einer der Kardinale wurde zwischenzeitlich sterbenskrank, oder einer der vier <emphasis>preferiti</emphasis> tauchte auf. Mortati betete, dass sie noch kamen, auch wenn der Knoten in seinem Magen eher das Gegenteil ahnen lie�.</p><p><emphasis>Gehe vor, wie es von dir erwartet wird,</emphasis> beschloss er und nahm sich die Unverzagtheit des Camerlengos zum Vorbild. Er w�rde die Kardinale zur Abstimmung aufrufen. Was sonst blieb ihm �brig?</p><p>Sie hatten drei�ig Minuten f�r die vorbereitenden Rituale ben�tigt, die zur ersten Abstimmung f�hrten. Mortati hatte geduldig am Altar gewartet, w�hrend jeder Kardinal in der Reihenfolge seines Alters zu ihm gekommen war und die Wahlprozedur durchgef�hrt hatte.</p><p>Nun stand der letzte Kardinal vor dem Altar und kniete nieder.</p><p>�Ich rufe Christus unseren Herrn als meinen Zeugen�, sagte er genau wie alle anderen vor ihm, �als meinen Zeugen, dass ich meine Stimme demjenigen unter uns gegeben habe, von dem ich vor Gott glaube, dass er erw�hlt werden sollte.�</p><p>Der Kardinal erhob sich. Er hielt seinen Stimmzettel hoch �ber den Kopf, sodass jeder ihn sehen konnte. Dann legte er ihn auf einen Teller, der auf einem hohen Kelch auf dem Altar stand. Als N�chstes hob er den Teller mit beiden H�nden hoch und benutzte ihn, um den Stimmzettel in den Kelch darunter gleiten zu lassen. Der Teller sollte sicherstellen, dass niemand heimlich weitere Stimmzettel in den Kelch warf.</p><p>Nachdem er fertig war, legte er den Teller wieder auf den Kelch, verneigte sich vor dem Kreuz und kehrte an seinen Platz zur�ck.</p><p>Die letzte Stimme war abgegeben.</p><p>Nun war es an der Zeit f�r Mortati, mit der Ausz�hlung zu beginnen.</p><p>Mit der einen Hand hielt er den Teller auf dem Kelch, w�hrend er das Gef�� mit der anderen Hand hob und die Stimmzettel durchsch�ttelte. Dann entfernte er den Teller und zog willk�rlich einen Zettel heraus. Er faltete ihn auseinander. Der Zettel war quadratisch, genau zwei Zoll breit und lang. Mortati las laut vor, sodass jeder ihn verstehen konnte.</p><p><emphasis>�Eligo in summum pontificem...�,</emphasis> las er den Text, der zuoberst auf jedem Zettel abgedruckt war. <emphasis>Als obersten Pontifex erw�hle ich</emphasis>... Dann folgte der Name, den der w�hlende Kardinal darunter geschrieben hatte. Nachdem Mortati den Namen vorgelesen hatte, hob er eine Nadel mit einem Faden daran und stach sie durchs Papier, durch das Wort <emphasis>Eligo,</emphasis> um den Zettel anschlie�end sorgf�ltig auf den Faden zu schieben. Dann notierte er den vorgeschlagenen Namen in einem Wahlbuch.</p><p>Er wiederholte die Prozedur beim n�chsten Stimmzettel. Er nahm einen Zettel aus dem Kelch, las ihn vor, spie�te ihn auf den Faden und notierte den Namen in seinem Wahlbuch. Schon jetzt sp�rte er, dass die Wahl fehlschlagen w�rde - kein Konsens unter den Kardinalen. Er hatte erst sieben Stimmen ausgez�hlt, und es gab bereits sieben verschiedene Nominierungen. Sieben verschiedene Kardinale. Wie gew�hnlich war die Handschrift auf den Zetteln durch Blockschrift oder �bertriebene Stilisierungen unkenntlich gemacht. Das T�uschungsman�ver war fadenscheinig, weil die Kardinale sich offensichtlich alle selbst vorschlugen. Die merkw�rdige Vorgehensweise hatte, das wusste Mortati, nichts damit zu tun, dass die Kardin�le selbsts�chtig oder ehrgeizig gewesen w�ren. Es war im Gegenteil eine Hinhaltetaktik, ein defensives Man�ver, um daf�r zu sorgen, dass keiner der Kardinale gen�gend Stimmen auf sich vereinigen konnte, um die Wahl zu gewinnen. Auf diese Weise wollten sie einen</p><p>weiteren Wahlgang erzwingen.</p><p>Die Kardinale warteten auf ihre <emphasis>preferiti.</emphasis></p><p>Als der letzte Stimmzettel auf den Faden gespie�t war, erkl�rte Mortati die Wahl f�r unentschieden.</p><p>Er nahm den Faden mit s�mtlichen Stimmzetteln, band die Enden zu einer Schlaufe zusammen und legte alles auf ein silbernes Tablett. Anschlie�end f�gte er die entsprechenden Substanzen hinzu und trug das Tablett zu einem kleinen Kamin hinter dem Altar. Dort z�ndete er das Papier an. Die Substanzen erzeugten Rauch, dichten schwarzen Rauch. Der Rauch zog durch den Schornstein nach drau�en, wo alle Welt ihn sehen konnte. Kardinal Mortati hatte soeben seine erste Botschaft an die Au�enwelt gesandt.</p><p>Der erste Wahldurchgang war vorbei. Kein neuer Papst.</p></section><section><title><p>Kapitel 69.</p></title><p>Nahezu bet�ubt von den Ausd�nstungen, m�hte Langdon sich die Leiter hinauf zum Ausgang des �D�monenlochs. Oben h�rte er Stimmen, doch nichts von dem, was zu vernehmen war, ergab einen Sinn. In seinem Kopf drehten sich Bilder des gebrandmarkten Toten.</p><p><emphasis>Earth</emphasis>... Erde.</p><p>W�hrend er nach oben stieg, engte sich sein Gesichtsfeld ein, und er f�rchtete, das Bewusstsein zu verlieren. Zwei Stufen vom Ausgang entfernt verlor er das Gleichgewicht. Er schob sich verzweifelt nach oben, um den Rand zu packen, doch er war noch zu weit entfernt. Er verlor den Halt an der Leiter und w�re fast r�cklings in die Dunkelheit gest�rzt; dann aber sp�rte er einen stechenden Schmerz unter den Achselh�hlen, und pl�tzlich hing er mit wild �ber dem Abgrund baumelnden Beinen in der Luft.</p><p>Zwei Schweizergardisten hatten ihn unter den Armen gepackt und zogen ihn nach oben. Einen Augenblick sp�ter schwebte Langdon w�rgend und nach Luft schnappend �ber dem Loch. Die Gardisten stellten ihn auf die Beine und f�hrten ihn zur Wand, wo sie ihn vorsichtig absetzten. Der kalte Marmor des Bodens brachte ihn nur langsam wieder zur Besinnung.</p><p>Im ersten Augenblick wusste Langdon nicht mehr, wo er war. �ber sich sah er Sterne. und Planeten. Nebelhafte Gestalten rannten an ihm vorbei. Leute riefen. Er versuchte sich aufzurichten und stellte fest, dass er am Fu� einer Steinpyramide sa�. Der vertraute schneidende Klang einer leisen, �rgerlichen Stimme hallte durch die Kapelle; dann kehrte sein Orientierungssinn zur�ck.</p><p>Olivetti schimpfte mit Vittoria. �Warum haben Sie es nicht</p><p>sofort herausgefunden?�</p><p>Vittoria bem�hte sich, dem Kommandanten die Situation zu erkl�ren.</p><p>Olivetti schnitt ihr das Wort ab und wandte sich zu seinen Leuten um. �Schafft den Leichnam von dort unten weg! Sucht das ganze Geb�ude ab!�</p><p>Langdon versuchte aufzustehen. Die Chigi-Kapelle wimmelte von Schweizergardisten. Der Plastikvorhang vor der Nische war weggerissen worden, und die muffige Luft aus dem Hauptschiff f�llte Langdons Lungen. Sie erschien ihm unendlich frisch. Langsam kehrten seine Sinne wieder. Vittoria kam zu ihm. Sie kniete nieder. Ihr Gesicht sah aus wie das eines Engels.</p><p>�Alles in Ordnung?� Sie nahm seine Hand und pr�fte seinen Puls. Ihre H�nde f�hlten sich weich und behutsam an.</p><p>�Danke�, sagte Langdon und setzte sich auf. �Olivetti ist w�tend.�</p><p>Vittoria nickte. �Er hat jedes Recht dazu. Wir haben es vermasselt.�</p><p>�Sie meinen, <emphasis>ich</emphasis> habe es vermasselt.�</p><p>�Verdammen Sie sich meinetwegen. Aber kriegen Sie den Mistkerl beim n�chsten Mal.�</p><p><emphasis>Beim n�chsten Mal?</emphasis> Was f�r ein grausamer Kommentar. <emphasis>Es gibt kein n�chstes Mal! Wir haben unsere Chance verpasst, und das war�s.</emphasis></p><p>Vittoria schaute auf Langdons Armbanduhr. �Mickey sagt, dass wir noch vierzig Minuten haben. Sehen Sie zu, dass Sie wieder einen klaren Kopf bekommen und helfen Sie mir, den n�chsten Hinweis zu finden.�</p><p>�Ich hab Ihnen doch gesagt, Vittoria, die Statuen und Skulpturen sind verschwunden. Der Weg der Erleuchtung ist.� Er verstummte.</p><p>Vittoria l�chelte nachsichtig.</p><p>Pl�tzlich d�mmerte es Langdon. Er m�hte sich unsicher schwankend auf die Beine und starrte auf die Kunstwerke ringsum. <emphasis>Pyramiden, Sterne, Planeten, Ellipsen.</emphasis> Mit einem Mal war alles wieder da. <emphasis>Das hier ist der erste Altar der Wissenschaft. Nicht das Pantheon!</emphasis> Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie sehr die Chigi-Kapelle nach Illuminati aussah -weit subtiler als das weltber�hmte Pantheon. Die Chigi-Kapelle war ein abgelegener Alkoven, ein geheimes Versteck, ein Tribut an einen gro�en F�rderer der Wissenschaft, voller <emphasis>irdener </emphasis>Symbole. <emphasis>Einfach perfekt.</emphasis></p><p>Langdon st�tzte sich an die Wand und starrte die beiden m�chtigen Marmorpyramiden an. Vittoria hatte Recht, daran bestand kein Zweifel. Wenn diese Kapelle hier der erste Altar der Wissenschaft war, befand sich m�glicherweise auch die Skulptur noch hier, die als Wegweiser zum zweiten Altar diente. Langdon sp�rte einen elektrisierenden Anflug neuer Hoffnung, als ihm bewusst wurde, dass sie noch immer eine Chance hatten. Falls cfer Wegweiser tats�chlich noch existierte und sie durch ihn zum n�chsten Altar fanden, bedeutete das eine zweite Chance, den Assassinen zu stellen.</p><p>�Ich habe �brigens herausgefunden, wer der unbekannte Bildhauer der Illuminati war�, raunte Vittoria.</p><p>Langdon riss die Augen auf. �Sie haben <emphasis>was?�</emphasis></p><p>�Wir m�ssen also nur noch feststellen, welche Skulptur in dieser Kapelle von seiner Hand stammt.�</p><p>�Halt, warten Sie! Sie haben herausgefunden, wer der unbekannte Meister ist? Aber - <emphasis>wie?�</emphasis> Langdon hatte Jahre mit der Suche nach dieser Information verbracht.</p><p>Vittoria l�chelte. �Es war Bernini. <emphasis>Der</emphasis> Bernini.�</p><p>Langdon wusste sogleich, dass sie sich irren musste. Bernini kam �berhaupt nicht infrage. Giovanni Lorenzo Bernini war neben Michelangelo der ber�hmteste Bildhauer aller Zeiten. Bernini hatte im siebzehnten Jahrhundert mehr Skulpturen erschaffen als jeder andere K�nstler. Und der Mann, nach dem sie suchten, war ein Unbekannter, ein Niemand.</p><p>Vittoria runzelte die Stirn. �Sie sehen nicht aus, als w�ren Sie begeistert.�</p><p>�Bernini... unm�glich!�</p><p>�Warum? Bernini war ein Zeitgenosse Galileos. Und er war ein genialer Bildhauer.�</p><p>�Bernini war ein sehr ber�hmter Mann und au�erdem Katholik.�</p><p>�Na und?�, entgegnete Vittoria. �Galileo war ebenfalls Katholik.�</p><p>�Nein�, widersprach Langdon. �Galileo ist etwas anderes. Galileo war dem Vatikan ein Dorn im Auge. Bernini hingegen war das geh�tschelte Wunderkind. Die Kirche hat Bernini <emphasis>geliebt.</emphasis> Er wurde vom Papst zur obersten Autorit�t f�r k�nstlerische Fragen ernannt und hat praktisch sein ganzes Leben in der Vatikanstadt verbracht.�</p><p>�Eine perfekte Tarnung. Illuminati waren Meister der Infiltration. Ihre eigenen Worte.�</p><p>Langdon err�tete. �Vittoria, die Illuminati selbst haben ihren geheimnisvollen K�nstler als <emphasis>U maestro incognito</emphasis> bezeichnet, Den unbekannten Meister.�</p><p>�Ja. Weil er <emphasis>ihnen</emphasis> unbekannt war. Denken Sie an die Freimaurer. Nur die obersten Echelons wussten die ganze Wahrheit. Galileo h�tte Berninis wahre Identit�t vor den meisten Mitgliedern verbergen k�nnen. um Berninis eigener Sicherheit willen. Der Vatikan h�tte die Wahrheit niemals herausgefunden.�</p><p>Langdon war nicht �berzeugt, doch er gestand sich ein, dass Vittorias Logik einen eigenartigen Sinn ergab. Die Illuminati waren ber�hmt daf�r, auf welch geschickte Art und Weise sie geheime Informationen aufgeteilt hatten. Die ganze Wahrheit war stets nur den obersten Mitgliedern ihrer R�nge bekannt gewesen. Es war eine Bedingung daf�r, im Verborgenen zu bleiben. nur wenige Mitglieder kannten die ganze Geschichte.</p><p>�Und Berninis Verbindung zu den Illuminati.�, erkl�rte Vittoria l�chelnd,�. seine Verbindung zu den Illuminati w�rde auch erkl�ren, warum er diese beiden Marmorpyramiden hier erschaffen hat.�</p><p>Langdon wandte sich zu den gro�en Pyramiden um und sch�ttelte den Kopf. �Bernini war ein <emphasis>religi�ser</emphasis> Bildhauer. Er h�tte niemals heidnische Pyramiden angefertigt!�</p><p>Vittoria zuckte die Schultern. �Erz�hlen Sie das dem Schild hinter Ihnen.�</p><p>Langdon wandte sich um und las:</p><p>KUNST IN DER CHIGI-KAPELLE</p><p><emphasis>Die Architektur der Kapelle entstammt Raphaels Hand.</emphasis></p><p><emphasis>S�mtliche enthaltenen Skulpturen und Fresken wurden von Giovanni Lorenzo Bernini geschaffen.</emphasis></p><p>Langdon las die Inschrift zweimal und war noch immer nicht �berzeugt. Giovanni Lorenzo Bernini war ber�hmt f�r seine kunstvollen, heiligen Bildnisse der Jungfrau Maria, von Engeln, Propheten und P�psten. Was hatte ein Mann wie Bernini mit diesen beiden <emphasis>Pyramiden</emphasis> zu schaffen?</p><p>Langdon betrachtete die drei Meter hoch aufragenden Gebilde ratlos. Zwei St�ck. Jede mit gl�nzenden, elliptischen Medaillons versehen. Sie wiren so wenig christlich, wie eine Skulptur es nur sein konnte. Die Pyramiden, die Sterne dar�ber, die Tierkreiszeichen. <emphasis>S�mtliche enthaltenen Skulpturen und Fresken wurden von Giovanni Lorenzo Bernini geschaffen.</emphasis> Falls das tats�chlich zutraf, erkannte Langdon, <emphasis>musste</emphasis> Vittoria Recht haben. Dann musste Bernini tats�chlich der unbekannte Meister der Illuminati sein - niemand au�er ihm hatte in dieser Kapelle gearbeitet! Die Schlussfolgerungen waren so �berw�ltigend, dass Langdon M�he hatte, sie zu verdauen.</p><p><emphasis>Bernini war ein Illuminatus.</emphasis></p><p><emphasis>Bernini bat die Ambigramme der Illuminati geschaffen.</emphasis></p><p><emphasis>Bernini hat den Pfad der Erleuchtung angelegt.</emphasis></p><p>Langdon sp�rte einen Klo� im Hals. War es tats�chlich m�glich, dass der weltber�hmte Bernini hier eine Skulptur aufgestellt hatte, die den Weg quer durch Rom zum n�chsten Altar der Wissenschaft wies?</p><p>�Bernini�, stie� er hervor. �Nie im Leben h�tte ich vermutet, dass er dahinter steckt.�</p><p>�Wer sonst au�er einem ber�hmten K�nstler h�tte den Einfluss gehabt, seine Kunstwerke in speziellen katholischen Kapellen �berall in Rom aufzustellen und auf diese Weise den Weg der Erleuchtung zu kennzeichnen? Ein unbekannter Meister bestimmt nicht.�</p><p>Langdon dachte dar�ber nach. Er betrachtete die Pyramiden und fragte sich, ob vielleicht eine von ihnen der Wegweiser war. <emphasis>Oder beide?</emphasis> �Die Pyramiden weisen in entgegengesetzte Richtungen�, sagte er schlie�lich unentschlossen. �Sie sehen identisch aus. Ich kann nicht sagen, welche von ihnen.�</p><p>�Robert, ich glaube nicht, dass wir nach Pyramiden suchen.�</p><p>�Aber es sind doch die einzigen Skulpturen in dieser Kapelle!�</p><p>Vittoria unterbrach ihn mit einer Handbewegung und deutete zu Olivetti, der zusammen mit einigen seiner Leute neben dem D�monenloch stand.</p><p>Langdon folgte der Richtung ihrer Hand bis zur gegen�berliegenden Wand. Zuerst bemerkte Langdon nichts Au�ergew�hnliches, doch dann bewegte sich einer der M�nner, und er erhaschte einen Blick auf etwas Wei�es. Wei�er Marmor.</p><p>Ein Arm. Ein Torso. Ein Gesicht. Halb versteckt in einer Nische, Zwei lebensgro�e menschliche Gestalten. Langdons Puls ging schneller. Er war so sehr von den Pyramiden und dem D�monenloch gefangen gewesen, dass er die restlichen Kunstwerke der Kapelle noch gar nicht wirklich wahrgenommen hatte. Er ging durch den Raum. Als er vor der Skulptur stand, erkannte er, dass es tats�chlich eine Arbeit von Bernini sein musste - die Intensit�t der k�nstlerischen Komposition, die kunstvoll gestalteten Gesichter, die flie�ende Kleidung, alles aus dem reinsten wei�en Marmor, den vatikanisches Geld hatte kaufen k�nnen. Erst als er direkt vor dem Werk stand, erkannte Langdon die Skulptur. Er starrte die beiden Gesichter offenen Mundes an.</p><p>�Wer sind sie?�, fragte Vittoria, die ihm gefolgt war.</p><p><emphasis>�Habakuk und der Engel�,</emphasis> antwortete er fast unh�rbar leise. Es war eine ber�hmte Arbeit Berninis, die in mehreren wichtigen Lehrwerken �ber Kunstgeschichte erw�hnt wurde. Langdon hatte ganz vergessen, dass Berninis Skulptur in Santa Maria del Popolo stand.</p><p>�Habakuk?�</p><p>�Ja. Der Prophet, der den Untergang der Erde vorausgesagt hat.�</p><p>�Und Sie glauben, es k�nnte der Wegweiser sein?� Vittoria schaute ihn nerv�s an.</p><p>Langdon nickte voller Verwunderung. Nie im Leben war er sich seiner Sache so sicher gewesen. Dies war der erste Illuminati-Wegweiser. Ohne jeden Zweifel. Obwohl Langdon erwartet hatte, dass die Skulptur irgendwie zum n�chsten Altar der Wissenschaft deutete, h�tte er nicht geglaubt, dass diese Aussage <emphasis>wortw�rtlich</emphasis> zu nehmen gewesen w�re. Sowohl Habakuk als auch der Engel deuteten mit ausgestreckten Armen an einen Punkt in der Ferne.</p><p>�Nicht besonders subtil, wie?� Langdon musste unwillk�rlich</p><p>grinsen.</p><p>Vittoria schaute ihn aufgeregt und verwirrt zugleich an. �Sie zeigen irgendwohin, das sehe ich - aber sie widersprechen sich. Der Engel zeigt in die eine und der Prophet in die andere Richtung.�</p><p>Langdon kicherte. Vittoria hatte Recht. Die beiden Figuren zeigten in v�llig unterschiedliche Richtungen. Doch er hatte das Problem bereits gel�st. Voll neuer Energie marschierte er in Richtung Ausgang.</p><p>�Wohin wollen Sie?�, rief Vittoria ihm hinterher.</p><p>�Nach drau�en!� Langdon f�hlte sich beschwingt, als er zur T�r eilte. �Ich muss wissen, in welche Richtungen die Gestalten zeigen.�</p><p>�Warten Sie! Wissen Sie denn �berhaupt, welchem Finger Sie folgen m�ssen?�</p><p>�Das Poem!�, rief Langdon �ber die Schulter nach hinten. �Die letzte Zeile!�</p><p>�Was? <emphasis>Let angels guide you on your lofty quest?�</emphasis> Sie starrte nach oben zu dem ausgestreckten Arm des Engels und kniff die Augen zusammen. �Ich will verdammt sein!�</p></section><section><title><p>Kapitel 70.</p></title><p>G�nther Glick und Chinita Macri sa�en in ihrem BBC-�bertragungswagen im Schatten am anderen Ende der Piazza del Popolo. Sie waren kurz nach den vier schwarzen Alfa Romeos angekommen, gerade rechtzeitig, um einer ganzen Kette unfassbarer Ereignisse beizuwohnen. Chinita wusste immer noch nicht, was das alles zu bedeuten hatte, doch sie hatte eifrig gefilmt.</p><p>Bei ihrem Eintreffen hatten Chinita und Glick eine ganze Armee junger M�nner aus den Alfa Romeos springen sehen. Sie hatten die Kirche umzingelt, einige von ihnen mit gez�ckten Waffen. Einer, der �lteste, hatte eine Gruppe zum Vordereingang gef�hrt. Die M�nner hatten die Schl�sser der T�r weggeschossen. Es war nichts zu h�ren gewesen; sie hatten Schalld�mpfer benutzt. Dann waren sie in die Kirche gest�rmt.</p><p>Chinita hatte vorgeschlagen, dass sie still sitzen und alles aus der Deckung heraus filmen sollten. Pistolen waren Pistolen, und vom Wagen aus konnten sie das Geschehen genauso gut mitverfolgen wie von der Piazza. G�nther hatte nicht widersprochen.</p><p>Inzwischen rannten auf der anderen Seite weitere M�nner in die Kirche. Andere kamen wieder heraus. Sie riefen einander etwas zu. Chinita filmte ein Team, das die Umgebung der Kirche absuchte. Alle bewegten sich mit milit�rischer Pr�zision, auch wenn sie zivile Kleidung trugen. �Was glaubst du, wer sie sind?�, fragte Chinita.</p><p>�Ich will verdammt sein, wenn ich das wei�!� Glick beobachtete das Geschehen mit gebannter Aufmerksamkeit. �Kriegst du alles aufs Band?�</p><p>�Worauf du dich verlassen kannst.�</p><p>�Und?�, fragte G�nther selbstgef�llig. �Bist du immer noch der Meinung, dass wir zum Petersdom zur�ckkehren sollten?�</p><p>Chinita wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. Offensichtlich ging dort dr�ben irgendetwas vor, doch sie war lange genug im Gesch�ft, um zu wissen, dass es h�ufig sehr triviale Erkl�rungen f�r Dinge gab, die im ersten Augenblick sensationell aussahen. �Es k�nnte �berhaupt nichts bedeuten�, entgegnete sie. �Vielleicht haben diese Leute den gleichen Tipp bekommen wie du und gehen nun der Sache nach. Vielleicht ist es falscher Alarm.�</p><p>G�nther packte sie am Arm. �Da dr�ben! Los, film das!� Er deutete auf den Haupteingang der Kirche.</p><p>Chinita schwenkte hin�ber. �Hoppla�, sagte sie und zoomte auf den Mann, der in diesem Augenblick aus der Kirche trat. �Wen haben wir denn da?�</p><p>�Wer ist der Typ?�</p><p>Sie zoomte ganz nah heran. �Den hab ich noch nie gesehen.� Sie betrachtete sein Gesicht und l�chelte. �Aber ich h�tte nichts dagegen, ihn wiederzusehen.�</p><p>Robert Langdon rannte die Treppe hinunter zur Mitte der Piazza. Es wurde nun wirklich dunkel. Die Fr�hlingssonne war hinter den westlichen Geb�uden versunken, und lange Schatten h�llten den Platz ein.</p><p>�Also sch�n, Bernini�, sagte er laut zu sich selbst. �Wohin zeigt dein Engel?�</p><p>Er wandte sich um und dachte �ber die Orientierung der Kirche nach, aus der er soeben gekommen war. Er stellte sich die Lage der Chigi-Kapelle im Innern vor und die Skulptur des Engels. Ohne Z�gern wandte er sich genau nach Westen, dorthin, wo die Sonne versunken war. Die Zeit zerrann ihnen zwischen den Fingern.</p><p>Er starrte aus zusammengekniffenen Augen auf die L�den und</p><p>Wohnh�user, die seine Sicht versperrten. �Dort irgendwo ist der n�chste Wegweiser.�</p><p>Langdon zermarterte sich das Gehirn in dem Versuch, sich weitere H�hepunkte r�mischer Kunstgeschichte ins Ged�chtnis zur�ckzurufen. Er war zwar ausgezeichnet mit Berninis Arbeiten vertraut, doch er wusste auch, dass Bernini viel zu flei�ig gewesen war, als dass ein Nicht-Spezialist all seine Arbeiten h�tte kennen k�nnen. Trotzdem - angesichts der relativen Bekanntheit des ersten Wegweisers - <emphasis>Habakuk und der Engel</emphasis> hoffte Langdon, dass der zweite Wegweiser ebenfalls zu den Werken geh�rte, die er bereits kannte.</p><p><emphasis>Erde, Luft, Feuer und Wasser,</emphasis> dachte er. <emphasis>Erde</emphasis> hatten sie bereits gefunden - in der Kapelle. Habakuk, der den Untergang der Erde vorhergesagt hatte.</p><p><emphasis>Luft ist als N�chstes an der Reihe,</emphasis> zwang sich Langdon zu logischem Denken. <emphasis>Eine Bernini-Skulptur, die etwas mit Luft zu tun hat!</emphasis> Ihm wollte absolut nichts einfallen. Und doch sp�rte er sich von Energie befl�gelt. <emphasis>Ich bin auf dem Weg der Erkenntnis. Er ist immer noch intakt, nach all den Jahrhunderten.</emphasis></p><p>Langdon blickte nach S�dwesten. Er versuchte den Turm einer Kathedrale oder Kirche �ber den D�chern zu erkennen, jedoch vergeblich. Er brauchte eine Karte. Wenn es ihnen gelang herauszufinden, welche Kirchen s�dwestlich von hier lagen, w�rde eine davon vielleicht eine z�ndende Idee liefern. <emphasis>Luft,</emphasis> dachte er. <emphasis>Luft. Bernini. Skulptur. Luft. Denk nach, Robert!</emphasis></p><p>Er wandte sich um und kehrte zur Kathedrale zur�ck. Vittoria und Olivetti erwarteten ihn unter dem Bauger�st.</p><p>�S�dwesten�, sagte er schwer atmend. �Die n�chste Kirche muss s�dwestlich von hier stehen.�</p><p>�Sind Sie diesmal sicher?�, fragte Olivetti kalt.</p><p>Langdon lie� sich nicht provozieren. �Wir brauchen eine Karte. Eine Karte, auf der s�mtliche r�mischen Kirchen eingezeichnet sind.�</p><p>Der Oberst musterte ihn einen Augenblick lang mit steinerner Miene.</p><p>Langdon schaute auf die Uhr. �Uns bleibt nur eine halbe Stunde.�</p><p>Olivetti schob sich an Langdon vorbei und marschierte die Treppe hinunter zu seinem Wagen, der direkt vor der Kathedrale stand. Langdon hoffte, dass er mit einem Stadtplan zur�ckkehren w�rde.</p><p>Vittoria war ganz aufgeregt. �Also deutet der Engel nach S�dwesten?�, fragte sie. �Und Sie wissen nicht, welche Kirche gemeint sein k�nnte?�</p><p>�Ich kann nicht an diesen verdammten H�usern vorbeisehen!� Langdon wandte sich erneut um und �berflog den Platz. �Au�erdem kenne ich die r�mischen Kirchen nicht gut genug.� Er hielt inne.</p><p>Vittoria schaute ihn verbl�fft an. �Was ist?�</p><p>Langdons Blick haftete unverwandt auf der Piazza. Nachdem er die Stufen zur Kathedrale hinaufgestiegen war, befand er sich in einer h�heren Position, und seine Aussicht war besser. Er konnte immer noch nichts sehen, doch ihm wurde bewusst, dass er den richtigen Gedanken hatte. Sein Blick glitt an dem Bauger�st entlang nach oben. Es war sechs Stockwerke hoch und reichte bis fast zu dem Rosettenfenster ganz oben in der Fassade, weit h�her als s�mtliche umgebenden Geb�ude. Er wusste, wohin er als N�chstes musste.</p><p>Auf der anderen Seite der Piazza schauten Chinita Macri und Gunther Glick gebannt durch die Windschutzscheibe ihres</p><p>�bertragungswagens und verfolgten das Geschehen.</p><p>�Hast du alles?�, fragte G�nther zum wiederholten Mal. Chinita zoomte n�her an den Mann heran, der nun an dem Bauger�st der Kirche nach oben kletterte. �Wenn du mich fragst</p><p>- er ist ein wenig zu gut gekleidet, um Spiderman zu spielen.�</p><p>�Und wer ist diese Spiderwoman?�</p><p>Chinita schwenkte zu der attraktiven Frau unter dem Ger�st. �Jede Wette, dass du das wissen m�chtest.�</p><p>�Meinst du, ich soll in der Redaktion anrufen?�</p><p>�Noch nicht. Warten wir noch ein wenig und beobachten weiter. Besser, wenn wir etwas in der Hand haben, bevor wir zugeben, dass wir das Konklave eigenm�chtig verlassen haben.�</p><p>�Du glaubst also auch, dass jemand einen der alten Knacker da drin umgebracht hat?�</p><p>Chinita kicherte. �Du kommst definitiv in die H�lle, wei�t du das?�</p><p>�Aber ich nehme einen Pulitzer-Preis mit.�</p></section><section><title><p>Kapitel 71.</p></title><p>Das Ger�st wurde wackliger, je h�her Langdon kletterte. Sein Ausblick auf das umgebende Rom jedoch wurde mit jedem Schritt besser. Er setzte seinen Aufstieg fort.</p><p>Sein Atem ging merklich schneller, als er endlich auf dem obersten Ger�ststeg angelangt war. Er richtete sich auf, klopfte den Staub aus seiner Kleidung und schaute sich um. Die H�he machte ihm nicht das Geringste aus. Im Gegenteil, das Gef�hl war �u�erst belebend.</p><p>Der Ausblick war atemberaubend. Die roten D�cher Roms lagen vor ihm wie ein Ozean aus Feuer, angestrahlt von der untergehenden Sonne. Von hier aus sah Langdon zum ersten Mal in seinem Leben die antiken Wurzeln Roms, der <emphasis>Citta di Dio,</emphasis> der Stadt Gottes - abseits von Verkehr und L�rm und Luftverschmutzung.</p><p>Mit zusammengekniffenen Augen suchte Langdon die D�cher nach Kircht�rmen ab - doch er sah nichts. <emphasis>Rom hat Hunderte von Kirchen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Es muss eine geben, die s�dwestlich von hier steht! Falls sie zu sehen ist,</emphasis> rief er sich ins Ged�chtnis. <emphasis>Verdammt, falls sie �berhaupt noch steht!</emphasis></p><p>Er suchte das D�chermeer ein weiteres Mal ab, langsamer diesmal, gr�ndlicher. Er wusste, dass l�ngst nicht alle Kirchen sichtbare, hoch aufragende Glockent�rme besa�en -insbesondere nicht kleinere, abseits gelegene Gottesh�user. Au�erdem hatte Rom sich seit dem siebzehnten Jahrhundert dramatisch ver�ndert, als Kirchen per Gesetz die h�chsten Bauwerke der Stadt gewesen waren. Heute sah Langdon Apartmentblocks, Hochh�user, Fernseht�rme.</p><p>Zum zweiten Mal lie� er den Blick �ber den Horizont schweifen, ohne einen einzigen Kirchturm zu entdecken. In der</p><p>Ferne, ganz am Rand der Stadt, ragte Michelangelos massive Kuppel aus dem H�usermeer vor der sinkenden Sonne. Der Petersdom. Vatikanstadt. Unwillk�rlich dachte Langdon an die Kardinale, die im Konklave versammelt waren, und er fragte sich, ob die Schweizergarde auf der Suche nach der Antimaterie weitergekommen war. Irgendetwas verriet ihm, dass ihre Suche ergebnislos geblieben war - und bleiben w�rde.</p><p>Einmal mehr ging ihm Miltons Gedicht durch den Kopf. Er dachte �ber die Aussage nach, Zeile f�r Zeile. <emphasis>From Santi�s earthly Tomb with demon �s hole.</emphasis> Sie hatten Santis Grab gefunden. <emphasis>�Cross Rome the mystic elements unfold.</emphasis> Die mystischen Elemente waren Erde, Luft, Feuer und Wasser. <emphasis>The path of light is laid, the sacred fest.</emphasis> Der Weg der Erleuchtung, den Berninis Werke wiesen. <emphasis>Let angels guide you on your lofty quest.</emphasis> Der Engel deutete nach S�dwesten.</p><p>�Die Treppe!�, rief G�nther Glick und deutete hektisch durch die Windschutzscheibe des �bertragungswagens. �Da geht etwas vor!�</p><p>Chinita richtete die Kamera hastig wieder auf den Haupteingang. Tats�chlich, irgendetwas ging da vor sich. Am Fu� der Treppe hatte einer der jungen M�nner in Zivil den Kofferraum seines Alfa Romeos ge�ffnet. Nun schweifte sein Blick �ber die Piazza, als suchte er nach heimlichen Zuschauern, und einen Augenblick bef�rchtete Chinita schon, der Mann h�tte sie entdeckt - doch dann wanderte sein Blick weiter. Offensichtlich zufrieden zog er ein Walkie-Talkie hervor und sprach hinein.</p><p>Fast im gleichen Augenblick schien eine ganze Armee aus der Kirche zu st�rmen. Wie ein Football-Team, das sich aus einem Gedr�nge l�ste, so bildeten die M�nner eine gerade Linie entlang der obersten Treppenstufe. Dann setzten sie sich in Bewegung wie eine menschliche Wand. Hinter ihnen, fast v�llig verborgen, trugen vier weitere M�nner etwas Unkenntliches. Etwas Schweres. Unhandliches.</p><p>G�nther beugte sich �ber das Armaturenbrett. �Stehlen sie etwas aus der Kathedrale?�</p><p>Chinita zoomte noch n�her heran und suchte nach einer �ffnung in der Wand aus M�nnern. <emphasis>Eine Sekunde, mehr brauche ich nicht. Ein einziges Bild reicht mir schon.</emphasis> Doch die M�nner bewegten sich in perfektem Gleichklang. <emphasis>Los, macht schon!</emphasis> Chinita blieb bei ihnen, und ihre Geduld zahlte sich aus. Als die M�nner das Objekt in den Kofferraum hievten, fand sie die L�cke. Ironischerweise war es der �ltere Mann, der Anf�hrer, der den Fehler beging. Nur f�r den Bruchteil einer Sekunde, doch es gen�gte. Chinita hatte ihr Bild. Genau genommen waren es sogar zehn.</p><p>�Ruf in der Redaktion an�, sagte sie. �Wir haben unseren Leichnam.�</p><p>Weit entfernt in der Schweiz, in CERN, fuhr Maximilian Kohler in seinem Rollstuhl ins B�ro von Leonardo Vetra. Mit mechanischer Effizienz machte er sich daran, die Akten zu durchst�bern. Als er nichts fand, fuhr Kohler ins Schlafzimmer. Die oberste Schublade von Leonardo Vetras Nachttisch war verschlossen. Kohler sprengte das Schloss mit einem Messer aus der K�che auf.</p><p>In der Lade fand er genau das, wonach er gesucht hatte.</p></section><section><title><p>Kapitel 72.</p></title><p>Langdon kletterte vom Ger�st herunter und sprang das letzte St�ck zu Boden. Er klopfte sich den Staub aus der Kleidung. Vittoria erwartete ihn bereits.</p><p>�Kein Gl�ck?�, fragte sie.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Sie haben den toten Kardinal in den Kofferraum gelegt.�</p><p>Langdon sah zu der Reihe geparkter Wagen, wo Olivetti und eine Gruppe Soldaten um einen Stadtplan auf der Motorhaube standen. �Suchen sie in s�dwestlicher Richtung?�</p><p>Vittoria nickte. �Keine Kirchen. Die erste Kirche von hier aus ist der Petersdom.�</p><p>Langdon nickte. Wenigstens waren sie diesmal einer Meinung. Er ging zu Olivetti. Die Soldaten machten Platz und lie�en ihn durch.</p><p>Olivetti sah auf. �Nichts. Aber dieser Stadtplan zeigt nicht jede Kirche, nur die gr��eren. Ungef�hr f�nfzig sind eingetragen.�</p><p>�Wo befinden wir uns?�, fragte Langdon.</p><p>Olivetti deutete auf die Piazza del Popolo und zeichnete von dort aus eine schnurgerade Linie nach S�dwesten. Die Linie f�hrte ein betr�chtliches St�ck weit an der Ansammlung schwarzer Rechtecke vorbei, die Roms wichtige Kirchen bezeichneten. Ungl�cklicherweise waren die wichtigen Kirchen Roms auch diejenigen aus �lterer Zeit. Kirchen, die seit dem siebzehnten Jahrhundert oder l�nger standen.</p><p>�Ich muss eine Entscheidung treffen�, sagte Olivetti. �Sind Sie ganz sicher, was die Richtung angeht?�</p><p>Langdon rief sich den ausgestreckten Finger der Engelsgestalt</p><p>ins Ged�chtnis und nickte. �Ja, Oberst. Absolut sicher.�</p><p>Olivetti zuckte die Schultern und fuhr einmal mehr die gedachte Linie entlang �ber die Karte. Sie schnitt die Margherita-Br�cke, die Via Cola di Riezo und die Piazza del Risorgimento, ohne eine einzige Kirche zu treffen, und endete genau auf dem Petersplatz.</p><p>�Was ist falsch an Sankt Peter?�, fragte einer der Soldaten. Er hatte eine tiefe Narbe unter dem linken Auge. �Es ist eine Kirche.�</p><p>Langdon sch�ttelte den Kopf. �Es muss eine �ffentliche Kirche sein. St. Peter ist im Augenblick wohl nicht ohne weiteres f�r die �ffentlichkeit zug�nglich.�</p><p>�Aber die Linie f�hrt durch den Petersplatz�, sagte Vittoria, die Langdon �ber die Schulter schaute. �Und der Platz ist nicht gesperrt.�</p><p>Daran hatte Langdon auch schon gedacht. �Dort gibt es keine Statuen.�</p><p>�Und was ist mit dem Monolithen in der Mitte?�</p><p>Sie hatte Recht - auf dem Petersplatz stand tats�chlich ein �gyptischer Monolith. Langdon betrachtete den Monolithen auf der Piazza del Popolo, direkt vor ihnen. <emphasis>Die luftige Pyramide. Ein merkw�rdiger Zufall, weiter nichts,</emphasis> dachte Langdon.</p><p>Er sch�ttelte den Gedanken ab. �Der Monolith auf dem Petersplatz stammt nicht von Bernini. Er wurde von Caligula hergebracht. Au�erdem hat er nichts mit Luft zu tun.� Und es gab noch ein weiteres Problem. �Das Poem sagt, die vier Elemente w�ren �ber Rom verteilt. Der Petersplatz geh�rt zur Vatikanstadt. Er hat nichts mit Rom zu tun.�</p><p>�Kommt darauf an, wen man fragt�, sagte ein Schweizergardist.</p><p>Langdon sah �berrascht auf. �Was?�</p><p>�Es war schon immer ein Streitpunkt. Die meisten Karten zeigen den Petersplatz als einen Teil der Vatikanstadt, aber weil er au�erhalb der ummauerten Stadt liegt, behaupten die r�mischen Beh�rden seit Jahrhunderten, er w�re ein Teil von Rom.�</p><p>�Das soll wohl ein Scherz sein!�, sagte Langdon. Er hatte noch nie davon geh�rt.</p><p>�Ich sage das ja auch nur, weil Oberst Olivetti und Signorina Vetra nach einer Skulptur gefragt haben, die mit Wind zu tun hat�, fuhr der Gardist fort.</p><p>Langdon riss die Augen auf. �Und Sie wissen von einer Skulptur auf dem Petersplatz, die mit Wind zu tun hat?�</p><p>�Nicht genau, es ist keine Skulptur, Signore. Wahrscheinlich ist es auch nicht wichtig.�</p><p>�Lassen Sie uns die Geschichte h�ren�, verlangte Olivetti.</p><p>Der Gardist zuckte die Schultern. �Ich wei� nur davon, weil ich f�r gew�hnlich auf dem Petersplatz meinen Dienst verrichte. Ich kenne dort jeden Winkel.�</p><p>�Die Skulptur!�, dr�ngte Langdon. �Wie sieht sie aus?� Er fragte sich allm�hlich, ob die Illuminati tats�chlich so unglaublich dreist gewesen waren, dass sie ihren zweiten Wegweiser direkt vor die Nase des Vatikans gesetzt hatten.</p><p>�Ich gehe jeden Tag daran vorbei�, sagte der Gardist. �Sie befindet sich genau im Zentrum, dort, wo diese Linie hinzeigt. Deswegen habe ich �berhaupt daran gedacht, wissen Sie. Wie ich schon sagte, es ist eigentlich keine Skulptur, eher ein. ein Block.�</p><p>Olivetti musterte den Soldaten �rgerlich. �Ein Block?�</p><p>�Jawohl, Herr Oberst. Ein Marmorblock, der in den Platz eingelassen ist. Am Fu� des Monoliths. Aber es ist kein rechteckiger Block, Herr Oberst, es ist eine Ellipse. Und sie ist behauen. Sie stellt eine Windb� dar.� Der Soldat z�gerte. �Luft, vermutlich, wenn man es von der wissenschaftlichen Warte aus</p><p>betrachtet.�</p><p>Langdon starrte den jungen Soldaten voller Staunen an. �Ein Relief!�, rief er.</p><p>Alle drehten sich zu ihm um.</p><p>�Reliefkunst�, sagte Langdon, �ist die andere H�lfte der Bildhauerei.� <emphasis>Bildhauerei ist die Kunst, Figuren sowohl in der vollen Gestalt als auch im Relief zu erschaffen.</emphasis> Er hatte diese Definition unz�hlige Male an Kreidetafeln geschrieben. Reliefs waren im Grunde genommen zweidimensionale Skulpturen, wie Abraham Lincolns Profil auf einem Ein-Cent-St�ck. Die Medaillons auf Berninis Pyramiden in der Chigi-Kapelle waren ebenfalls in Relieftechnik ausgef�hrt.</p><p><emphasis>�Bassorelievo?�,</emphasis> fragte der Gardist und benutzte den italienischen Ausdruck.</p><p>�Genau. Basrelief!� Langdon klopfte auf die Motorhaube. �Dass ich daran nicht gedacht habe! Dieser Block auf dem Petersplatz, den Sie meinen, hei�t <emphasis>West Ponente.</emphasis> Der Westwind. Er ist auch bekannt als <emphasis>Respiro di Dio.�</emphasis></p><p>�Der Atem Gottes?�</p><p>�Jawohl. Luft! Und der Block wurde vom Architekten des Platzes angefertigt und dort eingesetzt!�</p><p>Vittoria blickte ihn verwirrt an. �Aber ich dachte, Michelangelo habe Sankt Peter erbaut?�</p><p>�Ja, die Basilika!�, rief Langdon triumphierend. �Aber der Platz davor wurde von Bernini geschaffen!�</p><p>Die Karawane aus vier schwarzen Alfa Romeos jagte von der Piazza del Popolo auf die Stra�e und schoss davon. Die Insassen waren offensichtlich viel zu sehr in Eile, um den BBC-Wagen zu bemerken, der ihnen unauff�llig in einiger Entfernung folgte.</p></section><section><title><p>Kapitel 73.</p></title><p>Gunther Glick trat das Gaspedal durch und jagte im Slalom durch den Verkehr, w�hrend er die vier schwarzen Alfas �ber den Tiber und die Ponte Margherita hinweg verfolgte. Normalerweise h�tte er versucht, unauff�llig Abstand zu halten, doch heute war er kaum imstande, den Wagen zu folgen. Diese Typen <emphasis>flogen</emphasis> f�rmlich durch Rom.</p><p>Chinita sa� hinten im Wagen und telefonierte mit London. Sie beendete das Gespr�ch und rief G�nther durch den L�rm hindurch zu: �Willst du zuerst die gute oder die schlechte Nachricht?�</p><p>G�nther runzelte die Stirn. Warum musste es immer so kompliziert sein, wenn er mit der Zentrale verhandelte? �Die schlechte.�</p><p>�Die Redaktion ist stocksauer, weil wir unseren Posten verlassen haben�</p><p>��berrascht mich nicht.�</p><p>�Sie glauben, dein Geheimtipp sei ein Windei.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Und der Boss hat mich gewarnt, dass du kurz davor stehst, einen Einlauf von ihm zu kriegen.�</p><p>Glick verzog das Gesicht. �Gro�artig. Und die gute Nachricht?�</p><p>�Sie haben sich bereit erkl�rt, das Material anzuschauen, das wir eben gedreht haben.�</p><p>Glicks d�stere Miene verwandelte sich in ein breites Grinsen. <emphasis>Sch�tze. wir werden sehen, wer kurz vor einem Einlauf steht. </emphasis>�Dann schick�s raus!�</p><p>�Ich kann nicht �bertragen, solange wir kein festes</p><p>Mobilfunkrelais haben.�</p><p>G�nther jagte den �bertragungswagen auf die Via Cola di Rienzo. �Ich kann jetzt nicht halten.� Er folgte den Alfa Romeos durch einen engen Kreisverkehr an der Piazza Risorgimento.</p><p>Chinita klammerte sich an ihren Computern fest. �Wenn mein Sender kaputtgeht, k�nnen wir dieses Material zu Fu� nach London schaffen!�, schimpfte sie.</p><p>�Halt durch, S��e. Irgendetwas sagt mir, dass wir gleich da sind.�</p><p>Sie blickte auf. �Wo?�</p><p>G�nther starrte auf die vertraute Kuppel, die sich nun direkt vor ihnen erhob. Er grinste erneut. �Genau da, wo wir angefangen haben.�</p><p>Die vier Alfa Romeos dr�ngelten sich r�cksichtslos durch den Verkehr um den Petersplatz herum. Die Kolonne teilte sich, als sie auf den Platz fuhr, und an verschiedenen Punkten stiegen M�nner aus. Sie mischten sich unter die Touristen und �bertragungswagen und verschwanden in Sekundenschnelle aus dem Blickfeld. Einige betraten den S�ulenwald der Kolonnade, die den Platz auf zwei Seiten umgab. Auch sie l�sten sich scheinbar in Luft auf. Langdon beobachtete sie und hatte das Gef�hl, als z�ge sich eine Schlinge um den Petersplatz zu.</p><p>Au�er den Leuten, die aus den Alfas gestiegen waren, hatte Olivetti per Funk zus�tzliche Schweizergardisten in Zivil ins Zentrum des Petersplatzes geschickt, den Bereich um Berninis <emphasis>West Ponente.</emphasis> W�hrend Langdons Blicke �ber den weiten Platz schweiften, nagte eine vertraute Frage in ihm. <emphasis>Wie will der Assassine damit durchkommen? Wie will er einen Kardinal durch all diese Leute schmuggeln und ihn vor aller Augen t�ten?</emphasis> Langdon schaute auf seine Mickey-Mouse-Uhr. Es war zwanzig Uhr vierundf�nfzig. Noch sechs Minuten.</p><p>Auf dem Beifahrersitz drehte Olivetti sich zu Langdon und</p><p>Vittoria um. �Ich m�chte, dass Sie beide direkt auf diesem Bernini-Block oder Stein oder was auch immer stehen. Die gleiche �bung wie beim letzten Mal. Sie sind Touristen. Benutzen Sie Ihr Telefon, wenn Sie etwas Verd�chtiges bemerken.�</p><p>Bevor Langdon antworten konnte, hatte Vittoria seine Hand genommen und zog ihn aus dem Wagen.</p><p>Die Sonne versank hinter der Kuppel des Petersdoms, und dunkle Schatten h�llten den weiten Platz ein. Langdon sp�rte ein Unheil verk�ndendes Fr�steln, als er und Vittoria sich in die k�hle, schwarze Umbra begaben. Sie schlichen durch die Menge, und Langdon bemerkte, dass er in jedes Gesicht starrte, das ihnen begegnete, w�hrend er sich unabl�ssig fragte, ob der M�rder unter den Touristen lauerte. Vittorias Hand f�hlte sich warm an.</p><p>Sie �berquerten den weiten, freien Platz, und Langdon sp�rte, wie Berninis Sch�pfung genau die �Wirkung hervorrief, die der Architekt zu schaffen beauftragt worden war - all diejenigen in Ehrfurcht versinken zu lassen, die diesen Platz betraten. Langdon sp�rte tats�chlich Ehrfurcht. Ehrfurcht und <emphasis>Hunger, </emphasis>stellte er fest und war erstaunt, dass ihm in einem Augenblick wie diesem ein so profaner Gedanke wie der an Essen durch den Kopf gehen konnte.</p><p>�Zum Obelisken?�, fragte Vittoria.</p><p>Langdon nickte, und sie marschierten los.</p><p>�Wie sp�t?�, fragte Vittoria.</p><p>�F�nf vor.�</p><p>Sie sagte nichts, doch Langdon sp�rte, wie sich ihr Griff verst�rkte. Er trug noch immer die Waffe bei sich, die Olivetti ihnen gegeben hatte. Er hoffte nur, dass Vittoria nicht auf den Gedanken kam, sie zu benutzen. Die Vorstellung, dass Vittoria mitten auf dem Petersplatz eine Pistole z�cken und irgendjemandem die Beine unter dem Leib wegschie�en k�nnte, w�hrend die Medien der halben Welt zuschauten, erschien ihm reichlich absurd. Andererseits w�re ein Zwischenfall wie dieser nichts im Vergleich zu einem Kardinal, der vor den Augen aller gebrandmarkt und ermordet wurde.</p><p><emphasis>Luft,</emphasis> dachte Langdon einmal mehr. <emphasis>Das zweite Element der Wissenschaft.</emphasis> Er versuchte sich das Brandzeichen vorzustellen. Die Mordmethode. Erneut suchte er den weitr�umigen, granitgepflasterten Platz ab - eine offene W�ste, ohne jede Deckung, umrundet von Schweizergardisten. Falls der Assassine tats�chlich so tollk�hn war, hier einen Mord zu begehen, konnte er nicht mehr entkommen.</p><p>Im Zentrum des Platzes erhob sich Caligulas �gyptischer Obelisk, ein aus dem Fels gehauener einzelner Steinblock mit einem Gewicht von dreihundertf�nfzig Tonnen. Er ragte siebenundzwanzig Meter in die H�he und wurde von einem pyramidenf�rmigen Apex abgeschlossen, auf dem ein christliches Kreuz aus Eisen sa�. Hoch genug, um die letzten goldenen Strahlen der Abendsonne einzufangen. das Kreuz schimmerte magisch, und Langdon war versucht zu glauben, was die Legende berichtete - dass es �berreste des Kreuzes enthielt, am das Jesus Christus geschlagen worden war.</p><p>Zwei Springbrunnen flankierten den Obelisken in vollendeter Symmetrie. Kunsthistoriker wussten, dass sie die Position der beiden Brennpunkte markierten, die Bernini f�r die Ellipsenform des Platzes ausgew�hlt hatte - eine architektonische Eigenheit, die Langdon bis zu diesem Tag niemals w.rklich aufgefallen war. Mit einem Mal schien Rom voll zu sein von Pyramiden, Ellipsen und verbl�ffenden geometrischen Beziehungen.</p><p>Sie n�herten sich dem Obelisken, und Vittoria wurde langsamer. Sie atmete laut und tief, als wollte sie Langdon dazu bringen, es ihr nachzutun. Er unternahm einen Versuch, sich zu entspannen, lie� die Schultern sinken und �ffnete die zusammengebissenen Kiefer.</p><p>Irgendwo in der Umgebung des Obelisken, unmittelbar vor der gr��ten Kirche der Welt und frei sichtbar f�r jedermann, stand der zweite Altar der Wissenschaft. Berninis <emphasis>West Ponente</emphasis></p><p><emphasis>- </emphasis>ein elliptischer Block aus Marmor im Granit des Petersplatzes.</p><p>Gunther Glick beobachtete das Geschehen aus den Schatten der Kolonnade, die den Petersplatz umgab. An jedem anderen</p><p>Tag w�ren der Mann in dem Tweedjackett und die Frau in der kurzen Khakihose ohne jegliches Interesse f�r ihn gewesen. Sie sahen aus wie ganz gew�hnliche Touristen, die den Platz besuchten. Doch heute war kein gew�hnlicher Tag. Heute war ein Tag, an dem fremde Anrufer Tipps verteilten, Leichen aus Kathedralen geschafft wurden, unauff�llige schwarze Wagen in Kolonnen durch Rom rasten und M�nner in Tweedjacketts auf Bauger�sten herumkletterten, um nach Gott wei� was zu suchen. G�nther Glick w�rde das unauff�llige Paar nicht aus den Augen lassen.</p><p>Er schaute zur anderen Seite des Platzes hin�ber, wo Chinita Macri in Position gegangen war, genau an der Stelle, die er ihr genannt hatte. Chinita hielt ihre Videokamera l�ssig in der Hand, doch obwohl sie sich bem�hte, wie eine gelangweilte Medienvertreterin dreinzublicken, stach sie deutlicher aus der Menge, als G�nther lieb gewesen w�re. Kein anderer Reporter war in dieser abgelegenen Ecke des Platzes, und das BBC-Logo auf der Kamera weckte mehr als nur einen gelegentlichen neugierigen Blick seitens der Touristen.</p><p>Die Kassette mit den Aufnahmen, die Chinita von dem toten Kardinal im Kofferraum gedreht hatte, ging in diesem Augenblick �ber die Antenne des �bertragungswagens nach London. G�nther fragte sich, was die Redaktion zu den Bildern sagen w�rde.</p><p>Er w�nschte nur, sie w�ren fr�her bei der Leiche gewesen, bevor die Armee von zivil gekleideten M�nnern eingegriffen hatte. Die gleichen M�nner, die nun �ber den Petersplatz hinweg</p><p>ausgeschw�rmt waren. Irgendetwas Gro�es w�rde geschehen.</p><p><emphasis>Die Medien sind der rechte Arm des Terrorismus,</emphasis> hatte der unbekannte Anrufer gesagt. G�nther Glick fragte sich, ob er seine Chance auf einen Volltreffer vielleicht schon vertan hatte. Er schaute hin�ber zu den �bertragungswagen der anderen Sendestationen, und er beobachtete Chinita Macri, die unauff�llig dem P�rchen �ber den Platz hinweg folgte. Irgendetwas verriet Glick, dass er noch immer im Spiel war.</p></section><section><title><p>Kapitel 74.</p></title><p>Langdon entdeckte den Bernini-Stein, als sie noch zehn Meter von ihm entfernt waren. Die wei�e Mirmor-Ellipse von <emphasis>West Ponente</emphasis> stach leuchtend aus den Granitbl�cken hervor, mit denen der Platz gepflastert war. Vittoria hatte den Stein offensichtlich ebenfalls entdeckt. Ihr Griff wurde fester.</p><p>�Entspannen Sie sich�, mahnte Langdon leise. �Machen Sie Ihren Piranha-Trick.�</p><p>Vittoria lockerte den Griff.</p><p>Sie kamen n�her. Alles wirkte erschreckend normal. Touristen schlenderten umher, Nonnen unterhielten sich am Rand des Platzes, ein M�dchen f�tterte beim Obelisken die Tauben.</p><p>Langdon schreckte davor zur�ck, auf die Uhr zu sehen. Er wusste, dass es fast neun sein musste.</p><p>Der elliptische Stein erschien zu ihren F��en. Langdon und Vittoria blieben stehen - nicht zu auff�llig, nur zwei harmlose Touristen, die pflichtergeben an einer interessanten Stelle Halt machten.</p><p><emphasis>�WestPonente�,</emphasis> las Vittoria die Inschrift des Steins.</p><p>Langdon betrachtete das Marmorrelief und kam sich mit einem Mal naiv vor. Weder in seinen Kunstb�chern, weder bei seinen zahlreichen Reisen nach Rom, niemals war ihm die besondere Bedeutung von <emphasis>West Ponente</emphasis> aufgefallen.</p><p>Bis zum heutigen Tag.</p><p>Das Relief war elliptisch, etwa einen Meter breit, und zeigte ein rudiment�res Gesicht - eine Darstellung des Westwinds als engelgleiche Erscheinung. Aus dem Mund des Winds wehte eine kr�ftige Brise, fort vom Vatikan. der Atem Gottes, Dies war Berninis Interpretation des zweiten Elements. Luft. ein �therischer Zephir, der von den Lippen eines Engels wehte. Als</p><p>Langdon das Relief betrachtete, erkannte er, dass seine Bedeutung noch tiefer ging. Bernini hatte den Wind in f�nf deutlich erkennbaren Strichen dargestellt. f�nf! Mehr noch, die Ellipse wurde an den beiden Seiten von zwei Sternen eingefasst. Galileo fiel ihm ein. Zwei Sterne. F�nf Windb�en. Ellipsen. Symmetrie. Langdon f�hlte sich ausgebrannt. Sein Kopf schmerzte.</p><p>Vittoria setzte sich in Bewegung und f�hrte Langdon von dem Relief fort. �Ich glaube, jemand folgt uns�, sagte sie.</p><p>Langdon blickte sie �berrascht an. �Wo?�</p><p>Vittoria ging drei�ig Meter weiter, bevor sie antwortete. Sie deutete zur Kuppel des Petersdoms hinauf, als wollte sie ihm etwas zeigen. �Die gleiche Person. Sie folgt uns schon die ganze Zeit, quer �ber den Platz.� Wie beil�ufig blickte Vittoria �ber die Schulter zur�ck. �Sie ist immer noch hinter uns. Kommen Sie, wir gehen weiter.�</p><p>�Glauben Sie, es ist der Assassine?�</p><p>Vittoria sch�ttelte den Kopf. �Nein. Es sei denn, die Illuminati heuern neuerdings Frauen mit BBC-Videokameras an.�</p><p>Als die Glocken von St. Peter mit ihrem ohrenbet�ubenden Gel�ut begannen, schraken Langdon und Vittoria zusammen Es war neun Uhr. Sie hatten sich in einem gro�en Kreis von <emphasis>West Ponente</emphasis> entfernt, um die Reporterin abzusch�tteln, und kehrten nun zu Berninis Stein zur�ck.</p><p>Trotz der dr�hnenden Glocken schien der Platz ruhig und friedlich dazuliegen. Touristen spazierten umher. Ein betrunkener Obdachloser d�ste an der Basis des Obelisken. Ein kleines M�dchen f�tterte Tauben. Langdon fragte sich, ob die Reporterin den M�rder vielleicht verscheucht hatte. <emphasis>Zweifelhaft, </emphasis>entschied er, als ihm das Versprechen des Assassinen wieder einfiel. <emphasis>Ich werde Ihre Kardinale zu Lichtgestalten f�r die Medien machen.</emphasis></p><p>Als das Echo des neunten Schlages verhallte, legte sich v�llige Stille �ber den Petersplatz.</p><p>Dann begann das kleine M�dchen zu schreien.</p></section><section><title><p>Kapitel 75.</p></title><p>Langdon erreichte das schreiende Kind als Erster.</p><p>Die ver�ngstigte Kleine stand wie erstarrt und deutete auf die Basis des Obelisken, wo ein heruntergekommener, altersschwacher Trunkenbold zusammengesunken auf der Treppe sa�. Der Mann bot einen erb�rmlichen Anblick. offensichtlich dner von Roms Obdachlosen. Das graue Haar hing ihm in fettigen Str�hnen ins Gesicht, und er war ganz in eine Art schmutziges Tuch geh�llt. Das M�dchen schrie und schrie, �w�hrend es davonrannte und zwischen den Touristen verschwand.</p><p>In Langdon stiegen dunkle Vorahnungen auf, als er zu dem Obdachlosen rannte. Auf den Lumpen des Mannes breitete sich ein dunkler feuchter Fleck aus.</p><p>Frisches Blut.</p><p>Dann geschah alles auf einmal.</p><p>Der Alte schien zusammenzusacken und kippte vorn�ber, Langdon sprang hinzu, doch es war zu sp�t. Der Mann fiel die Treppe hinunter und schlug mit dem Gesicht nach unten auf dem Pflaster auf. Er r�hrte sich nicht. Langdon lie� sich auf die Knie nieder. Vittoria erschien neben ihm. Um sie herum bildete sich rasch eine Menschenmenge.</p><p>Vittoria legte dem Alten von hinten den Finger auf die Kehle. �Ich sp�re seinen Puls!�, sagte sie. �Rasch, drehen Sie ihn</p><p>Langdon war bereits in Bewegung. Er hatte den Alten bei den Schultern gepackt und rollte ihn herum. Dabei l�ste sich das Tuch und fiel von ihm ab wie totes Fleisch. Der Mann fiel ganz auf den R�cken. Genau in der Mitte seiner Brust war eine gro�e verbrannte Wunde.</p><p>Vittoria �chzte und wich zur�ck.</p><p>Langdon f�hlte sich wie bet�ubt - ein Gef�hl irgendwo zwischen �belkeit und Ehrfurcht. Das Symbol besa� eine be�ngstigende Einfachheit.</p><p><emphasis>�Air!�,</emphasis> keuchte Vittoria. �Luft! Er. war es!�</p><p>Aus dem Nichts erschienen Schweizergardisten, riefen Befehle, jagten dem unsichtbaren und ungesehenen M�rder hinterher.</p><p>Neben Langdon erkl�rte ein Tourist, dass erst ein paar Minuten zuvor ein dunkler, arabisch aussehender Mann dem armen Obdachlosen �ber die Piazza geholfen und sich sogar ein paar Minuten neben ihn auf die Treppe gesetzt habe, bevor er wieder in der Menge verschwunden sei.</p><p>Vittoria riss die Lumpen von der Brust des Mannes. Er hatte zwei tiefe Stichwunden, eine auf jeder Seite des Brandmals, unmittelbar unterhalb des Brustkorbs. Sie legte den Kopf des Mannes in den Nacken und begann mit einer Mundzu-Mund-Beatmung. Langdon war nicht vorbereitet auf das, was nun geschah. Als Vittoria dem Alten ihren Atem einblies, zischten die Wunden rechts und links neben dem Brandmal, und Blut spritzte aus ihnen wie aus dem Atemloch eines Wals. Die salzige rote Fl�ssigkeit traf Langdon ins Gesicht.</p><p>Vittoria stockte entsetzt. �Seine Lungen.�, stammelte sie. �Seine Lungen sind durchbohrt!�</p><p>Langdon wischte sich �ber die Augen und starrte auf die</p><p>Stichwunden. Die L�cher gurgelten. Die Lungen des Kardinals waren zerst�rt. Er war tot.</p><p>Vittoria deckte den Leichnam zu, als die Schweizergardisten heran waren.</p><p>Langdon stand v�llig orientierungslos da, wie bet�ubt. Und pl�tzlich sah er sie. Die Frau, die ihnen vorhin bereits gefolgt war, kauerte ganz in der N�he. Sie hatte die BBC-Kamera auf der Schulter, und das rote Aufnahmelicht blinkte. Sie schaute Langdon in die Augen, und er wusste, dass sie alles aufgenommen hatte. Dann sprang sie geschmeidig wie eine Katze auf und rannte los.</p></section><section><title><p>Kapitel 76.</p></title><p>Chinita Macri war auf der Flucht. Sie hatte die Story ihres Lebens.</p><p>Ihre Videokamera f�hlte sich schwer wie ein Anker an, als sie mit dem Ger�t �ber den Petersplatz stolperte und sich einen Weg durch die immer dichtere Menschenmenge bahnte. Alles schien sich in die Richtung zu bewegen, aus der sie kam. in Richtung des Aufruhrs hinter ihr. Chinita wollte so schnell und so weit wie m�glich fort. Der Mann im Tweedjackett hatte sie gesehen, und sie sp�rte, dass nun andere hinter ihr her waren, M�nner, die sie nicht sehen konnte und die sie von allen Seiten umzingelten.</p><p>Chinita war immer noch entsetzt �ber das, was sie soeben aufgenommen hatte. Sie fragte sich, ob der Tote wirklich das war, was sie bef�rchtete. G�nthers mysteri�ser Anrufer schien mit einem Mal �berhaupt nicht mehr verr�ckt.</p><p>Sie rannte in die Richtung des BBC-Wagens, und pl�tzlich tauchte vor ihr in der Menge ein junger Mann mit entschieden milit�rischer Haltung auf. Ihre Blicke begegneten sich, und beide blieben stehen. Der junge Mann riss ein Walkie-Talkie an den Mund und redete hastig hinein; dann setzte er sich erneut in Bewegung und kam auf sie zu. Chinita wirbelte herum und tauchte mit heftig pochendem Herzen in der Menschenmenge unter.</p><p>W�hrend sie durch die Masse aus Leibern, Armen und Beinen stolperte, zerrte sie das Band aus ihrer Kamera. <emphasis>Reines Gold, </emphasis>dachte sie und stopfte es im R�cken unter ihren breiten G�rtel, wo es von der Jacke verdeckt wurde. Zum ersten Mal war sie froh, ein paar �berfl�ssige Pfunde mit sich herumzuschleppen. <emphasis>G�nther, wo zur H�lle bleibst du?</emphasis></p><p>Ein weiterer Mann tauchte zu ihrer Linken auf und n�herte sich. Chinita wusste, dass ihr nur noch wenig Zeit blieb. Sie wich erneut in die Menge zur�ck, w�hrend sie eine neue, leere Kassette aus ihrem Geh�use riss und in die Kamera dr�ckte. Jetzt konnte sie nur noch beten.</p><p>Sie war noch drei�ig Meter vom BBC-�bertragungswagen entfernt, als zwei M�nner mit verschr�nkten Armen direkt vor ihr auftauchten. Ihre Flucht war zu Ende.</p><p>�Den Film!�, rief einer. �Sofort!�</p><p>Chinita wich zur�ck und hielt die Arme sch�tzend �ber ihre Kamera. �Keine Chance.�</p><p>Einer der M�nner schlug seine Jacke zur�ck. Darunter kam eine Pistole zum Vorschein.</p><p>�Erschie�en Sie mich�, fauchte Chinita und staunte �ber den Trotz in ihrer Stimme.</p><p>�Den Film!�, wiederholte der erste Mann.</p><p>Wo, <emphasis>zum Teufel, bleibt G�nther,</emphasis> dachte sie verzweifelt. Sie stampfte mit dem Fu� auf. �Ich bin Journalistin und arbeite f�r die BBC!�, rief sie, so laut sie konnte. �Nach Artikel zw�lf des Presserechts ist dieser Film Eigentum der British Broadcasting Corporation!�</p><p>Die M�nner lie�en sich nicht beeindrucken. Der mit der Waffe machte einen Schritt auf sie zu. �Ich bin Leutnant der Schweizergarde, und nach den Heiligen Gesetzen, die f�r den Grund und Boden gelten, auf dem Sie im Augenblick stehen, werde ich Sie festnehmen und einer Leibesvisitation unterziehen.�</p><p>Ringsum begann sich eine weitere Menschenmenge zu versammeln.</p><p>�Ich werde Ihnen den Film in dieser Kamera nicht aush�ndigen, bevor ich nicht mit meinem Redakteur in London gesprochen habe!�, protestierte Chinita. �Ich schlage vor,</p><p>Sie.�</p><p>Die Schweizergardisten hatten offensichtlich die Nase voll. Einer riss ihr die Kamera aus der Hand. Der andere packte sie brutal am Arm und schob sie in Richtung Vatikanstadt. <emphasis>�Grazie�,</emphasis> sagte er und man�vrierte sie durch die dicht gedr�ngte Menge.</p><p>Chinita betete, dass man sie nicht durchsuchen und das Band finden w�rde. Wenn es ihr gelang, den Film lange genug zu sch�tzen, um.</p><p>Dann geschah das Undenkbare. Irgendjemand aus der Menge griff von hinten unter ihre Jacke. Chinita sp�rte, wie die Kassette aus ihrem G�rtel gerissen wurde. Sie wirbelte herum, doch sie verschluckte ihren lauten Protest. Hinter ihr stand ein atemloser G�nther Glick, zwinkerte ihr grinsend zu und tauchte in der Menge unter.</p></section><section><title><p>Kapitel 77.</p></title><p>Robert Langdon stolperte in das private Badezimmer, das ans Amtszimmer des Papstes angrenzte. Er wusch sich das Blut vom Gesicht und den Lippen. Es war nicht sein eigenes Blut. Es war das Blut von Kardinal Lamasse, der soeben mitten auf dem belebten Platz vor dem Petersdom auf grauenvolle Weise gestorben <emphasis>war. Jungfr�uliche Opfer auf den Alt�ren der Wissenschaft.</emphasis> Bis jetzt hatte der M�rder seine Drohungen in die Tat umgesetzt.</p><p>Langdon f�hlte sich kraftlos, als er in den Spiegel sah. Seine Augen waren verhangen, und auf seinen Wangen zeigten sich Stoppeln. Das Badezimmer um ihn herum war makellos und luxuri�s - schwarzer Marmor, goldene Armaturen, Baumwollhandt�cher, duftende Seife.</p><p>Langdon versuchte, das Bild des blutigen Brandmals zu verdr�ngen, das er soeben gesehen hatte. Air. Luft. Das Bild blieb beharrlich. Er hatte drei Ambigramme gesehen, seit er an diesem Morgen aufgewacht war - und er wusste, dass noch zwei weitere auf ihn warteten.</p><p>Drau�en vor der T�r fand eine erregte Debatte statt. Der Camerlengo, Hauptmann Rocher und Oberst Olivetti schienen dar�ber zu streiten, was als N�chstes zu tun sei. Allem Anschein nach war die Suche nach dem Antimateriebeh�lter bis zum jetzigen Zeitpunkt erfolglos gewesen. Entweder hatten die Schweizergardisten den Beh�lter �bersehen, oder der Eindringling war tiefer in den Vatikan vorgedrungen, als Oberst Olivetti zugeben wollte.</p><p>Langdon trocknete sich Gesicht und H�nde ab. Dann wandte er sich um und suchte nach einem Urinal. Es gab keins. Nur eine gew�hnliche Toilettensch�ssel. Er hob den Deckel.</p><p>W�hrend er dort stand, wich die Anspannung aus seinem K�rper, und eine Welle der Ersch�pfung breitete sich in ihm aus. Die Emotionen in seinem Innern waren zu widerstreitend, zu viele auf einmal. Er war m�de, hatte zu lange nichts mehr gegessen, zu wenig geschlafen und war durch zwei Morde traumatisiert. So hatte er sich die Suche nach dem Weg der Erleuchtung nicht vorgestellt. Langdon sp�rte wachsendes Entsetzen dar�ber, was am Ende dieses Dramas m�glicherweise herauskam.</p><p><emphasis>Denk nach,</emphasis> spornte er sich an. Doch sein Verstand war leer.</p><p>Als er die Wassersp�lung bet�tigte, kam ihm ein unerwarteter Gedanke. <emphasis>Das ist die Toilette des Papstes,</emphasis> dachte er und musste unwillk�rlich kichern. <emphasis>Der heilige Thron.</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel 78.</p></title><p>In London nahm eine BBC-Technikerin die Kassette aus dem Satellitenempf�nger und rannte eilig damit los. Sie st�rmte ins B�ro des Chefredakteurs, dr�ckte die Kassette in einen Rekorder und startete die Wiedergabe.</p><p>W�hrend das Band lief, berichtete sie ihm von der Unterhaltung, die sie soeben mit G�nther Glick in Rom gef�hrt hatte. Zus�tzlich hatte sie im Bildarchiv der BBC die Best�tigung f�r die Identit�t des Toten auf dem Petersplatz gefunden.</p><p>Als der Chefredakteur aus seinem B�ro trat, l�utete er eine gro�e Glocke neben seiner T�r. Alles unterbrach seine Arbeit und sah zu ihm.</p><p>�Live um f�nf!�, rief der Chefredakteur. �Ich m�chte, dass alles vorbereitet wird! Medienkoordinatoren, holen Sie Ihre Kontakte an die Ger�te! Wir haben eine Story zu verkaufen, und wir haben Filmmaterial!�</p><p>Die Koordinatoren griffen nach ihren Drehkarteien.</p><p>�Filmspezifikation?�, fragte einer.</p><p>�Drei�ig-Sekunden-Zusammenschnitt�, antwortete der</p><p>Chefredakteur.</p><p>�Inhalt?�</p><p>�Mord. Live.�</p><p>Die Koordinatoren sahen hoffnungsvoll auf.</p><p>�Lizenzgeb�hren? Verwendung?�</p><p>�Eine Million US-Dollar pro.�</p><p>K�pfe ruckten in die H�he. <emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>�Ihr habt mich geh�rt. Ich will die gesamte Spitze. CNN, MSNBC, die Gro�en Drei. Bieten Sie ihnen eine Vorschau an.</p><p>Geben Sie ihnen f�nf Minuten Bedenkzeit, bevor BBC die Sache ausstrahlt.�</p><p>�Was ist passiert, verdammt?�, fragte jemand. �Wurde der Premierminister bei lebendigem Leib geh�utet?� Der Chefredakteur sch�ttelte den Kopf. �Besser.�</p><p>In genau diesem Augenblick, irgendwo in Rom, genoss der <emphasis>Hashishin</emphasis> einen fl�chtigen Augenblick der Entspannung in einem behaglichen Sessel. Er bewunderte den legend�ren Raum, in dem er sich befand. <emphasis>Die Kirche der Erleuchtung,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich sitze in der Kirche der Erleuchtung. Im Schlupfwinkel der Illuminati.</emphasis> Er konnte nicht glauben, dass der Raum nach all den Jahrhunderten immer noch existierte.</p><p>Pflichtbewusst w�hlte er die Nummer des BBC-Reporters, mit dem er schon zuvor gesprochen hatte. Es wurde Zeit. Die Welt wusste noch nichts �ber die schockierendste Neuigkeit von allen.</p></section><section><title><p>Kapitel 79.</p></title><p>Vittoria Vetra sa� bei einem Glas Wasser und a� abwesend von dem Teegeb�ck, das einer der Gardisten hingestellt hatte. Sie hatte keinen Appetit, auch wenn es kl�ger gewesen w�re, etwas zu essen. Das Amtszimmer des Papstes war voller Menschen, die angespannt durcheinander redeten. Hauptmann Rocher, Oberst Olivetti und ein halbes Dutzend Schweizergardisten bewerteten die Lage und debattierten �ber ihren n�chsten Zug.</p><p>Robert Langdon stand abseits am Fenster und starrte hinaus auf den Petersplatz. Er sah niedergeschlagen aus. Vittoria ging zu ihm. �Und? Haben Sie eine Idee?�</p><p>Robert sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Geb�ck?�</p><p>Seine Stimmung schien sich aufzuhellen, als er das Geb�ck sah. �Ja, gerne. Danke sehr.� Er schlang das Teegeb�ck in sich hinein.</p><p>Die Unterhaltungen hinter ihnen verstummten pl�tzlich, und zwei Gardisten eskortierten Camerlengo Ventresca in das Zimmer. Der Camerlengo hatte vorher schon ersch�pft ausgesehen, nun wirkte er v�llig ausgebrannt.</p><p>�Was ist geschehen?�, fragte er Olivetti, doch nach seinem Gesicht zu urteilen, wusste er das Schlimmste bereits.</p><p>Olivettis offizielles Communique klang wie ein Kriegsbericht. Mit n�chterner Effizienz nannte er die Fakten. �Kardinal Ebner wurde kurz nach acht Uhr tot in der Kirche Santa Maria del Popolo gefunden. Er wurde erstickt und mit einem Ambigramm des Wortes&gt;Erde&lt;in englischer Sprache gebrandmarkt. Vor zehn Minuten wurde Kardinal Lamasse auf dem Petersplatz ermordet. Seine Brust wurde zweimal durchbohrt, Er wurde mit dem</p><p>englischen Wort f�r&gt;Luft&lt;gebrandmarkt, ebenfalls ein Ambigramm. Der M�rder konnte in beiden F�llen entkommen.�</p><p>Der Camerlengo durchquerte den Raum und setzte sich hinter den Schreibtisch des Papstes. Er senkte den Kopf.</p><p>�Die Kardinale Guidera und Baggia sind noch am Leben.�</p><p>Der Kopf des Camerlengos ruckte hoch. Schmerz stand auf seinem Gesicht. �Und das soll ein Trost sein? Zwei Kardinale wurden ermordet, Herr Oberst! Und die beiden noch lebenden werden ebenfalls sterben, falls es Ihnen nicht gelingt, sie vorher zu finden!�</p><p>�Wir werden sie finden!�, versicherte Olivetti. �Ich bin zuversichtlich, dass wir sie finden.�</p><p>�Zuversichtlich? Woher nehmen Sie diese Zuversicht, Oberst? Bisher hatten wir nichts als Fehlschl�ge!�</p><p>�Das stimmt nicht, Monsignore. Wir haben zwei Schlachten verloren, aber wir werden den Krieg gewinnen. Die Illuminati wollten diesen Abend zu einem Ereignis f�r die Medien machen. Bisher ist es uns gelungen, ihren Plan zu durchkreuzen. Wir haben die Leichname der beiden Kardinale ohne jeden Zwischenfall geborgen. Dar�ber hinaus�, schloss Oberst Olivetti, �berichtet Hauptmann Rocher, dass er bei der Suche nach der Antimaterie gute Fortschritte macht.�</p><p>Der Hauptmann trat vor. In Vittorias Augen sah er menschlicher aus als die anderen Gardisten - streng, doch nicht so unnahbar und steif. Rochers Stimme klang leidenschaftlich und klar wie eine Violine. �Ich bin guter Dinge, dass wir den gesuchten Beh�lter innerhalb der n�chsten Stunde finden, Monsignore.�</p><p>�Hauptmann�, entgegnete der Camerlengo, �bitte entschuldigen Sie, wenn ich mich nicht Ihrem Optimismus anzuschlie�en vermag, doch ich hatte den Eindruck, dass eine gr�ndliche Durchsuchung der gesamten Vatikanstadt mehr Zeit in Anspruch nehmen w�rde, als uns zur Verf�gung steht.�</p><p>�Eine gr�ndliche Suche, das trifft zu, Monsignore. Doch nachdem wir die Situation analysiert haben, gehe ich davon aus, dass der Beh�lter irgendwo in den wei�en Zonen versteckt sein muss den Bereichen des Vatikans, die f�r die �ffentlichkeit zug�nglich sind, beispielsweise der Petersdom selbst und die Museen. Wir haben bereits den Strom in den entsprechenden Bereichen abgeschaltet und sind dabei, sie zu durchsuchen.�</p><p>�Sie wollen nur einen kleinen Bereich der Vatikanstadt absuchen?�</p><p>�Jawohl, Monsignore. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass sich ein Eindringling Zutritt in die inneren Bereiche der Vatikanstadt verschaffen konnte. Die Tatsache, dass die verschwundene Kamera aus einem �ffentlich zug�nglichen Bereich gestohlen wurde - aus einem Treppenhaus in einem der Museumsgeb�ude - untermauert die Vermutung, dass der T�ter nur beschr�nkten Zugang besa�. Daher kann er die Kamera nur innerhalb der �ffentlich zug�nglichen Bereiche versteckt haben, womit auch der Beh�lter dort zu suchen ist. Und genau auf diese Bereiche konzentrieren wir unsere Suche, Monsignore.�</p><p>�Aber der Eindringling hat vier unserer Kardinale entf�hrt! Dazu muss er tiefer in Vatikanstadt eingedrungen sein, als es auf den ersten Blick scheint.�</p><p>�Nicht notwendigerweise, Monsignore. Wir sollten nicht vergessen, dass die Kardinale einen gro�en Teil des Tages in den Vatikanischen Museen und im Petersdom verbracht haben -zu den Zeiten, als es keinen Publikumsverkehr gab. H�chstwahrscheinlich wurden die vier <emphasis>preferiti</emphasis> bei einer dieser Gelegenheiten entf�hrt.�</p><p>�Aber wie wurden sie aus den Mauern der Vatikanstadt geschafft?�</p><p>�Das wissen wir noch nicht, Monsignore.�</p><p>�Ich verstehe.� Der Camerlengo atmete tief durch und erhob sich. Er ging zu Oberst Olivetti. �Herr Oberst, ich w�rde gerne erfahren, wann und wie Sie die Evakuierung durchzuf�hren gedenken.�</p><p>�Wir arbeiten noch daran, Monsignore. Allerdings bin ich fest davon �berzeugt, dass Hauptmann Rocher diesen Beh�lter rechtzeitig finden wird.�</p><p>Der Hauptmann schlug angesichts dieser Vertrauensbezeugung seines Vorgesetzten die Hacken zusammen. �Meine M�nner haben bereits zwei Drittel der wei�en Zonen abgesucht. Wir sind zuversichtlich, Monsignore.�</p><p>Der Camerlengo teilte diese Zuversicht ganz offensichtlich nicht.</p><p>In diesem Augenblick betrat der Gardist mit der Narbe unter dem Auge das Amtszimmer. Er trug einen Stadtplan und ein Klemmbrett bei sich und kam damit zu Langdon. �Signore Langdon? Ich bringe die Informationen �ber <emphasis>West Ponente,</emphasis> um die Sie gebeten haben.�</p><p>Langdon schluckte den letzten Bissen seines Geb�cks hinunter. �Sehr gut. Dann wollen wir mal einen Blick darauf werten.�</p><p>Die anderen redeten weiter, w�hrend Vittoria sich zu Langdon und dem Gardisten gesellte. Sie breiteten den Stadtplan auf dem p�pstlichen Schreibtisch aus.</p><p>Der Gardist deutete auf den Petersplatz. �Wir befinden uns hier. Die mittlere Linie der Windgestalt von <emphasis>West Ponente </emphasis>deutet genau nach Osten, weg von der Vatikanstadt.� Der Gardist zog eine Linie vom Petersplatz �ber den Tiber und in das Herz des alten Rom. �Wie Sie sehen, f�hrt die Linie beinahe durch ganz Rom hindurch. Es gibt fast zwanzig katholische Kirchen in unmittelbarer N�he dieser Linie.�</p><p>Langdon lie� die Schultern h�ngen. <emphasis>�Zwanzig?�</emphasis></p><p>�Vielleicht auch mehr.�</p><p>�Und wie viele davon befinden sich direkt auf dieser Linie?�</p><p>�Einige scheinen n�her daran als andere�, erwiderte der Gardist, �doch die exakte Richtung von <emphasis>West Ponente</emphasis> aus l�sst einigen Spielraum f�r Fehler.�</p><p>Langdon wandte sich ab und schaute einen langen Augenblick auf den Petersplatz hinunter. Dann strich er sich �bers Kinn und runzelte die Stirn. �Wie steht es mit <emphasis>Feuer?</emphasis> Gibt es in einer dieser Kirchen Bernini-Kunstwerke, die mit Feuer zu tun haben?�</p><p>Schweigen.</p><p>�Was ist mit Obelisken?�, fragte Langdon. �Gibt es einen Obelisken in der N�he einer dieser Kirchen?�</p><p>Der Gardist suchte auf dem Stadtplan.</p><p>Vittoria bemerkte einen neuen Hoffnungsschimmer in Langdons Augen und wusste, was er dachte. <emphasis>Er hat Recht!</emphasis> Die beiden ersten Wegweiser hatten sich ganz in der N�he von Obelisken befunden! Vielleicht waren Obelisken ein wichtiger Hinweis! Hoch erhobene Pyramiden, die den Weg der Illuminati markierten! Je l�nger Vittoria dar�ber nachdachte, desto schl�ssiger kam ihr der Gedanke vor - vier hoch �ber das umgebende Rom aufragende steinerne Male als Zeichen f�r die Alt�re der Wissenschaft.</p><p>�Es ist vielleicht ein wenig weit hergeholt�, sagte Langdon, �aber ich wei�, dass zahlreiche r�mische Obelisken w�hrend der Zeit Berninis aufgerichtet oder an einen anderen Platz geschafft wurden. Bernini hat ohne jeden Zweifel Einfluss auf ihre Positionierung genommen.�</p><p>�Vielleicht hat Bernini seine Wegweiser in der N�he existierender Obelisken aufgestellt�, bot Vittoria eine weitere M�glichkeit an.</p><p>Langdon nickte zustimmend.</p><p>�Schlechte Neuigkeiten�, sagte der Gardist. �Keine Obelisken entlang der Linie.� Er fuhr mit dem Finger �ber die Karte.</p><p>�Nicht einmal in der N�he. Nichts.�</p><p>Langdon seufzte.</p><p>Vittoria lie� die Schultern h�ngen. Sie hatte den Gedanken f�r vielversprechend gehalten. Offensichtlich w�rde es nicht so einfach, wie sie gehofft hatten. Sie bem�hte sich, optimistisch zu klingen. �Denken Sie nach, Robert. Sie m�ssen eine Bernini-Skulptur kennen, die mit Feuer zu tun hat. Irgendeine.�</p><p>�Glauben Sie mir, dar�ber denke ich schon die ganze Zeit nach, Vittoria. Aber Bernini war unglaublich produktiv. Hunderte von Arbeiten. Ich hatte eigentlich gehofft, dass <emphasis>West Ponente</emphasis> auf eine einzelne Kirche deutet. Irgendetwas, das eine Glocke zum Klingen bringt.�</p><p><emphasis>�Fuoco�,</emphasis> dr�ngte Vittoria. �Feuer. <emphasis>Fire.</emphasis> Keine Idee, Robert?�</p><p>Langdon zuckte die Schultern. �Nat�rlich gibt es die ber�hmten Feuerwerksbilder, aber es sind keine Skulpturen, und sie befinden sich in Deutschland, in Leipzig.�</p><p>Vittoria runzelte die Stirn. �Und Sie sind sicher, dass es der Atem ist, der die Richtung weist?�</p><p>�Sie haben das Relief selbst gesehen, Vittoria. Es war v�llig symmetrisch. Die einzige Andeutung einer Richtung waren die f�nf Windstrahlen.�</p><p>Er hatte Recht.</p><p>�Au�erdem�, f�gte Langdon hinzu, �erscheint es nur angemessen, der Richtung des Windes zu folgen. Immerhin symbolisiert <emphasis>West Ponente</emphasis> das Element Luft.�</p><p>Vittoria nickte. <emphasis>Also folgen wir dem Wind. Aber wohin?</emphasis></p><p>Olivetti kam zu ihnen. �Was haben Sie herausgefunden?�</p><p>�Zu viele Kirchen, Herr Oberst�, antwortete der Gardist, Zwei Dutzend oder mehr. Ich sch�tze, wir k�nnten vier Mann zu jeder Kirche schicken.�</p><p>�Vergessen Sie�s�, erwiderte Olivetti. �Dieser hinterh�ltige M�rder ist uns zweimal entwischt, obwohl wir genau wussten,</p><p>wo wir ihn finden konnten. Wenn wir uns zu sehr verteilen, ist die Vatikanstadt ungesch�tzt. Au�erdem k�nnten wir diese Antimaterie nicht mehr suchen.�</p><p>�Wir brauchen ein Werkbuch�, sagte Vittoria. �Ein Verzeichnis von Berninis Arbeiten. Wenn wir die Namen durchgehen, finden wir vielleicht einen Hinweis.�</p><p>�Ich wei� nicht�, widersprach Langdon. �Wenn es ein Werk ist, das Bernini speziell f�r die Illuminati geschaffen hat, ist es vielleicht v�llig unbekannt. M�glicherweise ist es in keinem Werkverzeichnis aufgef�hrt.�</p><p>Vittoria weigerte sich, so schnell aufzugeben. �Die beiden anderen Skulpturen waren ziemlich ber�hmt. Sie kannten beide.�</p><p>Langdon zuckte die Schultern. �Na und?�</p><p>�Wenn wir die Namen auf das Schl�sselwort&gt;Feuer&lt;hin durchsuchen, finden wir vielleicht eine Statue, die in der richtigen Richtung steht.�</p><p>Langdon schien �berzeugt, dass es zumindest einen Versuch wert war. Er wandte sich an Olivetti. �Ich brauche eine Liste von Berninis Arbeiten. Ihre M�nner haben wahrscheinlich keinen Hochglanzband zur Hand, oder?�</p><p>�Hochglanzband?� Olivetti schien den Begriff noch nie geh�rt zu haben.</p><p>�Macht nichts. Eine Liste. Wie steht es mit dem Vatikanischen Museum? Dort muss es doch eine Liste von Berninis Werken geben!�</p><p>Der Gardist mit der Narbe runzelte die Stirn. �Der Strom im Museum ist abgeschaltet, und der Raum mit den Werkverzeichnissen ist riesig. Ohne das Bibliothekspersonal als Hilfe.�</p><p>�Die fraglichen Arbeiten von Bernini.�, unterbrach ihn der Oberst. �Wurden sie geschaffen, w�hrend Bernini vom Vatikan</p><p>angestellt war?�</p><p>�So gut wie sicher�, antwortete Langdon. �Bernini hat fast sein ganzes Leben f�r den Vatikan gearbeitet. Ganz bestimmt jedenfalls w�hrend der Zeit des Konflikts zwischen Kirche und Galileo.�</p><p>Olivetti nickte. �Dann gibt es noch ein anderes Verzeichnis.</p><p>Vittoria sp�rte neuen Optimismus. �Wo?�</p><p>Der Kommandant der Schweizergarde antwortete nicht. Er nahm den Gardisten beiseite und sprach in ged�mpftem Tonfall mit ihm. Der Gardist schien unschl�ssig; dann aber nickte er gehorsam. Als Olivetti fertig war, kam der Gardist zu Langdon.</p><p>�Hier entlang bitte, Mr. Langdon. Es ist einundzwanzig Uhr f�nfzehn. Wir m�ssen uns beeilen.�</p><p>Langdon folgte dem Gardisten zur T�r.</p><p>Vittoria wollte hinterher. �Ich helfe Ihnen.�</p><p>Olivetti hielt sie am Arm fest. �Nein, Signorina Vetra. Ich mochte mit Ihnen reden.� Sein Tonfall duldete keinen Widerspruch.</p><p>Langdon und der Gardist verlie�en das Amtszimmer. Olivettis Miene war ausdruckslos, als er Vittoria beiseite nahm, Doch was auch immer er ihr hatte sagen wollen, es kam nicht dazu. Das Walkie-Talkie an seinem G�rtel knackte laut. <emphasis>�Comandante?�</emphasis></p><p>Alles im Raum drehte sich zu Olivetti um.</p><p>Die Stimme aus dem Lautsprecher klang grimmig. �Ich glaube. Sie sollten besser den Fernseher einschalten.�</p></section><section><title><p>Kapitel 80.</p></title><p>Als Langdon erst zwei Stunden zuvor die geheimen Vatikanischen Archive verlassen hatte, h�tte er sich niemals vorgestellt, sie noch einmal wiederzusehen. Jetzt - au�er Atem, nachdem er den gesamten Weg hinter dem Schweizergardisten hergelaufen war - fand er sich einmal mehr in dem gro�en Gew�lbe wieder.</p><p>Seine Eskorte, der Gardist mit der Narbe, f�hrte Langdon durch die Reihen transparenter B�chertresore hindurch. Die Stille hier unten wirkte diesmal noch unheilvoller.</p><p>�Dort dr�ben, glaube ich�, sagte der Gardist und f�hrte Langdon zur R�ckseite des Gew�lbes, wo eine Reihe kleinerer Kabinen die Wand s�umte. Der Gardist suchte die Schilder ab und deutete dann auf einen der kleinen Tresore. �Hier ist es, Signore. Genau wie der Comandante gesagt hat.�</p><p>Langdon las den Titel. ATTIVIVATICANI. <emphasis>Vatikanische Verm�genswerte?</emphasis> Langdon �berflog eine Inhaltsliste. Immobilien. Grundst�cke. Vatikanbank. Antiquit�ten. Die Liste nahm kein Ende.</p><p>�Dokumente �ber s�mtliche Verm�genswerte des Vatikans�, erkl�rte der Gardist.</p><p>Langdon starrte auf das transparente Abteil. <emphasis>Mein Gott!</emphasis> Selbst im Halbdunkel war zu erkennen, dass es voll gepackt war.</p><p>�Oberst Olivetti hat gesagt, dass Sie dort alles finden, was Bernini w�hrend seiner Zeit unter vatikanischem Patronat schuf.�</p><p>Langdon nickte, als ihm bewusst wurde, dass sich die Instinkte des Kommandanten vielleicht doch noch auszahlen w�rden. Zu Berninis Zeiten war alles, was ein K�nstler unter dem Patronat eines Papstes schuf, automatisch zum Eigentum</p><p>des Vatikans geworden. Es war eher Feudalismus als Patronat gewesen, doch die besten K�nstler dieser Zeit hatten gut gelebt und sich nicht beschwert. �Einschlie�lich der Arbeiten, die er in Kirchen au�erhalb der Vatikanstadt angefertigt hat?�, fragte Langdon.</p><p>Der Gardist betrachtete ihn mit einem eigenartigen Blick. �Selbstverst�ndlich. S�mtliche katholischen Kirchen in Rom sind Eigentum des Vatikans.�</p><p>Langdon musterte die Liste in seiner Hand. Sie enthielt die Namen von ungef�hr zwanzig Kirchen, die sich allesamt mehr oder weniger direkt �stlich von <emphasis>West Ponente</emphasis> befanden. In einer dieser Kirchen stand der dritte Altar der Wissenschaft, und Langdon hoffte inbr�nstig, dass er rechtzeitig herausfand, in welcher. Unter anderen Umst�nden w�re er wahrscheinlich gl�cklich �ber eine Gelegenheit gewesen, jede einzelne dieser Kirchen pers�nlich zu untersuchen. Heute jedoch blieben ihm nicht mehr als ungef�hr zwanzig Minuten, um zu finden, wonach er suchte - die eine Kirche, in der sich Berninis Tribut an das <emphasis>Feuer</emphasis> befand.</p><p>Langdon ging zur elektrischen Dreht�r des B�chertresors, Der Gardist folgte ihm nicht. Langdon sp�rte sein unsicheres Z�gern. Er l�chelte. �Die Luft ist ein wenig d�nn, aber durchaus atembar.�</p><p>�Meine Befehle lauten, Sie hierher zu begleiten und anschlie�end umgehend ins Sicherheitszentrum zur�ckzukehren.�</p><p>�Soll das hei�en, Sie <emphasis>gehen?�</emphasis></p><p>�Jawohl, Signore. Die Schweizergarde hat keinen Zutritt zu den Geheimarchiven. Ich �bertrete bereits das Protokoll, indem ich Sie so weit begleitet habe. Der Oberst hat sich unmissverst�ndlich ausgedr�ckt.�</p><p>�Sie �bertreten das Protokoll?� <emphasis>Hast du �berhaupt eine Ahnung, was hier heute Nacht los sein wird?</emphasis> �Auf wessen Seite</p><p>steht dieser verdammte Olivetti eigentlich?�</p><p>Die Freundlichkeit im Gesicht des Schweizergardisten war schlagartig wie weggeblasen. Die Narbe unter seinem Auge zuckte. Er starrte Langdon an und sah mit einem Mal Olivetti verbl�ffend �hnlich.</p><p>�Bitte entschuldigen Sie�, versuchte Langdon zu retten, was zu retten war. �Es ist nur. ich k�nnte tats�chlich ein �wenig Hilfe gebrauchen.�</p><p>Der Gardist zuckte mit keiner Wimper. �Ich bin dazu ausgebildet, Befehlen zu gehorchen und nicht, sie in frage zu stellen. Sobald Sie gefunden haben, wonach Sie suchen, setzen Sie sich unverz�glich mit dem Kommandanten in Verbindung.�</p><p>�Und wo finde ich ihn?�, fragte Langdon verlegen.</p><p>Der Gardist zog sein Walkie-Talkie aus dem G�rtel und stellte es auf einen Tisch in der N�he. �Kanal eins.� Mit diesen Worten verschwand er im Dunkel.</p></section><section><title><p>Kapitel 81.</p></title><p>Das Amtszimmer des Papstes besa� einen �bergro�en Fernsehmonitor, der in einem Wandschrank gegen�ber dem Schreibtisch verborgen war. Die T�ren des Wandschranks standen offen, und alles versammelte sich um das Ger�t. Der Bildschirm wurde hell, und eine junge Reporterin erschien, eine reh�ugige Br�nette.</p><p>�Hier ist Kelly Horan-Jones f�r MSNBC News�, erkl�rte sie. �Wir melden uns live aus Vatikanstadt, Rom, Italien.� Das Bild hinter ihr zeigte die n�chtliche Petersbasilika in voller Beleuchtung.</p><p>�Das ist nicht live!�, stie� Hauptmann Rocher hervor. �Das ist eine Aufnahme aus der Konserve! Die Lichter im Petersdom sind aus!�</p><p>Olivetti brachte ihn mit einem gezischten Befehl zum Schweigen.</p><p>Die Reporterin fuhr f)rt. Ihre Stimme klang angespannt. �Bei den Papstwahlen heute Nacht gab es schockierende Entwicklungen. Uns liegen Berichte vor, dass zwei Mitglieder des Kardinalskollegiums mitten in Rom brutal ermordet wurden.�</p><p>Olivetti fluchte leise in sich hinein.</p><p>W�hrend die Reporterin fortfuhr, erschien ein atemloser Gardist an der T�r. �Herr Oberst! Die Vermittlungszentrale! Jede Leitung ist belegt! Sie erbitten unser offizielle Stellungnahme zu.�</p><p>�Schalten Sie die Vermittlung ab!�, befahl Olivetti, ohne den Blick vom Fernseher zu nehmen.</p><p>Der Gardist starrte seinen Kommandanten unsicher an. �Aber Herr Oberst.�</p><p>�Sofort!�</p><p>Der Gardist rannte davon.</p><p>Vittoria sp�rte, dass der Camerlengo etwas hatte sagen wollen, doch dann starrte er lange und schweigend Olivetti an, bevor er sich wieder dem Fernseher zuwandte.</p><p>MSNBC zeigte nun Bandaufnahmen. Die Schweizergarde, die den Leichnam von Kardinal Ebner die Treppe von Santa Maria del Popolo hinuntertrug und in den Kofferraum des Alfa Romeo hob. Das Bild erstarrte und zoomte ganz nah heran, als der nackte Leichnam des Kardinals f�r eine halbe Sekunde sichtbar wurde, unmittelbar bevor er in den Kofferraum fiel.</p><p>�Wer hat diese Aufnahmen gemacht?�, donnerte Olivetti.</p><p>Die MCNBC-Reporterin fuhr fort. �Wir vermuten, dass es sich bei dem Toten um Kardinal Ebner aus Frankfurt, Deutschland, handelt. Die M�nner, die seinen Leichnam aus der Kirche bargen, waren vermutlich p�pstliche Schweizergardisten.� Die Reporterin gab sich alle M�he, einigerma�en bewegt dreinzuschauen. Die Kamera zoomte auf ihr Gesicht, und sie wurde wom�glich noch ernster. �Und nun m�chte MSNBC seine Zuschauer warnen. Die Bilder, die nun folgen, sind au�erordentlich drastisch und m�glicherweise nicht f�r alle Zuschauer geeignet.�</p><p>Vittoria war ver�rgert �ber diese geheuchelte Besorgnis. Die angebliche R�cksicht auf die Empfindlichkeit der Zuschauer war die ultimative Schlagzeile. Kein Mensch wechselte nach einer derartigen Ank�ndigung den Sender.</p><p>Die Nachrichtensprecherin trieb es auf die Spitze. �Noch einmal - die folgenden Bilder sind m�glicherweise nicht f�r alle Zuschauer geeignet.�</p><p>�Was denn noch?�, donnerte Olivetti. �Sie hat doch schon alles.�</p><p>Auf dem Fernsehschirm wurde ein Ausschnitt des</p><p>Petersplatzes sichtbar. Die Kamera zoomte auf ein Paar, das sich zwischen den Touristen hindurch bewegte. Vittoria erkannte sich und Robert. In der Ecke des Bildschirms war eine Textzeile eingeblendet:</p><p>MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON BBC.</p><p>Im Hintergrund l�utete eine Glocke.</p><p>�O nein!�, sagte Vittoria. �Das darf nicht wahr sein!�</p><p>Der Camerlengo sah mit jeder Sekunde verwirrter drein. Er wandte sich an Olivetti. �Ich dachte, Sie h�tten dieses Band konfisziert?�</p><p>Pl�tzlich war auf dem Schirm ein weinendes Kind zu sehen. Die Kamera zoomte auf die Stelle, auf die das Kind zeigte - ein blutender Obdachloser. Unvermittelt trat Robert Langdon ins Bild und versuchte dem M�dchen zu helfen. Die Kamera blieb auf ihn gerichtet.</p><p>Jeder im Amtszimmer des Papstes starrte in entsetztem Schweigen auf das Drama, das sich vor ihren Augen auf dem Fernsehschirm abspielte. Der Kardinal fiel mit dem Gesicht voran die Treppe hinunter und auf das Pflaster. Vittoria tauchte auf und rief Befehle. �berall war Blut. Ein Brandmal. Ein schauerlicher, fehlschlagender Versuch einer Mundzu-Mund-Beatmung.</p><p>�Diese erschreckenden Bilder wurden erst vor wenigen Minuten vor dem Vatikan aufgenommen, auf dem Petersplatz�, sagte die Sprecherin. �Unsere Informanten sagen, dass es sich bei dem Toten um Kardinal Lamasse aus Frankreich handelt. Wie er in diese Kleidung kam und warum er nicht im Konklave war, ist zu diesem Zeitpunkt ungekl�rt. Bisher hat der Vatikan sich geweigert, Stellung zu nehmen.� Die Aufzeichnung wurde wiederholt.</p><p>�Geweigert, Stellung zu nehmen?�, fauchte Hauptmann Rocher. �Gebt uns doch wenigstens Gelegenheit dazu!�</p><p>Die Sprecherin fuhr mit erhobenen Augenbrauen fort: �Obwohl MSNBC das Motiv f�r diesen Anschlag noch nicht best�tigen konnte, sagen unsere Informanten, dass eine Gruppe die Verantwortung f�r die Morde �bernommen hat, die sich selbst die Illuminati nennt.�</p><p><emphasis>�Was?�,</emphasis> explodierte Olivetti.</p><p>�. mehr �ber die Illuminati auf unserer Webseite unter.�</p><p>�Das ist vollkommen unm�glich!�, erkl�rte Olivetti und schaltete um.</p><p>Der n�chste Sender hatte sein Programme ebenfalls unterbrochen. Ein spanisch aussehender Nachrichtensprecher berichtete:�. einen Satanskult, der sich Illuminati nennt. Einige Historiker sind der Ansicht, dass.�</p><p>Olivetti dr�ckte wie besessen auf der Fernbedienung herum. Jeder Sender war inmitten einer Sondersendung.</p><p>�. Schweizergardisten haben fr�her am Abend einen Leichnam in der Kirche Santa Maria del Popolo geborgen. Wir nehmen an, dass es sich bei dem Toten um Kardinal Ebner aus Deutschland.�</p><p>�. Lichter im Petersdom und in den Vatikanischen Museen sind aus, und die Vermutungen gehen dahin.�</p><p>�. werden wir mit dem Konspirationstheoretiker Tyler Tingley �ber dieses schockierende Wiederauftauchen aus dem Dunkel der Geschichte.�</p><p>�. Ger�chte �ber zwei weitere angek�ndigte Morde im Verlauf des Abends.�</p><p>�. die Frage gestellt werden, ob der aussichtsreichste Kandidat f�r die p�pstliche Nachfolge, Kardinal Baggia aus Italien, unter den Vermissten.�</p><p>Vittoria wandte sich ab. Alles ging viel zu schnell. Drau�en vor dem Fenster, in der heraufziehenden D�mmerung, str�mten die Menschen auf den Petersplatz, unwiderstehlich angezogen von der sich entwickelnden Trag�die. Die Menge wurde von Minute zu Minute dichter. Die Medienvertreter luden ihre Wagen aus und bauten Kameras und Scheinwerferbatterien auf.</p><p>Olivetti legte die Fernbedienung hin und wandte sich zu dem Camerlengo um. �Monsignore, ich kann mir nicht erkl�ren, wie das geschehen konnte! Wir haben das Band aus der Kamera genommen!�</p><p>Der Camerlengo war zu bet�ubt, um zu antworten.</p><p>Niemand sagte ein Wort. Die Schweizergardisten r�hrten sich nicht.</p><p>�Wie es scheint�, sagte der Camerlengo schlie�lich mit einer Stimme, die zu niedergeschlagen klang, um �rgerlich zu sein, �haben wir diese Krise nicht so geheim gehalten, wie man mich glauben machen wollte.� Er blickte zum Fenster hinaus auf die wachsende Menschenmenge. �Ich muss zu ihnen sprechen.�</p><p>Olivetti sch�ttelte den Kopf. �Nein, Monsignore. Das ist genau das, was die Illuminati von Ihnen erwarten. Damit w�rden Sie diese Verbrecher best�tigen, ihnen noch mehr Macht in die H�nde spielen. Wir m�ssen schweigen, Monsignore.�</p><p>�Und diese Menschen?� Der Camerlengo deutete zum Fenster hinaus. �Bald werden sich dort Zehntausende versammelt haben! Nicht mehr lange, und es sind Hunderttausende! Wir bringen sie in Gefahr, wenn wir diese Scharade nicht beenden! Ich muss sie warnen! Und anschlie�end m�ssen wir das Kardinalskollegium evakuieren.�</p><p>�Wir haben noch Zeit. Warten wir, bis Hauptmann Rocher den Beh�lter mit dieser Antimaterie gefunden hat.�</p><p>Der Camerlengo sah Olivetti durchdringend an. �Wollen Sie mir Befehle erteilen, Oberst?�</p><p>�Nein, ich gebe Ihnen nur einen Rat, Monsignore. Wenn Sie sich wegen der Menschen drau�en sorgen. Wir k�nnen den Platz unter irgendeinem Vorwand evakuieren. Aber zuzugeben,</p><p>dass wir erpresst werden, w�re h�chst gef�hrlich.�</p><p>�Herr Oberst, h�ren Sie mir genau zu. Ich sage das nur einmal. Ich werde dieses Amt nicht dazu missbrauchen, die Welt zu bel�gen. Wenn ich vor die Menschen trete und zu ihnen spreche, werde ich die Wahrheit sagen!�</p><p>�Die Wahrheit? Dass satanische Terroristen drohen, die ganze Vatikanstadt zu zerst�ren? Das w�rde unsere Position unn�tig schw�chen!�</p><p>Der Camerlengo funkelte Oberst Olivetti an. �Wie viel schw�cher k�nnte unsere Position denn noch werden?�</p><p>Kocher stie� einen Warnruf aus, packte die Fernbedienung und stellte die Lautst�rke h�her. Alles drehte sich um.</p><p>Die Frau auf dem Bildschirm sah nun sichtlich aufgeregt aus. Hinter ihr war ein Foto des verstorbenen Papstes zu sehen. �. sensationelle Informationen. Dies hier kam gerade von BBC herein.� Sie blickte zur Seite, als wollte sie sich bei ihrem Redakteur versichern, ob sie diese Nachricht wirklich verlesen sollte. Als diese Best�tigung offensichtlich kam, wandte sie sich wieder um und schaute in die Kamera. �Die Illuminati haben soeben die Verantwortung f�r.�, sie z�gerte erneut. �Sie haben soeben die Verantwortung f�r den Tod des letzten Papstes vor zwei Wochen �bernommen.�</p><p>Der Camerlengo starrte offenen Mundes auf den Bildschirm.</p><p>Rocher lie� die Fernbedienung fallen.</p><p>Vittoria traute ihren Ohren nicht.</p><p>�Nach Vatikanischem Gesetz�, fuhr die Nachrichtensprecherin fort, �ist es nicht gestattet, den verstorbenen Papst einer formellen Autopsie zu unterziehen. Daher kann die Behauptung der Illuminati nicht best�tigt werden. Nichtsdestotrotz behaupten sie, dass die Todesursache nicht Hirnschlag war, sondern <emphasis>Vergiftung.�</emphasis></p><p>Im Amtszimmer des Papstes herrschte einmal mehr</p><p>Totenstille.</p><p>�Das ist Wahnsinn!�, brach es aus Olivetti hervor. �Eine verdammte L�ge!�</p><p>Rocher zappte erneut durch die Kan�le. Die Meldung schien sich auszubreiten wie eine Seuche. Auf allen Sendern die gleiche Geschichte. Die Schlagzeilen �berboten sich an Sensationsheischerei.</p><p>MORD IM VATIKAN</p><p>PAPST VERGIFTET</p><p>SATAN SUCHT HAUS GOTTES HEIM</p><p>Der Camerlengo wandte den Blick ab. �Gott sei uns gn�dig.�</p><p>Rocher schaltete weiter. BBC flackerte �ber den Schirm �. hat mir einen Tipp gegeben, dass in der Kirche Santa Maria del Popolo ein Mord ver�bt w�rde.�</p><p>�Warten Sie!�, rief der Camerlengo. �Lassen Sie das laufen!�</p><p>Rocher gehorchte. Auf dem Schirm war ein Nachrichtenmoderator an seinem Sprechertisch zu sehen. �ber seiner Schulter die Fotografie eines eigenartig aussehenden Mannes mit einem roten Bart. Unter dem Foto stand: G�NTHER GLICK LIVE AUS DER VATIKANSTADT. Reporter G�nther Glick war offensichtlich per Telefon mit dem Nachrichtenstudio verbunden. Die Leitung knisterte und rauschte.�. meine Videografin hat die Aufnahmen von dem toten Kardinal gemacht, der von der Schweizergarde aus der Kirche Santa Maria del Popolo geborgen wurde.�</p><p>�Lassen Sie mich das f�r die Zuschauer wiederholen�, sagte der Nachrichtensprecher in London. �Unser Reporter G�nther Glick hat diese Geschichte als Erster gebracht. Er hatte inzwischen zweimal telefonischen Kontakt mit dem angeblichen Assassinen der Illuminati. G�nther, Sie sagen, dass der</p><p>Assassine erst vor wenigen Augenblicken angerufen und Ihnen eine Botschaft der Illuminati �berbracht hat?�</p><p>�Genau.�</p><p>�Und diese Botschaft besagt, dass die Illuminati</p><p>verantwortlich sind f�r den Tod des Papstes?� Der Nachrichtensprecher klang ungl�ubig.</p><p>�Ganz recht. Der Anrufer teilte mir mit, dass der Papst nicht durch einen Schlaganfall starb, wie vom Vatikan angenommen, sondern dass er von den Illuminati vergiftet worden ist.�</p><p>Im Amtszimmer wagte niemand zu atmen.</p><p><emphasis>� Vergiftet?�,</emphasis> fragte der Nachrichtensprecher. �Aber. aber wie?�</p><p>�Der Assassine hat keine Einzelheiten genannt�, antwortete Glick am Telefon. �Er hat lediglich behauptet, dass der Papst mit einem Medikament umgebracht wurde, das unter dem Namen.�, in der Leitung war das Rascheln von Papier zu h�ren, �. unter dem Namen <emphasis>Heparin</emphasis> bekannt ist.�</p><p>Der Camerlengo, Olivetti und Rocher wechselten verwirrte Blicke.</p><p>�Heparin?�, sagte Rocher sichtlich schockiert. �Aber. ist das nicht.?�</p><p>Der Camerlengo erbleichte. �Das Medikament, das der Papst jeden Tag nahm.�</p><p>�Der Papst nahm Heparin?�, fragte Vittoria ungl�ubig.</p><p>�Er hatte ein Venenleiden�, erkl�rte der Camerlengo. �Er bekam jeden Tag eine Injektion.�</p><p>�Aber Heparin ist kein Gift!�, sagte Rocher verbl�fft. �Warum sollten die Illuminati behaupten.?�</p><p>�In der falschen Dosis schon�, widersprach Vittoria. �Heparin ist ein Antikoagulans. Eine �berdosis w�rde massive innere Blutungen und Hirnblutungen hervorrufen.�</p><p>Olivetti musterte sie misstrauisch. �Woher wissen Sie das?�</p><p>�Ich bin Meeresforscherin. Marinebiologen benutzen Heparin, um Thrombosen bei gefangenen Meeress�ugern aufgrund von verminderter Bewegung zu verhindern. Es gab eine Reihe von Todesf�llen bei Tieren aufgrund falscher Dosierung.� Sie z�gerte. �Eine �berdosis Heparin w�rde bei einem Menschen zu Symptomen f�hren, die leicht mit einem Hirnschlag verwechselt werden k�nnen. insbesondere, wenn keine richtige Autopsie vorgenommen wird.�</p><p>Der Camerlengo schien zutiefst beunruhigt.</p><p>�Monsignore�, warf Oberst Olivetti ein, �offensichtlich handelt es sich um einen Trick der Illuminati, um die Aufmerksamkeit der �ffentlichkeit zu gewinnen. Es ist v�llig ausgeschlossen, dass jemand dem Papst eine �berdosis dieses Medikaments verabreicht hat. Niemand hatte Zutritt. Doch selbst wenn wir den K�der schlucken und auf diese Behauptung reagieren - was w�rde es n�tzen? Die Vatikanischen Gesetze verbieten eine Autopsie. Wir w�rden nichts herausfinden. Die Autopsie w�rde Spuren von Heparin zutage f�rdern, von den t�glichen Injektionen, weiter nichts.�</p><p>�Zugegeben.� Die Stimme des Camerlengo nahm an Sch�rfe zu. �Aber das ist es nicht, was mir die gr��ten Sorgen bereitet. Niemand au�erhalb des Vatikans wusste, dass der Papst mit Heparin behandelt wurde.�</p><p>Schweigen.</p><p>�Falls er eine �berdosis erhielt�, sagte Vittoria in die Stille, �w�rde sein Leichnam Spuren davon aufweisen.�</p><p>Olivetti wirbelte zu ihr herum. �Miss Vetra, f�r den Fall, dass Sie mich nicht verstanden haben - das Vatikanische Gesetz <emphasis>verbietet</emphasis> eine Autopsie des Papstes. Wir werden den Leichnam Seiner Heiligkeit nicht entweihen, indem wir ihn aufschneiden, nur weil ein Feind der Kirche eine beleidigende Behauptung aufstellt.�</p><p>Vittoria err�tete besch�mt. �Ich. ich wollte nicht andeuten.� Sie hatte nicht respektlos erscheinen wollen. �Bitte verzeihen Sie, aber ich wollte damit nicht andeuten, dass der verstorbene Papst exhumiert werden soll.� Sie z�gerte. Robert hatte ihr in der Chigi-Kapelle etwas erz�hlt, das ihr nicht mehr aus dem Kopf gegangen war. Er hatte erw�hnt, dass die Sarkophage der P�pste �ber der Erde blieben und nicht zuzementiert wurden - ein Atavismus, der auf die Zeit der Pharaonen zur�ckging, als man noch glaubte, einen Sarg zu versiegeln und in der Erde zu begraben w�rde bedeuten, die Seele des Verstorbenen einzusperren. Gravitation diente als M�rtel, und die Deckel der Sarkophage wogen oft Hunderte von Kilogramm. <emphasis>Rein technisch,</emphasis> so wurde Vittoria bewusst, <emphasis>w�re es durchaus m�glich.</emphasis></p><p>�Was f�r Spuren?�, fragte der Camerlengo unvermittelt.</p><p>Vittorias Herz begann vor Furcht wild zu klopften. �Eine �berdosis Heparin kann Blutungen aus der oralen Mucosa verursachen.�</p><p>�Orale <emphasis>was?�</emphasis></p><p>�Der Gaumen des Opfers blutet. Nachdem der Tod eingetreten ist, gerinnt das Blut, und die Innenseite des Mundes verf�rbt sich schwarz.� Vittoria hatte einmal ein Bild von zwei Orcas gesehen, die versehentlich zu hohe Dosen von Heparin erhalten hatten. Die Wale hatten leblos im Becken getrieben, die M�uler weit offen und die Zungen schwarz wie Ru�.</p><p>Der Camerlengo antwortete nicht. Er wandte sich ab und starrte aus dem Fenster.</p><p>Rochers Stimme hatte allen Optimismus verloren �Monsignore, falls die Behauptung zutrifft, dass der Heilige Vater vergiftet wurde.�</p><p>�Sie trifft nicht zu�, erkl�rte Olivetti kategorisch. �Das Betreten der Gem�cher des Papstes ist keinem Au�enstehenden erlaubt.�</p><p>�Falls diese Behauptung zutrifft�, beharrte Rocher, �und falls unser Heiliger Vater vergiftet wurde, hat das weitreichende Konsequenzen f�r unsere Suche nach diesem Antimateriebeh�lter. Der vorgebliche Mord h�tte zur Folge, dass der Feind den Vatikan sehr viel tiefer infiltriert hat, als wir bisher angenommen haben. Die wei�en Zonen abzusuchen w�rde nicht mehr ausreichen. Falls wir in so starkem Ausma� kompromittiert sind, werden wir den Beh�lter m�glicherweise nicht rechtzeitig finden.�</p><p>Olivetti musterte seinen Hauptmann mit einem kalten Blick. �Hauptmann Rocher, ich werde Ihnen sagen, was geschehen wird.�</p><p>�Nein!� Der Camerlengo wandte sich �berraschend wieder um. <emphasis>�Ich</emphasis> werde Ihnen sagen, was geschehen wird, Oberst Olivetti.� Er blickte dem Kommandanten der Schweizergarde direkt in die Augen. �Das alles ist nun weit genug gegangen. In zwanzig Minuten werde ich eine Entscheidung treffen, ob wir das Konklave abbrechen und die Vatikanstadt evakuieren oder nicht. Meine Entscheidung wird endg�ltig sein. Haben Sie das verstanden, Oberst?�</p><p>Olivetti erwiderte den Blick des Camerlengos, ohne mit der Wimper zu zucken und ohne zu antworten.</p><p>Der Camerlengo sprach jetzt mit neuer Energie, als h�tte er eine verborgene Kraftreserve angezapft. �Hauptmann Rocher, Sie werden die Suche in den wei�en Bereichen zu Ende f�hren und mir unverz�glich Bericht erstatten, sobald Sie damit fertig sind.�</p><p>Rocher warf Olivetti einen nerv�sen Seitenblick zu und nickte.</p><p>Der Camerlengo wandte sich an zwei Gardisten. �Sie beide! Ich will diesen Reporter, diesen G�nther Glick, sofort in diesem B�ro! Falls die Illuminati mit ihm in Verbindung gestanden haben, kann er uns vielleicht helfen. Gehen Sie.�</p><p>Die beiden Schweizergardisten eilten los.</p><p>Der Camerlengo wandte sich an die restlichen Gardisten. �Meine Herren, ich werde nicht zulassen, dass an diesem Abend noch mehr Menschen ihr Leben verlieren. Bis zweiundzwanzig Uhr werden Sie die beiden noch lebenden entf�hrten Kardinale finden und das Ungeheuer fangen, das f�r diese Morde verantwortlich ist. Habe ich mich deutlich ausgedr�ckt?�</p><p>�Aber Monsignore!�, entgegnete Olivetti. �Wir haben nicht die geringste Vorstellung, wo wir.�</p><p>�Mr. Langdon arbeitet daran. Er scheint ein kompetenter Mann zu sein. Ich habe vollstes Vertrauen in ihn.�</p><p>Mit diesen Worten wandte der Camerlengo sich um und ging zur T�r. In seinen Schritten lag neuer Elan. Auf dem Weg nach drau�en deutete er auf drei Gardisten. �Sie drei - Sie kommen mit mir.�</p><p>Die Gardisten gehorchten.</p><p>In der T�r blieb der Camerlengo noch einmal stehen. Er wandte sich zu Vittoria um. �Signorina Vetra, Sie auch. Bitte kommen Sie mit mir.�</p><p>Vittoria z�gerte. �Wohin gehen wir?�</p><p>�Zu einem alten Freund.� Der Camerlengo verlie� den Raum.</p></section><section><title><p>Kapitel 82.</p></title><p>Sylvie Baudeloque war hungrig und wollte nach Hause. Zu ihrer Best�rzung hatte Maximilian Kohler seinen Abstecher in die Krankenstation von CERN wieder einmal �berlebt; er hatte bereits angerufen und verlangt - nicht gebeten, sondern verlangt! -, dass Sylvie am Abend l�nger bliebe. Ohne jede Erkl�rung.</p><p>Im Lauf der Jahre hatte Sylvie sich an die bizarren Stimmungsumschw�nge und das exzentrische Verhalten ihres Chefs gew�hnt. Sie achtete gar nicht mehr darauf. Weder auf seine versteckten Anspielungen noch auf seine entnervende Angewohnheit, s�mtliche Treffen mit der in seinen Rollstuhl eingebauten Videokamera zu filmen. Sie hoffte im Stillen, dass er sich eines Tages w�hrend eines seiner w�chentlichen Besuche auf dem Pistolenschie�stand CERNs umbringen w�rde, doch offensichtlich war er ein guter Sch�tze.</p><p>Sie sa� allein in ihrem B�ro am Schreibtisch, und ihr Magen knurrte. Kohler war weder aufgetaucht, noch hatte er ihr weitere Arbeiten f�r den Abend aufgetragen. Zur <emphasis>H�lle mit dir, wenn du glaubst, ich bleibe hier sitzen und langweile mich zu Tode</emphasis>... <emphasis>das hei�t, wenn ich nicht vorher verhungere.</emphasis> Sie schrieb Kohler eine Notiz und machte sich auf den Weg zur Mitarbeiterkantine, um einen Imbiss einzunehmen.</p><p>Sie kam nicht so weit.</p><p>Als sie an den �Suites de Poisir� vorbeikam, einem langen Gang voller Freizeitr�ume, bemerkte sie, dass die Fernsehzimmer gedr�ngt voll waren mit Mitarbeitern, die offensichtlich sogar ihr Abendessen stehen gelassen hatten, um die Nachrichten zu verfolgen. Irgendetwas Gro�es war im Gange. Sylvie betrat ein Fernsehzimmer voller �Byte-Heads� -wilder junger Computerprogrammierer. Als sie die Schlagzeile</p><p>auf dem Bildschirm sah, stie� sie einen leisen erschrockenen Schrei aus.</p><p>TERROR GEGEN DEN VATIKAN</p><p>Sylvie verfolgte den Bericht. Sie traute ihren Augen nicht. Irgendeine uralte Geheimbruderschaft brachte Kardinale um? Was wollte sie damit beweisen? Ihren Hass? Ihre �berlegenheit? Ihre Ignoranz?</p><p>Und doch - die Stimmung in diesem Zimmer schien alles andere als ernst.</p><p>Zwei junge Techniker rannten vorbei. Sie schwenkten T-Shirts mit einem aufgedruckten Bild von Bill Gates und dem Spruch darunter: AND THE GEEK SHALL INHERIT THE EARTH!<a l:href="#bookmark2" type="note"><sup>3</sup></a></p><p>Einer der beiden rief: �Illuminati! Ich hab dir gleich gesagt, dass es diese Typen gibt!�</p><p>�Unglaublich! Und ich dachte immer, es sei nur ein Spiel.�</p><p>�Sie haben den Papst umgebracht, Mann! <emphasis>Den Papst!�</emphasis></p><p>�Ich frage mich, wie viele Punkte man daf�r kriegt?�</p><p>Sie rannten lachend weiter.</p><p>Sylvie stand in bet�ubtem Staunen da. Als Katholikin, die unter Wissenschaftlern arbeitete, musste sie immer wieder antireligi�ses Getuschel ertragen - doch diese Kinder schienen sich zu <emphasis>freuen</emphasis> �ber den Verlust, den die Kirche erlitten hatte. Wie konnten sie so herzlos sein? Warum all dieser Hass?</p><p>F�r Sylvie war die Kirche stets eine harmlose Einrichtung gewesen. ein Ort der Gemeinschaft und der Besinnung. und manchmal einfach ein Platz, an dem sie laut singen konnte, ohne dass andere sie anstarrten. Die Kirche markierte die</p><p>Meilensteine ihres Lebens - Beerdigungen, Hochzeiten, Taufen, Feiertage -, und sie verlangte im Gegenzug �berhaupt nichts. Selbst die Geldspenden waren freiwillig. Sylvies Kinder kamen jede Woche voller neuer Ideen aus dem Religions Unterricht, wie sie anderen helfen konnten und bessere Menschen wurden. Was konnte daran falsch sein?</p><p>Sie hatte nie aufgeh�rt zu staunen, dass so viele von CERNs so genannten �brillanten K�pfen� die Bedeutung der Kirche nicht erkannten. Glaubten sie tats�chlich, dass Quarks und Mesonen den durchschnittlichen Menschen inspirieren konnten?</p><p>Oder dass mathematische Gleichungen das Bed�rfnis der Menschen ersetzten, an etwas G�ttliches zu glauben?</p><p>Benommen ging Sylvie den Gang hinunter. Jedes Zimmer war voll. Sie dachte �ber den Anruf nach, den Maximilian Kohler fr�her am Tag aus dem Vatikan erhalten hatte. Zufall? Vielleicht. Der Vatikan rief von Zeit zu Zeit bei CERN an, aus �H�flichkeit�, bevor er bei�ende Kommentare ver�ffentlichte, in denen er die Arbeiten CERNs wegen der sich daraus ergebenden Konsequenzen f�r die Gentechnologie verurteilte -in letzter Zeit haupts�chlich CERNs bahnbrechende Entdeckungen auf dem Gebiet der Nanotechnologie. CERN scherte sich nicht darum. Und jedes Mal klingelten Kohlers Telefone nach einer neuen Tirade ununterbrochen: Forschungsgesellschaften und Konzerne riefen an, die CERNs neue Entdeckung lizenzieren wollten. �Es gibt keine schlechte Publicity�, pflegte Kohler zu sagen.</p><p>Sylvie �berlegte, ob sie Kohler - wo auch immer er zurzeit gerade steckte - mit dem Pager benachrichtigen und ihm sagen sollte, er m�ge sich die Nachrichten anschauen. Hatte er bereits von den Attentaten geh�rt? Selbstverst�ndlich hatte er. Wahrscheinlich nahm er den gesamten Fernsehbeitrag mit seinem kleinen Camcorder auf und l�chelte zum ersten Mal seit</p><p>einem Jahr.</p><p>Sylvie ging durch den Korridor und fand endlich einen Kaum, in dem die Stimmung gedr�ckt war. beinahe melancholisch. Die Wissenschaftler, die hier sa�en und die Nachrichten verfolgten, geh�rten zu den �ltesten und geachtetsten Mitarbeitern von CERN. Sie blickten nicht einmal auf, als Sylvie ins Zimmer trat und sich auf einen freien Platz setzte.</p><p>Auf der anderen Seite von CERN, in Leonardo Vetras n�chternem Apartment, las Kohler die letzten Zeilen in dem ledergebundenen Tagebuch, das er aus Vetras Nachttisch genommen hatte. Nun sa� er dort und verfolgte die Nachrichten auf dem kleinen Fernsehbildschirm. Nach ein paar Minuten schob er das Tagebuch in den Nachttisch zur�ck, schaltete den Fernseher aus und rollte aus Vetras Wohnung.</p><p>In der Vatikanstadt trug Kardinal Mortati ein weiteres Tablett mit aufgespie�ten Wahlzetteln zum Kamin der Sixtinischen Kapelle. Er verbrannte sie, und der aufsteigende Rauch war schwarz.</p><p>Zwei Wahlg�nge. Kein neuer Heiliger Vater.</p></section><section><title><p>Kapitel 83.</p></title><p>Die Taschenlampen konnten die gewaltige Schw�rze des Petersdoms nicht ann�hernd erhellen. Das Nichts �ber ihren K�pfen dr�ckte auf sie herab wie eine sternenlose Nacht, und Vittoria empfand die Leere ringsum wie einen endlosen Ozean. Sie blieb dicht bei den Schweizergardisten und dem Camerlengo, die zielstrebig durch den Dom eilten. Hoch oben unter der Decke gurrte eine Taube und flatterte davon.</p><p>Unvermittelt ging der Camerlengo langsamer und legte Vittoria die Hand auf die Schulter, als h�tte er ihr Unbehagen gesp�rt. Sp�rbare Kraft �bertrug sich aus dieser Ber�hrung, als �bermittelte der Camerlengo ihr die Ruhe, die sie f�r die vor ihr liegende Aufgabe brauchte.</p><p><emphasis>Was haben wir uns da vorgenommen,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Das ist Irrsinn!</emphasis></p><p>Und doch, so wusste Vittoria, war die vor ihnen liegende</p><p>Aufgabe unausweichlich, trotz aller Piet�tlosigkeit und allem im vermeidbaren Entsetzen. Die schweren Entscheidungen, die der Camerlengo zu treffen hatte, verlangten sichere Informationen. Informationen, die nur in einem Sarkophag in der Krypta unter dem Petersdom zu finden waren. Vittoria fragte sich, was sie vorfinden w�rden. <emphasis>Haben die Illuminati den Papst ermordet? Reicht ihre Macht tats�chlich so weit? Stehe ich wirklich im Begriff, die erste Autopsie an einem Papst vorzunehmen?</emphasis></p><p>Es war eine Ironie, dass sie sich in dieser unbeleuchteten Kirche unsicherer f�hlte, als w�rde sie des Nachts mit einem Barrakuda schwimmen. Die Natur war schlie�lich Vittorias Zuhause. Die Natur jedoch verstand sie. Was aber die Menschen anging und das, was in ihnen vorging, so war sie ratlos, Die</p><p>Presse, die sich drau�en auf dem Petersplatz versammelte, erinnerte sie an Raubfische, die sich zur n�chtlichen Jagd einfanden. Die Fernsehbilder von den gebrandmarkten Toten gemahnten sie an den Leichnam ihres Vaters. und das raue Lachen des M�rders. Er lauerte irgendwo dort drau�en. Vittoria sp�rte, wie aufsteigender Hass ihre Angst erstickte.</p><p>Sie umrundeten einen gewaltigen Pfeiler, und dann bemerkte Vittoria ein orangefarbenes Leuchten weiter voraus. Das Licht schien aus dem Boden im Zentrum der Basilika zu kommen. Sie n�herten sich der Stelle, und Vittoria erkannte, was sie dort sah. Es war das ber�hmte Heiligtum vor dem Hauptaltar des Petersdoms - die gro�e, prachtvolle Vertiefung, in der die heiligste Reliquie des Vatikans aufbewahrt wurde. Sie kamen vor dem niedrigen Gel�nder an, das die Vertiefung umgab, und Vittoria sah hinunter auf die goldene Truhe, die von zahllosen flackernden �llampen umgeben war.</p><p>�Das sind wohl die Gebeine des heiligen Petrus?�, fragte sie, obwohl sie die Antwort bereits kannte.</p><p>Jeder, der den Petersdom besuchte, wusste, was in der goldenen Truhe ruhte.</p><p>�Offen gestanden nein�, antwortete der Camerlengo. �Ein weit verbreiteter Irrtum. Das dort ist kein Reliquienschrein. Die Truhe enth�lt <emphasis>Pallien -</emphasis> das sind die gewebten Sch�rpen, die der Papst neu ernannten Kardinalen �berreicht.�</p><p>�Aber ich dachte.�</p><p>�Genau wie jeder andere. Die Reisef�hrer schreiben, dies sei der Schrein des heiligen Petrus, aber sein wirkliches Grab befindet sich zwei Stockwerke tiefer in der Erde. Der Vatikan hat es in den Vierzigerjahren bei einer Grabung gefunden. Niemand darf dort hinunter.�</p><p>Vittoria war schockiert. W�hrend sie sich von der erleuchteten Vertiefung entfernten und wieder von Dunkelheit umfangen wurden, dachte sie an die vielen Geschichten von Pilgern, die</p><p>Tausende von Kilometern gereist waren, um einen Blick auf diese goldene Truhe zu werfen, in dem festen Glauben, die Gebeine und den Geist des heiligen Petrus vor sich zu haben. �Sollte der Vatikan die Menschen denn nicht aufkl�ren?�</p><p>�Wir alle profitieren vom Kontakt mit dem G�ttlichen. selbst wenn es nur eingebildet ist.�</p><p>Vittoria war Wissenschaftlerin und wusste, dass die Argumentation durchaus den Tatsachen entsprach. Sie hatte zahllose Studien �ber den Placebo-Effekt gelesen -gew�hnliches Aspirin hatte Krebsleiden geheilt, nur weil die damit behandelten Patienten glaubten, eine Wundermedizin zu nehmen. Aber was war <emphasis>Glaube</emphasis> letzten Endes sonst?</p><p>�Ver�nderung.�, sagte der Camerlengo, �. mit Ver�nderungen hat der Vatikan sich immer schon schwer getan, Signorina Vetra. Er scheut es traditionell, Fehler der Vergangenheit einzugestehen und die Strukturen der Kirche zu modernisieren. Seine Heiligkeit aber wollte das �ndern.� Der Camerlengo stockte. �Er wollte die Kirche in die neue Zeit f�hren. Nach neuen Wegen zu Gott suchen.�</p><p>Vittoria nickte in der Dunkelheit. �Beispielsweise durch die Wissenschaft?�</p><p>�Offen gestanden, Wissenschaft erscheint vollkommen irrelevant.�</p><p>�Irrelevant?� Vittoria fielen eine Menge Begriffe ein, mit denen sich Wissenschaft beschreiben lie�, doch �irrelevant� geh�rte nicht dazu.</p><p>�Wissenschaft kann heilen, und Wissenschaft kann t�ten. Es kommt auf die Seele des Menschen an, der sie benutzt. Und ich interessiere mich f�r die Seele.�</p><p>�Wann haben Sie Ihren Ruf geh�rt?�</p><p>�Noch bevor ich geboren wurde.�</p><p>Vittoria blickte ihn fragend an.</p><p>�Bitte verzeihen Sie, aber diese Frage erscheint mir stets ein wenig seltsam. Was ich damit sagen m�chte: Ich habe immer gewusst, dass ich Gott dienen w�rde. Von dem Augenblick an, als ich mich zum ersten Mal meines Verstandes bediente. Allerdings war ich bereits ein junger Mann und beim Milit�r, als mir meine Bestimmung in vollem Umfang bewusst wurde.�</p><p>�Sie waren beim Milit�r?�, fragte Vittoria �berrascht.</p><p>�Zwei Jahre. Ich weigerte mich, eine Waffe abzufeuern, also wurde ich zum Piloten ausgebildet. Ich flog Sanit�tshubschrauber. Offen gestanden, ich fliege auch heute noch hin und wieder.�</p><p>�Haben Sie den Heiligen Vater geflogen?�</p><p>�Oh, nein! Diese kostbare Fracht haben wir den Profis �berlassen. Doch seine Heiligkeit hat mich hin und wieder mit dem Helikopter nach Castel Gandolfo fliegen lassen.� Er z�gerte und blickte Vittoria an. �Signorina Vetra, ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar f�r Ihre Hilfe an diesem schweren Tag. Und es tut mir sehr Leid wegen Ihres Vaters.�</p><p>�Danke sehr.�</p><p>�Ich habe meinen Vater nie gekannt. Er starb, bevor ich geboren wurde. Ich verlor meine Mutter, als ich zehn Jahre alt war.�</p><p>Vittoria sah �berrascht auf. �Sie waren Waise?� Pl�tzlich sp�rte sie so etwas wie Seelenverwandtschaft.</p><p>�Ich �berlebte ein Ungl�ck. Ein Ungl�ck, das mir meine Mutter nahm.�</p><p>�Wer hat sich um Sie gek�mmert?�</p><p>�Gott�, antwortete der Camerlengo einfach. �Er hat mir buchst�blich einen neuen Vater gesandt. Ein Bischof aus Palermo besuchte mich im Krankenhaus und nahm mich bei sich auf. Damals war ich �berhaupt nicht �berrascht. Ich habe Gottes wachsame Hand schon als Junge �ber mir gesp�rt. Das</p><p>Auftauchen des Bischofs war nur eine Best�tigung f�r das, was ich bereits vermutet hatte - dass Gott mich ausersehen hatte, ihm zu dienen.�</p><p>�Sie glaubten, Gott habe Sie auserw�hlt?�</p><p>�Ja, und ich glaube es immer noch.� Nicht die kleinste Spur von Zweifel schwang in der Stimme des Camerlengos mit, nur Dankbarkeit. �Ich war viele Jahre das M�ndel des Bischofs. Eines Tages wurde er Kardinal. Trotzdem hat er mich niemals vergessen. Und er. er ist der Vater, an den ich mich erinnere.� Ein Taschenlampenstrahl verirrte sich in das Gesicht des Camerlengos, und Vittoria bemerkte die Einsamkeit in seinen Augen.</p><p>Die Gruppe erreichte einen weiteren der m�chtigen Pfeiler, und die Scheinwerferkegel ihrer Lampen trafen sich �ber einer �ffnung im Boden. Vittoria schaute die Treppe hinunter, die im Dunkel verschwand, und w�re mit einem Mal am liebsten umgekehrt. Die Gardisten halfen dem Camerlengo bereits auf die Stufen. Vittoria war als N�chste an der Reihe.</p><p>�Was wurde aus ihm?�, fragte sie, w�hrend sie die Stufen hinunterstieg, bem�ht, ihrer Stimme einen gleichm�tigen Klang zu verleihen. �Dem Kardinal, der Sie bei sich aufgenommen hatte?�</p><p>�Er hat das Kardinalskollegium verlassen, um eine andere Aufgabe zu erf�llen.�</p><p>Vittoria war �berrascht.</p><p>�Und dann starb er, wie ich voller Trauer sagen muss.�</p><p><emphasis>�Le mie condoglianze�,</emphasis> sagte Vittoria. �Das tut mir Leid. Es ist noch nicht lange her, oder?�</p><p>Der Camerlengo wandte sich um, und die tiefen Schatten machten den Schmerz auf seinem Gesicht noch deutlicher. �Genau f�nfzehn Tage. Wir gehen jetzt zu ihm.�</p></section><section><title><p>Kapitel 84.</p></title><p>Die Lampen erhellten den Tresor nur schwach. Er war viel kleiner als der letzte, den Langdon im Vatikanischen Geheimarchiv betreten hatte. <emphasis>Weniger Luft. Weniger Zeit.</emphasis> Er w�nschte, er h�tte daran gedacht, Olivetti um das Einschalten der Luftzufuhr zu bitten.</p><p>Rasch suchte Langdon nach der Sektion, in der <emphasis>Belle Arti </emphasis>katalogisiert waren. Sie war nicht zu �bersehen - fast acht Regale voll. Die Kirche besa� Millionen von Kunstwerken auf der ganzen Welt.</p><p>Er suchte in den Regalen nach Giovanni Lorenzo Bernini und k�mpfte einen Augenblick lang gegen die aufsteigende Panik, das Buch k�nnte fehlen; dann stellte er zu seiner Best�rmung fest, dass die B�nde nicht alphabetisch geordnet waren.</p><p>Erst als er an den Anfang der Regale zur�ckkehrte und eine Rollleiter hinaufstieg, um die oberen Reihen in Augenschein zu nehmen, begriff er die Organisation des Tresors. Schlie�lich fand er zuoberst die dicksten B�nde von allen, in denen die Werke der Meister der Renaissance katalogisiert waren, Michelangelo, Raphael, da Vinci, Botticelli. Langdon erkannte, dass die Werke nach dem monet�ren Gegenwert der jeweiligen Kunstsammlungen sortiert waren. Zwischen Raphael und Michelangelo fand er den Band mit dem Titel <emphasis>Bernini.</emphasis> Er war fast zwanzig Zentimeter dick.</p><p>M�hsam balancierte Langdon den schweren Band, w�hrend er die Leiter hinunterstieg. Dann legte er sich wie ein Kind mit einem Comicbuch auf den Boden und schlug den Folianten auf.</p><p>Er war in Stoff gebunden und sehr robust. Die Seiten waren von Hand in italienischer Sprache beschrieben. Jede Seite katalogisierte ein einzelnes Werk, einschlie�lich dner kurzen</p><p>Beschreibung, des Datums der Fertigstellung, des Aufstellungsorts, der Materialkosten und manchmal einer groben Skizze des St�cks. Langdon bl�tterte durch die Seiten. insgesamt mehr als achthundert. Bernini war ein flei�iger Mann gewesen.</p><p>Als junger Kunststudent hatte Langdon sich stets gefragt, wie ein einzelner Mann in seinem Leben so viele Werke schaffen konnte. Sp�ter hatte er erfahren - sehr zu seiner Entt�uschung -, dass ber�hmte K�nstler tats�chlich nur sehr wenige Arbeiten selbst angefertigt hatten. Sie unterhielten Ateliers und Schulen, in denen Sch�ler die Arbeiten nach den Entw�rfen der Meister ausgef�hrt hatten. Bildhauer wie Bernini hatten kleine Modelle aus Ton geformt und andere bezahlt, damit sie sie in Marmor vergr��erten. H�tte Bernini all seine Werke selbst schaffen m�ssen, w�re er wohl heute noch nicht damit fertig.</p><p>�Inhaltsverzeichnis!�, sagte Langdon laut zu sich selbst und zwang sich, methodisch vorzugehen. Er bl�tterte ans Ende des Folianten, um unter �F� <emphasis>wie fuoco</emphasis> zu suchen, doch die F�s standen noch nicht einmal zusammen. Langdon fluchte leise. <emphasis>Was haben diese Leute nur gegen alphabetische Ordnung?</emphasis></p><p>Die Eintr�ge waren offensichtlich chronologisch geordnet, nach dem Datum, so, wie Bernini mit seinen Arbeiten fertig geworden war. Der Index bedeutete also keine Hilfe.</p><p>Als Langdon auf die lange Liste starrte, kam ihm ein weiterer entmutigender Gedanke. Der Titel des Werkes, nach dem er suchte, enthielt vielleicht nicht einmal das Wort <emphasis>Feuer.</emphasis> Die vorhergehenden beiden Arbeiten - <emphasis>Habakuk</emphasis> und <emphasis>West Ponente -</emphasis>hatten schlie�lich auch keinen Hinweis auf <emphasis>Luft</emphasis> oder <emphasis>Erde </emphasis>enthalten.</p><p>Er verbrachte kostbare Minuten damit, willk�rlich durch das Inhaltsverzeichnis und schlie�lich durch den Katalog selbst zu bl�ttern in der Hoffnung, dass eine Illustration eine innere Glocke zum Klingen brachte. Nichts. Er sah Dutzende obskurer</p><p>Arbeiten, von denen er noch nie geh�rt hatte, aber auch eine Reihe bekannter Arbeiten - <emphasis>Daniel und der L�we, Apollo und Daphne</emphasis> sowie ein halbes Dutzend Brunnen, was ihn auf einen neuen Gedanken brachte: <emphasis>Wasser.</emphasis> War der vierte Altar der Wissenschaft m�glicherweise ein Brunnen? Ein Brunnen schien ihm ein perfekter Tribut an das Wasser zu sein. Langdon hoffte nur, dass sie den M�rder zu fassen bekamen, bevor er nach <emphasis>Wasser</emphasis> suchen musste - Bernini hatte Dutzende von Brunnen in Rom gestaltet, die meisten davon auf Kirchpl�tzen.</p><p>Er riss sich von dem Gedanken los und wandte sich erneut der vor ihm liegenden Aufgabe zu. <emphasis>Feuer.</emphasis> Er bl�tterte durch den Folianten, und Vittorias Worte lie�en ihn neuen Mut sch�pfen. <emphasis>Sie haben die beiden ersten Skulpturen gekannt</emphasis>... <emphasis>und Sie kennen die n�chste bestimmt auch.</emphasis> Er ging einmal mehr den Index durch und suchte nach Werken, die ihm bekannt waren. Keines sprang ihm ins Auge. Schlie�lich wurde ihm bewusst, dass die Luft allm�hlich knapp und dass er mit Sicherheit nicht rechtzeitig fertig wurde, bevor er das Bewusstsein verlor. Daher beschloss er wider besseres Wissen, den Folianten mit aus dem Tresor zu nehmen. <emphasis>Es ist nur ein Katalog,</emphasis> sagte er sich. <emphasis>Es ist ja nicht so, als w�rde ich ein kostbares Original von Galileo mitnehmen.</emphasis> Das Blatt aus Galileos Manuskript in seiner Brusttasche fiel ihm ein, und er nahm sich vor, es zur�ckzulegen, bevor er das Geheimarchiv verlie�.</p><p>Eilig b�ckte er sich, um den Folianten aufzuheben, und w�hrend er dies tat, bemerkte er etwas, das ihn z�gern lie�. Der Index bestand zwar aus zahllosen Eintr�gen, doch dieser hier erschien ihm eigenartig.</p><p>Aus dem Eintrag ging hervor, dass Berninis Skulptur <emphasis>Verz�ckung der Heiligen Teresa</emphasis> kurz nach ihrer Fertigstellung von ihrem urspr�nglichen Aufstellungsort im Vatikan entfernt worden war. Doch nicht diese Anmerkung war es, die Langdons Aufmerksamkeit erweckt hatte - die wechselvolle Geschichte der Skulptur war f�r ihn nichts Neues. Manche hielten sie f�r</p><p>Berninis Meisterwerk, doch Papst Urban VIII. hatte erkl�rt, dass sie f�r den Vatikan sexuell zu explizit sei. Deshalb hatte er sie in eine abgelegene Kapelle auf der anderen Seite der Stadt bringen lassen. Was Langdons Aufmerksamkeit erweckt hatte, war die Tatsache, dass die Skulptur in eine der f�nf Kirchen auf seiner Liste gebracht worden war. Mehr noch, aus der Notiz ging hervor, dass sie <emphasis>per suggerimento del artista</emphasis> dorthin gebracht worden war.</p><p><emphasis>Auf den Vorschlag des K�nstlers hin?,</emphasis> dachte Langdon verwirrt. Es ergab keinen Sinn, dass Bernini sein angebliches Meisterwerk an irgendeinem abgelegenen Ort vor den Augen der �ffentlichkeit verstecken wollte - jeder K�nstler sehnte sich danach, dass seine Werke f�r jeden sichtbar waren und nicht irgendwo in einer finsteren Ecke vor sich hind�mmerten.</p><p><emphasis>Es sei denn</emphasis>... Langdon z�gerte.</p><p>Der Gedanke schien v�llig absurd. War das m�glich? Hatte Bernini <emphasis>absichtlich</emphasis> ein so unverbl�mtes Werk geschaffen, dass der Vatikan sich gezwungen sah, es an irgendeinem abgelegenen Ort zu <emphasis>verstecken?</emphasis> Einem Ort vielleicht, den <emphasis>Bernini selbst </emphasis>vorgeschlagen hatte? Irgendeine abgelegene Kirche in direkter Linie zum Atem von <emphasis>West Ponente?</emphasis></p><p>Langdons Aufregung wuchs, w�hrend er sich die Skulptur ins Ged�chtnis zu rufen versuchte. Sie hatte, soweit er sich erinnerte, nicht das Geringste mit Feuer zu tun, und jeder, der sie gesehen hatte, w�rde best�tigen, dass sie nichts mit den Elementen der Wissenschaft zu tun hatte. Mit Pornografie vielleicht, aber definitiv nichts mit den vier damaligen Elementen der Wissenschaft. Ein englischer Kunstkritiker hatte die <emphasis>Verz�ckung der Heiligen Teresa</emphasis> als �das unpassendste Bildnis, das je in einer christlichen Kirche gestanden hatte� verdammt.</p><p>Langdon wusste nur zu gut, worin die Kontroverse bestand. Die Skulptur war meisterhaft, doch sie zeigte Teresa auf dem</p><p>R�cken in den Zuckungen eines heftigen Orgasmus. Kaum etwas f�r den Vatikan.</p><p>Hastig bl�tterte Langdon zu der Seite, auf der die Einzelheiten des Werkes festgehalten waren. Als er die Skizze sah, regte sich unerwartet und augenblicklich neue Hoffnung in ihm. In der Skizze schien sich die heilige Teresa tats�chlich in h�chstem Ma�e zu vergn�gen, doch zur Skulptur geh�rte eine zweite Gestalt, an die Langdon sich im ersten Augenblick nicht erinnert hatte.</p><p>Ein Engel.</p><p>Mit einem Mal war die ganze sch�bige Legende wieder pr�sent.</p><p>Die heilige Teresa war eine Nonne gewesen, die heilig gesprochen worden war, nachdem sie behauptet hatte, dass ein Engel ihr im Schlaf einen wunderbaren Besuch abgestattet hatte. Kritiker hatten sp�ter behauptet, dieser Besuch sei wohl eher sexueller denn spiritueller Natur gewesen. Am unteren Rand des Blattes stand ein Auszug aus Teresas Bericht, den Langdon bereits aus B�chern kannte. Ihre Wortwahl lie� der Fantasie nur wenig Spielraum:</p><p><emphasis>Sein gro�er goldener Speer</emphasis>... <emphasis>gef�llt mit Feuer</emphasis>... <emphasis>stie� mehrere Male in mich</emphasis>... <emphasis>drang in mich ein bis zu den Eingeweiden... eine so gewaltige S��e erf�llte mich, sodass ich mir w�nschte, sie m�ge niemals aufh�ren...</emphasis></p><p>Langdon grinste. <emphasis>Wenn das keine Umschreibung f�r richtig guten Sex ist, dann wei� ich es nicht</emphasis>... Er grinste auch wegen der Beschreibung des Werks. Obwohl sie in italienischer Schrift gehalten war, erschien das Wort <emphasis>fuoco</emphasis> fast ein halbes Dutzend Mal:</p><p>. <emphasis>feurige</emphasis> Spitze seines Speers.</p><p>. der Kopf des Engels sandte <emphasis>Feuerstrahlen</emphasis> aus.</p><p>. Frau entflammt vom <emphasis>Feuer</emphasis> der Leidenschaft.</p><p>Doch Langdon war nicht v�llig �berzeugt, das richtige Werk gefunden zu haben - bis er erneut auf die Skizze sah. Der feurige Speer des Engels war erhoben wie ein Signal, ein Wegweiser. <emphasis>Lass dich von Engeln f�hr�n auf deiner Quest�. </emphasis>Selbst der Typus von Engel, den Bernini f�r sein Werk ausgew�hlt hatte, schien mit einem Mal signifikant. <emphasis>Es ist ein Seraphim,</emphasis> bemerkte Langdon verbl�fft. <emphasis>Und Seraphim bedeutet w�rtlich �der Feurige�.</emphasis></p><p>Robert Langdon hatte nie nach g�ttlicher Best�tigung gesucht, doch als er nun den Namen der Kirche las, in der Berninis Werk aufgestellt war, stand er kurz davor, zum Gl�ubigen zu werden.</p><p>Santa Maria della Vittoria.</p><p><emphasis>Vittoria,</emphasis> dachte er und grinste. <emphasis>Wie passend.</emphasis></p><p>Er erhob sich, und ihm wurde schwindlig. Er starrte auf die Leiter und fragte sich, ob er den Katalog wieder auf seinen Platz stellen sollte. <emphasis>Zur H�lle damit,</emphasis> dachte er. <emphasis>Soll Vater Jaqui es machen.</emphasis> Er schloss den Folianten und lie� ihn am Boden des Regals liegen.</p><p>Auf dem Weg zur Dreht�r ging sein Atem nur noch flach. Nichtsdestotrotz hatte sein Gl�ckstreffer ihm zu neuer Frische verhelfen.</p><p>Das Gl�ck verlie� ihn, bevor er den Ausgang erreichte.</p><p>Ohne Vorwarnung ert�nte ein leises gequ�ltes Zischen. Die Lichter wurden dunkel, und der Knopf f�r die elektrische Dreht�r erlosch. Das gesamte unterirdische Gew�lbe lag von einer Sekunde zur anderen in tiefster Schw�rze. Irgendjemand hatte den Strom abgeschaltet.</p></section><section><title><p>Kapitel 85.</p></title><p>Die Krypta unter dem Petersdom war traditionell der Ort, an dem verstorbene P�pste beigesetzt wurden.</p><p>Vittoria erreichte den Fu� der Wendeltreppe und betrat das Gew�lbe. Der finstere Tunnel war dunkel und kalt, erhellt einzig von den Taschenlampen der Schweizergardisten und getaucht in eine unwirkliche Atmosph�re. Zu beiden Seiten waren Nischen in die W�nde eingelassen; in diesen Nischen standen m�chtige Sarkophage.</p><p>Eisige Schauer liefen �ber Vittorias R�cken. <emphasis>Das ist die K�lte, </emphasis>sagte sie sich, obwohl sie wusste, dass es nur zur H�lfte stimmte. Sie hatte das Gef�hl, als w�rden sie beobachtet, nicht von einem Wesen aus Fleisch und Blut, sondern von Gespenstern, die in der Dunkelheit lauerten. Auf jedem der Sarkophage lagen Gestalten in voller p�pstlicher Bekleidung, lebensgro�e Steinp�pste mit auf der Brust verschr�nkten H�nden. Die liegenden Gebilde schienen aus den Sarkophagen selbst zu wachsen, sich gleichsam durch die zentnerschweren marmornen Deckel zu dr�cken, als wollten sie ihre sterblichen Fesseln endg�ltig absch�tteln. Die kleine Prozession ging weiter; die Silhouetten in den Nischen tauchten im Licht der Taschenlampen auf und verschwanden wieder wie in einem makabren Tanz der Schatten.</p><p>Alle schwiegen. Vittoria wusste nicht zu sagen, ob aus Respekt vor den Toten oder vor Nervosit�t. Sie empfand beides, Der Camerlengo ging mit geschlossenen Augen, als w�rde er jeden Schritt auswendig kennen. Vittoria vermutete, dass er seit dem Tod des Papstes viele Male hier gewesen war. vielleicht, um am Grab seines Ziehvaters zu beten.</p><p><emphasis>Ich habe viele Jahre bei ihm gelebt,</emphasis> hatte der Camerlengo gesagt. <emphasis>Er war wie ein Vater f�r mich.</emphasis> Vittoria erinnerte sich,</p><p>wie der Camerlengo diese Worte im Gedenken an den Kardinal gesagt hatte, der ihn aufgezogen und aufgenommen hatte, als er von der Armee zur�ckgekehrt war. Jetzt erst verstand Vittoria den Rest der Geschichte. Es war jener Kardinal, Carlo Ventrescas Ziehvater, der sp�ter zum Papst gew�hlt worden war und seinen jungen Z�gling mitgebracht hatte, damit er ihm als Camerlengo diente.</p><p><emphasis>Das erkl�rt eine ganze Menge,</emphasis> dachte Vittoria. Sie hatte stets ein feines Gesp�r f�r die Emotionen anderer Menschen besessen, und irgendetwas am Camerlengo hatte sie den ganzen Tag besch�ftigt. Er war von einer Trauer erf�llt, die weit gr��er, �berw�ltigender zu sein schien als die Krise, vor der nun der ganze Vatikan stand. Hinter seiner frommen Ruhe hatte Vittoria einen Mann gesehen, der von ganz eigenen D�monen gequ�lt wurde. Nun wusste Vittoria, dass ihre Instinkte sie nicht get�uscht hatten. Nicht nur, dass Camerlengo Carlo Ventresca der schlimmsten Bedrohung in der Geschichte des Vatikans gegen�berstand, er hatte auch noch seinen Mentor und Freund verloren. er war der einsamste Mensch auf der Welt.</p><p>Die Gardisten gingen nun langsamer, als w�ssten sie nicht genau, wo in der Dunkelheit der letzte Papst beigesetzt war. Der Camerlengo �bernahm die F�hrung und blieb vor einem Marmorsarkophag stehen, der heller gl�nzte als die �brigen. Auf dem Deckel lag eine Statue des Toten. Vittoria erkannte das Gesicht - sie hatte es oft im Fernsehen gesehen, und pl�tzlich erfasste sie Furcht. <emphasis>Was tun wir hier?</emphasis></p><p>�Mir ist bewusst, dass uns nicht viel Zeit bleibt�, sagte der Camerlengo. �Trotzdem bitte ich Sie, dass wir einen Augenblick im Gebet verharren.�</p><p>Die Schweizergardisten senkten die K�pfe und r�hrten sich nicht. Vittoria folgte ihrem Beispiel. Ihr Herz h�mmerte wild in der Stille. Der Camerlengo kniete vor dem Sarkophag nieder und betete auf Italienisch. Vittoria lauschte seinen Worten, und pl�tzlich drohte Trauer sie zu �bermannen. Sie dachte an ihren eigenen Mentor. ihren eigenen Heiligen Vater. Tr�nen stiegen ihr in die Augen. Die Worte des Camerlengos waren f�r ihren Vater genauso passend wie f�r den toten Papst.</p><p>�Verehrter Vater, Ratgeber, Freund.� Die Stimme des Camerlengos erklang leise in der Dunkelheit. �Als ich jung war, habt Ihr mir gesagt, dass die Stimme, die ich in meinem Herzen h�re, die Stimme Gottes sei. Ihr habt mir gesagt, ich m�sste ihr folgen, ganz gleich, wie schmerzvoll es sei, was diese Stimme von mir verlange. Ich h�re diese Stimme auch jetzt, und sie verlangt Unm�gliches von mir. Gebt mir die Kraft, Vater, und verzeiht mir, was ich tun muss. Was ich nun tue. tue ich im Namen von allem, an was Ihr geglaubt habt. Amen.�</p><p>�Amen�, fl�sterten die Gardisten.</p><p><emphasis>Amen, Vater.</emphasis> Vittoria wischte sich die Tr�nen ab.</p><p>Der Camerlengo erhob sich langsam und trat vom Sarkophag zur�ck. �Schieben Sie den Deckel zur Seite.�</p><p>Die Schweizergardisten z�gerten. �Monsignore�, sagte einer von ihnen. �Das Gesetz sagt, dass wir unter Ihrem Befehl stehen, aber.� Er z�gerte. �Wir werden tun, was Sie von uns verlangen.�</p><p>Der Camerlengo schien die Gedanken des jungen Mannes zu lesen. �Eines Tages werde ich Sie um Vergebung bitten, weil ich Sie in diese Lage gebracht habe. Heute verlange ich Ihren Gehorsam. Die Vatikanischen Gesetze dienen dem Schutz der Kirche, und genau aus diesem Grund erteile ich Ihnen nun den Befehl, diese Gesetze zu brechen.�</p><p>Nach einem Augenblick des Schweigens gab der f�hrende Gardist den Befehl an seine beiden Kameraden weiter. Die drei M�nner legten ihre Lampen zu Boden, und ihre Schatten tanzten �ber Decke und W�nde. Die M�nner traten zum Sarkophag, legten die H�nde an den Deckel und stemmten die F��e in den Boden. Auf ein Zeichen hin schoben alle drei mit ganzer Kraft, doch der gewaltige Deckel bewegte sich nicht. Vittoria hoffte beinahe, der Deckel w�rde sich als zu schwer erweisen. Sie f�rchtete sich vor dem, was sie darunter entdecken k�nnten.</p><p>Die M�nner dr�ckten und dr�ckten, doch der Deckel gab nicht nach.</p><p><emphasis>�Ancora!�,</emphasis> befahl der Camerlengo, krempelte die �rmel seines Gewands hoch und stellte sich zu den Gardisten, um ihnen zu helfen. <emphasis>�Oral�</emphasis> Alle dr�ckten.</p><p>Vittoria wollte sich gerade erbieten, ebenfalls zu helfen, als der Deckel endlich nachgab. Die M�nner dr�ckten erneut, und mit einem rauen Knirschen von Stein auf Stein drehte sich der Deckel auf dem Sarkophag und kam in schiefer Stellung zur Ruhe, mit dem gemei�elten Kopf des Papstes tief in der Nische und den F��en auf dem Gang.</p><p>Die vier M�nner traten zur�ck.</p><p>Nerv�s b�ckte sich einer der Gardisten und hob seine Taschenlampe wieder auf. Dann richtete er den Strahl in den Sarkophag. Der Strahl zitterte merklich, dann kam er zur Ruhe. Die beiden anderen Gardisten folgten dem Beispiel ihres Anf�hrers. Selbst in der Dunkelheit sp�rte Vittoria ihren Widerwillen. Sie bekreuzigten sich alle drei.</p><p>Der Camerlengo erschauerte, als er in den Sarkophag blickte, und seine Schultern sanken zuckend herab. Er verharrte einen langen Augenblick in dieser Haltung, bevor er sich schlie�lich abwandte.</p><p>Vittoria hatte gef�rchtet, dass der Mund des Toten in Leichenstarre verschlossen war und dass sie Gewalt anwenden musste, um die Zunge zu sehen, doch nun erkannte sie, dass es nicht n�tig war. Die Wangen des Toten waren eingefallen, und sein Mund stand weit offen.</p><p>Die Zunge des Papstes war schwarz wie die Nacht.</p></section><section><title><p>Kapitel 86.</p></title><p>Kein Licht. Kein Laut.</p><p>Die Geheimarchive lagen in v�lliger Dunkelheit.</p><p>Furcht, erkannte Langdon nun, war eine gewaltige Motivation. Atemlos tastete er sich durch die Dunkelheit auf die Dreht�r zu. Er fand den Knopf an der Wand und rammte ihn mit der flachen Handfl�che hinein. Nichts geschah. Er versuchte es erneut. Die T�r bewegte sich nicht.</p><p>Blind tastete er um sich und rief um Hilfe, doch seine Stimme klang merkw�rdig erstickt. Pl�tzlich wurde ihm bewusst, in welcher Gefahr er schwebte. Seine Lungen �chzten nach Sauerstoff, und Adrenalin lie� sein Herz rasen. Er f�hlte sich, als h�tte ihm jemand ohne Vorwarnung in den Unterleib geschlagen.</p><p>Als er sich mit seinem ganzen Gewicht gegen die T�r warf, glaubte er f�r einen Augenblick, sie h�tte sich bewegt. Erneut warf er sich dagegen, und wieder vergeblich. Dann erst wurde ihm bewusst, dass sich der gesamte Raum um ihn drehte, nicht die T�r. Er taumelte blind davon, stolperte �ber eine Rollleiter und schlug der L�nge nach hin. Er stie� sich das Knie an einem Regal, rappelte sich fluchend auf und tastete nach der Leiter.</p><p>Er fand sie. Er hatte gehofft, sie w�rde aus schwerem Holz oder Eisen bestehen, doch es war ein Aluminiumgestell. Er packte die Leiter wie einen Rammbock und st�rmte damit durch die Schw�rze auf die Glaswand zu. Sie war n�her, als er geglaubt hatte. Doch die Leiter prallte gegen das dicke Glas des Tresors, ohne Schaden anzurichten. Nach dem Ger�usch des Aufpralls zu urteilen, brauchte es sehr viel mehr als eine Aluminiumleiter, um diese Glasw�nde zu zerbrechen.</p><p>Die Pistole fiel ihm ein, und wilde Hoffnung durchzuckte ihn</p><p>- um im n�chsten Moment wieder zu schwinden. Olivetti hatte ihm die Waffe m Amtszimmer des Papstes abgenommen mit der Begr�ndung, dass in der Gegenwart des Camerlengos niemand eine geladene Waffe bei sich tragen d�rfe. Das Argument war Langdon durchaus logisch erschienen.</p><p>Er rief erneut um Hilfe, und seine Stimme klang noch schw�cher als beim ersten Mal.</p><p>Dann erinnerte er sich an das Walkie-Talkie, das der Gardist drau�en auf dem Tisch hatte stehen lassen. <emphasis>Warum habe ich es nicht gleich an mich genommen?</emphasis> Vor Langdons Augen tanzten purpurne Sterne, und er zwang sich mit aller Kraft zu logischem Denken. <emphasis>Du warst schon einmal eingeschlossen,</emphasis> erinnerte er sich. <emphasis>Du hast Schlimmeres �berlebt. Du warst ein Kind und wusstest, was zu tun war.</emphasis> Die erdr�ckende Dunkelheit �berflutete seinen Verstand. <emphasis>Denk nach!</emphasis></p><p>Er lie� sich auf den Boden nieder, rollte sich auf den R�cken und legte die H�nde an die Seiten. Der erste Schritt bestand darin, die Selbstbeherrschung zur�ckzugewinnen.</p><p><emphasis>Entspann dich. Schone deine Kr�fte.</emphasis></p><p>Nachdem sein Kreislauf nicht mehr gegen die Gravitation ank�mpfen musste, um Blut in das Gehirn zu pumpen, verlangsamte sich sein Herzschlag merklich. Es war ein Trick, mit dem Schwimmer ihr Blut zwischen rasch aufeinander folgenden Rennen wieder mit Sauerstoff anreicherten.</p><p><emphasis>Hier drin ist jede Menge Luft,</emphasis> sagte er <emphasis>sich. Jede Menge. Und jetzt denk nach!</emphasis> Er wartete, w�hrend er hoffte, dass die Beleuchtung jeden Augenblick wieder aufflammte, jedoch vergeblich. W�hrend er dalag und ihm das Atmen von Minute zu Minute leichter fiel, �bermannte ihn eine unwirkliche Resignation. Er f�hlte sich friedlich und geborgen. Dann k�mpfte er gegen diesen Zustand an.</p><p>Du musst dich bewegen, verdammt! Aber wohin.</p><p>Auf seiner Uhr leuchtete Mickey Mouse munter vor sich hin, als gefiele ihr die Dunkelheit. Einundzwanzig Uhr dreiunddrei�ig. Noch eine halbe Stunde. Nach seinem pers�nlichem Empfinden war es bereits wesentlich sp�ter. Anstatt einen Ausweg zu suchen, verlangte sein Verstand pl�tzlich eine Erkl�rung f�r seine Lage. <emphasis>Wer hat den Strom abgeschaltet? Dehnt Rocher seine Suche bereits aus? H�tte Olivetti ihn nicht gewarnt, dass ich hier drin bin?</emphasis></p><p>Er �ffnete den Mund und legte den Kopf in den Nacken, um seine Luftr�hre zu befreien, w�hrend er aus vollen Z�gen atmete, so tief er konnte. Jeder Zug brannte weniger als der vorangegangene. Sein Kopf wurde klar. Er ordnete seine Gedanken, zwang sich zu k�hler Logik.</p><p><emphasis>Glasw�nde,</emphasis> sagte er sich. <emphasis>Aber verdammt dickes Glas.</emphasis></p><p>Er fragte sich, ob es in diesem Tresor vielleicht auch B�cher gab, die in schweren, feuersicheren Metallkisten gelagert wurden. Langdon hatte sie in anderen Archiven gesehen, jedoch noch nicht hier im Vatikanischen Archiv. Au�erdem w�rde es wahrscheinlich sehr viel Zeit kosten, eine solche Kiste im Dunkeln zu finden. Und er h�tte sie bestimmt nicht heben k�nnen, nicht in seinem derzeitigen Zustand.</p><p><emphasis>Was ist mit dem Lesetisch?</emphasis> Langdon wusste, dass es im Zentrum des Tresors einen Lesetisch gab, genau wie in den anderen Tresoren. <emphasis>Na und? Den kriege ich auch nicht gehoben. </emphasis>Au�erdem, selbst wenn es ihm gel�nge, den Tisch zu bewegen, w�rde er nicht weit damit kommen. Die Regale standen eng beieinander, und die Zwischenr�ume waren viel zu schmal.</p><p><emphasis>Die Zwischenr�ume sind zu schmal</emphasis>...</p><p>Pl�tzlich wusste er die L�sung.</p><p>Mit neu erwachter Zuversicht sprang er auf - viel zu schnell. Schwindel �berkam ihn, und er tastete Halt suchend umher. Seine H�nde ber�hrten ein Regal. Er zwang sich, einen Moment auszuruhen. Er w�rde all seine Kraft brauchen, um seinen Plan in die Tat umzusetzen.</p><p>Schlie�lich stemmte er sich gegen das Regal wie ein Footballspieler gegen einen Trainingsschlitten und dr�ckte. <emphasis>Wenn es mir gelingt, das Regal umzuwerfen...</emphasis> Doch das Regal bewegte sich kaum. Er nahm erneut Ma�, dr�ckte wieder mit aller Kraft. Seine F��e glitten auf dem Boden ab. Das Regal knarrte, doch es bewegte sich nicht.</p><p>Er brauchte einen Hebel.</p><p>Langdon tastete sich zur Glaswand zur�ck und behielt mit einer Hand Kontakt zu ihr, w�hrend er sich durch die Dunkelheit zur anderen Seite des Tresors bewegte. Die R�ckwand kam schneller als erwartet, und er prallte mit der Schulter dagegen. Fluchend umrundete er das Regal und packte es ungef�hr in Augenh�he. Dann begann er, daran hochzuklettern, indem er sich mit einem Fu� an der gegen�berliegenden Glaswand abst�tzte. Ringsherum fielen B�cher aus den Regalb�den und landeten raschelnd in der Dunkelheit, doch es war ihm egal. Der �berlebensinstinkt war st�rker als alle archivarische R�cksicht, Langdons Gleichgewichtsinn war durch die Dunkelheit beeintr�chtigt, und er schloss die Augen und zwang sich, jeglichen eingebildeten visuellen Reiz zu ignorieren. Nun ging es schneller voran. Die Luft wurde d�nner, je h�her er kam. Dann hatte er den obersten Regalboden erreicht und versuchte, sich vollends hinaufzuziehen. Wie ein Felskletterer, der einen Grat �berwindet, setzte er an der Glaswand einen Fu� hinter den anderen, bis er eine beinahe waagerechte Stellung erreicht hatte.</p><p><emphasis>Jetzt oder nie, Robert,</emphasis> dr�ngte eine innere Stimme. <emphasis>Genau wie in der Beinpresse im Fitnessraum von Harvard.</emphasis></p><p>Ihm war schwindlig, als er mit Brust und Armen gegen das Regal dr�ckte und sich gleichzeitig mit den F��en von der Glaswand abstie�. Nichts geschah.</p><p>Keuchend korrigierte er seine Position und dr�ckte erneut. Das Regal bewegte sich unmerklich. Langdon dr�ckte weiter, streckte die Beine, und das Regal schaukelte ein paar Zentimeter vor und zur�ck. Langdon nutzte den Schwung aus, atmete tief die sauerstoffarme Luft und dr�ckte ein drittes Mal. Das Regal schwankte st�rker.</p><p><emphasis>Wie ein Pendel,</emphasis> sagte er sich. <emphasis>Du musst den Rhythmus halten, dann kannst du es aufschaukeln. Immer weiter.</emphasis></p><p>Langdon dr�ckte die Beine bei jedem Schaukeln ein wenig mehr durch. Seine Oberschenkel brannten wie Feuer, doch er achtete nicht auf den Schmerz. Das Pendel war in Bewegung. <emphasis>Noch drei St��e,</emphasis> sagte er sich.</p><p>Er ben�tigte nur zwei.</p><p>Einen Augenblick lang sp�rte er schwerelose Unsicherheit, dann fiel er zusammen mit zahllosen rutschenden B�chern nach vorn.</p><p>Auf halbem Weg zum Boden prallte das Regal gegen ein weiteres. Langdon klammerte sich mit aller Kraft fest. Einen Augenblick herrschte bewegungslose Panik, doch sein Gewicht und das des fallenden Regals reichten aus, um den Dominoeffekt in Gang zu setzen. Das zweite Regal kippte. Langdon fiel erneut.</p><p>Eines nach dem anderen kippten die gewaltigen Regale krachend um. Metall stie� dr�hnend gegen Metall, und �berall war das Ger�usch fallender B�cher zu vernehmen. Langdon klammerte sich fest, w�hrend sein Regal wie eine Sperrklinke auf einem Wagenheber nach unten rutschte. Er fragte sich, wie viele Regale es insgesamt sein mochten. Wie viel mochten sie wiegen? Das Glas auf der anderen Seite war dick.</p><p>Langdons Regal befand sich fast in der Horizontalen, als er h�rte, worauf er gewartet hatte - ein Ger�usch von einem anderen Aufprall. Ein St�ck entfernt. Auf der gegen�berliegenden Seite des B�chertresors. Das scharfe Krachen von Metall auf Glas. Der gesamte Tresor erzitterte, und Langdon wusste, dass das Regal auf der anderen Seite die Glaswand getroffen hatte. Was nun folgte, war das</p><p>unwillkommenste Ger�usch, das Langdon je geh�rt hatte.</p><p>N�mlich gar keins.</p><p>Kein zersplitterndes Glas, nur das widerhallende Krachen der Wand, die das Gewicht der gegen sie fallenden Regale aufgefangen hatte. Langdon lag mit weit aufgerissenen Augen auf dem B�cherhaufen. Nach einer Sekunde vernahm er ein leises Knistern. Er h�tte den Atem angehalten, um zu lauschen, doch er hatte keine Luft mehr in den Lungen.</p><p>Eine Sekunde. Eine weitere.</p><p>Dann, am Rande der Bewusstlosigkeit, sp�rte er, wie etwas nachgab. Das Knistern wurde lauter, breitete sich durch die gegen�berliegende Wand hindurch aus, und pl�tzlich, wie von einer Kanonenkugel getroffen, explodierte das Glas.</p><p>Das Regal unter Langdon krachte vollends zu Boden.</p><p>Mit lautem Zischen str�mte Frischluft herein.</p><p>Vittoria stand noch in der Krypta des Petersdoms �ber dem Leichnam des verstorbenen Papstes, als drei�ig Sekunden sp�ter das elektronische Piepsen eines Walkie-Talkies die Stille durchbrach. Die Stimme klang, als w�rde der Sprecher unter starker Atemnot leiden. �Hier Robert Langdon! Kann mich jemand h�ren?�</p><p>Vittoria blickte auf. <emphasis>Robert!</emphasis> Sie konnte kaum glauben, wie sehr sie sich den gro�en sympathischen Amerikaner in diesem Augenblick herbeisehnte!</p><p>Die Gardisten wechselten �berraschte Blicke. Einer nahm sein Walkie-Talkie vom G�rtel. �Mr. Langdon? Sie sind auf Kanal drei! Oberst Olivetti erwartet Ihren Ruf auf Kanal eins!�</p><p>�Ich wei�, dass er auf Kanal eins wartet, verdammt! Ich will nicht mit Olivetti reden! Ich will mit dem Camerlengo sprechen, auf der Stelle! Suchen Sie den Camerlengo und holen Sie ihn ans Ger�t!�</p><p>In der Dunkelheit des Vatikanischen Geheimarchivs stand</p><p>Robert Langdon inmitten von gesplittertem Glas und bem�hte sich, wieder zu Atem zu kommen. Er sp�rte eine warme Fl�ssigkeit auf der linken Hand und wusste, dass er blutete. Pl�tzlich meldete sich die Stimme des Camerlengos. Langdon schrak zusammen.</p><p>�Hier spricht Camerlengo Carlo Ventresca. Was geht da vor, Mr. Langdon?�</p><p>Langdon dr�ckte den Knopf. Sein Herz h�mmerte immer noch wild. �Ich glaube, jemand hat gerade versucht, mich umzubringen!�</p><p>Schweigen.</p><p>Langdon versuchte sich zu beruhigen. �Au�erdem wei� ich, wo der n�chste Mord ver�bt wird.�</p><p>Die Antwort kam nicht von Camerlengo Ventresca, sondern von Oberst Olivetti. �Mr. Langdon, sagen Sie kein Wort mehr!�</p></section><section><title><p>Kapitel 87.</p></title><p>Langdons Uhr, inzwischen blutverschmiert, zeigte einundzwanzig Uhr zweiundvierzig. Er rannte �ber den Belvederehof und n�herte sich dem Brunnen vor der Kaserne der Schweizergarde. Die Wunde an seiner Hand hatte aufgeh�rt zu bluten, doch es f�hlte sich schlimmer an, als es aussah. Als er vor dem Geb�ude ankam, schienen sich alle zugleich dort versammelt zu haben - Olivetti, Rocher, der Camerlengo, Vittoria sowie eine Hand voll Schweizergardisten.</p><p>Vittoria eilte ihm entgegen. �Robert, Sie sind verletzt!� Bevor Langdon antworten konnte, stand Olivetti bei ihm. �Mr. Langdon, ich bin erleichtert, dass Ihnen nichts fehlt. Es tut mir Leid wegen des Stromausfalls im Archiv.�</p><p>�Stromausfall?�, fauchte Langdon. �Sie wussten sehr genau.</p><p>�Es war mein Fehler�, sagte Rocher und trat zerknirscht vor. �Ich wusste nicht, dass Sie im Archiv waren. Ein Teil unserer wei�en Zonen ist mit dem Geb�ude verbunden, und wir hatten unsere Suche ausgedehnt. Ich bin derjenige, der den Strom abgeschaltet hat. H�tte ich gewusst.�</p><p>�Robert�, sagte Vittoria, w�hrend sie seinen Arm nahm und die Wunde untersuchte, �der Papst wurde vergiftet! Die Illuminati haben ihn ermordet.�</p><p>Langdon h�rte die Worte, doch er verstand sie kaum. Er sp�rte nur noch die W�rme von Vittorias H�nden.</p><p>Der Camerlengo nahm ein seidenes Taschentuch aus seinem Gewand und reichte es Langdon, damit er sich s�ubern konnte. Er schwieg, doch seine gr�nen Augen blitzten mit neuem heuer.</p><p>�Robert�, dr�ngte Vittoria. �Sie sagten, Sie wussten, wo der n�chste Mord ver�bt werden soll!�</p><p>Langdon f�hlte sich ganz leicht. �Ja, es ist. �</p><p>�Halt!�, unterbrach ihn Olivetti. �Mr. Langdon, als ich Sie bat, kein Wort mehr �ber das Walkie-Talkie zu sagen, hatte ich meine Gr�nde.� Er wandte sich den versammelten Schweizergardisten zu. �Bitte, meine Herren, wenn Sie uns entschuldigen w�rden.�</p><p>Die Soldaten verschwanden gehorsam im Geb�ude.</p><p>Olivetti wandte sich wieder zu den anderen um. �So sehr mich diese Feststellung schmerzt, aber die Ermordung des Papstes konnte nur mit Hilfe aus dem Innern dieser Mauern gelingen. Wir d�rfen niemandem mehr vertrauen, nicht einmal unserer Schweizergarde.� Olivetti selbst schien am meisten betroffen von seiner Feststellung.</p><p>Rocher blickte seinen Kommandanten besorgt an. �Aber das w�rde bedeuten.�</p><p>�Genau�, sagte Olivetti. �Die Integrit�t Ihrer Suchaktion ist nicht gew�hrleistet. Trotzdem m�ssen wir das Risiko eingehen.�</p><p>Rocher sah aus, als wollte er etwas entgegnen, doch dann �berlegte er es sich anders und ging.</p><p>Der Camerlengo atmete tief durch. Er hatte bisher noch kein Wort gesprochen, doch Langdon sp�rte neue Energie in ihm, als h�tte er einen Wendepunkt erreicht.</p><p>�Kommandant?� Die Stimme Ventrescas verriet nichts von seinen Gef�hlen. �Ich werde das Konklave unterbrechen.�</p><p>Olivetti sch�rzte die Lippen und blickte den Camerlengo halsstarrig an. �Ich rate dringend davon ab, Monsignore. Uns bleiben immer noch zwei Stunden und zwanzig Minuten.�</p><p>�Ein Herzschlag, weiter nichts.�</p><p>Olivettis Tonfall wurde herausfordernd. �Was beabsichtigen Sie zu tun? Wollen Sie die Kardinale etwa eigenh�ndig evakuieren?�</p><p>�Ich beabsichtige, unsere Kirche zu retten und dazu jede</p><p>Macht zu benutzen, die Gott mir gegeben hat. Wie ich das anstelle, soll Ihre Sorge nicht sein.�</p><p>Olivetti richtete sich auf. �Was immer Sie vorhaben.� Er z�gerte. �Ich besitze nicht die Autorit�t, Ihnen zu widersprechen, insbesondere nicht im Hinblick auf mein Versagen als Leiter der Sicherheitstruppe. Doch ich bitte Sie, noch zu warten. Zwanzig Minuten. bis zweiundzwanzig Uhr. Falls Mr. Langdons Informationen zutreffend sind, habe ich vielleicht die Gelegenheit, diesen M�rder zu fassen. Und dann besteht noch eine Chance, das Protokoll und die Etikette zu wahren.�</p><p>�Die Etikette wahren?� Der Camerlengo stie� ein unterdr�cktes Lachen aus. �Wir haben die Schicklichkeit l�ngst hinter uns gelassen, Oberst Olivetti. F�r den Fall, dass es Ihnen noch nicht aufgefallen ist - wir befinden uns im Krieg.�</p><p>Ein Gardist kam aus der Kaserne und rief nach dem Camerlengo. �Monsignore, ich habe soeben einen Anruf erhalten, dass wir diesen BBC-Reporter aufgesp�rt haben, diesen G�nther Glick.�</p><p>Der Camerlengo nickte. �Sehr gut. Lassen Sie ihn und seine Kamerafrau zur Sixtinischen Kapelle bringen und warten Sie dort auf mich.�</p><p>Olivetti riss die Augen auf. �Was haben Sie vor?�</p><p>�Zwanzig Minuten, Oberst Olivetti. Mehr haben Sie nicht.� Damit wandte er sich um und ging.</p><p>Als Olivettis Wagen diesmal aus der Vatikanstadt jagte, folgte ihm keine Kolonne schwarzer Alfa Romeos. Auf dem R�cksitz bandagierte Vittoria die Hand Langdons mit dem Verband aus einem Erste-Hilfe-Kasten, den sie im Handschuhfach gefunden hatte.</p><p>Olivetti starrte nach vorn. �Also sch�n, Mr. Langdon. Wohin fahren wir?�</p></section><section><title><p>Kapitel 88.</p></title><p>Selbst mit flackerndem Blaulicht und pl�rrendem Martinshorn schien Olivettis Alfa Romeo keine Aufmerksamkeit zu erwecken, als er �ber die Br�cke und in das Herz des alten Rom raste. S�mtlicher Verkehr bewegte sich in die andere Richtung, auf den Vatikan zu, als w�re der Heilige Stuhl mit einem Mal zum gr��ten Szenetreff der Stadt geworden.</p><p>Langdon sa� auf dem R�cksitz, und tausend Fragen gingen ihm durch den Kopf. Er fragte sich, ob sie diesmal rechtzeitig kommen w�rden, um den M�rder zu fassen, und ob er ihnen sagen w�rde, was sie wissen mussten, oder ob es vielleicht schon zu sp�t war. Wie lange noch, bevor der Camerlengo der Menschenmenge auf dem Petersplatz verk�nden w�rde, dass sie in Gefahr war? Der Zwischenfall im Geheimarchiv nagte immer noch an ihm. <emphasis>Ein Irrtum?</emphasis></p><p>Olivetti lenkte den Alfa Romeo im H�llentempo durch die engen Stra�en in Richtung der Kirche Santa Maria della Vittoria. Nachdem Langdon endlich ein paar Minuten Ruhe hatte und einfach nur dasitzen konnte, begriff er allm�hlich, dass der letzte Papst ermordet worden war, und Staunen breitete sich in ihm aus. Der Gedanke war unvorstellbar - und doch auf gewisse Weise vollkommen logisch. Infiltration war stets die Machtbasis der Illuminati gewesen - Umschichtung von Macht von innen heraus. Und es war ja nicht so, dass noch nie ein Papst ermordet worden w�re. Es gab zahllose Ger�chte �ber Verrat, doch weil noch nie eine Autopsie durchgef�hrt worden war, gab es keinerlei Beweise. Bis vor gar nicht langer Zeit jedenfalls. Erst vor kurzem hatten Wissenschaftler die Genehmigung erhalten, den Sarkophag von Papst C�lestin V. mithilfe von R�ntgenstrahlen zu analysieren. Der Papst war den Ger�chten zufolge von seinem �bereifrigen Nachfolger beseitigt</p><p>worden, Bonifaz VIII. Die Forscher hatten sich erhofft, die R�ntgenuntersuchung w�rde einen Hinweis erbringen, einen gebrochenen Knochen vielleicht. Tats�chlich hatten die R�ntgenbilder einen zwanzig Zentimeter langen Nagel im Sch�del des Toten gezeigt.</p><p>Nun erinnerte sich Langdon auch an eine Reihe von Nachrichtenmeldungen, die andere Illuminati-Forscher ihm vor ein paar Jahren zugesandt hatten. Zuerst hatte er die Meldungen f�r einen dummen Streich gehalten; dann aber war er in die Bibliothek von Harvard gegangen und hatte die MikroficheDatenbank durchsucht, um herauszufinden, ob die Artikel authentisch waren. Zu Langdons Erstaunen waren sie es tats�chlich. Er hatte sie inzwischen st�ndig auf seinem eigenen Schwarzen Brett - als Beispiele daf�r, dass selbst angesehene Nachrichtenagenturen sich manchmal von einer Illuminati-Paranoia hinrei�en lie�en. In der R�ckbesinnung erschienen ihm die Artikel viel weniger abwegig als damals. Langdon sah sie deutlich vor sich.</p><p>THE BRITISH BROADCASTING CORPORATION 14. Juni 1998</p><p>Papst Johannes Paul L, der 1978 starb, war das Opfer einer Verschw�rung der Freimaurerloge P2. Die geheime Gesellschaft P2 beschloss, den damaligen Papst zu ermorden, weil sie erkannte, dass der Heilige Vater den amerikanischen Erzbischof Paul Marcinkus als Pr�sidenten der Vatikanischen Bank entlassen wollte. Die Bank war in zweifelhafte Finanzgesch�fte mit der Freimaurerloge verwickelt.</p><p>THE NEW YORK TIMES 24. August 1998</p><p>Warum trug der verstorbene Papst Johannes Paul I. sein Tageshemd im Bett? Warum war es zerrissen? Die Fragen enden damit noch l�ngst nicht. Es gab keinerlei medizinische Untersuchung. Kardinal Villot hat eine Autopsie mit der Begr�ndung untersagt, dass noch niemals ein Papst obduziert worden sei. Und die Medikamente Johannes Pauls sind auf mysteri�se Weise von seinem Nachttisch verschwunden, genau wie seine Brille, seine Pantoffeln und sein handschriftliches Testament.</p><p>LONDON DAILY MAIL 27. August 1998</p><p>. eine Verschw�rung, in die eine m�chtige, skrupellose und illegale Freimaurerloge verwickelt ist, deren Einfluss bis in den Vatikan hinein reicht.</p><p>Das Mobiltelefon in Vittoria Tasche summte und riss Langdon aus seinen Gedanken.</p><p>Verwirrt nahm sie das Ger�t aus der Tasche und fragte sich, wer anrief. Selbst aus der Entfernung von fast einem halben Meter erkannte Langdon die schneidende Stimme.</p><p>�Vittoria? Hier Maximilian Kohler. Haben Sie die Antimaterie bereits gefunden?�</p><p>�Max! Geht es Ihnen besser?�</p><p>�Ich habe die Nachrichten gesehen. Kein Wort von CERN oder der Antimaterie. So weit, so gut. Wie sieht es bei Ihnen aus?�</p><p>�Wir haben den Beh�lter noch nicht gefunden. Die Situation ist kompliziert. Robert Langdon war eine gro�e Hilfe. Wir haben eine Spur zu dem Mann, der die Kardinale entf�hrt hat und hinter den Morden steckt. Im Augenblick sind wir unterwegs zur.�</p><p>�Signorina Vetra!�, unterbrach Oberst Olivetti. �Sie haben genug gesagt!�</p><p>Sie bedeckte das Mikrofon und fuhr Olivetti an: �Oberst, ich spreche mit dem Generaldirektor von CERN. Er hat ein Recht zu erfahren.�</p><p>�Er hat ein Recht, selbst hierher zu kommen und die Situation zu kl�ren!�, fauchte Olivetti leise. �Sie sprechen auf einer ungesicherten Mobilfunkfrequenz! Sie haben genug gesagt!�</p><p>Vittoria atmete tief durch. �Max?�</p><p>�Ich habe vielleicht ein paar Informationen f�r Sie�, sagte Max. ��ber Ihren Vater. Ich wei� m�glicherweise, wem er von der Antimaterie erz�hlt hat.�</p><p>Vittorias Gesichtsausdruck wurde verschlossen. �Mein Vater hat gesagt, er h�tte mit niemandem dar�ber gesprochen!�</p><p>�Ich f�rchte, Vittoria, das ist nicht ganz zutreffend. Ich muss zuerst noch ein paar Sicherheitsaufzeichnungen �berpr�fen. Ich melde mich bald wieder.� Die Verbindung wurde unterbrochen.</p><p>Vittoria sah w�chsern aus, als sie das Mobiltelefon in ihre Tasche zur�ckschob.</p><p>�Alles in Ordnung?�, fragte Langdon.</p><p>Vittoria nickte, doch an ihren zitternden Fingern sah Langdon, dass sie log.</p><p>�Die Kirche steht auf der Piazza Barberini�, erkl�rte Olivetti, w�hrend er das Martinshorn abschaltete und einen Blick auf die Uhr im Armaturenbrett warf. �Wir haben noch neun Minuten.�</p><p>Als Langdon zum ersten Mal bewusst geworden war, wo der dritte Wegweiser der Illuminati stand, hatte der Name des Platzes eine Glocke zum Klingen gebracht. <emphasis>Piazza Barberini. </emphasis>Irgendetwas daran war ihm vertraut erschienen. etwas, das er nicht benennen konnte. Jetzt fiel es ihm wieder ein. Die Piazza war wegen einer U-Bahn-Station in die Schlagzeilen geraten. Vor ungef�hr zwanzig Jahren hatten die Bauarbeiten einen Streit unter Kunsthistorikern ausgel�st. Sie hatten bef�rchtet, dass die Grabungen unter der Piazza den tonnenschweren Obelisken im Zentrum aus dem Gleichgewicht bringen k�nnten. Die St�dteplaner hatten den Obelisken daraufhin entfernen lassen und an seiner Stelle einen kleinen Brunnen errichtet, den Tritonsbrunnen.</p><p>Zu Berninis Zeiten, erkannte Langdon, hatte ein Obelisk auf der Piazza Barberini gestanden! Welche Zweifel er auch gehabt haben mochte, dass die <emphasis>Ekstase der Heiligen Teresa</emphasis> der richtige Wegweiser zum dritten Altar der Wissenschaft war - sp�testens jetzt waren sie wie weggewischt.</p><p>Einen Block von der Piazza entfernt bog Olivetti in eine Seitenstra�e, ging vom Gas und hielt schlie�lich an. Er zog seine Jacke aus, krempelte die �rmel hoch und lud seine Pistole durch.</p><p>�Wir d�rfen nicht riskieren, dass Sie beide erkannt werden�, sagte er. �Sie waren im Fernsehen. Ich m�chte, dass Sie auf der anderen Seite der <emphasis>Piazza.</emphasis> warten, au�er Sicht, und den Haupteingang beobachten. Ich gehe von hinten rein.� Er zog eine zweite Waffe und reichte sie Langdon. �Nur f�r den Fall.�</p><p>Langdon runzelte die Stirn. Es war das zweite Mal an diesem Tag, dass man ihm eine Waffe in die Hand dr�ckte. Er schob sie in die Brusttasche seines Jacketts, wobei ihm bewusst wurde, dass er noch immer das Blatt aus Galileos <emphasis>Diagramma</emphasis> bei sich trug. Nicht zu fassen, dass er vergessen hatte, es im Vatikanischen Geheimarchiv zur�ckzulassen! Er stellte sich vor, wie der Kurator sich in w�tenden Zuckungen auf dem Boden w�lzte bei dem Gedanken, dass dieses unbezahlbare Artefakt wie eine beliebige Touristenkarte durch Rom getragen wurde. Dann fiel ihm das Chaos aus zersplittertem Glas und auf dem Boden verstreuten Katalogen ein, das er im Archiv hinterlassen hatte. der Kurator w�rde ganz andere Probleme haben. <emphasis>Falls die Archive diese Nacht �berhaupt �berstehen</emphasis>...</p><p>Olivetti stieg aus dem Wagen und deutete die Stra�e entlang. �Die Piazza liegt in dieser Richtung. Halten Sie die Augen offen, und lassen Sie sich nicht sehen.� Er deutete auf das Telefon in seinem G�rtel. �Signorina Vetra, lassen Sie uns die automatische Wahl noch einmal testen.�</p><p>Vittoria z�ckte ihr Handy und tippte auf die Taste, unter der sie Olivettis Nummer beim Pantheon einprogrammiert hatte. Olivettis Mobiltelefon vibrierte lautlos.</p><p>Der Kommandant der Schweizergarde nickte. �Gut. Falls Sie etwas sehen, m�chte ich es wissen.� Er entsicherte seine Pistole. �Ich werde in der Kirche warten. Dieser Heide geh�rt mir.�</p><p>In diesem Augenblick klingelte ganz in der N�he ein weiteres Mobiltelefon.</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> nahm den Anruf entgegen. �Ja?�</p><p>�Ich bin es�, sagte die Stimme. �Janus.�</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> l�chelte. �Hallo, Meister.�</p><p>�Ihre Position ist m�glicherweise bekannt. Jemand ist unterwegs, um Sie aufzuhalten.�</p><p>�Wer es auch sein mag, er kommt zu sp�t. S�mtliche Arrangements sind getroffen.�</p><p>�Sehr gut. Stellen Sie sicher, dass Sie lebend entkommen. Es gibt noch Arbeit f�r Sie.�</p><p>�Wer mir im Weg steht, wird sterben.�</p><p>�Wer Ihnen im Weg steht, wei� Bescheid!�</p><p>�Sie meinen diesen amerikanischen Gelehrten?�</p><p>�Sie wissen von ihm?�</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> kicherte. �K�hl, aber naiv. Er hat am Telefon zu mir gesprochen. Er geh�rt zu dieser Frau, die das genaue Gegenteil von ihm zu sein scheint.� Der <emphasis>Hashishin</emphasis> sp�rte aufsteigende Erregung beim Gedanken an das feurige Temperament, das er bei ihr gesp�rt hatte.</p><p>Auf der anderen Seite der Verbindung entstand eine Pause das erste Z�gern, das der <emphasis>Hashishin</emphasis> je bei seinem Illuminati-Meister bemerkt hatte. Schlie�lich sprach Janus wieder. �Eliminieren Sie die beiden, falls es n�tig werden sollte.�</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> l�chelte. �Betrachten Sie es als erledigt.� Er sp�rte, wie ihn ein Gef�hl der Lust durchstr�mte. <emphasis>Obwohl ich die Frau vielleicht als Belohnung behalten werde.</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel 89.</p></title><p>Auf dem Petersplatz herrschte hektische Betriebsamkeit. �bertragungswagen rasten heran und kamen schlingernd zum Stehen wie Sturmboote, die Br�ckenk�pfe eroberten. Reporter r�steten sich mit Hightech aus wie Soldaten, die in den Kampf zogen. Ringsum auf dem Platz rangelten Sender um die besten Pl�tze, w�hrend sie wetteiferten, die neueste Waffe im Medienkrieg zu installieren - Flachbildschirme.</p><p>Flachbildschirme waren riesige Videoleinw�nde, die auf einem �bertragungswagen oder einem speziellen Gestell aufgerichtet werden konnten. Sie dienten als eine Art Werbebanner f�r den jeweiligen Sender; auf den Schirmen waren die Logos und die letzten Schlagzeilen zu sehen wie in einem Autokino. Ein gut positionierter Schirm, und kein anderer Sender konnte einen Bericht drehen, ohne gleichzeitig f�r seinen Konkurrenten Werbung zu machen.</p><p>Der Petersplatz verwandelte sich nicht nur in eine Multimedia-Arena, sondern zugleich in eine �ffentliche Nachtwache. Zuschauer str�mten aus allen Richtungen herbei, und der �blicherweise scheinbar grenzenlos gro�e Platz f�llte sich. Die Menschen dr�ngten sich um die hoch aufragenden Videoschirme und lauschten in bet�ubter Spannung den sich �berschlagenden Live-Berichten.</p><p>Nur hundert Meter von diesem Geschehen entfernt, in den dicken Mauern des Petersdoms, war die Stimmung ernst. Leutnant Chartrand und drei M�nner seiner Schweizergarde bewegten sich durch die Dunkelheit. Sie trugen Infrarotbrillen und schw�rmten �ber das Hauptschiff aus, w�hrend sie die Detektoren hin und her schwankten. Die Suche nach dem Antimateriebeh�lter in den �ffentlich zug�nglichen Bereichen des Vatikans hatte bisher keinen Erfolg gezeitigt.</p><p>�Besser, wenn ihr hier eure IR-Brillen abnehmt!�, rief der �lteste Gardist.</p><p>Chartrand hatte seine Brille bereits in die Stirn geschoben. Sie n�herten sich der Vertiefung mit der goldenen Truhe, dem angeblichen Reliquienschrein mit den Gebeinen des heiligen Petrus. Er wurde von neunundneunzig flackernden �llampen erhellt, und das durch die Infrarotbrillen verst�rkte Licht h�tte ihnen die Netzh�ute versengt.</p><p>Es war wohltuend, die schwere Brille nicht mehr zu tragen. Chartrand reckte den Hals, als sie in die Vertiefung hinunterstiegen, um den Bereich abzusuchen. Der Raum war wundersch�n und leuchtete warm und golden. Chartrand war bisher noch nie hier gewesen.</p><p>Beinahe schien es ihm, als w�rde er seit seiner Ankunft in der Vatikanstadt jeden Tag ein weiteres neues Geheimnis kennen lernen. Diese �llampen beispielsweise. Es waren genau neunundneunzig St�ck, und sie brannten ununterbrochen, vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Es war eine Tradition. Die Priester f�llten die Lampen mit geheiligtem �l nach, bevor sie erl�schen konnten. Es hie�, sie w�rden bis zum Ende aller Tage weiterbrennen.</p><p><emphasis>Zumindest bis Mitternacht,</emphasis> dachte Chartrand und sp�rte, wie sein Mund erneut trocken wurde.</p><p>Er schwenkte seinen Detektor �ber die �llampen. Nichts Auff�lliges, was nicht weiter �berraschend war, denn nach dem Videobild der �berwachungskamera war der Beh�lter in einem <emphasis>dunklen</emphasis> Raum verborgen.</p><p>Als er sich durch die Nische vorw�rts arbeitete, kam er zu einem Rost, der ein Loch im Boden bedeckte. Darunter befand sich eine steile schmale Leiter, die ins Dunkel hinunterf�hrte. Chartrand hatte Geschichten geh�rt, was sich dort unten befand. Gott sei Dank mussten sie nicht hinunter. Rochers Befehle waren deutlich gewesen: <emphasis>Durchsuchen Sie lediglich die Zonen, zu denen die �ffentlichkeit Zutritt besitzt. Ignorieren Sie den Rest.</emphasis></p><p>�Was ist das f�r ein Geruch?�, fragte er und wandte sich von dem Rost ab. Die gesamte Vertiefung roch unertr�glich s��.</p><p>�Das sind die D�mpfe aus den Lampen�, antwortete einer der Gardisten.</p><p>�Riecht eher nach Parf�m als nach Kerosin�, stellte Chartrand �berrascht fest.</p><p>�Es ist kein Kerosin, Herr Leutnant. Diese Lampen stehen nah beim p�pstlichen Altar, deswegen benutzt man eine spezielle Mischung, die zur Umgebung passt - Zucker, Ethanol, Butan und Parf�m.�</p><p><emphasis>�Butan?�</emphasis> Chartrand musterte die Lampen nerv�s.</p><p>Der Gardist nickte. �Versch�tten Sie nichts, Herr Leutnant. Es riecht himmlisch, aber es brennt wie die H�lle.�</p><p>Die Gardisten beendeten die Suche in der Vertiefung mit der goldenen Truhe und bewegten sich weiter durch die Basilika, als ihre Walkie-Talkies sich meldeten.</p><p>Es war ein aktualisierter Lagebericht. Die Gardisten lauschten schockiert.</p><p>Offensichtlich gab es eine Reihe neuer Besorgnis erregender Entwicklungen, die nicht �ber Funk mitgeteilt werden konnten -doch der Camerlengo hatte beschlossen, mit der Tradition zu brechen und das Konklave zu betreten, um zu den Kardinalen zu sprechen. Das war noch niemals in der Geschichte der katholischen Kirche vorgekommen. Andererseits hatte der Vatikan auch noch nie auf etwas gesessen, das in seiner Wirkung einem atomaren Sprengkopf gleichkam, �berlegte Chartrand.</p><p>Es war ein beruhigendes Gef�hl f�r den jungen Leutnant, dass der Camerlengo nun die Initiative ergriff. Der Camerlengo war diejenige Person im gesamten Vatikan, der Chartrand den gr��ten Respekt entgegenbrachte. Einige der Gardisten hielten Camerlengo Carlo Ventresca f�r einen <emphasis>beato,</emphasis> einen religi�sen Eiferer, dessen Liebe zu Gott an Besessenheit grenzte, doch selbst sie stimmten darin �berein, dass der Camerlengo ein Mann war, der sich erheben und mit harten Bandagen k�mpfen w�rde, wenn es darum ging, gegen die Feinde Gottes ins Feld zu ziehen.</p><p>Die Schweizergarde hatte den Camerlengo in dieser Woche der Vorbereitungen f�r das Konklave h�ufig zu Gesicht bekommen, und jeder hatte festgestellt, dass der junge Geistliche sichtlich mitgenommen war. Seine gr�nen Augen leuchteten noch intensiver als gew�hnlich. Nicht �berraschend, hatten die meisten gesagt: Der Camerlengo war nicht nur f�r die Planung des heiligen Konklaves verantwortlich, er musste die Planung zu allem �bel unverz�glich nach dem Verlust seines Mentors angehen, des letzten Papstes.</p><p>Chartrand war erst seit einigen Monaten im Vatikan gewesen, als er die Geschichte von der Bombe h�rte, die die Mutter des Camerlengos vor den Augen des Kindes zerfetzt hatte. <emphasis>Eine Bombe in einer Kirche</emphasis>... <emphasis>und nun wiederholt sich alles, nur in viel gr��erem Ma�stab.</emphasis> Schlimm, dass die Beh�rden die Bastarde nie gefasst hatten, die hinter dem Bombenanschlag steckten. wahrscheinlich eine antichristliche Sekte, hatte es gehei�en, und der Fall war im Sande verlaufen. Kein Wunder, dass der Camerlengo mehr als alles andere Apathie und Unt�tigkeit verabscheute.</p><p>Vor zwei Monaten, an einem friedlichen Nachmittag in der Vatikanstadt, war Chartrand dem Camerlengo �ber den Weg gelaufen, als dieser aus einem Geb�ude gekommen war. Der Camerlengo hatte den jungen Leutnant offensichtlich gleich als neuen Gardisten erkannt und ihn eingeladen, ein St�ck mit ihm durch die G�rten zu spazieren. Sie hatten sich �ber alles und jedes unterhalten, und Chartrand hatte sogleich Vertrauen zu dem Camerlengo gefunden.</p><p>�Vater�, hatte er gesagt, �darf ich Ihnen eine Frage stellen, die Ihnen vielleicht eigenartig erscheint?�</p><p>Der Camerlengo hatte gel�chelt. �Nur, wenn ich dir eine eigenartige Antwort geben darf, mein Sohn.�</p><p>Chartrand hatte gelacht. �Ich habe jeden Priester gefragt, den ich kenne, Vater, und ich verstehe es immer noch nicht.�</p><p>�Was verstehst du nicht, mein Sohn?� Der Camerlengo hatte ihn mit kurzen, schnellen Schritten durch die G�rten gef�hrt, mit wallender Soutane, und die weichen Kreppsohlen seiner Schuhe erschienen Chartrand perfekt auf das Wesen dieses Mannes abgestimmt - modern, doch dem�tig, und mit ersten Zeichen von Erm�dung.</p><p>Chartrand hatte tief durchgeatmet. �Was ich nicht verstehe, ist diese Sache mit der Allmacht und der grenzenlosen G�te, Vater.�</p><p>Der Camerlengo hatte gel�chelt. �Du hast die Heilige Schrift studiert, mein Sohn.�</p><p>�Ich versuche es, Vater.�</p><p>�Du bist verwirrt, weil die Bibel Gott als eine allm�chtige und g�tige Wesenheit beschreibt.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Allm�chtig und g�tig bedeutet lediglich, dass Gott alles kann und es gut mit uns Menschen meint.�</p><p>�Ich verstehe das Konzept, Vater. es ist nur. Ich sehe da einen Widerspruch.�</p><p>�Ja. Der Widerspruch lautet Schmerz. Menschen verhungern, f�hren Kriege, werden krank.�</p><p>�Genau!� Chartrand wusste, dass der Camerlengo ihn verstehen w�rde. �Es geschehen so schreckliche Dinge in dieser Welt. Die menschliche Trag�die erscheint wie der Beweis, dass Gott l�ngst nicht so allm�chtig und g�tig ist, wie die Bibel es sagt. Wenn Er uns liebte und die Macht bes��e, alles zu �ndern, dann w�rde Er es doch sicher tun, oder nicht?�</p><p>Der Camerlengo runzelte die Stirn. �W�rde Er das?�</p><p>Chartrand wurde nerv�s. Hatte er seine Grenzen �berschritten? War dies ene der religi�sen Fragen, die man nicht stellte? �Nun, ich meine. wenn Gott uns liebt und die Macht besitzt, uns zu besch�tzen, muss Er es doch tun! Es scheint, dass Er entweder allm�chtig und ohne Liebe ist, oder Er ist g�tig und besitzt nicht die Macht, uns zu helfen.�</p><p>�Haben Sie Kinder, Leutnant?�</p><p>Chartrand err�tete. �Nein, Monsignore.�</p><p>�Stellen Sie sich vor, Sie h�tten einen achtj�hrigen Sohn. w�rden Sie ihn lieben?�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�W�rden Sie alles in Ihrer Macht stehende tun, um Schaden von ihm abzuwenden?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�W�rden Sie ihn mit dem Skateboard fahren lassen?�</p><p>Chartrand glaubte im ersten Augenblick, nicht richtig geh�rt zu haben. Der Camerlengo schien f�r einen Geistlichen stets gut informiert zu sein, was die Welt drau�en betraf. �Ja, ich denke schon�, sagte Chartrand schlie�lich. �Sicher, ich w�rde ihn damit fahren lassen, aber ich w�rde ihn auch ermahnen, vorsichtig zu sein.�</p><p>�Also w�rden Sie als Vater diesem Kind ein paar grundlegende Ratschl�ge mit auf den Weg geben, und dann w�rden Sie es seine eigenen Fehler machen lassen?�</p><p>�Ich w�rde nicht hinter ihm herlaufen und ihn in Watte packen, wenn es das ist, was Sie meinen, Vater.�</p><p>�Und wenn er hinfallen und sich die Knie aufschlagen w�rde?�</p><p>�Dann w�rde er lernen, beim n�chsten Mal besser aufzupassen.�</p><p>Der Camerlengo l�chelte. �Also w�rden Sie Ihre Liebe dadurch zeigen, dass sie ihm erm�glichen, seine Lektionen selbst zu lernen, obwohl Sie einschreiten und Schmerz von Ihrem Kind abwenden k�nnten?�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Schmerz geh�rt zum Aufwachsen. Auf diese Art und Weise lernen wir Menschen.�</p><p>Der Camerlengo nickte nur. �Genau.�</p></section><section><title><p>Kapitel 90.</p></title><p>Robert Langdon und Vittoria Vetra beobachteten die Piazza Barberini aus dem Schatten einer schmalen Nebengasse, die in die westliche Ecke des Platzes m�ndete. Die Kirche lag ihnen genau gegen�ber, eine verschwommene Kuppel, die aus einer Gruppe von Geb�uden auf der anderen Seite des Platzes aufragte. Die Nacht hatte eine willkommene K�hle gebracht, und Langdon war �berrascht, dass keine Menschen auf der Piazza zu sehen waren. �ber ihnen pl�rrten Fernseher in offenen Fenstern und erinnerten daran, wohin alle verschwunden waren.</p><p>�. bisher noch keine Stellungnahme des Vatikans. Illuminati haben zwei Kardinale ermordet. satanische Gruppe in Rom. Spekulationen �ber tief greifende Infiltration.�</p><p>Die Nachrichten hatten sich verbreitet wie Neros Feuer. Rom sa� wie angewurzelt vor den Fernsehern, genau wie der Rest der Welt. Langdon fragte sich, ob sie wirklich imstande waren, diesen Zug noch zum Halten zu bringen. W�hrend er den Platz im Auge behielt und wartete, fiel ihm auf, dass er trotz der neuen Geb�ude noch immer eine bemerkenswert elliptische Form besa�. Hoch �ber ihnen blinkte ein gewaltiges Neonschild auf dem Dach eines Luxushotels. Vittoria hatte es bereits fr�her als Langdon bemerkt und ihn darauf hingewiesen. Der Name schien unheimlich passend:</p><p>HOTEL BERNINI</p><p>�F�nf vor zehn�, sagte Vittoria, w�hrend sie mit ihren Katzenaugen weiter unabl�ssig den Platz absuchte. Sie hatte die Worte noch nicht zu Ende ausgesprochen, als sie pl�tzlich Langdons Arm packte und ihn in den Schatten zog. Dann deutete sie auf die Mitte des Platzes.</p><p>Langdon folgte ihrem ausgestreckten Finger. Als er sah, was</p><p>sie meinte, versteifte er sich.</p><p>Unter einer Stra�enlaterne bewegten sich zwei dunkle Gestalten. Beide trugen dunkle T�cher �ber den K�pfen und hatten das Gesicht verh�llt - die traditionelle Kleidung katholischer Witwen. F�r Langdon sahen sie aus wie Frauen, doch in der Dunkelheit war er sich seiner Sache nicht sicher. Eine der beiden schien �lter zu sein und bewegte sich vorn�bergebeugt, als litte sie unter Schmerzen. Die andere, gr��er und kr�ftiger, schien sie zu st�tzen.</p><p>�Geben Sie mir die Pistole�, verlangte Vittoria.</p><p>�Sie k�nnen doch nicht einfach.�</p><p>Geschickt wie eine Katze langte Vittoria einmal mehr in seine Brusttasche. Die Pistole glitzerte stumpf in ihrer Hand. Dann wandte sie sich um und eilte nach links in die Schatten, ohne das geringste Ger�usch zu verursachen, so als ber�hrten ihre F��e den gepflasterten Boden �berhaupt nicht. Sie umrundete das Paar, um sich von hinten zu n�hern. Langdon stand einen Augenblick wie erstarrt da, als Vittoria sich in Bewegung setzte. Schlie�lich folgte er ihr, w�hrend er leise vor sich hin fluchte.</p><p>Die beiden dunklen Gestalten kamen nur langsam voran, und es dauerte keine halbe Minute, bis Langdon und Vittoria hinter ihnen waren und sich von dort n�herten. Vittoria hielt die Waffe verborgen, au�er Sicht, doch jederzeit einsatzbereit. Als Langdon gegen einen Kieselstein trat und ein lautes Ger�usch verursachte, warf sie ihm einen nerv�sen Seitenblick zu. Doch die beiden Gestalten schienen nichts geh�rt zu haben. Sie unterhielten sich.</p><p>Als sie noch zehn Meter hinter ihnen waren, h�rte Langdon zum ersten Mal Stimmen. Keine deutlichen Worte, nur leises Gemurmel. Vittoria lockerte ihre Arme, und die Waffe wurde sichtbar. Sechs Meter. Die Stimmen waren nun lauter - eine sehr viel lauter als die andere. Zornig. Langdon erkannte die Stimme einer alten Frau. Rau. Keifend. Er strengte sich an, um sie zu verstehen, doch eine zweite Stimme durchschnitt die Nacht.</p><p><emphasis>�Mi scusi�,</emphasis> erklang Vittorias freundliche Stimme.</p><p>Langdon versteifte sich, als das vermummte Paar stehen blieb und sich umwandte. Vittoria ging immer noch direkt auf sie zu. Sie w�rden keine Zeit haben zu reagieren. Langdon selbst war stehen geblieben. Er beobachtete, wie Vittoria die Pistole z�ckte und den Lauf nach vorne schwang. Dann erblickte er �ber ihre Schulter hinweg ein Gesicht, nun erhellt von einer Stra�enlaterne. Er sprang vor. �Vittoria! Nein!�</p><p>Vittoria war einen Sekundenbruchteil schneller als er. Mit einer Bewegung, die so schnell wie beil�ufig war, verschr�nkte sie die Arme wie eine Frau, die in der Nacht fr�stelt, sodass die Pistole nicht mehr zu sehen war. Langdon stolperte neben sie und h�tte beinahe die beiden verschleierten Gestalten umgerannt.</p><p><emphasis>�Buona sera�,</emphasis> sagte Vittoria �berrascht.</p><p>Langdon atmete erleichtert auf. Vor ihnen standen zwei �ltliche Frauen, die sie unter ihren Kopft�chern hervor m�rrisch und misstrauisch anstarrten. Eine der beiden war so alt, dass sie kaum noch aus eigener Kraft stehen konnte. Die andere st�tzte sie. Beide hielten Rosenkr�nze. Die unerwartete St�rung schien sie zu verwirren.</p><p>Vittoria l�chelte, obwohl sie blass geworden war. <emphasis>�Dove e la chiesa Santa Maria della Vittoria -</emphasis> ist das die Kirche Santa Maria della Vittoria?�</p><p>Die beiden Frauen deuteten gleichzeitig auf die dunkle Silhouette des Geb�udes hinter sich, aus dessen Richtung sie gekommen waren. <emphasis>�E la.�</emphasis></p><p><emphasis>�Grazie�,</emphasis> bedankte sich Langdon, legte Vittoria die H�nde auf die Schultern und zog sie sanft zu sich zur�ck. Nicht zu fassen, dass sie fast zwei alte Frauen angegriffen hatten.</p><p><emphasis>�Non sipu� entrare�,</emphasis> warnte die j�ngere der Frauen. <emphasis>�E chiusa temprano.�</emphasis></p><p>�Sie hat fr�her geschlossen?� Vittoria sah �berrascht aus.</p><p><emphasis>�Perchef�</emphasis></p><p>Beide Frauen schnatterten auf einmal los. Sie klangen �rgerlich. Langdon verstand nur Brocken ihres Italienisch. Offensichtlich waren die Frauen vor einer Viertelstunde in die Kirche gegangen, um in diesen Zeiten der Not f�r den Vatikan zu beten, als ein Mann erschienen war und ihnen mitgeteilt hatte, dass die Kirche fr�her schlie�en w�rde.</p><p><emphasis>�Hanno conosciuto l�uomo?�,</emphasis> fragte Vittoria angespannt. �Haben Sie den Mann gekannt?�</p><p>Die beiden Frauen sch�ttelten die K�pfe. Er war ein <emphasis>straniero crudo</emphasis> gewesen, erkl�rten sie, und er hatte die Gl�ubigen fast mit Gewalt zum Gehen gezwungen, selbst den jungen Priester und den K�ster, die gesagt h�tten, dass sie die Polizei holen w�rden. Der Fremde h�tte nur gelacht und erwidert, dass die Polizei am besten auch gleich Kameras mitbringen solle.</p><p><emphasis>Kameras?,</emphasis> fragte sich Langdon.</p><p>Die Frau guckte �rgerlich und nannte den Fremden einen <emphasis>bararabo.</emphasis> Murrend setzten die beiden Alten schlie�lich ihren Weg fort.</p><p><emphasis>�Bararabo?�,</emphasis> fragte Langdon. �Einen Barbaren?�</p><p>Vittoria wirkte nerv�s. �Nicht ganz. <emphasis>Bararabo</emphasis> ist ein abf�lliger Ausdruck, ein Wortspiel f�r <emphasis>Arabo.</emphasis> Ein Araber also.�</p><p>Langdon erschauerte und wandte sich zu dem dunklen Umriss der Kirche um. Noch in der Bewegung sah er etwas hinter den bunt verglasten Fenstern, das sein Blut zu Eis erstarren lie�.</p><p>Vittoria hatte es noch nicht gesehen. Sie zog ihr Mobiltelefon aus der Tasche und dr�ckte auf die automatische Wahlwiederholung. �Ich warne Olivetti.�</p><p>Wortlos ber�hrte Langdon sie am Arm und deutete mit zitternden Fingern zur Kirche.</p><p>Vittoria stie� einen erschrockenen Laut aus.</p><p>Die bunten Kirchenfenster leuchteten wie teuflische Augen in der Nacht. Es gab keinen Zweifel - in der Kirche brannte es.</p></section><section><title><p>Kapitel 91.</p></title><p>Langdon und Vittoria rannten zum Haupteingang der Kirche Santa Maria della Vittoria. Die schwere Holzt�r war versperrt. Vittoria feuerte drei Sch�sse aus Olivettis Halbautomatik in das alte Schloss, und es zersplitterte.</p><p>Die Kirche besa� keinen Vorraum. Als Langdon und Vittoria die T�r aufstie�en, standen sie direkt im Hauptschiff. Der Anblick, der sie erwartete, war so bizarr, so unerwartet, dass Langdon f�r einen Moment die Augen schlie�en musste, bevor sein Verstand die Bilder verarbeiten konnte.</p><p>Die Santa Maria della Vittoria war in pr�chtigem Barock ausgestattet - vergoldete W�nde, ein goldener Altar. Mitten in der Kirche, unter der Kuppel, waren Holzb�nke aufeinander gestapelt und standen in hell lodernden Flammen, ein Freudenfeuer, das hoch hinauf in die Kuppel schlug. Erst als Langdons Blicke dem flammenden Inferno nach oben folgten, enth�llte sich ihm das wirkliche Entsetzen der gesamten Szene.</p><p>Hoch �ber dem Boden, rechts und links der Kuppel, hingen zwei lange Ketten herab, die normalerweise zum Schwenken von schweren Weihrauchgef��en benutzt wurden. Doch jetzt hingen keine Gef��e an den Ketten, und sie schwangen auch nicht hin und her. Sie wurden f�r etwas anderes benutzt.</p><p>Ein Mensch hing an den Ketten. Ein nackter Mann, der mit ausgestreckten Armen an je eine Kette gefesselt war. Es sah aus, als w�rde er auseinander gerissen, als w�re er an ein unsichtbares Kreuz genagelt, das in diesem Haus Gottes schwebte.</p><p>Langdon starrte wie bet�ubt nach oben. Einen Augenblick sp�ter wurde ihm die ganze Abscheulichkeit der Szene bewusst</p><p>- der alte Mann war noch am Leben. Er hob den Kopf und</p><p>starrte aus weit aufgerissenen Augen in stillem Flehen zu Langdon hinunter. Auf der Brust des Mannes war ein Brandmal. Langdon konnte es nicht deutlich erkennen, doch er hatte keinen Zweifel, was dieses Mal besagte. Die Flammen schlugen von Sekunde zu Sekunde h�her. Als sie die Beine des Mannes erreichten, stie� er einen gequ�lten Schrei aus. Sein K�rper bebte vor Schmerz.</p><p>Wie von einer unsichtbaren Macht angetrieben, setzte Langdon sich in Bewegung. Er rannte durch den Mittelgang auf die lodernden Kirchenb�nke zu. Seine Lungen f�llten sich mit Rauch, und drei Meter vor dem Feuer stie� er auf eine beinahe massive Wand aus Hitze. Die Haut auf seinem Gesicht wurde versengt, und er prallte zur�ck, wobei er die H�nde zum Schutz der Augen hochriss. Er landete hart auf dem Marmorboden, rappelte sich auf und k�mpfte sich von neuem und mit sch�tzend erhobenen H�nden auf die Flammen zu.</p><p>Vergeblich. Das Feuer war zu hei�.</p><p>Er zog sich zur�ck und suchte die W�nde ab. <emphasis>Ein schwerer Wandteppich,</emphasis> dachte er. <emphasis>Wenn ich die Flammen irgendwie ersticken kann</emphasis>... Doch er wusste, dass es keinen Wandteppich gab. <emphasis>Das hier ist eine Barockkirche, Robert, keine deutsche Ritterburg! Denk nach!</emphasis> Er zwang sich, nach oben zu schauen, auf den h�ngenden Mann.</p><p>Die Flammen z�ngelten bis in die raucherf�llte Kuppel hinauf. Die beiden Ketten f�hrten von den Handgelenken des Gefesselten zu gro�en Metallringen in den W�nden und von dort nach unten zu Befestigungshaken auf beiden Seiten des Hauptschiffs. Langdon starrte zu einem der Haken. Er befand sich hoch an der Wand, doch er wusste, dass er nur eine der beiden Ketten l�sen musste, um die Spannung von beiden zu nehmen. Wenn es ihm gelang, w�rde der Mann zur Seite und aus dem Feuer schwingen.</p><p>Ein pl�tzlicher Flammensto� schoss in die H�he, und</p><p>Langdon h�rte einen durchdringenden Schrei von oben. Die Haut an den F��en des Mannes warf Blasen. Der Kardinal verbrannte bei lebendigem Leibe. Langdon richtete den Blick auf den Befestigungshaken und rannte los.</p><p>Im hinteren Bereich der Kirche klammerte sich Vittoria Halt suchend an eine Holzbank und versuchte zu begreifen, was sie vor sich sah. Das Bild war grauenhaft. Sie zwang sich, den Blick abzuwenden. <emphasis>Unternimm etwas!</emphasis> Sie fragte sich, wo Olivetti steckte. Hatte er den Assassinen gesehen? Hatte er ihn gefasst? Wo steckten die beiden? Vittoria setzte sich in Bewegung, um Langdon zu helfen. Das Prasseln der Flammen wurde von Sekunde zu Sekunde lauter.</p><p>Dann h�rte sie ein Ger�usch und blieb wie angewurzelt stehen. Es war ein metallisches Brummen. Ganz in der N�he. In kurzen Abst�nden. Es schien von den Kirchenb�nken zu ihrer Linken zu kommen. Ein Ger�usch wie das Klingeln eines Telefons, aber steinern und hart. Vittoria umklammerte entschlossen den Griff der Pistole und bewegte sich zwischen den Kirchenb�nken hindurch auf die Quelle des Ger�usches zu. Das Brummen wurde lauter. An. Aus. An. Aus. Regelm��ig.</p><p>Sie n�herte sich dem Ende des Gangs und erkannte, dass das Brummen vom Boden kam, direkt hinter der letzten Kirchenbank, au�er Sicht. W�hrend sie n�her schlich, die Pistole entsichert und in der vorgehaltenen rechten Hand, wurde ihr klar, dass sie auch in der Linken etwas hielt - ihr Mobiltelefon. In ihrer Panik hatte sie vergessen, dass sie es drau�en vor der Kirche aus der Tasche gezogen hatte, um Oberst Olivetti zu warnen. Sie hob das Telefon an das Ohr. Es l�utete noch immer. Niemand hatte abgehoben. Olivetti hatte ihren Anruf nicht entgegengenommen.</p><p>Pl�tzlich erkannte Vittoria die Ursache f�r das brummende Ger�usch, und Entsetzen erfasste sie. Zitternd trat sie vor.</p><p>Eine leblose Gestalt lag auf dem Boden. Kein Blutstrom floss aus dem Leichnam, kein gebrandmarktes Fleisch war zu sehen, doch der Kopf des Obersten war nach hinten verdreht. ein Grauen erregender Anblick. Vittoria k�mpfte gegen die aufsteigenden Bilder vom gequ�lten Leib ihres eigenen Vaters an.</p><p>Das Telefon Olivettis lag auf dem Boden und vibrierte wieder und wieder auf dem kalten Marmor. Vittoria klappte ihr eigenes Handy zu, und das Brummen brach ab. In der Stille h�rte sie ein neues Ger�usch. Ein Atmen in der Dunkelheit, direkt hinter ihr.</p><p>Sie wollte herumwirbeln, doch sie wusste, dass sie zu langsam war. Ein brennend hei�er Blitz durchzuckte sie vom Kopf bis zu den F��en. �Jetzt geh�rst du mir�, h�rte sie.</p><p>Dann wurde es schwarz um sie herum.</p><p>Auf der anderen Seite des Kirchenraums, an der linken L�ngswand, balancierte Langdon �ber eine Kirchenbank und reckte sich in dem Versuch, den Befestigungshaken zu erreichen. Die Kette hing immer noch zwei Meter �ber seinem Kopf. Haken wie dieser waren weit verbreitet, und sie hingen so hoch, um zu verhindern, dass Unbefugte sich daran zu schaffen machten. Langdon wusste, dass Priester <emphasis>piuoli</emphasis> benutzten, Holzleitern, um die Haken zu erreichen. Der M�rder hatte also offensichtlich die Leiter benutzt, um sein Opfer aufzuh�ngen. <emphasis>Und wo steckt sie jetzt, verdammt?</emphasis> Langdon blickte nach unten und suchte den Boden ringsum ab. Er meinte sich schwach zu erinnern, irgendwo hier drinnen eine Leiter gesehen zu haben. <emphasis>Aber wo?</emphasis> Einen Augenblick sp�ter fiel es ihm wieder ein, und sein Mut sank. Er wandte sich zu dem tosenden Feuer um. Dort war die Leiter, oben auf dem Haufen aus Kirchenb�nken, und stand in hellen Flammen.</p><p>Verzweiflung breitete sich in Langdon aus. Von seiner erhobenen Plattform aus suchte er den gesamten Innenraum nach irgendetwas ab, das ihm helfen konnte, den Haken zu erreichen. Pl�tzlich durchfuhr ihn ein weiterer Schreck. <emphasis>Wo steckt Vittoria?</emphasis></p><p>Sie war verschwunden. <emphasis>Ist sie losgelaufen, um Hilfe zu holen? </emphasis>Langdon rief laut ihren Namen, doch niemand antwortete. <emphasis>Und wo ist Olivetti?</emphasis></p><p>Ein lang gezogener, gequ�lter Schrei von oben verriet Langdon, dass es zu sp�t war. Er richtete den Blick zur Kuppel hinauf, zu dem langsam verbrennenden Opfer, und ein einziger Gedanke erf�llte ihn. <emphasis>Wasser.</emphasis></p><p>�Ich brauche Wasser!�, rief er laut. �Schnell!�</p><p>�Das kommt als N�chstes�, antwortete eine raue Stimme aus dem hinteren Teil der Kirche.</p><p>Langdon wirbelte herum und w�re fast von der Kirchenbank gefallen.</p><p>Durch den Seitengang kam ein dunkles Ungeheuer von einem Mann direkt auf ihn zu. Selbst im Schein des Feuers waren seine Augen schwarz. Langdon erkannte die Pistole in der Hand des Mannes als jene Waffe, die er selbst in seiner Jacke getragen hatte. die Waffe, die Vittoria gehalten hatte, als sie die Kirche betreten hatten.</p><p>Panik stieg in Langdon auf. <emphasis>Was ist mit Vittoria? Was hat dieses Ungeheuer ihr angetan? Ist sie verletzt? Oder tot...?</emphasis> Im gleichen Augenblick bemerkte Langdon, dass der Mann oben in der Kuppel lauter schrie. Der Kardinal w�rde sterben. Es war unm�glich, ihm noch zu helfen.</p><p>Der M�rder richtete die Pistole auf Langdon und zielte. Langdons Instinkt gewann die Oberhand, und er warf sich in dem Augenblick zur Seite, als der Schuss aufpeitschte. Mit ausgestreckten Armen segelte er �ber die Kirchenb�nke hinweg.</p><p>Er prallte hart auf, rollte �ber eine Bank und krachte auf den harten Marmorboden. Zu seiner Rechten n�herten sich Schritte. Langdon warf sich in Richtung des Altars herum und kroch</p><p>unter den Kirchenb�nken hindurch um sein Leben.</p><p>Hoch oben unter der Kuppel durchlitt Kardinal Guidera die letzten bewussten Augenblicke der Qual. Er blickte an seinem nackten Leib hinab und erkannte voller Entsetzen, wie die Haut an seinen Beinen Blasen warf und sich ab sch�lte. <emphasis>Ich bin in der H�lle,</emphasis> dachte er. <emphasis>Mein Gott, warum hast du mich verlassen?</emphasis> Er wusste, dass es die H�lle sein musste, weil er das Brandzeichen auf seiner Brust lesen konnte. und obwohl es auf dem Kopf stand, konnte er es durch irgendeine teuflische Magie lesen:</p><p>Drei Wahlg�nge. Kein Papst.</p></section><section><title><p>Kapitel 92.</p></title><p>In der Sixtinischen Kapelle betete Kardinal Mortati um ein Wunder. <emphasis>Sende uns die preferiti!</emphasis> Die Verz�gerungstaktiken dauerten nun lange genug. Ein einziger verschwundener Kandidat - das h�tte Mortati ja noch verstanden, aber alle vier. Damit blieb ihnen �berhaupt keine andere Wahl. Unter diesen Umst�nden w�rde eine Zwei-Drittel-Mehrheit nur durch Gottes pers�nliche Hilfe zustande kommen.</p><p>Als die schweren Riegel der �u�eren T�r knirschend zur�ckgeschoben wurden, wirbelten Mortati und das gesamte Kardinalskollegium wie ein Mann herum und starrten auf den Eingang. Mortati wusste, dass das Durchbrechen des Siegels nur eins bedeuten konnte. Nach dem Vatikanischen Gesetz durfte das Konklave nur in zwei F�llen vor dem Ende gest�rt werden -entweder, wenn einer der Kardinale in der Kapelle todkrank wurde, oder um versp�tete Kardinale einzulassen.</p><p><emphasis>Die preferiti kommen!</emphasis></p><p>Mortati jubelte innerlich. Das Konklave war gerettet! Doch als die T�r ge�ffnet wurde, war das Gemurmel, das sich erhob, alles andere als freudig. Mortati starrte in ungl�ubigem Schrecken auf den Mann, der die Kapelle betrat. Zum ersten Mal in der Geschichte des Vatikans �berquerte ein Camerlengo die heilige Schwelle des Konklaves, nachdem die T�ren versiegelt worden waren.</p><p><emphasis>Was denkt er sich dabei?</emphasis></p><p>Der Camerlengo ging zum Altar und wandte sich an die fassungslosen Kardinale. �Monsignori�, sagte er, �ich habe so lange gewartet, wie es mir m�glich war. Doch die j�ngsten Ereignisse lassen mir keine andere Wahl, als Sie zu</p><p>informieren.�</p></section><section><title><p>Kapitel 93.</p></title><p>-Langdon wusste nicht, wohin er fl�chten sollte. Instinkt war sein einziger Kompass, und Instinkt trieb ihn von der Gefahr weg. Seine Ellbogen und Knie brannten wie Feuer, w�hrend er sich in panischer Flucht unter den Kirchenb�nken hindurchwand. Eine Stimme riet ihm, nach links auszuweichen. <emphasis>Wenn du es bis in den Mittelgang schaffst, kannst du zum Ausgang rennen!</emphasis> Er wusste, dass es unm�glich war. <emphasis>Der Mittelgang ist von einer Wand aus Flammen versperrt! </emphasis>W�hrend sein Verstand fieberhaft nach einem Ausweg suchte, wand er sich in blinder Panik weiter. Die Schritte zur Rechten n�herten sich schneller und schneller.</p><p>Als es geschah, war Langdon v�llig unvorbereitet. Er hatte geglaubt, dass noch wenigstens drei weitere Meter Kirchenb�nke bis zum leeren Raum vor dem Altar vor ihm lagen, doch pl�tzlich war er drau�en und ohne Deckung. Er erstarrte. Zu seiner Linken erhob sich in einer Nische die Skulptur, die ihn hierher gef�hrt hatte. Sie sah riesig aus. Er hatte Berninis <emphasis>Verz�ckung der Heiligen Teresa</emphasis> v�llig vergessen. Das Bildnis sah tats�chlich aus wie ein pornografisches Stillleben.die Heilige auf dem R�cken, den Mund zu einem verz�ckten St�hnen aufgerissen, und �ber ihr der Engel mit seinem Feuerspeer.</p><p>In einer Kirchenbank direkt neben Langdons Kopf explodierte eine Kugel. Er sp�rte, wie sein K�rper aufsprang wie der eines Sprinters von einem Startblock. Kaum zu einem klaren Gedanken f�hig, rannte er geduckt, mit tief eingezogenem Kopf, nach rechts zum Seitenschiff. Sch�sse jagten hinter ihm her, und er warf sich erneut hin und schlitterte �ber den glatten Marmorboden, bis er gegen die Balustrade vor einer Nische in der Wand krachte.</p><p>Er rappelte sich auf. und dann sah er sie. Ein regloses B�ndel im hinteren Bereich der Kirche. <emphasis>Vittoria!</emphasis> Ihre nackten Beine lagen verdreht unter ihr, doch irgendwie sp�rte Langdon, dass sie noch atmete. Er hatte keine Zeit, ihr zu helfen.</p><p>Der M�rder umrundete die Kirchenb�nke auf der anderen Seite und kam unaufhaltsam n�her. Langdon wusste, dass es jeden Augenblick vorbei war. Der M�rder hob die Waffe. Langdon warf sich r�cklings �ber die Balustrade und rollte in die Nische. Als er auf der anderen Seite landete, explodierten die dicken S�ulen der Marmorbalustrade in einem Kugelhagel.</p><p>Langdon f�hlte sich wie ein in die Enge getriebenes Tier, als er tiefer in die halbrunde Nische zur�ckwich. Vor ihm erhob sich der einzige Gegenstand des Raums: ein einzelner Sarkophag. <emphasis>Vielleicht wird das mein Grab,</emphasis> dachte Langdon. Der Beh�lter selbst schien merkw�rdig passend - eine <emphasis>scatola,</emphasis> ein kleiner, schmuckloser Marmorkasten, direkt an der R�ckwand der Nische. Ein Billigbegr�bnis. Der Sarkophag ruhte auf zwei Marmorbl�cken, und Langdon musterte den Zwischenraum, w�hrend er sich fragte, ob er gro� genug sei, um hindurchzuschl�pfen.</p><p>Hinter ihm hallten Schritte.</p><p>Ohne erkennbare Alternative dr�ckte sich Langdon an den Boden und kroch auf den Sarkophag zu. Er packte die beiden Marmorbl�cke, einen mit jeder Hand, und zog sich wie ein Brustschwimmer in die L�cke unter dem steinernen Grab.</p><p>Ein weiterer Schuss fiel.</p><p>Langdon sp�rte, wie die Kugel haarscharf an ihm vorbeiging. Es gab ein lautes Ger�usch wie von einem Peitschenschlag, als die Kugel in einer Staubwolke aus Marmor explodierte. Blut rauschte in Langdons Ohren, als er seinen K�rper ganz in den Zwischenraum unter dem Sarkophag wuchtete und auf der anderen Seite herauskam.</p><p>Eine Sackgasse.</p><p>Langdon stand direkt vor der R�ckwand der Nische. Er bezweifelte nicht, dass dieser winzige Zwischenraum zu seinem Grab wurde. <emphasis>Und zwar bald,</emphasis> erkannte er, als er den Pistolenlauf in der �ffnung unter dem Sarkophag auftauchen sah.</p><p>Der M�rder hielt die Waffe parallel zum Boden und zielte direkt auf Langdons K�rpermitte.</p><p>Er konnte ihn unm�glich verfehlen.</p><p>Der Selbsterhaltungstrieb �bernahm die Kontrolle �ber Langdons Bewusstsein. Er drehte sich auf den Bauch, parallel zum Sarkophag, und dr�ckte sich mit H�nden und F��en vom Boden ab. Der Schnitt, den er sich im Geheimarchiv am geborstenen Glas zugezogen hatte, platzte wieder auf. Langdon ignorierte den Schmerz. Er dr�ckte sich genau in dem Augenblick vom Boden hoch, als die Sch�sse peitschten. Langdon sp�rte die Schockwellen hei�er Gase aus dem Lauf der Waffe, als die Kugeln unter ihm hindurchgingen und in den por�sen Travertin auf der R�ckseite der Nische einschlugen. Er schloss die Augen und k�mpfte gegen die Ersch�pfung, w�hrend er betete, dass es endlich aufh�ren m�ge.</p><p>Und dann h�rte es auf.</p><p>Dem Dr�hnen der Pistolensch�sse folgte das kalte Klicken einer leeren Kammer.</p><p>Langsam �ffnete Langdon die Augen, als k�nnten seine Lider ein Ger�usch verursachen. Er k�mpfte gegen das Zittern und den Schmerz, wagte kaum zu atmen. Seine Ohren waren taub von den Sch�ssen, trotzdem lauschte er auf ein Zeichen, dass der M�rder gegangen sein k�nnte. Stille. Vittoria fiel ihm ein, und alles in ihm dr�ngte danach, ihr zu helfen.</p><p>Dann folgte ein neues Ger�usch, nervenzerfetzend und beinahe �bermenschlich. Ein gutturales Br�llen.</p><p>Der Sarkophag �ber Langdons Kopf schien sich unvermittelt zur Seite zu neigen. Langdon brach zusammen, als Zentnerlasten auf ihn dr�ckten. Der Deckel des Sarkophags geriet ins Rutschen und krachte dicht neben Langdon zu Boden. Als N�chstes kam der Beh�lter selbst; er kippte von seinen beiden Sockeln und st�rzte kopf�ber auf Langdon hinunter.</p><p>Langdon wusste, dass er entweder lebendig in dem Hohlraum darunter begraben oder von einer der Seitenw�nde zerquetscht werden w�rde. Er zog die Beine und den Kopf an und dr�ckte die Arme an den Leib, um sich so klein wie m�glich zu machen. Dann schloss er die Augen und wartete auf das Ende.</p><p>Es gab einen gewaltigen Schlag, und der Boden unter ihm erzitterte. Der obere Rand des Sarkophags landete nur Millimeter �ber Langdons Kopf. Sein rechter Arm, den er bereits zerschmettert gesehen hatte, war auf wundersame Weise unverletzt. Langdon �ffnete die Augen und sah einen schmalen hellen Spalt. Der Sarkophag war nicht glatt auf dem Boden zur Ruhe gekommen; der Rand hing noch zum Teil auf den St�tzen!</p><p>Doch Langdon starrte dem Tod buchst�blich ins Gesicht.</p><p>Der Tote, der in diesem Sarkophag seine letzte Ruhe gefunden hatte, klebte am Boden seines Steingrabs, gehalten von zerfallenden Proteinen und K�rperfl�ssigkeiten, wie es h�ufig bei sich zersetzenden K�rpern der Fall ist, und starrte Langdon aus leeren Augenh�hlen an.</p><p>Das Skelett verharrte einen Moment in seiner Lage, wie ein vorsichtiger Liebhaber, dann ergab es sich der Gravitation und l�ste sich vom Boden des Sarkophags. Faulige Knochen und Staub regneten auf Langdon herab.</p><p>Bevor er reagieren konnte, tastete eine Hand unter dem Rand des Sarkophags hindurch nach ihm wie ein hungriger Python. Sie fand seinen Hals und dr�ckte zu. Langdon versuchte, gegen die eiserne Faust anzuk�mpfen, die seinen Kehlkopf zu zerquetschen drohte, doch sein �rmel war auf der anderen Seite unter dem Rand des Sarkophags eingeklemmt. Er hatte nur eine Hand frei, und eine Hand war zu schwach, um sich dem erstickenden Griff zu entwinden.</p><p>Langdon zappelte hilflos in dem kleinen Raum, der ihm zur Verf�gung stand, und seine tastenden F��e fanden den unteren Rand des Sarkophags. Er stemmte sich mit letzter Kraft dagegen, w�hrend ihm die Sinne zu schwinden drohten. Der Sarkophag bewegte sich nur um Bruchteile eines Millimeters, doch es reichte.</p><p>Knirschend rutschte er vollends von den beiden St�tzen und landete glatt auf dem Boden. Der Rand krachte auf den Unterarm des M�rders, und Langdon h�rte einen unterdr�ckten Schmerzensschrei. Die Hand l�ste sich von seinem Hals, zuckte und wand sich in der Dunkelheit. Als der M�rder seinen Arm schlie�lich ganz unter dem Rand hervorgezogen hatte, fiel der Sarkophag mit einem dumpfen Schlag auf den flachen Marmorboden.</p><p>Vollkommene Dunkelheit. Wieder einmal.</p><p>Und Stille.</p><p>Kein H�mmern gegen den umgekippten Sarkophag. Kein Versuch, ihn umzudrehen und an den eingeschlossenen Langdon zu kommen. Nichts. Langdon lag in der Dunkelheit inmitten modernder Knochen und k�mpfte gegen die Dunkelheit an. Seine Gedanken galten Vittoria.</p><p><emphasis>Lebst du noch?</emphasis></p><p>H�tte er gewusst, welches Entsetzen sie erwartete, nachdem sie aus ihrer Bewusstlosigkeit erwacht war, h�tte er um ihretwillen gebetet, sie m�ge tot sein.</p></section><section><title><p>Kapitel 94.</p></title><p>Kardinal Mortati sa� in der Sixtinischen Kapelle inmitten seiner sprachlosen Br�der vom Kollegium und konnte kaum begreifen, was er h�rte.</p><p>Vor ihnen, beim Altar und im Schein der Kerzen, hatte der Camerlengo soeben eine Geschichte erz�hlt - eine Geschichte von so viel Hass und Verrat, dass Mortati am ganzen Leib zitterte. Der Camerlengo hatte von entf�hrten Kardinalen gesprochen, von gebrandmarkten Kardinalen, von <emphasis>ermordeten </emphasis>Kardinalen. Er hatte von dem alten Geheimbund der Illuminati gesprochen - der Name allein beschwor uralte �ngste herauf -und von ihrem Wiederauferstehen und ihrem Racheschwur gegen die Kirche. Mit schmerzerf�llter Stimme hatte er berichtet, dass der tote Papst von den Illuminati <emphasis>ermordet </emphasis>worden war. Seine Stimme war kaum mehr als ein Fl�stern gewesen, als er schlie�lich die schlimmste Neuigkeit verk�ndet hatte: Dass eine neue Technologie, Antimaterie genannt, in weniger als zwei Stunden die ganze Vatikanstadt zu zerst�ren drohe.</p><p>Als der Camerlengo endete, schien es Mortati, als h�tte Satan selbst die Luft zum Atmen aus der Kapelle gesogen. Niemand war zu einer Regung imstande. Die Worte des Camerlengos hingen in der Dunkelheit.</p><p>Das einzige Ger�usch, das Mortati nun h�rte, war das Summen einer Fernsehkamera im hinteren Bereich - ein unerh�rter Vorgang, wie er in der Geschichte der katholischen Kirche w�hrend des Konklaves beispiellos war. Doch der Camerlengo hatte darauf bestanden. Er war mit zwei Reportern der BBC in die Kapelle gekommen - einem Mann und einer Frau -, was die fassungslosen Kardinale hatte erkennen lassen, dass sie seine ernste Ansprache <emphasis>live</emphasis> in die ganze Welt</p><p>ausstrahlen w�rden.</p><p>Nun trat der Camerlengo vor und sprach direkt in die Kamera. �An die Adresse der Illuminati�, begann er, und seine Stimme wurde eindringlich, �und an die Adresse derjenigen, die sich den Wissenschaften verschrieben haben, sage ich.� Er z�gerte. �Sie haben den Krieg gewonnen.�</p><p>Die Stille, die diesen Worten folgte, war allumfassend. Mortati h�rte das verzweifelte Pochen seines eigenen Herzens.</p><p>�Das Rad der Geschichte ist seit langer Zeit in Bewegung�, fuhr der Camerlengo fort. �Ihr Sieg war letzten Endes unausweichlich. Nie zuvor war das so offensichtlich wie zu diesem Zeitpunkt. Die Wissenschaften sind der neue Gott.�</p><p><emphasis>Was sagt er da,</emphasis> dachte Mortati. <emphasis>Hat er den Verstand verloren? Die ganze Welt h�rt zu!</emphasis></p><p>�Medizin, elektronische Kommunikation, Raumfahrt, genetische Manipulation. das sind die Wunder, von denen wir von heute an unseren Kindern erz�hlen. Es sind die Wunder, die wir als Beweis daf�r ansehe n, dass die Wissenschaften uns alle Antworten geben. Die alten Geschichten von der unbefleckten Empf�ngnis, von brennenden Str�uchern und sich teilenden Ozeanen sind bedeutungslos geworden. Gott selbst ist obsolet geworden! Die Wissenschaft hat den Kampf gewonnen. Wir kapitulieren.�</p><p>Verwirrtes Gemurmel und befremdete Gesichter in der Kapelle.</p><p>�Doch der Sieg der Wissenschaft�, fuhr Camerlengo Ventresca fort, und seine Stimme wurde noch eindringlicher, �hat uns alle einen Preis gekostet. Einen sehr hohen Preis.�</p><p>Stille.</p><p>�Die Wissenschaft mag das t�gliche Elend und die Arbeit erleichtert und gelindert und uns eine Vielzahl von Ger�ten gebracht haben, die uns das Leben bequem und unterhaltsam gestalten, doch sie hat uns zugleich eine Welt ohne jede Ordnung beschert. Unsere Sonnenunterg�nge bestehen nur noch aus Wellenl�ngen und Frequenzen. Die Komplexit�t unseres Universums ist aufgeteilt in eine Reihe mathematischer Gleichungen. Sogar unser Selbstwert als menschliche Wesen wurde zerst�rt. Die Wissenschaft behauptet, dass die Erde und die Menschen darauf nichts weiter sind als ein bedeutungsloser Fleck in einem viel gr��eren Ganzen. Ein kosmischer Unfall.� Er schwieg einen Augenblick; dann fuhr er fort: �Die Technologie, die uns zu vereinen versprach, teilt uns. Jeder von uns ist heutzutage elektronisch mit der ganzen Welt verbunden, und doch f�hlen wir uns uns�glich einsam. Wir werden bombardiert mit Gewalt, Zwist, Teilung und Betrug. Skeptizismus hat sich zu einer Tugend entwickelt. Zynismus und die st�ndige Forderung nach Beweisen sind zu aufgekl�rtem Gedankengut avanciert. Ist es ein Wunder, dass die Menschen heute mutloser und niedergeschlagener sind als je zuvor in der Geschichte? Gibt es <emphasis>irgendetwas,</emphasis> das f�r die Wissenschaft heilig ist? Sie sucht nach Antworten, indem sie mit ungeborenen F�ten experimentiert. Sie ma�t sich sogar an, die Erbsubstanz des Menschen zu manipulieren. Sie zerschmettert Gottes Welt in immer kleinere Bruchst�cke, auf der Suche nach dem Sinn. und alles, was sie findet, sind weitere Fragen.�</p><p>Mortati starrte den Camerlengo voll Ehrfurcht an. Seine Worte besa�en eine fast hypnotische Eindringlichkeit. Seine Bewegungen und seine Stimme waren von einer physischen Kraft, wie der alte Kardinal sie noch niemals vor einem vatikanischen Altar erlebt hatte, geschmiedet aus tiefster �berzeugung und Traurigkeit.</p><p>�Der alte Krieg zwischen Wissenschaft und Religion ist vorbei�, sagte der Camerlengo. �Sie haben gewonnen. Aber Ihr Sieg war nicht fair. Sie haben nicht gewonnen, indem Sie Antworten geliefert h�tten. Sie haben gewonnen, weil Sie die menschliche Gesellschaft so radikal ver�ndert haben, dass die</p><p>Wahrheiten, die wir einst als leuchtende Wegweiser betrachteten, heute als unzutreffend dastehen. Die Religion kann nicht mithalten. Die Wissenschaft w�chst explosionsartig und vermehrt sich wie ein Virus. Jeder neue Durchbruch �ffnet T�ren f�r weitere Durchbr�che. Die Menschheit ben�tigte Jahrtausende, um vom Rad zum Automobil fortzuschreiten, doch vom Automobil zur Weltraumfahrt waren es nur ein paar Jahrzehnte. Heute messen wir den wissenschaftlichen Fortschritt in Wochen. Wir geraten au�er Kontrolle. Der Abgrund zwischen uns einzelnen Menschen wird tiefer und tiefer - und weil die Religion auf der Strecke bleibt, finden wir uns in einem spirituellen Nichts wieder. Wir sehnen uns nach einer Bedeutung, wir schreien danach. Glauben Sie mir, wir <emphasis>schreien! </emphasis>Wir glauben Ufos zu sehen, nehmen an spiritistischen Sitzungen teil, schlucken bewusstseinserweiternde Drogen - all diese exzentrischen Ideen unter dem Deckmantel der Wissenschaft und doch schamlos irrational. Dies sind die verzweifelten Rufe der modernen Seele, einsam und gequ�lt, verkr�ppelt durch ihre eigene Erleuchtung und ihre Unf�higkeit, Bedeutung in irgendetwas zu erkennen, das abseits von Technologie zu finden ist.�</p><p>Mortati beugte sich unwillk�rlich in seinem Sitz vor. Die anderen Kardinale hingen wie er an den Lippen des Camerlengos - und nicht nur sie, sondern die ganze Welt. Der Camerlengo sprach ohne jede Hinweise auf die Heilige Schrift oder Jesus Christus. Er sprach in aufgekl�rten Begriffen, unverbl�mt und klar. Irgendwie gelang es ihm, die moderne Sprache zu treffen, als w�rden ihm die Worte von Gott selbst in den Mund gelegt, als verk�ndete er die uralte Botschaft. In diesem Augenblick erkannte Mortati einen der Gr�nde daf�r, dass der verstorbene Papst so gro�e St�cke auf den jungen Geistlichen gehalten hatte. In einer Welt voller Apathie, Zynismus und Verg�tterung der Technologie waren M�nner wie Camerlengo Ventresca - Realisten, die so zu ckn Seelen der</p><p>Menschen sprachen, wie er es gerade tat -, die einzige Hoffnung der Kirche.</p><p>Der Camerlengo wurde energisch. �Die Wissenschaftler, sagen Sie, werden uns retten. Die Wissenschaft, sage ich, hat uns zerst�rt. Seit den Tagen Galileos war die Kirche bem�ht, den unbarmherzigen Vormarsch der Wissenschaften zu verlangsamen. Manchmal mit den falschen Mitteln, doch stets mit der besten Absicht. Dennoch waren die Versuchungen zu gro� f�r die Menschen, um zu widerstehen. Ich warne Sie nachdr�cklich - sehen Sie sich um. Die Wissenschaft hat ihre Versprechen nicht eingel�st. Diese Versprechen haben nichts weiter hervorgebracht als Umweltverschmutzung und Chaos. Wir sind eine zerr�ttete und hektische Spezies, und wir bewegen uns auf einem Weg, der zu unserer eigenen Zerst�rung f�hrt.�</p><p>Der Camerlengo schwieg f�r einen langen Augenblick und schaute mit festem Blick direkt in die Kamera.</p><p>�Wer ist dieser Gott der Wissenschaft? Was ist das f�r ein Gott, der seinem Volk Macht anbietet, aber kein moralisches Rahmenwerk, das ihm sagt, wie diese Macht benutzt werden soll? Was ist das f�r ein Gott, der seinem Kind Feuer in die Hand dr�ckt, ohne es zu warnen, dass es sich verbrennen kann? Die Sprache der Wissenschaft ist frei von Wegweisern; es gibt keine Abgrenzung von Gut und B�se. Wissenschaftliche B�cher zeigen uns, wie man eine nukleare Reaktion in Gang setzt, doch es gibt kein Kapitel, in dem wir gefragt werden, ob es eine gute oder eine schlechte Idee ist!</p><p>An die Adresse der Wissenschaftler sage ich: Die Kirche ist m�de. Wir sind ersch�pft von dem Versuch, Ihnen den Weg zu weisen. Unsere Ressourcen sind verbraucht von unseren Anstrengungen, eine Stimme des Ausgleichs zu sein, w�hrend Sie blindlings weitereilen auf Ihrer Suche nach immer kleineren Chips und immer gr��erem Profit. Wir fragen nicht, warum Sie nicht selbst die Verantwortung f�r Ihr Tun �bernehmen - aber wie k�nnten Sie auch? Ihre Welt dreht sich so schnell, dass Sie nicht eine Sekunde anhalten k�nnen, um �ber die Folgen Ihres Tuns nachzudenken. Sie entwickeln Massenvernichtungswaffen, doch es war der Papst, der durch die Welt reisen und die nationalen F�hrer um Zur�ckhaltung anflehen musste. Sie klonen lebende Wesen, doch es ist die Kirche, die uns alle daran erinnert, die moralischen Folgen solchen Handelns nicht aus den Augen zu verlieren. Sie ermutigen die Menschen, an Videoschirmen und Computern zu kommunizieren, doch wieder ist es die Kirche, die ihre T�ren �ffnet und uns anh�lt, pers�nlich miteinander zu reden, wie es unserer Natur entspricht. Sie ermorden Ungeborene im Namen einer Wissenschaft, die Leben retten soll. Und allein die Kirche wehrt sich dagegen.</p><p>Trotzdem behaupten Sie, die Kirche sei ignorant. Wer ist unwissender, frage ich Sie? Der Mensch, der nicht wei�, wie ein Blitz zustande kommt, oder derjenige, der die furchtbare Kraft des Blitzes nicht respektiert? Die Kirche hat Ihnen stets die Hand entgegengestreckt. Sie hat jedem die Hand entgegengestreckt - und doch, je mehr wir helfen wollen, desto mehr schieben Sie uns von sich weg. <emphasis>Zeigen Sie uns den Beweis, dass es einen Gott gibt,</emphasis> fordern Sie von uns. Ich antworte Ihnen: Nehmen Sie Ihre Teleskope und schauen Sie hinauf zu den Sternen, und dann sagen Sie mir, wie es <emphasis>keinen</emphasis> Gott geben kann!� Der Camerlengo hatte Tr�nen in den Augen. �Sie fragen uns, wie Gott aussieht. Ich antworte, woher kommt diese Frage? Sehen Sie Gott denn nicht in Ihrer Wissenschaft? Wie k�nnen Sie ihn �bersehen? Sie verk�nden, dass die kleinste �nderung in der Gravitation oder dem Gewicht eines Atoms unser Universum zu einem leblosen Nebel gemacht h�tte statt zu einem endlosen Meer aus Himmelsk�rpern, und doch k�nnen Sie darin die Hand Gottes nicht sehen? Ist es tats�chlich so viel einfacher zu glauben, dass wir zuf�llig die eine richtige aus Abermillionen Karten gezogen haben? Sind wir spirituell bankrott gegangen, dass wir lieber an eine mathematische</p><p>Unm�glichkeit glauben als an eine Macht, die gr��er ist als wir?</p><p>Ob Sie an Gott glauben oder nicht�, sagte der Camerlengo mit einer Stimme, die ganz leise und beschw�rend wurde, �eines <emphasis>m�ssen</emphasis> Sie glauben. Wenn wir als Spezies den Glauben an eine Macht aufgeben, die �ber uns steht, geben wir zugleich unser Verantwortungsgef�hl auf. Glaube. <emphasis>jeder</emphasis> Glaube ist eine Mahnung, dass es dort drau�en etwas gibt, das wir nicht verstehen, etwas, dem gegen�ber wir verantwortlich sind. Solange wir glauben, empfinden wir Verantwortung f�reinander</p><p>- und gegen�ber einer h�heren Wahrheit. Die Religion ist fehlerhaft, doch das liegt nur daran, dass der Mensch nicht vollkommen ist. Wenn die Welt dort drau�en die Kirche sehen k�nnte, wie ich sie sehe. wenn sie <emphasis>hinter</emphasis> die Rituale in diesen Mauern sehen k�nnte. w�rde sie ein modernes Wunder erblicken. eine Bruderschaft einfacher, unvollkommener Seelen, die nichts weiter sein wollen als eine Stimme des Mitgef�hls in einer Welt, die au�er Kontrolle ger�t.�</p><p>Der Camerlengo deutete auf das Kardinalskollegium, und die Kamerafrau folgte ihm instinktiv in einem weiten Schwenk.</p><p>�Sind wir �berfl�ssig geworden?�, fragte der Camerlengo. �Sind diese M�nner wie Dinosaurier? Braucht die Welt wirklich jemanden, der f�r die Armen, die Schwachen, die Unterdr�ckten und die ungeborenen Kinder Partei ergreift? Brauchen wir Seelen, die, obwohl sie unvollkommen sind, ihr ganzes Leben damit verbringen, die Wegweiser der Moral zu studieren, damit wir anderen uns nicht verirren?�</p><p>Mortati wurde bewusst, dass der Camerlengo, ob es nun bewusst geschah oder nicht, einen brillanten Schachzug machte. Indem er die Kardinale gezeigt hatte, machte er die Kirche menschlich. Die Vatikanstadt war nicht l�nger ein anonymes Gem�uer, es waren Menschen - Menschen wie der Camerlengo oder die Kardinale, die ihr Leben dem Dienst an Gott gewidmet hatten.</p><p>�Heute Nacht stehen wir vor dem Abgrund�, sagte der Camerlengo. �Keiner von uns kann es sich leisten, unt�tig zuzusehen. Ob Sie das alles als satanisch, korrupt oder unmoralisch betrachten. die Macht des B�sen ist lebendig und w�chst jeden Tag. Ignorieren Sie diese Tatsache nicht.� Der Camerlengo senkte die Stimme zu einem Fl�stern, und die Kamera zoomte ganz nah heran. �Das B�se ist m�chtig�, sagte er, �doch es ist nicht unbesiegbar. Das Gute <emphasis>kann</emphasis> siegen. H�ren Sie auf Ihre Herzen. H�ren Sie auf Gott. Gemeinsam k�nnen wir von diesem Abgrund zur�cktreten.�</p><p>Jetzt verstand Mortati. Das also war der Grund. Das Konklave war verletzt worden, doch es war die einzige M�glichkeit. Es war eine dramatische, eine verzweifelte Bitte um Hilfe. Der Camerlengo sprach zu seinen Feinden und seinen Freunden zugleich. Er <emphasis>flehte</emphasis> alle Menschen an, das Licht zu sehen und mit dem Irrsinn aufzuh�ren. Irgendjemand w�rde vortreten und dem Wahnsinn dieser Verschw�rung Einhalt gebieten.</p><p>Der Camerlengo kniete vor dem Altar. �Beten Sie mit mir.�</p><p>Das Kollegium der Kardinale kniete nieder und folgte seinem Beispiel. Drau�en, auf dem Petersplatz, in Rom und �berall auf der Welt taten andere Menschen es ihnen gleich.</p></section><section><title><p>Kapitel 95.</p></title><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> legte seine bewusstlose Troph�e hinten in den Lieferwagen und nahm sich ein paar Sekunden Zeit, um ihren makellosen K�rper zu bewundern. Sie war nicht so wundersch�n wie die Frauen, die er kaufte, doch sie besa� eine animalische Kraft, die ihn faszinierte. Ihr K�rper strotzte vor Gesundheit und war feucht vom Schwei�. Sie duftete nach Moschus.</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> stand da und bewunderte seine Beute, chne den pochenden Schmerz in seinem Arm zu beachten. Die Schwellung stammte von dem herabfallenden Sarkophag, schmerzhaft, jedoch unbedeutend. Sie war den Preis, der dort im Lieferwagen vor ihm wartete, mehr als wert. Au�erdem tr�stete es ihn, dass der Amerikaner, der ihm das angetan hatte, wahrscheinlich tot war.</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> starrte auf seine reglose Gefangene und stellte sich vor, was als N�chstes kommen w�rde. Er schob eine Hand unter ihre Bluse. Ihre Br�ste unter dem BH f�hlten sich perfekt <emphasis>an. Ja.</emphasis> Er grinste. <emphasis>Du bist den Preis mehr als wert.</emphasis> Er k�mpfte gegen das Verlangen an, sie gleich hier zu nehmen, schloss die T�r und fuhr in die Nacht davon.</p><p>Nicht n�tig, die Presse �ber <emphasis>diesen</emphasis> Mord zu informieren. das w�rden die Flammen f�r ihn �bernehmen.</p><p>Die Sekret�rin Sylvie Baudeloque sa� wie bet�ubt vor der Fernsehansprache des Camerlengos. Nie zuvor hatte sie sich so stolz gef�hlt, Katholikin zu sein, und nie zuvor hatte sie sich so sehr daf�r gesch�mt, bei CERN zu arbeiten. Sie verlie� den Korridor mit den Fernsehr�umen und stellte fest, dass die Stimmung �berall gleicherma�en gedr�ckt und ernst war. Als sie zur�ck in ihrem B�ro war, l�uteten s�mtliche sieben Telefone gleichzeitig. Anfragen der Medien wurden niemals</p><p>hierher durchgestellt; sie landeten stets bei der Presseabteilung, also konnte es sich nur um eines handeln: Geld.</p><p>Die Antimaterietechnologie hatte also bereits Interessenten gefunden.</p><p>G�nther Glick ging wie auf Wolken, als er dem Camerlengo aus der Sixtinischen Kapelle folgte. Er und Chinita hatten soeben die Live�bertragung des Jahrzehnts gemacht. Was f�r eine �bertragung! Der Camerlengo hatte alle in seinen Bann gezogen.</p><p>Drau�en im Korridor wandte der Camerlengo sich zu G�nther und Chinita um. �Ich habe die Schweizergardisten gebeten, mehrere Fotos f�r Sie herauszusuchen. Bilder von den gebrandmarkten, ermordeten Kardinalen sowie ein Bild von Seiner Heiligkeit. Ich muss Sie allerdings warnen - es sind keine angenehmen Bilder. Furchtbare Brandwunden, eine schwarze Zunge. Trotzdem m�chte ich Sie bitten, diese Bilder in die ganze Welt auszustrahlen.�</p><p>G�nther f�hlte sich, als w�re im Vatikan die ewige Weihnacht ausgebrochen. <emphasis>Er will, dass ich ein Exklusivbild des toten Papstes ausstrahle?</emphasis> �Sind Sie sicher, Monsignore?�, fragte er, bem�ht, sich seine Aufregung nicht anmerken zu lassen.</p><p>Der Camerlengo nickte. �Die Schweizergarde wird Ihnen au�erdem das Livebild von der �berwachungskamera zeigen, auf dem der Antimateriebeh�lter mit dem Countdown zu sehen ist.�</p><p>G�nther starrte den Geistlichen an. <emphasis>Weihnachten. Weihnachten. Weihnachten!</emphasis></p><p>�Die Illuminati werden bald herausfinden�, erkl�rte der Camerlengo, �dass sie diesmal entschieden zu weit gegangen sind.�</p></section><section><title><p>Kapitel 96.</p></title><p>Die erstickende Dunkelheit war einmal mehr zur�ckgekehrt, wie ein sich wiederholendes Thema in einer d�monischen Symphonie.</p><p><emphasis>Kein Licht. Keine Luft. Kein Ausweg.</emphasis></p><p>Langdon lag gefangen unter dem umgekippten Sarkophag. Er versuchte, seine Gedanken irgendwohin zu lenken - nur nicht auf die erdr�ckende Dunkelheit des engen Raums, in dem er gefangen war. Er zwang sich zu logischen �berlegungen, Mathematik, Musik, irgendetwas. Doch seine Gedanken fanden keine Ruhe.</p><p><emphasis>Ich kann mich nicht bewegen! Ich kann nicht atmen!</emphasis></p><p>Sein eingequetschter �rmel war gl�cklicherweise freigekommen, als der Sarkophag g�nzlich heruntergefallen war, und er konnte jetzt beide Arme bewegen. Trotzdem war es ihm selbst unter Einsatz aller Kr�fte nicht gelungen, den steinernen Sarkophag auch nur einen Millimeter anzuheben. Er w�nschte beinahe, sein Jacken�rmel w�re noch unter dem Stein -<emphasis>wenigstens h�tte ch dann einen Spalt, durch den ich atmen k�nnte.</emphasis></p><p>Als Langdon gegen den Sarkophag dr�ckte, fiel der Jacken�rmel nach unten und gab den Blick auf das schwache Leuchten eines alten Freundes frei. Mickey Mouse. Das gr�nliche Comicgesicht erwiderte sp�ttisch seinen Blick.</p><p>Langdon suchte die ihn umgebende Dunkelheit nach einer anderen Lichtquelle ab, doch der Rand des Sarkophags schloss exakt mit dem Boden ab. <emphasis>Verdammte italienische Perfektionisten,</emphasis> fluchte er im Stillen. Die gleiche k�nstlerische Vollkommenheit, die er vor seinen Studenten stets so gelobt hatte - makellose Ecken und Kanten, fehlerlose Parallelen und</p><p>selbstverst�ndlich der nahtlose und unverw�stliche CarraraMarmor -, drohte ihm nun zum Verh�ngnis zu werden.</p><p>Pr�zision kann atemberaubend sein.</p><p>�Heb dieses verdammte Ding hoch!�, sagte er laut zu sich selbst und dr�ckte noch fester gegen den Sarkophag. Das Steingef�� bewegte sich leicht. Mit zusammengebissenen Z�hnen versuchte Langdon es noch einmal. Der Sarkophag f�hlte sich an wie ein Felsbrocken, doch diesmal gelang es ihm, das Gebilde einen halben Zentimeter anzuheben. Ein fl�chtiger Lichtschimmer drang unter dem Rand hindurch, dann krachte der Kasten wieder herab. Langdon lag �chzend im Dunkeln. Er versuchte die Beine zu strecken, doch jetzt, nachdem der Sarkophag heruntergekracht war, ging auch das nicht mehr.</p><p>Die Klaustrophobie �bermannte ihn erneut. Er hatte das Gef�hl, als w�rde der Stein sich ringsum zusammenziehen. Am Rande des Wahnsinns k�mpfte er mit jedem verbliebenen Funken von Intellekt gegen das beginnende Delirium an.</p><p>�Sarcophagus�, stellte er laut und mit so viel akademischer N�chternheit fest, wie er aufbringen konnte - doch im Augenblick schien sich selbst die Erudition gegen ihn verschworen zu haben.</p><p><emphasis>Sarcophagus stammt vom griechischen sarx f�r Fleisch und von</emphasis> phagei�n <emphasis>f�r fressen. Ich bin in einer Kiste gefangen, die mir im wahrsten Sinne des Wortes das Fleisch von den Knochen frisst.</emphasis></p><p>Die fr�hen Sarkophage waren tats�chlich aus einem besonderen Kalkstein gehauen worden, der die Verwesung des Fleisches f�rderte.</p><p>Die Bilder, die Langdon nun durch den Kopf gingen, erinnerten ihn auf scheu�liche Weise daran, dass er inmitten menschlicher Knochen lag. Ihm wurde �bel, und Schauer rannen ihm �ber den R�cken. Dann kam ihm ein Gedanke.</p><p>Er tastete blind im Sarkophag umher und fand schlie�lich, was er suchte - einen Knochensplitter. War es eine Rippe? Es spielte keine Rolle. Er brauchte einen Keil, nichts weiter. Wenn es ihm gelang, den Sarkophag zu heben, nur ein paar Millimeter, und das Knochenst�ck unter den Rand zu schieben, kam vielleicht gen�gend Luft hinein.</p><p>Langdon griff um sich herum und dr�ckte das spitze Knochenst�ck gegen den Sarkophag, w�hrend er mit der anderen Hand nach oben dr�ckte. Der Sarkophag bewegte sich um keinen Millimeter. Er versuchte es erneut. Einen Augenblick lang schien er leicht zu beben, doch das war alles.</p><p>Der faulige Gestank und der Sauerstoffmangel saugten die Kraft aus seinem K�rper. Langdon wurde bewusst, dass er h�chstens noch einen Versuch hatte. Und er w�rde beide Arme ben�tigen.</p><p>Er r�ckte sich in die richtige Position, dr�ckte das spitze Ende des Knochenst�cks gegen den Spalt am Boden und positionierte sich so, dass er es mit der Schulter an Ort und Stelle halten konnte. Vorsichtig, damit es nur ja nicht verrutschte, hob er beide H�nde und legte sie gegen den Innenboden des Sarkophags. Die drangvolle Enge seines Gef�ngnisses h�llte ihn ein, und einmal mehr stieg Panik in ihm auf. Es war das zweite Mal an diesem Tag, dass er ohne Luft in der Falle sa�. Er nahm all seine Kr�fte zusammen, und mit einem wilden Aufschrei dr�ckte er gegen den Sarkophag. Das Beh�ltnis hob sich f�r einen kurzen Augenblick vom Boden, doch der Augenblick reichte Langdon. Der Knochensplitter an seiner Schulter rutschte in den sich weitenden Spalt. Als der Sarkophag sich wieder senkte, zerschmetterte er den Knochen. Doch diesmal sah Langdon, dass ein kleiner Schlitz geblieben war, durch den Licht drang.</p><p>Ersch�pft blieb Langdon liegen. Er wartete darauf, dass das erstickende Gef�hl in seiner Kehle abklang, doch es wurde mit jeder Sekunde schlimmer. Falls �berhaupt Frischluft durch den schmalen Spalt drang, bemerkte er nichts davon. Langdon fragte sich, ob es ausreichte, um ihn am Leben zu halten. Und falls ja, f�r wie lange? Wenn er das Bewusstsein verlor - wer w�rde �berhaupt merken, dass er unter dem schweren Sarkophag gefangen lag?</p><p>Seine Arme waren schwer wie Blei. Er blickte auf die Uhr: zw�lf nach zehn. Langdon spielte seine letzte Karte aus. Mit zitternden Fingern hantierte er an den winzigen Einstellungen der Uhr und dr�ckte auf einen Knopf.</p><p>W�hrend sein Bewusstsein langsam schwand und die W�nde n�her und n�her r�ckten, �bermannten ihn die alten �ngste. Er versuchte sich vorzustellen, wie schon viele Male zuvor, dass er sich auf einem freien Feld befand. Das Bild, das vor seinen Augen entstand, war allerdings keine Hilfe. Es war der Albtraum, der ihn seit seiner Jugend verfolgte, und alles st�rzte wieder auf ihn ein.</p><p>Die Blumen sind wundersch�n, wie Gem�lde, <emphasis>dachte das Kind Robert Langdon und rannte lachend �ber die Wiese. Er w�nschte, seine Eltern w�ren mitgekommen. Doch seine Eltern waren damit besch�ftigt, das Zelt aufzuschlagen.</emphasis></p><p><emphasis>�Geh nicht zu weit!�, hatte seine Mutter ihn ermahnt.</emphasis></p><p><emphasis>Er hatte getan, als h�re er sie nicht, und war in die W�lder gerannt.</emphasis></p><p><emphasis>Jetzt hatte er diese wundervolle Wiese entdeckt, und mitten auf der Wiese fand er einen Haufen Feldsteine, vielleicht die Fundamente eines alten Geh�fts. Er w�rde nicht dorthin gehen; dazu war er zu klug. Au�erdem hatte etwas anderes seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen - ein leuchtender Frauenschuh, die seltenste und sch�nste Blume in ganz New Hampshire. Er hatte sie bisher nur auf Fotos in B�chern gesehen.</emphasis></p><p><emphasis>Aufgeregt wandte der Knabe sich der Blume zu. Er kniete nieder. Der Boden unter ihm f�hlte sich weich und hohl an. Er erkannte, dass die Blume einen sehr fruchtbaren Fleck gefunden</emphasis></p><p><emphasis>hatte. Sie wuchs auf einem St�ck verrottendem Holz</emphasis>...</p><p><emphasis>Angestachelt von dem Gedanken, seine Beute mit zu den Ehern zu nehmen, griff der Knabe nach der Pflanze... die Finger reckten sich nach dem St�ngel.</emphasis></p><p><emphasis>Er erreichte ihn nie.</emphasis></p><p><emphasis>Mit einem dumpfen Knacken gab die Erde unter ihm nach.</emphasis></p><p><emphasis>In den drei Sekunden bet�ubenden Entsetzens, w�hrend er fiel, wusste der Knabe, dass er sterben w�rde. Er fiel, rollte sich zusammen und bereitete sich auf den knochenbrechenden Aufprall vor. Als er kam, gab es keinen Schmerz. Nur K�lte.</emphasis></p><p><emphasis>Er prallte mit dem Gesicht zuerst aufs Wasser und versank in schwarzer Tiefe, w�hrend er orientierungslos umherwirbelte und gegen die steilen W�nde stie�, die ihn von allen Seiten umh�llten. Irgendwie fand er instinktiv zur Oberfl�che zur�ck.</emphasis></p><p><emphasis>Licht.</emphasis></p><p><emphasis>Ganz schwach, weit �ber ihm. Meilenweit �ber ihm, wie es schien.</emphasis></p><p><emphasis>Er zappelte im Wasser und tastete die W�nde nach einem Halt ab, an den er sich klammern konnte, doch er fand nur glatten Stein. Er war durch eine alte Brunnenabdeckung gefallen. Er schrie um Hilfe, doch seine Schreie hallten unbeantwortet durch den engen Schacht. Er rief wieder und wieder. �ber ihm wurde das Licht schw�cher.</emphasis></p><p><emphasis>Die Nacht brach herein.</emphasis></p><p><emphasis>Die Zeit schien sich in der Dunkelheit zu verzerren. Taubheit trat ein, w�hrend er wassertretend in den Tiefen des Abgrunds verharrte, immer wieder um Hilfe rufend und schreiend. Visionen von einst�rzenden W�nden qu�lten ihn, Mauern, die ihn lebendig begruben. Seine Arme schmerzten vor Ersch�pfung. Ein paar Mal meinte er, Stimmen zu h�ren. Er schrie um Hilfe, doch seine eigene Stimme klang erstickt und kraftlos... wie in einem Traum.</emphasis></p><p><emphasis>Die Nacht dauerte an, und der Schacht schien tiefer zu werden. Die W�nde r�ckten zusammen. Der Knabe k�mpfte gegen sie, dr�ckte sie von sich weg. Er war ersch�pft und wollte aufgeben; zugleich sp�rte er, wie das Wasser ihn trug und seine brennende Angst k�hlte, bis er taub war.</emphasis></p><p><emphasis>Als die Rettungsmannschaft eintraf, fand sie den Knaben fast bewusstlos. Er hatte mehr als f�nf Stunden wassertretend im Schacht verbracht. Zwei Tage sp�ter stand im</emphasis> Boston Globe <emphasis>ein Artikel auf der ersten Seite mit der Schlagzeile:</emphasis></p><p>DAS TAPFERE SCHWIMMERLEIN.</p></section><section><title><p>Kapitel 97.</p></title><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> l�chelte, als er den Lieferwagen in den gewaltigen Steinbau lenkte, der den Tiber �berragte. Er trug seine Beute nach oben, weiter und immer weiter durch den spiralf�rmig verlaufenden Tunnel, und war dankbar, dass sie so schlank war.</p><p>Er traf vor der T�r ein.</p><p><emphasis>Die Kirche der Erleuchtung,</emphasis> dachte er in diebischer Schadenfreude. <emphasis>Der alte Versammlungsraum der Illuminati. Wer h�tte gedacht, dass die Kirche sich ausgerechnet hier verbirgt?</emphasis></p><p>Drinnen legte er seine Beute auf einen Pl�schdiwan. Er band ihr fachm�nnisch zuerst die Arme hinter dem R�cken zusammen; dann fesselte er ihr die F��e. Das, wonach er gierte, w�rde warten m�ssen, bis er seine letzte Aufgabe erf�llt hatte: <emphasis>Wasser.</emphasis></p><p>Trotzdem blieb ihm noch ein wenig Zeit zum Schwelgen. Er kniete neben ihr nieder und fuhr mit der Hand �ber einen ihrer Schenkel. Die Haut f�hlte sich glatt an. H�her hinauf. Seine dunklen Finger tasteten sich unter den Saum ihrer Shorts. H�her.</p><p>Er hielt inne. <emphasis>Geduld,</emphasis> sagte er sich trotz der wachsenden Erregung. <emphasis>Es gibt noch Arbeit, die du erledigen musst.</emphasis></p><p>Er trat hinaus auf den steinernen Balkon der gro�en Kammer. Der Abendwind k�hlte seine Leidenschaft langsam ab. Tief unter ihm toste der Tiber. Er hob die Augen und blickte zur Kuppel des Petersdoms, etwas weiter als einen Kilometer entfernt, nackt unter dem grellen Leuchten Hunderter Scheinwerfer, die Fernsehstationen aus aller Welt auf dem weiten Platz aufgestellt hatten.</p><p>�Deine letzte Stunde�, sagte er laut und dachte an die</p><p>Tausende von Muslimen, die w�hrend der Kreuzz�ge abgeschlachtet worden waren. �Um Mitternacht wirst du deinem Gott gegen�bertreten.�</p><p>Hinter ihm in der Kammer regte sich die Frau. Der <emphasis>Hashshin </emphasis>wandte sich um. Er �berlegte, ob er sie aufwachen lassen sollte</p><p>- das Entsetzen in den Augen einer Frau war das beste aller Aphrodisiaka.</p><p>Doch er entschied sich dagegen. Besser, wenn sie bewusstlos blieb, w�hrend er weg war. Auch wenn sie gefesselt war und nicht entkommen konnte, wollte er nicht zur�ckkehren und sie ersch�pft vorfinden vom Kampf gegen die Fesseln. <emphasis>Ich m�chte, dass du dir deine Kraft aufsparst, f�r mich.</emphasis></p><p>Er hob ihren Kopf an, schob seine Hand unter ihren Nacken und fand die hohle Stelle direkt unter der Sch�delbasis, den Druckpunkt zwischen Meridian und Basis. Mit r�cksichtsloser Kraft trieb er seinen Daumen in den weichen Knorpel und sp�rte, wie er nachgab. Die Frau erschlaffte augenblicklich. <emphasis>Zwanzig Minuten,</emphasis> dachte er. Sie w�rde den aufreizenden Abschluss f�r einen perfekten Tag bilden. Nachdem sie ihm zu Willen gewesen und dabei gestorben war, w�rde er auf den Balkon hinaustreten und das mittern�chtliche Feuerwerk beim Vatikan beobachten.</p><p>Er lie� seine Beute bewusstlos auf dem Diwan zur�ck und ging hinunter zu einem unterirdischen Gew�lbe, das von Fackeln erhellt wurde. Die letzte Aufgabe. Er trat zum Tisch und bewunderte die heiligen Metallformen, die dort f�r ihn zur�ckgelassen worden waren.</p><p><emphasis>Wasser.</emphasis> Es war seine letzte.</p><p>Er nahm eine Fackel von der Wand, wie er es bereits dreimal zuvor getan hatte, und begann das Ende aufzuheizen. Als es wei� gl�hend war, ging er damit zu der Zelle.</p><p>Darin stand ein einzelner, schweigender Mann. Alt und allein.</p><p>�Kardinal Baggia�, zischte der <emphasis>Hashishin,</emphasis> �haben Sie Ihr</p><p>letztes Gebet gesprochen?�</p><p>Die Augen des Italieners zeigten keine Furcht. �Nur f�r deine Seele, mein Sohn.�</p></section><section><title><p>Kapitel 98.</p></title><p>Die sechs <emphasis>pompieri,</emphasis> die zu dem Feuer in der Kirche Santa Maria della Vittoria ausr�ckten, hatten den Brand rasch unter Kontrolle. Sie benutzten Halon; Wasser w�re billiger gewesen, doch der Dampf h�tte die Fresken in der Kirche vernichtet, und der Vatikan zahlte betr�chtliche Summen an die r�mischen Feuerwehren, damit sie bei Br�nden in einem der zahlreichen vatikanischen Geb�ude rasch und besonnen vorgingen.</p><p>Die <emphasis>pompieri</emphasis> erlebten bei ihrer Arbeit t�glich menschliche Trag�dien, doch die Hinrichtung in dieser Kirche. so etwas w�rde keiner von ihnen je vergessen. Zum Teil Kreuzigung, zum Teil H�ngen, zum Teil Verbrennen auf dem Scheiterhaufen</p><p>- es war ein Anblick wie aus einem Albtraum.</p><p>Ungl�cklicherweise waren die Medien - wie �blich - vor der Feuerwehr am Ort des Geschehens eingetroffen. Sie hatten ausgiebig Videoaufnahmen gemacht, bevor die Feuerwehrleute die Kirche r�umen konnten. Als sie den Toten endlich heruntergeschnitten und zu Boden gelegt hatten, gab es keinen Zweifel mehr an seiner Identit�t.</p><p>�Kardinal Guidera�, fl�sterte einer von ihnen. �Aus Barcelona.�</p><p>Der Tote war nackt. Die untere H�lfte seines K�rpers war rotschwarz, und Blut troff aus aufgeplatztem Gewebe an den Oberschenkeln. Die Schienbeine lagen offen. Einer der Feuerwehrleute �bergab sich. Ein anderer ging nach drau�en, um Luft zu sch�pfen.</p><p>Das wirklich Gr�ssliche war das Brandmal auf der Brust des toten Kardinals. Der Einsatzleiter <emphasis>der pompieri</emphasis> umrundete den Toten in stummem Entsetzen. <emphasis>Lavoro del diavolo,</emphasis> dachte er bei sich. <emphasis>Das Werk des Teufels.</emphasis> Zum ersten Mal seit seiner Kindheit</p><p>bekreuzigte er sich.</p><p><emphasis>�Un altro corpo!�,</emphasis> rief einer der Feuerwehrleute. Sie hatten einen weiteren Leichnam gefunden.</p><p>Der zweite Tote war ein Mann, den der Einsatzleiter sofort erkannte. Der strenge Kommandant der p�pstlichen Schweizergarde war bei den r�mischen Beamten und Offiziellen nicht gerade beliebt. Der Einsatzleiter rief beim Vatikan an, doch s�mtliche Leitungen waren belegt. Er wusste, dass es keine Rolle spielte - die Schweizergardisten w�rden in wenigen Minuten durch das Fernsehen vom Tod ihres Kommandanten erfahren.</p><p>Noch w�hrend der Einsatzleiter versuchte, die Sch�den abzusch�tzen und zu rekonstruieren, was sich m�glicherweise ereignet hatte, bemerkte er eine Nische, die von Einschussl�chern f�rmlich �bers�t war. Ein Sarkophag war -anscheinend im Verlauf eines Kampfes - von seinen St�tzen gekippt und lag kopf�ber auf dem Boden. Es war ein einziges Chaos. <emphasis>Sollen sich die Polizei und der Apostolische Stuhl darum k�mmern,</emphasis> dachte der Einsatzleiter und wollte sich abwenden.</p><p>Mitten in der Bewegung stockte er. Aus dem Sarkophag war ein Ger�usch erklungen - ein Ger�usch, das kein Feuerwehrmann gerne h�rte.</p><p><emphasis>�Bomba!�,</emphasis> br�llte er seinen Leuten zu. <emphasis>�Tuttifuori!�</emphasis></p><p>Als das Bombenkommando den Sarkophag einige Zeit sp�ter umdrehte, entdeckte es die Ursache f�r das elektronische Piepsen. Sie starrten auf den reglosen Mann mit der Mickey-Mouse-Uhr.</p><p><emphasis>�Medico!�,</emphasis> rief schlie�lich einer von ihnen. �Holt einen Notarzt!�</p></section><section><title><p>Kapitel 99.</p></title><p>Gibt es bereits eine Nachricht von Olivetti?�, fragte der Camerlengo m�de, als Hauptmann Rocher ihn von der Sixtinischen Kapelle zur�ck ins Amtszimmer des Papstes begleitete.</p><p>�Nein, Monsignore. Ich bef�rchte das Schlimmste.�</p><p>Sie kamen vor der hohen T�r an. �Hauptmann, heute Abend kann ich hier nichts mehr tun.� Die Stimme des Camerlengos klang bedr�ckt. �Ich f�rchte, ich habe bereits viel zu viel getan. Ich werde nun in dieses Zimmer gehen und beten. Ich w�nsche nicht gest�rt zu werden. Alles andere liegt in Gottes Hand.�</p><p>�Jawohl, Monsignore.�</p><p>�Es ist schon sp�t, Hauptmann. Finden Sie diesen Beh�lter.�</p><p>�Unsere Suche dauert an, Monsignore.� Rocher z�gerte. �Die Waffe ist allem Anschein nach zu gut verborgen.�</p><p>Der Camerlengo zuckte zusammen, als w�re dieser Gedanke unertr�glich. �Ja. Ich m�chte, dass Sie um genau dreiundzwanzig Uhr f�nfzehn mit der Evakuierung der Kardinale beginnen, falls diese Kirche bis dahin noch immer in Gefahr ist. Ich lege die Sicherheit der Kardinale in Ihre H�nde, Hauptmann. F�hren Sie diese M�nner mit W�rde aus der Kapelle. F�hren Sie sie hinaus auf den Petersplatz, und kssen Sie sie dort mit der ganzen Welt vereint stehen. Ich m�chte nicht, dass das letzte Bild dieser Kirche ver�ngstigte alte M�nner sind, die verstohlen aus einer Hintert�r schleichen.�</p><p>�Jawohl, Monsignore. Wie steht es mit Ihnen? Soll ich Sie ebenfalls zu dieser Zeit holen?�</p><p>�Das wird nicht n�tig sein.�</p><p>�Monsignore?�</p><p>�Ich werde gehen, sobald mich der g�ttliche Geist dazu anleitet.�</p><p>Rocher fragte sich, ob der Camerlengo vorhatte, mit dem sinkenden Schiff unterzugehen.</p><p>Der Camerlengo �ffnete die T�r zum Amtszimmer und trat ein. �Offen gestanden.�, sagte er und wandte sich zu Rocher um, �. offen gestanden w�re da noch eine Sache, Hauptmann.�</p><p>�Monsignore?�</p><p>�Es scheint ein wenig k�hl heute Nacht in diesem Raum. Ich friere.�</p><p>�Die elektrische Heizung ist aus, Monsignore. Ich werde Ihnen ein Feuer im Kamin machen.�</p><p>Der Camerlengo l�chelte m�de. �Danke sehr, Hauptmann. Ich danke Ihnen wirklich sehr.�</p><p>Rocher lie� den Camerlengo im Amtszimmer des Papstes allein, wo er vor einer kleinen Statue der heiligen Mutter Gottes im Schein des flackernden Kaminfeuers kniete und betete. Es war ein unheimlicher Anblick - ein schwarzer Schatten, der sich im unsteten Licht zu bewegen schien.</p><p>Rocher marschierte durch den Korridor. Ein Offizier erschien; er rannte Rocher entgegen. Selbst im Kerzenlicht erkannte Rocher den Leutnant. Chartrand, jung, unerfahren und eifrig.</p><p>�Hauptmann!�, rief Chartrand ihm zu und streckte ihm ein Mobiltelefon hin. �Ich glaube, die Ansprache des Camerlengos hat funktioniert! Wir haben einen Anrufer in der Leitung, der behauptet, er bes��e Informationen, die uns weiterhelfen k�nnten. Er hat auf einer der Geheimnummern des Vatikans angerufen! Ich wei� nicht, wie er an die Nummer gekommen ist.�</p><p>Rocher erstarrte. �Was?�</p><p>�Er will nur mit dem kommandierenden Offizier der Garde sprechen.�</p><p>�Irgendwelche Neuigkeiten von Oberst Olivetti?�</p><p>�Nein, Herr Hauptmann.�</p><p>Rocher nahm das Telefon entgegen. �Hier Hauptmann Rocher. Ich bin der kommandierende Offizier.�</p><p>�Rocher�, sagte eine Stimme am anderen Ende. �Ich werde Ihnen erkl�ren, wer ich bin. Und dann werde ich Ihnen sagen, was Sie als N�chstes tun.�</p><p>Als der Anrufer geendet und aufgelegt hatte, stand Richer wie erstarrt. Doch nun wusste er, von wem er Befehle entgegennahm.</p><p>In CERN versuchte Sylvie Baudeloque verzweifelt, s�mtliche Lizenzanfragen zu bearbeiten, die auf Kohlers Anschluss hereinkamen. Als der private Apparat auf dem Schreibtisch des Generaldirektors l�utete, zuckte sie erschrocken zusammen. Niemand hatte diese Nummer. Sie nahm ab.</p><p>�Ja?�</p><p>�Miss Baudeloque? Hier ist Kohler. Rufen Sie meinen Piloten an. Mein Jet muss in f�nf Minuten startbereit sein.�</p></section><section><title><p>Kapitel 100.</p></title><p>Als Robert Langdon die Augen aufschlug, wusste er nicht, wo er sich befand oder wie lange er bewusstlos gewesen war. Er starrte hinauf zu einer barocken Freskenkuppel. Rauch hing in der Luft. Irgendetwas bedeckte seinen Mund - eine Sauerstoffmaske. Er zog sie vom Gesicht. Ein gr�sslicher Gestank stieg ihm in die Nase, wie von verbranntem Fleisch.</p><p>Langdon zuckte zusammen, als er den pochenden Schmerz in seinem Kopf bemerkte. Er versuchte sich aufzusetzen. Ein Mann in einem wei�en Kittel kniete neben ihm.</p><p><emphasis>�Riposati�,</emphasis> sagte der Mann und dr�ckte Langdon sanft zur�ck. <emphasis>�Sono ilparamedico.�</emphasis></p><p>Langdon ergab sich in sein Schicksal. In seinem Kopf drehte sich alles. <emphasis>Was ist passiert?</emphasis> Die fl�chtige Erinnerung an Panik trieb durch seinen Verstand.</p><p><emphasis>�Sorcio salvatore�,</emphasis> sagte der Arzt. �Maus, gerettet dich.�</p><p>Langdon verstand �berhaupt nichts mehr. <emphasis>Die Maus hat mich gerettet?</emphasis></p><p>Der Mann deutete auf die Mickey-Mouse-Uhr an Langdons Handgelenk. Langdon begriff allm�hlich. Er erinnerte sich, dass er den Alarm eingestellt hatte. Er starrte abwesend auf das bunte Zifferblatt und bemerkte die Uhrzeit. Zweiundzwanzig Uhr achtundzwanzig.</p><p>Er setzte sich kerzengerade auf.</p><p>Mit einem Schlag war alles wieder da.</p><p>Langdon stand mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr und einigen <emphasis>pompieri</emphasis> beim Hauptaltar. Sie �berh�uften ihn mit Fragen. Er h�rte kaum hin. Zu viel war geschehen. Au�erdem hatte er selbst jede Menge Fragen. Sein ganzer K�rper schmerzte, doch er wusste, dass er nicht einen Augenblick</p><p>z�gern durfte.</p><p>Ein weiterer <emphasis>pompieri</emphasis> n�herte sich von der anderen Seite der Kirche und sprach Langdon an. �Ich habe noch einmal nachgesehen, Signore, doch die einzigen Leichen, die wir finden konnten, waren die von Kardinal Guidera und dem Kommandanten der Schweizergarde. Nirgendwo eine Spur von einer Frau.�</p><p><emphasis>�Grazie�,</emphasis> bedankte sich Langdon. Er wusste nicht, ob er erleichtert oder entsetzt reagieren sollte. Er hatte Vittoria bewusstlos am Boden liegen sehen, so viel stand fest. Jetzt war sie verschwunden. Die einzig plausible Erkl�rung war alles andere als beruhigend. Der M�rder war schon am Telefon deutlich gewesen. <emphasis>Eine Frau mit Mumm. Das erregt mich. Vielleicht komme ich zu Ihnen, bevor die Nacht vor�ber ist. Und wenn ich Sie gefunden habe</emphasis>...</p><p>Langdon blickte sich suchend um. �Wo sind die Schwe izergardisten?�</p><p>�Wir haben keine Verbindung zum Vatikan. Die Leitungen sind unterbrochen.�</p><p>Langdon f�hlte sich �berfordert und allein. Olivetti war tot. Der Kardinal war tot. Vittoria war verschwunden. Eine halbe Stunde seines Lebens war ausgel�scht.</p><p>Er h�rte, wie drau�en die Medienvertreter ausschw�rmten. Ohne Zweifel w�rden als N�chstes Beitr�ge �ber den grausigen Tod des dritten Kardinals �ber die Bildschirme flimmern - falls das nicht bereits geschehen war. Langdon hoffte nur, dass der Camerlengo von sich aus das Schlimmste annahm und endlich aktiv wurde. <emphasis>Evakuieren Sie den Vatikan! Es wurden genug Spielchen gespielt! Wir haben verloren!</emphasis></p><p>Mit einem Mal wurde ihm bewusst, dass all die Katalysatoren, die ihn bisher vorangetrieben hatten - bei der Rettung der Vatikanstadt zu helfen, die vier Kardinale zu retten, der Geheimbruderschaft gegen�berzutreten, die er so viele Jahre studiert hatte -, dass all dies sich in Luft aufgel�st hatte. Der Krieg war verloren. Ein neuer Funke entfachte seine Leidenschaft. Ein archaisches und urspr�ngliches Gef�hl.</p><p><emphasis>Vittoria finden.</emphasis></p><p>Er sp�rte eine unerwartete innere Leere. Langdon hatte oft geh�rt, dass aufregende Situationen zwei Menschen einander auf eine Weise n�her bringen konnten, wie es Jahrzehnte nicht vermochten. Einsamkeit. Der Schmerz verlieh ihm neue Kraft.</p><p>Er verdr�ngte jeden anderen Gedanken und konzentrierte sich. Er betete, dass der Assassine sich vor dem Vergn�gen seiner Aufgabe widmen wirde. Falls nicht, war Langdon bereits zu sp�t dran. <emphasis>Nein,</emphasis> sagte er sich. <emphasis>Du hast Zeit.</emphasis> Vittorias Entf�hrer hatte noch eine Aufgabe zu erf�llen. Er w�rde ein letztes Mal aus der Versenkung auftauchen, bevor seine Spur sich f�r immer verlor.</p><p><emphasis>Der letzte Altar der Wissenschaft,</emphasis> dachte Langdon. Der Killer hatte einen letzten Auftrag. <emphasis>Erde. Luft. Feuer. Wasser.</emphasis></p><p>Er schaute auf die Uhr. Noch drei�ig Minuten. Langdon trat am Einsatzleiter der r�mischen Feuerwehr vorbei zu Berninis <emphasis>Verz�ckung der Heiligen Teresa.</emphasis> Als Langdon diesmal den Wegweiser anschaute, wusste er ganz genau, wonach er zu suchen hatte.</p><p><emphasis>Lass dich von Engeln f�hr�n auf deiner Quest�.</emphasis></p><p>Direkt �ber der verz�ckten Heiligen, vor dem Hintergrund vergoldeter Flammen, schwebte Berninis Engel. Seine Hand umklammerte einen Feuerspeer. Langdons Blick folgte der Richtung, in die der Schaft zeigte, zur rechten Seite der Kirche, durch die Wand hindurch. Langdon suchte die Umgebung der Stelle ab, auf die die Spitze deutete. Nichts Au�ergew�hnliches zu sehen. Doch Langdon wusste, dass der Speer auf einen Ort jenseits der Mauern deutete, in die Nacht, irgendwo in Rom.</p><p>�Welche Richtung ist das?�, fragte Langdon, indem er sich mit neu gefundener Entschlossenheit zum Einsatzleiter der</p><p><emphasis>pompieri</emphasis> umwandte.</p><p>�Richtung?� Der Einsatzleiter sah zu der Stelle, auf die Langdon zeigte. �Ich wei� nicht. Westen, glaube ich.� Er klang verwirrt.</p><p>�Welche Kirchen liegen in dieser Richtung?�</p><p>Die Verwirrung des Einsatzleiters schien noch zuzunehmen. �Dutzende. Warum?�</p><p>Langdon runzelte die Stirn. Nat�rlich waren es Dutzende. �Ich brauche einen Stadtplan. Schnell!�</p><p>Der Einsatzleiter schickte einen Mann nach drau�en zum L�schzug. Langdon wandte sich zu der Skulptur um. <emphasis>Erde</emphasis>... <emphasis>Luft</emphasis>... <emphasis>Feuer</emphasis>... <emphasis>Wasser</emphasis>... <emphasis>VITTORIA.</emphasis></p><p><emphasis>Der letzte Wegweiser ist Wasser,</emphasis> sagte er sich. <emphasis>Berninis Wasser,</emphasis> Es war irgendwo dort drau�en in einer Kirche. Eine Nadel in einem Heuhaufen. Er rief sich s�mtliche Werke Berninis ins Ged�chtnis. <emphasis>Ich brauche einen Tribut an Wasser!</emphasis></p><p>Die Statue des Triton fiel ihm ein, eines griechischen Meeresgottes; dann aber erinnerte er sich, dass der Tritonsbrunnen hier in diesem Viertel stand, in unmittelbarer N�he der Kirche; obendrein in der falschen Richtung. <emphasis>Denk nach, Langdon! Denk nach! Was h�tte Bernini als Tribut an das Wasser erschaffen? Neptun und Apollo?</emphasis> Ungl�cklicherweise stand dieses Werk in London, im Victoria &amp; Albert Museum.</p><p>�Signore?� Der Feuerwehrmann mit dem Stadtplan kam zur�ckgerannt.</p><p>Langdon bedankte sich bei ihm und breitete die Karte auf dem Altar aus. Sofort wurde ihm bewusst, dass er die richtigen Leute um Hilfe gebeten hatte - der Stadtplan der r�mischen Feuerwehr war detaillierter als jede andere Karte, die er bisher von Rom gesehen hatte. �Wo befinden wir uns jetzt?�</p><p>Der Mann deutete auf die Stelle. �Hier, bei der Piazza Barberini.�</p><p>Langdon warf einen weiteren Blick auf den Feuerspeer des Engels, um sich zu orientieren. Der Einsatzleiter hatte richtig gesch�tzt. Der Karte zufolge zeigte der Speer nach Westen. Langdon fuhr mit der Hand von seiner gegenw�rtigen Position nach Westen �ber die Karte. Seine Hoffnung sank fast augenblicklich. Es schien, als passierte er auf jedem Zentimeter ein weiteres Geb�ude mit einem schwarzen Kreuz. Kirchen.</p><p>Die Stadt war �bers�t mit Kirchen. Erst in den r�mischen Vorst�dten wurden es endlich weniger. Langdon atmete aus und trat von der Karte weg. <emphasis>Verdammt!</emphasis></p><p>Er betrachtete die ganze Karte und die drei Stellen, an denen die ersten Kardinale ermordet worden waren. <emphasis>Die Chigi-Kapelle, der Petersplatz, hier...</emphasis></p><p>Als er alle Punkte vor sich ausgebreitet sah, fiel ihm eine Eigent�mlichkeit auf. Irgendwie hatte er geglaubt, die Kirchen w�ren willk�rlich �ber ganz Rom verteilt. Doch das waren sie eindeutig nicht. So unglaublich es war, sie schienen in gleichm��igem Abstand voneinander zu stehen und ein riesiges Dreieck zu bilden. Langdon schaute noch einmal hin. Es war keine Einbildung. <emphasis>�Penna!�,</emphasis> sagte er unvermittelt und ohne aufzublicken.</p><p>Irgendjemand reichte ihm einen Kugelschreiber.</p><p>Langdon markierte die drei Kirchen. Sein Puls ging schneller. Er �berpr�fte seine Markierungen ein drittes Mal. <emphasis>Ein symmetrisches Dreieck!</emphasis></p><p>Langdons erster Gedanke war die Analogie zum Gro�en Siegel auf der Ein-Dollar-Banknote - doch das ergab keinen Sinn. Er hatte erst drei Punkte gefunden, und es waren insgesamt <emphasis>vier.</emphasis></p><p><emphasis>Und wo ist das verdammte Wasser?</emphasis> Der vierte Punkt w�rde das Dreieck zerst�ren - es sei denn, er befand sich innerhalb des Dreiecks, im Zentrum. Langdon betrachtete die Stelle auf der Karte. Nichts. Der Gedanke ging ihm trotzdem nicht aus dem</p><p>Kopf. Die vier Elemente der Wissenschaft hatten als <emphasis>gleichwertig</emphasis> gegolten. <emphasis>Wasser</emphasis> war nichts Besonderes gewesen ganz sicher hatte es nicht im Zentrum der �brigen drei Elemente gestanden.</p><p>Trotzdem, so sagte ihm sein Instinkt, konnte die symmetrische Anordnung unm�glich Zufall sein. <emphasis>Ich sehe einfach noch nicht das ganze Bild.</emphasis> Es gab nur eine andere Alternative - die vier Punkte ergaben kein Dreieck, sondern eine andere geometrische Form.</p><p>Langdon starrte angestrengt auf die Karte. <emphasis>Vielleicht ein Viereck?</emphasis> Auch wenn ein Viereck keinen symbolologischen Sinn ergab, war es zumindest eine geometrische Form. Langdon legte den Finger auf die Stelle der Karte, die zu einem symmetrischen Viereck f�hrte. Ein perfektes Rechteck oder Quadrat war unm�glich, das sah er sofort. Die Winkel des Dreiecks waren spitz, also war ein Parallelogramm noch am wahrscheinlichsten.</p><p>W�hrend er die beiden anderen m�glichen Erg�nzungen des Dreiecks betrachtete, geschah etwas Unvorhergesehenes. Er bemerkte, dass die Linie, die er vorher gezeichnet hatte, um die Richtung des Engelsspeers zu kennzeichnen, genau durch einen der m�glichen Punkte verlief. Verbl�fft markierte Langdon die Stelle. Er blickte nun auf vier Markierungen auf der Karte, die einen schiefen Diamanten bildeten, wie ein Papierdrache.</p><p>Langdon runzelte die Stirn. Diamanten waren kein Illuminati-Symbol. Er z�gerte. <emphasis>Andererseits</emphasis>...</p><p>Andererseits gab es den ber�hmten Illuminati-Diamanten. Doch der Gedanke war l�cherlich. Langdon verwarf ihn wieder. Der Diamant auf der Karte war l�nglich, wie ein Papierdrache eben - kaum ein Beispiel f�r die makellose Symmetrie, die der Illuminati-Diamant angeblich besa�.</p><p>Als er sich �ber die Karte beugte, um die Stelle zu untersuchen, wo er die letzte Markierung eingetragen hatte, stellte er �berrascht fest, dass sie genau in der Mitte der ber�hmten Piazza Navona lag. Langdon wusste, dass auf der Piazza eine gr��ere Kirche stand, doch soweit ihm bekannt war, gab es in dieser Kirche keine Skulptur von Bernini. Die Kirche hie� Sant� Agnese in Agone, benannt nach der heiligen Agnes, einer hinrei�enden Sch�nheit und Jungfrau, die zu einem Leben in sexueller Sklaverei verurteilt worden war, weil sie sich geweigert hatte, ihren Glauben zu verraten.</p><p><emphasis>Irgendetwas muss es in dieser Kirche geben!</emphasis> Langdon zermarterte sich das Gehirn in dem Versuch, sich den Innenraum der Kirche vorzustellen, doch er erinnerte sich beim besten Willen nicht an ein Werk Berninis, geschweige denn an eines, das mit Wasser zu tun h�tte. Die Anordnung auf der Karte st�rte ihn ebenfalls. <emphasis>Ein Diamant.</emphasis> Sie war viel zu regelm��ig, um Zufall zu sein, und doch ergab sie keinen Sinn. <emphasis>Ein Drachen?</emphasis> Langdon fragte sich, ob er vielleicht den falschen Punkt ausgew�hlt hatte. <emphasis>Irgendetwas �bersehe ich, aber was?</emphasis></p><p>Es dauerte weitere drei�ig Sekunden, bis es ihm wie Schuppen von den Augen fiel, und schlagartig versp�rte er ein Hochgef�hl wie noch nie zuvor w�hrend seiner akademischen Laufbahn.</p><p>Der Genius der Illuminati, schien es, hatte keine Grenzen.</p><p>Der Umriss, auf den Langdon blickte, stellte keinen Diamanten dar.</p><p>Die vier Punkte bildeten bdiglich deshalb einen Diamanten, weil Langdon <emphasis>benachbarte</emphasis> Punkte miteinander verbunden hatte. <emphasis>Die Illuminati hielten es mit den Gegens�tzen!</emphasis> Mit bebenden Fingern verband er die gegen�berliegenden Punkte auf der Karte. Die resultierenden Linien bildeten ein gigantisches Kreuz! <emphasis>Ein Kreuz!</emphasis> Die vier Elemente der Wissenschaft entfalteten sich vor seinen Augen. in einem gewaltigen, stadtgro�en Kreuz �ber Rom.</p><p>Als er voller Staunen auf die Karte starrte, fiel ihm eine Zeile aus Miltons Gedicht ein. und pl�tzlich sah er sie in einem ganz</p><p>anderen Licht.</p><p><emphasis>�Cross Rome the mystic elements unfold</emphasis>...</p><p>Cross bedeutete Kreuz! Kreuz und quer.</p><p>Der Nebel begann sich zu lichten. Langdon sah, dass die Antwort ihm die ganze Zeit �ber ins Gesicht gelacht hatte. Das Illuminati-Poem hatte ihm von Anfang an gesagt, wie die Alt�re ausgelegt waren. In einem Kreuz!</p><p><emphasis>�Cross Rome the mystic elements unfold.</emphasis></p><p>Es war ein wagemutiges Wortspiel. Langdon hatte das Wort �cross� die ganze Zeit �ber als Abk�rzung f�r �across� interpretiert, f�r �quer�, und angenommen, dass es ein dichterisches Zugest�ndnis war, um den Reim zu erhalten. Doch wie viel mehr verbarg sich dahinter! Ein weiterer versteckter Hinweis.</p><p>Das Kreuz auf der Karte stellte die ultimative Dualit�t dar, erkannte Langdon. Ein religi�ses Symbol, gebildet von den Elementen der Wissenschaft. Galileos Weg der Erleuchtung war ein Tribut an die Wissenschaften und an Gott zugleich!</p><p>Das Puzzle f�gte sich zusammen.</p><p><emphasis>Piazza Navona.</emphasis></p><p>Mitten auf der Piazza, direkt vor der Kirche Santa Agnes in Agone, hatte Bernini eines seiner ber�hmtesten Werke errichtet. Ein MUSS f�r jeden Rom-Besucher.</p><p><emphasis>Die Fontana dei Fiumi -</emphasis> der Vier-Str�me-Brunnen!</p><p>Ein lupenreiner Tribut an das Wasser. Berninis Vier-Str�meBrunnen galt den vier gr��ten Fl�ssen der damals bekannten Welt - dem Nil, dem Ganges, der Donau und dem Rio de la Plata.</p><p><emphasis>Wasser,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Der letzte Wegweiser.</emphasis> Alles passte perfekt.</p><p>Und mehr noch, quasi das Sahneh�ubchen auf dem Kuchen, war die Pyramide hoch oben auf dem Obelisken, der das</p><p>Zentrum von Berninis Brunnen bildete.</p><p>Langdon rannte zum Leichnam Olivettis auf der anderen Seite der Kirche. Die Feuerwehrleute blieben verwirrt zur�ck.</p><p><emphasis>Zweiundzwanzig Uhr einunddrei�ig, noch reichlich Zeit.</emphasis> Es war das erste Mal an diesem Tag, dass Langdon das Gef�hl hatte, seinem Gegenspieler voraus zu sein.</p><p>Er kniete neben Olivetti nieder, vor fremden Blicken gesch�tzt hinter den Kirchenb�nken, und nahm die Halbautomatik und das Walkie-Talkie des Kommandanten an sich. Er w�rde die Schweizergarde um Hilfe bitten, doch die Kirche war nicht der richtige Ort dazu. Der letzte Altar der Wissenschaft musste f�rs Erste geheim bleiben. Medien und eine Feuerwehr, die mit pl�rrenden Martinsh�rnern zur Piazza Navona raste, waren alles andere als hilfreich.</p><p>Ohne ein weiteres Wort verlie� Langdon die Kirche und wich den Medienleuten aus, die nun wie Heuschrecken in das Geb�ude einfielen. Er �berquerte die Piazza Barberini. Als er im Schatten einer Seitengasse angekommen war, schaltete er Olivettis Walkie-Talkie ein. Er versuchte den Vatikan zu erreichen, doch aus dem Ger�t drang nichts als Rauschen. Entweder befand er sich au�er Reichweite, oder das Ger�t ben�tigte einen Kode. Langdon spielte an den komplizierten Kontrollen und dr�ckte wahllos einige Kn�pfe, bevor er resignierend einsah, dass sein Plan, Hilfe zu rufen, nicht ohne weiteres funktionieren w�rde. Er wirbelte um die eigene Achse auf der Suche nach einem �ffentlichen Telefon. Keins in Sicht. Au�erdem, so fiel ihm ein, waren die Leitungen zum Vatikan �berlastet.</p><p>Er war auf sich allein gestellt.</p><p>Seine anf�ngliche Zuversicht schwand. Langdon blieb einen Augenblick stehen, und sein erb�rmlicher Zustand wurde ihm bewusst - bedeckt von Knochenstaub, eine Schnittwunde an der Hand, zu Tode ersch�pft und hungrig. Er blickte zur Kirche.</p><p>Rauch stieg �ber der Kuppel auf, erhellt von den Scheinwerfern der Medien und der L�schz�ge. Er �berlegte, ob er zur�ckgehen und um Hilfe bitten sollte, doch sein Instinkt warnte ihn, dass zus�tzliche H�nde, die nicht wussten, womit sie es zu tun hatten, eher eine Belastung als eine Hilfe darstellten. <emphasis>Wenn der Assassine uns kommen sieht</emphasis>. Er dachte an Vittoria und wusste, dass es seine letzte Chance war, ihren Entf�hrer zu stellen.</p><p><emphasis>Piazza Navona,</emphasis> dachte er. Er w�rde rechtzeitig genug dort sein, um die Piazza zu erkunden. Er suchte nach einem Taxi, doch die Stra�en lagen verlassen. Selbst die Taxifahrer hatten, wie es schien, auf der Suche nach einem Fernseher alles stehen und liegen lassen. Die Piazza Navona lag nicht mehr als anderthalb Kilometer entfernt, doch Langdon beabsichtigte nicht, kostbare Zeit f�r einen Fu�marsch zu verschwenden. Er schaute nachdenklich zur Kirche und fragte sich, ob es m�glich war, sich von jemandem ein Fahrzeug auszuleihen.</p><p><emphasis>Einen L�schzug vielleicht? Einen �bertragungswagen? Bleib vern�nftig!</emphasis></p><p>Er sp�rte, wie ihm die Zeit unter den H�nden verrann und seine M�glichkeiten schwanden, und traf eine Entscheidung. Er riss die Pistole aus der Jacke und tat etwas f�r ihn vollkommen Ungew�hnliches: Er rannte zu einem einsamen Citroen, der vor einer Ampel wartete, und richtete die Waffe durch das offene Seitenfenster auf den Fahrer. <emphasis>�Fuori!�,</emphasis> rief er.</p><p>Der Mann stieg zitternd aus.Langdon warf sich in den Sitz und trat aufs Gas.</p></section><section><title><p>Kapitel 101.</p></title><p>Grunther Glick sa� auf einer Bank in einer Zelle in der Kaserne der Schweizergarde. Er betete zu jedem Gott, den er kannte. <emphasis>Bitte, lass es keinen Traum sein!</emphasis> Es war der Volltreffer seines Lebens. Jeder Reporter der Welt w�nschte sich an den Ort, an dem G�nther nun war. <emphasis>Du bist wach,</emphasis> sagte er sich. <emphasis>Und du bist ein Star!</emphasis></p><p>Chinita sa� neben ihm. Auch sie wirkte wie bet�ubt. G�nther konnte es ihr nicht verdenken. Nicht nur, dass sie beide exklusiv die Ansprache des Camerlengos �bertragen hatten sie und G�nther hatten der Welt furchtbare Bilder von den ermordeten Kardinalen und dem Papst geliefert - <emphasis>diese Zunge! -</emphasis> sowie ein Videobild vom Antimateriebeh�lter und dem laufenden Countdown. <emphasis>Unfassbar!</emphasis></p><p>Selbstverst�ndlich war das alles auf Gehei� des Camerlengos geschehen, also war es nicht der Grund daf�r, dass G�nther und Chinita nun in einer Zelle in der Kaserne der Schweizergarde eingeschlossen waren. Der Grund war G�nthers wagemutiger Nachtrag zu ihrer Berichterstattung, an dem die Gardisten Ansto� genommen hatten. G�nther wusste, dass die Konversation, die er soeben aufgenommen hatte, nicht f�r seine Ohren bestimmt gewesen war, doch das hier war sein Tag. <emphasis>Noch ein Knaller von G�nther Glick!</emphasis></p><p>�Der Samariter der elften Stunde?� Chinita st�hnte neben ihm auf der Bank. Sie war alles andere als beeindruckt.</p><p>G�nther grinste. �Brillant, was?�</p><p>�Brillant dumm.�</p><p><emphasis>Sie ist nur eifers�chtig,</emphasis> dachte Glick. Kurz nach der Ansprache des Camerlengos war G�nther erneut - diesmal durch Zufall - zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Er</p><p>hatte geh�rt, wie Hauptmann Rocher seinen Leuten neue Befehle erteilt hatte. Offensichtlich hatte ein mysteri�ser Unbekannter angerufen, von dem Rocher behauptete, dass er bedeutsame Informationen zur gegenw�rtigen Krise besitze. Es schien so, als k�nnte dieser Mann helfen, und Rocher hatte seine Gardisten angewiesen, alles f�r die Ankunft des geheimnisvollen Unbekannten vorzubereiten.</p><p>Obwohl die Informationen zweifellos vertraulich waren, hatte G�nther reagiert, wie es jeder leidenschaftliche Reporter getan h�tte - ohne Spur von Ehrgef�hl. Er hatte eine dunkle Ecke aufgesucht, Chinita befohlen, ihre Kamera einzuschalten, und die Nachricht aufgezeichnet.</p><p>�Schockierende neue Entwicklungen in der Stadt Gottes�, hatte er angek�ndigt und die Augen zu schmalen Schlitzen verengt, um die Eindringlichkeit seiner Worte zu steigern. Dann hatte er weiter ausgef�hrt, dass ein mysteri�ser Gast auf dem Weg in die Vatikanstadt sei, um die Situation zu retten. <emphasis>�Samariter der elften Stunde�,</emphasis> hatte G�nther ihn genannt - der perfekte Name f�r jenen gesichtslosen Fremden, der in letzter Minute auftauchte, um eine gute Tat zu vollbringen. Die anderen Sender hatten G�nthers einpr�gsame Formulierung sofort �bernommen, und G�nther war noch ein St�ck unsterblicher geworden.</p><p><emphasis>Ich bin brillant,</emphasis> sinnierte er. <emphasis>Peter Jennings ist wahrscheinlich gerade vor Neid von einer Br�cke gesprungen.</emphasis></p><p>Selbstverst�ndlich hatte G�nther an dieser Stelle noch l�ngst nicht Halt gemacht. W�hrend die ganze Welt seinem Bericht lauschte, hatte er seine eigene Verschw�rungstheorie zum Besten gegeben.</p><p><emphasis>Brillant. Absolut brillant!</emphasis></p><p>�Du hast es vermasselt�, sagte Chinita in diesem Augenblick. �Vollkommen vermasselt.�</p><p>�Was willst du damit sagen? Ich war gro�artig!�</p><p>Chinita starrte ihn ungl�ubig an. �Der Expr�sident George Bush - ein Illuminatus?�</p><p>G�nther l�chelte. Wie viel offensichtlicher musste es denn noch sein? Es war allgemein bekannt, dass George Bush Freimaurer war - und er war Leiter der CIA gewesen, als die Agentur ihre Untersuchungen �ber die Illuminati abgeschlossen hatte. <emphasis>aus Mangel an Beweisen,</emphasis> wie es hie�. Und all die gro�en Reden �ber �tausend Lichter� und eine �neue Weltordnung�. Bush war ohne den geringsten Zweifel ein Illuminatus.</p><p>�Und was sollte diese Geschichte �ber CERN?�, spottete Chinita. �Sp�testens morgen fr�h hast du eine riesige Schlange von Anw�lten mit Schadensersatzforderungen vor der T�r.�</p><p>�CERN? Na h�r mal! Das ist doch wohl offensichtlich! Denk mal dr�ber nach, Chinita - die Illuminati verschwanden in den F�nfzigerjahren von der Bildfl�che, um die gleiche Zeit, als CERN gegr�ndet wurde! CERN ist der Himmel f�r die kl�gsten K�pfe der Erde! Unsummen an privaten Stiftungsgeldern! Sie bauen eine Waffe, die imstande ist, die Kirche zu vernichten, und - hoppla! - sie <emphasis>verlieren</emphasis> sie!�</p><p>�Dann willst du der Welt erz�hlen, dass CERN die neue Heimatbasis der Illuminati ist?�</p><p>�Selbstverst�ndlich! Geheime Bruderschaften verschwinden nicht einfach so. Sie gehen irgendwo in den Untergrund. CERN ist das perfekte Versteck f�r sie. Ich sage nicht, dass jeder bei CERN ein Illuminatus ist. Wahrscheinlich ist es eher wie eine einzige gro�e Freimaurerloge, die meisten Menschen sind unschuldig und ahnungslos, bis auf die oberen Echelons.�</p><p>�Hast du jemals von Verleumdung geh�rt, G�nther? Von Haftung?�</p><p>�Hast du je von echtem Journalismus geh�rt?�</p><p>�Journalismus? Du hast Unsinn erz�hlt, frei erfundenes Zeug! Ich h�tte die Kamera abschalten sollen! Und was, zur H�lle,</p><p>sollte dieser Schwachsinn �ber das Logo von CERN? Satanische Symbolologie? Hast du endg�ltig den Verstand verloren?�</p><p>G�nther l�chelte. Chinitas Eifersucht war nicht zu �bersehen. Die Geschichte mit dem Logo war der brillanteste Coup von allen. Seit der Ansprache des Camerlengos redeten alle Sender von CERN und Antimaterie. Einige zeigten das Logo CERNs als Hintergrundbild. Das Logo war unverd�chtig zwei sich schneidende Kreise, die zwei verschiedene Teilchenbeschleuniger repr�sentierten, und f�nf Tangenten, die Injektionstunnel. Die ganze Welt starrte auf das Logo, doch es war G�nther gewesen, selbst ein Hobby-Symbolologe, der zuerst die versteckte Andeutung auf die Illuminati darin gefunden hatte.</p><p>�Du bist kein Symbolologe�, spottete Chinita. �Du bist nur ein gew�hnlicher Reporter mit mehr Gl�ck als Verstand. Du h�ttest die Symbolologie diesem Typen aus Harvard �berlassen sollen.�</p><p>�Der Harvard-Typ hat es �bersehen�, entgegnete G�nther.</p><p><emphasis>Die Illuminati-Signifikanz dieses Logos ist so offensichtlich!</emphasis></p><p>Er strahlte innerlich. CERN besa� eine ganze Reihe von Beschleunigern, doch das Logo zeigte nur <emphasis>zwei. Zwei ist die Illuminati-Zahl f�r Dualit�t.</emphasis> Obwohl die meisten Beschleuniger nur einen Injektionstunnel besa�en, zeigte das Logo f�nf. <emphasis>F�nf ist die Zahl des Illuminati-Pentagramms.</emphasis> Dann kam der Clou -der brillanteste Schachzug von allen. G�nther hatte vor laufender Kamera darauf hingewiesen, dass das Logo eine gro�e numerische �6� enthielt - gebildet von einem der Ringe und einem Injektionstunnel. Wenn man das Logo drehte, erschien eine weitere �6�. und noch eine. Das Logo enthielt drei Sechsen! 666! Die teuflische Zahl. Die Zahl des Tiers!</p><p>G�nther betrachtete sich als Genie.</p><p>Chinita sah aus, als wollte sie ihn erschlagen.</p><p>Die Eifersucht w�rde vergehen, wie G�nther wusste, w�hrend sein Verstand einen neuen Gedanken analysierte. Wenn CERN das Hauptquartier der Illuminati war - bewahrten sie dort auch ihren ber�hmten Diamanten auf? G�nther hatte im Internet dar�ber gelesen.�. ein makelloser Diamant, erschaffen aus den Elementen und von derartiger Perfektion, dass jeder, der ihn sieht, vor Staunen und Ehrfurcht erstarrt.�</p><p>G�nther fragte sich, ob der geheime Ort, an dem der Diamant aufbewahrt wurde, ein weiteres Geheimnis war, das er in dieser Nacht enth�llen w�rde.</p></section><section><title><p>Kapitel 102.</p></title><p>Piazza Navona. <emphasis>Fontana dei Fiumi.</emphasis></p><p>Die N�chte in Rom konnten �berraschend k�hl werden, fast wie in der W�ste, selbst nach einem hei�en Tag. Langdon kauerte am Rand der Piazza Navona im Schatten und zog sein Jackett enger um sich. Eine Kakophonie von Nachrichtensendungen hallte �ber die Stadt wie das Rauschen des Verkehrs. Langdon schaute auf die Uhr. F�nfzehn Minuten. Dankbar nahm er sich ein paar Minuten zum Durchatmen.</p><p>Die Piazza lag verlassen. Berninis meisterhafter Brunnen pl�tscherte mit dunklem Zauber vor sich hin. Das sch�umende Wasser sandte magischen Dunst in die H�he, angestrahlt von Unterwasserscheinwerfern. Die Luft war von einer kalten Elektrizit�t erf�llt.</p><p>Der beeindruckendste Aspekt des Brunnens war seine H�he.</p><p>Allein der zentrale Block war mehr als sechs Meter hoch, ein zerkl�fteter Brocken aus behauenem Marmor, �bers�t mit heidnischen Gestalten, Aush�hlungen und Vertiefungen, durch die das Wasser rauschte. �ber allem thronte ein Obelisk, der weitere zw�lf Meter in die H�he ragte. Langdons Blick glitt an der S�ule nach oben. Auf der pyramidenf�rmigen Spitze sa� ein einzelner dunkler Schatten - eine einsame Taube, die vor sich hind�ste.</p><p>Ein Kreuz, dachte Langdon, noch immer voller Staunen �ber die kunstvolle Anordnung der �ber ganz Rom verstreuten Wegweiser. Berninis Fontana dei Fiumi war der letzte der vier Alt�re der Wissenschaft. Noch vor ein paar Stunden hatte Langdon im Pantheon gestanden, �berzeugt, dass der Weg der Erleuchtung zerst�rt war und dass er niemals so weit kommen w�rde. Was f�r ein Trugschluss! Tats�chlich war der Weg noch</p><p>immer intakt. <emphasis>Erde, Luft, Feuer und Wasser.</emphasis> Langdon war ihm gefolgt vom Anfang bis zum Ende.</p><p><emphasis>Nicht ganz bis zum Ende,</emphasis> rief er sich ins Ged�chtnis. Der Weg besa� <emphasis>f�nf</emphasis> Stationen. Dieser f�nfte Wegweiser deutete irgendwie zum ultimativen Ziel - dem geheimen Nest der Illuminati, der Kirche der Erleuchtung. Langdon fragte sich, ob auch dieses Nest noch existierte. Und er fragte sich, ob es dieses Nest war, wohin der Assassine Vittoria verschleppt hatte.</p><p>Ihm wurde bewusst, dass er die Figuren des Brunnens betrachtete, auf der Suche nach einem Hinweis, in welcher Richtung das Nest zu suchen war. <emphasis>Let angels guide you on your lofty quest</emphasis>... Fast im gleichen Augenblick wurde er von Unruhe erfasst. Dieser Brunnen besa� keine Engel. �berhaupt keine. Zumindest keine, die von Langdons Position aus erkennbar gewesen w�ren. und auch in der Vergangenheit hatte er niemals einen Engel gesehen. Der Vier-Str�me-Brunnen war ein heidnisches Werk. Die Bildhauerei war profan - Menschen, Tiere, selbst ein t�lpelhaftes G�rteltier war zu sehen. Ein Engel an dieser Stelle h�tte hervorgestochen wie ein geschwollener Daumen.</p><p><emphasis>Bin ich am falschen Ort?,</emphasis> fragte sich Langdon. Er dachte an die kreuzf�rmige Anordnung der vier Obelisken und ballte die F�uste. <emphasis>Es muss der Brunnen sein. Erpasst einfach perfekt.</emphasis></p><p>Es war erst zweiundzwanzig Uhr sechsundvierzig, als ein schwarzer Lieferwagen aus einer Gasse auf der gegen�berliegenden Seite der Piazza auftauchte. Langdon h�tte ihn keines zweiten Blickes gew�rdigt, w�re er nicht ohne jegliche Beleuchtung gefahren. Wie ein Hai in einer mondbeschienenen Bucht, umrundete der Lieferwagen den Perimeter der Piazza.</p><p>Langdon kauerte sich tiefer in die Schatten neben der gro�en Treppe, die hinauf zur Kirche Sant� Agnese in Agone f�hrte. Er starrte auf den Lieferwagen und sp�rte, wie sein Puls schneller ging.</p><p>Nachdem der Wagen die Piazza zweimal umrundet hatte, bog er nach innen zu Berninis Brunnen ein. Er hielt auf das Bassin zu und bewegte sich parallel zur Beckeneinfassung, bis er Langdon gegen�ber hielt. Langdon sah nur die obere H�lfte �ber dem pl�tschernden Wasser des Brunnens.</p><p>Dunst wirbelte auf.</p><p>Langdon hatte eine dunkle Vorahnung. War der Assassine zu fr�h gekommen? War er tats�chlich in diesem Lieferwagen unterwegs? Langdon hatte eigentlich erwartet, dass der M�rder sein letztes Opfer zu Fu� �ber die Piazza f�hren w�rde, genau wie am Petersplatz, und Langdon so freies Schussfeld er�ffnete. Doch falls der Assassine mit dem Lieferwagen gekommen war, hatten sich die Regeln in diesem Augenblick ge�ndert.</p><p>Die seitliche Schiebet�r wurde ge�ffnet.</p><p>Auf der Ladefl�che des Wagens lag ein nackter Mann, seine Gestalt verzerrt vor Schmerz. Der Mann war in dicke Ketten gewickelt. Er k�mpfte gegen die eisernen Fesseln an, doch sie waren zu schwer. Eines der Kettenglieder steckte in seinem Mund wie eine Kandare und erstickte seine gequ�lten Hilferufe. In diesem Augenblick bemerkte Langdon die zweite Gestalt, die sich im Dunkeln hinter ihrem Gefangenen bewegte, als tr�fe sie letzte Vorbereitungen.</p><p>Langdon wusste, dass ihm nur Sekunden zum Handeln blieben.</p><p>Er schl�pfte aus seinem Jackett, legte es zu Boden und nahm die Pistole. Er wollte weder von der schweren Jacke behindert werden, noch hatte er die Absicht, die Seite aus Galileos <emphasis>Diagramma</emphasis> mit in die N�he des Wassers zu nehmen. Das Dokument w�rde bleiben, wo es war - halbwegs sicher, doch in jedem Fall trocken.</p><p>Langdon huschte nach rechts und umrundete den Brunnen, bis er sich direkt gegen�ber dem Lieferwagen befand. Der massive</p><p>Mittelblock versperrte ihm die Sicht. Aufrecht rannte er auf den Brunnen zu in der Hoffnung, das rauschende Wasser w�rde seine Schritte �bert�nen. Als er den Brunnen erreichte, kletterte er �ber die Beckeneinfassung und lie� sich ins sch�umende Wasser hinunter.</p><p>Es war h�fthoch und kalt wie Eis. Langdon biss die Z�hne zusammen und watete vorw�rts. Der Boden war schl�pfrig, und das Vorankommen wurde doppelt erschwert durch eine Schicht von M�nzen, die Besucher als Gl�cksbringer ins Wasser warfen. Rings um ihn stieg Dunst auf, und Langdon fragte sich, ob es K�lte war oder Furcht, die die Pistole in seiner Hand zittern lie�.</p><p>Er tastete sich am Brunnenrand nach links und watete voran, so schnell er konnte, w�hrend er sich in der Deckung der Marmorgestalten hielt. Hinter der massigen Form eines Pferdes hielt er inne und sp�hte zum Wagen. Er stand keine f�nfzehn Meter entfernt. Der Assassine kauerte auf der Ladefl�che und hantierte an den Ketten, mit denen er den Kardinal gefesselt hatte. Er machte Anstalten, seinen Gefangenen aus der offenen T�r direkt in den Brunnen zu rollen.</p><p>H�fthoch im Wasser, hob Robert Langdon die Pistole und trat vor. �Keine Bewegung!�, rief er. Seine Stimme klang fester, als er geglaubt h�tte.</p><p>Der Assassine sah �berrascht auf. Einen Augenblick lang schien er erschrocken, als s�he er einen Geist. Dann sch�rzte er die Lippen zu einem hinterh�ltigen Grinsen, w�hrend er die H�nde hob, um sich zu ergeben. �So geht es im Leben.�</p><p>�Steigen Sie aus dem Wagen.�</p><p>�Sie sehen nass aus.�</p><p>�Sie sind zu fr�h.�</p><p>�Ich brenne darauf, zu meiner Beute zur�ckzukehren.�</p><p>Langdon hob die Waffe. �Ich werde nicht z�gern zu schie�en.� �Sie haben bereits gez�gert.�</p><p>Langdons Finger kr�mmte sich um den Abzug. Der Kardinal zu den F��en des M�rders r�hrte sich nicht mehr. Er sah ersch�pft aus, als h�tte er sich in sein Schicksal ergeben. �Binden Sie ihn los.�</p><p>�Vergessen Sie ihn. Sie sind wegen der Frau gekommen. Tun Sie nicht so, als w�re es anders.�</p><p>Langdon k�mpfte gegen das Verlangen, es an Ort und Stelle zu beenden. �Wo ist sie?�</p><p>�An einem sicheren Ort. Sie wartet auf meine R�ckkehr.�</p><p><emphasis>Sie lebt also noch.</emphasis> Langdon sp�rte neue Hoffnung in sich aufkeimen. �In der Kirche der Erleuchtung?�</p><p>Der M�rder grinste. �Sie werden diesen Ort niemals finden.�</p><p>Langdon konnte es kaum glauben. <emphasis>Die Kirche existiert also immer noch! Das Nest der Illuminati ist noch intakt!</emphasis> Er zielte mit der Waffe auf den M�rder. �Wo?�</p><p>�Der genaue Ort ist jahrhundertelang geheim geblieben Selbst ich erfuhr erst k�rzlich von seiner Existenz. Ich w�rde eher sterben, als das Vertrauen zu entt�uschen, das in mich gesetzt wurde.�</p><p>�Ich finde den Ort auch ohne Sie.�</p><p>�Ein arroganter Gedanke.�</p><p>Langdon deutete mit dem Lauf der Waffe auf den Brunnen �Ich bin immerhin bis hierher gekommen.�</p><p>�Das sind viele andere auch. Der letzte Schritt ist der schwerste.�</p><p>Langdon trat einen unsicheren Schritt vor. Der Untergrund war wirklich glitschig. Der Assassine wirkte gelassen, wie er dort mit erhobenen H�nden auf der Ladefl�che des Lieferwagens kauerte. Langdon zielte auf seine Brust und fragte sich einmal mehr, ob er nicht einfach schie�en und der Sache ein Ende bereiten sollte. <emphasis>Nein. Er wei�, wo Vittoria steckt. Und er wei�, wo die Antimaterie zu finden ist. Ich brauche Informationen!</emphasis></p><p>Aus der Dunkelheit des Lieferwagens starrte der <emphasis>Hashishin </emphasis>sein Gegen�ber an und empfand Erheiterung und Mitleid. Der Amerikaner war mutig, das hatte er bewiesen. Doch er war nicht trainiert, das hatte er ebenfalls bewiesen. Mut ohne Erfahrung war Selbstmord. Es gab Regeln f�r das �berleben. Uralte Regeln. Und der Amerikaner brach jede einzelne.</p><p>Du hattest den Vorteil auf deiner Seite, das �berraschungsmoment, aber du hast es vermasselt.</p><p>Der Amerikaner war unschl�ssig. Wahrscheinlich hoffte er auf Verst�rkung. oder auf einen Versprecher seitens des <emphasis>Hashishin,</emphasis> der wichtige Informationen enth�llen w�rde.</p><p>Verh�re deinen Gegner niemals, bevor du ihn unsch�dlich gemacht hast. Ein in die Ecke gedr�ngter Feind ist ein t�dlicher Feind.</p><p>Der Amerikaner redete schon wieder. Pl�nkelte. Man�vrierte.</p><p>Fast h�tte der <emphasis>Hashishin</emphasis> laut aufgelacht. <emphasis>Das hier ist keiner von deinen Hollywoodfilmen</emphasis>... <emphasis>hier gibt es keine lange Diskussion hinter vorgehaltener Waffe, bevor der letzte Vorhang f�llt. Das ist das Ende. Jetzt!</emphasis></p><p>Ohne den Blickkontakt zu dem Amerikaner zu unterbrechen, tastete <emphasis>der Hashishin</emphasis> an der Decke des Lieferwagens entlang, bis er gefunden hatte, wonach er suchte. Er starrte dem Amerikaner ins Gesicht. Dann handelte er.</p><p>Die Bewegung kam v�llig unerwartet. F�r einen Augenblick dachte Langdon, die Gesetze der Physik h�tten aufgeh�rt zu existieren. Der Assassine schien schwerelos in der Luft zu schweben, als seine Beine unter ihm hervorschossen und die Stiefel die Seite des in Ketten liegenden Kardinals trafen. Der K�rper flog aus der T�r und landete im Brunnen, wo er sofort versank.</p><p>Langdon wurde von einem Schwall Wasser getroffen und erkannte zu sp�t, was geschehen war. Der M�rder hatte sich an einer der Dachstreben des Lieferwagens festgehalten, um sich nach drau�en zu schwingen. Langdon blinzelte das Wasser aus den Augen und sah, wie der M�rder durch die Gischt hindurch mit den F��en voran auf ihn zusegelte.</p><p>Langdon feuerte. Die Kugel traf die Spitze des linken Stiefels. Fast im gleichen Augenblick trafen die Abs�tze der Stiefel Langdon an der Brust und stie�en ihn mit Wucht zur�ck.</p><p>In einer Font�ne aus Blut und Wasser tauchten die beiden M�nner unter.</p><p>Das eisige Wasser h�llte Langdon ein, und seine erste Empfindung war Schmerz. Dann meldete sich der �berlebensinstinkt. Er hatte die Waffe verloren. Er tauchte tief hinunter und tastete �ber den Boden. Seine H�nde ber�hrten Metall. M�nzen. Er lie� sie fallen und �ffnete die Augen. Das von Unterwasserscheinwerfern erleuchtete Becken kochte wie ein eisiger Jacuzzi.</p><p>Trotz seines Luftmangels blieb Langdon unter Wasser und in Bewegung. Er wusste nicht, aus welcher Richtung der n�chste Angriff kommen w�rde, doch er musste die Waffe finden! Fieberhaft tastete er mit den H�nden um sich.</p><p><emphasis>Du bist im Vorteil,</emphasis> sagte er sich immer wieder. <emphasis>Du bist in deinem Element.</emphasis> Selbst in einem voll gesogenen Rollkragenpullover war Langdon ein schneller und beweglicher Schwimmer. <emphasis>Du bist im Wasser zu Hause!</emphasis></p><p>Als Langdons Fingerspitzen ein zweites Mal Metall ber�hrten, war er sicher, dass das Gl�ck nun auf seiner Seite stand. Der Gegenstand in seinen H�nden f�hlte sich nicht nach M�nzen an. Er zerrte daran und stellte �berrascht fest, dass er nicht nachgab. Das Objekt war zu schwer.</p><p>Noch bevor Langdon �ber dem sich windenden Kardinal war, erkannte er, dass er ein St�ck der Kette gefunden hatte, die den</p><p>Mann nach unten zerrte. Er verharrte einen Augenblick reglos, als er das in Todesangst verzerrte Gesicht sah, das ihn vom Boden des Brunnens anstarrte.</p><p>Angetrieben von der Erkenntnis, dass der Kardinal noch lebte, griff Langdon nach unten und packte die Ketten in dem Versuch, den Mann zur Wasseroberfl�che zu zerren. Langsam gab der schwere K�rper nach. wie ein Schiffsanker. Langdon zog noch fester.</p><p>Als der Kopf des Kardinals die Wasseroberfl�che durchbrach, atmete der alte Mann ein paar Mal verzweifelt, dann kippte er wie ein Kegel um und versank wie ein Stein, ohne dass Langdon ihn h�tte halten k�nnen.</p><p>Langdon tauchte ihm hinterher, die Augen weit aufgerissen in der sch�umenden tr�ben Flut. Er fand den Kardinal. Als er die Ketten diesmal zu packen bekam, verrutschten sie �ber der Brust des alten Mannes. und enth�llten ein Brandmal im nackten, geschundenen Fleisch.</p><p>Einen Augenblick sp�ter kamen zwei schwere Stiefel in Sicht. Aus einem sprudelte Blut.</p></section><section><title><p>Kapitel 103.</p></title><p>Als Wasserpolospieler hatte Robert Langdon eine ganze Reihe von Unterwasserk�mpfen hinter sich gebracht. Die r�cksichtslose Wildheit unter der Oberfl�che, wo die Augen der Schiedsrichter nicht hinschauen konnten, war den schlimmsten Fouls in anderen Sportarten ebenb�rtig. Langdon �war getreten, gekratzt und einmal sogar von einem frustrierten Verteidiger gebissen worden, weil er sich st�ndig seinem Griff entzogen hatte.</p><p>Doch jetzt war er im eisigen Wasser von Berninis Brunnen, Tausende von Meilen vom Wettkampfbecken in Harvard entfernt. Dieser Kampf war kein Spiel, sondern ein Kampf ums nackte �berleben. Es war das zweite Mal, dass der Assassine und Langdon gegeneinander antraten. Kein Schiedsrichter, keine Revanche. Die Arme, die ihn nach unten dr�ckten und an den Boden des Beckens fesselten, besa�en eine Kraft, die keinen Zweifel an ihrer t�dlichen Absicht lie�.</p><p>Instinktiv drehte sich Langdon wie ein Torpedo um die eigene Achse. <emphasis>Du musst den Griff sprengen!</emphasis> Doch der Assassine drehte ihn wieder zur�ck. Er genoss einen Vorteil, den kein Verteidiger beim Polospiel je hatte - er stand mit beiden Beinen auf festem Boden. Langdon spannte sich an, versuchte, die Beine unter den Leib zu ziehen. Der Assassine schien haupts�chlich mit einer Hand zu dr�cken, dennoch war sein Griff eisern.</p><p>In diesem Augenblick erkannte Langdon, dass er es nicht schaffen w�rde. Er tat das Einzige, das ihm einfiel. Er gab seine Bem�hungen auf. <emphasis>Wenn du nicht nach Norden kannst, dann versuche es im Osten.</emphasis> Er nahm seine letzten verbliebenen Kr�fte zusammen und stie� sich ab, w�hrend er die Arme in einem unbeholfenen Schmetterlingsschlag unter sich zog. Er schoss vor.</p><p>Die pl�tzliche Richtungs�nderung schien den Assassinen zu �berraschen. Langdons Bewegung riss ihn aus dem Gleichgewicht. Der Griff des Mannes lockerte sich, und Langdon trat erneut aus. Es war ein Gef�hl, als w�re eine Leine gerissen. Mit einem Mal war er frei. Er stie� die verbrauchte Luft aus den Lungen, w�hrend er zur Oberfl�che schoss. Doch er bekam nur einen einzigen Atemzug. Mit brutaler Gewalt war der Assassine wieder �ber Langdon, die H�nde auf den Schultern des Gegners, und dr�ckte ihn mit seinem ganzen Gewicht nach unten. Langdon versuchte, die F��e unter den Leib zu ziehen, doch der M�rder kam ihm mit einem geschickten Tritt zuvor.</p><p>Einmal mehr lag Langdon flach am Boden des Brunnens.</p><p>Seine Muskeln brannten wie Feuer, w�hrend er sich wand und dem Griff zu entkommen versuchte. Diesmal war alles Taktieren vergeblich. Durch das sch�umende Wasser hindurch suchte er den Boden des Brunnens nach der Pistole ab. Alles war verschwommen. Die Luftblasen waren dichter als vorhin. Blendende Helligkeit h�llte ihn ein, w�hrend der M�rder ihn tiefer und tiefer dr�ckte, auf einen Unterwasserscheinwerfer zu, der am Boden des Beckens verankert war. Langdon packte den Scheinwerfer auf der Suche nach Halt. Er war hei�. Langdon versuchte, sich aus der Umklammerung zu winden, doch der Scheinwerfer war auf beweglichen Scharnieren montiert und drehte sich in seiner Hand. Er verlor seinen Hebel.</p><p>Der Assassine dr�ckte ihn noch tiefer.</p><p>Dann sah Langdon die Waffe. Sie ragte aus den M�nzen direkt vor seinem Gesicht. Ein dunkler Lauf. Er griff danach, doch als seine Finger den Lauf umschlossen, f�hlte er sich nach Plastik an, nicht nach Metall. Er zog daran, und ein beweglicher Gummischlauch sprang ihm entgegen wie eine sich windende Schlange. Luftblasen blubberten aus dem Ende. Es war nicht die Pistole, die er gefunden hatte. Es war einer der zahlreichen harmlosen <emphasis>spumanti</emphasis> des Brunnens. Ein Blasenmacher.</p><p>Nur ein kleines St�ck weiter sp�rte Kardinal Baggia, wie seine Seele darum k�mpfte, den K�rper zu verlassen. Obwohl er sich sein Lebenlang auf diesen Augenblick vorbereitet hatte, h�tte er sich niemals vorgestellt, dass das Ende auf diese Weise kommen w�rde. Seine k�rperliche H�lle wand sich im Todeskampf. verbrannt, geschunden und unter Wasser festgehalten von einem un�berwindlichen Gewicht. Er sagte sich wieder und wieder, dass sein Leiden nichts war im Vergleich zu dem, was Jesus ertragen hatte.</p><p>Er starb f�r meine S�nden.</p><p>Baggia h�rte unter Wasser das Toben eines Kampfes ganz in der N�he - und ertrug den Gedanken nicht. Sein Entf�hrer war im Begriff, ein weiteres Leben auszul�schen, den Mann mit den freundlichen, warmen Augen, den Mann, der versucht hatte, ihm zu helfen.</p><p>Der Schmerz nahm zu. Baggia lag auf dem R�cken und sah durch das Wasser hinauf in den schwarzen Nachthimmel �ber sich. F�r einen Augenblick glaubte er, die Sterne zu erkennen.</p><p>Es war Zeit.</p><p>Er l�ste sich von aller Angst und allen Zweifeln, �ffnete den Mund und stie� seinen letzten Atem aus. Er beobachtete, wie sein Geist in einer Reihe transparenter Blasen himmelw�rts stieg. Er atmete tief ein. Das Wasser str�mte in seine Lungen. Es f�hlte sich an wie eisige Dolche in den Seiten, doch diesmal dauerte der Schmerz nur ein paar Sekunden.</p><p>Dann. Frieden.</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> ignorierte den brennenden Schmerz an seinem Fu� und konzentrierte sich auf den ertrinkenden Amerikaner, den er mit beiden H�nden unter die kochende Wasseroberfl�che gedr�ckt hielt. <emphasis>Bring es zu Ende.</emphasis> Er verst�rkte seinen Griff. Diesmal w�rde sein Gegner nicht �berleben.</p><p>Pl�tzlich wurde der Amerikaner steif. Er begann wild zu zucken.</p><p><emphasis>Ja,</emphasis> dachte der <emphasis>Hashishin. Die Kr�mpfe. Wenn das erste Wasser in die Lunge eintritt.</emphasis> Die Kr�mpfe, das wusste er, dauerten etwa f�nf Sekunden.</p><p>Sie dauerten sechs.</p><p>Dann, genau wie der <emphasis>Hashishin</emphasis> erwartet hatte, erschlaffte sein Opfer unvermittelt. Wie ein gro�er Ballon, dem die Luft entwich. Es war vorbei. Der <emphasis>Hashishin</emphasis> hielt den anderen Mann noch eine halbe Minute unter Wasser fest, sodass seine Lunge sich zur G�nze mit Fl�ssigkeit f�llen konnte. Er sp�rte, wie der K�rper schwer wurde und von sich aus zu Boden sank. Dann erst lie� der <emphasis>Hashishin</emphasis> los. Die Medien w�rden eine zweifache �berraschung in Bellinis <emphasis>Fontana dei Fiumi</emphasis> vorfinden.</p><p><emphasis>� Tabban!�,</emphasis> fluchte <emphasis>der Hashishin,</emphasis> als er aus dem Becken kletterte und seinen blutenden Fu� betrachtete. Die Stiefelspitze war zerfetzt und der vordere Teil seines gro�en Zehs abgerissen. W�tend �ber seine eigene Unbedachtheit, riss er den Saum von seinem Hosenbein und rammte den Stoff in die Stiefelspitze. Schmerz schoss an seinem Bein hinauf. <emphasis>�Ibn alkalb!�</emphasis> Er biss auf die Z�hne und rammte den Stoff noch tiefer hinein. Die Blutung ging zur�ck, bis es nur noch ein Tr�pfeln war.</p><p>Er verdr�ngte den Schmerz aus seinen Gedanken und stieg in den Lieferwagen. Seine Arbeit in Rom war erledigt; jetzt erwartete ihn die Belohnung. Er wusste, womit er seinen Schmerz lindern w�rde. Vittoria Vetra lag gefesselt im Nest der Illuminati. Der <emphasis>Hashishin</emphasis> sp�rte, wie sein Glied trotz der K�lte und der N�sse erigierte.</p><p>Ich habe mir meine Belohnung verdient.</p><p>Vittoria erwachte schmerzerf�llt auf der anderen Seite der Stadt. Sie lag auf dem R�cken. Ihre Muskeln waren hart wie Stein.</p><p>Verkrampft. Ihre Arme schmerzten. Sie versuchte sich zu bewegen, doch es ging nicht. Es dauerte einen Augenblick, bis sie begriff, dass ihre H�nde auf dem R�cken gefesselt waren.</p><p>Ihre erste Reaktion war Verwirrung. <emphasis>Tr�ume ich?</emphasis> Sie versuchte den Kopf zu heben, und cfer Schmerz in ihrem Nacken zeigte ihr, dass sie wach war.</p><p>Ihre Verwirrung wich Angst, w�hrend sie ihre Umgebung zu erfassen versuchte. Sie befand sich in einem Raum mit nackten Steinw�nden - gro� und mit kostbarem Mobiliar ausgestattet. Das Licht kam von Fackeln an den W�nden. Irgendeine Art antiker Versammlungsraum. Altert�mliche B�nke, die in einem Kreis aufgestellt waren.</p><p>Vittoria sp�rte einen kalten Luftzug. In der N�he stand eine Doppelt�r weit offen. Dahinter lag ein Balkon. Vittoria h�tte schw�ren k�nnen, dass sie durch die L�cken im Gel�nder den Vatikan sehen konnte.</p></section><section><title><p>Kapitel 104.</p></title><p>Robert Langdon lag auf einem Bett aus M�nzen auf dem Grund des Vier-Str�me-Brunnens. Im Mund hatte er noch immer das Plastikrohr. Die Luft, die aus dem <emphasis>spu.ma.nti</emphasis> kam, um das Wasser mit Blasen zu f�llen, war vom �l der Pumpe verschmutzt, und Langdons Kehle brannte. Es war halbwegs ertr�glich, und immerhin hatte es ihm das Leben gerettet.</p><p>Er wusste nicht, wie genau er einen Ertrinkenden imitiert hatte, doch nachdem er viel Zeit am und im Wasser verbracht hatte, kannte er einige Geschichten. Er hatte sein Bestes gegeben. Gegen Ende hatte er sogar alle Luft aus den Lungen gelassen und zu atmen aufgeh�rt, sodass sein K�rper von alleine zu Boden gesunken war.</p><p>Gott sei Dank war der Assassine auf seinen Trick hereingefallen und hatte ihn losgelassen.</p><p>Langdon hatte auf dem Boden des Beckens ausgeharrt, so reglos er konnte. Ein Hustenreiz drohte ihn zu �bermannen. Er fragte sich, ob der Assassine noch immer dort drau�en lauerte. Mit einem weiteren fauligen Atemzug aus dem Plastikrohr l�ste er sich vom Boden und schwamm unter Wasser zur anderen Seite des Brunnens, um den Block in der Mitte herum. Leise und au�er Sicht im Schatten der m�chtigen Marmorfiguren tauchte er auf.</p><p>Der Lieferwagen war verschwunden.</p><p>Mehr brauchte Langdon nicht zu wissen. Mit einem tiefen Atemzug frischer Luft in den Lungen watete er zu der Stelle, wo der Kardinal versunken war. Er wusste, dass der Mann inzwischen bewusstlos war und die Chance einer Wiederbelebung gering, doch er musste es wenigstens versuchen. Als Langdon den K�rper gefunden hatte, stemmte er</p><p>die Beine zu beiden Seiten in den Boden, griff nach unten und packte die Ketten, die um den Kardinal gewickelt waren. Dann zog er mit aller Kraft. Das Gesicht des alten Mannes tauchte auf. Seine Augen waren nach oben verdreht und quollen hervor kein gutes Zeichen. Er atmete nicht mehr, und Langdon fand keinen Puls.</p><p>Langdon wusste, dass er nicht gen�gend Kraft besa�, um den Kardinal mit seinen Fesseln �ber den Beckenrand zu wuchten, daher zog er ihn durch das Wasser zu einer flachen, geneigten Stelle unter der zentralen Marmorskulptur. Langdon zog ihn so weit aus dem Wasser, wie er konnte.</p><p>Dann machte er sich an die Arbeit. Er dr�ckte die von Ketten umh�llte Brust des Kardinals zusammen, um das Wasser aus den Lungen zu pressen, und begann mit einer Mund zu MundBeatmung. Er z�hlte sorgf�ltig und widersetzte sich dem Instinkt, zu schnell und zu fest zu blasen. Drei Minuten lang versuchte Langdon, den alten Mann wieder zu beleben. Nach f�nf Minuten wusste er, dass es vorbei war.</p><p><emphasis>Ilpreferito.</emphasis> Der Mann, der zum Papst gew�hlt werden sollte, lag tot vor ihm.</p><p>Irgendwie strahlte Kardinal Baggia selbst jetzt noch, im Schatten und halb im Wasser liegend, eine stille W�rde aus. Das Wasser schwappte leise �ber seine Brust, beinahe reuevoll. als suchte es um Vergebung, weil es f�r den Tod des Mannes verantwortlich war. als versuchte es, die verbrannte Haut der Wunde reinzuwaschen, die seinen Namen trug.</p><p>Sanft fuhr Langdon mit der Hand �ber das Gesicht des Toten und schloss seine Lider. Dabei sp�rte er zu seiner eigenen �berraschung, wie Tr�nen in ihm aufstiegen. Zum ersten Mal seit Jahren weinte er.</p></section><section><title><p>Kapitel 105.</p></title><p>Der Nebel ersch�pfter Emotionen lichtete sich langsam, als Langdon von dem Toten weg und in tieferes Wasser watete. V�llig verausgabt rechnete er beinahe damit, das Bewusstsein zu verlieren. Dann aber stieg neue Entschlossenheit in ihm auf. Unaufhaltsam. Er sp�rte, wie seine Muskeln sich verh�rteten. Sein Verstand verdr�ngte den Schmerz n seinem Herzen und lie� ihn an die einzige Aufgabe denken, die jetzt noch z�hlte.</p><p>Finde das Nest der Illuminati. Rette Vittoria.</p><p>Er wandte sich zur gewaltigen Skulptur Berninis um und sch�pfte neue Hoffnung, w�hrend er nach dem letzten Wegweiser suchte, v)n dem er wusste, dass er irgendwo unter dieser Masse ineinander verschlungener Figuren verborgen sein musste. Dann sank seine Hoffnung erneut. Die Worte von Miltons Poem klangen mit einem Mal wie Spott in seinen Ohren.</p><p><emphasis>Let angels guide you on your lofty qiest.</emphasis> Langdon funkelte die Skulptur an. <emphasis>Der Brunnen ist heidnisch! Nirgendwo war ein einziger Engel zu sehen!</emphasis></p><p>Nachdem er seine fruchtlose Suche vervollst�ndigt hatte, schweiften seine Blicke instinktiv an der m�chtigen Steins�ule des Obelisken empor. <emphasis>Vier Wegweiser,</emphasis> dachte er, <emphasis>verteilt �ber ganz Rom in der Form eines riesigen Kreuzes!</emphasis></p><p>Vielleicht enthielt die �gyptische Symbolologie einen versteckten Hinweis. Er untersuchte die Hieroglyphen, die den Obelisken bedeckten, und verwarf den Gedanken wieder. Die Hieroglyphen waren Jahrhunderte �lter als Bernini und vor der Entdeckung des Steins von Rosette nicht zu entziffern gewesen. Aber vielleicht hatte Bernini ja ein zus�tzliches Symbol in den Obelisken gehauen? Ein Symbol, das unter all den Hieroglyphen</p><p>unbemerkt bleiben w�rde?</p><p>Langdon umrundete den Brunnen einmal mehr und studierte alle vier Seiten des Obelisken. Er ben�tigte zwei Minuten. Als er mit der letzten Seite fertig war, resignierte er. Keine nachtr�glich hinzugef�gten Hieroglyphen. Und ganz gewiss keine Engel.</p><p>Er schaute auf die Uhr. Punkt elf. Er konnte nicht sagen, ob die Zeit verflog oder kroch. Bilder von Vittoria und dem Assassinen verfolgten ihn, w�hrend er den Brunnen umrundete. Langdon war geschlagen und zu Tode ersch�pft. Er warf den Kopf in den Nacken, um sein Leid in die Nacht hinauszuschreien.</p><p>Der Schrei blieb ihm im Hals stecken.</p><p>Vor ihm ragte der Obelisk in die Nacht. Er hatte das Objekt auf der Spitze bereits fr�her gesehen, hatte ihm jedoch keine Aufmerksamkeit gewidmet. Jetzt stutzte Langdon. Es war kein Engel. Tats�chlich hatte Langdon es nicht einmal als Teil von Berninis Arbeit wahrgenommen. Er hatte es f�r ein lebendiges Wesen gehalten, einen der unz�hligen M�llvertilger der Stadt, der auf seinem luftigen Aussichtsturm kauerte.</p><p>Eine Taube.</p><p>Langdon starrte zu ihr hinauf. Die von unten beleuchtete, aufspritzende Gischt des Brunnens behinderte seine Sicht. Es war doch eine Taube, oder nicht? Der Kopf und der Schnabel waren jedenfalls deutlich vor dem n�chtlichen Sternenhimmel zu erkennen. Eigenartig nur, dass sich der Vogel seit Langdons Ankunft nicht bewegt zu haben schien, nicht einmal dann, als unter ihm im Wasser der Kampf getobt hatte. Der Vogel sa� noch in genau der gleichen Haltung da wie zu dem Zeitpunkt, als Langdon bei der Piazza Navona angekommen war. Hoch oben auf dem Obelisken, den Blick genau nach Westen gerichtet.</p><p>Langdon starrte reglos zur Taube hinauf, dann steckte er den</p><p>Arm in den Brunnen und packte eine Hand voll M�nzen. Er warf sie nach oben. Sie klapperte gegen den Obelisken. Die Taube r�hrte sich nicht. Langdon versuchte es erneut. Diesmal traf eine der M�nzen. Ein schwach metallisches Ger�usch hallte �ber den Platz.</p><p>Die Taube war aus Bronze.</p><p>Langdon sprang erneut in den Brunnen, um zu der Skulptur zu waten und an dem Gebirge aus Marmor hinaufzuklettern. Er zog sich �ber riesige Arme und K�pfe h�her und h�her, bis fast zur Basis des Obelisken. Erst hier hatte er den Dunst und die Gischt des Brunnens hinter sich gelassen und sah den Vogel in aller Deutlichkeit.</p><p>Kein Zweifel - es war eine wei�e Taube. Die t�uschende dunkle Farbe war das Resultat r�mischen Smogs. Dann traf ihn die Erkenntnis mit voller Wucht. Er hatte schon fr�her am Tag ein paar wei�e Tauben gesehen, beim Pantheon. Ein Paar Tauben besa� keine h�here Bedeutung. Diese Taube hier war <emphasis>allein.</emphasis></p><p>Eine einzelne wei�e Taube ist das urspr�nglich heidnische Symbol f�r den Friedensgott oder Friedensengel.</p><p>Die Erkenntnis verlieh ihm so viel neue Kraft, dass er den restlichen Weg bis zum Obelisken beinahe <emphasis>flog.</emphasis> Bernini hatte das heidnische Symbol der Taube gew�hlt, weil er den Engel auf diese Weise in seinem heidnischen Brunnen verbergen konnte. <emphasis>Let angels guide you on your lofty quest. Die Taube ist der Engel!</emphasis> Einen besseren luftigen Horst f�r den letzten Illuminati-Wegweiser konnte es �berhaupt nicht geben!</p><p>Der Vogel schaute genau nach Westen. Langdon versuchte, seinem Blick zu folgen, doch die H�user versperrten die Sicht. Er kletterte h�her. Ein Zitat des heiligen Gregorius von Nyssa kam ihm unerwartet ins Ged�chtnis: <emphasis>Sobald die Seele erleuchtet wird</emphasis>... <emphasis>nimmt sie die wunderbare Gestalt einer wei�en Taube an.</emphasis></p><p>Langdon kletterte himmelw�rts, der wei�en Taube entgegen. Er erreichte den Sockel, aus dem sich der Obelisk erhob. H�her ging es nicht. Mit einem Blick in die Runde wusste er, dass es auch nicht n�tig war. Ganz Rom breitete sich vor ihm aus. Die Aussicht war atemberaubend.</p><p>Zu seiner Linken erstrahlte der Petersdom im Licht von Scheinwerfern. Zur Rechten lag die rauchende Kuppel von Santa Maria della Vittoria. Genau vor ihm, in der Ferne, die Piazza del Popolo. Und hinter ihm der vierte und letzte Wegweiser. Ein gigantisches Kreuz aus Obelisken.</p><p>Zitternd legte Langdon den Kopf in den Nacken und starrte zur Taube hinauf. Dann drehte er sich in die Richtung, in die das Tier schaute, und senkte die Augen hinunter zum Horizont.</p><p>Im gleichen Augenblick wusste er Bescheid.</p><p>So offensichtlich. So klar. So unglaublich einfach.</p><p>Langdon starrte das Geb�ude an und konnte nicht glauben, dass die geheime Kirche der Illuminati so viele Jahre unentdeckt geblieben sein sollte. Die ganze Stadt schien rechts und links zu versinken, w�hrend er auf die monstr�se Steinburg auf der anderen Seite des Flusses starrte. Das Geb�ude war eines der ber�hmtesten von ganz Rom. Es stand am Ufer des Tiber, schr�g gegen�ber vom Vatikan. Die Geometrie war augenf�llig</p><p>- ein rundes Schloss in einer quadratischen Festung, und drau�en, vor den W�llen, ein Park, der sich um die gesamte Struktur zog und die Form eines <emphasis>Pentagramms</emphasis> besa�.</p><p>Die antiken Wehrmauern wurden von Scheinwerfern angestrahlt. Hoch oben auf dem Schloss stand ein gewaltiger Bronzeengel mit einem Schwert, das nach unten zeigte, mitten ins Herz des Bauwerks. Und als w�re das noch nicht genug, f�hrte nur ein einziger Weg direkt in die Festung hinein - die ber�hmte <emphasis>Ponte Sant�Angelo,</emphasis> die Engelsbr�cke. ein dramatischer Ann�herungsweg, ges�umt von zw�lf hoch aufragenden Engeln, die niemand anders als Bernini pers�nlich geschaffen hatte. Mit einer letzten, atemberaubenden Einsicht erkannte Langdon, dass Berninis stadtweites Kreuz aus Obelisken die Festung in perfekter Illuminati-Manier markierte</p><p>- der L�ngsarm des Kreuzes ging mitten durch die Br�cke hindurch und teilte sie in zwei gleiche H�lften.</p><p>Langdon kletterte wieder nach unten und rannte �ber die Piazza, um seine Jacke zu holen. Er hielt sie weit von sich, damit sie nicht nass wurde. Dann sprang er in den geraubten Wagen und jagte in die Nacht davon.</p></section><section><title><p>Kapitel 106.</p></title><p>Es war sieben Minuten nach dreiundzwanzig Uhr. Langdon raste �ber die Lungotevere Tor di Nona, am Tiber entlang. Zu seiner Rechten erhob sich sein Ziel wie ein Berg aus der Dunkelheit.</p><p><emphasis>Castel Sant� Angela.</emphasis> Die Engelsburg.</p><p>Ohne Vorwarnung erschien die Abzweigung zur schmalen Ponte Sant� Angelo. Langdon stieg auf die Bremse und riss das Lenkrad herum. Er schaffte es noch rechtzeitig, doch die Auffahrt zur Br�cke war versperrt. Er rutschte zehn Meter mit stehenden Reifen und prallte dann gegen eine Reihe niedriger Betonsockel, die quer �ber die Fahrbahn standen. Er wurde in seinem Sitz durchgesch�ttelt, und der Wagen kam schnaufend und zischend zum Stehen. Langdon hatte ganz vergessen, dass die Engelsbr�cke aus Gr�nden des Denkmalschutzes f�r den Fahrzeugverkehr gesperrt war.</p><p>Zitternd stolperte er aus dem stark besch�digten Citroen und w�nschte, er h�tte sich f�r einen anderen Zufahrtsweg entschieden. Ihm war immer noch kalt, und er war bis auf die Haut durchn�sst; deshalb zog er das Jackett �ber das feuchte Hemd. Zum Gl�ck war die Jacke doppelt gef�ttert, und das wertvolle Blatt aus Galileos <emphasis>Diagramma</emphasis> war vor Feuchtigkeit gesch�tzt. Vor ihm, auf der anderen Seite der Br�cke, erhob sich die steinerne Festung wie ein Berg. M�hsam setzte sich Langdon in Bewegung und fiel in einen ersch�pften Trott.</p><p>Zu beiden Seiten standen Berninis Engel wie eine Eskorte, die ihm den Weg zu seinem letzten Ziel wies. <emphasis>Let angels guide you on your lofty quest.</emphasis> Die Engelsburg erhob sich vor ihm wie eine uneinnehmbare Festung, beeindruckender noch als der Petersdom. Mit letzter Energie kam Langdon vor der Bastion an. Vor ihm erhob sich der runde Kern der Zitadelle, und auf ihm</p><p>thronte der gigantische Engel mit dem Schwert in der Hand.</p><p>Die Burg wirkte verlassen.</p><p>Im Lauf der Jahrhunderte hatte sie dem Vatikan als Grabst�tte, als Festung, als Zufluchtsort und Versteck f�r den Papst, als Gef�ngnis f�r Feinde der Kirche und als Museum gedient. Offensichtlich gab es au�er der Kirche noch andere Bewohner - die Illuminati. Irgendwie ergab es einen unheimlichen Sinn. Die Burg war zwar im Besitz des Vatikans, wurde jedoch nur sporadisch genutzt, und Bernini hatte w�hrend seiner Zeit eine ganze Reihe von Umbauten vorgenommen. Ger�chten zufolge war das gesamte Bauwerk �bers�t mit geheimen T�ren, G�ngen, Passagen und verborgenen Kammern. Langdon zweifelte keinen Augenblick daran, dass sowohl der Engel auf dem Bauwerk als auch der umgebende Park ebenfalls Berninis Werk waren.</p><p>Als er die massive Doppelt�r der Burg erreicht hatte, r�ttelte er mit aller Kraft daran. Sie bewegte sich nicht. Zwei m�chtige Eisenklopfer hingen auf Augenh�he. Langdon schenkte sich die M�he. Er trat zur�ck und suchte die hohe Au�enwand ab. Diese Wehrmauern hatten Armeen von Berbern, Mohren und anderen Heiden getrotzt. Irgendwie hatte er das Gef�hl, dass seine Chancen, einen Weg hineinzufinden, nicht sonderlich gut standen.</p><p><emphasis>Vittoria,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>Bist du da drin?</emphasis></p><p>Er rannte um die Au�enmauern herum. <emphasis>Es muss doch einen weiteren Eingang geben!</emphasis></p><p>Beim zweiten Bollwerk im Westen befand sich ein kleiner Parkplatz, der von der Lungotevere Angelo aus zu erreichen war. Dort entdeckte Langdon endlich den gesuchten zweiten Eingang - eine zugbr�ckenartige Konstruktion, eingezogen und verschlossen. Wieder blickte Langdon suchend nach oben.</p><p>Die einzige Beleuchtung kam von den Flutlichtscheinwerfern, die das Geb�ude von au�en anstrahlten. Die winzigen Fenster waren ausnahmslos schwarz. Langdons Augen glitten h�her. Direkt unter dem Dach der runden Konstruktion und unter dem Schwert des Engels, in fast drei�ig Metern H�he, ragte ein Balkon aus den Mauern. Die Brustwehr aus Marmor gl�nzte in einem kaum wahrnehmbaren flackernden Schein, als w�re der Raum dahinter von Fackeln erhellt. Langdon stockte, und ein Zittern durchlief ihn. Ein Schatten? Er wartete angespannt. Dann sah er es wieder. <emphasis>Dort oben ist jemand!</emphasis></p><p>�Vittoria!�, rief er laut, unf�hig, etwas dagegen zu unternehmen, doch das wilde Hochwasser des Tiber hinter ihm verschluckte seine Stimme. Er drehte sich im Kreis und fragte sich, wo die Schweizergardisten so lange blieben. Hatten sie seine Nachricht �berhaupt empfangen?</p><p>Auf der anderen Seite des Platzes stand ein gro�er �bertragungswagen. Langdon rannte dorthin. Ein dicker Mann mit einem Kopfh�rer sa� hinten und bet�tigte irgendwelche Regler. Langdon klopfte gegen die seitliche Schiebet�r. Der Mann zuckte zusammen, bemerkte Langdons nasse Kleidung und riss sich den Kopfh�rer herunter.</p><p>�Was gibt�s denn, Kumpel?� Er redete mit australischem Dialekt.</p><p>�Ich brauche Ihr Telefon!� Langdon flehte beinahe.</p><p>Der Mann zuckte die Schultern. �Keine freie Leitung, Kumpel. Die Sender sind �berlastet. Ich versuch�s schon die ganze Nacht.�</p><p>Langdon fluchte laut. �Haben Sie jemanden dort reingehen sehen?� Er deutete zur Zugbr�cke.</p><p>�Hab ich. Ein schwarzer Lieferwagen. F�hrt schon die ganze Nacht immer wieder rein und raus.�</p><p>Langdon sp�rte, wie sich sein Magen zusammenzog.</p><p>�Verdammter Gl�ckspilz�, sagte der Australier mit einem neidischen Blick zur Burg hinauf. �Jede Wette, die Aussicht von dort oben ist fantastisch. Ich hab es nicht durch den Verkehr beim Petersplatz geschafft, deswegen filme ich von hier.�</p><p>Langdon h�rte gar nicht zu. Er suchte verzweifelt nach einer M�glichkeit.</p><p>�Was meinen Sie?�, fuhr der Australier fort, �ist diese Geschichte von einem Samariter der elften Stunde wahr oder nicht?�</p><p>Langdon wandte sich zu ihm um. �Einem <emphasis>was?�</emphasis></p><p>�Haben Sie nichts davon geh�rt? Der Hauptmann der Schweizergarde hat einen Anruf von jemandem erhalten, der behauptet, wichtige Informationen zu besitzen. Der Typ ist mit dem Flieger unterwegs nach Rom. Ich wei� nur eins - wenn es ihm gelingt, den Vatikan zu retten, gehen die Quoten wieder in den Keller.� Der Aussie lachte.</p><p>Langdon blickte ihn verwirrt an. <emphasis>Ein Samariter, der hergeflogen kommt, um zu helfen? Wei� er vielleicht, wo die Antimaterie versteckt ist? Warum hat er es der Schweizergarde nicht direkt am Telefon gesagt? Warum kommt er pers�nlich? Irgendetwas</emphasis> an der Geschichte klang merkw�rdig, doch Langdon hatte nicht die Zeit, l�nger dar�ber nachzudenken.</p><p>�Hey�, sagte der Aussie unvermittelt und betrachtete Langdon genauer. �Sind Sie nicht der Typ, den ich im Fernsehen gesehen hab? Haben Sie nicht versucht, diesen Kardinal auf dem Petersplatz zu retten?�</p><p>Langdon antwortete nicht. Seine suchenden Blicke wurden von einer Apparatur auf dem Dach des �bertragungswagens angezogen - einer Satellitensch�ssel auf einer ausfahrbaren Antenne. Langdons Blick glitt von der Antenne zu den Mauern der Burg und wieder zur�ck. Die �u�ere Wehrmauer war gut f�nfzehn Meter hoch. Die innere Festung ragte noch h�her auf. Eine Verteidigungsanlage mit schalenf�rmigem Aufbau. Sie sah von hier unten unglaublich hoch aus, doch wenn es Langdon gelang, die erste Mauer zu �berwinden.</p><p>Langdon wirbelte zu dem Reporter herum und deutete auf die Antenne. �Wie hoch reicht die?�</p><p>Der Mann schien �berrascht. �F�nfzehn Meter, warum?�</p><p>�Lassen Sie den Motor an. Fahren Sie ganz dicht an die Mauer. Ich brauche Ihre Hilfe.�</p><p>�Was reden Sie da?�</p><p>Langdon erkl�rte es ihm.</p><p>Der Aussie riss die Augen auf. �Sind Sie wahnsinnig? Das ist eine Zweihunderttausend-Dollar-Antenne und keine Feuerwehrleiter!�</p><p>�Wollen Sie Einschaltquoten oder nicht? Ich verf�ge �ber Informationen, f�r die andere ihre Seele verkaufen w�rden.� Langdon war verzweifelt.</p><p>�Sind diese Informationen Zweihunderttausend Dollar wert?�</p><p>Langdon sagte ihm, was er als Gegenleistung zu bieten hatte.</p><p>Neunzig Sekunden sp�ter umklammerte er die Spitze einer im leichten Abendwind schwankenden Antenne f�nfzehn Meter �ber dem Boden. Er streckte eine Hand aus und packte den Saum des Walls, um sich dann auf die Mauerkrone zu ziehen und auf die Bastion dahinter zu springen.</p><p>�Und jetzt die Information!�, rief der Aussie von unten. �Wo ist er?�</p><p>Langdon wurde von Schuldgef�hlen geplagt, doch ein Handel war ein Handel. Au�erdem w�rde der Assassine die Presse aller Wahrscheinlichkeit nach sowieso informieren. �Piazza Navona!�, rief er dem Aussie zu. �Im <emphasis>Fontana dei Fiumi!�</emphasis></p><p>Der Aussie zog seine Antennensch�ssel wieder ein und raste davon, dem H�hepunkt seiner Karriere entgegen.</p><p>In einer steinernen Kammer hoch �ber der Stadt zog der <emphasis>Hashishin</emphasis> die Stiefel aus und bandagierte seinen verwundeten Fu�. Er schmerzte, doch nicht so stark, dass ihm die Lust am Vergn�gen vergangen w�re.</p><p>Er wandte sich seiner Belohnung zu.</p><p>Sie lag in der Ecke des Raums auf einem breiten Diwan, einen Knebel im Mund und die H�nde auf den R�cken gefesselt. Der <emphasis>Hashishin</emphasis> ging auf sie zu. Sie war inzwischen wach. Das gefiel ihm. �berrascht stellte er fest, dass in ihren Augen Feuer brannte statt Angst.</p><p>Die Angst w�rde schon noch kommen.</p></section><section><title><p>Kapitel 107.</p></title><p>Robert Langdon rannte �ber die Bastion des �u�eren Festungswalls und war dankbar f�r die Flutlichter. Der Innenhof unter ihm sah aus wie ein Museum alter Kriegskunst -Katapulte, sauber aufgeschichtete Steinkugeln und ein Arsenal Furcht einfl��ender Maschinen. Ein Teil der Engelsburg war tags�ber f�r Touristen ge�ffnet, und der Hof wir praktisch im Originalzustand restauriert worden.</p><p>Langdons Blicke glitten zum zentralen Bau der Festung. Die runde Zitadelle war mehr als f�nfunddrei�ig Meter hoch, ohne den gro�en Bronzeengel auf dem Dach. Die Marmorbr�stung des Balkons weit oben schimmerte noch immer. Langdon wollte nach Vittoria rufen, doch er hielt sich im Zaum. Er w�rde einen Weg hineinfinden.</p><p>Er blickte auf die Uhr.</p><p>Dreiundzwanzig Minuten nach elf.</p><p>Er rannte die an der Innenseite der Wehrmauer verlaufende Rampe hinunter in den Innenhof. Wieder auf ebener Erde, umrundete er die Zitadelle im Uhrzeigersinn. Er kam an drei m�chtigen Portiken vorbei, doch alle waren zugemauert. <emphasis>Wie ist der Assassine hineingekommen?</emphasis> Langdon rannte weiter. Er passierte zwei Eing�nge aus neuerer Zeit, doch sie waren von au�en mit Vorh�ngeschl�ssern gesichert. <emphasis>Hier ist es nicht!</emphasis> Er lief weiter.</p><p>Er hatte die Zitadelle fast umrundet, als er einen Kiesweg entdeckte, der den Innenhof durchquerte. Auf der einen Seite erkannte er die eingezogene Zugbr�cke, die nach drau�en f�hrte. Auf der anderen Seite verschwand der Weg im Innern der Burg. Es schien sich um eine Art Tunnel zu handeln - ein klaffendes Loch in der glatten Au�enwand des Zentralbaus. Il</p><p><emphasis>traforo!</emphasis> Langdon hatte �ber den <emphasis>traforo</emphasis> der Burg gelesen, eine gewaltige spiralf�rmige Rampe, die sich im Innern nach oben wand. Sie war breit und hoch genug, um mit Pferden hindurchzureiten, was wohl in der Vergangenheit auch geschehen war. <emphasis>Er ist mit dem Wagen nach oben gefahren!</emphasis> Das Falltor, das die Zufahrt versperrte, war einladend nach oben gezogen.</p><p>Langdon f�hlte sich beinahe ausgelassen, als er auf den Eingang zurannte, doch als er dort ankam, verflog seine Hochstimmung.</p><p>Der Tunnel f�hrte <emphasis>nach unten.</emphasis></p><p>Die falsche Richtung. Dieser Teil des <emphasis>traforo</emphasis> f�hrte offensichtlich hinunter in die Verliese, nicht nach oben.</p><p>Langdon blieb z�gernd stehen und starrte in die Dunkelheit, die sich in die Tiefe erstreckte. Dann schaute er hinauf zum Balkon. Er h�tte schw�ren k�nnen, eine Bewegung zu erkennen. <emphasis>Entscheide dich!</emphasis> Doch es gab nichts zu entscheiden, und er rannte los.</p><p>Hoch oben stand der <emphasis>Hashishin</emphasis> �ber seiner Beute. Er strich mit einer Hand �ber ihren Arm. Ihre Haut war zart wie Samt. Die Vorfreude auf das Kommende war berauschend. Es gab so viele M�glichkeiten, sie zu verletzen.</p><p>Der <emphasis>Hashishin</emphasis> hatte sich diese Frau verdient. Er hatte Janus gute Dienste geleistet. Sie war seine Kriegsbeute, und wenn er mit ihr fertig war, w�rde er sie vom Diwan zerren und auf die Knie zwingen. Sie w�rde ihm erneut dienen. <emphasis>Die ultimative Unterwerfung.</emphasis> Dann, im Augenblick seines eigenen H�hepunkts, w�rde er ihr die Kehle durchschneiden.</p><p><emphasis>Ghayat assa�adah,</emphasis> nannten sie es. <emphasis>Das h�chste aller Vergn�gen.</emphasis></p><p>Sp�ter w�rde er hinaus auf den Balkon treten, sich in seinem Erfolg baden und den letzten, ultimativen Triumph der Illuminati genie�en. die Rache, auf die so viele so lange hatten</p><p>warten m�ssen.</p><p>Der Tunnel wurde mit jedem Schritt dunkler. Langdon stieg hinab.</p><p>Nach einer vollst�ndigen Umdrehung war das Licht fast v�llig verschwunden. Der Tunnel ging in die Waagerechte �ber, und Langdon wurde langsamer. Am Klang seiner Schritte erkannte er, dass er eine gro�e Kammer betreten hatte. Vor sich in der Dunkelheit glaubte er das Glitzern von Licht zu erkennen, undeutliche Reflexionen in der umgebenden Schw�rze. Er bewegte sich mit tastend ausgestreckten H�nden vorw�rts und fand glatte Fl�chen. Metall und Glas. Es war ein Lieferwagen. Er tastete sich daran entlang, fand eine T�r und �ffnete sie.</p><p>Die Innenbeleuchtung flammte auf. Langdon trat zur�ck und erkannte den schwarzen Lieferwagen des Assassinen. Eine Welle des Abscheus stieg in ihm auf, w�hrend er den Wagen anstarrte, dann stieg er ein und kramte in den Ablagef�chern in der Hoffnung, eine Waffe zu finden. Er hatte seine Pistole im Vier-Str�me-Brunnen verloren. Bis auf Vittorias zerst�rtes Mobiltelefon fand er nichts. Der Anblick des defekten Ger�ts erf�llte Langdon mit neuer Furcht. Er betete, dass er nicht zu sp�t kam.</p><p>Als N�chstes schaltete er die Scheinwerfer des Wagens ein. Der Raum ringsum wurde hell - gespenstische Schatten in einer schlichten Halle. Wahrscheinlich war sie fr�her zum Einstellen von Pferden oder zum Lagern von Munition benutzt worden. Und es gab keinen Ausgang - eine Sackgasse.</p><p><emphasis>Ich bin auf dem falschen Weg!</emphasis></p><p>Am Ende seiner Weisheit angelangt, sprang Langdon aus dem Wagen und suchte die W�nde ab. Keine T�ren. Keine Tore. Er dachte an den Engel hoch oben auf der Burg und fragte sich, ob es ein Zufall gewesen war. <emphasis>Nein!</emphasis> Die Worte des M�rders beim Vier-Str�me-Brunnen fielen ihm ein. <emphasis>An einem sicheren Ort</emphasis>... <emphasis>sie wartet auf meine R�ckkehr.</emphasis> Auf Langdons Frage, ob er die</p><p>Kirche der Erleuchtung meine, hatte der Assassine nur gegrinst. Langdon war zu weit gegangen, um jetzt noch aufzugeben. Sein Herz h�mmerte. Entt�uschung und Hass drohten jeden klaren Gedanken zu ertr�nken.</p><p>Als er das Blut auf dem Boden entdeckte, war sein erster Gedanke: Vittoria! Doch als seine Blicke der Spur folgten, erkannte er, dass es Fu�abdr�cke waren. Blutige Fu�abdr�cke. Lange Schritte. Und das Blut war nur am linken Fu�. <emphasis>Der Assassine!</emphasis></p><p>Langdon folgte der Spur zu einer Ecke der Halle, und sein langer Schatten wurde dunkler. Seine Verwirrung nahm mit jedem Schritt zu. Die blutigen Abdr�cke sahen aus, als w�re der M�rder schnurstracks in eine Ecke des Raums gelaufen und h�tte sich dort in Luft aufgel�st.</p><p>Doch als Langdon in der Ecke angelangt war, traute er seinen Augen nicht. Der Granitblock im Boden war nicht quadratisch wie die anderen. Es war ein weiterer Wegweiser - ein perfektes Pentagramm, dessen eine Spitze in die Ecke zeigte. Und dort, genial getarnt durch �berlappende W�nde, befand sich ein schmaler Spalt - der Ausgang.</p><p>Langdon schl�pfte hindurch und gelangte in einen Gang. Vor ihm lagen die �berreste eines schweren Tors, das diesen Tunnel einmal versperrt hatte.</p><p>Und dahinter war Licht.</p><p>Langdon rannte los. Er kletterte �ber das Holz und rannte dem Licht entgegen. Bald m�ndete der Gang in eine weitere, gr��ere Kammer. Hier flackerte eine einzelne Fackel an der Wand. Langdon befand sich in einem Bereich der Engelsburg, in dem es keine Elektrizit�t gab - einem Bereich, den kein Tourist jemals zu Gesicht bekam.</p><p>Der Raum w�re bei hellem Tageslicht schon grausig gewesen; die Fackel machte es nur noch schlimmer.</p><p><emphasis>Il prigione.</emphasis></p><p>Langdon sah ein Dutzend winziger Zellen, deren eiserne Gitterst�be fast weggerostet waren. Eine der gr��eren Zellen war jedoch intakt geblieben - und dann sah Langdon etwas, das sein Herz beinahe h�tte stocken lassen. Schwarze Gew�nder und rote Sch�rpen auf dem Boden. <emphasis>Hier hat der M�rder die Kardinale festgehalten!</emphasis></p><p>In der N�he der Zelle war eine Eisent�r. Sie stand offen. Dahinter sah Langdon einen weiteren Gang. Er rannte darauf zu, blieb dann aber davor stehen. Die blutige Spur f�hrte nicht hinein. Als Langdon die Worte �ber dem Durchgang sah, wusste er den Grund.</p><p>Il <emphasis>Passetto.</emphasis></p><p>Er war wie bet�ubt. Viele Male hatte er von diesem Tunnel geh�rt, doch er hatte nie gewusst, wo genau der Eingang lag. <emphasis>Il Passetto -</emphasis> der kleine Gang - war ein schmaler, knapp �ber einen Kilometer langer Tunnel zwischen dem Castel Sant� Angelo und dem Vatikan. Er war von verschiedenen P�psten bei Belagerungen der Vatikanstadt als Fluchtweg benutzt worden. und von einigen weniger moralischen P�psten, um heimlich ihre M�tressen zu besuchen oder der Folterung von Feinden und Gegnern beizuwohnen. Heutzutage waren die beiden schweren T�ren an den Enden angeblich mit aufbruchsicheren Schl�ssern gesichert; die Schl�ssel dazu wurden in einem geheimen Gew�lbe im Vatikan aufbewahrt. Jetzt wurde Langdon auch klar, wie die Illuminati unbemerkt im Vatikan hatten ein- und ausgehen k�nnen. Er fragte sich, wer im Innern der Heiligen Stadt die Kirche verraten und die Schl�ssel herausgegeben hatte. <emphasis>Olivetti? Ein Mitglied der Schweizergarde?</emphasis> Nichts von alledem spielte jetzt noch eine Rolle.</p><p>Das Blut auf dem Boden f�hrte zum entgegengesetzten Ende der Halle. Langdon folgte der Spur zu einem rostigen Tor mit Ketten daran. Das Schloss war entfernt worden, das Tor war offen. Dahinter f�hrte eine steile Wendeltreppe nach oben. Auch hier war der Boden mit einem f�nfeckigen Stein markiert. Der</p><p>Sturz war verziert mit einem winzigen, in den Stein gehauenen Cherubim. Das war es.</p><p>Die blutige Spur f�hrte die Treppe hinauf.</p><p>Bevor Langdon ihr folgte, brauchte er eine Waffe -irgendetwas, um sich zu verteidigen. Er fand eine Eisenstange in der N�he einer der Zellen. Das eine Ende war abgebrochen und scharf. Die Stange war schwer, doch etwas Besseres gab es nicht. Langdon hoffte darauf, dass das �berraschungsmoment und die Verwundung des Assassinen die Chancen zu seinen Gunsten �nderten. Am meisten jedoch hoffte er, dass er nicht zu sp�t kam.</p><p>Die steinerne Wendeltreppe war ausgetreten, eng und steil. Langdon stieg leise hinauf und lauschte auf Ger�usche von oben. Nichts. Je h�her er kam, desto schw�cher wurde das Licht aus der Halle unten. Bald bewegte er sich durch v�llige Dunkelheit und tastete sich mit einer Hand an der Wand entlang. H�her. Langdon sp�rte den Geist Galileos, der genau diese Stufen hinaufgestiegen war, begierig, seine Visionen vom Himmel mit anderen M�nnern der Wissenschaft und des Glaubens zu teilen.</p><p>Langdon hatte noch immer nicht richtig verdaut, dass sich die Kirche der Erleuchtung ausgerechnet in der Engelsburg befand. Die Hochburg der Illuminati, der geheime Versammlungsort -in einem Geb�ude, das dem Vatikan geh�rte! Ohne Zweifel hatten die Illuminati sich hier getroffen, direkt vor der Nase des Vatikans, w�hrend die Soldaten des Papstes die Stadt durchk�mmt und H�user und Keller bekannter Wissenschaftler durchsucht hatten. Mit einem Mal schien alles einleuchtend. Bernini, der leitende Architekt f�r die Renovierung der Engelsburg, hatte unbeschr�nkten Zugang zu s�mtlichen R�umen besessen. und er hatte die Burg nach seinen eigenen Bed�rfnissen umgebaut, ohne dass Fragen gestellt worden waren. Wie viele geheime Zug�nge hatte Bernini geschaffen? Wie viele subtile Verzierungen und Schn�rkel wiesen den Weg?</p><p>Die Kirche der Erleuchtung. Langdon war ganz nah.</p><p>Die Treppe wurde schmaler, die W�nde kamen n�her. Die Schatten der Vergangenheit fl�sterten in der Dunkelheit, doch Langdon blieb nicht stehen. Als er schlie�lich den hellen Spalt vor sich sah, wusste er, dass er sich wenige Stufen unterhalb eines Absatzes befand. Flackerndes Fackellicht drang unter einer T�rschwelle hindurch ins Treppenhaus. Lautlos trat er n�her.</p><p>Langdon wusste nicht, wo genau er sich innerhalb der Engelsburg befand, doch er war weit genug hinaufgestiegen, um dicht unter dem Dach zu sein. Er stellte sich den gro�en Bronzeengel vor und vermutete, dass er direkt unter ihm war.</p><p><emphasis>Besch�tze mich, Engel,</emphasis> dachte er und packte die Stange fester. Dann legte er die Hand auf den T�rgriff.</p><p>Vittorias Arme schmerzten. Nach dem Aufwachen hatte sie geglaubt, sie k�nnte die Fesseln l�sen, mit denen ihr die H�nde auf dem R�cken gebunden waren, doch die Zeit hatte nicht gereicht. Die Bestie war zur�ckgekehrt. Jetzt stand der M�rder �ber ihr, mit entbl��ter, kraftvoller Brust, �bers�t von Narben, die er sich in K�mpfen zugezogen hatte. Seine Augen verengten sich zu zwei schwarzen Schlitzen, als er ihren K�rper betrachtete. Vittoria sp�rte, dass er sich vorstellte, was er alles mit ihr machen w�rde. Langsam, wie um sie zu verh�hnen, �ffnete er seinen durchn�ssten G�rtel und lie� ihn zu Boden gleiten.</p><p>Vittoria sp�rte, wie Entsetzen gepaart mit Abscheu in ihr aufstieg. Sie schloss die Augen. Als sie sie wieder �ffnete, hatte der M�rder ein Klappmesser gez�ckt. Er lie� es direkt vor ihrem Gesicht aufspringen.</p><p>Im gl�nzenden Stahl der Klinge sah Vittoria ihr entsetztes Spiegelbild.</p><p>Der Assassine drehte die Klinge um und fuhr damit �ber ihren Bauch. Das eisige Metall lie� sie fr�steln. Mit ver�chtlichem</p><p>Blick schob er die Klinge unter den Bund ihrer Shorts. Sie atmete ein. Er bewegte das Messer vor und zur�ck, langsam, gef�hrlich. tiefer. Dann beugte er sich vor, und sein hei�er Atem streifte ihr Ohr.</p><p>�Diese Klinge hat das Auge deines Vaters herausgeschnitten.�</p><p>In diesem Augenblick wusste Vittoria, dass sie f�hig war, einen Menschen zu t�ten.</p><p>Der Assassine bewegte die Klinge weiter nach unten. Dann begann er, das Gewebe ihrer Khakihose zu durchtrennen. Unvermittelt brach er ab und blickte auf. Jemand anderes war im Raum.</p><p>�Lass sie los!�, grollte eine tiefe Stimme von der T�r.</p><p>Vittoria konnte den Sprecher nicht sehen, doch sie kannte die Stimme. <emphasis>Robert! Er lebt!</emphasis></p><p>Der Assassine sah aus, als w�re er einem Geist begegnet. �Du musst einen Schutzengel haben, Amerikaner.�</p></section><section><title><p>Kapitel 108.</p></title><p>Langdon brauchte nur den Bruchteil einer Sekunde, um seine Umgebung in sich aufzunehmen, und er sah, dass er sich an einem geweihten Ort befand. Die Ausstattung des l�nglichen Raums war zwar alt und verblasst, doch voller bekannter Symbolologie. Pentagrammfliesen. Planetenfresken. Tauben. Pyramiden.</p><p><emphasis>Die Kirche der Erleuchtung.</emphasis> Einfach und rein. Langdon war am Ziel.</p><p>Direkt vor ihm, eingerahmt von der T�r, die auf den Balkon hinausf�hrte, stand der Assassine. Er hatte das Hemd ausgezogen und sich �ber Vittoria gebeugt, die zwar gefesselt war, doch am Leben und unverletzt, wie es schien. Langdon sp�rte eine Woge der Erleichterung, als er sie sah. F�r einen Moment begegneten sich ihre Blicke, aus denen Dankbarkeit, Verzweiflung und Bedauern sprachen.</p><p>�Also begegnen wir uns wieder�, sagte der Assassine. Er bemerkte die Eisenstange in Langdons Hand und lachte auf. �Und diesmal willst du mit diesem Ding auf mich losgehen, Amerikaner?�</p><p>�Binden Sie sie los.�</p><p>Der Assassine setzte das Messer an Vittorias Kehle. �Ich werde sie t�ten.�</p><p>Langdon zweifelte keinen Augenblick daran, dass der Assassine dazu f�hig war. Er zwang sich zu einer ruhigen Antwort. �Ich sch�tze, sie w�rde den Tod vorziehen. wenn man die Alternative bedenkt.�</p><p>Der Assassine l�chelte �ber die Beleidigung. �Du hast Recht, Amerikaner. Sie hat viel zu bieten. Es w�re eine Verschwendung.�</p><p>Langdon trat vor. Er hielt die Eisenstange mit beiden H�nden und zielte mit dem spitzen Ende auf den Assassinen. Der Schnitt an seiner Hand schmerzte wieder. �Lassen Sie sie los.�</p><p>Der Assassine schien einen Augenblick lang unschl�ssig. Er atmete aus und lie� die Schultern sinken - eine eindeutige Geste der Resignation -, und doch beschleunigte sein Arm genau in diesem Augenblick. Eine dunkle, verschwommene Bewegung, und die Klinge surrte durch die Luft auf Langdon zu.</p><p>Robert wusste nicht, ob es Instinkt oder Ersch�pfung war, doch seine Knie gaben genau in diesem Augenblick nach. Das Messer segelte an seinem linken Ohr vorbei und fiel hinter ihm klappernd zu Boden. Der Assassine schien unger�hrt. Er grinste Langdon an, der nun auf den Knien war und immer noch die Eisenstange hielt. Der M�rder bewegte sich von Vittoria weg und auf Langdon zu wie ein L�we, der seine Beute beschleicht.</p><p>Langdon sprang auf und hob die Stange. Seine nassen Sachen f�hlten sich mit einem Mal schwer und hinderlich an. Der Assassine war nur halb bekleidet und bewegte sich viel schneller. Die Wunde an seinem Fu� behinderte ihn nicht im Geringsten. Offensichtlich war er an Schmerz gew�hnt. Zum ersten Mal im Leben w�nschte sich Langdon, er w�rde eine sehr gro�e Pistole halten.</p><p>Der Assassine umkreiste ihn langsam, als h�tte er Vergn�gen bei diesem t�dlichen Spiel. Er hielt sich stets knapp au�er Reichweite, w�hrend er sich auf das am Boden liegende Messer zubewegte. Langdon schnitt ihm den Weg ab. Der M�rder wechselte die Richtung und n�herte sich Vittoria. Langdon schnitt ihm erneut den Weg ab.</p><p>�Noch ist Zeit�, sagte Langdon. �Verraten Sie mir, wo der Beh�lter ist. Der Vatikan wird Ihnen mehr zahlen, als die Illuminati jemals k�nnten.�</p><p>�Du bist naiv, Amerikaner.�</p><p>Langdon stie� mit der Stange nach dem anderen. Der</p><p>Assassine wich aus. Langdon bewegte sich um eine Bank herum und versuchte, den Assassinen in eine Ecke zu dr�ngen. <emphasis>Der verdammte Raum hat keine Ecken!</emphasis> Merkw�rdig, dass der Assassine nicht daran interessiert schien, Langdon anzugreifen oder zu fl�chten. Er spielte ein Spiel. Langdons Spiel. K�hl und abwartend.</p><p><emphasis>Auf was wartet er?</emphasis> Der M�rder umkreiste Langdon, ein Meister im Stellungsspiel. Es war wie eine endlose Schachpartie. Die Waffe in Langdons Hand wurde schwer, und mit einem Mal glaubte er zu wissen, worauf der andere wartete. <emphasis>Er will, dass ich m�de werde!</emphasis> Und es funktionierte. Langdon wurde von einer Welle der Ersch�pfung erfasst; das Adrenalin in seinem Blut reichte nicht mehr, um ihn wach zu halten. Er musste handeln, und zwar bald.</p><p>Der Assassine schien Langdons Gedanken zu lesen. Er ver�nderte seine Position erneut, als wollte er Langdon zu einem Tisch in der Mitte des Raums locken. Aus den Augenwinkeln bemerkte Langdon im Fackelschein ein Glitzern. <emphasis>Eine Waffe? </emphasis>Langdon lie� den Assassinen nicht aus den Augen und bewegte sich n�her zum Tisch. Als der Assassine einen langen, harmlosen Blick auf den Tisch warf, konnte Langdon dem Verlangen nicht widerstehen - er folgte dem Blick des anderen.</p><p>Es war keine Waffe. Der Anblick lie� Langdon f�r einen Sekundenbruchteil erstarren.</p><p>Auf dem Tisch lag eine Bronzeschatulle, bedeckt von antiker Patina. Sie <emphasis>war f�nfeckig.</emphasis> Der Deckel war aufgeklappt. In der Schatulle, in f�nf samtgepolsterten F�chern, lagen f�nf Brandeisen. Gro�e, geschmiedete Werkzeuge mit langen h�lzernen Griffen. Langdon wusste sofort, was er dort sah.</p><p>ILLUMINATI, EARTH, AIR, FIRE, WATER. Erde, Luft, Feuer und Wasser. Die vier Elemente der Wissenschaft.</p><p>Langdon riss sich von dem Anblick los; er f�rchtete, der Assassine k�nnte den Moment der Ablenkung zum Angriff nutzen. Er tat es nicht. Der M�rder wartete ab, als bereitete das Spiel ihm Freude. Langdon versuchte sich zu konzentrieren und den Blickkontakt mit seinem Gegner wiederherzustellen. Er stie� mit der Stange nach ihm. Doch das Bild der Schatulle war in seinem Kopf. Obwohl die Brandzeichen f�r sich genommen faszinierend waren - Artefakte, von denen nur wenige Illuminati-Forscher glaubten, dass sie �berhaupt existiert hatten -, wurde Langdon pl�tzlich bewusst, dass die Schachtel noch mehr enthalten hatte, etwas, das eine dunkle Vorahnung in ihm aufsteigen lie�. Der Assassine bewegte sich erneut, und Langdon riskierte einen weiteren hastigen Blick auf die Schatulle.</p><p><emphasis>Mein Gott!</emphasis></p><p>Die f�nf Brandzeichen ruhten in Vertiefungen entlang dem �u�eren Rand der Schatulle. Doch im Zentrum befand sich eine weitere Vertiefung, und sie war <emphasis>leer.</emphasis> Und sie war zur Aufnahme eines weiteren Brandzeichens gedacht. eines Brandzeichens, das um einiges gr��er war als die �brigen und eine vollkommen quadratische Form besa�.</p><p>Der Angriff kam so schnell, dass Langdon nur eine verschwommene Bewegung wahrnahm.</p><p>Wie ein Raubvogel st�rzte der Assassine sich auf ihn. Langdon versuchte zu kontern, doch die Eisenstange in seiner Hand schien Tonnen zu wiegen. Seine Reaktion kam viel zu langsam. Der Assassine wich aus. Langdon versuchte die Stange zur�ckzuziehen, doch der Assassine sprang vor und packte sie. Er besa� gewaltige Kraft, und seine Verletzung schien ihn nicht zu behindern. Die M�nner k�mpften um die Stange - und Langdon unterlag. Die Stange wurde ihm aus den H�nden gerissen, und brennender Schmerz zuckte durch seine Schnittwunde. Sekundenbruchteile sp�ter starrte Langdon auf das gezackte Ende der Stange. Aus dem J�ger war der Gejagte geworden.</p><p>Langdon f�hlte sich wie von einem Zyklon getroffen. Der Assassine umkreiste ihn l�chelnd, dr�ngte Langdon an die Wand und n�herte sich zum entscheidenden Schlag.</p><p>Langdons Blick war verschwommen. Er verfluchte seine Sorglosigkeit, war aber noch immer fassungslos. <emphasis>Ein sechstes Illuminati-Brandzeichen!</emphasis> Er sprudelte hervor: �Ich habe nie etwas von einem sechsten Brandzeichen gelesen!�</p><p>�Das denke ich doch, Amerikaner.� Der M�rder kicherte, w�hrend er Langdon vor sich her an der ovalen Wand entlang trieb.</p><p>Langdon wusste nicht, wovon der andere sprach. Er wusste genau, dass er sich erinnert h�tte. Es gab <emphasis>f�nf</emphasis> Brandzeichen, nicht mehr. Er wich zur�ck und suchte den Raum nach irgendetwas ab, das er als Waffe benutzen konnte.</p><p>�Die vollkommene Vereinigung der antiken Elemente�, erl�uterte der Assassine. �Das letzte Brandzeichen ist das brillanteste von allen. Allerdings f�rchte ich, dass du es niemals sehen wirst.�</p><p>Langdon sp�rte, dass der Angriff jeden Augenblick kommen musste. Er wich weiter zur�ck, w�hrend er verzweifelt nach einem Ausweg suchte. �Aber Sie haben es gesehen?�, fragte er, um Zeit zu gewinnen.</p><p>�Eines Tages wird man mir vielleicht diese Ehre zuteil werden lassen. Wenn ich mich als w�rdig erwiesen habe.� Er stie� nach Langdon, als w�rde er dieses Spiel genie�en.</p><p>Langdon sprang zur�ck. Ihn beschlich das Gef�hl, als dirigierte der andere ihn zu einem unsichtbaren Ziel. <emphasis>Wohin will er mich haben?</emphasis> Er konnte keinen Blick hinter sich riskieren. �Das Brandzeichen!�, sagte er. �Wo ist es?�</p><p>�Nicht hier. Janus allein darf es benutzen.�</p><p>�Janus?� Den Namen hatte Langdon noch nie geh�rt. �Der Anf�hrer der Illuminati. Er wird in K�rze eintreffen.�</p><p>�Der F�hrer der Illuminati kommt hierher?�</p><p>�Um die letzte Brandmarkung durchzuf�hren, ja.� Langdon warf einen �ngstlichen Blick zu Vittoria. Sie sah merkw�rdig gelassen aus. Sie hatte die Augen geschlossen und atmete langsam und in tiefen Z�gen. War sie das letzte Opfer? Oder er selbst?</p><p>�So viel Arroganz!�, h�hnte der Assassine und sah Langdon in die Augen. �Ihr beide bedeutet �berhaupt nichts. Selbstverst�ndlich werdet ihr sterben, so viel ist sicher - aber das letzte Opfer, von dem ich spreche, ist ein wahrhaft gef�hrlicher Feind.�</p><p>Langdon versuchte, einen Sinn in den Worten des Assassinen zu erkennen. Ein gef�hrlicher Feind? Die f�hrenden Kardinale waren tot. Der Papst war tot. Die Illuminati hatten alle ausgel�scht. Langdon fand die Antwort in den leeren schwarzen Augen des Assassinen.</p><p>Der Camerlengo.</p><p>Camerlengo Carlo Ventresca war derjenige, der sich im Verlauf dieser schweren Krise als ein Leuchtfeuer der Hoffnung f�r die Christen der Welt erwiesen hatte. Der Camerlengo hatte an diesem einen Abend mehr getan, die Illuminati zu verdammen, als Konspirationstheoretiker in den letzten Jahrzehnten. Offensichtlich sollte er den Preis daf�r zahlen. Er war das letzte Ziel der Illuminati.</p><p>�Sie kriegen ihn niemals!�, sagte Langdon herausfordernd.</p><p>�Nicht ich�, entgegnete der Assassine, w�hrend er Langdon unabl�ssig weiter zur�ckdr�ngte. �Diese Ehre geb�hrt Janus selbst.�</p><p>�Der F�hrer der Illuminati pers�nlich will den Camerlengo brandmarken?�</p><p>�Macht hat ihre Privilegien.�</p><p>�Aber. niemand kommt momentan in den Vatikan!�</p><p>Der Assassine grinste selbstgef�llig. �Niemand - es sei denn, er h�tte einen Termin.�</p><p>Langdon schluckte. Der einzige Mensch, der in dieser Stunde im Vatikan erwartet wurde, war der so genannte Samariter der elften Stunde - die Person, die nach Hauptmann Rochers Worten �ber Informationen verf�gte, die den Vatikan retten konnten.</p><p>Langdon riss die Augen auf. <emphasis>G�tiger Gott!</emphasis></p><p>Der Assassine grinste noch immer. Er genoss die Best�rzung seines Gegen�bers. �Ich habe mich auch gefragt, wie Janus sich Zutritt verschaffen will. Dann habe ich es im Radio geh�rt, im Wagen. ein Bericht �ber den Samariter der elften Stunde. Ob du es glaubst oder nicht, Amerikaner - der Vatikan wird Janus mit offenen Armen empfangen.�</p><p>Langdons Beine drohten nachzugeben. <emphasis>Janus ist der Samariter!</emphasis> Was f�r eine unglaublich arglistige T�uschung! Der Anf�hrer der Illuminati w�rde eine k�nigliche Eskorte erhalten, die ihn direkt in die Gem�cher des Camerlengos f�hrte. <emphasis>Aber wie hat Janus Hauptmann Rocher get�uscht? Oder ist Rocher in diese Sache verwickelt?</emphasis> Langdon erschauerte. Seit er im Geheimarchiv fast erstickt w�re, traute er Rocher nicht mehr �ber den Weg.</p><p>Der Assassine stie� urpl�tzlich zu und traf Langdon in der Seite.</p><p>Langdon sprang zur�ck. Wut und Schmerz flammten in ihm auf. �Janus wird den Vatikan nicht lebend verlassen!�</p><p>Der Assassine zuckte die Schultern. �Manche Dinge sind es wert, daf�r zu sterben.�</p><p>Langdon sp�rte, dass der andere es ernst meinte. Janus war also auf einer Selbstmordmission unterwegs in den Vatikan? Eine Frage der Ehre? Erst da begriff Langdon die unglaubliche Tragweite der ganzen Verschw�rung. Der Kreis hatte sich geschlossen. Der Priester, den die Illuminati mit ihrem Mord am alten Papst unabsichtlich an die Macht gebracht hatten, hatte sich als starker Gegenspieler erwiesen. Der Anf�hrer der Illuminati pers�nlich w�rde ihn in einem letzten Akt der Herausforderung t�ten.</p><p>Pl�tzlich war hinter Langdon keine Wand mehr. Er sp�rte einen kalten Lufthauch, und er stolperte r�ckw�rts in die Nacht. <emphasis>Der Balkon!</emphasis> Jetzt erkannte er, was der Assassine vorhatte.</p><p>Hinter Langdon ging es drei�ig Meter in die Tiefe. Er hatte es auf dem Weg in die Engelsburg gesehen. Der Assassine verschwendete nun keine Zeit mehr. Mit einem gewaltigen Satz sprang er Langdon an. Die Eisenstange zielte auf seine K�rpermitte. Langdon stolperte zur�ck, und die Spitze verfehlte ihn nur um Haaresbreite und zerriss sein Hemd. Der Assassine stie� erneut zu. Langdon wich noch weiter zur�ck, bis er die Balustrade im R�cken sp�rte. Er war sicher, dass der n�chste Sto� ihn t�ten w�rde, deshalb versuchte er das Unm�gliche. Er wirbelte zur Seite und packte die Stange. Gl�hender Schmerz raste durch seine verletzte Hand. Langdon lie� trotzdem nicht los.</p><p>Der Assassine nahm es unger�hrt hin. Einen Augenblick lang zogen und zerrten beide, von Angesicht zu Angesicht, und Langdon roch den stinkenden Atem des anderen. Der Assassine war zu stark. Er wand die Stange langsam, aber sicher aus Langdons Griff. In einem letzten verzweifelten Aufb�umen zielte Langdon mit einem Tritt auf den verletzten Zeh seines Gegners, doch der Mann war ein Profi. Er hatte seine Schwachstelle au�er Reichweite gebracht.</p><p>Langdon hatte seine letzte Karte ausgespielt und wusste, dass er verloren hatte.</p><p>Mit einem m�chtigen Schlag trieb der Assassine ihn gegen die Balustrade. Langdon sp�rte nichts als Leere hinter sich, als er mit der R�ckseite der Oberschenkel das niedrige Gel�nder ber�hrte. Der Assassine hielt die Stange quer und dr�ckte sie gegen Langdons Brust. Jeden Augenblick w�rde er den Halt verlieren und hinterr�cks in die Tiefe st�rzen.</p><p><emphasis>�Ma�assalamah�,</emphasis> h�hnte der Assassine. �Leb wohl, Amerikaner.�</p><p>Sein Blick verriet keine Spur von Gnade, als er Langdon den letzten Sto� versetzte. Langdons F��e l�sten sich vom Boden, und er begann zu kippen. Mit letzter Kraft packte er nach dem Gel�nder. Seine linke Hand rutschte ab, doch mit der rechten bekam er Halt. Er hing kopf�ber mit den Beinen und einer Hand am Gel�nder. und klammerte sich mit allerletzter Kraft fest.</p><p>Der Assassine hob die Eisenstange hoch �ber den Kopf und holte zu einem vernichtenden Schlag aus.</p><p>In diesem Augenblick hatte Langdon eine Erscheinung. Vielleicht lag es daran, dass er dem Tod ins Auge sah; vielleicht war es einfach blinde Angst, doch in diesem Moment h�llte eine goldene Aura den Assassinen ein, eine leuchtende Pr�senz, die aus dem Nichts hinter ihm anzuschwellen schien - <emphasis>wie ein herannahender Feuerball.</emphasis></p><p>Auf halbem Weg zum t�dlichen Schlag lie� der Assassine die Stange fallen und schrie vor Schmerz auf.</p><p>Die Stange klapperte an Langdon vorbei �ber das Gel�nder in die Nacht. Der Assassine wirbelte herum, und Langdon bemerkte einen schwelenden schwarzen Pechfleck auf seinem R�cken. Langdon zog sich �ber das Gel�nder und sah - Vittoria.</p><p>Mit flammenden Augen stand sie dem M�rder gegen�ber. Sie hielt eine brennende Fackel, und in ihrem Gesicht stand nichts als Rache. Langdon wusste nicht, wie sie sich befreit hatte, und es war ihm auch egal. Er kletterte hastig �ber die Balustrade auf den Balkon zur�ck.</p><p>Der Kampf w�rde nicht lange dauern. Der Assassine war ein t�dlicher Gegner. In rasender Wut sprang er Vittoria an. Sie versuchte auszuweichen, doch dann war er �ber ihr, packte die Fackel, um sie ihr zu entrei�en. Langdon wartete keine Sekunde.</p><p>Mit aller verbliebenen Kraft h�mmerte er die Faust in die versengte Stelle im R�cken des anderen.</p><p>Der Schrei war so laut, dass er �ber ganz Rom zu hallen schien.</p><p>Der Assassine kr�mmte sich starr vor Schmerz nach hinten und l�ste seinen Griff um die Fackel. Vittoria stie� ihm die brennende Spitze ins Gesicht. Es gab ein lautes Zischen, als sie das linke Auge des Assassinen traf. Er schrie erneut und riss abwehrend die H�nde hoch.</p><p>�Auge um Auge�, zischte Vittoria. Diesmal schwang sie die Fackel wie einen Kn�ppel, und als sie traf, stolperte der Assassine r�ckw�rts gegen die Balustrade. Langdon und Vittoria warfen sich gleichzeitig mit aller Macht auf ihn. Der Assassine kippte hinten�ber und st�rzte in die Nacht. Er schrie nicht mehr. Das einzige Ger�usch war das scheu�liche Knacken von Knochen, als er tief unten auf einem Stapel Kanonenkugeln landete.</p><p>Langdon wandte sich um und sah Vittoria �berrascht an. Das Seil hing noch immer schlaff um ihre Taille und die Schultern. Ihre Augen loderten wie ein infernalisches Feuer.</p><p>�Auch Houdini konnte Yoga.�</p></section><section><title><p>Kapitel 109.</p></title><p>Die Wand aus Schweizergardisten auf dem Petersplatz zog sich auseinander. Befehle wurden gebr�llt, und die M�nner versuchten, die Menschenmassen in eine sichere Entfernung zur�ckzudr�ngen. Vergebens. Es waren zu viele, und sie waren viel zu fasziniert vom drohenden Untergang des Vatikans, um sich Sorgen wegen ihrer eigenen Sicherheit zu machen. Die riesigen Bildschirme �bertrugen inzwischen live den Countdown des Antimateriebeh�lters, den die gestohlene Sicherheitskamera sendete - mit Einverst�ndnis des Camerlengos. Doch das Bild des Countdown trug nicht dazu bei, die Menge zu vertreiben, im Gegenteil. Die Menschen auf dem Platz sahen den winzigen Tropfen, der scheinbar im Nichts schwebte, und hielten ihn offenbar f�r nicht so gef�hrlich, wie man sie glauben machen wollte. Das Display zeigte nur noch wenig mehr als f�nfundvierzig Minuten bis zur Annihilation. Reichlich Zeit also, um das Spektakel zu verfolgen.</p><p>Die Schweizergardisten waren einm�tig der Meinung, dass die mutige Entscheidung des Camerlengos, vor die Welt respektive die Medien zu treten und die Wahrheit zu verk�nden, um anschlie�end <emphasis>Beweise</emphasis> f�r den ruchlosen Verrat der Illuminati zu pr�sentieren, ein kluger Schachzug gewesen war. Ohne Zweifel hatten die Illuminati geglaubt, dass der Vatikan im Angesicht des Feindes seine �bliche schweigsame Zur�ckhaltung wahren w�rde. Nicht so in dieser Nacht. Camerlengo</p><p>Carlo Ventresca hatte sich als ein eindrucksvoller Gegenspieler erwiesen.</p><p>In der Sixtinischen Kapelle wurde Kardinal Mortati allm�hlich ruhelos. Es war nach dreiundzwanzig Uhr f�nfzehn. Viele Kardinale beteten noch. Andere hatten sich um den</p><p>Ausgang geschart und zeigten unverkennbar Sorge ob der fortgeschrittenen Zeit. Einige fingen an, mit den F�usten gegen die T�r zu klopfen.</p><p>Leutnant Chartrand, der vor der Kapelle Dienst verrichtete, wusste nicht, wie er reagieren sollte. Er schaute auf die Uhr. Es war Zeit. Hauptmann Rocher hatte die strikte Anweisung gegeben, dass die Kardinale nicht nach drau�en gelassen werden sollten, bis er es sagte.</p><p>Das Klopfen an der T�r wurde dr�ngender, und Chartrands Unruhe wuchs. Er fragte sich, ob der Hauptmann es vielleicht vergessen hatte. Seit jenem mysteri�sen Anruf verhielt Rocher sich sehr merkw�rdig.</p><p>Chartrand zog langsam sein Walkie-Talkie hervor. �Herr Hauptmann? Hier ist Leutnant Chartrand. Wir sind bereits �ber die Zeit. Soll ich die Sixtinische Kapelle jetzt aufsperren?�</p><p>�Die T�r bleibt verschlossen! Ich muss mich wohl nicht wiederholen, Leutnant.�</p><p>�Nein, Herr Hauptmann. Es ist nur.�</p><p>�Unser Gast trifft in K�rze ein, Leutnant. Nehmen Sie ein paar M�nner mit nach oben, und postieren Sie sie vor dem Amtszimmer des Papstes. Lassen Sie den Camerlengo nirgendwo hingehen.�</p><p>�Verzeihung, Herr Hauptmann?�</p><p>�Verstehen Sie meinen Befehl nicht, Leutnant Chartrand?�</p><p>�Doch, Herr Hauptmann. Ich bin schon unterwegs.�</p><p>Im Amtszimmer des Papstes starrte der Camerlengo in stiller Meditation ins Feuer. <emphasis>Gib mir Kraft, Herr. Lass ein Wunder geschehen.</emphasis> Er stocherte in der Glut und fragte sich, ob er die Nacht �berleben w�rde.</p></section><section><title><p>Kapitel 110.</p></title><p>Dreiundzwanzig Uhr dreiundzwanzig.</p><p>Zitternd stand Vittoria auf dem Balkon des Castel Sant� Angelo und sah hinaus auf das n�chtliche Rom. Ihre Augen waren tr�nenfeucht. Sie sehnte sich danach, Robert zu umarmen, doch sie konnte nicht. Ihr K�rper f�hlte sich taub an. Langsam wich das Adrenalin aus ihr, und ihr Puls normalisierte sich. Der Mann, der ihren Vater ermordet hatte, lag tief unter ihr tot am Boden, doch beinahe w�re auch sie ihm zum Opfer gefallen.</p><p>Langdons Hand ber�hrte ihre Schulter, und die W�rme schien das Eis auf magische Weise zu vertreiben. Sie erschauerte, der Nebel lichtete sich, und sie wandte sich zu ihm um. Robert sah schrecklich aus - durchn�sst und zerschunden. Er war offensichtlich durch die H�lle gegangen, um sie zu retten.</p><p>�Danke.�, fl�sterte sie.</p><p>Langdon schenkte ihr ein ersch�pftes L�cheln und erinnerte sie daran, dass eigentlich sie es war, die Dank verdiene - ihre F�higkeit, die Schultern praktisch auszukugeln, hatte sie beide gerettet. Vittoria wischte sich die Tr�nen aus den Augen. Sie h�tte f�r immer dort bei ihm stehen k�nnen, doch ihre Atempause war nur kurz.</p><p>�Wir m�ssen weg von hier�, sagte Langdon.</p><p>Vittorias Gedanken waren auf der anderen Seite der Stadt, beim Vatikan. Das kleinste Land der Erde lag beunruhigend nahe und erstrahlte im Licht Hunderter Scheinwerfer. Zu ihrem Entsetzen dr�ngte sich auf dem Petersplatz eine gewaltige Menschenmenge! Die Schweizergarde hatte nur den Bereich direkt vor dem Dom r�umen k�nnen - weniger als ein Drittel des Platzes. Die Menschen dr�ngten sich immer dichter zusammen; die vorderen wichen vor den Schweizergardisten</p><p>zur�ck, die hinteren dr�ngten auf den Platz, um mehr zu sehen, und versperrten den anderen den Fluchtweg. <emphasis>Sie sind zu nah, </emphasis>dachte Vittoria. <emphasis>Viel zu nah!</emphasis></p><p>�Ich muss zur�ck�, sagte Robert tonlos.</p><p>Vittoria starrte ihn ungl�ubig an. �In den Vatikan?�</p><p>Langdon berichtete ihr von dem Samariter und dem ungeheuerlichen T�uschungsman�ver, das die Illuminati geplant hatten. Ihr Anf�hrer, ein Mann namens Janus, w�rde pers�nlich kommen, um den Camerlengo zu brandmarken. Eine letzte, endg�ltige Dem�tigung.</p><p>�Niemand in der Vatikanstadt wei� davon�, sagte Langdon. �Ich kann nicht anrufen, um sie zu warnen. Die Leitungen sind alle tot. Dieser Janus kann jeden Augenblick dort eintreffen. Ich muss die Schweizergarde warnen, bevor man ihn hereinl�sst.�</p><p>�Aber Sie schaffen es niemals durch diese Menschenmassen!�</p><p>Langdons Antwort klang zuversichtlich. �Es gibt einen Weg. Vertrauen Sie mir.�</p><p>Offensichtlich wusste er wieder einmal mehr als sie. �Ich komme mit.�</p><p>�Nein. Warum sollten wir beide unser Leben riskieren.�</p><p>�Ich muss einen Weg finden, diese Leute da wegzuschaffen! Sie schweben in gr��ter Gefahr.�</p><p>Genau in diesem Augenblick begann der Balkon, auf dem sie standen, zu vibrieren. Ein dumpfes Rumpeln lie� die gesamte Engelsburg in den Grundmauern erzittern. Aus Richtung des Petersplatzes erstrahlte blendendes Licht. Vittoria hatte nur einen Gedanken: O <emphasis>Gott! Die Antimaterie ist vorzeitig</emphasis></p><p><emphasis>hochgegangen!</emphasis></p><p>Doch statt einer Explosion flammte ein weiteres Trommelfeuer von Scheinwerfern auf, die sich auf Langdon und Vittoria zu richten schienen. Lauter Jubel schallte von den</p><p>Menschenmassen her�ber. Alles schaute zu ihnen her�ber, gestikulierte und rief. Der L�rm schwoll an. Auf dem riesigen Platz herrschte beinahe Volksfeststimmung.</p><p>Langdon blickte Vittoria verbl�fft an. �Was, zum Teufel.?�</p><p>Am Himmel ert�nte ein lautes Pochen.</p><p>Ohne Vorwarnung tauchte der p�pstliche Helikopter hinter dem massiven Bauwerk auf. Er donnerte in weniger als zwanzig Metern H�he �ber sie hinweg und hielt geradewegs auf die Vatikanstadt zu. Die Engelsburg erzitterte unter den Rotorschl�gen, als der Helikopter im Licht der Scheinwerfer �ber sie hinwegflog. Die Flutlichter folgten der Maschine, und Sekunden sp�ter standen Langdon und Vittoria wieder im Dunkeln.</p><p>W�hrend die Maschine �ber dem Petersplatz langsamer wurde und schlie�lich auf der freien Fl�che zwischen dem Dom und der Menschenmenge niederging, regte sich in Vittoria das ungute Gef�hl, dass sie zu sp�t kamen. Der Helikopter landete direkt vor der Treppe der gewaltigen Kirche.</p><p>�So kann man nat�rlich auch an den Massen vorbei�, sagte Vittoria. Sie sah, wie ein auf die Entfernung hin winziger Mann aus dem Schatten trat und zum Hubschrauber ging. Nur an dem roten Barett auf dem Kopf erkannte sie, dass es ein Offizier der Schweizergarde war. �Ein roter Teppich f�r den Neuank�mmling. Das ist Hauptmann Rocher.�</p><p>Langdon h�mmerte mit der Faust auf die Balustrade. �Jemand muss sie warnen!� Er wandte sich zum Gehen.</p><p>Vittoria hielt ihn am Arm fest. �Warten Sie!� Sie hatte gerade noch etwas anderes gesehen - und glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Mit zitterndem Finger deutete sie in Richtung des Helikopters. Selbst auf diese Entfernung war kein Zweifel m�glich. Eine zweite Gestalt kam aus dem Hubschrauber. eine Gestalt, die sich auf so charakteristische Weise bewegte, dass es nur ein Mann sein konnte. Und obwohl die Gestalt sa�,</p><p>�berquerte sie die freie Fl�che schnell und m�helos. Ein K�nig auf einem elektrischen Thron. Maximilian Kohler.</p></section><section><title><p>Kapitel 111.</p></title><p>Hauptmann Rocher f�hrte den Generaldirektor von CERN �ber eine spiralf�rmig verlaufende Behindertenrampe hinauf in den apostolischen Palast. Die Pracht der gro�en Halle des Belvedere machte Kohler ganz krank. Allein das Blattgold in der Decke h�tte wahrscheinlich ausgereicht, um ein ganzes Jahr lang Krebsforschung zu betreiben.</p><p>�Gibt es keinen Aufzug?�, fragte Kohler.</p><p>�Wir haben keinen Strom.� Rocher deutete auf die Kerzen an den W�nden, die einzige Lichtquelle in dem dunklen Geb�ude. �Wegen der Suche nach dem Antimateriebeh�lter, verstehen Sie?�</p><p>�Eine Suche, die ohne jeden Zweifel ergebnislos verlaufen ist.�</p><p>Rocher nickte.</p><p>Kohler erlitt einen weiteren Hustenanfall. Er wusste, dass es vielleicht einer seiner letzten war - kein g�nzlich unwillkommener Gedanke.</p><p>Sie erreichten das obere Stockwerk und eilten durch den weiten Korridor in Richtung des p�pstlichen Amtszimmers. Vier Schweizergardisten kamen ihnen besorgt entgegen. �Herr Hauptmann, was machen Sie hier? Ich dachte, dieser Mann bes��e Informationen, die.�</p><p>�Er will nur mit dem Camerlengo sprechen.�</p><p>Die Wachen schauten einander misstrauisch an.</p><p>�Sagen Sie dem Camerlengo�, befahl Rocher energisch, �dass Maximilian Kohler eingetroffen ist, der Generaldirektor von CERN, und ihn sehen m�chte. Augenblicklich!�</p><p>�Jawohl, Herr Hauptmann.� Einer der Gardisten eilte in</p><p>Richtung des Amtszimmers davon. Die anderen vertraten ihnen den Weg. Sie blickten Rocher nerv�s an. �Nur einen Augenblick, Herr Hauptmann. Wir wollen Ihren Gast ank�ndigen.�</p><p>Doch Kohler dachte �berhaupt nicht daran anzuhalten. Er kurvte geschickt um einen der Gardisten herum und rollte weiter.</p><p>Die Schweizergardisten wirbelten herum und rannten hinter ihm her. <emphasis>�Fermati!</emphasis> Signore! Bleiben Sie stehen, auf der Stelle!�</p><p>Kohler empfand Verachtung f�r sie - nicht einmal die elit�rste Sicherheitsmacht der Erde war immun gegen das Mitleid, das jeder Mensch f�r Kr�ppel empfand. W�re Kohler gesund gewesen, h�tten sie sich l�ngst auf ihn gest�rzt. <emphasis>Kr�ppel sind schwach und hilflos,</emphasis> dachte Kohler. <emphasis>Zumindest glaubt das jeder.</emphasis></p><p>Kohler wusste, dass er nur wenig Zeit hatte, um zu erreichen, weshalb er hergekommen war. Er wusste auch, dass er m�glicherweise in dieser Nacht sterben w�rde. Eigenartig, wie wenig es ihn k�mmerte. Der Tod war ein Preis, den er zu zahlen bereit war. Zu viel hatte er in seinem Leben ertragen, um zuzulassen, dass jemand wie der Camerlengo Carlo Ventresca seine Arbeit vernichtete.</p><p><emphasis>�Signore!�,</emphasis> riefen die Wachen. Sie rannten an ihm vorbei und versperrten ihm erneut den Weg. <emphasis>�Bleiben Sie stehen!�</emphasis> Einer der Gardisten zog eine Waffe und richtete sie auf Kohler.</p><p>Der Generaldirektor hielt.</p><p>Rocher eilte hinzu. Er wirkte zerknirscht. �Herr Kohler, bitte. Es dauert nur einen Augenblick. Niemand betritt unangek�ndigt das Amtszimmer des Papstes.�</p><p>In Rochers Augen sah Kohler, dass ihm keine andere Wahl blieb, als zu warten. <emphasis>Na sch�n,</emphasis> dachte er. <emphasis>Dann warten wir eben.</emphasis></p><p>Die Gardisten hatten - grausame Ironie - Kohler direkt neben einem mannshohen vergoldeten Spiegel an der Wand angehalten. Der Anblick seiner eigenen verkr�ppelten Gestalt stie� ihn ab. Die alte Wut kehrte wieder und �bermannte ihn. Jetzt war er mitten unter den Feinden! <emphasis>Dies hier</emphasis> waren die Menschen, die ihn seiner W�rde beraubt hatten. Sie waren schuld. Wegen <emphasis>ihnen</emphasis> hatte er niemals die Ber�hrung einer Frau erfahren. niemals hoch aufgerichtet stehen k�nnen, um einen Preis in Empfang zu nehmen. <emphasis>Welche Wahrheit besitzen diese Leute? Welche Beweise, verdammt! Ein Buch voller uralter Fabeln! Versprechungen von k�nftigen Wundern! Die Wissenschaft produziert t�glich neue Wunder!</emphasis></p><p>Kohler starrte in sein eigenes steinernes Gesicht. <emphasis>Heute Nacht wird mich die Religion umbringen,</emphasis> dachte er, <emphasis>aber es ist nicht das erste Mal.</emphasis></p><p>F�r einen Augenblick war er wieder elf Jahre alt und lag in der Frankfurter Villa seiner Eltern im Bett. Die Laken waren aus feinstem Leinen, doch sie waren schwei�durchn�sst. Der kleine Max f�hlte sich, als w�rde er brennen; der Schmerz war beinahe unertr�glich. Neben seinem Bett knieten sein Vater und seine Mutter, bereits seit zwei Tagen, ohne Pause. Beide beteten.</p><p>Ein wenig abseits standen drei der besten �rzte Frankfurts.</p><p>�Ich bitte Sie, noch einmal dar�ber nachzudenken�, dr�ngte einer der �rzte. �Schauen Sie sich Ihren Jungen an! Sein Fieber steigt von Stunde zu Stunde! Er leidet unter schrecklichen Schmerzen. Und er k�nnte sterben!�</p><p>Doch Max kannte die Antwort seiner Mutter, bevor sie sprach. <emphasis>�Gott wird ihn besch�tzen.�</emphasis></p><p><emphasis>Ja,</emphasis> dachte Max. <emphasis>Gott wird mich besch�tzen.</emphasis> Die �berzeugung in den Worten seiner Mutter gab ihm Kraft. <emphasis>Gott wird mich besch�tzen.</emphasis></p><p>Eine Stunde sp�ter f�hlte sich Max, als w�rde sein Brustkorb von einem Tonnengewicht zerquetscht. Er konnte nicht einmal mehr tief genug einatmen, um zu schreien.</p><p>�Ihr Sohn leidet unter uns�glichen Schmerzen�, sagte ein anderer Arzt. �Lassen Sie mich wenigstens die Schmerzen lindern. Eine Spritze.�</p><p>�Ruhe bitte!�, brachte Max� Vater den Arzt zum Schweigen, ohne die Augen zu �ffnen. �Sie sehen doch, dass wir beten.�</p><p>�Vater, bitte!�, wollte Max schreien. �Sie sollen machen, dass der Schmerz weggeht!� Doch seine Worte gingen in einem Hustenanfall unter.</p><p>Eine Stunde sp�ter waren die Schmerzen noch schlimmer geworden.</p><p>�Ihr Sohn k�nnte f�r den Rest seines Lebens gel�hmt bleiben!�, schimpfte einer der �rzte. �Er k�nnte <emphasis>sterben!</emphasis> Wir besitzen Medikamente, die seine Krankheit heilen.�</p><p>Herr und Frau Kohler wollten nicht. Sie verachteten die Medizin. Wer waren sie, dass sie Gottes Meisterplan durchkreuzten? Sie beteten inbr�nstiger. Schlie�lich hatte Gott sie mit diesem Jungen gesegnet - warum also sollte er ihnen das Kind wieder nehmen? Max� Mutter beugte sich �ber den Knaben und fl�sterte ihm zu, stark zu sein. Sie erkl�rte, dass Gott ihn pr�fe. wie in der biblischen Geschichte den Abraham. eine Pr�fung seines Glaubens.</p><p>Max bem�hte sich zu glauben, doch der Schmerz war unertr�glich.</p><p>�Ich kann mir das nicht l�nger mit ansehen!�, sagte einer der �rzte schlie�lich und rannte aus dem Zimmer.</p><p>Gegen Einbruch der D�mmerung schwebte Max am Rand eines Komas. Jeder Muskel seines K�rpers hatte sich vor Schmerzen verkrampft. <emphasis>Wo ist Jesus?,</emphasis> fragte er sich. <emphasis>Liebt er mich denn nicht?</emphasis> Max sp�rte, wie das Leben allm�hlich aus seinem K�rper wich.</p><p>Seine Mutter war neben dem Bett eingeschlafen. Ihre H�nde lagen noch immer gefaltet auf ihm. Sein Vater stand auf der anderen Seite des Zimmers am Fenster und starrte d�ster hinaus. Er schien wie in Trance zu sein. Max h�rte das leise Murmeln seiner unabl�ssigen Gebete, Gott m�ge sich erbarmen.</p><p>Da sp�rte Max pl�tzlich eine weitere Gestalt �ber sich. <emphasis>Ein Engel?</emphasis> Er konnte kaum etwas sehen; seine Augen waren zugeschwollen. Die Gestalt fl�sterte etwas in sein Ohr, doch es war nicht die Stimme eines Engels. Max erkannte einen der �rzte. den gleichen Mann, der zwei Tage lang in der Ecke gesessen und Max� Eltern unabl�ssig angefleht hatte, sie m�gen ihm doch gestatten, ihrem Kind ein neues Medikament aus England zu verabreichen.</p><p>�Ich w�rde mir niemals verzeihen, wenn ich das hier nicht tun w�rde�, fl�sterte er und nahm vorsichtig Max� schwachen Arm. �Ich w�nschte nur, ich h�tte es schon viel fr�her getan.�</p><p>Max sp�rte einen winzigen Stich im Arm - bei all den anderen Schmerzen kaum wahrnehmbar.</p><p>Dann packte der Arzt leise seine Utensilien zusammen. Bevor er das Zimmer verlie�, legte er Max die Hand auf die Stirn. �Das wird dir das Leben retten, Junge. Ich habe gro�es Vertrauen in die Errungenschaften der modernen Medizin.�</p><p>Binnen weniger Minuten f�hlte sich Max, als w�rde ein Geist durch seine Adern flie�en. Die W�rme breitete sich durch seinen K�rper aus und vertrieb den Schmerz. Schlie�lich, zum ersten Mal seit Tagen, schlief Max Kohler ein.</p><p>Als er erwachte, hatte das Fieber bereits merklich nachgelassen. Seine Eltern hielten es f�r ein Wunder Gottes. Doch als sich herausstellte, dass ihr Kind verkr�ppelt blieb, erfasste sie Verzweiflung. Sie brachten ihren Sohn in die Kirche und flehten den Priester um Rat an.</p><p>�Nur der Gnade Gottes ist es zu verdanken�, antwortete der Geistliche, �dass dieser Junge �berhaupt noch am Leben ist.�</p><p>Max h�rte es und schwieg.</p><p>�Aber unser Kind kann nicht mehr laufen!� Frau Kohler schluchzte.</p><p>Der Priester nickte traurig. �Ja. Wie es scheint, hat Gott ihn bestraft, weil er nicht genug Glauben besitzt.�</p><p>�Herr Kohler?� Der Gardist kehrte aus dem Amtszimmer zur�ck. �Der Camerlengo sagt, dass er bereit sei, Ihnen eine Audienz zu gew�hren.�</p><p>Kohler brummte und setzte sich den Gang hinunter in Bewegung.</p><p>�Er ist �berrascht, dass Sie ihn besuchen kommen!�, rief ihm der Gardist hinterher.</p><p>�Das glaube ich gern.� Kohler rollte weiter. �Ich m�chte unter vier Augen mit ihm reden.�</p><p>�Unm�glich, Herr Generaldirektor!�, entgegnete der Gardist. �Niemand.�</p><p>�Leutnant!�, br�llte Rocher. �Das Treffen wird so stattfinden, wie Herr Kohler es w�nscht.�</p><p>Der Gardist starrte seinen Vorgesetzten mit unverh�llter Fassungslosigkeit an.</p><p>Vor der T�r zum Amtszimmer des Papstes gestattete Rocher seinen Gardisten, die standardm��ige k�rperliche Durchsuchung vorzunehmen, bevor sie Kohler den Eintritt erlaubten. Der tragbare elektronische Detektor war jedoch angesichts der vielen elektronischen Apparaturen in Kohlers Rollstuhl so gut wie unbrauchbar. Die Wachen durchsuchten ihn von Hand, doch sie genierten sich offensichtlich wegen seiner Behinderung und machten ihre Sache nicht besonders gr�ndlich. Sie fanden den Revolver nicht, der im Rollstuhl versteckt war, genauso wenig wie den anderen Gegenstand. das Objekt, von dem Kohler wusste, dass es die Kette von Ereignissen dieses Tages zu einem unvergesslichen Ende f�hren w�rde.</p><p>Als Kohler ins Amtszimmer des Papstes rollte, fand er</p><p>Camerlengo Carlo Ventresca alleine vor. Er kniete im Gebet versunken vor einem erl�schenden Kaminfeuer.</p><p>�Guten Abend, Generaldirektor Kohler�, begr��te Ventresca seinen sp�ten Gast, ohne die Augen zu �ffnen. �Sind Sie gekommen, um mich zu einem M�rtyrer zu machen?�</p></section><section><title><p>Kapitel 112.</p></title><p>Der Tunnel namens <emphasis>Il Passetto</emphasis> schien kein Ende zu nehmen. Langdon und Vittoria rannten in Richtung Vatikanstadt, und die Fackel in Roberts Hand warf gerade ausreichend Licht, um ein paar Meter weit zu sehen. Die W�nde standen eng beisammen, und die Decke war niedrig. Die Luft roch abgestanden. Robert f�hrte, und Vittoria hielt sich dicht auf seinen Fersen.</p><p>Der Tunnel f�hrte aus der Engelsburg steil hinauf in den unteren Bereich einer Bastion; von dort aus ging es eben und schnurgerade durch ein Bauwerk, das aussah wie ein r�misches Aqu�dukt, in Richtung Vatikanstadt.</p><p>W�hrend Langdon rannte, ging ihm eine Vielzahl d�sterer Bilder durch den Kopf. Kohler. Janus. der Assassine. Hauptmann Rocher. ein sechstes Brandzeichen? <emphasis>Ich bin ganz sicher, dass du es kennst, Amerikaner,</emphasis> hatte der M�rder gesagt. <emphasis>Es ist das brillanteste von allen.</emphasis> Langdon hatte nichts dar�ber gelesen, zumindest konnte er sich nicht erinnern. Nicht einmal bei den Konspirationstheoretikern gab es einen Hinweis auf ein sechstes Brandzeichen, und sei es nur ger�chteweise. Vermutungen �ber einen sagenhaften Goldschatz und einen makellosen Illuminati-Diamanten, das ja, aber nirgendwo auch nur ein Wort �ber ein sechstes Brandzeichen.</p><p>�Kohler kann unm�glich Janus sein!�, erkl�rte Vittoria kategorisch, w�hrend sie durchs Aqu�dukt rannten. �Das ist absurd!�</p><p><emphasis>Unm�glich</emphasis> war ein Wort, das Langdon seit diesem Abend nicht mehr benutzte. �Ich wei� nicht�, rief er �ber die Schulter, ohne langsamer zu werden. �Kohler hegt einen tiefen Groll gegen die Kirche, und er besitzt gewaltigen Einfluss.�</p><p>�Diese Krise l�sst CERN wie eine Horde Ungeheuer</p><p>dastehen! Max w�rde niemals etwas unternehmen, das dem Ruf von CERN schaden k�nnte!�</p><p>Tats�chlich hatte CERNs Ruf in dieser Nacht betr�chtlichen Schaden genommen, und das nur, weil die Illuminati darauf bestanden hatten, ein Medienspektakel aus dieser Geschichte zu machen. Langdon fragte sich, wie gro� der Schaden <emphasis>wirklich </emphasis>war. Kritik von Seiten der Kirche war f�r CERN schlie�lich nichts Neues. Je l�nger Langdon dar�ber nachdachte, desto mehr fragte er sich, ob diese Krise CERN nicht sogar Nutzen brachte. Wenn Publicity der Preis war, hatte Antimaterie heute Abend den Jackpot geknackt. Die Welt redete �ber nichts anderes.</p><p>�Sie wissen doch, was der Promoter P. T. Barnum einmal gesagt hat�, entgegnete Langdon �ber die Schulter. &gt;�Es ist mir egal, was Sie �ber mich erz�hlen, aber sprechen Sie meinen Namen richtig aus!&lt;Jede Wette, dass die gro�en Konzerne insgeheim schon Schlange stehen, um die Antimaterietechnologie zu lizenzieren. Und wenn sie um Mitternacht erst sehen, wie viel Energie in diesem neuen Stoff steckt.�</p><p>�Unlogisch�, widersprach Vittoria. �Wissenschaftliche Durchbr�che werden nicht dadurch publiziert, dass man ihre Zerst�rungskraft demonstriert. Im Falle der Antimaterie ist das ein schwerer Schlag, glauben Sie mir.�</p><p>Langdons Fackel war fast heruntergebrannt. �Vielleicht ist ja alles viel einfacher, als wir bisher geglaubt haben. Vielleicht hat Kohler darauf spekuliert, dass der Vatikan die Antimaterie verschweigen w�rde - um den Illuminati nicht noch mehr Macht in die H�nde zu spielen. Vielleicht nahm er an, dass der Vatikan wie �blich die �ffentlichkeit ausschlie�en w�rde, doch der Camerlengo hat die Regeln des Spiels ge�ndert.�</p><p>Vittoria antwortete nicht, w�hrend sie weiterrannten.</p><p>Das Szenario schien pl�tzlich mehr Sinn zu ergeben. �Ja!�, rief Langdon. �Kohler hat nicht mit der Reaktion des Camerlengos gerechnet! Der Camerlengo hat die vatikanische Tradition der Verschwiegenheit gebrochen und ist an die �ffentlichkeit gegangen. Er hat von der t�dlichen Bedrohung gesprochen. Er hat die Antimaterie im Fernsehen gezeigt, um Himmels willen! Es war ein brillanter Schachzug, mit dem Kohler nicht gerechnet hat. Die Ironie an der ganzen Sache ist, dass der heimt�ckische Anschlag der Illuminati nach hinten losgegangen ist, weil er der Kirche eine neue, starke F�hrungspers�nlichkeit beschert hat. Und jetzt kommt Kohler, um den Camerlengo zu t�ten!�</p><p>�Max ist ein verdammter Bastard�, erkl�rte Vittoria, �aber er ist ganz bestimmt kein M�rder! Und er h�tte sich niemals an der Ermordung meines Vaters beteiligt!�</p><p>Langdon stellte sich Kohlers Antwort vor. <emphasis>Leonardo Vetra wurde von vielen Puristen in CERN als Gefahr betrachtet. Die Wissenschaft und Gott miteinander in Einklang zu bringen, gilt als die ultimative wissenschaftliche Blasphemie.</emphasis> �Vielleicht hat Kohler ja bereits vor Wochen vom Antimaterie-Projekt Ihres Vaters erfahren. Vielleicht gefielen ihm die religi�sen Schlussfolgerungen nicht.�</p><p>�Und deswegen hat er meinen Vater umgebracht? Das ist l�cherlich! Au�erdem <emphasis>konnte</emphasis> Max �berhaupt nichts von der Existenz des Projektes wissen!�</p><p>�Vielleicht hat Ihr Vater sein Schweigen gebrochen, w�hrend sie mit Ihrem Forschungsprojekt unterwegs waren. Vielleicht hat er Kohler eingeweiht und ihn um Rat gebeten. Sie haben doch selbst erz�hlt, Ihr Vater w�re �ber die moralischen Fragen besorgt gewesen, die aus der Erschaffung einer derart t�dlichen Substanz entstehen.�</p><p>�Mein Vater soll <emphasis>Maximilian Kohler</emphasis> um moralischen Rat gefragt haben?�, stie� Vittoria hervor. �Das ist l�cherlich!�</p><p>Der Tunnel beschrieb einen leichten Knick. Je schneller sie rannten, desto dunkler wurde Langdons Fackel. Allm�hlich sorgte er sich, dass sie erlosch.</p><p>�Au�erdem�, fuhr Vittoria fort, �warum sollte er sich die M�he machen, Sie anzurufen und um Hilfe zu bitten, w^nn er hinter der ganzen Verschw�rung steckt?�</p><p>�ber diese Frage hatte Langdon bereits nachgedacht. �Um seine Spur zu verwischen. Auf diese Weise konnte er sicherstellen, dass niemand ihm den Vorwurf der Unt�tigkeit in der Krise machen kann. Wahrscheinlich hat er nicht damit gerechnet, dass wir so weit kommen.�</p><p>Der Gedanke, dass Kohler ihn benutzt hatte, machte Langdon w�tend. Erst sein Einschreiten hatte den Illuminati eine gewisse Glaubw�rdigkeit verliehen. Die ganze Nacht �ber waren seine Arbeiten in den Medien zitiert worden, und so l�cherlich es auch klingen mochte - die Anwesenheit eines Harvard-Professors in der Vatikanstadt erhob den Zwischenfall �ber den Status einer paranoiden Wahnvorstellung und �berzeugte die Skeptiker auf der ganzen Welt, dass die Geheimbruderschaft der Illuminati nicht nur eine historische Tatsache war, sondern eine Macht, mit der man auch heute noch rechnen musste.</p><p>�Dieser BBC-Reporter�, sagte er, �dieser G�nther Glick ist der festen Meinung, dass CERN das neue Zentrum der Illuminati ist.�</p><p>�Was?� Vittoria stolperte hinter ihm. Sie bewahrte m�hsam ihr Gleichgewicht und rannte weiter. <emphasis>�Was</emphasis> hat er gesagt?�</p><p>�In einer Nachrichtensendung. Er hat CERN mit den Freimaurerlogen in Verbindung gebracht - eine unschuldige Organisation, die unwissend von Illuminati unterwandert wurde.�</p><p>�Mein Gott, das wird CERN vernichten!�</p><p>Langdon war sich da nicht so sicher. Gleichg�ltig, wie man es betrachtete, die Theorie klang pl�tzlich gar nicht mehr so weit hergeholt. CERN war der ultimative Hafen der Wissenschaft. Es war die Heimat von Forschern aus �ber einem Dutzend Nationen. CERN schien �ber endlose private Forschungsmittel zu verf�gen. Und Maximilian Kohler war der Generaldirektor von CERN.</p><p><emphasis>Kohler ist Janus.</emphasis></p><p>�Falls Kohler nicht in die Geschichte verwickelt ist�, fuhr Langdon fort, �was hat er dann hier zu suchen?�</p><p>�Wahrscheinlich will er diesen Wahnsinn beenden. Er will helfen. Vielleicht ist er tats�chlich der Samariter der elften Stunde! Er k�nnte herausgefunden haben, wer von dem Antimaterie-Projekt meines Vaters wusste, und ist hergekommen, um diese Information weiterzugeben.�</p><p>�Der M�rder hat gesagt, er w�re gekommen, um den Camerlengo zu brandmarken.�</p><p>�Vertrauen Sie Ihrem Gef�hl, Robert! Es w�re eine Selbstmordmission. Max w�rde niemals lebend von hier wegkommen!�</p><p>Langdon dachte �ber dieses Argument nach. <emphasis>Vielleicht ist das der Punkt, um den es geht.</emphasis></p><p>Eine eiserne T�r versperrte ihnen den weiteren Weg. Doch als sie n�her kamen, stellten sie fest, dass das alte Schloss offen war. Die T�r war nicht versperrt.</p><p>Langdon atmete erleichtert auf, als ihm bewusst wurde, dass der alte Tunnel tats�chlich noch benutzt wurde - genau wie er vermutet hatte. Erst in j�ngster Zeit. Heute, zum Beispiel. Er zweifelte nicht mehr daran, dass die vier get�teten Kardinale am fr�hen Abend hier durchgeschleust worden waren.</p><p>Sie rannten weiter. Zur Linken h�rte Langdon L�rm und Tumult. Dort lag der Petersplatz. Sie n�herten sich dem Ausgang.</p><p>Sie erreichten eine weitere T�r, noch dicker als die erste. Auch sie war nicht versperrt. Der L�rm vom Petersplatz blieb hinter ihnen zur�ck. Langdon vermutete, dass sie die Au�enmauer der Vatikanstadt passiert hatten. Er fragte sich, wo im Innern des Vatikans dieser Gang endete. <emphasis>In den G�rten? Oder vielleicht in der Basilika? Oder in der p�pstlichen Residenz?</emphasis></p><p>Abrupt endete der Tunnel.</p><p>Die massive T�r, die nun ihren Weg blockierte, war mit genietetem Eisen beschlagen. Im letzten Licht der verl�schenden Fackel sah Langdon, dass sie v�llig glatt war -kein Griff, keine Klinke, keine Schl�ssell�cher, keine Angeln. Kein Durchgang.</p><p>Panik stieg in ihm auf. Diese Art von T�r nannte man <emphasis>senza chiave -</emphasis> eine T�r, die nur in eine Richtung f�hrte. Es war eine Sicherheitst�r, und sie konnte nur von einer Seite ge�ffnet werden - von der anderen Seite. Langdons Hoffnung erlosch. genau wie die Fackel in seiner Hand.</p><p>Er schaute auf seine Uhr. Mickey leuchtete im Dunkeln.</p><p>Dreiundzwanzig Uhr neunundzwanzig.</p><p>Mit einem zornigen Aufschrei schwang Langdon den Fackelstumpf und h�mmerte damit gegen die T�r.</p></section><section><title><p>Kapitel 113.</p></title><p>Irgendetwas stimmte nicht. Leutnant Chartrand stand vor dem p�pstlichen Amtszimmer und sp�rte am nerv�sen Verhalten des Hellebardiers neben ihm, dass dieser die gleichen Bef�rchtungen hegte. Die private Unterredung, die beide bewachten, k�nnte den Vatikan vor der Zerst�rung bewahren, hatte Hauptmann Rocher gesagt. Chartrand fragte sich, wieso seine Instinkte sich dennoch r�hrten. Und warum verhielt Rocher sich so eigenartig?</p><p><emphasis>Irgendetwas stimmte nicht.</emphasis></p><p>Der Hauptmann starrte unverwandt geradeaus; sein f�r gew�hnlich scharfer Blick wirkte geistesabwesend. Der Hauptmann war kaum wiederzuerkennen. Rocher war im Verlauf der letzten Stunde nicht er selbst gewesen. Seine Entscheidungen ergaben keinen Sinn.</p><p><emphasis>Bei diesem Treffen sollte jemand dabei sein,</emphasis> dachte Chartrand. Er hatte geh�rt, wie Maximilian Kohler die T�r von innen zugesperrt hatte, nachdem er eingetreten war. <emphasis>Warum hat Rocher das zugelassen?</emphasis></p><p>Das war bei weitem nicht die einzige Beobachtung, die Chartrand Sorgen bereitete. <emphasis>Die Kardinale!</emphasis> Die Kardinale waren noch immer in der Sixtinischen Kapelle eingesperrt. Vollkommen verr�ckt! Der Camerlengo hatte sie schon vor f�nfzehn Minuten evakuiert sehen wollen. Rocher hatte sich �ber seine Entscheidung hinweggesetzt, ohne den Camerlengo zu informieren. Chartrand hatte seiner Besorgnis Ausdruck verliehen, mit dem Ergebnis, dass Rocher ihm fast den Kopf abgerissen hatte. Die Befehlskette wurde innerhalb der Schweizergarde niemals infrage gestellt, und Rocher war nun der kommandierende Offizier.</p><p><emphasis>Noch eine halbe Stunde,</emphasis> dachte Rocher und sah im unsteten Licht des Kandelabers, der den Flur erhellte, diskret auf seine Schweizer Uhr. <emphasis>Bitte beeilen Sie sich.</emphasis></p><p>Chartrand w�nschte, er k�nnte h�ren, was auf der anderen Seite der schweren Doppelt�r besprochen wurde; andererseits hielt er niemanden f�r bef�higter, diese Krise zu meistern, als den Camerlengo Carlo Ventresca. Der Mann war heute Nacht auf eine harte Probe gestellt worden, und er hatte sich nicht vor seinen Aufgaben versteckt. Er hatte sich dem Problem gestellt, offen und ehrlich - ein leuchtendes Beispiel f�r alle. Chartrand war stolz, Katholik zu sein. Die Illuminati hatten einen Fehler gemacht, als sie Camerlengo Ventresca herausgefordert hatten.</p><p>Ein unerwartetes Ger�usch riss Leutnant Chartrand aus seinen Gedanken. Es war ein dumpfes Klopfen, das vom Ende des Gangs erklang. Schwach und erstickt nur, aber best�ndig. Rocher blickte auf. Der Hauptmann schaute Chartrand an und deutete mit einer Handbewegung den Gang hinunter. Chartrand begriff. Er schaltete seinen Handscheinwerfer ein und marschierte den Gang hinunter, um der Ursache des Ger�uschs nachzugehen.</p><p>Das dumpfe Klopfen nahm an Dringlichkeit zu. Chartrand rannte drei�ig Meter den Gang hinunter bis zu einer Stelle, wo ein zweiter Korridor die Halle kreuzte. Das Ger�usch schien aus der Sala Clementina zu kommen, oder aus dem Raum dahinter. Es gab nur einen Raum hinter der Sala - das private Lesezimmer des Papstes. Die private Bibliothek seiner Heiligkeit war seit dem Tod des alten Papstes zugesperrt. Es war unm�glich, dass sich dort jemand aufhielt!</p><p>Chartrand eilte durch den zweiten Korridor, bog um eine weitere Ecke und rannte auf die Sala Clementina zu. Die massive Holzt�r wirkte klein, doch sie stach aus der Dunkelheit wie ein missmutiger W�chter. Das Klopfen kam von irgendwo dahinter. Chartrand z�gerte. Er war noch nie in der privaten Bibliothek des Papstes gewesen. Das war nur wenigen</p><p>Schweizergardisten verg�nnt. Niemand durfte die R�umlichkeiten betreten - es sei denn, in Begleitung des Papstes pers�nlich.</p><p>Vorsichtig griff Chartrand nach dem T�rknopf und drehte ihn herum. Wie erwartet, war die T�r zugesperrt. Er legte das Ohr an die T�r und lauschte. Das Klopfen war nun deutlicher zu h�ren. Dann vernahm er noch etwas - Stimmen! Irgendjemand rief etwas Unverst�ndliches.</p><p>Chartrand begriff den Sinn der Worte nicht, doch er h�rte die Panik in den Stimmen. War jemand in der Bibliothek eingesperrt? Hatten die Schweizergardisten das Geb�ude nicht gr�ndlich evakuiert? Chartrand z�gerte. Er fragte sich, ob er zur�ckkehren und Rocher um Rat fragen sollte, entschied sich dann aber dagegen. <emphasis>�Zur H�lle damit!</emphasis> Chartrand war ausgebildet worden, eigene Entscheidungen zu f�llen, und genau das w�rde er jetzt tun. Er zog seine Waffe und feuerte einen einzelnen Schuss in das Schloss der T�r. Das Holz explodierte f�rmlich, und die T�r flog auf.</p><p>Hinter der Schwelle sah er zun�chst nichts als Schw�rze. Er schwenkte seinen Scheinwerfer. Der Raum war rechteckig orientalische Teppiche, hohe Eichenregale voller B�cher, ein gestepptes Ledersofa und ein mit Marmor eingefasster Kamin. Chartrand hatte Geschichten �ber diesen Raum geh�rt -dreitausend alte B�cher Seite an Seite mit Hunderten zeitgen�ssischer Magazine und Schriftenreihen, alles, was seine Heiligkeit erbat. Der niedrige Tisch vor dem Sofa war mit politischen und wissenschaftlichen Zeitschriften �berh�uft.</p><p>Das Klopfen klang nun viel n�her. Chartrand schwenkte den Scheinwerfer in Richtung des Ger�uschs. Auf der anderen Seite des Raums, hinter der Leseecke, war eine schwere Eisent�r in die Wand eingelassen. Sie sah so ui�berwindlich aus wie eine Gef�ngnist�r und besa� vier gewaltige Schl�sser. Als er den winzigen Schriftzug las, der mitten auf der T�r ins Eisen graviert war, stockte Chartrand der Atem.</p><p>Chartrand starrte auf die T�r. <emphasis>Der geheime Fluchtweg des Papstes!</emphasis> Selbstverst�ndlich hatte er von <emphasis>Il Passetto</emphasis> geh�rt, sogar Ger�chte, dass er seinen Anfang hier in der Bibliothek nahm, doch der Tunnel war seit Menschengedenken nicht mehr benutzt worden. <emphasis>Wer kann das sein, der auf der anderen Seite klopft?</emphasis></p><p>Chartrand nahm seinen Handscheinwerfer und erwiderte damit das Klopfger�usch. Auf der anderen Seite ert�nte ein erstickter Ausruf. Das Klopfen erstarb, und die Stimmen riefen lauter. Chartrand verstand nur Bruchst�cke von dem, was sie sagten.</p><p>�Kohler. l�gt. Camerlengo.�</p><p>�Wer ist da?�, br�llte Chartrand.</p><p>�. Langdon. Vittoria Vet.�</p><p>Chartrand verstand genug, um seine Verwirrung noch zu steigern. <emphasis>Ich dachte, beide w�ren tot!</emphasis></p><p>�. die T�r!�, riefen die Stimmen. ��ffnen.!�</p><p>Chartrand betrachtete die eiserne Barriere und wusste, dass er Dynamit ben�tigen w�rde, um sie ohne die Schl�ssel zu �ffnen. �Unm�glich!�, rief er zur�ck. �Zu dick!�</p><p>�Treffen. aufhalten. lengo. Gefahr!�</p><p>Bei den letzten Worten stieg in Chartrand panische Furcht auf. Hatte er richtig verstanden? Klopfenden Herzens wandte er sich um und wollte zum Amtszimmer zur�cklaufen, doch in der Drehung stockte er. Sein Blick war auf etwas an der T�r gefallen. etwas noch Schockierenderes als die Botschaft von der anderen Seite. In jedem der vier massiven T�rschl�sser steckten. Schl�ssel! Chartrand starrte fassungslos darauf. <emphasis>Die Schl�ssel sind hier?</emphasis> Er blinzelte ungl�ubig. Die Schl�ssel zu dieser T�r wurden in einem sicheren Gew�lbe aufbewahrt!</p><p>Dieser geheime Gang wurde niemals benutzt - seit Jahrhunderten nicht mehr!</p><p>Chartrand stellte den Scheinwerfer auf dem Boden ab. Er streckte die Hand nach dem ersten Schl�ssel aus und drehte ihn herum. Der Mechanismus war rostig und schwerg�ngig, doch er funktionierte noch. Irgendjemand hatte dieses Schloss erst k�rzlich ge�ffnet. Chartrand drehte den n�chsten Schl�ssel. Das Gleiche. Den dritten. Als der letzte Riegel zur�ckgeglitten war, zog er, und die schwere eiserne Barriere �ffnete sich. Er nahm den Scheinwerfer wieder auf und leuchtete in die Dunkelheit dahinter.</p><p>Robert Langdon und Vittoria Vetra sahen aus wie Gespenster, als sie aus der Dunkelheit in die Bibliothek stolperten. Beide waren verschmutzt und ersch�pft, doch unverletzt.</p><p>�Was hat das zu bedeuten?�, wollte Chartrand wissen. �Woher kommen Sie? Wie sind Sie in diesen Gang gekommen?�</p><p>�Wo ist Maximilian Kohler?�, fragte Langdon statt einer Antwort.</p><p>Chartrand deutete den Gang entlang. �Bei einer privaten Besprechung mit dem Camerlengo.�</p><p>Langdon und Vittoria schoben sich an ihm vorbei und rannten den Gang hinunter. Chartrand wirbelte herum und hob instinktiv seine Pistole, besann sich dann aber eines Besseren und senkte die Waffe wieder, um den beiden hinterherzulaufen.</p><p>Rocher hatte sie offensichtlich ebenfalls geh�rt, denn als sie vor die T�r des Amtszimmers gelangten, versperrte er ihnen mit vorgehaltener Waffe den Weg. <emphasis>�Halt!�</emphasis></p><p>�Der Camerlengo schwebt in gro�er Gefahr!�, rief Langdon und hob die H�nde, w�hrend er in sicherem Abstand stehen blieb. �Offnen Sie! Maximilian Kohler will den Camerlengo ermorden!�</p><p>Rocher starrte ihn w�tend an.</p><p>��ffnen Sie die T�r!�, sagte Vittoria. �Schnell!�</p><p>Doch es war bereits zu sp�t.</p><p>Hinter der T�r ert�nte ein markersch�tternder Schrei. Es war der Camerlengo.</p></section><section><title><p>Kapitel 114.</p></title><p>Die Konfrontation dauerte nur Sekunden.</p><p>Camerlengo Carlo Ventresca schrie noch immer, als Chartrand sich gegen die T�r zum p�pstlichen Amtszimmer warf und sie aufbrach. Die Wachen st�rmten hinein. Langdon und Vittoria folgten ihnen.</p><p>Die Szene vor ihnen war Schwindel erregend.</p><p>Das Zimmer wurde nur von Kerzen und einem erl�schenden Feuer erhellt. Kohler stand unsicher vor seinem Rollstuhl neben dem Kamin. Er hielt eine Pistole auf den Camerlengo gerichtet, der sich mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden w�lzte. Sein Priestergewand war aufgerissen, seine nackte Brust schwarz versengt. Langdon konnte das Symbol auf die Entfernung nicht erkennen, doch neben Kohler lag ein gro�es, quadratisches Brandeisen auf dem Boden. Das Metall gl�hte noch immer.</p><p>Zwei Hellebardiere reagierten augenblicklich. Sie er�ffneten das Feuer. Die Kugeln trafen Kohler in die Brust und warfen ihn nach hinten. Er brach in seinem Rollstuhl zusammen. Blut sprudelte aus den Schusswunden. Seine Waffe fiel zu Boden.</p><p>Langdon stand wie bet�ubt im Eingang.</p><p>�Max.�, stammelte Vittoria fassungslos.</p><p>Der Camerlengo wand sich noch immer am Boden. Als er Rocher sah, hob er anklagend den Finger und zeigte zitternd auf ihn, w�hrend er ein einziges Wort ausstie�: �Illuminatus!�</p><p>�Du verdammter Bastard!�, rief Rocher aus und st�rzte vor. �Du scheinheiliger, elender.�</p><p>Diesmal war es Chartrand, der instinktiv reagierte. Er feuerte drei Sch�sse in Rochers R�cken. Der Hauptmann der Schweizergarde fiel mit dem Gesicht nach vorn und blieb leblos im eigenen Blut liegen. Chartrand und die Wachen st�rzten zu</p><p>dem Camerlengo, der seine Brust umklammert hielt und sich vor Schmerzen wand.</p><p>Beide Wachen stie�en entsetzte Schreie aus, als sie das in die Brust des Camerlengos eingebrannte Symbol erblickten. Der zweite Gardist sah das Zeichen auf dem Kopf stehend und stolperte angsterf�llt zur�ck. Chartrand, nicht weniger fassungslos, zog das Gewand �ber die Brust des Camerlengos und schirmte die Verst�mmelung vor weiteren Blicken ab.</p><p>Langdon bewegte sich wie im Delirium. Durch einen Nebel von Irrsinn und Gewalt hindurch versuchte er zu begreifen, was er soeben gesehen hatte. Ein verkr�ppelter Wissenschaftler war in den Vatikan gekommen und hatte den h�chsten W�rdentr�ger der Kirche gebrandmarkt. <emphasis>Einige Dinge sind es wert, dass man sein Leben daf�r gibt,</emphasis> hatte der Assassine gesagt. Langdon fragte sich, wie ein so schwer behinderter Mann wie Kohler gen�gend Kraft aufbringen konnte, um den Camerlengo zu �berw�ltigen. Andererseits - Kohler war im Besitz einer Waffe gewesen. <emphasis>Es spielt keine Rolle, wie er es gemacht hat. Er hat seine Mission erf�llt.</emphasis></p><p>Langdon bewegte sich auf die grauenhafte Szenerie zu. Der Camerlengo erhielt erste Hilfe. Langdon f�hlte sich von dem rauchenden Brandeisen auf dem Boden neben Kohlers Rollstuhl angezogen. <emphasis>Das sechste Brandzeichen?</emphasis> Je n�her er kam, desto gr��er wurde seine Verwirrung. Das Brandzeichen schien ein perfektes Quadrat zu sein und stammte offensichtlich aus dem mittleren Fach der Bronzeschatulle, die Langdon im Nest der Illuminati im Castel Sant� Angelo gesehen hatte. <emphasis>Das sechste Brandzeichen. Die vollkommene Vereinigung der antiken Elemente,</emphasis> hatte der Assassine gesagt. <emphasis>Das letzte Brandzeichen ist das brillanteste von allen.</emphasis></p><p>Langdon kniete neben dem Rollstuhl nieder und griff nach dem Eisen. Das Metall verstr�mte noch immer Hitze. Er packte den h�lzernen Griff und drehte es herum. Er wusste nicht, was er erwartet hatte, doch ganz gewiss nicht dies hier.</p><p>Langdon starrte einen langen, verwirrten Augenblick auf die kunstvolle Arbeit. Nichts ergab einen Sinn. Warum hatten die Wachen voller Entsetzen aufgeschrien, als sie das Brandmal gesehen hatten? Es war nichts weiter als ein Quadrat voller bedeutungsloser Schn�rkel. <emphasis>Das brillanteste von allen?</emphasis> Es war symmetrisch, zugegeben, doch brillant? Langdon drehte es in der Hand, doch es blieb unleserliches Kauderwelsch.</p><p>Er sp�rte eine Hand auf der Schulter und blickte auf in der Erwartung, Vittoria zu sehen. Doch die Hand war blutverschmiert. Sie geh�rte Maximilian Kohler, der sich in seinem Rollstuhl regte.</p><p>Langdon lie� das Brandeisen fallen und rappelte sich auf. <emphasis>Kohler lebt noch!</emphasis></p><p>Der sterbende Generaldirektor von CERN sa� zusammengesunken in seinem Rollstuhl und atmete nur noch schwach und m�hsam. Sein Blick begegnete Langdons - der gleiche steinerne Blick, der Langdon bereits in CERN fr�her am Tag begr��t hatte. Im Sterben sahen die Augen noch h�rter aus, alle Verachtung und Feindseligkeit wurde offenbar.</p><p>Der K�rper des Wissenschaftlers bebte, und Langdon sp�rte, dass er sich bewegen wollte. Alle anderen im Raum konzentrierten sich auf den Camerlengo. Langdon wollte sie alarmieren, brachte aber keinen Laut hervor. Mit uns�glicher</p><p>Anstrengung hob Kohler die Hand und zerrte ein kleines elektronisches Ger�t aus der Armlehne seines Rollstuhls. Es war nicht gr��er als eine Streichholzschachtel. Er hielt es Langdon zitternd hin. Einen Augenblick lang f�rchtete Robert, es k�nnte eine weitere Waffe sein, doch es war etwas anderes.</p><p>�Geben Sie.�, Kohlers letzte Worte waren ein gurgelndes R�cheln. �Geben Sie das hier. den Medien.� Er brach zusammen, und das Ger�t landete in seinem Scho�.</p><p>Schockiert betrachtete Langdon das Ger�t. Es war elektronisch, und auf der Vorderseite stand SONY RUVI. Langdon erkannte es als einen jener neuen, ultrakleinen Camcorder. <emphasis>Zur H�lle mit diesem Mistkerl,</emphasis> dachte Langdon. Offensichtlich hatte Kohler eine Art Abschiedsbotschaft aufgenommen, die von den Medien ausgestrahlt werden sollte. ohne Zweifel irgendein Sermon �ber die Bedeutung der Wissenschaft und die �bel der Religion. Langdon kam zu dem Entschluss, dass er in dieser Nacht bereits zur Gen�ge von diesem Mann manipuliert worden war. Bevor Chartrand den Camcorder sah, schob er ihn in seine tiefste Jackentasche. <emphasis>Kohlers letzte Botschaft soll in der H�lle verrotten!</emphasis></p><p>Es war die Stimme des Camerlengos, die schlie�lich die Stille durchbrach. Er versuchte sich aufzurichten. �Die Kardinale!�, �chzte er.</p><p>�Sind noch immer in der Sixtinischen Kapelle eingeschlossen, Monsignore!�, rief Chartrand erschrocken. �Hauptmann Rocher hat befohlen.�</p><p>�Evakuieren. augenblicklich! Jeden!�</p><p>Chartrand sandte einen seiner Hellebardiere zur Kapelle, um die Kardinale zu befreien. Der Mann rannte davon, so schnell er konnte.</p><p>Der Camerlengo verzog das Gesicht vor Schmerz. �Helikopter. vor dem Eingang. bringt mich in ein Krankenhaus!�</p></section><section><title><p>Kapitel 115.</p></title><p>Der Pilot der Schweizergarde im Cockpit des Hubschraubers vor dem Petersdom rieb sich die Schl�fen. Das Chaos auf dem Platz drau�en war so laut, dass es selbst das Ger�usch der im Leerlauf drehenden Rotoren �bert�nte. Das dort war keine ernste Nachtwache im Schein brennender Kerzen. Der Pilot war erstaunt, dass es noch keinen Aufruhr gegeben hatte.</p><p>Weniger als f�nfundzwanzig Minuten vor Mitternacht standen die Menschen dichter gedr�ngt als je zuvor. Einige beteten, andere weinten, wieder andere riefen Obsz�nit�ten und verk�ndeten, dass die Kirche nichts anderes verdient habe. Manche rezitierten monoton apokalyptische Bibelverse.</p><p>Die Kopfschmerzen des Piloten wurden zu einem h�mmernden Pochen, als die Scheinwerfer der �bertragungswagen �ber die Windschutzscheibe des Helikopters glitten. Aus zusammengekniffenen Augen starrte er auf die Menschenmassen. Transparente wurden �ber den K�pfen geschwenkt:</p><p>ANTIMATERIE IST DER ANTICHRIST!</p><p>WISSENSCHAFTLER = SATANSANBETER!</p><p>WO IST UNSER GOTT JETZT?</p><p>Der Pilot st�hnte, und seine Kopfschmerzen wurden unertr�glich. Er �berlegte bereits, ob er die Schutzplane f�r die Kanzelscheibe herausnehmen und auflegen sollte, um das Treiben nicht mit ansehen zu m�ssen, doch er wusste, dass es nur eine Frage weniger Minuten war, bis er wieder starten w�rde. Leutnant Chartrand hatte soeben die schrecklichen Neuigkeiten per Funk durchgegeben. Der Camerlengo war von</p><p>Maximilian Kohler angegriffen und schwer verletzt worden. Leutnant Chartrand, der Amerikaner und die Frau trugen den Camerlengo in diesen Augenblicken nach drau�en, sodass er in ein Krankenhaus gebracht werden konnte.</p><p>Der Pilot empfand so etwas wie pers�nliche Verantwortung f�r den Angriff. Er schalt sich einen Narren, weil er nicht auf sein Gef�hl geh�rt hatte. Fr�her am Abend, als er am Flughafen gewesen war, um den finsteren Wissenschaftler abzuholen, hatten seine Instinkte beim Anblick der steinernen Augen des Mannes rebelliert. Er hatte das Gef�hl nicht genau bestimmen k�nnen, doch es hatte ihm nicht gefallen. Nicht, dass es eine Rolle gespielt h�tte - Rocher war nun der befehlshabende Offizier, und Rocher hatte darauf bestanden, dass dieser Mann derjenige war, der den Vatikan retten w�rde. Rocher hatte sich offensichtlich get�uscht.</p><p>Wieder brandete L�rm in der Menge auf, und der Pilot wandte den Kopf zur Basilika, wo eine lange Reihe ernster Kardinale in einer feierlichen Prozession auf den Petersplatz kam. Die Erleichterung der Geistlichen, endlich den gef�hrlichen Ort hinter sich zu lassen, wich rasch befremdeten Blicken angesichts des Spektakels, das sich auf dem heiligen Platz abspielte.</p><p>Der L�rm wurde noch lauter. Der Pilot hatte das Gef�hl, ihm m�sse der Sch�del platzen. Er ben�tigte dringend ein Aspirin. Oder besser gleich drei. Er flog nicht gerne unter dem Einfluss von Medikamenten, doch ein paar Aspirin machten sicher weniger fluguntauglich als diese rasenden Kopfschmerzen. Er griff nach dem Erste-Hilfe-Kasten in der Box zwischen den beiden Pilotensitzen, wo auch einige Karten und Handb�cher aufbewahrt wurden, doch als er versuchte, den Deckel zu �ffnen, fand er ihn verschlossen. Er suchte das Cockpit nach dem Schl�ssel ab - vergebens. Er resignierte. Heute war offensichtlich nicht sein Gl�ckstag. Er massierte erneut seine Schl�fen.</p><p>Im Innern der dunklen Peterskirche m�hten sich Langdon,</p><p>Vittoria und zwei Schweizergardisten mit ihrer schweren Last in Richtung Ausgang. Sie hatten auf die Schnelle nichts Besseres finden k�nnen; deshalb transportierten sie den verletzten Camerlengo auf einem schmalen Tisch, den sie wie eine Trage zwischen sich balancierten. Der L�rm der Menschenmassen drau�en auf dem Platz hallte ged�mpft herein. Der Camerlengo schwankte am Rand der Bewusstlosigkeit. <emphasis>Die Zeit lief ab.</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel 116.</p></title><p>Es war dreiundzwanzig Uhr neununddrei�ig, als Langdon zusammen mit den anderen aus der Peterskirche kam. Das grelle Licht Dutzender Scheinwerfer blendete ihn. Es wurde vom hellen Marmor �berall auf dem Platz reflektiert wie</p><p>Sonnenstrahlen von einer schneebedeckten Landschaft. Langdon blinzelte und versuchte, hinter den gewaltigen S�ulen der Fassade Schutz zu finden, doch das Licht kam aus allen Richtungen. Direkt vor ihm ragte eine Anzahl riesiger</p><p>Videoschirme �ber die K�pfe der Menschen.</p><p>Langdon f�hlte sich wie ein verunsicherter Schauspieler vor dem gr��ten Publikum der Welt, wie er oben auf den Stufen der prachtvollen Treppe stand. Irgendwo, unsichtbar hinter dem glei�enden Scheinwerferlicht, h�rte er einen startbereiten Helikopter und das Tosen hunderttausender Stimmen. Zu seiner Linken wurden die Kardinale aus dem Vatikan auf den Platz gef�hrt. Best�rzt blieben sie stehen, als sie sahen, was sich nun auf der Treppe des Petersdoms abspielte.</p><p>�Vorsichtig!�, mahnte Leutnant Chartrand, als sich die</p><p>Gruppe mit dem verletzten Camerlengo die Treppe hinunter in Richtung Hubschrauber in Bewegung setzte.</p><p>Es war, als bewegten sie sich unter Wasser. Langdons Arme schmerzten vom Gewicht des Camerlengos und des Tisches. Noch w�rdeloser ging es kaum - doch einen Augenblick sp�ter wurde er eines Besseren belehrt. Die beiden BBC-Reporter hatten den Platz offensichtlich in Richtung der �bertragungsfahrzeuge �berquert, doch als die Menge zu schreien begann, hatten sie kehrtgemacht und kamen ihnen entgegengerannt. Chinita Macri hatte die Kamera auf der</p><p>Schulter und filmte. <emphasis>Jetzt kommen die Aasgeier,</emphasis> dachte Langdon.</p><p><emphasis>�Halt!�,</emphasis> br�llte Chartrand ihnen zu. �Gehen Sie zur�ck!�</p><p>Doch die Reporter h�rten nicht auf ihn. Langdon sch�tzte, dass die anderen Sender vielleicht sechs Sekunden ben�tigen w�rden, um die neuerlichen Liveaufnahmen zu �bernehmen. Er hatte sich versch�tzt. Sie ben�tigten zwei. Als st�nden sie durch eine Art universales Bewusstsein miteinander in Verbindung, verschwanden die Vatikan-Experten und der Countdown von jedem der riesigen Videoschirme, um ein und derselben Szene Platz zu machen: einem verwackelten Bild von den</p><p>Geschehnissen auf der Treppe des Petersdoms. Wohin Langdon auch schaute, �berall erblickte er die reglose Gestalt des Camerlengos in Gro�aufnahme.</p><p><emphasis>Das ist nicht recht,</emphasis> dachte Langdon. Er wollte die Treppe hinunterrennen und einschreiten, doch er konnte nicht. Au�erdem h�tte es nichts gen�tzt. Ob es nun am L�rm lag, den die Menge verursachte, oder an der k�hlen n�chtlichen Luft - in diesem Augenblick geschah das Unfassbare.</p><p>Wie ein Mann, der aus einem Albtraum aufschreckt, riss der Camerlengo die Augen auf uid setzte sich kerzengerade hin. V�llig �berrascht bem�hten sich Langdon und die anderen, das unruhige Gewicht zu balancieren. Das Kopfende des Tisches kippte. Der Camerlengo begann zu rutschen. Sie versuchten, den Fall abzufangen, indem sie den Tisch hastig abstellten, doch es war bereits zu sp�t. Der Camerlengo rutschte vom Tisch. Unglaublicherweise fiel er nicht zu Boden. Seine F��e ber�hrten den Marmor, und er stand schwankend da. Einen Augenblick schaute er desorientiert in die Runde, dann stolperte er vor, die Treppe hinunter und in Richtung von Chinita Macri, bevor irgendjemand ihn daran hindern konnte.</p><p><emphasis>�Nein!�,</emphasis> rief Langdon.</p><p>Leutnant Chartrand rannte hinterher und versuchte den Camerlengo aufzuhalten, doch der Geistliche wandte sich mit wilden Blicken zu dem Gardisten um und fauchte: �Lassen Sie</p><p>mich!�</p><p>Chartrand zuckte zur�ck.</p><p>Es wurde noch schlimmer. Das zerrissene Gewand des Camerlengos, das die Wachen nur lose �ber seine Wunde auf der Brust gelegt hatten, begann zu rutschen. Einen Augenblick lang hoffte Langdon, dass es halten w�rde, doch dieser Augenblick verging. Das Gewand rutschte von Ventrescas Schultern auf die H�ften.</p><p>Das �chzen der Menge schien in Sekundenschnelle einmal um den Globus zu gehen. Kameras wurden geschwenkt, und ein Blitzlichtgewitter brach los. Auf den Videoschirmen war die gebrandmarkte Brust des Camerlengos in Gro�aufnahme zu sehen, jedes schauerliche Detail. Einige Sender hielten das Bild an und drehten es um hundertachtzig Grad.</p><p><emphasis>Der ultimative Sieg der Illuminati.</emphasis></p><p>Langdon starrte auf das Brandzeichen auf den Schirmen. Es war der Abdruck des Eisens, das er wenige Minuten zuvor in der Hand gehalten hatte, doch erst jetzt ergab es einen Sinn. Unmissverst�ndlich. Die furchtbare Bedeutung des Brandmals traf Langdon wie ein Vorschlaghammer.</p><p><emphasis>Orientierung.</emphasis> Langdon hatte die erste Grundregel der Symbolologie vergessen. <emphasis>Wann ist ein Quadrat kein Quadrat? </emphasis>Au�erdem hatte er vergessen, dass Brandeisen genau wie Stempel niemals wie ihre Abdrucke aussahen. Sie waren spiegelverkehrt. Langdon hatte auf das <emphasis>Negativ</emphasis> des Brandzeichens gestarrt, als er das Eisen in der Hand gehalten hatte!</p><p>Das Chaos auf dem Platz wurde unbeschreiblich, und ein altes Zitat der Illuminati erhielt mit einem Mal eine neue Bedeutung: <emphasis>Ein makelloser Diamant, geboren aus den Elementen und von solcher Perfektion, dass jeder, der ihn sieht, vor Staunen und Ehrfurcht erstarrt.</emphasis></p><p>In diesem Augenblick wusste Langdon, dass der Mythos der</p><p>Wahrheit entsprach.</p><p>Erde, Luft, Feuer, Wasser. Der Illuminati-Diamant.</p></section><section><title><p>Kapitel 117.</p></title><p>Langdon zweifelte nicht einen Augenblick daran, dass die Hysterie und das Chaos auf dem Petersplatz alles �berstiegen, was der Vatikanh�gel jemals erlebt hatte. Keine Schlacht, keine Kreuzigung, keine Pilgerfahrt, keine mystische Vision - nichts in der zweitausendj�hrigen Geschichte des heiligen Ortes war mit dem Drama zu vergleichen, das sich in diesen Momenten abspielte.</p><p>W�hrend die Trag�die ihren Lauf nahm, f�hlte sich Langdon seltsam losgel�st, als schwebe er neben Vittoria oben �ber den Stufen zum Petersdom. Der Lauf der Zeit selbst schien sich zu verlangsamen, und der ganze Wahnsinn spielte sich in Zeitlupe ab.</p><p><emphasis>Der gebrandmarkte Camerlengo in seinem Fieberwahn, f�r alle Welt zu sehen.</emphasis></p><p><emphasis>Der Illuminati-Diamant</emphasis>... <emphasis>in seiner ganzen diabolischen Genialit�t.</emphasis></p><p><emphasis>Der Countdown, der die letzten zwanzig Minuten in der vatikanischen Geschichte einl�utete.</emphasis></p><p>Doch das Drama hatte gerade erst begonnen.</p><p>Der Camerlengo schien mit einem Mal von neuer Kraft beseelt, besessen von D�monen oder in einer Art</p><p>posttraumatischer Trance. Er begann za reden, zu unsichtbaren Geistern zu fl�stern, w�hrend er zum Himmel schaute und die Arme zu Gott erhob.</p><p>�Sprich!�, rief er zum Himmel hinauf. �Ja! Ich h�re dich!�</p><p>Pl�tzlich verstand Langdon. Es war ein weiterer, beinahe unertr�glicher Schock.</p><p>Vittoria ging es allem Anschein nach nicht anders. Sie wurde kreidebleich. �Er hat einen Schock erlitten!�, sagte sie. �Er</p><p>halluziniert! Er glaubt, er redet mit Gott!�</p><p><emphasis>Jemand muss ihn aufhalten,</emphasis> dachte Langdon. Es war ein ungl�ckseliges, ja ein peinliches Ende. <emphasis>Dieser Mann muss so schnell wie m�glich in ein Krankenhaus!</emphasis></p><p>Am Fu� der Treppe stand noch immer Chinita Macri und filmte. Offensichtlich hatte sie ihren idealen Aussichtspunkt gefunden. Die Bilder, die ihre Kamera aufzeichnete, erschienen Sekundenbruchteile sp�ter auf den gro�en Videoschirmen s�mtlicher Sender. wie auf den Leinw�nden von Autokinos, die alle das gleiche grauenhafte Drama zeigten.</p><p>Es war eine epische Szenerie. Der Camerlengo in dem zerfetzten Priestergewand mit dem schwarzen Brandmal auf der Brust schien den Kreisen der H�lle f�r diesen einen Augenblick der Offenbarung entkommen zu sein. Er schrie hinauf zum Himmel.</p><p>�Ti <emphasis>sento, Dio!</emphasis> Ich h�re dich, Gott!�</p><p>Chartrand wich mit einem ehrf�rchtigen Ausdruck in den Augen vor ihm zur�ck.</p><p>Das Schweigen, das sich in diesem Moment auf dem Petersplatz ausbreitete, h�tte tiefer nicht sein k�nnen. F�r Sekunden sah es so aus, als w�re die ganze Welt verstummt. als s��e jeder Mensch auf dem Planeten atemlos vor dem Fernseher.</p><p>Der Camerlengo stand auf den Stufen vor dem Petersdom, vor den Augen der Welt, und hielt die Arme ausgebreitet. Er sah fast aus wie eine Christuserscheinung, nackt und verwundbar und gedem�tigt. Er blickte nach oben und rief: <emphasis>�Grazie! Grazie, Dio!�</emphasis></p><p>Das Schweigen der Massen hielt an.</p><p><emphasis>�Grazie, Dio!�,</emphasis> rief der Camerlengo erneut. Wie die Sonne durch einen st�rmischen Himmel bricht, so breitete sich ein Ausdruck der Freude auf seinem Gesicht aus. <emphasis>�Grazie, Dio!�</emphasis></p><p><emphasis>Danke, Gott?</emphasis> Langdon starrte verwundert auf das Geschehen.</p><p>Der Camerlengo schien nun zu strahlen; seine unheimliche Verwandlung war abgeschlossen. Er sah noch immer zum Himmel hinauf, nickte noch immer eifrig und rief: �Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen!�</p><p>Langdon kannte die Worte, doch es blieb ihm v�llig schleierhaft, warum der Camerlengo sie rief.</p><p>Der Camerlengo wandte sich zur Menge und wiederholte seine Worte. �Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen!� Dann hob er die H�nde zum Himmel und lachte laut auf<emphasis>.� Grazie, Dio! Grazie!�</emphasis></p><p>Der Camerlengo hatte den Verstand verloren.</p><p>Und die Welt schaute fassungslos zu.</p><p>Per H�hepunkt jedoch verlief so, wie es niemand erwartet h�tte.</p><p>Mit einem letzten freudigen Ruf machte der Camerlengo auf dem Absatz kehrt und rannte in den Petersdom zur�ck.</p></section><section><title><p>Kapitel 118.</p></title><p>Dreiundzwanzig Uhr zweiundvierzig.</p><p>Langdon h�tte sich niemals vorgestellt, dass er vor einer aufgescheuchten Traube von Menschen hinter dem Camerlengo her in den Dom rennen w�rde. Langdon hatte der T�r am n�chsten gestanden und instinkthaft reagiert.</p><p><emphasis>Er will da, drinnen sterben,</emphasis> dachte Langdon, w�hrend er �ber die Schwelle in das dunkle Innere der gigantischen Kirche st�rmte. �Monsignore! Bleiben Sie stehen!�</p><p>Die Wand aus Schw�rze war vollkommen. Langdons Pupillen waren verengt vom grellen Licht der Scheinwerfer drau�en auf dem Platz; seine Sicht reichte kaum weiter als zwei, drei Meter. Vor ihm, irgendwo in der Dunkelheit, h�rte er den Camerlengo. Das Gewand des Priesters raschelte, w�hrend er blindlings in die Nacht rannte.</p><p>Vittoria und die Schweizergardisten waren Langdon auf dem Fu� gefolgt. Taschenlampen und Handscheinwerfer blitzten auf, doch die Batterien waren ohne Ausnahme zu schwach</p><p>geworden, um die Tiefen der gigantischen Basilika zu</p><p>durchdringen. Die Lichtkegel schwenkten hin und her und enth�llten nur m�chtige Pfeiler und nackten Boden. Der Camerlengo war nirgends zu sehen.</p><p>�Monsignore!�, rief Chartrand mit Furcht in der Stimme. �Warten Sie, Monsignore!�</p><p>Eine Bewegung in der T�r hinter ihnen veranlasste alle, sich umzudrehen. Chinita Macris Gestalt schob sich in die Basilika. Sie hatte die Kamera auf der Schulter, und das leuchtend rote Kontrolllicht verriet, dass sie noch immer filmte. Glick rannte</p><p>mit einem Mikrofon in der Hand hinter ihr her und rief ihr</p><p>unabl�ssig zu, endlich langsamer zu werden.</p><p>Langdon traute seinen Augen nicht.</p><p>�Hinaus!�, rief Chartrand. �Das ist nicht f�r die �ffentlichkeit bestimmt!�</p><p>Macri und Glick achteten gar nicht auf ihn.</p><p>�Chinita!� G�nther Glicks Stimme klang nun �ngstlich. �Das ist Selbstmord! Ich gehe nicht weiter!�</p><p>Sie ignorierte seine Warnung und legte einen Schalter auf ihrer Kamera um. Der Scheinwerfer auf dem Ger�t flammte auf und blendete alle.</p><p>Langdon schirmte seine Augen ab und drehte sich aus dem Licht. <emphasis>Verdammt!</emphasis> Als er wieder hinschaute, war die Kirche in einem Umkreis von drei�ig Metern erleuchtet.</p><p>In diesem Augenblick hallte die Stimme des Camerlengos aus der Dunkelheit vor ihnen. �Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen!�</p><p>Chinita Macri richtete die Kamera auf die Stelle, von der die Stimme gekommen war. Weit voraus, im Halbdunkel jenseits des Kamerascheinwerfers, wallte schwarzer Stoff und enth�llte eine vertraute Gestalt, die durch den Mittelgang der Basilika nach vorn rannte.</p><p>Einen fl�chtigen Augenblick z�gerten alle, w�hrend sie das bizarre Bild in sich aufnahmen. Dann brach der Damm. Chartrand schob sich an Langdon vorbei und sprintete hinter dem Camerlengo her. Langdon folgte ihm; dann die anderen Wachen und Vittoria.</p><p>Macri bildete den Schluss. Sie erhellte den anderen den Weg, w�hrend ihre Kamera die Jagd hinaus in die Welt �bertrug. G�nther Glick fluchte und trottete hinterdrein, w�hrend er einen ver�ngstigten Kommentar ins Mikrofon murmelte.</p><p>Der Mittelgang des Petersdoms, so hatte Leutnant Chartrand irgendwann einmal herausgefunden, war l�nger als ein Fu�ballfeld. Heute Nacht jedoch wirkte er zwei Mal so lang.</p><p>W�hrend der Offizier der Schweizergarde hinter dem Camerlengo herrannte, fragte er sich, was der Geistliche vorhatte. Er stand eindeutig unter Schock und war durch das physische Trauma und den Anblick des grauenhaften Massakers im p�pstlichen Amtszimmer in eine Art Delirium gefallen.</p><p>Irgendwo weit vorn, jenseits des Lichtkegels der BBC-Kamera, erklang die freudige Stimme des Camerlengos. �Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen!�</p><p>Chartrand wusste, dass es ein Zitat aus der Bibel war -Matth�us 16,18, wenn ihn sein Ged�chtnis nicht t�uschte. <emphasis>Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.</emphasis> Es war eine grausam unpassende Eingebung - die Kirche stand davor, zerst�rt zu werden. Zweifellos hatte der Camerlengo den Verstand verloren.</p><p>Oder doch nicht?</p><p>Einen winzigen Augenblick lang schwankte Chartrands Seele. Heilige Visionen und g�ttliche Botschaften waren ihm stets als Wunschdenken und T�uschung erschienen - das Produkt �bereifriger K�pfe, die genau das h�rten, was sie h�ren wollten. Gott mischte sich nicht direkt in die Belange der Menschen ein.</p><p>Dann war es, als w�re der Heilige Geist vom Himmel gestiegen, um Chartrand von seiner Macht zu �berzeugen. Chartrand hatte eine <emphasis>Vision.</emphasis></p><p>F�nfzig Meter vor ihm, mitten in der Kirche, erschien ein Geist. eine durchscheinende, leuchtende Gestalt. Es war die Silhouette des halb nackten Camerlengos - ein Gespenst, transparent, das von innen heraus zu leuchten schien. Chartrand hielt stolpernd inne, w�hrend sich in seiner Brust ein Knoten bildete. <emphasis>Der Camerlengo leuchtet!</emphasis> Sein K�rper schien von Sekunde zu Sekunde heller zu werden. Dann begann er zu versinken. tiefer und tiefer, bis er wie durch Zauberei im Schwarz des Kathedralenbodens verschwunden war.</p><p>Langdon hatte das Phantom ebenfalls gesehen. Im ersten Augenblick war auch er �berzeugt, dass er Zeuge einer</p><p>Erscheinung geworden war. Doch als er den wie bet�ubt dastehenden Chartrand passierte und weiter in Richtung der Stelle rannte, wo der Camerlengo verschwunden war, erkannte er, was sich gerade ereignet hatte. Der Camerlengo war vor der Grube mit dem goldenen Schrein angekommen, der eingelassenen Vertiefung, die von neunundneunzig Tag und Nacht brennenden �llampen erhellt wurde. Die Lampen hatten ihn von unten herauf angestrahlt und wie einen Geist aussehen lassen. Dann war der Camerlengo die Treppe hinuntergestiegen und scheinbar im Boden verschwunden.</p><p>Atemlos erreichte Langdon das Gel�nder vor der Vertiefung und sp�hte die Stufen hinunter. Unten am Boden, im goldenen Schein der �llampen, eilte der Camerlengo durch die ganz mit Marmor ausgekleidete Kammer auf die Glast�r zu, hinter der die ber�hmte goldene Truhe aufbewahrt wurde.</p><p><emphasis>Was hat er vor,</emphasis> fragte sich Langdon. <emphasis>Er �wird doch wohl nicht glauben, dass die goldene Truhe...?</emphasis></p><p>Der Camerlengo riss die T�r auf und rannte hindurch. Eigenartigerweise ignorierte er die Truhe v�llig und lief achtlos an ihr vorbei. Keine zwei Meter dahinter warf er sich auf die Knie und begann sich mit einem Eisengitter abzum�hen, das in den Boden eingelassen war.</p><p>Langdon beobachtete ihn und erkannte mit Entsetzen, was der Camerlengo vorhatte. <emphasis>G�tiger Gott, nein!</emphasis> Er rannte die Stufen hinunter zu dem Geistlichen. �Vater, nein! Tun Sie das nicht!�</p><p>Als er unten angekommen war und die Glast�r �ffnen wollte, wuchtete der Camerlengo das Eisengitter hoch. Es quietschte laut in den Angeln; dann kippte es hinten�ber und krachte mit ohrenbet�ubendem L�rm auf den Boden. Darunter kam ein dunkler Schacht zum Vorschein, und eine steile Treppe f�hrte in ein schwarzes Nichts. Der Camerlengo machte Anstalten, in den Schacht zu klettern, als Langdon heran war und ihn an den nackten Schultern packte. Die Haut des Mannes war nass vor</p><p>Schwei�, doch irgendwie gelang es Langdon, ihn festzuhalten.</p><p>Der Geistliche wirbelte herum. �Was tun Sie da?�</p><p>Langdon war �berrascht, als er seinem Blick begegnete. Der Camerlengo besa� nicht mehr die glasigen Augen eines verst�rten Mannes, stattdessen zeigten sie Entschlossenheit. Das Brandzeichen auf seiner Brust sah furchtbar aus.</p><p>�Vater!�, dr�ngte Langdon so ruhig, wie es ihm nur m�glich war. �Sie k�nnen nicht dort hinuntersteigen! Wir m�ssen den Vatikan r�umen!�</p><p>�Mein Sohn�, entgegnete der Camerlengo mit einer Stimme, die so vern�nftig klang, dass es unheimlich war. �Ich hatte. eine Vision. Ich wei�.�</p><p>�Camerlengo!�, riefen Chartrand und die anderen. Sie kamen die Treppe herunter.</p><p>Als Chartrand das offene Gitter im Boden erblickte, erschien Angst in seinen Augen. Er bekreuzigte sich und warf Langdon einen dankbaren Blick zu, weil es ihm offensichtlich gelungen war, den Camerlengo aufzuhalten. Langdon verstand; er hatte genug �ber die Architektur des Vatikans gelesen, um zu wissen, was unter diesem Gitter lag: der heiligste Ort der gesamten Christenheit. <emphasis>Terra Santa.</emphasis> Manche nannten es die Nekropole. Andere nannten es Katakomben. Nach den Berichten der wenigen auserw�hlten Geistlichen, denen im Lauf der Jahre der Zutritt gestattet worden war, bestand die Nekropole aus einem dunklen Labyrinth unterirdischer Krypten, die einen Besucher f�r immer verschlucken konnten, falls er sich verirrte. Es war ganz und gar nicht der Ort, durch den man einen anderen Menschen jagte.</p><p>�Monsignore!�, flehte Chartrand. �Sie haben einen Schock erlitten! Wir m�ssen diesen Ort verlassen! Sie d�rfen nicht dort hinunter! Es w�re Selbstmord!�</p><p>Der Camerlengo wirkte mit einem Mal vollkommen ruhig. Er streckte die Hand aus und legte sie auf Chartrands Schulter.</p><p>�Danke f�r Ihre Sorge und Ihre Dienste, mein Sohn. Ich kann Ihnen jetzt nicht mehr erz�hlen. Ich k�nnte nicht einmal behaupten, dass ich es selbst verstehe. Aber ich hatte eine Offenbarung. Ich wei� nun, wo die Antimaterie ist.�</p><p>Alle starrten ihn sprachlos an.</p><p>Der Camerlengo wandte sich an alle. �Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen. Das war die Botschaft. Die Bedeutung ist klar.�</p><p>Langdon konnte immer noch nicht glauben, dass der Camerlengo �berzeugt war, die Stimme Gottes geh�rt, geschweige denn, die Botschaft verstanden zu haben. <emphasis>Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen?</emphasis> Es waren die Worte, die Jesus zu Petrus gesprochen hatte, als er ihn zu seinem ersten Apostel ernannte. Was hatten sie mit dieser Sache zu tun?</p><p>Macri n�herte sich, um eine weitere Gro�aufnahme zu machen. Glick war stumm, als h�tte es ihm die Sprache verschlagen.</p><p>Der Camerlengo redete hastig weiter. �Die Illuminati haben ihr Zerst�rungswerkzeug auf dem Grundstein dieser Kirche versteckt. Tief im Fundament.� Er deutete die steilen Stufen hinab. �Auf dem Felsen, auf dem diese Kirche erbaut wurde. Und ich wei�, wo dieser Felsen ist.�</p><p>Langdon war �berzeugt, dass nun der Zeitpunkt gekommen war, den Camerlengo zu �berw�ltigen. So klar er auch wirkte -er redete Unsinn. <emphasis>Ein Felsen? Der Grundstein im Fundament? </emphasis>Die Treppe vor ihnen f�hrte nicht hinunter zum Fundament der Peterskirche, sie f�hrte in die Nekropole! �Dieser Ausspruch ist doch nur eine Metapher, Vater�, h�rte er sich sagen. �Es gibt keinen richtigen Felsen!�</p><p>Der Camerlengo erwiderte seinen Blick. �O doch, mein Sohn, den gibt es.� Er deutete in den Schacht hinunter. <emphasis>�Pietro e la pietra.�</emphasis></p><p>Langdon erstarrte. In einem einzigen Augenblick wurde alles</p><p>sonnenklar.</p><p>Die Einfachheit lie� ihm Schauer �ber den R�cken laufen.</p><p>W�hrend Langdon mit den anderen dastand und in das Loch starrte, erkannte er, dass in der ewigen Dunkelheit unter der Peterskirche tats�chlich ein Fels begraben lag.</p><p><emphasis>Pietro e lapietra.</emphasis> Petrus ist der Fels.</p><p>Das Vertrauen des heiligen Petrus in Jesus war so grenzenlos gewesen, dass Jesus ihn �seinen Felsen� genannt hatte den unersch�tterlichen Apostel, auf dem Jesus seine Kirche errichten wollte. An genau diesem Ort, erkannte Langdon, auf dem vatikanischen H�gel, war Petrus gekreuzigt und begraben worden. Die fr�hen Christen hatten einen kleinen Schrein �ber seinem Grab errichtet. Als das Christentum sich ausgebreitet hatte, war der Schrein vergr��ert worden, Schicht um Schicht, bis hin zu der gigantischen Basilika. Der gesamte katholische Glaube war wortw�rtlich auf den heiligen Petrus gegr�ndet. Den Felsen.</p><p>�Die Antimaterie ruht auf seinem Grab�, fuhr der Camerlengo fort. Seine Stimme klang kristallklar.</p><p>Trotz der scheinbar �bernat�rlichen Herkunft dieser Information sp�rte Langdon die n�chterne Logik darin. Die Antimaterie auf dem Grab des heiligen Petrus zu verstecken, war in diesem Licht betrachtet ein logischer Schachzug der Illuminati. In einem Akt symbolischen Trotzes hatten sie die Antimaterie ins Zentrum der Christenheit gebracht, buchst�blich wie metaphorisch. <emphasis>Die ultimative Infiltration.</emphasis></p><p>�Wenn alles, was Sie brauchen, ein weltlicher Beweis ist�, fuhr der Camerlengo mit wachsender Ungeduld fort, �lassen Sie sich gesagt sein, dass ich dieses Gitter hier unverschlossen vorgefunden habe.� Er deutete auf den schweren runden Eisenrost. �Es ist niemals unverschlossen! Irgendjemand muss dort unten gewesen sein. in aller j�ngster Zeit!�</p><p>Alle starrten in das Loch.</p><p>Einen Augenblick sp�ter wirbelte der Camerlengo mit unvermuteter Beh�ndigkeit herum, packte eine �llampe und stieg in die Dunkelheit hinunter.</p></section><section><title><p>Kapitel 119.</p></title><p>Die Steinstufen waren unglaublich steil.</p><p><emphasis>Ich werde hier unten sterben,</emphasis> dachte Vittoria und klammerte sich an dem dicken Seil fest, das als Gel�nder diente, w�hrend sie hinter den anderen durch den engen Schacht nach unten stieg. Langdon hatte zwar trotz allem Anstalten gemacht, den Camerlengo von seinem Vorhaben abzuhalten, doch Chartrand war vorgetreten und hatte Langdon gestoppt. Offensichtlich war der junge Offizier der Schweizergarde �berzeugt, dass der Camerlengo genau wusste, was er tat.</p><p>Nach einem kurzen Handgemenge hatte sich Langdon losgerissen und war dem Camerlengo mit Chartrand dicht auf den Fersen gefolgt. Vittoria war instinktiv hinter den beiden M�nnern hergerannt.</p><p>Jetzt kletterte sie Hals �ber Kopf eine atemberaubend steile Treppe hinunter, wo jeder falsche Schritt einen t�dlichen Sturz nach sich ziehen konnte. Tief unter sich erkannte sie das goldene Leuchten der �llampe in der Hand des Camerlengos. Hinter ihr eilten die beiden BBC-Reporter die Stufen hinab. Das Scheinwerferlicht der Kamera warf lange unstete Schatten an die W�nde und beleuchtete Chartrand und Langdon. Es war kaum zu glauben, dass dieser Wahnsinn live �bertragen wurde. <emphasis>Stellt die verdammte Kamera ab!</emphasis> Andererseits war das Licht des Scheinwerfers die einzige M�glichkeit, �berhaupt zu sehen, wohin sie gingen.</p><p>Die bizarre Jagd dauerte an, und Vittorias Gedanken peitschten hin und her wie in einem Sturm. Was konnte der Camerlengo dort unten schon ausrichten? Selbst wenn er die Antimaterie fand - es war zu sp�t. Die Zeit war ihnen davongelaufen.</p><p>Zu ihrer �berraschung sagte ihre Intuition, dass der Camerlengo wahrscheinlich Recht hatte. Indem die Antimaterie drei Stockwerke tief unter der Erde versteckt war, hatten die Illuminati eine beinahe menschliche Wahl getroffen. So tief unter der Erde - fast so tief wie im Z-Labor - w�rde eine Annihilation nur einen Bruchteil der Sch�den anrichten. Keine Schockwelle aus Hitze, keine umherfliegenden Tr�mmer, die unschuldige Zuschauer trafen, nichts weiter als ein biblisches Loch, das sich in der Erde auftat und die Basilika in einem gro�en Krater verschlang.</p><p>War das Kohlers letzte anst�ndige Tat gewesen? Leben zu schonen? Vittoria konnte sich noch immer nicht recht vorstellen, dass der tote Generaldirektor in die Verschw�rung der Illuminati verwickelt gewesen sein sollte. Sie verstand seinen Hass auf die Religion. doch diese unglaubliche Konspiration schien gar nicht zu ihm zu passen. War Kohlers Hass tats�chlich so tief gewesen, dass er die Zerst�rung des Vatikans geplant hatte? Einen Assassinen beauftragt hatte? Ihren Vater, den Papst und vier Kardinale hatte ermorden lassen? Es schien undenkbar. Und wie hatte Kohler den Verrat in den Mauern des Vatikans begehen k�nnen? <emphasis>Rocher war Kohlers Mann im Vatikan,</emphasis> sagte sich Vittoria. <emphasis>Rocher war ein Illuminatus.</emphasis> Ohne Zweifel hatte Rocher Schl�ssel f�r jeden Raum besessen - das p�pstliche Schlafzimmer, <emphasis>Il Passetto,</emphasis> die Nekropole, das Grab des heiligen Petrus. Er hatte die Antimaterie auf das Grab des heiligen Petrus gestellt - einen Ort, den kaum jemals ein Mensch zu Gesicht bekam. Anschlie�end hatte er seine Leute dadurch abgelenkt, dass er sie lediglich in den �ffentlich zug�nglichen Bereichen hatte suchen lassen. Rocher hatte <emphasis>gewusst,</emphasis> dass niemand den Beh�lter finden w�rde.</p><p><emphasis>Aber Rocher hat nicht damit gerechnet, dass der Camerlengo eine Botschaft von Gott erh�lt.</emphasis></p><p>Die Botschaft. Das war der gro�e Sprung in der Logik, das Wunder, das zu glauben Vittorias Verstand sich immer noch weigerte. Hatte Gott <emphasis>tats�chlich</emphasis> mit dem Camerlengo gesprochen? Vittorias Instinkte sagten Nein, obwohl ihr Fachgebiet die Physik der Abh�ngigkeiten war. Das Studium der Verkettungen. Sie beobachtete jeden Tag Formen von Kommunikation, die an das Wunderbare grenzten -Zwillingseier von Seeschildkr�ten, die getrennt und in Labors ausgebr�tet wurden, die Tausende von Kilometern voneinander entfernt lagen und trotzdem in genau der gleichen Sekunde schl�pften. Quadratkilometer voller Quallen, die wie eine einzige in perfektem Rhythmus pulsierten. <emphasis>Es gibt unsichtbare Formen von Kommunikation, �berall um uns herum,</emphasis> dachte sie.</p><p>Doch zwischen Gott und den Menschen?</p><p>Vittoria sehnte sich nach ihrem Vater. Er h�tte sie in ihrem Glauben st�rken k�nnen. Einmal hatte er ihr in wissenschaftlichen Begriffen erkl�rt, wie man sich g�ttliche Kommunikation vorzustellen hatte - und sie hatte ihm geglaubt. Sie erinnerte sich noch immer an den Tag, als sie ihn beim Beten gesehen und gefragt hatte: �Vater, warum machst du dir die M�he zu beten? Gott kann dir nicht antworten.�</p><p>Leonardo Vetra hatte mit v�terlichem L�cheln zu ihr aufgeblickt. �Meine Tochter, die Skeptikerin. Also glaubst du nicht, dass Gott zu den Menschen spricht? Lass es mich mit deinen Worten erkl�ren.� Er hatte das Modell eines menschlichen Gehirns aus dem Regal genommen und es vor Vittoria hingestellt. �Wie du wahrscheinlich sehr gut wei�t, benutzen menschliche Wesen nur einen sehr kleinen Teil ihres Verstandes. Wenn man sie jedoch in emotional angespannte Situationen versetzt - beispielsweise ein Verletzungstrauma, extreme Angst oder Freude oder tiefe Meditation - fangen die Neuronen unvermittelt an, wie verr�ckt zu feuern, was in einer massiven Erweiterung des Bewusstseins resultiert.�</p><p>�Na und?�, hatte Vittoria geantwortet. �Nur weil man klarer denkt, hei�t das noch lange nicht, dass man mit Gott spricht!�</p><p>�Aha!�, hatte Leonardo Vetra ausgerufen. �Und doch fallen dem Menschen nicht selten in genau diesen Momenten bemerkenswerte L�sungen zu scheinbar unm�glichen Problemen ein. Das ist es, was Gurus&gt;h�here Bewusstseinsebenecnennen. Biologen sagen angeregter Zustand&lt;dazu. Psychologen nennen es das&gt;�ber-Ich&lt;. Und Christen nennen es.� Er z�gerte. �Sie nennen es ein erh�rtes Gebet.� Mit breitem L�cheln f�gte er hinzu: �Manchmal ist g�ttliche Erleuchtung nichts weiter als ein Justieren des Verstandes auf etwas, das das Herz l�ngst wei�.�</p><p>Jetzt, als sie die steile Treppe hinunter ins Ungewisse hinabstieg, sp�rte Vittoria, dass ihr Vater vielleicht Recht gehabt hatte. War es so schwer zu glauben, dass das Trauma des Camerlengos sein Bewusstsein in einen Zustand versetzt hatte, in dem er das Versteck der Antimaterie einfach �erkannt� hatte?</p><p><emphasis>Jeder von uns ist ein Gott,</emphasis> hatte Buddha gesagt. <emphasis>Jeder von uns ist allwissend. Wir m�ssen lediglich unser Bewusstsein �ffnen, um unserer eigenen Weisheit zu lauschen.</emphasis></p><p>In jenem Augenblick der Klarheit, w�hrend sie tiefer und tiefer in die Erde hinunterstieg, sp�rte Vittoria, wie sich ihr eigenes Bewusstsein weitete. wie ihre eigene Weisheit ans Licht kam. Sie wusste nun, welche Absicht der Camerlengo hegte. Es gab nicht den geringsten Zweifel. Und mit dieser Erkenntnis stieg eine Angst in ihr auf, die gr��er war als alles, was sie bisher erfahren hatte.</p><p>�Monsignore, nein!�, rief sie nach unten. �Sie verstehen nicht!� Vittoria stellte sich die unz�hligen Menschen vor, die sich auf dem Petersplatz versammelt hatten, die Menschen, die rings um die Vatikanstadt lebten. Das Blut schien ihr in den Adern zu gefrieren. �Wenn Sie die Antimaterie nach oben bringen, <emphasis>werden alle sterben!�</emphasis></p><p>Langdon nahm drei Stufen auf einmal und kam langsam n�her. Der Gang war eng und niedrig, doch er sp�rte keinerlei</p><p>Klaustrophobie. Seine Angst wurde von einer viel schlimmeren Bedrohung �berschattet.</p><p>�Monsignore!� Der Vorsprung des Geistlichen wurde rasch kleiner; vor sich sah Langdon bereits das Leuchten der �llampe. �Monsignore, Sie m�ssen die Antimaterie lassen, wo sie ist! Es gibt keine andere M�glichkeit!�</p><p>Langdon rief die Worte und traute seinen eigenen Ohren nicht. Nicht nur, dass er die g�ttliche Botschaft an Camerlengo Carlo Ventresca als Tatsache akzeptiert hatte, durch die der Geistliche erfahren hatte, wo die Antimaterie versteckt war er, Langdon, sprach sich auch f�r die Zerst�rung des Petersdoms aus, eine der gr��ten architektonischen Leistungen in der Geschichte der Menschheit, und mit ihr f�r die Zerst�rung unwiederbringlicher Kunstwerke.</p><p><emphasis>Aber die Menschen drau�en.es ist die einzige M�glichkeit.</emphasis></p><p>Es erschien ihm nun als grausame Ironie, dass der einzige Weg, die Menschen zu retten, in der Zerst�rung der Kirche bestand. Wahrscheinlich empfanden die Illuminati diesen Symbolismus als am�sant.</p><p>Die Luft, die Langdon aus dem Tunnel entgegenschlug, war feucht und k�hl. Irgendwo dort unten befand sich die heilige Nekropole. die Begr�bnisst�tte des heiligen Petrus und zahlloser anderer fr�her Christen. Langdon erschauerte.</p><p>Unvermittelt schien der Camerlengo stehen zu bleiben. Langdon �berwand rasch die letzten Meter.</p><p>Unter sich sah er das Ende der Treppe. Ein schmiedeeisernes Gitter mit drei Sch�delreliefs versperrte den weiteren Weg. Der Camerlengo stand dort und zog das Gitter auf. Langdon sprang hinzu, dr�ckte dagegen und blockierte den Zugang. Die anderen kamen die Treppe herunter, geisterhaft wei� im Scheinwerferlicht der BBC-Kamera. insbesondere G�nther Glick, der mit jedem Schritt bleicher zu werden schien.</p><p>Chartrand zog Langdon vom Gitter weg. �Lassen Sie den</p><p>Monsignore durch!�</p><p>�Nein!�, rief Vittoria atemlos von oben. �Wir m�ssen den Vatikan verlassen, auf der Stelle! Sie d�rfen die Antimaterie nicht von hier wegbringen! Wenn Sie den Beh�lter an die Oberfl�che schaffen, wird jeder drau�en auf dem Platz sterben!�</p><p>Die Stimme des Camerlengos blieb bemerkenswert ruhig. �Sie alle. wir m�ssen Vertrauen haben. Uns bleibt nur wenig Zeit.�</p><p>�Sie verstehen das nicht!�, rief Vittoria. �Eine Explosion an der Oberfl�che wird viel verheerender ausfallen als hier unten!�</p><p>Der Camerlengo schaute sie an, und seine gr�nen Augen wirkten vollkommen ruhig. �Wer hat denn etwas von einer Explosion an der Oberfl�che gesagt?�</p><p>Vittoria starrte ihn an. �Sie wollen ihn hier unten lassen?�</p><p>Die Selbstsicherheit des Camerlengos war hypnotisch. �Es wird keine weiteren Toten geben heute Nacht.�</p><p>�Aber Vater.�</p><p>�Bitte haben Sie Vertrauen.� Die Stimme des Camerlengos klang beschw�rend. �Ich bitte Sie ja nicht, mit mir zu kommen. Sie alle k�nnen jederzeit gehen. Ich bitte lediglich darum, sich nicht in Seinen Auftrag einzumischen. Lassen Sie mich tun, was Er mir aufgetragen hat.� Der Blick des Camerlengos wurde noch intensiver. �Ich soll diese Kirche retten, und ich kann es schaffen, das schw�re ich.�</p><p>Die Stille, die seinen Worten folgte, war so eindrucksvoll wie ein gewaltiger Donnerschlag.</p></section><section><title><p>Kapitel 120.</p></title><p>Dreiundzwanzig Uhr einundf�nfzig.</p><p>Nekropole bedeutet dem Sinn des Wortes nach <emphasis>Stadt der Toten.</emphasis></p><p>Nichts von alledem, was Langdon �ber die Nekropole inter dem Petersdom gelesen hatte, h�tte ihn auf den tats�chlichen Anblick vorbereiten k�nnen.</p><p>Die kolossale unterirdische Kaverne war angef�llt mit br�ckelnden Mausoleen, die wie kleine H�user am Boden einer H�hle standen. Die Luft roch muffig. Ein Gewirr schmaler Wege f�hrte zwischen den verfallenden Grabst�tten hindurch, die meisten davon gepflastert mit geborstenen Marmorplatten. Zahllose S�ulen aus stehen gebliebenem Fels und Gestein st�tzten einen irdenen Himmel, der tief �ber der in ewiger Dunkelheit liegenden Nekropole hing.</p><p><emphasis>Stadt der Toten,</emphasis> dachte Langdon einmal mehr und f�hlte sich gefangen zwischen Staunen und Angst. Sie rannten tiefer hinein in die gewaltige Kaverne. <emphasis>Habe ich mich falsch entschieden?</emphasis></p><p>Chartrand war als Erster in den Bann des Camerlengos geraten. Er hatte das Gitter aufgerissen und sein Vertrauen in den Camerlengo erkl�rt. Glick und Macri hatten sich auf die Bitte des Camerlengos hin bereiterkl�rt, mit dem Kamerascheinwerfer auszuhelfen, obwohl ihre Motive im Hinblick auf die Auszeichnungen und den Ruhm, der sie erwartete, falls sie diese Geschichte lebend �berstanden, mehr als zweifelhaft waren. Vittoria hatte sich am l�ngsten gestr�ubt, und Langdon hatte in ihren Augen ein Misstrauen erkannt, das auf sehr beunruhigende Art nach weiblicher Intuition aussah.</p><p><emphasis>Jetzt ist es zu sp�t,</emphasis> dachte er, w�hrend er zusammen mit Vittoria hinter den anderen herlief. <emphasis>Wir haben unsere</emphasis></p><p><emphasis>Entscheidung getroffen.</emphasis></p><p>Vittoria war schweigsam, doch Langdon wusste, dass sie das Gleiche dachte wie er. <emphasis>Neun Minuten reichen im leben nicht, um aus der Vatikanstadt zu fliehen, falls sich der Camerlengo geirrt hat.</emphasis></p><p>Sie rannten zwischen Mausoleen hindurch, und Langdon sp�rte, wie seine Beine allm�hlich m�de wurden. Zu seiner �berraschung stellte er fest, dass sie eine Steigung hinaufliefen. Als ihm schlie�lich die Erkl�rung d�mmerte, liefen ihm weitere Schauer �ber den R�cken. Unter seinen F��en war der gleiche Boden wie zu Zeiten Jesu Christi. Er rannte �ber den urspr�nglichen vatikanischen H�gel! Langdon kannte die Behauptung zahlreicher Gelehrter, dass sich das Grab des heiligen Petrus weit oben auf dem H�gel befunden h�tte, und er hatte sich stets gefragt, woher sie das wissen konnten. Jetzt begriff er.</p><p><emphasis>Der H�gel ist immer noch da!</emphasis></p><p>Langdon f�hlte sich, als liefe er durch die Geschichte. Irgendwo weiter oben war das Grab des Petrus - die heiligste Reliquie der Christenheit. Schwer vorstellbar, dass das urspr�ngliche Grab nur ein bescheidener Schrein gewesen sein sollte. Doch das hatte sich ge�ndert. Mit dem wachsenden Einfluss des Christentums waren neue, gr��ere Schreine �ber dem alten errichtet worden, und heute ragte die Hommage einhundertdrei�ig Meter hoch in den Himmel, bis zur Kuppel Michelangelos, deren Zentrum sich bis auf wenige Zentimeter genau �ber dem einstigen Grab befand.</p><p>Sie rannten weiter �ber die gewundenen Pfade. Es ging unabl�ssig bergauf. Langdon warf einen Blick auf die Uhr. <emphasis>Noch acht Minuten.</emphasis> Allm�hlich fragte er sich ernsthaft, ob er, Vittoria und die anderen f�r alle Zeiten hier unten bei den Verstorbenen bleiben w�rden.</p><p>�Passen Sie auf!�, rief G�nther Glick aufgeschreckt hinter</p><p>ihnen. �Schlangenl�cher!�</p><p>Langdon hatte sie rechtzeitig bemerkt. Der Weg vor ihnen war von einer Reihe kleiner L�cher �bers�t. Er sprang mit einem Satz dar�ber hinweg.</p><p>Vittoria folgte ihm und w�re fast zu kurz gesprungen. Sie blickte Langdon beunruhigt an, w�hrend sie weiterrannten. <emphasis>� Schlangenl�cher?�</emphasis></p><p>�Glauben Sie mir�, entgegnete Langdon, �das wollen Sie nicht wissen.� Es waren Libationsl�cher, erkannte er. Die fr�hen Christen hatten an die Wiederauferstehung des Fleisches geglaubt und hatten die L�cher benutzt, um die Toten buchst�blich zu f�ttern, indem sie Milch und Honig durch die L�cher in die Krypten unter der Erde gegossen hatten.</p></section><section><title><p>Kapitel 121.</p></title><p>Der Camerlengo f�hlte sich schwach.</p><p>Er rannte weiter, und seine Beine fanden Kraft im Glauben an Gott und seiner Pflicht gegen�ber den Menschen. <emphasis>Ich bin fast da.</emphasis> Er litt unter uns�glichen Schmerzen. <emphasis>Der Verstand kann viel mehr Schmerz verursachen als der Leib.</emphasis> Er war m�de. Und er wusste, dass ihm nur noch sehr wenig Zeit blieb.</p><p>�Ich werde deine Kirche retten, Vater. Ich schw�re es!�</p><p>Trotz der Scheinwerferlichter hinter sich - f�r die er dankbar war - trug der Camerlengo seine �llampe hoch erhoben. <emphasis>Ich bin das Licht in der Dunkelheit. Ich bin das Licht.</emphasis> Das �l in der Lampe schwappte beim Laufen, und f�r einen Augenblick f�rchtete er, die Fl�ssigkeit k�nnte �berlaufen und ihn verbrennen. Er hatte gen�gend verbranntes Fleisch f�r eine Nacht ertragen.</p><p>Als er sich dem h�chsten Punkt des H�gels n�herte, war er schwei�gebadet und v�llig au�er Atem. Doch als er den Kamm erreicht hatte, f�hlte er sich wie neugeboren. Er stolperte zu dem flachen St�ck Erde, wo er schon so viele Male gestanden hatte. Hier endete der Weg. Die Nekropole endete ebenfalls vor einer steilen Wand. Ein winziges Schild verk�ndete: <emphasis>Mausoleum S.</emphasis></p><p><emphasis>La tomba di San Pietro.</emphasis></p><p>Vor ihm, auf Leibesh�he, befand sich eine schmucklose �ffnung in der Wand. Keine vergoldete Plakette. Keine Ornamente. Nur ein einfaches Loch in der Wand, hinter dem eine kleine H�hle lag und ein schlichter, verfallender Sarkophag. Der Camerlengo starrte in das Loch und l�chelte ersch�pft. Er konnte die anderen h�ren, die hinter ihm den H�gel hinaufhetzten. Er stellte seine �llampe ab und kniete nieder zum Gebet.</p><p><emphasis>Ich danke dir, Gott. Es ist fast vorbei.</emphasis></p><p>Drau�en auf dem Platz, umgeben von sprachlosen Kardinalen, starrte Kardinal Mortati hinauf auf die gro�e Videowand und beobachtete das Drama, das sich in der Krypta unter dem Dom abspielte. Er wusste nicht mehr, was er glauben sollte und was nicht. Hatte die ganze Welt beobachtet, was er gerade gesehen hatte? Hatte Gott wirklich und wahrhaftig zum Camerlengo gesprochen? War die Antimaterie tats�chlich im Grab des heiligen Petrus.?</p><p>�Sehen Sie!� Ein �chzen lief durch die Menge.</p><p>�Dort!� Alles zeigte hinauf zu den Schirmen. �Ein Wunder! Es ist ein Wunder!�</p><p>Mortati blickte auf. Die Kamera schwankte unsicher, doch das Bild war deutlich genug. Es war ein unvergessliches Bild.</p><p>Der Camerlengo kniete im Gebet auf dem nackten Erdboden. Die Kamera filmte ihn von hinten. Vor dem Camerlengo war ein in die Wand gehauenes Loch. Dahinter, in einem Tr�mmerhaufen aus alten, zerfallenen Steinen, stand ein Terrakottagef��. Obwohl Kardinal Mortati das Gef�� nur ein einziges Mal im Leben gesehen hatte, wusste er genau, was es enthielt.</p><p><emphasis>San Pietro.</emphasis></p><p>Mortati war nicht so naiv zu glauben, dass die Freudenrufe und das aufgeregte Geschrei, das sich nun in der Menge erhob, ein Ausdruck der Begeisterung ob der Tatsache war, das heiligste Relikt der Christenheit mit eigenen Augen zu sehen. Es war nicht das Grab des heiligen Petrus, das die Menschen dazu veranlasste, auf die Knie zu sinken und Dankesgebete zu sprechen. Es war das Objekt, das oben auf dem Grab stand.</p><p>Der Antimateriebeh�lter. Dort stand er. hatte er den ganzen Tag gestanden. versteckt in der Dunkelheit der Nekropole. Glatt. Hart. T�dlich. Die Offenbarung des Camerlengos war also zutreffend.</p><p>Voller Staunen starrte der alte Kardinal auf den transparenten Zylinder. Die kleine Kugel aus einer metallisch glitzernden Fl�ssigkeit schwebte noch immer scheinbar schwerelos in seinem Innern. Die H�hle rings um den Beh�lter blinkte rot, w�hrend das LED-Display unbeirrt die letzten f�nf Minuten seiner Existenz herunterz�hlte.</p><p>Ebenfalls auf dem Grab, nur wenige Zentimeter von dem Beh�lter entfernt, ruhte die drahtlose Sicherheitskamera der Schweizergarde, die ununterbrochen das Signal in die Kaserne �bertragen hatte.</p><p>Mortati bekreuzigte sich. Es war das Furcht erregendste Bild, das er in seinem ganzen Leben gesehen hatte. Einen Augenblick sp�ter wurde ihm bewusst, dass es noch schlimmer kommen w�rde.</p><p>Unvermittelt erhob sich der Camerlengo. Er packte den Antimaterie-Beh�lter mit beiden H�nden und wirbelte zu den anderen herum. Auf seinem Gesicht stand h�chste Konzentration. Er schob sich an den anderen vorbei und rannte auf dem gleichen Weg zur�ck, den er gekommen war, hinunter in die Nekropole und in Richtung des Ausgangs.</p><p>Die Kamera erfasste Vittoria Vetra, die vor Entsetzen wie erstarrt schien. �Was haben Sie vor? Wohin wollen Sie damit? Monsignore! Ich dachte, Sie h�tten gesagt.�</p><p>�Haben Sie Vertrauen!�, rief er �ber die Schulter, ohne langsamer zu werden.</p><p>Vittoria sah Langdon an. �Was machen wir jetzt?�</p><p>Robert Langdon versuchte, den Camerlengo aufzuhalten, doch einmal mehr kam ihm Chartrand in die Quere. Offensichtlich vertraute er dem Camerlengo blind.</p><p>Das Bild, das die BBC-Kamera von Chinita Macri in die Welt �bertrug, begann erneut zu schwanken. Fl�chtige Eindr�cke von Verwirrung und Chaos flackerten �ber die Videoschirme, w�hrend die Prozession durch die Schatten zur�ck zum Eingang der Nekropole stolperte.</p><p>Auf dem Petersplatz stie� Kardinal Mortati einen angstvollen Ruf aus. �Bringt er den Beh�lter etwa nach <emphasis>hier oben?�</emphasis></p><p>Auf den Fernsehschirmen der ganzen Welt rannte der Camerlengo �berlebensgro� aus der Nekropole und die steile Treppe hinauf. �Es wird keine weiteren Toten in dieser Nacht geben!�</p><p>Doch er sollte sich irren.</p><p>Der Camerlengo st�rzte um genau dreiundzwanzig Uhr sechsundf�nfzig durch die gro�e T�r der Peterskirche hinaus auf den Platz. Er stolperte ins grelle Licht der Scheinwerfer. Den Beh�lter mit der Antimaterie trug er wie eine spirituelle Opfergabe vor sich her. Seine Augen brannten; trotzdem erkannte er durch die Grelle hindurch seine eigene Gestalt auf den Videoschirmen, halb nackt und verwundet und hoch aufragend wie ein Riese. Der L�rm, der nun �ber den Menschenmassen auf dem Petersplatz aufstieg, war mit nichts zu vergleichen, das der Camerlengo je geh�rt hatte. Weinen, Schreien, Singen, Beten. eine Mischung aus Verehrung und Todesangst.</p><p><emphasis>Erl�se uns von dem B�sen,</emphasis> fl�sterte er.</p><p>Die Flucht aus der Nekropole hatte ihn seine letzten Kr�fte gekostet. Beinahe w�re es zur Katastrophe gekommen. Robert Langdon und Vittoria Vetra hatten ihn aufhalten und dazu bewegen wollen, den Beh�lter zur�ck in sein unterirdisches Versteck zu stellen und mit ihnen nach drau�en zu fliehen, um Deckung zu suchen. <emphasis>Blinde Toren!</emphasis></p><p>Der Camerlengo erkannte nun mit furchtbarer Klarheit, dass er diesen Wettlauf in keiner anderen Nacht gewonnen h�tte. Doch in dieser Nacht war Gott erneut bei ihm gewesen. Robert Langdon hatte ihn schon fast eingeholt, als Chartrand dazwischengegangen war, die treue Seele, die ihm in den vergangenen Stunden so gute Dienste geleistet hatte. Die beiden BBC-Reporter waren zu schwer beladen und zu fasziniert von dem Geschehen, um einzuschreiten.</p><p><emphasis>Die Wege des Herrn sind unergr�ndlich.</emphasis></p><p>Hinter sich h�rte er die anderen. er sah sie auf den</p><p>Schirmen, sah, wie sie n�her kamen. Er nahm seine letzten Kr�fte zusammen und hob den Beh�lter hoch �ber den Kopf. Dann streckte er in einem Akt des Trotzes gegen�ber den Illuminati die Brust mit dem Brandzeichen heraus, nahm die nackten Schultern zur�ck und rannte die Treppe hinunter. Ein Letztes blieb noch zu tun.</p><p><emphasis>Vier Minuten</emphasis>...</p><p>Langdon war geblendet, als er aus der Basilika kam. Einmal mehr brannten sich die Scheinwerfer in seine Netzh�ute. Vor sich erkannte er undeutlich die Silhouette des Camerlengos, der in diesem Augenblick die Treppe hinunterrannte. F�r einen Augenblick sah der Camerlengo im Halo der Scheinwerfer wie ein Himmelswesen aus, wie eine moderne Gottheit. Das Priestergewand hing �ber seine H�ften wie ein Schleier. Sein Oberk�rper war verst�mmelt und gebrandmarkt von der Hand seiner Feinde, und doch hielt er noch immer durch, eilte weiter, hoch aufgerichtet, und rief der Welt zu, an Gott zu glauben, w�hrend er mit seiner alles vernichtenden Last auf die Menschenmengen zurannte.</p><p>Langdon sprang die Treppe hinunter und setzte ihm nach. <emphasis>Was glaubt er, was er tut? Er wird alle umbringen!</emphasis></p><p>�Das Werk des Satans�, rief der Camerlengo, �hat keinen Platz im Haus Gottes!� Er rannte weiter auf die in Panik zur�ckweichende Menge zu.</p><p>�Vater!�, rief Langdon ihm hinterher. �Sie k�nnen nirgendwo hin!�</p><p>�Sieh zum Himmel! Wir haben vergessen, hinauf in den Himmel zu schauen!�</p><p>In diesem Augenblick, als Langdon erkannte, welche Richtung der Camerlengo eingeschlagen hatte, d�mmerte ihm die unglaubliche Wahrheit. Wegen der blendenden Lichter konnte Langdon zwar nichts sehen, doch er wusste, dass die Rettung genau �ber ihnen lag.</p><p>Der sternenklare italienische Nachthimmel. <emphasis>Der einzig m�gliche Ausweg.</emphasis></p><p>Der Helikopter, der den Camerlengo urspr�nglich in ein</p><p>Krankenhaus hatte evakuieren sollen, stand genau voraus. Der Pilot sa� im Cockpit, startbereit, und die Rotoren liefen im Leerlauf. W�hrend der Camerlengo zur Maschine rannte, wurde Langdon von einem �berw�ltigenden Hochgef�hl erfasst.</p><p>Wie ein Strom gingen ihm neue Gedanken durch den Kopf.</p><p>Zuerst stellte er sich die weite, offene Fl�che des italienischen Meeres vor. Wie weit war es entfernt? Acht Kilometer? Zehn? Er wusste, dass es mit dem Zug nur sieben Minuten bis zum Strand von Fiumicino dauerte. Mit dem Helikopter, mit dreihundert Stundenkilometern. wenn es ihnen gelang, den Beh�lter weit genug aufs Meer hinauszubringen und dort abzuwerfen. Es gab noch andere M�glichkeiten, erkannte er und rannte weiter. La Cava Romana! Die Marmorsteinbr�che n�rdlich der Stadt lagen weniger als f�nf Kilometer entfernt! Wie gro� war die Fl�che, die sie einnahmen? Vier Quadratkilometer? Ganz bestimmt arbeitete zu dieser Stunde niemand dort. Wenn sie den Beh�lter dort abwarfen.</p><p>�Zur�ck, alles zur�ck!�, br�llte der Camerlengo. Seine Brust schmerzte, doch er rannte weiter. �Aus dem Weg. Sofort!�</p><p>Die Schweizergardisten, die den Helikopter bewachten, standen offenen Mundes da, als der Camerlengo auf sie zugerannt kam.</p><p>�Zur�ck!�, rief der Geistliche noch einmal.</p><p>Die Wachen gehorchten.</p><p>Unter den staunenden Augen der Welt rannte der Camerlengo um den Hubschrauber herum zur Cockpitluke auf der Seite des Piloten und riss sie auf. �Hinaus, mein Sohn! Sofort!�</p><p>Der Soldat gehorchte.</p><p>Der Camerlengo starrte hinauf zum hohen Pilotensessel und wusste, dass er in seiner Ersch�pfung beide H�nde ben�tigen w�rde, um sich an Bord zu ziehen. Er wandte sich zu dem Piloten um, der zitternd neben ihm stand, und dr�ckte ihm den Beh�lter in die H�nde. �Halten Sie das. Geben Sie es mir wieder, sobald ich eingestiegen bin.�</p><p>W�hrend der Camerlengo ins Cockpit kletterte, h�rte er hinter sich die aufgeregten Rufe Robert Langdons, der ebenfalls zum Hubschrauber gerannt <emphasis>kam. Jetzt verstehst du, mein Sohn,</emphasis> dachte er. <emphasis>Jetzt glaubst auch du.</emphasis></p><p>Der Camerlengo nahm im Sitz Platz, stellte ein paar vertraute Hebel ein und wandte sich zur Luke, um sich den AntimaterieBeh�lter geben zu lassen.</p><p>Doch der Gardist, dem er den Beh�lter gegeben hatte, stand mit leeren H�nden da. �Er hat ihn genommen!�, br�llte er.</p><p>Der Camerlengo sp�rte, wie sein Herz stockte. �Wer?�</p><p>Der Gardist deutete auf Langdon. �Er!�</p><p>Robert Langdon war �berrascht vom Gewicht des Beh�lters. Er rannte um den Hubschrauber herum und sprang in den hinteren Teil, wo er und Vittoria nur Stunden zuvor gesessen hatten. Er lie� die Luke offen und schnallte sich an. Dann rief er dem Camerlengo auf dem Pilotensitz zu: �Fliegen Sie los!�</p><p>Der Camerlengo starrte Langdon an wie einen Geist. Sein Gesicht war kreidebleich vor Angst. �Was glauben Sie, was Sie da tun?�</p><p>�Sie fliegen. Ich werfe den Beh�lter ab�, rief Langdon. �Wir haben keine Zeit! Fliegen Sie endlich los!�</p><p>Der Camerlengo war wie erstarrt. Das Licht der Scheinwerfer drau�en zeichnete tiefe Falten in sein junges Gesicht. �Ich kann das alleine�, fl�sterte er. �Ich <emphasis>muss</emphasis> das alleine tun!�</p><p>Langdon h�rte gar nicht zu. <emphasis>Fliegen Sie,</emphasis> h�rte er sich rufen, <emphasis>auf der Stelle! Ich hin hier, um Ihnen zu helfen!</emphasis> Langdon sah hinunter auf den Beh�lter, und sein Atem stockte. �Nur doch drei Minuten, Vater! <emphasis>Drei!�</emphasis></p><p>Durch Staub und Dunst sah er Vittoria, die zum Helikopter gerannt kam. Ihre Blicke begegneten sich, und sie blieb unter ihm zur�ck wie ein fallender Stein.</p></section><section><title><p>Kapitel 122.</p></title><p>Der L�rm der Maschinen und der Luftzug aus der offenen Luke umfingen Langdons Sinne mit einem ohrenbet�ubenden Chaos. Er stemmte sich gegen die erh�hte Schwerkraft, als der Camerlengo den Hubschrauber senkrecht nach oben beschleunigte. Das Leuchten des Petersplatzes blieb unter ihnen zur�ck, bis es nur noch eine undeutlich schimmernde strahlende Ellipse in einem Meer aus Lichtern war.</p><p>Der Antimaterie-Beh�lter in Langdons H�nden f�hlte sich an, als w�ge er Tonnen. Er hielt ihn fester gepackt, und seine Handfl�chen waren feucht von Schwei� und Blut. Im Innern des transparenten Beh�lters schwebte die Kugel aus Antimaterie und pulsierte r�tlich im Licht des Countdowns.</p><p>�Noch zwei Minuten!�, br�llte Langdon nach vorn, w�hrend er sich fragte, wo der Camerlengo den Beh�lter abwerfen wollte.</p><p>Die Lichter der Stadt unter ihnen reichten noch immer bis zum Horizont. Ganz weit im Westen erkannte Langdon die glitzernde Mittelmeerk�ste - eine gezackte Grenze aus Licht, hinter der sich ein endloses Schwarz erstreckte. Das Meer sah weiter entfernt aus, als Langdon sich vorgestellt hatte. Mehr noch, die vielen Lichter an der K�ste erinnerten ihn daran, dass eine Explosion selbst drau�en �ber dem Meer noch immer vernichtende Auswirkungen nach sich ziehen konnte. Langdon hatte �berhaupt nicht bedacht, mit welch f�rchterlicher Kraft eine von einer Zehn-Kilotonnen-Bombe ausgel�ste Flutwelle aufs Land treffen w�rde.</p><p>Er wandte sich ab und blickte nach vorn - und was er dort sah, lie� ihn neue Hoffnung sch�pfen. Direkt vor ihnen ragten die Ausl�ufer der r�mischen Berge in die Nacht. Die H�gel waren �bers�t mit Lichtern - die Villen der Reichen und Superreichen -, doch ein kurzes St�ck weiter n�rdlich war alles</p><p>dunkel. Keinerlei Lichter, nichts - nur ein riesiger schwarzer Bereich.</p><p><emphasis>Die r�mischen Steinbr�che,</emphasis> dachte Langdon. <emphasis>La Cava Romanal</emphasis></p><p>Er starrte nach vorn auf das �de Land und sp�rte deutlich, dass es gro� genug war. Und nah genug schien es ebenfalls zu sein. Viel n�her als das Meer. Offensichtlich plante der Camerlengo, die Antimaterie dorthin zu bringen. Der Hubschrauber flog genau darauf zu! Die Steinbr�che! Eigenartig nur, dass der Steinbruch nicht n�her kam, obwohl die Maschinen mit maximaler Leistung zu laufen schienen und der Hubschrauber h�her und h�her stieg.</p><p>Verwirrt warf Langdon einen Blick aus der Seitenluke, um sich neu zu orientieren. Was er unter sich sah, erstickte seine Aufregung in einer Welle von Panik.</p><p>Direkt unter ihnen, tausend Meter und mehr in der Tiefe, erstrahlte noch immer der Petersplatz im Licht der Scheinwerfer!</p><p><emphasis>Wir sind noch immer �ber dem Vatikan!</emphasis></p><p>�Monsignore!�, keuchte Langdon. �Fliegen Sie los! Wir sind hoch genug! Wir k�nnen den Beh�lter unm�glich direkt �ber dem Vatikan abwerfen!�</p><p>Der Camerlengo antwortete nicht. Er schien alle Konzentration auf die Steuerung des Hubschraubers zu verwenden.</p><p>�Uns bleiben nur noch weniger als zwei Minuten!�, rief Langdon und hob den Beh�lter in die H�he, damit der Camerlengo es selbst sehen konnte. �Nur ein paar Kilometer nach Norden, Vater! La Cava Romana! Ich kann sie sehen. Wir haben nicht.�</p><p>�Nein�, entgegnete der Camerlengo. �Es w�re viel zu gef�hrlich. Es tut mir Leid, mein Sohn.� W�hrend der</p><p>Hubschrauber weiter in den Himmel stieg, wandte sich der Camerlengo um und l�chelte Langdon traurig an. �Ich w�nschte, Sie w�ren nicht mitgekommen, mein Freund. Sie haben das gr��te aller Opfer gebracht.�</p><p>Langdon starrte in die ersch�pften Augen des Camerlengos, und pl�tzlich verstand er. Das Blut gefror in seinen Adern. �Aber. es muss doch einen Ausweg geben!�</p><p>�Nach oben�, antwortete der Camerlengo mit resignierter Stimme. �Es ist der einzig sichere Weg.�</p><p>Langdon war kaum noch imstande, einen klaren Gedanken zu fassen. Er hatte den Plan des Camerlengos v�llig falsch interpretiert. <emphasis>Schaut hinauf zum Himmel!</emphasis></p><p>Der Himmel, erkannte Langdon nun in aller Klarheit, war von Anfang an das Ziel des Camerlengos gewesen. Er hatte nie beabsichtigt, den Beh�lter abzuwerfen. Er entfernte ihn einfach nur so weit von der Vatikanstadt, wie es menschenm�glich war.</p><p>Langdon befand sich auf einer Reise ohne Wiederkehr.</p></section><section><title><p>Kapitel 123.</p></title><p>Vittoria stand auf dem Petersplatz und starrte nach oben. Der Helikopter war nur noch ein winziger Fleck am Himmel; nicht einmal mehr die Scheinwerfer der �bertragungswagen reichten so weit hinauf. Selbst das Schlagen der Rotoren war zu einem fernen Brummen verhallt. Es schien, als w�rde in diesem Augenblick die ganze Welt nach oben schauen, voll schweigender Erwartung, den Kopf in den Nacken gelegt. alle Menschen, alle Religionen. alle Herzen schlugen wie eines.</p><p>Vittorias Inneres war in wildem Aufruhr. W�hrend der Helikopter au�er Sicht verschwand, stellte sie sich Robert vor, wie er sich im Hubschrauber von ihr entfernte. <emphasis>Was hat er</emphasis></p><p><emphasis>gedacht? Hat er es denn nicht gesp�rt?</emphasis></p><p>Rings um den Platz suchten Kameras die Dunkelheit ab. Warteten. Ein Meer aus Gesichtern starrte himmelw�rts, vereint in einem schweigenden Countdown. Auf s�mtlichen Videoschirmen war die gleiche lautlose Szene zu sehen. der r�mische Nachthimmel, erleuchtet von hellen Sternen. Vittoria weinte stumm.</p><p>Hinter ihr standen hunderteinundsechzig Kardinale auf der Marmortreppe und sahen nach oben. Einige hatten die H�nde zum Gebet gefaltet. Die meisten r�hrten sich nicht. Viele weinten. Die Sekunden vergingen.</p><p>In Wohnungen, Cafes, Gesch�ften, Krankenh�usern, auf Flugh�fen �berall auf der Welt sahen die Menschen die Bilder vom Vatikan. M�nner und Frauen reichten sich die H�nde. Andere hielten ihre Kinder. Die Zeit schien stillzustehen, w�hrend alle Seelen vereint waren.</p><p>Dann begannen die Glocken des Petersdoms zu l�uten.</p><p>Vittoria lie� ihren Tr�nen freien Lauf.</p><p>Und w�hrend die ganze Welt hinsah, lief die Zeit ab.</p><p>Die t�dliche Stille des Ereignisses war das Schrecklichste.</p><p>Hoch �ber der Vatikanstadt schwebte ein stecknadelkopfgro�er Lichtpunkt. F�r einen winzigen Augenblick sah es aus, als w�re ein neuer Himmelsk�rper entstanden. ein Lichtpunkt, so rein und wei�, wie ihn noch nie ein Mensch gesehen hatte.</p><p>Dann geschah es.</p><p>Ein Blitz.</p><p>Der Lichtpunkt dehnte sich aus und raste in alle Richtungen �ber den Himmel, beschleunigte mit unfassbarer Geschwindigkeit und vertrieb die Nacht �ber Rom. Je mehr sich das Licht ausdehnte, desto intensiver strahlte es, wie das erwachende B�se selbst, bereit, den Himmel zu verschlingen.</p><p>Es raste den Menschen unten entgegen, w�hrend es schneller und schneller wurde.</p><p>Geblendet starrten die zahllosen Gesichter in den Himmel, �chzten auf wie ein Mann, schirmten die Augen ab und schrien ihre erstickte Angst hinaus.</p><p>Dann geschah das Unvorstellbare. Noch w�hrend das Licht sich in alle Richtungen ausdehnte, schien es auf eine unsichtbare Wand zu prallen, als w�re es von Gott selbst aufgehalten worden. Es sah aus, als w�re die Explosion in einer gigantischen, unsichtbaren Glaskugel gefangen. Das Licht verharrte, st�rzte zur�ck nach innen und leuchtete noch intensiver. Die Welle schien einen vorbestimmten Umfang zu erreichen und verharrte dort. F�r einen Sekundenbruchteil schwebte eine perfekte, lautlose Kugel aus Licht �ber Rom. Die Nacht war zum Tag geworden.</p><p>Dann kam die Druckwelle.</p><p>Der Donner klang tief und hohl - eine gewaltige Schockwelle aus dem Himmel. Sie brandete auf die Menschen herab wie der</p><p>Racheengel aus der H�lle und lie� das granitene Fundament der Vatikanstadt erzittern. Sie trieb den Menschen die Luft aus den Lungen und schleuderte sie zu Boden. Dann kam ein pl�tzlicher Sturm warmer Luft. Er fegte �ber den Platz, rauschte zwischen den S�ulen hindurch und brandete gegen die Mauern. Staub wirbelte auf, und die Menschen duckten sich tief an den Boden. Zeugen des letzten Kampfes zwischen Gut und B�se, von Armageddon.</p><p>Und dann implodierte die Kugel, so schnell, wie sie entstanden war. Sie fiel in sich zusammen, bis nur noch der winzige Lichtpunkt �brig blieb, und einen Sekundenbruchteil sp�ter war auch davon nichts mehr zu sehen.</p></section><section><title><p>Kapitel 124.</p></title><p>Die Menschen auf dem Petersplatz senkten einer nach dem anderen den Blick vom nun wieder schwarzen Himmel und schauten nach unten, stumm vor Staunen. Die Scheinwerfer folgten gleich darauf, wie aus Ehrfurcht vor der sich ausbreitenden Schw�rze. F�r einen Moment schien es, als beugte die ganze Welt einhellig den Kopf.</p><p>Kardinal Mortati kniete sich zum Beten hin, und die anderen Kardinale folgten seinem Beispiel. Die Schweizergardisten senkten ihre Hellebarden und standen da wie bet�ubt. Niemand sprach ein Wort. Niemand r�hrte sich. �berall zuckten Schultern in spontanen Gef�hlsausbr�chen. Trauer. Furcht. Staunen. Glauben. Und ehrf�rchtiger Respekt vor der furchtbaren und neuen Macht, die sie soeben mit eigenen Augen gesehen hatten.</p><p>Vittoria Vetra stand zitternd am Fu� der breiten Treppe, die hinauf zum Petersdom f�hrte. Sie schloss die Augen. Durch den Sturm von Gef�hlen hindurch erklang ein einzelnes Wort, wie eine ferne Glocke. Klar. Grausam. Sie verdr�ngte es. Es kehrte zur�ck wie ein Echo. Sie verdr�ngte es entschiedener. Der Schmerz war zu gro�. Sie versuchte sich mit den Bildern abzulenken, Bildern von der unglaublichen Macht, die sich in der Antimaterie versteckte. von der Rettung des Vatikans. vom Camerlengo. seiner tapferen Tat. von g�ttlichen Wundern. und von Selbstlosigkeit. Und doch hallte das Wort weiter durch ihren Verstand, durchdrang das umgebende Chaos und versenkte sie in ein Gef�hl unendlicher Einsamkeit.</p><p>Robert.</p><p>Er war zum Castel Sant� Angelo gekommen, um sie zu retten.</p><p>Er hatte sie gerettet.</p><p>Und nun hatte ihre Sch�pfung ihn das Leben gekostet.</p><p>W�hrend Kardinal Mortati betete, fragte er sich, ob auch er Gottes Stimme h�ren w�rde, wie der Camerlengo vor ihm. <emphasis>MUSS ein Mensch an Wunderglauben, um sie sehen zu k�nnen? </emphasis>Mortati war ein moderner Mensch mit einem alten Glauben. Wunder hatten in seinem Glauben nie eine Rolle gespielt. Nat�rlich erz�hlte sein Glaube von Wundern. blutenden Wundmalen, Wiederauferstehung von den Toten, Abdr�cken auf Leichent�chern. und doch hatte Mortatis rationaler Verstand diese Berichte stets als Teil des Mythos abgetan. Sie waren Resultat der gr��ten Schw�che, die Menschen besa�en -dem Bed�rfnis, f�r alles <emphasis>Beweise</emphasis> zu sehen. Wunder waren nichts weiter als Geschichten, an die sich alle Menschen klammerten, weil sie sich <emphasis>w�nschten,</emphasis> sie m�gen wahr sein.</p><p>Und doch.</p><p><emphasis>Bin ich denn so modern, dass ich nicht akzeptieren kann, was ich soeben mit eigenen Augen gesehen habe?</emphasis> Es war doch ein Wunder, oder nicht? Ja! Gott hatte eingegriffen, mit ein paar Worten ins Ohr des Camerlengos, und Gott selbst hatte die Kirche vor dem Untergang bewahrt. Warum war das so schwer zu glauben? Was h�tte es �ber Gott ausgesagt, wenn Er tatenlos zugeschaut h�tte? Dass dem Allm�chtigen die Menschen gleichg�ltig waren? Dass Er nicht die Macht besa�, dieses Verbrechen aufzuhalten? <emphasis>Ein Wunder ist die einzig m�gliche Antwort!</emphasis></p><p>W�hrend Mortati kniete und �berlegte, betete er f�r die Seele des Camerlengos. Er dankte dem jungen Geistlichen, der trotz seiner Jugend Mortatis alte Augen ge�ffnet hatte f�r die Wunder, die nur unersch�tterlicher Glaube zu sehen vermochte.</p><p>Doch Mortati h�tte niemals erwartet, dass sein neu gewonnener Glaube schon wenige Sekunden sp�ter so hart gepr�ft werden w�rde.</p><p>Die Stille auf dem Petersplatz wich einem leisen Raunen. Das</p><p>Raunen breitete sich rasch aus, wurde zu einem Murmeln, und dann, mit einem Mal, zu einem kollektiven Aufschrei. Ohne jede Vorwarnung schrien alle Menschen laut durcheinander.</p><p>�Seht! Seht nur!�</p><p>Mortati �ffnete die Augen und wandte sich zu den Menschen um. Jeder deutete auf eine Stelle hinter ihm, auf den Eingang zur Basilika. Ihre Gesichter waren wei�. Einige fielen auf die Knie. Andere wurden ohnm�chtig. Wieder andere schluchzten unkontrolliert.</p><p>�Seht nur! Seht nur!�</p><p>Mortati drehte sich verwirrt um und folgte den ausgestreckten H�nden. Sie deuteten nach oben, zum Dach der Fassade, der gro�en Terrasse, wo gewaltige Statuen von Christus und den Aposteln �ber die Menge wachten.</p><p>Und dort, zur Rechten Jesu Christi, mit weit zur Welt hin ausgebreiteten Armen, stand Camerlengo Carlo Ventresca.</p></section><section><title><p>Kapitel 125.</p></title><p>Robert Langdon fiel nicht mehr.</p><p>Er sp�rte kein Entsetzen mehr, keine Angst. Keinen Schmerz. Nicht einmal mehr das laute Rauschen des Windes. Nichts au�er dem leisen Pl�tschern von Wasser, als schliefe er in einer warmen Nacht an einem Strand.</p><p>Robert Langdon sp�rte mit Gewissheit, dass er tot war. Er war froh dar�ber. Er lie� sich von der tr�gen Taubheit erfassen, lie� sie von ihm Besitz ergreifen, lie� sich von ihr tragen. Sein Schmerz und seine Angst waren bet�ubt, und er wollte um keinen Preis, dass sie zur�ckkehrten. Seine letzte bewusste Erinnerung konnte nur direkt aus der H�lle gekommen sein.</p><p><emphasis>Nimm mich zu dir</emphasis>...</p><p>Doch das Pl�tschern, das ihn die ganze Zeit eingelullt und ihm ein entferntes Gef�hl von Frieden vermittelt hatte, zerrte gleichzeitig an ihm. Es zerrte ihn zur�ck, versuchte, ihn aus einem Traum zu wecken. Robert wollte nicht aufwachen. Er sp�rte, wie sich D�monen am Rand seines Zufluchtsortes sammelten, um seine Gl�ckseligkeit zu zerst�ren. Verschwommene Bilder wirbelten durch seinen Kopf. Stimmen riefen. Wind pfiff. <emphasis>Nein, bitte nicht!</emphasis> Je mehr er k�mpfte, umso heftiger drang die Wut zu ihm durch.</p><p>Und dann durchlebte er alles noch einmal, jedes einzelne Detail.</p><p>Der Helikopter stieg mit Schwindel erregendem Tempo h�her. Robert war darin gefangen. Jenseits der offenen Luke, tief unter ihm, schimmerten die Lichter Roms und entfernten sich mit jeder Sekunde weiter. Sein Selbsterhaltungstrieb sagte ihm, dass er den Kanister <emphasis>jetzt</emphasis> �ber Bord werfen sollte. Langdon wusste, dass er in zwanzig Sekunden fast einen Kilometer tief</p><p>fallen w�rde. Doch er wusste auch, dass unten eine Stadt voller Menschen war.</p><p><emphasis>H�her! H�her!</emphasis></p><p>Er fragte sich, wie hoch sie inzwischen waren. Kleine Propellerflugzeuge, so wusste er, flogen in einer H�he von sechs oder sieben Kilometern. Wie hoch war der Helikopter inzwischen? Drei Kilometer? Vier? Noch gab es eine Chance. Wenn sie den Beh�lter im letzten Augenblick abwarfen, w�rde er nur einen Teil des Weges nach unten zur�cklegen, bevor er in sicherer Entfernung vom Boden und dem Helikopter</p><p>explodierte.</p><p>�Und wenn Sie sich verrechnen?�, entgegnete der Camerlengo.</p><p>Langdon wandte sich verbl�fft zu dem Geistlichen um. Der Camerlengo hatte nicht einmal den Kopf gewandt; offensichtlich hatte er Langdons Gedanken aus seinem geisterhaften</p><p>Spiegelbild in der gro�en Windschutzscheibe gelesen. Merkw�rdigerweise war er nicht mehr mit den Kontrollen der Maschine besch�ftigt. Er ber�hrte sie nicht einmal. Der Hubschrauber flog, wie es schien, mit dem Autopiloten,</p><p>w�hrend er unabl�ssig weiter stieg. Der Camerlengo griff an die Decke der Kanzel und zog hinter einem Kabelkanal einen Schl�ssel hervor, der dort mit einem Streifen Klebeband versteckt befestigt war.</p><p>Langdon beobachtete mit zunehmender Verwirrung, wie der Camerlengo rasch die gro�e metallene Bordkiste aufschloss, die sich zwischen den Sitzen befand. Er klappte den Deckel auf und entnahm etwas, das wie ein gro�er, schwarzer Nylonrucksack aussah. Er legte ihn neben sich auf den freien Sitz. Langdons Gedanken wirbelten. Die Bewegungen des Camerlengos</p><p>schienen zielgerichtet, als h�tte er eine L�sung gefunden.</p><p>�Geben Sie mir den Beh�lter�, sagte der Camerlengo mit ernster Stimme.</p><p>Langdon wusste nicht, was er von alledem halten sollte. Er schob dem Camerlengo den Beh�lter hin. �Uns bleiben nur noch neunzig Sekunden, Vater!�</p><p>Was als N�chstes geschah, traf Langdon v�llig unvorbereitet. Der Camerlengo hielt den Antimaterie-Beh�lter vorsichtig in den H�nden und legte ihn in die Bordkiste. Dann schloss er den Deckel und sperrte das Schloss ab.</p><p>�Was tun Sie da?�, fragte Langdon.</p><p>�Ich erl�se uns von der Versuchung.� Der Camerlengo warf den Schl�ssel aus dem offenen Fenster.</p><p>Der Schl�ssel taumelte in die Nacht, und Langdon hatte das Gef�hl, als taumelte seine Seele mit ihm.</p><p>Dann nahm der Camerlengo den Nylonrucksack und schob die Arme durch die Tragschlaufen. Er befestigte eine weitere Schlaufe vor dem Leib und zog eine vierte durch den Schritt hindurch nach vorn, um sie ebenfalls einzuhaken. Dann wandte er sich zu einem fassungslos dasitzenden Robert Langdon um.</p><p>�Es tut mir Leid�, sagte der Camerlengo. �Es war alles ganz anders geplant.� Mit diesen Worten sprang er aus der Kanzel und verschwand in der Nacht.</p><p>Das Bild haftete in Robert Langdons Unterbewusstsein, und mit ihm kam der Schmerz. Physischer Schmerz. Brennend. Verzehrend. Er flehte darum, dass es zu Ende gehen m�ge, doch als das Wasser lauter in seinen Ohren pl�tscherte, kamen neue Bilder. Seine H�lle hatte gerade erst begonnen. Er sah die einzelnen Szenen wie Puzzlesteine. Aus dem Zusammenhang gerissene schiere Panik. Er lag halb zwischen Tod und Albtraum gefangen und flehte um Erl�sung, doch die Bilder wurden zunehmend heller.</p><p>Der Antimaterie-Beh�lter war au�erhalb seiner Reichweite, eingeschlossen in die metallene Bordkiste. Der Countdown lief unerbittlich weiter, w�hrend der Helikopter hinauf in den Himmel stieg. <emphasis>F�nfzig Sekunden.</emphasis> H�her. H�her. Langdon wirbelte in der Kabine umher, versuchte einen Sinn in dem zu erkennen, was ihm widerfahren war. <emphasis>F�nfundvierzig Sekunden. </emphasis>Er duckte sich und suchte unter den Sitzen nach einem zweiten Fallschirm. <emphasis>Vierzig Sekunden.</emphasis> Es gab keinen! Es musste doch einen Ausweg geben! <emphasis>F�nfunddrei�ig Sekunden.</emphasis> Er sprang zur offenen Luke, stand im brausenden Wind und starrte hinunter auf die Lichter Roms. <emphasis>Zweiunddrei�ig Sekunden.</emphasis></p><p>Und dann traf er eine Entscheidung.</p><p>Eine unglaubliche Entscheidung.</p><p>Robert Langdon war ohne Fallschirm aus dem Hubschrauber gesprungen. W�hrend die Nacht seinen fallenden K�rper verschlang, schien der Helikopter hinauf in den Himmel zu jagen wie eine Rakete. Das Ger�usch der Rotoren wurde �bert�nt vom brausenden Wind des freien Falls.</p><p>Langdon st�rzte der Erde entgegen und sp�rte etwas, das er seit den Tagen seiner Laufbahn als Turmspringer nicht mehr gekannt hatte - die unbarmherzige Kraft der Gravitation w�hrend des freien Falls. Je schneller er fiel, desto st�rker schien die Erde ihn anzuziehen, ihn zu sich herabzusaugen. Diesmal jedoch waren es nicht nur zehn Meter bis in ein Sprungbecken. Diesmal waren es Tausende von Metern hinunter in eine Stadt eine endlose Fl�che aus Beton und Steinen.</p><p>Irgendwann w�hrend des Sturzes, w�hrend der Augenblicke der Verzweiflung und im ohrenbet�ubenden Rauschen des Windes, fielen ihm Kohlers Worte wieder ein. Worte, die er fr�her an diesem Tag gesprochen hatte, vor dem Freifallschacht in CERN. <emphasis>Ein Quadratmeter Stoff bremst den freien Fall eines K�rpers um fast zwanzig Prozent.</emphasis></p><p>Zwanzig Prozent, so erkannte Langdon, waren nicht einmal ann�hernd genug, um einen Sturz wie diesen zu �berleben. Dennoch umklammerte Langdon den einzigen Gegenstand aus dem Helikopter, den er vor seinem Sprung aus der Luke an sich gerissen hatte. Es war eine seltsame Vorstellung, doch f�r einen</p><p>fl�chtigen Augenblick hatte sie ihm Hoffnung gegeben.</p><p>Die Persenning, mit der die gro�e Windschutzscheibe abgedeckt wurde, hatte hinten im Hubschrauber gelegen. Es war ein konkaves, rechteckiges St�ck Stoff, vielleicht vier Meter mal zwei, die gr�bste Improvisation eines Fallschirms, die Langdon sich nur denken konnte. Die Persenning besa� keine Schn�re, kein Geschirr, nur Gummischlaufen an jeder Ecke, mit denen sie um die W�lbung der Windschutzscheibe herum gespannt werden konnte. Langdon hatte die Persenning gepackt, die H�nde durch die Schlaufen geschoben, alles an seine Brust gedr�ckt und war hinaus in das Nichts gesprungen.</p><p>Sein letzter Akt jugendlichen Trotzes.</p><p>Kein Gedanke an ein Leben nach diesem Augenblick.</p><p>Er fiel wie ein Stein. Die F��e voraus. Dann �ffnete er die Arme, seine H�nde packten die Schlaufen, und die Persenning bl�hte sich �ber ihm wie ein Pilz. Der Wind fuhr hinein und riss machtvoll an seinen Armen.</p><p>W�hrend er weiter der Erde entgegenraste, erfolgte irgendwo �ber ihm eine gewaltige Explosion. Sie schien weiter entfernt, als er vermutet hatte. Trotzdem traf ihn die Schockwelle fast im gleichen Augenblick. Er sp�rte, wie ihm die Luft aus den Lungen getrieben wurde. Dann, pl�tzlich, war es rings um ihn ganz warm. Er klammerte sich mit aller Kraft an seine Persenning, und eine Hitzewand jagte ihm von oben hinterher. Die Oberseite der Persenning begann zu schmoren. doch sie hielt.</p><p>Langdon raste vor einer sich ausdehnenden Kugel aus reinem Licht der Erde entgegen. Er f�hlte sich wie ein Surfer, der einer dreihundert Meter hohen Flutwelle zu entgehen versucht. Dann, pl�tzlich, war die Hitze verschwunden.</p><p>Er fiel wieder durch k�hle Dunkelheit.</p><p>F�r einen Augenblick sp�rte Langdon neue Hoffnung, doch im n�chsten Moment verblasste sie so schnell, wie sie gekommen war. Trotz des Zugs auf seinen Armen, der ihm verriet, dass die Persenning seinen Sturz tats�chlich verlangsamte, raste die Luft noch immer mit ohrenbet�ubendem Rauschen an ihm vorbei. Langdon wusste, dass er noch immer viel zu schnell sank, um die Landung zu �berleben. Der Aufprall w�rde ihn zerschmettern.</p><p>Mathematische Gleichungen drehten sich in seinem Kopf, doch er war zu bet�ubt, um zu einem Ergebnis zu kommen. <emphasis>Ein Quadratmeter Stoff</emphasis>.... <emphasis>zwanzig Prozent geringere Fallgeschwindigkeit.</emphasis> Er wusste nicht mehr, als dass die Persenning �ber ihm gr��er war und seinen Fall st�rker verlangsamen w�rde. Ungl�cklicherweise jedoch wusste er auch, dass es nicht genug sein w�rde. Am Wind sp�rte er, dass er zu schnell fiel. unm�glich, den Aufprall auf dem tief unten wartenden Meer aus Beton zu �berleben.</p><p>Die Lichter Roms erstreckten sich unter ihm, so weit sein Blick reichte. Die Stadt sah aus wie ein unglaublich heller Sternenhimmel, und Langdon fiel direkt in ihn hinein. Das weite Sternenfeld wurde lediglich von einem dunklen Streifen unterbrochen, der die Stadt in zwei H�lften teilte. Es war ein breites, dunkles Band, das sich wie eine fette Schlange zwischen den wei�en Lichtpunkten hindurchwand. Langdon starrte hinunter auf das m�andernde Gebilde.</p><p>Einmal mehr stieg unerwartet Hoffnung in ihm auf.</p><p>Mit beinahe manischer Energie riss Langdon mit der Rechten an seinem improvisierten Fallschirm. Die Persenning flatterte lauter, bl�hte und wand sich, bis sie den Weg des geringsten Widerstands gefunden hatte. Langdon sp�rte, dass er seitw�rts trieb. Er zog erneut, noch h�rter diesmal, ohne den Schmerz in seiner Handfl�che zu beachten. Die Persenning bl�hte sich, und Langdon sp�rte, wie er sich seitw�rts bewegte. Nicht viel, aber ein St�ck! Er sah nach unten, zu der schwarzen dicken Schlange. Sie lag weit rechts von ihm, doch er war auch noch ziemlich hoch. Hatte er zu lange gewartet? Er zog mit aller Kraft und akzeptierte, dass nun alles in Gottes Hand lag. Er konzentrierte sich auf den weitesten Teil der Schlange und betete zum ersten Mal in seinem Leben um ein Wunder.</p><p>Der Rest war verschwommen.</p><p>Die Dunkelheit raste ihm entgegen. seine Turmspringererfahrung kehrte wieder. instinktiv dr�ckte er den R�cken durch. pumpte die Lungen voller Luft, um seine inneren Organe zu sch�tzen. spannte die Schenkel an. das Letzte, woran er sich erinnerte, war Dankbarkeit, dass der Tiber Hochwasser f�hrte und sich sch�umend und kalt durch sein Bett w�lzte. und dreimal weicher als ein stehendes Gew�sser.</p><p>Dann der Aufprall. und Schw�rze.</p><p>Es war das laute Knallen und Flattern der Persenning gewesen, das die Gruppe von dem Feuerball hoch am Himmel ablenkte. Der Himmel �ber Rom war in dieser Nacht voller spektakul�rer Bilder gewesen - zuerst ein Helikopter, der mit H�chstgeschwindigkeit senkrecht nach oben gestiegen war, dann eine gewaltige Explosion, und nun dieses eigenartige Objekt, das direkt in die wilden Strudel des Tiber gefallen war, ein kleines St�ck vor dem Ufer der winzigen Isola Tiberina.</p><p>Seitdem die Insel als Quarant�nestation f�r die Pestkranken des Jahres 1656 benutzt worden war, schrieben die Menschen ihr heilende Kr�fte zu. Aus diesem Grund war sp�ter auch das r�mische Ospedale Tiberina auf der Insel errichtet worden.</p><p>Der Fremde war �bel zugerichtet, als sie ihn aus dem Wasser zogen. Sein Puls ging nur noch schwach, doch es war ein kleines Wunder, dass sein Herz �berhaupt noch schlug. Sie fragten sich, ob es der mystische Ruf der hsel war, der das Herz dieses Mannes irgendwie hatte weiterschlagen lassen. Minuten sp�ter, als der Fremde zu husten anfing und langsam das Bewusstsein wieder erlangte, wusste die Gruppe, dass die Insel tats�chlich magische Heilkr�fte besa�.</p></section><section><title><p>Kapitel 126.</p></title><p>Kardinal Mortati wusste, dass es keine Sprache gab, die das Mysterium dieses Augenblicks h�tte ausdr�cken k�nnen. Die Lautlosigkeit der Vision �ber dem Petersplatz sagte mehr als tausend Engelsch�re.</p><p>W�hrend Mortati hinauf zu Camerlengo Ventresca blickte, sp�rte er den l�hmenden Zusammenprall von Herz und Verstand. Die Vision schien real, doch wie konnte so etwas m�glich sein? Jeder hatte gesehen, wie der Camerlengo in den Hubschrauber gestiegen war. Alle hatten den blendend wei�en Ball aus Licht am Himmel gesehen. Und jetzt stand der Camerlengo auf der Terrasse �ber der Fassade der Basilika. War er von Engeln dorthin gebracht worden? Wiedergeboren von der Hand Gottes?</p><p><emphasis>Das ist unm�glich...</emphasis></p><p>Mortatis Herz w�nschte sich nichts sehnlicher als zu <emphasis>glauben, </emphasis>doch sein Verstand schrie nach Vernunft. Die Kardinale ringsum starrten nach oben wie er, sahen das Gleiche wie er, waren gel�hmt vor Staunen.</p><p>Es war der Camerlengo. Daran bestand nicht der geringste Zweifel. Doch er sah irgendwie anders aus. G�ttlich. Als w�re er gel�utert worden. Ein Geist? Ein Mensch? Seine wei�e Haut schimmerte im Licht der Scheinwerfer mit einer beinahe k�rperlosen Gewichtslosigkeit.</p><p>Auf dem Platz hinter und um Mortati herum weinten, jubelten und applaudierten die Menschen. Eine Gruppe Nonnen sank auf die Knie und sang <emphasis>saetas.</emphasis> �ber dem Platz gewann ein rhythmisches Ger�usch an Intensit�t. Pl�tzlich riefen alle den Namen des Camerlengos. Die Kardinale, einige von ihnen mit Tr�nen in den Augen, stimmten ein. Mortati blickte sich um und</p><p>versuchte zu begreifen. <emphasis>Geschieht das alles wirklich?</emphasis></p><p>Camerlengo Carlo Ventresca stand hoch oben auf der Dachterrasse der Peterskirche und blickte hinunter auf die Menschen. War er wach oder tr�umte er? Er f�hlte sich verwandelt, transformiert, wie in einer anderen Welt. Er fagte sich, ob dies sein Leib oder nur sein Geist war, der vom Himmel herabgeschwebt und in den sanften, gr�nen Vatikanischen G�rten gelandet war. hell wie ein Engel auf dem verlassenen Rasen, der schwarze Fallschirm unsichtbar hinter den gewaltigen Schatten der Basilika. Er fragte sich, ob es sein K�rper oder sein Geist gewesen war, der die Kraft besessen hatte, die alte Scala della Medaillone zur Terrasse hinaufzusteigen, wo er nun stand.</p><p>Er f�hlte sich leicht wie ein Geist.</p><p>Auch wenn die Menschen unten seinen Namen riefen, so wusste er doch, dass nicht er es war, dem sie zujubelten. Sie jubelten aus impulsiver Freude. der Freude, die der Camerlengo jeden Tag seines Lebens versp�rt hatte, solange er den Herrn bei sich wusste. Sie sp�rten, wonach alle sich stets gesehnt hatten. die Existenz des Jenseits, die Materialisierung der Macht des Sch�pfers.</p><p>Camerlengo Carlo Ventresca hatte sein Leben lang f�r diesen Augenblick gebetet, und doch konnte er sich noch immer nicht vorstellen, dass Gott einen Weg gefunden hatte, es geschehen zu lassen. Er wollte es ihnen entgegenschreien. <emphasis>Euer Gott ist ein lebendiger Gott! Seht nur die Wunder �berall um euch herum!</emphasis></p><p>Stattdessen stand er stumm und bet�ubt da, auch wenn er mehr empfand als je zuvor in seinem Leben. Als er sich schlie�lich regte, trat er von der Br�stung zur�ck und kniete nieder.</p><p>Allein, den Blicken der Menschen entzogen, begann er zu beten.</p></section><section><title><p>Kapitel 127.</p></title><p>Die Eindr�cke waren verschwommen; sie kamen und gingen. Allm�hlich kl�rte sich Langdons Blick wieder. Seine Beine schmerzten, und sein K�rper f�hlte sich an, als w�re er von einem Lastwagen �berfahren worden. Er lag auf der Seite am Boden. Es roch nach Erbrochenem. Noch immer h�rte er das unabl�ssige Pl�tschern des Wassers, doch es klang nicht mehr friedlich in seinen Ohren. Und er h�rte noch andere Ger�usche -Stimmen, Gespr�che rings um ihn herum. Er sah verschwommene wei�e Schatten. Benommen fragte sich Langdon, wo er sich befand. Dem Brennen in seiner Kehle nach zu urteilen, konnte es jedenfalls nicht der Himmel sein.</p><p>�Er erbricht sich nicht mehr�, sagte ein Mann auf Italienisch. �Dreht ihn wieder um.� Die Stimme klang fest und professionell.</p><p>Langdon sp�rte, wie H�nde ihn ergriffen und auf den R�cken drehten. Er war benommen. Als er sich aufzusetzen versuchte, zwangen die H�nde ihn sanft wieder zur�ck. Er ergab sich in sein Schicksal. Jemand durchsuchte seine Taschen und seine pers�nlichen Dinge.</p><p>Dann verlor er schlagartig das Bewusstsein.</p><p>Dr. Jacobus war kein religi�ser Mann; die medizinische Forschung hatte ihn vor langer Zeit davon abgebracht. Und doch die Ereignisse in der Vatikanstadt in dieser Nacht hatten seinen n�chternen, logischen Verstand auf eine harte Probe gestellt. <emphasis>Fallen jetzt K�rper vom Himmel?</emphasis></p><p>Dr. Jacobus tastete nach dem Puls des durchn�ssten Mannes, den sie soeben aus dem Tiber gezogen hatten. Der Arzt gelangte zu der Ansicht, dass Gott pers�nlich diesen Mann gerettet haben musste. Beim Aufprall aufs Wasser war er bewusstlos</p><p>geworden, und w�ren nicht Dr. Jacobus und sein Team am Ufer gewesen, um das n�chtliche Spektakel zu beobachten, w�re der Mann ohne Zweifel ertrunken.</p><p><emphasis>�E Americano�,</emphasis> sagte eine Krankenschwester, w�hrend sie die Papiere durchbl�tterte, die sie aus der Jacke des Fremden gezogen hatte.</p><p><emphasis>Amerikaner?</emphasis> Die R�mer witzelten h�ufig, dass es gen�gend Amerikaner in Rom gab, um Hamburger zu einem typisch italienischen Gericht zu deklarieren. <emphasis>Aber Amerikaner, die vom Himmel fallen?</emphasis> Jacobus leuchtete mit einer Stablampe in die Augen des Mannes und �berpr�fte die Reflexe. �Signore? K�nnen Sie mich h�ren? Wissen Sie, wo Sie sind?�</p><p>Der Mann hatte wieder das Bewusstsein verloren. Jacobus war nicht sonderlich �berrascht. Der Fremde hatte eine Menge Wasser erbrochen, nachdem Jacobus die kardiopulmonale Reanimation durchgef�hrt hatte.</p><p><emphasis>�Si chiama Robert Langdon!�,</emphasis> las die Krankenschwester den Namen des Fremden von dessen F�hrerschein.</p><p>Die anderen drehten sich erstaunt zu ihr um.</p><p><emphasis>�Impossibile!�,</emphasis> rief Jacobus. Robert Langdon war der Amerikaner aus dem Fernsehen - der Harvard-Professor, der dem Vatikan geholfen hatte. Jacobus hatte Langdon erst ein paar Minuten zuvor gesehen, live, wie er auf dem Petersplatz in einen Helikopter gestiegen und kilometerhoch in den Himmel geflogen war. Jacobus und die anderen waren nach drau�en und ans Ufer des Tiber gerannt, um die Antimaterie-Explosion zu beobachten - eine gewaltige Kugel aus Licht, ein Anblick, den sie ihr Leben lang nicht vergessen w�rden. <emphasis>Das kann unm�glich der gleiche Mann sein!</emphasis></p><p>�Er ist es!�, rief die Krankenschwester und strich dem Bewusstlosen das nasse schwarze Haar aus der Stirn. �Au�erdem erkenne ich sein Tweedjackett!�</p><p>Pl�tzlich schrie jemand vom Eingang des Hospitals - einer der weiblichen Patienten. Sie schrie, als w�rde sie den Verstand verlieren. Dann hielt sie ihr kleines Transistorradio in die H�he und betete zu Gott. Wie es schien, war Camerlengo Carlo Ventresca auf wundersame Weise auf dem Dach des Petersdoms aufgetaucht.</p><p>Dr. Jacobus beschloss, auf direktem Weg in die Kirche zu gehen, sobald seine Schicht um acht Uhr am Morgen zu Ende war.</p><p>Die Lichter �ber Langdon leuchteten heller. Er lag auf einer Art Untersuchungstisch und roch Desinfektionsmittel - starke Chemikalien. Jemand hatte ihm eine Injektion gegeben, und man hatte ihm die Kleidung ausgezogen.</p><p><emphasis>Das sind keine Engel,</emphasis> dachte er in seinem d�mmrigen Delirium. <emphasis>Vielleicht Aliens?</emphasis> Ja, er hatte von solchen Dingen geh�rt. Gott sei Dank w�rden sie ihm nichts tun. Sie waren nur hinter seiner.</p><p>�Nur �ber meine Leiche!� Langdon setzte sich kerzengerade auf und �ffnete die Augen.</p><p><emphasis>�Attentat�,</emphasis> rief eine der Kreaturen und hielt ihn fest. Auf ihrem Kittel stand �Dr. Jacobus�. Sie sah bemerkenswert menschen�hnlich aus.</p><p>�Ich. ich dachte.�, stammelte Langdon.</p><p>�Ganz ruhig, Mr. Langdon. Sie befinden sich in einem Krankenhaus.�</p><p>Der Nebel begann sich zu lichten. Langdon sp�rte eine Woge der Erleichterung. Er hasste Krankenh�user, doch sie waren auf jeden Fall besser als Aliens, die seine Testikel abschnitten.</p><p>�Mein Name ist Dr. Jacobus�, stellte der Mann sich vor. Er erkl�rte, was sich zugetragen hatte. �Sie hatten gro�es Gl�ck.�</p><p>Langdon war alles andere als gl�cklich. Seine Erinnerungen waren wirr. der Helikopter. der Camerlengo. Er hatte �berall Schmerzen. Sie gaben ihm Wasser, und er sp�lte sich</p><p>den Mund aus. Sie verbanden seine Hand.</p><p>�Wo ist meine Kleidung?�, fragte Langdon, der nur einen Papierkittel trug.</p><p>Eine der Krankenschwestern deutete auf einen tropfnassen Haufen aus zerfetztem Khaki und Tweed auf einer Ablage. �Sie waren v�llig durchn�sst. Wir mussten Ihnen die Sachen vom Leib schneiden.�</p><p>Langdon betrachtete die �berreste seiner Harris-Tweedjacke und runzelte die Stirn.</p><p>�Sie hatten eine Art Kleenex in der Tasche�, sagte die Krankenschwester.</p><p>Das war der Augenblick, da Langdon die Pergamentfetzen erkannte, die an seiner Jacke klebten. Das Blatt aus Galileos <emphasis>Diagramma.</emphasis> Die letzte verbliebene Kopie auf Erden war soeben vernichtet worden. Er war zu bet�ubt, um zu reagieren. Sprachlos starrte er die Schwester an.</p><p>�Wir haben Ihre pers�nlichen Gegenst�nde gerettet.� Sie hielt einen Plastikbeutel hoch. �Brieftasche, Camcorder und einen Stift. Ich habe den Camcorder getrocknet, so gut es ging.�</p><p>�Ich besitze keinen Camcorder.�</p><p>Die Krankenschwester legte die Stirn in Falten und hielt ihm den Beutel hin. Langdon schaute hinein. Tats�chlich, neben seiner Brieftasche und dem F�llfederhalter lag ein winziger SONY RUVI Camcorder. Jetzt erinnerte er sich. Der sterbende Kohler hatte ihm das Ger�t anvertraut, damit er es den Medien gab.</p><p>�Wir haben den Camcorder in Ihrer Tasche gefunden. Ich glaube allerdings, Sie brauchen einen neuen.� Die Krankenschwester klappte den winzigen Bildschirm auf der R�ckseite auf. �Das Display ist hin.� Dann hellte ihre Miene sich auf. �Der Ton funktioniert allerdings noch. Schwach, aber er ist zu h�ren.� Sie hielt sich das Ger�t ans Ohr. �Er spielt</p><p>immer wieder das Gleiche, wie in einer Schleife.� Sie lauschte einen Augenblick und reichte das Ger�t dann Langdon. �Zwei M�nner. Sie scheinen zu streiten.�</p><p>Verwirrt nahm Langdon den Camcorder und hielt ihn ans Ohr. Die Stimmen klangen hoch und metallisch, wiren jedoch verst�ndlich. Eine war ganz nah, die andere weiter weg. Langdon erkannte beide.</p><p>Er sa� in seinem Papierkittel auf dem Bett und lauschte fassungslos der Unterhaltung. Als das Ende des Streits kam, war er dankbar daf�r.</p><p><emphasis>Mein Gott!</emphasis></p><p>Das Gespr�ch wiederholte sich. Langdon nahm den Camcorder vom Ohr und starrte in tiefer Best�rzung auf das Ger�t. Die Antimaterie. der Helikopter.</p><p><emphasis>Aber das w�rde bedeuten</emphasis>...</p><p>Erneut wurde ihm �bel. Wut und Entt�uschung stiegen in ihm auf. Er schwang sich vom Untersuchungstisch und stand schwankend da.</p><p>�Mr. Langdon!�, mahnte der Arzt und versuchte ihn aufzuhalten.</p><p>�Ich brauche etwas zum Anziehen�, verlangte Langdon. Sein R�cken war nackt und kalt, und er sp�rte die Zugluft.</p><p>�Sie m�ssen sich ausruhen.�</p><p>�Nein. Ich verlasse das Krankenhaus. Sofort. Besorgen Sie mir Kleidung.�</p><p>�Aber.�</p><p>�Auf der Stelle!�</p><p>Das Personal wechselte befremdete Blicke. �Wir haben nichts, Signore�, sagte der Arzt schlie�lich. �Vielleicht kann Ihnen morgen ein Freund etwas vorbeibringen.�</p><p>Langdon atmete tief und geduldig durch, als er den Arzt</p><p>anschaute. �Dr. Jacobus, ich werde dieses Krankenhaus jetzt verlassen. Ich ben�tige etwas zum Anziehen. Mein Ziel ist die Vatikanstadt. Man geht nicht mit nacktem Hintern in die Vatikanstadt. Habe ich mich verst�ndlich ausgedr�ckt?�</p><p>Dr. Jacobus schluckte schwer. �Bringen Sie diesem Mann etwas zum Anziehen, Schwester.�</p><p>Als Langdon aus dem Ospedale Tiberina humpelte, f�hlte er sich wie ein zu gro� geratener Pfadfinder. Er trug den blauen Overall eines Sanit�ters, der vorn von einem Rei�verschluss zusammengehalten wurde, der von oben bis unten reichte. Der Overall war �bers�t mit zahlreichen Stoffabzeichen, die von den Qualifikationen seines Tr�gers zeugten.</p><p>Die Frau in Langdons Begleitung war st�mmig und trug einen �hnlichen Overall. Der Arzt hatte Langdon versichert, sie w�rde ihn in Rekordzeit zum Vatikan bringen.</p><p><emphasis>�Molto traffico�,</emphasis> sagte Langdon und erinnerte die Frau daran, dass die Gegend rings um den Vatikan voller Fahrzeuge und Menschen war.</p><p>Die Frau schien unbeeindruckt. Sie deutete stolz auf eines ihrer Abzeichen. <emphasis>�Sono conducente dt ambulanza�,</emphasis> sagte sie und f�hrte Langdon an der Seite des Geb�udes vorbei nach hinten, wo ihr Fahrzeug stand. Als Langdon es sah, blieb er wie angewurzelt stehen. Es war ein alter Notarzthubschrauber. Auf dem Rumpf stand <emphasis>Aero-Ambulanza.</emphasis></p><p>Die Frau l�chelte, als sie Langdons Reaktion sah. <emphasis>�Wir fliegen Citta del Vaticano. Tuttopronto.�</emphasis></p></section><section><title><p>Kapitel 128.</p></title><p>Das Kollegium der Kardinale - hunderteinundsechzig M�nner - war fassungslos, als es in die Sixtinische Kapelle zur�ckkehrte. Mortati war derma�en verwirrt, dass er das Gef�hl hatte, den Boden unter den F��en zu verlieren. Er glaubte an die alten Wunder in den heiligen Schriften, und doch entzog sich das, was er soeben mit eigenen Augen gesehen hatte, seinem Verst�ndnis. Nach einem Leben voller Hingabe wusste der neunundsiebzigj�hrige Mann, dass die Ereignisse eigentlich andere Empfindungen h�tten hervorrufen m�ssen -Demut, Ehrfurcht, einen lebendigen, inbr�nstigen Glauben -, und doch f�hlte er nur eine wachsende Unruhe. Irgendetwas erschien ihm nicht richtig.</p><p>�Monsignore Mortati!�, rief ein Hellebardier und kam durch die Halle zu ihm gerannt. �Wir waren oben auf dem Dach, wie Sie uns gebeten haben. Der Camerlengo ist. er lebt! Er ist kein Geist!�</p><p>�Hat er mit Ihnen <emphasis>gesprochen?�</emphasis></p><p>�Er kniet in stillem Gebet, Monsignore. Wir haben uns nicht getraut, ihn zu ber�hren!�</p><p>Mortati wusste nicht weiter. �Sagen Sie ihm. sagen Sie ihm, die Kardinale w�rden warten.�</p><p>�Noch etwas, Monsignore. Seine Brust. der Camerlengo ist immer noch verwundet. Sollen wir ihn verbinden? Er muss schreckliche Schmerzen haben.�</p><p>Mortati dachte nach. Sein Leben im Dienst der Kirche hatte ihn nicht auf eine Situation wie diese vorbereitet. �Er ist ein Mensch, also helfen Sie ihm wie einem Menschen. Baden Sie ihn. Verbinden Sie seine Wunden. Geben Sie ihm neue Kleidung. Wir erwarten seine Ankunft in der Sixtinischen</p><p>Kapelle.�</p><p>Der Hellebardier eilte davon.</p><p>Mortati wandte sich zur Kapelle. Die anderen Kardinale waren bereits versammelt. Als Mortati durch die Halle ging, sah er Vittoria Vetra zusammengesunken auf einer Bank am Fu� der Scala Royale. Er sah den Schmerz und die Einsamkeit in ihrem Gesicht und wollte zu ihr, um sie zu tr�sten, aber das musste warten. Er hatte eine Aufgabe zu erf�llen. obwohl er nicht mehr wusste, was f�r eine Aufgabe es war.</p><p>Mortati betrat die Kapelle. Im Innern herrschte wilder Aufruhr. Er schloss die T�r. <emphasis>Lieber Gott, hilf mir.</emphasis></p><p>Der Ambulanzhubschrauber des Ospedale Tiberina umrundete die Vatikanstadt und n�herte sich von hinten, w�hrend Langdon die Z�hne zusammenbiss und sich schwor, dass es der letzte Helikopterflug seines Lebens sei.</p><p><emphasis>�Grazie�,</emphasis> sagte er, als sie gelandet waren, und stieg unter Schmerzen aus. Die Pilotin warf ihm eine Kusshand zu und hob sofort wieder ab, um �ber die Mauer hinweg in der Nacht zu verschwinden.</p><p>Langdon atmete tief durch. Er nahm sich einen Augenblick Zeit, um wieder klaren Kopf zu bekommen und zu �berlegen, wie er am besten vorgehen sollte. Mit dem Camcorder in der Hand stieg er in das gleiche Golfkart, mit dem er schon einmal gefahren war. Es war nicht aufgeladen worden, und der Batterieanzeiger stand auf Reserve. Langdon fuhr ohne Scheinwerfer, um Strom zu sparen.</p><p>Er zog vor, dass niemand ihn kommen sah.</p><p>Kardinal Mortati stand benommen im Eingang der Sixtinischen Kapelle und starrte auf das Pand�monium vor ihm.</p><p>�Es war ein Wunder!�, rief einer der Kardinale. �Die Hand Gottes!�</p><p>�Ja!�, pflichtete ein anderer ihm bei. �Gott hat seinen Willen</p><p>kundgetan!�</p><p>�Der Camerlengo wird unser neuer Papst!�, rief ein dritter.</p><p>�Er mag kein Kardinal sein, doch Gott hat uns ein Zeichen gesandt!�</p><p>�Ja!�, stimmte jemand zu. �Die Gesetze des Konklaves sind von Menschen gemacht. Doch wir alle haben den Willen <emphasis>Gottes </emphasis>mit eigenen Augen gesehen. Ich beantrage einen neuen Wahlgang!�</p><p>�Einen neuen Wahlgang?�, fragte Mortati. �Ich glaube, das ist immer noch meine Aufgabe.�</p><p>Alle wandten sich ihm zu.</p><p>Mortati sp�rte, wie die anderen ihn betrachteten. Sie schienen unschl�ssig zu sein, verletzt von seiner N�chternheit. Er sehnte sich danach, genau wie die anderen aufzugehen in dem Staunen, der andachtsvollen Heiterkeit, die er in den Gesichtern ringsum erblickte. Doch es geschah nicht. Er sp�rte eine Traurigkeit, die er sich nicht erkl�ren konnte.</p><p>�Meine Freunde�, begann Mortati, w�hrend er zum Altar ging. Seine Stimme klang, als geh�re sie nicht zu ihm. �Ich glaube, dass ich f�r den Rest meiner Tage �ber die Bedeutung dessen nachgr�beln werde, was wir alle heute Nacht gesehen haben. Und doch ist das, was Sie den Camerlengo betreffend vorschlagen. es kann unm�glich Gottes Wille sein!�</p><p>Mit einem Mal kehrte Stille ein.</p><p>�Wie. wie k�nnen Sie das sagen?�, fragte schlie�lich einer der Kardinale. �Der Camerlengo hat die Kirche gerettet! Der Mann hat den Tod �berlebt! Welches Zeichen brauchen wir denn noch?�</p><p>�Der Camerlengo kommt nun zu uns�, antwortete Mortati. �Lasst uns warten. Wir wollen ihn anh�ren, bevor wir zur n�chsten Wahl schreiten. Vielleicht gibt es eine Erkl�rung f�r all das.�</p><p>�Eine Erkl�rung?�</p><p>�Als Zeremonienmeister dieses Konklaves habe ich geschworen, die Gesetze f�r die Wahl zu beachten. Sie wissen, dass der Camerlengo nach dem heiligen Gesetz nicht zum Papst gew�hlt werden kann. Er ist kein Kardinal. Er ist ein gew�hnlicher Priester. ein Kammerdiener. Abgesehen davon ist er zu jung.� Mortati sp�rte, wie die Blicke der anderen hart wurden. �Wenn ich einen Wahlgang erlaube, w�rde ich zulassen, dass Sie einen Mann unterst�tzen, der nach vatikanischem Gesetz nicht w�hlbar ist. Ich w�rde zulassen, dass jeder von Ihnen einen heiligen Eid bricht.�</p><p>�Aber. aber was hier heute Nacht geschehen ist�, stammelte jemand, ��bersteigt doch gewiss unsere Gesetze.�</p><p>�Meinen Sie?�, entgegnete Mortati schneidend, ohne zu wissen, woher er die Kraft dazu nahm. �Ist es Gottes Wille, dass wir die Regeln unserer Kirche missachten? Ist es Gottes Wille, dass wir Vernunft und Logik ablegen und uns in Ekstase ergehen?�</p><p>�Aber Sie haben das Gleiche gesehen wie wir alle!�, rief jemand �rgerlich. �Wie k�nnen Sie es wagen, diese Demonstration der Macht infrage zu stellen?�</p><p>Mortatis Stimme antwortete mit einer Kraft, von der er bisher gar nicht gewusst hatte, dass er sie besa�. �Ich stelle Gottes Macht gewiss nicht infrage! Es ist Gott, der uns Verstand und Umsicht gab! Es ist Gott, dem wir dienen, indem wir umsichtig zu Werke gehen!�</p></section><section><title><p>Kapitel 129.</p></title><p>Vittoria Vetra sa� wie bet�ubt auf einer Bank in der Halle vor der Sixtinischen Kapelle, am Fu� der Scala Royale. Als sie die Gestalt bemerkte, die durch die Hintert�r kam, fragte sie sich erschreckt, ob sie einen weiteren Geist sah. Doch dieser Geist hier war bandagiert, humpelte und trug eine Art Sanit�tsoverall.</p><p>Vittoria sprang auf. Sie wollte ihren Augen nicht trauen.</p><p><emphasis>�Robert?�</emphasis></p><p>Er antwortete nicht. Stattdessen kam er auf sie zu, schloss sie in die Arme und k�sste sie - ein impulsiver, sehns�chtiger KUSS voller Dankbarkeit.</p><p>Vittoria sp�rte, wie die Tr�nen kamen. �O Gott, ich danke dir.�</p><p>Langdon k�sste sie erneut, leidenschaftlicher diesmal, und Vittoria verlor sich in seiner Umarmung und verga� alle Furcht und allen Schmerz.</p><p>�Aber es ist der Wille des Herrn!�, rief einer der Kardinale. Die Stimme hallte laut durch die Kapelle. �Wer sonst, wenn nicht der Auserw�hlte, h�tte diese teuflische Explosion �berlebt?�</p><p>�Ich!�, antwortete eine Stimme aus dem hinteren Teil der Kapelle.</p><p>Mortati und die anderen wandten sich verwirrt zu der verwahrlosten, bandagierten Gestalt um, die durch den Mittelgang nach vorne kam. �Signore. <emphasis>Signore Langdon?�</emphasis></p><p>Ohne ein Wort ging Langdon nach vorn. Vittoria trat ebenfalls ein. Ihr folgten zwei Wachen, die einen Rolltisch mit einem gro�en Fernseher vor sich herschoben. Langdon schaute die Kardinale an und wartete, w�hrend die Wachen das Ger�t anschlossen. Als sie fertig waren, bedeutete er ihnen mit einer</p><p>Handbewegung, den Raum zu verlassen. Sie gehorchten und schlossen die T�r hinter sich.</p><p>Jetzt waren nur noch Langdon, Vittoria und die Kardinale im Raum. Langdon verband den kleinen Camcorder mit dem Eingang des Fernsehers. Dann dr�ckte er auf PLAY.</p><p>Der Bildschirm wurde hell.</p><p>Das p�pstliche Amtszimmer war zu sehen. Das Video war amateurhaft aufgenommen, wie von einer versteckten Kamera. Ein wenig au�erhalb der Bildmitte stand der Camerlengo im Halbdunkel vor einem Kaminfeuer. Im ersten Augenblick schien es, als redete er direkt in die Kamera, doch rasch wurde offensichtlich, dass er sich mit jemand anderem unterhielt demjenigen, der dieses Video gefilmt hatte. Langdon erkl�rte den Kardinalen, dass es Maximilian Kohler gewesen war, der get�tete Generaldirektor von CERN. Das Treffen mit dem Camerlengo hatte vor gerade einer Stunde stattgefunden, und Kohler hatte es gewohnheitsm��ig mit dem winzigen Camcorder gefilmt, der unauff�llig unter der Lehne seines elektrischen Rollstuhls befestigt war.</p><p>Mortati und die Kardinale beobachtete die Szene mit wachsender Verwirrung. Die Unterhaltung war zwar bereits im Gange, doch Langdon machte sich nicht die M�he, die Aufzeichnung zur�ckzuspulen. Die Szene, die er den Kardinalen zeigen wollte, kam offensichtlich noch.</p><p>�Leonardo Vetra hat also Tageb�cher gef�hrt?�, fragte der Camerlengo. �Das ist eine gute Nachricht f�r CERN. Wenn in den Tageb�chern etwas �ber sein Verfahren zur Erzeugung von Antimaterie steht.�</p><p>�Es findet sich nichts dar�ber�, unterbrach ihn Kohler. �Und Sie sind gewiss erleichtert, dass dieses Verfahren mit Leonardo gestorben ist. Allerdings wird in seinen Tageb�chern etwas anderes erw�hnt. <emphasis>Sie.�</emphasis></p><p>Der Camerlengo wirkte beunruhigt. �Ich verstehe nicht.� �Leonardo hat von einem Treffen geschrieben, das letzten Monat stattgefunden hat. Mit <emphasis>Ihnen.�</emphasis></p><p>Der Camerlengo z�gerte, dann schaute er zur T�r. �Rocher h�tte Sie nicht einlassen d�rfen, ohne mich vorher zu fragen. Wie sind Sie �berhaupt hier hereingekommen?�</p><p>�Rocher kennt die Wahrheit. Ich habe vorher angerufen und ihm gesagt, was Sie getan haben.�</p><p>�Was <emphasis>ich</emphasis> getan habe? Was f�r eine Geschichte Sie ihm auch erz�hlt haben, Rocher geh�rt zur Schweizergarde und ist seiner Kirche viel zu sehr verbunden, als dass er einem Wissenschaftler mehr glauben w�rde als dem Camerlengo.�</p><p>�Offen gestanden, er ist viel zu vertrauensvoll, um <emphasis>nicht</emphasis> zu glauben. Er ist so vertrauensvoll, dass er trotz aller Indizien nicht glauben konnte, dass einer seiner loyalen Schweizergardisten die Kirche verraten haben k�nnte. Er weigerte sich, diesen Gedanken zu akzeptieren. Den ganzen Tag hat er nach einer anderen Erkl�rung gesucht.�</p><p>�Und Sie haben ihm eine geliefert.�</p><p>�Die Wahrheit, so schockierend sie auch war.�</p><p>�Wenn Rocher Ihnen geglaubt h�tte, st�nde ich l�ngst unter Arrest.�</p><p>�Nein. Ich habe es nicht zugelassen. Ich bot ihm mein Schweigen als Gegenleistung f�r dieses Treffen.�</p><p>Der Camerlengo stie� ein merkw�rdiges Lachen aus. �Sie wollen die Kirche mit einer Geschichte erpressen, die Ihnen kein Mensch glaubt!�</p><p>�Ich habe es nicht n�tig, die Kirche zu erpressen. Ich m�chte lediglich die Wahrheit erfahren, aus Ihrem Mund. Leonardo Vetra war mein Freund.�</p><p>Der Camerlengo starrte Kohler an und schwieg.</p><p>�Wie w�re es damit?�, sagte Kohler. �Vor etwa einem Monat hat sich Leonardo Vetra mit Ihnen in Verbindung gesetzt und um eine dringende Audienz beim Papst gebeten - eine Audienz, die Sie gew�hrt haben, weil der Papst ein Bewunderer von Leonardos Arbeit war und weil Leonardo sagte, dass es ein Notfall sei.�</p><p>Der Camerlengo schwieg noch immer und wandte sich zum Feuer um.</p><p>�Leonardo besuchte den Vatikan in aller Heimlichkeit. Er verriet das Vertrauen seiner Tochter, indem er hierher kam was ihm sehr zu schaffen machte, doch er sah keinen anderen Ausweg. Seine Forschung hatte ihn in einen tiefen Konflikt gest�rzt, und er brauchte geistige Erbauung von Seiten der Kirche. W�hrend des geheimen Treffens informierte er Sie und den Papst �ber seine wissenschaftliche Entdeckung und deren weitreichende Auswirkungen auf die Religion. Leonardo hatte <emphasis>bewiesen,</emphasis> dass die Sch�pfung physikalisch m�glich ist, und dass man mithilfe gewaltiger Energiequellen - das, was Leonardo <emphasis>Gott</emphasis> nannte - den Augenblick der Sch�pfung nachvollziehen kann.�</p><p>Schweigen.</p><p>�Der Papst war zutiefst beeindruckt�, fuhr Kohler fort. �Er wollte, dass Leonardo mit seiner Entdeckung an die �ffentlichkeit gehe. Seine Heiligkeit glaubte, dass diese Entdeckung endlich den Graben zwischen Wissenschaft und Religion �berbr�cken k�nnte - einer der Lebenstr�ume des verstorbenen Papstes. Dann aber erkl�rte Leonardo ihm die Kehrseite der Medaille - den Grund, weshalb er den Rat der Kirche suchte. Es schien, dass sein Sch�pfungsexperiment, genau wie die Bibel vorhersagt, ein Gegenst�ck zur Materie hervorgebracht hatte. Alles kommt nur in gegens�tzlichen Paaren vor. Licht und Dunkelheit. Leonardo Vetra hatte neben gew�hnlicher Materie noch etwas anderes erschaffen. <emphasis>Antimaterie.</emphasis> Soll ich fortfahren?�</p><p>Der Camerlengo schwieg, sch�rte das Kaminfeuer.</p><p>�Nachdem Leonardo Vetra im Vatikan gewesen war�, sagte Kohler, �sind <emphasis>Sie</emphasis> nach CERN gereist, um seine Arbeiten zu besichtigen. Aus Leonardos Tageb�chern geht hervor, dass Sie seinem Labor einen pers�nlichen Besuch abgestattet haben.�</p><p>Der Camerlengo schaute auf.</p><p>�Der Papst konnte nicht reisen, ohne die Aufmerksamkeit der Medien zu erwecken, deshalb hat er <emphasis>Sie</emphasis> geschickt. Leonardo hat Sie heimlich durch sein Labor gef�hrt. Er hat Ihnen eine Antimaterie-Annihilation vorgef�hrt - den Urknall, die Macht der Sch�pfung. Und er hat Ihnen die gro�e Probe gezeigt, die er weggeschlossen hatte, zum Beweis, dass er imstande war, mit seinem neuen Verfahren gro�e Mengen Antimaterie herzustellen. Sie waren beeindruckt. Sie kehrten in den Vatikan zur�ck, um dem Papst zu berichten, was Sie gesehen hatten.�</p><p>Der Camerlengo seufzte. �Und weshalb sorgen Sie sich nun? Dass ich Leonardo Vetras Vertrauen respektiert habe, indem ich bis heute Nacht vorgab, nichts �ber Antimaterie zu wissen?�</p><p>�Nein. Mir bereitet Sorge, dass Leonardo praktisch die Existenz Gottes <emphasis>bewiesen</emphasis> hat - und Sie lie�en ihn ermorden!�</p><p>Der Camerlengo wandte sich mit ausdrucksloser Miene seinem Besucher zu.</p><p>Das einzige Ger�usch im Raum war das Knistern des Feuers.</p><p>Pl�tzlich ruckelte die Kamera, und Kohlers Arm erschien im Bild. Er beugte sich vor und schien sich mit etwas abzum�hen, das unter seinem Rollstuhl befestigt war. Als er sich wieder zur�cksetzte, hielt er eine Pistole in der Hand. Der Kamerawinkel lie� die Zuschauer fr�steln. sie blickten �ber den ausgestreckten Arm und den Lauf der Waffe hinweg auf den Camerlengo.</p><p>�Gestehen Sie Ihre S�nden, Vater�, sagte Kohler.</p><p>Der Camerlengo blickte ihn fassungslos an. �Sie werden niemals lebend hier rauskommen.� �Der Tod w�re eine willkommene Erl�sung von dem Elend, in das mich Ihre Religion gest�rzt hat, als ich noch ein Junge war.� Kohler hielt die Waffe nun mit beiden H�nden. �Ich lasse Ihnen die Wahl, Camerlengo - beichten Sie Ihre S�nden, oder sterben Sie an Ort und Stelle.�</p><p>Der Camerlengo starrte zur T�r.</p><p>�Rocher ist drau�en�, sagte Kohler. �Auch er ist darauf vorbereitet, Sie zu t�ten, falls es sein muss.�</p><p>�Rocher ist ein eingeschworener W�chter des.�</p><p>�Rocher hat mich zu Ihnen hineingelassen. <emphasis>Bewaffnet.</emphasis> Er ist ganz krank von Ihren L�gen. Sie haben nur diese eine Chance. Gestehen Sie Ihre Taten. Ich will es aus Ihrem Mund h�ren.�</p><p>Der Camerlengo z�gerte.</p><p>Kohler entsicherte die Waffe. �Zweifeln Sie etwa daran, dass ich Sie t�ten werde?�</p><p>�Ganz gleich, was ich Ihnen erz�hle�, sagte der Camerlengo, �ein Mann wie Sie w�rde es niemals verstehen.�</p><p>�Versuchen Sie�s.�</p><p>Einen Augenblick lang schien der Camerlengo zu z�gern, eine m�chtige Silhouette vor dem flackernden Feuer. Als er schlie�lich sprach, h�rte es sich an, als schildere er eine heroische, selbstlose Tat und kein Verbrechen.</p><p>�Seit Anbeginn der Zeit�, sagte der Camerlengo, �hat die Kirche gegen die Feinde Gottes gek�mpft. Manchmal mit Worten, manchmal mit dem Schwert. Und wir haben stets �berlebt.�</p><p>Der Camerlengo strahlte vor gl�hender �berzeugung.</p><p>�Doch die D�monen der Vergangenheit�, fuhr er fort, �waren D�monen des Feuers und der Abscheulichkeit. es waren Feinde, gegen die wir k�mpfen konnten. Feinde, die Furcht erweckten. Doch Satans Wege sind verschlagen. Die Zeit verging, und er versteckte seine diabolische Contenance hinter einem neuen Gesicht, dem Gesicht der reinen Vernunft. Transparent und heimlich - und doch zugleich seelenlos.� Die Stimme des Camerlengos zitterte nun vor Zorn, eine fast manische Verwandlung.</p><p>�Sagen Sie, Mr. Kohler, wie kann die Kirche verdammen, was f�r uns vollkommen logisch ist? Wie k�nnen wir ablehnen, was inzwischen zum Fundament unserer Gesellschaft geworden ist? Jedes Mal, wenn die Kirche warnend ihre Stimme erhebt, nennen Menschen wie Sie uns unwissend und paranoid. Sie unterstellen uns, wir w�rden versuchen, Sie zu kontrollieren! Und so nimmt das �bel seinen Lauf, verh�llt in einem Schleier intellektueller Selbstgerechtigkeit. Es breitet sich aus wie ein Krebsgeschw�r. Geheiligt von den Wundern seiner eigenen Sch�pfung schwingt es sich zu einer neuen Gottheit auf! So lange, bis wir selbst nicht mehr glauben, dass Sie etwas anderes sein k�nnten als Gott. Die Wissenschaft hat uns von uiseren Krankheiten geheilt, von Hunger und von Schmerzen. Es lebe die Wissenschaft - der neue Gott endloser Wunder, allm�chtig und g�tig! Ignoriert die Waffen und das Chaos, vergesst die Einsamkeit der Menschen und die endlosen Gefahren. Die Wissenschaft ist euer Retter!� Der Camerlengo n�herte sich der Waffe. �Aber ich habe Satans Gesicht gesehen. ich habe die Gefahren gesehen, die �berall lauern.�</p><p>�Wovon reden Sie? Vetras Versuche haben die Existenz Gottes praktisch <emphasis>bewiesen!</emphasis> Er war Ihr Verb�ndeter!�</p><p>�Verb�ndeter? Wissenschaft und Religion k�nnen sich nicht verb�nden! Wir suchen nicht nach dem gleichen Gott, Sie und ich! Wer ist Ihr Gott? Ein Gott der Protonen, der Massen und Teilchenladungen? Wie kann Ihr Gott inspirieren? Wie kann Ihr Gott die Herzen der Menschen erreichen und sie daran erinnern, dass sie einer gr��eren Macht verantwortlich sind? Wie kann er den Menschen sagen, dass sie f�r ihre Mitmenschen verantwortlich sind? Leonardo Vetra war fehlgeleitet! Seine Arbeit war nicht religi�s, sie war ein Sakrileg! Der Mensch darf</p><p>Gottes Werk nicht in ein Reagenzglas packen und damit vor den Augen der Welt herumwedeln! Das ist keine Verehrung, das ist eine Entweihung!� Der Camerlengo sprach nun mit manischem Eifer, w�hrend er sich in die Brust warf.</p><p>�Darum haben Sie Leonardo Vetra ermorden lassen.�</p><p>�F�r die Kirche! F�r die ganze Menschheit! Dieser Wahnsinn, die Macht der Sch�pfung in den H�nden zu wiegen! Gott in einem Reagenzglas? Ein Tropfen von einer Fl�ssigkeit, der eine ganze Stadt vernichten kann? Vetra musste aufgehalten werden!� Abrupt verstummte der Camerlengo. Er wandte sich um und starrte ins Feuer, w�hrend er seine M�glichkeiten abzusch�tzen schien.</p><p>Kohler hob die Waffe. �Sie haben gebeichtet. Es gibt keinen Ausweg.�</p><p>Der Camerlengo lachte traurig. �Sehen Sie denn nicht? Seine S�nden zu beichten <emphasis>ist</emphasis> der Ausweg!� Er blickte zur T�r. �Wenn Gott auf Ihrer Seite steht, haben Sie Auswege, die ein gew�hnlicher Sterblicher niemals verstehen w�rde!�</p><p>Mit diesen Worten packte der Camerlengo den Kragen seines Priestergewands und riss es mit einer kraftvollen Bewegung auseinander. Darunter kam seine nackte Brust zum Vorschein.</p><p>Kohler zuckte verbl�fft zusammen. �Was haben Sie vor?�</p><p>Der Camerlengo antwortete nicht. Er trat zur�ck, zum Kamin, und zog einen Gegenstand aus den gl�henden Holzscheiten.</p><p>�Halt!�, rief Kohler. Die Waffe war unverwandt auf den Camerlengo gerichtet. �Was tun Sie da?�</p><p>Als der Camerlengo sich wieder zu ihm umwandte, hielt er ein rot gl�hendes Brandeisen in der Hand. Den Illuminati-Diamanten. Seine Augen blickten irr. �Ich wollte es ganz alleine machen�, sagte er, und seine Stimme vibrierte mit der Wildheit eines Raubtiers. �Aber jetzt. Wie es aussieht, wollte Gott, dass Sie herkommen. Sie sind meine Erl�sung.�</p><p>Bevor Kohler reagieren konnte, schloss der Camerlengo die Augen, dr�ckte den R�cken durch und rammte sich das rot gl�hende Eisen mitten auf die eigene Brust. Seine Haut zischte. <emphasis>�Mutter Maria! Gesegnete Mutter</emphasis>... <emphasis>nimm dich deines Sohnes an!�</emphasis> Er schrie vor Schmerz.</p><p>Kohler kam ins Bild. unbeholfen m�hte er sich auf die Beine, und die Waffe schwankte wild in seiner Hand.</p><p>Der Camerlengo schrie noch lauter und zitterte vor Schmerz am ganzen Leib. Er warf das Brandeisen vor Kohlers F��e, dann brach er zusammen und wand sich auf dem Boden.</p><p>Die folgenden Ereignisse �berschlugen sich.</p><p>Die Schweizergardisten brachen durch die T�r ins Amtszimmer. Pistolensch�sse knallten. Kohler fasste sich an die Brust und fiel nach hinten in seinen Rollstuhl.</p><p>�Nein!�, br�llte Rocher und versuchte, seine Wachen daran zu hindern, auf Kohler zu schie�en.</p><p>Der Camerlengo wand sich noch immer am Boden. Er rollte sich herum und deutete verzweifelt auf Rocher. <emphasis>�Illuminatus!�</emphasis></p><p>�Du verdammter Bastard!�, rief Rocher und st�rzte vor. �Du scheinheiliger, elender.�</p><p>Chartrand streckte ihn mit drei Sch�ssen in den R�cken nieder. Rocher brach tot zusammen.</p><p>Dann rannten die Wachen zu dem verletzten Camerlengo und dr�ngten sich um ihn. W�hrend sie mit dem Geistlichen besch�ftigt waren, fing die Kamera das v�llig bet�ubte Gesicht Robert Langdons auf, der vor dem Rollstuhl kniete und auf das Brandeisen starrte. Dann begann das Bild heftig zu wackeln. Kohler hatte das Bewusstsein wiedererlangt und l�ste die winzige Kamera aus ihrer Befestigung an der Rollstuhllehne. Er streckte die Hand nach Langdon aus.</p><p>�Geben Sie.� Kohlers letzte Worte waren ein gurgelndes R�cheln. �Geben Sie das hier. den Medien.�</p></section><section><title><p>Kapitel 130.</p></title><p><emphasis>Der</emphasis> Camerlengo sp�rte, wie sich der wundersame Nebel und das Adrenalin langsam verfl�chtigten. W�hrend die Schweizergardisten ihn die Scala Regia hinunter zur Sixtinischen Kapelle f�hrten, h�rte er die Menschen drau�en auf dem Petersplatz singen. In diesem Augenblick wusste er, dass Berge versetzt worden waren.</p><p><emphasis>Grazie Dio.</emphasis></p><p>Er hatte um Kraft gebetet, und Gott hatte ihm Kraft verliehen. In Augenblicken des Zweifels hatte Gott zu ihm gesprochen. <emphasis>Deine Mission ist heilig,</emphasis> hatte er zu ihm gesagt. <emphasis>Ich werde dir die Kraft geben.</emphasis> Selbst mit Gottes Kraft hatte der Camerlengo Furcht versp�rt, hatte sich zweifelnd gefragt, ob sein Weg der rechte war.</p><p><emphasis>Wenn nicht du,</emphasis> hatte Gott ihn gefragt, <emphasis>wer sonst?</emphasis></p><p><emphasis>Wenn nicht jetzt, wann denn?</emphasis></p><p><emphasis>Wenn nicht auf diese Weise, wie dann?</emphasis></p><p>Jesus, so hatte Gott ihn erinnert, hat alle errettet. Jesus hatte die Menschen vor ihrer Apathie errettet, hatte ihnen die Augen ge�ffnet durch Grauen und Hoffnung - durch die Kreuzigung und die Wiederauferstehung. Er hat die Welt ver�ndert.</p><p>Doch das war zwei Jahrtausende her. Die Zeit hatte dazu gef�hrt, dass das Wunder verblasst war. Die Menschen hatten vergessen. Sie hatten sich den falschen Idolen zugewandt -Technog�ttern und Wundern des Verstandes. <emphasis>Was ist mit den Wundern des Herzens?</emphasis></p><p>Der Camerlengo hatte oft zu Gott gebetet, ihm einen Weg zu zeigen, wie man die Menschen wieder zum Glauben f�hren konnte. Doch Gott hatte geschwiegen. Erst als der Camerlengo Augenblicke tiefster Dunkelheit durchlebt hatte, war Gott zu</p><p>ihm gekommen. <emphasis>Welch eine grauenvolle Nacht!</emphasis></p><p>Der Camerlengo erinnerte sich noch, wie er in zerfetzten Nachtgew�ndern auf dem Boden gelegen und sich die eigene Brust zerkratzt hatte, in dem Versuch, seine Seele von den Schmerzen zu befreien - Schmerzen einer abscheulichen Wahrheit, die er Augenblicke zuvor erfahren hatte. <emphasis>Es kann nicht sein,</emphasis> hatte er geschrien. Und doch wusste er, dass es so war. Die T�uschung brannte in ihm wie die Feuer der H�lle. Der Bischof, der ihn bei sich aufgenommen hatte, der Mann, der wie ein Vater zu ihm gewesen war, der Geistliche, den der Camerlengo auf seinem Weg zum Pontifikat begleitet hatte, war ein Betr�ger. Ein L�gner. Ein gew�hnlicher S�nder. Er hatte die Welt belogen - �ber eine so sch�ndliche, so verr�terische Tat, dass der Camerlengo bezweifelte, ob selbst Gott sie je vergeben w�rde. �Aber dein Eid!�, hatte der Camerlengo den Papst angeschrien. �Du hast deinen Eid gegen�ber Gott gebrochen! Ausgerechnet du!�</p><p>Der Papst hatte versucht, sich zu rechtfertigen, doch der</p><p>Camerlengo hatte ihm nicht zuh�ren wollen. Er war nach drau�en gerannt, blind durch die G�nge gestolpert, hatte sich �bergeben, sich selbst zerkratzt, bis er sich blutend und allein auf dem kalten nackten Erdboden vor dem Grab des heiligen Petrus wieder gefunden hatte. <emphasis>Mutter Maria, was soll ich tun? </emphasis>Es war in diesen Augenblicken des Schmerzes und der Entt�uschung gewesen, als der Camerlengo in der Nekropole unter der gewaltigen Basilika lag und zu Gott betete, er m�ge ihn zu sich nehmen und vom �bel der Welt erl�sen, dass Gott zu ihm gekommen war.</p><p>Die Stimme in seinem Kopf hallte wie Donner wider. <emphasis>�Hast du geschworen, deinem Gott zu dienen?�</emphasis></p><p>�Ja!�, rief der Camerlengo aus tiefster Seele.</p><p><emphasis>��W�rdest du f�r deinen Gott sterben?�</emphasis></p><p>�Ja! Nimm mich zu dir!� <emphasis>�W�rdest du f�r deine Kirche sterben?�</emphasis></p><p>�Ja! Herr, erl�se mich!�</p><p><emphasis>�Aber w�rdest du auch f�r die Menschheit sterben?�</emphasis></p><p>In der nun einsetzenden Stille hatte der Camerlengo das Gef�hl, in einen Abgrund zu st�rzen, tiefer und tiefer, und doch kannte er die Antwort. Er hatte sie immer gekannt.</p><p>�Ja!�, rief er in die Dunkelheit. �Ich w�rde f�r die Menschheit sterben! Wie dein Sohn, so w�rde ich f�r die Menschheit sterben!�</p><p>Stunden sp�ter lag der Camerlengo immer noch zitternd am Boden. Er sah das Gesicht seiner Mutter. <emphasis>Gott hat Pl�ne mit dir, </emphasis>sagte sie zu ihm. Der Camerlengo st�rzte noch tiefer in den Wahnsinn. In diesem Augenblick sprach Gott erneut zu ihm, ohne dass Worte zu 'verstehen gewesen w�ren. Der Camerlengo verstand dennoch.</p><p><emphasis>Gib ihnen ihren Glauben wieder.</emphasis></p><p><emphasis>Wenn nicht ich - wer dann?</emphasis></p><p><emphasis>Wenn nicht jetzt - wann denn?</emphasis></p><p>Als die Wachen die T�r zur Sixtinischen Kapelle entriegelten, sp�rte der Camerlengo die Macht Gottes in seinen Adern. genau wie damals, als er ein Knabe gewesen war. Gott hatte ihn auserw�hlt. Vor langer, langer Zeit.</p><p><emphasis>Dein Wille geschehe.</emphasis></p><p>Der Camerlengo f�hlte sich wie neugeboren. Die Schweizergardisten hatten seine Brust verbunden, ihn gebadet und in ein frisches wei�es Leinengewand gekleidet. Au�erdem hatten sie ihm eine Morphiumspritze gegen die Schmerzen gegeben. Der Camerlengo w�nschte, sie h�tten darauf verzichtet. <emphasis>Jesus hat seine Schmerzen am Kreuz drei Tage lang ertragen!</emphasis> Der Camerlengo konnte sp�ren, wie die Droge seine Sinne bet�ubte.</p><p>Als er die Kapelle betrat, bemerkte er, dass alle Kardinale ihn anstarrten. <emphasis>Sie sind voller Ehrfurcht vor Gott,</emphasis> sagte er sich, <emphasis>nicht vor mir. Aber Gott wirkt</emphasis> durch <emphasis>mich.</emphasis> Er ging durch den Mittelgang nach vorn und meinte, Verwirrung in den Gesichtern zu erkennen. Und mit jedem neuen Gesicht, an dem er vor�berkam, sp�rte er noch etwas anderes in den Blicken. <emphasis>Was war es?</emphasis> Der Camerlengo hatte sich vorzustellen versucht, wie sie ihn heute Nacht empfangen w�rden: mit Freude und Ehrfurcht. Doch als er in den Gesichtern zu lesen versuchte, sah er weder das eine noch das andere.</p><p>Dann erst blickte er nach vorn zum Altar und sah Robert Langdon.</p></section><section><title><p>Kapitel 131.</p></title><p>Camerlengo Carlo Ventresca stand im Mittelgang der Sixtinischen Kapelle. Die Kardinale standen in den vordersten Reihen und starrten ihn an. Langdon stand oben beim Altar, neben ihm ein Fernsehger�t, auf dem eine Szene sich endlos wiederholte - eine Szene, an die sich der Camerlengo dunkel erinnerte, auch wenn er sich nicht erkl�ren konnte, wie sie auf den Bildschirm kam. Vittoria Vetra stand neben Langdon und schaute unverwandt zu Boden.</p><p>Der Camerlengo schloss f�r einen Moment die Augen in der Hoffnung, dass er unter dem Einfluss des Morphiums halluzinierte und die Szene sich ver�ndert h�tte, wenn er die Augen wieder aufschlug. Doch so war es nicht.</p><p>Sie wussten Bescheid.</p><p>Merkw�rdigerweise sp�rte der Camerlengo keine Furcht. <emphasis>Zeig mir den Weg, Vater. Gib mir die Worte, damit ich ihnen zeigen kann, was Du mir gezeigt hast.</emphasis></p><p>Doch Gott antwortete nicht.</p><p><emphasis>Vater, wir sind so weit gekommen, lass es nicht so enden!</emphasis></p><p>Stille.</p><p><emphasis>Sie verstehen nicht, was wir getan haben, Vater.</emphasis></p><p>Der Camerlengo wusste nicht, welche Stimme nun in seinem Kopf erklang, doch die Botschaft war deutlich.</p><p><emphasis>Die Wahrheit wird dich erl�sen</emphasis>...</p><p>Und so geschah es, dass der Camerlengo Carlo Ventresca mit hoch erhobenem Haupt zum Altar der Sixtinischen Kapelle trat. Nicht einmal das Kerzenlicht konnte die steinernen Blicke erweichen, mit denen die Kardinale ihn musterten. <emphasis>Erkl�re dich, </emphasis>sagten ihre Blicke. <emphasis>Bring einen Sinn in diesen Wahnsinn. Sag</emphasis></p><p><emphasis>uns, dass unsere �ngste unbegr�ndet sind!</emphasis></p><p><emphasis>Die Wahrheit,</emphasis> sagte der Camerlengo zu sich selbst. <emphasis>Nichts als die Wahrheit.</emphasis> Diese W�nde enthielten schon zu viele Geheimnisse. und eines davon war so dunkel, dass es ihn in den Wahnsinn getrieben hatte. <emphasis>Doch aus dem Wahnsinn kam das Licht!</emphasis></p><p>�Wenn Sie Ihre Seele geben k�nnten, um Millionen zu retten�, begann der Camerlengo, w�hrend er zum Altar schritt, �w�rden Sie es tun?�</p><p>Die Gesichter in der Kapelle starrten ihn an. Niemand regte sich. Niemand sagte ein Wort. Drau�en auf dem Platz war noch immer das freudige Singen der Menschen zu h�ren.</p><p>Der Camerlengo trat auf die Kardinale zu. �Welche S�nde ist gr��er? Den Feind zu t�ten oder unt�tig dabeizustehen, wenn die eine gro�e Liebe erstickt wird.?� <emphasis>Sie singen auf dem Petersplatz!</emphasis> Der Camerlengo hielt inne und richtete den Blick nach oben, zur Decke der Sixtinischen Kapelle. Michelangelos Gott erwiderte seinen Blick aus dem dunklen Gew�lbe - und es sah aus, als w�re Er zufrieden.</p><p>�Ich konnte nicht l�nger unt�tig dabeistehen�, sagte der Camerlengo. Er n�herte sich noch weiter, sah jedoch keinen Funken von Verst�ndnis in ihren Augen. Erkannten sie denn nicht die strahlende Reinheit seiner Taten? Erkannten sie denn nicht, wie notwendig sie gewesen waren?</p><p>Es war so einfach gewesen.</p><p>Die Illuminati. Wissenschaft und Satan in einer Person.</p><p>Erwecke die alte Furcht zu neuem Leben. Und dann vernichte sie.</p><p><emphasis>Grauen und Hoffnung. Bring sie dazu, wieder zu glauben.</emphasis></p><p>Heute Nacht hatten die Menschen die Macht der Illuminati zu sp�ren bekommen. und mit welch glorreicher Konsequenz! Die Apathie war wie weggewischt. Furcht hatte die Welt umrundet wie ein Blitz und die Menschen vereint. Und Gottes Herrlichkeit hatte die Dunkelheit ausgel�scht.</p><p><emphasis>Ich konnte nicht unt�tig dabeistehen!</emphasis></p><p>Die Inspiration war Gottes Werk gewesen - f�r den Camerlengo ein Leuchtfeuer in der Nacht des tiefsten Schmerzes. <emphasis>Oh, welch eine gottlose Welt! Jemand muss sie erl�sen! Du. Wenn nicht du, wer dann? Du bist aus einem bestimmten Grund errettet worden. Zeig ihnen die alten D�monen. Erinnere sie an ihre Furcht. Apathie bedeutet Tod. Ohne Dunkelheit gibt es kein Licht, und ohne das B�se nichts Gutes. Bring sie dazu, dass sie w�hlen. Licht oder Dunkel. Wo ist die Furcht, wo sind die Helden? Wenn nicht jetzt, wann denn?</emphasis></p><p>Der Camerlengo ging auf die wartenden Kardinale zu. Er f�hlte sich wie Moses, als das Meer roter Binden und Kappen sich vor ihm teilte. Oben beim Altar schaltete Robert Langdon den Fernseher aus, nahm Vittorias Hand und verlie� den Altar. Dass Robert Langdon �berlebt hatte, konnte nur Gottes Wille gewesen sein. Gott selbst hatte Langdon gerettet.</p><p>Aus welchem Grund, fragte sich der Camerlengo.</p><p>Die Stimme, die nun die Stille durchbrach, geh�rte der einzigen Frau in der Sixtinischen Kapelle. �Sie haben meinen Vater <emphasis>ermordet?�,</emphasis> fragte sie und trat vor.</p><p>Der Camerlengo wandte sich zu Vittoria Vetra um. Er konnte den Ausdruck auf ihrem Gesicht nicht recht deuten -Schmerz, ja, aber <emphasis>Wut?</emphasis> Sie musste doch verstehen, was ihn bewegt hatte. Das Genie ihres Vaters war t�dlich. Er musste aufgehalten werden. Um der Menschheit willen.</p><p>�Er hat f�r Gott gearbeitet�, sagte Vittoria.</p><p>�F�r Gott arbeitet man nicht in einem Labor, sondern mit dem Herzen.�</p><p>�Das Herz meines Vaters war rein! Und seine Forschungen</p><p>haben bewiesen.�</p><p>�Seine Forschungen haben wieder einmal bewiesen, dass das Wissen der Menschen schneller w�chst, als ihre Seelen es verkraften!� Die Worte klangen sch�rfer, als der Camerlengo beabsichtigt hatte. Er senkte die Stimme. �Wenn ein Mann, der so gl�ubig war wie Ihr Vater, eine Waffe schaffen konnte, wie wir sie heute Nacht gesehen haben - was wird erst ein gew�hnlicher Mensch mit einer solchen Technologie anfangen?�</p><p>�Ein Mensch wie Sie?�</p><p>Der Camerlengo atmete tief durch. Verstand sie denn nicht? Die Moral der Menschen schritt l�ngst nicht so rasch fort wie ihre Wissenschaft. Die Menschheit war geistig nicht reif genug, um die Macht zu beherrschen, �ber die sie schon heute verf�gte. <emphasis>Wir haben noch nie eine Waffe erschaffen, die wir nicht auch benutzt h�tten.</emphasis> Auch die Antimaterie war nur eine weitere Waffe in den bereits �bervollen Arsenalen. Die Menschheit wusste l�ngst, wie man zerst�rte. Sie hatte das T�ten vor langer, langer Zeit gelernt. Einmal mehr war der Camerlengo ein kleiner Junge, und das Blut seiner Mutter regnete auf ihn herab. Leonardo Vetras Genius war noch aus einem weiteren Grund gef�hrlich gewesen.</p><p>�Jahrhundertelang�, sagte der Camerlengo, �hat die Kirche zur�ckgesteckt, w�hrend die Wissenschaft St�ck f�r St�ck die Religion zerpfl�ckte. Sie hat Wunder entr�tselt und den Verstand dazu ausgebildet, das Herz zu �berstimmen. Sie hat die Religion als Opium f�r das Volk verdammt und Gott als Halluzination - eine Kr�cke aus Illusionen f�r diejenigen, die zu schwach waren, um die Bedeutungslosigkeit des Lebens zu akzeptieren. Ich konnte nicht tatenlos mit ansehen, wie die Wissenschaft vorgab, die Macht Gottes zu z�hmen! Beweise, sagen Sie? Ja, aber Beweise f�r die Ignoranz der Wissenschaft! Was ist falsch daran zuzugeben, dass etwas au�erhalb unseres Verstandes existiert? Der Tag, an dem die Wissenschaft Gott in einem ihrer Laboratorien erstehen l�sst, ist der Tag, an dem die Menschen keine Religion mehr brauchen!�</p><p>�Sie meinen, es ist der Tag, an dem sie keine Kirche mehr brauchen�, entgegnete Vittoria herausfordernd, w�hrend sie sich auf ihn zu bewegte. �Zweifel ist das letzte bisschen Kontrolle, das Sie �ber die Menschen haben. Der Zweifel ist es, der die Seelen zu Ihnen in die Kirche bringt. Unser Wunsch zu wissen, dass unser Leben eine Bedeutung hat. Die Unsicherheit der Menschen und ihre Sehnsucht nach jemandem, der ihnen versichert, dass alles rings um sie herum Teil eines gro�artigen Plans ist. Aber die Kirche ist nicht die einzige erleuchtete Macht auf diesem Planeten. Wir alle suchen nach Gott, wenn auch auf verschiedenen Wegen. Wovor f�rchten Sie sich so sehr? Dass Gott sich an einem anderen Ort als hinter diesen Mauern hier zeigen k�nnte? Dass die Menschen ihn auf ihre Weise finden und Ihre antiquierten Rituale hinter sich lassen k�nnten? Religionen entwickeln sich. Der Verstand findet Antworten, und in den Herzen reifen neue Wahrheiten! Mein Vater hat in Ihre</p><p>H�nde gearbeitet! Warum wollten Sie das nicht einsehen? Gott ist nicht irgendeine allm�chtige Autorit�t, die uns Menschen von oben beobachtet und uns in ein feuriges Loch wirft, wenn wir ungehorsam sind. Gott ist die Energie, die durch die Synapsen unserer Nervensysteme und die Kammern unserer Herzen flie�t! Gott ist alles rings um uns!�</p><p>�Bis auf die Wissenschaft�, entgegnete der Camerlengo, und in seinen Augen lag Mitleid. �Die Wissenschaft ist per Definition seelenlos. Ohne Verbindung zum Herzen. Intellektuelle Wunder wie die Antimaterie erscheinen auf dieser Welt ohne jegliche ethische Instruktionen zu dem Umgang mit ihnen. Das f�r sich allein genommen ist eine S�nde! Doch wenn die Wissenschaft ihre gottlosen Wege als den Pfad der Erleuchtung darstellt, was dann? Wenn sie Antworten auf Fragen verspricht, deren Sch�nheit gerade darin besteht, dass es keine Antworten gibt?� Er sch�ttelte den Kopf. �Nein.�</p><p>Einen Augenblick herrschte Stille. Der Camerlengo f�hlte sich pl�tzlich m�de, w�hrend er nach au�en hin Vittorias unbeugsamen Blick erwiderte. Das war nicht so, wie es h�tte sein sollen. <emphasis>Ist das Gottes letzte Pr�fung?</emphasis></p><p>Mortati war es schlie�lich, der den Bann brach. <emphasis>Il preferiti�, </emphasis>sagte er mit Entsetzen in der Stimme. �Baggia und die drei anderen. Bitte sagen Sie mir, dass nicht Sie es waren, der.�</p><p>Der Camerlengo wandte sich zu dem alten Kardinal, �berrascht vom Schmerz n seiner Stimme. Mortati <emphasis>musste</emphasis> es doch verstehen. Die Schlagzeilen berichteten t�glich von neuen Wundern der Wissenschaft. Wie lange war es her, dass es eine Schlagzeile �ber die Religion gegeben hatte? Jahrhunderte? Die Religion <emphasis>brauchte</emphasis> ein Wunder. Etwas, das geeignet war, die Welt aus ihrem Dornr�schenschlaf zu rei�en. Etwas, das die Menschen wieder auf den Pfad des Gottesglaubens zur�ckf�hrte. Das den Glauben an Gott wieder erstarken lie�. Die <emphasis>preferiti</emphasis> waren keine F�hrer, sie waren Reformer. Liberale, die sich darauf eingelassen h�tten, die neue Welt zu umarmen und die alte aufzugeben! Das war der einzig m�gliche Weg. Ein neuer Mann an der Spitze, jung, machtvoll, lebendig, wunderbar. Die toten <emphasis>preferiti</emphasis> dienten der Kirche weit mehr, als es die lebenden jemals vermocht h�tten. Grauen und Hoffnung. <emphasis>Opfere vier Seelen, um Millionen zu retten!</emphasis> Die Welt w�rde sie als M�rtyrer in Erinnerung behalten. Die Kirche w�rde ihre Namen in ewigem Andenken bewahren. <emphasis>Wie viele Tausende sind zum Ruhme des Herrn gestorben* Die</emphasis> preferiti <emphasis>waren nur vier.</emphasis></p><p><emphasis>�Ilpreferiti�,</emphasis> wiederholte der alte Kardinal.</p><p>�Ich habe die gleichen Schmerzen erlitten wie sie�, verteidigte sich der Camerlengo und deutete auf seine Brust. �Und auch ich w�rde f�r Gott sterben, doch meine Arbeit hat gerade erst begonnen. Die Menschen auf dem Petersplatz singen!�</p><p>Der Camerlengo bemerkte das Entsetzen in den Augen Mortatis und sp�rte erneut Verwirrung. Lag es am Morphium? Mortati starrte ihn an, als h�tte der Camerlengo die vier Kardinale mit blo�en H�nden get�tet. <emphasis>Selbst das h�tte ich f�r Gott getan,</emphasis> dachte der Camerlengo, und doch war er es nicht gewesen. Die Taten waren vom <emphasis>Hashishin</emphasis> begangen worden, einer heidnischen Seele, die der Camerlengo mit List zu dem Irrglauben verleitet hatte, er arbeite f�r die Illuminati. <emphasis>Ich bin Janus,</emphasis> hatte der Camerlengo zu ihm gesagt. <emphasis>Ich werde meine Macht beweisen.</emphasis> Und das hatte er getan. Der Hass des <emphasis>Hashishin</emphasis> hatte ihn zu einem Bauern im g�ttlichen Schachspiel gemacht.</p><p>�Lauschen Sie den Ges�ngen�, sagte der Camerlengo l�chelnd, w�hrend sein Herz frohlockte. �Nichts vereint die Menschen mehr als die Gegenwart des B�sen. Verbrennen Sie eine Kirche, und die Gemeinde erhebt sich, h�lt sich bei den H�nden und singt Hymnen des Trotzes, w�hrend sie die Ruinen r�umt und die Kirche wieder aufbaut. Sehen Sie nur, wie die Menschen sich heute Nacht zusammenscharen! Die Furcht hat sie zur�ck in den Scho� der Kirche getrieben. Moderne D�monen f�r moderne Menschen, das ist das ganze Geheimnis. Die Apathie ist fort! Zeigen Sie den Menschen das Gesicht des B�sen, die Satansanbeter, die �berall unter uns lauern, die unsere Regierungen, unsere Schulen, unsere Banken leiten und mit ihrer fehlgeleiteten Wissenschaft selbst vor dem Haus Gottes nicht Halt machen! Die Verderbtheit reicht tief. Die Menschen m�ssen auf der Hut sein. Sie m�ssen das Gute suchen und zum Guten werden!�</p><p>Der Camerlengo hoffte, dass sie nun endlich verstehen w�rden. Die Illuminati waren nicht wieder aufgetaucht. Nur ihr Mythos war noch lebendig. Der Camerlengo hatte die Illuminati als Mahnung ausgew�hlt und sie wiederauferstehen lassen. Wer ihre Geschichte kannte, durchlebte das �bel der geheimen Bruderschaft noch einmal. Wer sie nicht kannte, hatte davon erfahren und war erstaunt, wie blind sie gewesen waren. Die alten D�monen waren nur aus einem Grund zur�ckgekehrt - um eine gleichg�ltige Welt wachzur�tteln.</p><p>�Aber. die Brandzeichen?� Mortatis Stimme klang m�hsam beherrscht vor Zorn.</p><p>Der Camerlengo antwortete nicht. Mortati konnte es nicht wissen, doch die Brandzeichen waren vor mehr als einem Jahrhundert vom Vatikan konfisziert worden. Sie waren weggesperrt, vergessen und staubbedeckt, im p�pstlichen Gew�lbe dem privaten Reliquienschrein des Papstes, tief unter dem Borgiapalast. Das p�pstliche Gew�lbe enthielt all jene Dinge, von denen die Kirche meinte, sie w�ren zu gef�hrlich f�r jedermann au�er dem Papst.</p><p><emphasis>Warum haben sie versteckt, was die Menschen mit Furcht erf�llte? Furcht brachte die Menschen schon immer zu Gott.</emphasis></p><p>Der Schl�ssel zum Gew�lbe wurde von Papst zu Papst weitergegeben. Camerlengo Carlo Ventresca hatte sich den Schl�ssel angeeignet und war in das Gew�lbe geschlichen; der Mythos �ber die Dinge, die darin aufbewahrt wurden, war unwiderstehlich gewesen: Das urspr�ngliche Manuskript der vierzehn unver�ffentlichten B�cher der Bibel, die als die Apokryphen bekannt waren, die dritte Prophezeiung der Fatima die beiden ersten waren Wirklichkeit geworden, und die dritte war so furchtbar, dass die Kirche sie niemals ver�ffentlichen w�rde. Au�erdem hatte der Camerlengo die Illuminati-Sammlung entdeckt, all die Geheimnisse, die die Kirche nach der Verbannung der Illuminati aus Rom entdeckt hatte. ihren niedertr�chtigen Pfad der Erleuchtung. die k�hne T�uschung, mit der sie den f�hrenden vatikanischen K�nstler, Bernini, dazu gebracht hatten, ihnen in die H�nde zu arbeiten. die f�hrenden europ�ischen Wissenschaftler, die sich �ber die Religion lustig gemacht hatten, indem sie ausgerechnet das Castel Sant� Angelo als Versammlungsort f�r ihre Geheimtreffen ausw�hlten. Die Sammlung enthielt �berdies eine f�nfeckige Schatulle mit eisernen Brandzeichen, eines davon der geheimnisumwitterte Diamant der Illuminati. Dies war ein Teil der vatikanischen Geschichte, von dem die Alten meinten, dass er besser in Vergessenheit geriete. Der Camerlengo jedoch war anderer Meinung gewesen.</p><p>�Die Antimaterie.�, sagte Vittoria. �Sie haben die Zerst�rung des Vatikans riskiert!�</p><p>�Es gibt kein Risiko, wenn Gott an Ihrer Seite steht�, entgegnete der Camerlengo. �Dies war sein Kampf.�</p><p>�Sie sind verr�ckt!�, rief Vittoria.</p><p>�Ich habe Millionen gerettet!�</p><p>�Menschen wurden get�tet!�</p><p>�Seelen wurden gerettet.�</p><p>�Sagen Sie das meinem Vater und Maximilian Kohler!�</p><p>�Die Arroganz von CERN musste der �ffentlichkeit vor Augen gef�hrt werden. Ein Tropfen von einer Fl�ssigkeit, der einen halben Quadratkilometer verdampfen kann? Und Sie nennen <emphasis>mich</emphasis> verr�ckt?� Der Camerlengo sp�rte, wie Zorn in ihm aufstieg. Glaubten sie vielleicht, das hier sei eine schlichte Anklage? �Wer glaubt, unterzieht sich einer gro�en Pr�fung f�r Gott! Gott hat von Abraham verlangt, seinen Sohn zu opfern! Gott hat von Jesus verlangt, die Kreuzigung zu ertragen! Das ist der Grund, weshalb das Kruzifix vor unser aller Augen h�ngt, blutig und mahnend - um uns an die Macht des B�sen zu erinnern! Damit unsere Herzen wachsam bleiben!</p><p>Die Narben auf dem Leichnam Jesu sind eine lebendige Erinnerung an die M�chte der Dunkelheit. Auch meine Narben sind eine lebendige Erinnerung! Das B�se lebt, doch Gottes Macht wird es besiegen!�</p><p>Seine Schreie hallten von den W�nden der Sixtinischen Kapelle wider; dann trat erneut tiefe Stille ein. Die Zeit schien stehen zu bleiben. Hinter ihnen war Michelangelos <emphasis>J�ngstes</emphasis></p><p><emphasis>Gericht</emphasis> mit Jesus, der die S�nder in die H�lle verbannte. In Mortatis Augen brannten Tr�nen.</p><p>�Was haben Sie getan, Carlo?�, fragte er so leise, dass es kaum zu h�ren war. Er schloss die Augen, und eine Tr�ne rollte �ber seine Wange. �Seine Heiligkeit?�</p><p>Ein Seufzer ging durch das Kollegium. Jeder im Raum hatte es bis zu diesem Augenblick vergessen. Der Papst. Vergiftet.</p><p>�Ein sch�ndlicher L�gner!�, sagte der Camerlengo.</p><p>Mortati schaute ihn an, als w�re seine Welt in Tr�mmer gefallen. �Was meinen Sie damit? Er war ehrenhaft! Er. er hat Sie geliebt!�</p><p>�Und ich ihn.� <emphasis>Oh, und wie ich ihn geliebt habe! Aber dieser sch�ndliche Verrat! Die gebrochenen Eide gegen�ber Gott!</emphasis></p><p>Der Camerlengo wusste, dass sie ihn jetzt noch nicht verstehen konnten, doch das w�rde noch kommen. Wenn er es ihnen erz�hlt hatte, w�rden sie es sehen! Seine Heiligkeit war der niedertr�chtigste L�gner, den die Kirche je erlebt hatte! Der Camerlengo erinnerte sich noch immer an jene schreckliche Nacht. Er war von seiner Reise in die Schweiz zur�ckgekommen, mit der Nachricht von Leonardo Vetras Genesis und der grauenhaften Macht der Antimaterie. Der Camerlengo war sicher, der Papst w�rde die Gefahren erkennen, doch er hatte nur Hoffnung in Vetras Durchbruch gesehen. Er hatte sogar vorgeschlagen, dass der Vatikan die Arbeiten Vetras finanziell unterst�tzen sollte - als Geste des guten Willens gegen�ber der wissenschaftlichen Forschung.</p><p><emphasis>Wahnsinn! Die Kirche investierte in eine Forschung, die m�glicherweise dazu f�hrte, dass die Kirche selbst obsolet wurde? In eine Arbeit, die Massenvernichtungswaffen hervorbrachte? Die Bombe, die Carlos Mutter get�tet hatte</emphasis>...</p><p>�Aber. das k�nnen Sie nicht!�, hatte der Camerlengo gerufen.</p><p>�Ich bin der Wissenschaft etwas schuldig�, hatte der Papst geantwortet. �Etwas, das ich mein Leben lang verschwiegen habe. Die Wissenschaft hat mir ein Geschenk gemacht, als ich ein junger Mann war. Ein Geschenk, das ich niemals vergessen habe.�</p><p>�Ich verstehe nicht. Was hat die Wissenschaft einem Mann Gottes zu bieten?�</p><p>�Es ist eine komplizierte Geschichte�, hatte der Papst geantwortet. �Es braucht Zeit, sie zu erkl�ren. Aber zuerst musst du etwas �ber mich wissen, das ich dir all die Jahre verschwiegen habe. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass du es erf�hrst.�</p><p>Und dann hatte der Papst dem Camerlengo die unfassbare Wahrheit erz�hlt.</p></section><section><title><p>Kapitel 132.</p></title><p>Der Camerlengo lag zusammengekr�mmt auf dem nackten Boden vor cfem Grab des heiligen Petrus. Es war kalt in der Nekropole, doch es half auch, das Blut zum Gerinnen zu bringen, das aus den Wunden floss, die er sich selbst beigebracht hatte. Hier unten w�rde Seine Heiligkeit ihn nicht finden. Niemand w�rde ihn hier unten finden.</p><p>�Es ist eine komplizierte Geschichte�, erklang die Stimme des Papstes in seinem Verstand. �Es braucht Zeit, sie zu erkl�ren.�</p><p>Doch der Camerlengo wusste, dass keine Zeit der Welt reichen w�rde, um es zu erkl�ren.</p><p><emphasis>L�gner! Ich habe an dich geglaubt! Gott hat an dich geglaubt!</emphasis></p><p>Mit einem einzigen Satz hatte der Papst die Welt des Camerlengos zum Einsturz gebracht. Alles, woran Carlo jemals geglaubt hatte, wurde vor seinen Augen vernichtet. Die Wahrheit bohrte sich mit einer solchen Wucht in sein Herz, dass er r�ckw�rts aus dem p�pstlichen Amtszimmer stolperte und sich in der Halle erbrach.</p><p>�Warte!�, hatte der Papst gerufen und war ihm eilig gefolgt. �So warte doch! Lass es mich erkl�ren!�</p><p>Doch der Camerlengo war davongelaufen. Wie konnte Seine Heiligkeit erwarten, dass er noch mehr davon ertrug? Oh, diese elende Verderbtheit hinter alledem! Was, wenn jemand anders es herausfand? Welche Entweihung der Kirche! Bedeuteten die heiligen Eide des Papstes denn �berhaupt nichts?</p><p>Dann �bermannte ihn der Wahnsinn, kreischte in seinen Ohren, bis er vor dem Grab des heiligen Petrus wieder zu sich fand. Und dort war es auch, dass Gott mit furchtbarer Macht �ber ihn gekommen war.</p><p><emphasis>ICH BIN EIN RACHS�CHTIGER GOTT!</emphasis></p><p>Gemeinsam hatten sie Pl�ne geschmiedet. Gemeinsam w�rden sie die Kirche besch�tzen. Gemeinsam w�rden sie dieser gottlosen Welt den Glauben wiedergeben. Das B�se lauerte �berall. Und doch war die Welt blind geworden! Gemeinsam w�rden sie den Schleier des B�sen l�ften, bis die ganze Welt es sah. und dann w�rde Gott �ber sie kommen. Grauen und Hoffnung. Die Welt w�rde wieder glauben.</p><p>Gottes erste Pr�fung war weniger schrecklich, als der Camerlengo gedacht h�tte. Er schlich sich in die p�pstlichen Gem�cher. zog die Spritze auf. bedeckte den Mund des L�gners mit einem Kissen, w�hrend sein K�rper in Todeskr�mpfen zuckte. Im Mondlicht sah der Camerlengo an den verzweifelten Augen des Papstes, dass dieser ihm etwas sagen wollte.</p><p>Doch es war zu sp�t.</p><p>Der Papst hatte genug gesagt.</p></section><section><title><p>Kapitel 133.</p></title><p>Der Papst hat ein Kind gezeugt.�</p><p>Der Camerlengo stand unersch�tterlich in der Sixtinischen Kapelle, w�hrend er sprach. Sechs einzelne Worte; eine unfassbare Enth�llung.</p><p>Das Kollegium schien wie ein Mann zur�ckzuzucken. Die anklagenden Mienen der Kardinale verschwanden; stattdessen zeigte sich Entsetzen auf ihren Gesichtern, als betete jede Seele im Raum, der Camerlengo m�ge sich irren.</p><p><emphasis>Der Papst hat ein Kind gezeugt.</emphasis></p><p>Langdon sp�rte, wie der Schock auch vor ihm nicht Halt machte. Vittorias Hand in der seinen zuckte, als Langdons Verstand, bereits �berlastet mit unbeantworteten Fragen, darum k�mpfte, einen festen Halt zu finden.</p><p>Die �u�erung des Camerlengos schien eine Ewigkeit in der Luft zu h�ngen. Selbst in den wahnsinnigen Augen Ventrescas sah Langdon nichts als feste �berzeugung. Langdon versuchte sich einzureden, dass er sich irrt irgendeinem grotesken Albtraum befand und bald wieder in einer Welt erwachen w�rde, die vern�nftig war, Sinn ergab.</p><p>�Das ist eine L�ge!�, rief einer der Kardinale.</p><p>�Das kann nicht sein!�, protestierte ein weiterer. �Seine Heiligkeit war der aufrichtigste Mann, den ich je gekannt habe.�</p><p>Dann sagte Mortati mit d�nner, verzweifelter Stimme: �Meine Freunde, was der Camerlengo gesagt hat, ist die Wahrheit.�</p><p>Jeder Kardinal in der Kapelle fuhr zu ihm herum, als h�tte Mortati eine Obsz�nit�t von sich gegeben. �Der Papst hat tats�chlich ein Kind gezeugt.�</p><p>Die Kardinale erbleichten.</p><p>Der Camerlengo sah den alten p�pstlichen Zeremonienmeister wie bet�ubt an. �Sie wussten es? Aber. aber wie konnten Sie davon wissen?�</p><p>Mortati seufzte. �Als Seine Heiligkeit gew�hlt wurde, war ich der Advocatus Diaboli.�</p><p>Alle st�hnten auf.</p><p>Langdon verstand. Es bedeutete, dass die Information</p><p>wahrscheinlich den Tatsachen entsprach. Der ber�chtigte Advocatus Diaboli war <emphasis>die</emphasis> Autorit�t, wenn es um skandal�se Informationen im Vatikan ging. Leichen im Keller eines</p><p>zuk�nftigen Papstes waren gef�hrlich, und vor einer Wahl</p><p>wurde ein einzelner Kardinal dazu bestimmt, heimlich</p><p>Informationen �ber die Vergangenheit und das Privatleben eines Kandidaten einzuholen. Dieser Kardinal diente als Advocatus Diaboli; seine Aufgabe bestand darin, Gr�nde zu finden, warum ein Kandidat nicht zum Papst gew�hlt werden sollte. Der Advocatus Diaboli wurde bereits zu Lebzeiten des</p><p>vorhergehenden Papstes bestimmt, als Vorbereitung auf den eigenen Tod. Und niemals durfte der Advocatus Diaboli seine Identit�t enth�llen. Unter keinen Umst�nden.</p><p>�Ich war der Advocatus Diaboli�, wiederholte Mortati.</p><p>�Daher wei� ich es.�</p><p>Die Kardinale blickten ihn fassungslos an. Anscheinend wurde in dieser Nacht jedes Gesetz und jede Regel gebrochen.</p><p>Der Camerlengo sp�rte, wie sein Herz vor Zorn �berzulaufen</p><p>drohte. �Und Sie. Sie haben mit niemandem dar�ber</p><p>gesprochen?�</p><p>�Ich habe Seine Heiligkeit damit konfrontiert�, antwortete Mortati. �Er hat gestanden. Er erz�hlte mir die ganze Geschichte und bat mich anschlie�end, dass ich mich bei meiner Entscheidung, ob ich sein Geheimnis offenbare oder nicht, von meinem Herzen leiten lassen sollte.�</p><p>�Und Ihr Herz hat Ihnen gesagt, dass Sie die Informationen f�r sich behalten sollen?�</p><p>�Er war der Favorit f�r die Nachfolge des letzten Papstes. Die Menschen liebten ihn. Der Skandal h�tte der Kirche gr��ten Schaden zugef�gt.�</p><p>�Aber er hat ein Kind gezeugt! Er hat seinen heiligen Eid der Keuschheit gebrochen!� Der Camerlengo schrie nun. Er h�rte die Stimme seiner Mutter. <emphasis>Ein Versprechen gegen�ber Gott ist das wichtigste Versprechen von allen! Brich niemals ein Versprechen, das du Gott gegeben hast!</emphasis> �Der Papst hat seinen heiligen Eid gebrochen!�</p><p>Mortati sah aus, als w�rde er vor Angst fast wahnsinnig werden. �Carlo, seine Liebe. war keusch. Er hat keinen Eid gebrochen. Hat er es Ihnen denn nicht erkl�rt?�</p><p>�Was erkl�rt?� Der Camerlengo erinnerte sich, wie er aus dem Zimmer gerannt war, w�hrend der Papst ihm hinterhergerufen hatte: <emphasis>�Lass mich doch erkl�ren.!�</emphasis></p><p>Langsam und mit trauriger Stimme erz�hlte Mortati die ganze Geschichte.</p><p>�Vor vielen Jahren, als der Papst noch jung und ein einfacher Priester war, hatten er und eine junge Nonne sich ineinander verliebt. Beide hatten ihre Keuschheitsgel�bde bereits abgelegt, und beide dachten nicht eine Sekunde daran, ihren Eid gegen�ber Gott zu brechen. Trotzdem wuchs ihre Liebe mehr und mehr, und obwohl sie den Gel�sten des Fleisches widerstanden, sp�rten sie in sich die Sehnsucht nach etwas, das sie niemals erwartet h�tten - die Sehnsucht, an Gottes gr��tem Sch�pfungswunder teilzuhaben. Sie sehnten sich nach einem gemeinsamen Kind. Die Sehnsucht wurde �berw�ltigend, besonders in ihr. Doch Gott kam nach wie vor an erster Stelle. Ein Jahr sp�ter, als die Verzweiflung beinahe unertr�glich geworden war, kam die junge Nonne ganz aufgeregt zu dem jungen Geistlichen. Sie hatte soeben einen Artikel in einer</p><p>Zeitung gelesen, �ber ein neues Wunder der Wissenschaft - ein Verfahren, bei dem zwei Menschen ohne sexuellen Kontakt ein gemeinsames Kind zeugen konnten. Sie hielt es f�r ein Zeichen Gottes. Der Priester sah das Gl�ck in ihren Augen und stimmte zu. Ein Jahr darauf kam sie nieder. Sie hatten ein gemeinsames Kind dank dem Wunder der k�nstlichen Befruchtung.�</p><p>�Das. das kann nicht sein!�, stammelte der Camerlengo. Panik stieg in ihm auf, und er hoffte, dass es das Morphium war, das seine Sinne benebelte.</p><p>Mortati hatte nun Tr�nen in den Augen. �Das ist der Grund daf�r, Carlo, dass Seine Heiligkeit stets den Wissenschaften zugetan war. Er dachte, er sei der Wissenschaft etwas schuldig. Die Wissenschaft lie� ihn die Freuden der Vaterschaft erleben, ohne dass er sein Keuschheitsgel�bde hatte brechen m�ssen. Seine Heiligkeit vertraute mir an, dass er nur eines bedauerte: Dass sein geistliches Amt es nicht zulie�e, mit der Frau zusammen zu sein, die er liebte, und sein Kind aufwachsen zu sehen.�</p><p>Camerlengo Carlo Ventresca sp�rte, wie ihn erneut Wahnsinn zu �bermannen drohte. Er wollte sich das Fleisch aus der Brust rei�en. <emphasis>Woher h�tte ich das wissen sollen?</emphasis></p><p>�Der Papst beging keine S�nde, Carlo. Er war keusch.�</p><p>�Aber.� Der Camerlengo suchte in seinem gequ�lten Verstand nach einem Halt. �Die Gefahr. seiner Taten.� Seine Stimme klang unsicher. �Was, wenn diese Hure an die �ffentlichkeit gegangen w�re? Oder sein Kind - der Himmel m�ge es verh�ten! Stellen Sie sich die Schande f�r die Kirche vor!�</p><p>Mortatis Stimme bebte. �Das Kind ist bereits an die �ffentlichkeit getreten.�</p><p>Alles hielt den Atem an.</p><p>�Carlo?� Mortati brach endg�ltig zusammen. �Das Kind Seiner Heiligkeit. sind Sie.�</p><p>In diesem Augenblick sp�rte der Camerlengo, wie das Feuer des Glaubens in seiner Brust zu verl�schen drohte. Zitternd stand er vor dem Altar, eingerahmt von Michelangelos gewaltigem <emphasis>J�ngstem Gericht.</emphasis> Er hatte einen Blick in die H�lle geworfen. Er �ffnete den Mund, um zu sprechen, doch seine Lippen bebten nur wortlos.</p><p>�Verstehen Sie nicht?�, fl�sterte Mortati. �Deshalb ist Seine Heiligkeit zu Ihnen nach Palermo ins Krankenhaus gekommen, als Sie noch ein Kind waren. Deshalb hat er Sie zu sich genommen und aufgezogen. Die Nonne, die er liebte, war Maria. Ihre Mutter. Sie verlie� das Kloster, um Sie aufzuziehen, Carlo, doch sie verga� niemals ihre Hingabe an Gott. Als der Papst erfuhr, dass sie bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen war und dass Sie, sein Sohn, wie durch ein Wunder �berlebt hatten, schwor er zu Gott, Sie nie wieder allein zu lassen. Ihre Eltern, Carlo, waren keusch. Sie hielten ihre Schw�re gegen�ber Gott und fanden trotzdem einen Weg, um Sie zur Welt zu bringen. Sie waren ihr pers�nliches Wunder, Carlo.�</p><p>Der Camerlengo hielt sich die Ohren zu; er wollte es nicht h�ren. Wie bet�ubt stand er vor dem Altar. Die Welt schien unter seinen F��en zu schwanken. Er fiel auf die Knie und stie� einen langen, gequ�lten Schrei aus.</p><p>Sekunden. Minuten. Stunden.</p><p>Die Zeit schien jegliche Bedeutung verloren zu haben innerhalb der vier W�nde der Kapelle. Vittoria sp�rte, wie sie sich langsam aus der Bet�ubung l�ste, die alle anderen ringsum ergriffen hatte. Sie lie� Langdons Hand los und bewegte sich durch die Schar von Kardinalen. Die T�r der Sixtinischen Kapelle schien meilenweit entfernt, und sie f�hlte sich, als bewege sie sich unter Wasser, wie in Zeitlupe.</p><p>Ihre Bewegung zwischen den Geistlichen hindurch schien auch andere aus ihrer Trance zu rei�en. Einige Kardinale begannen zu beten. Andere weinten. Wieder andere wandten sich zu ihr um und schauten ihr hinterher, und auf ihren leeren Gesichtern zeigte sich z�gernd eine dunkle Vorahnung. Vittoria hatte die Menge fast durchquert, als sich eine Hand auf ihren Arm legte. Die Ber�hrung war schwach, doch entschlossen. Sie wandte sich um und erblickte einen greisen Kardinal. Sein Gesicht war umw�lkt von Furcht.</p><p>�Nein!�, fl�sterte der Mann. �Das d�rfen Sie nicht.�</p><p>Vittoria starrte ihn ungl�ubig an.</p><p>Ein weiterer Kardinal war pl�tzlich neben ihr. �Wir m�ssen nachdenken, bevor wir handeln.�</p><p>Ein Dritter. �Der Schmerz k�nnte schlimmer.�</p><p>Vittoria war umzingelt. Sie blickte die Kardinale sprachlos an. �Aber. diese Verbrechen, heute Nacht, hier. die Welt hat ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren.�</p><p>�Mein Herz stimmt Ihnen zu�, sagte der greise Kardinal, ohne ihren Arm loszulassen. �Und doch ist es ein Weg, von dem es kein Zur�ck gibt. Wir m�ssen an die zerst�rten Hoffnungen denken. Den Zynismus. Die Menschen w�rden der Kirche nie wieder vertrauen.�</p><p>Pl�tzlich schienen noch mehr Kardinale Vittoria den Weg zu versperren. Eine Wand aus schwarzen Roben baute sich vor ihr auf. �H�ren Sie die Menschen drau�en auf dem Platz?�, sagte einer. �Was wird diese Nachricht in ihren Herzen anrichten? Wir m�ssen mit Vernunft zu Werke gehen.�</p><p>�Wir brauchen Zeit, um nachzudenken und zu beten�, sagte ein anderer. �Wir m�ssen vorausschauend handeln. Die Auswirkungen dieser.�</p><p>�Er hat meinen Vater ermordet!�, sagte Vittoria. �Er hat seinen eigenen Vater ermordet!�</p><p>�Ich bin sicher, er wird f�r seine S�nden bezahlen�, sagte der Kardinal, der ihren Arm hielt.</p><p>Was das betraf, war Vittoria ebenfalls sicher, doch sie wollte pers�nlich daf�r Sorge tragen. Sie bewegte sich wieder in Richtung T�r, doch die Kardinale dr�ngten sich dichter zusammen. Angst lag auf ihren Gesichtern.</p><p>�Was wollen Sie tun?�, rief Vittoria ihnen zu. �Wollen Sie mich <emphasis>umbringen�?�</emphasis></p><p>Die Kardinale erbleichten, und Vittoria bedauerte ihre Worte augenblicklich. Sie konnte sp�ren, dass diese alten M�nner sanfte Seelen waren. Sie hatten in dieser Nacht genug Gewalt gesehen. Diese M�nner wollten nichts B�ses. Sie waren blo� gefangen. Ver�ngstigt. Versuchten zu retten, was zu retten war.</p><p>�Ich m�chte.�, sagte der greise Kardinal, �. ich m�chte doch nur das Richtige tun.�</p><p>�Dann lassen Sie Miss Vetra gehen�, sagte eine dunkle, volle Stimme hinter ihr. Die Worte klangen ruhig, doch entschlossen. Robert Langdon trat neben Vittoria, und sie sp�rte, wie er ihre Hand ergriff. �Miss Vetra und ich werden diese Kapelle verlassen. Auf der Stelle.�</p><p>Z�gernd, resignierend wichen die Kardinale einer nach dem anderen zur Seite.</p><p>�Warten Sie!�, rief Mortati und kam durch den Mittelgang auf die beiden zu. Der Camerlengo blieb oben beim Altar zur�ck, allein und am Boden zerst�rt. Mortati sah mit einem Mal noch �lter aus als zuvor, ersch�pft �ber die Jahre hinaus. Sein Gang war gebeugt. Er blieb vor den beiden stehen und legte jedem eine Hand auf die Schulter. Vittoria sp�rte den tiefen Ernst in seiner Ber�hrung. In den Augen des Mannes brannten Tr�nen.</p><p>�Selbstverst�ndlich k�nnen Sie beide gehen�, sagte Mortati. �Selbstverst�ndlich.� Er z�gerte, und sein Schmerz war fast k�rperlich sp�rbar. �Ich bitte Sie nur um eines.� Er starrte f�r einen langen Augenblick zu Boden, bevor er Langdon und Vittoria wieder ansah. �Lassen Sie es <emphasis>mich</emphasis> tun. Ich werde auf den Platz hinausgehen und einen Weg finden. Ich wei� noch nicht wie, aber ich werde einen Weg finden. Die Beichte der Kirche sollte aus der Kirche selbst kommen. Wir selbst sollten es sein, die unser Versagen vor der Welt gestehen.�</p><p>Mortati wandte sich traurig zum Altar. �Carlo, Sie haben die Kirche in eine katastrophale Lage gebracht.� Er stockte und schaute sich suchend um. Der Altar war leer.</p><p>Aus einem Seitengang ert�nte das Rascheln von Stoff; dann fiel klickend eine T�r ins Schloss.</p><p>Der Camerlengo war verschwunden.</p></section><section><title><p>Kapitel 134.</p></title><p>Camerlengo Ventrescas wei�es Gewand wallte, als er sich durch die Halle von der Sixtinischen Kapelle entfernte. Die Schweizergardisten hatten ihn verbl�fft angestarrt, als er allein aus der Kapelle gekommen war und ihnen mitgeteilt hatte, dass er einen Augenblick ungest�rt sein wolle. Doch sie hatten gehorcht und ihn gehen lassen.</p><p>Jetzt, als er um die Ecke bog und au�er Sicht war, �bermannte den Camerlengo ein Mahlstrom aus Gef�hlen, wie er ihn bis zu diesem Augenblick f�r unm�glich gehalten h�tte. Er, der Camerlengo, hatte jenen Mann vergiftet, den er �Heiliger Vater� genannt hatte. den Mann, der �mein Sohn� zu ihm gesagt hatte. Der Camerlengo hatte stets geglaubt, dass die Worte �Vater� und �Sohn� religi�ser Tradition entsprungen seien, nun aber kannte er die teuflische Wahrheit - die Bedeutung war <emphasis>wortw�rtlich</emphasis> gewesen.</p><p>Wie in jener schicksalhaften Nacht vor zwei Wochen, irrte der Camerlengo einmal mehr ziellos durch die Dunkelheit.</p><p>Es hatte geregnet an jenem Morgen, als das Personal aufgeregt an die T�r des Camerlengos geklopft und ihn aus unruhigem Schlaf gerissen hatte. Der Papst, teilten sie dem Camerlengo mit, antwortete nicht auf das Klopfen an seiner T�r oder auf das Telefon. Die Geistlichen waren besorgt. Der Camerlengo war der Einzige, der ohne Anmeldung die Gem�cher des Papstes betreten durfte.</p><p>Der Camerlengo betrat die Zimmer allein und fand den Papst wie am Abend zuvor verkr�mmt und tot in seinem Bett. Das Gesicht Seiner Heiligkeit sah aus wie eine Fratze des Teufels. Seine Zunge war pechschwarz. Satan pers�nlich hatte im Bett des Papstes geschlafen.</p><p>Der Camerlengo sp�rte kein Bedauern. Gott hatte gesprochen.</p><p>Niemand w�rde den Verrat bemerken. noch nicht. Das w�rde sp�ter kommen.</p><p>Er ging nach drau�en und verk�ndete die schlimmen Neuigkeiten - Seine Heiligkeit war an einem Schlag gestorben. Dann traf der Camerlengo die Vorbereitungen f�r das Konklave.</p><p>Die Stimme von Mutter Maria fl�sterte in seinem Ohr. �Brich niemals ein Versprechen, das du Gott gegeben hast.�</p><p>�Ich verspreche es, Mutter�, antwortete er. �Diese Welt ist ohne Glauben. Sie muss zur�ckgebracht werden auf den Pfad der Gerechten. Grauen und Hoffnung. Es ist die einzige M�glichkeit.�</p><p>�Ja�, sagte sie. �Wenn nicht du wer dann? Wer soll die Kirche aus der Dunkelheit f�hren?�</p><p>Ganz bestimmt nicht einer der <emphasis>preferiti.</emphasis> Sie waren alt. lebendige Tote. Liberale, die den Spuren des alten Papstes folgen und die Wissenschaft guthei�en w�rden. Sie w�rden nach modernen Anh�ngern suchen, indem sie die alten Pfade aufgaben. Alte M�nner, die verzweifelt hinter der Zeit herliefen, w�hrend sie es auf erb�rmliche Weise zu verbergen versuchten. Sie w�rden scheitern, ohne Frage. Die Kraft der Kirche lag in ihrer Tradition, nicht in ihrer Anpassung. Die Welt drau�en war unbest�ndig. Die Kirche musste sich nicht anpassen, sie musste der Welt lediglich in Erinnerung rufen, dass sie wichtig war. Das B�se lebt! Gott wird es besiegen!</p><p>Die Kirche ben�tigte F�hrung. Diese alten M�nner konnten niemanden inspirieren. Jesus hatte die Menschen inspiriert. Jung, lebendig, kraftvoll. WUNDERBAR.</p><p>�Genie�en Sie Ihren Tee�, sagte der Camerlengo zu den vier <emphasis>preferiti</emphasis> und lie� sie in der privaten Bibliothek des verstorbenen Papstes allein. Das Konklave w�rde bald beginnen. �Ihr F�hrer wird bald eintreffen.�</p><p>Die <emphasis>preferiti</emphasis> dankten ihm, ganz aufgeregt, dass sich ihnen eine �berraschende Chance bot, den ber�hmten Passetto zu besichtigen. Wie ungew�hnlich! Bevor der Camerlengo gegangen war, hatte er die schwere Eisent�r aufgeschlossen, die hinaus in den Passetto f�hrte, und genau zur vereinbarten Zeit hatte die T�r sich ge�ffnet, und ein arabisch aussehender Priester mit einer Fackel in der Hand hatte die auf geregten <emphasis>preferiti</emphasis> in den Gang gef�hrt.</p><p>Die M�nner waren nicht wieder aufgetaucht.</p><p><emphasis>Sie werden das Grauen sein. Ich bin die Hoffnung.</emphasis></p><p><emphasis>Nein</emphasis>... <emphasis>ich bin das Grauen.</emphasis></p><p>Der Camerlengo stolperte durch die Dunkelheit des Petersdoms. Irgendwie hatte er trotz des Wahnsinns und der Schuld, trotz der Bilder von seinem Vater, trotz des Schmerzes der Offenbarung und sogar trotz des Morphiums zur geistigen Klarheit gefunden, einem Gef�hl der Bestimmung. <emphasis>Ich kenne jetzt meine Aufgabe,</emphasis> dachte er, voller Ehrfurcht ob ihrer Einfachheit.</p><p>Von Anfang an war nichts so gelaufen, wie er es geplant hatte. Unvorhergesehene Hindernisse hatten sich ihm in den Weg gestellt. Doch der Camerlengo hatte reagiert, hatte den Plan immer wieder ge�ndert. Trotzdem h�tte er niemals gedacht, dass diese Nacht so enden k�nnte - auch wenn er jetzt die vorherbestimmte Gro�artigkeit darin erkannte.</p><p>Es <emphasis>konnte</emphasis> gar nicht anders enden.</p><p>Oh, welches Entsetzen hatte er in der Sixtinischen Kapelle gesp�rt, als er sich fragte, ob Gott ihn verlassen hatte. <emphasis>Oh, welche Taten er ihm auferlegt hatte!</emphasis> Der Camerlengo war auf die Knie gesunken, von Zweifeln gepeinigt, und hatte sich nach der Stimme Gottes gesehnt, doch er hatte nur Schweigen geerntet. Er hatte um ein Zeichen gefleht. Um F�hrung. Rat. War das hier Gottes Wille? Die Kirche vernichtet, durch einen Skandal, durch Abscheulichkeit? Nein! Gott allein war es gewesen, der den Camerlengo zu seinen Taten veranlasst hatte. <emphasis>Oder nicht?</emphasis></p><p>Dann hatte er es gesehen. Auf dem Altar. Das Zeichen. Etwas Gew�hnliches in einem ungew�hnlichen Licht. Das Kruzifix. Schlicht, aus Holz. Jesus am Kreuz. In diesem Augenblick war ihm alles klar geworden. der Camerlengo war nicht allein. Er w�rde niemals alleine sein.</p><p>Es war Sein Wille. Sein Plan.</p><p>Gott hatte stets gro�e Opfer von denen verlangt, die er am meisten liebte. Warum hatte der Camerlengo so lange gebraucht, um zu verstehen? War er zu verzagt? Zu dem�tig? Es spielte keine Rolle. Gott hatte einen Weg gefunden. Jetzt verstand der Camerlengo sogar, wieso Gott Robert Langdon gerettet hatte. Um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Um <emphasis>dieses</emphasis> Ende zu erzwingen.</p><p>Es war der einzige Weg zur Erl�sung der Kirche!</p><p>Der Camerlengo f�hlte sich in einem Schwebezustand, als er die Treppe hinunter in die Vertiefung stieg, in der die goldene Truhe mit den Pallien aufbewahrt wurde. Das Morphium wirkte nun vollends, doch der Camerlengo wusste, dass Gott ihn f�hrte.</p><p>In der Ferne h�rte er die Kardinale heftig diskutieren, w�hrend sie aus der Sixtinischen Kapelle str�mten. Einige riefen den Schweizergardisten Befehle zu.</p><p>Sie w�rden ihn nicht finden. Nicht rechtzeitig.</p><p>Der Camerlengo f�hlte sich angezogen. schneller und schneller stieg er die Stufen hinunter in die Vertiefung, wo die neunundneunzig �llampen ihr goldenes Licht verstr�mten. Gott f�hrte ihn auf heiligen Boden zur�ck. Der Camerlengo bewegte sich auf das Gitter zu, das den Schacht hinunter zur Nekropole bedeckte. Die Nekropole war der Ort, an dem diese Nacht endete. In der heiligen Dunkelheit tief unten. Er nahm eine �llampe und wollte in den Schacht steigen.</p><p>Doch als er sich durch die Vertiefung bewegte, z�gerte er unvermittelt. Irgendwie f�hlte es <emphasis>sich falsch</emphasis> an. Wie sollte dies Gottes Zwecken dienen? Ein einsames, stilles Ende? Jesus hatte vor den Augen der ganzen Welt gelitten. Das hier konnte nicht Gottes Wille sein! Der Camerlengo lauschte nach der Stimme seines Herrn, doch er h�rte nur das Rauschen der Drogen.</p><p><emphasis>� Carlo.�</emphasis> Die Stimme seiner Mutter.� <emphasis>Gott hat Pl�ne mit dir.�</emphasis></p><p>Verwirrt bewegte der Camerlengo sich weiter.</p><p>Dann, ohne Vorwarnung, war Gott bei ihm.</p><p>Der Camerlengo erstarrte. Das Licht der neunundneunzig �llampen warf seinen Schatten an die Marmorwand neben ihm. Riesig und furchtbar. Eine undeutliche Gestalt, umgeben von goldenem Licht. Mit den ringsum flackernden Flammen sah der Camerlengo wie ein Engel aus, der im Begriff war, in den Himmel aufzusteigen. Einen Augenblick stand er da, breitete die Arme aus, betrachtete seinen Schatten. Dann wandte er sich ab, schaute zur�ck zur Treppe.</p><p>Gottes Wille war klar.</p><p>Drei chaotische Minuten waren drau�en in der Halle vor der Sixtinischen Kapelle vergangen, und noch immer hatte niemand den Camerlengo gefunden. Es schien, als w�re er von der Nacht verschluckt worden. Mortati war beinahe schon so weit, den ganzen Vatikan nach ihm absuchen zu lassen, als drau�en auf dem Petersplatz pl�tzlich donnernder Jubel ert�nte. Die spontane Freude der Massen war unglaublich. Die Kardinale wechselten verwirrte Blicke.</p><p>Mortati schloss die Augen. �Gott sei uns gn�dig.�</p><p>Zum zweiten Mal in dieser Nacht str�mte das Kollegium der Kardinale hinaus auf den Petersplatz. Langdon und Vittoria wurden von der dr�ngenden Menge der Kardinale aufgenommen und folgten ihnen in die n�chtliche K�hle. Die Scheinwerfer der Medien und die Kameras waren nach oben gerichtet, auf die</p><p>Fassade der Basilika. Und dort, auf dem p�pstlichen Balkon genau in der Mitte der gewaltigen Fassade, stand Camerlengo Carlo Ventresca, die Arme zum Himmel ausgestreckt. Selbst aus gro�er Entfernung sah er aus wie die wieder geborene Reinheit. Eine Figurine. Gekleidet in Wei�. Angestrahlt von Licht.</p><p>Die Energie auf dem Platz schien anzuschwellen wie eine sich auft�rmende Woge, und mit einem Mal gab die Barriere aus Schweizergardisten nach. In einem gewaltigen euphorischen Strom dr�ngten die Massen auf die Basilika zu. Menschen schrien, sangen, Kameras blitzten. G�tterd�mmerung. Das Chaos nahm stetig zu, und nichts auf der Welt schien es aufhalten zu k�nnen.</p><p>Dann wurde es doch aufgehalten.</p><p>Hoch oben auf dem Balkon machte der Camerlengo eine winzige Bewegung. Er faltete die H�nde vor der Brust. Dann senkte er den Kopf in stillem Gebet.</p><p>Und einer nach dem anderen folgten die ungez�hlten Menschen auf dem Platz seinem Beispiel.</p><p>Stille kehrte ein, als w�ren alle verzaubert worden.</p><p>Die Gedanken des Camerlengos waren fern und wirr, und seine Gebete ein Chaos aus Hoffnung und Angst. <emphasis>vergib mir, Vater</emphasis>... <emphasis>Mutter</emphasis>... <emphasis>voll der Gnade...du bist die Kirche</emphasis>... <emphasis>m�gest du dieses Opfer deines eingeborenen Sohnes erkennen</emphasis>...</p><p>O <emphasis>Herr Jesus</emphasis>... <emphasis>errette uns aus den Feuern der H�lle</emphasis>... <emphasis>nimm unsere Seelen zu dir in den Himmel, besonders die, die deiner Gnade am dringendsten bed�rfen</emphasis>...</p><p>Der Camerlengo �ffnete die Augen nicht. Er sah nicht die Massen unten auf dem Platz oder die Fernsehkameras, bemerkte nicht, dass die ganze Welt zuschaute. Doch er wusste es trotzdem, er sp�rte es in seiner Seele. Selbst in seinem Schmerz war die Einheit dieses Augenblicks berauschend. Es war, als h�tte sich ein verbindendes Netz �ber die ganze Welt gelegt, ausgehend von diesem Ort. Vor Millionen Fernsehern betete die</p><p>Welt wie eine einzige Person; die Menschen streckten die Arme nach Gott aus und beteten in Dutzenden verschiedener Sprachen zu ihm, in Hunderten von Nationen. Die gefl�sterten Worte waren neugeboren und doch vertraut wie ihre eigenen Stimmen. uralte Wahrheiten. eingepr�gt in die Seelen.</p><p>Die Harmonie war himmlisch.</p><p>Das Schweigen endete, und die freudigen Ges�nge begannen erneut.</p><p>Der Camerlengo wusste, dass der Augenblick gekommen war.</p><p><emphasis>Heilige Dreifaltigkeit, ich biete dir meinen Leib, mein Blut und meine Seele</emphasis>... <emphasis>als Bu�e f�r die Freveltaten, Gr�uel und S�nden</emphasis>...</p><p>Der Camerlengo sp�rte bereits, wie der Schmerz einsetzte. Er breitete sich �ber seine Haut aus wie eine Seuche, und er wollte an seinem Fleisch rei�en wie vor Wochen, als Gott zum ersten Mal zu ihm gekommen war. <emphasis>Vergiss nie, welchen Schmerz Jesus erdulden musste.</emphasis> Der Duft der �therischen �le stieg ihm in die Nase. Nicht einmal das Morphium konnte den bei�enden Geruch �berdecken.</p><p><emphasis>Mein Werk ist vollbracht.</emphasis></p><p>Das Grauen war sein. Die Hoffnung geh�rte ihnen.</p><p>In der Vertiefung der Basilika, beim Schrein mit den Pallien, war der Camerlengo Gottes Willen gefolgt und hatte seinen Leib ge�lt. Sein Haar. Sein Gesicht. Sein leinenes Gewand. Sein Fleisch. Er war nun durchtr�nkt von den heiligen, klaren �len aus den Lampen. Sie rochen s�� wie seine Mutter, doch sie brannten. Sein Ende w�rde gnadenvoll sein. Wunderbar und schnell. Und er w�rde keinen Skandal schaffen. sondern neue Kraft und ein neues Wunder.</p><p>Er schob die Hand in die Tasche seines Gewands und tastete nach dem kleinen goldenen Feuerzeug, das er aus dem <emphasis>incendiario</emphasis> mitgenommen hatte.</p><p>Er fl�sterte einen Vers aus dem Buch der Richter. <emphasis>denn da die Lohe auffuhr vom Altar gen Himmel, fuhr der Engel des Herrn in der Lohe des Altars mit hinauf.</emphasis></p><p>Er legte den Daumen auf den Knopf.</p><p>Unten auf dem Platz sangen die Menschen.</p><p>Die Vision, die die Welt nun beobachtete, w�rde niemand je vergessen.</p><p>Hoch oben auf dem p�pstlichen Balkon schoss eine gewaltige Stichflamme aus dem Leib des Camerlengos. Das Feuer umschlang seinen K�rper augenblicklich. Er schrie nicht. Er hob die Arme �ber den Kopf und sah zum Himmel hinauf. Die Flammen br�llten um ihn herum, h�llten ihn in eine S�ule aus Licht, tosten scheinbar eine Ewigkeit, w�hrend die ganze Welt zuschaute. Heller und heller w�teten die Flammen, um dann nach und nach zu ersterben. Der Camerlengo war verschwunden. Es war unm�glich zu sagen, ob er hinter der Balustrade zusammengebrochen war oder sich in Luft aufgel�st hatte. Au�er einer d�nnen Rauchwolke, die sich �ber der Vatikanstadt in den Himmel kr�uselte, war nichts mehr zu sehen.</p></section><section><title><p>Kapitel 135.</p></title><p>Die D�mmerung setzte sp�t ein.</p><p>Ein fr�hes Gewitter hatte die Menge vom Petersplatz vertrieben. Die Medien hatten durchgehalten. Reporter duckten sich unter Regenschirme oder hatten sich in ihre �bertragungswagen zur�ckgezogen, w�hrend sie die Ereignisse der vergangenen Nacht kommentierten. �berall in der Welt dr�ngten sich Menschen in den Kirchen. Es war eine Zeit innerer Einkehr und Diskussion. f�r alle Religionen. Fragen wurden gestellt, doch die Antworten warfen nur noch weitere Fragen auf. Bisher hatte der Vatikan geschwiegen und keinerlei Presseverlautbarung herausgegeben.</p><p>Tief in den vatikanischen H�hlen kniete Kardinal Mortati allein vor dem offenen Sarkophag. Er griff hinein und schloss den schwarzen Mund des toten Papstes. Seine Heiligkeit sah nun friedlich aus. In stiller Hoffnung auf die Ewigkeit.</p><p>Zu Mortatis F��en stand eine goldene Urne voller Asche. Mortati hatte sie selbst eingesammelt und hergebracht. �M�gen Sie ihm vergeben, Eure Heiligkeit�, sagte er zu dem toten Papst und stellte die Urne an seine Seite in den Sarkophag. �Keine Liebe ist gr��er als die eines Vaters zu seinem Sohn.� Mortati zupfte das p�pstliche Gewand zurecht, bis es die Urne verdeckte. Die heilige Kaverne war den sterblichen �berresten von P�psten vorbehalten, doch irgendwie sp�rte Mortati, dass dieser Ort f�r den toten Camerlengo angemessen war.</p><p>�Monsignore?�, fragte jemand und betrat die H�hle. Es war Leutnant Chartrand. Er wurde von drei Hellebardieren begleitet. �Man erwartet Sie im Konklave.�</p><p>Mortati nickte. �Sofort.� Er blickte ein letztes Mal hinunter in den Sarkophag; dann stand er auf. Er wandte sich zu den</p><p>Schweizergardisten um. �Es ist an der Zeit, dass Seiner Heiligkeit die Ruhe zuteil wird, die er sich verdient hat.�</p><p>Die Schweizergardisten traten vor, und mit einer gemeinsamen gro�en Kraftanstrengung schoben sie den Deckel des Sarkophags wieder auf seinen Platz. Er rastete mit einem Ger�usch von Endg�ltigkeit ein.</p><p>Mortati war allein, als er den Borgiahof �berquerte und sich der Sixtinischen Kapelle n�herte. Ein feuchter Wind verfing sich in seinem Gewand. Ein Kardinalskollege trat aus dem Apostolischen Palast und ging neben ihm her. �Geben Sie mir die Ehre, Sie zum Konklave zu begleiten, Monsignore?�</p><p>�Die Ehre ist ganz auf meiner Seite, Monsignore.�</p><p>Der Kardinal blickte betreten drein. �Monsignore�, sagte er. �Das Kollegium muss sich wegen gestern Nacht bei Ihnen entschuldigen. Wir waren geblendet von.�</p><p>�Bitte�, unterbrach Mortati. �Es gibt Dinge, von denen unsere Herzen w�nschen, dass sie wahr w�ren.�</p><p>Der Kardinal schwieg einen Augenblick. �Hat man Sie informiert?�, fragte er schlie�lich. �Sie sind nicht mehr unser Zeremonienmeister.�</p><p>Mortati l�chelte. �Ja. Ich danke Gott f�r kleine Gef�lligkeiten.�</p><p>�Das Kollegium hat einm�tig auf Ihrer W�hlbarkeit bestanden, Monsignore.�</p><p>�Wie es scheint, ist die Mildt�tigkeit in der Kirche noch nicht ausgestorben.�</p><p>�Sie sind ein weiser Mann, Monsignore. Sie w�rden uns alle gut f�hren.�</p><p>�Ich bin ein alter Mann. Ich w�rde Sie nur kurze Zeit f�hren.�</p><p>Beide lachten.</p><p>Als sie das Ende des Borgiahofs erreichten, z�gerte der andere Kardinal. Er wandte sich mit besorgter Verwirrung zu</p><p>Mortati, als w�re die gef�hrliche Ehrfurcht der vergangenen Nacht in sein Herz zur�ckgekehrt. �Wussten Sie, Monsignore�, fl�sterte er, �dass wir keinerlei sterbliche �berreste des Camerlengos auf dem p�pstlichen Balkon gefunden haben?�</p><p>Mortati l�chelte. �Vielleicht hat der Regen sie weggesp�lt.� Der Mann blickte hinauf zum st�rmischen Himmel. �Ja. Vielleicht.�</p></section><section><title><p>Kapitel 136.</p></title><p>Der sp�tmorgendliche Himmel hing voller schwerer Wolken, als die ersten schwachen Rauchw�lkchen aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle quollen. Die runden Schleier kr�uselten sich zum Firmament hinauf und l�sten sich langsam auf.</p><p>Der Rauch war wei�.</p><p>Tief unten, auf dem Petersplatz, beobachtete BBC-Reporter G�nther Glick in nachdenklichem Schweigen das Geschehen. Das letzte Kapitel.</p><p>Chinita Macri n�herte sich von hinten und wuchtete die schwere Kamera auf ihre Schulter. �Es wird Zeit�, erinnerte sie ihn.</p><p>G�nther nickte tr�bselig. Er wandte sich zu ihr um, strich seine Haare glatt und atmete tief durch. <emphasis>Meine letzte �bertragung,</emphasis> dachte er. Eine kleine Menschenmenge hatte sich um sie herum versammelt und beobachtete sie.</p><p>�In sechzig Sekunden sind wir auf Sendung�, verk�ndete Chinita.</p><p>G�nther Glick warf einen Blick �ber die Schulter zur Sixtinischen Kapelle. �Kriegst du den Rauch ins Bild?�, fragte er.</p><p>Chinita Macri nickte geduldig. �Ich verstehe meinen Job, G�nther.�</p><p>Glick f�hlte sich wie ein Dummkopf. Nat�rlich verstand sie ihr Handwerk. Chinitas Kameraf�hrung in der vergangenen Nacht w�rde ihr wahrscheinlich den Pulitzer-Preis einbringen. Seine Berichterstattung hingegen. er wollte gar nicht daran denken. Er war sich sicher, dass die BBC ihn feuern w�rde; ohne Zweifel w�rde es rechtliche Scherereien mit zahlreichen m�chtigen Institutionen geben. unter ihnen CERN und George</p><p>Bush.</p><p>�Du siehst gut aus�, neckte Chinita hinter ihrer Kamera. Auf ihrem Gesicht zeigte sich ein Hauch von Sorge. �Ich frage mich, ob ich dir einen.� Sie z�gerte.</p><p>�Ob du mir einen <emphasis>Rat</emphasis> geben darfst?�</p><p>Chinita seufzte. �Ich wollte nur sagen, es ist unn�tig, sich mit einem Knaller zu verabschieden.�</p><p>�Ich wei߫, erwiderte er. �Du m�chtest einen sauberen Schnitt.�</p><p>�Den saubersten in der Geschichte, ja. Ich vertraue dir.�</p><p>G�nther l�chelte. <emphasis>Einen sauberen Schnitt? Ist sie verr�ckt? </emphasis>Eine Geschichte, wie sie sich gestern Nacht abgespielt hatte, hatte etwas Besseres verdient. Eine �berraschende Wendung. Ein letzter Knall. Eine unvorhergesehene Enth�llung von schockierendem Ausma�.</p><p>Zum Gl�ck hatte G�nther das richtige ASS im �rmel.</p><p>�Auf Sendung in f�nf. vier. drei.�</p><p>Als Chinita durchs Okular ihrer Kamera blickte, bemerkte sie ein verschlagenes Glitzern in G�nthers Augen. <emphasis>Ich muss verr�ckt gewesen sein, ihm das zu erlauben,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Was habe ich mir dabei gedacht?</emphasis></p><p>Doch f�r bessere Einsicht war es nun zu sp�t. Sie waren auf Sendung.</p><p>�Hier spricht G�nther Glick f�r BBC�, verk�ndete G�nther auf ihr Zeichen hin, �live aus der Vatikanstadt.� Er blickte ernst in die Kamera, w�hrend hinter ihm der wei�e Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle stieg. �Meine Damen und Herren, jetzt ist es offiziell. Kardinal Saverio Mortati, ein neunundsiebzig Jahre alter Progressiver, wurde soeben zum neuen Oberhaupt der katholischen Kirche gew�hlt. Obwohl Mortati nicht zu den urspr�nglichen <emphasis>preferiti</emphasis> geh�rte, verlief die Wahl durch das Kollegium der Kardinale in einer in der</p><p>Geschichte des Konklaves beispiellosen Einm�tigkeit.�</p><p>W�hrend Chinita filmte, wurde sie allm�hlich ruhiger. G�nther schien sich heute �berraschend professionell zu verhalten. Sogar n�chtern. Zum ersten Mal in seinem Leben klang er tats�chlich wie ein richtiger Reporter und sah auch so aus.</p><p>�Wie wir schon fr�her berichtet haben�, fuhr G�nther fort, und seine Stimme gewann genau im richtigen Augenblick an Eindringlichkeit, �gibt es seitens des Vatikans noch keinerlei Presseverlautbarung betreffend die wundersamen Ereignisse der vergangenen Nacht.�</p><p><emphasis>Gut.</emphasis> Chinitas Nervosit�t lie� weiter nach. So <emphasis>weit, so gut.</emphasis></p><p>G�nthers Gesichtsausdruck wurde sorgenvoll. �Obwohl die vergangene Nacht eine Nacht der Wunder war, war sie auch eine Nacht der Trag�dien. Vier Kardinale sind im Verlauf des gestrigen Konflikts gestorben, zusammen mit dem Kommandanten der Schweizergarde, Oberst Olivetti, und seinem Stellvertreter, Hauptmann Rocher. Beide starben in Erf�llung ihrer Pflicht. Au�erdem fand Leonardo Vetra den Tod, der ber�hmte Physiker und Pionier der Antimaterie, sowie Maximilian Kohler, der Generaldirektor von CERN, der allem Anschein nach dem Vatikan zu Hilfe kommen wollte und dabei starb. Es gibt noch keinen offiziellen Bericht �ber Kohlers Tod, doch man geht davon aus, dass er an den Folgen einer langen, schweren Krankheit starb.�</p><p>Chinita nickte. Der Bericht gewann an Qualit�t, genau wie sie es besprochen hatten.</p><p>�Infolge der gewaltigen Explosion am Himmel �ber dem Vatikan in der vergangenen Nacht wurde CERNs AntimaterieTechnologie zum Thema Nummer eins unter den Wissenschaftlern weltweit. Es erhitzt die Gem�ter und f�hrt zu kontroversen Meinungen. In einer Verlautbarung, verlesen von Mr. Kohlers Sekret�rin in Genf, Miss Sylvie Baudeloque, hei�t es, dass die Leitung von CERN- trotz aller Begeisterung �ber die M�glichkeiten der Antimaterie jegliche Forschung und s�mtliche Lizenzierungen auf diesem Gebiet suspendieren wird, bis weitere Untersuchungen die Sicherheit betreffend durchgef�hrt wurden.�</p><p><emphasis>Ausgezeichnet,</emphasis> dachte Chinita. <emphasis>Und jetzt zum Ende.</emphasis></p><p>�Auf den Bildschirmen�, fuhr G�nther Glick fort, �wird jedoch das Gesicht Robert Langdons vermisst. Der ber�hmte Symbolologe aus Harvard traf gestern in der Vatikanstadt ein, um die Autorit�ten mit seinem Fachwissen zu unterst�tzen. Urspr�nglich wurde vermutet, dass er bei der AntimaterieExplosion ums Leben kam, doch inzwischen gibt es Berichte aus zuverl�ssiger Quelle, dass Langdon <emphasis>nach</emphasis> der Explosion auf dem Petersplatz gesehen wurde. Wie er dort hingekommen ist, steht noch nicht fest. auch wenn ein Sprecher des Ospedale Tiberina behauptet, dass Mr. Langdon kurz nach Mitternacht vom Himmel in den Tiber gefallen und ans Ufer der Klinik gesp�lt worden sei, wo man ihn kurz behandelt und dann wieder entlassen habe.� Glick blickte mit hochgezogenen Augenbrauen in die Kamera. �Falls diese Geschehnisse sich tats�chlich so zugetragen haben, war gestern ohne jeden Zweifel eine Nacht der Wunder.�</p><p><emphasis>Perfekt!</emphasis> Chinita grinste �bers ganze Gesicht. <emphasis>Ein tadelloser Bericht. Jetzt komm zum Schluss!</emphasis></p><p>Doch Glick dachte nicht daran. Stattdessen z�gerte er einen Augenblick und trat dann einen Schritt auf die Kamera zu. Auf seinem Gesicht erschien ein geheimnisvolles L�cheln. �Bevor wir uns aus Rom verabschieden.�, begann er.</p><p><emphasis>Nein!</emphasis></p><p>�. w�rde ich gerne mit einem Gast sprechen, der eigens aus diesem Grunde zu uns gekommen ist.�</p><p>Chinita erstarrte hinter der Kamera. <emphasis>Ein Gast? Was hat er vor? Was f�r ein Gast? Mach Schluss, verdammt!</emphasis> Doch sie</p><p>wusste, dass es zu sp�t war. Glick hatte es tats�chlich geschafft!</p><p>�Der Gast, den ich Ihnen vorstellen m�chte�, fuhr G�nther fort, �ist Amerikaner. Ein bekannter Wissenschaftler.�</p><p>Chinita hielt den Atem an, als Glick sich zu der kleinen Menschenmenge hinter ihnen wandte und seinem Gast bedeutete vorzutreten. Chinita sandte ein leises Sto�gebet zum Himmel. <emphasis>G�tiger Gott, lass ihn Robert Langdon gefunden haben</emphasis>... <emphasis>alles, nur nicht einen von diesen verr�ckten Illuminati-Verschw�rungstheoretikern.</emphasis></p><p>Doch als G�nthers Gast vortrat, erkannte Chinita, dass es nicht Robert Langdon war, sondern ein kahlk�pfiger Mann in Bluejeans und Flanellhemd. Er ging an einem Stock und trug eine dicke Brille. Chinita sp�rte, wie Entsetzen in ihr aufstieg. <emphasis>Ein Irrer!</emphasis></p><p>�Darf ich Ihnen�, verk�ndete G�nther Glick, �den bekannten Gelehrten Dr. Joseph Vanek von der De Paul University in Chicago vorstellen? Dr. Vanek ist Fachmann f�r Kirchenrecht.�:</p><p>Chinita war unschl�ssig, w�hrend der Kahlkopf zu G�nther vor die Kamera trat. Dr. Vanek war zumindest kein Konspirationstheoretiker; sie hatte seinen Namen tats�chlich bereits irgendwo geh�rt.</p><p>�Dr. Vanek�, begann G�nther. �Sie verf�gen �ber einige verbl�ffende Informationen das Konklave der vergangenen Nacht betreffend.�</p><p>�In der Tat�, antwortete Vanek. �Nach einer Nacht voller �berraschungen wie der gestrigen ist es schwer vorstellbar, dass noch weitere �berraschungen �brig w�ren. und doch.�Er z�gerte.</p><p>G�nther l�chelte ihn aufmunternd an. �Und doch hat sich etwas sehr Eigenartiges zugetragen, wollten Sie sagen?�</p><p>Vanek nickte. �Ja. So verwunderlich es f�r die meisten klingen mag, ich glaube, das Kollegium der Kardinale hat in der</p><p>vergangenen Nacht zwei P�pste gew�hlt, ohne es zu wissen.�</p><p>Chinita h�tte fast die Kamera fallen gelassen.</p><p>Glick l�chelte. �Zwei P�pste, sagen Sie?�</p><p>Der Gelehrte nickte. �Ja. Lassen Sie mich zuerst erw�hnen, dass ich meine gesamte wissenschaftliche Karriere mit dem Studium der Gesetze zur Wahl des Papstes verbracht habe. Die Judikative des Konklaves ist extrem komplex, und vieles ist heutzutage in Vergessenheit geraten oder wird ignoriert. Wahrscheinlich wei� nicht einmal der p�pstliche Zeremonienmeister von dem, was ich nun sage. Nichtsdestotrotz. nach den alten, vergessenen Gesetzen des Konklaves, niedergeschrieben in den <emphasis>Romano Pontifici Eligendo Numero 63</emphasis>... ist der Urnengang nicht die einzige Methode, mit der ein Papst gew�hlt werden kann. Es gibt eine andere, mehr <emphasis>g�ttliche</emphasis> Methode, die sich&gt;Akklamation durch Adoration&lt;nennt.� Er z�gerte. �Genau das hat sich gestern Nacht ereignet.�</p><p>Gunter warf seinem Gast einen fragenden Blick zu. �Bitte fahren Sie fort, Dr. Vanek.�</p><p>�Wie Sie sich vielleicht erinnern�, fuhr der Gelehrte fort, �stand Camerlengo Carlo Ventresca gestern Nacht auf dem p�pstlichen Balkon, als die Kardinale hier unten auf dem Platz, das gesamte Kollegium, seinen Namen zu rufen begann.�</p><p>�Ja, ich erinnere mich.�</p><p>�Mit diesem Bild vor Augen m�chte ich w�rtlich aus den alten Gesetzen zitieren.� Der Gelehrte zog einige Papiere aus der Tasche, r�usperte sich und begann zu lesen. &gt;�Akklamation durch Adoration findet statt, wenn. s�mtliche Kardinale wie durch Inspiration durch den Heiligen Geist, frei und spontan, einm�tig und laut den Namen eines Individuums proklamieren!�</p><p>G�nther l�chelte. �Also sagen Sie, dass die Kardinale, als sie gestern Nacht den Namen des Camerlengos Carlo Ventresca riefen, ihn damit tats�chlich zum Papst erw�hlt haben?�</p><p>�Genau. Mehr noch, das Gesetz besagt, dass die Akklamation durch Adoration jegliche Erfordernisse f�r die W�hlbarkeit aufhebt und gestattet, dass <emphasis>jeder</emphasis> Geistliche gew�hlt werden darf, sei er ein gew�hnlicher Priester, Bischof oder Kardinal. Wie Sie also sehen, war der Camerlengo durchaus qualifiziert, um durch Adoration zum Papst erw�hlt zu werden.� Dr. Vanek blickte direkt in die Kamera. �Die Tatsachen sind wie folgt. Carlo Ventresca wurde gestern Nacht zum Papst gew�hlt. Er war genau siebzehn Minuten lang Oberhaupt der katholischen Kirche. W�re er nicht auf wunderbare Weise in einer Feuers�ule in den Himmel gefahren, w�rde er nun in den vatikanischen H�hlen bei den �brigen P�psten begraben.�</p><p>�Vielen Dank, Dr. Vanek.� G�nther wandte sich mit einem schelmischen Zwinkern zu Chinita in die Kamera. �Sehr erhellend.�</p></section><section><title><p>Kapitel 137.</p></title><p>Hoch oben auf den Stufen des r�mischen Kolosseums lachte Vittoria zu ihm herab und spottete: �Beeil dich, Robert! Ich wusste gleich, dass ich einen j�ngeren Mann h�tte heiraten sollen!� Ihr L�cheln war reinste Magie.</p><p>Er m�hte sich redlich mitzuhalten, doch seine Beine f�hlten sich bleiern an. �Warte!�, rief er. �Bitte.�</p><p>In seinem Kopf dr�hnte es.</p><p>Robert Langdon schreckte aus dem Schlaf.</p><p>Dunkelheit.</p><p>Lange Zeit lag er bewegungslos in dem fremden Bett, ohne zu wissen, wo er war. Die Kissen waren mit G�nsedaunen gef�llt und wunderbar weich. Die Luft roch nach einem Potpourri von D�ften. Auf der anderen Seite des Zimmers �ffnete sich eine hohe gl�serne Doppelt�r auf einen �ppig begr�nten Balkon, und unter dem wolkenverhangenen Mond spielte eine leichte Brise. Langdon versuchte sich zu erinnern, wie er hierher gekommen war. und wo genau sich dieses Hier befand.</p><p>Surreale Erinnerungsfetzen kehrten in sein Bewusstsein zur�ck.</p><p><emphasis>Eine mystische Feuers�ule</emphasis>... <emphasis>ein Engel, der aus der Menge materialisierte</emphasis>... <emphasis>ihre weiche Hand, die nach seiner griff und ihn in die Nacht f�hrte</emphasis>... <emphasis>seinen zerschundenen, ersch�pften K�rper durch die Stra�en geleitete</emphasis>... <emphasis>bis hierher.zu dieser Suite</emphasis>... <emphasis>wo sie ihn halb schlafend unter eine hei�e Dusche stellte</emphasis>... <emphasis>und zum Bett f�hrte</emphasis>... <emphasis>und �ber ihm wachte, w�hrend er in einen totengleichen Schlaf fiel.</emphasis></p><p>Im Halbdunkel erkannte Langdon ein zweites Bett. Die Laken waren durcheinander, doch das Bett war leer. Aus einem der angrenzenden Zimmer h�rte er das schwache Pl�tschern von</p><p>Wasser.</p><p>Er betrachtete Vittorias Bett und bemerkte schlie�lich das gestickte Wappen auf dem Kissen. HOTEL BERNINI, stand darunter. Langdon musste l�cheln. Vittoria hatte gut gew�hlt. Das traditionsreiche alte Luxushotel an der Piazza mit Berninis Tritonsbrunnen. in ganz Rom gab es keinen passenderen Ort.</p><p>Langdon lag da und dachte nach, als er ein Klopfen h�rte. Mit einem Mal wurde ihm bewusst, was ihn geweckt hatte. Jemand klopfte an die Zimmert�r. Das Klopfen wurde lauter.</p><p>Verwirrt stand Langdon auf. <emphasis>Niemand wei�, dass wir hier sind,</emphasis> dachte er und sp�rte erneut Unruhe in sich aufsteigen. Er schl�pfte in einen luxuri�sen Morgenmantel des Hotels, w�hrend er aus dem Schlafzimmer ins Foyer der Suite ging. Einen Augenblick blieb er vor der schweren Eichent�r stehen, dann �ffnete er sie.</p><p>Ein kr�ftiger Mann in leuchtend purpurnen und gelben Regalia schaute Langdon an. �Ich bin Leutnant Chartrand�, stellte er sich vor. �Vatikanische Schweizergarde.�</p><p>Langdon kannte den Leutnant bereits. �Wie. wie haben Sie uns gefunden?�</p><p>�Ich habe gesehen, wie Sie den Petersplatz heute Nacht verlassen haben. Ich bin Ihnen gefolgt. Ich bin froh, dass ich Sie noch hier antreffe.�</p><p>Langdon sp�rte pl�tzliche Besorgnis. Er fragte sich, ob die Kardinale Chartrand geschickt hatten, um ihn und Vittoria zum Vatikan zur�ckzueskortieren. Schlie�lich waren Vittoria und er - vom Kollegium der Kardinale abgesehen - die beiden einzigen Menschen, die die Wahrheit kannten. Sie waren eine Belastung f�r die Kirche.</p><p>�Seine Heiligkeit bat mich, Ihnen das hier zu geben�, sagte Chartrand und reichte Langdon einen Umschlag, der mit dem Vatikanischen Siegel verschlossen war. Langdon brach das Siegel auf und las die handschriftliche Benachrichtigung:</p><p><emphasis>Signore Langdon und Signorina Vetra, Wenngleich es mein tiefster Wunsch ist, Sie um Diskretion bez�glich der Geschehnisse der letzten vierundzwanzig Stunden zu bitten, kann ich unm�glich mehr von Ihnen verlangen, als Sie bereits gegeben haben. Daher stehe ich nun dem�tig zur�ck in der Hoffnung, dass Sie sich von Ihren Herzen leiten lassen. Die Welt scheint heute ein besserer Ort zu sein - vielleicht, weil die Fragen so viel m�chtiger sind als die Antworten. Meine T�r steht Ihnen stets offen.</emphasis></p><p><emphasis>Saverio Mortati</emphasis></p><p>Langdon las den Brief zweimal. Das Kollegium der Kardinale hatte offensichtlich einen edlen und gro�z�gigen neuen Papst gew�hlt.</p><p>Bevor Langdon etwas sagen konnte, zog Chartrand ein kleines P�ckchen hervor. �Ein Zeichen der Dankbarkeit von Seiner Heiligkeit.�</p><p>Langdon nahm das P�ckchen. Es war schwer und in braunes Papier eingeschlagen.</p><p>�Auf Verf�gung Seiner Heiligkeit�, sagte Chartrand, �ist dieses Artefakt eine st�ndige Leihgabe an Sie aus dem heiligen p�pstlichen Gew�lbe. Seine Heiligkeit bittet nur darum, dass Sie in Ihrem Testament sicherstellen, dass es seinen Weg nach Hause findet.�</p><p>Langdon �ffnete das P�ckchen und war sprachlos. Es war das Brandzeichen. <emphasis>Der Illuminati-Diamant.</emphasis></p><p>Chartrand l�chelte. �M�gen Sie in Frieden leben.� Er wandte sich zum Gehen.</p><p>�Danke. sehr�, stammelte Langdon mit zitternden H�nden.</p><p>Der Leutnant z�gerte. �Mr. Langdon, darf ich Ihnen eine Frage stellen?�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Meine Kollegen und ich sind neugierig. Diese letzten</p><p>Minuten vor der Explosion. was ist dort oben im Helikopter geschehen?�</p><p>Langdon sp�rte, wie Beklemmung in ihm aufstieg. Er hatte gewusst, dass der Augenblick kommen w�rde - der Augenblick der Wahrheit. Er und Vittoria hatten dar�ber gesprochen, als sie sich vom Petersplatz gestohlen hatten. Und sie hatten ihre Entscheidung getroffen. Noch vor dem Brief des neuen Papstes.</p><p>Vittorias Vater hatte davon getr�umt, dass seine AntimaterieEntdeckung ein geistiges Erwachen nach sich ziehen w�rde. Die Ereignisse der vergangenen Nacht waren zweifellos nicht das gewesen, was Leonardo Vetra beabsichtigt hatte, doch die unleugbare Tatsache blieb bestehen: In diesem Augenblick dachten die Menschen �berall auf der Welt �ber Gott nach auf eine Weise, wie es nie zuvor geschehen war. Vittoria und Robert wussten nicht, wie lange dieser Zauber anhalten w�rde, doch es war ihnen unm�glich, dieses Staunen durch Skandal und Zweifel zu zerst�ren. <emphasis>Die Wege des Herrn sind unergr�ndlich, </emphasis>sagte sich Langdon, w�hrend er sich gleichzeitig ironisch fragte, ob vielleicht. die gestrige Nacht doch Gottes Wille gewesen war.</p><p>�Mr. Langdon?�, wiederholte der Leutnant. �Wegen des Helikopters.?�</p><p>Langdon l�chelte ihn traurig an. �Ja, ich wei�.�Er sp�rte, dass die Worte aus seinem Herzen kamen. �Vielleicht war es der Schock wegen des Sturzes. aber meine Erinnerung. es ist alles v�llig verschwommen.�</p><p>Chartrand lie� die Schultern h�ngen. �Sie erinnern sich an <emphasis>�berhaupt nichts�?�</emphasis></p><p>Langdon seufzte. �Ich f�rchte, es wird f�r immer ein R�tsel bleiben.�</p><p>Langdon kehrte ins Schlafzimmer zur�ck. Der Anblick, der ihn erwartete, war atemberaubend. Vittoria stand auf dem Balkon, mit dem R�cken zum Gel�nder, und betrachtete ihn aus gro�en dunklen Augen. Sie sah aus wie eine Engelserscheinung. eine strahlende Silhouette mit dem Mond im R�cken. Sie h�tte eine r�mische G�ttin sein k�nnen, geh�llt in ihren wei�en Frottee-Bademantel, den G�rtel eng gezogen, sodass ihre schlanke Gestalt noch mehr betont wurde. Hinter ihr hing bleicher Dunst wie ein Halo �ber Berninis Tritonsbrunnen.</p><p>Langdon f�hlte sich unglaublich von ihr angezogen, mehr als von jeder anderen Frau in seinem Leben. Behutsam legte er den Illuminati-Diamanten und den Brief des Papstes auf den Nachttisch. Sp�ter war immer noch genug Zeit, das alles zu erkl�ren. Er ging hinaus auf den Balkon.</p><p>Vittoria freute sich, ihn zu sehen. �Du bist wach�, sagte sie mit leiser, sch�chterner Stimme. <emphasis>�Endlich.�</emphasis></p><p>Langdon l�chelte. �Ich hatte einen langen Tag.�</p><p>Sie fuhr mit der Hand durch ihr �ppiges Haar, und ihr Bademantel klaffte ein St�ck auseinander. �Und jetzt. ich nehme an, du m�chtest deine Belohnung.�</p><p>Die Bemerkung traf Langdon g�nzlich unvorbereitet. �Ich. was, bitte?�</p><p>�Wir sind Erwachsene, Robert. Du kannst es ruhig zugeben. Ich sehe es in deinen Augen. In dir w�hlt ein schrecklicher Hunger.� Sie l�chelte. �Mir geht es genauso. Und dieser Hunger wird jetzt gestillt.�</p><p>�Wird er?� Langdon schluckte. Er sp�rte Erregung und machte einen Schritt auf sie zu.</p><p>�Voll und ganz.� Sie hielt eine Speisekarte des Zimmerservice hoch. �Ich habe alles bestellt, was sie haben.�</p><p>Das Mahl war fantastisch. Sie a�en gemeinsam im Mondlicht auf dem Balkon und genossen Frisee, Tr�ffel und Risotto, tranken Dolcetto und redeten bis sp�t in die Nacht.</p><p>Langdon musste kein Symbolologe sein, um die Zeichen zu lesen, die Vittoria ihm gab. Beim Dessert - Boysenbeerencreme und Kaffee - presste sie ihre nackten Beine unter dem Tisch gegen die seinen und bedachte ihn mit einem glutvollen Blick, als wollte sie ihn mit blo�er Willenskraft dazu bringen, das Besteck beiseite zu legen und sie zum Bett zu tragen.</p><p>Doch Langdon tat nichts dergleichen. <emphasis>Bei diesem Spiel k�nnen auch zwei mitspielen,</emphasis> dachte er und verbarg ein schurkisches Grinsen.</p><p>Als sie gegessen hatten, zog er sich auf die Bettkante zur�ck, wo er alleine sa� und den Illuminati-Diamanten immer wieder in den H�nden drehte, w�hrend er wiederholt Bemerkungen �ber die wunderbare Symmetrie von sich gab. Vittoria starrte ihn an, und ihre Verwirrung wich nach und nach Ver�rgerung.</p><p>�Du findest dieses Ambigramm unglaublich interessant, nicht wahr?�, fragte sie.</p><p>Langdon nickte. �Wahnsinnig.�</p><p>�W�rdest du sagen, es ist das Interessanteste in diesem Zimmer?�</p><p>Langdon kratzte sich am Kopf und tat so, als m�sste er nachdenken. �Offen gestanden, eine Sache w�rde mich noch mehr interessieren.�</p><p>Sie l�chelte und machte einen Schritt auf ihn zu. �Und das w�re?�</p><p>�Wie du Einsteins Theorie mit einem Thunfisch widerlegt hast.�</p><p>Vittoria warf die H�nde hoch. <emphasis>�Dio mio!</emphasis> Genug vom Thunfisch! Spiel nicht mit mir, Robert Langdon, ich warne dich!�</p><p>Langdon grinste. �Vielleicht solltest du f�r dein n�chstes Experiment Flundern nehmen und beweisen, dass die Erde flach ist.�</p><p>Vittoria kochte innerlich, doch auf ihren Lippen erschien der</p><p>Hauch eines L�chelns. �Zu deiner Information, Professor, mein n�chstes Experiment wird Wissenschaftsgeschichte schreiben! Ich werde n�mlich beweisen, dass Neutrinos Masse haben!�</p><p>�Masse?� Langdon blickte sie erstaunt an. �Ich wusste gar nicht, dass Neutrinos Fische sind.�</p><p>Mit einer geschmeidigen Bewegung war sie �ber ihm und dr�ckte ihn aufs Bett. �Ich hoffe, du glaubst an ein Leben nach dem Tod, Robert Langdon.� Sie lachte, als sie sich rittlings auf ihn setzte. In ihren Augen leuchtete es spitzb�bisch.</p><p>�Offen gestanden�, �chzte er und lachte lauter, �ich hatte immer Probleme, mir irgendetwas jenseits dieser Welt vorzustellen.�</p><p>�Tats�chlich? Dann hattest du nie eine religi�se Erfahrung? Einen vollkommenen Augenblick der Verz�ckung?�</p><p>Langdon sch�ttelte den Kopf. �Nein. Und ich bezweifle, dass ich zu den Menschen geh�re, die jemals irgendeine religi�se Erfahrung machen.�</p><p>Vittoria lie� den Morgenmantel von ihren Schultern gleiten. �Du warst noch nie mit einer Yoga-Meisterin im Bett, wie?�</p></section></body><body name="notes"><section id="bookmark0"><title><p>1</p></title><p>LHC-Large Hadron Collider = Hadronenbeschleuniger oder Hadronenkollider. Hadronen: Sammelbezeichnung f�r Elementarteilchen, die der starken Wechselwirkung unterliegen (Baryonen, Mesonen, Protonen, Neutronen) (Anm. d. �bers.).</p></section><section id="bookmark1"><title><p>2</p></title><p>HAZMAT - hazardous materials = gef�hrliche Substanzen (Anm. d. �bers.).</p></section><section id="bookmark2"><title><p>3</p></title><p>Den Verr�ckten wird einst die Erde geh�ren! (Anm. d. �bers.).</p></section></body><binary id="cover" 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