<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Wolfgang</first-name><last-name>Hohlbein</last-name></author><book-title>Das schweigende Netz</book-title><annotation><p>Schwer haben Menschen und Quorrl gek�mpft, um die scheinbar unbezwingbare Festung einzunehmen - es war ihr erster Sieg gegen die Sterngeborenen. Doch ihre Feinde haben eine grausame und heimt�ckische Waffe zur�ckgelassen: eine Waffe, die bewirkt, da� sich Quorrl und Menschen, die endlich zusammen k�mpfen, entzweien und gegeneinander zum Kampf antreten. </p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><sequence name="Enwor" number="7"/></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>perl v5.14.2, poppler 0.19, FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-04-02">02 April 2012</date><id>AE519243-FE60-45C4-A63F-E0A6D306D3AB</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><publisher>Tosa Verlag</publisher><city>Wien</city><year>1988</year><isbn>ISBN 3-442-24953-8</isbn></publish-info></description><body><section><p><image l:href="#cover"/></p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>Wolfgang Hohlbein - Die Enwor Saga 7 </strong></p><p><strong>Das schweigende Netz </strong></p><p>Umschlag: Der Graph, Wien </p><p>Illustrationen: Christian Mogg </p><p>Ungek�rzte und genehmigte Lizenzausgabe f�r Tosa Verlag, Wien </p><p>� der Originalausgabe 1988 by Wilhelm Goldmann Verlag GmbH, M�nchen </p><p>� der vorliegenden Ausgabe 1996 by Tosa Verlag, Wien </p><p>Gesamtherstellung: Der Graph, Wien </p><empty-line/><p><emphasis><strong>Coverr�ckseite</strong></emphasis></p><p>Schwer haben Menschen und Quorrl gek�mpft, um die scheinbar unbezwingbare Festung einzunehmen - es war ihr erster Sieg gegen die Sterngeborenen. Doch ihre Feinde haben eine grausame und heimt�ckische Waffe zur�ckgelassen: eine Waffe, die bewirkt, da� sich Quorrl und Menschen, die endlich zusammen k�mpfen, entzweien und gegeneinander zum Kampf antreten. </p></section><section><title><p id="_1">1.</p></title><p>Manchmal hatte er das Gef�hl, ihn zu sehen. Er wu�te, da� es nicht wahr war; blo� eine Illusion, mit der ihn ein Teil seines Bewu�tseins terrorisierte, seit er hierhergekommen war, und vielleicht schon l�nger, aber manchmal war das Gef�hl �berm�chtig. Er hatte etwas falsch gemacht; etwas �bersehen, etwas vergessen, etwas falsch gedeutet - irgend etwas, von dem er nicht wu�te, was es war, das ihn aber qu�lte; wie ein nicht n�her lokalisierbarer Schmerz immer da war, gleich, ob er wachte oder schlief. Und der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>war gekommen, um ihn an diesen Fehler zu erinnern. Selbst jetzt brauchte er nur die Augen halb zu schlie�en und sich vollkommen zu entspannen, bis seine Sehsch�rfe nachlie�, um ihn wahrnehmen zu k�nnen: eine winzige, schlanke Gestalt von der Farbe der Nacht, die auf der anderen Seite des Flusses auf einem Felsen stand und ihm zuzuwinken schien. Er war nicht <emphasis>wirklich </emphasis>da - Skar h�tte ihn nicht einmal sehen k�nnen, h�tte er dort gestanden, denn jener Felsen war viel zu weit entfernt, um mehr als ein vereistes Funkeln im Sternenlicht zu sein, aber ein Teil von ihm sorgte daf�r, da� er die Schim�re sah, immer und immer und immer wieder. Manchmal h�rte er auch seine Stimme: <emphasis>All diese Toten, Satai. All diese ausgel�schten Leben. Und du hast noch nicht einmal richtig begonnen. Willst du die ganze Welt ausrotten?</emphasis> Er verscheuchte den Gedanken, beugte sich ein wenig �ber die Br�stung und zwang sich, den Felsen auf der anderen Seite des Flusses als das zu sehen, was er war: ein mannshoher Steinklotz, den der Winter mit einem Eispanzer umh�llt hatte, und <emphasis>mehr nicht! </emphasis>und blickte dann nach links. Die Feuer brannten noch immer, und selbst �ber gro�e Entfernung - es mu�te eine Meile sein oder mehr - war ihr Licht so grell, da� es in den Augen schmerzte.</p><p>Dels Satai hatten die letzten Toten aus der Burg geschafft, hinunter auf den gro�en Platz am Ufer des Flusses, wo sie verbrannt wurden. Die Scheiterhaufen brannten seit zwei Tagen, und sie w�rden weitere zwei - mindestens zwei, wenn nicht mehr - Tage brennen, ehe die letzten Spuren der Schlacht getilgt waren. Vor einer Stunde, genau mit dem Untergang der Sonne, hatte der Wind gedreht, und die B�en trugen den fettigen schwarzen Qualm jetzt nicht mehr hinaus in die Ebene, sondern direkt hierher, hinauf zu den Zinnen von Drasks Trutzburg, wo er wie �belriechender Nebel durch jede Spalte und jeden Ritz kroch und das Atmen zur Qual werden lie�. Der Gestank war entsetzlich, und auf allem, was dieser schreckliche schwarze Qualm ber�hrte, hinterlie� er eine unsichtbare, fettige Schicht, die einem das Gef�hl gab, durch fl�ssigen Leim zu waten. Alles schien klebrig zu sein, und auf eine unangenehme Art warm. Die Rache der Toten, dachte Skar, die ihren M�rdern nicht als Gespenster im Schlaf erschienen, sondern als �belriechender Qualm, der ihnen den Geschmack an jedem Essen und jedem Schluck Wasser verg�llte. Und hier im Freien war es besonders schlimm.</p><p>Trotzdem war Skar hier oben geblieben. Mit dem Abend war es - absurd genug - sp�rbar w�rmer geworden, und manchmal trug der Wind au�er Gestank und Qualm und dem unabl�ssigen Prasseln des Feuers auch ein schweres, dumpfes Splittern und Knirschen mit sich. Die dichten Rauchwolken �ber der Burg nahmen Skar die Sicht auf den Flu�, aber er wu�te, was diese Laute bedeuteten: Die m�chtigen Schollen, die zwei Drittel der Fahrrinne noch immer blockiert hatten und an denen ihr ganzer Angriff um ein Haar gescheitert w�re, zerbrachen jetzt endg�ltig unter den Hammerschl�gen des Fr�hlings.</p><p>In einer, l�ngstens zwei Wochen war der Flu� eisfrei. Das neue Jahr stie� das Tor nach Osten f�r sie auf.</p><p>Er dachte diesen Gedanken v�llig kalt. Er sp�rte keine Erleichterung, keine Zufriedenheit, keine Furcht - all dies h�tte er f�hlen sollen, denn eine schnelle Verbindung nach Osten war Grundvoraussetzung f�r das Gelingen ihres Invasionsplanes -, aber sie bedeutete auch, da� er in wenig mehr als zwei Wochen an der Spitze von Dels Heer in eine apokalyptische Schlacht ziehen w�rde, von der keiner von ihnen wu�te, ob er sie �berlebte. Aber er empfand gar nichts.</p><p>Wie so oft in letzter Zeit.</p><p>Manchmal - und diese Momente h�uften sich - fragte er sich allen Ernstes, ob etwas in ihm gestorben war, als Bradburn das <emphasis>Sai-Tan </emphasis>vorgenommen hatte. Er hatte geglaubt, etwas bekommen - etwas <emphasis>zur�ckgewonnen - </emphasis>zu haben, aber vielleicht stimmte das gar nicht. Etwas war in ihm, etwas Neues und zugleich auf schreckliche Art Bekanntes und Altes, aber manchmal kam er sich vor, als st�rbe er innerlich; sehr langsam, so da� er es selbst kaum merkte, aber unaufhaltsam. Selbst vor zwei Tagen, als sie Drasks Burg genommen hatten - er versuchte sich daran zu erinnern, aber es gelang ihm nicht; er besann sich nur auf Dinge, die er getan hatte, auf Handlungen und Worte, nicht auf das, was er <emphasis>gef�hlt </emphasis>hatte -, hatte er nichts empfunden. Im wahrsten Sinne des Wortes <emphasis>nichts. </emphasis>Aber er hatte erst hinterher begriffen, da� es nicht die K�lte und Gelassenheit des Kampfes war, die er gesp�rt - oder vielmehr gerade <emphasis>nicht </emphasis>gesp�rt hatte, sondern die berechnende Gef�hllosigkeit einer Maschine, die auf K�mpfen und T�ten programmiert war und diese Aufgabe perfekt erf�llte. Ja, dachte er; Del hatte recht. Er <emphasis>hatte </emphasis>sich ver�ndert, seit er vor drei Monaten im Tempel der Gesichtslosen Prediger tief unter den Bergen erwacht war. Er wu�te noch nicht, was diese Ver�nderung in ihm bewirkte und was sie verursacht hatte, aber er hatte das Gef�hl, da� es kein Wandel zum Guten war. Ein Ger�usch irgendwo hinter ihm rief ihn in die Wirklichkeit zur�ck. Skar sah auf, identifizierte den Laut als das �ffnen der niedrigen T�r, die vom Treppenturm aus auf die Plattform des Turmes hinausf�hrte, und drehte sich ohne sp�rbare Hast um. Auch dies war ein Luxus, den er seit langer Zeit zum ersten Mal wieder geno�: einen Laut hinter sich zu h�ren und sich umzuwenden, ohne Angst haben zu m�ssen oder gar - noch vor Monatsfrist unvorstellbar! - einfach stehenzubleiben. Er l�chelte, als er den verwirrten Ausdruck auf den Z�gen des jungen Satai-Sch�lers sah, der den Grund dieses L�chelns nat�rlich nicht wissen konnte und dadurch noch ein bi�chen verwirrter wurde. �Herr?�</p><p>Skar schluckte die scharfe Antwort hinunter, die ihm dieses Wort abverlangen wollte. Er hatte es aufgegeben, den Novizen immer und immer wieder zu sagen, da� sie ihn nicht <emphasis>Herr </emphasis>nennen sollten; vor allem, seit Del ihm nunmehr auch offiziell das Kommando �ber die Satai gegeben hatte. Er hatte es nicht gewollt, aber es war das kleinere von zwei �beln gewesen - die Satai oder die Quorrl. Etwas in ihm hatte aufgeschrien wie ein getretener Hund, allein bei dem Gedanken, an der Spitze eines Heeres vierzigtausend fischgesichtiger <emphasis>Quorrl </emphasis>zu stehen.</p><p>Nun, dachte er sp�ttisch, jetzt stand er an der Spitze eines Heeres von f�nfhundert <emphasis>Satai, </emphasis>wenngleich die meisten von ihnen noch kaum mehr als Kinder waren, wie dieser Bursche, der jetzt unter der T�r verharrte und linkisch von einem Fu� auf den anderen trat, unentschlossen, wie er auf Skars Schweigen reagieren sollte, Skars, des Halbgottes, der lebenden Legende, des Unbesiegbaren, des Satai schlechthin. Unentschlossen und auch ein bi�chen �ngstlich, wie es sich geh�rte, wenn man einem Gott unter die Augen kam; einem Gott, der auch ein bi�chen von einem D�mon an sich hatte. Aber vielleicht hatten das alle G�tter. Skar sch�tzte den Burschen auf sechzehn Jahre, allerh�chstens siebzehn. Er war so gro� wie er und fast so breitschultrig wie Del, aber sein Gesicht war das eines Knaben. Es w�rde noch lange dauern, ehe sich der erste Bart auf seinen Wangen zeigte. Skar wurde sich der Tatsache bewu�t, da� er dastand und den Novizen anstarrte, was dem armen Burschen wahrscheinlich H�llenqualen bereitete. Er versuchte, sein L�cheln ein wenig freundlicher aussehen zu lassen, und trat von der Br�stung zur�ck. Der Wind drehte sich ein wenig und wehte eine schwarze, fettige Qualmwolke �ber die Zinnen, die ihn f�r Momente einh�llte wie ein Mantel aus geronnener Nacht. Skar f�hlte sich leicht angeekelt, als er die Ber�hrung des schwarzen Qualmes wie die einer klebrigen Hand auf der Haut sp�rte. Aber auf dem Gesicht des jungen Satai spiegelten sich ganz andere Empfindungen, und Skar begriff, wie der Anblick auf ihn wirken mu�te. Ein Sandkorn mehr, um das Gebirge aus Legenden und Furcht, auf das sie ihn gestellt hatten, noch h�her zu machen. <emphasis>Ihr G�tter, </emphasis>dachte er, <emphasis>was ist aus Enwor geworden? Was geschieht mit uns?</emphasis> Laut sagte er: �Bitte?�</p><p>Der Junge fuhr zusammen wie unter einem Hieb. Von einer Sekunde auf die andere war er nerv�s, als w�re sein Schweigen eine letzte Barriere gewesen, hinter der er sich verkrochen hatte, um nicht durch Skars blo�es Dasein zu verbrennen. �Er... er will Euch sprechen, Herr�, stotterte er.</p><p>�Del?�</p><p>�Der Hohe Satai?� Der Novize sch�ttelte den Kopf, aber erst nach einer Sekunde des Schweigens, fast als m�sse er diesen Namen erst mit dem sieben Fu� gro�en Riesen in der schwarzgoldenen Robe des Kriegsherren der Satai verbinden. Skar rief sich in Erinnerung zur�ck, da� kaum jemand Dels Namen kannte.</p><p>�Nein�, fuhr der Junge schlie�lich fort. �Drask. Er... er verlangt nach Euch, Herr.�</p><p>�Drask?� Skar war �berrascht, aber nur f�r einen Moment, und auch ein ganz kleines bi�chen beunruhigt; ohne indes genau sagen zu k�nnen, warum. Es war nicht so, da� er die Begegnung mit dem Magier f�rchtete. Im Gegenteil - fr�her oder sp�ter w�re er ohnehin zu ihm gegangen. Es �berraschte ihn nur ein wenig, da� Drask von sich aus den Wunsch ge�u�ert hatte, ihn zu sehen. Nach allem, was er ihm angetan hatte, mu�te er damit rechnen, da� Skar ihn kurzerhand t�tete, im gleichen Moment, in dem - Aber nein, verbesserte er sich in Gedanken. Jeder <emphasis>normale </emphasis>Mensch h�tte damit gerechnet. Drask nicht. Er war nicht <emphasis>normal, </emphasis>wenn diese Einsch�tzung auch keineswegs im Sinne von geistesgest�rt oder gar verr�ckt zu bewerten war. Aber ein <emphasis>normaler </emphasis>Mensch war er ganz sicher nicht. Vielleicht war er nicht einmal ein Mensch.</p><p>Er nickte, trat aus dem Mantel aus schwarzem Rauch heraus und schlug auch den zweiten, wirklichen Mantel aus ebenfalls schwarzem Stoff zur�ck, der seine Schultern umgab. Der Blick des Novizen huschte mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Bewunderung �ber den schwarzen Zeremonienmantel, als er an ihm vor�berging.</p><p>Skar unterdr�ckte ein L�cheln. Er verstand den Jungen, wahrscheinlich viel besser, als dieser ahnte. Auch er war einmal so jung wie er gewesen, und auch er hatte einmal mit klopfendem Herzen und angehaltenem Atem dagestanden und den schwarzen Mantel eines Hohen Satai angestarrt; und auch er hatte sich nichts mehr gew�nscht, als ihn eines Tages selbst zu tragen. Aber damals hatte er noch nicht gewu�t, wie schwer er war. Er verscheuchte auch diesen Gedanken, eilte die gewundene Treppe hinunter und trat sechs Stockwerke tiefer auf den Hof der Festung hinaus.</p><p>Die Illusion, allein zu sein, zerplatzte wie eine Seifenblase, kaum da� er den ersten Schritt aus der T�r getan hatte. F�r einen Augenblick wurde er zu einem Gleichen unter Gleichen, denn der Hof war voller Krieger, weit �ber hundert M�nner, die fast alle die schwarzen M�ntel der Satai trugen, und dar�ber hinaus eine nicht einmal zu sch�tzende Anzahl schuppiger, gro�er Gestalten, von denen keine der anderen glich.</p><p>Wie immer, wenn Skar sich zwischen den Quorrl bewegte, �berkam ihn ein sonderbares Gef�hl der Unruhe, das er sich selber nicht ganz erkl�ren konnte. Es war mehr, weit mehr als die instinktive Abneigung, welche die meisten Menschen beim Anblick der schuppigen Giganten aus dem Norden empfanden, mehr als die angeborene Scheu, einem denkenden Individuum gegen�berzustehen, das kein Mensch war, und doch sehr viel mehr als ein Tier. Mehr als die Verunsicherung, die jeden �berfiel beim Anblick der flachen Fischgesichter, die unf�hig waren, Gef�hle und Empfindungen widerzuspiegeln. Was er sp�rte, w�hrend er mit raschen Schritten �ber den zum Heerlager umfunktionierten Hof eilte, wobei ihn die v�llig willk�rliche Art, in der das Lager der Quorrl-Krieger angelegt war, zu einem absurden Zickzack zwang, das war zu einem Gutteil Schuld, das dumpfe Wissen, in der Vergangenheit zahllose dieser Kreaturen get�tet zu haben, ohne dabei mehr zu empfinden als... ja, als eigentlich gar nichts. Er hatte auch Menschen get�tet, sehr viele Menschen, denn letztendlich war er ein Krieger, vielleicht der gr��te Krieger dieses Planeten �berhaupt, und er hatte das Leben eines Kriegers gef�hrt, aber das war etwas anderes gewesen. Was er sp�rte, was ihm sofort und unabwendbar das Gef�hl des In-die-Enge-getrieben-seins gab, war nichts anderes als ein ganz profanes schlechtes Gewissen, obwohl ihm dieses Wort fast zu banal erschien, um seine Empfindungen wirklich auszudr�cken. Er hatte Menschen get�tet, und Quorrl, aber da <emphasis>war </emphasis>ein Unterschied gewesen. Er hatte die Quorrl stets als Tiere gesehen - o ja, als sehr kluge Tiere, Tiere, die sprachen, die aufrecht gingen und Werkzeuge und vor allem Waffen zu handhaben wu�ten, als verschlagene und sehr gef�hrliche Gegner, aber letztendlich doch als <emphasis>Tiere.</emphasis></p><p>Aber das waren sie nicht.</p><p>Sie waren nicht einmal ihre Feinde.</p><p><emphasis>Alles ist falsch, </emphasis>dachte er. Seit er im unterirdischen Tempel der Gesichtslosen Prediger aufgewacht war, hatte sich die Welt ver�ndert, auf eine entsetzliche, angstmachende Weise. Aus Gut war Schlecht geworden, aus Freund Feind, aus Schlecht Gut und aus Feind Freund. Die alten Werte galten nicht mehr, und sie hatten vielleicht niemals wirklich gegolten. Aber er hatte erst sterben und nach fast einem Menschenleben wieder auferstehen m�ssen, um das zu begreifen. M�glicherweise war <emphasis>er </emphasis>es auch, der sich ver�ndert hatte, viel tiefer, als er jetzt schon sp�rte.</p><p>Er verscheuchte auch diesen Gedanken - das, dachte er voller bitterem Spott, war etwas, was er wirklich gelernt hatte, in den letzten Wochen und Monaten: die Augen vor der Wahrheit zu verschlie�en und sie einfach wegzul�gen -, gelangte auf der anderen Seite des Hofes wieder in die Festung und n�herte sich Drasks Quartier.</p><p>Die beiden Satai, die vor der massiven Eisent�r des fensterlosen Raumes Wache hielten, traten respektvoll beiseite, als sie ihn erkannten, und wieder sp�rte Skar einen raschen, schmerzhaften Stich in der Brust, als er ihre Blicke bemerkte. Es war nur Respekt, den er in den Augen der M�nner las. Und Furcht. Furcht vor seinem schwarzen Mantel mit dem verschlungenen f�nfzackigen Stern auf dem R�cken und dem rubingeschm�ckten <emphasis>Tschekal </emphasis>an seiner Seite. Auch diese M�nner waren keine Satai mehr, dachte er, so wenig, wie der Novize, der ihn hier heruntergerufen hatte. Sie waren es nie geworden, und er w�rde es nie werden.</p><p>Skar betrat den Raum hinter der Eisent�r und fand sich in einer sehr kleinen, von einer einzelnen Fackel nur d�ster erhellten Kammer wieder. Auch hier gab es W�chter - einen weiteren Satai, und bei ihm den gr��ten und muskul�sesten Quorrl, den er jemals gesehen hatte: ein Gigant von mehr als acht Fu� H�he und einer Schulterbreite, die schlichtweg absurd erschien. Gemessen an der Art, in der Del Drask bewachen lie�, dachte Skar, mu�te er noch immer geh�rigen Respekt vor dem Magier haben. Er nickte dem Quorrl gr��end zu, wandte sich - noch immer, ohne ein Wort zu sagen - an den Satai und gab ihm mit einem Handzeichen zu verstehen, die T�r zu Drasks eigentlichem Verlies zu �ffnen. Der Satai gehorchte, aber er tat es ohne irgendwelche Hast; seine Bewegungen waren von jener nachl�ssigen Selbstverst�ndlichkeit, die den wirklichen Krieger verriet, kein dummer Junge, wie der Novize, und auch kein viel zu eilig ausgebildeter Raufbold, wie die beiden, die vor der T�r Wache standen. Ein absurdes Gef�hl von Stolz �berkam Skar, als er zusah, wie er einen gro�en Schl�ssel von seinem G�rtel l�ste und damit nacheinander die drei Schl�sser entriegelte, welche die T�r zu Drasks eigentlichem Gef�ngnis sicherten.</p><p>Geb�ckt trat er hindurch, wartete, bis sich die T�r hinter ihm wieder geschlossen und das Klicken der drei Schl�sser verraten hatte, da� er nun ebenfalls gefangen war, und wandte sich dann zu Drask um.</p><p>Der Magier sa� vorn�bergebeugt auf einem Stuhl, die Arme auf den Knien aufgest�tzt und mit d�nnen Ketten aus unzerrei�barem Sternenstahl gebunden. Neben ihm hockte ein Quorrl-Krieger, der in der Schlacht das Augenlicht verloren hatte. Er war angekettet wie Drask, und er w�rde sterben wie Drask, sobald sie diese Festung verlie�en, vielleicht schon eher, sollte der Magier seinen Verletzungen vorher erliegen, was wahrscheinlich war. Zwischen seinen Knien stand eine Schale mit einer farblosen Fl�ssigkeit, von der er Drask alle zwei oder drei Stunden einige Schlucke einfl��te. Eine Anzahl blauer Flecke und Quetschungen im Gesicht des alten Magiers bewies, da� dies nicht immer freiwillig geschah. Skar empfand weder Mitleid noch Triumph bei diesem Anblick.</p><p>Er r�usperte sich lautstark, um Drasks Aufmerksamkeit zu erregen. Es dauerte eine Weile, bis der alte Mann aufsah, und dann noch einmal Sekunden, ehe in seinen tr�b gewordenen Augen so etwas wie Erkennen aufglomm.</p><p>Auch das blinde Gesicht des Quorrl wandte sich Skar zu; eine vierfingrige Schuppenhand tastete nach dem Schwert, das von seiner H�fte hing. Skar nannte seinen Namen, und der Quorrl entspannte sich wieder.</p><p>�Du bist gekommen�, murmelte Drask. �Das ist gut. Ich danke dir, Satai.�</p><p>Etwas in seiner Stimme lie� Skar schaudern. Drasks Stimme war niemals angenehm gewesen, so wie nichts an ihm jemals <emphasis>angenehm </emphasis>gewesen war. Skar hatte ihn nur als b�sen, unerbittlichen alten Mann in Erinnerung, dem jegliche menschliche Regung abging und der nicht einmal wirklich grausam, sondern einfach nur gef�hllos wie eine Maschine war, und das war er wohl auch noch immer.</p><p>Aber die Droge, die seinen Geist verwirrte und die entsetzliche Macht seiner Augen brach, hatte noch mehr bewirkt. Skar fragte sich, warum Drask ihm im ersten Moment so gealtert und schwach vorgekommen war, aber er fand die Antwort fast augenblicklich. Ihm fehlte jetzt die faszinierende Gr��e, die das wirklich B�se kennzeichnete.</p><p>�Du hast mich rufen lassen�, antwortete er mit einiger Versp�tung. �Was willst du?�</p><p>Er machte einen weiteren Schritt auf Drask zu, und wieder kroch die Schuppenhand des blinden W�chters zum Schwert. Skar blieb abermals stehen. Der Quorrl hatte Befehl, jeden zu t�ten, der sich Drask auf mehr als drei Schritte n�herte, ausnahmslos jeden, und er w�rde es tun. Da� Skar all diese Vorsichtsma�nahmen, die Del und Bradburn befohlen hatten, f�r l�cherlich �bertrieben hielt, �nderte daran gar nichts.</p><p>�Was willst du von mir?� fragte er noch einmal, als Drask nicht antwortete, sondern ihn nur weiter aus seinen verschleierten Augen anblickte.</p><p>�Ich wollte dich noch einmal sehen�, antwortete Drask, sehr leise, aber mit pl�tzlich wieder kr�ftiger Stimme. �Ich sterbe.�</p><p>�Ich wei߫, antwortete Skar kalt. Es gelang ihm nicht einmal mehr, Ha� auf Drask zu empfinden. Irgendwie war Drask nun f�r ihn zu einem Quorrl geworden - jemand, nein: <emphasis>etwas, - </emphasis>das man f�rchtete und respektierte, aber so wenig hassen konnte wie den Blitz, der einen erschlug.</p><p>Drask versuchte, den Kopf zu sch�tteln, aber selbst zu dieser kleinen Bewegung fehlte ihm beinahe die Kraft. �Du verstehst nicht�, sagte er. �Ich sterbe <emphasis>jetzt. </emphasis>Ich sp�re es.�</p><p>Skar bezweifelte seine Worte nicht. Drask war ein Magier, und Magiern standen andere Sinne zur Verf�gung als normalen Menschen. Es war ohnehin ein Wunder, da� er noch lebte, nach den Verletzungen, die er davongetragen hatte.</p><p>�Ich dachte, es w�rde dir Freude bereiten, dabei zuzusehen.�</p><p>�Du kannst mich nicht mehr verletzen, alter Mann�, erwiderte Skar ruhig; nicht nur �u�erlich, sondern wirklich ruhig, ohne eine Spur von Zorn. �Was willst du?�</p><p>Drask schwieg eine Weile, und der Quorrl zu seinen F��en wandte ihm das blinde Gesicht zu. Er legte den Kopf auf die Seite, wie ein Mensch, der gebannt auf etwas lauschte, und f�r wenige Augenblicke war Skar zweifelsfrei davon �berzeugt, da� diese beiden ungleichen sterbenden Wesen wirklich auf irgendeine Art miteinander redeten.</p><p>�Warum bist du geblieben?� fragte er pl�tzlich. Das war etwas, was ihn besch�ftigte, seit sie diese Festung vor zwei Tagen genommen hatten, nicht die einzige, wohl aber die wichtigste Frage, auf die er noch keine Antwort gefunden hatte. �Warum bist du nicht geflohen, du Narr? Hast du wirklich geglaubt, du k�nntest diese l�cherliche Burg halten?� <emphasis>Gib mir hundert Satai, Drask, und ich nehme deine Burg in einer Nacht. </emphasis>Das waren seine Worte gewesen. Er erinnerte sich gut daran, und auch an den Schrecken, den sie auf Drasks Gesicht ausgel�st hatten.</p><p>�Geflohen?� Drasks Blick war wieder klar. �Aber wohin denn? Und wozu?�</p><p>�Wozu?� Skar war verwirrt. �Um dein Leben zu retten, zum Beispiel.�</p><p>Drask lachte leise. �Mein Leben? Die wenigen Jahre, die mir noch blieben?�</p><p>Er hob anklagend die gefesselten H�nde und streckte sie Skar entgegen. �Das hier macht mir Angst, Satai, und es bereitet mir Schmerzen. Aber der Tod schreckt mich nicht. Er ist eine Erl�sung f�r jemanden, der so alt geworden ist wie ich, und jemanden, der sich mit M�chten eingelassen hat, wie ich es tat.�</p><p>�Bedauerst du es?� Skar sp�rte, da� Drasks Worte ernst gemeint waren, so billig und abgedroschen sie klangen. Drask sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Bedauerst du, Satai zu sein? Die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>verlangen einen hohen Preis f�r die Macht, die sie mir verliehen haben, Skar. Du w�rest entsetzt, wenn du w��test, <emphasis>wie </emphasis>hoch er ist. Aber ich bedaure es nicht, so wenig, wie ein Satai bedauert, nicht das Leben eines Bauern zu f�hren. Man bekommt, und man gibt daf�r.� Er lachte ein d�nnes, meckerndes Altm�nnerlachen, in dem sogar eine Spur seiner fr�heren Bosheit mitschwang, und hob abermals die H�nde.</p><p>�Warum nimmst du sie mir nicht ab, Skar? Sie tun weh.�</p><p>�Ich kann es nicht.� Skar deutete auf den blinden Quorrl. �Er w�rde mich t�ten, wenn ich es versuchte. Das wei�t du.� Drask sah eine Weile auf den Quorrl-Krieger hinab, als m�sse er sich durch eigenen Augenschein davon �berzeugen, da� Skar wirklich recht hatte. Er seufzte. �Wei� dein Freund Del, wie n�rrisch das alles hier ist?� fragte er. �Ein blinder Quorrl, dem mein b�ser Blick nichts anhaben kann?�</p><p>�Sei froh, da� es diesen blinden Krieger gibt�, antwortete Skar. �Del h�tte dir die Augen ausstechen lassen ohne ihn.�</p><p>Das war wahr. Es hatte Skar gro�e �berredungskunst gekostet, Del diesen Gedanken auszureden, und er war bis zuletzt nicht sicher gewesen, ob es �berhaupt klug war. Schlie�lich hatten Dutzende von M�nnern gesehen, wie Drask ein halbes Dutzend Quorrl get�tet hatte, einfach nur, indem er sie <emphasis>ansah.</emphasis> �Fesseln aus Sternenstahl�, fuhr Drask fort, als h�tte er Skars Worte gar nicht geh�rt. �Eine Droge, die meinen Geist bet�ubt, und eiserne T�ren mit drei Schl�ssern.� Er blickte wieder zu Skar auf und sch�ttelte den Kopf. �Ihr habt sehr viel Angst vor einem einzelnen Mann. Und ihr begreift nichts. Ihr werdet verlieren, Skar.�</p><p>�So?� Skar machte eine zornige Bewegung, welche die ganze Festung einschlo�. �Bisher sieht es eher so aus, als h�ttest <emphasis>du </emphasis>verloren. Deine famose Burg hat uns nicht sehr lange aufgehalten.� Er machte eine Geste nach oben und hinter sich. �Und das Eis auf dem Flu� bricht auf. In einer Woche �berwinden wir die Berge. Was soll uns dann noch aufhalten? Das l�cherliche Heer, das sich in Ikne sammelt?�</p><p>�Ihr werdet es besiegen, ich wei߫, antwortete Drask gleichm�tig. �Aber gebt acht, da� ihr euch nicht totsiegt, Satai. Eine gewonnene Schlacht ist nicht alles.�</p><p>Skar sah den alten Magier scharf an. Drasks Gesicht war gezeichnet von Schmerz und Alter und vor allem dem Proze� des Sterbens, der vor zwei Tagen begonnen hatte und nun bald zu Ende sein w�rde. Aber es strahlte auch gleichzeitig eine sonderbare Art von Kraft aus, jene innere Kraft, die unersch�tterliche �berzeugung verriet, das Wissen um Dinge, die allen anderen Menschen verborgen waren. Trotz seiner erb�rmlichen Erscheinung und seines Sterbens hatte Drask noch immer eine Art von Gr��e an sich, die Skar schaudern lie�.</p><p>�Du hast mich gefragt, warum ich dich rufen lie�, Satai�, fuhr Drask nach einer Weile fort. �Ich will es dir sagen. Ich erwarte nicht, da� du mir glaubst, aber ich bin jetzt frei. Die Macht der <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>ist nicht mehr in mir. Ich bin wieder der, welcher ich war, ehe ich zu ihnen ging, und ich sehe die Dinge jetzt, wie sie wirklich sind.�</p><p>�Und du bereust alles und willst mich warnen, mit deinen letzten Atemz�gen.� Der b�se Spott, den Skar in diese Worte hatte legen wollen, gelang ihm nicht. Sie klangen einfach nur so, wie sie waren: dumm.</p><p>�Nein�, widersprach ihm Drask. �Ich bereue nichts, und ich wei� jetzt mehr denn je, da� sie siegen werden. Frage mich nicht, wer sie sind, denn ich werde dir nicht antworten. Aber ihr werdet verlieren, Skar. Ihr werdet k�mpfen und siegen und euch mit diesem Sieg selbst vernichten, denn sie k�nnen nicht besiegt werden. Ich warne dich, weil ich jetzt sehe, wie es kommen wird, sehr deutlich.�</p><p>�Du sprichst von ihnen, als w�ren sie G�tter�, entgegnete Skar. Drask nickte. �Das sind sie. Oh, nicht jene Art von G�ttern, wie sie sich die Menschen selbst erschaffen haben, Satai. Diese Art von G�ttern k�nnt ihr vernichten, denn sie haben immer nur so viel Macht, wie die, welche sie schufen, ihnen zugestehen. Die G�tter sind sterblich, aber die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>nicht.�</p><p>�Wer sind sie?� fragte Skar, obgleich Drask ihm vor Augenblicken erst gesagt hatte, da� er diese Frage nicht beantworten w�rde. Drask l�chelte auch nur schwach und sch�ttelte den Kopf. Aber er antwortete trotzdem: �Wesen von unbeschreiblicher Macht, Skar. Nicht einmal die Alten konnten sie besiegen, obgleich auch ihre Macht der von G�ttern gleichkam.�</p><p>�Das ist eine etwas vage Beschreibung, findest du nicht?� wandte Skar ein.</p><p>Drask l�chelte. �Die einzige, die ich dir geben kann. Und die einzige, die ich dir geben will. Ich habe dich nicht gerufen, um alle meine Geheimnisse mit dir zu teilen, Satai. Ich will dich warnen.�</p><p>�Wovor?�</p><p>�Vor dem, was ihr vorhabt�, antwortete Drask ernst. �Ihr k�nnt uns besiegen - uns, die Zauberer, nicht die, f�r die wir arbeiten. Ich gebe zu, da� wir euch untersch�tzt haben. Niemand hat damit gerechnet, da� die Satai so stark sein w�rden, und niemand von uns hat damit gerechnet, da� sie sich ausgerechnet mit den Quorrl zusammentun w�rden. Und niemand hat mit <emphasis>dir</emphasis> gerechnet. Ihr werdet uns schlagen, binnen eines Jahres. Jetzt, wo du wieder da bist, wird das Netz zerrei�en, das meine Br�der und ich �ber Enwor gewoben haben. Aber ihr werdet alles nur noch schlimmer machen.�</p><p>�Gibt es etwas Schlimmeres, als eine ganze Welt zu versklaven?� fragte Skar.</p><p>�Ja�, antwortete Drask mit gro�em Ernst. �Eine ganze Welt zu vernichten, Skar. Ihr werdet uns schlagen, daran besteht kein Zweifel. Wir h�tten euch besiegt, wir h�tten die Veden besiegt, wir h�tten die Sumpfleute besiegt und wir h�tten vielleicht sogar die Quorrl besiegt. Aber alle zusammen seid ihr zu stark f�r uns. Ihr werdet siegen. Aber wenn ihr es getan habt, Skar, wenn ihr das Schwert senkt und der letzte von uns vernichtet ist, dann werdet ihr feststellen, da� ihr Enwor in einem Meer von Blut und Gewalt ertr�nkt habt. Du wirst die Welt, in der du geboren bist, nicht mehr wiedererkennen, wenn alles vorbei ist.�</p><p>Seine Worte machten Skar betroffen, aber auch gleichzeitig zornig. Ohne auf die drohende Geb�rde des Quorrl zu achten, trat er einen weiteren Schritt auf Drask zu und beugte sich erregt vor. �Und was erwartest du von mir, alter Mann?� fragte er aufgebracht. �Da� ich hingehe und ihnen sage, sie sollen die Waffen senken und sich ergeben? Das ist l�cherlich!�</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte Drask. �Du w�rdest es nicht tun, und selbst, wenn du es t�test, w�rden sie nicht auf dich h�ren. Es waren M�nner wie Del, die unserem Plan Aussicht auf Erfolg versprachen, vergi� das nicht. Aber du kannst etwas anderes tun, vielleicht als einziger. Etwas, wozu selbst meine Br�der und ich nicht in der Lage sind.�</p><p>�Und was?�</p><p>�Geh zu ihnen�, antwortete Drask. �Geh zu den <emphasis>Sternengeborenen, </emphasis>Skar. Du kannst es.�</p><p>Seine Worte trafen Skar wie ein Hieb ins Gesicht. Er hatte irgendeinen verr�ckten Vorschlag von Drask erwartet, vielleicht auch nur leere Drohungen, nicht einmal das Angebot, die Seiten zu wechseln und den <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>den Sieg zu erm�glichen, um etwa damit den Menschen Enwors das �berleben zu garantieren, h�tte ihn �berrascht.</p><p>Aber das?!</p><p>�Du kannst es, Skar�, fuhr Drask fort, dem seine Ersch�tterung nat�rlich keineswegs entgangen war. �Vielleicht bist du der einzige Mensch auf dieser Welt, der es vermag, denn du bist zu einem Teil einer von ihnen.�</p><p>�Das ist... l�cherlich�, widersprach Skar. Er hatte M�he zu sprechen. Hinter seiner Stirn tobte das Chaos, und er war nicht f�hig, auch nur einen einzigen halbwegs klaren Gedanken zu fassen. Und das Entsetzlichste war, da� er es trotz allem irgendwie ... erwartet hatte.</p><p>�Etwas von ihnen ist in dir�, beharrte Drask. �Du wei�t es. Du hast es immer gewu�t, und du wei�t es auch jetzt. Geh zu ihnen, Skar. Geh zu ihnen und versuche zu tun, was meinen Br�dern und mir nicht m�glich war.�</p><p>�Und was soll das sein?� fragte Skar. Es fiel ihm noch immer schwer zu denken. Er antwortete rein automatisch, ohne wirklich zu wissen, was er sagte. Drasks Worte hatten ihn bis auf den Grund seiner Seele ersch�ttert. Verwirrt blickte er zwischen dem alten Mann und dem Quorrl hin und her, ohne einen von ihnen wirklich zu sehen. Alles drehte sich um ihn.</p><p>�Bitte sie um Frieden, Skar�, antwortete Drask. �Gib ihnen, was sie haben wollen.�</p><p>�Oh�, stie� Skar bitter hervor. �Mehr nicht? Du verlangst von mir, da� ich ihnen Enwor schenke?�</p><p>�Es ist eure einzige Chance�, versicherte Drask. �Nicht Enwor. Nur einen kleinen Teil. Gib ihnen einen Teil, um das Ganze zu retten. Wir k�nnen sie nicht besiegen. Niemand kann das. Aber wir k�nnen mit ihnen leben.�</p><p>�So wie die Alten?� fragte Skar b�se.</p><p>Drask versuchte, eine abf�llige Geste zu machen, was aber durch seine aneinandergeketteten Handgelenke kl�glich mi�lang. Der Kopf des blinden Quorrl ruckte drohend herum, als er das Klirren des silbernen Stahles vernahm. �Die Alten waren Narren�, antwortete Drask heftig. �Sie hatten die Macht von G�ttern, aber sie waren Narren. Sie holten die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>vom Himmel, aber sie begriffen nicht, da� man einem Volk nicht seine Welt nehmen kann, ohne ihm eine andere zu geben.�</p><p>�Vielleicht waren sie der Meinung, Enwor f�r sich selbst zu brauchen�, gab Skar sarkastisch zu bedenken, aber Drask schien seine Worte gar nicht zu h�ren.</p><p>�Als sie begriffen, was sie getan hatten, war es zu sp�t�, fuhr der Magier fort. �Sie versuchten, zusammen mit den <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>zu leben, aber dieser Versuch scheiterte. Du wei�t, was geschah.�</p><p>O ja, das wu�te er. Er hatte Velas Worte nicht vergessen, obwohl es ihm unglaublich lange erschien, da� er sie vernommen hatte. Sie vernichteten sich gegenseitig: das Volk, dem diese Welt geh�rte, und das m�chtig genug geworden war, in gigantischen silbernen Schiffen zu den Sternen zu segeln, und all das, was es von diesen Sternen hierher holte. Und er hatte auch das andere nicht vergessen, was Vela ihm erz�hlt hatte: da� sie, als alles schon verloren schien, als Enwor bereits brannte und aus einer bl�henden Welt eine H�lle wurde, einen letzten, verzweifelten Versuch unternahmen, eine Verbindung zu jenen Sternenwesen zu erschaffen, ein Ungeheuer, halb Mensch, halb Sternenkreatur, halb Gott und halb Teufel.</p><p><emphasis>Ihn.</emphasis></p><p>Oh, nat�rlich nicht ihn selbst, denn er war ein sterblicher Mensch, und das alles lag Tausende um Tausende von Jahren zur�ck, aber das <emphasis>Etwas </emphasis>in ihm, dieses finstere gestaltlose Ding, das er in Ermangelung eines besseren Namens stets seinen Dunklen Bruder genannt hatte, dies war ihr Erbe, der Nachkomme jenes entsetzlichen Gott-Teufel-Zwitters, den M�nner wie Drask erschaffen hatten. Er hatte es immer gesp�rt, da� er etwas Besonderes war, da� ihn etwas von allen anderen Menschen unterschied. Aber verdammt, dachte er, von pl�tzlichem, rasendem Zorn erf�llt, niemand hatte ihn gefragt, ob er es auch wollte! �Es wird wieder geschehen�, f�hrte Drask weiter aus, mit sehr leiser, fast suggestiver Stimme. Er hatte die ganze Zeit geschwiegen, aber Skar war pl�tzlich sicher, da� er seine Gedanken gelesen hatte. �Du wei�t es, Skar. Du hast den <emphasis>Daij-Djan </emphasis>gesehen, und du hast ihr Erwachen gesp�rt. Sie werden siegen. Enwor wird ein zweites Mal untergehen, wenn niemand diesen Krieg verhindert, und diesmal wird niemand mehr �brig bleiben, um es wieder aufzubauen.� Seine Worte waren fast ein Fl�stern, aber von jenem zwingenden Klang, der es Skar einfach unm�glich machte, die Ohren davor zu verschlie�en. Mit einem letzten, klar gebliebenen Teil seines Verstandes begriff er, da� Drask all seine Erfahrung und jedes bi�chen Macht, das ihm trotz der Drogen noch geblieben war, dazu einsetzte, ihn zu �berzeugen, aber dieses Wissen nutzte nichts; vielleicht, weil er ebenso deutlich sp�rte, da� Drask trotz allem die <emphasis>Wahrheit </emphasis>sprach. Es lag in seiner Macht, vielleicht nicht den Krieg zu verhindern, aber es wenigstens zu versuchen.</p><p>�Und... wo sind sie?� fragte Skar. Selbst das Sprechen fiel ihm schwer. Er war nicht sicher, da� er diese Frage wirklich hatte stellen wollen. Das Durcheinander hinter seiner Stirn entwirrte sich nicht, sondern schien im Gegenteil immer schlimmer zu werden.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete Drask leise. Seine Stimme verlor an Kraft, und Skar erkannte, da� er jetzt starb. Diese letzte Anstrengung war zu viel gewesen. Skar konnte regelrecht sehen, wie das Leben aus seinem K�rper wich. Seine Augen verloren zusehends an Glanz, und etwas in ihm zerbrach. Ganz pl�tzlich sank er im Stuhl zur�ck. Sein Gesicht erschlaffte, und mit einem Male tat er Skar nur noch leid. �Irgendwo im S�den, Skar, vielleicht. Vielleicht sind sie schon hier, oder... nirgendwo. Aber du bist der einzige, der sie finden kann. Such... meine Br�der, und du... du findest sie.�</p><p>Er b�umte sich auf. Ein Hustenanfall sch�ttelte seinen K�rper, und Skar sah, wie eine der Wunden unter seinem Gewand wieder aufbrach, denn pl�tzlich zeigte sich auf seiner Brust ein feuchter dunkler Fleck, der rasch gr��er wurde. Aber er hob nur abwehrend die Hand, als Skar sich vorbeugen wollte, um ihm zu helfen. �Kann ich dir trauen, alter Mann?� fragte Skar leise.</p><p>�Warum bin ich wohl hiergeblieben, du Narr?� st�hnte Drask. �Du hattest recht - ich h�tte fliehen k�nnen, und ich h�tte noch ein verdammt langes Leben vor mir gehabt. Ich bin geblieben, um mit... mit dir zu sprechen.�</p><p>�Hast du mich deshalb gezwungen, meinen eigenen Sohn zu t�ten?� fragte Skar. In seiner Stimme war nicht einmal Vorwurf, ja, er suchte selbst in seinem Inneren vergebens nach einer Spur von Bitterkeit oder Zorn. Er verstand es nur nicht.</p><p>Drask machte eine Bewegung, die gleichzeitig ein Kopfsch�tteln wie ein Nicken war. �Ja�, antwortete er. �Es war der einzige Weg. Das Erbe der G�tter wird im Fleisch weitergegeben. Vielleicht w�re der Sohn deines Sohnes wieder ein Mann wie du geworden, aber er war... nicht der Richtige. Und uns bleibt keine Zeit mehr zu warten. Ich verlange nicht, da� du mir verzeihst, Skar, aber vielleicht verstehst du es. Du mu�test wieder der werden, der du einmal warst, bevor ... dieses unselige Kind geboren wurde. Diese N�rrin Vela, was hat sie getan?�</p><p>Er versuchte die Hand zu heben und hatte nicht mehr die Kraft dazu. Ein neuer Hustenanfall sch�ttelte seinen K�rper, und pl�tzlich war in seinem Atem ein schreckliches r�chelndes Ger�usch. Er starb.</p><p>�Geh�, brachte Drask m�hsam hervor. �Geh und suche sie, Skar. Du bist der einzige Mensch auf dieser Welt, der es kann, denn du wurdest zu diesem Zweck erschaffen. Geh und suche die alten G�tter.�</p><p>Der einzige, der ihn beachtete, als er wenig sp�ter den Kerker wieder verlie�, war der riesenhafte Quorrl. Er blickte ihn auf eine sehr sonderbare Weise an, mit dem Mi�trauen, das so sehr zu seiner Natur geh�rte wie die schuppige Haut und das f�rchterliche Raubtiergebi�, aber auch ... <emphasis>nachdenklich!</emphasis></p><p>Fast, dachte Skar schaudernd, als h�tte er durch das fingerdicke Holz hindurch jedes Wort verstanden. Aber das war nat�rlich Unsinn.</p><p>Er verscheuchte den Gedanken und beeilte sich, wieder ins Freie zu kommen. Pl�tzlich hatte er das Gef�hl, hier unten nicht mehr atmen zu k�nnen.</p><p>�Das ist nicht dein Ernst�, entr�stete sich Del. Die Fassungslosigkeit in seiner Stimme war nicht gespielt, und was Skar auf seinen Z�gen las, das war ebenso echt. �Du willst gehen, nur weil ein sterbender alter Mann dir gesagt hat, da� du es tun sollst?! Was ist los mit dir? Hast du einen Schlag auf den Kopf bekommen, oder wirst du jetzt wirklich alt?�</p><p>Skar l�chelte d�nn, obwohl Del mit einem Ernst gesprochen hatte, der die Wahl seiner Worte L�gen strafte, und in einer Art, die Skar sich schuldiger vorkommen lie�, als wenn er ihm Vorw�rfe gemacht h�tte.</p><p>Sie sa�en sich im Thronsaal der Burg gegen�ber, und hinter dem bunten Bleiglas der Fenster wurde es wieder Tag. Skar hatte nicht geschlafen in dieser Nacht, sondern war ruhelos in der Festung auf und ab gewandert, wie ein in einem K�fig gefangenes Raubtier, das es nicht wagt, durch die offenstehende T�r zu schl�pfen. Die Nacht war endlos gewesen - vielleicht die l�ngste seines Lebens, sicher aber die schwerste. Es war nicht einfach so, da� er eine Entscheidung zu f�llen hatte, die sein gesamtes weiteres Leben beeinflussen mochte - <emphasis>daran </emphasis>hatte er sich allm�hlich gew�hnt, so absurd das klang. Aber zweierlei Dinge waren diesmal anders: Zum einen war es nicht nur <emphasis>sein </emphasis>Leben, �ber das er entschied, und zum anderen war es nicht nur <emphasis>seine </emphasis>Entscheidung. Vielleicht war sie es niemals gewesen. Drask hatte es nicht einmal angedeutet, und es gab nicht die Spur eines Beweises, da� es so war - aber in letzter Zeit plagte Skar immer h�ufiger der Gedanke, da� vielleicht nichts von alledem, was geschehen war, Zufall gewesen sein mochte. Was, wenn sie alle nichts als Figuren in einem Schachspiel der G�tter waren, wenn alles geplant gewesen war? Wenn dieses zweite Leben, das er lebte, kein Geschenk war, sondern er es leben <emphasis>sollte, </emphasis>um etwas ganz Bestimmtes zu tun - m�glicherweise nichts weniger, als Enwor zu retten. Oder zu vernichten.</p><p>Der Gedanke machte ihn zornig. Er hatte es stets geha�t, Befehlen zu gehorchen. Die Vorstellung, sich wie eine Marionette an unsichtbaren F�den zu bewegen, an deren F�den eine gef�hllose Macht vom anderen Ende der Zeit zerrte, machte ihn fast rasend. Aber welche Wahl blieb ihm schon? Er konnte sich wehren, konnte sich gegen das Schicksal auflehnen und - und damit vielleicht gerade wieder das tun, was er tun sollte, dachte er bitter. Welchen Sinn hatte es zu k�mpfen, wenn man nicht einmal wu�te, auf welcher Seite man �berhaupt stand? �Ich h�tte diesen Drask den Hunden zum Fra� vorwerfen sollen�, fuhr Del fort, als Skar nicht antwortete. �Ich h�tte nicht auf dich h�ren sollen. Drask ist -�</p><p>�Drask ist tot�, unterbrach ihn Skar, bevor Del sich vollends in Rage reden konnte. �Und ich habe mir meinen Entschlu� sehr genau �berlegt, bevor ich hierhergekommen bin.� Er sprach sch�rfer, als er eigentlich beabsichtigt gehabt hatte. Es machte ihn w�tend, sich vor Del rechtfertigen zu m�ssen, und er versp�rte ein heftiges Gef�hl von Schuld, als er an Drask zur�ckdachte. Der Magier war eine Stunde nach ihrem Gespr�ch gestorben, aber obwohl sein Entschlu� zu diesem Zeitpunkt bereits feststand, hatte er bis jetzt gez�gert, mit Del zu reden. Sich selbst gegen�ber hatte er als Grund vorgeschoben, Del nicht wecken zu wollen, denn wie sie alle bekam er in den letzten Tagen viel zu wenig Schlaf. In Wahrheit war der Grund allerdings ein ganz anderer - n�mlich der, da� er diese wenigen Stunden noch gewinnen wollte, ehe er die endg�ltige Entscheidung treffen mu�te.</p><p>Del schlug so pl�tzlich und hart mit der Faust auf den Tisch, da� Skar zusammenfuhr. Erst dann begriff er, da� er l�nger als eine Minute an Del vorbei ins Leere gestarrt hatte, ohne ihn auch nur zu sehen.</p><p>�Was ist los mit dir, Skar?� fragte er aufgebracht. �Du kannst dich nicht einfach davonmachen und so tun, als ginge dich das alles hier nichts an. Wir brauchen dich!�</p><p>�Unsinn�, widersprach Skar. Er war m�de. Seine Glieder f�hlten sich an, als w�ren sie mit unsichtbaren Bleigewichten beschwert, und eine noch gr��ere Last schien sich auf seine Gedanken zu legen. Eigentlich hatte er nicht einmal mehr Lust, mit Del zu reden. Er wollte sich nur hinlegen und ein paar Stunden schlafen. Und danach gehen.</p><p>Trotzdem fuhr er fort: �Ihr braucht mich jetzt so wenig, wie ihr mich vorher gebraucht habt.�</p><p><emphasis>�Wir h�tten </emphasis>dich gebraucht, Skar�, antwortete Del scharf. �Ich lasse nicht zu, da� du gehst. Die M�nner brauchen dich. Das Heer braucht dich. <emphasis>Ich </emphasis>brauche dich.�</p><p>Von allem war der letzte Satz der einzige, der Skar wirklich traf. Eine Weile sah er Del beinahe traurig an, dann stand er auf, trat ans Fenster und blickte auf den Flu� hinab. In dem gewundenen wei�en Band waren h��liche graubraune Flecke entstanden, ein Muster aus pockennarbigen Kratern und rasch zusammenwachsenden Spinnweben, das bald auch das letzte Eis verschlungen haben w�rde. Mit dem Morgen kam Nebel auf, ein deutliches Zeichen, da� die Tage nun wirklich w�rmer wurden. Skar revidierte seine Sch�tzung vom vergangenen Abend. Sie w�rden l�ngstens noch eine Woche hierbleiben.</p><p>Er h�rte, wie Del hinter ihm ebenfalls aufstand, und kn�pfte an das unterbrochene Gespr�ch an, ohne sich herumzudrehen. �Ihr braucht mich nicht, Del. Ein Schwert mehr oder weniger spielt keine Rolle. Ihr braucht das, was ihr in mir seht. Aber das bin ich nicht.�</p><p>�Selbst wenn es so w�re!� Del trat mit einem zornigen Schritt neben ihn und hob die Hand, wie um ihn an der Schulter herumzurei�en. Skar nahm die Bewegung als verzerrte Spiegelung im farbigen Bleiglas des Fensters wahr. Und er sah auch, da� Del die Bewegung nicht zu Ende f�hrte, als sich ihre Blicke in der Scheibe trafen.</p><p>�Selbst wenn es so w�re�, wiederholte Del noch einmal, �w�rde das nichts �ndern. Du kannst nicht einfach <emphasis>gehen, </emphasis>Skar. Die M�nner brauchen dich, das, was sie in dir sehen, ob es nun da ist oder nicht. Du kannst nicht einfach tun und lassen, was dir gef�llt. Du bist ein Hoher Satai.�</p><p>�Das bin ich nicht!� Skar war selbst ein wenig �berrascht, wie heftig er Del widersprach. Er fuhr herum, starrte ihm einen Moment zornig ins Gesicht und versuchte dann, seinen Worten ein wenig von ihrer Sch�rfe zu nehmen, indem er l�chelte. �Allerh�chstens ein halber�, f�gte er hinzu, �denn schlie�lich teilen wir uns deine Stellung, nicht wahr? Und selbst du bist es nicht wirklich. Die Satai haben niemals wirklich einen Kriegsherren gehabt.�</p><p>�Weil sie ihn niemals n�tig hatten�, antwortete Del. �Sie waren ...�</p><p>Jemand klopfte, und Del brach mitten im Wort ab und fuhr �rgerlich herum. Die T�r wurde aufgerissen, noch ehe er auch nur Gelegenheit fand, auf das Klopfen zu antworten, und ein junger Satai st�rmte herein.</p><p>Er sah abgehetzt aus. Sein Gesicht und seine nackten Oberarme gl�nzten vor Schwei�, und sein Atem ging so schnell, da� er im ersten Moment M�he hatte, �berhaupt zu sprechen. Mit weit ausgreifenden Schritten eilte er auf Del zu und blieb in eindeutig dem�tiger Haltung stehen; ja, f�r einen Augenblick sah es fast so aus, als wolle er auf die Knie herabfallen, und Skar hatte das sehr sichere Gef�hl, da� seine Anwesenheit der einzige Grund war, aus dem Del ihn daran hinderte.</p><p>�Was willst du?� fragte Del ungehalten. �Ich habe Befehl gegeben, unter keinen Umst�nden ge -�</p><p>�Jemand kommt, Herr�, unterbrach ihn der Satai. Sein Atem ging schnell und unregelm��ig. Er sprach keuchend und so schrill, da� Skar M�he hatte, ihn �berhaupt zu verstehen. �Jemand n�hert sich der Burg.�</p><p>�Und?� Dels �rgerliches Stirnrunzeln vertiefte sich noch.</p><p>�Zum Teufel, es kommen Hunderte hierher, jeden Tag!�</p><p>Der Satai versuchte zu antworten, aber er war einfach zu ersch�pft dazu. Er keuchte, hob die Hand und bewegte die Lippen wie ein Fisch auf dem Trockenen, und wie ein solcher brachte er keinen Ton hervor.</p><p>Der Anblick vertiefte Skars Best�rzung noch, und er gab dem vagen Gef�hl von Zweifel in seinem Inneren neue Nahrung. <emphasis>Der Mann ist kein Satai, </emphasis>dachte er bedr�ckt. Er kleidete sich wie ein Satai, er sprach wie ein Satai, und zweifellos - selbst in Gedanken dachte er diesen Satz mit einer Mischung aus Wut und abf�lliger Herablassung - ganz zweifellos wu�te er wie ein Satai zu k�mpfen, aber er war es nicht, so wie die allermeisten, die er in den letzten Wochen getroffen hatte. Auch ein Satai hatte das Recht, ersch�pft zu sein, nat�rlich; aber er hatte nicht das Recht, sich so gehen zu lassen.</p><p>Dels Gedanken schienen �hnliche Wege zu gehen, denn er machte eine w�tende Handbewegung und fuhr den Mann an: �Sprich endlich! Wer kommt, und was ist so wichtig daran?!�</p><p>�Herr, es ist... es ist eine <emphasis>Errish!� </emphasis>stie� der Satai keuchend hervor.</p><p>�Eine Errish?!� Del richtete sich kerzengerade auf. F�r einen Moment sah er aus, als h�tte er einen Schlag mit der flachen Hand ins Gesicht erhalten. Aber dann - Del w�re nicht Del gewesen, h�tte er anders gehandelt - sprang er auf, trat mit einem einzigen Schritt auf den Satai zu und ri� ihn grob an den Schultern in die H�he.</p><p>�Bist du sicher?� fauchte er.</p><p>Skar unterdr�ckte ein L�cheln. Del war zwanzig Jahre �lter geworden, aber er hatte sich kein bi�chen ver�ndert, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten. Unbeschadet dessen, was er selbst Skar noch vor Augenblicken vorgeworfen hatte, benahm er sich ganz und gar nicht so, wie es der schwarze Mantel um seine Schultern verlangte. Irgendwie beruhigte Skar dieser Gedanke. �Sie reitet einen Drachen, Herr�, antwortete der Satai. �Die Kundschafter melden, da� sie verfolgt wird. Ich wei� nicht, von wem.�</p><p>�Wo?�</p><p>�Zehn Meilen von hier, vielleicht zw�lf. Im Westen.�</p><p>�Hast du sie gesehen?� fragte Skar scharf.</p><p>Der Satai sah ihn einen Moment lang verwirrt an, dann sch�ttelte er den Kopf. �Es war eine Spiegelnachricht, Herr�, antwortete er. �Ich war drau�en auf dem Vorkastell, als sie kam. Die Krie -�</p><p>Del lie� den Mann so abrupt los, da� er mitten im Wort abbrach und sich seinen Atem lieber daf�r aufsparte, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ohne ihn weiter zu beachten, fuhr Del herum, eilte zur T�r und ri� sie auf. Skar konnte niemanden drau�en auf dem Gang erkennen, aber Del schrie pl�tzlich so laut, da� seine Worte vermutlich noch unten auf dem Hof zu verstehen waren. �La�t die Garde aufsitzen!� br�llte er mit vollem Stimmaufwand. �Und sattelt mein und Skars Pferd! Du begleitest mich doch, oder?� Den letzten Satz, den er zwar nicht mehr gebr�llt, aber immer noch sehr laut gesprochen hatte, richtete er an Skar.</p><p>Skar antwortete gar nicht. Aber weniger als f�nf Minuten sp�ter verlie�en sie die Trutzburg bereits, begleitet von einem halben Hundert Satai und der dreifachen Anzahl Quorrl.</p></section><section><title><p id="_2">2.</p></title><p>Es war nicht <emphasis>ein </emphasis>Drache; es waren vier - ein riesiges, langbeiniges, gr�nes Etwas, in dessen Nacken eine absurd kleine Gestalt hockte und sich mit Armen und Beinen festklammerte, und drei etwas kleinere, aber sehr viel massigere Echsenwesen, die das erste verfolgten, und in der Luft, eine halbe Meile �ber und zwei oder drei vor Skar und der kleinen Armee aus Satai und Quorrl, schwebten die dreieckigen Schatten zweier gewaltiger Daktylen, von denen mindestens eine einen Reiter trug. Die andere war zu hoch und bewegte sich zu schnell, als da� Skar sie deutlich erkennen konnte. Zweimal, seit sie den Felsgrat erreicht und angehalten hatten, war die Daktyle auf den fl�chtenden Drachen heruntergesto�en, und jedesmal hatte die Gestalt in seinem Nacken die Hand gehoben, und ein fadend�nner wei�er Blitz hatte nach dem Drachenvogel geschlagen und ihn zur�ckgetrieben. �Was zum Teufel geht dort vor?� murmelte Del neben ihm. Sein Pferd bewegte sich unruhig. Wie das Skars und die der anderen witterte es die Drachen, und wie fast alle Warmbl�ter machte es die N�he der titanischen Echsenwesen rasend. Seine Hufe scharrten nerv�s in der d�nnen Schneedecke, die den Fels hier oben bedeckte.</p><p>�Sie k�mpfen.� Del beugte sich im Sattel vor und verengte die Augen zu schmalen Schlitzen, um mehr Einzelheiten erkennen zu k�nnen. Das grelle Licht der Morgensonne verwandelte sein Gesicht in eine Landschaft aus zerschrundenen Schatten und harten Linien, die Skar noch nie zuvor darin gesehen hatte. Zum allerersten Mal, seit sie sich wiedergesehen hatten, kam ihm Del so alt vor, wie er war. Skar schauderte. Es war nicht gut, die Zeit zu betr�gen, dachte er. Er war pl�tzlich nicht einmal sicher, ob er dieses neue Leben �berhaupt leben wollte.</p><p>�Drachen verfolgen Drachen!� Del sch�ttelte den Kopf, setzte sich wieder im Sattel auf und blickte ihn fast best�rzt an. �Was, verdammt noch mal, bedeutet das?!�</p><p>�Das finden wir bestimmt nicht heraus, wenn wir hier stehenbleiben und nur zusehen�, antwortete Skar.</p><p>Die Reaktion auf seine Worte war anders, als er erhofft hatte - Del nickte zwar, ganz automatisch und ohne ihn anzuschauen, aber weder er noch einer seiner Begleiter machten irgendwelche Anstalten, die Pferde anzutreiben und den Steilhang hinunterzureiten. Ein rasches, heftiges Gef�hl von Zorn machte sich in Skar breit.</p><p>�Was ist los?� fragte er. �Worauf warten wir?�</p><p>�Es sind <emphasis>Drachen, </emphasis>Herr�, antwortete einer der M�nner neben Del. �Und sie haben Scanner.�</p><p>Wie, um seine Worte zu best�tigen, z�ngelte in diesem Moment wieder ein d�nner, grausam wei�er Blitz aus der Hand der winzigen Gestalt im Nacken des fl�chtenden Drachen und brannte eine Narbe aus grellem Licht in den Himmel. Skars Zorn verst�rkte sich zu reiner Wut, aber da war auch ein Gef�hl von ... ja, beinahe Entsetzen, auf jeden Fall aber Erschrecken. Es war ein Satai, der diese Worte gesprochen hatte, und sie waren fast zweihundert!</p><p>Einen Moment lang starrte er den Mann voller unverhohlener Verachtung an, dann ri� er sein Pferd ohne ein weiteres Wort herum und galoppierte los. Del rief ihm irgend etwas nach, das er nicht verstand, und er h�rte, wie sich nun auch die anderen in Bewegung setzten, aber er sah sich nicht einmal um. Tief �ber den Hals seines Pferdes gebeugt, jagte er an der Felskante entlang, schlug einen engen, sehr riskanten Bogen um ein eisverkrustetes St�ck Fels und preschte schlie�lich den schneebedeckten Hang hinunter, der sich dem Felsabbruch anschlo�.</p><p>F�r Minuten verlor er den gr�nen Drachen und seine Verfolger aus den Augen, denn er mu�te seine ganze Konzentration dazu aufwenden, nicht aus dem Sattel geschleudert zu werden oder mitsamt dem Pferd zu st�rzen. Der Hang war sehr steil, und die d�nne Decke aus Pulverschnee verlieh ihm ein tr�gerisch falsches Aussehen: Unter dem flockigen Wei� verbargen sich Steine und Erdspalten und das Ge�st erfrorener B�sche, die sein Pferd mehr als einmal zum Straucheln brachten. Der Hang war so steil, da� das Tier gegen seinen Willen immer schneller wurde. Der Augenblick war abzusehen, an dem es einfach so schnell wurde, da� es seine Bewegungen nicht mehr koordinieren konnte und �ber seine eigenen Beine stolperte, oder in eine der zahllosen Fallen unter dem Schnee trat und sich ein Bein brach.</p><p>Skar verschwendete kaum einen Gedanken daran. Er raste innerlich vor Zorn. Das Z�gern des Satai <emphasis>(Satai? </emphasis>Etwas in ihm str�ubte sich selbst dagegen, dieses Wort auf den Mann an Dels Seite anzuwenden, und wenn er tausendmal den f�nfzackigen Stern der Kriegerkaste auf der Stirn trug!) hatte etwas in ihm zum �berkochen gebracht. Was er in seinen Augen gelesen hatte, war Angst, ein Gef�hl, auf das er ein Recht hatte wie jeder Mensch, aber nicht in diesem Moment und nicht <emphasis>so, </emphasis>und dieser Ausdruck hatte das letzte bi�chen Verbundenheit zerst�rt, das er noch zu Dels M�nnern empfunden hatte. Das Gef�hl tat weh, entsetzlich weh, aber es kam nicht einmal unerwartet, und obwohl sich etwas in ihm wie ein getretener Wurm kr�mmte, ohne diesem entsetzlichen Schmerz dadurch irgendwie entgehen zu k�nnen, funktionierte ein anderer Teil seines Denkens gleichzeitig mit fast phantastischer Klarheit: Der Satai in ihm war erwacht, und er fragte ihn sp�ttisch, was um alles in der Welt er allein und so gut wie unbewaffnet gegen <emphasis>drei Drachen </emphasis>ausrichten wollte, und ob er denn sicher war, da� er sich auf der richtigen Seite in diesen Kampf einmischte, und wer dieser Reiter war, der da auf sie zufloh, und warum.</p><p>Er fand auf keine dieser Fragen eine Antwort, aber er z�gerte trotzdem keine Sekunde, sondern trieb das Pferd eher noch zu gr��erer Eile an, als sie die Ebene erreichten und sich der Schwung ihres rasenden Hangrittes allm�hlich aufzehrte. Fl�chtig blickte er �ber die Schulter zur�ck. Dels Satai waren ihm gefolgt, aber er hatte einen Vorsprung von gut drei-, vielleicht sogar vierhundert Pferdel�ngen, und er wuchs noch best�ndig, denn die M�nner in den schwarzen M�nteln ritten nicht halb so selbstm�rderisch, wie er es getan hatte. Zudem hatte sich das Heer geteilt, denn die Quorrl waren noch weiter zur�ckgefallen, was in ihrem Falle aber wohl eher an ihrem Gewicht und ihrer Klobigkeit lag, die sie ein Pferd schon in normalem Gel�nde kaum halb so schnell reiten lie�en wie ein Mensch. Er suchte nach Del, aber er fand ihn nicht. Seltsamerweise versp�rte er nicht einmal mehr wirkliche Entt�uschung. Der Moment, in dem sie Seite an Seite in einen Kampf vorw�rts st�rmten, w�rde nicht mehr kommen. Er war ein Kindertraum, und sie waren beide keine Kinder mehr.</p><p>Er wandte sich wieder um und sah nach vorne. Die Sonne war im Laufe der letzten halben Stunde auch �ber die Berge geklettert, und ihre schr�g einfallenden Strahlen lie�en die Schneedecke �ber der Ebene in blendendem Wei� aufleuchten, so da� er im ersten Moment fast geblendet war. Aber dann erblickte er sie - ein St�ck weiter n�rdlich und eine gute Meile n�her, als er erwartet hatte: der riesige gr�ne Drache und die drei kleineren grauen Verfolger, die sich in fast irrwitzigem Tempo den Bergen n�herten. Der Reiter auf dem fl�chtenden Drachen mu�te wahnsinnig sein, dachte Skar, oder schlichtweg blind vor Angst. Drachen waren unglaublich schnelle L�ufer, aber miserable Kletterer. Sp�testens am Fu�e des Steilhanges w�re seine Flucht so oder so zu Ende gewesen.</p><p>Aber er bezweifelte ohnehin, da� er ihn noch erreichte. Der Abstand zwischen den drei Panzerechsen und dem gr�nen L�ufer schmolz jetzt zusehends, und die beiden Daktylen stie�en immer �fter auf den Fliehenden herab. Skar erkannte nun, da� auch auf dem R�cken des zweiten Drachenvogels ein Reiter sa�; gro� und dunkel und irgendwie mi�gestaltet, ohne da� er genau sagen konnte, was es war, das an seiner Erscheinung einfach nicht stimmte.</p><p>Er kam auch nicht dazu, weiter dar�ber nachzudenken, denn in diesem Augenblick entdeckte ihn der Reiter der zweiten Daktyle - und Skar sah, wie er sein bizarres Reittier mit unglaublicher Schnelligkeit herumzerrte und die Daktyle erschrocken die Schwingen ausbreitete; eine f�nfzehn Meter messende Pfeilspitze aus Lederhaut und Knochen, die mit einem w�tenden Schrei auf ihn herabstie�. Etwas blitzte in der Hand des Drachenreiters auf, und obwohl Skar nicht erkennen konnte, was es war, reagierte er ganz instinktiv, und ganz instinktiv richtig. Mit einem Ruck, der sein Pferd vor Schmerz und Schrecken aufschreien lie�, ri� er das Tier in vollem Galopp herum und zur Seite, eine Sekunde, bevor neben ihm eine grelle Lichtnadel in den Boden stach und unter dem Schnee einen Vulkan zur Explosion brachte. Eine wei�orangene Feuers�ule, nicht dicker als sein Oberschenkel, aber zwanzig Meter hoch und hei� wie die H�lle, versengte den Schnee und schleuderte geschmolzenes Gestein und Flammen in den Himmel. Die Hitze streifte Skar wie eine gl�hende Hand. Sein Pferd kreischte vor Schmerz und stolperte, st�rzte aber nicht, sondern fand im letzten Moment wieder Tritt und raste wie von Furien gehetzt weiter. Einen Augenblick sp�ter strich ein ungeheuerlicher Schatten �ber ihn hinweg, so dicht, da� er den scharfen Reptiliengeruch des Drachen sp�rte. Skar duckte sich ganz automatisch tiefer �ber den Hals des Pferdes. Wahrscheinlich war es diese Bewegung, die das Tier endg�ltig aus dem Gleichgewicht brachte. Es strauchelte, versuchte mit einem fast grotesken H�pfer noch einmal auf die Beine zu kommen und st�rzte vorn�ber. Skar wurde aus dem Sattel geschleudert; der Himmel und die wei�e Ebene �berschlugen sich drei-, vier-, f�nfmal vor seinen Augen, ehe er selbst aufprallte und mit einem erstaunlich weichen Ruck zum Liegen kam.</p><p>Als er sich aufrichtete, waren die Drachen fast heran. Sie waren jetzt nahe genug, da� er das gr�ne Tier identifizieren konnte - einen Kolo� von dreifacher Mannsgr��e, der entfernt den schlanken Laufechsen �hnelte, die er bei seinem ersten Besuch in Elay kennengelernt hatte, nur da� er mehr als doppelt so gewaltig war. Mit seinen �bergro�en, ungeheuer starken Hinterbeinen und dem l�cherlich kleinen, runden Kopf, der auf einem meterlangen Schlangenhals pendelte, erinnerte er fast an einen Strau�, nur da� sein Leib von handgro�en gr�nen Schuppen bedeckt war und er keine Fl�gel hatte, daf�r aber einen Schwanz, der fast so lang war wie sein ganzer K�rper, und den er im Rennen steil erhoben hatte, um das Gleichgewicht zu halten. In seinem Nacken, die Beine hinter den winzigen Vorder�rmchen des Drachen verhakt, sa� eine Gestalt in einem erdbraunen Mantel. Skar konnte nur erkennen, da� es eine Frau war, deren langes blondes Haar von einem d�nnen Stirnband zur�ckgehalten wurde, und da� sie von sehr schlankem, fast kindlichem Wuchs sein mu�te. Er sprang auf, zog sein Schwert (angesichts des heranrasenden Berges aus Fleisch und Panzerplatten kam er sich dabei selbst fast l�cherlich vor) und opferte eine weitere Sekunde dazu, auch die drei anderen Tiere genauer in Augenschein zu nehmen. Es waren Drachen von einer Art, wie er sie niemals zuvor gesehen hatte - sehr viel kleiner als die Rennechse, aber ungeheuer massig, und von schwer zu definierender Form: Ihre grauen Panzerplatten waren zu klumpigen Stachelgebilden verwachsen, zwischen denen die Gestalten ihrer Reiter wie aufgespie�te Riesenk�fer aussahen. Ihr Laufen hatte nichts mit dem eleganten Gleiten der Rennechse gemein. Sie wirkten wie lebende Mauerrammen, die einfach alles niederwalzten, was sich ihnen in den Weg stellte. �ber ihm erscholl ein kr�chzender Schrei, und der Laut ri� ihn abrupt in die Wirklichkeit zur�ck. Er sah hoch, auf eine weitere Attacke gefa�t, aber diesmal war nicht er das Ziel des Angriffes. Die beiden Daktylen hatten sich geteilt - das Tier, das ihn gerade angegriffen hatte, schwenkte in einem engen Bogen herum und setzte zu einem neuen Sturzflug an, w�hrend der zweite Drachenvogel mit reglos ausgebreiteten Schwingen, aber sehr schnell, Dels Satai entgegenscho�. Hinter seinem h��lichen Hammerkopf blitzte es wei� und blendend auf, und ein d�nnes Band aus Licht spannte sich f�r Sekundenbruchteile zwischen der Hand seines Reiters und einem Punkt irgendwo in dem heransprengenden Heer.</p><p>Er rannte los. Hinter ihm mischte sich orangeroter Feuerschein in das klare Licht des Morgens, und pl�tzlich �bert�nte ein ungeheures Dr�hnen und Bersten das dumpfe Stakkato der Hufschl�ge; dann Schmerzens- und Angstschreie und der dumpfe Aufprall st�rzender K�rper. Skar widerstand der Versuchung, sich noch einmal umzusehen, und jagte im Zickzack auf die Laufechse zu. Auch die zweite Daktyle scho� jetzt wieder heran, aber Skar vermutete, da� er kein gutes Ziel bot: Er bewegte sich schnell und auf einem unberechenbaren Kurs, und Scanner waren zwar f�rchterliche Waffen, aber schwer zu handhaben; vor allem vom R�cken eines bockenden Flugdrachen herab.</p><p>Der Abstand zwischen ihm und dem heranstampfenden Drachen schmolz jetzt rasend schnell, auch wenn das Tier viel von seiner nat�rlichen Eleganz verloren hatte; aus seinen federnden Spr�ngen war ein ungeschicktes Hoppeln geworden, und bei jedem zweiten oder dritten Schritt taumelte es vor Ersch�pfung. Seine Reiterin hatte M�he, sich noch in seinem Nacken zu halten. Skar lief schneller, ri� sein Schwert in die H�he und begann hektisch damit zu winken. �Hierher!� schrie er mit vollem Stimmaufwand. �Zu mir!�</p><p>Er bezweifelte, da� die <emphasis>Errish </emphasis>seine Worte �berhaupt h�rte, denn das Stampfen der Drachen auf der einen und der fast zweihundert Pferde auf der anderen Seite war mittlerweile zu einem wahren Orkan aus L�rm angeschwollen; aber sie schien seine Bewegung zu bemerken. Ihr Kopf ruckte herum, und f�r einen Moment durchfuhr Skar ein eisiger Schrecken, als er erkannte, wie jung sie war. <emphasis>Gro�er Gott! </emphasis>dachte er. <emphasis>Das ist ein Kind! </emphasis>Das M�dchen war sechzehn, allerh�chstens achtzehn Jahre alt. Im Nacken der riesigen Echse sah sie aus wie ein lebendiges Spielzeug.</p><p>�Hierher!� schrie er noch einmal. �Zu den Reitern! Sie helfen dir!� Gleichzeitig schlug er einen Haken nach rechts, hetzte mit weit ausgreifenden Schritten an der Laufechse vorbei und direkt auf den ersten Verfolger zu. Etwas in ihm �bernahm die Kontrolle �ber sein Handeln, ohne da� es seines bewu�ten Zutuns bedurfte. Die Drachen waren nicht einmal die schlimmste Gefahr - trotz ihrer Gr��e waren sie plump und schwerf�llig, nicht ann�hernd so wendig wie ein Reiter oder gar ein Mann zu Fu�. Die Gefahr waren die Reiter, die auf ihren stacheligen R�cken sa�en. Wenn sie mit denselben f�rchterlichen Waffen ausger�stet waren wie die M�nner auf den Daktylen, konnte der n�chste Schritt sein letzter sein ...</p><p>Der vorderste Drache walzte wie ein lebender Berg aus Stacheln und Panzerplatten auf ihn zu. Unter seinen gewaltigen Elefantenf��en stob der Schnee in einer unabl�ssigen Folge staubiger Explosionen in die H�he, und Skar f�hlte trotz der Entfernung den Boden unter seinen F��en erzittern. Er versuchte, die Distanz abzusch�tzen, die noch zwischen ihm und dem Ungeheuer lag, und die Zeit, die sie beide brauchten, um sie zu �berwinden. Gleichzeitig sah er aus den Augenwinkeln, wie sich Dels Heer hinter ihm in Dutzende unterschiedlich gro�er Gruppen aufteilte, ein scheinbares Chaos, das trotzdem einem geordneten Plan folgte: Die Reiter bildeten eine gewaltige, doppelte Zange, die sich um die angreifenden Drachen schlo� und gleichzeitig ihr Opfer von ihnen abschnitt. Vom R�cken der beiden Daktylen zuckten noch immer d�nne wei�e F�den aus Licht herab, aber sie trafen jetzt kaum noch; es war ein Unterschied, blindlings in eine gro�e Reitertruppe hineinzuhalten oder einen einzelnen, sich schnell bewegenden Mann zu treffen.</p><p>Dann war der Drache heran, zehnmal schneller, als er geglaubt hatte, und pl�tzlich kam er Skar gar nicht mehr klein und plump vor, sondern gigantisch, ein f�nf Tonnen schwerer Kolo�, der sich mit der Unaufhaltsamkeit einer Lawine heranw�lzte und die Welt vor ihm von einem Ende zum anderen auszuf�llen schien. Seine kleinen, pupillenlosen Augen musterten Skar voller stummer Wut, und darunter, absurd dicht darunter und absurd gro�, klaffte pl�tzlich ein dunkelroter Schlitz in den Gew�chsen aus Horn und Panzerplatten, in dem zwei Reihen gewaltiger Rei�z�hne blitzten. Skar begriff beinahe zu sp�t, da� dieses Ungeheuer kein stumpfsinniges Monster war, das nichts anderes konnte als Laufen und Niedertrampeln, sondern eine Bestie, die mindestens so intelligent wie ihre gr��eren Verwandten war, aber zehnmal so boshaft.</p><p>Im letzten Moment hechtete er zur Seite, �berschlug sich zwei-, dreimal hintereinander im Schnee und verbarg den Kopf zwischen den Armen, als der Drache vor�berstampfte. Ein horngepanzerter Gigantenfu� krachte neben ihm in den Schnee, nicht durch Zufall oder im rasenden Rhythmus der Schritte, sondern in einem gezielten Tritt, mit dem ihn das Monster zermalmen wollte wie ein l�stiges Insekt. Er fuhr hoch und herum, sah den stacheligen Schwanz der Drachenbestie auf sich zupfeifen - einen Schwanz, der halb so dicht wie deren eigener K�rper mit halbmeterlangen hornigen Dornen bewachsen war -, brachte sich mit einem verzweifelten Hechtsprung in Sicherheit und sprang abermals hoch. Weniger als einen Meter hinter ihm spritzten Schnee und Erdreich unter dem Hieb dieser lebendigen Keule auseinander, aber f�r eine Sekunde hatte er Luft, denn das Ungeheuer rannte, vom Schwung seiner eigenen Masse einfach vorw�rtsgerissen, noch ein gutes St�ck weiter, ehe es seine f�nf Tonnen K�rpergewicht in eine Drehung zwang. Wie eine blitzartige Vision aus einem Alptraum sah er ein halbes Dutzend Quorrl-Krieger vor�berpreschen, die mit angelegten Lanzen auf einen zweiten Drachen zurasten.</p><p>Skar wartete nicht, bis das Ungeheuer die Wendung vollendet hatte und wieder heranstampfte, um dieses Mal vielleicht ein bi�chen besser zu zielen. Mit zwei, drei gewaltigen S�tzen hetzte er hinter der Panzerechse her, warf sich mit einem gewaltigen Sprung nach vorne und bekam einen der armlangen Stachelforts�tze zu fassen, die aus seiner Flanke wuchsen. Der Drache br�llte auf wie unter Schmerzen, warf sich zur Seite und wieder zur�ck und begann schlie�lich zu bocken wie ein zu gro� geratenes Pferd, aber Skar klammerte sich mit aller Macht fest. Er wurde mitgeschleift. Spitze Steine und Dornen unter der Schneedecke zerrissen seine Hose und hinterlie�en blutige Kratzer in seiner Haut, aber er bi� die Z�hne zusammen, versuchte sich an der Flanke des tobenden Ungeheuers in die H�he zu ziehen und betete darum, da� der Drache nicht auf die Idee kam, sich einfach auf die Seite fallen zu lassen und ihn unter sich zu zerquetschen. So weit reichte die Intelligenz des Drachen denn doch nicht, aber daf�r geschah etwas anderes: �ber dem stacheligen R�cken des Ungeheuers erschien der gepanzerte Kopf seines Reiters, und pl�tzlich stie� eine lange eiserne Stange mit stumpfem Ende nach Skars H�nden.</p><p>Der erste Hieb verfehlte ihn, aber er hinterlie� einen langen, sehr tiefen Kratzer im eisenharten Horn des Drachenpanzers. Eine einzige, nur fl�chtige Ber�hrung dieser metallenen Stange mu�te ihm einfach die Finger zerquetschen, das begriff Skar, und dann war es um ihn geschehen.</p><p>Er setzte alles auf eine Karte. Als die Stange das zweite Mal auf seine Hand herabstie�, versuchte er nicht, ihr auszuweichen, sondern griff im Gegenteil danach und zerrte mit aller Kraft daran.</p><p>Das Ergebnis �berraschte ihn selbst. Er sp�rte nur f�r eine Sekunde Widerstand, dann erscholl �ber ihm ein halb verwunderter, halb zorniger Schrei, und pl�tzlich fiel die Eisenstange neben ihm in den Schnee; dicht gefolgt von ihrem Besitzer, der mit wild rudernden Armen einen grotesken Salto in der Luft schlug, ehe er in einer Explosion stiebenden Schnees verschwand. Skar sparte sich die M�he, ihm nachzublicken, sondern griff hastig kr�ftiger zu, fand endlich auch mit dem Fu� festen Halt auf den Stacheln und begann, an der Flanke des drei Meter hohen Unget�mes emporzuklettern. Er brauchte nur wenige Augenblicke dazu, aber sie kosteten ihn jedes bi�chen Kraft, das er hatte, denn der Drache tobte wie ein durchgehendes Pferd. Trotzdem blieb ihm noch Zeit, einen Blick �ber die Schulter zur�ckzuwerfen. Was er sah, lie� ihn entsetzt aufst�hnen. Dels Angriff war gescheitert. Die Drachen hatten die dreifach gestaffelte Phalanx der Reiter einfach durchbrochen, wie eine Lawine einen Schutzzaun aus untauglichem Holz, und sie hatten einen entsetzlichen Blutzoll gefordert - Dutzende von toten oder verwundeten Kriegern lagen im Schnee oder flohen in heller Panik vor den tobenden Giganten, deren stahlharte Panzerung ihre Speere und Pfeile einfach abprallen lie�.</p><p>Dann hatte er die Kr�mmung des Drachenr�ckens erreicht und sah sich den anderen Reitern gegen�ber.</p><p>Es waren zwei, wovon der eine mit weit gespreizten Beinen im Nacken des Drachen stand und sich mit der Hand an den hornigen Forts�tzen seiner Panzerung festhielt, w�hrend er mit der anderen an einem Z�gel zerrte, mit dem er das au�er Rand und Band geratene Tier zu beruhigen versuchte. Der zweite kroch, auf den Knien und beide H�nde erhoben, direkt auf Skar zu. In seiner rechten Hand schimmerte das silberne Metall eines Scanners.</p><p>Es war wie ein Schlag in den Magen. Der Drachenreiter sah Skar direkt an, und im allerersten Moment glaubte Skar, dem <emphasis>Daij-Djan </emphasis>gegen�berzustehen. Ein Gef�hl ungl�ubigen, l�hmenden Entsetzens durchfuhr ihn, ehe er seinen Irrtum erkannte: Es war nicht der <emphasis>Daij-Djan, </emphasis>sondern ein ganz normaler Mensch, der lediglich in einer R�stung steckte, die dem �u�eren der Sternenbestie nachgemacht war. Der Mann war schlank und nicht besonders gro�, und von Kopf bis Fu� in einen Panzer aus einem mattschwarzen Material geh�llt, aus dem nur seine H�nde herausragten, schlanke, in schwarzen Handschuhen steckende H�nde, die sonderbar unpassend zu seiner �brigen Erscheinung wirkten. Auch der Helm war dem Nicht-Gesicht der Sternenbestie nachempfunden, ein glattes schwarzes Oval ohne erkennbare Konturen, in das zwei haarfeine Risse geschnitten worden waren, durch die er sehen konnte. Zumindest die Augen hinter diesen Sehschlitzen waren menschlich.</p><p>Skar erwachte endlich aus seiner Erstarrung, zog sich mit einem kraftvollen Ruck vollends auf den R�cken des Drachen hinauf und schlug gleichzeitig zu. Der Hieb war ungeschickt gezielt und ohne wirkliche Kraft, aber er schmetterte die Waffenhand des Schwarzgekleideten zur Seite. Der Scanner entlud sich mit einem peitschenden Knall, aber der grelle Lichtblitz ging harmlos ins Leere, und Skar gab ihm keine Gelegenheit zu einem zweiten, besser gezielten Schu�. Sich mit der linken Hand und beiden Beinen auf dem R�cken des bockenden Unget�ms festklammernd, packte er mit der anderen zu und verdrehte das Handgelenk des Kriegers mit einem harten Ruck. Ein dumpfer Schmerzlaut drang unter dem Insektenhelm des Drachenreiters hervor. Keuchend lie� er seine Waffe fallen, warf sich herum und versuchte das Schwert aus dem G�rtel zu zerren.</p><p>Es war nicht einmal ein wirklicher Kampf. Der Mann hatte keine Chance. Skar entrang ihm das Schwert, noch ehe er es halb aus der Scheide gezogen hatte, drehte die Waffe blitzschnell herum und versetzte ihm einen Hieb mit der stumpfen Seite, der ihn in hohem Bogen vom R�cken des Drachen herunterst�rzen lie�.</p><p>Er wollte sich aufrichten, f�hrte die Bewegung aber nicht einmal zu Ende, denn der Drache tobte mittlerweile so sehr, da� er vermutlich schon nach dem ersten Schritt nach vorne geschleudert und wie ein �bergro�er Schmetterling auf den armlangen Stacheln aufgespie�t worden w�re. Eher zornig als alles andere kroch er die wenigen Schritte auf den Mann am Z�gel los, hob das Schwert und schlug nach dessen Brustpanzer.</p><p>Der Mann sah die Bewegung im letzten Moment und wich ihr aus - und besiegelte damit sein eigenes Schicksal. Das n�chste Bocken des Drachen brachte ihn vollends aus dem Gleichgewicht; er taumelte zur�ck, stand einen Moment lang in fast absurder Neigung da, nur noch von der Leine gehalten, die ihn mit dem Nacken des Riesentieres verband - und st�rzte mit einem kr�chzenden Schrei nach hinten, als Skars Klinge ein zweites Mal hochzuckte und das fingerdicke Tau durchtrennte. Mehrere Dinge geschahen gleichzeitig, und so schnell, da� Skar eigentlich erst hinterher begriff, was er getan hatte: Der Krieger st�rzte, aber er hatte weniger Gl�ck als seine Kameraden - gleich ein halbes Dutzend t�dlicher Horndolche durchbohrten seinen Panzer und t�teten ihn auf der Stelle, und im gleichen Augenblick glaubte er so etwas wie einen gedanklichen Todesschrei zu h�ren, ein lautloses Br�llen tief in seinem Inneren, wie von etwas ungeheuer Gro�em, ungeheuer Starkem, das sich unter H�llenqualen wand.</p><p>Und der Drache h�rte auf zu toben. Der Gigant rannte noch ein paar Schritte weiter, ganz einfach, weil er zu plump und zu schwer war, um seine Masse sofort anzuhalten, aber seinen Bewegungen fehlte pl�tzlich die w�tende Raserei, mit der er den winzigen Angreifer abzusch�tteln versucht hatte, und schlie�lich blieb er g�nzlich stehen. Ein tiefes, unruhiges Knurren drang aus seiner Brust, der stachelige Schwanz und die riesigen Tatzen scharrten im Schnee, und sein droschkengro�er Sch�del bewegte sich verwirrt hin und her, als h�tte er von einem Augenblick auf den anderen die Orientierung verloren.</p><p>Und genau das war es auch.</p><p>Ein Teil von Skar wu�te sofort, was geschehen war, ohne da� dieses Verstehen seinem bewu�ten Denken im allerersten Moment schon zug�nglich gewesen w�re. Verst�rt - und jeden Moment auf einen neuen, entsetzlichen Ruck gefa�t, der ihn vom R�cken des Drachen herunter und geradewegs unter seine Klauen schleudern w�rde - richtete er sich auf, blickte den toten Drachenreiter an und dann wieder das Ungeheuer, und endlich begriff er.</p><p>Mit einem Satz sprang er auf die F��e und bildete mit den H�nden einen Trichter vor dem Mund. <emphasis>�Die Reiter!� </emphasis>schrie er. <emphasis>�Greift die Reiter an!�</emphasis></p><p>Seine Stimme ging im Br�llen der Drachen und dem L�rm der bizarren Schlacht hoffnungslos unter, aber irgendwie schien das, was er sagte, doch verstanden zu werden; vielleicht hatte der eine oder andere Mann auch einfach beobachtet, was geschehen war, und die richtigen Schl�sse gezogen - so oder so �nderten Dels Satai und die Quorrl jedenfalls ihre Taktik: Aus dem selbstm�rderischen Anrennen gegen die beiden horngepanzerten Kolosse wurde ein rasend schneller R�ckzug, und pl�tzlich flogen Pfeile und Speere zu den R�cken der Drachen hinauf. Deren Reiter fanden in dem Gewirr aus Stacheln und Panzerplatten zwar gute Deckung, aber Skar erkannte auch, wie gleich ein halbes Dutzend Quorrl seinem Beispiel zu folgen versuchte und an den Flanken der Riesentiere emporkletterte. Zwei, drei der schuppigen Riesenkrieger wurden abgeworfen und verschwanden unter den stampfenden Beinen der Drachen, aber die anderen kletterten verbissen weiter.</p><p>Skar sah nicht weiter zu. Jetzt, wo sie die Achillesferse der Angreifer gefunden hatten, war der Kampf praktisch schon entschieden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch die beiden anderen Tiere unsch�dlich gemacht waren. Und die Opfer? wisperte eine Stimme hinter seiner Stirn. Aber es sind ja nur Quorrl, nicht wahr?</p><p>Er verscheuchte den Gedanken, richtete sich vorsichtig auf dem R�cken des Drachen auf und suchte nach der gr�nen Laufechse. Etwas stimmt nicht, fl�sterte die Stimme in ihm. Du hast etwas vergessen, Bruder.</p><p>Skar ignorierte auch diesen Gedanken, sprang mit einem federnden Satz vom R�cken des Drachen herunter und glitt im Schnee aus. Hastig rappelte er sich wieder hoch, lief ein paar Schritte und blieb erneut stehen, als jemand seinen Namen rief. Er sah auf und erblickte Del, der auf ihn zugeprescht kam, ein zweites, reiterloses Pferd am Z�gel mit sich f�hrend. Ungeduldig wartete er, bis Del bei ihm angekommen war und die beiden Tiere zum Stehen gebracht hatte, dann schwang er sich in den Sattel, ri� das Pferd herum und st�rmte los.</p><p>Der gr�ne Drache war noch ein gutes St�ck weitergerannt - was bei seiner enormen K�rpergr��e nicht weniger als eine gute Meile bedeutete -, ehe seine Reiterin ihn endlich zum Anhalten gebracht hatte. Skar konnte sie nur undeutlich erkennen, denn die Luft war voller hochgewirbeltem Schnee und Staub, und ihre Gestalt verbarg sich halb hinter dem muskul�sen Hals des Riesentieres, aber er sah, da� sie vorn�bergesunken war, bewu�tlos oder zumindest v�llig ersch�pft, und auch das Tier war am Ende seiner Kr�fte. Seine Flanken zitterten, und der kleine, runde Kopf pendelte unabl�ssig hin und her. Die dreifingrigen Pfoten an seinen kleinen Vorderl�ufen griffen haltsuchend hierhin und dorthin, sein Schwanz peitschte nerv�s. Die Muskeln in seinen riesigen Hinterl�ufen zuckten wie unter schnellen, unregelm��ig kommenden Kr�mpfen. Wenn er st�rzte, dachte Skar erschrocken, w�rde er seine Reiterin einfach unter sich zermalmen. Auch Dels Gedanken schienen �hnliche Wege zu gehen, denn er spornte sein Pferd zu noch schnellerer Gangart an. Nebeneinander sprengten sie auf die riesige Echse zu.</p><p>Trotzdem waren sie nicht schnell genug. Skar begriff, was er vergessen hatte, als es zu sp�t war.</p><p>Das M�dchen auf dem Drachen hob m�de den Kopf, und f�r einen Augenblick begegneten sich ihre Blicke. Trotz der Entfernung sah Skar, wie in ihren Augen eine Mischung aus Erleichterung und abgrundtiefem Entsetzen aufglomm, aber er verstand dieses Erschrecken nicht - bis sie den Arm hob und er das silberne Funkeln in ihrer Hand sah.</p><p>Del und er reagierten gleichzeitig. F�r Bruchteile von Sekunden waren sie wieder das perfekt aufeinander eingespielte Team, das sie vor einem Menschenalter einmal gewesen waren - Del ri� sein Pferd nach links und lie� sich gleichzeitig aus dem Sattel kippen, nur noch mit einer Hand und einem Fu� an Zaumzeug und Steigb�gel h�ngend und den Pferdeleib als Deckung zwischen sich und dem M�dchen, eine Taktik, die gegen eine Waffe wie einen Scanner reichlich l�cherlich anmutete, aber einfach zu sehr in Fleisch und Blut �bergegangen war, als da� er sie �ndern konnte, und Skar tat das gleiche, w�hrend er in die entgegengesetzte Richtung auswich.</p><p>Aber er begriff auch fast im selben Moment, da� Del und er nicht das Ziel des Drachenm�dchens waren.</p><p>Hinter ihnen jagten zwei monstr�se Schatten heran.</p><p>Die beiden Daktylen waren kaum mehr zehn Meter hoch, und sie flogen so dicht nebeneinander, da� sich ihre gewaltigen Schwingen fast zu ber�hren schienen. Der Luftzug der riesigen peitschenden Fl�gel wirbelte den Schnee auf und trieb eine gewaltige Bugwelle aus kochendem wei�en Staub vor sich her. Die Reiter, die ihren Weg kreuzten, wurden schlichtweg aus den S�tteln gerissen oder mitsamt ihren Pferden zu Boden geworfen. Und auch in den H�nden der beiden Daktylenreiter waren winzige silberwei�e Funken zu erkennen.</p><p>Alles ging so ungeheuer schnell, da� Skar zwar registrierte, was geschah, aber nicht einmal mehr dazu gekommen w�re, irgend etwas zu unternehmen, wenn er es gekonnt h�tte - was er nicht konnte.</p><p>Das M�dchen auf dem gr�nen Drachen feuerte seine Waffe ab, und eine der beiden Daktylen flammte pl�tzlich auf wie eine �bergro�e Motte, die dem Feuer zu nahe gekommen war. F�r den Bruchteil einer Sekunde verwandelte sie sich in eine schwarze Silhouette, die in eine Kugel grausam hellen Lichtes getaucht war, dann schlugen Flammen aus ihren papierd�nnen Fl�geln, griffen in unglaublicher Schnelligkeit auf ihren K�rper und den ihres Reiters �ber und rissen sie regelrecht in St�cke.</p><p>Fast im gleichen Augenblick scho� der Mann auf der zweiten Daktyle. Und auch er traf sein Ziel.</p><p>Eine d�nne Nadel aus Licht bohrte sich in den Leib der gr�nen Echse, und pl�tzlich verschwand eines ihrer Hinterbeine in einer brodelnden Feuerwolke. Das Tier br�llte vor Schmerz und Angst, versuchte noch einen Schritt zu machen und brach zusammen.</p><p>Aber eine Sekunde vorher, w�hrend sich sein K�rper noch wie eine gef�llte Rieseneiche zur Seite neigte, griff das H�llenfeuer des Scanners auf die schmale Gestalt in seinem Nacken �ber und lie� ihren Mantel und ihr Haar wie trockenes Stroh aufflammen.</p></section><section><title><p id="_3">3.</p></title><p>�Hshie Ikhebth, Hhehrrr.� Der Quorrl sah hoch und versuchte, sein Schlangengesicht zu etwas wie einem L�cheln zu verziehen, was ihm allerdings nicht gelang; allenfalls, da� eine drohende Grimasse daraus wurde. �Hshie ihhsssst nhicht schwerrr verl�zzzzt.�</p><p>Skar reagierte nicht gleich auf die Worte. Der Quorrl hatte einen Sprachfehler, der ihn unter anderen Umst�nden sicher zum Lachen gereizt h�tte. Jetzt erschien er ihm ... ja, irgendwie fast <emphasis>bedrohlich; </emphasis>ein weiteres unheimliches Detail, das die Aberwitzigkeit ihrer Situation noch zu betonen schien.</p><p>Erst, als er selbst begriff, da� er den Quorrl nur anstarrte und dieser vergeblich seit einer guten Minute auf irgendeine Antwort wartete, rang er sich zu einem Nicken durch, gab dem schuppigen Riesen mit einer Geste zu verstehen, da� er wieder gehen und sich um die anderen Verwundeten k�mmern konnte, und lie� sich neben dem M�dchen in den Schnee sinken.</p><p>Die <emphasis>Errish - wenn </emphasis>es sich um eine Ehrw�rdige Frau handelte, Skar hatte trotz allem, was er gesehen hatte, noch Zweifel, denn dieses Kind erschien ihm einfach zu jung - hatte das Bewu�tsein noch nicht wiedererlangt, aber die Diagnose des Quorrl-Heilers deckte sich ziemlich genau mit seinem eigenen ersten Eindruck, nachdem Del und er die Bewu�tlose unter dem K�rper der Echse hervorgezerrt hatten. Ihr Mantel und das einfache braune Kleid, das sie darunter trug, waren verkohlt, und ein Teil ihres h�ftlangen blonden Haares war zu einem drahtigen Gespinst aus schwarzen Schlackef�den geworden. Ihr rechter Arm war gebrochen, und sie hatte Verbrennungen am Hals und an der Schulter, aber keine davon war so schlimm, da� sie als gef�hrlich einzustufen gewesen w�re.</p><p>Skar beugte sich vor und ber�hrte das Gesicht des M�dchens. Ihre Haut f�hlte sich kalt und sehr trocken an, und er hatte schon vorher bemerkt, da� sie leichte Erfrierungen an Finger- und Zehenspitzen hatte. Ihre Flucht hatte l�nger als nur ein paar Tage gedauert.</p><p>Wer mochte sie sein? dachte er. Woher war sie gekommen, und warum war sie ausgerechnet hierher geflohen? Und warum h�tten ihre Verfolger sie lieber get�tet, als sie in die H�nde der Satai fallen zu lassen?</p><p>Er begriff, da� seine �berlegungen m��ig waren - die Antwort auf all diese und eine Menge anderer Fragen w�rden sie bekommen, sobald das M�dchen aus seiner Bewu�tlosigkeit erwacht war; also sp�testens in zwei oder drei Stunden, sobald sie die Festung wieder erreicht hatten. Er h�tte den Heiler bitten k�nnen, sie aufzuwecken; Del hatte ihm versichert, da� der Quorrl trotz seiner bizarren Erscheinung einer der besten Heilkundigen war, die ihre kleine Armee besa�, aber irgend etwas in ihm schreckte noch davor zur�ck. Au�erdem war es schlichtweg einfacher, eine Bewu�tlose mit zur�ckzunehmen und erst mit ihr zu sprechen, nachdem sie versorgt und alle ihre Wunden verbunden worden waren.</p><p>Er stand auf, als Del zur�ckkam. Das Gesicht des Hohen Satai wirkte verschlossen, auf jene Art ausdruckslos, die schon wieder eine ganze Menge �ber seine wirklichen Gef�hle verriet. Skar fiel auf, da� sein Blick ein paarmal nach oben ging und den Himmel absuchte, w�hrend sich seine Hand um das schimmernde Etwas schmiegte, das in seinem G�rtel steckte: der Scanner der <emphasis>Errish, </emphasis>den sie noch in der Hand gehabt hatte, als sie sie unter der brennenden Echse hervorzerrten. Skar bezweifelte, da� Del mit dieser G�tterwaffe umgehen konnte - keiner von ihnen hatte auch nur eine Ahnung, wie man sie bediente - aber es gab ohnehin nichts, worauf er h�tte schie�en k�nnen. Die zweite Daktyle war verschwunden, und Skar hoffte inst�ndig, da� sie nicht wiederkam. Er bezweifelte, da� sie alle zusammen eine Chance gegen diese fliegende Bestie hatten; Dels Zauberwaffe hin oder her.</p><p>�Nun?� fragte er, als Del herangekommen und stehengeblieben war.</p><p>Dels Gesicht blieb unbewegt, aber in seinen Augen war pl�tzlich ein Funkeln von Zorn, wo Trauer oder Niedergeschlagenheit h�tten sein m�ssen. �Siebzehn�, bemerkte er knapp.</p><p>�Oh.� Skar verbi� sich die Frage, ob es sich dabei nur um die Zahl der toten Satai oder ihre gesamten Verluste handelte. Er kannte die Antwort. Er hatte ihn beobachtet, w�hrend der Quorrl und er sich um das M�dchen k�mmerten. Del war sehr langsam und sehr gr�ndlich �ber das verw�stete Schlachtfeld gegangen, und er war neben jedem gest�rzten Satai niedergekniet, um ihm Mut zuzusprechen oder ihm - je nachdem - die letzte Ehre zu erweisen. Neben jedem <emphasis>Satai. </emphasis>Die Quorrl hatte er nicht einmal beachtet. Aber er sagte nichts. Er hatte keine Lust, jetzt mit Del zu streiten, und er wu�te, da� eine entsprechende Bemerkung darauf hinausgelaufen w�re. Del mochte �lter geworden sein, und gesetzter; sicherlich kl�ger. Aber im Grunde war er noch immer der gleiche Hitzkopf, der er vor zwanzig Jahren gewesen war.</p><p>So oder so, dachte er, nur um sich abzulenken und seine Gedanken wieder in andere Bahnen zu zwingen, war der Kampf vorbei, und so oder so hatten sie einen entsetzlichen Preis f�r den Sieg bezahlt. Die Quorrl - er fragte sich nicht einmal, wie sie es geschafft hatten, - hatten eine der Panzerechsen get�tet, die beiden anderen standen reglos und verwirrt da, nicht mehr als stumpfsinnige Fleischberge, die in ihren kleinen Hirnen jetzt vermutlich vergebens nach einer Antwort auf die Frage suchten, wie sie hierhergekommen waren, und warum.</p><p>Del blickte sehr lange und sehr nachdenklich auf das bewu�tlose M�dchen hinab, aber er sagte kein Wort, stellte keine einzige Frage, sondern wandte sich nach einer Weile mit einem lautlosen Seufzer wieder um und deutete zur�ck in die Richtung, aus der er gekommen war. �Komm mit�, forderte er ihn auf. �Da ist etwas, was du dir ansehen solltest.�</p><p>Skar folgte ihm, aber nicht, ohne vorher seinen Mantel abzustreifen und ihn �ber das reglose M�dchen auszubreiten; weniger eine Geste des Mitleids als vielmehr Folge rein praktischer �berlegung - sie hatten nicht sehr viel Zeit. Das M�dchen war schon jetzt gef�hrlich unterk�hlt, und es w�rde schlichtweg erfrieren, wenn es noch lange im Schnee lag.</p><p>Sie n�herten sich einer der riesigen Panzerechsen, und obwohl Skar wu�te, da� sie jetzt nicht mehr als stumpfsinnige Tiere waren, �berkam ihn ein sehr ungutes Gef�hl, nicht direkt Angst, aber doch etwas, das ihr sehr �hnlich war. Aufmerksam musterte er die Augen des Riesentieres. Vorhin waren sie ihm klein vorgekommen, aber das stimmte nicht - sie waren so gro� wie Dels geballte Faust. Aber das satanische Feuer, der Funken boshafter Intelligenz und der unb�ndige Wille zu t�ten und zu vernichten waren daraus verschwunden. Das Wesen, dem er jetzt gegen�berstand, war keine unbesiegbare Killermaschine mehr, sondern nur noch eine ziemlich gro�e und ziemlich dumme Masse von Fleisch und Knochenplatten, die gar nicht verstand, was all diese kleinen hektischen Wesen von ihr wollten - falls sie sie �berhaupt zur Kenntnis nahm, hie� das. Trotzdem ertappte Skar sich dabei, einen respektvollen Bogen um den stacheligen Giganten zu schlagen, w�hrend er Del folgte. Der Drache befand sich eindeutig jenseits der Grenze von K�rpergr��e und Aussehen, vor der logisches Denken der Angst noch �berlegen war.</p><p>Sie umrundeten die Panzerechse fast zur G�nze, ehe sie eine Gruppe von Satai und Quorrl erreichten, die einen reglosen K�rper umstanden, der halb im Schnee begraben lag. Die M�nner traten achtungsvoll zur Seite, als sie n�her kamen, und Del machte eine ungeduldige Handbewegung, schneller zu gehen. Aus irgendeinem Grund war er nerv�s.</p><p>Es war einer der Drachenreiter. Er lag so da, wie er vom R�cken des riesigen Tieres heruntergest�rzt war, mit verrenkten Gliedern und durchbohrter R�stung, aus deren Seite noch der Schaft einer zersplitterten Lanze ragte, aber jemand hatte seinen Helm aufgebrochen, mit brutaler Kraft, so da� er nur noch seinen Hinterkopf und Nacken wie eine schwarze Schale mit gezackten R�ndern umgab.</p><p>Skar erstarrte, als er das Gesicht sah, das darunter zum Vorschein gekommen war. Er blieb mitten im Schritt stehen, tauschte einen erschrockenen Blick mit Del und ging unsicher weiter, als dieser abermals eine auffordernde Bewegung mit der Hand machte.</p><p>Z�gernd, so vorsichtig, als bef�rchte er ernsthaft, der Tote k�nne pl�tzlich die Augen aufschlagen und nach ihm greifen, lie� er sich neben der reglos daliegenden Gestak auf ein Knie herabsinken und streckte die Hand aus.</p><p>Es war eine Frau. Sie war wesentlich �lter als das M�dchen auf der gr�nen Echse, aber j�nger als Del oder gar er - und es war eine <emphasis>Errish, </emphasis>wenn er jemals eine gesehen hatte. Ihre weit offenstehenden Augen waren von dem strahlenden, makellosen Wei�, das nur bei einer <emphasis>Errish </emphasis>zu sehen war, und auf ihrer rechten Schl�fe befand sich eine winzige, hellviolette T�towierung, die dem Kundigen ihren Rang in der Kaste der Drachenherrinnen verriet. F�r einen ganz kurzen, aber schrecklichen Moment fragte er sich entsetzt, ob sie vielleicht dem Falschen geholfen hatten. Aber trotzdem war es nicht das, was ihn so ersch�tterte. Was ihn traf und was die Ursache f�r das abgrundtiefe, mit Furcht gemischte Erschrecken in Dels Augen gewesen war, war ihr Gesicht.</p><p>Etwas ... bedeckte es.</p><p>Im allerersten Moment glaubte er, es w�re ein Muster aus geronnenem Blut, das auf ihren Z�gen erstarrt war, aber das stimmte nicht. Es war ... ein Gespinst, dachte er angeekelt, etwas wie ein schwarzes, weitmaschiges Netz aus haard�nnen glitzernden F�den, schwarze Spinnweben, die einem Muster zu folgen schienen, das er nicht zu erkennen vermochte, das aber da war. Keiner der F�den war dicker als ein Haar, aber sie erschienen Skar sehr fest, und irgendwie ... lebendig. Es war, als bewegten sie sich, so sacht und auf so sonderbar falsche, fremdartige Weise, da� er diese Bewegung nicht wirklich sehen konnte, aber sehr deutlich f�hlte.</p><p>�Gro�er Gott, Del - was ist das?� murmelte er.</p><p>Del erwiderte nichts, aber er sp�rte sein Achselzucken und die Bedr�ckung, die der andere ebenso wie er empfand. Es war nicht einfach so, da� der Anblick allein furchterregend oder ekelhaft gewesen w�re - jeder von ihnen hatte Dinge zu Gesicht bekommen, die zehnmal erschreckender und hundertmal widerw�rtiger waren - aber er war... bedrohlich. Falsch, auf unm�glich in Worte zu fassende Art.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete Del schlie�lich doch. Mit zwei Schritten umrundete er den Leichnam der <emphasis>Errish </emphasis>und ging Skar gegen�ber in die Hocke, hielt aber weitaus mehr Abstand zu der Toten ein, als n�tig gewesen w�re. Er sp�rt es auch, dachte Skar. Selbst die Quorrl, die in kleinen Gruppen auf dem Schlachtfeld standen, hielten fast respektvollen Abstand zu den Toten. Skar fiel auf, da� niemand auch nur versuchte, die Leichen auszupl�ndern.</p><p>�Sie haben es alle.�</p><p>Skar sah auf, und Del machte eine erkl�rende Handbewegung. �Es sind alles <emphasis>Errish, </emphasis>Skar. Und sie haben alle dieses... Ding.� Er schluckte. �Mach ihre R�stung auf.�</p><p>Skar gehorchte, wobei ihm eine innere Stimme riet, es besser nicht zu tun, denn er mochte Dinge sehen, die er eigentlich gar nicht sehen wollte. Dessen ungeachtet beugte er sich vor, suchte mit den Fingern nach einer L�cke in der schwarzen Panzerung der <emphasis>Errish </emphasis>und zog mit einem kr�ftigen Ruck.</p><p>Der Brustharnisch der sonderbaren R�stung zerbrach mit einem Laut wie zersplitterndes Glas, und Skar starrte verbl�fft auf das, was er f�r geschw�rztes Eisen gehalten hatte. Es war kein Metall. Es war <emphasis>Horn!</emphasis></p><p>Verwirrt blickte er auf die scharfkantigen kleinen Scherben herab, die er pl�tzlich in der Hand hielt, lie� sie schlie�lich fallen und beugte sich wieder �ber die Tote.</p><p>Er hatte den Anblick erwartet, aber er erschreckte ihn trotzdem.</p><p>Das schwarze Gespinst beschr�nkte sich nicht nur auf ihr Gesicht, sondern erstreckte sich weiter. Wie ein Netz aus der Haut gequollener Adern zog es sich an ihrem Hals herab und verschwand im Ausschnitt des braunen Lederwamses, das sie unter der R�stung trug, und Skar mu�te seine Phantasie nicht sonderlich strapazieren, um sich vorzustellen, welcher Anblick sich ihm bieten w�rde, wenn er das Hemd aufschnitt.</p><p>Trotzdem tat er es.</p><p>Das Netz war hier weitmaschiger, und die F�den dicker. Unter den Br�sten der Toten erreichten sie die St�rke eines Kinderfingers, und hier und da gewahrte er kleine, glitzernde Kl�mpchen des gleichen Materials, die sich an den Knotenstellen der F�den gebildet hatten und sanft pulsierten, in unregelm��igem, aber erkennbarem Rhythmus. Der Anblick erinnerte ihn an etwas. Er hatte etwas wie dies schon einmal gesehen, in anderer Form und anderem Zusammenhang, aber er wu�te nicht mehr, wann und wo.</p><p>Fast behutsam breitete er das zerschnittene Wams wieder �ber dem Oberk�rper der Toten aus und kroch ein kleines St�ck von ihr fort. Wie Del war er pl�tzlich sehr darauf bedacht, diesem entsetzlichen Etwas nicht zu nahe zu kommen.</p><p>�Sie haben alle dieses... dieses Netz, sagst du? Ihr habt sie alle untersucht?�</p><p>Statt einer direkten Antwort zog Del seinen Dolch aus dem G�rtel, beugte sich vor und verl�ngerte den Ri�, den Skar in das Gewand der Toten geschnitten hatte. Skar erkannte, was er meinte, ohne da� es eines weiteren Wortes der Erkl�rung bedurft h�tte.</p><p>Das schwarze Netz h�llte den K�rper der toten <emphasis>Errish </emphasis>vollkommen ein, und in seiner Mitte, zwei Fingerbreit neben ihrer rechten H�fte, sa� ein fast faustgro�er, pulsierender schwarzer Klumpen, wie eine beinlose glitzernde Spinne, ein widerliches Etwas ohne klar bestimmbare Form, das im gleichen, unheimlichen Rhythmus pulsierte wie die d�nnen Nervenf�den, die von ihm ausgingen. In Skars Mund war pl�tzlich ein bitterer Geschmack. �bel schmeckender Speichel sammelte sich unter seiner Zunge, und er sp�rte selbst, wie sein Gesicht die Farbe verlor. Er mu�te ein paarmal rasch hintereinander schlucken, um die �belkeit zur�ckzudr�ngen. Dabei war es nicht einmal der Anblick selbst, der ihm so zusetzte; es war wie das Bild des schwarzen Netzes auf dem Gesicht der <emphasis>Errish - </emphasis>es war nicht sein Aussehen, es war das heftige Empfinden des auf f�rchterliche Weise Fremden und Falschen, das davon ausging. Er wu�te nicht, was dieses Netz war und was es bewirkte, aber er wu�te mit unersch�tterlicher Sicherheit, da� es etwas war, das nicht in diese Welt geh�rte. Del stand mit einer abrupten Bewegung auf und trat zur�ck. �Was ist das, Skar?� fragte er leise. Seine Stimme zitterte, und das, was Skar darin h�rte, war pures Entsetzen.</p><p>Auch Skar erhob sich und trat ein paar Schritte zur Seite, auf absurde Weise froh, aus der unmittelbaren N�he der Toten und ihres schrecklichen Parasiten zu entkommen. Er sah nicht einmal mehr in ihre Richtung, als er antwortete. �Ich wei� es nicht�, sagte er. �Aber ich habe das Gef�hl -�</p><p>�- es schon einmal gesehen zu haben?� Del l�chelte, sehr rasch und ohne die geringste Spur von echtem Humor, als er Skars �berraschten Blick bemerkte. Dann nickte er. �Mir geht es genauso�, fuhr er fort. �Aber ich wei� nicht, wann und wo.� Er sch�ttelte den Kopf, bi� sich nachdenklich auf die Unterlippe und sah einen Moment lang auf die Tote herab. �Etwas stimmt hier nicht, Skar. Das sind <emphasis>Errish, </emphasis>aber ... irgend etwas macht mir Angst.�</p><p>Diesmal war Skar ehrlich �berrascht. Er kannte Del seit mehr als zwanzig Jahren, aber er hatte ihn in all dieser Zeit kaum ein halbes Dutzend mal gestehen h�ren, da� er Angst empfand. Aber die Worte waren nicht nur so dahergesagt - Del hatte Angst, ebenso wie er und alle anderen hier. Etwas ging von diesem schwarzen F�dengespinst aus, das ihre Seelen in Aufruhr brachte. �Sind sie alle tot?� fragte er.</p><p>Del nickte und sch�ttelte gleich darauf den Kopf. �Eine lebt noch. Aber sie wird sterben, ehe die Sonne untergeht.� Seine Stimme klang fast erleichtert.</p><p>�Vielleicht kann Bradburn ihr helfen�, schlug Skar vor.</p><p>Del sah ihn vielsagend an. Weder er noch irgendeiner der anderen, das begriff Skar pl�tzlich, war besonders erpicht darauf, da� irgend jemand der verwundeten <emphasis>Errish </emphasis>half. Sie alle hatten Angst vor ihr - und viel mehr noch vor dem Ding, das sie bedeckte. Und wenn er ganz ehrlich zu sich selbst war, dann erging es ihm nicht anders. Allein der Gedanke, dieses lebendige schwarze Etwas mit in die Festung zu bringen, war ihm zuwider. �Trotzdem�, f�llte er seine Entscheidung. �Wir m�ssen sie mitnehmen. Sie kann uns wertvolle Informationen liefern.� Del wollte widersprechen, aber Skar machte eine rasche, befehlende Geste und wandte sich an die Krieger: �Bereitet alles f�r den R�ckmarsch vor�, gebot er laut. �Und begrabt die Toten. Alle.�</p><p>Einer der M�nner deutete auf die riesige Panzerechse. �Die Tiere, Herr. Was machen wir mit ihnen?�</p><p>Skar �berlegte einen Moment. Die Versuchung, die beiden �berlebenden Drachen einfach mitzunehmen, um sie eventuell zu z�hmen und in der bevorstehenden Schlacht einzusetzen, war verlockend. Aber er spielte nur f�r eine Sekunde mit diesem Gedanken - es war kein Zufall, da� auf ganz Enwor nur die <emphasis>Errish </emphasis>diese vorzeitlichen Kolosse zu reiten vermochten. Die Zahl der anderen, die es versucht hatten, war gro�, aber keiner von ihnen lebte noch. Und Skar war trotz allem nicht sicher, da� die grauen Riesenigel endg�ltig zu den friedlichen Tieren geworden waren, als die sie sich ihnen im Moment darboten. Er konnte sich wahrhaft Lustigeres vorstellen, als diese beiden Kolosse in der Burg zu haben, falls sie sich pl�tzlich wieder daran erinnerten, da� sie eigentlich hierhergekommen waren, um Krieg zu f�hren...</p><p>�Wir lassen sie hier�, entschied er. �Vielleicht finden sie den Weg zur�ck.�</p><p>�Es w�re besser, wir w�rden sie t�ten�, widersprach Del. Skar sch�ttelte heftig den Kopf. �Wozu?� fragte er, eine Spur lauter, als er eigentlich beabsichtigt hatte. Etwas in ihm str�ubte sich dagegen, diese beiden Riesenkreaturen einfach sinnlos abzuschlachten. �Sie sind nicht mehr gef�hrlich.� Er unterstrich seine Worte mit einer neuerlichen, befehlenden Geste - die Del erstaunlicherweise hinnahm, obwohl doch eindeutig er es war, der hier irgend jemandem Befehle zu erteilen hatte. Und nach einer Weile drehte sich Skar ohne ein weiteres Wort um und ging, um sein Schwert zu suchen.</p></section><section><title><p id="_4">4.</p></title><p>Die <emphasis>Errish </emphasis>�berlebte den Tag nicht. Sie starb nicht an den Verletzungen, die sie im Kampf davongetragen hatte und die sich im nachhinein als viel weniger schwer herausstellten, als es im ersten Augenblick den Anschein gehabt hatte, sondern h�rte einfach auf zu atmen, kaum eine Minute, nachdem sie das Bewu�tsein wiedererlangt und begriffen hatte, wo sie war, und in welcher Lage. Niemand - Bradburn eingeschlossen, der all seine magische Kraft aufgewandt hatte, um genau das zu verhindern, was dann geschah - war sonderlich �berrascht dar�ber. Die unglaubliche Gewalt, die eine Ehrw�rdige Frau �ber ihren eigenen K�rper hatte, war Legende; durch die pure Kraft ihres Willens kostete es eine <emphasis>Errish </emphasis>weniger Anstrengung, ihren Herzschlag zum Stehen zu bringen, als es Skar bereitet h�tte, f�r wenige Minuten den Atem anzuhalten. Nein - was ihn erschreckte, das war die Schnelligkeit, mit der es geschah. Er war nicht dabei, aber Bradburn berichtete, da� sie nicht einmal versucht hatte zu fliehen - oder <emphasis>irgend etwas </emphasis>zu tun. Sie war erwacht, hatte begriffen, was geschehen war, und sich selbst get�tet, sehr einfach, sehr schnell und sehr konsequent.</p><p>Del sagte kein Wort, als Bradburn mit der Nachricht vom Tode ihrer Gefangenen zu ihnen kam, sondern nickte nur, als w�re nur etwas eingetreten, was er mit aller Sicherheit erwartet hatte, und auch Skar versp�rte eher Erleichterung als irgend etwas anderes; er bedauerte den Tod der <emphasis>Errish, </emphasis>aber sehr viel st�rker war seine Genugtuung, mit ihr auch das entsetzliche schwarze Ding vernichtet zu wissen, das an ihr gehangen hatte. Bradburn hatte Befehl gegeben, die Tote zu verbrennen; zusammen mit allem, was mit ihr in Ber�hrung gekommen war. Wie so vieles hielt Skar auch diese Vorsichtsma�nahme f�r �bertrieben, aber er widersprach nicht. Er war nicht mehr sicher, ob es wirklich richtig gewesen war, sie �berhaupt hierher zu bringen.</p><p>�Es war das Netz�, erkl�rte Bradburn, nachdem er mit seinem Bericht zu Ende gekommen war und eine Zeitlang vergeblich auf irgendeine Reaktion Dels gewartet hatte. �Ich bin sicher, da� es ...� Er zuckte hilflos die Schultern. �... sie irgendwie beeinflu�t hat.�</p><p>�Dann h�ttest du dieses verdammte Ding von ihr herunterschneiden sollen, ehe sie das Bewu�tsein wiedererlangte�, bemerkte Del. Es war nur ein Gedanke, den er laut aussprach, kein Vorwurf. Und Bradburn l�chelte auch nur milde.</p><p>�Dann w�re sie erst recht gestorben�, hielt er dagegen. �Ich bin �berzeugt, da� es sie get�tet h�tte.� Er seufzte, lie� sich auf den freien Stuhl neben Del sinken und griff nach dem Weinkrug. Seine Bewegungen wirkten sehr m�de, als er sich einige wenige Schlucke der goldfarbenen Fl�ssigkeit in einen Becher einschenkte und trank, und seine Finger zitterten. Da� er �berhaupt Wein trank, �berraschte Skar. Er konnte sich nicht erinnern, den Gesichtslosen Prediger jemals irgend etwas anderes als Wasser trinken gesehen zu haben.</p><p>�Was war es?� fragte er.</p><p>Bradburn leerte seinen Becher, griff abermals nach dem Krug und schreckte mitten in der Bewegung zur�ck, als w�rde ihm erst jetzt klar, was er da �berhaupt tat. Sein Blick war sehr unsicher, als er Skar ansah. Er wirkte verlegen. �Das Netz?� Skar nickte, und Bradburn fuhr nach einigen Sekunden des �berlegens fort: �Ich wei� es nicht. Eine Art... Parasit, vermute ich.�</p><p>�So eine Art Laus, wie?� Dels Spott war ziemlich deplaciert, und Bradburns Blick machte dies auch klar.</p><p>�Ja�, entgegnete er und tippte sich mit dem Zeigefinger gegen die Stirn. �Aber eine, die hier sitzt.�</p><p>�Woher willst du das wissen, wenn du keine Ahnung hast, was es eigentlich war?� fragte Del scharf. Er war nerv�s, und wie es seine Art war, reagierte er mit Ungeduld und steigender Gereiztheit auf dieses Gef�hl.</p><p>�Ich habe es gesp�rt�, antwortete Bradburn einfach. Dels scharfer Tonfall beeindruckte ihn nicht im mindesten, ebenso wie seine Gereiztheit einfach von ihm abzuprallen schien; obwohl er Del seit Jahren kannte und wissen mu�te, da� er ihn damit nur noch mehr in Rage brachte.</p><p>�Gesp�rt, so?� fauchte Del. �Einfach so?�</p><p>�Einfach so.� Bradburn seufzte, warf Skar einen verzeihung-heischenden Blick zu und griff abermals nach dem Weinkrug. Diesmal schenkte er sich den Becher randvoll. Skar unterdr�ckte ein L�cheln. �Und ich kann denken�, fuhr Bradburn nach einigen Schlucken fort, ohne den Becher abzusetzen. �Und zwei und zwei zusammenz�hlen.�</p><p>�So? Und worauf kommst du? Auf sieben?�</p><p>Bradburn ignorierte die Spitze. �Ihr h�ttet einen der Drachen mitbringen sollen�, sagte er.</p><p>�Das wollte ich�, gab Del �rgerlich zur�ck. �Aber er pa�te nicht in meine Satteltaschen.�</p><p>�Es h�tte vieles erleichtert, wenn ich ihn mir h�tte ansehen k�nnen�, fuhr er unbeeindruckt fort.</p><p>�Wozu?� fragte Skar, ehe Del abermals auffahren konnte. Bradburn z�gerte einen Moment mit der Antwort. Dann zuckte er die Achseln. �Ich wei� es nicht�, gestand er. Pl�tzlich wurde er zornig. �Verdammt, auch ich kann nur raten, Del. Nichts ist mehr so, wie es sein sollte! Die <emphasis>Errish </emphasis>waren immer unsere Freunde, und pl�tzlich greifen sie uns an!� Er deutete mit einer fast angewiderten Geste auf den silberfarbenen Scanner, der vor Del auf dem Tisch lag. �Sie haben diese Teufelswaffen niemals gegen Menschen eingesetzt, Del, <emphasis>niemals! </emphasis>Und ich habe niemals geh�rt, da� sie ihre Drachen in den Kampf gef�hrt h�tten, au�er um sich zu verteidigen! Was soll ich noch glauben? Was ... was gilt noch, von den alten Werten, Del?�</p><p>�Vielleicht stehen sie auf der Seite der <emphasis>Sternengeborenen�, </emphasis>mutma�te Del.</p><p>Bradburn schnaubte. �Unm�glich! Nicht die <emphasis>Errish!�</emphasis></p><p>�Warum haben wir dann seit zwei Jahren keine von ihnen mehr gesehen?� fragte Del. Er beugte sich vor und funkelte Bradburn fast feindselig an. �Warum dringt seit zwei Jahren kein Wort mehr �ber die Grenzen des Drachenlandes? Warum ist keiner der Boten und Kundschafter zur�ckgekommen, die wir nach Elay geschickt haben? Warum -�</p><p>Er brach mitten im Satz ab, sah Bradburn betroffen an und ballte schlie�lich die Faust. Er tat es mit solchem Zorn, da� seine Muskeln dabei wie dicke Stricke durch die Haut traten, und trotzdem wirkte die Geste mehr als alles andere kraft- und hilflos. �Vielleicht haben Drasks Br�der sie auch schon in ihrer Gewalt�, murmelte er schlie�lich.</p><p>Bradburn lachte leise. �Die Zauberpriester? Unm�glich, Del. Sie haben es nicht geschafft, die Satai zu unterwandern; nicht einmal die Veden, obgleich sie ein abergl�ubisches Volk sind, das daf�r bekannt ist, jeden Unsinn zu glauben. Denkst du wirklich, einer von ihnen h�tte auch nur einen Fu� nach Elay hineinsetzen k�nnen, ohne da� die <emphasis>Errish </emphasis>nicht sofort gewu�t h�tten, was er wirklich will?�</p><p>�Nein�, gestand Del �bellaunig. �Das glaube ich nicht. Aber verdammt noch mal, was ist dann in Elay geschehen? Wo sind die <emphasis>Errish </emphasis>und ihre Drachen?�</p><p>�Das M�dchen wird uns diese Fragen beantworten�, war sich Skar sicher. �Sobald es erwacht ist.� Er sah Bradburn an. �Wann?�</p><p>�Wann immer ihr wollt�, antwortete der Prediger. �Ich habe ihr einen Trank gegeben, der sie schlafen l��t, bis ich sie aufwecke. Sie ist nicht schwer verwundet, aber v�llig entkr�ftet. Ihrem Zustand nach zu urteilen, mu� sie lange unterwegs gewesen sein. Besser�, f�gte er nach kurzem Z�gern hinzu, �ihr la�t sie gr�ndlich ausschlafen, ehe ihr sie befragt.�</p><p>�Es ist ein weiter Weg nach Elay�, stellte Del fest. <emphasis>-�Wenn </emphasis>sie aus Elay kommt.�</p><p>Skar sah auf. �Das klingt, als h�ttest du Angst davor.�</p><p>�Du nicht?� Del schnaubte. Seine Augen wurden schmal, und pl�tzlich war er gar nicht mehr der herrische, stets ein wenig ungeduldige Heerf�hrer, sondern nur noch ein sehr besorgter Mann. Vielleicht sah Skar ihn auch nur so, weil er ihn so sehen wollte.</p><p>�Wenn das alles stimmt, Skar, dann ist die Lage in Elay schlimmer, als ich bef�rchtet habe. Die <emphasis>Errish </emphasis>nicht auf unserer Seite zu haben, ist arg genug. Sie zu Feinden zu haben, w�re... entsetzlich.�</p><p>Er stand auf, ging zum Fenster und blickte eine Weile wortlos auf den Hof hinab. Dann, ganz pl�tzlich, fuhr er herum und sah Bradburn an.</p><p>�Wir m�ssen mit diesem M�dchen reden�, erkl�rte er in einem Ton, der keinen Widerspruch mehr duldete. �Geh und wecke sie auf. Niemand soll mit ihr reden, bevor Skar und ich nicht bei ihr waren.�</p><p>Bradburn nickte. Sein Gesichtsausdruck verriet, da� er mit Dels Entscheidung nicht einverstanden war, aber er widersprach nicht. �Gebt mir eine halbe Stunde�, bat er. �Und verlangt nicht zu viel von ihr. Sie wird v�llig ver�ngstigt sein.�</p><p>�Sie machte mir keinen sehr �ngstlichen Eindruck, als sie mit dem Ding da auf uns gezielt hat�, warf Del mit einer �rgerlichen Geste auf den Scanner ein, der wie ein silbernes Spielzeug neben seinem Becher lag.</p><p>Bradburn seufzte nur. Aber er sah wohl ein, da� es reine Zeitverschwendung war, sich weiter mit Del zu streiten, denn er wandte sich ohne ein weiteres Wort um und verlie� den Raum. Del setzte sich wieder, g�hnte ungeniert und legte die F��e auf den Tisch. Nachl�ssig griff er nach dem Scanner und drehte ihn versonnen in den Fingern. Zwischen seinen gewaltigen Pranken wirkte die Waffe jetzt wirklich wie ein Kinderspielzeug; es fiel Skar f�r einen Moment schwer, sich vorzustellen, welch entsetzliche Macht unter dem harmlos schimmernden Metall lauerte. �Tu das weg�, sagte er. �Bitte.� Del zog die linke Augenbraue hoch und sah ihn an, und Skar f�gte hinzu: �Es macht mich nerv�s.�</p><p>Del nickte, legte den Scanner aber nicht auf den Tisch zur�ck, wie Skar gehofft hatte, sondern schob ihn mit einer nachl�ssigen Geste unter den G�rtel. Skar runzelte mi�billigend die Stirn, verbi� sich aber eine entsprechende Bemerkung. Del wu�te zehnmal besser als er, da� es gegen die Regeln der Satai verstie�, eine solche Waffe auch nur zu ber�hren. Aber er begriff auch, da� Dels so bewu�t zur Schau gestellte Gelassenheit nur Maske war, und nicht einmal eine sehr gute. Hinter seinem abf�lligen Grinsen brodelte es. Er wu�te so gut wie Skar, da� das, was sie am Vormittag erlebt hatten, viel mehr als nur eine Episode in diesem Krieg war. Es war wichtig. Ungeheuer wichtig. Und es hatte irgend etwas mit dem zu tun, was Drask ihm hatte sagen wollen. �Dieses Netz macht mir Angst�, gestand Del pl�tzlich. Er l�chelte noch immer, aber in seinen Augen flackerte es, und seine H�nde lagen ein wenig zu entspannt auf den Armlehnen des Stuhles. �Ich habe so etwas schon einmal gesehen, Skar. Aber ich wei� nicht mehr, wo.�</p><p>Skar nickte. Zum ersten Mal, seit sie in die Festung zur�ckgekommen waren, stimmte er vollkommen mit Del �berein. Auch ihn beunruhigte die entsetzliche Ver�nderung, die mit den <emphasis>Errish </emphasis>vonstatten gegangen war, sehr viel mehr, als er zugeben wollte. Und es war nicht allein die Fremdartigkeit dieses sonderbaren - wie hatte Bradburn es genannt? <emphasis>-Parasiten, </emphasis>die ihn so erschreckte. Viel st�rker qu�lte ihn der Gedanke, etwas ganz �hnlichem schon einmal begegnet zu sein, vor sehr langer Zeit und unter keinen sehr guten Umst�nden.</p><p>Und das war nicht alles. Da waren die Drachen, Echsen einer Art, wie sie noch keiner von ihnen jemals zu Gesicht bekommen hatte, und die absonderlichen, erschreckenden R�stungen der <emphasis>Errish, R�stungen, </emphasis>die nicht nur dem Panzer menschengro�er Insekten nachempfunden, sondern auch aus dem entsprechenden Material gefertigt waren. Etwas in ihm wu�te sehr wohl, was dieser Umstand bedeutete, aber er weigerte sich einfach, auch nur �ber die blo�e M�glichkeit der Existenz <emphasis>menschengro�er Insekten </emphasis>nachzudenken.</p><p>�Willst du immer noch gehen?� fragte Del unvermittelt.</p><p>Die Frage �berraschte Skar, denn nach allem hatte er damit jetzt zu allerletzt gerechnet. Er reagierte nicht, aber tief in sich wu�te er die Antwort - er wollte, und er mu�te gehen. Drask hatte recht gehabt, mit dem, was er sagte. Etwas war falsch, grundlegend falsch, an diesem ganzen Krieg. Nicht die Tatsache, da� sie ihn f�hrten, denn sie hatten keine andere Wahl, wollten sie Enwor nicht der Herrschaft der Zauberpriester �berlassen, und damit der <emphasis>Sternengeborenen, </emphasis>die unsichtbar hinter ihnen standen. Auch nicht die Art, wie sie ihn f�hrten, denn sie hatten alle Vorteile auf ihrer Seite. Nach Drasks Tod und dem Fall der Trutzburg stand der Weg nach Osten f�r sie offen, und der Walze aus vierzigtausend Quorrl und fast zwanzigtausend Satai und Veden w�rde nichts widerstehen; ganz einfach, weil es auf ganz Enwor nichts gab, das dieser geballten Macht gewachsen w�re. Skar gab den Zauberpriestern und ihren Verb�ndeten drei Monate; vier, allerh�chstens.</p><p>Und doch: Dies alles mochte - logisch betrachtet - richtig sein, und trotzdem war es falsch. Sein Hiersein war falsch. Dieser Kampf war nicht mehr sein Kampf. Er war es niemals gewesen. Die Dinge, so weit er sie �berhaupt jemals in der Hand gehabt hatte, begannen ihm zu entgleiten. Vom Kampf gegen Vela und den Dronte �ber sein Zusammentreffen mit dem <emphasis>Daij-Djan </emphasis>hin hatte sich eine Auseinandersetzung, die im Grunde nur ihn anging, zu einem Krieg entwickelt, der diese ganze Welt in Flammen zu setzen drohte. Aber es war falsch. Seine Rolle in diesem Spiel war eine andere; und er wu�te sogar, welche. Das Wissen darum war in ihm, tief in seinem Inneren verborgen, zwar seinem bewu�ten Zugriff noch entzogen, aber da. Es war immer dagewesen, so wie dieses entsetzliche dr�uende Ding in ihm immer dagewesen war, dieses Etwas, das die meiste Zeit schlief und nur manchmal erwachte; und jedesmal schrecklicher und st�rker war als vorher.</p><p>Er mu�te an das denken, was Drask gesagt hatte. Er war sicher, da� der alte Mann ihn nicht belogen hatte, aber wenn es stimmte, da� dieses Etwas in ihm Teil der Welt der <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>war - war ein Zusammenleben mit ihnen dann �berhaupt m�glich? Er fand keine Antwort auf diese Frage, aber sie hinterlie� etwas wie einen schlechten Geschmack in seiner Seele. Er war mit diesem Fluch geboren und hatte wahrlich Zeit genug gehabt, sich daran zu gew�hnen, und doch war es ihm niemals gelungen, diese schreckliche destruktive Macht, die in einem verborgenen Winkel seiner Seele lauerte, als einen Teil von sich selbst zu akzeptieren. Im Gegenteil - seine Angst davor wuchs best�ndig, und er war �berzeugt, den Verstand zu verlieren und wahrscheinlich zu sterben, wenn er seinem dunklen Bruder jemals erlaubte, <emphasis>wirkliche </emphasis>Gewalt �ber ihn zu erlangen.</p><p>�Warum antwortest du nicht?� fragte Del, der sein Schweigen vollkommen falsch deutete. �Kommen dir vielleicht Zweifel an Drasks Worten?�</p><p>Skar setzte zu einer �rgerlichen Entgegnung an, belie� es dann aber bei einem lautlosen Seufzen. Wie sollte er Del etwas erkl�ren, was er selbst nicht verstand?</p><p>�Mir kommen Zweifel�, gab er zu, obwohl ihn eine innere Stimme warnte, �berhaupt weiterzusprechen, �ob das alles hier richtig ist.�</p><p>Del blinzelte. Skar war sehr sicher, da� er jetzt auffahren w�rde, aber er starrte ihn nur f�r die Dauer eines Herzschlages lang verbl�fft an und fragte dann: �Wie meinst du das?�</p><p>�Wir geh�ren nicht hierher�, antwortete Skar. �Ich nicht, und du nicht. Kein Satai sollte tun, was wir jetzt tun.�</p><p>�Was?� Del zog eine Grimasse. �Um die Freiheit Enwors k�mpfen?�</p><p>Skar versuchte gleichzeitig zu nicken und den Kopf zu sch�tteln. �Nicht so�, sagte er. �Die Quorrl, ja. Die Krieger aus Kohon, die sich uns angeschlossen haben, und die Veden, vielleicht. Aber nicht wir.� Er atmete tief ein und z�gerte noch einmal, ehe er fortfuhr. Dels Ruhe mochte t�uschen. Aber er hatte sich schon zu weit vorgewagt, um jetzt noch zur�ck zu k�nnen. Und er wu�te, da� er die Kraft f�r einen zweiten Anlauf nicht mehr aufbringen w�rde. �Diese M�nner dort unten, Del�, behauptete er sehr ernst, �das sind keine Satai.�</p><p>Das war es. Er hatte es erst laut aussprechen m�ssen, um zu begreifen, was er im Grunde die ganze Zeit �ber schon gewu�t hatte. Pl�tzlich h�rte er noch einmal die Worte des Mannes, der an Dels Seite geritten war: <emphasis>Es sind Drachen, Herr. Und sie haben Scanner. </emphasis>Und mit einem Male wu�te er, was falsch war. Der Mann hatte recht gehabt, tausendmal recht, und er hatte es auf die drastischste nur vorstellbare Weise demonstriert, indem er n�mlich unter den Toten war, die sie zusammen mit den erschlagenen <emphasis>Errish </emphasis>auf der Ebene begraben hatten. Und trotzdem h�tte Skar es sp�testens in diesem Moment klar erkennen m�ssen.</p><p>�Wir h�tten diesen Angriff niemals f�hren d�rfen�, sagte er. Del schwieg, aber er sah ihn ohne Zorn und eindeutig auffordernd an, so da� er neuen Mut fa�te und weitersprach: �Nicht so, Del. Satai reiten nicht in einem Heer, sie -�</p><p>�Tun das, was du getan hast�, unterbrach ihn Del. �Ich wei�. Du hast recht. Wir beide, du und ich, sind vielleicht die einzigen echten Satai, die es in dieser Festung gibt. Vielleicht die letzten �berhaupt.�</p><p>Es dauerte lang, bis Skar bereit war zu glauben, was er da gerade geh�rt hatte. Dels Worte, obwohl - oder vielleicht gerade <emphasis>weil - </emphasis>er sie in ruhigem, ja fast beil�ufigem Ton gesprochen hatte, trafen ihn wie ein eiskalter Wassergu�. Skar starrte ihn fassungslos an. �Aber -�</p><p>�Du wei�t nichts, Skar�, fiel ihm Del abermals ins Wort.</p><p>Pl�tzlich klang er doch zornig, aber es war ein Zorn, der nicht ihm galt, sondern wie etwas herausbrach, das schon lange Zeit in ihm brodelte. �Du hast nicht erlebt, was in den letzten Jahren geschehen ist!�</p><p>�Vielleicht bin ich deshalb der einzige, der noch sieht, was hier geschieht.�</p><p>�Was siehst du, Skar?� schnappte Del. �Ein Heer aus Quorrl und Satai, das sich anschickt, diese verfluchten Magierk�nige dorthin zur�ckzujagen, wo sie hergekommen sind, und -�</p><p>�Ich sehe ein Heer, das es nicht geben d�rfte�, unterbrach ihn Skar. �Die Satai sind keine Soldaten, die nach Belieben Heere aufstellen und diejenigen bestrafen, die ihnen nicht passen. Wir haben uns niemals in Dinge eingemischt, die uns nichts angehen.� Del seufzte. Er war noch immer zornig, aber jetzt mischte sich auch so etwas wie Trauer in seinen Blick. �Du wei�t nichts�, wiederholte er. �Du warst jahrelang verschwunden, Skar. Du... du hast nicht erlebt, wie sie sich die Macht erschlichen haben, erst in einer Stadt hier und einer Festung da, dann in einem kleinen Land, dann...� Er schwieg einen Moment und ballte die F�uste, als w�re ihm allein die Erinnerung schon unertr�glich. �Wenn du gehen willst�, fuhr er schlie�lich fort, �dann reite nach Ikne. Geh nach Ikne oder Denwar oder Orkala oder in eine der anderen gro�en St�dte und sieh dir an, was sie den Menschen dort angetan haben. Enwor war einmal frei. O ja, es war eine wilde Welt, eine, die dich schneller umbringen konnte, als du dir tr�umen l��t, aber sie war <emphasis>frei, </emphasis>Skar. Heute sind Besh-Ikne und die L�nder, �ber welche die Zauberpriester herrschen, ein einziges Sklavenlager. Wir hatten keine Wahl. Glaubst du, es war <emphasis>meine </emphasis>Entscheidung?� Er sprang auf, versetzte seinem Stuhl einen w�tenden Tritt und ri� den schwarzen Umhang von seiner Schulter.</p><p>�Glaubst du, ich habe dieses Ding hier gewollt?� fragte er aufgebracht. �O nein, ganz bestimmt nicht. Aber ich mu�te es nehmen. Ich mu�te es nehmen, um Enwor zu retten. Um die Satai zu retten, Skar.� Er beugte sich erregt vor, st�tzte die H�nde auf der Tischplatte ab und fuhr, fast schreiend, fort: �Sie h�tten nicht an der K�ste Halt gemacht. Fr�her oder sp�ter h�tten sie uns vernichtet, so, wie sie wahrscheinlich schon die <emphasis>Errish </emphasis>vernichtet haben.�</p><p>�Und deshalb habt ihr euch zu einem Heer zusammengetan?� Das Wort ihr erschreckte ihn selbst, denn es verdeutlichte mehr als alles andere, da� ei sich nicht einmal mehr mit den M�nnern in den schwarzen M�nteln der Satai identifizierte.</p><p>�Nein�, antwortete Del. �Oder ja, auch. Sicherlich.� Er seufzte, richtete sich wieder auf und begann, unruhig im Zimmer auf und ab zu gehen. Er wirkte verst�rt, und Skar begriff, da� er der Wahrheit n�her gekommen war, als Del wahrhaben wollte. �Nat�rlich auch deshalb�, wiederholte Del noch einmal, und ohne ihn anzusehen. �Jedermann hat das Recht, um sein �berleben zu k�mpfen, oder? Aber es war nicht der Hauptgrund. Ich... war dabei, als die Entscheidung fiel, Skar. Ich war auf dem Berg der G�tter. Glaube mir, wir hatten keine andere Wahl.�</p><p>�Und diese... diese S�ldner?� Skar gab sich nicht einmal M�he, die Verachtung zu verhehlen, die er f�r die M�nner empfand, die er hierher gef�hrt hatte. Sein Gewissen meldete sich heftig zu Wort, denn schlie�lich waren sie es, die diese Burg f�r sie zur�ckerobert hatten, und trotzdem. Er verachtete sie, weil sie die Silbersterne der Satai trugen, das heilige Zeichen, das niemand, <emphasis>niemand! </emphasis>freveln durfte. W�re es anders gewesen, h�tten sie sich als das zu ihnen gesellt, was sie waren, n�mlich bezahlte Krieger oder einfach nur M�nner, die um die Freiheit ihres Landes k�mpften, h�tte er sich mit seinem Leben f�r jeden einzelnen von ihnen eingesetzt. So nicht.</p><p>�Was sollten wir tun?� fragte Del voller Wut. �Ein halbes Dutzend M�nner losschicken und mit ihnen einen Krieg gewinnen?�</p><p>�Aber -�</p><p><emphasis>�Verdammt, Skar, was glaubst du, wie viele Satai es noch gibt?� </emphasis>br�llte Del pl�tzlich. Sein Gesicht flammte vor Zorn und Schmerz. �Sie haben uns gejagt wie die Tiere! Sie haben uns abgeschlachtet, in den Jahren, in denen du fort warst. Sie haben Geldpreise auf unsere K�pfe gesetzt und uns f�r vogelfrei erkl�rt. Ich bin nicht aus Langeweile zu den Verbotenen Inseln gegangen, ich bin dorthin <emphasis>geflohen! </emphasis>Und ich war einer der letzten, dem es gelang�, f�gte er etwas leiser hinzu.</p><p>Skar war ersch�ttert. In all den Wochen, die er jetzt zur�ck war, hatte Del nicht ein Wort von alledem erw�hnt; weder er noch einer der anderen Satai oder Quorrl, mit denen er gesprochen hatte. Er versuchte sich vorzustellen, was Del ihm gerade erz�hlt hatte, aber es gelang ihm nicht.</p><p>�Wie viele?� fragte er m�hsam. Seine Zunge war pl�tzlich trocken und weigerte sich fast, ihm zu gehorchen. Sein Herz h�mmerte. �Wie viele von uns gibt es noch?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, r�umte Del d�ster ein. �F�nfzig, hundert, vielleicht auch nur noch dich und mich. Wir waren niemals viele, aber jetzt sind wir...� Er breitete in einer hilflosen Geste die H�nde aus. �Nichts mehr. Diese M�nner dort drau�en, dieses riesige Heer, das in wenigen Tagen zu uns sto�en wird, und diejenigen, welche Denwar und Kohon besetzt halten - du hast recht. Sie sind keine Satai. Es sind ... Krieger. S�ldner. Einfache M�nner, die unserem Ruf folgten, und ja, verdammt noch mal, auch eine Menge Raufbolde und Gesindel, die der Verlockung nicht widerstehen konnten. Wir haben versucht, die Schlimmsten wegzuschicken, aber auch wir machen Fehler. Wir brauchten sie.�</p><p>�Aber warum?� fragte Skar ersch�ttert. �Warum den heiligen Mantel der Satai, Del?! Warum habt ihr sie nicht einfach genommen und ausgebildet und in irgendeine Uniform gesteckt, und -� Pl�tzlich schrie auch er. �Wei�t du, was passieren wird, wenn das alles hier vor�ber ist? Die Satai werden nie wieder das sein, was sie einmal waren! Die Menschen hassen sie schon jetzt, und die meisten haben Angst vor uns!�</p><p>�Ich wei߫, antwortete Del leise. �Wir werden sie fortschicken, wenn alles vor�ber ist. Der Kontrakt l�uft zehn Jahre, und -�</p><p>�Und danach werden sie ihre M�ntel ablegen und vergessen, da� sie einmal Satai waren, wie?� h�hnte Skar. �Stell dich nicht dumm. Ihr habt die Satai vernichtet, und das wei�t du!�</p><p>Del starrte ihn an, aber Skar suchte vergeblich nach Zorn oder Vorwurf in seinem Blick. �Vielleicht hast du recht�, meinte er, sehr leise und voller Trauer und Niedergeschlagenheit. �Aber wenn wir Enwor damit retten, dann war es das Opfer wert.�</p><p>�Das glaubst du doch selbst nicht�, antwortete Skar wutentbrannt. �Das sind doch nur leere Spr�che, Del. Der Unsinn, den du vielleicht den anderen erz�hlen kannst, aber nicht mir. Das hier ist...� Er hob die H�nde, als versuche er nach den Worten zu greifen, die er nicht fand. �... nicht mehr Enwor�, stie� er schlie�lich hervor.</p><p>�Doch�, widersprach Del, sehr leise, sehr ernst und jetzt ohne die mindeste Spur von Zorn. �Du t�uschst dich, Skar�, beschwor er ihn. �Diese Welt ist dieselbe geblieben. Du bist es, der sich ver�ndert hat.�</p><p>�Habe ich das?�</p><p>Del nickte. In seinem Blick war etwas, das Skar nicht deuten konnte und das ihm Angst einjagte; nein - nicht Angst: eine sonderbare Mischung aus Trauer und Verzweiflung, das Gef�hl, etwas verloren zu haben, von dem er bisher nicht einmal gewu�t hatte, da� es da war.</p><p>�Wir waren einmal Freunde, Skar�, sagte Del. �Erinnerst du dich noch?�</p><p>�Sind wir das jetzt nicht mehr?�</p><p>Del antwortete nicht.</p></section><section><title><p id="_5">5.</p></title><p>Sie sprachen kein Wort mehr miteinander, bis die halbe Stunde abgelaufen war, die Del Bradburn gegeben hatte, um das M�dchen aufzuwecken, aber Skar widerstand auch der Versuchung, wie ein st�rrisches Kind einfach aus dem Raum zu laufen und sich irgendwo zu verkriechen, um sich selbst leid zu tun.</p><p>Er war sehr erleichtert, als sie den Thronsaal endlich verlie�en und in den Trakt der Festung gingen, den Bradburn und die anderen Heiler f�r sich reserviert hatten - erschreckend in seinen Ausma�en, in dem erschreckend viele verwundete M�nner und noch mehr verletzte Quorrl lagen. Skar war nur ein einziges Mal hier gewesen, gleich am ersten Tag, fast unmittelbar, nachdem die Burg gefallen war, und was er gesehen hatte, hatte ihn so best�rzt, da� er seither einen gro�en Bogen um diesen Teil der Anlage geschlagen hatte. Selbst ihn hatte die Schnelligkeit get�uscht, mit der Drasks gewaltiges Bollwerk gefallen war. Aber immerhin war es kein kleines Heer gewesen, das Del und er hierhergef�hrt hatten, sondern eine Walze aus vierzigtausend Quorrl und f�nfhundert Satai-Kriegern, die die wenigen Verteidiger einfach durch ihre blo�e �bermacht erstickt hatte. Den gewaltigen Blutzoll, den sie - und wieder einmal vor allem die Quorrl - daf�r bezahlen mu�ten, hatte keiner von ihnen so richtig begriffen. Und er weigerte sich selbst jetzt noch, die Anzahl der Verwundeten und Sterbenden zu sch�tzen, an denen sie auf dem Weg zu Bradburns Quartier vorbeikamen.</p><p>Das M�dchen war wach, als sie die kleine Kammer an der Ostseite der Festung betraten. Neben seinem Lager standen Bradburn und einer seiner Gehilfen, ein kleiner, ausgemergelt wirkender Quorrl, dessen Finger aussahen, als h�tten sie die Gicht, aber trotzdem sehr geschickt zu sein schienen. Bradburn sah auf, als sie eintraten, und f�r einen Moment war Skar sehr sicher, da� der Prediger <emphasis>(Prediger? </emphasis>dachte er. Bradburn tat in ihrem Heer alles nur Denkbare, aber er hatte ihn niemals irgend etwas <emphasis>predigen </emphasis>h�ren. Er mu�te sich bei Gelegenheit eine andere Bezeichnung f�r ihn einfallen lassen.) sp�rte, was zwischen Del und ihm vorgefallen war; es h�tte Skar jedenfalls in keiner Weise �berrascht, wenn man ihm die Verbitterung ansah, die dieses letzte Gespr�ch mit Del in ihm zur�ckgelassen hatte. Aber Bradburn sagte kein Wort dazu, sondern beschied seinem schuppigen Gehilfen nur mit einer knappen Geste, den Raum zu verlassen, und wandte sich dann ebenfalls um.</p><p>��beranstrengt sie nicht�, riet er ihnen im Gehen, und so leise, da� das M�dchen die Worte nicht verstehen konnte. �Sie ist v�llig ersch�pft. Und sehr verwirrt.�</p><p>Del nickte knapp und wartete, bis sie allein waren. Dann versuchte er, sein Gesicht zu so etwas wie einem L�cheln zu zwingen, und trat mit zwei raschen Schritten an das Lager heran. Skar folgte ihm, etwas langsamer und in einigem Abstand. Er erkannte das M�dchen kaum wieder. Bradburn hatte die Wunden verbunden und eine �belriechende, graue Salbe auf die Verbrennungen an Hals und Schulter aufgetragen, und jemand hatte ihm das Haar geschnitten, so da� es jetzt nur noch bis zu den Schultern reichte. Es sah j�nger aus als am Morgen, als er es auf dem R�cken der Echse erblickt hatte, und sehr viel knabenhafter. Ein Kind.</p><p>Das M�dchen schaute einen Moment lang aufmerksam zu Del hoch - es schien sehr m�de zu sein, aber sein Blick war klar und vollkommen wach -, drehte dann den Kopf und sah Skar an. �Bist du Skar?�</p><p>Skar nickte automatisch. Er war �berrascht, und auch Del blickte verwirrt auf, trat dann aber wortlos zur�ck, damit Skar seinen Platz einnehmen konnte.</p><p>�Das bin ich�, best�tigte Skar, nachdem er es getan hatte. �Woher kennst du mich?�</p><p>�Ein Mann mit einer Narbe im Gesicht und brennenden Augen�, antwortete das M�dchen. �Die Beschreibung pa�t.�</p><p>�Oh.� Skar hob ganz unbewu�t die Hand und ber�hrte die d�nne wei�e Linie, welche die linke Seite seines Gesichtes in zwei ungleichm��ige H�lften teilte. Er hatte diese Narbe schon so lange, da� er sie manchmal verga�, obwohl sie es war, die ihm seinen Namen gegeben hatte. �Beschreibt man mich so?�</p><p><emphasis>�Man </emphasis>nicht�, gab das M�dchen zur Antwort. �Meine Mutter. Sie hat mich hierhergeschickt. Zu dir. Ich bin Kiina.�</p><p>Diesmal war Skar mehr als nur ein wenig �berrascht. <emphasis>�Kiina? </emphasis>Du bist -�</p><p>�Gowennas Tochter, ja.�</p><p>�Die Tochter der <emphasis>Margoi?� </emphasis>fragte Del ungl�ubig. �Aber das kann nicht sein. <emphasis>Errish </emphasis>bekommen keine Kinder.�</p><p>�Manche schon�, berichtigte Kiina ruhig. �Sonst w�re ich nicht hier, oder?� Sie lachte ganz leise, versuchte sich aufzurichten und sch�ttelte heftig den Kopf, als Skar ihr helfen wollte. Skar unterdr�ckte ein L�cheln. Zumindest die Sturheit schien sie von ihrer Mutter geerbt zu haben - <emphasis>wenn </emphasis>sie diejenige war, die zu sein sie vorgab. Aber irgendwie glaubte er ihr. Er sah Del an, ehe er weitersprach, aber er las auch in den Augen des anderen nur Verwirrung.</p><p>�Deine Mutter hat dich also geschickt�, fuhr er fort. �Zu mir?� Kiina nickte und sch�ttelte fast in der gleichen Bewegung den Kopf. �Ja�, sagte sie, �und nein. Meine Mutter ist tot, schon seit drei Jahren. Aber sie hat oft von dir gesprochen. Du mu�t sie ziemlich beeindruckt haben, Satai.� Sie ma� Skar mit einem sehr langen, absch�tzenden Blick; einem Blick von so unversch�mt taxierender Art, wie ihn nur Kinder zustande bringen. Skar korrigierte seine Sch�tzung um ein paar Jahre nach unten, was ihr Alter betraf. �Ich verstehe zwar nicht ganz, wieso, aber...�</p><p>�Sie ist tot?� Skar erschrak erst mit einiger Versp�tung; vielleicht, weil er in letzter Zeit vom Tode so vieler geh�rt hatte, da� er es schon fast erwartete. �Gowenna ist tot, behauptest du?�</p><p>�Sie starb am Fieber�, antwortete Kiina. In ihrer Stimme war nicht die mindeste Spur von Trauer oder Mitgef�hl. <emphasis>�Errish </emphasis>werden nicht sehr alt, wu�test du das nicht? Das Leben mit den Drachen l��t sie ausbrennen.� Sie sah ihn aus sehr gro�en, dunklen Augen an. �Es ist also wahr.�</p><p>Skar vermochte dem pl�tzlichen Gedankensprung nicht zu folgen; und er versuchte es auch gar nicht. Die Nachricht von Gowennas Tod ersch�tterte ihn, jetzt, nachdem er sie <emphasis>wirklich </emphasis>wahrgenommen hatte. Er hatte bisher nicht einmal an die Ehrw�rdige Mutter der <emphasis>Errish </emphasis>gedacht, aber irgendwie hatte er ganz automatisch unterstellt, da� sie noch lebte; so, wie er nach seinem Erwachen im Tempel der Gesichtslosen Priester ohnehin geglaubt hatte, da� alles unver�ndert sei. Aber das stimmte nicht. <emphasis>Alles </emphasis>war anders geworden, nicht nur er. Zwanzig Jahre gingen nicht so einfach an einer Welt vor�ber, ohne da� die Dinge sich �nderten.</p><p>�Du kommst aus Elay?� erkundigte sich Del, als Skar keinerlei Anstalten machte, dem M�dchen irgendeine Frage zu stellen, sondern sie nur weiter anstarrte.</p><p>�Aus dem Drachenland�, wich Kiina aus, womit sie seine Frage nicht direkt beantwortete. �Ich wollte eher zu euch sto�en, aber sie haben mich verfolgt, und ich mu�te mich verstecken. Ich -� Sie brach ab, und auf ihrem Gesicht machte sich ein Ausdruck breit, als w�re ihr mit j�hem Schrecken etwas sehr Wichtiges wieder eingefallen, das sie vergessen gehabt hatte. �Was ist mit Kaleigh?� fragte sie.</p><p>�Dein Drache?� Skar sch�ttelte bedauernd den Kopf. �Er ist tot.� Er wollte hinzuf�gen: <emphasis>Es tut mir leid, </emphasis>aber er verbi� sich die Worte im letzten Moment. Niemand, der nicht als <emphasis>Errish </emphasis>geboren und aufgewachsen war, konnte wirklich nachempfinden, wie eng sich die Ehrw�rdigen Frauen mit ihren titanischen Reittieren verbunden f�hlten. Sie waren viel mehr als Reittier und Herrin, viel mehr als Freunde - sie waren Teile eines Ganzen, das nicht auseinandergerissen werden konnte, ohne da� beide zu Schaden kamen. Er hatte <emphasis>Errish </emphasis>erlebt, die aus Kummer �ber den Verlust ihrer Drachen gestorben waren. Und umgekehrt.</p><p>Ein heftiges Mitgef�hl ergriff ihn. Er streckte die Hand aus und fa�te nach Kiinas Schulter, aber wieder entzog sie sich seiner Ber�hrung. In ihren Augen glitzerten Tr�nen. Trotzdem war ihre Stimme fest, als sie weitersprach. �Sie werden daf�r bezahlen, Skar. Ich werde zur�ckgehen und jeden einzelnen von diesen Ungeheuern umbringen, das schw�re ich.�</p><p>Del seufzte. �Wie w�re es, wenn du uns statt dessen lieber erz�hlen w�rdest, warum du �berhaupt gekommen bist�, forderte er sie ungeduldig auf. Skar warf ihm einen �rgerlichen Blick zu, aber Del ignorierte ihn, obwohl er ihn sehr wohl bemerkte, �Die Daktylen und die drei Panzerechsen, die dich verfolgten - wer waren sie, und warum wollten sie dich t�ten?�</p><p><emphasis>�Errish�, </emphasis>antwortete Kiina. �Das, was die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>aus ihnen gemacht haben.�</p><p>�Sie sind alle so ... ver�ndert?� fragte Skar z�gernd.</p><p>Kiina antwortete wieder mit dieser Mischung aus gleichzeitigem Nicken und Kopfsch�tteln. �Die meisten�, sagte sie. �Ein paar konnten entkommen, aber sie haben uns die Drachen genommen. Elay ist fest in ihrer Hand, und niemand kann das Tal der Drachen betreten, ohne get�tet zu werden.� Sie wich Skars Blick jetzt aus, aber irgend etwas war pl�tzlich in ihrer Stimme, das Skar warnte. Ihre Selbstbeherrschung begann zu zerbr�ckeln. Er begriff pl�tzlich, da� die Ruhe, die sie bisher an den Tag gelegt hatte, nicht echt war, sondern nur der Schock, den das Erlebte - und nicht zuletzt der Tod ihrer Reitechse - ihr bereitet hatte. Und der alarmierte Blick, den Del ihm insgeheim zuwarf, bewies, da� auch er es sp�rte: Das M�dchen w�rde zusammenbrechen, wenn sie nicht sehr behutsam vorgingen.</p><p>Ohne darauf zu achten, da� Kiina abermals ein St�ck von ihm fortr�ckte, setzte er sich neben sie auf die Bettkante und legte den Arm um ihre Schultern. Im allerersten Moment versteifte sie sich, und er rechnete fest damit, da� sie seinen Arm abstreifen w�rde, aber dann entspannte sie sich, und er konnte direkt f�hlen, wie ihr Widerstand zerbrach. Letztendlich war sie nur ein Kind, das zu viel durchgemacht hatte und den Schutz und die N�he eines Erwachsenen suchte.</p><p>�Erz�hle�, bat er leise. �Ruhig und von Anfang an. Wir haben viel Zeit.�</p><p>�Das habt ihr nicht�, antwortete Kiina.</p><p>�Was soll das hei�en?� Dels Stimme war sehr scharf.</p><p>Statt einer direkten Antwort streifte Kiina Skars Arm jetzt doch ab, schleuderte die Decke beiseite und stand mit einem Ruck auf. Ohne auf Dels �rgerlichen Blick zu achten, b�ckte sie sich nach ihrem Kleid und streifte es �ber. Da� es an einer Seite verkohlt war und eine schmierige schwarze Spur auf ihrer Haut hinterlie�, schien sie nicht besonders zu st�ren. Skar sah, da� ihre Bewegungen unsicher waren und ihre H�nde ganz leicht zitterten. Aber sie war noch jung genug, um wirklich zu glauben, da� es ein Zeichen von Tapferkeit war, sich Schmerzen nicht anmerken zu lassen. Er l�chelte verzeihend, als sie sich wieder zu Del und ihm herumdrehte; ein L�cheln, das neuen Zorn in Kiinas Augen auflodern lie�.</p><p>�Welcher Tag ist heute?� fragte sie.</p><p>Del sagte es ihr, und Kiina �berlegte einen Moment angestrengt. �Dann sind es noch zwei Tage, bis das Heer aus Denwar hier ist�, erkl�rte sie. �Falls ihr euren Zeitplan einhaltet, hei�t das.�</p><p>�Welches... Heer?� fragte Del verbl�fft; aber auch h�rbar mi�trauisch.</p><p>Kiina verzog abf�llig die Lippen. �Die zehntausend Satai und Veden, die ihr erwartet, um mit der Invasion Besh-Iknes zu beginnen�, erwiderte sie.</p><p>�Du wei�t davon?� Del klang eher ersch�ttert als erschrocken. �Die anderen wissen davon� antwortete Kiina triumphierend. Sie war noch jung genug, um den Moment in all seiner Dramatik auszukosten, und Skar sah, wie sich Dels Stirn abermals umw�lkte. Geduld hatte noch nie zu seinen St�rken geh�rt.</p><p>�Was soll das hei�en?� fragte er scharf. �Von wem sprichst du?�</p><p>�Du hast sie doch gesehen, Satai�, gab Kiina zur Antwort. �Die, welche mich verfolgt haben. Diese Burg hier -� Sie machte eine weit ausholende Geste und schlo� in der gleichen Bewegung die silberne Spange, die ihr Kleid �ber der Schulter hielt. �- ist eine einzige Falle. Sie wurde nur zu dem Zweck erbaut, euch hierherzulocken. Und ihr seid ja auch gekommen, oder?�</p><p>�Zum Teufel, was soll das hei�en?� brauste Del auf. �Wer wollte uns hierherlocken, und warum? Und woher willst du das alles wissen?!� Skar machte eine warnende Handbewegung, aber Del ignorierte ihn einfach, trat mit einem w�tenden Schritt auf Kiina zu und ri� sie an der Schulter herum. Das M�dchen stie� einen erschrockenen kleinen Schrei aus und versuchte sich loszurei�en, aber Dels Griff war viel zu fest. �Sprich endlich!�</p><p><emphasis>�La� sie los�, </emphasis>gebot Skar scharf.</p><p>Er hatte selbst nicht damit gerechnet, aber Del gehorchte tats�chlich - allerdings nur, um gleich darauf einen weiteren, drohenden Schritt auf Kiina zuzumachen und sie abermals anzufahren: �Also - was soll das bedeuten?�</p><p>Kiina warf Skar einen beistandheischenden Blick zu, aber er reagierte nicht. Er mi�billigte die Art, auf die Del mit ihr sprach, aber er verstand ihn. F�r Kiina schien dies alles hier nichts als ein einziges gro�es Spiel zu sein, ein Spiel, bei dem der Einsatz durchaus ihr Leben sein konnte, aber trotzdem ein Spiel. Es wurde Zeit, da� ihr jemand klarmachte, was es wirklich war. �Es ... es ist so, wie ich gesagt habe�, antwortete sie, als sie begriff, da� Skar ihr nicht helfen w�rde. �Es ist eine Falle, f�r euch und das Heer. Sie wollen euch alle zusammen vernichten, und alle auf einmal.�</p><p>�Wer?� wollte Del erfahren. �Und wie?�</p><p>�Wie, wei� ich nicht�, erwiderte Kiina, jetzt nicht mehr aggressiv, sondern nur noch trotzig. �Und wer, wei�t du so gut wie ich, Satai. Die Zauberpriester.�</p><p>�Drasks Br�der?� Del lachte abf�llig. �Du bist verr�ckt, Kindchen. Sie haben es versucht, aber sie haben uns nicht einmal daran hindern k�nnen, ihnen ihre famose Burg wegzunehmen. Und wir waren kaum halb so viele, wie wir sein werden, wenn das Eis aufbricht und wir losmarschieren. Was sollten sie uns tun?�</p><p>�Dasselbe, was sie uns angetan haben, Satai�, antwortete Kiina leise, und ganz pl�tzlich, von einem Atemzug auf den anderen, fiel jede Kindlichkeit und jeder Trotz von ihr ab. Der Ernst, den Skar pl�tzlich in ihrer Stimme h�rte, war nicht mehr gespielt. Er stand auf, trat an Dels Seite und legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm, ehe er wieder auffahren und Kiina vollends einsch�chtern konnte. Er hatte Bradburns Worte nicht vergessen. Das M�dchen hatte eine wom�glich wochenlange Flucht und endlose Leiden hinter sich. Wenn sie ihr zu sehr zusetzten, konnte es gut sein, da� sie einfach zusammenbrach und sie gar nichts mehr von ihr erfuhren.</p><p>�Was ist passiert?� fragte er.</p><p>Der Ausdruck von Schmerz auf Kiinas Gesicht wurde st�rker. Ihre Mundwinkel zuckten, als hielte sie nur noch mit M�he ihre Beherrschung aufrecht. Aber sie weinte nicht. �Dasselbe wie hier�, berichtete sie leise. �Die Zauberpriester. Sie ... sie kamen vor drei Jahren, kurz, nachdem meine Mutter gestorben war. Die <emphasis>Errish </emphasis>-� Skar fiel abermals auf, da� sie <emphasis>die Errish </emphasis>sagte, und nicht <emphasis>wir - </emphasis>�wu�ten, was in Ikne und den anderen St�dten geschehen war, und sie waren vorbereitet. Sie haben sie erwartet und besiegt.�</p><p>�Einfach so?� fragte Del.</p><p>Kiina sch�ttelte zornig den Kopf. �Nicht <emphasis>einfach so�, </emphasis>antwortete sie trotzig. �Der Kampf dauerte lange, und sie waren sehr viele. Aber am Ende wurden sie geschlagen und vertrieben. Sie kamen wieder, und sie wurden wieder geschlagen.� Sie sprach nicht weiter, und abermals �nderte sich etwas in ihrem Blick. Ihre Augen schienen eine Spur dunkler und gr��er zu werden, und obwohl sie Skar direkt anblickte, hatte er das sichere Gef�hl, da� sie ihn in Wahrheit gar nicht sah. Was sie erz�hlte, das weckte die Erinnerungen, und mit ihnen kam der Schmerz.</p><p>�Und?� dr�ngte er. �Was geschah weiter?�</p><p>�Das, was euch passieren wird, Skar�, antwortete Kiina. Ihre Stimme schwankte, und ihre Art zu sprechen wurde immer schleppender, als sie nach Worten f�r Dinge suchte, die mit Worten nicht zu beschreiben waren. �Die <emphasis>Errish </emphasis>und ihre Drachen haben sie geschlagen, wo immer sie auf sie stie�en, aber es ... es war, als w�rden sie mit jeder Niederlage st�rker. Zahllose von ihnen fanden den Tod, aber sie kamen immer wieder.� <emphasis>...als w�rden sie mit jeder Niederlage st�rker. </emphasis>Skar schauderte. War es wirklich Zufall, da� sich Kiinas Worte so sehr nach dem anh�rten, was auch Drask bei ihrem letzten Gespr�ch gesagt hatte: <emphasis>Gib acht, da� ihr euch nicht totsiegt, Satai.</emphasis></p><p>�Und dann?� fragte Del ungeduldig, als Kiina abermals in dumpfes Schweigen verfiel.</p><p>�Etwas ... geschah�, fuhr Kiina stockend fort. �Ich wei� nicht, was. Niemand wu�te es. Die... die Angriffe h�rten auf, aber pl�tzlich war alles anders geworden. Ein paar <emphasis>Errish </emphasis>verloren den Kontakt zu ihren Drachen. Andere... wurden von ihren eigenen Tieren angegriffen und get�tet, und einige ... brachten sich gegenseitig um.�</p><p>Del runzelte ungl�ubig die Stirn, und auch Skar fiel es schwer, diesen Teil von Kiinas Bericht zu glauben. <emphasis>Errish, </emphasis>die sich gegenseitig t�teten? <emphasis>Unvorstellbar!</emphasis></p><p><emphasis>So unvorstellbar wie Satai, die pl�ndernd und brandschatzend durch das Land ziehen, nicht wahr? </emphasis>wisperte eine Stimme hinter seiner Stirn.</p><p>�Es war entsetzlich�, berichtete Kiina weiter. �Elay ist... nicht mehr das, was es einmal war. Ha� und Mi�trauen waren alles, was die <emphasis>Errish </emphasis>noch f�reinander empfanden. Es kam zu K�mpfen unter ihnen. Manche versuchten zu fliehen, aber die anderen hielten sie zur�ck oder t�teten sie. Vor einem Jahr schlie�lich rief die neue <emphasis>Margoi </emphasis>alle <emphasis>Errish </emphasis>zur�ck zu einer gro�en Beratung nach Elay. Als sie vor�ber war, da... da hatten sie sich ver�ndert.�</p><p>�Ver�ndert? Wie?�</p><p>Kiina sah Skar aus Augen an, die gro� und dunkel vor Angst geworden waren. �Ihr habt sie gesehen, Skar. Diese... diese Frauen, die mich verfolgt haben. Das waren <emphasis>Errish. </emphasis>Das, was aus ihnen geworden ist, nach diesem entsetzlichen Tag.�</p><p>�Aber was ist geschehen?� fragte Del verwirrt. �Dieses... dieses Ding, das an ihnen haftet -�</p><p>�Der W�chter.�</p><p>�Nennen sie es so?� fragte Skar. �Dieses Netz?�</p><p>�Sie hatten es alle, nachdem sie Elay wieder verlie�en�, sagte Kiina. �Und nicht nur sie. Es war pl�tzlich da, und es ... breitete sich aus. Es wuchs, und es w�chst noch immer. Niemand kann sich dagegen sch�tzen.�</p><p>�Niemand?� Dels Augen verengten sich mi�trauisch. �Du schon. Und dein Drache auch, oder?�</p><p>�Nein�, antwortete Kiina. �Es wollte mich nicht.� Sie verzog die Lippen zu einem schmerzlichen L�cheln. �Ich war nicht wichtig genug. Es ist gigantisch, Satai. Es... es hat Elay �berwuchert wie ein Geschw�r und... und Tausende verschlungen. Aber nicht alle. Ich habe in der Burg gearbeitet, als Dienstmagd und in den St�llen, und sp�ter als Zofe der neuen <emphasis>Margoi. </emphasis>Ich habe vieles erfahren, und vieles gesehen. Nicht alle sind mit dem Netz verbunden. Nur die M�chtigen und die Krieger. Es t�tet seine Tr�ger, manche in Tagen, andere in Monaten oder Jahren, aber es t�tet sie. Vielleicht fri�t es sie innerlich auf - ich wei� es nicht. Aber es ist w�hlerisch. Es beherrscht uns, aber es braucht uns auch.�</p><p>�Das ist eine ziemlich phantastische Geschichte, findest du nicht?� �u�erte Del zweifelnd. Er hob die Hand und machte eine herrische Bewegung, als Kiina auffahren wollte. �Ich habe dieses Ding gesehen, und ich glaube dir, aber... es f�llt mir nicht leicht. Wieso hat niemand etwas davon erfahren, wenn das alles wirklich so passiert ist?�</p><p>�Ihr hattet genug damit zu tun, Krieg zu f�hren, oder?� fragte Kiina b�se. �Und sie haben die Grenzen hermetisch abgeriegelt.�</p><p>�Das ist vollkommen unm�glich�, widersprach Del. �Niemand kann -�</p><p>�Niemand, aber <emphasis>etwas�, </emphasis>fiel ihm Kiina ins Wort. �Das Drachenland ist eine nat�rliche Festung, Satai. Es gibt nur ein halbes Dutzend P�sse �ber die Berge, die nicht schwer zu bewachen sind. Sie haben zahllose eurer M�nner abgefangen und get�tet, die versuchten, ins Land zu kommen. Ist einer davon zur�ckgekehrt?�</p><p>Del antwortete nicht, aber sein Mi�trauen war keineswegs bes�nftigt. Er suchte nur weiter nach irgendeinem Fehler in Kiinas Geschichte, einem Widerspruch, wo er einhaken und sie als die L�ge darstellen konnte, als die er sie gerne sehen w�rde. �Aber das ergibt keinen Sinn�, erkl�rte er schlie�lich. �Selbst wenn du die Wahrheit sagst - warum sollten sie es tun? Nicht einmal die <emphasis>Errish </emphasis>mit ihren Drachen k�nnten uns vernichten. Wir sind einfach zu viele, selbst f�r euch!�</p><p>�Es gibt keine <emphasis>Errish </emphasis>mehr, Satai�, korrigierte Kiina ihn bitter. �Die Drachen haben uns verlassen. Das Netz t�tet sie, und es macht es den <emphasis>Errish </emphasis>unm�glich, sie zu reiten.�</p><p>�Und diese drei Ungeheuer, die dich verfolgt haben?� fragte Skar.</p><p>Kiina verzog beinahe angeekelt die Lippen. �Das waren keine Drachen�, entgegnete sie heftig. �Es sind <emphasis>Skorr, </emphasis>dumme plumpe Tiere, die im Tal der Drachen leben und zu nichts nutze sind. Keine Drachen wie unsere Echsen. Sie k�nnen nur t�ten, sonst nichts. Und nicht einmal das besonders gut.�</p><p>�Und wie bist du entkommen?� fragte Del. �Wie konntest du das Land verlassen, wenn sie die P�sse doch so scharf bewachen?�</p><p>�Auf dem einzigen Weg, den sie nicht gesperrt haben�, antwortete Kiina. �Durch das Tal der Drachen.�</p><p>�Gut�, schlo� Del. �Ich wei� nicht, ob ich dir glaube, aber im Moment belassen wir es dabei. Du hast also geh�rt, was geschehen wird, und bist gekommen, um uns zu warnen.� Kiina starrte ihn an, als zweifele sie an seinem Verstand.</p><p>�Nein�, sagte sie. �Nicht nur deshalb.�</p><p>�Nein?� Del blinzelte. �Warum dann?�</p><p>�Ich bin gekommen, weil ich eure Hilfe brauche, Satai�, erkl�rte Kiina ernst. �Ihr seid die einzigen, die Elay befreien k�nnen.�</p><p>F�r die Dauer von zwei, drei endlosen Atemz�gen starrte Del das M�dchen aus ungl�ubig aufgerissenen Augen an.</p><p>Dann begann er schallend zu lachen.</p><p>Sie hatten noch lange mit Kiina gesprochen, denn jede Antwort, die sie von ihr erhielten, zog ein Dutzend neuer Fragen nach sich, und Skar war sich bis zum Schlu� selbst nicht dar�ber klar geworden, ob er ihr nun glaubte oder nicht.</p><p>Schlie�lich war genau das passiert, was Bradburn ihnen prophezeit hatte - die Anstrengung war einfach �ber Kiinas Kr�fte gegangen, und sie war in Skars Armen zusammengesunken und hatte das Bewu�tsein verloren. Sie hatten das M�dchen in Bradburns Obhut zur�ckgelassen.</p><p>Del schien ganz selbstverst�ndlich anzunehmen, da� Skar ihn wieder hinauf in den Thronsaal begleiten w�rde, um �ber das Geh�rte zu sprechen - und es w�re ja auch nur vern�nftig gewesen. Aber Skar wollte nicht mehr reden. Nicht jetzt, nicht mit Del und vielleicht �berhaupt nicht mehr. Er wollte keine endlosen Gespr�che mehr �ber Dinge f�hren, die sie doch nicht �ndern konnten und an deren Ende doch nichts anderes herauskommen w�rde als der unvermeidliche Streit mit Del. Er wollte...</p><p>Es war absurd: Er wollte - <emphasis>mu�te </emphasis>- etwas tun, von dem er nicht einmal wu�te, was es war. Kiinas Worte, so unglaublich und verwirrend sie gewesen sein mochten, hatten auch noch den letzten Zweifel in ihm beseitigt: Er w�rde gehen, vielleicht nicht heute, denn Kiinas Warnung war zu ernst, um sie zu ignorieren, aber bald. Und er w�rde jetzt <emphasis>ganz bestimmt </emphasis>nicht mit Del diskutieren.</p><p>Er lie� Del einfach stehen, indem er auf der Treppe pl�tzlich schneller ging und seinen �berraschten Ausruf einfach ignorierte, schlug den dem Thronsaal entgegengesetzten Weg ein und trat auf den Festungshof hinaus. Der Geruch von Menschen und Quorrl schlug ihm entgegen; zu vieler Menschen und Quorrl, die zu lange auf zu engem Raum zusammengedr�ngt gelebt hatten. Aber auch W�rme, denn die Sonne hatte jetzt schon Kraft, und die Festungsmauern hielten den eisigen Wind zur�ck. Einen Moment lang verharrte er, lie� seinen Blick �ber das bunte Durcheinander von Menschen und Quorrl und Hunden und Pferden streifen, das den Hof erf�llte, und wandte sich dann nach rechts; eigentlich ziellos, und wenn �berhaupt, dann nur aus dem Grund, von der T�r wegzukommen, falls Del etwa auf die Idee verfallen sollte, ihm nachzueilen.</p><p>Er hatte kaum ein paar Schritte gemacht, als ihm eine hochgewachsene, schuppige Gestalt mit einem Schlangengesicht den Weg vertrat. Skar wollte ganz automatisch die Hand heben und den Quorrl vertreiben, wie er es sich in den letzten Tagen sowohl mit Menschen als auch den reptilienhaften Barbaren aus dem Norden angew�hnt hatte - er lie� keine Gelegenheit aus zu betonen, wie zuwider es ihm war, als etwas Besonderes behandelt zu werden, aber das �nderte nichts daran, da� er begonnen hatte, die Privilegien einer solchen Rolle zu genie�en - aber dann erkannte er den Quorrl. Es war der Heiler, dem er am Morgen nach dem Kampf gegen die Drachen begegnet war. Der Quorrl mit dem Sprachfehler.</p><p>�Was willst du?� fragte er grob. �Ich habe keine Zeit.�</p><p>�Esssh ihsst whichthig, Hehrrr�, kr�chzte der Quorrl.</p><p>�Khhhooomt.� Er hob die Hand, wie um Skar beim Arm zu ergreifen, aber er f�hrte die Bewegung nicht zu Ende. Trotzdem reichte allein diese angefangene Geste aus, Skar davon zu �berzeugen, da� sein Anliegen <emphasis>wirklich </emphasis>wichtig sein mu�te - sein Verstehen der Quorrl war noch immer j�mmerlich, aber er hatte in den letzten Tagen und Wochen gelernt, da� es einem Quorrl mindestens so zuwider war, einen Menschen zu ber�hren, wie es diesem umgekehrt Unbehagen bereitete, die glatte kalte Reptilienhaut eines Quorrl anzufassen.</p><p>�Wichtig?� vergewisserte er sich �berfl�ssigerweise.</p><p>Der Quorrl nickte; zumindest versuchte er es, aber es mi�lang kl�glich, weil zu einem menschlichen Nicken ein menschlicher Hals geh�rte, und er hatte keinen. �Was willst du?�</p><p>Der Blick der dunklen geschlitzten Schlangenaugen suchte, ehe er antwortete, die T�r, aus der Skar herausgetreten war. <emphasis>Fast, </emphasis>dachte Skar verwirrt, <emphasis>ah m�sse er sich erst davon �berzeugen, da� sie auch wirklich allein waren, bevor er sprach. </emphasis>Wovor hatte er Angst? �Ihhch mhhuuu� mit Euch hrheden, Hehhhrr�, sagte der Quorrl schwerf�llig. Skar sah erst jetzt, da� es gar kein Sprachfehler war, der ihn zu dieser l�cherlichen Art des Redens zwang. Irgendwann, vor langer Zeit einmal, hatte jemand versucht, das Kinn des Quorrl zu spalten; wie es aussah, mit einer Axt oder einem sehr wuchtigen Schwert.</p><p>�Dann tu es�, forderte Skar ihn unfreundlich auf. �Was gibt es f�r Probleme? Habt ihr zu wenig Beute gemacht, oder fehlt euch rohes Fleisch zum Essen?�</p><p>Der Quorrl reagierte nicht auf seine grundlose Aggressivit�t, und vielleicht war gerade das der Grund, aus dem Skar seine Worte fast im gleichen Moment schon bedauerte.</p><p>�Dhie Kchrrieger, Hehhrr�, antwortete der Quorrl. �Ssssie schtherben.�</p><p>�Sterben?� Skar sah den Quorrl verst�ndnislos an. Auf dem Hof waren sehr viele Quorrl. <emphasis>Lebende </emphasis>Quorrl, so weit er erkennen konnte. �Was meinst du damit?�</p><p>Der Quorrl beantwortete diese Frage nicht, sondern drehte sich wortlos und mit der nur scheinbaren Schwerf�lligkeit seines Volkes herum und deutete auf die T�r, durch die Skar gerade erst gekommen war. �Fhooolgt mir, Hehhrr.�</p><p>Er lie� Skar keine Zeit zu widersprechen, sondern setzte sich in Bewegung, und Skar mu�te ihm folgen, ob er wollte oder nicht. Sie schlugen wieder den Weg zu Bradburns Quartier ein, und schon nach ein paar Schritten begriff Skar, wohin ihn der Quorrl f�hrte - in eines der guten halben Dutzend unterirdischer Gew�lbe, in dem sie die Verwundeten und Kranken untergebracht hatten. Nat�rlich - er war ein Heiler.</p><p>Er h�rte das St�hnen der Sterbenden schon von weitem, und der Geruch war unverkennbar - es stank nach Reptilien und Krankheit, nach schlechtem Wasser und Abf�llen. <emphasis>Es war, </emphasis>dachte Skar, <emphasis>als w�rden sie sich einem Schlangenstall n�hern.</emphasis> Er ging ein wenig schneller, um zu dem Quorrl aufzuschlie�en, streckte den Arm aus und hielt ihn grob an der Schulter zur�ck. Der Barbar ging einfach weiter, und bei seinem Gewicht von �ber dreihundert Pfund war es Skar auch unm�glich, ihn zum Stehenbleiben zu zwingen. �Was soll das?� fragte er �rgerlich. �Ich wei�, wie es hier aussieht.�</p><p>�Nheihhhn, Hehhhrr�, widersprach der Quorrl m�hsam.</p><p>�Dhas wi����t Hihr hniccccht. Khooommt.� Fast sanft streifte er Skars Hand ab, brachte ihn aber gleichzeitig dazu, schneller weiterzugehen, bis sie das improvisierte Lazarett erreicht hatten. Skar erschrak. Das Gew�lbe war gro�, sicherlich drei�ig auf hundert Schritte, wenn nicht mehr, aber es kam ihm trotzdem mit einem Male winzig vor, denn es quoll schier �ber vor gr�n- und graugeschuppten Gestalten, die auf einfachen Lagern, auf Fellb�ndeln und zerschlissenen Decken oder auch nur auf dem nackten Steinboden lagen. Und es waren entsetzlich <emphasis>viele. </emphasis>Gestern, als er das letzte Mal bewu�t hier unten gewesen war, hatte er ihre Zahl ganz beil�ufig auf hundert gesch�tzt; vielleicht ein paar mehr oder weniger.</p><p>Jetzt schien sie sich glattweg verdoppelt zu haben.</p><p>Verwirrt und erschrocken zugleich sah er den Quorrl an. �Was ist passiert?�</p><p>�Die Krrriehger, hdhie Euccccch uuhnd den Hhhhohhhen Ssssathai heute mhoorgen beghleitet habhheeen, Herr�, fl�sterte der Quorrl. �Hshie schtherben.�</p><p>�Alle?�</p><p>�Die meisten�, antwortete der Quorrl nach kurzem �berlegen. �Ehtwas th���thet sssie. Sheeeht ssshelbhst.� Er winkte auffordernd mit einer plumpen, dreifingrigen Hand, kniete neben einer der reglosen Schuppengestalten nieder und forderte Skar mit einer neuerlichen Geste auf, zu ihm zu treten.</p><p>Skar z�gerte. Pl�tzlich wollte er gar nicht mehr sehen, was hier <emphasis>wirklich </emphasis>geschah. Trotzdem lie� er sich gehorsam neben dem Quorrl in die Hocke sinken und blickte auf das breitfl�chige Gesicht des Barbarenkriegers herab.</p><p>Im ersten Moment fiel ihm nichts Au�ergew�hnliches auf. Der Quorrl schien das Bewu�tsein verloren zu haben, und er fieberte. Die Krallen seiner linken Hand fuhren immer wieder �ber den Stein, auf dem er lag, und verursachten dabei ein scharrendes, regelm��iges Ger�usch, das Skar schaudern lie�. Er sah keine Wunden, keine sichtbaren Verletzungen, nicht einmal einen Kratzer. Trotzdem h�tte der Quorrl ihm nicht einmal sagen m�ssen, da� der Krieger im Sterben lag. Skar <emphasis>wu�te </emphasis>es einfach.</p><p>�Was ist geschehen?� fragte er.</p><p>Er wartete vergeblich auf eine Antwort, schaute ver�rgert hoch - und blickte in das breitfl�chige Gesicht eines zweiten, sehr viel gr��eren Quorrl, der neben ihn und den Heiler getreten war, ohne da� er es auch nur bemerkt h�tte. In seinen Augen blitzte Zorn.</p><p>Vielleicht war es gerade dieser Blick, an dem Skar ihn auf der Stelle wiedererkannte - er war fast ein wenig erstaunt �ber sich selbst, denn f�r Menschenaugen glich kein Quorrl einem anderen, und trotzdem sahen sie alle irgendwie gleich aus, so da� es schwer war, sie auseinanderzuhalten. Aber dann erinnerte er sich, da� Del ihm den Quorrl eigens vorgestellt hatte; und er erinnerte sich auch, da� Titch der Bruder von Trash war, dem Quorrl-Krieger, den er get�tet hatte. Nicht, da� das etwas bedeutete - Quorrl konnten Hunderte von Br�dern haben, soviel er wu�te. Pl�tzlich begriff er - wieder einmal - wie erb�rmlich wenig sie alle von dem Volk wu�ten, das fast die H�lfte ihrer Welt sein Eigen nannte.</p><p>�Was tust du hier?� fragte Titch.</p><p>Skar deutete verwirrt auf den Kranken, dann auf den Heiler, der ihn hergebracht hatte. �Irgend etwas ist hier -�</p><p>�Hier ist nichts geschehen�, unterbrach ihn Titch, so laut und so grob, da� es schon fast einer Br�skierung gleichkam. �Nichts, was dich interessieren m��te, Satai.�</p><p>Skar stand auf und sah den Quorrl scharf an. Er war eher �berrascht als ver�rgert - aber er hatte auch keine Lust, sich von einem fischgesichtigen Quorrl anknurren zu lassen wie einen Hund.</p><p>�Es interessiert mich schon, wenn unsere Krieger ohne ersichtlichen Grund krank werden und sterben, Quorrl�, antwortete er betont. �Das ist doch richtig, oder?�</p><p>Titch zuckte mit den Schultern; eine Geste, die er den Menschen abgesehen hatte und die seine Andersartigkeit nur noch betonte. �Ich wei� es nicht�, antwortete er. �Wenn Kahshan es sagt, wird es wohl seine Richtigkeit haben. Er ist der Heilkundige, nicht ich. Es scheint, als w�rden alle krank, die am Morgen dabei waren.� Er z�gerte eine Sekunde, dann verbesserte er sich: �Fast alle.�</p><p>�Fast?� Skar sah auf. Die Art, in der Titch das wertest betont hatte, gefiel ihm nicht.</p><p>�Alle, die gek�mpft haben�, erkl�rte der Quorrl.</p><p>�Du meinst, jeder, der die Drachen ber�hrt hat�, vermutete Skar.</p><p>�Oder ihre Reiter.� Titch nickte und warf dem neben ihm stehenden Kahshan einen eindeutig zornigen Blick zu. �Ja, so ist es wohl. Etwas t�tet sie. Vielleicht der Fluch der <emphasis>Sternengeborenen.�</emphasis></p><p>�Unsinn!� widersprach Skar. Titchs Worte machten ihn zornig; mehr, als er im ersten Moment selbst begriff. �So etwas gibt es nicht�, f�gte er hinzu, nachdem er sich ebenfalls erhoben hatte. Zwei, drei flache Schlangengesichter wandten sich ihm und Titch zu, und er begriff, da� er laut genug gesprochen hatte, seine Worte �berall verst�ndlich zu machen.</p><p>�Das ist Unsinn, Titch�, wiederholte er noch einmal, sehr viel leiser, aber in beinahe noch sch�rferem Ton. �So etwas gibt es nicht, Titch. Die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>sind unsere Feinde, aber sie sind keine Zauberer.�</p><p>Titch antwortete nicht sofort, aber Skar sp�rte vielleicht gerade deshalb, wie wenig seine Worte bewirkten. Quorrl waren ein abergl�ubisches Volk, schlimmer noch als die Veden. Manchmal fragte er sich, wie sie so m�chtig hatten werden k�nnen, bei dem Gespinst von Traditionen und undurchschaubaren Regeln und Verhaltensweisen, das ihre Kultur ausmachte.</p><p>Er ergriff Titch am Arm, drehte ihn mit sanfter Gewalt herum und deutete auf eine Nische neben dem Eingang, einen der wenigen freien Flecken in dieser Katakombe des Todes. Titch verstand. Er schwieg, bis sie au�er H�rweite der anderen waren, und als er weitersprach, d�mpfte er seine Stimme zu dem, was die Quorrl unter einem Fl�stern verstehen mochten.</p><p>�Sie <emphasis>sind </emphasis>Zauberer, Satai�, widersprach er. �Sie werden uns t�ten. Auch euch.�</p><p>�Vielleicht�, antwortete Skar zornig. �Aber wenn, dann mit dem Schwert, oder mit den Klauen ihrer Drachen, nicht mit Magie.� Seine Stimme wurde fast beschw�rend. �H�r auf, solchen Unsinn zu erz�hlen, Titch! Wir werden eine Erkl�rung f�r das alles hier finden, aber wenn du anf�ngst, das Ger�cht zu verbreiten, da� sie uns nur mit einem <emphasis>Fluch </emphasis>t�ten k�nnen, dann haben wir diesen Krieg verloren, ehe er begonnen hat!�</p><p>�Meine M�nner sind nicht blind�, beharrte Titch ausdruckslos. �Sie sehen, was geschieht. Und deine Sorgen sind unbegr�ndet, Satai. Ich habe dich hierhergebracht, um dich zu warnen. Nicht mehr. Etwas geschieht hier, das ist richtig. Ich wei� nicht, was, und auch das ist richtig. Aber das ist ganz allein unser Problem.�</p><p>�Bradburn k�nnte euch helfen.�</p><p>Titch machte ein unanst�ndiges Ger�usch. Er hatte wirklich eine Menge von den. Menschen gelernt, dachte Skar finster. �Bradburn? Euer Priester?� Er lachte. <emphasis>�Unsere </emphasis>Heiler sind es, die <emphasis>ihm </emphasis>helfen�, sagte er betont. �Und es ist nicht n�tig. Meine Krieger f�rchten das Sterben nicht. Keiner von ihnen. Die hier sind, sind bereits tot.�</p><p>�Was soll das hei�en - sie <emphasis>sind bereits tot?� </emphasis>fragte Skar. Titch setzte zu einer Antwort an, �berlegte es sich aber dann anders und starrte an Skar vorbei ins Leere. Es fiel Skar - wie jedem Menschen - schwer, im Gesicht eines Quorrl zu lesen, aber er war pl�tzlich sehr sicher, da� Titch bereits bedauerte, diese Worte �berhaupt ausgesprochen zu haben.</p><p>�Wei� Bradburn �berhaupt, was hier passiert?� fragte er. �Ja. Aber er kann nichts tun.� Titch z�gerte einen Moment. �Er glaubt, da� die Drachen krank waren. Vielleicht hat er recht.� Aber das glaubte er nicht wirklich. Skar sp�rte ganz genau, da� der Quorrl eigentlich etwas ganz anderes hatte sagen wollen. Aber er sp�rte auch, da� er ihm nicht antworten w�rde, sollte er ihn darauf ansprechen. Titch verwirrte ihn mehr und mehr.</p><p>�Aber dann m��te es auch uns treffen�, folgerte er. �Del und mich und die Satai, die dabeigewesen sind.�</p><p>�Vielleicht�, antwortete Titch. �Vielleicht auch nicht. Die Drachen sind uns mehr verwandt als euch. Vielleicht sterbt ihr sp�ter, vielleicht gar nicht.� Er machte eine komplizierte Geste mit beiden H�nden, deren Bedeutung Skar nicht klar wurde. �Aber ich bin nicht hergekommen, um �ber euren Tod zu reden�, fuhr er fort. �Etwas geschieht, Satai. Ich wei� nicht was, und ich wei� nicht, warum und wie, aber... etwas �ndert sich.�</p><p>Skar war die kleine Pause in seinen Worten nicht entgangen; ebensowenig wie die Tatsache, da� sie mehr bedeuten mochte als das, was der Quorrl <emphasis>sagte. </emphasis>Er war verwirrt. Das alles war kein Zufall mehr. Drask, dann Kiina und jetzt Titch - die sonderbare Unruhe, die ihn selbst schon seit Tagen ergriffen hatte, nicht einmal ber�cksichtigt. Vielleicht, �berlegte er, war es gar nicht so, da� nur <emphasis>er </emphasis>sich ver�ndert hatte. Vielleicht ver�nderte sich alles, und nur er und dieser Quorrl sp�rten es. Unsicher sah er sich nach dem Quorrl um, der ihn hier heruntergebracht hatte, nicht nur ohne Titchs Wissen, sondern, wie ihm pl�tzlich klar wurde, sogar ganz und gar <emphasis>gegen </emphasis>seinen ausgesprochenen Willen. Er konnte ihn nirgends mehr entdecken; wahrscheinlich hatte er die Gelegenheit genutzt, sich klammheimlich aus dem Staub zu machen, dachte Skar. Er wandte sich wieder an Titch.</p><p>�Was willst du damit andeuten?� fragte er.</p><p>Titch z�gerte. Es fiel ihm sichtlich schwer, die richtigen Worte zu finden; nicht, weil er die Sprache nicht beherrschte. Der Quorrl beherrschte die Hochsprache Enwors besser und flie�ender als so mancher Mensch, dem Skar in seinem Leben begegnet war. Aber er redete �ber Dinge, �ber die er wohl noch nie geredet hatte; vielleicht nicht einmal nachgedacht.</p><p>�Ich... wei� es nicht�, sagte der Quorrl nach einer Weile. Irgendwie sah er pl�tzlich hilflos aus, trotz seiner enormen Gr��e und des Zornes, der noch immer in seinem Blick loderte. �Etwas ist nicht gut.�</p><p>�Krieg ist niemals gut�, entgegnete Skar, aber Titch machte nur eine wegwerfende Handbewegung. Er wandte sich um und begann, die Treppe wieder hinaufzugehen, und Skar folgte ihm. Zwei Satai, die ihnen entgegenkamen, wichen im letzten Moment respektvoll zur Seite, als sie erkannten, werden Quorrl begleitete. Skar fragte sich unwillk�rlich, ob sie es auch getan h�tten, wenn Titch allein gewesen w�re. Er wu�te, da� Titch so etwas wie der Befehlshaber des Quorrl-Heeres war, in seinem Rang durchaus Del und ihm vergleichbar. Trotzdem war er f�r die meisten dieser sogenannten Satai noch immer nicht mehr als ein Tier.</p><p>�Ich meine nicht den Krieg�, kn�pfte Titch an das unterbrochene Gespr�ch an, als sie das Geb�ude verlassen hatten und wieder auf den Hof hinaustraten. Gegen das ungewohnt grelle Sonnenlicht kam er Skar pl�tzlich noch gigantischer und massiger vor, als er ohnehin war. Er f�hlte sich wie ein Zwerg neben dem schuppigen Titanen. �Er ist n�tig�, fuhr Titch fort. �Er geh�rt zum Leben wie die Geburt und die Liebe und der Tod. Aber etwas... ist pl�tzlich falsch.�</p><p>Er sah Skar aus seinen schmalen Fischaugen an, und zum allerersten Mal, solange Skar die Quorrl kannte, glaubte er so etwas wie Furcht im Blick eines dieser gigantischen Wesen zu sehen. �Ich wei� nicht, was es ist, Satai�, f�hrte er weiter aus. �Aber es macht mir Angst. Es macht uns allen Angst. Und ihr t�tet auch gut daran, Angst zu haben. Vielleicht noch mehr als wir.�</p><p>Skar war nicht einmal �berrascht. Ein Quorrl, der Angst hatte, das w�re noch vor Tagen eine ungef�hr so logische Vorstellung wie ein ertrinkender Fisch f�r ihn gewesen. Aber er sp�rte es ja auch, ebenso wie Kiina und Bradburn, und wie auch Del, auch wenn dieser es nicht zugab. Etwas �nderte sich. Etwas Schreckliches geschah.</p><p>Aber er ging nicht weiter auf Titchs Worte ein, sondern drehte sich wortlos weg und verlie� endg�ltig die Festung.</p></section><section><title><p id="_6">6.</p></title><p>Er wu�te, da� Del und er wieder in Streit geraten w�rden, sobald er zur�ck war. Und vielleicht sogar mit Recht - er war nicht irgendwer, sondern einer der beiden Befehlshaber des Heeres, und vielleicht - auch wenn er es nicht wollte - der einzige, der diesen ganzen bunt zusammengew�rfelten Haufen zu so etwas wie einer Armee vereinen konnte. Auf jeden Fall war er niemand, der einfach weglaufen konnte, wenn es ihm in den Kram pa�te. Aber das war ihm egal. Sein Entschlu�, Del und das Heer zu verlassen, stand jetzt fester denn je; nur hatte er sich noch nicht entschieden, in welche Richtung er sich wenden sollte - nach S�den, in das namenlose Land jenseits der Stra�e von Pa'an, aus dem die Zauberpriester gekommen waren, wie Drask gesagt hatte, oder nach Westen, nach Elay und dem Drachenland, wie Kiina von ihm erwartete.</p><p>Es war nicht etwa so, da� Kiinas naiver Wunsch allein der Grund dazu gewesen w�re. Sie war ein Kind, ein dummes, romantisches Kind, und es fiel ihm nicht schwer, in Gedanken nachzuvollziehen, was in ihr vorgegangen war. Sie hatte mitansehen m�ssen, wie ihre Welt zugrundeging, wie alle, die sie gekannt und geliebt hatte, entweder get�tet wurden oder sich auf entsetzliche Weise verwandelten - was lag da n�her, als da� sie zu den einzigen ging, von denen sie sich Hilfe erwartete? Skars Pferd sch�ttelte unruhig den Kopf, und die Bewegung ri� ihn in die Wirklichkeit zur�ck; er sp�rte pl�tzlich, wie kalt es noch immer war, trotz der Sonne, die jetzt schon sehr warm vom Himmel schien und sich bem�hte, auch den letzten Schnee zu schmelzen. Aber er stand unmittelbar am Flu�, sicherlich nicht durch Zufall unweit der Stelle, zu der er vor Monatsfrist das erste Mal gekommen war. Vom Wasser stieg ein eisiger Hauch empor, und dort, wo die Strahlen der Sonne nicht hinreichten, nistete noch immer Eis in den Schatten. Au�erdem wurde er sich fast schmerzlich der Tatsache bewu�t, da� man ihn von der Burg aus deutlich sehen konnte, und aus irgendeinem v�llig widersinnigen Grund war ihm der Gedanke unangenehm, da� die M�nner ihn beobachten konnten, wie er so am Flu�ufer stand und ins Leere starrte.</p><p>Fr�stelnd zog er den Mantel enger um die Schultern, ohne da� er dem Wind dadurch auch nur ein wenig von seinem Bi� nehmen konnte - der schwarze Mantel eines Hohen Satai war vielleicht sehr schwer, dachte er sp�ttisch, aber er w�rmte kein bi�chen -, lie� sein Pferd mit sanftem Schenkeldruck antraben und ritt ein St�ckweit am Ufer entlang, ehe er im rechten Winkel davon abwich und sich einen Weg durch das Gewirr von Felsbl�cken und Findlingen suchte, das den Flu� s�umte.</p><p>Er hatte kein bestimmtes Ziel; eigentlich lie� er sein Pferd sich seinen Weg selbst suchen und griff nur dann und wann behutsam ein, wenn es etwa kehrt machen wollte, um in die W�rme des Stalles zur�ckzukehren. Er wollte einfach nur allein sein, und er war sich dabei durchaus dar�ber im klaren, da� sein Verhalten nichts anderes als eine Flucht war. Vielleicht vor sich selbst. Schlie�lich hatte er sich zwei oder drei Meilen von der Burg entfernt. Das Pferd erklomm einen flachen H�gel, so da� er das Ufer und den riesigen, der Burg vorgelagerten Platz gut �berblicken konnte. Die doppelt mannshohe Mauer, die ihn einst an drei Seiten ges�umt hatte, war fast vollkommen verschwunden, und das gewaltige Areal, noch vor weniger als einer Woche Lagerplatz f�r mehr als hunderttausend Fl�chtende, war jetzt verwaist; eine gewaltige Ode aus zertrampeltem braunschwarzen Boden, den das einsetzende Tauwetter mehr und mehr in einen Morast verwandelte. Es bereitete ihm immer noch M�he, sich an den Gedanken zu gew�hnen, da� all diese Menschen in heller Panik vor ihnen geflohen waren, obgleich sie doch kamen, um sie zu befreien. Aber das Netz aus Intrige und L�gen, das die Zauberpriester gewoben hatten, war dicht. Immerhin dicht genug, da� auch er sich darin f�r eine Weile gefangen hatte. Er lie� das Pferd weitertraben, wieder zum Flu� hinunter und - sah die Spur.</p><p>Im ersten Moment glitt sein Blick einfach dar�ber hinweg, ohne irgendein Interesse, denn obwohl er hier herausgekommen war, um allein zu sein, war eine Fu�spur im Morast nun wirklich nichts Besonderes, in der N�he eines Heeres, das mehr als vierzigtausend K�pfe z�hlte.</p><p>Aber irgend etwas an dieser Spur irritierte ihn, und etwas in ihm schrie alarmiert auf, ohne da� er das, was ihn so mi�trauisch machte, im ersten Moment bewu�t wahrgenommen h�tte. Er z�gelte sein Pferd, ritt ein kurzes St�ck zur�ck und lie� sich mit einer geschmeidigen Bewegung aus dem Sattel gleiten. Es war eine ganz normale Fu�spur, nicht �lter als zwei Stunden, die Spur eines nicht allzu gro�en, nicht allzu schweren Menschen, der vom Flu�ufer gekommen war und - ja, <emphasis>und was?</emphasis></p><p>Skar starrte verdutzt auf die beiden parallelen Reihen fingertiefer Abdr�cke im Boden, die am Flu� begannen und nach zwei, drei Dutzend Metern im Nichts endeten.</p><p><emphasis>Aber das war doch unm�glich! </emphasis>dachte er. Im Laufe einer einzigen Sekunde erwog er ein halbes Dutzend denkbarer und ebensovieler undenkbarer Erkl�rungen f�r das, was er da sah, und verwarf jede einzelne davon sofort wieder - angefangen von der, da� der Mann auf seiner eigenen Spur zur�ckgegangen war bis hin zu der Vorstellung, da� eine Daktyle gekommen und ihn davongetragen hatte. Das eine war so l�cherlich wie das andere. Es war einfach nicht m�glich, da� eine Spur so abrupt aufh�rte! Aber der schwarze Morast, in dem er niedergekniet war, bewies das Gegenteil. Die Spuren waren da, so deutlich, als h�tte sie jemand eigens zu dem Zweck hinterlassen, da� er sie fand. F�r einen Moment erwog er auch diese M�glichkeit - es mochte eine Falle sein, die f�r ihn oder irgendeinen anderen Dummkopf aufgestellt worden war, der hierher kam. Aber er verwarf auch diesen Gedanken wieder; niemand - nicht einmal er selbst - hatte vor zwei Stunden gewu�t, da� er sich gerade hierher begeben w�rde, und selbst wenn, dann war es sicherlich einfacher, ihm auf andere Weise eine Falle zu stellen ...</p><p>Er richtete sich auf, legte ganz unbewu�t die Hand auf das Schwert an seiner Seite und sah sich aufmerksam um. Die Spur f�hrte auf die Felsen zu, durch die er selbst gerade geritten war: ein Labyrinth aus kleinen Schluchten und Abgr�nden, in dem sich ein ganzes Heer verbergen konnte, aber sie erreichte sie nie, sondern h�rte gut zehn Schritte vor dem ersten Fels einfach auf, so abrupt, als h�tte sich der, welcher sie verursacht hatte, einfach in Luft aufgel�st. Oder w�re im Boden versunken.</p><p>Dann sah er die Bewegung.</p><p>Es war nur ein Huschen, das er aus den Augenwinkeln heraus wahrnahm; nicht mehr als das Flackern eines Schattens, von dem er nicht einmal ganz sicher war, ob er es wirklich gesehen hatte oder ob ihm seine �berreizten Nerven einfach einen Streich spielten, aber er sp�rte einfach, da� es keine T�uschung war. Er war nicht allein. Irgend jemand - etwas - war da, ganz in seiner N�he, und irgend jemand - etwas - belauerte ihn, sehr aufmerksam und voller b�ser Gedanken. Es war absurd, aber genau das war es, was er empfand.</p><p>Sekundenlang war Skar unschl�ssig, was er tun sollte. Das Kl�gste w�re sicherlich gewesen, wieder auf das Pferd zu steigen und zur Festung zur�ckzureiten, um Del und vor allem Bradburn von seiner Entdeckung zu berichten. Bradburn war ein Magier, und das hier war etwas, was zumindest mit Skars Logik nicht mehr zu erkl�ren war. Andererseits...</p><p>Er wandte sich um, band die Vorderl�ufe des Pferdes mit einem der d�nnen Lederriemen zusammen, die f�r diesen Zweck am Sattelgurt hingen, richtete sich wieder auf und ging auf die Felsen zu, aufrecht und ohne irgendwelche Hast. Wer immer dort war, hatte ihn l�ngst gesehen. Wenn er versuchte, sich anzuschleichen, w�rde er sich nur l�cherlich machen. Und wer wei�, versuchte er sich selbst zu beruhigen, vielleicht war es ja nur ein Irgendwer, einer der zahllosen Vertriebenen, die der Krieg wie lebendes Strandgut vor sich hertrieb und der ihn gesehen hatte und jetzt vor Angst beinahe starb.</p><p>Aber es war kein Fl�chtling.</p><p>Es war �berhaupt niemand.</p><p>Er erreichte die Felsen und blieb stehen, und das Gef�hl, beobachtet, von Tausenden unsichtbarer Augen belauert zu werden, wurde �berm�chtig. Aber da war niemand.</p><p>Pl�tzlich hatte er Angst, eine Angst sehr sonderbarer, d�sterer Art, die nichts mit irgendeiner k�rperlichen Bedrohung gemein hatte, sondern allein durch das Dasein dieses... ihm fehlten selbst in Gedanken die Worte, das Gef�hl wirklich zu beschreiben ... Etwas verursacht wurde.</p><p>Gebannt sah er sich um.</p><p>Er stand zwischen zwei gewaltigen Felsbl�cken, ungleichen Teilen eines granitenen Riesenw�rfels, der s�uberlich wie von einem Axthieb gespalten war, und der Boden war so sauber und glatt, als h�tte ihn jemand gefegt. Der Schnee war niemals hierhergekommen. Hier und da waren ein paar Schatten, aber sie waren nicht tief genug, um irgend etwas von nennenswerter Gr��e verbergen zu k�nnen. Trotzdem.</p><p>Seine Hand glitt zum Schwert, aber er f�hrte die Bewegung nicht einmal halb zu Ende - wenn es wirklich jemand war, der sich nur vor ihm verbarg, weil er schlichtweg Angst hatte, w�rde er ihn mit dieser Waffe nur noch mehr einsch�chtern; und war es etwas anderes... nun, dann w�rde sie ihm wahrscheinlich nicht viel nutzen. Rasch, aber ohne Hast, ging er weiter.</p><p>Die Schatten des steinernen Labyrinths h�llten ihn ein, je tiefer er in das Gewirr von Felsen und bizarren steinernen Formen eindrang, und das Gef�hl, beobachtet zu werden, nahm fast k�rperliche Intensit�t an.</p><p>Ein Schatten strich �ber ihn hinweg; ganz kurz nur, aber doch lange genug, ihn erkennen zu lassen, was es war - der Schatten einer niedrig fliegenden, sehr gro�en Daktyle!</p><p>Skar huschte blitzschnell zur Seite, pre�te sich in den Schlagschatten der Felswand und blickte mit angehaltenem Atem nach oben. Aber da war nichts. Der Himmel war leer, nur bedeckt mit schweren, niedrig dahintreibenden Wolken, die mit fast unnat�rlicher Schnelligkeit aufzogen, und er h�rte auch nichts au�er dem Rasen seines eigenen Herzens und den heulenden Ger�uschen, mit denen sich der Wind an den Graten und Kanten des felsigen Labyrinths brach.</p><p>Aber er war sicher, sich nicht get�uscht zu haben. Gebannt blickte er in die Richtung, in die der jagende Schatten verschwunden war. Nicht weit vor ihm erhob sich ein kleines Felsplateau aus dem Gewirr steinerner Nadeln und Buckel, nicht sehr m�chtig und nicht sehr steil, aber trotzdem gro� und auch hoch genug, einer halbwegs geschickten Daktyle Platz zum Landen und - was wichtiger war - ausreichend Anlauf zum Start zu geben. Skar warf noch einen sichernden Blick nach rechts und links, dann huschte er los. Der Weg war nicht sehr weit, aber schwierig, und zudem mu�te er jeden Moment auf einen Angriff gefa�t sein. Daktylen sahen plump aus, aber sie hatten scharfe Sinne, und wenn sie nicht allein gekommen war, w�rde ihr Reiter auf der Hut sein, so nahe an der Festung.</p><p>Aber er hatte Gl�ck. Unbehelligt erreichte er den Fu� des kleinen Felsbuckels, verhielt einen Moment, um Atem zu sch�pfen, und machte sich dann an den Aufstieg.</p><p>Er war nicht sehr lang und auch nicht sehr anstrengend, aber Skar brauchte fast f�nf Minuten, das knappe Dutzend Mannesl�ngen zu �berwinden, denn er bem�hte sich, nicht das geringste Ger�usch zu verursachen.</p><p>Die Daktyle hockte kaum eine Armesl�nge vor ihm, als er die Felskante erreichte, ein gro�es, sehr altes Tier, dessen ledrige Schwingen von Grind und Narben zerfressen waren, aber sie blickte nicht in seine Richtung, und ihre kleinen tr�ben Augen waren halb geschlossen, als d�se sie vor sich hin. Nicht weit von ihr entfernt stand eine hoch aufgerichtete, sehr schlanke Gestalt in einer schimmernden schwarzen R�stung.</p><p>Skar schauderte. Es geh�rte nicht viel Phantasie dazu, zu erraten, wen er vor sich hatte, und er hatte die <emphasis>Errish </emphasis>in den bizarren schwarzen Chitinpanzern ja schon gesehen, aber diese hier - sie stand noch dazu so, da� er sie gegen das Licht betrachtete und eigentlich nur einen harten schwarzen Umri� erkannte - sah wirklich wie ein riesiges zweibeiniges Insekt aus. Der Anblick hatte etwas Unwirkliches.</p><p>Skar sch�ttelte den Gedanken ab und zog sich ein winziges St�ck weiter auf das Felsplateau hinauf, ohne die <emphasis>Errish </emphasis>und ihr schreckliches Reittier dabei auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Er war sich sicher, da� er einer der beiden Drachenreiterinnen gegen�berstand, die Kiina verfolgt hatten. Trotzdem wollte er sie nicht t�ten. Es war sehr viel wichtiger, sie lebend in die H�nde zu bekommen; schon, um zu erfahren, warum sie �berhaupt hier war.</p><p>Aber er bezweifelte, da� es ihm gelingen w�rde.</p><p>Lautlos schob er sich vollends auf das Plateau hinauf, stemmte sich unendlich vorsichtig in die Hocke hoch und tastete nach dem <emphasis>Tschekal. </emphasis>Die Daktyle und ihre Reiterin r�hrten sich noch immer nicht.</p><p>Sein eigenes Gl�ck wurde ihm fast selbst unheimlich. Er hatte kein Ger�usch verursacht, aber er war lange genug Krieger, um zu wissen, da� die <emphasis>Errish </emphasis>seine N�he einfach <emphasis>sp�ren </emphasis>mu�te; und wenn schon nicht sie, dann ihr riesiger Drachenvogel. Aber keiner der beiden regte sich auch nur.</p><p>Und dann - Es ging ganz schnell; lautlos; und der Schrecken, den er h�tte empfinden sollen, kam nicht. In der einen Sekunde hatte die <emphasis>Errish </emphasis>noch reglos dagestanden und zu Drasks Burg hinaufgeblickt, dann drehte sie sich herum, und der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>starrte ihn an. Die Sternenbestie, dieses kleine, b�se, t�tende Ding, das zu seinem Fluch geworden war. Es war wieder da, war - auch das begriff er voller Schrecken, aber ohne die mindeste Spur von Angst - vielleicht niemals weggewesen, sondern ihm immer gefolgt, auf Schritt und Tritt an seiner Seite gewesen wie ein m�rderischer schwarzer Cherubim, und er glotzte ihn an, obwohl er keine Augen hatte, grinste h�hnisch aus seinem flachen, v�llig konturlosen Nicht-Gesicht zu ihm hoch und hob schlie�lich eine d�rre Klauenhand, wie zu einem absurden Gru�.</p><p>Dann verschwand er, so lautlos und schnell wie ein Spuk. Aber Skar starrte noch lange auf die Stelle, an der er gestanden hatte.</p><p><emphasis>Er war da! </emphasis>Das war alles, was er denken konnte. <emphasis>Er war da, er war immer dagewesen, </emphasis>und er sp�rte seine N�he auch jetzt noch, wie einen unsichtbaren dr�uenden Schatten.</p><p>M�hsam, unendlich m�hsam, mit Bewegungen, die ihm selbst wie die eines alten schwachen Mannes vorkamen und trotzdem seine letzte Kraft erforderten, wandte er sich um und blickte die Daktyle an. Sie hockte noch immer reglos da, den Kopf ein wenig gesenkt und auf die Seite gelegt und die Augen halb geschlossen, aber sie schlief nicht. Sie war tot. So tot wie die in zerborstenes schwarzes Chitin geh�llte Gestalt, die reglos in dem schmalen Sattel auf ihrem R�cken hing.</p><p>Beide mu�ten schon lange tot sein, Stunden, vielleicht einen Tag. Der gewaltige Blutfleck unter dem K�rper des Drachenvogels war eingetrocknet und so dunkel, da� er ihn erst bemerkte, als der glattgeschliffene Fels unter seinen F��en pl�tzlich rau wurde, und in der entsetzlichen Wunde in der Kehle der Daktyle hatten sich schon Maden eingenistet. Skar war pl�tzlich froh, die Verletzungen der <emphasis>Errish </emphasis>nicht sehen zu k�nnen. Ihr Panzer war dunkel von eingetrocknetem Blut und zerschmettert, wie von einem gewaltigen Hammer getroffen. Aber Skar wu�te auch so, wie es darunter aussah. Er kannte die f�rchterlichen Wunden, die der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>schlug.</p><p>Mehr um seine au�er Rand und Band zu geratende Phantasie abzulenken, denn aus irgendeinem anderen Grund trat er n�her an die Tote heran und zwang sich, sie genauer anzusehen. Ihre rechte Hand hielt noch immer den Scanner, den sie in ihrer allerletzten Sekunde gezogen haben mu�te, und eine d�nne, schnurgerade Brandspur auf dem Felsen neben ihr bewies, da� sie die Waffe auch benutzt hatte.</p><p>Aber auch ihre andere Hand war nicht leer. Sie umklammerte etwas Kleines, Glitzerndes.</p><p>Z�gernd streckte Skar den Arm aus, zwang sich, seinen Widerwillen zu ignorieren, und l�ste ihre erstarrten Finger; eine Aufgabe, die seine ganze Kraft erforderte.</p><p>Darunter kam eine fingerlange Phiole aus klarem Glas zum Vorschein, in der wenige Tropfen einer wasserklaren Fl�ssigkeit gl�nzten. Ein d�nnes Geflecht aus Kupfer umgab sie wie ein Netz, wohl, um sie vor dem Zerbrechen zu sch�tzen, und der Verschlu� sah sehr kompliziert aus und stellte wohl die feinste Metallarbeit dar, die Skar jemals gesehen hatte.</p><p>Sehr vorsichtig nahm er die Phiole aus den Fingern der Toten, wog sie einen Moment unschl�ssig in der Hand und verbarg sie dann in einer Tasche seines G�rtels.</p><p>Einen Moment lang �berlegte er, ob er die Tote mitnehmen sollte, um ihr ein ehrenhaftes Begr�bnis zu geben, verwarf den Gedanken aber fast sofort wieder. Es war einfach unm�glich, einen mehr als zentnerschweren K�rper durch dieses Labyrinth von Felsen und Schluchten zu tragen, und mit einem Male wollte er es auch gar nicht mehr. Pl�tzlich war er von keinem anderen Wunsch so erf�llt als dem, so schnell wie nur m�glich von diesem entsetzlichen Ort zu verschwinden.</p><p>Trotzdem z�gerte er noch einmal, nachdem er sich umgewandt hatte und wieder zum Rand des Felsens gegangen war. Sein Blick huschte �ber die nachtschwarzen Schatten unter ihm, und f�r die Dauer eines Lidschlages glaubte er noch einmal, die Sternenbestie zu sehen.</p><p>Nat�rlich war sie nicht wirklich da. Diesmal war es nur ein Schatten. Aber Skar sp�rte ihre N�he.</p><p>�Wer bist du?� fl�sterte er. �Komm heraus und zeige dich, du Ungeheuer! Was willst du von mir?!�</p><p>Aber die Stille schwieg. Nur das verzerrte Echo seiner eigenen, schrill gewordenen Stimme antwortete ihm. In Skars Ohren klang es wie ein h�hnisches Gel�chter.</p><p>Und vielleicht war es das auch.</p></section><section><title><p id="_7">7.</p></title><p>Er erz�hlte Del und Bradburn alles; alles mit Ausnahme seiner neuerlichen Begegnung mit dem <emphasis>Daij-Djan. </emphasis>Nicht einmal so sehr, weil ihn die blo�e Erinnerung an die gesichtslose Sternenbestie mit nackter Angst erf�llte, sondern auch, weil er �berzeugt war, da� sie f�r Del und Bradburn und all die anderen keinerlei Relevanz hatte. Was zwischen diesem Ding und ihm war, das ging nur sie beide etwas an. Er wu�te noch nicht, was, und er wu�te noch nicht, wann und wie, aber irgendwann - und es war nicht mehr sehr lange - w�rde er ihr endg�ltig gegen�berstehen und alles erfahren. In der Version, die er Del erz�hlte, war er auf einen Felsen hinaufgestiegen, um die n�here Umgebung �berblicken zu k�nnen, und hatte dabei die tote <emphasis>Errish </emphasis>und ihren Drachenvogel entdeckt; eine Geschichte, die allemal glaubhaft genug klang. Vielleicht sogar �berzeugender als die Wahrheit.</p><p>Er h�ndigte Bradburn das kleine Glasr�hrchen aus, der es sehr sorgf�ltig in ein Tuch einschlug und dann damit verschwand, um es zu untersuchen. Anschlie�end sprach er noch wenige Minuten mit Del. Aber es war wie die Male davor - sie sp�rten beide, da� ihre Unterhaltung wieder einmal auf einen Streit zusteuerte, obgleich sie sich beide alle M�he gaben, sie auf rein sachliche Belange zu beschr�nken. Zwischen ihnen war eine Gereiztheit, die so konstant und unabh�ngig von Sprache und Verhalten war wie ihre fr�here Freundschaft. Skar war sehr froh, als Del nach einer Weile erkl�rte, da� er noch das eine oder andere mit seinen Unterf�hrern zu besprechen hatte, und ging.</p><p>Trotzdem wollte er nicht allein sein, denn Einsamkeit war etwas, das er pl�tzlich so wenig ertrug wie Dels Gegenwart. Nach einer Weile verlie� er den Thronsaal und schlug den Weg zum Hof hinunter ein. Aber schon auf halber Strecke machte er kehrt, ging ein St�ck zur�ck und suchte schlie�lich das Gemach auf, in dem Kiina untergebracht war. Er mochte das M�dchen - nicht so sehr, da� er sich direkt zu ihm hingezogen f�hlte, aber doch genug, um seine Gesellschaft der eines fischgesichtigen Quorrl vorzuziehen, oder eines Halsabschneiders, der sich einbildete, Satai zu sein.</p><p>Die Kammer war leer. Kiinas Bett war zerw�hlt, aber kalt, und ihre Kleider lagen in einem unordentlichen Haufen auf dem Boden daneben, zusammen mit dem Scanner und dem zierlichen Schwert, das sie mitgebracht hatte. Skar hob kopfsch�ttelnd beides auf, warf das Spielzeugschwert auf das Bett und schob die t�dliche Waffe unter seinen G�rtel. Sie war wirklich noch ein Kind, dachte er �rgerlich. Man lie� kein Ding einfach herumliegen, mit dem man eine halbe Stadt in Schutt und Asche legen konnte. Er w�rde ein ernstes Wort mit ihr reden m�ssen. Aber dazu mu�te er sie erst einmal finden. Unschl�ssig sah er sich in der kleinen Kammer um, �berlegte einen Moment, Bradburn nach Kiinas Verbleib zu fragen, verwarf aber diesen Gedanken dann wieder und trat schlie�lich ans Fenster.</p><p>Der Hof lag unendlich tief unter ihm, hundert oder mehr Mannesl�ngen, und wieder einmal kam ihm fast unglaubhaft die zyklopische Gr��e dieser Festung zu Bewu�tsein, zusammen mit einer gelinden Verwunderung, wie leicht es ihnen doch trotz allem gefallen war, sie zu erobern. Dann entdeckte er das M�dchen, und was er sah, verscheuchte jeglichen Gedanken an Drask und die Schlacht und die Magie der Zauberpriester und erf�llte ihn stattdessen mit Erstaunen, dann �rger, schlie�lich Wut. Es war eine kleine Gruppe von Satai, sechs oder sieben Mann, die am anderen Ende des Hofes standen und sich unterhielten, wobei ihre Worte von heftigem Gestikulieren und einem gelegentlichen Lachen begleitet wurden, das zu Skar hinaufwehte. Aber nicht alle waren M�nner - eine der schwarzgekleideten Gestalten war deutlich kleiner als die anderen, und das lange blonde Haar geh�rte eindeutig Gowennas Tochter.</p><p>Skar fuhr w�tend herum, lief aus dem Zimmer und rannte die Treppe hinunter. Die M�nner, denen er begegnete, machten ihm respektvoll Platz, und das Erschrecken auf dem einen oder anderen Gesicht sagte Skar, da� man ihm seinen �rger deutlich ansehen mu�te. Aber das war ihm egal. Wer waren sie schon, da� er es n�tig hatte, sich zu verstellen?</p><p>Er erreichte die gro�e Halle, st�rmte auf den Hof hinaus und �berquerte ihn mit schnellen, weit ausgreifenden Schritten. Die Unterhaltung der kleinen Gruppe kam ins Stocken, als er sich ihr n�herte, und ein paar Gesichter wandten sich ihm zu. Auch die Kindergestalt mit dem langen blonden Haar drehte sich zu ihm um, und er erkannte jetzt, da� es wirklich Kiina war. Sie l�chelte erfreut, als sie ihn erblickte.</p><p>�Skar!� begann sie. �Wie sch�n, dich -�</p><p>Skar schnitt ihr mit einer w�tenden Bewegung das Wort ab. �Was tust du hier?� fragte er zornig. �Wer hat dir erlaubt, dein Zimmer zu verlassen? Und wer hat dir diese Kleider gegeben?� �rgerlich streckte er die Hand aus und ergriff den schwarzen Mantel. Kiina wich ganz instinktiv ein St�ck zur�ck, ohne da� seine Finger den schwarzen Seidenstoff loslie�en. Sie wirkte verwirrt. Ganz offensichtlich verstand sie seinen �rger nicht. �Niemand�, antwortete sie, was offensichtlich als Antwort auf beide Fragen gemeint war. �Aber ich f�hle mich schon wieder wohl, und ... und meine alten Kleider waren zerrissen. Was habe ich denn getan?�</p><p>Skar verbi� sich im letzten Moment die w�tende Antwort, die ihm auf der Zunge lag. Dies war nicht mehr das Enwor, das er kannte. Sie war Gowennas Tochter, die Tochter der <emphasis>Margoi, </emphasis>aber sie war in einer Welt aufgewachsen, die mit der, die er zu kennen glaubte, wenig mehr als den Namen gemein hatte. M�hsam rief er sich innerlich zur Ruhe.</p><p>Trotzdem klang seine Stimme noch immer scharf, als er antwortete: �Du tr�gst Satai-Kleidung, Kind. Niemand, der nicht den Eid der Satai geschworen hat, besitzt das Recht dazu. Man kann daf�r get�tet werden.� Der letzte Satz hatte wie eine gutm�tige Warnung klingen sollen, aber die Worte hallten selbst in seinen eigenen Ohren d�ster und drohend wider.</p><p>Kiina starrte ihn an, und f�r einen ganz kurzen Moment malte sich ein abgrundtiefer Schrecken auf ihren jugendlichen Z�gen ab. Dann lachte sie, aber es klang gezwungen. �Unsinn�, sagte sie. �Ich stehe auf eurer Seite. Es ist nur ein Mantel.� Pl�tzlich hatte Skar Lust, ihr den schwarzen Mantel einfach herunterzurei�en; und den ledernen Brustpanzer und die schwarzen Kniehosen dazu. Aber nat�rlich tat er es nicht.</p><p>�Zieh sie aus�, gebot er statt dessen nur.</p><p>Aus dem Erschrecken in Kiinas Gesicht wurde Trotz. �Jetzt gleich?� fragte sie sp�ttisch. �Und hier?�</p><p>Zwei, drei der anderen Satai lachten; und einer machte eine sp�ttische Bemerkung, die Skar nicht ganz verstand. Ganz langsam lie� er Kiinas Mantel los, trat einen halben Schritt zur�ck und nickte. �Warum eigentlich nicht?� Er machte eine auffordernde Handbewegung. �Bitte.�</p><p>Diesmal war Kiinas L�cheln wirklich nicht mehr echt. Sie erschrak, und sie erschrak ein zweites Mal und sehr viel tiefer, als sie in seine Augen sah und darin erkannte, wie ernst er seine Worte meinte. Langsam hob sie die Hand, l�ste die schmucklose Spange, die den Mantel �ber der Schulter zusammenhielt, und z�gerte noch einmal. Ihr Blick wurde fast flehend.</p><p>�Worauf wartest du?� fragte Skar hart.</p><p>Ihre Blicke lieferten sich ein stummes Duell, das er nat�rlich gewann. Nach Sekunden wandte Kiina abrupt den Kopf zur Seite und streifte gleichzeitig den Mantel ab. Darunter trug sie nur den schwarzen Brustpanzer der Satai; noch dazu einen, der ihr viel zu gro� war. Skar sah, da� die d�nnen ledernen Riemen tief in ihre Haut einschnitten.</p><p>�Soll ich weitermachen?� fragte Kiina, herausfordernd, ja, fast trotzig, aber ohne ihn anzusehen.</p><p>Alles in ihm schrie danach, ja zu sagen, allein aus dem absurden Bed�rfnis heraus, einem dummen Kind eine Lektion zu erteilen, die es nie wieder vergessen w�rde. Aber er begriff auch, da� er den Kampf verloren h�tte, wenn er es wirklich dazu zwang. Au�erdem hatte er genug Feinde; es war nicht n�tig, sich noch mehr zu machen.</p><p>�Ich sollte darauf bestehen�, lenkte er ein. �Aber ich tue es nicht. Geh jetzt. Warte in deiner Kammer auf mich. Ich komme gleich nach.�</p><p>F�r einen Moment regte sich noch einmal Trotz in ihrem Gesicht, und Skar begriff, da� selbst diese Antwort schon zu viel gewesen war. <emphasis>Gro�er Gott, warum mu�te alles, was er tat, falsch sein? </emphasis>Hatte er denn die einfachsten Dinge vergessen? Aber er gewann das stumme Blickduell wieder. Nach einer Sekunde senkte Kiina den Kopf, drehte sich abrupt um und st�rmte w�tend davon. Skar hoffte, da� sie auf dem Weg nach oben genug T�ren fand, die sie hinter sich zuknallen konnte. Er wartete, bis Kiina den Hof verlassen hatte, dann wandte er sich an die - <emphasis>Satai? </emphasis>Nein. Er brachte es jetzt nicht einmal mehr in Gedanken fertig, sie so zu nennen! - an die M�nner vor sich und blickte sie der Reihe nach an. Und was er sah, das sch�rte seine Wut fast noch mehr als der Anblick Kiinas vorhin.</p><p>Respekt, nat�rlich. Furcht, auch das war zu erwarten gewesen, und auch ein wenig Trotz. Aber das allerschlimmste war das Erstaunen, das er in ihren Augen las. Sie <emphasis>verstanden </emphasis>nicht einmal, was er �berhaupt von ihnen wollte!</p><p>Und vielleicht sind sie sogar im Recht, wisperte eine d�nne b�se Stimme hinter seiner Stirn. Woher nahm er die Arroganz, einer ganzen Welt seinen Willen auf zwingen zu wollen? Diese M�nner waren keine Satai, ganz einfach, weil es keine wirklichen Satai mehr gab. Wie konnte er von ihnen verlangen, ihn zu verstehen? Vielleicht war er es, der nicht hierher geh�rte, und nicht sie.</p><p>Er sprach nichts von alledem aus, was er hatte sagen wollen, sondern drehte sich nach einer Weile einfach um und folgte Kiina.</p></section><section><title><p id="_8">8.</p></title><p>Sie war nat�rlich nicht in ihrer Kammer. Skar h�rte ihre Stimme durch die T�r hindurch, als er auf dem Weg nach oben an der Thronkammer vorbeikam. Er konnte die Worte nicht verstehen, aber das war auch nicht n�tig - der <emphasis>Tonfall, </emphasis>in dem sie sprach, sagte ihm genug. Ohne zu z�gern, �ffnete er die T�r und trat ein, und Kiina verstummte erschrocken mitten im Wort. Ihre Augen schossen kleine Zornpfeile in seine Richtung, und sie verschr�nkte trotzig die Arme vor der Brust, w�hrend Skar auf sie und Del zuging. Sie trug noch immer die schwarzen Kniehosen und den schweren Brustpanzer.</p><p>�Hat sie sich �ber mich beschwert?� fragte Skar.</p><p>Del nickte. Er wirkte erleichtert, gleichzeitig aber auch ganz leise am�siert.</p><p>�Das hat sie. Ich habe ihr klargemacht, da� du im Recht bist.� Kiina fuhr fast erschrocken herum und starrte ihn an, und Skar begriff, da� Del ihr dies vielleicht nicht unbedingt mit <emphasis>diesen </emphasis>Worten gesagt hatte. Er l�chelte fl�chtig.</p><p>�Ich war vielleicht etwas heftig zu dir�, r�umte er ein. �Verzeih. Wir sind alle ein wenig gereizt hier. Aber du solltest diese Kleider nicht tragen, Kind.�</p><p>Kiinas Stirn umw�lkte sich vor Zorn. �Ich bin kein <emphasis>Kind�, </emphasis>widersprach sie heftig. �Und diese Kleider waren das einzige, was ich gefunden habe, au�er stinkenden Quorrl-Fetzen. Aber ich werde sie gerne dagegen eintauschen, wenn du Angst hast, da� ich sie entweihe.�</p><p>�Tu das�, sagte Skar gelassen. �Oder geh zu Bradburn und bitte ihn, dir saubere Kleider zu geben. Und wenn du schon einmal dort bist�, f�gte er in unver�ndertem Tonfall hinzu, �dann k�nntest du ihn gleich fragen, ob er eine nutzbringende Besch�ftigung f�r dich hat. Ich glaube, er kann zwei H�nde mehr gut gebrauchen, unten bei den Kranken.�</p><p>Kiinas Gesicht verlor noch mehr Farbe. Einen Moment lang funkelte sie ihn mit purer Wut an, dann fuhr sie so ungest�m herum, da� sie fast das Gleichgewicht verloren h�tte, und rannte aus dem Zimmer.</p><p>Del sah ihr kopfsch�ttelnd nach. Dann wandte er sich an Skar: �Warum bist du so hart zu ihr?�</p><p>�Bin ich das?� fragte Skar, gab Del aber keine Zeit zu antworten, sondern machte nur eine rasche, �rgerliche Handbewegung. �Ich habe keine Lust, �ber st�rrische Kinder zu sprechen�, fuhr er fort. �Hat Bradburn etwas herausgefunden?�</p><p>��ber die Flasche?� Del sch�ttelte �berrascht den Kopf. �Wie k�nnte er. Es ist gerade eine Stunde her, da� du sie gebracht hast. Ich glaube, er hat Angst, sie zu �ffnen.� Er z�gerte einen Moment. �Aber ich habe nachgedacht, Skar�, sprach er dann weiter, in merklich ver�ndertem Tonfall.</p><p>�So?�</p><p>Del nickte. �Mir geht dieses ...� Er suchte nach Worten und hob schlie�lich nur die Schultern. �... dieses Netz nicht aus dem Kopf, Skar. Dieses <emphasis>Ding, </emphasis>das die <emphasis>Errish </emphasis>und ihre Drachen beherrscht.�</p><p>�Du hast es schon einmal gesehen�, erinnerte ihn Skar.</p><p>Del blickte ihn �berrascht an.</p><p>�Mir geht es ebenso�, sagte Skar erkl�rend. �Es ist nicht das erste Mal, da� ich so etwas sehe ... Aber ich wei� nicht mehr, wann und wo.�</p><p>Del ballte die rechte Hand zur Faust. �Wir m�ssen es herausfinden, Skar. Wenn wir jetzt auch noch die <emphasis>Errish </emphasis>gegen uns haben...� Er sprach absichtlich nicht weiter, sondern blickte Skar an, als erwarte er eine ganz bestimmte Reaktion von ihm, aber Skar zuckte nur mit den Schultern.</p><p>�Du hast geh�rt, was Kiina behauptet hat. Sie haben ihre Drachen verloren. Und es t�tet seine Tr�ger. Ich glaube nicht, da� wir Angst davor haben m�ssen, morgen fr�h aufzuwachen und eine Armee von kriegerischen <emphasis>Errish </emphasis>vor dem Tor zu sehen. Aber wie d�rfen dieses Netz nicht untersch�tzen. Du wei�t, da� es Quorrl t�tet?�</p><p>Del wirkte �berrascht, aber es dauerte einen Moment, bis Skar begriff, da� es weniger �berraschung �ber seine Worte war, sondern dar�ber, da� er es <emphasis>wu�te. </emphasis>�Wer hat dir das gesagt?� fragte er scharf.</p><p>�Niemand�, antwortete Skar. �Aber, um mit deinen eigenen Worten zu sprechen: Ich werde vielleicht langsam alt, aber noch nicht senil. Alle Quorrl, die heute morgen dabei waren, sind tot oder sterben.� Er l�chelte humorlos. �Gibt es sonst noch etwas, was ich <emphasis>nicht </emphasis>wei�?�</p><p>Del tat so, als �berh�re er den letzten Satz. �Es bedeutet noch lange nicht, da� es das Netz war�, antwortete er. �Vielleicht waren die Drachen krank, oder ihr Fleisch vergiftet.� Er l�chelte d�nn, als er Skars �berraschung bemerkte. �Die Quorrl haben den toten Drachen geschlachtet und das Fleisch gegessen�, sagte er. �Wu�test du das nicht?�</p><p>Nein, das hatte er nicht gewu�t. Aber irgendwie sp�rte er, da� es nicht so einfach war. Und er sprach diesen Gedanken laut aus: �Nein�, entgegnete er. �So einfach ist es nicht. Du wei�t, da� das nicht stimmt.�</p><p>Del seufzte, bedeckte f�r einen Moment das Gesicht mit beiden H�nden und seufzte noch einmal. Er wirkte sehr m�de. �Du hast ja recht�, gab er zu. �Aber was glaubst du, soll ich tun? Die Quorrl zur�ckschicken?� Er lachte ganz leise und bitter. �Sie sind das R�ckgrat unseres Heeres, Skar. Ohne sie w�ren wir nie so weit gekommen. M�nner wie Drask und seine Br�der w�rden Enwor heute beherrschen, ohne die Quorrl. Wir w�rden diesen Krieg verlieren, ohne sie.�</p><p>�Vielleicht sollten wir das auch�, murmelte Skar.</p><p>Del sah ihn verst�rt an, erwiderte aber zu Skars �berraschung nichts darauf, sondern go� sich schweigend einen Becher Wein ein. Skar sch�ttelte den Kopf, als Del den Becher fragend in seine Richtung schwenkte.</p><p>Eine sonderbar unbehagliche Ruhe begann sich zwischen ihnen auszubreiten. Es h�tte so viel zu bereden gegeben, so viele tausend Dinge, �ber die sie sprechen <emphasis>mu�ten, </emphasis>aber Del schien ebenso wie er zu sp�ren, wie sinnlos es gewesen w�re. Zwischen ihnen stand etwas, das tiefer war als die Kluft, die zwanzig verlorene Jahre aufgerissen hatten, und das mit Worten nicht zu �berwinden war.</p><p>Del trank schweigend und sehr langsam und blickte ihn dabei �ber den Rand seines Bechers hinweg unentwegt an, und nach einer Weile trat Skar an ihm vorbei ans Fenster und sah auf den Innenhof herab, nicht weil ihn irgend etwas von dem interessierte, was es dort unten zu sehen gegeben h�tte, sondern einzig, um Dels Blick auszuweichen.</p><p>�Was denkst du?� fragte Del nach einer Weile.</p><p>Skar antwortete nicht gleich, aber er l�chelte, ohne da� Del es sehen konnte. F�r einen ganz kurzen Moment glaubte er ein Echo der alten W�rme und Freundschaft zu f�hlen, die sie einmal verbunden hatte. Aber er war nicht sicher, ob es wirklich da war oder ob er es nur f�hlte, weil er es sp�ren <emphasis>wollte.</emphasis></p><p>�Ich denke �ber Kiina nach�, antwortete er schlie�lich. �Sie meint, diese Burg sei eine Falle, eigens f�r uns aufgebaut.�</p><p>�Und?�</p><p>�Ich frage mich, ob sie vielleicht schon zugeschnappt ist�, antwortete Skar. Er blickte auf den Hof hinab, einen Hof, der voller M�nner und Quorrl und vor allem <emphasis>Waffen </emphasis>war, und f�r den tausendsten Teil einer Sekunde glaubte er, einen schlanken, schwarzen Schatten aus glitzerndem Chitin zu sehen, der zwischen den Zelten stand und ihm sp�ttisch zuwinkte, er begriff im selben Augenblick, da� Del nicht verstehen w�rde, was er meinte.</p><p>Vielleicht war es das erste Mal, da� er sich <emphasis>wirklich </emphasis>in Del t�uschte. �M�glicherweise ist sie es schon seit Jahren�, sagte er. Skar h�rte, wie er seinen Becher abstellte und n�herkam. �Vielleicht h�tten wir diesen Krieg niemals f�hren d�rfen.� Der schwarzhaarige Riese trat leise neben ihn, st�tzte beide H�nde auf den Fenstersims und deutete auf das bunte Durcheinander auf dem Hof hinab. �Sie werden �ber Enwor herfallen wie ein Heuschreckenschwarm, wenn alles vorbei ist�, fuhr er fort. �Und ich wei� nicht einmal, ob wir sie aufhalten k�nnen.� Er sch�ttelte den Kopf, legte Skar die Hand auf die Schulter und zwang ihn mit sanfter Gewalt, sich herumzudrehen. Es war eine jener beil�ufigen, vertrauten Gesten, wie sie vor einem Menschenalter zwischen ihnen �blich gewesen waren, und f�r einen Moment stand er nun <emphasis>wirklich </emphasis>dem alten Del gegen�ber. Mit aller Macht mu�te er gegen das Bed�rfnis ank�mpfen, Del einfach in die Arme zu schlie�en und an sich zu pressen. Hinterher fragte er sich vergeblich, warum er es nicht getan hatte.</p><p>Aber der Moment verstrich, und Del wurde wieder zum Kriegsherren der Satai, und pl�tzlich war die Kluft zwischen ihnen wieder da, tiefer, als sie je gewesen war.</p><p>Aus dem Vertrauen zwischen ihnen wurde Unbehagen. Del wich einen halben Schritt zur�ck und sah pl�tzlich fast verlegen aus, und Skar wandte sich wieder dem Fenster zu. Etwas in dem undurchschaubaren Muster aus Menschen und Quorrl dort unten hatte sich ge�ndert, aber es dauerte eine Weile, bis er erkannte, was es war: Die Quorrl - aber auch ein Gro�teil der Satai - strebten einem Punkt auf dem Hof zu, der au�erhalb von Skars Blickfeld lag; im toten Winkel direkt unter dem Fenster. Aufgeregte Stimmen wehten zu Skar empor; Gel�chter und Rufe. �Was geht da vor?� fragte er, nicht einmal wirklich aus Interesse, sondern nur, um auf ein anderes Thema zu kommen. Del antwortete nicht.</p><p>Skar beugte sich vor, ohne dadurch sehr viel mehr erkennen zu k�nnen. Die Unruhe auf dem Hof nahm zu, und jetzt zeichnete sich ein Muster in der quirlenden Bewegung ab: Ein gutes Hundert Quorrl, komplett in R�stung und Waffen, hatte damit begonnen, den Burghof in zwei H�lften zu teilen und so eine Gasse zu schaffen, durch die eine weitere Gruppe der Schuppenkrieger schritt, angef�hrt von einem gr�ngrauen Giganten, der eine goldfarbene R�stung trug.</p><p>�Das ist Titch�, stellte Skar stirnrunzelnd fest. �Was hat er vor, Del?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, gab Del zur�ck, in einem Tonfall, der selbst einem Narren gesagt h�tte, da� er es <emphasis>sehr wohl </emphasis>wu�te. Er machte sich nicht einmal die M�he, aus dem Fenster zu schauen, um seiner L�ge damit den Anschein von Glaubw�rdigkeit zu verleihen.</p><p>Hinter Titch und dem guten Dutzend Quorrl, das ihn begleitete, erschienen jetzt weitere Barbarenkrieger. Einige von ihnen waren in Ketten.</p><p>Skar drehte sich abrupt vom Fenster weg und sah Del an. �Was bedeutet das?� fragte er.</p><p>Del wich seinem Blick aus. �Nichts�, sagte er. �Misch dich nicht ein, Skar. Das da geht uns nichts an.�</p><p>Skar starrte ihn noch einen Moment lang w�tend an, dann verlie� er ohne ein weiteres Wort den Saal und lief die Treppe hinunter. Als er die H�lfte des Weges hinter sich gebracht hatte, drang ein hundertstimmiges Johlen und Rufen zu ihm herein. Skar begann zu laufen. Er hatte pl�tzlich das ungute Gef�hl zu <emphasis>wissen, </emphasis>was dort drau�en vor sich ging.</p><p>Der Hof war so voller Menschen, da� Skar nach ein paar Schritten einfach in der Menge steckenblieb. Er versuchte, �ber die K�pfe der M�nner hinweg zu erkennen, was auf der anderen Seite des Hofes vor sich ging, sah aber nichts au�er einem Herd quirlender Bewegung, und noch ehe er die halbe Strecke �berwunden hatte, erscholl wieder dieses beif�llige, ordin�re Kreischen und Johlen. Einige M�nner entbl�deten sich nicht einmal, wirklich Beifall zu klatschen. Skar lief schneller, k�mpfte sich r�cksichtslos mit F�usten und Ellbogen - und vor allem unter Zuhilfenahme seines schwarzen Mantels - durch die Menschenmenge und begann schlie�lich zu winken, um Titchs Aufmerksamkeit zu erregen. Der Quorrl blickte genau in seine Richtung, und mindestens einmal war Skar v�llig sicher, da� er ihn auch erkannte; aber er tat einfach so, als sehe er ihn nicht. Und er weigerte sich auch, die Bedeutung von Skars hektischem Gestikulieren zu begreifen. In seinen F�usten blitzte ein gewaltiges Zwei-hand-Schwert.</p><p><emphasis>�Aufh�ren!� </emphasis>schrie Skar mit vollem Stimmaufwand. <emphasis>�Sofort aufh�ren! Ich befehle es!�</emphasis></p><p>Er kam zu sp�t. Titchs Klinge sauste herab, und der K�rper eines dritten Quorrl fiel enthauptet zu Boden, eine Sekunde, bevor Skar ihn erreichte und mit einer w�tenden Bewegung an der Schulter herumri�.</p><p>�Was geht hier vor?!� schrie Skar, au�er sich vor Wut. Erregt deutete er auf die drei enthaupteten Quorrl herab, dann auf die f�nf anderen Schuppenkrieger, die in einer Reihe hinter Titch standen und mit steinernen Gesichtern auf ihre Hinrichtung warteten. �Ich verlange eine Erkl�rung.�</p><p>Titch streifte seine Hand beinahe sanft ab. �Das ist unsere Sache, Hoher Satai�, sagte er, leise, aber sehr bestimmt. �Mischt Euch nicht ein.�</p><p>�Eure Sache?� Skar mu�te sich beherrschen, um den Quorrl nicht abermals anzuschreien. �Du t�uschst dich, Titch�, sagte er. �Wenn hier M�nner get�tet werden, ist das nicht mehr <emphasis>eure Sache. </emphasis>Und schon gar nicht, wenn es sich um eine �ffentliche Hinrichtung handelt!� Er trat einen Schritt zur�ck und lie� den Blick �ber die dichte Mauer aus M�nnern streifen, die Titch und ihn umgab. Eine Handvoll Quorrl-Krieger versuchte, eine lebende Kette zwischen ihm und Titch und den Delinquenten zu bilden, aber sie wurden unter dem Druck der Menge einfach zur�ckgedr�ngt. Skar f�hlte sich pl�tzlich angewidert. Er blickte in Dutzende von Gesichtern, aber was er darin las, das war �berall das gleiche: Blutdurst und eine morbide Begeisterung, und wenn �berhaupt Erschrecken, dann allerh�chstem �ber die Tatsache seiner Einmischung. Und es waren nur Menschen, wie er voller pl�tzlichem Entsetzen erkannte. Kein einziger Quorrl war als <emphasis>Zuschauer </emphasis>zu der Hinrichtung gekommen.</p><p>�Was geht hier vor?� fragte er noch einmal. �Was haben diese M�nner getan? Gestohlen? Jemanden get�tet? Ich verlange eine Erkl�rung!�</p><p>Titch starrte ihn einen Moment fast trotzig an, aber dann schien er zu begreifen, da� Skar gar keine andere Wahl hatte, als auf einer Erkl�rung zu bestehen. Er konnte sich nicht einfach umdrehen und gehen, nach <emphasis>diesem </emphasis>Auftritt.</p><p>�Sie waren feige, Herr�, antwortete der Quorrl. �Und sie erleiden die Strafe, die Feiglingen droht.�</p><p>Skar setzte zu einer weiteren w�tenden Antwort an - und dann d�mmerte es ihm. �Es sind die Krieger, die heute morgen nicht gek�mpft haben�, gab er seiner Vermutung Ausdruck. Titch nickte.</p><p>�Aber... aber das ist doch Wahnsinn!� entfuhr es Skar. �Du warst nicht einmal dabei! Woher willst du wissen, da� -�</p><p>�Alle anderen sind tot�, unterbrach ihn Titch. �Du hast es gesehen. Der Fluch der <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>hat alle getroffen, die ihre Hand gegen die <emphasis>Errish </emphasis>erhoben haben. Diese hier nicht.�</p><p>�Aber das beweist doch gar nichts!� argumentierte Skar ungl�ubig. �Du willst sie t�ten, nur weil sie <emphasis>leben! </emphasis>Das ist doch verr�ckt!�</p><p>�F�r dich vielleicht, Satai�, entgegnete Titch kalt. �Nicht f�r uns. Misch dich nicht ein. Wir leben nach unseren Regeln, und wir sterben danach. Willst du es uns verbieten?�</p><p>F�r die Dauer eines Atemzuges war Skar nahe daran, <emphasis>ja </emphasis>zu sagen. Aber dann blickte er noch einmal in Titchs schmale Reptilienaugen, und pl�tzlich begriff er, da� er es nicht konnte. So wenig, wie er sich von Titch h�tte wegschicken lassen k�nnen, ohne vor den M�nnern das Gesicht und damit seine Macht �ber sie zu verlieren, so wenig konnte Titch die Einmischung eines <emphasis>Menschen </emphasis>in seine ureigensten Angelegenheiten dulden. Skar wurde klar, da� er Titch w�rde t�ten m�ssen, um ihn an der Hinrichtung dieser Quorrl zu hindern.</p><p>�Nein�, sagte er. <emphasis>Aber ich werde etwas anderes tun, </emphasis>f�gte er in Gedanken hinzu. Titch nickte ausdruckslos und legte auch die zweite Hand wieder auf den Griff seines gewaltigen Schwertes, aber Skar hielt ihn noch einmal zur�ck.</p><p>�Einen Moment noch�, bat er. Titch sah ihn fragend an, hielt aber gehorsam inne, und Skar drehte sich wieder zu der Zuschauermenge um. Erneut - und sehr viel mehr als das erste Mal - f�hlte er sich angewidert, ja, besch�mt, als er den Blutdurst und die Vorfreude auf das schreckliche Schauspiel in den Gesichtern der M�nner ablas. Gro�er Gott, und er hatte diese M�nner f�r <emphasis>Satai </emphasis>gehalten? Sie waren Tiere, dachte er, schlimmer als die Quorrl, denen man ihre animalische Herkunft wenigstens noch ansehen konnte. Er fragte sich, was Titch und die Quorrl empfinden mu�ten, bei diesem Anblick.</p><p>�Geht!� befahl er laut. �Alle. Die Vorstellung ist vorbei.� Niemand r�hrte sich, aber Skar sah Verbl�ffung und Unmut in ihren Augen aufblitzen. �Geht!� wiederholte er noch einmal. �Verla�t diesen Hof! Ich befehle es!�</p><p>Aus den betroffenen Blicken wurde ein unwilliges Murren. Jemand begann, schrill und protestierend zu pfeifen, und einer der M�nner hob die Hand und machte einen Schritt in seine Richtung, um etwas zu sagen.</p><p>Skar packte den Mann grob bei der Schulter und stie� ihn so derb zur�ck, da� er zwei weitere Satai mit sich zu Boden ri�. �Ich sage es kein drittes Mal!� rief er. �Geht in eure Quartiere zur�ck. Wer in zehn Minuten noch auf diesem Hof ist, der wird von <emphasis>mir </emphasis>vor ein Gericht gestellt!�</p><p>Er w�re nicht einmal �berrascht gewesen, wenn sie sich einfach geweigert h�tten. Aber f�r dieses Mal reichte seine Macht �ber die M�nner in den schwarzen M�nteln noch. Z�gernd, unwillig und murrend, aber gehorsam, begannen sich die M�nner umzudrehen und den Hof zu verlassen. Aber Skar sp�rte, da� er sehr viel verloren hatte, mit diesem kleinen Sieg. Vielleicht w�rde er ihn noch bitter bereuen.</p><p>Aber was machte das schon?</p><p>Titchs Gesichtsausdruck war so undeutbar, wie der eines Quorrl nur sein konnte, als sich Skar wieder zu ihm herumdrehte. Aber in seinen Schlangenaugen war etwas, von dem Skar sich wenigstens einbildete, da� es Dankbarkeit war.</p><p>�Du wartest, bis sie weg sind�, verlangte er, laut und in eindeutig befehlendem Ton. �Danach kannst du tun, was du tun zu m�ssen glaubst. Und wenn es vorbei ist, erwarte ich dich in meinem Quartier. Hast du das verstanden, Quorrl?�</p></section><section><title><p id="_9">9.</p></title><p>Er beobachtete vom Fenster seiner Kammer aus, wie sich der Hof leerte. Nat�rlich dauerte es l�nger als die zehn Minuten, die er den M�nnern gegeben hatte - der Hof war gro� und besa� nur zwei Ausg�nge, zog er die T�r ab, die zu den Quartieren der Quorrl f�hrte, und von den gut f�nfhundert Mann, aus denen sein Satai-Heer bestand, war der allergr��te Teil gekommen, um das barbarische Schauspiel nicht zu verpassen. Aber die M�nner versuchten wenigstens, die Frist einzuhalten - woran sicherlich auch die Tatsache nicht ganz unschuldig war, da� Skar hoch aufgerichtet hinter dem Fenster stand und von unten aus gut sichtbar war. Trotzdem verging fast eine halbe Stunde, ehe auch der letzte Satai den Hof verlassen hatte und Titch mit seiner schrecklichen Arbeit fortfuhr. Skar wandte sich ab, als der Quorrl wieder sein Schwert hob. Er wollte es nicht sehen. Er h�tte viel darum gegeben, es nicht einmal <emphasis>wissen </emphasis>zu m�ssen. Langsam drehte er sich um, durchma� die kleine Kammer zwei-, dreimal hintereinander mit unruhigen, ziellosen Schritten und lie� sich schlie�lich auf sein Bett niedersinken. Er verschr�nkte die H�nde hinter dem Kopf, starrte aus weit aufgerissenen Augen die Decke an und versuchte, sich �ber den Grund seines aufgew�hlten Seelenzustandes klar zu werden; nicht zum erstenmal in den letzten Tagen und Wochen. Und nicht zum erstenmal gelang es ihm nicht. Etwas geschah mit ihm. In ihm. Er sp�rte es jetzt ganz deutlich. Es war eine Entwicklung, die irgendwann zwischen heute morgen und Bradburns <emphasis>Sai-Tan </emphasis>ihren Anfang genommen hatte und unweigerlich einem H�hepunkt zusteuerte - oder einem Tiefpunkt, je nachdem. Etwas w�rde geschehen, nicht einmal unbedingt nur mit ihm, und es w�rde nicht mehr allzu-lange dauern. In letzter Zeit hatte er immer �fter das Gef�hl, sich auf einer d�nner werdenden Kruste zu bewegen, unter der sich ein Vulkan zum Ausbruch fertig machte.</p><p>Jemand klopfte. Skar schrak aus seinen Gedanken hoch, schwang die Beine vom Bett und rief ein halblautes: �Herein�, noch w�hrend er sich aufsetzte. War Titch schon fertig damit, seine Br�der zu ermorden? dachte er b�se.</p><p>Es war nicht der Quorrl, es war Del. Der schwarzhaarige Riese trat rasch ins Zimmer, schob die T�r hinter sich zu, ohne sie ganz ins Schlo� zu dr�cken, und kam auf ihn zu, wobei er einen kleinen Umweg durch die Kammer machte, um einen Blick aus dem Fenster zu werfen.</p><p>�Das war nicht besonders klug von dir�, begann er �bergangslos.</p><p>�Seit wann klopfst du an, wenn du ein fremdes Zimmer betrittst?� fragte Skar. �Fr�her hast du einfach die T�r eingeschlagen.�</p><p>Del machte eine �rgerliche Handbewegung, wie um Skars Worte fortzuwischen. �Warum hast du das getan?�</p><p>�Was?� fragte Skar, der ganz genau wu�te, was Del meinte. Del deutete ver�rgert zum Fenster. �Dein kleiner Auftritt gerade�, sagte er. �Das war sehr beeindruckend, wirklich. Mein Kompliment, Skar. Das h�ttest du zu deinen besten Zeiten nicht wirkungsvoller hinkriegen k�nnen. Falls es unter den M�nnern noch irgendeinen gegeben haben sollte, der dich <emphasis>nicht </emphasis>geha�t hat, dann d�rftest du ihn jetzt bekehrt haben. Bist du verr�ckt geworden?�</p><p>�Nein.� Skar stand auf. Er war... fassungslos. Er hatte viel erwartet von Del - eigentlich alles, angefangen von Vorw�rfen �ber Spott bis zu verletzendem Hohn, in dem er immer schon ein Meister gewesen war. Womit er nicht gerechnet hatte und was ihn so ersch�tterte, das war der vollkommene Ernst, mit dem Del diese Worte sprach. �Aber ich glaube, du bist es�, fuhr er nach einer Weile fort. �Seit wann am�sieren sich Satai damit, bei einer �ffentlichen Hinrichtung zuzusehen?�</p><p>�Seit sie -�, begann Del, sprach dann aber nicht weiter, sondern machte nur eine abf�llige, irgendwie resignierend wirkende Handbewegung. �Manchmal frage ich mich, ob du vielleicht recht hast�, vollendete er grollend den angefangenen Satz. �Womit?�</p><p>�Mit deiner Idee zu gehen�, antwortete Del. �Du verstehst nichts mehr, Skar.�</p><p>�Dann erkl�re es mir�, verlangte Skar. Seine Stimme war pl�tzlich ganz leise, aber es war jene gl�serne Sch�rfe darin, die au�er Del nur wenige Menschen jemals geh�rt hatten, ohne sich voller Schrecken f�r den Rest ihres Lebens daran zu erinnern. �Erkl�re mir, wieso ich zulassen sollte, da� <emphasis>Satai </emphasis>sich wie dummes Bauernvolk benehmen.� W�tend ergriff er den Zipfel von Dels schwarzem Mantel und ri� ihn in die H�he. �Du hast mich gezwungen, diesen Mantel anzuziehen, Del - jetzt erkl�re mir, warum ich mich vor irgend jemandem verantworten sollte, wenn ich meine Macht ausnutze!�</p><p>Del schlug w�tend seine Hand beiseite. Seine Augen blitzten. �Du Narr!� schnappte er. �Ich spreche nicht von den Satai! Ich spreche von den Quorrl! Bist du verr�ckt geworden, Titch so zu dem�tigen, vor seinen M�nnern?�</p><p>�Dem�tigen?� Skars Wut schlug �bergangslos in Verwirrung um. Er hatte den Zorn in Titchs Augen bemerkt, aber - <emphasis>�Ja, dem�tigen!� </emphasis>schrie Del. �Was glaubst du, was du getan hast, du Narr! Titch ist nicht irgendwer! Er ist ein F�rst seines Volkes, so etwas wie...� Er suchte nach Worten und begann erregt im Zimmer auf und ab zu gehen. �So etwas wie du�, sagte er schlie�lich. �Oder ich! Sein Bruder und er waren die Kriegsherren von Quorrl! Seinen Bruder hast du erschlagen, und ihn dem�tigst du vor den Augen seiner Leibgarde! Verdammt, Skar, wie w�rdest du dich f�hlen, wenn ein Quorrl k�me und dir in aller �ffentlichkeit ins Gesicht spuckt?!�</p><p>�Das habe ich nicht�, versuchte Skar sich zu verteidigen, aber er kam sich hilflos und dumm bei diesen Worten vor. Nat�rlich hatte er es. Er hatte mehr getan.</p><p>�Wei�t du, da� es ein Wunder ist, da� du �berhaupt noch lebst?!� br�llte Del pl�tzlich. �Bei allen G�ttern, Skar, ich dachte, mir w�rde das Herz stehenbleiben, als ich sah, was du tust. Es... h�tte mich nicht gewundert, wenn Titch dich und alle dort unten auf dem Hof erschlagen und anschlie�end die gesamte Festung niedergebrannt h�tte. <emphasis>Dieser Quorrl ist so etwas wie ein Gott f�r sein Volk!�</emphasis></p><p>Skar blickte verwirrt zum Fenster, machte einen Schritt und blieb wieder stehen. �Aber ich dachte -�</p><p>�Das ist dein Problem, Skar�, unterbrach ihn Del h�hnisch. �Du denkst. Du denkst zuviel und im falschen Moment.� Er packte ihn grob bei der Schulter, da� Skar schmerzhaft das Gesicht verzog. �Tu mir selbst und dir einen Gefallen, Skar�, forderte er. �Frage mich demn�chst um Rat, bevor du <emphasis>denkst.�</emphasis> Die Worte taten ihm im gleichen Moment schon wieder leid. Skar sah, wie er erschrak, und sp�rte, wie er betreten die Hand von seiner Schulter zog und zur Faust ballte. �Verzeih�, murmelte er. �Das wollte ich nicht sagen.�</p><p>�Doch�, behauptete Skar. �Das wolltest du. Und vielleicht hast du sogar recht. Es tut mir leid.� Er seufzte, aber dann, fast im selben Moment schon, machte sich Trotz in ihm breit.</p><p>�Warum hast du es mir nie gesagt?�</p><p>�Was? Das mit Titch?� Del zuckte die Achseln. �Ich wei� es nicht. Aus Dummheit, sch�tze ich. Vielleicht habe ich einfach angenommen, du w��test es. Bradburn will uns sehen�, f�gte er unvermittelt hinzu. �Das ist auch der Grund, aus dem ich gekommen bin.� Abrupt wandte er sich zur T�r, stie� sie auf und wartete ungeduldig, da� Skar ihm folgte. Aber er ging schnell weiter, und er hielt auch ein winziges bi�chen mehr Abstand, als n�tig gewesen w�re. Gerade genug, um Skar begreifen zu lassen, da� er nicht mit ihm reden wollte.</p><p>Sie mu�ten den Hof �berqueren, um zu den R�umen zu gelangen, die Bradburn f�r sich beanspruchte. Er war noch immer leer. Von den gut zweihundert Quorrl, die Titch eskortiert hatten, war keine Spur mehr zu sehen, und auch die Toten waren bereits weggeschafft worden. Trotzdem ertappte sich Skar dabei, fast krampfhaft �berallhin zu blicken, nur nicht in die Richtung, in der die Exekution stattgefunden hatte. Sonderbar, dachte er. Er war doch fr�her nie so zart besaitet gewesen. Aber fr�her war ihm vielleicht auch noch nie alles so sinnlos vorgekommen. Er war Krieger, vom Tage seiner Geburt an, ein Mann, der das T�ten kannte und selbst get�tet hatte, so viele, da� er schon vor einem Menschenalter damit aufgeh�rt hatte, sie zu z�hlen. Aber er hatte es nie genossen.</p><p>Sie betraten die Festung auf der anderen Seite des Hofes wieder, und Del f�hrte ihn durch ein wahres Labyrinth von Treppensch�chten und G�ngen tiefer in den Berg hinein. Eine sonderbare, fast unangenehme Stille nahm sie auf, w�hrend sie geb�ckt durch die niedrigen G�nge eilten und Treppen hinuntergingen, deren Stufen gerade eine Winzigkeit zu niedrig ausgelegt waren, um sie wirklich bequem �berwinden zu k�nnen. Bradburns Kammer lag tief im gewachsenen Fels, der das Fundament der Burg bildete; so tief, da� man meinte, das Gewicht der Tonnen um Tonnen von Gestein sp�ren zu k�nnen, die auf die Decke herabdr�ckten. Vielleicht erinnerte es ihn an seine Heimat, den unterirdischen Tempel in den Bergen, in dem er den gr��ten Teil seines Lebens verbracht hatte. Wieder - und nicht zum ersten Mal erschien ihm dieser Gedanke wichtig, ohne da� er sagen konnte, warum - kam ihm die ungeheuerliche Gr��e von Drasks Trutzburg zu Bewu�tsein. Obgleich der allergr��te Teil von Titchs Quorrl-Armee auf der Ebene vor der Festung lagerte, mu�ten sich mehr als zweitausend Personen in der Festung aufhalten. Aber das �nderte nichts daran, da� man stundenlang durch ihre fensterlosen Stollen und Tunnel gehen konnte, ohne auch nur auf ein einziges lebendes Wesen zu treffen. Er fragte sich, wie Drask es geschafft hatte, diese zyklopische Burg in nur <emphasis>zwei Jahren </emphasis>aus dem Berg zu schneiden.</p><p>Er verscheuchte auch diesen Gedanken und konzentrierte sich darauf, mit Del Schritt zu halten. Nur ein weiteres R�tsel, das er vermutlich niemals l�sen w�rde. Es war auch nicht wichtig. Bradburn war nicht allein, und das Licht in seiner Kammer war so schwach, da� Skar im ersten Moment M�he hatte, mehr als Schatten und verschwommene Umrisse zu erkennen. Immerhin sah er, da� Bradburn nicht allein war und da� seine Kammer eher dem Laboratorium eines Alchimisten glich als der Zelle eines <emphasis>Predigers. </emphasis>Sie war sehr gro�, wirkte aber winzig, denn sie war vollgestopft mit Tischen und Truhen, und an den W�nden standen deckenhohe Regale voller s�uberlich geordneter Schriftrollen und alter, ledergebundener B�cher. Skar fragte sich, wie um alles in der Welt Bradburn bei <emphasis>dieser </emphasis>Beleuchtung eine Schrift lesen wollte, die aus weniger als handgro�en Buchstaben bestand. Der Prediger beantwortete die unausgesprochene Frage schon im n�chsten Moment, indem er n�mlich einen gl�henden Span an den Docht einer fremdartig geformten �llampe hielt, welche die Kammer mit erstaunlich intensiver Helligkeit erf�llte. Fast gleichzeitig machte er eine Handbewegung zu der Person, mit der er bei seinem und Dels Eintreten geredet hatte, und schickte sie damit fort. Skar, durch das pl�tzliche, ungewohnte Licht geblendet, erkannte sie erst, als sie an ihm vor�berging und eine Str�hne ihres langen blonden Haares seinen Arm streifte. Verwirrt sah er Kiina nach. Aber er beherrschte sich im letzten Moment, sie anzufahren, was sie hier unten zu suchen hatte. Es ging ihn nichts an.</p><p>Stattdessen wandte er sich an Bradburn und versuchte wenigstens, sich zu so etwas wie einem L�cheln zu zwingen. Der Prediger erwiderte die Miene nicht, aber in seinen Augen war wie stets etwas von der alten Freundlichkeit und G�te. Vielleicht sah Skar sie auch nur, weil er sie sehen wollte. Au�er Del war Bradburn der einzige Mensch, den er noch aus der alten Welt kannte; eines von zwei Verbindungsgliedern zwischen den beiden Leben, die er gelebt hatte.</p><p>�Du wolltest uns sprechen�, unterbrach Del das unbehaglich werdende Schweigen.</p><p>�Ja.� Bradburn nickte, kam mit kleinen, fast trippelnden Schritten n�her und suchte etwas aus dem Durcheinander auf seinem Tisch heraus, das Skar erst nach einigen Augenblicken als die kleine Phiole wiedererkannte, die er der toten <emphasis>Errish </emphasis>abgenommen hatte. Einen Moment lang wog er sie in der Hand, als wisse er nicht genau, was er damit anfangen sollte, dann stellte er sie behutsam wieder zur�ck und deutete mit einer Kopfbewegung darauf.</p><p>�Ich habe die letzten Stunden darauf verwandt herauszufinden, was diese Flasche enth�lt�, begann er umst�ndlich.</p><p>�Und?� Del beugte sich vor und nahm das kleine Glasgef�� seinerseits auf. In seinen gewaltigen Pranken wirkte es noch zerbrechlicher, als es ohnehin war. �Was ist drin? Ein Liebestrank der <emphasis>Margoi?�</emphasis></p><p>Es sollte ein Scherz sein, aber Bradburn blieb ernst. �Nein�, antwortete er unger�hrt. �Es ist Gift. Ich wei� nicht, welcher Art, und ich wei� nicht, wo es herkommt oder wie es genau wirkt. Aber es ist Gift.�</p><p>Del sah ihn ohne gro�e �berraschung an. �Gift?�</p><p>�Die t�dlichste Mixtur, die mir je untergekommen ist�, best�tigte Bradburn.</p><p>Del fuhr erschrocken zusammen und beeilte sich, die kleine, in Kupfer eingesponnene Flasche vorsichtig wieder auf den Tisch zur�ckzustellen, von dem er sie genommen hatte. Er sagte kein Wort, sondern schien darauf zu warten, da� der Gesichtslose Prediger weitersprach, und auch Skar zog es vor, zu dem Geh�rten zuerst einmal zu schweigen und sich im �brigen �ber Dels pl�tzlich schreckensbleiches Gesicht zu am�sieren.</p><p>Er war nicht besonders �berrascht; er w�re ganz im Gegenteil eher verwirrt gewesen, h�tte die kleine Phiole irgend etwas anderes enthalten. Er verstand es nur nicht mehr. Er begriff einfach nicht, warum der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>die <emphasis>Errish </emphasis>und ihren Drachenvogel get�tet und sie somit vielleicht alle gerettet hatte.</p><p><emphasis>�Wie </emphasis>t�dlich?� fragte Del nach einer Weile.</p><p>Bradburn zuckte mit den Achseln. �T�dlich genug f�r uns�, sagte er. �Es gibt Quellen dort unten bei den Felsen. Soviel ich wei�, bezieht die Burg ihr Trinkwasser dorther.� Er wandte sich mit einem fragenden Blick an Skar. �Glaubst du, da� du die Stelle wiederfindest, an der du die <emphasis>Errish </emphasis>entdeckt hast?� Skar nickte. �Sicher.�</p><p>�Dann solltest du es tun�, schlug Bradburn vor, �und nachsehen, ob sich in der N�he eine Quelle befindet. Ein Bach, der im Boden verschwindet, ein kleiner See...� Er breitete die H�nde aus, um anzudeuten, da� es noch zahllose andere M�glichkeiten gab.</p><p>�Du glaubst, die <emphasis>Errish </emphasis>wollte unser Trinkwasser vergiften?� fragte Del zweifelnd.</p><p>Bradburn wiederholte die Handbewegung und zuckte dazu mit den Achseln. �Vielleicht hatte sie auch vor, es einfach �ber unseren K�pfen auszugie�en oder in den Flu� zu sch�tten.� Er seufzte, bedachte das so harmlos aussehende Fl�schchen mit einem fast �ngstlichen Blick und fuhr sich m�de mit den H�nden durch das Gesicht. �Das eine ergibt so wenig Sinn wie das andere.�</p><p>�Wieso?� Del trat einen Schritt n�her. �Gerade hast du gesagt, es w�re die t�dlichste Mixtur, die du je gesehen h�ttest.� Bradburn seufzte erneut, wandte sich zur Seite und angelte einen halbgef�llten Becher von einem Regal, aus dem er einen gewaltigen Schluck nahm, ehe er antwortete. �Ja, das stimmt�, best�tigte er. �Ich bin kein Giftmischer, und auch kein Alchimist. Aber die <emphasis>Errish </emphasis>verstehen viel von den alten K�nsten. Mehr als irgendeiner von uns.�</p><p>�Hast du deshalb mit Kiina gesprochen?� wollte Skar wissen. Bradburn l�chelte und brachte das Kunstst�ck fertig, gleichzeitig mit dem Kopf zu sch�tteln und zu nicken. �Sie wei� viel �ber ihr Volk�, antwortete er. �Nicht so viel wie eine wirkliche <emphasis>Errish, </emphasis>nat�rlich, denn sie wurde niemals geweiht, aber sie war die Tochter der <emphasis>Margoi.�</emphasis></p><p>Seine Worte versetzten Skar einen d�nnen, aber sp�rbaren Stich ins Herz. Er dachte an Gowenna - Kiina, wie ihr wirklicher Name gewesen war, den sie an ihre Tochter weitergegeben hatte -, und ein sonderbares Gef�hl von Sehnsucht machte sich in ihm breit. War das die Ursache f�r seine grundlose Aggressivit�t diesem M�dchen gegen�ber? dachte er verst�rt. Feindete er es nur so an, weil er seine Mutter vielleicht doch geliebt hatte, ohne es bisher zu wissen?</p><p>Er sch�ttelte den Gedanken m�hsam ab und deutete auf die Phiole. �Hast du es ausprobiert?�</p><p>Bradburn nickte und trank einen weiteren Schluck Wein. Das Zittern seiner H�nde h�rte allm�hlich auf. Er sah m�de aus, fand Skar. Nicht k�rperlich, sondern auf schwer in Worte zu fassende Weise im ganzen. Wie ein Mann, der einfach zu lange gelebt hatte. �So gut ich konnte�, erkl�rte er mit einem neuerlichen Achselzucken. �Ich gab einen Tropfen davon in ein Gef�� mit Wasser. Anschlie�end habe ich einen der Hunde davon trinken lassen. Er fiel um wie vom Blitz getroffen, kaum da� er das Wasser <emphasis>ber�hrt </emphasis>hatte. Und die beiden M�nner, die mir geholfen haben, wurden krank.� Er machte eine beruhigende Handbewegung, als Del etwas sagen wollte. �Nicht schlimm�, f�gte er hinzu. �Sie werden es �berleben, aber die Symptome sind eindeutig - sie klagen �ber Kopfschmerz und �belkeit, und sie haben Fieber bekommen. Es reicht offensichtlich schon, nur die D�mpfe einzuatmen.�</p><p>�Und das soll keinen Sinn ergeben?� fragte Del zweifelnd. �Nein�, antwortete Skar an Bradburns Stelle. Er deutete auf das Giftfl�schchen. �Das Zeug da im Brunnen h�tte ein paar Dutzend von uns umgebracht. Schlimmstenfalls ein paar Hundert. Aber wir sind �ber vierzigtausend. Und wir werden <emphasis>sechzigtausend </emphasis>sein, wenn die M�nner aus Denwar erst einmal eingetroffen sind.� Er zuckte mit den Achseln. �Vielleicht hatte sie wirklich vor, es vom R�cken ihrer Daktyle aus auf unsere K�pfe herabzusch�tten.� Er glaubte selbst nicht an diese M�glichkeit, und Del und Bradburn machten sich nicht einmal die M�he zu antworten.</p><p>�Wir m�ssen noch einmal dorthin�, entschied Bradburn nach einer Weile. �Zu den Felsen, zwischen denen du die <emphasis>Errish </emphasis>gefunden hast.�</p><p>�Wozu?� fragte Skar, ein kleines bi�chen zu heftig, als da� Bradburn oder Del sein Erschrecken noch entgehen konnte. Er machte eine verlegene Handbewegung. �Ich meine - was versprichst du dir davon? Die <emphasis>Errish </emphasis>wird dir kaum noch irgendwelche Fragen beantworten k�nnen, wei�t du?�</p><p>Bradburn starrte ihn an, und auch zwischen Dels Brauen entstand eine steile Falte, die mehr �ber seine Gedanken aussagte als das sp�ttische L�cheln, das auf seinen Lippen lag.</p><p>�Manchmal reden Tote noch�, erwiderte Bradburn schlie�lich. �Es w�re n�tzlich, zum Beispiel zu wissen, wie sie gestorben ist. Oder ihr Gep�ck zu untersuchen.� Er machte eine flatternde Handbewegung zur Decke hinauf. �Wieso reiten wir nicht gleich jetzt?�</p><p>Diesmal sch�ttelte Skar zu Recht den Kopf. �Es ist zu sp�t�, stellte er fest. �Es wird dunkel, bis wir unten am Flu� sind. Und ich bin nicht sicher, ob ich die Stelle in der Nacht wiederfinde.�</p><p>�Au�erdem ist das Gel�nde dort unten schwierig�, pflichtete ihm Del bei. �Wir haben nicht viel davon, wenn du mit einem gebrochenen Bein zur�ckkommst. Ich -�</p><p>Er sprach nicht weiter, denn in diesem Moment drangen vom Korridor schwere, stampfende Schritte herein, und der Schein einer Fackel huschte �ber die matt beleuchteten W�nde, gefolgt von einem riesigen, verzerrten Schatten. <emphasis>Ein Quorrl? </emphasis>dachte Skar verbl�fft. <emphasis>Hier unten? </emphasis>Das war sonderbar - er hatte selten Quorrl in den unterirdischen Teilen der Festung gesehen; sie mieden Bradburns N�he, und dazu kam, da� sie geschlossene R�ume und erst recht H�hlen so sehr verabscheuten, wie Bradburn sie zu lieben schien. Er tauschte einen raschen Blick mit dem Prediger und erkannte, da� auch Bradburn �berrascht aussah; ja, beinahe ein bi�chen erschrocken.</p><p>Seine Verwirrung wurde zu leiser Sorge, als er erkannte, <emphasis>wer </emphasis>der Quorrl war, der die Kammer betrat - niemand anderes als Titch n�mlich, der jetzt zwar nicht mehr seine goldfarbene Prachtr�stung trug, aber kaum weniger barbarisch aussah als vorhin oben auf dem Hof. An seinem G�rtel hing noch immer das gewaltige Zweihand-Schwert, das so lang war, da� seine Spitze bei jedem Schritt des Quorrl den Boden ber�hrte und regelm��ig hell klingende Laute von sich gab. Er hatte sich nicht einmal die M�he gemacht, die Klinge zu s�ubern. Und auch an seinen H�nden klebte noch Blut.</p><p>Del atmete scharf ein, als sich Skars und Titchs Blicke begegneten, und sie verstanden beide. F�r einen Moment war es, als spr�nge ein Funke zwischen ihnen �ber, aber die Explosion kam nicht. Statt dessen sah Skar blo� zur Seite, und Titch verzog seinen fast lippenlosen Mund zur Karikatur eines menschlichen L�chelns.</p><p>Skar fing Dels beschw�renden Blick auf und wandte sich widerwillig an den Quorrl. �Titch?�</p><p>�Ihr verlangtet mich zu sehen, Hoher Satai�, antwortete Quorrl. �Ihr wart nicht in Eurem Quartier, aber es schien mir, als ob Euer Anliegen ... dringend sei. So habe ich Euch gesucht.� Skar war nicht sicher, ob der verletzende Spott, den er in Titchs Stimme zu h�ren glaubte, wirklich da war. Er beschlo�, wenigstens f�r den Moment anzunehmen, da� er ihn sich nur einbildete. �Es war ... nichts�, antwortete er unsicher. �Ein Mi�verst�ndnis. Ich wu�te gewisse Dinge nicht. Meine Schuld, da� ich mich nicht informiert habe. Es tut mir leid.�</p><p>Titch schien verwirrt. Skar war pl�tzlich sehr sicher, da� der Quorrl mit dem festen Vorsatz hierhergekommen war, ihn zur Rede zu stellen; allermindestens. Sein unerwartetes Nachgeben pa�te nicht in Titchs Konzept. Der Gedanke erf�llte Skar mit einer gewissen Schadenfreude, mahnte ihn aber gleichzeitig auch zur Vorsicht. Titch war kein Gegner, den er untersch�tzen sollte. Das war ein Quorrl nie, und <emphasis>dieser </emphasis>Quorrl schon gar nicht. �Aber wir sollten �ber gewisse Dinge reden�, f�gte er deshalb hinzu. �Bevor es wieder zu einem Mi�verst�ndnis kommt.� Titchs Blick wurde lauernd. �Ihr meint den Tod der acht Feiglinge?� fragte er.</p><p>Skar nickte und sch�ttelte fast im gleichen Moment den Kopf. �Nein. Oder doch, ja. Du hattest recht, vorhin - es geht mich nichts an, was du mit deinen Leuten machst, und warum. Aber solange unsere beiden Heere zusammen sind, w�re ich dir dankbar, wenn du mich informierst, falls du weitere ... <emphasis>Strafma�nahmen </emphasis>ergreifen mu�t.�</p><p>Titch schwieg einen Moment. Er starrte ihn an, und Skar sp�rte, da� er zu einer w�tenden Antwort ansetzte. Aber dann geschah etwas Sonderbares: Titchs Blick blieb an etwas h�ngen, das sich irgendwo hinter Skar befand. Seine Augen weiteten sich, ganz wie die eines Menschen, der irgend etwas Entsetzliches sieht, und etwas geschah mit seinem Gesicht, was vielleicht das quorrlsche �quivalent eines menschlichen Erbleichens sein mochte. Sein schmaler, lippenloser Mund klaffte f�r die Dauer eines Atemzuges auf und gew�hrte Skar einen Blick auf die vierfache Reihe gegeneinandergesetzter Rei�z�hne, die darin bleckte, aber selbst in dieser Bewegung war nichts Drohendes. Nur Entsetzen.</p><p>�Was hast du?� fragte Del, dem Titchs j�hes Erschrecken ebensowenig entgangen war wie Skar.</p><p>�Nichts�, antwortete Titch. �Es war... nichts. Ein Irrtum.� Er machte eine Bewegung, als versuche er, eine unsichtbare Last abzusch�tteln. �Ich dachte, ich h�tte etwas gesehen. Aber es war wohl nur ein Schatten. Unsere Augen sind nicht gut f�r dieses Licht�, f�gte er erkl�rend hinzu, und das war genauso gelogen wie seine Behauptung, sich get�uscht zu haben.</p><p>Aber Skar verbi� sich auch jetzt eine entsprechende Frage. Irgend etwas hatte den Quorrl bis ins Innerste erschreckt. Er w�rde nicht dar�ber reden, weder jetzt noch irgendwann. Aber Skar wu�te pl�tzlich, da� es wichtig war; nicht nur f�r Titch, sondern auch f�r ihn, f�r Del - vielleicht f�r sie alle.</p><p>Vielleicht f�r ganz Enwor.</p><p>Vielleicht sah er aber auch nur Gespenster.</p><p>Er r�usperte sich ein paarmal, um das unangenehm werdende Schweigen zu �berspielen, und wandte sich wieder an Bradburn. �Du gibst Bescheid, sobald du irgend etwas Neues herausfindest.� Bradburn nickte. �Ich erwarte dich, morgen bei Sonnenaufgang. Oben am Tor.�</p><p>Er sah stur an Titch vorbei, als er die Kammer verlie�, aber er sp�rte, da� der Quorrl ihm nachstarrte. Und irgend etwas war an diesem Blick, das Skar schaudern lie�.</p></section><section><title><p id="_10">10.</p></title><p>Die Sonne war untergegangen, w�hrend sie in Bradburns unterirdischem Refugium gewesen waren, und mit der Nacht war die K�lte wieder in die Burg gekrochen und erinnerte ihre Bewohner nachhaltig daran, da� au�erhalb der zyklopischen Mauern hoch immer Winter herrschte. Der Hof hatte sich wieder in das zur�ckverwandelt, was er seit einer guten Woche war: ein improvisiertes Heerlager, in dem Menschen und Quorrl in scheinbarer Eintracht miteinander lebten. Skar ging fr�stelnd zwischen den Zelten und Lagerfeuern hindurch. Blicke trafen ihn und wurden hastig wieder abgewandt, wenn er sie erwiderte, und mindestens einmal war er sicher, seinen Namen in den geraunten Gespr�chen der M�nner zu h�ren. Eine riesige, schuppige Gestalt trat ihm in den Weg und wandte sich hastig wieder um, als sie ihn erkannte, und einer der schwarzen Kampfhunde lief ihm knurrend ein St�ck nach und trollte sich, als Skar nach ihm schlug. Er mochte Hunde, Tiere �berhaupt, aber er verabscheute <emphasis>diese </emphasis>Hunde. Es war noch nicht lange her, da� ihn eine dieser schwarzen Bestien um ein Haar umgebracht h�tte. Das Lager war voll von ihnen - sie wurden von Menschen gez�chtet und aufgezogen, aber von Quorrl abgerichtet, und das Ergebnis war eine Mischung aus menschlicher Heimt�cke, animalischem Mut und quorrlscher Wildheit, die wahrscheinlich auf ganz Enwor ihr Ebenbild suchte. Aber irgendwie waren diese Hunde typisch f�r Dels zusammengew�rfelte Armee aus Quorrl-Kriegern und menschlichem Abschaum, der sich Satai nannte.</p><p>Skar erschrak ein wenig �ber seine eigenen Gedanken. Sie waren - sachlich - richtig, aber er sp�rte auch die sonderbar befremdliche Wut, die sie in ihm ausl�sten. Warum war er so aggressiv?</p><p>Er atmete innerlich auf, als er den Hof �berquert hatte und ihn die Dunkelheit und W�rme der Burg auf der anderen Seite wieder aufnahm. Der Posten neben der T�r nickte ihm gr��end zu und st�tzte sich wieder auf seinen Speer, um weiterzud�sen, noch ehe er vor�ber war. Skar erwiderte seinen Gru�, schlug den Mantel zur�ck und lief die Treppe zu seinem Quartier hinauf, wobei er immer zwei Stufen auf einmal nahm. Es war noch fr�h; trotz der zeitig hereingebrochenen Dunkelheit hatte der Abend nicht einmal richtig begonnen, aber er war m�de, und er hatte keine Lust, �ber vieles nachzudenken. Zum Beispiel �ber die Frage, ob er am n�chsten Morgen mit Bradburn zu den Felsen hinunterreiten oder die Burg vielleicht vorher verlassen sollte.</p><p>Eine Gestalt vertrat ihm den Weg, als er die Hand nach der T�r ausstreckte. Skar schrak zusammen, ehe er ihr langes, an einer Seite angesengtes blondes Haar und die sp�ttischen Augen erkannte, schalt sich selbst in Gedanken einen Narren und runzelte die Stirn.</p><p>�Du solltest einen Satai niemals erschrecken, Kind�, warnte er l�chelnd. �Das k�nnte dein letzter Fehler sein, wei�t du?� Kiina machte eine �rgerliche Handbewegung, aber er merkte, da� sie dennoch ein wenig zusammenfuhr. �Ich m�chte mit dir reden�, sagte sie. �Hast du einen Moment Zeit?�</p><p>�Nein�, antwortete Skar. �Aber komm trotzdem mit herein.� Er �ffnete die T�r, machte eine einladende Geste und sch�ttelte ungeduldig den Kopf, als Kiina z�gerte, seiner Aufforderung zu folgen. �Wir k�nnen die T�r offen lassen, wenn du Angst hast, da� ich dich auffresse�, beruhigte er sie sp�ttelnd. Ohne eine Antwort abzuwarten, trat er an ihr vorbei ins Zimmer, tastete sich im Dunkeln zum Tisch und suchte ungeduldig nach den Feuersteinen, die darauf lagen. Er fand sie nicht, aber daf�r stie� er den Wasserkrug um, der vom Tisch rollte und klirrend zerbrach. Skar unterdr�ckte einen Fluch, b�ckte sich nach den Scherben und schnitt sich in den Daumen.</p><p>Hinter ihm erscholl ein leises Lachen, das Zorn aus seinem �rger machte. Er fuhr hoch, setzte zu einer w�tenden Antwort an - und blinzelte, als zwischen Kiinas H�nden eine kleine, gelbe Flamme aufglomm, die sich rasch zum ruhigen Feuer der �llampe vergr��erte. Verwirrt registrierte er, da� die Feuersteine ziemlich genau dort lagen, wo er sie mit seiner ungeschickten Bewegung gesucht hatte. Kiina hatte sie nicht einmal anger�hrt. �Ein alter Trick der <emphasis>Errish�, </emphasis>erkl�rte sie, als sie seinen fragenden Blick sah. �Du w�rst erstaunt, wenn du w��test, wie simpel er ist. Aber ich werde ihn dir nicht verraten.�</p><p>�Dann la� es�, knurrte Skar. �rgerlich steckte er den Daumen in den Mund und sog so lange an der kleinen Wunde, bis sie zu bluten aufh�rte. Kiina beobachtete ihn neugierig.</p><p>�Ist das die Art der Satai, Wunden zu heilen?� fragte sie. �Nein�, fauchte Skar. Er nahm den Daumen aus dem Mund und wischte ihn an der Hose trocken. �Ich brauche ab und zu frisches Blut, wei�t du? Hat man dir nicht gesagt, da� ich Blut trinke und am liebsten lebendes Fleisch esse?�</p><p>�Man hat mir berichtet, da� du ein sehr harter Mann bist, Satai�, antwortete Kiina ruhig. �Nicht, da� es dir Spa� macht, den Wilden zu spielen.�</p><p>�Da hat man dir etwas Falsches erz�hlt�, erwiderte Skar und versetzte den Tonscherben zu seinen F��en einen Tritt, der sie im ganzen Zimmer herumfliegen lie�. Mit einem Male versp�rte er eine geradezu unb�ndige Lust, irgend etwas zu packen und zu zerschlagen. �Was willst du von mir?� fuhr er Kiina an. �Bist du nur hierhergekommen, um dich �ber mich lustig zu machen?�</p><p>�Nein�, antwortete Kiina. Sie schob trotzig die Unterlippe vor und funkelte ihn an. �Ich bin eigentlich gekommen, um mich bei dir zu entschuldigen. Aber ich glaube, ich h�tte mir den Weg sparen k�nnen. Verzeiht, da� ich Euch gest�rt habe, Herr.� Sie wandte sich br�sk um und wollte gehen, aber Skar hielt sie zur�ck.</p><p>�Warte�, sagte er. �Ich... es tut mir leid. Bleib - bitte.� Er lie� ihren Arm los, l�chelte entschuldigend und fuhr sich mit der anderen Hand �ber das Gesicht. Sein grober Ton tat ihm leid; er sch�mte sich, wenn auch mehr vor sich selbst als Kiina gegen�ber. �Bleib�, bat er noch einmal.</p><p>Er h�tte seine Bitte gar nicht zu wiederholen brauchen. Kiinas Zorn war so schnell verflogen, wie er gekommen war; sie schien nicht einmal mehr ver�rgert, sondern sah ihn nur noch mit einer Art vorsichtigem Interesse an - auf genau die Art, dachte Skar, auf die man ein Tier betrachten mochte, von dem man wu�te, da� es gef�hrlich war, aber nicht angreifen w�rde, solange man es nicht provozierte.</p><p>�Es tut mir leid, da� ich so grob zu dir war�, entschuldigte er sich. �Heute nachmittag, meine ich.�</p><p>�Hehe�, entgegnete Kiina. <emphasis>�Ich </emphasis>bin es, die um Verzeihung bitten wollte. Verdirb mir doch nicht den ganzen Spa�, Satai.� Skar blickte irritiert auf sie hinab, aber dann gewahrte er das sp�ttische Glitzern in ihren Augen, und pl�tzlich lachten sie beide. Aber Kiina wurde sehr rasch wieder ernst.</p><p>�Ich habe mit dem Hohen Satai gesprochen�, fuhr sie fort. �Und mit Bradburn. Ich ... habe mich ziemlich dumm benommen, glaube ich. Aber ich wu�te nicht, da� den Satai ihre Kleider heilig sind.�</p><p>�Nicht ihre Kleider�, antwortete Skar. �Das, was sie symbolisieren.� Er machte eine bewu�t �bertrieben wegwerfende Handbewegung. �Aber du hast recht - du wu�test es nicht. Ich h�tte es ber�cksichtigen m�ssen. Es tut mir leid.�</p><p>�Ja�, antwortete Kiina. �Und wenn wir damit fertig sind, uns unentwegt beieinander zu entschuldigen, dann k�nnen wir vielleicht damit anfangen, miteinander zu reden.�</p><p>Skar blieb ernst, obwohl Kiinas Blick ihn zu einem neuerlichen Lachen herausforderte. �Ich kenne die Frage, die du mir stellen willst�, sagte er leise. �Und du die Antwort. Wir k�nnen nicht nach Elay gehen. Weder dieses Heer noch du und ich.�</p><p>Kiina schwieg eine Weile. Sie hatte sich gut in der Gewalt, stellte Skar anerkennend fest; gut genug, um zu verheimlichen, wie weh ihr seine Worte taten. Dabei mu�te sie die Antwort so wie er gekannt haben, noch bevor sie hierher kam.</p><p>Aus einem pl�tzlichen Gef�hl von Mitleid heraus trat Skar auf sie zu und legte ihr die Hand auf die Schulter, aber etwas Seltsames geschah. Skar hatte sie kaum ber�hrt, als ihn Erinnerungen und Gef�hle von selten gekannter St�rke �berfluteten: Er sp�rte eine sonderbare, gleichzeitig unangenehme wie wohltuende W�rme, das viel, viel zu lange vermi�te Empfinden, einem Menschen gegen�berzustehen, der nicht sein Feind war und der nichts weiter wollte als er selbst, n�mlich ein wenig Verst�ndnis und Freundschaft, aber zugleich glaubte er sich auch zur�ckversetzt in eine andere Zeit, aber denselben Ort. Es war mehr als nur ein Gef�hl, viel mehr als blo�e Erinnerung, sondern ein Empfinden von der Kraft und Eindringlichkeit einer Vision: Er hatte schon einmal in dieser Burg gestanden und ein M�dchen in den Armen gehalten, das dasselbe gewollt hatte wie Kiina. Es war ein anderes Zimmer gewesen, eine andere Zeit, und es geschah unter anderen Voraussetzungen, aber wenige Sekunden, nachdem er sie ber�hrt hatte, war sie in seinen Armen gestorben, und er hatte sich nie so klar an das fassungslose Entsetzen jenes Augenblickes erinnert wie jetzt. Obwohl er mit aller Macht dagegen anzuk�mpfen versuchte, stie� er Kiina so grob von sich, da� sie das Gleichgewicht verlor und sich am Tisch festhalten mu�te, um nicht zu st�rzen. Skar griff blitzschnell zu und fing sie auf, zog die Hand aber sofort wieder zur�ck.</p><p>Kiina starrte ihn fassungslos an. �Was -?�</p><p>�Verzeih�, sagte er hastig. �Das... das wollte ich nicht.�</p><p>�Warum hast du es dann getan?� fragte Kiina verst�rt.</p><p>Es war eine Frage, wie sie wohl nur ein Kind stellen konnte, und vielleicht traf sie ihn deshalb so sehr. Er suchte einen Moment vergeblich nach einer Antwort, zuckte schlie�lich fast hilflos mit den Schultern und sah weg. �Es galt nicht dir�, versicherte er. �Es tut mir leid. Ich bin nerv�s.�</p><p>Kiina legte den Kopf auf die Seite und blickte ihn sehr nachdenklich an. �Hast du Angst vor dem Quorrl?� fragte sie. Skar war �berrascht. Es dauerte Sekunden, bis er �berhaupt begriff, was sie meinte. �Titch?�</p><p>�So hei�t er wohl, ja�, erwiderte Kiina. �Du hattest Streit mit ihm. Ich... habe gesehen, was passiert ist.�</p><p>�Wer hat das eigentlich nicht?� murmelte Skar. Lauter und als Antwort f�gte er hinzu: �Es sah schlimmer aus, als es war. Titch ist ein Quorrl. Man kann einen Quorrl nicht beleidigen.�</p><p>�Bist du sicher?�</p><p>�Vollkommen�, antwortete Skar, und er meinte seine Worte in diesem Augenblick wirklich so, wie er sie sagte. �Ein Quorrl bringt dich entweder sofort um oder gar nicht. Es ist nicht Titch. Ich ... bin nerv�s, das ist alles.�</p><p>�Das scheinen hier alle zu sein�, seufzte Kiina. �Diese Burg macht mir Angst, Skar. Sie ist b�se.�</p><p>Skar l�chelte verst�ndnisvoll. Kiina war ein Kind, das Kind einer <emphasis>Errish </emphasis>dazu, deren Lebensinhalt das Lindern und Heilen war, so wie der der Satai der Kampf. Was anderes als Furcht und Unbehagen sollte sie empfinden, an einem Ort wie diesem? �Erz�hl mir von deiner Mutter�, bat er - nicht nur deshalb, um sie auf andere Gedanken zu bringen, wie er sich selbst einzureden versuchte.</p><p>�Von ... meiner Mutter?� F�r einen Moment war auch Kiina �ber sein Anliegen �berrascht, und f�r einen noch k�rzeren Augenblick - vielleicht lag es am Licht, vielleicht am Blickwinkel, vielleicht war es auch nur da, weil er es sehen wollte - schien sie ihrer Mutter zu gleichen wie eine zwanzig Jahre j�ngere Zwillingsschwester: das gleiche sanfte und doch energische Gesicht, die gleichen verwundbaren Augen, die verletzend und sp�ttisch, aber auch liebenswert und hilflos zugleich blicken konnten, derselbe, energische Mund... selbst die furchtbare Zweiteilung ihres Gesichtes war da, wenn es bei Kiina auch nur das Haar war, welches das H�llenfeuer des Scanners verbrannt hatte, und nicht Gowennas Gesicht, vom Atem des Drachen ber�hrt.</p><p>Dann war der Moment vor�ber, Kiina bewegte sich und wurde wieder zu dem, was sie war, und Skar schalt sich in Gedanken einen romantischen Narren, der sich wohl immer noch weigerte zu begreifen, da� es die Welt, nach der er sich zur�cksehnte, nicht mehr gab.</p><p>�Aber warum?� fragte sie.</p><p>Skar l�chelte. �Bist du nicht hergekommen, um mit mir zu reden?�</p><p>�Doch�, antwortete Kiina. �Aber es gibt... Wichtigeres.�</p><p>�Zum Beispiel?�</p><p>Kiina hob vage ihre H�nde. �Der Krieg. Die Lage in Elay. Die Pl�ne der <emphasis>Sternengeborenen...�</emphasis></p><p>�Ich bin sicher, nach all diesen Dingen haben dich Del und Bradburn schon zur Gen�ge befragt�, antwortete Skar. �Sie h�tten es mir gesagt, w�ren wirklich <emphasis>wichtige </emphasis>Neuigkeiten dabei.� Kiina blickte ihn halb verwirrt, halb aber auch zornig an. �Ist die Vernichtung eures Heeres nicht wichtig genug?� fragte sie irritiert.</p><p>Skar machte eine wegwerfende Handbewegung. �Sie zu beschlie�en und dann auszuf�hren sind zwei verschiedene Dinge, wei�t du?� Er lie� sich auf die Kante seines Bettes sinken, verschr�nkte die H�nde hinter dem Nacken und deutete mit dem Fu� auf einen freien Stuhl. Kiina setzte sich gehorsam, wurde aber unter seinem Blick immer nerv�ser.</p><p>�Erz�hl mir von ihr�, wiederholte Skar noch einmal seine Bitte.</p><p>�Da gibt es nicht viel zu erz�hlen�, antwortete Kiina z�gernd. Das war halb die Wahrheit, halb aber auch nicht, wie Skar ganz genau sp�rte. Pl�tzlich war <emphasis>er </emphasis>es, der irritiert war. �Ich habe sie kaum gekannt, wei�t du?� f�gte sie mit einem fast entschuldigenden L�cheln hinzu.</p><p>�Du bist nicht von ihr erzogen worden�, vermutete Skar - nat�rlich: Gowenna war die <emphasis>Margoi </emphasis>der Ehrw�rdigen Frauen gewesen, K�nigin, Mutter und - fast - G�ttin in einer Person. Aber Kiina sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Doch�, sagte sie. �Ich habe bei ihr gelebt, wenn du das meinst, und sie hat alle Zeit mit mir verbracht, die sie er�brigen konnte. Sp�ter habe ich erfahren, da� ihre Beraterinnen immer darauf gedr�ngt haben, mich fortzuschicken - nach Ikne oder Denwar, oder auch zum Berg der G�tter, um mich von den Hohen Satai unterrichten zu lassen.�</p><p>Skar sah sie zweifelnd an. Kiina hatte keinen Grund zu l�gen - aber eine <emphasis>Frau </emphasis>auf den Verbotenen Inseln? Das war unvorstellbar.</p><p>Er sprach seine Zweifel laut aus, und Kiina nickte zustimmend. �Ich wei�. Aber es gab den Plan, die Satai und die <emphasis>Errish </emphasis>zu vereinen. Nicht f�r lange Zeit, und auch nicht sehr ernsthaft, aber er wurde erwogen. Du wei�t nichts davon?�</p><p>Skar sch�ttelte den Kopf. Es gab eine Menge Dinge, von denen er nichts wu�te. �Deine Mutter bestand also darauf, da� du bei ihr bleibst�, nahm er den Faden auf, um an ihre unterbrochene Erz�hlung anzukn�pfen.</p><p>Kiina nickte. �Ja. Ich... sie hat sich um mich gek�mmert, wenn du das meinst. Sie hat alles getan, mir eine gute Mutter zu sein.� Sie starrte an ihm vorbei gegen die Wand, und etwas Neues, sehr Sonderbares trat in ihren Blick - ein Ausdruck irgendwo zwischen Trauer, Schmerz und verstehendem Vergeben, den Skar nicht genau einordnen konnte. Er war verwirrt, denn was er in Kiinas Augen zu lesen glaubte, das pa�te nicht zu einem Kind von sechzehn oder siebzehn Jahren.</p><p>�Sie hat es versucht�, fuhr sie nach einer sehr langen Pause fort. �Aber Mutter und G�ttin zugleich kann wohl niemand sein. Aber sie hat oft von dir gesprochen.� Sie sah ihn an, als erwarte sie eine ganz bestimmte Reaktion von ihm, und Skar tat ihr den Gefallen, fragend die Brauen zusammenzuziehen.</p><p>�Sie mu� dich sehr geliebt haben�, erinnerte sich Kiina. �Sie hat es nie zugegeben, aber ich habe es gesp�rt, mit jedem Wort, das ich h�rte. Ich glaube, du warst der einzige Mann, den sie je geliebt hat. Sie war nicht sehr gl�cklich.� Kiina seufzte, fuhr sich mit beiden H�nden durch das Gesicht und begann, die Scherben des zerbrochenen Kruges aufzuheben, w�hrend sie weitersprach. �Niemand, der das Amt der <emphasis>Margoi </emphasis>innehat, ist gl�cklich, Skar. Wu�test du das? Ich glaube, es ist die Verantwortung und all dieses Wissen, das sie auffri�t, innerlich. Wirklich gl�cklich war sie nur, wenn sie von dir gesprochen hat - und von den Abenteuern, die ihr zusammen erlebt habt.� Sie sah ihn an, und pl�tzlich war sie wieder ganz begeistertes Kind. Ihre Augen begannen zu leuchten. �Du mu�t mir davon erz�hlen. Von eurem Kampf gegen Vela und den Dronte, und von eurer Reise �ber die Ebenen von Tuan.�</p><p>Skar l�chelte. �Ich habe den Eindruck, da� du bereits alles wei�t, was es dar�ber zu wissen gibt�, wich er aus.</p><p>�Sie hat mir alles erz�hlt, ja�, best�tigte Kiina aufgeregt. �Hundertmal. Wir haben ganze N�chte zusammengesessen, und ich habe ihren Worten gelauscht. Aber das war etwas anderes. Ich m�chte es von dir h�ren. Mit deinen Worten.�</p><p>�Und du denkst, sie sind anders?�</p><p><emphasis>�Du </emphasis>bist anders�, stellte Kiina richtig. �Anders, als ich dich mir vorgestellt habe.�</p><p>�So?� fragte Skar belustigt. �Wie hast du mich dir denn vorgestellt?�</p><p>��lter�, antwortete Kiina. �Ruhiger.� Sie l�chelte, pl�tzlich verlegen. �Oder eigentlich nicht. Wenn... wenn meine Mutter von dir erz�hlt hat, dann habe ich dich manchmal vor mir gesehen, wei�t du? Ganz genau so, wie du bist. Aber das ist �ber zwanzig Jahre her. Du mu�t sehr jung gewesen sein, damals. Nicht viel �lter, als ich heute bin.�</p><p>Skar schwieg ein paar Augenblicke. Kiina wu�te nichts von seinem zwanzig Jahre dauernden Schlaf, so, wie die allerwenigsten wirklich davon Kenntnis hatten. Es gab Ger�chte, Vermutungen und wahrscheinlich bereits die haarstr�ubendsten Geschichten, aber f�r die allermeisten Menschen war er irgendwann vor zwanzig Jahren einfach verschwunden und vor wenigen Wochen wieder aufgetaucht. Del und er waren �bereingekommen, es auch vorerst dabei zu belassen.</p><p>�Ich bin sehr viel �lter, als du glaubst�, versicherte er ausweichend. �Ich habe mich gut gehalten, das ist alles.�</p><p>Kiinas Gesichtsausdruck machte deutlich, wie wenig sie sich mit dieser Antwort zufrieden gab, und Skar fuhr rasch fort: �Ein alter Satai-Trick. Du w�rst erstaunt, wenn du w��test, wie einfach er ist. Aber ich werde ihn dir nicht verraten.�</p><p>Kiina l�chelte pflichtschuldig, aber Skar gab ihr auch jetzt noch keine Gelegenheit, eine Frage zu stellen. �Wer war dein Vater?� erkundigte er sich.</p><p>Kiina zuckte mit den Achseln. �Ein Krieger�, antwortete sie. �Ein Satai, wie du - glaube ich. Ich habe ihn nie kennengelernt. Er wurde eines Tages nach Elay gebracht, mehr tot als lebendig, und meine Mutter und einige andere <emphasis>Errish </emphasis>pflegten ihn, bis er wieder gesund war.�</p><p>�Und in dieser Zeit hat er dich gezeugt?� fragte Skar zweifelnd. Kiina zuckte abermals mit den Schultern. �Warum nicht? Auch <emphasis>Errish </emphasis>sind normale Frauen mit normalen Bed�rfnissen, oder? Niemand verpflichtet sie zur Keuschheit. Habt ihr Satai ein entsprechendes Gel�bde abgelegt?�</p><p>Skar lachte. �Nein. Aber Satai bekommen �u�erst selten Kinder, wei�t du?�</p><p>�So wie <emphasis>Errish�, </emphasis>best�tigte Kiina. �Die meisten von ihnen sind steril, durch den dauernden Umgang mit Drogen und den h�ufigen Kontakt mit ihren Drachen. Aber nicht alle. Etwas ist... nicht richtig gewesen. Die Droge, die <emphasis>Errish </emphasis>normalerweise nehmen, um nicht schwanger zu werden, hat versagt - vielleicht hat meine Mutter auch vergessen, sie zu nehmen.� Sie l�chelte schwach. �Das ist die offizielle Version. Aber ich glaube, da� sie mich wollte.�</p><p>�Hat sie dir das erz�hlt?�</p><p>�Nein. Aber als klar wurde, da� sie ein Kind erwartete, hat sie die Schwangerschaft nicht abgebrochen, wie es �blich gewesen w�re. Ich glaube, sie war die erste <emphasis>Margoi </emphasis>in der Geschichte Elays, die ein Kind bekam.�</p><p>Ihre Worte machten Skar betroffen, und pl�tzlich - so absurd es war -, bedauerte er nichts so sehr wie die Tatsache, da� nicht doch <emphasis>er </emphasis>ihr Vater war. Er begriff aus dem Wenigen, was er geh�rt hatte, da� Gowenna dieses Kind im Grunde seinetwegen bekommen hatte, und pl�tzlich war er auch sehr sicher, da� nicht einmal die Person ihres Vaters zuf�llig gew�hlt gewesen war. Der Mann mu�te ihm sehr �hnlich gewesen sein.</p><p>�Aber jetzt bist du dran!� forderte Kiina aufgeregt. �Erz�hl mir von euren Abenteuern, Skar. Erz�hl mir von eurer Flucht vor dem Dronte, und wie ihr ihn schlie�lich doch besiegt habt.� Skar warf einen Blick aus dem Fenster. Die Nacht war vollends hereingebrochen, aber es war noch zu fr�h, und er wu�te, da� er trotz seiner Ersch�pfung so oder so noch lange keinen Schlaf finden w�rde - warum also nicht? Und pl�tzlich <emphasis>wollte </emphasis>er es sogar.</p><p>Er lie� sich bequemer auf dem Bett zur�cksinken, wartete, bis auch Kiina in eine angenehmere Position gerutscht war, und begann mit leiser Stimme zu erz�hlen ...</p></section><section><title><p id="_11">11.</p></title><p>Von den Eisinseln des Dronte und aus einem Land, zwanzig Jahre und ein Menschenleben in der Vergangenheit gelegen, kehrte er zur�ck ins Hier und Jetzt, weil ihn zweierlei Dinge weckten: ein im ersten Moment undefinierbares Ger�usch, das mit einer Ahnung von Gefahr verbunden war, und das gleichm��ige Streicheln warmer Atemz�ge an seinem Hals. Erst danach sp�rte er die Ber�hrung von seidenweichem Haar auf seinem Gesicht und die W�rme eines schlafenden K�rpers an seiner rechten Seite.</p><p>Skar �ffnete die Augen, blickte einen Moment lang irritiert auf das schlanke blonde M�dchen herab, das sich im Schlaf an ihn gekuschelt und den Arm �ber seine Brust gelegt hatte, und begriff erst mit einiger Versp�tung, wo er sich befand und was geschehen war: Es war nichts weniger Harmloses als der einfache Umstand, da� er eingeschlafen war, irgendwann inmitten seiner Erz�hlung, und Kiina, m�de und naiv, wie sie nun einmal mit ihren sechzehn Jahren war, hatte sich neben ihn gelegt - und warum auch nicht? Er h�tte ihr Vater sein k�nnen, und auf einer schwer in Worte zu fassenden immateriellen Ebene war er es wohl auch, wenigstens ein bi�chen. Und trotzdem war es ihm peinlich, so neben ihr aufzuwachen. Behutsam, um Kiina nicht zu wecken, nahm er ihren Arm von seiner Schulter, schob sich ein wenig zur Seite und knuffte mit der freien Hand sein Kissen zusammen, um es vorsichtig unter ihre Wange zu legen, dorthin, wo gerade noch sein Gesicht gewesen war. Kiina bewegte sich unruhig im Schlaf, und f�r einen Moment hatte er Angst, da� sie aufwachen k�nnte. Aber dann drehte sie sich nur herum, zerrte mit einer groben Bewegung die Decke heran und wickelte sich darin ein. Skar l�chelte. Ein sonderbares Gef�hl von Z�rtlichkeit �berkam ihn, und er mu�te mit gro�er Kraft gegen den Impuls ank�mpfen, die Hand zu heben und ihr �ber den Kopf zu streicheln.</p><p>Erst in diesem Moment fielen ihm die Ger�usche wieder ein, die ihn geweckt hatten. Sie waren noch immer da, und wenn sie auch nach wie vor undeutlich und nicht zu identifizieren waren, so hatten sie doch nichts von ihrer Bedrohlichkeit verloren. Leise, aber sehr schnell stand er auf, trat ans Fenster und blickte auf den Hof hinab. Der L�rm nahm zu, und im gleichen Moment wu�te er auch, was es gewesen war, das ihn so beunruhigt hatte. Es mu�te nach Mitternacht sein, seinem Gef�hl nach, aber der Burghof unter ihm war in helles Licht getaucht. Zahllose Feuer brannten, und an einer Stelle unweit der gegen�berliegenden Mauer hatte sich ein gro�er Kreis blakender Fackeln gebildet, der in best�ndiger unruhiger Bewegung war. Schreie gellten zu Skar hinauf, unterbrochen von metallischem Klirren und dem w�tenden Knurren und Bellen der Hunde. Skars Kammer lag gute hundert Meter �ber dem Hof, fast unter der Spitze des Turmes und entschieden zu hoch, ihn mehr als blo�e Bewegung erkennen zu lassen. Aber er war lange genug Krieger gewesen, um zu wissen, was dort unten geschah.</p><p>Mit einem nur noch halb unterdr�ckten Fluch fuhr er herum, raffte im Vorbeigehen Mantel und Waffengurt vom Stuhl und band beides um, w�hrend er die Kammer verlie� und auf die Treppe zuhastete. Er lief so schnell, da� er auf den Stufen ausglitt und sich gerade noch an der Wand abst�tzen konnte, um einen Sturz zu vermeiden. Trotzdem brauchte er endlose Minuten, um die gewendelte Treppe hinunterzust�rmen und den Hof zu erreichen. Der L�rm hatte sich in einen vielhundertstimmigen Chor aus Schreien und anfeuernden Rufen verwandelt, als er auf den Hof hinausrannte. Er h�rte jetzt deutlich das Klirren von Stahl. Skar trat einen Schritt weit auf den Hof hinaus, blieb stehen und sah sich nach den W�chtern um, welche die Aufgabe hatten, f�r Ruhe und Ordnung zu sorgen.</p><p>Er entdeckte einen von ihnen - oder, genauer gesagt, das, was von ihm �brig war: Der Mann lag st�hnend in einer Nische neben der T�r, mit blut�berstr�mtem Gesicht und den zerbrochenen Resten seines Speeres in den H�nden. Die Spitze samt einem halben Meter des Schaftes steckten in seinem Oberschenkel.</p><p>Skar kniete neben dem Mann nieder, �berzeugte sich mit einem raschen Blick davon, da� die gro�e Arterie in seinem Bein nicht verletzt war, und zog den Speer mit einem Ruck aus der Wunde. Der Mann schrie vor Schmerz auf, aber sein Blick war klar, als er zu Skar aufsah.</p><p>�Danke, Herr�, sagte er. �Ich -�</p><p>�Was ist passiert?� unterbrach ihn Skar. �Wer hat das getan?�</p><p>�Sie k�mpfen, Herr�, antwortete der Mann m�hsam. Sein Gesicht war grau vor Schmerz. Feiner, eiskalter Schwei� perlte von seiner Stirn und vermischte sich mit den Tr�nen, die aus seinen Augen liefen. �Unsere Leute gegen ... Quorrl. Ich ... wei� nicht, warum. Wir haben versucht, sie auseinanderzubringen, aber sie... sie haben uns angegriffen.�</p><p>�Wer?� fragte Skar scharf.</p><p>Der W�chter antwortete nicht auf seine Frage. �Die anderen sind ... sind tot, Herr�, st�hnte er.</p><p>Skar warf einen weiteren besorgten Blick auf seine Wunde. Sie blutete st�rker, jetzt, nachdem er die Klinge herausgezogen hatte. Aber sie war nicht lebensgef�hrlich. �Schaffst du es allein?� fragte er.</p><p>Der Mann nickte mit zusammengebissenen Z�hnen, und Skar stand auf. �La� dein Bein versorgen�, gebot er. �Ich rede sp�ter mit dir.� Rasch wandte er sich um und begann, sich auf den Quell des Kampfger�usches zuzubewegen. Aber obwohl er sich r�cksichtslos durch die Menge dr�ngte und schlie�lich sogar sein Schwert zog, um sich mit der stumpfen Seite der Klinge den Weg zu bahnen, brauchte er fast f�nf Minuten, um den Kreis aus Fackeltr�gern zu erreichen, die den Kampfplatz umgaben. Und was er sah, �bertraf selbst seine schlimmsten Erwartungen - er hatte genug Erfahrung im Kriegshandwerk, um zu wissen, da� Auseinandersetzungen zum Alltag eines Heerlagers geh�rten; aber was hier geschah, hatte nichts mehr mit einem normalen Kampf oder auch einer ordin�ren Schl�gerei gemein.</p><p>Es war eine regelrechte Schlacht, bei der sich gut zwanzig Satai auf der einen und ein geh�riges Dutzend Quorrl auf der anderen Seite gegen�berstanden, verst�rkt durch eine ganze Meute der schwarzen Kampfhunde, die knurrend und geifernd ihre jeweiligen Gegner angingen. Eine fast ebensogro�e Anzahl regloser Gestalten am Boden bewies, da� der Kampf schon eine geraume Weile tobte.</p><p>Skar stand eine Sekunde wie erstarrt da und blickte auf das Durcheinander ringender K�rper, dann stie� er den vor ihm stehenden Mann zur Seite, hob das <emphasis>Tschekal </emphasis>und sprang mit einem Satz unter die K�mpfenden. Seine Klinge schlug zwei ineinander verbissene Schwerter auseinander, zwang den Quorrl und seinen menschlichen Gegner gleichzeitig, ein St�ck zur�ckzuweichen, und t�tete noch in der gleichen Bewegung einen Hund, der sich in den Arm eines kleinw�chsigen Quorrl verbissen hatte. Ein Schatten sprang auf ihn zu, Metall blitzte. Skar wich der Klinge im letzten Moment aus, brachte den Angreifer mit einem blitzschnellen Tritt gegen das Knie aus dem Gleichgewicht und schlug ihm den Ellbogen gegen die Schl�fe, als er neben ihm in die Knie sank. Der Quorrl kippte haltlos zur Seite und blieb st�hnend liegen.</p><p><emphasis>�Aufh�ren!� </emphasis>schrie Skar. <emphasis>�Sofort aufh�ren! Ich befehle es!�</emphasis> Er war sicher, da� seine Stimme geh�rt worden war - aber niemand reagierte. Neben ihm brach ein Satai schreiend zusammen und umklammerte die blutenden St�mpfe seiner Finger, die ihm einer der Hunde abgebissen hatte. Skar schlug dem Tier die flache Seite der Klinge �ber die Schnauze, erwehrte sich der blindw�tigen Hiebe eines weiteren Quorrl und schrie noch einmal: <emphasis>�H�rt auf zu k�mpfen! Ich lasse jeden hinrichten, der nicht sofort gehorcht!�</emphasis></p><p>Der Kampf ging zwar weiter, aber er begann zu erlahmen. Die anfeuernden Rufe aus der Menge waren schon lange verstummt, und ein paar der M�nner, die in seiner unmittelbaren N�he standen, l�sten sich z�gernd von ihren Gegnern und senkten ihre Waffen. Auf der anderen Seite der improvisierten Arena tobte das Gemetzel mit unverminderter Heftigkeit weiter.</p><p>Skar hob w�tend sein Schwert, war mit zwei, drei raschen Schritten bei den K�mpfenden und warf sich zwischen zwei Satai und einen Quorrl, die verbissen aufeinander einschlugen. Mit einem gewaltigen Hieb schmetterte er dem Quorrl die Waffe aus der Hand und schleuderte ihn gleichzeitig zu Boden, dann fuhr er herum und parierte den Schwertstreich eines der beiden Satai. Der Mann taumelte zur�ck, holte zu einem weiteren Schlag aus - und erstarrte mitten in der Bewegung, als er ihn erkannte. Sein Kamerad nicht. Skar war hundertprozentig sicher, da� auch er wissen mu�te, wem er gegen�berstand - wenn schon nicht sein Gesicht, so war doch zumindest sein schwarzer Mantel jedem im Lager bekannt. Aber er senkte seine Waffe nicht, sondern griff Skar im Gegenteil mit einem drohenden Knurren an. Seine Klinge zuckte in einem geraden, sehr schnellen Stich nach Skars Gesicht; gleichzeitig versuchte er, ihm die Beine unter dem Leib wegzutreten.</p><p>Skar parierte den Schwerthieb nicht, sondern sprang ein St�ck zur Seite und in die H�he, war pl�tzlich neben und eine halbe Sekunde sp�ter hinter dem Mann und packte seinen Schwertarm. Ein unglaublicher Zorn machte sich in ihm breit. Mit einer einzigen, w�tenden Bewegung brach er dem Mann den Arm, schleuderte seinen Gegner zu Boden und warf sich auf ihn. Seine linke Hand krallte sich in das Haar des Satai und ri� seinen Kopf zur�ck, w�hrend er die rechte zum t�dlichen Hieb gegen seine Kehle ballte.</p><p>Aber er schlug nicht zu.</p><p>Er wollte es. Alles in ihm schrie danach, den Satai zu t�ten, den Trotz und Zorn in dessen Blick mit einem einzigen Hieb zum Erl�schen zu bringen. Aber er tat es nicht. Skar erstarrte wie eine Puppe mitten in der Bewegung. Aus der Wut in den Augen des Satai wurde pure Angst, dann Entsetzen, aber der Anblick steigerte die schreckliche Mordlust in Skar nur noch. <emphasis>T�te ihn! </emphasis>schrie eine unh�rbare Stimme in ihm. <emphasis>T�te ihn! Er hat dich angegriffen! Er hat den Hohen Satai angegriffen! D mu�t U ihn t�ten! TU ES!</emphasis></p><p>Skar st�hnte. Die Wut in seinem Inneren verrauchte, ganz ganz allm�hlich nur, aber er sp�rte, wie das b�se verlockende Fl�stern leiser wurde, und ganz langsam senkte er die Hand wieder. <emphasis>Was war das? </emphasis>dachte er entsetzt. Wirklich nur der Zorn �ber diesen unerh�rten Angriff? Oder sein Dunkler Bruder, die Bestie in seinem Inneren, die nach zwei Jahrzehnten wieder Blut geschmeckt und zu neuer schrecklicher Pr�senz erwacht war? Er gewahrte, wie der Kampf rings um ihn herum endg�ltig aufh�rte und alles ihn anstarrte, lie� auch das Haar des Satai los, murmelte ein Wort der Entschuldigung, das viel mehr ihm selbst als dem Krieger galt, und wollte aufstehen. Aber er kam nicht dazu.</p><p>Pl�tzlich erscholl hinter ihm ein tiefes, w�tendes Knurren. Skar sah eine Bewegung aus den Augenwinkeln, hob instinktiv die Arme, um sein Gesicht und die Kehle zu sch�tzen - und fiel r�cklings �ber den Satai, als der Hund ihn wie eine lebendes Gescho� aus hundert Pfund Muskeln und Knochen ansprang. Fingerlange Z�hne schnappten nach seiner Kehle und fetzten Blut und Haut aus seinen H�nden, dann bohrte sich ein entsetzlicher Schmerz in seinen rechten Unterarm. Skar schrie auf und versuchte, die Beine an den K�rper zu ziehen, um den Hund von sich wegzuschleudern, aber das Tier wich seiner Bewegung fast spielerisch aus. Es war diese Art des K�mpfens gewohnt; schlie�lich hatte man es sein Leben lang darauf trainiert, mit Gegnern wie ihm fertig zu werden.</p><p>Skar bog verzweifelt den Kopf zur Seite, als sich die Z�hne des Kampfhundes aus seinem Arm l�sten und nach seinem Gesicht schnappten. Blindlings schlug er zu, traf aber nur den harten Stirnknochen des Hundes; ein Hieb, der weh tat, die Wut des Tieres aber nur noch steigerte. Diesmal gruben sich die Z�hne des Ungeheuers tief in seine rechte Schulter. Skar st�rzte zum zweiten Mal nach hinten, und dieses Mal hatte er nicht mehr die Kraft, sich in die H�he zu stemmen. Dutzende von Gestalten umgaben ihn, Menschen wie Quorrl, aber niemand machte auch nur den Versuch, ihm zu Hilfe zu kommen.</p><p>Der Hund fiel mit einem schrillen Heulen �ber ihn her, schnappte nach seiner Kehle und versuchte, ihn mit den Pfoten in die Augen zu treffen. Skar schlug ihm gegen die Schnauze, sp�rte, wie einer der langen, spitzgefeilten Rei�z�hne abbrach und bekam das Fell unter seinem Hals zu fassen. Mit aller Kraft zerrte er daran, brachte den Hund mit einem verzweifelten Ruck aus dem Gleichgewicht und tastete mit der freien Hand nach seinem Schwert.</p><p>Ein schwarzer Stiefel trat nach dem Griff des <emphasis>Tschekal. </emphasis>Die Waffe verschwand klappernd zwischen den Beinen der Zuschauer. Skar schrie vor Wut und Entt�uschung auf, war aber geistesgegenw�rtig genug, auch mit der zweiten Hand zuzupacken, als der Hund seinen Griff zu sprengen drohte. Seine Finger gruben sich so tief in den Hals des m�chtigen Tieres, da� Blut aus seinem Fell sickerte.</p><p>Trotzdem f�hlte er, da� er den Kampf verlieren w�rde. Der Hund raste vor Mordlust, und seine Kraft war einfach gr��er als seine eigene. Skar trat zwei-, dreimal hintereinander mit dem Knie zu und sp�rte, wie eine Rippe des Hundes brach. Das Tier heulte schrill - und seine F�nge n�herten sich weiter Skars Gesicht. Sein Atem war hei� und roch nach Blut und Verwesung. Und pl�tzlich war ein zweiter, noch gr��erer Schatten �ber ihm. Eine schuppige Hand packte den Hund, ri� ihn scheinbar m�helos von Skar herunter und brach ihm noch in der gleichen Bewegung das Genick.</p><p>Skar schlo� aufatmend die Augen, blieb eine Sekunde reglos mit zitternden Gliedern liegen und begann sich dann sehr vorsichtig zu erheben. Eine riesige Krallenhand streckte sich ihm entgegen. Er ergriff sie, lie� sich von dem Quorrl in die H�he ziehen und erkannte erst dann das flache, gr�ngeschuppte Gesicht des Barbarenkriegers, der ihn gerettet hatte.</p><p>�Titch!� rief er �berrascht aus. �Du?�</p><p>�Jemand mu�te dir ja helfen, nicht wahr?� sp�ttelte Titch. �Deine eigenen Leute wollten es ja offensichtlich nicht.� Er wurde �bergangslos ernst, drehte sich herum und fuhr den erstbesten Quorrl an, den er sah: �Was ist hier geschehen?�</p><p><emphasis>�K'scherian�, </emphasis>begann der Quorrl, <emphasis>�essha -�</emphasis></p><p>�Sprich so, da� man dich versteht, Kerl!� unterbrach ihn Titch wutentbrannt, und noch immer in der Hochsprache Enwors. Skar begriff, da� Titch wollte, da� er jedes Wort verstand. Der Krieger schrumpfte unter Titchs Blick sichtlich in sich zusammen. �Die Satai haben uns angegriffen, Herr, und -� Titchs Schlag kam so schnell, da� nicht einmal Skar ihn sah. Der Quorrl keuchte, taumelte einen Schritt zur�ck und griff sich mit beiden H�nden an den Hals. Dunkles Blut quoll zwischen seinen Fingern hervor. Er war tot, noch bevor er zur Seite fiel und auf dem Boden aufschlug.</p><p>�Nicht!� rief Skar erschrocken. Titch fuhr herum und funkelte ihn zornig an, und Skar f�gte mit einem raschen Verziehen der Lippen hinzu: �Es geht mich nichts an, ich wei� - aber wir erfahren nicht, was passiert ist, wenn du deine Leute umbringst, ehe sie es uns sagen k�nnen.�</p><p>Titch antwortete nicht darauf, sondern blickte ihn nur weiter aufgebracht an, und Skar gewann ein paar Sekunden, indem er sich nach seinem Schwert b�ckte und es wieder in den G�rtel schob. Die M�nner, denen er dabei nahe kam, wichen fast angstvoll vor ihm zur�ck. Er fragte sich, ob der dabei war, dem ein gewisser Stiefel geh�rte.</p><p>Als er sich wieder aufrichtete und zu Titch umdrehte, bemerkte er, da� der Quorrl nicht allein gekommen war, sondern in Begleitung seiner Leibgarde, eines guten halben Hunderts Quorrl, die jetzt allerdings nicht mehr die prachtvollen Metallr�stungen vom Nachmittag trugen, sondern in schwarze Harnische aus Leder und eisenhartem Holz geh�llt waren. Dazu trugen sie dunkelrote M�ntel, die bei der schlechten Beleuchtung aber ebenfalls schwarz aussahen, und flache, sehr wuchtige Helme, die ihre Gesichter fast vollst�ndig verdeckten. Die Krieger hatten einen zweiten, undurchdringlichen Ring hinter dem Kreis aus Fackeln gebildet, und einige von ihnen begannen auf einen wortlosen Wink Titchs hin, jene Quorrl zusammenzutreiben, die an dem Kampf gegen die Satai beteiligt gewesen waren. Skar sah ihnen einen Moment dabei zu, ehe er sich an seine Leute wandte. �Also�, fragte er laut. �Wer war dabei?� Als niemand antwortete, wandte er sich an einen Mann, der mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden hockte und seinen blutenden Arm umklammerte. �Du da! Soll ich dich gleich hier auf der Stelle erschlagen, oder nennst du mir die Namen der anderen?�</p><p>Der Mann starrte ihn an, aber der Ausdruck auf seinem Gesicht war eher Trotz als Respekt, so da� Skar sich daran machte, die M�nner selbst zu identifizieren. Es war keine sehr schwere Aufgabe - kaum einer der Satai, die am Kampf gegen die Quorrl teilgenommen hatten, war g�nzlich ohne Verletzungen davongekommen, und schon nach wenigen Augenblicken stand Skar eine Reihe von fast zwanzig M�nnern gegen�ber. Er suchte vergeblich nach irgendeinem Zeichen von Einsicht oder Reue in den harten, schwei�gl�nzenden Gesichtern.</p><p>�Ihr wi�t, da� ich euch daf�r t�ten lassen k�nnte�, er�ffnete er ihnen. �Hier auf der Stelle, ohne ein weiteres Wort.�</p><p>�Es waren die Quorrl, die angefangen haben, Herr�, rief einer der M�nner. �Wir haben uns nur verteidigt, und -�</p><p>Skar schlug ihm mit der flachen Hand �ber den Mund, und der Mann verstummte abrupt. In seinen Augen blitzte Zorn. �Ich will nicht wissen, wer den Kampf begonnen hat�, sagte Skar laut. �Es interessiert mich auch nicht, was passiert ist.�</p><p>�Aber Herr!� protestierte ein anderer Satai. �Ihr k�nnt nicht -�</p><p>�Ich kann, und ich werde�, unterbrach ihn Skar hart. �Geht und la�t eure Wunden versorgen. Und danach erwarte ich euch in Dels Quartier. Alle, ohne Ausnahme.�</p><p>Er sp�rte, da� seine Worte nicht die Wirkung hatten, die sie h�tten haben sollen. Sie erf�llten die M�nner mit Furcht, auch mit Zorn, aber keiner von ihnen schien auch nur zu begreifen, was er getan hatte. Vielleicht, �berlegte Skar, war er ungerecht. Wom�glich war es wirklich nicht ihre Schuld gewesen. Er wu�te, da� die Dinge manchmal ein Eigenleben entwickelten, gegen das man hilflos war. Trotzdem.</p><p>�Geht!� befahl er noch einmal, und sehr viel lauter. �Es sei denn, ihr legt Wert darauf, in Ketten abgef�hrt zu werden!� Das wirkte. Die M�nner setzten sich widerwillig in Bewegung, wobei die Unverletzten ihre verwundeten Kameraden st�tzten oder auch trugen. Zwei der M�nner waren tot, wie Skar feststellte, einer von einem Axthieb fast in zwei H�lften gespalten, der andere offensichtlich von einem Hund zerfetzt.</p><p>Der Anblick erinnerte ihn wieder an sein eigenes Beinahe-Schicksal. Schaudernd wandte er sich um und schaute auf den Kadaver des Hundes herunter, dem Titch das Genick gebrochen hatte. Es war eine riesige Kreatur. Selbst im Tode strahlte sie noch etwas Bedrohliches aus.</p><p>�Ein herrliches Tier, nicht wahr?� lie� sich Titch neben ihm vernehmen. Skar blickte auf, sah einen Moment in die schmalen Augen des Quorrl und zog eine Grimasse.</p><p>�Mir kam es nicht ganz so herrlich vor�, antwortete er.</p><p>Titch lachte leise. �Was willst du? Es hat getan, wozu es ausgebildet wurde. Verachtest du das Schwert, das dich t�tet, oder den Arm, der es f�hrt?� Er hob die Hand, als Skar widersprechen wollte. �Du solltest dir Gedanken um deine Schulter machen, statt um einen toten Hund�, f�gte er hinzu. �Sie blutet.� Wie um seine Worte zu unterstreichen, meldeten sich die beiden Bi�wunden in seinem Arm und der Schulter mit klopfenden Schmerzen zur�ck. Skar tastete mit spitzen Fingern danach und stellte fest, da� sie harmlos waren. Aber sie schmerzten heftig, und es w�rde ein paar Tage dauern, bis er die Schulter wieder uneingeschr�nkt bewegen konnte.</p><p>Titchs Blick war seiner Handbewegung gefolgt. Jetzt sah er kopfsch�ttelnd auf das Blut auf Skars Fingerspitzen herunter. �Mein Leibarzt wird sich um deine Verletzungen k�mmern�, bot er an. �Wenn du es erlaubst, da� dich ein <emphasis>Quorrl </emphasis>anr�hrt, Satai.� Skar sch�rzte �rgerlich die Lippen. Er hatte Titchs Anerbieten tats�chlich ablehnen wollen, aber das konnte er jetzt nicht mehr. Au�erdem war es vielleicht eine gute Gelegenheit, mit dem Quorrl zu reden. Er h�tte es l�ngst tun sollen.</p><p>Nebeneinander verlie�en sie den Hof. Diesmal mu�te Skar sich nicht mit Gewalt seinen Weg freik�mpfen, denn Titchs Quorrl hatten eine Gasse f�r sie geschaffen, die niemand zu betreten wagte. Trotzdem hatten die wenigen Dutzend Schritte etwas von einem Spie�rutenlauf an sich; Skar sp�rte die vorwurfsvollen, ja, feindseligen Blicke wie gl�hende Messer, und es geh�rte nicht viel Phantasie dazu, sich auszumalen, was die M�nner beim Anblick ihres Kommandierenden empfinden mochten, der neben einem <emphasis>Quorrl </emphasis>den Hof verlie� - nachdem er zwei seiner eigenen Krieger niedergeschlagen und die andern schm�hlich gefangengenommen hatte. Manchmal beneidete er Titch um die sklavische Ergebenheit seiner Krieger.</p><p>Titch war einer der wenigen Quorrl, die ein Quartier in der Burg hatten: einen sehr gro�en, nach einer Seite zu einem der zahllosen Innenh�fe der Burg hin offenen Raum, der so spartanisch eingerichtet war, wie Skar es von einem Quorrl erwartet hatte. Die einzige Bequemlichkeit war ein weiches, sehr breites Bett, auf das er Skar fast mit Gewalt niederstie�, damit sich sein Leibarzt Skars Verletzungen ansehen konnte.</p><p>Die Prozedur war sehr schmerzhaft, denn der Quorrl mochte viel von der Heilkunst verstehen, aber er war Patienten gewohnt, die dreihundert Pfund wogen und eine Haut hatten, die kaum weniger fest als Eisen war. Trotzdem lie� Skar alles mit zusammengebissenen Z�hnen und klaglos �ber sich ergehen, und als der Quorrl fertig war, f�hlte er sich tats�chlich besser. Sein Arm und die Schulter waren mit einer grauen, �belriechenden Salbe beschmiert und anschlie�end so dick verbunden worden, da� er sie kaum noch bewegen konnte. Aber die Schmerzen waren verschwunden, und daf�r hatte sich ein taubes Gef�hl in seinen Gliedern breitgemacht.</p><p>Titch schickte den Arzt weg und go� Wein aus einem t�nernen Krug in zwei zierliche Becher, als Skar aufstand. Skar nahm das Getr�nk wortlos entgegen und kostete. Es war s�� und sehr schwer; er w�rde nicht mehr als diesen einen Becher trinken d�rfen, wollte er am n�chsten Tag keinen schweren Kopf haben. �F�hlst du dich besser?� fragte Titch. Die Frage kam Skar so �berfl�ssig vor, da� er den Quorrl einen Augenblick lang verwirrt ansah, ehe er begriff, da� Titch nur nach einer M�glichkeit suchte, das Gespr�ch zu er�ffnen. Er hatte nicht viel �bung in Konversation.</p><p>�Ja�, antwortete er. �Dein Mann hat ein kleines Wunder vollbracht.� Er l�chelte unsicher. �Ich wu�te gar nicht, da� ihr so gute �rzte habt.�</p><p>�Wer viele Wunden schl�gt, der wei� auch, sie zu heilen�, entgegnete Titch. Skar war sich nicht sicher, ob die Worte sp�ttisch oder ernst gemeint waren. Titch verwirrte ihn immer mehr. Je besser er ihn kennenzulernen glaubte, desto weniger verstand er ihn.</p><p>�Ich danke dir jedenfalls noch einmal, da� du mich gerettet hast�, sagte er. �Aber gestattest du mir eine Frage?�</p><p>Titch nickte, und Skar fuhr fort: �Warum hast du es getan?�</p><p>�Warum?�</p><p>Skar nippte an seinem Wein. Mit dem zweiten Schluck begann er besser zu schmecken, aber Skar sp�rte auch bereits ein leises Gef�hl von Beschwipstheit. Der Wein mu�te zu fast hundert Prozent aus Alkohol bestehen, dessen Geschmack nur ver�ndert worden war. Behutsam stellte er den Becher auf den Tisch, ehe er weitersprach. �Wir waren bisher keine Freunde�, begann er vorsichtig. �Ich habe deinen Bruder get�tet, und ich habe dich gedem�tigt, vor deinen Leuten. W�re es umgekehrt gewesen, h�tte ich mir �berlegt, ob es nicht eine bequeme M�glichkeit gewesen w�re, mich loszuwerden.�</p><p>�Und einen Krieg zwischen unseren Leuten zu riskieren?�</p><p>�Es war ein <emphasis>Satai, </emphasis>der den Hund auf mich gehetzt hat�, erinnerte Skar.</p><p>�Und es war ein Satai, der dein Schwert wegstie߫, f�gte Titch unger�hrt hinzu. �Ich wei�. Ich habe alles gesehen. Aber welchen Unterschied h�tte das gemacht? Wie h�tte dein Freund darauf reagiert, der andere Hohe Satai, wenn man ihm berichtet h�tte, da� du tot bist? Wenn er erfahren h�tte, da� du dich in einen Kampf zwischen Quorrl und Satai eingemischt und dabei den Tod gefunden hast?� Er sch�ttelte heftig den Kopf. �Vielleicht werde ich dich eines Tages t�ten, Satai�, sagte er sehr ernst und ohne die mindeste Spur irgendeiner Drohung. Es war eine reine Feststellung. �Aber wenn, dann wird es ein Kampf nur zwischen uns beiden sein. Warum sollen zwei V�lker untergehen, nur weil zwei <emphasis>M�nner </emphasis>sich streiten?�</p><p>�Es ist wegen Trash, nicht wahr?� fragte Skar. �Er war dein Bruder.�</p><p>�Und mein Vater�, f�gte Titch hinzu.</p><p>Skar blickte �berrascht auf. �Wie -�</p><p>�Er war der Sohn meiner Mutter�, erkl�rte Titch. �Und zugleich mein Vater. Alles, was ich wei�, habe ich von ihm gelernt.� Er sah Skar pl�tzlich fast erwartungsvoll an. �Schockiert dich das, <emphasis>Mensch?� </emphasis>fragte er.</p><p>�Ein ... wenig�, gestand Skar. �Ich wu�te nicht, da� -�</p><p>�Was?� unterbrach ihn Titch. �Was wu�test du nicht, Satai? Befremdet es dich etwa, da� der Sohn einer Quorrl mit ihr ein Kind zeugt? Das verstehe ich nicht. Ihr haltet uns doch f�r Tiere. Ihr la�t doch keine Gelegenheit aus, uns zu demonstrieren, wie barbarisch wir sind und wie zivilisiert und edel ihr.�</p><p>�Du bist verbittert�, warf Skar ein.</p><p>Titch leerte mit einer w�tenden Bewegung seinen Becher und f�llte ihn wieder auf. �Nein�, widersprach er heftig. �Du verstehst nichts, Satai, gar nichts. F�r euch sind wir doch nur Barbaren, primitive Wilde, die ihr verachtet. H�tten wir weiches Fell statt Schuppen, w�rdet ihr uns streicheln und uns Ketten um die H�lse binden, damit eure Kinder auf uns reiten k�nnen.� Er leerte auch seinen zweiten Becher, streckte die Hand aus, um ihn wieder aufzuf�llen, und zog sie dann wieder zur�ck. Ganz pl�tzlich wirkte er betroffen �ber seine eigene Entgleisung. �Es ist sp�t�, sagte er pl�tzlich. �Du solltest gehen. Wir m�ssen morgen fr�h auf, und ich bin sicher, dein Freund Del hat noch mit dir zu reden.�</p><p>Das war nicht der wahre Grund. Titch bedauerte seine Worte, und er wollte, da� Skar ging, ehe er noch mehr sagen konnte, was ihm hinterher vielleicht leid t�te. Trotzdem z�gerte Skar nicht, seinen Mantel �berzustreifen und sich zur T�r zu wenden. Aber er blieb noch einmal stehen, ehe er den Raum verlie�. �Da ist noch etwas, was mir nicht aus dem Kopf geht, Titch�, sprach er ihn nochmals an.</p><p>Der Quorrl wandte sich widerwillig zu ihm um. �Ja?�</p><p>�Etwas, das du heute morgen gesagt hast�, fuhr Skar fort. �Du hast ge�u�ert, alle diese Krieger w�ren bereits tot. Was hast du damit gemeint?�</p><p>Titch z�gerte, und Skar begriff, da� er abermals ein Thema angesprochen hatte, �ber das der Quorrl nicht gerne sprach. Aber dann antwortete er doch. �Nur ein Gef�hl, Satai. Es war nur ein Gef�hl. Keiner von uns wird zur�ckkehren.�</p><p>�Das glaubst du wirklich?� fragte Skar. �Keine besonders gute Voraussetzung, um einen Krieg zu gewinnen, oder?�</p><p>�Wir werden ihn gewinnen�, versicherte Titch. �Ich wei� es. Trotzdem wird keiner von uns seine Heimat wiedersehen. Sie -� Er stockte, starrte einen Moment an Skar vorbei ins Leere und machte dann eine vage Bewegung mit beiden H�nden, deren Bedeutung Skar nicht verstand. �Du wei�t nichts �ber unser Volk.�</p><p>�Nicht viel -�</p><p>�Nichts�, unterbrach ihn Titch heftig. �Du bist wie alle anderen, Skar. Du bist vielleicht ein wenig intelligenter, ein wenig �lter, vielleicht sogar ein wenig weiser - was immer ihr Menschen darunter verstehen m�gt. Aber du wei�t so wenig �ber unser Volk wie diese Narren dort drau�en, die du fast so sehr verachtest wie uns.� Er f�llte nun doch seinen Weinbecher und trank einen weiteren gewaltigen Schluck. Er war nerv�s. Seine H�nde zitterten, aber Skar hatte das sichere Gef�hl, da� es nicht nur am Wein lag.</p><p>�All diese M�nner dort drau�en�, fuhr Titch mit einer Handbewegung zum Fenster hin fort, �haben Abschied von ihren Familien genommen. Sie haben die Todesweihen bereits empfangen, Satai. Sie sind tot. Sie werden nicht zur�ckkehren, auch wenn sie den Krieg �berleben sollten.�</p><p>�Gilt das... auch f�r dich?� fragte Skar leise.</p><p>Titch lachte bitter. �O ja. Du stehst einem Toten gegen�ber, Satai. Einem Toten, der eine Armee von Toten befehligt. Und du mu�t keine Angst vor mir haben. Ich hasse dich nicht, weil du Trash erschlagen hast. Du hast einen Toten get�tet! Sollte ich dir das �bel nehmen?�</p><p>Skar schwieg. Betroffen blickte er Titch an. In den Augen des Quorrl war ein Schmerz, den er nicht einmal in Ans�tzen nachzuempfinden vermochte. Und auch Zorn. Aber keines von beiden galt ihm, oder den Satai dort drau�en. Etwas ging in dem Quorrl vor, das ihn erschreckte.</p><p>�Das wu�te ich nicht�, sagte er mitf�hlend. �Ich -�</p><p>�Jetzt wei�t du es�, unterbrach ihn Titch zornig. �Und nun kannst du dir einbilden, alles �ber uns zu wissen. Du kannst zu deinen Freunden gehen und damit prahlen.�</p><p>�Ich werde es f�r mich behalten, Titch�, versprach Skar, �wenn es ein Geheimnis deines Volkes ist.�</p><p>�Ein Geheimnis?� Titch lachte b�se. �Wir haben keine Geheimnisse, Skar. Nicht vor euch. Es ist uns gleich, was ihr �ber uns wi�t und was nicht. Es spielt keine Rolle. Und nun geh.� Er machte eine ungeduldige Handbewegung. �Du kannst in Ruhe schlafen, ohne Angst vor mir oder meinen M�nnern haben zu m�ssen.�</p><p>Skar r�hrte sich nicht von der Stelle. �Warum bist du so bitter?� fragte er.</p><p>�Bitter?� Titch legte in einer bedr�ckend menschlichen Bewegung den Kopf auf die Seite und sah ihn an. �Ich bin nicht bitter, Skar�, versicherte er. �Ich bin -� Er brach ab, trank wieder aus seinem Becher und sch�ttelte bestimmt den Kopf. �Du w�rdest es nie verstehen.�</p><p>�Es gibt doch ein Geheimnis�, vermutete Skar ins Blaue hinein. �Oder zumindest etwas, was ich nicht wei�.�</p><p>�Ja�, antwortete Titch. �Und du wirst es nie erfahren. Es ist etwas, das dich nichts angeht, Mensch. W��test du es, m��te ich dich t�ten. Deshalb ist es besser, du h�rst auf, Fragen zu stellen.� Skar sah ihn noch einen Moment lang sehr nachdenklich an. Aber dann wandte er sich endg�ltig um und ging.</p></section><section><title><p id="_12">12.</p></title><p>Del h�rte schweigend zu, w�hrend Skar und der verwundete W�chter berichteten, und auch hinterher verging lange Zeit, bis er endlich auf Skars herausfordernden Blick reagierte. Aber er tat es auf andere Art, als Skar erwartet hatte.</p><p>�Das ist... eine schlimme Geschichte�, sagte er langsam. Er richtete sich ein wenig in dem klobigen Thronsessel auf, in dem er Platz genommen hatte, und sah den verletzten Satai an. �Konntest du die M�nner erkennen, die dich und deine Kameraden niedergeschlagen haben?� fragte er.</p><p>Der Mann sch�ttelte so schnell den Kopf, da� auch dem D�mmsten klar werden mu�te, da� er log. �Es ging alles viel zu schnell, Herr�, antwortete er mit einem raschen, fast �ngstlichen Blick auf Skar. �Wir... versuchten sie auseinanderzutreiben, aber sie fielen fast sofort �ber uns her.�</p><p>�Aber du konntest wenigstens erkennen, ob es Satai oder Quorrl waren?� fragte Skar scharf.</p><p>Der Mann blickte unsicher zu Boden. �Nein�, erwiderte er. �Nicht... richtig.�</p><p>Skar streckte w�tend den Arm aus, um ihn an der Schulter herumzurei�en, aber dann erinnerte er sich im letzten Augenblick daran, da� der Mann verwundet war und M�he hatte, auf dem durchbohrten Bein zu stehen. �Was soll das hei�en, nicht richtig?� fauchte er. �Du willst mir erz�hlen, jemand hat deine drei Kameraden erschlagen und dich niedergestochen, und du wei�t nicht einmal, ob es Quorrl oder Satai waren?�</p><p>�La� ihn, Skar�, bat Del. Skar sah �berrascht und ver�rgert zugleich auf und wollte auch ihn anfahren, aber Del hob noch einmal die Hand und winkte beruhigend ab. <emphasis>La� uns nicht vor einem der M�nner miteinander streiten, </emphasis>signalisierte sein Blick. Laut entschied er. �Wir werden ihn morgen befragen, wenn er zur Ruhe gekommen ist. Du siehst doch, da� der arme Kerl kaum mehr auf den Beinen stehen kann.�</p><p>Skar schluckte die scharfe Entgegnung hinunter, die ihm auf der Zunge lag, und nickte nur. Wortlos wartete er, bis Del den W�chter entlassen hatte und sie allein waren.</p><p>�Was soll das bedeuten, Del?� fragte er dann. �Wieso f�llst du mir in den R�cken? Du wei�t so gut wie ich, da� es <emphasis>Satai </emphasis>waren, die ihn und seine Kameraden niedergeschlagen haben. <emphasis>Unsere eigenen Leute!�</emphasis></p><p>�Ich wei� gar nichts�, antwortete Del ruhig. �Der Mann ist verletzt und hat Fieber, das ist es, was ich wei�. Wir reden morgen mit ihm.� Der Ton, in dem er diese Worte aussprach, machte klar, da� er das Thema damit f�r erledigt erkl�rte. Skar nicht. �Dann nehme ich an, da� es dich auch nicht interessiert, was dort unten auf dem Hof passiert ist?� fragte er b�se.</p><p>�Du t�uschst dich, Skar�, antwortete Del, noch immer aufreizend ruhig. �Jemand hat versucht, dich umzubringen, und das interessiert mich sehr wohl. Konntest du erkennen, <emphasis>wer </emphasis>den Hund auf dich gehetzt hat?�</p><p>�Nein�, erwiderte Skar. �Ich -�</p><p>�Es k�nnte also genausogut ein Quorrl gewesen sein?� unterbrach ihn Del.</p><p>Es dauerte einige Sekunden, bis Skar begriff. �Das ist nicht dein Ernst�, sagte er. �Du ... du versuchst selbst jetzt noch -�</p><p>�Ich versuche�, schnitt ihm Del erneut und mit scharfer, deutlich erhobener Stimme das Wort ab, �die Wahrheit herauszufinden, Skar. Wenn es unter unseren M�nnern jemanden gibt, der seine Hand gegen den Hohen Satai erhebt, dann will ich das wissen. Du behauptest, einer unserer eigenen M�nner h�tte versucht, dich zu t�ten. Soll ich das mit einem Achselzucken und den Worten abtun: <emphasis>Du lebst ja noch.�</emphasis></p><p>�Du hast v�llig recht�, sagte Skar. �Ich lebe noch. Und das habe ich einem Quorrl zu verdanken, wenn du es genau wissen willst.�</p><p>Del nickte unger�hrt. �Titch ist ein kluger Mann�, warf er ein. �Er wei�, was geschehen w�re, h�tte der Hund dich get�tet.� Skar sprang so w�tend von seinem Stuhl auf, da� das M�bel polternd umfiel. <emphasis>�Verdammt, rede ich so undeutlich, oder willst du mich nicht verstehen?!� </emphasis>br�llte er. �Ich spreche nicht von dem Hund, oder dem Mann, der ihn auf mich gehetzt hat! Ich rede davon, da� sich zwanzig unserer Leute mit den Quorrl dort unten eine Schlacht geliefert haben! Was gedenkst du zu unternehmen, <emphasis>Hoher Satai!!�.</emphasis></p><p>Del ignorierte den verletzenden Ton, in dem er die beiden letzten Worte hervorgebracht hatte, und seufzte nur. Er schwieg. �Nichts�, beantwortete Skar nach einer Weile seine eigene Frage. Sein Zorn verrauchte so schnell, wie er gekommen war. �Du wirst nichts tun, habe ich recht?�</p><p>�Was soll ich tun, deiner Meinung nach?� fragte Del leise. �Du hast es selbst gesagt - du wei�t nicht, wer den Kampf begonnen hat, und warum. Ich werde die M�nner befragen, und wenn sich herausstellen sollte, da� es einer von ihnen war, der den Streit provoziert hat, werde ich ihn nat�rlich bestrafen.�</p><p>Skar lachte b�se. �Als ob es eine Rolle spielt, wer <emphasis>angefangen </emphasis>hat. Verdammt, Del, wir sind hier nicht im Kindergarten, und es geht nicht darum, da� einer mit dem Finger zeigt und ruft, der da hat angefangen.�</p><p>�Worum dann?� fragte Del.</p><p>�Es geht um -� Skar brach ab, ballte hilflos die F�uste und versetzte schlie�lich dem Tisch einen Tritt. Del l�chelte.</p><p>�Du willst also nichts unternehmen?� dr�ngte Skar.</p><p>�Was soll ich tun? Die M�nner �ffentlich hinrichten lassen, wie Titch es mit seinen Quorrl getan hat?� Skar wollte antworten, aber Del unterbrach ihn abermals mit einer Handbewegung und fuhr fort: �Ich verstehe dich, Skar, aber du mu�t auch mich verstehen. Wir brauchen diese M�nner. Die Situation ist angespannt, und das Warten macht sie verr�ckt. Sie sind gute Krieger, aber sie sind keine Satai - nicht so wie du und ich. Und es waren nur Quorrl.� Skar starrte ihn an. Del l�chelte, aber sein L�cheln erlosch nach und nach, als er seinem Blick begegnete, und schlie�lich machte sich so etwas wie Betroffenheit auf seinen Z�gen breit. �Was ist nur mit dir geschehen, Del?� fl�sterte Skar. �Warum bist du so hart?�</p><p>�Hast du mich nicht gelehrt, es zu sein?� fragte Del.</p><p>�Nicht so�, antwortete Skar. �Hart zu dir selbst, ja. Hart zu deinen Feinden, wenn es sein mu�. Aber nicht so. Ich habe dir nie beigebracht, grausam zu sein.�</p><p>�Grausam?� Del klang ehrlich �berrascht. Er schwieg einen Moment, als m�sse er das Wort erst ein paarmal f�r sich wiederholen, um sich davon zu �berzeugen, da� Skar es auch wirklich ausgesprochen hatte. �Ist es das, wof�r du mich h�ltst?� fragte er dann. �F�r <emphasis>grausam?�</emphasis></p><p>�Wei�t du ein anderes Wort?� begehrte Skar auf.</p><p>�Ich habe einen Krieg zu gewinnen, Skar�, bemerkte Del leise. �So?� Skar machte ein angewidertes Gesicht. �Das hatten wir schon �fter, Del. Du und ich, wir haben in mehr als einem Krieg zusammen gek�mpft. Aber niemals so!�</p><p>�Es gab auch noch niemals einen Krieg, der so war�, antwortete Del. �Es geht hier nicht um die Macht in einem K�nigreich. Es geht nicht um Sch�tze oder Landgewinn. Es geht nicht einmal mehr um Macht. Es geht um die Existenz unserer Welt. Willst du, da� sie von M�nnern wie Drask beherrscht wird?�</p><p>�Vielleicht ist das immer noch besser, als wenn sie von M�nnern wie <emphasis>dir </emphasis>beherrscht w�rde�, hielt ihm Skar entgegen.</p><p>Er erschrak �ber seine eigenen Worte, und auch Del fuhr wie unter einem Hieb zusammen. Skar begriff, da� er ihn zum allerersten Mal <emphasis>wirklich </emphasis>getroffen hatte, seit sie mit diesem endlosen Streit begonnen hatten. Seine Worte taten ihm leid. Aber er sp�rte auch gleichzeitig, da� sie die Wahrheit gewesen waren. Und da� sie das Wenige, was noch zwischen ihnen gewesen sein mochte, endg�ltig zerst�rt hatten.</p><p>Langsam, mit zitternden H�nden, aber trotzdem sehr ruhigen Bewegungen, l�ste er den schwarzen Mantel des Hohen Satai von seinen Schultern und warf ihn vor Dels Thron zu Boden. Del versuchte nicht, ihn daran zu hindern.</p><p>Kiina schlief noch, als er in sein Zimmer zur�ckkam, aber er war laut genug, sie aufzuwecken. W�hrend sie sich m�hsam auf die Ellbogen hochstemmte und die M�digkeit wegzublinzeln versuchte, machte er Licht und begann, die wenigen Habseligkeiten, die er mitgebracht hatte, in seine Satteltaschen zu stopfen; schnell und mit den �bertrieben heftigen Bewegungen eines Mannes, dessen Handeln von schierer Wut bestimmt wird. Er war sich vollkommen dar�ber im klaren, da� er seinen Entschlu� schon bald bereuen w�rde - aber vielleicht war gerade das der Grund, weshalb er keine weitere Minute mehr vergeuden wollte. Er h�tte schon l�ngst gehen sollen, schon vor Tagen, und er wu�te, da� er in seiner Entscheidung abermals schwankend werden w�rde, wenn er es jetzt nicht <emphasis>sofort </emphasis>tat. Wenn die Sonne aufging, dann mu�te er meilenweit weg sein von dieser verdammten Burg, und von diesem Krieg. Es hie�, da� man vor seinem Schicksal nicht davonlaufen konnte, aber verdammt, wer hatte je gesagt, da� es sein Schicksal sein mu�te, in einem Krieg mitzuk�mpfen, der nicht <emphasis>sein </emphasis>Krieg war und dessen wirklichen Grund er nicht einmal kannte?</p><p>�Was tust du?� fragte Kiina verwirrt.</p><p>�Das siehst du doch!� knurrte Skar, ohne sich zu ihr umzudrehen. �Ich gehe.�</p><p>Kiina stand auf, machte einen Schritt und blinzelte benommen. Sie war offensichtlich noch nicht ganz wach; und ebenso offensichtlich begann sie erst allm�hlich zu begreifen, wo sie �berhaupt war. Skar sah, da� sie fast unmerklich zusammenfuhr, als ihr klarwurde, da� sie an seiner Seite eingeschlafen war. Aber sie verlor kein Wort dar�ber.</p><p>�Du gehst?� fragte sie g�hnend. �Wohin?�</p><p>Skar zuckte abgehackt mit den Schultern und schlo� die Schnalle seiner Satteltasche. �Irgendwohin�, entgegnete er. �Enwor ist gro�.�</p><p>�Du gehst fort?� vergewisserte sich Kiina verwirrt. Sie g�hnte erneut, fuhr sich mit der linken Hand �ber die Augen und sah ihn verst�rt - und ein bi�chen erschrocken - an. Dann nickte sie, als w�re ihr etwas Wichtiges eingefallen.</p><p>�Du hast dich mit Del gestritten�, vermutete sie.</p><p>�Sieht man mir das so deutlich an?� fragte Skar ver�rgert. �Nein�, antwortete Kiina. �Aber ihr beiden tut doch nichts anderes.� Sie l�chelte matt. �Ich habe mit Bradburn gesprochen - und einigen der anderen M�nner. Es hei�t, ihr w�rt einmal Freunde gewesen. Aber seit ihr hierhergekommen seid, streitet ihr euch, so oft ihr euch seht.�</p><p>�Das stimmt�, gab Skar zu und schwang sich die Satteltaschen �ber die Schulter. �Und das ist auch der Grund, warum ich gehe. Es tut mir leid, da� ich dir nicht helfen konnte. Aber ich bin sicher, Del wird auch Elay befreien, sobald er seinen Krieg gewonnen hat.�</p><p>Er wollte zur T�r gehen, aber Kiina vertrat ihm den Weg. �Was ... was soll das hei�en?� fragte sie fassungslos. Offensichtlich hatte sie immer noch nicht begriffen, was er <emphasis>wirklich </emphasis>gemeint hatte. �Du willst uns im Stich lassen?�</p><p>Skar schob sie grob beiseite, ging aber trotzdem nicht weiter. Es war absurd, aber er hatte pl�tzlich das Gef�hl, sich vor diesem Kind rechtfertigen zu m�ssen. �Ich lasse euch nicht im Stich�, stellte er richtig. �Es tut mir leid, wenn du es so siehst, aber es ist nicht so. Ich... ich mu� einfach fort. Weg von Del, ja, aber auch weg von diesem Heer, weg von diesem Krieg, weg von ... von diesem verdammten Ort.�</p><p>Und genau das war es. Es war, als zerrisse ein unsichtbarer Schleier, der bisher �ber seinem Denken gelegen hatte; als h�tte er es erst laut aussprechen m�ssen, um die Wahrheit zu erkennen, obwohl sie so simpel war: Es war dieser Ort. Diese Burg mit ihren schwarzen, himmelst�rmenden Mauern und ihrer K�lte und Finsternis. Es hatte begonnen, als er das erste Mal hiergewesen war, als Drasks Gefangener und sp�ter sein scheinbarer Verb�ndeter, und es war weitergegangen, nachdem Del und er diese Festung genommen hatten und zum zweiten Mal hierhergekommen waren. Es war etwas an - in - ihr, das seine Gedanken wie ein schleichendes Gift verpestete, das nicht nur ihn, sondern jeden hier reizbar und aggressiv und b�se machte. Es war ganz genau so, wie Kiina gesagt hatte: Dieser Ort war <emphasis>b�se. </emphasis>Und er lie� jeden b�se werden, der zu lange in seinen Mauern weilte.</p><p>Kiinas Gedanken schienen in den gleichen Bahnen zu verlaufen, denn sie widersprach ihm nicht mehr. Sie versuchte auch nicht, ihn noch einmal zur�ckzuhalten, sondern nickte im Gegenteil.</p><p>�Dann komm mit mir�, schlug sie vor. �Geh mit mir zur�ck nach Elay, Skar.�</p><p>Einen Moment lang war Skar wirklich versucht, ihr Angebot anzunehmen. Aber nur f�r eine Sekunde. Es war sinnlos. Er hatte das <emphasis>Netz </emphasis>gesehen, und das, was es aus den <emphasis>Errish </emphasis>gemacht hatte. Dieses Ding hatte zehntausend Ehrw�rdige Frauen und ihre unbesiegbaren Drachen �berwunden - was sollte er wohl dagegen ausrichten?</p><p>�Nein�, entschied er. �Es w�re sinnlos, Kiina. Und es w�re auch nicht das, was ich will.�</p><p>�Was willst du dann?� schrie Kiina pl�tzlich, �Davonlaufen? Dich verkriechen, bis sie ganz Enwor in ihrer Gewalt haben?�</p><p>�Ganz Enwor...� Skar l�chelte matt. �Enwor ist gro�, Kindchen. Unglaublich gro�. Selbst die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>k�nnen nicht eine ganze Welt erobern.�</p><p>�Du l�ufst davon�, behauptete Kiina stur. �Du hast Angst, Satai.�</p><p>�Vielleicht�, antwortete Skar ernst. �Und vielleicht wirst du mich eines Tages sogar begreifen. Und jetzt - lebe wohl.� Er �ffnete die T�r und trat auf den Gang hinaus, aber er hatte Kiina untersch�tzt. Mit einem Sprung setzte sie ihm nach und klammerte sich an seinen Arm, so da� er abermals stehenblieb. �Ich lasse dich nicht gehen!� rief sie. Ihre Stimme wurde schrill und drohte �berzuschnappen. �Ich lasse nicht zu, da� du uns im Stich l��t. Wir brauchen dich, Skar. Ich lasse dich nicht -� Skar ohrfeigte sie.</p><p>Der Schlag war nicht sehr heftig, aber er traf Kiina so �berraschend, da� sie zur�cktaumelte und gegen die Wand prallte. Ihre Augen wurden gro� und f�llten sich mit Tr�nen. Skar blickte sie einen Moment lang betroffen an, setzte zu einer Entschuldigung an - und wandte sich dann br�sk um. Innerlich kochte er noch immer vor Wut, aber er sp�rte auch, wie sich bereits die ersten Zweifel in ihm breit machten, und er kannte sich selbst zu gut, um nicht zu wissen, da� er Kiinas Bitten und dem, was er f�r Vernunft und Einsicht halten mochte, vielleicht nachgeben w�rde, wenn er auch nur noch eine einzige Minute blieb.</p><p>Er ging weiter, h�rte, da� Kiina ihm abermals folgte, und begann zu laufen, bis er zur Treppe gelangte. Zum zweiten Mal in dieser Nacht st�rmte er auf den Hof hinaus, aber diesmal war es wirklich eine Flucht - und er wurde auch <emphasis>wirklich </emphasis>verfolgt, wenn auch nur von einem sechzehnj�hrigen M�dchen, das einfach nicht begreifen wollte, da� die Welt nicht so war, wie es seiner Vorstellung entsprach. Er fiel in einen schnellen Schritt zur�ck, um nicht noch mehr Aufsehen zu erregen, als er es ohnehin schon tat, �berquerte den Hof und erreichte die St�lle, Sekunden, ehe Kiina ihn einholte und abermals am Arm ergriff.</p><p>�Du kannst mich ruhig wieder schlagen�, sagte sie trotzig. �Ich lasse dich nicht los.�</p><p>Skar schlug sie nicht. Er ging einfach weiter, und er war sehr viel st�rker als Kiina - sie wurde einfach mitgezerrt, und nach ein paar Schritten sah sie die Sinnlosigkeit ihres Tuns auch ein und lie� seinen Arm wieder los. Skar stie� die T�r der Stallungen mit einem Ruck auf, sah sich kurz um und steuerte die erste der zahllosen Boxen an, in denen die Pferde untergebracht waren. Ohne auf Kiinas Jammern zu achten, ri� er das Zaumzeug vom Haken, begann ein Pferd aufzuschirren und sah sich nach einem Sattel um. Er fand keinen, aber das machte nichts. Er hatte eine Decke bei seinem Gep�ck, die er kurzerhand �ber den R�cken des Pferdes warf. Del hatte ihm ein wenig Geld gegeben, das ausreichen mochte, in der n�chsten Stadt einen Sattel und besseres Zaumzeug zu erstehen. Und wenn nicht - nun, er war schon mit weniger losgezogen.</p><p>Kiina vertrat ihm abermals den Weg, als er das Pferd am Z�gel ergriff und aus dem Stall f�hren wollte. Aber sie versuchte nicht mehr, ihn mit Gewalt zur�ckzuhalten, sondern verlegte sich aufs Bitten.</p><p>�Bitte, Skar!� flehte sie. �Nimm mich mit. Ich ... ich verstehe ja, wenn du nicht hierbleiben willst! Dieser Ort ist b�se. Aber nimm mich mit! Wenn nicht nach Elay, dann wohin immer du willst! La� mich nicht hier!�</p><p>Skar sch�ttelte ihren Arm ab und schwang sich auf den R�cken des Pferdes. Kiina versuchte sich an sein Bein zu klammen, aber Skar sch�ttelte sie ohne gro�e M�he ab. Fast gleichzeitig lie� er das Tier einen Satz machen, der das M�dchen zwang, einen weiteren Schritt zur�ckzuweichen. Dann griff er entschlossen in die Z�gel und lie� das Pferd so schnell �ber den Hof traben, wie es inmitten all der Krieger und Quorrl �berhaupt m�glich war.</p><p>Aber er hatte Kiinas Entschlossenheit abermals untersch�tzt - sie rannte ihm nicht nach, wie er fast bef�rchtet hatte, aber sie tat etwas anderes: Er hatte kaum die H�lfte der Strecke �berwunden, als die Stallt�r abermals aufflog, und Kiina auf dem R�cken eines ungesattelten Pferdes herausgesprengt kam. Und sie ging sehr viel weniger r�cksichtsvoll vor als er - sie preschte so schnell auf ihn zu, da� ein paar M�nner entsetzt zur Seite sprangen, um nicht einfach �ber den Haufen geritten zu werden.</p><p>Skar seufzte tief, ritt bis zum Tor und hielt an. Bisher hatte ihn Kiinas kindisches Benehmen nur ge�rgert, aber allm�hlich versetzte es ihn in Wut. Grob fiel er ihr in die Z�gel, als sie neben ihm hielt, und packte mit der anderen Hand ihren Arm.</p><p>�Was soll das?!� fragte er barsch. �Ich habe gesagt, du kannst nicht mitkommen!�</p><p>Kiina ri� ihren Arm los und funkelte ihn an. �Du kannst mich nicht daran hindern�, antwortete sie herausfordernd. �Ich bin nicht deine Gefangene! Ich kann tun und lassen, was ich will.� Skar setzte zu einer w�tenden Antwort an, sch�ttelte aber dann nur den Kopf und zwang sein Pferd, sich auf der Stelle herumzudrehen. �Du wirst erfrieren, Kindchen�, warnte er. �Und wenn nicht das, dann verhungern oder vom Pferd fallen und dir den Hals brechen.� Er deutete mit der Hand nach Westen, den Berg hinunter und zum Flu�. �Siehst du die Ebene dort?� Fragte er. �Sobald wir sie erreicht haben, werde ich so schnell reiten, da� du ganz bestimmt nicht lange mith�ltst.�</p><p>�Bist du sicher?� fragte Kiina. �Ich kann reiten, Satai. Auch ohne Sattel.� Ihre linke Hand klatschte auf den Hals des Pferdes, um ihre Worte zu unterstreichen - mit dem Ergebnis, da� das Tier erschrocken scheute und sie um ein Haar abgeworfen h�tte. �Nicht so lange wie ich�, antwortete Skar �berzeugt. �Und du wirst auch die K�lte nicht so lange aushalten wie ich, und den Hunger. Und ich werde nicht auf dich warten. Verla� dich nicht auf mein Mitleid.�</p><p>�Satai!�</p><p>Der Schrei lie� Skar aufsehen. Gegen die zahllosen Feuer, die den Hof beleuchteten, konnte er den Rufer nicht erkennen, aber die Stimme war schrill und gepre�t gewesen und geh�rte zweifellos einem Quorrl. Er glaubte Schritte zu h�ren. Einer der finsteren Schatten bewegte sich auf ihn und Kiina zu.</p><p>�Satai! Herr! Wartet!�</p><p>Einen Moment lang �berlegte Skar, das Gegenteil zu tun und sein Pferd auf der Stelle herumzurei�en, um davonzusprengen, so schnell er konnte. Da� er es schlie�lich doch nicht tat, lag - absurd genug - wahrscheinlich nur daran, da� es ein <emphasis>Quorrl </emphasis>war, der ihn rief; kein Satai.</p><p>�Was gibt es?� fragte er unwillig, als der Quorrl herbeigelaufen kam. Der Krieger - er erkannte sein Gesicht nicht, aber er identifizierte seine R�stung: Es war ein Mann aus Titchs Leibgarde - griff mit der linken Hand nach dem Zaumzeug seines Pferdes und machte mit der anderen eine nerv�se Geste in die Richtung, aus der er gekommen war. �Kommt... mit mir, Herr�, stie� er keuchend hervor. Er mu�te sehr weit und sehr schnell gelaufen sein, dachte Skar. �Der Hohe Satai verlangt nach Euch. Es ist... wichtig.�</p><p>�Was ist passiert?� fragte Skar.</p><p>�Ihr sollt... zu ihm kommen, Herr�, antwortete der Quorrl, noch immer m�hsam um Atem ringend. �Zur Kammer des Predigers. Schnell!�</p><p>Skar starrte ihn noch eine Sekunde unentschlossen an, dann schwang er sich vom R�cken des Pferdes und dr�ckte der vollkommen �berraschten Kiina die Z�gel in die Hand. �Warte hier�, gebot er. �Ich bin gleich zur�ck.�</p><p>Er rannte los, schon, um mit dem Quorrl Schritt zu halten, der herumgefahren war und den Weg in der gleichen Schnelligkeit zur�ckzulaufen begann, mit der er hergekommen war. Sie �berquerten den Hof, st�rmten durch die Halle und begannen, die gewundene Treppe zu Bradburns Kammer hinabzulaufen. Skar h�tte den Quorrl gerne gefragt, was denn nun wirklich passiert war - er hatte das sichere Gef�hl, da� der Krieger sehr wohl wu�te, warum Del ihn zur�ckrufen lie�, es nur in Kiinas Gegenwart nicht hatte sagen wollen -, aber er lief so schnell, da� Skar alle M�he hatte, �berhaupt mit ihm Schritt zu halten. Erst als sie den Gang erreicht hatten, an dessen Ende Bradburns Kammer lag, blieb er stehen und wich zur Seite, um Skar Platz zu machen. Skar st�rmte an ihm vorbei, rannte geduckt durch die T�r - und prallte mitten im Schritt zur�ck, als w�re er vor eine unsichtbare Mauer gelaufen. Er bemerkte, da� au�er ihm und Del auch noch Titch anwesend war, aber daran verschwendete er in diesem Moment kaum mehr als einen Gedanken.</p><p>Der Raum lag in Tr�mmern. Was vor Stunden noch Bradburns Gebetszimmer-Laboratoriums-Kombination gewesen war, das war jetzt ein einziges heilloses Chaos aus zerfetzten B�chern, zertr�mmerten M�beln und Glas- und Tonscherben. Ein durchdringender, sehr unangenehmer Geruch, den Skar nicht identifizieren konnte, lag in der Luft, und auf dem Boden schimmerten gro�e Pf�tzen der verschiedensten Fl�ssigkeiten, die aus den zerbrochenen Kr�gen ausgelaufen waren. An der gegen�berliegenden Wand war ein gro�er, dunkel gl�nzender Fleck, wie frischer Ru�. Hatte es gebrannt?</p><p>�Bei allen G�ttern, was ist passiert?� fragte Skar entsetzt. �Wo ist Bradburn?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete Del. Er hob rasch die Hand und hielt Skar zur�ck, als er an ihm vorbeigehen wollte. �Oder doch, ich f�rchte, ich wei� es. Aber das...� Er amtete h�rbar ein. �Sieh es dir selbst an.� Er nahm die Hand herunter, legte sie aber gleich darauf auf Skars Schulter und schob ihn vor sich her durch den Raum. Unter ihren Stiefeln knirschte zerbrochenes Glas, �berall lagen Tr�mmer und Teile der zerborstenen M�bel, und einmal stie� Skars Fu� gar gegen einen faustgro�en Steinquader, der wie von einer unglaublichen Gewalt aus der Wand herausgerissen worden war. Skar sah sich neugierig und mit klopfendem Herzen um. Es schien buchst�blich nichts in diesem Raum zu geben, das nicht zermalmt und zerfetzt worden war; es mu�ten unglaubliche Gewalten gewesen sein, die hier getobt hatten. Aber von Bradburn entdeckte er keine Spur. Nicht einmal Blut.</p><p>�Wo ist er?� fragte er erneut.</p><p>Del nahm die Hand von seiner Schulter und b�ckte sich nach der zertr�mmerten Tischplatte, die schr�g gegen die Wand gest�rzt war. Erst, als er sie zur Seite wuchtete, begriff Skar, da� er sie dorthin gestellt hatte, um etwas ganz Bestimmtes zu verbergen.</p><p>Im ersten Moment nahm er nur etwas Dunkles, matt Gl�nzendes wahr, formlos und gr��er als ein liegender Mann. Neugierig trat er n�her, lie� sich in die Hocke hinabsinken und nickte automatisch, als Del eine Bewegung machte, vorsichtig zu sein. Was er sah, war... unheimlich. Bedr�ckend und auf eine morbide Art faszinierend zugleich. Die sonderbare Masse war formlos und erinnerte ihn im allerersten Moment an schwarzen, blasigen Schaum, wirkte aber gleichzeitig sehr fest und irgendwie ... <emphasis>lebendig.</emphasis></p><p>�Warte�, sagte Del. �R�hr es nicht an.� Skar h�rte, wie er sich entfernte und gleich darauf wiederkam. Der flackernde Schein der Fackel vertrieb die Schatten und lie� ihn jede furchtbare Einzelheit des finsteren <emphasis>Dinges </emphasis>genau erkennen.</p><p>Es war kein Schaum. Es war ein langgestreckter, massiver K�rper, dessen Oberfl�che nur blasig und por�s aussah. Was er im schlechten Licht daf�r gehalten hatte, das entpuppte sich im roten Schein der Fackel als ein Gespinst d�nner, tausendfach untereinander ver�stelter Adern und Nervenf�den, als blicke er ins Innere eines aufgeschnittenen Kadavers. Und es war nicht das erste Mal, da� er so etwas sah.</p><p>�Ihr G�tter!� st�hnte er. �Das ist -�</p><p>�Dasselbe <emphasis>Ding, </emphasis>das die <emphasis>Errish </emphasis>hatten�, vollendete Del. �Das <emphasis>Netz.�</emphasis></p><p>Skar blickte entsetzt auf das schwarze, gl�nzende Etwas zu seinen F��en hinab. Eine unsichtbare, eisige Hand schien nach seinem Nacken zu greifen und ganz langsam zuzudr�cken, und f�r Augenblicke hatte er das Gef�hl, nicht mehr atmen zu k�nnen. Er h�rte, wie auch Titch n�her kam und unmittelbar hinter ihm stehenblieb, aber es war ihm unm�glich, den Blick von dem grauenhaften Etwas zu l�sen. Er wu�te, da� Del recht hatte - die feine, auf schreckliche Art lebendig wirkende Struktur war unverkennbar, und er f�hlte auch wieder die Aura des B�sen, die er auch in der N�he der toten <emphasis>Errish </emphasis>gesp�rt hatte, das Gef�hl, etwas abgrundtief Schlechtem gegen�berzustehen. �Aber wie kommt es hierher?� fl�sterte er. �Wir haben sie begraben!�</p><p>�Nicht alle�, widersprach Titch. �Eine habt ihr hergebracht!�</p><p>�Aber sie ist tot!� hielt ihm Skar entgegen. �Bradburn hat sie verbrannt, mitsamt ihrer R�stung und allem, was sie bei sich hatte!�</p><p>�Das habe ich ihm befohlen�, best�tigte Del leise. �Und er hat gesagt, da� er es getan h�tte. Aber ich habe es nicht gesehen.� Er lie� sich neben Skar in die Hocke sinken, st�tzte sich mit der linken Hand auf dem Boden ab - sehr weit von dem schwarzen Etwas entfernt und so, da� er es nicht einmal versehentlich ber�hren konnte, wenn er das Gleichgewicht verlor und st�rzte -, reichte seine Fackel an Skar und zog einen Dolch aus dem G�rtel.</p><p>�R�hrt es nicht an!� warnte Titch erschrocken.</p><p>�Keine Sorge�, beruhigte ihn Del. �Ich bin vorsichtig.�</p><p>Und das war er in der Tat. Behutsam, unendlich behutsam n�herte sich die Messerspitze dem schwarzen Etwas, ber�hrte es fl�chtig und zuckte sofort zur�ck. Nichts geschah. Del z�gerte einen Moment, streckte das Messer dann wieder vor und ritzte einen der dickeren F�den. Der rasiermesserscharfe Stahl zerschnitt die finstere Masse ohne sichtbaren Widerstand, und Skar sah, da� es sich tats�chlich um eine Art Ader zu handeln schien. Ein Tropfen einer farblosen, wasserklaren Fl�ssigkeit quoll aus dem abgeschnittenen Ende und erstarrte fast sofort.</p><p>�Es scheint... tot zu sein�, murmelte Del.</p><p>Skar nickte. �Ich hoffe es. Aber das hat Bradburn sicher auch gedacht. Sei vorsichtig.�</p><p>Dels Messer schnitt tiefer. F�nf, zehn der d�nnen schwarzen F�den klafften auseinander, ihre Enden hoben sich wie die Leiber enthaupteter Schlangen, dann schnitt der Stahl durch die darunterliegende, schwarze Masse - und durch menschliches Fleisch. Selbst Titch st�hnte wie unter Schmerzen auf.</p><p>�Ihr G�tter!� keuchte Del. �Er ist es!� Er hielt einen Moment inne, sah Skar aus schreckgeweiteten Augen an und f�hrte den Dolch dann weiter, wobei er darauf achtete, nur in den schwarzen Kokon zu schneiden, nicht in das, was darunter lag.</p><p>Es war Bradburn, und er war unzweifelhaft tot, denn die Wunden, die Del ihm unabsichtlich zuf�gte, bluteten nicht. Was nicht hie�, da� er nicht verletzt war; im Gegenteil. �berall auf seinem K�rper zeigten sich gro�e, blutige Wunden, aus denen d�nne schwarze F�den oder auch fingerdicke Str�nke der gleichen, f�rchterlichen Masse herauswuchsen, als h�tte das Netz versucht, mit brutaler Gewalt in seinen Leib einzudringen. Skar f�hlte ein Entsetzen wie niemals zuvor, und auch Del mu�te sein schreckliches Tun zwei- oder dreimal unterbrechen, weil seine H�nde einfach zu heftig zitterten.</p><p>Schlie�lich reichte Skar seine Fackel an Titch weiter und half Del, aber selbst zu zweit brauchten sie fast f�nf Minuten, Bradburn aus dem m�rderischen Kokon herauszuschneiden. Trotz allem war das Schicksal noch gn�dig mit Bradburn gewesen - einer der gl�nzenden F�den verschwand in seinem Mund wie eine schreckliche schwarze Zunge, aber seine Augen waren unverletzt, und zumindest dem Ausdruck auf seinem erstarrten Gesicht nach zu schlie�en schien er keine sehr gro�en Schmerzen gehabt zu haben, als er starb.</p><p>�Seid vorsichtig!� warnte Titch noch einmal. �R�hrt es nicht an!�</p><p>�Es ist tot�, versicherte Skar. �Sieh selbst.�</p><p>Tats�chlich schien weder in dem Netz noch in dem darunterliegenden schwarzen Kokon noch Leben zu sein - im Gegenteil: Auf seiner Innenseite waren gro�e, feuchte Flecken, die Skar an verwesendes Fleisch erinnerten und auch so rochen, und ein Teil der schwarzen Masse war zu por�sem Grau geworden, das sich in Staub verwandelte, als Del es mit der Messerspitze ber�hrte. �Es ist tot�, wiederholte er noch einmal. �Es hat ihn umgebracht, aber es ist selbst dabei gestorben.�</p><p>�Nein�, verbesserte ihn Del. �Er hat es get�tet. Sieh doch.� Er deutete mit der Messerspitze auf Bradburns rechte Hand, und als Skar sich vorbeugte, erkannte er, was Del meinte. Bradburns Hand war v�llig frei von der schwarzen Masse, und auch die F�den, die seinen Arm hinabgekrochen waren, sahen grau aus oder wirkten verdorrt, wie verbranntes Wurzelwerk. Etwas Kleines, Gl�nzendes blitzte in Bradburns geschlossener Faust. Die Finger des Toten waren noch nicht erstarrt, so da� es Skar leicht fiel, sie mit der Spitze seines Messers auseinanderzubiegen. Erstaunt blickte er auf das herunter, was auf Bradburns ausgestreckter Handfl�che zum Vorschein kam: Es war ein kleiner, tropfenf�rmiger Knopf aus gelblichem Kristall, der von einem unendlich feinen kupfernen Netz umgeben war. Behutsam drehte er ihn mit der Messerspitze ein paarmal herum, um sich davon zu �berzeugen, da� ihm auch nicht der kleinste Partikel der schwarzen Masse anhaftete, streckte die Hand aus, um ihn aufzuheben, und zog die Finger dann im letzten Moment wieder zur�ck. Er sah sich suchend im Zimmer um, gewahrte einen schwarzen Stoffetzen ein St�ck hinter sich und wickelte den Kristallstein darin ein, ehe er ihn aus Bradburns Hand nahm. �Was soll das?� fragte Del stirnrunzelnd.</p><p>�Das ist der Verschlu� der Kristallphiole�, antwortete Skar. �Hast du vergessen, was Bradburn �ber ihren Inhalt erz�hlt hat?� Del wurde noch ein bi�chen bleicher, als er ohnehin schon war, sagte aber nichts mehr. Skar verstaute den Kristall sorgf�ltig in einer Tasche seines G�rtels, dann stand er auf. Titch war ein paar Schritte von dem Toten zur�ckgewichen, und wenn ein Quorrl-Gesicht �berhaupt in der Lage war, Entsetzen auszudr�cken, dann tat es das seine jetzt. Aber auch Skar sp�rte eine deutliche Erleichterung, als auch Del sich erhob und sie sich ein paar Schritte von Bradburn und dem f�rchterlichen Ding entfernten, das ihn get�tet hatte.</p><p>�Was ist hier passiert?� fragte Skar leise. Wieder glitt sein Blick durch den Raum, und erneut versuchte er, sich vorzustellen, welche Gewalten diese unvorstellbaren Zerst�rungen angerichtet hatten.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete Del. �Ich bin hierhergekommen, nachdem du ... gegangen warst. Ich wollte mit Bradburn reden. Aber da war schon alles so, wie du es jetzt siehst.� Er sch�ttelte den Kopf und schlo� die Augen. �Ich kann mir nur vorstellen, da� er einen Teil des Netzes von der toten <emphasis>Errish </emphasis>heruntergeschnitten hat, um damit zu experimentieren.�</p><p>�Dieser Narr!� entfuhr es Titch. �Er h�tte uns alle umbringen k�nnen!�</p><p>Skar sah auf. �Wieso?� fragte er. �Wei�t du etwas �ber dieses ... Ding?�</p><p>�Nein�, antwortete Titch, eine Spur zu schnell, als da� Skar ihm glaubte. �Aber sieh dich doch um!�</p><p>Titch log, und auch Del merkte es. Aber Skar warf ihm einen raschen, mahnenden Blick zu, und Del schluckte die scharfe Antwort hinunter, die ihm auf der Zunge lag.</p><p>�Er ist tot, nicht wahr?� sagte Skar. �Wir k�nnen ihn kaum mehr zur Verantwortung ziehen.�</p><p>�Und auch nicht mehr fragen, was hier geschehen ist�, f�gte Del finster hinzu. �Gro�er Gott, Skar, ich beginne langsam zu glauben, was dieses M�dchen behauptet. Vielleicht ist diese ganze verdammte Burg wirklich nichts anderes als eine Falle.�</p><p>Skar wollte antworten, aber im gleichen Moment, in dem er zu Del aufsah, fiel ihm etwas auf; nicht mehr als ein Huschen aus den Augenwinkeln, vielleicht nur ein Schatten, aber vielleicht auch...</p><p>Er nahm Titch die Fackel aus der Hand und ging auf die Wand zu, an der er den schwarzen Fleck bemerkt hatte. Seine Schritte waren sehr langsam. Seine Hand, welche die Fackel hielt, zitterte. �Was hast du?� fragte Del alarmiert.</p><p>Skar zuckte mit den Schultern und hielt die Fackel h�her. Er war nicht sicher, aber f�r einen winzigen Moment hatte er das Gef�hl gehabt, da� sich der Schatten... bewegte.</p><p>Es war kein Schatten.</p><p>Es war auch kein Ru�fleck, wie er im ersten Moment geglaubt hatte.</p><p>Es war ein fast mannsgro�er Fleck der gleichen, widerw�rtig-schwarzen Masse, die Bradburn erstickt hatte. Haarfeine d�nne �derchen zuckten und pulsierten darin, und hier und da bewegten sich winzige gl�nzende Kl�mpchen, kleinen beinlosen Tieren aus schwarzem Schleim gleich, die blind hin und her krochen. Titch keuchte, und Del gab einen angewiderten, w�rgenden Laut von sich.</p><p>Skar senkte zitternd die Fackel, und was er sah, �berraschte ihn kaum noch: Der Fleck endete eine Handbreit �ber dem Boden, aber ein schmaler, glitzernder Streifen der Netzmasse zog sich noch weiter, erreichte den Boden und zog eine schmierige Bahn bis hin zu dem t�dlichen Kokon um Bradburn.</p><p>Fast eine Minute lang standen sie einfach da und starrten das entsetzliche Etwas an, und schlie�lich war es Titch, der als erster aus seiner Erstarrung erwachte. Er streckte die Hand aus und sah Skar an, und Skar wu�te sofort, was er wollte. Behutsam zog er den Kristallknauf aus dem G�rtel und reichte ihn Titch. Vorsichtig wickelte der Quorrl ihn aus, ergriff ihn mit spitzen Fingern und trat an die Wand. Selbst seine Hand zitterte, als er den Arm ausstreckte und den schwarzen Fleck mit dem spitzen Ende der kristallenen Tr�ne ber�hrte.</p><p>Ein leises Zischen war zu h�ren; ein Laut, als ber�hrte gl�hendes Eisen Fleisch. Skar sah, wie das filigrane Netz rings um die Stelle herum zu verdorren begann, gegen die Titch den Kristall gepre�t hatte. Und der Proze� h�rte nicht auf, sondern setzte sich rasend schnell fort. Binnen weniger Sekunden ergriff er die gesamte Masse und t�tete sie. Die haard�nnen F�den verdorrten, wurden grau und fielen ab oder l�sten sich einfach auf.</p><p>Aber der Quorrl war noch nicht fertig. Vorsichtig wickelte er den Kristallknopf wieder in sein Tuch, reichte ihn Skar zur�ck und zog statt dessen sein Schwert aus dem G�rtel. Mit aller Macht holte er aus und schmetterte die Klinge gegen die Wand. Funken stoben auf. Die Spitze von Titchs Schwert brach ab und fiel klirrend zu Boden, aber der Hieb hatte auch eine fast fingertiefe Bresche in die Wand geschlagen.</p><p>Skars Herz schien f�r einen Moment auszusetzen und dann mit doppelter Wucht und fast schmerzhaft weiterzuh�mmern. Das Netz war auch hier verdorrt und begann zu Staub zu zerfallen, aber es ging nicht schnell genug, als da� Skar und die beiden anderen nicht das fast mikroskopische Gewebe erkennen konnten, das den Stein durchzog und in seiner Tiefe verschwand. �Gro�er Gott!� fl�sterte Del entsetzt. �Schaut euch das an. Als ob es in die Wand hineingekrochen w�re!�</p><p>�Oder heraus�, sagte Titch.</p></section><section><title><p id="_13">13.</p></title><p>Sie hatten Bradburns Kammer noch einmal und sehr viel gr�ndlicher durchsucht, ohne jedoch eine weitere schreckliche Entdeckung zu machen, und anschlie�end hatte Del befohlen, Feuer in der Kammer zu legen und es nicht eher erl�schen zu lassen, bis alles darin zu Asche zerfallen war.</p><p>Auf dem Weg zur�ck zu Dels Thronsaal begegnete ihnen Kiina, die sich lautstark und beleidigt dar�ber beschwerte, da� zwei von Titchs M�nnern ihr den Zugang zur Burg verwehrt hatten - ganz offensichtlich hatte sie Skar folgen wollen. Skar wollte sie fortschicken, aber Del brachte ihn mit einer befehlenden Geste zum Schweigen und bat Kiina, sie zu begleiten. Das M�dchen gehorchte, sah Skar aber fragend und sehr verwirrt an und versuchte, allein auf dem Weg nach oben drei- oder viermal, ein Gespr�ch zu beginnen. Skar reagierte nicht darauf; weder mit Blicken noch mit Worten. Er war verwirrt - erschrocken auch, nat�rlich - aber mehr als alles andere verwirrt. Es gab eine Menge scheinbar �berzeugender Erkl�rungen f�r das, was er unten in Bradburns Kammer gesehen hatte, und eine schien ihm unangenehmer als die andere, aber da war noch mehr. Nur ein Gef�hl, nicht einmal eine Ahnung, und doch die absolute Gewi�heit, da� nichts so war, wie es zu sein schien, und die Erkl�rung in Wirklichkeit vielleicht viel, viel simpler - und schrecklicher -, als sie bisher angenommen hatten. Und zu allem kam das entsetzliche Gef�hl, die Wahrheit f�r einen ganz kurzen Moment erkannt zu haben. Dort unten in der Kammer des Predigers, die zu seinem Grab geworden war, hatte er f�r einen zeitlosen Augenblick <emphasis>gewu�t, </emphasis>was dieses ganze grauenvolle Geschehen bedeutete; und wie es enden w�rde. Aber der Gedanke war ihm entschl�pft, ehe er danach greifen konnte.</p><p>Sie erreichten den Thronsaal. Del schickte die Wachen hinaus, schlo� sorgf�ltig die T�r hinter sich und forderte Skar, Titch und das M�dchen mit Gesten auf, an der langen Tafel Platz zu nehmen. Skar und der Quorrl gehorchten, w�hrend Kiina Del nur mit gro�er Verwirrung anblickte und seiner Aufforderung erst nachkam, als auch Skar ihr aufmunternd zunickte. Auf ihrem Gesicht machte sich ein Ausdruck wachsender Beunruhigung breit. Keiner von ihnen hatte mehr als das Allernotwendigste gesprochen bisher, aber es konnte nicht sehr schwer sein, in ihren Gesichtern zu lesen. Selbst in den Augen des Quorrl nistete die Angst.</p><p>�Was habt ihr?� fragte sie schlie�lich.</p><p>Del warf Skar einen mahnenden Blick zu - der Kiina nat�rlich keineswegs entging - und hob rasch und, wie er meinte, beruhigend die Hand. �Nichts�, sagte er. �Nichts, was dich beunruhigen m��te, jedenfalls. Wirst du uns ein paar Fragen beantworten?�</p><p>Seine Stimme hatte einen sonderbar gek�nstelten Klang, fand Skar. Aber es dauerte ein paar Augenblicke, bis er begriff, da� es genau der Ton war, in dem Del meinte, mit einem Kind sprechen zu m�ssen. Nat�rlich begriff Kiina das auch. Und Kiina w�re nicht Kiina gewesen, wenn sie irgendwie anders als zornig darauf reagiert h�tte.</p><p>�Vielleicht�, antwortete sie herausfordernd. �Wenn ihr mir zuerst verratet, was hier pl�tzlich los ist. Wolltest du nicht gehen, Skar? Was ist dort unten bei Bradburn geschehen? Wo ist er �berhaupt?�</p><p>�Tot�, antwortete Skar, ehe Del Gelegenheit fand, etwas anderes zu sagen. Dels Gesichtsausdruck verfinsterte sich, aber Skar fuhr unger�hrt fort: �Ich erz�hle dir sp�ter alles, Kiina. Aber jetzt beantworte Dels Fragen - bitte.�</p><p>�Tot?� wiederholte Kiina fassungslos. Sie hob die Hand, starrte Skar und Del abwechselnd aus gro�en Augen an und ber�hrte mit den Fingerspitzen ihre Lippen. Dann gab sie sich einen sichtlichen Ruck und wandte sich zu Del um.</p><p>�Was... willst du wissen?�</p><p>Del scho� einen zornigen Blick in Skars Richtung ab, aber als er weitersprach, klang seine Stimme fast normal. �Erinnerst du dich, was du uns erz�hlt hast, als du hergekommen bist - Skar, Bradburn und mir? Da� diese Festung eine Falle ist, einzig dazu erbaut, um uns zu vernichten?�</p><p>�Nat�rlich erinnere ich mich�, antwortete Kiina �rgerlich. �Es ist ja erst ein paar Stunden her, oder?�</p><p>�Wie hast du das gemeint?� fuhr Del fort.</p><p>�Ich habe -� Kiina brach ab, blickte ihn verwirrt an und verzog das Gesicht zu einer Mischung aus �rger und einem L�cheln. �Aber das habe ich dir und Bradburn doch schon alles erz�hlt�, sagte sie schlie�lich. �Und nicht nur einmal.�</p><p>�Dann tu es noch einmal�, mischte sich Titch ein. <emphasis>�Ich </emphasis>wei� es n�mlich noch nicht.� Der Blick, den er Del bei diesen Worten zuwarf, sprach B�nde. Offensichtlich, dachte Skar, hatte Del es bisher nicht unbedingt f�r n�tig befunden, Titch in <emphasis>alles </emphasis>einzuweihen.</p><p>Wieder sah Kiina ihn an, ehe sie antwortete, und wieder mu�te er nicken, damit sie es tat. Dels �rger war jetzt beinahe zu h�ren, aber Skar kostete den kleinen Sieg nur umso mehr aus.</p><p>�Etwas Genaues wei� ich auch nicht�, begann Kiina z�gernd. �Ich habe... ein paar Ger�chte geh�rt, ein Wort hier aufgeschnappt, eine Bemerkung da. Ich war nur eine einfache Zofe, nach dem Tod meiner Mutter, und die <emphasis>Errish </emphasis>sprachen selten in meiner Gegenwart oder der der anderen Bediensteten �ber ihre Pl�ne.�</p><p>�Und was�, fragte Del m�hsam beherrscht, <emphasis>�hast </emphasis>du aufgeschnappt?�</p><p>�Nicht viel, wie gesagt�, antwortete Kiina. �Es war von euch die Rede. Von dem Hohen Satai und seinem Heer, und von einer gro�en Anzahl Quorrl. Und von etwas, was geschehen w�rde, sobald ihr den Ort erreicht habt.�</p><p>Nicht nur Skar fiel die Art auf, wie sie das Wort aussprach. �Was meinst du damit, den Ort?� fragte er, das Wort auf die gleiche �bertriebene Art betonend, wie sie es getan hatte. �Ich wei� es nicht�, beteuerte Kiina abermals. �Sie haben niemals etwas Konkretes gesagt, Skar. Nur, da� alles vorbereitet sei und da� der...� Sie stockte, starrte einen Moment lang an Skar vorbei gegen die Wand und bi� sich auf die Unterlippe. �Ich habe das Wort vergessen�, gestand sie. �Aber da� irgend etwas bereit ist zuzuschlagen, sobald ihr alle hier seid.�</p><p>�Hier?� unterbrach sie Titch scharf. �Eben hast du behauptet, du w��test nicht, was der Ort ist.�</p><p>�Das stimmt auch�, verteidigte sich Kiina. �Aber ich glaube, da� es diese Burg ist. Der Tag stimmt, und -�</p><p>�Und diese Burg ist der einzige Ort, an dem dein und unser Heer wirklich zusammen sind�, unterbrach sie Skar, an Titch gewandt. �Sobald die Veden und Dels Satai aus Denwar hier sind, gehen wir �ber die Berge. Danach teilen wir uns wieder, nicht wahr? Es ist nur logisch.�</p><p>Del warf ihm einen warnenden Blick zu. Sie waren �berein gekommen, niemals in Gegenwart anderer �ber ihre Pl�ne zu sprechen. Nicht einmal die Soldaten drau�en auf dem Hof wu�ten, wohin sich die Heere wenden w�rden, wenn sie die Berge hinter sich hatten.</p><p>�Aber ich wei� nicht, wie sie es tun wollen�, fuhr Kiina fort. �Ich w�rde es euch sagen, wenn ich es w��te.�</p><p>�Aber das ergibt keinen Sinn!� fuhr Titch auf. �Sie konnten nicht wissen, da� wir uns hier sammeln. Die Heere sollten sich im Lager in der Ebene treffen.�</p><p>�Doch�, widersprach Skar. �Sie konnten es wissen, Titch.�</p><p>�Diese Burg hat vor Wochenfrist noch Drask und seinen Zauberpriestern geh�rt!� protestierte der Quorrl.</p><p>�Und wir haben nicht einmal eine Nacht gebraucht, um sie zu nehmen�, erwiderte Skar. �Dabei ist die H�lfte unseres Heeres nicht einmal hier. Ich frage mich allm�hlich, ob wir nicht genau das getan haben, was Drask wollte.� In Wahrheit fragte er sich dies nicht <emphasis>allm�hlich, </emphasis>sondern schon eine geraume Weile - genaugenommen seit dem Moment, in dem er an Dels Seite durch das Burgtor gest�rmt war und gesehen hatte, wie Titchs Quorrl die Wachmannschaften einfach �berrannten, schon durch ihre pure Zahl. Die Architektur dieser Burg wirkte auf den ersten Blick genial; einem unkundigen Auge mochte sie wirklich uneinnehmbar erscheinen, schon durch ihre ungeheuerliche Gr��e. Aber sie war es nicht. Es war beinahe ein Kinderspiel gewesen, sie in die Hand zu bekommen. Skar begann sich zu fragen, ob Drasks Baumeister wirklich so wenig von ihrem Handwerk verstanden. Oder vielleicht mehr, als sie alle bisher angenommen hatten. Er vertrieb den Gedanken, nahm sich aber vor, ihn sp�ter noch einmal genauer zu durchleuchten.</p><p>�Hast du das so auch Bradburn erz�hlt?� fragte er Kiina. Das M�dchen nickte. �Nat�rlich.�</p><p>�Mit denselben Worten?� dr�ngte Skar. �Bitte, Kiina - es ist wichtig. Erinnere dich genau. Es ist wichtig.�</p><p>Kiina dachte angestrengt nach, aber nach einer Weile nickte sie wieder. �Ich bin sicher. Ich konnte mich nicht auf den Ausdruck besinnen, den sie benutzten, aber ich... ich habe es genauso ausgedr�ckt wie jetzt, ja. Ganz sicher�, f�gte sie hinzu. �Dann ist alles klar�, folgerte Titch. Alle drei sahen �berrascht hoch und blickten den Quorrl an, und Titch fuhr mit einer anklagenden Geste auf Kiina fort: �Du hast ihn umgebracht, Menschenjunges, wei�t du das?�</p><p>�Ich?!� keuchte Kiina.</p><p>�Was f�r ein Unsinn!� rief Del �rgerlich dazwischen. �Sie war nicht einmal in seiner N�he, als -�</p><p>�Er hat das <emphasis>Netz </emphasis>nicht vernichtet�, fuhr Titch unger�hrt fort. �Es kann nur so gewesen sein. Er hat die tote <emphasis>Errish </emphasis>und ihre R�stung verbrannt, genau wie du von ihm verlangt hast, aber er hat etwas von dem <emphasis>Netz </emphasis>zur�ckbehalten. Bradburn war ein kluger Mann, aber auch sehr wi�begierig. Vielleicht hatte er vor, es sp�ter in aller Ruhe und mit der angemessenen Vorsicht zu untersuchen. Und als das M�dchen ihm von dem Etwas erz�hlte, an dessen Namen sie sich nicht erinnern kann, hat er angefangen zu �berlegen.�</p><p>�Das ist m�glich�, gab Skar ruhig zu. �Aber es <emphasis>mu� </emphasis>nicht so gewesen sein, nicht wahr? Ich kann mir zehn andere Erkl�rungen ausdenken, wenn du willst.�</p><p>�Ja�, forderte Titch.</p><p>Skar blinzelte verwirrt, und Titch machte eine auffordernde Handbewegung. �Ich will es�, bekr�ftigte er. �Tu es, Satai.� Skar setzte zu einer w�tenden Antwort an, aber Del unterbrach ihn, noch bevor er auch nur ein Wort hervorbringen konnte. �Er hat recht, Skar�, stellte er fest. �Es <emphasis>k�nnte so </emphasis>gewesen sein. Wahrscheinlich war es sogar so. Was aber nicht hei�t�, f�gte er, in Kiinas Richtung gewandt, hinzu, �da� du ihn <emphasis>umgebracht </emphasis>hast.� Er l�chelte verzeihend. �Titch dr�ckt die Dinge manchmal etwas direkter aus, als gut w�re, Kind. Es war vollkommen richtig, da� du Bradburn und mir alles erz�hlt hast. Schlie�lich haben wir dich gefragt.�</p><p>Kiina erbleichte noch weiter. Ihre Augen wurden dunkel vor Entsetzen. �Aber dann ... dann ...�</p><p>�Dich trifft keine Schuld�, betonte Del noch einmal. �Wenn es so etwas wie Schuld in diesem Fall �berhaupt gibt, dann trifft sie allerh�chstens Bradburn selbst. Er h�tte wissen m�ssen, in welche Gefahr er sich begibt.�</p><p>�Sich?� Titch lachte b�se. �Dieser Narr h�tte uns alle umbringen k�nnen. Ihr habt gesehen, was dieses ... <emphasis>Ding </emphasis>angerichtet hat!�</p><p>Seltsam - aber f�r einen Moment war Skar vollkommen sicher, da� Titch etwas ganz anderes hatte zum Ausdruck bringen wollen. Er lie� sich nichts anmerken, nahm sich aber vor, in Zukunft noch genauer auf das zu achten, was der Quorrl sagte.</p><p>�Erz�hl uns mehr von dem <emphasis>Netz�, </emphasis>verlangte Del. �Dem W�chter - so nennt ihr es wohl in Elay?�</p><p>Kiina nickte automatisch, aber ihre Antwort war kaum weniger ergiebig als die, welche sie zuvor gegeben hatte. �Ich wei� nicht viel dar�ber�, bekannte sie. �Es war einfach da, eines Tages. Ich selbst war nicht dabei - niemand, der sich in der Heiligen Halle befand, als es auftauchte, �berlebte den Tag.�</p><p>�Gestern hast du gesagt, es w�re unaufh�rlich gewachsen�, erinnerte Del.</p><p>�Das ist es auch�, antwortete Kiina. Sie wirkte nerv�s. Ihr Blick irrte unstet zwischen Del und Skar hin und her, und Skar wu�te, da� sie bald anfangen w�rde, sich in Widerspr�che zu verwickeln und die Dinge durcheinander zu werfen, nicht, weil sie log, sondern einfach, weil sie diese Art eines strengen Verh�res nicht gewohnt war und wie fast jeder Mensch in ihrer Lage das Gef�hl haben mu�te, angeklagt zu werden. �Das ist es auch�, wiederholte sie. �Es hat sich �ber... �ber ganz Elay ausgebreitet, nach und nach. Aber zuerst ist es in den Heiligen Hallen aufgetaucht. Ganz pl�tzlich. Ich war nicht in der Stadt, aber ich habe es von anderen geh�rt.�</p><p>�Wann genau?� fragte Skar. Ganz pl�tzlich hatte er wieder das Gef�hl, der L�sung ganz nahe zu sein, aber wieder schien sie sich seinem Zugriff wie ein lebendes Wesen zu entziehen, als er danach greifen wollte.</p><p>�Wann genau? Ich verstehe nicht -�</p><p>�Wann ist es aufgetaucht?� formulierte Skar seine Frage pr�ziser. �Nachdem ihr die Zauberpriester zur�ckgeschlagen habt, oder bevor sie kamen?�</p><p>�Danach�, antwortete Kiina. �Nach ... nach dem letzten Angriff.� Sie blickte ihn nachdenklich an. �Du glaubst, <emphasis>sie </emphasis>h�tten es erschaffen?�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Aber sie sind Elay nicht einmal nahe gekommen�, antwortete Del an Kiinas Stelle. �Das stimmt doch, oder?�</p><p>�Ja�, Kiina nickte �bertrieben heftig. �Unsere Drachen haben sie geschlagen, wo immer sie auftauchten. Und jedes Mal vernichtender.�</p><p>�Sie sind Zauberer�, erinnerte Skar.</p><p>�Unsinn�, entfuhr es Del. �Oder meinetwegen, ja,� verbesserte er sich sogleich. �Aber nicht <emphasis>solche </emphasis>Zauberer. K�nnten sie einen Zauber wie dieses <emphasis>Netz </emphasis>erschaffen, �ber f�nfhundert Meilen hinweg, Skar, dann s��en wir nicht hier.�</p><p><emphasis>Ja, </emphasis>dachte Skar. <emphasis>Das stimmt. Es sei denn, nicht sie haben das Netz gewoben, sondern ein anderer. </emphasis>Aber laut sprach er das nicht aus. Das Bild begann sich zu einem Ganzen zu formen, aber das Muster war noch zu unvollst�ndig, um es zu erkennen. Noch nicht.</p></section><section><title><p id="_14">14.</p></title><p>Sie hatten noch lange geredet; Stunden, ohne zu einem irgendwie gearteten Ergebnis zu gelangen, und schlie�lich hatte Titch den Vorschlag gemacht, da� sie aufh�ren und versuchen sollten, noch ein paar Stunden Schlaf zu finden, um das Problem am n�chsten Tag mit klarem Kopf noch einmal angehen zu k�nnen. Skar war aufgestanden und ohne ein Wort des Abschieds in seine Kammer zur�ckgegangen, und er war tats�chlich eingeschlafen, kaum, da� er sich auf seinem Lager ausgestreckt hatte.</p><p>Aber er schlief nicht sehr lange, und er wachte nicht von selbst auf. Was ihn weckte, war ein Ger�usch, von dem er nicht einmal sicher war, ob er es �berhaupt wirklich geh�rt hatte -, und das ungreifbare, aber sehr heftige Empfinden, nicht mehr allein im Zimmer zu sein.</p><p>Trotz seiner Ersch�pfung waren alle seine Sinne sofort hellwach. Er selbst, sein bewu�tes Denken und �berlegen, brauchte noch einige Augenblicke, um sich aus dem Gewirr des Alptraumes zu befreien, den er gehabt hatte, aber es war wie immer, wenn er sich in Gefahr befand - sein Denken schien sonderbar zweigeteilt zu funktionieren: Er f�hlte sich noch immer benommen und verwirrt, es fiel ihm im allerersten Moment schwer, sich daran zu erinnern, wo er �berhaupt war, und warum. Aber auf einer anderen, tieferen Ebene war er hellwach und angespannt; seine Instinkte waren erwacht, und wahrscheinlich waren auch sie es gewesen, die ihn �berhaupt geweckt hatten, die Instinkte eines gejagten, sehr erfahrenen Raubtieres.</p><p>Vorsichtig �ffnete er die Augen einen Spaltbreit und sah nichts als vollkommene Dunkelheit. Er erinnerte sich nicht, das Fenster geschlossen zu haben, aber jetzt lagen die L�den vor; das bi�chen graues Sternenlicht, das durch die Ritzen sickerte, spendete nicht mehr Helligkeit als ein Muster aus gemalten waagerechten Streifen.</p><p>Und trotzdem verriet es ihm, da� er sich nicht get�uscht hatte. Ein Teil des Musters war unterbrochen, vielleicht ein Drittel des grauen Gitters ausgel�scht von einer finsteren formlosen Masse. Sie bewegte sich, ganz sacht nur, aber sichtbar. Er war nicht allein. Er �berlegte, ohne die geringste Nervosit�t oder Hast, aber sehr schnell. Der Eindringling stand irgendwo in nicht zu sch�tzender Entfernung zwischen ihm und dem Fenster, vielleicht f�nf Schritte entfernt, vielleicht auch nur einen halben; vielleicht waffenlos, vielleicht auch mit einem gespannten Bogen in der Hand, dessen Pfeil auf seine Brust zielte.</p><p>Skar erwog die M�glichkeit, da� es sich bei dem unbekannten Eindringling um <emphasis>keinen </emphasis>Feind handelte, nicht einmal eine halbe Sekunde lang. Wer immer hereingekommen war, hatte sich eingeschlichen, um ihn nicht zu wecken, und hatte das Fenster geschlossen, damit kein Licht nach drau�en drang und ihn verriet; vielleicht auch, um nicht gesehen zu werden, falls Skar erwachte. Er lauschte, h�rte sehr leise, schnelle Atemz�ge und sog vorsichtig die Luft ein. Der Geruch verriet nichts; er konnte nicht sagen, ob es ein Mensch oder ein Quorrl war, der da vor ihm stand.</p><p>Dann bewegte sich der Schatten, und obwohl Skar mit fast �bermenschlicher Schnelligkeit reagierte, entging er dem Tod diesmal nur um Haaresbreite. Etwas schrammte an seiner Schl�fe entlang und grub sich mit entsetzlicher Wucht in das Kissen, auf dem gerade noch sein Kopf gelegen hatte. Skar warf sich herum, fiel halbwegs vom Bett und hechtete nach vorne und gleichzeitig zur Seite, um mit einer Rolle auf die F��e zu kommen.</p><p>Er war nicht schnell genug. Ein Hieb traf ihn mitten in der Bewegung zwischen den Schulterbl�ttern. Aus seinem Sprung wurde ein haltloses Stolpern. Er schrie auf, prallte schmerzhaft mit der H�fte gegen die Tischkante und glitt aus.</p><p>Der Sturz rettete ihm zum zweiten Mal das Leben. Die zollstarke Tischplatte zersplitterte unter einem f�rchterlichen Hieb, und irgendwo dicht neben ihm klirrte Metall auf den Steinboden. Skar trat blindlings zu und traf, aber es gelang ihm nicht, seinen Gegner aus der Balance zu bringen. Immerhin h�rte er, wie der Mann schmerzhaft keuchte und einen Schritt zur�cktaumelte - und diesmal reichte die gewonnene Zeit Skar, auf die F��e zu kommen und nach seinem Schwert zu greifen.</p><p>Es zu ziehen, nicht mehr.</p><p>Sein Gegner war noch immer unsichtbar, aber Skar sp�rte, wie etwas auf ihn zust�rzte. Ein Faustschlag traf seine Schulter und lie� ihn gegen die Wand taumeln, und eine zweite, erstaunlich starke Hand umklammerte sein Handgelenk und pre�te es gegen die Mauer. Skar b�umte sich auf, bekam eine Hand frei und schlug mit aller Wucht zu. Aber er sah seinen Gegner nicht, und so traf der Handkantenschlag nicht dessen Hals, sondern prallte harmlos von einer metallgepanzerten Schulter ab, und das Blut, das pl�tzlich �ber Skars Hand lief, war sein eigenes.</p><p>Mit aller Gewalt stemmte er sich gegen den unsichtbaren Schatten, der ihn erbarmungslos gegen die Wand pre�te, sammelte noch einmal alle Kraft - und lie� sich j�hlings zu Boden sinken.</p><p>Der Trick funktionierte. Der Ansturm seines Gegners ging f�r einen Moment ins Leere, und Skar nutzte den Sekundenbruchteil, sich vollends loszurei�en und unter den Beinen seines Widersachers hindurchzurollen. Diesmal beging er nicht den Fehler aufzuspringen, sondern blieb reglos und mit angehaltenem Atem liegen. Er schlo� die Augen, um sich ganz auf die Ger�usche zu konzentrieren, die der andere machte.</p><p>Und begriff, da� er abermals einen Fehler begangen hatte. Er selbst war so gut wie blind, aber der andere schien �ber die Sehkraft einer Katze zu verf�gen. Eine Hand packte seine Schulter und ri� ihn herum, dann f�hlte er sich in die H�he gezerrt und mit unmenschlicher Kraft quer durch den Raum geschleudert.</p><p>Skar versuchte den Anprall mit den Armen abzufangen, aber er war nicht schnell genug. Die Wand traf ihn wie eine steinerne Faust und lie� ihn bewu�tlos zusammenbrechen. Der letzte Gedanke, der ihm durch den Kopf scho�, war der, wie l�cherlich es doch war, nach allem auf <emphasis>diese </emphasis>Weise...</p><p>... sterben zu sollen.</p><p><emphasis>Sterben?</emphasis></p><p>Skar �ffnete die Augen. Er war nicht tot. In seinem Kopf h�mmerte ein qu�lender Schmerz, und die rechte Seite seines Gesichtes klebte vor halb geronnenem Blut, aber er war ganz eindeutig nicht tot, sondern hatte die zweite H�lfte dieses Gedankens gedacht, nachdem er erwacht war. Nach einer geraumen Weile erwacht war, wie ihm ein Blick zum Fenster bewies. Durch die geschlossenen L�den drang jetzt das helle, unnat�rlich klare Licht des fr�hen Morgens, und aus der Schw�rze im Zimmer war ein mattes Grau geworden.</p><p>Skar st�hnte. Der Laut hallte wie ein Schrei in seinem Kopf wider und lie� den Schmerz in seiner Schl�fe zu zehnfacher Heftigkeit aufflammen. Keuchend hob er die Hand, pre�te sie gegen seinen blutenden Sch�del und wartete, bis das H�mmern darin wenigstens so weit abgeflaut war, da� er sich f�hig f�hlte, wenigstens einen halbwegs klaren Gedanken zu denken, wenn schon nicht, sich zu bewegen. Er lebte. Aus irgendeinem Grund hatte der Attent�ter darauf verzichtet, ihn vollends umzubringen, obwohl er wehrlos gewesen war. Vielleicht hatte er ihn auch f�r tot gehalten - was Skar nicht weiter erstaunt h�tte, bei all dem Blut, das sein Gesicht besudelte.</p><p>Vorsichtig zog er die Hand zur�ck, hob den Kopf und setzte sich vollends auf, als der erwartete Schmerz zwar nicht ausblieb, aber doch wesentlich milder war, als er bef�rchtet hatte. Trotzdem blieb er mehrere Minuten lang fast bewegungslos sitzen. In seinem Kopf drehte sich alles. Ihm war �bel und hei� und kalt zugleich, und als er versuchte, sich in die H�he zu stemmen, wurde ihm schwindelig. Skar war nicht sicher, da� er sich <emphasis>nicht </emphasis>den Sch�del gebrochen hatte - weh genug dazu tat er wei� Gott - aber er hatte sich eine geh�rige Gehirnersch�tterung eingehandelt.</p><p>M�hsam hievte er sich in die H�he, taumelte zum Fenster und stie� die L�den auf. Grellwei�es Sonnenlicht flutete in den Raum und stach wie mit winzigen gl�henden Nadeln in seine Augen, aber die frische Luft vertrieb auch fast sofort das Schwindelgef�hl aus seinem Kopf. Schmerzen und �belkeit blieben, aber auch sie ebbten allm�hlich ab.</p><p>Skar blieb lange schwer auf den Fenstersims gest�tzt stehen und atmete die eiskalte Morgenluft mit tiefen, gezwungen ruhigen Z�gen ein und aus. Die Burg und die dahinterliegenden Berge verschwammen immer wieder vor seinen Augen, und in seinem Mund war Blutgeschmack. Als er die Hand hob, um wieder nach der Wunde an der Schl�fe zu tasten, fuhr er schmerzhaft zusammen.</p><p><emphasis>Verdammt, ich werde langsam alt! </emphasis>dachte er, w�tend auf den unbekannten Angreifer, aber auch auf sich selbst. <emphasis>Vor zehn Jahren w�re mir das nicht passiert. </emphasis>Er wu�te nicht einmal, ob das stimmte, aber er konnte sich nicht erinnern, jemals so schnell und gr�ndlich verpr�gelt worden zu sein wie in dieser Nacht. Sein Gegner mu�te entweder �ber �bermenschliche Kr�fte verf�gt haben, oder eine zumindest ebensogute Ausbildung hinter sich gebracht haben wie er.</p><p>Nun - von beidem gab es in der Burg mehr als genug Auswahl, dachte er bitter. Wenn der Mann nicht einen dummen Fehler gemacht und eine deutliche Spur hinterlassen hatte, dann bestand wohl kaum eine berechtigte Aussicht, ihn zu identifizieren. Langsam drehte er sich vom Fenster weg und betrachtete zum ersten Mal bewu�t das Durcheinander in seiner Kammer. Der Raum war auch vorher alles andere als ordentlich gewesen; Pendanterie hatte niemals zu Skars Fehlern geh�rt - aber jetzt glich er einem Schlachtfeld. Was von der sp�rlichen Einrichtung nicht w�hrend des gespenstischen Kampfes gegen den Schatten zerschlagen oder umgeworfen worden war, das hatte jemand hinterher aufs allergr�ndlichste zerst�rt. Die gro�e h�lzerne Truhe, in der er seine wenigen Habseligkeiten aufbewahrt hatte, war umgeworfen und leer, seine Satteltaschen, der Mantel, sein Waffengurt und sogar seine Stiefel verschwunden - seine Geldkatze mit der Handvoll M�nzen selbstverst�ndlich auch -, und der Eindringling hatte sich sogar die M�he gemacht, seine Matratze aufzuschneiden und die Strohf�llung herauszurei�en. Aber irgendwie - trotz allem - �berzeugte der Anblick Skar nicht. Nicht im allermindesten. Alles sah ganz genau nach einem Einbruch aus - aber verdammt, dies war keine Dorfsch�nke, in der man mit so etwas rechnen konnte, und er kein unbedarfter Reisender, dem man eins �ber den Sch�del zog, um ihm seine Barschaft abzunehmen. Sicher - sie waren in der Gesellschaft eines halben Tausends dahergelaufener Tagediebe und Abenteurer; aber wer von ihnen w�rde wohl so schwachsinnig sein, ausgerechnet einen Mann ausrauben zu wollen, der als unbesiegbar galt?</p><p><emphasis>Vielleicht, </emphasis>beantwortete er seine Frage gleich selbst, <emphasis>jemand, der wu�te, da� er es nicht war.</emphasis></p><p>Er verschob die L�sung dieses R�tsels - wie die so vieler in letzter Zeit - auf sp�ter, unterdr�ckte im letzten Moment den Impuls, verwirrt den Kopf zu sch�tteln, und verlie� die Kammer. Auf dem Wege nach unten begegnete ihm nur ein einzelner Mann, der ihn automatisch gr��te und dann erschrocken zusammenfuhr, als er seinen Zustand bemerkte. Skar ging rasch an ihm vor�ber, schlug den Weg zu Dels Thronsaal ein und erreichte ihn, ohne auf ein weiteres lebendes Wesen zu treffen.</p><p>Del war nicht allein. Auf der gro�en Tafel rechts seines Thrones war ein opulentes Fr�hst�ck aufgetragen worden, an dem er und Kiina sich g�tlich taten, wobei sie ausgelassener Stimmung waren - Skar hatte das glockenhelle Lachen des M�dchens schon von weitem geh�rt, und auch Del lachte, als Skar durch die T�r trat. Sein Gesicht hellte sich sogar noch mehr auf, als er ihn erkannte. �Skar!� rief er erfreut. �Du hast lange -� Er brach mitten im Wort ab, starrte ihn eine halbe Sekunde lang eindeutig entsetzt an und sprang dann so pl�tzlich von seinem Stuhl auf, da� auch Kiina erschrocken zusammenfuhr.</p><p>�Bei allen G�ttern, was ist passiert?�</p><p>�Nichts�, knurrte Skar. �Ich bin aus dem Bett gefallen.� Sein Kopf schmerzte. Aus irgendeinem Grund machte ihn der Anblick Dels und Kiinas w�tend, wie sie so friedlich zusammensa�en und offensichtlich bester Laune waren. Vielleicht war es Neid. Del kam mit zwei, drei weit ausgreifenden Schritten auf ihn zu und streckte die H�nde aus, aber Skar schob seinen Arm grob beiseite. Er sah, wie Kiina sich im Sitz herumdrehte und ein zweites Mal und sehr viel heftiger erschrocken zusammenfuhr, bedachte auch sie mit einem finsteren Blick und lie� sich kommentarlos auf einen freien Stuhl an der Tafel sinken.</p><p>�Was ist passiert?� fragte Del noch einmal. �Bist du angegriffen worden?�</p><p>Skar starrte finster zu ihm hoch. Die Sorge auf Dels Gesicht war nicht gespielt, und er begriff pl�tzlich, da� er noch weitaus schlimmer aussehen mu�te, als er bisher angenommen hatte, nackt bis auf den Lendenschurz, mit seinem blut�berstr�mten und vermutlich geschwollenen Gesicht, und einer verkrusteten Wunde an der Schl�fe. Trotzdem griff er nach dem Krug, schenkte sich einen Becher voll Wein ein und st�rzte ihn mit einem Zug hinunter, statt zu antworten. Er sp�rte erst jetzt, wie durstig er war.</p><p>Del setzte sich wieder. In seinem Gesicht arbeitete es, und Skar war sich insgeheim im unklaren, warum er seine Frage nicht einfach wahrheitsgem�� beantwortete. Aber er hatte den Gedanken kaum gedacht, da sp�rte er wieder diese brodelnde Wut, einen sinnlosen Zorn, der sich nur auf Del entlud, weil er zuf�llig in seiner N�he war.</p><p>�Ich hatte einen Alptraum�, knurrte er.</p><p>�Du bist verwundet�, stellte Kiina fest, �berfl�ssigerweise, aber in erstaunlich sachlichem Ton.</p><p>�Es war ein sehr realistischer Traum�, fauchte Skar. Kiina runzelte die Stirn. Aber sie widersprach nicht mehr, sondern stand wortlos auf, tunkte eine saubere Serviette in die Wasserschale, die zwischen ihr und Del stand, und kam damit um den Tisch herum auf ihn zu. Sehr behutsam und mit erstaunlich geschickten Bewegungen begann sie, das geronnene Blut von seiner Schl�fe zu tupfen. Pl�tzlich kam sich Skar sch�big vor. �Danke�, murmelte er. Er legte den Kopf schr�g, um Kiina ein wenig behilflich zu sein, und bi� die Z�hne zusammen, als sich ihr an sich sanftes Tupfen seiner Wunde n�herte. Del stand auf, f�llte seinen Weinbecher wieder und hielt ihn an Skars Lippen.</p><p>�Erz�hlst du uns von deinem Traum?�</p><p>�Jemand hat mich niedergeschlagen�, antwortete Skar gepre�t. �Ich wei� nicht wer, oder warum.�</p><p>�Wo?�</p><p>�In meinem Zimmer�, antwortete Skar. �Irgendwann heute Nacht. Ich h�rte ein Ger�usch und wollte hochfahren, aber ich war nicht schnell genug.� Die L�ge ging ihm so glatt von den Lippen, da� es Augenblicke dauerte, bis er �berhaupt selbst merkte, was er gesagt hatte. <emphasis>Aber warum? Zum Teufel, er war doch kein Kind mehr, da� er sich sch�mte zuzugeben, einen Kampf verloren zu haben?!</emphasis></p><p>�Du bist im Schlaf �berfallen worden?� Del gab sich nicht einmal M�he, den Zweifel in seiner Stimme zu unterdr�cken. �Und man hat dich so zugerichtet?� Sein ausgestreckter Zeigefinger stie� nach Skars Schulter. Skar bi� die Z�hne zusammen, um nicht vor Schmerz aufzust�hnen.</p><p>�La� das�, verbot ihm Kiina scharf. �Seine Wunde sieht �bel aus. Jemand hat versucht, dich umzubringen, ist dir das klar? Du solltest Bra -�, sie brach ab, blickte einen winzigen Moment lang betroffen zu Boden und fuhr m�hsam beherrscht fort, �einen von Titchs Heilkundigen bitten, dich zu verbinden.�</p><p>�Unsinn�, widersprach Skar - obwohl er ganz genau wu�te, da� Kiina recht hatte. �Mach weiter. Du machst das sehr gut.� Kiina zuckte mit den Schultern und fuhr fort, an seinem Sch�del herumzutupfen, wobei sie das Tuch immer wieder in die Schale tunkte, um es zu s�ubern. Das Wasser darin f�rbte sich allm�hlich rot.</p><p>�Erz�hle�, forderte Del ihn auf. �Wie viele waren es? Hast du sie erkannt?�</p><p>�Ich wei� es nicht und nein�, antwortete Skar. �Es ging zu schnell. Ich bin aufgewacht, habe mich bewegt und eins �ber den Sch�del bekommen, das ist alles. Jemand hat mich ausgeraubt.�</p><p>�Ausgeraubt?!� Del lachte fast. �Aber das ist... das ist v�lliger Unsinn. Das bi�chen Geld -�</p><p>�Reicht nicht einmal aus, eine Woche in einem Gasthaus zu verbringen, ich wei߫, unterbrach ihn Skar. �Aber es sollen schon Leute f�r weniger get�tet worden sein.�</p><p>�Leute�, best�tigte Del. �Nicht du. Nicht Skar, der Satai.�</p><p>�Irgend jemand scheint nicht gewu�t zu haben, da� ich unbesiegbar bin�, antwortete Skar sp�ttisch.</p><p>Del wollte etwas erwidern, beugte sich aber dann statt dessen vor und hielt f�r einen Augenblick Kiinas Hand zur�ck, um sich die Wunde in Skars Schl�fe genauer zu besehen. �Das M�dchen hat recht�, sagte er, nachdem er sich wieder aufgerichtet und Kiina mit Blicken zu verstehen gegeben hatte fortzufahren. �Das war kein Hieb, der dich bet�uben sollte.� Er deutete auf die ansehnliche Sammlung von Bluterg�ssen und Prellungen auf Skars nacktem Oberk�rper. �Und das da auch nicht. Er mu� noch auf dich eingeschlagen haben, nachdem du besinnungslos warst. Jemand hat versucht, dich umzubringen.� Sein Gesicht verfinsterte sich. �Wei� sonst noch jemand davon?� fragte er. �Nat�rlich�, antwortete Skar. �Derjenige, welcher mich so zugerichtet hat.�</p><p>Del machte ein �rgerliches Gesicht. �Ich meine es ernst, Skar.�</p><p>�Nein�, antwortete Skar. �Oder doch. Ein Mann kam mir entgegen, oben auf der Treppe. Aber er hat mich nur gesehen. Er wei� nicht, was passiert ist.�</p><p>�Gut�, sagte Del. �Dann bleib hier, bis ich zur�ckkomme. Du k�mmerst dich um ihn, Kiina.� Er wartete Kiinas und Skars Antwort nicht ab, sondern fuhr auf der Stelle herum und rannte mit wehendem Mantel aus dem Raum. Die T�r fiel krachend hinter ihm ins Schlo�.</p><p>�Was hat er vor?� fragte Kiina.</p><p>�Ich wei� es nicht. Aber was immer es ist, es wird nichts nutzen�, antwortete Skar. �Wer immer mich heute im Schlaf besucht hat, war sehr gr�ndlich.� Er versuchte zu l�cheln. �Sie haben mir sogar meine Hosen gestohlen.�</p><p>Kiina l�chelte, aber ihre Augen blieben ernst. �Sei froh, da� sie nicht deinen Kopf mitgenommen haben�, tr�stete sie ihn. �Viel h�tte nicht gefehlt. Halt jetzt still. Es wird weh tun.� Das war - vorsichtig ausgedr�ckt - untertrieben, fand Skar. Was immer sie tat, trieb ihm die Tr�nen in die Augen, und es dauerte ekelhaft lange. Skar hatte das Gef�hl, da� sie mindestens eine Stunde lang mit angefeilten Fingern�geln in seiner Wunde herumgew�hlt haben mu�te, als sie endlich fertig war und damit begann, ein zweites Tuch in schmale Streifen zu rei�en, um damit einen Verband zu improvisieren. Aber er lie� auch diesen Teil ihrer Behandlung - fast - klaglos �ber sich ergehen und bewegte sich erst, als sie es ihm mit einer Geste gestattete. Vorsichtig hob er die Hand und tastete �ber den schmalen, aber sehr straff angelegten Verband, der sich um seinen Sch�del spannte.</p><p>�Sehr gut�, lobte er. �Wo hast du das gelernt?�</p><p>�Wo hast du gelernt zu k�mpfen?� fragte Kiina.</p><p>Es war ein harmloser Scherz, aber es fiel Skar pl�tzlich schwer, sich zu beherrschen und den j�hen Zorn zu d�mpfen, den ihre Antwort in ihm wachrief.</p><p>�Ich bin ein Kind der <emphasis>Errish�, </emphasis>f�gte Kiina rasch hinzu, als sie seinen Unmut bemerkte. �Zwar keine richtige Ehrw�rdige Frau, aber man bekommt so einiges mit, wenn man zwanzig Jahre lang unter ihnen lebt, wei�t du?�</p><p><emphasis>Zwanzig? </emphasis>Skar war �berrascht. Er hatte sie nie nach ihrem Alter gefragt, aber sie doch sehr viel j�nger eingesch�tzt. Verwirrt nickte er, schob seinen unbegr�ndeten Zorn auf die Schmerzen, die er ausgestanden hatte, und griff zum dritten Mal nach dem Weinbecher. Diesmal trank er sehr vorsichtig, denn er wollte den Tag nach allem nicht auch noch mit einem Rausch anfangen, und nach ein paar Schlucken stellte er den Becher auch zur Seite und griff stattdessen nach dem Krug mit Wasser, aus dem Kiina getrunken hatte.</p><p>Als er den Becher absetzte, sah er sein eigenes Spiegelbild in dem Rest Wasser, der noch darin schwappte, und pl�tzlich begriff er Dels und Kiinas Erschrecken sehr viel besser. Obwohl Kiina das meiste Blut bereits von seinem Gesicht gewischt hatte, bot er einen entsetzlichen Anblick: Seine Haut war bleich und gl�nzte unnat�rlich, und unter seinen Augen lagen dunkle, schwere Tr�nens�cke. Die d�nne gezackte Narbe auf seiner Wange leuchtete wie ein roter Strich und schien sich entz�ndet zu haben, und Kiinas Verband sah schlichtweg l�cherlich aus - wie ein oben abgeschnittener Turban, der sich an einer Seite allm�hlich dunkel f�rbte.</p><p>�Gef�llt es dir?� fragte Kiina sp�ttisch.</p><p>Skar machte: �Hm�, und aus Kiinas L�cheln wurde ein geradezu unversch�mtes Grinsen.</p><p>�Du wolltest ja nicht zu den Quorrl�, hielt sie ihm vor. �Ich bin sicher, Titchs Heilkundige h�tten es besser gemacht. Aber immerhin kannst du jetzt beruhigt in die Zukunft sehen.�</p><p>�Wieso?� fragte Skar verwirrt.</p><p>�Weil dir nichts mehr passieren kann�, antwortete Kiina ernsthaft. �Wer meine Hilfe �berlebt, den bringt gar nichts mehr um, wei�t du?�</p><p>Skar war nicht sehr nach Lachen zumute, aber er verzog pflichtschuldig die Lippen, denn ihm war klar, da� Kiina diesen Scherz nur machte, um ihn aufzumuntern. �Dein Mitleid scheint sich sehr in Grenzen zu halten�, spottete er.</p><p>�Es geht�, best�tigte Kiina. �Wenn ich ganz ehrlich sein soll, - es tut beinahe gut zu sehen, da� auch ein Mann wie du verwundbar ist. Bleibst du jetzt hier?�</p><p>Die Frage kam so unvermittelt, da� Skar ganz automatisch nickte, ehe er �berhaupt begriff, was sie gesagt hatte. Als er es verstand, packte ihn wieder der Zorn, und diesmal konnte er ihn nicht ganz unterdr�cken. �rgerlich ballte er die Hand zur Faust, setzte zu einer geschrienen Antwort an - und beherrschte sich im allerletzten Moment. <emphasis>Was war nur mit ihm los? </emphasis>Geduld war nie seine St�rke gewesen, aber das? Dieser entsetzliche J�hzorn machte ihm angst, umso mehr, als er nicht verstand, woher er kam.</p><p>�Vorerst�, antwortete er m�hsam. �Ich... denke schon. Wenigstens, bis...�</p><p>�Was hast du?� fragte Kiina, als er nicht weitersprach.</p><p>Skar zuckte fast hilflos mit den Schultern. �Ich wei� es nicht�, gestand er. �Zorn. In mir ist so viel Zorn. Und ich wei� nicht einmal, warum.�</p><p>Kiina war nicht im mindesten �berrascht. �Ihr m��t fort, Skar�, sagte sie, sehr leise, und sehr ernst. �Ich wei�, da� Del mir nicht glaubt, aber es ist dieser Ort.�</p><p>�Unsinn�, murrte Skar, aber das Wort klang nicht einmal in seinen eigenen Ohren �berzeugend. �Ein Ort kann nicht b�se sein. B�se sind nur denkende Wesen, Kind. Niemals ein Haus oder eine Stadt - oder eine Burg.�</p><p>�Er ist b�se�, beharrte Kiina. �Ich wei� es. Ich kann es f�hlen, Skar. Ich habe das alles schon einmal erlebt.�</p><p>Skar sah sie fragend an, und ein Schatten von Schmerz huschte �ber Kiinas Gesicht. �Ich habe das alles schon einmal erlebt�, wiederholte sie. �Es ist wie in Elay, Skar. Dort begann es genauso. Unsere Drachen haben sie geschlagen, aber der Sieg hat sie vergiftet.�</p><p>An jedem anderen Ort und aus jedem anderen Mund h�tten die Worte einfach l�cherlich geklungen, aber f�r einen kurzen Moment <emphasis>wu�te </emphasis>Skar einfach, da� es ganz genau so war, wie Kiina behauptete - es war dieser Ort. Er hatte es selbst gesp�rt, gestern abend, als er gegen den Satai gek�mpft hatte, diesen unb�ndigen, kaum mehr zu bezwingenden Drang zum T�ten, diesen entsetzlichen Ha�, den er pl�tzlich versp�rte, und gerade eben erst, als er hereingekommen war und bei Dels und Kiinas Anblick nichts als Neid und Zorn gef�hlt hatte, statt Erleichterung, zur Abwechslung einmal einen Menschen in dieser Burg zu sehen, der lachte. Und ganz pl�tzlich mu�te er daran denken, wovor ihn Drask gewarnt hatte, kurz bevor er starb: <emphasis>Gebt acht, da� ihr euch nicht totsiegt, Satai.</emphasis></p><p>Dels R�ckkehr bewahrte ihn davor, antworten zu m�ssen. Der h�nenhafte Satai kam im Sturmschritt in den Raum gerannt, wobei er die T�ren so heftig aufstie�, da� sie gegen die Wand prallten und zitternd zur�ckfederten. Skar sah die Umrisse zahlreicher anderer Gestalten hinter ihm auf dem Gang. Aufgeregte Stimmen drangen an sein Ohr, und keine zwei Schritte hinter Del wuchs ein schuppiger Kolo� in die H�he, betrat das Zimmer aber nicht.</p><p>�Du hattest recht�, begann Del �bergangslos. �Jemand hat gr�ndliche Arbeit in deiner Kammer geleistet - sie sieht aus, als w�ren Titchs Quorrl hindurchgest�rmt, f�nfmal hintereinander.�</p><p>�Um das herauszufinden, h�ttest du nicht -�, begann Skar, wurde aber sofort von Del unterbrochen, der unbeirrt und jetzt in fast triumphierendem Tonfall weitersprach: �Trotzdem hat er einen Fehler begangen. Der Diebstahl war nur vorget�uscht.�</p><p>�Ach?� sagte Skar sp�ttisch.</p><p>�Dein Schwert ist nicht da�, begr�ndete Del seine Vermutung. �Das ist nur logisch�, meinte Kiina. �Ein Satai-Schwert ist unglaublich wertvoll.�</p><p>�Es ist nicht wertvoll�, berichtigte sie Del herablassend. �Es ist t�dlich, Kind. Nicht einmal der d�mmste Narr w�rde es einem Dieb abkaufen. Nur Satai d�rfen <emphasis>Tschekal </emphasis>f�hren, und nur die Hohen Satai haben das Recht, ein Rubinschwert zu tragen. Niemand w�re so dumm, <emphasis>dieses </emphasis>Schwert zu stehlen.�</p><p>�Na, dann ist ja alles klar�, stellte Skar s�uerlich fest. �Wir gehen einfach hinunter und fragen, wer ein solches Schwert in seinem Besitz hat, nicht wahr?�</p><p>Sein Spott prallte von Del ab, und eine Sekunde sp�ter begriff er auch, warum. �Genau das werden wir tun�, antwortete Del. �Aber <emphasis>sie </emphasis>werden fragen, nicht wir.� Er trat einen Schritt zur Seite und deutete mit der Hand hinter sich. Der riesige Quorrl trat einen halben Schritt in den Raum hinein, und er war nicht allein: An einer Kette, deren Glieder fast so dick waren wie Skars kleiner Finger, zerrte einer der nachtschwarzen Killerhunde. Es war das mit Abstand gr��te Exemplar dieser Tiere, das Skar jemals gesehen hatte - fast so gro� wie ein Kalb, und so stark, da� selbst der titanische Quorrl M�he hatte, ihn zu halten. Ganz offensichtlich hatte das Tier bereits Witterung aufgenommen. Es geh�rte nicht viel Phantasie dazu, sich auszurechnen, da� es geradewegs aus Skars Kammer kam.</p><p>�Oh�, sagte Skar nur. Er mu�te zugeben, da� die Idee so naheliegend war, da� er eigentlich von selbst h�tte daraufkommen m�ssen. Gleichzeitig str�ubte sich etwas in ihm gegen den Gedanken, diese Bestie einzusetzen, um die Spur des Attent�ters aufzunehmen. Er hatte mehr Angst denn je vor diesen Tieren. Del l�chelte �bertrieben und machte eine ebenso �bertriebene, einladende Geste. �Begleitest du uns, oder soll ich dir den Kopf des Burschen bringen?�</p><p>Seine Worte lie�en etwas in Skar erschauern. Sie waren nicht ganz so sp�ttisch gemeint, wie sie klangen. <emphasis>Del auch? </emphasis>dachte er. <emphasis>Hatte Kiina recht?</emphasis></p><p>�Woher willst du wissen, da� er �berhaupt noch in der Burg ist?� fragte er, ohne Dels einladender Geste zu folgen. �Ich an seiner Stelle w�re jetzt schon zwanzig Meilen weit weg.�</p><p>�Sicher�, erwiderte Del trocken. �Aber du h�ttest fliegen m�ssen.� Er grinste. �Nachdem du es gestern abend so eilig hattest, uns zu verlassen, habe ich vorsorglich die Tore schlie�en lassen.� Skar starrte ihn an. <emphasis>Del hatte ihn eingesperrt? Ohne sein Wissen?! </emphasis>�Du hast mich -�</p><p>�Wieso�, unterbrach ihn Del mit leicht erhobener Stimme, �streiten wir uns nicht sp�ter dar�ber? Ich bin begierig darauf, den Mann kennenzulernen, dem es fast gelungen w�re, dich zu t�ten.�</p><p>�Woher willst du wissen, da� es ein Mann war?� fragte Kiina mit einem Blick auf den Quorrl.</p><p>Del zuckte die Achseln. �Ich habe eine ganz bestimmte Ahnung, wei�t du? Sollte sie sich erf�llen, dann werde ich mich sogar bei Skar entschuldigen m�ssen, f�rchte ich.�</p><p>Er hatte tausend Fragen an Del, und fast ebensoviele Einw�nde, aber er kam nicht einmal dazu, auch nur ein Wort mit ihm zu wechseln, bis sie den Hof erreicht hatten, denn der Hund, der ganz offensichtlich schon eine Witterung aufgenommen hatte, zerrte derma�en an seiner Kette, da� sie alle M�he hatten, �berhaupt mit ihm Schritt zu halten. Unterwegs schlossen sich ihnen ein gutes Dutzend Satai an, die unweit des Thronsaals auf Del gewartet hatten. Jemand dr�ckte Skar ein Schwert in die Hand; er ergriff es fast automatisch, obwohl er im Moment alles andere wollte, nur nicht <emphasis>k�mpfen. </emphasis>Aber im Moment war auch nicht mehr <emphasis>er </emphasis>es, der das Kommando f�hrte, nicht einmal mehr Del, sondern der schwarze Killerhund.</p><p>Auf dem Hof war das normale Lagerleben bereits wieder erwacht. Die meisten Feuer waren heruntergebrannt, und nur noch sehr wenige Gestalten lagen schlafend unter ihren Decken. Mehr und mehr M�nner und auch Quorrl schlossen sich ihnen an, w�hrend sie dem Tier folgten. Der riesige Hund lief, die Nase dicht am Boden und lautstark schn�ffelnd, aber trotzdem fast so schnell wie ein rennender Mann, quer �ber den Hof und n�herte sich einem gro�en, ehemals wei�en Zelt, das jetzt aber nurmehr aus schmutziggrauen und bunten Flicken bestand.</p><p>Del gab dem Hundef�hrer ein Zeichen, zur�ckzubleiben und sein Tier im Zaum zu halten, und Skar sah, wie der Quorrl die gespreizten Beine in den Boden stemmte und seine gewaltigen Muskeln spannte, um den Hund zu b�ndigen. Es gelang ihm kaum. Das Tier mu�te unglaublich stark sein.</p><p>�Genau das habe ich mir gedacht�, murmelte Del. Er klang ver�rgert, irgendwie aber auch niedergeschlagen, und fast ein bi�chen betroffen. Skar sah ihn fragend an, aber Del tat so, als bemerke er es nicht, zog stattdessen sein <emphasis>Tschekal </emphasis>aus dem G�rtel und �ffnete die Zeltplane auf recht unkonventionelle Weise - n�mlich indem er sie mit einem Schwerthieb in zwei H�lften schnitt. Dann gab er Skar und den Satai, die sie begleiteten, ein Zeichen, ihm zu folgen. Sie betraten das Zelt.</p><p>Das Zelt war sehr gro�; trotzdem beherbergte es nur vier M�nner, die bei ihrem Eintreten erschrocken auffuhren. Skar blinzelte in das ungewohnte D�mmerlicht und blickte in angsterf�llte, verwirrte Gesichter. Zwei der M�nner hatten noch geschlafen, als sie hereinkamen, die beiden anderen waren wach und unterbrachen abrupt ihr Gespr�ch. Eines der beiden verschlafenen Gesichter, die unter ihren Decken hervorlugten, glaubte Skar schon irgendwo gesehen zu haben.</p><p>Aber er kam nicht dazu, es einzuordnen, und er kam auch nicht dazu, eine entsprechende Frage zu stellen, denn in genau diesem Moment erscholl von drau�en ein schrilles, fast unbeschreibliches Jaulen, dann ein �berraschter Schrei, gefolgt vom dumpfen Aufprall eines sehr schweren K�rpers - und dann flog ein struppiger schwarzer Schatten durch die zerschnittene Zeltplane und st�rzte sich auf einen der beiden M�nner, die sie aus dem Schlaf gerissen hatten.</p><p>Alles schien gleichzeitig zu geschehen; auf jeden Fall aber so schnell, da� Skar nicht mehr in der Lage war, irgend etwas zu tun oder irgend etwas anderes zu empfinden als Erschrecken und Furcht: Der Hund rannte Del und ihn einfach �ber den Haufen, sprang mit einem b�sartigen Heulen den Satai an, ri� ihn wieder zu Boden und t�tete ihn mit einem einzigen Zuschnappen seiner f�rchterlichen F�nge. Der Entsetzensschrei des Satai ging in einem schrecklichen Gurgeln und dem Knirschen zerbrechender Knochen unter. Aber er lie� selbst dann noch nicht von seinem Opfer ab. Obwohl der Mann l�ngst tot war, gruben sich seine F�nge immer wieder und wieder in seinen Hals und seine Schultern, und das Heulen des Hundes steigerte sich zu einem fast hysterischen Winseln.</p><p>Skar rappelte sich hoch, war mit einem Satz bei dem Tier, um es von seinem Opfer wegzuzerren, aber genausogut h�tte er versuchen k�nnen, einen Felsbrocken von der Gr��e eines Hauses mit blo�en H�nden zu bewegen. Del kam ihm zu Hilfe, und nach einer weiteren Sekunde auch die drei anderen M�nner; aber das einzige Ergebnis ihrer Anstrengungen war ein tiefer Bi� im Arm eines der Satai, als der Hund w�tend um sich zu bei�en begann. Schlie�lich hob Skar sein Schwert und schlug dem Hund den Knauf �ber den Sch�del. Das Tier brach bewu�tlos �ber seinem Opfer zusammen.</p><p>Mit einer zornigen Bewegung drehte er sich herum, sprang mit einem Satz aus dem Zelt und fuhr den Hundef�hrer an: �Bist du wahnsinnig geworden, Kerl? Wer hat dir gesagt, da� du diese Bestie auf den Mann hetzen sollst?�</p><p>�Das habe ich nicht getan�, verteidigte sich der Quorrl. Sein Blick war kalt, und in seiner Stimme war Respekt, aber nicht einmal die Spur von Furcht; oder auch nur Bedauern. �Er hat sich losgerissen, Herr.� Er hielt Skar die Kette hin, an der der Hund festgemacht gewesen war, und Skar sah, da� das letzte Glied aufgebogen und zerbrochen war. �So etwas kommt vor. Die Tiere sind stark.�</p><p>Skar setzte zu einer w�tenden Antwort an, belie� es aber nach einem weiteren Blick in das flache Fischgesicht des Quorrl nur bei einem �rgerlichen Knurren.</p><p>Zwei von Dels M�nnern schleiften den bewu�tlosen Hund an ihm vorbei ins Freie, als er wieder ins Zelt zur�ckging, die beiden anderen standen �ber den reglosen Satai gebeugt, obwohl selbst ein Kind h�tte erkennen k�nnen, da� hier jede Hilfe zu sp�t kam. Der Hund hatte dem Mann nicht einfach die Kehle durchgebissen; er hatte ihm fast den Kopf abgetrennt. Sein Gesicht und seine Schultern waren eine einzige, entsetzliche Wunde. �Also?� fragte Skar herausfordernd, als Del sich zu ihm herumdrehte. �D�rfte ich jetzt vielleicht erfahren, was der Sinn dieser kleinen ... <emphasis>Hinrichtung </emphasis>war?�</p><p>�Es war keine Hinrichtung. Es war ein Unfall�, antwortete Del ruhig. Sein Blick wurde warnend, fast beschw�rend, aber Skar reagierte nicht darauf. Er hatte es schon vorher gesp�rt, aber sp�testens seit dem Gespr�ch mit Kiina <emphasis>wu�te </emphasis>er, wie sinnlos es war, weiter Theater zu spielen. Jedermann hier in der Festung wu�te, wie es zwischen Del und ihm stand.</p><p>�Ein Unfall, so?� fragte er h�hnisch. �Und dabei ist leider Gottes ein Mann umgekommen. Aber das macht ja nichts - wir haben ja genug davon.�</p><p>Del pre�te die Lippen zusammen, aber die scharfe Entgegnung, auf die Skar wartete, kam nicht. Statt dessen beugte er sich zu dem Toten hinab, hob ihn ohne sichtliche Anstrengung hoch und zur Seite und begann sein Gep�ck zu durchw�hlen. Er brauchte nur Augenblicke, um zu finden, wonach er gesucht hatte: einen gut meterlangen, schlanken Gegenstand, der in eine zerschlissene Satteldecke gewickelt war.</p><p>Del warf ihm einen raschen, triumphierenden Blick zu, stand auf und begann, das B�ndel mit �bertrieben dramatischen Bewegungen auszuwickeln. Unter dem schmutzigen Stoff kam eine schlanke, beidseitig geschliffene Klinge zum Vorschein. Der Griff des <emphasis>Tschekal </emphasis>war mit einem daumennagelgro�en, blutroten Rubin geschm�ckt.</p><p>�Du hattest recht, Skar�, sagte er hart. �Es macht nichts - ich h�tte den Mann sowieso hinrichten lassen. Er hat sogar Gl�ck gehabt. Der Hund hat es sehr viel schneller erledigt, als ich es h�tte tun k�nnen.�</p><p>�Aber -�</p><p>�Du wei�t, welche Strafe einem Satai droht, der die Hand gegen seinen Herrn erhebt�, fuhr Del unbeirrt fort. Er warf die Fetzen zu Boden und hielt Skar das <emphasis>Tschekal </emphasis>hin. Skar machte keine Bewegung, um es entgegenzunehmen.</p><p>Dels linke Augenbraue rutschte ein St�ck nach oben und verschwand fast unter seinem schwarzen Haar. �Was hast du?� fragte er. �Nimm es. Es ist nur dein Eigentum.�</p><p>Skar griff nun doch z�gernd nach dem Schwert. Verbl�fft blickte er auf den Toten herab, dann wieder auf die schlanke Klinge aus Sternenstahl in seiner Hand. <emphasis>Unm�glich! </emphasis>dachte er. Das ergab einfach keinen Sinn. Und er sprach diesen Gedanken auch laut aus.</p><p>Del sah ihn sehr ernst an, antwortete aber nicht, sondern lie� sich ein zweites Mal in die Hocke sinken und fuhr fort, das Gep�ck des Toten zu durchsuchen. Nach einer Weile richtete er sich wieder auf und hielt Skar einen schmalen Lederbeutel hin. �Und das geh�rt dir auch�, sagte er. �Wieviel Geld hattest du?� Skar zuckte mit den Achseln. �Sieben oder acht Dirne�, antwortete er.</p><p>Del �ffnete mit steinernem Gesicht den Beutel, sch�ttete den Inhalt in seine ausgestreckte Hand und z�hlte leise acht der kleinen, sechseckigen Goldm�nzen ab. Skar entging es nicht, da� er nur noch mit M�he ein triumphierendes L�cheln unterdr�ckte.</p><p>�Aber das ist vollkommen ausgeschlossen!� beharrte er. �Del, �berleg doch! Niemand w�re so wahnsinnig, mich zu �berfallen, um mich zu <emphasis>bestehlen! </emphasis>Nicht <emphasis>mich!�</emphasis></p><p>�Nat�rlich nicht�, pflichtete ihm Del unger�hrt bei. �Aber um dich umzubringen, Skar. Das Schwert da h�tte er weggeworfen, kaum da� er die Burg verlassen h�tte, und das Geld kam ihm sicher nur recht. Und ich bin sicher, da� du auch alles andere bei seinen Sachen findest, was du vermi�t. Die Idee war nicht einmal dumm - h�tte er sich die M�he gemacht, sich davon zu �berzeugen, da� du wirklich tot bist, und h�tte er nicht das Pech gehabt, da� ich gestern abend die Tore schlie�en lie�...� Er zuckte abermals mit den Achseln. �Wer wei�, vielleicht w�re ich sogar darauf hereingefallen. Es sah alles nach einem Raub�berfall aus.�</p><p>�Mich <emphasis>t�ten?�</emphasis></p><p>Del deutete auf den Toten herab und machte eine bedauernde Handbewegung. �Ich kann ihn leider nicht mehr fragen, und <emphasis>du </emphasis>wirst ihn jetzt wohl kaum noch wiedererkennen - aber er war dabei, gestern abend.�</p><p>Es dauerte einen Moment, bis Skar �berhaupt begriff. �Bei dem Kampf?� fragte er zweifelnd.</p><p>Del nickte. �Sicher. Ich bin sogar �berzeugt davon, da� er derjenige war, der den Hund auf dich gehetzt hat.� Er l�chelte schwach. �Wenn man es genau nimmt, war es so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. Er hat seine Strafe bekommen.� Skar wollte widersprechen, aber Del brachte ihn mit einer herrischen Geste zum Schweigen und wandte sich an die anderen M�nner. �Verbrennt ihn. Seinen Besitz bringt ihr zu Skar. Es ist sicher noch das eine oder andere dabei, was ihm geh�rt.� Skar sch�ttelte fast hilflos den Kopf. �Das ist... Wahnsinn�, murmelte er. �Ich glaube es einfach nicht, Del!�</p><p>�Nein?� Del lachte leise, aber es klang nicht wirklich am�siert, eher abf�llig. �Was ist mit dir, Skar - ertr�gst du den Gedanken nicht, da� es jemand gewagt haben soll, die Hand gegen den Hohen Satai zu erheben? Oder ist dir diese L�sung einfach zu unkompliziert?�</p><p>�Nein�, antwortete Skar langsam. �Zu glatt, Del.�</p><p>Del sah ihn fragend an, aber Skar sagte nichts mehr. Er blickte abwechselnd die Geldb�rse in seiner Hand und den Toten an; verst�rt und auch ein bi�chen erschrocken, ohne ganz genau zu wissen, wor�ber. Aber er sp�rte, da� er der L�sung jetzt nahe war. Wer immer ihn in dieser Nacht �berfallen hatte, es war nicht dieser Satai gewesen. Er wu�te nicht, wer es statt dessen getan hatte, aber die einzelnen Bruchst�cke begannen sich zu einem Ganzen zu formen. Nicht mehr sehr lange, und er w�rde endlich wissen, was hier vorging.</p><p>Er hoffte nur, da� es dann nicht bereits zu sp�t war.</p><p>Ohne ein weiteres Wort drehte er sich herum und verlie� das Zelt. Del und die anderen folgten ihm nicht. Aber f�r einen Moment, einen ganz kurzen, zeitlosen Augenblick nur, glaubte er eine Gestalt in den Schatten neben dem Tor stehen zu sehen; eine kleine, schmale Gestalt mit eckigen Spinnengliedern, eine Gestalt ohne Gesicht und mit einer Haut aus schwarzem Chitin.</p></section><section><title><p id="_15">15.</p></title><p>Eine starke innere und auch �u�ere Unruhe hatte ihn ergriffen. </p><p>Kiinas Ratschl�gen - wenn auch mit einiger Versp�tung - folgend, war er schlie�lich doch zu einem der Quorrl-Heiler gegangen, um seine Wunden neu verbinden zu lassen. Aber er kehrte nicht in seine Unterkunft zur�ck - der Gedanke, Del zu treffen und sich wieder mit ihm zu streiten, war ihm unertr�glich -, sondern suchte Titch; warum, wu�te er eigentlich selbst nicht.</p><p>Er traf ihn nicht in seiner Kammer an, aber der Posten davor erkl�rte ihm, da� er die ganze Nacht �ber wach gewesen und noch vor Sonnenaufgang zum Gemach des <emphasis>Heiligen Mannes </emphasis>gegangen sei, wie die Quorrl Bradburn unter sich nannten. Skar fand ihn auch jetzt noch dort, und er war nicht allein. Seine Quorrl schienen Dels Befehl ausgef�hrt zu haben, Bradburns Kammer auszubrennen, denn schon von weitem schlug Skar Brandgeruch entgegen, und als er in den Seitenstollen eindrang, an dessen Ende die Unterkunft des Predigers lag, wurde die Luft so schlecht, da� er fast M�he hatte zu atmen. Eine d�nne Schicht aus schwarzem, schmierigem Ru� bedeckte die W�nde und die Decke, und seine Stiefelsohlen klebten bei jedem Schritt am Boden fest. Stimmen und dumpfe regelm��ige Hammerschl�ge hallten ihm entgegen, und ein riesenhafter Quorrl versuchte ihm den Weg zu verstellen, trat jedoch mit einer entschuldigenden Geste beiseite, als er ihn erkannte.</p><p>Die Kammer war von mehr als einem Dutzend Fackeln taghell erleuchtet, als er sie betrat. Titch stand, inmitten einer Gruppe aus sieben oder acht Quorrl, vor der gegen�berliegenden Wand und sah zu, wie seine M�nner abwechselnd mit Hacken und gro�en metallenen Keulen auf das Mauerwerk einschlugen. Sie hatten bereits eine mehr als mannshohe Bresche geschlagen, hinter der schwarzfarbenes Erdreich und Gesteinstr�mmer zum Vorschein kamen, und gerade in dem Moment, als Skar eintrat, l�ste sich ein weiteres, gewaltiges Bruchst�ck aus der Mauer und fiel polternd zu Boden. Titch sprang erschrocken zur�ck, als einer der Steinquader fast auf seine F��e gefallen w�re, und drehte sich in der Bewegung herum.</p><p>Skar hob gr��end die Hand und kam auf ihn zu. �Was tut ihr?� fragte er scherzhaft. �L��t du einen Notausgang graben?� Titch blieb ernst. Skar wu�te nicht, ob Quorrl �berhaupt so etwas wie Sinn f�r Humor hatten. Aber der Scherz war auch nicht besonders originell gewesen. �Nein�, antwortete der Quorrl. �Ich �berzeuge mich davon, da� sich nicht irgend etwas einen <emphasis>Noteingang </emphasis>gegraben hat.�</p><p>Skar sah den Quorrl stirnrunzelnd an, trat an ihm vorbei und begutachtete die Bresche, die seine Krieger in die Wand getrieben hatten. Er sah Erdreich, abgestorbenes Wurzelwerk und Steine, dazwischen kleine glitzernde Brocken von schwarzer Farbe, die wie Kohle aussahen. Von dem schwarzen Netz, nach dem Titch suchte, war nicht einmal eine Spur zu entdecken. Nicht, da� das etwas bedeutete - er hatte ja mit eigenen Augen gesehen, wie das Gewebe zerfallen war.</p><p>�Du f�rchtest wirklich, es k�nnte <emphasis>durch die W�nde </emphasis>kriechen?� fragte er zweifelnd.</p><p>Titch deutete ein Kopfsch�tteln an. �Nein. Ich will nur sichergehen, da� es das <emphasis>nicht </emphasis>kann�, antwortete er. �Du nicht?� Skar verzichtete auf eine Antwort. Er war noch immer gereizt, und insgeheim �rgerte er sich, da� Titch ihn nicht �ber seine Bef�rchtung informiert hatte. Vielleicht auch ein bi�chen dar�ber, da� er nicht selbst auf diesen Gedanken gekommen war. Aber er beherrschte sich.</p><p>�Was ist mit dem... mit dem <emphasis>Ding, </emphasis>das Bradburn get�tet hat?� fragte er z�gernd. �Ihr habt es verbrannt?�</p><p>�Nat�rlich.� Titch klang fast beleidigt. �Der Hohe Satai hat uns ja angewiesen, es zu tun. Und wir Quorrl sind vielleicht dumm, aber nicht taub. Meine M�nner haben die Asche mit Kalk vermischt und dann in den Flu� gestreut.�</p><p>Skar nickte anerkennend. Pr�fend sah er sich in der Kammer um. Die W�nde waren geschw�rzt, und der Stein hier und da gerissen und �berall br�chig geworden. Titchs Quorrl mu�ten ein wahres H�llenfeuer hier drinnen entfacht haben. Von der ehemaligen Einrichtung war nicht einmal Asche �brig geblieben. �Wir haben alles herausgeschafft und verbrannt�, berichtete Titch, der seinen pr�fenden Blick bemerkte. �Auch wenn mir nicht wohl dabei war.� Skar sah ihn fragend an, und Titch fuhr fort: �Bradburns B�cher waren sehr wertvoll.�</p><p>�Nicht nur seine B�cher�, erg�nzte eine Stimme von der T�r her.</p><p>Skar zog eine Grimasse und drehte sich herum. Del klang irgendwie w�tend, und es war nicht nur die schon fast normale Aggressivit�t, die er in seiner Stimme h�rte.</p><p>�Was tut ihr da?� fragte Del mit einer Kopfbewegung auf das Loch in der Wand. �Wer, zum Teufel, hat euch gesagt, da� ihr die halbe Burg abrei�en sollt.�</p><p>�Niemand hat gesagt, da� wir es <emphasis>nicht </emphasis>tun sollen�, antwortete Titch l�chelnd. In Dels Augen blitzte es zornig auf, aber auch er verbi� sich die scharfe Antwort, die ihm sichtlich auf der Zunge lag. <emphasis>Es ist dieser Ort, </emphasis>wisperte Kiinas Stimme hinter Skars Stirn. <emphasis>Er ist b�se, Skar, ich sp�re es. B�se, b�se, b�se, b�se...</emphasis></p><p>�Titch hat v�llig richtig gehandelt�, erkl�rte er rasch, bevor Del vollends auffahren konnte. �Oder wolltest du seine B�cher aufheben und Gefahr laufen, damit etwas von diesem Zeug zu konservieren?�</p><p>Del konnte nicht viel gegen dieses Argument vorbringen, ohne sich l�cherlich zu machen, aber der Blick, den er Skar zuwarf, machte sehr deutlich, da� er eher noch zorniger wurde. <emphasis>Noch zwei Tage, </emphasis>dachte Skar, <emphasis>und wir werden anfangen, uns gegenseitig umzubringen, einfach so.</emphasis></p><p>�Ihr habt alles verbrannt?� fragte Del, m�hsam beherrscht. �Und die Flasche?�</p><p>�Sie war nicht dabei�, antwortete Titch. �Ich habe danach suchen lassen.�</p><p>�Dann habt ihr nicht gr�ndlich genug gesucht!� br�llte Del pl�tzlich. �Verdammt, was f�llt dir ein, du hirnloser fischgesichtiger -�</p><p>�Ich habe mich selbst davon �berzeugt, Satai�, unterbrach ihn Titch. Seine Stimme war nicht einmal lauter, aber sie klang pl�tzlich eisig, und so hart wie Stahl. �Ich bin nicht dumm, Satai. Ihr Inhalt hat das Wesen vernichtet, das Bradburn t�tete. Ich wei�, wie wertvoll er f�r euch gewesen w�re. Aber sie war nicht da.�</p><p>F�r zehn, dann zwanzig endlose Sekunden breitete sich Schweigen zwischen Del und dem Quorrl aus, aber es war kein normales Schweigen, sondern die Ruhe eines Vulkans, der dicht vor dem Ausbruch stand. Del starrte den riesigen Quorrl an, und Skar sah, wie seine H�nde zum G�rtel krochen, und zum Schwert, in einer Bewegung, die er wahrscheinlich nicht einmal bewu�t registrierte. Etwas geschah, dachte Skar erschrocken. Irgend etwas breitete sich pl�tzlich im Raum aus, etwas, das mit dem Schweigen hereingekommen war, etwas wie ein unh�rbares, lautloses Fl�stern, ein b�ses Gift, das ihre Gedanken verpestete. F�r einen ganz kurzen Moment sp�rte er es auch - f�r einen Moment, in dem er pl�tzlich keinen anderen Wunsch hatte als den, sein Schwert zu ziehen und zu t�ten, ganz egal, wen. �H�rt auf!� rief er gepre�t. Das Sprechen fiel ihm schwer. Seine H�nde begannen zu zittern.</p><p>�H�rt auf!� wiederholte er noch einmal. �Beide! Sp�rt ihr denn nicht, da�... da� es genau das ist, was sie wollen?�</p><p>Titch reagierte nicht, aber Del drehte langsam den Kopf und sah nun ihn voller stummer Wut an. �Bl�dsinn!� schnappte er. �Was ist los mit dir, alter Mann? Hat dieses dumme G�r aus Elay zu lange mit dir geredet?�</p><p>Skar blickte zu der Bresche in der Wand hin�ber, ehe er weitersprach. Es kam von dort. Was immer es war, es kroch aus dem Boden, die W�nde atmeten es aus, und die Luft trug es in seine Lungen und sein Herz. <emphasis>T�te! </emphasis>wisperte der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>in seinen Gedanken. <emphasis>Nimm dein Schwert und stopf diesem gro�spurigen Angeber ein f�r alle Mal das Maul!</emphasis></p><p>Und fast h�tte er es auch getan. Er gewann den Kampf gegen das b�se Fl�stern, diesmal noch, aber er wu�te nicht, wie oft es ihm noch gelingen w�rde. Den M�nnern und Quorrl gestern abend war es nicht gelungen.</p><p>�Kiina hatte recht�, pre�te er m�hsam hervor. �Wir m�ssen hier raus, Del. Es ist diese Burg. Sp�rst du es denn nicht?� Del machte eine w�tende, wegwerfende Handbewegung, fast ein Schlag in die leere Luft. �Was f�r ein Unsinn!� sagte er. Dann l�chelte er, aber es erinnerte Skar mehr als alles andere an das Grinsen einer Schlange, die ihr Opfer musterte. �Aber ich werde deinem Wunsch sogar nachkommen�, fuhr er fort. �Ich kam eigentlich, um dir Bescheid zu geben, da� das Heer noch heute eintrifft. Gerade eben hat ein Bote, den sie vorausgeschickt haben, die Nachricht �berbracht.�</p><p>�Die Krieger aus Denwar?� fragte Titch.</p><p>Del starrte ihn an, als f�hlte er sich allein durch die Tatsache beleidigt, da� es der Quorrl gewagt hatte, ihn anzusprechen. Aber dann nickte er. �Ja�, antwortete er. �Elftausend Veden und an die achttausend Satai. In drei Tagen, sobald sich die M�nner ein wenig erholt haben, brechen wir auf.�</p><p>Der Gedanke an die ungeheuerliche Heeresmacht, die in wenigen Stunden in dieser Festung versammelt sein w�rde, machte Skar Angst. <emphasis>Zwanzigtausend </emphasis>M�nner - und jeder einzelne ein potentieller Killer. Gro�er Gott, was w�rde geschehen, wenn diese M�nner auf Titchs Quorrl trafen, unter dem Einflu� <emphasis>dieses </emphasis>Ortes?!</p><p>Titchs Gedanken schienen in �hnlichen Bahnen zu verlaufen, denn er sagte: �Wenn es so ist, werde ich meinen Kriegern Befehl geben, die Burg zu r�umen. Sie ist kaum gro� genug f�r uns alle.�</p><p>�Zuallererst einmal�, antwortete Del herablassend, �wirst du mit Skar zu den Felsen hinunterreiten und dir die tote <emphasis>Errish </emphasis>ansehen. Jetzt, wo die Phiole verschwunden ist, ist es um so wichtiger.�</p><p>Titch nickte, aber Skar f�hlte sich beinahe noch unbehaglicher. Er wollte nicht noch einmal dorthin. Er hatte Angst, die Tote wiederzusehen, und er hatte Angst, den <emphasis>Daij-Djan </emphasis>zu treffen, der bei den Felsen auf ihn warten mochte. �Wozu?� fragte er. Del zuckte die Schultern. �Man wei� nie�, erwiderte er. �Sie wird einen Grund gehabt haben, sich dort unten herumzutreiben, und ich will wissen, welchen. Jetzt um so mehr. Wir k�nnen kein Risiko eingehen.� Er sah Skar fragend an. �Du hast noch den Verschlu� der Kristallflasche?�</p><p>Skar sch�ttelte den Kopf. �Nein. Er war nicht bei den Sachen des Toten.�</p><p>�Das ist schade�, bedauerte Del. �Vielleicht hat er ihn f�r einen Edelstein gehalten und eingetauscht. Ich werde danach suchen lassen. Wann reitet ihr?�</p><p>�Jetzt gleich�, sagte Titch, noch ehe Skar Gelegenheit fand zu antworten. �Ich wei� zwar so wenig wie Skar, was du dir davon versprichst, aber du hast recht - wir sollten kein Risiko eingehen. Vielleicht finden wir irgend etwas bei ihr, was uns weiterhilft.�</p><p>Der Weg zum Flu� hinunter kam ihm weiter vor als beim ersten Mal, und Skar war pl�tzlich gar nicht mehr so sicher wie noch vor Tagesfrist, ob es ihm <emphasis>wirklich </emphasis>gelingen w�rde, die Stelle wiederzufinden, an der er auf die tote <emphasis>Errish </emphasis>und ihren Drachenvogel gesto�en war. Jetzt, als er danach <emphasis>suchte, </emphasis>schien pl�tzlich alles gleich auszusehen, und er hatte vorher noch nie bemerkt, wie <emphasis>gro� </emphasis>das steinerne Labyrinth war, �ber dem sich die schwarzen Zinnen von Drasks Trutzburg erhoben.</p><p>Skar f�hlte sich zwischen zwei v�llig verschiedenen Empfindungen hin und her gerissen - auf der einen Seite war er erleichtert - nicht nur innerlich, sondern auch auf ganz real k�rperliche Weise -, aus der Burg heraus zu sein, auf der anderen Seite f�hlte er sich nicht sehr wohl in Titchs Begleitung. Und um so mehr, als er festgestellt hatte, da� es sich bei ihren Begleitern ausschlie�lich um Quorrl handelte; ein halbes Dutzend gro�er, muskelbepackter Gestalten, welche die Kr�ftigsten aus Titchs Leibgarde zu sein schienen. Er mi�traute den Quorrl nicht - ganz im Gegenteil mu�te er sich insgeheim eingestehen, da� er Titch und seinen Kriegern in den letzten Tagen weitaus mehr vertraute als den sogenannten Satai, die Del um sich geschart hatte -, aber er sp�rte, da� Titch ihn belog; oder ihm zumindest etwas <emphasis>nicht </emphasis>gesagt hatte, was wichtig gewesen w�re.</p><p>Als sie etwas mehr als die H�lfte der Strecke hinter sich gebracht hatten, sahen sie das Heer. Es war noch sehr weit entfernt - die M�nner w�rden sich beeilen m�ssen, um vor Dunkelwerden die Burg zu erreichen -, und es n�herte sich auf der anderen Seite des Flusses, aber es bot trotzdem einen beeindruckenden Anblick. Die Ebene, die am Morgen noch wei� gewesen war, brodelte jetzt vor schwarzer und metallisch blitzender Bewegung, und �ber dem riesigen Heerwurm zog eine Wolke aus Staub und pulverfeinem Schnee dahin. Skar sp�rte ein sonderbares Gef�hl, von dem er im ersten Moment selbst nicht genau wu�te, was es war - einerseits etwas von dem erhebenden Gef�hl von <emphasis>Macht, </emphasis>das eine so gro�e Armee vermittelte, andererseits aber auch Furcht; und einen nie gekannten Zweifel. Pl�tzlich erinnerte ihn diese ungeheuerliche Karawane aus zwanzigtausend M�nnern und Pferden an eine Ameisenarmee, ein Heer hirn- und willenloser Etwasse, die er einfach nicht mit der Vorstellung denkender Individuen �berein bringen konnte.</p><p>�Beruhigt dich der Anblick, Satai?�</p><p>Skar fuhr fast erschrocken zusammen und wandte sich im Sattel zur Seite. Titch war neben ihn herangeritten und hatte sein Pferd ebenfalls angehalten, und auch sein Blick war starr nach Westen gerichtet.</p><p>Fast gegen seinen Willen sch�ttelte Skar den Kopf. �Sollte er das?�</p><p>�Nat�rlich�, antwortete Titch. �Ihr seid uns jetzt ebenb�rtig. Bis heute wart ihr f�nfhundert Menschen, in der Gesellschaft von vierzigtausend Ungeheuern.�</p><p>�Warum bist du so bitter, Titch?� fragte Skar.</p><p>�Bin ich das?�</p><p>Skar nickte. Einen Moment lang lauschte er vergeblich auf den Zorn, den Titchs Worte eigentlich in ihm wachrufen sollten. Er kam nicht. Er sp�rte im Gegenteil nur Mitleid mit dem h�nenhaften Quorrl. Er war jetzt davon �berzeugt, da� Kiina recht gehabt hatte. Es <emphasis>war </emphasis>die Festung, die ihrer aller Denken vergiftete. �Das bist du�, antwortete er ruhig. �Du warst es, seit ich dich kennengelernt habe, aber es ist schlimmer geworden, seit wir hier sind.�</p><p>�Vielleicht habe ich meine Gr�nde�, antwortete der Quorrl kurz angebunden und wollte weiterreiten, aber Skar fiel ihm mit einer raschen Bewegung in die Z�gel und hielt das Pferd zur�ck. �Dann solltest du sie mir verraten�, sagte er.</p><p>Der Quorrl ri� ihm die Z�gel aus der Hand und ritt weiter, aber nicht sehr schnell, so da� Skar schon nach ein paar Schritten wieder zu ihm aufgeschlossen hatte. �Es ist nicht sehr fair, �ber etwas zu schweigen, das unser aller Schicksal beeinflussen kann, Titch.�</p><p>Titch lachte leise. �Unser Schicksal? Du leidest an einer typisch menschlichen Krankheit, Satai - du �bersch�tzt dich. Niemand kann sein Schicksal beeinflussen. Was geschehen wird, geschieht.�</p><p>�Warum bist du dann hier?� fragte Skar. �Du glaubst, alles w�re vorbestimmt?�</p><p>�Ich glaube es nicht�, antwortete Titch. �Ich <emphasis>wei� </emphasis>es.�</p><p>�Warum k�mpfen wir dann?� bohrte Skar weiter. �Warum versuchen wir, die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>zu schlagen, wenn doch alles schon vorherbestimmt ist? Warum seid ihr nicht in euren W�ldern im Norden geblieben und habt zugesehen, wie Enwor zugrunde geht?�</p><p>�Weil es vorherbestimmt ist�, antwortete Titch stur. �Und weil wir Krieger sind. Wir wurden als Krieger geboren.�</p><p>Skar warf einen Blick zu dem Heer im Westen, ehe er erwiderte. �Das bin ich auch, Titch, und trotzdem -�</p><p>Der Zornesausbruch des Quorrl kam v�llig unvorbereitet; und seine Bewegung so schnell, da� Skar sie nicht einmal sah - im einen Moment war Titch noch ruhig neben ihm hergeritten, eine viel zu gro� geratene, mi�gestaltete Kr�te, unter der das Schlachtro� winzig und verloren wirkte, und im anderen f�hlte sich Skar von zwei unmenschlich starken H�nden gepackt und halb aus dem Sattel gerissen. Titchs Gesicht war pl�tzlich sehr nahe vor ihm. Seine Augen f�llten fast sein ganzes Gesichtsfeld aus. �Nein, Satai!� zischte der Quorrl, leise, aber in einem Ton, der Skar einen eiskalten Schauer der Furcht �ber den R�cken laufen lie�. �Das bist du nicht. Du bist zum Krieger <emphasis>geworden, </emphasis>aus freien St�cken oder durch Zwang, aber du hattest eine Chance. Wir nicht. Keiner dieser Vierzigtausend, die ich in den Tod zu f�hren habe, hatte eine Chance!�</p><p>Skar versuchte Titchs Griff zu sprengen, aber es war sinnlos. Er schlug die gefalteten H�nde mit aller Macht von unten gegen die Titchs, die seinen Hals gepackt hatten, aber der Quorrl zuckte nicht einmal. Skar bekam keine Luft mehr.</p><p>Aber dann, nach einer weiteren Sekunde, lie� Titch ihn los und versetzte ihm einen Sto�, der ihn zur�ck und um ein Haar aus dem Sattel st�rzen lie�.</p><p>�Was meinst du damit?� fragte er verst�rt, nachdem er sein Gleichgewicht wiedergefunden hatte. �Ihr seid -�</p><p>�Krieger!� unterbrach ihn Titch, noch immer leise, und noch immer kaum weniger w�tend als zuvor. Seine Augen flammten. �Wir wurden als Krieger geboren. Wir wurden als Krieger <emphasis>gezeugt, </emphasis>Satai. Keiner dieser Vierzigtausend ist je gefragt worden, ob er ein Leben als Krieger f�hren will, und keiner ist je auf die Idee gekommen, an seiner Bestimmung zu zweifeln!�</p><p>�Als Krieger <emphasis>gezeugt?� </emphasis>wiederholte Skar zweifelnd. Er begriff sehr wohl, was Titch mit diesen Worten meinte, aber er weigerte sich einfach, es zu glauben. �Du meinst, ihr... ihr wi�t <emphasis>vor der Geburt, </emphasis>was aus dem Kind wird? Ihr <emphasis>zeugt </emphasis>eure Krieger und Handwerker und Bauern, so, wie... wie wir sie erziehen?� Titch antwortete nicht, aber sein Schweigen war Antwort genug. Vielleicht mehr, als Skar �berhaupt h�ren wollte. �Das wu�te ich nicht�, gab er leise zu. �Bitte verzeih.�</p><p>�Was wei�t du �berhaupt?� schnappte Titch. Seine Wut verrauchte, aber das lodernde Feuer in seinem Blick blieb; und pl�tzlich wurde es Skar klar, da� es gar kein Zorn war; oder wenn doch, so ein Zorn, der nicht ihm galt, oder einem der anderen M�nner in der Burg oder in dem Heer dort dr�ben, sondern einem unbarmherzigen Schicksal, das Titch nicht einmal die Spur einer Chance gelassen hatte, irgend etwas an seinem Verlauf zu �ndern. Er versuchte vergeblich, sich in Titchs Lage hineinzuversetzen; nachzuempfinden, was ein Mann f�hlen mochte, der dazu verurteilt war, vierzigtausend seiner Br�der in den sicheren Tod zu f�hren, ganz egal, wie gut oder schlecht er seine Aufgabe erf�llte. Er konnte es nicht. Der Gedanke war einfach <emphasis>unvorstellbar.</emphasis></p><p>�Hat... Del davon gewu�t?� fragte er stockend. �Als er euch rief, meine ich?�</p><p>�Del?� Titch �berlegte einen Moment und machte dann eine abgehackte Bewegung, die Zustimmung wie Verneinung sein konnte. �Niemand wei� davon�, sagte er. �Vielleicht der Rat der Satai. Vielleicht der Bote, den sie zu den Goldenen geschickt haben. Aber ich glaube es nicht. Es ist kein Geheimnis, aber kaum einer wei� es. Es interessiert niemanden. Wir sind ja nur Quorrl.�</p><p>Skar war pl�tzlich sehr froh, den Quorrl nicht unterbrochen zu haben, um ihm zu versichern, da� auch er sein Geheimnis wahren w�rde, wie er es urspr�nglich vorgehabt hatte. Andererseits - was h�tte es denn auch ge�ndert. Titch war ein Quorrl, trotz allem, und wahrscheinlich w�rden sie nie eine �bereinstimmung erzielen.</p><p>Pl�tzlich hatte er das absurde Bed�rfnis, Titchs Freund zu sein. Er wu�te, da� das unm�glich war, jetzt erst recht, aber etwas in ihm sehnte sich danach. Einfach danach, <emphasis>�berhaupt </emphasis>einen Freund zu haben, und wenn es nur ein fischgesichtiger Quorrl war, der sich in Selbstmitleid �bte.</p><p>Aber er sprach nichts von alledem aus, sondern ritt ein wenig schneller und tat so, als w�rde er sich ganz auf den Weg konzentrieren. Titch und seine Quorrl fielen ein St�ck zur�ck, hielten dann aber immer denselben Abstand.</p><p>Zumindest der Teil seiner Bef�rchtungen, der ihn daran hatte zweifeln lassen, die richtige Stelle wiederzufinden, behielt unrecht. Er fand sie am Flu�ufer auf Anhieb, und er fand auch die Spur, die ihn letztlich zu der toten <emphasis>Errish </emphasis>gef�hrt hatte. Sie war so frisch wie vor zwei Tagen; weder der Schnee noch das einsetzende Tauwetter hatten sie verwischt. Und er fand auch den Felsen wieder, obgleich es diesmal keinen Schatten gab, der ihn lotste. Es war, als h�tte sich jeder Fu�breit Boden unausl�schlich in sein Ged�chtnis eingebrannt, obgleich er noch vor Augenblicken gedacht hatte, wie �hnlich sich doch die zahllosen kleinen Felst�ler und -schr�nde waren. Sie hatten die Pferde am Flu� zur�ckgelassen, und nach kaum f�nf Minuten standen sie vor dem zyklopischen Findling, auf dem Skar auf den <emphasis>Daij-Djan </emphasis>und die Tote getroffen war.</p><p>Diesmal brauchte er nur kurze Zeit, um ihn zu besteigen, denn es gab keinen Grund mehr, vorsichtig zu sein. Titch sprach kein einziges Wort mit ihm, aber er kletterte kraftvoll und �berraschend geschickt neben ihm her und erreichte das winzige Plateau fast im selben Moment wie er. Skar war sich nicht sicher - das hie�: Eigentlich war er es doch, er verstand es nur nicht -, aber f�r einen Moment glaubte er ein erschrockenes Zucken �ber das Gesicht des Quorrl huschen zu sehen. Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>war nicht da.</p><p><emphasis>Nat�rlich nicht, du Narr! </emphasis>wisperte eine Stimme hinter seiner Stirn. <emphasis>Was hast du erwartet? Da� er es sich hier bequem gemacht und auf dich gewartet hat, um ein wenig mit dir zu plaudern?</emphasis> Er vertrieb den Gedanken, wartete, bis Titchs Begleiter einer nach dem anderen zu ihnen hinaufgestiegen waren und deutete dann auf die Tote. �Das ist sie�, sagte er �berfl�ssigerweise. Titch musterte die verendete Daktyle und ihre bizarre Reiterin einen Moment lang sehr aufmerksam, dann machte er eine befehlende Geste zu seinen Kriegern.</p><p>�Zieht ihr die Kleider aus�, gebot er. �Wir nehmen alles mit. Auch den Sattel und was sie sonst noch bei sich hat.�</p><p>Die Quorrl z�gerten. Titch wiederholte seinen Befehl im zischelnden Idiom seines Volkes, und diesmal setzten sich die Krieger gehorsam in Bewegung. Behutsam hoben sie die Tote vom R�cken des Drachenvogels herunter und begannen, sie zu entkleiden. Wie fast immer in letzter Zeit �bernahmen Titchs Quorrl die Arbeit, w�hrend sich Skar darauf beschr�nkte zuzusehen, aber diesmal gab es nichts in ihm, was sich dagegen gestr�ubt h�tte - trotz der K�lte waren sowohl die Daktyle als auch ihre Reiterin bereits teilweise in Verwesung �bergegangen, und sein Ekel erwies sich einfach als st�rker als sein Gewissen. Der Geruch war entsetzlich, und die <emphasis>Errish - </emphasis>obgleich sie einmal eine sch�ne Frau gewesen sein mu�te - bot einen alles andere als angenehmen Anblick, als die Quorrl darangingen, sie aus ihrer bizarren Insekten-R�stung zu sch�len. Skar war fast froh, als Titch nach einiger Zeit zur�cktrat und es seinen Kriegern �berlie�, die Tote vollends zu entkleiden, und er es ihm gleichtun konnte. Er wandte den Blick ab.</p><p>Titch lachte leise. �So zart besaitet, Satai?� fragte er.</p><p>�Nein�, antwortete Skar, nach kurzem �berlegen und bewu�t herausfordernd und verletzend. <emphasis>�Menschlich. </emphasis>Aber dieses Wort ist dir wahrscheinlich fremd, <emphasis>Quorrl.�</emphasis></p><p>Titch sah ihn aus seinen schmalen, geschlitzten Augen auf eine Art an, die Skar mehr verwirrte als beunruhigte. �Das stimmt, Satai�, antwortete er. �Ich bin kein Mensch. Ich wei� nicht, ob <emphasis>ihr unsere </emphasis>Gef�hle nachempfinden k�nnt - <emphasis>wir </emphasis>k�nnen <emphasis>eure </emphasis>jedenfalls nicht begreifen. Und wir urteilen auch nicht dar�ber.� Etwas war seltsam. Es war ein Teil des alten Nadelstich-Spieles, das sie spielten, seit sie sich kennengelernt hatten, aber Skar sp�rte ganz deutlich, da� es nicht das war, was Titch f�hlte. Wie um die Behauptung des riesenhaften Quorrl im Augenblick zu widerlegen, sp�rte er einfach, da� hinter dem flachen Fischgesicht des Schuppenkriegers weit mehr vorging, als Titch zugeben wollte. Und vielleicht waren seine herausfordernden Worte einzig dazu bestimmt, genau dies zu �berspielen. Er hatte die kleine Entgleisung von vorhin noch lange nicht �berwunden. Sicher bedauerte er schon lange, Skar gegen�ber so offen �ber seine intimsten Gedanken geredet zu haben.</p><p>Statt zu antworten, wandte Skar sich wieder um und zwang sich, die tote <emphasis>Errish </emphasis>anzusehen. Er war �berrascht, als er feststellen mu�te, wie jung sie noch war. Als er sie gefunden hatte, vor zwei Tagen, hatte er sie auf vierzig Jahre gesch�tzt, vielleicht mehr. Aber das stimmte nicht. Sie mu�te sehr viel j�nger gewesen sein, vielleicht nicht einmal drei�ig. Ihr K�rper war der einer jungen Frau, und das, was er in ihrem zerst�rten Gesicht f�r Alter gehalten hatte, war in Wahrheit der Ausdruck eines tiefen, unausl�schlich eingebrannten Schmerzes. Sie war verh�rmt, nicht alt. Und - es war absurd, aber gleichzeitig so klar, da� es keinen Zweifel gab - er <emphasis>sp�rte </emphasis>einfach, da� sie eine sehr m�chtige Frau gewesen war; kein dummes Kind wie Kiina, und keine willenlose Puppe wie die <emphasis>Errish, </emphasis>die sie beim Kampf gegen die Drachen get�tet hatten.</p><p>Widerstrebend lie� er sich neben der Toten in die Hocke sinken und streckte die Hand aus, wie um sie zu ber�hren, ohne es jedoch wirklich zu tun. Ihre Augen standen noch offen, und auch in ihnen - vielleicht <emphasis>nur </emphasis>darin - stand dieser tiefe, unausl�schliche Schmerz, der ihn so erschreckte. Etwas war falsch. Er hatte einen Fehler gemacht. Etwas falsch gedeutet.</p><p>�Nichts�, bemerkte Titch in diesem Moment. �Wir h�tten uns den Weg sparen k�nnen.�</p><p>Skar sah auf. Der Quorrl durchsuchte die Habseligkeiten der toten <emphasis>Errish, </emphasis>mit schnellen, �u�erst ungeduldigen Bewegungen. Wie Skar hatte er sich in die Hocke sinken lassen, was bei seiner gewaltigen K�rpermasse einen fast schon absurden Anblick bot, und eigentlich <emphasis>durchsuchte </emphasis>er die Sachen der <emphasis>Errish </emphasis>nicht, sondern fetzte sie mit seinen gewaltigen Krallenh�nden auseinander - seine Pranken zerrissen die ledernen Satteltaschen der Daktyle, als w�ren sie aus Papier.</p><p>Skar runzelte die Stirn. Titch spielte ihm etwas vor, und er h�tte schon blind sein m�ssen, um das nicht zu bemerken. Der Quorrl war vielleicht ein gewaltiger Krieger, aber ein miserabler Schauspieler. <emphasis>Aber warum?</emphasis></p><p>Er sprach nichts von seinen wahren Gedanken aus, sondern hob noch einmal die Hand, um die Augen der Toten zu schlie�en. Aber er konnte es nicht. Der Gedanke, diesen kalten, fast schon in Zersetzung �bergegangenen K�rper zu ber�hren, war ihm unertr�glich.</p><p>Statt dessen stand er auf, ging die zwei Schritte zu der toten Daktyle hin�ber und besah sich die riesige Flugechse zum ersten Mal genauer.</p><p>Er hatte niemals eine gr��ere Daktyle gesehen. Selbst das Tier, das Drask ihm gegeben hatte, um zu Dels Lager zu fliegen, war weniger muskul�s und wild gewesen als dieses schwarze Ungeheuer. Sein Kopf war fast so gro� wie der K�rper eines Mannes, und die ledernen Schwingen, auf die es sich noch im Tode st�tzte, mu�ten ausgebreitet an die zwanzig Meter messen. Skar schauderte, als er sich vorzustellen versuchte, welche ungeheuerliche <emphasis>Kraft </emphasis>diese Bestie gehabt haben mu�te. F�r einen Moment erschien ihm der Gedanke einfach l�cherlich, da� sie gegen Monster wie diese Krieg f�hrten.</p><p>Aber da war noch etwas. Etwas, das der Anblick der Daktyle in ihm ausl�ste, und es dauerte eine Weile, bis er selbst begriff, was es war.</p><p>�Titch�, rief er.</p><p>Der Quorrl stand auf und trat neben ihn.</p><p>�Schau dir diese Daktyle einmal genau an�, forderte Skar ihn auf. Er blickte Titch nicht an, aber er sp�rte die Bewegung des Quorrl, und er wu�te, da� sich hinter der flachen Stirn des Schuppenkriegers die gleichen �berlegungen abspielten wie hinter seiner eigenen.</p><p>�Sie ist... sehr gro߫, sagte Titch z�gernd.</p><p>Skar nickte. �Ein Gigant. Die gr��te Daktyle, die ich je gesehen habe. Und ich habe eine Menge gesehen.�</p><p>Titch sah ihn verwirrt - aber vielleicht auch lauernd - an. �Was meinst du?�</p><p>Skar zuckte mit den Achseln. �Nichts. Ich... denke nur laut nach. Ein Tier wie dieses mu� ... sehr wertvoll sein.�</p><p>�Vermutlich�, best�tigte Titch.</p><p>�Man wird es nicht einfach so zum Fliegen benutzen�, fuhr Skar fort.</p><p>�Niemand fliegt <emphasis>einfach </emphasis>so�, entgegnete Titch. �Nur die <emphasis>Errish </emphasis>fliegen.�</p><p>�Das meine ich nicht�, widersprach Skar. �Es mu� unglaublich weit fliegen k�nnen. Sieh dir diese Fl�gel an, Titch. Und diese Muskeln! Es mu� doppelt so weit fliegen wie eine normale Daktyle.�</p><p>�Der Weg nach Elay ist weit�, antwortete Titch. Er klang ... <emphasis>nerv�s?</emphasis></p><p>�Das meine ich nicht�, antwortete Skar. �Es ist...� Er sprach nicht weiter, sondern �berwand seinen Widerwillen, scheuchte einen von Titchs Quorrl mit einer groben Handbewegung beiseite und b�ckte sich nach dem ledernen Futtersack, der wie ein k�nstlicher Kropf unter dem Hals des Tieres angeschnallt war. �Er ist leer�, stellte er fest, nachdem er ihn kurz abgetastet hatte. Er machte sich nicht einmal die M�he, ihn zu �ffnen. �Und?� fragte Titch.</p><p>Skar deutete auf die Habseligkeiten der Toten, welche die Quorrl auf dem Felsen ausgebreitet hatten. �Keine Vorr�te, nicht einmal ein Wasserschlauch.�</p><p>Titch lachte humorlos. �Wasser ist nun wirklich genug hier�, gab er zu bedenken. �Und die Daktyle kann sich unterwegs Futter rei�en, so viel sie will.�</p><p>�Wenn sie versucht, sich an eine schwerbewaffnete Burg wie die unsere anzuschleichen?� fragte Skar zweifelnd. �Kaum.� Er sch�ttelte entschieden den Kopf. �Diese <emphasis>Errish </emphasis>hat nie vorgehabt zur�ckzukehren�, behauptete er.</p><p>Zu seiner �berraschung widersprach Titch nicht, sondern nickte nach einer Weile schwerf�llig. �Ein Selbstmordunternehmen�, vermutete er. �Was ist so ungew�hnlich daran? Vielleicht war sie �berzeugt davon, Erfolg zu haben, und wollte einfach auf die warten, die ihr folgten.�</p><p>Titchs Worte klangen einleuchtend, aber Skar hatte in den letzten Tagen einfach zu viel geh�rt, was einleuchtend klang und doch falsch war. Vielleicht hatte Del ein bi�chen recht gehabt mit seiner sp�ttischen Bemerkung, da� er es einfach nicht mehr ertr�ge, eine einfache L�sung zu akzeptieren, aber diesmal irrte sich der Quorrl, das sp�rte er einfach. Es war, als wache er zum zweiten Mal aus einem unendlich tiefen, bet�ubenden Schlaf auf, und pl�tzlich begriff er, da� es die Burg war - ihr unheimlicher Einflu� vergiftete nicht nur ihre Seelen, er hatte ihn auch bisher daran gehindert, wirklich <emphasis>logisch </emphasis>nachzudenken. Aber mit einem Male, ganz pl�tzlich, funktionierte sein Denken wieder mit der alten, gewohnten Sch�rfe. Er erkannte sogar, da� es gerade umgekehrt war - er fand die Beweise f�r seinen Verdacht nicht, weil er danach suchte, sondern hatte den Verdacht gefunden, weil etwas in ihm die Indizien l�ngst wahrgenommen und richtig gedeutet hatte.</p><p>Dicht neben Titch lie� er sich ein zweites Mal in die Hocke sinken und deutete auf das Gesicht der toten <emphasis>Errish. </emphasis>�Sieh es dir genau an�, verlangte er.</p><p>Titch gehorchte.</p><p>�Dir f�llt nichts auf?�</p><p>Titch sch�ttelte den Kopf und sah ihn fragend an.</p><p>�Vermutlich w�rde es mir auch nicht auffallen, wenn hier ein toter Quorrl l�ge�, sagte Skar. �Aber diese Frau ist sehr lange hier gewesen, ehe sie starb. Sie hat tagelang Durst gelitten. Sieh dir ihre Lippen an, und die Augenlider. Sie mu� gehungert haben.� Er hob die Hand und deutete auf die Daktyle, ohne sich aus der Hocke zu erheben. Pl�tzlich war alles glasklar, so deutlich, da� er sich vergeblich fragte, warum ihm all dies vor zwei Tagen entgangen war. �Und der Vogel! Erkennst du die Spuren im Fels? Den Dung und die frischen Kratzer, und die Wunden an seinen L�ufen? Er hat versucht zu fliehen, wahrscheinlich aus Hunger und Durst.�</p><p>Titch nickte widerstrebend. �Worauf willst du hinaus?�</p><p>�Da� sie schon lange hier war�, antwortete Skar. �Tage, vielleicht Wochen, sicher aber ebensolange wie wir, Titch. Sie hat es nicht gewagt, ihr Versteck zu verlassen, um zum Flu� zu gehen oder sich ein Wild zu jagen, aus Angst, entdeckt zu werden.� Titch blickte ihn an, aber sein Gesicht war jetzt wieder ein ganz normales Quorrl-Gesicht - eine h��liche Fratze aus Schuppen und Knochenw�lsten, auf der nicht das allermindeste Gef�hl abzulesen war.</p><p>�Du meinst, sie hat hier <emphasis>auf uns </emphasis>gewartet?� fragte er.</p><p>�Oder auf jemand anderen.�</p><p>�Die Drachenreiter, die das M�dchen verfolgten?�</p><p>�M�glich.� Skar stand auf. Es <emphasis>war </emphasis>m�glich, aber er war eigentlich �berzeugt davon, da� es nicht so war. <emphasis>Aber was hatte sie dann hier gewollt? Was war in der Flasche gewesen, und warum hatte der Daij-Djan sie get�tet, wenn sie -</emphasis> - nicht ihr Feind gewesen war?</p><p>Die Erkenntnis traf ihn mit solcher Wucht, da� er Titch volle zehn Sekunden lang aus aufgerissenen Augen anstarrte, ohne einen Laut, ja, ohne auch nur zu atmen. Es war die einzige Erkl�rung. Sie klang fast absurd, aber alles andere ergab noch weniger Sinn. Pl�tzlich glaubte er die Szene noch einmal zu durchleben, schneller und mit fast �bernat�rlicher Klarheit: <emphasis>Er sah die Tote, reglos auf dem R�cken der Daktyle, sah den Ausdruck ungl�ubigen Entsetzens m ihrem f�r immer erstarrten Gesicht, und er sah den Daij-Djan, die Sternenbestie, die dastand und ihn aus ihrem schrecklichen augenlosen Gesicht anstarrte, die Hand wie zu einem perfiden Gru� erhoben, aber das stimmte nicht, es war kein Gru�, es war ein Deuten auf die tote Errish und ihren Vogel, und es bedeutete nichts anderes als dies: Sieh sie dir an, Satai! Sieh dir an, was denen geschieht, die sich mir in den Weg gestellt haben!</emphasis> �Titch�, fl�sterte er. �Wir waren Narren! Diese <emphasis>Errish </emphasis>war nicht unser Feind!�</p><p>�Was?� fragte Titch verst�rt.</p><p>�Ich wei� nicht, wieso, und ich wei� nicht, was sie hier wollte, aber sie stand auf unserer Seite, Titch!� dr�ngte Skar erregt. �Begreif doch! Wir haben uns get�uscht, aber Bradburn mu� es erkannt haben, in seinem letzten Moment! Was in ihrer Flasche war, war kein Gift! Es war <emphasis>eine Waffe gegen das Netz!�</emphasis> Titchs Augen weiteten sich ungl�ubig, aber es vergingen Sekunden, bis Skar erkannte, da� dies keine Reaktion auf seine Worte waren. Der Quorrl starrte auf einen Punkt hinter ihm, am anderen Ende der kleinen Felsplattform.</p><p>Und Skar wu�te schon, was er dort gesehen hatte, noch ehe die anderen Quorrl entsetzt aufschrien und er selbst in die H�he fuhr und sich blitzschnell umdrehte.</p><p><emphasis>Er war da.</emphasis></p><p>Es <emphasis>war </emphasis>eine getreuliche Wiederholung ihrer ersten Begegnung, und er hatte recht gehabt, mit seinem eigenen, sp�ttischen Gedanken - der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>hatte auf sie gewartet, hier, an der einzigen Stelle, an der es vielleicht etwas gab, was seine Pl�ne zu durchkreuzen vermochte.</p><p>F�r die Dauer eines Atemzuges stand Skar einfach da und starrte die kindsgro�e Chim�re an, sp�rte den Blick seiner nicht vorhandenen Augen wie die Ber�hrung einer wei�gl�henden Hand und f�hlte wieder den alten Spott und Ha�, aber zum allerersten Mal vielleicht auch so etwas wie Verunsicherung. Dann bewegte sich der <emphasis>Daij-Djan.</emphasis></p><p>Und die H�lle brach los.</p><p>Skar h�rte einen gellenden Aufschrei und wurde von etwas in den R�cken getroffen und zur Seite geschleudert. Ein Quorrl raste an ihm vorbei, br�llend, das gewaltige Schwert mit beiden H�nden zum Schlag erhoben, und so schnell, wie er niemals einen Quorrl hatte laufen sehen.</p><p>Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>versuchte nicht einmal, dem Hieb auszuweichen. Er stand einfach da, ein Kind, das einem tobenden Drachen entgegenblickte, und die Klinge des Quorrl sauste herab, gef�hrt von Muskeln, die in der Lage waren, einem Pferd das R�ckgrat zu brechen. Der Hieb mu�te ihn in zwei H�lften teilen.</p><p>Er wurde nicht zweigeteilt. Er erbebte nicht einmal unter dem Schlag des Quorrl-Kriegers. Aber daf�r zerbrach dessen Schwert. Dann bewegte sich die dreifingrige Klauenhand des <emphasis>Daij-Djan, so </emphasis>schnell und m�rderisch, wie sie nur dieses Wesen bewegen konnte, und der Quorrl torkelte r�chelnd zur�ck, beide H�nde gegen seine zerfetzte Kehle geschlagen.</p><p>Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>l�ste sich aus seiner Erstarrung und kam langsam auf Skar und Titch zu. Seine H�nde waren jetzt ge�ffnet, wie dreifingrige Forken, zu nichts anderem geschaffen als zum T�ten und Zerrei�en, aber dazu perfekt. Skar machte einen stolpernden Schritt zur Seite, ehe er begriff, da� nicht <emphasis>er </emphasis>das Ziel der Sternenbestie war, sondern die �berlebenden f�nf Quorrl und Titch. Aus irgendeinem Grunde w�rde ihn der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>auch diesmal noch am Leben lassen. Vielleicht konnte er ihn gar nicht t�ten.</p><p>Aber er t�tete den zweiten Quorrl, der sich mit einem schrillen Angstschrei auf ihn st�rzte, und er tat es so schnell und gnadenlos wie beim ersten Mal: Seine Klaue fing den Schwerthieb des Kriegers ab und zerbrach gleichzeitig seine Klinge und seinen Arm, dann ri� er den vier Zentner schweren Kolo� einfach in die H�he, wirbelte ihn herum und schleuderte ihn davon, zehn, zwanzig, drei�ig Meter weit durch die Luft, bis er zwischen den Felsen aufschlug. Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>ging weiter.</p><p>Skar erwachte endlich aus seiner Erstarrung. Mit einem gellenden Schrei fuhr er herum und zerrte sein Schwert aus dem G�rtel, wohl wissend, wie sinnlos diese Waffe gegen den D�mon war. Aber er kam gar nicht dazu, die Bestie anzugreifen, denn in diesem Moment geschah etwas, was vielleicht noch schlimmer war als der Tod der beiden Krieger.</p><p>Titchs �berlebende M�nner hatten sich um ihren Kommandanten geschart und bildeten einen lebenden Schutzwall. Der <emphasis>Daij- Djan </emphasis>bewegte sich ohne sonderliche Hast auf die lebende Festung zu, und die vier Quorrl und Titch wichen im gleichen Tempo vor ihm zur�ck, bis sie die Kante des Felsplateaus erreicht hatten. In den Gesichtern der Krieger stand der nackte Terror. Es war das erste Mal im Leben, da� Skar einen Quorrl vor Angst wimmern h�rte. Vielleicht das erste Mal �berhaupt, da� ein menschliches Ohr diesen Laut vernahm.</p><p>Und pl�tzlich schleuderte einer von ihnen sein Schwert davon, zog statt dessen einen kleinen, zweiseitig geschliffenen Dolch - und f�hrte ihn mit einer raschen Bewegung an seiner Kehle entlang!</p><p>Etwas in Skar zerbrach.</p><p>Es war das erste Mal seit Bradburns <emphasis>Sai-Tan, </emphasis>da� er sie wieder sp�rte, jene finstere, brodelnde Macht, die tief in seinem Inneren verborgen war und nur manchmal erwachte, dann aber zu schrecklicher Kraft und Wut, ein <emphasis>Etwas, </emphasis>ebenso dunkel und vielleicht st�rker als der <emphasis>Daij-Djan, </emphasis>auf jeden Fall aber ebenso gnadenlos. Sein eigenes Leben war ihm egal, nein, mehr noch, er <emphasis>wu�te, </emphasis>da� ihm nichts geschehen w�rde, da� er unbesiegbar, unsterblich und unverwundbar war in diesem Moment, denn er war nicht mehr er, sondern sein Dunkler Bruder, ein k�rperloses Ding, von den gleichen M�chten erschaffen wie die Sternenbestie und ebenso wild, ebenso entschlossen und ebenso unf�hig aufzugeben. Sein K�rper mochte zerst�rt werden, denn er war nicht n�rrisch genug, sich im Ernst einzubilden, den entsetzlichen Kr�ften der Chim�re irgend etwas entgegensetzen zu k�nnen, aber es war auch nicht die Macht seines Schwertes, die den <emphasis>Daij-Djan </emphasis>stocken lie�, als sich Skar mit einem Schrei zwischen ihn und die �berlebenden Quorrl warf. Sein <emphasis>Tschekal </emphasis>sauste herab und verharrte einen Fingerbreit vor dem flachen Nicht-Gesicht der Bestie.</p><p>�Geh!� schrie er. �Bring mich um oder geh, du Bestie! <emphasis>Ich lasse es nicht zu!�</emphasis></p><p>Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>z�gerte. Er hatte kein Gesicht, auf dem Skar so etwas wie eine Reaktion auf seine Worte h�tte ablesen k�nnen, aber er sp�rte, da� ihm der D�mon pl�tzlich auf eine neue, fast unsichere Art gegen�berstand. Mit einer sonderbar unschl�ssigen Bewegung hob er die Hand und streckte den Arm aus, wie um Skar einfach aus dem Weg zu schleudern, ber�hrte ihn aber nicht.</p><p>�Verschwinde, Satai!� br�llte Titch hinter ihm. �Er will nur uns! Lauf, solange du es noch kannst, du Narr!�</p><p>Skar h�rte gar nicht hin. Sein Blick war starr auf das Horngesicht des <emphasis>Daij-Djan </emphasis>gerichtet, und der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>starrte ihn an. �Geh!� wiederholte Skar noch einmal. �Ich lasse nicht zu, da� du sie t�test!�</p><p><emphasis>Willst du dein eigenes Leben opfern, um ein paar Quorrl zu retten? </emphasis>wisperte die unh�rbare Stimme des Ungeheuers hinter seiner Stirn. Es waren nicht wirklich diese Worte, die Skar h�rte, es waren �berhaupt keine Worte, aber es war der Sinn seiner lautlosen gedanklichen Frage.</p><p>�Ja�, rief er laut. �Wenn es sein mu�. Ich lasse es nicht zu, h�rst du? Du wirst nicht mehr t�ten! Nicht, bevor du mich get�tet hast! <emphasis>Ich lasse es nicht zu!�</emphasis></p><p>Er h�tte es nicht verhindern k�nnen, das wu�te er. Nicht wirklich. Nicht mit diesem Schwert und seinem l�cherlichen menschlichen K�rper, den das Ungeheuer in Bruchteilen einer Sekunde einfach zerrei�en konnte. Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>h�tte die Hand heben, sein Schwert zerbrechen und ihn einfach zur Seite schleudern k�nnen, wenn er wirklich gewollt h�tte, aber da war pl�tzlich noch etwas, die unsichtbare finstere Macht seines Dunklen Bruders, die wie eine Sturmflut aus den Tiefen seiner Seele emporkochte und sich der Chim�re entgegenwarf. Es dauerte nur Sekunden, aber f�r Skar vergingen Ewigkeiten, w�hrend die beiden unsichtbaren Ungeheuer miteinander rangen, nicht Gut und B�se, denn so etwas gab es nicht, das war eine reine Erfindung der Menschen, sondern zwei feindliche Br�der, der eine so ha�erf�llt wie der andere.</p><p>Und f�r dieses Mal gewann er.</p><p>Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>senkte ganz langsam die Hand. Er wirkte verwirrt; vielleicht sogar ein bi�chen erschrocken - es mu�te das erste Mal sein, da� er auf einen gleichwertigen Gegner gesto�en war, seit er auf der Eisinsel des Dronte entstanden war, und vielleicht begriff er auch in diesem Moment zum allerersten Mal, da� es M�chte gab, die ihm gewachsen waren, ja, ihn vielleicht sogar vernichten konnten. Was dem H�llenfeuer des Dronte nicht gelungen war, das gelang dem unsichtbaren Etwas in Skar, und er - Skar erkannte den Fehler in diesem Gedanken und verscheuchte ihn. Er begann, menschliche Begriffe auf das Ungeheuer anzuwenden, aber an ihm war nichts Menschliches, nicht einmal wirklich Lebendes. Es war fremd, ungeheuer <emphasis>fremd. </emphasis>Kein Wesen einer anderen Welt, sondern das Gesch�pf einer vollkommen anderen Natur. Es w�rde niemals Frieden geben zwischen ihnen. Es existierte keine gemeinsame Basis. Er w�rde niemals dahinterkommen, was hinter dem glatten konturlosen Gesicht des Unget�ms vorging. Er verstand nur, da� er gewonnen hatte, f�r diesen einen Moment. Da� der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>seine Bedingung akzeptierte und die Quorrl leben lie�, um ihn nicht t�ten zu m�ssen. Dann, von einem Augenblick auf den anderen, verschwand das Ungeheuer. Es war einfach weg, wie ein b�ser Spuk. Aber der Alptraum war trotzdem noch nicht vorbei. Vielleicht begann er sogar erst wirklich in dem Moment, in dem Skar sich herumdrehte und zu Titch und den drei �berlebenden Quorrl zur�cksah. Die Krieger standen da, erstarrt, wie mitten in der Bewegung von einem b�sen Zauber ergriffen und gel�hmt, und stierten ihn an. Der einzige, der sich bewegte, war Titch: Der Quorrl-F�hrer hob die H�nde, in einer Art, die Skar absurderweise fast an ein Gebet erinnerte, machte einen halben stockenden Schritt auf ihn zu und erstarrte dann ebenfalls. Sein Mund �ffnete sich, aber kein Laut kam heraus.</p><p>�Er ist fort�, brachte Skar m�hsam hervor. Pl�tzlich begannen auch seine H�nde zu zittern. Sein Herz jagte, und hei�e und kalte Schauer rasten abwechselnd �ber seinen R�cken. Die f�rchterliche Kraft seines Dunklen Bruders war versiegt, und wie immer, wenn er die Bestie in sich entfesselt hatte, f�hlte er sich hinterher ausgelaugt und m�de; selbst das Schwert schien pl�tzlich zu schwer zu sein, um es zu halten. Er senkte die Klinge, setzte ihre Spitze auf dem Boden auf und st�tzte sich schwer auf den Griff. �Er ist fort�, wiederholte er. �Er wird euch nichts mehr tun.� <emphasis>F�r diesmal. </emphasis>Aber das f�gte er nur in Gedanken hinzu. Titch machte erneut einen Schritt auf ihn zu und blieb abermals stehen. Seine Augen waren starr und weit, er blinzelte nicht, und aus seinem halb offenstehenden Raubtiermaul kam noch immer kein Laut. Aber Skar sp�rte �berdeutlich, wie es hinter der Stirn des Quorrl arbeitete. Als Titch dann zum Reden ansetzte, klang seine Stimme flach und br�chig, wie die eines uralten kraftlosen Greises.</p><p>�Was hast du getan, Satai?� keuchte er. �Du hast... hast den <emphasis>Daij-Djan </emphasis>vertrieben! Er... er gehorcht dir!� Seine Glieder zitterten. Seine gewaltigen Pranken �ffneten und schlossen sich unentwegt, als wolle er etwas packen und zerquetschen. Sein Atem ging schnell und schwer und sto�weise.</p><p>�Wir sind alte Freunde�, sagte Skar mit mattem Spott. Titch �chzte, und Skar sah ein, da� diese Bemerkung nicht sehr klug gewesen war - dies war nicht der Augenblick f�r Spott und Ironie; nicht einmal f�r Sarkasmus.</p><p>�Ich kenne dieses... Gesch�pf�, fuhr er fort, sehr viel ernster. �Ich bin ihm ein paarmal begegnet, Titch. Aber wir -�</p><p>Titchs Schlag kam so schnell, da� Skar keine Chance blieb. Die Faust des Quorrl traf ihn zwischen Schulter und Hals, und diesmal schlug der Schuppenkrieger mit aller Gewalt zu. Skar sp�rte einen entsetzlichen Schmerz durch seine Schulter und seinen Nacken schie�en, gefolgt von einer Woge l�hmender Bet�ubung, die ihn in die Knie brechen und dann nach vorne fallen lie�. Er hatte nicht einmal mehr Kraft zu schreien.</p><p>Aber er verlor auch nicht das Bewu�tsein. Ein fast wohltuender D�mmerzustand ergriff ihn, l�hmte seine Glieder und zwang ihn, mit offenen Augen liegenzubleiben und hilflos zuzusehen, was weiter geschah.</p><p>Es war schlimmer als der Angriff des <emphasis>Daij-Djan, </emphasis>denn <emphasis>den </emphasis>hatte er zumindest noch verstanden. Was Titch jetzt tat, begriff er einfach nicht.</p><p>Der Quorrl starrte eine Sekunde auf ihn herab, dann erhob er sein Schwert mit beiden H�nden und machte einen Schritt zur�ck.</p><p>Und schlug mit aller Gewalt aus der Drehung heraus zu.</p><p>Seine Klinge beschrieb einen perfekten, t�dlichen Halbkreis, eine flirrende Bahn aus Silber und Blut, die den Kopf des ersten Kriegers glatt von seinen Schultern trennte und noch Schwung genug hatte, eine tiefe klaffende Furche in die Kehle des zweiten zu bei�en. Titch schrie, ein Schrei voller Entsetzen und innerer Pein, wie Skar ihn selten zuvor von einem denkenden Wesen geh�rt hatte, vollendete seine Drehung und drang mit hoch erhobener Klinge auf den letzten �berlebenden Mann seiner Leibgarde ein. Der Quorrl stand vier oder f�nf Meter von ihm entfernt, und wie seine beiden Br�der war auch er bewaffnet, besser sogar als Titch - in seiner Hand lag eine gewaltige eiserne Keule, die Titchs Schwert wie ein Schilfrohr h�tte zerbrechen k�nnen. Aber wie auch die anderen beiden machte er nicht einmal eine ausweichende Bewegung, sondern stand einfach da und sah Titch ergeben <emphasis>(und fast erleichtert? dachte Skar) </emphasis>entgegen, bis das Schwert des Quorrl seinen Sch�del traf und bis zur Brust hinab spaltete.</p></section><section><title><p id="_16">16.</p></title><p>Es dauerte lange, bis Skar wieder f�hig war, sich zu bewegen. </p><p>Die L�hmung wich nur ganz langsam aus seinen Gliedern, und mit dem Gef�hl kehrte auch der Schmerz zur�ck - ein dumpfes, lang nachhallendes H�mmern, das in seiner Schulter begann, sich rasch in seinem R�cken und seinem Nacken ausbreitete und schlie�lich seinen Kopf erreichte. Skar mu�te sich mit aller Macht beherrschen, um nicht aufzust�hnen; und noch mehr, um nicht die H�nde gegen seine schmerzenden Schl�fen zu pressen. Aber er wu�te, da� es seine letzte Bewegung gewesen w�re, hatte er es getan. So lag er einfach da, r�hrte sich nicht und starrte Titch an, der sich nach dem Mord an seinen Br�dern einfach umgedreht hatte und zum anderen Ende des Plateaus gegangen war. Jetzt sa� er auf dem Felsen, drehte Skar den R�cken zu und starrte ins Leere. Manchmal bewegte er die H�nde. Seine Krallen fuhren langsam und unbewu�t �ber den Felsen und erzeugten scharrende schrille Ger�usche, die schmerzhaft in Skars Kopf widerhallten.</p><p>Minuten vergingen, reihten sich zu einer viertel-, schlie�lich zu einer halben Stunde, bis Skar sich in der Lage f�hlte, aufzustehen und sich einigerma�en sicher zu bewegen. Sein Kopf schmerzte noch immer, und seine rechte Schulter schien gebrochen zu sein, zumindest aber �bel geprellt. Er war nicht sicher, ob er mit <emphasis>dieser </emphasis>Schulter k�mpfen konnte.</p><p>Aber das hatte er auch nicht vor. Es war das zweite Mal, da� er die entsetzliche Kraft des Quorrl am eigenen Leibe versp�rt hatte, und diesmal hatte er endg�ltig begriffen, wie l�cherlich die Vorstellung war, gegen diesen Kolo� <emphasis>k�mpfen </emphasis>zu wollen. Er mu�te Titch sofort �berw�ltigen, oder der Quorrl w�rde <emphasis>ihn </emphasis>t�ten, so einfach war das.</p><p>Vorsichtig, unendlich behutsam, stemmte sich Skar auf H�nde und Knie hoch und streckte die Hand nach dem <emphasis>Tschekal </emphasis>aus, das ihm entfallen war. Er brauchte fast eine Minute f�r dieses kleine Vorhaben, und er lie� Titchs gekr�mmten R�cken in dieser Zeit nicht f�r den Bruchteil einer Sekunde aus dem Auge. Endlich schlo� sich seine Hand um das Satai-Schwert. Peinlich darauf achtend, kein Ger�usch zu verursachen, verlagerte er sein Gewicht, stand vollends auf und trat lautlos nach links, einen gro�en Bogen um den Quorrl schlagend, damit ihn sein Schatten nicht verriet.</p><p>�Spar dir die M�he, Satai�, lie� sich Titch pl�tzlich vernehmen, ohne sich umzudrehen. �Du kannst dich nicht an einen Quorrl anschleichen. Das kann niemand.�</p><p>Ganz langsam drehte er den Kopf, sah Skar fast mitleidig an und fixierte dann das Schwert in seiner Hand. Er l�chelte. �Du willst mich t�ten.� Er machte eine auffordernde Bewegung mit der Hand. �Tu es.�</p><p>Skar z�gerte. �Du... du wu�test, da� -�</p><p>�- du nicht tot warst?� Titch nickte. �Jetzt so gut wie vergangene Nacht, Satai. Wenn ich dich h�tte t�ten wollen, dann <emphasis>w�rst </emphasis>du jetzt tot.�</p><p>Er sprach sehr leise, und ohne jede �bertriebene Dramatik, aber vielleicht war es gerade diese fast gelassene Art, die Skar vollends verunsicherte. Einen Moment lang starrte er fast betroffen auf die Waffe in seiner Hand hinunter, dann steckte er sie mit einer schuldbewu�ten, �bertrieben hastigen Bewegung in den G�rtel und ging weiter auf den Quorrl zu. Titch sah ihm entgegen. Wieder streifte sein Blick das <emphasis>Tschekal, </emphasis>dessen rubingeschm�ckter Griff aus Skars G�rtel ragte.</p><p>�Warum?� fragte Skar leise. Er hatte pl�tzlich gar keine Angst mehr.</p><p>Titch lachte wieder, aber diesmal <emphasis>klang es </emphasis>nicht nur wie ein Schrei, es war einer. �Das wei�t du nicht?� wunderte er sich. �Du, der Mann, der dem <emphasis>Daij-Djan </emphasis>Befehle geben kann, wei�t es nicht?�</p><p>Sekundenlang stand Skar einfach da und blickte den Quorrl an, dann nickte er, sch�ttelte fast in der gleichen Bewegung den Kopf und setzte sich neben Titch. Er hatte immer noch keine Angst; eher im Gegenteil. In dem gewaltigen Quorrl war pl�tzlich eine Ruhe, die auch auf Skar ausstrahlte. In Titch brodelte kein Zorn mehr. Skar sp�rte, da� der Quorrl aufgegeben hatte. Irgendwie war er schon tot; innerlich.</p><p>�Ich glaube schon�, antwortete er nach einer Weile. �Aber ich h�tte es gerne von dir geh�rt.� Er deutete �ber die Schulter zur�ck auf die Leichen der drei Quorrl. �Warum hast du es getan. Weil sie <emphasis>ihn </emphasis>gesehen haben?�</p><p>Titch nickte, sch�ttelte gleich darauf schwerf�llig den Kopf und machte eine Handbewegung, die das ganze Plateau einschlo�. �Weil sie <emphasis>alles </emphasis>gesehen haben�, erkl�rte er. �Sie h�tten es den anderen gesagt. Sie h�tten es niemals sehen d�rfen. Niemand h�tte es sehen d�rfen. Nicht einmal ich.�</p><p><emphasis>Vielleicht gerade du nicht, mein Freund, </emphasis>dachte Skar. Ohne ein weiteres Wort stand er auf, ging zu der Stelle zur�ck, an der Titchs M�nner die schwarze Chitin-R�stung der <emphasis>Errish </emphasis>niedergelegt hatten, und hob das Kopfteil auf. Selbst jetzt kostete es ihn �berwindung, den schwarzschimmernden Helm zu ber�hren. Seine Form glich dem eines Ameisensch�dels, aber er wirkte auch gleichzeitig unsagbar fremd, unsagbar <emphasis>wild.</emphasis></p><p>�Es ist deswegen, nicht?� fragte er.</p><p>Quorrl sah den Helm nicht an. Er nickte.</p><p>�Es ist... keine R�stung�, vermutete Skar. �Ich meine... es wurde nicht <emphasis>gemacht?�</emphasis></p><p>�Doch�, erwiderte Titch. �Es ist eine R�stung. Aber es gibt diese Wesen. Irgendwo. Im Norden. Hinter den Grenzen der Welt, im Land der Toten.�</p><p>Aus dem Mund jedes anderen Wesens und in jeder anderen Situation h�tten diese Worte einfach l�cherlich geklungen. Jetzt lie�en sie Skar schaudern, und vielleicht gerade deshalb, weil es ein Quorrl war, der sie aussprach, ein Wesen von vierhundert Pfund K�rpergewicht und mit Kr�ften, die schlichtweg unvorstellbar waren. Aber noch vor wenigen Stunden h�tte sich Skar ja auch nicht vorstellen k�nnen, da� ein Wesen wie dieses �berhaupt in der Lage war, so etwas wie Angst zu empfinden. Beinahe hastig legte er den Helm aus der Hand, z�gerte einen Moment und stie� ihn dann �ber den Rand des Felsens hinweg in die Tiefe. Er schlug mit einem sonderbar hellen, gl�sernen Laut auf den Felsen auf und zerbrach.</p><p>�Ist das der Grund, weshalb du die M�nner get�tet hast, die den Angriff auf die Drachen f�hrten?�</p><p>Titch nickte. Er schwieg. Sein Blick ging ins Leere.</p><p>�Sie waren nicht krank.�</p><p>�Nein. Ich habe sie vergiftet.�</p><p>�Und die, welche das Gift nicht genommen haben, hingerichtet. Nicht, weil sie feige waren. Weil sie <emphasis>wu�ten.�.</emphasis></p><p>�Ja�, best�tigte Titch. �Sie hatten geschworen zu schweigen, aber ich mu�te sicher gehen. Wenn ... meine Br�der erfahren, <emphasis>wer </emphasis>unser wirklicher Feind ist, werden sie die Waffen niederlegen, Skar. Das Heer h�tte sich aufgel�st, binnen eines Tages.� Seine Worte ersch�tterten Skar, umso mehr, als er erst nach einigen Augenblicken begriff, was sie wirklich bedeuteten. �Du hast deine Br�der geopfert, damit wir unseren Krieg f�hren k�nnen�, gab er seiner Vermutung Ausdruck.</p><p>�Ihr k�nnt ihn nicht gewinnen, ohne uns�, behauptete Titch anstelle einer direkten Antwort. �Und es ist meine Aufgabe, euch dabei zu helfen.�</p><p>�Und der �berfall auf mich?�</p><p>Titch blickte ihn voller Trauer an, aber auch ein wenig um Vergebung bittend, griff unter seinen G�rtel - und zog die kleine Giftflasche hervor, die Skar das letzte Mal in Bradburns Kammer gesehen hatte. Sie war wieder vollst�ndig. Der kristallene Pfropfen verschlo� sie.</p><p>�Du wei�t nicht, was es ist.�</p><p>�Gift�, vermutete Skar. �Und eine Waffe gegen das Netz.� Titch l�chelte fast mitleidig. Dann hob er einen kleinen, scharfkantigen Stein auf und ritzte sich damit den Handr�cken. Ein einzelner Blutstropfen lief wie eine rubinrote Tr�ne �ber seine glitzernden Schuppen. �Er schneidet�, sagte er. �Und in der richtigen Hand t�tet er auch. Ist er deshalb eine Waffe?� Er warf den Stein fort und verbarg das Fl�schchen wieder unter seinem G�rtel. Seine Bewegungen waren sehr sorgf�ltig.</p><p>�Es ist das Wasser des Lebens, Satai�, erkl�rte er, sehr ernst. �Wasser aus dem Goldenen Brunnen. Du w�rdest nie verstehen, wie wertvoll es f�r unser Volk ist.�</p><p>Skar versuchte es auch gar nicht. Er sah den Quorrl nur fragend an, und wie er erwartet hatte, fuhr Titch nach einer kurzen Pause fort, und fast mehr an sich selbst als an ihn gewandt: �Mein Volk w�rde hundert Mal vierzigtausend Krieger aussenden, um dieses Wasser zur�ckzubekommen, Skar. Der Goldene Brunnen ist das Wertvollste, was wir besitzen. Unser gr��tes Heiligtum.�</p><p>�Wertvoller als das Leben deiner M�nner?�</p><p>�Du verstehst nicht�, sagte Titch. �Es <emphasis>ist </emphasis>Leben. Ohne dieses Wasser w�rde unser Volk sterben, wie eine Pflanze, der man die Sonne stiehlt.� Er schwieg eine geraume Weile, dann deutete er auf die tote <emphasis>Errish. </emphasis>�Ich wei� nicht, wie es ihr gelungen ist, es zu stehlen. Aber du hattest recht mit deiner Vermutung: Sie kommt nicht aus Elay. Dieser Vogel mu� die ganze Strecke vom Goldenen Tempel bis hierher geflogen sein.�</p><p>�Um uns das Wasser zu bringen�, vervollst�ndigte Skar. �Titch, begreifst du denn nicht, was sie getan hat? Dieses Wasser t�tet das Netz. Es ist eine Waffe gegen dieses f�rchterliche Ungeheuer.�</p><p>�Es t�tet alles Leben�, antwortete Titch geheimnisvoll. �Denn nur der Tod gebiert Leben.�</p><p>�Aber sie h�tte Elay damit befreien k�nnen!� fuhr Skar fort. �Versteh doch! Diese Frau hat... hat ihr eigenes Volk geopfert, um uns zu retten!�</p><p>�Vielleicht�, gab Titch zu. �Vielleicht aber auch nicht. Du wei�t nicht, was sie wirklich gewollt hat. Niemand wei� es. Niemand kann sie jetzt noch fragen. Und es spielt keine Rolle. Das Wasser des Lebens mu� zur�ck an den Ort, an den es geh�rt. Das ist alles, was z�hlt.�</p><p>�Auch, wenn wir dadurch den Krieg verlieren?� fragte Skar. �Auch dann�, best�tigte Titch unger�hrt. �Welchen Sinn hat es, die Welt zu opfern, um sie zu retten?�</p><p>�Das ist doch Unsinn�, wandte Skar sanft ein. �Du bist ein vern�nftiger Mann, Titch. La� uns vern�nftig miteinander reden.�</p><p>�Ich <emphasis>bin </emphasis>vern�nftig, Satai�, sagte der Quorrl. �Ich war es niemals mehr. Ich bin ein Krieger, und ich bin dazu geschaffen zu k�mpfen. Ich h�tte es dabei belassen sollen. Alles wurde falsch, als ich anfing, die Dinge �ndern zu wollen. Ich werde dieses Wasser nehmen und an den Ort zur�ckbringen, an den es geh�rt, und dann sterben. Ich mu�te es dir stehlen.�</p><p>�Du h�ttest mich darum bitten k�nnen�, gab Skar ihm zu bedenken. In seiner Stimme war kein Vorwurf. �Ich h�tte es dir gegeben.�</p><p>�Aber dann h�ttest du Fragen gestellt�, entgegnete Titch. �Und wenn nicht du, dann dein Freund Del.� Er seufzte. �Ich habe alles falsch gemacht, Satai. Nach Trashs Tod hatte ich die F�hrung des Heeres allein inne, und ich wollte es richtig machen, aber ich ... ich habe versagt.�</p><p>�Weil du es dir selbst erlaubt hast, etwas <emphasis>zu f�hlen?� </emphasis>fragte Skar. �Ich bin ein Krieger�, erwiderte Titch. Er versuchte vergeblich, Zorn in seine Stimme zu zwingen. Dann, �bergangslos: �Ihr werdet diesen Krieg verlieren, Satai. Ihr und wir, wir werden gemeinsam zugrunde gehen.�</p><p>Skar schwieg f�r eine Weile. Was f�r ein Narr er doch gewesen war. Er h�tte es erkennen m�ssen, schon vor einem Vierteljahr, als er dem <emphasis>Daij-Djan </emphasis>das erste Mal wieder gegen�bergestanden hatte. Sp�testens in dem Moment, in dem die Sternenbestie Titchs Bruder get�tet hatte. Pl�tzlich glaubte er, die Worte des riesigen Quorrl noch einmal zu h�ren, so deutlich, als st�nde er hinter ihm und fl�stere sie ihm ins Ohr: <emphasis>Sie sind wieder da, Satai! Sie sind wieder da! </emphasis>Was hatte er sich eingebildet? Da� der D�mon ihm allein geh�rte? Wer war er, zu glauben, er h�tte ein Anrecht auf einen Gott nur f�r sich allein?</p><p>�Erz�hl mir vom <emphasis>Daij-Djan�, </emphasis>bat er. �Und von den Wesen hinter dem Ende der Welt.�</p><p>�Er ist eine Legende�, begann Titch, verbesserte sich: <emphasis>�War </emphasis>eine Legende. Enwor ist eine Welt, die aus Mythen gewoben ist, und wir Quorrl sind ein besonders abergl�ubisches Volk -� Er l�chelte matt. �- oder werden jedenfalls daf�r gehalten, von den meisten. Vielleicht wissen wir auch einfach nur mehr als ihr.�</p><p>�Wei�t <emphasis>du </emphasis>mehr?�</p><p>Titch sch�ttelte den Kopf. �Nur, was man mir erz�hlt hat. Ich habe es nicht geglaubt, Skar. Ich bin dir �hnlicher, als du denkst.� Skar blickte �berrascht auf, und Titch machte eine erkl�rende Handbewegung. �Ich wei� viel �ber dich, Satai. Als ich h�rte, da� du Trash erschlagen hast, schwor ich dir den Tod. Dann verriet mir Del, wer du wirklich bist und warum du es getan hast, und ich beschlo�, dich am Leben zu lassen, wenigstens f�r eine Weile. Aber ich erfuhr viel �ber dich, was du getan hast und wer du bist.� Er l�chelte wieder. �Du glaubst nicht an die G�tter deines Volkes, nicht wahr?�</p><p>�Ich ... wei� es nicht�, gestand Skar.</p><p>�Ich war wie du, bis heute�, sagte Titch, seine ausweichende Antwort als Zustimmung wertend. �Ich glaubte nicht an die G�tter, und ich glaubte nicht an die D�monen. Das Schwert und der Verstand waren meine G�tter. Aber jetzt wei� ich, da� es sie gibt. Ich habe einen von ihnen <emphasis>gesehen-, </emphasis>Satai.�</p><p>�Du meinst, der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>ist euer Gott?�</p><p>Titch sch�ttelte den Kopf. �Das Gegenteil. Ihr habt etwas �hnliches, in eurer Religion. Den -�</p><p>�Teufel�, half Skar nach, als der Quorrl das passende Wort nicht gleich fand.</p><p>�Den Teufel�, best�tigte Titch. �Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>ist unser Teufel, Mensch. Und die <emphasis>Ultha </emphasis>sind seine D�monen. Und jetzt sind sie lebendig geworden.� Er sprach nicht weiter, aber das wenige, was er gesagt hatte, gen�gte vollauf, Skar abermals bis ins Innerste zu ersch�ttern. Er versuchte sich vorzustellen, was Titch in diesem Moment empfinden mochte, aber konnte es nicht. Was h�tte er gef�hlt, umgekehrt? Was, dachte er, wenn es so gewesen w�re, da� ein Heer von Satai den Quorrl zu Hilfe geeilt w�re - und sich keinem Feind aus Fleisch und Blut, sondern dem leibhaftigen Satan gegen�bergesehen h�tte?</p><p>�Was wirst du jetzt tun?� fragte er, nach einer weiteren langen, langen Zeit des Schweigens.</p><p>Titch zuckte mit den Schultern. �Was wirst du mich tun <emphasis>lassen?� </emphasis>fragte er dagegen.</p><p>�Was immer du willst�, antwortete Skar, und er meinte es so. Titch blickte ihn ungl�ubig an, und Skar las seine Gedanken von seinem Gesicht ab und sch�ttelte den Kopf. �Ich werde niemandem erz�hlen, was hier geschehen ist�, versicherte er. �Ich schw�re es dir, Titch. Niemandem. Und ich werde auch �ber das Wasser des Lebens schweigen.�</p><p>Titch nickte. �Dann tue ich, was getan werden mu߫, entschied er. �Ich werde versuchen, es zur�ckzubringen. Es ist ein weiter Weg, aber vielleicht habe ich die Kraft dazu.�</p><p>�Jetzt gleich?� fragte Skar.</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Weil...� Skar brach ab, schwieg sekundenlang. Sein Blick l�ste sich von Titchs flachem Quorrl-Gesicht und glitt �ber den Leichnam der <emphasis>Errish, </emphasis>den toten Drachenvogel und die Reste der bizarren R�stung, die sie getragen hatte. �Weil ich dich begleiten m�chte�, sagte er schlie�lich.</p><p>Titch war �berrascht. �Du? Kein menschliches Wesen darf das Land der Toten betreten.�</p><p>�Und kein Quorrl�, f�gte Skar hinzu. �Und trotzdem willst du es versuchen.�</p><p>�Das ist etwas anderes�, widersprach Titch. �Ich habe einen Grund, der mehr wiegt als mein Leben. Das �berleben meines Volkes.�</p><p>�So wie ich.� Skar deutete auf die Daktyle und ihre tote Reiterin. �Dels Weg ist falsch�, erkl�rte er ruhig. �Das da ist die L�sung, Titch. Ich h�tte es l�ngst erkennen m�ssen. Drask hat es mir gesagt, und Kiina ebenfalls, aber ich war blind und taub.�</p><p>Titch verstand was er meinte. �Es sind <emphasis>unsere </emphasis>D�monen, die lebendig geworden sind�, stellte er fest.</p><p>�Und diese <emphasis>Errish </emphasis>kam aus <emphasis>eurem </emphasis>Land, um die Rettung zu bringen�, erg�nzte Skar. �Die L�sung liegt dort, Titch. Nicht hier. Nicht in Ikne oder im Land der Zauberpriester. Drask und seine Br�der sind nur Werkzeuge, mehr nicht. Wenn es einen Weg gibt, diesen wahnsinnigen Krieg zu beenden, dann nur in <emphasis>deinem </emphasis>Land. Aber ich finde den Weg nicht allein.�</p><p>Einen Moment lang glaubte Skar fast, Titch w�rde zustimmen. Aber dann sch�ttelte der Quorrl statt dessen den Kopf. �Kein Mensch hat jemals unsere W�lder betreten, Satai. Sie w�rden dich t�ten.�</p><p>�Das ist ein geringer Preis f�r die Rettung meiner Welt, findest du nicht?�</p><p>Diesmal dauerte es sehr lange, bis der Quorrl antwortete. �Morgen�, sagte er leise.</p><p>�Bei Sonnenaufgang�, f�gte Skar hinzu.</p></section><section><title><p id="_17">17.</p></title><p>Sie hatten noch lange miteinander geredet, und sie hatten noch l�nger gebraucht, um zur Burg zur�ckzukehren. Trotzdem war das Heer nicht merklich n�her gekommen, als Skar sich unter dem Tor ein letztes Mal umdrehte und nach Westen sah - es bedeckte die Schnee-Ebene jenseits des Flusses jetzt wie ein schwarzer Ausschlag, und so weit der Blick nur reichte, aber seine Spitze war nicht sichtbar n�her gekommen. Sie trennten sich. Titch ging zu seinen Leuten zur�ck, um die R�umung der Burg zu �berwachen, die er angek�ndigt hatte, und alles Notwendige f�r seinen Aufbruch zu regeln - er w�rde einen Nachfolger bestimmen und tausend Dinge regeln m�ssen, aber das war nur gut so. Skar war sich bis zuletzt nicht sicher, ob der Quorrl seine Bitte erf�llen und seine Begleitung akzeptieren w�rde, und er wu�te, da� Titchs Krise noch lange nicht vor�ber war. Das Geschehen drau�en zwischen den Felsen hatte den Quorrl bis ins Innerste ersch�ttert, und es w�rde noch lange dauern, bis er den Schock �berwand; wenn �berhaupt. Irgendwann w�rde er anfangen, daran zu zweifeln, da� es richtig war, einen Menschen mit ins Allerheiligste der Quorrl zu nehmen. Und Skar wollte m�glichst weit von hier weg sein, wenn dieser Moment kam. Er nahm sich vor, Titch bis zu ihrer Abreise unauff�llig im Auge zu behalten und ihn - wenn n�tig - so besch�ftigt zu halten, da� ihm keine Zeit zum Nachdenken blieb.</p><p>Er suchte Del, fand ihn aber weder in seinem Zimmer noch im Thronsaal und fragte schlie�lich eine der Wachen. �Der Hohe Satai ist zu den Tierst�llen hinuntergegangen, Herr�, meldete der Mann. �Vor einer Stunde. Zusammen mit der <emphasis>Errish.�</emphasis></p><p>�Zu den St�llen?� fragte Skar verwundert.</p><p>�Einer der Hundetrainer kam, Herr. Er war sehr aufgeregt. Ich habe nicht geh�rt, was gesprochen wurde, aber kurz darauf verlie�en er und der Hohe Satai in gro�er Eile den Turm.� Er machte eine fragende Geste. �Ihr kennt den Weg?�</p><p>�Nein�, antwortete Skar. �F�hre mich. Und schnell.�</p><p>Sie verlie�en den Turm, �berquerten den Hof und n�herten sich den Pferdest�llen, wandten sich aber kurz vorher nach rechts und betraten einen zweiten, etwas kleineren Innenhof durch einen kurzen gemauerten Gang. Der scharfe Raubtiergeruch von Quorrl schlug ihm entgegen, vermischt mit dem Wolfsgestank der Hunde und einem ganzen Chor knurrender und kl�ffender Tierstimmen. Skar sah zahllose, aus Holz oder Metall gefertigte K�fige, in denen Hunderte der schwarzen Tiere eingesperrt waren, dazu eine fast noch gr��ere Anzahl, die nur an langen Ketten oder gar frei liefen. Hier und da waren Quorrl - und auch einige wenige Satai, wie Skar fast �berrascht feststellte - mit einzelnen Tieren besch�ftigt.</p><p>Sein F�hrer winkte den ersten Quorrl herbei, der ihren Weg kreuzte, und wechselte ein paar halblaute Worte mit ihm. Dann wandte er sich wieder an Skar. �Sie sind dort dr�ben, Herr�, meldete er. �In dem Geb�ude auf der anderen Seite.� Er deutete auf einen schwarzen, quaderf�rmigen Bau ohne Fenster, der wie ein massiver Felsw�rfel an die Hofmauer angelehnt war. Skar winkte ab, als er ihn begleiten wollte.</p><p>�Es ist gut�, beschied er ihm. �Geh auf deinen Posten zur�ck. Wenn Titch nach mir fragen sollte, schick ihn hierher. Keinen anderen.�</p><p>Er wartete die Antwort des Mannes nicht ab, sondern ging einfach los. Er fragte sich, was Del hier tat. Del verabscheute die Kampfhunde lange nicht so wie er, aber er liebte sie auch nicht gerade; niemand tat das, der einmal gesehen hatte, wie eines dieser Tiere einen Menschen bei lebendigem Leibe zerri�. Skar fragte sich, wie Del wohl reagieren w�rde, erf�hre er, da� es Titch gewesen war, der den Hund - durch seinen Krieger - auf den Satai gehetzt hatte. Nat�rlich w�rde er es ihm nicht verraten.</p><p>Die K�fige standen so eng auf dem Hof, da� Skar zu einem wirren Zickzack gezwungen wurde, um ihnen nicht zu nahe zu kommen. Einige der Hunde begannen zu kl�ffen, wenn er ihnen nahe kam; andere knurrten nur drohend oder starrten ihn voller Wachsamkeit an, aber auf eine Art, die ihm fast noch mehr Angst machte als das Z�hnefletschen und Geifern der anderen Tiere. Er war froh, als er den Hof endlich �berquert hatte und das Geb�ude betrat, in dem Del sein sollte.</p><p>Zun�chst jedoch fand er weder Del noch Kiina, sondern einen grimmig dreinblickenden Posten, der ihm mit gez�cktem Schwert den Durchgang verwehren wollte.</p><p>�Was soll das?� fragte Skar ungehalten. �Geh aus dem Weg!�</p><p>�Niemand darf hier rein�, belehrte ihn der Posten grob. �Hau ab!�</p><p>�Wer hat das angeordnet?� fragte Skar.</p><p>�Der Hohe Satai�, antwortete der Mann, dessen Gesicht Skar in der hier drinnen herrschenden Dunkelheit nicht erkennen konnte. �Und ich.�</p><p>�Gut�, knurrte Skar. �Dann sagt dir jetzt ein anderer Hoher Satai, da� du mich durchl��t - und zwar auf der Stelle.�</p><p>�Ein an -?� Der Mann brach verwirrt ab, kam einen halben Schritt n�her und fuhr erschrocken zusammen, als er Skar im Licht einer einzelnen, tr�b brennenden �llampe erkannte. �berhastet trat er zur Seite. �Verzeiht, Herr!� entschuldigte er sich. �Ich habe nicht gesehen, da� Ihr es seid.�</p><p>Skar winkte ab. Sein grober Ton tat ihm schon wieder leid. Der Mann f�hrte nur einen Befehl aus. �Schon gut�, lenkte er ein. �Wo ist Del?�</p><p>Der Posten deutete auf eine T�r am anderen Ende des winzigen Vorraumes. �Dort drinnen�, meldete er. �Aber Ihr solltet... nicht hineingehen. Er hat es verboten.�</p><p>�Auch f�r mich?�</p><p>Die Frage verunsicherte den Posten. Nach einer Weile sch�ttelte er den Kopf. �Nein�, meinte er. �Sicher nicht.�</p><p>�Dann mach die T�r auf�, befahl Skar, hielt den Mann aber dann noch einmal am Arm zur�ck, ehe er die T�r erreichte. �Was ist dort drinnen los?� fragte er. �Was ist passiert?�</p><p>Der Blick des Kriegers begann zu flackern. �Der Hund, Herr�, antwortete er. �Es ist der Hund.� Skar fiel erst jetzt auf, da� sein Gesicht bleich war, als h�tte er etwas gesehen, was ihn �ber die Ma�en erschreckte. Er starrte an ihm vorbei ins Leere. �Del - der Hohe Satai - hatte mir Befehl gegeben, ihn zu t�ten, aber ich ... ich konnte nicht. Ihr solltet ihn Euch selbst ansehen!�</p><p>�Was soll das hei�en, du <emphasis>konntest </emphasis>nicht?� fragte Skar.</p><p>Der Blick der schreckgeweiteten Augen wandte sich ihm zu, und was er darin las, war der nackte Terror. Etwas hatte diesen Mann bis auf den Grund seiner Seele erschreckt. �Er... er hat sich ver�ndert�, sagte er. �Ich habe nie etwas Entsetzlicheres gesehen, Herr. Etwas ... klebt an ihm.�</p><p>Skar blickte ihn einen Moment lang unentschlossen an, fuhr dann herum und stie� ohne ein weiteres Wort die T�r auf. Der Raum, der dahinter lag, war sehr viel gr��er als die kleine T�rkammer und von einem halben Dutzend Fackeln hell erleuchtet, aber fast leer. Del, Kiina und zwei weitere Satai standen in der gegen�berliegenden Ecke �ber etwas Schwarzes, Formloses gebeugt, und alle vier fuhren erschrocken herum, als sie das Ger�usch der sich �ffnenden T�r h�rten. Dels Gesicht �berzog sich mit Zorn, aber dann erkannte er Skar.</p><p>�Skar! Gut, da� du da bist. Schlie� die T�r. Und dann komm her - rasch!�</p><p>Skar gehorchte. Sein Herz begann zu klopfen, w�hrend er sich Del und den drei anderen n�herte - und dem, was sie umstanden. Die beiden Satai wichen respektvoll zur Seite, um ihm Platz zu machen.</p><p>Es war der Hund, und es war so, wie es der Mann drau�en beschrieben hatte - etwas klebte an ihm. Nur, da� es f�r Skar nicht <emphasis>etwas </emphasis>war, ebensowenig wie f�r Del oder gar Kiina. Sie kannten es. Nur zu gut.</p><p>Es war das Netz; das gleiche, schwarzglitzernde d�nne Spinnennetz, das die K�rper der <emphasis>Errish </emphasis>und ihrer Drachen bedeckt hatte, nur feiner, weitmaschiger, und es h�llte den Hund nicht vollkommen ein, sondern war nur an seinen Hinterl�ufen und einem Teil seines Bauches emporgekrochen. Der Hund lag auf der Seite und atmete schwer; die Zunge hing ihm aus dem Hals, und ein Blick in seine Augen �berzeugte Skar davon, da� er entsetzliche Schmerzen leiden mu�te.</p><p>�Gro�er Gott!� fl�sterte Skar. �Was ist das?�</p><p>Del antwortete nicht gleich; nicht einmal so sehr deshalb, weil er die Frage f�r �berfl�ssig hielt oder gar die Antwort nicht wu�te, sondern wohl eher, um Skar einen Moment Zeit zu lassen, den entsetzlichen Anblick in allen Einzelheiten in sich aufzunehmen.</p><p>�Das ist der Hund, der den Satai get�tet hat, heute morgen�, teilte er ihm nach einer Weile mit. �Der Mann drau�en war sein Trainer. Vor einer Stunde kam er zu mir und rief mich. Als wir herkamen, war alles schon so wie jetzt.�</p><p>Skars Herz h�mmerte, und in seinem Mund war der bittere Geschmack der Angst. Wie Del, Kiina und die beiden Krieger hielt er vorsichtig zwei Meter Abstand zu dem reglosen Hund, die doppelte L�nge der fingerdicken Kette, mit der das Tier an den Boden gebunden war. Sie war sehr viel stabiler als die, welche er heute morgen im Hof zerrissen hatte, und der eiserne Ring an ihrem Ende schien stark genug, da� er den Hund halten w�rde, wenn das Tier wirklich versuchte, sich loszurei�en. �Niemand ist herein- oder herausgekommen?� fragte er, ohne den Blick von dem Hund zu wenden.</p><p>�Nein�, antwortete Del. �Der Posten behauptet es jedenfalls, und ich glaube nicht, da� er l�gt. Der Hund wurde sofort hierhergebracht und angekettet.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Es ist so �blich, Herr�, antwortete einer der beiden Satai an Dels Stelle. �Die Hunde werden get�tet, wenn sie einmal Menschenblut gekostet haben. Sie sind f�r den Kampf dann nicht mehr zu gebrauchen.�</p><p>�Aber als er hierherkam, fand er ihn <emphasis>so�, </emphasis>f�gte Del hinzu. �Er behauptet, die T�r w�re die ganze Zeit �ber verschlossen gewesen. Und es gibt keinen zweiten Eingang. Nicht einmal ein Fenster.�</p><p>�Aber wie ist das m�glich?� verwunderte Skar sich. �Wie ist es hier hereingekommen?�</p><p>Niemand antwortete. Skar bewegte sich vorsichtig ein St�ck n�her an den Hund heran und versuchte, mehr zu erkennen. Es <emphasis>war </emphasis>das Netz, das Ding, das Kiina den <emphasis>W�chter </emphasis>genannt hatte, und wie bei Bradburn war es hier und da in den K�rper des Tieres eingedrungen. Eine dunkle Lache hatte sich unter dem After des Tieres gebildet, und hier und da glitzerte ein einzelner Blutstropfen in seinem Fell. Als Skar die Hand hob und vorsichtig nach dem Hund ausstreckte, begann er leise zu winseln. Der Ausdruck von Schmerz in seinen Augen vertiefte sich.</p><p>�Sei vorsichtig!� warnte Del erschrocken. �R�hr ihn nicht an.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, gab Skar ungehalten zur�ck. Er f�hrte die Hand �ber den Augen des Hundes hin und her. Der Blick der dunklen Tieraugen folgte seiner Bewegung, aber der Hund r�hrte sich nicht. Skar war fast sicher, da� er es nicht konnte.</p><p>�Wie lange seid ihr schon hier?� fragte er.</p><p>�Vielleicht eine Stunde.�</p><p>�Und es hat sich nicht ver�ndert, seither?�</p><p>�Nein�, antwortete Del. �Worauf wartest du - da� es w�chst?� Skar zuckte mit den Schultern, stand auf und l�ste eine der Fackeln aus ihrer Halterung. Sorgsam untersuchte er in ihrem flackernden Licht den steinernen Boden rings um den Hund. �Das haben wir auch schon getan�, erkl�rte Del. �Es ist nicht aus dem Boden gekrochen.�</p><p><emphasis>Was ist das, in seiner Stimme? </emphasis>dachte Skar. <emphasis>Spott </emphasis>- <emphasis>oder Angst?</emphasis> �Aber irgendwoher <emphasis>mu� </emphasis>es gekommen sein�, warf Kiina ein. <emphasis>Ja, </emphasis>dachte Skar. <emphasis>Und ich wei� sogar, woher. </emphasis>Aber er sagte es nicht laut. Die Vorstellung war so absurd, so bizarr und undenkbar, da� er sich den Atem sparte, sie auch nur auszusprechen. Er legte die Fackel aus der Hand und b�ckte sich wieder zu dem Hund hinab. Einen Moment lang schlo� er die Augen und lauschte in sich hinein, hob dann den Kopf und sah sich um. Es war da. Die schwarzen W�nde aus gebrochenem Fels atmeten es aus, es kroch aus dem Boden und der Decke, war schon in ihnen - dasselbe, finsterdr�uende Gef�hl, das er am Morgen in der ausgebrannten Kammer des Predigers gesp�rt hatte, den Pesthauch dieser Festung.</p><p>Er stand auf. �T�tet den Hund�, befahl er den W�chtern. �Nicht so schnell!� widersprach Del. �Wir -�</p><p>Skar ignorierte ihn. Unbeirrt fuhr er fort: �Sofort. Und dann verbrennt ihn!� Er sparte sich die Warnung, das Tier nicht anzufassen. Ein einziger Blick in die von Furcht verdunkelten Augen der beiden Satai �berzeugte ihn davon, da� sie sich eher die H�nde w�rden abhacken lassen, als dieses Tier zu <emphasis>ber�hren. </emphasis>�Und kein Wort von dem, was ihr hier gesehen habt - zu niemandem! Ist das klar? Ihr kommt zu mir, sobald ihr hier alles verbrannt habt!�</p><p>�Wie Ihr befehlt, Herr.�</p><p>Del wollte abermals protestieren, aber Skar ergriff ihn einfach beim Arm und zog ihn mit sich aus dem Raum. Erst als sie das Geb�ude verlassen hatten und rasch nebeneinander �ber den Hof gingen, lie� er Del wieder los.</p><p>�Sind die M�nner vertrauensw�rdig?� fragte er.</p><p>�Wie alle hier - ja�, antwortete Del irritiert. �Warum?�</p><p>�Weil ich keine Panik will, im letzten Moment�, antwortete Skar. �Wir m�ssen hier raus, Del. Wir alle. Sofort!�</p><p>Del blieb stehen. Sie hatten den Hof halb �berquert, befanden sich aber noch in H�rweite einiger Quorrl, und Del wu�te so gut wie er, da� die meisten der Schuppenkrieger zumindest genug von ihrer Sprache verstanden, um den Sinn seiner Worte zu begreifen. Trotzdem schrie er fast: �Bist du verr�ckt geworden? Was soll das, Skar? Willst du -�</p><p>�Willst <emphasis>du�, </emphasis>unterbrach ihn Skar betont, �warten, bis du deinen eigenen M�nnern gegen�berstehst - SO?!� Er deutete w�tend auf das Geb�ude zur�ck, aus dem sie gekommen waren, und f�r einen Moment war Del wirklich ersch�ttert. Aber nicht lange.</p><p>�Unsinn�, wiegelte er ab. �Der Hund hat sich irgendwie ...� - er suchte nach Worten - �infiziert.�</p><p>�Wie Bradburn?�</p><p>�Bradburn hat sich sein Schicksal selbst zuzuschreiben�, hielt Del �rgerlich dagegen. �Skar, ich bitte dich! Du erwartest von mir, da� ich die Burg evakuiere, nur wegen dieses <emphasis>Hundes?� </emphasis>Er sch�ttelte den Kopf, sah Skar pl�tzlich fast mi�trauisch an und wechselte die Tonlage. �Ihr wart unten bei den Felsen�, fuhr er fort. �Ihr habt etwas gefunden.�</p><p>F�r einen ganz kurzen Moment war Skar fast versucht, ihm die Wahrheit zu sagen. Aber das h�tte alles nur schlimmer gemacht. Er begriff sogar, da� Del nicht f�r sein Tun verantwortlich war. Es war diese Festung, die sein Denken vergiftete.</p><p>�Nein�, berichtete er. �Nur eine tote Frau. Sie hatte nichts bei sich, was von Wert gewesen w�re. Es war Zeitverschwendung. So wie dieses Gespr�ch�, f�gte er hinzu. Dann drehte er sich abrupt um und lie� Del und Kiina einfach stehen.</p></section><section><title><p id="_18">18.</p></title><p>Kiina war ihm gefolgt, obwohl er so schnell gelaufen war, da� sie M�he hatte, �berhaupt mit ihm mitzuhalten. Er hatte Titch gesucht, ihn aber inmitten all der Quorrl auf dem Hof nicht gefunden, und war schlie�lich noch einmal in seine Kammer hoch unter der Spitze des Turmes hinaufgeeilt - diesmal aber wirklich nur, um seine pers�nlichen Dinge zu holen und - es war nicht viel - in einen kleinen Beutel zu verstauen. Er brauchte kaum zwei Minuten dazu, denn er hatte sich am Morgen nicht die M�he gemacht, das wiederbeschaffte Diebesgut irgendwie zu sortieren, sondern alles nur aufs Bett geworfen. Als Kiina durch die offengebliebene T�r hereingest�rmt kam, war er bereits fertig und auf dem Weg nach drau�en, so da� er sie um ein Haar �ber den Haufen gerannt h�tte. Sie benutzte die Gelegenheit, ihn am Arm festzuhalten.</p><p>�Du gehst?�</p><p>�Ich wollte schon gestern abend gehen�, antwortete Skar. �Daran hat sich nichts ge�ndert.� Er wollte sich losrei�en, aber das M�dchen hielt ihn mit einer Kraft fest, die ihn erstaunte. �Alles hat sich ge�ndert, Skar!� stie� sie heftig hervor. �Du mu�t Del zur Vernunft bringen, ich flehe dich an!�</p><p>�Zur Vernunft?� Skar lachte bitter und machte seinen Arm los, wenn auch sehr viel sanfter, als er es beim ersten Mal versucht hatte. �Das kann ich nicht, Kindchen�, mu�te er zugeben. �Du warst doch dabei. Du hast den Hund gesehen.�</p><p>�Eben!� fuhr Kiina aufgebracht fort. �Ich begreife deinen Freund nicht! Ich habe ihm alles erz�hlt. Er hat die <emphasis>Skrot </emphasis>gesehen, und die <emphasis>Errish, </emphasis>die aus Elay kamen. Ich habe ihm erkl�rt, da� es dort genauso begonnen hat, aber er h�rt nicht auf mich.�</p><p>�So wenig wie auf mich�, sagte Skar. �Aber ich werde nachher noch einmal mit ihm reden, in aller Ruhe. Ich gehe erst morgen, bei Sonnenaufgang. Vielleicht braucht er einfach ein wenig Zeit, um alles zu verarbeiten.�</p><p>�Ich f�rchte, die hat er nicht�, widersprach Kiina ernst. �Skar, der <emphasis>W�chter </emphasis>ist hier, ich sp�re es. Er wird euch alle �berw�ltigen, so, wie er die <emphasis>Errish </emphasis>und ganz Elay �berw�ltigt hat! Du mu�t Del zwingen, diese Burg zu verlasen, wenn es sein mu�.�</p><p><emphasis>�Zwingen?� </emphasis>Skar sch�ttelte sanft den Kopf, versuchte zu l�cheln. �Das kann ich nicht, Kiina. Und wie auch? Er ist zwar mein Freund, aber er ist auch der Hohe Satai. Niemand kann ihn zu -�</p><p>�So wie du�, fiel ihm Kiina barsch ins Wort.</p><p>�Was erwartest du jetzt?� fragte Skar. �Eine Kraftprobe zwischen Del und mir?�</p><p>�Wenn es sein mu�, ja�, antwortete Kiina. �Skar, es geht um das Leben von f�nfhundert M�nnern! Vielleicht zwanzigtausend, wenn dieser Narr wirklich zul��t, da� all diese anderen Krieger in die Burg kommen.�</p><p>�Ich w�rde sie verlieren�, bef�rchtete Skar.</p><p>�Nein.� Kiina klang sehr �berzeugt. �Das w�rdest du nicht, Skar. Ich habe mit den M�nnern gesprochen, die du nur verachtest. Ich wei�, was sie wirklich denken. Sie respektieren Del, aber <emphasis>du </emphasis>bist es, den sie f�rchten. Und wenn Respekt und Furcht miteinander streiten, gewinnt immer noch die Furcht.�</p><p>Skar antwortete nicht gleich. Er glaubte Kiina, und er war sogar fast davon �berzeugt, da� es genau so kommen w�rde, wie sie behauptete. Aber eine Kraftprobe zwischen Del und ihm? Eine offene Auseinandersetzung zweier Hoher Satai, vor ihren M�nnern? Was Kiina vorschlug, kam dem Aufruf zu einer Meuterei gleich.</p><p>�Mit dem Narren meinst du mich, nehme ich an.�</p><p>Kiina fuhr zusammen, als sie Dels Stimme hinter sich vernahm. Auch Skar war ein wenig erschrocken - er hatte Dels Schritte nicht einmal geh�rt, und die T�r hatte die ganze Zeit �ber offengestanden, so da� ihre Worte drau�en auf dem Korridor deutlich zu verstehen gewesen sein mu�ten. Skar fragte sich, wieviel Del mitbekommen haben mochte.</p><p>�Sie hat recht, Del�, sagte er rasch, bevor Kiina antworten und ihn damit vielleicht noch mehr reizen konnte. �Nicht mit dem Narren, aber mit allem anderen. Ihr m��t hier weg. <emphasis>Bevor </emphasis>das Heer eintrifft.�</p><p>�Dann haben wir ja noch Zeit�, antwortete Del sp�ttisch. �Gerade kam ein Bote. Sie werden es nicht mehr schaffen vor Sonnenuntergang. Das Tauwetter hat das Gel�nde schwierig gemacht, und sie kommen nicht so schnell von der Stelle, wie ich hoffte. Und die letzten Meilen zur Burg hinauf sind die schwierigsten. Ich habe dem Kommandanten ausrichten lassen, er soll unten am Flu�ufer lagern.�</p><p>�Dann nimm deine Krieger und sto� zu ihnen�, beschwor ihn Skar. �Noch kannst du es.�</p><p>�Um dann morgen in aller Fr�he weiterzuziehen?� fragte Del. Skar nickte, und Del tat so, als erw�ge er den Gedanken f�r ein paar Augenblicke wirklich. Dann sch�ttelte er den Kopf. �Selbst wenn ich dir glaubte, Skar - mit welcher Begr�ndung sollte ich die Burg r�umen? Die M�nner haben einen Weg von tausend Meilen durch Schnee und K�lte hinter sich. Sie sind ersch�pft, und der Weg �ber die Berge ist anstrengend. Die H�lfte von ihnen w�rde sterben, wenn ich ihnen keine Pause g�nnte.�</p><p>�Wenn du es tust, sterben sie alle�, prophezeite Skar d�ster. �Und wie sollte ich diesen Befehl begr�nden?� fragte Del. �Soll ich ihnen sagen, da� wir vor einem <emphasis>Hund </emphasis>geflohen sind?� Er machte eine abwehrende Handbewegung, als Skar widersprechen wollte. �Ich habe meine besten M�nner auf das Problem angesetzt�, fuhr er fort. �Dazu ein Dutzend von Titchs ... Zauberern, wenn du sie so nennen willst. Die Krieger durchsuchen die Burg von einem Ende zum anderen. Und ich verspreche dir, da� wir diese Festung schneller verlassen, als du deinen Namen buchstabieren kannst, wenn sie auch nur eine Spur dieses Netzes finden.�</p><p>�Das werden sie nicht�, antwortete Skar. �Es ist bereits in ihnen, Del. In uns allen.�</p><p>Del lachte, aber es klang ein ganz kleines bi�chen unsicher. �Wie meinst du das?�</p><p>�So, wie ich es sage�, antwortete Skar zornig. �Du sp�rst es doch auch. Wir alle sp�ren es, Del. Es ist... �berall. Es hat uns bereits vergiftet. Wenn du es erst siehst, dann ist es zu sp�t! Sp�rst du den Zorn denn nicht?�</p><p>�Ja�, antwortete Del hart. �Aber er gilt eher dir, alter Mann.� Er starrte Kiina an. Seine Augen blitzten. �Und dir, du N�rrin! Ich werde nicht zulassen, da� ihr beide mit euren verr�ckten Ideen noch mehr Unheil stiftet.�</p><p>�Es ist die Wahrheit�, widersprach Kiina trotzig. �Es ist genau, wie Skar sagt. In Elay war es dasselbe. Zuerst der Sieg, dann der Zorn. Und am Schlu� kam der W�chter.�</p><p>�Aber sicher doch�, spottete Del. �Wahrscheinlich ist er in Wirklichkeit eine Art Seelenvampir, der sich von unserer Wut ern�hrt, wie?�</p><p>�Genau das ist er�, antwortete Skar. �Begreif doch, Del - er wird st�rker, je st�rker unsere Wut wird. Und umgekehrt n�hrt er sie.�</p><p>Del verzog die Lippen zu einem abf�lligen L�cheln. �Eine interessante Theorie. �brigens war ich gerade unten auf dem Hof und habe Titch gesucht. Er verl��t uns.�</p><p>�Seine Krieger r�umen die Burg, um -�</p><p>�Das meine ich nicht�, unterbrach ihn Del. �Er geht. Er hat das Kommando �ber das Heer bereits auf einen seiner Stellvertreter �bertragen. Und ich sehe, du hast auch gepackt?�</p><p>�Das stimmt�, antwortete Skar. �Und?�</p><p>�Und ich habe auch mit den Torwachen gesprochen�, fuhr Del fort. �Sie behaupten, ihr wart zu zweit, als ihr wiedergekommen seid? Aber ihr seid zu acht aufgebrochen. Was ist dort unten an den Felsen wirklich geschehen?�</p><p>�Nichts�, antwortete Skar ausweichend. �Oder doch. Ich ... ich habe erkannt, da� es falsch ist, was wir tun.�</p><p>�Uns wehren?�</p><p>�So, ja�, antwortete Skar ver�rgert. Er sp�rte es wieder. Zorn machte sich in ihm breit, dann Wut, die er nur noch mit M�he beherrschen konnte. Er war seit kaum einer Stunde zur�ck in der Festung, und schon begann er, ihrem �blen Einflu� erneut zu erliegen. Mit aller Macht zwang er sich, wenigstens einigerma�en beherrscht weiterzusprechen. �Ich werde Titch begleiten�, fuhr er fort. �Ich glaube, da� euer Weg falsch ist. Ich werde tun, was ich von Anfang an h�tte tun sollen.�</p><p>�Und das w�re?� fragte Del lauernd.</p><p>�Das, was Drask mir geraten hat. Er hatte recht, Del - dieser Krieg ist nicht mit der Waffe zu gewinnen. Ich werde die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>suchen und mit ihnen reden.�</p><p>�Oh, mehr nicht?� fragte Del sp�ttisch. �Du willst die Welt wieder einmal ganz allein retten, wie? Skar, der Mann, der mit den G�ttern spricht.�</p><p>�Vielleicht sind sie es ja gar nicht�, warf Kiina ein.</p><p>Del ignorierte sie. Er starrte Skar sekundenlang fast ha�erf�llt an, dann seufzte er, sch�ttelte den Kopf und streckte die Hand aus. �Gib mir dein Schwert.�</p><p>Skar blinzelte verwirrt. �Mein ... <emphasis>Schwert?�</emphasis></p><p>�Das Zeichen des Hohen Satai, ja�, antwortete Del hart. �Du selbst hast mir deinen Mantel vor die F��e geworfen, erinnerst du dich? Jetzt gib mir das Schwert zur�ck, das dazu geh�rt. Ich habe dich zum Hohen Satai gemacht, ich kann dir dieses Amt auch wieder nehmen.�</p><p>Skar legte die Hand auf den Schwertgriff, aber er tat es in einer Bewegung, die ganz eindeutig <emphasis>nicht </emphasis>dazu diente, Del die Waffe auszuh�ndigen. �Warum nimmst du es dir nicht?� fragte er. Del l�chelte, als h�tte er ganz genau diese Reaktion erwartet. �Nein�, entgegnete er. �Ich werde dir nicht den Gefallen tun, mit dir zu k�mpfen, alter Freund.� Er klatschte in die H�nde und trat gleichzeitig zur Seite. In der T�r hinter ihm erschienen zwei Satai-Krieger. In ihren H�nden lagen gespannte Armbr�ste. Skar keuchte. �Das ... das wagst du nicht�, stie� er hervor. �Du l��t mich nicht t�ten!�</p><p>�Nat�rlich nicht�, antwortete Del. Er deutete auf Kiina. �Aber ich lasse <emphasis>sie </emphasis>t�ten, wenn du auch nur eine verd�chtige Bewegung machst, Skar.�</p><p>�Del, du -�</p><p>�Ich lasse nicht zu, da� du noch mehr Schaden anrichtest�, unterbrach ihn Del. �Dein Schwert!�</p><p>Skar starrte ihn fassungslos an. Er weigerte sich einfach zu glauben, was er sah und h�rte. �Del!� rief er beschw�rend. �Was geschieht mit dir? Du -� Seine Stimme versagte. Er wu�te, da� es sinnlos war weiterzusprechen. Z�gernd, sehr vorsichtig, um Kiina nicht zu gef�hrden, zog er das rubingeschm�ckte <emphasis>Tschekal </emphasis>aus der Scheide, drehte es herum und reichte es Del.</p><p>�Und jetzt?� fragte er. �L��t du uns in Ketten legen?�</p><p>�Ihr d�rft euch frei in diesem Turm bewegen�, gab ihm Del zur Antwort. �Aber ich verbiete euch, ihn zu verlassen oder mit irgend jemandem zu reden.�</p><p>�Und wie lange willst du uns hier festhalten?�</p><p>�So lange es n�tig ist�, antwortete Del. �Ich stimme in einigen Punkten mit dir �berein. Auch ich will hier weg, so schnell es geht. Das Heer wird sich ausruhen, einen Tag, zwei, allerh�chstens drei. Sobald wir weiterziehen, bist du frei. Meinetwegen kannst du dann zum Ende der Welt reisen und einen Gott suchen, mit dem du <emphasis>reden </emphasis>kannst, du Narr!�</p></section><section><title><p id="_19">19.</p></title><p>Mit dem Abend war die K�lte zur�ckgekommen. Skar und Kiina waren hinaufgegangen auf die Plattform des Turmes, hundert oder mehr Mannesl�ngen �ber der Burg und die dreifache H�he �ber dem Flu�, und sie waren in stummem Einvernehmen den ganzen Tag �ber dortgeblieben. Die Vorstellung, hier oben irgendwie in Sicherheit zu sein, war nat�rlich nur eine Illusion, aber Skar f�hlte sich trotzdem erleichtert. Nachdem Del gegangen war, hatte er angefangen, sich wie lebendig eingemauert zu f�hlen. Die W�nde hatten ihm den Atem genommen, und wenn er zur�cksah zu der T�r, die auf die Plattform hinausf�hrte, hatte er das Empfinden, direkt in ein aufgerissenes steinernes Maul zu blicken. Vielleicht war der Vergleich nicht einmal so falsch, dachte er. Irgendwie war diese Burg viel mehr als ein gemauertes Geb�ude. Sie war ein gewaltiges, steinernes Ungeheuer, das sie alle l�ngst verschlungen hatte und ihnen nur noch vorgaukelte, am Leben und frei zu sein, w�hrend sie sich in Wahrheit nur noch in seinen Eingeweiden bewegten und aufs Verdautwerden warteten; gefressen waren sie schon.</p><p>Unruhig �berquerte er zum -zigsten Male an diesem Abend den Turm und blickte auf die Ebene auf der anderen Seite der Burg hinab. Die hereinbrechende D�mmerung hatte sich �ber das Satai-Heer gelegt; jenseits des Flusses erstreckte sich nur noch Schw�rze, in der stecknadelkopfgro�e Lichter wie heruntergefallene Sterne blinzelten - die Feuer der Satai und Veden, die wenige Meilen vor der Burg zum letzten Mal ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten. Es waren erstaunlich wenige, dachte Skar. Nur ein paar hundert, bei einem Heer von zwanzigtausend Mann und fast doppelt so vielen Tieren.</p><p>Wie zum Ausgleich war das andere Ufer des Flusses fast taghell erleuchtet, so gut, da� er trotz der gro�en Entfernung die einzelnen Gestalten der Quorrl erkennen konnte, die sich dort bewegten.</p><p>Als h�tte er noch nicht genug Sorgen, fragte er sich, was wohl geschehen w�rde, morgen, wenn das Heer herankam und auf die vierzigtausend Quorrl-Krieger traf, die dort unten lagerten. Er verscheuchte den Gedanken.</p><p>�Glaubst du wirklich, da� er kommt?�</p><p>Skar drehte sich von der Br�stung ab und sah Kiina an. Sie hatten wenig gesprochen in den Stunden, die sie hier oben verbracht hatten; einfach, weil es nichts mehr zu reden gab. Sie wu�ten beide, da� die Falle bereits zugeschnappt war. Sie konnten nur noch warten. Es dauerte Sekunden, bis Skar klar wurde, was Kiina �berhaupt meinte - ihre Frage kn�pfte an eine Bemerkung an, die er vor vielleicht einer halben Stunde gemacht hatte; da� er n�mlich darauf hoffte, Titch w�rde erfahren, was hier passiert war, und kommen.</p><p>�Ich wei� es nicht�, gestand er. Und er wu�te nicht einmal, ob er <emphasis>wirklich </emphasis>auf die Hilfe des Quorrl hoffen sollte. Da� Titch ihm seine geheimsten Gedanken offenbart hatte, mu�te nicht unbedingt bedeuten, da� er ihm auch <emphasis>trauen </emphasis>konnte. Ganz und gar nicht.</p><p>�Ich wei� es nicht�, wiederholte er noch einmal und f�gte hinzu: �Wir k�nnten fliehen. Der Turm ist hoch, aber es ist nicht unm�glich, an der Wand hinunterzusteigen und die Mauer zu erreichen.�</p><p>Kiina �berlegte einen Moment. �F�r dich�, gab sie zu bedenken. �F�r mich schon, Satai. Und du willst auch nicht wirklich fliehen, oder?�</p><p>Nein, das wollte er nicht. Er konnte all diese M�nner nicht im Stich lassen. Er konnte <emphasis>Del </emphasis>nicht im Stich lassen, trotz allem. �Ich habe Angst�, sagte Kiina pl�tzlich.</p><p>Skar wollte ihre Bemerkung mit einer Handbewegung abtun - aber dann nahm er sie statt dessen in die Arme und dr�ckte sie behutsam an sich. Sie zitterte ganz leicht, und ihr Atem strich hei� �ber seinen Hals. �Ich auch�, gestand er. �Aber es gibt nichts, was wir noch tun k�nnten.�</p><p>�Es ist genau wie in Elay�, fl�sterte Kiina. �Dort begann es ganz genau so. Freunde wurden zu Feinden, und M�tter bek�mpften ihre T�chter.� Sie l�ste sich aus seiner Umarmung und sah ihm von unten her ins Gesicht. Wieder fiel Skar auf, wie �hnlich sie ihrer Mutter war; und nicht nur �u�erlich. Sie hatte Angst, sie war fast wahnsinnig vor Angst, aber trotzdem war sie stark. Ganz egal, was geschah, dieses M�dchen w�rde nicht aufgeben. �Aber dort gab es keinen, der uns h�tte warnen k�nnen�, f�gte sie nach kurzer Pause hinzu.</p><p>�Es h�tte nichts genutzt�, antwortete Skar traurig. �Du hast Del erlebt.�</p><p>�Das habe ich.� Kiina nickte. �Ich verstehe nicht, wie ihr einmal Freunde gewesen sein k�nnt, Skar.�</p><p>�Wir sind es noch�, erwiderte Skar. �Das war nicht Del, der uns gefangengenommen hat, Kindchen. Er ist nicht verantwortlich f�r das, was er tut. Es ist dieser Ort. Etwas hier will nicht, da� wir gehen.�</p><p>�Es ist wie ein Spinnennetz�, verglich Kiina. �Du kannst strampeln, so sehr du willst, aber du verstrickst dich immer tiefer in seine Maschen. Ich habe Angst.�</p><p>Skar l�chelte. �Uns wird nichts geschehen�, beruhigte er sie. �Heute noch nicht.� Er deutete auf die Lichtpunkte des Satai-Heeres weit drau�en in der Ebene. �Es will <emphasis>sie. </emphasis>Es wird warten, bis sie alle hier sind.�</p><p>�Und wenn nicht?�</p><p>�Wer immer diese Falle aufgebaut hat, w�re ziemlich dumm, sie jetzt schon zuschnappen zu lassen�, erwiderte Skar �berzeugt. �Wir sind nur f�nfhundert, hier in der Burg. Ein Nichts gegen das Heer dort drau�en. Nein -� Er sch�ttelte noch einmal und sehr �berzeugt den Kopf. �- noch sind wir sicher. Und wenn ich hier heraus k�nnte, dann k�nnte ich vielleicht sogar etwas tun. Ich wei� nur nicht genau, was�, f�gte er mit einem verlegenen L�cheln hinzu. �Vielleicht die Burg anz�nden.�</p><p>Tats�chlich hatte er kurz mit diesem Gedanken gespielt. Es war irgendwo hier drinnen, vielleicht �berall, und es w�rde ihnen nichts mehr antun k�nnen, sobald sie die Burg verlassen hatten. Aber die Festung war einfach zu gro�, als da� ein einzelner Mann ihr nennenswerten Schaden zuf�gen konnte. Und sie war massiv erbaut, einzig und allein aus Stein, der bekanntlich nicht besonders gut brannte.</p><p>Aber ihm waren auch noch andere, kaum weniger verr�ckte Gedanken durch den Kopf geschossen, die eigentlich allesamt nur eines gemeinsam hatten: Sie waren undurchf�hrbar. Er zweifelte nicht daran, da� er mit Gewalt ausbrechen konnte, wenn es wirklich sein mu�te, und auch Del mu�te wissen, da� ihn die vier Mann, die er zu seiner und Kiinas Bewachung unter der Treppe zur�ckgelassen hatte, nicht <emphasis>wirklich </emphasis>aufhalten konnten. Aber wenn er sich seinen Weg aus diesem Turm heraus <emphasis>erk�mpfte, </emphasis>dann w�rde er damit genau das tun, was seine Feinde von ihm erwarteten. Nein, dachte er: Del - beziehungsweise die Macht, die sich seiner bediente - hatte ihn gr�ndlich au�er Gefecht gesetzt.</p><p>�Was ist das?� fragte Kiina pl�tzlich.</p><p>Skar schrak aus seinen Gedanken hoch und folgte Kiinas Blick. Sie sah an ihm vorbei zum Flu� hinab, auf das Lager der Quorrl, und auch Skar erkannte sofort, da� sich dort etwas ver�ndert hatte - er wu�te nicht was, aber das undurchschaubare Muster aus gr�n und graugeschuppten Gestalten und beh�biger Bewegung hatte sich irgendwie... ver�ndert.</p><p>Besorgter, als er zuzugeben bereit war, trat er neben Kiina an die Br�stung heran und beugte sich vor, so weit er konnte. Der Wind bi� ihm ins Gesicht und trieb ihm die Tr�nen in die Augen. Er hob die Hand �ber die Augen, kniff sie zu schmalen Schlitzen zusammen und konzentrierte sich, um mehr Einzelheiten ausmachen zu k�nnen. Es gelang ihm nicht. Das Lager war einfach zu weit entfernt, und die Nacht zu dunkel. Gegen die sie belagernde Finsternis wirkten die Lagerfeuer und Fackeln grell und blendeten ihn mehr, als sie ihn sehen lie�en. Aber Kiina und sein erster Eindruck hatten recht - etwas geschah dort unten. Er wu�te noch immer nicht, was es war, aber eines wu�te er genau: Es war <emphasis>kein </emphasis>Wandel zum Guten hin. Alles wirkte pl�tzlich ein winziges bi�chen hektischer, unruhiger, nerv�ser. Das Muster aus vierzigtausend Quorrl-K�rpern war in Bewegung geraten wie buntfarbener Sand, der im Sieb eines Goldw�schers zitterte.</p><p>�Was tun sie?� fragte Kiina �ngstlich.</p><p>Skar zuckte mit den Achseln und versuchte fast verzweifelt, mehr Einzelheiten zu erkennen. Nach einer Weile glaubte er ein Muster in der quirlenden Bewegung dort unten auszumachen - eine nur durch die riesige Entfernung langsam scheinende Wellenbewegung, die sich wie die Halbkreise eines am Ufer ins Wasser geworfenen Steines vom jenseitigen Rand des Lagers her durch die gesamte Masse der Quorrl-Armee zogen. Die Quorrl... <emphasis>flohen vor etwas </emphasis>dachte Skar verwirrt. <emphasis>Aber wovor? Und -</emphasis> Er erkannte es, eine halbe Sekunde bevor Kiina gellend aufschrie und mit dem ausgestreckten Arm nach unten deutete. Eine schnurgerade Reihe daumennagelgro�er Reitergestalten war aus der Dunkelheit herausgebrochen und verfolgte mit angelegten Lanzen die fl�chtenden Quorrl, gefolgt von einer zweiten, dritten und vierten Schlachtreihe gepanzerter Reiter. Und hinter ihnen, getrennt durch wenige Zoll, die auch in Wirklichkeit nicht mehr als zwei-, dreihundert Schritte sein konnten - hinter diesen drei-, oder vierhundert Veden-Reitern <emphasis>brachen Tausende und Abertausende schwarzgekleideter Gestalten aus der Nacht heraus! - </emphasis></p><p>�Nein!� stammelte Skar. �Das... das sind ... <emphasis>das sind unsere eigenen Leute, Kiina! SIE GREIFEN DIE QUORRL AN!!�</emphasis> Er fuhr herum, packte Kiina mit beiden H�nden bei den Schultern und sch�ttelte sie so heftig, da� sie erschrocken aufschrie. �Es sind Satai, Kiina!� schrie er noch einmal. �Es ist das Heer aus Denwar! Und sie greifen Titch an!�</p><p>Kiina versuchte sich aus seinem Griff zu befreien und sagte etwas, das Skar nicht einmal verstand. Er lie� sie los, st�rzte wieder zur Br�stung und sah nach Westen. Das Muster aus Lagerfeuern jenseits des Flusses brannte noch immer so ruhig und unver�ndert wie bisher, aber er begriff pl�tzlich, warum es so wenige waren. Es konnten nur ein paar Dutzend, allerh�chstens wenige hundert M�nner sein, die <emphasis>wirklich </emphasis>dort drau�en auf der Ebene zur�ckgeblieben waren - der weitaus gr��te Teil des Heeres mu�te den Flu� au�er Sichtweite �berschritten und einen Bogen geschlagen haben, um den Quorrl in den R�cken zu fallen. <emphasis>Aber warum? Warum nur?</emphasis></p><p>Ungl�ubig starrte er wieder auf den Lagerplatz der Quorrl hinab. Durch die Nacht wehten jetzt die ersten Schreie und der L�rm des losbrechenden Kampfes herauf, begleitet von einem dumpfen, mehr und mehr anschwellenden Raunen und Dr�hnen, das Skar nur zu gut kannte - es war das Ger�usch der Schlacht, die Kampfschreie aus Tausenden von Kehlen, die sich zu einer schrecklichen Todesmelodie vereinten. Die Veden-Reiter hatten die Reihen der Quorrl mittlerweile durchbrochen und begannen, sich zu einem spitzen V zu formieren, um das Lager in zwei H�lften zu spalten, zwischen die die nachdr�ngenden Krieger dringen konnten. Aber Skar sah auch, da� sich unter den Quorrl bereits der erste Widerstand zu formieren begann: Hier und da bildeten sich kleine Gruppen, die dem ungest�men Anprall der Reiterei standzuhalten versuchten; nat�rlich vergeblich. Sie wurden einfach �ber den Haufen geritten. Aber die bisher fast mathematisch ausgerichtete Schlachtreihe der Veden bekam Beulen und Einbuchtungen, und ihr Ansturm verlor langsam, aber unerbittlich an Schwung. Skar wu�te, da� sich das Blatt sehr schnell wenden konnte, wenn sich die Quorrl erst einmal <emphasis>wirklich </emphasis>von ihrem Schrecken erholt hatten. Immerhin waren sie den M�nnern aus Denwar um mehr als das Doppelte �berlegen, allein an Zahl. Wie das Verh�ltnis ihrer <emphasis>Kampfkraft </emphasis>aussehen mochte, wagte sich Skar erst gar nicht vorzustellen.</p><p>Er fuhr herum, war mit einem Sprung bei der T�r und trat sie kurzerhand ein. Der Mann, der dahinter gestanden hatte, wurde einfach gegen die Wand geschleudert und brach st�hnend zusammen. Skar schleuderte ihn mit einem Fu�tritt vollends zu Boden, sprang �ber ihn hinweg und �berlegte sich einen Augenblick zu sp�t, da� es vielleicht klug gewesen w�re, sein Schwert an sich zu nehmen. Aber er verschwendete keine Zeit damit, noch einmal zur�ckzulaufen. Immer zwei-, drei-, manchmal vier Stufen auf einmal nehmend, hetzte er die Treppe hinunter, hastete den Korridor zu seinem Zimmer entlang und st�rmte daran vorbei. Weit hinter ihm klangen Kiinas Schreie auf, die ihm verzweifelt nachrief, auf sie zu warten, aber er achtete auch darauf nicht. Der L�rm der Schlacht war jetzt auch hier drinnen zu h�ren, wie ein fernes, noch nicht eindeutig zu identifizierendes Summen. Aber er wurde lauter. Skar rannte weiter, �ber die n�chste Treppe hinunter und die folgende und erreichte endlich die T�r, die auf den Hof hinausf�hrte.</p><p>Seine Hoffnung, die W�chter einfach �berraschen zu k�nnen, erf�llte sich nicht. Einer der M�nner sah in seine Richtung, als er die Treppe hinuntergepoltert kam, und gab einen halblauten, warnenden Ruf von sich. Die vier Krieger zogen gleichzeitig ihre Waffen und formierten sich zu einem Halbkreis, dessen offene Seite auf ihn zeigte.</p><p>Skar trat dem ersten die Beine unter dem Leib weg, entrang dem zweiten das Schwert, wobei er sich einen tiefen, blutenden Schnitt im Oberschenkel einhandelte, und schwang die Waffe zu einem w�tenden Hieb, der den beiden anderen Kriegern gleichzeitig die Klingen aus den H�nden prellte. Das Ganze ging so schnell, da� sich der erste Krieger noch nicht einmal halb vom Boden hochgerappelt hatte, als seine drei Kameraden auch schon entwaffnet vor Skar standen.</p><p>�Die T�r auf!� schrie Skar. �Schnell!�</p><p>Einer der Satai hob beinahe flehend die H�nde. �Herr, wir d�rfen Euch -�</p><p>Skar schlug ihm den Schwertknauf ins Gesicht. Der Mann brach keuchend zusammen, und Skar richtete die Spitze der erbeuteten Waffe auf einen zweiten Satai.</p><p>Diesmal z�gerte der Krieger nicht. Hastig b�ckte er sich nach seinem Kameraden, der auf die Knie gefallen war und die H�nde gegen die Wange pre�te, zog einen Schl�ssel aus seinem G�rtel und entriegelte damit das wuchtige Schlo�. Skar versetzte ihm einen Sto�, der ihn gegen die T�r prallen lie� und sie damit aufstie�, warf den beiden anderen Satai einen letzten, warnenden Blick zu und st�rmte auf den Hof hinaus.</p><p>In der Festung herrschte Chaos. Der L�rm der Schlacht wehte so laut aus dem Tal herauf, als tobe sie unmittelbar vor den Toren der Burg, und auf dem Hof schienen Hunderte von Gestalten zu sein, die schreiend - und, wie Skar mit einem Blick registrierte - ziemlich kopf- und ziellos durcheinanderliefen.</p><p>Er h�rte einen erleichterten Ausruf hinter sich, wandte den Kopf und erkannte Kiina, in deren Hand jetzt ebenfalls ein Schwert blitzte. Mit einer Geste gab er ihr zu verstehen, da� sie zur�ckbleiben sollte, winkte sie aber dann doch zu sich heran. Besser, sie war bei ihm, bei dem Chaos, das hier gleich losbrechen w�rde.</p><p>�Kannst du damit umgehen?� fragte er mit einer Geste auf die Waffe in Kiinas Hand.</p><p>�Nicht so gut wie du, aber gut genug�, antwortete Kiina. �In Ordnung. Bleib immer dicht bei mir.� Er packte den erstbesten Krieger, der an ihm vorbeist�rmte, grob am Arm und zerrte ihn zu sich herum. �Wo ist Del?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, gab der Satai zur Antwort. �Oder doch - er mu� auf dem Tor sein. Ich sah ihn den Wehrgang hinaufst�rmen. Was ist geschehen, Herr? Greifen die Quorrl an?�</p><p>Skar rannte los, ohne ihn auch nur einer Antwort zu w�rdigen. Kiina fiel nach wenigen Schritten hinter ihm zur�ck, holte aber wieder auf, als er den Hof �berquert hatte und die schmale Holztreppe zum Wehrgang hinauflief.</p><p>Oben auf der Mauer herrschte ein heilloses Durcheinander. Skar entdeckte Del schon von weitem - seine h�nenhafte Gestalt �berragte die der anderen Satai wie ein Fels -, aber es kostete ihn wertvolle Minuten, sich zu ihm durchzuk�mpfen. Kiina war abermals irgendwo in dem Durcheinander verschwunden, aber Skar war zuversichtlich, da� sie ihn finden w�rde. Sie hatte die Worte des Satai so gut geh�rt wie er.</p><p>�Was ist los?� fragte er, als er Del erreichte.</p><p>Del fuhr zusammen, blickte ihn eine halbe Sekunde lang �berrascht an - und atmete dann fast erleichtert auf. Er verlor kein Wort dar�ber, wie Skar hierhergekommen sei. �Ich wei� es nicht�, gestand er mit einer Geste nach Osten. �Die M�nner aus Denwar greifen die Quorrl an. Aber ich verstehe es einfach nicht. Sie ... sie m�ssen wahnsinnig geworden sein.�</p><p>Skar sah wieder ins Tal hinab. Es waren nur wenige Minuten vergangen, seit er den Turm verlassen hatte, aber selbst diese kurze Zeitspanne hatte bereits ausgereicht, seine schlimmsten Bef�rchtungen wahr werden zu lassen - von dem schwungvollen Angriff, den er von oben aus beobachtet hatte, war nicht mehr viel �brig geblieben. Er konnte von hier aus sehr viel weniger Einzelheiten erkennen als von der H�he des Turmes, aber er sah immerhin, da� sich die beiden Heere ineinander festgebissen zu haben schienen. Auf der Ebene unterhalb der Burg war keine geordnete Schlachtformation mehr zu entdecken, sondern nur ein einziges, gro�es Get�mmel, in dem Freund und Feind kaum mehr zu unterscheiden waren. Aber Skars Phantasie und Erfahrung reichten durchaus, sich auszumalen, was dort geschah. W�re er an Titchs Stelle, dann h�tte er die Spaltung seiner Armee durchaus zugelassen. Zumindest bis zu dem Augenblick, in dem die Hauptmacht der Angreifer heran war. Um sie dann zwischen den beiden H�lften einer Zange aus vierzigtausend Quorrl-Giganten einfach zu zermalmen. Was die M�nner aus Denwar dort unten taten, war mehr als Wahnsinn. Es war Selbstmord. �Der Kommandant mu� verr�ckt geworden sein�, rief Del fassungslos aus. Sein Gesicht war kalkwei�. Seine H�nde krallten sich so fest um die Br�stung des Wehrganges, da� Blut unter seinen Fingern�geln hervorquoll. �Warum, Skar? Was geschieht dort?�</p><p>Skar wu�te es nicht. Er wu�te ... nichts mehr. Seine so sorgsam aufgebaute und scheinbar so einleuchtende Theorie war zusammengebrochen wie ein Kartenhaus. Er begriff nichts mehr. Er weigerte sich sogar zu glauben, was er <emphasis>sah.</emphasis></p><p>�Sie haben keine Chance�, bemerkte er leise. �Titchs Quorrl werden sie in den Boden stampfen.�</p><p>�Ich wei߫, pflichtete Del ihm bei. Seine Stimme bebte. �Aber was -� Er stockte, verengte die Augen zu schmalen Schlitzen und deutete pl�tzlich aufgeregt nach Osten. �Sie brechen durch!� rief er. �Sieh doch, Skar - <emphasis>sie sto�en durch!�</emphasis></p><p>Er fuhr herum, war mit einem Satz auf der anderen Seite des Ganges und beugte sich �ber die Br�stung. <emphasis>�Das Tor auf!� </emphasis>br�llte er in den Hof hinab, so laut er konnte. <emphasis>��ffnet das Tor! Sofort! Bogensch�tzen auf die Mauer!�</emphasis></p><p>Tats�chlich hatte sich das Bild im Tal abermals ver�ndert. Skar h�tte es noch vor Augenblicken kaum f�r m�glich gehalten - aber einem Teil der Reiter war es tats�chlich gelungen, das Lager zu durchqueren und mit hoch erhobenen Schilden und angelegten Speeren einen Korridor mitten durch die Quorrl-Armee hindurch zu schaffen, durch den pl�tzlich mehr und mehr berittene Gestalten heranst�rmten, rot und schwarz gekleidete Satai und Veden, die tief �ber die H�lse ihrer Pferde gebeugt dahinpreschten und sich unter dem Hagel von Pfeilen und Bolzen duckten, mit dem die Quorrl sie �bersch�tteten.</p><p>Und dem ersten Wunder folgte ein zweites. Vielleicht hatten sich die Quorrl noch immer nicht wirklich von ihrer �berraschung erholt, vielleicht war es auch nur die Angst, die den M�nnern �bermenschlichen Mut verlieh - aber die lebende Barrikade hielt. Immer wieder und wieder st�rmten die Quorrl gegen die vierfach gestaffelte Reihe aus gepanzerten Reitern an, aber es gelang ihnen nicht, sie zu durchbrechen. Die hoch erhobenen Schilde und vorgereckten Speere der M�nner bildeten eine fast undurchdringliche Barriere, und fiel einer von ihnen, so nahm sofort ein Ersatzmann seinen Platz ein.</p><p>Del fuhr pl�tzlich herum und deutete mit einer Kopfbewegung nach unten. Nebeneinander erk�mpften sie sich ihren Weg zur Treppe und durch die schier endlose Reihe der Bogensch�tzen, die auf Dels Befehl hin auf die Mauer zu st�rmen begann. Auf halber Strecke sah er Kiina wieder. Sie hockte mit angezogenen Beinen und schmerzverzerrtem Gesicht auf der Treppe und rieb sich das Hinterteil, auf das sie offenbar sehr unsanft gefallen war. Als sie Skar erkannte, l�chelte sie wehleidig, stand aber sofort auf und folgte ihm und Del.</p><p>Das riesige bronzene Doppeltor war zur H�lfte ge�ffnet, als Skar und Del den Hof erreichten, und die ersten Reiter galoppierten bereits in den Hof; immer zu dritt oder viert nebeneinander in einer schier endlosen Reihe, die sich den gewundenen Serpentinenpfad vor dem Tor hinaufqu�lte. Skar h�rte Schreie von der Mauer, sah kurz auf und erkannte, da� die M�nner dort oben zu schie�en begonnen hatten, um den Reitern Deckung zu geben. Del hob die Hand und rief ein paar Befehle, und ein Trupp von fast f�nfzig M�nnern begann, den Satai aus den S�tteln zu helfen und in aller Hast die Tiere wegzubringen, um Platz f�r die Nachdr�ngenden zu schaffen. Aber der Hof w�rde nicht reichen, das wu�te Skar. Die Festung war gigantisch, aber sie war auch ein Labyrinth aus Dutzenden unterschiedlich kleiner - aber eben allesamt <emphasis>kleiner - </emphasis>Innenh�fe und R�ume, und sie konnten die Tiere nicht so schnell wegbringen, wie neue Truppen hereinst�rmten. Au�erdem hatten sie allenfalls Platz f�r zwanzigtausend M�nner, aber nicht f�r zwanzigtausend <emphasis>Pferde,</emphasis> Er lief zur�ck zur Treppe, griff sich den erstbesten Mann, der ihm in die Quere kam, und deutete nach oben. �Lauf!� befahl er hastig. �Ruf ihnen zu, da� sie absitzen sollen. Die Tiere m�ssen drau�en bleiben!�</p><p>Der Mann rannte los, und Skar lief zu Kiina und Del zur�ck. Er hatte M�he, zu ihnen durchzudringen, denn der Hof begann sich mit rasender Geschwindigkeit zu f�llen. Vorne am Tor entstand bereits das erste Gedr�nge, und der Einmarsch der Satai verlor allm�hlich an Schnelligkeit. Das Tor war gro�, aber es war wie die gesamte Anlage der Burg dazu gedacht, M�nner <emphasis>drau�en </emphasis>zu halten, nicht, sie m�glichst schnell hindurchzulassen. Skar war klar, da� der Durchbruch des Heeres noch lange nicht gelungen war.</p><p>Als er Del erreichte, zerrte dieser gerade einen Veden aus dem Sattel seines scheuenden Pferdes und sch�ttelte ihn wild. �Was ist in euch gefahren, Kerl?� br�llte er, au�er sich vor Zorn. �Wer hat diesen Wahnsinnsbefehl gegeben?!�</p><p>Der Mann versuchte zu antworten, aber Dels Griff schn�rte ihm die Luft ab. Del beutelte ihn noch ein paarmal, lie� ihn dann einfach fallen und fuhr mit einer w�tenden Bewegung herum. Grob packte er einen zweiten Veden am Arm und ri� ihn einfach aus dem Sattel.</p><p>�Wer ist euer Kommandant?� schrie er. �Wo ist er?�</p><p>�Torian, Herr�, antwortete der Vede verst�rt. �Er ist -�</p><p>�Torian?� Del ballte die Faust, als wolle er den Veden schlagen. �Ich �bergab Garth der Hand den Befehl �ber dieses Heer.�</p><p>�Er ist tot, Herr�, antwortete der Vede stockend. �Er fiel beim ersten Angriff der Quorrl. Wir -�</p><p>�Beim Angriff der Quorrl?� mischte sich Skar ein. �Was soll das hei�en?�</p><p>�Wo finde ich diesen Torian?� dr�ngte Del, ohne die Antwort des Mannes auf Skars Frage abzuwarten.</p><p>Der Vede machte eine hilflose Handbewegung. �Er war unter den ersten, die den Durchbruch erzwangen, Herr�, meldete er. �Ich bin sicher, er sucht euch ebenfalls.�</p><p>Del lie� ihn los, sah sich wild um und st�rmte mit weit ausgreifenden Schritten davon, wobei er unentwegt Torians Namen schrie. Kiina wollte ihm folgen, aber Skar hielt sie mit einer Handbewegung zur�ck und half dem Veden auf die Beine. �Es tut mir leid�, sagte er automatisch. �Del hat es nicht so gemeint. Er war erregt. Wir verstehen nicht, was passiert ist.� Der Vede atmete ein paarmal tief durch, ehe er antwortete. Skar sah erst jetzt, da� er verletzt war, und so in Schwei� gebadet, da� sein Mantel an seinem R�cken klebte. Sein Atem ging schnell und unregelm��ig.</p><p>�Niemand versteht es, Herr�, antwortete er. �Sie haben uns angegriffen, in der D�mmerung.�</p><p>�Die <emphasis>Quorrl?� </emphasis>wollte sich Kiina zweifelnd vergewissern. Der Vede nickte und rang abermals nach Atem. �V�llig ohne Warnung. Wir hatten begonnen, das Lager aufzuschlagen, um in der Morgend�mmerung weiterzureiten. Sie ... tauchten wie aus dem Nichts auf.�</p><p>�Wie viele waren es?� fragte Skar.</p><p>�Vier-, vielleicht f�nfhundert�, sch�tzte der Vede nach kurzem �berlegen. �Aber sie hatten Drachen bei sich, und... und sie k�mpften wie die Berserker. Mehr als tausend von uns sind gefallen, ehe es uns �berhaupt gelang, einen Widerstand zu organisieren.�</p><p><emphasis>�Drachen?� </emphasis>Skar schrie fast.</p><p>�Ich habe niemals einen Drachen gesehen, Herr�, fuhr der Vede fort. �Aber es m�ssen welche gewesen sein. Sie waren gigantisch, zehnmal so gro� wie ein Pferd und fast unverwundbar. Sie haben unsere Leute einfach niedergetrampelt, wie Korn. Es waren riesige Bestien -�</p><p>�- mit Stacheln und winzigen Augen?� fiel ihm Kiina ins Wort. �Und langen Schw�nzen, die sie wie Peitschen f�hrten?� Der Vede starrte sie an. Angst flammte in seinen Augen auf. �Ja. Du kennst diese Ungeheuer?�</p><p><emphasis>�Skrot�, </emphasis>bemerkte Kiina leise und zu Skar gewandt. Ihr Gesicht verlor alle Farbe. �Gro�er Gott, Skar, wei�t du, was das bedeutet?�</p><p>Eine einzelne, endlose Sekunde lang starrte Skar Kiina wortlos an, und er sp�rte selbst, wie auch aus seinem Gesicht alles Blut wich und er erbleichte.</p><p>Dann fuhr er auf der Stelle herum und rannte los. �Ich mu� Del finden!� schrie er.</p></section><section><title><p id="_20">20.</p></title><p>Torian war ein schlanker, hochgewachsener Mann von erstaunlich jugendlichem Aussehen, der aber trotz allem schon den smaragd-roten Mantel eines <emphasis>Hethmanns </emphasis>der Veden trug. Skar fand ihn zusammen mit Del im Treppenvorraum des Turms, und obwohl es in ihm brodelte, sagte er erst einmal gar nichts, sondern erwiderte Dels Blick nur mit einem Nicken und h�rte zu, was der Vede berichtete. Seine Geschichte deckte sich mit der des Reiters drau�en auf dem Hof, aber er hatte sich ein wenig besser in der Gewalt und w�hlte seine Worte ruhiger und mit mehr Bedacht.</p><p>�Es war die einzige Chance, die wir hatten�, begr�ndete er seine Entscheidung. Er sprach nicht im Ton einer Verteidigung, sondern brachte nur Fakten vor. �Drau�en auf der Ebene h�tten sie uns einfach niedergerannt.�</p><p>�Wer?� fragte Skar.</p><p>Torian blickte auf, runzelte die Stirn und sah Del fragend an. �Erz�hl es noch einmal�, bat Del. �Das ist Skar. Er ist mein Freund. Und ein Hoher Satai wie ich.�</p><p>�Die Drachen�, antwortete Torian. �Es waren riesige Tiere, Skar. Gro� wie ein Wal, aber zehnmal so wild. Wir haben mehr als tausend Mann verloren, ehe wir sie �berw�ltigen konnten. Und es war nur ein Dutzend dieser Ungeheuer.�</p><p>�Und deshalb hast du befohlen, die <emphasis>Quorrl </emphasis>anzugreifen?� fragte Skar scharf.</p><p>Erstaunen glomm in Torians Augen auf, dann, nach weniger als einer Sekunde, fast so etwas wie Mitleid. �Nein�, stellte er richtig. �Nicht deshalb. Auch um euch zu retten. Und uns, nat�rlich.�</p><p>Skar wollte auffahren, aber Del machte eine rasche, beruhigende Geste, und er schwieg. Del hatte ausnahmsweise einmal recht - sie hatten nichts so wenig wie Zeit, aber im Moment bestand kein Grund, den Veden nicht wenigstens in Ruhe ausreden zu lassen. Durch die T�r drang noch immer das L�rmen der hereindr�ngenden Reiter, aber es w�rde noch Stunden dauern, bis der letzte Mann die Burg erreicht hatte und sie anfangen mu�ten, sich Sorgen �ber die Quorrl zu machen. Das Heer war zu gro�, als da� Titchs Krieger es einfach niederrennen konnten. �Berichte�, bat Del. �Von Anfang an.�</p><p>Torian nickte, warf Del aber einen raschen, feindseligen Blick zu, ehe er begann: �Wir schlugen das Lager auf, unten in der Ebene, jenseits des Flusses. Die M�nner waren m�de - wir waren zwei Wochen unterwegs, und die letzten Tage waren hart. Das Tauwetter hat den Boden aufgeweicht, und wir haben viele Tiere und einen Teil unserer Ausr�stung verloren. Auch ein paar M�nner, aber nicht sehr viele�, f�gte er hinzu.</p><p>�Und?� fragte Skar, als er nicht sofort weitersprach.</p><p>�Sie kamen mit Einbruch der D�mmerung�, fuhr Torian fort. �Wir hatten Wachen aufgestellt, und die Ebene war weithin gut einzusehen, aber irgendwie haben sie es geschafft, uns zu �berraschen. Ich wei� nicht, wie. Ich war in Garth' Zelt, als ich die ersten Schreie h�rte. Und dann erblickte ich sie.�</p><p>�Die Quorrl?�</p><p>�Zuerst die Drachen�, antwortete Torian. Seine Augen wurden dunkel vor Furcht, als er sich an die schrecklichen Szenen erinnerte, die er gesehen haben mu�te. In seinem Gesicht arbeitete es. �Sie sind einfach ins Lager gest�rmt, wie... wie lebende Kampfmaschinen. Es war ungef�hr ein Dutzend. Ich habe Tiere wie sie nie zuvor zu Gesicht bekommen, aber ich habe Drachen erlebt, und nicht einmal sie haben so wild gek�mpft wie diese Bestien.�</p><p>�Aber ihr habt sie besiegt�, sagte Skar.</p><p>Torian nickte. �Ja. Aber frage mich jetzt nicht, wie. Ich wei� es nicht. Ich habe selbst gesehen, wie sich zwanzig meiner besten M�nner gleichzeitig auf eines dieser Ungeheuer warfen. Keiner von ihnen hat �berlebt. Aber irgendwie haben wir es geschafft, ja. Aber das war erst der Anfang.�</p><p>�Die Quorrl?� vermutete Del.</p><p>Torian sch�ttelte abgehackt den Kopf. �Sie kamen zusammen mit den Drachen�, antwortete er. �Und wir haben sie zusammen mit ihnen besiegt. Aber wir machten Gefangene. Nicht viele, aber zwei oder drei Fischgesichter fielen uns lebend in die H�nde. Garth war tot, so da� ich das Kommando �bernehmen mu�te. Ich lie� die Quorrl verh�ren.�</p><p>�Verh�ren?� Skar gab sich keine M�he, den Unglauben zu unterdr�cken, mit dem ihn diese Behauptung erf�llte. �Einen Quorrl?�</p><p>�Ja, einen Quorrl!� antwortete Torian feindselig. �Ich habe von dir geh�rt, Skar. Du bist der beste Satai, aber du denkst wie alle anderen. Ihr habt die Allwissenheit nicht gepachtet, <emphasis>Satai.�</emphasis> Del hob rasch die Hand, als Skar auffahren wollte. �Bitte�, mahnte er beschw�rend. �Wir haben wirklich andere Sorgen, als uns zu streiten. Du hast die Quorrl also verh�rt.�</p><p>Die Frage galt Torian, der sie mit einem Nicken beantwortete. �Nicht ich�, verbesserte er. �Jama�, unser <emphasis>�ltester. </emphasis>Er ist ein gro�er Zauberer, Del. Es war schwer, aber schlie�lich gelang es ihm, die Zunge eines dieser Fischgesichter zu lockern.� Er machte eine Handbewegung, welche die gesamte Festung einschlo� und zugleich m�de wie auch zornig wirkte. �Diese ganze Burg hier ist eine Falle�, behauptete er. �Eine Falle f�r euch und uns. Und wir sind blind in sie hineingetappt.� Pl�tzlich wurde er zornig. �Verdammt, ich war von Anfang an dagegen, diesen Echsenk�pfen zu trauen! Sie hassen uns mit jeder Faser ihrer Seele! Sie haben die ganze Zeit �ber nur darauf gewartet, uns endlich alle zusammen zu erwischen!�</p><p>Del tauschte einen bezeichnenden Blick mit Skar, sagte aber nichts, sondern bedeutete Torian mit einem Nicken weiterzureden.</p><p>�Was ich von dem Quorrl erfuhr, war folgendes�, fuhr Torian fort, jetzt wieder ruhig, fast monoton. �Es war geplant, uns und euch gleichzeitig anzugreifen, morgen fr�h, bei Sonnenaufgang. Warum dieser eine Trupp schon am Abend angriff, wei� ich nicht - vielleicht ein Fehler.�</p><p>�Ein Fehler?� zweifelte Skar. �Bei einer so wichtigen Sache?�</p><p>�Irrt�mer kommen vor, oder?� schnappte Torian. �Manchmal entscheiden dumme Zuf�lle �ber das Schicksal der Welt, wei�t du? Sie hatten jedenfalls vor, uns im Morgengrauen zu �berrennen, und euch auch. Zweitausend Quorrl und an die hundert dieser Drachenbestien uns, und eure <emphasis>Verb�ndeten </emphasis>dort drau�en euch.�</p><p>�Und das hast du geglaubt?� fragte Skar.</p><p>�Nein�, antwortete Torian mit erstaunlicher Offenheit. �Ich habe sie <emphasis>gesehen, </emphasis>Satai. Ich bin selbst zu der Stelle geritten, die uns der Quorrl genannt hat, und sie waren da. Mehr als hundert dieser Ungeheuer.� Er sch�ttelte sich. �Sie h�tten uns einfach niedergeritten. Wir hatten keine Chance, gegen diese Bestien.�</p><p>�Warum habt ihr keinen Boten zu uns geschickt?� fragte Del. �Ich habe <emphasis>zehn </emphasis>Boten hierhergeschickt�, antwortete Torian trotzig. �Ist einer von ihnen angekommen?�</p><p>�Nein�, mu�te Del verwirrt zugeben. �Aber ihr h�ttet eine Spiegelbotschaft schicken k�nnen.�</p><p>�Nachts?� Torian machte ein abf�lliges Ger�usch. �Au�erdem blieb keine Zeit dazu. Die Quorrl m�ssen gemerkt haben, da� ihr Plan zu scheitern drohte. Sie verfolgten meine Begleiter und mich. Wir konnten entkommen, aber sie waren dicht hinter uns.� Pl�tzlich schrie er: �Verdammt, was h�tte ich tun sollen? Wir hatten keine Chance, drau�en in der Ebene! Die einzige M�glichkeit war dieser Durchbruch!�</p><p>�Und er war v�llig umsonst�, bemerkte Skar leise. Torian starrte ihn voller neu aufflammender Wut an, Del war verwirrt. Skar machte eine erkl�rende Geste.</p><p>�Ich habe mit einem seiner M�nner gesprochen, drau�en auf dem Hof�, sagte er, an Del gewandt. �Er hat mir diese <emphasis>Drachen </emphasis>-� Er betonte das Wort auf eine Art, die nur Del verstand �-beschrieben. Es waren <emphasis>Skrot, </emphasis>Del. Die gleichen Tiere, welche die <emphasis>Errish </emphasis>ritten.� Er wandte sich an Torian. �Die Quorrl, die euch angriffen�, fragte er. �Ist dir irgend etwas an ihnen aufgefallen?�</p><p>�Aufgefallen? Was?�</p><p>�Eine Art Netz�, antwortete Skar. �So etwas wie ein Parasit. Ein d�nnes Gewebe, das sie bedeckt - zum Beispiel.�</p><p>Torian nickte z�gernd. �Ja�, �berlegte er. �Da war etwas. Es sah so aus, wie du es beschreibst, aber -�</p><p>�Und das sagst du uns erst jetzt?!� br�llte Del. Er sprang auf und machte eine w�tende Bewegung mit beiden Armen, die den Veden erschrocken zur�ckweichen lie�. �Du verdammter Narr hast -�</p><p>�Nicht, Del�, versuchte Skar ihn zu beruhigen. �Er kann es nicht wissen.�</p><p>�Ich kann <emphasis>was </emphasis>nicht wissen?� fragte Torian. �Zum Teufel, wovon sprecht ihr �berhaupt? Was hat es mit diesem Netz auf sich?� Er wirkte pl�tzlich fast hilflos. �Verdammt, diese Tiere haben doch alle irgendwelche Krankheiten! Ich habe L�use gesehen, so gro� wie mein Daumennagel, und einen Quorrl, der -� Er brach ab, als er den Ausdruck auf Skars und Dels Gesichtern gewahrte. �Was ist es?� fragte er leise, fast beschw�rend. Skar seufzte tief. �Nichts�, antwortete er. �Nichts, Torian. Nichts, was jetzt noch eine Rolle spielte. Aber in einem hattest du recht - diese Burg hier ist nichts anderes als eine einzige Falle.�</p><p>�So?� fragte Torian.</p><p>�Ja�, antwortete Del an Skars Stelle. �Und du selbst hast die T�r hinter uns zugeworfen.�</p><p>Es dauerte einen Moment, bis Torian begriff. Aber zu Skars Erstaunen zeigte sich auf seinem Gesicht weder Schrecken noch Best�rzung, sondern nur eine Mischung aus Zorn und Trotz. �-Ihr wollt damit sagen -�</p><p>�Da� Titchs Quorrl unsere wertvollsten Verb�ndeten sind�, unterbrach ihn Skar kalt. Torians Reaktion machte ihn innerlich fast rasend. �Oder besser gesagt, waren. Wahrscheinlich werden sie uns jetzt alle t�ten, Torian. Und selbst, wenn ein Wunder geschieht und Titch darauf verzichtet, diese Festung mit Mann und Maus niederzubrennen, werden sie wohl kaum noch Seite an Seite mit uns k�mpfen.�</p><p>�Das ist nicht wahr!� fuhr Torian auf. �Verdammt, Satai - geh hinaus und sieh dir die M�nner an, die diese Bestien niedergemetzelt haben! Und dann frag doch deine Quorrl-Freunde, warum sie es getan haben! Vielleicht war das alles ja nur ein kleiner Spa�!�</p><p>�Das waren keine Quorrl�, antwortete Del an Skars Stelle. Torian wollte aufbegehren, aber Del fuhr rasch fort: �Oder doch, sicher. Aber keine von Titchs Heer.�</p><p>�Als ob das einen Unterschied macht!� fauchte Torian. �Quorrl ist Quorrl. Ich habe diesen verdammten Tieren nie getraut, und ich hatte recht.�</p><p>�Ich verstehe das nicht�, murmelte Skar, an Del gewandt. �Der Zauberer der Veden h�tte es erkennen m�ssen. Er zumindest.� Del sch�rzte die Lippen. �Er wurde get�uscht, wie wir alle. Und �berhaupt - seit wann glaubst du an Zauberei?�</p><p>Skar wandte sich wieder an Torian, der ihrer kurzen Unterhaltung mi�trauisch, aber mit offenkundigem Unverst�ndnis gefolgt war. �Ist dieser Mann hier?�</p><p>�Jama�?� Torian nickte. �Ja. Er ritt direkt neben mir.�</p><p>�Dann hol ihn�, befahl Del. �Ich will ihn sehen. <emphasis>Sofort�, </emphasis>f�gte er mit erhobener Stimme hinzu, als Torian widersprechen wollte. Der Vede starrte ihn einen Moment lang feindselig an, drehte sich dann aber gehorsam um und st�rmte aus dem Raum. F�r einen Moment, als er die T�r �ffnete, drang der L�rm der Schlacht und der herauf dr�ngenden Reiter �berlaut in das kleine Zimmer. �Wahnsinn�, fl�sterte Del. �Das ist alles Wahnsinn. Ich glaube es einfach nicht.�</p><p>�Was?� fragte Skar bitter. �Da� sie uns �bert�lpelt haben?�</p><p>�Da� ein einziger Narr den Verlauf der Geschichte �ndern kann!� rief Del aufgebracht.</p><p>�O doch�, antwortete Skar. �Ich bin mir nur nicht ganz sicher, wer der Narr ist - dieser Vede oder ich.�</p><p>Del blickte ihn fragend an. �Verdammt, Del, wir haben es beide gesehen!� fuhr Skar fort. �Wir haben gesehen, was dieses <emphasis>Ding </emphasis>aus den <emphasis>Errish </emphasis>gemacht hat! Wieso haben wir uns eingebildet, es k�nnte dasselbe nicht auch bei den Quorrl erreichen - oder bei wem immer es will?�</p><p>�Aber das ergibt keinen Sinn!� widersprach Del. �Skar, dort drau�en waren <emphasis>zwanzigtausend </emphasis>M�nner! Sie k�nnen nicht alle get�uscht worden sein!�</p><p>�Das ist auch gar nicht n�tig�, antwortete Skar. �Es reicht, ihre F�hrer zu narren, nicht wahr? Hier in der Burg hat es ja auch nicht jeden einzelnen Mann get�uscht.�</p><p>�Sondern nur mich�, f�gte Del finster hinzu. �Das willst du doch sagen, oder?�</p><p>Skar wollte den Kopf sch�tteln, aber dann begriff er, wie albern das gewesen w�re. Dies war nicht mehr der Moment f�r L�gen. Er nickte. �Und mich�, gab er zu. �Ich glaube, der einzige, der die Wahrheit erkannt hat, ist Titch. Du hast mich gefragt, was wir unten an den Felsen gemacht haben, erinnerst du dich?�</p><p>Del nickte.</p><p>�Wir haben geredet�, fuhr Skar fort. �Ich habe Titch nicht geglaubt, aber er hatte recht. Er hat prophezeit, da� wir diesen Krieg verlieren werden, und er hatte recht. Wir sind vielleicht st�rker als sie, aber ein starker Arm allein nutzt nichts.� Er seufzte. �Fr�her oder sp�ter w�re es wahrscheinlich sowieso so gekommen. Du hast Torian geh�rt. Und er ist nicht der einzige, der so denkt. Menschen und Quorrl zusammen, das geht nicht. Wir sind zu verschieden.�</p><p>�Unsinn�, widersprach Del, aber diesmal gab Skar nicht nach. �Sieh dich doch um!� forderte er. �Unser famoses B�ndnis hat nicht einmal bis zur ersten Schlacht gehalten. Wir sind wie Feuer und Wasser, Del. Ein simples T�uschungsman�ver, das sich ein Kind h�tte ausdenken k�nnen, und wir fallen �bereinander her.� Er seufzte abermals. �Ich mu� mit Titch sprechen. Vielleicht kann er diesem Wahnsinn ein Ende machen.�</p><p>Die T�r wurde aufgesto�en, und Torian kam zur�ck. In seiner Begleitung befand sich ein grauhaariger, vielleicht sechzigj�hriger Mann mittlerer Gr��e und Statur, der wie der <emphasis>Hethmann </emphasis>einen scharlachroten Mantel trug, darunter jedoch keinen gepanzerten Harnisch, sondern eine gold- und silberbestickte Robe mit hohem Kragen, der unter sein Kinn dr�ckte. Seine H�nde staken in d�nnen, ebenfalls goldfarbenen Handschuhen, und an seiner Seite hing ein d�nnes Prachtschwert, nur zur Zierde, nicht zum K�mpfen gedacht.</p><p>Skar betrachtete das Gesicht des <emphasis>�ltesten </emphasis>genau, w�hrend Torian eine herrische Handbewegung machte. �Das ist Jama߫, stellte er den Veden vor. �Und das da sind die Hohen Satai Del und Skar. Sie glauben, da� der Gefangene dich belogen hat, Jama�.�</p><p>Der <emphasis>�lteste </emphasis>l�chelte sanft, aber seine Augen blieben ernst, und etwas war in ihrem Blick, was Skar schaudern lie�. Er wu�te, da� Jama� nicht <emphasis>wirklich </emphasis>ein Zauberer war; ebensowenig, wie Bradburn einer gewesen war, oder Drask. Aber ebenso wie diese beiden war er ein Mann von gro�er Macht und noch gr��erem Wissen, dessen F�higkeiten sicherlich ausreichten, den Eindruck echter Zauberei zu erwecken. Skar begann sich unter seinem Blick beinahe sofort unwohl zu f�hlen. Er fragte sich, ob Jama� seine Gedanken lesen konnte, wie Drask.</p><p>�Niemand kann mich bel�gen, Satai�, stellte Jama� nach einer Weile fest. Seine Stimme war leise und angenehm, und er sprach mit der Ruhe eines Mannes, der den Geheimnissen der Sch�pfung ein gutes St�ck weiter auf die Spur gekommen war als die meisten anderen und wu�te, wie wenig menschliches Tun und Hasten bedeutete. �Wei�t du das nicht?�</p><p>�Man sagt es�, antwortete Skar ausweichend. �Aber man sagt auch, da� niemand eine <emphasis>Errish </emphasis>zwingen kann, Dinge zu tun, die sie nicht tun will. Oder einen Quorrl.�</p><p>Jama� sah ihn fragend an, schwieg.</p><p>�Ihr seid get�uscht worden�, erkl�rte Del gepre�t. �Die Quorrl, die euch angriffen, geh�rten nicht zu Titchs Heer. Und es gab auch niemals den Plan, euch und uns anzugreifen.� Jama� l�chelte, aber jetzt wirkte es ein ganz kleines bi�chen unsicher. �Der gefangene Quorrl, den ich verh�rte, behauptete das Gegenteil�, betonte er. �Und er hat nicht gelogen, Satai.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, antwortete Del zornig. �Weil er n�mlich <emphasis>glaubte, </emphasis>da� es so w�re. Weil ihn etwas gezwungen hat, das zu glauben. Begreifst du denn nicht, da� man euch get�uscht hat?�</p><p>�Du begreifst nicht, da� man mich nicht t�uschen kann�, antwortete Jama�, noch immer in seiner ruhigen, Skar allm�hlich auf die Nerven fallenden Art. Er l�chelte. <emphasis>�Ihr </emphasis>seid es, die genarrt wurden, Satai. Die Quorrl haben sich in euer Vertrauen geschlichen, und ihr wollt einfach nicht zugeben, da� euch ein solcher Irrtum unterlaufen konnte.�</p><p>�Jama� hat recht�, mischte sich Torian ein. �Zum Teufel, ich habe die Drachen gesehen, die hinter unserem Lager auf der Lauer lagen, Satai! H�r endlich auf, dieses widerw�rtige Quorrl-Pack zu verteidigen! Sie schlachten dort drau�en meine Leute ab, und du behauptest, sie w�ren unsere <emphasis>Verb�ndeten?�</emphasis> Skar ging langsam auf Torian und den <emphasis>�ltesten </emphasis>zu. Der <emphasis>Hethmann </emphasis>war voll und ganz damit besch�ftigt, Del anzufunkeln, aber Jama�' Blick folgte aufmerksam jeder seiner Bewegungen. Skar f�hlte sich unsicher, aber gleichzeitig auch irgendwie alarmiert. Etwas an Jama� war nicht so, wie er erwartet hatte. Er glaubte eine Feindseligkeit zu sp�ren, die �ber den uralten Zwist zwischen Veden und Satai hinausging, und ein Lauern, das nicht zu einem wissenden Mann wie ihm passen wollte. Er h�rte kaum zu, wie Del antwortete und Torian und er sich weiterstritten, sondern ging dicht an Jama� vorbei, tat so, als w�rde er einen Blick aus dem Fenster werfen und drehte sich dann wieder herum.</p><p>Jama� vollzog die Bewegung nach, aber den Bruchteil einer Sekunde langsamer als er. Und f�r einen winzigen Augenblick glaubte Skar etwas Dunkles, Glitzerndes zu erkennen, das aus seinem Nackenhaar kroch und im hohen goldbestickten Kragen seiner Zaubererrobe verschwand. Er mu�te sich mit aller Macht beherrschen, um ein erschrockenes Zusammenzucken zu unterdr�cken.</p><p>Jama� sah ihn an. Er runzelte die Stirn, und Skar fragte sich, ob er sein Erschrecken bemerkt hatte. Etwas Dunkles, Fremdes, glomm in seinen Augen auf. �Was hast du, Satai?� fragte er. Er <emphasis>hatte </emphasis>es gemerkt.</p><p>�Nichts�, antwortete Skar ausweichend. �Ich... ich frage mich nur, wie es diesem Quorrl gelingen konnte, einen Mann wie dich zu t�uschen, Jama�.�</p><p>�Das hat er nicht�, widersprach der Vede. �Ich verlange nicht von dir, da� du mir glaubst. Warte einfach ab, bis die Quorrl diese Festung st�rmen und uns alle niedermachen, dann wirst du erkennen, wer recht hat.�</p><p>�Der Gedanke scheint dich nicht besonders zu st�ren�, meinte Skar.</p><p>Jama� l�chelte kalt. �Doch�, gab er zu. �Aber wir Veden haben eine andere Einstellung zum Tod als ihr. Es spielt keine Rolle, wie lange man lebt, Satai. Wichtig ist nur, <emphasis>wie </emphasis>du gelebt hast.�</p><p>�Ja�, best�tigte Skar und f�gte im gleichen, fast beil�ufigen Ton hinzu: �Sag, Jama� - warst du mit dem Gefangenen allein?�</p><p>�Was soll diese Frage?� schnauzte Torian.</p><p>�Und hast du ihn ber�hrt?� fuhr Skar unbeirrt fort, noch immer an den <emphasis>�ltesten </emphasis>gewandt. Jama� antwortete auch jetzt nicht, aber in seinem Blick war etwas Neues. Er wirkte alarmiert. �Ich frage dich noch einmal - was soll das?� herrschte Torian ihn an. Er lie� Del einfach stehen und versuchte, sich zwischen Skar und Jama� zu schieben.</p><p>Es blieb bei dem Versuch. Skar versetzte ihm einen Sto�, der ihn zur�ck und direkt in Dels Arme taumeln lie�. In der gleichen Bewegung zog er sein Schwert und richtete die Spitze auf Jama�ens Gesicht. Torian begann vor Wut zu br�llen, aber Del hatte verstanden, was Skars Frage bedeutete, und so schnell und wortlos reagiert, wie er es gewohnt war - der Vede zappelte in seinem Griff wie ein Kind in den F�usten eines Riesen.</p><p>Auf Jama�' Z�gen war keine Furcht zu sehen. Ruhig, ja beinahe sp�ttisch, blickte er Skar an.</p><p>�Zieh den Mantel aus�, befahl Skar.</p><p>Jama� z�gerte, hob dann langsam die H�nde und l�ste die goldene Spange, die das Kleidungsst�ck hielt, als Skar seiner Aufforderung mit einem sanften Schwertsto� Nachdruck verlieh. �Und jetzt?� fragte er ruhig.</p><p>Statt einer direkten Antwort senkte Skar das <emphasis>Tschekal </emphasis>um eine Winzigkeit und schlitzte mit der rasiermesserscharfen Klinge die goldbestickte Robe des <emphasis>�ltesten </emphasis>von der Schulter bis zur H�fte auf. Torian kreischte, als w�rde ihm ein gl�hender Dolch in den Leib getrieben - und verstummte mit einem fast absurden, w�rgenden Ger�usch, als sein Blick auf das fiel, was unter dem zerschnittenen Zauberergewand zum Vorschein kam.</p><p><emphasis>�Gro�er Gott!� </emphasis>st�hnte Del.</p><p>Skar war nicht �berrascht. Er war nicht einmal sehr erschrocken. Alles, was er f�hlte, war eine tiefe Niedergeschlagenheit, eine mit Hilflosigkeit gepaarte Wut, die durch Jama�' herablassendes L�cheln noch gesch�rt wurde.</p><p>�Es n�tzt euch nichts mehr�, triumphierte Jama� - das <emphasis>Ding, </emphasis>das wie Jama� aussah und sich seiner Stimme und seines K�rpers bediente.</p><p>Skar versetzte ihm einen Sto� mit dem Schwert, der ihn gegen die T�r prallen lie�. Einen Moment lang k�mpfte er mit wild rudernden Armen um sein Gleichgewicht, und sein Gesicht verzerrte sich vor Schmerz. Aber das L�cheln auf seinen Z�gen erlosch nicht. �Ihr habt verloren, Satai�, fuhr er fort. �Niemand kann uns besiegen. Ihr hattet schon verloren, bevor ihr angefangen habt, gegen uns zu k�mpfen.�</p><p>�Was ist das?� wimmerte Torian. Del hatte ihn losgelassen, aber er r�hrte sich trotzdem nicht von der Stelle. Aus hervorquellenden Augen starrte er auf das grobmaschige, schwarze Netzgewebe, das Jama�ens K�rper unter dem Gewand fast zur G�nze einh�llte. Hier und da waren die d�nnen pulsierenden F�den in seine Haut eingedrungen. Dunkelbraun verschorftes Blut bedeckte seine Brust. Jama�' Blick wandte sich ihm zu, und pl�tzlich geschah etwas Entsetzliches: Jegliches Menschsein in seinen Augen erlosch. Sein Gesicht wurde zu einer verzerrten, absto�enden Fratze, und etwas Schwarzes, D�nnes wie Hunderte beweglicher Spinnenbeine begann aus seinem Haar und seinem Kragen zu kriechen und es einzuh�llen. Ein grauenhafter, durch und durch <emphasis>unmenschlicher </emphasis>Ton drang aus seiner Brust, ein Laut, wie ihn Skar noch nie zuvor geh�rt hatte. Langsam, unendlich langsam, wie es Skar schien, hob er die Arme und deutete mit den gespreizten Fingern auf Skar und Torian.</p><p><emphasis>�Zur�ck!� </emphasis>schrie Del mit �berschnappender Stimme. <emphasis>�Raus hier!� </emphasis>Gleichzeitig warf er sich vor, ri� Skar einfach mit sich zu Boden und rollte zwei-, drei-, viermal herum. Skar sah aus den Augenwinkeln heraus, wie Jama�' Finger sich aufzubl�hen begannen wie ein zu sehr gef�llter Wasserschlauch und dann platzten. Etwas streifte sein Bein, versuchte sich daran festzuhalten und fiel ab, als Del ihn auf die F��e und zur�ck zerrte.</p><p>Torian hatte weniger Gl�ck. Er stand wie erstarrt da und starrte das <emphasis>Etwas </emphasis>an, in das sich Jama� verwandelt hatte, und er machte nicht einmal einen Versuch zu entkommen. Ein Wust schwarzer, peitschender F�den scho� aus Jama�ens geborstenen Fingern, h�llte sein Gesicht und seine Brust ein und wickelte sich wie ein Netz um seine halb erhobenen Arme. Torian begann zu schreien und um sich zu schlagen, aber gegen das entsetzliche <emphasis>Ding </emphasis>in Jama� hatte er keine Chance. Der <emphasis>�lteste </emphasis>torkelte auf ihn zu, wie eine betrunkene Puppe hin und her wankend, dabei eine Spur aus Blut und schwarzem Schleim hinter sich herziehend, erreichte den wild um sich Fuchtelnden und umfing ihn mit t�dlicher Umarmung. Torians Schreie wurden spitzer und hatten jetzt kaum mehr etwas Menschliches an sich.</p><p><emphasis>�Helft mir!� </emphasis>kreischte er. <emphasis>�Bei allen G�ttern, Satai - so helft mir doch!!�</emphasis></p><p>Skar machte eine Bewegung auf ihn zu, aber Del hielt ihn zur�ck. Langsam, mit zitternden H�nden und weit aufgerissenen, fast glasigen Augen zog er den Dolch aus dem G�rtel, holte aus und schleuderte die Waffe mit aller Kraft. Der Vede b�umte sich noch einmal auf, als der Dolch in seinen Nacken drang, und erschlaffte dann pl�tzlich in Jama�' Armen.</p><p>Skar schlo� st�hnend die Augen. Er wu�te, da� Del das einzig M�gliche getan hatte - Torian war verloren gewesen, im gleichen Moment, in dem ihn das Netz ber�hrte, und alles, was ihm noch bevorgestanden hatte, w�ren ein Leben als willenlose Puppe und ein langer und vermutlich qualvoller Tod gewesen. Dels Messerwurf war im Grunde nichts anderes als barmherzig - so weit der Tod eines Menschen <emphasis>�berhaupt </emphasis>barmherzig sein konnte. Aber das �nderte nichts daran, da� sich Skar f�r einen Moment so elend f�hlte, als h�tte er selbst dem Veden die Kehle durchgeschnitten.</p><p>Erst als Del ihn schmerzhaft am Arm packte, fuhr er wieder hoch und begriff, da� noch lange nicht alles vorbei war. Ganz im Gegenteil - Del und er befanden sich in h�chster Gefahr. Jama� war von Torians zusammenbrechendem K�rper zu Boden gerissen worden, starrte ihn und Del aber weiter voller Ha� an. Helle, jaulende Laute kamen aus dem zerfransten Loch, in das sich sein Mund verwandelt hatte, und urpl�tzlich l�ste sich einer der d�nnen F�den von seinem Arm, scho� mit einem peitschenden Laut auf Del zu und verfehlte ihn nur um Zentimeter, um mit einem hellen Klatschen gegen die Wand zu prallen. Aber er fiel nicht herab, sondern fra� sich an dem rauhen Stein fest, und sogleich zuckten ein zweiter und dritter und vierter d�nner schwarzer Spinnfaden aus Jama�ens auseinanderbrechendem K�rper, jagten auf die Wand und die Decke zu und saugten sich fest. Binnen weniger Augenblicke verwandelte sich der Bereich vor der T�r in ein schwarzes, pulsierendes Netz, wie das Netz einer ungeheuerlichen Spinne, in deren Mitte Jama� und der tote Vede hockten. Gleichzeitig begann Jama�ens K�rper in sich zusammenzufallen, als verbrauche sich seine Substanz rasend schnell, um dieses f�rchterliche Netz zu schaffen.</p><p>�Ihr G�tter!� keuchte Del. �Was -�</p><p>R�ckw�rts gehend wichen sie vor der entsetzlichen Erscheinung zur�ck, bis sie die Treppe erreichten. Das Netz wuchs weiter, aber es schleuderte keine F�den mehr in ihre Richtung, als sp�re das Ding in Jama� ganz instinktiv, da� sie nicht mehr in seiner Reichweite waren.</p><p>�Urc�un�, sagte Del pl�tzlich.</p><p>Skar sah ihn verwirrt an, blickte aber sofort wieder zu Jama� und dem Netz herab. Es wuchs noch immer, im gleichen Tempo, in dem es Jama�ens K�rper aufzehrte. �Was meinst du damit?� fragte er.</p><p>�Ich... ich wei� es jetzt�, stammelte Del. �Skar - ich wei� jetzt, wo ich so etwas schon einmal gesehen habe - es war in Urc�un, in der Flu�h�hle unter dem wandernden Wald!� Er hatte recht. Skar erinnerte sich im gleichen Augenblick, in dem Del die Worte aussprach, und pl�tzlich wu�te er auch, woher dieses beunruhigende Gef�hl gekommen war, dies alles schon einmal erlebt zu haben, wenn auch in ganz anderer Art. Es war in Urc�un gewesen, in jener zyklopischen finsteren Felsenh�hle, in der alles begonnen hatte, vor so vielen Jahren. Es war gr��er gewesen, unendlich viel gr��er, und nicht so t�dlich wie dieses hier, aber es war das gleiche, auf unbeschreibliche Art <emphasis>lebendige </emphasis>Netz gewesen wie jetzt.</p><p>Skar machte einen Schritt die Treppe hinauf, blieb stehen und streckte die Hand nach einer der Fackeln aus, die neben dem Treppenschacht brannten. Del hielt ihn zur�ck und wies mit einer Kopfbewegung nach vorne, nicht auf Jama�, sondern auf den toten Veden, der zu seinen F��en lag. Skar erkannte sofort, was er meinte.</p><p>Das Netz, das bereits einen Teil von Torians K�rper eingesponnen gehabt hatte, begann zu zucken. D�nne peitschende Schlangen�rmchen griffen haltlos in die leere Luft, erschlafften wieder oder schlugen pl�tzlich wie in Agonie um sich. Jama� hob mit einem r�chelnden Keuchen die Arme und versuchte, seine H�nde von Torians K�rper zu l�sen. Pl�tzlich war Angst auf seinem entstellten Gesicht.</p><p>Er schaffte es nicht.</p><p>Del und Skar konnten sehen, wie das Netz starb, nur Augenblicke nach Torian. Die F�den verf�rbten sich, wurden grau statt schwarz und schrumpelten zusammen wie ausged�rrte Wurzelstr�nke. Jama� b�umte sich auf, versuchte von dem Toten wegzukommen, und ri� schlie�lich seine rechte Hand los. Blut und ein Schwall klarer, glitzernder Fl�ssigkeit sprudelten aus dem zerborstenen Stumpf seiner Hand und besudelten den toten Veden, und Jama� begann zu schreien. Das Netz, das Torian einh�llte, war jetzt fast vollkommen abgestorben, aber der unheimliche Proze� ging weiter. Wie graue Tinte auf L�schpapier breitete sich die bleiche Farbe im Leib des Parasiten aus, griff pl�tzlich auch auf Jama� �ber und t�tete auch hier das Netz. Der Vede begann zu toben, b�umte sich auf und versuchte noch einmal, sich von Torian loszurei�en. Aber seine Kraft reichte nicht.</p><p>�Sieh dir das an�, murmelte Del fassungslos. �Es ... es stirbt mit seinem Tr�ger!�</p><p>�Ja. Aber es versucht zu �berleben.� Skar deutete auf den Boden. Ein Teil des schwarzen Geflechtes hatte sich von Jama� gel�st und kroch wie ein Teppich ineinanderverkn�ulter glitzernder W�rmer auf ihn und Del zu, nur noch durch eine d�nne Nabelschnur mit den beiden Veden verbunden. Skar fa�te erneut nach der Fackel, aber Del sch�ttelte abermals den Kopf. Seine Hand kroch zum G�rtel, �ffnete eine verborgene Tasche und kam mit einem kleinen, f�nfzackigen <emphasis>Shuriken </emphasis>wieder zum Vorschein.</p><p>Er schleuderte die Waffe mit solcher Kraft, da� sie fast zur H�lfte in Jama�ens Sch�del eindrang und ihn auf der Stelle t�tete. Das Netz erschlaffte. Seine verzweifelten Bewegungen wurden fahrig, verloren ihre Kraft und Zielgerichtetheit und h�rten schlie�lich ganz auf. Nach kaum einer Minute hatte sich auch der letzte Ausl�ufer des t�dlichen Parasiten grau gef�rbt und war tot. Trotzdem wagten sie es nicht, dem Netz auch nur nahe zu kommen, sondern traten �ber die Treppe ins erste Stockwerk hinaus und stiegen aus dem Fenster, um an der Au�enmauer des Turms wieder hinabzuklettern.</p></section><section><title><p id="_21">21.</p></title><p>Es dauerte vier Stunden, bis die letzten �berlebenden des Satai-Heeres durch das Tor getaumelt waren, verfolgt von einer lebenden Lawine aus gr�ngeschuppten Quorrl, die sich selbst durch den w�tenden Hagel aus Pfeilen und Bolzen kaum zur�ckhalten lie�en, mit denen Dels Sch�tzen sie �bersch�tteten. Und es waren entsetzlich <emphasis>wenige.</emphasis></p><p>Skar hatte ununterbrochen versucht, Titch zu erreichen: Er hatte seinen Namen in die Nacht hinausgebr�llt, so laut er nur konnte, hatte Leuchtsignale und Spiegelbotschaften auf das Quorrl-Heer hinabgesandt, und er h�tte auch Boten zu Titch geschickt, h�tten die M�nner nur eine Chance gehabt, nicht von ihren eigenen Kameraden �berranm zu werden, die in blinder Panik den schmalen Pfad zum Tor hinaufdr�ngten. Schlie�lich hatte er Befehl gegeben, eine Strickleiter auf der dem Heer abgewandten Seite der Burgmauer herunterzulassen, um auf diese Weise die Burg zu verlassen. Einer der M�nner, welche die Leiter befestigen sollten, war mit einem Pfeil im Hals gestorben, bevor sie den Belagerungsring entdeckten, den die Quorrl rings um die Burg aufgerichtet hatten.</p><p>So blieb ihm nichts anderes �brig, als hilflos zuzusehen, wie das sinnlose T�ten weiterging. Es war genauso gekommen, wie er bef�rchtet hatte: Nachdem sich die Quorrl von ihrer ersten �berraschung erholt und zu wirksamem Widerstand zusammengeschlossen hatten, waren sie dazu �bergegangen, Torians Krieger einfach niederzuwalzen, nur durch ihre pure �bermacht. Skar sch�tzte, da� nicht mehr als zwei Drittel des Heeres die Flucht in die Sicherheit der Burg gelungen war, und von denen, die entkamen, war kaum einer unverletzt. Es war weniger der Kriegskunst der Satai zuzuschreiben, da� wenigstens diese M�nner �berlebten, als vielmehr der simplen Tatsache, da� die Quorrl auf dem schmalen gewundenen Pfad zur Burg hinauf gar nicht so schnell vorr�cken konnten, wie sie die Fl�chtenden niedermetzelten. Das Gef�hl der Hilflosigkeit, mit dem er alles mit ansehen mu�te, brachte ihn fast um den Verstand.</p><p>�Du willst wirklich dort hinunter?�</p><p>Skar l�ste seinen Blick von der lebenden Mauer aus schuppigen Leibern, die nur widerwillig unter dem Hagel aus Pfeilen und brennenden Wurfgeschossen zur�ckwich, der sich von der Mauerkrone herab auf sie ergo�, drehte sich zu Kiina um und sah ihr ernst in die Augen. Er wu�te, da� er eigentlich nicht einmal Zeit f�r diese wenigen Worte hatte - die Quorrl w�rden ihnen keine Gelegenheit lassen, sich zu erholen und neue Kr�fte zu sch�pfen. Skar war im Grunde sogar erstaunt dar�ber, da� sie nicht sofort angegriffen hatten, um die Mauer und ihre Besatzung einfach zu �berrennen, wie sie es schon einmal getan hatten. Aber vielleicht ahnte Titch, da� hier irgend etwas ganz und gar nicht so war, wie es schien. Quorrl oder nicht. Titch war ein sehr intelligenter Mann. Der scheinbar so sinnlose Angriff der Satai und Veden mu�te ihn ma�los verwirrt haben.</p><p>�Es ist unsere einzige Chance�, erkl�rte er.</p><p>�Sie werden dich in St�cke rei�en�, warnte Kiina voll Sorge. �Du wirst nicht einmal aus dem Tor herauskommen, Skar.�</p><p>�Vielleicht�, gab Skar zu. �Wahrscheinlich sogar. Aber dann sterbe ich nur kurze Zeit vor euch allen.�</p><p>�Unsinn!� widersprach Kiina erregt. �Wir sind drinnen, und sie sind drau�en, oder? Wir k�nnen uns wochenlang halten und auf Verst�rkung warten!�</p><p>�Verst�rkung?� Skar lachte leise, aber nicht besonders humorvoll. Er trat an Kiina vorbei und beugte sich aus dem Fenster, um zu Del herabzusehen, der seines und die beiden Packpferde bereits vor das Tor gef�hrt hatte. Auf den R�cken der beiden �berz�hligen Pferde lagen zwei gro�e, in dunkle Zeltplanen eingeh�llte K�rper. Mehr als zwei Dutzend bewaffneter M�nner bildeten einen dichtgestaffelten Kordon rings um sie herum, um zu verhindern, da� jemand einen Blick unter die Plane warf und erkannte, welche Last die beiden Pferde trugen. Au�er Del, ihm selbst und den beiden Kriegern, die ihnen geholfen hatten, Torians und Jama�ens Leichen aus dem zerfallenen Netz herauszuschneiden und in die Zeltplanen zu h�llen, wu�te niemand, was die beiden B�ndel enthielten. Nicht einmal Kiina. Skar war der Meinung gewesen, da� sie genug mit Titchs Quorrl zu tun hatten. Sie brauchten nicht noch zwanzigtausend Satai und Veden, die in Panik gerieten. Er hob die Hand, um Del anzudeuten, da� er gleich k�me, und wandte sich wieder zu Kiina um.</p><p>�Verst�rkung?� fragte er noch einmal. �Woher denn? Diese M�nner hier sind alles, was wir haben. Und was sie gegen die Quorrl ausrichten k�nnen, hast du ja gesehen. Au�erdem haben wir nicht die Zeit, von der du sprichst. Titch wird keinen Tag brauchen, diese Burg zu st�rmen. Er hat es schon einmal getan.�</p><p>�Unter deiner F�hrung, ja�, antwortete Kiina. �Und gegen Drasks l�cherliche f�nf- oder sechshundert Krieger. Jetzt -�</p><p>�Es reicht�, schnitt ihr Skar scharf das Wort ab, und zu seiner �berraschung verstummte Kiina tats�chlich. Pl�tzlich begriff er, da� es nur Angst gewesen war, die sie zu ihren �u�erungen verleitet hatte. Er hob die Hand, strich ihr fast z�rtlich �ber das Haar und schob sie dann mit sanfter Gewalt aus dem Weg. Sie versuchte, sich an ihn zu klammern, aber damit hatte er gerechnet, und diesmal lie� er es nicht zu. Er winkte einen der Posten herbei und gab ihm mit Gesten zu verstehen, das M�dchen festzuhalten.</p><p>�La� mich nicht allein, Skar!� schrie Kiina. �Bitte!�</p><p>Skar ging bis zur T�r, drehte sich noch einmal um und l�chelte ihr zum Abschied zu. �Du kannst sie loslassen, sobald ich fort bin�, wies er den Mann an, der das zappelnde M�dchen mit sichtlicher Anstrengung festhielt. �Aber gib acht, da� sie keinen Unsinn macht. Ich werde versuchen wiederzukommen.�</p><p>Und damit wandte er sich um und rannte fast aus dem Zimmer. Als er auf den Hof hinaustrat, fand er Del bei dem, was in den letzten Wochen seine Lieblingsbesch�ftigung geworden zu sein schien: Er stritt lautstark mit drei M�nnern, von denen einer den schwarzen Mantel der Satai und zwei andere das Scharlachrot der Veden trugen. Skar konnte nicht verstehen, worum es ging, aber er hatte die drei vorhin schon einmal gesehen, zusammen mit einem Dutzend anderen Unterf�hrern des Heeres in Dels Thronkammer, und sie waren da genauso w�tend gewesen wie jetzt. Vielleicht, �berlegte er sp�ttisch, nahmen sie es Del immer noch �bel, da� er von ihnen verlangt hatte, sich bis auf die Haut auszuziehen, bevor sie ihm gegen�bertraten.</p><p>Er verscheuchte den Gedanken, trat neben Del und sah ihn und die drei Hauptleute der Reihe nach fragend an. �Was ist los?�</p><p>�Wir sind dagegen!� antwortete einer der Veden.</p><p>�Wogegen?� fragte Skar. �Gegen etwas Bestimmtes, oder prinzipiell gegen alles?�</p><p>Das Gesicht des schwarzhaarigen Veden verd�sterte sich. �Jetzt ist kaum der richtige Moment f�r alberne Wortspielereien, Satai�, sagte er betont. �Was du vorhast, ist Wahnsinn! Du willst hinuntergehen und mit diesen Tieren <emphasis>verhandeln?�</emphasis></p><p>�Hast du eine bessere Idee?� fragte Skar.</p><p>�Verdammt, es sind Quorrl!� schrie der Mann. �Niemand verhandelt mit Quorrl! Du hast gesehen, was passiert, wenn man versucht, sich mit diesen Bestien zu verb�nden!�</p><p>�Ich habe nichts gesehen�, antwortete Skar. �Ich habe nur gesehen, wie <emphasis>ihr </emphasis>die Quorrl angegriffen habt. Und ich habe gesehen, wie ihr vor ihnen geflohen seid.�</p><p>�Schlu� jetzt!� befahl Del scharf. �Skar geht, das ist entschieden.�</p><p>�So?� fragte der Vede b�se. �Wer hat das entschieden?�</p><p>�Ich�, antwortete Del kalt. �Als Oberkommandierender dieses Heeres und Kriegsherr der Satai, dem ihr euch freiwillig unterstellt habt.� Er machte eine herrische Handbewegung, mit der er dem Veden das Wort abschnitt. �Und jetzt schweig und begib dich auf deinen Posten zur�ck.�</p><p>Der Mann sch�rzte w�tend die Lippen. �Narr�, stie� er hervor. �Sie werden dir deinen Freund zur�ckschicken, in St�cke geschnitten, <emphasis>Hoher Satai!�</emphasis></p><p>�Sollte das wirklich geschehen, dann kannst du ja dein Schwert nehmen und mich r�chen, Vede�, entgegnete Skar. Mit einem kalten L�cheln und einer Geste auf die beiden beladenen Packpferde f�gte er hinzu: �Und jetzt tu lieber, was der Hohe Satai dir befohlen hat - ehe er sich �berlegt, den Quorrl vielleicht noch ein weiteres Geschenk zu �berbringen. Zum Beispiel deinen Kopf.�</p><p>Er wandte sich br�sk um, scheuchte die M�nner zur�ck, welche die Pferde umstanden, und stieg mit einer schwungvollen Bewegung in den Sattel. Del wechselte noch ein paar halblaute, aber nicht sehr ruhige Worte mit dem Veden und seinen beiden Begleitern und trat dann neben ihn.</p><p>�Du hast es dir wirklich gut �berlegt?� fragte er. Die Frage war nur rhetorisch; Dels Art, ihm Gl�ck zu w�nschen. Es gab nichts zu �berlegen. Sie wu�ten einer so gut wie der andere, da� sie einem ernstgemeinten Angriff der Quorrl keine zwei Stunden widerstehen w�rden. Skar antwortete gar nicht, sondern ergriff die Z�gel seines und der beiden Packpferde und wollte losreiten, aber Del hielt ihn noch einmal zur�ck.</p><p>�Warte�, bat er. Langsam streckte er die Hand nach Skars G�rtel aus, zog das <emphasis>Tschekal </emphasis>an der Klinge aus der Scheide hervor und warf es zu Boden. Dann griff er unter seinen Mantel und holte die rubingeschm�ckte Waffe des Hohen Satai hervor, die er selbst ihm vor weniger als einem Tag abgenommen hatte. �Hier�, sagte er. �Es geh�rt dir.�</p><p>�Bist du sicher?� fragte Skar.</p><p>Del nickte ernst. �Hundertmal mehr als mir. Wenn ... wenn wir diesen Wahnsinn hier �berleben, dann sollten wir miteinander reden.�</p><p>�Ja�, pflichtete ihm Skar trocken bei, w�hrend er die Waffe in seinen G�rtel schob. �Vor allem, um uns �ber gewisse pathetische Abschiedsszenen zu unterhalten, die ziemlich l�cherlich wirken, wenn man dann doch davonkommt, nicht wahr?�</p><p>Del lachte, gab seinem Pferd einen leichten Klaps auf den Hals und trat zur�ck. Die Reihen der Satai und Veden teilten sich vor Skar, als er auf das Tor zuritt. Hinter ihm rief Del einen Befehl, und die beiden m�chtigen, bronzenen Torfl�gel begannen sich zu teilen. Ein eiskalter Wind schlug Skar entgegen wie ein b�ses Omen, und die Morgensonne �bersch�ttete den kleinen Platz vor dem Tor mit Str�men aus fl�ssigem Rot, als w�re in dieser Nacht noch nicht genug Blut geflossen. Seltsam - er hatte gar keine Angst.</p><p>Er erreichte das Tor, wartete, bis sich die beiden H�lften weit genug geteilt hatten, um ihn und die beiden Packpferde bequem durchzulassen, und setzte sein Tier langsam in Trab. Sein Herz begann zu h�mmern. Eine eisige, prickelnde K�lte breitete sich in seinem K�rper und seinen Gliedern aus. Wenn es Furcht war, dann Furcht einer ganz anderen Art, als er sie bisher kennengelernt hatte.</p><p>Das Plateau vor ihm war voller Toter; Quorrl und Pferde, aber auch entsetzlich viele Gestalten in den kn�chellangen M�nteln der Satai und Veden, und die Spur aus Leichen und Sterbenden zog sich den gewundenen Weg hinab, so weit er nur blicken konnte.</p><p>Und keine hundert Schritte vor ihm die Quorrl.</p><p>Es waren Tausende. Sie standen dicht an dicht, eine undurchdringliche waffenstarrende Mauer aus gigantischen, schuppigen Gestalten, und hinter der ersten Reihe erhob sich eine zweite, dritte, vierte... Das Heer zog sich den gewundenen Weg hinab bis an den Flu� und weiter an seinen Ufern entlang wie eine einzige, ungeheuerliche Masse, ein gigantisches, aus vieltausend K�rpern bestehendes Tier, das nur auf ein Wort, eine einzige falsche Bewegung, wartete, um loszust�rmen und die Burg und ihre Besatzung einfach zu �berrennen. Pl�tzlich war Skar davon �berzeugt, da� die Quorrl die Tore einfach durch ihr blo�es Herannahen aufsprengen konnten, wenn sie es wirklich wollten. Gro�er Gott, er hatte nie begriffen, was das hie� - <emphasis>vierzigtausend Quorrl! </emphasis>Vierzigtausend Giganten, jeder einzelne eine Kampfmaschine, die es mit einem Dutzend normaler M�nner aufnehmen konnte!</p><p>Pl�tzlich gellten hinter ihm Schreie auf. Skar drehte sich im Sattel herum, zugehe in der gleichen Bewegung sein Pferd - und fuhr erschrocken zusammen, als er die schlanke Gestalt sah, die tief �ber den R�cken ihres Pferdes gebeugt �ber den Hof geprescht kam. Ihr blondes Haar wehte wie ein Schleier hinter ihr her, und in ihrer Hand blitzte ein Schwert, mit dem sie nach jedem schlug, der ihr den Weg zu versperren suchte.</p><p>�Kiina!� keuchte er. �Bist du...� Er ri� beide Arme in die H�he und br�llte, so laut er konnte: �Das Tor zu! Haltet sie auf!!�</p><p>Seine Worte kamen zu sp�t. Die Torfl�gel hatten l�ngst begonnen, sich hinter ihm zu schlie�en, aber sie taten es so langsam, wie sie sich ge�ffnet hatten. Einer der Veden versuchte auch tats�chlich, sich Kiina in den Weg zu stellen, aber sie ritt ihn einfach �ber den Haufen, war mit einem Satz durch das Tor und z�gelte ihr scheuendes Pferd unmittelbar neben ihm.</p><p>Skar griff mit der linken Hand nach dem Z�gel des Tieres und brachte es mit einem Ruck zur R�son, packte Kiina dann bei der Schulter und versetzte ihr mit der anderen Hand eine schallende Ohrfeige.</p><p>�Bist du wahnsinnig geworden?� schrie er. �Willst du dich und uns alle umbringen?�</p><p>Kiina war unter seinem Hieb zur�ckgetaumelt und k�mpfte einen Moment lang m�hsam darum, nicht aus dem Sattel zu st�rzen. Dann pre�te sie die Hand gegen ihre Wange. In ihren Augen schimmerten Tr�nen, als sie Skar ansah. Aber es war nur der Schmerz seines Schlages.</p><p>�Ich bleibe bei dir�, erkl�rte sie festentschlossen. �Du mu�t mich schon fesseln, wenn du das verhindern willst, Skar.� Skar starrte sie an. Seine Gedanken �berschlugen sich. F�r einen Moment hatte er Lust, ganz genau das zu tun, was Kiina vorgeschlagen hatte, und sie auf den R�cken ihres Pferdes gebunden in die Festung zur�ckzuschicken. �Vielleicht sollte ich es tun�, grollte er.</p><p>�Bitte�, sagte Kiina schnippisch. �Schlag mich nieder, oder nimm mich mit. Ich bleibe bei dir. Das waren deine eigenen Worte, Skar. Schon vergessen? Ich soll bei dir bleiben, ganz egal, was passiert.�</p><p>�Aber das -� Skar brach ab, ballte ratlos die Faust und drehte sich resignierend im Sattel herum. Pl�tzlich f�hlte er sich hilflos wie nie zuvor in seinem Leben. Er wu�te einfach nicht mehr, was er tun sollte.</p><p>�Ich bleibe nicht dort drinnen, Skar�, betonte Kiina noch einmal. �Wenn ich schon sterben mu�, dann an deiner Seite.� Hinter ihr fiel das Tor mit einem Laut wie das Schlagen einer riesigen bronzenen Glocke vollends zu. Skar h�rte das Scharren des gewaltigen Riegels; fast, wie um ihre Worte zu unterstreichen. �Du wirst da genauso tot sein wie irgendwo anders�, antwortete Skar, mit einer Ruhe, die ihn selbst ein wenig erstaunte. Langsam wandte er sich wieder den Quorrl zu. Die Schlachtreihe der Schuppenkrieger hatte sich nicht bewegt, aber er glaubte, die Blicke Hunderter und Aberhunderter schmaler geschlitzer Schlangenaugen wie die Ber�hrung kleiner gl�hender H�nde zu sp�ren. <emphasis>Was, </emphasis>dachte er, <emphasis>wenn Torian recht gehabt hatte? Wenn es keine gemeinsame Basis zwischen ihnen gab?</emphasis></p><p>Schlie�lich gab er nach: �Wie du willst, Kiina. Bleib immer dicht hinter mir. Und du sagst oder tust <emphasis>nichts, </emphasis>hast du das verstanden? �berhaupt <emphasis>nichts, ganz </emphasis>egal, was passiert!� Er sah Kiina bei diesen Worten nicht an, aber er f�hlte, wie sie nickte, und ritt langsam weiter. Sein Pferd begann zu scheuen, als er es zwang, auf die Toten zu treten, die den Platz vor dem Tor bedeckten, aber er brachte das Tier mit brutaler Kraft dazu, weiterzugehen.</p><p>Ganz langsam kam die vorderste Reihe der Quorrl n�her. Skars Herz begann zu h�mmern. Seine Handfl�chen wurden so feucht, da� er M�he hatte, den Z�gel zu halten, und pl�tzlich <emphasis>hatte </emphasis>er Angst, ganz entsetzliche Angst sogar. Die Bedrohung, die von den Quorrl ausging, war fast greifbar.</p><p>Als er sich den Kriegern bis auf zehn Schritte gen�hert hatte, teilte sich die lebende Mauer. Ein schmaler, von gr�n- und graugeschuppten K�rpern gebildeter Korridor �ffnete sich, durch den Skar und Kiina hindurchreiten konnten. Skar mu�te sich nicht umdrehen, um zu wissen, da� er sich hinter ihnen wieder schlo�. Er sp�rte, wie Kiina ihr Pferd dichter an das seine herandr�ngte. Er konnte ihre Angst fast riechen.</p><p>Sie ritten nicht sehr weit. Sie waren noch in Sichtweite der Burg, noch diesseits der ersten Wegbiegung, als sich der lebende Korridor vor ihnen verbreiterte, um einer zweiten, berittenen Gestalt Platz zu machen.</p><p>Obwohl Skar schon vorher gewu�t hatte, wem er gegen�berstand, erkannte er Titch kaum wieder. Der Quorrl sa� im Sattel eines Pferdes, gegen das selbst Skars Schlachtro� wie ein Pony wirkte. Er war von Kopf bis Fu� in schimmerndes Gold geh�llt, ebenso wie sein Pferd, trug Schwert, Schild, Lanze und Morgenstern, und der ungeheuerliche Panzer und all diese Waffen lie�en ihn noch gr��er und bedrohlicher erscheinen, als er ohnehin schon war. Die Augen hinter dem �T� f�rmigen Sichtschlitz seines Helmes blickten kalt, ohne die mindeste Spur von Mitleid oder Verst�ndnis, aber auch ohne Ha�. Wenigstens redete sich Skar dies mit aller Macht ein.</p><p>Er ritt auf zwei Schritte an den Quorrl heran, z�gelte sein Pferd und versuchte vergeblich, Titchs Blick ebenso gelassen standzuhalten, wie der Quorrl <emphasis>ihn </emphasis>ansah. Skar schauderte, als er die K�lte sp�rte, die von der Gestalt des gigantischen Schuppenkriegers ausging.</p><p>�Warum bist du gekommen, Mensch?� fragte Titch. Skar fuhr unmerklich zusammen, als er die Anrede h�rte. �Um zu sterben?�</p><p>�Um zu leben�, antwortete Skar. �Wenn ich sterben wollte, w�re ich in der Burg geblieben.�</p><p>�Vielleicht w�re das kl�ger gewesen�, erwiderte Titch kalt. �M�glicherweise h�ttest du dort l�nger gelebt als hier. Was willst du? Um Gnade flehen?�</p><p>�Nein�, entgegnete Skar leise. �Um zu reden. Mit dir, Titch.� Titch starrte ihn an. �Reden?� Er schwieg einen Moment, lachte dann, ganz ganz leise. �O ja, reden�, wiederholte er. �So, wie du mit Trash geredet hast, wie? Es gibt nichts mehr zu <emphasis>reden </emphasis>zwischen uns, Mensch. Ihr habt <emphasis>geredet, </emphasis>gestern nacht. Dreitausend meiner Br�der liegen erschlagen unten am Flu�.�</p><p>�Und dreimal so viele werden sterben, wenn du diese Burg st�rmen l��t!� gab ihm Skar erregt zu bedenken. �Titch, bitte h�r mir zu. La� mich nur einen Moment erkl�ren!�</p><p>�Erkl�ren?� Titch machte eine wegwerfende Handbewegung. �Ich will sie nicht h�ren, deine <emphasis>Erkl�rungen, </emphasis>Mensch. Ich will keine Worte mehr h�ren! Es waren Worte, die uns hierhergebracht haben! Worte, feine, geschliffene Worte, die uns glauben lie�en, die alte Feindschaft zwischen euch und uns k�nnte begraben werden. Worte!� Er spie aus.</p><p>�Titch, wir sind nicht eure Feinde!� beschwor Skar ihn. �Dieser Angriff heute nacht war ein f�rchterlicher Irrtum, glaube mir. Wir sind get�uscht worden, wir alle. Du und ich, und Del und... und auch die M�nner, die euch angriffen. <emphasis>Sieh sie dir an!�</emphasis> Und damit zerrte er mit einem Ruck die Zeltplane herunter, die Torians verst�mmelten K�rper bisher verborgen hatte. Kiina schrie entsetzt auf und schlug die Hand vor den Mund, ehe sie erkannte, was darunter zum Vorschein kam, und auch einige der umstehenden Quorrl prallten erschrocken zur�ck. Skar drehte sich zur anderen Seite und ri� auch die zweite Plane herunter. Aber die Reaktion, auf die er gehofft hatte, kam nicht. Titch blickte die grausige Fracht der beiden Tiere eine geraume Zeit schweigend an. Skar h�tte seine rechte Hand darum gegeben, h�tte er in diesem Moment gewu�t, was hinter der goldenen Kampfmaske des Quorrl vorging.</p><p>�Wer ist das?� fragte Titch schlie�lich.</p><p>�Der Kommandant des Heeres�, antwortete Skar. �Und sein Berater. Sie waren es, die den Angriff auf euch befahlen. Torian wu�te es nicht einmal besser. Er glaubte, von euch in eine Falle gelockt worden zu sein.�</p><p>�Ich wei߫, antwortete Titch.</p><p>Skar erstarrte. �Du... <emphasis>wei�t?�</emphasis></p><p>Der Quorrl deutete mit einer Handbewegung auf die beiden Toten. �Ich wu�te nichts <emphasis>davon�, </emphasis>schr�nkte er ein. �Aber ich wu�te, da� etwas geschehen war. Ich war dr�ben auf der anderen Seite des Flusses. Ich habe die toten Drachen gesehen. Und die Quorrl.�</p><p>�Aber dann... dann wei�t du doch, da� es nicht unsere Schuld war!� sagte Skar. �Man hat uns get�uscht, Titch. Wir sind auf eine Kriegslist hereingefallen, die -�</p><p>�Was �ndert das?� unterbrach ihn Titch. Skar starrte ihn fassungslos an, und Titch wiederholte noch einmal: �Was �ndert das, Mensch? Nichts. Es macht es eher noch schlimmer.�</p><p>�Aber ... aber verstehst du denn nicht?!� mischte sich Kiina ein. �Es war nicht -�</p><p><emphasis>�Schweig, Menschenjunges!� </emphasis>donnerte Titch. �Es �ndert nichts! Ihr glaubt, im Recht zu sein, nur weil es <emphasis>unsere </emphasis>Krieger waren, deren sich das Netz bediente? Ihr glaubt, es w�rde alles entschuldigen, nur weil ihr <emphasis>get�uscht </emphasis>worden seid?� Erregt beugte er sich im Sattel vor. �Verrate mir eines, Menschenjunges - w�ren es <emphasis>eure </emphasis>Leute gewesen, die euch <emphasis>get�uscht </emphasis>h�tten, w�rdet ihr dann auch einfach den Angriff befohlen haben? Oder h�ttet ihr gefragt? H�ttet ihr vielleicht einen Mann ausgeschickt, um festzustellen, was �berhaupt passiert ist?�</p><p>Kiina wollte antworten, aber Skar machte eine rasche, beruhigende Geste. �Nicht, Kiina�, bat er. �Er hat recht.� Er wandte sich wieder an den Quorrl. �Das haben wir�, versicherte er. �Torian hat zehn M�nner ausgeschickt. Keiner von ihnen hat die Burg erreicht.�</p><p>�Und das war dann genug�, antwortete Titch. Er lachte b�se. �Bel�g dich nicht selbst, Skar. Ihr h�ttet einen Weg gefunden, w�ren es <emphasis>Menschen </emphasis>gewesen, denen ihr mi�trautet. Aber es waren ja nur Quorrl. Es waren ja nur dumme Tiere, von denen ihr nichts anderes erwarten konntet, nicht wahr? Sie haben ja nichts anderes getan als das, worauf ihr sowieso gewartet habt!� Fast eine Minute lang sah Skar den Quorrl nur an. Dann senkte er fast besch�mt den Kopf. �Du hast recht�, gestand er ein. �Es ... es tut mir leid.�</p><p>�O ja�, h�hnte Titch. �Und damit vergessen wir alles, wie?� Er versetzte Torians Leichnam einen Fu�tritt, der das Packpferd scheuen lie�. �Wir tun einfach so, als w�re nichts geschehen. Es war alles nur ein schrecklicher Irrtum, und es ist ja nichts passiert. Es sind ja nur ein paar tausend Quorrl gestorben, und die anderen reichen allemal, den Krieg f�r euch zu gewinnen.�</p><p>�Titch, bitte�, rief Skar beschw�rend. �Ich verstehe deinen Schmerz, aber du ... du machst alles nur schlimmer.�</p><p>Titchs Wutausbruch verging so schnell, wie er gekommen war. Pl�tzlich blickten die Augen hinter dem schmalen �T� in seiner Maske wieder kalt und unbarmherzig wie Stahl.</p><p>�Vielleicht�, sagte er. �Aber vielleicht mache ich es auch nur wieder richtig, Mensch.�</p><p>�Es sind mehr von unseren Kriegern gestorben als von euren�, hielt Skar ihm entgegen. Verzweiflung machte sich in ihm breit. Er sp�rte, da� Titch nicht nachgeben w�rde. Und das allerschlimmste war vielleicht, da� er den Quorrl sogar verstand; irgendwie.</p><p>�Und es werden noch mehr sterben, bevor die Sonne das n�chste Mal aufgeht�, antwortete Titch ruhig. �Reite zur�ck, Skar. Geh zur�ck zu deinen Freunden und richte ihnen aus, da� sie drei Stunden Zeit haben, sich auf den Kampf vorzubereiten. Ich erwarte euch unten am Flu�, wenn die Sonne im Zenit steht.�</p><p>�Du wei�t, da� sie nicht kommen werden�, entgegnete Skar. �Dann kommen wir�, antwortete Titch hart. �Geh, Skar. Ich schenke dir das Leben, und diesem Menschenjungen an deiner Seite auch.� Er deutete auf Kiina. �Du kannst gehen, M�dchen aus Elay. Meine Krieger werden dich nicht behelligen. Geh zur�ck in deine Heimat. Du bist frei.�</p><p>�Ich bleibe bei Skar�, antwortete Kiina trotzig. Skar wu�te, da� ihr diese Worte leid tun w�rden, aber er erwiderte nichts. Er f�hlte sich nur noch leer und m�de.</p><p>�Dann stirbst du mit ihm�, schlo� Titch kalt. �Und jetzt geht. Reitet zur�ck in die Burg und sagt ihnen, da� die Quorrl kommen werden, um ihnen zu bringen, was sie von ihnen erwarten.�</p></section><section><title><p id="_22">22.</p></title><p>Nicht nur Del war sehr still geworden, nachdem Skar aufgeh�rt hatte zu reden. Auch auf den Z�gen der anderen M�nner hatte sich zuerst Betroffenheit ausgebreitet, dann Zorn und schlie�lich Angst. Skars Blick glitt langsam �ber die Gesichter des Dutzend M�nner, die sich zusammen mit ihm und Kiina in Dels Thronkammer eingefunden hatten, aber der Ausdruck, den er darin las, war �berall gleich: Furcht, in der vielleicht hier und da noch ein wenig Entschlossenheit war, vielleicht auch nur Trotz. Aber die Furcht �berwog. Nicht die Angst vor dem Tod, das wu�te er. Jeder einzelne dieser M�nner war ein Krieger wie er - die Veden ohnehin, und Del war umsichtig genug gewesen, zumindest das <emphasis>Kommando </emphasis>�ber das Heer nur mit wirklichen Satai zu besetzen; M�nner, die wie Skar und er ihr Leben lang ausgebildet worden waren und denen der Kampf und auch der Tod nicht fremd waren.</p><p>Und trotzdem hatten sie jetzt Angst. So wie Del, so wie Kiina, so wie er selbst. Keine Angst vor dem Kampf und dem Tod, der einen Krieger fr�her oder sp�ter sowieso ereilte, sondern vor dem, was ihnen bevorstand. Ihnen und dem Rest Enwors. Skar hatte es nicht laut ausgesprochen, aber jeder einzelne Mann hier im Raum wu�te, was Titchs Worte bedeuteten. Nicht weniger als den Sieg der <emphasis>Sternengeborenen, </emphasis>nicht weniger, als da� sie diesen Krieg verloren hatten, bevor er �berhaupt richtig begann. Sie w�rden Ikne nicht nehmen, ganz gleich, wie diese Schlacht ausging. Sie w�rden die Herrschaft der Zauberpriester nicht brechen k�nnen. Der Angriff der Quorrl war nur der Anfang, dem die Apokalypse folgen mu�te: Jahrhunderte, vielleicht eine Ewigkeit der Tyrannei, und vielleicht - auch dieser Gedanke war Skar voller Schrecken gekommen - vielleicht w�rde Enwor eine Welt g�nzlich ohne Menschen werden, ein schwarzer Planet voller schwarzer kleiner Wesen ohne Gesicht und Gef�hle. Jama� hatte recht gehabt, mit seinem letzten Satz. Sie hatten diesen Kampf schon verloren gehabt, als sie ihn begonnen hatten. Er verscheuchte den Gedanken und konzentrierte sich wieder auf das, was am Tisch besprochen wurde. Del gab seinen Unterf�hrern Anweisungen, welche die Verteidigung der Burg betrafen; so knapp und pr�zise und umfassend, da� Skar sich selbst die M�he sparte, seine Befehle mit einem Nicken gutzuhei�en. Er h�tte es nicht besser machen k�nnen, ja, er war nicht einmal sicher, ob er es auch nur so gut wie Del getan h�tte. Sie waren beide M�nner des Schwertes, aber Del war viel mehr <emphasis>Krieger </emphasis>als er geworden. Seltsam - ihm war niemals so klar wie in diesem Augenblick gewesen, welch gewaltiger Unterschied zwischen den Worten <emphasis>Kampf </emphasis>und <emphasis>Krieg </emphasis>doch bestand. Einen Kampf konnte man gewinnen. Einen Krieg nur �berleben.</p><p>Zeit verging. Die Hauptleute stellten Fragen, Del beantwortete sie. Erkl�rte. Korrigierte sich und �nderte seinen Plan um, noch w�hrend er ihn entwickelte und aussprach. Skar h�rte kaum zu. Die Fragen und Antworten umschwirrten ihn wie kleine l�stige Fliegen, nach denen er geschlagen h�tte, w�ren sie der M�he nur wert gewesen. Alles war so sinnlos. Er nahm kaum wahr, wie die M�nner hinausgingen. Erst als sich Del mit einer Frage an ihn wandte und Kiina ihn unsanft mit dem Ellbogen anstie�, schrak er wie aus einem Traum hoch und sah ihn einen Moment lang verst�ndnislos an. �Was?�</p><p>�Ich habe gefragt, ob du noch irgendwelche Einw�nde oder Vorschl�ge hast�, wiederholte Del. �Aber mir scheint, du hast gar nicht zugeh�rt.�</p><p>�Nein�, gestand Skar nach kurzem Z�gern. �Verzeih. Ich ... war mit meinen Gedanken woanders.�</p><p>�Bei Titch?�</p><p>Skar nickte, und Del wirkte mit einem Male sehr, sehr ernst. �Ich verstehe ihn nicht�, sagte er kopfsch�ttelnd. �Ich kenne Titch seit Jahren, und ich ... ich hatte immer das Gef�hl, er w�re ein vern�nftiger Mann.� Er versuchte zu lachen, aber es mi�lang. �Wei�t du, da� ich ihn eine Weile fast wie einen Menschen betrachtet habe? Und jetzt das.�</p><p>�Vielleicht gerade darum�, antwortete Skar. Del sah ihn fragend und offenkundig verwirrt an. �Vielleicht ist er schon zu sehr Mensch, und nicht mehr genug Quorrl�, fuhr Skar fort, und er meinte diese Worte ganz genau so, wie er sie aussprach. �Ich habe mich lange mit Titch unterhalten, gestern, unten an den Felsen. Er ist... anders. Anders als alle anderen Quorrl, die ich je getroffen habe.�</p><p>�Ja�, erg�nzte Del zornig. �Noch ein bi�chen verr�ckter.�</p><p>�Nein�, erwiderte Skar, l�chelte dann und verbesserte sich: �Oder vielleicht doch. Er ist fast so verr�ckt wie wir, wei�t du? Dieser Quorrl ist stolz. Stolz auf das, was er ist, und stolz auf sein Volk. Wenn du das verr�ckt nennen willst, bitte.�</p><p>�Und deshalb will er uns und die H�lfte seines Heeres umbringen?� fragte Del verwundert. �Irgendwie kapiere ich deine Argumente nicht, Skar.�</p><p>Skar antwortete nicht mehr. Del h�tte ihn nicht verstanden, und wenn er noch Stunden geredet h�tte. Und er konnte es auch nicht wirklich ausdr�cken. Das Wissen um die Gr�nde f�r Titchs Handeln war in ihm, aber es war nur ein Gef�hl, das sich nicht in Worte kleiden lie�. Titch war anders als die anderen Quorrl, und Skar glaubte zu wissen, da� er fr�her oder sp�ter sowieso zerbrochen w�re; allein unter dem Gedanken, vierzigtausend seiner Br�der in den sicheren Tod f�hren zu m�ssen. Kein Wesen, das auch nur einen Deut von Gef�hlen in sich barg, konnte mit diesem Gedanken leben. Nein - Titch handelte nicht einmal falsch, von seiner Warte aus. Er r�ckte die Dinge nur wieder zurecht.</p><p>Del stand auf, als klar wurde, da� Skar nicht antworten w�rde. �Ich will mich nicht mit dir streiten�, schlo� er, in einem Ton, der keinerlei Vorwurf enthielt. �Wir haben noch eine Stunde, wenn Titch sein Wort h�lt. Ich erwarte dich drau�en auf der Mauer.�</p><p>Er ging. Skar blickte ihm nach, auch als er die T�r schon lange hinter sich zugezogen hatte, und st�tzte schwer das Kinn auf die gefalteten H�nde. Ihm war kalt, obwohl das Feuer im Kamin hoch brannte. Sein Blick suchte Kiinas. Sie erwiderte ihn, mit der Andeutung eines L�chelns in den Augen, aber auch mit sehr gro�er Angst.</p><p>�Du h�ttest Titchs Angebot annehmen und dich retten sollen�, sagte er pl�tzlich.</p><p>�Mich retten? Wie?�</p><p>�Du h�ttest gehen k�nnen�, antwortete Skar. �Dich verstecken, irgendwo, und warten, bis das alles hier vor�ber ist.�</p><p>�Mich verstecken�, wiederholte Kiina, in einer Art, als m�sse sie erst nachdenken, was dieses Wort �berhaupt bedeutete. �Und wo?� fragte sie dann. �Es wird kein <emphasis>irgendwo </emphasis>mehr geben, Skar, und nichts, auf das sich zu warten lohnte.�</p><p>�Unsinn.� Skars Protest klang m�de, fast resignierend. �Enwor ist gro�, und wir kennen es nicht einmal ganz. Es wird Jahrhunderte dauern, bis sie es ganz erobert haben. Wenn es ihnen �berhaupt jemals gelingt. Du h�ttest irgendwo in Ruhe leben k�nnen.�</p><p>�Vielleicht wollte ich das aber nicht�, antwortete Kiina ernst. �Du hast nicht gesehen, was ich gesehen habe, Skar. Du warst nicht in Elay, Aber ich. Ich habe gesehen, was sie aus dieser Welt machen werden. Nichts, wof�r sich zu �berleben lohnte.� Sie stand auf, trat ans Fenster und tat so, als schaue sie hinaus, aber in Wahrheit ging ihr Blick ins Leere.</p><p>�Haben wir eine Chance?� fl�sterte sie.</p><p>�Gegen Titch?� Skar sch�ttelte den Kopf. �Nein�, sagte er �berzeugt.</p><p>�Und trotzdem hat Del einen Plan ausgearbeitet, diese Festung zu verteidigen�, wunderte sich Kiina kopfsch�ttelnd. Sie drehte sich herum, legte den Kopf gegen das kalte bunte Glas des Fensters und sah ihn einen Moment lang fast verwirrt an, ehe sie die Augen schlo�. �Er ist gut, nicht?�</p><p>�Dels Plan? Ja, er ist gut. Der beste, den ich je geh�rt habe.� Er lachte, ganz leise und bitter. �Titch wird gewinnen, aber es werden nicht viele von seinen Br�dern �brigbleiben, um den Sieg mit ihm zu feiern.�</p><p>�Was f�r ein Wahnsinn�, murmelte Kiina. �Wir wissen, da� wir sterben werden, aber wir versuchen alles, so viele wie m�glich von ihnen zu t�ten, vorher. Wer hat etwas von diesem sinnlosen Morden?�</p><p>�Wer hat �berhaupt jemals etwas davon gehabt, Kiina?� gab Skar zur�ck. �Was willst du tun? Den M�nnern vorschlagen, ihre Waffen niederzulegen und sich den Quorrl auszuliefern?� Er sch�ttelte den Kopf. �Es ist nun einmal unsere Art, uns zu wehren, wenn wir angegriffen werden. Auch, wenn es sinnlos ist.�</p><p>�Was f�r ein Wahnsinn�, wiederholte Kiina noch einmal. �Ja�, best�tigte Skar. �Was f�r ein Wahnsinn.�</p></section><section><title><p id="_23">23.</p></title><p>Der Angriff der Quorrl begann p�nktlich auf die Minute. Titch hatte sein Heer zum Ufer des Flusses zur�ckgezogen, wie er es Skar zugesagt hatte, und schon eine Stunde zuvor hatten sich die Quorrl in Schlachtformation aufgestellt; vier hintereinandergestaffelte, immer um das Doppelte gr��er werdende Bl�cke aus gepanzerten gr�nen Leibern, die reglos auf einen Gegner warteten, der nicht kam. Titch wu�te es, und wahrscheinlich wu�te es auch jeder einzelne Mann seines Heeres, aber die Quorrl hielten Wort. Bis zur Mittagsstunde r�hrte sich nichts dort unten im Tal, und Titch hatte sogar die Krieger zur�ckgerufen, die das Tor und den Weg belagerten, so da� Del M�nner ausschicken konnte, die das Schlachtfeld nach Verwundeten absuchten und sie in die Festung trugen; nur ein kleiner Kundschaftertrupp war zur�ckgeblieben, der aber keinen Versuch machte, Dels Satai an ihrem Tun zu hindern. Die Ruhe, die sich �ber dem Flu�ufer und der Burg ausbreitete, war fast unheimlich.</p><p>Aber die Sonne hatte ihren h�chsten Stand kaum erreicht, als sich das Rechteckmuster aus Quorrl unten am Flu� �nderte. Skar, der neben Del und zweien ihrer Hauptleute auf der Mauer �ber dem Tor stand, dem Punkt, an dem der erste und wuchtigste Angriff der Quorrl zu erwarten war, h�rte weder ein Trompetensignal, noch sah er irgend etwas - aber die ungeheuerliche Heeresmasse dort unten geriet von einer Sekunde zur anderen in rasend schnelle, kochende Bewegung. Aus dem ersten der vier gewaltigen Quader wurde ein langer, pulsierender Wurm, einer stachelgespickten gr�nen Schlange gleich, die sich mit t�uschender Langsamkeit auf den Berg und den Beginn des Serpentinenweges zuw�lzte. Zehn Minuten, sch�tzte Skar. Die Quorrl rannten, so schnell sie konnten. Wenn sie dieses Tempo beibehielten, w�rden sie das Tor in zehn Minuten erreicht haben.</p><p>Er hob die Hand und winkte den Bogensch�tzen zu, die sich beiderseits des Weges auf den Felsen postiert hatten; gleichzeitig gab Del ein anderes Zeichen, und �berall hinter der Br�stung glommen die kleinen Kohlenfeuer heller auf. Sie mu�ten sparsam sein, mit allem. Kohle und Holz waren knapp. Sie hatten die Pechkessel nur so sehr befeuert, da� ihr Inhalt gerade noch fl�ssig blieb. Aber zehn Minuten w�rden reichen, den Quorrl einen hei�en Empfang zu bereiten, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie warteten. Der Kopf der gr�nen Schlange aus Quorrl kam au�er Sicht, als die Krieger um die erste Wegbiegung verschwanden, und Skar glaubte, ein dumpfes Dr�hnen zu h�ren: die Schreie aus Tausenden und Tausenden und Tausenden rauher Quorrl-Kehlen. Nerv�s, aber trotzdem �u�erlich ruhig, sah er sich um. Sie hatten etwa f�nfhundert Mann auf der Mauer zusammengezogen, ein Nichts gegen die Lawine aus Quorrl, die sich auf die Burg zubewegte, aber trotzdem schon fast mehr, als der Wehrgang zu fassen vermochte. Alle zehn oder zw�lf Schritte erhoben sich schwarze Pechkessel, unter denen die Feuer jetzt heller und heller loderten. Pfeile, Bolzen und Lanzen standen in sorgsam aufgereihten B�ndeln an der Wand, bereit, auf die Angreifer hinabgeschleudert zu werden. Es war sehr still. Kaum jemand sprach. Sein Blick wanderte weiter, tastete �ber den Hof, den Dels M�nner in den letzten drei Stunden in ein Labyrinth von Fallen verwandelt hatten, und glitt weiter �ber die Leitern und Stricke, die zur n�chsten, h�her gelegenen Mauer hinauff�hrten, dem zweiten von insgesamt f�nf W�llen, die den Ansturm der Quorrl brechen sollten. Es waren nicht sehr viele Leitern. Aber es w�rden auch nicht sehr viele M�nner sein, die sie benutzten. Aus dem Hof drang das rasende Schlagen gro�er H�mmer herauf, und der L�rm der S�gen. Skar hoffte inst�ndig, da� den M�nnern Zeit genug blieb, ihre Arbeit zu beenden. Ihr ganzer Plan beruhte darauf, dem Ansturm der Quorrl schon an dieser ersten Mauer genug Schwung zu nehmen.</p><p>�Sie kommen�, rief Del.</p><p>Skar fuhr herum, blickte einen Moment lang auf den Weg hinab und nickte dann. Er konnte die Quorrl noch nicht sehen, aber er h�rte sie - und vor allem: Er <emphasis>sp�rte </emphasis>sie. In den Chor gutturaler Schreie hatte sich ein dumpfes Dr�hnen und Hallen gemischt, und Skar war jetzt sicher, sich das Zittern der Mauer unter seinen F��en nicht einzubilden. Die Erde begann unter dem Stampfen der Quorrl zu zittern. <emphasis>Sie werden uns einfach �berrennen, </emphasis>dachte er fast hysterisch. <emphasis>Ihr G�tter, sie werden einfach durch die Mauer hindurchbrechen!</emphasis></p><p>Nat�rlich war das Unsinn, und der logische Teil seines Denkens wu�te das auch. Aber Logik nutzte ihm nicht mehr viel, in diesem Moment. Wie fast immer, wenn er sich auf einen Kampf vorbereitete, war Skars Denken und F�hlen seltsam zweigeteilt - auf der einen Seite war er nur noch Satai, kaum noch Mensch, sondern ein Krieger, der sein Handwerk perfekt beherrschte und f�r den all das, was kommen mochte, eine eher intellektuelle Herausforderung war als alles andere. Ein anderer Teil seines Denkens bestand aus Angst, und das war neu. Del st�lpte seinen Helm �ber, befestigte den Kinnriemen mit �bertriebener Sorgfalt und �berzeugte sich pedantisch vom festen Sitz des Visiers, ehe er daranging, die schweren, metallverst�rkten Handschuhe �berzustreifen. In der gewaltigen R�stung sah er fast so finster und bedrohlich aus wie Titch, dachte Skar, und nicht einmal sehr viel kleiner. Statt des <emphasis>Tschekals, </emphasis>das in seinem G�rtel hing, hatte er sich mit einem gewaltigen Zweih�nder ausgestattet, einer Waffe mit fast mannslanger Klinge, die nur ein Riese wie er wirklich f�hren konnte.</p><p>Skar selbst hatte auf jeglichen Schutz verzichtet, mit Ausnahme des schwarzen, eng anliegenden Harnisches aus steinhartem Leder und eines eisernen Unterarmschutzes, den er anstelle eines Schildes am linken Arm trug. Seine Hand glitt �ber den rubingeschm�ckten Griff des <emphasis>Tschekal </emphasis>an seiner Seite, w�hrend er sich wieder der Br�stung zuwandte und auf den Weg hinabsah. Er dachte an Kiina. Von allem war vielleicht der Gedanke, sie niemals wiederzusehen, der schlimmste. Er fragte sich, ob er dieses M�dchen liebte - nicht wie ein Mann eine Frau, sondern wie ein Vater seine Tochter. Er fragte sich, ob sie seine Tochter <emphasis>war.</emphasis> Sie kamen.</p><p>Die Schatten an der unteren Biegung des Weges wurden lebendig, und pl�tzlich waren die Quorrl da, Hunderte, Tausende, Hunderttausende, wie es ihm schien.</p><p>Del ri� den Arm in die H�he, und eine Sekunde sp�ter begannen die Bogensch�tzen oben auf den Felsen zu schie�en. Sie waren zu weit entfernt, als da� sie Einzelheiten erkennen konnten, aber Skar sah die Wirkung ihres verzweifelten Pfeilregens - mehr und mehr Quorrl taumelten, st�rzten zu Boden oder wurden von ihren nachdr�ngenden Kameraden einfach niedergetrampelt. Sie hatten hundert Mann auf den Felsen postiert, hundert Freiwillige, von denen jeder einzelne gewu�t hatte, da� er nicht zur�ckkehren w�rde, und schon ihre allererste Salve forderte einen ungeheuerlichen Blutzoll von den heranst�rmenden Quorrl. Fast jeder einzelne Pfeil traf sein Ziel, denn die Quorrl st�rmten so dichtgedr�ngt heran, da� ein Vorbeischie�en kaum m�glich war, und die M�nner schossen schnell und ohne Pause. Aber f�r jeden Quorrl, der getroffen zu Boden sank, schienen zehn neue heranzurennen. Sie fielen, wurden umgerissen oder von den Nachfolgenden einfach in den Boden gestampft, und der Kopf des gewaltigen Heerwurmes raste weiter. <emphasis>Wahnsinn! </emphasis>dachte Skar. <emphasis>Das ist Wahnsinn! Sie k�mpfen nicht! Sie st�rmen einfach vor! </emphasis>Die Quorrl machten sich nicht einmal die M�he, sich unter ihre Schilde zu ducken, sondern rannten blind in den t�dlichen Hagel aus Pfeilen und Armbrustbolzen hinein.</p><p>Und hindurch. Der Ansturm der Schuppenkrieger verlor nicht einmal an Schwung.</p><p>�Bogensch�tzen!� befahl Del. <emphasis>�Jetzt!�</emphasis></p><p>Auch auf der Mauer begannen die Sehnen mit ihrem peitschenden Lied, als die Spitze des Quorrl-Heeres in Reichweite war. Die vorderste Reihe der Quorrl fiel komplett, jeder einzelne Krieger von drei, vier, f�nf Geschossen gleichzeitig getroffen, und auch die unmittelbar dahinter Vordringenden �berlebten ihre Kameraden kaum um Sekunden. Dels Satai - und vor allem Torians Veden, wie Skar feststellte - schossen mit unheimlicher Pr�zision. Die dritte und vierte Kampfreihe der Quorrl mu�te �ber die Leiber ihrer gefallenen Kameraden hinwegsteigen, ehe auch sie in den t�dlichen Hagel geriet und starb.</p><p>Die Quorrl st�rmten weiter.</p><p>Skar hob die linke Hand, spreizte die Finger, ballte sie ganz langsam zur Faust - und lie� den Arm ruckartig fallen. F�nfzig Mannesl�ngen �ber ihm, auf den Plattformen der beiden T�rme, erschollen helle, peitschende Laute, als sich die Katapulte entluden. Ein halbes Dutzend unf�rmiger dunkler Geschosse torkelte �ber den Hof hinweg, d�nne zerrissene Bahnen aus grauem Rauch und Funken hinter sich herziehend.</p><p>Einer der S�cke explodierte zwanzig Meter �ber den K�pfen der Quorrl und �bersch�ttete sie mit brennendem �l, w�hrend die anderen inmitten ihrer Reihen aufschlugen und auseinanderplatzten, ehe die Fl�ssigkeit Feuer fing. Fast ein Drittel der Quorrl-Front verschwand hinter einem br�llenden Vorhang aus Feuer.</p><p>Die Quorrl rasten weiter.</p><p>Skar sah, da� viele von ihnen verwundet waren. Manche brannten lichterloh, aber sie st�rmten weiter, schreiend vor Schmerz und Wut, aber unaufhaltsam wie lodernde D�monen, bis sie schlie�lich zusammenbrachen. Und hinter ihnen kamen immer mehr und mehr und mehr Quorrl herangest�rmt.</p><p>Skar l�ste seinen Blick kurz von dem Kampfgeschehen und versuchte, durch Flammen und Rauch hindurch einen Blick zum Flu� hinunter zu werfen. Dort unten begann sich der zweite Quader aus gr�nen Schuppen aufzul�sen und zu einer Schlange zu formieren. Er war doppelt so gro� wie der erste. Sie hatten keine Chance.</p><p>Dann erreichten die ersten Quorrl die Mauer. Tief unter Skars F��en dr�hnte das bronzene Tor wie eine gewaltige Glocke, als die Krieger dagegenprallten, und von einem Augenblick auf den anderen l�ste sich der Heereszug der Quorrl vollends auf; das Plateau vor dem Tor verwandelte sich in einen tobenden Hexenkessel aus schuppiger gr�ner Bewegung und Schreien und Waffengeklirr. Ein zweiter, noch h�rterer Sto� lie� das Tor erzittern, als die Krieger ihre mitgebrachten Rammen einsetzten, um es aufzusprengen, und pl�tzlich erhob sich ein ganzes Gewirr von Sturmleitern und langen, mit Steighaken versehenen Balken an der Mauer. Die gr�ne Flut brandete gegen den Fu� der Mauer und begann zu steigen. Skar sah, da� sich etliche Quorrl anschickten, an der Wand hinaufzuklettern, so schnell, da� man den Eindruck haben konnte, sie liefen einfach an ihr in die H�he. Kochendes Pech und breite Str�me aus geschmolzenem Blei ergossen sich von der Mauerkrone auf die Angreifer hinab, aber nicht einmal das vermochte sie <emphasis>wirklich </emphasis>aufzuhalten.</p><p>Nur eine Armesl�nge neben Skar erschien pl�tzlich das Ende einer hastig zusammengezimmerten Leiter �ber der Br�stung. Skar griff sich eine der Stangen, die f�r diesen Zweck bereitstanden, spreizte die Beine und versuchte, die Leiter von der Wand wegzusto�en, aber sie war zu schwer. Zwei, drei weitere Krieger sprangen ihm zu Hilfe, aber selbst mit vereinten Kr�ften gelang es ihnen kaum, die Leiter umzuwerfen. Und sie hatten es kaum geschafft, da prallte eine zweite, dritte und vierte Kletterstange gegen die Wand. Pl�tzlich waren da schuppige, flache gr�ne Gesichter unter wuchtigen Lederhelmen. Der Mann neben Skar brach mit einem gefiederten Bolzen in der Schl�fe zusammen. Etwas flog wirbelnd und sich ununterbrochen �berschlagend auf Skar zu, prallte von seinem Harnisch ab und brachte ihn f�r Augenblicke aus dem Gleichgewicht. F�r eine Sekunde drohte er die Orientierung zu verlieren, nahm nur noch wirbelnde schattenhafte Bewegung und den apokalyptischen L�rm der Schlacht wahr. Jemand schlug nach ihm. Skar parierte den Schwerthieb blind, stach den Angreifer nieder und setzte mit einem Sprung �ber den zusammenbrechenden Quorrl hinweg. Del schrie irgend etwas; Worte, die ihm galten, denn er h�rte seinen Namen selbst �ber den L�rm des Kampfes hinweg, aber ihm blieb keine Zeit, darauf zu reagieren, denn pl�tzlich war die Mauer voller riesenhafter gr�ner Krieger, tobende Kolosse, die wie aus dem Nichts aufzutauchen schienen und auf die Verteidiger eindrangen.</p><p>Vor Skar ragten pl�tzlich gleich drei der gr�ngrauen Giganten in die H�he, das Gesicht des einen zerst�rt, von einer t�dlichen Wunde gezeichnet, die ihn trotzdem nicht daran hinderte weiterzuk�mpfen, solange noch Leben in ihm war.</p><p>Skar duckte sich unter einem f�rchterlichen Schwerthieb des ersten Quorrl hinweg, f�hrte seine eigene Klinge schr�g und blitzartig nach oben und zerschmetterte die Waffe des Quorrl; samt der Hand, die sie hielt. Der Quorrl taumelte zur�ck. Skar setzte ihm nach, packte sein <emphasis>Tschekal </emphasis>mit beiden H�nden und schwang die Klinge zu einem w�tenden, mit aller Gewalt gef�hrten Hieb. Sein Schwert spaltete den Schild des zweiten Angreifers, prallte federnd zur�ck und grub noch in der gleichen Bewegung eine tiefe, blutige Furche in die Brust eines weiteren Quorrl. Etwas traf seinen Harnisch. Eine riesige, dreifingrige Klaue krallte sich in seinen Arm und versuchte ihn zur�ckzuzerren, aber Skar stemmte sich nicht gegen die Bewegung, sondern sprang im Gegenteil auf den Quorrl zu, rammte ihm die Schulter in den Leib und drehte sich dann blitzschnell zur Seite. Der Quorrl taumelte. Skar lie� sein Schwert fallen, packte den sieben Fu� gro�en Giganten mit beiden H�nden an den Unterarmen und lie� sich selbst nach hinten kippen. Der Quorrl keuchte vor �berraschung, als er pl�tzlich den Boden unter den F��en verlor und in hohem Bogen �ber Skar hinwegflog. Eine halbe Sekunde sp�ter durchbrach er die h�lzerne Br�stung auf der Innenseite des Wehrganges und st�rzte schreiend in den Hof hinab. Skar rollte herum, ri� seine Waffe wieder an sich und streckte noch im Aufspringen einen weiteren Quorrl nieder.</p><p>Es war ein Alptraum. Der Kampf dauerte nur wenige Minuten, aber Skar konnte sich nicht erinnern, jemals inmitten eines solch unerbittlichen Ringens gestanden zu sein. Er begriff pl�tzlich, was Titch gemeint hatte, als er sagte, alle seine Krieger w�ren bereits tot, denn die Quorrl griffen erbarmungslos an, mit der R�cksichtslosigkeit von Maschinen, die keine Furcht, keinen Schmerz und keinen Tod kannten. Der Kampf wogte mit entsetzlicher Verbissenheit hin und her, und mehr als nur einmal war Skar davon �berzeugt, da� sie bereits diesem ersten Ansturm erliegen w�rden. Es war gar kein wirklicher Kampf, sondern bald nur noch ein blindw�tiges Gemetzel. Die Zahl der Quorrl schien kein Ende zu nehmen. Egal, wie viele sie erschlugen, es tauchten immer neue und neue Gegner �ber der Mauerkrone auf. Die Pech- und Bleikessel waren l�ngst geleert oder ihre Besatzung erschlagen, und wahrscheinlich war der einzige Grund, warum sie dem Ansturm der Barbarenkrieger �berhaupt noch widerstanden, der, da� gar nicht so viele Quorrl auf den schmalen Wehrgang pa�ten, wie von unten heraufdr�ngten. Mehr und mehr Verteidiger fielen, und f�r jeden get�teten Satai oder Veden tauchten drei Quorrl �ber der Mauerkrone auf. Skar sah Del unweit von sich inmitten der gr�nen Giganten, einen schreienden Riesen, der in seiner blutbesudelten R�stung wie ein leibhaftiger Rached�mon wirkte, der unter die Quorrl gefahren war, und auch er selbst k�mpfte wie ein Berserker; er focht l�ngst nicht mehr, sondern schlug und hackte und stach nur noch blind auf die heran wogende Flut gr�ner Schuppen ein. Vor und neben und hinter ihm starben M�nner und Quorrl, und auch er selbst wurde getroffen, aber er sp�rte keinen Schmerz, keine Schw�che. Und irgendwie schafften sie es. Skar wu�te hinterher selbst nicht mehr, wie es ihnen gelungen war, und wie lange es gedauert hatte, aber irgendwann wurde der Strom gr�ner Giganten schw�cher, der �ber die Mauer flutete. Und dann, von einer Sekunde auf die andere, h�rte es auf. Ein letzter Quorrl erschien links von ihm zwischen den Zinnen, ri� sein Schwert hoch und starb, von einer geschleuderten Lanze durchbohrt. Aber als sein Todesschrei verhallt war, breitete sich eine fast unheimliche Ruhe �ber der Burg aus. Es war vorbei.</p><p>Skar lie� ersch�pft sein Schwert sinken, st�tzte sich einen Moment schwer auf den rubingeschm�ckten Griff der Klinge und schlo� die Augen. Ihm wurde schwindelig. Mit einem Male sp�rte er all die kleinen und gr��eren Verwundungen, die er davongetragen hatte. Die Festung begann sich um ihn herum zu drehen.</p><p>Er dr�ngte den Schw�cheanfall mit Macht zur�ck, taumelte zur Mauer und blickte in die Tiefe. Nichts bewegte sich mehr dort unten. Ein paar verletzte Quorrl versuchten von den Mauern wegzukriegen, hier und da brannte es noch; Schreie wehten zu ihm herauf, seltsam d�nn und unwirklich in der rauchgeschw�ngerten Luft, aber der Angriff war vor�ber. Es gab niemanden mehr, der die Leitern h�tte hinaufst�rmen k�nnen. Die Quorrl hatten die Festung bis auf den letzten Mann berannt.</p><p>�Alles in Ordnung mit dir?�</p><p>Skar drehte sich herum, nickte automatisch und schrak sichtlich zusammen, als er Del erkannte. Der Satai taumelte vor Schw�che, wie er selbst, aber er wirkte in seiner blutbesudelten R�stung noch immer wie ein Alptraumwesen, der Gott einer blutigen Vision ohne Handlung, ohne Sinn, die nur aus Gewalt und sinnlosem T�ten bestand.</p><p>�Nein�, sagte er schweratmend. �Das ist Wahnsinn, Del. Wir m�ssen ... den Kampf abbrechen.�</p><p>Del antwortete gar nicht. Sie wu�ten beide, da� dies nicht mehr in ihrer Macht stand, da� dieser apokalyptische Kampf nicht einmal das Vorspiel zu dem gewesen war, was kommen w�rde. Es waren drei- oder viertausend Quorrl gewesen, die sie angegriffen hatten. Die n�chste Gruppe w�rde doppelt so gro� sein. Und eine Verteidigung gab es praktisch nicht mehr. Nur einer von f�nf M�nnern, die mit ihnen hier heraufgekommen waren, lebte noch. Die Pechkessel waren geleert oder umgeworfen, und die Bogensch�tzen drau�en auf den Felsen hatten l�ngst aufgeh�rt zu schie�en. <emphasis>Wahnsinn, </emphasis>dachte Skar. <emphasis>Das ist Wahnsinn! Wir sind Verb�ndete, und wir bek�mpfen einander!</emphasis></p><p>Und f�r einen Moment, einen ganz kurzen Moment, zu fl�chtig, als da� er sicher sein konnte, da� es wirklich geschehen war, glaubte er, ein tiefes, dunkles Lachen in sich zu h�ren und einen Schatten zu sehen, den Umri� von etwas Kleinem, Schwarzem, Gesichtslosem, das ihn anstarrte.</p><p>�Sie kommen�, rief Del.</p><p>Skar drehte sich m�de herum und sah in die Richtung, in die seine ausgestreckte Hand wies. Die zweite Welle der Quorrl st�rmte den Weg hinauf. Sie w�rden nicht einmal Zeit haben, die Toten vom Wehrgang herunterzuschaffen; geschweige denn, so etwas wie eine neue Verteidigung zu organisieren. Del hob die Hand und machte eine befehlende Geste nach oben, zur zweiten Mauer hin. Auf den Leitern erschienen M�nner, gro�e, klobige Kr�ge und prall gef�llte Schl�uche mit sich schleppend, die sie in regelm��igen Abst�nden auf der Mauer zu verteilen begannen. Andere versuchten, die Verwundeten zu bergen, die zwischen den Toten lagen, aber Skar wu�te, da� sie es nicht schaffen w�rden. Nicht alle.</p><p>Besorgt sah er den n�herkommenden Quorrl entgegen. Der Ansturm dieser zweiten Gruppe war etwas weniger schnell. Hinter der ersten, zehnfach gestaffelten Kampfreihe bewegte sich ein Trupp von gut hundert Quorrl, der eine geradezu gigantische Ramme mit sich f�hrte; einen gut hundert Fu� langen, mehr als mannsdicken Baumstamm, mit gro�en Streifen aus Stahl verst�rkt und einem bronzenen Drachensch�del an einem Ende, der das Tor durchsto�en mu�te wie ein Blatt Papier. Auch sie w�rden sterben, dachte Skar. Und es war so <emphasis>sinnlos.</emphasis></p><p>�Schnell jetzt�, befahl Del. �Zur�ck.�</p><p>Skar gehorchte. So schnell sie konnten, liefen sie zum Ende der Mauer zur�ck und begannen, die Leiter hinaufzusteigen, die zum zweiten, n�chsth�her gelegenen Verteidigungswall hinauff�hrte, gefolgt von den �berlebenden des Kampfes, die noch aus eigener Kraft gehen konnten, und anderen, die von ihren Kameraden gest�tzt werden mu�ten.</p><p>Sie schafften es nicht alle. Das Tor erbebte unter dem ersten, ungeheuerlichen Anprall von Titchs Riesenramme, kaum da� Skar die Mauerkrone �berstiegen hatte, und als er sich umdrehte und in den Hof hinabblickte, sah er, da� schon dieser erste Treffer gen�gt hatte, einen der drei�ig Fu� hohen Bronzefl�gel in voller L�nge zu spalten. �ber der Mauerkrone erschienen neue Leitern und Sturmbalken.</p><p>�Schie�t!� befahl Del.</p><p>Bogensehnen sirrten. Die Luft �ber dem Hof war pl�tzlich erf�llt von Funken und langen, auseinandergerissenen Rauchfahnen, und dann glomm ein kleines, b�ses wei�es Licht auf dem Wehrgang auf, dort, wo die Krieger einen der �lgef�llten S�cke abgelegt hatten, wuchs zu einer br�llenden Flamme heran und explodierte. Skar schlo� geblendet die Augen, als mehr und mehr Pfeile ihr Ziel trafen. Die Mauerkrone verwandelte sich in eine einzige, br�llende Barriere aus wei�gl�hendem Feuer und unabl�ssig aufzuckenden Explosionen. Die Hitze war selbst hier oben fast unertr�glich, und das Licht grausam. Nur verschwommen nahm er wahr, wie das Tor unter dem zweiten Anprall der Ramme auseinanderbrach und nach innen st�rzte.</p><p>Die Quorrl st�rmten den Hof. Von der Mauerkrone flo� brennendes �l auf sie herab, und auch zwischen ihnen glommen pl�tzlich die wei�en und orangeroten Feuerb�lle immer neuer Explosionen auf, als Dels Bogensch�tzen ihr Feuer auf den Hof verlagerten und auf die gro�en �lkr�ge, die sie dort unten aufgestellt hatten. Aber Titchs Krieger st�rmten einfach weiter. Es war, dachte Skar schaudernd, als wollten sie das Feuer einfach mit ihren Leibern ersticken. Tief unter ihm erreichten die Krieger mit der inzwischen lichterloh brennenden Ramme das innere Tor und versuchten es aufzusprengen.</p><p><emphasis>�JETZT!� </emphasis>schrie Del, so laut er konnte. <emphasis>�Die Mauer!�</emphasis></p><p>Zum dritten Mal begannen die Bogensehnen zu sirren. Ein ganzer Hagel brennender Pfeile regnete auf den Hof hinab und klatschte in den schmalen, �lgef�llten Graben, den die M�nner vor der �u�eren Mauer ausgehoben hatten.</p><p>Es ging rasend schnell. Zu der wei�gl�henden Feuerlinie auf der Mauerkrone gesellte sich eine zweite, die an ihrem Fu� nagte. Die St�tzbalken, die anstelle des herausgebrochenen Mauerwerkes eingesetzt worden waren, fingen Feuer und verbrannten wie Stroh, wurden schwarz, zerbrachen unter dem Gewicht der auf ihnen lastenden Felsmassen. Die Mauer begann zu wanken. Tonnenschwere Steinbrocken brachen aus ihrer Krone und st�rzten in den Hof hinab, und pl�tzlich begann die gesamte Wand zu zucken, schien sich wie ein lebendes Wesen zu winden und hin und her zu werfen, wie um sich noch einmal mit letzter Kraft gegen das Unvermeidliche zu wehren - und neigte sich nach innen. Sie begrub den Hof, die Flammen und jedes lebende Wesen, das sich noch dazwischen bewegt hatte, unter sich.</p></section><section><title><p id="_24">24.</p></title><p>Das Feuer brannte eine Stunde, und f�r genau diese Zeitspanne kam auch der Angriff der Quorrl ins Stocken, denn die Hitze unten im Hof war so gewaltig, da� selbst die Verteidiger hinter der Br�stung der zwanzig Meter h�her gelegenen Mauer zur�ckgetrieben wurden. Sie nutzten die Atempause, um ihre Kr�fte zu regenerieren und sich neu zu formieren - die Verletzten wurden weggebracht oder an Ort und Stelle versorgt, soweit sie nur leichte Wunden davongetragen hatten, verschossene Pfeile ersetzt, zerbrochene Schwerter gegen neue ausgetauscht. Obwohl sie schreckliche Verluste erlitten hatten, war bisher doch nur ein kleiner Teil des gewaltigen Heeres unmittelbar in die K�mpfe verwickelt worden, und unter den Kriegern begann sich so etwas wie vorsichtiger Optimismus breit zu machen. Skar sch�tzte, da� sie bisher nicht mehr als drei-, vielleicht vierhundert Mann verloren hatten; vierhundert Mann zu viel, aber ein Nichts gegen den Blutzoll, den sie Titchs Kriegern abverlangt hatten. F�r jeden erschlagenen Satai lagen zehn tote Quorrl unter den Tr�mmern des brennenden Hofes, und doppelt so viele waren verletzt und hatten sich zur�ckziehen m�ssen.</p><p>Aber Skar wu�te auch, wie sehr der kurze Triumph t�uschte und wie teuer er erkauft worden war. Die Quorrl w�rden kein zweites Mal in eine Falle wie diese tappen; ganz davon abgesehen, da� sie gar nicht die M�glichkeit hatten, sie noch einmal aufzubauen - das Vorkastell war au�er den T�rmen der einzige wirklich <emphasis>gebaute </emphasis>Teil der titanischen Trutzburg gewesen. Der weitaus gr��te Teil der Festung war einfach aus dem nat�rlichen Gestein des Berges herausgemei�elt worden. Und selbst, wenn es anders gewesen w�re - sie konnten schlecht St�ck f�r St�ck die ganze Burg hinter sich abbrennen und darauf hoffen, da� die Quorrl f�nfmal hintereinander den gleichen Fehler begingen.</p><p>Skar sah sich mit unverbl�mter Sorge um. Die zweite Wehrmauer war weitaus h�her und dicker als die erste, die Tore kleiner und leichter zu verteidigen, so da� sie Titchs Krieger sicher noch eine Weile w�rden aufhalten k�nnen. Aber hinter ihr gab es nichts mehr, um den Quorrl Einhalt zu gebieten - jenseits des Hofes, in dem gestern noch die Hunde gewesen waren, begann die eigentliche Festung - ein Labyrinth ineinandergeschachtelter Geb�ude und winziger H�fe, T�rme und steinerner W�rfel, G�nge und Stollen, Treppensch�chte und S�le, in denen sie den Angreifern praktisch ungesch�tzt gegen�berstehen w�rden. Sie hatten keine Taktik f�r den Fall ausgearbeitet, da� die Quorrl den Durchbruch schafften, sondern ihre gesamte Kraft darauf konzentriert, ihn so lange wie m�glich hinauszuz�gern und den Quorrl so teuer wie m�glich zu machen. Danach war jeder Mann auf sich selbst gestellt. Der Gedanke, den letzten Kampf seines Lebens in diesen finsteren, kalten schwarzen G�ngen der Burg fechten zu m�ssen, entsetzte Skar.</p><p>Sein Blick tastete �ber die bleichen, von Ersch�pfung und Furcht gezeichneten Gesichter der M�nner, die rechts und links von ihm Aufstellung genommen hatten. Unten im Hof brannten die Flammen jetzt schon nicht mehr so hoch, der Rauch begann auseinanderzutreiben, und es konnte nicht mehr lange dauern, bis die Quorrl zu ihrem n�chsten - und vermutlich letzten - Sturm ansetzten. Ihm fiel auf, wie still es war. Mit Ausnahme Dels und ihm selbst gab es hier oben keinen, der an der Verteidigung der ersten Mauer teilgehabt hatte - Skar hatte selbst die unverletzt gebliebenen M�nner zur�ckgeschickt und gegen frische Kr�fte ausgetauscht, aber auch sie wirkten m�de und trotz der ermunternden Worte, die sie sich manchmal zuwarfen, niedergeschlagen und voller Furcht. Er erinnerte sich daran, da� diese M�nner nicht halb so ausgeruht waren, wie es schien - sie hatten einen Gewaltmarsch durch die Nacht, die �berquerung des noch halb vereisten Flusses und den Alptraum des Durchbruches durch Titchs Heer hinter sich, und die wenigen Stunden Ruhepause, welche die Quorrl ihnen gew�hrt hatten, waren kaum ausreichend, sie frische Kr�fte sch�pfen zu lassen. Aber das war nicht alles. Eine Ver�nderung war mit diesen Kriegern vor sich gegangen, etwas, das er weder mit Worten noch mit Gedanken beschreiben konnte, aber �berdeutlich sp�rte. Auf eine schwer zu fassende Art wirkten sie pl�tzlich alle gleich, �u�erlich verschieden, aber alle von ... etwas beseelt, erf�llt von einem Geist, der nicht der des Kampfes war. Es war �berall der gleiche Blick, dem er in ihren Augen begegnete: voller Angst, aber auch irgendwie entschlossen, erf�llt von einer H�rte, die ihn schaudern lie�.</p><p>Er sch�ttelte den Gedanken ab. Vielleicht war es Einbildung. Vielleicht projezierte er nur seine eigene Angst und Verbitterung in diese M�nner. Vielleicht war es auch nur der b�se Atem dieser Festung den er sp�rte. Es spielte keine Rolle mehr. <emphasis>Wenn </emphasis>diese Festung wirklich so etwas wie einen b�sen Geist hatte, dann h�tte er l�ngst gesiegt.</p><p>�Wei�t du, welcher Gedanke mich am meisten qu�lt?� fragte Del neben ihm. Skar zuckte mit den Schultern, blickte ihn fragend an.</p><p>�Die Vorstellung, da� wir hier vielleicht das Schicksal einer ganzen Welt entscheiden�, fuhr Del fort. Er sch�ttelte den Kopf, seufzte. �Eine Schlacht zwischen zwei verb�ndeten Heeren - geschlagen in diesem <emphasis>Grab.� </emphasis>Er seufzte wieder, verbarg f�r einen Moment das Gesicht zwischen den H�nden und atmete so tief ein, da� es sich beinahe schon wie ein Keuchen anh�rte.</p><p>�Wir h�tten Titchs Angebot annehmen und ihm auf offener Ebene gegen�bertreten sollen�, sagte er.</p><p>�So?� fragte Skar. �Glaubst du, wir h�tten eine Chance gehabt?�</p><p>Del machte eine fahrige, ausweichende Bewegung. �Nein�, gestand er, l�chelte bitter und deutete auf das Labyrinth aus schwarzen T�rmen und H�fen herab, das sich unter ihnen erstreckte. �Aber ich w�re lieber unter freiem Himmel gestorben als im Inneren dieses Ungeheuers.�</p><p>Und irgendwo in diesen Worten lag die L�sung verborgen. Pl�tzlich wu�te Skar, woher diese qu�lende Unruhe kam, die Angst, die so sonderbar neu und gleichzeitig vertraut gewesen war; was es war, das er in den Augen der M�nner zu sehen geglaubt hatte. Er starrte Del an, wollte etwas sagen, aber er bekam keinen Laut heraus. Alles war falsch, dachte er. Sie waren get�uscht worden, gr�ndlicher, als er bisher auch nur geahnt hatte. Nicht die Quorrl waren die wirkliche Gefahr - es war immer noch diese Festung, die ihrer aller Denken und Handeln vergiftete. Sie war es immer gewesen, und sie hatten die Beweise daf�r sogar in der Hand gehabt. Er hatte die Wahrheit sogar <emphasis>ausgesprochen, </emphasis>wortw�rtlich und Del gegen�ber, in einer ihrer zahllosen Auseinandersetzungen, aber sie hatten sie einfach nicht erkannt; genauer, etwas hatte sie sie nicht erkennen <emphasis>lassen.</emphasis> Bis zu diesem Moment.</p><p>�Was hast du?� fragte Del, dem das Erschrecken auf Skars Gesicht nicht entgangen war. Er versuchte zu l�cheln, aber es mi�lang. �Du siehst aus, als h�ttest du ein Gespenst gesehen�, bemerkte er.</p><p>�Das habe ich auch� antwortete Skar. Pl�tzlich fuhr er hoch und packte Del so �berraschend bei den Schultern, da� er fast aus dem Gleichgewicht geriet. �Gro�er Gott, Del, wir d�rfen nicht weiterk�mpfen!� schrie er. �H�rst du? Wir m�ssen aufh�ren!�</p><p>Del streifte seine H�nde ohne sichtliche Anstrengung ab und sch�ttelte verwirrt den Kopf. �Was?�</p><p>�Begreifst du denn nicht?� fuhr Skar beinahe verzweifelt fort. �Es ist diese Festung! Das Netz ist hier! Es ist immer hiergewesen! Und es wird st�rker, je mehr wir uns wehren! <emphasis>Es lebt von unserer Furcht!�</emphasis></p><p>Del starrte ihn an. Aber er begriff nicht. Er hatte den Hund gesehen, der dem Parasiten zum Opfer gefallen war, nachdem er get�tet hatte, er hatte Jama� erlebt, den das Netz vernichtete, nachdem er eingesehen hatte, da� seine Lage aussichtslos war, aber er begriff noch immer nicht, was das alles wirklich bedeutete.</p><p>�Skar!� beschwor er ihn. �Komm zu dir. Du -�</p><p>�Ich war noch nie so sehr bei mir wie jetzt!� br�llte Skar. �Versteh doch! Wir machen es nur st�rker, mit unserem Kampf! Es ist genau, wie Kiina sagte! Dasselbe wie in Elay! Wir f�ttern dieses Ungeheuer, mit jedem Toten, den dieser Kampf fordert!� Auf der anderen Seite der Mauer erscholl ein mi�t�nendes Posaunensignal, und aus dem teils fragenden, teils besorgten Ausdruck auf Dels Gesicht wurden wieder die harten Z�ge eines Kriegers. Auch Skar fuhr herum und sah, wie sich das Quorrl-Heer drau�en vor der Burg wieder in Bewegung setzte.</p><p>Etwas geschah. Skar sollte sich nie dar�ber klar werden, ob er es gewesen war, der das letzte Tor aufstie�, indem er ihren wirklichen Feind erkannte und ihn zum Handeln zwang, ehe er die Wahrheit aussprechen konnte, oder ob er es einfach sp�rte, Sekunden vor den anderen M�nnern - aber pl�tzlich war es, als k�nne er die Gef�hle all dieser Hunderter und Aberhunderter Krieger sp�ren, die mit ihnen auf die Mauer gekommen waren. Er f�hlte, wie etwas umschlug, wie aus der Angst und Mutlosigkeit noch einmal Zorn wurde, Trotz und Entschlossenheit, so lange Widerstand zu leisten, wie es ging, wie das pl�tzlich gar keine Angst mehr, keine Furcht war, sondern nur noch Ha�, brennender, allesverschlingender <emphasis>Ha�, </emphasis>der den Quorrl dort drau�en galt und nichts Rationales mehr an sich hatte.</p><p>Und er sp�rte, wie <emphasis>etwas </emphasis>aus der Burg herausgriff und den Ha� und die Angst dieser M�nner aufsaugte wie ein Vampir das Blut seines Opfers, etwas Unsichtbares, unendlich Altes, unendlich Finsteres, unendlich Starkes. Er f�hlte sich wie im Inneren einer Blase eingeschlossen, die sich unerbittlich zusammenzog. �Nein!� keuchte er. �Tut es nicht!�</p><p>Del starrte ihn verbl�fft an, aber er schien im allerletzten Moment zu ahnen, was er vorhatte, denn er versuchte, ihn noch zur�ckzuhalten, aber die Angst gab Skar �bermenschliche Kr�fte. Er schleuderte Del zur Seite, war mit einem Satz bei der Mauer und stie� die beiden M�nner zur Seite, die vor ihm standen. Er beugte sich �ber die Zinnen hinaus und blickte hinab zu dem heranst�rmenden Quorrl-Heer. Eine riesige, ganz in Gold und Rot geh�llte Gestalt f�hrte den Ansturm der Schuppenkrieger.</p><p><emphasis>�Nein!� </emphasis>br�llte er, so laut er konnte. <emphasis>�Titch, tu es nicht! </emphasis>Wir <emphasis>d�rfen nicht mehr k�mpfen! Es ist das Netz! Es wird uns alle vernichten, wenn ihr </emphasis>-�</p><p>Eine Hand packte ihn an der Schulter und ri� ihn grob zur�ck, dann traf ihn der Schlag einer flachen Hand ins Gesicht und schleuderte ihn zu Boden. Wie durch einen blutigen wogenden Schleier erkannte er Dels Gesicht, den unmenschlichen Zorn, der in seinen Augen flammte.</p><p>�Bist du wahnsinnig geworden?� schrie Del. Unter ihren F��en erbebte die Mauer unter dem Anprall der Quorrl, und ein tiefer, knirschender Laut, der von einem Chor triumphierenden Gegr�ls gefolgt wurde, verriet Skar, da� das Tor schon beim ersten wuchtigen Schlag der Ramme nachgegeben hatte. Aber Del schien es gar nicht zu h�ren. Wieder packte er Skar, zerrte ihn in die H�he und holte aus, als wolle er ihn abermals schlagen, versetzte ihm dann aber nur einen Sto�, der ihn zur�ck und in die Arme zweier Krieger taumeln lie�.</p><p>�Haltet ihn fest!� befahl er hart. �Bindet ihn, und dann bringt ihn weg. Er ist wahnsinnig geworden!�</p><p>�Nein!� br�llte Skar. Verzweifelt b�umte er sich gegen den Griff der harten F�uste auf, aber seine Kraft reichte jetzt nicht mehr, ihn zu sprengen. �Del, versteh doch! Wir tun ganz genau, was sie von uns wollen!�</p><p>Aber Del h�rte gar nicht mehr zu. Mit einer w�tenden Bewegung schlo� er das Visier seines Helmes, packte sein Schwert mit beiden H�nden und war mit einem Satz bei der Mauerkrone, �ber der bereits die ersten Sturmleitern und -balken auftauchten. Skar wehrte sich mit aller Kraft, aber die beiden Krieger wu�ten, wie sie seiner Herr werden konnten. Er bekam einen Tritt in die Kniekehlen, der ihn abermals zu Boden sinken lie�, dann wurden seine Arme nach hinten gedreht, und einer der beiden M�nner l�ste seinen G�rtel, um Skar mit dem schmalen Lederstreifen zu binden.</p><p>Er f�hrte die Bewegung niemals zu Ende.</p><p>Skar sah alles mit entsetzlicher Klarheit, und obwohl er es <emphasis>erwartet </emphasis>hatte, entsetzte ihn das Geschehen so sehr, da� er sekundenlang wie erstarrt dastand. Es war mehr als nur ein Zufall, da� er �berlebte.</p><p>Ein weiterer, ungeheuerlicher Sto� traf die Burgmauern, so hart, da� der Mann, der ihn hatte fesseln wollen, mit einem �berraschten Keuchen vor ihm auf die Knie herabfiel. Der Fels unter ihren F��en bebte, und f�r einen Moment war es, als winde sich die gesamte Festung wie in einem Krampf. Aber es war kein weiterer Anprall der gigantischen Ramme gewesen; das Tor war l�ngst geborsten, und f�nfzig Meter unter ihnen str�mten bereits die ersten Quorrl ins Innere der Festung. Es war ein Sto�, der die Festung von <emphasis>innen heraus </emphasis>ersch�tterte, die letzte, f�rchterliche Anstrengung, mit der sich die Bestie endg�ltig befreite. Nur ein paar Zoll neben dem Satai platzte die Wand auf. Eine d�nne, handgro�e Steinplatte l�ste sich und zerbarst, noch bevor sie auf dem Boden aufschlagen konnte, <emphasis>aber dahinter war kein Stein!</emphasis> Dem Satai blieb nicht einmal Zeit, einen Schrei auszusto�en. Ein B�ndel haard�nner schwarzer peitschender F�den zuckte aus der Mauer, klatschte in sein Gesicht und h�llte es ein wie eine tausendfingrige Hand. Der Krieger wurde zu Boden und mit entsetzlicher Wucht gegen die Mauer gerissen, und fast in der gleichen Sekunde platzte der Stein auch an einem Dutzend anderer Stellen auf, schwarze, peitschende Arme griffen wie blinde Schlangen in die Luft, tasteten nach Skar und dem zweiten Satai, der ihn hielt, ringelten sich um dessen Beine und Arme und begannen mit ungeheuerlicher Kraft zu zerren.</p><p>Skar reagierte blind. Er lie� sich einfach nach hinten fallen, sp�rte, wie einer der d�nnen F�den, die sich um seine Knie gewickelt hatten, ri� und die anderen ihn mit brutaler Kraft wieder auf die Mauer zuzuziehen trachteten, und holte blitzschnell seine Waffe aus dem G�rtel. Die Klinge zerschnitt das noch d�nne, schwarze Gewebe, das sich an ihm festgesaugt hatte, aber fast sofort griffen neue d�nne �rmchen nach ihm. Er sprang zur�ck, hieb blindlings um sich und sp�rte, wie der Boden unter seinen F��en zu knistern begann. Die oberschenkeldicken Balken des Wehrganges w�lbten sich, schlugen Blasen wie fl�ssiger Teer, und pl�tzlich quollen Millionen und Abermillionen mikroskopisch feiner zuckender schwarzer F�den zwischen ihren Ritzen hervor. Das Wandst�ck, das den Satai verschlungen hatte, zerbrach endg�ltig, und heraus kam etwas, das an eine absurde schwarze Hand mit viel zu vielen Fingern erinnerte und sich rasend schnell auszubreiten begann. Mit einem Male gellten �berall auf dem Wehrgang Schreie auf, Schmerzens- und Angstschreie, in die sich das Krachen berstenden Steines und das Knirschen auseinanderbrechender Balken mischte. Schon bevor er herumfuhr, wu�te er, was er sehen w�rde.</p><p>Aber er hatte nicht geahnt, <emphasis>wie </emphasis>schlimm es war.</p><p>Die gesamte Mauerkrone war zu schwarzem w�rgendem Leben erwacht. Das <emphasis>Netz </emphasis>war �berall, und es wuchs mit irrsinniger Geschwindigkeit. Ein Teil des Wehrganges schien wie unter einem Wust sich windenden, ineinandergekn�ulten schwarzen Wurzelwerkes verschwunden zu sein, stachelige schwarze B�lle, die sich hin und her bewegten und alles verschlangen, was sich ihnen in den Weg stellte. Dutzende von Kriegern hatten sich bereits unrettbar in das zuckende schwarze Netz verstrickt; manche schreiend vor Angst und noch um sich schlagend, andere bereits reglos, tot oder ohne Besinnung, und schon zu einem Teil des gewaltigen Monstrums geworden, das sich unaufhaltsam weiter ausbreitete.</p><p>Etwas ber�hrte seinen Fu�. Skar schrak zusammen, sah ein d�nnes schwarzes Gewebe an seinem Bein emporkriechen und schlug blitzschnell mit dem Schwert zu; die Klinge durchtrennte das haarfeine Gespinst, aber aus dem Balken, auf dem er stand, quollen neue F�den, krochen aufeinander zu und verkn�ulten sich, schienen dabei zu wachsen, dicker und widerstandsf�higer zu werden. Der Anblick war auf eine morbide Art so faszinierend, da� Skar um ein Haar die Gefahr vergessen h�tte, die er bedeutete. Erst im letzten Moment prallte er zur�ck, wirbelte herum und versuchte, die Treppe zu erreichen.</p><p>Er machte nur einen Schritt. Del und er waren kaum zwanzig Fu� vom Treppengang entfernt gewesen, aber wo sich noch vor Augenblicken die schmale, steil in den Hof hinabf�hrende Treppe befunden hatte, wogte und zitterte jetzt ein Meer schwarzer glitzernder Schlangen, aus denen stachelbewehrte Arme nach ihnen schlugen.</p><p>Skar fuhr verzweifelt herum und blieb abermals stehen. Es gab auch hinter ihm keinen Weg mehr. Das Netz war �berall, bedeckte die Mauerkrone von einem Ende zum anderen und wuchs noch immer. Die wenigen noch freigebliebenen Stellen schmolzen rasend schnell zusammen und machten einem finsteren, zitternden Teppich Platz, aus dem nur noch hier und da der halb eingesponnene K�rper eines Satai oder Veden ragte. Da und dort war das Gewebe bereits so dicht geworden, da� es eine kompakte Masse zu bilden schien; f�rchterliche Kokons, die ihre Opfer einschlossen, wie sie es bei Bradburn gesehen hatten. Etwas wie eine schwarze beinlose Spinne flo� und wabbelte auf ihn zu und bildete pl�tzlich d�nne peitschende �rmchen aus, die nach seinen F��en griffen. Etwas zupfte an seinem Mantel. Skar fuhr entsetzt herum, schlug blindw�tig nach dem fast armdicken schwarzen Strunk, der ihn von hinten zu ergreifen versucht hatte, sah sich eine halbe Sekunde lang mit wachsender Verzweiflung um - und war mit einem Satz bei der Mauer.</p><p>Ohne auf das schwarze Gespinst zu achten, das sich um seine F��e zu schlingen versuchte, packte er die Sturmleiter, die von au�en dagegengelehnt war, schwang sich mit dem Mut der Verzweiflung zwischen den Zinnen hindurch und schien f�r einen grauenhaften, endlosen Augenblick im Leeren zu schweben, ehe seine pendelnden F��e Halt auf der obersten Sprosse fanden. Eine schwarze Peitschenschnur zuckte �ber die Mauer, wickelte sich um die Leiter und begann, ihm nachzukriechen. Panikerf�llt kletterte er los, �berwand zwei, drei der nicht f�r Menschen gemachten, viel zu weit auseinanderstehenden Sprossen und begegnete dem Blick eines total verbl�fften Quorrl, der von unten die Leiter hinaufgestiegen kam und sich wahrscheinlich vergeblich fragte, ob dies eine neue Art der Verteidigung war - oder einfach nur ein Verr�ckter.</p><p>Skar gab ihm keine Zeit, eine Antwort auf diese Frage zu finden, sondern trat ihm so heftig auf die Finger, da� er mit einem Schmerzensschrei loslie� und pl�tzlich nur noch an einer Hand hing, vierzig Meter �ber den K�pfen seiner Kameraden, die durch das offenstehende Tor in die Burg und den sicheren Tod st�rmten.</p><p>Skar sah nach oben. Das Netz war ihm nachgekrochen, aber seine Bewegungen verlangsamten sich zusehends. Dann geschah etwas Seltsames: F�r einen Moment erstarrte das schwarze Gespinst - und begann, sich ganz langsam zur�ckzuziehen.</p><p>Trotzdem war er damit keineswegs au�er Gefahr. Der Quorrl unter ihm br�llte vor Wut und Angst, angelte mit ungeschickten Bewegungen nach der Leitersprosse und bekam sie endlich wieder zu fassen. Skar trat ihm erneut auf die Finger, und wieder hing der Krieger nur an einer Hand �ber dem Nichts. Aber er konnte das Spielchen nicht ewig fortsetzen. Hinter dem ersten Quorrl kletterten weitere Schuppenkrieger die Leiter hinauf, und seine aberwitzige Flucht �ber die Mauer war nicht unentdeckt geblieben - kaum zehn Meter neben ihm hielt ein anderer Quorrl auf einer Leiter inne, lehnte sich gegen die Mauer und begann, einen Bogen vom R�cken zu l�sen.</p><p>Skars Gedanken �berschlugen sich. Er hatte nur noch Sekunden, so oder so, und die Wand links von ihm war voller Quorrl, welche die Mauerkrone schon fast erreicht hatten. Unter ihm - beunruhigend <emphasis>dicht </emphasis>unter ihm - war eine gro�e Anzahl Quorrl dabei, einfach an der Mauer hinaufzuklettern. Verzweifelt drehte er sich herum. Auf der anderen Seite gab es keine Leitern, und der Turm war nur zwanzig Mannesl�ngen entfernt.</p><p>W�re ihm Zeit geblieben, �ber diesen wahnwitzigen Einfall nachzudenken, h�tte er sich m�glicherweise eher die H�nde abhacken lassen, ehe er es auch nur versuchte, aber er <emphasis>hatte </emphasis>keine Zeit, und wahrscheinlich rettete ihm dieser Umstand das Leben. Skar trat dem Quorrl, der endlich wieder Halt gefunden hatte, zur Abwechslung auf die andere Hand, verschwendete sogar noch eine halbe Sekunde daran, ihm ein schadenfrohes Grinsen zuzuwerfen - und l�ste vorsichtig die rechte Hand und den rechten Fu� von der Leiter. Seine Finger tasteten �ber rauhes, rissiges Gestein, verkrallten sich in den daumenbreiten Fugen und nat�rlichen Vertiefungen und klammerten sich fest.</p><p>Skar raffte allen Mut und alle Kraft zusammen, die er noch in sich sp�rte, l�ste auch die andere Hand und den linken Fu� von der Leitersprosse und hielt sich in verzweifelter Anstrengung an der Wand fest. Langsam, Handbreit um Handbreit, schob er sich von der Leiter und den hinaufst�rmenden Quorrl weg, auf den Turm und das schmale, verschlossene Fenster zu, das er darin gesehen hatte. Skar dankte im stillen allen G�ttern, da� sie keine Zeit mehr gefunden hatten, sie zuzumauern.</p><p>Der Weg war nicht einmal sehr weit, und die Angst gab ihm zus�tzliche Kraft, so da� er kaum f�nf Minuten brauchte, die zwanzig Meter zu �berwinden. Die Mauer war unebener, als es von oben ausgesehen hatte, und seine Finger- und Zehenspitzen fanden ausreichend Halt; unter normalen Umst�nden w�re eine solche Klettertour f�r einen geschickten Mann wie ihn nicht einmal besonders gef�hrlich gewesen. Aber die Umst�nde waren nicht normal.</p><p>Die Quorrl, die unter ihm die Wand hinaufstiegen, kamen beunruhigend schnell n�her, und auch unten im Hof hatte man die einsame Gestalt erblickt, die sich waagerecht an der Wand entlangschob. Pfeile sirrten zu ihm hinauf. Die meisten verfehlten ihn, aber zweimal rettete ihn nur sein lederner Harnisch davor, einfach heruntergeschossen zu werden wie eine Tontaube auf dem Schie�stand. Aus den Augenwinkeln sah er, wie die Quorrl eine weitere Sturmleiter herbeischleppten und darangingen, sie unmittelbar unter dem Fenster gegen die Wand zu lehnen. Skar verdoppelte seine Anstrengungen, wobei er immer wieder nach oben blickte, darauf gefa�t, einen Teppich schwarzer peitschender F�den die Wand hinunterflie�en zu sehen. Aber das Netz r�hrte sich nicht. Skar begriff mit einem Gef�hl eisigen Entsetzens, da� es eine <emphasis>denkende </emphasis>Kraft war, die es lenkte. Es wartete auf die Opfer, die freiwillig zu ihm hinaufgestiegen kamen, statt sich durch die Jagd auf einen einzelnen Mann zu verraten.</p><p>Die Leiter krachte unmittelbar neben ihm gegen die Wand, ihr oberes Ende nur noch eine halbe Armesl�nge von der Fensterbr�stung entfernt. Als Skar in die Tiefe sah, begannen zwei, drei, vier, f�nf Quorrl dicht hintereinander die Sprossen hinaufzuturnen. Er kletterte schneller. Als der vorderste Quorrl die Leiter zur H�lfte �berwunden hatte, fand er festen Halt an den groben Sprossen, schwang sich hinauf und �berwand den letzten Meter zum Fenster mit einer einzigen, kraftvollen Bewegung.</p><p>Beinahe w�re es seine letzte gewesen.</p><p>Das Fensterglas zerbarst. Die fingerbreite Klinge eines <emphasis>Tschekal </emphasis>erschien inmitten eines Hagels kleiner bunter Glassplitter, stach nach seinem Gesicht und zuckte im allerletzten Moment zur�ck. Skar fluchte, schlug den Rest der Scheibe mit dem gepanzerten linken Arm ein und zog sich mit einem ersch�pften Keuchen ganz durch das Fenster.</p><p>Er h�rte einen �berraschten Ausruf. Eine Hand griff nach ihm, aber er war schneller von selbst auf den F��en, als sie ihn hochziehen konnte.</p><p>�Ihr?� fragte der Satai, der ihn um ein Haar niedergestochen h�tte, aufs h�chste �berrascht. Seine Augen waren weit vor Schrecken. �Aber wie -?�</p><p>Skar schnitt ihm mit einer hastigen Bewegung das Wort ab. �Raus hier!� dr�ngte er. �Schnell! Bevor es hier ist!�</p><p>Der Satai blinzelte verwirrt. Er war nicht allein. Insgesamt waren es vier Mann, welche die kleine Kammer besetzten - genug, um das winzige Fenster allein gegen eine Armee zu verteidigen, und ganz offensichtlich begriff er Skars Befehl nicht. Wie konnte er auch?</p><p>�Flieht!� rief Skar ihnen noch einmal zu. �Ich spreche nicht von den Quorrl! Versucht irgendwie aus der Festung herauszukommen!�</p><p>Einer der M�nner reagierte sofort - er fuhr herum und st�rzte auf den Gang hinaus, noch ehe Skar vollends zu Ende gesprochen hatte, aber die drei anderen starrten ihn einfach nur weiter bl�de an, so da� Skar schlie�lich einem von ihnen einfach einen Sto� versetzte, der ihn r�cklings durch die T�r trieb.</p><p>�Raus hier!� br�llte er noch einmal. �Das ist ein Befehl. Verla�t die Festung! Die Quorrl werden euch nichts tun, sagt das allen. <emphasis>Schnell!�</emphasis></p><p>Er war der letzte, der den Raum verlie�, und als er die T�r zuzog, erscholl hinter ihm ein scharrendes Ger�usch, das bewies, da� seine Verfolger nicht mehr weit waren. Trotzdem blieb er einen winzigen Moment lang stehen und sah sich um. Er wu�te, wo er war, aber er war so in Panik, da� ihm der richtige Weg zum Thronsaal nicht mehr einfiel. Kiina. Er mu�te Kiina retten, irgendwie.</p><p>Etwas krachte von innen gegen die T�r. Inmitten des splitternden Eichenholzes erschien die Klinge einer quorrlschen Kriegsaxt, und Skar rannte blindlings los.</p><p>Er erreichte das Ende des Ganges, h�rte Schreien und Waffengeklirr vom unteren Ende der Treppe und warf sich mitten in der Bewegung herum, um nach oben zu st�rmen. Er wu�te nicht mehr, wie viel Zeit vergangen war, seit es begonnen hatte, aber egal, wie viel oder wenig es gewesen sein mochte, es war auf jeden Fall genug, da� sich schon Tausende von Quorrl im Inneren der Festung befanden. Und wahrscheinlich gab es nicht mehr viele Verteidiger, die sich ihnen in den Weg stellten.</p><p>Er erreichte die n�chste Etage, wandte sich nach links und rannte mit weit ausgreifenden Schritten los. Schwarze Schatten huschten �ber die W�nde. Vor einem Fenster hing etwas, das ein staubverkrustetes Spinnennetz sein mochte, genausogut aber auch etwas entsetzlich anderes. Skar zwang sich, nicht hinzusehen, warf sich durch die T�r am Ende des Korridores - und prallte mit einem gellenden Schrei zur�ck.</p><p>Heute morgen, als er das letzte Mal hiergewesen war, war dieser Raum ein Lager gewesen, eine kleine halbrunde Kammer, in der Waffen und Verbandszeug bereitgehalten wurden und eine Handvoll M�nner der Schlacht entgegend�sten.</p><p>Jetzt war es wie ein Blick in die H�lle.</p><p>Das Grau der W�nde war einem schwarzen, zuckenden Teppich gewichen. Tausende von langen, sich �berkreuzenden und verknotenden F�den verwandelten die Kammer in ein gigantisches dreidimensionales Spinnennetz, so dicht gewoben, da� man kaum die Hand hindurchstrecken konnte, ohne einen der F�den zu ber�hren. Schwarze, faustgro�e Klumpen, die auf entsetzliche Weise zu <emphasis>leben </emphasis>schienen, hingen wie pumpende amorphe Herzen inmitten des H�llengespinstes.</p><p>Und auf dem Boden lagen drei mannsgro�e, unf�rmige Kokons. Sie bewegten sich. Lebten. Nein, dachte Skar entsetzt, sie lebten nicht - sie <emphasis>umschlossen etwas Lebendes.</emphasis></p><p>Dann platzte eine der schwarzen H�llen auf, teilte sich mit einem widerw�rtigen feuchten Ger�usch und gew�hrte ihm einen Blick auf ein graues, von entsetzlicher Qual verzerrtes Gesicht. Der Mund des Mannes �ffnete sich wie zu einem Schrei, aber kein Laut drang hervor, sondern etwas Schwarzes, sich Windendes, Glitzerndes...</p><p>Skar schrie auf, taumelte zur�ck und rannte wie von Furien gehetzt los. Aber er h�rte erst auf zu schreien, als er die Treppe erreichte und die ersten Quorrl vor ihm auftauchten.</p></section><section><title><p id="_25">25.</p></title><p>Der Weg zum Hauptturm war ein Alptraum. Die Quorrl waren �berall, aber es gab keine Schlachtordnung mehr, keinen irgendwie gelenkten Angriff, sondern buchst�blich Tausende von einzelnen, mit verbissener Wut gef�hrten Handgemenge, in denen die Verteidiger die heranwogenden Schuppenkrieger vergeblich zur�ckzudr�ngen versuchten. Skar wurde in ein Dutzend K�mpfe verwickelt, w�hrend er sich bem�hte, �ber den Hof den �berdachten Gang zu erreichen, der ihn zur R�ckseite des Turmes f�hren w�rde, und kurz, bevor er ihn endg�ltig fand, wurde er in eine regelrechte Schlacht verwickelt, als sich drei�ig oder vierzig Quorrl zugleich auf eine kleine Gruppe von Veden st�rzten, die sich zu einem Abwehrkreis zusammengeschlossen hatten. Er schrie ununterbrochen Titchs Namen, aber nat�rlich h�rte ihn der Quorrl nicht. Und Skar war nicht einmal sicher, da� er den Kampf noch h�tte beenden <emphasis>k�nnen, </emphasis>selbst wenn er es gewollt h�tte. Was hier geschah, hatte nichts mehr mit Krieg zu tun, es war keine Schlacht mehr, sondern ein Schlachten, ein sinnloses Gemetzel Tausender verzweifelter Individuen, die nicht einmal wu�ten, da� nicht sie es waren, die ihr Handeln bestimmten.</p><p>Irgendwie gelang es ihm, den Hof zu �berqueren und sich aus dem Kampf zu l�sen, und irgendwie gelang es ihm auch, den zahllosen kleineren Gefechten und Get�mmeln aus dem Weg zu gehen, die sich im Inneren der Burg abspielten.</p><p>Was er nicht sah, war das Netz. Es war da, er sp�rte es, hier, �berall in der Burg, durchwob jeden Stein mit schwarzen Nervenf�den, die Teil eines einzigen gewaltigen K�rpers waren, aber es blieb unsichtbar. <emphasis>Es wartet! </emphasis>dachte er entsetzt. Es wartete darauf, die Falle endg�ltig zuschnappen zu lassen, wartete auf die Tausende und Abertausende von Quorrl, die bereitstanden, die Festung zu erst�rmen, und deren Ha� seine Nahrung war.</p><p>Und vielleicht war das seine Chance. Wenn er Kiina fand und es ihm gelang, sie hier herauszubringen <emphasis>(Herauszubringen? </emphasis>wisperte eine sp�ttische Stimme hinter seiner Stirn. <emphasis>Aber wie denn?), </emphasis>wenn es ihm gelang, bevor die Falle wirklich zuschnappte, dann hatte sie vielleicht eine Chance.</p><p>Als er bis auf zehn Schritte an die Treppe herangekommen war, schrie eine Stimme hinter ihm seinen Namen. Skar fuhr herum und erkannte eine riesige goldgepanzerte Gestalt, die auf dem R�cken ihres Schlachtrosses aus dem Kampfget�mmel herausragte wie ein Fels aus kochender Brandung.</p><p>�Satai!� br�llte der Quorrl, mit einer Stimme, die selbst den Schlachtenl�rm �bert�nte. �Bleib stehen! K�mpfe mit mir!� Skar z�gerte. Er wollte Titch zurufen, da� er nicht mehr k�mpfen wollte, da� sie nicht mehr k�mpfen <emphasis>durften, </emphasis>wollten sie nicht alles nur noch schlimmer machen, aber seine Stimme versagte einfach. Er wu�te, da� es sinnlos gewesen w�re. Titch k�mpfte wie ein Besessener, w�hrend er sein Pferd auf Skar zudr�ngte, schlug mit seinem Schwert auf jeden ein, der sich ihm in den Weg stellte, gleich, ob Mensch oder Quorrl, und br�llte ununterbrochen seinen Namen: �K�mpfe mit mir, Satai!� schrie er. �La� es uns zu Ende bringen, nur du und ich!�</p><p>Aber Skar stellte sich seiner Herausforderung nicht. Er st�rmte in den Turm, sprang mit einem gewagten Satz �ber die Barriere aus gespitzten Holzpf�hlen hinweg, welche die M�nner hinter dem Tor errichtet hatten, und schrie auch ihnen seine Warnung zu, wegzulaufen und ihr Leben zu retten, obwohl er sicher war, da� sie seine Worte nicht verstanden. Dann raste er die Treppe hinauf, immer zwei, drei Stufen auf einmal nehmend und so schnell, da� er schlie�lich vor Ersch�pfung innehalten mu�te, weil sein Herz zum Zerrei�en h�mmerte und seine schmerzenden Lungen einfach keine Luft mehr bekamen. Sekundenlang blieb er keuchend und mit geschlossenen Augen an die Wand gelehnt stehen, ehe er m�hsam weitertaumelte.</p><p>Und dann fiel ihm die Stille auf.</p><p>Sie war unheimlich. Von drau�en hallte der an- und abschwellende L�rm der Schlacht herein, aber die Ger�usche schienen sein Ohr gar nicht richtig zu erreichen, waren irgendwie unwirklich, ged�mpft, als g�be es zwischen seiner und der Wirklichkeit dort drau�en mit einem Male eine unsichtbare Wand.</p><p>Mit klopfendem Herzen sah Skar sich um.</p><p>Es war nicht nur still, es war auch keine Spur von Leben zu erkennen, nichts r�hrte sich, weder hier noch in den f�nf oder sechs Etagen des Turmes, an denen er vor�bergest�rmt war, wie ihm erst im nachhinein auffiel. Dabei h�tte der Turm von M�nnern bersten m�ssen. Sie hatten alle Verwundeten und Kranken hierhergebracht, in den vermeintlich sichersten Teil der Festung, und er selbst hatte einen Trupp von f�nfundzwanzig M�nnern ausgew�hlt, der keine andere Aufgabe hatte, als Kiina zu bewachen.</p><p>Aber er sah keine Spur von Leben.</p><p>Langsam zog er das Schwert aus dem G�rtel und eilte weiter. Er wu�te, wie l�cherlich die Waffe war, gegen den Feind, der hier auf ihn wartete, aber er h�tte es einfach nicht ertragen, mit leeren H�nden weiterzugehen. Schlie�lich erreichte er den Treppenabsatz, hinter dessen T�r der Korridor zu Dels Thronsaal lag. Das Netz war da. Irgendwie sp�rte er es, noch bevor er die T�r �ffnete. Der Gang war erf�llt von einem dichten, zitternden Geflecht aus schwarzen F�den, da und dort wild ineinandergedreht, hier und da gleichm��ige, fast symmetrische Muster bildend, und erf�llt von einer nur vage wahrzunehmenden, gleichm��igen Bewegung, wie dem Schlagen eines gigantischen b�sen Herzens. Eine Anzahl unf�rmiger schwarzer Kokons sprachen eine beredte Sprache �ber das Schicksal der Wachmannschaft, und auch hier gewahrte er die gro�en, von beunruhigendem Eigenleben erf�llten formlosen Kokons, zu denen sich das Gewebe zu verdichten begann.</p><p>Und doch war etwas anders hier als oben auf der Mauer oder in dem kleinen Lagerraum im Turm. Das Netz war weniger dicht, bedeckte die W�nde zwar wie eine kompakte schwarze Masse, lie� im eigentlichen Gang aber genug Platz, um ihn vorsichtig zu durchqueren, und trotzdem schien es Skar, als f�hle er seine b�se Ausstrahlung hier tausendmal st�rker. Was immer das Herz dieses schwarzen D�mons war, es war hier pr�senter. Er wu�te pl�tzlich, da� das, was sie das <emphasis>Netz </emphasis>und Kiina den <emphasis>W�chter </emphasis>nannten, nur das Werkzeug von etwas viel Gef�hrlicherem, B�serem war, die Millionen Arme und H�nde einer uralten, durch und durch feindseligen Kreatur.</p><p>Und er war ihr jetzt ganz nahe.</p><p>Unendlich vorsichtig ging er weiter. Er glaubte zu sp�ren, da� das Netz ihm jetzt nichts mehr antun w�rde, aus einem Grund, den er nicht begriff, von dessem Vorhandensein er aber �berzeugt war. Trotzdem wich er den lose herabh�ngenden F�den und Netzgeweben achtsam aus und sah jedesmal zu Boden, ehe er den Fu� aufsetzte, um nur ja nicht mit der schrecklichen Masse in Ber�hrung zu kommen. Er brauchte Minuten, um die wenigen Schritte bis zur T�r des Thronsaales zu gehen.</p><p>Sie stand offen. Rechts und links von ihr lagen fast ein Dutzend der schwarzen Kokons, einige zuckend, in unruhiger, verdauender Bewegung, andere aufgeplatzt und leer. Skar z�gerte, packte instinktiv sein Schwert fester und trat in den Thronsaal hinein. Und in seiner Mitte, auf der kleinen gemauerten Erh�hung, auf der sich noch vor Stundenfrist Dels Thron erhoben hatte, hockte das <emphasis>Ding.</emphasis></p><p>Es war Skar unm�glich zu sagen, was es war. Es war gro�, viel gr��er als ein Mensch, und es hatte einen K�rper, aber er konnte ihn einfach nicht erkennen. Es war nicht so, da� er sich in st�ndiger Ver�nderung befunden h�tte, wie das <emphasis>Netz, </emphasis>aber es glich nichts, was Skar jemals gesehen hatte, und sein Blick glitt von ihm ab wie ein Lichtstrahl von der polierten Oberfl�che eines Spiegels. Es war gro�, es war schwarz, und es dachte, das war alles, was er erkannte. Es starrte ihn an, obwohl es keine Augen oder andere sichtbaren Sinnesorgane zu haben schien. Es starrte ihn an, lauernd, auf irgend etwas wartend, von dem er nicht wu�te, was es war. Riesig und dr�uend hing es �ber ihm, gehalten von Dutzenden armdicker, schwarzer Taue, die sich zwischen der Decke und den W�nden spannten, wie eine apokalyptische Spinne, aber tausendmal fremder. Vielleicht, dachte Skar halb bet�ubt, war es nicht einmal wirklich <emphasis>b�se. </emphasis>Aber so fremd, da� es keinerlei Kommunikation zwischen ihnen geben konnte.</p><p>Erst als er das St�hnen h�rte, gelang es ihm, sich aus dem Bann der augenlosen Blicke zu l�sen und sich halb herumzudrehen. Kiina stand neben dem Fenster und starrte ihn aus schreckgeweiteten Augen an, und neben ihr zwei Satai, aber sie waren nicht mehr sie selbst: �ber ihre Gesichter und H�nde lief ein feines, sacht pulsierendes Netz haard�nner schwarzer F�den, und in ihren Augen war nichts Menschliches mehr. Mit einem Male glaubte Skar auch zu wissen, was die aufgeplatzten leeren Kokonh�llen drau�en auf dem Gang bedeuteten. Erst dann sah er Kiina an, und er konnte ein erleichtertes Aufatmen trotz allem nicht mehr unterdr�cken, als er erkannte, da� sie noch frei war. Das Netz hatte sie noch nicht ber�hrt, und in ihren Augen war Angst, ein fast t�dliches Entsetzen, nicht die polierte H�rte wie in den Blicken der beiden Satai. Obwohl er wu�te, da� er sterben w�rde, war er f�r einen Moment nichts als erleichtert. F�r einen Moment, f�r einen furchtbaren Moment, drau�en auf dem Gang, war er �berzeugt gewesen, da� <emphasis>sie </emphasis>es gewesen war.</p><p>�Skar -� st�hnte Kiina, wurde aber sofort von einem der M�nner am Weitersprechen gehindert.</p><p>Skar machte eine beruhigende Handbewegung, und der Mann trat wieder zur�ck. Kiina wimmerte vor Angst. �Nicht�, bat Skar. �Bleib still. Vielleicht...� Er sprach nicht weiter, sondern drehte sich m�hsam zu der entsetzlichen Kreatur im Zentrum des Netzes herum. Seine H�nde begannen zu zittern. Er schluckte bitteren Speichel hinunter, ehe es ihm gelang zu reden. �L��t du sie gehen, wenn ich ... freiwillig zu dir komme?� <emphasis>ZUSTIMMUNG. </emphasis>Es waren keine Worte. Keine Gedanken�bertragung, wie er sie bei Drask kennengelernt hatte. Ein Teil seiner Seele war bereits mit dem Ungeheuer verbunden. Vielleicht war er das immer gewesen. Und er wu�te, da� es die Wahrheit sprach. Kiina war unwichtig; es spielte keine Rolle, ob sie lebte oder starb, frei oder seine Gefangene war. <emphasis>Er </emphasis>war das Opfer, der Preis, um den dieser ganze Kampf �berhaupt ausgetragen worden war. Skar wu�te pl�tzlich, wieso es ihm gelungen war, von der Mauer zu entkommen, als einziger zu entkommen, und wieso die Kreatur ihm erlaubt hatte, bis hierher vorzudringen. Es wollte <emphasis>ihn, </emphasis>das, was <emphasis>in </emphasis>ihm war, seit dem Tage seiner Geburt. Und aus irgendeinem Grunde war es wichtig, da� er es ihm freiwillig gab.</p><p>�Nein, Skar!� keuchte Kiina. �Tu das nicht! Es wird dich t�ten!�</p><p>Skar h�rte gar nicht hin. Langsam senkte er sein Schwert, schob die Klinge in die Scheide zur�ck und machte einen Schritt auf die Kreatur zu. Etwas wie eine k�rperlose eisige Hand ber�hrte seine Seele und tastete nach seinen Gedanken.</p><p>�Und Del?�</p><p><emphasis>Z�GERN. DANN ZUSTIMMUNG, GEPAART MIT UNWESENHEIT. ES KONNTE NICHT ALLE KENNEN, DIE ES ZU EINEM TEIL SEINER SELBST GEMACHT HATTE: WENN ER NOCH LEBT. JA.</emphasis></p><p>Skar machte einen weiteren Schritt und blieb abermals stehen. Er <emphasis>wollte </emphasis>weitergehen, schon um Kiinas und - vielleicht - Dels Leben zu retten, aber alles in ihm str�ubte sich dagegen, jede Faser seiner Menschlichkeit br�llte auf, als er sich diesem entsetzlich <emphasis>fremden </emphasis>Ding zu n�hern versuchte. Es war, als k�mpfe er gegen unsichtbare Ketten.</p><p>Hinter ihm erscholl ein polternder Laut, dann ein Schrei. Skar sah, wie eine zuckende, fast erschrockene Bewegung �ber den schwarzen Balg der Bestie lief, bemerkte eine Bewegung aus den Augenwinkeln und drehte sich herum, als der l�hmende Bann j�hlings von ihm abfiel.</p><p>Unter der T�r erschienen drei Satai-Krieger, r�ckw�rts gehend und verfolgt von einem tobenden Giganten, der von Kopf bis Fu� in blutbesudeltes Gold geh�llt war. Die beiden M�nner, die Kiina bewacht hatten, zogen ihre Klingen und eilten ihren Kameraden zu Hilfe, aber nicht einmal zu f�nft gelang es ihnen, den tobenden Quorrl zu stoppen. Titch br�llte ununterbrochen, hieb mit aller Gewalt auf die M�nner ein und trieb sie Schritt f�r Schritt vor sich her. Abgerissene Fetzen des schwarzen Gewebes hingen an seiner R�stung und seinen Armen, und hinter ihm begann der Boden zu brodeln.</p><p><emphasis>�Skar!� </emphasis>br�llte Titch. �Stell dich mir, Satai! K�mpfe mit mir, wenn -�</p><p>Und dann gewahrte er, was sich hinter Skar befand.</p><p>Er erstarrte. Skar konnte sehen, wie sich seine Augen hinter dem schmalen Schlitz seines Visiers weiteten. Ein ungl�ubiger, keuchender Laut drang hinter seiner Kehle hervor.</p><p>Die f�nf Satai nutzten den Augenblick, um ihn sofort und mit vereinten Kr�ften anzugreifen, aber Titch reagierte ganz instinktiv. Ein Schwerthieb prallte von seiner R�stung ab, dann br�llte er auf, verschaffte sich mit einem einzigen w�tenden Hieb seines Bih�nders wieder Luft und torkelte weiter. Aber sein Blick blieb weiter starr auf die pulsierende Scheu�lichkeit hinter Skar gerichtet, und pl�tzlich hielt er die zentnerschwere Klinge nur noch mit einer Hand, w�hrend die andere sich zum G�rtel senkte und eine verborgene Tasche �ffnete. Als er sie wieder hob, glitzerte etwas Kleines darin. Eine schlanke, in gesponnenes Kupfer eingeh�llte Phiole.</p><p>Und Skar f�hlte einen gedanklichen Aufschrei von abgrundtiefer Furcht.</p><p>Der Korridor hinter Titch schien in einer schwarzen Explosion auseinanderzufliegen. Hunderte, Tausende der d�nnen z�hen F�den schossen durch die T�r und auf Titch zu, aber der Quorrl sch�ttelte sie einfach ab, zerschnitt die wenigen Ranken, die an seiner schimmernden Goldr�stung Halt gefunden hatten, und t�tete noch in der gleichen Bewegung einen der Satai.</p><p>Skar ri� sein Schwert in die H�he und st�rzte los. Mit einem einzigen Schritt erreichte er Titch und die vier �berlebenden Satai, schmetterte dem ersten Mann den Schwertknauf in den Nacken und t�tete den zweiten mit einem Hieb, der ihm fast den Kopf vom Rumpf trennte.</p><p><emphasis>�Titch!� </emphasis>br�llte er. <emphasis>�Lauf! Ich halte sie auf!�</emphasis></p><p>R�cksichtslos warf er sich zwischen den Quorrl und die beiden �briggebliebenen Krieger. Die Netzkreatur begann zu toben, und die beiden Satai wollten Titch nachst�rmen, aber Skar trat ihnen in den Weg, trieb sie mit verzweifelten, unbarmherzigen Schl�gen vor sich her und zur�ck zur T�r. Seine Klinge zerschmetterte das Schwert des einen Mannes, parierte den Hieb des anderen und glitt funkenspr�hend an dessen Waffe entlang, in einem so wuchtigen Streich, da� der Handschutz des Schwertes zerschnitten und der Arm, der es f�hrte, bis fast an den-Ellbogen gespalten wurde. Skar fegte den Mann mit einem Fu�tritt vollends zu Boden, packte den letzten verbliebenen Angreifer einfach bei der H�fte und warf ihn auf den Gang hinaus. Als er sich herumdrehte, hatte Titch das Ungeheuer erreicht. Selbst der Quorrl wirkte klein und verloren gegen den aufgebl�hten Balg der Bestie. Das <emphasis>Ding </emphasis>tobte, warf sich verzweifelt in seinem Netz hin und her, den Tod sp�rend, den das heilige Wasser der Quorrl brachte. Schwarze F�den, pl�tzlich hart wie Stahl und scharf wie Lanzenspitzen, peitschten auf Titch herab und beulten seine R�stung ein, ohne sie durchdringen zu k�nnen, und pl�tzlich ri� Titch die Hand in die H�he und holte zum Wurf aus. Er schrie ununterbrochen.</p><p>Und dann war der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>da.</p><p>Die <emphasis>Sternenbestie </emphasis>erschien wie aus dem Nichts zwischen Titch und der Netzkreatur, eine l�cherlich kleine Gestalt vor dem tobenden Giganten, schwarz und glatt und b�se, und mit ungeheuer schnellen Bewegungen. Ihre dreifingrige Klaue zuckte hoch, schlo� sich um Titchs Hand und die winzige Glasphiole, die sie umklammerte, und zermalmte beides.</p><p>Titch br�llte vor Schmerz. Er b�umte sich auf, versuchte mit der Kraft der Verzweiflung, den viel kleineren und schlankeren Angreifer von sich zu schieben, aber es gelang ihm nicht. Pl�tzlich begann er zu zittern. Aus seinen gellenden Schreien wurde ein w�rgendes, schreckliches R�cheln. Er brach in die Knie, hielt sich noch einen Moment lang wankend aufrecht und sank dann nach vorne. Erst dann lie� der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>seine Hand los und richtete sich wieder auf. Dunkles Blut und kleine glitzernde Glasplitter l�sten sich aus Titchs Hand und rieselten zu Boden. Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>starrte Skar an. Sein Gesicht war glatt und schmal und ausdruckslos wie immer, aber Skar sp�rte den b�sen, h�hnischen Triumph, der die <emphasis>Sternenbestie </emphasis>erf�llte.</p><p><emphasis>Siehst du, Bruder? </emphasis>wisperte die unh�rbare Stimme des <emphasis>Daij-Djan </emphasis>in ihm. <emphasis>Es ist sinnlos, uns bek�mpfen zu wollen. Komm zu uns. Du geh�rst uns.</emphasis></p><p>Kiina wimmerte. Skar sah aus den Augenwinkeln, wie sie aufstand und auf ihn zutaumelte, aber es war ihm unm�glich, den Blick vom <emphasis>Daij-Djan </emphasis>zu l�sen. <emphasis>Du geh�rst uns, </emphasis>fl�sterte das Ungeheuer in ihm. <emphasis>Du geh�rst uns.</emphasis></p><p>�Skar!� wimmerte Kiina. �T�te mich. T�te mich, ehe mich dieses... <emphasis>Ding </emphasis>bekommt.�</p><p>�Aber es will dich doch gar nicht�, rief eine Stimme hinter ihnen. Kiina schrie erschrocken auf, aber es war Skar auch jetzt noch nicht m�glich, sich zu bewegen. Er war gel�hmt. Willen- und hilflos sah er zu, wie Del neben ihn trat und Kiina fast behutsam von ihm wegzog. Seine H�nde staken in schwarzen ledernen Handschuhen, und sein Gesicht sah aus wie ein zerbrochenes Puzzle.</p><p>�Es will nur ihn�, sagte Del leise, fast sanft. Er l�chelte in Skars Richtung und hob die Hand. �Nicht wahr, Bruder? Du wei�t, was es von dir verlangt. Du mu�t es ihm geben. Es geh�rt ihm. Es hat ihm immer geh�rt.�</p><p>Skar antwortete nicht. Er blickte Del nicht an, und er bewegte sich auch nicht, als er die d�nnen F�den sp�rte, die sich von Dels Hand l�sten und sein Gesicht ber�hrten.</p><p>Es tat nicht einmal besonders weh, als sie in seine Haut eindrangen.</p></section><section><title><p id="_26">26.</p></title><p><emphasis>Er war wieder erwacht aus jenem absurden traum, in dem er so lange gefangen gewesen war, und aus dem er so oft vergeblich aufzuwachen versucht hatte, ohne da� es ihm je l�nger als f�r augenblicke gelungen w�re. Und auch da nicht wirklich und ganz, denn alles, was er hatte erreichen k�nnen, war ein kurzes wandeln in der grauen d�mmerzone zwischen traum und wachsein gewesen, ein augenblick des nicht-mehr-ganz-der-andere, aber auch noch nicht ganz er-selbst-seins. Denn jener andere, jenes andere wesen, das zu sein er getr�umt hatte und dessen leben er mit einer mischung aus Verachtung und g�nnerhafter am�siertheit an sich vor�berziehen gesehen hatte, jenes wesen war stark auf seine weise ebenso stark wie er selbst. Ja, manchmal war es ihm beinahe st�rker vorgekommen, was absurd war, denn er war sein Sch�pfer, er, der tr�umer, und jener andere nur der ertr�umte. Aber nun war er erwacht, endlich wieder teil des ganzen, aus dem er vor so unendlich langer zeit herausgerissen und in die ewigkeit geschleudert worden war. Er war erwacht und schwebte �ber und in der welt, die zu besch�tzen er erschaffen worden war vor einer million jahre und einer Sekunde, denn das war nicht wirklich ein unterschied. Zeit war ein begriff aus jener absurden traumwelt, die hinter ihm lag, nicht aus der Wirklichkeit �ber der er jetzt endlich - endlich! - wieder schwebte, k�rperlos dahinglitt �ber eine schwarze welt, unter einer schwarzen sonne, �ber die sanft gewellten d�nen und ebenen einer welt ohne farben, ohne licht und bewegung, aber erf�llt von anderen geheimnisvollen dingen, die er w�hrend seines traumes schon fast zu vergessen begonnen hatte und an die er sich nun st�ck f�r st�ck wieder zu erinnern begann. Nicht zuletzt auch durch die gegenwart der anderen, die allm�hlich herankamen, sich n�herten und ihn begr��ten, ihn durchdrangen und sich wieder von ihm l�sten, das ewige spiel spielend, das nur ein wesen verstehen konnte, das wie er tausend verschiedene Intellekte und kollektivgeist in einem war - denkendes ich und gemeinschaftliches f�hlen und wissen zugleich - auf einer stufe existierend, die k�rperliches leben schon lange nicht mehr ben�tigte. Denn er war reiner Intellekt, energie in seiner klarsten perfektesten form, die er sich w�hrend seiner existenz als traumwesen nicht einmal vorzustellen vermocht h�tte, jener pseudo-existenz, in der er so viel vergessen hatte, so unendlich viel verloren, da� ihn selbst jetzt noch ein tiefes, fast schmerzhaftes gef�hl des Verlustes ergriff, aber auch mitleid. Mitleid mit jenen armseligen gesch�pfen aus seinem traum, die jede Sekunde ihrer existenz damit verbrachten, um die illusion zu k�mpfen, die sie leben nannten, wenn auch ein leben, das - in seiner art und auf seine einfache unwissende weise - einen eigenen reiz gehabt hatte, wie er jetzt fast widerwillig zugab, ebenso wie die tatsache, da� er, sollte er noch einmal gezwungen sein zu tr�umen, vielleicht die gleiche art von traum w�hlen w�rde. Ein leben voller abenteuer und gefahr, aber auch voller sch�nheit und liebe. Einem gef�hl, das er vorher niemals gekannt hatte und jetzt vermi�te und das ihn verwirrte, mehr als es ihm im ersten augenblick erkl�rbar schien. Denn was bedeutete liebe f�r ein gesch�pf, das weder tod noch geburt, weder werden noch vergehen kannte. Aber das gef�hl des verlustes war da, und obwohl es ihm selbst absurd erschien, verging es nicht wie die anderen erinnerungen an seine traum-existenz, sondern wurde im gegenteil st�rker, so heftig, da� es schlie�lich auch die anderen bemerkten und eine woge der beunruhigung durch ihren geist flo�. Nat�rlich auch durch seinen, denn sie waren er, und er war sie, und wie nicht anders zu erwarten, versuchten sie ihn zu beruhigen, sandten beschwichtigende wogen der kraft und ruhe in seinen/ihren geist und erinnerten ihn an seine wirkliche und einzige aufgabe, den einen und einzigen grund, aus dem es sie gab, aus dem es sie immer gegeben hatte und immer geben w�rde, den grund, aus dem sie erschaffen worden waren, die aufgabe, w�chter und waffe in einem zu sein. Schlafend und tr�umend �ber millionen jahre, wenn es sein mu�te, aber erbarmungslos zuschlagend, wurden sie/er gebraucht, wenn die gefahr bestand, da� die uralte Ordnung gest�rt w�rde, von wem auch immer und wie auch immer. Und sie erinnerten ihn daran, wer er war und wie wichtig gerade sein teil in ihrem zusammenspiel. Und es war wie ein zweites und diesmal sehr schmerzhaftes erwachen, als seine erinnerungen endlich in vollem umfang zur�ckkehrten. Aber mit dem wirklichen wissen um seine rolle in dem ewigen spiel erwachte auch noch etwas anderes in ihm, etwas fremdes, das nicht dagewesen war, bevor er geschlafen hatte, und nicht dasein durfte, sollte nicht die ordnung des universums aus den fugen geraten. Etwas, das ihn bis auf den grund seiner seelenlosen existenz ersch�tterte, denn er begriff im gleichen augenblick, was es war, und obwohl er selbst es wu�te und die anderen ihm zuschrien, da� es gar nicht m�glich war, da� nicht sein konnte, was nicht sein durfte, trotz dieses unersch�tterlichen wissens in ihm war da gleichzeitig die ebenso unersch�tterliche gewi�heit, da� ein teil seiner traum-existenz noch immer da war. Ein winziger, aber ungeheuerlich starker rest jenes wesens, dessen leben er sich fast ein menschenalter lang ertr�umt hatte. Und es b�umte sich auf, wuchs wie eine explodierende wei�lodernde sonne in ihm empor und drohte ihn zu �berw�ltigen, obwohl er sich mit aller macht dagegenstemmte, den sturm fremdartiger gef�hle und empfmdungen zur�ck in die dimensionen des irrealen zu scheuchen versuchte, aus denen er selbst sie heraufbeschworen hatte, sich mit verzweifelnder anstrengung vor augen hielt, wer er war und wie wichtig seine aufgabe war. Obwohl er all dies tat und auch die anderen schlie�lich zu hilfe rief, sp�rte er, wie er den kampf verlor, als jener andere geist in ihm immer st�rker und st�rker wurde, seinen willen schlie�lich einfach niederrang wie ein riese ein kind und ihn zwang, wieder in jene entsetzliche nicht-welt hinter den grenzen der wirklichkeit zur�ckzukehren. Und er sp�rte in seiner allerletzten Sekunde, da� es allein sein fehler gewesen war, da� er einfach zu lange mensch gewesen war, um jetzt wieder er selbst werden zu k�nnen. Es war ein fehler, vor dem ihn niemand gewarnt hatte, weil keiner der anderen sich hatte vorstellen k�nnen, da� es m�glich war, da� ein traum den tr�umenden �berwinden konnte. Aber es war so, und er st�rzte mit einem verzweifelten schrei, der quer durch das Universum hallte, zur�ck in jene entsetzliche alptraumwelt, und skar fuhr fort, seinen ewigen traum zu tr�umen - </emphasis></p><empty-line/><p><emphasis>- </emphasis>und erwachte.</p><p>Es war eine v�llig andere Art des Erwachens, als er sie je zuvor erlebt hatte - er konnte sp�ren, wie sein Bewu�tsein aus dem Irgendwo zur�ckkehrte und wieder in seinen K�rper schl�pfte, wie in eine f�r kurze Zeit abgelegte H�lle und wie sein Herz wieder zu schlagen und auch alle die Organe wieder zu arbeiten begannen, denn er war tot gewesen, f�r Augenblicke. Aber der Gedanke hatte nichts Erschreckendes an sich. Skar war nicht sicher, ob ihn jemals wieder etwas erschrecken konnte, nach dem, was er jetzt wu�te.</p><p>Er �ffnete die Augen, und das erste, was er sah, war Kiinas Gesicht, fassungslos und von einer Mischung aus Entsetzen und Unglauben erf�llt, die ein warmes, wohltuendes Gef�hl der Dankbarkeit in ihm wachrief. Er hatte niemals gewu�t, was es wirklich bedeutete, eine Menschen zu haben, der sich um einen sorgte.</p><p>Aber hatte er �berhaupt etwas gewu�t - <emphasis>vorher?</emphasis></p><p>Skar setzte sich auf; es ging ganz leicht, er f�hlte keine Benommenheit, keine Schw�che, keinen Schmerz, ganz im Gegenteil - auf eine schwer zu beschreibende <emphasis>menschliche </emphasis>Art f�hlte er sich stark und ausgeruht wie selten zuvor.</p><p>�Skar?!� Kiinas Stimme zitterte. F�r einen ganz kurzen Moment wurde die Angst darin fast �berm�chtig und vertrieb die Erleichterung. �Du... du <emphasis>lebst?�</emphasis></p><p>Ja, er lebte. Er begriff es selbst noch nicht wirklich - das hie�, er tat es schon, aber in ihm war so viel Neues, ein so tiefes, schreckliches Wissen, da� er einfach Zeit brauchte, um all dies zu verarbeiten.</p><p>�Was ist passiert?� fragte Kiina. �Skar, was -�</p><p>�Sp�ter.� Er bedeutete ihr mit einer angedeuteten Geste zu schweigen und sah sich um. Sein Blick suchte den Thron und das <emphasis>Ding, </emphasis>das darauf gesessen hatte.</p><p>Es war tot. Er hatte es schon vorher gewu�t, aber der Anblick erleichterte ihn trotzdem ungemein, und sekundenlang tat er nichts anderes, als einfach dazusitzen und die zerfallene Kreatur anzustarren. Das Netz war noch immer da, aber seine armdicken Taue waren grau geworden und begannen zu zerbr�ckeln, hier wie �berall in der Festung, und zum ersten Mal �berhaupt konnte er das Wesen in seinem Zentrum wirklich erkennen. Es war noch immer gro�, und es war noch immer h��lich, aber der Tod hatte ihm seine entsetzliche Fremdartigkeit genommen - Skar sah nur noch einen aufgedunsenen, verquollenen Balg voller Narben und Geschw�re, ein verunstaltetes Ding mit zahllosen M�ndern und Armen und Klauen, das nicht mehr bedrohlich wirkte, sondern einfach nur noch ekelerregend, wie eine gro�e plumpe h��liche Spinne, die keine Giftz�hne mehr hatte. Es zerfiel bereits.</p><p>Neben ihm ert�nte ein m�hsames St�hnen. Skar wandte sich um, blickte einen Moment lang auf Del herunter und versuchte zu l�cheln, als sich seine Augen �ffneten. Es gelang ihm nicht. Vielleicht w�rde er nie wieder lachen k�nnen. Er sp�rte, da� sich etwas in ihm ver�ndert hatte. Durch das Wissen, mit dem ihn die Verschmelzung mit <emphasis>seinem </emphasis>Geist erf�llt hatte, war etwas in ihm verbrannt. Ein Teil seiner Seele war zu hartem, schwarzem Narbengewebe geworden, aber er wu�te noch nicht, wie gro� dieser Teil war und ob er sich jemals wieder regenerieren w�rde. Del hob langsam die H�nde, starrte sie eine lange Zeit an und richtete sich dann ebenfalls auf. Auf seinem Gesicht und seinen H�nden waren eine Anzahl winziger roter Punkte zur�ckgeblieben, wie Insektenstiche, aus denen nur ein einzelner Blutstropfen quoll, und in seinem Haar klebte noch ein Rest der feinen schwarzen Masse, schon tot, aber noch nicht ganz zerfallen. Dann erkannte er Skar, und seine Augen weiteten sich erschrocken. Und wie Kiina zuvor brauchte er Sekunden, bis er reden konnte.</p><p>�Was ... was ist...� Er brach ab, hob verwirrt die H�nde ans Gesicht und tastete �ber seine Haut, bef�hlte mit spitzen Fingern sein Kinn, seinen Mund, die Wangen und Augen.</p><p>�Es ist tot�, sagte Skar leise.</p><p>�Tot?� Del starrte ihn an und begann zu stammeln. �Tot, sagst du. Aber wie... wieso ...� Ein neuer, noch tieferer Schrecken glomm in seinen Augen auf. �Du hast es besiegt�, fl�sterte er. Skar war nicht sicher, ob es wirklich so gewesen war - vielleicht hatte es sich letztendlich selbst vernichtet, wie ein Feuer, das seine eigene Lebensgrundlage verzehrte. Aber er erwiderte nichts auf Dels Worte. Noch nicht. Es spielte keine Rolle, wie es gewesen war, jedenfalls nicht in diesem Moment. Es war besiegt, das allein z�hlte. So wie Del und er wieder frei waren, zerfiel es jetzt �berall in der zyklopischen Festung und gab seine Opfer frei.</p><p>Er stand auf, streckte die Hand aus und half Kiina auf die F��e, und dann ging er langsam auf Titch zu, der reglos am Fu�e des steinernen Thronsessels lag. Z�gernd und mit klopfendem Herzen kniete er neben ihm nieder, streckte die Hand aus und versuchte Titch herumzudrehen, aber seine Kraft reichte nicht. �Hilf mir�, forderte er Del auf. Del gehorchte, aber selbst zu zweit brauchten sie ihre ganze Kraft, um den Quorrl in seiner zentnerschweren R�stung auf den R�cken zu w�lzen. Fast behutsam l�ste Skar seinen Helm und legte ihn neben sich zu Boden. Der Quorrl lebte. Seine Augen waren weit ge�ffnet und starr, aber es war nicht die matte Starre des Todes, die sie l�hmte. Er st�hnte leise. Seine rechte Hand �ffnete sich. Zerbrochenes Glas und Blut und Tropfen einer wasserklaren hellen Fl�ssigkeit regneten zu Boden.</p><p>�Fa� es nicht an!� warnte Del erschrocken, aber Skar l�chelte nur.</p><p>�Es ist nicht mehr gef�hrlich�, beruhigte er ihn, hob vorsichtig Titchs Arm hoch und streifte den gepanzerten Handschuh ab. Seine Hand war gebrochen, und Skar wu�te, da� sie nicht heilen w�rde, ganz einfach, weil die Wunden, die der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>schlug, niemals heilten.</p><p>�Du hast... gewonnen, Satai�, fl�sterte der Quorrl. �Du hattest recht und ich unrecht. Du hast es besiegt.�</p><p>�Nein�, antwortete Skar leise. �Es hat sich selbst besiegt, Titch. Es hat sich am Ende selber verzehrt.�</p><p>�Aber du hast es geschlagen�, murmelte der Quorrl. Seine Augen waren noch immer starr. Sie schienen Dinge zu sehen, die Skar nicht einmal erahnen konnte. �Es tut mir leid. Ich habe... alles falsch gemacht.�</p><p>Skar war wahrscheinlich der einzige, der die Worte des Quorrl <emphasis>wirklich </emphasis>verstand. �Es war nicht deine Schuld�, sagte er. �Es hat uns alle get�uscht, sogar mich.� Er �berlegte einen Moment, versuchte Worte f�r Dinge zu finden, die sich mit Worten nicht beschreiben lie�en. �Es... hat von unserem Ha� und unserer Furcht gelebt, Titch, aber es hat uns gleichzeitig auch damit gef�ttert.� <emphasis>Wie Schlachtvieh, </emphasis>f�gte er in Gedanken hinzu, auch wenn er gleichzeitig wu�te, da� dieser Vergleich nicht ganz stimmte. Die Kreatur war fremd, unendlich fremd und d�ster, aber gleichzeitig war sie auch ein Teil von ihm gewesen, von ihm und Del und Kiina und Titch, ein Teil jedes denkenden Wesens, sein Ha� und seine negativen Kr�fte, die durch die Magie der <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>nur Gestalt angenommen hatte.</p><p>Titch hob st�hnend seine blutige Hand und betrachtete die winzigen Kupfer- und Glassplitter, die sich in sein Fleisch gegraben hatten. �Ich habe es versucht�, fl�sterte er. �Du mu�t mir glauben, da� ich es versucht habe, Skar. Aber er... er hat es vernichtet. Er hat es nur ber�hrt, und es dadurch get�tet. Ich habe... alles falsch gemacht. Ich habe versagt.�</p><p>Skar schauderte. Er war nicht sicher, ob er wirklich ermessen konnte, was der Verlust des heiligen Wassers f�r den Quorrl bedeutete. Es war mehr als nur eine Reliquie gewesen. Der Quorrl war bereit gewesen, seinen Glauben zu opfern, um die Bestie zu vernichten. �Nein, Titch�, widersprach er, �das hast du nicht. So wenig wie ich.� Er l�chelte matt.</p><p>�Wei�t du noch, was du mir gestern gesagt hast, unten bei den Felsen?� fragte er. �Du und ich, wir sind uns viel �hnlicher, als ich bisher geahnt habe. Wir sind beide viel zu lange Mensch gewesen, als da� wir noch zur�ck k�nnten.�</p><p>�Gew�hrst du mir eine letzte Gnade, Satai?� fragte der Quorrl. Skar nickte. �Was immer du willst.�</p><p>�Dann t�te mich�, bat Titch. �Gib mir einen ehrenvollen Tod. Verrate niemandem, da� ich versagt habe.�</p><p>�Das hast du nicht�, erwiderte Skar. �Und ich werde dich auch nicht t�ten, Titch. Ich brauche dich noch.�</p><p>�Wer braucht einen Quorrl, der kein Quorrl mehr ist?� fragte Titch bitter.</p><p>�Vielleicht ein Satai, der kein Satai mehr ist�, antwortete Skar. Und da war noch etwas, was er Titch sagen mu�te, was er ihm l�ngst h�tte sagen sollen, aber er fand keine passende �berleitung, und so sprach er es einfach so aus, wie es war: �Da ist noch etwas, was du wissen solltest, Titch. Dein Vater... Trash.� Titch blickte ihn fragend an. Ein neuer Schmerz glomm in seinen Augen auf, und pl�tzlich hatte Skar M�he weiterzusprechen. �Ich habe ihn nicht get�tet�, versicherte er. �Es war der <emphasis>Daij-Djan. </emphasis>Aber ich verspreche dir, da� ich diese Bestie vernichten werde. Und ich will, da� du mir dabei hilfst.�</p><p>�Niemand kann den <emphasis>Daij-Djan </emphasis>vernichten�, erkl�rte Titch, aber er klang nicht mehr ganz �berzeugt, seine Stimme zitterte, und nicht nur vor Schmerz und Schw�che.</p><p>�Ich werde nach Norden gehen�, verk�ndete Skar. �In das Land, von dem du mir erz�hlt hast, Titch. In das Land der Toten. Sie sind dort, und ich werde sie finden.�</p><p>Er stand auf, drehte sich um und sah Del an, sehr lange und sehr ernst, und abermals ging etwas in ihm vor, das ihn erschreckte und auf das er keinen Einflu� hatte. Und vielleicht las Del wirklich in diesem Moment seine Gedanken, einfach, weil sie sich so lange und so gut kannten und der eine vom anderen immer irgendwie gewu�t hatte, was er dachte, denn er stellte genau die Frage, auf die Skar die ganze Zeit �ber mit klopfendem Herzen gewartet hatte.</p><p>�Wie hast du es getan?�</p><p>Skar blickte die tote <emphasis>Sternenkreatur </emphasis>an. Er wollte nicht antworten, weder Del noch irgend jemandem sonst, weder jetzt noch irgendwann, aber er wu�te auch, da� er einfach zerbrechen w�rde, wenn er dieses entsetzliche Wissen mit niemandem teilen konnte.</p><p>�Sie konnte mich nicht besiegen�, sagte er. �Denn ich habe jetzt die Wahrheit erkannt. Ich bin ein Teil von ihr und sie ein Teil von mir. Ein Teil von uns allen, Del�, f�gte er hinzu. Er drehte sich abermals um, sah erst Del und dann Kiina und dann wieder Del an, sehr lange, sehr, sehr lange.</p><p>�Sie war immer ein Teil von uns, Del�, wiederholte er. <emphasis>�Denn die Sternengeborenen - sind wir.�</emphasis></p><empty-line/></section></body><binary id="cover" 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