<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Wolfgang</first-name><last-name>Hohlbein</last-name></author><book-title>Der fl�sternde Turm</book-title><annotation><p>Das m�rchenhafte Elay, Heimat der Errish, gibt es nicht mehr. Tote liegen in den Stra�en, und �ber alles hat sich feiner, grauer, t�dlicher Staub gelegt. Die Hilfe, die Skar und Kiina suchen, werden sie hier nicht finden. Statt dessen werden die Quorrl, die ihren Begleittrupp bilden, von den letzten �berlebenden Errish �berfallen. Skar versucht die Todfeinde zu vers�hnen, weil Quorrl und Menschen nur gemeinsam gegen die Sterngeborenen siegen k�nnen - aber er wei� nicht, wie wenig Zeit ihm noch bleibt. </p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><sequence name="Enwor" number="8"/></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>perl v5.14.2, poppler 0.19, FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-04-07">07 April 2012</date><id>BD7F9D77-3024-400B-9272-64F7E1C8C6CB</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><publisher>Tosa Verlag</publisher><city>Wien</city><year>1989</year><isbn>ISBN 3-442-24954-6</isbn></publish-info></description><body><section><p><image l:href="#cover"/></p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>Wolfgang Hohlbein - Die Enwor Saga 8 </strong></p><p><strong>Der fl�sternde Turm </strong></p><p>Umschlag: Der Graph, Wien </p><p>Illustrationen: Christian Mogg </p><p>Ungek�rzte und genehmigte Lizenzausgabe f�r Tosa Verlag, Wien </p><p>� der Originalausgabe 1989 by Wilhelm Goldmann Verlag GmbH, M�nchen </p><p>� der vorliegenden Ausgabe 1996 by Tosa Verlag, Wien </p><p>Gesamtherstellung: Der Graph, Wien </p><empty-line/><p><emphasis><strong>Coverr�ckseite</strong></emphasis></p><p>Das m�rchenhafte Elay, Heimat der Errish, gibt es nicht mehr. Tote liegen in den Stra�en, und �ber alles hat sich feiner, grauer, t�dlicher Staub gelegt. Die Hilfe, die Skar und Kiina suchen, werden sie hier nicht finden. Statt dessen werden die Quorrl, die ihren Begleittrupp bilden, von den letzten �berlebenden Errish �berfallen. Skar versucht die Todfeinde zu vers�hnen, weil Quorrl und Menschen nur gemeinsam gegen die Sterngeborenen siegen k�nnen - aber er wei� nicht, wie wenig Zeit ihm noch bleibt. </p></section><section><title><p id="_1">1.</p></title><p>Elay lag in Tr�mmern. Aus der stolzen W�chterin des Drachenlandes war eine Ruine geworden, �u�erlich fast unversehrt, und trotzdem nurmehr ein Schatten ihrer selbst.</p><p>Es war lange her, da� Skar hiergewesen war, selbst nach seiner eigenen Zeitrechnung gemessen, die mit der der wirklichen Welt nicht immer �bereinstimmte, und trotzdem fiel ihm der Unterschied sofort auf: Einst hatten Elays schwarze Mauern Macht und Weisheit ausgestrahlt, eine Trutzburg, riesig, finster, unbesiegbar und drohend, aber nur f�r den, der in feindlicher Absicht hierherkam. Jetzt war es, als umgebe der Hauch des Todes die Stadt wie ein unsichtbarer, dr�uender Schatten.</p><p>Skar versuchte, den Gedanken dorthin zu verbannen, wo er hingeh�rte: in den Bereich seines Bewu�tseins, der f�r Furcht und Unlogik zust�ndig war, aber es gelang ihm nicht; vielleicht, weil mehr Wahrheit an ihm war, als er zugeben wollte. Elay <emphasis>hatte </emphasis>sich ver�ndert, auch �u�erlich. Vorhin, als sie zwischen den Felsen hervorgetreten waren, h�tte er f�r einen Moment geschworen, da� die Stadt <emphasis>kleiner </emphasis>geworden war, so wie ein Mensch im Alter kleiner und unansehnlicher wurde, auch ohne an zu messender K�rpergr��e zu verlieren. Die Stadt hatte... etwas verloren. Etwas, das unsichtbar und sehr pr�sent gewesen war, aber auf eine unaufdringliche, stumme Art, die dem Betrachter seine Existenz erst dann wirklich bewu�t werden lie�, wenn es nicht mehr da war. Dazu kam der Regen, der in tr�gen Schleiern vom Himmel st�rzte und alles grau und trist erscheinen lie�.</p><p>�Bei den schwarzen G�ttern von Moron�, fl�sterte Kiina neben ihm. �Was ist hier geschehen?�</p><p>Nat�rlich wu�te Skar die Antwort nicht - wie um alles in der Welt sollte <emphasis>er </emphasis>sie wissen, wenn <emphasis>sie </emphasis>sie nicht wu�te? -, aber er versuchte trotzdem f�r einen Moment, eine Erkl�rung zu finden; Worte, die dem Anblick der leeren, geschleiften Stadt etwas von ihrem entsetzlichen Schrecken nehmen w�rden.</p><p>Es gelang ihm nicht. Die Verheerung war total. Die zyklopische Mauer, in deren Schatten Kiina und er noch immer standen, war unversehrt geblieben, aber das, was sich vor ihnen erstreckte, war ein Schlachtfeld, die Reste einer Stadt, die ihren Bewohnern zum Grab geworden war. Die von Gewalten zermalmt worden war, die sich Skar weder vorstellen konnte noch wollte. Was von den H�usern und Pal�sten Elays noch stand, das waren ausgebrannte Ruinen, den geschw�rzten Skeletten gro�er gepanzerter Tiere gleich, zwischen denen es hier und da noch immer brannte, unbeschadet des unabl�ssig str�menden Regens. Die Stra�en waren voller Schutt und verkohlter Tr�mmer, und �ber allem lag Staub, den der Regen zu einer schwarzen schmierigen Schicht gemacht hatte. Und �berall lagen Tote - verkr�mmte Gestalten in den schmucklosen grauen M�nteln der <emphasis>Errish, </emphasis>Dienstboten, Krieger, M�nner, Frauen, Kinder... der Tod hatte keinen Unterschied gemacht, wo und bei wem er zuschlug.</p><p>�Der <emphasis>W�chter?� </emphasis>fl�sterte Kiina.</p><p>Skars Antwort bestand abermals nur aus einem Achselzucken, obwohl er diesmal wu�te, da� Kiina sich t�uschte. Sie alle hatten die entsetzliche Verw�stung gesehen, die die <emphasis>Sternenkreatur </emphasis>hinterlie�, aber was Elay zerst�rt hatte, war eine Gewalt g�nzlich anderer Natur gewesen. Er hatte zwei der Leichname fl�chtig untersucht, auf die sie gleich beim Betreten der Stadt gesto�en waren. Sie wiesen keine Verletzungen auf, aber der Tod hatte einen Ausdruck unerme�licher Qual auf ihren Gesichtern hinterlassen. Sie hatten sich gefragt, wieso sie weder auf <emphasis>Errish </emphasis>noch auf Drachen gesto�en waren, auf dem Weg hierher. Jetzt wu�ten sie es. �Wir sollten zur�ckgehen�, sagte Skar leise; fast im Fl�sterton. Es war beinahe, als h�tte er Angst, die Geister dieser Stadt zu wecken, wenn er zu laut sprach.</p><p>�Zur�ck?� Kiina sch�ttelte den Kopf, sah ihn aber nicht an. Ihr Blick irrte verzweifelt �ber das, was einmal ihre Heimat gewesen war, und Skar sp�rte �berdeutlich, mit welchem fassungslosen Entsetzen sie der Anblick erf�llte. Trotzdem war es ihr unm�glich, sich von ihm loszurei�en. �Nein. Ich... ich mu� wissen, was hier passiert ist.�</p><p>Skar widersprach nicht. Nat�rlich waren Kiinas Worte unsinnig, und etwas sagte ihm dar�ber hinaus, da� es nicht gut war, tiefer in die zerst�rte Stadt vorzudringen, als sie es bereits getan hatten. Obwohl sich nirgends zwischen den geschw�rzten Ruinen auch nur eine Spur von Leben regte, sp�rte er die Gefahr, die noch immer hier lauerte. Was immer Elay vernichtet hatte, war noch da. Aber er verstand Kiina. Diese Stadt war einmal ihre Heimat gewesen. Jeder, den sie gekannt und geliebt hatte, hatte hier gelebt. Trotzdem z�gerte er, als Kiina einen Schritt machte und ihn auffordernd ansah. Das Empfinden von Gefahr war �berm�chtig, und da war zu viel, was er nicht verstand, aber ganz instinktiv als gef�hrlich einstufte. Der Krieger in ihm, der zu �berleben gelernt hatte, indem er das Unbekannte mied oder zumindest erst einmal als gef�hrlich einstufte, um sich dann - vielleicht - eines Besseren belehren zu lassen, schrie ihm zu, auf der Stelle umzudrehen und die Stadt zu verlassen. Aber da war noch eine andere Stimme; eine, die ihm zufl�sterte, da� es wichtig war, herauszufinden, was Elay und seinen Bewohnern widerfahren war. Vielleicht lebenswichtig. �Warte einen Moment�, sagte er. Ohne Kiinas Antwort abzuwarten, wandte er sich um und ging zum Tor zur�ck, wobei er einen �bertrieben gro�en Bogen um die beiden toten <emphasis>Errish </emphasis>schlug, die davor lagen. Geb�ckt trat er durch das schmale Schlupftor, durch das sie Elay betreten hatten. Die beiden Pferde, die sie an einem eisernen Ring neben dem Tor angebunden hatten, begannen unruhig zu wiehern und mit den Hufen zu scharren. Die Tiere litten unter dem Dauerregen so sehr wie ihre Herren, aber das war nicht der Grund f�r ihre Unruhe. Sie hatten Angst. Irgend etwas war hier, was sie nerv�s machte. Skar sp�rte es auch. Was immer Elay zerst�rt hatte, war noch da.</p><p>Er trat zu seinem Pferd, fuhr ihm mit der linken Hand beruhigend �ber die N�stern und �ffnete mit der anderen die Schnallen seiner Satteltasche. Er f�hlte sich nicht wohl bei dem, was er tat. Er hatte die... <emphasis>Magie? </emphasis>Gut, er w�rde sie weiter so nennen, bis er eine passendere Erkl�rung daf�r gefunden h�tte - er hatte die Zauberkunst der <emphasis>Errish </emphasis>stets mit Mi�trauen betrachtet, denn sie vermochte Leben ebenso rasch zu zerst�ren, wie sie es rettete. Aber hinter ihm, auf der anderen Seite der zwanzig Fu� dicken Mauer, befand sich eine Stadt voller Toter, und wenn das, was diese Menschen umgebracht hatte, noch hier war, dann brauchte er vielleicht jedes bi�chen Hilfe, das er bekommen konnte, Zauberei hin oder her.</p><p>Skar f�rderte ein kleines, in Tuch eingeschlagenes P�ckchen zutage, wickelte es sorgf�ltig aus und betrachtete das silbern funkelnde Ding in seiner Hand mit einer Mischung aus Furcht und Abscheu. Der logische Teil seines Denkens sagte ihm, da� ihm auch Kiinas Scanner nicht sehr viel nutzen w�rde: es war eine Waffe der <emphasis>Errish, </emphasis>wie es sie in Elay wahrscheinlich zu Tausenden gab, und sie hatten nicht ein Leben retten k�nnen.</p><p>Trotzdem - wenn schon nicht ihn, dann w�rde der Anblick des Scanner vielleicht wenigstens Kiina beruhigen. Er h�tte allein gehen sollen. Skar war sich dar�ber im klaren, da� es ein Fehler gewesen war, Kiina mit in die Stadt zu nehmen. Er hatte geahnt, was er finden w�rde.</p><p>Skar drehte das Gesicht aus dem Wind und hob die Hand �ber die Augen, um sie vor den nadelspitzen Regentropfen zu sch�tzen, die der Wind vom Meer herantrug. Zwei Meilen entfernt, am Fu�e des Felsabbruches, der die Steilk�ste an dieser Stelle unterbrach wie ein Axthieb, erkannte er eine schemenhafte Gestalt. Skar blieb stehen, hob die Arme �ber den Kopf und winkte; zweimal, dreimal, viermal, bis sich das goldene Funkeln am Fu�e der Felstr�mmer bewegte und er sicher war, da� Titch sein Winken bemerkt hatte und wu�te, da� - wenigstens im Moment - alles in Ordnung war.</p><p><emphasis>Alles in Ordnung... </emphasis>Skar wiederholte die Worte ein paarmal in Gedanken, ohne ihnen etwas von ihrem sp�ttischen Beiklang nehmen zu k�nnen. <emphasis>Nichts </emphasis>war in Ordnung; weder mit ihm oder Kiina oder Elay oder ganz Enwor. Er dachte an sein letztes Gespr�ch mit Del zur�ck. <emphasis>Alles zerbricht, </emphasis>hatte Del gesagt, in einem anderen Zusammenhang und ohne zu ahnen, worauf sie auf ihrem Weg zur�ck in den Norden sto�en w�rden. Er hatte nur zu recht gehabt.</p><p>Widerstrebend wandte Skar sich um, ging zum Tor zur�ck und blieb dann noch einmal stehen, um sich herumzudrehen. Er f�rchtete sich fast davor, Titch nicht mehr zu sehen. W�hrend der letzten beiden Monate hatte er sich so sehr an die Gegenwart des Quorrl gew�hnt, da� er ihm fast zum Freund geworden war, und jetzt, als sie sich getrennt hatten, sp�rte Skar pl�tzlich, wieviel Schutz und Sicherheit die N�he dieses schweigsamen Giganten ausstrahlte.</p><p>Er verscheuchte den Gedanken und versuchte noch einmal, die grauen Schleier mit Blicken zu durchdringen. Der Regen machte es schwer, Einzelheiten zu erkennen, aber das Blitzen von Titchs R�stung war nicht mehr zu erkennen; wie sie es vereinbart hatten, war er zu seinen Leuten zur�ckgegangen, die im Schutze der Felsen lagerten, eine Meile s�dlich von Elay und weit genug vom Bannkreis der Stadt entfernt, niemanden zu einer Unbesonnenheit zu verleiten - wenn auch f�r die Quorrl sicherlich noch immer viel zu nahe. Die Quorrl f�rchteten die <emphasis>Errish </emphasis>fast ebensosehr, wie diese die Quorrl ha�ten. Kein Quorrl hatte jemals Elay betreten, und kein Quorrl w�rde je - Skar dachte den Gedanken nicht zu Ende, als er begriff, wie l�cherlich er war. Es gab in den Mauern dieser Stadt nichts mehr, was die Quorrl f�rchten mu�ten. Er dachte immer noch in Begriffen einer Welt, die vor einem Menschenalter untergegangen war.</p><p>Schneller als n�tig trat er abermals durch das kleine Tor und ging wieder zu Kiina. Er fand sie an der gleichen Stelle, an der er sie zur�ckgelassen hatte, in der gleichen Haltung, wie eine Puppe, in einem Augenblick grenzenlosen Entsetzens erstarrt. Der Regen peitschte ihr Gesicht und ihr Haar, aber sie schien es nicht einmal zu sp�ren. Skar war nicht sicher, ob er wirklich nachempfinden konnte, was sie f�hlte.</p><p>�Bist du sicher, da� du es wirklich willst?� fragte er.</p><p>Im ersten Moment reagierte sie nicht, und Skar glaubte schon, da� sie seine Worte gar nicht geh�rt hatte. Aber dann wandte sie mit einem Ruck den Kopf, starrte ihn eine Sekunde lang aus gro�en, vor Schmerz verdunkelten Augen an und nickte.</p><p>�Dann komm�, sagte Skar. �Ich m�chte nicht l�nger hierbleiben als unbedingt n�tig.� Er machte eine auffordernde Handbewegung, aber Kiina r�hrte sich nicht.</p><p>�Sie sind alle tot, Skar�, fl�sterte sie. �Sie... sie haben sie alle umgebracht.�</p><p>�Das werden wir herausfinden�, antwortete Skar. Er legte den Kopf in den Nacken und blinzelte zur Mauerkrone hinauf. �Es sieht nicht so aus, als w�re die Stadt angegriffen worden.�</p><p>�Aber jemand hat sie alle get�tet!� protestierte Kiina, mit einer Stimme, deren Klang Skar warnte: das M�dchen stand kurz davor, hysterisch zu werden. Aber wenn er ganz ehrlich war, dann ging es auch ihm nicht sehr viel anders.</p><p>Kiinas Augen wurden gro�, als sie den Scanner in Skars Hand sah. �Du... du glaubst, sie sind noch hier?�</p><p>Seltsam - es war ihm fast peinlich, da� Kiina ihn auf die Waffe ansprach. �Nein�, antwortete er grob. �Aber irgend etwas ist hier geschehen, und -� Er sprach nicht weiter, sondern sah sich einen Moment lang schweigend um, zuckte dann mit den Schultern und hielt Kiina den Scanner hin. �Nimm du ihn. Du kannst sowieso besser damit umgehen�, f�gte er hinzu, als Kiina z�gerte, nach der Waffe zu greifen. Anstelle des Scanners zog er das Schwert aus dem G�rtel, als sie weitergingen.</p><p>Erneut fiel Skar der Staub auf, der wie ein graues Leichentuch �ber der Stadt lag. Wo er vom Regen getroffen worden war, war er zu einer schwarzen, schmierigen Masse geworden, aber hier und da entdeckte er kleine, trocken gebliebene Reste in toten Winkeln, unter Fenstern und T�ren oder im Windschatten der Toten. Nachdenklich blieb er stehen, lie� sich in die Hocke sinken und ber�hrte eines der kleinen Staubh�ufchen mit der Schwertspitze. Es fiel auseinander und wurde zu schwarzem Morast, als es die Feuchtigkeit aufsaugte, die sich auf der Klinge gesammelt hatte. �Was hast du?� fragte Kiina, die ebenfalls stehengeblieben war. �Glaubst du, da� dieser Staub irgend etwas damit zu tun hat?� Sie lie� sich neben ihm in die Knie sinken und wollte die Hand ausstrecken, aber Skar fiel ihr mit einer raschen Bewegung in den Arm.</p><p>�Nicht�, sagte er. �Fa� es nicht an. R�hr �berhaupt nichts an, bevor wir nicht genau wissen, was hier geschehen ist.�</p><p>Kiina blickte ihn fragend an, schwieg aber. Skar richtete sich wieder auf, wischte die Klinge seines <emphasis>Tschekal </emphasis>sorgsam an der Kleidung eines Toten ab und schob die Waffe wieder in den G�rtel zur�ck. Aufmerksam sah er sich um. Jetzt, als er einmal darauf aufmerksam geworden war, fiel ihm auf, wie viel dieses grauen Staubes es in der Stadt gab. Zusammengebacken zu schwarzem Morast bedeckte er buchst�blich jeden Quadratfu� des Bodens, besudelte die W�nde, tropfte mit dem Regen vermischt wie schwarzes Blut von den D�chern und bedeckte selbst die Tr�mmerhaufen, die die Stra�en blockierten. Bevor es zu regnen begonnen hatte, �berlegte Skar, mu�te er die gesamte Stadt bedeckt haben.</p><p>�Ob er... giftig ist?� Kiina schien seine Gedanken gelesen zu haben.</p><p>Skar �berlegte einen Moment, dann sch�ttelte er den Kopf. �Kaum�, sagte er. �Dann w�ren wir schon tot.� Er deutete auf seine Stiefel, die bis zu den Kn�cheln hinauf mit schwarzen Spritzern �bers�t waren.</p><p>�Vielleicht wirkt er nicht sofort t�dlich.�</p><p>Skar zuckte abermals mit den Schultern und ging weiter. Vielleicht hatte Kiina recht, vielleicht auch nicht - sie w�rden es fr�h genug am eigenen Leibe sp�ren. Aber Skar glaubte nicht, da� die Erkl�rung so einfach war. Was immer die Bewohner Elays umgebracht hatte, hatte in Sekundenschnelle zugeschlagen. Die Stellung der Toten auf dem gro�en Platz war die von Menschen, die verzweifelt versucht hatten, die Stadt zu verlassen. Nicht einem von ihnen war es gelungen.</p><p>�Wohin?� fragte Kiina.</p><p>Skar deutete nach Osten, zur Stadtmitte hin. �Zum Palast deiner... der <emphasis>Margoi�, </emphasis>verbesserte er sich hastig. �Wenn es �berlebende gibt, dann dort.�</p><p>Die Spuren der K�mpfe wurden deutlicher, je tiefer sie in die Stadt eindrangen. Viele H�user waren ausgebrannt und zum Teil zusammengebrochen, und manche Stra�en waren so mit Schutt und Tr�mmern �bers�t, da� sie gro�e Umwege in Kauf nehmen mu�ten, denn die Tr�mmerberge zu �berklettern, wagte Skar nicht. Ein rostiger Nagel, den sie sich eintraten oder ein verzerrter Fu� konnten das Todesurteil bedeuten, falls sie gezwungen waren, schnell zu fl�chten.</p><p>Aber seine Bef�rchtungen erwiesen sich als grundlos. Es war so, wie er im allerersten Moment geglaubt hatte. Elay war eine Stadt der Toten. Zwischen den schlammbedeckten Tr�mmern lebte nichts mehr. Und gerade das war es, was Skar mehr als alles andere beunruhigte. Er hatte das Leben eines Kriegers gef�hrt und mehr als eine geschleifte Stadt gesehen - aber er war niemals an einem Ort gewesen, der so v�llig ohne Leben gewesen w�re wie Elay. Sie fanden sehr viel weniger Tote, als er beim Anblick des mit reglosen K�rpern �bers�ten Torplatzes bef�rchtet hatte, aber das hie� nicht, da� es <emphasis>keine </emphasis>Leichen gegeben h�tte.</p><p>Nach einer Weile blieb er wieder stehen und winkte Kiina, zu ihm zur�ckzukommen.</p><p>�Was hast du?�</p><p>Skar deutete auf den reglosen K�rper einer <emphasis>Errish, </emphasis>der halb unter dem Kadaver eines Pferdes eingeklemmt war. Tier und Reiter waren im gleichen Augenblick gestorben, wie ihre Stellung verriet. �Schau sie dir an�, verlangte er.</p><p>Kiina gehorchte. Skar beobachtete sie genau, w�hrend sie die Tote betrachtete. Ihr Gesicht verriet leise Spuren von Ekel, und ihre H�nde zitterten noch immer ein wenig. Aber er sah keine Spuren von Panik. Kiina hatte den Schock schneller �berwunden, als er gehofft hatte.</p><p>�F�llt dir nichts auf?� fragte er.</p><p>Das M�dchen sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Sie ist unversehrt�, fuhr Skar fort.</p><p>�Unversehrt?� Kiina �chzte. �Sie ist -�</p><p>�Sie liegt seit mindestens zehn Tagen hier und beginnt zu verwesen�, unterbrach sie Skar, �aber das meine ich nicht. Sie sind alle unversehrt, Kiina.� Er machte eine weit ausholende Geste. �Ich war schon in St�dten, deren Bewohner bis auf den letzten Mann niedergemacht wurden.�</p><p>�Und?� Kiina begriff immer noch nicht.</p><p>�Ein Festschmaus f�r die Ratten und Fliegen�, sagte Skar. �Siehst du welche?�</p><p>Kiina antwortete nicht, aber ihr Blick verriet Skar, da� sie endlich begriffen hatte. Nicht nur die <emphasis>menschlichen </emphasis>Bewohner Elays waren get�tet worden. Etwas - jemand? - hatte jede Spur von Leben aus dieser Stadt getilgt, und mehr noch: Ein Tisch, der so reichlich gedeckt war wie dieser, h�tte jeden Aasfresser im Umkreis von hundert Meilen anziehen m�ssen. Da� er es nicht getan hat, daf�r gab es eigentlich nur zwei Erkl�rungen: irgend etwas hielt alles Leben von Elay fern, das nicht auf zwei Beinen ging und dumm genug war, die Warnungen seines Gef�hles zu mi�achten - oder die unsichtbare t�tende Macht, die Elay ausgel�scht hatte, war noch da.</p><p>Keine dieser beiden Erkl�rungen gefiel Skar besonders.</p><p>Er machte eine abgehackte Handbewegung. �Komm weiter. Je eher wir hier wieder heraus sind, desto besser.�</p><p>Je weiter sie sich dem Palast n�herten, desto un�bersehbarer wurden die Spuren schwerer K�mpfe, die in Elay getobt haben mu�ten, ehe der Tod zu seinem letzten Schlag ausholte. Manche Geb�ude waren nur noch Tr�mmerhaufen, bis auf die Grundmauern niedergebrannt, andere wie von gewaltigen Axthieben halbiert, ihrer Fassaden beraubt oder zur H�lfte pulverisiert, w�hrend die andere absurd unversehrt stehengeblieben war, und einmal wurde ihr Weg zu einer lebensgef�hrlichen Rutschpartie, als der Stra�enbelag unter ihren F��en sich j�h in schwarze, zu Glas zusammengeschmolzene Schlacke verwandelte.</p><p>Kiina sagte kein Wort, obwohl sie zehnmal besser als Skar wissen mu�te, was hier geschehen war. Es gab auf ganz Enwor nur eine einzige Waffe, die imstande war, <emphasis>solche </emphasis>Verheerungen anzurichten. Die Scanner der Ehrw�rdigen Frauen.</p><p><emphasis>Was war hier geschehen?</emphasis></p><p>Schlie�lich fanden sie auch Menschen, die eindeutig eines gewaltsamen Todes gestorben waren. Skar ersparte sich die grausige Aufgabe, die Leichname genauer zu untersuchen, aber ein fl�chtiger Blick reichte bereits. Seltsam - er h�tte nie geglaubt, da� er eines Tages <emphasis>froh </emphasis>sein k�nnte, die entsetzlichen Spuren zu sehen, die Schwerter und Messer hinterlassen konnten, aber er war es. Selbst die furchtbarsten Wunden wirkten nicht so erschreckend wie der Anblick eines Todes, der v�llig spurlos zuschlug, und im Bruchteil einer Sekunde.</p><p>Als sie sich dem Palast der <emphasis>Margoi </emphasis>bis auf hundert Schritte gen�hert hatten, fanden sie einen toten Drachen.</p><p>Es war kein sehr gro�es Tier; nicht sehr viel gr��er als eines der Schlachtpferde, auf denen Titch und seine Quorrl ritten, wenn auch ungef�hr f�nfmal so massig, aber sein Anblick �berraschte Skar trotzdem. Soviel er wu�te, nahmen die <emphasis>Errish </emphasis>ihre Tiere niemals mit in die Stadt. Sie beherrschten die Drachen wie kein anderer auf Enwor, aber es blieben trotzdem <emphasis>Tiere, </emphasis>gigantische, letztendlich immer noch unberechenbare Bestien, die die weiten Steppen Enwors gewohnt waren. In der Enge einer Stadt - selbst einer so gro�en Stadt wie Elay - wurden sie rasend.</p><p>Auch dieses Tier war keinen friedlichen Tod gestorben: sein massiver Kadaver lag halb unter den Tr�mmern eines Hauses begraben, dessen Fassade es im Todeskampf niedergerissen hatte. Ein halbes Dutzend abgebrochener Pfeile ragte aus seinem Hals, und darunter zeigten die handtellergro�en Panzerplatten Spuren von Scannern: das Horn war geborsten, und das empfindliche Fleisch darunter verbrannt.</p><p>Skar sah sich aufmerksamer um. Auch hier regte sich kein Leben, und der seit zwei Tagen unabl�ssig fallende Regen hatte alle Spuren verwischt, falls es �berhaupt welche gegeben hatte. Aber dem Auge eines Kriegers erz�hlten auch die Toten manchmal noch eine Geschichte, und diese hier taten es. Aber er behielt seine Vermutung vorl�ufig noch f�r sich, obgleich er zumindest ahnte, da� auch Kiina begriffen hatte, was hier wirklich geschehen war. Vorsichtig n�herten sie sich dem Palast. Auch an der riesigen Nadel aus schwarzer Lava waren die K�mpfe nicht spurlos vor�bergegangen: auf den Stufen lagen die verkr�mmten Gestalten von sieben oder acht <emphasis>Errish, </emphasis>und als sie n�her kamen, sah Skar, da� das Tor gewaltsam aufgesprengt worden war. In die gl�nzenden Flanken des Turms waren gezackte schwarze Blitze eingebrannt. Sie blieben stehen, als sie die oberste Stufe erreicht hatten. Skar gab Kiina mit Handzeichen zu verstehen, ein paar Schritte zur�ckzubleiben - was sie nat�rlich nicht tat -, zog abermals sein Schwert und sog pr�fend die Luft ein. S��licher, �belkeit erregender Leichengeruch schlug ihm entgegen. Der Regen, der wenigstens die Luft drau�en �ber der Stadt saubergewaschen hatte, hatte den Palast nicht erreicht.</p><p>�Bist du sicher, da� du dort hineingehen willst?� fragte Kiina. Skar sah sie durchdringend an. <emphasis>�Du </emphasis>wolltest doch wissen, was hier passiert ist, oder?� Sein grober Ton tat ihm sofort wieder leid. �Entschuldige. Du kannst hierbleiben, wenn du willst. Ich brauche jemanden, der mir den R�cken deckt.�</p><p>Selbst Kiina begriff, da� zumindest der letzte Satz einzig dem Zweck diente, ihr einen Vorwand zu liefern, um zur�ckzubleiben. Sie sch�rzte trotzig die Lippen, trat mit einem entschlossenen Schritt neben ihn und ging so schnell los, da� Skar fast M�he hatte, mit ihr mitzuhalten.</p></section><section><title><p id="_2">2.</p></title><p>Sie fanden auch im Palast Tote, allerdings nicht halb so viele, wie Skar erwartet hatte. Die gro�e, ehemals prunkvolle Eingangshalle des Palastes war ausgebrannt, und auch einige der dahinterliegenden R�ume zeigten die Spuren schwerer K�mpfe: Stein, der zerschmolzen und zu bizarren blasigen Formen wiedererstarrt war, ausgebrannte R�ume, zerborstene T�ren. Aber der allergr��te Teil des Palastes war unversehrt.</p><p>Und leer.</p><p>Fast eine Stunde lang durchsuchten sie das gewaltige Bauwerk, wobei Skar Kiina wortlos die F�hrung �berlie�. Er geh�rte zwar zu den wenigen Menschen, die diesen Palast schon zweimal betreten hatten, aber das war Jahre her, w�hrend Kiina hier aufgewachsen war, noch dazu als Tochter der <emphasis>Ehrw�rdigen Mutter, </emphasis>f�r die es keine verschlossenen T�ren und keine Geheimnisse gab. Und sie kannte sich wirklich gut aus: ohne ihre Hilfe h�tte Skar sich wahrscheinlich hoffnungslos in dem Labyrinth aus G�ngen und Hallen und ineinandergeschachtelten Ebenen verirrt, durch das Kiina ihn leitete; ganz davon abgesehen, da� er die meisten R�ume nicht einmal <emphasis>gefunden </emphasis>h�tte. Was sie nicht fanden, das waren <emphasis>Errish. </emphasis>Weder lebende noch tote. Der Palast war leer. Der Leichengestank, der sie empfangen hatte, stammte von Toten unten in der Halle. Aber �berall lag Staub; der gleiche, pulverige graue Staub, der die Stadt bedeckte und durch Fenster und Balkon und jede noch so winzige Ritze hereingeweht worden war.</p><p>Schlie�lich hatten sie den gesamten Palast durchsucht, und es blieb nur noch der Thronsaal selbst, eine gewaltige, halbrunde Halle unmittelbar unter der Spitze des Turmes. Skars Herz begann ein wenig schneller zu schlagen, als er die zweifl�gelige T�r aufstie� und vor Kiina in den Saal trat. Ganz instinktiv legte er die Hand auf das Schwert in seinem G�rtel.</p><p>Seine Vorsicht war auch diesmal �berfl�ssig. Der Thronsaal der <emphasis>Margoi </emphasis>war so leer und tot wie die gesamte Festung; wie die gesamte Stadt. Skar hob die Hand vor die Augen und blinzelte in das grelle Licht, das durch die gro�en gebogenen Fenster hereinfiel, und der pl�tzliche Luftsog lie� graue Staubwolken aufwirbeln. Er hustete, wich unwillk�rlich einen Schritt zur�ck und wartete, bis sich die grauen Schwaden wenigstens einigerma�en gelegt hatten. Dann betrat er zum zweiten Mal den Thronsaal, mit vorsichtigen, sehr langsamen Schritten, um den Staub nicht ein zweites Mal aufzuwirbeln. Sein Blick glitt rasch und mi�trauisch durch die gewaltige Halle, und abermals kam ihm zu Bewu�tsein, wie bedr�ckend und unheimlich dieses riesige, leere Geb�ude war. Es gab auch hier oben kein Leben; nicht einmal mehr die Spuren davon. Grauer Staub lag in einer fast kn�cheltiefen Schicht auf dem Boden, aber sie war unversehrt und vom Wind zu einem regelm��igen Wellenmuster geformt worden, wie eine winzige W�ste, zweihundert Mannesl�ngen �ber der Stadt.</p><p>�Nichts?� Kiina wartete sein Kopfsch�tteln ab, ehe sie hinter ihm in die Thronhalle trat. Auch sie bewegte sich sehr langsam, aber Skar war sicher, da� sie es nicht tat, nur um den Staub nicht aufzuwirbeln. Ihr Gesicht war bleich und die Lippen eng zusammengepre�t und fast blutleer. Drau�en, in der D�mmerung der Korridore und Treppen, war ihm das nicht aufgefallen, aber er sah jetzt, da� die Ruhe ihrer Bewegungen von der Art eines Menschen war, der sich mit aller Macht zusammenri�, um nicht schlichtweg die Beherrschung zu verlieren. Ihre Augen waren fast schwarz vor Entsetzen, und Skar gestand sich ein, da� er Kiina �bersch�tzt hatte. Er machte sich schwere Vorw�rfe deswegen. Sie war noch ein halbes Kind - er h�tte wissen m�ssen, wie der Anblick der zerst�rten Stadt und ihrer toten Br�der und Schwestern auf sie wirken mu�te.</p><p>�Wo sind sie alle hin?� fl�sterte Kiina. Auch ihr Blick irrte durch den Raum, aber anders als der von Skar tat er es unstet und immer schneller, als suche sie verzweifelt nach irgendeinem Halt, an dem sie sich festklammern konnte, um nicht den Boden unter den F��en zu verlieren. �Aber sie... sie m�ssen doch irgendwo sein!� Skar antwortete auch darauf nicht. Was hatte sie erwartet? Die <emphasis>Margoi </emphasis>und s�mtliche �berlebenden Bewohner Elays zusammengepfercht hier im Thronsaal zu finden, in dem sie sich vor einem nicht existierenden Gegner verbarrikadiert hatten ? Aber er konnte schwerlich Logik von Kiina erwarten. Nicht in <emphasis>diesem </emphasis>Augenblick.</p><p>�Vielleicht... vielleicht konnten sie fliehen�, stammelte Kiina. Skar wich ihrem Blick aus, aber sie fuhr, jetzt lauter und fast hysterisch fort: �Sie m�ssen geflohen sein, Skar. Das... das ist die einzige Erkl�rung.�</p><p>Skar sch�ttelte den Kopf. Er streckte die Hand aus, aber Kiina wich vor ihm zur�ck. �Sie sind tot, Kind�, sagte er. �Wie alle anderen.�</p><p>�Das ist nicht wahr!� schrie Kiina. �Dann h�tten wir ihre Leichen gefunden! Sie sind geflohen.�</p><p>�Und die Wachen, unten in der Halle?� widersprach Skar. Kiina verstand nicht. �Sie sind gefallen, als sie den Palast verteidigten�, sagte sie. �Und?�</p><p>�Und welchen Sinn sollte es haben, einen leeren Palast zu verteidigen?�</p><p>Kiinas Lippen begannen zu zittern. Sie machte einen Schritt an ihm vorbei, blieb wieder stehen und hob hilflos die Arme. Skar sah, da� sie noch immer den Scanner in der rechten Hand trug. Im Griff des bizarren kleinen Instruments blinkte ein winziges gr�nes Licht. Die Waffe war schu�bereit. Mit einem traurigen L�cheln trat Skar zu ihr, nahm ihr den Scanner aus der Hand und sah sie fragend an. Kiina ber�hrte eine Taste auf der silbern schimmernden Oberfl�che des Ger�ts, und das Licht erlosch. Skar schob den Scanner unter seinen G�rtel.</p><p>�La� uns gehen�, sagte er.</p><p>Kiina reagierte nicht. Ihr Blick ging an Skar vorbei ins Leere, und erst jetzt, erst in diesem Moment, begriff er wirklich, was der Anblick der leeren Thronkammer f�r sie bedeuten mu�te. Nat�rlich hatte auch Kiina gewu�t, da� sie hier oben so wenig finden w�rden wie in irgendeinem anderen Teil des Palastes, aber der Thronsaal war ihre letzte Hoffnung gewesen, die letzte, verzweifelte L�ge, die noch zwischen ihr und dem Moment stand, in dem sie sich eingestehen mu�te, da� Elay vernichtet war. Und mit ihr die <emphasis>Errish. </emphasis>Kiina begann leise zu weinen und schmiegte sich an seine Brust, und w�hrend Skar einfach dastand und darauf wartete, da� der �rgste Schmerz vor�ber war und sie sich wieder weit genug in der Gewalt hatte, um mit ihm diesen schrecklichen Ort zu verlassen, begriff er ganz allm�hlich, da� sie nicht nur eine zerst�rte Stadt gefunden hatten. Diese Thronkammer war nicht <emphasis>irgendeine </emphasis>Thronkammer, so wenig wie dieser Palast <emphasis>irgendein </emphasis>Palast war oder Elay <emphasis>irgendeine </emphasis>Stadt. Es war das Herz der <emphasis>Errish, </emphasis>die Heimat der <emphasis>Ehrw�rdigen Frauen, </emphasis>die unantastbar waren, seit Enwor bestand. Nicht einmal die Quorrl, die alles Menschliche ha�ten und Enwor und seine Bewohner mit zahllosen Kriegen �berzogen hatten, hatten es jemals gewagt, die Hand gegen eine <emphasis>Errish </emphasis>zu erheben. Ihre Heimatstadt zu zerst�ren, bedeutete an den Grundfesten der Welt zu r�tteln.</p><p><emphasis>Aber waren sie nicht l�ngst zerbrochen ? </emphasis>fl�sterte eine Stimme in seinen Gedanken. Die Geister, die Vela heraufbeschworen hatte, hatten doch l�ngst angefangen, Enwor zu ver�ndern, schleichend und fast unbemerkt von den meisten seiner Bewohner, aber auf eine Art, die nie wieder gutzumachen war. Selbst, wenn es ihnen gelang, Drasks Br�der und ihre Verb�ndeten <emphasis>(oder Herren?) </emphasis>zu besiegen - wovon Skar ganz und gar nicht �berzeugt war -, w�rde Enwor nie wieder die Welt sein, als die er sie kannte. Sie war es jetzt schon nicht mehr.</p><p>�Gehen wir�, sagte er noch einmal. �Ich habe zu Titch gesagt, da� wir in einer Stunde zur�ck sind. Sie ist l�ngst vorbei.� Kiina l�ste sich aus seiner Umarmung und zog ger�uschvoll die Nase hoch. Ihre Augen waren rot und das Gesicht verquollen. �Entschuldige�, murmelte sie. �Der... der Staub. Er brennt in den Augen.� Skar sp�rte, wie peinlich es ihr war, da� er sie wie ein Kind weinen sah. Dabei beneidete er sie fast darum, noch weinen zu k�nnen. Er schwieg.</p><p>�Du hast recht�, fuhr Kiina nach einer Sekunde fort. �Gehen wir. So schnell wie m�glich. Ich -� Sie brach mitten im Wort ab und sog h�rbar die Luft ein. Ihre Augen wurden gro�.</p><p>�Was hast du?�</p><p>�Vielleicht... vielleicht gibt es doch noch ein paar �berlebende�, fl�sterte Kiina. �Die Katakomben, Skar! Die Drachenh�hlen unter der Stadt! Sie halten jedem Angriff stand! Nicht einmal eine Armee von <emphasis>Errish </emphasis>k�nnte sie erobern!�</p><p>Skar starrte sie an. <emphasis>War er denn blind gewesen? </emphasis>Er kannte die H�hlen so gut wie Kiina. Was lag n�her, als sich im Falle eines Angriffes an einen Ort zur�ckzuziehen, der erstens leicht zu verteidigen und dessen Existenz nur einigen wenigen Eingeweihten bekannt war? Er verstand nicht, warum er nicht von selbst auf diesen Gedanken gekommen war!</p><p>Kiina fuhr herum, aber Skar hielt sie am Arm zur�ck. �Wo willst du hin?�</p><p>�In die H�hlen!� antwortete Kiina. Sie versuchte sich loszurei�en, aber Skar hielt sie fest. �Es gibt einen Eingang unten in den Kellern des Palastes! Ich zeige ihn dir!�</p><p>�Ich kenne einen k�rzeren Weg�, antwortete Skar.</p><p>Kiina sah ihn verwirrt an. �Du -?�</p><p>Skar lie� ihre Hand los, wandte sich um und ging auf den Thronsessel der <emphasis>Margoi </emphasis>zu. Das wuchtige, aus einem einzigen �bermannshohen Basaltblock herausgemei�elte M�belst�ck mit den beiden drohend hochgereckten Drachensch�deln als Armlehne war mit einer grauen Staubschicht bedeckt, wie alles hier drinnen, aber Skar sah auch, da� sie nicht halb so dick war wie auf dem Boden. Und keineswegs unversehrt. Jemand hatte versucht, die Schleifspuren beiderseits des Thrones zu entfernen, sich aber dabei nicht besonders geschickt angestellt. Skar wunderte sich ein wenig, da� ihm das nicht sofort aufgefallen war. Offensichtlich hatte ihn der Marsch durch die tote Stadt doch nicht ganz so unber�hrt gelassen, wie er sich selbst eingeredet hatte.</p><p>Kiina beobachtete ihn mit wachsender Verbl�ffung, w�hrend er sich vor dem Thron auf die Knie sinken lie� und mit spitzen Fingern �ber den rechten der beiden Drachenk�pfe tastete. Gowenna hatte ihm den verborgenen Mechanismus gezeigt, aber es war lange her, und es war fast im Spiel gewesen; er hatte nicht sehr gut aufgepa�t, denn sie wie er hatten gewu�t, da� er nicht zur�ckkommen w�rde.</p><p>Aber woran sich seine Gedanken nicht mehr erinnerten, hatten seine H�nde nicht vergessen. Seine Finger dr�ckten auf einen der schwarzen Drachenz�hne und fanden wie von selbst in den richtigen Rhythmus: Aus dem Inneren des Thrones erklang ein helles, aber durchdringendes Schnappen, und pl�tzlich bewegte sich der tonnenschwere Block um ein winziges St�ck. Skar dr�ckte mit der Schulter gegen den Sockel des Thrones, und er bewegte sich abermals; aber nicht sehr weit und nicht so leicht, wie er es sollte. Zwischen dem Fu� des Thronsessels und den steinernen Bodenfliesen entstand ein haarfeiner, dunkler Ri�. Staub rieselte hindurch und verschwand lautlos in der Tiefe.</p><p>Kiina sog �berrascht die Luft ein und wollte eine Frage stellen, aber Skar schnitt ihr mit einer Geste das Wort ab.</p><p>�Hilf mir�, sagte er. �Der Mechanismus scheint verklemmt zu sein.�</p><p>Kiina gehorchte. Selbst zu zweit �berstieg es fast ihre Kr�fte, den Ri� im Boden so weit zu verbreitern, da� Skar hindurchsehen konnte. Im ersten Moment erkannte er nichts, aber nachdem sich seine Augen ein wenig an die Dunkelheit gew�hnt hatten, glaubte er einen schwachen, r�tlichen Lichtschimmer weit unter sich auszumachen. Der Schein einer Fackel, ged�mpft oder sehr weit entfernt.</p><p>�Was ist das?� fragte Kiina fassungslos.</p><p>Skar stemmte sich abermals gegen den Thron und schob mit aller Kraft. �Ein geheimer Gang, der direkt in die Katakomben f�hrt�, erkl�rte er mit zusammengebissenen Z�hnen. �Die Erbauer dieses Palastes waren offensichtlich nicht ganz so sehr von der Unantastbarkeit seiner Bewohner �berzeugt wie sie selbst. Von hier aus f�hrt eine Treppe direkt in die Drachenh�hlen.�</p><p>�Davon wu�te nicht einmal ich�, sagte Kiina staunend.</p><p>�Deine Mutter hat sie mir gezeigt, als ich hier war.� Skar h�rte f�r einen Moment auf zu schieben und zu dr�cken, atmete tief ein und warf sich dann noch einmal mit aller Kraft gegen den Thron. Ein helles, in Ohren und Z�hnen schmerzendes Kreischen erklang - und pl�tzlich glitt der Thron so leicht und schnell nach hinten, da� Kiina Skar am G�rtel festhalten mu�te, damit er nicht kopf�ber in die Tiefe fiel.</p><p>Skar richtete sich ungeschickt auf, nickte Kiina dankbar zu und hustete. Ihre Bewegungen hatten den Staub wieder aufgewirbelt, und Skar registrierte beunruhigt, wie bitter und scharf er schmeckte; v�llig anders als alles, das er je kennengelernt hatte. Er wedelte mit der Hand vor dem Gesicht in der Luft, um nicht mehr von dem Zeug einatmen zu m�ssen als unbedingt n�tig und forderte Kiina mit Gesten auf, loszugehen. Sie z�gerte nur einen kurzen Moment, dann setzte sie den Fu� auf die oberste Stufe und verschwand rasch in der Tiefe.</p><p>Skar fluchte lautlos in sich hinein, als er ihr folgte. Der zweite Fehler: er hatte vergessen, wie eng die gewendelte Treppe war. Die Stufen f�hrten beinahe senkrecht in die Tiefe, und sie waren so schmal, da� Skar nicht einmal gerade gehen konnte und es ihm schlichtweg unm�glich war, sich an Kiina vorbeizudr�ngen. Der Gedanke, sie vorausgehen zu lassen, gefiel ihm nicht besonders. Er hatte keine Ahnung, welche Gefahren dort unten auf sie lauern mochten. Aber es war zu sp�t, den Fehler zu korrigieren.</p><p>Kiinas Schatten verschluckte den ohnehin schwachen Lichtschimmer unter ihnen, so da� Skar sich durch fast vollkommene Dunkelheit bewegte; was aber kein Problem war - der Treppenschacht war so schmal, da� er ohnehin mit beiden Schultern an der Wand entlangstreifte und kaum die Gefahr bestand, zu stolpern. Er versuchte die Stufen zu z�hlen, um nicht vollends die Orientierung zu verlieren, gab es aber bald wieder auf; zum einen geriet er unentwegt aus dem Takt, denn die Stufen waren unterschiedlich hoch und breit, so da� ein rhythmisches Gehen unm�glich wurde, und zum anderen kannte er diesen geheimen Fluchtweg sowieso und wu�te, da� es keinerlei Abzweigungen oder T�ren gab, bis hinab ins Kellergescho� des Palastes, wo er in die Verliese m�ndete; und wahrscheinlich auch in den Gang, den ihm Kiina hatte zeigen wollen.</p><p>Der Weg schien endlos zu sein. Das Licht unter ihnen wurde nur ganz allm�hlich st�rker, und w�hrend Kiinas Gestalt sich allm�hlich als schwarzer Umri� vor ihm aus r�tlicher Glut herauszusch�len begann, begriff Skar, da� er sich get�uscht hatte: Es war nicht der Schein einer Fackel; dazu war das Licht zu gleichm��ig und zu d�ster, ein dunkles Rot wie von nur noch halb gl�hender Lava. Er erwog diesen Gedanken sekundenlang und verwarf ihn wieder. Die Luft, die ihnen aus der Tiefe entgegenstr�mte, war <emphasis>kalt.</emphasis></p><p>Schlie�lich weitete sich der Treppenschacht zu einer halbrunden, gut f�nfzig Fu� messenden Halle, die in eben jenem Rot gl�hte, das sie von oben gesehen hatten. Skar trat rasch an Kiina vorbei und atmete innerlich auf, froh, aus der erstickenden Enge des Treppenschachtes heraus zu sein. Kiina taumelte vor Ersch�pfung, und auch Skars Knie zitterten sp�rbar. Das Gehen auf den ungleichm��igen Stufen war sehr kr�ftezehrend gewesen.</p><p>�Was ist das hier?� fragte Kiina. Ihre Stimme war zu einem Fl�stern herabgesunken.</p><p>Skar zuckte wortlos mit den Schultern. Ein einziges Mal war er hier gewesen, vor Jahren, aber damals hatte es dieses rote Gl�hen nicht gegeben. Gowenna und er hatten die Halle im Schein einer ganz normalen Fackel durchquert, und noch dazu sehr schnell, denn es gab hier nichts, was betrachtenswert gewesen w�re. �Ich wei� es nicht�, antwortete er. �Dieses Licht...� Es war ein sonderbares Licht, ein d�sterer roter Schein, der Assoziationen an Flammen und Hitze weckte, aber kalt war und ihn mit instinktivem Unbehagen erf�llte. Vielleicht, weil er seine Quelle nicht ausmachen konnte. Die Luft selbst schien in dieser roten Glut zu erstrahlen. Wenn man nur lange genug hinsah, dann glaubte man ein schwaches Pulsieren in der Helligkeit wahrzunehmen.</p><p>�Das meine ich nicht�, antwortete Kiina. �Das Licht ist normal. Ich meine den Raum.�</p><p>�Das nennst du normal?� �chzte Skar.</p><p>Kiina machte eine wegwerfende Handbewegung. �Wir benutzen es nie, aber du kannst jeden Raum im Palast auf diese Weise beleuchten�, sagte sie. �Und in fast jeder beliebigen Farbe. Ein Zauber <emphasis>der Alten.� </emphasis>Sie gab sich M�he, ihre Stimme m�glichst beil�ufig klingen zu lassen, aber Skar sp�rte, mit welchem Stolz es sie erf�llte, ihm dieses Geheimnis zu verraten. Ihm selbst bereitete es eher Furcht.</p><p>�Ein Teil des Fluchtweges�, antwortete er. �Irgendwo hinter -� Er sah sich suchend um und deutete schlie�lich auf eine Stelle, die der Treppe genau gegen�berlag. �- <emphasis>dieser </emphasis>Wand liegen die alten Verliese. Von dort aus kennst du den Weg wahrscheinlich besser als ich.�</p><p>Kiina schwieg einen Moment. Ihr Blick wirkte irritiert. Sie verstand den groben Ton nicht, in dem Skar pl�tzlich sprach. Ohne ein weiteres Wort ging sie zu der Stelle, die Skar ihr gezeigt hatte, und dr�ckte mit der Schulter dagegen. Nichts geschah. Kiina runzelte ver�rgert die Stirn, und Skar trat mit einem raschen Schritt neben sie und legte die gespreizten Finger auf den glattpolierten Fels. Ein helles Klicken erscholl, vergleichbar dem Ger�usch, das oben aus dem Inneren des Thrones gekommen war, aber leiser, sauberer, und pl�tzlich spaltete sich die scheinbar massive Wand vor ihnen in zwei H�lften, zwischen denen sie zwar geb�ckt, aber doch bequem hindurchgehen konnten.</p><p>Kiina nickte anerkennend. �Du �berraschst mich immer wieder, Skar�, sagte sie. �Du wei�t Dinge, die nicht einmal mir bekannt waren.�</p><p>Skar verzichtete auf eine Antwort. Ungeduldig wartete er, bis Kiina ihm gefolgt war, dann schlo� er die T�r wieder auf die Art, die Gowenna ihm gezeigt hatte, und sah sie auffordernd an. �Jetzt darfst du die F�hrung �bernehmen.�</p><p>�Euer Vertrauen ehrt mich zutiefst�, antwortete Kiina sp�ttisch. Sie drehte sich herum, ging ein paar Schritte, blieb stehen, runzelte verwirrt die Stirn, machte einen Schritt in die entgegengesetzte Richtung und blieb wieder stehen.</p><p>�So furchtbar gerechtfertigt scheint es aber nicht gewesen zu sein�, sagte Skar.</p><p>Kiina warf ihm einen vernichtenden Blick zu und ging rasch weiter; ein wenig <emphasis>zu </emphasis>schnell, um Skar davon zu �berzeugen, da� sie <emphasis>wirklich </emphasis>wu�te, wohin sie ging. Aber er folgte ihr widerspruchslos.</p><p>Es war ein wahres Labyrinth, durch das sie sich bewegten. Die alten, seit einem Jahrtausend nicht mehr benutzten Verliese blieben hinter ihnen zur�ck, sie durchquerten G�nge und Hallen voller aufgestapelter Kisten und F�sser und abgedeckter Ballen, dann wieder leere, unerme�lich gro�e Hallen, in denen der Staub von Jahrhunderten zu einer steinharten Schicht auf dem Boden zusammengebacken war. Skar war in dieser Zeit mehr als einmal sicher, da� Kiina l�ngst die Orientierung verloren hatte und den Weg nur noch erriet. Obwohl er schon einmal hiergewesen war, konnte er sich nicht mehr genau an den Weg zu den Drachenh�hlen erinnern, aber was er wu�te war, da� er <emphasis>k�rzer </emphasis>gewesen war. <emphasis>Wesentlich </emphasis>k�rzer. Ein schneller Fluchtweg machte sehr wenig Sinn, wenn man sich die F��e wundlief, um ihn zu bew�ltigen.</p><p>Aber schlie�lich f�hrte Kiina ihn wieder durch einen Gang, den er kannte, obgleich das rote Licht alles fremd und kleiner und gedrungener erscheinen lie�, als er es in Erinnerung hatte. Wortlos trat er an Kiina vorbei und bedeutete ihr mit Gesten, da� er von nun an wieder die F�hrung �bernahm. Sie widersprach nicht, sondern wirkte ganz im Gegenteil erleichtert.</p><p>Sie traten durch eine weitere, getarnte T�r und fanden sich unvermittelt im Dunkeln wieder. Kiina hielt ihn am Arm zur�ck und machte einen halben Schritt in die Schw�rze hinein. Skar h�rte sie vor sich hinhantieren, dann glomm ein winziger Funke auf und wurde in Sekundenschnelle zum prasselnden Feuer einer ganz normalen Fackel. In dem flackernden Licht sah Skar, da� eine ganze Reihe davon in eisernen Haltern neben der Wand warteten. Er ersparte sich die Frage, wie Kiina die Fackel so schnell entz�ndet hatte - schon um nicht einen weiteren Vortrag �ber die <emphasis>geheimen K�nste </emphasis>der <emphasis>Errish </emphasis>h�ren zu m�ssen -, und streckte fordernd die Hand aus. Kiina reichte ihm die Fackel, entz�ndete eine zweite f�r sich selbst und schob sich zwei weitere Reservefackeln unter den G�rtel. Skar runzelte mi�billigend die Stirn. <emphasis>Was hatte sie vor? Unter der Erde bis nach Ikne zur�ckzulaufen?</emphasis> Schaudernd sah er sich um. Er war nicht das erste Mal hier, aber der Anblick erschreckte ihn ebensosehr wie damals: die geheime T�r hatte sie auf einen schmalen, glasglatten Felssims hinausgef�hrt, der dicht unter der Decke einer wahrhaft titanischen H�hle entlangf�hrte. Der Schein ihrer Fackeln verlor sich schon nach wenigen Fu� in absoluter Dunkelheit, aber Skar wu�te, da� der Boden mehr als eine Meile unter ihnen lag. Die H�hle war so gro�, da� ganz Elay bequem hineingepa�t h�tte. Und es war nicht die einzige.</p><p>�Worauf wartest du?� fragte Kiina, als er sich nicht von der Stelle r�hrte.</p><p>Skar machte eine Kopfbewegung auf den finsteren Abgrund vor sich. �Dort unten ist nichts�, sagte er. �Kein Licht. Keine Ger�usche.�</p><p>�Vielleicht sind sie in einer der anderen H�hlen�, sagte Kiina unwillig. �Komm schon.� Und wie es ihre Art war, ging sie einfach los, ohne auf seine Antwort zu warten. Skar folgte ihr, aber er tat es mit gemischten Gef�hlen. Auf der einen Seite war er es Kiina - und auch sich selbst - schuldig, sich wenigstens davon zu �berzeugen, da� auch die Drachenh�hlen leer waren. Aber sie hatten die mit Titch vereinbarte Zeit l�ngst �berschritten, und der R�ckweg w�rde doppelt anstrengend und somit auch ein gutes St�ck l�nger sein. Und wenn er ganz ehrlich war, dann hatte er fast Angst vor dem, was sie vielleicht finden konnten. Er ertrug den Gedanken nicht, noch mehr Tote zu sehen.</p><p>Das einzige, was er f�r die n�chste halbe Stunde sah, waren Kiinas R�cken, die glatte Felswand neben sich und die Stufen aus schwarzer Lava, die in magenumst�lpendem Winkel vor ihnen in die Tiefe f�hrten. Seine Waden begannen zu schmerzen, dann sein R�cken, und als er endlich den Boden der H�hle erreicht hatte, hatte er das Gef�hl, keinen Schritt weiter gehen zu k�nnen. Ersch�pft lehnte er sich gegen die Wand und atmete mehrmals hintereinander tief ein und aus, um sein Blut wieder mit frischem Sauerstoff zu f�llen.</p><p>�Was hast du, Satai?� fragte Kiina sp�ttisch. �Schon m�de?� Skar funkelte sie �rgerlich an. �Nicht halb so ersch�pft wie du, kleines M�dchen�, sagte er. �Ich bin nur nicht so dumm, so zu tun, als w�rde es mir nichts ausmachen.�</p><p>Kiina setzte zu einer w�tenden Antwort an, fuhr dann aber wortlos herum und st�rmte einfach in die Dunkelheit hinein. Skar folgte ihr mit einem gemurmelten Fluch. Sie <emphasis>war </emphasis>Gowennas Tochter, daran gab es gar keinen Zweifel. Schade, da� sie nicht auch die Besonnenheit ihrer Mutter geerbt hatte.</p><p>Er holte sie ein, ri� sie mit einer etwas zu groben Bewegung an der Schulter zur�ck und machte eine wedelnde Geste mit der freien Hand. �Und wohin jetzt? Diese verdammten H�hlen sind so gro�, da� du Elay f�nfmal darin unterbringen kannst. Willst du blindlings herumsuchen?�</p><p>Kiina ri� sich los. Aber pl�tzlich geschah etwas Seltsames: Der Trotz auf ihren Z�gen erlosch und machte Verlegenheit Platz. Vielleicht hatte sie gemerkt, da� Skars Zorn nicht gespielt war. Vielleicht ging es ihr auch so wie Skar, und diese H�hlen machten ihr angst.</p><p>�Es gibt einen Saal, nicht weit von hier�, sagte sie. �Er ist f�r den Drachen der <emphasis>Margoi </emphasis>reserviert, und ihre engsten Vertrauten. Wenn es �berlebende gibt, dann dort.�</p><p>Skar resignierte. Er wu�te, da� er Kiina nicht eher hier herausbekommen w�rde, bis sie sich mit eigenen Augen von dem �berzeugt hatte, was sie im Grunde beide schon lange wu�ten: da� diese H�hlen so leer und tot waren wie die Stadt, die �ber ihnen erbaut war.</p><p>Was Kiina mit <emphasis>nicht sehr weit von hier </emphasis>bezeichnet hatte, erwies sich als eine Strecke von zwei Meilen, f�r die sie auf dem unebenen Boden eine gute Stunde brauchten. Sie durchwateten einen unterirdischen, eiskalten Flu�, der nur knietief war, aber rei�end, und einmal st�rzte Kiina und verletzte sich an der Schl�fe, als sie eine steil aufragende Halde aus Schutt und spitzen Lavabrocken �berkletterten. Skars Mitleid hielt sich in Grenzen - er hatte Kiina jede nur denkbare M�glichkeit gegeben, umzukehren, aber sie war noch in einem Alter, aus dem man eben nur aus Schaden klug wurde, nicht aus Worten. Doch er registrierte mit einer Mischung aus Sorge und grimmiger Befriedigung, da� sich ihre Kr�fte wirklich dem Ende entgegenneigten. Als sie endlich den Durchgang zu der H�hle erreichten, von der Kiina gesprochen hatte, wankte sie vor Ersch�pfung. Skar fragte sich, ob sie den R�ckweg schaffen w�rde. Zur Not w�rde er sie tragen m�ssen, obwohl er - Und dann sah er etwas, was ihn alle Gedanken an den R�ckweg und Kiinas Zustand schlagartig vergessen lie�.</p><p>Es war sehr dunkel hier unten. Die Schw�rze schien das Licht ihrer halb heruntergebrannten Fackeln aufzusaugen wie ein k�rperloser Schwamm, aber der zuckende rote Schein reichte trotzdem aus, Skar erkennen zu lassen, da� der Eingang zur Drachenh�hle nicht leer war.</p><p>Er war gro� - halb so hoch wie die Stadttore Elays und zu perfekt gerundet, um trotz der hervorspringenden Kanten und Grate nat�rlichen Ursprungs zu sein. Und etwas versperrte ihn. Ein Netz. Ein schwarzes Gewebe aus fingerdicken Str�ngen, zu einer Spirale gedreht wie das Netz einer gigantischen Spinne und mit einem riesigen, klumpigen Zentrum, aus dessen Mitte ein Dutzend kleiner, b�ser Augen auf Kiina und ihn herabstarrten...</p><p>Kiina schrie auf und taumelte zur�ck, und auch Skars Herz machte einen erschrockenen Sprung und h�mmerte schneller und mit schmerzhafter Kraft weiter. Seine Hand zuckte instinktiv zum G�rtel und ri� das <emphasis>Tschekal </emphasis>hervor, gleichzeitig trat er einen halben Schritt zur�ck und spreizte die Beine, um festen Stand f�r den Fall eines Angriffes zu haben, alles in einer einzigen, flie�enden, unglaublich schnellen Bewegung, die fast gegen seinen Willen ablief und noch ehe ihm klar wurde, wie l�cherlich das Satai-Schwert gegen die <emphasis>Sternenbestie </emphasis>im Zentrum des Netzes wirkte.</p><p>Vor allem, da sie tot war.</p><p>Verbl�fft lie� er das Schwert sinken und hob statt dessen die Fackel h�her. Der zuckende Lichtschein flo� wie blutiges Wasser an den ineinandergeknoteten Str�ngen des Netzes hinauf, erreichte den aufgedunsenen Balg des Monsters und brach sich in seinen erloschenen Augen wie in funkelnden Diamanten. Gr��liche F�nge, halb ge�ffnet, als wolle das Ungeheuer selbst im Tode noch zubei�en, grinsten ihn an. Auf der schwarzen Haut, die wie steinhartes zerbrochenes Leder war, hatten sich Tropfen einer wasserklaren Fl�ssigkeit gesammelt, die in regelm��igen Abst�nden zu Boden fielen und sich dicht vor Skars F��en zu einer schimmernden Pf�tze gesammelt hatten. Einer der zahllosen, mit entsetzlichen Klauen bewehrten Schlangenarme des Monsters pendelte leicht hin und her, von einem Luftzug bewegt, und die Fackel in Skars Hand lie� seinen Schatten �bergro� an der Wand entlanghuschen und sich nach den ihren greifen. Aber das Ungeheuer war tot. Und zwar schon seit langer Zeit.</p><p>Skar machte einen vorsichtigen Schritt auf das Netz zu und senkte hastig die Fackel, als die Flammen einen der F�den streiften und zischende Funken aufstoben.</p><p>�Skar!� sagte Kiina erschrocken. �Sei vorsichtig!�</p><p>Skar machte eine beruhigende Handbewegung, aber er hatte sich nicht gut genug in der Gewalt, um seinen Blick von der toten Scheu�lichkeit zwanzig Fu� �ber sich zu l�sen. Selbst tot und bereits halb in Verwesung �bergegangen wirkte das <emphasis>Ding </emphasis>noch drohend.</p><p>�Keine Angst�, sagte er. �Es kann dir nichts mehr tun. Es ist tot.� Um seine Worte zu bekr�ftigen, hob er das Schwert und durchtrennte einen der fingerdicken Str�nge vor sich. Er zersprang mit einem peitschenden Knall, und die Ersch�tterung pflanzte sich durch das gesamte Netz fort und lie� die Bestie in seinem Zentrum erbeben. Kiina verzog angeekelt das Gesicht, als sich ein Hautlappen von seinem K�rper l�ste und mit einem widerw�rtigen feuchten Ger�usch zu Boden fiel.</p><p>�Es ist... dasselbe Ding wie in der Burg, nicht wahr?�. Kiinas Stimme klang gepre�t. Sie k�mpfte gegen die �belkeit an, die der Anblick in ihr ausl�ste.</p><p>Skar nickte, obwohl er nicht einmal sicher war, da� sie die Bewegung sah. Dieselbe Kreatur, dasselbe Netz, nur kleiner und bereits halb zerfallen. Was in Draks Trutzburg begonnen hatte, hatte hier in Elay seine Vollendung gefunden. Er fragte sich, ob die Bergfestung mit all ihren Bewohnern am Schlu� auch so ausgesehen h�tte wie die Stadt �ber ihnen, w�re es ihm nicht gelungen, die <emphasis>Sternenbestie </emphasis>zu vernichten.</p><p>�Aber sie ist... tot�, stammelte Kiina. Ihre Stimme wurde schrill. �Sie haben sie get�tet, so wie du das Ungeheuer in der Burg!� Sie fuhr herum und starrte ihn an. Ihre Augen waren weit und dunkel. �Sie haben sie besiegt, Skar! Sie m�ssen noch leben!� Skar antwortete nicht darauf. Kiinas Schlu�folgerung war von einer verlockenden Logik, aber er wu�te einfach, da� sie falsch war. Es war die H�hle der Drachenk�nigin, vor der die Bestie hockte, das Zentrum von Elays Macht, ein Ort, der sicherlich nicht durch Zufall gew�hlt war; er war voller schrecklicher Symbolik. Er sprach nichts von diesem Gedanken aus, aber Kiina schien sie in seinen Augen zu lesen. Sie begann zu zittern.</p><p>Und dann tat sie etwas, was Skar vollkommen �berraschte: V�llig warnungslos griff sie zu, zerrte den Scanner aus seinem G�rtel und ri� die Waffe mit beiden H�nden in die H�he, so schnell, da� selbst Skars Reaktion zu sp�t kam. Der Scanner spie einen grellwei�en, kreischenden Lichtblitz aus, und pl�tzlich verwandelte sich der Kadaver der <emphasis>Sternenbestie </emphasis>�ber ihren K�pfen in einen lodernden Feuerball.</p><p>Skar sprang mit einem Fluch zur�ck, zerrte Kiina mit sich und entri� ihr die Waffe. Kiina starrte ihn trotzig an und versuchte, ihm den Scanner wieder zu entringen, und pl�tzlich hatte Skar Lust, sie zu ohrfeigen.</p><p>Er tat es nicht, aber Kiina schien abermals zu sp�ren, was in ihm vorging, denn sie h�rte auf, an seinem Arm zu zerren und beschr�nkte sich darauf, ihn trotzig anzufunkeln, w�hrend sie ein paar Schritte weiter vor dem brennenden Kadaver zur�ckwichen. Skars Zorn verrauchte so schnell, wie er gekommen war. Im Grunde konnte er Kiina sehr gut verstehen. An ihrer Stelle h�tte er vielleicht nicht anders gehandelt.</p><p>Sie sahen schweigend zu, wie der Kadaver <emphasis>der Sternenbestie </emphasis>verbrannte. Es ging sehr schnell. Der aufgedunsene Balg brannte wie trockener Zunder. Sie konnten zusehen, wie er in den Flammen zusammenschrumpfte und zu einem kleinen, gl�henden Etwas wurde, das tr�ge zu Boden st�rzte, als die Flammen auf das Netz �bergriffen und es ebenfalls verzehrten. Vorhin, als er mit dem Schwert einen der Str�nge zerschnitten hatte, hatte er gesp�rt, wie hart und trocken die F�den geworden waren. Kiina t�uschte sich. Mit klopfendem Herzen gingen sie weiter, als keine Gefahr mehr bestand, von einem herunterst�rzenden Teil des Gewebes getroffen zu werden. Die Flammen des brennenden Netzes erf�llte die H�hle mit zuckendem Feuerschein und Schatten, in die Skars �berreizte Nerven Bewegung hineinzauberte. Nicht, da� das n�tig gewesen w�re. Was sie sahen, das war ein Bild aus einem Alptraum; schlimmer noch - es war Wirklichkeit, die die Phantasie �berholt hatte.</p><p>In der H�hle befanden sich die Kadaver von mehr als einem Dutzend Drachen. Die meisten waren zu Boden gest�rzt, aber einige standen auch aufrecht da, in absurden Stellungen eingewoben in die F�den des schwarzen Netzes, das die H�hle in ein Labyrinth sich �berschneidender F�den und dunkler Klumpen verwandelte. Der Felsensaal war nicht sehr gro�, verglichen mit der zyklopischen H�hle, durch die sie gekommen waren, aber sie war noch immer <emphasis>riesig. </emphasis>Trotzdem erf�llte das abgestorbene schwarze Gewebe ihr hinteres Drittel so dicht, da� ein Durchkommen dort fast unm�glich sein mu�te. Darin eingewoben, wie Beute in schwarzen Kokons - vielleicht waren sie es -, dunkle Umrisse, die im flackernden Feuerschein nicht zu identifizieren waren. Selbst aus Ritzen und Spalten des Bodens kr�uselten sich abgestorbene schw�rzliche F�den, wo das Netz den Felsen aufgebrochen und durchdrungen hatte.</p><p>Lange, endlos lange standen sie einfach da und starrten auf das Bild des Entsetzens herab, das sich ihnen bot, schweigend, jeder in seiner eigenen Angst gefangen. Es fiel Skar nicht sehr schwer, in Gedanken nachzuvollziehen, was hier geschehen war: Hier, genau hier, mu�te es begonnen haben. Es war dieser Ort, das Zentrum von Elays Macht, an dem die Bestie, die die Bewohner der Stadt sp�ter den <emphasis>W�chter </emphasis>nannten, zuerst zugeschlagen hatte, mit aller Macht und lange, ehe sie begann, ihr finsteres Gespinst nach oben zu schicken. Die Stadt war schon gefallen, ehe seine Bewohner auch nur ahnten, da� sie �berhaupt angegriffen wurden.</p><p>Kiina hob die Hand und deutete auf eine titanische Echse, die halb zusammengebrochen, halb auf den Hinterl�ufen stehend, in einem Gewirr schwarzer, schenkelartiger Netzf�den hing. �Das ist Elah�, fl�sterte sie.</p><p>Skar sah sie fragend an, und Kiina f�gte hinzu: �Der Drache der <emphasis>Margoi.�</emphasis></p><p>Skar besah sich das Tier ein zweites Mal. Es war der mit Abstand gr��te Drache, der hier sein Grab gefunden hatte, und er unterschied sich auch sonst von den �brigen Tieren. Seine Haut war grau und gl�nzte wie poliertes Eisen, und in das Horn des riesigen Stachelkranzes �ber seinem Sch�del war ein schmaler Sattel eingeschnitten worden. Seine Augen waren so gro� wie Skars geballte F�uste und strahlten selbst im Tode noch Wildheit aus. Dann erinnerte er sich, wo er ein solches Tier schon einmal gesehen hatte: es war ein Staubdrache, die wildeste und gr��te Bestie, die auf Enwor bekannt war. Selbst den <emphasis>Errish </emphasis>gelang es nur sehr selten, ein solches Tier zu z�hmen.</p><p>Fast gegen seinen Willen drehte er sich herum und sah zu den vergl�henden Resten der <emphasis>Sternenbestie </emphasis>hin�ber. Der Gedanke, da� selbst ein Ungeheuer wie der Staubdrache dem Monster erlegen war, erschien ihm absurd und ungerecht. Die Drachen waren - auch wenn sie fast immer den Tod brachten - ein Teil <emphasis>ihrer </emphasis>Welt, erschaffen von der gleichen Macht, die ganz Enwor erschaffen hatte, aber die Kreaturen von den Sternen waren... anders. Fremd. Fremd u... vielleicht nicht einmal b�se, aber so v�llig verschieden von ihnen, da� eine Verst�ndigung einfach nicht denkbar war.</p><p>Dann erkannte er den Fehler in dieser �berlegung und zwang sich, den Gedanken abzubrechen.</p><p>Ein dumpfes Poltern und Bersten lie� ihn aufsehen. Der Brand hatte auch auf einen Teil dieses Netzes �bergegriffen und breitete sich aus, nicht so schnell, da� sie in irgendeiner Gefahr gewesen w�ren, aber doch rasch genug, um auch die Stabilit�t dieses zweiten, gr��eren Netzes zu ersch�ttern. Einer der Drachenkadaver war zur Seite gest�rzt; brennende F�den regneten auf ihn herab. �La� uns gehen�, sagte Skar schaudernd. �Bevor hier alles zusammenbricht.�</p><p>�Da hinten... ist etwas�, sagte Kiina.</p><p>Skar sah kurz in die Richtung, in die sie starrte, und sch�ttelte den Kopf. �Da ist nichts, Kind�, sagte er sanft. �Nur Schatten.�</p><p>�Da <emphasis>ist </emphasis>jemand!� beharrte Kiina. �Etwas hat sich bewegt.� Sie machte einen Schritt. Skar hielt sie zur�ck, aber Kiina ri� sich mit erstaunlicher Kraft wieder los. Skar wollte wieder nach ihr greifen, um sie zum zweiten Mal zur�ckzurei�en - und dann erkannte er, da� sie recht hatte. Nur wenige Dutzend Schritte vor ihnen, halb im Schatten des toten Staubdrachen verborgen, bewegte sich wirklich etwas. Er konnte nicht erkennen, ob es Mensch oder Tier oder etwas <emphasis>anderes </emphasis>war.</p><p>�Glaubst du mir jetzt?� fragte Kiina.</p><p>Skar gebot ihr mit einer warnenden Geste zu schweigen, machte eine zweite, befehlende Handbewegung, da� sie zur�ckbleiben sollte, und ging vorsichtig auf den toten Drachen zu. Kiina tat genau das, was er erwartet hatte - sie ignorierte seinen Befehl und folgte ihm in weniger als zwei Schritten Abstand. Skar n�herte sich dem Tier in einem weiten Bogen, obwohl er dabei in unangenehme N�he der Flammen geriet. Aber er hatte kein Vertrauen in die Festigkeit des abgestorbenen Gewebes, das den tonnenschweren Kadaver st�tzte. Er war nicht besonders erpicht darauf, unter dem zusammenbrechenden Drachen begraben zu werden.</p><p>Die Bewegung wiederholte sich, und wie um die Szene besser zu beleuchten, loderten die Flammen hinter ihnen pl�tzlich heller auf und durchbrachen den Schatten mit roter Glut, so da� Skar jetzt erkennen konnte, was sie verursacht hatte.</p><p>Es war ein Mensch. Eine schmale, in ein schmuckloses schwarzes Kapuzengewand geh�llte Gestalt, die verkr�mmt und mit angezogenen Armen und Beinen wie ein Embryo auf der Seite lag und sich schwach bewegte. Eine <emphasis>Errish.</emphasis></p><p>Kiina schrie auf, st�rmte an ihm vorbei und fiel neben der <emphasis>Ehrw�rdigen Frau </emphasis>auf die Knie herab. Ein leises St�hnen drang unter der Kapuze hervor, als Kiina versuchte, sie auf den R�cken zu drehen. Die grausame Karikatur einer Hand kroch aus den Falten des schwarzen Gewandes und tastete zitternd nach Kiinas Gesicht, und fast im gleichen Moment schrie Kiina so gellend und voller Entsetzen auf, da� Skar die letzten Schritte bis zu ihr mit einem Satz �berwand und sie instinktiv zur�ckri�. Gleichzeitig hob er das Schwert.</p><p>Kiina schlug seinen Arm beiseite, wobei sie sich einen langen, blutigen Kratzer an der Klinge des <emphasis>Tschekal </emphasis>zuzog, ohne es auch nur zu bemerken. �Steck die Waffe weg!� herrschte sie ihn an. �Bist du wahnsinnig, Satai? Das ist die <emphasis>Margoi!�</emphasis></p><p>Skar schob Kiina kurzerhand zur Seite, legte das Schwert aber wenigstens neben sich auf den Boden, als er sich vor der Gestalt im schwarzen Mantel in die Hocke sinken lie�.</p><p>�R�hr sie nicht an!� drohte Kiina. �Ich warne dich - <emphasis>r�hr sie nicht an!�</emphasis></p><p>Ein schwaches St�hnen drang aus den Schatten unter der Kapuze, dann eine Stimme, die Stimme einer jungen Frau, die trotzdem auf schreckliche Weise so m�de und br�chig klang wie die einer Greisin.</p><p>�La� ihn, M�dchen. Er wird... mir nichts antun.�</p><p>Skar versuchte, die Schatten unter dem Mantel mit Blicken zu durchdringen, aber es gelang ihm nicht richtig. Er erkannte die schemenhaften Umrisse eines Gesichtes, aber etwas daran war falsch. Beunruhigend. Die verkr�ppelte Hand bewegte sich vor ihm �ber den Boden und verschwand raschelnd wieder in den Falten des Gewandes; wie eine Spinne, die nur kurz ihr Nest verlassen hatte, um nach Beute Ausschau zu halten, dachte Skar schaudernd. Pl�tzlich wurde ihm bewu�t, da� die Worte der <emphasis>Margoi </emphasis>als Frage gemeint waren. Fast hastig sch�ttelte er den Kopf. �Nein�, sagte er. �Das werde ich nicht. Hat sie recht? Du bist die <emphasis>Margoi?�</emphasis> Die <emphasis>Errish </emphasis>hustete qualvoll, dann nickte sie. �Ich war es. Oder ja, ich bin es.� Sie lachte ganz leise und bitter und voller Schmerz. �Aber ich bin tot, Satai. Die tote K�nigin eines toten Volkes. Du bist doch ein Satai? Das ist... Satai-Kleidung, die du tr�gst.� Das Schattengesicht unter der Kapuze bewegte sich, und Skar glaubte zu erkennen, wie sich die Augen angestrengt verengten. �Das ist der Mantel eines... Hohen Satai?�</p><p>�Ich bin Skar�, antwortete Skar.</p><p>�Skar.� Die <emphasis>Margoi </emphasis>wiederholte das Wort, als versuche sie etwas Vertrautes in seinem Klang zu erkennen. Dann, nach einer Weile, nickte sie. �Oh, ja, ich erinnere mich. Das M�dchen... ging, um... um dich zu holen. Wie war doch gleich sein Name?�</p><p>�Kiina�, antwortete Kiina. Sie lie� sich neben Skar auf die Knie sinken und warf ihm einen irritierten Blick zu. Skar sch�ttelte fast unmerklich den Kopf. Der Geist der Sterbenden begann sich zu verwirren, schon der Klang ihrer Stimme machte das klar. Sie hatten eine �berlebende gefunden, aber sie waren zu sp�t gekommen, um sie zu retten.</p><p>�Kiina. Ja, ich erinnere mich. Du bist... Gowennas Tochter.� Sie versuchte, sich aufzurichten, aber ihre Kraft reichte nicht. Mit einem schmerzhaften Keuchen sank sie zur�ck und st�hnte leise. Ihre Hand glitt kraftlos unter dem Mantel hervor und ber�hrte Skars Bein. Er mu�te mit aller Macht den Impuls unterdr�cken, sie beiseite zu schlagen. Die Ber�hrung war unangenehm: kalt und na� und viel mehr wie die toten als lebenden Fleisches, und auch Kiinas Augen weiteten sich erschrocken, als sie sie zum zweiten Mal und jetzt wohl deutlicher sah. Sie war nicht wirklich verkr�ppelt, aber so ausgezehrt und verkr�mmt, da� sie so wirkte. Die Haut war bleich und trocken und gerissen und �ber und �ber mit Geschw�ren und n�ssenden Wunden �bers�t. Sie hatte keinen einzigen Fingernagel mehr.</p><p>�Was ist... geschehen, Herrin?� fl�sterte Kiina entsetzt. �Ihr seid verwundet. Wer hat euch das angetan?�</p><p>�Ich selbst�, antwortete die <emphasis>Margoi. </emphasis>�Der Staub. Ich war...� Sie brach ab, rang m�hsam nach Atem und machte eine bittende Handbewegung. �Helft mir, mich... aufzusetzen�, fl�sterte sie. �Erschreckt nicht. Ich biete keinen... sch�nen Anblick.�</p><p>Kiina wollte sich vorbeugen, aber Skar schob ihre Hand mit sanfter Gewalt beiseite, griff unter die Arme der <emphasis>Margoi </emphasis>und richtete sie auf. Als er sie behutsam gegen die Flanke des toten Drachen lehnte, sp�rte er, wie d�nn und zerbrechlich der K�rper unter dem schwarzen Stoff war. Er z�gerte einen winzigen Moment, ehe er die Hand hob und die Kapuze des Mantels zur�ckschlug. Er w�nschte sich fast, es nicht getan zu haben. Kiina gelang es nicht mehr ganz, einen entsetzten Aufschrei zu unterdr�cken, und auch Skar pre�te erschrocken die Lippen aufeinander und k�mpfte sekundenlang gegen den Impuls, die Augen zu verschlie�en. Was mit der Hand der <emphasis>Margoi </emphasis>geschehen war, hatte auch vor ihrem Gesicht nicht haltgemacht. Was unter der Kapuze verborgen gewesen war, das war ein Totensch�del, kahl, bedeckt mit rissiger Pergamenthaut und von eiternden Wunden entstellt. Eines der Augen der <emphasis>Margoi </emphasis>war blind, �berzogen von einem milchigen Netz, und der Mund hinter den entz�ndeten Lippen hatte keine Z�hne mehr. �Gro�er Gott!� wimmerte Kiina. �Was ist mit Euch geschehen?�</p><p>Der Totensch�del der Margoi verzerrte sich zu einer Grimasse, die wohl der Versuch eines L�chelns sein sollte. �Nur die gerechte Strafe der G�tter, Kind�, fl�sterte sie. �Wir haben bekommen, was wir... verdient haben.�</p><p>�Unsinn�, widersprach Skar. �Ihr -�</p><p><emphasis>�Du�, </emphasis>unterbrach ihn die <emphasis>Margoi </emphasis>pl�tzlich mit kraftvoller, fast energischer Stimme, �solltest besser als dieses dumme Kind wissen, wovon ich spreche. Es war eine von uns, die die G�tter aus ihrem Schlaf ri�, damals in Combat. W�re es ein Satai gewesen, w�rdest du mir nicht widersprechen.�</p><p><emphasis>Aber es war ein Satai, </emphasis>dachte Skar bitter. <emphasis>Ich war es, der den Stein der Macht aus der Stadt brachte und damit das Siegel erbrach, das sie so lange gebannt hat. </emphasis>Aber das sprach er nicht aus. Die <emphasis>Margoi </emphasis>wu�te es so gut wie er. Ebenso, wie sie wu�te, da� keiner von ihnen <emphasis>wirklich </emphasis>geahnt hatte, was er tat. Sie waren alle nur Werkzeuge gewesen. Werkzeuge einer Macht, die sie vielleicht auch heute noch nicht verstanden. Vela war auf ihre Weise so unschuldig oder schuldig wie er selbst.</p><p>�Was ist passiert?� fragte er. �Wer hat Elay angegriffen? Hat der <emphasis>W�chter </emphasis>das getan?�</p><p>�Der <emphasis>W�chter?� </emphasis>Die <emphasis>Margoi </emphasis>sch�ttelte den Kopf. �Nein. Er... starb.�</p><p>�Er <emphasis>starb?� </emphasis>wiederholte Skar fragend. �Einfach so?�</p><p>�Vor elf Tagen�, best�tigte die <emphasis>Margoi. </emphasis>�Vielleicht auch vor zw�lf. Ich wei� nicht. Ich bin... schon so lange hier unten. Er zerfiel, und wir waren... frei.�</p><p>�Aber sie sind alle tot!� sagte Kiina. �Elay liegt in Tr�mmern, Herrin! Jemand hat sie alle get�tet!� Skar warf ihr einen warnenden Blick zu, aber Kiinas Selbstbeherrschung war aufgebraucht. Der Anblick der sterbenden <emphasis>Margoi </emphasis>war mehr, als sie noch ertragen konnte. �Wer hat das getan?!�</p><p>�Niemand�, antwortete die <emphasis>Margoi </emphasis>leise. Ihr einzelnes, sehendes Auge richtete sich auf Kiina, und f�r einen Moment glaubte Skar trotz des unendlichen Schmerzes und des beginnenden Wahnsinns darin Mitleid in ihrem Blick zu erkennen. �Wir selbst waren es, Kiina.�</p><p>�Ihr... <emphasis>selbst?�</emphasis></p><p>Skar war nicht einmal �berrascht. Und Kiina h�tte es auch nicht sein d�rfen. Sie wu�ten beide l�ngst, was geschehen war. Die toten <emphasis>Errish </emphasis>oben in der Stadt, die H�user, von Scannersch�ssen niedergebrannt, der Drache, der den Palast angegriffen haben mu�te - das alles hatte eine eindeutige Sprache gesprochen; deutlich genug, da� selbst Kiina die Wahrheit erkannt haben mu�te. Aber keiner von ihnen hatte es gewagt, sie auszusprechen; vielleicht, weil er Angst hatte, sich mitschuldig zu machen, einen Teil der Verantwortung f�r diesen Wahnsinn zu �bernehmen, dadurch, da� er es aussprach.</p><p>�Es begann am n�chsten Tag�, berichtete die <emphasis>Margoi </emphasis>mit schwacher, aber sehr klarer Stimme. �Vielleicht auch unmittelbar danach. Niemand... bemerkte es zuerst. Wir alle waren wie... wie bet�ubt. Es war wie ein b�ser Traum, aus dem wir nur allm�hlich erwachen konnten. Und manche wachten nicht auf. Viele starben, als der <emphasis>W�chter </emphasis>verging, und andere wurden wahnsinnig. Einige... flohen. Aber nicht sehr viele.� Ihre Stimme wurde leiser und erstarb v�llig. Sie verlor nicht das Bewu�tsein, aber sie brauchte sichtlich eine kurze Pause, um neue Kraft zum Weiterreden zu sammeln.</p><p>Skar sah sich besorgt in der H�hle um. Die Flammen hatten weiter um sich gegriffen, breiteten sich aber durch einen gl�cklichen Umstand fast in der entgegengesetzten Richtung aus. Trotzdem blieb ihnen nicht mehr viel Zeit. Noch Minuten, und die H�hle w�rde sich in eine H�lle verwandeln, in der sie die Wahl zwischen Ersticken und Verbrennen hatten.</p><p>�Sie begannen... zu k�mpfen�, fuhr die <emphasis>Margoi </emphasis>fort.</p><p>�K�mpfen?� Kiina hob in einer hilflosen Geste die H�nde. �Wer? Warum?�</p><p>�Es gab kein Warum. Es waren... die Tr�ume. Manche starben einfach, andere... viele... sprangen pl�tzlich auf und griffen ihre Br�der und Schwestern an. Es dauerte eine Nacht und einen Tag und eine weitere Nacht, und danach... waren die meisten tot. Nicht alle, aber die meisten. Manche von uns, die St�rksten, konnten widerstehen. Auch ich. Oh, es war schwer, unendlich schwer. Da war... so viel Zorn in meinen Gedanken, so viel Ha�...� Sie brach ab, hustete qualvoll, hob die Hand nach Skars Gesicht und lie� sie auf halbem Wege wieder sinken; Skar wu�te nicht, ob aus Schw�che, oder weil sie ahnte, wie unangenehm ihm ihre Ber�hrung sein mu�te. �So viel Ha�...�</p><p>Kiinas Blick war hilflos und unverstehend, aber Skar begriff nur zu gut, was die <emphasis>Margoi </emphasis>meinte. Er selbst hatte es mehr als einmal gesp�rt, dieses b�se dunkle Fl�stern aus den Abgr�nden seiner Seele, das ihn dazu bringen wollte, zu vernichten, zu t�ten und zerst�ren, gleich wen und was. Vielleicht war es die letzte, ultimative Waffe der <emphasis>Sternengeborenen, </emphasis>der b�se Teil der menschlichen Seele, die Bestie, die in jedem Menschen lauerte, die sie entfesselten.</p><p>�Und dann kam der Staub�, fl�sterte die <emphasis>Margoi, </emphasis>nachdem sie wieder einigerma�en zu Atem gekommen war. �Er wehte vom Meer heran, und er t�tete... alle. Wie der... der Atem meines Drachen, nur hundertmal... t�dlicher. Ist er... noch da?�</p><p>�Der Staub?� Skar nickte. �Ja. �berall. Der Regen w�scht ihn fort, aber er ist noch da.�</p><p>Auf dem zerfallenen Gesicht machte sich Schrecken breit.</p><p>�Habt ihr ihn ber�hrt? Ihn eingeatmet?�</p><p>Skar nickte widerstrebend. �Ich f�rchte. Aber nicht sehr viel.�</p><p>�Er ist nicht mehr gef�hrlich�, f�gte Kiina hinzu. �Sieh uns an. Wir leben. Und wir bringen Euch hier heraus.�</p><p>�Du irrst dich, Kind�, widersprach die <emphasis>Margoi. </emphasis>�Sieh mich an. Es war der Staub, der mir dies angetan hat. Ich... konnte fliehen. Ich stand oben im Turmzimmer, als der Sturm begann, und etwas ... warnte mich. Ich war feige und floh hierher, zu Elah und den anderen, um zu sterben.� Sie schwieg wieder, l�nger als eine Minute, und diesmal nicht aus Schw�che, sondern einfach, weil die Erinnerungen sie zu �berw�ltigen drohten.</p><p>�Ich war feige�, wiederholte sie schlie�lich. �Ich lie� mein Volk im Stich, statt mit ihm zu sterben, wie es meine Pflicht gewesen w�re. Zwei Tage und N�chte blieb ich hier unten, und als ich zur�ckkam, da... da gab es kein Elay mehr. Aber ich ber�hrte den Staub.�</p><p>�Wir werden Euch helfen!� sagte Kiina verzweifelt. �Wir bringen Euch hier heraus und... und werden Euch helfen. Ich verstehe eine Menge von der Heilkunst, mehr als Ihr glaubt. Meine Mutter -�</p><p>�Sei endlich still�, sagte Skar. Kiina brach mitten im Wort ab und starrte ihn aus tr�nenerf�llten Augen an, und Skar wandte sich wieder an die <emphasis>Margoi. </emphasis>�Es tut mir so leid�, sagte er.</p><p>�Leid?� Die <emphasis>Errish </emphasis>lachte leise. �Das mu� es nicht, Satai. Es ist die gerechte Strafe f�r meine Feigheit. Ich hatte Angst zu sterben. Ich wollte leben, und f�r einen Moment war es mir gleich, ob mein Volk lebt oder nicht.�</p><p>�Du h�ttest es nicht verhindern k�nnen.�</p><p>�Aber ich h�tte mit ihnen sterben k�nnen�, sagte die <emphasis>Margoi. </emphasis>�Ich sah, wie sie st�rzten, im Bruchteil einer Sekunde, und ich hatte nur Angst.� Wieder lachte sie. �Ich hatte Angst vor einem schnellen Tod und tauschte ihn gegen <emphasis>das </emphasis>hier ein. Die G�tter sind gerecht, Skar. Sie haben mich f�r das bestraft, was ich tat. Und sie haben Elay f�r das bestraft, was Vela getan hat.�</p><p>�Das ist nicht wahr�, widersprach Skar, sanft, aber sehr bestimmt. �Was immer es war, das Elay zerst�rt hat - es sind Wesen wie wir, die es entfesselten.�</p><p>�Wesen wie wir?� Die <emphasis>Margoi </emphasis>sah ihn auf sonderbare Weise an, und f�r einen Moment war Skar fast sicher, da� sie sein Geheimnis kannte. Aber wenn es so war, dann zog sie es vor, dar�ber zu schweigen.</p><p>�Vielleicht keine Wesen wie wir�, sprach er weiter. �Aber sie sind sterblich. Sie leben, und was lebt, kann get�tet werden. Unsere Vorfahren haben sie schon einmal besiegt.�</p><p>�Die <emphasis>Alten </emphasis>hatten die Macht von G�ttern�, widersprach die <emphasis>Margoi. </emphasis>�Wir <emphasis>Errish </emphasis>haben uns immer eingebildet, die Erben ihrer Macht zu sein, aber du hast gesehen, wie leicht sie uns �berw�ltigen konnten.�</p><p>�Und doch war es eine <emphasis>Errish, </emphasis>die uns die Rettung brachte�, sagte Skar. Er verschwieg absichtlich, da� das Wasser des Lebens versagt hatte. Was h�tte es genutzt, einer Sterbenden unn�tig weh zu tun?</p><p>�Miri hat euch erreicht?�</p><p>�Eine dunkelhaarige <emphasis>Errish </emphasis>auf einer riesigen Daktyle�, sagte Skar. �Sie trug die Haut eines Ultha als R�stung.� Kiina sah ihn fragend an, aber er sp�rte, da� ihnen nur noch sehr wenig Zeit blieb, und fuhr mit leiser, eindringlicher Stimme und sehr schnell fort: �Sie starb, ehe sie die Burg erreichte, aber ich fand ihren Leichnam. Und das, was sie brachte.�</p><p>�Dann war nicht alles umsonst�, fl�sterte die <emphasis>Margoi. </emphasis>�Ich wu�te von ihrem Plan und versuchte ihn zu vereiteln, als ich unter dem Einflu� des... W�chters stand, aber es gelang mir nicht. Ich bin sehr froh.�</p><p>Ein Teil des Netzes st�rzte brennend im hinteren Drittel der H�hle zusammen, und Skar sp�rte das Beben, das durch den K�rper des toten Staubdrachens ging, an dem die <emphasis>Margoi </emphasis>lehnte. Der Flammenschein wurde heller und die Luft merklich w�rmer. �Ihr m��t... gehen�, fl�sterte die <emphasis>Margoi. </emphasis>�Rasch, ehe es zu sp�t ist. K�mmert euch nicht um mich.�</p><p>Skar war der Verzweiflung nahe. Es gab so viele Fragen, die er ihr hatte stellen wollen, auf die er eine Antwort haben <emphasis>mu�te, </emphasis>wenn nicht alles umsonst gewesen sein sollte. Gleichzeitig wu�te er, da� sie recht hatte. Ihnen blieben allerh�chstens noch Sekunden.</p><p>�Herrin...�, wimmerte Kiina.</p><p>�K�mmert euch nicht um mich�, wiederholte die <emphasis>Margoi. </emphasis>�Ich bin hierhergekommen, um zu sterben. Bei Ehla, bei... den anderen. Geht. Geht nach... Norden. Geht ins Land der Quorrl. Vielleicht ... findest du dort die Antworten, die du suchst.� Sie lachte, hustete wieder und lachte noch einmal. �Oder die Fragen, die zu den Antworten passen, die du schon kennst.�</p><p>�Und Ihr?� fragte Skar.</p><p>Die <emphasis>Margoi </emphasis>blickte ihn an, und er begriff. M�hsam stand er auf, zwang auch Kiina mit sanfter Gewalt auf die F��e und blickte das brennende Netz �ber ihren K�pfen an. Die Flammen wogten wie ein Himmel aus Feuer unter der H�hlendecke. Es wurde hei�er. �Geht nicht durch die Stadt zur�ck�, sagte die <emphasis>Margoi. </emphasis>�Der Staub ist noch immer gef�hrlich, und ihr m��t... leben. Kiina mu� leben. Sie ist... die Tochter der <emphasis>Margoi. </emphasis>Vielleicht die letzte <emphasis>Errish, </emphasis>die es noch gibt.� Sie sah zu Skar auf. �Du wirst sie besch�tzen?�</p><p>�Das werde ich�, versprach Skar.</p><p>�Dann geht�, sagte die <emphasis>Margoi. </emphasis>Mit einer Kraft, die Skar ihr nicht mehr zugetraut h�tte, richtete sie sich weiter auf und streckte ihm die Hand entgegen. Erst jetzt fiel ihm der kleine, silberne Ring auf, den sie am Mittelfinger trug. �Nimm ihn�, fl�sterte sie. �Es ist der... Ring der <emphasis>Ehrw�rdigen Mutter. </emphasis>Vielleicht gibt es niemanden mehr, der ihn erkennt, aber wenn, dann... wird er dir nutzen.�</p><p>�Euer Ring?� Skar z�gerte. Er wu�te, was der schlichte Ring bedeutete.</p><p>�Ich schenke ihn dir nicht�, antwortete die <emphasis>Margoi. </emphasis>�Gib ihn Kiina, wenn sie alt genug ist.�</p><p>Skar z�gerte. Hitze und Flammen kamen n�her und machten sich bereits mehr als unangenehm bemerkbar, aber alles in ihm str�ubte sich dagegen, die Hand der Sterbenden zu ber�hren und das Symbol ihrer Macht an sich zu nehmen. Schlie�lich tat er es doch, aber er hatte das Gef�hl, gl�hendes Eisen zu ber�hren. �Und du, Kiina - komm her.�</p><p>Kiina gehorchte. W�hrend Skar zwei, drei Schritte zur�ckwich, kniete sie zitternd neben der sterbenden <emphasis>Errish </emphasis>nieder. Skar sah, wie sich die Lippen der <emphasis>Margoi </emphasis>bewegten, aber die Worte waren so leise, da� er sie nicht verstand. Und er wollte es auch nicht. Ohne zu wissen, wor�ber die beiden so ungleichen Frauen sprachen, begriff er, da� es etwas war, das ihn nichts anging. Sie sprachen nicht lange miteinander, nur wenige S�tze, aber in die Qual auf Kiinas Z�gen mischte sich Schrecken, w�hrend sie den Worten der <emphasis>Margoi </emphasis>lauschte. F�r einen kurzen Moment starrte sie ihn an, und der Blick, mit dem sie ihn musterte, spiegelte pures Entsetzen. Skar ahnte, was in ihr vorging. Er wu�te, was die <emphasis>Margoi </emphasis>von Kiina erwartete; eine letzte Pflicht, die <emphasis>er </emphasis>ihr gerne abgenommen h�tte. Aber er durfte es nicht. Er wu�te, da� Kiina ihn hassen w�rde, wenn er es tat.</p><p>Schlie�lich wandte sie sich wieder der sterbenden <emphasis>Errish </emphasis>zu, nickte kaum merklich und beugte sich vor, um ihre Stirn zu k�ssen.</p><p>Skar wandte sich um, als er sah, wie Kiina den Dolch aus dem G�rtel zog.</p></section><section><title><p id="_3">3.</p></title><p>Skar konnte hinterher nicht sagen, wie lange sie brauchten, um zur Erdoberfl�che zur�ckzukehren. Aber die Sonne ging bereits unter, als sie aus einem schmalen Spalt im Fels traten und Elay vor ihnen lag; nur ein Steinwurf entfernt, aber leider auf der falschen Seite. Sie mu�ten die Stadt v�llig umrunden, um zu den Pferden zur�ckzukommen, und als sie es geschafft hatten, war es v�llig dunkel geworden. Und als h�tten sie noch nicht genug Schwierigkeiten, dachte er �rgerlich, war die Nacht fast sternenlos. Es regnete noch immer, und die dichtgeschlossene Wolkendecke verschluckte auch noch das bi�chen Licht, das der Mond spendete. Die Felsen, hinter denen Titchs Quorrl lagerte, waren nicht mehr zu erkennen. Selbst Elays Mauern waren zu formloser Schw�rze geworden, deren N�he man eher sp�rte als sah.</p><p>Er half Kiina, in den Sattel zu steigen, und sie war ersch�pft genug, seine ausgestreckte Hand zu ergreifen. Skar konnte ihr Gesicht in der herrschenden Dunkelheit nicht erkennen, aber er ersparte sich die Frage, wie sie sich f�hlte; ihr schneller, flacher Atem und die m�de, weit �ber den Hals des Pferdes nach vorne gebeugte Haltung, in der ihr Schatten im Sattel sa�, erz�hlte ihm genug �ber Kiinas Zustand. Der R�ckweg war anstrengend gewesen, selbst f�r ihn, und es war genau das geschehen, was er nicht nur erwartet, sondern Kiina sogar <emphasis>prophezeit </emphasis>hatte: Sie hatte ihre Kr�fte �bersch�tzt und nicht einmal versucht, sie einzuteilen. Die letzten zwei-, dreihundert Meter auf dem Wege nach oben war sie mehr gekrochen als gegangen.</p><p>Er band die beiden Pferde los, schwang sich auf den R�cken seines eigenen Reittieres und wischte sich mit einer beil�ufigen Bewegung den Regen aus dem Gesicht, w�hrend sein Blick die Nacht im Westen absuchte. Die Wolkendecke war so dicht, da� er selbst das Meer nur h�rte und roch, nicht sah. Sie w�rden aufpassen m�ssen, der Steilk�ste nicht zu nahe zu kommen. Elay lag zwar nur f�nfzig Schritte vom Meer entfernt, daf�r aber <emphasis>f�nfhundert </emphasis>Fu� <emphasis>�ber </emphasis>ihm. Seufzend griff er nach Kiinas Z�gel, knotete sie auf und hielt die Lederriemen lose in der linken Hand, w�hrend er mit der anderen sein eigenes Tier lenkte. Kiina lie� es widerspruchslos geschehen, als w�re sie niemals das trotzige Kind gewesen, als das er sie in den letzten drei Wochen kennen und gleicherma�en lieben wie hassen gelernt hatte. Vielleicht w�rde sie es nie mehr sein, nach dem, was sie in der H�hle der Drachen erlebt hatte.</p><p>Er verscheuchte den Gedanken und konzentrierte all seine Sinne darauf, den Weg vor ihnen zu beobachten. Er konnte wenige Schritte weit sehen, nicht besonders gut, und wirklich nicht weit, aber weit genug, um nicht Gefahr zu laufen, sich unversehens auf der falschen Seite der Steilk�ste wiederzufinden und herauszufinden, wie lange ein Pferd samt Reiter brauchte, um f�nfhundert Fu� weit in die Tiefe zu st�rzen. Trotzdem f�hlte er sich nicht sicher. Der Gedanke, in fast v�lliger Finsternis zu den wartenden Quorrl zur�ckreiten zu m�ssen, behagte ihm nicht, aber es dauerte eine Weile, bis ihm klar wurde, da� seine Furcht andere Gr�nde hatte. Er hatte die Worte der <emphasis>Margoi </emphasis>nicht vergessen: der Sturm, der den t�dlichen Staub nach Elay getragen hatte, war vom <emphasis>Meer </emphasis>her gekommen.</p><p>F�r eine geraume Weile ritten sie schweigend nebeneinander her. Die einzigen Ger�usche waren das rhythmische Klatschen der Wellen eine Turmh�he unter ihnen und das gleichm��ige Prasseln des Regens, der den Boden unter den Hufen ihrer Pferde in Morast verwandelte. Im nachhinein kam es Skar fast absurd vor, da� dieser Regen, unter dem sie alle seit Tagen ritten und auf den jeder von ihnen schon aus Leibeskr�ften geflucht hatte, ihnen aller Wahrscheinlichkeit nach das Leben gerettet hatte. H�tte er nicht den allergr��ten Teil des t�dlichen Staubes aus der Stadt gesp�lt... Das entstellte Gesicht der sterbenden <emphasis>Margoi </emphasis>tauchte vor ihm auf, und er schauderte. Allein daf�r w�rde er sie vernichten, das schwor er sich. Nicht daf�r, da� sie sie get�tet hatten, sondern f�r die Art und Weise, <emphasis>wie </emphasis>es geschehen war. Der Tod war ein Teil der Natur, den Skar schon immer akzeptiert hatte, selbst als er noch kein Krieger und sp�ter Satai war. Und auch der gewaltsame Tod war ihm nicht fremd; er hatte ihn oft genug selbst gebracht. Aber dieser Staub, der Tausende von Menschenleben in einer Sekunde ausl�schte und die, die ihm entkamen, bei lebendigem Leibe verfaulen lie�, das war - <emphasis>Nur konsequent, Bruder, </emphasis>fl�sterte eine lautlose Stimme in ihm. <emphasis>Sie k�mpfen mit den Waffen, die sie beherrschen, so wie du mit deinen. Was ist falsch daran?</emphasis></p><p>Aber es <emphasis>war </emphasis>etwas Falsches an diesem Gedanken, etwas entsetzlich Falsches und B�ses. Skar wu�te noch nicht genau, was - oder vielleicht doch, er wu�te es, aber es war ihm - noch - nicht m�glich, es in Worte zu fassen - aber er dachte auch nicht daran, jetzt auch noch mit dieser lautlosen Stimme in seinem Inneren zu <emphasis>diskutieren, </emphasis>die ihn seit seiner Geburt qu�lte und ihn manchmal zwang, Dinge zu tun, die er nicht tun wollte. Seinen <emphasis>Dunklen Bruder </emphasis>hatte er sie genannt, verj�hren, in einem anderen Leben und einem Anflug von Spott und bitterer Selbstironie und lange, bevor er auch nur ahnte, was das b�se Fl�stern in seinen Gedanken <emphasis>wirklich </emphasis>zu bedeuten hatte. Damals hatte er nicht gewu�t, <emphasis>wie </emphasis>entsetzlich richtig dieser Name war.</p><p>Seit zwei Wochen wu�te er es.</p><p>Und manchmal fragte er sich, wie er mit diesem Wissen �berhaupt noch leben konnte.</p><p>�Skar?� Kiinas Stimme drang nur undeutlich durch das Prasseln des Regens, obwohl sie so dicht neben ihm ritt, da� sein Bein manchmal ihren Sattel ber�hrte. Skar sah sie an, behielt aber dabei trotzdem den Weg im Auge, obwohl er wu�te, da� seine Angst unbegr�ndet war: die Pferde w�rden sehr viel besser als er darauf achten, der Steilk�ste nicht zu nahe zu kommen.</p><p>�Ja?�</p><p>�Die Quorrl!� sagte Kiina z�gernd. �Wohin gehen sie?�</p><p>Skar runzelte die Stirn. <emphasis>Was sollte diese Frage? Kiina wu�te die Antwort so gut wie er. </emphasis>Trotzdem sagte er laut: �Nach Norden.�</p><p>�Und du gehst mit ihnen? Du wirst tun, was... die <emphasis>Margoi </emphasis>dir gesagt hat?�</p><p>�Ich h�tte es sowieso getan�, antwortete Skar. �Aber jetzt erst recht.� Er ahnte, warum Kiina Fragen stellte, deren Antworten sie seit zwei Wochen kannte. Besorgt fragte er sich, was er sagen sollte, wenn sie die Frage stellte, die er <emphasis>bef�rchtete.</emphasis></p><p>Was sie in genau diesem Moment tat. �Nimmst du mich mit?� Er seufzte. �Jetzt nicht, Kiina - bitte. La� uns sp�ter dar�ber reden. Ich... will nicht denken.� Das entsprach sogar der Wahrheit. Sie hatten auf dem Weg durch das unterirdische Labyrinth kein Wort miteinander gewechselt, und nicht nur aus Schw�che. Er <emphasis>wollte </emphasis>nicht wissen, was die Vernichtung Elays und der Errish f�r ihre weiteren Pl�ne bedeutete, nicht jetzt. Er war einfach ersch�pft; auf eine Art, die Kiina nicht verstehen w�rde. Er wollte f�r ein paar Augenblicke so tun, als h�tte sich nichts ge�ndert. �Aber ich mu� es wissen�, beharrte Kiina. <emphasis>�Bevor </emphasis>wir die Quorrl erreichen.�</p><p>�Du wei�t, da� es nicht geht�, antwortete Skar ausweichend. �Titch w�rde es nicht zulassen. Ganz davon abgesehen, da� es zu gef�hrlich ist -�</p><p>�F�r ein kleines M�dchen wie mich?� unterbrach ihn Kiina aufgebracht.</p><p>Skar dachte nicht daran, auf ihren aggressiven Ton einzugehen oder sich mit ihr zu streiten.</p><p>�Auch f�r einen alten Satai wie mich�, antwortete er unger�hrt. �Meine Chancen, zur�ckzukommen, sind nicht sehr gut. Kein Mensch hat jemals das Land der Quorrl betreten. Jedenfalls keiner, der zur�ckgekommen w�re, um davon zu berichten.� Was nicht ganz der Wahrheit entsprach. Aber er war viel zu m�de, um sich auf langatmige Erkl�rungen einzulassen.</p><p>�Es gibt keinen sicheren Ort mehr auf Enwor�, antwortete Kiina. �Das hast du selbst gesagt.�</p><p>Skar resignierte. Er h�tte hundert passende Ausreden gehabt, aber er wu�te auch, da� Kiina keine von ihnen gelten lassen w�rde. Sie erwachte langsam aus ihrem Schock, aber sie war noch lange nicht in dem Zustand, vern�nftig mit ihm zu diskutieren. So w�hlte er die einfachste L�sung und sagte noch einmal: �Titch l��t es nicht zu.�</p><p>�Titch l��t es nicht zu!� �ffte Kiina ihn nach. �Und was wird er zulassen, dein famoser fischgesichtiger Freund? Da� ich hier zur�ckbleibe und wie die anderen sterbe?�</p><p>�Unsinn. Der Weg in den Norden ist weit. Wir werden einen Ort finden, an dem du bleiben kannst. Ich bin sicher -�</p><p>�Ich begleite dich�, beharrte Kiina.</p><p>�Ja�, sagte Skar gelassen. �Bis zur n�chsten Stadt. Oder zur n�chsten <emphasis>Errish, </emphasis>auf die wir sto�en. Ende der Diskussion�, f�gte er m�rrisch hinzu.</p><p>Kiina widersprach tats�chlich nicht, aber nur, um nach einer Weile mit ver�nderter Stimme und einer anderen Taktik fortzufahren: �Du hast es der <emphasis>Margoi </emphasis>versprochen.�</p><p>�Habe ich das?�</p><p>Kiina nickte heftig. �Du hast ihr dein Wort gegeben, auf mich aufzupassen�, erkl�rte sie mit jener falschen, aber schwer zu widerlegenden Logik, mit der sich Kinder schon immer gegen Erwachsene zu behaupten gewu�t haben. �Wie kannst du das, wenn du nicht in meiner N�he bist?�</p><p>Skar antwortete gar nicht darauf. Sie f�hrten diesen Streit in der einen oder anderen Form seit zwei Wochen, seit sie Del und das Heer verlassen hatten. Alle Argumente waren l�ngst gesagt und hundertmal wiederholt worden, ohne dadurch besser oder schlechter zu werden.</p><p>�Und der Ring?� fuhr Kiina fort. �Du hast versprochen, ihn mir zu geben, wenn es soweit ist!�</p><p>Skar zog den winzigen Silberring vom kleinen Finger - dem einzigen Glied, auf das er pa�te - und hielt ihn ihr hin. �Willst du ihn haben?�</p><p>Kiinas Reaktion �berraschte ihn. Er hatte nicht damit gerechnet, da� sie nach dem Ring greifen w�rde, und das tat sie auch nicht - aber er hatte auch nicht damit gerechnet, da� sie erschrocken zur�ckfuhr und nur noch mit M�he einen Schrei unterdr�ckte.</p><p>�Nein!� sagte sie hastig. �Ich will ihn nicht. Noch nicht. Vielleicht nie.�</p><p>Skar war verwirrt. Z�gernd steckte er den Ring wieder ein, nahm ihn fast in der gleichen Bewegung noch einmal hervor und lie� ihn ein paarmal auf der Handfl�che hin und her rollen. Es war eine wunderbare Arbeit, ein Schmuckst�ck, das trotz seiner Schlichtheit der F�hrerin der <emphasis>Errish </emphasis>w�rdig war - jede einzelne Schuppe des Schlangendrachens, als der er gestaltet war, war mit gro�er Kunstfertigkeit ausgearbeitet, und die beiden winzigen Rubine, die die Augen bildeten, funkelten in einem geheimnisvollen inneren Licht, als w�rden sie wirklich leben. Pl�tzlich erf�llte ihn die Vorstellung, ihn wieder anzulegen, mit Unbehagen. Skar schlo� die Faust um den Ring und schob ihn nach kurzem Z�gern in eine Tasche seines G�rtels.</p><p>�Was bedeutet dieser Ring?� fragte er. �Ich meine - hat er Zauberkr�fte, oder birgt er ein Geheimnis? Kann man einen D�monen damit beschw�ren?� Er lachte bei diesen Worten, aber selbst Kiina mu�te merken, da� sich hinter ihrem scherzhaften Klang mehr Furcht verbarg, als Skar recht war.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Nichts von alledem. Er ist nur ein St�ck Silber. Aber er ist das Symbol ihrer Macht. Wer ihn tr�gt, der kann den Thron Elays besteigen. Wer ihn <emphasis>rechtm��ig </emphasis>tr�gt�, f�gte sie mit bewu�t boshafter Betonung hinzu.</p><p>�Wenn du glaubst, ein gr��eres Anrecht auf ihn zu haben...� Skar bewegte die Hand zum G�rtel, und wieder registrierte er, da� Kiinas Kopfsch�tteln eindeutig <emphasis>erschrocken </emphasis>war.</p><p>�Nein!� sagte sie. �Ich will ihn nicht. Er -�</p><p>Ein grellwei�er Lichtblitz zerri� die Nacht, gefolgt von einem hellen, peitschenden Kreischen, in das sich nach Sekunden ein dumpfes Br�llen mischte, weit entfernt, aber so machtvoll wie der Laut zusammenst�rzender Berge. Kiina schrie auf und st�rzte vor Schrecken um ein Haar aus dem Sattel, und auch Skar fuhr herum und blickte entsetzt in die Richtung, aus der das Tosen erklungen war. Fast in der gleichen Sekunde flammten ein zweiter und ein dritter Blitz auf und sengten feurige Spuren in die Nacht, diesmal aber in v�lliger Stille.</p><p>Kiina begriff einen Sekundenbruchteil vor ihm, was das lautlose Lichtgewitter zu bedeuten hatte. �Scanner!� keuchte sie. �Das... das sind <emphasis>Errish, </emphasis>Skar! Sie schie�en!�</p><p><emphasis>Ja, </emphasis>dachte Skar. <emphasis>Und ich glaube, ich wei� sogar, worauf.</emphasis> �Du bleibst hier!� sagte er. Er warf Kiina die Z�gel zu, rammte seinem Pferd die Abs�tze in die Flanken und sprengte los, so schnell, da� sie gar keine Chance hatte, ihm zu folgen, selbst wenn sie es versuchte. Sein Pferd versuchte auszubrechen und schlug im vollen Galopp mit den Hinterl�ufen aus, halb wahnsinnig vor Angst, aber Skar trieb es unbarmherzig weiter. Wieder zerri� ein Blitz die Nacht, und wieder, und wieder. R�cksichtslos trieb er sein Pferd zu noch gr��erer Schnelligkeit an, beugte sich tief �ber seinen Hals und versuchte zu erkennen, wohin der rasende Galopp f�hrte. Der Regen stach wie mit Nadeln in seine Haut und seine Augen, jetzt, als er ihm direkt entgegensprengte, und alles, was weiter als drei oder vier Schritte vor ihm lag, war hinter einer silbernen Wand aus fast waagerecht fallenden Schleiern verborgen, in die er direkt hineingaloppierte. Dazu kamen die grellen Blitze der Scanner, die farbige Nachbilder auf seiner Netzhaut hinterlie�en und ihn so fast v�llig blind machten.</p><p>Dann h�rte er die erste Schreie: das dumpfe, w�tende Br�llen der Quorrl, die spitzen Kampf schreie von Menschen <emphasis>(Menschen? Er hoffte, da� es Menschen waren, aber er war ganz und gar nicht sicher), </emphasis>und ein machtvolles, w�tendes Knurren, das ihm einen eisigen Schauer �ber den R�cken jagte. Und schlie�lich geschah das, was bei einem Wahnsinnsritt wie diesem fast unausweichlich war: sein Pferd stolperte. Skar konnte h�ren, wie sein Bein brach, als es im Morast ausglitt und st�rzte. Instinktiv rollte er sich ab, federte den Schwung seines eigenen Sturzes ausnutzend, wieder in die H�he und fiel vorn�ber mit dem Gesicht in den Schlamm, als auch er auf dem morastigen Untergrund das Gleichgewicht verlor. Der Sturz rettete ihm das Leben.</p><p>Eine wei�e Linie aus Feuer schnitt zwei Handbreit �ber ihm durch die Luft, und f�nfzig Fu� hinter ihm scho� ein br�llender Geysir aus Glut und verdampftem Schlamm in die H�he. Skar w�lzte sich zwei-, dreimal zur Seite, sprang auf die F��e und schrie vor Schmerz auf, als kochender Morast und gl�hendhei�er Dampf auf seinen R�cken herabregneten. Ein zweiter Lichtblitz stach nach ihm. Skar sprang blitzschnell zur Seite, st�rzte erneut und robbte mit verzweifelter Kraft in den Schutz eines Felsens. Das Scannerfeuer h�rte auf. F�nf, zehn Atemz�ge lang lag Skar einfach da und wartete auf den letzten, vernichtenden Lichtblitz, der den l�cherlichen Felsen einfach pulverisieren mu�te, dann hob er behutsam den Kopf und sp�hte �ber den Rand seiner Deckung hervor.</p><p>Er sah nichts als den str�menden Regen und den Widerschein des Strahlengewitters auf der anderen Seite der Felsgruppe, hinter der Titchs Quorrl lagerten. Ein St�ck vor sich glaubte er einen Schatten wahrzunehmen, war sich aber nicht sicher genug, sein Leben auf diese Vermutung zu setzen. Angestrengt starrte er in die silbrigen Schleier hinaus und versuchte den Schatten wiederzufinden. Es gelang ihm, aber er war auch diesmal nicht sicher, ob es sich wirklich um einen Angreifer handelte, oder etwa nur den Umri� eines Felsens, dem der str�mende Regen nur die Illusion von Bewegung verlieh. Aber immerhin wurde nicht mehr auf ihn geschossen.</p><p>Skar war auch klar, warum. Der Angreifer hatte ihn ebenso aus den Augen verloren wie er umgekehrt ihn. Einen Scanner zu benutzen, bedeutete nicht zwangsl�ufig, vor der Blendwirkung seiner sengenden Lichtblitze gefeit zu sein.</p><p>Skar lie� weitere f�nf, zehn schwere Herzschl�ge verstreichen, ehe er sich vorsichtig bewegte. Der Morast war so tief, da� er bis �ber die Ellbogen einsank und kaum von der Stelle kam, aber er sch�tzte ihn auch gleichzeitig: selbst wenn der Angreifer genau in seine Richtung sah, w�rde er ihn h�chstens durch Zufall entdecken, denn auch Skars Kleidung war mittlerweile �ber und �ber mit dem schwarzbraunen Schlamm bedeckt.</p><p>Dann sah er die Bewegung zum dritten Mal, und diesmal erkannte er, womit er es zu tun hatte. Es war eine <emphasis>Errish, </emphasis>die nur wenige Schritte entfernt auf einem Felsbuckel hockte und angestrengt in den Regen hinaussah. F�r einen Moment richtete sich ihr Blick - und der Scanner in ihrer Hand, der der Bewegung ihrer Augen getreulich folgte! - direkt auf ihn, aber Skars Vermutung best�tigte sich: der Regen machte sie so blind wie ihn. Die t�dliche Strahlenwaffe schwenkte weiter und richtete sich dorthin, wo sein Pferd in der Dunkelheit lag.</p><p>Skar erwog blitzschnell seine Chancen, sich unbemerkt an die Gestalt heranschleichen zu k�nnen. Besonders gut waren sie nicht. Die Sicht war schlecht genug, sich bis auf vier, f�nf Schritte an einen normalen Gegner heranpirschen zu k�nnen, aber er wu�te, wie scharf die Sinne einer <emphasis>Errish </emphasis>waren; und zudem war sie nerv�s und w�rde garantiert auf alles schie�en, was ihr verd�chtig vorkam.</p><p>Es war die <emphasis>Errish </emphasis>selbst, die die Entscheidung herbeif�hrte, denn sie erhob sich pl�tzlich von ihrem Felsen und watete mit kleinen, vorsichtigen Schritten durch den Morast auf ihn zu.</p><p>Skar pre�te sich tiefer in den Schlamm, der mittlerweile fast so d�nnfl�ssig wie Wasser war. Mit angehaltenem Atem wartete er, da� sie n�her kam. Als sie es tat, konnte er unter der weit nach vorn gezogenen Kapuze ihres Mantels f�r einen Moment ihr Gesicht erkennen und erschrak. Sie war noch ein halbes Kind, kaum �lter als Kiina. Skar verwarf den ohnehin nicht sehr ernsthaft erwogenen Gedanken, seinen Dolch zu ziehen und sie durch einen gezielten Wurf auszuschalten. Statt dessen pre�te er sich noch tiefer in den Schlamm, konzentrierte sich, um all seine Kr�fte zu sammeln - und stie� sich ab.</p><p>Seine H�nde und Knie fanden auf dem rutschigen Untergrund keinen richtigen Halt. Sein Sprung war viel zu kurz. Ungeschickt flog er auf die <emphasis>Errish </emphasis>zu, sah, wie sie herumfuhr und ihn aus erschrocken geweiteten Augen anstarrte, gleichzeitig aber auch den Scanner hob, unbeschadet der Tatsache, da� die Wirkung der Strahlenwaffe auch sie verletzen, wenn nicht t�ten mu�te, wenn sie aus einer so geringen Entfernung auf ihn scho�. Skar warf sich verzweifelt zur Seite, streckte die Arme aus - und bekam ihr Fu�gelenk zu fassen.</p><p>Er mu�te sie nicht einmal niederringen. Die pure Wucht seines Sturzes ri� die <emphasis>Errish </emphasis>von den F��en. Sie schrie auf, kippte in einer fast grotesken Bewegung nach hinten und feuerte noch im Sturz ihre Waffe ab. Der Scanner sengte einen blauwei�en Halbkreis aus Licht in den Himmel und erlosch, als die Waffe ihren Fingern entglitt und im Morast versank. In der n�chsten Sekunde war Skar �ber der <emphasis>Errish </emphasis>und pre�te ihre Schultern gegen den Boden. Jedenfalls wollte er es.</p><p>Aber die Frau mit dem Gesicht eines Kindes reagierte ganz anders, als er erwartet hatte. Statt sich zu wehren oder gegen seine H�nde zu stemmen, warf sie sich im Gegenteil zur�ck, zog pl�tzlich die Knie an und streckte dann blitzartig die Beine aus. Skar f�hlte sich mit einem Male gewichtslos. Im hohen Bogen flog er �ber den Kopf der <emphasis>Errish </emphasis>hinweg, schlug einen halben Salto in der Luft und klatschte in den Schlamm. Der Aufprall war weich, fast federnd, aber er blieb trotzdem eine Sekunde lang benommen liegen. Die Technik, mit der ihn die <emphasis>Errish </emphasis>abgesch�ttelt hatte, war ihm bekannt, und nicht einmal besonders schwer zu erlernen. Aber er hatte einfach nicht damit gerechnet. Die <emphasis>Errish </emphasis>waren Frauen, die Wissen und die Heilung von Krankheiten und Wunden brachten; niemand, der auf Satai-Art zu k�mpfen gelernt hatte.</p><p>Diese hier hatte es, wie Skar in der n�chsten Sekunde auf �u�erst schmerzhafte Art erfahren mu�te. Er stand auf, aber wieder war die <emphasis>Errish </emphasis>schneller. Sie war bereits auf den F��en, und sie beging nicht etwa den Fehler, entscheidende Sekunden damit zu verschwenden, nach ihrer Waffe zu suchen, sondern griff ihn sofort an. Ihre H�nde krallten sich in sein Haar, rissen seinen Kopf zur�ck und fast unmittelbar wieder nach vorne, so da� er erneut das Gleichgewicht verlor, und eine halbe Sekunde sp�ter traf ihr hochgerissenes Knie seine Kiefer.</p><p>Skar keuchte vor Schmerz, st�rzte r�cklings und mit hilflos pendelnden Armen in den Schlamm und versuchte die Benommenheit abzusch�tteln. Ein Fu�tritt traf seinen Hals und verfehlte die Kehle nur um Millimeter. Skar ri� instinktiv die Arme hoch, sp�rte, da� er etwas traf und h�rte einen spitzen, schmerzerf�llten Schrei, dem der sonderbar weiche Aufprall eines K�rpers im Schlamm folgte.</p><p>St�hnend w�lzte er sich herum, stemmte sich auf H�nde und Knie hoch und versuchte Morast und Regen fortzublinzeln, die ihm in die Augen liefen. Sein Sch�del dr�hnte, und er hatte M�he, zu atmen. Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich die <emphasis>Errish </emphasis>neben ihm taumelnd erhob. Er trat nach ihr, verfehlte sie, zwang sie aber zumindest, einen Schritt zur�ckzuweichen, so da� auch ihm Zeit blieb, vollends aufzustehen.</p><p>Die <emphasis>Errish </emphasis>schlug nun eine andere Taktik ein. Sie mu�te begriffen haben, da� er entschieden zu kr�ftig war, als da� sie sich auf ein Handgemenge mit ihm einlassen konnte, und begann ihn zu umkreisen, auf eine Art, die Skar nur zu gut kannte, langsam, mit gespreizten, in den Knien leicht eingeknickten Beinen und vorgebeugtem Oberk�rper, die linke Hand zur Faust geballt vor dem Magen, die andere lose pendelnd an der H�fte. Skar wu�te jetzt, da� es ein Satai gewesen sein mu�te, der ihr diese Art zu k�mpfen beigebracht hatte.</p><p>�H�r auf!� sagte er schweratmend. �Ich will dich nicht um -� Die <emphasis>Errish </emphasis>sprang mit einem spitzen Schrei auf ihn zu, t�uschte einen Fausthieb vor und vollf�hrte dann eine blitzartige Drehung, aus der heraus sie mit aller Kraft zutrat. Skar fing den Tritt mit dem Handballen ab und fegte sie seinerseits mit einem Tritt gegen ihr Standbein von den F��en. Und diesmal war er gewarnt. Blitzschnell war er �ber ihr, pre�te sie gegen den Boden und dr�ckte ihr Gesicht f�r zwei, drei Sekunden in den Schlamm, ehe er sie loslie�. Die <emphasis>Errish </emphasis>ri� den Kopf in die H�he und rang keuchend nach Atem. Gleichzeitig versuchte sie mit den H�nden sein Gesicht zu erreichen, um ihm die Augen auszukratzen. Ihre Kapuze verrutschte, und Skar grub die Hand in ihr langes, schwarzes Haar und dr�ckte ihr Gesicht ein zweites Mal in den Morast. Und er lie� sie erst los, als ihre verzweifelte Gegenwehr schw�cher wurde.</p><p>�Bist du jetzt vern�nftig?� fragte er.</p><p>Die <emphasis>Errish </emphasis>hustete qualvoll und machte eine Bewegung, von der er wenigstens annahm, da� sie ein Nicken sein sollte. Skar lie� sie vollends los und richtete sich auf. Er sah ihre Bewegung einen Sekundenbruchteil zu sp�t. Ihre Faust scho� vor, traf seinen linken Rippenbogen und brach ihn.</p><p>Skar br�llte vor Schmerz, brach abermals in die Knie und ri� die <emphasis>Errish </emphasis>noch im Fallen mit und begrub sie halb unter sich. Sie wehrte sich mit aller Kraft und schrie vor Zorn und Angst, aber Skar lie� ihr keine Chance mehr. Seine Hand glitt an ihrem Nacken empor, suchte eine bestimmte Stelle und dr�ckte kurz und hart zu. Ein krampfhaftes Zucken lief durch den K�rper der <emphasis>Errish, </emphasis>dann erschlaffte sie.</p><p>Sekundenlang blieb Skar mit geschlossenen Augen einfach �ber ihr liegen. Seine - zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit! - gebrochene Rippe schmerzte h�llisch, und jedes Luftholen tat so weh, als versuche er gemahlenes Glas einzuatmen. Mit aller Macht k�mpfte er den Schmerz nieder, stemmte sich in eine halb sitzende Position hoch und pre�te die Hand auf die pochende Rippe. Die Verletzung war nicht lebensgef�hrlich; nicht einmal besonders schlimm, aber sie tat doppelt weh, als Skar die Augen �ffnete und auf den schmalen M�dchenk�rper vor sich herabstarrte. Verdammt, wer war er, da� er sich von einem Kind halb tot schlagen lie�?</p><p>M�hsam arbeitete er sich in die H�he, schob die H�nde unter die Achselh�hlen der Bewu�tlosen und schleifte sie st�hnend zu dem Felsen zur�ck, auf dem sie gesessen hatte, als er sie entdeckte. Sie w�rde f�r mindestens eine Stunde bewu�tlos sein, vielleicht l�nger, und er wollte nicht, da� sie im Morast ertrank. Sorgf�ltig �berzeugte er sich davon, da� sie nicht von dem Felsen herunterrutschen konnte, falls sie sich im Schlaf bewegen sollte, dann richtete er sich auf und blickte wieder nach S�den.</p><p>Das Lichtgewitter und Schreien auf der anderen Seite der Felsen hielt an. Das w�tende Br�llen von Quorrl drang durch den Regen zu ihm, das Klirren aufeinanderprallender Schwerter, aber auch immer wieder die peitschenden Entladungen der Scanner und das Knurren von mindestens einem Drachen.</p><p>Skar rannte los.</p><p>Als er zusammen mit Kiina nach Elay aufgebrochen war, war ihm der Weg nicht sehr weit vorgekommen. Jetzt erschien er ihm endlos. Skar rannte, so schnell es in der fast undurchdringlichen Dunkelheit �berhaupt m�glich war. Der Felsgrat, hinter dem Titchs Lagerplatz war, tauchte in fast regelm��igen Abst�nden als scharf abgegrenzter schwarzer Schattenri� aus der Nacht auf, aus der Dunkelheit herausgestanzt vom grellen Widerschein der Scannersch�sse, deren Peitschen jetzt immer lauter und schneller erklang, und einmal glaubte er einen Schatten neben sich durch den Regen taumeln zu sehen, war aber zu schnell vorbei, um sicher zu sein.</p><p>Er erreichte die Felsen und begann wie besessen zu klettern. Zehn, f�nfzehn Fu�, h�her war die Wand nicht; aber sie stieg fast senkrecht auf, und der Regen hatte den Stein glitschig werden lassen, so da� er immer wieder den Halt zu verlieren drohte und nur mit �u�erster Vorsicht klettern konnte. Als er den Grat der schmalen Felsbarriere erreichte, war er v�llig ersch�pft. Seine Finger bluteten, und seine gebrochene Rippe schickte wei�gl�hende Pfeile aus Schmerz in seinen Brustkorb und machte es ihm fast unm�glich, zu atmen.</p><p>Skar pre�te sich gegen den Felsen, so eng er konnte, und blickte in die Senke vor sich herab. Am Morgen, als sie sie erreicht hatten, war sie nicht nur ihm, sondern auch Titch und seinen Kriegern wie ein perfektes Versteck vorgekommen, gro� genug, selbst f�nfzig Quorrl samt der gleichen Anzahl Packpferde aufzunehmen und ihnen gleicherma�en Schutz vor dem Regen wie vor einer zuf�lligen Entdeckung zu gew�hren; und eine nat�rliche Festung dazu, denn sie war bis auf einen schmalen Durchschlupf an drei Seiten von Felsen umschlossen; die vierte, offene Seite bildete die Steilk�ste, die kein Angreifer �berwinden konnte, der nicht �ber Fl�gel verf�gte.</p><p>Jetzt war sie zur Falle geworden, denn die Angreifer <emphasis>hatten </emphasis>Fl�gel. Unweit <emphasis>des </emphasis>wie mit einem Messer gezogenen Felsabbruches der Steilk�ste schwebten vier oder f�nf gigantische Daktylen in der Luft, h��lichen �bergro�en Flederm�usen mit absurden Hammerk�pfen gleich, und unter ihnen tobte eine entsetzliche Schlacht.</p><p>Skar konnte trotz seiner erh�hten Position nicht viel erkennen. Von den R�cken der Drachenv�gel aus zuckten immer wieder grelle Strahlenblitze in die Felssch�ssel hinab und verwandelte die Nacht in ein stroboskopisches Flackern tiefster Schw�rze und blendendwei�en Lichts, aber der rasende Wechsel von Hell und Dunkel blendete ihn fast mehr, als es die Nacht und der Regen getan hatten. Aber immerhin konnte er genug sehen, um zu erkennen, da� sich Titchs Quorrl nicht mehr sehr lange w�rden halten k�nnen. Die, die noch am Leben waren, hie� das.</p><p>Die Daktylen und ihre Reiter waren nicht die einzigen Angreifer. Kaum zwei Armesl�ngen von Skar entfernt erhob sich die massige, gr�ngeschuppte Gestalt eines gewaltigen Drachen, in dessen Nacken ein schlanker schwarzer Schatten sa�, und auch unter ihm bewegten sich <emphasis>Errish; </emphasis>dazu andere, im flackernden Licht nur unscharf zu identifizierende Wesen, die zu wuchtig aussahen, um Menschen zu sein, aber zu klein f�r Drachen. Gut die H�lfte des kleinen Quorrl-Heeres lag tot oder verwundet am Boden, niedergestreckt von den unabl�ssig aufzuckenden Lichtpfeilen der Scanner oder den schrecklichen Krallen der Daktylen, die immer wieder auf das kleine Tal herabstie�en und mit Klauen und Schn�beln nach ihren Feinden hackten, und was von Titchs Heer noch am Leben war, das hatte sich zwischen das Gewirr von Felstr�mmern und -brocken zur�ckgezogen, das das hintere Drittel des Tales ausf�llte. Wahrscheinlich war diese nat�rliche Deckung der einzige Grund, aus dem der Kampf nicht l�ngst zu Ende war, denn nicht einmal der riesige Drache der <emphasis>Errish </emphasis>wagte es, sich ihr zu n�hern: aus den Spalten und Winkeln, in denen die Quorrl Schutz gesucht hatten, schlug ihm ein unabl�ssiger Strom von Pfeilen und Bolzen entgegen, und selbst, wenn er ihn �berwunden h�tte, h�tte er sich an den messerscharfen Kanten und Graten des Lavagesteins h�chstwahrscheinlich den Bauch aufgeschlitzt. Skar sah, da� es den kleineren Drachenwesen nicht besser erging. Die Quorrl hatten eine gro�e Zahl von ihnen mit Pfeilsch�ssen niedergestreckt und hielten die anderen mit ihren Speeren auf Distanz.</p><p>Trotzdem gab es keinen Zweifel am Ausgang des Kampfes. Von den R�cken der kreisenden Daktylen aus stie�en immer wieder grelle Lichtblitze nach den Quorrl, und die <emphasis>Errish </emphasis>im Nacken des gro�en Drachen feuerte mit einer anderen, sehr viel wirkungsvolleren Waffe auf die verschanzten Schuppenkrieger: Skar konnte nicht erkennen, was sie in den H�nden hielt, aber es war gro� und silberfarben und wuchtig, und es schleuderte armdicke Blitze auf die Felsen herab, der von dem peitschenden, schmerzhaft lauten Ger�usch begleitet wurde, das er geh�rt hatte. Selbst diese entsetzliche Waffe reichte nicht aus, die Deckung der Quorrl zu durchbrechen, aber wo ihre Blitze die Felsen trafen, gl�hten diese in dunklem Rot auf, und die Hitze trieb Titchs M�nner schreiend aus ihrer Deckung. Direkt in das Scannerfeuer der anderen <emphasis>Errish </emphasis>oder die zupackenden Klauen der Drachen hinein.</p><p>Skar hatte genug gesehen. Seine Rippen pochten noch immer, aber er hatte sich jetzt weit genug in der Gewalt, den Schmerz an den Rand seines Bewu�tseins zu dr�ngen, wo er ihn nicht beeintr�chtigen w�rde. Vorsichtig richtete er sich auf, kroch bis zu einer Stelle, die ihm g�nstig erschien - und sprang.</p><p>Diesmal hatte er sich nicht versch�tzt. Er landete so dicht neben der Flanke des riesigen grauen Drachen, da� er sich an seinen rauhen Schuppen die Haut aufri�, nutzte den Schwung seines Aufpralles aus, um sich sofort wieder abzusto�en, und grub Finger und Zehen in den glitzernden Schuppenpanzer des Drachen. Die Bestie br�llte zornig auf, als sie die Ber�hrung sp�rte. Ihr Schwanz peitschte und lie� den Felsen hinter ihr bersten, aber ihre Reiterin begriff die Bedeutung dieser Bewegung zu sp�t. Sekundenlang k�mpfte sie in dem schmalen Sattel hinter ihrem Sch�del verzweifelt um ihr Gleichgewicht, ehe sie endlich auf den Gedanken kam, sich herumzudrehen. Eine Sekunde lang starrte sie Skar fassungslos an, dann versuchte sie sich herumzudrehen und ihre Waffe zu heben.</p><p>Sie schaffte es nicht mehr. Skar hatte den R�cken des Drachen erreicht und warf sich mit weit ausgebreiteten Armen nach vorne. F�r einen unendlich kurzen, aber entsetzlichen Moment glaubte er, sich verrechnet zu haben und ins Leere zu greifen, aber dann bekam er den linken Arm und den G�rtel der Drachenreiterin zu fassen, packte mit aller Kraft zu und ri� sie mit sich. Aneinandergeklammert fielen sie in die Tiefe. Skar versuchte sich noch im Fallen herumzudrehen, um den Sturz mit seinem eigenen K�rper aufzufangen, aber es gelang ihm nicht mehr ganz. Sein R�cken schrammte am Vorderlauf des Drachen entlang, dann prallte er auf und sp�rte, wie in dem schmalen Frauenk�rper in seinen Armen irgend etwas zerbrach. Skar wu�te, da� sie tot war, noch ehe sie in seiner Umklammerung erschlaffte.</p><p>Fluchend sprang er auf, brachte sich mit einem Satz aus der unmittelbaren Reichweite des Drachen und machte sofort einen zweiten, entsetzten H�pfer, als etwas Gro�es, Muskelbepacktes auf ihn zuscho�, das nur aus Panzerplatten und Klauen und einem weit aufgerissenen Maul voller scharfer Z�hne zu bestehen schien. Er fiel, trat noch im Sturz nach dem Bein des Angreifers und keuchte vor Schmerz, ohne den Vormarsch des Ungeheuers dadurch auch nur zu <emphasis>verlangsamen. </emphasis>Das <emphasis>Ding - </emphasis>eines der sonderbaren Echsenwesen, das er vom Felsen aus beobachtet hatte, raste auf ihn zu, verfehlte ihn und prallte ungeschickt gegen die Flanke des gro�en Drachen, vom Schwung seiner eigenen Bewegung nach vorne gerissen, und der Drache wiederum reagierte so, wie Drachen es im allgemeinen zu tun pflegten, wenn sie sich angegriffen f�hlten: sein Schwanz zuckte, traf den winzigen Gegner in einer fast beil�ufigen Bewegung und zerschmetterte ihn.</p><p>Skar sprang auf die F��e, sah sich wild um. Es kam ihm selbst fast unglaublich vor - aber bisher schien niemand auch nur Notiz von ihm genommen zu haben! Die <emphasis>Errish </emphasis>und ihre reptilienhaften Verb�ndeten konzentrierten sich so auf die Quorrl, da� sie seinen Angriff nicht einmal bemerkt hatten! Vielleicht hatte er doch noch eine Chance.</p><p>Er entdeckte, wonach er suchte: die Waffe der <emphasis>Errish. </emphasis>Sie lag nur wenige Schritte von ihm entfernt, halb im Schlamm versunken, aber deutlich zu erkennen. An ihrer Seite leuchtete in regelm��igen Abst�nden ein winziges rotes Licht auf, wie ein kleines funkelndes Auge. Hastig lief er hin, b�ckte sich danach und h�rte ein dumpfes Knurren �ber sich. Der Drache versuchte nach ihm zu bei�en, aber es fiel Skar nicht schwer, seinem Angriff auszuweichen. Jetzt, wo er der telepathischen F�hrung seiner Reiterin beraubt war, war er wieder nichts als ein Tier, ein riesiges, gef�hrliches Tier, das aber gottlob ebenso dumm wie stark war. Er machte ein paar Schritte zur Seite, hob die Waffe hoch und versuchte, ihre Handhabung zu ergr�nden.</p><p>Eine der <emphasis>Errish </emphasis>sah direkt in seine Richtung. Skar erstarrte - und die <emphasis>Errish </emphasis>drehte sich wieder herum und zielte mit ihrem Scanner auf die Quorrl! Und dann begriff Skar: niemand hatte seinen Angriff beobachtet, und in seinem schwarzen Mantel und �ber und �ber mit Schlamm bedeckt, wie er war, hielten sie ihn in der Dunkelheit f�r eine der Ihren!</p><p>Skar wich einen weiteren Schritt zur�ck, versuchte in den Schatten der Felsen zu kommen und sah abermals die Waffe an. Sie �hnelte in nichts den Scannern, wie er sie von Kiina und den anderen <emphasis>Errish </emphasis>kannte, sondern bestand eigentlich nur aus einem dicken, mit zahllosen W�lsten und Ausbuchtungen �bers�ten Rohr und einem Schulterst�ck, aber ihre Handhabung war ihm sofort klar. Es gab einen kleinen Abzug, wie den einer Armbrust, und als er das offene Ende des Rohres ber�hrte, fuhr er schmerzhaft zusammen. Es war gl�hend hei�.</p><p>Skar schob sich vorsichtig an der Felswand entlang. Der Drache knurrte wieder, versuchte aber nicht noch einmal, ihn anzugreifen, sondern verfolgte nur jede seiner Bewegungen aus kleinen, mi�trauischen Augen. Der Verlust seiner Reiterin hatte das Tier verwirrt, aber gottlob nicht rasend gemacht, wie es manchmal bei Drachen vorkam, die lange Zeit mit einer <emphasis>Errish </emphasis>zusammengewesen waren.</p><p>Trotzdem umging Skar ihn in respektvollem Abstand, ehe er wieder aus den Schatten der Felsen heraustrat und sich einer Gruppe von drei <emphasis>Errish </emphasis>n�herte. Sie mu�ten seine Schritte h�ren, aber auch sie schienen ihn f�r eine der Ihren zu halten, denn keine von ihnen drehte sich auch nur herum - und als sie ihren Irrtum bemerkten, war es zu sp�t. Skar schlug der ersten die geballte Faust zwischen die Schulterbl�tter, brachte die zweite mit einem Kolbenhieb der Strahlenwaffe zu Fall und ri� die dritte <emphasis>Errish </emphasis>so grob herum, da� sie vor lauter Schrecken ihre Waffe fallenlie� und nicht einmal auf den Gedanken kam, sich zu wehren. Skar packte sie, legte den Arm von hinten um ihren Hals und dr�ckte zu; nicht so fest, da� sie keine Luft mehr bekam, aber hart genug, ihr zu verdeutlichen, wie wenig Sinn irgendein Widerstand haben mu�te. Dann hob er die Waffe, richtete sie schr�g in den Himmel �ber dem Meer und dr�ckte ab.</p><p>Ein br�llender Strom aus glei�endem, unertr�glich hellem Licht brach aus dem silbernen Rohr und verwandelte die kreisenden Daktylen in schwarze flatternde Scherenschnitte. Skar sah, da� er keine von ihnen getroffen hatte; trotzdem spritzte ihre Formation in heller Panik auseinander, so da� eine oder zwei <emphasis>Errish </emphasis>nur noch mit M�he ihr Gleichgewicht auf den R�cken der Drachenv�gel halten konnten. Ein Chor �berraschter Schreie gellte auf, und die Gesichter der meisten <emphasis>Errish </emphasis>wandten sich in seine Richtung. Unangenehmerweise auch die meisten ihrer Waffen.</p><p><emphasis>�Aufh�ren!� </emphasis>br�llte Skar. �H�rt sofort mit diesem Wahnsinn auf!�</p><p>Sein Schrei w�re nicht einmal n�tig gewesen. Das Scannerfeuer hatte aufgeh�rt, und auch die Reptilienwesen stellten ihre Angriffe auf die verschanzten Quorrl ein, was Skars Vermutung best�tigte, da� sie von den <emphasis>Errish </emphasis>telepathisch gelenkt wurden; der Kampf erlahmte binnen einer Sekunde, und Skar konnte beinahe k�rperlich f�hlen, wie sich aller Aufmerksamkeit auf ihn konzentrierte. Eine der schwarzgekleideten Gestalten vor ihm hob ihre Waffe, scho� aber nicht, und �ber der Steilk�ste erschien wieder der flatternde Schatten einer Daktyle.</p><p>�H�rt auf!� rief Skar noch einmal, �ihr wi�t nicht, was ihr tut!�</p><p><emphasis>�Du </emphasis>wei�t nicht, was du tust!� Eine der <emphasis>Errish </emphasis>kam n�her. Skar konnte ihr Gesicht nicht erkennen, aber allein der Klang ihrer Stimme verriet ihm, da� er es mit einer Frau zu tun hatte, die es gewohnt war, Befehle zu erteilen. �La� Rani los, oder du bist tot!� Sie hob ihren Scanner, um ihre Worte zu unterstreichen. Skar verst�rkte den Druck auf die schmale Gestalt in seinem Arm noch ein wenig, und die <emphasis>Errish </emphasis>st�hnte vor Schmerz.</p><p>�Keinen Schritt weiter!� drohte er. �Oder deine Schwester stirbt! Ich bin nicht euer Feind! Ich will nur mit euch reden!� Die <emphasis>Errish </emphasis>kam z�gernd n�her. Die Waffe in ihrer Hand blieb unver�ndert auf Skars Gesicht gerichtet, aber er sp�rte, da� sie nicht abdr�cken w�rde. Die Gefahr, auch die <emphasis>Errish </emphasis>zu t�ten, die er wie einen lebenden Schutzschild vor sich hielt, war zu gro�. �Nur reden? Wer bist du? Wo ist Mira? Sie -� Die <emphasis>Errish </emphasis>brach ab, als sie die reglose Gestalt neben dem Drachen erblickte. �Du hast sie umgebracht!� Sie hob ihre Waffe. �Daf�r stirbst du!� Skar wich zur�ck und machte gleichzeitig zwei, drei rasche Schritte zur Seite. Hinter seinem R�cken erklang abermals das drohende Knurren des Drachen, und er konnte den scharfen Reptiliengestank sp�ren, den das Ungeheuer ausstie�. �Dann solltest du aber verdammt gut zielen�, sagte er. �Wenn du den Drachen triffst und er anf�ngt zu toben, dann �berlebt in diesem Tal niemand.�</p><p>�Was willst du?� fragte die <emphasis>Errish </emphasis>aufgebracht. �Geh�rst du zu diesen verdammten Zauberpriestern? Du t�uschst dich, wenn du glaubst, da� wir tatenlos zusehen, wie deine verdammte Quorrl-Bande und du -�</p><p>�Verdammt, ich stehe auf eurer Seite!� br�llte Skar. �Und die Quorrl auch!�</p><p>F�r ein paar Sekunden wurde es still. Vollkommen still. Selbst das Prasseln der Flammen, die sich hier und da noch gegen den Regen wehrten, schien ged�mpft. Auf den Z�gen der <emphasis>Errish </emphasis>machte sich ein fassungsloser, fast entsetzter Ausdruck breit, aber nur f�r einen Moment. Dann sch�ttelte sie heftig und mehrmals hintereinander den Kopf und verzog abf�llig das Gesicht.</p><p>�Du l�gst!� sagte sie.</p><p>�Ich bin ein Satai�, antwortete Skar. �Schau mich an. Hast du jemals geh�rt, da� ein Satai l�gt? Ich kam hierher, weil ich mir Hilfe von den <emphasis>Errish </emphasis>versprach!�</p><p>�Und die Quorrl?�</p><p>�Sie begleiten mich�, antwortete Skar. �Ich lie� sie zur�ck, damit niemand in Elay bei ihrem Anblick die Nerven verliert und einen Fehler macht - nicht, damit deine Leute sie abschlachten!� Und dann tat er etwas, was die <emphasis>Errish </emphasis>vollkommen verbl�ffte - mit einer w�tenden Bewegung stie� er seine Gefangene von sich, trat auf die Gestalt im schwarzen Mantel zu und senkte seine Waffe, �Und jetzt erschie� mich, wenn es dir Spa� macht, du N�rrin!� Die <emphasis>Errish </emphasis>starrte ihn an. Ihre Waffe blieb weiter auf Skar gerichtet, aber auf ihren Z�gen k�mpften widerstrebende Empfindungen miteinander; sie war verunsichert und auf eine Weise entsetzt, die er nur zu gut nachempfinden konnte. Aber er sp�rte, da� er gewonnen hatte, wenn er nicht im letzten Moment noch einen Fehler beging.</p><p>�Du... du geh�rst nicht zu den Zauberpriestern?� fragte die <emphasis>Errish </emphasis>stockend.</p><p>Skar verneinte. �Und Titchs Krieger ebensowenig. Sie geh�ren zu dem Heer, das uns die Quorrl sandten, um Ikne und die s�dlichen L�nder zu befreien.�</p><p>Die Lippen der <emphasis>Errish </emphasis>begannen zu zittern. �Wer... wer bist du?� fragte sie.</p><p>�Mein Name ist Skar�, antwortete Skar. �Ich bin ein Satai. Ein <emphasis>Hoher Satai, </emphasis>wenn du es genau wissen willst, du dummes Weib! Del, der Kriegsherr der Satai, sandte mich nach Elay, um mit der <emphasis>Margoi </emphasis>Kontakt aufzunehmen.� Pl�tzlich wurde er zornig. Sein Entsetzen �ber dieses neuerliche, sinnlose T�ten machte sich in Wut Luft, die er nicht mehr zu beherrschen imstande war. �Er wu�te nicht, da� ich auch einen Haufen blindw�tiger Amazonen treffen w�rde, die erst schie�en und dann denken! Wer f�hrt euch an ?�</p><p>�Ich... ich glaube dir nicht!� antwortete die <emphasis>Errish. </emphasis>Ihre Stimme war schrill. Sie schrie mehr, als sie sprach. �Du l�gst! Die <emphasis>Margoi </emphasis>ist tot, wie alle anderen, und... und...� Sie verlor den Faden, begann zu stammeln und schien pl�tzlich alle M�he zu haben, die Tr�nen zur�ckzuhalten.</p><p>Skar sah sie genauer an. Er war ihr jetzt nahe genug, um ihr Gesicht erkennen zu k�nnen, und er sah, da� sie ebenso jung war wie das M�dchen, das ihn drau�en zwischen den Felsen angegriffen hatte; nur ein paar Jahre �lter als Kiina, wenn �berhaupt. Und auch die Gesichter der anderen, die nach und nach n�her gekommen waren, erschienen ihm nicht wesentlich �lter. <emphasis>Gro�er Gott - hatten sich Titchs Quorrl eine Schlacht mit Kindern geliefert?</emphasis> Aber selbst dieser Gedanke vermochte seine Wut nicht v�llig zu bes�nftigen. Zornig hob er die Waffe, schleuderte sie der <emphasis>Errish </emphasis>vor die F��e und starrte sie an. �Dann erschie�t mich meinetwegen!� fauchte er. �Oder ruf deine Schwestern zur�ck und geh aus dem Weg!�</p><p>Ohne die Antwort der <emphasis>Errish </emphasis>abzuwarten, fuhr er herum, ging an ihr vorbei und n�herte sich den Felsen, zwischen denen sich Titchs Quorrl verschanzt hatten. Die <emphasis>Errish, </emphasis>denen er begegnete, traten z�gernd beiseite. Skar versuchte, in den Schatten vor sich Einzelheiten zu erkennen. Hier und da gl�hte der Felsen noch, wo er von den Sch�ssen der f�rchtlichen Lichtwaffe getroffen worden war; dumpfes St�hnen und Schmerzlaute drangen zwischen den Felsen hervor, und �berall lagen die massigen Gestalten verletzter oder toter Quorrl.</p><p>Skar blieb stehen, als er sich den Felsen bis auf zehn Schritte gen�hert hatte, und hob die Arme. �Ich bin es, Skar!� rief er, so laut er konnte. �Nicht schie�en!�</p><p>Er bekam keine Antwort, blieb ein paar Sekunden reglos stehen und ging dann vorsichtig weiter. Die Schatten zwischen den Lavafelsen bewegten sich; Metall klirrte. Skar blieb abermals stehen, lie� die Arme wieder sinken und drehte den Kopf von rechts nach links. �Ist Titch noch am Leben?� rief er.</p><p>Nicht weit von ihm bewegte sich etwas. Ein dumpfes Kollern erscholl, und ein verirrter Lichtstrahl brach sich auf Metall und lie� es golden auffunkeln.</p><p>�Den G�ttern sei Dank, du lebst!� sagte Skar. �Es ist alles in -�</p><p>�Ich habe geh�rt, was ihr geredet habt�, unterbrach ihn der Quorrl, w�hrend er sich vollends hinter seiner Deckung aufrichtete. Etwas in seiner Stimme warnte Skar. �Was wolltest du sagen, <emphasis>Mensch?� </emphasis>Er sprach das Wort wie eine Beschimpfung aus. �Da� alles in Ordnung ist? Die H�lfte meiner M�nner sind tot, aber es war alles nur ein Irrtum, wie? Ein bedauerliches Mi�verst�ndnis?� Er kam n�her, und zum ersten Mal seit Wochen wieder kam Skar wirklich zu Bewu�tsein, wie gro� und unglaublich <emphasis>stark </emphasis>Titch war, selbst f�r einen Quorrl. Zum ersten Mal seit Wochen hatte er wieder Angst vor ihm.</p><p>�Dann k�nnen wir ja jetzt unsere Wunden lecken und weiterziehen, wie?� fuhr Titch fort: kalt, gef�hllos, als versuche ein Stein zu reden. �Es war ja alles nicht so gemeint. Und es tut mir auch wirklich leid, Satai, wenn wir eine oder zwei deiner <emphasis>Errish </emphasis>verletzt haben sollten, bei dem Versuch, unser Leben zu retten.�</p><p>�Bitte, Titch�, sagte Skar. �Ich verstehe ja, da� du -�</p><p>Titchs Hand zuckte vor, packte Skar und ri� ihn mit brutaler Kraft in die H�he. Skar verlor den Boden unter den F��en, keuchte vor Schrecken und unterdr�ckte im letzten Moment den Impuls, sich losrei�en zu wollen. Titchs Augen funkelten ihn durch den d�nnern Sehschlitz des schweren goldenen Helmes an wie glitzernde Diamanten, und er sah Ha� darin, einen brennenden, unbezwingbaren Ha�, der ihn schaudern lie�. Er wollte etwas sagen, aber er bekam keine Luft; Titchs Faust schn�rte ihm den Hals zu.</p><p><emphasis>�Du�, </emphasis>knurrte der Quorrl, �verstehst <emphasis>gar nichts, </emphasis>Satai. Du bist auch nur -� Er brach ab, starrte Skar eine weitere, qu�lende Sekunde lang aus brennenden Augen an und �ffnete warnungslos die Faust. Skar taumelte zur�ck, konnte einen Sturz nicht mehr ganz verhindern und fiel auf ein Knie herab.</p><p>Als er sich wieder aufrichtete, hatte der Quorrl sich herumgedreht und die gesunde Hand zur Faust geballt. Er stand vollkommen reglos da, breitbeinig, die gewaltigen Schultern gebeugt wie unter einer unsichtbaren Zentnerlast, und trotzdem �berragte er Skar noch immer um mehr als Hauptesl�nge.</p><p>�Titch, ich -�</p><p>�Schweig�, sagte der Quorrl. �Bitte.�</p><p>�Kein Kampf mehr?� fragte Skar leise.</p><p>Sekundenlang antwortete Titch nicht. Dann sch�ttelte er kaum merklich den Kopf. �Nein. Geh, Satai. Geh zu deinen <emphasis>Freunden.�</emphasis> Skar wollte weiterreden, aber dann sp�rte er, da� Worte jetzt sinnlos waren. Was immer er sagen konnte, es w�rde alles nur noch schlimmer machen. Niedergeschlagen drehte er sich um und ging zu den <emphasis>Errish </emphasis>zur�ck.</p><p>Er sah jetzt, da� es nicht sehr viele waren; zusammengenommen mit den dreien, die er niedergeschlagen hatte, nicht viel mehr als ein Dutzend, die zwischen den knorrigen Gestalten der Reptilienwesen sonderbar klein und verwundbar wirkten. Und sie waren wirklich alle so jung, wie er geglaubt hatte. Die Gesichter, die ihn schreckensbleich unter den schwarzen Kapuzen hervor anstarrten, waren die von Kindern, die nicht einmal begreifen konnten, was sie getan hatten.</p><p>Er trat wieder auf die <emphasis>Errish </emphasis>zu, mit der er gesprochen hatte. �Sie legen die Waffen nieder�, sagte er bitter. �Der Kampf ist vorbei.�</p><p>�Du meinst, sie ergeben sich?� fragte die <emphasis>Errish.</emphasis></p><p>Skar ohrfeigte sie.</p><p>Er wollte es nicht, aber seine Hand bewegte sich einfach ohne sein Zutun und versetzte ihr eine schallende Ohrfeige, die sie meterweit zur�cktaumeln lie�. Eines der M�dchen neben ihr sog scharf die Luft ein und hob seine Waffe. Skar starrte sie an, und der Scanner senkte sich wieder. W�tend eilte er der <emphasis>Errish </emphasis>nach, packte sie bei den Schultern und ri� sie herum. �Nein!� sagte er. �Sie <emphasis>ergeben </emphasis>sich nicht! Sie beenden den Kampf, falls du den Unterschied begreifst! <emphasis>Sie </emphasis>wissen n�mlich, wer ihre Feinde sind!�</p><p>Die junge <emphasis>Errish </emphasis>hob erschrocken die Hand vor das Gesicht, als h�tte sie Angst, noch einmal geschlagen zu werden, und pl�tzlich sah Skar Tr�nen in ihren Augen. �Es... es tut mir leid, Satai!� stammelte sie.</p><p>�Leid?� Skar lachte b�se. �So? Dort dr�ben liegen zwanzig tote M�nner, Kleines! Warum gehst du nicht zu Titch hin�ber und entschuldigst dich bei ihm?� Er versetzte ihr einen Sto�, der sie abermals zur�ck - und in die Arme einer ihrer Schwestern taumeln lie�. Zorn packte ihn, ein furchtbarer, hilfloser Zorn, der vielleicht um so schlimmer war, als er gleichzeitig begriff, da� diese Kinder nicht einmal <emphasis>verstanden, </emphasis>was er �berhaupt meinte. W�tend drehte er sich herum, machte ein paar Schritte zur�ck in Richtung auf die Felsen, zwischen denen sich die Quorrl allm�hlich aufrichteten, und blieb wieder stehen.</p><p><emphasis>Warum? </emphasis>dachte er. <emphasis>Warum mu�te alles, was er begann, so enden? War es wirklich so, wie er einmal zu Kiina gesagt hatte: da� ein Fluch auf ihm lastete, der alle verdarb, die in seine N�he kamen?</emphasis></p><p>Er hob den Kopf und starrte zu den Felsen empor, darauf gefa�t - fast in Erwartung -, den <emphasis>Daij-Djan </emphasis>zu sehen, seinen finsteren Schatten, der gekommen war, um sein Werk zu betrachten und ihn h�hnisch anzugrinsen. Aber er war nicht da. Vielleicht hatte er ihn besiegt, in Drasks Burg, vielleicht hatte er sich auch nur zur�ckgezogen und beobachtete ihn, wartete auf einen Moment, in dem er ihn noch h�rter treffen konnte.</p><p>Schritte drangen in seine Gedanken. Er sah auf, blickte in das Gesicht der jungen <emphasis>Errish, </emphasis>dessen linke Seite sich bereits r�tete, und wollte sich umdrehen, ehe er begriff, da� er sich damit nicht weniger n�rrisch benehmen w�rde als sie.</p><p>�Skar, es... es tut mir leid�, murmelte die <emphasis>Errish. </emphasis>�Du... du mu�t mir glauben, da� ich wirklich dachte, ihr... ihr w�rt...� Sie sprach nicht weiter, sondern blickte ihn flehend an, und Skar glaubte zu sp�ren, was in ihr vorging. In ihr und allen anderen. Aber er tat ihr nicht den Gefallen, irgendeine dumme Bemerkung zu machen, die sowieso nichts �ndern w�rde. Dieses dumme Kind hatte genug Schmerz ausgeteilt, um ein wenig davon zur�ckzubekommen.</p><p>�Du dachtest?� fragte er hart. <emphasis>�Was </emphasis>dachtest du?�</p><p>�Wir haben nur die Quorrl gesehen�, antwortete die <emphasis>Errish </emphasis>mit zitternder Stimme. Ihr Blick irrte �ber Skars Gesicht, suchte nach einem Zeichen von Verst�ndnis oder Vergebung und fand keines von beiden. �Nicht dich! Sie... sie n�herten sich Elay, und... und wir dachten, sie w�ren gekommen, um... um die Stadt zu besetzen, oder -�</p><p>�Die Stadt besetzen?� unterbrach sie Skar. �F�nfzig Quorrl? Eine Stadt wie Elay?�</p><p>�Sie haben sie vernichtet!� sagte das M�dchen. Pl�tzlich konnte sie die Tr�nen nicht mehr zur�ckhalten. �Sie haben... ganz Elay zerst�rt. Sie sind alle tot, Satai. <emphasis>Alle!� </emphasis>Das letzte Wort schrie sie. �Ich wei߫, antwortete Skar. �Ich war dort.�</p><p>�Wir dachten, ihr... ihr geh�rt zu <emphasis>ihnen�, </emphasis>fuhr die <emphasis>Errish </emphasis>fort, die gar keine <emphasis>Errish </emphasis>war, sondern nur ein dummes Kind, das sich einen Mantel �bergestreift hatte, der ihm zu gro� war. Und entschieden zu schwer. �Sie haben die Stadt zerst�rt, aber... aber niemand kam, um nachzusehen. Niemand kam, um... um etwas zu tun oder... oder...� Sie atmete tief ein und raffte all ihre Kraft zusammen, um mit gefa�terer Stimme und jetzt wieder fast trotzig weiterzusprechen: �Wir dachten, sie k�men im Auftrag der Zauberpriester, um sich davon zu �berzeugen, da� Elay auch wirklich vernichtet ist.�</p><p>Skar glaubte ihr. Was sie erz�hlte, war das, was er erwartet hatte. Und was h�tten sie auch tun sollen? Sie waren keine Kriegerinnen, und schon gar keine <emphasis>Errish, </emphasis>sondern Kinder. Ein schwarzer Mantel und ein paar telepathische Kunstst�cke und eine Handvoll einer Million Jahre alter Zauberwaffen machten keine Erwachsenen aus ihnen. Skar konnte sie sogar verstehen. Es waren M�dchen wie Kiina; Kinder, die zu unwichtig gewesen waren, als da� die Sternenbestie sich f�r sie interessierte, die vielleicht nur durch Zufall dem Tod entronnen waren. Sie hatten hilflos mit ansehen m�ssen, wie ihre Heimat und all ihre Freunde und Familienmitglieder get�tet worden waren, umgebracht von einem Feind, den sie nicht einmal kannten. Sie hatten gar nicht anders gekonnt, als die Quorrl anzugreifen. In seinen Zorn mischte sich Mitleid. Aber er vermochte keines von beiden auszudr�cken; nicht in diesem Moment. �Wie ist dein Name, Kind?� fragte er.</p><p>�Anschi�, antwortete die <emphasis>Errish.</emphasis></p><p>�Anschi, so.� Skar dachte an Titch, und er fragte sich, was der Quorrl nun tun w�rde. Sie waren keine Freunde, das w�rden sie niemals werden, so sehr es sich Skar insgeheim w�nschte, aber sie waren zumindest <emphasis>Verb�ndete </emphasis>gewesen, als sie den langen Weg in den Norden antraten. Jetzt... er wu�te es einfach nicht. Aber die Vorstellung, da� das, was hier geschehen war, da� dieses l�cherliche <emphasis>Mi�verst�ndnis </emphasis>vielleicht das Schicksal ganz Enwors ver�ndern konnte, trieb ihn fast in den Wahnsinn.</p><p>�Habt ihr von euren M�ttern auch die Heilkunst geerbt, oder nur ihre Waffen?� fragte er.</p><p>�Ein wenig�, antwortete Anschi z�gernd.</p><p>�Dann nimm deine Schwestern und geh zu Titch�, sagte Skar leise. �Seine M�nner werden eure Hilfe brauchen. <emphasis>Falls </emphasis>sie sie annehmen, hei�t das.�</p></section><section><title><p id="_4">4.</p></title><p>Die Quorrl <emphasis>nahmen </emphasis>die Hilfe der <emphasis>Errish </emphasis>an, wenn auch erst nach langem Z�gern und nachdem Titch es ihnen befohlen hatte. Kaum einer war ohne mehr oder weniger schwere Verletzungen davongekommen, aber es gab auch sehr viel weniger Tote, als Skar beim ersten Anblick des Talkessels bef�rchtet hatte. Ihre R�stungen, vor allem die dicken hornigen Schuppenpanzer, hatten selbst dem t�dlichen Scannerfeuer seine schlimmste Wirkung genommen. Nur neun der insgesamt f�nfzig Krieger, die mit ihnen aufgebrochen waren, �berlebten die Nacht nicht.</p><p>Und die <emphasis>Errish </emphasis>taten ihr Bestes, den �brigen zu helfen.</p><p>Aber ihr Bestes war nicht sehr viel. Sie waren begnadete Helferinnen - die Geschicklichkeit, mit der sie Wunden der Quorrl versorgten, h�tten jeden Arzt vor Neid erblassen lassen. Aber sie <emphasis>verbanden </emphasis>nur. Sie <emphasis>heilten </emphasis>nicht. Skar sah nichts von der fast magischen Begabung, Wunden zu heilen und Schmerzen zu lindern, die den Ruf der <emphasis>Ehrw�rdigen Frauen </emphasis>�berall auf Enwor begr�ndet hatten. Anschi und ihre M�dchen brachten Blutungen zum Stehen, legten Salben auf Verbrennungen und schienten gebrochene Glieder; aber all das h�tte auch Skar oder ein beliebiger anderer gekonnt, mit der entsprechenden Ausbildung. Von der magischen Heilkraft einer echten <emphasis>Errish </emphasis>sah Skar nichts in den zwei Stunden, in denen er den M�dchen half, die am schlimmsten verletzten Quorrl zu versorgen.</p><p>Er verlor kein Wort dar�ber, aber er begriff, da� seine Bef�rchtung richtig gewesen war. Von diesen Kindern w�rde er keine Hilfe zu erwarten haben.</p><p>Nach einer halben Stunde stie� Kiina zu ihnen; begleitet von einer bleichen, humpelnden <emphasis>Errish, </emphasis>deren Augen vor Schrecken gro� und rund wurden, als sie ihn erkannte. Skar w�rdigte sie keines Blickes, winkte aber Kiina zu sich und erkl�rte ihr mit wenigen, knappen Worten, was vorgefallen war. Zu seiner �berraschung h�rte Kiina zu, ohne ihn ein einziges Mal zu unterbrechen, und gesellte sich dann wortlos zu Anschis M�dchen, um ihnen zu helfen.</p><p>Es wurde Mitternacht, bis sie das Schlimmste geschafft hatten und endlich auch Skar an der Reihe kam, seine Wunden versorgen zu lassen. Es war Anschi selbst, die sich seiner gebrochenen Rippe und den zahllosen kleinen und gro�en Kratzern und Schrammen auf seiner Haut annahm, und obwohl sie sich alle M�he gab und sich auch wirklich geschickt anstellte, f�gte sie ihm erheblich mehr Schmerzen zu, als er es bei einer <emphasis>Errish </emphasis>erwartet hatte. Trotzdem: nachdem sie fertig war, f�hlte sich Skar wesentlich besser. Sein Brustkorb war bandagiert worden, so da� ihm das Atmen schwer fiel, aber wenigstens nicht mehr weh tat, und auf seine Hautabsch�rfungen hatte Anschi eine �belriechende, aber angenehm k�hlende Salbe aufgetragen. Eine fast wohltuende Schw�che hatte sich in seinen Gliedern breitgemacht. Er w�nschte sich, schlafen zu k�nnen. Aber nat�rlich war daran in dieser Nacht nicht mehr zu denken.</p><p>Er bedankte sich bei Anschi, stand auf und ging mit langsamen Schritten zu den Quorrl hin�ber. Obwohl jetzt klar war, da� die Quorrl von den jungen <emphasis>Errish </emphasis>nichts mehr zu bef�rchten hatten, lagerten sie immer noch in einer Art Verteidigungsstellung: einem dicht geschlossenen Kreis, in dessen Mitte sich die Verwundeten befanden und den keine <emphasis>Errish </emphasis>betreten durfte; die Quorrl, deren Wunden versorgt werden mu�ten, wurden von ihren Kameraden zu den <emphasis>Errish </emphasis>hin - und anschlie�end wieder zur�ckgetragen. Nicht einer von Titchs Quorrl hatte seine Waffen aus der Hand gelegt, und ihr improvisierter Lagerplatz befand sich ganz bestimmt nicht durch Zufall in unmittelbarer N�he des Felsengewirrs, in dem sie w�hrend des Kampfes Deckung gefunden hatten. Skar registrierte all dies mit gro�er Besorgnis. Er konnte die Spannung, die in der Luft lag, beinahe fassen. Normale Menschen und Quorrl, das war schwierig genug. <emphasis>Errish </emphasis>und Quorrl, das war wie Feuer und Wasser. Er hatte das Gef�hl, auf einem gewaltigen Pulverfa� zu sitzen, dessen Z�ndschnur er brennen h�ren, aber nicht sehen konnte.</p><p>Er entdeckte Titch inmitten seiner M�nner und wollte zu ihm gehen, aber einer der Quorrl vertrat ihm den Weg. Skar war sicher, da� der Krieger ihn erkannte; schlie�lich waren sie zwei Wochen zusammen geritten, und auch wenn Skar nicht die Namen und Gesichter aller Quorrl kannte, so bestand doch kein Zweifel, da� diese <emphasis>ihn </emphasis>kennen mu�ten. Trotzdem gab der Quorrl den Weg erst frei, als Titch eine entsprechende Bewegung machte.</p><p>Titch empfing ihn unfreundlich, fast aggressiv. �Was willst du?�</p><p>�Mit dir reden�, antwortete Skar.</p><p>�Reden? Wor�ber?� Der Quorrl machte eine zornige Bewegung mit der gesunden Hand.</p><p>��ber das, was geschehen ist�, antwortete Skar. Es fiel ihm schwer, ruhig zu bleiben. Titch hatte allen Grund, zornig zu sein, und auf eine schwer zu begr�ndende Art f�hlte sich Skar mitschuldig an dem, was geschehen war. Trotzdem �rgerte ihn Titchs herausfordernde Art. �Ob es Konsequenzen hat, und wenn ja, welche.�</p><p>�Konsequenzen?� Titch legte den Kopf schr�g und starrte Skar aus seinen kalten Schlangenaugen nachdenklich an. �Ja, die hat es. Wir werden jetzt ein wenig schneller in den Norden kommen. Die Pferde m�ssen neun Reiter weniger tragen. Vielleicht auch zehn oder elf.�</p><p>Skar schluckte die scharfe Antwort, die ihm auf der Zunge lag, herunter. �Ich war in Elay, Titch�, sagte er �berfl�ssigerweise. �Die Stadt ist zerst�rt.�</p><p>�Wie praktisch�, fauchte Titch. �Das erspart mir die M�he, es selbst zu tun.�</p><p>�All ihre Bewohner sind tot.�</p><p>�Alle nicht�, grollte Titch. �Aber ich wollte, es w�re so.�</p><p>�Titch, bitte�, sagte Skar. �Dein Selbstmitleid bringt uns nicht weiter.�</p><p>�Selbstmitleid?� Der Quorrl lachte b�se. �Was f�r ein praktisches Wort. Wir Quorrl kennen es nicht, aber ich wei�, was es bedeutet. Es erm�glicht euch, alles abzutun, was euch unbequem erscheint, nicht wahr?�</p><p>Skar �berging auch diese Herausforderung. Er sp�rte ganz genau, da� Titch ihn reizen wollte, und es gelang ihm auch - Skar kochte innerlich bereits vor Zorn. Aber er hatte sich gut genug in der Gewalt, sich nicht provozieren zu lassen.</p><p>�Der Angriff auf euch war ein Irrtum�, sagte er. �Ein Fehler.�</p><p>�So, ein Fehler?� unterbrach ihn Titch h�hnisch. �Na, dann bin ich ja beruhigt, wenn es nur ein <emphasis>Fehler </emphasis>war.�</p><p>�Ja, es <emphasis>war </emphasis>ein Fehler�, antwortete Skar, nicht mehr ganz so ruhig, wie er wollte. �Ein unverzeihlicher Fehler, wenn dir diese Formulierung lieber ist. Aber er ist nun einmal geschehen, und du kannst ihn mir genauso anlasten wie diesen <emphasis>Errish. </emphasis>Oder dir selbst.�</p><p>�So?� fragte Titch. �Was habe ich falsch gemacht? Ist es nur der Umstand, da� ich �berhaupt geboren worden bin, oder h�tte ich -�</p><p><emphasis>�Das reicht�, </emphasis>sagte eine scharfe Stimme hinter Skar. Titch sah auf und pre�te w�tend die Lippen aufeinander, und Skar fuhr �berrascht und zugleich erschrocken zusammen, als er sich umdrehte und Anschi erkannte, die in Kiinas Begleitung herangekommen war. Ihr Blick flammte vor Zorn, als sie abwechselnd Skar und den Quorrl ansah.</p><p>�Du bist der Anf�hrer der Quorrl?�</p><p>Titch schwieg. Anschi starrte Skar an, begriff, da� sie auch von ihm keine Antwort bekommen w�rde und kam noch einen Schritt n�her. Hinter ihr und Kiina schlo� sich der Ring aus gepanzerten schuppigen Leibern wieder, der sich ge�ffnet hatte, um die beiden jungen Frauen hindurchzulassen, und Skar fragte sich erst jetzt und mit einiger Versp�tung, wieso die Quorrl <emphasis>sie </emphasis>anstandslos hatten passieren lassen, nachdem man selbst <emphasis>ihm </emphasis>den Zutritt verwehrt hatte. Pl�tzlich hatte er Angst. Er wu�te nicht mehr, ob der Ausdruck auf den schwer zu deutenden Reptiliengesichtern der Quorrl nur Mi�trauen oder mehr war.</p><p>�Ich bin gekommen, um mich bei dir zu entschuldigen�, fuhr Anschi fort, als Titch auch nach einer Weile keine Anstalten machte, zu reden, sondern sie nur weiter anstarrte. �Ich wollte dich um Verzeihung bitten, Quorrl. Aber du bist ja viel zu sehr damit besch�ftigt, dich zu streiten und dir selbst leid zu tun.� Titch starrte sie f�r die Dauer von drei, vier Atemz�gen weiter ausdruckslos an, machte einen schwerf�lligen Schritt auf sie zu und streckte die Hand aus. Seine Pranke war gr��er als Anschis Kopf, und Skar sah, wie die junge <emphasis>Errish </emphasis>innerlich zusammenfuhr, als Titchs goldgepanzerte Faust sich ihrem Gesicht n�herte. Aber sie hatte sich erstaunlich gut in der Gewalt und r�hrte keinen Muskel, und nach einer Weile senkte Titch die Faust wieder und sah zu seinen Kriegern hin�ber. Wahrscheinlich bemerkten es weder Anschi noch Kiina, aber Skar kannte den Quorrl mittlerweile zu gut, als da� ihm der lautlose Befehl entgangen w�re, den er seinen M�nnern gab. Der Wall aus Leibern, der sich hinter Kiina und der jungen <emphasis>Errish </emphasis>gebildet hatte, zog sich ein kleines St�ck weit zur�ck. Skar atmete innerlich auf.</p><p>�Wie ist dein Name?� fragte Titch. �Du bist eine <emphasis>Errish? </emphasis>F�hrst du sie?�</p><p>�Welche Frage soll ich zuerst beantworten?� gab Anschi zur�ck. Skar warf ihr einen raschen, warnenden Blick zu, und Anschi fuhr hastig fort: �Ich bin die <emphasis>Tochter </emphasis>einer <emphasis>Errish. </emphasis>Mein Name ist Anschi, und ich f�hre diese Patrouille, ja.�</p><p>�Du bist... noch sehr jung�, sagte Titch nachdenklich.</p><p>�Selbst f�r einen Menschen.�</p><p>Skars Blick wurde fast beschw�rend, und Anschi verstand die Warnung, die darin lag. �Wir fragen nicht, wie alt jemand ist�, antwortete sie vorsichtig. �Sondern was er <emphasis>kann.�</emphasis></p><p>�Ihr h�ttet uns alle get�tet, w�re Skar nicht gekommen�, fuhr Titch fast nachdenklich fort. Anschi schwieg.</p><p>Skar blickte beunruhigt zu dem gigantischen Quorrl hoch.</p><p>Was hatte Titch vor? Er hatte den Quorrl nicht als einen Mann kennengelernt, der Konversation machte - wahrscheinlich wu�te Titch nicht einmal, was dieses Wort bedeutete. Wenn er redete, dann nur, wenn es n�tig war.</p><p>�H�ttet ihr es getan?� beharrte Titch, als Anschi nicht antwortete.</p><p>�Ja�, sagte die <emphasis>Errish </emphasis>schlie�lich. �Das h�tten wir. Wir h�tten es zumindest versucht.�</p><p>�Und es w�re euch gelungen�, sagte Titch. Pl�tzlich lachte er, ein tiefer, grollender Laut, der Anschi abermals erschrocken zusammenfahren lie�. Es gab nur wenige Menschen, die einen Quorrl jemals hatten lachen h�ren.</p><p>�Du imponierst mir, Menschenjunges�, sagte er. �Du bist nicht sehr klug. Was du f�r Tapferkeit h�ltst, ist mehr Unbesonnenheit, aber du imponierst mir, denn du bist ehrlich.�</p><p>�Dann haben wir... Frieden?� fragte Anschi z�gernd.</p><p>�Wir werden nicht mehr gegeneinander k�mpfen�, antwortete Titch, und nicht nur Skar begriff, da� das nicht genau die Antwort war, die die <emphasis>Errish </emphasis>hatte h�ren wollen. Aber vielleicht war es mehr, als sie alle hatten erwarten k�nnen. Skar sp�rte die Feindseligkeit, die wie ein �bler Hauch in der Luft war, �berdeutlich.</p><p>Anschi atmete h�rbar auf, dann runzelte sie pl�tzlich die Stirn und deutete auf den blutgetr�nkten Verband um Titchs Hand. �Deine Hand�, sagte sie. �Sie ist verletzt. La� mich danach sehen.� Titch sch�ttelte den Kopf, und Skar sagte rasch: �Das ist keine Wunde, die du heilen k�nntest, Kind.�</p><p>�Aber ich -�</p><p>�Es ist auch keine Wunde, die eine echte <emphasis>Errish </emphasis>heilen k�nnte�, fuhr Skar ruhig fort. �K�mmere dich um die anderen Quorrl. Sie brauchen deine Hilfe n�tiger.�</p><p>Anschi blickte verwirrt zwischen ihm und Titch hin und her, ma� den blutigen Fetzen um Titchs Hand noch einmal mit einem langen, irritierten Blick und machte dann eine Bewegung, die eine Mischung zwischen Kopfsch�tteln, Nicken und Achselzucken zu sein schien. �Deshalb bin ich hier�, sagte sie, wieder an Titch gewandt. �Viele deiner Krieger sind schwer verwundet. Zu schwer, als da� wir ihnen hier helfen k�nnten. Sie werden sterben.�</p><p>�Dazu sind Krieger da�, sagte Titch gelassen.</p><p>Anschi starrte ihn an, zog es aber vor, so zu tun, als h�tte sie die Bemerkung �berh�rt. Sie wandte sich an Skar. �Unser Lager ist nicht weit von hier. Drei Stunden, vielleicht vier, wenn der Regen anh�lt. Dort k�nnen wir den Quorrl helfen.�</p><p>Skar blickte fragend zu Titch auf. Der Quorrl sch�ttelte wortlos den Kopf.</p><p>�Aber sie werden sterben!� protestierte Anschi.</p><p>�Wenn es der Wille der G�tter ist, so sterben sie�, sagte Titch ruhig.</p><p>Das Gesicht der jungen Frau verdunkelte sich vor Zorn, aber Titch hatte in einem Ton gesprochen, der keinen Widerspruch zulie�. Und auch Anschi schien einzusehen, da� es Wahnsinn w�re, die Quorrl mitzunehmen. Ganz davon abgesehen, da� die meisten der Verwundeten den Ritt wohl kaum �berlebt h�tten, war der Gedanke einfach unvorstellbar, eine Armee von Quorrl in ein Lager der <emphasis>Errish </emphasis>zu f�hren. Sie wandte sich an Skar und schlug eine andere Taktik ein.</p><p>�Kiina hat mir erz�hlt, warum ihr hier seid�, sagte sie. �Vielleicht k�nnen wir euch helfen.�</p><p>�Und wie?�</p><p>�Yul!� antwortete Anschi und machte eine erkl�rende Handbewegung. �Unsere F�hrerin. Sie ist...� Sie bi� sich auf die Unterlippe und verbesserte sich nach einer kurzen Pause: �Sie <emphasis>war </emphasis>eine Vertraute der <emphasis>Margoi. </emphasis>Sie wird viele eurer Fragen beantworten k�nnen.�</p><p>Skar sah fragend zu Titch auf, und der Quorrl nickte. �Geh nur. Wir werden hier auf euch warten.�</p><p>�Zwei meiner Schwestern werden bei euch bleiben�, sagte Anschi. �Wir sind nicht die einzigen, die �berlebt haben. Und es gibt wilde Tiere.�</p><p>�Das ist nicht n�tig�, antwortete Titch, aber diesmal blieb die <emphasis>Errish </emphasis>stur.</p><p>�Vielleicht nicht, vielleicht doch�, sagte sie. �Oder wi�t ihr, wie ihr mit einem Drachen fertig werden k�nnt, Quorrl? Oder einer Herde wilder Tyrr?� Sie deutete auf den Kadaver eines der Reptilienwesen, der zwischen den Felsen lag. �Sie haben das Tal der Drachen verlassen, nachdem der magische Bann Elays erloschen ist, und durchstreifen die W�ste.�</p><p>�Anschi hat recht, Titch�, mischte sich Kiina ein. �Ihr m��t lernen, einander zu vertrauen, und vielleicht ist das der erste Schritt.� Es waren die ersten Worte, die Skar sie sprechen h�rte, seit sie zur�ckgekehrt war, und ihm fiel auf, wie matt ihre Stimme klang. Und nicht nur das: sie war bleich, und auf ihren Wangen lagen dunkle Schatten, die vor zwei Stunden noch nicht dort gewesen waren. Vielleicht wirkte sich der Schock dessen, was sie erlebt hatte, erst jetzt richtig aus. Skar fragte sich, wann er ihn zu sp�ren bekommen w�rde.</p><p>Aber der Quorrl sch�ttelte nur den Kopf. �Nein�, beharrte er. �Geht. Geht alle! Wir werden die Toten begraben und warten, bis die, die die G�tter noch zu sich rufen, gegangen sind. Dann ziehen wir weiter.�</p><p>�Du hast uns dein Wort gegeben, Quorrl!� sagte Kiina. �Du hast -� Sie unterbrach sich, hustete, pre�te die Hand gegen die Brust und verzog kurz und schmerzhaft die Lippen. Anschi sah sie besorgt an, aber Kiina sch�ttelte nur �rgerlich den Kopf, als sie auf sie zutreten wollte, und fuhr fast keuchend fort: �Du hast versprochen, Skar zu begleiten.�</p><p>�Du mu�t mich nicht an mein Wort erinnern�, knurrte Titch. �Wirst du es halten?� Kiina hustete wieder.</p><p>Titch �berlegte einen Moment. �Vielleicht�, sagte er. �Ich mu� dar�ber nachdenken.� Er war verst�rt; offensichtlich mehr �berrascht als zornig �ber die Tatsache, zum zweiten Mal an ein und demselben Tag von einem Kind besiegt worden zu sein, wenn auch diesmal nur mit Worten.</p><p>�Dann bleib wenigstens, bis wir mit der <emphasis>Errish </emphasis>gesprochen haben�, sagte Skar. �Vielleicht hat sie wertvolle Informationen.�</p><p>�F�r dich�, knurrte Titch gereizt.</p><p>�F�r <emphasis>uns�, </emphasis>verbesserte ihn Skar betont. �Du hattest recht mit deiner Vermutung, Titch. Die <emphasis>Errish, </emphasis>die das <emphasis>Wasser des Lebens </emphasis>brachte, kam aus <emphasis>eurem </emphasis>Land.� Er f�hlte sich nicht wohl dabei, den Quorrl zu bel�gen - was die sterbende <emphasis>Margoi </emphasis>ihnen erz�hlt hatte, das war nicht mehr, als sie ohnehin schon gewu�t hatten. Aber er hatte Angst, da� Titch in seiner Erregung etwas tat, das nicht wiedergutzumachen war. Er hatte keine Chance, die Grenze der Quorrl-L�nder auch nur lebend zu <emphasis>�berschreiten, </emphasis>ohne Titchs Hilfe.</p><p>Titch �berlegte eine Weile. �Bis die Sonne aufgeht�, sagte er schlie�lich. �Danach ziehen wir weiter.�</p><p>�Aber das reicht nicht!�</p><p>�Vielleicht doch�, mischte sich Anschi ein. �Wenn uns die Quorrl nicht begleiten, dann gibt es vielleicht einen schnelleren Weg.� Sie legte den Kopf in den Nacken und blinzelte zu den unsichtbaren Wolken im Himmel hinauf, aus denen noch immer eisiger Regen auf die K�ste herabfiel. Dann sah sie wieder Skar an. �Bist du schon einmal auf einer Daktyle geritten?�</p><p>Skar nickte, und Anschi wandte sich mit einem fragenden Blick an Kiina. Sie nickte ebenfalls.</p><p>�Dann la�t uns keine Zeit mehr verlieren.� Anschi machte eine Handbewegung, um ihre Worte zu unterstreichen, und drehte sich herum. Aber Skar folgte ihr nicht sofort, sondern wartete, bis Kiina und sie au�er H�rweite waren. Dann wandte er sich noch einmal an Titch.</p><p>�Du wirst auf uns warten?�</p><p>�Nein�, antwortete Titch sarkastisch. �Ich lasse mir und meinen Leuten Fl�gel wachsen und flattere davon.�</p><p>�Ich meine es ernst, Titch�, sagte Skar. �Ich...� Er stockte. Es fiel ihm schwer, weiter zu sprechen. Die blo�e Vorstellung, einem Vierhundert-Pfund-Kolo� gegen�berzustehen, der das Aussehen - und meistens auch das Benehmen - eines Raubtieres hatte, und ihn um etwas zu <emphasis>bitten, </emphasis>dagegen str�ubte sich etwas in Skar mit aller Macht. �Ich brauche dich�, sagte er schlie�lich.</p><p>Seine Worte �berraschten den Quorrl wirklich. Wahrscheinlich kam es selten vor, da� ihn jemand um etwas <emphasis>bat. </emphasis>Er antwortete nicht, aber nach ein paar Sekunden deutete er ein Nicken an und drehte sich abrupt herum, und auch Skar verlie� die Quorrl und eilte hinter Kiina und Anschi her.</p><p>Die <emphasis>Errish </emphasis>hatte das kleine Tal durchquert und war an der Steilk�ste stehengeblieben. Skar sah, wie sie beide Arme hob und winkte, und wenige Augenblicke sp�ter l�ste sich ein gewaltiger, finsterer Schatten mit ausgefransten R�ndern aus der Wolkendecke und setzte ungeschickt flatternd dicht vor Anschi zur Landung an. Der Anblick �rgerte Skar schon wieder, denn er bewies, da� die <emphasis>Errish </emphasis>ihre Kampfdrachen nicht ganz so weit zur�ckgezogen hatte, wie sie versprochen hatte. Besorgt sah er zu Titch zur�ck, aber der Quorrl blickte nicht in seine Richtung. Er hoffte, da� er nicht die gleichen Schl�sse aus dem so pl�tzlichen Auftauchen der Daktyle zog wie er.</p><p>Kiina war stehengeblieben, um auf ihn zu warten. �Glaubst du, da� er Wort h�lt?�</p><p>Skar zuckte mit den Achseln und sah zu, wie eine zweite und dritte Daktyle in rascher Folge aus den Wolken auftauchten und mit scheinbar unbeholfenen Bewegungen dicht vor Anschi zur Landung ansetzte. �Sie haben uns mehr als tausend Meilen weit begleitet�, sagte er. �Warum sollte sich daran pl�tzlich etwas �ndern?�</p><p>�Titch hat uns begleitet, weil er glaubte, bei den <emphasis>Errish </emphasis>Hilfe zu finden�, sagte Kiina ernst. �Statt dessen haben sie ihn angegriffen.�</p><p>�Es war ein schrecklicher Irrtum�, sagte Skar, obwohl er ganz und gar nicht davon �berzeugt war, da� Titch dies ebenso sehen w�rde. Er vertraute dem Quorrl; mehr, als er den meisten <emphasis>Menschen </emphasis>vertraute, die er in den letzten Monaten kennengelernt hatte. Aber er mu�te aufpassen, da� er nicht anfing, ihn auch als <emphasis>Menschen </emphasis>zu betrachten. Titch war es nicht. Er war ein Quorrl, ein Wesen, das unter v�llig anderen Bedingungen geboren und aufgewachsen war, und dessen Wertvorstellungen sich nicht mit denen eines Menschen deckten. Es war unm�glich, seine Reaktionen vorauszusehen. Er antwortete nicht, sondern ging weiter, als die letzte Daktyle den Boden erreicht hatte und Anschi ihnen winkte. Auf dem Weg zu ihr begann Kiina erneut zu husten, und diesmal war es so schlimm, da� sie stehenblieb und sich qualvoll kr�mmte. Skar griff nach ihr, aber Kiina sch�ttelte seine Hand trotzig ab und st�tzte sich schwer auf einen Felsen.</p><p>�Was hast du?� fragte Skar besorgt.</p><p>�Nichts�, antwortete Kiina, immer noch hustend. Ihr Atem ging schnell; trotzdem schien sie kaum Luft zu bekommen.</p><p>�Das h�rt sich nicht nach <emphasis>nichts </emphasis>an�, sagte Skar.</p><p>�Dieser verdammte Regen�, antwortete Kiina. �Da mu� man ja krank werden.� Sie bekam ihre revoltierenden Lungen endlich wieder unter Kontrolle, atmete ein paarmal gezwungen tief ein und aus und wischte sich den Schwei� von der Stirn, der sich in das Regenwasser gemischt hatte. �Es ist nichts�, versicherte sie. �Yul wird mir ein Mittel geben, und morgen fr�h ist alles wieder vergessen. Keine Sorge.�</p><p>Wahrscheinlich hatte sie sogar recht, dachte Skar. Es war sogar ganz im Gegenteil erstaunlich, da� sie bisher <emphasis>nicht </emphasis>krank geworden waren, alle beide. Zwei Tage ununterbrochener Regen, K�lte und unruhiger Schlaf in nassen Kleidern ruinierten selbst die st�rkste Kondition.</p><p>Trotzdem beobachtete er Kiina besorgt, w�hrend sie auf den R�cken der Daktyle kletterte, die Anschi ihr zuwies. Ihre Bewegungen waren ungelenk und verdeutlichten, wie schwach und ersch�pft Kiina war. Als sie nach den Z�geln des gro�en Flugreptils griff, zitterten ihre Finger.</p><p>Auch Anschi war Kiinas Zustand nicht entgangen. Wortlos trat sie neben sie, l�ste ein kompliziert aussehendes Geschirr aus d�nnen Lederriemen vom Sattel der Daktyle und begann sie damit festzuschnallen. Kiinas schwachen Protest ignorierte sie einfach. Skar sch�ttelte den Kopf, als die <emphasis>Errish </emphasis>auch ihm beim Aufsteigen behilflich sein wollte. Nicht besonders geschickt, daf�r aber sehr schnell, kletterte er in den bizarr geformten Sattel, der zwischen den zusammengefalteten Fledermausschwingen der Daktyle wie ein Geschw�r aussah, und nahm die Z�gel in die Hand. Die Daktyle bewegte unruhig den Kopf. Eines ihrer daumennagelgro�en, dunkelroten Augen starrte Skar mit einer Mischung aus Bosheit und Mi�trauen an. Skar schauderte. Es war nicht das erste Mal, da� er auf dem R�cken einer dieser fliegenden Bestien sa�, aber seine Furcht war so stark wie beim allerersten Mal. Die Daktylen waren schnell und stark und z�h, und in den H�nden einer <emphasis>Errish </emphasis>konnten sie zu entsetzlichen Waffen werden, aber dummerweise verf�gte Skar weder �ber die F�higkeit, seinen Geist telepathisch mit dem des Drachenvogels zu verschmelzen und ihn so zu beherrschen, noch war er der Meinung, da� eine Fortbewegung f�nfhundert Fu� <emphasis>�ber </emphasis>der Erde etwas ganz Selbstverst�ndliches sei. Er fragte sich, ob es stimme, was man sich �ber die Daktylen erz�hlte: da� sie die intelligentesten unter den Drachen waren. Und die heimt�ckischsten.</p><p>�Keine Sorge, Satai�, sagte Anschi, die seine Gef�hle auf seinem Gesicht abgelesen haben mu�te. �Ich fliege mit euch. Ich werde sie steuern. Halt dich einfach nur fest.�</p><p>�Alle drei?� fragte Skar zweifelnd.</p><p>�Es wird schon gehen�, antwortete Anschi leichthin. �Der Weg ist nicht sehr weit. Keine halbe Stunde, wenn der Sturm nicht zunimmt.� Sie l�chelte aufmunternd, ging zu ihrem eigenen Tier und schwang sich mit einer Bewegung in den Sattel, die Skar vor Neid h�tte erblassen lassen, w�re er nicht viel zu ersch�pft gewesen, um Kraft f�r solch alberne Empfindungen zu haben.</p><p>Anschi hob die Hand, und ein Zittern lief durch den knochigen Echsenk�rper zwischen seinen Schenkeln. Die Daktyle machte einen Schritt, noch einen - und startete auf die einzige Art, auf die die gro�en Drachenv�gel sich vom Boden l�sen konnten: sie st�rzte fast senkrecht an der Steilk�ste hinab, breitete auf halber H�he die gewaltigen Schwingen aus und verwandelte ihren Fall in einen immer flacher werdenden Gleitflug, der Skars Magen bis in seinen Hals hinaufkatapultierte und sie in unangenehme N�he der Wasseroberfl�che brachte. Erst f�nf oder sechs Meter �ber dem Meer gelang es dem Drachenvogel, in einen waagerechten Flug �berzugehen, dann schlugen seine Schwingen mit einem gewaltigen, ledernen Flappen und schaufelten Tier und Reiter wieder in die H�he. Skar klammerte sich mit beinahe verzweifelter Kraft an die Z�gel. Das Meer sackte langsam wieder unter ihm in die Tiefe, und links von seinem eigenen Reittier tauchte der bizarre Schatten einer weiteren Daktyle aus der Nacht auf. Er erkannte Anschi und h�rte, da� sie ihm etwas zurief, aber er verstand ihre Worte nicht. Und es gelang ihm auch nicht, das Schwindelgf�hl vollends zur�ckzudr�ngen, das der rasende Sturzflug in seinem Kopf ausgel�st hatte.</p><p>Auch nicht, als die beiden Daktylen, zu denen sich wenige Augenblicke sp�ter ein drittes Tier gesellte, weiter an H�he gewannen und schlie�lich in ihren gewohnten, fast lautlosen Gleitflug �bergingen, der nur manchmal von tr�ge erscheinenden Fl�gelschl�gen unterbrochen wurde. Im Gegenteil - es wurde immer schlimmer. Elay glitt als formloser finsterer Schatten in der Nacht unter ihnen hinweg, und schon nach Minuten wurde der Boden vollends unsichtbar, so da� er das Gef�hl hatte, durch einen endlosen finsteren Schacht zu gleiten, in dem es kein oben und kein unten mehr gab, sondern nur K�lte und schneidenden Wind und eisigen Regen, der wie mit Messern in sein Gesicht schnitt. Und doch war dieser Tunnel durch die Nacht nicht leer. Etwas war da; etwas wie eine lautlose saugende Macht, die alle Kraft aus seinem K�rper flie�en lie�. Skars Magen revoltierte. Ihm wurde �bel, und hinter seiner Stirn drehte sich alles. Kraftlos sank er nach vorne, st�tzte sich mit der linken Hand auf dem Sattel ab und umklammerte mit der anderen die Z�gel, nicht, um das Tier zu <emphasis>lenken, </emphasis>sondern um sich daran festzuklammern.</p><p>Skar f�hlte eine Erleichterung wie niemals zuvor, als endlich die Lichter des Lagerplatzes unter ihnen in der Nacht erschienen. Anschi hatte gesagt, da� der Flug keine halbe Stunde dauerte, und er glaubte ihr. Trotzdem hatte er das Gef�hl, seit einer Ewigkeit auf dem R�cken des bockenden Drachenvogels zu hocken. Jeder einzelne Muskel in seinem K�rper war verkrampft und tat weh, und die �belkeit kroch allm�hlich aus seinem Magen in die Kehle empor und wurde zu Brechreiz, den er kaum mehr beherrschen konnte. Seine verletzte Rippe meldete sich mit einem h�mmernden Klopfen zur�ck, und als sich die Daktyle, von Anschis Willenskraft gelenkt, in eine weite Linkskurve legte und zur Landung ansetzte, w�re er um ein Haar aus dem Sattel gest�rzt.</p><p>Die Flugechsen kreisten einmal �ber dem Lager, um ihre Geschwindigkeit herabzusetzen, so da� Skar ausreichend Gelegenheit bekam, Anschis Hauptquartier aus der Luft heraus zu betrachten. Viel gab es allerdings nicht zu sehen, trotz der zahllosen, sorgsam gegen den Regen abgeschirmten Feuer, die das von Felsen eingefa�te Rechteck erhellten. Das Lager befand sich an der K�ste, mehrere hundert Fu� �ber dem Meer, aber das hatte Skar erwartet, schon der Daktylen wegen. Es bestand nur aus ein paar H�tten, lieblos und offensichtlich in gro�er Hast aus Baumst�mmen und Laub zusammengezimmert, ein Pferch voller Schatten, die Pferde sein mochten, und ein Palisadenzaun, hinter dem sich mehrere Dutzend Tyrr dr�ngten. Besonders gro� konnte Anschis Kinder-Armee nicht sein. Aus irgendeinem Grund beruhigte ihn dieser Gedanke, obwohl es doch eigentlich umgekehrt sein sollte.</p><p>Dann setzte die Daktyle endg�ltig zur Landung an, und Skar brauchte all seine Kraft und Konzentration, um sich im Sattel zu halten. Der Drachenvogel breitete die Schwingen aus, machte ein paar ungeschickte, hoppelnde Schritte und kam ungef�hr so elegant wie ein fl�gellahmer Albatros zum Stehen. Die Ersch�tterung lie� Skar im Sattel nach vorne st�rzen. Instinktiv klammerte er sich fest, aber seine H�nde hatten pl�tzlich keine Kraft mehr. Er kippte zur Seite, krallte sich in die lederne Schlinge der Daktyle und kam ungeschickt auf dem Boden auf. Ihm war noch immer schwindelig. Und die �belkeit wurde immer schlimmer. <emphasis>Was war nur mit ihm los?</emphasis></p><p>Als er sich aufrichtete und einen Schritt machte, taumelte er. Das Lager begann sich vor ihm zu drehen, kreiste, kippte zur Seite und verschwamm. Durch eine dichte Wand aus schwarzem treibendem Nebel sah er, wie Kiinas Daktyle wenige Schritte neben ihm den Boden ber�hrte, und er registrierte auch noch die sonderbar falsche, schlaffe Haltung, in der das M�dchen im Sattel lag, aber seine Gedanken waren nicht mehr klar genug, dieser Beobachtung die Bedeutung zuzumessen, die sie hatten. Er brauchte all seine Kraft, um noch auf den Beinen zu bleiben. Jemand sagte etwas. Skar verstand die Worte nicht, aber er erkannte zumindest die Stimme. M�hsam, taumelnd, drehte er sich herum und blickte in Anschis Gesicht. Sie wiederholte ihre Worte, aber er verstand sie auch jetzt nicht. Ihm wurde �bel. Entsetzlich �bel. <emphasis>Dieser verdammte Vogel! </emphasis>dachte er. Wenn er das n�chste Mal eine Daktyle sah, dann w�rde er sie allerh�chstens braten, aber ganz bestimmt nicht mehr auf ihr reiten!</p><p>Er begriff noch, da� etwas an diesem Gedanken vollkommen falsch war, aber nicht mehr was, und ihm blieb keine Zeit mehr, sich �ber den pl�tzlich erschrockenen Ausdruck auf Anschis Z�gen zu wundern.</p><p>Skar verlor das Bewu�tsein und brach zusammen.</p></section><section><title><p id="_5">5.</p></title><p><emphasis>Er tr�umte, und - ungew�hnlich genug - er war sich dessen die ganze Zeit �ber bewu�t. Es war ein wirrer, von d�steren Bereichen scheinbar grundloser Furcht durchzogener Fiebertraum, und irgendwie war er sonderbar zweigeteilt: es war, als w�re ein Teil seines Bewu�tseins noch immer wach, denn er registrierte sehr wohl, da� er hochgehoben und in eine der H�tten getragen wurde, da� man ihn auszog und auf ein Bett legte und eine angew�rmte Decke �ber ihn breitete, und da� sich kurz darauf kundige H�nde an seinem K�rper zu schaffen machten. Er h�rte Stimmen, die er nur insoweit verstand, da� sie �ber ihn sprachen und sehr besorgt klangen.</emphasis></p><p><emphasis>Der andere, weit gr��ere Teil seines Denkens war hilflos in den Klauen des Alptraumes gefangen. Er erlebte alles noch einmal, aber nicht in der richtigen Reihenfolge, sondern als Durcheinander scheinbar zusammenhangloser, auf schreckliche Weise ins D�stere verzerrter Bilder, die in seinem Kopf durcheinanderst�rzten. Die Schlacht gegen die Quorrl, den Angriff des W�chters und sein eigener, selbstm�rderischer Kampf mit der Sternenbestie, der mit jener schrecklichen Erkenntnis endete, die er selbst jetzt noch aus seinen Gedanken verbannt hatte, um nicht einfach den Verstand zu verlieren. Sein Abschied von Del, der schmerzhaft und erleichternd zugleich gewesen war, und der zweiw�chige Ritt durch ein Land, das vom Krieg verheert wurde, der Weg nach Norden, der sie zuerst einmal in den Westen gef�hrt hatte, mehr als tausend Meilen von ihrem eigentlichen Kurs entfernt. Sein geradezu l�cherlicher Entschlu�, allein, nur begleitet von einem Kind und f�nfzig Quorrl, die zu keinem anderen Zweck in ihre Heimat zur�ckkehrten, als dort zu sterben, einer Gefahr trotzen zu wollen, die bereits den gr��ten Teil einer ganzen Welt verschlungen hatte. Aber zu all diesen bekannten Bildern und Gesichtern und Stimmen gesellte sich in seinem Traum noch etwas Neues. Zorn. Ein dumpfer, w�hlender, unbezwingbarer Zorn, der ihm zugleich auf entsetzliche Weise bekannt wie fremd war. Bekannt, weil es jene Art von m�rderischer Wut war, die sich weit jenseits des bewu�ten Denkens abspielte und alle klare �berlegung ausschaltete, die ihn in der Vergangenheit manchmal zum Ungeheuer hatte werden lassen, das weder Freund noch Feind kannte, das unbesiegbar, aber auch gnadenlos war, und vor dem er sich selbst mehr f�rchtete als vor allen Gefahren der Welt. Und fremd, weil sie grundlos war. Es gab keinen Ausl�ser, nichts, was geschehen war, um das entsetzliche Erbe der Sternengeborenen zu wecken, das tief in seiner Seele eingekerkert war. Er sp�rte nur Zorn, einen grundlosen, fast unbezwingbaren Zorn, den Willen, zu zerst�ren, zu k�mpfen, zu t�ten, t�ten, t�ten...</emphasis></p><p><emphasis>Dann geschah etwas. Die Stimmen und Ber�hrungen der Errish verbla�ten, und gleichzeitig wurde sein Traum wirklich zur Fieberphantasie, die sinnund handlungslos war und nur noch aus Furcht und verr�ckten Gedankentr�mmer bestand.</emphasis></p><p><emphasis>Er schlief ein. </emphasis></p></section><section><title><p id="_6">6.</p></title><p>Es war absurd, aber das erste, was ihm bewu�t wurde, war, da� es zu regnen aufgeh�rt hatte. Das Prasseln und Pl�tschern des Regens, das ihnen in den letzten beiden Tagen und N�chten zu einem so best�ndigen Begleiter geworden war, da� er es schon gar nicht mehr wahrgenommen hatte, war verstummt, und in der Luft lag ein warmer, noch immer ein wenig feuchter Hauch. Sonnenlicht kitzelte sein Gesicht, und Skar registrierte mit einem Gef�hl wohliger Behaglichkeit, da� er zum ersten Mal seit Tagen wieder am ganzen Leib <emphasis>trocken </emphasis>war; ein Luxus, den man wie vieles erst dann richtig zu sch�tzen wu�te, wenn man ihn nicht mehr hatte. Erst dann erwachte er wirklich.</p><p>Er lag auf einem Bett in einer kleinen, aber sehr behaglich eingerichteten H�tte, nackt und nur mit einer d�nnen Decke aus bunten Stoff flicken zugedeckt, und er sp�rte, da� er nicht allein war, noch bevor er den Kopf drehte und die Gestalt auf dem Stuhl neben sich bemerkte.</p><p>Die <emphasis>Errish </emphasis>war sehr alt - sechzig, vielleicht siebzig Jahre, m�glicherweise auch noch sehr viel �lter, denn die <emphasis>Ehrw�rdigen Frauen </emphasis>vermochten ihr Leben zu verl�ngern, auch wenn sie es nicht immer taten. Ihr Gesicht war schmal und von Falten durchzogen, das Gesicht eines sehr alten Menschen, das aber kein bi�chen gebrechlich wirkte, sondern im Gegenteil trotz seines Alters energisch und sehr bestimmend. Ihre Augen waren klar und fast schon erschreckend wach, und ihre H�nde, die das einzige waren, was au�er dem Antlitz unter dem groben schwarzen Stoff ihres Mantels sichtbar wurde, waren so d�rr und knochig wie Vogelklauen. Trotzdem wirkte sie nicht absto�end, sondern eher bizarr; gar nicht mehr wie ein Mensch, sondern schon fast wie ein Wesen einer anderen Gattung, als w�re sie nicht einfach �lter geworden, sondern h�tte sich gleichzeitig <emphasis>ver�ndert. </emphasis>Aber es war nichts Beunruhigendes an dieser Ver�nderung.</p><p>�Bist du... Yul?� fragte Skar. Er erschrak ein wenig, als er h�rte, wie fremd und schwach seine eigene Stimme klang. Sie zitterte. Das Sprechen tat seinem Hals weh.</p><p>Die alte Frau nickte.</p><p>�Und du Skar.� Sie legte den Kopf schr�g und betrachtete interessiert sein Gesicht, obwohl sie Stunden Zeit gehabt haben mu�te, dies zu tun. �Du bist zu jung�, stellte sie schlie�lich fest. Skar blickte fragend, und Yul fuhr mit einer erkl�renden Handbewegung fort: �Oh, keine Sorge, ich wei�, da� du der bist, als den Anschi und Gowennas Tochter dich vorgestellt haben. Ich kenne dich, wei�t du?�</p><p>�Nein.� Skar sch�ttelte den Kopf und stemmte sich in eine halb sitzende, halb noch immer liegende Position hoch. Es fiel ihm schwer. Seine Arme schienen keine Kraft mehr zu haben, und hinter seiner Stirn war noch immer ein ganz sachtes Schwindelgef�hl. �Woher auch?�</p><p>�Ich war in Elay�, erkl�rte Yul. �Damals, als du zusammen mit Gowenna von den Eisinseln zur�ckgekehrt bist.� Ihre d�nnen gesprungenen Lippen verzogen sich zu einem wissenden L�cheln, als sie Skars Verwirrung bemerkte. �Oh, ich habe ein wenig anders ausgesehen, damals. Und wahrscheinlich hast du mich �berhaupt nicht bemerkt. Du hattest ja nur Augen f�r Gowenna. Aber <emphasis>ich </emphasis>habe <emphasis>dich </emphasis>sehr wohl bemerkt. Du warst schon immer ein stattlicher Mann.� Ihr Blick wurde fragend. �Du bist es immer noch. W��te ich nicht, da� es unm�glich ist, dann w�rde ich sagen, da� du keinen Tag �lter geworden bist, seit damals.�</p><p>�Aber es ist unm�glich, nicht wahr?� antwortete Skar. �Schlie�lich wissen wir das beide.�</p><p><emphasis>Wissen wir das wirklich? </emphasis>fragte Yuls Blick. Aber sie sprach es nicht laut aus, sondern machte eine Handbewegung, die wohl andeuten sollte, da� sie das Thema f�r den Moment als beendet betrachtete. �F�hlst du dich besser?�</p><p>Skar f�hlte sich in der Tat besser als am vergangenen Abend. Sein Zustand war mit dem, als er das Lager erreicht hatte, nicht zu vergleichen. Er f�hlte sich zwar noch immer ein wenig matt, aber es war nur die M�digkeit, die der Schlaf hinterlassen hatte, nicht mehr diese entsetzliche saugende Schw�che, die ihn auf dem R�cken der Daktyle �berfallen hatte. Selbst seine verletzte Rippe schmerzte kaum mehr.</p><p>Vorsichtig setzte er sich auf, griff hastig nach der Decke, die von seinem Scho� rutschen wollte, und sah betreten an sich herab, als er Yuls sp�ttisches L�cheln bemerkte. Erst dann fiel ihm auf, da� der Verband verschwunden war, den Anschi �ber seine gebrochene Rippe gelegt hatte.</p><p>�Sie ist geheilt�, antwortete Yul auf die unausgesprochene Frage in seinem Blick. �Aber du solltest dich noch f�r ein paar Tage in acht nehmen. Und dir deine Gegner das n�chste Mal etwas genauer ansehen.� Sie machte eine rasche Handbewegung, als er dazu ansetzte, sich zu verteidigen. �Ich wei�, da� du dir diese Verletzung h�ttest ersparen k�nnen, wenn du sie get�tet h�ttest. Ich danke dir, da� du es nicht getan hast.�</p><p>�Wer hat diesen Kindern beigebracht, so zu k�mpfen?� fragte Skar, w�hrend er sich nach seinen Kleidern b�ckte, die neben dem Bett auf dem Boden lagen. Ungeschickt versuchte er, unter der Decke in seine Hosen zu schl�pfen, was Yul abermals zu einem fl�chtigen L�cheln veranla�te.</p><p>�Ein Satai�, antwortete sie. �Er kam vor einem Jahr hierher. Er war verletzt und wurde verfolgt. Wir gew�hrten ihm Obdach und heilten seine Wunden, und zum Dank lehrte er uns, wie ein Satai zu k�mpfen. Viele meiner M�dchen verdanken ihm sein Leben.�</p><p>�Ein fairer Tausch�, antwortete Skar; mehr, um �berhaupt etwas zu sagen. Es war ihm endlich gelungen, in seine Hose zu schl�pfen. Mit einer raschen Bewegung schlo� er die G�rtelschnalle, streifte die Decke von den Beinen und wollte aufstehen. Aber es blieb bei dem Versuch. Die schnelle Bewegung l�ste ein heftiges, an �belkeit grenzendes Schwindelgef�hl hinter seiner Stirn aus. Er wankte, streckte haltsuchend die H�nde aus und sank kraftlos auf das Lager zur�ck. Yuls Gestalt verschwamm f�r einen Moment vor seinen Augen. Es war nicht so schlimm wie am vergangenen Abend, aber schlimm genug. Er st�hnte, hob die Hand an den Kopf und massierte seine Schl�fen.</p><p>�So etwas... Dummes�, sagte er verwirrt. �Ich bin wirklich... nicht mehr gut in Form.� Er versuchte ein L�cheln und seine Verlegenheit mit einem Scherz zu �berspielen: �Ein jugendliches Aussehen ist nicht alles, wenn man sich nicht die passende Kondition dazu erh�lt. Vielleicht sollte ich in meinem Alter keine Tausend-Meilen-Ritte mehr unternehmen.�</p><p>Yul blieb ernst. �Es war nicht der Ritt�, sagte sie. Ihre Worte waren wie eine ausgestreckte Hand, die sie ihm hinhielt. Da war etwas, was sie ihm sagen wollte; der Grund, aus dem sie - m�glicherweise Stunden - an seinem Lager gesessen und darauf gewartet hatte, da� er aufwachte. Aber Skar wollte es pl�tzlich gar nicht mehr wissen.</p><p>Sehr viel vorsichtiger als beim ersten Mal stand er auf, b�ckte sich nach seinem Hemd und streifte es �ber, und ganz automatisch wollte er auch nach seinem Brustpanzer greifen. Aber der Satai-Harnisch aus steinhartem Leder kam ihm mit einem Male viel zu schwer und unbequem vor, obgleich er ihn jetzt seit zwei Wochen fast ununterbrochen getragen hatte. Es war auch nicht n�tig, da� er ihn anlegte; er war hier unter Freunden. Und vielleicht, �berlegte er, h�tte er auch auf Hemd und Hose verzichten sollen, denn die Kleider l�sten einen fast unertr�glichen Juckreiz auf seiner Haut aus.</p><p>�Wie geht es Kiina?� fragte er; nur um �berhaupt etwas zu sagen.</p><p>Yul deutete ein Achselzucken an. �Sie schl�ft�, antwortete sie. �Sie war zu Tode ersch�pft. Und sehr erschrocken. Ich habe ihr einen Trank gegeben, der sie bis zum Abend durchschlafen lassen wird. Was �brigens auch f�r dich das beste gewesen w�re�, f�gte sie hinzu, pl�tzlich ganz die besorgte <emphasis>Errish, </emphasis>die die Verantwortung f�r einen Kranken �bernommen hatte. �Aber dazu blieb keine Zeit. Verzeih. Aber es gibt viel zu besprechen, und wir haben nicht sehr viel Zeit.�</p><p>Skar sah sie verst�rt an. Normalerweise reagierte er mit Unmut oder gar Zorn, wenn man ihn bei einer Schw�che ertappte. Yul gegen�ber empfand er eher Verlegenheit. Und eine unbestimmte Furcht. Ihr hohes Alter gaben ihr eine �berlegenheit und Distanz, die ihn verwirrte.</p><p>�Wir haben sogar noch weniger Zeit, als du glaubst, Yul�, sagte er bedauernd. �Du wirst Kiina aufwecken m�ssen. Hat dir Anschi nicht von den Quorrl erz�hlt?�</p><p>�Doch, das hat sie.� Yul l�chelte fl�chtig, dann stahl sich ein Ausdruck von Bedauern auf ihre Z�ge. �Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Ich habe Anschi zu den Quorrl zur�ckgeschickt, mit der Bitte, auf dich zu warten. Was geschehen ist, tut mir leid. Ich bitte dich um Vergebung, auch in Anschis Namen. Ich f�rchte, sie selbst ist zu stolz, um es zu tun.� Sie seufzte. �Sie ist ein Kind.�</p><p>�Das meine ich nicht�, antwortete Skar. Er �berlegte, ob er Yul davon erz�hlen sollte, da� Anschi sich bei Titch entschuldigt - oder es wenigstens <emphasis>versucht </emphasis>hatte, entschied sich aber dann dagegen. Es war nicht wichtig in diesem Moment. �Die Quorrl werden nicht auf mich warten. Und ich mu� in den Norden.� Er �berlegte einen Herzschlag. �Kiina ist krank, sagst du?�</p><p>�Nein�, verbesserte ihn Yul. �Das habe ich nicht gesagt. Sie ist ersch�pft, viel mehr, als sie zugeben w�rde. Und sie hat noch gar nicht richtig begriffen, was �berhaupt geschehen ist.�</p><p>�Dann ist es vielleicht besser, wenn ihr sie nicht weckt�, sagte Skar. �Sie kann bei euch bleiben?�</p><p>�Das k�nnte sie�, sagte Yul. �Aber ich wei� nicht, ob es gut w�re.� Sie bewegte sich m�hsam, griff in eine Falte ihres Gewandes und zog ein winziges glitzerndes Etwas heraus, das Skar erst nach Augenblicken als den Ring der <emphasis>Margoi </emphasis>erkannte. Automatisch senkte er die Hand auf die Tasche in seinem G�rtel, und obwohl er das Schmuckst�ck in Yuls Fingern sah, war er fast �berrascht, sie leer vorzufinden.</p><p>�Ich konnte der Verlockung nicht widerstehen�, sagte Yul in entschuldigendem Tonfall. Sie hielt ihm den Ring hin, aber Skar sch�ttelte den Kopf. Die <emphasis>Errish </emphasis>z�gerte sekundenlang, dann schlo� sich ihre d�rre Faust um den winzigen Silberring wie um einen kostbaren Schatz.</p><p>�Also ist es wahr, was Kiina erz�hlt hat�, sagte sie. �Die <emphasis>Margoi </emphasis>ist tot.� Sie l�chelte m�de. �Verzeih, da� ich deine Kleider durchsucht habe. Aber ich mu�te mich davon �berzeugen, da� es wirklich wahr war. So haben sie am Schlu� auch sie get�tet.�</p><p>�Ich glaube, sie hat es so gewollt�, sagte Skar leise. Pl�tzlich tat ihm die alte Frau leid. Eine Welle tiefen Mitleids ergriff ihn, ein Gef�hl, das um so tiefer und kostbarer war, als er schon gar nicht mehr geglaubt hatte, es noch empfinden zu k�nnen. �Sie sprach mit Kiina und mir, ehe sie starb. Sie hatte Schmerzen, und ihr Geist begann sich zu verwirren, glaube ich. Aber ich hatte nicht das Gef�hl, da� sie Angst vor dem Tod hatte.�</p><p>�Warum auch?� sagte Yul. Sie steckte den Ring wieder ein. �Sie war eine K�nigin ohne Volk. W�rdest <emphasis>du </emphasis>leben wollen, g�be es au�er dir keine Satai mehr?�</p><p>Skar wich ihrem Blick aus. �Ich wei� es nicht�, gestand er nach einer Weile, sehr leise und mehr zu sich selbst gerichtet als an Yul. �Vielleicht gibt es keine anderen Satai mehr.� Er seufzte. �Vielleicht hat es das, was wir Satai zu sein behaupten, niemals wirklich gegeben.�</p><p>�Und vielleicht ist die ganze Welt nicht das, was sie zu sein scheint�, versetzte Yul in fast w�tendem Tonfall. �Deine <emphasis>wenns </emphasis>und <emphasis>vielleicht! </emphasis>bringen uns nicht weiter, Satai. Enwor brennt, und wenn wir dieses Feuer noch l�schen wollen, sollten wir keine Zeit mit philosophischen Betrachtungen verschwenden.�</p><p>Ihre Worte ern�chterten Skar, aber er war gleichzeitig fast dankbar daf�r. Nach dem, was er am vergangenen Abend selbst zu Titch gesagt hatte, sollte er sich eigentlich ein wenig besser in der Gewalt haben, dachte er. Er ging zur T�r, blickte auf den sonnenbeschienenen Lagerplatz und die nahe See hinaus und wandte sich wieder zu Yul um. �Du hast recht�, sagte er. �Verzeih.�</p><p>�Schon gut.� Yul wiederholte ihre Handbewegung, mit der sie einen Themenwechsel zu begleiten pflegte. �Kiina hat mir erz�hlt, was in der Burg des Zauberpriesters geschehen ist. Aber vieles erscheint mir... unglaublich. Und an manches konnte sie sich nicht mehr erinnern. Sie war sehr m�de und hatte Fieber. Erz�hl mir, was passiert ist.�</p><p>Skar sah zur Sonne hinauf. Es war schon beinahe Mittag; vier oder f�nf Stunden �ber die Frist, die Titch ihm gegeben hatte, und die Zeit brannte ihnen allen auf den N�geln. Wenn seine und Dels Sch�tzungen richtig waren und ihnen das Wetter keinen Strich durch die Rechnung machte, dann mu�te das Heer jetzt schon l�ngst die Berge �berschritten haben und sich auf halbem Wege nach Ikne befinden. Skar wu�te einfach, da� die gro�e Konfrontation zwischen den Satai und Veden auf der einen und der Armee der Zauberpriester auf der anderen Seite <emphasis>dort </emphasis>stattfinden w�rde. Ebenso, wie er wu�te, da� er sie verhindern mu�te. Er hatte Drasks Worte nicht vergessen: <emphasis>Gebt acht, da� ihr euch nicht totsiegt, Satai.</emphasis></p><p>Er z�gerte, Yuls Bitte zu entsprechen. Er war hierhergekommen, um Fragen zu <emphasis>stellen, </emphasis>nicht zu <emphasis>beantworten. </emphasis>Aber dann wandte er sich um, ging zum Bett zur�ck - mit Ausnahme des Stuhles, auf dem die <emphasis>Errish </emphasis>sa�, war es das einzige M�belst�ck im Raum - und begann mit ruhiger, fast emotionsloser Stimme zu erz�hlen.</p><p>Er sprach schnell, aber er lie� nichts aus, und als er einmal zu reden begonnen hatte, h�tte er nicht einmal aufh�ren k�nnen, wenn er es gewollt h�tte. Er begann mit seinem Abschied von Gowenna vor zwanzig Jahren und seiner Wanderung zum unterirdischen Tempel der Gesichtslosen Prediger, berichtete von seinem mehr als zwanzig Jahre dauernden, magischen Schlaf und dem Schock, den es ihm bereitet hatte, als er erwachte und erfahren mu�te, auf welch entsetzliche Weise sich die Welt ver�ndert hatte, in dem Menschenalter, das er schlafend verbrachte. Er erz�hlte von seiner Wanderung in den Osten und dem Kampf mit den Quorrl, und von der Falle, die ihm Drask gestellt hatte, einer Falle, die beinahe das Schicksal Enwors und ganz bestimmt <emphasis>sein </emphasis>Schicksal besiegelt h�tte, denn sie hatte ihn dazu gebracht, seinen eigenen Sohn zu t�ten. Er berichtete von dem Seelentausch, den Bradburn vorgenommen hatte, dem <emphasis>Sai-Tan, </emphasis>der ihm das b�se Erbe seines Sohnes zur�ckgab, und von ihrem Angriff auf Drasks Burg und davon, da� auch sie sich am Ende nur als eine weitere, teuflische Falle herausstellte, die um ein Haar zum Grab f�r sechzigtausend Menschen und Quorrl geworden w�re. Yul h�rte die ganze Zeit �ber schweigend und mit ausdruckslosem Gesicht zu, aber als er vom Angriff des <emphasis>Netzes </emphasis>erz�hlte, huschte ein rascher, schmerzhafter Ausdruck �ber ihre Z�ge, denn die Bilder, die er nur mit Worten heraufbeschw�ren konnte, hatte sie selbst erlebt, in Elay. Aber sie unterbrach ihn auch jetzt nicht, sondern starrte aus blicklosen Augen an ihm vorbei und wartete, bis er mit seinem Bericht zu Ende gekommen war; dem gestrigen Abend, an dem er mit letzter Kraft dieses Lager erreicht und bewu�tlos zusammengebrochen war. �Den Rest kennst du�, schlo� er. �Ich nehme an, du hast die ganze Nacht an meinem Bett verbracht.�</p><p>Yul nickte. Sie sah ihn an, aber ihr Blick war leer. Sie wirkte wie ein Mensch, der aus einem langen, von b�sen Tr�umen geplagten Schlaf erwachte und sich nicht sofort in der Wirklichkeit zurecht fand; vielleicht, weil auch die Wirklichkeit zum Alptraum geworden war.</p><p>�Dann warst du es, der den <emphasis>W�chter </emphasis>get�tet hat�, sagte sie. Skar widersprach nicht. Es w�re sinnlos gewesen, nach allem, was er Yul erz�hlt hatte, und zumindest <emphasis>geahnt </emphasis>hatte er es schon, w�hrend er mit der sterbenden <emphasis>Margoi </emphasis>in der H�hle der Drachen sprach. Das Wesen in Elay und das, das Drasks Burg angegriffen hatte, waren zur gleichen Zeit gestorben. Was er get�tet hatte, das war nicht die <emphasis>Sternenbestie </emphasis>in Drasks Turmkammer gewesen. Sie wie ihre gr��liche Schwester in Elay waren nichts als Ungeheuer gewesen, Trugbilder, Trugbilder aus Fleisch und Blut zwar, aber doch nichts als Bauern auf einem gigantischen Schachbrett, in genau dem Moment erschaffen, in dem sie gebraucht wurden, und im Grunde unwichtig. Was er vernichtet hatte, das war die Macht gewesen, die <emphasis>hinter </emphasis>ihnen stand. Skar begriff pl�tzlich - und erst jetzt! -, da� er dem unsichtbaren Feind, gegen den sie k�mpften, ohne ihn �berhaupt zu kennen, vielleicht den ersten wirklich schmerzenden Schlag in diesem Krieg beigebracht hatte, aber er dachte auch diesen Gedanken ohne jeden Triumph.</p><p>�Wie?� fragte Yul.</p><p>Skar tat so, als verst�nde er nicht. �Was... meinst du?�</p><p>�Wie hast du es getan? Du hast einen Geist besiegt, der m�chtig genug war, Elay und ein Dutzend anderer St�dte zu unterwerfen und euer gesamtes Heer zu bedrohen. Wie?�</p><p>�Ich... wei� es nicht�, log Skar. Er zuckte mit den Achseln und wich Yuls Blick aus. �Ich habe es einfach getan. Etwas in mir. Vielleicht die Kraft, vor der sich Drask und die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>so sehr f�rchten. Ich wei� nicht, wie�, beteuerte er noch einmal. Yul starrte ihn an, und Skar sp�rte ganz genau, da� sie ihm nicht glaubte. Er wu�te es. Oh, ja, dachte er bitter, er <emphasis>wu�te </emphasis>es. Nicht das <emphasis>wie, </emphasis>aber das <emphasis>wieso. </emphasis>Den Grund, aus dem es ihm m�glich gewesen war, eine Kreatur von der Macht eines finsteren Gottes zu vernichten, nur mit der puren Kraft seines Willens. Er wu�te es, und er hatte dieses Wissen sogar ausgesprochen, als es aus der Welt des Wahnsinns zur�ckgekehrt und wieder zum Menschen geworden war. Hinterher hatte er sich darauf hinausgeredet, da� er verwirrt gewesen war und nicht wu�te, was er sagte, und Del und die anderen hatten ihm nur zu gerne geglaubt. Aber er <emphasis>wu�te, </emphasis>da� es nicht so war.</p><p>�Und du glaubst, du k�nntest es wirklich?� fragte Yul.</p><p>�Was?�</p><p>�Den Krieg verhindern, den dein Freund Del so gerne f�hren w�rde, wie du es Drask versprochen hast?� Yul stand auf und machte ein paar Schritte auf die T�r zu, wobei sie sich schwer auf einen glattpolierten Stock aus schwarzem Holz st�tzte, der bisher neben ihrem Stuhl gestanden hatte.</p><p>Auch Skar erhob sich, unterdr�ckte aber im letzten Moment den Impuls, die Hand auszustrecken und sie zu st�tzen. Yul w�rde ihn um Hilfe <emphasis>bitten, </emphasis>wenn sie sie brauchte. �Ich wei� es nicht�, sagte er. �Aber ich mu� es versuchen. Dieser Kampf... darf nicht weitergehen.�</p><p>�Weil es ein Krieg ohne Sieger w�re.� Yul nickte und starrte wieder ins Leere. �Es hat schon einmal einen solchen Kampf gegeben, und er wurde von denselben Parteien gef�hrt. Sie vernichteten sich gegenseitig, und was von Enwor blieb, war eine H�lle.� Sie wandte den Kopf und sah ihn durchdringend an. �Ist es das, wovor du dich f�rchtest, Satai? Willst du den Krieg verhindern, weil du Angst hast, es k�nnte wieder keinen Sieger geben, sondern nur Verlierer?�</p><p>Skar sp�rte, da� von seiner Antwort viel abhing, ohne zu wissen, warum. Er dachte lange �ber Yuls Worte nach, und f�r einen ganz kurzen Moment war er in Versuchung, ihr auch den Teil der Geschichte zu erz�hlen, den er ihr bisher verschwiegen hatte: seine eigene, ganz private H�lle, deren Abgr�nde sich f�r ihn aufgetan hatten, seit er auf der Insel des <emphasis>Dronte </emphasis>das Erwachen des <emphasis>Daij-Djan </emphasis>miterlebt hatte. Sein Wissen um das, was er <emphasis>wirklich </emphasis>war. �Nein�, sagte er schlie�lich.</p><p>�Warum dann?� beharrte Yul.</p><p>�Weil ich... m�de bin�, sagte er z�gernd. �Wir alle sind es, Yul. Diese Welt hat zu viel Krieg und Sterben erlebt. Es mu� aufh�ren. F�r immer.�</p><p>Yul l�chelte. �Seltsame Worte - aus dem Munde eines Kriegers.�</p><p>�Vielleicht ist ein Krieger der einzige, der versteht�, antwortete Skar. Er machte eine Handbewegung, die seine ganze Ersch�pfung zum Ausdruck brachte. �Vielleicht sind die alten Legenden wahr, und unsere Vorfahren und die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>vernichteten sich wirklich gegenseitig, als sie um die Vorherrschaft auf Enwor k�mpften.�</p><p>�Sie <emphasis>sind </emphasis>wahr�, sagte Yul.</p><p>�Aber in einem l�gen sie�, beharrte Skar. �Der Kampf hat nie aufgeh�rt. Es mag tausend Jahre her sein oder eine Million, aber der Krieg wurde nie beendet. Der <emphasis>Dronte, </emphasis>dieses entsetzliche Ding, das ihr den <emphasis>W�chter </emphasis>nennt und alle anderen Kreaturen, die sie noch gegen uns werfen m�gen, sind -�</p><p>�- keine D�monen, Skar, sondern Teil eines unvorstellbaren Waffensystems, das sie erschufen, um ihre Gegner zu bezwingen�, unterbrach ihn Yul. Sie sah ihn fast am�siert an. ��berrascht dich das?�</p><p>�Nein�, antwortete Skar ehrlich. �Ich verstehe es nicht, aber es �berrascht mich auch nicht.�</p><p>�Aber es ist doch ganz einfach�, fuhr Yul fort, noch immer in diesem Skar unverst�ndlichen, fast am�sierten Tonfall. �Die <emphasis>Alten </emphasis>waren Wesen von unvorstellbarer Macht und Wissen, aber sie blieben <emphasis>Menschen. </emphasis>Ihre Seelen und ihre Art zu denken blieb die von Menschen. Die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>waren anders. Die Alten bezwangen sie mit ihrer Technik, denn sie wu�ten Dinge zu erschaffen, die selbst uns wie Zauberei vorkommen. Aber sie waren letztendlich in den Gesetzen ihrer Welt gefangen. Sie vermochten Dinge zu erschaffen wie unsere Scanner, und andere, schlimmere Waffen. Du hast ihre Wirkung gesehen. Du warst in Combat.� Skar nickte. Er hatte das Feuer gesehen, das die Erde selbst entflammt hatte. Es brannte noch immer. Nach einer Million Jahren. Und es w�rde auch in einer weiteren Million Jahren weiterlodern. �Aber gleich, wie perfekt ihre Waffen waren, sie blieben unvollkommen�, fuhr Yul fort. �Was die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>taten, war anders.� Sie suchte nach Worten, fand keine und zuckte mit den Schultern. �Nenne es besser, wenn du willst. Meinetwegen b�ser, auf jeden Fall aber wirkungsvoller. Die Waffen der <emphasis>Alten </emphasis>gingen mit ihrer Welt unter. Die der <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>�berdauerten ihre Sch�pfer, denn was sie schufen, war Leben. Leben, das nur dem einen Zweck diente, zu t�ten. Und das unsterblich war, denn es vermochte sich allen nur denkbaren Ver�nderungen anzupassen.� Sie seufzte, senkte den Blick und st�tzte sich schwerer auf ihren Stock. �Du hast recht, Skar. Wir k�nnen diesen Krieg nicht gewinnen.�</p><p>�Hat... Gowenna das alles gewu�t?� fragte Skar. Er war ersch�ttert. Das meiste von dem, was Yul ihm erz�hlt hatte, war ihm nicht einmal neu, und doch gab allein die Art, auf die sie gesprochen hatte, den Dingen eine neue, furchtbare Realit�t. Es war, als h�tte sich ein unsichtbarer, eisiger Schatten vor die gl�hende Sonnenscheibe drau�en geschoben.</p><p>�Du meinst, weil sie es dir nicht erz�hlt hat?� Yul sch�ttelte traurig den Kopf. �Wir alle wissen es, Skar. Es war das gro�e Geheimnis der <emphasis>Errish, </emphasis>�ber all die Jahrtausende hinweg. Wir durften es dir nicht sagen. Nicht einmal sie durfte es. Und wir glaubten, die Gefahr sei gebannt, nachdem du das Kind zur�ckgebracht hattest. Vielleicht war sie es sogar.� Skar sah sie fragend an. �Es begann, nachdem du fort warst�, f�gte Yul erkl�rend hinzu. �Der <emphasis>Dronte </emphasis>schien der letzte Versuch der <emphasis>Sternengeborenen, </emphasis>das Kind und damit dein Erbe in ihren Besitz zu bringen. Erst nachdem es <emphasis>dich </emphasis>nicht mehr gab, begannen sie wirklich zu erwachen.�</p><p>�Aber wieso?�</p><p>�Das wei� niemand�, antwortete Yul. �Vielleicht war nicht Combat das Siegel, sondern du. Die Macht, die in deiner Seele schlummert, Satai. Es hat immer M�nner wie dich gegeben, seit den Zeiten der <emphasis>Alten, </emphasis>und sie haben ihre Macht weitervererbt, meist, ohne auch nur zu ahnen, wer sie waren. Vielleicht war der magische Schlaf, in den der Priester dich versetzte, die erste Zeitspanne seit dem Untergang der alten Welt, in der es keinen <emphasis>W�chter </emphasis>gab.�</p><p>Sie sah, wie sehr ihre Worte Skar trafen, und l�chelte aufmunternd. �Vielleicht ist es auch ganz anders. Nur Vermutungen, die eine Greisin anstellt, die l�ngst h�tte sterben sollen. Komm - la� uns ein paar Schritte gehen. Die Sonne scheint, und die W�rme wird meinen alten Knochen guttun.�</p><p>Nebeneinander verlie�en sie die H�tte. Es war sehr warm, und nach dem tagelangen Regen empfand Skar den Sonnenschein als doppelt angenehm. Yuls Erz�hlung hatte mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet, aber er wu�te auch, da� sie nicht weiterreden w�rde, auch wenn er es versuchte. Da war noch mehr, noch viel mehr, was es zu fragen und zu sagen gab, aber es war Yul, die die Spielregeln bestimmte, und die entschied, wieviel Wahrheit er in einer gewissen Zeit ertragen konnte und wieviel nicht. Und vielleicht hatte sie recht. Ihre Geschichte - zusammen mit dem, was Skar wu�te und <emphasis>ihr </emphasis>verschwieg, ergaben ein ersch�tterndes Bild. Er war mehr denn je davon �berzeugt, da� Drask ihm die Wahrheit gesagt hatte, kurz bevor er starb.</p><p>Skar versuchte seine Gedanken in andere Bahnen zu zwingen, indem er sich auf das Lagerleben ringsum konzentrierte. Die kleine, aus Felsen und Palisadenw�nden errichtete Festung war so hastig und provisorisch angelegt, wie er schon gestern abend vermutet hatte. Yuls Sch�lerinnen waren mit sehr viel mehr gutem Willen als Wissen an ihre Aufgabe herangegangen, und der Satai, der sie unterrichtet hatte, hatte entweder nichts vom Festungsbau verstanden oder nicht vorausgesehen, da� seine Lebensretterinnen eines Tages auf diese Fertigkeiten angewiesen sein mochten. Skar indes sah die Anlage aus den Augen eines Kriegers, und er mu�te nicht zweimal hinsehen, um zu erkennen, da� sie einem ernstgemeinten Angriff nur sehr kurze Zeit standhalten w�rde.</p><p>�Wie lange seid ihr schon hier?� fragte er, w�hrend sie sich nebeneinander der gro�en Palisadenwand n�herten, die er aus der Luft heraus gesehen hatte.</p><p>�An diesem Ort?� Yul �berlegte. �Zehn... nein, elf Tage. Oh, ich wei�, er ist erb�rmlich, aber das Beste, was wir haben.� Sie beschattete die Augen mit der Hand und blickte aufs Meer hinaus, als suche sie nach etwas Bestimmtem. Skar folgte ihrem Blick, konnte aber nichts Au�ergew�hnliches entdecken. Es war sehr warm. Nachdem sie die H�tte verlassen hatten, begann er die Sonne bereits unangenehm zu sp�ren, die er solange vermi�t hatte. Und der Juckreiz hatte keineswegs aufgeh�rt. Skar mu�te sich beherrschen, um sich nicht ununterbrochen am ganzen Leib zu kratzen. �Wir waren auf dem Weg zur�ck nach Elay�, fuhr Yul fort. �Anschi und die, die mit mir in die W�ste geflohen waren, als der <emphasis>W�chter </emphasis>Elay angriff.�</p><p>�Du hast sie angef�hrt?�</p><p>�Nicht direkt�, antwortete Yul mit einem schmerzlichen L�cheln. �Um ehrlich zu sein - es war ein purer Zufall, da� wir entkamen. Wir versteckten uns, zuerst in der N�he Elays, sp�ter, als sie anfingen, uns zu jagen, im Tal der Drachen, und nach und nach stie�en andere zu uns, die dem <emphasis>W�chter </emphasis>entkommen waren; oder die er nicht f�r wichtig genug empfunden hatte, sich ihrer zu bem�chtigen.�</p><p>�Wie viele seid ihr?�</p><p>�Siebzig�, antwortete Yul. �Vielleicht achtzig - ich wei� es nicht genau. Viele starben, als wir die Kontrolle �ber die Drachen verloren. Viele wurden von ihren Tieren get�tet, bis wir begriffen, da� aus unseren Drachen wieder wilde Bestien geworden waren, andere fielen den Angriffen ihrer eigenen Schwestern zum Opfer. W�re der Satai nicht erschienen, von dem Anschi dir erz�hlt hat, w�ren wir vielleicht alle gestorben. Er lehrte uns zu k�mpfen und zu �berleben.�</p><p>�Und ihr habt euch die ganze Zeit drau�en in der W�ste verborgen?� fragte Skar erstaunt.</p><p>�Und immer auf der Flucht�, f�gte Yul bitter hinzu. �Aber schlie�lich h�rten wir, da� der <emphasis>W�chter </emphasis>besiegt war. Du mu�t wissen, wir hatten Freunde in Elay. Verb�ndete, die uns manchmal Nachrichten zukommen lie�en oder eine Warnung. Wir brachen auf, um in die Stadt zur�ckzukehren. An diesem Ort hier legten wir unsere letzte Rast ein.� Sie lachte bitter. �Um uns zu <emphasis>s�ubern. </emphasis>Um unsere Wunden zu versorgen und saubere Kleider anzulegen, damit wir nicht wie die Bettler zur�ckkehrten.�</p><p>�Es hat euch das Leben gerettet�, sagte Skar.</p><p>�Wahrscheinlich�, sagte Yul. �Nein, sicher. W�ren wir weiter geritten...� Sie stockte. Ihr Blick richtete sich wieder auf jene imagin�re Stelle weit drau�en auf dem Meer, und pl�tzlich wurde ihre Stimme noch leiser, so da� Skar sich anstrengen mu�te, um ihre Worte �berhaupt zu verstehen. �Es begann dort drau�en, Skar. Ich habe es <emphasis>gesehen.�</emphasis></p><p>�Was?� fragte Skar.</p><p>�Der Sturm�, antwortete Yul. �Der Staub, der Elay vernichtete. Ich stand hier, hier wo wir jetzt sind, und es begann dort, irgendwo hinter dem Horizont.� Sie hob den Stock und deutete zitternd mit dem polierten Holz nach Westen. �Auf einer jener kleinen Inseln, die dort liegen. Licht. Ein b�ses, wei�es Licht, wie ich es nie zuvor im Leben gesehen habe. Es war, als w�re die Sonne auf die Erde herabgefallen.�</p><p>�Ein Licht?� wiederholte Skar zweifelnd. �Die <emphasis>Margoi </emphasis>hat nichts von einem Licht erz�hlt.�</p><p>�Vielleicht haben sie es nicht bemerkt�, antwortete Yul. �Elay stand in Flammen, vergi� das nicht. Sie k�mpften. Vielleicht haben sie es gesehen, aber nicht gewu�t, was es bedeutete. Aber ich sah es und wu�te, da� es das Ende war.�</p><p>�Und... dann?� fragte Skar, als Yul nicht weitersprach, sondern nur aus blicklosen, weit aufgerissenen Augen nach Westen starrte. �Das Licht verlosch, aber eine Stunde sp�ter begann der Sturm. Und mit ihm kam der t�dliche Staub, der Elay zerst�rte. Du hast gesehen, was er getan hat. Es <emphasis>mu� </emphasis>aufh�ren, Skar. Bevor ganz Enwor untergeht.�</p><p>Es war nicht allein das, was sie aussprach, was Skar abermals fr�steln lie�. Yuls mehr zu sich selbst als an Skars Adresse gerichtete Worte hatten pl�tzlich etwas von einer Prophezeiung, einer d�steren, unheilschwangeren, aber unausweichlichen Prophezeiung. Skar antwortete nicht, obgleich er wu�te, da� die <emphasis>Errish </emphasis>allein sein Schweigen als Zustimmung werten w�rde.</p><p>Einzig, um sich auf andere Gedanken zu bringen, deutete er auf den Pferch hinter dem Palisadenzaun. �Diese Kreaturen�, sagte er. �Was ist das? Ich habe nie zuvor Wesen wie diese gesehen.�</p><p>�Du warst auch noch nie im Tal der Drachen�, antwortete Yul. �Oder?�</p><p>Skar verneinte. Jetzt, im hellen, beinahe schattenlosen Licht der Mittagssonne, konnte er die so sonderbar menschen�hnlich aussehenden Gesch�pfe weit besser erkennen als gestern nacht, aber die Helligkeit des Tages nahm ihnen nichts von ihrem unheimlichen �u�eren. Ganz im Gegenteil. Die Kreaturen - Skar weigerte sich selbst in Gedanken, sie <emphasis>Drachen </emphasis>zu nennen, obgleich sie es zweifellos waren; aber alles in ihm str�ubte sich dagegen, diese h��lichen, m�rderischen Dinger mit den stolzen Riesenechsen zu vergleichen, auf denen die <emphasis>Errish </emphasis>ritten - hatten tats�chlich etwas Menschen�hnliches; schon weil sie sich aufrecht gehend auf den Hinterf��en fortbewegten und ihre Vorderbeine zu kleinen, klauenbewehrten �rmchen verk�mmert waren - <emphasis>klein </emphasis>allerdings nur im Vergleich mit den muskelbepackten Hinterl�ufen, die so stark wie Skars Oberk�rper waren. Ein langer, gepanzerter Schwanz half ihnen offensichtlich dabei, das Gleichgewicht bei dieser f�r ihre Gattung ungew�hnlichen Art der Fortbewegung zu halten; ihre F��e waren gro� und dreizehig wie die von V�geln und mu�ten zu entsetzlichen Waffen werden, wenn sie sie im Kampf einsetzten. Das H��lichste an den Tyrr aber war der Sch�del, der unverh�ltnism��ig gro� f�r den Rest des K�rpers war und nur aus Maul und Z�hnen zu bestehen schien. Die Tyrr waren zwischen sechs und acht Fu� gro�, aber Skar sch�tzte ihr K�rpergewicht auf eine gute halbe Tonne. Er fragte sich, ob sie intelligent waren, wie man es manchen Drachen nachsagte.</p><p>Yul gab ihm ausreichend Zeit, die scheu�lichen Kreaturen zu begutachten, ehe sie weitersprach. �Sie leben im Tal der Drachen, so wie die <emphasis>Skrot, </emphasis>die Kiina verfolgten. Im Grunde sind sie harmlos.�</p><p><emphasis>Harmlos? </emphasis>Skar hob zweifelnd die Augenbrauen. Gestern abend hatte er nicht den Eindruck gehabt, da� die Tyrr in irgendeiner Form <emphasis>harmlos </emphasis>waren. Ganz im Gegenteil - er erinnerte sich schaudernd daran, wie f�rchterlich diese Wesen unter Titchs Quorrl gew�tet hatten.</p><p>�Sie sind Aasfresser, und wie alle Aasfresser feige�, erkl�rte Yul. �Au�er wenn sie ihre Beute in gro�en Gruppen angreifen k�nnen.�</p><p>�Oder von einer <emphasis>Errish </emphasis>gelenkt werden�, vermutete Skar. Yul nickte, aber ihr Gesicht sah dabei fast angewidert aus. �Glaube nicht, da� es uns freut, uns dieser <emphasis>Tiere </emphasis>zu bedienen�, sagte sie. �Aber sie sind alles, was uns geblieben ist. Sie und die Skrot und ein paar alte oder schwache Drachen, die sich nicht mehr gegen unseren Willen wehren k�nnen.�</p><p>�Dann hatte Kiina recht, als sie behauptete, der <emphasis>W�chter </emphasis>h�tte euch die Drachen genommen?�</p><p>�Ja�, seufzte Yul. �Niemals h�tte er den Geist eines Drachen bezwingen k�nnen�, sagte sie �berzeugt. �So trennte er uns von ihnen.�</p><p>�Aber gestern abend, bei den Quorrl -�</p><p>�Hast du einen wirklichen Drachen gesehen, ich wei߫, unterbrach ihn Yul. �Ereil. Mein eigenes Tier.� Sie schwieg einen Moment, warf den Tyrr einen langen, eindeutig angewiderten Blick zu und drehte sich zu Skar um. �Sie ist vielleicht der letzte Drache, der uns geblieben ist. Aber sie ist so alt und schwach wie ihre Herrin. Wenn sie stirbt, dann wird es keine Drachenreiterinnen mehr auf Enwor geben. Die M�dchen sind noch nicht soweit.�</p><p>�Anschi hat die Daktyle gelenkt, auf der ich geritten bin�, wandte Skar ein.</p><p>�Das ist nichts�, behauptete Yul. �Viele von ihnen sind begabt, das ist wahr, aber nicht eine von ihnen k�nnte einen <emphasis>wirklichen </emphasis>Drachen beherrschen, Skar. Es ist ein langer und m�hseliger Weg, mit dem Geist dieser stolzen Wesen zu verschmelzen. Nicht alle schaffen es, und die, denen es gelingt, brauchen ein Leben, um perfekt zu werden. Anschi und die anderen werden diese Zeit nicht haben.�</p><p>�Sie beherrschen die Tyrr.�</p><p>�Sie lenken sie�, verbesserte ihn Yul. �Wie ein Puppenspieler seine Marionette. Einen Drachen kannst du nicht beherrschen, Skar. Du mu�t seine Freundschaft erringen, oder er wird dich t�ten. Was wir mit den Tyrr tun, ist... schlecht. Es verdirbt sie, denn es bricht ihren Willen, und es verdirbt uns, denn es zwingt uns, unsere Gedanken mit denen eines <emphasis>Tieres </emphasis>zu verbinden. Telepathie ist immer zweiseitig, Skar. Du gibst nicht nur, du nimmst auch, ob du es willst oder nicht.�</p><p>Skar schauderte. Yul hatte ihm mit wenigen kurzen Worten einen Einblick in eine Welt gegeben, die ihm vollkommen fremd war. Nicht einmal er, der eine <emphasis>Errish </emphasis>geliebt hatte, hatte sich bisher Gedanken dar�ber gemacht, wie sie es bewerkstelligen mochten, die riesigen Panzerechsen Enwors zu beherrschen. Es war eben so. <emphasis>Errish </emphasis>ritten Drachen, so wie Satai das K�mpfen und Veden die Seefahrt beherrschten. Ein weiteres Wunder, dachte er bitter, das untergehen w�rde, ganz gleich, ob sie den Kampf gegen die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>gewannen oder nicht.</p><p>Der Gedanke erf�llte ihn mit Zorn, den er kaum mehr zu beherrschen vermochte. �Sie werden daf�r bezahlen, Yul�, sagte er. �Ich verspreche es.�</p><p>Die alte <emphasis>Errish </emphasis>sah ihn mit sonderbarem Ausdruck an. �Sagtest du nicht vor Augenblicken noch, da� du den Krieg <emphasis>verhindern </emphasis>willst?� fragte sie.</p><p>Skar war irritiert, dann erschrocken �ber seine eigene Reaktion. Er kannte diesen wilden, alle Logik davonfegenden Zorn, der ihn manchmal packte, aber er war nie so pl�tzlich und grundlos �ber ihn gekommen. Seltsam, dachte er. Wie in seinem Traum. Er verscheuchte den Gedanken.</p><p>�Du hast recht�, sagte er verlegen. �Ich bin nerv�s. Verzeih.� Yuls Blick blieb forschend, und das auf eine Art, die Skar rasch unangenehm zu werden begann. So sah sie ihn nicht nur mi�trauisch an, sondern so, als suche sie in seinem Blick nach etwas, etwas ganz Bestimmtem, von dem sie ahnte (bef�rchtete?), da� es da war. Aber sie ging mit keinem Wort mehr darauf ein, sondern hob pl�tzlich den Kopf und blinzelte aus zusammengekniffenen Augen in den Himmel hinauf. �Anschi kommt zur�ck�, sagte sie. Auch Skar blickte nach S�den. Obwohl seine Augen ein halbes Menschenalter j�nger als die Yuls und zweifellos sch�rfer waren, dauerte es Sekunden, bis auch er den winzigen, dreieckigen Schatten im Himmel gewahrte, der sich dem Lager in lautlosem Segelflug n�herte.</p><p>�Komm�, sagte Yul. �Gehen wir ihr ein St�ck entgegen. Sie bringt Neuigkeiten von deinem Freund Titch.�</p><p>Die <emphasis>Errish </emphasis>kam rasch n�her. Sie ritt die gro�e Daktyle, auf der Skar selbst in der vergangenen Nacht gesessen hatte, und er hatte ja erlebt, wie schnell der riesige Drachenvogel war. Sie hatten das Lager kaum halb durchquert, als die Daktyle auch schon mit weit ausgebreiteten Fl�geln zur Landung ansetzte und hoppelnd zur Ruhe kam.</p><p>Anschi sprang aus dem Sattel, noch ehe die Daktyle ihre Schwingen zusammengefaltet hatte. Allein ihre Art, sich zu bewegen, verriet Skar eine Menge �ber den Gem�tszustand, in dem sie sich befand. Ihr Gesicht flammte vor Zorn, als sie auf Yul und ihn zukam.</p><p>�Diese... diese <emphasis>Tiere!� </emphasis>sagte sie aufgebracht. �Diese verdammten Bestien!�</p><p>�Sprichst du von den Quorrl?� fragte Skar alarmiert. Was war geschehen?</p><p>�Ja, das tue ich�, fauchte Anschi. �Ich spreche von deinen Freunden, diesem Monstrum Titch und den anderen Fischgesichtern!�</p><p>�Anschi!�</p><p>Yuls Stimme klang eher verzeihend als scharf, aber die junge <emphasis>Errish </emphasis>fuhr trotzdem zusammen und blickte ihre Lehrerin vergebungheischend an.</p><p>�Verzeiht, Herrin�, sagte sie. �Ich wei�, ich sollte nicht so reden, aber...�</p><p>�Was ist geschehen?� fragte Skar. �Hattest du Streit mit Titch?�</p><p>�Sprich, Kind�, sagte Yul, als Anschi nicht sofort antwortete, sondern ihn nur voller Feindseligkeit anstarrte. �Berichte. Du hast den Quorrl meine Botschaft �berbracht?�</p><p>Anschis Lippen wurden zu einem d�nnen, blutleeren Strich. �Ja, das habe ich�, antwortete sie. �Aber sie wollen nicht warten.� Sie wandte sich an Skar. �Ich soll dir von Titch ausrichten, da� du w��test, wo du ihn finden kannst, und da� er glaubt, du w�rdest seine Hilfe jetzt nicht mehr brauchen. Sie sind bereits aufgebrochen.�</p><p>Sie starrte Skar so voller Feindseligkeit an, als w�re es <emphasis>seine </emphasis>Schuld, und irgendwie sp�rte er auch, da� es so war - ganz gleich, was die Quorrl taten oder unterlie�en, Anschi w�rde immer ihm die Verantwortung daf�r zuschreiben, schon weil er es gewesen war, der sie hierhergebracht hatte.</p><p>�Und was ist geschehen?� fragte er. Die Tatsache allein, da� Titch sein Wort nicht hielt, konnte schwerlich der Grund f�r Anschis Erregung sein. Ganz im Gegenteil w�re die junge <emphasis>Errish </emphasis>wahrscheinlich eher erleichtert gewesen, w�ren die Quorrl <emphasis>nur </emphasis>weitergezogen.</p><p>�Die Verwundeten�, stie� Anschi hervor. �Titchs Krieger. Er hat sie get�tet! Ich... ich habe ihm angeboten, sie hierzulassen, bei uns. Wir h�tten sie gepflegt, bis sie wieder kr�ftig genug gewesen w�ren, ihm zu folgen. Aber er hatte nicht einmal darauf <emphasis>geantwortet. </emphasis>Dieses Ungeheuer hat sie get�tet, vor meinen Augen.� Skar schwieg betroffen. Anschis Worte �berraschten ihn nicht einmal wirklich. So r�tselhaft ihm Titchs Pers�nlichkeit noch immer war, so vorausberechenbar waren seine Reaktionen als <emphasis>Quorrl. </emphasis>Er war auch nicht schockiert. Er machte sich nur Vorw�rfe, den Quorrl allein gelassen zu haben. Er h�tte wissen m�ssen, was geschah.</p><p>�Das scheint dir �berhaupt nichts auszumachen, wie?� fauchte Anschi, als er nicht so reagierte, wie sie wohl erwartet hatte. �Doch�, antwortete Skar ruhig. �Aber es ist nun einmal die Art der Quorrl, ihre Verwundeten zu t�ten, wenn sie sie nicht mitnehmen k�nnen.�</p><p>�Es ist nicht deine Schuld, Kind�, sagte Yul sanft. �Und es steht uns auch nicht zu, �ber Titch zu urteilen. Er hat nach den Gesetzen seines Volkes gehandelt, wie wir nach den unseren.�</p><p>�Er hat sie abgeschlachtet, wie Vieh�, protestierte Anschi. �Vor meinen Augen. Es war... unmenschlich.�</p><p>�Titch ist kein Mensch�, erinnerte sie Skar, aber er sp�rte sofort, da� er damit alles h�chstens noch schlimmer machte. Und er begriff pl�tzlich auch, warum: die <emphasis>Errish </emphasis>f�hlte sich f�r das Ende der Quorrl verantwortlich.</p><p>�Wohin ziehen sie?� fragte er rasch, ehe Anschi Gelegenheit fand, weiterzusprechen und sich vielleicht noch mehr in Rage zu reden. �Direkt nach Norden?�</p><p>�Nein�, antwortete Anschi. �Ich habe ihnen geraten, einen Bogen um Elay zu schlagen, und ich hoffe, dieser dickk�pfige Quorrl ist wenigstens klug genug, <emphasis>darauf </emphasis>h�ren.� Pl�tzlich l�chelte sie, <emphasis>ZU </emphasis>aber es war nicht sehr viel Humor in dieser Miene. �Wenn du willst, sorge ich daf�r, da� sie nicht weit kommen. Ich glaube nicht, da� sie es wagen, den Weg einer Herde wilder Tyrr zu kreuzen.�</p><p>�Was f�r ein Unsinn�, sagte Yul. �Du wirst nichts dergleichen tun, Anschi. Und jetzt geh. La� dir etwas zu essen geben und beruhige dich ein wenig. Und dann komm zu uns. Skar und ich erwarten dich in Kiinas H�tte.�</p><p>Anschi entfernte sich ohne ein weiteres Wort, aber mit Bewegungen, die ihren Zorn nur um so deutlicher machten. Skar sah ihr kopfsch�ttelnd nach, w�hrend Yul sich ein d�nnes, verzeihendes L�cheln gestattete.</p><p>�Sie ist sehr aufbrausend�, sagte sie, �aber auch sehr klug. Was f�r eine <emphasis>Errish </emphasis>w�re sie geworden.� Sie seufzte, sch�ttelte noch einmal den Kopf und st�tzte sich wieder schwer auf ihren Stock. �Komm, Satai�, sagte sie mit einer Kopfbewegung auf eine der H�tten am Rande des Lagerplatzes. �Wir haben viel zu besprechen. Und jetzt darfst du mir die Hand reichen. Ich bin m�de.� Kiina schlief, als er die H�tte betrat. Sie war etwas ger�umiger als die, in der er sich nach seinem Erwachen gefunden hatte, aber ebenso spartanisch eingerichtet; selbst f�r die Begriffe einer <emphasis>Errish. </emphasis>Skar f�hrte Yul zu einem Stuhl, half ihr, sich auf das unbequeme M�belst�ck zu setzen und trat dann an Kiinas Bett. Er erschrak ein wenig, als er ihr Gesicht sah: Es war so bleich, da� es schon fast grau wirkte, und unter ihren Augen waren dunkle Ringe. Er h�tte nicht einmal die Hand auf ihre Stirn zu legen brauchen, um zu erkennen, da� sie Fieber hatte, aber er tat es trotzdem; vielleicht nur, um sie zu ber�hren. Obwohl sie den allergr��ten Teil ihrer gemeinsamen Zeit damit verbrachten, sich zu streiten, f�hlte er eine tiefe, fast v�terliche Verbundenheit mit dem M�dchen. Sie war nicht seine Tochter - Skar hatte den Gedanken eine Weile ernsthaft erwogen, ihn dann aber als das erkannt, was er war: ein Wunsch, mehr nicht -, aber sie h�tte es sein <emphasis>k�nnen, </emphasis>und sie war Gowennas Tochter. Etwas wie ein Andenken an eine Zeit, die unwiderruflich vor�ber war. Und er war es Gowenna einfach schuldig, sie zu besch�tzen.</p><p>�Du liebst das M�dchen�, sagte Yul, als er sich nach ein paar Augenblicken aufrichtete.</p><p>�Ja�, sagte Skar, zu seiner eigenen �berraschung fast sofort und ohne irgendeine Scheu oder gar Verlegenheit. �Aber nicht so, wie du glaubst. Wie geht es ihr?� Erst, als er die H�tte betreten und Kiinas bleiches Gesicht gesehen hatte, hatte er sich wieder daran erinnert, da� auch sie das Lager der <emphasis>Errish </emphasis>mehr bewu�tlos als wach erreicht hatte.</p><p>�Sie ist sehr schwach�, antwortete Yul nach einem Z�gern und in einer Art, die Skar besorgt aufhorchen lie�. Fragend sah er die greise <emphasis>Errish </emphasis>an. Yul wich seinem Blick aus, und wieder hatte er das Gef�hl, da� es da etwas gab, was sie ihm verschwieg.</p><p>�Aber das ist nicht alles�, vermutete er.</p><p>Yul z�gerte erneut, und Skar erinnerte sich an die sonderbare Bemerkung, die sie nach seinem eigenen Erwachen gemacht hatte: <emphasis>Es war nicht der Ritt.</emphasis></p><p>�Nein�, gestand sie nach einer Weile. �Das ist nicht alles. Sie ist... krank. Ihr beide seid krank. Glaube ich.�</p><p>�Du <emphasis>glaubst?� </emphasis>Skar sah Yul scharf an. �Was soll das hei�en - du glaubst? Du bist eine <emphasis>Errish, </emphasis>oder nicht?�</p><p>�Ich kann nicht zaubern�, antwortete Yul beinahe aggressiv. �Ich kann Schmerzen lindern und Krankheiten heilen - manchmal. Ich wei� nicht, was ihr fehlt. Vielleicht ist sie einfach nur ersch�pft.�</p><p>�Du l�gst�, behauptete Skar. Er trat einen Schritt auf Yul zu und ballte die F�uste, ehe ihm klar wurde, wie l�cherlich diese Geste einer Frau wie Yul gegen�ber war. Etwas leiser, aber noch immer erregt und mit nur m�hsam beherrschter Stimme fuhr er fort: �Du wei�t ganz genau, was ihr fehlt. Es ist... dasselbe, was die <emphasis>Errish </emphasis>in Elay get�tet hat. Der Staub.�</p><p>Yul nickte. Ihr Blick ging an Skar vorbei ins Leere. �Der Staub, ja. Vielleicht. Ich... wei� es einfach nicht.� Sie zwang sich, Skar anzusehen, aber mit einem Male wirkte sie hilflos, als w�re <emphasis>sie </emphasis>es, die <emphasis>ihn </emphasis>um eine Erkl�rung bat. �Als es... geschah, Skar, da sandte ich eines der M�dchen in die Stadt. Es kam zur�ck, aber es starb binnen weniger Stunden. Ich wei� nicht, woran. Ich habe alles in meiner Macht Stehende versucht, aber ich habe versagt. Es war, als... als fr��e sie etwas von innen heraus auf.�</p><p>Vor Skars innerem Auge entstand das Bild des zerfallenen Gesichtes der <emphasis>Margoi, </emphasis>ein ausgezehrter Totensch�del, in dem das Leben ganz allm�hlich erlosch. Er schauderte. Der Gedanke, Kiina auf die gleiche Weise sterben zu sehen, machte ihn fast wahnsinnig.</p><p>�Und du kannst nichts f�r sie tun?� fragte er.</p><p>�F�r euch, Skar�, verbesserte ihn Yul. �Auch du warst in der Stadt.�</p><p><emphasis>Und er hatte eine ganze Menge mehr von dem Zeug eingeatmet als Kiina, </emphasis>dachte er. Aber dieser Gedanke schreckte ihn �berhaupt nicht. Wie immer war die Vorstellung des <emphasis>eigenen </emphasis>Todes f�r ihn so abstrakt, da� sie ihn kaum Furcht einzujagen vermochte.</p><p>�Es ist lange her�, fuhr Yul fast hastig fort. �Was immer es ist, das diesen Staub so gef�hrlich macht, es scheint mit der Zeit seine Wirkung zu verlieren. Die Bewohner Elays starben binnen Sekunden. Das M�dchen, das am n�chsten Tag in die Stadt ging, �berlebte eine Stunde.�</p><p>�Und die <emphasis>Margoi </emphasis>acht Tage�, sagte Skar bitter. �Danke, Yul - ich habe gesehen, wie sie starb. Ich lege keinen besonderen Wert darauf, <emphasis>so </emphasis>zu leben.�</p><p>�Niemand spricht vom Sterben, Satai�, sagte Yul zornig. �Ich sagte, da� Kiina krank ist, nicht, da� sie stirbt.� Sie deutete auf das Bett hinter Skar. �Vielleicht sind ein paar Tage Ruhe alles, was sie braucht. Ihr Zustand bessert sich bereits. Und du�, f�gte sie sp�ttisch hinzu, �bist augenscheinlich schon kr�ftig genug, dich mit mir zu streiten, statt �ber Dinge zu reden, die wichtiger w�ren.�</p><p>�Zum Beispiel?�</p><p>�Deine Zukunft�, antwortete Yul. �Unsere Zukunft.� Sie machte eine Handbewegung in die Richtung, in der Elay lag. �Du bist hierhergekommen, um Fragen zu stellen. Tu es.�</p><p>Skar war irritiert und alarmiert zugleich. Der pl�tzliche Themenwechsel war nicht allein Yuls sprunghafter Art zuzuschreiben. Sie verschwieg ihm noch immer etwas. �Kannst du sie beantworten?� fragte er.</p><p>�Das sage ich dir, wenn du sie gestellt hast�, versetzte Yul sp�ttisch.</p><p>Skar funkelte sie an, aber er beherrschte seinen Zorn auch diesmal noch. Yul war ein geschw�tziges altes Weib, das war alles. Er w�rde mehr - und vor allem schneller - von ihr erfahren, wenn er sie reden lie�, so schwer es ihm auch fiel. Er begann Fragen zu stellen. Und Yul beantwortete sie, so gut sie konnte.</p><p><emphasis>Er tr�umte auch in dieser Nacht wieder, und es war wie eine getreuliche Wiederholung seines ersten Alptraumes; nicht was seinen Inhalt, wohl aber, was die Art seines Verlaufes anging: Wieder war sein Denken sonderbar zweigeteilt, als r�ngen hinter seiner Stirn zwei v�llig unterschiedliche Wesen um die Vorherrschaft �ber seine Gedanken. Der eine logische - und schw�chere - Teil versuchte zu verarbeiten, was er erlebt und von Yul erfahren hatte, aber das eine war unerfreulich und das andere wenig mehr als nichts, denn die </emphasis>Errish <emphasis>hatte keine seiner Fragen beantworten k�nnen. Sie war Elay fern geblieben, solange es sich unter dem Einflu� des W�chters befand, und von den Legenden der Quorrl wu�te sie entweder nichts, oder sie wollte nicht dar�ber reden. Und die Hilfe, die er sich von den Ehrw�rdigen Frauen versprochen hatte, konnte sie ihm nicht mehr geben.</emphasis></p><p><emphasis>Der andere, unlogische - und st�rkere - Teil seines Denkens war wieder im klebrigen Gespinst eines Alptraumes gefangen. Er sah sich selbst durch einen schwarzen Sumpf voller klebriger d�nner F�den rennen, die sich wie Schlangen oder lebendig gewordene Spinnweben um seine F��e zu ringeln versuchten, Kiina dabei wie ein hilfloses Kind mit sich zerrend und auf der Flucht vor einer k�rperlosen, entsetzlichen Gefahr. Aber dann drehte er sich im Laufen herum und sah, da� es gar nicht Gowennas Tochter war, die er mit sich zerrte, sondern eine ausgemergelte Greisin, kahlk�pfig und mit einem Gesicht voller Geschw�re und eiternder Wunden, und als er aufschrie und sie loszulassen versuchte, konnte er es nicht, denn seine Hand war an ihrem Arm festgewachsen. Wo seine Finger ihre Haut ber�hrten, begannen auch sie zu verfaulen, und er sp�rte, wie sich etwas in seine Seele einnistete und damit begann, seine Lebenskraft aufzusaugen wie ein Vampir das Blut seiner Opfer. Aber er </emphasis>nahm <emphasis>nicht nur, er </emphasis>gab <emphasis>auch: Die Leere in Skars Innerem f�llte sich mit Zorn, mit m�rderischem, - noch - ziellosem Ha�, der ihn im Schlaf aufst�hnen und so heftig die F�uste ballen lie�, da� es weh tat. </emphasis>T�ten! <emphasis>wisperte eine Stimme in seinen Gedanken. </emphasis>Vernichten. Zerrei�en. Zerst�ren. T�ten. <emphasis>Gleich was und wen.</emphasis></p><p><emphasis>Wie in der Nacht zuvor wurde der Traum pl�tzlich irreal; aus den Schreckensbildern wurden kaum weniger entsetzliche, aber formlose Lichtblitze voller gestaltloser Furcht, aber wie in der Nacht zuvor dauerte es auch jetzt nur Augenblicke, bis er sp�ren konnte, wie er in einen tiefen, traumlosen, normalen Schlaf hin�berglitt -</emphasis> und erwachte.</p><p>Nicht von selbst erwachte, das sp�rte er genau. Jemand <emphasis>(ein Ger�usch?) </emphasis>hatte ihn geweckt. Aber es war still; so leise, da� er das Schlagen seines eigenen Herzens h�ren konnte, als er den Atem anhielt, um zu lauschen. Schon fast <emphasis>zu </emphasis>still, dachte Skar. Es war sp�t in der Nacht, aber er befand sich in einem Lager mit siebzig oder achtzig Menschen und Hunderten von Tieren - es <emphasis>mu�te </emphasis>einfach Ger�usche geben.</p><p>Aber es gab keine.</p><p>F�r einen Moment erwog er ganz ernsthaft die M�glichkeit, noch zu tr�umen, verwarf diesen Gedanken aber sehr schnell wieder. Lautlos stand er auf, schl�pfte in Hose, Hemd und Stiefel und schlich zur T�r. Sie war geschlossen, aber das Mondlicht lie� sie zu einem Muster aus rechteckigen schmalen Lichtstreifen werden, die sich schr�g auf dem Boden fortsetzten und denen er aus einem absurden Impuls heraus sorgsam auswich, als er das Gesicht gegen die d�nne T�r aus Bast und Holz dr�ckte und hinaussp�hte. Der Anblick war absurd: v�llig unm�glich und einfach... <emphasis>verr�ckt. </emphasis>Aber es war so: Trotz der vollkommenen Stille hier drinnen war der Platz zwischen den H�tten voller Menschen. Wenn Yuls Angaben richtig waren, was die Gr��e ihrer Gruppe anging, so mu�ten sie alle auf dem Platz zwischen den H�tten versammelt sein. Ein Feuer brannte, dessen Schein aber so abgeschirmt war, da� er Skars H�tte nicht erreichen konnte, und die <emphasis>Errish </emphasis>trugen ihre schwarzen Prachtgew�nder; kn�chellange Roben, auf denen verschlungene Drachensymbole gestickt waren. Sie standen in kleinen Gruppen da, trotzdem in fast milit�rischer Pr�zision ausgerichtet. Manche von ihnen unterhielten sich, lachten, gestikulierten mit den H�nden - aber er <emphasis>h�rte keinen Laut! </emphasis>Es war, als h�tte jemand eine unsichtbare Barriere zwischen ihm und jener Gruppe von <emphasis>Errish </emphasis>errichtet, die jedes noch so kleine Ger�usch aufsaugte wie ein trockener Schwamm das Wasser. Skar war pl�tzlich sicher, da� es <emphasis>kein </emphasis>Ger�usch gewesen war, was ihn geweckt hatte, sondern ganz im Gegenteil diese v�llige, unnat�rliche Stille. Einen Moment lang �berlegte er, einfach aus der H�tte zu treten und zu ihnen hin�berzugehen. Aber etwas warnte ihn, es nicht zu tun. Wenn Yul oder eines ihrer M�dchen f�r diesen schweigenden Zauber verantwortlich waren, so hatten sie ihn gewoben, damit er <emphasis>nicht </emphasis>sah, was sie taten. <emphasis>Aber warum?</emphasis></p><p>Eine Bewegung am Rand seines Gesichtsfeldes erweckte seine Aufmerksamkeit. Er versuchte, durch die schmalen Ritzen in der T�r mehr zu erkennen, aber es ging nicht; er sah nur ein schattenhaftes Huschen, das aber mit dem fast sicheren Wissen von <emphasis>Gr��e </emphasis>verbunden war. Ein Drache? Aber hatte Yul nicht gesagt, da� sie die Drachen verloren hatten ? Nicht zum ersten Mal hegte Skar den Verdacht, da� die greise <emphasis>Errish </emphasis>ihm nicht in allem die Wahrheit gesagt hatte.</p><p>Skar sah sich nachdenklich in der kleinen H�tte um. Es gab keinen zweiten Ausgang, nicht einmal ein Fenster, aber die W�nde bestanden nur aus wenigen, stabilen Baumst�mmen, zwischen denen Bast und d�nne �ste geflochten waren; mit ein wenig Vorsicht mu�te es m�glich sein, ein Loch in die R�ckwand zu brechen, ohne da� die <emphasis>Errish </emphasis>drau�en es bemerkten.</p><p>Er tat es, und es ging leichter, als er geglaubt hatte. Der unheimliche, lautevernichtende Zauber war hier drinnen nicht wirksam, aber die d�nnen W�nde setzten seinem Griff kaum Widerstand entgegen und zerbrachen fast lautlos. Stille str�mte wie eine unsichtbare erstickende Woge in die H�tte. Sein Herz schlug schneller.</p><p>Skar sp�hte vorsichtig hinaus, sah niemanden und ging noch einmal zu seinem Bett zur�ck, um Mantel und Schwert zu holen; den einen, weil ihn die schwarze Farbe des Kleidungsst�ckes vorz�glich tarnen w�rde, das andere, weil er das bestimmte Gef�hl hatte, die Waffe zu brauchen, sollte man sein Verschwinden bemerken. Sein Blick verharrte kurz am silbernen Funkeln des Scanners, den er nachl�ssig zu seinen Sachen gelegt hatte, aber er verwarf den Gedanken, ihn mitzunehmen, fast augenblicklich. Sooft er oder irgend jemand in seiner N�he eine dieser Waffen benutzt hatten, war etwas Schreckliches geschehen. Skar war nicht abergl�ubisch, aber etwas in ihm war fest davon �berzeugt, da� diese Waffen Ungl�ck brachten.</p><p>Geb�ckt kroch er durch die �ffnung, die er in die R�ckseite der H�tte gebrochen hatte, sah sich sichernd nach allen Seiten um und richtete sich behutsam auf. Das unheimliche Schweigen war hier drau�en doppelt deutlich und erf�llte ihn mit Unbehagen, fast Furcht. Gebannt sah er sich ein zweites Mal und noch aufmerksamer um, dann begann er, sich an der H�tte entlangzuschieben.</p><p>Seine Vorsicht war nur zu berechtigt. Als er die Ecke erreichte, sah er sich einer <emphasis>Errish </emphasis>gegen�ber. Skars Herz machte einen erschrockenen Sprung, und seine H�nde zuckten hoch, ehe er begriff, da� sie ihn nicht sah: Sie sa� mit untergeschlagenen Beinen, aber hoch aufgerichtet und wie gel�hmt da, mit weit ge�ffneten, aber starren Augen, die an ihm vorbei ins Leere blickten.</p><p>Skar hob die Hand und bewegte die Finger vor dem Gesicht der <emphasis>Errish. </emphasis>Sie reagierte nicht, und Skar wu�te auch, warum: die <emphasis>Errish </emphasis>befand sich in Trance. Aus seinem Verdacht wurde Gewi�heit: Der Ring unheimlichen Schweigens, der seine H�tte umgab, <emphasis>war </emphasis>Yuls Werk.</p><p>Obwohl er fast davon �berzeugt war, unbehelligt an der <emphasis>Errish </emphasis>vor�bergehen zu k�nnen, entschied er sich f�r den sichereren Weg: Er streckte die Hand nach dem Nacken des M�dchens aus, tastete nach einem bestimmten Punkt und dr�ckte kurz und heftig zu. Die <emphasis>Errish </emphasis>zitterte, gab ein halblautes, schmerzerf�lltes Seufzen von sich und brach in seinen Armen zusammen. Skar fing sie auf, lehnte sie gegen die H�tte und drapierte ihren Mantel so, da� es zumindest von weitem den Anschein haben mu�te, sie sa� noch immer in Trance da. Er verbaute sich damit selbst jede M�glichkeit, unbemerkt in die H�tte zur�ckzukehren und so zu tun, als h�tte er gar nichts gemerkt, aber darauf kam es ihm auch nicht an. Es gab nur zwei M�glichkeiten: Was hier vorging, war gef�hrlich f�r Kiina und ihn, und dann w�rde er ganz bestimmt <emphasis>nicht </emphasis>in die H�tte zur�ckkehren. Oder es war <emphasis>keine </emphasis>Bedrohung - aber dann w�rde ihm Yul einige sehr unangenehme Fragen beantworten m�ssen.</p><p>Geb�ckt schlich er weiter, sorgsam darauf bedacht, immer im Schatten der H�tte zu bleiben. Ihm fiel ein, da� es vielleicht kl�ger gewesen w�re, sich des Mantels der <emphasis>Errish </emphasis>zu bem�chtigen, damit sie ihn in der Dunkelheit f�r eine der ihren hielten - aber das w�rde bedeuten, zur�ckzugehen. Er tat es nicht.</p><p>Statt dessen huschte er geduckt zwischen den niedrigen H�tten entlang, wobei er geschickt jeden Schatten als Deckung ausnutzte. Er umrundete den Lagerplatz fast zur H�lfte, bis er sich dem Tyrr-Gehege n�herte. Die meisten Tiere schienen zu schlafen, aber es waren weit �ber hundert; und selbst Hunderte <emphasis>schlafender </emphasis>Ungeheuer machten genug L�rm, jedes verr�terische Ger�usch zu �bert�nen, das er verursachen mochte.</p><p>Skar blickte gebannt zu den versammelten <emphasis>Errish </emphasis>hin�ber. Der Sinn dieser n�chtlichen Versammlung war ihm noch immer nicht klar, aber er sp�rte, da� hier etwas Gro�es vorging; und etwas, das ganz eindeutig <emphasis>nicht </emphasis>f�r seine und Kiinas Augen und Ohren gedacht war. Er blickte rasch zu der H�tte hin�ber, in der er Kiina wu�te, und nach kurzem Suchen entdeckte er, was er erwartet hatte: Auch neben diesem Geb�ude kauerte ein Schatten. Er war also nicht der einzige, der in dieser Nacht ganz besonders ungest�rt schlafen sollte. Sein Zorn wuchs.</p><p>Er hielt nach Yul Ausschau, ohne sie zu entdecken. Daf�r sah er Anschi unter den versammelten <emphasis>Errish, </emphasis>und nicht einmal weit von ihm entfernt.</p><p>Und noch etwas.</p><p>Eine Gestalt, die er im ersten Moment nur als verschwommenen Schatten erkennen konnte, denn ihre Farbe war die der Nacht, so da� er sie �berhaupt nur sah, weil sie sich bewegte.</p><p>Im ersten Moment glaubte er, sich get�uscht zu haben, denn wenn das, was er sah, wirklich das war, was er zu sehen <emphasis>glaubte, </emphasis>dann war die Schlu�folgerung daraus einfach... unvorstellbar. Aber dann, fast in der gleichen Sekunde und so, als h�tte er seine Gedanken gelesen und t�te es absichtlich, um ihn zu verspotten, trat der Schatten mit einer sonderbar eckig anmutenden Bewegung in den Lichtschein des Feuers hinein, und Skar begriff, da� er sich nicht get�uscht hatte.</p><p>Die <emphasis>Errish - wenn </emphasis>es eine <emphasis>Errish </emphasis>war, die sich unter der H�lle aus gl�nzendem schwarzem Horn verbarg - war sehr gro�, sicherlich so gro� wie Del, aber viel schlanker. Ihre Bewegungen waren sehr schnell, wirkten aber trotzdem irgendwie ungelenk, fast... ja, dachte Skar schaudernd: fast <emphasis>insektenhaft, </emphasis>und...</p><p>Das Wesen drehte den Kopf, und als Skar seine Augen sah, wu�te er, da� er sich abermals get�uscht hatte.</p><p>Es war drei Wochen her, da� er Wesen wie dieses schon einmal gesehen hatte, auf der gro�en Ebene �stlich von Drasks Burg. <emphasis>Errish, </emphasis>die die Chitinhaut eines toten <emphasis>Ultha </emphasis>als Panzer trugen. Und doch war es das erste Mal, da� er die grundlosen, irisierenden Insektenaugen in dem gigantischen Ameisensch�del sah, das Funkeln einer b�sen, lauernden Intelligenz darin erkannte und die furchtbar fremdartigen, spinnenhaften kleinen Rucke sah, mit denen das Wesen sich bewegte.</p><p>Skar weigerte sich selbst jetzt noch f�r Augenblicke, den Gedanken zu akzeptieren, aber es war so: Dies hier war keine <emphasis>Errish, </emphasis>die den Panzer eines fremden Wesens trug wie eine monstr�se schwarze R�stung.</p><p><emphasis>Der Ultha lebte.</emphasis></p><p>F�r geschlagene zehn Sekunden sa� Skar einfach da und starrte die monstr�se Insektenkreatur an, unf�hig, sich zu r�hren, unf�hig, einen klaren Gedanken zu fassen, irgend etwas zu empfinden, zu f�hlen. Der Schock war total, schlimmer als irgend etwas, was er je erlebt hatte. Der <emphasis>Ultha </emphasis>lebte, das war alles, was er denken konnte. Er war lebendig, und er bewegte sich, und er <emphasis>gab den Errish Anweisungen!</emphasis></p><p>Dann - endlich - erwachte ein anderer Teil seines Denkens, den er schon viel zu lange vermi�t hatte: der Satai. Der Krieger, dem die alten Legenden der Quorrl und alle Gedanken an Verrat und Betrug ziemlich gleichg�ltig waren und der den <emphasis>Ultha </emphasis>einzig als das betrachtete, was er war: ein Monstrum und ein f�rchterlicher Gegner. Die d�rren Insektenarme mu�ten kr�ftig genug sein, ihn mit einer spielerischen Bewegung in St�cke zu rei�en. Sein einziges Kleidungsst�ck war ein d�nner G�rtel aus schwarzen Lederschuppen, an dem gleich zwei Schwerter hingen, und als w�re all dies noch nicht genug, wuchsen aus dem unteren Drittel des dreieckigen flachen Sch�dels zwei f�rchterliche Zangen, halb so lang wie Skars Unterarm. Er begriff, da� es um ihn geschehen war, wenn dieses Wesen ihn auch nur <emphasis>bemerkte, </emphasis>und verscheuchte jeden Gedanken an einen Angriff.</p><p>Hastig zog er sich tiefer in den Schatten des Palisadenzaunes zur�ck und schlich weiter, wobei er immer wieder sichernd zu den <emphasis>Errish </emphasis>und dem schrecklichen Insektend�mon hin�bersah. Aber die mannshohe Palisadenwand bot ihm ausgezeichnete Deckung; selbst wenn eine der <emphasis>Errish </emphasis>oder der <emphasis>Ultha </emphasis>direkt in seine Richtung geblickt h�tten, h�tten sie ihn kaum entdeckt.</p><p>Er erreichte das Ende des Zaunes, lie� sich in den schwarzen Schlagschatten eines Felsens sinken und sah abermals zu den <emphasis>Errish </emphasis>zur�ck. Zwischen den schlanken Frauengestalten bewegten sich noch mehr Schatten, deren Bewegungen ihn alarmierten, aber das Licht war zu schlecht, um zu entscheiden, ob ihm seine Phantasie nur einen b�sen Streich spielte oder der <emphasis>Ultha </emphasis>nicht allein gekommen war. Es spielte auch keine Rolle.</p><p>Vorsichtig erhob er sich aus seiner Deckung und sah sich um. Links von ihm erstreckte sich das Lager, auf der anderen Seite war der schwarze Abgrund der Steilk�ste, unter der das Meer sch�umte. Er erinnerte sich wieder des gewaltigen Schattens, den er von seiner H�tte aus zu sehen geglaubt hatte. Ein Schiff? Ja, wahrscheinlich ein Schiff. Behutsam schob er sich weiter, kroch bis unmittelbar an den zerbr�ckelnden Rand der Steilk�ste heran und hob den Kopf.</p><p>Es <emphasis>war </emphasis>ein Schiff.</p><p>Und doch wieder nicht.</p><p>Es war riesig, schwarz von Bug bis Heck und von fast absurd gedrungener Form, die etwas schwer in Worte zu fassendes Unheimliches und Angsteinfl��endes hatte. Beiderseits des buckeligen Rumpfes ragten mehr als ein Dutzend Ruder ins Wasser, lang und d�nn und in der Mitte geknickt, so da� sie dem Schiff etwas von einem �bergro�en K�fer gaben, der eher �ber das Wasser <emphasis>lief,</emphasis> als da� er ruderte, und das Segel, riesig und wie das gesamte Schiff von tiefem Schwarz, �hnelte einem zerfetzten Hautlappen.</p><p>Und ganz genau das war es auch.</p><p>Was dort, f�nfhundert Fu� unter Skar, in der Brandung schaukelte, unheimlich und dr�uend und sich mit den landw�rts gerichteten Rudern gegen die gef�hrlichen Riffe stemmend, war der <emphasis>Dronte. </emphasis>Die Gei�el der Meere, der lebende Killersegler, der Hunderten von Schiffen den Untergang gebracht hatte; und mehr noch - es war der <emphasis>Dronte </emphasis>gewesen, der den <emphasis>Daij-Djan </emphasis>erschaffen hatte, Skars ganz pers�nlichen Boten aus der H�lle. Was dort unter Skar lag, das war kein Schiff, sondern nur ein <emphasis>Ding, </emphasis>das das Aussehen eines Schiffes angenommen hatte, so m�helos, wie es wahrscheinlich in jede beliebige Form kriechen konnte, Teil dessen, was Yul so verharmlosend als <emphasis>gewaltiges Waffensystem </emphasis>bezeichnet hatte und das in Wirklichkeit doch etwas ganz anderes war: Gestalt gewordener Wahnsinn; Leben, das kein Leben war, sondern dem einzigen Zweck diente, zu t�ten und zu vernichten, eine f�rchterliche Perversion der Sch�pfung selbst.</p><p>Und Yul und ihre M�dchen standen auf ihrer Seite...</p><p>Skar erkannte den Fehler in diesem Gedanken fast im gleichen Moment, in dem er ihn dachte. Nat�rlich traf Yul und die anderen <emphasis>Errish </emphasis>keine wirkliche Schuld; sowenig wie die <emphasis>Errish, </emphasis>die Kiina gejagt hatten, oder die <emphasis>Margoi </emphasis>oder die Bewohner Elays. Sie waren nichts als willenlose Sklaven, Marionetten, die vielleicht nicht einmal wirklich wu�ten, was sie taten. Wie hatte er nur so n�rrisch sein k�nnen, sich im Ernst einzubilden, alles w�re vorbei, nur weil er die Netzkreatur get�tet hatte? Die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>hatten unz�hlige Helfer, und wahrscheinlich waren der <emphasis>Dronte </emphasis>und der <emphasis>Ultha, </emphasis>ja, selbst die <emphasis>Netzkreatur </emphasis>nicht einmal die schlimmsten D�monen, �ber die sie geboten.</p><p><emphasis>Und wenn du endlich fertig damit bist, dir alle m�glichen Schrecken auszumalen, du Narr, </emphasis>wisperte eine Stimme hinter seiner Stirn, <emphasis>dann solltest du dir Gedanken dar�ber machen, wie du von hier wegkommst, ohne da� sie dich bemerken.</emphasis></p><p>Der Satai in ihm hatte recht, dachte Skar alarmiert. Er befand sich in einer prek�ren Situation: Vor ihm lagen nichts als f�nfhundert Fu� Leere und darunter der <emphasis>Dronte, </emphasis>von dessen Deck aus mi�trauische Augen jeden Quadratzentimeter der K�ste absuchen mochten, und hinter ihnen die <emphasis>Errish </emphasis>und ihre d�monischen Herren, die sicherlich nicht zusammengekommen waren, um ein Schw�tzchen zu halten. Er mu�te weg hier. Solange er noch konnte. Vorsichtig und ohne die <emphasis>Errish </emphasis>und den monstr�sen Insektenschatten auch nur eine Sekunde aus dem Auge zu lassen, begann er sich abermals an der Palisade entlangzuschieben.</p><p>Er hatte selbst kaum damit zu rechnen gewagt, aber er erreichte den r�ckw�rtigen Teil des Lagers und die H�tten unbehelligt. Auf dem Platz hinter ihm geschah etwas, da� er nicht erkennen konnte: Die <emphasis>Errish </emphasis>bewegten sich auf eine Art, die fast wie ein Tanz anmutete; regelm��ig, schnell und auf komplizierten, nur scheinbar zuf�lligen Bahnen, wobei manche von ihnen einen d�steren, arhythmischen Gesang anstimmten, andere auch mit leiser Stimme miteinander redeten. Und auch die <emphasis>Ultha - </emphasis>von denen es tats�chlich mehrere gab, Skar sah mindestens drei - waren irgendwie in dieses unheimliche Muster von Bewegung und K�rpern einbezogen.</p><p>Aber was immer sie taten, es beanspruchte ihre gesamte Konzentration, und Skar erreichte Yuls Behausung unbehelligt. Und diesmal ging er wesentlich weniger r�cksichtsvoll vor: Das Haus selbst als Schutz gegen eine zuf�llige Entdeckung nutzend, n�herte er sich der tr�umenden <emphasis>Errish </emphasis>neben der T�r, packte sie und bet�ubte sie mit einem blitzschnellen Hieb in den Nacken. Dann war er mit einem Sprung in der H�tte und zog sein Schwert. Die Spitze seiner Klinge beschrieb einen blitzschnellen, drohenden Halbkreis vor seinem K�rper und senkte sich wieder, als er begriff, da� der Raum leer war.</p><p>Hastig schlo� er die T�r hinter sich wieder, eilte zu Kiinas Lager und kniete neben ihr nieder. Sie schlief, aber ihr Schlaf mu�te ebenso unruhig wie der sein, aus dem er selbst aufgewacht war. Ihre H�nde f�hrten kleine, nerv�se Bewegungen aus, an ihrem Hals pochte eine Ader, und ihre Lippen bewegten sich, ohne da� ein Laut zu h�ren war. Skar streckte die Hand nach ihr aus und ber�hrte Kiina an der Schulter. Ihre Haut war kalt und feucht, und er konnte durch den Stoff der Decke hindurch ihren rasenden, unregelm��igen Puls sp�ren. Es war zu dunkel hier drinnen, als da� er ihr Gesicht wirklich erkennen konnte, aber das wenige, was er sah, erschreckte ihn zutiefst: Kiinas Haut gl�nzte wie Wachs, und das bi�chen Sternenlicht, das sich durch die Ritzen der T�r mogelte, lie� sie nun wirklich <emphasis>grau </emphasis>aussehen. Aus den dunklen Ringen unter ihren Augen waren schwarze Halbmonde geworden, ihre Wangen waren eingefallen, und das blonde, ehemals seidig gl�nzende Haar sah aus wie Stroh.</p><p>Sie reagierte auch nicht auf seine Ber�hrung, sondern begann sich nur st�rker im Schlaf zu bewegen. Skar warf einen besorgten Blick zur T�r, beugte sich �ber das Bett und fl�sterte Kiinas Name; einmal, zweimal, dreimal, jedesmal ein wenig lauter, bis sie schlie�lich st�hnend die Augen aufschlug und ihn verwirrt anblinzelte.</p><p>�Was -?�</p><p>Skar legte ihr rasch die Hand auf den Mund und sch�ttelte den Kopf. �Still!� fl�sterte er. �Sag kein Wort. Hast du verstanden?� Kiina nickte, aber in ihren Augen war nichts als Schrecken und Verwirrung. Vorsichtig zog Skar die Hand zur�ck, st�tzte gleichzeitig mit der anderen ihren R�cken und half ihr, sich aufzusetzen. Kiina zitterte am ganzen Leib.</p><p>�Kannst du laufen?� fragte er besorgt.</p><p>�Ich... glaube schon�, antwortete Kiina z�gernd. Sie sah zur T�r, blickte sich pl�tzlich erschrocken um und starrte dann aus weit aufgerissenen Augen in die Schatten hinter Skar, mit einem Blick, als f�rchte sie, die Schreckensvisionen ihrer Alptr�ume w�ren ihr gefolgt. �Was ist passiert?�</p><p>�Sp�ter�, antwortete Skar hastig. �Wir m�ssen weg hier. So schnell wie m�glich und ohne da� es jemand merkt.� Er z�gerte einen Moment. �Ich werde zwei Pferde f�r uns stehlen m�ssen�, sagte er. �Glaubst du, da� du reiten kannst?�</p><p>�Stehlen? Aber wieso... ich... ich verstehe nicht�, murmelte Kiina hilflos. Sie versuchte aufzustehen, aber dieser Versuch endete so kl�glich wie der Skars am vergangenen Morgen. Er fing sie auf, ehe sie neben dem Bett zusammenbrechen konnte.</p><p>Kiina blieb einen Moment zitternd an ihn gepre�t stehen, dann machte sie sich m�hsam frei und b�ckte sich nach ihren Kleidern. Skar unterdr�ckte den Impuls, ihr beim Anziehen behilflich zu sein. Er wollte sehen, wie kr�ftig sie <emphasis>wirklich </emphasis>war, und das Ergebnis dieser Beobachtung stimmte ihn nicht gerade optimistisch. Ihre Bewegungen waren schwach und fast ziellos; als sie den G�rtel aufzuheben versuchte, griff sie dreimal daneben, ehe es ihr schlie�lich gelang, das d�nne Lederband zu fassen und ungeschickt um die Taille zu binden.</p><p>�Was ist passiert?� fragte sie noch einmal.</p><p>�Genau wei� ich es auch nicht�, gestand Skar. �Aber wir sind verraten worden. Yul und die anderen <emphasis>Errish </emphasis>sind...� Er z�gerte. Kiina sah ihn gleicherma�en verwirrt wie erschrocken an, und Skar f�gte fast widerwillig hinzu: �Ich wei� nicht, was sie sind, jedenfalls nicht das, was sie zu sein vorgeben.� Er machte eine abgehackte Bewegung zur T�r: �Dort drau�en sind alte Freunde von dir.�</p><p>Vielleicht war es ein Fehler - aber er erhob keinen Einspruch, als Kiina mit schwankenden Schritten an ihm vorbeiging und durch die Ritzen der Bastt�r auf den Platz hinaussp�hte. Besser, sie sah es jetzt, als in einem Moment, in dem ihnen ein erschrockener Laut oder ein entsetztes Z�gern zum Verh�ngnis werden konnte. Er trat hinter sie und spannte sich, um sie im Notfall blitzschnell zum Schweigen zu bringen.</p><p>Aber Kiina schrie nicht auf. Sie fuhr nicht einmal zusammen, sondern stand einfach da und starrte auf den Platz hinaus, auf dem der furchtbare lautlose Tanz noch immer anhielt. Das Feuer brannte mittlerweile h�her, und irgendwo an der K�ste hinter den <emphasis>Errish </emphasis>tat sich etwas; Skar konnte nicht genau erkennen, was, aber wieder hatte er das Gef�hl, einen gigantischen huschenden Schatten zu sehen, etwas, das sich immer dicht am Rande seines Gesichtsfeldes bewegte und stets verschwand, wenn er versuchte, es genauer auszumachen. Er dachte an den <emphasis>Dronte, </emphasis>und ein eisiger Schauer raste auf Spinnenf��en �ber seinen R�cken.</p><p>��berzeugt?� fragte er. Seine Stimme klang belegt, als h�tte es erst dieses Anblicks bedurft, um den Schrecken neu zu erwecken. �Ja�, fl�sterte Kiina. �Komm.� Sie wollte die T�r �ffnen, aber Skar hielt sie mit einer raschen Bewegung zur�ck und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Wir nehmen den Hinterausgang�, sagte er mit einer Geste auf die R�ckwand der H�tte. Kiina blickte fragend, verstand dann aber und folgte ihm ohne ein weiteres Wort.</p><p>Die Wand zu durchbrechen gestaltete sich wesentlich schwieriger als in Skars Behausung. Yuls H�tte war weitaus massiver erbaut als die �brigen Geb�ude, und es erforderte Skars ganze Kraft, die d�nnen, aber z�hen Ranken zu zerrei�en, die zwischen die St�tzbalken geflochten waren. Schlie�lich nahm er sein <emphasis>Tschekal </emphasis>zu Hilfe, um ein halbrundes Loch in die H�ttenwand zu schneiden, gerade hoch genug, da� sie hintereinander ins Freie kriechen konnten. Skar bedeutete Kiina mit Gesten, still zu sein und aufzupassen, lie� sich ein zweites Mal auf die Knie sinken und setzte das herausgeschnittene Teil der Bastwand wieder an seinen Platz, so da� ihr Fluchtweg wenigstens auf den ersten Blick nicht sofort entdeckt werden w�rde. Er gestand sich ein, da� es ein Fehler gewesen war, die beiden <emphasis>Errish </emphasis>zu bet�uben, denn in sp�testens zwei Stunden w�rde eine von ihnen erwachen; was ihren Vorsprung automatisch auf diese Zeitspanne beschr�nkte. Ganz kurz erwog er die M�glichkeit, noch einmal zur�ckzugehen und die beiden <emphasis>Errish </emphasis>zu t�ten; aber wirklich nicht sehr lange, und auch nicht ernsthaft. Er war kein M�rder. Und etwas sagte ihm, da� sie so oder so sehr viel weniger Zeit als zwei Stunden hatten.</p><p>Ein Grund mehr, sich zu beeilen. Geduckt huschten sie los, immer im Schatten der H�tten entlang und in die Richtung, in der Skar die Pferde der <emphasis>Errish </emphasis>vermutete. Er hoffte, da� sie �berhaupt Pferde hatten. Bisher hatte er sie nur auf den Daktylen oder den gro�en Drachen reiten sehen.</p><p>Sie wandten sich nach S�den, in die Richtung, in der Skar die Pferde untergebracht h�tte, h�tte <emphasis>er </emphasis>dieses Lager geplant, denn im Norden befand sich der Pferch mit den Tyrr, im Westen die See und im Osten die zyklopischen Felsen, die der Handvoll H�tten als Deckung dienten. Und er behielt mit seiner Vermutung recht: Die <emphasis>Errish </emphasis>hatten Pferde - nicht sehr viele, aber sie brauchten ja auch nur zwei - und sie waren an der Stelle des Lagers untergebracht, die vom Tyrr-Gehege am weitesten entfernt war. Pferde und Drachen hatten sich noch nie gut verstanden, was vielleicht daran lag, da� die einen die anderen nur zu gerne als willkommene Abwechslung ihres Speiseplanes verstanden.</p><p>Skar signalisierte Kiina mit Gesten, stehenzubleiben, als das Gatter mit dem knappen Dutzend schlafender Pferde vor ihnen lag. Von einem W�chter war weit und breit nichts zu sehen, was ihn �berraschte und gleichzeitig mi�trauisch stimmte. Aber vielleicht, dachte er, war die Anwesenheit <emphasis>aller Errish </emphasis>n�tig bei jenem sonderbaren Tanz.</p><p>Mi�trauisch sah er zum Lager zur�ck. Die <emphasis>Errish </emphasis>und ihre d�monischen Besucher waren nur noch als verschwommene Schatten zu erkennen, aber sie bewegten sich noch immer wie kleine schwarze Motten vor dem roten Schein des Feuers. Und je l�nger Skar hinsah, desto deutlicher glaubte er ein Muster in dieser Bewegung wahrzunehmen.</p><p>�Sie werden unsere Flucht bemerken�, drang Kiinas Stimme in seine Gedanken.</p><p>�Ja�, murmelte Skar. In Gedanken f�gte er hinzu: <emphasis>In knapp zwei Stunden. Wenn wir Gl�ck haben. </emphasis>Aber das behielt er lieber f�r sich. Statt dessen sah er Kiina an und versuchte, einen m�glichst aufmunternden Ausdruck auf sein Gesicht zu zaubern. �Ich kenne ein paar kleine Tricks, um Verfolger abzusch�tteln. Auch solche�, f�gte er hinzu, �die fliegen k�nnen.� Was eine glatte L�ge war. Skar war sich der Tatsache schmerzhaft bewu�t, da� sie in dem �den W�stenland n�rdlich Elays kaum eine Deckung finden w�rden, die ihnen Schutz vor einem Verfolger gab, der sie aus hundert oder auch tausend Fu� H�he suchen konnte. �Vielleicht gelingt es uns, uns zu Titch durchzuschlagen.�</p><p>�Und dann?�</p><p>Skar seufzte. Er h�tte viel darum gegeben, die Antwort auf diese Frage zu wissen. Aber wenn er sie sich jedesmal gestellt h�tte, bevor er eine Flucht oder ein besonders riskantes Unternehmen begann, dann w�re er jetzt l�ngst nicht mehr am Leben. Statt zu antworten, erhob er sich hinter dem Felsen, hinter dem sie Deckung gesucht hatten, signalisierte Kiina, ihm zu folgen, und ging los.</p><p>Sie kamen nur wenige Schritte weit.</p><p>Der Schatten stand j�h und wie aus dem Boden gewachsen vor ihnen, und Skar begriff eine Sekunde zu sp�t, da� es nicht der Schatten einer <emphasis>Errish </emphasis>war. Ganz instinktiv duckte er sich und schlug aus der Bewegung heraus zu, aber der Schatten machte einen rasend schnellen Schritt zur�ck. Skars Hieb ging ins Leere, und gleichzeitig zuckte ein spinnend�rrer Arm vor und packte sein Handgelenk.</p><p>Es war wie das Zuschnappen einer st�hlernen Fessel. Die Arme des <emphasis>Ultha </emphasis>waren l�cherlich d�nn, aber es war die f�rchterliche Kraft eines Insekts, mit der er zupackte. Skar keuchte vor Schmerz und �berraschung, als er mit einem einzigen Ruck aus dem Gleichgewicht nach vorne und auf die Knie gerissen wurde, versuchte sich herum - und zur Seite zu werfen, um auf diese Weise dem Griff des Gegners zu entschl�pfen, und schrie ein zweites Mal auf. Das einzige Ergebnis seiner Bewegung war, da� er sich fast selbst den Arm ausgekugelt h�tte. Dann packte die zweite Hand des <emphasis>Ultha, </emphasis>zu, ergriff seinen anderen Arm und drehte ihn brutal auf den R�cken. Skar wurde wie ein Spielzeug in die H�he und herumgerissen. Hinter sich h�rte er Kiina schreien, als auch vor ihr pl�tzlich ein sieben Fu� gro�er Gigant auftauchte und sie ebenso spielerisch �berw�ltigte, und mit einem Mal waren �berall <emphasis>Errish, </emphasis>das rote Lodern von Fackeln und Bewegung.</p><p>Skar wehrte sich wie ein Rasender, aber es war sinnlos; der <emphasis>Ultha </emphasis>verdrehte seinen linken Arm so erbarmungslos, da� er sich selbst das Gelenk gebrochen h�tte, h�tte er noch mehr Kraft eingesetzt, und seine andere Hand hing unverr�ckbar fest im Griff des Insektenwesens.</p><p>�H�r endlich auf, Skar�, sagte eine Stimme hinter ihm. �Es ist sinnlos.�</p><p>Skar wehrte sich nur noch heftiger; aber blo� f�r einen Augenblick - dann verst�rkte der <emphasis>Ultha </emphasis>den Druck auf seinen Arm f�r eine Sekunde bis zur Grenze des Ertr�glichen und noch ein St�ck dar�ber hinaus, und Skar sank mit einem Schmerzensschrei in den schwarzen Spinnenarmen der Bestie zusammen. Der <emphasis>Ultha </emphasis>bewegte sich, wobei er Skar wie eine Puppe herumzerrte, so da� er jetzt auch erkennen konnte, wer es war, der zu ihm gesprochen hatte.</p><p>Es war Anschi. Der Blick, mit dem sie ihn musterte, war kalt, aber auch sp�ttisch, und allein die Verachtung, die Skar in ihren Augen las, lie� seinen Zorn zu rasender Wut werden. Wieder b�umte er sich gegen den Griff des unheimlichen Wesens auf; mit dem einzigen Ergebnis allerdings, da� ihn ein spitzer Ellbogen aus Horn wie ein Keulenhieb in den R�cken traf und st�hnend in die Knie brechen lie�.</p><p>�Du solltest das wirklich nicht tun�, sagte Anschi kopfsch�ttelnd. �Er ist ungef�hr siebzigmal so stark wie ein Mensch, wei�t du? Du hast keine Chance.� Sie gab dem <emphasis>Ultha </emphasis>ein kaum sichtbares, rasches Zeichen mit der Hand, und das Insektenwesen zerrte Skar mit einem Ruck auf die F��e. Ein zweiter Wink, und der entsetzliche Druck auf seinen Arm lie� ein wenig nach. Nicht sehr, aber doch so viel, da� der Schmerz ertr�glich wurde. �Bist du jetzt vern�nftig?� fragte Anschi.</p><p>�Nein�, st�hnte Skar. �Wenn ich das w�re, h�tte ich dir gestern abend schon den Kopf heruntergeschossen, du Mistst�ck!�</p><p>Anschi lachte, ein glockenheller, perlender Laut, der Skars Wut zur Raserei machte. Aber es war nur Zorn, das registrierte er trotz allem mit einem dumpfen Schrecken. Nicht jene brodelnde, unbezwingbare Wut aus seinen Tr�umen, die aus den Abgr�nden seiner Seele emporbrodelte und sein furchtbares Erbe erweckte, diese entsetzliche Kraft, die ihn zu einem Ding jenseits alles Menschlichen machte und es ihm - vielleicht - sogar erm�glicht h�tte, den <emphasis>Ultha </emphasis>zu besiegen. Es war wie immer: Jetzt, wo er die schreckliche Kraft seines Dunklen Bruders wirklich gebraucht h�tte, wo er sie haben <emphasis>wollte, </emphasis>lie� sie ihn im Stich. Das t�tende Etwas in seinem Inneren war nichts, was er nach Belieben ein- und ausschalten konnte.</p><p>�Yul m�chte dich sehen�, sagte Anschi.</p><p>�Dann sag ihr, da� es mir im Moment nicht pa�t�, st�hnte Skar. �Sie soll sich von meinem Hofschreiber einen Termin geben lassen. So in zwei, drei J�h -�</p><p>Anschi schlug ihm mit der flachen Hand so heftig �ber den Mund, da� seine Unterlippe aufplatzte. Aber es war sonderbar: Der Schmerz sch�rte Skars Zorn nicht noch mehr, sondern schaltete ihn regelrecht ab, von einem Sekundenbruchteil auf den anderen. Ganz pl�tzlich erf�llte ihn eine tiefe, fast schon unnat�rliche Ruhe. Er stellte seine sinnlose Gegenwehr endg�ltig ein, richtete sich auf, soweit es der Griff des <emphasis>Ultha </emphasis>zulie�, und blickte Anschi ruhig an. Und pl�tzlich begriff er auch, <emphasis>warum </emphasis>Anschi ihn ha�te: Sie hatte Angst vor ihm. Sie hatte einen entsetzlichen Fehler begangen, und sie machte <emphasis>ihn </emphasis>daf�r verantwortlich, und gleichzeitig f�rchtete sie ihn; vielleicht auch nur den Ruf, der ihm vorauseilte. Sie tat ihm fast leid.</p><p>Einen Moment lang hielt die <emphasis>Errish </emphasis>seinem Blick stand, dann drehte sie mit einem Ruck den Kopf und machte eine zornige Handbewegung. �Kommt!�</p><p>Sie wurden zur�ck ins Lager gebracht. Der <emphasis>Ultha, </emphasis>der Skar gepackt hielt, gab sich sogar M�he, nicht zu grob mit ihm zu sein, aber seine Chitinklauen waren nicht zum sanften Zugreifen gemacht, sondern Werkzeuge zum Zerrei�en und T�ten, und Skars Handgelenke waren schon nach Augenblicken blutig. Hinter sich h�rte er Kiina st�hnen. Er versuchte, im Gehen den Kopf zu wenden, um nach ihr zu sehen, handelte sich damit aber nur einen weiteren Ellbogensto� des Monstrums ein und unternahm keinen zweiten Versuch.</p><p>Auf dem Platz hatte der bizarre Tanz seinen H�hepunkt erreicht, als sie zwischen den H�tten hinaustraten. Das Feuer brannte sehr viel h�her als vorhin, und aus den gleitenden, fast eleganten Bewegungen der <emphasis>Errish </emphasis>war ein hektisches Hin und Her geworden, in dem Skar immer deutlicher einen beunruhigenden, irgendwie <emphasis>vertrauten </emphasis>Rhythmus zu erkennen glaubte, ohne ihn wirklich identifizieren zu k�nnen. Zwischen den <emphasis>Errish </emphasis>bewegte sich fast ein Dutzend <emphasis>Ultha, </emphasis>und Skar sah jetzt, da� es immer eine Gruppe von sieben oder acht <emphasis>Ehrw�rdigen Frauen </emphasis>war, die eines der Insektenwesen umkreisten, es manchmal ber�hrten, manchmal mit weit gespreizten Fingern die Konturen seines Sch�dels nachzeichneten. Es war verwirrend. Erschreckend und beunruhigend, fremd und vertraut zugleich. Er hatte das Gef�hl, wissen zu m�ssen, was hier geschah; gleichzeitig war es etwas, was er nie zuvor im Leben beobachtet hatte. Und es machte ihm Angst. Irgend etwas war <emphasis>falsch.</emphasis></p><p>Die ineinandergedrehten Kreise der tanzenden <emphasis>Errish </emphasis>teilten sich, als er zwischen Anschi und ihren Begleiterinnen auf den Platz hinaustrat. Skar blinzelte, als er direkt in das hoch auflodernde Feuer in der Mitte des Platzes sah. Eine schattenhafte Gestalt stand direkt vor dem Feuer, flankiert von zwei gro�en, l�cherlich d�rren Schemen, in deren Sch�deln dunkelrote Feuer zu gl�hen schienen: <emphasis>Ultha, </emphasis>deren faustgro�e Insektenaugen den Widerschein des Feuers brachen und etwas Fremdes, B�ses hineinbrachten.</p><p>Der <emphasis>Ultha </emphasis>stie� ihn r�cksichtslos vorw�rts. Sie n�herten sich Yul und dem Feuer. Der Kreis aus <emphasis>Errish </emphasis>und Bewegung schlo� sich wieder hinter ihnen, und f�r einen Augenblick hatte Skar das unangenehme Gef�hl, nun selbst Teil dieser unnat�rlichen Beschw�rung zu sein. Und irgendwie war er es auch, das sp�rte er. Was immer hier geschah, er hatte damit zu tun.</p><p>Yul hob die Hand, als er vor ihr stehenblieb, und der Griff des <emphasis>Ultha </emphasis>lockerte sich noch weiter. Skar schwankte. Einer der beiden <emphasis>Ultha </emphasis>hinter der <emphasis>Errish </emphasis>stie� ein hohes, zirpendes Ger�usch aus, das gleichzeitig hilflos wie drohend klang. Yul brachte ihn mit einer knappen Geste zum Verstummen und wiederholte ihre Handbewegung. Die Insektenklauen l�sten sich von Skars Haut, und pl�tzlich war er ohne Halt. Er wankte, w�re um ein Haar auf die Knie gefallen und fand im letzten Moment sein Gleichgewicht wieder.</p><p>�Ich hoffe, du bist nicht verletzt�, sagte Yul.</p><p>Skar starrte sie an. Seine Schulter pochte wie ausgekugelt, und sein linker Arm war so nutzlos, als <emphasis>w�re </emphasis>sie es, und Zorn und Schmerz gebaren einen verlockenden Gedanken: Sie hatten ihn nicht einmal entwaffnet. An seiner Seite hing noch immer das <emphasis>Tschekal, </emphasis>und er stand kaum drei Schritte von der alten <emphasis>Errish </emphasis>entfernt. Eine blitzschnelle Bewegung, und - Aber dann fielen ihm Anschis Worte wieder ein: <emphasis>Sie sind ungef�hr siebzigmal so stark wie ein Mensch. </emphasis>Es war gleich, ob er ihr glaubte oder nicht. Es reichte, wenn sie <emphasis>doppelt </emphasis>so stark waren. Sie waren auch mindestens doppelt so schnell wie er. Das Ungeheuer hinter ihm h�tte ihm den Arm abgerissen, ehe er das Schwert auch nur halb aus der Scheide gezogen h�tte.</p><p>�Das stimmt, Skar�, sagte Yul.</p><p>�Was?�</p><p>Die <emphasis>Errish </emphasis>l�chelte milde, auf eine verzeihende, fast m�tterliche Art und Weise, die ihn schon wieder fast an den Rand der Raserei trieb. �Oh, ich kann manchmal Gedanken lesen, wei�t du? Oder zumindest Blicke deuten. Du h�ttest keine Chance. Sie sind die besten Leibw�chter, die du dir denken kannst.�</p><p>Skar starrte sie an, schluckte die w�tende Antwort hinunter, die ihm auf der Zunge lag, und drehte sich mit einem Ruck zu Kiina herum.</p><p>Das M�dchen war auf die Knie gesunken, nachdem der <emphasis>Ultha </emphasis>sie losgelassen hatte. Skar schauderte, als er das Ungeheuer zum ersten Mal von nahem und deutlich sah: Es war weit gr��er, als er bisher angenommen hatte, und schien nur aus Horn und Stacheln und nat�rlichen Waffen zu bestehen. Seine faustgro�en Facettenaugen musterten Skar kalt, aber voller Mi�trauen und T�cke, und seine dreifingrigen Klauen blieben leicht ge�ffnet, zum Zupacken bereit, als Skar sich �ber Kiina beugte und ihr ins Gesicht sah. �Bist du verletzt?� fragte Skar.</p><p>�Nein, das ist sie nicht�, antwortete Yul an Kiinas Stelle. �Aber sie h�tte sterben k�nnen, du Narr! Ich habe dir gesagt, da� sie krank ist.�</p><p>Skar ignorierte sie. Behutsam legte er die Hand unter Kiinas Kinn und hob ihren Kopf an. Das Gesicht des M�dchens war vor Furcht und Ersch�pfung verzerrt, und ihr Blick flackerte wie der einer Wahnsinnigen. Als sie seine Ber�hrung sp�rte, versuchte sie den Kopf zu sch�tteln. Ihre Haut war kalt und feucht. Sie zitterte. Skar fuhr w�tend zu Yul herum. �Wenn sie stirbt -�</p><p>�Das wird sie nicht�, unterbrach ihn Yul. Etwas leiser und fast traurig f�gte sie hinzu: �Jedenfalls hoffe ich es.�</p><p>�Das solltest du auch�, sagte Skar gepre�t. �Denn sonst t�te ich dich.�</p><p>Er sah Anschis Schlag kommen, aber er machte keinen Versuch, ihn abzuwehren. Seine Lippe, die gerade zu bluten aufgeh�rt hatte, platzte abermals. Trotzdem l�chelte er.</p><p>�Anschi! Skar!� sagte Yul streng. �Das reicht!�</p><p>�Ja�, sagte Skar w�tend. �Das finde ich auch.� Mit einem geringsch�tzigen L�cheln wandte er sich an Yul. �Also - worauf wartest du? T�te mich.�</p><p>�Das habe ich nicht vor�, antwortete Yul ruhig.</p><p>�So? Was -�</p><p>�Es ist alles ganz anders, als du glaubst�, unterbrach ihn Yul, leise, aber in einem Ton, der ihn auf der Stelle verstummen lie�. �Ich wei�, da� dich das, was du siehst, erschrecken mu�.�</p><p>�Oh, wie kommst du darauf?� fragte Skar h�hnisch. �Ich bin ein wenig irritiert, das gestehe ich. Du h�ttest mir deine... Freunde etwas eher vorstellen k�nnen. Aber in Zeiten wie diesen leiden manchmal die guten Manieren, nicht wahr?�</p><p>Yul wirkte eher verletzt als zornig. Skar sah aus den Augenwinkeln, da� Anschi abermals auffahren wollte, aber Yul bremste sie mit einem mahnenden Blick.</p><p>�Wir sind nicht deine Feinde, Skar�, sagte sie. �Wir mu�ten vorsichtig sein. Vielleicht... habe ich einen Fehler gemacht, aber ich... mu�te sichergehen.�</p><p>�Uns wirklich in der Falle zu haben?�</p><p>Yul ignorierte seine Antwort. �Es sind deine Tr�ume, Skar�, sagte sie. �Etwas schleicht sich in unsere Tr�ume. Und ich mu�te sichergehen. Niemand wei� mehr, wer der andere ist, nicht einmal ich. Diese Wesen hier -�</p><p>Es begann mit einem kaum h�rbaren, peitschenden Laut, dem ein hohes, boshaftes Sirren folgte, hell und t�dlich und rasend schnell n�her kommend; ein Laut, den Skar nur zu gut kannte und der ihn den Rest von Yuls Antwort gar nicht mehr h�ren lie�. Alles geschah gleichzeitig: Skar lie� sich fallen. Yul verstummte mitten im Wort, und der <emphasis>Ultha </emphasis>hinter Skar machte eine rasend schnelle, zupackende Bewegung, die seinen Hals nur um Millimeter verfehlte und einen handlangen Streifen blutiger Haut aus seiner Schulter ri�. In der gleichen Sekunde traf der Pfeil das Auge des <emphasis>Ultha </emphasis>rechts hinter Yul und t�tete ihn auf der Stelle.</p><p>Und etwas in Skar �bernahm die Kontrolle �ber sein bewu�tes Denken.</p><p>Es war nicht die entsetzliche D�monenkraft seines Dunklen Bruders, sondern seine Reflexe und Instinkte als Satai, schnell und pr�zise wie immer, aber gespeist von einem Zorn und einer Furcht, wie er sie beide nie zuvor in dieser Intensit�t versp�rt hatte. Blitzschnell rollte er zur Seite, warf sich mitten in der Bewegung herum und sprang auf die F��e, federte zur�ck und zur Seite und ri� sein <emphasis>Tschekal </emphasis>aus dem G�rtel, alles in einer einzigen Bewegung und fast schneller, als das Auge ihr zu folgen vermochte.</p><p>Seine Vermutung, was den <emphasis>Ultha </emphasis>betraf, war richtig gewesen - das Monstrum <emphasis>war </emphasis>schneller als ein Mensch, mindestens zehnmal. Aber es war nicht schnell genug.</p><p>Skars Schwert zuckte hoch. Die Klinge aus unzerst�rbarem Sternenstahl beschrieb einen blitzschnellen Halbkreis vor den zupackenden Klauen des Monsters und trennten sie ab. Der <emphasis>Ultha </emphasis>stie� einen hohen, tr�llernden Laut aus und fiel vorn�ber, versuchte aber trotz seiner f�rchterlichen Verletzung noch nach ihm zu greifen. Dunkles Insektenblut besudelte Skar, als er das Schwert ein zweites Mal herabsausen lie� und den Sch�del der Bestie zertr�mmerte. Das Monster fiel, w�lzte sich kreischend auf dem Boden und schrie, ein unglaublich hoher, <emphasis>schriller </emphasis>Laut, der Skars Sch�del zum Zerbersten zu bringen schien. Er taumelte zur�ck, schlug eine <emphasis>Errish </emphasis>nieder, die sich auf ihn st�rzen wollte, und brachte sich mit einem Satz aus der Reichweite der verst�mmelten Insektenarme, die im Todeskampf auf den Boden trommelten. Ein weiterer Pfeil zischte heran, verfehlte den zweiten <emphasis>Ultha </emphasis>hinter Yul um eine Handbreit und lie� einen Funkenschauer aus dem Feuer schie�en, als er hineinfuhr. Skar wirbelte herum, war mit einem Satz bei Kiina und begriff, da� er zu sp�t kam. Der <emphasis>Ultha, </emphasis>der sie hergebracht hatte, beging keineswegs den Fehler, ihn anzugreifen, sondern tat etwas, das Skar vielleicht von einem menschlichen Gegner erwartet h�tte, niemals aber von diesem gigantischen Insekt: Er packte Kiina, ri� sie in die H�he und hielt sie wie einen lebenden Schutzschild vor sich.</p><p>Skar z�gerte, nur den Bruchteil einer Sekunde, aber schon diese winzige Zeitspanne war zu viel: Zwei, drei <emphasis>Errish </emphasis>sprangen ihn an, und die pure Wucht ihres Angriffes lie� Skar taumeln. Er befreite sich mit zwei, drei harten St��en, aber die winzige Ablenkung hatte gen�gt. Pl�tzlich wuchs der Schatten des vierten <emphasis>Ultha </emphasis>vor ihm empor. Eine unmenschlich starke Hand packte seinen Arm und verdrehte ihn. Skar schrie auf, taumelte zur�ck und lie� das Schwert fallen. Verzweifelt drehte er den Kopf, als sich die schreckliche Insektenklaue des <emphasis>Ultha </emphasis>seinem Gesicht n�herte. <emphasis>�NEIN!�</emphasis></p><p>Yuls Schrei war so schrill und so voller Panik, da� er fast in den Ohren schmerzte. Aber das Wunder geschah: Die t�dliche Klaue des <emphasis>Ultha </emphasis>verharrte mitten in der Bewegung, nur noch Zentimeter von Skars Augen entfernt.</p><p>�T�te ihn nicht�, sagte Yul. Ihre Stimme zitterte, und ihre Augen waren weit vor Angst.</p><p>Wieder ert�nte dieses helle, peitschende Ger�usch, und pl�tzlich senkte sich ein ganzer Hagel von Pfeilen auf den Platz herab. Skar sah schattenhafte Bewegung auf den Felsen, die das Lager umgaben, und pl�tzlich schrie eine der tanzenden <emphasis>Errish </emphasis>auf und brach mit einem Pfeil im R�cken zusammen. Die anderen f�hrten ihren Tanz unbeeindruckt fort, und Skar begriff erst jetzt, da� keine von ihnen bisher auch nur Notiz von dem Angriff genommen hatte, obgleich seit dem ersten Schu� fast eine halbe Minute vergangen sein mu�te. Auch die <emphasis>Ultha, </emphasis>die an der sonderbaren Zeremonie teilnahmen, standen noch immer reglos und wie gel�hmt da, ebenso tief und unaufweckbar in Trance versunken wie Yuls M�dchen.</p><p>�Das sind deine verdammten Quorrl-Freunde!� schrie Anschi pl�tzlich. Erregt deutete sie auf einen der Schatten, die �ber dem Lager erschienen waren, ein dunkler, monstr�ser Umri�, ebenso gro� wie die <emphasis>Ultha, </emphasis>aber ungleich massiger. �Ich h�tte sie alle umbringen sollen!�</p><p><emphasis>�Skar tu etwas!� </emphasis>schrie Yul. <emphasis>�Sie d�rfen nicht herkommen! Etwas Entsetzliches wird geschehen, wenn </emphasis>-�</p><p>Aber es geschah bereits. Yuls Worte gingen in einem urgewaltigen Kampfschrei aus drei Dutzend rauher Kehlen unter, als Titchs Krieger wie eine lebende Lawine zwischen den Schatten der H�tten hervorquollen. Ein ganzer Hagel von Pfeilen und Wurfgeschossen prasselte auf die <emphasis>Errish </emphasis>nieder. Drei, vier der schlanken Gestalten gingen getroffen zu Boden, und pl�tzlich zerbrach das komplizierte Muster aus tanzenden, sich wiegenden K�rpern. Anschi schrie vor Zorn und Schrecken. Ihre Hand fiel auf den G�rtel hinab, aber er war leer. Sie war unbewaffnet, so, wie sie hier herausgekommen war, um zu tun, was immer die <emphasis>Errish </emphasis>hier taten. Und mit einem Male begriff Skar, da� sie <emphasis>alle </emphasis>unbewaffnet waren. Was hier gleich geschehen w�rde, das war nicht die Fortsetzung der Schlacht vom vergangenen Abend - es war ein Massaker, das die Quorrl unter den wehrlosen <emphasis>Errish </emphasis>anrichten w�rden!</p><p>Aber es kam anders; v�llig anders.</p><p>Die schwarze Klaue, die Skars Handgelenk umklammert hatte, l�ste sich pl�tzlich. Der <emphasis>Ultha </emphasis>fuhr herum, seine Zangen �ffneten sich, und aus seinem dreieckigen Insektenmaul drang ein f�rchterliches, zischendes Ger�usch. Mit einer Bewegung, der Skar kaum noch mit den Augen zu folgen vermochte, wirbelte der <emphasis>Ultha </emphasis>herum und warf sich den Quorrl entgegen.</p><p>Und nicht nur er.</p><p>Auch das Monstrum, das Kiina gehalten hatte, lie� seinen lebenden Schutzschild einfach fallen und warf sich den Angreifern entgegen, ebenso wie die f�nf oder sechs �brigen <emphasis>Ultha, </emphasis>die zwischen den <emphasis>Errish </emphasis>gestanden hatten.</p><p>Es war ein bizarrer, unwirklicher Kampf. Skar hatte niemals zuvor erlebt, da� ein Quorrl auf einen Gegner gesto�en war, der ihm waffenlos �berlegen gewesen w�re - aber die <emphasis>Ultha </emphasis>waren es. Das knappe halbe Dutzend schwarzer horngl�nzender Gestalten wirkte fast l�cherlich gegen die Lawine aus schuppigen Panzerplatten und Stahl, der es sich entgegenwarf, aber dieser Eindruck zerbrach im gleichen Moment, in dem die beiden ungleichen Heere aufeinanderprallten.</p><p>Und es war kein Kampf, es war...</p><p>Skar suchte vergeblich nach Worten, um das grauenerregende Gemetzel zu beschreiben, das sich vor ihnen abspielte. Es war kein Kampf mehr, sondern das W�ten zweier V�lker, die seit Urzeiten Feinde waren, die es immer gewesen waren und es immer sein w�rden, ganz gleich, was geschah und wieviel Zeit verging, ein blindw�tiges T�ten und Vernichten, das keinem anderen Zweck diente, als den Gegner auszul�schen. Die <emphasis>Ultha </emphasis>griffen die Quorrl erbarmungslos an, und f�r einen Moment sah es fast so aus, als k�nnten sie ihren Ansturm ganz allein aufhalten: Titchs Krieger st�rzten reihenweise unter den unbarmherzigen Hieben ihrer d�rren Chitinklauen, und nur zu viele blieben liegen. Aber die �berlebenden Quorrl k�mpften kaum weniger verbissen. Zu zweit oder dritt st�rzten sie sich auf einen ihrer unheimlichen Gegner, und sie nahmen dabei keinerlei R�cksicht mehr auf ihr eigenes Leben. Die Unterschiede zwischen Quorrl und <emphasis>Ultha </emphasis>schienen sich f�r einen Moment zu verwischen; w�hrend der wenigen Sekunden, die der verbissene Kampf in Wirklichkeit nur dauerte, schienen sie gleich zu werden, die eine wie die andere Seite keine lebenden Wesen mehr, sondern gro�e, f�rchterliche Maschinen, die nur noch dem einzigen Befehl gehorchten: zu vernichten. Skar sah Titch, der, ohne R�cksicht auf seine Verletzung zu nehmen, sein gewaltiges Schwert mit beiden H�nden schwang und einen <emphasis>Ultha </emphasis>t�tete, der von gleich drei Quorrl zu Boden gerissen worden war. Nur einer der drei Quorrl-Krieger erhob sich wieder.</p><p>�Skar!� st�hnte Yul. �Halte sie auf! Sie zerst�ren alles!�</p><p>Skar war irritiert. Er f�hlte sich... hilflos. Rings um ihn herum sanken die <emphasis>Errish </emphasis>zu Boden, von Pfeilsch�ssen getroffen oder durch die pure Wucht des mentalen Schocks bet�ubt, der die j�he Unterbrechung ihrer Trance ausl�ste. In wenigen Sekunden w�rden Titchs Krieger die <emphasis>Ultha </emphasis>�berrannt haben, und sei es einfach nur durch ihre zahlenm��ige �berlegenheit, und nicht eine dieser achtzig Frauen w�rde sich auch nur <emphasis>wehren. </emphasis>Au�er Yul, Anschi und den beiden <emphasis>Errish, </emphasis>die die <emphasis>Ultha </emphasis>begleitet hatten, begriff vielleicht nicht einmal eine von ihnen, was �berhaupt geschah. Titchs Quorrl hatten bereits gewonnen, noch bevor der Kampf richtig begann. Er sollte Zufriedenheit empfinden, zumindest Erleichterung, denn noch vor Augenblicken hatte er den sicheren Tod vor Augen gehabt, aber statt dessen sp�rte er nichts als Furcht, als er in Yuls Augen blickte.</p><p>Das Gesicht der alten <emphasis>Errish </emphasis>war zu einer Maske des Entsetzens geworden. Und pl�tzlich begann Skar zu ahnen, da� alles anders war, ganz anders, als er geglaubt hatte. Es war nicht die Furcht um das Leben ihrer M�dchen, die Yul fast um den Verstand brachte. Es war - �Um Gottes Willen!� fl�sterte er. �Der <emphasis>Dronte!�</emphasis></p><p>Yul schlug zitternd die H�nde vor das Gesicht, und selbst Anschi wurde bla�, als sie begriff, was Skars Worte bedeuteten. Skar fuhr herum, rannte den Quorrl entgegen und schrie aus Leibeskr�ften Titchs Namen. <emphasis>�H�rt auf!� </emphasis>br�llte er. <emphasis>�Zur�ck! Titch, zieh deine M�nner zur�ck, oder du bringst uns alle um!�</emphasis> Aber es war zu sp�t. Selbst wenn Titch ihn verstanden h�tte, und selbst wenn er den Sinn von Skars Warnung begriffen h�tte - die Dinge hatten schon lange ihren eigenen Willen entwickelt und scherten sich nicht mehr um den derer, die sie ins Rollen gebracht hatten. Die �berlebenden Quorrl st�rmten br�llend auf den Lagerplatz hinaus, Schwerter und Keulen blitzten auf und trafen die hilflos daliegenden <emphasis>Errish, </emphasis>und dann geschah, was Skar voller panischem Entsetzen erwartet hatte: Einer der Quorrl-Krieger erreichte die Steilk�ste und rannte daran entlang. Selbst vom f�nfhundert Fu� tiefer liegenden Meer her mu�te sich seine Silhouette deutlich gegen den roten Schein des Feuers abheben.</p><p>F�r eine einzelne, endlos scheinende Sekunde schien die Zeit stehenzubleiben. Skar sah alles mit jener phantastischen Klarheit, mit der Momente absoluten Schreckens manchmal ablaufen, und er selbst f�hlte sich wie von unsichtbaren klebrigen F�den eingesponnen, unf�hig, sich zu bewegen oder irgend etwas zu tun, um das Entsetzliche noch aufzuhalten: Der Quorrl rannte weiter an der Steilk�ste entlang, Titchs Krieger fuhren fort, die wehrlosen <emphasis>Errish </emphasis>zu erschlagen, und neben ihm �ffnete Yul den Mund zu einem absurden, lautlosen Schrei, und f�r einen noch winzigeren Teil dieser kurzen Sekunde machte sich die verzweifelte Hoffnung in Skar breit, da� sie sich get�uscht hatten, da� das Chaos ausbleiben w�rde und - Und auf der anderen Seite der schwarzen Schattenlinie, die die Steilk�ste markierte, begann ein d�sterrotes H�llenfeuer aufzugl�hen. Ein prasselndes, ungeheuer <emphasis>lautes </emphasis>Zischen erklang, und den Bruchteil einer Sekunde sp�ter verschwanden der Quorrl und ein Drittel der Steilk�ste, auf deren Grat er entlanglief, in wei�er Glut. Skar sah, wie sein K�rper zu einem flachen schwarzen Schatten wurde, der sich unglaublicherweise immer noch bewegte und dann einfach nicht mehr da war, nicht verbrannt, sondern zu gl�hender Asche geworden, im Bruchteil eines Herzschlages. Wo er gestanden hatte, schmolz der Fels. Eine ungeheure Hitzewelle fauchte auf das Plateau hinaus, gefolgt von wei�en und orangeroten Flammen, die wie gierige leuchtende Finger nach Nahrung tasteten.</p><p>Skar warf sich mit weit ausgebreiteten Armen nach vorne und ri� Anschi und Yul gleichzeitig von den F��en, eine halbe Sekunde ehe die Hitzewelle sie erreichte und seinen R�cken wie eine gl�hende Hand ber�hrte. Pl�tzlich war das Lager voller Schmerz- und Schreckensschreie, voller Hitze und kochender Luft und hastender K�rper in schwelenden Gew�ndern. Etwas Hei�es, Spitzes fuhr wie ein gl�hender Dolch �ber Skars R�cken.</p><p>St�hnend w�lzte er sich zur Seite, sah sich nach Kiina um und erkannte, da� sie unverletzt geblieben war. Neben ihm stemmte sich Anschi auf H�nde und Knie hoch, w�hrend Yul reglos und mit geschlossenen Augen dalag, bewu�tlos oder tot.</p><p>Skar kam taumelnd auf die F��e, sah sich aus tr�nenden Augen nach Titch um und entdeckte das goldene Blitzen seiner R�stung, nur wenige Schritte neben sich. Der Quorrl stand wie versteinert da, und selbst auf seinem normalerweise v�llig starrem Reptiliengesicht hatte sich ein Ausdruck ungl�ubigen Entsetzens breitgemacht.</p><p>�Weg hier!� br�llte Skar �ber das Prasseln der Flammen und die Schreie der verwundeten <emphasis>Errish </emphasis>hinweg. �Titch, nimm deine M�nner und verschwinde! <emphasis>Er ist auf euch konditioniert, verstehst du?!�</emphasis> Nein, Titch verstand nicht - und wie konnte er auch? Der Blick seiner pupillenlosen Eidechsenaugen richtete sich auf Skar, aber Skar war nicht einmal sicher, da� er ihn �berhaupt erkannte, in diesem Moment. Auf den Z�gen des Quorrl lag nur Angst. Dann schlug der <emphasis>Dronte </emphasis>ein zweites Mal zu - und diesmal scho� er all seine Feuerkatapulte ab!</p><p>Die zw�lffache, berstende Explosion ri� Skar von den F��en. Licht, ein ungeheuer grelles, m�rderisches Licht von sengender wei�er Farbe �berflutete das Plateau, als die Steilk�ste auf voller L�nge hinter einem Flammenvorhang verschwand. Die Hitze versengte Skars Haar und machte ihn f�r Sekunden blind, und jedes Metallteil an seiner Kleidung schien pl�tzlich aufzugl�hen und brannte kleine schmerzhafte Wunden in seine Haut. Die Luft, die er atmen wollte, kochte. Die fl�chtenden <emphasis>Errish </emphasis>verwandelten sich in Schatten, deren Umrisse sich wie in leuchtender wei�er S�ure aufzul�sen schienen. Alle, die der K�ste n�her als zwanzig oder drei�ig Schritte waren, brachen zusammen oder taumelten mit brennenden Kleidern weiter. Die D�cher der kleinen Basth�tten fingen mit einem einzigen, berstenden Schlag Feuer.</p><p>Skar taumelte auf die F��e, ri� sch�tzend die Arme vor das Gesicht und tastete sich blind zu der Stelle zur�ck, an der er Kiina wu�te. Das Lager schien nur noch aus Licht und Hitze und unertr�glichem L�rm zu bestehen. Er atmete Glassplitter, und der Boden war so hei�, da� er bei jedem Schritt am liebsten aufgeschrien h�tte. Vielleicht tat er es.</p><p>Die n�chste Salve. Diesmal hatte der <emphasis>Dronte </emphasis>h�her gezielt: Skar sah einen Schwarm t�uschend kleiner, lodernder Meteore hinter der K�ste in die H�he steigen, funkenspr�hend den Scheitelpunkt ihrer Bahn erreichen und sich wieder herabsenken, im gleichen Augenblick, in dem er Kiina erreichte und in die H�he ri�.</p><p>Zwei der lodernden Feuerkugeln st�rzten harmlos wieder ins Meer hinab und erloschen. Der Rest traf das Lager, die H�tten, die umliegenden Felsen und das Tyrr-Gehege. Die Welt versank in einem Chaos aus Feuer, Hitze und Licht.</p><p>Sie waren noch neun, als der Morgen graute und sie sich den ersten Ausl�ufern des Drachengebirges n�herten: Skar, Kiina, sechs von Titchs Quorrl und Titch selbst. Zwei der Krieger w�rden sterben, ehe der Abend kam, m�glicherweise auch drei. Vielleicht auch Kiina. Und vielleicht auch Skar selbst.</p><p>Er erinnerte sich nur noch schemenhaft daran, wie Kiina und er aus der Flammenh�lle entkommen waren, in die der <emphasis>Dronte </emphasis>das Felsplateau �ber der K�ste verwandelt hatte. Die m�rderischen Katapulte des lebenden Schiffes hatten weitergeschossen, immer und immer weiter und weiter. Auch, als Skar und die Handvoll �berlebender sich schon Meilen von der K�ste entfernt hatten, waren noch immer brennende Sterne auf die Erde herabgefallen, als wolle der <emphasis>Dronte </emphasis>nicht nur alles Leben auf diesem Flecken vernichten, sondern ihn selbst von der Oberfl�che Enwors tilgen. Skar wu�te nicht, ob das halb tierische, halb unsagbar fremde Bewu�tsein der Killerkreatur zu solch komplizierten �berlegungen f�hig war, aber wenn, dann mu�te es genau das gewesen sein, was der <emphasis>Dronte </emphasis>beim Anblick der Quorrl empfunden hatte: eine Wut, die die Grenzen des Vorstellbaren sprengte, allerh�chstens noch mit der vergleichbar, mit der sich Quorrl und <emphasis>Ultha </emphasis>bek�mpft hatten.</p><p>Keiner von ihnen war ohne mehr oder weniger schwere Verletzungen davongekommen, wobei Skar vielleicht noch das gr��te Gl�ck gehabt hatte: Jeder Quadratzentimeter seiner Haut, der nicht von Stoff oder Leder gesch�tzt gewesen war, war krebsrot geworden und brannte wie Feuer, und das Luftholen tat noch jetzt weh. In seinem R�cken pochte eine tiefe Schnittwunde. Sein Mantel und seine Hosen hingen in Fetzen, und wenn seine Finger recht hatten, mit denen er behutsam Gesicht und Kopf abgetastet hatte, dann war der Gro�teil seines Haares verkohlt.</p><p>Aber das allein war nicht der Grund f�r seine Schw�che. Skar war oft genug verletzt worden, und er hatte oft genug das Letzte geben m�ssen, um seinen K�rper zu kennen, seine Leistungsf�higkeit, sein Verm�gen, Verletzungen und Schmerz zu ertragen, und dessen Grenzen. Und er wu�te, da� sie noch lange nicht erreicht waren. All die kleinen und gro�en Verletzungen, die er davongetragen hatte, waren nicht mehr als Nadelstiche, qu�lend und hinderlich, aber normalerweise nicht gef�hrlich. Und schon gar nicht so schlimm, da� er sich nur noch mit M�he im Sattel halten konnte. Trotzdem hatte er auf dem Weg mehrmals das Bewu�tsein verloren, immer nur kurz, vielleicht nur f�r Sekunden; er war erschrocken hochgefahren und hatte begriffen, da� er im Sattel nach vorne oder zur Seite gekippt war, und einmal hatte ihn Titchs rasches Zugreifen davor gerettet, vom Pferd zu st�rzen und sich vielleicht einen Knochen oder gleich den Hals zu brechen. Die Schw�che war wieder da; der unsichtbare Vampir in seinem Inneren, der seine Kraft aufsog und nichts als furchtbare Leere und ziellosen Zorn hinterlie�.</p><p>Und das Erschreckendste von allem vielleicht war der Traum. Er tr�umte den gleichen sinnlosen, zweigeteilten Traum wie in den N�chten zuvor, nur da� er gar nicht schlief. Aber seine Schw�che schien tief genug, da� sich in seinem Bewu�tsein auch jetzt diese unheimliche Spaltung vollzog, bei der er noch immer registrierte, was um ihn herum und mit ihm geschah, aber fast unf�hig war, in irgendeiner Form darauf zu reagieren.</p><p>Als die Sonne aufging, wurde es ein wenig besser. Das Licht und die w�rmenden Strahlen lie�en ein wenig von der verlorenen Kraft in seinen K�rper zur�ckkehren, und die Tr�ume verbla�ten, wurden zu drohenden Schatten irgendwo am Rande seines Bewu�tseins, die noch immer da waren, ihn aber nicht mehr zu �berw�ltigen vermochten. M�de blinzelte er zu den Bergen hin�ber. W�hrend der Nacht hatte er sie manchmal als gewaltige finstere Schatten irgendwo in unbestimmbarer Entfernung erkannt, jetzt sah er, da� sie den ersten Felsh�ngen schon bis auf zwei, allerh�chstens drei Meilen nahegekommen waren. Aber der Anblick der steinernen grauen Riesen hatte nichts Besch�tzendes mehr. Gewu�t hatte er es schon lange, aber die Ereignisse der vergangenen Nacht hatten ihm endg�ltig bewiesen, da� sie gegen einen Gegner k�mpften, vor dem es keinen Schutz gab.</p><p>Er sah zu Titch hoch, der neben ihm ritt. Es war schwer, im Gesicht eines Quorrl ein Gef�hl zu erkennen, aber Skar glaubte auch auf seinen Z�gen M�digkeit zu sehen, allerdings keine <emphasis>k�rperlicher </emphasis>Art. Der Blick des Quorrl war starr nach Norden gerichtet, aber er sa� ein wenig zu aufrecht im Sattel, und seine Hand hielt die Z�gel ein wenig zu fest, um seine Bet�ubung zu verbergen. Mit Ausnahme der Frage, wie es ihm und Kiina ging, hatte Titch w�hrend des gesamten Rittes kein Wort gesprochen; ebensowenig wie seine Krieger. Sie waren sieben oder acht Stunden lang nebeneinander hergeritten, ohne auch nur ein Wort miteinander zu wechseln. Im grauen Licht der D�mmerung kamen Skar Titch und seine zerschlagene Quorrl-Armee wie eine Gruppe gespenstischer Geisterreiter vor. Aber vielleicht waren sie das alle, ihn eingeschlossen - Gespenster, die denn Geist einer Welt nachjagten, die es schon lange nicht mehr gab.</p><p>Die Berge schienen nicht n�her zu kommen. W�hrend der Nacht, so dunkel sie gewesen war, waren sie manchmal als fast umri�lose, schwebende Schatten im Norden erschienen; nichts, was man wirklich erkennen konnte, sondern einfach ein Teil der Nacht, in der sich die Dunkelheit noch weiter verdichtet hatte, als g�be es da irgendeine Macht, die ihnen zeigen wollte, da� ihr Weg ins Nichts f�hrte. Jetzt konnte Skar die zerborstene Felslandschaft der Vorberge erkennen, ein Labyrinth aus Schatten und Linien und gesprungenem Grau, das den eigentlichen Bergen vorgelagert war und ihnen Schutz bieten w�rde; wovor, wu�te er selbst nicht. Aber sowenig er sich wirklich an die Stunden im Sattel erinnern konnte, so wenig schienen die letzten Meilen k�rzer zu werden. �ber diesen Bergen, dessen war er pl�tzlich ganz sicher, lag ein b�ser Fluch, der sie im gleichen Tempo vor ihnen zur�ckweichen lie�, in dem sie sich ihnen zu n�hern versuchten. Vielleicht war es auch Enwor selbst; sein ausged�rrter Boden, der unter den Hufen ihrer Pferde zur�ckglitt, immer so schnell, wie die Tiere liefen, so da� sie es nicht einmal merkten. M�glicherweise hatte dieser ganze Planet endlich erkannt, wer sein wahrer Besitzer war. Vielleicht war er auch des Krieges einfach ebenso m�de wie die, die auf ihm lebten.</p><p>Skars Gedanken begannen sich zu verwirren, und f�r einen Moment, vielleicht auch f�r Stunden glitt er wieder hin�ber in jenen f�rchterlichen Alptraum, der bar jeder Handlung war und in dem ihm eine k�rperlose, dr�ngende Stimme immer und immer wieder das eine Wort zufl�sterte: T�te! Noch konnte er ihr widerstehen, aber bald, das wu�te er, w�rde sie zum Befehl werden. Und dann? Sein n�chster klarer Eindruck war der eines �berh�ngenden, vielfach geborstenen Felsens, in dessen Windschatten Titch sein und Kiinas Pferd lenkte. Er erschrak, als er begriff, da� er nicht zum ersten Mal in dieser Nacht hilflos gewesen war. �Kannst du absteigen?� fragte Titch.</p><p>Skar hatte M�he, seine Worte zu verstehen. Der Quorrl hatte den Helm wieder aufgesetzt, wodurch er noch gr��er und drohender aussah, und Skar wurde erst jetzt bewu�t, da� er noch immer das Schwert in der Hand trug. Offensichtlich rechnete der Quorrl noch immer mit einem Angriff.</p><p>Es erschien ihm viel zu m�hsam, zu antworten, und so schwang er sich wortlos aus dem Sattel. Es ging besser, als er geglaubt hatte. Seine Knie zitterten, aber die Bewegung schien neue Kraftreserven zu mobilisieren, und f�r einen kurzen Moment f�hlte er sich sogar beinahe frisch und ausgeruht. Dann machte er einen Schritt, und die Welt begann sich um ihn herum zu drehen. Er hielt sich am Sattel fest, wartete, bis der Anfall vor�ber war, und ging vorsichtiger weiter. Titch scheuchte ihn mit einem r�den Kopfsch�tteln weg, als er ihm helfen wollte, Kiina vom Pferd zu nehmen.</p><p>Die Quorrl begannen ein Lager aufzuschlagen, w�hrend Skar sich einfach zu Boden sinken lie� und den Kopf gegen einen Stein legte. M�digkeit kroch wie eine schleichende bleierne Last in seine Glieder, und ihm wurde wieder �bel. Eigentlich, �berlegte er, war ihm w�hrend der vergangenen beiden Tage immer ein wenig �bel gewesen. Er konnte sich kaum mehr daran erinnern, wann er sich das letzte Mal wirklich wohl gef�hlt hatte. Er schlief wieder ein und tr�umte, aber auch diesmal dauerte es nur Augenblicke, bis er mit einem halblauten Schrei wieder hochfuhr und sich erschrocken umsah.</p><p>Er blickte direkt in Titchs Gesicht. Der Quorrl hockte vor ihm, st�tzte sein K�rpergewicht mit der verletzten Hand am Boden ab und hielt ihm mit der anderen eine Flasche hin. Skar nahm sie, trank ein wenig und k�mpfte sekundenlang mit aller Macht gegen den Brechreiz an, den das Schlucken in seiner Kehle ausl�ste. �Wie geht es Kiina?� fragte er m�hsam.</p><p>�Warum schl�fst du nicht ein wenig?� sagte Titch anstelle einer Antwort. �Es wird noch eine Stunde dauern, vielleicht auch zwei, bis sie hier sind.�</p><p>�Sie?�</p><p>�Deine zauberhaften Freundinnen�, antwortete Titch sp�ttisch. �Sie verfolgen uns. Schon seit Stunden.�</p><p>Skar wu�te nicht, was ihn mehr irritierte: der ungewohnte Spott in Titchs Worten, oder die Tatsache, da� er nichts von irgendeiner Verfolgung bemerkt hatte. Er hatte bisher nicht einmal gewu�t, da� es �berlebende gegeben hatte.</p><p>�Wieviele?� fragte er.</p><p>Titch stand auf, befestigte die Feldflasche an seinem G�rtel und machte eine Kopfbewegung, ihm zu folgen. Es bereitete Skar unerwartet viel M�he, sich zu erheben und hinter dem Quorrl herzugehen.</p><p>Die Sonne war mittlerweile v�llig aufgegangen. Die Schatten waren noch lang und so tief, da� sie schwarze Schluchten in die Ebene zu brennen schienen, aber die Luft war trotzdem erstaunlich klar. Obwohl sie an die drei�ig Meilen zur�ckgelegt haben mu�ten, konnte Skar das Meer sehen: ein d�nner, fast �bertrieben blauer Strich dicht vor dem Horizont, wie eine Trennlinie, die ein Maler zwischen Himmel und Erde gezogen hatte. Skar war sicher, da� er sich den klobigen schwarzen Schatten darauf nur einbildete; sie waren viel zu weit von der K�ste entfernt, um den Dronte wirklich sehen zu k�nnen. Aber er wu�te, da� er da war. Von irgendwelchen Verfolgern war keine Spur.</p><p>Titch deutete schweigend in den Himmel, und als Skar der Bewegung folgte, sah er einen winzigen, dreieckigen Schatten, dann, ein St�ck tiefer und mehr zur K�ste hin, einen zweiten und dritten. Daktylen.</p><p>�Warum stellst du keine Fragen?� sagte er, ohne Titch anzusehen.</p><p>Der riesige Quorrl zuckte mit den Schultern. �Wozu?� sagte er. �Du hast gesehen, was passiert ist. Du warst dabei�, f�gte er nach sekundenlangem Z�gern hinzu.</p><p>�Das meine ich nicht�, antwortete Skar. �Du hast kein Wort gesprochen, seit wir geflohen sind. Du...�</p><p>�Was nutzen Fragen, wenn man die Antworten mit ins Grab nimmt?� unterbrach ihn Titch. �Wir haben dir und dem M�dchen das Leben gerettet, oder?�</p><p>�Ja und die meisten deiner Leute sind dabei get�tet worden�, sagte Skar.</p><p>�Krieger sind zum Sterben da.�</p><p>Skar verzog geringsch�tzig die Lippen. Noch vor zwei Wochen h�tte er dem Quorrl diese Antwort sogar geglaubt; schon weil es damals wirklich das gewesen war, was Titch empfand. Aber seither war viel geschehen. Titch war schon lange kein Quorrl mehr. In seinem Inneren hatte eine Ver�nderung begonnen, die den Quorrl von allen vielleicht am meisten selbst verwirrte.</p><p>�Das stimmt doch nicht�, sagte Skar sanft. �Du...�</p><p>�Du�, unterbrach ihn Titch betont, �und das M�dchen - ihr m��t leben. Wenn du das bist, wof�r ich dich halte, Satai, dann war euer Leben das Opfer wert.�</p><p>�Wof�r h�ltst du mich denn?� fragte Skar.</p><p>Titch antwortete nicht, und nach einer Weile drehte sich Skar einfach um und ging zu Kiina zur�ck.</p><p>Die Quorrl hatten den schmalen Felsspalt in eine kleine, aber fast uneinnehmbare Festung verwandelt - f�r einen normalen Gegner. Wie lange er einem Angriff zu allem entschlossener <emphasis>Errish </emphasis>standhalten w�rde, wagte er nicht zu prophezeien. Titch offensichtlich auch nicht, seinen Worten von eben nach zu schlie�en.</p><p>Skar verscheuchte den Gedanken und kniete neben Kiina nieder. Er erschrak erneut, als er in ihr Gesicht sah. Das M�dchen hatte hohes Fieber. Sie war bei Bewu�tsein, aber ihre Augen waren verschleiert. Ein Teil ihres Haares war grau geworden. Skar wollte etwas sagen, aber der Anblick schn�rte ihm die Kehle zu. Kiina starb, nicht irgendwann, sondern hier und jetzt, und er war hilflos. Es gab nichts, was er f�r sie tun konnte. Die einzigen Menschen, die ihr vielleicht h�tten helfen k�nnen, waren vor sechs Stunden verbrannt.</p><p>�Was hat sie?�</p><p>Skar sah auf, machte eine angedeutete Geste zu Titch, ruhig zu sein, und entfernte sich ein paar Schritte. �Der Staub�, sagte er. �Staub?�</p><p>Skar sah den Quorrl einen Moment lang �berrascht an, ehe er begriff, da� Titch ja von alledem nichts wu�te. Als er Skar das letzte Mal gesehen hatte, waren er und Kiina gesund und munter auf die R�cken zweier Daktylen gestiegen.</p><p>�Dasselbe, was die <emphasis>Errish </emphasis>in Elay umgebracht hat�, antwortete er. �Sie hat es auch.�</p><p>�Und du ebenfalls�, vermutete Titch.</p><p>Skar nickte und zuckte gleichzeitig mit den Schultern. �Vielleicht�, sagte er. �Selbst Yul war nicht sicher. Aber ich glaube, ja.�</p><p>�Erz�hl mir davon�, verlangte Titch.</p><p>Skar z�gerte. Warum fragte Titch danach? Es gab hundert Fragen, die wichtiger waren, die dem Quorrl geradezu auf der Zunge brennen mu�ten. Wenn er sie nicht stellte, dann gab es daf�r eigentlich nur zwei Erkl�rungen: Er hatte Angst vor Skars Antworten - oder er kannte sie bereits.</p><p>�Es war der Staub, der die <emphasis>Errish </emphasis>in Elay get�tet hat�, wiederholte er. �Grauer Staub, der mit dem Wind kam...� Er erz�hlte Titch das wenige, was er von der <emphasis>Margoi </emphasis>erfahren hatte, und sp�ter von Yul. Titch h�rte schweigend zu, aber Skar entging nicht der nachdenkliche Ausdruck, der mit einem Male in seinem Blick erschien. Doch der Quorrl sagte kein Wort, auch dann nicht, als er mit seinem knappen Bericht zu Ende gekommen war.</p><p>Skar wartete lange Zeit vergeblich, da� Titch das qu�lend werdende Schweigen brach, aber der Quorrl stand einfach nur da, schweigend, reglos, wie eine vierhundert Pfund schwere, lebende Statue aus Muskeln und Knochen und Panzerplatten. Warum sagt er nichts? dachte Skar. Warum stellt er nicht eine einzige Frage? Aber der Quorrl schwieg. Und als Skar aufsah und in die Gesichter der anderen Quorrl blickte, begriff er, da� sie jedes seiner Worte geh�rt und verstanden hatten. Titchs Leibgarde bestand nicht aus Barbaren, auch wenn ihr �u�eres diesen Trugschlu� manchmal leicht werden lie�. Jeder dieser schuppigen Giganten war ein gebildetes, intelligentes Individuum, ein Krieger zwar, aber das war er auch.</p><p>Schlie�lich drehte er sich einfach um und ging zum zweiten Mal zu Kiina zur�ck. W�hrend er mit Titch gesprochen hatte, war sie vollends erwacht. Sie wirkte noch ein bi�chen benommen, aber sie erkannte ihn, als er sich neben ihr niederlie�, und ihre gesprungenen Lippen verzogen sich zu einem m�hsamen L�cheln.</p><p>�Was ist passiert?� fragte sie.</p><p>Seltsam. Wie oft hatte er diese Frage schon geh�rt? Es war ihm noch nie so schwergefallen, sie zu beantworten. �Der Dronte�, sagte er schleppend. �Er ... er drehte v�llig durch, als er die Quorrl sah. Ich wei� nicht genau, warum.�</p><p>Was eine L�ge war - selbst Kiina, die M�he hatte, aus eigener Kraft aufrecht zu sitzen, mu�te es sp�ren. Sie wu�te es, und er selbst wu�te es, und Titch hatte nicht eine einzige Frage gestellt. �Sterben wir?� fragte Kiina pl�tzlich.</p><p>Skar sah sie gleicherma�en irritiert wie erschrocken an. �Sicher�, sagte er unsicher. �Wie jeder.�</p><p>�Jeder stirbt nicht hier und jetzt�, widersprach Kiina. �Es ist der Staub, nicht wahr? Die ... die Margoi hat die Wahrheit gesagt. Der Staub t�tet uns.�</p><p>�Unsinn�, log Skar. �Du bist krank, aber das bin ich auch. Ich habe mehr von dem verdammten Zeug eingeatmet als du. Und mir geht es bereits besser.�</p><p>�Ja�, sagte Kiina sarkastisch. �Das sieht man. Du siehst aus wie das bl�hende Leben.�</p><p>Ein Schatten, der sich �ber Kiinas Gesicht legte, enthob Skar einer Antwort. Er sah auf, blinzelte, hob die Hand �ber die Augen und blinzelte zum Umri� des Quorrl empor, der sich als scharf gezeichneter schwarzer Schatten gegen die Sonne abhob.</p><p>�Jemand kommt, Herr�, sagte der Quorrl. Es war Skar nicht gelungen, den Quorrl abzugew�hnen, ihn Herr zu nennen. Und irgendwann hatte er resigniert. Er widersprach auch jetzt nicht, sondern l�chelte Kiina noch einmal aufmunternd zu und stand dann auf, um dem Quorrl zu folgen.</p><p>Aus den drei Punkten am Himmel waren fast ein Dutzend geworden, als er neben Titch ankam. Und sie waren n�her, sehr viel n�her. Aus den dunklen Punkten, die sich �ber der K�ste kaum von den Schatten gro�er schwarzer V�gel unterschieden hatten, waren die h��lichen Umrisse gewaltiger Flugdrachen geworden, �bergro�en Flederm�usen mit absurden Hammerk�pfen gleich, die mit tr�gen Fl�gelschl�gen �ber der W�ste kreisten. Skar sah, da� die meisten Daktylen mit zwei <emphasis>Errish </emphasis>besetzt waren.</p><p>Er schlo� f�r einen Moment die Augen, um ihnen Zeit zu geben, sich an die ver�nderten Lichtverh�ltnisse zu gew�hnen, und blickte dann wieder nach S�den. Das �dland blieb leer. Zwischen den Schatten bewegte sich nichts. Wenn die <emphasis>Errish </emphasis>noch Verst�rkung �ber Land erwarteten, dann war sie noch sehr weit entfernt. �Wenn sie uns angreifen, haben wir keine Chance�, sagte Titch. �Nicht hier.� Er drehte sich halb herum und blinzelte aus zusammengepre�ten Augen zu den Bergen hinauf. �Wenn wir h�her hinauf k�men...� murmelte er. �Es gibt Schluchten dort oben, und H�hlen...�</p><p>�Nein�, sagte Skar.</p><p>Titch sah ihn an, widersprach aber nicht einmal. Seine gesunde Hand machte eine rasche, befehlende Geste, und zwei seiner vier noch kampff�higen M�nner huschten in die Positionen, die Titch ihnen vorher zugewiesen hatte. Trotz ihrer Massigkeit und Gr��e bewegten sich die Quorrl fast lautlos, und abermals fiel Skar auf, wie sehr sich Titchs M�nner von dem Bild unterschieden, das beim Klang des Wortes Quorrl vor dem geistigen Auge der meisten Menschen auftauchte. Die geschuppten Riesen aus dem Norden wirkten im Gegenteil fast elegant. Aber vielleicht sah er sie auch nur so. Ein Vorurteil �berwunden zu haben bedeutete nicht zwangsl�ufig, auch objektiv zu sein.</p><p>�Sie kommen n�her�, sagte Titch.</p><p>Skar blinzelte in den Himmel hinauf. Zwei der elf Daktylen hatten sich aus der Formation der schwarzen Drachenv�gel gel�st und kamen n�her. Aus den Augenwinkeln sah er, wie einer von Titchs M�nnern seine Armbrust spannte und einen Bolzen einlegte.</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie angreifen�, sagte Skar. Titch schwieg, aber Skar sah, wie er den Krieger mit einer raschen Geste zur�ckwinkte.</p><p>Die beiden Daktylen kamen rasend schnell n�her, viel zu schnell nach Skars Meinung, als da� ihre Reiterinnen den Flug noch rechtzeitig abfangen konnten. Seine Handfl�chen wurden feucht vor Schwei�. Seine Finger glitten unbewu�t zum G�rtel und fanden ihn leer. Sein Tschekal lag noch auf dem Lagerplatz der <emphasis>Errish, </emphasis>vermutlich zu einem Klumpen formlosen Metalls zusammengeschmolzen.</p><p>Titch registrierte seine Bewegung und zog den Dolch aus dem G�rtel, eine schwere, gut ausbalancierte Waffe mit beidseitig geschliffener Klinge, die f�r die Pranken eines Quorrl gemacht war und in Skars H�nden ein passables Schwert hergeben w�rde. Trotzdem sch�ttelte er nach kurzem Z�gern den Kopf.</p><p>Die beiden Daktylen rasten heran, so tief, da� sie die Felsen streifen mu�ten, zwischen denen Skar und die Quorrl Deckung gesucht hatten. Er konnte jetzt die Reiterinnen in den S�tteln hinter den bizarren Hammerk�pfen der Ungeheuer erkennen; <emphasis>Errish </emphasis>in wehenden schwarzen M�nteln, in deren H�nden es silbern und t�dlich funkelte. Gegen seinen Willen meldete sich der Krieger in ihm zu Wort und erinnerte ihn daran, da� sie in der Falle sa�en, wenn die <emphasis>Errish </emphasis>wirklich gekommen waren, um sie zu vernichten, denn so uneinnehmbar die Felsgruppe f�r einen berittenen Angreifer gewesen w�re, so hilflos waren sie Attacken aus der Luft ausgeliefert.</p><p>Aber die <emphasis>Errish </emphasis>griffen nicht an. Im letzten Moment trennten sich die beiden Daktylen; ein schwerf�llig erscheinender, aber ungeheuer kraftvoller Schlag der schwarzen Schwingen katapultierte die riesigen Tiere nur wenige Meter vor ihrer Deckung in die H�he. Skar zog instinktiv den Kopf zwischen die Schultern, als die ledrigen Fl�gel der Bestien so dicht �ber ihnen durch die Luft pfl�gten, da� er meinte, nur den Arm ausstrecken zu m�ssen, um sie zu ber�hren.</p><p>Die beiden Flugechsen entfernten sich so schnell, wie sie gekommen waren, aber sie flogen nicht sehr weit, sondern nutzten die warmen Aufwinde des Vorgebirges, in steilem Winkel in die H�he zu klettern und gleich darauf ein zweites Mal auf das Felsenversteck der Quorrl herabzusto�en. Diesmal rasten sie so tief heran, da� die Schwingen eines der Tiere die Felsen <emphasis>wirklich </emphasis>ber�hrten: Skar sah, wie die Daktyle taumelte und im letzten Moment ihr Gleichgewicht wiederfand.</p><p>�Zum Teufel, was soll das?!� knurrte Titch.</p><p>�Ruhig�, sagte Skar beschw�rend. �Das ist kein Angriff, Titch. Nur eine Warnung.� Besorgt sah er zu den �brigen Quorrl zur�ck. Titchs Krieger hatten sich ausnahmslos mit Armbr�sten und B�gen bewaffnet, und er kannte die Treffsicherheit, mit der die Quorrl ihre Waffen zu handhaben wu�ten. �Sie wollen uns nur zeigen, da� sie uns vernichten <emphasis>k�nnten, </emphasis>wenn sie wollten. Halte deine Leute zur�ck.�</p><p>Titch reagierte nicht auf seine Worte, machte aber auch keine Anstalten, etwas zu tun, als die Daktylen zum dritten Mal heranrasten. Wieder jagten die fliegenden Drachen so tief �ber ihre Deckung hinweg, da� Skar den Luftstrom ihrer gewaltigen Schwingen f�hlen konnte, schwangen sich ein St�ck weit in die H�he und flogen einen vierten und letzten Scheinangriff.</p><p>�Dort!� Skar deutete in den Himmel hinauf, dorthin, wo sich der Rest der kleinen fliegenden Armee befand. Aus der Formation der kreisenden Drachen hatte sich ein weiteres Tier gel�st, ein besonders gro�er, h��licher Drache, der sonderbar ungleichm��ig flog, als bereite es ihm M�he, die Schwingen zu bewegen. Trotzdem landete er sicher auf einer Felszacke, kaum zwanzig Schritt von ihrem Versteck entfernt. Skar und Titch beobachteten, wie seine Reiterin geschickt von seinem R�cken kletterte und dann im Gewirr der Felsen verschwand. Wenige Augenblicke sp�ter tauchte sie wieder auf, und aus Skars Vermutung wurde Gewi�heit: Es war Anschi. Er war froh, sie unter den �berlebenden zu sehen.</p><p>�La� mich mit ihr reden�, sagte er hastig, als sie n�her kam und Titch sich aus seiner Deckung l�sen wollte. Der Quorrl z�gerte, machte dann eine Bewegung, die wohl das quorrlsche �quivalent eines Achselzuckens war, und gab ihm den Weg frei.</p><p>Mit klopfendem Herzen trat Skar Anschi entgegen. Sie trug noch immer den bestickten Zeremonienmantel vom vergangenen Abend, aber er war zerfetzt und angekohlt. Ihre rechte Hand und der Arm waren bis zum Ellbogen hinauf bandagiert, und ihr Gesicht war eine Maske aus Schmutz und Ru� und verkrustetem Blut. In ihrer linken Hand blitzte das silberfarbene Metall eines Scanners.</p><p>Skar blieb stehen. Es fiel ihm schwer, Worte zu finden. Ganz egal, was er sagen w�rde, er konnte es nur schlimmer machen. �Es... es freut mich, da� du lebst�, sagte er schlie�lich. Es waren ungeschickte Worte, die in Anschis Ohren wie b�ser Hohn klingen mu�ten, aber die einzigen, die ihm einfielen.</p><p>Die junge <emphasis>Errish </emphasis>antwortete auch nicht, sondern starrte ihn eine Sekunde lang aus weit aufgerissenen, leeren Augen an, und ging dann einfach weiter. Skar hob die Hand, wie um ihr den Weg zu verwehren, f�hrte die Bewegung dann aber nicht zu Ende.</p><p>Zwischen den Felsen trat Titch heraus. Anschi erstarrte, als sie den titanischen Quorrl in seiner goldenen R�stung erblickte. Ihre Lippen begannen zu zittern. Langsam, ganz langsam, hob sie die Hand, zielte mit dem Scanner auf Titch - und lie� die Waffe fallen. Mit einem gellenden Schrei st�rzte sie sich auf Titch und begann mit den F�usten auf ihn einzuschlagen.</p><p>Titch regte sich nicht. Anschis F�uste h�mmerten auf seinen Brustpanzer, seinen Helm und seine Arme ein, bis ihre Haut blutig war, aber sie h�rte auch dann nicht auf, sondern schrie und schlug weiter wie in Raserei auf den schweigenden Giganten ein, bis Skar endlich hinter sie trat und fast sanft ihre Arme ergriff.</p><p>Er konnte regelrecht sp�ren, wie alle Kraft aus Anschi wich. Aus ihren hysterischen Schreien wurde ein krampfhaftes Schluchzen. Sie lie� es zu, da� er sie mit sanfter Gewalt herumdrehte, aber dann ri� sie sich los und wich zwei, drei Schritte von ihm und dem Quorrl zur�ck.</p><p>�Fa� mich nicht an!� zischte sie. �Fa� mich nie wieder an, Satai, oder ich t�te dich.�</p><p>Skar unterdr�ckte ein verzeihendes L�cheln, schwieg aber, und auch Titch verbi� sich jeden Kommentar und trat schweigend neben ihn. Anschi starrte sie abwechselnd an, b�ckte sich dann nach ihrer Waffe und schob sie mit einer zornigen Geste in den G�rtel. Dann ging sie wortlos an Skar und dem Quorrl vorbei und betrat den Felsspalt, in dem die Krieger lagerten. Rasch sah sie sich um, sch�rzte abf�llig die Lippen und wandte sich dann wieder an Skar. �Sind das alle?� fragte sie.</p><p>�Alle, die �berlebt haben, ja�, antwortete Skar.</p><p>�Gut. Dann sag deinen fischgesichtigen Freunden, da� sie sich nicht von der Stelle r�hren sollen, wenn sie Wert darauf legen, auch noch l�nger zu leben. Meine Schwestern werden auf jeden schie�en, der diesen Ort verl��t.�</p><p>Skar wu�te, da� das nicht wahr war. Nichts von allem h�tte irgendeinen Sinn gehabt, w�ren Anschi und ihre Schwestern hergekommen, um zu <emphasis>k�mpfen. </emphasis>Aber er widersprach auch jetzt nicht, und zu seiner �berraschung schien selbst Titch zu sp�ren, wie wenig Sinn es in diesem Moment gehabt h�tte, Stolz zu zeigen. Statt aufzufahren gab er seinen Kriegern ein Zeichen, die Waffen zu senken.</p><p>�Wie geht es Yul?� fragte Skar.</p><p>�Sie ist tot.� Anschi sah ihn nicht an, sondern blickte starr in die entgegengesetzte Richtung, aber das Zittern ihrer Stimme war un�berh�rbar. Sie war abermals dicht davor, die Beherrschung zu verlieren.</p><p>�Das tut mir leid�, sagte er.</p><p>Anschi drehte sich nun doch zu ihm herum und ma� ihn mit einem langen, schwer einzuordnenden Blick. �Seltsam�, sagte sie. �Ich glaube dir sogar. Aber das �ndert nichts daran, da� ich dich hasse. Irgendwann wirst du daf�r bezahlen, Satai, das schw�re ich. Und dieses... <emphasis>Tier </emphasis>ebenso.�</p><p>Skar sp�rte, da� nun auch Titchs Selbstbeherrschung fast ersch�pft war. Er mochte ebensogut wie Skar sp�ren, wie es hinter Anschis m�hsam beherrschtem Gesicht aussah, aber er war noch immer ein Quorrl, und noch dazu ein F�rst seines Volkes, der es nicht gewohnt war, beleidigt zu werden.</p><p>Rasch trat er zwischen ihn und Anschi und sagte h�rbar sch�rfer als bisher: �Bist du nur gekommen, um Drohungen auszusto�en?�</p><p>�Nein. Ich... habe euch etwas auszurichten. Etwas zu tun, das ich nicht tun will, aber mu�. Yul ist tot, aber sie starb nicht sofort, sondern gab mir einen letzten Befehl. Ich...� Sie stockte. Ihr Blick hielt dem Skars pl�tzlich nicht mehr stand, und als sie weitersprach, sp�rte Skar, wie schwer ihr jedes einzelne Wort fiel. �Ich soll daf�r sorgen, da� du und die Quorrl sicher in den Norden gelangen.�</p><p>�Du?� �chzte Titch. �Du sollst -�</p><p>Skar unterbrach ihn mit einer fast erschrockenen Geste. �Das ist alles?� fragte er. �Nichts weiter?�</p><p>�Reicht dir das nicht?� schnappte Anschi. Sie war den Tr�nen nahe.</p><p>�Keine Informationen?� vergewisserte sich Skar. �Nichts, was du mir sagen sollst?�</p><p>�Sie hatte nicht mehr viel Zeit�, antwortete Anschi w�tend. �Sie starb in meinen Armen, Satai, und ihren letzten Atem verschwendete sie, um �ber <emphasis>dich </emphasis>zu sprechen, den Mann, der ihr den Tod gebracht hat!�</p><p>�Aber das stimmt doch nicht�, widersprach Skar sanft. �Ihr h�ttet -�</p><p>�Alles war gut, bevor du aufgetaucht bist�, unterbrach ihn Anschi mit zitternder Stimme. �Wir waren ihm so nahe! Wir h�tten es fast geschafft, sein Vertrauen zu erringen. Noch eine Nacht, oder zwei, und er h�tte uns gehorcht.�</p><p>�Wovon spricht sie?� fragte Titch.</p><p>Skar sah ihn nicht an, sondern hielt Anschi weiter mit Blicken gefangen. �Vom <emphasis>Dronte�, </emphasis>antwortete er. �Dem Wesen, auf dem die <emphasis>Ultha </emphasis>kamen. Ihrem Herrn.�</p><p>�Du... <emphasis>kennst </emphasis>dieses... dieses <emphasis>Ding?� </emphasis>fragte Titch. Mi�trauen klang in seiner Stimme mit, und Skar war verwirrt. Er hatte angenommen, da� Titch die Wahrheit kannte oder zumindest erraten hatte; schon weil es nicht eine einzige Frage gegeben hatte. Aber das stimmte nicht. Wahr war, da� der Quorrl auf seine Art so bet�ubt und erstarrt war wie Skar. Vielleicht mehr. Er hatte einfach nicht wissen <emphasis>wollen, </emphasis>was wirklich geschehen war.</p><p>�Sag es ihm�, verlangte Skar.</p><p>In Anschis Augen glomm ein gequ�lter Ausdruck auf. Sie versuchte, Titch anzusehen, aber es gelang ihr nicht. Sie tat Skar leid. Aber er wu�te, da� er jetzt keinen anderen Ausweg mehr hatte. Er mu�te Titch die Wahrheit sagen. Er h�tte es l�ngst tun sollen. �Sag es ihm!� verlangte er noch einmal. �Wiederhole, was Yul mir erz�hlt hat. Du wei�t es doch, oder nicht? Du warst doch ihre Vertraute. Ihre Lieblingssch�lerin.�</p><p>�Was... bedeutet... das?� fragte Titch schleppend. <emphasis>Er wei� es, </emphasis>dachte Skar. <emphasis>Er wei� es l�ngst. Er wu�te es schon damals, in Drasks Burg. </emphasis>Titch hatte es nur nicht wahrhaben wollen.</p><p>�Du hast mir die Legende von den <emphasis>Ultha </emphasis>erz�hlt, Titch�, sagte Skar, als klar wurde, da� Anschi nicht reden w�rde. �Die Legende vom Land der Toten und dem <emphasis>Daij-Djan, </emphasis>dem Teufel eures Volkes. Es ist keine Legende. Du hast den <emphasis>Daij-Djan </emphasis>gesehen, und du hast die <emphasis>Ultha </emphasis>gesehen.�</p><p>Titch schwieg, aber seine H�nde begannen ganz sacht zu zittern. Er wu�te, was kommen w�rde.</p><p>�Sie sind keine D�monen, Titch�, fuhr Skar fort, ohne Anschi auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. �Sowenig wie der <emphasis>Dronte </emphasis>und die <emphasis>Netzkreatur </emphasis>oder irgendein anderes Ungeheuer, das die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>erschufen.� Er wandte sich mit einer auffordernden, fast herrischen Geste an Anschi. �Sag es ihm!� Anschi schwieg weiter.</p><p>�Sie sind nicht einmal richtige Lebewesen�, fuhr Skar fort. �Sie sind... <emphasis>Dinge. </emphasis>Kreaturen ohne wirklichen eigenen Willen. Wenig mehr als Maschinen, die nur durch Zufall aus Fleisch und Blut bestehen. Ist es nicht so?�</p><p>Die <emphasis>Errish </emphasis>wich seinem Blick aus. Aber sie nickte. �Ja�, fl�sterte sie. �Skar sagt die Wahrheit.�</p><p>�Aber wieso waren sie <emphasis>hier?� </emphasis>fragte Titch. <emphasis>�Bei euch?!�</emphasis></p><p>�Weil wir sie gerufen haben�, antwortete Anschi leise. Titch sog scharf die Luft ein, und Skar legte ihm abermals beruhigend die Hand auf den Unterarm. Titch sch�ttelte sie ab.</p><p>�Sie kamen, kurz nachdem der <emphasis>W�chter </emphasis>Elay �bernommen hatte�, fuhr Anschi fort. �Sie jagten uns, und sie t�teten viele unserer Schwestern. Aber Yul erkannte, da� sie nichts als Werkzeuge waren. Skar hat recht - sie sind Tiere, weniger noch als Tiere. Sie denken, und sie sind intelligent - jedenfalls glaube ich das -, aber sie haben keinen eigenen Willen.�</p><p>�Und als der <emphasis>W�chter </emphasis>starb, da habt ihr versucht, ihren Geist zu �bernehmen�, vermutete Skar. �So wie ihr es mit den Tyrr und den Daktylen tut.�</p><p>Anschi nickte. �Und es w�re uns gelungen. Wir h�tten sie ebenso beherrscht. Yul war sicher, da� es uns gelingt.�</p><p>�Niemand kann Feuer mit Feuer bek�mpfen�, sagte Titch. �Wir schon!� behauptete Anschi. �Wir sind <emphasis>Errish, </emphasis>keine -�</p><p>�Ihr seid Kinder�, unterbrach sie Titch. Seine Stimme bebte, aber Skar war sicher, da� Anschi nicht einmal wu�te, warum der Quorrl so zornig war. �Ihr habt Wesen beschworen, die schlimmer sind, als ihr euch auch nur vorzustellen verm�gt!�</p><p>Anschi antwortete nicht sofort. Vielleicht �berraschte sie Titchs unerwarteter Zornesausbruch, vielleicht entsann sie sich auch erst jetzt der unbeschreiblichen Wut, mit der sich Quorrl und <emphasis>Ultha </emphasis>aufeinandergest�rzt hatten. �Unsinn�, sagte sie, pl�tzlich aber mehr hilflos als herausfordernd. �Sie sind genau das, was Skar gesagt hat: <emphasis>Dinge. </emphasis>Keine D�monen, Quorrl.�</p><p>�F�r Titch schon�, sagte Skar. �Oder wie w�rdest du ein Wesen nennen, das deinem Volk eine ganze Welt gestohlen hat?� Titch fuhr mit einem Ruck zu ihm herum und starrte ihn an, und in Anschis Augen glomm ein Ausdruck auf, der nur noch mit dem Wort Entsetzen zu beschreiben war. �Nicht!� sagte sie. �Schweig! Sprich es nicht aus!�</p><p>�Was?� fragte Titch. Und pl�tzlich packte er Skar, ri� ihn mit einem brutalen Ruck herum und schrie noch einmal: <emphasis>�WAS?!�</emphasis> Skar machte sich m�hsam los. �Das gro�e Geheimnis der <emphasis>Errish�, </emphasis>sagte er. �Ihr wu�tet es schon immer, nicht wahr? Ihr wart die einzigen, die es wu�ten. Oh, sicher nicht alle, sondern immer nur einige wenige, aber ein paar haben es immer gewu�t, all die Jahrtausende hindurch.�</p><p>Anschi schwieg, und Skar f�gte, leiser und fast bitter, hinzu: �Gowenna mu� es gewu�t haben. Sie war die <emphasis>Ehrw�rdige Mutter </emphasis>eures Volkes.� Er drehte sich wieder zu Titch um, und seine Stimme wurde leise, fast traurig. �All diese Ungeheuer, gegen die wir k�mpfen, Titch, sind nicht die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>selbst. Es sind nur Waffen. Waffen, die sie erschufen, um ihre Feinde zu vernichten. Die urspr�nglichen Bewohner Enwors. Euch, Titch. Die Quorrl.�</p></section><section><title><p id="_7">7.</p></title><p>Gegen Mittag begann es wieder zu regnen. Es wurde k�lter, und �ber dem Meer begannen sich schwere Regenwolken zu einer Front zu formieren, die sp�testens am Abend mit Gewitter und Sturm �ber das Land herfallen w�rden. Titchs M�nner hatten aus Planen und Decken ein notd�rftiges Zelt f�r Kiina errichtet, unter das sich auch Skar und Anschi zur�ckgezogen hatten, als der Regen zunahm.</p><p>Sie hatten geredet; Stunden, wie es Skar vorkam, die in Wirklichkeit zum allergr��ten Teil aus langen Zeiten tiefen, schockierten Schweigens bestanden hatten, in die hinein nur manchmal einer von ihnen ein Wort gesprochen hatte. Zumeist war es Skar gewesen, der Fragen gestellt hatte; Fragen, auf die er nur in den allerwenigsten F�llen eine Antwort bekam. Nach einer Weile hatte er eingesehen, da� die <emphasis>Errish </emphasis>wirklich nichts wu�te; seine insgeheim gehegte Hoffnung, da� Yul ihn belogen hatte, erf�llte sich nicht. Anschi wu�te nicht mehr, als da� die <emphasis>Errish </emphasis>vor etwa einem Monat aus Elay geflohen war und sich auf den Weg nach Norden gemacht hatte, allein, verfolgt von einem Dutzend ihrer ehemaligen Schwestern und einer kleinen Armee von <emphasis>Ultha. </emphasis>Skar war entt�uscht, gleichzeitig aber auch zufrieden. Seine Vermutung, da� die L�sung aller R�tsel im Norden zu suchen war, wurde zur Gewi�heit. Schlie�lich kehrte Anschi zu ihren Schwestern zur�ck, die ein Lager eine halbe Meile weiter nach Norden aufgeschlagen hatten; h�her in den Bergen, wo ihre bizarren Flugechsen ausreichende Startgelegenheiten finden w�rden. Titch blickte ihr schweigend hinterher, bis sie im Regen verschwunden war. Der Quorrl hatte kein Wort geredet, aber nicht nur Skar hatte genau gesp�rt, wie es hinter Titchs ausdruckslosem Gesicht arbeitete. Vielleicht hatte er die Wahrheit ja geahnt, aber es war eine Sache, etwas zu wissen, und eine ganz andere, dieses Wissen dann als Tatsache pr�sentiert zu bekommen. Skar nahm sich vor, den Quorrl in den n�chsten Stunden genau im Auge zu behalten.</p><p>Titch blieb lange Zeit drau�en im Regen stehen, auch als die <emphasis>Errish </emphasis>schon l�ngst nicht mehr zu sehen war. Als er zur�ckkam, bewegte er sich langsam, wie unter Zwang. In seinen gro�en, fast pupillenlosen Augen stand noch immer derselbe Schrecken geschrieben wie in dem Moment, in dem Skar ihm die Wahrheit gesagt hatte. Skar war nicht einmal sicher, da� er wirklich geh�rt hatte, was sie sprachen.</p><p>Der Quorrl mu�te sich weit nach vorne beugen, um unter das kleine Zeltdach zu treten, das seine Leute f�r Kiina errichtet hatten. Wasser lief in kleinen glitzernden Rinnsalen �ber seine R�stung, und zum ersten Mal seit Wochen wieder fiel Skar der Raubtiergeruch auf, den der Quorrl verstr�mte.</p><p>�Ist sie fort?� fragte Skar �berfl�ssigerweise.</p><p>Titch deutete ein Nicken an und lie� sich auf der anderen Seite von Kiinas Lager in die Hocke sinken. Sekundenlang blickte er reglos auf Kiina hinab, dann sah er Skar an, aber sein Blick blieb leer. �Traust du ihr?�</p><p>�Anschi?� Skar tat so, als �berlege er eine Weile, w�hrend er in Wahrheit den Quorrl musterte. Titch wirkte benommen, aber normal. Soweit Skar in der Lage war, irgend etwas �ber die Psychologie eines Quorrl zu sagen. �Haben wir denn eine andere Wahl?� sagte er schlie�lich.</p><p>Titch ballte die gesunde Hand zur Faust. �Aber es war doch nur... eine Legende�, fl�sterte er. �Ein M�rchen, mehr nicht!� Kiina blickte fragend, aber Skar signalisierte ihr mit Blicken, ruhig zu sein. Titchs Worte waren keine Antwort auf seine Frage. Er hatte sie gar nicht verstanden, sowenig wie er irgend etwas von dem geh�rt hatte, was Skar und Anschi in den beiden letzten Stunden gesprochen hatten. Der Quorrl schien aus einem tiefen, bet�ubenden Schlaf zu erwachen. Skar spannte sich innerlich. Er wu�te, da� er von Titch normalerweise nichts zu bef�rchten hatte. Aber Titch war nicht mehr Titch. Der Quorrl war nicht einfach ersch�ttert. Seine Welt war zerbrochen.</p><p>�Aber sie ist wahr�, sagte er leise.</p><p>�Du hast es gewu�t, nicht wahr?� fragte Titch. Sein Blick wurde fordernd, aber Skar suchte vergebens nach Spuren von Zorn oder gar Ha� in den dunklen Augen des Quorrl. <emphasis>�Die Sternengeborenen sind wir�, </emphasis>zitierte er. �Das waren deine Worte, in der Burg. Du hast es... da schon gewu�t.�</p><p>�Nein�, widersprach Skar, suchte einen Moment vergebens nach Worten und machte schlie�lich eine hilflose Bewegung mit beiden H�nden. �Vielleicht. Ich... ich wollte es nicht wahrhaben.�</p><p>�Aber du hast es gewu�t.�</p><p>�Spielt das noch eine Rolle?� fragte Skar. �Es ist Jahrtausende her, Titch. Vielleicht Millionen Jahre. Enwor ist...�</p><p>�Unsere Welt�, unterbrach ihn Titch, sehr leise, aber kalt, fordernd, in einem Ton, der Skar schaudern lie�. �All die alten Legenden, all die Geschichten, die ihr �ber die <emphasis>Alten </emphasis>erz�hlt habt, all die Heldensagen von den gro�en Taten eurer Vorfahren, ihrem Kampf gegen die Fremden von den Sternen: Es war alles gelogen.�</p><p>�Nein, Titch�, antwortete Skar sanft. �Das war es nicht. Sie sind wahr.�</p><p>�Ja�, grollte Titch bitter. �Sie sind wahr. Nur eine Kleinigkeit stimmt nicht, nicht wahr? <emphasis>Wir </emphasis>waren es, die zuerst hier waren. Und <emphasis>ihr </emphasis>seid von den Sternen gekommen und habt uns unsere Welt gestohlen. Es waren keine Ungeheuer, wie ihr uns weismachen wolltet. Keine D�monen von den Sternen. Keine G�tter. Es waren <emphasis>Menschen!� </emphasis>Pl�tzlich br�llte er: <emphasis>�Es waren Menschen, Skar! Deine Vorfahren, die uns unsere Welt gestohlen haben! Und du verlangst, da� wir euch helfen?!�</emphasis></p><p>�Nein, Titch, das verlange ich nicht�, antwortete Skar. �Ich bitte dich darum, mehr nicht.�</p><p>�So, du <emphasis>bittest </emphasis>mich.� Titchs Stimme bebte. Er ballte die F�uste, so heftig, da� Skar seine schuppige Haut knirschen h�rte. Der Blutfleck auf seiner bandagierten Hand wurde gr��er. <emphasis>�Du bittest mich!� </emphasis>br�llte er.</p><p>Kiina richtete sich halb auf ihrem Lager auf und hob die Hand, um sie dem Quorrl beruhigend auf die Schulter zu legen. �Bitte, Titch. Wir verstehen dich ja, aber...�</p><p>Titch stie� sie zur�ck. �Ihr versteht mich?� schnappte er. �Ihr versteht nichts! Ihr habt... habt... habt eine ganze Welt belogen! Ihr habt die Geschichte eines ganzen Planeten ge�ndert, einfach so! Ihr habt uns unsere Welt gestohlen, unsere Heimat, und was das Schlimmste ist, unsere Erinnerungen. Aber du verstehst mich.�</p><p>�Kiina wollte dich nicht verletzen, Titch�, sagte Skar. Titch starrte ihn aus brennenden Augen an, und Skar sp�rte, wie l�cherlich das Gesagte klang. Als ob <emphasis>Worte </emphasis>den Quorrl noch verletzen konnten, nach allem. Er wechselte abrupt das Thema und auch die Tonart: �Was wirst du jetzt tun?�</p><p>�Tun?�</p><p>Skar machte eine erkl�rende Handbewegung. �Deine Leute und du. Werdet ihr... gehen? Oder bleiben wir zusammen?�</p><p>Titch starrte ihn an. Blut tropfte von seiner Hand und besudelte Kiinas Decke, aber er bemerkte es nicht einmal. Sein f�rchterliches Gebi� mahlte, als h�tte er etwas gepackt und w�re dabei, es zu zerrei�en. Der Quorrl <emphasis>war </emphasis>ein Raubtier, das begriff Skar pl�tzlich. Aber er begriff ebenso deutlich, da� er nicht das Recht hatte, so zu denken; so wenig, wie er das Recht hatte, �ber den Quorrl oder irgendeine andere denkende Lebensform Enwors zu urteilen. <emphasis>Sie </emphasis>waren die Eindringlinge: die Satai, die <emphasis>Errish, </emphasis>die Veden und Thbarg und alle anderen V�lker, alle, sie alle, die sich f�r die rechtm��igen Herren dieser Welt hielten. Wenn die Quorrl wirklich das waren, wof�r Anschi und auch ein nicht zum Schweigen zu bringender Teil Skars war, n�mlich Raubtiere, muskelbepackte Bestien, von denen nur die allerwenigsten zu logischem Denken und Handeln f�hig waren, dann nur, weil <emphasis>sie sie dazu gemacht hatten.</emphasis></p><p>�Ich wei� es nicht.� Titch stand auf und machte eine herrische Handbewegung. �Ich mu� dar�ber nachdenken. Vielleicht �ndert sich nichts. Vielleicht t�te ich euch und diese verdammten <emphasis>Errish. </emphasis>Wir werden sehen.�</p><p>Er ging, aber nur ein paar Schritte weit, ehe er wieder stehenblieb und abermals die F�uste ballte. Skar konnte sehen, wie sich jeder einzelne Muskel in seinem gewaltigen K�rper spannte. �Glaubst du, da� er das... ernst gemeint hat?� fragte Kiina stockend.</p><p>�Was? Da� er nachdenken mu� - oder da� er uns vielleicht t�tet?�</p><p>�Beides.�</p><p>Skar schwieg eine Sekunde und nickte dann. �Sicher.�</p><p>�Dann w�re es vielleicht besser, wenn wir fliehen�, sagte Kiina unsicher.</p><p>�Fliehen?� Skar lachte fast. �Aber wohin denn?�</p><p>�Zu Anschi.�</p><p>Skar war nicht sicher, da� sie bei den <emphasis>Errish </emphasis>in geringerer Gefahr gewesen w�ren. Aber er verstand Kiinas Wunsch. �Du m�chtest zu ihnen�, vermutete er. Kiina sah ihn nur wortlos an, aber er las die Antwort auf seine Frage in ihrem Blick. Zu der Verwirrung und dem Schmerz in ihren Augen hatte sich Furcht gesellt. Sie hatte Angst, dachte er. Nat�rlich hatte sie Angst. Nach dem, was sie im Laufe der letzten Stunde geh�rt hatte, mu�te sie Angst haben. Und nicht nur vor den Quorrl.</p><p>�Wenn du willst, bringe ich dich zu ihnen�, sagte er.</p><p>�Titch wird es nicht zulassen.�</p><p>�Doch, das wird er.� Skar versuchte, mehr Optimismus in seine Stimme zu legen, als er selbst empfand. Aber er war nie ein sehr guter L�gner gewesen. �Er ist nur verwirrt. Und zornig. Und er hat ein Recht dazu, meinst du nicht?�</p><p>�Aber es... es <emphasis>kann </emphasis>nicht alles falsch sein!� protestierte Kiina verzweifelt. �Die Geschichte einer ganzen Welt kann nicht vollkommen erlogen sein, Skar!�</p><p>�Doch�, sagte er bitter. �Das kann sie, Kiina.� Und er glaubte sogar zu wissen, warum. F�r einen Moment sah er es ganz deutlich vor sich: Sie, die von den Sternen gekommen waren, hatten die rechtm��igen Besitzer dieser Welt am Ende besiegt, in einem Kampf, den er sich wahrscheinlich nicht einmal vorzustellen vermochte. Vielleicht hatte der Krieg Tausende von Jahren gedauert, vielleicht nur wenige Tage. Die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>(seltsam, welch h�hnischen Beiklang dieses Wort pl�tzlich in seinen Gedanken bekam) hatten am Schlu� gesiegt - aber um den Preis der fast vollkommenen Zerst�rung Enwors. Sie hatten die Welt erobert, aber sie hatten sie auch vernichtet, und sie hatten diese L�ge einfach ersinnen <emphasis>m�ssen, </emphasis>um weiterleben zu k�nnen. Was Titch grausam erschien, das war das einzige gewesen, was kommenden Generationen ein Weiterleben erm�glichte.</p><p>�Dann war... alles wahr?� stammelte Kiina. �Die <emphasis>Sternengeborenen... </emphasis>all diese Ungeheuer, die sie erschaffen haben... das war...�</p><p>�Unser Werk�, sagte Skar. �Das unserer Vorfahren. Ja. Aber es ist so unendlich lange her, da� es keine Rolle mehr spielt, Kiina. Es ist alles wahr, und doch wieder nicht. Enwor geh�rt l�ngst nicht mehr <emphasis>ihm </emphasis>oder <emphasis>ihnen </emphasis>oder <emphasis>irgend jemandem. </emphasis>Wir leben schon zu lange zusammen, um uns einander unsere Welt streitig machen zu k�nnen.� Die Worte klangen selbst in seinen eigenen Ohren lahm und ungeschickt, aber Skar wu�te, da� Kiina verstand, was er meinte. Was geschehen war, war Vergangenheit, Geschichte, und eigentlich nicht einmal mehr das, sondern nur noch die verblassende Erinnerung daran, ein d�steres Geheimnis, das von ein paar alten Frauen von Generation zu Generation weitergegeben wurde und irgendwann einmal ganz vergessen sein w�rde.</p><p>�Aber wieso greifen sie <emphasis>uns </emphasis>an?� fragte Kiina fast verzweifelt. <emphasis>�Wir sind ihre Sch�pfer!�</emphasis></p><p>�Das waren wir einmal�, antwortete Skar matt. �Vielleicht hat es eigenes Leben entwickelt, in all den Jahrtausenden. Vielleicht richtet es sich einfach blindw�tig gegen alles, wie Feuer, das selbst den verzehrt, der es gelegt hat.�</p><p>�Oder jemand beeinflu�t es, so wie es uns beeinflu�t�, murmelte Kiina. Sie sah ihn aus weiten Augen an. �Aber wer?� Skar schwieg dazu. Nach einer Weile trat er wortlos unter der Zeltplane hervor und ging, um Titch zu suchen.</p><p>An ein Weiterreiten war an diesem Tag nat�rlich nicht mehr zu denken. Skar hatte ein paarmal versucht, mit Titch zu reden, aber der Quorrl hatte ihn einfach ignoriert, bis er sich schlie�lich so hilflos und dumm vorgekommen war, da� er zu Kiina zur�ckging. Er war m�de - die durchrittene Nacht und die Strapazen der vergangenen Tage forderten ihren Tribut, und dazu kam, da� sich sein Zustand im gleichen Ma�e verschlechterte, wie sich der Kiinas zu bessern schien: Am Nachmittag bekam er Fieber, und w�hrend Kiinas Kr�fte von Stunde zu Stunde zunahmen, glaubte Skar innerlich zu verbrennen. Er bekam Sch�ttelfrost, und sein Zahnfleisch blutete. Und als er endlich einschlief, da <emphasis>tr�umte er wieder. Den gleichen, wirren, nur von Ha� und zielloser Wut erf�llten Traum wie in den N�chten zuvor, der auf dieselbe, v�llig unlogische Art zweigeteilt war: W�hrend der eine - gr��ere - Teil seines Bewu�tseins hilflos in den Klauen des Alptraumes gefangen war, blieb der andere wach und registrierte und sah und h�rte alles, was rings um ihn herum vorging.</emphasis></p><p><emphasis>Und doch war etwas an diesem Traum anders als an seinen Vorg�ngern, aber es dauerte eine Weile, bis Skar begriff, was es war: Er hatte sich get�uscht. Es war nicht die Wirklichkeit, die er mit dem vermeintlich klar gebliebenem Teil seines Bewu�tseins wahrnahm. Auch heute schien er auf einer schmalen Grenzlinie zwischen zwei Welten dahinzutreiben, aber die eine war so irreal wie die andere: Da war der Alptraum mit seinem b�sen Fl�stern und Dr�ngen (...so </emphasis>viel Ha�, hatte die Margoi gesagt. So unendlich viel Ha�...), <emphasis>und da war eine zweite Vision, nur war sie von solcher Klarheit und Sch�rfe, da� er sie f�r die wirkliche Welt gehalten hatte. Aber sie war es nicht. Er sah sich selbst, wie er auf dem schmalen Lager aus Decken und Fellen lag, das Kiina f�r ihn bereitet hatte, aber der schlafende Schatten neben ihm war nicht Kiina; als er sich zu ihm herumdrehte, starrte er in eine flache schwarze Fl�che aus glitzerndem Chitin, wo ein Gesicht sein sollte, und die Hand, die wie in einer b�sen Verh�hnung menschlicher Gestik unter der Decke hervorkroch und einen rasiermesserscharfen Krallenfinger �ber nicht vorhandene Lippen legte, war keine Hand, sondern eine dreifingrige Forke, die nur zum T�ten gemacht war.</emphasis></p><p><emphasis>Er hatte nicht einmal Angst, denn er sp�rte, da� der </emphasis>Daij-Djan <emphasis>nicht gekommen war, um ihn zu t�ten. Vielleicht war er niemals sein Feind gewesen. Sekundenlang blickte er das flache Nicht-Gesicht der </emphasis>Sternenbestie <emphasis>an, dann schlug er seine Decke zur�ck, stand unsicher auf und folgte dem </emphasis>Daij-Djan. <emphasis>Lautlos durchquerten sie das Lager, in dem im Traum alle Bewegungen erstarrt waren, als w�re die Zeit stehengeblieben.</emphasis></p><p><emphasis>Es war dunkel, und es regnete noch immer, aber die Wolken waren aufgerissen, so da� er die Ebene trotzdem auf Meilen hin deutlich �berblicken konnte. Und er sah, was sein h�llischer Bruder ihm hatte zeigen wollen: �ber das geborstene Land krochen Schatten heran. Sie waren zu weit entfernt, um sie genau zu erkennen, und fast k�rperlos; beinahe nur eine Woge sich bewegender Schw�rze, die sich den Bergen und damit ihrem Lager n�herte. Aber etwas an ihren Bewegungen war falsch, und die Dunkelheit, die ihnen wie ein besch�tzender Mantel folgte, war nicht nur die Abwesenheit von Licht, sondern etwas anderes, unsagbar Fremdes, das aus den Abgr�nden des Wahnsinns heraufgekrochen war.</emphasis></p><p>Sie kommen, Bruder, <emphasis>fl�sterte die Stimme des </emphasis>Daij-Djan <emphasis>in seinen Gedanken. </emphasis>Sieh. Die, die mich und dich schufen, sind nicht dumm. Sie wissen, was geschehen ist, und sie kommen, um dich zu holen.</p><p><emphasis>Skar blickte die kriechenden Schatten an, und pl�tzlich hatte er Angst, Angst wie nie zuvor in seinem Leben.</emphasis></p><p>Ich kann sie vernichten, <emphasis>fuhr der </emphasis>Daij-Djan <emphasis>fort, und pl�tzlich war seine Stimme wieder ein k�rperloses, b�ses Kichern, die Verlockung des B�sen, die sich mit der Angst in Skars Seele vereinte und an seinem Willen nagte wie eine kleine, gierige Ratte. </emphasis>Gib mir den Befehl dazu, und ich vernichte sie f�r dich. Es ist ganz leicht. Du mu�t es nur wollen.</p><p><emphasis>Skar zitterte. Er wollte die H�nde heben und gegen die Ohren pressen, aber er konnte sich nicht bewegen. Und es h�tte auch nichts genutzt; denn die Bestie stand nicht wirklich vor ihm. Was er sah, war nur ihr K�rper, ein Werkzeug, das sie nach Belieben erschaffen und ver�ndern konnte. Das wirkliche Ungeheuer war in ihm. Der </emphasis>Daij-Djan <emphasis>war ein Teil von ihm. Er war es immer gewesen, schon lange, bevor er einen K�rper bekommen hatte.</emphasis> Tu es, <emphasis>fuhr das b�se Fl�stern fort. </emphasis>Entfessele mich, wie du es schon so oft getan hast. Ich bin nicht dein Feind, Bruder. Das war ich nie. Komm zu mir. Gemeinsam schlagen wir sie. Es gibt nichts, was uns aufhalten kann. NICHTS!</p><p><emphasis>Skar st�hnte. �Nein�, wimmerte er. �Nie wieder. Nie wieder, h�rst du? Nie wieder!�</emphasis></p><p><emphasis>Aber der </emphasis>Daij-Djan <emphasis>lachte nur; ein b�ses, h�misches Kichern, das vom Grund seiner Seele heraufwehte und den menschlichen Teil von Skars Sein erzittern lie�. Und das Schlimmste war er wu�te, da� das Ungeheuer recht hatte. Gemeinsam w�ren sie unbesiegbar. Der Alptraum hatte ein Ende.</emphasis></p><p><emphasis>�Nein!� st�hnte er. �Geh! Geh fort! La� mich endlich in Ruhe, du Bastard!�</emphasis></p><p><emphasis>Wieder lachte das Ungeheuer. Seine schwarze Klaue hob sich, tastete nach Skars Gesicht und ber�hrte es; er sp�rte einen kurzen, brennenden Schmerz, als die Klaue seine Haut ritzte, prallte zur�ck, st�hnte gellend auf - </emphasis>und erwachte.</p><p>Und schrie ein zweites Mal, als ein harter Schlag seine Wange traf und seinen Kopf zur�ckfliegen lie�. Instinktiv ri� er die H�nde sch�tzend vor das Gesicht, f�hlte hartes Metall und feuchten Stoff unter den Fingern und �ffnete erst dann die Augen. Titchs Hand schwebte drohend zum Schlag erhoben �ber seinem Gesicht, aber in den Augen des Quorrl war nur Schrecken; und eine Sorge, die Skar trotz seiner Benommenheit registrierte und die ihn �berraschte.</p><p>�Es ist... gut�, sagte er m�hsam. �Du brauchst mich nicht mehr zu schlagen.�</p><p>Titchs Hand sank herab, aber nur f�r eine Sekunde. Dann griff er ein zweites Mal zu und half Skar, sich aufzusetzen.</p><p>�Habe ich geschrien?� fragte Skar.</p><p>Titch nickte. �Ununterbrochen. Ich wollte dich nicht schlagen, aber es war der einzige Weg, dich wach zu bekommen. Es tut mir leid, wenn ich dich verletzt habe.�</p><p>Skar hob die Hand an den Mund und f�hlte warmes Blut an den Fingern, aber keinen Schmerz. Sein Kiefer war wie bet�ubt, aber er war ziemlich sicher, da� das nicht von Titchs Schlag kam. Der Quorrl kannte seine K�rperkr�fte und wu�te sehr wohl, sie zu dosieren.</p><p>Mit einem Ruck setzte er sich ganz auf. Er f�hlte sich matt, trotzdem aber sonderbar wohl. Das Fieber war fort, und auch �belkeit und Schwindelgef�hl waren wie weggeblasen. Alles, was geblieben war, war ein dumpfer Druck hinter seiner Stirn und das taube Gef�hl in seinem Mund.</p><p>Skar schlug die Decke vollends zur�ck. F�r den Bruchteil einer Sekunde hatte er Angst, den Kopf zu drehen und nach Kiina zu sehen; Angst, nicht sie, sondern eine kindergro�e schwarze Spottgeburt aus schwarzem Horn und Ha� zu sehen, die ihn h�hnisch angrinste.</p><p>Aber das Lager neben ihm war leer.</p><p>�Wo ist sie?� fragte er.</p><p>Titch machte eine unbestimmte Geste in die Nacht hinaus. �Bei den anderen. Sie bat mich, sie gehen zu lassen.�</p><p>�Und du hast es getan?�</p><p>Titch knurrte. �Wenn der Sinn deiner Frage ist, zu ergr�nden, ob ich euch noch immer umbringen will, dann lautet die Antwort <emphasis>nein, </emphasis>kleiner Mann�, sagte er sarkastisch. �Au�erdem hat sie versprochen, zur�ckzukommen, und ich glaube ihr. Sie wollte Medizin f�r dich holen.�</p><p>Skar erhob sich taumelnd. Er war verwirrt. Verwirrt und alarmiert. Etwas... stimmte nicht. Sein Traum war nicht sinnlos gewesen, das sp�rte er. Er war... <emphasis>eine Warnung?</emphasis></p><p>�Ich habe dich doch verletzt�, sagte Titch pl�tzlich. �Warte hier. Ich hole etwas, um das Blut zu stillen.�</p><p>Skar starrte den Quorrl eine Sekunde verst�ndnislos an, bis ihm auffiel, da� Titch nicht auf seinen Mund blickte. Erschrocken hob er die Hand, um den Quorrl zur�ckzuhalten, und tastete mit der anderen nach seiner Stirn.</p><p>Zwischen seinen Augenbrauen, <emphasis>genau dort, wo ihn im Traum die Klaue des Daij-Djan ber�hrt hatte!! - </emphasis>befand sich eine kleine, aber tiefe Wunde, die h�llisch zu schmerzen begann, kaum da� seine Finger sie ertasteten, Skar erstarrte. <emphasis>Aber das war doch... unm�glich! </emphasis>Aus entsetzt geweiteten Augen starrte er Titch an - und fuhr pl�tzlich herum, um mit weit ausgreifenden Schritten durch das Lager zu laufen. Neben dem Felsen am Taleingang erhob sich ein massiger Schatten, als er n�her kam, aber Skar tauchte einfach unter den Armen des Quorrl hindurch und st�rmte noch zwei, drei Schritte weiter, ehe er schweratmend stehenblieb und auf die Ebene hinausstarrte.</p><p>Es war genau wie in seinem Traum. Der Regen str�mte noch immer vom Himmel, aber die Wolken waren aufgerissen, und er konnte die zerrissene Ebene fast bis zur K�ste hin �berblicken. Nur die kriechenden Schatten waren nicht da. Es gab Schatten, aber es waren die Schatten von Felsen und B�schen und B�umen, nicht der k�rperlose Terror aus seiner Vision, und trotzdem: etwas... <emphasis>kam.</emphasis></p><p>Skar sah auf, als der Boden unter seinen F��en zu zittern begann und der Quorrl in seiner blitzenden Goldr�stung neben ihm erschien.</p><p>�Was hast du?� fragte Titch alarmiert.</p><p>Skar zuckte wortlos mit den Schultern und fuhr fort, auf die Ebene hinabzustarren. Das Sternenlicht vermittelte ihm nur die Illusion, gut sehen zu k�nnen, das wu�te er. In Wirklichkeit war alles, was weiter als f�nfzig oder sechzig Schritte entfernt war, nur schemenhaft zu erkennen. Und trotzdem - er konnte die Gefahr beinahe k�rperlich sp�ren.</p><p><emphasis>Vielleicht werde ich verr�ckt, </emphasis>dachte er. Vielleicht hatte der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>endlich erreicht, was er wollte, und er vermochte schon nicht mehr zwischen Realit�t und Traum zu unterscheiden. Gleichzeitig sp�rte er, da� das nicht stimmte. Etwas <emphasis>war </emphasis>da. Er konnte es f�hlen, so deutlich, wie er die Anwesenheit des <emphasis>Netzes </emphasis>in Drasks Burg gef�hlt hatte.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte er hilflos. �Aber wir... wir sollten hier verschwinden, Titch.� Der Quorrl sah ihn fragend an, und Skar f�gte hinzu: �Weck deine M�nner. Wir brauchen ein anderes Lager. H�her in den Bergen. Vielleicht bei Anschi und den anderen. Wir -�</p><p>Er sah die Bewegung aus den Augenwinkeln, aber seine Reaktion w�re zu sp�t gekommen, so schnell sie auch war.</p><p>Skar warf sich herum und gleichzeitig zur�ck, aber das Zuschnappen der gewaltigen F�nge war schneller. Gr�nschimmerndes Panzerhorn grabschte in einer m�rderischen, zupackenden Bewegung nach ihm, einer Bewegung, die stark und schnell genug war, ihn in zwei St�cke zu rei�en, so m�helos, wie er Papier zerfetzte.</p><p>Es war Titch, der ihm das Leben rettete.</p><p>Seine gepanzerte Faust zuckte in einer unglaublich schnellen Bewegung vor und fing den Hieb ab, der Skar den Kopf von den Schultern rei�en sollte. Gleichzeitig warf sich der Quorrl vor, rammte die Angreiferin mit seinem gesamten K�rpergewicht und brachte sie aus dem Tritt. Seine linke, verletzte Hand sauste herab und traf die gepanzerten Schultern der Beterin mit der Wucht eines Hammerschlages. Skar konnte das daumendicke Chitin ihres K�rperpanzers brechen h�ren wie spr�des Glas. Das Rieseninsekt war tot, noch ehe Skar mit einem ungeschickten Schritt nach hinten taumelte und zu Boden st�rzte, aber Titch packte es trotzdem noch einmal mit seinen gewaltigen Pranken, schmetterte es mit aller Kraft zu Boden und zermalmte mit einem Fu�tritt seinen Sch�del; ein blinder Reflex, den Skar nur zu gut verstehen konnte. Beterinnen geh�rten zu den wenigen bekannten Tieren Enwors, die selbst einem Quorrl gef�hrlich werden konnten, wenn sie in die Enge getrieben oder verletzt waren.</p><p>Er stand auf, ging zu Titch zur�ck und blieb in respektvollen zwei Schritten Abstand stehen, w�hrend Titch die tote Beterin mi�trauisch musterte, wobei er die verletzte Hand fest gegen den Brustpanzer dr�ckte. Selbst im Tod bot die Beterin noch einen bedrohlichen Anblick: fast sieben Fu� lang von den m�chtigen, eingeknickten Fangscheren bis zur Schwanzspitze, dabei so d�rr, da� sie fast schon wieder l�cherlich wirkte. Ihre Beine waren nicht dicker als Skars kleiner Finger. Aber er wu�te, welch entsetzliche Kraft in diesen so zerbrechlich aussehenden Gliedma�en steckte. Er hatte Pferde gesehen, die von diesen gigantischen Insekten zerfetzt worden waren.</p><p>�Eine Beterin�, murmelte Titch fassungslos. Sein Blick suchte den Skars, aber sein Gesicht spiegelte nichts als Verwirrung. �Aber das... das ist unm�glich! Sie greifen niemals Menschen an!�</p><p>�Es sei denn, sie sind verr�ckt vor Hunger�, antwortete Skar. Sein Blick ging wieder auf die tr�gerisch still daliegende Ebene vor den Bergen hinaus. �Oder vor Angst�, f�gte er hinzu.</p><p>Titch lachte. �Was bist du, Skar?� fragte er sp�ttisch. �Ein altes Weib, das Unheil aus Regenwolken liest?� Aber es klang unsicher; er sp�rte, da� in Skars Worten mehr Wahrheit war, als sie beide in diesem Augenblick schon ahnen mochten. Und Skar machte sich nicht einmal die M�he, zu antworten. Langsam und ganz instinktiv noch immer zwei Schritte Abstand von der toten Beterin haltend, trat er an Titch vorbei und blickte konzentriert auf die Ebene hinab.</p><p>Und dann sahen sie es beide: Nicht einmal sehr weit von ihrem Standort entfernt bewegten sich Schatten. Der Regen machte es unm�glich, Einzelheiten zu erkennen, und sein monotones Rauschen verschluckte jeden Laut, aber auch Titch mu�te die grotesken, fast menschlich wirkenden Umrisse der Tyrr erkennen, die sich der steinernen Vorhut der Berge n�herten; zwei, drei, vier...</p><p>�Ein altes Weib, so?�</p><p>�Vielleicht haben alte Weiber manchmal recht, wenn sie Unheil prophezeien�, murmelte Titch. �Aber es kann genausogut ein Zufall sein.�</p><p>�Dann bleib meinetwegen hier�, antwortete Skar, �und la� dich ganz zuf�llig niedertrampeln.�</p><p>Titch musterte ihn einen Herzschlag lang mit undeutbarem Ausdruck, dann versetzte er der toten Beterin einen Tritt, der den Kadaver meterweit den Hang hinabkollern lie�, und stampfte zornig zu den Felsen zur�ck. Skar folgte ihm.</p><p>Sie mu�ten die Quorrl nicht wecken. Der Krieger, der den Ausgang ihres Felsenverstecks beobachtete, hatte den kurzen Kampf beobachtet und die anderen alarmiert. Sie waren nur noch f�nf. Einer der beiden Schwerverletzten hatte sich am Abend zum Schlafen niedergelegt und war nicht mehr aufgewacht, w�hrend sich der Zustand des anderen zu Skars Erleichterung verbessert zu haben schien. Gesicht, Brust und Schultern des Quorrl waren eine einzige schreckliche Wunde, aber er stand schon wieder aus eigener Kraft, und Skar wu�te, wie z�h diese schuppigen Kolosse waren. Und ganz davon abgesehen, da� sie wahrscheinlich jede Hand und jedes Schwert brauchen w�rden, erschien ihm auch das Leben eines Quorrl mit einem Male unendlich kostbar. Nicht nur Titchs Welt hatte sich ver�ndert.</p><p>Der Quorrl informierte seine M�nner mit wenigen, von knappen Gesten begleiteten Worten, was geschehen war. Er wechselte dabei von der Hochsprache Enwors in einen barbarischen, sehr schnellen Dialekt, von dem Skar nur Brocken verstand. Skar blieb dabei nicht verborgen, da� es Titch nicht leicht fiel, seinen Kriegern begreiflich zu machen, da� sie zu den <emphasis>Errish </emphasis>sto�en w�rden. Die Quorrl widersetzten sich seinem Befehl nicht, das war undenkbar. Aber Skar sp�rte sehr wohl, da� sie Angst hatten. Trotzdem brachen sie nach kaum f�nf Minuten auf.</p></section><section><title><p id="_8">8.</p></title><p><emphasis>�Nein!� </emphasis>Anschi ballte die Hand zur Faust und sch�ttelte so heftig den Kopf, da� ihr na� gewordenes Haar wie ein str�hniger schwarzer Schleier flog. Der Blick, mit dem sie abwechselnd Titch und Skar ma�, spr�hte vor Ha�. �Yuls letzter Befehl war, daf�r zu sorgen, da� du sicher nach Norden kommst. <emphasis>Du - </emphasis>nicht diese <emphasis>Tiere!�</emphasis></p><p>Skar sah aus den Augenwinkeln, wie Titch beim Klang des letzten Wortes zusammenfuhr. In Gedanken verfluchte er Anschi f�r ihre Ungeschicklichkeit. Er konnte den Zorn der <emphasis>Errish </emphasis>sogar fast verstehen, aber nach dem, was Titch am Morgen erfahren hatte, war es einfach dumm, so mit ihm zu reden. Er versuchte, Anschi mit Blicken zu signalisieren, vorsichtig zu sein, aber sie bemerkte es entweder nicht, oder sie <emphasis>wollte </emphasis>es nicht bemerken. Wahrscheinlich letzteres.</p><p>�Sie gehen!�</p><p>�Das Lager dort unten ist nicht mehr sicher�, antwortete Skar bes�nftigend. �Irgend etwas... geschieht. Ich wei� nicht was, aber...�</p><p>Die junge <emphasis>Errish </emphasis>unterbrach ihn mit einem abf�lligen, b�sen Lachen. �Yul hat mich gewarnt�, sagte sie, �da� du den gr��ten Teil deiner Zeit damit verbringst, Unheil zu prophezeien. Mir scheint, sie hat recht gehabt.� Sie machte eine entschiedene Handbewegung und funkelte Titch an. �Eher lasse ich mir die Hand abhacken, bevor ich zusammen mit diesen Ungeheuern lagere.�</p><p>�Verdammt, Anschi, du bist es ihnen schuldig!� protestierte Skar.</p><p>�Warum? Weil ich zugelassen habe, da� sie Yul und die meisten meiner Schwestern umbringen?�</p><p>�Nein�, mischte sich Kiina ein. �Aber vielleicht, weil es zum Teil deine Schuld war.�</p><p>Anschi fuhr mit einem Ruck auf und funkelte sie an, aber Kiina fuhr unbeeindruckt fort: �Sie h�tten euer Lager niemals angegriffen, wenn du nicht versucht h�ttest, sie zu vertreiben. Titch ist Skars Freund. Was h�ttest du an seiner Stelle getan, h�ttest du gesehen, wie er von diesen Bestien �berw�ltigt wird?�</p><p>�Das reicht, Kiina�, sagte Skar hastig, als er sah, wie sich Anschis Gesicht noch weiter verd�sterte. Da� Kiina mit ihren Worten der Wahrheit sehr nahe kam, spielte keine Rolle. �H�ren wir auf, uns zu streiten�, sagte er m�de. �Wir sind Verb�ndete oder?� Anschi machte eine zornige Handbewegung. �Sie k�nnen lagern, wo sie wollen�, sagte sie entschieden, �aber nicht hier. Die Berge sind gro�.�</p><p>�Was f�r ein Unsinn�, sagte Skar kopfsch�ttelnd. �Wir werden hundertmal lagern m�ssen, auf dem Weg ins Quorrl-Gebiet. Glaubst du, es kommt auf eine Nacht an?�</p><p>�Was bringt dich auf die absurde Idee, da� wir zusammen reiten?� schnappte Anschi. �Du und ich gehen und meinetwegen auch noch Kiina. Was deine Quorrl-Freunde tun, ist mir gleich.�</p><p>�Du hast gesagt, du bringst uns in den Norden�, sagte Kiina. �Ich habe nicht von den Quorrl gesprochen�, unterbrach sie Anschi. Ihre Stimme bebte. �Skar und ich werden gehen. Sonst niemand.�</p><p>Kiina wollte auffahren, aber Skar brachte sie mit einer raschen Geste zum Verstummen. �Findest du nicht�, sagte er vorsichtig, �da� zu einer solchen Entscheidung mindestens zwei geh�ren?�</p><p>�M�glicherweise�, antwortete Anschi. �Unter normalen Umst�nden. Aber die Umst�nde sind nicht normal. Enwor brennt, Satai. Unsere Welt steht in Flammen, von einem Ende zum anderen. Was wei�t du �ber die Lage im Norden?�</p><p>Skar tauschte einen fragenden Blick mit Titch, ehe er antwortete: �Nicht sehr viel.�</p><p>�Es gibt auch nicht sehr viel zu wissen�, erwiderte Anschi. �Ihr habt keine Chance, die Quorrl-Gebiete zu erreichen. Nicht lebend und nicht in der kurzen Zeit, die euch noch bleibt.� Sie machte eine Kopfbewegung auf die Berge �ber ihnen. �Das Tal der Drachen ist unpassierbar geworden�, fuhr sie fort, in einem schneidenden, bestimmten Ton, der jeden Widerspruch von vornherein ausschlie�en sollte. �Es war schon fr�her gef�hrlich, es zu durchqueren. Jetzt ist es eine H�lle. Ich sage das nicht nur, um meinen Willen durchzusetzen, Skar. Wir waren da. Meine Schwestern und ich haben die letzten drei Monate dort gelebt.�</p><p>�Und �berlebt�, f�gte Kiina hinzu.</p><p>Anschi schenkte ihr einen Blick, der vor Verachtung troff.</p><p>Trotzdem antwortete sie: �Weil wir viele waren. Weil Yul bei uns war und wir die geheimen Kr�fte der <emphasis>Errish </emphasis>beherrschen. Und weil wir jeden Quadratfu� des Tales kannten. Trotzdem sind viele von uns gestorben. Und selbst wenn es euch gel�nge�, fuhr sie mit leicht erhobener Stimme fort, als Kiina abermals widersprechen wollte, �w�re es Selbstmord. Ganz Thbarg ist ein Schlachtfeld. Jeder k�mpft gegen jeden, und die wenigen, die bisher �berlebt haben, hassen die Satai fast ebenso, wie sie die Quorrl f�rchten. Die Saat der Zauberpriester ist aufgegangen. Die alten Werte stehen auf dem Kopf, Skar. Die V�lker im Norden sind nicht mehr deine Freunde. Sie f�rchten die Satai.�</p><p>�Wir sind fast zweitausend Meilen geritten, ohne angegriffen worden zu sein�, sagte Skar.</p><p>�Da wart ihr f�nfzig�, sagte Anschi. �Niemand greift einen Trupp von f�nfzig Quorrl an, der nicht -� Sie brach mitten im Wort ab und bi� sich auf die Lippen. �Es w�re Selbstmord. Ganz davon abgesehen, da� uns keine Zeit mehr bleibt. Ich kann dich binnen drei Tagen nach Norden bringen. Zu Pferde brauchtet ihr Wochen, selbst wenn ihr es schafft, was unm�glich ist.�</p><p>Skar wollte widersprechen, aber dann hob er statt dessen nur mit einem lautlosen Seufzen die Schultern. Er begriff pl�tzlich, warum Titch w�hrend der ganzen Zeit so ruhig gewesen war; und das, obgleich es eigentlich gar nicht seine Art war, als <emphasis>Bittsteller </emphasis>zu kommen. Der Quorrl hatte viel fr�her als er begriffen, da� Anschi logischen Argumenten nicht mehr zug�nglich war.</p><p>Wortlos gingen sie zu den Quorrl zur�ck, die in zwanzig Schritt Entfernung stehengeblieben waren, bewacht von zwei jungen <emphasis>Errish, </emphasis>in deren H�nden Scannerwaffen blitzten, und einer gigantischen Daktyle, die wie ein schwarzer Geier auf den Felsen �ber ihren K�pfen hockte und die schuppigen Gestalten mi�trauisch be�ugte.</p><p>�Sie hat v�llig recht, Skar�, sagte Titch, als sie au�er H�rweite der <emphasis>Errish </emphasis>waren. �Wir werden uns einen anderen Lagerplatz suchen. Die Berge sind gro�.�</p><p>�Unsinn�, widersprach Skar. �Ich rede noch einmal mit ihr. Sie ist erregt, aber sie wird einsehen, da� sie sich t�uscht.�</p><p>�Es w�re nicht gut, wenn wir in ihrer N�he blieben�, beharrte Titch. �Meine Krieger f�rchten sie, ich sie selbst...� Er suchte einen Moment nach Worten. �Ich sp�re ihren Ha߫, sagte er. �Du nicht?�</p><p>Skar erschrak; vielleicht, weil Titch nur laut aussprach, was er selbst schon lange bemerkt hatte: Der Zorn, der Anschi und ihre Schwestern erf�llte, war nicht mehr normal. Es war nicht nur der Schmerz �ber den Tod der anderen und auch schon lange nicht mehr das normale Mi�trauen zwischen zwei V�lkern, die Feinde gewesen waren, solange sie sich zur�ckerinnern konnten. Es war mehr. Es war... v�llig sinnloser Zorn, der gleiche ziel- und grundlose Wille zu t�ten und zu vernichten, den auch er selbst gesp�rt hatte, in seinen Tr�umen. Weder Titch noch ihm war entgangen, wie schwer es Anschi gefallen war, sich nicht einfach auf den Quorrl zu st�rzen. <emphasis>So viel Ha�... So unendlich viel Ha�...</emphasis></p><p>�Es ist dasselbe, was in Elay passiert ist�, sagte er. Titch blickte fragend, aber Skar erkl�rte seine Worte nicht. Statt dessen drehte er sich herum und blickte noch einmal zu den <emphasis>Errish </emphasis>zur�ck. Anschis M�dchen hatten ein Feuer entz�ndet, vor dessen rotem Schein sich ihre Gestalten wie unheimliche schwarze Schatten abhoben, die Chim�ren aus seinen Tr�umen, die in K�rper gekrochen waren, und das Dutzend Daktylen bildeten eine bizarre Wache auf den Felsen und Lavanadeln, die das Lager s�umten. So <emphasis>unendlich viel Ha�... </emphasis>Ja, er sp�rte es auch. Zehnmal deutlicher als Titch.</p><p>Dann sah er den Schatten. Klein, d�rr und eckig wie der eines Insekts stand er zwischen den Daktylen, nur f�r ihn sichtbar, und winkte ihm sp�ttisch zu.</p></section><section><title><p id="_9">9.</p></title><p>Die Nacht des Wahnsinns war noch nicht zu Ende. Die Quorrl hatten schlie�lich einen Platz f�r die Nacht gefunden, nicht so weit vom Lager der <emphasis>Errish </emphasis>entfernt, da� sie sich aus den Augen verloren, aber weit genug, das Risiko einer zuf�lligen Konfrontation auszuschlie�en: eine H�hle, eine halbe Meile �ber Anschis Lager, ger�umig genug, den Rest von Titchs zerschlagener Armee aufzunehmen, deren Eingang aber gleichzeitig klein genug war, um ihn leicht verteidigen zu k�nnen. Nicht da� Skar glaubte, da� dies irgend etwas nutzte: Er beobachtete die Anweisungen, die Titch dem Quorrl am Eingang der H�hle gab, mit dem sicheren Gef�hl, etwas v�llig Sinnloses zu sehen. Welche Gefahr es auch immer war, der sie gegen�berstanden, es war keine, der sie mit Waffen oder K�rperkraft begegnen konnten.</p><p>Sie entz�ndeten ein Feuer, und nach einer Weile wurde es behaglich warm in dem kleinen Felsendom. Skar hockte sich neben Titch an die Feuerstelle, zog den nassen Mantel aus und hielt die H�nde �ber die prasselnden Flammen. Die W�rme tat ihm gut. Trotzdem f�hlte er sich nicht wohl. Die winzige H�hle erschien ihm viel mehr Gef�ngnis als Schutz. Sie sollten nicht hier sein. Nicht einmal in diesem Teil der Welt. Es war falsch gewesen, Kiinas Bitten zu folgen und den Umweg �ber Elay zu machen, anstatt direkt in den Norden zu reiten, wie sie urspr�nglich geplant hatten.</p><p>Nach einer halben Stunde meldete der Posten am Ausgang, da� jemand kam. Titch wollte aufstehen, aber Skar sch�ttelte rasch den Kopf und ging selbst, um nachzusehen.</p><p>Im ersten Moment war er fast blind, denn seine Augen hatten sich an das grelle Licht des Feuers gew�hnt, und der Himmel hatte sich wieder in Wolken geh�llt, so da� die Nacht schw�rzer war denn je. Aber dann erkannte er Kiina, die geb�ckt und ungeschickt den ger�ll�bers�ten Hang vor der H�hle heraufkletterte.</p><p>Als sie zu ihm in die H�hle trat, waren ihre Kleider und ihr Haar schwer vom Regen. Schaudernd streifte sie den nassen Umhang ab, trat an das Feuer und lie� sich davor in die Hocke sinken. Sie sah noch immer krank aus, fand Skar, aber es war jetzt kein Siechtum mehr, das ihr Gesicht zeichnete, sondern die Bl�sse beginnender Rekonvaleszenz. Offensichtlich war es so, wie er vermutet hatte: Kiinas K�rper war dem Ansturm des giftigen Staubes einfach eher erlegen als der seine, ganz einfach, weil sie schw�cher war als er. Aber sie hatte die Krise auch schneller �berwunden. Skar wagte gar nicht daran zu denken, was h�tte geschehen k�nnen, h�tten sie Elay drei oder vier Tage fr�her erreicht.</p><p>�Bringst du Nachrichten von Anschi?� fragte er, als Kiina auch nach einer Weile keine Anstalten machte, irgend etwas zu sagen, sondern nur fr�stelnd die H�nde �ber dem Feuer aneinanderrieb. Sie wich seinem Blick aus, aber Skar bemerkte auch, da� sie es fast krampfhaft vermied, einen der Quorrl anzusehen. �Ja�, sagte sie schlie�lich. �Oder nein. Eher Neuigkeiten �ber Anschi.� Skar blickte fragend, aber Kiina sprach nicht weiter. Ihr Blick irrte durch das schattenverh�llte hintere Drittel der H�hle, als suche sie etwas. Skar begriff.</p><p>�Einer von Titchs M�nnern ist schwer verletzt�, sagte er.</p><p>�Kannst du nach ihm sehen?�</p><p>Nat�rlich konnte Kiina das nicht, und der �berraschte Blick, den Titch ihm zuwarf, sagte ihm sehr deutlich, da� auch der Quorrl das wu�te. Trotzdem erhob er keine Einw�nde, als Kiina nach kurzem Z�gern nickte und zu der schlafenden Gestalt des Kriegers trat. Skar folgte ihr, w�hrend Titch reglos hocken blieb und so tat, als w�re er im Sitzen eingeschlafen. Skar war klar, da� der Quorrl jedes Wort verstehen mu�te, selbst wenn sie fl�sterten. Seine Sinne waren ungleich sch�rfer als die eines Menschen. Aber offensichtlich wu�te Kiina das nicht.</p><p>Sie beugte sich �ber den schlafenden Quorrl, betastete mit spitzen Fingern die verbrannten Hornschuppen auf seiner Schulter und seinem Gesicht und sch�ttelte mit �bertrieben geschauspielerter Gestik den Kopf. �Viel kann ich nicht f�r ihn tun�, sagte sie laut. �Ich habe keine Medizin, und... und auch nicht sehr viel Erfahrung in solchen Dingen. Ich kann versuchen, seine Schmerzen ein wenig zu lindern, das ist alles.� Sie beugte sich noch weiter vor und drehte den Kopf, so da� Titch nicht mehr sehen konnte, da� sich ihre Lippen weiterbewegten, und f�gte im Fl�sterton hinzu: �Wir m�ssen weg hier, Skar. So schnell wie m�glich.�</p><p>�Und warum?� erwiderte Skar ebenso leise.</p><p>Kiinas Finger glitten �ber den Hals des bewu�tlosen Quorrl und suchten nach Nervenknoten, die es vielleicht im K�rper eines Menschen gab, aber nicht in seinem. Alles, was sie tat, war, seine Schmerzen zu verschlimmern, dachte er bedr�ckt.</p><p>�Die <emphasis>Errish�, </emphasis>antwortete Kiina. �Etwas... geht im Lager vor. Ich wei� nicht, was, aber es macht mir angst. Sie sind so voller Ha�.� Sie sah auf. Ihre Augen waren dunkel vor Furcht. �Einige wollen die Quorrl angreifen, Skar. Anschi kann sie noch zur�ckhalten, aber ich wei� nicht, wie lange noch. Sie streiten ununterbrochen.�</p><p>�Die Quorrl angreifen? Aber das ist doch Wahnsinn! Warum? Wir sind Verb�ndete!� Warum stellte er diese Frage? Er wu�te doch zehnmal besser als Kiina, was geschah.</p><p>�Sie machen sie f�r den Tod der anderen verantwortlich�, antwortete Kiina. �Sie wollen Rache f�r Yuls Tod. Und daf�r, da� ihr Versuch mi�lang, den Dronte zu beeinflussen. Und sie mi�trauen auch dir, weil du bei den Quorrl bleibst statt bei ihnen. Sie werden angreifen, ob du hier bist oder nicht. Sie wissen nicht, da� ich dich warne.�</p><p>�Dann solltest du auch zu ihnen zur�ckgehen, ehe sie es bemerken, Kind�, sagte eine Stimme hinter Skar.</p><p>Kiina fuhr mit einem halblauten Schrei hoch. �Du hast...�</p><p>�Jedes Wort verstanden�, unterbrach sie Titch. �Und au�erdem habe ich es schon vorher gewu�t.� Er machte eine Geste zum H�hlenausgang und dem Quorrl, der dort Wache hielt. �Ssart ist weder dumm noch taub oder blind. Wenn sie kommen, werden wir auf sie vorbereitet sein.�</p><p>�Red kein dummes Zeug�, sagte Skar. �Du wei�t so gut wie ich, da� ein einziger Schu� mit einem Scanner in die H�hle reicht, und wir werden alle gebraten.�</p><p>Titch antwortete nicht, aber Skar wu�te nur zu gut, was dieses Schweigen zu bedeuten hatte: Eine Flucht in die Berge war so unm�glich wie sinnlos, denn die <emphasis>Errish </emphasis>konnten auf den R�cken ihrer Daktylen jeden beliebigen Vorsprung aufholen. Die einzige M�glichkeit, einem Angriff zu entgehen, w�re, selbst anzugreifen. Und obwohl Titch nur noch �ber vier Krieger gebot, w�ren seine Chancen nicht einmal schlecht. Mit dem Vorteil der �berraschung auf ihrer Seite mochte es ihnen durchaus gelingen, die <emphasis>Errish </emphasis>trotz ihrer �berlegenen Bewaffnung zu schlagen. Er las all dies im Blick des Quorrl, aber er sp�rte auch ebenso deutlich, da� Titch es aus irgendeinem Grund nicht wollte.</p><p>�Geht zur�ck�, sagte Titch noch einmal. �Beide. Ich verspreche euch eine halbe Stunde, ehe wir fliehen.�</p><p>Und sterben, dachte Skar. Er zweifelte keine Sekunde daran, da� Anschi den H�hlenausgang beobachten lie�. Entschieden sch�ttelte er den Kopf. �Nein, Titch. Ich lasse nicht zu, da� du dich opferst. Wir alle gehen oder keiner.�</p><p>Der Quorrl machte eine Bewegung, als wolle er seine Worte wie l�stige Insekten beiseite scheuchen. �Du bist mir den Tod schuldig, Satai�, sagte er. �Ich habe geschworen, dich zu begleiten, so weit es mir m�glich ist. Und dann zu sterben. Ich habe mein Wort gehalten. Jetzt halte du deines.�</p><p>�Zu sterben�, wiederholte Skar in absichtlich verletzendem, h�hnischem Tonfall. �O ja, ich wei�. Der gro�e Heerf�hrer der Quorrl, der versagt hat und seine Schande mit Blut abwaschen will, selbst wenn es sein eigenes ist. Aber so leicht mache ich es dir nicht.� Er richtete sich ganz auf und trat dem Quorrl herausfordernd entgegen. �Dein Leben geh�rt mir, Titch. Und ich brauche es. Ich brauche dich, denn du bist der einzige, der mich in euer Land f�hren kann.�</p><p>�Du wirfst mir vor, feige zu sein?� fragte Titch lauernd.</p><p>�Wenn dir dieses Wort lieber ist, bitte�, sagte Skar zornig. �Nenne es, wie du willst. Aber ich lasse nicht zu, da� du Selbstmord begehst und damit vielleicht eine ganze Welt vernichtest. Kiina und ich gehen zur�ck zu den <emphasis>Errish. </emphasis>Ich werde mit Anschi reden. Sie wird zur Vernunft kommen, und du und deine M�nner, ihr werdet hier warten, bis ich zur�ck bin.�</p><p>�Ich k�nnte versuchen, einige ihrer Daktylen zu stehlen�, sagte Kiina.</p><p>Skar erwog diesen Vorschlag einen Moment lang ganz ernsthaft, sch�ttelte aber dann den Kopf. Selbst wenn es Kiina gel�nge, w�rden sie nicht sehr weit kommen. Die <emphasis>Errish </emphasis>beherrschten die gro�en Flugechsen ungleich besser, als es Kiina jemals k�nnte. �Nein�, antwortete er. �Aber vielleicht k�nntest du etwas Verwirrung unter ihnen stiften - nur f�r den Fall, da� wir fliehen m�ssen.�</p><p>�Fliehen? Aber du -�</p><p>�Es wird nicht n�tig sein�, unterbrach sie Skar in scharfem Tonfall. �Aber ich bin gerne auf alles vorbereitet.�</p><p>�Auch auf das, was nicht n�tig ist?�</p><p>�Darauf ganz besonders.� Rasch und bevor Kiina noch mehr Schaden anrichten konnte, drehte Skar sich herum und ging an dem Quorrl vorbei zum Ausgang der H�hle hin. Kiina folgte ihm, und sie machte sogar den Versuch, ihm den Weg zu vertreten, damit er stehenblieb, trat aber im letzten Moment zur Seite, als sie auf seinem Gesicht las, da� er sie ohne zu z�gern �ber den Haufen gerannt h�tte. Skar seinerseits widerstand der Versuchung, sich noch einmal zu Titch umzudrehen, ehe er die H�hle verlie�, sondern begann vorsichtig, aber sehr schnell, den absch�ssigen Hang hinunterzulaufen, der die Felsenh�hle vom Lager der <emphasis>Errish </emphasis>trennte. Es gelang Kiina erst, ihn einzuholen, als sie den Fu� der ger�ll�bers�ten Halde erreicht hatten. �rgerlich griff sie nach seinem Arm, versuchte ihn herumzurei�en und steckte mit einem Fluch den Finger in den Mund, als er einfach weiterging und sie sich einen Fingernagel abbrach.</p><p>Ein Schatten vertrat ihnen den Weg, als sie Anschis Lager n�her kamen. Skar h�rte schwarzen Stoff rascheln, dann blitzte silberfarbenes Metall im Sternenlicht. Er spannte sich, aber dann erkannte die <emphasis>Errish </emphasis>Kiina oder ihn und trat wortlos zur Seite. Ein titanischer Schatten faltete lautlos seine Schwingen �ber ihnen zusammen, als sie den Posten passierten und das eigentliche Lager betraten.</p><p>Es war sehr still. Die meisten <emphasis>Errish </emphasis>schienen zu schlafen, nur vor dem Feuer hockten drei zusammengekauerte Schatten, und auf den Felsen, die das Lager �berragten, erhob sich eine menschliche Silhouette zwischen den monstr�sen Umrissen der Daktylen. Von dem Streit, von dem Kiina berichtet hatte, sah und h�rte Skar jedenfalls nichts.</p><p>Eine der kauernden Gestalten erhob sich, als sie ihre Schritte h�rte. Im d�steren Rot des heruntergebrannten Feuers erkannte Skar Anschis m�des Gesicht. Sie sagte kein Wort, sondern machte nur eine sonderbar matte Bewegung zum Feuer hin, setzte sich wieder und reichte Skar wortlos eine lederne Flasche und ein kleines Holzbrett, auf dem sich ein Rest kalten Bratens befand. Skar bediente sich von beidem, obwohl er weder hungrig noch durstig war. Aber er sp�rte, da� es besser war, wenn er Anschi reden lie�. Sie hatte nicht die mindeste Spur von �berraschung gezeigt, ihn zu sehen; Kiinas Behauptung, sie w��te nicht, da� sie sich fortgeschlichen hatte, um ihn zu warnen, war wohl eher Wunsch als Wirklichkeit gewesen.</p><p>�Wozu hast du dich also entschieden?� fragte sie nach einer Weile.</p><p>Skar lie� die Flasche sinken und sah Anschi �ber die prasselnden Flammen hinweg nachdenklich an. Die Direktheit, mit der sie zur Sache kam, �berraschte ihn ein wenig. Sie pa�te nicht zu der Anschi, die er bisher kennengelernt hatte. Aber vielleicht war sie einfach zu m�de f�r lange Vorreden.</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Die Frage ist wohl eher, wie <emphasis>du </emphasis>dich entschieden hast�, sagte er.</p><p>Anschi l�chelte m�de und warf Kiina einen am�sierten Blick zu. �Sie hat dir erz�hlt -?�</p><p>�Das hat sie�, best�tigte Skar. �Aber es w�re nicht n�tig gewesen.�</p><p>Anschis Blick wurde fragend, und Skar f�gte erkl�rend hinzu: �Du bist nicht die einzige, die schlechte Tr�ume hat.�</p><p>�Es sind nicht nur die Tr�ume�, widersprach Anschi, aber ohne Nachdruck und erst nach einer geraumen Weile, in der sie aus blicklosen Augen in die Flammen gestarrt hatte.</p><p>�Sondern?�</p><p>Wieder schwieg Anschi f�r endlose Sekunden, die sich zu einer Minute reihten, dann noch einer und noch einer. �Ich wei� es nicht�, gestand sie schlie�lich. �Ich...� Sie z�gerte, sah Kiina an und sprach erst weiter, als Skar ihr mit einem Nicken signalisierte, da� er keine Geheimnisse vor ihr hatte. Aber auch dann nicht sofort - sie sah auf, wandte sich mit an die beiden <emphasis>Errish </emphasis>neben ihr und sagte ein Wort, das Skar nicht verstand. Die beiden jungen Frauen standen auf und gingen wortlos davon, und Anschi wartete, bis sie au�er H�rweite waren.</p><p>�Du hast recht, Skar - ich sp�re es auch. Wir alle sp�ren es. Etwas... ver�ndert uns. Und nicht nur uns. Das ganze Land ist eine H�lle. Jeder k�mpft gegen jeden. Etwas schleicht sich in unsere Tr�ume, und es... beeinflu�t uns. Und es wird schlimmer.�</p><p>Skar dachte an das, was Anschi ihm vor wenigen Stunden �ber Thbarg und das Drachenland erz�hlt hatte. War es die gleiche, b�se Macht, die auch die Menschen - und Tiere - dort ver�nderte, dasselbe t�dliche Fl�stern, das ganz allm�hlich auch seine Seele zu vergiften begann?</p><p>�Wie lange wei�t du es schon?� fragte er.</p><p>�Lange�, gestand Anschi. �Vom ersten Tag an. Es begann, als der <emphasis>W�chter </emphasis>nach Elay kam. Vielleicht schon fr�her. Aber ich dachte bisher, wir w�ren immun dagegen. Wir sind <emphasis>Errish!� </emphasis>Der letzte Satz klang gleichzeitig stolz wie auch nach einer Verteidigung. Skar antwortete nicht. Und auch Anschi verfiel f�r lange Sekunden wieder in qu�lendes Schweigen.</p><p>Skar sp�rte, da� sie innerlich nicht halb so ruhig war, wie es den Anschein hatte. Hinter der Maske aus Ersch�pfung und Ruhe brodelte es, und Skar dachte voller Sorge an die fast zwei Dutzend schlafender <emphasis>Errish, </emphasis>die vielleicht in genau diesem Augenblick dem b�sen Fl�stern der Tr�ume ausgesetzt waren. Er wu�te, da� sein Vorhaben gescheitert war, noch bevor Anschi weitersprach. Er k�mpfte gegen einen Feind, der mit Worten nicht zu besiegen war. Aber mit Waffen auch nicht.</p><p>�Wir k�nnen nicht zusammen bleiben�, sagte Anschi nach einer Weile. �Ihr ... ihr d�rftet nicht einmal dort oben sein. Wenn diese Quorrl wirklich deine Freunde sind, wie du behauptest, dann schick sie weg, Skar. Noch bevor die Sonne aufgeht.�</p><p>�Kiina hat mir erz�hlt, da� du deine M�dchen zur�ckgehalten hast.�</p><p>�Ich wei� nicht, wie lange noch. Noch gehorchen sie mir, aber ...� Anschi sprach nicht weiter, sondern hob einen d�rren Ast auf, zerbrach ihn in kleine St�cke und warf sie ins Feuer. �Es sind nicht nur die Tr�ume, Skar�, sagte sie. �Sie k�nnen nicht vergessen, was gestern geschehen ist. Und ich auch nicht.�</p><p>�Es war nicht Titchs Schuld.�</p><p>Anschi lachte leise. �Als ob das eine Rolle spielt�, sagte sie. �Die Quorrl und wir sind Feinde, verstehst du das nicht? Wir waren es immer, und wir werden es immer sein, ganz egal, was passiert. Du wei�t, warum.�</p><p><emphasis>Ja, </emphasis>dachte Skar. <emphasis>Weil ihr die Wahrheit kennt. Weil ihr wi�t, da� die Quorrl im Recht sind, und wir die Eindringlinge. Die Diebe. </emphasis>Und deshalb ha�ten sie sie. Er sprach es nicht laut aus, aber Anschi schien seine Gedanken deutlich auf seinem Gesicht zu lesen, denn pl�tzlich mischte sich Zorn in die M�digkeit auf ihren Z�gen. �Es sind nicht nur die Tr�ume�, sagte sie zornig. �Ich sagte es bereits: wir sind <emphasis>Errish. </emphasis>Wir sind nicht so leicht zu beeinflussen wie deine Quorrl-Freunde oder ein paar <emphasis>Tiere. </emphasis>Die M�dchen k�nnen nicht vergessen, was geschehen ist. Yul und die meisten meiner Schwestern sind tot.�</p><p>�Es war nicht ihre Schuld�, wiederholte Skar.</p><p>�Es geschah, weil sie <emphasis>da </emphasis>waren�, beharrte Anschi. �Sie haben alles zerst�rt, wof�r wir in den letzten Monaten gek�mpft haben, und es spielt �berhaupt keine Rolle, warum und wie. Selbst wenn ich dir helfen wollte, Skar, ich k�nnte es nicht einmal. Schon heute fiel es mir schwer, sie zur�ckzuhalten. Ich bin nicht Yul.�</p><p>Die Offenheit dieses Eingest�ndnisses �berraschte Skar. �Du widersprichst dir selbst�, sagte er ruhig. �Du -�</p><p>�Es bleibt dabei, sie m�ssen gehen�, unterbrach ihn Anschi. �Dann begleite ich sie.�</p><p>Anschi seufzte. �So weit waren wir schon einmal, wenn mich meine Erinnerung nicht t�uscht�, sagte sie abf�llig.</p><p>�Seither hat sich nichts ge�ndert. Jedenfalls nicht f�r mich.�</p><p>�O doch, das hat es�, widersprach Anschi aufgebracht. �Etwas... geschieht hier, Skar. Etwas hat sich ver�ndert, und ich wei�, da� du es ebenso deutlich f�hlst wie ich.�</p><p>Skar sah nach S�den, wo die Ebene lag, verborgen hinter den Schleier der Nacht, und er dachte an die Woge lebendig gewordener Finsternis, die er in seinem Traum gesehen hatte. Es war keine Einbildung gewesen. Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>hatte versucht, ihm etwas zu zeigen, nur war er nicht in der Lage, es zu erkennen. Noch nicht. Er hoffte, da� es nicht zu sp�t war, wenn er es erkannte.</p><p>�Das ist dein letztes Wort?� fragte Anschi in das immer unangenehmer werdende Schweigen hinein.</p><p>Skar konnte sich nicht erinnern, �berhaupt etwas gesagt zu haben, aber er wu�te, was sie meinte, und nickte stumm.</p><p>�Dann gibt es nur noch einen Weg, das Schlimmste zu verhindern�, sagte Anschi entschlossen. <emphasis>�Wir </emphasis>werden gehen. Noch in dieser Nacht.�</p><p>�Ich brauche dich�, sagte Skar. �Ich kam nach Elay, weil ich die Hilfe der <emphasis>Margoi </emphasis>und ihrer <emphasis>Errish </emphasis>brauche. Ich mu� wissen, was Min dort oben im Norden gefunden hat!� Er machte eine Handbewegung, als Anschi abermals widersprechen wollte, und fuhr eindringlich fort: �Ihr seid <emphasis>Errish, </emphasis>Anschi. Ihr habt gelernt, eure Gef�hle zu beherrschen. Was immer es ist, das uns zu beeinflussen versucht, ihr k�nnt dagegen k�mpfen!�</p><p>Anschi deutete ein Kopfsch�tteln an. �Das ist es nicht, Skar�, sagte sie traurig. �Es sind die Quorrl. Wir ertragen ihre N�he nicht.�</p><p>�Ihr habt die N�he der <emphasis>Ultha </emphasis>ertragen�, wandte Kiina ein. �Das war etwas anderes. Sie sind... Dinge. Nicht einmal Tiere.�</p><p>�Und sie stellen keine Gefahr dar, nicht?� f�gte Skar b�se hinzu. �Sie erinnern euch nicht in jeder Sekunde daran, <emphasis>wem </emphasis>diese Welt in Wahrheit geh�rt.�</p><p>�Sie wird bald niemandem mehr geh�ren, wenn es uns nicht gelingt, die <emphasis>Sternenge...� </emphasis>Anschi verbesserte sich hastig. �... die Angreifer zu identifizieren und zu besiegen. Vielleicht hast du recht, und die L�sung liegt im Norden, im Lande der Quorrl. Geh. Geh mit deinen Quorrl und versuche, sie zu finden. Meine Schwestern und ich werden hierbleiben und <emphasis>unseren </emphasis>Weg gehen.�</p><p>Es dauerte eine Sekunde, bis Skar begriff, was Anschi mit diesen Worten wirklich sagen wollte. Ungl�ubig starrte er sie an, und auch Kiina wurde bleich. �Du... du willst es <emphasis>noch einmal </emphasis>versuchen?� keuchte er. �Nach allem, was geschehen ist, willst du dieses Ungeheuer <emphasis>noch einmal </emphasis>rufen?�</p><p>�Es ist weniger gef�hrlich, als du glaubst�, sagte Anschi ernst. �Wir waren fast am Ziel. Es ist nur eine Frage des <emphasis>wie, </emphasis>Skar, nicht des <emphasis>wie lange. </emphasis>Ich bin nicht halb so stark wie Yul es war, aber sie hat mir gezeigt, was zu tun ist.�</p><p>�Du bist ja wahnsinnig�, fl�sterte Kiina.</p><p>�Vielleicht�, sagte Anschi unger�hrt. �Aber vielleicht ist es auch unsere einzige Chance, die Zauberpriester zu besiegen.� Sie sah Skar an. �Du hast mir erz�hlt, da� dein Freund Del mit seinem Heer nach Osten zieht, um Ikne und Bel-Ishtar zu befreien. Es wird ihm nicht gelingen. Ebensowenig, wie es uns gelang, die Zauberer zu schlagen.�</p><p>�Und du glaubst, die <emphasis>Ultha </emphasis>k�nnten es?�</p><p>�Vielleicht�, antwortete Anschi mit dem Ausdruck und der Stimme eines Menschen, der im Grund seines Herzens l�ngst aufgegeben hatte, irgend etwas zu glauben, und einfach auf dem einmal eingeschlagenen Weg weitermacht, weil ihm die Kraft fehlte, etwas anderes zu versuchen.</p><p>�Ihr werdet alle sterben, ihr N�rrinnen!� sagte Kiina.</p><p>�M�glicherweise. Aber wenn, dann ist es nur unser Leben, das wir riskieren. So wie ihr eures, weil ihr glaubt, auf dem richtigen Weg zu sein.�</p><p>�Was glaubst du, erreichen zu k�nnen?� fragte Kiina heftig. �An der Spitze einer Armee von <emphasis>Ultha </emphasis>in Ikne einziehen und die Stadt befreien?�</p><p>�Und weiter nach S�den, in das Land, aus dem die Zauberpriester kommen�, best�tigte Anschi.</p><p><emphasis>Und damit genau das tun, was sie wollen, </emphasis>f�gte Skar in Gedanken hinzu.</p><p>Und pl�tzlich, von einer Sekunde auf die andere, sah er es ganz deutlich. Pl�tzlich wu�te er, was geschehen w�rde. Vielleicht hatte dieses halbe Kind sogar Erfolg, vielleicht auch Del, der trotz des Abzuges der Quorrl noch immer �ber ein gigantisches Heer von mehr als zwanzigtausend M�nnern gebot, und vielleicht schlugen sie die Zauberpriester. Aber das war ganz egal.</p><p>�Ihr d�rft das nicht tun, Anschi�, sagte er leise.</p><p>Die <emphasis>Errish </emphasis>legte den Kopf auf die Seite und sah ihn fragend an. �Es sind... die Tr�ume, verstehst du nicht?� murmelte Skar leise mit zitternder Stimme und entsetzt von dem, was so deutlich gewesen war, da� er einfach nicht verstand, warum er es erst jetzt wirklich begriff. �Die gleiche Macht, die unsere Tr�ume ver�ndert! Du hast es selbst gesagt - es begann schon vor Monaten, vielleicht noch viel eher. Und es wirkt nicht nur hier, sondern <emphasis>�berall!�</emphasis></p><p>Anschi verstand offensichtlich immer noch nicht, was er sagen wollte, und auch auf Kiinas Gesicht erschien ein fragender Ausdruck, aber Skar sprach nicht weiter. Pl�tzlich begriff er, da� es v�llig gleich war, ob Del die Schlacht um Ikne gewann oder verlor - was z�hlte, war, <emphasis>da� er sie f�hrte! </emphasis>Es war <emphasis>Ha�, </emphasis>mit denen die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>ihre Gedanken vergifteten, und es waren Tod und Leid und Schmerzen, von denen sie lebten. Pl�tzlich h�rte er noch einmal ganz deutlich Draks Stimme, die letzten Worte, die der sterbende Zauberer zu ihm gesagt hatte: <emphasis>Gebt acht, da� ihr euch nicht totsiegt, Satai.</emphasis></p><p>Und genau das w�rden sie tun, dachte Skar entsetzt. Selbst wenn sie siegten, w�rden sie am Ende verlieren, denn jeder Schwertstreich, jeder Tote, jeder Schmerz st�rkte die <emphasis>Sternengeborenen.</emphasis></p><p>�Selbst wenn es so ist�, sagte Anschi verst�rt. �Was sollen wir tun? Aufgeben?�</p><p>�Vielleicht�, murmelte Skar. �Vielleicht besteht der einzige Weg, diesen Krieg zu gewinnen, darin, ihn zu verlieren.�</p><p>�Du bist ja verr�ckt�, sagte Anschi. �Du -�</p><p><emphasis>Etwas geschah.</emphasis></p><p>Skar wu�te nicht was, und er sollte auch sp�ter niemals eine wirklich befriedigende Erkl�rung f�r das finden, was er in diesem Moment... <emphasis>sah? h�rte? sp�rte? </emphasis>Es war totenstill, und trotzdem war es, als glitte eine rasche, lautlose Woge aus Finsternis �ber den Himmel, eine Schw�rze, die nicht nur die Abwesenheit von Licht bedeutete, sondern etwas Fremdes, Eisiges und Drohendes mit sich brachte und sich wie ein klammer Hauch �ber die Welt legte. Skar sah auf und blickte in den Himmel, sah erschrocken nach rechts und links und begegnete schlie�lich Anschis Augen, Augen, in denen sich die gleiche, ziellose Furcht spiegelte, die auch er mit einem Male empfand. Dann, Sekunden sp�ter, ert�nte ein Ger�usch; nichts, was er kannte oder zu identifizieren in der Lage war, das aber f�r sich so bedrohlich und furchteinfl��end war wie die Woge k�rperloser Finsternis, die die Welt gestreift hatte wie der Atem eines finsteren Gottes.</p><p>Skar hob die Hand, als Kiina aufstehen und an ihm vorbei in die Dunkelheit hinaustreten wollte. �Warte�, sagte er. �Irgend etwas ... stimmt nicht.�</p><p>Kiina sah ihn fragend an, blieb aber gehorsam stehen und schwieg, denn in diesem Moment stand auch Anschi auf und lauschte einen Herzschlag lang mit schr�ggehaltenem Kopf in die Nacht hinaus. Sekundenlang blieb es still, beinahe schon wieder <emphasis>zu </emphasis>still, und dann h�rte Skar es erneut, und diesmal ganz deutlich: ein helles, irgendwie... <emphasis>metallisches </emphasis>Peitschen, nicht besonders laut, fast an der Grenze des �berhaupt Wahrnehmbaren, ein Ger�usch so voller Feindseligkeit und Gefahr, da� er wie unter einer k�rperlichen Ber�hrung zusammenfuhr. Sein Blick suchte die Felsen rings um das Lager ab. Nichts schien sich ver�ndert zu haben: die Schatten der schlafenden Daktylen erhoben sich wie bizarre Felsformen in der Nacht. Nichts r�hrte sich.</p><p>Anschi hob die Hand und deutete nach Norden. �Das kommt von dort�, sagte sie. �Von den Quorrl.�</p><p>Skar blinzelte aus zusammengekniffenen Augen in die Dunkelheit hinauf. Es war so finster, da� es keinen Unterschied zwischen Himmel und Gebirge mehr gab, aber er sah den H�hlenausgang, vom roten Licht des Feuers erhellt wie eine blutige Wunde in der Nacht. War das ein Schatten, der sich davor bewegte? Und wenn ja, wessen?</p><p>Wie zur Antwort auf diesen Gedanken erscholl pl�tzlich auch aus der entgegengesetzten Richtung dieses sonderbare, metallische Rei�en, und als Skar und Anschi gleichzeitig herumfuhren, sah er etwas wie ein bleiches, gr�nliches Licht; einen unheimlichen, fahlen Schimmer, der f�r Augenblicke die Felsen erhellte und erlosch, ehe sie genau erkennen konnten, was es war.</p><p>�Weck die anderen�, sagte Skar zu Anschi gewandt und fast im Fl�sterton. �Ich sehe nach, was mit Titch ist.� Er lie� Anschi keine Gelegenheit, zu widersprechen, sondern fuhr herum und lief mit weit ausgreifenden Schritten durch das Lager.</p><p>Kiina folgte ihm, obwohl er ihr mit heftigen Gesten signalisierte, zur�ckzubleiben. Aber dann lief er sogar langsamer, damit sie zu ihm aufholen konnte. Er f�hlte sich einfach wohler, wenn sie in <emphasis>seiner </emphasis>N�he war, statt in der der <emphasis>Errish.</emphasis></p><p>Der Posten am Ausgang des Lagers vertrat ihm diesmal nicht den Weg, und auch die Daktyle reagierte nicht auf ihre N�he, sondern schlief weiter, den Kopf zwischen die zusammengefalteten Fl�gel geschoben wie eine zu gro� geratene Fledermaus. Etwas in diesem Anblick st�rte Skar, warnte ihn, wie ein lautloser Schrei aus seiner Seele, aber er wu�te einfach nicht, was. Er lief weiter, streckte die Hand aus, um die Kiinas zu ergreifen, und stolperte den Ger�llhang hinauf, so rasch es ging. Unter ihren F��en l�sten sich Schutt und lockeres Gestein und drohten, sie immer wieder aus dem Gleichgewicht zu bringen, und einmal st�rzte Kiina und h�tte ihn um ein Haar mit sich gerissen; erst im letzten Moment fand er seine Balance wieder.</p><p>�Verdammt!� sagte er unwillig. �Pa� auf, wo du...�</p><p>Wieder erscholl dieses metallische Ger�usch, lauter und ungleich deutlicher jetzt, und f�r einen Moment sah Skar auch hinter dem H�hleneingang das unheimliche gr�ne Licht aufflackern, ein fremdes b�ses Gl�hen, das f�r den Bruchteil einer Sekunde den Schein des Feuers �berstrahlte.</p><p>Wie in einer entsetzlichen Fiebervision sah er, wie die Gestalt des riesigen Quorrl am H�hleneingang von diesem unheimlichen Licht eingeh�llt wurde und <emphasis>irgend etwas </emphasis>mit ihm geschah. Sein K�rper schien zu flackern, erstrahlte f�r den Bruchteil einer Sekunde selbst in jenem unheimlichen gr�nen Feuer und kippte zur Seite.</p><p>Skar schrie auf, lie� Kiinas Hand los und warf sich vor. Er sah die Bewegung zu sp�t; vielleicht war er auch einfach nur zu �berrascht, um darauf zu reagieren, denn ein Angriff Kiinas war nun wirklich das Letzte, womit er gerechnet h�tte. Aber ganz genau das geschah: Sie war auf ein Knie herabgest�rzt und st�tzte sich mit der linken Hand auf dem Boden ab, aber das war es nur, was er <emphasis>dachte - </emphasis>in Wirklichkeit suchten Kiinas tastende Finger nach einem Stein.</p><p>Skar ri� die Arme in die H�he, aber der Hieb war so wuchtig, da� er seine Deckung durchbrach; der scharfkantige Felsbrocken traf seine rechte Schl�fe mit erbarmungsloser Wucht.</p><p>Der Schlag raubte ihm nicht das Bewu�tsein, aber er l�hmte ihn. Skar kippte hilflos zur Seite, rollte meterweit den Hang wieder herab und blieb bewegungsunf�hig liegen. Seine rechte K�rperh�lfte war taub. Er sp�rte Blut �ber sein Gesicht laufen, aber nicht den allermindesten Schmerz, und er h�rte, wie Kiina n�her kam, war aber unf�hig, sich zu bewegen. Irgendwo, weit au�erhalb seines Gesichtsfeldes, flammte erneut dieses furchtbare gr�ne Licht auf, und jetzt h�rte er auch Schreie, und obgleich er bewegungsunf�hig dalag und nicht einmal den Kopf zu drehen vermochte, wu�te er mit unersch�tterlicher Gewi�heit, da� in diesem Moment dort oben Titchs Quorrl starben; wahrscheinlich zusammen mit ihm; ebenso, wie er begriff, da� er sich wie ein Narr in die Falle hatte locken lassen. Weder f�r Kiina noch f�r Anschi oder eines ihrer M�dchen war dieser Angriff �berraschend erfolgt. Kiinas angebliche Warnung hatte nur dem einzigen Zweck gedient, ihn von den Quorrl fortzulocken.</p><p>Er wartete darauf, da� der Zorn neue Kr�fte in ihm mobilisierte, aber das geschah nicht. In seiner Schl�fe erwachte allm�hlich ein dumpfer, pulsierender Schmerz, und ebenso allm�hlich kehrte auch das Gef�hl in seine abgestorbenen Glieder zur�ck. Aber es war nur Schmerz; das Pulsieren von Nerven, die keine Befehle, sondern nur noch pure Agonie �bertrugen. Wie durch einen Vorhang aus blutigem Nebel hindurch sah er Kiina n�herkommen und neben ihm niederknien. Auf ihren Z�gen erschien Schrecken, als sie erkannte, wie schwer sie ihn getroffen hatte. Ihre Finger ber�hrten sein Gesicht, tasteten �ber seine aufgeplatzte Schl�fe und seinen Nacken, und pl�tzlich verschwand der Schmerz wie abgeschaltet.</p><p>Aber auch jedes andere Gef�hl.</p><p>Kiina drehte ihn �chzend auf den R�cken und bettete seinen Kopf auf einem flachen Stein. �Es tut mir leid, Skar�, sagte sie. �Aber es mu�te sein.�</p><p>�Warum?� st�hnte Skar. Hinter Kiinas Silhouette verschlang gr�nes flackerndes Licht f�r eine Sekunde die Nacht. Ein weiterer von Titchs Kriegern, vielleicht er selbst.</p><p>�Um dich zu retten, du Narr�, antwortete Kiina. �Ich mu�te es tun.�</p><p>�Du verdammte...�</p><p>Skar kam nicht mehr dazu, Kiina zu sagen, was er in diesem Moment von ihr hielt. Sie l�chelte milde, streckte abermals die Hand nach seinem Nacken aus, und Skars Bewu�tsein erlosch wie eine Kerzenflamme im Sturm.</p></section><section><title><p id="_10">10.</p></title><p>Da es kein Schlaf war, sondern Bet�ubung, tr�umte er nicht. Trotzdem sp�rte er, da� er nicht sehr lange ohne Bewu�tsein gewesen war. Eine Hand aus Stahl lag in seinem Nacken und st�tzte seinen Hinterkopf, als er erwachte. Sein Kopf tat weh, und die gesamte rechte Seite seines Gesichts war taub, wo ihn der Stein getroffen hatte. Als er versuchte, die Augen zu �ffnen, hob sich nur sein linkes Augenlid; unter das andere bohrten sich d�nne Schmerzpfeile, die ihn keuchend die Hand ans Gesicht heben lie�en. Er fror.</p><p>Skar st�hnte, stemmte sich mit der anderen Hand weiter hoch und blinzelte verst�ndnislos in eine Fl�che aus Schwarz und mattschimmerndem Horn, die sich erst nach Sekunden zu einem flachen, h�hnischen Nicht-Gesicht formte, das keine Augen hatte und trotzdem bis auf den Grund seiner Seele herabblickte. Und �ber ihm stand der <emphasis>Daij-Djan.</emphasis></p><p>Skar war vollkommen sicher, da� die Bestie vor einer Sekunde noch nicht dort gewesen war, aber jetzt war sie es, klein und t�dlich und stumm stand sie da, �ber ihn gebeugt, die rechte Klaue unter seinen Nacken geschoben, um ihn zu st�tzen, die andere wie zum Schlag erhoben, ein lautloser Schatten, der aus der Welt des Wahnsinns her�bergetreten war, um Skar zu holen.</p><p>Er erstarrte. Nie zuvor war er dem Ungeheuer so nahe gewesen wie jetzt. Er konnte ihn <emphasis>riechen. </emphasis>Die eisige Ber�hrung seiner d�rren Spinnenglieder auf der <emphasis>Haut f�hlen.</emphasis></p><p>Der t�dliche Hieb, auf den er wartete, kam nicht. Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>stand einfach da, stumm, aber in eindeutiger Haltung, die mehr aussagte als alle Worte, und Skar begriff in diesem Augenblick endg�ltig, da� dieses Wesen nicht sein Feind war. Er war es niemals gewesen. Er war niemals gekommen, um ihn zu t�ten oder auch nur zu verletzen, sondern ganz im Gegenteil, um ihn zu besch�tzen, �ber ihn zu wachen wie ein schwarzer Cherubin, vielleicht, wenn er es wollte, <emphasis>mit </emphasis>ihm zu k�mpfen, Seite an Seite, wie zwei ungleiche Zwillingsbr�der, die zusammen unbesiegbar waren.</p><p>Aber um einen Preis, den Skar niemals zahlen w�rde. Selbst jetzt nicht.</p><p>Mit einem Schrei fuhr er vollends hoch, kroch ein paar Schritte r�cklings von dem Ungeheuer fort und hob abwehrend die Hand �ber das Gesicht. Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>starrte ihn an, machte aber keine Bewegung, um ihm zu folgen. Pl�tzlich begriff Skar, da� es das Ungeheuer gewesen war, das ihn geweckt hatte. �Was... was willst du von mir?� stammelte er.</p><p><emphasis>Wei�t du das denn nicht, Bruder? </emphasis>Die Stimme des <emphasis>Daij-Djan </emphasis>war ein k�rperloses Fl�stern, das wie ein Messer in seine Gedanken schnitt. Skar st�hnte. Die Bestie machte einen Schritt und blieb wieder stehen, und pl�tzlich war ihre Hand nicht mehr leer. Etwas Schmales, Silbernes glitzerte in der dreifingrigen Insektenklaue. Ein Schwert.</p><p>�Geh!� st�hnte Skar. �Geh weg! <emphasis>La� mich endlich in Frieden!� Frieden? Der Daij-Djan </emphasis>bewegte sich einen weiteren Schritt auf ihn zu, und Skar erkannte die Klinge, die er in der Hand hielt. Es war nicht irgendein Schwert, sondern seine eigene Klinge; das <emphasis>Tschekal, </emphasis>das er von Del bekommen hatte.</p><p><emphasis>Das hier ist dein Frieden, Bruder, </emphasis>fl�sterte die Stimme der Sternenbestie. <emphasis>Die einzige Art von Frieden, f�r die wir geschaffen sind, du und ich.</emphasis></p><p>�Geh!� sagte Skar noch einmal. Seine Stimme zitterte. Er hob die Hand und f�hrte die Bewegung nicht zu Ende. Die blo�e Vorstellung, das <emphasis>Ding </emphasis>zu ber�hren, lie� etwas in ihm sterben.</p><p><emphasis>Du und ich, wir werden niemals Frieden finden, </emphasis>wisperte das Ungeheuer. <emphasis>Wir </emphasis>SIND <emphasis>der Krieg, Bruder. Nimm es. Nimm dieses Schwert und meine Hilfe, und du wirst siegen. Oder Enwor wird untergehen.</emphasis></p><p>�Niemals!� murmelte Skar.</p><p>Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>kam abermals n�her. Seine gr��liche Klauenhand streckte sich nach Skar aus, in einer gleicherma�en fordernden wie hilfeverhei�enden Geste, aber Skar ignorierte sie. Sekundenlang regte sich keiner von ihnen. Skar starrte das Ungeheuer an, und das Ungeheuer ihn, und es war wie ein stummer, aber gnadenloser Kampf, von dem er selbst hinterher nicht wu�te, wer ihn gewonnen hatte. Vielleicht keiner.</p><p>Schlie�lich legte der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>das Schwert neben ihn auf einen Stein und trat ein St�ck zur�ck. Anders als die anderen Male, wenn Skar ihm begegnet war, verschwand er nicht, sondern zog sich nur ein paar Schritte weiter zur�ck und beobachtete ihn.</p><p>Vorsichtig stemmte Skar sich in die H�he. Der Wind schlug ihm eisig ins Gesicht, und sein verletztes Gesicht begann zu brennen, als w�re es mit S�ure �bergossen. Ein paar Sekunden blieb er schwankend stehen, dann b�ckte er sich nach seinem Schwert, hob die Klinge auf und schob sie mit einem entschlossenen Ruck in den G�rtel; eine Bewegung, die er gleich darauf bitter bereute, denn sein mi�handelter Sch�del quittierte sie mit einem heftigen, an k�rperlichen Schmerz grenzenden Schwindelanfall. Skar k�mpfte das Gef�hl mit aller Macht nieder, drehte sich herum und blickte zur H�hle hinauf.</p><p>Das gr�ne Flackern war erloschen, aber das Feuer brannte noch. Es war, wie er geglaubt hatte: er war nur Augenblicke bewu�tlos gewesen. Aber was war mit Titch und seinen M�nnern?</p><p>Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>las seine Gedanken, und Skar h�rte seine Antwort: ein Fl�stern, das nicht von au�en kam, sondern aus seiner eigenen Seele, die die Heimat der Bestie war: <emphasis>Du kannst nichts mehr f�r sie tun, Bruder. Es ist vorbei.</emphasis></p><p>Als er sich herumdrehte, hob der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>die Hand. Das lautlose Fl�stern in seinem Inneren war verstummt, aber Skar verstand die Geste auch so. <emphasis>Schlag ein, Bruder. Nimm meine Hilfe, und die Welt geh�rt uns.</emphasis></p><p>Und vielleicht w�rde er sie sogar annehmen, dachte Skar. Vielleicht w�rde er irgendwann tun, wozu er schon ein paarmal bereit gewesen war: sein Leben, schlimmer, seine <emphasis>Menschlichkeit </emphasis>zu opfern, um seine Welt zu retten. Aber noch nicht. Wortlos sch�ttelte er den Kopf.</p><p>Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>verschmolz mit den Schatten der Nacht und verschwand. Aber Skar wu�te, da� er wiederkommen w�rde. Bald. Bald.</p></section><section><title><p id="_11">11.</p></title><p>Er n�herte sich der H�hle nicht auf direktem Wege, sondern schlug einen gut hundertf�nfzig Schritt messenden Bogen; geduckt, schleichend, eng in den Schatten des Berges gepre�t und das Schwert unter dem Mantel verborgen, damit sich kein verr�terischer Lichtstrahl auf der Klinge brach. Zwanzig Schritte vor dem H�hleneingang hielt er an, duckte sich hinter einen Felsgrat und sp�hte aufmerksam in die Runde. Aus der H�hle erscholl kein Laut, aber unter ihm, im Lager der <emphasis>Errish, </emphasis>herrschte reges Treiben. Schatten bewegten sich vor dem Feuer, viel zu viele Schatten, wie Skar meinte, und die riesigen Silhouetten der Daktylen waren in best�ndiger, unruhig flatternder Bewegung. Zwei, drei der scheinbar nur daumennagelgro�en Gestalten bewegten sich auf den Hang zu; vielleicht nur, um hier heraufzukommen, vielleicht auch, um ihn zu suchen.</p><p>Skar �berschlug in Gedanken die Zeit, die ihm noch blieb. Er wu�te nicht, wie lange er bewu�tlos gewesen war, aber er kannte den Griff, mit dem Kiina ihn bet�ubt hatte: unter normalen Umst�nden w�re er f�r mindestens zwei Stunden hilflos gewesen. Mit etwas Gl�ck blieb ihm also noch eine Frist, bis die <emphasis>Errish </emphasis>bemerkten, da� er nicht mehr da war. Aber Skar w�re schon vor zwanzig Jahren gestorben, h�tte er sich auf sein <emphasis>Gl�ck </emphasis>verlassen...</p><p>Lautlos huschte er weiter, n�herte sich dem H�hleneingang und blieb abermals stehen. Unter dem Felssturz lag die reglose Gestalt des Quorrl, den das gr�ne Feuer gef�llt hatte, und dahinter bewegten sich Schatten. Skar h�rte Ger�usche. Schritte. Eine Stimme, die in einer Sprache redete, die er nicht kannte. Nicht die Stimme eines Quorrl.</p><p>Er glitt weiter, sah noch einmal sichernd ins Tal hinab. Die <emphasis>Errish </emphasis>waren n�hergekommen, hatten den Fu� der Ger�llhalde aber noch nicht erreicht und schienen es auch nicht besonders eilig zu haben, so da� ihm noch ein wenig Zeit blieb. Er n�herte sich im Zickzack der H�hle. Eine schwarze Silhouette glitt vor dem Feuer entlang und verschwand wieder, zu schnell, als da� Skar sie erkennen konnte, aber nicht schnell genug, um ihm zu verbergen, da� sie entschieden zu gro� f�r die eines Menschen war und zu schlank f�r einen Quorrl.</p><p>Es war keines von beiden.</p><p>Als Skar die H�hle erreichte, bot sich ihm ein gleicherma�en erschreckendes wie bizarres Bild: Die Quorrl lagen reglos auf dem Boden, mit verrenkten Gliedern und in fast grotesken Haltungen, als w�ren sie mitten in der Bewegung von einer unsichtbaren Faust getroffen und niedergestreckt worden. Skars Magen zog sich schnell und schmerzhaft zusammen, als er erkannte, da� eine der Gestalten in eine R�stung aus schimmerndem Gold geh�llt war. Seine Hand schlo� sich fester um das Schwert unter dem Mantel, w�hrend sein Blick die beiden Schatten suchte, die er von drau�en gesehen hatte.</p><p>Die Gesch�pfe waren sehr gro�. Skar sch�tzte sie auf gute sieben Fu�, aber ein Gutteil dieses Ma�es wurde von ihren fast grotesk gro�en Sch�deln beansprucht, unter deren Gewicht die schmalen Schultern fast durchzubrechen schienen. Sie hatten keine Gesichter.</p><p>Dann drehte sich eine der beiden Gestalten zu ihm herum, und Skar erkannte seinen Irrtum: Was er f�r einen mi�gestalteten Sch�del gehalten hatte, das war ein Helm aus schwarzem Metall, so glatt wie das Gesicht des <emphasis>Daij-Djan </emphasis>und auf eine v�llig andere, fa�barere Art ebenso drohend und furchteinfl��end. Trotzdem, dachte Skar verwirrt, konnten die K�pfe darunter nicht gr��er als die normal proportionierter Menschen sein, denn es gab schmale, leicht schr�ggestellte Sehschlitze, hinter denen Skar das Glitzern eines dunklen Augenpaares wahrnahm.</p><p>Skar hielt den Atem an, als sich der Blick dieser Augen f�r Sekundenbruchteile direkt auf ihn zu richten schien. Er wu�te, da� er f�r jeden dort drinnen unsichtbar sein mu�te; die Nacht war wie ein schwarzer Vorhang vor dem H�hleneingang. Aber wer sagte ihm, da� die Augen hinter diesem grotesken Helm die von Menschen waren, und nicht die irgendwelcher Kreaturen, die in der Nacht ebenso deutlich zu sehen vermochten wie er am hellen Tag? Seine Hand schmiegte sich fester um das Schwert. Er war nahe genug, um einen Sprung zu riskieren, und - Der Mann in der sonderbaren R�stung drehte sich wieder herum und wechselte ein paar Worte mit seinem Begleiter. Skar atmete innerlich auf. Er wartete, bis sich die Gestalt ein wenig vom Eingang wegbewegte, huschte weiter und duckte sich hinter den K�rper des toten Quorrl. In der n�chsten Sekunde begl�ckw�nschte er sich dazu, den Angriff <emphasis>nicht </emphasis>gewagt zu haben: In der H�hle hielten sich nicht zwei, sondern fast ein Dutzend jener sonderbaren Gestalten auf. Selbst wenn sich unter den bizarren R�stungen ganz normale Menschen verbargen, w�ren seine Chancen erb�rmlich gewesen, auch nur die ersten Sekunden zu �berleben. Und die reglosen Gestalten der Quorrl am Boden bewiesen, da� es sich bei den Helmtr�gern um alles andere als <emphasis>normale </emphasis>Gegner handelte.</p><p>Skar versuchte zu erkennen, was die M�nner taten, aber es gelang ihm nicht. Seine Position am H�hleneingang war zu ung�nstig, um ihn mehr als huschende Schatten und einzelne nicht zu identifizierende Bewegungen wahrnehmen zu lassen. Er versuchte, sich ein wenig weiter vorzuarbeiten, wobei er den Leichnam des Quorrl als Deckung ausnutzte. Seine Hand glitt �ber die graugr�nen Schuppen des toten Giganten.</p><p>Und zuckte erschrocken zur�ck.</p><p>Der Quorrl lebte.</p><p>Sein Gesicht war starr, und �ber den weit aufgerissenen Augen lag ein milchiger Schleier, aber der Quorrl atmete, und als Skar behutsam nach seinem Hals tastete, sp�rte er einen ganz schwachen, aber regelm��igen Pulsschlag. Er lebte.</p><p>Verbl�fft lie� Skar sich wieder zur�cksinken. Der Quorrl lebte. Er hatte gesehen, wie ihn das gr�ne Feuer traf und zu Boden streckte, aber wie immer diese unheimliche Waffe wirkte, sie t�tete offensichtlich nicht - und das hie�, da� Titch vielleicht auch noch am Leben war.</p><p>Skar zog sich lautlos weiter vom H�hleneingang zur�ck, schob die Waffe wieder in den G�rtel und sah sich um. Die Schatten der beiden <emphasis>Errish </emphasis>waren deutlich n�her gekommen, aber Skar verwarf den fl�chtigen Gedanken, sie anzugreifen, sofort wieder. Er ignorierte allerdings auch das mahnende Fl�stern hinter seiner Stirn, das ihn dazu bringen wollte, zu verschwinden, solange er noch Zeit dazu hatte. Statt dessen wich er ein paar Schritte zur Seite, suchte sich einen Felsen, hinter dem er gesch�tzt war, und wartete. Seine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt.</p><p>Die beiden <emphasis>Errish </emphasis>kamen nur ganz allm�hlich n�her. Das Gehen auf dem stark absch�ssigen Hang schien ihnen gro�e M�he zu bereiten; sie liefen stark nach vorne gebeugt, wie Menschen, die sich gegen einen unsichtbaren Sturm stemmten, und ihre Bewegungen waren... falsch. H�lzern wie die von Puppen. <emphasis>Oder Menschen, </emphasis>dachte Skar, <emphasis>die unter dem Einflu� eines fremden Willens standen. </emphasis>Aber es waren <emphasis>Errish. </emphasis>Es war unm�glich, eine <emphasis>Errish </emphasis>zu hypnotisieren.</p><p>Er wartete.</p><p>Minuten vergingen, reihten sich aneinander und wurden zu einer Viertelstunde, bis die beiden Gestalten endlich die H�hle erreichten und stehenblieben. Der Feuerschein �bersch�ttete ihre Gesichter mit rotem Licht und verwirrenden Schatten, die es unm�glich machten, irgendeinen Ausdruck darauf zu erkennen, aber Skar sah zumindest, da� eine der beiden jungen Frauen niemand anderes als Anschi selbst war. Der Anblick erf�llte ihn mit dumpfer Wut, die allerdings zu einem nicht geringen Teil ihm selbst galt. Was f�r ein Narr war er gewesen, sich von diesem Kind �bert�lpeln zu lassen! Und sein Zorn stieg noch, als auch die zweite <emphasis>Errish </emphasis>die Kapuze zur�ckstreifte und er Kiina erkannte.</p><p>Eine der schwarzgepanzerten Gestalten trat aus der H�hle heraus und blieb dicht vor den beiden <emphasis>Errish </emphasis>stehen. Anschi und ihre Begleiterin senkten dem�tig das Haupt, und der Riese hob die H�nde an den Kopf und setzte den Helm ab.</p><p>Skar unterdr�ckte im letzten Moment einen ungl�ubigen Aufschrei.</p><p>Das Gesicht unter dem bizarren Riesenhelm war alt, uralt. Ungez�hlte Jahre hatten es in ein Gewirr von Falten und Runzeln verwandelt, in dem nur noch die Augen zu leben schienen, dunkle, grundlose Augen voll uraltem b�sem Wissen und dem unstillbaren Hunger nach Macht, der etwas in ihrem Hintergrund in Brand zu setzen schien. Und <emphasis>er kannte dieses Gesicht.</emphasis> Es war Drask.</p><p><emphasis>Aber das war doch unm�glich! </emphasis>Der Zauberpriester war vor seinen Augen gestorben, und er selbst war dabeigewesen, als sein K�rper verbrannt worden war!</p><p>�Wir sind bereit, Herr�, sagte Anschi. Ihre Stimme war leise und klang so holprig, wie ihre Bewegungen waren, aber in der Stille der Nacht konnte Skar trotzdem jedes Wort so deutlich h�ren, als st�nde er neben ihr. �Die Daktylen sind gesattelt.�</p><p>�Der Satai�, antwortete der Mann mit Drasks Gesicht. �Ihr habt ihn?�</p><p>Es war nicht Draks Stimme, dachte Skar verwirrt. Sie klang... �hnlich, aber nicht gleich. Er versuchte, das Gesicht �ber der bizarren schwarzen R�stung genauer zu erkennen, aber die Entfernung war einfach zu gro�.</p><p>Anschi z�gerte, zu antworten. �Noch... nicht�, sagte sie schlie�lich.</p><p>Der Zauberpriester legte den Kopf schr�g und sah sie stirnrunzelnd an. �Noch nicht?� wiederholte er. �Was soll das hei�en? Habt ihr ihn in Gewahrsam oder nicht?�</p><p>�Kiina hat ihn bet�ubt�, antwortete Anschi hastig. �Aber dieses dumme Kind kann sich nicht genau erinnern, wo.�</p><p>�Dann sucht ihn!� kreischte sie der Zauberpriester an. Skar sah jetzt immer mehr Unterschiede zu Drask. Es war nicht nur eine andere Stimme. Sein Gesicht war und blieb das des greisen Priesters, der um ein Haar ihr gesamtes Heer vernichtet h�tte, aber seine Gestik war anders. Es war eine zuf�llige �hnlichkeit; wenn auch eine, die Skar schauern lie�, denn sie machte ihm klar, <emphasis>wie wenig </emphasis>sie bisher alle �ber das Volk wu�ten, mit dem sie um nichts weniger als ihre gesamte Welt k�mpften.</p><p>�Das werden wir, Herr�, sagte Anschi. �Wir werden ihn finden.�</p><p>�Gut�, antwortete der Mann mit Drasks Gesicht. Er f�gte nichts hinzu, keine Drohung, keine Ermahnung, aber vielleicht war es gerade das, was Anschi wie unter einem Hieb zusammenfahren lie�, denn der alte Mann sprach mit dem Selbstbewu�tsein eines Menschen, der es gewohnt war, seine Befehle ausgef�hrt zu sehen, und keine Ausfl�chte und Entschuldigungen gelten lie�. �Dann bereitet alles f�r den Aufbruch vor�, fuhr er fort. �Wir erwarten euch in zwei Tagen.�</p><p>�Und die Quorrl?� fragte Anschi. �Sollen wir sie t�ten?�</p><p>Drask - der nicht Drask war - sch�ttelte den Kopf. �Das werden die Drachen und Schakale erledigen�, sagte er kalt. �Bindet sie, und sorgt daf�r, da� sie sich nicht zu schnell befreien k�nnen, wenn die Bet�ubung nachl��t. Bis auf den Krieger in der goldenen R�stung.�</p><p>�Titch?�</p><p>�Wenn das sein Name ist, ja�, antwortete der Zauberpriester. �Ich habe viel �ber ihn geh�rt. Ihr werdet ihn mitnehmen.� Anschi z�gerte. Ihr Gesicht spiegelte deutlich das Unbehagen wider, mit dem sie der Befehl des Alten erf�llte. �Er ist... gef�hrlich, Herr�, sagte sie unsicher.</p><p>�Dann behandelt ihn entsprechend�, fuhr sie der Alte an. �Setzt ihn meinetwegen unter Drogen, oder legt ihn in Ketten, aber verletzt ihn nicht. Und vergreift euch nicht an seinem Geist. Wir brauchen M�nner wie ihn. Und jetzt geht und sucht diesen Satai, bevor <emphasis>ich </emphasis>es tun mu�.� Die Drohung, die in diesen Worten mitschwang, war un�berh�rbar. Anschi fuhr abermals zusammen, w�hrend Kiinas Gesicht ausdruckslos blieb. Skar revidierte in Gedanken seine Meinung �ber die Unbeeinflu�barkeit einer <emphasis>Errish. </emphasis>Vielleicht hatten sie die Zauberpriester trotz allem noch untersch�tzt.</p><p>Die beiden jungen Frauen machten sich auf den R�ckweg ins Lager hinab, aber Skar blieb, wo er war. Gebannt sah er zu, wie der Zauberpriester zur�ck in die H�hle ging, wobei er seinen sonderbaren Helm wieder aufsetzte und vom Menschen zum Ungeheuer wurde. Nach einer Weile kehrte er zur�ck, jetzt aber nicht mehr allein, sondern begleitet von fast einem Dutzend gleichaltriger, in absurde R�stungen geh�llter Gestalten.</p><p>Skar fiel die sonderbare Art auf, in der sie sich bewegten. Die bizarren R�stungen mu�ten Zentner wiegen, und er hatte zumindest in <emphasis>(Drasks?) </emphasis>einem Fall gesehen, da� sich darunter ein ganz normaler, eher gebrechlicher Mensch verbarg, aber sie bewegten sich fast schwerelos, schienen eher zu gleiten als zu gehen. Skar hatte im Laufe der Nacht mehrmals erfahren, wie schwierig es war, sich auf der Ger�llhalde zu bewegen, aber die M�nner in den sonderbaren R�stungen spazierten fast gem�chlich an ihm vorbei, wobei er das unheimliche Gef�hl hatte, als w�rden ihre F��e den Boden fast gar nicht ber�hren.</p><p>Aber das war nat�rlich Unsinn.</p><p>Skar verscheuchte den Gedanken, warf einen letzten, sichernden Blick zur H�hle zur�ck und folgte der Gruppe schwarzgekleideter Riesen in sicherem Abstand. Er mu�te dabei nicht einmal besonders vorsichtig sein, denn die Nacht und der schwarzbraune Fels, �ber den er sich bewegte, gaben ihm eine vorz�gliche Deckung, und keiner der M�nner drehte sich auch nur einmal herum - wozu auch? Erst, als sie sich dem Lager der <emphasis>Errish </emphasis>n�herten, fiel Skar wieder ein St�ck zur�ck und sah aus sicherer Entfernung zu, was weiter geschah.</p><p>Die Zauberpriester betraten das Lager nicht, sondern schwenkten dicht davor nach links und bewegten sich weiter auf die Ebene zu, fast genau zu der Stelle, an der Titchs erstes Lager gewesen war. Irgendwo dahinter bewegten sich Schatten. Skar stockte der Atem, als er sah, was das Ziel der Zauberpriester war.</p><p>Die M�nner waren nicht zu Fu� gekommen; aber auch nicht zu Pferde oder mit irgendeinem magischen Gef�hrt, was Skar mittlerweile auch nicht mehr erstaunt h�tte. Vor den Felsen bewegten sich die Schatten eines Dutzend titanischer Drachen.</p><p>Zumindest beschlo� Skar in Gedanken, diese Tiere <emphasis>Drachen </emphasis>zu nennen, solange ihm keine bessere Bezeichnung einfiel.</p><p>Es waren Giganten. Bestien, gegen die selbst die legend�ren Feuerechsen der <emphasis>Errish </emphasis>wie Zwerge erscheinen mu�ten, riesige, gr�n und braun und rot geschuppt und nur aus Muskeln und Z�hnen und Klauen und Panzerplatten bestehend. Ihre Gr��e war... absurd: achtzig, wenn nicht hundert Fu�, vom Kopf bis zur Schwanzspitze. Im allerersten Moment erinnerten sie Skar an die Tyrr, die Anschi und ihre Schwestern gez�hmt hatten, aber diese �hnlichkeit beschr�nkte sich nur auf ihre Gestalt: wie diese gingen sie aufrecht auf zwei muskul�sen, fast �bertrieben stark ausgebildeten Hinterl�ufen, w�hrend die Vorderbeine zu d�rren, aber mit f�rchterlichen Krallen versehenen �rmchen verk�mmert waren, die unter einem absurd gro�en, buckeligen Sch�del hervorwuchsen. Die Augen der Monstren waren so klein, da� Skar sie im ersten Moment nicht einmal sah, aber daf�r waren ihre M�uler um so gr��er. Skar sch�tzte, da� sie ein ausgewachsenes Pferd verschlingen konnten, ohne mehr als einmal zuzubei�en. Nichts, aber auch rein gar nichts an diesen Ungeheuern erinnerte Skar an die kraftvolle Eleganz der Drachen, wie sie die <emphasis>Errish </emphasis>ritten. An diesen Wesen war nichts <emphasis>Sch�nes </emphasis>oder <emphasis>Majest�tisches. </emphasis>Sie waren einfach nur <emphasis>gro�. </emphasis>Gro� und h��lich. Und unbeschreiblich wild.</p><p>M�hsam l�ste er sich aus der morbiden Faszination, mit der ihn der Anblick der zw�lf Kolosse erf�llte, und suchte die Zauberpriester. Die M�nner n�herten sich ihren ungeheuerlichen Reittieren fast gem�chlichen Schrittes, blieben noch einmal stehen - und <emphasis>schwebten wie lautlos fallende Bl�tter auf die R�cken der Riesentiere hinauf.</emphasis></p><p>Skar erstarrte. F�r Sekunden verga� er selbst zu atmen. Was er sah, war... <emphasis>unm�glich!</emphasis></p><p><emphasis>So unm�glich wie Menschen, die von den Sternen gekommen sind? </emphasis>fl�sterte eine Stimme in seinen Gedanken. <emphasis>Wie gr�nes Licht, das bet�ubt, und ein Geist, der den einer Errish bezwingt?</emphasis> Skar versuchte vergeblich, das Chaos hinter seiner Stirn zu ordnen. Er wu�te, da� es eine Erkl�rung f�r das vermeintlich Unm�gliche gab und da� sie so einfach wie erschreckend war: was er sah, war keine Magie, sondern ein Teil der vergessenen Macht der <emphasis>Alten, </emphasis>von der die Legenden erz�hlten, aber diese Erkl�rung bedeutete auch gleichzeitig, da� er die Wahrheit endg�ltig akzeptieren mu�te: er stand den Nachkommen der <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>gegen�ber. Und es waren <emphasis>Menschen.</emphasis></p><p>Trotz allem hatte sich ein Teil von ihm noch immer an die gro�e L�ge geklammert, die die Geschichte Enwors war. Anschis Worte, alles, was er erlebt hatte, ja, selbst sein eigener Kampf mit der <emphasis>Netzkreatur </emphasis>und das Wissen, das er dabei erworben hatte, dies alles hatte ihm die Wahrheit immer und immer wieder vor Augen gef�hrt, und trotzdem traf ihn der Anblick wie ein Hieb, denn es war der letzte, unleugbare <emphasis>Beweis. </emphasis>Er konnte sich jetzt nicht einmal mehr selbst bel�gen.</p><p>Aber er konnte etwas anderes tun.</p><p>Pl�tzlich waren aller Schrecken und alle Furcht verschwunden. Skar f�hlte... nichts. Es war, als h�tte es erst des Anblickes der furchtbaren Magie der Zauberpriester bedurft, um ihn wieder zu dem zu machen, was er vor einer kleinen Ewigkeit einmal gewesen war: einem Satai. Zum ersten Mal seit langer, langer Zeit wieder f�hlte er jene K�lte und Gelassenheit in sich aufsteigen, die die Grundfeste der Satai-Disziplin war, jene schon fast maschinenhafte Logik und Ruhe, die die Satai erst zu dem machte, was sie waren.</p><p>Reglos wartete er ab, bis auch der letzte Zauberpriester auf den R�cken seines gewaltigen Reittieres hinaufgeschwebt war. Die schuppigen Kolosse begannen sich zu bewegen, und die Erde unter Skars F��en zitterte. Ein Hagel aus Staub und kleinen Gesteinssplittern ging auf Skars Versteck nieder, als einer der Giganten den Schwanz peitschen lie� und einen hausgro�en Felsbrocken zermalmte, aber er bewegte sich auch jetzt noch nicht, sondern wartete, bis sich die Ungeheuer eines nach dem anderen herumgedreht hatten und mit scheinbar schwerf�lligen, aber unglaublich weitgreifenden Schritten in der Nacht verschwanden. Erst dann erhob er sich aus seiner Deckung und huschte zur�ck in die Richtung, aus der er gekommen war.</p><p>Der Ger�llhang war nicht mehr leer, als er an dessen Fu� zur�ckkehrte. Ein halbes Dutzend schlanker Gestalten in den schwarzen Zeremonienm�nteln der <emphasis>Errish </emphasis>suchte die zerkl�ftete Halde ab, Fackeln wurden geschwenkt, Rufe schwirrten hin und her. Skar versp�rte ein fl�chtiges Gef�hl von Schadenfreude, als er Kiina sah, die mit offensichtlich wachsender Verwirrung die Stelle absuchte, an der sie ihn niedergeschlagen hatte. Aber er verscheuchte auch dieses Gef�hl. Anschi war nicht dumm. Es w�rde nicht mehr lange dauern, und sie w�rde die richtigen Schl�sse aus der Tatsache ziehen, da� er nicht mehr da war. Skar huschte zur Seite, tauchte in die Schatten der Nacht ein und n�herte sich zum dritten Mal der H�hle unter dem Berggipfel.</p><p>Er war auch dieses Mal sehr vorsichtig. Zwar bestand kaum die Gefahr, auf einen der Zauberpriester zu treffen, aber er hatte nicht vergessen, was Drasks Doppelg�nger zu Anschi gesagt hatte: die <emphasis>Errish </emphasis>w�rden auf jeden Fall zur�ckkehren, um Titch zu holen. Er n�herte sich der H�hle in einem weiten Bogen, sp�hte vorsichtig hinein und stellte erleichtert fest, da� sie leer war. Trotzdem achtete er sorgsam darauf, aus dem Schein des bereits halb heruntergebrannten Feuers zu bleiben, als er sich Titch n�herte, und er kniete auch so neben dem Quorrl nieder, da� er den H�hleneingang im Auge behalten konnte. Er hatte keine besondere Lust, zum zweiten Mal mit einem Stein oder Kiinas Nervengriff Bekanntschaft zu machen.</p><p>Der Quorrl lag auf dem R�cken. Sein goldener Helm war verrutscht, die rechte Seite, auf die er gefallen war, eingedr�ckt, und Titchs Augen standen offen, wie die des Kriegers unter dem Eingang. Skar untersuchte ihn fl�chtig und stellte erleichtert fest, da� auch er noch atmete.</p><p>Aber das war auch schon alles, was ihn erleichterte. Er sah keine M�glichkeit, den Quorrl <emphasis>aufzuwecken.</emphasis></p><p>Er versuchte es, r�ttelte ein paarmal an seiner Schulter, rief seinen Namen, so laut er konnte, und ohrfeigte ihn schlie�lich - mit dem einzigen Ergebnis allerdings, sich an Titchs stahlharten Schuppen den Handr�cken aufzurei�en.</p><p>Entt�uscht richtete er sich auf, sah sichernd zum Eingang zur�ck und begann die H�hle abzusuchen. F�r einen Moment blieb sein Blick auf der Glut h�ngen, und er erwog den Gedanken, dem Quorrl Schmerz zuzuf�gen, um ihn aufzuwecken, verwarf ihn aber rasch wieder. Zum einen gab es nicht viel, was einem Quorrl nennenswerte Schmerzen zuf�gte, ohne ihn schwer zu verletzen, und zum anderen war er ziemlich sicher, da� keine Macht der Welt die bet�ubende Wirkung des gr�nen Feuers aufheben konnte, ehe sie nicht von selbst wich. Er fuhr fort, die H�hle zu untersuchen. Skar wu�te, da� die Kaverne keinen zweiten Ausgang hatte. Es gab einen winzigen, von hier aus nicht direkt einsehbaren Spalt in ihrer r�ckw�rtigen Wand, der aber nach kaum zwei Metern blind endete, aber selbst, wenn er zum einen ins Freie gef�hrt h�tte und zum anderen breit genug gewesen w�re - Skar h�tte einfach nicht die Kraft gehabt, den �ber vierhundert Pfund schweren Quorrl auch nur durch die H�hle zu schleifen, geschweige denn, nach drau�en. Ganz davon abgesehen, da� Anschi durchaus in der Lage war, bis f�nf zu z�hlen, und Titchs goldene R�stung unver... Und dann wu�te er, was er tun mu�te.</p><p>Der Gedanke erschien ihm so verr�ckt, da� er im ersten Moment selbst davor zur�ckschreckte - aber es war seine einzige Chance, Titch zu retten. Wenn ihm Zeit genug blieb. Und wenn seine Kraft reichte.</p><p>Skar ging zum Eingang der H�he zur�ck, duckte sich in den Schatten der Wand und sp�hte aufmerksam ins Tal hinab. �ber den Hang krochen die Lichtpunkte von Fackeln wie leuchtende K�fer, und der Wind trug die aufgeregten Stimmen der <emphasis>Errish </emphasis>zu ihm, die mittlerweile alle ausgeschw�rmt zu sein schienen, um nach ihm zu suchen. Vielleicht, dachte er. Seine Chancen waren verzweifelt gering. Aber verzweifelte Pl�ne hatten die Eigenart, �berraschend oft aufzugehen...</p><p>Er lief zu Titch zur�ck, kniete ein zweites Mal neben dem Quorrl nieder und versuchte, ihn herumzudrehen. Im ersten Moment hatte es den Anschein, da� seine Kr�fte einfach nicht ausreichten, die vierhundert Pfund des Quorrl zu bewegen, aber dann rollte Titch herum und fiel mit einem sonderbar weichen, unangenehmen Laut auf den Bauch. Sein Helm l�ste sich vollends und rollte davon. Skar fing ihn auf, legte ihn sorgsam neben sich und begann mit fliegenden Fingern, die kleinen Kupferspangen zu l�sen, die Titchs Prunkr�stung zusammenhielten. �chzend hob er das zentnerschwere R�ckenteil des Panzers ab, nestelte an Titchs Beinsch�tzern und Stiefeln herum und zerrte beides mit verzweifelter Kraft herunter. Als letztes l�ste er den G�rtel des Quorrl und zerrte den metallbesetzten Streifenrock zur Seite.</p><p>Er brauchte fast zehn Minuten, den Quorrl v�llig zu entkleiden, und dann noch einmal fast die gleiche Zeit, die kr�ftezehrende Prozedur bei einem zweiten Quorrl zu wiederholen. Die Anstrengung, den Krieger in Titchs R�stung zu h�llen und diese wenigstens notd�rftig zu befestigen, �berstieg fast seine Kr�fte. Aber er schaffte es, wenn auch vielleicht nur aus dem unersch�tterlichen Wissen heraus, da� er ohne Titch verloren war.</p><p>Als er fertig war, brach er einfach zusammen. Schw�che kroch wie ein l�hmendes Gift in seine Glieder, und als er sie zur�ckdr�ngte, kam die �belkeit. Skar k�mpfte minutenlang gegen einen immer st�rker werdenden Brechreiz an. Er war hilflos in diesen Augenblicken. W�ren Anschi oder eines ihrer M�dchen jetzt in der H�hle erschienen, er h�tte nichts anderes tun k�nnen, als sich zu ergeben.</p><p>Aber das Schicksal oder die G�tter - oder vielleicht auch nur der Zufall - schienen es ausnahmsweise einmal gut mit ihm zu meinen. Als er seine Schw�che weit genug �berwunden hatte, um wieder zum H�hlenausgang zu kriechen, sah er, da� die Kette aus fackeltragenden Schatten bedrohlich n�her gekommen war, aber nicht so nahe, da� ihm keine Zeit mehr blieb. Die <emphasis>Errish </emphasis>bewegten sich sehr langsam, in einer fast vollkommen geraden, weit auseinandergezogenen Kette, die den gesamten Hang �berspannte. Sie wollten sichergehen, nicht an ihm vorbei zu laufen. Gut. So war <emphasis>er </emphasis>sicher, nicht im letzten Moment noch �berrascht zu werden.</p><p>Er ging zu dem Krieger in Titchs R�stung zur�ck, streifte ihm den Helm �ber und begutachtete kritisch sein Werk. Die T�uschung kam ihm selbst l�cherlich vor: der Quorrl war eine Handspanne kleiner als Titch, sein Gesicht schmaler und eine Spur blasser, und in der gewaltigen Prunkr�stung des Quorrl-F�rsten wirkte er fast verloren; wie ein Kind, das den Harnisch eines Erwachsenen angelegt hatte. Trotzdem: es war alles, was er tun konnte. Und dazu kam, da� f�r einen Menschen ein Quorrl normalerweise aussah wie der andere, und Anschi Titch nur ein paarmal gesehen hatte. M�glicherweise w�rde Kiina den Betrug bemerken, denn sie kannte Titch so lange wie er selbst, aber dieses Risiko mu�te er einfach in Kauf nehmen. Die Alternative war, Titch zu opfern.</p><p>Er ging zu dem Quorrl zur�ck, ergriff seine verletzte Hand und l�ste mit spitzen Fingern den Verband. Die Wunde in Titchs Handfl�che blutete noch immer, und Skar fragte sich besorgt, wie lange der Metabolismus des Quorrl den st�ndigen Blutverlust noch ausgleichen konnte, ehe er einfach an Schw�che starb. Sorgsam schlo� er die starren Finger des Quorrl zur Faust, bettete sie auf seiner Brust und w�lzte Titch ein letztes Mal herum, so da� er auf dem Bauch zu liegen kam und sein K�rper den verletzten Arm verbarg. Dann eilte er zu dem Krieger in Titchs R�stung zur�ck, griff nach seiner rechten Hand und zog den Dolch.</p><p>Er z�gerte.</p><p>Etwas in ihm str�ubte sich dagegen, es zu tun, obwohl er wu�te, da� er gar keine andere Wahl hatte, und die kleine Wunde einem Wesen wie dem Quorrl nicht gef�hrlich werden konnte. Es war absurd - noch vor zwei Tagen h�tte er nicht gez�gert, den Quorrl zu t�ten, h�tte es sich als n�tig erwiesen. Aber seither war viel geschehen. Der Quorrl vor ihm war kein Tier mehr, und seine Welt war zerbrochen und zu etwas Neuem und Schrecklichem geworden, in dem die alten Werte nicht mehr galten.</p><p>Dann h�rte er ein Ger�usch drau�en auf dem Hang und begriff, wie verzweifelt klein sein Vorrat an Zeit noch war. Entschlossen trieb er den Dolch in die Handfl�che des Quorrl, pre�te den durchgebluteten Verband auf die Wunde und verknotete ihn, so gut er konnte.</p><p>Er fand gerade noch Zeit, seine Spuren zu verwischen und sich in den schmalen Felsspalt am anderen Ende der H�hle zu zw�ngen, ehe die ersten Fackeln vor dem Eingang auftauchten.</p></section><section><title><p id="_12">12.</p></title><p>Es wurde wieder Tag, bis die Quorrl erwachten, und wie Skar erwartet hatte, war es Titch, der die bet�ubende Wirkung des gr�nen Feuers als erster �berwand. Das Erwachen schien sehr schmerzhaft zu sein; Titch begann zu st�hnen, als das erste Grau der D�mmerung in die H�hle kroch, aber es verging noch fast eine Stunde, bis er soweit war, die Augen aufzuschlagen und sich in die H�he zu stemmen. Seine Augen waren verschleiert, und obwohl sein Gesicht eine ausdruckslose Maske aus Schuppen und Horn blieb, sp�rte Skar genau, da� er sich im ersten Moment nicht zurechtfand. Dann fiel der Blick an Skar vor�ber auf die reglos daliegenden Krieger.</p><p>�Sie leben�, sagte Skar rasch. �Genau wie du.�</p><p>Titch stemmte sich vollends in die H�he. Er sagte kein Wort, sondern ging mit raschen Schritten an Skar vorbei und kniete neben dem Krieger nieder, der vor dem Eingang lag. Skar sah, da� er ihn rasch, aber sehr gr�ndlich untersuchte, ehe er sich wieder aufrichtete und ihn fragend ansah. �Jarr ist fort.�</p><p>�Nein�, antwortete Skar. �Sie haben Titch mitgenommen.� Titch sah ihn verwirrt an, und Skar f�gte mit einer erkl�renden Geste hinzu: �Den Quorrl in der goldenen R�stung.� Er l�chelte fl�chtig, als Titch �berrascht zusammenfuhr und an sich herabsah. Offensichtlich war ihm bisher nicht einmal aufgefallen, da� er nackt war.</p><p>�Was ist passiert?�</p><p>Skar sah nach drau�en, ehe er antwortete. Der Morgen war so ruhig, wie die zweite H�lfte der Nacht gewesen war. Er hatte damit gerechnet, da� die <emphasis>Errish </emphasis>nicht nur die H�hle, sondern den gesamten Berg Zentimeter f�r Zentimeter untersuchen und n�tigenfalls jeden Stein umdrehen w�rden, wenn sie endg�ltig begriffen, da� er nicht mehr da war. Aber das Gegenteil war der Fall gewesen: vier von Anschis M�dchen waren gekommen und hatten den Quorrl in Titchs R�stung �chzend davongeschleppt, und das war alles.</p><p>�Was ist passiert?� fragte Titch noch einmal. Skar sah auf und erkannte, da� er ein herumliegendes Kleidungsst�ck aufgehoben und fl�chtig um die H�ften geschlungen hatte. Er sah l�cherlich darin aus.</p><p>Skar hob die Hand und streckte Zeige- und Mittelfinger aus. �Du schuldest mir jetzt zwei Leben.� Er versuchte zu l�cheln, aber es gelang ihm nicht richtig. Beinahe verlegen stand er auf, ging zum Ausgang und blinzelte aus tr�nenden Augen hinaus. Er war m�de, denn nat�rlich hatte er es nicht gewagt, in seinem Versteck im Stein zu schlafen; ganz davon abgesehen, da� er auch kaum Schlaf gefunden h�tte.</p><p>�Was... ist... geschehen?� fragte Titch zum dritten Mal und in v�llig ver�ndertem Tonfall. Seine Stimme klang herrisch, fordernd, fast drohend. Es war nichts Unterw�rfiges oder auch nur Trotziges darin. Der Quorrl, der jetzt zu ihm sprach, war wieder der alte Titch, der F�rst seines Volkes, der es gewohnt war, zu befehlen, und ganz bestimmt nicht, einen Menschen um irgend etwas zu <emphasis>bitten. </emphasis>Er h�rte Titchs Schritte hinter sich, und eine Sekunde sp�ter legte sich Titchs gesunde Hand auf seine Schulter, so fest, da� er um ein Haar vor Schmerz aufgest�hnt h�tte.</p><p>Bevor Titch ihn herumrei�en konnte, drehte sich Skar mit einer erzwungen ruhigen Bewegung zu ihm um. Titch stand ganz dicht hinter ihm und starrte auf ihn herab, und f�r einen Moment, das sp�rte Skar ganz deutlich, waren sie wieder Feinde; nicht mehr Skar, der Satai, der l�ngst kein Satai mehr war, und Titch, der Quorrl, der l�ngst kein Quorrl mehr war, sondern nurmehr Mensch und Quorrl, <emphasis>Sternengeborener und rechtm��iger Herrscher dieses Planeten, </emphasis>Feinde von Geburt an, die so verschieden waren, da� ein Zusammenleben einfach nicht m�glich war, so wenig, wie Feuer und Wasser gemeinsam existieren konnten. Er sp�rte genau, da� Titch ihn in diesem Moment ha�te, und auch er ha�te den Quorrl, f�hlte f�r eine einzige, aber f�rchterliche Sekunde nichts anderes als den Wunsch, seine Pranke beiseite zu schlagen und das Schwert zu ziehen, um ihn zu <emphasis>(T�te! wisperten seine Gedanken. Vernichte ihn! T�te! T�te! T�tet) </emphasis>zu schlagen, ihn niederzuwerfen und diesem verdammten Tier zu zeigen, wer der wahre Herr hier war, wie wenig - Seine Hand packte Titchs Klaue und umklammerte sie mit aller Macht, aber er merkte es nicht einmal. Die Panzerschuppen des Quorrl knirschten unter seinem Griff. Blut quoll unter Skars Fingern�geln hervor, und die Kraft seiner Finger mu�ten selbst Titch Schmerzen zuf�gen, denn die Augen des Quorrl zogen sich �berrascht zusammen, aber Skar registrierte von alledem kaum etwas. <emphasis>T�te! </emphasis>schrien seine Gedanken. <emphasis>Vernichte ihn! Zerst�re! T�te!</emphasis> �Nein!� st�hnte Skar. Er wankte. Titchs Finger l�sten sich von seiner Schulter, aber Skar lie� seine Hand nicht los, sondern dr�ckte im Gegenteil noch fester zu, bis der Schmerz in seinen eigenen Fingern schier unertr�glich wurde.</p><p>Vielleicht war er es, der ihn rettete. Skar hatte gelernt, selbst Schmerz zu etwas Positivem zu machen, ihn zu nutzen, sich an ihn zu klammern wie an ein Rettungsseil, statt vor ihm zu fliehen, wie ihm seine Instinkte befehlen wollten. Es war nicht das erste Mal, da� er sich wie an einer Nabelschnur aus Agonie in die Wirklichkeit zur�ckhangelte, nur, da� er jetzt nicht gegen Bewu�tlosigkeit oder ihren dunklen Bruder Tod ank�mpfte, sondern gegen etwas Schlimmeres, gegen den Wahnsinn, mit dem die Magie der <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>seinen Geist in etwas Fremdes, unsagbar Fremdes und M�rderisches verwandeln wollte.</p><p>Er taumelte, fiel auf die Knie und pre�te die blutende Hand gegen den Leib. Titch wollte abermals nach ihm greifen, und Skar schlug seine Hand beiseite, obwohl er sp�rte, da� der Quorrl ihm nur helfen wollte. �Nicht�, st�hnte er. �Fa� mich... nicht an.�</p><p>�Was ist mit dir?� fragte er alarmiert.</p><p>Der Schmerz in Skars Hand ebbte ganz allm�hlich ab, und im gleichen Ma�e wurden die Wogen aus roter Wut flacher, die seinen Geist zu verschlingen drohten. Trotzdem blieb er minutenlang am Boden hocken, die Hand zur Faust geballt, so fest er konnte, so da� das Blut weiter aus seinen zerbrochenen Fingern�geln lief und der Schmerz immer wieder neu aufloderte, bis er es wagte, sich ganz allm�hlich zu entspannen; aber vorsichtig, behutsam und jederzeit auf einen neuen, heimt�ckischen Angriff seiner eigenen Gedanken gefa�t.</p><p>Titch sah ihn voller Mi�trauen an, als er sich nach einer Weile aufrichtete und gleich darauf ersch�pft gegen die Wand sinken lie�. Wie fast immer in letzter Zeit, wenn er sich einer gro�en k�rperlichen Anstrengung ausgesetzt hatte, wurde ihm erst schwindelig und dann schlecht, aber diesmal wehrte Skar sich nicht dagegen, denn die �belkeit erstickte auch gleichzeitig die Wut, die noch immer wie ein kleines rotes Raubtier in einer Ecke seiner Gedanken nistete.</p><p>�Was war das?� fragte Titch.</p><p>Skar zuckte mit den Schultern und wollte einfach den Kopf sch�tteln, aber dann tat er es nicht. �Nichts�, sagte er sp�ttisch. �Ich hatte nur Lust, dich ein bi�chen umzubringen.�</p><p>Titchs Stirnrunzeln vertiefte sich, aber der Quorrl schwieg. �Es sind... die Tr�ume�, fuhr Skar fort, stockend, mit trockener Zunge, die seinem Willen nicht mehr richtig gehorchte, als g�be es da eine Macht in seinem Inneren, die verhindern wollte, da� er dem Quorrl alles erz�hlte. Aber er mu�te es. Vielleicht war der Moment nicht mehr fern, in dem er Hilfe brauchte, um mit dem Ungeheuer fertig zu werden, dessen Embryo die <emphasis>Sternengeborenen </emphasis>in seinen Geist gepflanzt hatten. �Es ist dasselbe, was Anschi passiert ist�, sagte er. �Und Kiina und den <emphasis>Errish </emphasis>in Elay - und vermutlich auch dem Rest der Welt, Titch. Es wird... st�rker.�</p><p>�Du meinst, du sp�rst es jetzt auch schon, wenn du wach bist.� Skar nickte. Die ungeheure Tragweite dessen, was er gerade selbst ausgesprochen hatte, lie� ihn schaudern. <emphasis>Wie lange noch? </emphasis>dachte er. <emphasis>Wie lange w�rde es noch dauern, bis ganz Enwor in einem gewaltigen Taumel aus Blut und zielloser Gewalt versank?</emphasis> �Es ist ein Teil von alledem, nicht wahr?� Titch machte eine weit ausholende Handbewegung, und Skar nickte abermals, zuckte dann mit den Schultern und sch�ttelte schlie�lich hilflos den Kopf. �Ich wei� es nicht�, fl�sterte er. �Aber ich f�rchte es. Wahrscheinlich. Vielleicht wird es nur st�rker, weil wir uns ihrer Heimat n�hern. Aber vielleicht geh�rt es auch dazu.�</p><p>Es gab kein <emphasis>vielleicht. </emphasis>Skar wu�te, da� Titch hundertprozentig recht hatte. Was ihre Gedanken vergiftete, das war genauso Teil jenes unvorstellbaren Verteidigungsmechanismus, den ihre Vorfahren erschaffen hatten, wie der <emphasis>Dronte, </emphasis>das <emphasis>Netz </emphasis>und die <emphasis>Ultha </emphasis>und alle anderen Schrecken, die noch auf sie warten mochten. Eine Waffe, die nicht greifbar, daf�r aber um so f�rchterlicher war, denn sie zerst�rte ihre Seelen. Vielleicht war es ihr letzter, verzweifelter Versuch gewesen, damals in ihrem unerbitterlichen Kampf gegen die wahren Herrscher dieser Welt: eine Waffe, die <emphasis>Krieger </emphasis>aus M�nnern und Frauen und Kindern machte.</p><p>�Aber das ergibt keinen Sinn�, sagte Titch auf seine gewohnte, pragmatische Art. �Es vernichtet euch, nicht uns.�</p><p>Skar antwortete nicht, aber er wu�te, da� Titch die Antwort so gut kannte wie er. Es ergab sehr wohl Sinn, denn es brachte sie dazu, die Quorrl zu hassen.</p><p>�Es ergibt auch keinen besonderen Sinn, wenn wir weiter hier bleiben�, sagte er, nur um das Thema zu wechseln. �Besorg' dir etwas zum Anziehen, und dann weck' diese Schlafm�tzen auf. Ich habe keine Lust, noch eine Nacht in diesem Loch zu verbringen.� Titch l�chelte pflichtschuldig, und er versuchte sogar, seine grobschl�chtigen Gesichtsz�ge zu etwas zu verziehen, das den Eindruck erweckte, da� er auf Skars scherzhaften Ton einging. Aber sein Blick blieb ernst, fast - nein, dachte Skar, nicht nur <emphasis>fast,</emphasis> sondern <emphasis>ganz eindeutig - </emphasis>besorgt. Trotzdem wandte er sich nach einer Weile gehorsam um und b�ckte sich nach den Kleidern, die Skar Jarr am vergangenen Abend ausgezogen hatte.</p><p>Skar sah ihm einen Moment schweigend zu, dann wandte er sich um und ging wieder zum Ausgang der H�hle zur�ck. Sein Blick suchte das Lager der <emphasis>Errish, </emphasis>und er begriff mit schmerzhafter Deutlichkeit, da� sie noch andere Feinde hatten als seine Gedanken. Ganz konkrete und sehr fa�bare Feinde, von denen zwei wie riesige schwarze V�gel mit zusammengefalteten Schwingen auf den Felsen unter ihnen sa�en, so nahe, da� er sich zum wiederholten Male fragte, wieso sie nicht l�ngst auf den Gedanken gekommen waren, die H�hle noch einmal und gr�ndlicher zu durchsuchen.</p><p>Er fuhr sich mit beiden H�nden durch das Gesicht, blinzelte ein paarmal, um die Tr�nen fortzubekommen, die ihm das ungewohnt grelle Tageslicht in die Augen trieb, und sp�hte konzentriert nach unten. Bis auf die beiden schlafenden Daktylen schien das Lager der <emphasis>Errish </emphasis>verlassen zu sein. Er konnte das grob geformte Oval aus Felsen nur zur H�lfte einsehen, aber das Feuer war heruntergebrannt und erloschen, und von Anschis M�dchen war keine Spur mehr zu erblicken. W�hrend der letzten Stunden der vergangenen Nacht hatte die Luft �ber den Bergen von den Fl�gelschl�gen der Daktylen nur so geschwirrt, denn Anschis Reiterinnen waren mit dem ersten Grau der D�mmerung in alle Richtungen ausgeschw�rmt, um ihn zu suchen. Jetzt war es fast unheimlich still. Die beiden riesigen Drachenv�gel dort unten schienen zu schlafen. Aber ihre Reiterinnen sonderbarerweise auch.</p><p>Skars Blick tastete �ber das Gewirr von Schatten und bizarren Felsformen, die das Lager der <emphasis>Errish </emphasis>umgaben. W�re <emphasis>er </emphasis>dort unten gewesen, dann h�tte er sich eine Deckung gesucht und in aller Ruhe abgewartet; das Vorgebirge bot ausreichend Verstecke, um eine ganze Armee zu verbergen. Aber gleichzeitig sp�rte er, da� es nicht so war. Skar wu�te stets, wenn er beobachtet wurde. Es war ein Teil seiner Ausbildung gewesen, Blicke einfach zu sp�ren, und er hatte diese F�higkeit im Laufe der Jahre sorgsam weiterentwickelt. Sie hatte ihm mehr als einmal das Leben gerettet. Jetzt f�hlte er... nichts.</p><p>Nach einer Weile trat Titch wieder neben ihn. Sekundenlang blickte er genau wie Skar konzentriert auf das verlassene Lager der <emphasis>Errish </emphasis>herab, dann machte er eine auffordernde Handbewegung. �Vielleicht verr�tst du <emphasis>mir jetzt, </emphasis>was passiert ist?�</p><p>�Warum erz�hlst <emphasis>du </emphasis>mir nicht einfach, was los war - und ich steuere den Rest bei?� schlug Skar vor.</p><p>Titch seufzte. �Ihr Menschen redet zu viel, wei�t du das ?� fragte er. Er machte eine unwillige Geste, als Skar antworten wollte. �Aber gut - es ist ohnehin nicht viel. Du warst nicht lange fort, gestern abend, als der Posten ein verd�chtiges Ger�usch h�rte. Ich wollte hingehen, aber ich kam nicht einmal einen Schritt weit. Etwas ... traf meine Krieger und dann mich. Ich wei� nicht was. Ich habe nicht einmal richtig begriffen, da� wir angegriffen wurden.� Er zog eine Grimasse. �Ich werde leugnen, es jemals zugegeben zu haben, solltest du es vor Fremden wiederholen, aber ich bin noch niemals so �bert�lpelt worden wie gestern.�</p><p>�Ich auch nicht�, sagte Skar. �Es war kein Zufall, wei�t du? Kiina ist aus dem einzigen Grund gekommen, mich fortzulocken. Sie schlug mich nieder, als ich zu euch zur�ckkehren wollte.� Titchs Gesicht verfinsterte sich, und Skar f�gte fast hastig hinzu: �Es war nicht ihre Schuld. Sie wu�te nicht, was sie tat.�</p><p>�Sagst du das, weil du es glaubst oder weil du es glauben m�chtest?�</p><p>Skar l�chelte. �Beides. Ich habe gesehen, was danach geschah. Kiina schlug mich nieder, aber sie beging den Fehler, sich nicht davon zu �berzeugen, da� ich auch wirklich ausgeschaltet war.� Er hatte das absurde Gef�hl, da� Titch die L�ge m�helos durchschauen mu�te, und sprach schneller und deutlich unsicherer weiter, als ihm selbst lieb war. Mit wenigen, knappen S�tzen berichtete er Titch, was er beobachtet hatte, wobei er nur zweierlei weglie� : seine neuerliche Begegnung mit dem <emphasis>Daij-Djan </emphasis>und seine Beobachtung, die Zauberpriester <emphasis>fliegen </emphasis>zu sehen. Das eine, fand er, ging Titch einfach nichts an. Und das andere h�tte er ihm wahrscheinlich nicht geglaubt.</p><p>�Sie werden Jarr t�ten�, sagte Titch ruhig, als er mit seinem Bericht zu Ende gekommen war. �Sie werden den Betrug durchschauen und ihn umbringen.�</p><p>Skar wich seinem Blick aus. �Vielleicht�, antwortete er. �Vielleicht auch nicht. Anschi ist keine M�rderin.�</p><p>Titch lachte rauh. �Du verteidigst sie immer noch - nach allem?�</p><p>�Der Zauberpriester gab ihr den Befehl, deine Leute zu fesseln, damit die Raubtiere sie t�teten�, sagte Skar scharf. �Sie hat es nicht getan, oder?�</p><p>�Richtig�, best�tigte Titch. �Erinnere mich daran, da� ich mich bei ihr bedanke, wenn wir uns das n�chste Mal sehen.�</p><p>Der Spott des Quorrl sch�rte Skars Wut schon wieder - aber es war nur ganz normaler Zorn, aus Unsicherheit und M�digkeit geboren, nicht das verzehrende Feuer der fl�sternden Tr�ume. Er k�mpfte nicht dagegen an. �Was h�tte ich tun sollen?� fragte er gereizt. �Zusehen, wie sie dich wegbringen? Oder ganz allein gegen sie alle k�mpfen? Verdammt noch mal, soll ich mich vielleicht bei dir daf�r entschuldigen, da� ich dir das Leben gerettet habe?� Und vielleicht war es genau das, was er h�tte tun sollen, dachte er. Es waren Momente wie diese, die Skar immer wieder schmerzhaft daran erinnerten, da� Titch ein Todgeweihter war, so wie jeder einzelne Krieger in seiner Begleitung. Nach den komplizierten Ehrenregeln seines Volkes h�tte der Quorrl seinem Leben schon vor Wochen ein Ende setzen m�ssen, und er h�tte es getan, h�tte Skar ihn nicht mit Gewalt daran gehindert. Das Leben, das er seither lebte, hatte Skar ihm abgetrotzt. Aber irgendwann, das wu�te er, war sein Kredit bei dem Quorrl aufgebraucht.</p><p>�Entschuldige�, murmelte er. �Das wollte ich nicht sagen.�</p><p>�Warum hast du es dann getan?�</p><p>Statt zu antworten, deutete Skar mit einer Kopfbewegung auf die vier Quorrl hinter Titch. �Was ist mit ihnen?� fragte er in absichtlich ruppigem Ton. �Kannst du sie aufwecken?�</p><p>Titch nickte und sch�ttelte gleich darauf den Kopf. �Ich k�nnte es�, sagte er. �Aber es ist nicht n�tig. Sie werden von selbst erwachen, in kurzer Zeit. Vielleicht sollten <emphasis>wir </emphasis>diese Frist nutzen, einen Fluchtplan auszuarbeiten.� Er deutete zur H�hlendecke. �Du hast es selbst gesagt: es hat sehr wenig Sinn, noch einen Tag in diesem Loch zu verbringen.� Er beugte sich mit absichtlich �bertriebener Gestik vor und verdrehte den Kopf, um in den Himmel hinaufzublicken. �Wo sind deine gefl�gelten Freundinnen?� fragte er. �Ich w�nschte, ich w��te es�, antwortete Skar. Er deutete auf die Umrisse der beiden Daktylen, hundert Schritte unter ihnen. Sie hatten sich w�hrend der ganzen Zeit nicht einmal bewegt. �Die beiden da sind die einzigen, die zur�ckgeblieben sind. Die anderen...� Er hob die Schultern. �Vielleicht suchen sie nach mir.� Titchs Blick machte deutlich, was er von dieser Erkl�rung hielt, aber er ging mit keinem Wort darauf ein. �Wo Daktylen sind, sind auch <emphasis>Errish </emphasis>nicht weit. Vielleicht sollten wir hinuntergehen und sie fragen�, schlug er vor.</p><p>�Ich�, verbesserte ihn Skar. �Nicht wir.� Titch wollte widersprechen, aber Skar schnitt ihm mit einer entschiedenen Geste das Wort ab. <emphasis>�Ich�, </emphasis>sagte er betont, �traue mir durchaus zu, dort hinunterzukommen, ohne gesehen zu werden. Du auch?�</p><p>�Nein�, antwortete Titch. �Aber ich komme trotzdem mit.� Skar resignierte. Er hatte einfach keine Lust, schon wieder mit dem Quorrl zu streiten - und er sah im Grunde sehr wohl ein, da� Titch recht hatte. W�hrend der letzten acht oder zehn Stunden hatte er mehr Gl�ck gehabt, als selbst mit dem Wort <emphasis>Zufall </emphasis>noch zu erkl�ren war, und vielleicht war es besser, es nicht �ber die Ma�en zu strapazieren. Und au�erdem hatte er schlicht und einfach Angst, allein zu sein. Das <emphasis>Ding </emphasis>in ihm war nicht besiegt. Es schlief nicht einmal, sondern wartete ab. Skar wu�te nicht, was geschehen w�rde, wenn er allein einer <emphasis>Errish </emphasis>gegen�bertrat. Ohne ein weiteres Wort hob er seinen Mantel vom Boden auf, h�llte sich in den schwarzen Stoff und trat aus der H�hle heraus.</p><p>Es gab auf den ersten Metern nicht besonders viel Deckung, aber die fr�he Stunde kam ihnen zugute. Die Sonne stand noch tief, und selbst kleine Felsen warfen Schatten, die lang und tief genug waren, sie notd�rftig zu verbergen. Und der Quorrl legte trotz seiner Gr��e und Massigkeit ein erstaunliches Geschick an den Tag: Titch huschte fast lautlos neben ihm her, und mehr als nur einmal fiel es selbst Skar schwer, seinen schuppigen K�rper zwischen den Felsen auszumachen, durch die sie sich hindurchschl�ngelten. Skar beobachtete scharf die Umrisse der beiden Daktylen, w�hrend sie sich den Hang hinunterarbeiteten. Die beiden riesigen Flugechsen r�hrten sich noch immer nicht, und Skars Vermutung, da� irgend etwas mit ihnen nicht stimmte, wurde fast zur Gewi�heit. Er wu�te, wie scharf die Sinne dieser gefl�gelten Reptilien waren. Die Daktylen h�tten sie einfach gewittert, wenn schon nicht geh�rt.</p><p>Unbehelligt erreichten sie das Ende des Ger�llhanges und tauchten zwischen den Felsen unter, die Anschis Lager umgaben. Skar blieb stehen, lauschte. Nichts. Die einzigen Laute, die er h�rte, waren das Rascheln des Windes und seine und Titchs ged�mpfte Atemz�ge. Titch warf ihm einen fragenden Blick zu und machte eine Bewegung, weiter zu gehen, aber Skar sch�ttelte den Kopf. Lautlos zog er sein Schwert, deutete mit der freien Hand in die dem Talkessel abgewandte Richtung und lief los, ehe der Quorrl Gelegenheit bekam, zu widersprechen. �berfl�ssig oder nicht, er zog es schon aus reiner Gewohnheit vor, sich dem Lager aus der entgegengesetzten Richtung zu n�hern. In weitem Bogen umrundete er die Felsen, auf denen am Abend zuvor Anschis Drachen gesessen hatten, n�herte sich der Ebene und hielt wieder an. Ein eisiger Schauer lief �ber seinen R�cken, als er die gewaltigen Spuren im Sand sah, die die Drachen hinterlassen hatten: Abdr�cke riesiger, vierzehiger Klauen, so lang wie ein Mann, der mit ausgestreckten Armen und Beinen dalag, und tief genug, da� er sich bequem darin h�tte verbergen k�nnen. Titch w�rde...</p><p>Titch w�rde gar nichts, denn Titch war nicht da.</p><p>Skar sah erschrocken hoch, blickte nach rechts und links und hinter sich und blinzelte sogar zu den Felsen �ber seinem Kopf hoch, ehe er sich eingestand, da� er allein war. Er hatte ganz automatisch angenommen, da� der Quorrl ihm folgen w�rde, aber Titch hatte es nicht getan. Skar unterdr�ckte einen Fluch, fuhr herum und rannte zu den Felsen zur�ck, so schnell er konnte. Trotzdem kam er zu sp�t.</p><p>Titch stand auf der anderen Seite des Tales, als er in das steinerne Oval st�rmte, breitbeinig, mit gezogenem Schwert und leicht nach vorne gebeugt, und f�r einen Moment kam er Skar auch ohne seine goldene R�stung wie ein schimmernder Racheengel vor, der wie ein Sturmwind �ber die beiden <emphasis>Errish </emphasis>hereingebrochen sein mu�te, die vor ihm lagen.</p><p>Skar fluchte, lie� auch den letzten Rest von Vorsicht fallen und rannte mit weit ausgreifenden Schritten auf den Quorrl zu, �Titch!� br�llte er. �Du verdammter Narr! Was -�</p><p>Titch sah auf, als er seine Stimme h�rte, und im gleichen Moment, in dem Skar in sein Gesicht blickte, erkannte er seinen Irrtum. Auf den Z�gen des Quorrl stand nichts als Verbl�ffung und Schrecken. Der Sand unter den beiden reglosen Gestalten zu seinen F��en hatte sich dunkel gef�rbt, aber die Klinge seines Schwertes war sauber. Titch hatte die beiden <emphasis>Errish </emphasis>nicht get�tet. Verwirrt blieb Skar neben ihm stehen, sah erst Titch, dann die beiden <emphasis>Errish </emphasis>und dann wieder Titch an und blinzelte schlie�lich zu den Daktylen hinauf. Die Sonne stand genau hinter ihnen, so da� er sie nur als schwarze Schatten erkannte, aber er wu�te mit unersch�tterlicher Sicherheit, da� auch sie tot waren, ausgel�scht von derselben, gnadenlosen Kreatur, die auch die beiden jungen Frauen get�tet hatte.</p><p>�Du bist v�llig sicher, da� du heute nacht nicht einen kleinen Spaziergang unternommen hast, von dem ich nichts wei�?� fragte Titch. Der Klang seiner Stimme strafte die bewu�t lockere Wahl seiner Worte L�gen. Sie klang belegt, auf eine Art und Weise betroffen, die Skar dem Quorrl bisher gar nicht zugetraut hatte. Stumm sch�ttelte er den Kopf, schob sein Schwert in den G�rtel zur�ck und sah sich genauer um, wobei er es fast krampfhaft vermied, die beiden toten <emphasis>Errish </emphasis>zu seinen F��en anzublicken. Aber das nutzte ihm nichts. Er mu�te die Toten nicht untersuchen, um zu wissen, was sie umgebracht hatte. Er hatte die Antwort in Titchs Augen gelesen, als er sich zu ihm herumgedreht und ihn angesehen hatte, das stumme, lodernde Entsetzen, das er schon einmal in den Blicken des Quorrl gesehen hatte. Titch kannte die entsetzlichen Wunden, die der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>schlug, so gut wie er. Und selbst, wenn es nicht so gewesen w�re: die Spuren des Kampfes, der hier stattgefunden hatte, waren �berdeutlich, und der logische Teil von Skars Bewu�tsein lieferte ihm die wenigen restlichen Teile, die n�tig waren, das Mosaik vollends zusammenzusetzen. Anschi und ihre M�dchen waren wohl tats�chlich aufgebrochen, um in den Bergen nach ihm zu suchen, aber sie war zumindest klug genug gewesen, eine Wache zur�ckzulassen; und sei es nur, weil sie vielleicht angenommen hatte, er k�nnte zur�ckkehren, um nach den Quorrl zu sehen. Vielleicht war das der Grund, aus dem niemand sich die M�he gemacht hatte, ihn oben in der H�hle zu suchen, ja, m�glicherweise hatte Anschi den Betrug sogar durchschaut und genau <emphasis>gewu�t, </emphasis>wo er war, war aber davor zur�ckgeschreckt, ihn gewaltsam aus dem Berg herauszuholen. Und wozu auch? Es reichte, eine Wache zur�ckzulassen, die den H�hleneingang im Auge behielt.</p><p>Ja, dachte er schaudernd - so mu�te es gewesen sein. Anschi hatte sich taktisch kl�ger verhalten, als er es ihr bisher zugebilligt hatte. Nur eines hatte sie nicht vorausahnen k�nnen.</p><p>Da� er nicht allein war.</p><p>Etwas hatte die beiden jungen Frauen get�tet; gnadenlos und mit gro�er Grausamkeit, aber keineswegs schnell: eine dunkle, entsetzlich <emphasis>breite </emphasis>Blutspur zog sich �ber eine Strecke von fast zwanzig Schritten zu einem der erstarrten K�rper, und in die Felsen unterhalb der Daktylen waren glasierte schwarze Blitze eingebrannt. Zumindest eine der beiden <emphasis>Errish </emphasis>war noch dazu gekommen, ihre Scannerwaffe zu ziehen und sich zu verteidigen. Skar fragte sich, ob sie noch Zeit gefunden hatte, zu begreifen, da� sie gegen eine Kreatur k�mpfte, die man nicht t�ten <emphasis>konnte.</emphasis></p><p>�Sie... werden wiederkommen�, sagte Titch stockend. Seine Stimme zitterte. Skar sp�rte, da� er nur sprach, um �berhaupt etwas zu sagen und das entsetzliche Schweigen zu durchbrechen. Der Blick des Quorrl irrte unstet durch das Tal, wie der Skars krampfhaft darum bem�ht, nicht die beiden toten <emphasis>Errish </emphasis>zu streifen, als h�tte er Angst, sich mit etwas von dem zu besudeln, was sie umgebracht hatte.</p><p>Aber er wich auch ihm aus.</p><p>Und pl�tzlich war Skar gar nicht mehr so sicher, ob er wirklich wu�te, <emphasis>wovor </emphasis>der Quorrl Angst hatte.</p><p>�La� uns gehen, Titch�, sagte er.</p><p>Der Quorrl r�hrte sich nicht, aber er sah ihn auch jetzt noch nicht an, sondern starrte aus weit aufgerissenen Augen auf einen imagin�ren Punkt irgendwo zwischen ihm und den Felsen auf der anderen Seite des Tales.</p><p>�Titch.�</p><p>�Sie haben unsere Pferde mitgenommen. Und fast unsere ganze Ausr�stung.� Nat�rlich war es nicht das, was der Quorrl wirklich f�hlte. Er klammerte sich einfach an ein paar scheinbar praktische Probleme, um die andere Frage nicht stellen zu m�ssen, deren Antwort vor ihm lag.</p><p>�Sie haben Kiina mitgenommen�, erinnerte Skar. �Ich mu� sie suchen.�</p><p>�Suchen? Und wo?�</p><p>�Das wei�t du so gut wie ich�, antwortete Skar, pl�tzlich wieder zornig. �Aber du mu�t nicht mitkommen, wenn du nicht willst.�</p><p>�Du gibst mich frei?� Titch lachte leise, aber es klang �berhaupt nicht am�siert, sondern nur bitter, fast wie ein Schrei. �Du verlangst nicht mehr, da� ich lebe?�</p><p>�Meinetwegen schneid dir doch die Kehle durch, du bl�des Fischgesicht�, fauchte Skar. �Ich kann dieses endlose Gerede vom Tod und Sterben und Ehre nicht mehr h�ren. Nimm deine Kr�tenkrieger und st�rz dich ins Meer, wenn es dir Spa� macht!� Er wollte das nicht sagen, aber etwas trieb ihn dazu, es zu tun, eine Kraft, die st�rker war als sein Wille. Brodelnde Wut �berschwemmte seine Gedanken wie Lava, blitzschnell und so warnungslos, da� er nicht einmal mehr Zeit fand, zu begreifen, da� er dem Angriff diesmal erlegen war. Er schrie auf, st�rzte sich auf den Quorrl und ri� gleichzeitig das Schwert aus dem G�rtel.</p><p>Titch schlug ihn nieder.</p><p>Der Hieb war weder besonders schnell noch besonders hart, aber die Wut machte Skar blind. Er dachte nur noch daran, den Quorrl zu verletzen, ihn zu schlagen und zu t�ten, nicht mehr daran, sich selbst zu sch�tzen. Titchs Handkante traf seinen Nacken und lie� seinen Ansturm zu einem ungeschickten Stolpern werden, dem der Quorrl mit einer fast spielerischen Bewegung auswich. Dann trat er nach seinem Bein, aber auch jetzt eher sanft, so da� er ihn nur zu Fall brachte und nicht den Knochen brach. Skar st�rzte, verlor sein Schwert und griff instinktiv um sich. Seine Finger tasteten �ber rauhen Stoff und Leder, glitten �ber kalte Haut und klebriges, erst halb geronnenes Blut und bekamen etwas Kaltes, Stahlhartes zu fassen.</p><p>Titch und das Ungeheuer in ihm selbst schrien zur gleichen Zeit auf, als Skar herumfuhr und den Scanner der toten <emphasis>Errish </emphasis>in die H�he ri�. Der Quorrl bewegte sich, aber Skar wu�te, da� er zu langsam sein w�rde. Der Lauf des Scanners folgte seiner Gestalt unerbittlich, w�hrend Skars Finger nach dem Ausl�ser der h�llischen Waffe tastete und...</p><p>Nicht weit hinter Titch stand ein Schatten: klein, schlank wie ein Kind und ohne Gesicht und trotzdem h�hnisch grinsend, als er eine seiner d�rren Spinnenarme hob und auf den Quorrl deutete. <emphasis>T�te ihn. Vernichte ihn, Skar. T�te ihn f�r mich, so wie ich diese hier f�r dich get�tet habe.</emphasis></p><p>Titch f�hrte seine Bewegung zu Ende und sprang auf ihn zu, aber Skar regte sich nicht. Sein Blick saugte sich an der schwarzen Silhouette des <emphasis>Daij-Djan </emphasis>fest, und f�r den Bruchteil einer Sekunde sp�rte er, wie sein Widerstand zerbrach. Sein Finger pre�te den Feuerknopf des Scanners nieder.</p><p>Aber der nadeld�nne Stab aus Licht traf nicht den Quorrl, sondern den d�rren Insektenschatten hinter ihm.</p><p>Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>flammte auf wie unter einem unheimlichen inneren Feuer, und f�r einen Moment hatte er ein Gesicht, Skars eigene Z�ge, aus dessen Augen ihm lodernde rote Glut entgegenstrahlte. Dann verschwand er, so lautlos und schnell, wie er es stets tat. Skar schleuderte die Waffe in hohem Bogen von sich, blieb sekundenlang mit geschlossenen Augen liegen und krallte die H�nde in den lockeren Sand. Es war noch nicht vorbei, aber pl�tzlich hatte er die Kraft, dagegen zu k�mpfen. Er bildete sich ein, da� es der Quorrl w�re, Titchs Gesicht, in das er die Finger grub, um es zu zermalmen, und diese Vorstellung half: das rote Ungeheuer in seinen Gedanken zog sich zur�ck, langsam, widerwillig, aber f�r den Moment noch einmal geschlagen.</p><p>Als Skar sich m�hsam auf den R�cken w�lzte, stand Titch breitbeinig �ber ihm, ohne Waffe, aber mit geballten F�usten und mi�trauisch zusammengepre�ten Augen. Aber er wirkte eher verwirrt als zornig.</p><p>�Es ist gut�, murmelte Skar. �Alles in Ordnung, Titch. Ich... habe es wieder in der Gewalt.�</p><p>Titch blickte fragend, und Skar antwortete mit einem ebenso wortlosen Nicken. Es war schlimmer, als sie beide geglaubt hatten. Und ihnen blieb sehr viel weniger Zeit.</p><p>Skar b�ckte sich zum zweiten Mal nach dem Scanner der <emphasis>Errish, </emphasis>als sie das Lager verlassen wollten. Aber er nahm die Waffe nicht mit, sondern wog sie nur einen Moment nachdenklich in der Hand und schleuderte sie dann mit einer fast angewiderten Geste davon. Er wu�te, da� er seinen Entschlu� sp�testens in ein paar Tagen bitter bereuen w�rde, aber er brachte es einfach nicht �ber sich, die Waffe einzustecken.</p><p>Titch sah ihm schweigend zu, und auch sein Gesicht verriet keine Regung; trotzdem war Skar klar, da� der Quorrl seine Handlung mi�billigen mu�te. Die Scanner waren �u�erst wirkungsvolle Waffen. Sie h�tten sie gebraucht, dort, wo sie hingingen.</p><p>Als er sich umwenden wollte, um das Tal endg�ltig zu verlassen, hielt Titch ihn zur�ck und deutete auf die beiden toten <emphasis>Errish. </emphasis>�Was geschieht mit ihnen?�</p><p>Skar sah ihn unverstehend an, und der Quorrl f�gte hinzu: �Wir sollten sie begraben.�</p><p>Skar schwieg noch immer, jetzt aber aus Betroffenheit, da� es der Quorrl gewesen war, der diese Frage aussprach, nicht er. Er tat so, als �berlege er, dann sch�ttelte er den Kopf. �Der Boden ist zu hart. Und wir haben keine Zeit. Die anderen werden zur�ckkommen, wenn sie nichts von ihren Schwestern h�ren.�</p><p>Titch zuckte mit den Schultern und drehte sich wortlos um, aber Skar sp�rte genau, da� er die Worte als das erkannt hatte, was sie waren: eine Ausrede. Sie hatten mehr als genug Zeit, bis Titchs Krieger sich weit genug erholt hatten, den Weitermarsch anzutreten, und mehr als genug lose Steine und Felsbrocken, die sie �ber die Leichen h�ufen konnten. Schweigend verlie�en sie das steinerne Grab und machten sich auf den R�ckweg zur Felsenh�hle. Die Daktylen tauchten auf, als sie den halben Weg hinter sich gebracht hatten. Skar bemerkte sie nicht einmal. Es war Titch, der pl�tzlich seinen Arm ergriff und ihn in die Deckung eines Felsbrockens zerrte, so grob, da� Skar ungeschickt auf die Knie herabfiel und sich die Hand verzerrte, bei dem Versuch, den Sturz abzufangen. Er fluchte.</p><p>�Was zum -�</p><p>Titch schnitt ihm mit einer zornigen Geste das Wort ab und deutete mit der anderen Hand in den Himmel hinauf. Skars Blick folgte der Bewegung.</p><p>�ber dem Berggipfel waren zwei winzige, dreieckige Schatten erschienen, zu denen sich Augenblicke sp�ter ein dritter Drachenvogel gesellte. Dicht hintereinander, aber in unterschiedlicher H�he, glitten die drei Daktylen durch die Luft, schwenkten pl�tzlich nach Westen ab und begannen mit schwerf�lligen Fl�gelschl�gen �ber dem Tal zu kreisen, wobei sie langsam, aber sehr gleichm��ig an H�he verloren, so da� ihr Flug zu einer enger werdenden Spirale wurde, deren Mittelpunkt sich fast genau �ber Skar und dem Quorrl befand.</p><p><emphasis>�Errish!� </emphasis>sagte Skar �berfl�ssigerweise. �Verdammt, das ist doch kein Zufall mehr!�</p><p>�Nat�rlich nicht�, knurrte Titch. �Sie haben den Scannerblitz gesehen. Glaubst du, sie sind blind?�</p><p>Skar verschluckte die scharfe Antwort, die ihm auf der Zunge lag. Titch hatte recht, auch wenn er es nur ungern zugab, denn diese Erkl�rung bedeutete nichts anderes, als da� <emphasis>er </emphasis>selbst f�r das pl�tzliche Auftauchen dieser drei <emphasis>Errish </emphasis>verantwortlich war. �Weg hier!� sagte Titch. �Wenn sie noch ein St�ck tiefer gehen, sehen sie uns.� Er wollte aufstehen, um den Hang weiter hinaufzuhuschen, aber Skar hielt ihn zur�ck, denn in diesem Moment l�ste sich eine der drei Daktylen aus dem kleinen Verband und jagte wie eine riesige schwarze Speerspitze auf den Eingang der Quorrl-H�hle zu und begann dicht davor zu kreisen. Die beiden anderen Daktylen n�herten sich dem Tal mit den beiden toten <emphasis>Errish </emphasis>und setzten ungeschickt auf den Felsen zur Landung an.</p><p>Skar deutete stumm nach links. Die Felswand ragte dort fast lotrecht in die H�he, aber die Sonne stand noch immer g�nstig. Auf eine H�he von vier oder f�nf Metern lag der Fu� der Steilwand noch im Schatten. F�r eine gute Stunde, wenn nicht l�nger, w�rden sie dort fast v�llig unsichtbar sein. Titch signalisierte ihm mit einem Nicken, da� er einverstanden war. Jeden Schatten und jeden Felsen als Deckung nutzend, schlichen sie los und erreichten nach wenigen Minuten unbehelligt den Fu� der zyklopischen Felswand. Skar pre�te sich flach gegen den Boden und breitete seinen Mantel �ber sich aus, w�hrend Titch einfach zur Reglosigkeit erstarrte und sich voll und ganz auf den Schutz des Schattens und seiner geschuppten dunklen Haut verlie�.</p><p>Die Zeit verstrich qu�lend langsam. Skar war sich dar�ber im klaren, da� in Wahrheit nur Minuten vergangen sein konnten, bis die beiden <emphasis>Errish </emphasis>wieder aus dem Tal auftauchten und in die S�ttel der Daktylen kletterten, aber ihm kam es vor, als w�ren Stunden vergangen, bis die beiden Drachenv�gel sich ungeschickt abstie�en und in gef�hrlich tiefem Gleitflug �ber die Felsen glitten, ehe es ihnen gelang, H�he zu gewinnen. Auch die dritte Daktyle h�rte auf, vor dem H�hleneingang zu kreisen und schaufelte sich mit kraftvollen Schl�gen ihrer ledrigen Schwingen in die H�he. F�r einen Moment hoffte Skar schon, die <emphasis>Errish </emphasis>w�rden einfach abziehen, aber der logische Teil seines Bewu�tseins sagte ihm, da� sie das ganz bestimmt <emphasis>nicht </emphasis>tun w�rden. Schlie�lich wu�te er, was sie hinter den Felsen gefunden hatten.</p><p>Die drei Daktylen schwebten einen Moment lang fast reglos �ber dem Tal, und Skar glaubte, die forschenden Blicke der drei <emphasis>Errish </emphasis>auf ihren R�cken wie die Ber�hrung einer eisigen Hand zu f�hlen. Dann zerbrach der Formationsflug der drei Drachenv�gel wieder. Diesmal n�herten sich <emphasis>zwei </emphasis>Daktylen der H�hle und begannen, vor ihrem Eingang zu kreisen. Skar sah aus den Augenwinkeln, wie sich Titch spannte. Er warf dem Quorrl einen mahnenden Blick zu, aber er war nicht einmal sicher, ob er ihn �berhaupt bemerkte.</p><p><emphasis>�Skar!�</emphasis></p><p>Die Stimme kam direkt vom Himmel, und sie war so laut und durchdringend wie die eines Gottes. Skar sah erschrocken auf, darauf gefa�t, die Daktyle direkt auf ihr Versteck zuschie�en zu sehen, aber die Echse kreiste weiter �ber dem Tal, der Kopf ihrer Reiterin bewegte sich suchend hin und her. Schwarzes Haar wehte wie ein Schleier im Flugwind. Die <emphasis>Errish </emphasis>�ber ihnen war Anschi.</p><p><emphasis>�Satai!� </emphasis>schrie sie noch einmal. <emphasis>�Ich wei�, da� du mich h�rst! Du bist hier irgendwo! Ich kann dich nicht sehen, aber ich wei�, da� du mich siehst. H�r mir genau zu!�</emphasis></p><p>Die Daktyle verlor an H�he, und Anschi schwieg ein paar Sekunden, um ihren bockenden Drachenvogel wieder unter Kontrolle zu bekommen. Skar tauschte einen erschrockenen Blick mit Titch. Der Quorrl beobachtete Anschi scharf, sah aber zwischendurch immer wieder zu den beiden anderen Daktylen hinauf. Die <emphasis>Errish </emphasis>hatten sich der H�hle noch weiter gen�hert und kreisten so dicht vor ihrem Eingang, da� ihre Daktylen sich nur noch mit M�he in der Luft halten konnten. Ihre Fl�gel peitschten wie rasend.</p><p><emphasis>�Satai!� </emphasis>schrie Anschi. <emphasis>�H�r mir genau zu, du verdammter M�rder! Du hattest deine Chance, mehr als einmal! Aber du hast es nicht anders gewollt! Jetzt spielen wir nach meinen Regeln, h�rst du? Wir haben Kiina, und wir haben deinen Quorrl-Freund! Den Quorrl werden wir l�ten, und wenn du Kiina wiedersehen willst, dann komm und hole sie dir! Du wei�t, wo du uns findest! Und jetzt sieh genau hin, Satai. Eine Errish bezahlt immer ihre Schuld! Sieh ganz genau hin!� </emphasis>Anschi hob die Hand und gab ihren beiden Schwestern ein Zeichen, und Titch schrie gellend auf und sprang hoch.</p><p>Aber diesmal war er nicht schnell genug. Skar sprang ihn an und lie� die gefalteten F�uste mit aller Gewalt in seinen Nacken krachen. Der Quorrl taumelte, fiel auf H�nde und Knie zur�ck und brach vollends zusammen, als Skar noch einmal und mit noch gr��erer Kraft zuschlug.</p><p>Und in der gleichen Sekunde begannen grellwei�e Lanzen aus Licht aus den H�nden der <emphasis>Errish </emphasis>zu zucken und fuhren in die H�hle. Immer und immer und immer wieder.</p></section><section><title><p id="_13">13.</p></title><p>Sie hatten kein Wort mehr miteinander gesprochen. Titch war nach wenigen Augenblicken wieder erwacht, aber nichts von alledem, was Skar erwartet hatte, war geschehen. Der Quorrl hatte sich einfach aufgerichtet und lange, endlos lange zu der lodernden roten Wunde im Berg hinaufgestarrt, in die das Scannerfeuer der <emphasis>Errish </emphasis>die H�hle verwandelt hatte, und er hatte auch nicht reagiert, als Skar ihn anzusprechen versuchte. Fast eine Stunde lang hatte er einfach dagesessen und ins Leere gestarrt. Schlie�lich war Skar aufgestanden und noch einmal zu den beiden toten <emphasis>Errish </emphasis>zur�ckgegangen, um sich ihrer Vorr�te und Wasserflaschen zu bem�chtigen. Als er zur�ckkam, sa� der Quorrl noch immer in der gleichen, erstarrten Haltung da.</p><p>Die Sonne stand im Zenit, als sie das Tal verlie�en und den langen, m�hsamen Aufstieg in die Berge begannen. Es war hei� geworden, und der Regen hatte endg�ltig aufgeh�rt. Am Himmel stand keine einzige Wolke mehr, und selbst der Wind war warm und trocken; wie ein Vorgeschmack der W�ste auf der anderen Seite der steinernen Barriere, die das Tal der Drachen umgab. Sie kamen nur sehr langsam voran, denn es gab keinen richtigen Weg, und oberhalb der H�hle, die Titchs M�nnern zum Grab geworden war, wurde das Gel�nde immer schwieriger, so da� sie mehr als einmal zu lebensgef�hrlichen Kletterpartien gezwungen wurden. Skar wartete auf den Moment, in dem Titch aus seiner Bet�ubung erwachen oder einfach vor Schw�che aufgeben w�rde, denn mit seiner verletzten Hand mu�te ihm das Bergsteigen ungleich schwerer fallen als ihm, aber der Quorrl folgte stumm und klaglos.</p><p>Am sp�ten Nachmittag hatten sie den Berggipfel erreicht und legten eine erste Rast ein. Skar war m�de. Das Klettern hatte ihn ersch�pft, und er hatte die zweite Nacht ohne Schlaf hinter sich. Seine Augen brannten, und im Laufe der letzten Stunde hatte er mehr als einmal danebengegriffen und war eigentlich nur noch durch pures Gl�ck einem Absturz entronnen. Trotzdem widerstand er der Versuchung, sich auf dem Boden auszustrecken und die Augen zu schlie�en. Er hatte Angst, zu schlafen. Wenn er schlief, kamen die Tr�ume, und vielleicht w�rde er nicht mehr er selbst sein, wenn er das n�chste Mal aufwachte. Sie rasteten eine Stunde, dann zogen sie weiter, dem Gipfel des n�chsten, h�heren Berges entgegen, der vor ihnen aufragte. Sie brauchten den Rest des Tages, die Nacht und noch einen Teil des n�chsten Morgens, um ihn zu erreichen, und dann versagten Skars Kr�fte einfach. Mitten im Schritt brach er in die Knie, kippte nach vorn und schlief ein - <emphasis>und tr�umte wieder.</emphasis></p><p><emphasis>Er sah sich selbst und Titch, allein auf einer gigantischen, vollkommen leeren Ebene aus schwarzem Stahl, �ber der sich kein Himmel spannte. Sie k�mpften, einen gnadenlosen, endlosen Kampf, in dem keiner den anderen besiegen konnte und sie sich gegenseitig immer wieder furchtbare Wunden beibrachten, ohne da� einer von ihnen aufgab oder schw�cher wurde. Der Zorn war wieder da, schlimmer denn je, und er hatte seinen Bruder mitgebracht, die Furcht, die Skar im gleichen Ma�e zu l�hmen schien, wie ihm der Ha� Kraft verlieh.</emphasis></p><p><emphasis>Dieser Traum war nicht so sonderbar zweigeteilt wie seine Vorg�nger, denn Skars Bewu�tsein war einfach zu ausgelaugt, um noch irgendwelche Eindr�cke aufnehmen zu k�nnen, aber daf�r erschien er ihm - obgleich bizarr und irreal - auf unheimliche Weise wirklicher als alles, was er vorher erlebt hatte, als g�be es eine Wahrheit, die nichts mit der Realit�t zu tun hatte. Der Kampf zwischen Titch und ihm wogte mit verbissener Wut hin und her, und Skar wu�te auch, da� er niemals enden w�rde, denn im Traum waren sie beide unverletzlich; ihre Wunden schlossen sich so schnell wieder, wie sie sie schlugen, es war nicht der Kampf zwischen ihnen selbst, den sie k�mpften, sondern die uralte Auseinandersetzung zwischen der Welt der Quorrl und der Welt der Menschen, das Ringen zweier V�lker, die sich nur gegenseitig vernichten konnten, nicht aber einander besiegen.</emphasis></p><p><emphasis>Pl�tzlich waren sie nicht mehr allein. Der </emphasis>Daij-Djan <emphasis>war da, sein dunkler, m�rderischer Bruder, der die letzte H�lfte seines Lebens zu einer Spur aus Blut und Tod gemacht hatte, und er winkte ihm zu und trat mit einer fragenden, fordernden Geste hinter Titch, der weiterk�mpfte, ohne die Chim�re auch nur zu bemerken.</emphasis> Was willst du? <emphasis>fragte Skar, und der </emphasis>Daij-Djan <emphasis>antwortete mit seiner lautlosen, b�se fl�sternden Stimme:</emphasis> Dir helfen, Bruder. La� ihn mich f�r dich t�ten, wenn du es schon nicht f�r mich tust. Es ist gleich, wer es macht. Wir sind eins. Ich bin du, und du bist ich.</p><p><emphasis>Und wieder war die Verlockung da, st�rker denn je, der verzweifelte Wunsch, da� alles endlich ein Ende haben m�ge, ganz egal, um welchen Preis. Die Klaue des </emphasis>Daij-Djan <emphasis>hob sich, und Titchs Bewegungen erstarrten.</emphasis></p><p>Nein, <emphasis>sagte Skar.</emphasis></p><p>�berlege es dir gut, Bruder. Es ist das letzte Mal. Wenn du meine Hilfe das n�chste Mal brauchst, mu�t du mich rufen. Und dann werde ich nicht mehr gehen.</p><p>Ich will deine Hilfe nicht, <emphasis>st�hnte Skar. </emphasis>Du bringst den Tod. Ich <emphasis>bin </emphasis>der Tod, <emphasis>antwortete der </emphasis>Daij-Djan <emphasis>sp�ttisch. </emphasis>Du bist der Tod, Bruder, denn ich bin du, so wie du ich bist. Aber auch der Tod ist nicht unsterblich. Dir bleibt nicht mehr viel Zeit. Weniger, als du glaubst. Komm.</p><p><emphasis>Die Bestie wandte sich um und winkte, und als Skar ihr folgte, war die st�hlerne Ebene pl�tzlich verschwunden, und sie standen am Rande einer gewaltigen, Meilen um Meilen tiefen Klippe, die direkt in die H�lle hinabf�hrte.</emphasis></p><p>Sieh! <emphasis>Die Hand des </emphasis>Daij-Djan <emphasis>deutete nach Norden, und Skars Blick folgte der Geste �ber die Leere hinweg bis zu dem Schatten, auf den sie deutete.</emphasis></p><p><emphasis>Es mu�ten Hunderte Meilen bis dorthin sein, aber die Vision folgte ihren eigenen Gesetzen, und Skar konnte deutlich sehen, was es war, das sein dunkler Bruder ihm zeigen wollte: Ein Turm. Ein finsterer, steinerner Block von einer Farbe, die dunkler als Schwarz war und das Licht aufsaugte, und die Ha� ausstrahlte wie eine unsichtbare rote Woge. Skar sp�rte ein Pulsieren wie das Schlagen eines finsteren, gigantischen Herzens, und in seinen Gedanken wurde jeder Schlag dieses unsichtbaren Herzens zu einem dr�ngenden Fl�stern: </emphasis>T�te! T�te! T�te! <emphasis>Skar wollte die Augen schlie�en, aber er konnte es nicht. Der Anblick des schwarzen Kolosses im Herzen des Drachenlandes l�hmte seinen Willen.</emphasis></p><p>Das M�dchen ist dort, <emphasis>sagte der </emphasis>Daij-Djan. Und die, die du suchst, auch. Aber du kannst sie nicht besiegen ohne mich. Allein bist du nur ein Mensch. So wie ich nur ein Schatten bin. Sie aber sind G�tter.</p><p>Nein! <emphasis>st�hnte Skar. </emphasis>Geh! Geh endlich!</p><p><emphasis>Der </emphasis>Daij-Djan <emphasis>machte eine Geste, die fast bedauernd wirkte. </emphasis>Wie du willst, Bruder. Du bist es, der befiehlt. Ich bin nur das Werkzeug. Aber ich werde da sein, wenn du mich rufst. <emphasis>Und damit verschwand er, und Skar -</emphasis> wachte auf.</p><p>Es waren seine Reflexe, die ihn retteten, nicht sein Bewu�tsein, das sich nur allm�hlich aus dem klebrigen Gespinst des Traumes l�ste, der kein Traum gewesen war. Er �ffnete die Augen, sp�rte die Gefahr mehr, als er sie erkannte, und warf sich blitzschnell zur Seite und gleichzeitig zur�ck. Er schlug schmerzhaft mit der Schulter auf, tastete blindlings mit H�nden und F��en nach Halt und f�hlte nichts als Leere unter dem rechten Arm und dem rechten Bein. Verzweifelt spannte er die Muskeln an, mobilisierte seine letzten Kraftreserven und versuchte sich herumzuwerfen, aber die hastige Bewegung lie� ihn nur noch weiter auf den Abgrund zurollen.</p><p>Schuppige Finger packten seine Hand und zerrten ihn mit einem Ruck herum und auf die F��e, der ihm den Arm aus dem Gelenk zu rei�en schien. Skar schrie auf, ri� seine Hand los und taumelte einen Schritt an dem Quorrl vorbei, fort von dem Abgrund, in den er um ein Haar gest�rzt w�re.</p><p>Keuchend drehte er sich um, pre�te die Hand auf die schmerzende Schulter und warf Titch einen gleichzeitig w�tenden wie verwirrten Blick zu. Er hatte noch immer M�he, sich zurechtzufinden. Im allerersten Moment glaubte er, noch immer zu tr�umen. Aber dann begriff er, da� es nicht der Titch aus seinem Traum war, dem er gegen�berstand, nicht der Erzfeind, sondern nur ein Quorrl, der kein Quorrl mehr war und der ihm jetzt nur noch ein Leben schuldete, und der Abgrund zwei Schritte vor seinen F��en war nicht der H�llenschlund aus seiner Vision, sondern eine ganz normale Felswand, wenn auch eine von erschreckender Tiefe. Mit einem Gef�hl heftiger Betroffenheit gestand er sich ein, da� er im Schlaf aufgestanden und hierhergegangen sein mu�te. Skar trat verwirrt an dem Quorrl vorbei, lie� sich auf ein Knie herabsinken und sp�hte vorsichtig nach unten. Die enorme H�he der Klippe lie� ihn schwindeln. Unter ihnen breitete sich das Tal der Drachen aus, eine sonderbare, erschreckende Landschaft, die zum Teil aus Felsen, zum Teil aus W�ste und gro�en, schmutziggr�nen Flecken wuchernden Dschungels bestand. Sein Blick ging nach Norden und suchte den Turm, und f�r einen kurzen Moment glaubte er ihn sogar zu sehen. Dann verschwamm der Schatten vor seinen Augen, und Skar begriff, da� sie viel zu weit von ihm entfernt waren, als da� er ihn erkennen konnte. Aber er wu�te, da� er da war. Er konnte ihn sp�ren. Er h�rte sein b�ses, pulsierendes Fl�stern, das nun nicht mehr nur nach seinen Tr�umen griff, sondern auch nach seinen Gedanken.</p><p>Er stand mit einer abrupten Bewegung auf, drehte sich herum und ging an Titch vorbei. Ihr Lagerplatz war nur wenige Schritte entfernt, aber am Morgen, als sie hergekommen waren, war Skar einfach zu m�de gewesen, um den Abgrund zu bemerken, auf den sie sich zubewegten. Er fragte sich, ob Titch ihn gewarnt h�tte, w�re er weitergegangen.</p><p>Wortlos lie� er sich auf einen Felsen sinken, st�tzte die Ellbogen auf den Knien auf und verbarg das Gesicht in den H�nden. Er war noch immer m�de. Die Sonne hatte l�ngst die zweite H�lfte ihrer Tagesreise in Angriff genommen, aber die Stunden, die er geschlafen hatte, hatten ihn nicht erfrischt; im Gegenteil. Auf einer geistigen Ebene f�hlte er sich ersch�pfter und ausgelaugter als zuvor. Das Ger�usch schwerer Schritte lie� ihn aufsehen. Titch kam langsam auf ihn zu, betrachtete ihn einen Herzschlag lang pr�fend und fast mi�trauisch und hob dann in einer linkischen Geste die Hand.</p><p>�Ich war einen Moment eingeschlafen�, sagte er. Es klang wie eine Entschuldigung. �Als ich gemerkt habe, da� du fort warst, war es fast zu sp�t.�</p><p>Skar antwortete nicht, aber er sah den Quorrl mit neuem Interesse an. Titchs Stimme klang schleppend. Der Quorrl mu�te so m�de sein wie er, wenn nicht ersch�pfter, denn er hatte wahrscheinlich den ganzen Tag neben Skar gesessen und gewacht, aber es war nichts von der Bitterkeit und Resignation darin, die Skar erwartet h�tte. Etwas war mit Titch geschehen, w�hrend er geschlafen hatte.</p><p>�Fast zu sp�t ist doch ausreichend�, sagte er mit einem m�den L�cheln. �Besser als wirklich zu sp�t, oder?� Er nahm die H�nde herunter und sah sich suchend um. �Ich bin durstig. Haben wir noch Wasser?�</p><p>Titch reichte ihm eine der Flaschen, die er den toten <emphasis>Errish </emphasis>abgenommen hatte. Zu Skars �berraschung war sie bis an den Rand gef�llt, und ihr Inhalt war eiskalt und wohlschmeckend.</p><p>�Ich habe mich ein wenig umgesehen, w�hrend du geschlafen hast�, erkl�rte Titch, als er seinen fragenden Blick bemerkte. �Ganz in der N�he ist eine Quelle. Und dort unten -� Er deutete mit einer Kopfbewegung zur Klippe zur�ck. �- flie�t ein Flu� vorbei. Du kannst trinken, soviel du willst. Wir werden kaum verdursten.�</p><p>Durch seine Worte ermutigt, trank Skar einen weiteren, gewaltigen Schluck, ehe er die Flasche wieder zuschraubte. �Und wie sieht es mit Essen aus?�</p><p>�Wenn du Gras magst...�, sagte Titch. �Oder Moos.� Er sch�ttelte bedauernd den Kopf. �Es gibt kein Wild hier oben. Au�erdem l��t sich mit einem Schwert schlecht Jagd auf Hasen machen. Aber dort unten im Tal finden wir sicher etwas.�</p><p>�Du begleitest mich also?�</p><p>Titch entbl��te sein Raubtiergebi� zu einem Grinsen. �Eine reichlich �berfl�ssige Frage in unserer Situation, findest du nicht?�</p><p>�Du wei�t genau, was ich meine.�</p><p>Titch wurde �bergangslos ernst. �Du hast es wirklich so gemeint, wie du es gesagt hast, gestern morgen, nicht?�</p><p>�Da� du gehen kannst?� Skar nickte. �Ja. Es war dumm, dich zwingen zu wollen.�</p><p>�Niemand kann mich zu irgend etwas zwingen�, antwortete Titch leise.</p><p>�Wenn es dir wichtig ist, dann entbinde ich dich von deinem Ver -� Skar registrierte erst nach ein paar Sekunden, was Titch gerade gesagt hatte. Er brach mitten im Wort ab und sah den Quorrl verbl�fft an. �Wie... meinst du das?�</p><p>�Niemand hat je einen Quorrl dazu gezwungen, irgend etwas gegen seinen Willen zu tun�, antwortete Titch. �Ich habe dich nach Elay begleitet, weil ich es <emphasis>wollte, </emphasis>Skar, nicht wegen irgendeines dummen Versprechens.�</p><p>�Und dein Eid, zu sterben? Deine Ehre?�</p><p>�Ehre.� Titch sprach das Wort mit sonderbarer Betonung aus, deren Bedeutung Skar nicht ganz klar wurde. �Ehre. Es gibt Ehre, und es gibt Rituale, Satai. Beides ist nicht dasselbe. Damals, in der Burg, da glaubte ich wirklich, da� Menschen und Quorrl niemals zusammen existieren k�nnten. Ich dachte, es w�re meine Pflicht, zu sterben. Aber ich wollte es nicht wirklich.� Er ballte die Faust, und pl�tzlich klang seine Stimme gequ�lt. �Ich bin ein Krieger, Skar. Man hat mich gelehrt, da� mein Leben dem Kampf dient, und mit ihm endet, so oder so. Mich und all die M�nner, die mir ihr Leben anvertrauten. Ich habe zehntausend von ihnen in den Tod gef�hrt. Und Tausende von deinen M�nnern.�</p><p>�Du wurdest get�uscht, genau wie wir, und -�</p><p>�Das spielt keine Rolle�, unterbrach ihn Titch. �Ich habe einen Fehler gemacht, und es ist gleich, warum. Ich bin als Krieger geboren und zum Krieger erzogen worden, und als Krieger habe ich versagt, und die Regeln sind eindeutig, in diesem Fall. Aber ich frage mich, ob sie richtig sind.�</p><p>�Keine Regel, die den Tod eines Mannes verlangt, ist richtig�, antwortete Skar.</p><p>�Aber ich bin kein Mann�, widersprach Titch in beinahe sanftem Tonfall. �Du verstehst unsere Art zu denken noch immer nicht, Satai, so wenig wie ich die eure. Ich und das Heer, das ich zu euch brachte, wir sind...� Er suchte nach Worten. �Waffen. Erinnerst du dich, wie Anschi die <emphasis>Ultha </emphasis>nannte? <emphasis>Dinge. </emphasis>Das sind wir. Krieger. Werkzeuge, die man benutzt und sorgsam pflegt, aber wegwirft, wenn sie nicht mehr gebraucht werden oder versagen. Oh, wir sind F�rsten, dort, wo wir herkommen. Wir haben alles, was unsere Br�der nicht haben: warme Feuer im Winter, gutes Essen, Wein, Frauen... Die Quorrl sind ein armes Volk, doch ihre Krieger entbehren nichts. Bis auf ihr Leben vielleicht.� Seine Stimme wurde bitter. �Damals, lange ehe sie mich zum F�hrer des Heeres machten und zu euch schickten, da habe ich mich manchmal danach gesehnt, mit einem einfachen Bauern oder J�ger tauschen zu k�nnen. Verr�ckt, nicht?�</p><p>�Nein�, antwortete Skar. �Das ist es ganz und gar nicht. Auch mir ist es oft so gegangen.�</p><p>�Aber du hast dir dein Los selbst ausgesucht�, widersprach Titch. �Niemand hat dich gezwungen, Satai zu werden. Mich hat niemand gefragt, ob ich ein Krieger sein will. Ich wurde als Krieger gezeugt, und meine Amme war das Schwert.� Er stand auf, ging zur Klippe zur�ck und blieb zwei Schritte vor dem Ende des Felsplateaus stehen, und nach ein paar Sekunden erhob sich auch Skar und folgte ihm.</p><p>F�r eine geraume Weile standen sie einfach schweigend nebeneinander und blickten auf die verwirrend fremdartige Welt hinab, die sich zwei oder drei Meilen unter ihnen ausbreitete. <emphasis>Das Tal der Drachen... </emphasis>Die Worte erf�llten Skar mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Angst. Unter ihnen lag der Schl�ssel zur Macht der <emphasis>Errish, </emphasis>die Heimat der Bestien, die sie unbesiegbar und fast allm�chtig gemacht hatten, aber auch eine Welt, die den meisten Menschen Enwors so fremd und unverst�ndlich war, da� sie davor zur�ckschreckten, auch nur ihren Namen auszusprechen. Kaum ein Mensch, der nicht das schwarze Gewand der <emphasis>Errish </emphasis>trug, hatte dieses Tal jemals betreten. Und von denen, die es gewagt hatten, waren nur die allerwenigsten zur�ckgekehrt. Selbst die <emphasis>Ehrw�rdigen Frauen </emphasis>zahlten manchmal mit dem Leben f�r den Versuch, die Heimat der Drachen zu betreten.</p><p>�Vielleicht w�re es besser, wenn du hier auf mich wartest�, sagte er. �Kein Quorrl hat jemals dieses Tal betreten.�</p><p>�Und kein Mensch das Land der Toten�, antwortete Titch ebenso leise. �Trotzdem willst du es tun.�</p><p><emphasis>Aber ich bin kein Mensch, </emphasis>dachte Skar. Laut sagte er: �Das ist etwas anderes. Ich... habe keine Wahl. Ich mu� es tun.�</p><p>�Warum?� Titch lachte leise. Es sollte abf�llig klingen, aber Skar sp�rte die Unsicherheit darin. �Weil du ein Satai bist und dir einbildest, die Welt retten zu m�ssen?�</p><p>�Nein�, antwortete Skar. �Weil ich es war, der sie geweckt hat. Und weil ich der einzige bin, der sie vielleicht aufhalten kann.�</p><p>Titch war nicht einmal �berrascht. Vielleicht hatte ihm irgend jemand die Geschichte von Vela und ihrem Versuch, die Macht �ber die Welt an sich zu rei�en, erz�hlt, und die Rolle, die Skar darin gespielt hatte. Vielleicht sp�rte er auch einfach nur, da� Skar mehr war als ein <emphasis>Satai.</emphasis></p><p>�Ich habe nicht geschlafen�, sagte Titch pl�tzlich, und im ersten Moment scheinbar zusammenhanglos. �Ich hatte viel Zeit, nachzudenken, Skar. Ich glaube, du hast recht. Wir k�nnen sie nicht besiegen. Du kannst es nicht, und ich kann es nicht. Nicht allein. Aber vielleicht gelingt es uns gemeinsam. Unsere V�lker sind Feinde, solange unsere Erinnerung zur�ckreicht, aber wenn wir zusammen �berleben konnten, dann k�nnen es all die anderen vielleicht auch.�</p><p>Unter allen anderen denkbaren Umst�nden h�tten diese Worte vielleicht l�cherlich, zumindest aber pathetisch in Skars Ohren geklungen. Jetzt nicht. Er verstand, was der Quorrl meinte, und er wu�te, da� er recht hatte. Menschen und Quorrl waren l�ngst zu einem Volk geworden, auch wenn sie es selbst nicht einmal ahnten. Enwor geh�rte ihnen beiden. Es spielte �berhaupt keine Rolle mehr, wer von ihnen zuerst hiergewesen war.</p><p>�Vertraust du mir?� fragte Titch pl�tzlich.</p><p>�Nat�rlich�, antwortete Skar. Vielleicht war der Quorrl das einzige denkende Wesen auf dieser ganzen Welt, dem er noch vertraute.</p><p>�Aber das solltest du nicht�, fuhr Titch fort; ganz leise, den Blick starr weiter nach unten gerichtet, auf das verwirrende Marmormuster aus Gelb und Braun und schmutzigem Gr�n, ohne es wirklich zu sehen.</p><p>�Und... warum?�</p><p>�Weil ich dich belegen habe�, murmelte Titch. �Dich und... dieses Kind, an dem dir so viel zu liegen scheint.�</p><p>�Belogen?�</p><p>�Geh nicht dorthin�, sagte Titch anstelle einer direkten Antwort. Er deutete ins Tal hinab. Skar wollte etwas sagen, aber Titch machte eine rasche Handbewegung und fuhr fort: �Es ist nicht, was du glaubst. Aber du kannst das M�dchen nicht retten. Niemand kann das jetzt noch. Sie... stirbt. So oder so. Ihr werdet beide sterben�, f�gte er leiser hinzu.</p><p>Skar sah ihn fragend an. Der Quorrl drehte sich zu ihm herum, zog ganz langsam sein Schwert und hielt Skar die Klinge hin. �Sieh dich an.�</p><p>Verwirrt nahm Skar dem Quorrl die Waffe aus der Hand und drehte die blitzende Klinge so lange, bis sich sein eigenes Gesicht in ihrer Oberfl�che spiegelte. Das Bild war verzerrt; die Kratzer, die die Waffe davongetragen hatte, schienen sein Antlitz in mehrere ungleiche Teile zu teilen, die nicht ganz perfekt zusammenpa�ten. Aber er sah trotzdem, was der Quorrl meinte, und er erschrak. Das Gesicht, das ihm entgegengrinste, war das eines Toten. Seine Haut war bleich, fast wei�, und mit h��lichen grauen Flecken �bers�t, und unter seinen Augen und auf seinen Wangen lagen schwarze Schatten. Sein Haar war d�nn geworden, und als er den Mund �ffnete, sah er, da� sein Zahnfleisch zur�ckgewichen war. Er erinnerte sich, wie sehr er erschrocken war, als er Kiina angesehen hatte, vor zwei Tagen, im Lager der <emphasis>Errish. </emphasis>Jetzt bot er selbst einen fast noch schlimmeren Anblick.</p><p>Z�gernd gab er Titch das Schwert zur�ck und sah ihn fragend an. �Der Staub?�</p><p>�Nein�, antwortete der Quorrl. �Oder vielleicht doch, ja. Du f�hlst dich schwach. Jede Bewegung f�llt dir schwer. Und du blutest.�</p><p>�Es wird doch schon besser�, sagte Skar leichthin. �Als ich Kiina...�</p><p>�Es wird besser, f�r eine Weile, aber fri�t dich von innen heraus auf. Dich und das M�dchen. In einer Woche, l�ngstens einem Monat, seid ihr tot. Beide. Und es wird kein angenehmer Tod sein.� Skar dachte an den Ausdruck entsetzlicher Pein, den er auf dem Gesicht der <emphasis>Margoi </emphasis>gelesen hatte, und schwieg. Pl�tzlich war ihm kalt. �Erz�hle.�</p><p>�Ich habe es geahnt�, sagte Titch. �Schon als du von der alten Frau erz�hlt hast, die ihr unter Elay gefunden habt. Sp�ter, als ich von dem Licht h�rte, wu�te ich es. Aber ich wollte sichergehen. Und sp�ter...� Er z�gerte, drehte mit einem Ruck den Kopf und starrte wieder in den Abgrund hinab. �Vielleicht wollte ich, da� ihr sterbt�, fl�sterte er. �Ich habe geglaubt, dich zu hassen.� <emphasis>Du hast nicht mehr viel Zeit, Bruder, </emphasis>fl�sterte die Stimme des <emphasis>Daij-Djan </emphasis>hinter seiner Stirn. <emphasis>Weniger, als du glaubst. </emphasis>Skar schauderte.</p><p>�Es ist nur eine Legende�, fuhr Titch fort, als er nichts sagte. �Wir haben Tausende von Legenden, Skar. Ich habe sie alle f�r M�rchen gehalten. Aber es... es sieht so aus, als w�ren die Legenden wahr, und das, was wir f�r Wahrheit gehalten haben, Legende.�</p><p>�Erz�hl sie mir�, bat Skar. Seltsam, er hatte immer noch keine Angst. Der Gedanke an seinen eigenen Tod hatte jeden Schrecken f�r ihn verloren. Vielleicht hatte er seine F�higkeit, Angst zu haben, einfach �berstrapaziert.</p><p>�Was Elay vernichtet hat, ist eine Waffe <emphasis>der Alten. </emphasis>Es ist Sternenfeuer, Skar. Das Feuer der Sonne, vom Himmel geholt. Es verbrennt St�dte und L�nder, und die, die ihm entkommen, t�tet es mit seinem giftigen Atem. Manchmal sofort, wie die <emphasis>Errish, </emphasis>manchmal erst nach Wochen. Du wirst krank und stirbst, oder du erholst dich und stirbst sp�ter. Aber du stirbst.�</p><p>Vielleicht war es gut so, dachte Skar. Etwas in ihm sehnte den Tod herbei, auch wenn sich sein Verstand davor f�rchtete; nicht vor dem gro�en Nichts, sondern vor der k�rperlichen Qual, der ein Ende wie das der <emphasis>Margoi </emphasis>begleiten mu�te. Es tat ihm um Kiina leid.</p><p>�Und es gibt keine Rettung?�</p><p>�Das Wasser des Lebens�, antwortete Titch. �Es hei�t, da� es alle Krankheiten heilt, wenn es dich nicht t�tet.�</p><p>�Dann sollten wir keine Zeit mehr verlieren.�</p><p>�Der Weg ist zu weit�, antwortete Titch ruhig. �Selbst wenn wir das M�dchen nicht befreien m��ten, selbst, wenn wir Pferde h�tten, und selbst, wenn du ein Quorrl w�rst und dich nicht verstecken m��test, brauchten wir Wochen, um den Heiligen Ort zu erreichen.� Er deutete nach Norden, weit �ber die Grenzen des Drachenlandes hinaus, dort, wo in Hunderten und Aberhunderten Meilen Entfernung das Land der Quorrl lag, aber f�r Skar war es, als wiese seine blutende Hand direkt auf den schwarzen Turm im Herzen des Tales, den Moloch, der Kiina verschlungen hatte und der auch auf ihn wartet. Dann wies seine Hand nach links, zu einer Stelle am Rand der Klippe, eine halbe Meile entfernt. �Dort dr�ben scheint es einen Abstieg zu geben. Ich war nicht sehr weit, aber der Weg sieht begehbar aus. Es gibt Spuren.�</p><p>Skar fragte sich, warum Titch ihm das alles erz�hlt hatte. Wenn er recht hatte, und Skar wu�te, da� es so war, dann war sowieso alles sinnlos, dann war ihr Kampf verloren, selbst, wenn es ihnen gelang, Kiina aus der Gewalt der Zauberpriester zu befreien, denn sie w�rde kurz darauf so oder so sterben. Aber dann begriff er, da� Titch einfach nicht l�nger hatte schweigen <emphasis>k�nnen. </emphasis>H�tte er es getan, dann w�re es f�r Titch so gewesen, als h�tte er selbst Skar umgebracht.</p><p>�Wenn es der einzige Weg ist, dann werden sie dort unten auf uns warten�, sagte Skar.</p><p>Titch starrte ihn an. Er schien zu begreifen, warum Skar so abrupt das Thema wechselte. Ein d�nnes, fast menschliches L�cheln stahl sich auf seine Raubtierz�ge. �Ein Grund mehr, keine Zeit mehr zu verlieren�, sagte er. �Man sollte eine <emphasis>Errish </emphasis>niemals warten lassen, nicht wahr?�</p><p>Sie wurden nicht erwartet. Der Abstieg hinunter ins Tal der Drachen erwies sich sogar als wesentlich leichter, als Skar bef�rchtet hatte, denn was auf den ersten Schritten nur ein schmaler, j�h in die Tiefe f�hrender Pfad war, wurde nach einem Viertel der Strecke zu einer breit ausgebauten und von zahllosen F��en glattpolierten Treppe, die in gewagten Windungen und Kehren in die Tiefe und auf den letzten zwanzig, drei�ig Metern sogar durch einen Tunnel im Inneren des Berges f�hrte, die in einer kleinen, zu einer Seite offenen H�hle endete. Auf dem Boden waren die Spuren zahlreicher Feuer, hier und da lagen achtlos liegengelassene Kleinigkeiten, die verrieten, da� dieser Weg in der Vergangenheit oft benutzt worden war, zugleich aber, da� ihn seit Monaten niemand mehr gegangen sein konnte.</p><p>Sie legten eine kurze Rast ein, und Titch lie� Skar zur�ck, um sich drau�en ein wenig umzusehen. Skar protestierte nicht. Der Quorrl hatte l�ngst die F�hrung �bernommen, w�hrend Skar selbst nur noch die Richtung bestimmte, in der sie gingen, und das war auch gut so, denn Titch war zumindest k�rperlich in der besseren Verfassung.</p><p>Titch blieb nicht sehr lange, aber er sah besorgt aus, als er zur�ckkam. Skar stand auf und ging ihm ein paar Schritte entgegen, verlie� die H�hle aber noch nicht, �Was hast du?� fragte er. �Hast du jemanden gesehen?�</p><p>Der Quorrl sch�ttelte den Kopf. �Nein. Aber die Gegend gef�llt mir nicht.� Er machte eine vage Geste zum H�hleneingang. �Es ist hei�, und der Sand ist so fein wie Puder. Man wird unsere Spuren meilenweit sehen.�</p><p>�Sie wissen sowieso, da� wir kommen�, sagte Skar m�de. �Sie wissen, da� <emphasis>du </emphasis>kommst�, verbesserte ihn Titch. <emphasis>�Deinen Quorrl-Freund werden wir t�ten�, </emphasis>zitierte er Anschis Worte. �Wir haben nicht viele Vorteile, aber einer davon ist, da� sie nichts von mir wissen. Wir sollten ihn nicht verschenken.�</p><p>�Und was schl�gst du vor?�</p><p>�Wir trennen uns�, sagte Titch. Er hob rasch die Hand, als Skar protestieren wollte. �Nur f�r eine Weile. Bis zum Waldrand sind es drei oder vier Meilen, nicht mehr. Ich werde die gleiche Strecke hier am Fu�e der Wand entlanggehen, aber nach Westen, nicht nach Norden. Dann mache ich kehrt und folge dir. Komm.� Er wandte sich um und trat an den Ausgang der H�hle.</p><p>Als Skar neben ihn trat, sp�rte er, was Titch gemeint hatte. Selbst der sanfte Wind, der ihnen entgegenschlug, war warm und roch, als w�re er �ber eine Ebene aus gl�hendem Eisen gestrichen. Kaum hundert Meter vor ihnen schl�ngelte sich das blausilberne Band eines Flusses dahin, aber seine Ufer waren kahl, als w�re der Boden unf�hig, Leben hervorzubringen. Der Wald dahinter lag vielleicht zwei oder drei Meilen entfernt, ganz wie Titch gesagt hatte, aber er war hinter einer Mauer aus hitzeflirrender Luft verborgen, in der Sand wie feiner grauer Staub tanzte.</p><p>�Du wartest dort auf mich�, sagte Titch. �Siehst du den riesigen Baum mit der gespaltenen Spitze?�</p><p>Skar sah nicht einmal einen Baum, aber er wu�te, da� er sich auf Titchs scharfe Augen verlassen konnte. Er w�rde ihn sehen, wenn er n�her kam. Er nickte.</p><p>�Du wartest dort auf mich. Ich bin da, sobald es dunkel wird. Nachts k�nnen wir marschieren, ohne aus der Luft entdeckt zu werden.�</p><p>Etwas an diesem Vorschlag gefiel Skar nicht, aber er war viel zu ersch�pft, um zu widersprechen. Au�erdem erschienen ihm Titchs Worte nur logisch. Von den R�cken ihrer Daktylen aus w�rden die <emphasis>Errish </emphasis>vielleicht ihre Spuren entdecken, aber niemals erkennen, da� sie sich um die Spuren <emphasis>zweier </emphasis>M�nner handelte. Titch l�ste die Flasche von seinem G�rtel und hielt sie Skar hin. �Trink�, sagte er. �Der Weg ist weit.�</p><p>Skar trank einen winzigen Schluck, aber Titch sch�ttelte den Kopf, als er ihm die Flasche zur�ckgeben wollte. �Trink sie leer�, befahl er. �Ich f�lle sie wieder auf. Im Flu� ist genug Wasser.� Er achtete mi�trauisch darauf, da� Skar auch den letzten Rest aus der Feldflasche trank, h�ngte sie an seinen G�rtel zur�ck und machte eine auffordernde, ungeduldige Handbewegung. �Worauf wartest du?�</p><p>Das Tal der Drachen war die H�lle. Die Luft waberte vor Hitze, und der Boden bestand aus pulverfeinem Staub, nicht aus Sand, in den er bei jedem Schritt bis weit �ber die Kn�chel einsank, was das Gehen zu einer Qual machte. Die W�ste war so trocken, als h�tte es nie einen zweiw�chigen Dauerregen gegeben, der auf das Land heruntergeprasselt war, und jeder Schritt kostete Skar ein wenig mehr Kraft als der vorherige. Er brauchte zwanzig Minuten, um den Flu� zu erreichen, obwohl er nur wenige hundert Meter von der Felswand entfernt war, und den Rest des Tages bis zum Wald, denn die Luft, die vor Hitze flimmerte, machte es unm�glich, Entfernungen zu sch�tzen, und die Strecke dorthin betrug nicht zwei, sondern mindestens f�nf Meilen. Obwohl er auch am Flu� noch einmal anhielt und so viel trank, bis sein Magen zu platzen schien, bekam er bereits nach einer halben Stunde wieder Durst, der im Laufe des Nachmittages qu�lend und schlie�lich fast unertr�glich wurde.</p><p>Einmal - es war vielleicht eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang - meinte er, einen dreieckigen schwarzen Schatten am Himmel wahrzunehmen, warf sich flach auf den Boden und grub sich ein, so gut er konnte. Als er wieder aufstand und weiterwankte, war der Sand unter seine Kleider gekrochen und scheuerte unertr�glich auf seiner Haut. Er wu�te nicht mehr, wie er das Kunstst�ck fertig brachte, den Waldrand zu erreichen. Als Titch eine Stunde sp�ter ankam, fand er ihn halb bewu�tlos am Stamm des Baumes lehnen, den sie als Treffpunkt ausgemacht hatten. Skar erinnerte sich nicht einmal, ihn �berhaupt gesehen zu haben.</p><p>Titch gab ihm zu trinken. Wasser, das so kalt und frisch war, da� es aus einer Quelle unmittelbar in ihrer N�he stammen mu�te, aber Skar hatte nicht einmal die Kraft, ihn danach zu fragen. Er wollte nur schlafen. Aber Titch war unerbittlich. Er gab ihm eine Viertelstunde, neue Kr�fte zu sch�pfen, dann marschierten sie weiter.</p><p>Sie sahen noch zweimal Daktylen in dieser Nacht - einmal als verschwommenen Schatten, der in rasender Geschwindigkeit �ber den Himmel jagte, das zweite Mal so dicht �ber dem Wald, da� Skar meinte, den Luftzug ihrer Schwingen zu sp�ren.</p><p>Gegen Morgen versagten Skars Kr�fte endg�ltig. Er stolperte �ber eine W�rze! und fiel, wie zahllose Male zuvor, aber diesmal blieb er liegen, und auch Titch schien einzusehen, da� es keinen Sinn mehr hatte, weiterzugehen: er hob Skar kurzerhand auf, trug ihn noch eine kurze Strecke durch den Wald und legte ihn im Schutz eines gewaltigen, abgestorbenen Baumes nieder. Skar schlief ein, ehe sich Titchs H�nde von ihm l�sten - <emphasis>und tr�umte.</emphasis></p><p><emphasis>Wieder war etwas in diesem Traum anders. Der </emphasis>Daij-Djan <emphasis>lie� ihn in Ruhe, und er sah sich auch nicht mit Titch k�mpfen, aber das Fl�stern war wieder da, nur, da� es jetzt kein Fl�stern mehr war, sondern eine machtvolle, befehlende Stimme von fast unwiderstehlicher Kraft, die nicht in ihm war, sondern aus allen Richtungen zugleich auf ihn einzust�rmen schien, bis er glaubte, den Verstand verlieren zu m�ssen. Und diesmal wu�te er, wo sie herkam: aus dem schwarzen Turm im Herzen des Tales.</emphasis></p><p>Mit dieser Erkenntnis wachte er auf, schwei�gebadet und zitternd vor Ha�, der ziellos war, und deshalb vielleicht um so schlimmer. Er fuhr mit einem Ruck in die H�he und �ffnete die H�nde, um etwas zu packen, ganz gleich was, etwas zu zerrei�en, zu... zu <emphasis>t�ten. </emphasis>Es war noch dunkel, und er war umgeben von Schatten und der angenehmen K�hle der Nacht. Das Lager neben ihm war leer, aber in dem feuchten Moos erkannte er deutlich die Umrisse einer massigen, mehr als mannshohen Gestalt, und das kreischende Ding in ihm erschuf den passenden K�rper dazu: gro�, muskul�s und von graugr�nen Schuppen bedeckt, ein Quorrl.</p><p><emphasis>Der alte Feind, </emphasis>fl�sterten seine Gedanken. <emphasis>Vernichte ihn. T�te ihn! Jetzt!</emphasis></p><p>Skar st�hnte. Verzweifelt versuchte er den Wahnsinn niederzuringen, der seine Gedanken zu verschlingen drohte, aber es gelang ihm nicht. Er stand auf. Taumelnd, nicht vor Schw�che oder M�digkeit, sondern vor Zorn, der kein Ventil fand.</p><p>Er h�rte ein Ger�usch in den B�schen hinter sich: das Knacken von Zweigen, die vor einem schweren K�rper zur�ckwichen, fuhr herum und wich einen halben Schritt zur�ck, zitternd, keuchend vor Anstrengung und Zorn, er... <emphasis>roch </emphasis>den Quorrl, sah seine Silhouette zwischen den B�schen auftauchen - und griff an.</p><p>Etwas in ihm schrie verzweifelt auf, aber er war unf�hig, den Zorn zu besiegen, und vielleicht war es gut so, denn w�re er nur ein ganz kleines bi�chen mehr bei klarem Verstand gewesen, dann h�tte er vielleicht seine Waffe gezogen und Titch warnungslos get�tet. So griff er den Quorrl mit blo�en H�nden an, wie ein Tier, das in die Enge getrieben ist und blindlings um sich schl�gt. Titch wurde vollkommen �berrascht. Er versuchte, Skars Arme beiseite zu schlagen, aber er war viel zu langsam. Mit der absoluten Kraft, die nur Zorn oder Todesangst verleihen, packte Skar den Quorrl, ri� ihn in die H�he und schleuderte ihn gegen einen Baum. Titch br�llte vor �berraschung und Schmerz, ging zu Boden und schrie ein zweites Mal auf, als Skars Faust mit f�rchterlicher Wucht seine Brust traf. Er versuchte sich zu wehren, aber Skar fiel wie ein Tobs�chtiger �ber ihn her, deckte ihn mit Schl�gen und Tritten ein, die nur aus dem einen Grund nicht t�dlich waren, weil er viel zu sehr raste, um gezielt zuzuschlagen. Aber er sp�rte, da� er den Quorrl verletzte. Sein eigenes Blut lief von seinen H�nden, aber auch das Titchs.</p><p>Dann bekam der Quorrl seinen Arm zu fassen. Skar b�umte sich auf, versuchte sich loszurei�en und schlug mit der freien Hand wie besessen auf Titchs Gesicht ein, aber der Quorrl lie� nicht los. Skars Hiebe lie�en seine Lippen und die d�nnen Schuppen unter seinen Augen aufplatzen, aber Titch reagierte gar nicht darauf, sondern stemmte sich mit einer kraftvollen Bewegung in die H�he und versuchte, auch Skars anderen Arm zu packen.</p><p>Skar wich seiner Hand aus, trat nach Titchs Knie und verlor das Gleichgewicht, als der Quorrl eine blitzschnelle halbe Drehung vollf�hrte. Dann war Titch hinter ihm, verdrehte ihm den Arm und legte die freie Hand von hinten um Skars Hals. Skar b�umte sich auf, trat und wand sich im Griff des riesigen Quorrl und tastete nach seinem Gesicht und seinen Augen, aber Titch stand wie ein Fels. Sein Griff war wie Stahl. Langsam, aber unbarmherzig, schn�rte er ihm den Atem ab.</p><p>Skars Lungen brannten wie Feuer, und vor seinen Augen begannen feurige Kreise zu flimmern. Der Arm, den Titch ihm auf den R�cken drehte, schmerzte unertr�glich. Aber er h�rte erst auf zu toben, als er das Bewu�tsein zu verlieren begann.</p><p>Titchs Griff lockerte sich, aber nur so weit, da� Skar wieder atmen konnte. Er taumelte, rang keuchend nach Luft und brach ganz langsam in die Knie. Titch folgte der Bewegung, st�tzte ihn, als er zusammenbrach, hielt ihn aber auch gleichzeitig fest, selbst, als Skar l�ngst aufgeh�rt hatte, sich zu bewegen.</p><p>�Was ist los mit dir?� schrie er.</p><p>Skar antwortete nicht, aber Titch schien zu sp�ren, da� es vorbei war. Z�gernd lie� er Skars Hand los, drehte ihn auf den R�cken und trat rasch einen Schritt zur�ck, um nicht von einem neuerlichen Angriff �berrascht zu werden.</p><p>�Was soll das?� fragte er mi�trauisch, und viel mehr verwirrt als zornig: �Bist du verr�ckt geworden?�</p><p>�Vielleicht�, st�hnte Skar. Das Sprechen fiel ihm schwer. Titchs unbarmherziger Griff hatte etwas in seinem Hals verletzt. Er schmeckte Blut. �Vielleicht bin ich das wirklich�, wiederholte er. �Oder ich werde es. Gro�er Gott, Titch - was geschieht mit uns?�</p><p>�Du hast es doch selbst gesagt�, grollte Titch. �Du wirst verr�ckt - und ich bin es offenbar schon, mich immer noch mit dir abzugeben.� Er legte den Kopf auf die Seite und sah Skar mi�trauisch und sehr lange an.</p><p>�Du hast wieder getr�umt?�</p><p>Skar nickte. Er versuchte aufzustehen, aber seine Kr�fte versagten. Er f�hlte sich schw�cher denn je. Der Schlaf hatte ihn ersch�pft, statt seine Kr�fte zu regenerieren; er sank st�hnend zur�ck, blieb sekundenlang mit geschlossenen Augen liegen und versuchte es noch einmal. Titch sah ihm schweigend zu, machte aber keine Anstalten, ihm zu helfen. Ganz im Gegenteil - als Skar endlich auf eigenen F��en stand, wich er einen Schritt zur�ck. �Ist es... vorbei?�</p><p>Skar lauschte in sich hinein. Es war nicht vorbei, weil es nie vorbei sein w�rde, solange dieses f�rchterliche Fl�stern in seinen Gedanken nicht aufh�rte, aber f�r den Moment hatte er die rote Ha�kreatur besiegt. Er nickte, und Titch schien zu sp�ren, da� es die Wahrheit war, denn er atmete h�rbar auf. Skar konnte sehen, wie die Spannung aus ihm wich.</p><p>�Gut�, sagte er. �Wenn du wieder klar genug bei Verstand bist, mir zuzuh�ren, k�nnen wir vielleicht weitergehen.� Die Stimme des Quorrl zitterte. Skar sah ihn aufmerksamer als bisher an und erschrak. Titchs Gesicht war voller Blut, und l�ngst nicht alles davon stammte von Skar. Und die Art, in der er den rechten Arm hielt, verriet, da� er verwundet war.</p><p>�Ich habe dich verletzt�, sagte er. �Das... tut mir leid. La� mich sehen.�</p><p>Titch schlug seine Hand beiseite, als Skar nach seinem Arm greifen wollte. �Das ist nichts�, sagte er. �Ein Kratzer. Du kannst mich nicht ernsthaft verletzen, wei�t du? Aber du warst �berraschend gut - f�r einen Menschen�, f�gte er hinzu.</p><p>Skar schwieg betroffen. Er <emphasis>hatte </emphasis>Titch verletzt, das wu�te er. Er konnte es sehen, und er hatte gesp�rt, wie irgend etwas unter seinen F�usten zerbrochen war, und das waren nicht nur die harten Panzerschuppen des Quorrl gewesen.</p><p>�Wir werden es nicht schaffen, Titch�, fl�sterte er. �Wir haben keine Chance. Es... es wird schlimmer, mit jedem Mal, wenn ich schlafe. Das n�chste Mal bringe ich dich vielleicht um.�</p><p>Titch lachte unecht. �Der Mensch, der einen Quorrl mit blo�en H�nden umbringt, mu� erst noch geboren werden�, sagte er leichthin. Skar wollte protestieren, aber Titch schnitt ihm mit einer herrischen Geste das Wort ab. �Ich habe mich ein wenig umgesehen, w�hrend du geschlafen hast. Interessiert dich, was ich gefunden habe?� Er wartete Skars Antwort erst gar nicht ab, sondern drehte sich halb herum und deutete in die Richtung, aus der er gekommen war, ohne Skar dabei jedoch auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen.</p><p>�Dort hinten sind Spuren, und sie sind nicht �lter als eine Stunde. Zwei, vielleicht drei.�</p><p>�Daktylen?�</p><p>�Nein�, antwortete Titch. �Aber auch keine Reiter.� Er machte eine hilflose Handbewegung. �Ich habe Spuren wie diese noch nie gesehen, aber ich denke, es sind Drachenspuren. Und die von Menschen. Wir sollten uns darum k�mmern.�</p><p>Skar z�gerte, aber nur einen Moment. Titch <emphasis>wollte </emphasis>nicht mit ihm �ber das sprechen, was geschehen war, und er konnte den Quorrl sogar verstehen. <emphasis>Reden </emphasis>nutzte keinem von ihnen. Und es machte die Gefahr nicht kleiner. Wortlos b�ckte er sich nach seinem Mantel, warf ihn �ber und trat mit einer auffordernden Geste neben den Quorrl. Die Stille fiel ihm auf, als sie in den Busch eindrangen. Sie hatten - schon aus Furcht vor Raubtieren - ihr Lager fast unmittelbar am Rande des kleinen Waldflecken aufgeschlagen, nur durch ein paar B�sche gesch�tzt, aber Skar wu�te, da� der Dschungel nicht sehr gro� war - ein St�ck von zwei, allerh�chstens drei Meilen L�nge und der doppelten Breite, von der sie auf ihrem Marsch durch die Nacht allerdings schon das allergr��te St�ck hinter sich gebracht hatten. Titch und er waren nicht besonders leise, was allein daran lag, da� sie sich mehr als nur einmal ihren Weg durch das verfilzte Unterholz hacken mu�ten. Trotzdem h�tte es Ger�usche geben m�ssen: der Dschungel quoll schier �ber vor Leben, und wo so viele Pflanzen Nahrung und Lebensraum fanden, <emphasis>mu�te </emphasis>es einfach auch Tiere geben. Aber sie sahen und h�rten nichts; nicht den mindesten Laut.</p><p>Skar sprach den Quorrl darauf an. Titch zuckte nur mit den Schultern, aber nach einem weiteren Dutzend Schritte blieb er pl�tzlich stehen und deutete mit der Schwertspitze auf einen Punkt dicht neben sich. Skar beugte sich neugierig vor.</p><p>Was Titch ihm zeigte, war ein Spinnennetz. Es war unversehrt, mu�te aber schon mehrere Tage alt sein, denn die feinen klebrigen F�den waren voller Staub und Schmutz. Die Spinne selbst - ein gewaltiges Tier, mit einem K�rper so gro� wie Skars Daumennagel und fast fingerlangen, haarigen Beinen, hing tot in ihrem Nest im Zentrum des Netzes.</p><p>�Und?� Skar warf Titch einen fragenden Blick zu.</p><p>Der Quorrl l�chelte humorlos und deutete abermals mit seinem Schwert. Diesmal mu�te Skar genauer hinsehen, um zu erkennen, was Titch ihm zeigen wollte. Aber als er es sah, erschrak er zutiefst.</p><p>Unweit des Spinnennetzes lag ein graugr�nes Kn�uel auf dem Boden, halb bedeckt von Erdreich und Bl�ttern; ein bizarres Etwas, das Skar im allerersten Moment wie eine absurde Eidechsenkreatur mit zwei K�pfen und mindestens sechs Beinen vorkam. Bis er erkannte, da� es <emphasis>zwei </emphasis>Tiere waren: eine kleine, hellgr�ne Eidechse mit schlanken Gliedern und einem fast intelligent anmutenden Gesicht, und eine etwas gr��ere, schuppige Kreatur, die nur aus Krallen und gezackten Panzerplatten zu bestehen schien. Die Tiere hatten sich gegenseitig umgebracht. Selbst im Tode waren ihre Z�hne und Krallen noch in den K�rper des anderen geschlagen.</p><p>�Wenn du dich genauer umsiehst, wirst du noch mehr finden�, sagte Titch d�ster. ��berall. Du bist nicht der einzige, der schlechte Tr�ume hat.�</p><p>�Du meinst, es... wirkt auch auf <emphasis>Tiere?�</emphasis></p><p>Titch hob zur Antwort nur die Schultern, aber Skar mu�te pl�tzlich daran denken, was Kiina ihm gesagt hatte: <emphasis>Sie haben uns die Drachen genommen. </emphasis>Und da war die riesige Gottesanbeterin gewesen, die sie in den Bergen angegriffen hatte.</p><p>�Ich wei� es nicht�, knurrte Titch nach einer Weile. �Aber ich habe mich gr�ndlich umgesehen, in den letzten Stunden. Wenn du mich fragst, dann lebt hier nichts mehr. Dieses ganze verdammte Tal ist ein Grab. Und noch etwas.� Er z�gerte, und als er weitersprach, tat er es in einer Art, als w�re er nicht ganz sicher, ob es richtig war, Skar seine Beobachtung mitzuteilen. �Ich bin... auf einen der B�ume gestiegen, um mich umzusehen.�</p><p>�Und?� fragte Skar. �Was hast du entdeckt?�</p><p>�Nichts�, sagte Titch. �Aber das ist es ja gerade, was mich beunruhigt. Wenn dies hier das Tal der Drachen ist, dann frage ich mich: wo sind die Drachen?� Er ging weiter, ehe Skar noch etwas sagen konnte, und er tat es ein bi�chen zu schnell und energisch, um Skar weiter glauben zu machen, da� ihn dieser Gedanke v�llig unbeeindruckt lie�.</p><p>Es waren drei, wie Titch vermutet hatte, aber es waren keine Drachen, sondern Tyrr, jene h��lichen, aufrecht auf den Hinterl�ufen gehenden Echsenwesen, die Anschi im Kampf gegen Titchs M�nner eingesetzt und Skar sp�ter im Lager der <emphasis>Errish </emphasis>wiedergesehen hatte. Aber etwas war an diesen Tieren anders als an denen, die die <emphasis>Errish </emphasis>benutzten: sie waren aufgez�umt und sorgsam gepflegt, und auf ihren R�cken waren sonderbar asymmetrische S�ttel festgeschnallt, die es einem Menschen erlauben mu�ten, in einer absurden Huckepack-Haltung auf den k�nguruh�hnlichen Unget�men zu reiten. Zwei der drei Reiter sa�en an einem kleinen Feuer unweit der zusammengebundenen Laufechsen; von dem dritten war keine Spur zu sehen. Wahrscheinlich stand er irgendwo Wache. Skar hoffte, da� er nicht seinerseits in einem Versteck hockte und <emphasis>sie </emphasis>beobachtete, w�hrend sie �berlegten, wie sie seine Kameraden �berw�ltigen sollten.</p><p>Titch gab ihm ein Zeichen, sich ein St�ck weit in den Wald zur�ckzuziehen, damit sie reden konnten. Skar nickte, robbte r�ckw�rts durch den staubfeinen Sand und richtete sich vorsichtig auf, als er den Wald erreichte, ging aber noch ein gutes St�ck in den Busch hinein, ehe er stehenblieb und auf den Quorrl wartete, der etwas langsamer und weniger elegant nachkam, aber genauso lautlos wie er.</p><p>�Sind sie das?� fl�sterte Titch.</p><p>�Die Zauberpriester?� Skar war sich nicht sicher. Die beiden Gestalten, die sie beobachtet hatten, trugen die gleichen, klobigen Anz�ge mit den �bergro�en Helmen wie die, die vor zwei Tagen mit Anschi geredet hatten. Aber etwas an ihnen war... anders. Skar konnte das Gef�hl nicht in Worte kleiden, aber es war zu deutlich, um es zu ignorieren.</p><p>�Vielleicht�, sagte er ausweichend.</p><p>�Wir werden es herausfinden�, knurrte Titch. �Sp�testens, wenn wir sie �berw�ltigt haben.�</p><p>�Du willst sie angreifen?�</p><p>�Du nicht?� Titch lachte leise. �Wo ist dein Mut geblieben, Satai? Es sind nur drei.�</p><p>�Drei Zauberer�, gab Skar zu bedenken.</p><p>Titch machte eine wegwerfende Handbewegung. �Zauberer? Aus deinem Mund mutet dieses Wort seltsam an, findest du nicht? Ich erinnere mich an lange Gespr�che, in denen du mir immer wieder erkl�rt hast, da� du nicht an Zauberei glaubst.�</p><p>�Das tue ich auch jetzt noch nicht�, widersprach Skar gereizt. �Nenne es, wie du willst, aber diese M�nner verf�gen �ber Kr�fte, denen wir nicht gewachsen sind.�</p><p>Titch fegte seine Worte mit einer zornigen Bewegung davon. �Was glaubst du, wozu sie hier sind?� schnappte er. �Bestimmt nicht, um spazieren zu reiten, weil ihnen die Landschaft so gef�llt. Sie suchen dich. Und sie sind schuld am Tod meiner M�nner. Sie werden daf�r bezahlen. Au�erdem brauchen wir ihre Reittiere. Ich tue es auch allein, wenn du Angst hast.�</p><p>Skar sah den Quorrl einen Herzschlag lang durchdringend an und begriff, da� jedes weitere Wort sinnlos war. Nat�rlich hatte er keine Angst. Was ihn vor dem Gedanken an einen �berfall auf die drei Zauberpriester zur�ckschrecken lie�, das war die Furcht vor sich selbst, die Angst, das Ding in sich nicht mehr bezwingen zu k�nnen, wenn er die Waffe zog und k�mpfte. Aber Titch hatte recht. Das Tal der Drachen ma� an die zweihundert Meilen, und wenn der fl�sternde Turm sich auch nur ann�hernd in seinem Zentrum befand, dann bedeutete das einen Marsch von f�nf, m�glicherweise sieben Tagen. Selbst wenn er noch so lange zu leben hatte, w�rden seine Kr�fte einfach nicht ausreichen.</p><p>�Sei vorsichtig�, sagte er. �Denk an die gr�nen Feuer.�</p><p>Titch lachte humorlos. �Ich denke an nichts anderes�, sagte er grimmig. �Wie gehen wir vor?�</p><p>Skar �berlegte einen Moment. Das Lager der Zauberpriester befand sich gute drei�ig, vierzig Schritte weit in der W�ste; selbst in der Nacht zu weit, als da� sie eine realistische Chance gehabt h�tten, sich anzuschleichen. Wenn schon nicht die Reiter, w�rden die Tyrr ihre Ann�herung bemerken und sie verraten, sollten ihre Sinne auch nur halb so scharf sein wie die ihrer gro�en Verwandten. Aber vielleicht war es auch gar nicht n�tig, sich anzuschleichen.</p><p>Er erkl�rte Titch kurz seinen Plan. Der Quorrl schwieg dazu, aber als Skar fertig war, wandte er sich wortlos um und verschwand im Unterholz.</p><p>Skar schlich zur�ck zum Waldrand. Sein Blick suchte das kleine Feuer, vor dem sich die Gestalten der beiden Zauberpriester als schwarze Schatten abhoben. Wenn er genau hinh�rte, konnte er ihre Stimmen h�ren, die sich in einer Sprache unterhielten, die er nicht verstand. Er war nicht einmal sicher, ob es die Summen von Menschen waren.</p><p>Er sah nach oben. Der Himmel war wolkenlos und erstaunlich klar, begann sich aber im Osten bereits grau zu f�rben. Ihnen blieb nicht mehr sehr viel Zeit. Und wo war der dritte Reiter? Wenn es ihnen nicht gelang, sie alle drei zur gleichen Zeit zu �berw�ltigen, waren sie verloren. Gegen das unheimliche gr�ne Feuer halfen weder Titchs ungeheuerliche K�rperkr�fte noch seine Schnelligkeit oder die Sch�rfe seiner Klinge.</p><p>Skar z�hlte in Gedanken langsam bis hundert, dann zog er sein Schwert, trat mit einem bewu�t schleppenden Schritt aus dem Wald hervor und zerbrach einen Zweig in der Hand. Das helle Knacken drang wie ein Peitschenhieb durch die Stille der Nacht.</p><p>Die riesigen K�pfe der beiden M�nner am Feuer ruckten herum. Skar h�rte einen halb erschrockenen, halb �berraschten Ausruf, z�gerte eine Winzigkeit l�nger, als n�tig gewesen w�re, und warf sich mit einem m�chtigen Satz ins Unterholz. Hinter ihm gellten Schreie auf, das zornige Fauchen eines Tyrr, das dumpfe Ger�usch schwerer hastiger Schritte auf dem weichen W�stenboden, und pl�tzlich erstrahlte der Wald hinter ihm in einem unheimlichen, kalten gr�nen Licht, das Bl�tter und Buschwerk wie unter innerem Feuer aufgl�hen lie�.</p><p>Skar warf sich mit einer verzweifelten Bewegung zur Seite, rollte hinter einen umgest�rzten Baumstamm und blieb mit angehaltenem Atem liegen. Das gr�ne Licht flammte ein zweites Mal auf, keine Lichtnadel wie die Scannersch�sse der <emphasis>Errish, </emphasis>sondern ein breitgef�cherter, flirrender Strahl, der durch den Wald schnitt, seine Deckung um kaum eine Handbreit verfehlte und �ber die Baumkrone �ber ihm glitt. Sekunden sp�ter h�rte Skar ein leises Prasseln und Wispern, und dann ging ein wahrer Regen bet�ubter Kleintiere und Insekten auf ihn nieder.</p><p>Die Schritte kamen n�her. Skar sah einen Schatten, pre�te sich tiefer gegen den Boden und kroch r�cklings in die Deckung eines Busches, der so dicht und voller Dornen war, da� er sich Schultern und R�cken zerkratzte, trotz des Mantels. Die Schritte brachen ab, erklangen wieder und brachen erneut ab, als der Fremde mit einem weit ausgreifenden Schritt �ber den gest�rzten Baum hinwegtrat, hinter dem Skar gelegen hatte.</p><p>Skar hob vorsichtig den Kopf und blinzelte zu der Gestalt hinauf. Mit ihrem riesigen Helm wirkte sie mi�gestaltet, wie ein verkr�ppelter Schatten. In ihrer rechten Hand lag ein sonderbar geformtes Etwas, eine Waffe, �hnlich den Scanner der <emphasis>Errish, </emphasis>aber gr��er, plumper und mit einem gr�nleuchtenden Kristall an ihrem vorderen Ende. Der riesige Sch�del der Gestalt drehte sich langsam hin und her - und dann verharrte ihr Blick direkt auf Skar.</p><p>Er begriff fast zu sp�t, da� es kein Zufall war. Er lag v�llig sicher im Schatten des Busches, der schwarz wie die Nacht war, aber das nutzte nichts, denn <emphasis>der Fremde konnte im Dunkeln sehen!</emphasis> Skar reagierte, ohne zu denken. Mit aller Gewalt stie� er sich ab, rollte r�cksichtslos durch das dornige Ge�st und sprang auf die F��e, und im gleichen Augenblick stie� die Waffe des Zauberpriesters eine Lohe giftgr�nen Lichts aus, die den Busch einh�llte und alles Leben darin bet�ubte. Skar sprang zur Seite und herum, aber der gr�ne Leuchtfinger folgte ihm unbarmherzig, folgte ihm wie eine Sense aus Licht, die alles Leben niederm�hte und ein winziges bi�chen schneller war als er.</p><p>Skar sprang. Mit einem verzweifelten Satz federte er in die H�he, flog in einem ungeschickten halben Salto �ber den gr�nen Lichtblitz hinweg und verlor das Gleichgewicht, als er seinen Sturz abzufangen versuchte. Der Mann in der schwarzen R�stung stie� ein verbl�fftes Keuchen aus und wirbelte herum, aber er war um eine Winzigkeit zu langsam: Skars Schwert blitzte auf, beschrieb einen glitzernden Halbkreis und prellte ihm die Waffe aus den Fingern.</p><p>Der Mann schrie auf, taumelte zur�ck und umklammerte seine verstauchte Hand, aber er war keineswegs au�er Gefecht gesetzt. Als Skar auf ihn zusprang, drehte er sich blitzschnell zur Seite, wich seinem nachgesetzten Hieb aus und trat nach Skars Knie. Eine Sekunde sp�ter prallten sie zusammen und st�rzten aneinandergeklammert zu Boden.</p><p>Skar begriff im gleichen Augenblick, da� er einen Fehler gemacht hatte. Der Fremde war ihm an K�rperkraft hoffnungslos unterlegen; aber seine R�stung machte ihn fast unverwundbar. Sie bestand nicht aus Leder, wie Skar bisher angenommen hatte, sondern aus fingerbreiten, eng ineinanderliegenden Ringen aus mattem schwarzem Metall, von dem Skars Finger haltlos abglitten. Er rang den anderen zu Boden und hielt ihn fast m�helos nieder, aber sehr viel mehr als ihn <emphasis>festhalten </emphasis>konnte er nicht. H�tte er zugeschlagen, h�tte er sich an der stahlharten Panzerung allerh�chstens die Hand gebrochen.</p><p>Schritte n�herten sich, und das Ger�usch eines schweren K�rpers, der r�cksichtslos durch das Unterholz brach. Skars Gedanken �berschlugen sich. Er konnte nicht hierbleiben, aber eine Flucht war ebenso sinnlos. Die M�nner mu�ten einfach nur in den Wald hineinschie�en, um ihn zu erwischen; die Reichweite des gr�nen Lichtes war betr�chtlich.</p><p>Als der zweite Zauberpriester n�her kam, sprang er auf die F��e und ri� seinen Gefangenen einfach mit sich. Er wirbelte herum, hielt den Mann wie einen lebenden Schutzschild vor sich und rammte ihm die Spitze seines Schwertes in die Seite. Ein dumpfes, erschrockenes St�hnen drang unter dem gewaltigen Helm des Zauberpriesters hervor, und sein Widerstand erlosch. Er mu�te die Waffe kennen, mit der Skar ihn bedrohte: die Klinge des <emphasis>Tschekal </emphasis>bestand aus Sternenstahl, einem Metall, das Eisen so m�helos schnitt wie weiches Holz. Skar bezweifelte insgeheim, da� seine Kraft ausreichen w�rde, die Klinge durch den schwarzen Metallpanzer zu sto�en; aber das wollte er ja auch gar nicht.</p><p>Der zweite Zauberpriester blieb stehen, als er sah, da� Skar seinen Kameraden mit dem Schwert bedrohte. Die Waffe in seiner Hand bewegte sich nach oben, und der gr�ne Kristall an ihrem Ende schien Skar anzustarren wie ein kleines, b�ses Auge. Aber er scho� nicht.</p><p>Statt dessen kam er einen weiteren Schritt n�her und blieb hastig wieder stehen, als Skar eine drohende Bewegung mit dem Schwert machte.</p><p>�Keinen Schritt mehr�, sagte er. �Oder ich t�te deinen Kameraden. Du kannst mich niederschie�en, aber vorher sto�e ich ihm das Schwert in den Leib.�</p><p>Der andere z�gerte. Die Augen unter dem schwarzen Riesenhelm starrten Skar fast ausdruckslos an. �Du bist der Satai�, sagte er schlie�lich. �Skar.�</p><p>Skars Blick wanderte zwischen dem gl�henden gr�nen Auge der Waffe und denen des Zauberpriesters hin und her. Aus irgendeinem Grunde z�gerte der Mann, ihn einfach mitsamt seinem Kameraden niederzuschie�en. Vielleicht war das gr�ne Feuer nicht ganz so harmlos, wie er bisher angenommen hatte. Da� Titch und seine Quorrl es unverletzt �berstanden hatten, bedeutete nicht unbedingt, da� auch <emphasis>er </emphasis>es �berlebte. Ein Quorrl war f�nfmal so widerstandsf�hig wie ein Mensch.</p><p>�Und wenn?� fragte er nach einer Weile. Er mu�te Zeit gewinnen.</p><p>�Wenn, dann wirst du Brol nicht t�ten�, sagte der Mann mit dem Riesenhelm ruhig. �Du bist kein M�rder. Wir kennen dich.�</p><p>�Da w�re ich nicht so sicher�, sagte Skar. �Ich habe keine gro�e Wahl, wei�t du?�</p><p>Der andere zuckte mit den Achseln, sch�ttelte bed�chtig den Kopf und senkte seine Waffe. Seine Finger bewegten sich; Skar h�rte ein deutliches �Klick�, und das gr�ne Feuer verglomm. �Wir sind nicht deine Feinde�, fuhr der Zauberpriester fort. �Es besteht kein Grund f�r dich, Brol noch l�nger festzuhalten. Wir sind nicht hier, um mit dir zu k�mpfen.�</p><p>Skar lachte bitter. Sein Griff lockerte sich nicht um einen Deut. �Ich wei߫, antwortete er h�hnisch. �Ihr seid nur zuf�llig hier, wie?�</p><p>�Keineswegs�, antwortete der Zauberpriester. �Wir suchen dich schon seit zwei Tagen. Und nicht nur wir. Aber nicht, um dich zu t�ten oder irgend etwas anderes Unsinniges zu tun. Wir wollen dir helfen.�</p><p>�Helfen?� Skar schnaubte. �So wie Yul und dieses Mistst�ck Anschi?�</p><p>�Wie Yul�, best�tigte der Fremde. �Anschi ist ein dummes Kind. Sie hat einen Fehler gemacht, aber sie wu�te es nicht besser. Es war auch unser Fehler; wir h�tten kein Kind mit einer Aufgabe betrauen sollen, die eines Erwachsenen bedarf. Es war dumm von ihr, die Quorrl zu t�ten, und v�llig �berfl�ssig. Sie wird bestraft werden.� Er schwieg einen Moment, dann ging er ganz behutsam in die Hocke, legte seine Waffe vor sich auf den Boden, richtete sich wieder auf und breitete die H�nde aus.</p><p>�Du hast nichts vor uns zu bef�rchten�, fuhr er fort. �Wir sind hier, um dir zu helfen. Du bist krank, Skar.�</p><p>�So?�</p><p>�Und du wei�t es ganz genau. Du wirst jeden Tag schw�cher. Du bist ebenso krank wie Kiina.�</p><p>�Wo ist sie?� schnappte Skar. �Was habt ihr mit ihr gemacht?�</p><p>�Nichts�, antwortete der andere mit einem leisen, fast ehrlich klingenden Lachen. �Oder doch dasselbe, was wir mit dir tun werden. Wir haben sie geheilt. Ihr Zustand bessert sich bereits. Aber du wirst sterben, wenn du nicht mit uns kommst.�</p><p>�Ich f�rchte, das wird auch geschehen, <emphasis>wenn </emphasis>ich es tue�, sagte Skar. Aber seine Stimme klang nicht mehr ganz so �berzeugt wie bisher. Sein Arm, der das Schwert hielt, begann zu schmerzen, aber er versuchte nicht, das Zittern zu unterdr�cken. Er wu�te, da� der andere ein scharfer Beobachter war, der die kleinen Zeichen von Unsicherheit und Schw�che sorgsam registrieren w�rde. �Skar, bitte�, fuhr der Zauberpriester fort. �Ich wei�, da� du Brol und mich besiegen kannst. Wir kennen deinen Ruf, und wir kennen dich, besser vielleicht als du selbst. Ich werde nicht mit dir k�mpfen.� Er b�ckte sich, hob seine Waffe wieder auf und schob sie mit einer achtlosen Geste in eine lederne H�lle, die an seinem G�rtel hing.</p><p>�Ich werde jetzt gehen und bei den Tieren auf dich warten. Du kannst Brol hierlassen und fliehen, wenn du willst. Es gibt noch mehr von uns, aber ich bin nicht einmal sicher, ob wir dich einfangen k�nnten. Lauf weg, wenn du willst. Aber dann stirbst du, und zwar bald und sehr qualvoll. Oder du kannst mit uns kommen und leben.�</p><p>�Als euer <emphasis>Sklave, </emphasis>ja�, sagte Skar ver�chtlich. Er bem�hte sich, in seine Stimme genau jenen Ton von Trotz zu legen, den der andere erwartete. �So wie Kiina.�</p><p>�Wir haben ihr f�r kurze Zeit ihren Willen geraubt, das ist wahr�, gestand der Zauberpriester ruhig. �Aber das geschah nur zu ihrem eigenen Schutz.� Er zuckte mit den Achseln, sah Skar noch einmal lange und fragend an und drehte sich um. Skar wartete, bis er zwei, drei Schritte gemacht hatte, dann rief er ihn zur�ck: �Priester.�</p><p>Der Mann drehte sich herum. �Ich bin kein Priester. Mein Name ist Ian. Hast du es dir �berlegt?�</p><p>�Was... habt ihr mit Titch gemacht?� fragte Skar stockend. �Der Quorrl, den Anschi zu uns bringen sollte?� Ian sch�ttelte bedauernd den Kopf. �Es tut mir leid. Sie hat ihn get�tet, nachdem sie gesehen hat, was du mit ihren Schwestern getan hast. Er war dein Freund, nicht wahr?�</p><p>Skar mu�te sich beherrschen, um nicht erleichtert aufzuatmen, Ians Worte bedeuteten nichts weniger, als da� die Zauberpriester nichts von Titch wu�ten. Sie hielten ihn f�r tot, und ihn, Skar, f�r allein.</p><p>�Das war er�, sagte er leise. �Anschi...�</p><p>�Wird bestraft werden�, unterbrach ihn Ian. �Du kannst es selbst tun, wenn du willst. Aber auch dazu mu�t du am Leben bleiben.� Er machte eine fragende Handbewegung.</p><p>Skar z�gerte noch zwei, drei Herzschl�ge. Dann senkte er ganz langsam das Schwert, lie� Brol los und taumelte mit einem nicht einmal mehr geschauspielerten, ersch�pften Keuchen gegen einen Baum.</p><p>Brol wankte ein paar Schritte von ihm fort, pre�te die Hand gegen die Seite und trat neben seinen Kameraden. Die bizarren R�stungen machten sie gleich; Skar vermochte die beiden nicht mehr zu unterscheiden.</p><p>�Ich... kann nicht mehr�, fl�sterte er. �Ich gebe auf. Bringt mich um, wenn ihr wollt.� Er lie� das Schwert fallen, schlo� die Augen und wartete mit angehaltenem Atem, da� irgend etwas geschah. Aber die beiden schweigenden Riesen r�hrten sich nicht. Skar fragte sich, ob sie vielleicht die Wahrheit sagten. Vielleicht war alles ganz anders; vielleicht hatte Yul ihn doch nicht belogen, und vielleicht war <emphasis>er </emphasis>es, der einem f�rchterlichen Irrtum unterlag. Er wu�te nicht mehr, wer sein Freund und wer sein Feind war, wer recht hatte und wer log.</p><p><emphasis>Ich kann es dir sagen, </emphasis>wisperte eine Stimme in seinen Gedanken. <emphasis>Folge mir, und ich zeige dir die Wahrheit, Bruder. Aber sie wird dir nicht gefallen. </emphasis>Ein Schatten begann sich hinter den beiden Zauberpriestern zu bilden, wo vorher nichts gewesen war. D�rre, insektenhafte Klauen blitzten wie t�dliche Schneiden im Mondlicht.</p><p>�Nein�, fl�sterte er. �Geh! Verschwinde... endlich!�</p><p>Die beiden Zauberpriester tauschten einen verwunderten Blick, und Skar f�gte etwas lauter hinzu: �Ich komme mit euch. Ihr... habt gewonnen.�</p><p>Der <emphasis>Daij-Djan </emphasis>verschwand, und Ian trat auf Skar zu und half ihm fast behutsam, sich aufzurichten. Dann b�ckte er sich nach Skars Schwert und hielt ihm die Waffe hin. �Nimm es�, sagte er, als Skar z�gerte, nach der Waffe zu greifen. �Du wirst es noch brauchen.�</p><p>Mit perfekt gespielter Verwirrung nahm Skar die Klinge an sich, schob sie in den G�rtel zur�ck und folgte Ian. Seine Schritte waren schleppend, er hielt den Kopf gesenkt und die Schultern weit nach vorne gebeugt, wie ein Mann, der sich nur noch mit letzter Kraft auf den Beinen hielt.</p><p>Der graue Streifen am Horizont war breiter geworden, als sie den Wald verlie�en; die Nacht ging endg�ltig zu Ende. Aber wie oft in der D�mmerung war die Sicht jetzt beinahe schlechter als in der Nacht. Skar erblickte nur verschwommene Schemen, wo er wenige Minuten zuvor das Lager der Zauberpriester gesehen hatte. Aber immerhin erkannte er, da� auch der dritte Reiter zur�ckgekommen war. Sein Schatten hob sich deutlich vor dem verglimmenden Feuer ab. Er stand ganz ruhig da und blickte ihnen entgegen.</p><p>Einer seiner beiden gespenstischen Begleiter hob die Hand, als sie sich dem Lager n�herten, und rief dem dritten Zauberpriester ein paar Worte in jener sonderbaren, gutturalen Sprache zu, die Skar vorhin schon geh�rt hatte. Der andere antwortete nicht, aber er entspannte sich sichtlich. Skars Hand glitt wie zuf�llig in die N�he des Schwertes, ber�hrte es aber noch nicht.</p><p>Mit klopfendem Herzen betrachtete er die drei gewaltigen Echsenwesen, w�hrend sie sich dem Lagerplatz n�herten. Die Tiere starrten ihm aus ihren kleinen, b�se funkelnden Augen t�ckisch entgegen, und vielleicht war es gerade der Umstand, da� <emphasis>diese </emphasis>Tyrr gesattelt und aufgez�umt waren, der sie in Skars Augen noch wilder und furchteinfl��ender aussehen lie� als vor drei Tagen in Yuls Lager. In ihrem Blick flammte ein Ha�, der nicht auf das Fl�stern in ihren Gedanken zur�ckzuf�hren, sondern Teil ihrer Natur war. Allein die Vorstellung, eines dieser Gesch�pfe <emphasis>reiten </emphasis>zu sollen, lie� Skar schaudern.</p><p>�Du mu�t m�de sein�, sagte Ian. Jedenfalls vermutete Skar, da� es Ian war, denn die beiden vermummten Riesen waren in ihrer schwarzen R�stung absolut ununterscheidbar. Er deutete einladend auf das heruntergebrannte Feuer. �Ruh dich aus, wenn du willst. Wir haben noch eine Stunde Zeit, bis es richtig hell wird. Vorher k�nnen wir sowieso nicht weiter. Es ist zu gef�hrlich, nachts zu reiten.�</p><p>Skar nickte m�de und setzte sich. Das Feuer, obgleich schon fast nur noch aus einem Gluthaufen bestehend, strahlte eine behagliche W�rme aus, und als er sich vorbeugte und die H�nde �ber die Glut hielt, wurde seine M�digkeit fast �berm�chtig. Er wankte, drohte f�r einen kurzen Augenblick einzuschlafen und schrak abrupt wieder hoch, als er das Gleichgewicht zu verlieren begann. �Willst du reden?� fragte Ian.</p><p>Skar sah m�de aus, sch�ttelte den Kopf und versuchte gleichzeitig zu nicken. �Sp�ter�, sagte er matt. Sein Blick glitt �ber die schwarze Larve, die da war, wo Ians Gesicht sein sollte, tastete weiter und schien sich ziellos in der W�ste zu verlieren. In Wahrheit suchte er nach irgendeinem Zeichen von Titch, irgendeinem Hinweis, da� er da war oder sich n�herte.</p><p>Er fand es nach Sekunden. Nicht weit hinter dem dritten Zauberpriester bewegte sich der Sand. Kleine, zitternde Wellen huschten �ber seine Oberfl�che, wie �ber Wasser, unter dem sich ein Schwimmer n�herte, nur langsamer und sehr viel machtvoller. Er wu�te nicht, ob der dunkle Umri�, den er darunter wahrzunehmen glaubte, wirklich da war, oder nur eingebildet. Aber Titch war da. Seine Hand glitt ein weiteres St�ck auf das Schwert zu, ber�hrte seinen Griff.</p><p>�Wer seid ihr?� fragte er. �Wer seid ihr wirklich?�</p><p>�Nicht deine Feinde�, antwortete Ian ausweichend. �Und nicht die, f�r die du uns h�ltst. Du wirst alles erfahren, sobald wir in der Festung sind. Und alles verstehen. Es w�re zu viel, jetzt, und zu verwirrend. Aber du...�</p><p>Hinter dem dritten Zauberpriester explodierte der Sand. Eine gewaltige, lautlose Font�ne scho� in die H�he, als w�re dicht unter dem Boden pl�tzlich ein Geysir aufgebrochen, als sich Titch mit einem Ruck aufrichtete und auf seinen Gegner warf. Ian fuhr erschrocken herum und erstarrte f�r eine Sekunde, w�hrend Brol mit fast �bermenschlicher Schnelligkeit reagierte: er wirbelte auf der Stelle herum, trat nach Skar und zog gleichzeitig die Waffe aus dem G�rtel.</p><p>Skar lie� sich einfach nach hinten kippen; gleichzeitig rammte er beide F��e ins Feuer. Ein Funkenregen und kleine, wei�gl�hende Glutbrocken �bersch�tteten Brol. Zwar vermochten sie seine R�stung nicht zu durchdringen, aber sie lenkten den Zauberpriester f�r den Bruchteil eines Atemzuges ab, und diese winzige Zeitspanne gen�gte.</p><p>Skars Schwert fuhr mit einem rei�enden Laut aus der Scheide, beschrieb einen blitzschnellen, engen Dreiviertelkreis und traf Brols Waffenarm. Die Klinge aus Sternenstahl glitt fast ohne sp�rbaren Widerstand durch das schwarze Metall und trennte Brols Arm dicht unterhalb des Ellbogengelenks ab.</p><p>Brol kreischte. Blauwei�e Funken und Rauch und ein Schwall von Blut schossen aus dem Stumpf seiner bizarren R�stung. Er taumelte, umklammerte seinen verst�mmelten Arm und kippte mit einer grotesken Bewegung zur Seite. Ein zweiter Funkenschauer stob auf, als er direkt ins Feuer fiel und sich schreiend auf dem Boden zu w�lzen begann.</p><p>Und endlich erwachte auch Ian aus seiner Erstarrung. Mit einem entsetzten Keuchen fuhr er herum, starrte auf seinen sterbenden Kameraden herab und hob die Hand zum G�rtel, aber in einer Bewegung, die auch l�cherlich langsam gewesen w�re, w�re Skar nicht Skar gewesen. Skars Schwert traf seine Hand mit der flachen Seite, aber aller Gewalt, deren er f�hig war, und brach sie. Ian keuchte, kr�mmte sich vor Schmerz und fiel auf die Knie, als Skar ihm die Breitseite des <emphasis>Tschekal </emphasis>mit aller Kraft in den Nacken schlug. Wimmernd fiel er nach vorne, versuchte wieder in die H�he zu kommen und st�rzte ein zweites Mal, als Skar sich auf ihn warf und ihm die Knie in den R�cken rammte.</p><p>Die eiserne R�stung nahm dem Angriff die schlimmste Kraft, aber allein die pure Wucht von Skars Anprall reichte aus, Ian regelrecht gegen den Boden zu nageln. Skar hob das Schwert, um noch einmal zuzuschlagen, lie� die Waffe aber dann wieder sinken und griff statt dessen nach Ians Armen. Mit einem kr�ftigen Ruck verdrehte er sie, hielt seine Handgelenke f�r einen Moment nur mit einer Faust und zerrte mit der anderen den G�rtel herunter, um Ian damit zu fesseln. Der Zauberpriester wehrte sich nicht, obwohl Skar seine Arme so sehr verdrehte, da� er vor Schmerz aufst�hnte.</p><p>Schweratmend richtete Skar sich auf und sah �ber die Schulter zu Titch zur�ck, fest davon �berzeugt, da� auch der Quorrl mittlerweile seinen Gegner zu Boden geworfen oder get�tet hatte. Aber sonderbarerweise war das nicht der Fall.</p><p>Titch hatte den Zauberpriester niedergerungen, aber der Mann in der schwarzen R�stung schien ihm an Kraft und Entschlossenheit ebenb�rtig zu sein, denn es war Titch nicht m�glich, seinen Widerstand zu brechen. Ganz im Gegenteil: Skar beobachtete mit einem Gef�hl wachsender Fassungslosigkeit, wie Titchs Arme langsam, aber unerbittlich zur�ckgebogen wurden und sich der Gest�rzte St�ck f�r St�ck wieder in die H�he arbeitete!</p><p>Der Quorrl �nderte seine Taktik. Knurrend vor Zorn und Wut sprang er auf die F��e, wartete, bis sein Gegner halb aufgestanden war und schlug ihm die ineinanderverschr�nkten F�uste in den Nacken, ein Hieb, der einen Menschen auf der Stelle get�tet, wenn nicht enthauptet h�tte. Auch der Zauberpriester fiel, aber das Unglaubliche geschah: er blieb nur eine Sekunde liegen, dann stemmte er die H�nde in den Boden und richtete sich, benommen, aber keineswegs kampfunf�hig, wieder auf. Titch wich mit einem �berraschten Keuchen und ein paar Schritte von ihm zur�ck und zog sein Schwert. Die Hand des Zauberpriesters glitt zum G�rtel und schmiegte sich um die klobige Waffe, die darin steckte. Titch sah die Bewegung, ri� das Schwert in die H�he und griff mit einem gellenden Schrei abermals an, aber Skar sah, da� er zu langsam war. Die furchtbare Strahlenwaffe ruckte hoch und richtete sich auf den angreifenden Quorrl.</p><p>Skar stie� sich mit aller Gewalt ab. Er war zu weit entfernt und in einer zu schlechten Position, um den Priester wirklich zu Boden rei�en zu k�nnen, aber seine weit ausgebreiteten Arme schlossen sich um dessen Beine und zerrten mit der ganzen Wucht des Sturzes daran.</p><p>Es war, als versuche er einen Baum auszurei�en. Der Mann wankte, aber er dachte nicht daran, zu fallen, sondern sch�ttelte Skar mit einer fast beil�ufigen Bewegung ab, die ihn meterweit davonrollen und halb bet�ubt liegenbleiben lie�. Seine Waffe spie einen gr�nen Lichtblitz aus, der Titch nur um eine knappe Handbreit verfehlte.</p><p>Skar schleuderte sein Schwert.</p><p>Die Waffe traf den linken Arm des Riesen und ri� seine R�stung und das Fleisch darunter von der Handwurzel bis zur Schulter auf. Der Priester br�llte vor Schmerz, aber er st�rzte noch immer nicht, sondern taumelte nur und legte sofort wieder auf Titch an. Aber in diesem Moment war der Quorrl bereits heran.</p><p>Er versuchte nicht einmal, sein Schwert zu benutzen, sondern senkte im letzten Moment das Haupt und rammte dem Schwarzgekleideten Kopf und Schultern in den Leib.</p><p>Und diesmal st�rzte der Gigant. Die Waffe flog aus seiner Hand und verschwand in der Dunkelheit, w�hrend Titch sich auf ihn warf und seine gewaltigen F�uste immer und immer wieder auf seinen Helm und die Brust herunterprasseln lie�, mit Schl�gen, die Eisen zerbrochen h�tten, dem schwarzen Schuppenpanzer des Zauberpriesters jedoch nichts anzuhaben vermochten. Das Blut, das �ber den Helm des Riesen lief, stammte aus Titchs aufgeplatzten F�usten.</p><p>Skar stand auf, trat einen Schritt auf die K�mpfenden zu und z�gerte. Sich zwischen die beiden tobenden Giganten zu werfen, w�re glatter Selbstmord. Ein einziger, achtloser Hieb Titchs oder des Zauberpriesters reichte v�llig aus, ihn zu t�ten oder zumindest schwer zu verletzen. Aber er konnte auch nicht tatenlos zusehen, wie Titch niedergerungen wurde, und die Kr�fte des Quorrl begannen bereits zu erlahmen. Die furchtbare Wunde, die Skar seinem Gegner zugef�gt hatte, schien ihn nicht im geringsten zu beeintr�chtigen.</p><p>Er hob sein Schwert auf, z�gerte. Er wollte den Zauberpriester nicht t�ten, aber er w�rde es tun m�ssen, wenn er keine andere M�glichkeit fand, Titch zu helfen - und zwar in den n�chsten Sekunden!</p><p>Skar fuhr herum, war mit einem Satz bei Ian und drehte ihn auf den R�cken. Seine Hand zerrte die Waffe aus dem G�rtel des Priesters. �Wie benutzt man sie?� herrschte er Ian an. �Sprich, oder...� Er hob drohend das Schwert, aber Ian reagierte nicht, sondern starrte ihn nur trotzig durch die d�nnen Sehschlitze seines Helmes an.</p><p>Skar schleuderte die Waffe mit einem Fluch davon, drehte sich herum und sah sich wild um.</p><p>Kaum zwei Schritte neben ihm gl�hte ein b�ses, gr�nes Auge im Sand. Brols Waffe, die er bereits gezogen und aktiviert hatte. Es kostete Skar alle �berwindung, sich nach dem abgeschlagenen Arm des Zauberpriesters zu b�cken und die Waffe aus seinen verkrampften Fingern zu l�sen, aber er tat es, sprang auf und lief wieder zu Titch zur�ck.</p><p>Er kam keine Sekunde zu sp�t. Titchs Kr�fte begannen mehr und mehr zu erlahmen. Er hielt seinen Gegner noch am Boden, aber es war nur noch eine Frage von Augenblicken, bis sich das Blatt vollkommen wenden mu�te. Der Zauberpriester hatte Titchs linken Arm gepackt und bog ihn zur Seite, und seine andere Hand schn�rte dem Quorrl unbarmherzig den Atem ab.</p><p>�Titch!� br�llte Skar. �Zur�ck!� Gleichzeitig richtete er die Waffe auf die beiden ineinandergekralltcn Feinde, dr�ckte aber noch nicht ab.</p><p>Titch schien zu begreifen, was er vorhatte, denn er versuchte sich von seinem Gegner zu l�sen, aber pl�tzlich war es der Zauberpriester, der <emphasis>ihn </emphasis>festhielt. Skar sah, wie sich Titchs gewaltige Muskeln bis zum Zerrei�en anspannten, aber es gelang ihm nicht, den unbarmherzigen Griff des anderen zu sprengen, der ihn festhielt und ihm gleichzeitig den Atem abschn�rte.</p><p><emphasis>�Titch!!� </emphasis>schrie Skar mit �berschnappender Stimme. �Verschwinde!�</p><p>Der Quorrl b�umte sich auf. Sein Gesicht hatte sich vor Atemnot dunkel verf�rbt, und seine Bewegungen wurden bereits schw�cher. Aber noch war er nicht besiegt. Mit einer verzweifelten Kraftanstrengung gelang es ihm, die Hand des Zauberpriesters von seinem Hals zu fegen und halbwegs auf die F��e zu kommen, aber der andere lie� Titchs Arm nicht los, so da� der Quorrl ihn halbwegs mit in die H�he zerrte.</p><p>Und Skar dr�ckte ab.</p><p>Eine Flut giftgr�nen Lichts h�llte den Schwarzgekleideten ein. F�r den Bruchteil einer Sekunde gl�hte sein K�rper, aber auch Titchs linker Arm, wie unter einem kalten inneren Feuer auf, dann kippte er lautlos zur Seite und ri� Titch dabei mit sich.</p><p>Skar lie� die Waffe fallen, taumelte ein paar Schritte zur�ck, brach in die Knie und �bergab sich vor Schw�che.</p><p>Es dauerte zehn Minuten, bis Skar wieder so weit bei Kr�ften war, sich auf H�nde und Knie hochzustemmen und nach Titch herumzudrehen. Der Quorrl hockte nach vorne gebeugt und verkr�mmt vor seinem bewu�tlosen Gegner. Sein linker Arm hing schlaff herab und war gel�hmt, und Titchs Gesicht war eine Maske aus Qual. Er st�hnte leise. Als er auf die F��e zu kommen versuchte, versagten seine Kr�fte. Er st�rzte, schlug schwer auf dem Boden auf und blieb einen Moment reglos liegen. Skar wollte zu ihm gehen und ihm helfen, aber die wenigen Schritte bis zu dem Quorrl erschienen ihm endlos; Meilen, die er nicht mehr schaffen w�rde, in seinem Zustand. Und er wu�te auch, da� der Quorrl seine Hilfe nicht annehmen w�rde.</p><p>So stemmte er sich mit letzter Kraft in die H�he, taumelte zu Ian hin�ber und lie� sich ersch�pft neben dem Zauberpriester auf die Knie sinken. Ian starrte ihn an, mit einem Blick, in dem sich Verachtung und widerwillige Bewunderung ein stummes Duell lieferten, aber ohne eine Spur von Angst, wie Skar sehr wohl registrierte.</p><p>�So�, sagte Skar m�de. �Jetzt k�nnen wir uns unterhalten, Ian.� Der Zauberpriester lachte b�se. �Wor�ber, du Narr? �ber deinen Tod?�</p><p>Skar seufzte. Er hatte nicht einmal mehr die Kraft, Zorn zu empfinden. �H�r auf, Ian�, bat er. �Du bist nicht in der Lage, mir zu drohen. Und ich bin zu m�de, um Spielchen zu spielen.�</p><p>�Warum sollte ich dir drohen?� fragte Ian kalt. �Du bist wahnsinnig, Skar. Ich brauche dir nicht zu drohen. Sieh dich doch an! Du hast kaum noch die Kraft, dich auf den Beinen zu halten. Morgen, sp�testens in zwei Tagen, wirst du nicht einmal mehr kriechen k�nnen. Ich brauche dir nicht zu <emphasis>drohen. </emphasis>Du stirbst so oder so.�</p><p>�Aber auf jeden Fall nach dir�, bemerkte Skar ruhig. �Und wesentlich angenehmer, wenn du mir nicht ein paar Fragen beantwortest.�</p><p>Ian lachte erneut, aber in seinem Blick glomm ein ganz schwacher Funke von Unsicherheit auf. �Was willst du?� fragte er. �Mich foltern?�</p><p>�Wenn es sein mu�.�</p><p>�Ich glaube dir nicht�, behauptete Ian. �Du bist ein Satai.�</p><p>�Das war ich vielleicht einmal�, antwortete Skar. �Ich wei� nicht, was ich heute bin. Aber was immer es ist - ihr habt mich dazu gemacht.�</p><p>�Du kannst nicht aus deiner Haut�, beharrte Ian.</p><p>Skar sah ein, da� er so nicht weiterkam. Schw�che machte sich wie Zentnerlasten in seinen Gliedern breit, und hinter seiner Stirn begannen sich die Gedanken zu verwirren. Er konnte es sich einfach nicht leisten, noch l�nger mit Ian zu diskutieren.</p><p>�Vielleicht hast du sogar recht�, sagte er matt. �Aber zu deinem Pech bin ich nicht allein, wei�t du?� Er richtete sich auf, drehte sich m�hsam zu Titch herum und hob die Hand.</p><p>�Titch.�</p><p>In Ians Augen blitzte es �berrascht auf, als er den Namen des Quorrl h�rte. Er versuchte sich zu bewegen, aber Skar stie� ihn grob zur�ck und rief noch einmal nach Titch. Der Quorrl hob m�hsam den Kopf, stemmte sich mit der verletzten Hand hoch und kam taumelnd auf ihn zu.</p><p>�Bist du in Ordnung?� fragte Skar besorgt.</p><p>Titch lachte b�se. �Nein�, grollte er. �Aber ich kann mich bewegen. Es tut sehr weh.�</p><p>�Wie unangenehm�, sagte Ian h�misch.</p><p>Titch versetzte ihm einen Tritt, der den Zauberpriester trotz seiner Metallpanzerung vor Schmerz aufst�hnen lie�.</p><p>�Reichen deine Kr�fte noch, unserem Feind ein paar Fragen zu stellen?� fragte Skar. �Er ist ein bi�chen verstockt.�</p><p>Titch lie� sich auf der anderen Seite Ians auf die Knie sinken, hob die verwundete rechte Hand und spreizte die Finger. Seine Krallen blitzten auf wie messerscharfe t�dliche Dolche. Ein b�ses Grinsen verzerrte seine Z�ge noch mehr, als es der Schmerz getan hatte. �Dazu langt es immer�, versprach er grimmig. �Ich freue mich schon lange darauf, mich mit einem von ihnen zu unterhalten.�</p><p>�Das tut ihr nicht�, sagte Ian. Seine Stimme zitterte. �Skar, du kannst dieses Ungeheuer nicht auf mich loslassen.�</p><p>�Ich f�rchte�, antwortete Titch an Skars Stelle, �da� er mich kaum zur�ckhalten kann. Ungeheuer haben die Eigenschaft, nicht immer zu tun, was man von ihnen will, wei�t du?�</p><p>Ian versuchte sich zu bewegen, aber wieder stie� Skar ihn derb zur�ck. Er warf Titch einen mahnenden Blick zu, den Bogen nicht zu �berspannen, aber der Quorrl reagierte nicht darauf. Skar war nicht einmal mehr sicher, ob Titch die Bestie nun wirklich nur <emphasis>spielte </emphasis>oder ob er es f�r diesen Moment vielleicht war.</p><p>�Warte�, sagte er hastig. �Ich bin sicher, er wird reden.� Er beugte sich �ber Ian, machte sich einen Moment an seinem Helm zu schaffen und zuckte entt�uscht mit den Schultern, als es ihm nicht gelang, ihn zu l�sen.</p><p>�Ich k�nnte ihn abrei�en�, schlug Titch vor. �Aber ich wei� nicht, ob sein Kopf dabei auf den Schultern bleibt.�</p><p>�Unter dem Kinn�, sagte Ian hastig. �Ein kleiner Hebel. Leg ihn um.�</p><p>Skar suchte an der bezeichneten Stelle, fand den Hebel und h�rte ein leises Klicken, als er darauf dr�ckte. Ians Helm bewegte sich mit einem zischenden Ger�usch einen Finger breit nach oben. Skar griff zu, zog ihn ganz ab und registrierte �berrascht, wie schwer der klobige Helm war. Selbst ihm h�tte es betr�chtliche M�he bereitet, stunden - wenn nicht tagelang mit diesem Ding auf den Schultern herumzulaufen.</p><p>Dabei war Ian kein kr�ftiger Mann, wie er erkannte, als er in sein Gesicht sah. Und er war wesentlich j�nger, als er angenommen hatte. Seine Z�ge wiesen eine gewisse �hnlichkeit mit denen Drasks und seines unheimlichen Doppelg�ngers auf: schmal, zerfurcht und hakennasig und von einem Haarschopf aus d�nnem, fast wei�em Haar gekr�nt. Aber er war allerh�chstens drei�ig Jahre alt. Seine Haut war bla� und wirkte fast krank, und die ohnehin d�nnen Lippen waren zu einem schmalen, trotzigen Strich zusammengepre�t.</p><p>Und irgendwie wirkte er... zufrieden, dachte Skar alarmiert. In seinen Augen rangen Furcht und Zorn miteinander, aber da war auch noch etwas, ein m�hsam zur�ckgehaltener Triumph, den Skar sich nicht erkl�ren konnte, der ihn aber aufs h�chste beunruhigte, Ian hatte Angst, aber er sah ganz und gar nicht aus wie ein Mann, der <emphasis>geschlagen </emphasis>war.</p><p>�So�, sagte Titch drohend. �Und jetzt sprich.�</p><p>Ian schnaubte ver�chtlich. �Wor�ber? �ber euren <emphasis>Sieg?� </emphasis>Er betonte das Wort auf eine Art, die es wie b�sen Spott klingen lie�. Titch schlug ihn. Nicht sehr fest und nur einmal, aber der Hieb reichte, Ians Unterlippe aufplatzen zu lassen und ihm ein neuerliches, qualvolles St�hnen abzuringen.</p><p>�Titch�, sagte Skar mahnend. �Nicht. Wir erfahren nichts von ihm, wenn du ihn totschl�gst.�</p><p>�Es ist noch einer da�, grollte Titch. Zornig packte er Ian, sch�ttelte ihn ein paarmal und warf ihn wuchtig wieder zu Boden. Der Zauberpriester st�hnte. �Schlag mich ruhig, du Tier�, murmelte er. �Aber du �nderst nichts damit. Ihr habt keine Chance. Wenn die Krankheit euch nicht umbringt, dann tun es die Drachen oder dieses Tal. Wir m�ssen gar nichts mehr tun.�</p><p>Titch ballte mit einem zornigen Knurren die Faust, schlug aber nicht zu, als Skar ihm einen warnenden Blick zuwarf.</p><p>Ein helles, singendes Ger�usch lie� Skar mitten in der Bewegung erstarren. Alarmiert sah er auf, blickte Titch an, dann den bewu�tlosen Zauberpriester und schlie�lich Brols Leichnam, ehe er begriff, woher das Ger�usch kam: aus dem Inneren von Ians Helm.</p><p>�Was zum Teufel bedeutet das?� knurrte Titch.</p><p>Ians aufgeplatzte Lippe verzerrte sich zu einem d�nnen Grinsen. �Warum wartest du nicht einen Augenblick?� fragte er. �Dann wirst du es sehen.�</p><p>Titch versetzte dem Zauberpriester einen weiteren Hieb, der ihn f�r Sekunden das Bewu�tsein verlieren lie�, w�hrend sich Skar verwirrt �ber den riesigen Helm beugte. Das singende Ger�usch hielt an und wurde ein wenig lauter, schien jetzt irgendwie <emphasis>ungeduldiger, dr�ngender </emphasis>zu klingen, und als Skar den Helm hochhob und herumdrehte, erlebte er eine �berraschung: Trotz seiner enormen Gr��e war sein Inneres gerade ausreichend, Ians Kopf aufzunehmen; der Rest des sonderbaren Gebildes wurde von einer verwirrenden Ansammlung metallener Ger�tschaften und unverst�ndlicher Dinge eingenommen. Ein kleines, hellgr�nes Licht flackerte Skar wie ein blinzelndes Auge entgegen. Und pl�tzlich h�rte er eine Stimme: �Ian? Ian, melde dich! Was ist los bei euch? Brol! Ennart!�</p><p>�Zauberei!� entfuhr es Titch. Seine Augen wurden gro�. �Das ist -�</p><p>�Das ist eine verdammte Falle, keine Zauberei!� keuchte Skar. �Sie wissen, da� wir hier sind! <emphasis>Weg hier!�</emphasis></p><p>Die beiden letzten Worte hatte er geschrien.</p><p>Titch und er sprangen gleichzeitig auf die F��e und fuhren herum, aber es war zu sp�t.</p><p>Als w�re die fl�sternde Stimme aus Ians Helm ein Signal gewesen, erwachte die Nacht zum Leben. Ein Paar gigantischer, schwarzer Fl�gel verdunkelte den Himmel, und eine Sekunde sp�ter stie� eine Daktyle auf sie herab und griff kreischend an. Skar schlug einen Haken, w�hrend Titch in die entgegengesetzte Richtung auszuweichen versuchte, aber die �berraschung war total. Die riesigen Schwingen der Daktyle streiften den Quorrl und lie�en ihn st�rzen und meterweit davonrollen, und der pure Luftzug des gewaltigen Fl�gelpaares reichte aus, auch Skar taumeln zu lassen. Er fiel, raffte sich wieder auf und lief zu Titch zur�ck, um ihm auf die F��e zu helfen.</p><p>Eine zweite Daktyle erschien aus der Nacht, eine dritte, vierte, und pl�tzlich war der Himmel voller schlagender Fl�gel und schwarzer, tobender Schatten. Skar hieb mit seinem Schwert nach einer der Flugechsen, aber die Daktyle wich ihm mit einer fast spielerischen Bewegung aus. Er verlor durch die Wucht seines eigenen Hiebes abermals die Balance, st�rzte nach vorne und rollte blitzschnell zur Seite, als gr��liche Klauen den Boden dort aufrissen, wo er gelegen hatte. Wieder schlug er zu. Die Spitze seines <emphasis>Tschekal </emphasis>fuhr mit einem rei�enden Laut durch Horn und Fleisch, und aus dem aggressiven Schreien der Daktyle wurde ein gequ�ltes Kreischen. Mit unbeholfenen Fl�gelschl�gen flatterte die Bestie davon.</p><p>Aber es war nur eine Sekunde, die Skar gewonnen hatte. �ber ihnen kreisten mindestens ein Dutzend Daktylen, Anschis gesamte verbliebene Armee, die herangekommen waren, w�hrend Ian sich mit ihnen unterhielt. Pl�tzlich verstand er den b�sen Triumph in den Augen des Zauberpriesters. Ian hatte gewu�t, da� er nur ein paar Minuten herauszuschinden brauchte. Was f�r Narren waren sie doch gewesen!</p><p>Skar sprang auf, lief ein paar Schritte und sah ein gr�nes Funkeln am Boden. Ein Teil seines Verstandes sagte ihm, da� es sinnlos war, da� er aufgeben und wenigstens sein Leben retten sollte, aber der Zorn war st�rker, war wieder da, w�tender und unbezwingbarer denn je. Mit einem Hechtsprung warf er sich vor, packte die Waffe mit beiden H�nden und rollte herum.</p><p>Ian kreischte vor Schrecken, als er sah, was Skar tat. <emphasis>�Pa�t auf! Er hat einen Schl�fer!�</emphasis></p><p>Zwei, drei der flatternden Riesenschatten hoben sich erschrocken davon. Skar sprang hoch, richtete die Waffe in die Luft und dr�ckte ab, fast ohne zu zielen.</p><p>Gr�nes Licht h�llte eine der Daktylen ein. Die Reiterin auf ihrem R�cken b�umte sich auf und fiel aus dem Sattel, ein Sturz von hundert oder mehr Fu�, der sie umbringen mu�te, Sekundenbruchteile, bevor ihr Reittier wie ein Stein in die Tiefe fiel. Skar dr�ckte noch einmal ab. Diesmal streifte das gr�ne Leuchten nur die Schwinge eines der Echsenv�gel, aber schon diese sanfte Ber�hrung reichte, das Tier aus dem Gleichgewicht zu bringen. Mit einem schmerzerf�llten Kreischen stob es davon und sank mit hilflos flatternden Schwingen zu Boden.</p><p>Ein blauwei�er Blitz zerri� die Nacht, und kaum eine Armesl�nge vor Skar verwandelte sich der Boden in hochspritzende Glut. Skar taumelte zur�ck und ri� sch�tzend die H�nde vor das Gesicht. Der Scannerschu� hatte ihn geblendet; vor seinen Augen waren nur noch rote und wei�e Blitze. Trotzdem hob er die Waffe und scho� blindlings in die Luft.</p><p>�Skar!� Er erkannte Anschis Stimme, und seine Wut wuchs ins Unerme�liche. �Der n�chste Schu� trifft! Wirf die Waffe weg und gib endlich auf!�</p><p>�Nein!� br�llte Skar. �Kommt her! Kommt her und bringt mich um! Ihr kriegt mich nicht!� Er blinzelte. In die wei�en und roten Linien vor seinen Augen begannen sich flatternde Schatten zu mischen. Er zielte hastig, dr�ckte ab und ahnte mehr, da� er danebengeschossen hatte, als er es sah. �Kommt her!� schrie er noch einmal. �T�tet mich oder verschwindet, aber lebendig bekommt ihr mich nicht!�</p><p>Und pl�tzlich wurde es still. Das Rauschen der Riesenschwingen wurde leiser und h�rte nach Augenblicken ganz auf, als die Daktylen eine nach der anderen zu Boden sanken und ihre Reiterinnen abstiegen. Mehr als ein Dutzend Scanner richteten sich drohend auf Skar, und die Waffe in seiner Hand kam ihm mit einem Male l�cherlich vor, noch nutzloser als das Schwert. Trotzdem richtete er sie drohend auf die vorderste <emphasis>Errish. </emphasis>Die junge Frau blieb tats�chlich stehen, aber Skar wu�te, da� er verloren hatte. Er hatte �berhaupt keine Angst. Er dachte nur wieder an Kiina und sp�rte das gleiche, tiefe Bedauern wie beim ersten Mal. Es spielte keine Rolle mehr, wenn er starb. Er hatte sein Leben gelebt - zweimal sogar - und den Tod wahrscheinlich hundertfach verdient. Aber das Kiinas hatte gerade erst begonnen.</p><p>�Gib auf, Satai. Zwing uns nicht, dich zu verletzen.�</p><p>Im ersten Moment dachte er, es w�re Ians Stimme. Aber dann fiel ihm auf, da� sie aus der falschen Richtung kam. Vorsichtig drehte er sich herum.</p><p>Auf der anderen Seite des Lagerfeuers hatte sich eine gewaltige Gestalt erhoben. Die Glut spiegelte sich wie fl�ssiges Blut in seinem riesigen Helm und vermischte sich mit dem wirklichen Blut, das aus seinem verwundeten Arm tropfte. Es war unm�glich, dachte Skar fast bet�ubt. Er hatte gesehen, wie das gr�ne Feuer Titch und seine Quorrl f�r Stunden au�er Gefecht setzte - aber der Zauberpriester stand nach wenigen Minuten wieder aufrecht und sichtlich unbeschadet da. Skar glaubte, den bohrenden Blick seiner Augen durch das schwarze Metall des Helmes hindurch zu sp�ren. Drohend richtete er den <emphasis>Schl�fer </emphasis>auf die riesige Gestalt. �Bleib, wo du bist�, sagte er.</p><p>Der Zauberpriester (war er das wirklich? Skar war nicht mehr sicher) lachte leise. �Diese Waffe kann mich nicht verletzen�, sagte er. �Gib auf.�</p><p>Skar reagierte nicht. F�nf, dann zehn Sekunden lang starrten sie sich einfach nur wortlos an, ehe die Gestalt in der schwarzen R�stung die H�nde an den Helm hob, vorsichtig, mit einer bewu�t langsamen, �berdeutlichen Bewegung, um Skar nicht zu einem Angriff zu provozieren. Der schwarze Helm l�ste sich und glitt in die H�he.</p><p>Skar sog �berrascht die Luft ein, als er das Gesicht sah, da� darunter zum Vorschein kam.</p><p>Es waren nicht die Z�ge eines Zauberpriesters. Es war �berhaupt kein Mensch.</p><p>Im ersten Moment glaubte Skar, einem Quorrl gegen�berzustehen, aber schon beim zweiten Hinsehen begriff er, da� auch dieser Eindruck t�uschte. Das Wesen in der schwarzen R�stung war riesig gut einen Fu� gr��er als Titch und ungleich muskul�ser, und es glich tats�chlich ein wenig einem Quorrl, gleichzeitig aber auch einem Menschen und dann wieder keinem von beiden. Sein Gesicht trug eindeutig reptilienhafte Z�ge, aber anders als bei Titch und seinen Br�dern war es ungleich feiner geschnitten, elegant und fast edel, wo bei einem Quorrl Wildheit und Kraft vorherrschten. Die Schuppen, die seine Haut bedeckten, blitzten in hellgoldenem Farbton. Das Wesen sah aus wie eine Statue, von einem begnadeten K�nstler erschaffen, um dem Wort <emphasis>Kraft </emphasis>Ausdruck zu verleihen, und von einem ebenso begnadeten Magier zum Leben erweckt. Skar war fassunglos. Etwas an dieser gigantischen, goldgl�nzenden Kreatur erschlug ihn schier, und es war nicht nur sein �u�eres.</p><p>�Titch�, sagte der Goldene fast sanft.</p><p>Vielleicht ahnte Skar sogar im letzten Moment, was geschehen w�rde, aber er war unf�hig, zu reagieren. Der Anblick der riesigen schimmernden Kreatur l�hmte ihn. Er h�rte Titchs Schritte, sp�rte den Luftzug, als der Quorrl den Arm hob, und dann schlug Titchs Hand mit f�rchterlicher Gewalt in seinen Nacken und schleuderte ihn zu Boden.</p><p>Skar verlor das Bewu�tsein, aber im allerletzten Augenblick, ehe seine Gedanken erloschen, sah er noch, wie Titch neben ihm auf die Knie sank und dem�tig das Haupt vor dem goldenen Riesen senkte. Und er h�rte das Wort, das der Quorrl fl�sterte: <emphasis>�HERR!�</emphasis></p><empty-line/><p>ENDE DES ACHTEN TEILS </p><empty-line/></section></body><binary id="cover" 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