<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Wolfgang</first-name><last-name>Hohlbein</last-name></author><book-title>Dark Skies - Das R�tsel um Majestic 12</book-title><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><sequence name="Dark Skies" number="1"/></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>perl v5.14.2, poppler 0.19, FictionBook Editor Release 2.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-04-18">18 April 2012</date><id>00BFBB48-B9E2-4D36-81C0-342E4D23ADE8</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><publisher>vgs</publisher><city>K�ln</city><year>1997</year><isbn>ISBN 3-8025-2453-5</isbn></publish-info></description><body><section><empty-line/><p><image l:href="#cover"/></p><empty-line/><empty-line/><p>WOLFGANG HOHLBEIN</p><empty-line/><p><strong>DARK SKIES - DAS R�TSEL UM MAJESTIC 12</strong></p><empty-line/><p>Roman</p><empty-line/><p>Nach dem Originaldrehbuch von</p><p>Bryce Zabel und Brent V. Friedman</p><empty-line/><p>Auf Basis der Fernsehserie �dark skies�</p><p>von Bryce Zabel und Brent V. Friedman</p><empty-line/><p><strong>Ebook by �Zerwas� </strong></p><empty-line/><p><image l:href="#1"/></p><empty-line/><p>WILHELM HEYNE VERLAG</p><p>M�NCHEN</p></section><section><title><p>Prolog</p></title><p>In der unterirdischen Zentrale von Majestic 12 herrschte gespanntes Schweigen. In dem gro�en, tief unter dem gewachsenen Granitfundament Washingtons gelegenen Raum war es meist unnat�rlich still; die Ger�te und Apparaturen entsprachen dem neusten Stand der Technik und arbeiteten gr��tenteils elektronisch und somit nahezu lautlos. Es gab hier keine hektisch tickenden Fernschreiber, keine klingelnden Telefone, kein T�renschlagen oder das Trappeln von Schritten auf dem Flur. Selbst die M�nner und Frauen, die hier in dem arbeiteten, was Bach manchmal das Allerheiligste nannte, senkten instinktiv ihre Stimmen, sobald sie diesen Raum betraten. Vielleicht, weil an diesem Ort zwei seltene Faktoren zusammenkamen: das fast k�rperliche Begreifen der vielen hunderttausend Tonnen Felsgestein, die sich �ber dem halbrunden Raum t�rmten und ihm zugleich etwas fast Heiliges wie auch Bedr�ckendes gaben, und das Bewusstsein, sich an einem Ort konzentrierter Macht zu befinden.</p><p>Mit alledem hatte das atemlose Schweigen, das sich jetzt in dem abgedunkelten Raum ausbreitete, jedoch nichts zu tun. Das f�r einen Au�enstehenden sinnverwirrende Durcheinander von Linien, Ziffern, kryptischen Buchstabenkombinationen und blinkenden Punkten auf dem zwei Meter gro�en Wandschirm unterschied sich in nichts von dem, was an einem normalen Tag darauf zu sehen gewesen w�re. Das gro�e Leuchtschild an der Wand neben dem Bildschirm signalisierte ein beruhigendes DEFCON 5, und auch das rote Telefon auf dem Pult vor Bach war stumm geblieben.</p><p>Trotzdem, dachte Bach, war es gut m�glich, dass dieser Raum in den n�chsten Minuten zu etwas wurde, das sich seine Erbauer niemals h�tten tr�umen lassen: n�mlich zur B�hne, auf der sich das Schicksal der Welt entschied. Und er zum Regisseur, der den Ablauf bestimmte.</p><p>�Lieutenant Powers!� Die Stimme des jungen Mannes am Funkger�t riss Bach aus seinen Gedanken. In dem atemlosen Schweigen, das sich in den vergangenen Minuten hier ausgebreitet hatte, klang sie unangenehm laut, und eine Spur von Nervosit�t schwang in ihr mit. Alle hier waren nerv�s.</p><p>�Lieutenant Powers!� sagte der junge Mann noch einmal. �Sie haben keine Erlaubnis, ich wiederhole: keine Erlaubnis, die Verfolgung �ber die Grenze hinaus fortzusetzen. Best�tigen!�</p><p>Wie immer, wenn Bach unter Anspannung stand, glitt seine linke Hand in einer unbewussten Geste nach oben und tastete nach dem rechteckigen Amulett, das er an einer d�nnen Kette um den Hals trug, sicher verborgen unter seiner Uniform, metallisch kalt und trotzdem beruhigend auf der nackten Haut.</p><p>Heute beruhigte es ihn nicht.</p><p>Bachs Gesichtsausdruck blieb so undurchschaubar und versteinert wie immer, aber hinter seiner Stirn jagten sich die Gedanken. Der sichtlich �berforderte junge Mann am Funkger�t war nicht der Einzige hier, der nerv�s war. Sie alle waren nerv�s, aber er, Bach, hatte regelrecht Angst. Vielleicht zum ersten Mal, seit all dies begonnen hatte, sp�rte er eine tief bohrende Angst in sich. Er musste eine Entscheidung treffen, und er wusste einfach nicht, was richtig war, und was falsch. Dies war - vielleicht - der Moment, auf den sie alle so lange gewartet hatten, und nun, als er da war, wusste er einfach nicht, was er tun sollte. Wenn er einen Fehler beging, konnten die Folgen katastrophal sein; im wortw�rtlichen Sinn.</p><p>�Lieutenant Powers!� sagte der Mann am Funkger�t noch einmal. Seine Stimme bebte vor Anspannung. �Brechen Sie ab. Ich wiederhole ...�</p><p>Bach hatte seine Entscheidung getroffen. Mit einem raschen Schritt trat er neben den jungen Mann, nahm ihm das Mikrofon aus der Hand und sagte: �Lieutenant Powers? Hier Bach.�</p><p>Powers' Antwort drang erst nach zwei oder drei Sekunden aus den Lautsprechern, leise, verrauscht und auf eine sonderbare Art verzerrt, was nur zu einem geringen Teil daran lag, dass sie den halben Erdball umrundet hatte. Zus�tzlich wurde das Gespr�ch �ber ein kompliziertes System von Verzerrern, Zerhackern und anderen Codierungsmaschinen geleitet, die jeden Versuch, es abzuh�ren, zum Scheitern verurteilten.</p><p>�Majestic? Hier Lieutenant Powers. Ich n�here mich dem sowjetischen Luftraum.�</p><p>�Kontakt zum Zielobjekt?� fragte Bach.</p><p>�Positiv�, antwortete Powers. �Aber ich wei�, zum Teufel noch mal, noch immer nicht, was es ist. Das Ding ist schnell.�</p><p>�Wie ist Ihre genaue Position?� fragte Bach. Sein Blick wanderte zum Monitor und versuchte den blinkenden Leuchtpunkt zu identifizieren, der Powers' Maschine darstellte. Es gelang ihm nicht, aber im Grunde war dieser Blick ebenso �berfl�ssig wie seine Frage. Er wusste nur zu gut, wo sich Powers befand.</p><p>�Westpakistan�, antwortete Powers. �Noch zwanzig Sekunden bis zum sowjetischen Luftraum. Was soll ich hin? Abbrechen?�</p><p>�Negativ�, antwortete Bach. �Sie haben die Erlaubnis, die Verfolgung fortzusetzen.�</p><p>Nicht nur der junge Mann am Funkger�t riss �berrascht die Augen auf und starrte Bach an. Jedermann in der unterirdischen Zentrale starrte ungl�ubig oder erschrocken in seine Richtung. Auf dem einen oder anderen Gesicht glaubte Bach auch echtes Entsetzen zu erkennen. Er konnte dieses Gef�hl verstehen. Der Befehl, den er gerade erteilt hatte, hatte durchaus das Potential, einen Krieg auszul�sen. Trotzdem fuhr er fort: �Sie haben Ihre Befehle, Lieutenant. Befolgen Sie sie.�</p><p>�Roger, Sir�, antwortete Powers. �Noch zehn Sekunden, bevor ich den sowjetischen Luftraum verletze.�</p><p>Der letzte Satz war �berfl�ssig und entsprach ganz und gar nicht dem milit�rischen Protokoll. Wahrscheinlich hatte Powers ihn nur gesagt, um sich selbst abzusichern; vielleicht auch, um ihm noch eine letzte Chance zu geben, seinen Befehl zu �berdenken und zur�ckzunehmen.</p><p>Stattdessen sagte er: �K�nnen Sie den Kontakt sehen, Lieutenant?�</p><p>�Nein�, antwortete Powers, verbesserte sich aber praktisch in der gleichen Sekunde selbst: �Doch. Es ist ... gro�er Gott! Es ist unglaublich schnell!�</p><p>�Bleiben Sie dran, Lieutenant�, sagte Bach. �Ganz egal, was geschieht, Ihre Mission hat Vorrang.�</p><p>�Vorrang vor was?� fragte eine Stimme aus Richtung T�r.</p><p>Bach widerstand dem Impuls, sich zur T�r herumzudrehen. Er wusste auch so, wer hereingekommen war. Er erkannte die Stimme ebenso wie den typischen, schweren Schritt Gouverneur Humphreys. Er wusste sogar, welchen Anblick Humphrey in diesem Moment bieten w�rde: Er st�rmte mit leicht nach vorne gebeugten Schultern heran, den linken Arm angewinkelt, um entweder seine Aktentasche oder den Trenchcoat zu halten, ohne den er niemals das Haus verlie�, unabh�ngig von Witterung und Jahreszeit. Und in der rechten Hand hielt er gewiss die schwere Hornbrille. Bach bezweifelte, dass Humphrey �berhaupt eine Brille brauchte. Sie war nichts als ein Utensil, das er im passenden Moment auf- oder absetzte, um Wirkung zu erzielen. Humphrey war ein Idiot, aber gef�hrlich.</p><p>Bach verscheuchte den Gedanken und rief sich seine eigenen Worte in Erinnerung: Ihre Mission hatte Vorrang.</p><p>�Sichtkontakt!� meldete Powers. �Es ist ... o mein Gott!�</p><p>�Was ist los?� fragte Bach. �Powers!�</p><p>Powers schwieg gerade lange genug, um Bachs Sorge einen sp�rbaren Schub zu versetzen. Als er schlie�lich antwortete, waren Schrecken und �berraschung aus seiner Stimme verschwunden. Aber sie hatten nur einer erzwungenen Ruhe Platz gemacht, die fast noch schlimmer war.</p><p>�Majestic, Sie hatten recht�, sagte er. �Identifizierung eindeutig positiv. Ich wiederhole: Es handelt sich zweifelsfrei um einen positiven Kontakt. F�hre die Verfolgung fort.�</p><p>�Wer verfolgt was?� fragte Humphrey. Er war neben Bach getreten und wedelte erwartungsgem�� mit seiner Brille herum, w�hrend er den Bildschirm ansah und sich redliche M�he gab, so zu tun, als verst�nde er tats�chlich, was er da sah.</p><p>�Lieutenant Gary Powers�, antwortete Bach. �U2-Aufkl�rungsflug. Er hat einen.�</p><p>Humphrey riss ungl�ubig die Augen auf, und aus dem Lautsprecher drang Powers' jetzt wieder aufgeregte Stimme: �Diese Man�vrierf�higkeit ist unvorstellbar! Er fliegt doppelt so schnell wie ich, und ... gro�er Gott! Aber das ... im rechten Winkel!�</p><p>�Definitiv�, murmelte Bach. �Wir haben ihn!�</p><p>�Wo?� fragte Humphrey.</p><p>�Im Osten�, antwortete Bach widerwillig. Offenbar hatte Humphrey auf dem Monitor doch mehr erkannt, als ihm lieb war.</p><p>�Wo?� fragte Humphrey noch einmal.</p><p>�Tausend Meilen jenseits der sowjetischen Grenze�, sagte Bach. �In der N�he von Sverdlowsk.�</p><p>Humphrey fuhr auf dem Absatz herum und setzte mit einem Ruck seine Brille auf. �Wie bitte?!�</p><p>�Sie waren nicht hier, Gouverneur�, sagte Bach k�hl. �Ich musste eine Entscheidung treffen.�</p><p>�Sind Sie wahnsinnig geworden?� keuchte Humphrey. �Wissen Sie eigentlich, was ...�</p><p>Aus dem Lautsprecher des Funkger�ts drang ein Laut, der wie eine Mischung aus einem Keuchen und einem Schrei klang, dann Powers' aufgeregte Stimme: �Es hat angehalten! Es kommt auf mich zu! Das Licht ...�</p><p>Der Rest seiner Worte wurde von einem unheimlichen Heulen und Brausen verschluckt, das pl�tzlich aus den Lautsprechern des Funkger�tes drang, binnen Sekunden an Lautst�rke zunahm und dann ebenso pl�tzlich, wie es entstanden war, wieder abbrach.</p><p>�Powers!� schrie Bach. Er dr�ckte die Sprechtaste des Mikrofons so fest, dass das Blut aus seinen Fingern wich. �Lieutenant! Melden Sie sich!�</p><p>Powers antwortete nicht. Aus den Lautsprechern drang nur noch monotones statisches Rauschen, und nach einigen weiteren Sekunden sagte einer der anderen M�nner leise: �Kontakt verloren. U2 ist nicht mehr auf dem Schirm, Sir.�</p><p>Bach schloss f�r einen Moment die Augen. Er f�hlte ... im allerersten Moment nichts. Kaum mehr als eine tiefe, saugende Leere, an deren Grund eine Entt�uschung lauerte, die ihn h�tte aufschreien lassen, h�tte er sie schon jetzt in ihrem vollen Umfang gesp�rt.</p><p>Vorbei. F�nfzehn Jahre Arbeit. F�nfzehn Jahre, in denen er sich auf diesen einen, entscheidenden Moment vorbereitet hatte, und jetzt war es vorbei, in einem einzigen, kurzen Moment. Sie waren so nahe daran gewesen! So verdammt nahe!</p><p>�Sie sind ein verdammter Dummkopf, Bach�, sagte Humphrey. �Wie konnten Sie es wagen, den Piloten ...�</p><p>�Halten Sie den Mund!� unterbrach ihn Bach.</p><p>Humphrey riss ungl�ubig die Augen auf. Ganz gleich, wer Bach auch sein mochte, ein solcher Ton stand ihm einem Gouverneur der Vereinigten Staaten von Amerika gegen�ber einfach nicht zu. Niemand konnte ihn zwingen, sein Gegen�ber zu respektieren, wohl aber dessen Amt. Doch Humphrey schien auch zu sp�ren, was in diesem Moment in ihm vorging, denn er sagte nichts, sondern nahm nur mit einer langsamen Bewegung die Brille wieder ab und sch�ttelte den Kopf. Er sah m�de aus. Auf seine Weise musste er ebenso entt�uscht sein wie Bach. Sie waren oft �ber ihre Methoden uneins, aber sie verfolgten die gleichen Ziele.</p><p>Pl�tzlich drang ein Schwall knisternder St�r- und Statikger�usche aus den Lautsprechern des Funkpults, und dann wieder Powers' Stimme: �Majestic? Majestic, empfangen Sie mich?�</p><p>Bach verschwendete keine Zeit daf�r, den Piloten nach seinem Befinden zu fragen oder sich zu erkundigen, was geschehen war. Er fragte nur knapp: �Wo sind Sie?�</p><p>�Wir steigen�, antwortete Powers. Seine Stimme war jetzt viel undeutlicher als zuvor, als st�re etwas die Verbindung. Oder als entferne er sich rasend schnell. �Irgendwie hat er mich ... mitgenommen.�</p><p>Bach warf einen raschen Blick zum Radar, aber der Mann, der das Ger�t bediente, sch�ttelte nur den Kopf. Weder Powers noch das Objekt, dem er gefolgt war, waren auf dem Schirm zu sehen.</p><p>�H�he?� fragte Bach.</p><p>�F�nfzigtausend Fu�, rasch steigend�, antwortete Powers. �Jetzt fast sechzig. Ich kann nicht viel sehen. �ber mir ist ein sehr helles Licht.�</p><p>Bach biss sich auf die Unterlippe. Die U2 war f�r Fl�ge in extremer H�he gebaut, aber selbst diese Wundermaschine kannte Grenzen. Wenn Powers sich weiter so schnell nach oben bewegte, w�rde er in wenigen Augenblicken die Erdatmosph�re verlassen und den russischen Sputniks Gesellschaft leisten.</p><p>�F�nfundsechzigtausend Fu߫, meldete Powers. �Weiter steigend. Das Licht ist immer noch da ... halt. Jetzt kann ich etwas erkennen ... Jesus!�</p><p>�Was ist los, Lieutenant?� fragte Bach. �Was sehen Sie?�</p><p>�Majestic�, antwortete Powers, �wir haben ein gro�es Problem hier oben.�</p><p>Bach und Humphrey tauschten einen nerv�sen Blick. Viel schlimmer als das, was Powers gesagt hatte, war der Ton in seiner Stimme gewesen. �Was meinen Sie damit, Lieutenant?� fragte Bach. �Reden Sie Klartext. Es spielt keine Rolle, wenn jemand mith�rt.�</p><p>�Es ist gigantisch!� fl�sterte Powers.</p><p>�Was ist gigantisch?� schrie Bach. �Lieutenant!�</p><p>Und pl�tzlich war das Heulen wieder da, lauter und irgendwie ... zorniger als zuvor. Powers begann zu schreien. �Das Licht! Mein Gott, s�mtliche Instrumente spielen verr�ckt! Die Maschine bricht auseinander!�</p><p>�Lieutenant!� rief Bach. �Meldung! Was haben Sie gesehen?!�</p><p>F�r zwei oder drei Sekunden drang nur dieses furchtbare Heulen und Brausen aus den Lautsprechern, aber dann h�rten sie noch einmal Powers schrille, sich fast �berschlagende Stimme: �Ich st�rze ab! Triebwerk und s�mtliche anderen Ger�te ausgefallen! Ich bet�tige den Schleudersitz!�</p><p>Das Pfeifen und Heulen erlosch. F�r eine halbe Sekunde drang noch ein schwaches, statisches Rauschen aus den Lautsprechern, dann verstummte auch dieses letzte Ger�usch.</p><p>Ganz langsam stellte Bach das Mikrofon auf das Pult zur�ck, schloss f�r eine Sekunde die Augen und wandte sich dann wieder zu Humphrey. Der Gouverneur hatte seine Brille wieder aufgesetzt, und er sah sehr bleich aus und sehr erschrocken. Bach fragte sich, was er wohl empfand: vielleicht Entsetzen �ber das Geh�rte, vielleicht auch Bedauern bei dem Gedanken an den jungen Piloten, der dort oben vermutlich gerade den Tod gefunden hatte, und garantiert dachte er mit einem Teil seines verdrehten Politikerhirns bereits dar�ber nach, wie er aus Bachs Eigenm�chtigkeit am meisten Kapital schlagen konnte.</p><p>Bach dachte an nichts von alledem. Er konnte an nichts anderes denken als an jenen einen Satz, den Powers gefl�stert hatte:</p><p>�Es ist gigantisch!�</p></section><section><p><strong>M</strong>ein Name ist John Loengard, und ich habe ein Geheimnis. Nat�rlich bin ich nicht der einzige Mensch auf der Welt, der ein Geheimnis hat. Fast jedermann hat Geheimnisse: gro�e, kleine, harmlose oder auch furchterregende Geheimnisse, Geheimnisse, die Auswirkungen auf das eigene oder auch auf das Leben anderer haben. Mein Geheimnis jedoch, die Geschichte, die ich Ihnen erz�hlen werde, ist vollkommen anderer Natur. Ich will nicht behaupten, dass es Auswirkungen auf Ihrer aller Leben haben k�nnte, denn das w�re nicht wahr. Tatsache ist, es hat bereits Auswirkungen auf Ihrer aller Leben gehabt, und es hat sie noch.</p><p>Die Geschichte, die ich Ihnen erz�hlen werde, erstreckt sich �ber einen Zeitraum von beinahe vierzig Jahren; fast ein ganzes Menschenleben. Ich war noch ein Kind, als sie ihren Anfang nahm, und ein junger Mann, als ich das erste Mal davon h�rte. Heute bin ich alt. Nicht so alt, dass ich nichts mehr zu verlieren h�tte, oder mir mein Leben nichts mehr wert w�re, aber doch alt genug, um den Tod nicht mehr zu f�rchten. Ich erz�hle Ihnen diese Geschichte in Form einer Fiktion; nicht, um mich selbst zu sch�tzen, sondern um all jene nicht in Gefahr zu bringen, die gleich mir Jahre um Jahre im Verborgenen gelebt und Widerstand geleistet haben. Die meisten von denen, �ber die ich berichten werde, sind schon lange nicht mehr am Leben. Manche wurden get�tet, andere starben eines nat�rlichen Todes oder verschwanden einfach. Aber der Feind, gegen den wir k�mpfen, hat das Wort Rache in leuchtenden Buchstaben auf seine Fahne geschrieben. Es geh�rt zu seiner Taktik, die S�hne f�r die S�nden der V�ter bezahlen zu lassen; vielleicht die subtilste Art, Druck auszu�ben, aber auch eine sehr wirkungsvolle. Ich habe Menschen zu sch�tzen, deren Namen ich niemals zuvor geh�rt habe, und Existenzen vor der Vernichtung zu bewahren, die so wenig von mir wissen wie ich von ihnen. So habe ich - mit einigen wenigen Ausnahmen - Namen ge�ndert und �rtlichkeiten ausgetauscht oder auch bewusst falsch beschrieben. Ich �berlasse es Ihnen, zu entscheiden, welche reale Person sich hinter welchem Pseudonym verbirgt, welcher Ort sich hinter welcher Beschreibung, welches wirkliche Geschehen hinter welcher Geschichte. Die eigentliche Geschichte jedoch, von der ich berichten werde, die ungeheuerliche Bedrohung, die seit einem halben Jahrhundert �ber unser aller H�upter schwebt, ist wahr. Wenn Sie diese Geschichte zu Ende gelesen haben, werden Sie wissen, dass es so ist, denn das Geheimnis, von dem ich rede, verbirgt sich hinter dem Offensichtlichen. Das gro�e Bild ist nicht verborgen, aber aufgeteilt in Millionen einzelner Puzzleteile, f�r jedermann sichtbar und zug�nglich. Das Geheimnis ist nicht das Bild, es ist der Plan, nach dem seine einzelnen Teile zusammengesetzt werden m�ssen.</p><p>Als es begann, war ich ein junger Mann, der glaubte, die Welt aus den Angeln heben zu k�nnen und alles zu wissen. Nun, wo es bald endet, bin ich ein alter Mann, der wei�, dass die Welt vielleicht wirklich kurz davor steht, �ber uns allen zusammenzust�rzen, und der trotz allem noch immer so gut wie nichts wei� ...</p><empty-line/><p>Kimberley und ich erreichten Washington D.C. in den fr�hen Morgenstunden des dritten Oktober 1961. Trotz all der Zeit, die seither vergangen ist, erinnere ich mich so gut an jenen Tag, als w�re es gestern gewesen. Vielleicht, weil es nicht nur der erste Tag unseres neuen gemeinsamen Lebens war, sondern auch zugleich der letzte Tag unserer Jugend, der unwiderruflich letzte Tag, an dem wir noch unschuldig und vor allem unwissend waren, und der so unendlich kostbaren Illusion erlagen, die schlimmsten Bedrohungen, denen wir uns gegen�bersehen konnten, w�ren russische Atomraketen, das Finanzamt und Geschwindigkeitskontrollen auf dem Highway.</p><p>Was letzteres anging, so hatten wir allerdings in den vergangenen vier Tagen nichts zu bef�rchten gehabt. Der altersschwache Chevy, mit dem Kim und ich uns auf die ann�hernd tausend Meilen lange Reise nach Washington gemacht hatten, hatte seine liebe M�he, die erlaubten f�nfundf�nfzig Meilen H�chstgeschwindigkeit zu erreichen, und ich hatte mich geh�tet, den Wagen �berm��ig zu strapazieren. Unsere Reisekasse h�tte eine gr��ere Reparatur ebenso wenig verkraftet wie unser Terminplan eine l�ngere Verz�gerung. Beides war knapp kalkuliert; nicht aufs �u�erste, aber eng.</p><p>Dieser Tag jedoch geh�rte noch ganz allein uns.</p><p>Wir hatten in einem kleinen Motel f�nfzig Meilen vor der Stadt �bernachtet, vor Sonnenaufgang gefr�hst�ckt und waren mit dem ersten Grau der D�mmerung aufgebrochen. Weder Kimberley noch ich waren am vergangenen Abend besonders m�de gewesen, aber keinem von uns war es in den Sinn gekommen, die letzten f�nfzig Meilen - selbst mit dem altersschwachen Chevy kaum anderthalb Stunden - noch durchzufahren und in der Stadt zu �bernachten. In Washington anzukommen, bedeutete f�r uns beide, in der Morgend�mmerung auf dem Highway hereinzurollen wie in den unendlich vielen Filmszenen, die den triumphalen Einzug in eine Stadt romantisch verkl�rten.</p><p>Nat�rlich war diese Vorstellung naiv. Sie war durch und durch romantisch, sie war ein bisschen kindisch, und sie war eindeutig mehr als ein bisschen kitschig - kurz: Dieser Tag wurde zu einem der wunderbarsten, die Kim und ich zusammen verbracht hatten.</p><p>Wir absolvierten das ganze Programm: das Wei�e Haus, Capitol Hill, Washington Memorial ... Sie k�nnen die Strecke, die wir damals abfuhren, noch heute in jedem Zwei-Dollar-Reisef�hrer nachlesen, oder sie auch f�r f�nf Dollar auf einer Sightseeing-Tour nachvollziehen. Nat�rlich machten wir auch das obligate Foto auf den Stufen des Capitol Hills. Es steht noch heute auf dem Kaminsims in meinem Arbeitszimmer, ein vergilbtes, nicht ganz scharfes Foto in jenen leicht braunstichigen Farben, die typisch f�r die ersten Kodak-Farbfilme waren, und das ein junges Paar Anfang der Zwanziger zeigt, das Arm in Arm dasteht und mit seinem fr�hlichen L�cheln die ganze Welt herauszufordern scheint. In Wahrheit l�chelten wir nur dem Passanten zu, dem ich meine Kamera in die Hand gedr�ckt und ihn gebeten hatte, ein Foto von uns zu machen. Aber es ist ein h�bscher Gedanke. Wenn man zwanzig ist, hat man keinerlei Bedenken, die ganze Welt herauszufordern.</p><p>Nat�rlich erwartet man auch nicht, dass die Welt diese Herausforderung annehmen k�nnte.</p><p>Die einzige Herausforderung, der wir an diesem Tag mit gemischten Gef�hlen entgegensahen, war die, ein Dach �ber dem Kopf zu finden. Man darf nicht vergessen, dass die sechziger Jahre mit ihrer liberalen Lebensweise gerade erst begonnen hatten. Die Beatles tourten bereits durch Europa, aber ihre Texte hatten gerade erst begonnen, ihre Saat in die K�pfe einer Generation zu pflanzen, die in fr�hestens zehn Jahren das Sagen haben w�rde, und Woodstock war noch ein bedeutungsloser Fleck auf der Landkarte. Und Kim und ich waren nicht verheiratet.</p><p>Damals war das ein Problem; weniger f�r uns, aber durchaus f�r die ersten drei Hausmeister, bei denen wir vorstellig wurden, um uns eine Wohnung anzusehen. Zu den wenigen Einzelheiten dieses dritten Oktobers, die ich vergessen habe, geh�rten die fadenscheinigen Ausreden, mit denen die Wohnungen, die noch am Morgen als zu vermieten in der Zeitung gestanden hatten, nun doch nicht mehr frei waren.</p><p>Schlie�lich aber endete dieser Tag, wie er begonnen hatte: Mit dem ersten wirklich klaren Licht der Sonne waren wir in Washington angekommen, mit dem letzten hellen Sonnenlicht traten wir hinter einem knapp f�nfzigj�hrigen, leicht �bergewichtigen Italo-Amerikaner mit einem gutm�tigen L�cheln in ein m�bliertes Drei-Zimmer-Apartment, das f�r die n�chsten zwei Jahre unser Zuhause werden sollte.</p><p>�Es ist nicht direkt das Capitol�, sagte Minetti mit einem entschuldigenden Achselzucken, �aber Sie haben zumindest einen Blick darauf. Wenigstens manchmal ... wenn das Gartenamt jemanden schickt, der die B�ume stutzt.�</p><p>Kim und ich tauschten einen fragenden Blick. Das Wohnzimmer hatte nur ein einziges, allerdings sehr gro�es Fenster, das tats�chlich nach Norden und damit zum Capitol hinausging. Offensichtlich war das Gartenamt gerade dagewesen, denn in den l�nger werdenden Schatten des Tages blitzte das strahlende Wei� der Kuppel des Kongressgeb�udes durch die Baumwipfel.</p><p>�Gef�llt es Ihnen?� Minetti machte einen Schritt zur Seite und wedelte auffordernd mit der Hand. Kim und ich waren unter der T�r stehen geblieben, und offensichtlich deutete er unser Z�gern falsch. Kimberley �berwand ihre Hemmung als Erste. Sie trat mit zwei schnellen Schritten an Minetti vorbei bis in die Mitte des Zimmers, drehte sich anderthalbmal um ihre Achse, und als sie mich danach ansah und ich das gl�ckliche Funkeln in ihren Augen erblickte, wusste ich, dass die Entscheidung gefallen war. Das Apartment war weitaus kleiner, als wir es uns vorgestellt hatten. Die Einrichtung war noch nicht sch�big, stand aber dicht an der Grenze dazu, und die Miete �berstieg eindeutig unseren Etat - aber Kim hatte ihr Zuhause gefunden.</p><p>�Doch, sicher�, sagte ich hastig. �Es ist nur ...�</p><p>�Wenn es um die Miete geht, da kann ich nichts machen�, sagte Minetti. Das Bedauern in seiner Stimme klang echt. �Das Haus geh�rt mir nicht, wissen Sie? Ich verwalte es nur. Wenn Sie mich fragen, ist die Wohnung viel zu teuer. Das ist wohl auch der Grund, aus dem sie schon so lange leer steht. Ich k�nnte verstehen, wenn Sie sie nicht wollen.�</p><p>Ich sah nicht einmal in ihre Richtung, aber ich konnte Kims Blicke deutlich sp�ren. �O nein, Mister Minetti. Die Miete ist vollkommen in Ordnung. Es ist nur ...�</p><p>�Ich mache Ihnen einen Vorschlag�, unterbrach mich Minetti. �Ich lasse Sie und Ihre entz�ckende Verlobte einen Moment allein, und Sie k�nnen sich die Wohnung in aller Ruhe ansehen. Wenn Sie m�chten, bereite ich schon einmal die Papiere vor. Welche Namen darf ich in den Mietvertrag einsetzen? Mister ...?�</p><p>�Loengard�, antwortete ich �berrascht. �John Loengard.�</p><p>�John.� Minetti nickte. �Und Misses ...?�</p><p>�Sayers�, sagte Kim. �Kimberley Sayers.�</p><p>�Kim und John. Das klingt gut, finde ich.� Minetti blinzelte Kim zu, drehte sich herum und zog die T�r hinter sich ins Schloss. Kim und ich blieben einen Moment lang vollkommen fassungslos zur�ck.</p><p>�Was ... war das?� murmelte ich.</p><p>�Ich glaube, wir haben gerade eine Wohnung gefunden�, antwortete Kim. Sie klang mindestens so �berrascht wie ich, aber wie meistens �berwand sie ihre �berraschung schneller. Noch bevor ich etwas sagen konnte, fiel sie mir um den Hals, wirbelte mich herum und k�sste mich so st�rmisch, dass ich um ein Haar das Gleichgewicht verloren h�tte.</p><p>�Eine Wohnung�, jubelte sie. �Unser erstes eigenes Zuhause! Und ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben!�</p><p>�He, he, Moment! Nicht so schnell!� Ich befreite mich mit einiger M�he aus ihrer Umarmung und versuchte zumindest, ihr zu widersprechen; wider besseres Wissen und im Grunde nur, um das Gesicht zu wahren. �Noch habe ich nicht ja gesagt. Diese Wohnung ist winzig! Au�erdem k�nnen wir sie uns nicht leisten!�</p><p>�Unsinn!� widersprach Kimberley. �Wir sparen eine Menge Geld an Vorh�ngen und Tapeten, weil sie so klein ist. Und ich werde mich einschr�nken.�</p><p>�So?� fragte ich.</p><p>�Ich gebe das Rauchen auf und werde weniger trinken�, sagte Kim mit todernster Miene. Sie hatte in ihrem ganzen Leben noch nie geraucht, und das einzige Mal, dass ich sie hatte Alkohol trinken sehen, war auf dem Abschlussball der Oberstufe gewesen. Nach dem zweiten Punsch hatte ich sie praktisch nach Hause tragen m�ssen.</p><p>�Und ich k�nnte versuchen, etwas weniger Geld f�r Frauen auszugeben�, f�gte ich hinzu, fuhr aber praktisch sofort und in jetzt wirklich ernsthaftem Ton fort: �Im Ernst: Ich wei� nicht, ob wir sie uns leisten k�nnen. Du wei�t, dass ich am Anfang noch nicht so viel verdiene.�</p><p>Kimberley zuckte mit den Schultern. �Dann bleiben dir nur zwei M�glichkeiten�, sagte sie. �Du musst entweder eine Blitzkarriere machen, oder du bittest Simonson, dich auf einen Posten zu setzen, auf dem du genug Bestechungsgelder kassieren kannst.�</p><p>Damit war die Sache entschieden. Letztlich wussten wir beide, dass wir keine andere Wohnung finden w�rden; nicht ohne einen Trauschein vorzuzeigen oder eine Miete zu zahlen, die zur H�lfte aus Schweigegeld bestand. Wie gesagt: Es waren die fr�hen Sechziger. Au�erdem hatte sie zumindest in einem Punkt Recht: Wir konnten ein wenig einsparen, wenn ich morgens zu Fu� zur Arbeit ging, statt mit dem Wagen zu fahren oder die U-Bahn zu nehmen. Wenigstens in dieser Hinsicht war das Apartment ideal.</p><p>�Deine Mutter wird entsetzt sein, wenn sie uns besucht und sieht, in was f�r einem Loch wir hausen�, sagte ich; ein ebenso hilf- wie sinnloses R�ckzugsgefecht, das schon verloren war, bevor es begonnen hatte. Ich habe Kimberley niemals etwas abschlagen k�nnen, was sie sich wirklich in den Kopf setzte. Ich sch�tze, niemandem ist das jemals gelungen.</p><p>�Meine Mutter wird uns nicht besuchen�, sagte sie �berzeugt. �Sie w�rde es niemals zugeben, aber sie hasst dich aus tiefstem Herzen.�</p><p>�Weil ich mit ihrer einzigen Tochter in S�nde lebe?� fragte ich mit gespieltem Entsetzen.</p><p>�Weil du sie um eine gro�e Hochzeitsfeier gebracht hast�, antwortete Kimberley mit ebenso perfekt gespieltem Ernst. �Du wei�t doch, wie Mutter ist. Ein gro�es Fest. Hunderte von G�sten, eine Hochzeitstorte, Kerzen, Musik, all das ...� Sie machte eine Handbewegung, die deutlich werden lie�, dass sie diese Aufz�hlung noch praktisch unbegrenzt h�tte fortf�hren k�nnen, und verdrehte die Augen. �Ich glaube, sie hat im Geist bereits angefangen, meine Hochzeitsfeier zu planen, als ich noch in den Windeln lag.�</p><p>�Und dann kommt so ein junger Schn�sel wie ich, frisch von der Hochschule und ohne den mindesten Anstand, und stiehlt ihr einfach den Traum ihres Lebens�, seufzte ich. �Die arme Frau. Es wird ihr das Herz brechen.�</p><p>�Mit Sicherheit�, sagte Kimberley. �Das Einzige, was ihr noch die Kraft zum Weiterleben gibt, ist die Hoffnung, dass wir doch noch heiraten.�</p><p>�Das werden wir�, versprach ich.</p><p>Kimberley blinzelte. �Wann?�</p><p>�Sobald ich Gouverneur bin. Sp�testens, wenn ich f�r das Amt des Pr�sidenten kandidiere. Du wei�t, die Leute sind altmodisch. Einen Pr�sidenten, der mit einer Frau zusammenlebt, ohne mit ihr verheiratet zu sein, w�rden sie niemals w�hlen. Du wirst dich also noch zwei oder drei Jahre gedulden m�ssen.�</p><p>�So lange?�</p><p>�Du erwartest doch nicht von mir, dass ich gegen Kennedy antrete?� sagte ich. �Ich bitte dich, Schatz. Der Mann hat Familie! Das kann ich ihm auf keinen Fall antun!�</p><p>Und das war der Moment, in dem wir beide mit unserer Beherrschung am Ende waren. Lauthals lachend fielen wir uns in die Arme, k�ssten uns, lachten wieder, kicherten und alberten so lautstark und ausgelassen herum wie zwei Kinder, die von ihren Eltern zum ersten Mal in ein Sommercamp geschickt worden waren.</p><p>So weit ich mich erinnere, war es das letzte Mal f�r sehr, sehr lange Zeit, dass einer von uns so ausgelassen und fr�hlich lachen konnte.</p><p>Vielleicht sogar f�r immer.</p><p>Man sagt, jeder Mensch sei seines eigenen Gl�ckes Schmied. Ich habe nie viel von solchen �Volksweisheiten� gehalten, aber wenn sie stimmt, so gilt sie vermutlich auch anders herum: Jeder ist seines eigenen Ungl�ckes Schmied. In den n�chsten beiden Wochen jedenfalls begann ich allm�hlich an diese Version zu glauben.</p><p>Kim und ich waren nat�rlich nicht ungl�cklich; jedenfalls nicht so sehr, dass wir es uns selbst gegen�ber - oder gar dem jeweils anderen - zugegeben h�tten. Ganz im Gegenteil. Der Vorrat an Euphorie, den wir uns in dem guten halben Jahr zugelegt hatten, das zwischen unserem Entschluss nach Washington zu gehen und unserem tats�chlichen Aufbruch vergangen war, war so gro�, dass wir vermutlich dann noch optimistisch in die Zukunft geblickt h�tten, wenn uns der Himmel auf den Kopf gefallen w�re.</p><p>Jedenfalls abends und an den Wochenenden, in den wenigen Stunden, die wir f�r uns hatten.</p><p>Die Wirklichkeit sah leider etwas ern�chternder aus.</p><p>Kim und ich hatten unseren Umzug nach Washington sorgf�ltig geplant. Wir waren jung, wir waren optimistisch, und nat�rlich waren wir begeisterte Anh�nger des Kennedy-Clans und vor allem des Geistes, den John F. und Bobby verk�rperten. Wir waren schon w�hrend unserer College-Zeit in die New Frontier eingetreten, und die Jahre, in denen wir - unentgeltlich, daf�r aber mit um so gr��erer Begeisterung - Plakate geklebt, Flugbl�tter verteilt, Spruchb�nder geschwenkt und Klappst�hle in Turnhallen aufgestellt hatten, zahlten sich am Ende doch aus: Kim hatte einen Job im Washingtoner B�ro von Women's Lib. bekommen. Eigentlich nichts Besonderes - wenn ich den euphorischen Klang ihrer Stimme au�er Acht lie�, in dem sie von ihrer Arbeit erz�hlte, und nicht verga�, dass das begeisterte Leuchten in ihren Augen eher ein Kredit war, den sie auf die Zukunft aufgenommen hatte, dann blieb wenig mehr als ein ganz normaler B�rojob �brig: Telefon, Ablage, und dazwischen Briefe auf einer Schreibmaschine tippen, von der sie argw�hnte, dass sie noch auf der MAYFLOWER mit ins Land gekommen war. Das Ganze nat�rlich im Dienste einer guten Sache, daf�r aber f�r etwas weniger als die H�lfte der Summe, die dieser Job in der freien Wirtschaft eingebracht h�tte. Alles konnte man schlie�lich nicht haben.</p><p>Verglichen mit ihr hatte ich geradezu das gro�e Los gezogen. Ich verdiente zwar nicht nennenswert mehr als sie, aber ich hatte einen Job im Capitol - nicht im �bertragenen, sondern im wortw�rtlichen Sinne: Ich war der pers�nliche Assistent eines leibhaftigen Kongressabgeordneten. Kein Zweifel, dass ich in sp�testens zwei Jahren auf seinem Stuhl sitzen und nach sp�testens einem weiteren Jahr f�r das Amt des Gouverneurs kandidieren w�rde.</p><p>Der einzige Wermutstropfen war vielleicht, dass Congressman Pratt ungef�hr f�nfzig pers�nliche Assistenten hatte, und die meisten davon mindestens genauso ehrgeizig waren wie ich, aber schon etliche Jahre l�nger dabei. Ich gab es Kimberley gegen�ber nicht zu - wenigstens am Anfang nicht -, aber meine Arbeit bestand zum allergr��ten Teil darin, Kaffee zu holen, Sandwiches und Donuts zu besorgen und Verbindungen aus Flug- und Amtrak-Pl�nen herauszusuchen.</p><p>Zumindest mein B�ro war imposant. Es hatte gute hundert Quadratmeter, holzvert�felte W�nde und eine beeindruckende Aussicht �ber halb Washington, und es lag nicht nur auf dem gleichen Flur, sondern direkt gegen�ber von Pratts B�ro. Ungl�cklicherweise musste ich es mir mit ungef�hr drei�ig anderen pers�nlichen Assistenten des Kongressabgeordneten teilen, aber, wie gesagt: Alles konnte man schlie�lich nicht haben. Ich lie� mir weder Kim, noch einem meiner Kollegen oder gar mir selbst gegen�ber irgendetwas von der Entt�uschung anmerken, die sich im Laufe der folgenden Wochen in mir breit machte, sondern wartete auf meine Chance.</p><empty-line/><p>Sie kam an einem Tag im Sp�therbst, und auf eine so harmlose und beil�ufige Art, dass ich sie fast nicht erkannt h�tte. Im Grunde war es ein Zufall, eine belanglose Kleinigkeit, �ber die ich mich im ersten Moment nur �rgerte. Aber es sind oft die scheinbar belanglosen Nebens�chlichkeiten, die den Stein ins Rollen bringen, der sich sp�ter zu einer gewaltigen Lawine ausw�chst. Was man oft erst im Nachhinein begreift. In meinem Fall war dieser Stein eine Kombination aus der Bewegung einer Pendelt�r und meiner eigenen Unaufmerksamkeit, und die Lawine war ein Schwall br�hhei�en Kaffees, der sich �ber meinen rechten Arm, die Jacke und meine Weste ergoss und auch noch gerade eben ausreichte, meiner Hose ein Ticket f�r die n�chste chinesische W�scherei zu besorgen. Einige Sekunden lang stand ich einfach nur missmutig da und starrte an mir herab. Ich war nicht sicher, was ich schlimmer finden sollte: den brennenden Schmerz auf meinem Handr�cken (der Kaffee war wirklich hei� gewesen) oder der Gedanke an Kimberleys vorwurfsvolle Blicke am Abend, wenn ich ihr den verdorbenen Anzug pr�sentierte. Unser Haushaltsetat war knapp kalkuliert. Mehr als eine W�schereirechnung pro Woche war einfach nicht darin vorgesehen.</p><p>�Probleme, John?�</p><p>Ich musste mich nicht herumdrehen, um Simonsons schadenfrohes Grinsen zu sehen. Ich konnte es regelrecht h�ren. Simonson war ein netter Kerl; einer der wenigen meiner Kollegen - wenn nicht der Einzige -, der sich vielleicht einmal zu so etwas wie einem Freund entwickeln konnte. Ich sch�tze, umgekehrt ging es ihm �hnlich. Er war gute zehn Jahre �lter als ich; nicht alt genug, um mein Vater zu sein, aber vermutlich, um so etwas wie einen Besch�tzerinstinkt zu entwickeln. Ein naiver junger Bursche wie ich, der geradewegs aus der Provinz kam und den Kopf voller Flausen hatte und den er unter seine Fittiche nehmen konnte, war anscheinend genau das, was er schon lange gesucht hatte, um sein Ego aufzupolieren. Trotzdem war er wirklich ein netter Kerl - wenn er nicht einen so �bertriebenen Hang zur Schadenfreude gehabt h�tte.</p><p>Jedenfalls kam er mir im Moment entschieden �bertrieben vor.</p><p>Ich starrte ihn so finster an, wie ich nur konnte, sch�ttelte aber trotzdem den Kopf und sagte so gelassen wie m�glich: �Nein. Wie kommst du darauf? Ich habe mir die Hand verbr�ht, und Kim wird mich umbringen, wenn sie meinen Anzug sieht.� Ich hob den Kaffeebecher und trank die anderthalb Schlucke, die sich noch darin befanden, in einem Zug. �Und au�erdem ist dieser Kaffee absolut scheu�lich. Was sollte ich also f�r Probleme haben?�</p><p>Simonson lachte, aber diesmal klang es nicht schadenfroh, nicht einmal mehr echt. Die Art, auf die er mich ansah, wirkte sogar ein ganz kleines bisschen besorgt. Dann fragte er geradeheraus: �Was ist los mit dir?�</p><p>�Was soll los sein? Ich habe mir einen Becher Kaffee �ber den Anzug gesch�ttet. Nun ja ... immerhin etwas Aufregendes.�</p><p>�Na, dann koch ihn doch heute Abend aus.� Simonson grinste, wurde aber sofort wieder ernst. �Wenn du eine Schulter zum Ausweinen brauchst, stelle ich mich gerne zur Verf�gung. Wie w�r's, wenn wir heute Abend zusammen ein Bier trinken gehen - auf meine Kosten nat�rlich.�</p><p>�Das ist nicht ...�</p><p>�Es muss dir nicht peinlich sein�, unterbrach mich Simonson. �Glaubst du, ich kenne das nicht? Ich war auch einmal neu in dieser Stadt. Ich war auch einmal jung, und ich habe auch einmal eine Familie gegr�ndet und von der gro�en Karriere getr�umt. Washington ist ein teures Pflaster.�</p><p>Seine Worte waren mir peinlich. Nicht einmal, weil er offenbar so m�helos durch mich hindurchsah wie durch die Gl�ser seiner altmodischen Hornbrille, sondern weil sie eine Vertrautheit verstr�mten, die ihm allerh�chstens zugestanden h�tte, wenn er wirklich mein Vater gewesen w�re oder aber mein zehn Jahre �lterer Bruder.</p><p>�Das ist es nicht�, antwortete ich, ganz bewusst eine Spur sch�rfer, als n�tig gewesen w�re, aber Simonson fuhr so vollkommen unbeeindruckt fort, als h�tte ich gar nichts gesagt: �Ich wei�, wie du dich f�hlst. Der gro�e Katzenjammer, stammt's? Den kriegt jeder, fr�her oder sp�ter. Es ist ein mieser Job, er wird schlecht bezahlt, und man hat das Gef�hl, auf der Stelle zu treten.� Er zuckte mit den Schultern. �Da musst du durch. Es ist gar nicht so schlecht. Fr�her oder sp�ter bekommt jeder eine Chance.�</p><p>�Aber darum geht es gar nicht�, widersprach ich. �Ich bin jetzt seit fast drei Monaten hier, und alles, was ich tue, ist Kaffee holen, Fahrpl�ne w�lzen und Briefe frankieren!�</p><p>Simonson widersprach nicht. Aber das lag wohl weniger an meinem scharfen Ton als vielmehr daran, dass ich ihm mit jedem Wort Recht gegeben hatte; wenn auch, ohne es zu wollen. Aber verdammt, er hatte Recht! Ich war nach Washington gekommen, um die Welt zu ver�ndern, nicht um zu lernen, wie man Zehn- oder Zwanzig-Cent-Briefmarken am Geschmack unterschied!</p><p>�Warum ...�, begann Simonson, unterbrach sich mit einem erschrockenen Laut und schaffte es mit einem schnellen Schritt zur Seite gerade noch, einer weiteren Attacke der Schwingt�r auszuweichen, der gerade mein Kaffee und mein Anzug zum Opfer gefallen waren. Niemand anderes als Congressman Pratt st�rmte hindurch - wie �blich in Eile, wie �blich gerade eine Spur schlampiger gekleidet, als man es von einem Mann in seiner Position eigentlich erwartete, und wie �blich mit einem Gesichtsausdruck, der zwischen gehetzter Eile und beginnendem Zorn schwankte. Ich hatte Pratt in den vergangenen Wochen buchst�blich unz�hlige Male gesehen, aber ich war mir bis zu diesem Moment nicht klar geworden, ob ich ihn nun sympathisch fand oder nicht. Aber das war nebens�chlich: Er war mein Chef.</p><p>Pratt stockte mitten im Schritt. Sein Stirnrunzeln vertiefte sich f�r eine Sekunde, als er die braunen Flecken auf meinem Hemd und meinem Anzug bemerkte, und vielleicht war jetzt der Moment gekommen, in dem er zum ersten Mal Notiz von mir nehmen w�rde. Ich bezweifelte, dass er �berhaupt wusste, dass es mich gab. Dann aber schien er zu dem Schluss zu kommen, dass der Aufwand nicht lohnte: Er deutete ein Achselzucken an, drehte sich mit einer gekonnten Bewegung auf dem Absatz herum und wandte sich in k�hlem Ton und mit einem vermutlich jahrelang ge�bten Muss-ich-denn-eigentlich-alles-selbst-machen-Blick an Simonson:</p><p>�Marc, da sind Sie ja! Haben Sie sich um diesen Brief vom Rechnungshof gek�mmert, um den ich Sie gestern gebeten habe?�</p><p>Simonson fuhr sichtlich zusammen und sah pl�tzlich gar nicht mehr v�terlich-�berlegen aus. �Noch nicht, Sir�, sagte er, �aber ...�</p><p>�Marc.� Pratt seufzte, sch�ttelte strafend den Kopf und begann, einen gepolsterten braunen Briefumschlag zu schwenken, den er in der rechten Hand hielt. �Ich habe hier schon wieder einen Brief dieser Leute. Ich wei�, was Sie jetzt sagen wollen, und Sie haben hundertprozentig Recht, mit jedem Wort. Diese Leute sind eine Pest. Ungl�ckseligerweise haben sie jedoch eine Menge Freunde, und was erschwerend hinzukommt: Einige von ihnen haben ungl�ckseligerweise eine Menge Geld f�r meinen letzten Wahlkampf gespendet.� Er hob seinen Umschlag und pikste damit wie mit einer Waffe nach Simonsons Brust. �Und ich m�chte, dass es so bleibt. Haben wir uns verstanden, Marc?�</p><p>Simonson nickte nerv�s. �Sicher, Herr Abgeordneter. Es ist nur ...�</p><p>Ich sah das warnende Funkeln in Pratts Augen und beschloss, etwas zu tun, bevor Simonson sich um Kopf und Kragen reden konnte. Pratt war f�r eine Menge bekannt, aber eindeutig nicht f�r seine Geduld. Also raffte ich all meinen Mut zusammen, nahm Pratt den Umschlag aus der Hand und sagte: �Vielleicht kann ich ja helfen.�</p><p>Simonson wurde kreidebleich, w�hrend Pratt mich geschlagene zwei Sekunden lang wortlos anstarrte - und dann zu meiner eigenen �berraschung mit den Schultern zuckte und antwortete: �Es ist mir vollkommen gleich, wer es macht, und wie. Aber schafft mir diese Aasgeier vom Hals. Ich brauche etwas, das ich ihnen zum Fra� vorwerfen kann!�</p><p>Und damit ging er.</p><p>Simonson blickte ihm vollkommen fassungslos nach, dann sog er h�rbar die Luft zwischen den Z�hnen ein und starrte mich finster an. �Vielleicht sollte ich ein bisschen besser aufpassen, was ich sage�, grollte er. �Ganz so war das mit der Chance nicht gemeint. Du solltest sie ergreifen, nicht einem anderen aus der Hand rei�en!�</p><p>Ich machte ein geb�hrend bedauerndes Gesicht, antwortete jedoch: �He, Marc - komm schon! Ich wei� doch, dass du in Arbeit erstickst, und ich langweile mich zu Tode!�</p><p>�Und jetzt glaubst du, du k�nntest mit diesem kleinen Husarenst�ck deiner Karriere zu einem Blitzstart verhelfen?� Simonson starrte mich noch einen weiteren Moment lang finster an. Dann sch�ttelte er den Kopf - und begann pl�tzlich leise, aber sehr herzhaft zu lachen. �Ganz wie Sie wollen, Mister Loengard. Folgen Sie mir.�</p><p>Er stie� die Pendelt�r auf - ich war sicher, ganz bestimmt nicht zuf�llig so, dass ich alle M�he hatte, nicht schon wieder von dem Ding getroffen zu werden - trat rasch hindurch und ging zu seinem Schreibtisch. Der L�rm des gro�en B�ros, das wir uns mit knapp drei�ig anderen �Assistenten� teilten, schlug wie eine akustische Woge �ber uns zusammen, schien aber zugleich auch eine beruhigende Wirkung auf Simonson auszu�ben, denn als er weitersprach, war jede Spur von Unmut aus seiner Stimme verschwunden. Daf�r glaubte ich schon wieder, die alte Schadenfreude in seinem Blick zu erkennen.</p><p>�Du willst also deine Chance�, sagte er. �Hast du �berhaupt eine Ahnung, worauf du dich da einl�sst?�</p><p>Nat�rlich hatte ich die nicht; nicht einmal eine Spur davon - was mich aber nicht davon abhielt, voller Enthusiasmus zu nicken.</p><p>�Also gut�, sagte er. �Es geht um Folgendes. Unser �ber alles geliebter Chef muss dem Rechnungshof bis Ende des Jahres ein Opfer bringen. Das Geld ist knapp, die Steuern zu hoch, und die Leute auf der Stra�e m�chten zur Abwechslung einmal in den Zeitungen lesen, dass die Regierung Steuergelder gespart hat, statt sie zu verschwenden.� Er wedelte mit der linken Hand, grinste und deutete aus der gleichen Bewegung heraus auf den gef�tterten Umschlag, den ich noch immer in beiden H�nden hielt.</p><p>�Glaubst du an UFOs?� fragte er harmlos.</p><p>�UFOs?� wiederholte ich verbl�fft. Offensichtlich sah man mir mein Erstaunen auch deutlich an, denn Simonson hatte pl�tzlich alle M�he, nicht seine eigenen Ohrl�ppchen zu verschlucken, so breit wurde sein schadenfrohes Grinsen.</p><p>�UFOs�, best�tigte er. �Unidentifizierte Flugobjekte, oder auch fliegende Untertassen genannt.�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich hastig. �Und nat�rlich glaube ich nicht daran.�</p><p>�Siehst du�, grinste Simonson. �Pratt auch nicht, ebenso wenig wie der �berwiegende Teil der Bev�lkerung. Auf der anderen Seite gibt das Milit�r eine Menge Geld daf�r aus, nach diesen fliegenden Untertassen zu suchen. Geld, das man an anderen Stellen besser einsetzen k�nnte.�</p><p>�Und ich soll jetzt ...�</p><p>�Nur ein paar hieb- und stichfeste Argumente daf�r finden, diesem Projekt den Geldhahn abzudrehen�, unterbrach mich Simonson. �Stell dir das nicht so leicht vor. Die Jungs von der Air Force sind vielleicht nicht sehr helle, aber sie k�nnen verdammt stur sein.�</p><p>Ich blickte ein wenig ungl�cklich auf den Umschlag in meinen H�nden hinab. �Du meinst, ich soll herausfinden, was an diesen UFO-Meldungen wirklich dran ist?�</p><p>Simonson sch�ttelte den Kopf. �Du sollst Argumente finden, die dagegen sprechen�, sagte er betont. �Die Wahrheit interessiert niemanden, Pratt am allerwenigsten. Du hast ihn geh�rt: Er will dieses Projekt abschie�en, um sich die Aasgeier vom Rechnungshof vom Hals zu schaffen. Und du wirst ihm die Munition daf�r liefern. Und das Ganze in sp�testens drei Monaten. Ach ja, und noch etwas.� Sein Grinsen wurde breiter, als ich es jemals f�r m�glich gehalten h�tte. �Dein Bericht sollte nicht l�nger als maximal drei Seiten sein. Du wei�t, Pratt ist ein Farmer. Er liest nicht gerne.�</p><p>Nat�rlich h�tte ich es besser wissen m�ssen. Es war nicht nur das schadenfrohe Glitzern in Simonsons Augen, das mich h�tte warnen sollen. Sowohl mein gesunder Menschenverstand als auch die pure Logik h�tten mir sagen sollen, dass ich besser die Finger von der Sache lassen sollte. Auch ein Mann wie Simonson schenkte eine Chance auf einen pl�tzlichen Karriereschub nicht so einfach her, bei allem v�terlichen Gro�mut - dazu waren sie einfach zu selten. Nicht einmal Kim hatte besonders begeistert reagiert, als ich an jenem Abend nach Hause kam und ihr freudestrahlend von meiner ersten richtigen Aufgabe berichtete. Ganz im Gegenteil. Sie hatte - vorsichtig formuliert - massive Bedenken ge�u�ert, zum einen, weil sie bef�rchtete, dass mein Spezial-Auftrag mit einer Menge Reisen und somit l�ngerer Abwesenheit von zu Hause verbunden sein k�nnte. Wir kannten uns zwar schon seit Jahren, waren aber noch nicht lange genug zusammen, um eine Trennung f�r mehr als zwei oder drei Tage ohne bleibenden seelischen Schaden �berstehen zu k�nnen.</p><p>Zumindest mit ihrer zweiten Bef�rchtung hatte sie nur zu Recht.</p><p>Ich verbrachte in den n�chsten Wochen entschieden mehr Zeit auf dem Highway, in Eisenbahnabteilen zweiter Klasse, staubigen Archiven und drittklassigen Absteigen als zu Hause. Es war eine m�hselige - und vor allem frustrierende - Arbeit. Man glaubt nicht, welche Feindseligkeit und Ablehnung einem entgegenschl�gt, wenn die Leute merken, dass man es auf ihr Allerheiligstes abgesehen hat: auf ihre Pfr�nde. Und ich nahm meine Aufgabe ernst. Ich las Dutzende von so genannten Augenzeugenberichten, durchforstete Hunderte von Zeugenaussagen und kontrollierte (jedenfalls kam es mir so vor) Tausende von Spesenabrechnungen. Es gab die �blichen, kleinen Betr�gereien - ein Essen hier, ein paar Gallonen Benzin dort, die eine oder andere Hotel�bernachtung, die nicht gerechtfertigt schien - aber im Grunde nichts Aufregendes. Zwei Dinge jedoch wurden mir im Laufe dieser Wochen hundertprozentig klar: der Grund, aus dem Simonson mich so schadenfroh angesehen hatte - und dass ich wirklich besser auf Kimberley geh�rt h�tte. Was sie als Fliegender-Untertassen-Humbug bezeichnet hatte, war ganz genau das: Fliegender-Untertassen-Humbug. Meine Frist war allerdings auch fast abgelaufen. Weihnachten n�herte sich mit Riesenschritten und in seinem Gefolge auch der Tag, an dem Pratt meinen Bericht auf dem Schreibtisch haben wollte. Ich hatte mittlerweile genug Material zusammen, um nicht drei, sondern dreihundert Seiten mit Argumenten f�llen zu k�nnen, die es Congressman Pratt erm�glichten, im n�chsten Jahr keinen Cent mehr f�r die Suche nach kleinen gr�nen M�nnchen vom Mars zu bewilligen.</p><p>Ich hatte es fast geschafft. Wright-Patterson Air Force Base in Dayton, Ohio, war einer der letzten Punkte auf meiner Liste. Noch ein oder zwei Tage in muffigen Archiven, noch ein oder zwei Tage voller staubiger Akten, bei denen ich mittlerweile schon husten musste, wenn ich sie nur sah, voller feindseliger Blicke und kleiner Bosheiten, die genau so bemessen waren, dass man eben keinen Grund hatte, sich offiziell zu beschweren ... Schwamm dr�ber. Wright-Patterson war mein letzter Termin au�erhalb Washingtons. Ich hatte die Fahrkarte f�r den Nachtzug bereits in der Tasche. In wenigen Stunden w�rde ich in einem Zweiter-Klasse-Abteil sitzen und mich vom Rattern der R�der in den Schlaf schaukeln lassen.</p><p>Dachte ich.</p><p>Aber da kannte ich Friend noch nicht.</p><p>Wright-Patterson unterschied sich auf den ersten Blick nicht von dem halben Dutzend anderer Luftwaffenst�tzpunkte: ein weitl�ufiges, hermetisch abgeriegeltes Gel�nde, auf dem man auf Schritt und Tritt beobachtet wurde und jedermann mit einem so gewichtigen Gesicht durch die Gegend lief, als st�nde das Schicksal der Nation auf dem Spiel. Man hatte mir einen Schreibtisch in einem winzigen, ungeheizten B�ro zugewiesen und sogar eine Tasse Kaffee serviert. Sie war kalt. Trotzdem blieb ich ausnehmend guter Laune. Die Aussicht, an diesem Abend nach Hause zu kommen, stimmte mich beinahe euphorisch.</p><p>�Brauchen Sie noch etwas, Sir?� Die Stimme des jungen Lieutenant, der mich �betreute�, klang genauso, wie sein Gesicht aussah: ausdruckslos, mit einer Spur von nicht ganz unterdr�ckter Unfreundlichkeit. In Wahrheit hatte er wohl den Auftrag, auf mich aufzupassen, damit ich keine Staatsgeheimnisse stahl oder einen der drei pedantisch angespitzten Bleistifte verschwinden lie�, die man mir zur Verf�gung gestellt hatte.</p><p>�Nein�, antwortete ich. �Es sei denn, Sie h�tten ...�</p><p>Ich kam nicht dazu, meinen Wunsch nach einem hei�en Kaffee zu �u�ern, denn in diesem Moment wurde die T�r auf gesto�en, und ein Mann mittleren Alters in einer dunkelblauen Air-Force-Uniform kam herein. Ich hatte immer Schwierigkeiten damit, mich in dem Wust von Rangabzeichen, Streifen und Sternchen auf Milit�runiformen zurechtzufinden, aber dieser Neuank�mmling musste ein hochrangiger Offizier sein. Im ersten Augenblick erinnerte er mich (vor allem angesichts der Jahreszeit) ein bisschen an einen wandelnden Weihnachtsbaum, und der junge Lieutenant trat hastig zwei Schritte zur�ck und nahm eine Haltung ein, als h�tte er den sprichw�rtlichen Besenstiel verschluckt.</p><p>�Major Friend�, salutierte er und brachte sogar das Kunstst�ck fertig, zu reden, ohne dabei die Lippen zu bewegen. Ich fand, dass Friend trotz seines Namens nicht besonders freundlich aussah; und schon gar nicht wie jemand, den ich zum Freund haben wollte. Der Lieutenant jedenfalls erstarrte regelrecht vor Ehrfurcht, w�hrend Friend zuerst ihn und dann mich mit einem so eisigen Blick ma�, dass selbst einem Pinguin noch ein kalter Schauer �ber den R�cken gelaufen w�re.</p><p>�Die werden auch jedes Mal j�nger�, bemerkte er kopfsch�ttelnd. Er trat mit zwei raschen Schritten auf mich zu, streckte mir die Hand �ber den Schreibtisch entgegen und fuhr fort: �Sie m�ssen Loengard sein. Ich bin Major Robert Friend. Ich leite den Laden hier, und das seit neunzehnhundertneununddrei�ig.� Damals hast du noch in die Windeln gemacht, Jungchen, f�gte sein Blick hinzu. Falls es dich da �berhaupt schon gab.</p><p>Ich revidierte meine Meinung �ber Friend. Er war nicht nur jemand, den ich nicht zum Freund haben wollte. Ich war sicher, dass niemand diesen Mann zum Freund haben wollte. Sein Blick war taxierend und durchdringend, und er hatte den Ausdruck eines Mannes, der prinzipiell und immer auf Verteidigung eingestellt ist und hinter jedem freundlichen L�cheln sofort eine Heimt�cke wittert. Aber sein H�ndedruck war kr�ftig, und er hatte mir immerhin genug Aufmerksamkeit gezollt, um sich meinen Namen zu merken und mich nicht nur als den Kerl aus Washington abzuhaken, den man m�glichst schnell wieder loswerden wollte.</p><p>�Sie sind also hier, um nachzusehen, was wir mit Uncle Sams Steuergeldern machen�, sagte er. �Hatten Sie Erfolg?�</p><p>Ich war nicht ganz sicher, was ich von dieser Frage halten sollte. �Nun, Sir ...�, begann ich.</p><p>�Wissen Sie, Jungchen�, fuhr Friend fort, �ich f�hre diese Blue Books, seit ich diese Basis �bernommen habe. Und ich kenne Leute wie Sie zur Gen�ge.�</p><p>�Sir, ich versichere Ihnen ...�, begann ich, nur, um sofort wieder von Friend unterbrochen zu werden. Offensichtlich geh�rte er zu den Menschen, die ihre Gespr�chspartner prinzipiell niemals aussprechen lie�en.</p><p>�Das ist nicht pers�nlich gemeint, John�, sagte er jovial. �Sie tauchen so regelm��ig auf wie die Jahreszeiten, wissen Sie? Man kann sich fast darauf verlassen. Immer, wenn irgendeine Wahl vor der T�r steht, kommt jemand in Washington auf die Idee, einen armen Kerl wie Sie loszuschicken, der nachschaut, wo ein paar Dollar an Steuergeldern zu sparen sind.�</p><p>Er war r�cksichtsvoll genug, nicht armes W�rstchen zu sagen, aber es stand deutlich genug in seinen Augen geschrieben.</p><p>�Nun, Sir ...�, begann ich zum dritten Mal, �ich versichere Ihnen, ich bin nicht hier, um irgendjemandem Schwierigkeiten zu machen. Es ist nur so, dass wir dem Kongress regelm��ig Rechenschaft dar�ber ablegen m�ssen, was die einzelnen Abteilungen mit ihrem Etat anfangen.�</p><p>Friend lachte. Jedenfalls vermutete ich, dass es ein Lachen sein sollte: ein kurzes, hartes Schnauben, bei dem er die Luft durch die Nase stie�.</p><p>�Haben Sie eine Ahnung, in wie vielen F�llen meine Leute allein im letzten Jahr recherchiert haben?� fragte er.</p><p>Hatte ich. Ich hatte meine Hausaufgaben gemacht. �F�nfhundertsiebenundf�nfzig�, antwortete ich.</p><p>Friend tauschte einen kurzen, �berraschten Blick mit seinem Lieutenant, dann beugte er sich leicht vor und fuhr in h�rbar sch�rferem Ton fort: �Geteilt durch exakt drei M�nner, die ich f�r diese Arbeit abgestellt habe. Wenn Sie also der Meinung sind ...�</p><p>�Sir�, unterbrach ich ihn, ruhig, aber doch so nachdr�cklich, wie es mir m�glich war, �ich interessiere mich nur f�r ganz spezielle Ermittlungen.�</p><p>Friend runzelte die Stirn. �Und ... welche?�</p><p>�UFOs�, antwortete ich. Ich h�tte mich f�r den halb nerv�sen, halb fast wie um Entschuldigung bittenden Unterton in meiner Stimme selbst ohrfeigen k�nnen. Aber Friend reagierte ganz anders, als ich erwartet hatte.</p><p>�UFOs?� wiederholte er.</p><p>�Fliegende Untertassen�, f�gte ich hastig hinzu. Beinahe h�tte ich noch gesagt: Humbug, schluckte die Bemerkung aber im letzten Moment herunter. Irgendetwas an Friends Blick ... irritierte mich. Er sah weder sp�ttisch aus, noch feindselig, sondern ganz im Gegenteil h�chst interessiert.</p><p>�Ich wei�, was man darunter versteht�, sagte er. �Unidentifizierte Flugobjekte. Raumschiffe von anderen Planeten. Besuch aus dem Kosmos.� Er machte eine wedelnde Handbewegung. �Sie glauben nicht daran, wie?�</p><p>�Das wei� ich nicht, Sir�, antwortete ich.</p><p>�Sie wissen es nicht?�</p><p>�Nun, ich ... m�chte mir ein eigenes Bild machen�, antwortete ich z�gernd. Friend irritierte mich mit jeder Sekunde mehr. Noch vor einem Moment h�tte er mich am liebsten von seinen Leuten aus dem St�tzpunkt werfen lassen, aber ganz pl�tzlich machte er auf mich vielmehr den Eindruck eines Mannes, der mir ... etwas sagen wollte? Ich wusste es nicht.</p><p>�Ein Bild? Sie meinen, Sie suchen nach Argumenten, um diesen ... Unsinn zu beenden?�</p><p>Die Art, mit der er das Wort Unsinn betonte, lie� mich hellh�rig werden. �Nicht unbedingt�, sagte ich ehrlich. Heute war mein letzter Tag. Au�erdem stand Weihnachten vor der T�r. Warum sollte ich nicht ein bisschen freundlich sein. �Am Anfang war es vielleicht sogar so. Aber ich bin auf ein paar Dinge gesto�en, die ... seltsam sind. Wer wei�, vielleicht kann ich den Kongress sogar am Ende �berzeugen, weitere Gelder f�r die Nachforschungen bereitzustellen.�</p><p>Nat�rlich war das nicht wahr. Ich hatte tats�chlich ein paar Dinge gefunden, die auf den ersten Blick zumindest nicht erkl�rbar erschienen, aber Pratt w�rde nicht einmal dann mehr Geld bewilligen, wenn ich mit einem leibhaftigen Marsmenschen an der Hand in sein B�ro marschierte. Friend jedenfalls glaubte mir kein Wort.</p><p>�Reden Sie keinen Unsinn, Junge�, sagte er geradeheraus. �Sie glauben kein Wort von alledem, nicht wahr? Sie halten das alles f�r Quatsch. Hirngespinste, Wichtigtuerei, Angabe ...�</p><p>�Nein, Sir�, antwortete ich unbehaglich. �Es ist nur so, dass ...�</p><p>�Lieutenant�, sagte Friend, ohne mich aus den Augen zu lassen, �holen Sie dem Herrn Kongressermittler die Akte Hill.�</p><p>Ich versuchte, halbwegs gelassen auszusehen, und hielt Friends Blick irgendwie stand. Aber mir entging trotzdem nicht, dass der junge Lieutenant heftig zusammenfuhr. �Aber Sir!� entfuhr es ihm. �Sie ...�</p><p>�Haben Sie mich verstanden, Lieutenant?� fragte Friend. �Bringen Sie Mister Loengard die Hill-Akte. Wir haben nichts zu verbergen.�</p><p>Nach allem, was ich bisher mit dem Milit�r erlebt hatte, erschien es mir selbst fast unglaublich: Und f�r eine Sekunde war ich sicher, dass der Lieutenant dem Major widersprechen w�rde. Doch dann warf Friend dem jungen Soldaten einen einzigen, eisigen Blick aus seinen durchdringenden Augen zu. Der Lieutenant erstarrte f�r einen kurzen Moment, dann drehte er sich mit einer zackigen Bewegung herum und verlie� den Raum.</p><p>�Was ist die Akte Hill?� fragte ich.</p><p>�Die Hills sind ein wirklich nettes Ehepaar�, antwortete Friend. �Sie w�rden Ihnen gefallen, sch�tze ich. Schade nur, dass Sie sie wahrscheinlich nie kennen lernen werden. Sie w�rden Ihre Meinung danach vielleicht �ndern.�</p><p>�Meine Meinung - wor�ber?�</p><p>��ber UFOs. Fliegende Untertassen. Massenhysterie ...� Er machte wieder diese vage Handbewegung. �Nennen Sie es, wie Sie wollen. Glauben Sie etwa, Sie w�ren der erste, der hierherkommt, vor mir auf diesem Stuhl sitzt und mich mit diesem ver�chtlichen L�cheln ansieht?�</p><p>Ich sa� gar nicht auf einem Stuhl, sondern stand noch immer auf der anderen Seite des Schreibtischs, aber kam mir mittlerweile vor, als st�nde ich als Erstkl�ssler vor meinem Direktor. Friend war nicht der erste hochrangige Soldat, mit dem ich aneinandergeriet, nicht einmal der h�chstrangigste. Aber er war genau die Art von Offizier, vor denen ich mich innerlich immer gef�rchtet hatte. Er hatte es nicht n�tig, laut zu werden, oder seinen Rang herauszuheben. Der Mann strahlte durch seine blo�e Anwesenheit eine Autorit�t aus, der ich nichts entgegenzusetzen hatte.</p><p>Ich versuchte ein letztes Mal, so etwas wie Haltung zu heucheln, indem ich mich m�glichst gelassen in meinen Stuhl fallen lie� und das rechte Bein �ber das linke schlug. Der Versuchung, l�ssig mit einem Bleistift zu spielen, widerstand ich im letzten Augenblick.</p><p>Friend tat etwas, womit ich nun wirklich nicht gerechnet h�tte: Er setzte sich in einer wirklich l�ssigen Bewegung auf die Schreibtischkante, verschr�nkte die Arme vor der Brust und sah einen Moment lang nachdenklich auf mich herab. Dann seufzte er: �Ich wei� nicht einmal, ob ich Ihnen damit einen Gefallen tue, mein Junge.�</p><p>�Womit?� fragte ich.</p><p>�Glauben Sie nicht, ich w�sste nicht, was hinter Ihrer Stirn vorgeht, John?� fragte Friend. �Wie lange sind Sie schon mit diesen ... Nachforschungen besch�ftigt?�</p><p>�Nicht ganz drei Monate, Sir�, antwortete ich.</p><p>�Drei Monate.� Friend machte eine Bewegung, die wie eine Mischung aus einem Nicken und einem Kopfsch�tteln aussah und wahrscheinlich nichts von beidem war. �Nun, mein lieber Junge - ich besch�ftige mich mit solchen Dingen schon ein wenig l�nger. L�nger, als Sie schon auf der Welt sind, um genau zu sein.�</p><p>�Sir?�</p><p>�Ich wei� ziemlich genau, was Sie in den letzten drei Monaten zu h�ren bekommen haben�, fuhr Friend unbeeindruckt fort. �Sie sind auf jede Menge Verr�ckte gesto�en. Auf Angeber, Wichtigtuer, Fanatiker und Besessene. Und dann gibt es da noch die andere Fraktion. Die, die wirklich etwas gesehen haben. Wetterballons, tieffliegende Flugzeuge, Kugelblitze und Nordlichter. Und dann ist da noch ein winziger Rest, den man nicht erkl�ren kann, stimmt's? Diese Leute sind weder verr�ckt, noch haben sie einen Kinderdrachen gesehen. Und dieser kleine Prozentsatz gibt einem zu denken, nicht wahr?�</p><p>�Worauf wollen Sie hinaus, Sir?�</p><p>�Ich war genau wie Sie�, sagte Friend, ohne direkt auf meine Frage zu antworten. �Und trotzdem: Denken Sie einfach einmal f�nf Minuten lang nicht an all das, was Sie in der Schule gelernt haben, und das, was Ihnen Ihr gesunder Menschenverstand sagt. Vergessen Sie alles, was Sie in Ihren Berichten und Rapports gelesen haben, und fragen Sie sich nur einen Augenblick lang, ob es nicht vielleicht doch so sein k�nnte.�</p><p>�Wie?�</p><p>�Dass dort oben etwas ist�, antwortete Friend. �Jemand.�</p><p>�Jemand?� wiederholte ich zweifelnd. �Verzeihen Sie, Sir, aber was ... was genau meinen Sie?�</p><p>�Dort oben sind Millionen von Sternen�, sagte Friend. �Vielleicht Milliarden. Glauben Sie wirklich, wir w�ren die einzigen lebenden Wesen im Universum?� Er sch�ttelte heftig den Kopf. �Ganz bestimmt nicht. Dort oben ist etwas. Jemand. Und sie sind hier. Sie beobachten uns, das ist meine feste �berzeugung.�</p><p>Bei jedem anderen h�tten diese Worte einfach nur l�cherlich geklungen. Nicht so bei Friend. Er hatte es nicht n�tig, seine Stimme dramatisch zu heben oder mit theatralischen Gesten zu untermalen. Er sagte einfach, was er dachte, und vielleicht machte ihn gerade das so �berzeugend.</p><p>�Es f�llt mir schwer, etwas dazu zu sagen, Sir�, sagte ich vorsichtig. �Wenn ich ganz offen sein darf. Sie haben Recht. Bisher ist mir wenig �berzeugendes untergekommen.�</p><p>�Und das wird auch so bleiben�, sagte Friend beinahe grimmig. �Wie gesagt: Mir selbst ist es nicht anders ergangen. Bis ich die Hills traf.�</p><p>Wie auf ein Stichwort hin kam in diesem Moment der Lieutenant zur�ck. Er trug einen dick gef�llten Aktendeckel unter dem linken Arm. Ich konnte die Aufschrift nicht erkennen, aber der in verblasstem Rot gehaltene TOP-SECRET-Stempel quer �ber dem Deckel war nicht zu �bersehen.</p><p>�Die Akte Hill, Sir�, sagte er steif.</p><p>Friend stand mit einer raschen Bewegung wieder auf, nahm die Arme herunter und verwandelte sich im gleichen Augenblick wieder in den unnahbaren, immer auf Verteidigung eingestellten Soldaten zur�ck, als der er hereingekommen war. �Geben Sie sie Mister Loengard�, sagte er. �Und falls er noch Fragen hat oder weitere Unterlagen ben�tigt, geben Sie sie ihm ebenfalls. Wie gesagt: Wir haben nichts zu verbergen.�</p><p>Und damit ging er. Er machte sich nicht einmal die M�he, sich zu verabschieden, sondern marschierte mit steifen Schritten, aber sehr schnell, aus dem Raum und lie� mich mit der streng geheimen Akte und einem ziemlich ungl�cklich dreinblickenden Lieutenant allein zur�ck.</p><p>Z�gernd griff ich nach der Akte und begann sie durchzubl�ttern. Sie enthielt im Gro�en und Ganzen nicht mehr als das, was ich in einem Dutzend unterschiedlicher Variationen innerhalb der letzten drei Monate immer wieder geh�rt hatte. Die Hills hatten etwas gesehen, von dem sie beide �berzeugt waren, dass es sich um ein au�erirdisches Raumschiff handelte. Interessant - aber alles andere als sensationell, oder gar �berzeugender als vieles von dem, was ich zuvor geh�rt hatte. Wahrscheinlich h�tte ich die Akte nur fl�chtig durchgebl�ttert und dann wieder zugeklappt, w�ren nicht zwei Dinge gewesen: der TOP-SECRET-Stempel auf dem Aktendeckel, und die Erinnerung an Friends Worte.</p><p>Ich klappte den Deckel zu und sah nachdenklich auf die Adresse, die darauf vermerkt war. �Stimmt diese Adresse noch?� fragte ich.</p><p>�Ich denke schon, Sir�, antwortete der Lieutenant.</p><p>�Ich kenne mich hier in der Gegend nicht besonders gut aus�, sagte ich, �aber es kann ...�</p><p>�Eine knappe halbe Stunde mit dem Wagen�, fiel mir der Lieutenant ins Wort; eine schlechte Angewohnheit, die er wohl von Friend �bernommen hatte. �Wenn Sie der Hauptstra�e nach Osten folgen, k�nnen Sie es gar nicht verfehlen.�</p><p>Ich sah auf die Uhr, �berlegte einen Moment und sah dann noch einmal auf meine Armbanduhr. Ich hatte noch genug Zeit. Wenn ich mich nicht l�nger als eine Stunde bei den Hills aufhielt, konnte ich immer noch in aller Ruhe den Mietwagen zur�ckbringen und meinen Zug erreichen.</p><p>�Betty und Barney Hill�, sagte ich nachdenklich. �Kennen Sie diese Leute, Lieutenant?�</p><p>Er sah mich so befremdlich an, dass die Antwort eigentlich schon �berfl�ssig war. �Fl�chtig. Ich war ... zwei- oder dreimal bei ihnen.�</p><p>�Zusammen mit Major Friend?�</p><p>Diesmal nickte er nur. Er gab sich keine besondere M�he, die Tatsache zu verhehlen, dass er mir diese Akte ganz bestimmt nicht gegeben h�tte. Aber als ich aufstand und meine Aktentasche zu packen begann, r�usperte er sich gek�nstelt und sagte: �Mister Loengard. Darf ich ... Ihnen einen privaten Rat geben?�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Sie verschwenden Ihre Zeit�, sagte der Lieutenant. �Die Hills werden Ihnen nichts sagen. Und selbst wenn ... glauben Sie mir: Es ist vern�nftiger, wenn Sie das alles vergessen und nach Hause fahren.�</p><p>�Major Friend schien nicht dieser Meinung zu sein�, sagte ich.</p><p>�Ich wei߫, antwortete der Lieutenant. Er fuhr sich nerv�s mit der Zungenspitze �ber die Lippen und wusste pl�tzlich nicht mehr, wohin mit seinem Blick. Wahrscheinlich tat es ihm l�ngst schon wieder leid, das Thema �berhaupt angeschnitten zu haben.</p><p>�Keine Sorge�, sagte ich. �Ich werde dem Major gegen�ber nichts sagen.�</p><p>�Sie d�rfen mich nicht falsch verstehen, Mister Loengard�, fuhr der Lieutenant nerv�s und mit einem hastigen Blick zur T�r fort. �Major Friend ist ... ein wirklich guter Offizier. Er ist ein sehr kluger Mann, und er ist bei allen hier sehr beliebt, auch wenn Sie vielleicht einen anderen Eindruck gewonnen haben. Nur diese ... diese UFO-Geschichte ...�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich, als er nicht weitersprach, sondern mich nur unbehaglich ansah. �Jeder hat so seine Marotten, nicht? Sie meinen, er hat vielleicht ein bisschen zu viel in all diesen Akten und Berichten gebl�ttert.�</p><p>�Es ist weniger eine Marotte, als vielmehr eine Frage des Glaubens�, sagte der Lieutenant. In seiner Stimme schwang ein sonderbarer Ernst mit, und erst in diesem Moment wurde mir klar, was er mir wirklich zu sagen versuchte. Er hatte mich keineswegs angesprochen, um seinem Vorgesetzten in den R�cken zu fallen, sondern ganz im Gegenteil, um ihn zu besch�tzen. Er wollte nicht, dass ich nach Washington zur�ckfuhr und dort erz�hlte, dass Wright-Patterson von einem Mann geleitet wurde, der an kleine gr�ne M�nnchen vom Mars glaubte und nachts den Mond anheulte.</p><p>Wenigstens glaubte ich das in diesem Moment.</p><p>�Keine Angst�, sagte ich. �Niemand wird etwas erfahren. Ich gehe zu den Hills und rede mit ihnen, aber ich werde Major Friends Namen nicht einmal erw�hnen.�</p><p>�Wie Sie meinen, Mister Loengard�, antwortete der Lieutenant. Er hatte sich jetzt wieder vollkommen in der Gewalt, so dass seinem Gesicht nicht die mindeste Regung anzusehen war. Trotzdem hatte ich das vage Gef�hl, dass er nicht unbedingt das geh�rt hatte, was er h�ren wollte. Vielleicht traute er meiner vollmundigen Versprechung nicht. Und wie auch - schlie�lich war ich ein vollkommen Fremder f�r ihn.</p><p>Ich packte meine Sachen zusammen, notierte mir die Adresse der Hills und ging. Als ich das B�ro verlie�, griff der Lieutenant zum Telefonh�rer und begann eine Nummer zu w�hlen.</p><empty-line/><p>Ich brauchte etwas mehr als die halbe Stunde, die der Lieutenant veranschlagt hatte, um das Haus der Hills zu erreichen, denn ich hatte auf halbem Wege an einer Rastst�tte Halt gemacht, um einen Kuchen zu kaufen. Als ich es tat, kam es mir wie eine gro�artige Idee vor; als ich auf den Klingelknopf dr�ckte und den Schritten lauschte, die sich von drinnen der T�r n�herten, kam ich mir - offen gesagt - ziemlich d�mlich vor.</p><p>Ich fragte mich, was ich eigentlich hier tat. Kimberley w�hnte mich jetzt schon auf dem Weg nach Hause, und eigentlich gab es keinen vern�nftigen Grund, es nicht zu sein. Die Akte der Hills hatte absolut nichts enthalten, was diesen Umweg rechtfertigte, und auch die Gegend, in der das Haus des Paares lag, war eher ern�chternd: eine typische Vorstadt-Stra�e voller einfacher, aber gepflegter Einfamilienh�user, die hinter schmucken Vorg�rten mit kiesbestreuten Auffahrten und sorgsam gepflegten Blumenrabatten lagen. Die polierten Mittelklassewagen der Hausbesitzer und die nicht ganz so liebevoll gepflegten Cabrios ihrer S�hne und T�chter flankierten die Stra�e. Alles, was noch fehlte, um das Viertel auf das Titelblatt des American-Way-Of-Life-Magazins zu bringen, war der Zeitungsjunge, der von Haus zu Haus radelte und Zeitungen gezielt auf Vord�cher und in Blumenbeete warf. Eindeutig keine Gegend, in der man UFO-Fanatiker erwartete oder Leute, die einfach alles taten, um einmal auf das Titelblatt des National Enquirer zu kommen.</p><p>Aber zu diesem Menschenschlag geh�rte Major Friend eindeutig auch nicht.</p><p>Mein Blick blieb f�r einen Moment an einem grauen Buick h�ngen, der langsam auf der anderen Stra�enseite entlangfuhr. Ich war nicht sicher - aber ich glaubte, den Wagen vorhin schon einmal gesehen zu haben, als ich an der Rastst�tte anhielt, um den Kuchen zu kaufen.</p><p>Wahrscheinlich bedeutete es nichts. Ich konnte das Gesicht des Fahrers nicht erkennen, aber ich sah, dass er den Kopf hin und her bewegte, w�hrend er langsam die Stra�e hinunterfuhr. Der Mann suchte eine bestimmte Adresse, so einfach war das. Ein Zufall.</p><p>Die T�r wurde ge�ffnet, und ich sah mich einer adrett gekleideten, vielleicht vierzigj�hrigen Frau mit modisch kurzgeschnittenem Haar und freundlichen Augen gegen�ber.</p><p>�Mrs. Hill?� fragte ich.</p><p>�Ja�, antwortete sie. �Was kann ich f�r Sie tun?�</p><p>�Mein Name ist John Loengard�, antwortete ich. �Ich komme gerade von der Wright-Patterson Air Force Base, und ...�</p><p>Etwas Falscheres h�tte ich in diesem Moment vermutlich gar nicht sagen k�nnen. Jede Spur von Freundlichkeit in ihrem Blick erlosch, und ihr L�cheln machte einem Ausdruck Platz, der mich an den Friends erinnerte: eine Mischung aus Misstrauen und Furcht, die einen Grund hatte. Und es gab noch etwas, das sie mit dem Major gemein hatte: Sie lie� mich nicht ausreden.</p><p>�Tut mir leid�, unterbrach sie mich. �Wir m�chten nicht mehr mit jemandem von der Air Force reden. Wir haben schon alles gesagt, was zu sagen ist.�</p><p>Und jedes einzelne Wort davon hundertmal bedauert, f�gte ihr Blick hinzu. Ihr Gesichtsausdruck war dem Friends doch nicht so �hnlich, wie ich gedacht hatte. Friends feindseliges Misstrauen war einfach Teil seines Berufs. Dieser Frau war irgendetwas angetan worden, das sp�rte ich.</p><p>�Ich arbeite nicht f�r die Air Force�, sagte ich rasch.</p><p>�Bitte verzeihen Sie meine ungeschickte Formulierung. Ich war nur gerade auf der Basis und habe mit Major Friend gesprochen.�</p><p>�Friend? Sie kennen ihn?�</p><p>�Nicht besonders gut�, gestand ich. �Ich arbeite f�r die Regierung. F�r den Kongress, um genau zu sein.�</p><p>Sie sagte nichts, sondern sah mich nur zweifelnd an. Die Erw�hnung meines Arbeitgebers schien sie nicht sonderlich zu beeindrucken - immerhin war sie beinahe alt genug, um meine Mutter sein zu k�nnen - aber ich schien ihre Neugier geweckt zu haben.</p><p>�Und was haben Sie mit Major Friend zu tun?� fragte sie.</p><p>�Eigentlich nichts�, sagte ich. �Aber er gab mir Ihre Adresse und Ihre Akte. Sehen Sie, es geht um ... um das Erlebnis, das Sie und Ihr Mann vor einer Weile hatten.� Ich sah, wie sich ihr Blick schon wieder verd�sterte, und fuhr rasch fort: �M�glicherweise gibt es neue Erkenntnisse. Aber um sicher zu sein, m�sste ich noch einmal mit Ihnen und Ihrem Mann reden. Der Bericht allein ... nun, Papier sagt manchmal nicht so viel aus wie ein gesprochenes Wort.�</p><p>Ich sp�rte, dass ich den Bann fast gebrochen hatte, gab mir einen letzten Ruck und reichte ihr den Kuchen, den ich an der Rastst�tte gekauft hatte. Nat�rlich erntete ich nur einen verst�ndnislosen Blick - aber immerhin warf sie mir das Ding nicht gleich ins Gesicht.</p><p>�Meine Freundin hat ihn f�r mich gebacken�, log ich. �Ein bisschen viel f�r mich allein. Und ich habe noch etwas Zeit, bis mein Zug f�hrt, und da dachte ich, dass wir vielleicht bei einer Tasse Kaffee ...?�</p><p>F�r einen Moment blieb das misstrauische Funkeln in ihren Augen. Aber dann machte es einem L�cheln Platz, und ich wusste, dass ich gewonnen hatte.</p><p>Etwa eine Sekunde lang. Dann wurde die T�r ganz ge�ffnet, und ein hoch gewachsener, dunkelhaariger Schwarzer funkelte mich an. Ich war einen Moment lang verwirrt. Aus Friends Akte war weder hervorgegangen, dass Barney Hill ein Farbiger war, noch, dass er zwar zwei Jahre �lter als seine Frau war, aber mindestens zehn Jahre j�nger aussah.</p><p>�Sehr sch�n, Mister Loengard�, sagte er k�hl. �Warum nehmen Sie nicht Ihren Kuchen, Ihre Fragen und Ihre neuen Erkenntnisse und fahren damit zur�ck zu Ihrer Freundin, um mit ihr zusammen Weihnachten zu feiern? Meine Frau und ich haben nichts mehr zu sagen.�</p><p>Er nahm seiner Frau den Kuchen aus der Hand, gab ihn nur mit einer �rgerlichen Bewegung zur�ck und trat gleichzeitig so zwischen sie und mich, dass er damit den Blickkontakt zwischen uns unterbrach. �Verschwinden Sie. Lassen Sie uns endlich in Ruhe!�</p><p>Ich musste mich mit aller Kraft beherrschen, um nicht vor ihm zur�ckzuweichen. Er hatte nicht einmal die Stimme erhoben, aber die Feindseligkeit in seinen Worten war beinahe greifbar.</p><p>�Also gut, Mister Hill�, sagte ich. �Ich will offen zu Ihnen sein. Ich bin wirklich im Auftrag der Regierung hier, aber es gibt keine neuen Erkenntnisse. Ganz im Gegenteil. Mein Auftrag lautet, Beweise daf�r zu finden, dass diese ganze Suche nach fliegenden Untertassen und au�erirdischem Leben nichts als Geldverschwendung ist.� Ich z�gerte einen Moment, dann f�gte ich hinzu: �Und diesen Kuchen hat auch nicht meine Freundin gebacken. Ich habe ihn an einer Tankstelle gekauft, nur ein paar Meilen von hier.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Hill. �Ich halte selbst manchmal dort an, um ihn mitzubringen. Er ist ausgezeichnet.�</p><p>Er schien noch mehr sagen zu wollen, unterbrach sich aber dann und starrte f�r einen winzigen Moment fast erschrocken auf einen Punkt irgendwo hinter mir. Bevor ich mich jedoch herumdrehen und in die gleiche Richtung sehen konnte, fuhr er fort. �Major Friend hat Sie geschickt?�</p><p>�Wenigstens indirekt�, antwortete ich. �Er hat mir Ihre Akte gegeben.�</p><p>�Das wundert mich�, sagte Hill. �Wir werden Ihnen kaum helfen k�nnen, wenn Sie Beweise daf�r suchen, dass es sie nicht gibt.�</p><p>�Sie?�</p><p>Hill sah wieder zu jenem Punkt irgendwo hinter mir, aber er sprach auch jetzt weiter, bevor ich mich herumdrehen konnte. �Wie immer Sie sie nennen wollen, Mister Loengard. Kommen Sie rein.�</p><p>Nach der unverhohlenen Feindseligkeit, mit der er mich bis jetzt behandelt hatte, �berraschte mich diese Einladung um so mehr; allerdings nicht so sehr, dass ich ihr nicht sofort gefolgt w�re. Nachdem ich zwischen ihm und seiner Frau hindurch ins Haus getreten war, drehte ich mich sofort herum, um einen Blick auf die Stra�e hinaus zu werfen. Irgendetwas dort drau�en schien Hill erschreckt zu haben. Aber er hatte die T�r bereits geschlossen und machte eine einladende Bewegung mit der anderen Hand.</p><p>W�hrend ich ihm ins Wohnzimmer folgte, sah ich mich verstohlen um. Das Haus der Hills hielt im Inneren das, was sein �u�eres versprochen hatte: Es war geschmackvoll und solide eingerichtet, nicht auff�llig, aber auch alles andere als spie�ig. An den W�nden hingen gerahmte Kunstdrucke neben gestickten Bildern, die wahrscheinlich Betty Hill angefertigt hatte. Auf dem Wohnzimmertisch lag ein geh�keltes Spitzendeckchen, und der Kamin im Wohnzimmer war eine gasbetriebene Attrappe. Ich kam zu dem Schluss, dass meine erste Einsch�tzung richtig gewesen war: Das waren keine Leute, die ihre Gesichter um jeden Preis auf dem Titelblatt der Boulevardpresse sehen wollten.</p><p>�Nehmen Sie Platz, Mister Loengard�, sagte Hill. �Kaffee oder Tee?�</p><p>�Kaffee, bitte.�</p><p>Hills Frau verschwand in der K�che, w�hrend er selbst zum Fenster ging und einen raschen, sehr aufmerksamen Blick auf die Stra�e hinaus warf. Dann kam er zur�ck, nahm auf der behaglichen Couch mir gegen�ber Platz und sah mich auf eine sehr seltsame Art an. �Sie suchen also nach Beweisen, die dagegen sprechen, Mister Loengard.�</p><p>Seine Frau kam zur�ck. Der Kaffee war offensichtlich bereits fertig gewesen, denn sie trug ein Tablett mit einer dampfenden Kanne und drei Tassen, das sie geschickt auf dem Tisch ablud, noch bevor ich Gelegenheit fand, ihr zur Hand zu gehen. Ich wartete, bis auch sie Platz genommen hatte, ehe ich Hills Frage beantwortete.</p><p>�Ich bin nicht mehr ganz sicher�, sagte ich. �Um ehrlich zu sein: Congressman Pratt erwartet von mir, dass ich ihm hieb- und stichfeste Argumente liefere, um all diese Projekte nicht mehr finanzieren zu m�ssen, aber je mehr ich mich mit diesem Thema besch�ftige, desto weniger wei� ich im Grunde, was ich glauben soll. Vielleicht sollte ich einfach nur Fakten sammeln.�</p><p>Ich beugte mich zu meiner Aktentasche hinunter, klappte sie auf und fragte: �Haben Sie etwas dagegen, wenn ich Ihren Bericht auf Band aufnehme?�</p><p>�Nein�, antwortete Hill. �Aber es wird Ihnen nichts nutzen. Niemand wird Ihnen glauben, Mister Loengard.�</p><p>�Es gibt eine Menge Leute, die an UFOs glauben�, antwortete ich, w�hrend ich das kleine Tonbandger�t aufstellte, das ich zwar stets bei mir trug, bisher aber so gut wie nicht benutzt hatte. Entsprechend ungeschickt stellte ich mich dabei an, das Magnetband zwischen den Tonk�pfen hindurchzuziehen und in die leere Spule einzuf�deln.</p><p>Hill sah mir eine Weile ebenso schweigend wie am�siert dabei zu, ehe er fortfuhr: �Es gibt eine Menge Leute, die �ber fliegende Untertassen reden, Mister Loengard. Aber nicht sehr viele, die wirklich daran glauben.�</p><p>�Ist das ein Unterschied?� fragte ich. Es war mir endlich gelungen, das Band einzuf�deln. Ich legte die Finger auf die beiden Tasten, die ich gleichzeitig dr�cken musste, sah aber Hill erst fragend an. Er nickte. Das schwere Klicken, mit dem die Aufnahme startete, vermischte sich mit Hills Antwort, wie um ihr besonderes Gewicht zu betonen.</p><p>�Es gibt zwei Wege, die Wahrheit zu verschleiern, Mister Loengard�, antwortete er. �Man kann sie leugnen. Man kann Dinge vertuschen, Beweise verschwinden lassen und Leute zum Schweigen bringen. Die andere M�glichkeit ist, ganz offen dar�ber zu reden. Nehmen Sie die Wahrheit, und verbergen Sie sie unter einem Berg von �bertreibungen, von L�cherlichkeiten und ganz offensichtlichen L�gen, und am Ende wird sie niemand mehr erkennen.�</p><p>�Ist es das, was Ihnen passiert ist?� fragte ich.</p><p>Hill antwortete nicht sofort. Er tauschte einen kurzen, aber sehr bezeichnenden Blick mit seiner Frau, eine unausgesprochene Frage, die er ihr stellte und die sie ebenso lautlos beantwortete. Ich habe niemals wirklich begriffen, warum - aber diese beiden wildfremden Menschen vertrauten mir in diesem Augenblick r�ckhaltlos.</p><p>�Ich wei� nicht, was uns passiert ist�, sagte er.</p><p>Ich sah ihn nur fragend an. F�r zwei oder drei Sekunden war das leise Schleifen, mit dem sich die Tonbandspulen drehten, das einzige Ger�usch im Raum.</p><p>�Wir waren in Kanada�, begann Hill. �Meine Frau und ich hatten dort Urlaub gemacht. Der erste seit zehn Jahren. Wir waren mit dem Wagen unterwegs - irgendwo in den White Mountains.�</p><p>�Irgendwo?� unterbrach ich ihn.</p><p>�Es war sp�t�, sagte Betty. �Lange nach Mitternacht. Wir waren beide m�de.�</p><p>�Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, die Nacht durchzufahren�, f�gte ihr Mann hinzu. �Wir hatten noch zwei Tage, die wir gem�tlich zu Hause verbringen wollten. Aber es war sp�t. Vielleicht hatten wir unsere Kr�fte einfach �bersch�tzt. Jedenfalls waren wir beide ziemlich m�de. Vielleicht habe ich es auch deshalb nicht gleich bemerkt.�</p><p>�Es?�</p><p>�Die Lichter.� Barney deutete auf seine Frau. �Sie hat sie bemerkt.�</p><p>Betty nickte. Als sie sprach, wurde ihre Stimme sehr leise, und ein seltsamer Ausdruck trat in ihre Augen. Sie sprach fast wie in Trance, auch wenn ihre Stimme nicht diesen typisch tonlosen Klang annahm. �Im ersten Moment dachte ich, es w�re ein Wagen, der uns folgt. Aber die Lichter waren ... zu gro�. Und sie n�herten sich zu schnell.�</p><p>�Ein Flugzeug?�</p><p>�Dazu war es zu langsam�, sagte Barney. �Und zu gro�.�</p><p>�Und es hatte Fenster�, sagte Betty. �Nicht diese kleinen Bullaugen, wie Flugzeuge sie haben, verstehen Sie? Ich meine richtige Fenster. Eine doppelte Reihe, �bereinander.�</p><p>�Zuerst habe ich ihr nicht geglaubt�, fuhr Barney fort. �Ich dachte, sie h�tte getr�umt. Eine Halluzination. Wir waren beide total �berm�det. Aber schlie�lich habe ich angehalten und bin ausgestiegen, und da habe ich es auch gesehen.�</p><p>�Die Fenster?�</p><p>�Es war riesig�, sagte Barney. �Wir hatten Vollmond, wissen Sie, aber ich konnte seine Form trotzdem nicht richtig erkennen, als ... als w�re da etwas, das ... das verhindert, dass man es genau sieht.�</p><p>Er rang sichtlich nach Worten, als fiele es ihm schwer zu beschreiben, woran er sich erinnerte, obwohl er die Geschichte vermutlich schon Dutzende Male erz�hlt hatte. Aber ich sp�rte auch, dass es besser war, ihn jetzt nicht mehr zu unterbrechen, und wartete schweigend, bis Hill von sich aus weitersprach.</p><p>�Ich glaube, es war eine Art ... Scheibe, aber ich bin mir nicht sicher. Nur, dass es riesig war und �berall Lichter hatte. Und da waren diese Fenster, genau wie Betty sagt. Und als ich hineinsah ...�</p><p>Seine Stimme versagte f�r einen Moment. Seine linke Hand kroch �ber die Sessellehne und suchte die seiner Frau, aber ich bezweifelte, dass er sich der Bewegung �berhaupt bewusst war.</p><p>�Da waren ... ungef�hr ein halbes Dutzend ... lebender ... Gesch�pfe.�</p><p>Die Art, auf die er dieses Wort aussprach, lie� mir einen kalten Schauer �ber den R�cken laufen. �Gesch�pfe?� wiederholte ich. �Sie meinen: Menschen.�</p><p>�Ich meine: Gesch�pfe, Mister Loengard�, antwortete Hill. �Lebende Kreaturen. Keine Menschen.�</p><p>�Keine Menschen? Was meinen Sie damit?�</p><p>�Genau das, was ich sage, Mister Loengard�, antwortete Hill mit leiser, jetzt nur noch m�hsam beherrschter zitternder Stimme. �Kreaturen. Ich wei� nicht, was sie waren, aber es waren keine Menschen.�</p><p>�Haben Sie sie auch gesehen?� Ich wandte mich mit einem fragenden Blick an Betty, aber Barney fuhr bereits fort:</p><p>�Ich geriet in Panik. Ich ... ich musste pl�tzlich an all die Geschichten denken, die ich geh�rt hatte - von Menschen, die von au�erirdischen Raumschiffen entf�hrt worden sind und all das. Ich hatte pl�tzlich nur noch Angst, verstehen Sie? Ich bin einfach weggelaufen.�</p><p>�Und dann?�</p><p>Hill zuckte mit den Schultern, und seine Frau sagte: �Sie haben uns entf�hrt.�</p><p>�Wir erwachten zwei oder drei Stunden sp�ter�, sagte Barney. �Wir waren wieder im Wagen, aber Meilen von der Stelle entfernt. Ich wei� nicht, was geschehen ist. Sie haben irgendetwas mit uns getan, aber ich wei� nicht, was.�</p><p>�Wie kommen Sie darauf?� fragte ich.</p><p>Betty lachte; jedenfalls hielt ich es im ersten Sekundenbruchteil daf�r. Aber dann sah ich in ihr Gesicht und begriff, dass es das genaue Gegenteil war. �Sehen Sie mich an, Mister Loengard�, sagte sie. �F�r wie alt w�rden Sie mich halten?�</p><p>Ich kannte ihr Alter aus Friends Akte, aber als ich sie so neben ihrem Mann sitzen sah, fiel es mir pl�tzlich schwer, diesen Angaben zu glauben. Mein Schweigen schien ihr auch Antwort genug zu sein, denn sie verzog die Lippen zu einem kurzen, traurigen L�cheln und fuhr mit leiser Stimme und ohne mich anzusehen fort:</p><p>�Ich habe immer viel j�nger ausgesehen als Barney, Mister Loengard. Wenn wir beide in einem Hotel �bernachten wollten, dann musste ich manchmal noch meinen Ausweis vorzeigen, bis zu dieser Nacht.�</p><p>Ich blinzelte. �Sie meinen ...�</p><p>�Ich meine, dass wir nach zwei Stunden im Wagen wieder aufgewacht sind, Mister Loengard. Aber ich bin in diesen zwei Stunden um zehn Jahre gealtert. Das meine ich.�</p><p>Ihre Worte schockierten mich. Ich wei� nicht einmal mehr genau, ob ich ihr glaubte. Es spielte auch keine Rolle, ob die Geschichte wahr war oder nicht. Was echt war, das war der Schmerz in ihrer Stimme. Der Schmerz, den ein Mensch empfindet, wenn er begreift, dass ihm ein Teil seines Lebens gestohlen worden war; unwiederbringlich.</p><p>�Ich verstehe, dass Sie zu niemandem dar�ber reden wollten�, murmelte ich - eigentlich nur, um �berhaupt etwas zu sagen und das ungute Schweigen zu brechen, das nach Bettys Worten Einzug gehalten hatte.</p><p>�Wollten?� Hill sch�ttelte heftig den Kopf. �Sie missverstehen mich, Mister Loengard. Ich wollte dar�ber reden. Niemand hat uns zugeh�rt. Betty und ich haben keine Angst vor der �ffentlichkeit. Es ist uns egal, wenn die Leute �ber uns reden. Wir leben in einer kleinen Stadt. Ein schwarzer Mann und eine wei�e Frau ... vielleicht ist es bei Ihnen in Washington anders, aber hier bei uns reden die Leute �ber so etwas. Wir haben keine Angst vor dem Gerede der Leute. Ich w�rde der ganzen verdammten Welt unsere Geschichte erz�hlen - aber niemand will sie h�ren.�</p><p>Einige Sekunden lang blickte ich Hill schweigend an, und wieder wurde es sehr still zwischen uns. Hill und seine Frau sa�en in steifer, fast verkrampfter Haltung da. Sie hielten sich bei der Hand, und ihre Finger hatten sich so fest ineinander verschlungen, dass das Blut daraus gewichen war. Ich konnte die Angst sp�ren, die die Worte aus der Erinnerung heraufbeschworen hatte, und die sie fest im Griff hielt; sie, und das Gef�hl hilfloser Ohnmacht, das vielleicht noch schlimmer sein mochte.</p><p>Schlie�lich beugte ich mich vor und streckte die Hand aus, um das Tonbandger�t abzuschalten. Doch bevor ich es tat, hielt ich noch einmal inne, sah Hill ernst an und sagte: �Das wird sich jetzt vielleicht �ndern, Mister Hill.�</p><empty-line/><p>Lange nach Einbruch der Dunkelheit stieg ich in den Wagen und fuhr los. Ich war weitaus l�nger als die veranschlagte Stunde geblieben, und mittlerweile wurde es wirklich Zeit, wenn ich meinen Zug noch erreichen wollte. Nachdem das Eis einmal gebrochen war, hatten sich die Hills als wirklich reizendes Paar herausgestellt. Wir hatten noch lange miteinander geredet und nicht nur den Kuchen gegessen, den ich mitgebracht hatte, sondern noch einen zweiten, vollkommen gleichartigen: Er schmeckte nicht nur gleich, sondern stammte von derselben Rastst�tte. Betty Hill hatte ihn auf dem Weg nach Hause dort gekauft, eine Stunde, bevor ich gekommen war.</p><p>Die gel�ste Stimmung, in der ich schlie�lich aufgebrochen war, hielt jedoch nicht lange an. Es war dunkel geworden, und ich hatte nicht mehr allzu viel Zeit, zumal die Stra�en hier und da bereits glatt wurden. Die phosphoreszierenden Zeiger der Uhr im Armaturenbrett des gemieteten Ford r�ckten unbarmherzig weiter. Mir blieb noch Zeit, den Wagen zur�ckzubringen und den Zug zu erreichen, aber ich konnte mir jetzt keine Verz�gerung mehr leisten, wenn ich nicht die halbe Nacht auf einem zugigen Bahnsteig verbringen wollte, um auf den n�chsten Zug zu warten.</p><p>Ich fuhr ein wenig schneller, als vielleicht gut gewesen w�re, und sah abwechselnd auf den Tachometer, die Uhr und in den R�ckspiegel. In Gedanken hatte ich die Zeit �berschlagen, die ich noch bis zum Bahnhof brauchte. F�nf- oder sechsmal. Nat�rlich war ich auf f�nf oder sechs verschiedene Ergebnisse gekommen, aber alles in allem sah es so aus, als ob ich noch eine reelle Chance h�tte. Trotzdem hielt ich die Tachometernadel bei konstanten sechzig Meilen und betete im Stillen darum, weder in eine Geschwindigkeitskontrolle zu geraten, noch in einer Senke oder einer windigen Kurve auf Glatteis zu geraten.</p><p>Seit einiger Zeit folgte mir ein Wagen. Die Lichter fielen manchmal hinter mir zur�ck, verschwanden hinter einer Biegung und tauchten wieder auf, erloschen aber niemals ganz. Angesichts meines �berh�hten Tempos hatte ich in den ersten Minuten tats�chlich bef�rchtet, eine unerw�nschte Polizeieskorte zu haben, doch der Wagen kam niemals nahe genug, um zum �berholen anzusetzen, und auch das bef�rchtete Flackern des Blaulichts blieb aus. Vermutlich hatte es der Fahrer genauso eilig wie ich; oder er hatte sich einfach einen Vordermann gesucht und an seine R�cklichter geh�ngt, wie ich es auch manchmal tat.</p><p>Ich l�chelte �ber meine eigene Nervosit�t. Hills Geschichte hatte mich offenbar st�rker beeindruckt, als mir bewusst geworden war, und tats�chlich waren die �u�eren Umst�nde ja ein wenig �hnlich. Genau wie sie damals fuhr ich nachts auf einer einsamen Stra�e, war zwar nicht �berm�det, daf�r aber in Eile und somit nerv�s, und es gab sogar die Lichter im R�ckspiegel, die mir folgten. Ich musste mich beherrschen, um nicht die Scheibe herunterzudrehen und in den Himmel hinaufzusehen.</p><p>Aber dazu war es drau�en entschieden zu kalt.</p><p>Ich musste wieder an die Hills und ihre Geschichte denken. Was ich geh�rt hatte, hatte mich zutiefst ersch�ttert. Nicht einmal so sehr, was sie erz�hlten; Geschichten wie diese hatte ich in den letzten Wochen gleich dutzendweise geh�rt. Viele davon waren fantasievoller gewesen, und weitaus dramatischer. Es war die Art gewesen, auf die sie sie erz�hlten. Die beiden hatten nicht gelogen, und sie waren auch keine Spinner, die einen Wetterballon sahen und sich gegenseitig lange genug hochschaukelten, bis sie ganz sicher waren, ein UFO darin zu erkennen. Sie hatten mir einfach das erz�hlt, woran sie sich erinnerten, und was immer es gewesen war, es hatte nichts mit Sinnest�uschungen oder Hysterie zu tun. Selbst jetzt lief mir noch ein kalter Schauer �ber den R�cken, wenn ich an den Ausdruck auf Hills Gesicht zur�ckdachte, als er von den Lichtern am Himmel sprach. Wenn ich jemals Angst in den Augen eines Menschen gesehen hatte, dann in diesem Moment.</p><p>Ich sah wieder in den R�ckspiegel und stellte beil�ufig fest, dass die Lichter verschwunden waren. Mittlerweile hatte ich die sechzig �berschritten. Wahrscheinlich war ich meinem Hintermann doch ein wenig zu schnell. Aber meine Zeit wurde auch allm�hlich wirklich knapp. Ich hatte noch eine halbe Stunde, und noch gute zwanzig Meilen vor mir. Kein Grund zur Panik, aber auch nicht zum Tr�deln. Mein Spesenkonto deckte keine Tickets wegen Geschwindigkeits�berschreitung.</p><p>Mit einer beil�ufigen Bewegung schaltete ich das Radio ein. Ich hatte einen lokalen Sender eingestellt, der nur Rock 'n' Roll spielte; eine Musik, die ich damals vierundzwanzig Stunden am Tag h�ren konnte. Der Empfang war schlecht. Ich h�rte mehr St�rungen und Rauschen als Musik, runzelte �rgerlich die Stirn und drehte am Senderknopf. Die St�rungen wurden lauter, und dann verlor ich die Musik ganz. Das war typisch f�r diese Mietwagenfirmen. Sie verlangten ein Heidengeld f�r einen einzigen Tag, aber sie bauten die billigsten Radios ein, die sie bekommen konnten! W�tend schaltete ich das Radio aus.</p><p>Das unheimliche Dr�hnen und Rauschen blieb. Eine geschlagene Sekunde lang starrte ich das Radio fassungslos an. Die Musik und die pfeifenden St�rger�usche waren verstummt, aber ich h�rte weiter ein unheimliches, an- und abschwellendes Dr�hnen, das immer lauter wurde und schlie�lich den ganzen Wagen mit dumpfen Vibrationen erf�llte.</p><p>Dann sah ich das Licht wieder.</p><p>Aber es waren keine Scheinwerfer mehr.</p><p>Die Stra�e hinter mir war in ein Meer glei�ender, blau-wei�er Helligkeit getaucht, ein blendendes, unglaublich intensives Licht, das langsam n�her kroch und direkt vom Himmel herabkam!</p><empty-line/><p>Eine eisige Hand schien nach meinem Herzen zu greifen und es langsam zusammenzupressen. Ich war unf�hig, zu denken, irgendetwas zu tun oder auch nur zu atmen - ich sa� einfach nur wie gel�hmt da, umklammerte das Steuer und starrte das Licht im R�ckspiegel an, das langsam n�her kroch. Alles, woran ich noch denken konnte, waren Hills Worte: Die Lichter am Himmel.</p><p>Der Wagen kam mit einem Rad von der Stra�e ab, schleuderte �ber nasses Laub und Morast und drohte vollends auszubrechen. Irgendwie gelang es mir, die Kontrolle �ber das Fahrzeug nicht vollends zu verlieren und es sogar wieder auf die Stra�e zur�ckzulenken. Schleudernd und mit kreischenden Reifen kam der Wagen wieder in die Spur zur�ck und beschleunigte wieder, als ich das Gaspedal noch tiefer durchtrat. Das Licht war jetzt nicht mehr hinter, sondern �ber mir, ein wei�es, unertr�gliches Glei�en, das mir die Tr�nen in die Augen trieb und alle Farben ausl�schte. Ich konnte kaum noch etwas sehen. Licht und Schatten huschten im rasenden Wechsel �ber die Windschutzscheibe, und das unheimliche Dr�hnen wurde immer lauter.</p><p>Die Lichter am Himmel.</p><p>Ich gab weiter Gas. Der Wagen raste mit siebzig Meilen �ber die Landstra�e, dann mit achtzig, f�nfundachtzig ... Das Licht hielt m�helos mit, und es wurde immer noch intensiver und heller. Die Welt hatte sich in ein Negativ aus schwarzen Schatten mit messerscharf gezogenen Kanten und aufblitzenden Bereichen unertr�glicher Helligkeit verwandelt. Das Dr�hnen f�llte den Wagen aus, schien meinen Sch�del zum Bersten zu bringen.</p><p>Die Lichter am Himmel.</p><p>Sie waren da! Jedes Wort, das Hill gesagt hatte, war wahr. Sie waren da, und jetzt waren sie gekommen, um mich zu holen und etwas mit mir zu tun, wie Betty es ausgedr�ckt hatte. Ich hatte Angst, panische, nackte Angst.</p><p>Der Wagen schleuderte wild hin und her, schlitterte �ber nasses Gras und Laub und schleuderte auf die andere Stra�enseite, verfehlte um Haaresbreite einen Baum und kam irgendwie auf den Asphalt zur�ck. Und das furchtbare Dr�hnen nahm immer noch zu. Das Glei�en war �berall, f�llte die Welt aus und machte mich blind.</p><p>Wieder kam der Wagen von der Stra�e ab. Hoch gewirbeltes Laub und Gras nahmen mir zus�tzlich die Sicht. Ich drehte verzweifelt am Lenkrad, wich einem weiteren Baum aus und begriff, dass ich drauf und dran war, mich umzubringen.</p><p>Ich musste raus hier! Raus aus dem Wagen, fort von diesem gr�sslichen, sengenden Licht! Mit aller Kraft trat ich auf die Bremse. Das Fahrzeug schleuderte, brach aus und rutschte auf dem nassen Laub zur Seite, wieder dichter auf die B�ume zu, aber f�r einen Moment auch heraus aus dem glei�enden Licht. Irgendwie gelang es mir, den Wagen zum Stehen zu bringen und die T�r aufzurei�en. Ich lie� mich hinausfallen, rappelte mich hoch und warf einen gehetzten Blick in den Himmel.</p><p>�ber den B�umen schwebte ein halbes Dutzend grellwei�er Lichter. Ein dumpfes, vibrierendes Dr�hnen lag in der Luft, und ein unheimlicher Sturmwind peitschte die Baumwipfel und lie� das nasse Laub vom Boden aufwirbeln.</p><p>Blindlings taumelte ich los. Der Sturm wurde mit jedem Moment st�rker, und das Heulen erreichte die Grenze echten k�rperlichen Schmerzes und �berstieg sie. Mehr stolpernd als laufend erreichte ich die B�ume, gegen die ich gerade um ein Haar gefahren w�re, prallte mit der Schulter gegen einen Stamm und torkelte weiter. Dornen und d�nne, eisverkrustete Zweige zerkratzten mein Gesicht und meine H�nde. Ich registrierte es kaum, sondern stolperte blind vor Angst und Entsetzen weiter. Licht und Schatten jagten sich in immer rascherer Folge.</p><p>Ich sah nicht mehr wirklich, wohin ich lief. Zwei-, dreimal stolperte ich �ber Wurzeln und Schlinggew�chse, dann prallte ich so wuchtig gegen einen Baum, dass mir f�r einen Moment schwarz vor Augen wurde und meine Knie nachgaben. Ich verlor nicht das Bewusstsein, aber ich war f�r Augenblicke benommen und klammerte mich nur noch durch einen blinden Reflex an den Stamm.</p><p>Als sich meine Sinne wieder kl�rten, hatte sich das Ger�usch ver�ndert. Aus dem unwirklichen Dr�hnen war wieder das geworden, was es die ganze Zeit �ber gewesen war, bevor die Panik mein klares Denken verzerrte: das schrille Heulen einer Hochleistungsturbine, in das sich nun das allm�hlich leiser werdende Flap-Flap auslaufender Rotorbl�tter mischte. Das Raumschiff vom Mars war nichts anders als ein - wenn auch ziemlich gro�er und sonderbar geformter - Helikopter, der genau in diesem Moment f�nfzig Yards entfernt zur Landung ansetzte. Der Strahl des starken Scheinwerfers, der mich im Wagen fast blind gemacht hatte, tastete wie ein suchender Finger aus Licht �ber den Waldrand. Ein zweiter, nicht weniger starker Scheinwerferstrahl hatte den Mietwagen ergriffen und tauchte ihn in blendende Helligkeit.</p><p>Die T�ren des Helikopters wurden ge�ffnet, kaum dass die Maschine den Boden ber�hrt hatte, und f�nf oder sechs Gestalten sprangen heraus. Ich konnte sie nur als schwarze Umrisse erkennen, aber ich sp�rte die Bedrohung, die von ihnen ausging. Die Erleichterung, es nicht mit einer fliegenden Untertasse zu tun zu haben, hielt kaum so lange an, wie ich brauchte, um mir dessen bewusst zu werden. Ich war nach wie vor in Gefahr; vielleicht sogar in gr��erer, als ich es gewesen w�re, wenn ich es wirklich mit Hills Gesch�pfen zu tun gehabt h�tte. Dieser Helikopter hatte mich nicht mitten in der Nacht von der Stra�e abgedr�ngt und in diesen Wald gejagt, weil ich die zul�ssige H�chstgeschwindigkeit �berschritten hatte.</p><p>Ich rannte weiter, presste mich gegen einen Baum und versuchte, den Takt einzusch�tzen, in dem der Scheinwerferstrahl �ber den Waldrand strich. Es gelang mir nicht. Ich war immer noch in Panik, jetzt vielleicht mehr denn je. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was hier vorging, aber es war etwas Gewaltiges, und etwas, das vielleicht noch viel gef�hrlicher und t�dlicher war, als ich im Moment begreifen konnte. Meine Verfolger hatten sich ge�ndert, aber meine Situation war nach wie vor die gleiche: Ich musste hier weg, sofort und um jeden Preis!</p><p>Blindlings rannte ich los. Ich stolperte, fiel, rappelte mich wieder hoch und rannte weiter. Zwischendurch sah ich immer wieder �ber die Schulter zur�ck. Es war bizarr: Obwohl ich rannte, so schnell ich nur konnte, und sich die schwarzen Schatten aus dem Helikopter scheinbar nur gem�chlich bewegten, kamen sie immer n�her, als h�tte eine geheimnisvolle Macht die Zeit f�r sie au�er Kraft gesetzt. Vielleicht auch f�r mich: Ich kam mir vor wie in einem jener Alptr�ume, in denen man rennt und rennt und rennt, ohne wirklich von der Stelle zu kommen. Zwei meiner schattenhaften Verfolger hatten sich vom Rest der Gruppe getrennt und wichen seitlich in den Wald aus, vermutlich, um mir den Weg abzuschneiden. Der Rest kam unbarmherzig n�her.</p><p>Ich versuchte, noch schneller zu laufen ...</p><p>... und �bersah die Gestalt, die sich im Schutze des Unterholzes an mich herangepirscht hatte.</p><p>Als ich den Mann bemerkte, war es zu sp�t.</p><p>Als er mich ansprang, versuchte ich zur Seite auszuweichen und h�tte es sogar fast geschafft. Seine ausgestreckten Arme rissen mich nicht zu Boden, sondern streiften mich nur. Trotzdem stolperte ich, und der Bursche bewies, dass er ein echter Profi war: Obwohl er schwer und sicherlich �u�erst schmerzhaft hinschlug, griff er trotzdem noch einmal zu, erwischte wider jeder Wahrscheinlichkeit mein Hosenbein und brachte mich diesmal vollends aus dem Gleichgewicht. Diesmal st�rzte ich.</p><p>Bevor ich wieder aufspringen konnte, waren zwei weitere Gestalten heran. Ich keuchte vor Schmerz, als mir ein brutaler Tritt in die Rippen die Luft abschnitt. Grobe, entsetzlich starke H�nde rissen mich in die H�he, dann trafen mich zwei, drei harte Faustschl�ge im Gesicht, die mich fast an den Rand der Bewusstlosigkeit schleuderten.</p><p>Es war ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte die �blichen Raufereien auf der High-School hinter mir, aber ich war niemals wirklich zusammengeschlagen worden. Bis zu diesem Moment.</p><p>Es ging ganz schnell, und trotz allem sonderbar undramatisch. Die Schl�ge waren hart und �u�erst schmerzhaft, aber der Schmerz war trotzdem seltsam nebens�chlich. Es war, als w�rde ein anderer geschlagen, dessen Schmerz ich zwar f�hlte, der aber trotzdem nicht wirklich ich war. Viel schlimmer war das Gef�hl der Hilflosigkeit. Zwei der Angreifer hielten mich fest, w�hrend sich ein dritter breitbeinig vor mir aufgebaut hatte und mich abwechselnd ins Gesicht und in den Leib schlug. Jeder Hieb pr�gelte mich weiter an den Rand der Bewusstlosigkeit. Vielleicht weiter. Ich konnte das Gesicht des Mannes, der mich schlug, nur noch verschwommen erkennen. Blut und Tr�nen verschleierten meinen Blick, aber ich hatte irgendwie das Gef�hl, ihn zu kennen. Ich hatte diesen Mann schon einmal gesehen, aber ich war nicht mehr in dem Zustand, zu sagen, wo.</p><p>Gerade, als ich glaubte, endg�ltig das Bewusstsein zu verlieren, erschien eine weitere Gestalt in dem Nebel aus Blut und dichter werdender Schw�rze vor meinen Augen und hielt den Schl�ger zur�ck.</p><p>�Das reicht. Sie schlagen ihn ja tot.�</p><p>Die Stimme war dunkel, und sie hatte trotz ihrer K�lte und Ausdruckslosigkeit etwas Befehlendes. M�hsam �ffnete ich die Augen, blinzelte Tr�nen und Schwei� weg und erkannte endlich das Gesicht des Kerls, der mich geschlagen hatte.</p><p>Es war der junge Lieutenant aus Friends B�ro. Er trug jetzt keine Air-Force-Uniform mehr, sondern einen dunkelblauen Trenchcoat �ber einem offensichtlich ma�geschneiderten Anzug, und jede Spur von Freundlichkeit war aus seinem Blick gewichen. Im Gegenteil: Seine Augen blickten mich kalt und auf eine Art an, die mir klarmachte, dass er es bedauerte, nicht weiter auf mich einschlagen zu d�rfen. Der Anblick versetzte mich so in Zorn, dass ich mich mit dem letzten bisschen Kraft, das mir noch verblieben war, gegen den Griff der beiden M�nner stemmte, die mich hielten; nat�rlich vollkommen vergebens.</p><p>�Sehr beeindruckend, Mister Loengard�, sagte die befehlsgewohnte Stimme, die ich schon einmal geh�rt hatte. �Wirklich. H�tten wir uns unter anderen Umst�nden getroffen, dann w�rde ich Ihre Z�higkeit bewundern.�</p><p>M�hsam wandte ich den Kopf und sah in das Gesicht, das zu dieser Stimme passte. Ein kr�ftig gebauter Mann in jenem schwer zu sch�tzenden Alter zwischen vierzig und f�nfzig, kurzgeschnittenes, streng zur�ckgek�mmtes Haar und kalte Augen, denen nicht die geringste Kleinigkeit zu entgehen schien.</p><p>�Wer sind Sie?� keuchte ich m�hsam. Meine Unterlippe war aufgeplatzt, und ich schmeckte mein eigenes Blut. Au�erdem bereitete mir das Atmen M�he. Vermutlich hatte mir einer der Hiebe eine Rippe gebrochen. Trotzdem fuhr ich fort: �Und woher, zum Teufel, kennen Sie meinen Namen?�</p><p>Statt zu antworten, wandte sich der Mann mit den kalten Augen an einen seiner Begleiter. �Holen Sie das Band.�</p><p>�Was wollen Sie von mir?� st�hnte ich. �Wer, zum Teufel, sind Sie?!�</p><p>�Das spielt keine Rolle�, antwortete er. �Und wenn Sie Gl�ck haben, dann werden Sie es auch niemals erfahren, Mister Loengard.� Er seufzte. �Sie stecken Ihre Nase in Dinge, die Sie nichts angehen, wissen Sie das? Warum konnten Sie nicht einfach tun, was Congressman Pratt von Ihnen erwartet, und ihm ein paar beeindruckende Beweise daf�r liefern, dass die Suche nach fliegenden Untertassen nichts als Geldverschwendung ist!�</p><p>Ich sparte es mir, zu antworten, sondern versuchte stattdessen mir das Gesicht meines Gegen�bers m�glichst gr�ndlich einzupr�gen. Ich war sogar sicher, dass er das begriff; aber es schien ihn nicht sonderlich zu beeindrucken. Er hielt meinem Blick ganz im Gegenteil gelassen stand, und ich glaubte sogar so etwas wie ein am�siertes Glitzern tief in seinen Augen zu erkennen - auch, wenn ich zugleich nicht einmal sicher war, dass dieser Mann wusste, was Humor �berhaupt war.</p><p>Es verging nur ein Augenblick, bis der Kerl zur�ckkam, den er zu meinem Wagen geschickt hatte. Er trug eine Tonbandspule in der Hand - das Ende des Bandes war ausgefranst und offenbar mit roher Gewalt aus dem Ger�t gerissen worden -, die er dem Fremden gab.</p><p>�Schade drum�, sagte er, w�hrend er das Band langsam von der Spule wickelte und in der linken Hand zusammenknautschte. �Aber so schlimm nun auch wieder nicht. Ich werde Ihnen jetzt sagen, was Ihre Nachforschungen ergeben haben, John.� Er wickelte das Band weiter ab, wobei er es zwar nicht zerriss, aber immer wieder in die L�nge zog und dehnte, um es vollkommen unbrauchbar zu machen.</p><p>�Barney und Betty Hill haben ein Flugzeug gesehen�, fuhr er fort. �Ein niedrig fliegendes, langsames Flugzeug. Sie waren beide �berm�det von der langen Fahrt und sind einfach einer T�uschung erlegen. Ganz genau das wird in Ihrem Bericht stehen, John. Haben wir uns verstanden?�</p><p>�Ich glaube nicht�, antwortete ich trotzig. �Wer, zur H�lle, sind Sie eigentlich?�</p><p>�Niemand, John�, antwortete er. �Ich bin gar nicht hier. Und das alles hier ist niemals passiert. Nur ein b�ser Traum, mehr nicht.�</p><p>�Aber ich vermute, er k�nnte zu einem Alptraum werden, wenn ich nicht tue, was Sie von mir erwarten�, sagte ich b�se.</p><p>Einen Moment lang wirkte er wirklich verbl�fft. Dann lachte er, allerdings nicht lange. �Wie ich bereits sagte, John: H�tten wir uns unter anderen Umst�nden getroffen, w�re ich beeindruckt. Sie scheinen ein intelligenter junger Mann zu sein. Ich hoffe, Sie sind intelligent genug, um zu wissen, was gut f�r Sie ist.� Er hatte das Band ganz abgespult, presste es mit einer kurzen, heftigen Bewegung zu einem Ball zusammen und lie� es dann in der Manteltasche verschwinden. Die leere Kunststoffspule zerbrach er mit einem Ruck in mehrere St�cke, die er achtlos fallen lie�. Offenbar besa� er doch einen st�rkeren Sinn f�r Dramatik, als ich angenommen hatte.</p><p>�Ich werde Ihnen sagen, was Sie tun werden, John. Sie fahren nach Hause und verbringen ein ruhiges Weihnachtsfest in Ihrer h�bschen, kleinen Wohnung mit Aussicht auf das Capitol, trinken eine Hasche Chianti mit ihrem italienischen Vermieter und lassen sich von Ihrer entz�ckenden Verlobten verw�hnen. Und in Ihrem Bericht werden Sie schreiben, dass diese ganze UFO-Hysterie nichts weiter als das ist: Hysterie. Es lohnt sich nicht, einen Gedanken darauf zu verschwenden. Und schon gar nicht, die Arbeitskraft eines so talentierten jungen Mannes, wie Sie es sind.�</p><p>�Sie k�nnen mich mal!� sagte ich trotzig.</p><p>Ich rechnete damit, dass der Lieutenant mich wieder schlagen w�rde. Aber er tat es nicht. Stattdessen tauschte er einen fragenden Blick mit Mister Alptraum, den dieser mit einem angedeuteten Nicken beantwortete, und zog eine Pistole.</p><p>�Schade, John�, seufzte er. �Aber Sie lassen uns keine Wahl.�</p><p>Mein Atem stockte, als der Lieutenant den Lauf der Pistole gegen meine Schl�fe dr�ckte. �Nein!� keuchte ich. �Bitte, ich ...�</p><p>�Tut mir leid, John. Sie hatten Ihre Chance. Ich kann es mir nicht leisten, ein Risiko einzugehen.�</p><p>Er w�rde abdr�cken. Ich wusste es. Ich hatte zu hoch gepokert, und verloren. Mein Herz jagte, aber ich war so gel�hmt vor Schrecken, dass ich nicht einmal mehr schreien konnte. Er w�rde abdr�cken, und ich w�rde Weihnachten nicht mit Kimberley verbringen, keine Karriere im Kongress machen und nie wieder mit Menschen wie Betsy und Barney Hill reden, die ...</p><p>Er dr�ckte ab.</p><p>Das helle Klicken der Waffe dr�hnte wie ein Kanonenschuss in meinem Sch�del, und ich konnte sogar sp�ren, wie der Hammer auf die leere Kammer schlug und ein Schwall warmer Luft gegen meine Schl�fe gepresst wurde. Die Pistole war nicht geladen.</p><p>Die Erleichterung schlug mit solcher Wucht �ber mir zusammen, dass mir schwarz vor Augen wurde. Meine Knie gaben nach. Haltlos sackte ich in den Armen der beiden M�nner zusammen, die mich hielten. F�r einen Moment war ich der Ohnmacht n�her denn je. Alles drehte sich um mich. Ich war noch am Leben, aber was ich f�hlte, war die pure, nackte Todesangst.</p><p>�Mister Loengard!�</p><p>Ich war unf�hig, auf die Stimme zu reagieren. Ich wollte es, aber meine Stimmb�nder versagten mir ebenso den Dienst wie der Rest meines K�rpers. Ich sp�rte kaum, wie ich erneut von starken H�nden gepackt und auf die F��e gezerrt wurde.</p><p>�Mister Loengard�, sagte der Mann mit den kalten Augen noch einmal. �Nehmen Sie einen guten Rat von mir an: Halten Sie Ihre Nase in Zukunft aus Dingen raus, die Sie nichts angehen. Das n�chste Mal, John, machen wir vielleicht einen Hausbesuch bei Ihnen.�</p><p>Damit ging er. Die meisten seiner Begleiter gingen mit ihm, aber der Lieutenant und die zwei Kerle, die mich festhielten, blieben zur�ck. Wahrscheinlich war das auch gut so. Meine Knie zitterten immer noch so heftig, dass ich wahrscheinlich auf der Stelle zusammengebrochen w�re, h�tten sie mich losgelassen.</p><p>�Du bist ein richtiger Gl�ckspilz, John�, sagte der Lieutenant. �Wirklich. Immerhin bist du noch am Leben. Diesmal.�</p><p>Ich sah seine Faust nicht einmal kommen. Diesmal schlug er so hart zu, dass ich endg�ltig das Bewusstsein verlor.</p><empty-line/><p>Alles war anders geworden. Ich kehrte nach Washington zur�ck, ging in meine kleine Wohnung mit Aussicht auf Capitol Hill, zu meiner Verlobten, die mich erwartete, und meinem italienischen Vermieter, und schon am n�chsten Morgen ging ich um zehn Minuten vor neun die Stufen des Capitols hinauf, zur�ck aus dem w�rmeren Ohio wieder mit Hut, Schal und Handschuhen ... Nichts hatte sich ver�ndert.</p><p>Und doch war nichts mehr, wie es gewesen war.</p><p>Das n�chste Mal machen wir einen Hausbesuch.</p><p>Ich hatte die Worte des Mannes mit den grausamen Augen nicht vergessen. Und ich hatte nur zu deutlich begriffen, was sie bedeuteten, und Kim nichts von meinem n�chtlichen Abenteuer erz�hlt. Der Lieutenant, der mich als Punching-Ball benutzt hatte, verstand wirklich etwas von seinem Gesch�ft: Ich sp�rte jeden einzelnen Schlag, den er mir versetzt hatte, noch immer, aber er hatte mich nicht wirklich verletzt. Ich hatte nicht einmal einen sichtbaren blauen Fleck oder eine Prellung, so dass ich mir keine Ausrede einfallen lassen musste. Nat�rlich hatte Kimberley trotzdem bemerkt, dass irgendetwas nicht stimmte - ich bin niemals ein guter L�gner gewesen, und als Schauspieler w�re ich selbst als Mitglied einer Laienspielgruppe verhungert - aber ich hatte mich darauf herausgeredet, eine anstrengende Reise hinter mir zu haben. Sie hatte mir nicht geglaubt, es aber zumindest f�r diese Nacht dabei belassen. Irgendwann im Laufe des Tages w�rde ich mir eine �berzeugendere Ausrede f�r meine Einsilbigkeit und die niedergedr�ckte Stimmung zurechtlegen m�ssen, und allein daf�r hasste ich die Unbekannten: Ich hatte Kim niemals belogen, nicht in all der Zeit, die wir uns kannten. Nun hatte ich es getan, und ich w�rde es weiter tun m�ssen, wenn ich sie sch�tzen wollte. Das n�chste Mal machen wir einen Hausbesuch.</p><p>Und doch war es etwas v�llig anderes, das mir die Augen �ffnete.</p><p>Der Helikopter.</p><p>Nat�rlich war es nicht der Helikopter aus der vergangenen Nacht. Selbst in den fr�hen sechziger Jahren war der Anblick eines Hubschraubers �ber dem Capitol nichts Au�ergew�hnliches. Helikopter, die Kongressabgeordnete brachten oder abholten, die wichtige G�ste einflogen, geheime Papiere transportierten und im Zweifelsfall auch einmal einem Abgeordneten halfen, eine Stunde offizielle Reisezeit zu sparen, die er dann bei seiner Geliebten verbringen konnte. An dem Anblick war absolut nichts Au�ergew�hnliches. Im Gegenteil: die Maschine sah der, die mich in den Wald gejagt hatte, nicht einmal �hnlich. Und trotzdem erstarrte ich mitten im Schritt, und f�r zwei oder drei Sekunden war ich hundertprozentig davon �berzeugt, dass er es war. Die Angst war wieder da, schlagartig, ohne Vorwarnung und keinen Deut weniger schlimm als vergangene Nacht. Ich stand auf den Stufen des Capitols, umgeben von Dutzenden von Menschen, und es war helllichter Tag. Und doch war ich wieder im Wald, sah die Gestalten wieder auf mich zust�rmen und sp�rte wieder die gleiche, brodelnde Panik, die nichts anderes als pure Todesangst war. Mein Herz jagte. Meine H�nde und Knie zitterten so stark, dass ich M�he hatte, die Aktentasche zu halten. Ich hatte nichts anderes zu tun, als dazustehen und dem Helikopter nachzustarren. Erst, als er im Dunst des Morgens verschwunden war, gelang es mir, die Panik niederzuk�mpfen und mich mit aller Gewalt daran zu erinnern, wo ich wirklich war.</p><p>Rasch - und ohne auf die sonderbaren Blicke zu achten, die mir der eine oder andere zuwarf, denn mein seltsames Verhalten war keineswegs unbemerkt geblieben - ging ich weiter. �u�erlich war ich halbwegs gefasst, aber in mir sah es ganz anders aus. Ich war niemals ein sehr mutiger Mensch, aber auch alles andere als ein Feigling. Jetzt aber hatte ich Angst. Nicht mehr die lodernde Panik wie vor wenigen Minuten oder in der vergangenen Nacht, sondern eine schleichende, bohrende Furcht, die auf ihre Art viel schlimmer war. Ich fragte mich, wem ich noch trauen konnte. Ob ich jemals wieder durch eine T�r treten w�rde, ohne mich zu fragen, was dahinter auf mich wartete ... ob ich die Angst jemals im Leben wieder loswerden w�rde. Und das war es, was mir der Mann mit den kalten Augen und seine Begleiter vergangene Nacht wirklich angetan hatten: Nichts war mehr, wie es gewesen war. Washington D.C., das Wei�e Haus, Capitol Hill: Sie hatten diese Bollwerke der freien Welt - die bisher f�r mich gleicherma�en auch Bollwerke gegen genau diese Welt gewesen waren - der Furcht ausgeliefert. Zum ersten Mal, seit ich dieses ehrw�rdige Geb�ude aus wei�em Marmor und Gesch�ftigkeit betreten hatte, f�hlte ich mich in seinen Mauern nicht geborgen und unangreifbar, sondern ausgeliefert; ein Gefangener der Schatten, die in seinen Winkeln und Ecken nisteten.</p><p>Ich versuchte, den Gedanken zu verscheuchen. Ich hatte Angst, was nach der vergangenen Nacht nur zu verst�ndlich war, und ich war mit Recht verunsichert und nerv�s, aber ich musste aufpassen, nicht vollends paranoid zu werden. Ich versuchte, mich am Anblick der vertrauten G�nge und Treppen festzuklammern, Trost in einem bekannten Gesicht zu finden, einem beil�ufigen Guten Morgen oder auch nur einem Blick, irgendeine banale Kleinigkeit, der ich vertrauen konnte.</p><p>Es wurde nicht besser. Ganz im Gegenteil. Als ich mein B�ro betrat, wurde es schlimmer.</p><p>Auf meinem Schreibtisch lag ein brauner Umschlag. Das Postk�rbchen aus Draht, das pedantisch auf der rechten �u�eren Kante des Tisches stand, war noch leer; die t�gliche Post war noch nicht durch. Ich fragte mich beil�ufig, was um alles in der Welt so fr�h am Morgen so wichtig sein konnte, dass jemand sich eigens die M�he machte, einen Boten in mein B�ro zu schicken, verschwendete aber keinen weiteren Gedanken darauf, sondern legte den Umschlag erst einmal zur Seite. In meiner Aktentasche wartete eine Aufgabe auf mich, die keinen Aufschub duldete. Ich hatte mir in der Nacht bereits Notizen gemacht, um den abschlie�enden Bericht f�r Congressman Pratt zu schreiben - Marcs drei Seiten - und ich w�rde es jetzt tun. Nicht morgen, nicht �ber Weihnachten zu Hause, wie ich es urspr�nglich vorgehabt hatte, oder in den Tagen danach, sondern heute, jetzt, bevor ich Zeit fand, nachzudenken und vielleicht doch noch etwas zu tun, das Kim und mich in Gefahr bringen konnte. Ich breitete meine Notizen und hingekritzelten Stichworte vor mir aus, nahm ein wei�es Blatt Papier zur Hand, legte es wieder weg, ergriff es erneut und gewann noch einmal einige Sekunden damit, das halbe Dutzend Bleistifte aus der Federschale zu nehmen und anzuspitzen.</p><p>Tatsache war, ich wusste nicht, wie ich beginnen sollte. Noch vor vierundzwanzig Stunden w�re es mir ein Leichtes gewesen, einen Bericht zu verfassen, der ganz genau so war, wie Congressman Pratt ihn von mir erwartete; bevor ich Friend, die Hills und die M�nner im Wald getroffen hatte. Jetzt ...</p><p>Ich musste nur schreiben, was ich noch vor einem Tag fast wortw�rtlich im Kopf gehabt hatte. Aber ich konnte es nicht.</p><p>Wenn ich diesen Bericht verfasste, wenn ich aus den L�gen Wahrheit machte, indem ich sie niederschrieb, dann w�rde ich selbst zu einem jener M�nner im Helikopter werden. Ich hatte keine andere Wahl, schon um Kimberleys willen. Das n�chste Mal machen wir einen Hausbesuch. Aber ich konnte es nicht.</p><p>Wenigstens jetzt noch nicht.</p><p>Ich legte den Stift wieder aus der Hand, griff erneut nach dem braunen Umschlag - aus keinem anderen Grund als dem, noch einmal Zeit zu gewinnen - und �ffnete ihn. Und die Erde tat sich unter mir auf, um mich zu verschlingen. Sie hatten bereits einen Hausbesuch gemacht.</p><p>Der braune Umschlag enthielt meinen Bericht.</p><p>Ich hatte den Aktendeckel mit dem rosafarbenen Aufkleber nie zuvor im Leben gesehen, aber der Text darauf war eindeutig mit meiner Schreibmaschine getippt, der altersschwachen Typemate mit dem kleinen �n�, das immer nach rechts unten ausbrechen wollte, als h�tte es nicht die Kraft, sich auf der Zeile zu halten, und die Worte, die die Buchstaben bildeten, waren noch eindeutiger:</p><cite><p>Von: John Loengard</p><p>An: Charles Pratt</p><p>Betrifft: Projekt Blue Book</p></cite><p>Mit zitternden H�nden begann ich die Akte durchzubl�ttern. Sie enthielt genau drei Bl�tter - die drei Seiten, um die Marc mich gebeten hatte! -, und es war mein Bericht. Ich hatte ihn nie zuvor zu Gesicht bekommen, aber das spielte keine Rolle. Die F�lschung war perfekt. Sie war nicht nur auf meiner Schreibmaschine geschrieben, sondern auch mit dem f�r mich typischen, unregelm��igen Anschlag, mit meiner Wortwahl, meinem Satzbau und - aber das �berraschte mich kaum noch - meiner eigenh�ndigen Unterschrift auf der letzten Seite.</p><p>Davon abgesehen war der Text ungef�hr zehnmal besser, als ich es jemals zu Stande gebracht h�tte.</p><p>Ich sa� l�nger als eine Minute da und starrte die drei engbeschriebenen Bl�tter an. Ich wei� nicht mehr genau, was ich empfand: Schreck, Erstaunen, Zorn, Entsetzen; sicherlich von alledem etwas, aber vor allem dies: ein Gef�hl hilfloser Ohnmacht und des Ausgeliefertseins, das schlimmer war als alles andere zuvor. Jeder Schritt, den ich in den letzten drei Monaten getan hatte, war auf diesen drei Bl�ttern vermerkt, jedes Gespr�ch, das ich gef�hrt, jede Akte, die ich gelesen hatte.</p><p>Sie waren die ganze Zeit �ber bei mir gewesen. Ich f�hlte mich so hilflos und ausgeliefert, als st�nde ich nackt im Zentrum eines Scheinwerferstrahls auf den Stufen des Wei�en Hauses.</p><p>Ich bemerkte kaum, dass jemand hinter mich trat und mir �ber die Schulter sah. Erst, als Simonson die Hand ausstreckte und mir die Akte wortlos aus den Fingern nahm, schrak ich zusammen. Ganz automatisch versuchte ich, ihm den Hefter wieder abzunehmen, aber er wich mir mit einer geschickten Bewegung aus, warf einen Blick auf den Aktendeckel und verzog in einer Mischung aus Erstaunen und Anerkennung das Gesicht.</p><p>�Projekt Blue Book? Du bist schon fertig damit.�</p><p>�Kann ich das ... bitte wiederhaben, Marc?� fragte ich.</p><p>Meine Stimme wollte mir nicht gehorchen. Ich f�hlte mich unwirklich, als w�re ich nicht ich selbst, sondern nur ein Beobachter, den das alles nichts anging, und der nur rein zuf�llig hier war. Ich h�tte mir gew�nscht, es w�re so.</p><p>Simonson dachte nicht daran, mir den Aktendeckel zur�ckzugeben, aber er sah mich ein zweites Mal und sehr viel aufmerksamer an und sagte: �Du siehst nicht gut aus. Hast du schlecht geschlafen?�</p><p>�Bitte gib mir die Mappe zur�ck�, sagte ich noch einmal. Was er nat�rlich nicht tat. Er begann ganz im Gegenteil in dem Bericht zu lesen, und ich h�tte den verbl�fften Ausdruck gar nicht mehr sehen m�ssen, der sich dabei auf seinem Gesicht auszubreiten begann, um zu wissen, was er dabei empfand.</p><p>�Kein Wunder, dass du aussiehst wie der Tod auf Latschen�, sagte er. �Ich wette, du hast die ganze Nacht �ber daran gearbeitet.�</p><p>�Marc�, sagte ich leise. �Dieser Bericht ...�</p><p>�... ist fantastisch�, unterbrach mich Simonson. �Ich meine das ernst. Er ist gro�artig! Pr�zise, knapp, informativ ...�</p><p>�... und nicht von mir�, f�hrte ich den Satz zu Ende.</p><p>Marc blinzelte. Dann lachte er nerv�s. �Was soll das hei�en?�</p><p>Jetzt, als es heraus war, f�hlte ich mich unendlich erleichtert. Ich wusste, dass es ein Fehler war, vielleicht der schlimmste (vielleicht der letzte?) Fehler, den ich jemals begangen hatte, aber ich konnte nicht anders. Trotzdem sah ich mich hastig nach allen Seiten um und senkte die Stimme, als ich antwortete: �Ich habe das nicht geschrieben.�</p><p>Marc blinzelte erneut, sah mich wieder zwei oder drei Sekunden lang ungl�ubig an und hielt mir dann die letzte Seite des Berichts unter die Nase. �Das da sieht aber aus wie deine Unterschrift�, sagte er.</p><p>�Aber sie ist es nicht�, sagte ich ernst. �Ich habe diesen Bericht gerade auf meinem Schreibtisch gefunden.�</p><p>�Und du hast nat�rlich nicht die geringste Ahnung, wie er dorthin gekommen ist.� Simonson sprach wesentlich lauter, als mir lieb war, aber mir entging auch nicht, dass der Spott in seiner Stimme nicht hundertprozentig echt war.</p><p>�Ich wei� nicht, wer ihn dorthin gelegt hat�, antwortete ich. �Aber ich habe eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, wer ihn geschrieben hat. Oder zumindest, wer den Auftrag dazu erteilt hat.�</p><p>Simonson sah mich durchdringend an. Ich konnte direkt sehen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. �Du meinst das ernst, wie?� fragte er schlie�lich.</p><p>�Todernst�, antwortete ich. �Wenn du w�sstest, wie sehr ...�</p><p>�Nicht hier�, unterbrach mich Simonson. Er sprach jetzt ebenso leise wie ich und in sehr ernstem, fast verschw�rerischem Ton. �Komm mit.�</p><p>Wir verlie�en das B�ro und gingen in einen der leer stehenden Konferenzr�ume auf der anderen Seite des Korridors. Simonson schloss die T�r, deutete mit einer beinahe herrischen Geste auf einen freien Stuhl und warf die Akte mit meinem Bericht auf den Tisch. Von einer Sekunde auf die andere hatte er rein gar nichts mehr von einem v�terlichen Freund an sich. Sein Blick war pl�tzlich fast ebenso hart wie der des Fremden vergangene Nacht, und seine Stimme war beinahe schneidend.</p><p>��berleg dir jetzt ganz genau, was du sagst, John�, sagte er. �Das ist kein Scherz mehr, sondern eine ungeheuerliche Anschuldigung. Du willst mir allen Ernstes erz�hlen, Pratt h�tte dir diesen Bericht untergeschoben, damit er ihn Ende des Monats dem Kongress vorlegen und das Projekt Blue Book streichen lassen kann?�</p><p>Im allerersten Moment hatte ich M�he, diesem scheinbar absurden Gedanken auch nur zu folgen. Aber dann wurde mir klar, dass er gar nicht so absurd war; nicht, wenn man Congressman Pratt kannte. Au�erdem h�rte sich die Wahrheit vermutlich noch viel absurder an.</p><p>�Ich habe nicht gesagt, dass es Pratt war�, sagte ich ruhig.</p><p>�Nicht ... Pratt?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf, raffte all meinen Mut zusammen und erz�hlte Marc, was ich in der vergangenen Nacht erlebt hatte. Zu meiner �berraschung h�rte er mir wortlos zu, und er sagte auch nichts, als ich fertig war, sondern nahm sich nur meinen Bericht und begann gedankenverloren darin zu bl�ttern.</p><p>�Also�, sagte ich. �Jetzt geh zum Telefon und ruf die Jungs mit den wei�en Jacken.�</p><p>Marc lachte nicht. �Warum sollte ich?�</p><p>�Soll das hei�en, du ... glaubst mir?� fragte ich z�gernd.</p><p>�Du meinst diese Geschichte von dem Schw ...� Er verbesserte sich. �Die Geschichte, die die Hills erz�hlt haben? Nein.�</p><p>�Du hast diese Leute nicht erlebt. Sie haben nicht gelogen.�</p><p>�Zweifellos�, antwortete er. �Ich bin sicher, sie haben irgendetwas gesehen.�</p><p>�Einen Wetterballon, wie?� fragte ich sp�ttisch.</p><p>�Ein Testflugzeug�, erwiderte Marc ernst. �Irgendein geheimes Projekt der Air Force. Die White Mountains sind ein beliebtes Testgel�nde f�r die Air Force. Nur wenige Menschen, keine stark befahrenen Highways. Vielleicht haben sie irgendeine neue Waffe getestet - was wei� ich!�</p><p>�Und diese M�nner?�</p><p>�Die aus dem Helikopter? Die M�nner, die dein Band gestohlen und dich zusammengeschlagen haben?�</p><p>�Du glaubst mir nicht�, sagte ich. �Aber ich sage die Wahrheit. Sie haben gedroht, mich umzubringen. Und sie meinten es verdammt ernst.�</p><p>�Sie wollten dir einen kleinen Schrecken einjagen�, antwortete Marc.</p><p>�Das ist ihnen gelungen!�</p><p>�Ja, und wenn du jetzt anf�ngst, diesen UFO-Unsinn herumzuerz�hlen, dann m�ssen sie sich nicht einmal mehr die M�he machen, dich weiter zu erschrecken�, sagte Marc. �Dann h�rt dir n�mlich sowieso niemand mehr zu.� Er schwieg einen Moment, dann fragte er: �Hast du schon einmal von den Black Hawks geh�rt?�</p><p>�Was soll das sein?� fragte ich. �Eine Football-Mannschaft?�</p><p>�Ein Sammelbegriff f�r gewisse Projekte des Milit�rs, die in keinem Bericht und keinem Budget auftauchen�, antwortete er. �Niemand gibt zu, dass es sie gibt, aber nat�rlich wei� jedermann, dass sie doch existieren. Diese Leute brauchen nat�rlich immer Geld.�</p><p>�Worauf willst du hinaus?�</p><p>Marc hob die Schultern. �Die Suche nach etwas, das gar nicht existiert, kann eine h�bsche Stange Geld verschlingen�, sagte er. �Man k�nnte schon den einen oder anderen Dollar abzweigen, denke ich.�</p><p>�Und?� Nat�rlich war mir l�ngst klar, worauf er hinaus wollte. Die Erkl�rung klang logisch. Aber irgendetwas sagte mir, dass es nicht so war.</p><p>Simonson zuckte abermals mit den Schultern und setzte zu einer Antwort an, doch in diesem Moment wurde die T�r unsanft aufgerissen, und Pratt erschien in der T�r. Wie �blich schien er in Eile zu sein, und wie immer hatte er ausgesprochen schlechte Laune. Und wie ebenfalls �blich w�rdigte er mich keines Blickes, sondern wandte sich direkt und in unwirschem Ton an Marc.</p><p>�Simonson! Was, zum Teufel, tun Sie hier? Ich brauche die Unterlagen f�r das Zehn-Uhr-Meeting!�</p><p>�Entschuldigen Sie, Mister Pratt�, antwortete Marc. Im Stillen bewunderte ich die Schnelligkeit, mit der er umschaltete. �Loengard und ich haben �ber seine gestrige Reise gesprochen.�</p><p>Pratt nahm nun doch Notiz von mir. Zwei oder drei Sekunden lang sah er mich auf eine Art an, als m�sse er �berlegen, wer ich war und wo er mich schon einmal gesehen hatte, dann nickte er. �Ah ja - die Blue Books. Wie weit sind Sie?�</p><p>Ich wollte antworten, doch Marc kam mir zuvor. �Er ist fast fertig. Wir m�ssen noch ein paar Einzelheiten besprechen, aber es wird nicht mehr lange dauern.�</p><p>�Das will ich hoffen�, antwortete Pratt �bellaunig. �Und machen Sie es knapp. Ich habe keine Lust, ein vierst�ndiges Referat zu halten.�</p><p>Er ging, ohne sich zu verabschieden. Marc folgte ihm bis zur T�r, schloss sie jedoch dann hinter ihm und wandte sich noch einmal zu mir um.</p><p>�Und was machen wir jetzt damit?� fragte ich mit einer Geste auf den Bericht, der noch immer auf dem Tisch lag.</p><p>�Wir machen gar nichts�, antwortete Marc betont.</p><p>�Du hast geh�rt, was er gesagt hat. Er will den Bericht haben. Was, zum Teufel, soll ich tun?�</p><p>�Vor allem die Nerven behalten�, antwortete Marc. �Und zu niemandem dar�ber reden. Begreifst du eigentlich, worauf du da gesto�en bist?�</p><p>�Nicht ganz�, gestand ich.</p><p>�Das ist unsere Chance!� antwortete Marc ernst. �Wenn wir diese Black-Hawk-Geschichte beweisen k�nnen, dann haben wir beide eine ziemlich steile Karriere vor uns, John.�</p><p>�Oder ein ziemlich schnelles Ende.�</p><p>Simonson machte eine wegwerfende Handbewegung. Und warum auch nicht? Ihm hatte schlie�lich niemand eine Pistole an die Schl�fe gesetzt und abgedr�ckt. �Sie bluffen�, behauptete er. �Diese Kerle gehen weit, aber nicht so weit, glaub mir. Aber stell dir doch vor, wie wir beide dastehen, wenn wir diese Burschen auffliegen lassen!�</p><p>In seiner Stimme war eine Begeisterung, die mir nicht gefiel. Nicht im Mindesten. Marc hatte Blut geleckt, das war nicht zu �bersehen. Ich war ziemlich sicher, dass er auf der falschen Spur war. Aber das war ich vielleicht auch. Und immerhin - ich hatte etwas erreicht, wovon ich vor einer halben Stunde noch nicht einmal zu tr�umen gewagt h�tte: Ich hatte einen Verb�ndeten gefunden.</p><empty-line/><p>Weihnachten kam und ging, wurde von Silvester abgel�st und ging in den Januar �ber. Und ich verwandelte mich in einen Besessenen. Zusammen mit Marc hatte ich meinen Bericht so umgeschrieben, dass ich mir damit vermutlich keinen weiteren Hausbesuch einhandeln w�rde, aber er Pratts Erwartungen gerade so wenig nicht entsprach, dass er meinen Auftrag um weitere drei Monate verl�ngerte. Ich h�tete mich, danach zu fragen, aber ich war ziemlich sicher, dass Marc seine Finger dabei im Spiel hatte.</p><p>Mir war es nur recht. Ich fuhr fort, Milit�rst�tzpunkte zu besuchen, mich in Archiven zu vergraben und zwanzig Jahre alte Akten zu durchw�hlen. Aber ich suchte nicht mehr nach Beweisen f�r die Existenz au�erirdischer Besucher auf unserer Welt. Ich behauptete es, aber in Wahrheit suchte ich etwas h�chst Irdisches: Ich suchte den Mann aus dem Helikopter.</p><p>Es war nicht wie die sprichw�rtliche Suche nach der ber�hmten Nadel im Heuhaufen. Es war schlimmer. Ich wusste nicht einmal, ob die Nadel �berhaupt da war. Alles, was ich hatte, war die Erinnerung an ein Gesicht, an eine befehlsgewohnte Stimme und an die Art, auf die die anderen M�nner ihm gehorcht hatten. Mit gro�er Wahrscheinlichkeit hatte ich es mit einem Soldaten zu tun, vermutlich sogar mit einem hochrangigen Soldaten. Aber das war nur eine Theorie, wenig mehr als Simonsons Black-Hawk-Geschichte, an die ich weniger denn je glaubte. Ich suchte einen Mann, von dem ich weder wusste, wie er hie�, noch wo er lebte, noch ob er bei der Army, der Air Force oder bei der Navy besch�ftigt war. Ich befand mich in der Lage eines Goldsuchers, der mit einem Teesieb in der Hand das ausgetrocknete Bett des Mississippi nach einem ganz bestimmten Sandkorn absuchte.</p><p>Und ich fand es.</p><p>Zwei Monate, nachdem ich mit meiner aussichtslosen Suche begonnen hatte, eilte ich mit weit ausgreifenden Schritten auf Simonsons Schreibtisch zu, �ffnete meine Aktentasche und lie� mit einer schwungvolltriumphierenden Bewegung einen staubigen Aktendeckel vor ihm niedersausen.</p><p>Marc sah mich fragend an. Ich sagte nichts, aber er schien mir meine Erregung deutlich anzusehen, denn er fuhr pl�tzlich zusammen, griff hastig nach dem Aktendeckel und schlug ihn auf.</p><p>�Mister Alptraum?� fragte er.</p><p>�Captain Frank Bach�, sagte ich nickend. �U.S. Navy. Deshalb habe ich ihn auch in all den Air-Force-Unterlagen nicht gefunden. Ich dachte ganz automatisch, er m�sste irgendetwas mit der Air Force zu tun haben.�</p><p>�Weil er mit einem Hubschrauber gekommen ist?�</p><p>Ich fand seinen Humor in diesem Moment ziemlich unpassend, ersparte es mir aber, eine entsprechende Bemerkung zu machen. �Weil alles auf Wright-Patterson angefangen hat�, antwortete ich. �Ein Irrtum. Der Bursche ist bei der Navy.�</p><p>�Mitglied einer Spezialeinheit�, sagte Marc, w�hrend er die Akte langsam durchbl�tterte. �Hoch dekoriert. Ein guter Mann. Aber diese Akte ist f�nfzehn Jahre alt. Und nicht vollst�ndig.� Er sah auf. �Woher hast du sie?�</p><p>�Gestohlen�, grinste ich.</p><p>Marc blieb ernst. �Du wei�t, was dir passiert, wenn man dich damit erwischt. So etwas ist strafbar.�</p><p>Wenn Bach herausfand, was ich die letzten zwei Monate getan hatte, dann war das wahrscheinlich mein kleinstes Problem. Trotzdem machte ich eine Handbewegung, wie um seine Worte vom Tisch zu wischen. �Was diese Burschen tun, ist ebenfalls strafbar�, antwortete ich. �Es ist illegal, hoffnungsvolle junge Kongressermittler von der Stra�e zu dr�ngen und zusammenzuschlagen. Wenn sie mich erwischen, schlag' ich ihnen einen Deal vor: Ich sage nichts, wenn sie nichts sagen.�</p><p>�Witzig�, sagte Marc mit steinernem Gesicht. Er lie� die Akte in einer Schublade seines �berladenen Schreibtisches verschwinden und sah mich einige Sekunden lang nachdenklich an.</p><p>�Und jetzt?�</p><p>�Jetzt bist du am Zug�, antwortete ich. Seltsam - aber ich hatte mit genau dieser Reaktion gerechnet. Ich war nicht einmal �berrascht, dass Simonson so wenig Begeisterung �ber meinen Erfolg zeigte. Wir hatten in den letzten Wochen oft �ber meine Suche gesprochen, aber getan hatte Marc rein gar nichts. Es war nicht das erste Mal, dass ich mich fragte, ob Marc �berhaupt etwas herausfinden wollte. Es war eine Sache, �ber den fliegenden Holl�nder zu reden. Aber eine ganz andere, ihm gegen�berzustehen.</p><p>�Ich?�</p><p>�Du hast es selbst gesagt: die Akte ist nicht vollst�ndig. Ich kann dir sagen, wo Bach vor f�nfzehn Jahren gedient hat. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo er heute ist. Und ich f�rchte, ich werde es auch nicht herausfinden.� Ich deutete auf die Schublade, in die er die Akte geworfen hatte. �Ich habe das da durch einen reinen Zufall gefunden. Man gewinnt nicht zweimal hintereinander in der Lotterie, wei�t du?�</p><p>�Und was bringt dich auf die Idee, dass ich das gro�e Los ziehe?� fragte Marc.</p><p>Allm�hlich musste ich mich beherrschen, um nicht wirklich zornig zu werden. �Du kannst ihn finden�, sagte ich scharf. �Du kennst seinen Namen, und du wei�t, wo er gedient hat. Erz�hl mir nicht, du k�nntest diesen Mann nicht ausfindig machen. Herrgott, du bist der Assistent eines Kongressabgeordneten!�</p><p>�Ja, und zwar eines ziemlich ungeduldigen�, antwortete Marc. Er sah demonstrativ auf die Uhr, fuhr in schlecht geschauspielertem Erschrecken zusammen und stand mit einer hektischen Bewegung auf. �Ich habe noch eine Menge zu tun, John. Ich k�mmere mich um deinen Captain Bach, aber jetzt muss ich erst einmal ein wenig f�r unseren �ber alles geliebten Congressman Pratt arbeiten.�</p><p>Vollkommen fassungslos starrte ich ihn an, aber Marc war bereits auf dem Weg zur T�r. �Geh nach Hause, John�, sagte er. �Ich rufe dich an, wenn ich etwas herausgefunden habe. Versprochen!�</p><p>Simonson hielt Wort; und das wesentlich schneller, als ich erwartet hatte. Ich folgte seinem Rat und nahm mir nicht nur diesen, sondern auch die beiden darauf folgenden Tage frei. W�hrend der vergangenen Wochen hatte ich genug �berstunden angesammelt, um eine ganze Woche zu Hause zu bleiben. Marc war zwar nicht direkt mein Vorgesetzter, aber immerhin hatte er mich nach Hause geschickt, und was Pratt anging, so bezweifelte ich, dass er meine Anwesenheit �berhaupt zur Kenntnis nahm, geschweige denn meine Abwesenheit.</p><p>Ich hatte die Pause auch dringend n�tig. Ich war mit meinen Kr�ften nicht nur physisch, sondern auch psychisch am Ende, und dem Hochgef�hl des Erfolgs, mit dem ich noch am Morgen vor Marcs Schreibtisch gestanden hatte, folgte so etwas wie ein emotionaler Kater. Ich hatte Bach gefunden, aber nun war ich mit meinem Latein zumindest vorerst am Ende. Und im Augenblick hatte ich kaum die Energie, die Suche auf eigene Faust fortzuf�hren.</p><p>Davon abgesehen hatte ich andere Probleme.</p><p>Meine h�ufige Abwesenheit in den letzten Monaten hatte Spuren hinterlassen. Kimberley und ich waren weit davon entfernt, uns zu entfremden oder gar offen zu streiten, aber die naive Unbefangenheit, mit der wir nach Washington gekommen waren, war dahin. Es gab kein Misstrauen zwischen uns, keine fragenden Blicke oder kaum verhohlene Andeutungen. Alles schien bestens zu sein, und doch hatte ich manchmal das Gef�hl, dass da etwas wie eine latente Spannung zwischen uns w�re; etwas wie ein Knistern, das wir beide noch nicht bewusst wahrgenommen hatten, aber schon deutlich sp�rten, ohne indes seine wirkliche Bedeutung zu begreifen.</p><p>Kimberley hatte eine Verabredung, und ich bereitete mich auf einen gem�tlichen, wenn auch vermutlich langweiligen Abend vor dem Fernseher vor. Ich h�tte sie gerne begleitet, aber sie hatte von sich aus nichts gesagt, und aus irgendeinem Grund hatte ich Hemmungen, sie zu fragen. Das geh�rte mit zu den Dingen, die sich zwischen uns ge�ndert hatten. Fr�her hatte es niemals irgendwelche Unsicherheiten dieser Art gegeben. Eine unserer unausgesprochenen Regeln lautete, dass es keine unausgesprochenen Dinge gab.</p><p>Diese eine Nacht in Ohio hatte das ge�ndert. Dank Bach hatte ich Kim zum ersten Mal belogen, und allein daf�r hasste ich ihn.</p><p>�Nun, wie sehe ich aus?� fragte sie, als sie aus dem Bad kam. Sie trug ein selbstgeschneidertes Kleid, das dem Titelblatt jedes Modemagazins zur Ehre gereicht h�tte, und zupfte best�ndig an einer Frisur herum, an der es absolut nichts mehr zu richten gab. Sie sah fantastisch aus, und ich sagte es ihr auch.</p><p>�Du siehst gro�artig aus, Schatz�, sagte ich. �Aber f�r wen putzt du dich so heraus?�</p><p>Es sollte ein Scherz sein, und sie lachte auch, aber es klang nicht ganz echt. Auch alles andere als falsch, aber eben nicht ganz echt. �Das, Schatz�, antwortete sie lachend, aber wie ich fand, auch um eine Nuance zu spitz, �geht dich nichts an.�</p><p>�Gibt es da etwas, das ich wissen sollte?� fragte ich. �Oder besser gesagt: Gibt es da irgendjemanden in deinem Leben?�</p><p>�Auch das geht dich nichts an, Liebling�, antwortete sie mit einem zuckers��en L�cheln. �Wozu sind Geheimnisse gut, wenn man sie jedem sofort verr�t?�</p><p>�Dann w�ren es keine Geheimnisse mehr�, pflichtete ich ihr bei. Der Klang meiner eigenen Stimme gefiel mir nicht, ebenso wenig wie das L�cheln, mit dem sie darauf reagierte. Kim sagte jedoch nichts mehr, sondern schlenderte in die K�che, nahm Tasche und Handschuhe vom Tisch und wandte sich dann zur T�r.</p><p>�Warte nicht auf mich�, sagte sie. �Es k�nnte sp�ter werden.�</p><p>�Du hast Geheimnisse�, sagte ich grimmig.</p><p>Kimberley blieb stehen, drehte sich noch einmal herum und sah mich auf eine Art an, die das L�cheln auf ihren Lippen L�gen strafte. �Hat die nicht jeder?� fragte sie. �Seine kleinen Geheimnisse, meine ich?�</p><p>Sie wusste es. Ich war sicher, keinen Fehler begangen zu haben. Kein verr�terisches Schweigen im falschen Moment, keine Ausflucht und keinen Widerspruch, in den ich mich verwickelte; ich hatte in den letzten Wochen zu meiner eigenen �berraschung festgestellt, dass ich wohl doch ein talentierterer L�gner war, als ich glaubte. Trotzdem wusste sie es. Vermutlich sp�rte sie einfach, dass ich ihr irgendetwas verheimlichte.</p><p>F�r einen ganz kurzen Moment war ich nahe daran, ihr die ganze Geschichte zu erz�hlen. Was hatte ich zu verlieren? Was immer sie vermuten mochte, konnte nur schlimmer sein als die Wahrheit; zumindest f�r unsere Beziehung. Ich w�rde ihr die Wahrheit sagen. Jetzt.</p><p>Das Telefon klingelte. Beinahe hastig griff ich nach dem H�rer, riss ihn von der Gabel und meldete mich.</p><p>�Simonson�, sagte Marc. �Ich bin es, John. Marc. Du ...�</p><p>�Eine Sekunde, Marc�, unterbrach ich ihn. Rasch hielt ich den H�rer zu, wandte mich an Kim und sagte: �Es ist f�r mich. Einen sch�nen Abend, Schatz.�</p><p>Kimberley wirkte entt�uscht. Offensichtlich war ihr nicht entgangen, dass ich ihr irgendetwas hatte mitteilen wollen, und sie wertete den Anruf als genau das, was er war: ein willkommener Anlass, es nicht zu tun.</p><p>Ich wartete, bis sie die T�r geschlossen hatte, ehe ich die Hand wieder herunternahm und mich meldete. �Marc?�</p><p>�Der Fernseher�, sagte Simonson. �Schalt ihn ein. Kanal sechs.�</p><p>In seiner Stimme war etwas, das mich davon abhielt, irgendeine Frage zu stellen. Rasch ging ich zum Fernseher, schaltete auf den entsprechenden Kanal und trat wieder zwei Schritte zur�ck. Auf dem Bildschirm war eine Gruppe von vier oder f�nf M�nnern zu sehen, die dicht beieinander auf einer n�chtlichen Br�cke standen und sich leise, aber offenbar sehr erregt miteinander unterhielten. Alle waren winterlich gekleidet, und hier und da waren noch Reste von zusammengebackenem Schneematsch zu erkennen. Weiter hinten standen weitere M�nner. Sie waren mit Gewehren bewaffnet und trugen dicke Winteruniformen. Keine amerikanischen.</p><p>Nichts davon interessierte mich. F�r einen Moment hatte ich sogar M�he, der Stimme der Nachrichtensprecherin zu folgen, die die Bilder kommentierte. Meine ganze Aufmerksamkeit galt dem Mann, der ein wenig hinter den anderen stand, wie zuf�llig so, dass sein Gesicht nicht ganz deutlich zu erkennen war. Trotzdem erkannte ich ihn sofort.</p><p>Es war Bach.</p><p>�... heute Nacht auf der Glienicker Br�cke statt�, sagte die Kommentatorin gerade. �Lieutenant Gary Powers, dessen Flugzeug vor zwei Jahren �ber dem Territorium der UdSSR abgeschossen wurde, kam im Austausch f�r ...�</p><p>Bach. Es war Bach. Der Mann aus dem Wald. Das Gesicht aus der TOP-SECRET-Akte, die ich gestohlen hatte. Langsam ging ich zur�ck zum Telefon, ohne den Fernseher dabei auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Meine H�nde zitterten leicht, als ich nach dem H�rer griff.</p><p>�Das ist Bach, richtig?� fragte Marc. �Der Mann im Hintergrund, direkt neben Powers.�</p><p>�Ja�, antwortete ich. �Aber was macht er in Berlin?�</p><p>�Das interessiert mich nicht, John�, sagte Simonson, aber ich ignorierte ihn einfach.</p><p>�Powers!� sagte ich. �Powers muss auch etwas mit der Sache zu tun haben! Nat�rlich!�</p><p>�John, h�r mir zu�, sagte Marc, aber ich sprach lauter und erregt weiter, ehe er noch irgendetwas sagen konnte.</p><p>�Aber �berleg doch! Black Hawk! Geheime milit�rische Projekte! Und dieser Powers war Testpilot! Es ist ganz eindeutig!�</p><p>�John, h�r auf�, sagte Marc. �Es spielt keine Rolle mehr.�</p><p>�Es spielt ... bist du verr�ckt? Das ist der Beweis, nach dem wir gesucht haben!�</p><p>�Ich bin drau�en�, sagte Marc.</p><p>Ich schwieg ungef�hr zwei Sekunden lang - obwohl ich tief in mir nicht einmal �berrascht war. Nicht wirklich. �Wie bitte?�</p><p>�Die Sache ist ein paar Nummern zu gro� f�r mich, John�, sagte Marc. �Und das sollte sie f�r dich auch sein.�</p><p>�Aber wieso?�</p><p>�Liest du keine Zeitungen?� fragte Marc. �Dieser Powers ist nicht nur gegen irgendwelche russischen Spione ausgetauscht worden! Kennedy selbst hat die Sache mit Chruschtschow ausgehandelt, ist dir das eigentlich klar? Das hier hat nichts mehr mit geheimen milit�rischen Kungeleien zu tun! Es geht hier nicht um irgendwelche getarnten Budgets.�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich. �Aber genau das ...�</p><p>�Es ist aus, John�, sagte Marc. �Ich habe Frau und Kinder. Es ist vorbei, h�rst du? Vorbei.�</p><p>Er h�ngte ein. Auf dem Fernsehschirm lief der Bericht �ber Powers Freilassung weiter, aber ich h�rte immer noch nicht wirklich zu. Ich starrte Bach an. Er verstand es immer geschickt, sich im Hintergrund zu halten, so dass er in keiner Sekunde wirklich genau zu erkennen war. Aber es gab auch keine einzige Aufnahme, auf der er nicht aufgetaucht w�re. Seine dunklen, gef�hllosen Augen schienen mich �ber den Bildschirm hinweg sp�ttisch anzuschauen, als h�tte er ganz genau gewusst, dass ich hier und jetzt dastehen und diese Bilder betrachten w�rde.</p><p>Und dann wusste ich, was ich zu tun hatte.</p><empty-line/><p>Es kostete mich zwei Anrufe, um herauszufinden, wann Lieutenant Powers und seine Begleiter in Washington eintrafen. Wie sich zeigte, war dies bereits am n�chsten Nachmittag der Fall. Ich hatte urspr�nglich vor, Powers direkt am Flughafen abzufangen, gab diese Idee aber schon wieder auf, als ich die Ankunftshalle betrat. Sie wimmelte von Journalisten, Fotografen, Kamerateams und Neugierigen. Es gab ein erstaunliches Aufgebot an Sicherheitskr�ften, die wohl den Auftrag hatten, Powers und seine Begleiter abzuschirmen. Ich hatte keine Chance, an Powers heranzukommen; und schon gar nicht an Bach. Ich machte auf der Stelle kehrt und fuhr ins Capitol zur�ck. Powers w�rde vom Hughafen aus direkt dorthin gebracht werden, um sp�ter am Abend mit dem Pr�sidenten zu sprechen.</p><p>Auch das Capitol war von der Presse nicht verschont geblieben. Auf dem Flur, �ber den der Nationalheld dieses Tages kommen w�rde, waren bereits drei Fernsehkameras aufgebaut worden, und mindestens ein Dutzend Journalisten l�mmelte in den Ecken und auf den unbequemen h�lzernen B�nken herum und vertrieb sich auf die eine oder andere Weise die Zeit. Trotzdem war das Sicherheitspersonal hier in der �berzahl. Das Capitol war ein �ffentliches Geb�ude und jedermann frei zug�nglich, aber das war selbst damals nur noch Theorie. In der Praxis war diese gesamte Etage hermetisch abgeriegelt, und die anwesenden Journalisten und Kameram�nner handverlesen. Wie gut, dass ich in diesem Geb�ude arbeitete. Ich mischte mich unauff�llig unter die Reporter und fasste mich in Geduld.</p><p>Es bedurfte einer ganzen Menge mehr Geduld, als ich erwartet hatte. Eine Stunde verging, dann eine zweite und noch ein guter Teil der n�chsten. Nicht nur die versammelte Journalistenmeute, sondern auch ich begann allm�hlich unruhig zu werden. Nach dem, was ich am Hughafen gesehen hatte, hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, dass Powers seinen Zeitplan einhalten w�rde. Doch statt der erwarteten Stunde vergingen ann�hernd drei, bis er schlie�lich erschien.</p><p>Gary Powers war ein �berraschend junger Mann mit vollem, dunklem Haar und energischen Bewegungen, der weitaus besser aussah, als ich nach den Bildern aus dem Fernsehen erwartet hatte - und vor allem nach dem, was ich �ber ihn wusste. Er ging mit einer geradezu bewunderungsw�rdigen Souver�nit�t mit den Fragen der Journalisten um, und er machte ganz und gar nicht den Eindruck eines Mannes, der gerade zwei Jahre russischer Kriegsgefangenschaft hinter sich gebracht hatte; weder k�rperlich noch psychisch.</p><p>Ich stand in vorderster Reihe der wartenden Journalisten, aber ich achtete kaum auf die n�rrischen Fragen, die sie stellten, und noch viel weniger auf die Antworten, die Powers gab. In den n�chsten Tagen w�rde ich sie sowieso hundertfach im Fernsehen oder Radio h�ren und in den Zeitungen lesen k�nnen.</p><p>Ich suchte nach Bach.</p><p>Im ersten Moment hatte ich M�he, ihn zu entdecken.</p><p>Powers hatte einen Tross von mindestens drei�ig Begleitern im Schlepptau, von denen der Gro�teil wahrscheinlich aus FBI- und CIA-Agenten bestand, und Bach war mitten unter ihnen. Trotzdem sah ich ihn nicht sofort. Es war wie gestern Abend im Fernsehen: der Mann schien ein Wunder an nat�rlicher Mimikri zu sein. Er brachte es fertig, stets so unauff�llig irgendwo am Rande des Geschehens zu bleiben, dass man ihn nicht einmal dann wirklich zu sehen schien, wenn man direkt in seine Richtung blickte.</p><p>Daf�r war ich sicher, dass seiner Aufmerksamkeit umgekehrt nicht das winzigste Detail entging.</p><p>Unauff�llig zog ich mich zwei, drei Schritte weit ins Innere der Journalistenmeute zur�ck und schickte ein Sto�gebet zum Himmel, dass Bach mich noch nicht entdeckt hatte. Ich war hier, um mit ihm zu reden, aber ich zog es vor, den Zeitpunkt selbst zu bestimmen; und sei es nur, um den Vorteil der �berraschung auf meiner Seite zu haben.</p><p>Wahrscheinlich war es ohnehin der einzige Vorteil, den ich hatte.</p><p>Powers brauchte entnervend lange, um die Fragen der Reporter zu beantworten, aber schlie�lich war es vorbei: Er verabschiedete sich mit einem jovialen L�cheln von den Kameras, wandte sich um und verschwand zusammen mit seinen Begleitern in einem Flur, dessen Zugang von gleich vier M�nnern in den Paradeuniformen der Marines flankiert wurde. Mein Herz machte einen erschrockenen Satz, als ich sah, wie Bach stehen blieb und ein paar Worte mit einem von ihnen wechselte. Er deutete dabei mit der Hand �ber die Schulter zur�ck; nicht unmittelbar auf mich, aber doch nahe genug in meine Richtung, um mir einen geh�rigen Schrecken einzujagen. Instinktiv sah ich mich um, halbwegs darauf gefasst, einen grinsenden Air-Force-Lieutenant zu sehen, der mit einer diesmal vielleicht geladenen Waffe auf mich zielte.</p><p>Nat�rlich war er nicht da. Die Vorstellung war albern, aber der Gedanke zeigte mir auch, wie nerv�s ich wirklich war. Ich hatte Bach in meinem ganzen Leben nicht l�nger als f�nf Minuten gesehen, und doch beherrschte dieser Mann mittlerweile meine Gedanken. Es war richtig, dass ich hier war. Ich musste ihn stellen, oder ich w�rde diese Angst nie wieder ganz loswerden.</p><p>Mit erzwungen ruhigen Schritten n�herte ich mich dem Flur, in dem Bach und die anderen verschwunden waren. Einige besonders hartn�ckige Journalisten versuchten ebenfalls, ihnen zu folgen, wurden aber erwartungsgem�� von den Marines aufgehalten; h�flich, aber sehr bestimmt. Ich atmete tief ein, schloss die Hand um meinen Dienstausweis, den ich in der rechten Manteltasche trug, und zermarterte mir das Hirn nach irgendeiner Ausrede, die die Marines davon �berzeugen w�rde, mich passieren zu lassen.</p><p>Ich brauchte weder sie noch meinen Dienstausweis. Der Soldat machte keinen Versuch, mich aufzuhalten. Er sah mich nicht einmal an. Verwirrt - aber auch ein bisschen beunruhigt - ging ich an ihm und den drei anderen vorbei, bog um die Ecke und blieb �berrascht stehen. Powers und seine Begleiter waren nicht mehr da, aber der Flur war trotzdem nicht leer.</p><p>Bach sa� auf einer Bank ganz am Ende des Flurs, rauchte eine Zigarette und sah mir mit steinernem Gesichtsausdruck entgegen. Ich war wirklich ziemlich naiv gewesen, mir im Ernst einzubilden, er h�tte mich nicht bemerkt.</p><p>Ich ging weiter, aber ich bewegte mich langsamer als notwendig. Ann�hernd drei Monate lang hatte ich nichts anderes getan, als diesen Mann zu suchen, und es war kein Tag vergangen, an dem ich mir den Moment, in dem ich ihm gegen�berstehen w�rde, nicht mindestens einmal ausgemalt hatte. Jetzt war mein Kopf wie leergefegt. Ich wusste weder, was ich tun, noch, was ich sagen sollte. Schweigend setzte ich mich neben Bach auf die Bank.</p><p>�Und ich dachte, es g�be Sie gar nicht�, sagte ich nach einer Weile. �Sagten Sie nicht, Sie w�ren nur Teil eines ... Traums?�</p><p>�Die genaue Formulierung war Alptraum, wenn ich mich recht erinnere�, antwortete Bach. Er zog an seiner Zigarette, inhalierte den Rauch tief und fuhr fast im Plauderton fort: �Was sind Sie, John - ganz besonders mutig, oder ganz besonders dumm? Ich dachte, ich h�tte klar zum Ausdruck gebracht, was passiert, wenn sich unsere Wege noch einmal kreuzen.�</p><p>�Sie k�nnen mir keine Angst machen�, antwortete ich. �Nicht mehr.�</p><p>�Seltsam, aber ich hatte einen anderen Eindruck.�</p><p>�Wir sind hier nicht auf einer einsamen Landstra�e in Ohio�, antwortete ich. �Und wenn ich richtig sehe, dann haben Sie auch Ihren Schl�gertrupp nicht dabei. Das hier ist das Capitol, und ich bin ein offizieller Mitarbeiter des Kongresses der Vereinigten Staaten. Sie machen mir keine Angst.�</p><p>Meine Worte beeindruckten ihn nicht sonderlich, und warum sollten sie auch? Ich sprach zu schnell, meine Stimme war eine Spur zu schrill, und ich konnte meine H�nde nicht davon abhalten, nerv�s mit meinem Hut zu spielen. Ich plapperte einfach drauflos, nur, um �berhaupt etwas zu sagen.</p><p>�Warum sollte ich auch?� fragte Bach. �Ich bin schlie�lich nur ein Traum. Es gibt mich gar nicht.�</p><p>�Ein Traum - Captain Frank Bach?�</p><p>Ich sah Bach bei diesen Worten scharf an, und diesmal zollte er mir gen�gend Aufmerksamkeit, um den Kopf zu drehen und mich k�hl anzublicken. Er wirkte keineswegs �berrascht. Nach einer weiteren kleinen Ewigkeit nickte er jedoch und sagte: �Gut.�</p><p>�Und es wird noch besser.� Ich hatte keine Wahl, als zu improvisieren und zu bluffen. �Ich habe hier eine Vollmacht des Kongresses, Captain Bach. Ihr Name steht darauf.�</p><p>Diesmal glaubte ich tats�chlich so etwas wie ein sp�ttisches Glitzern in seinen Augen zu entdecken, aber ich war nicht ganz sicher. �Und was steht in dieser ... Vollmacht?� fragte er.</p><p>�Ich will endlich Antworten�, sagte ich. �Ich wei� noch nicht genau, wer und was Sie sind, Bach, aber ich bin nahe daran. Ich werde die Wahrheit herausfinden, das schw�re ich Ihnen.�</p><p>�Die Wahrheit?� Bach sch�ttelte den Kopf. Obwohl sein Gesicht nach wie vor unbewegt blieb, hatte ich das Gef�hl, dass ihn meine Worte am�sierten. �Was ist schon die Wahrheit? Wahrheit, John, ist ein h�chst relativer Begriff. Sie wollen die Wahrheit herausfinden?� Er sch�ttelte den Kopf, dr�ckte seine Zigarette aus und f�gte hinzu: �Glauben Sie mir, John: die Wahrheit ist das letzte, was Sie wissen wollen.�</p><p>Er stand auf und griff nach seinem Mantel, aber ich vertrat ihm den Weg. �Nein�, sagte ich. �So leicht kommen Sie mir nicht davon.�</p><p>�Aber John�, seufzte Bach. �Wollen Sie mir drohen? Sie? Mir?�</p><p>�Das h�tte nicht viel Zweck�, r�umte ich ein. �Aber ich bin nicht allein.�</p><p>Bach lachte leise. �Oh, ich verstehe. Sie haben Freunde hier. In einflussreicher Position, nehme ich an.�</p><p>Allm�hlich wurde ich w�tend. Bachs �berheblichkeit begann mich rasend zu machen. �Die habe ich nicht�, gestand ich unumwunden. �Aber ich arbeite immer noch f�r die Regierung! Und es gibt in diesem Geb�ude bestimmt eine Menge Leute, die sich brennend f�r das interessieren, was ich �ber Sie herausgefunden habe. Ich bin nur ein kleines Licht. Ein Nichts, im Gegensatz zu Ihnen. Aber manchmal reicht sogar ein Streichholz, um einen Steppenbrand zu entfachen.�</p><p>Bach seufzte. �John, John, John�, sagte er kopfsch�ttelnd. �Ihr Vertrauen in die Macht des Kongresses ist ... r�hrend, wissen Sie das?� Er trat auf mich zu, sah mich fest an - und griff in die Innentasche meines Mantels; dorthin, wohin ich gerade gedeutet hatte. Mit spitzen Fingern zog er einen zusammengefalteten Zettel heraus.</p><p>�Eine Vollmacht des Senats?� fragte er. �Also, f�r mich sieht das eher aus wie der Abholschein einer chinesischen W�scherei. Sie bluffen, Mister Loengard.�</p><p>�Genau wie Sie�, antwortete ich trotzig. �Das L�gen habe ich von Ihnen gelernt.�</p><p>�L�gen?�</p><p>�Ich kann es noch nicht beweisen�, antwortete ich, �aber ich denke, ich wei�, was hier wirklich gespielt wird.�</p><p>�Und was ... w�re das, Ihrer Meinung nach?� fragte Bach in interessiertem, zugleich aber auch leicht am�siertem Tonfall.</p><p>�Ihre fliegenden Untertassen. Die UFOs. Sie kommen nicht aus dem Weltraum, nicht wahr? Es ist ein geheimes Forschungsprojekt. Irgendeine ... Superwaffe, die Sie in einem geheimen Laboratorium entwickelt haben, mit Geldern, die Sie illegal abzweigen. Sie sind nicht der gro�e Geheimnisvolle, als der Sie sich ausgeben, Bach. Sie und Ihre Leute sind nichts als Betr�ger.�</p><p>�Eine interessante Theorie�, sagte Bach. �Und wie wollen Sie sie beweisen?� Er wartete meine Antwort nicht ab, sondern drehte sich herum und ging langsam auf die Liftt�ren am Ende des Flures zu, so dass ich ihm folgen musste, wenn ich nicht schreien wollte.</p><p>�Das wei� ich noch nicht�, sagte ich. �Aber ich werde die Wahrheit herausfinden.�</p><p>Bach dr�ckte den Knopf. Die Aufzugt�ren glitten auseinander. Bach trat in die Kabine, aber als er sich herumdrehte, hielt er seinen Mantel so, dass der Stoff die Lichtschranke unterbrach und sich die T�ren nicht schlossen.</p><p>�Schon wieder dieses Wort, John�, sagte er. �Ihnen scheint wirklich viel an der Wahrheit gelegen zu sein. Sind Sie wirklich sicher, dass Sie sie erfahren wollen?�</p><p>�Hundertprozentig�, antwortete ich mit einer �berzeugung, die ich tief in mir nicht wirklich empfand. Die Wahrheit in diesem Moment war, dass Bach mir schon wieder Angst machte. M�glicherweise hatte er recht. Vielleicht wollte ich das, wonach ich suchte, in Wirklichkeit gar nicht wissen.</p><p>�Diese Wahrheit hat einen Preis, Mister Loengard�, sagte Bach. �Sind Sie bereit, ihn zu bezahlen?�</p><p>Ich schwieg. Ich war nicht sicher, ob ich wirklich verstand, was er sagte. Bach blickte mich f�nf Sekunden lang aus seinen durchdringenden Augen an, dann zehn, und dann machte er einen halben Schritt in die Aufzugkabine zur�ck. Sein Mantel gab die Lichtschranke frei. Die T�ren begannen sich langsam zu schlie�en.</p><p>Und ich trat mit einem raschen Schritt hindurch und neben ihn.</p><empty-line/><p>Die Union Station war voller Menschen, und trotzdem f�hlte ich mich unendlich einsam und auf eine Weise verloren, die ich bis zu diesem Moment noch nicht kennen gelernt hatte. Bach hatte weder im Lift noch auf dem gesamten Weg hierher ein einziges Wort gesagt, ja, mich nicht einmal angesehen, aber er musste meine Nervosit�t sp�ren. Vorhin, als ich zu ihm in den Aufzug getreten war, war mir mein Entschluss richtig erschienen. Die einzige Wahl, die ich hatte treffen k�nnen. Es gab Momente, in denen die Furcht nicht z�hlte, nicht einmal das eigene Leben.</p><p>Aber das waren nur Worte, und vielleicht waren es wirklich nicht mehr als nur Worte. M�glicherweise war ich in diesem Moment, der vielleicht �ber den Fortgang meines gesamten Lebens entscheiden mochte, nur in meinen eigenen Mut verliebt gewesen. Oder das, was ich daf�r hielt.</p><p>Ich h�tte noch zur�ck gekonnt. Bach und ich waren allein. Keiner seiner Leute war in der N�he, und selbst wenn es anders gewesen w�re, so h�tte mich die Menschenmenge auf dem Bahnhof gesch�tzt. Aber es war, als w�re ich unf�hig, mein eigenes Tun weiter zu bestimmen. Ich bewegte mich wie in Trance, w�hrend Bach mich quer durch die Bahnhofshalle f�hrte, dann in die breite Treppe nach unten, die zur U-Bahn hinabf�hrte; schnell, und mit sicheren, fast federnden Schritten, aber trotzdem fast ohne mein Zutun. Ich hatte keine Ahnung, was das Schicksal f�r mich bereithielt. Nach Monaten, in denen ich wie besessen nach der Wahrheit gesucht hatte, die irgendwo dort unten auf mich wartete, hatte ich pl�tzlich Angst, den letzten Schritt zu tun. Aber ich konnte auch nicht mehr zur�ck. Die Verlockung war zu gewaltig. Im Grunde hatte ich keine Wahl.</p><p>Wir gingen nicht bis zum Bahnsteig hinunter. Bach blieb auf halbem Weg stehen, zog einen kleinen Schl�ssel aus der Tasche und �ffnete damit die T�r eines Ger�teraumes, in dem sich Eimer, Besen, Kanister mit Putzmitteln und andere Utensilien stapelten. Unter der Decke brannte nur eine tr�be Gl�hbirne, die beinahe mehr Schatten als Licht verbreitete. Aber sie hatte ja auch nicht viel zu beleuchten. Der Raum schien kaum gro� genug, um uns beiden zusammen Platz zu bieten; einen zweiten Ausgang besa� er nat�rlich erst recht nicht. Fragend sah ich Bach an.</p><p>�Es ist Ihre Entscheidung, John.� Er machte eine einladende Handbewegung.</p><p>Ich z�gerte ein allerletztes Mal, aber dann trat ich mit einem entschlossenen Schritt ein. Bach folgte mir, schloss pedantisch die T�r und trat dann an eine unauff�llige Metallklappe an der gegen�berliegenden Wand, die ich f�r die T�r eines Sicherungskastens hielt.</p><p>Es war ein Sicherungskasten, und die Schalter dahinter waren auch echte, durchaus funktionsf�hige Sicherungsautomaten. Aber sie waren auch noch mehr. Bach legte vier oder f�nf Schalter in einer bestimmten Reihenfolge um und kippte sie dann alle wieder in die Ausgangsstellung zur�ck. Zwei Sekunden lang geschah nichts, dann schloss Bach die Klappe, und die H�lfte der Wand, in die der Sicherungskasten eingebaut war, bewegte sich summend nach au�en. Dahinter kam eine zweite, aus massivem Metall bestehende Wand zum Vorschein, die sich nach einem kurzen Augenblick beinahe lautlos zur Seite schob.</p><p>Es war eine Liftkabine. Fassungslos vor Staunen trat ich hinter Bach ein und sah mich um. Die Kabine war kahl; nackte Metallw�nde ohne die geringste Unterbrechung, abgesehen von einem einzigen Knopf, auf den Bach nun dr�ckte, und einem dar�ber angebrachten Telefon ohne W�hlscheibe oder Tasten.</p><p>Die T�r schloss sich ebenso leise, wie sie sich ge�ffnet hatte, und die Kabine setzte sich fast ohne sp�rbare Ersch�tterung in Bewegung. Allein diese beiden Details verrieten mir mehr �ber das, was mich m�glicherweise erwartete, als Bach vielleicht ahnte. Was ich beobachtete, war das Wirken hochmoderner, sehr teurer Technik.</p><p>Da ich die Bewegung der Kabine kaum sp�rte, konnte ich nicht absch�tzen, wie weit wir nach unten fuhren. Aber es war weit. Wir mussten uns tief unter dem Niveau der U-Bahn-Station befinden, als der Lift anhielt und die T�r wieder aufglitt.</p><p>Der Anblick verschlug mir die Sprache. Ich hatte viel erwartet, aber nicht das. Vor uns lag ein schier endlos langer Gang, der von Dutzenden gro�er Neonr�hren in taghelles Licht getaucht wurde. Decke, Boden und eine der Seitenw�nde bestanden aus nacktem, unverkleidetem Beton, w�hrend sich an der gegen�berliegenden Seite Fenster an Fenster reihte. Dahinter sah ich hektische Betriebsamkeit und das Blinken zahlloser Lichter, aber Bach gab mir keine Gelegenheit, mehr zu erkennen.</p><p>Direkt neben der Fahrstuhlt�r stand ein niedriger Tisch aus feuerrot lackiertem Kunststoff, hinter dem ein Soldat in einem kurz�rmeligen Sommerhemd und wei�em Helm sa�. Seine Uniform geh�rte keiner der mir bekannten Waffengattungen - Army, Air Force oder Navy - an, und die Rangabzeichen auf seinen Schultern hatte ich noch nie gesehen. Ein zweiter, identisch gekleideter Soldat stand mit hinter dem R�cken verschr�nkten H�nden neben dem Schreibtisch. Beide M�nner waren mit Maschinenpistolen bewaffnet, und sie sahen nicht so aus, als h�tten sie gro�e Hemmungen, von ihnen Gebrauch zu machen.</p><p>Auf einen Wink Bachs hin erwachte der Posten aus seiner Starre, trat mit zwei schnellen Schritten hinter mich und begann mich rasch, aber sehr gr�ndlich abzutasten. W�hrend er dies tat, h�ndigte sein Kollege Bach eine in Plastik eingeschwei�te Ausweiskarte aus, die er sich ans Revers heftete. Entweder spielte Bach eine nicht ann�hernd so wichtige Rolle, wie ich bisher geglaubt hatte, oder die Sicherheitsvorschriften hier unten waren wirklich sehr streng.</p><p>Nachdem ich bis an den Rand der Peinlichkeit abgetastet worden war, nahm mir der Soldat meinen Mantel und meine Aktentasche ab und deponierte beides auf dem Schreibtisch. Anschlie�end bekam auch ich eine der kleinen Plastikkarten, die ich mir Bachs Beispiel folgend an die Jacke heftete. Ich wollte die Hand nach meinem Mantel und meiner Aktentasche ausstrecken, aber der Soldat auf der anderen Seite des Tisches deutete ein Kopfsch�tteln an, und ich lie� von meinem Vorhaben ab.</p><p>Bach war inzwischen in ein halb gefl�stertes Gespr�ch mit einem jungen Mann vertieft, der ein Utensil bei sich trug, das ich bisher nur in Agentenfilmen und Fernsehkrimis gesehen hatte: eine schwarze Aktentasche, die mit einer d�nnen Kette an seinem linken Handgelenk befestigt war. Trotzdem schenkte ich der Szene nur einen fl�chtigen Blick. Viel mehr faszinierte mich das, was auf der anderen Seite der Glasscheiben vorging, aus denen praktisch die ganze gegen�berliegende Wand bestand.</p><p>Da der Posten nichts dagegen zu haben schien, trat ich z�gernd n�her.</p><p>Der Anblick verlor auch beim zweiten Hinsehen nichts von seiner Faszination. Vor mir lag eine nicht sehr hohe, aber weitl�ufige Halle, die mit Schreibtischen und Instrumentenpulten vollgestopft war. Eine komplette Wand wurde von dem gr��ten Elektronenrechner eingenommen, den ich jemals gesehen hatte, eine zweite von einem gewaltigen Bildschirm, der sich bei genauerem Hinsehen als ein Puzzle aus einer Vielzahl kleinerer Monitore herausstellte. Gut zwei Dutzend M�nner und Frauen arbeiteten in dem gro�en Raum, und obwohl das Glas schalldicht war, glaubte ich dennoch, das Stimmengewirr und das gesch�ftige Summen und Klicken der Elektronenrechner, Fernschreiber und Lochkartenleser zu vernehmen.</p><p>Bach trat neben mich. Ich sah den verzerrten Reflex seines Gesichts auf dem Glas vor mir, nahm den Blick aber nicht vom Raum hinter der Scheibe.</p><p>�Was ... ist das?� fl�sterte ich. Ich h�tte gar nicht lauter sprechen k�nnen. Eine Mischung aus Ehrfurcht und Schrecken hatte von mir Besitz ergriffen, die mich vollkommen l�hmte.</p><p>�Majestic 12�, antwortete Bach. �Kommen Sie, John.�</p><p>Es fiel mir schwer, mich vom Anblick des Raumes hinter der Scheibe loszurei�en. Trotzdem drehte ich mich herum und folgte seiner einladenden Geste.</p><p>Ein paar Meter entfernt stand ein kleiner, zweisitziger Elektrokarren, wie man sie auf Flugh�fen und Bahnh�fen sieht. Bach warf die geheimnisvolle Aktentasche scheinbar achtlos hinein, setzte sich hinter das Steuer und wiederholte seine einladende Geste. Sie wirkte jetzt ein bisschen herrischer, vielleicht ungeduldig, zugleich aber auch beinahe stolz. Offensichtlich bereitete ihm das, was er tat, gro�es Vergn�gen.</p><p>Ich stieg ein, und Bach fuhr los, noch bevor ich richtig Platz genommen hatte. Er fuhr sehr schnell, zumindest angesichts der Tatsache, dass der Gang kaum drei Meter breit war.</p><p>�Wohin fahren wir?� fragte ich.</p><p>Bach lachte; das hie�, er gab ein Ger�usch von sich, das er wahrscheinlich f�r ein Lachen hielt. �Sie wollten doch die Wahrheit wissen, oder?� fragte er. �Sie wartet auf Sie. Dort hinten, nach der dritten Abzweigung.�</p><p>Die unterirdische Anlage war erstaunlich gro�. Im ersten Moment war mir der Elektrokarren fast albern vorgekommen, wie pure Effekthascherei. Tats�chlich h�tten wir zu Fu� aber sicherlich eine Viertelstunde gebraucht, um unser Ziel zu erreichen. Der nackte Betonstollen zog sich scheinbar endlos dahin. In regelm��igen Abst�nden zweigten andere G�nge und T�ren von ihm ab, ausnahmslos flankiert von strammstehenden Soldaten in wei�en Helmen und khakifarbenen Hemden ohne Rangabzeichen.</p><p>�Das ist unglaublich�, sagte ich staunend. �Wie um alles in der Welt haben Sie das bauen k�nnen, ohne dass die halbe Stadt davon erfahren hat?�</p><p>�Haben wir nicht�, antwortete Bach. �Haben Sie eine Vorstellung, wie gro� das U-Bahn-Netz Washingtons ist, John?�</p><p>�Nein�, gestand ich.</p><p>�Sehen Sie�, sagte Bach. �Ich auch nicht. Ebenso wenig wie irgendjemand sonst in dieser Stadt.�</p><p>�Das hier ist ein U-Bahn-Schacht?� fragte ich �berrascht.</p><p>�Es sollte einer werden�, antwortete Bach. �Aber irgendjemand hat die notwendigen Gelder gestrichen, bevor er fertig gestellt werden konnte.�</p><p>Ich dachte einige Sekunden lang �ber diese Antwort nach, ohne zu einem konkreten Ergebnis zu kommen. Aber wenn sie tats�chlich das bedeutete, was ich vermutete, dann musste dieser Mann - oder die Organisation, f�r die er arbeitete - noch �ber wesentlich mehr Macht verf�gen, als ich angenommen hatte.</p><p>�Wir sind da, John.� Bach stoppte den Elektrokarren, stieg aus und nahm die Aktentasche wieder an sich. Z�gernd stieg auch ich aus. Wir hatten vor einer geschlossenen Metallt�r angehalten, die sich �u�erlich in nichts von den anderen unterschied, an denen wir vor�bergekommen waren. Mit dem einzigen Unterschied, dass diese T�r von gleich zwei Soldaten flankiert wurde.</p><p>Bach schloss auf, trat in den dunklen Raum dahinter und schaltete das Licht ein. Erst dann folgte ich ihm. Mein Herz begann zu klopfen, und meine Nervosit�t explodierte regelrecht. Mit einem Male war ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich die Wahrheit �berhaupt wissen wollte. Vielleicht hatte Simonson ja recht, und diese Geschichte war ein paar Nummern zu gro� f�r mich.</p><p>Aber es war zu sp�t. Ich hatte meine Entscheidung getroffen, als ich Bach in den Aufzug gefolgt war. Jetzt war es zu sp�t, kehrtzumachen.</p><p>Im ersten Moment war ich fast entt�uscht. Nicht, dass ich etwas Bestimmtes erwartet h�tte, aber nach all dem Fantastischen, das mir hier unten begegnet war, hatte ich wohl instinktiv mit einer weiteren Steigerung gerechnet. Der Raum jedoch, den ich betrat, h�tte ebenso gut in jedem anderen x-beliebigen Geb�ude der Stadt liegen k�nnen: ein normales B�ro voller metallener Aktenschr�nke, Schreibtische und Regale, wie es sie wahrscheinlich zu Tausenden in Washington gab; abgesehen von dem fehlenden Fenster vielleicht.</p><p>Bach schloss die T�r hinter uns wieder ab, verstaute den Schl�ssel sorgsam in seiner Tasche und deutete mit einer Kopfbewegung auf eine zweite T�r am anderen Ende des schmalen Zimmers. Der Raum dahinter erinnerte eher an einen Operationssaal als an ein B�ro. Nein, verbesserte ich mich in Gedanken. Kein Operationssaal: eine Leichenhalle. Ich hatte einen solchen Raum noch niemals zuvor gesehen, aber er entsprach so genau meinen Vorstellungen davon, dass er gar nichts anders sein konnte.</p><p>Er war nicht besonders gro� und fensterlos, wie alle R�ume hier unten, wurde aber von einer ganzen Batterie starker Scheinwerfer unter der Decke in schon fast wieder unangenehme Helligkeit getaucht. In einer Anzahl gl�serner Vitrinen, die zwei der vier W�nde einnahmen, reihten sich chirurgische Instrumente und zahllose, pedantisch beschriftete Fl�schchen aneinander, und in der Mitte des Raumes stand ein gro�er, verchromter Tisch; ein Seziertisch.</p><p>�Also?� fragte ich. �Was ... tun wir hier?�</p><p>Bach stellte die Tasche mit der daran befestigten Kette und der halben Handschelle auf den Tisch. �Ich kann Sie gut verstehen, John�, begann er. �Ob Sie es glauben oder nicht, wir beide sind uns sehr �hnlich.� Er l�chelte fl�chtig, als er mein zweifelndes Stirnrunzeln bemerkte, und fuhr mit einem bekr�ftigenden Nicken fort: �Als ich in Ihrem Alter war, John, war ich genau wie Sie. Ehrgeizig. Voller Tatendrang. Ehrlich. Und bis zum Erbrechen patriotisch. Ich h�tte ohne zu z�gern mein Leben geopfert, wenn es zum Wohle meines Landes gewesen w�re ... nun ja, sagen wir: fast ohne zu z�gern.�</p><p>W�hrend er sprach, �ffnete er die Aktentasche und nahm einen braunen, unbeschrifteten Umschlag heraus.</p><p>�Und heute ist das nicht mehr so?� fragte ich.</p><p>Bach fuhr fort, als h�tte er meine Frage gar nicht geh�rt. �Ich war damals auf einem kleinen St�tzpunkt stationiert. Nichts Aufregendes. Oh, ich hielt es f�r aufregend. Immerhin waren dort ein halbes Dutzend Atombomben stationiert. Amerikas nuklearer Schutzschild gegen die Rote Gefahr. Aber in Wirklichkeit war es nur langweilig, und tief in mir wartete ich auf meine Chance. Die eine Gelegenheit, die jeder in seinem Leben einmal bekommt, auch wenn die meisten sie nicht einmal erkennen. Ich erhielt sie, John. Die Basis lag in der N�he eines Kaffs, dessen Name damals niemand kannte, der mehr als zehn Meilen entfernt lebte. Sein Name war Roswell.�</p><p>Er zog ein halbes Dutzend gro�formatiger Schwarzwei�fotos aus dem Umschlag und warf sie mit einer dramatischen Geste vor mir auf den Tisch.</p><p>Roswell.</p><p>Nat�rlich hatte ich von Roswell geh�rt. Jedermann hatte das. Ich war noch ein Kind gewesen, als dieser Name das erste Mal in den Schlagzeilen auftauchte, aber dieses Thema kehrte in regelm��igen Abst�nden wieder, so wie die Legende von Bigfoot oder die Geschichten um das Ungeheuer von Loch Ness; und bisher hatte ich ihm auch das gleiche Ma� an Glaubw�rdigkeit zugebilligt. In Roswell sollte angeblich das Wrack einer fliegenden Untertasse gefunden worden sein. So weit ich wusste, hatte das, was die Presse und das Fernsehen im Allgemeinen den Roswell-Zwischenfall nannten, diese ganze UFO-Hysterie �berhaupt erst ausgel�st.</p><p>Nur, dass es offensichtlich keine Hysterie war.</p><p>Die Fotos zeigten die stark besch�digten �berreste von etwas, das nicht von dieser Welt stammen konnte. Das Objekt (ich weigerte mich selbst jetzt noch in Gedanken, es Raumschiff zu nennen) hatte die Form einer Scheibe und musste etwa f�nfzig Fu� Durchmesser haben. In seiner Mitte sa� ein kuppelf�rmiger, klobiger Aufbau, wie der Turm eines Unterseebootes, und auf seiner Unterseite gab es eine Anzahl runder, symmetrisch angeordneter �ffnungen; vielleicht der Antrieb. Sehr viel mehr Einzelheiten waren auf dem Bild nicht zu erkennen. Es war nicht hundertprozentig scharf, und gut ein Drittel der Flugscheibe war bis zur Unkenntlichkeit zerst�rt. Seine Tr�mmer waren in weitem Umkreis verteilt, und der Boden, auf dem sie lagen, zum gr��ten Teil versengt.</p><p>�Aber ... aber in der Presse hie� es, es ... es w�re ein Wetterballon gewesen�, murmelte ich. Angesichts der Fotos, die ich in der Hand hielt, und die das Wrack aus verschiedenen Entfernungen und Aufnahmepositionen zeigten, kamen mir meine eigenen Worte fast komisch vor, aber ich musste es einfach sagen. Vielleicht, weil sie das Einzige waren, was mich in diesem Moment noch davon trennte, einfach hysterisch loszulachen.</p><p>�Die Presse.� Bach verzog fl�chtig die Lippen. �Sie ist so leicht zu manipulieren. Wissen Sie, warum Sie niemals ein guter Journalist w�ren, John? Weil Sie sich f�r die Wahrheit interessieren. Ich meine: wirklich. Die Presse interessiert sich nicht f�r die Wahrheit. Sie will Schlagzeilen, sonst nichts.�</p><p>Er nahm einen zweiten, dickeren Umschlag aus seiner Tasche und zog ein weiteres Foto heraus. Es war noch unsch�rfer als die Roswell-Aufnahmen, zeigte aber trotzdem ohne Zweifel ein gleichartiges Objekt; nur dass dieses offensichtlich unbesch�digt war.</p><p>�Eastern Airlines�, sagte Bach. �Neunzehnhundertachtundvierzig.�</p><p>Ein weiteres Bild, noch unsch�rfer, das aber wieder das gleiche Motiv zeigte. �Diese Aufnahme stammt aus Montana, neunzehnhundertf�nfzig. Utah, neunzehnhundertzweiundf�nfzig. McMinnville, Baton Rouge, Fort Worth, Washington D.C.�</p><p>Er h�tte die Aufz�hlung noch beliebig fortsetzen k�nnen. Dieser Umschlag enthielt mindestens hundert Fotos, und ich hatte das Gef�hl, dass es nicht der Einzige war, der in Bachs Aktentasche wartete.</p><p>Die Bilder zeigten mehr oder weniger das gleiche Motiv: eine, manchmal mehrere fliegende Untertassen. Etliche dieser Fotos kannte ich aus dem Fernsehen oder von den Titelbl�ttern einer ganz bestimmten Art von Zeitungen und Magazinen, aber nicht alle. Und obwohl ich fast zu schockiert war, um auch nur zu atmen, geschweige denn einen klaren Gedanken zu fassen, stach mir doch ein Umstand sofort ins Auge: l�ngst nicht alle Fotografien waren so unscharf und verwackelt, wie man es von UFO-Abbildungen gewohnt war. Im Gegenteil. Einige waren gestochen scharf und zeigten Details, die nicht einmal auf den Roswell-Bildern zu erkennen waren. Diese Fotografien waren nie im Fernsehen und den Zeitungen aufgetaucht.</p><p>�Washington?� wiederholte ich.</p><p>�Wir haben das nicht gebaut�, sagte Bach, ohne direkt auf meine - ohnehin �berfl�ssige - Frage zu reagieren. �Ich w�nschte, wir k�nnten es, aber davon trennen uns Welten. Vielleicht Jahrhunderte.�</p><p>�Aber ... ich habe nirgendwo ... so etwas gefunden�, antwortete ich z�gernd.</p><p>�Niemand wird etwas finden, wenn wir es ihm nicht gestatten�, antwortete Bach.</p><p>Immerhin hatte ich ihn gefunden, dachte ich. Aber dann sah ich in seine Augen und sparte es mir, eine entsprechende Bemerkung zu machen. Ich kannte die Antwort.</p><p>�Dann ist dieses ganze Projekt Blue Book nur eine Tarnung f�r Majestic�, sagte ich.</p><p>Statt zu antworten, lockerte Bach den Knoten seiner Krawatte, �ffnete den obersten Hemdknopf und zog eine Kette hervor, die er darunter getragen hatte. An ihrem Ende hing ein gro�er, rechteckiger Anh�nger.</p><p>�Hier, John�, sagte er. �Nehmen Sie. Sehen Sie es sich an.�</p><p>Z�gernd griff ich nach der Kette. Was ich f�r ein Amulett gehalten hatte, war ein flaches Metallk�stchen, das sich an einer Seite �ffnen lie�, wie ein Sturmfeuerzeug. Darin befand sich ein zusammengefaltetes, silberwei�es Tuch; vielleicht auch ein Blatt halb durchsichtiges Papier.</p><p>�Nehmen Sie es heraus�, sagte Bach.</p><p>Ich gehorchte. Kaum hatte ich das Blatt vollkommen herausgezogen, da geschah etwas ganz und gar Unfassbares: Es begann sich auf meiner Handfl�che auseinander zu falten, als st�nde es unter einer enormen inneren Spannung. Nach einigen Augenblicken lag ein dreieckig geformtes, halb transparentes ... Etwas auf meiner Hand, dessen Oberfl�che nicht die geringste Unebenheit aufwies. Das Erstaunlichste aber war, dass ich absolut nichts f�hlte. Weder W�rme noch K�lte oder das geringste Gewicht. Ungl�ubig lie� ich zuerst das leere Amulett sinken, dann auch die andere Hand.</p><p>Das Blatt machte die Bewegung nicht mit.</p><p>Es blieb, wo es war, schwerelos und leicht zitternd.</p><p>�Es stammt aus Roswell�, sagte Bach. �Ein St�ck des fremden Schiffes.�</p><p>Er versetzte dem Blatt einen leichten Sto� mit der Fingerspitze, woraufhin es einen eleganten, schwerelosen Tanz in der Luft aufzuf�hren begann. Aber nur f�r einen Moment. Dann schloss er die linke Hand darum, kn�llte es wieder zusammen und schob es sorgsam in den Anh�nger zur�ck.</p><p>�Ich trage es immer bei mir�, sagte er, �damit ich mich in jeder Sekunde daran erinnere, mit wem wir es zu tun haben.�</p><p>�Und ... mit wem?� fragte ich.</p><p>Bach l�chelte, schob den Anh�nger und die Kette wieder unter sein Hemd und r�ckte sorgsam seine Krawatte zurecht. Danach wandte er sich wortlos um und trat an die gegen�berliegende Wand. Sie bestand zur G�nze aus mehreren Reihen �bereinander angeordneter, gro�er Schubladen, wie man sie in jeder Leichenhalle anzutreffen erwartet. Erst als sich Bach an einer von ihnen zu schaffen machte, fiel mir doch ein Unterschied auf. Die Schubladen waren mit Kombinationsschl�ssern gesichert. Bach stellte die Kombination ein, zog die Schublade auf und sagte:</p><p>�Damit.�</p><p>Wei�er Dunst und ein Schwall eisiger K�lte schlugen mir entgegen. Aber es war nicht nur die eiskalte Luft aus dem K�hlfach, die mich innerlich schier zu Eis erstarren lie�.</p><p>Es war das, was in der Schublade lag. Der Anblick des ... Dings, das in dem K�hlfach gelegen hatte.</p><p>Es war kein Mensch. Aber es war auch kein Tier. Das Gesch�pf �hnelte nichts, was ich jemals zuvor gesehen hatte.</p><p>Es lag in einer verkr�mmten, fast embryonalen Haltung auf dem verchromten Metall der Schublade, so dass es schwer war, seine Gr��e zu sch�tzen, aber aufgerichtet konnte das Wesen kaum gr��er sein als ein zehn- oder zw�lfj�hriges Kind. Es war von humanoider Gestalt - das hie�, es hatte zwei Arme, zwei Beine und einen Kopf. Trotzdem hatte es keinerlei �hnlichkeit mit einem Menschen. Seine Glieder waren so d�nn, dass es schon fast grotesk wirkte, und der Kopf war im Verh�ltnis zum K�rper viel zu gro�. Unter der sandbraunen Haut schien kein Fleisch zu sein, sondern nur kantige Knochen. Der Mund war klein und dreieckig, wie bei einem Insekt, und die leeren Augenh�hlen wirkten selbst in dem �berproportionierten Sch�del riesig. H�nde und F��e hatten jeweils sechs Finger und Zehen, und der K�rper musste schwer verletzt oder seziert worden sein, denn er war �ber und �ber mit N�hten bedeckt. Das Wesen war unbeschreiblich h�sslich.</p><p>Aber das war nicht das Schlimme.</p><p>Was mich mit Entsetzen erf�llte, das war das, was ich bei seinem Anblick f�hlte.</p><p>Dieses Ding war ... b�se.</p><p>Es war tot, nur ein St�ck lebloses Fleisch, das von der K�lte und den Chemikalien vor der Verwesung bewahrt wurde, und trotzdem str�mte es einen fast greifbaren Odem von Feindseligkeit und Gefahr aus. Dieses Gesch�pf stammte nicht von dieser Welt, und es geh�rte nicht in diese Welt. Es war gef�hrlich, feindselig und durch und durch b�sartig. Das Gef�hl - nein: das Wissen - war so �berm�chtig, dass ich st�hnend zur�cktaumelte und mich mit einem Ruck herumdrehte. F�r einen Moment wurde mir schwindelig. Bittere Galle sammelte sich unter meiner Zunge. Ich schluckte krampfhaft und bem�hte mich, die �belkeit niederzuringen, die aus meinem Magen emporstieg.</p><p>�Machen Sie sich nichts daraus, John�, sagte Bach. Ich h�rte, wie er die Schublade schloss. �So geht es allen. Sie sollten erst einmal mit jemandem sprechen, der einem Lebendigen begegnet ist.�</p><p>�Soll ... soll das hei�en, Sie haben ein solches ... Ding lebendig gefangen?� kr�chzte ich.</p><p>Bach kam mit schnellen Schritten um den Tisch herum und sammelte seine Fotos ein. �Es funktioniert folgenderma�en, John�, sagte er. �Sie werden mit niemandem �ber das sprechen, was Sie hier gesehen haben. Weder mit Ihren Freunden, noch mit Ihren Kollegen oder Ihrem Vorgesetzten, nicht einmal mit Ihrer Freundin. Majestic ist ein sehr exklusiver Club, John. Niemand wei� von seiner Existenz, und wir achten streng darauf, dass das so bleibt.�</p><p>�Ein Club?� Ich hatte M�he, �berhaupt zu sprechen. �Ich kann mich nicht erinnern, Sie um die Aufnahme gebeten zu haben.�</p><p>�Und niemand tritt aus ihm aus�, fuhr Bach unger�hrt fort. �Sie geh�ren dazu, John. Sie selbst haben das Aufnahmeformular ausgef�llt, John. Jeder Tag, an dem Sie nach uns gesucht haben, war ein Klopfen an unsere T�r. Jetzt haben wir aufgemacht. Es tut mir leid, wenn Ihnen das, was Sie gefunden haben, nicht gef�llt, aber diese T�r �ffnet sich nur in eine Richtung. Sie geh�ren dazu.�</p><p>�Sie wollten, dass ich Sie finde�, sagte ich zornig.</p><p>�Sagen wir: Ich habe Ihnen erlaubt, es zu versuchen�, antwortete Bach. �So, wie ich Ihnen erlaubt habe, mit den Hills zu reden.�</p><p>�Dann geh�rt Friend ...�</p><p>�Ich sagte Ihnen bereits, dass wir uns �hnlich sind, John�, unterbrach mich Bach. �Sie und ich, wir suchen beide nach der Wahrheit. Sie w�rden sich niemals mit einer Ausrede zufrieden geben, oder die Augen vor etwas verschlie�en, was Sie erschreckt. Wir brauchen Leute wie Sie.� Er machte eine Kopfbewegung auf die Schublade, in der der Leichnam des Au�erirdischen lag. �Deshalb.�</p><p>�Sie sind ... feindselig, nicht wahr?� fragte ich. �Ich meine, sie ... sie sind nicht nur aus Forscherdrang hier oder um uns zu besuchen.�</p><p>�Helfen Sie uns, es herauszufinden�, sagte Bach.</p><p>�Und wenn ich nicht will?�</p><p>Bach machte sich nicht einmal die M�he, darauf zu antworten.</p><empty-line/><p>Ich kam an diesem Abend sp�ter als gew�hnlich nach Hause. Ich hatte eine Million Fragen, aber ich hatte Bach keine einzige davon gestellt, und ich wusste auch, dass er nicht eine einzige beantwortet h�tte. Bach war kein Mann, der Antworten gab. Er erwartete Antworten, und er gab Informationen preis, wenn er glaubte, dass es notwendig war oder ihm einen Vorteil einbrachte.</p><p>Wahrscheinlich h�tte ich mit seinen Antworten ohnehin nichts anfangen k�nnen. Ich hatte Majestic in einem schwer zu beschreibenden Zustand verlassen. Bach hatte mich nicht auf dem gleichen Wege wieder hinausgebracht, aber ich h�tte nicht einmal mehr sagen k�nnen, wie. Ich f�hlte mich ... unwirklich. Wie in einem jener schrecklichen Alptr�ume gefangen, in denen man ganz genau wei�, dass man tr�umt, ohne dass dieses Wissen einem dabei hilft, mit der Angst fertig zu werden oder gar aufzuwachen. Stundenlang war ich durch die Stadt geirrt, ohne zu wissen, wohin ich ging oder wo ich mich befand. Es war wie eine Trance gewesen, aber eine unangenehme, b�se Trance, die an den Kr�ften zehrte und mich ausgebrannt und leer zur�cklie�.</p><p>Wir sind nicht allein.</p><p>Das war der einzige, klar formulierte Gedanke, zu dem ich f�hig war.</p><p>Wir waren nicht allein. Sie waren bei uns. Irgendwo dort oben, vielleicht jenseits des Mondes, vielleicht noch weiter drau�en, irgendwo in der unendlichen, kalten Leere des Weltraums. Sie waren dort oben und beobachteten uns.</p><p>Aber sie waren nicht unsere Freunde. Die weisen Br�der aus dem Kosmos existierten nicht. Sie waren nicht gekommen, um uns zu helfen. Um den Krebs zu besiegen, den Hunger auf der Welt abzuschaffen und die Kriege zu beenden. Sie waren irgendwo dort drau�en, aber sie beobachteten uns nicht.</p><p>Sie warteten.</p><p>Ich wusste nicht worauf, aber ein einziger Blick auf den K�rper des toten Au�erirdischen hatte mir eines jenseits aller Zweifel klargemacht: es w�rde nichts Gutes sein.</p><p>Erst nach Einbruch der Nacht stieg ich die Treppe zu unserem Apartment hoch und zog den Schl�ssel aus der Tasche. Kimberley war bereits zu Hause. Ich sah Licht unter der T�r, und ich konnte ged�mpfte Musik aus dem Fernseher h�ren.</p><p>Ich blieb stehen. Sie w�rde mich fragen, wo ich gewesen war, und ich wusste einfach nicht, was ich antworten sollte. Ich hasste Bach. Ich hasste ihn aus tiefstem Herzen, weil er mir dieses ungeheuerliche Geheimnis anvertraut hatte, das ich mit niemandem teilen konnte, und ich hasste diese namenlosen Kreaturen von den Sternen, die durch ihre blo�e Anwesenheit mein Leben von einem Sekundenbruchteil auf den anderen in ein Chaos verwandelt hatten.</p><p>Ich w�rde nicht schweigen k�nnen. Nicht Kim gegen�ber. Sie w�rde mich anblicken und sofort erkennen, dass da etwas war, das ich ihr verheimlichte, und ich w�rde dieses Geheimnis nicht f�r mich behalten k�nnen. Es war zu monstr�s.</p><p>Unsicher schob ich den Schl�ssel ins Schloss, drehte ihn halb herum und h�tte ihn um ein Haar abgebrochen, denn die T�r wurde von innen ge�ffnet, bevor ich die Bewegung zu Ende f�hren konnte.</p><p>Nein, nicht ge�ffnet: aufgerissen, und Kim sprang mit einem Satz heraus, fiel mir im wahrsten Sinne des Wortes um den Hals und zerrte mich so �berschw�nglich zu sich herein, dass ich ins Stolpern kam und um ein Haar das Gleichgewicht verloren h�tte.</p><p>�John! Endlich! Wo bist du nur gewesen?! Du glaubst nicht, wen ich gestern getroffen habe!� Sie umarmte mich so st�rmisch, dass mir die Luft wegblieb, wirbelte mich im Kreis herum und zerrte mich so ungest�m hinter sich her, dass ich abermals M�he hatte, das Gleichgewicht zu halten. Ich konnte mich nicht erinnern, sie jemals zuvor so aufgedreht erlebt zu haben.</p><p>�Wo bist du nur gewesen? Ich bin fast gestorben vor Ungeduld, dir die Neuigkeit zu erz�hlen, und du hast nicht einmal angerufen!�</p><p>�Ich hatte ...�, begann ich, aber Kimberley lie� mich gar nicht zu Wort kommen, sondern plapperte lachend und aufgekratzt bis an den Rand der Hysterie fort: �Du erinnerst dich doch, dass du mich gestern Abend gefragt hast, f�r wen ich mich so herausputze. Jackie. Ich habe Jackie getroffen.�</p><p>�Jackie?� Ich blinzelte.</p><p>�Die First Lady, Dummkopf�, sagte sie lachend. �Jacqueline Kennedy! Das Wohlt�tigkeitsessen gestern Abend, erinnerst du dich? Jackie Kennedy und ihr ganzer Stab waren auch dabei. Und stell dir vor, sie hat sich wirklich f�r unsere Arbeit interessiert. Ich meine, sie ... sie hat nicht nur so getan, aus H�flichkeit oder so, sondern hat sich wirklich f�r das interessiert, was wir tun. Und stell dir vor, sie hat gesagt, sie w�rde wiederkommen, und heute, kurz nach der Mittagspause ...� Sie brach ab, legte den Kopf auf die Seite und sah mich fragend an. �H�rst du mir eigentlich zu?�</p><p>�Sicher�, antwortete ich hastig. �Ich war nur ... �berrascht.� Ich konnte es ihr nicht sagen. Nicht jetzt.</p><p>�War irgendetwas im B�ro?� fragte Kimberley.</p><p>W�re sie auch nur einen Deut weniger aufgeregt gewesen, dann h�tte sie es gesp�rt.</p><p>�Nein�, antwortete ich. �Routine. Langweilig, aber n�tig.� Ich zwang mich zu einem L�cheln. �Aber jetzt erz�hle. Was war heute nach der Mittagspause?�</p><p>F�r eine Weile h�rte ich nichts von Bach. Majestic, und die Besucher aus dem Weltraum beherrschten mein Denken nach wie vor, aber selbst der gr��te Schrecken nutzt sich im Laufe der Zeit ab. Der Gedanke an das schreckliche Geheimnis, dass unser aller Leben �berschattete, war in jeder Sekunde weiter pr�sent, aber ich fand trotzdem ganz allm�hlich in mein normales Leben zur�ck. Nicht auf Anhieb und nicht ohne M�he. Ich blieb nerv�s. Ich begann Fehler zu machen, Kleinigkeiten zumeist, aber auch zwei oder drei, die mir Pratts Aufmerksamkeit eingebracht h�tten - h�tte mich Simonson nicht gedeckt. Ich fragte ihn nie, warum er das tat. Wahrscheinlich vermutete er, dass mir der Schrecken �ber Bachs vermeintliche Verwicklung in eine Intrige, die bis zur Pr�sidentenebene hinaufreichte, noch zu tief in den Knochen sa�. Mir war es recht. Ich brauchte ein wenig Zeit, um wieder zu mir selbst zu finden, und Simonsons fast v�terliche F�rsorge auf der einen und Kimberleys Begeisterung �ber ihre neue Bekanntschaft auf der anderen Seite verschafften mir diese Frist.</p><p>F�r genau zwei Wochen. Dann holte mich die Wirklichkeit ein.</p><p>Marc und ich hatten uns angew�hnt, mittags in einem kleinen Fastfood-Restaurant zu essen, das nur f�nf Minuten zu Fu� vom Capitol entfernt lag. Das Essen war preiswert und an den meisten Tagen besser als in der Kantine des Capitols, und das wichtigste war, dass wir aus der hektischen Arbeitsatmosph�re herauskamen - und aus Pratts N�he. Ich arbeitete nach wie vor an dem Bericht, den er mir aufgetragen hatte, aber in den letzten Tagen hatte er angefangen, sich mehr f�r den Fortgang meiner Arbeit zu interessieren, als mir lieb war. Marc schirmte mich ab, so gut er konnte, aber seine M�glichkeiten waren begrenzt. Dass er in der Hierarchie des Pentagon �ber mir stand, bedeutete nicht, dass er �ber nennenswerte Macht verf�gt h�tte. Vor einer Stunde erst hatte mich Pratt beauftragt, eine weitere �UFO-Sichtung� zu untersuchen, die es irgendwo in Neu-England gegeben haben sollte. Der Auftrag w�rde mich f�r mindestens zwei Tage aus Washington wegbringen, zwar auch aus seiner N�he, aber auch fort von Kimberley, und das wollte ich nicht. Trotz allem war unsere Beziehung in den letzten beiden Wochen nicht besser geworden. Kim hatte sich wie eine Besessene in ihre neue Aufgabe bei der Wohlt�tigkeitsorganisation gest�rzt und sprach praktisch von nichts anderem mehr. Aber ich hatte immer mehr den Eindruck, dass sie das nicht nur aus Begeisterung tat. Vielleicht war es eher eine Art Flucht. Etwas, �ber das sie so viel sprach, um nicht �ber uns reden zu m�ssen.</p><p>�Jemand sollte Congressman Pratt einmal ein Blatt Papier und eine Rechenmaschine auf den Schreibtisch stellen�, sagte ich, w�hrend wir nebeneinander die Stufen des Capitols hinabgingen. �Ich sch�tze, dass meine Reisekostenabrechnungen irgendwann einmal die Summe �bersteigen werden, die er einsparen kann, wenn er das Projekt Blue Book zu Fall bringt.�</p><p>�Ich wei�, worauf du hinaus willst�, sagte Marc kopfsch�ttelnd. �Aber ich kann dir nicht helfen. Ich habe es versucht.�</p><p>�So?� Eine Gestalt in schwarzem Mantel und Hut kam auf uns zu. Daran war nichts Besonderes; auf der gro�en Treppe zum Capitol herrschte immer ein reges Kommen und Gehen. Trotzdem erregte irgendetwas an diesem Mann meine Aufmerksamkeit. Vielleicht, weil er die Treppe nicht gerade, sondern in schr�gem Winkel hinaufging. Ich verl�ngerte seinen Kurs in Gedanken und stellte fest, dass wir genau aufeinander treffen w�rden, wenn wir uns im gleichen Tempo weiterbewegten. Instinktiv beschleunigte ich meine Schritte ein wenig.</p><p>�Du bist ein wichtiger Mann, John�, antwortete Marc mit einem leisen Lachen. �Ein hoffnungsvoller junger Mitarbeiter, den ich hier viel dringender br�uchte als irgendwo in Connecticut oder an der mexikanischen Grenze. Es hat leider nichts genutzt. Pratt ist irgendwie ... seltsam geworden, was diese Sache angeht.�</p><p>�Es ist pure Zeitverschwendung.� Ich hielt den Mann im schwarzen Mantel weiter im Auge. Auch er hatte seine Schritte beschleunigt. Wahrscheinlich war es nur ein Zufall. Er sah nicht einmal in unsere Richtung.</p><p>�Ich wei߫, antwortete Marc. �Einige der anderen Abgeordneten beginnen schon dar�ber zu reden.� Er seufzte. �Und ich beginne mich zu fragen, ob wir vielleicht f�r den falschen Mann arbeiten. Pratt ist irgendwie ... seltsam geworden.�</p><p>�Seltsam?�</p><p>Marc zuckte mit den Schultern. �Ich kenne ihn schon eine ganze Weile�, sagte er. �Er war niemals ein netter Mann, wei�t du? Aber seit einer Weile ...� Er suchte nach Worten, fand keine und belie� es bei einem neuerlichen Achselzucken, doch ich wusste, was er meinte. Ich hatte Pratt niemals von der Seite kennen gelernt, von der Marc sprach, aber auch mir war seine st�ndige schlechte Laune und Gereiztheit nicht verborgen geblieben.</p><p>Der Mann im schwarzen Mantel hatte uns mittlerweile fast erreicht. Im buchst�blich allerletzten Moment �nderte er den Kurs, so dass er nicht gegen mich prallte, sondern nur meine Schulter streifte. Ich sp�rte, wie etwas in meine Tasche glitt und konnte gerade noch ein erschrockenes Zusammenzucken unterdr�cken.</p><p>�Warum bringst du die Sache nicht einfach zu Ende?� fuhr Marc fort. Er hatte von dem kurzen Zwischenfall nichts bemerkt. �Mach noch zwei oder drei Reisen, und dann lieferst du ihm genau den Bericht, den er haben will.�</p><p>�Den hatte ich bereits�, antwortete ich, w�hrend ich unauff�llig in die Manteltasche griff. Meine Finger ertasteten einen kleinen, zusammengefalteten Zettel, aber ich widerstand der Versuchung, ihn sofort herauszuziehen. �Es gab da jemanden, der der Meinung war, ich sollte ihn besser nicht abgeben.�</p><p>Simonson verzog das Gesicht, aber er ging auch diesmal nicht auf das Thema ein. �Wir machen alle Fehler�, sagte er nur. �Aber du machst einen Riesenfehler, wenn du die Sache noch weiter hinausz�gerst. Pratt wird allm�hlich ungeduldig. Und er kann ziemlich unangenehm werden, das kann ich dir versichern.�</p><p>�Pratt ist nicht mein Problem�, sagte ich.</p><p>Marc sah mich fragend an. �Kimberley?�</p><p>�Wie kommst du darauf?� fragte ich �berrascht.</p><p>�Ich bin weder blind noch taub�, antwortete Marc. �Sie hat in den letzten Wochen h�ufiger angerufen als sonst. Und sie stellt seltsame Fragen.�</p><p>�Seltsame Fragen?�</p><p>�Nichts Besonderes�, antwortete Marc hastig. �Wo du bist. Wie lange du wegbleibst und so weiter. Wie gesagt, nichts Besonderes.�</p><p>�Aber fr�her hat sie solche Fragen nicht gestellt.� Ich nickte. �Ich bin zu viel unterwegs, Marc. Vor ein paar Tagen hat sie vorgeschlagen, ich solle als kleines Nebengesch�ft Staubsauger oder Bibeln verkaufen, so viel, wie ich herumkomme.�</p><p>Marc lachte, aber es klang nicht echt. Ich hatte Kimberleys Vorschlag auch nicht besonders komisch gefunden.</p><p>�Ich dachte, sie h�tte selbst so viel mit ihrer Arbeit f�r die Wohlt�tigkeitsorganisation zu tun?�</p><p>�Ja�, best�tigte ich. �Wenn ich einmal zu Hause bin, dann ist sie entweder unterwegs, um eine Tombola zu organisieren, ein Essen auszurichten oder ein Waisenhaus zu renovieren, oder sie steht die halbe Nacht in der K�che und backt zwei Dutzend Zwiebelkuchen.�</p><p>�Stimmt irgendetwas nicht zwischen euch?� fragte Marc geradeheraus.</p><p>�Nein�, antwortete ich. �Ich meine: Doch, es ist alles in Ordnung. Es ist nur ...�</p><p>�Die Wirklichkeit hat euch eingeholt�, sagte Marc.</p><p>Ich blieb stehen, starrte ihn an. �Wie meinst du das?�</p><p>�Mach mir nichts vor�, antwortete Marc. �Als ihr hierhergekommen seid, da habt ihr euch fest vorgenommen, die Welt aus den Angeln zu heben. Ihr wolltet gro�e Taten vollbringen, alles ver�ndern und vor allem alles besser machen, nicht wahr? Aber die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Viel Arbeit, wenig Geld und noch weniger Anerkennung. Und das mit dem Ver�ndern der Welt klappt auch nicht so ganz.�</p><p>Ich atmete innerlich auf. F�r einen kurzen Moment war ich davon �berzeugt gewesen, dass er alles wusste. Offensichtlich begann ich allm�hlich eine ausgewachsene Paranoia zu entwickeln.</p><p>�Der gro�e Katzenjammer�, fuhr Marc fort. �Das ist normal, wei�t du? Das haben wir alle hinter uns. Meine Ehe w�re fast daran gescheitert.�</p><p>�Davon hast du mir nie etwas erz�hlt�, sagte ich.</p><p>�Es gibt Dinge, �ber die man nicht so gerne spricht�, antwortete Marc.</p><p>Wir gingen weiter, und unser Gespr�ch begann sich wieder allt�glichen Dingen zuzuwenden. Ich umklammerte das Blatt Papier in meiner Tasche so fest, dass es beinahe wehtat. Es war nur ein St�ck Papier, aber ich hatte pl�tzlich das Gef�hl, dass es gl�hend hei� geworden war - und dass jedermann sehen musste, was ich in der Tasche trug, so als h�tte mir der Fremde einen leuchtenden Neonpfeil an den Mantel geheftet.</p><p>Mit einem Ruck zog ich die Hand wieder heraus und versuchte, den Gedanken an das Blatt Papier in meiner Manteltasche aus meinem Bewusstsein zu verdr�ngen, bis sich mir eine Gelegenheit bot, es unbeobachtet zu lesen.</p><p>Meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Marc sprach weder �ber Pratt noch �ber meine Aufgabe oder Kimberley, aber er redete fast ununterbrochen, w�hrend wir a�en. Meine Mittagspause war fast zu Ende, als er endlich aufstand und sich f�r einen Moment entschuldigte, um zur Toilette zu gehen. Aufatmend griff ich in die Manteltasche.</p><p>Was ich herauszog, war kein Blatt, sondern ein schmaler, in der Mitte gefalteter Briefumschlag, der ein Flugticket zweiter Klasse nach Idaho enthielt. Ein einfacher Flug, nur hin.</p><p>Die Maschine ging in knapp drei�ig Minuten.</p><empty-line/><p>�Die Farm liegt dort hinten, gleich hinter den H�geln!� Bach musste schreien, um sich �ber das Motorenger�usch und das Dr�hnen der Rotoren hinweg verst�ndlich zu machen. �Passen Sie gut auf!�</p><p>Der Helikopter verlor weiter an H�he und schien dabei noch schneller zu werden; eine optische T�uschung, die einfach dadurch zu Stande kam, dass wir dem Boden n�her waren. Trotzdem begann mein Magen erneut zu revoltieren, und ich klammerte mich instinktiv an meinen Sitz. Ich habe nie an Flugangst gelitten, aber es besteht ein geh�riger Unterschied dazwischen, im Erste-Klasse-Abteil eines TWA-Fliegers zu sitzen und sich von der Stewardess einen Kaffee servieren zu lassen, und in einem Helikopter mit zweihundert Meilen pro Stunde so dicht �ber dem Boden entlangzurasen, dass der Luftzug der Rotoren Muster in die Maisfelder w�hlte.</p><p>Der Helikopter fegte �ber eine H�gelkette, hinter der sich ein gewaltiges, von einer schmalen asphaltierten Stra�e in zwei asymmetrische H�lften geteiltes Maisfeld erstreckte. In Anbetracht des Umstandes, dass ich heute Morgen noch in dem beinahe winterlichen Washington gewesen war, kam mir der Anblick im ersten Moment fast absurd vor. Selbst ich verga� manchmal noch, wie viele Meilen man im Zeitalter der D�senjets in wenigen Stunden zur�cklegen konnte.</p><p>Allerdings dachte ich wirklich nur im allerersten Moment daran.</p><p>Der Anblick war so erstaunlich, dass er mir wortw�rtlich die Sprache verschlug. Bach hatte uns auf dem Weg hierher Fotos gezeigt, so dass ich eigentlich h�tte vorbereitet sein m�ssen, aber die aus gro�er H�he aufgenommenen Schwarzwei�fotos kamen der Wirklichkeit nicht einmal nahe.</p><p>Jemand hatte ein Muster in das Maisfeld gemalt.</p><p>Es bestand aus zwei gewaltigen, jeweils sicherlich hundert Fu� oder mehr messenden Kreisen, die sich rechts und links der Asphaltstra�e erstreckten und von einer geraden Linie verbunden wurden; breit genug, um mit einem Wagen darauf zu fahren und mindestens eine viertel Meile lang. Der gr��ere der beiden Kreise war von einem gleichschenkeligen Dreieck umgeben, von dessen Spitzen lange, gewundene Linien ausgingen, und in seinem Zentrum befand sich ein asymmetrischer, trotzdem wahrscheinlich nicht willk�rlich angelegter Fleck. Trotz der H�he, in der wir �ber das Feld hinwegflogen, konnte ich erkennen, dass die Halme nicht willk�rlich niedergetrampelt, sondern wie von einer ungeheuren Kraft im Uhrzeigersinn zu Boden gedr�ckt worden waren. Die Form erinnerte ein wenig an eine �gyptische Hieroglyphe, hatte zugleich aber etwas Fremdes und sonderbar Beunruhigendes.</p><p>�Ein Air-Force-Pilot hat es vor einer Woche entdeckt�, schrie Bach �ber das Heulen der Motoren hinweg.</p><p>�Aber was ist das?� br�llte einer der anderen. Bach mitgerechnet, waren wir insgesamt zu sechst. Die vier anderen hatten sich mir nur mit ihren Vornamen vorgestellt, aber ich war zu nerv�s gewesen, um sie mir zu merken. Au�er dem Steels. Es war das dritte Mal, dass ich diesem dunkelhaarigen Burschen begegnete. Beim ersten Mal hatte er eine Air-Force-Uniform getragen. Bach hob die Schultern, und Steel schrie: �Vielleicht hat sich da jemand nur einen Scherz erlaubt. Studenten. Oder Kinder aus der Nachbarschaft, die dem Farmer eins auswischen wollten.�</p><p>�Der n�chste Nachbar wohnt f�nfzehn Meilen entfernt�, antwortete Bach kopfsch�ttelnd. �Und wenn es ein Studentenulk w�re, h�tten sie daf�r gesorgt, dass es publik wird. Bisher wei� offiziell niemand etwas davon.�</p><p>�Und der Farmer?�</p><p>Bach sch�ttelte den Kopf. �Er hat es niemandem gemeldet. Weder dem Sheriff noch den Zeitungen.�</p><p>�Wahrscheinlich hat er keine Lust, eine Schar Sensationsreporter anzulocken, die ihm auch noch den Rest seiner Ernte niedertrampeln!� sagte ich.</p><p>Bach sah mich nur wortlos an, aber Steel grinste und rief. �Hey! Unser Herr M�chtegern-Abgeordneter hat ja auch eine Meinung. Ein richtiger Schlaumeier.�</p><p>Ich blickte ihn finster an, aber ich hatte keine Lust, mich zu streiten, und schwieg. Irgendwann w�rde ich mit ihm abrechnen, aber nicht jetzt.</p><p>�Die Farm liegt f�nf Meilen s�dlich von hier�, sagte Bach. �Der Farmer hei�t Branden. Elliot P. Branden. Wir werden hinfliegen und ihn fragen, warum er niemandem etwas erz�hlt hat.�</p><p>Steel kommentierte Bachs Worte mit einem Grinsen, und ich sagte: �D�rfte ich einen Vorschlag machen, Sir?�</p><p>�Nur zu.�</p><p>�Vielleicht sollte erst einmal jemand allein mit Mister Brandon reden.� Ich warf einen kurzen, aber vielsagenden Blick in Steels Richtung und f�gte hinzu: �Es k�nnte ihn erschrecken, wenn pl�tzlich eine kleine Armee auf seinem Hof auftaucht.�</p><p>�Sie haben Recht.� Bach wandte sich nach vorne, an den Piloten. �Fliegen Sie zur�ck nach Boisy. Und sagen Sie am Flughafen Bescheid, dass sie uns zwei Mietwagen besorgen sollen.� Er wandte sich wieder an mich. �Ziehen Sie ein bestimmtes Modell vor, John?�</p><p>Ich hatte damit gerechnet, sofort zur Brandon-Farm hinauszufahren, aber Bach hatte andere Pl�ne. Auf dem Flugfeld zwei Meilen au�erhalb Boisys standen tats�chlich bereits zwei gro�e Ford-Limousinen bereit, als der Helikopter dort landete, aber Bach dirigierte uns zuerst in die Gegenrichtung: ein kleines, unauff�lliges Motel dicht vor der Stadtgrenze, in dem bereits vier nebeneinander liegende Zimmer angemietet worden waren.</p><p>Ich teilte mir mein Apartment mit einem �lteren Majestic-Agenten namens Walt - von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, kannte keiner von uns den Familiennamen der anderen -, der w�hrend des gesamten Fluges kein Wort gesprochen hatte, sich aber trotzdem wesentlich umg�nglicher gab als Lieutenant Steel und zudem nicht ann�hernd so arrogant war. Er schleppte einen riesigen, offenbar sehr schweren Koffer mit sich, den er mit einiger Anstrengung auf den Tisch wuchtete, sch�ttelte aber den Kopf, als ich ihm helfen wollte.</p><p>�Nicht n�tig, John�, sagte er. �Aber Sie k�nnten schon einmal Ihre Jacke ausziehen.�</p><p>Ich blickte ihn fragend an, gehorchte aber. Als Walt seinen Koffer aufklappte, sah ich, dass er keine Kleidungsst�cke oder andere Reiseutensilien enthielt, sondern ein h�chst kompliziertes technisches Innenleben hatte.</p><p>�Was ist das?� fragte ich neugierig.</p><p>�Ein Funkempf�nger�, antwortete Walt. �Den entsprechenden Sender werden Sie bei sich tragen.� Er grinste. �Tun Sie nicht so �berrascht, John. Haben Sie etwa noch nie einen Krimi im Fernsehen gesehen? Dort tragen die Leute so etwas andauernd.�</p><p>�Ich dachte, ich sollte lediglich mit einem einfachen Maisbauern reden�, sagte ich. �Niemand hat mir erz�hlt, dass wir uns in die Cosa Nostra einschleichen.�</p><p>Walt grinste, schaltete seine Ger�te ein und drehte einige Sekunden lang mit konzentriertem Gesichtsausdruck an den Schaltern und Kn�pfen, die den Koffer ausf�llten. �Der Sender hat eine Reichweite von gut zwei Meilen�, sagte er. �Aber meiden Sie die N�he von gro�en Metallmengen oder Magnetfeldern. Das k�nnte die Reichweite beeintr�chtigen oder das Ger�t ganz st�ren.�</p><p>�Magnetfelder? Auf einer Farm?�</p><p>�Hochspannungsmasten�, sagte Walt. �Oder Generatoren. Falls die Scheune aus Wellblech ist, gehen Sie nicht hinein.� Er deutete mit dem Zeigefinger eine Pirouette an. �Drehen Sie sich herum.�</p><p>Ich tat, was er wollte. Walt begann an meinen Hosentr�gern herumzufummeln. Ich sp�rte, wie er mir etwas Hartes gegen das R�ckgrat dr�ckte. �Bequem?� fragte er.</p><p>�Es geht.�</p><p>�Es geht ist nicht gut�, sagte Walt. �Sie werden das Ding vielleicht eine ganze Weile tragen m�ssen. Warten Sie - das haben wir gleich.�</p><p>Es klopfte, aber die T�r wurde ge�ffnet, bevor Walt oder ich Herein rufen konnten, und Bach trat ein. Er trug eine braune Papiert�te in der Hand, die er schwungvoll auf das Bett warf. �Ich habe Ihnen ein paar Sachen besorgt, John - Socken, W�sche, eine Zahnb�rste ... ich nehme nicht an, dass Sie noch zum Packen gekommen sind.�</p><p>Ich war heilfroh gewesen, die Maschine noch zu bekommen, und so nickte ich dankbar.</p><p>Bach deutete auf die Badezimmert�r. �Mein Bad ist im Moment belegt. D�rfte ich Ihres benutzen?�</p><p>�Seien Sie unser Gast, Sir�, sagte Walt l�chelnd. �Besser so?�</p><p>Es dauerte eine Sekunde, bis ich begriff, dass die Frage mir galt, aber dann nickte ich hastig. Walt hatte den immerhin zigarettenschachtelgro�en Sender tats�chlich so geschickt angebracht, dass ich sein Gewicht kaum noch sp�rte. Mit wenigen, geschickten Bewegungen klemmte er das dazugeh�rige Mikrofon unter meinen Hemdkragen und zupfte und schob so lange daran herum, bis es vollkommen unsichtbar war.</p><p>�Sagen Sie etwas�, sagte er.</p><p>�Mein Name ist ...�</p><p>�Gut. Einen Moment.� Walt ging zu seinem Koffer, setzte einen �berraschend kleinen Kopfh�rer auf und gab mir mit einem Handzeichen zu verstehen, dass ich weitersprechen sollte. Er arbeitete nicht nur geschickt, sondern schien auch ein sehr pr�ziser Mensch zu sein. Wir brauchten fast zehn Minuten, um den Sender genau einzustellen, und selbst dann wirkte er nicht hundertprozentig zufrieden.</p><p>�Es wird gehen�, sagte er. �Wir bleiben ohnehin immer in Ihrer N�he. Sie haben nichts zu bef�rchten.�</p><p>F�r meinen Geschmack sagte er das ein paarmal zu oft. Immerhin sollte ich nur einen einfachen Maisbauern danach fragen, wer sein Feld niedergetrampelt hatte.</p><p>Bach �ffnete die Badezimmert�r und winkte mich mit einem Rasiermesser voller Schaumflocken heran. �Loengard.�</p><p>Ich warf Walt einen fragenden Blick zu.</p><p>�Fertig�, sagte er. �Aber vergeuden Sie nicht zu viel Zeit. Die Batterien halten nur knapp drei Stunden.�</p><p>�John, kommen Sie.�</p><p>Bachs Stimme klang keinen Deut ungeduldiger als beim ersten Mal. Trotzdem beeilte ich mich, zu ihm ins Bad zu gehen. Bach hatte Jacke und Hemd abgelegt und war dabei, sich zu rasieren, obwohl ich nicht einmal einen Schatten auf seinen Wangen gesehen hatte, als er hereinkam.</p><p>�Sir?�</p><p>�Wir haben nicht mehr sehr viel Tageslicht�, sagte Bach, �und die Leute hier in der Gegend gehen fr�h zu Bett. Also m�ssen wir uns ein wenig beeilen. Sie wissen, was Sie diesen Brandon zu fragen haben?�</p><p>�Ja, Sir�, sagte ich.</p><p>Trotzdem fuhr er fort: �Versuchen Sie herauszufinden, wer diese ... Zeichen in seinem Feld angelegt hat. Und vor allem, warum.�</p><p>�Sie glauben, er wei� es?�</p><p>�Ich bin nicht hier, weil ich irgendetwas glaube, John�, antwortete Bach. Das Rasiermesser machte ein schabendes Ger�usch, w�hrend es �ber seine Kehle fuhr, und ich ertappte mich dabei, der Klinge wie hypnotisiert nachzustarren.</p><p>�Achten Sie vor allem darauf, wie er reagiert�, fuhr Bach fort. �Manchmal ist die Art, auf die jemand eine Frage beantwortet, viel aufschlussreicher als die Worte, die er dazu benutzt. Sind Sie nerv�s?�</p><p>�Ein wenig�, gestand ich.</p><p>�Ihr erster Einsatz, da ist das ganz normal�, antwortete Bach. �Sie werden sich daran gew�hnen.�</p><p>�Wird es viele solcher ... Eins�tze geben?� fragte ich z�gernd.</p><p>�Das kommt darauf an, wie viele Kornkreise wir finden - oder andere Dinge.� Bach nahm das Rasiermesser herunter, sah mich eine Sekunde lang im Spiegel scharf an und machte dann eine entsprechende Kopfbewegung.</p><p>�Schlie�en Sie die T�r, John.�</p><p>Ich streckte gehorsam die Hand aus, aber dann sah ich, dass das Zimmer leer war. Walt war gegangen, ohne dass ich es bemerkt hatte. �Wir sind allein�, sagte ich.</p><p>�Gut.� Bachs Ton behauptete das Gegenteil. Er drehte sich herum, um mich diesmal direkt anzusehen, sch�ttelte den Kopf und seufzte tief. �Wie ich gerade schon sagte: Es ist Ihr erster Einsatz. Deshalb werde ich Ihnen diesmal nur einen Verweis erteilen. Ihr Anf�ngerbonus, sozusagen.�</p><p>�Sir?� Ich verstand nicht, wovon er �berhaupt sprach.</p><p>�Was haben Sie Ihrer Freundin gesagt, wohin Sie abgereist sind?�</p><p>�Nichts�, antwortete ich wahrheitsgem��. �Die Zeit war zu knapp. Ich konnte nicht mehr selbst mit ihr reden. Ich habe ihr nur eine Nachricht zukommen lassen.�</p><p>�Eine Nachricht?�</p><p>�Sie wird keinen Verdacht sch�pfen�, versicherte ich. �Es ist nicht das erste Mal, dass Pratt mich praktisch von einer Minute auf die andere wegschickt. Ich glaube, er kann mich nicht leiden.�</p><p>�Und im B�ro haben Sie hinterlassen, dass Ihr Onkel gestorben ist, und Sie f�r ein paar Tage fort m�ssen, um Ihre Familienangelegenheiten zu regeln.�</p><p>Warum war ich eigentlich nicht �berrascht? �Wird eigentlich irgendwo in Washington ein Wort gesprochen, das Sie nicht h�ren - Sir?�</p><p>�Ich halte es Ihrer Nervosit�t zugute�, sagte Bach unbeeindruckt. �Aber ein solcher Fehler darf nicht noch einmal vorkommen. Wenn Sie l�gen, dann denken Sie sich eine �berzeugende Geschichte aus. Simpel und �berzeugend. Und bleiben Sie dabei, ganz egal, was passiert.�</p><p>�Ich habe nicht sehr viel Erfahrung im L�gen, Captain�, sagte ich k�hl.</p><p>�Dann lernen Sie es�, erwiderte Bach. �Unsere Aufgabe ist zu wichtig. Es ist mir gleich, ob Sie es hassen, zu l�gen, oder nicht. Niemand darf von unserer Existenz erfahren. Ich habe die Sache f�r Sie in Ordnung gebracht - diesmal. Beim n�chsten Mal bekommen Sie Probleme.�</p><p>�Es wird kein n�chstes Mal geben, Sir�, sagte ich steif.</p><p>�Das hoffe ich, John�, erwiderte Bach. �F�r Sie.�</p><empty-line/><p>Brandons Farm war total heruntergekommen. Man sah ihr an, dass sie bessere Zeiten gesehen hatte und dass diese besseren Zeiten noch nicht allzu lange zur�cklagen.</p><p>Sowohl das Wohnhaus als auch die Scheune (Walt w�rde zufrieden sein. Sie bestand nicht aus Wellblech, sondern aus gutem altmodischem Holz) waren frisch gestrichen, und der kleine Gem�segarten neben dem Haus war mit gro�er Liebe angelegt worden, jetzt aber total verwildert. So wie das ganze Anwesen. �berall auf dem Hof standen landwirtschaftliche Ger�te herum. Ein paar H�hner liefen frei umher, und direkt vor dem Wohnhaus parkte ein Wagen, dessen T�ren offen standen.</p><p>�Ich steige jetzt aus�, sagte ich. Ich war allein im Wagen, aber Walt und sein Funkempf�nger befanden sich kaum eine halbe Meile entfernt. �Irgendetwas stimmt hier nicht. Der Hof macht einen ... seltsamen Eindruck. Fast, als w�re er verlassen.�</p><p>Ich stieg aus, ging ein paar Schritte und rief laut Brandons Namen. Ich bekam keine Antwort, aber in der Scheune begann ein Hund zu kl�ffen, und einen Augenblick sp�ter klapperte etwas.</p><p>�Alles ist v�llig heruntergekommen�, sagte ich, leiser und jetzt wieder nur f�r das Mikrofon unter meinem Hemd und Walts Tonband bestimmt. �Wenn hier noch jemand ist, dann scheint er sich nicht mehr besonders f�r den Hof zu interessieren.�</p><p>Und das war noch freundlich formuliert. Ich rief erneut Brandons Namen, drehte mich einmal im Kreis und sah mich dabei aufmerksam um. Mein erster Eindruck verst�rkte sich noch. �berall lagen Abf�lle und achtlos liegen gelassene Dinge herum. Die meisten Fenster des Hauses standen offen, und hier und da hatte der Wind eine Gardine ergriffen und herausgezerrt. Nur ein paar Meter entfernt lag ein toter Vogel auf dem Boden. Vielleicht eine Kr�he - ich war nicht ganz sicher, denn er musste schon vor Tagen in Verwesung �bergegangen sein.</p><p>�Mister Branden?� rief ich noch einmal. Ich bekam auch jetzt keine Antwort, aber aus der Scheune ert�nte wieder schrilles Hundegebell. Ich beschloss, erst sie zu untersuchen, bevor ich mich dem Wohnhaus zuwandte.</p><p>�Ich gehe jetzt in die Scheune�, erkl�rte ich Walts Tonband. �Das Tor steht offen, und das Stroh scheint zu verfaulen. Es scheint hereingeregnet zu haben.�</p><p>In meinem ganzen Leben hatte ich noch nicht von einem Farmer geh�rt, der vergisst, sein Scheunentor zu schlie�en, sobald sich Regenwolken am Himmel zeigen. Aber ich hatte auch noch nie einen Hof wie diesen gesehen.</p><p>Direkt hinter dem Tor stand ein rostiger roter Pick-Up, dessen Motorhaube offen stand. Der Hund, dessen Gebell ich geh�rt hatte, war an der Sto�stange des Wagens festgebunden. Im allerersten Moment knurrte er drohend, aber dann kam er mir schwanzwedelnd entgegen.</p><p>Der Anblick des Tieres brach mir fast das Herz. Es war total abgemagert, und der Gestank, den es verstr�mte, drehte mir fast den Magen herum. Der Hund musste seit Tagen hier angebunden sein, ohne dass sich irgendjemand um ihn gek�mmert hatte. Kurz entschlossen lie� ich mich in die Hocke sinken und knotete den groben Strick auf, der an seinem Halsband befestigt war. Das Tier jaulte befreit auf und raste mit Riesens�tzen an mir vorbei aus der Scheune heraus.</p><p>�Was tun Sie da?� fragte eine Stimme hinter mir.</p><p>Erschrocken richtete ich mich auf und fuhr herum. Ein Mann war hinter dem Wagen hervorgetreten. Im Halbdunkel der Scheune konnte ich ihn nicht genau erkennen, doch schon das wenige, was ich sah, �berzeugte mich davon, Brandon gegen�berzustehen. Er war ebenso heruntergekommen und verdreckt wie sein Anwesen, und er roch nicht sehr viel besser als sein Hund.</p><p>�Mister Brandon?� fragte ich.</p><p>�Wer will das wissen?� erwiderte er. Erst als er einen Schritt auf mich zu kam, bemerkte ich, dass er einen Schraubenzieher in der Hand hielt; allerdings auf die Art, auf die man ein Messer oder eine andere Waffe hielt, nicht ein Werkzeug. Sein Blick taxierte mich misstrauisch und blieb dann f�r eine Sekunde am Ende des Strickes h�ngen, an dem der Hund angebunden gewesen war. Aber er machte keine entsprechende Bemerkung.</p><p>�Wer sind Sie?� fragte er schleppend. �Was haben Sie hier zu suchen?� Seine Stimme klang sonderbar, fast wie die eines Betrunkenen.</p><p>�Mein Name ist Frank Gaber�, antwortete ich. �Sie sind Mister Brandon?�</p><p>�Und wenn?�</p><p>�Ich komme vom Landwirtschaftsministerium�, sagte ich.</p><p>�Ich habe Sie nicht gerufen�, antwortete Brandon feindselig. �Verschwinden Sie!�</p><p>�Ich werde Sie nicht lange bel�stigen, Mister Brandon�, versicherte ich. �Aber sehen Sie, das B�ro hat mich hergeschickt, um Ihnen ein paar Fragen �ber das zu stellen, was mit Ihrem Feld geschehen ist. Jemand hat dort ziemlichen Schaden angerichtet.�</p><p>�Das ist meine Sache�, antwortete Brandon. Er kam mit sonderbar schleppenden Schritten n�her und hob gleichzeitig seinen Schraubenzieher h�her. Ich konnte seine Feindseligkeit deutlich sp�ren. Aber da war auch noch etwas ... Furcht?</p><p>Irgendwie brachte ich es fertig, nicht vor ihm zur�ckzuweichen, sondern ihm fest in die Augen zu sehen und sogar ein sch�chternes L�cheln auf mein Gesicht zu zwingen. �Selbstverst�ndlich, Mister Brandon. Es geht auch nur um ein paar Informationen.�</p><p>�Ich rede mit niemandem�, antwortete Brandon. Ich war jetzt sicher, dass er Angst hatte. Ich fragte mich nur, wovor. �Hauen Sie ab!�</p><p>�Vielleicht �ndern Sie Ihre Meinung ja�, sagte ich. �Sehen Sie, Mister Brandon, es ist Ihnen vielleicht nicht klar, aber ich bin hier, um �ber eine m�gliche Entsch�digung mit Ihnen zu reden.�</p><p>�Entsch�digung?� Brandon wiederholte das Wort, als h�tte er M�he, seine Bedeutung zu erfassen.</p><p>�Nun ja ... die Sache ist nicht ganz so einfach. Es sieht so aus, als ob die Sch�den in Ihrem Feld entweder auf Vandalismus oder durch ein tieffliegendes Flugzeug verursacht worden w�ren. Ich will ehrlich zu Ihnen sein, Mister Brandon. Ihr Feld ist nicht das erste, das einem Kampfpiloten der Air Force zum Opfer f�llt, der glaubt, es mit den Vorschriften nicht so genau nehmen zu m�ssen. Wir versuchen schon seit einer geraumen Weile, diesen Rowdies das Handwerk zu legen, aber dazu brauchen wir nat�rlich Beweise.�</p><p>�Ich habe kein Flugzeug gesehen�, sagte Brandon.</p><p>�Vielleicht hat es nicht wie ein Flugzeug ausgesehen�, antwortete ich. �Es gibt da diese Air-Force-Bases, auf der anderen Seite des Tales. Wir wissen, dass sie dort neue Prototypen testen, aber Sie kennen ja das Milit�r: ohne stichhaltige Beweise oder einen Gerichtsbeschluss sagen sie Ihnen ja nicht einmal die Uhrzeit.�</p><p>Brandon lachte nicht. Ich bezweifelte, dass er den ironischen Unterton in meinen Worten verstanden hatte.</p><p>�Sie meinen, Sie ... wollen mir ... Geld zahlen?� fragte er schlie�lich. Ich war sicher, dass er alle M�he hatte, die Worte zu formulieren. Er sprach schleppend, und in seinen Augen war etwas, das mich zutiefst erschreckte.</p><p>�Ja�, antwortete ich. �Falls wir beweisen k�nnen, dass die Air Force dahinter steckt. Wie gesagt, Mister Brandon: Das Landwirtschaftsministerium ist sehr daran interessiert, diesen Rowdies das Handwerk zu legen. Ich bin sicher, dass eine eventuelle Entsch�digung entsprechend gro�z�gig ausfallen wird.�</p><p>Brandon �berlegte. Ich konnte fast sehen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete; als h�tte er M�he, die Worte, die er sein Leben lang benutzt hatte, in die richtige Reihenfolge zu bringen.</p><p>�Also gut�, sagte er. �Wir nehmen meinen Truck.�</p><p>�Ich bin mit dem Wagen da, Mister Brandon�, sagte ich.</p><p>Brandon h�rte mir gar nicht zu. Mit einer unsicheren Bewegung schlug er die Motorhaube zu, schlurfte um den Wagen herum und �ffnete die T�r auf der Fahrerseite.</p><p>�Also gut�, erkl�rte ich Walts Tonband. �Dann fahren wir jetzt mit Ihrem Wagen hinaus auf das Feld, um uns die Sch�den anzusehen.�</p><p>Brandon reagierte auch jetzt nicht, sondern nahm umst�ndlich hinter dem Steuer Platz, zog den Schl�ssel aus der Tasche und starrte ihn eine geschlagene Sekunde lang an, ehe er ihn ins Z�ndschloss steckte. H�tte ich es nicht besser gewusst, h�tte ich geschworen, dass dieser Mann in seinem ganzen Leben noch nicht hinter dem Steuer eines Wagens gesessen hatte.</p><p>Der Motor sprang zu meinem Erstaunen auf Anhieb an. Er klang ungesund, und als sich der Wagen in Bewegung setzte, schaukelte er wild hin und her. Offensichtlich hatten die Reifen viel zu wenig Luft. Aber wir fuhren, und nachdem der Truck erst einmal rollte, schienen sich Brandons H�nde und F��e ganz von selbst daran zu erinnern, was sie zu tun hatten. Als wir den Hof verlie�en, rammte Brandon einen Zaunpfahl und riss ihn um; anscheinend, ohne es auch nur zu bemerken.</p><p>Die Strecke bis zu den geheimnisvollen Kreisen im Feld betrug knappe f�nf Meilen. Uns blieben noch etwa anderthalb Stunden Tageslicht, obwohl Brandon alles andere als schnell fuhr, w�rde mir Zeit genug bleiben, die unheimlichen Kornkreise zu inspizieren.</p><p>Aber deshalb war ich nicht hier. Ich war im Gegenteil sicher, dass Bachs Leute das bereits erledigt hatten, gr�ndlicher und besser, als ich es jetzt konnte. Ich war hier, um Informationen von Mister Brandon zu erhalten, und wahrscheinlich sa� Bach jetzt bereits im Wagen, hatte den Kopfh�rer aufgesetzt und brodelte innerlich vor Wut, weil ich bisher rein gar nichts herausbekommen hatte.</p><p>Dabei blieb es auch. Ich versuchte f�nf- oder sechsmal, ein Gespr�ch in Gang zu bringen, doch es war zwecklos. Brandon reagierte entweder �berhaupt nicht oder nur mit einem verst�ndnislosen Grunzen, bis ich schlie�lich begriff, dass er seine gesamte Konzentration brauchte, um den Wagen zu fahren. Oder sich an den Weg zu erinnern.</p><p>Ich blieb �u�erlich ruhig, erw�hnte jedoch von Zeit zu Zeit im Plauderton, wo wir uns gerade befanden, und warf manchmal einen verstohlenen Blick in den R�ckspiegel. Von Bachs Wagen war keine Spur zu sehen. Ich war ein wenig beunruhigt, wenn auch weit davon entfernt, Angst zu versp�ren. Trotz der fast unheimlichen Umst�nde, unter denen ich Brandon begegnet war, glaubte ich mittlerweile nicht mehr, dass von ihm wirklich eine Gefahr ausging.</p><p>Nichtsdestoweniger konnte ich ein erleichtertes Aufatmen nicht unterdr�cken, als wir unser Ziel endlich erreichten und Brandon anhielt.</p><p>Wir stiegen aus. Brandon blieb beim Wagen zur�ck, w�hrend ich mich z�gernd der Stelle n�herte, an der die Verbindungslinie zwischen den beiden Kreisen die Stra�e kreuzte.</p><p>Aus dem Helikopter heraus hatte ich angenommen, dass die Markierung aus ausgerissenen �hren und Halmen best�nde, aber das stimmte nicht. Auf dem rissigen Asphalt lag eine d�nne Schicht aus wei�er, grobk�rniger Asche. Sie musste sehr schwer sein, viel schwerer, als es die �berreste verbrannter Halme sein konnten, denn der Wind hatte sie noch nicht nennenswert verweht, und als ich mit dem Fu� darin herumstocherte, knirschte es, als st�nde ich auf fein gemahlenem Glas.</p><p>Ich sah zu Brandon zur�ck. Er war beim Wagen stehen geblieben, und ein schwer zu deutender Ausdruck hatte sich auf seinem Gesicht breit gemacht. Er gefiel mir nicht besonders.</p><p>Langsam n�herte ich mich dem Stra�enrand und damit dem Feld. Das symmetrische Muster, das ich aus dem Hubschrauber heraus gesehen hatte, war hier unten nicht zu erkennen - ich sah nur eine breite, schnurgerade Schneise, die an beiden Seiten der Stra�e in die Felder hineinf�hrte. Es gab einen Zaun aus Stacheldraht, der aus der Luft heraus nicht zu sehen gewesen war. Auch er war durchbrochen, und als ich mich der L�cke n�herte, erblickte ich etwas, das fast noch erstaunlicher war als die Ascheschicht auf der Stra�e.</p><p>Der Zaun war nicht zerrissen. Wo die Schneise ins Feld hineinf�hrte, war der Draht einfach verschwunden. Die gekappten Enden waren br�chig und hatten sich wei� gef�rbt; das Metall war zu Schlacke zusammengeschmolzen. Hier mussten gewaltige Temperaturen geherrscht haben. Eigentlich war es ein Wunder, dass nicht das gesamte Feld in Flammen aufgegangen war.</p><p>Langsam ging ich weiter, blieb nach ein paar Schritten wieder stehen und tastete mit der Hand �ber den Boden. Er kam mir w�rmer vor, als er sein sollte, aber der Mais war hier nicht verbrannt, nur niedergewalzt.</p><p>�Wann haben Sie das zum ersten Mal gesehen, Mister Brandon?� rief ich zu dem Farmer zur�ck.</p><p>Zu meiner �berraschung bekam ich eine Antwort. �Vor einer Woche. Ich komme nicht sehr oft hierher, in dieser Jahreszeit.�</p><p>�berrascht sah ich zu ihm zur�ck. Er hatte sich nicht von der Stelle ger�hrt, aber seine Stimme klang viel kr�ftiger als bisher und vor allem klarer.</p><p>�Ist Ihnen in den letzten Wochen sonst noch irgendetwas Ungew�hnliches aufgefallen?� fragte ich. �Vielleicht irgendwelche ... seltsamen Erscheinungen? Lichter am Himmel zum Beispiel?�</p><p>�Lichter am Himmel?� Er sch�ttelte den Kopf. �Nein.�</p><p>Ich ging weiter, bis ich die Mitte des Kornkreises erreicht hatte. Die Halme waren auch hier niedergedr�ckt, aber auf eine andere Art: nicht einfach wie von der Hand eines Riesen gegen den Boden gepresst, sondern verwirbelt.</p><p>�Unglaublich!� murmelte ich. �Es ... es sieht aus, als h�tte jemand das Stroh geflochten. Das m�sst ihr euch ansehen, sobald wir fort sind.�</p><p>Ich lie� mich in die Hocke sinken, fuhr mit der Hand �ber das niedergedr�ckte Stroh - und stutzte.</p><p>�Da ist etwas�, sagte ich. �Ich habe irgendetwas gefunden. Etwas Hartes, das - mein Gott!�</p><p>Die beiden letzten Worte hatte ich nur noch gefl�stert. Was unter dem niedergewalzten Mais zum Vorschein kam, war eine dreieckige, schimmernde Platte, auf deren Oberfl�che das gleiche Symbol eingraviert war, das jemand in gr��erer Ausf�hrung in das Feld gestanzt hatte. Ich versuchte die Platte anzuheben, aber es gelang mir nicht.</p><p>�Eine Platte�, sagte ich. �Sie sieht aus, als w�re sie aus purem Gold. Und es ist ein Symbol darauf, das ...�</p><p>Ich h�rte, wie auf der Stra�e hinter mir ein Motor gestartet wurde, und sah �berrascht hoch. Branden war wieder in den Wagen gestiegen und hatte den Motor angelassen. Jetzt stie� er ein paar Meter zur�ck, legte dann knirschend wieder den ersten Gang ein und fuhr durch die L�cke im Stacheldrahtzaun. Der Wagen schaukelte wild hin und her, wurde aber allm�hlich schneller.</p><p>�Was, zum Teufel ...?� murmelte ich.</p><p>Der altersschwache Truck gewann noch mehr an Geschwindigkeit. Das Getriebe knirschte so laut, dass ich in Gedanken die Sp�ne der Zahnr�der fliegen sah, und ich konnte h�ren, wie der Motor schrill aufheulte.</p><p>Trotzdem begriff ich die Gefahr beinahe zu sp�t. Der Wagen schoss regelrecht auf mich zu, aber ich stand einfach wie gel�hmt da und starrte ihm entgegen.</p><p>Erst im allerletzten Moment warf ich mich zur Seite. Der Truck rauschte so dicht an mir vorbei, dass ich den Luftzug sp�ren konnte. Ungeschickt (und ziemlich schmerzhaft) st�rzte ich zu Boden, rollte mindestens noch zwei, drei Meter weiter und kam endlich halb benommen zur Ruhe. W�hrend ich mich aufrichtete, kam Brandons Truck schlitternd und auf blockierenden Reifen zum Stehen.</p><p>Im ersten Moment war ich so schockiert, dass ich nicht einmal Schrecken empfand, geschweige denn Furcht. Alles, was ich empfand, war ... Fassungslosigkeit. Vollkommene, absolute Fassungslosigkeit. Ich war noch nie zuvor im Leben in einer solchen Situation gewesen. Niemand hatte je zuvor versucht, mich umzubringen, nicht einmal Bachs M�nner in jener Nacht im Wald. Sie hatten mich gejagt, aber die Gefahr war irgendwie von anderer Qualit�t gewesen; eine fast allumfassende Furcht, die keinen Platz f�r klare Gedanken lie� oder gar eine so eindeutig formulierte Erkenntnis wie diese: Brandon versuchte mich umzubringen. Ich war eher emp�rt als erschrocken.</p><p>Der Wagen setzte zur�ck, drehte mit durchdrehenden Reifen nahezu auf der Stelle und bewegte sich rumpelnd wieder auf mich zu. Ich konnte Brandons Gesicht hinter der Windschutzscheibe erkennen. Es wirkte vollkommen ausdruckslos, nicht hassverzerrt oder voller grimmiger Entschlossenheit, und vielleicht war es gerade die Leere in seinem Blick, die mir endg�ltig klarmachte, in welcher Situation ich mich befand. Brandon w�rde mich t�ten. Ich hatte keine Gnade von ihm zu erwarten, weil er mich gar nicht wirklich zur Kenntnis nahm.</p><p>Ich sprang auf, rannte verzweifelt los und schlug einen Haken, als Brandon das Lenkrad herumriss. Erneut verlor ich das Gleichgewicht und st�rzte, sprang aber diesmal sofort wieder auf die F��e und rannte weiter.</p><p>�Walt!� schrie ich. �Bach! Hilfe! Er will mich umbringen!� Brandons Truck beschrieb eine so enge Wende, dass ich einen Moment lang hoffte, er w�rde sich �berschlagen. Nat�rlich tat er mir den Gefallen nicht. Stattdessen machte er einen regelrechten Satz und schoss so schnell auf mich zu, dass er mich diesmal wirklich fast erwischt h�tte: der Kotfl�gel streifte mein Bein. Ich schrie vor Schmerz und Schrecken auf, wurde zu Boden geschleudert und �berschlug mich ein halbes Dutzend Mal.</p><p>�Walt!� br�llte ich verzweifelt. �Bach!�</p><p>Brandons LKW schleuderte schon wieder herum und pfl�gte ein neues, weit weniger kunstvolles Muster in das Feld.</p><p>Ich sprang hoch, rannte ein paar Meter und blieb wieder stehen. Mein Herz jagte, und ich zitterte am ganzen Leib, und trotzdem ging pl�tzlich eine erstaunliche Ver�nderung mit mir vor: Ich zeigte alle k�rperlichen Anzeichen beginnender Panik, aber in meinen Gedanken machte sich eine schon fast unnat�rliche Ruhe breit. Nicht jene Art von Paralyse, die oft mit der Angst einhergeht und einen hilf- und wehrlos zur�ckl�sst, sondern etwas anderes, Neues, das ich mir selbst niemals zugetraut h�tte. Ich begriff die Gefahr, in der ich mich befand, durchaus, aber ich begriff auch zugleich, dass ich nur eine einzige Chance hatte, sie zu �berleben - indem ich die Nerven behielt. Brandons Lastwagen war plump, nicht besonders wendig und alles andere als schnell, aber wir befanden uns im wahrsten Sinne des Wortes auf freiem Feld; wenn ich mich auf ein Wettrennen mit ihm einlie�, w�rde er mich jagen wie einen Hasen und �ber kurz oder lang erwischen.</p><p>Brandons Wagen schlingerte schon wieder auf mich los. Ich rannte vor ihm davon, deutete eine Bewegung nach links an und warf mich dann mit aller Kraft in die entgegengesetzte Richtung. Wie ich gehofft hatte, riss Brandon das Steuer nach links und fuhr weit an mir vorbei. Unter den Reifen seines Trucks sch�ssen Erdreich und abgerissene Halme in die H�he, als er auf die Bremse trat, aber ich war bereits wieder auf den F��en, noch bevor er den Wagen ganz zum Stehen bringen konnte.</p><p>�Bach!� schrie ich. �Walt! Verdammt, wo bleibt ihr?!�</p><p>Brandon wendete seinen Laster und gab so heftig Gas, dass die R�der auf der Stelle durchdrehten und der altersschwache Motor aufheulte, als wolle er auseinander fliegen. Diesmal lief ich jedoch nicht vor ihm davon, sondern rannte dem Wagen ganz im Gegenteil entgegen und warf mich im letzten Moment zur Seite. Ich entkam ihm auch diesmal mit Leichtigkeit, aber ich machte mir nichts vor: Ich w�rde dieses Spiel nur noch wenige Minuten durchstehen. Meine Kr�fte lie�en bereits rapide nach.</p><p>Endlich tauchte der gemietete Lincoln am s�dlichen Ende der Stra�e auf. Der Wagen raste heran, so schnell es nur ging, aber mir kam es qu�lend langsam vor; Brandon versuchte noch zweimal, mich plattzuwalzen, ehe der Lincoln endlich auf unserer H�he war und nahezu im rechten Winkel von der Stra�e abbog.</p><p>Der letzte dieser Versuche w�re beinahe von Erfolg gekr�nt gewesen. Ich wich dem Truck mit einem waghalsigen Sprung aus, aber ich hatte meine Kr�fte wohl �bersch�tzt. Ich fiel, �berschlug mich zwei-, dreimal und als ich wieder hochsprang, versp�rte ich einen stechenden Schmerz im Kn�chel. Ich konnte stehen, aber nur mit M�he, und an Rennen war nicht zu denken. Als Brandon das n�chste Mal heranschoss, rannte ich nicht mehr vor ihm davon, sondern humpelte.</p><p>Irgendwie gelang es mir trotzdem, ihm auszuweichen, doch diesmal war es so knapp, dass ich sein Gesicht hinter der verdreckten Windschutzscheibe erkennen konnte, und was ich darin las, das erschreckte mich zutiefst: Leere.</p><p>Es war nicht das Gesicht eines Tobs�chtigen, in das ich blickte. Keine Spur von Raserei oder Mordlust. Brandons Z�ge waren erschlafft, und in seinen Augen schien kein Leben mehr zu sein. In gewissem Sinne kam er mir selbst wie eine Maschine vor.</p><p>Ich entging dem heranrasenden Wagen erneut, aber ich hatte das sichere Gef�hl, dass es das letzte Mal gewesen war. Der Schmerz in meinem Bein war schlimmer geworden. Ich konnte kaum noch stehen.</p><p>Brandons Wagen wendete schon wieder mit durchdrehenden Reifen, aber ich hatte nicht mehr die Kraft, vor ihm davonzulaufen.</p><p>Ich musste es auch nicht. Bach musste gesehen haben, wie es um mich stand; entweder das, oder er war auf seine Art genauso verr�ckt wie Brandon. Der Lincoln schoss heran, schleuderte fast auf der Stelle herum und kam genau zwischen mir und dem heranrasenden Truck zum Stehen. Einen Moment lang sah es so aus, als w�rde Brandon einfach weiterfahren und den Wagen rammen, dann aber riss er das Steuer herum und wich dem Hindernis im letzten Moment aus.</p><p>Der Lincoln gab Gas, raste in einem engen Bogen herum und setzte sich hinter den Truck. Die beiden hinteren Fenster waren heruntergekurbelt, und Steel und Walt hatten sich herausgebeugt und schossen, was das Zeug hielt. Die meisten Kugeln gingen ins Leere, aber ich sah auch zwei- oder dreimal Funken aus den Kotfl�geln des Trucks schlagen; offensichtlich wollten sie Brandon nicht t�ten, sondern seinen Wagen nur zum Stehen bringen.</p><p>Ersch�pft lie� ich mich auf die Knie sinken, st�tzte die Handfl�chen auf meinen Oberschenkeln auf und musste f�r Sekunden mit aller Kraft darum k�mpfen, nicht vollends nach vorne zu sinken. Jetzt, wo die unmittelbare Gefahr vor�ber war, schlug die Angst mit aller Macht zu. Vielleicht war ich doch nicht so tapfer, wie ich mir selbst eingeredet hatte.</p><p>Pl�tzlich ert�nte ein gewaltiges Krachen und Bersten. Erschrocken riss ich die Augen auf und sah, wie Brandons Truck in einer gewaltigen Explosion aus Staub, fliegenden Tr�mmern und Glassplittern auseinanderbarst; offenbar, nachdem er sich �berschlagen hatte. Der Lincoln wich dem Wagen in respektvollem Bogen aus und umkreiste ihn zwei- oder dreimal, wie ein Raubtier, das eine Beute geschlagen hat, aber nicht ganz sicher ist, ob es sich seinem Opfer wirklich gefahrlos n�hern kann.</p><p>Mit klopfendem Herzen stand ich auf und n�herte mich den beiden Wagen, langsam und auf zitternden Knien. Der Lincoln hielt endlich an. Alle vier T�ren wurden ge�ffnet, und Bach und seine drei Begleiter n�herten sich dem Truck; vorsichtig und mit gez�ckten Waffen. Der Staub hatte sich mittlerweile gelegt, und ich konnte erkennen, dass der Kleinlaster wieder auf den R�dern stand. Ein Teil der Ladefl�che war weggerissen und das Dach eingedr�ckt. Die Windschutzscheibe war geborsten und Brandon reglos �ber dem Steuer zusammengesunken.</p><p>Bach n�herte sich dem Wagen als erster. Ich sah, wie er die T�r �ffnete und blitzschnell einen Schritt zur�cktrat. Die Gestalt hinter dem Lenkrad r�hrte sich nicht. Brandon war bewusstlos oder tot. Seltsamerweise empfand ich nicht einmal Erleichterung. Ich f�hlte mich immer noch wie bet�ubt. Als ich den Wagen erreichte und Steel auf mich zutrat, musste er mich dreimal ansprechen, ehe ich �berhaupt reagierte.</p><p>�Ist er ...?�</p><p>�Tot�, best�tigte Steel. Er sicherte seine Pistole, steckte sie ein und fuhr mit einem Achselzucken fort: �Keine Angst, Kleiner. Der tut dir nichts mehr.�</p><p>Ich schluckte die w�tende Bemerkung herunter, die mir auf der Zunge lag, und trat dichter an den Wagen heran. Brandon war �ber dem Steuer zusammengesunken. Er blutete aus einer winzigen Wunde �ber dem linken Auge, die vermutlich von einem Splitter der zerborstenen Scheibe stammte. Sein Kopf war auf eine so unm�gliche Weise verdreht, dass an der Todesursache kein Zweifel bestand. Auf seinem Gesicht und in den weit ge�ffneten, gebrochenen Augen lag noch immer dieser schreckliche, leere Ausdruck.</p><p>�Das war verdammt knapp, wie?� fragte Bach hinter mir. �Was ist passiert? Was haben Sie getan? Normalerweise reagieren sie nicht so aggressiv.�</p><p>�Ich habe nichts getan. Ich habe lediglich ...� Ich stockte, drehte mich auf dem Absatz herum und starrte Bach an. �Was soll das hei�en: normalerweise reagieren sie nicht so? Wer - sie?�</p><p>Bach �berging meine Frage; wie immer, wenn ihm irgendetwas unangenehm war. Stattdessen scheuchte er mich mit einer angedeuteten Handbewegung zur Seite und beugte sich in den Wagen, um Brandons Leiche zu untersuchen.</p><p>W�tend trat ich ein paar Schritte zur�ck und funkelte abwechselnd ihn und Steel an. Bach bemerkte es nicht einmal, aber Steel grinste pl�tzlich so breit, dass ich beinahe Lust versp�rte, ihm die Z�hne einzuschlagen.</p><p>�Was wird hier gespielt?� fragte ich.</p><p>Steels Grinsen wurde noch breiter. �Nichts, wor�ber du dich aufregen m�sstest, Kleiner�, sagte er. �Im Gegenteil. Du hast dich verdammt gut gehalten, f�r das erste Mal. Du hast deine Feuertaufe bestanden.�</p><p>�Das erste Mal?� wiederholte ich. �Soll das hei�en, ihr habt gewusst, was passieren wird?�</p><p>�Nat�rlich nicht�, sagte Bach, ohne sich zu mir herumzudrehen. �Wir wollten sehen, wie er reagiert. Aber damit hat niemand gerechnet. Ich bringe meine Leute nicht unn�tig in Gefahr.�</p><p>Was mich zu der Frage brachte, wann er es f�r n�tig hielt, seine Leute in Gefahr zu bringen. Aber das sprach ich vorsichtshalber nicht aus.</p><p>�Was ist mit dieser Platte, von der Sie gesprochen haben?� fuhr Bach fort.</p><p>Ich drehte mich herum und lie� meinen Blick �ber das Feld schweifen. Von dem symmetrischen Muster war nichts mehr geblieben. Die beiden Wagen hatten das Maisfeld regelrecht umgepfl�gt. �Es muss ... irgendwo dort hinten liegen�, sagte ich z�gernd.</p><p>�Dann suchen Sie es�, antwortete Bach. �Um das hier k�mmern wir uns.�</p><empty-line/><p>Noch in der gleichen Nacht kehrten wir nach Washington zur�ck. Wir hatten keine Linienmaschine genommen, sondern waren eine Stunde nach Sonnenuntergang in ein Transportflugzeug der Air Force gestiegen, das uns nach Washington brachte. Vom Airport aus fuhren wir in einem geschlossenen Milit�rlaster direkt zur unterirdischen Zentrale von Majestic, die wir diesmal allerdings nicht durch die Ger�tekammer im Bahnhof betraten.</p><p>Wir wurden bereits erwartet. Nach der unvermeidlichen Prozedur am Eingang, von der auch Bach nicht ausgenommen wurde, eskortierte uns ein halbes Dutzend Soldaten durch einen weiteren der scheinbar endlosen Korridore, die das unterirdische Labyrinth von Majestic bildeten. Ich versuchte mit den anderen Schritt zu halten, was mir angesichts meines verknacksten Kn�chels nicht ganz leicht fiel. Aber ich beschloss, mir nichts anmerken zu lassen; es h�tte sowie nichts genutzt.</p><p>Auf halbem Wege kam uns ein grauhaariger, �lterer Mann in einem zerknitterten Anzug und mit einem fast ebenso zerknitterten Gesichtsausdruck entgegen. Er trug einen nicht mehr ganz sauberen wei�en Kittel �ber dem linken Arm und fuhr Bach ohne weitere Vorrede und in einem Ton an, f�r den er mich vermutlich auf der Stelle erschossen h�tte. �Wissen Sie eigentlich, wie sp�t es ist?�</p><p>�Die korrekte Formulierung w�re: wie fr�h�, antwortete Bach unger�hrt. �Guten Morgen, Doktor Hertzog.�</p><p>Hertzog ma� ihn mit einem k�hlen Blick, bedachte Steel, Walt und mich selbst mit noch weniger Interesse und musterte dann die verchromte Bahre mit Brandons Leichnam, den die Soldaten zwischen uns her schoben. �Wer ist das?�</p><p>�Ich muss Sie schon wieder korrigieren, Doc�, sagte Bach. �Die Frage lautet: was. Und um genau das herauszufinden, habe ich Sie zu dieser gottesl�sterlichen Zeit aus dem Bett holen lassen.�</p><p>Hertzog seufzte auf eine ganz bestimmte, beredte Art, die mir sagte, dass die beiden M�nner dieses Gespr�ch nicht zum ersten Mal f�hrten. Au�erdem war er der erste Mensch, den ich bei Majestic traf, der eindeutig keine Angst vor Bach zu haben schien.</p><p>�Also gut�, sagte er. �Bringt ihn ins Labor.�</p><p>W�hrend wir weitergingen und Hertzog umst�ndlich in seinen schmuddeligen Kittel schl�pfte, wandte ich mich in halblautem Ton an Bach. �Brauchen Sie mich noch, Captain?�</p><p>�Ich f�rchte, ja�, antwortete Bach. �Warum?�</p><p>�Ich habe am Flughafen versucht, meine Freundin anzurufen�, antwortete ich. �Sie ist nicht ans Telefon gegangen.�</p><p>�Um vier Uhr morgens?� Bach sch�ttelte den Kopf. �Seien Sie nicht albern, John. Au�erdem habe ich Ihnen gesagt, dass ich mich um die Angelegenheit k�mmere. Sie sollten ein wenig mehr Vertrauen zu mir haben.�</p><p>Ich wollte antworten, fing aber im letzten Moment einen warnenden Blick aus Steels Augen auf und hielt den Mund. Seit meinem ersten Besuch bei Majestic hatte ich Bach nicht wiedergesehen und infolgedessen auch nicht mehr mit ihm gesprochen, aber ich hatte nach dem heutigen Tag den Eindruck gewonnen, dass er normalerweise nicht in einem so vertrauensvollen Ton mit seinen Untergebenen sprach. Vielleicht war es besser, wenn ich den Bogen nicht �berspannte.</p><p>Die Soldaten blieben hinter uns zur�ck, als wir das Labor betraten, aber mir fiel etwas auf, das mir einen kalten Schauer �ber den R�cken jagte: Als die T�r hinter uns zufiel, h�rte ich, wie ein Schl�ssel im Schloss herumgedreht wurde. Wir waren gefangen.</p><empty-line/><p>�Legt ihn auf den Tisch�, sagte Hertzog. Walt und Steel hoben Brandons Leichnam auf den verchromten Obduktionstisch und begannen unaufgefordert, ihn auszuziehen, w�hrend Hertzog an einen Schrank trat und mit lieblosen Bewegungen die verschiedensten Operationsinstrumente in eine verchromte Schale warf. �Na, dann wollen wir mal.� Hertzog trat an den Tisch heran, musterte Brandon mit einem kurzen, aber sehr professionellen Blick und wandte sich dann an Bach.</p><p>�Woran ist er gestorben?�</p><p>�Ein Unfall�, antwortete Bach. �Er hat sich das Genick gebrochen.�</p><p>�Ja, das dachte ich mir�, sagte Hertzog s�uerlich. �Es ist ja auch die edelste Pflicht eines Arztes, um vier Uhr nachts aufzustehen, um sich ein bedauernswertes Unfallopfer anzusehen. Ich hoffe, Sie haben noch nicht gefr�hst�ckt.�</p><p>Mir blieb ungef�hr eine halbe Sekunde, um mich �ber diesen Satz zu wundern. Dann verstand ich ihn, denn Hertzog setzte die Spitze eines Skalpells an Brandons Schambein an und �ffnete seinen K�rper mit einem einzigen, sauberen Schnitt.</p><p>Was folgte, war eindeutig der unappetitliche Teil. Ich hatte noch niemals zuvor eine Obduktion miterlebt, mir aber nat�rlich vorgestellt, wie so etwas aussehen mochte.</p><p>Allerdings war ich damit meilenweit hinter der Wirklichkeit zur�ckgeblieben. Hertzog weidete Brandons K�rper regelrecht aus, und es war nicht zu �bersehen, dass ihm diese Arbeit zumindest ein gewisses Vergn�gen bereitete. Immerhin lenkte mich die grausame Vorstellung so ab, dass ich die Schmerzen in meinem Kn�chel kaum noch bemerkte. Daf�r versuchte mein Magen mindestens ein halbes Dutzend Mal, in meiner Kehle emporzukriechen, und selbst Steel wurde ein bisschen blass um die Nase herum, auch wenn er sich alle M�he gab, weiterhin unersch�tterlich zu grinsen.</p><p>�Also, was h�tten wir denn da?� fragte Hertzog. �Ein m�nnlicher Leichnam. Wei�er, Kaukasischer Typ. Alter ... etwa f�nfzig Jahre. Der K�rper befindet sich �u�erlich in gutem Zustand, wenn ich auch Anzeichen mangelnder Hygiene feststelle.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Keine sichtbaren Operationsnarben. Keine offensichtlichen Anzeichen schwerer Krankheiten. Kein Krebs. Herz, Lungen, Nieren ...� Er griff wieder nach dem Skalpell, f�hrte zwei rasche Schnitte aus und nahm einen braunroten Fleischlappen aus Brandons Bauchh�hle, bei dessen Anblick mein Magen schon wieder in meiner Speiser�hre emporzukriechen versuchte.</p><p>�Die Leber ist ziemlich vergr��ert. Ihr Freund scheint gerne einen �ber den Durst getrunken zu haben. Aber davon abgesehen ... ein ganz normaler Mann.�</p><p>�Ganz normale M�nner versuchen eigentlich nicht, Wildfremde mit ihren Pick-Ups �ber den Haufen zu fahren�, sagte Bach.</p><p>�M�glich�, antwortete Hertzog. �Aber das scheint mir dann doch eher ein kriminalistisches Problem zu sein, kein medizinisches.�</p><p>�Um das herauszufinden, sind wir hier�, sagte Bach. ��ffnen Sie seine Sch�deldecke.�</p><p>Hertzog blinzelte.</p><p>�Vielleicht hatte er einen Gehirnrumor, oder so etwas�, sagte Bach.</p><p>�Ganz wie Sie meinen.� Hertzog zuckte eindeutig missbilligend mit den Schultern, nahm aber trotzdem eine kleine, motorbetriebene Knochens�ge und brachte mich dazu, meinen Gedanken von gerade zu revidieren: der unangenehme Teil kam erst.</p><p>Offenbar erging es nicht nur mir so. Walt w�rgte, schlug die Hand vor den Mund und st�rmte zur T�r. Er musste zwei-, dreimal mit der flachen Hand dagegenschlagen, ehe sie von au�en ge�ffnet wurde; und auch dann erst, nachdem Bach mit erhobener Stimme sein Okay gegeben hatte.</p><p>Steel grinste schadenfroh, vor allem, als auch ich mich herumdrehte und einen Schritt in Richtung T�r machte. �Macht dein Magen nicht mit?� fragte er.</p><p>�Lassen Sie ihn, Lieutenant�, sagte Bach streng. �Sie k�nnen drau�en warten, John. Ich rufe Sie, wenn ich Sie brauche.�</p><p>Ich nickte dankbar. Hinter mir heulte Hertzogs Knochens�ge schriller auf, und pl�tzlich hatte auch ich es eilig, den Raum zu verlassen. Normalerweise bin ich nicht besonders empfindlich, aber ich war der Meinung, dass ich mir f�r einen Tag hinl�nglich genug selbst bewiesen hatte, wie tapfer ich doch war.</p><p>Walt stand auf der anderen Seite des Ganges und versuchte mit zitternden Fingern, sich eine Zigarette anzuz�nden. Er war sehr blass.</p><p>�Alles in Ordnung?� fragte ich.</p><p>�Sicher.� Walt nahm die zweite Hand zu Hilfe, um das Feuerzeug ruhig zu halten, und sog gierig an seiner Zigarette. �Mir geht es gro�artig. Warum?�</p><p>Das Kreischen der Knochens�ge drang selbst durch die geschlossene Labort�r. Ich sparte mir eine Antwort, und schluckte ein paarmal, um die bittere Galle loszuwerden, die sich unter meiner Zunge angesammelt hatte.</p><p>�Kommt so etwas �fter vor?� fragte ich.</p><p>�Obduktionen?�</p><p>�So etwas wie gestern Abend�, antwortete ich.</p><p>Walt sch�ttelte den Kopf, sog nerv�s an seiner Zigarette und nickte praktisch gleichzeitig. �Nicht so�, sagte er. �Wir haben ein paar ... getroffen. Aber sie haben nie versucht, jemanden umzubringen.�</p><p>�Sie?�</p><p>Walt sah hoch, blickte einen Moment lang mich und einen etwas l�ngeren Moment die T�r zum Labor an und sagte dann halblaut: �Frag ihn.�</p><p>Da war ein Ton von Verbitterung in seiner Stimme, der mir nicht gefiel. Dass Bach Geheimnisse vor seinen Leuten hatte, �berraschte mich nicht. Selbst in einer Organisation, die sich mit weitaus weniger brisanten Themen besch�ftigte, w�re das ganz normal gewesen. Aber ich fragte mich, ob Bach vielleicht den schmalen Grat zwischen Geheimnissen und kr�nkendem Misstrauen kannte.</p><p>�Was wolltest du vorhin von ihm?� fragte Walt pl�tzlich.</p><p>�Vorhin?�</p><p>�Auf dem Weg hierher.� Walt machte eine Kopfbewegung den Gang hinunter. �Ihr habt gefl�stert. Wor�ber?�</p><p>Ich fand, dass ihn das im Grunde nichts anging. Aber Walt war mir irgendwie sympathisch. Obwohl sich die beiden M�nner nicht im geringsten �hnelten, erinnerte er mich an Mark. �Ich wollte Kim anrufen, aber der gro�e Meister erlaubt es nicht.�</p><p>�Mach dir keine Sorgen. Man kann eine Menge �ber Bach sagen, aber er k�mmert sich um seine Leute. Manchmal sogar ein bisschen zu sehr.�</p><p>Diese letzte Bemerkung irritierte mich, aber Walt wandte sich mit einer demonstrativen Bewegung um und sog heftig an seiner Zigarette, so dass ich keine entsprechende Frage mehr stellte. Stattdessen drehte ich mich ebenfalls herum und ging ins Labor zur�ck.</p><p>Das Kreischen der Knochens�ge hatte aufgeh�rt, aber ich war trotzdem nicht lange genug drau�en geblieben, um das Schlimmste zu verpassen. Hertzog hatte einen sauberen Schnitt rings um Brandons Kopf ausgef�hrt und war gerade dabei, seine Sch�deldecke abzuheben wie das obere Drittel einer ge�ffneten Kokosnuss. Die Gehirnmasse, die darunter zum Vorschein kam, war voller Blut, aber das schien Hertzog nicht zu irritieren; wahrscheinlich war es nur eine Folge des Eingriffes, den er selbst ausgef�hrt hatte.</p><p>�Na, dann wollen wir mal sehen, was wir da haben�, sagte Hertzog in - meiner Meinung nach - v�llig unangemessen fr�hlichem Tonfall. �Das sieht ja eigentlich ganz normal ...�</p><p>Er blinzelte, beugte sich weiter vor und begann mit einem Skalpell in Brandons Gehirn herumzustochern. �Was ist denn das?� murmelte er. �Es - mein Gott!�</p><p>Hertzog prallte so �berrascht zur�ck, dass auch Bach einen hastigen Schritt zur Seite tat, um nicht unliebsame Bekanntschaft mit seinem Skalpell zu machen. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Steels rechte Hand unter die Jacke glitt.</p><p>�Was ist los?� fragte Bach alarmiert.</p><p>�Es ... es bewegt sich�, stammelte Hertzog. Sein Gesicht hatte alle Farbe verloren. �Sein Gehirn. Etwas darin ... bewegt sich!�</p><p>�Vielleicht nur ein ... ein Nervenzucken oder so etwas�, sagte Steel nerv�s. �So etwas soll es doch geben. Wie bei einem Huhn, das ohne Kopf weiterl�uft.�</p><p>Bach w�rdigte ihn nicht einmal eines Blickes. Er dr�ckte mit einer �bertrieben ausholenden Bewegung Hertzogs Hand herunter, die immer noch nerv�s mit dem Skalpell herumfummelte, und wies mit dem anderen Arm auf Brandon.</p><p>�Doktor, ist dieser Mann nun tot oder nicht?� fragte er.</p><p>W�re die Situation nicht so grausam gewesen, h�tte ich schallend gelacht. Brandon war aufgeschlitzt wie eine Weihnachtsgans, die f�rs Stopfen vorbereitet ist. Die H�lfte seiner Organe lag in verschiedenen Schalen und Beh�ltnissen auf dem Tisch, und seine Sch�deldecke lag neben seinem Gesicht. Der Mann war so tot, wie es nur ging.</p><p>Trotzdem sah Hertzog Bach nur eine Sekunde lang nerv�s an, dann nahm er sein Stethoskop, horchte Brandons ge�ffnete Brust ab und leuchtete ihm anschlie�end mit einer winzigen Taschenlampe in die Pupillen.</p><p>�Keine Lebenszeichen�, sagte er. Dann sch�ttelte er den Kopf. �Trotzdem ... die Leichenstarre h�tte l�ngst eintreten m�ssen. Und der K�rper scheint mir ... zu warm.�</p><p>�Sein Gehirn, Doktor�, erinnerte Bach.</p><p>Hertzog nickte nerv�s, legte die Taschenlampe mit einer �bertrieben pedantischen Bewegung auf den Tisch zur�ck und ging dann mit langsamen Schritten an Bach und mir vorbei, um sich wieder Brandons ge�ffnetem Sch�del zuzuwenden. Es war offensichtlich, dass er um jeden Preis Zeit gewinnen wollte, und seien es nur ein paar Sekunden.</p><p>�Geben Sie mir das Endoskop, Mister ...�</p><p>�Loengard�, antwortete ich. �John.�</p><p>Hertzog nickte. �John. Der schwarze Schlauch, dort auf dem Schrank.�</p><p>Ich reichte ihm das Instrument, ein knapp zwei Fu� langes, kleinfingerdickes Kabel mit einer winzigen, aber sehr starken Lichtquelle an einem Ende und einer Art Okular am anderen. Hertzog schaltete die Lampe ein, presste das linke Auge gegen das Okular und kniff das andere zu, w�hrend er den Schlauch vorsichtig in Brandons Sch�del hineinschob. Mein Magen begann schon wieder zu revoltieren, aber ich war viel zu aufgeregt, um darauf zu achten. Hertzog wirkte hypernerv�s, und auch Steel trat unbewusst immer wieder von einem Fu� auf den anderen, aber Bachs Reaktion stimmte mich sehr nachdenklich. Auch er war sehr angespannt, aber zugleich hatte ich auch den Eindruck, dass er nicht besonders �berrascht war. Ganz im Gegenteil, schien er ... auf etwas zu warten.</p><p>�Nichts�, murmelte Hertzog. �Wahrscheinlich habe ich mich get�uscht. Nur ein geplatztes Blutgef��, oder ...�</p><p>Der Schlauch zuckte. Hertzog schrie auf, lie� das Ger�t fallen und prallte mit einem entsetzten Laut zur�ck, aber das Endoskop fiel nicht zu Boden, sondern zuckte wild weiter hin und her wie eine schwarze, peitschende Schlange. Erst nach endlosen Sekunden h�rte die Bewegung auf.</p><p>�O mein Gott!� wimmerte Steel. �Was ...�</p><p>�Halten Sie den Mund, Steel�, sagte Bach. �Also gut. Ab sofort gilt Alarmstufe eins. Der gesamte Sektor wird abgeriegelt. Gehen Sie hinaus und schaffen Sie die Leute aus dem Korridor, und dann gehen Sie in die K�ltekammer und bringen Specimen A3 hierher. Und jetzt schlie�en Sie die T�r, Lieutenant - von au�en!�</p><p>Steel hatte es pl�tzlich sehr eilig, das Labor zu verlassen. Ich h�tte eine Menge darum gegeben, mit ihm gehen zu k�nnen, aber ich musste Bach nicht einmal ansehen, um die Antwort auf diese Frage zu kennen. Ich h�rte, wie die T�r wieder abgeschlossen wurde, dann erklangen drau�en auf dem Gang trappelnde, sehr hastige Schritte. Noch nicht einmal eine Minute sp�ter drang das d�nne Winseln einer Alarmsirene durch die T�r.</p><p>�Was bedeutet das?� fragte Hertzog nerv�s.</p><p>Bachs Stimme blieb so unbewegt und k�hl, wie sie es die ganze Zeit �ber gewesen war. �Eine reine Vorsichtsma�nahme, Doktor.� Er deutete auf Branden. �Bitte.�</p><p>Hertzog schluckte. Er glaubte Bach die Geschichte von der reinen Vorsichtsma�nahme so wenig wie ich, aber noch viel mehr Angst schien ihm das zu machen, was er in Brandons Sch�del entdeckt hatte.</p><p>�Ich bin doch nicht verr�ckt!� keuchte er. �Da ist irgendetwas in ihm drin, und ...�</p><p>�... und ich m�chte, dass Sie es herausholen, Doktor�, unterbrach ihn Bach. �Unbesch�digt.�</p><p>Einen Moment lang starrte Hertzog Bach fast trotzig an, sichtbar hin und her gerissen zwischen der Angst vor dem Etwas in Branden und der Furcht vor Bach. Dann drehte er sich mit fest zusammengepressten Lippen herum, trat an einen Schrank und nahm ein verchromtes Instrument heraus, das wie eine zu gro� geratene Barbecue-Zange aussah.</p><p>Bach gab mir einen Wink mit den Augen, ein paar Schritte zur�ckzutreten, und griff unter die Jacke. Ich selbst war nicht bewaffnet, aber zum ersten Mal w�nschte ich mir, ich h�tte eine Waffe - auch wenn es weit und breit nichts zu geben schien, auf das sich zu schie�en lohnte.</p><p>Hertzog griff mit der Zange in Brandons Sch�del. Im ersten Moment geschah nichts, bis auf eine Anzahl schmatzender, widerw�rtiger Laute, die zum Gro�teil wahrscheinlich nur in meiner Einbildung existierten - und pl�tzlich schoss Brandons rechte Hand blitzartig nach oben und schloss sich um Hertzogs Kehle!</p><p>Hertzog keuchte, lie� seine Zange fallen und griff mit beiden H�nden nach Brandons Fingern. Er zerrte mit aller Kraft, aber die t�dliche Umklammerung lockerte sich nicht.</p><p>�John!�</p><p>Bach hatte seine Waffe gezogen, feuerte jedoch nicht, sondern war mit einem Satz neben Hertzog und griff ebenfalls mit beiden H�nden zu, um den m�rderischen Griff zu lockern, und sein Schrei riss auch mich aus meiner Erstarrung. Obwohl ich vor Entsetzen am liebsten laut aufgeschrien h�tte, war ich mit einem Satz am Tisch, griff nach Brandons Handgelenk und zerrte ebenfalls daran. Gleichzeitig blockierte ich mit dem Knie Brandons anderen Arm, der ebenfalls zu zucken begonnen hatte.</p><p>Selbst zu dritt gelang es uns kaum, den Griff des Toten zu sprengen. Bach musste Brandons Finger brechen, ehe sie sich von Hertzogs Kehle l�sten. Hertzog taumelte w�rgend zur�ck, fiel auf die Knie und rang qualvoll hustend um Atem. Brandons Finger hatten tiefe, dunkelrote Abdr�cke auf seiner Kehle hinterlassen.</p><p>Mir blieb jedoch keine Zeit, ihm irgendwie zu helfen. Brandons Leichnam bewegte sich noch immer. Bach und ich pressten seine Arme mit aller Gewalt gegen den Tisch, aber ich wusste nicht, wie lange wir ihn noch halten konnten. Der auf so furchtbare Weise wieder zum Leben erwachte K�rper entwickelte unvorstellbare Kr�fte.</p><p>�Hertzog!� br�llte Bach. �Holen Sie es raus!�</p><p>Der Arzt rang immer noch verzweifelt nach Atem und war mehr bewusstlos als wach, und trotzdem schien er die Gefahr instinktiv zu begreifen. Taumelnd stemmte er sich in die H�he, griff nach der Zange und packte ein zweites Mal zu. Brandons Bewegungen steigerten sich zu purer Raserei - und h�rten dann wie abgeschaltet auf, als Hertzog die Zange mit einem Ruck zur�ckzog.</p><p>Etwas zappelte darin. Ich konnte nicht genau erkennen, was es war; ein faustgro�es, rotbraunes Ding, das nur aus peitschenden Tentakeln und langen, beweglichen F�hlern zu bestehen schien, aber es wehrte sich mit erstaunlicher Kraft.</p><p>�Verletzen Sie es nicht!� schrie Bach. Mit einem Satz war er neben Hertzog und half ihm, die immer heftiger zuckende Zange zu halten. Auch ich wollte hinzuspringen, aber Bach sch�ttelte hastig den Kopf und rief:</p><p>�Holen Sie ein Gef��, John! Irgendetwas mit einem Deckel!�</p><p>Ich sah mich wild um, musterte und verwarf binnen einer einzigen Sekunde drei oder vier verschiedene Beh�ltnisse und nahm schlie�lich einen dickwandigen Glasbeh�lter mit einem schweren Schraubdeckel zur Hand. Hastig �ffnete ich ihn, trug ihn zu Bach und Hertzog hin und hielt instinktiv die Luft an, als Hertzog das Ding in seiner Zange hineinfallen lie�. Blitzartig legte ich den Deckel auf und schraubte ihn zu. Ich h�tte es kaum geschafft. Das Ding sprang mit einem so w�tenden Satz gegen den Deckel, dass er mir fast aus der Hand geschlagen worden w�re. Das Glas knirschte bedrohlich, hielt dem W�ten des Monsters jedoch stand.</p><p>Hastig stellte ich das Glas ab und schob es ein St�ck weit von mir weg. Das Ding in seinem Inneren tobte und w�tete immer heftiger, und ich glaubte, so etwas wie ein d�nnes, sehr hohes Pfeifen zu h�ren.</p><p>Ich konnte das Ding jetzt deutlicher erkennen. Sein K�rper war nicht gr��er als eine Babyfaust, aber die Unzahl von Tentakeln, F�hlern und peitschenden F�den lie� es weit gr��er erscheinen. Ich konnte keinerlei Sinnesorgane oder K�rper�ffnungen erkennen, aber eines sp�rte ich sofort: Diese Kreatur verstr�mte den gleichen Odem von Fremdartigkeit und Gefahr, der auch den Leichnam des Alien in Bachs K�hlkammer umgab.</p><p>�Was ... ist ... das?� kr�chzte Hertzog. Er hatte M�he, zu sprechen. Seine Atemz�ge wurden von einem pfeifenden Laut begleitet, und ich fragte mich, woher er �berhaupt noch die Kraft nahm, auf den Beinen zu stehen.</p><p>Bevor Bach antworten konnte, stellte das Ungeheuer seine Attacken gegen den Deckel ein - und warf sich mit aller Kraft gegen das Glas.</p><p>Ein helles Splittern erklang. Ein gezackter Riss erschien in dem fast daumendicken Glas, und ein Schauer winziger Splitter schlitterte �ber den verchromten Tisch.</p><p>�Der K�hlschrank!� Bach hetzte mit zwei, drei gewaltigen Schritten um den Tisch herum, riss die K�hlschrankt�r auf und fegte den Inhalt eines der F�cher achtlos zu Boden, und im gleichen Moment warf sich das Ungeheuer ein zweites Mal von innen gegen das Glas. Der Riss wurde l�nger, und diesmal flog ein fast daumengro�es St�ck aus dem Glas. Einen dritten Angriff w�rde der Beh�lter nicht mehr aushalten.</p><p>�John!� schrie Bach.</p><p>Ich war wie gel�hmt. Ich wollte Bachs Befehl ausf�hren, aber ich konnte es nicht. Schon die blo�e Vorstellung, dass dieses Ding mich ber�hren k�nnte, war mehr, als ich ertrug.</p><p>Es war Hertzog, der zuerst seine �berraschung �berwand. Er taumelte zum Tisch, packte das halb zerbrochene Glas mit beiden H�nden und raste damit zum K�hlschrank. Bach warf die T�r zu, und praktisch in der gleichen Sekunde erscholl aus dem K�hlschrank ein lautstarkes Splittern und Bersten, dann prallte etwas mit einem dumpfen Knall gegen die Innenseite der T�r. Bach wich instinktiv einen halben Schritt zur�ck, und auch ich w�re nicht einmal mehr erstaunt gewesen, h�tte das au�erirdische Monster den Schrank aufgesprengt.</p><p>Nat�rlich geschah das nicht. Ein zweiter, noch heftigerer Schlag traf die T�r, dann begann ein lang anhaltendes Splitern und Klirren; wahrscheinlich randalierte die winzige Bestie im Inneren des K�hlschrankes und zertr�mmerte dabei alles, was ihr in den Weg kam.</p><p>�Es ... es kann doch nicht heraus, oder?� fragte Hertzog nerv�s. �Ich meine, es ... ist nicht so stark, dass es die T�r aufbekommt?�</p><p>Bach z�gerte einen Sekundenbruchteil zu lange, um sein Kopfsch�tteln noch wirklich �berzeugend wirken zu lassen. �Nein�, sagte er. �Es h�rt gleich auf. Die K�lte wird es bet�uben, keine Sorge.�</p><p>Das war im Grunde keine wirkliche Antwort auf Hertzogs Frage, aber der Arzt stellte sie nicht noch einmal, sondern wankte zum Tisch zur�ck und lie� sich dagegensinken. Dass er Brandons Leichnam dabei fast herunterwarf, bemerkte er nicht einmal. St�hnend schloss er die Augen, presste die H�nde gegen seinen misshandelten Kehlkopf und wankte leicht hin und her.</p><p>�Alles in Ordnung mit Ihnen, Doktor?� fragte Bach. Die Sorge in seiner Stimme klang echt. Aber er trat nicht zu Hertzog hin, um ihm zu helfen, sondern behielt weiter den K�hlschrank im Auge. Der L�rm darin hatte nicht aufgeh�rt.</p><p>�Nein�, antwortete Hertzog m�hsam. �Nichts ist in Ordnung, Sie ...�</p><p>�Soll ich einen Arzt rufen?� fragte Bach gelassen.</p><p>Hertzog �chzte. �Ich bin der Arzt hier.�</p><p>Bach l�chelte fl�chtig und wandte den Kopf, aber er sah nicht Hertzog an, sondern mich. �John?�</p><p>�Ich bin okay�, antwortete ich. Es war eine L�ge. Ich war ganz und gar nicht okay. Nichts war okay, weder ich, noch Bach oder Hertzog, oder gar das Ding dort im K�hlschrank. Und Bach sah mir das nat�rlich an.</p><p>�Sie l�gen, John�, sagte er. �Tun Sie das nicht. Ich mag es nicht, wenn man mich anl�gt.�</p><p>Ich sagte einige Sekunden lang gar nichts, aber dann deutete ich auf den K�hlschrank und fragte: �Dieses ... Ding dort drinnen, Captain.�</p><p>�Der Ganglion?�</p><p>�Nennt man sie so?�</p><p>�Ich nenne sie so�, antwortete Bach. Er zuckte die Achseln. �Ich habe mir die Freiheit genommen, unseren Feinden einen Namen zu geben. Ich fand die Bezeichnung passend.�</p><p>�Und besonders originell dazu�, sagte Hertzog.</p><p>Bach ignorierte ihn. �Es ist leichter, einen Feind zu bek�mpfen, wenn er einen Namen hat�, fuhr er fort.</p><p>�Das hei�t, es ist nicht das erste Mal, dass Sie so ein ... Ding sehen�, stellte Hertzog fest. Er hatte die Augen wieder ge�ffnet und massierte mit den Fingerspitzen seinen Kehlkopf. Sp�testens Morgen w�rde er einen gewaltigen Bluterguss haben, dachte ich. Es grenzte an ein Wunder, dass er �berhaupt noch lebte.</p><p>�Es ist das erste Mal, dass wir eines lebend erwischen�, antwortete Bach.</p><p>Die T�r wurde ge�ffnet, und Walt, Steel und der dritte Majestic-Agent, der mit uns in Ohio gewesen war, traten ein. Steel trug einen rechteckigen Aluminiumkoffer in beiden H�nden, der sehr schwer zu sein schien. �chzend lud er ihn auf dem Tisch ab, trat einen Schritt zur�ck und �ffnete ihn dann, als Bach ihm einen entsprechenden Wink gab. Wei�er Dampf entwich zischend aus dem Deckel, und ich sp�rte eine Welle intensiver K�lte, obwohl ich mindestens drei oder vier Schritte entfernt stand.</p><p>�Nehmen Sie es heraus, Lieutenant�, sagte Bach.</p><p>Steel nickte nerv�s, sah sich einen Moment suchend um und nahm ein Paar schwarzer Gummihandschuhe von einem Regal, das er sorgsam �berstreifte. Bach runzelte die Stirn, sagte aber nichts. Steel beugte sich �ber den Koffer, griff hinein und zog einen Glasbeh�lter heraus, der in Gr�sse und Form dem �hnelte, in den wir den Ganglion gesperrt hatten, aber wesentlich dickwandiger war. Hastig stellte er ihn auf den Tisch, trat zur�ck und riss sich die Handschuhe herunter. Er sagte nichts, aber sein Gesicht zuckte. Normale Gummihandschuhe waren offensichtlich kein hinl�nglicher Schutz gegen die enorme K�lte, die das Glas ausstrahlte.</p><p>Niemand von uns sprach ein Wort, w�hrend wir darauf warteten, dass sich die d�nne Reifschicht aufl�ste und das Glas durchsichtig wurde. Es dauerte lange; mehrere Minuten. Aber ich wusste schon lange vorher, was wir sehen w�rden. Ich konnte es sp�ren. Trotzdem begann mein Herz schneller zu schlagen, als ich den toten Ganglion sah, der in einer gelblichen Konservierungsfl�ssigkeit im Inneren des Glases schwamm.</p><p>Das Gesch�pf war wesentlich gr��er als das, das wir in den K�hlschrank gesperrt hatten, und sah auch nicht ganz genauso aus. Auf eine schwer in Worte zu fassende Art wirkte es noch fremdartiger.</p><p>�Woher haben Sie das?� fragte Hertzog.</p><p>�Roswell�, antwortete Bach. �Es stammt aus einem der toten Grauen, die wir in dem Wrack gefunden haben.�</p><p>�Das ist f�nfzehn Jahre her!� sagte Hertzog. �Warum hat mir niemand etwas davon gesagt? Wieso wusste ich nichts davon?�</p><p>�Weil Sie es nicht zu wissen brauchten�, antwortete Bach.</p><p>�Fantastisch!� sagte Hertzog w�tend. �Ihre Geheimniskr�merei h�tte mich fast umgebracht!�</p><p>�Sie leben ja noch, oder?� erwiderte Bach ruhig. �Au�erdem wusste ich nicht, was passieren w�rde. Ich hatte keine Ahnung, dass sie ...� Er warf einen kurzen Blick auf Brandons Leichnam. �... Tote aufwecken k�nnen.�</p><p>Steel und Walt tauschten einen erstaunten Blick, aber Bach machte wie �blich keinerlei Anstalten, seine Worte zu erkl�ren. �Wir wissen so wenig �ber sie�, murmelte er kopfsch�ttelnd. �Und sie wahrscheinlich so viel �ber uns ...�</p><p>�Roswell ...�, murmelte ich. Bach sah mich fragend an, und ich fuhr nach einer Sekunde fort: �Sie ... Sie haben dieses Ding in einem Alien gefunden?�</p><p>Bach nickte. Ich las in seinen Augen, dass er wusste, worauf ich hinauswollte. Er selbst stellte sich die gleiche Frage vermutlich schon die ganze Zeit. Vielleicht war es das, was ihm solche Angst machte.</p><p>�Und jetzt haben wir eines in einem Menschen gefunden�, fuhr ich fort. �Wie ... wie ist das m�glich?�</p><p>�Das ist nicht die Frage, John�, sagte Bach leise. �Die Frage ist: Wie viele sind noch da drau�en?�</p><p>Niemand antwortete. Bach sprach nicht weiter, aber ich konnte das, was er nicht mehr aussprach, deutlich in seinen Augen lesen: Wie viele sind mitten unter uns?</p><empty-line/><p>Ich musste keine M�digkeit heucheln, als ich die Treppe zu unserem Apartment hinaufhumpelte und in meiner Manteltasche nach dem Schl�ssel grub. Ich fand ihn nicht auf Anhieb, und nachdem ich ihn endlich herausgezogen hatte, hatte ich M�he das Schloss zu �ffnen. Drau�en wurde es allm�hlich hell; wir hatten noch mehr als zwei Stunden zusammengesessen und diskutiert - nat�rlich ohne zu irgendeinem Ergebnis zu kommen - und ich war mittlerweile seit fast drei�ig Stunden ununterbrochen auf den Beinen. Ich wollte nur noch schlafen. Trotzdem hatte ich einen Umweg von einer guten halben Stunde gemacht, ehe ich nach Hause gegangen war. Ich wollte Kim nicht begegnen. Nicht jetzt. Bach hatte mir noch einmal die Geschichte eingesch�rft, die er ihr erz�hlt hatte - sie war simpel und gerade deshalb �berzeugend -, aber ich war nicht sicher, ob ich �berzeugend war. Nicht in dem Zustand, in dem ich mich befand. �berm�dung und Nervosit�t sind nicht unbedingt hilfreich dabei, den Menschen zu bel�gen, der einem auf der ganzen Welt am meisten bedeutet. Ich war nicht einmal sicher, dass es mir am Abend gelingen w�rde, wenn Kim zur�ckkam.</p><p>Ich warf die T�r hinter mir zu, sch�lte mich aus dem Mantel - und blieb �berrascht stehen. Die Wohnung war nicht dunkel. Das Radio lief. In der K�che brannte Licht, und Kimberley sa� am Tisch, rauchte eine Zigarette und hielt eine Tasse Kaffee in der linken Hand. Sie musste mich geh�rt haben; schlie�lich hatte ich mir keine M�he gegeben, sonderlich leise zu sein. Trotzdem sah sie nicht einmal hoch, als ich die K�che betrat.</p><p>�Guten Morgen, Schatz�, sagte ich.</p><p>Sie hob nun doch den Blick, l�chelte mir m�de und nicht sonderlich �berzeugend zu und nippte an ihrem Kaffee. Mir fiel auf, dass sie sich ziemlich herausgeputzt hatte: Sie trug ihr bestes Kost�m, war offensichtlich beim Fris�r gewesen und hatte sich sorgf�ltig geschminkt. Was nicht dazu passte, war der �bervolle Aschenbecher auf dem Tisch vor ihr, die schlechte Luft im Raum und ihr m�der Gesichtsausdruck. Vielleicht war ich nicht der einzige, der in der vergangenen Nacht nicht besonders viel Schlaf bekommen hatte.</p><p>�Was ist los?� fragte ich geradeheraus.</p><p>Kimberley nahm einen Zug aus ihrer Zigarette, inhalierte tief und starrte auf einen Punkt irgendwo hinter mir. �Ich dachte, das k�nntest du mir sagen.�</p><p>�Ich?� Ich versuchte zu lachen, aber das Ger�usch, das ich zu Stande brachte, h�rte sich wohl mehr nach dem Gegenteil an. �Es tut mir leid, dass ich nicht angerufen habe. Aber ich musste ganz �berraschend weg - hast du meine Nachricht nicht bekommen?�</p><p>�Welche?� fragte Kimberley.</p><p>�Die, dass Pratt dich auf eine wichtige Mission geschickt hat, oder die, dass dein Onkel gestorben ist. Nebenbei: herzliches Beileid.�</p><p>�Du hast ...�</p><p>�Mark hat aus dem B�ro angerufen�, fiel mir Kimberley ins Wort. �Um mir sein Beileid auszudr�cken.�</p><p>�Was hast du ihm gesagt?� entfuhr es mir. Meine Stimme klang erschrockener, als mir recht war.</p><p>�Keine Angst�, sagte Kimberley k�hl. �Ich habe mitgespielt. Er hat nichts gemerkt. Ich nehme an, das war in deinem Sinne?�</p><p>�Bitte, Kim�, sagte ich. �Ich kann dir alles erkl�ren, aber ...�</p><p>�... nicht jetzt?� unterbrach sie mich. �Brauchst du noch ein bisschen Zeit, um dir eine �berzeugende Geschichte auszudenken?�</p><p>�Ich muss mir nichts ausdenken�, antwortete ich. �Ich war in Pratts Auftrag unterwegs. Aber niemand im B�ro darf etwas davon wissen. Deshalb die Geschichte von meinem Onkel. Es war Pratts Idee.�</p><p>�Wieso?�</p><p>Ich versuchte es noch einmal, und diesmal brachte ich tats�chlich ein fast �berzeugendes L�cheln zu Stande; oder zumindest so etwas wie ein Grinsen. �Es geht um eine Frau�, sagte ich. �Genauer gesagt, um ein M�dchen. Ich kann nicht dar�ber sprechen.�</p><p>�Ein M�dchen?� Kimberleys Misstrauen war nicht bes�nftigt, aber ich glaubte doch auch eine Spur von Neugier in ihrem Blick zu erkennen.</p><p>�Sie ist minderj�hrig�, sagte ich. �Nicht viel. Es geht nur um ein paar Monate, aber du wei�t, wie die Presse ist. Pratt w�re erledigt, wenn die Sache herausk�me. Also hat er mich gebeten, nach Ohio zu fliegen und die Angelegenheit f�r ihn zu regeln.�</p><p>�Wieso ausgerechnet dich?�</p><p>�Vielleicht hat er einen Narren an mir gefressen�, sagte ich scherzhaft. �Aber vielleicht bin ich auch einfach nur unwichtig genug, um kein Interesse zu wecken.�</p><p>�Und was hast du getan? Ihr die F��e in Beton eingegossen und sie in einen Fluss geworfen?�</p><p>�Das alte Wundermittel�, antwortete ich. �Geld.�</p><p>�Und daf�r hast du dich hergegeben?�</p><p>�Ich hatte keine gro�e Wahl�, sagte ich achselzuckend. �Au�erdem k�nnte ein kleiner Gefallen dann und wann meiner Karriere ganz n�tzlich sein.�</p><p>�War es diese Art von Karriere, die dir damals vorgeschwebt hat, als wir nach Washington gekommen sind?� Kimberley sch�ttelte traurig den Kopf und dr�ckte ihre Zigarette aus. �Ich m�chte nicht, dass du solche Dinge tust, John. Weder f�r Pratt noch f�r sonst wen.�</p><p>�Ich hatte keine Wahl�, beteuerte ich. �Vielleicht war es ein Fehler, aber Pratt ist niemand, der ein Nein als Antwort akzeptiert. Bitte, lass uns heute Abend dar�ber reden, Schatz. Ich bin todm�de. Hast du die ganze Nacht auf mich gewartet?�</p><p>�Ja.� Sie leerte ihren Kaffee, griff nach der Zigarettenschachtel und legte sie nach einem Blick auf den �berquellenden Aschenbecher wieder weg, ohne sich bedient zu haben. �Ich nehme an, du gehst heute nicht ins B�ro?�</p><p>�Erst am Montag wieder�, antwortete ich. �Ein kleiner Extrabonus von Pratt.� In Wahrheit stammte dieser Bonus von Bach. Es w�re nicht besonders glaubhaft gewesen, wenn ich behauptet h�tte, die Beisetzung meines Onkels an einem einzigen Tag abgewickelt zu haben.</p><p>�Dann geh und leg dich schlafen.� Kimberley stand auf. �Ich muss jetzt los.�</p><p>�Du kommst meinetwegen zu sp�t ins B�ro.�</p><p>�Nein�, antwortete Kim. �Ich habe einen Vorstellungstermin.�</p><p>�Du ... bewirbst dich um einen neuen Job?� fragte ich �berrascht.</p><p>Kim ging langsam zur T�r und griff im Vorbeigehen nach ihrer Handtasche. Sie drehte sich nicht zu mir herum, als sie antwortete: �Es ist ein bisschen komplizierter. Ich erz�hle dir alles, wenn ich zur�ck bin.�</p><p>Ich hatte selbst nicht damit gerechnet, aber ich schlief nicht nur praktisch auf der Stelle ein, kaum dass Kimberley die Wohnung verlassen hatte, ich schlief auch wie das sprichw�rtliche Murmeltier und erwachte erst sp�t am Nachmittag wieder, ausgeruht und ohne die leiseste Erinnerung an einen Alptraum. Ich hatte fest damit gerechnet, ja, ich sp�rte sogar f�r einen kurzen Moment so etwas wie eine absurde Entt�uschung: Immerhin hatte ich in der zur�ckliegenden Nacht den Beweis f�r eine so ungeheuerliche Bedrohung erhalten, dass ich ihre wahre Gr��e bisher vielleicht noch gar nicht begriffen hatte.</p><p>Meinem Unterbewusstsein schien das herzlich egal zu sein. Ich hatte nicht nur geschlafen wie ein Baby, ich f�hlte mich ausgeglichen und entspannt; fast schon heiter.</p><p>M�glicherweise war es ja nur Hysterie. Immerhin erf�hrt man nicht jeden Tag, dass die Welt, auf der man lebt, seit Jahren aus dem Weltall heraus beobachtet wird; und dass diese Beobachter allem Anschein nach alles andere als freundlich sind ...</p><p>Ich h�rte ein Ger�usch, setzte mich �berrascht auf und sah mich um. Ich hatte die Vorh�nge nicht zugezogen, aber es war trotzdem dunkel im Zimmer. Ich musste den ganzen Tag verschlafen haben. Kein Wunder, dass ich mich so frisch und ausgeruht f�hlte wie schon lange nicht mehr. Vielleicht hatte ich sogar noch l�nger geschlafen, als mir klar war, denn offensichtlich war Kimberley bereits zur�ck. Unter der T�r drang ein blassgelber Lichtschimmer hindurch, und ich roch das Aroma von frisch aufgebr�htem Kaffee. Vielleicht war es sogar dieser Geruch gewesen, der mich aufgeweckt hatte.</p><p>Ich stand auf, und ohne mehr als nur noch ein leichtes Ziehen im verknacksten Kn�chel zu sp�ren, ging ich zur T�r. Als ich sie �ffnete, h�rte ich Kimberley irgendwo in der K�che hantieren. Das Licht flackerte. Der blassgelbe Schein kam daher, dass das Wohnzimmer nur von zwei Kerzen erhellt wurde, die auf einem festlich gedeckten Tisch standen; direkt neben unseren beiden einzigen Sektgl�sern und einer Flasche, deren Etikett ich bei der blassen Beleuchtung zwar nicht erkennen konnte, von der ich aber irgendwie sicher war, dass sie Champagner enthielt.</p><p>Verbl�fft musterte ich das Arrangement einen Moment, dann setzte ich meinen Weg fort und ging in die K�che. Kimberley stand am Herd und drehte mir den R�cken zu. Sie war so sehr in ihre Arbeit vertieft, dass sie mich gar nicht bemerkte, obwohl ich mir keine besondere M�he gegeben hatte, besonders leise zu sein, und ich belie� es noch f�r einen Moment dabei. Kimberley trug eine Sch�rze und dicke Topflappenhandschuhe, aber auch ihre besten Schuhe, Nylonstr�mpfe und ein Kleid, das ich noch nie an ihr gesehen hatte.</p><p>�Warum hast du mich nicht geweckt?� fragte ich.</p><p>Kimberley fuhr erschrocken zusammen und h�tte um ein Haar den Topf fallen gelassen, den sie in den H�nden hielt. Hastig setzte sie ihn auf die Herdplatte zur�ck, drehte sich zu mir herum und sah mich mit einem Ausdruck komisch �bertriebenen Entsetzens an.</p><p>�Mein Gott, John!� st�hnte sie. �Willst du mich umbringen?�</p><p>�Das kommt darauf an�, antwortete ich. �Hast du vielleicht noch die eine oder andere Versicherungspolice, von der ich nichts wei�?� Ich trat einen Schritt in die K�che hinein und blieb wieder stehen. �Haben wir einen Grund zum Feiern?�</p><p>�M�glicherweise�, antwortete Kimberley geheimnisvoll. �Aber jetzt verschwinde. M�nner haben in der K�che nichts zu suchen. Das Essen ist gleich fertig.�</p><p>Ich war viel zu verwirrt, um zu widersprechen, und bevor ich meine �berraschung weit genug �berwunden hatte, klingelte das Telefon.</p><p>�Gehst du bitte mal ran, Schatz?� bat Kimberley. �Wenn es Marybeth ist, dann sag ihr, dass ich in einer halben Stunde zur�ckrufe.�</p><p>Ich wandte mich ganz automatisch um und ging zum Telefon. Ich hatte kein gutes Gef�hl dabei. Noch w�hrend ich nach dem H�rer griff, hatte ich das Gef�hl, dass ich es besser nicht tun sollte.</p><p>Vielleicht h�tte ich besser darauf geh�rt. Die Stimme, die aus dem H�rer drang, geh�rte weder Marybeth noch einer von Kimberleys anderen Freundinnen, sondern Mark Simonson.</p><p>�John?� Mark klang ehrlich �berrascht; aber nicht unbedingt auf angenehme Weise. �Aber ich dachte, du bist in ...� Er stockte, schwieg geschlagene f�nf Sekunden und fuhr dann in ver�ndertem Tonfall fort: �Schade. Ich hatte wirklich gehofft, dass ich mich irre.�</p><p>�Irren? Womit?�</p><p>�Du musst v�llig verr�ckt geworden sein�, sagte Mark. �John, was ist in dich gefahren? Pratt l�uft allm�hlich Amok! Ich h�tte dich f�r kl�ger gehalten. Du bist nicht mehr auf der High School, wo du nach Belieben blaumachen kannst!�</p><p>�W�rdest du mir verraten, wovon du �berhaupt sprichst?� fragte ich.</p><p>�Wovon ich spreche?� Mark schrie fast. �Davon, dass ich jetzt mit dir rede, obwohl du doch eigentlich tausend Meilen weit weg sein solltest, um deinen Onkel zu beerdigen!�</p><p>�Es ging schneller, als ich dachte�, antwortete ich. Das war vielleicht nicht besonders klug, aber auch das einzige, was mir im Augenblick �berhaupt einfiel. Meine Gedanken rasten. Ich stand kurz davor, in Panik auszubrechen. Verdammt, Bach hatte versprochen, die Sache in Ordnung zu bringen!</p><p>�Dein Onkel ist nicht gestorben�, sagte Mark. �Du hast gar keinen Onkel in Ohio.�</p><p>Ich warf einen raschen Blick in Richtung K�che, ehe ich antwortete. Kimberley war immer noch damit besch�ftigt, das Abendessen vorzubereiten. �Wie kommst du darauf?�</p><p>�Pratt ist darauf gekommen�, antwortete Mark. �Frag mich bitte nicht, warum, aber er hat deine Geschichte �berpr�ft. Es hat ihn keine f�nf Minuten gekostet, um herauszufinden, dass es diesen Onkel in Ohio gar nicht gibt.�</p><p>�Pratt?� murmelte ich verbl�fft. Nat�rlich war es f�r einen Mann wie Pratt kein Problem, meine Geschichte zu �berpr�fen - aber warum um alles in der Welt sollte er das tun?</p><p>�Pratt�, best�tigte Mark. �Ich m�chte nicht in deiner Haut stecken. Pratt spuckt Gift und Galle. Er mag es gar nicht, wenn man ihn bel�gt. Also wo, zum Teufel, warst du?�</p><p>�Das kann ich dir nicht sagen�, antwortete ich.</p><p>�Das solltest du aber�, sagte Mark. �Wei�t du, John, ich mag dich. Deshalb rufe ich dich auch an, um dich zu warnen. Du solltest eine verdammt gute Ausrede haben, wenn du am Montag wieder ins Capitol kommst. Andernfalls kannst du dir gleich einen neuen Job suchen.�</p><p>�Jetzt �bertreibst du�, sagte ich.</p><p>Ich konnte Marks Kopfsch�tteln regelrecht h�ren.</p><p>�Kaum. Ich konnte Pratt gerade noch davon abhalten, h�chstpers�nlich zu dir nach Hause zu kommen. Also denk dir besser bis Montag eine gute Ausrede aus.�</p><p>�Das werde ich�, antwortete ich. �Und ... vielen Dank f�r die Warnung, Mark.�</p><p>Simonson h�ngte ein, aber ich legte den H�rer nicht auf die Gabel zur�ck, sondern dr�ckte sie nur kurz herunter, warf noch einmal einen sichernden Blick zur K�chent�r hin und w�hlte dann die Telefonnummer, die Bach mir f�r Notf�lle gegeben hatte. Er hatte mir eingesch�rft, sie wirklich nur in Notf�llen zu benutzen, aber ich fand, dass diese Voraussetzung im Moment durchaus gegeben war.</p><p>Bach meldete sich nach dem f�nften oder sechsten Klingeln. Seine Stimme klang m�de, aber nicht verschlafen. �Ja?�</p><p>�Loengard hier�, antwortete ich mit gesenkter Stimme.</p><p>�John. Was ist passiert?�</p><p>�Pratt ist passiert�, antwortete ich, wobei ich mir M�he gab, redlich emp�rt zu klingen, aber trotzdem nicht so laut zu werden, dass Kimberley mich in der K�che h�ren konnte. �Er hat herausgefunden, dass ich nicht auf der Beerdigung meines Onkels war.�</p><p>�Wie konnte das passieren?� fragte Bach. Er klang kein bisschen erschrocken oder alarmiert, sondern einfach nur sachlich; eben ganz wie der Bach, den ich kannte.</p><p>�Das frage ich Sie�, antwortete ich. �Sie hatten versprochen, sich darum zu k�mmern.�</p><p>�Das werde ich�, sagte Bach. �Machen Sie sich keine Sorgen.�</p><p>�Sie haben gut reden!� antwortete ich aufgebracht. �Sie m�ssen nicht ...�</p><p>Bach unterbrach mich. �Ich sagte, ich werde mich darum k�mmern, John. Und ich sch�tze es gar nicht, wenn meine Worte in Zweifel gezogen werden. Sie bleiben Zuhause, wie wir es besprochen haben, und gehen am Montagmorgen ganz normal ins B�ro. Um alles andere werde ich mich k�mmern. Und jetzt machen Sie sich einen sch�nen Abend mit Ihrer Freundin. Ich hoffe, sie findet Gefallen an unserem kleinen Geschenk. Und rufen Sie nicht mehr an, wenn es nicht wirklich n�tig ist.�</p><p>�Ihrem Geschenk?�</p><p>Bach antwortete nicht. Er hatte bereits wieder aufgelegt. Einige Sekunden lang starrte ich den Telefonh�rer in meiner Hand noch mit einer Mischung aus Zorn und Frustration an, ehe auch ich ihn wieder auf die Gabel legte.</p><p>Kimberley kam aus der K�che. Sie balancierte einen Teller mit k�stlich duftendem Braten vor sich her, sch�ttelte aber den Kopf, als ich danach greifen wollte, um ihn ihr abzunehmen.</p><p>�Setz dich hin und genie�e es einfach, nach Strich und Faden bedient zu werden�, sagte sie. �Es ist vielleicht f�r eine ganze Weile das letzte Mal. Wer war das gerade am Telefon? Marybeth?�</p><p>�Pratt�, antwortete ich kopfsch�ttelnd. �Er wollte nur wissen, ob alles klargegangen ist. Was soll das hei�en: Es ist vielleicht f�r lange Zeit das letzte Mal?�</p><p>Kimberley lachte, lud ihr Tablett auf dem Tisch ab und verschwand schon wieder in der K�che, um den Rest des Abendessens zu holen. Wahrscheinlich lie� sie mich ganz bewusst zappeln. Unter normalen Umst�nden h�tte ich dieses Spiel liebend gerne mitgespielt, aber heute war ich nerv�s, und so gereizt, dass ich an mich halten musste, um sie nicht anzufahren.</p><p>Ich starrte das Telefon an, fuhr mir nerv�s mit dem Handr�cken �bers Kinn und zwang mich mit aller Kraft, wenigstens �u�erlich ruhig zu bleiben. Was um alles in der Welt hatte Bach mit Geschenk gemeint?</p><p>�Also?� fragte ich, als Kimberley zur�ckkam und ihr Tablett mit aufreizend ruhigen Bewegungen auf dem Tisch ablud.</p><p>�Mach die Flasche auf�, sagte Kimberley l�chelnd.</p><p>Ich schluckte die scharfe Antwort herunter, die mir auf der Zunge lag, und griff stattdessen nach der Flasche. Es war tats�chlich Champagner, und kein billiger, wie ein Blick auf das Etikett bewies.</p><p>�Verkraftet unser Haushaltsetat eine solche Ausgabe?� fragte ich.</p><p>�Keine Ahnung�, antwortete Kimberley. �Er wird es wohl m�ssen. Schlie�lich m�ssen wir in Zukunft wenigstens halbwegs standesgem�� leben.�</p><p>�Standesgem��?�</p><p>�Wir haben einen Grund zum Feiern.� Kim griff nach dem Glas, das ich eingeschenkt hatte. �Du erinnerst dich an gestern Morgen?�</p><p>�Dein Vorstellungsgespr�ch?�</p><p>�Ich habe einen neuen Job.� Sie nickte. �Sie d�rfen mir gratulieren, Mister Loengard. Seit heute Morgen sind wir sozusagen Kollegen.�</p><p>�Mach es nicht so spannend�, sagte ich. �Was ist los?�</p><p>Kim wirkte ein bisschen entt�uscht, und ich sp�rte einen leisen Anflug von schlechtem Gewissen. Vermutlich hatte sie diese Szene genau geplant, sich jedes Wort zurechtgelegt, das sie mir sagen wollte, und nun verdarb ich ihr den Spa�.</p><p>�Entschuldige�, sagte ich. �Also - was ist deine gro�e �berraschung? Und wieso bekomme ich in Zukunft nichts mehr zu essen?�</p><p>�Von nichts mehr war nicht die Rede�, antwortete Kimberley l�chelnd. �Aber vielleicht nicht mehr so oft. Und m�glicherweise nicht immer p�nktlich. Ich werde in Zukunft viel zu tun haben. Ich habe einen neuen Job!� Sie sah mich erwartungsvoll an, aber ich hatte ein wenig Angst, schon wieder das Falsche zu sagen und schwieg, und so fuhr Kim nach einer Sekunde fort: �Einen �u�erst gut bezahlten Job.�</p><p>Ich tat ihr den Gefallen. �Und welchen?� fragte ich.</p><p>Kimberley zuckte mit den Schultern. �Oh, nichts Besonderes�, sagte sie in beil�ufigem Ton. �Ein bisschen Telefonieren, Aktenablage, ein paar Briefe schreiben ... das �bliche eben.�</p><p>�Beim YMCA?� fragte ich scherzhaft.</p><p>�Nein�, antwortete Kimberley. �Im B�ro der First Lady.�</p><p>Ich starrte sie an. �Wie?�</p><p>Kim antwortete eine ganze Weile gar nicht, sondern sah mich nur l�chelnd an und weidete sich dabei sichtlich an meinem fassungslosen Gesichtsausdruck. �Du hast richtig verstanden�, sagte sie schlie�lich. �Ich arbeite ab Montag im Vorzimmer von Jackie Kennedy.�</p><p>Ich war immer noch vollkommen fassungslos - allerdings nicht unbedingt aus den Gr�nden, die Kimberley vermuten mochte. Pl�tzlich versp�rte ich ein eisiges Fr�steln, und f�r eine Sekunde glaubte ich wieder Bachs Stimme zu h�ren, so deutlich, als st�nde er hinter mir und wiederhole seine Worte von gerade noch einmal. Ich hoffe, Sie finden Gefallen an unserem kleinen Geschenk.</p><p>�Was ist los?� fragte Kimberley blinzelnd. �Du siehst aus, als h�ttest du ein Gespenst gesehen. Und ich dachte, du freust dich.�</p><p>�Aber das tue ich�, sagte ich hastig. �Ich ... ich war nur so �berrascht, das ist alles. Wie ... wie bist du denn ...?�</p><p>�Das Wohlt�tigkeitsessen, vorgestern Abend�, antwortete Kimberley aufgeregt. �Du erinnerst dich? Ich habe dir doch erz�hlt, dass wir hohen Besuch erwarten.�</p><p>�Jackie?�</p><p>�Die First Lady�, verbesserte mich Kimberley betont. �Mit ihrem ganzen Stab. Sie waren wirklich begeistert von dem Fest - und vor allem von meinem Zwiebelkuchen.�</p><p>�Und da hat sie dich vom Fleck weg als K�chin engagiert�, vermutete ich.</p><p>Kimberley lachte. �Wir kamen ins Gespr�ch. Sie ist eine wirklich nette Frau, wei�t du? Wir haben �ber dies oder das gesprochen. �ber das College, �ber dich - da wusste ich noch nicht, dass du neuerdings als Aushilfs-Mafioso f�r Pratt arbeitest - �ber mich und meine Arbeit ...�</p><p>Sie fuhr fort, so hastig auf mich einzureden, dass die Worte nur so aus ihr heraussprudelten. Wahrscheinlich hatte sie den ganzen Tag �ber H�llenqualen ausgestanden, mir ihre gro�e Neuigkeit nicht mitteilen zu k�nnen. Trotzdem hatte ich M�he, ihren Worten zu folgen. Ich hoffe, Sie finden Gefallen an unserem Geschenk ...</p><p>�H�rst du mir eigentlich zu?� fragte Kimberley pl�tzlich. Ich schrak ein wenig zusammen. Tats�chlich war ich zwei oder drei Sekunden so abgelenkt gewesen, dass ich nicht mehr geh�rt hatte, was sie sagte. �Nat�rlich�, sagte ich hastig. �Entschuldige bitte. Ich war nur so �berrascht.�</p><p>�Na, und ich erst�, sagte Kimberley aufgeregt. �Ich habe es im ersten Moment gar nicht geglaubt, als der Anruf kam.�</p><p>�Welcher Anruf?�</p><p>�Aus ihrem B�ro�, antwortete Kim. �Ein unglaublicher Zufall. Eine ihrer Sekret�rinnen hat ganz pl�tzlich gek�ndigt, stell dir vor! Von einem Moment auf den anderen. Und da hat sie sich wohl an unser Gespr�ch erinnert und mich einfach fragen lassen, ob ich an dem Job interessiert w�re.�</p><p>�Du hast nat�rlich abgelehnt�, sagte ich.</p><p>�Nat�rlich�, antwortete Kimberley ernst. �Aber sie hat so gebettelt, dass mir fast das Herz gebrochen w�re. Ich konnte es einfach nicht mehr ertragen.�</p><p>�Jackie Kennedy vor dir auf den Knien ...�</p><p>�... und in Tr�nen aufgel�st�, f�gte sie nickend hinzu. �Es ist mir zwar schwer gefallen, aber schlie�lich habe ich nachgegeben.�</p><p>Sie beherrschte sich noch eine knappe Sekunde, aber dann prustete sie vor Lachen heraus, und auch ich sprang auf, lachte, so laut ich konnte, und schloss sie in die Arme. Ich freute mich so sehr f�r sie, dass es mir kaum m�glich war, das Gef�hl in Worte zu fassen.</p><p>Und trotzdem. In meinen Gedanken blieb etwas wie ein schlechter Nachgeschmack zur�ck. Ich hoffe, Sie finden Gefallen an unserem kleinen Geschenk. Pl�tzlich hatte ich wieder Angst vor Bach. Wozu um alles in der Welt war dieser Mann noch f�hig?</p><p>Und pl�tzlich hatte ich das Gef�hl, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben.</p><p>Damals wusste ich noch nicht, wie Recht ich mit diesem Gedanken hatte.</p><p>Aber es sollte nicht mehr lange dauern, bis ich es begriff.</p><empty-line/><p>Als ich am Montagmorgen - wie gewohnt p�nktlich zehn Minuten vor Dienstbeginn - ins B�ro kam, erlebte ich eine �berraschung: Mein Schreibtisch war nicht mehr da. Das hie�: Nat�rlich war er noch da; er stand, zerschrammt und unansehnlich wie eh und je an seinem Platz. Aber es war nicht mehr mein Schreibtisch. Jemand hatte ihn vollkommen leer ger�umt. S�mtliche Schubladen standen auf, und auch das kleine Messingschildchen mit meinem Namen, das ich auf eigene Kosten angeschafft hatte und auf das ich so stolz gewesen war, war verschwunden.</p><p>Der Anblick traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Ich hatte gehofft, dass Bach Wort hielt und mich gegen Pratt in Schutz nahm; ich hatte mir sogar mit einigem Erfolg eingeredet, davon �berzeugt zu sein, dass mir nichts passieren konnte - aber tief in mir war ich keineswegs �berzeugt davon gewesen. Ich h�tte nicht �berrascht sein d�rfen. Ich w�re es nicht einmal gewesen, h�tte ich auf meinem Schreibtisch eine Notiz gefunden, dass ich mich unverz�glich bei Pratt zu melden h�tte, oder m�glicherweise auch gleich einen Briefumschlag mit meiner K�ndigung. Ja, selbst Pratts Anblick, der mit vor der Brust verschr�nkten Armen an meinem Schreibtisch lehnte und bereits voller Ungeduld darauf wartete, mich vor versammelter Mannschaft in den Boden zu stampfen, h�tte mich nicht so getroffen wie dieser leere Schreibtisch. Der Anblick hatte etwas Endg�ltiges, und was noch schlimmer war, er machte mir klar, wie bedeutungslos ich war. Pratt hatte es nicht n�tig, mich zu sich zu zitieren. Er hatte Tatsachen geschaffen.</p><p>�John?�</p><p>Ich erkannte Marks Stimme, aber irgendwie hatte ich nicht die Kraft, mich zu ihm herumzudrehen, sondern starrte weiter den leer ger�umten Schreibtisch an. �Was ... ist passiert?� fragte ich m�hsam.</p><p>�Das fragst du mich?� Mark trat mit zwei schnellen Schritten an mir vorbei und sah abwechselnd mich und die leer ger�umte Tischplatte an. �Verdammt, John, was um alles in der Welt hast du getan?�</p><p>Ich konnte immer noch nicht antworten. Ich verstand nicht einmal wirklich, was er meinte. �Ich nehme an, Pratt will mich sprechen�, sagte ich lahm.</p><p>Mark nickte. �Darauf kannst du Gift nehmen�, sagte er. �Verdammt, John, wo bist du gewesen? Was um alles in der Welt hast du angestellt? Pratt sch�umt seit drei Tagen vor Wut! Ich habe ihn noch nie so au�er sich erlebt. Wo bist du gewesen?�</p><p>�Dar�ber kann ich nicht reden�, antwortete ich lahm.</p><p>�Das wirst du aber m�ssen�, erwiderte Mark. In seinen Augen stand ein Ausdruck ehrlich empfundener Sorge. W�re die Situation auch nur eine Winzigkeit anders gewesen, h�tte ich sicher Dankbarkeit empfunden. Aber alles, was ich sp�rte, war Verwirrung.</p><p>�Wei�t du, wohin sie meine pers�nlichen Sachen gebracht haben?� fragte ich.</p><p>�Da, wo auch alles andere ist.�</p><p>�In einem Pappkarton im Keller? Oder hat Pratt gleich alles verbrannt?�</p><p>�Das w�rde er wahrscheinlich liebend gerne tun�, sagte Mark. Er wirkte ein bisschen verwirrt, und er sah mich auf eine fragende Art an, die ich nicht verstand. �Ich soll ihm Bescheid sagen, sobald du da bist. Komm.�</p><p>Er wedelte aufgeregt mit beiden H�nden, ihm zu folgen, und ich gehorchte ganz automatisch. Wie in Trance folgte ich ihm, wobei ich mich vergeblich bem�hte, die neugierigen, aber auch mitleidigen Blicke zu ignorieren, die mir meine Kollegen zuwarfen. Falsch: nicht meine Kollegen. Meine Ex-Kollegen.</p><p>Mark f�hrte mich auf den Gang hinaus, wandte sich aber nicht nach links, in die Richtung, in der Pratts B�ro lag, sondern in die entgegengesetzte Richtung. �Wohin gehen wir?� fragte ich. �Ist das Erschie�ungskommando unten im Hof angetreten?�</p><p>Mark schien mit meinem Galgenhumor nicht allzu viel anfangen zu k�nnen, denn er antwortete gar nicht, sondern ging im Gegenteil ein wenig schneller. Vor einer geschlossenen Milchglast�r am Ende des Korridors blieben wir stehen.</p><p>�Was sollen wir hier?� fragte ich.</p><p>Mark antwortete immer noch nicht, aber er deutete auf die T�r, und als ich seiner Geste folgte, hatte ich die Antwort.</p><p>Nicht, dass ich sie verstanden h�tte.</p><p>Auf der T�r stand mein Name. Gro�, deutlich lesbar und in tiefschwarzen, frisch aufgemalten Buchstaben: John Loengard.</p><p>�Ich hole jetzt Pratt�, sagte Mark. �Ich bin in zwei Minuten zur�ck. Und bis dahin solltest du dir ein paar gute Antworten einfallen lassen.�</p><p>Er ging, aber ich bemerkte es kaum. Ich starrte noch immer die Glasscheibe mit meinem Namen an.</p><p>Es dauerte fast eine Minute, ehe ich auch nur die Kraft fand, die T�r zu �ffnen und hindurchzutreten.</p><p>Dahinter lag ein kleines, einfach eingerichtetes B�ro, das nur einen einzigen Schreibtisch enthielt. Auf der lederbezogenen Platte stand ein gro�er Pappkarton mit meinem pers�nlichen Besitz, und daneben das kleine Messingschildchen, das vergangene Woche noch auf einem anderen Schreibtisch gestanden hatte.</p><p>Langsam, als w�rde mich jeder Schritt gewaltige Anstrengung kosten, trat ich an den Schreibtisch heran, stellte meine Aktentasche darauf ab und sah mich um. Das B�ro hatte ein eigenes Fenster, das auf den Garten des Capitols hinausf�hrte.</p><p>Mein B�ro.</p><p>Ich hatte davon getr�umt, ein solches B�ro zu haben. Vielleicht in f�nf, sechs Jahren, realistisch gesehen in zehn. Eines konnte man Bach nicht nachsagen: dass er nicht gro�z�gig gewesen w�re.</p><p>�Gef�llt es Ihnen?�</p><p>Ich drehte mich zu Pratt herum, ohne zu antworten. Er war unter der T�r stehen geblieben und sah mich kalt an. Ich erblickte Mark hinter ihm, der nicht mit hereingekommen war, aber die Ohren gespitzt hatte. Pratt folgte meinem Blick, trat einen Schritt weiter in den Raum hinein und schloss die T�r. �Eigentlich bin ich ja nur gekommen, um Ihnen mein Beileid auszudr�cken, John. Aber das w�re unpassend - schlie�lich ist niemand gestorben, wie wir beide wissen. Und schon gar nicht Ihr Onkel, John ... ich darf doch noch John sagen? Oder legen Sie Wert auf Mister Loengard?�</p><p>�Sir?� fragte ich.</p><p>Pratt l�chelte d�nn. �Sir? Sie besch�men mich, John.�</p><p>�Sir, vielleicht lassen Sie mich ...�</p><p>�Erkl�ren?� unterbrach mich Pratt. Kopfsch�ttelnd kam er n�her, fuhr mit den Fingerspitzen �ber die Kante meines Schreibtisches und sch�ttelte erneut den Kopf. �O nein, John, Sie m�ssen mir nichts erkl�ren. Die Dinge haben sich ge�ndert. Vor zwei Tagen wollte ich Sie noch feuern - ich nehme an, dass Ihr Freund Simonson Ihnen das bereits erz�hlt hat?�</p><p>�Nicht so direkt�, antwortete ich.</p><p>�Sie nehmen es mir doch nicht �bel, oder?� fragte Pratt. �Ich meine: Wie konnte ich wissen, wer Sie wirklich sind?�</p><p>�Sir?� fragte ich erneut. Ich war vollkommen verwirrt. Ich verstand nicht einmal ansatzweise, wovon Pratt �berhaupt sprach. W�re der Aufwand nicht ein wenig zu gro� gewesen, dann h�tte ich geargw�hnt, dass all das hier nur sorgsam von Pratt inszeniert worden war, um mich zu dem�tigen. Aber der Namenszug an der Glast�r sprach ebenso deutlich dagegen wie die verhaltene Wut, die in Pratts Augen loderte.</p><p>Pratt griff in seine Jacke und zog ein zusammengefaltetes Blatt Papier heraus, das er mir wortlos reichte. Hastig faltete ich es auseinander und �berflog seinen Inhalt.</p><p>Es war die Fotokopie eines Einweisungsbescheides. Pratts Namen war mit Schreibmaschine darauf eingetragen.</p><p>�Was ... ist das?� fragte ich verst�ndnislos.</p><p>�Lesen Sie�, sagte Pratt. Seine Stimme bebte jetzt leicht. Ich sp�rte, wie schwer es ihm fiel, sich noch zu beherrschen. Und als ich das Dokument ein zweites Mal und aufmerksamer las, konnte ich ihn durchaus verstehen. Aus dem Papier ging eindeutig hervor, dass Charles Pratt wegen eines nerv�sen Nervenzusammenbruches in eine psychiatrische Heilanstalt eingewiesen und nach sechs Monaten unter Vorbehalt entlassen worden war.</p><p>�Das ist ...�</p><p>�Eine F�lschung�, unterbrach mich Pratt. �Aber es ist auch echt. Verstehen Sie?�</p><p>�Nein�, sagte ich ehrlich.</p><p>�Ich war niemals in dieser Klinik�, sagte Pratt. �Weder in dieser noch in irgendeiner anderen. Trotzdem ist dieses Dokument echt. Die Klinik hat eine komplette Akte �ber mich. Eine f�nfj�hrige Krankengeschichte, �rztliche Befunde, Briefe meiner Familie und Freunde ...� Er zuckte mit den Schultern. �Ich habe es �berpr�ft. Vom Chefarzt hin bis zu den Pflegern und einem Dutzend Patienten k�nnen sich alle an mich erinnern. Es h�tte �berhaupt keinen Sinn, zu leugnen. Meinen Gl�ckwunsch, John.�</p><p>�Ich verstehe das nicht, Sir�, sagte ich.</p><p>�Drehen Sie das Blatt herum�, sagte Pratt.</p><p>Ich tat, was er verlangte. Auf der R�ckseite der Fotokopie standen mit Schreibmaschine geschrieben drei Worte:</p><p>Loengard ist unber�hrbar</p><p>�Man hat mich wissen lassen, dass dieses Dokument an die �ffentlichkeit gelangen k�nnte, wenn ich Ihnen zu nahe trete, John�, sagte Pratt. �Sie k�nnen sich vorstellen, wie sich das in meinem n�chsten Wahlkampf machen w�rde.�</p><p>�Damit habe ich nichts zu tun!� sagte ich.</p><p>�Womit?� Pratts Augen wurden schmal. �Mit einer gemeinen Erpressung? Sprechen Sie das Wort ruhig aus, John.�</p><p>�Ich wusste nichts davon!�</p><p>Pratt verzog die Lippen. �Oh, nat�rlich nicht�, sagte er. �Sie machen sich doch nicht selbst die Finger schmutzig, wie? Ich nehme an, f�r so etwas haben Sie Ihre Freunde.�</p><p>�Sir, ich ...�</p><p>Pratt unterbrach mich mit einer w�tenden Handbewegung. �Wer steckt dahinter, John? Was hat das alles zu bedeuten? Wer sind Ihre Freunde, und wer, zum Teufel, sind Sie?�</p><p>Ich antwortete nicht sofort, sondern sah ihn einen Moment lang schweigend an und reichte ihm die Kopie zur�ck. Pratt riss mir das Blatt aus der Hand, kn�llte es zu einem Ball zusammen und rammte es regelrecht in seine Jackentasche. �Ich warte.�</p><p>�Ich ... kann Ihnen diese Frage nicht beantworten, Sir�, sagte ich. Wie auch? Ich wusste die Antwort ja selbst nicht. �Alles, was ich Ihnen sagen kann, ist, dass ich meinem Land diene.�</p><p>�Indem Sie mich wie einen dummen Jungen vorf�hren?� Pratt schnaubte. Dann wurde sein Blick hart. �Ich wei� nicht, wer Ihre so genannten Freunde sind, John. Sie m�gen m�chtig sein, aber f�hlen Sie sich nur nicht zu sicher. Es gibt Kr�fte dort drau�en, die noch viel m�chtiger sind.�</p><p>Ich antwortete nicht, obwohl ich deutlich sp�rte, dass Pratt auf eine Antwort wartete. Einige Sekunden lang starrten wir uns nur an. Irgendwie gelang es mir, seinem Blick standzuhalten, aber es kostete mich alle Kraft, die ich aufbringen konnte. Ich f�hlte mich miserabel. Niemand in diesem B�ro hatte sich nicht gew�nscht, Pratt eines Tages vor seinen Schreibtisch zitieren und gen�sslich heruntermachen zu k�nnen, und ich machte da keine Ausnahme. Aber nicht so. Ich empfand keinen Triumph, nicht einmal Schadenfreude. Ich f�hlte fast so etwas wie ... Scham. Bachs Geschenke waren vielleicht gro�z�gig, aber sie waren nicht von der Art, an der man lange Freude hat.</p><p>�Die Sache ist noch nicht vorbei, John�, sagte Pratt schlie�lich. �Glauben Sie das ja nicht.�</p><p>Damit ging er.</p><p>Ich blieb hinter dem Schreibtisch stehen und starrte ihm nach, auch, als er die T�r schon l�ngst hinter sich geschlossen hatte. Das ungute Gef�hl, das mich w�hrend des Gespr�ches mit Pratt beschlichen hatte, blieb; wie ein schlechter Geschmack, den man einfach nicht von der Zunge bekam, ganz egal, was man auch tat. Es war nicht Pratts Drohung. Pratt w�re nicht Pratt gewesen, wenn er einfach kopflos das Feld ger�umt h�tte; aber ich f�rchtete ihn nicht. Nicht mehr.</p><p>Langsam setzte ich mich, streckte die Hand nach dem Messingschildchen mit meinem Namen aus und zog den Arm wieder zur�ck, ohne die Bewegung zu Ende zu f�hren. Und pl�tzlich hatte ich Angst. Ich wusste jetzt, was dieses B�ro war. Ich hatte es f�r eine Belohnung gehalten, aber das stimmte nicht. Es war eine Botschaft. An Pratt, an mich, und an alle anderen, die sie verstehen konnten. Sie lautete: Majestic f�rchtet niemanden. Weder einen Kongressabgeordneten aus Idaho, noch seine Regeln. Wir machen die Regeln.</p><empty-line/><p>Ich sah Bach drei Tage sp�ter wieder. Diesmal erreichte mich seine Einladung auf weitaus weniger verschw�rerische Weise als vor meiner Abreise nach Idaho, und wir trafen uns auch nicht am anderen Ende des Landes, sondern nur ein paar hundert Schritte vom Capitol entfernt, allerdings zwanzig oder drei�ig Meter unter der Erde: Steel hatte mich angerufen und mir mitgeteilt, dass mich Bach in seinem B�ro bei Majestic erwartete.</p><p>�Setzten Sie sich, John�, sagte Bach, als ich den winzigen, fast spartanisch eingerichteten Raum betrat. Er sah nicht hoch, sondern bl�tterte in einer Akte voller eingeschriebener Bl�tter und Hochglanzfotos. W�hrend ich mich setzte, z�ndete er sich eine Zigarette an und schob mir die Packung �ber den Tisch hinweg zu. �Auch eine?�</p><p>�Danke.� Ich sch�ttelte den Kopf. Das B�ro hatte zwar eine Klimaanlage, die aber nicht eingeschaltet war. Ich hatte schon M�he, zu atmen, auch ohne zu rauchen.</p><p>�Eine vern�nftige Einstellung. Rauchen ist wirklich ungesund. Eine schreckliche Angewohnheit.� Bach hob endlich den Blick von seinen Papieren, nahm einen tiefen Zug aus seiner Zigarette und sah mich zwei oder drei Sekunden lang durchdringend an.</p><p>�Wie geht es Ihnen, John?�</p><p>�Gut�, antwortete ich. Worauf wollte er hinaus?</p><p>�Pratt macht keine Schwierigkeiten?�</p><p>�Er ist nicht begeistert, aber ich sch�tze, er hat die Botschaft verstanden�, antwortete ich. �Sie war ja auch deutlich genug.�</p><p>Bach zog erneut an seiner Zigarette. Ich h�tte das nicht sagen sollen, das wusste ich. Schlie�lich sagte er: �Ihre Freundin ist zufrieden mit ihrer neuen T�tigkeit?�</p><p>�Ich denke schon�, antwortete ich. �Allerdings sehe ich sie kaum noch. Sie hat eine Menge zu tun.�</p><p>�Nun, es gibt ein paar Unterschiede zwischen der Arbeit beim YMCA und der im Vorzimmer der First Lady�, sagte Bach. �Sie wird sich schon daran gew�hnen. Und wahrscheinlich hat sie eine Menge interessanter Dinge zu erz�hlen, wenn sie abends nach Hause kommt.�</p><p>Ich starrte ihn an. �Sir?�</p><p>�Sie haben mich schon verstanden, John�, sagte Bach. �Und vergessen Sie den Sir. Jeder hier nennt mich Captain.�</p><p>�Ich bin nicht sicher, ob ich Sie verstanden habe, Captain�, antwortete ich betont. �Sie m�chten, dass ich f�r Sie spioniere?�</p><p>�Nein�, antwortete Bach. Er klang nicht ver�rgert. �Ganz im Gegenteil. Ich m�chte nicht, dass Sie auch nur eine einzige Frage stellen, John. Halten Sie einfach nur die Ohren offen. Und von Zeit zu Zeit werden wir uns unterhalten, und ich erfahre so den neusten Klatsch und Tratsch aus dem Wei�en Haus. Das ist doch nicht zu viel verlangt, oder?�</p><p>�Zu viel verlangt? Wof�r?�</p><p>Bach seufzte. �Sehen Sie, John, das ist einer der Gr�nde, aus denen ich Sie mag. Sie sind immer f�r ein offenes Wort, nicht? Also gut, dann reden wir Klartext. Niemand bekommt bei Majestic etwas geschenkt. Sie ebenso wenig wie ich. Ich verlange nichts Unm�gliches von Ihnen. Nicht einmal viel. Sie werden mir berichten, was Kimberley erz�hlt, und daf�r halte ich Ihnen Pratt vom Hals. So einfach ist das.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob mir das gef�llt�, sagte ich.</p><p>�Das muss es auch nicht�, erwiderte Bach unger�hrt. �Tun Sie es einfach.�</p><p>Er dr�ckte seine Zigarette aus, schnippte sofort eine neue aus der Packung und schob sie dann wieder zur�ck, ohne sie anzuz�nden. �Wir arbeiten noch nicht sehr lange zusammen, John�, sagte er. �Aber trotzdem kenne ich Sie schon gut genug. Sie sind anders als die meisten, die f�r mich arbeiten. Sie glauben an das, was Sie tun. Das ist einer der Gr�nde, aus denen ich Sie mag. Der andere ist, dass Sie ein Gewissen haben.�</p><p>�Worauf wollen Sie hinaus, Captain?� fragte ich.</p><p>�Wie gesagt, immer offen und direkt aufs Ziel zu.� Bach sch�ttelte den Kopf und z�ndete sich jetzt doch eine Zigarette an. �Aber gut. Im Klartext: Es gibt eine Menge Dinge, die ich an Ihnen sch�tze. F�r mich arbeiten viele Menschen, ganz unterschiedliche Typen - aber nur wenige von ihnen sind wie Sie. Ich brauche gute Leute. Wenn Sie erst einmal verstehen, worum es bei unserer Arbeit wirklich geht, dann werden Sie auch begreifen, wie dringend ich Sie brauche.�</p><p>�Ich dachte, das w�sste ich bereits.�</p><p>�Sie wissen gar nichts, John�, sagte Bach ruhig. �Sie haben einen Kieselstein gesehen, aber was in Wahrheit da ist, ist ein Berg. Nicht einmal ich wei�, wie gro� er wirklich ist. Ich kann Ihre Bedenken verstehen. Sie glauben, dass der Preis f�r das, was ich Ihnen geschenkt habe, vielleicht zu hoch ist. Und wissen Sie was? Er ist es.�</p><p>�Sir?�</p><p>�Captain�, verbesserte mich Bach automatisch. �Wir alle m�ssen Dinge tun, die wir nicht wollen, John. Sie, ich ... alle hier. Es geht nicht darum, was wir wollen, John. Es geht darum, was wir tun m�ssen. Und es steht nicht zur Debatte, ob es Ihnen oder mir gef�llt. Dazu steht zu viel auf dem Spiel.�</p><p>�Das wei� ich, Captain�, sagte ich. �Aber ich kann Kim nicht bitten, den Pr�sidenten auszuspionieren!�</p><p>�Weil Sie ein Patriot sind?� Bach lachte. �Kim und Sie werden heiraten, nehme ich an?�</p><p>�Irgendwann sicher�, antwortete ich verwirrt, �aber was ...�</p><p>�Und Sie m�chten Kinder haben?�</p><p>�Wir haben noch nicht konkret dar�ber gesprochen, aber ... sicher. In ein paar Jahren.�</p><p>Bach zog an seiner Zigarette, klappte den Aktendeckel vor sich auf und zog drei Schwarzwei�fotografien einer fliegenden Untertasse heraus. �Was w�rden Sie tun, um Ihre Kinder zu besch�tzen, John? W�rden Sie um ihre Leben k�mpfen? W�rden Sie l�gen? Ihre Freunde verraten - vielleicht t�ten? Antworten Sie ehrlich, John. Wenn das Leben Ihrer eigenen Kinder bedroht w�re, w�rden Sie dann nicht alles tun, um sie zu besch�tzen? Und ich meine wirklich alles?�</p><p>�Vermutlich schon�, antwortete ich, �aber ...�</p><p>�Und warum gestehen Sie mir nicht dasselbe Recht zu, wenn es um das Leben der gesamten Menschheit geht?� unterbrach mich Bach. �Denn dar�ber reden wir. Um nichts weniger. Diese ... Kreaturen sind nicht hier, um uns einen Freundschaftsbesuch abzustatten, John, das ist es, was Sie endlich begreifen m�ssen. Sie t�ten Menschen. Sie entf�hren M�nner, Frauen und Kinder und tun ihnen unaussprechliche Dinge an. Sie sind irgendwo dort oben, John. Sie beobachten uns, wie Ameisen in einem Terrarium, und sie warten auf ihre Chance.�</p><p>�Das wissen wir nicht genau, oder?� fragte ich.</p><p>�Nein�, gestand Bach. �Aber solange ich keinen Beweis f�r das Gegenteil habe, gehe ich davon aus, dass es so ist. Dass wir um unsere nackte Existenz k�mpfen, John. Ich kann keine R�cksicht auf Ihre Gef�hle als Patriot nehmen, oder auf Ihr Gewissen; ebenso wenig wie auf meines. Daf�r steht zu viel auf dem Spiel.�</p><p>�Sie meinen: Der Zweck heiligt die Mittel? Immer und unter allen Umst�nden?�</p><p>�In diesem Falle, ja�, antwortete Bach ernst. �Ich habe Dinge tun m�ssen, die mir nicht gefallen. Sie werden vielleicht Dinge tun m�ssen, die Ihnen nicht gefallen. Vielleicht werde ich Dinge von Ihnen verlangen, f�r die Sie mich hassen werden. Vielleicht Dinge, f�r die Sie sich selbst hassen. Aber es muss sein. Wir haben keine Wahl. Sie nicht, ich nicht ... niemand.�</p><p>�Und Sie w�rden Ihr Land verraten?�</p><p>�Um es zu retten?� Bach nickte. �Sicher.�</p><p>�Ich werde ... dar�ber nachdenken�, sagte ich.</p><p>�Dazu ist es zu sp�t, John�, sagte Bach.</p><p>�Weil Sie mir keine Wahl lassen?�</p><p>�Weil Ihnen die Umst�nde keine Wahl lassen�, verbesserte mich Bach. �Ich verstehe Ihre Gef�hle, John. Ich war einmal in der gleichen Situation wie Sie. Irgendwie ... bin ich es noch. Glauben Sie nicht, dass es mir Freude bereitet, Majestic zu leiten. Die meisten Menschen denken, dass es ein erhebendes Gef�hl ist, Macht zu haben, aber ich kann Ihnen versichern, dass es nicht stimmt. Es ist eine Last. Eine unertr�gliche Last, John. Ich wei� nicht, wie lange ich sie noch alleine tragen kann. Manchmal hasse ich mich f�r das, was ich tue.�</p><p>�Warum tun Sie es dann?�</p><p>�Ich habe die Grauen nicht gebeten, hierherzukommen�, antwortete Bach. �Keiner von uns tat das. Aber sie sind nun einmal da. Wir f�hren einen Krieg, John, und es ist ein verdammt ungleicher Kampf, denn wir wissen weder, wer unsere Feinde sind, noch, was sie wollen oder wozu sie wirklich f�hig sind. Alles, was ich wei�, ist, dass sie gnadenlos sind. Und dass wir kein Mitleid von ihnen zu erwarten haben.�</p><p>�Haben Sie je versucht, Kontakt mit ihnen aufzunehmen?� fragte ich.</p><p>�Sie verstehen immer noch nicht, worum es hier geht�, sagte Bach leise. �Das ist kein Krieg zwischen zwei verfeindeten Staaten. Ich spreche nicht von den Kommunisten oder den Gelben, John! Es geht hier nicht um Politik oder eine andere Weltanschauung! Wenn es zu einem offenen Kampf kommt, dann wird es ein Kampf ohne Gnade sein. Es wird keine Kompromisse geben, keine Friedensverhandlungen; nicht einmal eine Kapitulation. Sie oder wir. So einfach ist das.�</p><p>�Woher wissen Sie das?� fragte ich.</p><p>Bach machte sich nicht einmal die M�he, zu antworten. Ich wusste, dass er Recht hatte. Ich hatte die ... Fremdartigkeit der Aliens ebenso deutlich gesp�rt wie er und jeder andere, der jemals in die N�he eines Grauen gekommen war, ganz gleich, ob lebend oder tot. So sehr ich Bach auch widersprechen wollte, ich konnte es nicht. Er hatte Recht. Es ging nicht um eine andere Nationalit�t oder Hautfarbe. Die Grauen waren Produkte einer vollkommen anderen Sch�pfung. Vielleicht war kein Platz f�r sie und uns zusammen auf dieser Welt.</p><p>�Denken Sie dar�ber nach, John�, sagte Bach. �Lassen Sie sich Zeit. Mir ist klar, dass ich die vielleicht schwerste Entscheidung Ihres Lebens von Ihnen verlange, aber ich muss es tun.�</p><p>Ich stand auf. Bach dr�ckte seine Zigarette in den Aschenbecher und widmete sich wieder seinem Schnellhefter.</p><p>�Captain?�</p><p>Bach z�gerte einen Moment, ehe er aufsah. �Ja? War noch etwas?�</p><p>�Ich ...� Ich suchte eine Sekunde lang nach Worten, sch�ttelte schlie�lich den Kopf und sagte nur: �Nein. Entschuldigen Sie. Ich ... werde �ber alles nachdenken, was Sie gesagt haben.�</p><p>�Tun Sie das, John�, sagte Bach. �Und jetzt entschuldigen Sie mich. Ich habe noch eine Menge zu tun.�</p><p>Ich ging, aber innerlich verfluchte ich mich f�r meine Feigheit. Wahrscheinlich hatte Bach Recht gehabt, als er behauptete, dass wir einen Krieg f�hrten, wie ihn diese Welt noch nicht gesehen hatte. Aber ich hatte einfach nicht den Mut gehabt, die Frage zu stellen, die mir die ganze Zeit im Kopf herumgegangen war.</p><p>Die Frage, wer diesen Krieg angefangen hatte.</p><empty-line/><p>In dem aufgew�hlten Zustand, in dem ich mich befand, wagte ich es nicht, nach Hause zu gehen. Ich h�tte nicht die Kraft gehabt, ihr in die Augen zu sehen. Bach hatte mich nicht wirklich vor eine Entscheidung gestellt. Die Frage, �ber die ich nachdenken sollte, hatte er in Wahrheit l�ngst f�r mich entschieden. Ich hatte die Wahl, aus voller �berzeugung f�r ihn zu arbeiten oder widerwillig, aber nicht die, sein Angebot auszuschlagen. Aber so lange ich Kimberley nicht gegen�bertrat, konnte ich mir wenigstens noch einreden, ich h�tte sie.</p><p>Statt zum Aufzug zu gehen, schlenderte ich ziellos durch die unterirdischen G�nge von Majestic - jene Teile der Anlage, die ich betreten durfte, hei�t das. Obwohl ich nun seit Monaten dabei war und Bachs Vertrauen in einem Ma� genoss, das ich mir selbst nicht v�llig erkl�ren konnte, waren gro�e Teile des unterirdischen Labyrinthes f�r mich noch immer tabu; ich wusste weder, wie gro� diese Anlage war, noch, was sie alles enthielt. Ich war auch nicht ganz sicher, ob ich es wirklich noch wissen wollte.</p><p>Beinahe ohne mein Zutun hatten mich meine Schritte in den Labortrakt ger�hrt. Ich blieb stehen und wollte mich gerade wieder herumdrehen und gehen, als ich eine bekannte Stimme vernahm.</p><p>Sie geh�rte Walt. Von allen hier war er vielleicht der Mensch, mit dessen Namen ich den Begriff Freund noch am ehesten verbunden h�tte; zumindest war er eindeutig nicht gegen mich, und das war bei Majestic vielleicht schon mehr, als man erwarten konnte. Und im Moment hatte ich das dringende Bed�rfnis, mit jemandem zu reden. Also ging ich weiter und �ffnete nach kurzem Z�gern die T�r, unter der Walts Stimme hervordrang.</p><p>Einen Moment sp�ter bedauerte ich es fast schon wieder.</p><p>Walt war nicht allein. Steel und er sa�en an einem kleinen Tisch und spielten Karten. Als sie das Ger�usch der T�r h�rten, sahen beide auf; Walt l�chelte, w�hrend Steel auf eine Art die Stirn runzelte, die mir nicht gefiel. Aber streng genommen gefiel mir an Steel �berhaupt nichts. M�glicherweise lag das ja daran, dass ich unser erstes Zusammentreffen noch nicht vergessen hatte.</p><p>�Hi, John�, begr��te mich Walt. �Ich wusste gar nicht, dass du Dienst hast.�</p><p>�Habe ich auch nicht�, antwortete ich. �Ich war bei Bach.�</p><p>�Hat er dir einen Heiratsantrag gemacht?� fragte Steel.</p><p>Ich ignorierte ihn, schloss nach einem letzten Z�gern die T�r hinter mir und trat ganz an den Tisch heran. �Wer gewinnt?� fragte ich.</p><p>Steel deutete mit einer Kopfbewegung auf zwei unterschiedlich gro�e Stapel Streichh�lzer, die vor Walt und ihm auf dem Tisch lagen. �Das siehst du doch. Dieser kleine Zocker hat mich fast ausgepl�ndert. Wenn es so weitergeht, bin ich bald ruiniert.� Er g�hnte, dann sah er auf die Armbanduhr und g�hnte erneut. �Noch drei Stunden. Gro�er Gott, diese Schicht nimmt kein Ende!�</p><p>�Drei Stunden?�</p><p>�Bis ich abgel�st werde�, sagte Steel.</p><p>Ich �berlegte nur eine Sekunde. Kimberley war jetzt vielleicht schon zu Hause, und wenn nicht, dann w�rde sie es bald sein. Ich konnte an diesem Abend nicht mit ihr reden. Nicht, bevor ich nicht mit mir selbst ins Reine gekommen war. Wenn ich ihr jetzt in die Augen sehen musste, dann w�rde ich ihr alles erz�hlen, wenn sie auch nur eine einzige Frage stellte.</p><p>�Warum gehst du nicht nach Hause?� fragte ich. �Ich �bernehme den Rest deiner Schicht.�</p><p>Steel blinzelte. �Im Ernst?�</p><p>�Ich habe nichts vor�, antwortete ich. �Meine Freundin ist noch im B�ro, und den Film im Fernsehen kenne ich schon.�</p><p>�Du willst dich bei mir einschmeicheln, wie?� fragte Steel. Trotzdem warf er die Karten auf den Tisch und stand auf. �Das wird dir nichts nutzen.�</p><p>�Hau schon ab.� Ich wartete, bis er das Zimmer verlassen hatte, dann nahm ich auf seinem frei gewordenen Stuhl Platz, griff nach seinen Spielkarten und drehte sie herum. Steel hatte einen Royal Flush auf der Hand gehabt.</p><p>�Pech f�r ihn�, sagte ich. �Damit h�tte er alle seine Streichh�lzer zur�ckgewinnen k�nnen.�</p><p>�Glaube ich nicht�, antwortete Walt grinsend. �John ist der miserabelste Pokerspieler, dem ich jemals begegnet bin. Er w�rde selbst mit f�nf Assen noch verlieren.�</p><p>Walt begann die Spielkarten einzusammeln und deutete zugleich mit einer Kopfbewegung auf ein kleines Schr�nkchen neben der T�r, auf dem eine Kaffeemaschine vor sich hinblubberte. �Du h�ttest mir dasselbe Angebot machen k�nnen wie ihm�, sagte er.</p><p>�Und die n�chsten drei Stunden in Steels Gesellschaft verbringen?� Ich sch�ttelte heftig den Kopf und stand wieder auf; allerdings nicht, um mir einen Kaffee einzuschenken. Seinem Geruch nach zu urteilen, musste er seit Stunden auf der Warmhalteplatte stehen. Stattdessen trat ich an die gro�e Glasscheibe in der gegen�berliegenden Wand und �ffnete die Jalousien, die den Raum dahinter vor neugierigen Blicken abschirmten.</p><p>�Was bewacht ihr hier eigentlich?� fragte ich.</p><p>Walt lachte. �Ein Mitglied von Steels Familie.�</p><p>Das Labor hatte sich seit meinem letzten Besuch ver�ndert. Eine ganze Anzahl neuer, imposant aussehender Ger�te waren aufgestellt worden, und unmittelbar hinter der Scheibe stand eine 16-mm-Filmkamera mit einem Weitwinkelobjektiv, die die ganze Szenerie aufnahm. Doktor Hertzog stand mit dem R�cken zur Scheibe �ber einen massiven Gitterk�fig gebeugt da, in dem sich das befand, was Walt als Steels Familienmitglied bezeichnet hatte: ein kleiner Schimpanse.</p><p>�Was tut er da?� fragte ich.</p><p>�Frag ihn selbst�, antwortete Walt. �Irgendwelche Experimente. Ich habe ihn gefragt, aber er hat nicht geantwortet. Vielleicht weiht er dich ja in sein gro�es Geheimnis ein.�</p><p>In seiner Stimme war ein Unterton von Bitterkeit, der mich dazu bewog, mich wieder zu ihm herumzudrehen und ihn anzublicken. �Wie meinst du das?�</p><p>Bevor Walt antworten konnte, ging die Zwischent�r auf, und Hertzog kam herein. Er trug eine kleine Glasphiole mit einer dunkelroten Fl�ssigkeit in der Hand. Als er mich sah, wirkte er ein bisschen �berrascht, l�chelte aber. �Loengard! Ich wusste gar nicht, dass Sie heute Nacht hier sind!�</p><p>�Bin ich auch nicht�, antwortete ich. �Wenigstens nicht offiziell.�</p><p>�Ich verstehe. Sie waren neugierig. Aber ich muss Sie entt�uschen. Es ist noch zu fr�h, um etwas zu sagen. Ich habe ihm die Probe erst vor zweiunddrei�ig Stunden injiziert.�</p><p>�Die Probe?�</p><p>�Hat Ihnen Bach nichts ...� Hertzog sch�ttelte �rgerlich den Kopf. �Nat�rlich hat er nicht. Typisch Bach. Wenn es m�glich w�re, w�rde er wahrscheinlich auch noch die genaue Uhrzeit zum Staatsgeheimnis erkl�ren.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf, schloss pedantisch die T�r hinter sich ab und wies auf den Gitterk�fig mit dem Schimpansen. �Wir haben Cheeta hier einige K�rperzellen des Ganglions injiziert. Die Ergebnisse sind erstaunlich.�</p><p>�Sie haben was?� kr�chzte ich.</p><p>�Eine einmalige Gelegenheit�, sagte Hertzog. Den entsetzten Unterton in meiner Stimme hatte er gar nicht zur Kenntnis genommen. �Wir wissen seit f�nfzehn Jahren von diesen Biestern, aber es ist das erste Mal, dass wir ein lebendes Exemplar in die H�nde bekommen haben.�</p><p>�Soll das hei�en, dieses ... Ding lebt noch?� fragte ich schaudernd.</p><p>�Es ist ein z�hes kleines Mistst�ck�, best�tigte Hertzog. �Beunruhigend z�h, wenn ich ehrlich sein soll. Wir haben ihm einige Dinge angetan, die jedes lebende Wesen auf dieser Welt umgebracht h�tten. Aber es lebt noch immer.�</p><p>�Und trotzdem experimentieren Sie damit herum?� fragte ich schaudernd. Mein Blick blieb dabei fest auf dem Schimpansen im K�fig gerichtet. Das Tier sa� ruhig da und schien meinen Blick zu erwidern; auf eine Art und Weise, die nicht so recht zu einem Tier zu passen schien.</p><p>�Gerade deshalb, John�, antwortete Hertzog ernst. �Man muss seinen Gegner kennen, um ihn bek�mpfen zu k�nnen. Sehen Sie sich diesen Schimpansen an. Irgendetwas ... geschieht mit ihm.�</p><p>Der Affe wandte den Kopf und sah nun Hertzog an. Sicher war es nur ein Zufall. Die Glasscheibe, die das Labor vom Vorraum trennte, war absolut schalldicht. Es konnte nur ein Zufall sein.</p><p>Hertzog seufzte und hob die Hand mit dem Glasr�hrchen. �Ich muss diese Blutprobe untersuchen�, sagte er. �Und danach werde ich mich vielleicht f�r eine oder zwei Stunden hinlegen, Sie rufen mich, wenn sich irgendetwas dort drinnen tut?�</p><p>�Sicher�, antwortete ich.</p><p>�Und vergessen Sie nicht, den Film zu wechseln�, f�gte Hertzog noch hinzu. �Ich m�chte, dass jede Sekunde aufgenommen wird. Wahrscheinlich ist es Verschwendung, aber man wei� nie ...�</p><p>Er ging. Walt wartete, bis er die T�r hinter sich geschlossen hatte, dann sagte er: �Das habe ich gemeint.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ich bin seit zwei Jahren dabei�, sagte Walt m�rrisch. �Er hat in dieser ganzen Zeit zusammengerechnet nicht so viel mit mir gesprochen wie jetzt gerade mit dir. Was ist so Besonderes an dir, dass alle hier einen Narren an dir gefressen haben?�</p><p>�Vielleicht bin ich besonders leicht zu beeinflussen�, antwortete ich. �Oder sie glauben, sie k�nnten mir ruhig alles anvertrauen, weil ich sowieso nicht begreife, was sie sagen.�</p><p>Walt blieb ernst, aber er sagte nichts mehr, sondern stand auf und trat mit langsamen Schritten neben mich. Ein Schatten huschte �ber sein Gesicht, als er den Schimpansen ansah, der noch immer reglos in einer Ecke seines K�figs hockte.</p><p>�Armes Vieh�, murmelte er. �Es wird dieses Experiment nicht �berleben, oder?�</p><p>�Ich sch�tze nicht�, antwortete ich. Die ehrliche Antwort auf seine Frage w�re gewesen: Ich hoffe nicht. Das Tier tat mir leid, aber ich hatte weder die eisige K�lte in Brandons Augen vergessen, noch das, was w�hrend der Obduktion seines Leichnams geschehen war.</p><p>�Ich liebe Tiere�, sagte Walt. �Warum tun sie dieser wehrlosen Kreatur so etwas an?�</p><p>�Weil sie es sonst einem Menschen antun m�ssten, und ich sch�tze, die Auswahl an Freiwilligen ist im Moment nicht besonders gro�. Oder m�chtest du dich zur Verf�gung stellen?�</p><p>�Bestimmt nicht.� Walt sch�ttelte sich. Der Schimpanse in seinem K�fig blickte abwechselnd ihn und mich sehr aufmerksam an, und wieder hatte ich das Gef�hl, dass das Tier nicht einfach nur dasa� und uns anstarrte, sondern jedes Wort verstand, das wir sprachen.</p><p>�Ob sie dasselbe auch all diesen Leuten angetan haben?� fragte Walt leise. �All diesen M�nnern und Frauen, die sie entf�hrt haben?�</p><p>�Brandon und die Hills?�</p><p>�Oh, es waren noch sehr viel mehr�, antwortete Walt. �Alles hat Bach dir noch nicht erz�hlt, wie? Brandon und die Hills waren l�ngst nicht die einzigen. Selbst wenn wir alle Wichtigtuer und Spinner abziehen, bleiben noch genug �brig, um mir Angst zu machen. Ich frage mich, ob sie alle einen solchen ... Gast haben.�</p><p>�Genau das versucht Hertzog herauszufinden�, antwortete ich.</p><p>�Es ist trotzdem nicht richtig�, sagte Walt. �Dieses arme Tier kann nichts daf�r.�</p><p>Der Affe h�rte auf, abwechselnd ihn und mich durch die Glasscheibe hindurch anzustarren. Er stand auf, schlurfte zur T�r seines K�figs und r�ttelte daran. Nur einmal, und nicht besonders kr�ftig. Statt weiter an den Gitterst�ben zu r�tteln, wie es jeder normale Affe getan h�tte, streckte er die Hand durch die St�be hindurch und fuhr pr�fend mit den Fingern �ber das Zahlenschloss, das die T�r sicherte.</p><p>�Zehn Dollar, dass er die Kombination herausfindet�, sagte Walt. Es sollte ein Scherz sein, aber sein Lachen klang nicht einmal echt genug, um ihn selbst zu �berzeugen. Nach ein paar Sekunden drehte er sich mit einem Ruck herum und ging schnell zu seinem Platz zur�ck.</p><p>�Hast du Lust auf eine Partie Karten?�</p><p>�Ich f�rchte, mir sind die Streichh�lzer ausgegangen�, antwortete ich. Ich sah immer noch den Affen an. Die Finger des Schimpansen fuhren fort, �ber das Zahlenschloss zu streichen, in einer pr�fenden, beunruhigend menschlich wirkenden Geste. Eine Sekunde lang dachte ich ernsthaft daran, Hertzog zu benachrichtigen, entschied mich aber dann dagegen. Schlie�lich ging auch ich zum Tisch zur�ck und setzte mich.</p><p>�Wohin ist eigentlich die Tafel gekommen?� fragte ich.</p><p>�Die Symboltafel von Brandons Feld?� Walt hob die Schultern. �Dahin, wo das meiste verschwindet, nehme ich an.� Er machte eine flatternde Handbewegung. �Majestic ist gro�. Ich glaube, nicht einmal Bach wei� noch, wo er all seine kleinen Sch�tze hingelegt hat.�</p><p>�Wei�t du es?�</p><p>Walt machte eine Geste, die alles oder auch gar nichts bedeuten konnte. �Frag Bach. Er mag es nicht, wenn wir zu viel reden.�</p><p>�Du magst ihn nicht besonders, wie?�</p><p>�Niemand mag Bach�, antwortete Walt ernsthaft. �Nicht einmal Bach selbst. B�se Zungen behaupten, er am allerwenigsten.�</p><p>�Warum bist du dann hier?�</p><p>�Der Job wird gut bezahlt�, antwortete Walt.</p><p>�Bl�dsinn.�</p><p>�Ich war dabei�, sagte Walt nach einer Weile. �In Roswell.�</p><p>�Du hast es gesehen?� fragte ich aufgeregt. �Ich meine, nicht nur auf Fotos, sondern wirklich?�</p><p>�Ich habe mitgeholfen, das Wrack zu bergen�, best�tigte Walt. �Ich war damals ein junger Air-Force-Soldat. Wir hatten nicht die geringste Ahnung, was wir �berhaupt taten - aber ich kann dir versichern, dass es ganz bestimmt kein Wetterballon war, wie die Zeitungen behauptet haben.�</p><p>�Aber das ist f�nfzehn Jahre her�, sagte ich. �Gerade hast du gesagt, du w�rst seit zwei Jahren dabei.�</p><p>�Wie gesagt: Ich war ein junger Soldat. Ich habe gehorcht und getan, was man mir gesagt hat, und im �brigen die Klappe gehalten. Aber irgendwann fing ich an, unbequeme Fragen zu stellen.�</p><p>�Und da hat Bach dir ein Angebot gemacht ...�</p><p>�... das ich nicht ausschlagen konnte.� Walt zog eine Grimasse. �Er hat ziemlich �berzeugende Methoden, seinen Willen durchzusetzen. Es gab noch ein, zwei andere aus dem Bergungstrupp von damals, die nicht l�nger schweigen wollten. Ihnen hat Bach auch ein Angebot gemacht, aber sie haben es abgelehnt.�</p><p>�Und?�</p><p>�Niemand hat jemals wieder von ihnen geh�rt.�</p><p>Ich starrte ihn an. �Du willst damit sagen ...�</p><p>�Ich will gar nichts sagen�, fiel mir Walt ins Wort. �Ich sage nur, dass ich mich entschieden habe, f�r Majestic zu arbeiten.� Er sah auf die Uhr. �Der Film muss gleich gewechselt werden. Holst du eine neue Rolle aus dem Lager?�</p><p>�Sicher.� Ich war entt�uscht, und ich machte keinen Hehl daraus. Walt hatte im Grunde nur ausgesprochen, was ich insgeheim schon lange argw�hnte, aber es war eben etwas ganz anderes, etwas zu vermuten, oder es zu wissen. Aber ich versuchte nicht, ihn weiter zu bedr�ngen. Vermutlich hatte er ohnehin schon mehr gesagt, als er eigentlich gewollt hatte. Ich verlie� das Labor, ging ins Lager und holte eine neue Filmrolle; ein Unternehmen, das weitaus l�nger dauerte, als ich angenommen hatte. Majestic mochte eine der geheimnisvollsten und fantastischsten Organisationen sein, die es gab, aber selbst hier herrschte die B�rokratie: Ich musste ungef�hr ein halbes Dutzend Formulare und Antr�ge ausf�llen, um eine neue Filmrolle zu bekommen, und es dauerte fast zwanzig Minuten, ehe ich wieder ins Labor zur�ckkam.</p><p>Zu lange f�r Walt. Er hatte sich in seinem Stuhl zur�ckgelehnt, die F��e auf den Tisch gelegt und war eingeschlafen. Ich l�chelte, legte die Filmrolle auf den Tisch ...</p><p>... und erstarrte mitten in der Bewegung.</p><p>�Walt.�</p><p>Walt schnarchte lautstark zur Antwort.</p><p>�Walt!� rief ich noch einmal. �Verdammt, wach auf!�</p><p>Walt �ffnete blinzelnd die Augen, nahm die F��e vom Tisch und sah mich mit verschleiertem Blick an. �Was ... oh, ich bin wohl ...�</p><p>�Der Affe ist weg�, unterbrach ich ihn.</p><p>Walt starrte mich noch eine weitere halbe Sekunde lang v�llig verst�ndnislos an, aber dann wachte er schlagartig auf und sprang so hastig in die H�he, dass sein Stuhl nach hinten flog und umkippte. Mit einem einzigen Satz war er neben mir und starrte die offen stehende T�r des Affenk�figs an.</p><p>�Aber wie ... wie ist das m�glich?� stammelte er. �Verdammt noch mal, wie lange habe ich geschlafen?!�</p><p>�Keine zehn Minuten�, antwortete ich. �Es sieht so aus, als ob ich dir zehn Dollar schulde.�</p><p>Walt fuhr sich nerv�s mit der Hand �ber das Gesicht. Wir standen beide vor der geschlossenen Glast�r, aber das Licht im Labor war hell genug, um das kleine Zahlenschloss zu erkennen, das neben der K�figt�r lag.</p><p>�Hertzog muss vergessen haben, es zuzumachen�, sagte Walt nerv�s.</p><p>Das war eine M�glichkeit. Aber ich glaubte nicht daran.</p><p>�Wir m�ssen ihn wieder einfangen�, fuhr Walt fort. �Er muss noch dort drinnen sein.�</p><p>�Das mache ich�, sagte ich rasch. �Geh und sag Hertzog Bescheid.�</p><p>Walt z�gerte. �Keine Sorge�, sagte ich. �Er kann nicht weit sein. Ich fange ihn ein, bevor du mit Hertzog zur�ck bist.�</p><p>Mein Blick glitt aufmerksam durch den Raum auf der anderen Seite der Glasscheibe. Das Labor war nicht besonders gro�, aber so vollgestopft mit Schr�nken, Tischen und Ger�ten, dass sich ein ganzes Dutzend Schimpansen darin verstecken konnte. Ich war nicht begeistert von der Vorstellung, jetzt dort hineinzugehen und nach dem Tier zu suchen. Aber alles in mir schrie mir zu, mich zu beeilen, bevor es zu sp�t war. Zu sp�t f�r was? schoss es mir durch den Kopf. M�hsam dr�ngte ich den Gedanken beiseite.</p><p>�Verschwinde schon�, herrschte ich Walt an. �Und mach die T�r hinter dir zu.�</p><p>Ich wartete, bis er den Raum verlassen und die T�r hinter sich zugezogen hatte, ehe ich das eigentliche Labor betrat. Ich war nerv�s, aber ich hatte keine Angst. Ganz gleich, was in ihm war, letzten Endes hatte ich es nur mit einem Affen von der Gr��e eines f�nfj�hrigen Kindes zu tun.</p><p>Vorsichtig n�herte ich mich dem K�fig, ging in die Hocke und hob das Schloss auf. Es war nicht aufgebrochen, sondern sorgsam ge�ffnet worden - und ich war verdammt sicher, dass Hertzog nicht vergessen hatte, es zu schlie�en.</p><p>Sein Experiment war wohl erfolgreicher gewesen, als er selbst angenommen hatte. Wie es aussah, schuldete ich Walt einen Zehner.</p><p>Der Gedanke jagte mir einen eisigen Schauer �ber den R�cken. Zweiunddrei�ig Stunden! Und er hatte dem Affen nur ein paar Zellen des Ganglions injiziert!</p><p>Langsam lie� ich das Zahlenschloss in die Jackentasche gleiten, stand auf ...</p><p>... und st�rzte haltlos nach vorne, als etwas mit der Wucht eines Hammerschlages zwischen meine Schultern traf!</p><p>Irgendwie gelang es mir, meinen Sturz abzufangen, aber ich prellte mir dabei beide Handgelenke, und der Schmerz war so schlimm, dass ich laut aufschrie. Irgendetwas hing auf meinem R�cken. Kleine, aber unglaublich starke H�nde hatten sich um meinen Hals geschlossen und versuchten mir die Luft abzuschn�ren. M�hsam kam ich auf die F��e, griff mit beiden H�nden hinter mich und sp�rte borstiges Fell.</p><p>Ich bekam keine Luft mehr. Der Affe war ungeheuer stark; viel kr�ftiger, als ich es bei einem Tier dieser Gr��e jemals f�r m�glich gehalten h�tte. Und er k�mpfte ganz und gar nicht so, wie ich es von einem Tier erwartete. Statt auf mich einzuschlagen, mir das Gesicht zu zerkratzen oder mich zu bei�en, klammerte er sich mit verbissener Wut an mich und dr�ckte weiter auf meine Kehle. Meine Luft wurde allm�hlich knapp.</p><p>Die Vorstellung, vielleicht von einem kleinkindergro�en Schimpansen erw�rgt zu werden, war so grotesk, dass ich im ersten Moment nicht einmal Angst versp�rte. Ich griff erneut hinter mich, bekam irgendwie den Arm des Affen zu fassen und zerrte mit aller Kraft daran.</p><p>Er r�hrte sich nicht, aber der Druck auf meinem Kehlkopf nahm noch weiter zu. Ich h�tte geschrien, h�tte ich noch die Luft gehabt, die dazu n�tig gewesen w�re. Verzweifelt b�umte ich mich auf, taumelte durch den Raum und prallte gegen ein Regal voller Flaschen und Gl�ser, die klirrend zerbrachen. Der Affe hing noch immer auf meinem R�cken. Er gab keinen Laut von sich.</p><p>Die Atemnot wurde allm�hlich unertr�glich. Meine Lungen brannten wie Feuer, und vor meinen Augen begannen sich schwarze Nebelfetzen zu drehen. Ich stand kurz davor, das Bewusstsein zu verlieren. Hilflos taumelte ich durch das Labor, prallte gegen Schr�nke und W�nde, riss die Kamera und andere Ger�te um und zerrte verzweifelt weiter an den Armen des Schimpansen, ohne dass sich der Griff seiner winzigen H�nde auch nur um einen Deut lockerte. Das Labor begann vor meinen Augen zu verschwimmen. Alles drehte sich um mich. Meine Lungen schienen explodieren zu wollen, und ich konnte sp�ren, wie die Kraft aus meinem K�rper zu weichen begann. Noch ein paar Sekunden, und es war aus. Ich w�rde das Bewusstsein verlieren, und irgendetwas sagte mir, dass es der Schimpanse nicht dabei belassen w�rde. Er w�rde mich t�ten. Das Ding in ihm w�rde mich t�ten.</p><p>Mit letzter Kraft taumelte ich auf den Glasschrank zu, gegen den ich schon einmal geprallt war, drehte mich im letzten Moment herum und warf mich mit aller Gewalt nach hinten. Wieder splitterte Glas. Ich sp�rte einen brennenden Schmerz in der Schulter, und zum ersten Mal �berhaupt gab der Affe einen Laut von sich: einen schrillen, fast menschlich klingenden Schmerzensschrei. Sein Griff lockerte sich. Ich rang keuchend nach Atem, warf mich ein zweites Mal und noch heftiger nach hinten und wurde mit dem erneuten Bersten von Glas und einem noch schrilleren Schmerzensschrei belohnt. Der Griff der Schimpansenh�nde lockerte sich noch mehr. Mit einer allerletzten, verzweifelten Anstrengung packte ich seinen linken Arm, riss das Tier von meinem R�cken und schleuderte es davon. Der Affe flog quer durch das Labor, prallte gegen die Wand und rutschte hilflos daran hinab. Aus seinem R�cken ragten ein halbes Dutzend scharfkantiger Glasscherben, und sein Fell war dunkel und nass von Blut.</p><p>Meine Kr�fte versagten endg�ltig. Hilflos fiel ich zu Boden. Meine Kehle schmerzte unertr�glich, und ich hatte immer noch entsetzliche M�he, zu atmen. Ich verlor nicht das Bewusstsein, aber ich konnte nur noch verschwommen sehen, und ich war nicht in der Lage, mich nennenswert zu bewegen; geschweige denn, aufzustehen.</p><p>Der Schimpanse hatte weit weniger Schwierigkeiten. Jeder einzelne des guten Dutzends gl�serner Dolche, die sich in seinen R�cken gebohrt hatten, h�tte ausreichen m�ssen, um ihn umzubringen, aber er blieb nur einen Moment lang benommen liegen, ehe er sich wieder aufrichtete und mit pendelnden Armen n�her kam. In seinen Augen stand etwas geschrieben, das selbst den Schleier aus beginnender Ohnmacht durchbrach, der sich �ber mein Bewusstsein legen wollte. Er w�rde es zu Ende bringen.</p><p>Ich versuchte aufzustehen, aber es ging nicht. Ich bekam noch immer kaum genug Luft, um bei Bewusstsein zu bleiben. Hilflos tastete ich �ber den Boden, bekam eine gezackte Glasscherbe zu fassen und schloss die Finger darum, obwohl ich mir die Handfl�che dabei zerschnitt.</p><p>Der Schimpanse blieb stehen. Sein Blick glitt �ber die Glasscherbe in meiner Hand, dann �ber mein Gesicht, und dann wieder �ber meine improvisierte Waffe, als versuche er, meine Chancen einzusch�tzen, ihm damit ernsthaften Schaden zuzuf�gen.</p><p>Der Gedanke kam mir selbst beinahe absurd vor. Nach dem, was dieses Tier bereits �berstanden hatte, war ich nicht einmal sicher, ob ich ihm mit einem Maschinengewehr ernsthaften Schaden zuf�gen konnte.</p><p>Trotzdem griff er nicht abermals an, sondern zog sich ein kleines St�ck weit zur�ck, sah sich aufmerksam um - und begann dann mit geschickten Bewegungen zur Decke hinaufzuklettern.</p><p>Im allerersten Moment begriff ich nicht, was er tat. Aber es wurde mir sehr schnell klar.</p><p>Unter der Decke des Labors zog sich ein ganzes Gewirr von Rohrleitungen und Kabeln dahin. Der Schimpanse schwang sich auf eines dieser Rohre, packte ein anderes mit beiden H�nden und begann mit der gleichen, unheimlichen Kraft daran zu zerren, die ich gerade am eigenen Leib gesp�rt hatte.</p><p>Das Rohr war gute zwei Zoll dick und mit massiven Schrauben befestigt, aber es hielt dem w�tenden Zerren des Schimpansen trotzdem nur wenige Augenblicke stand. Drei, vier kr�ftige Rucke, und der Affe hielt eine meterlange, eiserne Keule in der Hand.</p><p>Ich versuchte erneut aufzustehen und fiel auch diesmal kraftlos zur�ck. Ich konnte immer noch nicht richtig atmen. Die Todesangst h�tte eigentlich meine letzten Kraftreserven mobilisieren m�ssen, aber sie tat es nicht. Im Gegenteil. Selbst die Glasscherbe in meiner Hand schien pl�tzlich Zentner zu wiegen.</p><p>Der Schimpanse blickte kalt auf mich herab. Sein Gesicht und seine Haltung blieben die eines Tieres, aber in seinen Augen stand eine boshafte, berechnende Intelligenz, die nicht tierisch war. Aber auch nicht menschlich, sondern ... fremd.</p><p>Die Augen, die auf mich herabsahen, stammten nicht von dieser Welt. Ihr Blick war so anders, dass ich nicht einmal zu erahnen vermochte, welche Art von Bewusstsein sich dahinter verbarg, doch was ich um so deutlicher sp�rte, das war der unb�ndige, gnadenlose Hass, der in diesem Bewusstsein lauerte; ein Hass, der keinen Grund brauchte und durch nichts zu bes�nftigen war. Und pl�tzlich wusste ich mit vollkommener Sicherheit, dass Bach in einem Punkt Recht hatte: Diese Gesch�pfe und wir w�rden niemals gemeinsam auf dieser Welt leben k�nnen. Sie oder wir. So einfach war das.</p><p>Der Schimpanse hob das Metallrohr, als h�tte er meine Gedanken gelesen und wolle mir zur Best�tigung zuwinken. Ich sah, wie sich seine Muskeln zum Sprung spannten und versuchte den Punkt abzusch�tzen, an dem er aufkommen w�rde. Ich hatte eine winzige Chance. Meine Glasscherbe war seinem Rohr nicht ebenb�rtig, ebenso wenig wie meine Muskelkraft der seinen, aber ich w�rde nicht kampflos aufgeben.</p><p>Die T�r flog auf. Walt st�rmte herein, sah mich am Boden liegen und zog in einer instinktiven Bewegung seine Waffe, und der Schimpanse auf den Rohrleitungen unter der Decke drehte sich blitzschnell herum und sprang.</p><p>�Walt! Pass auf!�</p><p>Meine Warnung kam zu sp�t. Der Schimpanse landete mit einem dumpfen Ger�usch auf dem Aktenschrank neben der T�r und schwang seine Rohrkeule. Walt registrierte die Bewegung im letzten Augenblick und versuchte zur�ckzuweichen. Er entging dem Hieb nicht, aber das Rohr streifte nur seine Schl�fe, statt ihm den Sch�del zu zertr�mmern. Trotzdem taumelte er zur�ck, lie� seine Waffe fallen und st�rzte benommen zu Boden.</p><p>Der Schimpanse sprang mit einem kraftvollen Satz vom Aktenschrank herunter. Aus seinem R�cken l�sten sich zwei Glasscherben, und der Blutstrom, der sein Fell tr�nkte, wurde breiter. Trotzdem verloren seine Bewegungen nichts von ihrer Kraft und Schnelligkeit. Er huschte auf Walt zu, blieb pl�tzlich wieder stehen und lie� dann das Rohr fallen. Stattdessen hob er Walts Pistole auf.</p><p>�Nein�, murmelte ich. �Nicht! Walt! Pass auf!�</p><p>Walt war vermutlich bewusstlos oder zu benommen, um meine Worte zu h�ren, aber der Affe reagierte darauf. Langsam drehte er den Kopf und sah zu mir zur�ck. In seinen Augen loderte blanker Hass, aber auch fast so etwas wie Triumph - und ein d�steres Versprechen.</p><p>Walt regte sich st�hnend. Mit unsicheren Bewegungen stemmte er sich auf die Ellbogen hoch, hob die linke Hand an den Kopf und verzog das Gesicht. Aus einer Platzwunde an seiner Schl�fe floss Blut, aber sie sah vermutlich schlimmer aus, als sie war.</p><p>�Verschwinde!� rief ich. �Verdammt noch mal, Walt, hau ab! Hol Hilfe!�</p><p>Meine Kraft kehrte allm�hlich zur�ck. Irgendwie gelang es mir, mich in die H�he zu stemmen, und auch Walt �berwand seine Benommenheit und stand auf. Seine Augen wurden rund vor Staunen, als er die Waffe sah, die der Schimpanse in den H�nden hielt.</p><p>�Was -?!�</p><p>Der Schimpanse hob die Pistole. Sein Blick glitt zwischen Walt und mir hin und her, als �berlege er, wer von uns der gef�hrlichere Gegner war. Dann hob er ganz langsam die Pistole, zielte auf Walt und zog mit dem Daumen den Hahn zur�ck.</p><p>Walt machte einen Schritt nach hinten. Aus dem Ausdruck vollkommenen Unverstehens auf seinem Gesicht wurde Schrecken, dann pures Entsetzen.</p><p>�Nein�, keuchte ich. �Nein!�</p><p>Der Affe dr�ckte ab. Die Pistole entlud sich mit einem Knall, der in der Enge des Raumes wie ein Kanonenschlag widerhallte und die Fensterscheibe zum Klirren brachte. Walt wurde in die H�he und zur�ckgeschleudert, prallte gegen die T�r und sprengte sie auf, w�hrend er leblos daran hinunterrutschte. Gleichzeitig wirbelte der Affe mit einer unglaublich schnellen Bewegung herum und legte auf mich an. Er schoss, ohne zu z�gern.</p><p>W�re ich nicht noch immer halb benommen gewesen, h�tte er mich zweifellos getroffen.</p><p>Als er auf Walt abdr�ckte, hatte ich dazu angesetzt, mich auf ihn zu st�rzen. Aber meine Knie waren immer noch weich; ich stolperte, w�re um ein Haar wieder gest�rzt und entging durch mein ungeschicktes Taumeln der Kugel, die an mir vor�berpfiff und in die Wand einschlug.</p><p>Er kam nicht dazu, noch einmal abzudr�cken. Drau�en auf dem Flur begann eine Alarmsirene zu heulen, und praktisch im gleichen Moment h�rte ich aufgeregte Stimmen und das Ger�usch rennender Schritte, die schnell n�her kamen. Der Schimpanse verlor schlagartig das Interesse an mir, fuhr herum und war mit einem Satz drau�en auf dem Flur. Nicht einmal zwei Sekunden, nachdem er verschwunden war, st�rmten zwei bewaffnete Soldaten an der T�r vorbei. Sch�sse peitschten.</p><p>Hastig kniete ich neben Walt nieder. �Walt! Was ist passiert! Wo hat er dich erwischt, verdammt!�</p><p>Walt st�hnte. Drau�en auf dem Gang peitschten wieder Sch�sse, und dann h�rte ich das schmerzerf�llte Kreischen des Affen. Sie hatten ihn erwischt. Gut.</p><p>�Er ... hat mich erwischt�, st�hnte Walt. �Dieses verdammte kleine Mistvieh ... hat mich erwischt!�</p><p>�Red keinen Unsinn�, antwortete ich. �Du kommst wieder auf die Beine.�</p><p>Wir wussten beide, dass das nicht stimmte. Die Kugel hatte Walt dicht unterhalb des Herzens getroffen. Es war ein Wunder, dass er �berhaupt noch lebte. �Doktor Hertzog!� schrie ich. �Doktor! Schnell!�</p><p>Walts Finger krallten sich so fest in meinen Arm, dass mir der Schmerz die Tr�nen in die Augen trieb. �Sag ... niemandem ... wie es ... passiert ... ist�, fl�sterte er. �Sie sollen nicht ... erfahren, dass ich ... von einem beschissenen ... Affen ... erledigt worden bin.�</p><p>�Red keinen Quatsch!� antwortete ich. �Er hat dich nicht erledigt. Der Doc ist in ein paar Sekunden hier.�</p><p>Ich sprach bereits mit einem Toten. Walts Blick war weiter auf mich gerichtet, aber in seinen Augen war kein Leben mehr.</p><p>�Ich verspreche es, Walt�, sagte ich leise. �Niemand wird es erfahren.�</p><p>Behutsam lie� ich seinen leblosen K�rper wieder zu Boden gleiten, stand auf und trat auf den Flur hinaus. Walts M�rder hatte sein Opfer nicht lange �berlebt. Vier oder f�nf Soldaten standen nur wenige Schritte entfernt um den reglosen K�rper des Schimpansen herum. Der Geruch von Pulverdampf und Blut lag in der Luft, und unter dem kleinen K�rper bildete sich allm�hlich eine dunkelrote Lache. Trotzdem hielten die Soldaten einen respektvollen Abstand. Einer der M�nner ber�hrte den Kadaver vorsichtig mit dem Gewehrlauf und sprang dann hastig einen Schritt zur�ck, als h�tte er Angst, dass das Tier selbst im Tode noch gef�hrlich sein k�nnte. Eine Angst, die nicht ganz unberechtigt war.</p><p>�R�hrt ihn nicht an! Ich brauche den K�rper unversehrt!�</p><p>Ich blieb stehen und sah zur�ck. Doktor Hertzog, Bach und ein weiteres halbes Dutzend Soldaten kamen im Sturmschritt herbeigeeilt. Hertzog wedelte aufgeregt mit beiden Armen. �Nicht anfassen!� br�llte er immer wieder.</p><p>Ich hatte nicht vor, den Affen anzufassen. Langsam ging ich weiter, blieb dicht vor dem reglosen Kadaver stehen und sah auf ihn herab. In dem zerfetzten B�ndel vor mir war kein Leben mehr. Er musste von mindestens vier oder f�nf Kugeln getroffen worden sein. Trotzdem.</p><p>Ich b�ckte mich, griff nach Walts Pistole, die in der immer noch gr��er werdenden Blutlache neben dem Schimpansen lag, und setzte den Lauf auf seinen Hinterkopf.</p><p>�Loengard!� br�llte Hertzog. �Sind Sie wahnsinnig! Haltet ihn auf!�</p><p>Keiner der M�nner in meiner unmittelbaren N�he r�hrte sich, als ich das gesamte Magazin in den Sch�del des toten Affen hineinfeuerte.</p><p>�Loengard! Sie ... Sie Wahnsinniger! Was haben Sie getan?!� Hertzog kam schwer atmend auf uns zu und sah mit einer Mischung aus Entsetzen und Unglauben auf das herab, was von dem Schimpansen �brig geblieben war. �Sie ... Sie Idiot! Ich h�tte seinen K�rper gebraucht! Wissen Sie �berhaupt, was Sie da zerst�rt haben?!�</p><p>Ich lie� die leer geschossene Pistole fallen, richtete mich auf und sah in Bachs Gesicht. Seine Miene war ausdruckslos und versteinert wie immer, aber auch er hielt eine Waffe in der rechten Hand, und sein Atem ging schwer.</p><p>�Er hat Walt umgebracht!� sagte ich.</p><p>Hertzog blinzelte. �Er hat ... was?�</p><p>�Der Affe.� Das Ding in ihm. �Er hat Walt erschossen.�</p><p>Hertzog wollte etwas sagen, aber Bach brachte ihn mit einer schnellen Bewegung zum Schweigen. �Sind Sie verletzt?� fragte er.</p><p>Ich hob zwar die Hand an meinen schmerzenden Hals, sch�ttelte aber den Kopf. �Ein Kratzer.�</p><p>�Gut�, sagte Bach. �Dann machen Sie sich sauber, und dann gehen Sie nach Hause. Wir reden morgen �ber alles.�</p><p>�Moment!� sagte Hertzog. �Ich muss wissen, was passiert ist! Wie konnte das Tier ...�</p><p>�Ich sagte: morgen, Doktor�, unterbrach ihn Bach. Er sah ihn nicht einmal an. �Gehen Sie jetzt nach Hause, John.�</p><empty-line/><p>Mitternacht war vorbei. Aus dem Lautsprecher des Plattenspielers pl�rrten die ersten Takte von Bobby Darrins neuestem Hit �Mack, the Knife�, aber ich h�rte es kaum, obwohl die Platte zum f�nften oder sechsten Mal lief. Vielleicht auch zum f�nfzigsten Mal. Ich wusste es nicht; ebenso wenig, wie ich wusste, wie oft ich die Teile des Puzzlespiels, die vor mir auf dem Tisch lagen, schon durcheinandergemischt und neu sortiert hatte. Ich war in einem Zustand zwischen Betrunkensein und Bet�ubung, aber es war keine angenehme Bet�ubung. Ich hatte gewusst, dass der Alkohol mir nicht helfen w�rde, schon bevor ich die Flasche aus dem Schrank nahm und mir das erste Glas einschenkte. Er machte es nur schlimmer. Meine H�nde zitterten sichtbar, und ich vermutete, dass ich schon nicht mehr in der Lage sein w�rde, ohne Schwierigkeiten zu sprechen.</p><p>Allerdings gab es niemanden, mit dem ich h�tte reden k�nnen. Kim war nicht zu Hause gewesen, als ich das Apartment betrat, und sie war auch nicht gekommen, w�hrend ich duschte und mich umzog. Ich hatte mir eingeredet, dar�ber erleichtert zu sein, denn so musste ich ihr wenigstens nicht erkl�ren, woher der h�ssliche Kratzer an meinem Hals stammte oder das Blut auf meiner Jacke und meinem Hemd, die nun zusammengerollt ganz unten in der M�lltonne in der K�che lagen. Aber das stimmte nicht. Die Flasche Jack Daniels auf dem Tisch vor mir war halb leer und ich war mehr als halb betrunken, aber jede Sekunde, die verging, machte es schlimmer. Ich hatte Angst vor dem Moment, in dem Kimberley nach Hause kam, und trotzdem w�nschte ich mir nichts mehr.</p><p>Ich legte das Puzzleteil an seinen Platz. Es passte nicht, so dass ich mit Gewalt nachzuhelfen versuchte. Als Ergebnis bekam es einen h�sslichen Knick.</p><p>Ein weiteres Opfer, dachte ich. Unwichtig. Nur ein winziges Teil in einem gewaltigen Bild, dessen Schicksal keine Rolle spielte; so, wie auch Walt nur ein unwichtiges Puzzleteil gewesen war. So wie ich. Wir alle waren unwichtig. Austausch- und ersetzbar, ohne dass es irgendjemandem auch nur auffallen w�rde.</p><p>Ich versuchte den Gedanken zu vertreiben, der wohl weniger aus mir selbst als vielmehr aus der halb leeren Flasche neben mir stammte, aber es gelang mir nicht. Dabei war ein Teil meines Bewusstseins durchaus klar genug geblieben, um mich meinen Zustand deutlich analysieren wie verstehen zu lassen. Ich befand mich in der Lage eines Soldaten nach der Schlacht; der zweiten binnen weniger Tage. Aber anders als auf Brandons Feld in Boisy hatten diesmal beide Seiten Verluste davongetragen. Trotz allem, trotz Pratt, trotz Bach und all der erstaunlichen und unglaublichen Dinge, die ich erlebt und gesehen hatte, war der Kampf gegen die au�erirdischen Invasoren f�r mich bisher nichts als ein gro�es, spannendes Abenteuer gewesen.</p><p>Aber das Spiel war vorbei. Walts Blut hatte das Gef�hl der Unverwundbarkeit, in dem ich mich tief in mir drinnen noch immer gew�hnt hatte, ein f�r alle Mal zerst�rt. Aus dem Spiel war t�dlicher Ernst geworden.</p><p>Ich h�rte, wie die T�r ins Schloss fiel, aber ich sah nicht einmal auf, sondern griff mit zitternden H�nden nach dem Glas und trank einen weiteren Schluck. Ich hatte Kimberleys R�ckkehr herbeigesehnt wie nichts anderes auf der Welt, aber pl�tzlich hatte ich fast panische Angst davor, ihr in die Augen zu sehen.</p><p>Ihre Schritte kamen n�her. Sie betrat das Wohnzimmer, ging zum Plattenspieler und schaltete ihn aus. Die Stille, die f�r ein paar Sekunden einkehrte, hatte etwas Erstickendes. �Hallo�, sagte ich leise.</p><p>Kim drehte sich herum und sah mich wortlos an. Sie wirkte ... zornig. Auf eine Art, die ich mir nicht erkl�ren konnte. Sie trug noch ihren Mantel, an dessen Revers die in Plastik eingeschwei�te Zugangskarte des Wei�en Hauses prangte. Sie verga� oft, sie abzunehmen, und nat�rlich verga� sie es ganz absichtlich. Sie war so stolz auf ihre neue Position, dass sie es am liebsten in die ganze Welt hinausgeschrien h�tte.</p><p>Ich konnte ihr nicht sagen, wem sie dieses unscheinbare wei�e St�ck Papier wirklich verdankte.</p><p>�Seit wann trinkst du?� fragte sie mit einer Kopfbewegung auf die Flasche.</p><p>Noch bevor ich antwortete, sp�rte ich, dass das Gespr�ch in eine Richtung gehen w�rde, die wir beide nicht wollten. Die Dinge hatten begonnen, sich selbst�ndig zu machen. Sie bestimmten, was ich tat, nicht umgekehrt.</p><p>�Seit ich bis Mitternacht darauf warten muss, dass du nach Hause kommst�, antwortete ich. �Im Fernsehen lief nichts Interessantes.�</p><p>Warum sagte ich das? Warum, zum Teufel, konnte ich ihr nicht einfach die Wahrheit sagen?</p><p>�Ich war im Capitol�, antwortete Kim, ohne meine Spitze zur Kenntnis zu nehmen. �Du hast ein neues B�ro?�</p><p>�Wir machen eben beide Karriere�, antwortete ich.</p><p>�Ich habe Pratt getroffen�, sagte Kimberley. �Du hattest Recht. Er ist ein unangenehmer Mensch. Hattest du wichtige Papiere in deinem Schreibtisch?�</p><p>�Keine Ahnung�, antwortete ich. �Ich habe ihn erst heute Morgen bekommen. Es war ein ereignisreicher Tag.� Ich trank einen weiteren Schluck, nahm ein neues Puzzlest�ck und bekam es ebenso wenig an seinen Platz wie das erste. �Ich glaube, man muss mit den Randst�cken anfangen�, sagte ich. �Mit den Teilen mit einer geraden Kante, und sich dann nach innen vorarbeiten.�</p><p>Kim schwieg zehn endlose, schwere Sekunden lang. Der Zorn in ihrem Blick erlosch und machte etwas Platz, das schlimmer war: einer Mischung aus Trauer und Schmerz, die tausendmal schlimmer war, als h�tte sie mir Vorw�rfe gemacht. Dann sagte sie: �Wei�t du, was ich an dir am meisten geliebt habe, John? Dass wir immer �ber alles reden konnten. Wir hatten niemals Geheimnisse voreinander. Ich ... ich dachte, du w�rst mein bester Freund.�</p><p>Ich antwortete nicht. Alles in mir schrie danach, aufzustehen und sie in die Arme zu schlie�en, aber ich konnte es nicht.</p><p>�Warum hast du mich belogen, John?�</p><p>�Wovon redest du?� fragte ich.</p><p>�Ich habe mit Pratt gesprochen�, antwortete Kimberley.</p><p>�Er war gerade dabei, deinen Schreibtisch zu durchw�hlen.�</p><p>�Das passt zu ihm.�</p><p>�So, wie es zu ihm passt, dich wegzuschicken, damit du seine schmutzige W�sche w�schst?� Kimberley sch�ttelte den Kopf. �Es gibt keine Frau, John. Da war keine Sache, die du f�r ihn in Ordnung bringen musstest, nicht wahr?�</p><p>�Hat er das gesagt?�</p><p>�Er hat mir gesagt, dass dein Onkel gestorben ist�, antwortete Kimberley leise. �Welcher Onkel, John?�</p><p>Ich schwieg auch dazu. Und ich hasste mich daf�r.</p><p>�Warum tust du mir das an, John?� fuhr Kimberley traurig fort. �Wir waren immer ehrlich zueinander. Wir haben immer �ber alles gesprochen. Willst du ...� Sie atmete h�rbar ein. Ich sah, dass sie nur noch mit M�he die Tr�nen zur�ckhielt. �Willst du mich f�r irgenderwas bestrafen?�</p><p>�Kim, bitte! Ich ...�</p><p>�Ist es, weil ich dich noch nicht heiraten will?� fragte sie. �Was ist dein Geheimnis, John? Ich wei�, dass es keine andere Frau ist. Ich h�tte es geglaubt, aber ich habe dein B�ro gesehen und den Ausdruck in Pratts Augen. Er hasst dich.�</p><p>�Pratt hasst jedermann�, sagte ich.</p><p>�Aber er hat auch Angst vor dir�, sagte Kimberley ruhig. �Was hast du getan, John?�</p><p>�Ich kann es dir nicht erkl�ren, Kim�, fl�sterte ich. �Ich will es ja, aber die Dinge sind so ... kompliziert.�</p><p>�Dann erkl�re sie mir�, antwortete Kimberley. �Jetzt. Hier. Oder ...�</p><p>�Oder?�</p><p>Kimberley atmete h�rbar ein. Es klang wie ein kleiner Schrei. �Morgen k�nnte es zu sp�t sein, John.�</p><p>�Ich kann es nicht sagen, Kim�, murmelte ich. �Ich kann nicht.�</p><p>�Ist das deine Antwort?� Kim presste die Lippen zu einem schmalen, blutleeren Strich zusammen. Ihre Augen gl�nzten feucht. �Ich liebe dich, John. Ganz egal, was du getan hast. Warum kannst du mir nicht vertrauen?�</p><p>Ich wollte es. Gott wei�, wie sehr ich es wollte. Aber ich konnte es nicht. Ganz egal, was ich auch getan hatte oder noch tun w�rde, ich hatte nicht das Recht, sie noch tiefer in die Geschichte hineinzuziehen, als ich es schon getan hatte. Ich schwieg. Kimberley sah mich weitere zwei oder drei Herzschl�ge lang an, dann drehte sie sich herum und ging langsam und ohne ein weiteres Wort aus dem Zimmer.</p><p>Ich wei� nicht, wie lange ich dasa� und ins Leere starrte. Vielleicht zehn Minuten, vielleicht eine Stunde. Vielleicht auch nur einen Augenblick. Schlie�lich griff ich wieder nach dem Glas, schenkte es randvoll und setzte es an. Doch ich wollte es nicht trinken. Pl�tzlich widerte es mich an.</p><p>Ich sprang auf, schleuderte das Glas zu Boden und bef�rderte den Tisch mit einem Fu�tritt hinterher. Das Puzzle explodierte in einer Wolke aus wirbelnder Bewegung und durcheinander fliegenden Teilen, die wie bunter Schnee �berall im Zimmer niederregneten.</p><p>Als ich aus dem Haus st�rmte, bemerkte ich eine Sternschnuppe, die eine wei�e Narbe in den Nachthimmel �ber Washington brannte. Es kam mir so vor wie ein b�ses Omen.</p><p>Woher h�tte ich wissen sollen, dass es noch viel mehr war?</p><empty-line/><p>Rings um den gro�en Tisch im Konferenzraum von Majestic hatte sich eine illustre Gesellschaft eingefunden. Nicht alle davon waren damals schon die, als die sie die Welt�ffentlichkeit sp�ter kennen lernen sollte, aber mit Ausnahme Doktor Hertzogs und mir selbst schien es niemanden hier drinnen zu geben, der nicht mindestens ein �ffentliches Amt bekleidete. Ich kannte nicht jeden hier drinnen pers�nlich, aber es waren mehrere Vier-Sterne-Gener�le darunter, drei oder vier Senatoren und einige Gesichter, die schon auf dem einen oder anderen Wahlplakat zu sehen gewesen waren.</p><p>�Was um alles in der Welt tue ich hier?� fragte ich; wohlweislich im H�sterton, und fast, ohne die Lippen zu bewegen. Meine Arbeit im Capitol brachte es mit sich, dass ich die N�he prominenter Pers�nlichkeiten gewohnt war. Trotzdem konnte ich einen Schauer der Ehrfurcht nicht ganz unterdr�cken, angesichts der geballten Macht, die in diesem Raum zusammengekommen war.</p><p>Hertzog antwortete auf die gleiche Weise, aber in leicht am�siertem Ton: �Was wollen Sie, John? Seit gestern Nacht sind Sie ein ber�hmter Mann. Immerhin haben Sie als einer von sehr Wenigen einen direkten Kampf mit einem Au�erirdischen �berlebt.�</p><p>�Trotzdem.� Ich sch�ttelte den Kopf. �Was ist hier los? Mein Gott: Nelson Rockefeller! Senator Humphrey! Henry Kissinger! General Brown! Wo ist Pr�sident Kennedy?�</p><p>�Nicht zu vergessen Captain Frank Bach�, f�gte Hertzog mit einem d�nnen L�cheln hinzu, womit er meine letzte Frage - ich war sicher, absichtlich - �berging. �Kommen Sie, John.�</p><p>Ich folgte ihm zum anderen Ende des Raumes, wo ein supermoderner 16-mm-Projektor aufgebaut war. Hertzogs L�cheln wurde ein wenig breiter, als er meinen �berraschten Blick registrierte.</p><p>�Sie sind seit gestern Abend ein Filmstar�, sagte er. �Ich f�rchte nur, dass die Honorarzahlungen nicht besonders hoch ausfallen werden.�</p><p>Ich blieb ernst. Ich hatte in der vergangenen Nacht kein Auge zugetan und war nicht in der Stimmung, zu scherzen. Das verbot schon allein die Versammlung illustrer Namen hinter uns. Bach hatte diese Konferenz nicht einberufen, um einen Kaffeeklatsch abzuhalten.</p><p>�Was ist passiert?� fragte ich.</p><p>Hertzog zuckte mit den Schultern und sah demonstrativ in die andere Richtung, antwortete aber trotzdem: �Ich glaube, es gab eine neue Sichtung. Diesmal direkt �ber Washington. Vergangene Nacht.�</p><p>�Diese Nacht?� wiederholte ich �berrascht und wohl auch ein wenig zu laut, denn einige Gesichter am Tisch wandten sich stirnrunzelnd in meine Richtung. Hertzogs Grinsen wurde eindeutig schadenfroh.</p><p>�Sie haben es gesehen?�</p><p>�Ich habe ... eine Sternschnuppe gesehen�, antwortete ich z�gernd. �Jedenfalls dachte ich, es w�re eine Sternschnuppe.�</p><p>�Ja, ja, das denken alle�, sagte Hertzog. �Und das sollen sie auch. Still jetzt. Da kommt Bach.�</p><p>Bach betrat den Konferenzraum. Anders als bei den meisten Gelegenheiten, zu denen wir uns begegnet waren, trug er keinen unauff�lligen Stra�enanzug, sondern seine Air-Force-Uniform mit den Insignien eines Captains, und selbst auf seinem Gesicht glaubte ich Anzeichen einer leichten Anspannung zu erkennen. Irgendetwas war passiert.</p><p>�Meine Herren.� Bach nickte fl�chtig in die Runde. �Herzlichen Dank, dass Sie alle so schnell und unkompliziert gekommen sind. Ich will Ihre Zeit auch gar nicht �ber Geb�hr in Anspruch nehmen und gleich beginnen.�</p><p>Er gab Hertzog einen Wink. Der Arzt nickte, schaltete den Filmprojektor ein und praktisch in der gleichen Bewegung die Deckenbeleuchtung aus. �Der Film, den Sie jetzt sehen, entstand vergangene Nacht. Nichts davon ist gestellt oder irgendwie manipuliert worden.�</p><p>Auf der Leinwand am anderen Ende des Raumes erschien die Aufnahme des Labors. Der K�fig mit dem kleinen Schimpansen war ebenso gestochen scharf zu erkennen wie das Zahlenschloss an der T�r. Das Weitwinkelobjektiv reichte sogar aus, einen Teil des Vorraumes zu erfassen. Ich fuhr leicht zusammen, als ich mich selbst auf dem Film erkannte. Und dann noch einmal und deutlich heftiger, als ich registrierte, dass die Kamera nicht nur Bilder aufgenommen hatte. Leise, aber durchaus verst�ndlich, konnte ich Walts und meine Stimme h�ren. Bach kannte jedes Wort, das Walt und ich am vergangenen Abend miteinander gewechselt hatten.</p><p>�Dieser Schimpanse war ein ganz normales, gesundes Tier von achtzehn Monaten�, fuhr Hertzog fort. �Sie finden alle notwendigen Daten in dem Hefter, der vor Ihnen liegt, ebenso wie eine Beschreibung des experimentellen Verlaufs. Acht Stunden nach der Injektion des fremden Gewebes zeigten sich die ersten ...�</p><p>Ich h�rte nicht mehr hin. Wie hypnotisiert starrte ich auf die Filmleinwand. Ich konnte mich selbst sehen, wie ich aufstand und den Raum verlie�, um die neue Filmrolle zu holen. Der Film war geschnitten, aber ich war sicher, dass Bach jede Sekunde davon kannte. Ich versuchte, einen Blick von Bach zu erhaschen, aber er sah nicht in meine Richtung.</p><p>�Die Bilder, die Sie jetzt sehen�, drang Hertzogs Stimme in meine Gedanken, �entstanden unmittelbar, nachdem Agent Loengard den Raum verlassen hatte und Agent Popejoy eingeschlafen war. Das Verhalten des Schimpansen zeigt ganz eindeutig, dass dieser Zeitpunkt nicht zuf�llig gew�hlt war. Vielmehr hat er die beiden Agenten sehr aufmerksam beobachtet und auf seine Chance gewartet.�</p><p>�Seine Chance?� Ich konnte nicht erkennen, wer diese Frage stellte, aber ich glaubte, es war Kissinger. �Ein Affe?�</p><p>�Das war er da schon l�ngst nicht mehr, Sir�, antwortete Hertzog. �Sehen Sie.�</p><p>Der Schimpanse n�herte sich der K�figt�r und griff durch die St�be hindurch nach dem Schloss, aber nicht, ohne zuvor noch einen sichernden Blick auf Walt geworfen zu haben. Seine Finger glitten �ber das Zahlenschloss und machten sich daran zu schaffen. Ich konnte nicht genau erkennen, was er tat, doch er brauchte nur wenige Sekunden, um das Schloss zu �ffnen.</p><p>�Ich verwende diese Schl�sser seit Jahren�, sagte Hertzog. �Sie sind solide. Einem Profisafeknacker w�rden sie nicht lange standhalten, aber ich kann Ihnen versichern, dass sie jeden der hier Anwesenden vor erhebliche Probleme stellen w�rden. Dieser ... Affe hat das Schlo� in weniger als f�nf Sekunden ge�ffnet.�</p><p>Der Schimpanse verlie� seinen K�fig. F�r eine Sekunde war sein Blick direkt in das Objektiv der Kamera gerichtet, und f�r die gleiche Zeitspanne glaubte ich noch einmal diese unheimliche, berechnende Intelligenz darin zu erkennen. Dann verschwand er, und ich sah mich selbst, wie ich den Raum wieder betrat und Walt weckte. Der Film war auf das N�tigste zusammengeschnitten worden.</p><p>Trotzdem zeigte er weitaus mehr, als mir lieb war.</p><p>Man sagt, dass Erinnerungen ihren Schrecken verlieren, wenn man sich ihnen stellt, aber zumindest in diesem Fall stimmte das nicht. Ich erlebte alles noch einmal, und es machte es nicht besser, mir selbst dabei zuzusehen, wie ich mit dem Schimpansen um mein Leben k�mpfte; oder wie ich hilflos dabei zusehen musste, wie Walt starb.</p><p>Hertzog hielt den Filmprojektor an, nachdem auf der Leinwand zu sehen gewesen war, wie Walt in meinen Armen starb und ich den Raum verlie�. Ich blinzelte, als er das Licht wieder einschaltete. F�r einen Moment war ich fast blind. Als ich wieder halbwegs sehen konnte, begriff ich, dass alle Anwesenden mich anstarrten, Bach eingeschlossen. Ich trug einen anderen Anzug als gestern Nacht, und wenn ich so aussah, wie ich mich f�hlte, musste ich ungef�hr zehn Jahre �lter aussehen, aber nat�rlich wusste jeder, wer auf der Filmleinwand zu sehen gewesen war.</p><p>Bach nickte Hertzog fast unmerklich zu, und der Arzt fuhr fort: �Der Affe wurde wenige Augenblicke sp�ter get�tet. Leider wurde der ... Parasit w�hrend des Kampfes so sehr besch�digt, dass wir nicht mehr genau feststellen konnten, wie weit die beiden unterschiedlichen Organismen bereits miteinander verschmolzen waren, aber ich konnte immerhin noch feststellen, dass sich das Gesch�pf mit gro�er Wahrscheinlichkeit im Bereich der Amygdala festsetzt.�</p><p>Bach runzelte die Stirn, und Hertzog f�gte mit einem angedeuteten L�cheln hinzu: �Verzeihen Sie. Das ist der Teil des menschlichen Hirnstammes, in dem wir so etwas wie das emotionale Kontrollzentrum vermuten.�</p><p>�Vermuten?� fragte Senator Humphrey stirnrunzelnd.</p><p>�Die Hirnforschung ist ein relativ junger Zweig der Medizin, Senator�, antwortete Hertzog in entschuldigendem Tonfall. �Wir wissen noch sehr wenig �ber das menschliche Hirn und seine Funktion.�</p><p>�Aber es w�rde passen�, f�gte Bach hinzu. �Bei den meisten Entf�hrungsopfern, mit denen wir bisher ... sprechen konnten, zeigten sich emotionale Ver�nderungen.�</p><p>Das winzige Z�gern in seinen Worten entging mir ebenso wenig wie Humphrey. Er runzelte die Stirn und sah Bach beinahe feindselig an, schwieg aber. Ich hatte das Gef�hl, dass die beiden M�nner nicht unbedingt Freunde waren.</p><p>�Das waren beeindruckende Bilder, Captain�, sagte Rockefeller in das unbehagliche Schweigen hinein. �Es tut mir leid um Ihren Agenten. Aber Sie haben diese Sondersitzung doch sicher nicht nur einberufen, um uns diesen Film zu zeigen.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, antwortete Bach. �Die Ereignisse der vergangenen Nacht sind sehr beunruhigend. Es geht nicht nur um Agent Popejoy oder diesen Farmer aus Idaho. Aber ich glaube, wir kennen jetzt endlich unseren wirklichen Feind.�</p><p>�So?� fragte Rockefeller.</p><p>�Die Ganglions.� Bach wandte sich mit einer entsprechenden Geste an Hertzog. �Doktor.�</p><p>�Eine der Fragen, auf die wir seit f�nfzehn Jahren vergeblich nach einer Antwort gesucht haben�, sagte Hertzog, �betraf die Gesch�pfe, die wir die Grauen getauft haben.�</p><p>�Die Piloten des ... Flugobjektes?� fragte Kissinger.</p><p>Hertzog nickte. �Nat�rlich wissen wir so gut wie nichts �ber sie�, sagte er. �Weder �ber ihre Herkunft, noch �ber ihre Evolution oder ihre Abstammung. Wir sind auf Vermutungen angewiesen. Trotzdem gibt es gewisse Parallelen. Sie sind nicht so fremdartig, wie es auf den ersten Blick scheint. Ihre K�rper sind humanoid. Sie haben zwei Arme, zwei Beine, Augen und Ohren ...�</p><p>�Worauf wollen Sie hinaus, Doktor?� unterbrach ihn Humphrey ungeduldig. �Dass sie so eine Art ... Menschen sind?�</p><p>�Nein�, antwortete Hertzog. �Sie stammen definitiv nicht von dieser Welt. Aber etwas stimmt mit ihrer Evolution nicht.�</p><p>�Wie?�</p><p>�Was der Doktor damit sagen will�, mischte sich Bach ein, �ist, dass sie unserer Meinung nach nicht in den Pilotensessel eines Raumschiffes geh�ren, sondern eher in einen Einbaum.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Ich halte diese Wesen nicht daf�r in der Lage, ein Objekt wie das zu konstruieren, wie das Schiff, in dessen Wrack wir sie fanden�, sagte Hertzog. �Wenn ihre Anatomie auch nur ann�hernd so funktioniert wie die unsere, dann d�rften sie schon gro�e Schwierigkeiten haben, es auch nur zu bedienen.�</p><p>�Sie meinen, diese ... Grauen sind nicht die eigentlichen Invasoren�, sagte Rockefeller, �sondern nur eine Art Handlanger?�</p><p>�Wirte w�re wohl der passendere Ausdruck�, verbesserte ihn Bach. Er beugte sich unter den Tisch und hob ein dickwandiges Glas auf, das bisher darunter gestanden hatte. �Das hier ist unser wirklicher Feind, meine Herren.�</p><p>Sekundenlang wurde es sehr still, w�hrend alle den toten Ganglion anstarrten, der sich in dem Beh�ltnis befand. Ich wusste nicht, ob es die Kreatur war, die sie aus Brandons Leichnam herausgeholt hatten, oder das f�nfzehn Jahre �ltere Exemplar, aber ich sp�rte selbst �ber die gro�e Entfernung hinweg auch jetzt wieder den Odem des Fremden und der Feindseligkeit, der das Gesch�pf noch im Tode umgab. Und allen anderen hier im Raum erging es wohl ebenso.</p><p>Hertzog r�usperte sich lautstark. �Ich muss noch einmal darauf hinweisen, dass nichts von dem, was wir hier besprechen, in irgendeiner Form bewiesen ist. Es ist nur eine Theorie.�</p><p>�Aber eine �u�erst beunruhigende�, sagte Rockefeller. �Ich finde einen Gegner wie diese Grauen schlimm genug. Aber den kann ich wenigstens erkennen, wenn er mir gegen�bersteht. Aber diese Dinger ...�</p><p>�Wir k�nnten niemandem mehr trauen�, f�gte General Brown d�ster hinzu. Er warf einen langen, nachdenklichen Blick in die Runde. �Nicht einmal mehr uns selbst.�</p><p>�Es ist vielleicht nicht ganz so schlimm�, sagte Bach. �Doc?�</p><p>Hertzog schaltete das Licht aus und startete den Projektor. Auf der Leinwand erschien das Abbild einer jungen Frau. Sie war einfach, um nicht zu sagen, �rmlich gekleidet, hatte einen altmodischen Haarschnitt und kam mir auf vage Weise bekannt vor. Das Zimmer, in dem sie sich befand, war so sch�big, dass es sich nur auf einer Polizeiwache befinden konnte. Drei oder vier M�nner umgaben die junge Frau, aber sie waren nur als Umrisse zu erkennen; der grelle Scheinwerfer, der auf das Gesicht der jungen Frau gerichtet war, blendete sie nicht nur, sondern lie� die Dunkelheit im Rest des Zimmers auch noch tiefer erscheinen. Was wir sahen, war eine Verh�rszene.</p><p>Ich warf Hertzog einen fragenden Blick zu, aber er deutete nur ein Achselzucken an und wich meinem Blick aus.</p><p>Trotzdem hatte ich das sichere Gef�hl, dass ihm die Szene unangenehm war. Wieso?</p><p>�Die junge Dame, die Sie dort sehen�, begann Bach, �ist Elisabeth Brandon. Die Schwester des Farmers, der Agent Loengard angegriffen hat.�</p><p>Ich war �berrascht. Deshalb also war mir ihr Gesicht so bekannt vorgekommen. Die �hnlichkeit war wirklich verbl�ffend. Was aber ganz und gar nicht passte, das war ihre Art, zu reden. Wir wurden Zeuge eines Verh�rs, das offensichtlich mit einer versteckten Kamera aufgenommen worden war. Aber Elisabeth Brandon sprach nicht wie eine Farmersfrau vom Lande. Sie war aggressiv, zum Teil sogar unfl�tig, und ihre Wortwahl schwankte zwischen primitiv bis zur geschliffenen Rhetorik.</p><p>�Das Verh�r dauerte beinahe f�nf Stunden�, erkl�rte Bach, w�hrend er Hertzog einen Wink gab, den Ton des Projektors ein wenig zu d�mpfen. �Ich erspare es Ihnen, es sich ganz anzuh�ren, obwohl ich Ihnen versichern kann, dass es sich lohnen w�rde. Aber ich denke, Sie haben bereits bemerkt, dass die charakterlichen Ver�nderungen ... ziemlich deutlich sind.�</p><p>�Soll das hei�en, dass diese Frau ebenfalls ... besessen ist?� fragte eine erschrockene Stimme. Ich glaube, sie geh�rte Johnson.</p><p>�Nicht nur sie�, best�tigte Bach. �Wir haben im Umfeld dieses Farmers insgesamt vier Personen identifiziert, die von Ganglions infiziert waren. Uns liegen noch nicht genug Erfahrungswerte vor, um konkrete Aussagen zu treffen, aber ich bin sicher, dass wir eine Art ... sagen wir: Verhaltensmuster aufstellen k�nnen. Die Betroffenen beginnen sich charakterlich zu ver�ndern. Sie werden aggressiv, und sie beginnen vor allem, das Interesse an sich und ihrer unmittelbaren Umgebung zu verlieren. Sie werden schlampig, legen keinen Wert mehr auf Sauberkeit und Ordnung und verhalten sich eindeutig cholerisch.�</p><p>�Im Gegenzug�, f�gte Hertzog hinzu, �scheint es jedoch eine fast sprunghafte Steigerung der intellektuellen F�higkeiten zu geben. Wenn Sie dem Verh�r gefolgt sind, wird Ihnen aufgefallen sein, dass diese junge Frau �ber Dinge redet, die man bei einem Bauerntrampel aus Idaho niemals erwartet h�tte. Sie war hochintelligent.�</p><p>�War?� fragte Kissinger.</p><p>Hertzog schwieg einen Sekundenbruchteil zu lange, um diesem Z�gern keine Bedeutung zu geben. �Sie starb bei dem Versuch, den Parasiten chirurgisch zu entfernen�, sagte er.</p><p>�Wie alle anderen �brigens auch�, f�gte Bach hinzu; in einem Ton, als spr�che er �ber das Wetter oder die neusten Football-Ergebnisse.</p><p>�Das hei�t, es gibt f�r die Betroffenen keine �berlebenschance�, sagte eine Stimme aus der Dunkelheit heraus. Ich erkannte sie nicht.</p><p>Bach sagte einfach: �Nein�, aber Hertzog antwortete: �M�glicherweise doch. Wir haben mit einer Substanz experimentiert, auf die die Ganglions reagieren. M�glicherweise verlassen sie den Wirtsk�rper wieder, wenn die Injektion innerhalb der ersten sechsunddrei�ig bis achtundvierzig Stunden erfolgt.�</p><p>�M�glicherweise?� fragte Kissinger.</p><p>�Es ist ...�</p><p>�Das ist jetzt nicht der Moment f�r wilde Spekulationen, Doktor Hertzog�, unterbrach ihn Bach. �Wir werden auf diesem Gebiet weiterforschen, aber im Augenblick haben wir ein dringenderes Problem. Unsere Radarstationen haben in den letzten Tagen eine verst�rkte UFO-Aktivit�t verzeichnet. Eine beunruhigend verst�rkte Aktivit�t, um es ganz deutlich zu machen. Wir m�ssen etwas unternehmen.�</p><p>�Lassen Sie mich eines der Dinger abschie�en�, verlangte General Brown. �Dann sehen wir weiter.�</p><p>�Typisch�, fl�sterte ich, an Hertzog gewandt. �Ist dieser Kerl schon einmal auf die Idee gekommen, dass sie vielleicht zur�ckschie�en k�nnten?�</p><p>Hertzog l�chelte nur d�nn, tat aber so, als konzentriere er sich weiter auf die Bilder des Brandon-Verh�rs, die �ber die Leinwand flimmerten, und auch Bach kam nicht dazu, zu antworten, denn in diesem Moment ging die T�r auf, und ein Soldat kam herein und reichte ihm einen Zettel. Bach �berflog ihn mit steinernem Gesicht, steckte ihn ein und sagte: �Agent Loengard, Doktor Hertzog, w�rden Sie bitte den Raum verlassen?�</p><p>Wir gehorchten widerspruchslos, aber ich war doch sehr beunruhigt, denn ich musste nach wie vor daran denken, dass Bach jedes Wort kannte, das Walt und ich in der letzten Nacht gewechselt hatten. Und vielleicht nicht nur das.</p><p>Kaum hatten wir den Raum verlassen, fragte ich: �Was haben wir ausgefressen?�</p><p>�Ausgefressen?� Hertzog l�chelte. �Nichts. Wir haben nicht die richtige Geheimhaltungsstufe, das ist alles. Wissen Sie eigentlich, wer das da drinnen ist? Das Gehirn von Majestic 12. Die Gr�ndungsmitglieder. Sie k�nnen sich geadelt f�hlen, dass Sie sie �berhaupt sehen durften.�</p><p>�Ich frage mich nur, warum.�</p><p>�Bach hat einen Narren an Ihnen gefressen�, antwortete Hertzog. �Ist Ihnen das etwa nicht aufgefallen?�</p><p>Ich h�tte schon blind sein m�ssen, um das nicht zu merken, aber der Grund daf�r war mir noch immer ein R�tsel. �Ich wei�. Ich verstehe nur nicht, warum.�</p><p>�Niemand versteht Bach�, sagte Hertzog sp�ttisch. �Ich glaube, nicht einmal er selbst. Seien Sie froh, dass es nicht anders herum ist. Ich m�chte Bach nicht zum Feind haben.�</p><p>�Haben Sie deshalb nichts gesagt, als all diese Leute get�tet wurden?� fragte ich. Die Worte taten mir im gleichen Moment schon wieder leid, in dem ich sie aussprach. Hertzog fuhr sichtbar zusammen.</p><p>�Das war nicht fair�, sagte er.</p><p>�Ich wei�. Entschuldigen Sie.�</p><p>Hertzog starrte mich zwei, drei Sekunden lang betroffen an, dann drehte er sich um setzte sich mit schleppenden Schritten in Bewegung. �Sie haben ja Recht�, murmelte er. �Ich mache mir Vorw�rfe. Ich ... komme mir vor wie ein M�rder.�</p><p>�Unsinn!� sagte ich. Mit ein paar Schritten hatte ich ihn eingeholt. �Es tut mir leid. Ich wei� auch nicht, warum ich den Bl�dsinn gesagt habe. Sie hatten keine andere Wahl.�</p><p>�Das versuche ich mir auch einzureden�, murmelte Hertzog. �Und wahrscheinlich ist es auch so. Trotzdem frage ich mich, ob wir das Recht hatten, diese Leute zu t�ten. Ich meine: Wahrscheinlich waren sie schon tot, jedenfalls in gewissem Sinne. Das was sie waren, existierte wahrscheinlich schon lange nicht mehr. Sie waren nur noch leere H�llen. Und trotzdem wei� ich nicht, ob wir das Recht hatten, sie einfach umzubringen. Sie waren lebende Wesen.�</p><p>�Wovon reden Sie?� fragte ich. �Von Brandons Schwester und den anderen, oder den Ganglions?�</p><p>Hertzog sah mich sonderbar an. �Macht das einen Unterschied?�</p><p>�Sie sind hier, um uns unsere Welt wegzunehmen!�</p><p>�Sind Sie sicher?� fragte Hertzog.</p><p>�Wie?� fragte ich verwirrt.</p><p>�Verstehen Sie mich nicht falsch�, sagte Hertzog. �Ich glaube auch, dass es so ist, ebenso wie Sie, Bach und alle anderen. Aber wir glauben das nur.�</p><p>Ich verstand immer noch nicht, wovon er sprach. �Und?�</p><p>Hertzog zuckte die Achseln. �Wir sind im Krieg, John�, sagte er. �Im Krieg mit einem Volk, dass wir nicht einmal kennen. Aber die einzigen Sch�sse, die bisher gefallen sind, haben wir abgefeuert.�</p><empty-line/><p>Ich kam erst sp�t am Nachmittag nach Hause, und w�hrend ich - mit jeder Stufe langsamer werdend - die Treppe hinaufging und mich unserem Apartment n�herte, holte mich die Wirklichkeit wieder ein. Die Ereignisse der vergangenen Nacht, und die des Morgens, hatten mich f�r eine Weile beinahe vergessen lassen, dass ich noch ein anderes, zumindest subjektiv ebenso schlimmes Problem hatte. Unser Streit war nicht vorbei. Er war aufgeschoben, aber das machte es nicht besser, sondern im Gegenteil wohl eher schlimmer. Nach allem, was geschehen war, und vor allem angesichts der ungeheuerlichen Bedrohung, die unsichtbar �ber uns allen schwebte, mag es l�cherlich erscheinen, doch unser kleiner hausgemachter Weltuntergang erschien mir genauso bedrohlich wie die Gefahr durch die Grauen. Was nutzte es mir schon, wenn die Welt drau�en �berlebte, w�hrend meine subjektive Wirklichkeit in die Br�che ging?</p><p>Als ich das Apartment erreicht hatte und die Hand nach dem T�rgriff ausstreckte, z�gerte ich. Zum ersten Mal im Leben hatte ich Angst, Kimberley gegen�berzutreten. Wir waren im Streit auseinander gegangen; vielleicht das Schlimmste, was zwei Menschen einander antun konnten.</p><p>Es w�rde nie wieder geschehen. Ich fasste einen Entschluss.</p><p>Nichts von alledem w�re passiert, h�tte ich ihr von Anfang an die Wahrheit gesagt. Unsere Liebe war in Gefahr geraten, weil ich gegen meine eigene, eiserne Regel versto�en hatte: Kimberley niemals zu bel�gen.</p><p>Ich w�rde ihr die Wahrheit sagen, ganz gleich, was Bach dazu meinte.</p><p>Jetzt.</p><p>Mit einer entschlossenen Bewegung drehte ich den T�rknauf herum, betrat das Apartment und blieb wieder stehen.</p><p>Eisige K�lte schlug mir entgegen. Die Vorh�nge im Wohnzimmer bewegten sich im Wind; beide Fensterfl�gel standen weit offen trotz der eisigen Temperaturen, die drau�en herrschten. Mit ein paar raschen Schritten war ich am Fenster und schlug es eine Spur zu heftig zu; es gab einen trockenen Knall, und der Fenstergriff in meiner Hand zitterte leicht nach, bevor ich ihn endg�ltig loslie�, um mich umzudrehen und ungl�ubig in das zu starren, was einst unser Wohnzimmer gewesen war.</p><p>Die Wohnung bot einen v�llig chaotischen Anblick. H�tte ich es nicht besser gewusst, h�tte ich geschworen, dass hier vor kurzer Zeit ein Kampf stattgefunden hatte: Die Teppiche waren verrutscht, St�hle, Tische und Couch standen nicht mehr an ihrem Platz. B�cher und Schallplatten waren durcheinander oder gleich ganz aus den Regalen gerissen, und ein seltsamer, strenger Geruch lag in der Luft.</p><p>�Kim?� rief ich.</p><p>Keine Antwort. Aus meiner Verwirrung wurde Beunruhigung, dann Sorge. Ich rief noch einmal Kimberleys Namen, bekam auch diesmal keine Antwort und lief zum Schlafzimmer.</p><p>�Kimberley! Was ist los? Warum antwortest ...�</p><p>Ich riss die Schlafzimmert�r auf, st�rmte halb hindurch und erstarrte zum zweiten Mal binnen weniger Augenblicke mitten in der Bewegung.</p><p>Kimberley lag auf dem Bett und schlief. Jedenfalls hoffte ich, dass sie schlief.</p><p>Obwohl im Schlafzimmer wie auch in der gesamten Wohnung kaum mehr als drei oder vier Grad herrschen konnten, lag sie ohne Decke auf dem Bett und trug nur ein hauchd�nnes Neglig�.</p><p>Sie atmete, das konnte ich schon von der T�r her erkennen, aber sie war totenbleich.</p><p>Mit einem einzigen Satz war ich bei ihr, ergriff sie bei den Schultern und riss sie in die H�he.</p><p>�Kim!� schrie ich. �Was ist los mit dir?�</p><p>Kimberley st�hnte leise, �ffnete die Augen und sah mich mit einem verschleierten, vollkommen verst�ndnislosen Blick an.</p><p>�Kimberley! Um Gottes willen, was ... was ist mit dir?�</p><p>Sie antwortete nicht gleich, versuchte aber, sich instinktiv aus meinem Griff zu l�sen, was ich allerdings nicht zulie�. Kims Haut war eiskalt, und sie f�hlte sich auf eine schwer zu beschreibende Weise unangenehm an. Was um alles in der Welt war mit ihr passiert?</p><p>�Was soll denn mit mir sein?� Kim fuhr sich mit dem Handr�cken �ber die Augen, g�hnte ausgiebig und blinzelte dann. �Es ist kalt hier drinnen.�</p><p>�Das Fenster stand auf�, sagte ich. �Die ganze Nacht.�</p><p>�Die ganze Nacht?� Kimberley blinzelte erneut. �Wie sp�t ist es denn?�</p><p>�Acht�, antwortete ich, �beinahe, jedenfalls.�</p><p>�Acht?!� Sie schrak sichtbar zusammen. �Dann muss ich los! Ich komme zu sp�t ins B�ro!�</p><p>Sie wollte aufspringen, aber ich lie� auch das nicht zu, sondern dr�ckte sie mit sanfter Gewalt aufs Bett zur�ck. �Es ist acht Uhr abends�, sagte ich. �Du brauchst dich nicht zu beeilen. Im B�ro ist jetzt wahrscheinlich niemand mehr.�</p><p>Ich machte eine Geste mit der freien Hand in die Runde. �Was ist hier passiert?�</p><p>�Acht Uhr abends?� vergewisserte sich Kim. Sie sah mich einen Moment lang zweifelnd an, dann richtete sie sich auf und rieb sich fr�stelnd mit den H�nden �ber die nackten Oberarme. �Ich habe den ganzen Tag verschlafen? Unglaublich.�</p><p>�Und nicht nur das�, sagte ich. �Die Wohnung sieht aus, als w�ren Dschinghis Khans Horden hindurchgezogen, und zwar mehrmals, und aus verschiedenen Richtungen. Was ist hier passiert?�</p><p>�Wenn ich das w�sste ...� Kim sch�ttelte verwirrt den Kopf. �Ich ... kann mich nicht erinnern. Ich habe etwas getrunken. Aber nicht viel�, f�gte sie rasch hinzu.</p><p>�Aber du trinkst doch niemals�, antwortete ich zweifelnd. �Jedenfalls nicht mehr als einen oder zwei Martinis!�</p><p>�Ich wei� nicht�, antwortete Kim nur. �Ich ...� Sie brach ab, zuckte erneut mit den Schultern und setzte dann von neuem an. �John, wegen gestern Abend ... es ... es tut mir leid. Ich war ziemlich ungerecht zu dir.�</p><p>�Unsinn�, sagte ich. Ich war noch immer zutiefst verwirrt, aber die Erkenntnis, dass Kim unversehrt war, �berwog alles andere. �Ich bin es, der sich entschuldigen muss. Es ... es gibt da etwas, dass ich dir erkl�ren muss. Ich h�tte es l�ngst tun sollen, aber ...�</p><p>Kimberley �berraschte mich erneut: Sie hob die Hand, verschloss meine Lippen mit dem Zeigefinger und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nein, Schatz. Du musst dich f�r gar nichts entschuldigen. Ich war so dumm, dass ich mich am liebsten zu Tode sch�men w�rde.�</p><p>�Aber ich ...�</p><p>�Ich sollte es besser wissen�, fuhr Kimberley unbeeindruckt fort. �Ich meine: Ich arbeite schlie�lich selbst im Wei�en Haus. Ich sollte wohl wissen, dass es Dinge gibt, �ber die du nicht reden darfst. Nicht einmal mit mir.�</p><p>�Nein�, antwortete ich. �Die gibt es nicht. Wir haben uns geschworen, keine Geheimnisse voreinander zu haben.�</p><p>�Und du hast geschworen, die Dinge f�r dich zu behalten, die du bei deiner Arbeit erf�hrst�, antwortete Kim ernst. �Genau wie ich. Es tut mir leid. Ich war ... dumm.�</p><p>�Du warst eifers�chtig�, verbesserte ich sie.</p><p>�Das ist dasselbe�, beharrte Kimberley. �Du hast mir niemals Grund zur Eifersucht gegeben. Ich war eine Idiotin, auf Pratt zu h�ren. Ich werde es nie wieder tun, das schw�re ich dir.� Sie k�sste mich fl�chtig, rutschte dann ein St�ck weit von mir fort und zog die Bettdecke bis ans Kinn hoch.</p><p>�Acht Uhr?� vergewisserte sie sich.</p><p>�Abends�, best�tigte ich.</p><p>�Kein Wunder, dass ich mich wie ger�dert f�hle�, sagte sie. �Wie kann man nur so lange schlafen? Sei ein Schatz und koch uns noch einen Kaffee; den st�rksten, den du zustande bringst.�</p><p>�Wir m�ssen uns wirklich unterhalten, Kim�, sagte ich ernst. Die Verlockung war gro�, ihr Angebot anzunehmen. Es w�re leicht gewesen, es zu tun - Bachs Geheimnis weiter f�r mich zu behalten und Kim weiter in dem Glauben zu belassen, dass ich Tag f�r Tag ins B�ro ginge, um dort langweilige Zahlenkolonnen aus verstaubten Akten abzuschreiben.</p><p>Aber das hie� auch, weiter mit einer L�ge zu leben.</p><p>Und das wollte ich nicht.</p><p>�Das werden wir�, antwortete Kim. �Nachdem du Kaffee gemacht und ich mich angezogen habe.�</p><p>Ich kapitulierte. Doch als ich aufstand und auch Kimberley sich erhob, fiel mir etwas auf. Auf ihrem Kopfkissen befand sich ein kleiner, kreisrunder Blutfleck.</p><p>�Was ist passiert?� Als sie mich nur fragend ansah, deutete ich mit einer Geste auf ihr Kissen. Kims Blick folgte der Bewegung. Sie fuhr erschrocken zusammen, hob die Hand an den Hinterkopf und blickte dann stirnrunzelnd auf ihre Fingerspitzen, an denen ebenfalls Blut klebte.</p><p>�Ich muss mich wohl gesto�en haben�, sagte sie. �Seltsam - ich kann mich gar nicht erinnern. Und es tut auch gar nicht weh.�</p><p>�Lass mich sehen�, verlangte ich, aber Kimberley wehrte ab.</p><p>�Es ist nichts�, sagte sie. �Ein Grund mehr, in Zukunft nach dem zweiten Martini Schluss zu machen - und einen starken Kaffee zu trinken.�</p><p>Das gefiel mir nicht. Es war wirklich nur ein winziger Blutfleck, vermutlich nicht mehr als ein einzelner Tropfen, aber dass sie sich nicht erinnerte, wo und wie sie sich diese Verletzung zugezogen hatte, irritierte mich. Wenn ihr so etwas passierte, musste sie mehr als nur ein bisschen betrunken gewesen sein. Aber ich wollte den gerade geschlossenen, noch empfindlichen Frieden nicht sofort wieder gef�hrden, drehte mich wortlos um und verlie� das Schlafzimmer.</p><p>Ich kochte Kaffee, wie ich es Kim versprochen hatte, und danach kehrte ich ins Wohnzimmer zur�ck und begann, das herrschende Chaos zu beseitigen, so gut ich konnte. Besonders gut war es nicht. Ich habe niemals das Talent zum Hausmann besessen, und um ganz ehrlich zu sein: auch nicht den Ehrgeiz, es zu entwickeln. Aber ich bem�hte mich, und als Kimberley - nach einer Ewigkeit, wie es mir vorkam - aus dem Schlafzimmer auftauchte, hatte ich die schlimmsten Folgen der vergangenen Nacht beseitigt. Was blieb, war eine schmierige Pf�tze unter dem Fenster, von der ich annahm, es w�re Regenwasser, das vom Wind hereingeweht worden war.</p><p>Aber es war kein Regenwasser. Es war eine streng riechende, graugr�ne Substanz von fast schleimiger Konsistenz.</p><p>�Was um Gottes willen ist denn das?� fragte ich angeekelt.</p><p>Kim kam neugierig n�her und ging in die Hocke. Sie streckte die Hand nach der Pf�tze aus, ber�hrte sie aber nicht, sondern verzog ebenfalls angeekelt das Gesicht.</p><p>�Das muss die Katze gewesen sein�, sagte sie.</p><p>�Katze? Was f�r eine Katze?�</p><p>Kim blinzelte. �Ich ... erinnere mich jetzt�, sagte sie z�gernd. �Eine Katze kam herein, weil das Fenster offen stand. Jetzt wei� ich es wieder: Ich wollte sie verscheuchen, weil sie diese Schweinerei angerichtet hat. Dabei habe ich mir den Kopf angesto�en.�</p><p>Zweifelnd blickte ich abwechselnd sie und die sonderbare Pf�tze an. Das Zeug sah nicht so aus, als w�re es von einer Katze hinterlassen worden. Es roch auch nicht so.</p><p>�Vergiss das jetzt�, sagte Kimberley und stand auf. �Wei�t du was? Ich wische das sp�ter weg. Jetzt ziehst du deinen Mantel wieder an, und ich lade dich zur Feier des Tages zum Abendessen ein. Du hattest mir doch von diesem kleinen italienischen Restaurant zwei Stra�en weiter von hier erz�hlt.�</p><empty-line/><p>W�hrend der n�chsten Wochen geschah nichts Au�ergew�hnliches. In Wirklichkeit geschahen eine Menge au�ergew�hnlicher und bedrohlicher Dinge, aber ich bekam wenig davon mit; vielleicht wollte ich auch au�erhalb meiner kleinen Welt nichts mehr sehen. Als ich begriff, was geschah, war es beinahe zu sp�t.</p><p>Die Dinge gingen ihren Gang, wie man so sch�n sagte. Kimberley und ich gingen tags�ber weiter ins B�ro und taten unsere Arbeit, ich ging abends und an den Wochenenden zu Majestic, und sie stellte niemals auch nur eine einzige Frage, ganz wie sie es versprochen hatte. Und ich belie� es dabei. Im Nachhinein war ich ganz froh, dass sie mich davon abgehalten hatte, sie einzuweihen. Manchmal plagte mich immer noch mein schlechtes Gewissen, das gr��te und wichtigste Geheimnis meines Lebens ausgerechnet vor ihr verborgen zu halten, aber zugleich war ich auch fast erleichtert. Bach mochte wohl einen Narren an mir gefressen haben, wie Hertzog behauptete, aber ich bezweifelte, dass seine Gro�mut weit genug reichte, um mir einen Hochverrat zu verzeihen - und als nichts anderes h�tte er es betrachtet, h�tte ich Kim eingeweiht. Ganz gleich, aus welchen Gr�nden.</p><p>Was mich schlie�lich dazu brachte, es doch zu tun, das war ein Ereignis, das wohl jeder von Ihnen kennt, auch die, die damals noch gar nicht geboren waren; auch wenn die allerwenigsten von Ihnen wohl die wirklichen Hintergr�nde kennen. Ebenso wenig wie ich �brigens, damals.</p><p>Die Tage begannen wieder l�nger zu werden, und die Abende damit w�rmer. Kim und ich hatten uns in letzter Zeit angew�hnt, fast regelm��ig auszugehen; ein Verhalten, das unseren Haushaltsetat ebenso strapazierte, wie es unserem Privatleben gut tat. Es war mir gleich. Kimberley und ich verstanden uns so gut wie seit Monaten nicht mehr, und wenn der Preis daf�r darin bestand, dass ich zwei Jahre l�nger auf einen neuen Wagen sparen oder meinen Anzug ein Jahr l�nger tragen musste, dann war es mir recht.</p><p>Es war schon sp�t. Wir hatten italienisch gegessen und anschlie�end eine gute Flasche Wein getrunken, und ich war gerade weit genug beschwipst, um noch Herr meiner Sinne (und vor allem meiner Sprache) zu sein, mich aber auf einen romantischen Ausklang des Abends in unserem Schlafzimmer zu freuen. Auch das war etwas, das sich in den letzten Wochen ge�ndert hatte: Heutzutage ist es vielleicht selbstverst�ndlich, dass auch eine Frau sexuell aktiv wird und ihre W�nsche klar und deutlich formuliert, aber in den sechziger Jahren war dies ganz und gar nicht normal, aller Flower-Power-Romantik und Hippiebewegung zum Trotz. Nicht, dass ich mich �ber diese Ver�nderung beklagt h�tte ...</p><p>Wir waren noch einen Block von Zuhause entfernt. Es war weit nach zehn, und die Stra�e h�tte eigentlich so gut wie leer sein m�ssen. Trotzdem hatte sich vor einem Gesch�ft auf der anderen Stra�enseite ein regelrechter Menschenauflauf gebildet.</p><p>�Was ist denn da los?� fragte Kim.</p><p>Ich sah nur fl�chtig hin. Ein gutes Dutzend Menschen hatte sich vor dem Schaufenster eines Fernsehgesch�fts eingefunden, es war die Zeit, in der auch in Amerika nicht jeder Haushalt �ber einen eigenen Fernseher verf�gte und in jedem Schaufenster einer oder auch mehrere Apparate liefen. Mich interessierte es im Moment nicht. Wir hatten einen eigenen Fernseher, und ich hatte f�r den Rest des Abends andere Pl�ne, als mir eine Soap-Opera anzusehen oder irgendeine Quiz-Show.</p><p>�Keine Ahnung�, sagte ich achselzuckend. �Lass uns nach Hause gehen. Ich m�chte ins Bett.�</p><p>�Ich denke, du bist nicht m�de.�</p><p>�Bin ich auch nicht�, antwortete ich grinsend.</p><p>Kimberley lachte, zog mich aber trotzdem mit schon etwas mehr als sanfter Gewalt quer �ber die Stra�e und auf das Schaufenster zu. Ich str�ubte mich nicht. Ob wir ein paar Minuten fr�her oder sp�ter zu Hause ankamen, spielte keine Rolle.</p><p>Doch der Abend sollte einen radikal anderen Verlauf nehmen, als ich in diesem Moment ahnte.</p><p>Und mit ihm der Rest meines Lebens.</p><p>Dass irgendetwas nicht stimmte, fiel mir schon auf, bevor wir das Gesch�ft erreichten. Am Stra�enrand parkte ein Wagen. Der Motor lief, und der Fahrer sa� hinter dem Steuer und lauschte konzentriert der Stimme des Nachrichtensprechers, die aus dem Radio drang. Er sah sehr besorgt aus. Um nicht zu sagen: erschrocken. Das Fenster des Wagens stand offen, aber ich konnte nicht verstehen, was die Stimme aus dem Radio sagte. Doch ich fing einige Fetzen auf; vielleicht nur Bruchst�cke von Worten, aber es waren Bruchst�cke, die mich aufs h�chste beunruhigten. Es waren Worte wie Nuklearsprengkopf, Ultimatum und Kernwaffeneinsatz.</p><p>�Was ist denn los?� fragte Kim. Auch sie hatte die Stimme aus dem Radio geh�rt.</p><p>Ich zuckte nur mit den Schultern, aber ich musste mich jetzt nicht mehr dr�ngen lassen, um das Schaufenster zu erreichen. Ganz im Gegenteil war pl�tzlich ich es, der sie zog.</p><p>Aus meinen schlimmsten Bef�rchtungen schien Gewissheit zu werden, als wir das Schaufenster erreichten. In dem Gesch�ft liefen gleich ein halbes Dutzend Fernsehempf�nger, die allerdings alle das gleiche Programm zeigten. Der Ton war ausgeschaltet, aber die Bilder, die auf den Mattscheiben flimmerten, waren so eindeutig, dass sie im Grunde keiner weiteren Erkl�rung bedurften.</p><p>Sie zeigten einen Flottenverband der US-Navy, der offensichtlich mit voller Kraft durch den Ozean pfl�gte. In raschem Wechsel dazu waren Hubschrauber zu sehen, Einheiten der Air Force und schlie�lich eine Staffel B-52-Bomber. Zumindest diesen letzten Filmschnipsel kannte ich. Es war eine Archivaufnahme, wie vermutlich alle anderen auch.</p><p>Aber es waren auch nicht die Bilder, die mich erschreckten. Pl�tzlich fielen mir gewisse Meldungen ein, die ich in den letzten Tagen geh�rt hatte, Informationen, die zum Teil jedermann zug�nglich und im Radio ausgestrahlt worden waren, zum Teil aber auch als Geheimsache �ber meinen Schreibtisch gegangen waren.</p><p>In der ersten Sekunde war ich einfach nur ersch�ttert. Das ... das konnte nicht sein! Es war einfach nicht m�glich! Nicht einmal die Russen konnten so verr�ckt sein.</p><p>�Was bedeutet das, John?� fragte Kim. Ihre Stimme klang kein bisschen beunruhigt, sondern nur verst�rt. Vielleicht ging es ihr ebenso wie mir: Vielleicht wollte sie nicht begreifen, was diese Bilder bedeuteten.</p><p>�Er hat es getan!� murmelte ich fassungslos. �Dieser Wahnsinnige hat es wirklich getan!�</p><p>�Was?� fragte Kim. �Aber was ist denn nur los?�</p><p>�Chruschtschow ist los, Sch�tzchen�, sagte einer der M�nner hinter uns. �Dieser verr�ckte Russe hat Raketen auf Kuba stationiert.�</p><p>Kim erschrak nicht. Sie sah nicht einmal besorgt aus, sondern sah den Mann nur verst�ndnislos an. Dann wandte sie sich wieder an mich. �Sind wir im Krieg, John?�</p><p>Ich h�tte viel darum gegeben, die Antwort zu wissen. Offiziell waren wir es vermutlich noch nicht, aber das war m�glicherweise ein Unterschied, der kleiner war, als selbst ich in diesem Moment noch ahnte. Ich starrte wieder das halbe Dutzend synchroner Bilder auf den Fernsehern im Schaufenster an, und pl�tzlich war es mir, als beg�nne ich den Boden unter den F��en zu verlieren. Ich st�rzte rasend schnell auf einen Abgrund zu, schneller und schneller und schneller, und mit mir st�rzte die ganze Welt. Heute wei� jedermann, wie nahe die Welt damals dem atomaren Inferno war, aber in dieser Nacht war ich vielleicht der Einzige aus der kleinen Gruppe, der die ganze Tragweite der Gefahr begriff. Die M�nner und Frauen rings um uns herum wirkten nerv�s und angespannt, aber einige sahen auch beinahe freudig erregt aus, so absurd es auch klingen mag.</p><p>�Damit kommt er nicht durch�, sagte ein rothaariger Bursche hinter mir. �Kennedy wird Chruschtschow in den Arsch treten, ihr werdet sehen.�</p><p>Ich drehte mich herum und funkelte ihn an. Ich sagte kein Wort, aber irgendetwas in meinem Blick musste ihn abgrundtief erschreckt haben, denn sein schadenfrohes Grinsen erlosch schlagartig, und er wich instinktiv einen Schritt von mir zur�ck.</p><p>�Was ist los mit Ihnen?� fragte er nerv�s. �Sind Sie etwa so ein Schei�-Kommunistenfreund?�</p><p>�Halt blo� die Klappe, du Idiot�, sagte ich. �Wei�t du �berhaupt, was da vor sich geht?�</p><p>�John.� Kimberley legte mir die Hand auf den Unterarm, und die Ber�hrung brach den Bann.</p><p>Pl�tzlich wurde mir nicht nur klar, dass ich mich wie ein kompletter Narr benahm, sondern dass ich auch drauf und dran war, mir eine geh�rige Tracht Pr�gel einzuhandeln. Der Bursche war einen Kopf gr��er als ich, und ein gutes St�ck breitschultriger, und McCarthy war zwar zu diesem Zeitpunkt noch ein gesichtsloser Gouverneur, dessen Name niemandem etwas sagte, aber sein Geist war bereits deutlich zu sp�ren. Ich hielt dem Blick des rothaarigen Jungen noch eine trotzige halbe Minute lang stand, dann drehte ich mich mit einem Ruck herum und ging.</p><p>Kimberley folgte mir mit schnellen, festen Schritten. �Was ist los mit dir, John?� fragte sie. �So habe ich dich ja noch nie erlebt! Ist es wegen der Berichte im Fernsehen?� Sie z�gerte einen Moment, dann fragte sie noch einmal: �Sind wir im Krieg, John?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete ich wahrheitsgem��. �Aber vielleicht solltest du dir schon einmal eine Aktentasche besorgen. Und ein wei�es Blatt Papier. Du wei�t doch: duck and cover.�</p><p>Kimberley sah mich nur irritiert an, aber ich sah auch, dass ich ihre fast unnat�rliche Ruhe nun endlich ersch�ttert hatte. Sie sagte nichts mehr, doch hinter ihrer Stirn begann es sichtbar zu arbeiten.</p><p>Wir hatten das Apartmenthaus erreicht. Kim griff in die Manteltasche und zog ihren Schl�sselbund heraus, aber ich l�ste mich von ihrem Arm und steuerte den Wagen an, der einige Schritte entfernt am Stra�enrand stand. �Wo willst du hin?� fragte Kim.</p><p>�Ich muss noch einmal weg�, antwortete ich ausweichend. �Warte nicht auf mich.�</p><p>�Um diese Zeit? Aber wohin denn, um Gottes willen.�</p><p>�Ich muss zu Bach. Warte nicht auf mich.�</p><p>�Zu Bach? Aber warum rufst du ihn nicht einfach an?� Ich stieg in den Wagen, warf die T�r hinter mir zu und startete den Motor, ohne zu antworten. Ich sah im R�ckspiegel, dass Kim auf mich zuzurennen begann, h�mmerte den Gang hinein und trat das Gaspedal bis zum Boden durch, so dass der Wagen mit durchdrehenden Reifen losjagte. Meine Gedanken �berschlugen sich. Ich musste zu Bach. Ich musste mit ihm reden, um herauszufinden, was hinter diesem Wahnsinn steckte, und dann ...</p><p>Was? Die Welt retten?</p><p>Der Gedanke erschien mir pl�tzlich selbst so absurd, dass ich hinter dem Steuer laut zu lachen begann. Es war ein durch und durch hysterisches Lachen, aber als es vorbei war, da hatte ich mich auch halbwegs wieder beruhigt.</p><p>Zumindest weit genug, um zu begreifen, dass ich in die falsche Richtung fuhr.</p><p>Bach wohnte in einem jener unauff�lligen Vororte, in denen sich Hunderttausend-Dollar-H�user hinter unauff�lligen Fassaden verbargen und in der Auffahrt der Drittwagen des Sohnes stand, w�hrend der Chevy des Hausherren hinter dem Garagentor verborgen blieb und die Heizung des Pools abends ausgeschaltete wurde, damit man den aufsteigenden Dampf nicht sah. Es war nach elf, als ich ankam, aber im Haus brannte noch Licht, und hinter dem Fenster neben der T�r flackerte der blaue Schein eines Fernsehers. Vermutlich gab es in dieser Nacht niemanden in Amerika, der nicht vor dem Fernseher sa� und gebannt der Stimme des Nachrichtensprechers lauschte.</p><p>Es gab keine Klingel, so dass ich klopfen musste. Die Reaktion erfolgte sofort. Schritte n�herten sich der T�r, dann blickte mich ein im ersten Moment vollkommen perplexer, dann fast zorniger Bach an.</p><p>�John?�</p><p>�Darf ich reinkommen?� Ich beantwortete meine Frage selbst, indem ich die T�r aufschob und einfach an ihm vorbeiging. Bach war noch immer so perplex, dass er nicht einmal versuchte, mich aufzuhalten. Eine Sekunde lang starrte er mich nur ratlos an, dann drehte er sich herum, warf einen raschen, aber sehr aufmerksamen Blick nach drau�en und schloss dann die T�r.</p><p>�Ich bin allein gekommen�, sagte ich.</p><p>Bach legte den Kopf schr�g. �Woher haben Sie diese Adresse?�</p><p>Ich lachte leise. �Ich bin Agent, Captain, schon vergessen? Und ich hatte einen guten Lehrer. Ich nehme an, Sie haben die Nachrichten verfolgt?�</p><p>Statt zu antworten ging Bach mit schnellen Schritten an mir vorbei und schaltete den Fernseher aus. Als er sich wieder zu mir herumdrehte, hatte er seine Selbstbeherrschung komplett wiedergefunden. Er trug jetzt weder seine Navy-Uniform noch einen der schlichten dunklen Anz�ge, in denen ich ihn kannte, sondern nur Jeans und ein geripptes Unterhemd, aber das machte ihn nicht weniger beeindruckend. Er h�tte vermutlich auch noch Autorit�t ausgestrahlt, h�tte er in langen Unterhosen und Ringels�ckchen vor mir gestanden.</p><p>�Ich hoffe, Sie haben einen guten Grund, hierherzukommen, John�, sagte er ruhig. �Ich sch�tze es nicht, in meiner Freizeit gest�rt zu werden. Ich habe sehr wenig davon.�</p><p>�Wie k�nnen Sie das zulassen?� fragte ich mit einer Kopfbewegung auf den ausgeschalteten Fernseher. �Nach allem, was vorgeht?�</p><p>�Was?� fragte Bach. �Reden Sie nicht in R�tseln, Mann!�</p><p>�Kuba�, antwortete ich. �Kennedy hat eine Blockade verh�ngt?�</p><p>�Nachdem Chruschtschow ein halbes Dutzend Atomraketen dort stationiert hat, ja�, antwortete Bach gelassen. �Was erwarten Sie denn, John? Dass er den Russen auch noch Transportflugzeuge zur Verf�gung stellt?�</p><p>�Aber das ist Wahnsinn!� protestierte ich. �Die Situation wird eskalieren, wenn die Russen stur bleiben!�</p><p>Bach sah mich f�r die Dauer eines Atemzuges nachdenklich an. Dann sch�ttelte er den Kopf, ging zum Tisch und z�ndete sich eine Zigarette an. Er nahm einen tiefen Zug, ehe er antwortete.</p><p>�Vielleicht sind Sie doch kein so guter Agent, wie Sie zu glauben scheinen, John. Oder ich kein so guter Lehrer. Sonst w�ssten Sie n�mlich, dass der Pr�sident bereits eine Spezialeinheit der Marine in Alarmbereitschaft versetzt hat, um eine Landung auf Kuba durchzuf�hren. Wir werden Chruschtschow seine Missiles in Geschenkpapier verpackt zur�ckschicken - zusammen mit ein paar von Castros Zigarren.�</p><p>�Das bedeutet Krieg�, sagte ich.</p><p>Bach zuckte die Achseln. �Nur, wenn die Russen stur bleiben. Ich glaube nicht, dass sie dieses Risiko eingehen.�</p><p>�Und wenn doch?�</p><p>Bachs Achselzucken wiederholte sich. �Kennedy wird jedenfalls nicht nachgeben�, sagte er. �Aber das ist immer noch keine Antwort auf meine Frage: Was, zum Teufel, tun Sie hier, John?�</p><p>Bach sah mich an, schwieg.</p><p>�Majestic�, fuhr ich fort. �Er hat keine Ahnung, dass es existiert, und er wei� auch nichts von Roswell und allen anderen. Der Pr�sident der Vereinigten Staaten von Amerika hat keine Ahnung, was vor sich geht.�</p><p>�Pr�sidenten kommen und gehen�, sagte Bach. �Kennedy ist ein guter Mann, aber f�r meinen Geschmack ein wenig zu redselig.�</p><p>Ich h�tte nicht einmal mehr erschrocken sein d�rfen, aber ich war es. Nein, nicht erschrocken. Ich war emp�rt.</p><p>�Er wei� es nicht�, sagte ich. �Ebenso wenig wie Chruschtschow. Die beiden w�rden einen solchen Wahnsinn nie anfangen, wenn sie w�ssten, was vor sich geht.�</p><p>�Vielleicht nicht�, antwortete Bach. �Vielleicht schon. Eine gemeinsame Bedrohung macht aus Feinden nicht zwangsl�ufig Freunde, wissen Sie?�</p><p>Ich starrte ihn eine Sekunde lang an, und dann machte es deutlich h�rbar Klick hinter meiner Stirn. �Sie wollen es gar nicht, nicht wahr?� fragte ich. �Das ist es, was Sie wirklich wollen, Bach. Die wirkliche Bestimmung von Majestic! Sie wollen die Technologie der Grauen f�r sich. Nicht f�r Amerika. F�r Majestic.�</p><p>Bach zog an seiner Zigarette. Seine Augen wurden schmal, und seine linke Hand glitt in einer unerwarteten Geste zur Brust und strich �ber den rechteckigen Anh�nger, der an seinem Hals hing. �Sie sind betrunken�, sagte er pl�tzlich.</p><p>�Das stimmt�, gestand ich unumwunden. �Gerade genug, um den Mut f�r diese Worte zu haben. Aber nicht so sehr, dass ich nicht begreife, was hier vor sich geht.�</p><p>�Und was geht hier vor - Ihrer Meinung nach?� fragte Bach ruhig.</p><p>�Die Welt steuert auf eine Katastrophe zu, Sie ... Sie gr��enwahnsinniger Irrer!� schrie ich. �Und Sie haben die M�glichkeit, sie daran zu hindern! Sagen Sie es ihnen! Rufen Sie Kennedy an und erz�hlen Sie ihm die Wahrheit! Zeigen Sie ihm die Leichen der Grauen und das UFO-Wrack, das Sie irgendwo versteckt haben!�</p><p>�Ist das alles?� fragte Bach. Er wirkte �u�erlich noch immer ganz ruhig, beinahe schon gef�hrlich ruhig. Aber seine Finger strichen weiter nerv�s �ber das Amulett an seinem Hals.</p><p>�Sie, Sie m�ssen es ihm sagen!� fuhr ich fort, noch immer erregt, aber jetzt nicht mehr schreiend. �Verdammt, Bach, wenn nicht Sie, wer sollte dann wissen, dass die Zeit vorbei ist, in der wir auf dieser Welt so tun k�nnen, als w�ren wir allein? Sie m�ssen es Kennedy sagen, und er muss es Chruschtschow sagen! Wir sind nicht mehr allein auf dieser Welt! Wir haben einen neuen Feind, und wir k�nnen ihn nur gemeinsam besiegen!�</p><p>Bach sah mich ruhig an. �Sind Sie jetzt fertig, John?�</p><p>�Hei�t das, dass Sie es nicht tun werden?� fragte ich.</p><p>�Der Pr�sident wei�, was er wissen muss�, antwortete Bach k�hl. �Nicht mehr, aber auch nicht weniger.�</p><p>�Sie ...�</p><p>�Sie sollten jetzt gehen John�, unterbrach mich Bach. �Ich werde dieses Gespr�ch vergessen. Sie sind erregt, und nach dem, was heute Abend passiert ist, kann ich das sogar verstehen. Aber machen Sie keine schlechte Angewohnheit daraus. Ich bin kein sehr gro�m�tiger Mensch, wie Sie wissen.�</p><p>�Sie verstehen gar nichts!� antwortete ich bitter. �Mein Gott, Bach, Sie ... Sie glauben wirklich, Sie h�tten das Recht, Gott zu spielen, wie?�</p><p>�Nein�, antwortete Bach. �Sie?�</p><p>�Ich werde da nicht l�nger mitspielen�, sagte ich. �Der Pr�sident wird erfahren, was vorgeht.�</p><p>�Nur zu�, sagte Bach. �Gehen Sie zu ihm und erz�hlen Sie ihm, was Sie wissen. Ich bin sicher, er wird herzhaft lachen.�</p><p>�Vielleicht auch nicht.�</p><p>Bach sch�ttelte den Kopf. Er blieb immer noch ganz ruhig. �Gehen Sie nach Hause und schlafen Sie Ihren Rausch aus, John�, sagte er. �Wir reden morgen weiter, wenn Sie sich beruhigt haben.�</p><p>Es h�tte noch so viel gegeben, was ich sagen wollte. Was ich ihm sagen musste. Aber ich sp�rte auch, dass ich den Bogen bereits �berspannt hatte. Bach hatte wenigstens in einem Punkt die Wahrheit gesagt: Er war kein besonders gro�m�tiger Mensch. So starrte ich ihn nur noch einen Moment lang w�tend an, dann fuhr ich auf dem Absatz herum und ging. Als ich die T�r hinter mir zuzog, rief Bach mir noch nach:</p><p>�Und kommen Sie nie wieder hierher, John.�</p><empty-line/><p>Mitternacht war vorbei, als ich nach Hause kam. Ich hatte mich nicht wieder verfahren, aber ich hatte auch nicht den direkten Weg nach Hause gew�hlt, sondern ganz bewusst einen Umweg gemacht und auch noch einen Zwischenstopp in einem kleinen Imbiss eingelegt, um zwei Tassen starken Kaffee zu trinken. Ich brauchte einfach Zeit, um mich zu beruhigen - und so ganz nebenbei hatte ich weder Lust, den Rest der Nacht auf einer Polizeiwache zu verbringen, noch, meinen F�hrerschein zu verlieren.</p><p>Trotzdem war ich nach der zweiten Tasse Kaffee nicht mehr ganz sicher, ob es nicht kl�ger gewesen w�re, mit Scotch weiter zu machen. Ich wurde langsam wieder n�chtern, und im gleichen Ma�e wurde mir auch klar, dass ich schon wieder einen Fehler gemacht hatte.</p><p>Diesmal vielleicht einen zu viel.</p><p>Ich hatte die Beherrschung verloren, und vor allem: Ich hatte Bach bedroht. Und Frank Bach war kein Mensch, der sich ungestraft bedrohen lie�. Auch nicht von mir. Er hatte zwar gesagt, dass er unser Gespr�ch vergessen w�rde, aber ich wusste, dass es nicht stimmte. Es w�rde Konsequenzen f�r mich haben. Vielleicht nicht direkt. Bach w�rde sich keine Strafe f�r mich einfallen lassen, aber er w�rde mich in Zukunft mit Sicherheit sehr viel aufmerksamer im Auge behalten. Und das war im Moment so ziemlich das Letzte, was ich gebrauchen konnte.</p><p>Nicht bei dem, was ich vorhatte.</p><p>Ich hatte nicht nur heute einen Fehler begangen. Seit Monaten schien alles, was ich tat, nur noch aus einer Aneinanderreihung von Fehlern und falschen Entscheidungen zu bestehen. Und die schlimmsten von allen w�rde ich jetzt r�ckg�ngig machen. Ich w�rde tun, was ich schon vor langer Zeit h�tte tun sollen, und Kimberley endlich die ganze Geschichte erz�hlen. Noch in dieser Nacht.</p><p>Jetzt.</p><p>Ich zahlte meinen Kaffee, verlie� das Restaurant und fuhr auf dem schnellstm�glichen Weg nach Hause. Ich fuhr schnell, aber nicht zu schnell. In Anbetracht der fortgeschrittenen Uhrzeit herrschte in der Stadt noch erstaunlich viel Betrieb: Auf den Stra�en waren fast so viele Wagen wie tags�ber, und ich sah mehr als eine Gruppe von M�nnern und Frauen, die beieinander standen und aufgeregt miteinander diskutierten. Ich war wohl nicht der Einzige, dem die schlechten Nachrichten den Schlaf geraubt hatten. Das Radio in meinem Wagen lie� ich allerdings ausgeschaltet. Ich brauchte nicht noch mehr Hiobsbotschaften.</p><p>Was nicht hie�, dass ich sie nicht bekam.</p><p>Als ich in unsere Stra�e einbog, nahm mir ein schwarzer Mercury die Vorfahrt. Ich trat im letzten Moment auf die Bremse, entging mit kreischenden Reifen einem Auffahrunfall und hob w�tend die Hand, um auf die Hupe zu schlagen.</p><p>Aber ich tat es nicht, denn in diesem Moment erkannte ich den Wagen.</p><p>Genauer gesagt: seinen Fahrer.</p><p>Es war Pratt.</p><p>Kongressabgeordneter Charles Pratt. Ich sah sein Gesicht nur f�r den Bruchteil einer Sekunde, aber ich erkannte ihn trotzdem ohne den geringsten Zweifel. Von seiner r�cksichtslosen Fahrweise hatte ich schon geh�rt, aber es war das erste Mal, dass ich sie erlebte - und so ganz nebenbei auch das erste Mal, dass er sie einsetzte, um m�glichst schnell zu dem Haus zu gelangen, in dem ich wohnte.</p><p>Nichts anderes war sein Ziel.</p><p>Ich w�re Pratt um ein Haar nun doch noch in den Wagen gefahren, als er warnungslos abbremste, und den Mercury mit einem brutalen Ruck am Lenkrad unmittelbar vor unserem Apartmenthaus zum Stehen brachte. Mit einer fast verzweifelten Bewegung wich ich ihm aus, drehte hastig das Gesicht nach links, damit Pratt nicht im Vorbeifahren seinerseits nun mich erkannte, und gab instinktiv wieder Gas. Der Wagen rasierte um Haaresbreite an Pratts Mercury vorbei, aber ich sah im R�ckspiegel, wie Pratt ausstieg und sich herumdrehte, ohne mich auch nur eines Blickes zu w�rdigen. Stattdessen umkreiste er den Wagen und ging mit festen Schritten auf den Eingang des Apartmenthauses zu.</p><p>Ich widerstand im letzten Moment dem Impuls, anzuhalten und zur�ckzusetzen.</p><p>Tats�chlich fuhr ich sogar wieder ein wenig schneller und bet�tigte den Blinker, um an der n�chsten Kreuzung rechts abzubiegen. Pratt hatte mich bisher nicht bemerkt und so sollte es auch bleiben. Trotzdem behielt ich ihn nat�rlich aufmerksam im R�ckspiegel im Auge. Pratt verschwand im Eingang unseres Apartmenthauses, als ich die Kreuzung erreichte und abbog.</p><p>Ich gab mehr Gas und holte aus dem altersschwachen Chevy heraus, was ich nur konnte, w�hrend ich den Block umrundete. Was um alles in der Welt suchte Pratt in unserer Wohnung, und noch dazu mitten in der Nacht? Seit unserem Zusammensto� waren Wochen vergangen. Pratt hatte in dieser Zeit das Einzige getan, was ihm noch �brig blieb - mich mit Missachtung gestraft. Wieso tauchte er ausgerechnet heute hier auf? Konnte es sein, dass der eingetretene Notfall ihm endlich die notwendigen Vollmachten beschert hatte, um mit mir abzurechnen? Und wenn ja, hatte er in einer Nacht wie dieser tats�chlich nichts Besseres zu tun, als seine gekr�nkte Eitelkeit zu r�chen?</p><p>Es gab noch eine andere Erkl�rung. Aber sie war so absurd, dass ich mich im ersten Moment einfach weigerte, sie auch nur in Betracht zu ziehen.</p><p>Doch der Gedanke war nun einmal da, und er bohrte sich wie ein vergifteter Stachel immer tiefer in mein Bewusstsein. Pratt war unterwegs zu meiner Wohnung, w�hrend ich nicht Zuhause war. Wer sagte mir, dass er das das erste Mal tat? Kimberley hatte sich ver�ndert, seit sie mit Pratt gesprochen hatte, und vielleicht war das kein Zufall.</p><p>Ich versuchte vergeblich, mir einzureden, dass ich ein Narr war, und nur grundlos eifers�chtig. Es nutzte nichts. Das Gef�hl war einmal da, und es wurde mit jeder Sekunde st�rker.</p><p>Trotzdem war ich noch geistesgegenw�rtig genug, den Wagen wieder auf drei�ig Meilen die Stunde herunterzubremsen, ehe ich den Block ganz umrandet hatte. Ich parkte nicht unmittelbar vor der T�r, sondern ein St�ck weit entfernt und so, dass der Wagen von unserer Wohnung aus nicht gesehen werden konnte, und zwang mich, die wenigen Schritte zur Haust�r langsamer als eigentlich notwendig zur�ckzulegen. Als ich vor der T�r unseres Apartments stand, waren ungef�hr drei Minuten vergangen, seit Pratt das Haus betreten hatte.</p><p>Als ich den Schl�ssel ins Schloss stecken wollte, zitterten meine H�nde so stark, dass ich f�r einen Moment innehalten musste. Ich war aufgebracht, aber mich selbst in der Rolle des w�tenden Ehemannes zu sehen, der au�er sich vor Wut die T�r eintrat, erschien mir selbst in diesem Augenblick noch zu l�cherlich. So wartete ich, bis sich meine zitternden H�nde wieder einigerma�en beruhigt hatten, schob den Schl�ssel lautlos ins Schloss und schob die T�r ebenfalls lautlos auf.</p><p>Pratt war in der Wohnung.</p><p>Ich konnte seine und Kimberleys Stimmen aus dem Wohnzimmer h�ren. Ich konnte die Worte nicht verstehen, aber immerhin den Tonfall - und was ich belauschte, das war ganz bestimmt kein Liebesgefl�ster.</p><p>Ebenso lautlos, wie ich die T�r ge�ffnet hatte, schloss ich sie hinter mir wieder, wandte mich um und schlich zum Wohnzimmer. Ich widerstand der Versuchung, einen Blick hinein zu werfen. Stattdessen presste ich mich dicht neben der T�r gegen die Wand und lauschte mit geschlossenen Augen.</p><p>�... frage Sie noch einmal, Mister Pratt�, sagte Kimberley gerade. �Was wollen Sie hier? Es ist Mitternacht! John ist nicht hier, und er kommt auch heute nicht mehr!�</p><p>�Sie sind durcheinander, Kimberley�, antwortete Pratt. �Aber das ist nur zu verst�ndlich. Ich werde Ihnen alles erkl�ren.�</p><p>�F�r Sie immer noch Mrs. Sayers, Mister Pratt. Und Ihre Erkl�rungen interessieren mich nicht. Gehen Sie!�</p><p>Pratt lachte. Jedenfalls glaubte ich, dass es ein Lachen war. Ganz sicher war ich nicht.</p><p>�Ich muss Ihnen ein paar Dinge erkl�ren, Kimberley. Sind Sie bereit daf�r?�</p><p>Ich konnte h�ren, dass er mit irgendetwas hantierte; ein metallischer, raschelnder Laut, als h�tte er irgendetwas ausgepackt, das in eine Aluminiumfolie eingeh�llt war. Kimberley sog h�rbar die Luft zwischen den Z�hnen ein.</p><p>�Was ist das? Es ... es soll aufh�ren! Dieses Ger�usch! Machen Sie, dass es aufh�rt!�</p><p>Ich lauschte angestrengt, konnte aber absolut nichts h�ren. Die Verlockung, mich aus meinem Versteck zu l�sen und ins Wohnzimmer zu st�rmen, wurde immer st�rker, aber noch widerstand ich ihr. Vielleicht musste ich nur eine oder zwei weitere Minuten abwarten, um Pratt ein f�r alle Mal loszuwerden.</p><p>�Es tut mir leid, Kimberley�, sagte er, �aber das kann ich nicht. Glauben Sie mir, auch ich h�tte es vorgezogen, dieses Gespr�ch mit John zu f�hren, statt mit Ihnen. Aber ungl�cklicherweise war John nicht hier, als meine ... Kameraden Sie besuchten.�</p><p>�Dieses Ger�usch!� wimmerte Kim. �Schalten Sie es ab! Schalten Sie es ab, Pratt!�</p><p>Ich h�rte immer noch nichts, aber es fiel mir immer schwerer, reglos dazustehen und zu lauschen. Der gequ�lte Ton in Kimberleys Stimme war echt. Sie litt H�llenqualen. Noch eine Minute, dachte ich, keine Sekunde l�nger.</p><p>�Sie werden gleich alles verstehen, Kimberley�, sagte Pratt. �Es ist bedauerlich. Eigentlich mag ich Sie n�mlich. Sie sind ein nettes M�dchen, und Sie haben mit dieser ganzen Geschichte nun wirklich nichts zu tun. Aber manchmal entwickeln sich die Dinge nun einmal nicht ganz so, wie man will. Das Problem ist John. Wir k�nnen Ihrem Mann nicht mehr l�nger trauen, Kim. Er entwickelt sich allm�hlich zu einer ernst zu nehmenden Bedrohung. F�r uns alle, Kim. Auch f�r Sie.�</p><p>�Dieses Ger�usch!� wimmerte Kim. Der Schmerz in ihrer Stimme lie� auch mich innerlich aufst�hnen. �Schalten Sie es ab! Ich ertrage es nicht mehr!�</p><p>Dasselbe galt auch f�r mich. Ich wusste nicht, was Pratt ihr antat, aber was immer es war, ich w�rde es beenden. Jetzt!</p><p>Doch als ich mich von der Wand abstie� und ins Wohnzimmer st�rmen wollte, sah ich ein sonderbares, flackerndes Licht. Ein Licht in Farben und von einer flackernden Art, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte, und so blieb ich noch einmal stehen und lauschte.</p><p>�Ber�hren Sie das Licht, Kim�, sagte Pratt. �Es ist ganz einfach, Sie werden es sehen. Strecken Sie die Hand aus, und ber�hren Sie das Licht. Es wird alle Ihre Fragen beantworten.�</p><p>�Nein�, wimmerte Kim. �Bitte!�</p><p>�Sie k�mpfen dagegen�, sagte Pratt. �Das ist nur nat�rlich. Aber es ist sinnlos. Ber�hren Sie das Licht, und alles wird gut. Klaar Si Su Haar.�</p><p>Die letzten Worte hatte er mit ver�nderter, unheimlicher Stimme gesprochen; eine Stimme, die kaum noch wie die eines Menschen klang ...</p><p>... und es auch nicht war!</p><p>Endlich begriff ich. Pratt war nicht hier, um sich an mir f�r irgendetwas zu r�chen.</p><p>Er war auch nicht hier, weil Bach ihn geschickt hatte.</p><p>Pratt geh�rte zu ihnen!</p><p>Mit einem Ruck l�ste ich mich von meinem Platz, st�rmte ins Wohnzimmer - und blieb wieder stehen. Ich wei� nicht, was ich erwartet habe, aber das nicht. Es gibt Dinge, auf die man sich nicht vorbereiten kann, ganz gleich, wie sehr man es auch versucht.</p><p>Das Zimmer war in ein Meer tanzender Farben getaucht, die ihren Ursprung in einem fu�ballgro�en Etwas hatten, das schwerelos einen halben Meter �ber dem Boden schwebte. Ich konnte nicht sagen, was es war, nicht einmal genau, wie es aussah, denn es schien seine Form und seine Gr��e ununterbrochen zu �ndern, wie ein Prisma, in dem sich nicht nur das Licht, sondern auch die Formen brachen.</p><p>Kimberley und Pratt standen inmitten dieses Ozeans aus Licht, und irgendwie schienen sie selbst zu einem Teil der st�ndig wechselnden Farben und Formen geworden zu sein, so dass ich im ersten Moment fast Schwierigkeiten hatte, sie �berhaupt zu erkennen. Kim lehnte an der Wand neben dem Fenster, in verkr�mmter Haltung, mit schmerzverzerrtem Gesicht und beide H�nde gegen die Ohren gepresst, und Pratt drehte sich genau in diesem Moment zu mir herum und sah mich an. Auf seinem Gesicht erschien nicht die mindeste Spur von �berraschung.</p><p>�Hallo, John�, sagte er.</p><p>Ich ignorierte ihn, �berwand endlich meine �berraschung und war mit einem einzigen Satz bei Kimberley. �Kim! Liebling! Was ist los? Was ist mit dir?�</p><p>Kimberley zitterte am ganzen Leib. Sie antwortete nicht. Wahrscheinlich konnte sie es nicht einmal. W�tend fuhr ich zu Pratt herum.</p><p>�Pratt! Verdammt noch mal, was tun Sie hier?�</p><p>Angesichts dessen, was ich sah, kam mir diese Frage beinahe selbst l�cherlich vor, und Pratt antwortete auch ganz genau so darauf. Er l�chelte.</p><p>�John, John, John�, sagte er kopfsch�ttelnd. �Das wissen Sie doch ganz genau. Ich wei� wirklich nicht, was ich von Ihnen halten soll. Ich glaube, ich h�tte nicht so lange hinter der T�r gestanden und meine Frau leiden lassen - wenn ich eine Frau h�tte, hei�t das.�</p><p>�Warum sie, Pratt?� fragte ich. �Warum Kimberley? Warum nicht ich?�</p><p>�Nur Geduld, John. Ihre Zeit wird noch kommen�, antwortete Pratt l�chelnd.</p><p>�Sie verdammter Mistkerl�, murmelte ich. �Sie widerlicher, elender ...�</p><p>Pratt unterbrach mich mit einem Kopfsch�tteln und der Andeutung eines sp�ttischen L�chelns.</p><p>�Ihr seid ein seltsames Volk�, sagte er. �Ich habe niemals begriffen, wieso so viele von euch so gro�en Gefallen daran finden, ihre Mitmenschen zu beleidigen. Ist das ein Ausdruck eurer Hilflosigkeit?�</p><p>�Was wollen Sie, Pratt?� fragte ich mit zitternder Stimme.</p><p>�Sie, John�, antwortete Pratt. �Ganz einfach: Sie.�</p><p>�Und im Gegenzug lassen Sie Kimberley gehen?�</p><p>Pratt nickte. �Und Scrooge Duck wird der n�chste Pr�sident der USA. Keine Chance, John.�</p><p>�Dann lassen Sie mir keine andere Wahl�, sagte ich und st�rzte mich auf ihn.</p><p>Ich war schnell - ich meine, wirklich schnell - und die Wut und vor allem die Angst um Kimberley lie�en mich im wahrsten Sinne des Wortes �ber mich hinauswachsen.</p><p>Trotzdem hatte ich keine Chance.</p><p>Pratt sah meinen Angriff rechtzeitig genug kommen, um etwas dagegen zu tun, aber er machte sich nicht einmal die M�he. Er blieb einfach ruhig stehen und wartete darauf, dass ich mit ausgebreiteten Armen gegen ihn prallte.</p><p>Vielleicht hatte er mich untersch�tzt, aber vielleicht hatte ich auch einfach nur Gl�ck. Es gelang mir jedenfalls, ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, so dass wir aneinander geklammert ein paar Schritte weit durch das Zimmer stolperten und schlie�lich �ber die Couch st�rzten.</p><p>Es war nur Gl�ck, und es h�rte damit auch schlagartig auf. Noch w�hrend wir st�rzten, packte mich Pratt mit einer Hand im Nacken und riss mich ohne die geringste M�he von sich herunter. Mit beinahe noch weniger M�he sprang er wieder hoch, riss mich mit sich in die H�he und schleuderte mich quer durch das Zimmer. Irgendwie brachte ich es fertig, nicht zu st�rzen, aber ich prallte mit solcher Wucht gegen die Wand, dass mir die Luft aus den Lungen gepresst wurde und ich f�r einen Moment nur Sterne sah.</p><p>�John, John, John�, seufzte Pratt. �Warum machen Sie es sich und mir nur so unn�tig schwer?�</p><p>Wie durch einen Nebel aus grauer Watte und Blut sah ich Pratt (Pratt? Das Pratt-Ding!) auf mich zukommen. Ich k�mpfte verzweifelt um mein Bewusstsein. Der Anprall war unvorstellbar hart gewesen. Pratt musste so stark sein wie zehn normale M�nner - und dabei hatte er bisher im Grunde nur mit mir gespielt. Es war vollkommen sinnlos, gegen diese Kreatur k�mpfen zu wollen.</p><p>Aber dann h�rte ich Kimberley schreien, und dieser Schrei l�ste etwas in mir aus, von dem ich selbst nicht mehr gewusst hatte, dass ich es noch besa�: Den verzweifelten Instinkt, zu �berleben, die gleiche Kraft, die Menschen seit einer Million Jahre immer wieder dazu gebracht hatte, auch in den ausweglosesten Situationen immer noch weiterzuk�mpfen. Wenn ich aufgab, dann w�rde nicht nur ich sterben, sondern auch Kimberley. Als Pratt nach mir griff, duckte ich mich blitzschnell unter seiner Hand hindurch und packte gleichzeitig seinen Arm.</p><p>Es war Pratts eigene, �bermenschliche Kraft, die ihm zum Verh�ngnis wurde.</p><p>Er versuchte, sich aus meinem Griff loszurei�en, aber ich stemmte mich nicht dagegen, sondern sprang im Gegenteil pl�tzlich auf ihn zu, verlagerte mein Gleichgewicht und drehte mich gleichzeitig halb um meine eigene Achse, und Pratt wurde vom Schwung seiner eigenen Bewegung an mir vorbei gerissen, prallte hilflos gegen das Fenster und st�rzte in einem Scherbenregen hinaus.</p><p>Keuchend und fast krampfhaft um Atem ringend taumelte ich zu Kim hin�ber. Sie hockte noch in der gleichen verkr�mmten Haltung da und hatte die H�nde gegen die Schl�fen gepresst. Ich bezweifelte, dass sie �berhaupt mitbekommen hatte, was geschehen war.</p><p>Unten auf der Stra�e wurden Schreie laut, aufgeregte Stimmen und n�her hastende Schritte. Mit einem einzigen Satz war ich am Fenster und sah hinaus.</p><p>Pratt lag mit verrenkten Gliedern drei Stockwerke unter mir auf der Stra�e. Er r�hrte sich nicht, und ich bezweifelte auch, dass selbst das unglaubliche Etwas, in das er sich verwandelt hatte, diesen Sturz �berlebt haben konnte.</p><p>Aber ich hatte ein anderes Problem. Auf der Stra�e unter mir waren mindestens ein Dutzend Menschen zusammengelaufen, und die meisten von ihnen starrten jetzt geradewegs nach oben und mir ins Gesicht.</p><p>�Das Ger�usch!� wimmerte Kim hinter mir. �Es soll aufh�ren! Bitte, John, mach, dass es aufh�rt!�</p><p>Ich drehte mich rasch vom Fenster weg - und erlebte einen Anblick, der mir schier das Blut in den Adern gefrieren lie�!</p><p>Kim sa� nicht mehr neben dem Fenster. Ihr Gesicht war immer noch schmerzverzerrt, aber sie hatte sich auf H�nde und Knie erhoben und kroch wimmernd auf die flackernde Lichtkugel zu.</p><p>�Aufh�ren!� wimmerte sie immer wieder. �Mach, dass es aufh�rt!�</p><p>Wimmernd vor Schmerz streckte sie die linke Hand nach der Lichtkugel aus, dem Licht, in dem alle Antworten waren.</p><p>�Nein!� schrie ich. �Kim! Nicht!�</p><p>Ihre Hand bewegte sich weiter. Noch ein paar Zentimeter, und ihre ausgestreckten Finger w�rden das Licht ber�hren. Ich war keine zwei Schritte von ihr entfernt, aber ich wusste, dass ich sie nicht mehr rechtzeitig erreichen w�rde, um sie zur�ckzurei�en.</p><empty-line/><p>So tat ich das Einzige, was mir spontan einfiel: Ich packte einen Stuhl, schwang ihn hoch �ber den Kopf und schmetterte ihn mit aller Gewalt auf die Lichtkugel.</p><p>Sie explodierte. Es gab keinen Knall, keine Hitze oder Druckwelle, aber f�r eine Sekunde erstrahlte das Zimmer in einem so unertr�glich grellen, glei�enden Licht, als blickte ich direkt ins Herz einer explodierenden Sonne.</p><p>Schreiend taumelte ich zur�ck, schlug die H�nde vors Gesicht und prallte gegen die Wand. Ich war blind. Vor meinen Augen tanzten flackernde Lichtpunkte, und zwei d�nne Pfeile aus rot gl�hendem Schmerz schienen sich direkt in mein Gehirn zu bohren.</p><p>Es dauerte lange, bis ich wieder halbwegs klar sehen konnte.</p><p>Als ich die Augen �ffnete, war die Lichtkugel, aber auch der Stuhl, den ich hineingeschleudert hatte, spurlos verschwunden. Bach w�rde mich umbringen.</p><p>Kim hatte aufgeh�rt zu st�hnen und war halb auf die Seite gesunken. Sie hielt die H�nde noch immer gegen die Schl�fen gepresst, als w�re sie in dieser Haltung erstarrt und nicht mehr in der Lage, sich zu bewegen. Aber sie zitterte am ganzen Leib, und als ich sie an den Schultern ber�hrte, fuhr sie wie unter einem elektrischen Schlag zusammen und stie� einen halblauten, kl�glichen Schrei aus.</p><p>�Es ist alles in Ordnung, Schatz�, sagte ich, w�hrend ich sie an mich presste und ihr tr�stend mit der Hand �ber das Haar strich. �Keine Angst mehr. Es ist vorbei. Es ist alles in Ordnung.�</p><p>Die Worte kamen mir selbst wie der pure Hohn vor. Alles in Ordnung? Nichts war in Ordnung, das wusste sie so gut wie ich.</p><p>�Was ist passiert?� fragte ich. �Erz�hl es mir. Was wollte er von dir?�</p><p>�In meinem Kopf�, fl�sterte Kim. Sie schluchzte so heftig, dass ich alle M�he hatte, die Worte �berhaupt zu verstehen. �Es ist ... in meinem Kopf, John.�</p><p>�Du meinst Pratt�, vermutete ich. �Er ist ... irgendwie in deine Gedanken eingedrungen, nicht wahr. Aber keine Sorge. Er kann dir nichts mehr tun. Er ist tot.�</p><p>�Nicht Pratt�, antwortete Kim. �Es. Es ist in meinem Kopf, John. Es ... es bewegt sich. Es bewegt sich in meinem Kopf!�</p><p>Ich starrte sie an; zwei, drei, f�nf Sekunden, aber es verging noch einmal dieselbe Zeitspanne, bis ich endlich begriff, was ihre Worte wirklich bedeuteten.</p><p>Es bewegt sich in meinem Kopf, John!</p><p>Es waren nicht Pratts Gedanken gewesen, die sie sp�rte.</p><p>Kimberley war von einem Ganglion besessen.</p><empty-line/><p>Doktor Hertzog schien zu jenen seltenen Menschen zu geh�ren, die keine Nachrichten h�rten, denn als ich zwanzig Minuten sp�ter mit beiden F�usten gegen seine Haust�r h�mmerte, dauerte es eine geraume Weile, bis hinter einem Fenster im ersten Stock ein tr�bes Licht aufflammte, und dann noch einmal endlose, qu�lende Sekunden, bis sich schlurfende Schritte der T�r n�herten. Jemand lugte durch den Spion, dann h�rte ich das Klirren von mindestens zwei Sicherheitsketten und die T�r wurde ge�ffnet. Ich hatte Hertzog wirklich aus dem tiefsten Schlaf gerissen. Sein Gesicht war mindestens genauso zerknittert wie der alte Pyjama, den er trug, und ganz wach schien er noch nicht zu sein, denn er blinzelte mich eine Sekunde lang verst�ndnislos an, ehe er fragte: �John?�</p><p>�Ich brauche Ihre Hilfe, Doc�, sagte ich. �Jetzt gleich.�</p><p>Ich konnte regelrecht sehen, wie etwas hinter Hertzogs Stirn Klick machte und er den Rest seiner Benommenheit schlagartig absch�ttelte. Vielleicht war es der Arzt in ihm, der den alarmierten Tonfall in meiner Stimme richtig deutete. Seine M�digkeit war von einem Sekundenbruchteil zum anderen wie weggeblasen.</p><p>�Was ist passiert?� fragte er. �Sind Sie verletzt?�</p><p>�Kim�, antwortete ich mit einer Geste zum Wagen zur�ck. Kimberley sa� auf dem Beifahrersitz und starrte blicklos geradeaus. Selbst �ber die gro�e Entfernung hinweg konnte ich sehen, wie totenbleich sie war. �Sie m�ssen uns begleiten. Wir m�ssen sie zu Majestic bringen.�</p><p>Hertzog blinzelte. �Majestic? Was ist passiert, verdammt noch mal?� Er wirkte mit einem Male sehr wach.</p><p>�Sie haben Sie�, sagte ich. �Sie ist von einem Ganglion besessen.�</p><p>Hertzogs Gesicht, ohnehin nicht viel dunkler als sein Schlafanzug, verlor noch mehr an Farbe. �Sind Sie sicher?�</p><p>�Hundertprozentig�, antwortete ich. �Kommen Sie, Doc. Wir m�ssen zu Majestic! Das Mittel, von dem Sie mir erz�hlt haben ...�</p><p>�Das ist unm�glich�, antwortete Hertzog.</p><p>Ich ignorierte ihn und wedelte ungeduldig mit beiden H�nden. �Wir haben keine Zeit zu verlieren, Doc. Ich wei�, dass das Zeug noch nie getestet wurde, aber wir haben keine Wahl!� Ich versuchte, ihn an den Schultern zu ergreifen, aber Hertzog entwand sich mit einer erstaunlich schnellen Bewegung und wich gleichzeitig einen Schritt zur�ck.</p><p>�Sie verstehen mich nicht, John�, sagte er ernst. �Wenn wir Ihre Freundin zu Majestic bringen, dann bedeutet das ihren Tod.�</p><p>�Wie?�</p><p>�Ich habe ganz klare Anweisungen�, antwortete Hertzog. �Das Sammeln lebender Exemplare hat im Moment allerh�chste Priorit�t. Wenn ich sie ins Labor bringe, muss ich sie operieren.�</p><p>�Operieren?� Ich starrte ihn an. �Sie meinen, Sie wollen ... das Ding aus ihr herausschneiden?�</p><p>�Ich will nicht, ich muss�, sagte Hertzog. Seine Stimme klang noch immer so ruhig und sachlich wie bisher, aber mit einem Mal fand ich diese Sachlichkeit nicht mehr bewunderungsw�rdig, sondern fast absto�end. Ich musste mich mit aller Kraft beherrschen, um ihn nicht anzuschreien.</p><p>�Diese Anordnung gilt doch nicht f�r Kimberley�, antwortete ich. �Sie ist meine Freundin. So gut wie meine Frau.�</p><p>�Diese Anordnung gilt sogar ganz besonders f�r Ihre Freundin, John�, antwortete er ruhig. �Bach war in diesem Punkt sehr deutlich.� Er lachte, aber es klang nicht besonders am�siert. �Ihnen ist doch wohl klar, dass Mitarbeiter von Majestic und ihre Angeh�rigen ganz oben auf der Abschussliste unserer Freunde stehen. Ganglions, die einen von uns befallen, interessieren Bach ganz besonders.�</p><p>�Das wird er nicht tun�, murmelte ich. Ich war wie vor den Kopf geschlagen.</p><p>Hertzog antwortete nicht einmal, und wozu auch? Wir beide kannten Bach gut genug.</p><p>�Dann ... dann m�ssen wir es hier tun.�</p><p>�Was? Sie t�ten?� Hertzog sch�ttelte heftig den Kopf. �Einmal ganz davon abgesehen, dass ich hier rein zuf�llig nicht �ber einen komplett ausgestatteten Operationssaal verf�ge, w�rde das am Ergebnis nichts �ndern. Sie wissen das, John. Ich habe mehr als zwei Dutzend Ganglions extrahiert. Keiner der Tr�ger hat den Eingriff �berlebt.�</p><p>�Ich rede nicht von einer Operation!� antwortete ich. �Was ist mit dem Mittel? Haben Sie es hier?�</p><p>�A.R.T.?� Hertzog nickte und sch�ttelte praktisch in der gleichen Bewegung den Kopf. �Wie lange ist es her?�</p><p>�Was? Dass sie den Ganglion bekommen hat?� Ich hatte nicht die geringste Ahnung. �Ich wei� es nicht. Ein paar Tage. Vielleicht Wochen.�</p><p>�Warum nicht gleich Monate?� Hertzog sch�ttelte erneut den Kopf. �Es hat keinen Sinn, John. Das Zeug ist noch nicht erfolgreich getestet. Und selbst wenn, h�tte es nur innerhalb der ersten vierundzwanzig bis sechsunddrei�ig Stunden Aussicht auf Erfolg. Ich kann die Verantwortung nicht �bernehmen.�</p><p>�Das m�ssen Sie auch nicht�, antwortete ich. �Ich �bernehme sie. Ich mache es selbst. Geben Sie mir das Zeug und erkl�ren Sie mir genau, was ich tun muss, das ist alles, was ich von Ihnen verlange.�</p><p>Hertzog seufzte. Es klang fast wie ein kleiner Schrei. �Bitte, John�, sagte er. �Ich kann Sie verstehen. Aber es hat keinen Sinn. Glauben Sie mir: Es gibt nichts, was ich f�r Kimberley tun k�nnte; oder sonst irgendjemand auf der Welt.�</p><p>�Geben Sie es mir!� verlangte ich.</p><p>Hertzog starrte mich an. �Bringen Sie mich nicht in diese Lage, John, ich bitte Sie!�</p><p>�Ich k�nnte Sie zwingen, Doktor�, sagte ich. �Muss ich?�</p><p>�Nein�, antwortete Hertzog. Er wirkte kein bisschen erschrocken, oder gar eingesch�chtert. Nur traurig. �Aber Sie k�nnen es nicht hier tun. Ich muss ...�</p><p>�Bach benachrichtigen, ich wei߫, unterbrach ich ihn. �Ich brauche das Mittel und f�nf Minuten Vorsprung, mehr nicht.�</p><p>�Warum qu�len Sie sich so, John?� fragte Hertzog. Er deutete auf den Wagen. �Und sie?�</p><p>Als ich nicht antwortete, drehte er sich achselzuckend herum und verschwand im Haus. Er kehrte bereits nach Wenigen Augenblicken zur�ck und trug eine kleine, wei�e Plastikflasche ohne Etikett oder irgendeine Beschriftung in der Hand. Wortlos reichte er sie mir und schloss die T�r, ohne noch ein einziges weiteres Wort zu sagen.</p><p>Ich drehte mich herum und rannte zum Wagen zur�ck.</p><p>Meine Frist lief.</p><empty-line/><p>�Was ... ist das hier?� Kimberleys Stimme zitterte. Ich wusste nicht, ob vor K�lte oder Furcht; vermutlich vor beidem. �Ich dachte wir ... wir gehen dorthin, wo du ... arbeitest. Majestic!�</p><p>�Majestic?� Ich konnte mich nicht erinnern, dieses Wort jemals in ihrer Gegenwart benutzt zu haben, und sah sie mit einer Mischung aus �berraschung und einer Spur von Misstrauen an.</p><p>�Du hast es ein- oder zweimal erw�hnt�, antwortete Kimberley, nickend und in fast beil�ufigem Ton. Dann zog sie die Schultern hoch, rieb sich fr�stelnd �ber die nackten Oberarme und sah sich demonstrativ in der Runde um. �Aber ich h�tte es mir ... anders vorgestellt.�</p><p>In diesem Punkt konnte ich ihr nicht widersprechen. Ich meine: Sie hatte nicht den geringsten Anlass, sich Majestic irgendwie vorzustellen, denn ich war mittlerweile vollkommen sicher, dieses Wort niemals in ihrer Gegenwart benutzt zu haben.</p><p>Ich hatte das Haus schon mehrmals gesehen, w�hrend ich mit dem Wagen durch die Gegend gefahren war, mich aber nicht bewusst daran erinnert: Es war ein einst�ckiges, weitl�ufiges Einfamilienhaus mit Doppelgarage, Pool und fast obligatorischem Vorgarten, das irgendwann einmal wirklich sch�n gewesen sein musste, jetzt aber dem allm�hlichen Verfall anheim gegeben war. Das �zu Verkaufen�-Schild stand schon so lange im Vorgarten, wie ich in Washington war; und vermutlich schon sehr viel l�nger. Mein Unterbewusstsein aber schien das Geb�ude sorgsam gespeichert zu haben, vielleicht, um es sp�ter im Notfall als sicheren Unterschlupf zu benutzen, denn als ich wieder zu Kim in den Wagen stieg, fiel mir das Haus, das nur wenige Blocks entfernt war, schlagartig wieder ein.</p><p>Wir brauchten dringend einen sicheren Unterschlupf. Ich kannte weder das Haus noch irgendeinen anderen Ort, den Bach kannte - und ich zweifelte nicht daran, dass Bach jeder Ort bekannt war, den ich in den letzten drei oder vier Monaten aufgesucht hatte.</p><p>�Das ist nicht Majestic�, sagte ich. �Wir ... k�nnen nicht dorthin. Bach w�rde dich umbringen.�</p><p>�Das kann ich mir nicht vorstellen�, sagte Kimberley leichthin. �Ich meine: Er ist vielleicht kein besonders liebenswerter Mensch, aber auch kein M�rder.�</p><p>Sie fuhr fort, sich mit den Handfl�chen die Oberarme zu massieren, als friere sie. Dabei war es hier drinnen eigentlich nicht kalt. �Lass uns nach Hause gehen, John�, bat sie.</p><p>�Das k�nnen wir nicht, Schatz�, antwortete ich leise. �Der Doc hat jetzt bestimmt schon angerufen. Ich bin sicher, dass Bachs Leute bereits nach uns suchen.�</p><p>�Sollen sie�, antwortete Kim. �Mir fehlt nichts, John. Wirklich. Ich bin nur ... ein bisschen durcheinander, das ist alles.�</p><p>�Und was ist mit dem ... Ding, das sich in deinem Kopf bewegt?� Ich zitierte sie ganz bewusst w�rtlich, obwohl es mich alle Kraft kostete, die Worte auch nur auszusprechen.</p><p>�Aber das war doch nur so dahingesagt�, behauptete sie leichthin. �Vorhin als ... als Pratt in meine Gedanken eingedrungen ist. Aber du bist ja gerade noch rechtzeitig gekommen. Es ist nichts passiert. Erinnerst du dich nicht? Ich habe das Licht nicht ber�hrt.�</p><p>�Dann spricht ja nichts dagegen, das hier zu trinken.�</p><p>Ich zog die Flasche mit dem Mittel, das Hertzog mir gegeben hatte. �Es ist vollkommen harmlos, wei�t du, es bewirkt nichts anderes, als den pH-Wert in deinem Blut anzuheben. Der Doc meint, dass die Ganglions das hassen wie die Pest.�</p><p>Das war bl�hender Unsinn. Hertzog hatte mir absolut nichts �ber das Mittel erz�hlt, aber das konnte Kim schlie�lich nicht wissen. Und mir kam es auch nur auf ihre Reaktion auf diese Behauptung an, nicht auf den Wahrheitsgehalt.</p><p>Sie fiel so aus, wie ich zugleich gehofft als auch gef�rchtet hatte. Sie wirkte misstrauisch, ein ganz kleines bisschen aber auch erleichtert. Nach ein paar Augenblicken sch�ttelte sie den Kopf. In ihrem Blick war etwas, das nicht dort hineingeh�rte.</p><p>�Ich glaube, ich m�chte das nicht�, sagte sie. �Wer wei�, ob Hertzog die Wahrheit gesagt hat?�</p><p>Ich hatte auch Hertzogs Namen niemals erw�hnt, sondern immer nur von Doc gesprochen. Selbst heute Nacht. Etwas in meinem Inneren schien sich zu einem harten Knoten zusammenzuziehen.</p><p>�Lass uns nach Hause gehen�, bat sie noch einmal. �Mir ist kalt, und ich bin sehr m�de.�</p><p>�Keine Chance�, sagte ich kopfsch�ttelnd und hielt ihr abermals die Flasche hin. �Trink das.�</p><p>�Aber ich ...�</p><p>Ich trat ganz auf sie zu, dr�ckte sie sanft an meine Brust und strich mit der linken Hand �ber ihr Haar. Kim zitterte am ganzen Leib. Ihr Atem beschleunigte sich, und ich konnte f�hlen, wie sich jeder Muskel in ihrem K�rper anzuspannen begann.</p><p>�K�mpfe dagegen, Schatz�, fl�sterte ich. �Ich wei�, es ist stark. Aber du bist st�rker. Du kannst es besiegen. Ich wei� das.�</p><p>�Ich ... ich habe Angst�, fl�sterte Kim. �Es ... es ist da, John. Es bewegt sich. In mir. Es ... es denkt in meinen Gedanken. Ich kann es h�ren.�</p><p>�Ich wei�, Liebling�, fl�sterte ich. �Aber wir werden es besiegen.�</p><p>Ich trat einen Schritt zur�ck und hielt ihr die Flasche hin. �Trink das.�</p><p>Wieder regte sich trotziger, nicht menschlicher Widerstand in ihren Augen, aber noch war sie st�rker als das Ding in ihr. Sie hob die Hand, aber sie f�hrte die Bewegung nicht einmal ganz zu Ende, sondern starrte pl�tzlich ihre gespreizten Finger an.</p><p>�Ich ... kann nicht, John�, fl�sterte sie. �Ich kann meine Hand nicht mehr bewegen!�</p><p>�Warte.� Ich steckte die Flasche wieder ein, sah mich suchend im Raum um und b�ckte mich schlie�lich nach der Fu�leiste. W�hrend ich an dem morschen Elektrokabel riss, das darunter zum Vorschein kam, schickte ich ein Sto�gebet zum Himmel, dass der Strom in diesem Haus auch wirklich abgeschaltet war.</p><p>Er war es, und das Kabel war noch morscher, als ich gehofft hatte; vielleicht sogar zu morsch f�r meine Zwecke. Ich riss zwei oder drei Fu� davon ab, schnappte mir im Vorbeigehen einen wackeligen Stuhl und dr�ckte Kim mit sanfter Gewalt darauf.</p><p>�Was hast du vor, John?� fragte Kim. Ihre Stimme klang �ngstlich, aber es war auch eine Spur von Feindseligkeit darin, die mich noch weiter alarmierte. Das Ding in ihr wurde st�rker. Ich tat gut daran, mich zu beeilen. Wenn es erst vollkommen Gewalt �ber sie erlangt hatte, dann hatte ich wahrscheinlich keine Chance mehr. Ohne zu antworten, band ich ihre Handgelenke hinter der Lehne zusammen und fesselte Kim mit dem Rest des Kabels hinter dem Stuhl. Dann griff ich wieder nach der Flasche.</p><p>�Jetzt trink das!� sagte ich. �Schnell, so lange du es noch kannst.�</p><p>Sie konnte es nicht mehr. Was immer den Menschen in ihr ausgemacht hatte, war aus ihrem Blick verschwunden. Ich starrte in ein Paar dunkler, von unvorstellbarer Bosheit und einer kalten, lauernden Intelligenz erf�llter Augen.</p><p>�Lass mich gehen, John�, sagte sie.</p><p>�Du wei�t genau, dass ich das nicht kann�, antwortete ich. �Es ist in dir. Du wei�t das.�</p><p>�Ich kann damit leben�, beharrte Kim. �Es wird mich t�ten, wenn du versuchst, es aus mir herauszuholen.�</p><p>Ich hielt ihr die Flasche hin. �Trink.�</p><p>Kim starrte mich an. �Du kannst mich nicht zwingen.�</p><p>�Ich f�rchte, das muss ich�, antwortete ich.</p><p>Wie sich zeigte, konnte ich es nicht. Als ich mich �ber sie beugen wollte, trat sie warnungslos zu. Ihr Fu� traf mich mit so grausamer Wucht, dass ich glaubte, meine Kniescheibe splittern zu h�ren, und der Schmerz war entsetzlich. Ich schrie vor Qual, sank auf das unverletzte Knie herab und umklammerte das andere Bein mit beiden H�nden, und Kimberley trat abermals zu.</p><p>Diesmal trafen mich ihre F��e vor der Brust, schleuderten mich nach hinten und zu Boden und lie�en mich quer durch den Raum schlittern.</p><p>Der Schmerz war so grausam, dass mir f�r einen Moment schwarz vor Augen wurde und ich das Bewusstsein zu verlieren drohte. Einzig der Gedanke, dass ich vermutlich nie wieder aufwachen w�rde, wenn ich jetzt in Ohnmacht fiel, hielt mich wach.</p><p>W�hrend ich mich st�hnend auf die Seite drehte und irgendwie auf die Beine zu kommen versuchte, begann Kimberley vollends zu toben. Sie sprang mitsamt des Stuhles auf, begann schrille, unartikulierte Laute auszusto�en und zerrte mit solcher Kraft an ihren Fesseln, dass der altersschwache Stuhl jeden Moment einfach auseinander fallen musste.</p><p>Wenn das geschah, war ich so gut wie tot.</p><p>Und sie auch.</p><p>Der Gedanke gab mir noch einmal die Kraft, mit zusammengebissenen Z�hnen auf sie zuzutaumeln und das Einzige zu tun, was �berhaupt noch m�glich war: Ich versetzte ihr einen Kinnhaken, der sie auf der Stelle das Bewusstsein verlieren lie�.</p><empty-line/><p>Sie erwachte zehn Minuten sp�ter, und es war das Schrecklichste, was ich bis zu diesem Moment erlebt hatte. Ich hatte sehr hart zugeschlagen, und ihr Gesicht begann langsam anzuschwellen. Ihre Lippen waren aufgeplatzt, aber ich war nicht sicher, ob das von meinem Schlag kam, oder ob ich ihr diese Verletzung zugef�gt hatte, als ich versuchte, ihr Hertzogs Gegenmittel einzufl��en.</p><p>Obwohl sie bewusstlos gewesen war, hatte es meine ganze Kraft gekostet. Das Ding in ihr wehrte sich noch immer. Wenn Hertzogs Mittel wirkte, dann nicht so schnell, wie es gut gewesen w�re. Kim murmelte und st�hnte ununterbrochen vor sich hin; unartikulierte, furchtbare Laute, die etwas in mir sich zusammenziehen lie�en.</p><p>Was das St�hnen anging, bildeten wir allerdings ein Duett. Der Schmerz in meinem Knie hatte nicht nachgelassen, sondern schien ganz im Gegenteil noch schlimmer geworden zu sein. Ich hatte mir eine alte Kiste herangezogen und mich ihr gegen�ber darauf niedergelassen, aber nicht nur, um in ihrer N�he zu sein. Ich war nicht vollkommen sicher, ob ich �berhaupt stehen konnte.</p><p>Pl�tzlich h�rte sie auf zu wimmern. F�r einen Moment war sie fast unheimlich still, dann begann sie in regelm��igen, fast spastisch wirkenden Bewegungen den Kopf hin und her zu werfen.</p><p>Ihre Lippen formten die gleichen, schrecklichen Ger�usche, die ich schon aus Pratts Mund geh�rt hatte:</p><p>Klaar Si Su Haar. Klaar Si Su Haar, Klaar Si Su Haar! Immer und immer wieder diese gleichen, f�rchterlichen Worte.</p><p>�Kimberley!� keuchte ich. �Kim! H�r auf!�</p><p>Sie reagierte nicht. Ihr K�rper begann zu beben, dann wie in Kr�mpfen zu zucken. Sie schrie die Worte jetzt: Klaar Si Su Haar!</p><p>Ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen: Ich versetzte ihr eine schallende Ohrfeige. Ihr Kopf flog in den Nacken und blieb dort. Ihre Augen standen offen, aber f�r einen Moment waren sie matt und glanzlos wie die eines Toten. Aber sie hatte aufgeh�rt, diese furchtbaren Worte auszusto�en.</p><p>Trotz der noch fast unertr�glichen Schmerzen in meinem Bein sprang ich auf und zog sie an mich. �Alles in Ordnung, Liebling�, fl�sterte ich. �Ich bin es, John. Es wird alles gut. Keine Angst mehr. Wir schaffen das. Wir beide zusammen werden es besiegen!�</p><p>�Bring mich nach Hause, John�, wimmerte Kim. �Ich will nicht an diesem furchtbaren Ort bleiben. Bitte bring mich nach Hause!�</p><p>Etwas in ihr bewegte sich. Es war noch nicht vorbei. Ich sprach immer noch nicht mit Kimberley, sondern mit dem Ganglion, der ihre Gedanken beherrschte. Vielleicht mehr.</p><p>�Bald, Liebling�, sagte ich. �Bald. K�mpfe dagegen. Du kannst es besiegen.�</p><p>Kimberley verlangte noch zwei- oder dreimal in fast befehlendem Ton von mir, sie nach Hause zu bringen, aber dann verlegte sie sich aufs Bitten.</p><p>�Bitte, John!� flehte sie. �Bitte bring mich nach Hause! Ich habe Angst! Ich will nicht an diesem furchtbaren Ort bleiben!�</p><p>Ihre Stimme wurde zu einem Schluchzen. Sie begann zu weinen, flehte, bettelte und bat immer verzweifelter darum, von hier fortgebracht zu werden. Jeder Schrei, jedes Flehen, trafen mich wie ein Fausthieb. Ich f�hlte jedes bisschen Schmerz, das sie sp�rte, wie meinen eigenen. Alles in mir schrie danach, sie loszubinden, um ihrer entsetzlichen Qual ein Ende zu machen. Schlie�lich hielt ich es nicht mehr aus, drehte mich mit einem Ruck herum und schlug die H�nde �ber die Ohren, ohne ihr schreckliches Betteln und Wimmern damit aussperren zu k�nnen.</p><p>Kimberley begann zu husten. Ihre Schreie gingen in einem qualvollen W�rgen unter, und dann sch�ttelten schlimmere Kr�mpfe denn je ihren K�rper. Sie warf den Kopf in den Nacken, verdrehte auf schreckliche Weise die Augen und rang vergeblich nach Atem. In ihrem Hals ... bewegte sich etwas.</p><p>Blitzschnell trat ich hinter sie, dr�ckte ihren Kopf nach vorne und versuchte verzweifelt, irgendetwas zu tun, um ihr zu helfen. Aber was?</p><p>Kim atmete immer qualvoller. Sie war dabei, zu ersticken. Pl�tzlich w�rgte sie, beugte sich so weit nach vorne, dass der Stuhl �chzte - und erbrach etwas Kleines, Schleimig-Glitzerndes, das auf einem Dutzend wirbelnder Tentakel davonzuhuschen begann.</p><p>Es war unglaublich schnell, aber ich war schneller. Mit einem einzigen Schritt setzte ich ihm nach, stampfte es mit dem Fu� in den Boden und drehte den Absatz vier-f�nf-sechsmal hin und her, bis nur noch ein schmieriger, rotbrauner Fleck von dem Ganglion geblieben war.</p><p>Kimberley hatte das Bewusstsein verloren, als ich mich zu ihr herumdrehte. Aber ... sie lebte. Hastig hob ich ihr Kinn an, �berzeugte mich davon, dass sie zumindest �u�erlich nicht schwer verletzt war, dann l�ste ich ihre Fesseln und hob sie auf die Arme. Mein verletztes Bein schrie protestierend auf, aber ich sp�rte ihr Gewicht trotzdem kaum, als ich sie hinaus und zum Wagen trug. So behutsam ich konnte, bettete ich sie auf den R�cksitz, schloss die T�r - und sah mich Captain Bach gegen�ber, als ich mich herumdrehte. Ich war nicht einmal �berrascht. Vermutlich war ich einfach zu ersch�pft dazu.</p><p>�Ist sie tot?� fragte er.</p><p>�Nein�, antwortete ich m�de. �Sie lebt.�</p><p>Hinter Bach bewegten sich weitere Gestalten in der Dunkelheit. Als ich eine von ihnen als Hertzog identifizierte, f�gte ich hinzu: �Ihr Wundermittel funktioniert, Doc.�</p><p>�Soll das hei�en, es ist ... heraus?� fragte Hertzog ungl�ubig.</p><p>�Wo ist es?� schnappte Bach.</p><p>�Im Haus.�</p><p>Bach machte eine befehlende Geste. �Steel. Holen Sie es!�</p><p>�Aber nehmen Sie ein Glas mit�, riet ich Steel. �Und eine ganz feine Pipette.�</p><p>Steel sah mich irritiert an, aber dann wiederholte Bach seine befehlende Geste, und Steel verschwand mit schnellen Schritten im Haus.</p><p>�Sie haben es tats�chlich geschafft�, sagte Bach. Er z�ndete sich eine Zigarette an und schnippte das Streichholz zu Boden. �Das freut mich f�r Sie. Und ganz besonders nat�rlich f�r Kimberley. Trotzdem ... Sie h�tten zu mir kommen sollen, John.�</p><p>�H�tten Sie mir erlaubt, das Experiment durchzuf�hren?� fragte ich.</p><p>Bach sog an seiner Zigarette, blies eine Rauchwolke in meine Richtung und drehte sich um. �Kommen Sie, John. Wir haben viel zu besprechen.�</p><empty-line/><p>Kimberley war eingeschlafen, und ihre tiefen, ruhigen Atemz�ge verrieten, dass es nun ein ganz normaler Schlaf war, keine Bewusstlosigkeit, kein von Fieberfantasien geplagter Alptraum. Sie war sehr blass. Ihr Gesicht war weiter angeschwollen, und manchmal bewegte sie im Schlaf die H�nde. Die dicke Glasscheibe, die den Beobachtungsraum vom Behandlungszimmer trennte, verschluckte jeden Laut, aber ich konnte sehen, wie sich ihre Lippen bewegten. Vielleicht war ihr Schlaf doch nicht ganz so entspannend, wie ich dachte.</p><p>�Sie kommt durch.� Hertzog zog die T�r zum Behandlungsraum hinter sich zu und atmete h�rbar ein. �Sie scheint nicht einmal schwer verletzt zu sein. Ich meine: Sie hat eine Menge mitgemacht, und sie wird sich bestimmt nicht besonders gut f�hlen, wenn sie aufwacht, aber sie schwebt nicht in Lebensgefahr.�</p><p>�Wann kann ich mit ihr reden?� wollte Bach wissen. �Sobald sie sich erholt hat�, antwortete ich, ehe Hertzog etwas sagen konnte. �Und sobald sie es will.�</p><p>Bach sagte nichts dazu, was mich einigerma�en �berraschte. Ich hatte ihn selten so duldsam erlebt wie in dieser Nacht. Aber vermutlich hatte er mich umgekehrt auch selten so aggressiv erlebt wie heute.</p><p>�Wie lange wird sie schlafen, Doktor?� fragte er nach einer Weile.</p><p>Hertzog hob die Schultern. �Ich habe ihr ein Beruhigungsmittel gespritzt�, sagte er. �Vier, f�nf Stunden. Kaum l�nger. Mit ein bisschen Gl�ck erinnert sie sich hinterher vielleicht nicht einmal mehr, was passiert ist.�</p><p>�Ich will doch schwer hoffen, dass sie sich erinnert�, sagte Bach und zog die linke Augenbraue hoch. �Die Aussagen dieser jungen Frau k�nnten von enormer Wichtigkeit f�r uns sein. Vor allem jetzt, wo wir den Ganglion nicht mehr haben, der sie befallen hatte.�</p><p>Bei diesen Worten warf er mir einen schr�gen Seitenblick zu, den ich mit einem vollkommen humorlosen Grinsen quittierte. �Ich hatte ihn h�flich gebeten, zu bleiben�, antwortete ich. �Aber er hat mich wohl nicht richtig verstanden.�</p><p>��berspannen Sie den Bogen nicht, John�, sagte Bach.</p><p>�Also gut. Dann im Ernst.� Ich ging zum Tisch, nahm mir eine von Bachs Zigaretten und warf einen langen Blick durch die Scheibe hindurch auf Kim, ehe ich mich wieder zu ihm herumdrehte. �Ich will, dass Sie sie in Ruhe lassen. Ich m�chte nicht, dass sie in diese Geschichte hineingezogen wird.�</p><p>�Hineingezogen?� Bach klang fast am�siert. Nach einer Sekunde lachte er auch tats�chlich, wenn auch nicht sehr lang, und nicht sehr echt. �Sie steckt schon so tief drinnen, wie es nur geht, John. Ihre Verlobte ist im Moment vielleicht die wichtigste Mitarbeiterin, die Majestic hat.�</p><p>�Das ist sie nicht�, antwortete ich heftig. �Sie werden sie in Ruhe lassen!�</p><p>�Selbst wenn ich das wollte ...� Bach sch�ttelte den Kopf. �Sie wird fragen, sobald sie wieder zu Bewusstsein gekommen ist. Sie wird eine Menge Fragen stellen, John, und Sie werden sie beantworten m�ssen. Falls Sie das nicht schon getan haben, hei�t das.�</p><p>Ich verstand die Anspielung sehr wohl, und sie machte mich w�tend. �Ich habe ihr nichts gesagt, Captain. Was sie wei�, das wei� sie nicht von mir, sondern von Pratt. Und wenn wir schon einmal dabei sind: Seit wann haben Sie gewusst, dass Pratt zu ihnen geh�rt?�</p><p>Es war ein Schuss ins Blaue, aber er traf. Bachs Gesicht blieb unbewegt, doch ich las in seinen Augen, dass ich Recht hatte.</p><p>�Der Ganglion, den ich aus Kim geholt habe, war f�r mich bestimmt�, fuhr ich fort. �Haben Sie gewusst, dass sie mich haben wollten, Captain?�</p><p>Bach schwieg weiter.</p><p>�War das Ihr Plan?� fuhr ich fort. Es war fast, als wollte ich das gar nicht sagen. Die Gedanken nahmen erst in meinem Kopf Gestalt an, als ich die Worte aussprach, und der Verdacht war so ungeheuerlich, dass meine Stimme beinahe versagte.</p><p>�Sie wussten es, nicht wahr? Das ist der einzige Grund, aus dem Sie mich ausgesucht haben. Sie haben mich auf Pratt angesetzt. Ich war nicht mehr als ein K�der f�r Sie.�</p><p>�John�, sagte Hertzog, aber ich brachte ihn mit einer w�tenden Geste zum Schweigen.</p><p>�Was haben Sie vor?� fuhr ich w�tend fort. �Wollen Sie abwarten, bis sie mir auch so ein ... Ding eingesetzt haben, um mich dann in aller Ruhe zu beobachten, wie eine Ratte im Glaskasten? Oder sollte der gute Doktor mich aufschneiden, damit Sie ein weiteres Exemplar f�r Ihre Sammlung haben?�</p><p>�Das reicht jetzt, John�, sagte Bach ruhig.</p><p>�Ja, da sind wir ausnahmsweise mal derselben Meinung!� Ich schrie jetzt wirklich. �Es reicht! Wissen Sie was, Captain? Ich steige aus! Ich gehe zur�ck an meinen Schreibtisch und verbringe den Rest meines Lebens damit, langweilige Akten zu sortieren!�</p><p>�Wenn Sie jetzt aus dieser T�r gehen�, sagte Bach ruhig, �dann verbringen Sie den Rest Ihres Lebens im Gef�ngnis.�</p><p>�Sie k�nnen mich nicht erpressen!�</p><p>�Das habe ich auch nicht vor�, antwortete Bach. �Es ist nur so, dass Sie vor einem Dutzend Zeugen einen Kongressabgeordneten der Vereinigten Staaten umgebracht haben. Haben Sie das vergessen?�</p><p>�Sie bringen das in Ordnung�, sagte ich. �Schon aus eigenem Interesse. Au�erdem schulden Sie es mir.�</p><p>�Ich schulde niemandem etwas�, antwortete Bach. �Aber Sie haben Recht: Ich bringe die Sache in Ordnung. Und Sie bleiben bei uns. Genau wie Kimberley. Normalerweise behalte ich mir das Privileg vor, neue Mitarbeiter selbst einzustellen, aber in diesem Falle werde ich eine Ausnahme machen.�</p><p>Ich hatte nicht �bel Lust, ihm mit sehr deutlichen Worten zu sagen, wohin er sich seinen Humor schieben konnte, aber ich beherrschte mich. F�r seine Verh�ltnisse hatte Bach in dieser Nacht eine wahre Engelsgeduld an den Tag gelegt, und ich tat vielleicht wirklich besser daran, den Bogen nicht vollends zu �berspannen.</p><p>�Lassen Sie uns raus, Captain!� bat ich. �Sie brauchen uns nicht mehr. Ich bin niemand. Ein f�nfundzwanzig Jahre alter Niemand, der Ihnen zu nichts mehr Nutze ist. Lassen Sie Kim und mich gehen und in Ruhe ein langweiliges Leben leben.�</p><p>�Sie wissen, dass ich das nicht kann, John�, antwortete Bach. �Niemand verl�sst Majestic. Als Sie bei uns eingetreten sind, haben Sie eine Lebensstellung angenommen. Selbst wenn ich wollte, ich kann Ihnen nicht erlauben, zu gehen. Nicht mit alledem, was Sie wissen.�</p><p>�Aber ...�</p><p>�Ich mache Ihnen einen Vorschlag, John�, fuhr Bach fort. �Sie haben heute viel mitgemacht. Kim und Sie brauchen eine Weile, um sich zu erholen. Warum nehmen Sie nicht zwei, drei Wochen Urlaub und fahren zusammen in ein kleines Hotel irgendwo auf dem Land? Nach der Geschichte mit Pratt ist es sowieso besser, wenn Sie f�r eine Weile nicht in der Stadt sind.�</p><empty-line/><p>Wir taten, was Bach mir geraten hatte, und verlie�en die Stadt. Kimberley erholte sich erstaunlich schnell. Ihre Verletzungen heilten innerhalb einer einzigen Woche, und noch bevor die zweite zu Ende war, schien unser Leben wieder ganz normal zu verlaufen.</p><p>Aber das schien nur so.</p><p>Es sollte nie wieder so werden, wie es einmal gewesen war.</p><p>Es begann damit, dass wir Gefangene waren. Gefangen in einem goldenen K�fig, m�glicherweise, und noch dazu in einem, dessen Gitterst�be so gut wie unsichtbar waren, aber nichtsdestotrotz Gefangene. Bach hatte uns in ein kleines, aber �u�erst komfortables Hotel hundertf�nfzig Meilen vor Washington eingenistet; einem jener Hotels, die vorzugsweise von frisch verheirateten jungen Paaren (oder solchen, die behaupteten, es zu sein) bevorzugt wurden, und in denen man auch damals schon wenig Wert auf ordnungsgem�� ausgef�llte Meldezettel legte und noch weniger Fragen stellte. Unser Zimmer hatte allen erdenklichen Luxus, und rings um das Hotel erstreckten sich meilenweite W�lder, in denen man stundenlang spazieren gehen konnte, ohne auf einen einzigen Menschen zu treffen.</p><p>Was nicht hie�, dass wir allein gewesen w�ren. Oh, Bachs M�nner waren gut. Wenn sie uns beobachteten, dann nicht so direkt, dass wir einen von ihnen jemals zu Gesicht bekamen. Aber Kim und ich sp�rten, dass sie da waren. Unsichtbar, lautlos und vollkommen unauff�llig, aber sie waren da. Ich konnte ihre Anwesenheit f�hlen; wie ein �bler Geruch, der in der Luft lag und jeden Atemzug verpestete. Und Kimberley schien es wohl ganz �hnlich zu ergehen. Sie sagte niemals auch nur ein einziges Wort in diese Richtung, ja, sie machte nicht einmal eine versteckte Andeutung, aber ich wusste, dass es so war.</p><p>Die Botschaft, die uns dieser goldene K�fig �bermittelte, war eindeutig: Genie�t es und haltet die Klappe.</p><p>Wir schwiegen, und wir versuchten wenigstens, es zu genie�en. Nat�rlich gelang es uns nicht - niemand schl�ft wirklich ruhig unter einem Damoklesschwert, nicht einmal, wenn es an einem Faden aus purem Gold h�ngt, aber Gewohnheit ist eine seltsame Sache. Wir verga�en unsere wirkliche Situation nicht eine Sekunde lang, aber wir begannen sie zu akzeptieren, und wir versuchten, dass Beste daraus zu machen. Wir verbrachten unsere Tage mit endlosen Spazierg�ngen im Wald oder am Ufer des nahen Sees, und unsere Abende vor dem Kamin oder dem Fernseher.</p><p>Es dauerte knapp drei Wochen, dann klopfte das Schicksal wieder bei uns an. Bach schickte uns ein Telegramm. Die Wogen in der Stadt hatten sich gegl�ttet. Ich sollte am n�chsten Morgen wieder im B�ro erscheinen und meine Arbeit aufnehmen.</p><p>�Kein Wort von mir�, sagte Kim, nachdem sie das Telegramm gelesen hatte. �Glaubst du, er hat mich ...�</p><p>�Vergessen?� Ich sch�ttelte heftig den Kopf. �Bach vergisst niemals etwas. Oder jemanden.� Ich kn�llte das Telegramm zu einem Ball zusammen und warf ihn w�tend in den Kamin.</p><p>�Vielleicht ist es ganz gut so�, sagte Kim.</p><p>�Gut?� Ich blinzelte. �Was um alles in der Welt ist daran gut?�</p><p>Kim sch�ttelte den Kopf. �Wir k�nnen nicht den Rest unseres Lebens davonlaufen. Oder so tun, als w�re nichts passiert. Bach wird Antworten von uns wollen, und ich glaube fast, ich ... ich will sie ihm geben.�</p><p>�Bist du sicher?� Dieser pl�tzliche Gesinnungswechsel kam f�r meinen Geschmack ein bisschen zu �berraschend. Nat�rlich verstand ich selbst damals schon genug von psychologischen Zusammenh�ngen, um zu wissen, dass es fast immer half, �ber ein Trauma zu sprechen. Aber sie hatte in den vergangenen beiden Wochen nicht einmal eine Andeutung gemacht.</p><p>�Er hat ein Recht dazu, nicht wahr? Ich meine: Ich finde ihn bestimmt nicht sympathisch, aber letzten Endes steht er auf der richtigen Seite.�</p><p>Es fiel mir allm�hlich schwer, zu glauben, was ich da h�rte. Kimberley war der liebenswerteste Mensch, den ich kannte, aber nach dem, was wir erlebt hatten, h�tte es eher zu ihr gepasst, wenn sie mir mit ruhiger Stimme erkl�rt h�tte, dass sie Bach bei der n�chsten sich bietenden Gelegenheit die Augen auskratzen w�rde.</p><p>Kimberley l�chelte, dann hob sie die Hand und legte den Zeigefinger �ber die Lippen, und endlich verstand ich. Offenbar hatte ich sie wieder einmal untersch�tzt. Ich sollte ernsthaft anfangen, dar�ber nachzudenken, wer von uns beiden hier der Profi war.</p><p>�Vielleicht hast du Recht�, antwortete ich. �Aber es gef�llt mir trotzdem nicht.�</p><p>�Je eher wir es hinter uns bringen, desto besser�, sagte Kim. �Und jetzt vergiss Bach und alles andere. Heute ist unser letzter Tag hier. Lass ihn uns genie�en. Ich ... nehme eine Dusche. Begleitest du mich?�</p><p>Einen Moment lang war ich vollkommen verwirrt. Wie konnte sie jetzt an ...</p><p>Aber das tat sie auch gar nicht. Wieder ein Punkt f�r sie. �Gerne�, antwortete ich. �Du hast vollkommen Recht. Wir sind hier. Es gibt keinen Grund, das Geld der amerikanischen Steuerzahler g�nzlich zu verschwenden.�</p><p>Wir gingen ins Bad. Kimberley schlug die T�r lautstark hinter uns zu, riss noch lautst�rker den Duschvorhang zur Seite und drehte beide Wasserh�hne bis zum Anschlag auf.</p><p>�Bist du sicher, dass das funktioniert?� fl�sterte sie.</p><p>�Ganz sicher�, antwortete ich, allerdings nicht im Fl�stern, sondern in normaler Lautst�rke. �Ich habe mindestens zweihundert Folgen FBI gesehen.�</p><p>�Das ist nicht witzig, John�, sagte Kim.</p><p>�Ich wei߫, antwortete ich. �Und um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung, ob es funktioniert. Angeblich st�rt das Ger�usch von flie�endem Wasser selbst die besten Richtmikrofone und Abh�rger�te, aber es kann genauso gut sein, dass das nur ein Ger�cht ist, das sie absichtlich in die Welt gesetzt haben.� Ich zuckte mit den Schultern, ging zum Waschbecken und drehte auch dort beide H�hne auf. Das Rauschen des flie�enden Wassers war nun so laut, dass wir beinahe M�he hatten, uns �berhaupt noch zu verst�ndigen. �Aber es kann nicht schaden.�</p><p>Kim schmiegte sich mit solcher Kraft an mich, dass ich beinahe M�he hatte, zu atmen. Sie zitterte am ganzen Leib, aber sie weinte nicht, oder wenn, dann ohne Tr�nen.</p><p>�Er wird uns niemals gehen lassen, nicht wahr?� fl�sterte sie.</p><p>Wie leicht w�re es gewesen, zu l�gen. Und wie gerne h�tte ich es getan, und sei es nur, um ihr f�r einen Moment wenigstens die Illusion von Zuversicht zu vermitteln. Und wie wenig Sinn h�tte es gehabt.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Dieser Mann ist ein Monster, John�, fl�sterte Kim. �Er wird uns niemals unser eigenes Leben leben lassen.�</p><p>�Es ist alles meine Schuld�, murmelte ich. �Gott verfluche den Tag, an dem ich Majestic beigetreten bin.�</p><p>Kimberley l�ste sich aus meiner Umarmung, trat zwei Schritte zur�ck und sah mich auf eine seltsame Art an.</p><p>�Mein Gott, John, glaubst du denn wirklich, du h�ttest je eine Wahl gehabt? Sie haben dich geholt, weil sie dich brauchten, nicht, weil du es wolltest. Du warst von Anfang an nichts anderes als ein K�der f�r Pratt!�</p><p>�Ich wei߫, antwortete ich, z�gerte einen Moment und f�gte mit einem schiefen L�cheln hinzu: �Aber lass mir doch wenigstens die Illusion, f�r eine kleine Weile wichtig gewesen zu sein.�</p><p>Kim blieb ernst. �Dieser Mann spielt mit Menschen wie mit Schachfiguren, John. Er benutzt uns. Und nicht nur uns, John. Er ... er bel�gt die ganze Welt. Wir m�ssen ihn aufhalten.�</p><p>�Aufhalten? Bach? Nur du und ich?�</p><p>�Wir haben keine andere Wahl�, sagte Kim. �Er wird uns niemals gehen lassen, John. Es sei denn, wir erz�hlen der ganzen Welt, was wirklich geschieht. Ein Geheimnis, das keines mehr ist, muss auch nicht mehr besch�tzt werden.�</p><p>�Eine h�bsche Idee�, sagte ich. �Und wie willst du sie in die Tat umsetzen?�</p><p>�Wir besitzen das Einzige, was Bach wirklich f�rchtet, John�, sagte Kimberley. �Die Wahrheit.�</p><p>�Das Problem ist nur, dass sie uns niemand glauben wird�, antwortete ich ernst. �Denkst du, ich h�tte nicht auch schon daran gedacht? Niemand wird uns glauben. Bach wird sich zur�cklehnen, die Arme vor der Brust verschr�nken und grinsend den Kopf sch�tteln, und wir beide landen im Irrenhaus. Oder verschwinden einfach.�</p><p>�Das ist doch nicht der John Loengard, den ich kenne!� emp�rte sich Kim. �Seit wann gibst du so schnell auf?�</p><p>�Wenn ich wei�, dass ich keine Chance habe. Ich k�mpfe gerne gegen Drachen, wenn es sein muss. Selbst gegen Windm�hlen. Aber nicht gegen ein Phantom.�</p><p>Kimberley schwieg einen Moment. Sie sah w�tend aus, fast ein bisschen zornig, aber auch nachdenklich. Langsam wandte sie sich um, begann in dem kleinen Raum auf und ab zu gehen und setzte sich auf den Badewannenrand. �Jackie�, murmelte Kim. �Ich k�nnte mit der First Lady reden.�</p><p>�Damit sie ihrem Mann beim n�chsten Fr�hst�ck erz�hlt, dass sie von ihrer neuen Hilfssekret�rin etwas von einer weltweiten Verschw�rung erfahren hat, in der es um UFOs geht, eine Bedrohung aus dem Weltall und die m�gliche Invasion au�erirdischer Ungeheuer?� Ich lachte b�se. �Und wo arbeitest du in Zukunft?�</p><p>�Wir br�uchten einen Beweis�, murmelte Kim. �Nur einen einzigen Beweis, John. Ich bin ganz sicher, dass ich dem Pr�sidenten eine Nachricht zuschmuggeln kann. Es passiert nicht oft, aber manchmal komme ich bis in sein Vorzimmer. Du wei�t alles �ber Majestic, John. Glaubst du, du kannst es auf zwei oder drei Bl�ttern zusammenfassen?�</p><p>�Kein Problem�, antwortete ich. �Aber was uns fehlt, ist immer noch ...�</p><p>�Ja?� machte Kim, als ich nicht weitersprach, sondern nur einen Moment lang an ihr vorbei ins Leere starrte.</p><p>�Der Beweis�, fl�sterte ich. �Aber wir haben ihn! Verdammt, er war die ganze Zeit direkt vor meiner Nase, und ich habe ihn nicht einmal gesehen!�</p><p>Pl�tzlich war ich sehr aufgeregt. �H�r zu�, begann ich. �Es ist gef�hrlich, aber es k�nnte funktionieren. Wir m�ssen Folgendes tun ...�</p><empty-line/><p>Die n�chsten Wochen waren die H�lle. Kim und ich kehrten �u�erlich zu unserem normalen Leben zur�ck, aber uns war jede einzelne Sekunde �ber klar, dass wir nicht aus dem unsichtbaren K�fig entkommen waren. Bach lie� uns weiter �berwachen, und wir konnten auch davon ausgehen, dass er unsere Wohnung abh�ren lie�, so dass wir uns angew�hnten, nur an wirklich sicheren Orten dar�ber zu reden: im Wagen, in Restaurants oder auf dem Bahnsteig der U-Bahn, und selbst dann nur im H�sterton. Es war gelebte Paranoia, aber etwas sehr Seltsames geschah. Obwohl die Situation an unseren Nerven zerrte, gab sie uns gleichzeitig auch die Kraft, sie durchzustehen.</p><p>Und wir arbeiteten weiter an unserem Plan.</p><p>Bach hatte uns unmissverst�ndlich klargemacht, dass es nur einen einzigen Weg gab, Majestic zu verlassen, n�mlich als Toter, und ich begriff im Laufe der n�chsten Wochen ebenso unmissverst�ndlich, dass die Sicherheitsma�nahmen von Majestic viel zu perfekt waren, um auch nur ein St�ubchen aus dem unterirdischen Labyrinth hinauszuschaffen. Ich konnte nicht sagen, ob sie mir vorher nur nicht so extrem aufgefallen waren, oder ob Bach mir einfach nur nicht mehr traute, aber ich ging zur Vorsicht von Letzterem aus.</p><p>Doch jedes System hat eine schwache Stelle, und wir fanden sie in Bachs Netz. Drei Tage sp�ter sa�en Kim und ich zusammen im Wagen in der Stra�e, in der Bach wohnte, und beobachteten sein Haus. Ich war nerv�s, und ich hatte Angst. Keine gute Kombination.</p><p>�Bist du ganz sicher, dass du es tun willst?� fragte ich.</p><p>�Ich bin ganz sicher, dass ich es nicht tun will�, sagte Kim. �Leider steht hier nicht zur Debatte, was ich will.�</p><p>Bachs Haust�r wurde ge�ffnet. Wir hatten den Wagen so geparkt, dass wir das Haus im Auge behalten konnten, ohne selbst gesehen zu werden. Ich fuhr zwar noch in dem gleichen Wagen, mit dem wir nach Washington gekommen waren - ein Allerweltsauto, wie es ungef�hr alle f�nf Minuten an einem vorbeif�hrt - aber er war ein sehr aufmerksamer Beobachter. So rutschten wir auch beide tiefer in die Sitze, w�hrend wir zusahen, wie Bachs Frau einen Schritt aus dem Haus tat und dann ihre beiden Kinder verabschiedete, die in f�nf Minuten in den Schulbus steigen w�rden, der unten an der Ecke hielt.</p><p>�Unglaublich, dass dieser Mann verheiratet ist und sogar Kinder hat�, murmelte Kim.</p><p>�Die hatte Dschinghis Khan auch�, antwortete ich. �Sogar ein Dutzend, glaube ich.� Ich sah auf die Uhr im Armaturenbrett. �Er m�sste jetzt oben im Bad sein, wenn er sich an seinen gewohnten Rhythmus h�lt. Hoffentlich nimmt er das Ding nicht mit unter die Dusche. Bist du so weit?�</p><p>�Nein�, antwortete Kim. �Also, worauf warten wir noch?�</p><p>Wir stiegen aus. Kimberley bewegte sich mit langsamen Schritten auf Bachs Haus zu, w�hrend ich selbst wesentlich schneller in die entgegengesetzte Richtung ging und an der n�chsten Ecke abbog. Wir hatten die Stra�e in den letzten beiden Tagen so gr�ndlich in Augenschein genommen, wie es ging, und so wussten wir, dass Bachs Garten an ein unbebautes Grundst�ck grenzte und es nur einen niedrigen, allenfalls symbolisch gemeinten Zaun gab.</p><p>Ich brauchte zwei Minuten, um ihn zu erreichen. Kim musste mittlerweile an der T�r sein und geklingelt haben, aber ich gab ihr noch weitere drei�ig Sekunden, um Bachs Frau in ein Gespr�ch zu verwickeln, ehe ich �ber den Zaun stieg und mich geb�ckt und sehr schnell der R�ckseite des Hauses n�herte. Mir war nicht wohl dabei. Mein Herz klopfte so schnell und hart, als h�tte ich einen Hundert-Meter-Sprint hinter mir, und als ich die Hand nach dem T�rgriff ausstreckte, z�gerte ich noch ein letztes Mal. Wenn ich diese T�r �ffnete, dann �berschritt ich mehr als nur eine T�rschwelle. Bisher hatten Kim und ich nur geplant, Bach zu verraten. Trotz allem war es nicht mehr als ein Spiel gewesen.</p><p>Wenn ich dieses Haus betrat, wurde aus dem Spiel Ernst.</p><p>Aber wir waren schon viel zu weit gegangen, um jetzt noch zur�ck zu k�nnen.</p><p>Ich brachte die immer lauter schreiende Stimme meiner Vernunft mit einem �rgerlichen Gedanken zum Verstummen, drehte den T�rknopf und registrierte erleichtert, dass die T�r nicht abgeschlossen war. Ich hatte auch nicht wirklich damit gerechnet. In einer Gegend wie dieser schlie�en die Leute ihre Hintert�ren nicht ab; wenigstens damals nicht.</p><p>Aber vielleicht hatte ich gehofft, dass sie abgeschlossen war ...</p><p>Sie war es nicht. Ich huschte hindurch, dr�ckte die T�r lautlos wieder hinter mir ins Schloss und sah mich mit klopfendem Herzen um. Ich befand mich in einer kleinen, penibel aufger�umten K�che, die gleich zwei weitere T�ren hatte. Eine war geschlossen, die andere nur angelehnt. Ged�mpfte Stimmen drangen hindurch. Eine davon identifizierte ich als die Kims.</p><p>Ich schlich hin, sp�hte durch den Spalt und stellte zu meinem Entsetzen fest, dass Bachs Frau an der Haust�r stand und mit Kimberley sprach. Um die Treppe nach oben zu erreichen, musste ich das weitl�ufige Wohnzimmer nicht nur durchqueren, sondern praktisch unmittelbar an ihr vorbeigehen.</p><p>Ich hatte keine Wahl.</p><p>Mit angehaltenem Atem verlie� ich die K�che, schlich durch das Wohnzimmer und n�herte mich der Treppe. Ich bef�rchtete nicht, ich war hundertprozentig sicher, dass Bachs Frau mich bemerken musste, denn ich kam so dicht an ihr vorbei, dass sie beinahe den Luftzug h�tte sp�ren k�nnen, den ich verursachte. Aber Kim lenkte sie perfekt ab. Das Wunder geschah. Ich erreichte die Treppe und Augenblicke sp�ter unbehelligt die erste Etage.</p><p>Mit klopfendem Herzen sah ich mich um. Es gab gleich ein halbes Dutzend T�ren, die nicht nur allesamt geschlossen waren, sondern auch vollkommen identisch aussahen. Ich hatte nicht viel Zeit. Kimberley w�rde Bachs Frau nicht endlos hinhalten k�nnen, und so ganz nebenbei war auch noch Bach selbst hier oben.</p><p>Ich musste improvisieren.</p><p>Wenn dieses Haus so aufgeteilt war wie die meisten anderen, die ich kannte, dann war das Badezimmer entweder hinter der ersten oder der letzten T�r auf dem Flur. Ich presste das Ohr gegen die erste T�r und lauschte angestrengt, konnte aber nichts h�ren; weder das Rauschen von Wasser noch andere Laute, die auf die Anwesenheit eines Menschen dahinter hingewiesen h�tten. Also schlich ich auf Zehenspitzen �ber den Flur und nahm mir die letzte T�r hier oben vor. Das Ergebnis war dasselbe, doch noch bevor ich mich wieder herumdrehen konnte, wurde eine T�r hinter mir ge�ffnet, und Bachs Stimme schrie mir praktisch ins Ohr:</p><p>�Wer ist denn da an der T�r, Liebling?�</p><p>Mein Herz schien f�r einen Schlag auszusetzen. Millimeter f�r Millimeter drehte ich mich herum und starrte auf Bachs breiten, nackten R�cken. Er trug nur eine Pyjamahose und Badelatschen und dampfte, als k�me er gerade aus der Sauna. Ich war ihm so nahe, dass ich ihm die Hand sch�tteln konnte, wenn er sich herumdrehte.</p><p>�Nur eine nette junge Lady von der Schulbeh�rde, Frank�, rief seine Frau von unten herauf. �Sie sammelt Unterschriften f�r eine Elterninitiative.�</p><p>�Ich komme gleich herunter�, antwortete Bach. Er machte Anstalten, ins Badezimmer zur�ckzutreten - wobei er mich unweigerlich gesehen h�tte - zuckte dann mit den Schultern und trat ganz auf den Flur heraus. Ohne die T�r zu schliessen, ging er zu einem der anderen R�ume, wobei er eine Spur feuchter Fu�abdr�cke auf dem Teppichboden hinterlie�.</p><p>Das war meine Chance. Kaum hatte er die T�r hinter sich geschlossen, huschte ich ins Bad. Der Raum war von grauem Wasserdampf und dem intensiven Geruch von Bachs Rasierwasser erf�llt. Bachs Pyjamajacke lag, zu einem unordentlichen nassen Ball zusammengekn�llt auf dem Boden, und im Waschbecken befanden sich noch Reste seines Rasierschaums.</p><p>Ich wurde auf Anhieb f�ndig. Bachs Amulett lag auf dem Waschbeckenrand.</p><p>Ich nahm es auf, �ffnete den Deckel und nahm mit spitzen Fingern das zusammengefaltete Blatt UFO-Material heraus. Kaum hatte ich es getan, begann es sich zwischen meinen Fingern zu bewegen, wie ein lebendes Wesen, das meinem Griff zu entkommen versuchte. Ich griff fester zu, zog mit der anderen Hand den mitgebrachten Briefumschlag aus der Manteltasche und schob das lebende Metall hinein. Sofort faltete es sich auseinander. Der Umschlag beulte sich aus wie ein Luftballon, der sehr schnell aufgeblasen wurde, so dass ich fast M�he hatte, ihn wieder in die Manteltasche zu bekommen.</p><p>Sehr langsam verschloss ich das Amulett wieder und versuchte auch die Kette so �ber den Beckenrand zu drapieren, wie ich es in Erinnerung hatte. Und kaum hatte ich es getan, da h�rte ich, wie drau�en auf dem Flur eine T�r zufiel, und schnelle Schritte n�her kamen.</p><p>F�r einen Moment drohte mich Panik zu �bermannen. Ich war allerh�chstens seit zehn Sekunden hier drinnen - Bach musste sich mit Lichtgeschwindigkeit umgezogen haben.</p><p>Und wenn ich nicht im gleichen Tempo reagierte, dann w�rde er in ungef�hr drei Sekunden vor mir stehen und mich ziemlich verdutzt fragen, was ich in aller Herrgottsfr�he in seinem Badezimmer tat. Falls er mich nicht gleich �ber den Haufen schoss, hie� das.</p><p>Ich tat das �berhaupt Einzige, was ich noch tun konnte: Ich wich mit zwei blitzschnellen Schritten unter die Dusche zur�ck und zog den Vorhang zu, und buchst�blich im gleichen Sekundenbruchteil kam Bach herein, trat ans Waschbecken und griff nach seinem Anh�nger. Offensichtlich hatte er ihn wirklich nur abgelegt, um zu duschen, und h�tte Kims Erscheinen ihn nicht abgelenkt, dann h�tte ich wahrscheinlich niemals eine Chance gehabt, auch nur in seine N�he zu kommen. Bach streifte sich die Kette �ber den Kopf und warf seinem eigenen Konterfei im Spiegel einen argw�hnischen Blick zu. Er nahm sich diese Nachl�ssigkeit �bel. Offenbar war es wirklich so, wie er damals behauptet hatte: Er trennte sich so gut wie nie davon.</p><p>Bach ging; �brigens gerade noch rechtzeitig, denn ich konnte nun ein h�rbares Keuchen nicht mehr unterdr�cken. Bach hatte zwei schlechte Angewohnheiten: In seinem Privatleben war er ein wesentlich weniger ordentlicher Mensch als in seinem Beruf. Einer der zum Beispiel nicht den St�psel aus der Duschtasse zieht, bevor er die Dusche verl�sst; was zur Folge hatte, dass ich bis zu den Waden im Wasser stand.</p><p>Die andere war, dass er offenbar ein Gesundheitsfanatiker war. Das Wasser war so kalt, dass ich mit den Z�hnen klapperte.</p><p>Vorsichtig trat ich aus der Dusche heraus, betrachtete stirnrunzelnd die un�bersehbaren, nassen Schuhabdr�cke, die ich auf den Fliesen hinterlie�, und �berlegte angestrengt. Auch ohne diese Spuren h�tte ich es nicht gewagt, das Haus auf dem gleichen Wege wieder zu verlassen, auf dem ich es betreten hatte. Kim war mittlerweile wahrscheinlich nicht mehr unten an der T�r, denn sie musste Bachs Stimme geh�rt haben, und selbst, wenn es anders gewesen w�re: Ich hatte mein Gl�ck schon mehr als genug auf die Probe gestellt, und ich habe noch nie etwas davon gehalten, meine Kosten zu sehr zu �berreizen.</p><p>Der einzige Weg, der mir blieb, war der aus dem Fenster. Auch das war nicht ganz ungef�hrlich - welche Rolle Bach in seiner spie�igen Nachbarschaft auch immer spielte, dass in blaue Trenchcoats gekleidete junge M�nner morgens um acht aus seinem Badezimmerfenster kletterten, geh�rte nicht dazu. Aber ich konnte auch nicht hier bleiben. Bach w�rde zwar in drei�ig Minuten das Haus verlassen, aber seine Frau war nicht berufst�tig, doch da sie die Eigenarten ihres Mannes kannte, w�rde sie sp�testens zehn Sekunden sp�ter hier auftauchen, um hinter ihrem G�ttergatten aufzur�umen. Also stieg ich aus dem Fenster.</p><p>Das Gl�ck blieb mir weiter hold. Bachs Scheinexistenz war tats�chlich spie�ig genug, dass es genau unter dem Badezimmerfenster das obligate Rosengitter gab, an dem ich einigerma�en bequem hinunterklettern konnte. F�nf Minuten sp�ter war ich wieder im Wagen und lie� mich mit einem erleichterten Seufzer in den Fahrersitz fallen.</p><p>�Du hast lange gebraucht�, begr��te mich Kim. �Ist irgendetwas passiert?�</p><p>�Passiert? Nein. Wie kommst du darauf? Es ist alles in Ordnung.�</p><p>�Hast du es?�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, antwortete ich. �Das Ding sollte ausreichen, um Kennedys Neugier zu wecken.�</p><p>Als ich den Kopf drehte, sah ich, dass sie nicht mich anblickte, sondern wie hypnotisiert auf meine tropfnassen Hosenbeine starrte.</p><p>�Frag blo� nicht�, sagte ich.</p><p>Kim fragte nicht.</p><empty-line/><p>Der Rest des Tages wurde zum l�ngsten in meinem Leben. Kim und ich fuhren zur Arbeit und versuchten uns ganz normal zu benehmen, aber nat�rlich blieb es bei dem Versuch. Ich war nerv�s, ich war fahrig und ich hatte solche Angst, dass ich ein paarmal erschrocken zusammenfuhr, als die T�r aufging und jemand hereinkam. Wir hatten unseren Plan wieder und wieder durchgesprochen, und es konnte im Grunde nichts schief gehen, Bach hatte uns, ohne es zu ahnen, selbst den Weg gezeigt, wie wir ihn besiegen konnten. Es stellte f�r Kimberley kein Problem dar, unter einem Vorwand bis ins Vorzimmer des Pr�sidenten vorzudringen. Es w�re nicht das erste Mal, dass sie ihm einen Briefumschlag mit einem Liebesbrief �berbrachte, den die First Lady ihm spontan geschrieben hatte, und der nicht f�r die Augen seiner Sekret�rinnen bestimmt war.</p><p>Nur, dass der Umschlag heute keinen Liebesbrief enthielt, sondern drei eng maschinegeschriebene Seiten, auf denen ich die wichtigen Fakten, Namen und Hintergr�nde niedergeschrieben hatte, die mit Majestic zu tun hatten; und das Blatt UFO-Metall. Kim war hundertprozentig sicher, dass sie ihm den Umschlag zuspielen konnte. Es konnte gar nichts schief gehen.</p><p>Aber das war nur die Theorie. Mit narrensicheren Pl�nen, bei denen gar nichts schief gehen konnte und die trotzdem in einer Katastrophe geendet hatten, lie�en sich vermutlich ganz Bibliotheken f�llen, und so steigerte sich meine Nervosit�t im Laufe des Tages bis zu einem Grad, dass ich es einfach nicht mehr aushielt. Ich machte eine Stunde fr�her als gew�hnlich Schluss und fuhr zum Wei�en Haus, um Kimberley von der Arbeit abzuholen.</p><p>Als ich den Wagen auf den Parkplatz fuhr und ausstieg, kam mir Bach entgegen.</p><p>Mein Herz machte einen erschrockenen Satz bis in meinen Hals hinauf und h�mmerte dort so schnell weiter, dass Bach es einfach sehen musste, und ich konnte f�hlen, wie mir nicht nur alles Blut aus dem Gesicht wich, sondern in meinen Augen auch noch in grellen Buchstaben das Wort Verr�ter aufleuchtete. Eine Sekunde lang war ich einfach in Panik, und f�r einen noch k�rzeren Moment wollte ich nichts anderes, als auf dem Absatz herumzufahren und davonzust�rmen. Gottlob war ich vor Schrecken einfach wie erstarrt, so dass ich es gar nicht konnte.</p><p>Bach war jedoch mindestens genauso �berrascht wie ich - entweder das, oder er war der weitaus talentiertere Schauspieler von uns beiden. �John�, sagte er. �Was tun Sie denn hier?�</p><p>�Ich ... ich wollte Kim vom B�ro abholen�, antwortete ich stockend. Ich zog eine Grimasse, von der ich wenigstens hoffte, dass sie als verlegenes Grinsen durchging. �Sie haben mich erwischt, Captain.�</p><p>�Erwischt?� Bach legte den Kopf schr�g.</p><p>�Ich habe ein paar Stunden blaugemacht�, gestand ich. �Ich ... ich f�hle mich nicht besonders.�</p><p>Das war die Untertreibung des Jahres. Ich f�hlte mich hundsmiserabel. Mein Magen revoltierte, meine Knie zitterten und mein Herz jagte immer schneller. Au�erdem begann ich mich allm�hlich zu fragen, was Bach hier eigentlich tat.</p><p>�Sie sehen auch nicht besonders gut aus�, best�tigte Bach. �Sie sollten mehr auf Ihre Gesundheit achten, John. Glauben Sie mir, ich wei�, wovon ich rede. Als ich in Ihrem Alter war, habe ich mich auch f�r unverwundbar gehalten.� Er sch�ttelte den Kopf, bedachte mich einen Moment lang mit einem fast v�terlich-besorgten Blick - f�r den ich ihm die Z�hne h�tte einschlagen k�nnen - und fuhr in ver�ndertem Tonfall fort:</p><p>�Aber vielleicht habe ich etwas, um Sie aufzumuntern, John. Ich habe n�mlich gerade mit Doktor Hertzog gesprochen. Er glaubt, einen Weg gefunden zu haben, um Menschen zu identifizieren, die von einem Ganglion besessen sind.�</p><p>�So?� fragte ich nerv�s.</p><p>Bach nickte heftig. �Das ist nicht zuletzt Ihr Verdienst, John. Und Kimberleys, nat�rlich. Ohne Ihren kleinen ... Alleingang w�ssten wir bis heute nicht, dass das Mittel funktioniert. Trotzdem sollten Sie aus so etwas keine schlechte Angewohnheit machen.�</p><p>Bei den letzten Worten lachte er; etwas, was bei Bach nun wirklich h�chst selten vorkam. Trotzdem konnte ich mich nur zu einem neuerlichen, sehr nerv�sen Grinsen zwingen. �Ganz bestimmt nicht�, versprach ich.</p><p>�Da kommt Kimberley.� Bach deutete mit einer Kopfbewegung auf einen Punkt hinter mich. Als ich seinem Blick folgte, erkannte ich Kim, die mit schnellen Schritten auf uns zukam.</p><p>�Richten Sie ihr aus, dass Hertzog noch einmal mit ihr reden m�chte�, sagte Bach. �Heute oder morgen, wenn es geht. Machen Sie es gut, John. Und erholen Sie sich.�</p><p>Er ging. Ich starrte ihm verdutzt nach - ich wusste noch immer nicht, was er eigentlich hier gesucht hatte - und wagte erst, erleichtert aufzuatmen, als er nicht nur au�er H�r -, sondern auch au�er Sichtweite war. Meine Knie zitterten immer noch. H�tte er auch nur eine einzige entsprechende Bemerkung gemacht, h�tte ich mich wahrscheinlich verplappert. Ich war f�r solche Sachen nicht gemacht.</p><p>Kimberley auch nicht, denn als sie neben mir anlangte und ich mich zu ihr herumdrehte, sah ich, dass auch sie kreidebleich geworden war. �War das ... Bach?� fragte sie stockend.</p><p>Ich nickte.</p><p>�Was wollte er?�</p><p>�Keine Ahnung. Ich glaube, es war nur Zufall.� Ich atmete h�rbar ein. �Wie ist es gelaufen?�</p><p>�Ich habe den Brief abgegeben�, sagte Kim. �Mehr wei� ich nicht.� Sie z�gerte einen Moment, dann: �Aber ich habe geh�rt, dass Kennedy heute Nachmittag ziemlich viel telefoniert haben soll. Und es kamen eine Menge unangemeldeter Besucher.�</p><empty-line/><p>Trotz allem l�ste Kims Nachricht bei uns fast so etwas wie - ged�mpfte - Euphorie aus, die sich nat�rlich als vollkommen verfr�ht erwies. Ich wei� nicht, was wir erwarteten; wir waren jung, naiv und voller Enthusiasmus, und nat�rlich unterstellten wir ganz selbstverst�ndlich, dass der Rest der Welt ebenso funktionierte. Was er nat�rlich nicht tat.</p><p>Der Tag verstrich, ohne dass irgendetwas geschah. Damit hatten wir gerechnet. Auch, dass sich am n�chsten Tag weder der Himmel auftat, um uns zu verschlingen, noch ein Helikopter des Pr�sidenten in unserem Vorgarten landete, um Kim und mich zu einer Privataudienz bei den Kennedys abzuholen.</p><p>Doch auch der dritte, der vierte und noch eine ganze Reihe weiterer Tage verstrichen, ohne dass unser Alleingang auch nur die allergeringste Wirkung zu zeigen schien: Kim und ich gingen weiter ganz normal in unsere B�ros, ich hatte mehr oder weniger regelm��ige Treffen mit Bach oder anderen Majestic-Mitarbeitern, und unser Leben verlief weiter nach den Regeln praktizierter Paranoia. Mit jedem Tag, der verstrich, erschien es mir zwar weniger wahrscheinlich, dass Bach irgendetwas gemerkt hatte, oder er sich gar die M�he machte, unsere Wohnung abh�ren zu lassen, aber wir blieben vorsichtig. Was zur Folge hatte, dass unser Leben zur H�lle wurde. Nach einer Woche gab es mit Ausnahme Kimberleys niemanden mehr, dem ich wirklich traute, und kurz vor Ablauf der zweiten ertappte ich mich dabei, den Salzstreuer in einem Restaurant herumzudrehen und nachzusehen, ob auch kein Mikrofon darunter verborgen war. Weder Kimberley noch ich h�tten es damals zugegeben, aber Tatsache war, dass wir unter dem Druck zu zerbrechen begannen. Wir stritten uns immer �fter, und l�ngst nicht mehr alle dieser Streitigkeiten waren f�r die - m�glicherweise realen, m�glicherweise auch nur eingebildeten - Mikrofone in unserer Wohnung bestimmt. Auch, wenn ich es damals selbst vor mir selbst verleugnete, aber heute ist mir klar, dass wir den Druck allerh�chstens noch eine oder zwei weitere Wochen ausgehalten h�tten.</p><p>Sechzehn Tage nach meinem Einbruch in Bachs Haus und Kimberleys Alleingang im Oval Office legte sie mir beim Fr�hst�ck schweigend eine zusammengefaltete Ausgabe der Washington Post vor. Eine der Kleinanzeigen war mit einem roten Kringel markiert:</p><cite><p>62er Chevy, Cabriolet, wei�/rot,</p><p>guter Zustand, Wei�wandreifen, Radio</p><p>nur an Liebhaber abzugeben. Preis VB</p><p>Tel.: 555-7569 Mr. Robert</p></cite><p>�Das ... klingt interessant�, sagte ich, z�gernd, aber trotzdem laut und in Richtung der potenziellen Mikrofone.</p><p>�Das ist doch genau der Wagen, den du immer wolltest, oder?� fragte Kimberley. �Warum rufst du nicht einfach an?�</p><p>�Es steht kein Preis dabei.� Ich sah Kimberley fragend, aber auch misstrauisch an. Sie nickte, allerdings nur andeutungsweise. �So etwas stimmt mich immer misstrauisch.�</p><p>�Das kannst du mit einem Anruf herausfinden�, antwortete sie. Sie lachte. �Komm schon. Du hast mir noch nie etwas vormachen k�nnen. Ich wei� doch, wie sehr du dir so einen Wagen w�nschst. Und jetzt, wo du den neuen Job hast, verdienst du auch genug.�</p><p>�Kein Grund, es aus dem Fenster zu werfen, oder?�</p><p>�Aber genug f�r ein Telefongespr�ch�, erwiderte Kimberley lachend. �Nun mach schon. Ich habe keine Lust, mir die n�chsten sechs Monate dein langes Gesicht anzusehen, jedes Mal, wenn ein solcher Wagen bei uns vorbeif�hrt.�</p><p>Ich seufzte, lie� noch eine Schamsekunde verstreichen und gab dann auf. Lautstark mit der Zeitung raschelnd, ging ich zum Telefon, w�hlte die Nummer und lauschte drei- oder viermal auf das Freizeichen, ehe sich ein Gebrauchtwagenladen im S�den der Stadt meldete.</p><p>�Guten Morgen�, meldete ich mich. �Ich rufe wegen des Wagens an. K�nnten Sie mich mit Mister Robert verbinden?�</p><p>�Geht es um den Chevy?� fragte eine Frauenstimme. Ohne meine Antwort abzuwarten, fuhr sie fort: �Ich verbinde Sie mit Mister Robert. Wie war noch gleich Ihr Name?�</p><p>�Loengard�, antwortete ich. �John Loengard.�</p><p>�Einen Moment bitte.�</p><p>Kim sah mich durchdringend an, w�hrend ich mit konzentriertem Gesichtsausdruck in den H�rer lauschte. Sie beherrschte sich meisterhaft und gab weder einen Laut von sich, noch gestikulierte sie herum oder tat sonst irgendetwas Auff�lliges. Aber hinter ihrer Stirn arbeitete es sichtbar. Sie war mindestens so aufgeregt wie ich, wenn nicht mehr.</p><p>Nach einer Ewigkeit - die vermutlich nicht einmal eine Minute gedauert hatte - meldete sich die Frauenstimme erneut. �Mister Loengard? Es tut mir leid. Mister Robert ist im Moment nicht zu sprechen. Aber er l�sst Ihnen ausrichten, dass Sie in einer halben Stunde vorbei kommen k�nnten, um sich den Wagen selbst anzusehen.�</p><p>�Eine halbe Stunde? Ich muss ...�</p><p>�Leider ist das der einzige Termin, den wir heute noch haben�, unterbrach sie mich. �Sie verstehen - bei einem solchen Wagen gibt es eine Menge Interessenten. Kann ich Sie also in Mister Roberts Terminkalender eintragen?�</p><p>Ich tat so, als m�sse ich �berlegen, dann seufzte ich mit gespielter Resignation. �Also gut. Ich komme dann zwar zu sp�t ins B�ro, aber vielleicht lohnt es sich ja.�</p><p>�Ganz bestimmt, Mister Loengard.�</p><p>Ich notierte mir die Adresse, die mir die Sekret�rin durchgab, h�ngte ein und drehte mich zu Kim herum, w�hrend ich den Zettel in der Jackentasche verschwinden lie�. �Ich f�rchte, ich kann dich heute nicht ins Wei�e Haus fahren�, sagte ich. �Ich soll in einer halben Stunde da sein. Ansonsten gibt es andere Interessenten.�</p><p>�Dann musst du das wohl�, antwortete Kimberley. �Ich kann mit der U-Bahn fahren. Das ist kein Problem.�</p><p>�Wenn ich mich auf diese Erpressung einlasse, habe ich schon verloren�, antwortete ich �bellaunig. �Dann wei� er, dass ich jeden Preis zahle.�</p><p>�Untersteh dich!� Kim drohte mir spielerisch mit dem Zeigefinger. �Und untersteh dich genauso, nicht dorthin zu gehen. Nach allem, was du mitgemacht hast, hast du ein Recht auf ein bisschen Spa�. Sieh ihn dir wenigstens an.�</p><p>Sie stand auf, schob lautstark ihren Stuhl zur�ck und ging ebenso lautstark in die Diele, um sich ihren Mantel zu holen. �Und jetzt muss ich los. Schlie�lich ist es nicht n�tig, dass wir beide das Geld der Steuerzahler verschwenden, indem wir zu sp�t kommen.�</p><p>Sie ging ohne ein weiteres Wort, und wieder konnte ich nicht anders, als ihre Kaltbl�tigkeit zu bewundern. Kims F�higkeit, auch in wirklich verfahrenen Situationen noch immer einen k�hlen Kopf zu bewahren, war schon immer einer der Punkte gewesen, die mich am meisten an ihr beeindruckt hatten. Aber pl�tzlich war ich sehr froh, dieses M�dchen, das so harmlos aussah, nicht zum Feind zu haben ...</p><p>Nicht, dass es mir daran gemangelt h�tte.</p><empty-line/><p>Ich verscheuchte den Gedanken, fischte im Vorbeigehen mein Jackett von der Stuhllehne und verlie� ebenfalls das Apartment. Die Adresse, die mir die Sekret�rin genannt hatte, befand sich am anderen Ende der Stadt, und auch, wenn der Berufsverkehr damals nicht einmal ann�hernd mit dem Alptraum zu vergleichen ist, der sich heute hinter dem Wort Rushhour verbirgt, so musste ich mich doch sputen, um in einer halben Stunde dorthin zu gelangen. Zumal ich mich in dieser Gegend nicht auskannte.</p><p>Exakt achtundzwanzig Minuten sp�ter lenkte ich meinen eigenen, altersschwachen Chevy auf den Hof eines mittelgro�en, nicht allzu vertrauenerweckend aussehenden Gebrauchtwagenladens, auf dem sich ganze Legionen von Gebrauchtwagen in unterschiedlichsten Stadien des Verfalls reihten. Keine der Rostlauben, an denen ich vorbeifuhr, schien mir mehr wert als hundert Dollar - und auch das nur mit vollem Tank und einem zweiten Ersatzrad - aber als ich das Ende der traurigen Parade erreicht hatte und mich dem lang gestreckten, flachen Geb�ude n�herte, das gleichzeitig als Werkstatt, B�ro und Verkaufsraum zu dienen schien, erblickte ich tats�chlich den Wagen, der in der Zeitungsannonce angeboten worden war: einen rotwei�en Chevrolet, keine zwei Jahre alt und mit prachtvollen roten Ledersitzen und so viel Chrom, dass man ihn wahrscheinlich kaum ansehen konnte, wenn die Sonne ein wenig heller vom Himmel schien.</p><p>Ich parkte unmittelbar daneben, stieg aus und hatte nicht einmal genug Zeit, die Wagent�r hinter mir zuzuwerfen, da flog die Werkstatt�r auch schon auf, und ein d�rres Kerlchen in Cowboyhut, Westernstiefeln und einem braunen Fransenlederanzug st�rmte auf mich zu. Der Kerl sah aus, als w�re er einer Persiflage �ber Gebrauchtwagenverk�ufer entsprungen.</p><p>�Mister ... Robert?� fragte ich z�gernd. Es fiel mir schwer, ernst zu bleiben. Wer immer diese Farce inszeniert hatte, hatte es kr�ftig �bertrieben, meiner Meinung nach.</p><p>�Nelson�, verbesserte mich der John-Wayne-Verschnitt. Seine Stimme klang genauso �lig, wie der ganze Kerl wirkte. �Mein Name ist Nelson T. Bennet. Ich sehe, Sie interessieren sich f�r unser Prachtst�ck? Daran erkennt man den wirklichen Autokenner, nicht wahr? Ein einziger Blick, und Sie haben das beste Fahrzeug auf dem Platz gefunden.�</p><p>Dazu geh�rte nun wirklich nicht viel. Aber ich war nicht hier, um einen Wagen zu kaufen, und so schluckte ich die entsprechende bissige Bemerkung herunter und sagte stattdessen: �Ich hatte einen Termin, Mister Bennet. Ich glaube, mit einem Mister Robert.�</p><p>�Dann m�ssen Sie John sein�, sagte Bennet triumphierend. �John Longard, richtig?�</p><p>�Fast. Loengard. Aber Mister Robert ...�</p><p>�... ist unser Gesch�ftsf�hrer. Er wird in ein paar Minuten zu Ihrer Verf�gung stehen, keine Sorge. Warum nutzen wir die Zeit nicht, und Sie sehen sich dieses kleine Baby hier in aller Ruhe an? So etwas bekommt man nicht alle Tage zu Gesicht, m�ssen Sie wissen. Und ich verkaufe es auch nicht jedem. O nein. So etwas ist etwas Besonderes, m�ssen Sie wissen. Es w�re ein Frevel, es einer dicken Hausfrau zu verkaufen, die damit in den Supermarkt f�hrt, oder irgendeinem sechzehnj�hrigen Schn�sel, der mit Daddys Geld um sich wirft. Da macht Nelson Bennet nicht mit. Kommen Sie. Nur keine Scheu, John. Er bei�t nicht.�</p><p>Er wedelte aufgeregt mit den H�nden und ignorierte sowohl meinen gemurmelten Protest als auch meine schw�chliche Gegenwehr, w�hrend er mich auf den Wagen zuzerrte und schlie�lich mit schon etwas mehr als sanfter Gewalt hinter das Steuer stie�. Noch bevor ich irgendetwas sagen konnte, drehte er den Schl�ssel herum, startete den Motor und brachte irgendwie das Kunstst�ck fertig, praktisch im gleichen Sekundenbruchteil auf dem Beifahrersitz neben mir aufzutauchen.</p><p>�Na, wie klingt das?� fragte er. Gleichzeitig trat er grinsend das Gaspedal bis zum Boden durch. Der Motor heulte auf, dass ich damit rechnete, die Kolben durch die K�hlerhaube schie�en zu sehen. �Das ist doch Musik in den Ohren, wie? So etwas h�rt man nicht alle Tage!�</p><p>�Mister Bennet, wir haben noch nicht einmal �ber den Preis ...�</p><p>�Oh, keine Sorge, da werden wir uns schon einig�, unterbrach mich Bennet. �Schauen Sie ihn sich doch erst einmal in Ruhe an. Sehen Sie nur diese prachtvollen Lederbez�ge. So etwas wird heute kaum noch hergestellt. Und das ...�</p><p>Ich h�rte kaum noch hin, und vermutlich h�tte ich es nicht einmal mehr gekonnt, wenn ich es wirklich gewollt h�tte. Bennet redete wie ein Wasserfall. Er plapperte, schwatzte, schwafelte und pries mir die Vorz�ge des Chevrolet in immer h�heren T�nen an, so dass ich schon nach wenigen Augenblicken nicht mehr wusste, ob ich nun lachen oder weinen sollte. Eines aber wurde mir sehr schnell und ohne den geringsten Zweifel klar: Mein anf�nglicher Verdacht war falsch gewesen. Bennet spielte kein Theater. Er war ein Gebrauchtwagenverk�ufer, und zwar einer, der das, was er tat, mit Leib und Seele tat. Nach kaum f�nf Minuten war ich nicht einmal mehr in der Lage, zu widersprechen, und nach weiteren zehn war ich so weit, dass ich mir ernsthaft �berlegte, den Wagen tats�chlich zu kaufen.</p><p>�Nun�, schloss er seine oscarverd�chtige Vorstellung. �Was sagen Sie - ist das ein Prachtst�ck?�</p><p>Ich nickte, allein vom Zuh�ren ersch�pft. In meinem Kopf summte es. �Einfach wunderbar�, best�tigte ich matt. �Aber leider haben Sie mir immer noch nicht gesagt, was dieses Prachtst�ck denn nun kostet.�</p><p>Bennet zwinkerte mir verschw�rerisch zu. �So eine wundersch�ne Gelegenheit ist nat�rlich nicht ganz billig�, sagte er, hob aber hastig die Hand, als ich Luft zu einer Anwort holte. �Aber auch nun wieder nicht so teuer, dass sie sich ein Mann wie Sie nicht leisten k�nnte.�</p><p>�Und was bedeutet das?� fragte ich.</p><p>Bennet grinste und �ffnete den Wagenschlag. �Ich bin nur der Techniker hier�, sagte er. ��ber den Preis m�ssen Sie sich mit Mister Robert unterhalten. Aber ich bin sicher, Sie werden sich einig. Unser Gesch�ft bietet auch gro�z�gige Teilzahlungsvereinbarungen an, m�ssen Sie wissen.�</p><p>Ich stieg ebenfalls aus und folgte ihm, als er eine einladende Geste zum B�ro hin machte. Bennet hatte mich so eingelullt, dass ich beinahe schon vergessen hatte, warum ich wirklich hierhergekommen war - n�mlich ganz bestimmt nicht, um einen Gebrauchtwagen zu kaufen.</p><p>Auch, wenn er mir mittlerweile wirklich gefiel ...</p><p>Wir betraten das Geb�ude und gingen einen kurzen Flur entlang. Nach dem hellen Sonnenlicht drau�en war ich im ersten Moment beinahe blind, so dass ich heftig blinzelte, damit sich meine Augen an die ver�nderten Lichtverh�ltnisse gew�hnten. Trotzdem erkannte ich Bennet nur noch als Schatten vor mir. Mehr tastend und lauschend als ihn wirklich sehend folgte ich ihm in ein kleines, unaufger�umtes B�ro, das neben einer gro�en Fensterfront nur noch einen �berquellenden Aktenschrank und einen m�chtigen Schreibtisch aufwies. Hinter diesem Monstrum von M�bel sa� eine ebenfalls nur schemenhaft erkennbare Gestalt.</p><p>�Mister Robert�, sagte Bennet. Er deutete mit einer einladenden Geste auf den einzigen freien Stuhl vor dem Schreibtisch, ging wieder zur T�r und blinzelte mir im Hinausgehen zu. �Ich suche dann schon einmal die Schonbez�ge heraus�, sagte er. �Sagen Sie, John - welche Farbe mag Ihre Frau am liebsten?�</p><p>�Es ist gut, Nelson�, mischte sich eine Stimme aus den Schatten jenseits des Schreibtischs ein. �Ich rufe Sie dann, wenn wir uns handelseinig werden.�</p><p>Bennet ging ohne ein weiteres Wort. Die Gestalt hinter dem Schreibtisch lachte ganz leise, dann beugte sie sich vor - ich war sicher, nicht durch Zufall so, dass ihr Gesicht dabei weiter unsichtbar blieb - und schob mir ein eng maschine-geschriebenes Blatt �ber die Tischplatte zu.</p><p>�Lesen Sie das, Mister Loengard. Oder tun Sie wenigstens so, als ob Sie es lesen.�</p><p>Ich griff gehorsam nach dem Blatt, versuchte aber trotzdem weiter, die Schatten auf der anderen Seite des Raumes mit Blicken zu durchdringen. Meine Augen gew�hnten sich allm�hlich an das Halbdunkel, das hier drinnen herrschte. Die Jalousien waren halb zugezogen, so dass der Gro�teil des Tageslichtes ausgesperrt blieb. Wer immer von drau�en hereinzusehen versuchte, konnte unm�glich die Gesichter der Menschen erkennen, die sich hier drinnen aufhielten.</p><p>�Mister ...?�</p><p>�Robert�, sagte die Gestalt. �Robert reicht vollkommen. Mein Bruder konnte leider nicht pers�nlich kommen, Mister Loengard. Ich hoffe, Sie haben Verst�ndnis daf�r.� Er wedelte mit der Hand. �Lesen Sie den Kaufvertrag, John. Und regen Sie sich ein bisschen auf. Der Preis ist der reine Wucher.�</p><p>Endlich erkannte ich die Stimme. Ich hatte sie unz�hlige Male geh�rt - im Radio, im Fernsehen, aber auch schon wirklich. Robert Kennedy war kein Stammgast im Capitol, aber dann und wann sah man ihn doch. Mein Herz begann zu klopfen, und meine H�nde wurden feucht.</p><p>�Mister Kennedy?� fragte ich fast ehrf�rchtig.</p><p>�Der Besitzer dieses Ladens hei�t tats�chlich Robert�, antwortete Kennedy. �Einer der Gr�nde, aus dem ich diesen Treffpunkt vorgeschlagen habe. Der andere ist nat�rlich Nelson. Der Kerl ist einfach unglaublich!� Er lachte leise, dann f�gte er hinzu: �Glauben Sie es, oder nicht, aber er hat es tats�chlich geschafft, selbst mir einen Wagen anzudrehen. Ich habe meinem Bruder bereits vorgeschlagen, ihn ins Au�enministerium zu berufen. Ich bin sicher, er w�rde den Russen binnen eines Jahres die Rote Armee abschwatzen und sie dazu �berreden, alle ihre ICBMs gegen Toaster und Stereo-Radios einzutauschen. Was sagen Sie zu dem Vertrag?�</p><p>Ich warf tats�chlich einen Blick darauf und stellte fest, dass Kennedy die Wahrheit gesagt hatte: Der Preis war Wucher.</p><p>�Glauben Sie, dass wir beobachtet werden?� fragte ich.</p><p>Kennedy zuckte mit den Schultern und z�ndete sich eine Zigarette an, die er in den Aschenbecher vor sich legte und w�hrend des gesamten �brigen Gespr�chs nicht mehr anr�hrte. �Ehrlich gesagt, nein�, antwortete er. �Aber man kann nicht vorsichtig genug sein. Vor allem nicht nach dem, was Sie zu berichten haben. Das ist unglaublich.�</p><p>�Aber es ist die Wahrheit�, versicherte ich. �Ich wei�, wie meine Geschichte klingen muss, aber ich schw�re Ihnen ...�</p><p>�John!� Kennedy unterbrach mich mit einer Handbewegung. �Ich habe nicht gesagt, dass ich Ihnen nicht glaube. Es f�llt mir schwer, zu glauben, dass so etwas wirklich geschieht, aber das ist etwas anderes.� Er sch�ttelte den Kopf. �Ich muss mich entschuldigen, dass es eine Weile gedauert hat, bis wir uns bei Ihnen melden konnten. Aber Sie werden verstehen, dass wir gewisse ... Nachforschungen anstellen mussten.�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Wir haben einige unserer besten Wissenschaftler auf dieses sonderbare St�ck Metall angesetzt, das Sie meinem Bruder zugespielt haben�, fuhr Kennedy fort. �Nat�rlich sind die Untersuchungen bisher noch nicht abgeschlossen, aber wie es aussieht, kann niemand sagen, woraus das Zeug besteht. Ich wei� nicht, ob es von einem anderen Planeten stammt oder vielleicht aus Russland oder der Mongolei - aber wir haben es nicht hergestellt.�</p><p>�Bach hat ein ganzes Schiff aus diesem Material�, sagte ich. �Und vielleicht nicht nur eines.�</p><p>�Das ist der zweite Punkt�, seufzte Kennedy. �Captain Frank Bach ... Ist Ihnen eigentlich klar, wen Sie da belasten, John? Der Mann ist ein Held. Vorsichtig ausgedr�ckt.�</p><p>�Er ist ein Wahnsinniger�, antwortete ich. �Und er ist ein Verr�ter.�</p><p>�So, wie alle anderen auch, deren Namen auf der Liste stehen, die Sie dem Pr�sidenten zugespielt haben?�</p><p>Kennedys Gesicht blieb im Schatten weiter unsichtbar, aber ich konnte fast k�rperlich sp�ren, wie er mich anstarrte. Mein Herz schlug schneller, und ich konnte pl�tzlich nicht mehr still sitzen und begann unbehaglich auf meinem Stuhl hin und her zu rutschen. Trotzdem nickte ich. �Es ist die Wahrheit.�</p><p>Robert Kennedy schwieg fast zehn Sekunden. Eine Ewigkeit. Dann seufzte er. �Wissen Sie, was das Schlimmste an der ganzen Situation ist, John?� fragte er. �Ich glaube Ihnen.�</p><p>�Sie ...�</p><p>�Ich sagte Ihnen doch: Wir haben gewisse ... Nachforschungen angestellt. Nicht nur, was dieses angebliche UFO-Metall angeht. Nat�rlich konnten wir in der K�rze der Zeit nicht alles �berpr�fen, aber einige Punkte schon. Die Ergebnisse, zu denen wir gekommen sind, sind ... beunruhigend.�</p><p>�Es ist ungeheuerlich�, sagte ich.</p><p>�So kann man es auch ausdr�cken, ja�, pflichtete mir Kennedy bei. �Um so wichtiger ist es, dass wir jetzt richtig reagieren. Mein Bruder hat mich gebeten, mich selbst um die Angelegenheit zu k�mmern, weil er einfach nicht mehr wei�, wem er noch vertrauen kann, und wem nicht. Ehrlich gesagt, geht es mir nicht viel anders. Noch vor einer Woche h�tte ich einem Mann wie Frank Bach mein Leben anvertraut. Johnson, Rockefeller, General Brown ... wie viele m�gen es noch sein?�</p><p>�Ich habe nur die wichtigsten Namen aufgeschrieben, Sir�, antwortete ich. �Ich kann die Liste aus dem Ged�chtnis komplettieren. Nat�rlich kenne ich nicht alle Mitarbeiter von Majestic. Ich bin nur ein kleines R�dchen. Sie hatten mich nur als K�der vorgesehen. Ich glaube nicht, dass sie mir alles erz�hlt haben.�</p><p>�Aber vielleicht werden sie das noch�, sagte Kennedy.</p><p>Es dauerte eine Sekunde, bis ich begriff, was er meinte. �Sir?�</p><p>�Ich wei�, dass Sie raus wollen, John�, fuhr Kennedy fort. �Und ich kann das verstehen - vor allem nach dem, was Ihnen und Ihrer Verlobten zugesto�en ist.�</p><p>Ich starrte ihn an. Von dem Zwischenfall mit Kimberley hatte in meinem Bericht kein Wort gestanden.</p><p>�Aber es geht nicht�, fuhr Kennedy fort. �Noch nicht. Das begreifen Sie doch, oder?�</p><p>�Ehrlich gesagt, nein�, antwortete ich z�gernd - obwohl ich nat�rlich sehr genau verstand, was er meinte.</p><p>�Hier ist weder der richtige Ort, noch haben wir die Zeit, alle Details zu besprechen. Wir werden das in k�rzester Zeit nachholen, das verspreche ich Ihnen. Mein Bruder wird selbst mit Ihnen reden - zusammen mit einigen anderen Leuten, die wir ins Vertrauen ziehen werden. Noch haben wir es nicht getan. Wie gesagt: Wir wissen selbst nicht, wem wir noch trauen k�nnen, und wem nicht. Bisher wissen nur John, ich selbst und ein einziger Eingeweihter von der Geschichte, und ich gebe Ihnen mein Wort, dass wir uns die, die wir noch einweihen werden, sehr, sehr gr�ndlich ansehen. Aber wir brauchen noch ein wenig Zeit. Und wir brauchen Sie, John, und zwar genau dort, wo Sie jetzt sind. Bach vertraut Ihnen.�</p><p>Ich starrte ihn an, und obwohl ich mir M�he gab, mir meine wahren Gef�hle nicht anmerken zu lassen, mussten sie sich wohl recht deutlich auf meinem Gesicht abzeichnen, denn nach ein paar Sekunden seufzte Kennedy tief und f�gte in ver�ndertem Tonfall hinzu: �Ich wei�, was ich Ihnen da zumute, John. Aber Sie sind unglaublich wichtig f�r uns. Wichtiger, als Sie vielleicht selbst ahnen.�</p><p>�Wissen Sie das wirklich?� fragte ich bitter. Gro�er Gott, ich hatte Bach verraten, weil ich aus dieser Geschichte heraus wollte, nicht, um die Fronten zu wechseln und das gleiche, �ble Spiel unter einer anderen Fahne weiterzuspielen!</p><p>�O ja�, antwortete Kennedy. �Auch ich musste schon Dinge tun, die ich nicht wollte. Dinge, f�r die ich mich selbst gehasst habe. Ich bin ganz ehrlich zu Ihnen, John: Wir k�nnten Sie zwingen, weiterzumachen. Sie wissen das. Aber wir werden es nicht tun. Wenn Sie wirklich darauf bestehen, dann werden sich noch heute zwei FBI-Agenten bei Ihnen melden, die Kimberley und Sie wegbringen und Ihnen eine neue Identit�t verschaffen. Ich wei� nicht, ob das reicht, um Sie vor Bach zu sch�tzen, aber was wir tun k�nnen, das werden wir tun.�</p><p>Er legte eine Kunstpause ein.</p><p>�Aber ich bitte Sie, weiterzumachen, John. Wenn das, was Sie uns erz�hlt haben, wirklich wahr ist, dann sollten wir verdammt gut vorbereitet sein, bevor wir gegen Bach und die anderen losschlagen. Von der Bedrohung durch die Grauen und die Ganglions gar nicht zu reden.�</p><p>Das Schlimme war, dass er Recht hatte. Es war ziemlich naiv gewesen, im Ernst anzunehmen, dass es ausreichte, diesen Brief an den Pr�sidenten zu schreiben, um damit ein f�r alle Mal aus der Geschichte raus zu sein.</p><p>Vielleicht w�rde das niemals passieren.</p><p>�Kann ich ... dar�ber nachdenken?� fragte ich z�gernd.</p><p>Ich konnte Kennedys Kopfsch�tteln nicht sehen, aber h�ren. �Ich f�rchte, nein�, sagte er. �Wie ich schon sagte: Unsere Zeit ist sehr knapp. Wir m�ssen schnell handeln, ob mit oder ohne Sie. Aber es w�re mir lieber, mit Ihnen.�</p><p>�Dann bleibt mir wohl keine andere Wahl�, antwortete ich niedergeschlagen.</p><p>�Ich hatte gehofft, dass Sie so antworten�, sagte Kennedy. Die Erleichterung in seiner Stimme klang echt.</p><p>�Und was ... geschieht jetzt?� fragte ich.</p><p>Kennedy deutete lachend auf das Vertragsformular vor mir auf dem Schreibtisch. �Zuallererst werden Sie diesen Vertrag nehmen und damit �u�erst emp�rt aus dem Gesch�ft st�rmen. Und dann warten Sie auf einen Anruf. Er wird heute noch kommen. Sie erfahren dann alles weitere.�</p><p>Ich stand auf, klaubte das Blatt vom Tisch hoch und wartete darauf, dass er noch etwas sagte, aber er schwieg. Nach zwei oder drei Sekunden drehte ich mich herum und ging zur T�r. Als ich sie �ffnete, rief mich Kennedy noch einmal zur�ck. �John.�</p><p>�Sir?�</p><p>�Sie und Kimberley k�nnen aufh�ren, Versteck zu spielen�, sagte er. �Bach l�sst Ihre Wohnung nicht abh�ren.�</p><p>Diesmal versp�rte ich eine ehrliche, tiefe Erleichterung. Aber nur f�r eine Sekunde. Dann fragte ich: �Woher wissen Sie, dass wir Versteck gespielt haben?�</p><p>Kennedy lachte leise. �Weil wir in den vergangenen zehn Tagen Ihre Wohnung abgeh�rt haben, John. Und Ihr Telefon auch.�</p><empty-line/><p>Ich kam an diesem Abend sp�ter nach Hause als gewohnt. Bach rief eine Stunde vor Feierabend im B�ro an und zitierte mich ins Hauptquartier von Majestic; wie sich herausstellte wegen einer Lappalie, die wir ebenso gut am n�chsten Morgen oder auch in einer Woche h�tten kl�ren k�nnen. Aber ich starb tausend Tode, bevor ich Majestic wieder verlie�. Ich war nerv�s, ich verhaspelte mich andauernd, plapperte sinnloses Zeug und stellte mich so ungeschickt an, dass die zwei Stunden, die ich in Bachs N�he verbrachte, ungewollt zugleich zu einer Art Feuerprobe wurden: H�tte Bach auch nur die Spur eines Verdachts gehabt, dann h�tte ich ihm mit meinem Benehmen an diesem Abend den unumst��lichen Beweis geliefert, dass er gerechtfertigt war.</p><p>Es wurde nicht besser, als ich endlich nach Hause fuhr. Ich h�tte erleichtert sein m�ssen, und im Grunde hatte ich das erste Mal seit Wochen einen wirklichen Anlass, ganz beruhigt zu sein, aber das genaue Gegenteil war der Fall.</p><p>Allein die Tatsache, dass ich in der Lage war, den Wagen durch den abendlichen Berufsverkehr Washingtons zu steuern, bewies ja, dass Bach nichts gemerkt hatte; trotzdem sah ich �fter in den R�ckspiegel als auf die Stra�e, und dass ich schlie�lich unbeschadet ankam, das war wohl mehr dem fahrerischen K�nnen und der Reaktionsschnelligkeit der anderen Verkehrsteilnehmer zuzuschreiben.</p><p>Und ich vermutete, dass es Kim nicht anders erging. Wahrscheinlich schlimmer. Ich hatte versucht, ihr eine Nachricht zukommen zu lassen, dass ich sp�ter nach Hause kam, aber keine Gelegenheit dazu gefunden. Ich war seit mehr als zwei Stunden �berf�llig. Kimberley musste H�llenqualen ausstehen.</p><p>Immerhin hatte sie sich gut genug in der Gewalt, um nicht am Fenster zu stehen und ungeduldig auf die Stra�e hinab zu blicken. Und sie kam mir auch nicht an der Wohnungst�r entgegen, als ich das Apartment betrat, obwohl ich ganz sicher war, dass sie seit Stunden nichts anderes getan hatte, als mit angehaltenem Atem auf meine Schritte zu lauschen. Ja, ihre Stimme klang sogar beinahe noch normal, als sie sich mit einer Frage an mich wandte:</p><p>�Hast du ihn gekauft?�</p><p>In der allerersten Sekunde verstand ich nicht einmal wirklich, wovon sie sprach, dann aber sch�ttelte ich den Kopf und sagte: �Es war nicht meine Preisklasse. Und der Verk�ufer hat mich doch ziemlich �berrascht.�</p><p>�Wieso?� Auf Kimberleys Gesicht malte sich ein unausgesprochener Schrecken ab, und ihre Augen wurden ein wenig weiter.</p><p>�Mr. Robert�, sagte ich erkl�rend, w�hrend ich aus dem Mantel schl�pfte und ihn achtlos �ber eine Stuhllehne warf. �Sein voller Name lautet: Robert Kennedy, wei�t du?�</p><p>Kimberley starrte mich fassungslos an, vor allem, als ich fortfuhr:</p><p>�Der Pr�sident hat deine Nachricht erhalten. Sie haben bis jetzt gebraucht, um unsere Geschichte zu �berpr�fen, aber offensichtlich glauben sie uns.� Ich weidete mich noch zwei, drei Sekunden an der Mischung aus fassungsloser Verbl�ffung und noch tieferem Schrecken, die sich allm�hlich auf Kimberleys Z�gen auszubreiten begann, dann sagte ich: �Du brauchst dir keine Sorgen mehr zu machen. Unsere Wohnung wird nicht abgeh�rt.� Das entsprach nicht ganz der Wahrheit, aber ich hatte mich entschieden, Kimberley nichts davon zu sagen, dass jedes Wort, das wir in den vergangenen zwei Wochen gesprochen hatten, belauscht worden war. Nat�rlich konnte ich diese Vorsichtsma�nahme verstehen; ich selbst h�tte vermutlich nicht anders gehandelt, trotzdem: Bei aller Vernunft war ein Rest von Emp�rung geblieben, und sei es nur, weil Kennedys Bemerkung mir klargemacht hatte, wie schmal der Grat war, auf dem wir uns bewegten. Der Unterschied zwischen Gut und B�se war vielleicht nicht so gro�, wie ich bisher immer angenommen hatte. Zumindest bedienten sich beide Seiten der gleichen Mittel.</p><p>Es vergingen einige weitere Sekunden, dann endlich begann sich so etwas wie Erleichterung auf Kims Z�gen breit zu machen. Sie machte eine Bewegung, als wolle sie aufstehen, f�hrte sie aber nicht zu Ende, sondern sank fast kraftlos zur�ck, seufzte tief und schien f�r einen kleinen Moment fast mit den Tr�nen zu k�mpfen. Ich ging rasch zu ihr hin, schloss sie in die Arme und dr�ckte sie an mich, und wir standen eine ganze Weile einfach so da. Ich wei� nicht, wie es Kimberley erging, doch das Gef�hl der Erleichterung, auf das ich den ganzen Tag �ber vergebens gewartet hatte, wollte sich auch jetzt nicht einstellen. Da war eine unsichtbare Zentnerlast, die von mir genommen worden war, doch ich hatte das Gef�hl, als ob sie vielleicht nur gegen etwas anderes, nicht weniger Schweres, eingetauscht worden w�re.</p><p>W�hrend wir einfach so dastanden, uns festhielten und jeder nichts mehr als sch�tzende N�he und Ber�hrung des anderen suchte, fragte ich mich, wie sie reagieren w�rde, wenn ich ihr jetzt von meinem Gespr�ch mit Kennedy berichtete. Ich versp�rte immer noch einen letzten Rest von Entt�uschung. Ganz gleich, wie sehr ich mir auch selbst sagte, dass es naiv gewesen war anzunehmen, wir k�nnten einfach so aus dieser Geschichte wieder aussteigen, so hatte sich dieser Gedanke in den letzten Wochen doch so in mir festgesetzt, dass ich ihm noch immer nachtrauerte.</p><p>Das Telefon klingelte. Kimberley l�ste sich aus meinen Armen und hob ab, wechselte aber nur ein paar Worte und h�ngte dann wieder ein. Ich blickte sie fragend an.</p><p>�Jeanette�, sagte sie. �Eine der Frauen aus dem B�ro.� Sie l�chelte nerv�s. �Nichts Wichtiges ... Hast du einen Anruf erwartet?�</p><p>�Sieht man mir das so deutlich an?�</p><p>�Man vielleicht nicht�, antwortete Kim. �Aber ich.�</p><p>�Kennedy sagte, dass wir einen Anruf bekommen werden�, erwiderte ich. �Heute noch.�</p><p>Kim sah auf die Uhr. �Heute ist fast vorbei. Und jetzt erz�hl mir: Was war los? Wie hat der Pr�sident reagiert?�</p><p>Ich setzte mich, fand wenigstens teilweise zu meiner gewohnten Ruhe zur�ck und begann, ihr von meinem morgendlichen Treffen mit dem Bruder des Pr�sidenten zu berichten. Kimberley h�rte schweigend zu. Sie unterbrach mich kein einziges Mal, aber ihre Gedanken spiegelten sich deutlich auf ihrem Gesicht. Auch sie wirkte erleichtert und auf die gleiche Weise entt�uscht und frustriert wie ich. Sie verlor auch hinterher kein einziges Wort dar�ber, doch mir war klar, dass sie, gegen jede Logik, genau wie ich tief in sich gehofft hatte, dass es irgendwie vorbei sein w�rde.</p><p>�Bist du entt�uscht, dass ich sein Angebot nicht angenommen habe?� fragte ich, als ich zu Ende gekommen war.</p><p>�Sein Angebot?�</p><p>�Uns in Sicherheit zu bringen. Du wei�t, dass das FBI dieses ... Zeugenschutzprogramm hat ...�</p><p>�... das noch nie richtig funktioniert hat�, unterbrach mich Kimberley mit einem Kopfsch�tteln. �Au�erdem will ich nicht den Rest meines Lebens auf der Flucht verbringen.� Sie l�chelte, nicht ganz �berzeugend, aber ich sp�rte den guten Willen dahinter, griff �ber den Tisch nach meiner Hand und f�gte etwas leiser hinzu: �Wir stehen das durch. Immerhin haben wir den m�chtigsten Mann der Welt auf unserer Seite. Was soll uns da schon passieren?�</p><p>Ich schwieg. Ihre Worte klangen zu �berzeugend, und der Wunsch darin zu verzweifelt, als dass ich es fertig brachte, ihr zu widersprechen, aber ich war nicht mehr sicher, ob John F. Kennedy wirklich der m�chtigste Mann der Welt war. Vielleicht war auch er letzten Endes nur eine Marionette, die nicht einmal sp�rte, dass sie an F�den hing, an denen andere zogen.</p><p>Ich wollte etwas sagen, aber Kimberley brachte mich mit einer raschen Handbewegung zum Schweigen, stand auf und ging in die K�che. Ich h�rte sie eine Weile mit Gl�sern hantieren, dann kam sie zur�ck und reichte mir eine Flasche Sekt.</p><p>�Haben wir einen Grund zum Feiern?� fragte ich, w�hrend ich bereits begann, den Korken zu �ffnen.</p><p>�Und ob�, antwortete Kimberley aufger�umt - eine Spur zu fr�hlich, wie ich meinte. �Ich wei� nicht, wie lange ich es noch durchgehalten h�tte, mir jedes Wort �berlegen zu m�ssen, das ich ausspreche. Die letzten beiden Wochen waren ...�</p><p>Sie sprach nicht weiter, aber ich wusste, was sie meinte. Ich musste es ihr sagen. Vermutlich lief auch jetzt irgendwo, nicht weit entfernt von hier, ein Tonbandger�t, auf dem jedes einzelne Wort, das wir sprachen, jeder Laut, den wir verursachten, aufgezeichnet wurde. Und erst in diesem Moment wurde mir wirklich klar, wie klein der Unterschied war. Es spielte gar keine Rolle, ob diejenigen, die uns belauschten, uns wohlgesonnen waren oder unsere Feinde. Es waren Fremde, die in unser intimstes Privatleben eindrangen, das allein z�hlte. Ich setzte dazu an, ihr endlich die ganze Wahrheit zu sagen - aber dann sah ich in ihr Gesicht, und was ich darin erblickte, das lie� mich alles andere schlagartig vergessen.</p><p>Kimberley hatte die beiden Gl�ser auf den Tisch gestellt und die Hand ausgestreckt, um sich einen Stuhl heranzuziehen, aber sie war pl�tzlich und mitten in der Bewegung wie erstarrt. Auf ihrem Gesicht lag ein Ausdruck abgrundtiefen Schreckens und ihre Augen waren weit und fast schwarz vor Furcht. Sie atmete nicht.</p><p>Ich sprang auf und stellte die Sektflasche auf den Tisch. Der Korken flog mit einem Knall heraus, gefolgt von einem sprudelnden Sekt-Geysir, aber ich bemerkte es nicht einmal. �Kim! Was ist los mit dir?�</p><p>Kimberley begann zu zittern. Sie stand immer noch in der gleichen, fast grotesken, erstarrten Haltung da, aber ihre H�nde und Knie zitterten immer st�rker, ihre Lippen bebten, und der Ausdruck von Angst in ihren Augen wurde zu etwas anderem, Schlimmerem.</p><empty-line/><p>�Pratt�, fl�sterte sie. �Es ist ... Pratt.�</p><p>�Was?� fragte ich verwirrt.</p><p>�Er ist ... hier.�</p><p>Ich trat auf sie zu, streckte die H�nde aus, um sie in die Arme zu schlie�en, aber ich f�hrte die Bewegung nicht zu Ende. �Pratt ist tot, Kim�, sagte ich. �Er kann nicht hier sein.�</p><p>�Ich sp�re ihn�, fl�sterte sie. �Er ...�</p><p>Jemand klopfte gegen die T�r. Ein lautes, herrisches Ger�usch, dem nach einer Sekunde ein zweites, fordernderes Klopfen folgte. Kimberley taumelte einen halben Schritt zur�ck, unterdr�ckte im letzten Moment einen Schrei und schlug die Hand vor den Mund, und auch ich sp�rte, wie mich ein eisiger Schrecken durchfuhr. Hastig fuhr ich auf dem Absatz herum und starrte die T�r an.</p><p>�Mach nicht auf�, fl�sterte Kimberley. �Er ist es.�</p><p>�Unsinn�, antwortete ich. Nat�rlich war es Unsinn. Mein Verstand und meine Logik sagten mir, dass es nicht Pratt sein konnte - und doch: F�r einen Moment war auch ich felsenfest davon �berzeugt, dass etwas Schreckliches passieren w�rde, wenn ich die T�r �ffnete. Dann verscheuchte ich den Gedanken, wandte mich noch einmal zu Kim um, machte eine beruhigende Geste und ging langsam zur T�r.</p><p>Mein Herz klopfte, als ich den Knauf herumdrehte und sie �ffnete. Aber drau�en stand nicht der Geist des verstorbenen Congressmans, sondern niemand anderes als Steel. Er hatte gerade die Hand gehoben, um zum dritten Mal zu klopfen, als ich die T�r �ffnete. Und ich las in seinen Augen, dass er sich nur noch mit aller M�he beherrschte, um nicht so zu tun, als h�tte er zu sp�t reagiert und mir kr�ftig mit der Faust auf die Nase zu schlagen.</p><p>�Na, das wurde ja auch Zeit�, sagte er. Ein h�misches Grinsen breitete sich auf seinen Z�gen aus. �Komme ich gerade unpassend?�</p><p>�Du kommst immer unpassend�, antwortete ich. �Was ist los?�</p><p>�Ich soll euch abholen.� Steel versuchte, an mir vorbei einen Blick in die Wohnung zu werfen, aber ich trat rasch ein kleines St�ck zur Seite. Es war nicht n�tig, dass er Kimberley in ihrem momentanen Zustand sah.</p><p>�Uns?�</p><p>Steel zuckte mit den Achseln und trat einen halben Schritt zur�ck. �Dich und deine Kleine�, best�tigte er. �Bach will euch sehen.�</p><p>�Wieso?� fragte ich misstrauisch. �Ich war doch gerade erst bei ihm.�</p><p>Steel hob abermals die Schultern. �Frag mich nicht�, erwiderte er. �Ich soll euch abholen.� Nach einer winzigen Pause und in leicht ver�ndertem Ton f�gte er noch hinzu: �Und er hat noch gesagt, dass ich keine Ausrede gelten lassen soll. Er will euch beide sehen. Sofort.�</p><p>Meine Gedanken begannen zu rasen. Hatte ich mich zu sicher gef�hlt? Was, wenn Bach doch alles wusste? �Es ist ... im Moment nicht so passend�, sagte ich z�gernd. �Warum wartest du nicht einen Moment hier drau�en und ich rufe ihn an und ...�</p><p>�Er hat gesagt, ich soll euch zu ihm bringen�, unterbrach mich Steel kopfsch�ttelnd. �Keine Anrufe. Das Telefon ist nicht sicher.� Er grinste. �Du wei�t ja: Man wei� nie, wer so alles mith�rt.�</p><p>Ich sp�rte selbst, dass ich mich nicht mehr ganz in der Gewalt hatte. Ich fuhr sichtbar zusammen und vermutlich entgleisten auch meine Z�ge f�r einen Moment, denn Steels Grinsen wurde noch breiter und war jetzt eindeutig schadenfroh.</p><p>�Ich kann ihm nat�rlich sagen, dass du dich geweigert hast, mitzukommen�, sagte er feixend. �Allerdings m�chte ich dann nicht in deiner Haut stecken. Ich wei� ja nicht, was los ist, aber er hat nicht unbedingt die beste Laune.�</p><p>Ich starrte ihn noch eine Sekunde lang an, dann trat ich wieder ganz in die Wohnung zur�ck, machte aber eine abwehrende Bewegung, als Steel mir folgen wollte. �Also gut�, sagte ich. �Wir brauchen zehn Minuten.�</p><p>�Bach wird ...�</p><p>�So viel Zeit wird er schon haben�, fuhr ich mit leicht erhobener Stimme fort. �Warte unten im Wagen. Wir sind gleich da.� Ich schloss die T�r, noch bevor er Gelegenheit fand, erneut zu widersprechen, legte - ganz instinktiv und eigentlich, ohne selbst genau zu wissen, warum - die Kette vor und wandte mich wieder an Kimberley. Sie hatte nat�rlich gesehen, wer an der T�r stand und auch jedes Wort geh�rt, trotzdem sagte ich: �Es war nur Steel.�</p><p>Kim hatte sich mittlerweile einigerma�en beruhigt. Sie zitterte nicht mehr wie Espenlaub, aber sie war immer noch kreidebleich und in ihren Augen stand immer noch dieses Entsetzen geschrieben, das ich nicht verstand, das aber auch mich zutiefst erschreckte.</p><p>�Steel?� murmelte sie.</p><p>Ich ging zu ihr, legte ihr beruhigend die Hand auf den Unterarm und f�hlte selbst durch den Stoff der Bluse hindurch, wie ihr Puls immer noch raste. Das war keine eingebildete Furcht, kein Schrecken, der aus einem Missverst�ndnis oder einem Irrtum entstanden war. Sie hatte Todesangst!</p><p>�Was ist los mit dir?� fragte ich beunruhigt.</p><p>Kim sah mich an, aber ihr Blick schien geradewegs durch mich hindurch zu gehen, war auf einen Punkt im Nichts oder in der Vergangenheit gerichtet, an dem er etwas durch und durch Grauenerweckendes sah. �Ich erinnere mich jetzt�, sagte sie.</p><p>�Woran?�</p><p>�Es war in der Nacht, in der wir uns gestritten hatten�, antwortete sie. �An dem Abend, als Walt starb. Du warst weggegangen und ich dachte, es w�re eine andere Frau oder vielleicht ... irgendetwas anderes.�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich. �Und es war mein Fehler. Ich h�tte dir viel fr�her sagen m�ssen, was ...�</p><p>Sie h�rte mir gar nicht zu, sondern fuhr, immer noch leise, fast fl�sternd, aber mit bebender Stimme und ins Leere gerichtetem Blick fort: �Ich war so ungl�cklich. Ich dachte, es w�re meine Schuld. Und so zornig. Auf dich, auf mich und auf die ganze Welt. Und dann sind sie gekommen.�</p><p>�Sie? Wen meinst du mit sie?�</p><p>�Diese ... Wesen�, fl�sterte Kim.</p><p>Es dauerte eine Sekunde, bis ich �berhaupt begriff. Auch das war etwas, das ich h�tte wissen m�ssen - nein, was ich tief in mir gewusst hatte - aber einfach verdr�ngt hatte.</p><p>�Die Grauen?�</p><p>�Sie waren furchtbar�, antwortete Kim. �Da war pl�tzlich dieses Licht. Das Fenster flog auf. Ich dachte, es w�re die Katze vom Nachbarn und wollte es schlie�en, aber dann ... dann war da pl�tzlich dieses Licht. Es war unvorstellbar hell. Es tat weh. Pl�tzlich waren sie da. Zwei ... Kreaturen.�</p><p>�Sie waren hier?� fragte ich ungl�ubig. �Hier in unserer Wohnung?�</p><p>�Sie traten aus dem Licht heraus�, fl�sterte Kim. �Ihre Augen ... Sie hatten furchtbare Augen. Schwarz und so voller Bosheit, so viel Hass. Sie haben ... irgendetwas mit mir getan. Da war eine Fl�ssigkeit, ein grauer Schleim. Ich wollte weglaufen, aber ich konnte mich nicht r�hren, und er h�llte mich v�llig ein. Es tat weh. Und dann war ich ... an einem anderen Ort.�</p><p>�Ein anderer Ort? Was f�r ein anderer Ort?�</p><p>�Ich erinnere mich nicht�, sagte Kim. �Aber er war gro� und dunkel. Da waren viele von ihnen. Diese Wesen und ... andere Gesch�pfe. Sie taten etwas mit mir.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte sie. �Aber es tat weh und ich hatte so furchtbare Angst. Ich konnte mich nicht bewegen, konnte nicht einmal schreien.�</p><p>Ich schloss sie in die Arme, dr�ckte sie fest an mich. Sie zitterte wieder am ganzen Leib. Ihr Atem ging schnell und ihr Herz h�mmerte so laut, als wollte es zerspringen. �O Liebling, es tut mir so leid�, fl�sterte ich. �Du musst in ihrem Schiff gewesen sein. Warum war ich nicht hier, um dir zu helfen?�</p><p>�Ich habe es vergessen�, murmelte Kimberley. �Es ... es war so furchtbar, aber ich, ich habe es einfach vergessen. Bis jetzt.�</p><p>Ich l�ste mich langsam von ihr, schob sie ein ganz kleines St�ck von mir fort und sah zur T�r. Da war pl�tzlich ein Gedanke hinter meiner Stirn, der so grotesk schien, dass ich ihn im ersten Moment einfach von mir schob.</p><p>�Als Pratt dann kam�, fuhr Kim nach vielen, vielen Sekunden voller lastender Stille fort, �da war es genauso. Ich ... ich konnte das Ding sp�ren, das in ihm war. Ich konnte f�hlen, dass sie es waren.�</p><p>Ich war nicht einmal �berrascht. Auch ich hatte - obwohl ich nur die toten Grauen gesehen hatte - dasselbe, unheimliche Empfinden gehabt, wenn auch vermutlich nicht ann�hernd so stark wie sie. Die Fremdartigkeit dieser Gesch�pfe war so total, dass vielleicht schon ihre blo�e N�he einem Menschen Unbehagen bereitete. �Und jetzt gerade ...�, murmelte ich.</p><p>�... war es genauso�, sagte Kimberley. Sie sah mich an. Die Furcht in ihren Augen erlosch nicht, aber sie �nderte sich. Es war jetzt nicht mehr dieses absolute Grauen, dass ich gerade darin gelesen hatte, sondern ganz normale, wenn auch sehr tief empfundene Angst. �Er geh�rt zu ihnen, John�, sagte sie.</p><p>�Steel?�</p><p>�Ich wei� es�, beharrte Kimberley. �Er geh�rt zu ihnen. Ich kann es sp�ren, genau wie bei Pratt.�</p><p>Tief in mir sp�rte ich, dass sie Recht hatte. Trotzdem weigerte ich mich f�r einen Moment immer noch, ihr zu glauben. Nicht, weil ich es nicht konnte, sondern weil ich es einfach nicht wollte.</p><p>�Wir d�rfen nicht mit ihm gehen�, sagte Kim. �Er ... wird uns nicht zu Bach bringen. Er ...�</p><p>Ich brachte sie mit einer beruhigenden Geste zum Schweigen, versuchte - vermutlich vergebens - so etwas wie Ruhe und Selbstbewusstsein auf mein Gesicht zu zwingen und deutete zum Telefon. �Ich rufe Bach an�, sagte ich. �Es dauert zwei Minuten und ich wei�, ob er Steel geschickt hat oder nicht.�</p><p>Kimberley widersprach nicht. Meine Idee begeisterte sie nicht, das sah ich ihr an, aber sie sagte nichts, sondern sah mir nur schweigend zu, w�hrend ich mit raschen Schritten zum Telefon ging und Bachs Nummer w�hlte. Er hob so schnell ab, als h�tte er mit dem Finger auf der Gabel auf meinen Anruf gewartet.</p><p>�Ja?�</p><p>�Loengard�, meldete ich mich. �Captain Bach, was ...�</p><p>�Ich sagte kein Telefon�, unterbrach mich Bach scharf. Es musste wohl so sein, wie Steel behauptet hatte: Seine Stimme klang, als w�re er �belster Laune. �Hat Steel Ihnen das nicht gesagt?�</p><p>�Doch�, erwiderte ich. �Aber er hat nicht gesagt, warum wir zu Ihnen kommen sollen. Es ist mitten in der Nacht.�</p><p>�Das wei� ich selber�, erwiderte Bach unfreundlich. �Ich habe etwas mit Ihnen zu besprechen. Mit Ihnen beiden. Es ist wichtig. Aber nicht am Telefon.�</p><p>�Also gut�, seufzte ich. �Wir kommen.� Ich h�ngte ein und wandte mich wieder zu Kim um. �Bach hat ihn geschickt�, sagte ich. �Du brauchst dich nicht aufzuregen.�</p><p>Meine Worte beruhigten sie nicht. Ganz im Gegenteil. Sie wirkte noch nerv�ser als zuvor. Bevor ich weiterreden konnte, klopfte es erneut an der T�r. Ich gestikulierte ihr hastig zu, still zu sein, ging hin und rief durch das Holz hindurch und ohne die T�r zu �ffnen: �Ja, verdammt. Ich sagte: zehn Minuten.�</p><p>�Ich an deiner Stelle w�rde mich beeilen, Jonny-Boy�, antwortete Steel h�misch. �Der Captain hat gesagt, dass ich euch n�tigenfalls auch mit Gewalt mitbringen soll. Gibst du mir einen Grund, es zu tun?�</p><p>W�tend zog ich die Kette zur�ck, riss die T�r auf und trat herausfordernd einen Schritt auf Steel zu. Er r�hrte sich nicht. Grinsend und mit in die H�ften gestemmten H�nden stand er da und sah mir entgegen, und ich las in seinen Augen, dass er tats�chlich nur auf eine Gelegenheit wartete, auf mich loszugehen.</p><p>�Also gut�, sagte ich. �Wir kommen mit. Aber ich warne dich: Wenn es nicht wirklich so ist, wie du gesagt hast, m�chte ich nicht in deiner Haut stecken.�</p><p>Steels Antwort bestand nur in einem noch breiteren, h�mischen Grinsen. Als ich die T�r diesmal wieder schlie�en wollte, machte er einen schnellen Schritt und stellte den Fu� dazwischen. Ich starrte ihn noch eine Sekunde lang w�tend an, aber ich gab ihm nicht die Genugtuung, wirklich die Beherrschung zu verlieren, sondern drehte mich nur mit einem Ruck um und ging zu dem Stuhl, �ber den ich vor kaum einer Viertelstunde meinen Mantel geworfen hatte.</p><p>Auch Kimberley hatte sich gerade ihre Jacke geholt, doch als sie zur T�r gehen wollte, klingelte das Telefon erneut. Sie hob ab, meldete sich und lauschte einige Sekunden wortlos. Ich stellte mich so hin, dass Steel ihr Gesicht nicht sehen konnte, beobachtete sie aber sehr aufmerksam. Ich sah, dass sie erschrocken zusammenfuhr und sich auf die Lippen biss, doch sie sagte immer noch nichts, sondern nickte nach einigen Sekunden und sagte schlie�lich: �Ja. Ich habe verstanden. �bermorgen dann.�</p><p>Sie h�ngte gru�los ein, drehte sich zu mir herum und lie� ihre Handtasche fallen, als sie genau neben mir war. Wir b�ckten uns beide gleichzeitig danach, so hastig, dass wir fast mit den K�pfen zusammengesto�en w�ren, und w�hrend wir f�r eine halbe Sekunde ganz dicht beieinander waren, fl�sterte sie:</p><p>�Das war Mr. Robert. Wir m�ssen verschwinden. Bach wei� alles.�</p><p>Ich konnte sp�ren, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich. Kimberley stand mit einer flie�enden Bewegung wieder auf, aber ich blieb noch einen kurzen Moment erstarrt und reglos hocken, ehe ich mich ungeschickt ebenfalls aufrichtete und sehr viel langsamer zu Steel herumdrehte, als notwendig gewesen w�re.</p><p>Er betrachtete Kimberley und mich weiter mit h�mischem Blick und aus Augen, in denen eine boshafte Vorfreude loderte. Diesmal war ich sicher, mich nicht zu t�uschen.</p><p>Vielleicht hatte ich mich nie in ihm get�uscht. Vielleicht war das Unbehagen, das ich in seiner N�he sp�rte, gar nicht darin begr�ndet, dass ich Steel einfach nicht leiden konnte. Vielleicht hatte es einen ganz anderen, viel schlimmeren Grund.</p><p>Meine Gedanken rasten, w�hrend wir die Wohnung verlie�en und Kimberley sorgsam hinter sich abschloss. Wir mussten weg. Ich musste handeln. Jetzt, sofort, hier! Steel war garantiert nicht allein gekommen. Ich war lange genug bei Majestic um zu wissen, wie Bachs Agenten vorgingen. Unten vor dem Haus w�rde ein Wagen mit mindestens zwei weiteren M�nnern warten, und mit gro�er Wahrscheinlichkeit stand ein weiterer Trupp vor der Hintert�r, falls wir auf diesem Wege zu entkommen versuchten.</p><p>Aber ich wusste auch, dass ich es nicht allein mit Steel aufnehmen konnte. Er war nicht nur ohnehin st�rker und brutaler als ich, er war noch dazu von einem Ganglion besessen, und ich hatte bereits zweimal am eigenen Leibe gesp�rt, welch �bermenschliche Kr�fte die Wirte dieser au�erirdischen Parasiten zu entfesseln in der Lage waren. Und ich war nicht einmal bewaffnet.</p><p>�Hast du die Wagenschl�ssel?� fragte ich, w�hrend ich neben Kim und vor Steel die Treppe hinunterging. Kimberley nickte, und Steel sagte:</p><p>�Die braucht ihr nicht. Ihr fahrt mit uns.�</p><p>Ich blieb stehen und sah zu ihm hoch. �Uns?�</p><p>Wenn Steel seinen Versprecher bedauerte, dann verbarg er es gut. Er zuckte nur mit den Schultern, deutete nach unten und machte eine einladende Geste, weiterzugehen, und ich griff nach seiner ausgestreckten Hand, riss mit aller Kraft daran und warf ihn die Treppe hinunter.</p><p>Steels �bermenschliche Kraft nutzte ihm nichts. Er reagierte blitzschnell und riss sich los, aber seine wedelnden Arme griffen ins Leere. Er schlug einen grotesken halben Salto, prallte mit furchtbarer Wucht auf die Stufen und schlitterte hilflos und ohne auch nur den mindesten Laut von sich zu geben, bis zum n�chsten Treppenabsatz hinab. Sofort setzte ich ihm nach. Steel reagierte so, wie ich es bef�rchtet hatte: Er zeigte keine Spur von Schmerz oder Benommenheit, sondern stemmte sich sofort wieder in die H�he, aber ich war bereits bei ihm. Als Steel noch im Aufstehen die Arme in die H�he riss, um den erwarteten Schlag abzufangen, trat ich ihm mit aller Macht gegen die Brust. Er wurde in die H�he katapultiert, prallte gegen die Wand und war f�r einen kurzen Moment nun doch benommen; vielleicht auch nur �berrascht. Ich gab ihm keine Gelegenheit, seine �berraschung zu �berwinden, sondern setzte ihm abermals nach, boxte ihm zwei-, dreimal mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, in den Magen und riss das Knie hoch, als er sich kr�mmte.</p><p>Meine Kniescheibe traf ihn genau unter das Kinn und das war selbst f�r ihn zu viel. Steel verdrehte die Augen, lie� ein sonderbares, seufzendes Ger�usch h�ren und kippte bewusstlos zur Seite.</p><p>Kimberley wollte weiterlaufen, aber ich sch�ttelte den Kopf. �Warte. Hilf mir.�</p><p>Mit vereinten Kr�ften drehten wir Steel auf den R�cken. Ich griff unter seine Jacke, nahm seine Waffe an mich und gab Kim dann mit Gesten zu verstehen, mir dabei zu helfen, ihm den Mantel auszuziehen.</p><p>�Was hast du vor?� fragte sie verwirrt.</p><p>�Unten vor der T�r warten garantiert noch mehr M�nner�, sagte ich. �Wir brauchen eine Tarnung.�</p><p>Kimberley half mir, aber sie sah mich mit wachsender Verwirrung an, w�hrend ich Steel den Mantel auszog, mich aufrichtete und in ihr auffordernd hinhielt. �Das ist nicht dein ernst�, sagte sie.</p><p>�Ich wei�, es ist l�cherlich, aber es kann funktionieren�, antwortete ich ungeduldig. �Setz seinen Hut auf. Und geh genau hinter mir. Der Wagen steht direkt vor der T�r. Wenn sie f�r zwei oder drei Sekunden darauf hereinfallen, haben wir eine Chance.�</p><p>Kimberley sah mich auf eine Art an, als zweifle sie an meinem Verstand, schl�pfte aber trotzdem gehorsam in den Mantel und b�ckte sich nach dem schwarzen Hut, den Steel getragen hatte. Mit einiger M�he gelang es ihr, ihr blondes Haar darunter zu verbergen. Ich nahm ihre Handtasche an mich, stopfte sie unter meine Jacke und reichte ihr Steels Pistole. Kimberley riss die Augen auf.</p><p>�Was soll ich damit?�</p><p>�Sie mir in den R�cken dr�cken�, antwortete ich. �Unauff�llig, aber so, dass sie es sehen k�nnen.�</p><p>�Das ist Wahnsinn�, murmelte Kim.</p><p>�Ich wei߫, antwortete ich. �Wir m�ssen schnell sein. Sobald ich zu rennen beginne, l�ufst du zum Wagen. Wenn mir etwas passiert, verschwindest du.� Ich hob die Stimme, als sie antworten wollte. �Keine Widerrede! Es nutzt weder dir noch mir, wenn sie uns beide kriegen.� Ich deutete auf Steel. �Komm jetzt, bevor er wach wird.�</p><p>Wir gingen weiter, blieben aber vor der Haust�r noch einmal stehen. Ich versuchte, einen Blick durch das Glas auf die Stra�e hinaus zu werfen, aber die eingeschaltete Treppenhausbeleuchtung und die Dunkelheit drau�en verwandelten es in einen Spiegel, auf dem ich nur unsere eigenen, verzerrten Schatten sah. Immerhin glaubte ich, einen Schemen wahrzunehmen, der sich auf der anderen Stra�enseite bewegte. �Bist du so weit?� fragte ich. Ich konnte h�ren, wie sie den Kopf sch�ttelte.</p><p>�Nein, aber wir m�ssen es wohl trotzdem tun.�</p><p>Die Angst war fast v�llig aus ihrer Stimme verschwunden. Sie klang angespannt, aber nicht einmal sehr nerv�s und wieder sp�rte ich f�r einen winzigen Moment so etwas wie Bewunderung f�r ihre Kaltbl�tigkeit. Ich selbst starb innerlich fast vor Angst. Unser Plan war kein Plan, sondern einfach grotesk. Trotz der Dunkelheit drau�en w�rde Kims Verkleidung allerh�chstens zwei oder drei Sekunden vorhalten. Aber diese Zeit musste eben reichen!</p><p>Ich �ffnete die T�r, trat langsamer als notwendig hinaus und sah mich rasch nach beiden Seiten um. Vielleicht hatten wir doch Gl�ck. Der Wagen war da, wie ich erwartet hatte, aber er parkte nicht unmittelbar vor dem Haus, sondern auf der gegen�berliegenden Stra�enseite. Die Gesichter der beiden M�nner darin waren als helle Flecken in unsere Richtung gewandt, aber sie w�rden Zeit brauchen, um uns zu erkennen. Zeit, um zu reagieren und vor allem Zeit, um auszusteigen. Vielleicht nur einige Sekunden, doch unser eigener Chevy stand kaum zehn Meter entfernt, und ich hatte den Wagenschl�ssel bereits in der Hand. Etwas Hartes ber�hrte mich im R�cken und versetzte mir einen sachten Sto�, der mich einen halben Schritt weit aus der T�r stolpern lie�; Steels Pistole, die Kim mir zwischen die Schulterbl�tter dr�ckte.</p><p>Ich machte eine Bewegung, die die M�nner dr�ben im Wagen glauben lassen sollte, dass ich Steel einen w�tenden Blick zuwarf, trat zwei, drei Schritte weit auf den B�rgersteig hinaus - und fuhr dann herum. Pl�tzlich ging alles rasend schnell.</p><p>Kim und ich rannten im gleichen Moment los, in dem die T�ren des schwarzen Wagens auf der anderen Stra�enseite aufflogen. Die zehn Meter bis zum Chevy schienen zur Ewigkeit zu werden, und die halbe Sekunde, die ich brauchte, um die T�r zu �ffnen und mich hinter das Lenkrad zu werfen, zu einer Stunde. Hastig beugte ich mich �ber den Beifahrersitz, �ffnete die T�r und versuchte den Schl�ssel ins Schloss zu rammen, noch w�hrend ich mich aufrichtete. Meine H�nde zitterten. Ich verlor eine weitere, kostbare halbe Sekunde und h�tte den Schl�ssel um ein Haar fallen gelassen.</p><p>Kim warf sich neben mich auf den Sitz, zog die T�r zu und dr�ckte den Knopf herunter und ich bekam endlich den Schl�ssel ins Schloss. Der Motor sprang auf Anhieb an, aber ich war so aufgeregt, dass mein Fu� von der Kupplung rutschte und ich ihn abw�rgte. W�hrend ich den Schl�ssel fluchend zur�ck und wieder vor drehte und auf das Mahlen des Anlassers lauschte, warf ich einen Blick in den R�ckspiegel und sah zwei Gestalten auf uns zu hetzen, und im gleichen Moment flog auch die Haust�r auf, und eine dritte Gestalt taumelte heraus. Steel!</p><p>Der Motor sprang endlich an. Ich setzte mit durchdrehenden Reifen ein St�ck zur�ck, um aus der Parkl�cke herauszukommen, rammte den Gang herein und gab wieder Gas. Zu viel. Die Reifen drehten durch und der Wagen kam kaum von der Stelle. Jemand begann w�tend an der Beifahrert�r zu r�tteln. Faustschl�ge trafen das Dach und pl�tzlich erschien Steels Gestalt wie aus dem Nichts unmittelbar vor dem K�hler. Ich reagierte ganz instinktiv. Trotz allem wollte ich Steel nicht t�ten, ebenso wenig wie die beiden anderen M�nner, die mittlerweile lauthals fluchend und mit aller Kraft an beiden T�ren des Wagens r�ttelten. Ich rammte den R�ckw�rtsgang wieder herein, lie� den Wagen zwei Meter nach hinten schie�en, und die beiden Agenten brachten sich hastig in Sicherheit, um nicht von den F��en gerissen zu werden.</p><p>Etwas krachte. Ein harter Schlag lie� den Chevy erbeben, als ich gegen den hinter uns geparkten Wagen krachte und um ein Haar den Motor erneut abgew�rgt h�tte. Mit fahrigen Bewegungen legte ich den ersten Gang wieder ein, trat Kupplung und Gas gleichzeitig durch und starrte Steel an, der breitbeinig unmittelbar vor uns stand.</p><p>�Ich habe dich gewarnt, Jonny-Boy!� schrie er. �Aber du wolltest es ja nicht anders!� Er griff unter die Jacke. Kim hielt die Pistole, die ich ihm abgenommen hatte, immer noch in der rechten Hand, trotzdem waren seine H�nde nicht leer, als sie wieder zum Vorschein kamen, sondern hielten eine zweite Waffe, mit der er in aller Ruhe auf mich anlegte.</p><p>�John!� schrie Kim.</p><p>Ich wusste, dass er schie�en w�rde. Ich konnte es in seinen Augen lesen. Und es war nicht das Ding in ihm, das ihn dazu brachte. Es spielte keine Rolle, ob ich Steel oder dem Ganglion gegen�berstand - jeder der beiden hatte nur auf einen Vorwand gewartet.</p><empty-line/><p>Die Zeit schien stehen zu bleiben. Ich konnte sehen, wie Steel die Waffe sorgf�ltig auf mein Gesicht richtete und sich sein Zeigefinger dem Abzug n�herte. Die Situation kam mir ... unwirklich vor. Eine Szene aus einem Alptraum, erschreckend und grotesk zugleich. Mein Leben war schon vor Monaten zu einer Achterbahnfahrt geworden, in der Tod und Gewalt eine weitaus gr��ere Rolle spielten, als ich bis jetzt hatte wahrhaben wollen. Und trotzdem erschien es mir in diesem Moment einfach absurd, dass Steel mich t�ten w�rde. Dann schrie Kim ein zweites Mal und noch gellender auf, und ich reagierte endlich. Im gleichen Sekundenbruchteil, in dem Steel den Abzug durchdr�ckte, lie� ich die Kupplung springen und riss das Lenkrad nach rechts. Der Wagen schoss mit qualmenden Reifen auf Steel zu. Die Kugel prallte gegen den Fensterrahmen neben meinem Gesicht und flog Funken spr�hend davon, und ich trat das Gaspedal noch weiter durch und kurbelte gleichzeitig verzweifelt am Lenkrad. Steel machte eine unglaublich schnelle Bewegung zur Seite, um dem Chevy auszuweichen. Er schaffte es nicht. Der Kotfl�gel des Wagens traf ihn mit einem dumpfen Ger�usch, riss ihn von den F��en und schleuderte ihn in die Luft.</p><p>Steels Waffe flog davon. Mit wirbelnden Armen prallte er auf die Motorhaube und rutschte ein St�ck darauf empor. Der Anprall h�tte jeden normalen Menschen get�tet oder zumindest so schwer verletzt, dass er das Bewusstsein verloren h�tte, Steel nicht. Im Gegenteil: Er klammerte sich mit aller Kraft fest und schaffte es sogar irgendwie, nicht abgesch�ttelt zu werden, als ich das Lenkrad mit einem Ruck in die entgegengesetzte Richtung riss und der Wagen kreischend �ber die Stra�e schlingerte.</p><p>�Gib auf!� br�llte er. �Du hast keine Chance, Jonny-Boy! Wir kriegen dich!�</p><p>�John!� schrie Kim. �Tu etwas!�</p><p>Ich riss das Lenkrad wieder nach rechts, trat hart auf die Bremse und gab fast gleichzeitig wieder Gas, doch Steel lie� seinen Halt nicht los. Er wurde hin und her geschleudert, aber er klammerte sich mit einer Hand weiter fest, w�hrend seine linke Faust auf die Windschutzscheibe einzuschlagen begann. Das Glas hielt den Schl�gen stand, aber ich wusste nicht, wie lange. Steels Kn�chel platzten auf; Blut lief �ber die Scheibe, aber er schlug und drosch weiter darauf ein, als sp�rte er den Schmerz gar nicht.</p><p>Ein schrilles Hupen erklang. Ein Scheinwerferpaar huschte an uns vorbei, und ich h�rte Bremsen hinter mir quietschen, dann Metall kreischen. Wir fuhren immer schneller, doch ich war so gut wie blind. Ich sah nur Steels Gesicht, das riesig und wutverzerrt vor mir die ganze Windschutzscheibe auszuf�llen schien, und seine Faust, die immer und immer wieder auf das Glas krachte. Er schrie ununterbrochen:</p><p>�Wir kriegen dich!�</p><p>�John!� schrie Kim. Sie hob die Pistole.</p><p>�Nein!� br�llte ich. Gleichzeitig trat ich hart auf die Bremse und riss das Steuer mit einem Ruck so weit nach rechts, wie ich konnte. Steel wurde herumgewirbelt. Seine rechte Hand verlor ihren Halt. Ich sah, wie er �ber die Motorhaube nach vorne zu rutschen begann - und in diesem Moment prallte der Chevy mit beiden Vorderr�dern gegen den B�rgersteig und machte einen gewaltigen Satz. Steel wurde zum zweiten Mal binnen weniger Augenblicke in die Luft gewirbelt, und als er zur�ckfiel, prallte sein Gesicht mit grausamer Wucht gegen den Fensterholm; genau dort, wo drei�ig Sekunden zuvor seine Kugel abgeprallt war.</p><p>Ein furchtbarer, knirschender Laut erscholl. Die Windschutzscheibe war pl�tzlich voller Blut, und ich sah nur noch, wie Steels K�rper wie eine lebensgro�e Gliederpuppe davonwirbelte und meterweit entfernt auf den Asphalt fiel.</p><p>Der Motor ging aus. Instinktiv streckte ich die Hand aus und griff nach dem Schl�ssel, aber ich f�hrte die Bewegung nicht zu Ende, sondern starrte wie bet�ubt in den Spiegel. Steel war drei, vier Meter entfernt niedergest�rzt und r�hrte sich nicht mehr. Er musste tot sein.</p><p>�Mein Gott�, fl�sterte ich. �Das ... das wollte ich nicht.� Es war ehrlich gemeint. Dieser Mann - das Ding, in das er sich verwandelt hatte - hatte uns beide t�ten wollen, aber ich sp�rte keinen Triumph, nicht einmal Erleichterung, sondern nur ein tiefes, kaltes Entsetzen.</p><p>Rings um uns herum gingen bereits erloschene Lichter hinter Fenstern wieder an, wurden T�ren ge�ffnet und erschienen neugierige Gesichter. Und weiter entfernt glaubte ich bereits eine Polizeisirene zu h�ren, aber das alles kam mir immer unwirklicher vor. Ich hatte immer noch das Gef�hl, in einem Alptraum gefangen zu sein, aus dem ich nur nicht erwachen konnte.</p><p>Es war Kimberley, die mich halbwegs in die Wirklichkeit zur�ckriss. Ihre Hand ber�hrte mich an der Schulter, sie sagte nichts, aber sie machte eine Geste nach hinten, und als ich ihr mit Blicken folgte, sah ich zwei Gestalten mit wehenden M�nteln auf uns zu hasten. Beide hatten Pistolen in den H�nden und ich zweifelte nicht daran, dass sie ihre Waffen benutzen w�rden.</p><p>Das Heulen der Polizeisirene war n�her gekommen. Ich nickte stumm, startete den Motor und fuhr los.</p><empty-line/><p>Der Highway schimmerte wie ein silbernes Band vor uns in der Nacht. Es war sehr dunkel. Am Himmel stand kein Mond, und die Wolkendecke hatte sich im Laufe der letzten Stunden fast geschlossen und das Sternenlicht verschluckt, so dass ich den Eindruck hatte, durch einen Tunnel aus Schw�rze zu fahren, der das Licht der voll aufgeblendeten Scheinwerfer verzehrte. Wir hatten Washington vor einer halben Stunde verlassen, und ich konnte mich nicht erinnern, seither auch nur einen einzigen anderen Wagen gesehen zu haben, der uns entgegenkam.</p><p>Doch es war mehr als eine Reise in die Nacht. Die schwarze Unendlichkeit, die vor uns vor dem Licht der Scheinwerfer floh und sich hinter uns wieder schloss, erschien mir wie ein Abbild der Zukunft, die uns erwarten mochte. Eine d�stere, unendliche Leere voller unsichtbarer Gefahren und lauernder Feinde, in der es keine Ruhe gab, keinen Frieden, sondern nur eine nicht enden wollende Flucht.</p><p>Kimberley und ich hatten kein Wort gesprochen, seit wir die Stadt verlassen hatten, und die Stille schien allm�hlich selbst zu etwas K�rperlichem, Drohendem zu werden, das sich im Wagen einnistete und ihn mit erstickender Schwere f�llte.</p><p>�Sie werden uns jagen�, sagte ich schlie�lich. �Bach wird Himmel und H�lle in Bewegung setzen, um uns zu kriegen.�</p><p>Kimberley antwortete nicht. Ich wandte rasch den Kopf, blickte sie an und sah, dass ihr Blick nach drau�en gerichtet war und dass darin wieder dieser unheimliche, angstmachende Ausdruck loderte, den ich vorhin schon einmal darin gelesen hatte. Sie sah nicht die vor�berhuschende Stra�e oder die Nacht, sondern etwas anderes, Schlimmeres.</p><p>Etwas, das ihr angetan worden war.</p><p>Ich f�hlte mich schuldig, weil ich nicht dagewesen war, um sie zu besch�tzen, aber ich sprach auch das nicht aus.</p><p>Ich f�hlte mich immer noch so leer und ausgebrannt wie in dem Moment unmittelbar nach unserer Flucht, und ich versp�rte immer noch keine Zufriedenheit, wenigstens dar�ber, Steel und den anderen entkommen zu sein. Aber zu dem Gef�hl der Niedergeschlagenheit und des Entsetzens, einen Menschen get�tet zu haben, gesellte sich allm�hlich etwas anderes. Ein Empfinden, das nur langsam heranwuchs, aber st�rker und st�rker wurde, und das mich auf eine gewisse Weise nie wieder im Leben ganz loslassen sollte: einen tiefen, brennenden Hass auf die Wesen, die mich dazu gebracht hatten, all dies zu tun. Die �ber unvorstellbare Abgr�nde von Raum und Zeit hinweg zu uns gekommen waren, und die mit Menschen und Schicksalen spielten, wie unsere Forscher mit wehrlosen Laborratten.</p><p>Und in gewisser Weise konnte ich Bach pl�tzlich verstehen. Seine Methoden und Mittel waren falsch, aber ich wusste pl�tzlich zum ersten Mal, warum er den Kampf gegen die Fremden mit solcher Verbissenheit f�hrte. Und vielleicht war dies der Moment, in dem auch ich ihn wirklich aufnahm.</p><p>Er war nicht vorbei. Wir hatten die Seiten gewechselt, m�glicherweise mehr; vielleicht gab es jetzt keine Seite mehr, auf der wir standen. Vielleicht waren wir ganz allein. Und trotzdem wusste ich mit unersch�tterlicher Sicherheit, in diesem Moment, dass ich niemals aufh�ren w�rde, gegen die Grauen und ihre Verb�ndeten zu k�mpfen ... Selbst, wenn ich es mit blo�en H�nden tun musste!</p><p>�Hast du genug Geld bei dir?� fragte Kimberley pl�tzlich.</p><p>Ich sah sie wieder an und erkannte, dass die Dunkelheit sich wieder aus ihren Augen zur�ckgezogen hatte. Vielleicht hatte sie die Zeit einfach gebraucht, um auf ihre Weise mit dem Schrecken des Erlebten fertig zu werden.</p><p>Ich warf einen Blick auf das Armaturenbrett. Der Tank war gut zur H�lfte voll. Trotzdem sch�ttelte ich den Kopf. �Wir k�nnen noch nicht anhalten�, sagte ich. �Sie werden alle Motels im Umkreis von hundert Meilen kontrollieren.� Ich griff in die Jacke, zog meine Brieftasche hervor und �berschlug unsere Barschaft. �F�r zwei oder drei Tage wird es reichen, danach sehen wir weiter.�</p><p>�Wir haben einen weiten Weg vor uns�, sagte Kimberley.</p><p>Ich antwortete kopfsch�ttelnd: �Wir k�nnen nicht zu deinen Verwandten oder meinen Eltern, wenn du das meinst. Dort werden sie uns zuerst suchen.�</p><p>�Das w�re auch die falsche Richtung�, antwortete Kimberley.</p><p>Ich sah sie fragend an.</p><p>Kim fuhr sich m�de mit beiden H�nden durch das Gesicht, dann machte sie eine Kopfbewegung auf das silbergraue Asphaltband, das sich vor dem Wagen abspulte. �Und wir brauchen auch kein Geld f�r ein Zimmer. Wir haben eine lange Fahrt vor uns. Wenn du m�de wirst, l�se ich dich ab. Ich f�rchte, dass wir kaum zum Schlafen kommen werden.�</p><p>�Warum?� fragte ich.</p><p>�Der Anruf vorhin�, antwortete Kimberley. �Es war Robert Kennedy selbst, der angerufen hat. Ich bin nicht dazu gekommen, es dir zu sagen.�</p><p>�Woher wusste er, dass Bach informiert ist?� fragte ich.</p><p>Kimberley zuckte mit den Achseln. �Das wei� ich nicht. Er war sehr aufgeregt. Er sagte nur, dass wir auf der Stelle verschwinden sollten, und dass wir in gro�er Gefahr w�ren.�</p><p>�Das ist mir auch aufgefallen�, antwortete ich. �Immerhin haben wir wenigstens noch einen Verb�ndeten.�</p><p>Ich schwieg eine Sekunde, dann: �Hat er dir eine Telefonnummer genannt, unter der wir ihn erreichen k�nnen?�</p><p>Kimberley sch�ttelte den Kopf. �Nein. Aber das war auch nicht n�tig. Wir haben eine Verabredung mit seinem Bruder.�</p><p>Ich sah sie �berrascht an. �Wie?�</p><p>�Sie haben sich offenbar entschlossen, uns wirklich zu glauben�, best�tigte Kimberley. �Der Pr�sident will mit uns reden. Wir haben einen Termin bei ihm. �bermorgen Nachmittag, in Dallas.�</p></section></body><binary id="cover" 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